<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 40 S.161</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">161</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>V. Strassenverkehrsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>40</b></span> <span class="ft3"><b>Wiedererteilung des Führerausweises mit Auflagen.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Die Auflage bzw. Weisung einer vollständigen Alkoholabstinenz ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eine Nebenbestimmung der Verfügung, die nicht ausdrücklich in</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einem Rechtssatz vorgesehen sein muss (Erw. 1c)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Massgebender Zeitraum für die Einhaltung einer Alkoholabstinenz</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2c).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Anforderungen an die Feststellung des weisungswidrigen Verhaltens</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 3. Mai 2001 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">D.D. gegen Entscheid des Departements des Innern</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. a) Ein für längere Zeit entzogener Ausweis kann nach Ablauf</span><br/> <span class="ft6">von mindestens sechs Monaten bedingt und unter angemessenen</span><br/> <span class="ft6">Auflagen wieder erteilt werden, wenn angenommen werden darf, die</span><br/> <span class="ft6">Massnahme habe ihren Zweck erreicht. Die gesetzliche Mindestent-</span><br/> <span class="ft6">zugsdauer darf dabei nicht unterschritten werden. Werden die Aufla-</span><br/> <span class="ft6">gen missachtet oder täuscht der Führer in anderer Weise das in ihn</span><br/> <span class="ft6">gesetzte Vertrauen, so ist der Ausweis wieder zu entziehen (Art. 17</span><br/> <span class="ft6">Abs. 3 SVG).</span><br/> <span class="ft6">b) Die Wiedererteilung vor Ablauf der ursprünglich festgelegten</span><br/> <span class="ft6">Entzugsdauer bedeutet keine Aufhebung der rechtskräftig angeord-</span><br/> <span class="ft6">neten Massnahme, sondern nur den Abbruch der verfügten Sanktion,</span><br/> <span class="ft6">d.h. die Aufhebung der Wirkungen der ursprünglichen Verfügung ex</span><br/> <span class="ft6">nunc. Die Rechtslage ist vergleichbar mit derjenigen bei der beding-</span><br/> <span class="ft6">ten Entlassung gemäss Art. 38 Abs. 1 StGB (AGVE 1995, S. 158 f.).</span><br/> <span class="ft6">Die Voraussetzungen für die Anwendung von Art. 17 Abs. 3 SVG</span><br/> <span class="ft6">sind streng zu prüfen. Die vorzeitige Wiedererteilung darf nicht dazu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">162</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">benützt werden, zu Recht für längere Zeit ausgesprochene Entzüge</span><br/> <span class="ft6">systematisch zu verkürzen und kann bedingt und unter angemessenen</span><br/> <span class="ft6">Auflagen ausgesprochen werden. Sie ist an die Resolutivbedingung</span><br/> <span class="ft6">geknüpft, dass der Betroffene die Auflagen beachtet und das in ihn</span><br/> <span class="ft6">gesetzte Vertrauen nicht in anderer Weise täuscht. Als Auflagen</span><br/> <span class="ft6">kommen grundsätzlich alle zweckdienlichen und verhältnismässigen</span><br/> <span class="ft6">Verhaltensanweisungen in Betracht. Im Gegensatz zum gewöhnli-</span><br/> <span class="ft6">chen zeitlichen Ablauf des Warnungsentzuges hat der Betroffene ein</span><br/> <span class="ft6">Gesuch zu stellen und die geeigneten Beweismittel zum Nachweis</span><br/> <span class="ft6">der Voraussetzungen beizubringen. Die Administrativbehörde ihrer-</span><br/> <span class="ft6">seits hat eine Verfügung darüber zu erlassen, ob und allenfalls mit</span><br/> <span class="ft6">welchen Auflagen sie eine vorzeitige Wiedererteilung gestattet (René</span><br/> <span class="ft6">Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts,</span><br/> <span class="ft6">Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz. 2468 und</span><br/> <span class="ft6">2471 f.).</span><br/> <span class="ft6">c) Die Auflage bzw. Weisung einer vollständigen Alkoholab-</span><br/> <span class="ft6">stinenz knüpft die vorzeitige Wiedererteilung des Führerausweises an</span><br/> <span class="ft6">Bedingungen. Diese stellen Nebenbestimmungen der Verfügung dar.</span><br/> <span class="ft6">Voraussetzung für die Anordnung von Nebenbestimmungen ist eine</span><br/> <span class="ft6">gesetzliche Grundlage. Nebenbestimmungen brauchen nicht aus-</span><br/> <span class="ft6">drücklich in einem Rechtssatz vorgesehen zu sein; wo eine gesetzli-</span><br/> <span class="ft6">che Grundlage fehlt, kann die Zulässigkeit der Nebenbestimmungen</span><br/> <span class="ft6">aus dem Gesetzeszweck oder aus einem mit der Hauptanordnung in</span><br/> <span class="ft6">Sachzusammenhang stehenden öffentlichen Interesse hervorgehen.</span><br/> <span class="ft6">Sie müssen zudem die Voraussetzungen der Eignung, der Erforder-</span><br/> <span class="ft6">lichkeit und der Verhältnismässigkeit zwischen Eingriffszweck und</span><br/> <span class="ft6">Eingriffswirkung erfüllen (BGE 121 II 88 ff.; Ulrich Häfelin/Georg</span><br/> <span class="ft6">Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage,</span><br/> <span class="ft6">Zürich 1998, Rz. 719, 724 ff.). Bei einer Resolutivbedingung, wie</span><br/> <span class="ft6">der Einhaltung einer Alkoholabstinenz, endigt die Rechtswirkung der</span><br/> <span class="ft6">Verfügung mit der Feststellung, dass die Bedingung eingetreten ist.</span><br/> <span class="ft6">2. a) und b) (...)</span><br/> <span class="ft6">2. c) aa) Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, für die</span><br/> <span class="ft6">Beurteilung der Alkoholabstinenz sei einzig der Zeitraum zwischen</span><br/> <span class="ft6">dem 7. Oktober 1997 und dem 6. Februar 1998 massgebend. Die</span><br/> <span class="ft6">Entzugsbehörde könne nicht in der Verfügung vom 27. August 1998,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">163</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">mit welcher die viermonatige Restentzugsdauer angeordnet wurde,</span><br/> <span class="ft6">auf den Zeitraum zwischen dem 12. September 1997 und dem 6. Ok-</span><br/> <span class="ft6">tober 1997 zurückkommen, nachdem sie ihm den Führerausweis mit</span><br/> <span class="ft6">Verfügung vom 6. Oktober 1997 bedingt wieder erteilt habe.</span><br/> <span class="ft6">bb) Gegen diese Ansicht spricht der eindeutige Wortlaut der</span><br/> <span class="ft6">Verfügung vom 6. Oktober 1997. Der Führerausweis wurde zwar per</span><br/> <span class="ft6">sofort aber <i>bedingt</i> unter der Auflage der "<i>Weiterführung</i> der voll-</span><br/> <span class="ft6">ständigen Alkoholabstinenz" wieder erteilt. Die Verfügung war an</span><br/> <span class="ft6">die Resolutivbedingung geknüpft, dass der Beschwerdeführer die</span><br/> <span class="ft6">begonnene Totalabstinenz weiterführe. Somit kann sich der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer nicht darauf berufen, dass der Beurteilungszeitpunkt</span><br/> <span class="ft6">mit Erlass der Verfügung vom 6. Oktober 1997 neu begonnen habe.</span><br/> <span class="ft6">Abgesehen davon wurden dem Beschwerdeführer vom Strassenver-</span><br/> <span class="ft6">kehrsamt vorgängig im Rahmen des rechtlichen Gehörs die Voraus-</span><br/> <span class="ft6">setzungen und die Möglichkeiten der bedingten Wiedererteilung des</span><br/> <span class="ft6">Führerausweises vor Ablauf des angeordneten Warnungsentzuges</span><br/> <span class="ft6">erläutert (Protokoll, S. 15; Aktennotiz vom 28. November 1996, ins-</span><br/> <span class="ft6">besondere Rückseite). Entsprechend hat der Beschwerdeführer in</span><br/> <span class="ft6">seinem Gesuch um die vorzeitige bedingte Wiedererteilung die Wei-</span><br/> <span class="ft6">terführung der kontrollierten Alkoholabstinenz zugesagt.</span><br/> <span class="ft6">3. Zu prüfen ist, ob das Strassenverkehrsamt auf Grund der von</span><br/> <span class="ft6">Dr. X. eingereichten Unterlagen zu Recht das Nichteinhalten der</span><br/> <span class="ft6">Weisung zur Totalabstinenz festgestellt und die Verfügung von</span><br/> <span class="ft6">6. Oktober 1997 aufgehoben hat.</span><br/> <span class="ft6">a) In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rer sich nach Einreichung des Gesuchs vom 12. September 1997 und</span><br/> <span class="ft6">nach Erhalt der Verfügung (Empfangsschein 6. Oktober 1997) nicht</span><br/> <span class="ft6">bei Dr. X. gemeldet hat. Sein Hausarzt musste ihn mit Schreiben vom</span><br/> <span class="ft6">30. Oktober 1997 mahnen. Auch wenn die von Dr. X. praktizierten</span><br/> <span class="ft6">Kontrollen und die konkrete Durchführung der Aufgebote den An-</span><br/> <span class="ft6">weisungen des Strassenverkehrsamts nicht genügen können, steht</span><br/> <span class="ft6">fest, dass der Beschwerdeführer sich den regelmässigen kurzfristigen</span><br/> <span class="ft6">Kontrollen auch nach Eingang der Verfügung nicht unterzogen hat.</span><br/> <span class="ft6">Aus der Verfügung und den Kenntnissen des Beschwerdeführers über</span><br/> <span class="ft6">die Kontrollmechanismen und die Handhabung der "Aufgebote"</span><br/> <span class="ft6">durch Dr. X. kann ohne weiteres auf die Nichteinhaltung dieser Wei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">164</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sung geschlossen werden. Dr. X. hat die Anweisung zu kurzfristigen</span><br/> <span class="ft6">Aufgeboten und seine Meldepflichten allzu sehr mit Rücksichtnahme</span><br/> <span class="ft6">auf den Beschwerdeführer gehandhabt. Die Tatsache, dass der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer selbst diesen milden Anforderungen nicht nachge-</span><br/> <span class="ft6">kommen ist, vermag er nicht dadurch zu entkräften, dass er den Arzt</span><br/> <span class="ft6">der Nachlässigkeit bezichtigt. Es war auf Grund der Verfügung und</span><br/> <span class="ft6">seiner Kenntnisse um die Praxis von Dr. X. seine Pflicht, mindestens</span><br/> <span class="ft6">monatliche Kontrolltermine wahrzunehmen und sich bei Dr. X. zu</span><br/> <span class="ft6">melden. Auch nach der schriftlichen Mahnung ersuchte er um eine</span><br/> <span class="ft6">Verschiebung des ersten Kontrolltermins um rund eine Woche. Der</span><br/> <span class="ft6">Schluss der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer die Kontrollen</span><br/> <span class="ft6">nicht im erforderlichen Rhythmus eingehalten hat, erweist sich auf</span><br/> <span class="ft6">Grund der Zeugenbefragung von Dr. X. als zutreffend.</span><br/> <span class="ft6">b) Der erste Test erfolgte erst am 14. November 1997, also mehr</span><br/> <span class="ft6">als einen Monat nach der Verfügung vom 6. Oktober 1997, über drei</span><br/> <span class="ft6">Monate nach der letzten Kontrolle vom 4. August 1997 und erst</span><br/> <span class="ft6">nachdem der Beschwerdeführer durch Dr. X. gemahnt wurde. Die</span><br/> <span class="ft6">drei Bluttests vom 14. November, 12. Dezember 1997 und 5. Januar</span><br/> <span class="ft6">1998 ergaben alle GGT-Werte, die über dem Referenzwert von 50</span><br/> <span class="ft6">U/l lagen. Erst der letzte Test vom 9. Januar 1998, wies wieder einen</span><br/> <span class="ft6">Wert innerhalb der Referenz von 48 U/l auf. Im ärztlichen Zeugnis</span><br/> <span class="ft6">vom 25. Februar 1998 bestätigte Dr. X. eine Alkoholabstinenz vom</span><br/> <span class="ft6">14. November 1997 bis am 6. Januar 1998 und legte die Kopie einer</span><br/> <span class="ft6">"Vino Spumante"-Etikette bei, auf welcher das Datum vom</span><br/> <span class="ft6">12. Dezember 1997 (Datum des zweiten Bluttests) vermerkt ist. Die</span><br/> <span class="ft6">Angaben im ärztlichen Zeugnis hat Dr. X. als Zeuge dahingehend</span><br/> <span class="ft6">verdeutlicht, dass seine Beurteilung der Alkoholabstinenz auch auf</span><br/> <span class="ft6">Informationen des Beschwerdeführers zum Trinkverhalten beruht.</span><br/> <span class="ft6">Die erhöhten Werte hat er in Relation zu diesen Angaben gesetzt. Der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer habe die erhöhten Werte mit dem "Vino</span><br/> <span class="ft6">Spumante" erklärt. Medizinisch liessen sich die Werte über der Norm</span><br/> <span class="ft6">nur durch einen Alkoholabusus erklären, er habe aber die Beurteilung</span><br/> <span class="ft6">den zuständigen Instanzen überlassen wollen und deshalb die</span><br/> <span class="ft6">Etikette beigelegt. Auch nach der medizinischen Beurteilung von Dr.</span><br/> <span class="ft6">X. war der Schluss der Verwaltung, dass der Beschwerdeführer die</span><br/> <span class="ft6">Totalabstinenz nicht eingehalten hatte, zutreffend. Der Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">165</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">führer hat zu seinem Alkoholkonsum widersprüchliche Angaben ge-</span><br/> <span class="ft6">macht. Ob der Beschwerdeführer ab dem 14. November 1997 voll-</span><br/> <span class="ft6">ständig alkoholabstinent war, ist nicht entscheidend. Jedenfalls steht</span><br/> <span class="ft6">fest, dass der GGT - Wert von 77 U/l nur durch einen massiven Al-</span><br/> <span class="ft6">koholabsturz zwischen dem 4. August 1997 und dem 14. November</span><br/> <span class="ft6">1997 erklärbar ist. Der regelmässige Konsum von "Vino spumante"</span><br/> <span class="ft6">vermag die erhöhten Werte vom 14. November 1997 bis zum 5. Ja-</span><br/> <span class="ft6">nuar 1998 angesichts der durchschnittlichen Normalisierungszeit von</span><br/> <span class="ft6">6 bis 8 Wochen nicht zu erklären (H. Jochaim, Klinisch-chemischer</span><br/> <span class="ft6">Nachweis von chronischem Alkoholabusus, in: Deutsche Medizi-</span><br/> <span class="ft6">nische Wochenschrift, 1995, 120:580). Dass sich ein Alkoholvorfall</span><br/> <span class="ft6">nur im September abgespielt haben soll, wie der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">im vorinstanzlichen Verfahren behauptet, ist nicht nachvollziehbar,</span><br/> <span class="ft6">nachdem der Beschwerdeführer selbst dies bestreitet und insbeson-</span><br/> <span class="ft6">dere in der Phase 1 der Totalabstinenz innert 6 Wochen eine massive</span><br/> <span class="ft6">Reduktion des GGT-Wertes ausgewiesen ist. Damit war jedenfalls</span><br/> <span class="ft6">die Weisung der Weiterführung der Totalabstinenz nicht mehr ein-</span><br/> <span class="ft6">gehalten.</span><br/></div> </div> </body> </html>