Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. März 2017 (720 16 396 / 70) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilflosenentschädigung; Einschränkung in bloss einer alltäglichen Lebensverrichtung (Ankleiden/Auskleiden), kein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung oder besonders aufwändiger Pflege, Anspruch verneint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Mar kus Mattle, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A. Beim 1962 geborenen A.____ wurden ab dem Jahr 20 12 mehrere chirurgische Eingriffe (Amputationen) an den Füssen notwendig. Am 12. März 2013 meldete sich A.____ erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) sprach ihm in der Folge mehr fach verschiedene Hilfsmittel (orthopädi- sche Spezialschuhe, Prothesen) zu. Am 8. Oktober 20 15 machte der Versicherte ausserdem einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung geltend. Nach Einholung eines Berichtes des Ab- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht klärungsdienstes der IV-Stelle B.____ und einer Stell ungnahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) sowie nach Durchführung eines Vorbescheid verfahrens lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2. November 2016 den Anspruch des Versich erten auf eine Hilflosenentschädi- gung ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 30. November 2016 Beschw erde beim Kantonsgericht, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin b eantragte er in der Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprec hung einer Hilflosenentschädigung leichten Grades. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantra gte der Beschwerdeführer die unent- geltliche Rechtspflege. Zur Begründung führte er im We sentlichen aus, dass die Abklärung vor Ort eine Hilflosigkeit ergeben habe und die Beschwerd egegnerin diese nun zu Unrecht vernei- ne. Tatsächlich sei er beim Duschen und bei der Wundver sorgung auf die Hilfe einer Drittper- son, namentlich seiner Lebensgefährtin, angewiesen. Ohn e diese Hilfsperson wäre er ausser- dem von der Aussenwelt abgeschnitten. Das alleinige Ve rrichten des Haushaltes durch ihn sei unrealistisch. Dass er auf die Hilfe einer Begleitperson angewiesen sei, zeige sich auch daran, dass ihm an sämtlichen Begutachtungsterminen die Beglei tung einer Hilfsperson zugestanden worden sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Dezember 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer sei entge gen seiner Auffassung in keinem der massgeblichen sechs Lebensbereiche eingeschränkt. Ein B edarf an regelmässiger, dau- ernder und intensiver lebenspraktischer Begleitung sei ebenfalls zu verneinen. D. Nachdem der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. D ezember 2016 weitere Unterla- gen zu seinen finanziellen Verhältnissen eingereicht hat te, wurde ihm mit Verfügung vom 23. Dezember 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und es wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Der Beschwerdeführer beantragt in der Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer Hilflosenentschäd igung leichten Grades. Diesbezüglich ist auf die – frist- und formgerecht erhobene – Beschwer de vom 30. November 2016 ohne Wei- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht teres einzutreten. Die weiterführenden Anträge des Besc hwerdeführers (Überweisung des IV- Dossiers an die IV-Stelle B.____, strafrechtliche Unters uchung des Verhaltens der Beschwer- degegnerin) bilden indessen nicht Gegenstand des vorlie genden Verfahrens und es ist auf sie nicht einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Hilflosenent- schädigung hat. 3.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 des IVG haben Versicherte mit W ohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch au f eine Hilflosenentschädigung. Nach Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist eine Person hilflos, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dri tter oder der persönlichen Überwachung bedarf. Als hilflos gilt ebenfalls eine Person, welche zu Hause lebt und wegen der Beeinträchti- gung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begl eitung angewiesen ist. Ist nur die psy- chische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annah me einer Hilflosigkeit mindestens ein Anspruch auf eine Viertelsrente gegeben sein. Ist eine Person lediglich dauernd auf lebensprak- tische Begleitung angewiesen, so liegt immer eine leichte Hilflosigkeit vor (Art. 42 Abs. 3 IVG). 3.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwere r und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt gemäss Art . 37 Abs. 3 der Verordnung über die Invali- denversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV) als leicht, wen n die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen L ebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a); einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (lit. b); einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf (lit. c); wegen einer schwe ren Sinnesschädigung oder eines schwe- ren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und er heblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (lit. d); oder d auernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist (lit. e). 3.3 Nach ständiger Gerichtspraxis sind die folgenden sechs al ltäglichen Lebensverrichtun- gen massgebend: Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen , Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme (BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c, 121 V 90 E. 3; Urt eil des Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG] vom 1. April 2004, I 815/03, E. 1). Weit er muss die Hilfe Dritter regelmässig und erheblich sein. Der Begriff der Erheblichkeit ist in R elation zu setzen zum zeitlichen Aufwand, den die Hilfsperson hat. Die Hilfe ist mithin insbeso ndere erheblich, wenn die versicherte Per- son mindestens die Teilfunktion einer einzelnen Lebensver richtung überhaupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes nicht vornehmen würde (AH I-Praxis 1996 S. 171 f. E. 3; Zeitschrift für die Ausgleichskassen [ZAK] 1981 S. 388 f . E. 2a). Bei Lebensverrichtungen, wel- che mehrere Teilfunktionen umfassen, wird nach der Recht sprechung nicht verlangt, dass die versicherte Person bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich, dass sie bei einer dieser Teilfunktion en regelmässig in erheblicher Weise auf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist (BGE 1 21 V 90 E. 3c). In diesem Sinne ist die Hilfe beispielsweise bereits erheblich bei Fortbewegung und Kontaktaufnahme, wenn sich die versicherte Person im oder ausser Haus nicht selbst fortbew egen kann oder wenn sie bei der Kontaktaufnahme Dritthilfe benötigt. Solange durch g eeignete Massnahmen bei einzelnen Le- bensverrichtungen die Selbständigkeit erhalten werden kann, liegt diesbezüglich keine Hilflosig- keit vor (R OBERT ETTLIN , Sozialversicherungsrechtliche Aspekte bei Verlust der S elbstversor- gungsfähigkeit [Selbstversorgungsfähigkeit] , in: HAVE 2003, S. 117 und Fn. 8). 3.4 Die ebenfalls eine Hilflosigkeit begründende Pfle ge bezieht sich nicht auf alltägliche Le- bensverrichtungen, sondern beinhaltet medizinische oder pflegerische Hilfeleistungen, die infol- ge des physischen oder psychischen Zustandes der versicherten Person notwendig sind und ärztlich verordnet wurden. Die dauernde Pflege beinhal tet z.B. das tägliche Verabreichen von Medikamenten oder das Anlegen einer Bandage (BGE 107 V 139 E. 1b). Die ständige und be- sonders aufwändige Pflege im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV ist einerseits nach quantitati- ven Kriterien zu qualifizieren, beispielsweise wenn sie einen grossen Zeitaufwand erfordert oder besonders hohe Kosten verursacht. Andererseits ist in qual itativer Hinsicht zu berücksichtigen, ob die pflegerischen Verrichtungen unter erschwerten Umst änden erfolgen, etwa, weil sie sich besonders mühsam gestalten oder zu aussergewöhnlichen Zeiten zu erbringen sind (Kreis- schreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Inval idenversicherung [KSIH] vom 1. Januar 2015, Stand: 1. Januar 2017, Rz. 8057). Ein tägliche r Pflegeaufwand von mehr als zwei Stun- den ist sicher dann als besonders aufwändige Pflege zu qu alifizieren, wenn erschwerende qua- litative Momente mitzuberücksichtigen sind. Bei einem Pf legeaufwand von mehr als drei Stun- den kann eine Pflege als besonders aufwändig qualifizie rt werden, wenn mindestens ein quali- tatives Element hinzukommt. Ab einem Pflegeaufwand von vier Stunden täglich bedarf es kei- ner weiteren qualitativen Momente (KSIH Rz. 8058 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). 3.5 Gemäss Art. 38 Abs. 1 IVV liegt ein Bedarf an lebe nspraktischer Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG vor, wenn eine volljährige versiche rte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit ohne Begleitung einer Drittperson nicht selb- ständig wohnen kann (lit. a), für Verrichtungen und K ontakte ausserhalb der Wohnung auf Be- gleitung einer Drittperson angewiesen ist (lit. b) oder ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (lit. c). Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Beglei- tung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Abs. 1 erwähnten Situationen erforder- lich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretung s- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen vormundschaftlicher Massnahmen nach Art. 398 bis 419 des Sch weizerischen Zivilgesetzbu- ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 (Art. 38 Abs. 3 IVV). Nach der Rechtsprechung beinhaltet die lebenspraktische Begleitung weder die (direkte oder indirekte) "Dritthilfe bei den sechs all- täglichen Lebensverrichtungen" noch die Pflege oder Üb erwachung. Vielmehr stellt sie ein zu- sätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 466 E. 9). Ziel der lebensprakti- schen Begleitung ist es zu verhindern, dass Personen schwer v erwahrlosen und/oder in ein Heim oder eine Klinik eingewiesen werden müssen (Krei sschreiben des Bundesamtes für Sozi- alversicherungen [BSV] über Invalidität und Hilflosigkei t in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2012, Randziffer [Rz.] 8040), bzw. den Eintritt in eine stationäre Einrichtung nach Möglichkeit hinauszuschieben (BGE 133 V 461 E. 5). Sie ist notwendig, damit der Alltag Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht selbständig bewältigt werden kann, und liegt vor, wenn die versicherte Person auf Hilfe bei der Tagesstrukturierung, Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagssituationen oder Anleitung zur Erledigung des Haushalts angewiesen ist. Bei ausserhäu slichen Verrichtungen ist die le- benspraktische Begleitung notwendig, damit die versichert e Person in der Lage ist, das Haus für bestimmte notwendige Verrichtungen und Kontakte (E inkaufen, Freizeitaktivitäten, Kontakte mit Amtsstellen oder Medizinalpersonen, Coiffeurbesuch, etc.) zu verlassen (KSIH Rz. 8050 f.; vgl. BGE 133 V 465 f. E. 8.2.3). Für einen Anspruch au f lebenspraktische Begleitung ist nicht vorausgesetzt, dass die versicherte Person alleine wohnt. Abgesehen davon, dass sie aus- serhalb eines Heims wohnen muss (Art. 38 Abs. 1 IVV), ist unerheblich, in welcher Umgebung sich die versicherte Person aufhält und ob sie auf die Hi lfe des Ehegatten, der Kinder oder El- tern zählen kann. Die Frage, ob eine entsprechende Hilfsbedürftigkeit besteht, ist objektiv, nach dem Zustand der versicherten Person, zu beurteilen (BGE 133 V 461 E. 5 mit Hinweisen). Nicht erforderlich ist sodann, dass die lebenspraktische Beglei tung durch fachlich qualifiziertes oder speziell geschultes Betreuungspersonal erbracht wird (KSIH Rz. 8047). 4.1 Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Beme ssung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Ver waltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Person in ihr en körperlichen bzw. geistigen Funktio- nen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungs träger kann an Ort und Stelle weite- re Abklärungen vornehmen, wobei bei Unklarheiten über physische und psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen in der Alltagspraxis Rückfra gen an die medizinischen Fachper- sonen nicht nur zulässig, sondern notwendig sind (BGE 130 V 61 f. E. 6.1.1). Damit dem Abklä- rungsbericht voller Beweiswert zukommt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Ver- hältnisse hat sowie mit den seitens der Medizin gestellt en Diagnosen und den sich daraus er- gebenden Beeinträchtigungen vertraut ist. Der Bericht stext muss plausibel, begründet und de- tailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensve rrichtungen sowie den tatbestandsmässi- gen Erfordernissen der lebenspraktischen Begleitung sein . Schliesslich hat er in Übereinstim- mung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Die Angaben der Hilfe leisten- den Personen sind zu berücksichtigen, wobei divergieren de Meinungen im Bericht aufzuzeigen sind. Genügt der Bericht über die Abklärung vor Ort de n einzelnen rechtsprechungsgemässen Beweisanforderungen, greift das Gericht in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorl iegen (BGE 133 V 468 E. 11.1.1, 130 V 63 E. 6.2). 4.2 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügen de Instanz und – im Beschwerde- fall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als be wiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat di e rechtsanwendende Behörde ih- ren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Ve rwaltung und Gericht haben vielmehr Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von al len möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungs- grundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführ ungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügende n Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sach- verhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel grei ft allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsat zes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest di e Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen). 4.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst das Recht Beweisanträge zu stellen und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabna hme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsach en abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt da s Gericht bei pflichtgemässer Beweis- würdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des rele- vanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreich end abgeklärt ist, kann auf ein be- antragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbu ndene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung z ulässig (BGE 141 I 64 E. 3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 5.1 In seiner Anmeldung zum Bezug einer Hilflosenentschä digung vom 8. Oktober 2015 machte der Beschwerdeführer geltend, dass er in den Le bensverrichtungen Anklei- den/Auskleiden, Körperpflege, Fortbewegung und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen sei. Ausserdem b edürfe er dauernder medizinisch- pflegerischer Hilfe und lebenspraktischer Begleitung. V on Juli 2014 bis Januar 2015 habe er ferner Hilfe beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen und bei m Verrichten der Notdurft benötigt. Die Hilfe werde von seiner Lebenspartnerin geleistet. 5.2 Im Rahmen seines Leistungsgesuchs betreffend berufli che Massnahmen und IV-Rente wurde der Beschwerdeführer im Auftrag der Beschwerdege gnerin vom Begutachtungsinstitut C.____ untersucht. Im Gutachten vom 19. November 2015 diagnostizierten die involvierten Fachärzte in der zusammenfassenden polydisziplinären Konse nsbeurteilung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit chronische Fussbeschwerden rechts und links aufgrund der erfolgten Amputationen, ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsynd rom ohne fassbare radikuläre Symptomatik, einen Diabetes mellitus Typ 2 sowie Verrucae vulgares an der Amputationsnarbe des linken Vorfusses. Aus polydisziplinärer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit in den ange- stammten Tätigkeiten und in jeder anderen körperlich mi ttelschwer oder schwer belastenden Tätigkeit. Auch mehrheitlich im Gehen oder im Stehen zu verrichtende Tätigkeiten seien nicht mehr zumutbar. Für körperlich leichte, mehrheitlich sitze nde, adaptierte Tätigkeiten bestehe hingegen eine Arbeits- resp. Leistungsfähigkeit von 80 %, die vollschichtig realisiert werden könne. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Am 2. Dezember 2015 fand in der Wohnung des Beschw erdeführers im Auftrag der Beschwerdegegnerin eine Abklärung vor Ort statt. Im Ber icht vom 28. Dezember 2015 stellte der Abklärungsdienst der IV-Stelle B.____ fest, dass der Beschwerdeführer der dauernden Pflege bedürfe, namentlich einer zweimal täglichen Wu ndversorgung. Ferner sei er in den Le- bensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden als hilflos anzusehen , da er Hilfe beim Anlegen der Prothese benötige. Der Versicherte gebe an, dass es ihm zwar körperlich möglich sei, sowohl die Socken als auch die Prothese anzulegen, er jedoch ei ne psychische Hemmschwelle habe. Um die Sonderschuhe anzuziehen, benötige der Versicherte indessen zwingend Hilfe beim Hineinschlüpfen sowie um den Sitz zu kontrollieren und beim ordentlichen Zuschnüren. Ausser- dem sei er in der Lebensverrichtung Körperpflege im Tei lbereich Baden/Duschen auf Dritthilfe angewiesen. Er könne ohne Prothese nicht stehen. Auf d em linken Bein habe er aufgrund der fehlenden grossen Zehe und dem Verband zu wenig Stabilität, so dass ihm die Lebensgefährtin beim Transfer in die Dusche behilflich sein müsse. Ein Badebrett stehe zur Verfügung. Die Kör- perpflege könne im Sitzen selbstständig übernommen w erden. Für die Zeit vom Juli 2014 bis Dezember 2014, als der Versicherte auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen sei, habe über- dies eine Hilflosigkeit in den Lebensverrichtungen Aufste hen/Absitzen/Abliegen, Verrichten der Notdurft, Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontak te bestanden. Die Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung wird im Abklärungsbericht v om 28. Dezember 2015 verneint: Der Versicherte könne eine Tagesstruktur einhalten. Der Haush alt werde zwischen ihm und seiner Lebenspartnerin aufgeteilt; zwar übernehme sie die körp erlich schweren Arbeiten, es sei ihm jedoch möglich, bei Bedarf eine oberflächliche Bodenr einigung mit dem Staubsauger vorzu- nehmen, wenn dieser bereitgestellt würde. Die Wäsche kö nne er nicht machen, da er den Korb nicht die Treppe hinuntertragen könne. Seit Anpassung der Prothese könne er die Treppen je- doch grundsätzlich ohne Hilfe überwinden. Busfahren se i ihm möglich. Er tätige die täglichen Einkäufe und koche gerne. Länger als 45 Minuten könne e r jedoch schmerzbedingt nicht ko- chen, weshalb er die Abläufe gut einteilen müsse. Schw ere Einkäufe würden die Töchter der Lebenspartnerin vorbeibringen. Sämtliche administrativen Arbeiten könne der Versicherte ohne Hilfe erledigen. Er könne ausserhäusliche Kontakte mehr heitlich ohne Hilfe wahrnehmen. Der Weg zum Arzt könne er ohne Hilfe bewältigen, allerdings begleite ihn seine Partnerin, da sie die Einzige sei, die die Prothese ab- und anlegen dürfe. Zusammenfassend kommt die Abklärungs- person zum Schluss, dass der Versicherte seit dem 21. Juli 2014 in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen gewesen sei. Nach erfolgreicher Anpassung der Prothese sei jedoch nur no ch in zwei alltäglichen Lebensverrich- tungen regelmässige und erhebliche Dritthilfe notwendig. 5.4 In seiner Stellungnahme vom 13. Januar 2016 führ te der RAD-Arzt Dr. med. D.____ aus, dass nach versicherungsmedizinischer Einschätzung die No twendigkeit einer Fremdhilfe beim Ein- und Ausstieg in die Dusche nicht nachvollzogen we rden könne. Unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln (allenfalls einem Gehbock) müsse der Tra nsfer selbstständig möglich sein. Die baulichen Verhältnisse würden indes im Abklärungsberich t nicht beschrieben. Zudem könnten auch für das Anziehen der orthopädischen Schuhe entspre chende Hilfsmittel eingesetzt wer- den, die eine Dritthilfe überflüssig machen würden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Gemäss Aktennotiz vom 14. Januar 2016 nahm die Besc hwerdegegnerin mit der Ab- klärungsperson der IV-Stelle B.____ telefonisch Rücksprache . Diese habe demnach erläutert, dass sich in der Wohnung des Beschwerdeführers eine Badewa nne mit integrierter Dusche befunden habe. Wie im Abklärungsbericht vom 28. Dezember 2015 erwähnt, stehe ein Bade- brett zur Verfügung, das für den Transfer verwendet we rden könne und solle. Zudem könne sich der Versicherte mit den Händen beim Transfer festh alten und bei Bedarf einen Haltegriff anbringen lassen. Der Versicherte habe ausgesagt, dass er und seine Lebenspartnerin aktuell auf der Suche nach einer neuen Wohnung seien. Die Abklä rungsperson der IV-Stelle B.____ und die Beschwerdegegnerin seien im Rahmen der Bespre chung zur Auffassung gelangt, dass die beschriebenen Vorkehrungen und die Verwendung von Hilfsmitteln im Rahmen der Scha- denminderung zumutbar und umsetzbar seien. Nach erneu ter Beurteilung müsse die Notwen- digkeit einer Dritthilfe im Bereich Körperpflege verneint werden. 5.6 Nachdem der RAD-Arzt Dr. D.____ mit Aktennotiz vom 1 7. Februar 2016 eine Neube- urteilung des Gesundheitszustands als notwendig erachtet hatte, beauftragte die Beschwerde- gegnerin das Begutachtungsinstitut E.____ mit der erneu ten polydisziplinären Begutachtung des Beschwerdeführers. Mit Gutachten vom 18. Juli 2016 dia gnostizierten die Fachärzte aus polydisziplinärer Sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfäh igkeit einen Diabetes mellitus II, insu- linpflichtig mit diabetischem Fusssyndrom und rechtsbetont er diabetischer Retinopathie, eine Amputation des linken Grosszehs und des rechten Vorfusses mit Behinderung beim Gehen und Stehen, versorgt mit orthopädischen Massschuhen und einer Unterschenkel-Orthese rechts sowie eine mittelschwere depressive Episode. Im Rahmen der konsensualen Beurteilung sowie in der Beantwortung der Rückfragen vom 31. August 201 6 gelangten sie zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 70-80% in einer leidensadaptierten Verweistä- tigkeit zumutbar sei. Im Rahmen der teilgutachterliche n Untersuchungen machte der Be- schwerdeführer jeweils Angaben zu seinem Tagesablauf. Im Rahmen der internistischen Unter- suchung gab er an, dass er (neu) über eine Duschkabine ver füge und in diese gerade hinein- gehen könne. Er benötige jedoch Hilfe beim Waschen der Beine. Darüber hinaus sei er unsi- cher und froh um gelegentlichen Halt. Den anschliessende n Verbandwechsel mit Wundversor- gung werde von der Lebenspartnerin übernommen. Vormittags gehe er mit der Lebenspartnerin einkaufen. Er bemühe sich, einmal täglich hinauszugehen. 5.7 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens re ichte der Beschwerdeführer unter anderem eine detaillierte Aufstellung über den von ihm machbaren Tagesablauf ein. Da- nach stehe er um 7:30 Uhr auf und mache sich an die M orgentoilette. Duschen sei nur mit Hilfe der Lebenspartnerin möglich. Um 8:30 Uhr müsse die no ch immer offene Operationswunde am linken Fuss versorgt und bandagiert werden. Auch dies sei lediglich mit Hilfe der Lebenspartne- rin möglich. Danach werde das Frühstück eingenommen. Ansch liessend würde er in der Nähe einkaufen oder kleine Besorgungen in der Stadt erledigen. Oft habe er auch Termine bei Ärzten und anderen medizinischen Fachpersonen. Tragen könne er so gut wie keine Gewichte mehr (ca. 5 kg). Sein Gang sei sehr unsicher. Ausserdem empfin de er starke Rückenschmerzen. Auch in diesem Bereich sei er auf die Unterstützung sei ner Lebenspartnerin angewiesen. Nach dem Mittagessen müsse er einen längeren Mittagsschlaf ma chen. Ab 17:00 Uhr erledige er kleinere Büroarbeiten oder Handreichungen. Nach einem kleinen Abendessen folgten erneut Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Wundversorgung und der Verbandswechsel des linken F usses durch die Lebenspartnerin. Abends werde beinahe nie etwas unternommen. Um 22:00 Uhr lege er sich schlafen, wobei der Schlaf unterbrochen sei. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stütze sich bei der Beurteilun g der Hilflosigkeit des Be- schwerdeführers vollumfänglich auf die Ergebnisse des Abkl ärungsberichtes vom 28. Dezember 2015 sowie der Einschätzung ihres RAD-Arztes Dr. D.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführer weder in einem der sechs massgeblichen Lebensberei- che noch in Bezug auf Pflegeleistungen auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen sei und keine lebenspraktische Begleitung benötige. 6.2 Wie in Erwägung 4.1 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Abklärungsberichten, die von einer qua lifizierten Person abgefasst wurden, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältn isse sowie der medizinisch gestellten Diagnosen und der sich daraus ergebenden Beeinträchtig ungen hat, und sich plausibel, be- gründet und detailliert zu den Tatbestandselementen ä ussern sowie in Übereinstimmung mit den vor Ort erhobenen Angaben stehen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange keine klar feststellbaren Fehleinschätzungen vorliegen. Solche Fehle inschätzungen liegen vorliegend nicht vor. Der Bericht vom 28. Dezember 2015 beruht au f einer von einer Fachperson vor Ort vorgenommenen Abklärung und führt die festgestellten B eeinträchtigungen detailliert aus. Die Abklärungsperson hatte denn auch – aufgrund des C.____-G utachtens vom 19. November 2015 – genügende Kenntnis der medizinischen Diagnosen un d der ärztlich festgestellten Ein- schränkungen. Die Angaben des Beschwerdeführers und der h ilfeleistenden Lebenspartnerin wurden berücksichtigt. Auf den Abklärungsbericht vom 28. D ezember 2015 kann somit grund- sätzlich abgestellt werden. 6.3.1 Der Abklärungsbericht vom 28. Dezember 2015 beja ht für die vorliegend massgebliche Zeit nach der Anpassung der Prothese eine Hilflosigkei t in zwei alltäglichen Lebensverrichtun- gen, namentlich in der Körperpflege und dem Ankleide n/Auskleiden. Indessen erscheinen die von der Abklärungsperson mit Telefonat vom 14. Januar 20 16 gemachten Präzisierungen hin- sichtlich der örtlichen Begebenheiten und der anwendbar en Hilfsmittel – und der damit zusam- menhängenden Verneinung einer Hilflosigkeit im Berei ch Körperpflege – als durchaus plausibel und nachvollziehbar. Daran vermögen auch die grundsätzl ich unsubstantiierten Vorbringen des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Der von ihm geltend gemachten Unsicherheiten beim Duschen kann – wie die Beschwerdegegnerin ausführt – mi thilfe eines Badebretts oder eines Gehbocks entgegengetreten werden. Dass der Beschwerdefüh rer sich diese Hilfsmittel (entge- gen den Angaben im Abklärungsbericht) noch besorgen müsst e, kann für die Beurteilung des Anspruchs auf Hilflosenentschädigung nicht massgeblich se in. In Bezug auf die Lebensverrich- tung An-/Auskleiden, namentlich zum selbstständigen Anleg en der Schuhe verweist die Be- schwerdegegnerin unter Hinweis auf die Ausführungen de s RAD-Arztes Dr. D.____ vom 13. Januar 2016 ebenfalls auf die Möglichkeit von Hilfsm itteln. Es stellt sich vorliegend die Fra- ge, ob die vom Beschwerdeführer geltend gemachte psychisch e Hemmschwelle beim Anlegen und Ausziehen der Prothese genügend berücksichtigt wurde , insbesondere im Hinblick auf die im E.____-Gutachten vom 18. Juli 2016 neu gestellten psychiatrischen Diagnosen, welche der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärungsperson nicht bekannt waren. Von einer ärztlichen Rückfrage kann indessen in antizi- pierter Beweiswürdigung (E. 4.3 hiervor) abgesehen w erden, da selbst bei Bejahung einer Hilflosigkeit in dieser einzelnen alltäglichen Lebensver richtung kein Anspruch auf eine Hilflo- senentschädigung resultieren würde (vgl. Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV; E. 3.2 hiervor). 6.3.2 Im Abklärungsbericht vom 28. Dezember 2015 wird f erner ausgeführt, dass der Be- schwerdeführer der dauernden Pflege bedürfe, namentli ch der Wundversorgung. Diese kann indessen, wie in Erwägung 3.4 hiervor ausgeführt, bl oss dann zu einem Anspruch auf Hilflo- senentschädigung im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. c IV V führen, wenn sie besonders aufwändig ist. Der Beschwerdeführer beschreibt, dass beim zweimal täglichen Verbandswechsel links Verkrustungen abgetragen und die Wunde speziell desinfizi ert und faltenfrei verbunden werden müsse. Auch rechts sei eine gute Hautpflege notwendig zu r Erhaltung des operierten Stum- mels. Zwar ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, dass sich der Abklärungsbericht vom 28. Dezember 2015 nicht detailliert zur notwendigen Wundpflege äussert. Indessen kann auch die von ihm beschriebene Pflege nicht als besonders aufw ändig qualifiziert werden. Der Ver- bandswechsel dauert nach Angaben des Beschwerdeführers jeweils zwischen 30 und 60 Minu- ten. Damit beläuft sich der tägliche Pflegeaufwand auf maximal zwei Stunden täglich, wobei keine erschwerenden qualitativen Momente zu berücksichtigen sind. Nach der Praxis und Rechtsprechung ist die vorliegende Wundversorgung deshal b nicht als besonders aufwändig anzusehen, womit die notwendige Pflege keine Hilflosi gkeit zu begründen vermag (vgl. E. 3.4 hiervor). 6.3.3 Einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung hat der beauftragte Abklärungsdienst plausibel und nachvollziehbar verneint. Aufgrund der Au sführungen des Beschwerdeführers zu seinem Tagesablauf bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass er ohne Begleitung einer Dritt- person nicht in der Lage wäre, selbstständig zu wohnen. Der Beschwerdeführer bringt diesbe- züglich auch nichts Substantiiertes vor. Insbesondere kann e r aus der Tatsache, dass ihn die Lebensgefährtin auch an die Begutachtungstermine begl eitet hat, nichts zu seinen Gunsten ableiten. 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdefüh rer in maximal einer all- täglichen Lebensverrichtung auf die regelmässige und er hebliche Hilfe einer Drittperson ange- wiesen ist. Er bedarf weder einer ständigen und besond ers aufwändigen Pflege noch einer le- benspraktischen Begleitung. Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf eine Hilflosenentschädigung somit zu Recht abgel ehnt. Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 80 0. – festgesetzt werden, ihm zu auf- erlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 23. Dezember 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Au s diesem Grund gehen die Verfahrens- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht kosten zu Lasten der Gerichtskasse. Die ausserordentlichen Ko sten werden beim nicht anwalt- lich vertretenen Beschwerdeführer wettgeschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– wer den dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen den vorliegenden Entscheid wurde am 20. Juni 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahren-Nr. 8C_454/2017) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht