Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Februar 2021 (720 20 202 / 45) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A._____, Beschwerdeführer, vertreten durch Georg Ranert, Advokat, Schulstrasse 23, 4132 Muttenz gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ meldete sich am 12. Mai 2 016 unter Hinweis auf Rücken- probleme und eine Depression bei der Eidgenössischen Inv alidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem sie die gesundheitlichen und e rwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft einen Ren tenanspruch von A._____ - nach durch- geführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 20. März 2020 ab. Zur Begründung machte sie geltend, dem Versicherten sei aus psychiatrische r und aus somatischer Sicht die Ausübung sowohl der angestammten Tätigkeit als auch j eglicher Verweistätigkeit uneinge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht schränkt zumutbar. Eine Arbeitsunfähigkeit habe einzig i m Zeitraum vom 28. April 2016 bis 31. Mai 2016 vorgelegen. Somit seien die Voraussetzunge n für einen Rentenanspruch nicht erfüllt. B. Gegen diese Verfügung erhob A._____, vertreten d urch Advokat Georg Ranert, am 19. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte er, es sei die angefochten e Verfügung aufzuheben und es sie die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen, um eine umfassende Abklärung der aktuel- len, rheumatologischen und/oder orthopädischen Gesundhe itssituation vorzunehmen. Hierfür sei die Vorinstanz zu verpflichten, in beiden in Frage kommenden medizinischen Bereichen unabhängige Begutachtungen zu veranlassen; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltli- che Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständun g mit seinem Rechtsvertreter zu be- willigen seien. C. Mit Verfügung vom 26. Mai 2020 bewilligte das Kant onsgericht dem Beschwerdeführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorl iegende Beschwerdeverfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbei ständung mit Advokat Georg Ranert als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 4. August 2020 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführung en eine Aktennotiz von Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 3. Juni 2020 bei. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt der Beschwerdeführer mit Replik vom 10. September 2020 an den in der Beschwerde gestel lten Rechtsbegehren und den we- sentlichen bisherigen Vorbringen fest. Die IV-Stelle wiederum beantragte in ihrer Duplik vom 13. Oktober 2020 - unter Beilage einer zusätzlichen Ak tennotiz des RAD-Arztes Dr. B._____ vom 8. Oktober 2020 - nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 19. Mai 2020 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle in de r angefochtenen Verfügung einen An- spruch des Versicherten auf eine Invalidenrente zu Recht verneinte. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Nach ständiger Rechtsprechung kann eine versicherte Perso n nicht erwerbsunfähig (Art. 7 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil de s Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) und mithin nicht invalid im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG sein, wenn sie nicht aus gesundheitlichen Gründen mindestens teilweise arbeitsunfähig ist (Art. 6 ATSG; Urteil des Bundesgerichts vom 8. August 2016, 9C_280/2016, E. 2 mit Hinweis auf BGE 105 V 139 E. 1b). 3.2 Art. 6 ATSG definiert die Arbeitsunfähigkeit als die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare A rbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 93 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Zu ergänzen bleibt, dass nach der Rechtsprechung die An nahme einer allenfalls invali- disierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifik ationssystem voraussetzt (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Dabei ist zu betonen, dass im Kontext der renten- mässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden psychoso zialen Faktoren sowie sozio- kulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 A bs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizini- sches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigk eit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, komm t der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeign eter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwarte t werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hi nweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung verursachten Erw erbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwe rbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zu- mutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 6.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des aktuellen Gesund heitszustands und der Arbeitsfä- higkeit des Versicherten bei Dr. med. C._____, Psychiatri e und Psychotherapie FMH, ein fach- ärztliches Gutachten in Auftrag, das dieser am 28. Novemb er 2017 erstattete. Darin gelangte der Experte zur Auffassung, dass beim Versicherten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden könne. Als Leiden oh ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte der Gutachter eine Anpassungsstörung, län gere depressive Reaktion (ICD-10 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht F43.21) und eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54). Beim Exploranden bestehe aus psychiatrischer Sicht in der bisherigen und auch in jede r anderen beruflichen Tätigkeit eine Ar- beitsfähigkeit von 100 %. Es bestünden keine Hinweise da für, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht jemals eingeschränkt gewesen sei. 6.2 Im Weiteren holte die IV-Stelle Arztberichte von Dr. med. D.____, Rheumatologie FMH, Physikalische Medizin & Rehabilitation FMH und Innere Me dizin FMH, und des behandelnden Psychiaters Dr. med. E._____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein. 6.2.1 Dr. D.____ diagnostizierte beim Versicherten laut Bericht vom 7. Mai 2019 (1) ein Pan- vertebralsyndrom bei ausgeprägter Fehlhaltung und muskul ärer Dysbalance mit beginnender Unk- und Spondylarthrose der mittleren HWS, Osteochondr osen, Diskusprotrusionen, Spon- dylarthrosen LWK4/5/SWK1 mit mässig- bis hochgradiger Ve rengung neuroforaminal L5 und recessal S1 rechts sowie (2) wechselnde, asymmetrische Arthra lgien und Myalgien unklarer Genese. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit des Versicherten äusserte sich Dr. D.____ wie folgt: Bezüglich der zuletzt ausgeübten Tätigkeit des Patiente n liege ihm kein Belastungsprofil vor, was unter anderem auch durch die sprachlichen Barriere n bedingt sei. Damit könne er zur mit- tel- bis längerfristigen Arbeitsfähigkeit in der zulet zt ausgeübten Tätigkeit keine Stellung neh- men. Da nur ein Teil der Beschwerden des Patienten, ab er nicht Ausmass, Dauer und Thera- pie-Refraktärität durch die bisher vorliegenden klinische n, laborchemischen und radiologischen Befunde erklärt werden könnten, könne auch bezüglich de r Prognose und letztlich ebenso be- züglich der mittel- bis längerfristigen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit von seiner Seite keine definitive Aussage gemacht werden. Vom heutigen Standpunkt aus bestünden aktuell medizinisch-theoretisch aus rein rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit im ange- stammten Beruf als Schweisser und eine volle Arbeitsf ähigkeit für leichte bis mittelschwere Verweistätigkeiten, bei denen ein rückengerechtes Verha lten gewährleistet sei. Um die mittel- bis längerfristige Arbeitsfähigkeit zu beurteilen, we rde seines Erachtens jedoch ein mehrdiszip- linäres Gutachten mit Übersetzer unumgänglich sein. 6.2.2 Dr. E.____ hielt im Verlaufsbericht vom 26. Ju ni 2019 bei seinem Patienten als Diag- nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mitt elgradige depressive Episode (ICD-10 F32.11) fest. Zusätzlich gab er nochmals sämtliche Diagn osen wieder, die Dr. D.____ im vor- stehend genannten Bericht vom 7. Mai 2019 aus rheumato logischer Sicht erhoben hatte. Der Versicherte sei, so das Fazit von Dr. E.____, aufgrund d ieser - psychischen und somatischen - Leiden seit 26. November 2014 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 20. März 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähi gkeit des Versicherten vollumfänglich auf das psychiatrische Gutachten von Dr. C.____ vom 28. N ovember 2017. Sie ging demzufol- ge davon aus, dass beim Beschwerdeführer keine Diagnose mi t Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit erhoben werden könne und dass diesem die Ausübu ng sowohl der angestammten Tä- tigkeit als auch jeglicher Verweistätigkeit uneingeschränkt zumutbar sei. Dieser vorinstanzlichen Beurteilung des medizinischen Sachverhalts kann nun aber aus den nachfolgenden Gründen nicht gefolgt werden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.1 Der Beschwerdeführer hatte zwischen 1995 und 2010 aufgrund eines Rückenleidens eine halbe IV-Rente bezogen. Auch heute bestehen bei ihm, wie etwa dem Bericht von Dr. D._____ vom 7. Mai 2019 entnommen werden kann, ve rschiedene - zumindest teilweise - objektivierbare Beeinträchtigungen im Rückenbereich (vgl. E. 6.2.1 hiervor). Vor diesem Hinter- grund wäre es angezeigt gewesen, den Gesundheitszustand des Versicherten auch aus rheu- matologischer Sicht gutachterlich abklären und anschliesse nd die Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten durch den psychiatrischen und den rheumatologische n Gutachter gemeinsam aus bi- disziplinärer Sicht beurteilen zu lassen. Indem sich di e IV-Stelle stattdessen darauf beschränk- te, ausschliesslich ein psychiatrisches Gutachten einzuholen, kam sie ihrer Pflicht zur umfas- senden Abklärung des massgebenden medizinischen Sachverhalt s (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG) nicht im erforderlichen Masse nach. Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass auch Dr. E._____ in seinem Bericht vom 7. Mai 2019 ausdrücklich darauf hingew iesen hatte, dass seines Erachtens zur Beurteilung der mittel- bis längerfristigen Arbei tsfähigkeit des Versicherten ein mehrdiszipli- näres Gutachten mit Übersetzer unumgänglich sei. In gleichem Sinne hatte sich im Übrigen auch schon der zuständige Integrationsberater der IV-Stelle im "Abschlussbericht der Eingliede- rungsmassnahmen" vom 19. Juli 2016 geäussert. 7.2.2 In der angefochtenen Verfügung vertrat die IV- Stelle die Auffassung, dass für die Beur- teilung der Auswirkungen der Rückenschmerzsymptomatik auf d as Gutachten von Dr. med. F.____, Innere Medizin FMH, spez. Rheumaerkrankungen, v om 30. Juni 2015 zurückgegriffen werden könne. Die betreffende Expertise hatte der gena nnte Facharzt damals im Auftrag des Krankenversicherers des Beschwerdeführers erstellt. Dieser Betrachtungsweise der Beschwer- degegnerin kann jedoch nicht gefolgt werden. Zum ein en ist das Gutachten von Dr. F._____ ausgesprochen kurz ausgefallen und zum andern erweist e s sich auch nicht mehr als aktuell. Dies ergibt sich etwa aus dem oben genannten Bericht von Dr. D.____ vom 7. Mai 2019, listet dieser doch verschiedene rheumatologische Diagnosen auf, die im Juni 2015 von Dr. F.____ (noch) nicht erhoben worden waren. Dessen Gutachten vo m 30. Juni 2015 ist deshalb für die vorliegend strittige Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicherten beweisrechtlich nicht verwertbar. 7.3 Im Weiteren vermag auch das psychiatrische Gutachten von Dr. C.____ vom 28. No- vember 2017 nicht vollständig zu überzeugen. Es erweist sich in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge, in der Beurteilung der medizinisch en Situation und in seinen Schluss- folgerungen insgesamt als eher oberflächlich. Es ist denn auch umfangmässig eher kurz ausge- fallen; es umfasst zwar 32 Seiten, davon entfallen aber deren 21 auf die Zusammenfassung der Aktenlage. Ebenso ist nicht von der Hand zu weisen, das s die Dauer der Untersuchung mit 75 Minuten - auch wenn diesem Aspekt nach der Rechtspr echung für sich allein grundsätzlich keine ausschlaggebende Bedeutung zukommt (vgl. statt viele r: Urteil des Bundesgerichts vom 14. März 2019, 8C_356/2018,E. 4.2 mit weitern Hinwei sen) - in Anbetracht, dass die Fragen des Experten und die Antworten des Versicherten jeweils von der anwesenden Dolmetscherin übersetzt werden mussten, für eine vertiefte Abklärung wohl eher knapp bemessen war. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 Kein ausschlaggebender Beweiswert kann schliesslich de r Beurteilung des behandeln- den Psychiaters Dr. E.____ beigemessen werden. Dieser li stet unter den Diagnosen nicht nur die von ihm festgestellten psychischen Leiden, sondern auch verschiedenste somatische Ge- sundheitsbeeinträchtigungen auf und bezieht diese offen sichtlich auch in seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten mit ein (vgl. et wa den Verlaufsbericht vom 26. Juni 2019). Eine solche "Gesamtbeurteilung" ist aber nicht durch ei nen einzelnen Facharzt, sondern - wie vorstehend ausgeführt (vgl. E. 7.2.1 hiervor) - durch einen psychiatrischen und einen rheumato- logischen Facharzt/Gutachter im Rahmen einer Konsensbesprechung gemeinsam aus bidiszip- linärer Sicht vorzunehmen. 7.5 Aus dem Gesagten folgt, dass die vorhandene medizinisc he Aktenlage keine ab- schliessende Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicher ten zulässt. Die Abklärungser- gebnisse aus dem Verwaltungsverfahren sind mit andern Worten nicht ausreichend beweiskräf- tig, der relevante medizinische Sachverhalt bedarf vielm ehr weiterer Abklärung. Die IV-Stelle, an welche die Angelegenheit zurückzuweisen ist, hat den Gesundheitszustand und die Arbeits- fähigkeit des Versicherten - in Anbetracht der zu beurteilenden Beschwerdesymptomatik - durch ein bidisziplinäres (rheumatologisches/psychiatrisches) Guta chten abklären zu lassen, wobei der entsprechende Auftrag an zwei mit der Angelegenh eit noch nicht befasste Fachärztinnen oder -ärzte zu ergehen hat. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer zusätzlichen medizinischen Abklä- rungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Rente nanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. 8. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die B eschwerde in dem Sinne gutzuheissen ist, als die angefochtene Verfügung vom 20. März 2020 aufzuheben und die An- gelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Ver- fügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückzuweisen ist. 9. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als un- terliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 10. September 2020 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 19,25 Stunden geltend gemacht. Darunter f allen auch Bemühungen von einein- halb Stunden für eine "Recherche zur Aussagekraft zeitlich länger zurückliegender Experten- gutachten" und von einer Stunde für verschiedene Konta ktaufnahmen mit dem Sozialdienst der Wohngemeinde des Mandanten. Die Kosten für solche jurist ischen Grundabklärungen und für die verschiedenen Kontakte mit dem Sozialdienst können n un allerdings nicht im Rahmen des Ersatzes der Parteikosten der unterliegenden IV-Stelle auferlegt werden. Die entsprechenden Positionen der Honorarrechnung sind daher zu streichen und die ausgewiesenen Bemühungen demnach um zweieinhalb Stunden zu kürzen. Der verbleibe nde entschädigungsberechtigte Zeitaufwand von 16,75 Stunden erweist sich zwar nach wie vor als hoch, in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen und in Berücksi chtigung, dass ein doppelter Schrif- tenwechsel durchgeführt wurde, aber noch als angemesse n. Die Bemühungen sind zu dem vom Rechtsvertreter geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 240.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind die geltend gemachten Auslagen von F r. 99.60. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'119.60 (16,75 Stunden à Fr. 240.-- + Auslagen von Fr. 99.60) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Praxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 645 E. 2.2, bestätigt im Urteil K. des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil K. des Bundesge- richts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 20. Mär z 2020 aufge- hoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4'119.60 (inkl. Ausl agen) zu bezah- len. http://www.bl.ch/kantonsgericht