Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 30. Juni 2015 (470 15 109) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Entschädigung der amtlichen Verteidigung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Edgar Schürmann (Ref.), Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung WK, Rheinstrasse 27, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Gegenstand Entschädigung der amtlichen Verteidigung (Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung WK, vom 28. April 2015) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen eines Verfahrens gegen B.____ betreffend den Straftatbestand des Dieb- stahls verfügte die Staatsanwaltschaft Basel-Landsc haft, Hauptabteilung WK, mit Datum vom 28. April 2015 Folgendes: "1. Die mit Verfügung vom 6. Februar 2015 angeordne te amtliche Verteidigung wird widerrufen und RA A.____ aus der amtlichen Verteidigung entlassen. 1. (sic!) RA A.____ wird um Einreichung der Honor arnote ersucht. 2. Vorläufig wird keine Entschädigung an RA A.___ _ ausbezahlt. Die Verteidi- gung wird darauf hingewiesen, dass das Honorar bei Verfahrensabschluss durch die verfahrensabschliessende Behörde festgesetzt und ausbezahlt wird. 3. Es werden keine Kosten erhoben." Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der nachf olgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokatin A.____ mit E ingabe vom 8. Mai 2015 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abte ilung Strafrecht, und stellte dabei die folgenden Rechtsbegehren: Es sei die angefochtene V erfügung aufzuheben, und es sei dem- entsprechend die Staatsanwaltschaft anzuweisen, das Honorar der amtlichen Verteidigung ge- mäss Honorarnote vom 4. Mai 2015 festzusetzen und a uszuzahlen (Ziff. 1); dies alles unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Ziff. 2). C. Demgegenüber beantragte die Staatsanwaltschaft in ihrer Stellungnahme vom 26. Mai 2015, es sei die Beschwerde vollumfänglich abzuweis en (Ziff. 1), und es seien die Kosten des Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Ziff. 2). Erwägungen 1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO, Art. 135 Abs . 3 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht StPO. Gemäss Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO kann gegen den Entschädigungsentscheid der Staatsanwaltschaft oder des erstinstanzlichen Geric hts Beschwerde geführt werden. Nach Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde soda nn zulässig gegen die Verfügungen und die Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaf t und Übertretungsstrafbehörden. Ge- mäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschw erde gerügt werden: Rechtsverletzun- gen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a); die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). Gestützt auf Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheid e innert zehn Tagen schriftlich und begrün- det bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Die Leg itimation der Beschwerdeführerin zur Er- greifung des Rechtsmittels schliesslich wird wiederum in Art. 135 Abs. 3 StPO sowie in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Nachdem die angefochtene Verf ügung ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, die Beschwerdeführerin beschwerdelegitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Begründungs pflicht nachgekommen ist, ist im Folgen- den ohne Weiteres auf die Beschwerde einzutreten. 2.1 Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerde i m Wesentlichen damit, es sei ge- richtsnotorisch, dass gerade die Fälle der Abteilun g WK der Staatsanwaltschaft etliche Jahre dauern könnten. Als selbstständig erwerbende Anwält in sei sie aber bereits für den Betrieb ih- res Advokaturbüros mit laufenden finanziellen Verpf lichtungen auf eine zeitnahe Festsetzung und Auszahlung von Honoraren angewiesen, zumal sie mit ihrer Tätigkeit ohnehin schon vor- schussverpflichtet sei. Gemäss Art. 135 Abs. 2 StPO setze die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht die Entschädigung der amtlichen Verteidigung am Ende des Verfahrens fest. Diese Vorschrift betreffe aber lediglich die abschl iessende Festsetzung des Honorars und schliesse deshalb nicht aus, das Honorar eines währ end des Untersuchungsverfahrens abge- lösten amtlichen Verteidigers im Sinne einer Akonto zahlung festzusetzen und auszuzahlen. Diesbezüglich habe bereits das ehemalige Verfahrens gericht in Strafsachen festgehalten, es sei dem amtlichen Verteidiger nicht zumutbar, unter Umständen etliche Jahre auf das Honorar zu warten, weshalb Akontozahlungen zuzulassen seien . An dieser Praxis vermöge auch der von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Ver fügung erwähnte Beschluss des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 30. September 2014 nichts zu ändern. Dieses habe vielmehr festgehalten, dass es der Staatsanwaltschaft freigestellt bleibe, ob sie bis zum Verfahrensabschluss den abgelösten amtlichen Ve rteidiger für dessen bereits geleistete Dienste in Form von Akontozahlungen entschädigen mö chte. Gründe oder gar Interessen, wel- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht che gegen eine solche Festsetzung und Auszahlung de s Honorars sprächen, seien keine er- sichtlich. Abgesehen davon könne die Strafbehörde gemäss Art. 421 Abs. 2 lit. a StPO die Fest- legung der Kostenfolgen und somit auch die Festlegu ng des Honorars der amtlichen Verteidi- gung bei Zwischenentscheiden vorwegnehmen, wodurch der Grundsatz der Festlegung des Honorars der amtlichen Verteidigung am Ende des Ver fahrens dann eine Ausnahme erfahre, wenn zufolge Entlassung der amtlichen Verteidigung in einem Zwischenentscheid auch über deren Honorar zu befinden sei. Zudem seien Anwälte gemäss Art. 12 lit. g BGFA verpflichtet, amtliche Verteidigungen zu übernehmen, weshalb es n icht angehen könne, dass sie bei Erfül- lung ihrer Verpflichtung mit der Verweigerung der z eitnahen Festsetzung und Auszahlung ihres Honorars abgestraft würden, ansonsten es fraglich s ei, ob sich künftig genügend Anwälte zur Verfügung stellen würden, um den reibungslosen Ablauf der Strafverfolgung zu gewährleisten. 2.2 Demgegenüber ist die Beschwerdegegnerin im Wesentl ichen der Ansicht, das Kantonsge- richt habe in seinem Beschluss vom 30. September 20 14 einerseits die Staatsanwaltschaft mit Bezug auf Honorarforderungen in Anklagefällen zur B eurteilung von Honorarnoten als sachlich unzuständig erachtet, andererseits jedoch gleichzei tig festgestellt, die sachlich unzuständige Staatsanwaltschaft könne Akontozahlungen vornehmen, wofür allerdings unzweifelhaft keine gesetzliche Grundlage bestehe. Da Verfügungen durch eine unzuständige Behörde keine Rechtsverbindlichkeit entfalteten, weshalb im damal s beurteilten Fall auch deren Nichtigkeit festgestellt worden sei, müsse dies auch für Verfüg ungen betreffend Akontozahlungen gelten. Aufgrund des erwähnten Kantonsgerichtsentscheides s ei somit eine Rechtsunsicherheit ent- standen, zumal das Kantonsgericht in früheren Entsc heiden die sachliche Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft nicht in Frage gestellt habe. Was die Zusprechung von Akontozahlungen im Allgemeinen anbelange, gehe die Staatsanwaltschaft mit der Beschwerdeführerin insofern ei- nig, als sie in Weiterführung der seinerzeitigen Pr axis des Verfahrensgerichts in Strafsachen in einem laufenden Verfahren unter bestimmten Vorausse tzungen – mehrjähriges Verfahren, Ho- norar über CHF 10'000.--, Auszahlung maximal einmal pro Jahr – Akontozahlungen gewährt habe. Ungeachtet dessen stelle die Ausrichtung von Akontozahlungen eine rein Billigkeitsüber- legungen entspringende Massnahme dar, die gesetzlich nicht geregelt sei, womit in einem nicht abgeschlossenen Verfahren kein durchsetzbarer Rechtsanspruch darauf bestehe. 3.1 In seinem Entscheid vom 30. September 2014 hat das Kantonsgericht in Erwägung 2.1.3 f. festgehalten, dass der Entscheid über das Honorar der amtlichen Verteidigung jeweils am Ende des Verfahrens erfolgt, wobei gemäss Art. 135 Abs. 2 StPO diejenige Strafbehörde für Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Festlegung der Entschädigung sachlich zuständig ist, die das Verfahren zum Abschluss bringt, was bei Anklageerhebung und anschliessendem gerichtlichen Verfahren ausschliesslich auf das urteilende Gericht zutrifft. In der Folge hat das Kantonsgericht im dortigen Verfahren die massgebliche Entschädigungsverfügung der Staatsanwa ltschaft infolge sachlicher Unzustän- digkeit als nichtig erklärt. Zugleich hat das Kanto nsgericht aber der Staatsanwaltschaft aus- drücklich freigestellt, den abgelösten amtlichen Ve rteidiger für seine bereits geleisteten Dienste in Form von Akontozahlungen zu entschädigen. Diese Darlegungen haben für den vorliegenden Fall folgende Konsequenzen: 3.2 Zunächst ist das Begehren der Beschwerdeführerin, es sei die Staatsanwaltschaft anzu- weisen, das Honorar der amtlichen Verteidigung gemä ss Honorarnote vom 4. Mai 2015 festzu- setzen und auszuzahlen, von vornherein abzuweisen. Im vorliegenden Fall, in welchem die Be- schwerdeführerin in einem laufenden Anklageverfahre n aus der amtlichen Verteidigung entlas- sen worden ist, repräsentiert die Staatsanwaltschaf t offensichtlich nicht die verfahrensab- schliessende Behörde gemäss Art. 135 Abs. 2 StPO, w omit sie auch nicht zuständig ist, das Honorar der amtlichen Verteidigung gemäss Honorarno te festzusetzen und auszuzahlen. Nachdem das Kantonsgericht im Beschluss vom 30. Sep tember 2014 die entsprechende Ent- schädigungsverfügung der Staatsanwaltschaft als nic htig erklärt hat, fehlt es konsequenter- weise an einer Grundlage, diese anzuweisen, denselben Fehler in casu zu wiederholen. 3.3 Sodann ist nochmals explizit zu betonen und klarzu stellen, dass es der Staatsanwalt- schaft vorliegend zwar nicht gestattet ist, das Hon orar der amtlichen Verteidigung definitiv fest- zulegen, da diese Kompetenz ausschliesslich der ver fahrensabschliessenden Behörde zu- kommt, dass die Staatsanwaltschaft andererseits abe r durchaus die Möglichkeit hat, Akonto- zahlungen auszurichten, nachdem es sich bei der Zus prechung einer solchen Zahlung definiti- onsgemäss um eine rein vorläufige Massnahme handelt. Diesbezüglich hat die Praxis verschie- dene Richtlinien aufgestellt, ob und unter welchen Voraussetzungen die Ausrichtung einer Akontozahlung möglich sein soll. Das Bundesstrafger icht hat beispielsweise in seinem Ent- scheid vom 24. April 2006 (BB.2006.2) in E. 1.3 fes tgehalten, die Zusprechung einer Akonto- zahlung sei eine rein vorläufige, Billigkeitsüberle gungen entspringende Massnahme, die nicht gesetzlich geregelt sei. Der effektive Entscheid üb er die Festsetzung und die Höhe des Hono- rars des amtlichen Verteidigers erfolge erst bei Verfahrensabschluss. Es bestehe in einem nicht abgeschlossenen Verfahren weder ein Rechtsanspruch des amtlichen Verteidigers auf Hono- rarzahlung für seine bisher erbrachten Aufwendungen noch ein solcher auf Leistung einer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Akontozahlung. Das ehemalige Verfahrensgericht in S trafsachen des Kantons Basel- Landschaft hat demgegenüber im Zusammenhang mit amtlichen Verteidigungen seit dem Jahre 2006 bei aufwändigen und mehrjährigen Strafverfahre n aus Gründen der Billigkeit einmal pro Jahr bzw. bei Vorliegen von Aufwendungen von über C HF 10'000.-- Akontozahlungen im Um- fang von 75 % der beantragten Entschädigung ausgeri chtet (Beschluss vom 9. Oktober 2006 i.S. B.G.; https://www.baselland.ch/ 400_2006_ 0168 -htm.300775.0.html). Gemäss der Praxis des Kantons Luzern sind Zahlungen der Staatsanwalts chaft an die amtliche Verteidigung vor Abschluss des Verfahrens im Sinn von Akontozahlunge n grundsätzlich möglich, wobei diese in ihrem Ermessen lägen, bloss vorläufigen Charakter h ätten und weder im Grundsatz noch in ihrer Höhe anfechtbar seien. Ausserdem müsse die St aatsanwaltschaft solche Zahlungen aus- drücklich als Akontozahlungen deklarieren (Entschei d des Kantonsgerichts Luzern vom 10. Ja- nuar 2014 [2N 13 115]). Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat sodann in ihrem Leitfaden zu den amtlichen Mandaten unter Ziffer 1. 3 definiert, dass die fallführende Staatsan- waltschaft auf Gesuche hin Akontozahlungen gewähre, wenn die Untersuchung ungefähr ein Jahr gedauert habe oder die amtliche Verteidigung angesichts der aufgewendeten Stunden und Barauslagen ein Zwischenhonorar von mindestens ca. CHF 10'000.-- beanspruche, wobei die Zahlung, um spätere Rückforderungen zu vermeiden, a uf ca. zwei Drittel des in Rechnung ge- stellten Zwischenhonorars festgesetzt werde und gru ndsätzlich keine materielle Prüfung der Rechnung stattfinde. Soweit sich die Lehre zu diese r Frage äussert, vertritt sie die Meinung, dass Akontozahlungen im Hinblick auf die Gewährleis tung einer wirksamen Verteidigung nach den Bestimmungen der eidgenössischen StPO angezeigt seien (V IKTOR LIEBER , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zürich 2014, N 11 zu Art. 135 StPO). 3.4 Nach Ansicht des Kantonsgerichts handelt es sich b ei der Zusprechung einer Akontozah- lung um eine Massnahme, die unbestrittenermassen we der auf Bundesebene noch kantonal gesetzlich geregelt ist, weshalb grundsätzlich kein Anspruch der amtlichen Verteidigung auf Ausrichtung einer solchen Leistung, insbesondere au ch nicht auf eine solche in einer bestimm- ten Höhe, besteht. Diese führt aber nicht dazu, das s es allein dem freien Ermessen der Staats- anwaltschaft anheimgestellt ist, ob sie dem amtlich en Verteidiger eine Akontozahlung zubilligt oder nicht. Ungeachtet der fehlenden gesetzlichen G rundlage ist nämlich darauf hinzuweisen, dass die Bestellung eines Anwalts zum unentgeltlich en Rechtsbeistand eine Verfügung dar- stellt, die zwischen Anwalt und Staat ein besondere s öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis begründet, wodurch der Anwalt als amtlicher Verteid iger eine öffentliche Aufgabe wahrnimmt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. W ALTER FELLMANN , Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Auflage, Zürich 2 011, N 144 zu Art. 12 BGFA, mit Hinweisen). Rechtsgrundlage für d ie Entschädigung bildet damit das öffent- lich-rechtliche Verhältnis zwischen Bund oder Kanto n und amtlicher Verteidigung, wobei für die Entschädigung allein der Staat haftet (BGE 139 IV 2 61 E. 2.2.1). Gestützt auf diese Erkenntnis sind folgerichtig auch die Grundsätze im öffentlich en Recht zu beachten, namentlich derjenige von Treu und Glauben, welcher sich im Verwaltungsre cht vor allem in der Form des Vertrau- ensschutzes auswirkt. Nach dem Grundsatz des Vertra uensschutzes (Art. 9 BV) haben private Personen Anspruch darauf, in ihrem berechtigten Ver trauen in behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes Verh alten der Behörden geschützt zu wer- den. Das Prinzip des Vertrauensschutzes soll verhin dern, dass die Privaten infolge ihres Ver- trauens in das Verhalten von Behörden einen Nachtei l erleiden, wodurch den Privaten ein Ent- schädigungsanspruch gegenüber dem Staat verschafft wird (vgl. U LRICH HÄFELIN / GEORG MÜLLER / FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, Rz. 622 ff.). In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die amtlichen Verteidiger eine Leistung für das Funktionieren des Justizwesens und damit im Interesse des Staates erbringen, was ihnen einen Anspruch auf eine entsprechende Honorierung verschafft. Dabei geht es aber nicht nur um den grundsätzlichen und unbestrittenen Entschädigungsan spruch, vielmehr ist ihnen ein solcher auch zeitnah zu ihrer eigenen Leistungserbringung z uzugestehen. Diesbezüglich ist zu berück- sichtigen, dass die amtlichen Verteidiger im Gegens atz zu den Privatverteidigern keinen An- spruch auf Kostenvorschüsse reklamieren können und im Strafverfahren häufig eine lange Ver- fahrensdauer zu gewärtigen haben, sowie dass sich e inige Rechtsanwälte auf die Übernahme von amtlichen Verteidigungsmandaten spezialisiert h aben, weshalb die entsprechenden Hono- rare nicht selten einen beträchtlichen Anteil an de n Gesamteinkünften darstellen. Des Weiteren haben die amtlichen Verteidiger ihren Teil der Verp flichtung auf behördliche Anordnung hin be- reits erfüllt, bevor sie ihren Honoraranspruch geltend machen können, weshalb es als unzumut- bar zu bezeichnen ist, wenn diese nach ihrer Leistu ngserbringung mehrere Monate oder teils gar Jahre auf die Gegenleistung des Staates in Form ihrer Bezahlung warten müssen. Dies gilt umso mehr, als die Rechtsanwälte sogar von Gesetzes wegen verpflichtet sind, in dem Kanton, in dessen Register sie eingetragen sind, amtliche P flichtverteidigungen und im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege Rechtsvertretungen zu übernehmen (Art. 12 lit. g BGFA). Daraus folgt, dass es sich bei Akontozahlungen nicht nur u m Billigkeitsüberlegungen entspringende Massnahmen handelt, sondern der amtlichen Verteidig ung ist gestützt auf den Vertrauens- schutz ein grundsätzlicher Anspruch darauf einzuräu men, wobei die Staatsanwaltschaft jeweils die konkreten Verhältnisse des Einzelfalles zu würdigen hat. Eine kategorische Verneinung jeg- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Anspruchs unter allen Umständen ohne konkret e Prüfung des Einzelfalles würde sich nach den vorgängigen Erwägungen nachgerade als Rechtsverweigerung darstellen. 3.5 Nachdem der amtlichen Verteidigung ein grundsätzli cher Anspruch auf Akontozahlungen zugebilligt wird, ist in einem nächsten Schritt fes tzulegen, unter welchen Voraussetzungen dies zu gelten hat. Diese Frage ist in erster Linie durc h das pflichtgemässe Ermessen der verfah- rensleitenden Behörde zu beantworten. Diese hat dem nach entsprechende Richtlinien aufzu- stellen, wobei es ihr unbenommen bleibt, die frühere Praxis des ehemaligen Verfahrensgerichts in Strafsachen zu übernehmen bzw. weiterzuführen od er einen eigenen Leitfaden zu schaffen. Das Kantonsgericht kommt allerdings nicht umhin, ei nige Mindestanforderungen zu definieren, bei deren Vorliegen von einem verbindlichen Anspruc h des jeweiligen Gesuchstellers auszuge- hen ist. Dabei sind vor allem die Höhe der aufgelau fenen Forderung sowie die voraussichtliche Dauer bis zum verfahrensabschliessenden Entscheid m assgeblich. Das Kantonsgericht erach- tet sowohl ein überjähriges Strafverfahren als auch ein aufgelaufenes Honorar im Umfang von ca. CHF 10'000.-- als Umstände, welche – auf entspr echendes Gesuch des jeweiligen amtli- chen Verteidigers hin – zur Ausrichtung einer Akont ozahlung führen müssen. In Bezug auf die Höhe dieser Zahlung erscheint ein prozentualer Umfa ng von 75 % des geforderten Honorars als sinnvoll, damit der verfahrensabschliessenden B ehörde genügend Spielraum für eine um- fassende Prüfung der Honorarnote und eine allfällige Kürzung derselben verbleibt, wobei dieser Wert lediglich als Empfehlung zu verstehen ist. Ent scheidend muss auf jeden Fall die einzelfall- bezogene Würdigung der konkreten Umstände sein, ins besondere soweit der jeweilige Ge- suchsteller das Vorhandensein besonderer Tatsachen geltend macht. 3.6 Nicht anwendbar ist entgegen der Ansicht der Besch werdeführerin jedoch Art. 421 Abs. 2 lit. a StPO, da es bei dieser Bestimmung nur um die expliziten Kosten des Zwischenentschei- des geht, in casu aber mit der Entlassung der Besch werdeführerin aus der amtlichen Verteidi- gung keine partielle Verfahrenserledigung verbunden ist, welche einen Teilkostenentscheid rechtfertigen könnte (vgl. Y VONA GRIESSER , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Straf- prozessordnung, 2. Auflage, Zürich 2014, N 5 zu Art . 421 StPO). Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass es der Staatsanwaltschaft einers eits untersagt ist, in Anklagefällen im Hin- blick auf die amtliche Verteidigung einen definitiv en Honorarentscheid zu fällen, dass es ande- rerseits ihr aber möglich ist, rein vorläufige (und als solche bezeichnete) Akontozahlungen zu leisten, wobei sie je nach Konstellation des Einzel falles gestützt auf den Vertrauensgrundsatz sowie die vorgängigen Erwägungen des Kantonsgericht s bei Vorliegen bestimmter Vorausset- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht zungen (überjährige Verfahrensdauer bzw. ein aufgel aufenes Honorar im Umfang von ca. CHF 10'000.--) sogar verpflichtet sein kann, ei ne angemessene Akontozahlung in einem prozentualen Umfang des geforderten Honorars auszur ichten. Bezogen auf vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die generelle Verweigerung eine r Akontozahlung nicht zulässig ist, und die Staatsanwaltschaft vielmehr zu prüfen hat, ob sie d ie Voraussetzungen zur Ausrichtung einer solchen Zahlung als gegeben erachtet. Demzufolge ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der Beschwerde in Ziffer 2 aufzuheben, und die Angelegenheit wird im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft Basel-Landscha ft, Hauptabteilung WK, zur Neubeurtei- lung zurückgewiesen. 4. Bei diesem Verfahrensausgang – indem einerseits di e angefochtene Verfügung aufgeho- ben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, ande- rerseits aber das Begehren, wonach die Vorinstanz a nzuweisen sei, das Honorar der amtlichen Verteidigung festzusetzen und auszubezahlen, abgewi esen wird – gehen in Anwendung von Art. 428 Abs. 4 StPO die ordentlichen Kosten des Be schwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1'100.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000 .-- sowie Auslagen von CHF 100.--) zu Lasten des Staates; ausserdem ist der Beschwerdefüh rerin eine reduzierte pauschale Partei- entschädigung in der Höhe von CHF 648.-- (inklusive Auslagen und CHF 48.-- Mehrwertsteuer) ebenfalls zu Lasten des Staates auszurichten (vgl. hierzu N IKLAUS RUCKSTUHL , in: Basler Kom- mentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl age, Basel 2014, N 18 zu Art. 135 StPO, mit Hinweisen; LIEBER , a.a.O., N 18 zu Art. 135 StPO, mit Hinweisen). Demnach wird erkannt: ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wi rd Ziffer 2 der angefoch- tenen Verfügung aufgehoben, und die Angelegenheit w ird im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft Basel-Land schaft, Haupt- abteilung WK, zur Neubeurteilung zurückgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahren s in der Höhe von CHF 1'100.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000 .-- sowie Aus- lagen von CHF 100.--) gehen zu Lasten des Staates ( per Kasse Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Staatsanwaltschaft). 3. Der Beschwerdeführerin wird zu Lasten des Staat es eine reduzierte pauschale Parteientschädigung in der Höhe von CHF 648.-- (inklusive Auslagen und CHF 48.-- Mehrwertsteuer) ausgerichtet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann