<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 43" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 43</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">364</span> </div> <div class="page" id="S364"> <span class="text"><b>43 </b> <b>Art. 425 ZGB</b></span><br/> <span class="text">Es ist nicht Sinn der Genehmigung eines Schlussberichts, dessen Inhalt</span><br/> <span class="text">nach dem objektiven Wahrheitsgehalt zu erforschen und ihm dadurch be-</span><br/> <span class="text">hördlich festgestellte Beweiskraft zu verleihen. Die Genehmigung eines</span><br/> <span class="text">Schlussberichts ist nicht gleichbedeutend mit der Zustimmung zu allen</span><br/> <span class="text">Aussagen und Tätigkeiten des Mandatsträgers </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und</span><br/> <span class="text">Erwachsenenschutz, vom 20. August 2018 in Sachen S.W. (XBE.2018.39).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">3.2.</span><br/> <span class="text">Endet das Amt, erstattet der Beistand oder die Beiständin der</span><br/> <span class="text">Erwachsenenschutzbehörde den Schlussbericht und reicht gegebe-</span><br/> <span class="text">nenfalls die Schlussrechnung ein (Art. 425 Abs. 1 Satz 1 ZGB).</span><br/> <span class="text">Art. 425 ZGB erfasst auch sämtliche Mandate, die aufgrund des</span><br/> <span class="text">Kindesschutzrechtes geführt werden (Art. 425 i.V.m. Art. 314 Abs. 1</span><br/> <span class="text">ZGB). Die Erwachsenenschutzbehörde prüft und genehmigt den</span><br/> <span class="text">Schlussbericht und die Schlussrechnung auf die gleiche Weise wie</span><br/> <span class="text">die periodischen Berichte und Rechnungen (Art. 425 Abs. 2 ZGB).</span><br/> <span class="text">Im Unterschied zur periodischen Berichterstattung im Sinne von Art.</span><br/> <span class="text">415 ZGB, die primär ein Steuerungsinstrument für die Kindes- und</span><br/> <span class="text">Erwachsenenschutzbehörde im Rahmen der Weisungskompetenz</span><br/> <span class="text">gegenüber dem Beistand ist, dient die Schlussrechnung gemäss Art.</span><br/> <span class="text">425 ZGB primär der Information. Der Prüfungsentscheid kann von</span><br/> <span class="text">der verbeiständeten Person, deren Erben oder dem Amtsnachfolger</span><br/> <span class="text">daher nur mit dem Beschwerdegrund der verletzten Informations-</span><br/> <span class="text">pflicht angefochten werden. Mit der Genehmigung, die auszu-</span><br/> <span class="text">sprechen ist, soweit der Schlussbericht bzw. die Schlussrechnung der</span><br/> <span class="text">Informationspflicht genügt, wird dem Beistand denn auch keine</span><br/> <span class="text">Verantwortlichkeitsentlastung erteilt, und entsprechend bleiben</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">365</span> </div> <div class="page" id="S365"> <div role="main"> <span class="text">allfällige Rechtsansprüche (insbesondere Haftungsansprüche gemäss</span><br/> <span class="text">Art. 454 f. ZGB) unberührt. Fehlverhalten oder mangelhafte Vermö-</span><br/> <span class="text">gensverwaltung sind daher auf dem Weg der Verantwortlichkeits-</span><br/> <span class="text">klage gemäss Art. 454 f. ZGB geltend zu machen (KURT</span><br/> <span class="text">AFFOLTER/URS VOGEL, in: Basler Kommentar, Erwachsenen-</span><br/> <span class="text">schutz, Basel 2012, N. 6, 21 und 57 zu Art. 425 ZGB; Urteile des</span><br/> <span class="text">Bundesgerichts 5A_11/2011 vom 21. Januar 2011 und 5A_578/2008</span><br/> <span class="text">vom 1. Oktober 2008 E. 1).</span><br/> <span class="text">3.3.</span><br/> <span class="text">Das ZGB enthält keine Vorschriften über den Inhalt des</span><br/> <span class="text">Schlussberichts. Bei Hinfall oder Aufhebung der Massnahme darf</span><br/> <span class="text">sich der Bericht auf jene Bereiche beschränken, welche zum Mass-</span><br/> <span class="text">nahmenende geführt haben, die aktuelle Situation widerspiegeln,</span><br/> <span class="text">Auffälligkeiten oder Besonderheiten der Vermögensentwicklung und</span><br/> <span class="text">-verwaltung erläutern, über offene oder ungeklärte Probleme</span><br/> <span class="text">orientieren oder für die Information der verbeiständeten Person, ihrer</span><br/> <span class="text">Rechtsnachfolger oder für die Verantwortlichkeit der Organe des</span><br/> <span class="text">Kindes- und Erwachsenenschutzes von Relevanz sind. Bei Weiter-</span><br/> <span class="text">führung der Massnahme bilden Schlussbericht und Schlussrechnung</span><br/> <span class="text">des Vorgängers die Basis für die Mandatsführung des Nachfolgers</span><br/> <span class="text">und haben umfassend über die persönlichen Verhältnisse der be-</span><br/> <span class="text">treuten Person, dessen Vertretungsbedarf in den genau bezeichneten</span><br/> <span class="text">Aufgabenkreisen und über die Vermögensverwaltung zu orientieren</span><br/> <span class="text">(AFFOLTER/VOGEL, a.a.O., N. 22 f. zu Art. 425 ZGB;</span><br/> <span class="text">CHRISTOPH HÄFELI, Grundriss zum Kindes- und Erwachsenen-</span><br/> <span class="text">schutz, 2. Aufl. 2016, Rz. 23.09 S. 240).</span><br/> <span class="text">3.4.</span><br/> <span class="text">Es liegt in der Natur der Sache, dass Berichte von Mandatsträ-</span><br/> <span class="text">gern eine subjektive Sicht der Dinge wiedergeben und deshalb</span><br/> <span class="text">inhaltlich umstritten sein können. Es ist nicht Sinn der Genehmi-</span><br/> <span class="text">gung, diese Inhalte nach dem objektiven Wahrheitsgehalt zu erfor-</span><br/> <span class="text">schen und ihnen dadurch behördlich festgestellte Beweiskraft zu ver-</span><br/> <span class="text">leihen. Die Genehmigung eines Schlussberichts ist deshalb nicht</span><br/> <span class="text">gleichbedeutend mit der Zustimmung zu allen Aussagen und</span><br/> <span class="text">Tätigkeiten des Mandatsträgers (AFFOLTER/VOGEL, a.a.O., N. 22</span><br/> <span class="text">zu Art. 425 ZGB).</span><br/> </div> </div> </body> </html>