<h2>SubmittedText<h2><p>Anfang Jahr hat die ETH Zürich ihre beiden bisherigen Departemente "Forstwissenschaften" und "Umweltnaturwissenschaften" zum Departement "Umweltwissenschaften" fusioniert und diese Fusion in einer 22-seitigen Broschüre einer interessierten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Titelseite dieser Broschüre ziert eine Laborantin (möglicherweise ist es auch ein Laborant mit Pferdeschwanzfrisur), auf der Rückseite ist eine Frau mit Feldstecher im Gelände abgebildet.</p><p>Die Seiten dazwischen sind ausschliesslich den Männern vorbehalten, die entsprechenden Stellen und Professuren an der ETH offenbar auch.</p><p>Ich frage daher den Bundesrat an:</p><p>1. Hält er es für opportun, ein neues Departement an der ETH ausschliesslich mit männlichen Professoren zu besetzen?</p><p>2. Entspricht das Bild, das die Broschüre "Umweltwissenschaften" vermittelt, indem sie Frauen lediglich zu Illustrationszwecken verwendet, der Wirklichkeit an der ETH im Jahre 2004?</p><p>3. Falls ja, was gedenkt er zu unternehmen, um diesen Zustand zu ändern?</p><p>4. Wie viele Studenten und Studentinnen sind im Departement Umweltwissenschaften eingeschrieben? Wie viele davon sind männlich?</p><p>5. Aus welchem Grund ist im neuen Departement Umweltwissenschaften der Begriff "Natur" gestrichen worden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Gemäss Informationen des ETH-Rates ist das Departement Umweltwissenschaften an der ETH Zürich aus der Fusion der bisherigen Departemente für Umweltnaturwissenschaften und Forstwissenschaften auf den 1. Januar 2004 entstanden. Mit der Fusion wurden keine neuen Professuren geschaffen. Das neue Departement besteht damit aus Dozenten, die schon seit längerer Zeit im Amt sind. Im früheren Departement Umweltnaturwissenschaften war die Professur für Pflanzenbiodiversität von einer Frau besetzt. Sie wurde Anfang 2003 an eine amerikanische Universität wegberufen.</p><p>Zu den Fragen im Einzelnen:</p><p>1. Der Bundesrat teilt die Meinung der Fragestellerin, dass das Fehlen von Frauen im Professorenteam des Departementes Umweltwissenschaften nicht opportun ist und nicht dem Ziel der Förderung der Chancengleichheit von Frau und Mann entspricht. Aus den eingangs erwähnten Gründen bestand bei der Fusion der beiden bestehenden Departemente zum Bedauern des ETH-Rates und der ETH Zürich kein Handlungsspielraum. Ein solcher ergibt sich erst jetzt mit der Besetzung von insgesamt fünf Professuren in der laufenden Planungsperiode.</p><p>2. Der ETH-Bereich verfolgt seit den Neunzigerjahren eine aktive Gleichstellungspolitik. Diese beinhaltet Massnahmen des ETH-Rates und der Institutionen, um der Untervertretung der Frauen auf allen Karrierestufen entgegenzuwirken. Diese schliessen an der ETH Zürich Mentoring-Programme für junge Wissenschaftlerinnen und Habilitandinnen, die Publikation "Professorinnen-Portraits" sowie Mittelschülerinnentage ein. Die Massnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils zeigen Wirkung bei der Besetzung von Assistenzprofessuren, wo der Frauenanteil derzeit bei 19 Prozent liegt.</p><p>3. Wenn auch die zweite Frage mit einem Nein beantwortet werden muss, so hält der Bundesrat doch fest, dass die nach wie vor unbefriedigende Situation weiterer Anstrengungen bedarf, um den Frauenanteil bei den Professuren deutlich anzuheben. Mit der BFT-Botschaft, insbesondere mit den im Ziel 3 des Leistungsauftrages 2004-2007 formulierten Vorgaben zur Förderung der Chancengleichheit, ist der Weg vorgezeichnet: "Die Chancengleichheit wird in das gesamte Human-Resources-Management auf allen Stufen, in alle Prozesse - insbesondere in die Führungsprozesse - sowie in alle Instrumente und Massnahmen integriert. Das Angebot von wissenschaftlich attraktiven Arbeits- und Studienbedingungen wird durch Massnahmen zur Kinderbetreuung ergänzt." (Unterziele 2 und 3) Die eidgenössischen Räte haben den Leistungsauftrag am 1. Dezember 2003 genehmigt.</p><p>Der Bundesrat erachtet zusätzliche Vorgaben zurzeit als nicht notwendig. Er verweist auf den Leistungsauftrag an den ETH-Bereich, dessen Indikatoren u. a. auch den Frauenanteil bei den Professuren ausweisen. Die Überprüfung dieser Indikatoren wird zeigen, ob die ergriffenen Massnahmen der beiden ETH wirkungsvoll genug sind. Der ETH-Rat und die Institutionen des ETH-Bereiches partizipieren zudem am Bundesprogramm zur Förderung der Chancengleichheit von Frau und Mann im universitären Bereich und alle Institutionen verfügen über Beratungs- und Anlaufstellen für Fragen der Chancengleichheit, welche den Entwicklungsprozess mit verfolgen.</p><p>4. Studierende der Umweltwissenschaften an der ETH Zürich 2003:</p><p>- Studiengang Umweltnaturwissenschaften: 300 Frauen, 45 Prozent; 366 Männer, 55 Prozent; Total: 666;</p><p>- Studiengang Forstwissenschaften: 31 Frauen, 23 Prozent; 105 Männer, 77 Prozent; Total 136;</p><p>- Summen: 331 Frauen, 41 Prozent; 471 Männer, 59 Prozent; Total: 802.</p><p>- Doktorierende Umweltnaturwissenschaften: 82 Frauen, 38 Prozent; 135 Männer, 62 Prozent; Total: 217;</p><p>- Doktorierende Forstwissenschaften: 12 Frauen, 37 Prozent; 20 Männer, 63 Prozent; Total: 32;</p><p>- Summen: 94 Frauen, 38 Prozent; 155 Männer, 62 Prozent; Total: 249.</p><p>5. Die Forschungs- und Lehrtätigkeit des neuen Departementes ist - wie schon im früheren Departement Umweltnaturwissenschaften - nicht nur auf den naturwissenschaftlichen Aspekt der Umwelt beschränkt, sondern weist darüber hinaus ökonomische, sozial- und geisteswissenschaftliche Inhalte auf. Zudem bringt das frühere Departement Forstwissenschaften seine Kernkompetenz in die Ingenieurwissenschaften ein. Aus diesen Gründen ist die Departementsbezeichnung "Umweltnaturwissenschaften" allgemeiner gefasst worden und heisst neu "Umweltwissenschaften".</p>  Antwort des Bundesrates.