Abteilung III C-7640/2007 {T 0/2} U r t e i l v o m 5 . M ä r z 2 0 0 9 Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richterin Ruth Beutler, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. A._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Verweigerung eines Visums zu Besuchszwecken. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-7640/2007 Sachverhalt: A. Die 1977 geborene kenianische Staatsangehörige S._______ (nachfol- gend: Gesuchstellerin) beantragte am 2. August 2007 bei der Schwei- zerischen Vertretung in Nairobi ein Visum für einen dreimonatigen Be- suchsaufenthalt bei ihrem Freund A._______ (nachfolgend: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) in S._______ (ZH). Nach formloser Verweige- rung leitete die Schweizerische Vertretung das Gesuch an die Vorins- tanz zur Prüfung und zum formellen Entscheid weiter. B. Nachdem das Migrationsamt des Kantons Zürich beim Gastgeber wei- tere Abklärungen getroffen hatte, wies die Vorinstanz das Gesuch um Bewilligung der Einreise mit Verfügung vom 22. Oktober 2007 ab. Dies mit der Begründung, es bestehe nicht genügend Gewähr für eine an- standslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsauf- enthalt. C. Mit undatierter Eingabe (Datum Poststempel: 12. November 2007) be- antragt der Gastgeber beim Bundesverwaltungsgericht, die vorinstanz- liche Verfügung sei aufzuheben und das Visum für einen Besuchsauf- enthalt sei zu erteilen. Zur Begründung rügt er, die Vorinstanz sei auf der Basis von Annahmen und teilweise falschen Aussagen zu Unrecht davon ausgegangen, die Wiederausreise nach einem Besuchsaufent- halt sei nicht gewährleistet. Der Gesuchstellerin würden im Heimatland durchaus berufliche und persönliche Verpflichtungen obliegen, welche eine Rückkehr dorthin nötig machen und so für eine fristgerechte Wie- derausreise aus der Schweiz Gewähr bieten würden. So sei sie Mutter dreier Kinder, wobei die jüngste Tochter gerade einmal dreijährig sei. Zudem verdiene sie als Kleinkindererzieherin in ihrem eigenen Kinder- garten sehr gut. Der Beschwerdeführer beanstandet zudem die Abwei- sung seines Gesuches, obwohl er einen guten Leumund besitze. Dazu komme, dass die Gesuchstellerin schwanger sei und sie in wenigen Wochen die Geburt der gemeinsamen Tochter erwarten würden. Er sei das Ganze nun aber ohnehin leid. Damit die Gesuchstellerin in Zukunft jederzeit ein- und ausreisen könne, beabsichtige er sie zu heiraten. Damit dies geschehen könne, bitte er um sofortige Erteilung der Ein- reisebewilligung. Seite 2C-7640/2007 D. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2007 auf Abweisung der Beschwerde und verweist den Beschwerde- führer betreffend die geltend gemachten Heiratspläne an die zur Ertei- lung eines entsprechenden Visums zuständigen Behörden. E. Der Beschwerdeführer hält in seiner Replik vom 28. Januar 2008 an seinen Anträgen und deren Begründungen fest. Dabei betonte er, dass die Argumentation der Vorinstanz nur schon deshalb unverständlich sei, weil die Gesuchstellerin bereits zweimal als Touristin in die Schweiz ein- und fristgerecht auch wieder ausgereist sei. Darüber hin- aus hielt er fest, dass die Gesuchstellerin nun seine Tochter geboren habe. Im Übrigen sei die Gesuchstellerin aufgrund der politischen Un- ruhen in Heimatland zur Zeit auch gefährdet. Der Replik lag eine Kopie der Geburtsanzeige der gemeinsamen Toch- ter sowie ein undatierter Ausdruck digitaler Fotos bei, die den Be- schwerdeführer, die Gesuchstellerin und das gemeinsame Kind zei- gen. F. Mit Verfügung vom 10. Februar 2009 zur nochmaligen Stellungnahme aufgefordert, teilte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 19. Feb- ruar 2009 im Wesentlichen mit, es sei ein Verfahren betreffend Kindsanerkennung eingeleitet worden und er baue zusammen mit der Gesuch stellerin in Kenia eine Schule auf. Auch seien Heiratspläne vor- handen, er wolle jedoch zuerst noch einige Zeit mit ihr als lediges Paar verbringen. Dem Schreiben beigelegt waren u.a. Kopien eines Schreibens des Amts für Bürgerrecht und Zivilstand des Kantons St. Gallen betreffend Kindsanerkennung, samt von der Schweizerischen Auslandvertretung in Nairobi übermittelten Beilagen. G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Er- wägungen eingegangen. Seite 3C-7640/2007 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht – un- ter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen – Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De - zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wur- den. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM betreffend Verweige- rung der Einreisebewilligung, welche vom Bundesverwaltungsgericht endgültig beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be- schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge- mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge- bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts- und Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur- teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003). 3. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Seite 4C-7640/2007 Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa- ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän- dern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Ver- pflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189). 4. Am 1. Januar 2008 sind das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) sowie die dazu gehörigen Ausführungsverordnungen (u.a. die Verordnung vom 24. Oktober 2007 über das Einreise- und Visumverfahren [VEV, AS 2007 5537]) in Kraft getreten. In der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 wurde dem Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die Ge nehmigung und die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwi- schen der Schweiz und der EU über die Assoziierung an Schengen und an Dublin (SR 362) zugestimmt. Die entsprechenden Assoziie- rungsabkommen (darunter das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwi- schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Uni- on und der Europäischen Gemeinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schen- gen-Besitzstands [SAA, SR 0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 definitiv in Kraft getreten. Seitdem ist die Schweiz verpflichtet, den übernommenen Schengen-Besitzstand anzu- wenden und umzusetzen, wie u.a. die Bestimmungen zur gemeinsa- men Visapolitik, auf die verschiedentlich in EG-Rechtsakten verwiesen wird. Durch die Übernahme des Schengen-Besitzstandes wurden im AuG entsprechende Anpassungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestimmungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun gen enthält). Im Weiteren ist die VEV total revidiert worden (Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204], in Kraft seit 12. Dezember 2008). Art. 57 VEV sieht vor, dass hängige Verfahren nach dem neuen, übergeordneten (Schengen-)Recht fortgeführt werden. Das bedeu tet, dass die Schweiz ungeachtet der übergangsrechtlichen Bestimmung von Art. 126 Abs. 1 AuG völkerrechtlich verpflichtet ist, auf Verfahren, die am 12. Dezember 2008 hängig sind, das neue Recht anzuwenden (zum Vorrang des internationalen Rechts: vgl. BGE 131 II 352 E. 1.3.1 [mit Hinweis auf Rechtsprechung und zitierte Doktrin], 119 V 171 E. 4; R AINER J. SCHWEIZER , Zur Einleitung: Das Bundesverwaltungsgericht im Seite 5C-7640/2007 System der öffentlich-rechtlichen Rechtspflege des Bundes, in: Bern- hard Ehrenzeller/Rainer J. Schweizer (Hrsg.), Das Bundesverwaltungs- gericht: Stellung und Aufgaben, St. Gallen 2008, S. 24). 5. 5.1 Bezüglich der Einreisevoraussetzungen für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf die Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (Schengener Grenzkodex [SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Ein- reisevoraussetzungen für Drittstaatsangehörige. Diese benötigen zur Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie der Visumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie müssen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssys- tem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentli- che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied- staats darstellen (Bst. d und e). 5.2 Die Einreisevoraussetzungen gemäss Schengener Grenzkodex entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge- planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit erwähnt. Demgegenüber verlangt Art. 5 Abs. 2 AuG, dass im Falle ei- nes nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederausrei- se Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im natio- nalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im Wi- derspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüberge- henden Aufenthaltszwecks stellt nämlich zugleich eine Absichtserklä- rung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent- haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je- weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf- enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne äussert sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die diplomatischen Missionen und die konsularischen Vertretungen, die von Berufskonsularbeamten geleitet werden (GKI, ABl. C 326 vom 22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI Seite 6C-7640/2007 verlangt hinsichtlich des Entscheids über den Visumsantrag die Ein- schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An- tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit Hilfe eines zu Touristik-, Studien-, Geschäfts- bzw. zu Familienbe- suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie- derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10). Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele- ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf- gelistet. 5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist somit festzuhalten, dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder- ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 6. Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Vi- sumspflicht von Drittstaatsangehörigen vor. Die Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I und II, welche jeweils eine Liste von Drittländern enthalten. In An- hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni- gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be- freit sind. Als Staatsangehörige von Kenia unterliegt die Gesuchstelle- rin damit der Visumspflicht. 7. Wenn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten Wieder- ausreise erfüllt ist, muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Dazu lassen sich in der Regel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesu- chen von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten oder Regionen mit po- litisch bzw. wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein mit Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche In- teressenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck ei- ner zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. Seite 7C-7640/2007 7.1 Kenia ist ein typisches Entwicklungsland im subsaharischen Afri- ka, nimmt aber dennoch eine herausragende Stellung innerhalb der ostafrikanischen Region ein. Kenia ist die leistungsfähigste Volkswirt- schaft in dieser Region. Das Wirtschaftswachstum betrug 2007 6,3%. Auch die nach den Wahlen im Dezember 2007 eingetretene politische Krise hat die wirtschaftlichen Aussichten Kenias nur vorübergehend eingetrübt. Der Tourismussektor, die grösste Devisenquelle, wird aber noch längere Zeit am Imageschaden Kenias als Reiseland zu leiden haben. Die grundsätzlich ermutigende wirtschaftliche Entwicklung kann jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass nach wie vor breite Bevölkerungsschichten von vergleichsweisen schwierigen ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen betroffen sind: Rund 56% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze (23% verfü- gen über weniger als 1 USD pro Tag). 60% der Bevölkerung der Hauptstadt Nairobi leben in Slums. Kenias Budget ist zwar zu 95% ge- berunabhängig, die Verschuldung ist aber mit dem Haushalt 2007/2008 wieder angestiegen (Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes > Länder, Reisen und Sicherheit > Kenia > Wirt- schaftspolitik, www.auswaertiges-amt.de , Stand Oktober 2008, be- sucht im Februar 2009). In Kenia sind nach wie vor viele – vornehmlich junge Menschen – arbeitslos oder in unsicheren Verhältnissen be- schäftigt. Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die versuchen, nach Westeuropa – unter anderem auch in die Schweiz – zu gelangen, um sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz auf- zubauen. Diese Tendenz zur Auswanderung zeigt sich erfahrungsge- mäss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen, die bereits über ein minimales soziales Beziehungsnetz im Ausland (Ver- wandte oder Freunde) verfügen. Im Falle der Schweiz führt dies ange- sichts der restriktiven fremdenpolizeilichen Zulassungsregelung nicht selten zur Umgehung ausländerrechtlicher Bestimmungen. 7.2 In Anbetracht der schwierigen Lage in Kenia ist die allgemeine Be- urteilung der Vorinstanz, die das Risiko einer nicht fristgerechten Wie- derausreise als relativ hoch einschätzte, nicht zu beanstanden. Bei der Risikoanalyse sind aber nicht nur solche allgemeinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einem Gesuchsteller bzw. einer Gesuchstellerin im Heimat- oder ständigen Aufenthaltsstaat beispiels- weise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Ver- antwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine an- standslose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Gesuch- Seite 8C-7640/2007 stellern und Gesuchstellerinnen, die keine der erwähnten Verpflichtun- gen haben, die sie von einer möglichen Emigration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das Risiko eines fremdenpoli- zeilich nicht vorschriftsgemässen Verhaltens nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt hoch eingeschätzt werden. 8. 8.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine unverheiratete, bald 32-jährige Frau und Mutter von vier Kindern. Das jüngste Kind ist das gemeinsame Kind des Beschwerdeführers und der Gesuchstelle- rin, welches am 14. November 2007 geboren wurde (vgl. Geburtsur- kunde vom 10. Januar 2008). Gemäss Beschwerdeführer ist ein Ver- fahren betreffend Kindsanerkennung beim Amt für Bürgerrecht und Zi- vilstand des Kantons St. Gallen eingeleitet worden. Auf den ersten Blick könnte aus dem Umstand, dass die Gesuchstellerin für die Dauer ihres Besuchsaufenthaltes in der Schweiz ihre Kinder in der Heimat zurücklassen würde, durchaus auf persönliche Verpflichtungen und daraus auf eine gewisse Verwurzelung geschlossen werden. Anderer- seits ist über die genaueren Lebensumstände der Kinder und deren Verbleib während des Besuchsaufenthaltes der Gesuchstellerin in der Schweiz nichts weiter bekannt. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Gesuchstellerin bereits vom 19. September 2006 bis 18. März 2007 ohne ihre Kinder in der Schweiz weilte, während diese damals fremdbetreut und offenbar gut aufgehoben waren, ist davon auszugehen, die Betreuung könne problemlos auch von anderen Per- sonen wahrgenommen werden. Andern falls hätte die Gesuchstellerin wohl kaum erneut einen Besuch von drei Monaten in der Schweiz ge- plant (vgl. Visumantrag vom 2. August 2007). Zudem zeigt die Erfah- rung, dass zurückbleibende Angehörige gerade in Situationen ange- spannter wirtschaftlicher Verhältnisse nicht verlässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Emigration zu fällen. Im Gegenteil, der Entscheid kann dort gerade von der Hoffnung getragen sein, die Ange- hörigen aus dem Ausland effizienter unterstützen und allenfalls nach- träglich nachziehen zu können. Somit ist nicht davon auszugehen, die familiären Verhältnisse der Gesuchstellerin könnten diese nachhaltig davon abhalten, eine Emigration in die Schweiz ernsthaft in Erwägung zu ziehen. 8.2 In Bezug auf die wirtschaftlichen Verhältnisse vermerkte die Ge- suchstellerin anlässlich der Antragsstellung unter der Formular-Rubrik „Berufliche Tätigkeit“, sie sei „E.C.D. Teacher“. Als Arbeitgeber nannte Seite 9C-7640/2007 sie „Joyhome e.c.d.“. Der Beschwerdeführer führte diesbezüglich in seiner Beschwerde aus, es handle sich um den Kindergarten der Ge- suchstellerin. Ob die Gesuchstellerin tatsächlich einer selbständigen Erwerbstätigkeit als Kindergartenlehrerin nachgeht, bleibt hingegen unklar. Ihre Angaben im Zusatzfragebogen der Schweizer Auslandver- tretung vom 31. Juli 2007 – sie arbeite seit 10 Jahren im "early child- hood development centre" – sowie eine (undatierte) Arbeitsbestäti- gung der Mutonyora Primary School in Kinari, lassen jedoch auf ein Angestelltenverhältnis schliessen. Insofern ist auch die Aussage des Beschwerdeführers zu relativieren, er baue zusammen mit der Ge- suchstellerin eine Schule in Kenia. Inwiefern es sich dabei um ein ei- genes Projekt der Gesuchstellerin und des Beschwerdeführers handelt oder ob noch andere Personen oder Institutionen involviert sind, ist der Stellungnahme vom 19. Februar 2009 nicht zu entnehmen. Unabhängig vom Erwerbsstatus der Gesuchstellerin bleibt hingegen die Frage offen, wie das längere Fernbleiben der Gesuchstellerin mit ihrer Tätigkeit als Kindergartenlehrerin vereinbar ist bzw. wie in der Zeit ihrer Abwesenheit der Kindergartenbetrieb aufrecht erhalten wird. Immerhin weilte die Gesuchstellerin – wie bereits erwähnt (Ziff. 9.1) – vom 19. September 2006 bis 18. März 2007 in der Schweiz; eine weitere – dreimonatige – Abwesenheit der Gesuchstellerin wurde gemäss Visumantrag vom 2. August 2007 geplant. Aber selbst bei Annahme, die berufliche Tätigkeit der Gesuchstellerin sei mit ihrer mehrmonatigen Abwesenheit vereinbar, lässt sich aufgrund der Aktenlage nicht abschätzen, wie sich ihre finanziellen Verhältnisse präsentieren. Zwar wird beschwerdeweise vorgebracht, die Ge- suchstellerin verdiene für kenianische Verhältnisse „sehr gut“, Belege wurden in diesem Zusammenhang jedoch nicht eingereicht. Die Er- fahrung zeigt überdies ganz allgemein, dass aufgrund des grossen Gefälles bezüglich Löhnen und sozialen Leistungen zwischen der Schweiz und Kenia selbst ein für einheimische Verhältnisse gutes Ein- kommen nicht nachhaltig davon abhalten kann, das Heimatland für längere oder gar lange Zeit zu verlassen. 8.3 Besondere familiäre, gesellschaftliche oder berufliche Verpflichtun- gen, die Gewähr für eine fristgerechte Ausreise bieten, bestehen somit nicht. Dagegen sprechen auch die geltend gemachten Heiratspläne des Beschwerdeführers. Diese lassen den Schluss zu, die Gesuchstel- lerin sei schon jetzt bereit, den geplanten Besuch in der Schweiz allen- falls für einen länger dauernden Aufenthalt zu benützen. In Bezug auf Seite 10C-7640/2007 ihre fristgerechte Wiederausreise kann folglich keine günstige Progno- se gestellt werden und am an gegebenen Aufenthaltszweck bestehen begründete Zweifel (vgl. Art. 12 Abs. 2 Bst. c i.V.m. Art. 16 VEV). Schliesslich gilt es auch zu vermeiden, dass der Besuch in der Schweiz zur Einleitung eines Ehevorbereitunsgsverfahrens – das an- deren Voraussetzungen zu genügen hat – und für welches die kanto- nalen Migrationsbehörden zuständig sind, missbraucht wird. Damit ist im vorliegenden Verfahren – trotz den Ausführungen des Beschwerde- führers, er wolle zuerst mit der Gesuchstellerin als lediges Paar eine gewisse Zeit verbringen – umso mehr zu rechnen, als diese bereits im Jahr 2006 mittels Visum zwecks Besuchsaufenthalts am 19. Septem - ber 2006 in die Schweiz einreiste und nach Ablauf der Besuchsfrist nicht in ihr Heimatland zurückkehrte, sondern am 23. No vember 2006 um eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz sowie am 13. Februar 2007 um deren Verlängerung zur Vorbereitung einer Eheschliessung ersuchte. Dazu kam es jedoch nicht mehr, weshalb die Gesuchstellerin am 18. März 2007 wieder nach Kenia zurückreiste. 8.4 Nach dem bisher Gesagten durft die Vorinstanz zu Recht davon ausgehen, die Wiederausreise der Eingeladenen sei im Sinne der massgeblichen Bestimmungen nicht gesichert. 8.5 An dieser Risikoeinschätzung vermögen auch die Hinweise des Beschwerdeführers auf seinen guten Leumund nichts zu ändern. Die Integrität des Beschwerdeführers in seiner Eigenschaft als Gastgeber wird in keiner Art und Weise in Zweifel gezogen. Indessen sind bei der Abwä gung des Risikos einer nicht fristgerechten Wiederausreise nicht so sehr die Einstellung und die Absichten eines Gastgebers, sondern in erster Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Be- deutung. Nur Letzterer ist in der Lage, hinreichend Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise zu bieten. Ein Gastge- ber kann zwar für gewisse finanzielle Risiken Garantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten des Gastes. Diesbezüglich kann auch auf die Tatsache hingewiesen werden, dass bereits anlässlich des Visumver- fahrens im Jahr 2006 von den damaligen Gastgebern der Gesuchstel- lerin eine Garantie bezüglich anstandsloser und fristgerechter Wieder- ausreise abgegeben wurde (vgl. Antwort auf die am 6. Juli 2006 ge- stellte Frage Nr. 10 des kantonalen Migrationsamtes) und zu einem späteren Zeitpunkt widerrufen wurde. So teilten die damaligen Gastge- ber dem Migrationsamt des Kantons Zürich am 2. Februar 2007 mit, Seite 11C-7640/2007 ihr Gast – die Gesuchstellerin – habe nur bis Mitte November 2006 bei ihnen gelebt und wohne jetzt bei einer Person, die sie zu heiraten ge- denke. Sie seien demzufolge nicht mehr bereit, Garantie zu leisten. 8.6 Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde richtig und vollständig festgestellt und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Ermessen pflichtgemäss und zutreffend ausgeübt (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) Seite 12C-7640/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: - den Beschwerdeführer (Einschreiben) - die Vorinstanz (Akten [...] retour) - das Migrationsamt des Kantons Zürich (Akten [...] retour) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: Seite 13