B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-5465/2014 U r t e i l v o m 2 7 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Maurizio Greppi (Vorsitz), Richter Jérôme Candrian, Richterin Marianne Ryter, Gerichtsschreiberin Laura Bucher. Parteien A._______, vertreten durch Urs Wüthrich, Rechtsanwalt, Frôté & Partner AG, Zentralplatz 51, Postfach 480, 2501 Biel/Bienne, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Sport BASPO, Jugend- und Erwachsenensport, Hauptstrasse 247-253, 2532 Magglingen/Macolin, Vorinstanz. Gegenstand Sistierung der Anerkennung als J+S Kader. A-5465/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______ ist Inhaberin von ausländischen Ausbildungsdiplomen, au f- grund derer ihr am (…) durch das Bundesamt für Sport (BASPO) der J+S-Ausweis mit dem Status (…) ausgestellt wurde. Seither war sie bis zu ihrer fristlosen Entlassung für den (Sportverband) als (Trainerin) am (…) tätig. Am 3. November 2013 fand aufgrund diverser Beobachtungen und Ereignisse in Zusammenhang mit den Trainerinnentätigkeiten von A._______ und B._______ eine Aussprache zwischen dem BASPO und dem (Sportverband) statt. In der Folge löste der (Sportverband) am 8. November 2013 das Arbeitsverhältnis mit A._______ fristlos auf. B. Am 25. August 2014 verfügte das BASPO mit sofortiger Wirkung die Si s- tierung aller Anerkennungen als J+S -Kaderperson von A._______ und gewährte ihr gleichzeitig das rechtliche Gehör bezüglich des gleichzeitig eingeleiteten Verfahrens auf definitiven Entzug der Anerkennungen. Einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Zur Begründung führte es aus, das Körpergewicht der Athletinnen sei direkt mit der Leistung und Selektion in Verbindung g e- bracht worden, Überlastungsbeschwerden seien aufgetreten, medizin i- sche Anweisungen seien missachtet worden, ein Klima der Angst sei en t- standen und Disziplin sei über direkte Konkurrenz eingefordert worden, bei den Athletinnen seien Motivationsverlust, Angst, Traurigkeit, Ärger, grosse Müdigkeit, Verwirrtheit, Nervosität und Verunsicherung beobachtet worden. Dieses Verhalten von A._______ und B._______ stehe im W i- derspruch zu den Pflichten einer J+S -Leiterperson, welche die Entwic k- lung und Entfaltung der Kinder und Jugendlichen zu unterstützen und für die Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit der Kinder und J u- gendlichen zu sorgen habe. Entsprechende Grundsätze würde auch die Ethik-Charta von Swiss Olympic und des BASPO enthalten. Die erwäh n- ten Verhaltensweisen seien damit nicht vereinbar, weshalb A._______ als J+S-Kaderperson ungeeignet erscheine und beabsichtigt werde, ihr sämt- liche Anerkennungen als J+S -Kader zu entziehen. Weil sie nach dem Weggang beim (Sportverband) weiterhin als Trainerin der (…) in einem Verein tätig sei, der seine Aktivitäten bei J+S angemeldet habe, würden ihre Kaderanerkennungen zum Schutz der betroffenen Athletinnen mit so- fortiger Wirkung sistiert. A-5465/2014 Seite 3 C. Gegen diese Verfügung erhebt A._______ (nachfolgend: Beschwerdefüh- rerin) am 25. September 2014 Beschwerde vor dem Bundesverwaltung s- gericht. Sie beantragt, die Verfügung des BASPO vom 25. August 2014 sei aufzuheben und die mit dieser Verfügung entzogene aufschiebende Wirkung sei wieder herzustellen bzw. der Beschwerde aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. Als Begründung bringt die Beschwerdeführerin vor, sie bestreite die gegen sie pauschal erhobenen und nicht näher e r- läuterten Vorwürfe. (…) Der Beschwerdeführerin sei nicht klar, wer und in Bezug auf welches Verhalten Vorwürfe gegen sie erhoben habe. Das BASPO habe seit fast einem Jahr Kenntnis von der Kündigung und den im Raum stehenden Vorwürfen gehabt und es bisher unterlassen, Mas s- nahmen zu ergreifen. Die Ausweise der Beschwerdef ührerin seien trotz Kenntnis der Vorwürfe durch das BASPO verlängert worden. Die erforder- liche Dringlichkeit sei in keiner Weise gegeben und die Verhältnismässi g- keit nicht gewahrt. Die Vorge hensweise ohne vorgängige Anhör ung sei unhaltbar, gerade auch weil das BASPO wisse, dass die Beschwerdefüh- rerin sämtliche Vorwürfe bestreite. Die getroffene Massnahme sei für die Beschwerdeführerin einschneidend, weil ihr das berufliche und wirtschaft- liche Fortkommen verunmöglicht werde. D. Am 26. September 2014 ersuchte der zuständige Instruktionsrichter das BASPO sowohl um eine Stellungnahme zum Antrag auf Wiederherste l- lung der aufschiebenden Wirkung als auch um eine Vernehmlassung in der Hauptsache. Mit Stellungnahme vom 17. Oktober 2014 beantragt das BASPO (nachfolgend : Vorinstanz), die Beschwerde sei abzuweisen. Nachdem der (Sportverband) die Vorinstanz über die Auflösung des A r- beitsverhältnisses informiert hatte, habe zum damaligen Zeitpunkt kein weiterer Handlungsbedarf bestanden. Die Vorinstanz habe aber im A u- gust 2 014 erfahren, dass die Beschwerdeführerin in (Verein), der seine Aktivitäten bei J+S angemeldet habe, tätig sei. Aufgrund der im Raum stehenden Vorwürfe sei deshalb ein unverzügliches Handeln seitens der Vorinstanz angezeigt gewesen. Die Vorwürfe würden un ter anderem in zwei Berichten vom 17. Mai 2010 ( …) und vom 28. Oktober 2013 ( …) konkretisiert. Die J+S -Anerkennung der Beschwerdeführerin sei tatsäc h- lich Ende 2013 erneuert worden, allerdings sei die Verlängerung aufgrund der Teilnahme an einer Weiterbildu ngsveranstaltung automatisch g e- schehen. Die verfügte Sistierung tangiere einzig die J+S -Anerkennung, nicht jedoch das Trainer indiplom bzw. die berufliche Tätigkeit als Train e-A-5465/2014 Seite 4 rin. Ausserhalb des J+S -Programms könne die Beschwerdeführerin we i- terhin als Trainerin tätig sein. E. In ihrer Stellungnahme vom 11. November 2014 bestreitet die Beschwe r- deführerin die inhaltliche Richtigkeit der von der Vorinstanz mit der Ste l- lungnahme vom 17. Oktober 2014 eingereichten Unterlagen. Vom Bericht aus dem Jahr 2013 habe die Beschwerdeführerin erstmals im vorliege n- den Verfahren Kenntnis erhalten. Die Vorinstanz sei "Initiator" der fristl o- sen Kündigung durch die ehemalige Arbeitgeberin der Beschwerdeführ e- rin, man habe entsprechenden Druck ausgeübt. Der Erlass von superpro- visorischen Massnahmen erforderliche besondere Dringlichkeit, welche hier nicht gegeben sein. Durch das lange Zuwarten nach den Berichten aus den Jahren 2010 und 2013 habe die Vorinstanz den Anspruch auf Er- lass solcher Massnahmen verwirkt. Die Beschwerdeführeri n habe einen Anspruch, sich zu den ihr bisher unbekannten Anschuldigungen und dem Bericht aus dem Jahr 2013 zu äussern. Weil der neue Arbeitgeber der Beschwerdeführerin ebenfalls dem J+S angeschlossen sei, riskiere sie den Verlust der neuen Arbeitsstelle. Zudem werde das berufliche For t- kommen der Beschwerdeführerin durch den Entzug der Ausweise massiv gefährdet, weil andere potentielle Arbeitgeber aufgrund der Fördergelder eine Zusammenarbeit mit dem J+S führen oder anstreben würden. F. Auf die weiteren Au sführungen wird – soweit entscheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwa l- tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwe r- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern sie von einer Vori n- stanz nach Art. 33 VGG stammen und keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG gelten auch sel b- ständig eröffnete Zwischenverfügungen (vgl. Art. 5 Abs. 2 VwVG). Die vorliegend zu beurteilende Beschwerde richtet sich gegen die Anordnung einer vorsorglichen Massnahme, die unbestrittenermassen eine selbstä n- dig eröffnete Zwischenverfügung darstellt. Eine Beschwerde gegen so l-A-5465/2014 Seite 5 che Verfügungen ist allerdings nicht in jedem Fall zulässig. Stets möglich ist einzig die Anfechtung von Zwischenverfügungen über die Zuständi g- keit und den Ausstand (vgl. Art. 45 Abs. 1 VwVG). Gegen andere Zw i- schenverfügungen kommt eine Beschwerde nach Art. 46 Abs. 1 VwVG dagegen nur in Frage, wenn diese entweder einen nicht wieder gutzum a- chenden Nachteil bewirken können (Bst. a) oder die Gutheissung der B e- schwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen b e- deutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisve r- fahren ersparen würde (Bst. b). 1.1.1 Mit dem Erfordernis des nicht wiedergutzumachenden Nachteils wird die Voraussetzung eines schutzwürdigen Interesses an der sofort i- gen Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Zwischenverfügung umschrieben. Demnach liegt das Rechtsschutzinteresse im Schaden, der entstünde, wenn der Nachteil auch durch einen an sich günstigen En d- entscheid nicht oder nur teilweise behoben werden könnte (vgl. BGE 131 V 362 E. 3.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -6184/2010 vom 23. Februar 2012 E. 4.2; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 910). Der nicht wiedergutzumachende Nachteil muss nicht rechtlicher, sondern kann auch tatsächlicher Natur sein; die Beein trächti- gung schutzwürdiger tatsächlicher, insbesondere auch wirtschaftlicher In- teressen genügt, sofern der Betroffene nicht nur versucht, eine Verläng e- rung oder Verteuerung des Verfahrens zu verhindern (vgl. statt vieler U r- teile des Bundesverwaltungsgerichts A-2082/2014 vom 9. Juli 2014 E. 21 mit Hinweisen und A -1081/2014 vom 23. April 2014 E. 1.3 mit Hinweis; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.42 ff.; JÉRÔME CANDRIAN, Introduction à la procédure adm inistrative fédérale, Basel 2013, Nr. 108 -109, S. 71 f.). Er muss nicht geradezu irreparabel, jedoch von einigem Gewicht sein (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A -3043/2011 vom 15. März 2012 E. 1.2.3; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 910; MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.47). Nicht erforderlich ist, dass er tatsächlich entsteht; es reicht aus, dass er entstehen bzw. nicht von vor n- herein ausgeschlossen werden kann (vgl. Urteil des Bundesverwaltung s- gerichts B -860/2011 vom 8. September 2011 E. 2. 2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 909; MARTIN KAYSER, in: A u- er/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar VwVG, Zürich 2008, Art. 46 N. 10). Die Beweislast für das Vorliegen eines entsprechenden Nachteils trägt die beschwerdeführende Partei (vgl. BGE 125 II 620 E. 2a; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B -5436/2011 vom 5. März 2012 E. 3.4; A-5465/2014 Seite 6 KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 909). Bewirkt eine Zwischenverfügung dagegen keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil, so kann sie erst mit Beschwerde gegen die Endverfüg ung angefochten werden (Art. 46 Abs. 2 VwVG). 1.1.2 Die angefochtene Verfügung stellt eine selbständig eröffnete Zw i- schenverfügung dar, denn sie betrifft einzig die Frage der vorläufigen Sis- tierung der J+S -Anerkennungen der Beschwerdeführerin, nicht aber die Hauptstreitfrage betreffend den definitiven Entzug dieser Anerkennungen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die getroffene Massnahme ve r- unmögliche ihr das berufliche und wirtschaftliche Fortkommen. Demg e- genüber stellt die Vorinstanz fest, dass es der Besch werdeführerin unbe- nommen sei, ausserhalb des J+S-Programms weiterhin als Trainerin tätig zu sein, da die Anerkennungen der Beschwerdeführerin als Berufstrain e- rin bzw. ihr Trainerindiplom von der Sistierung nicht betroffen seien. 1.1.3 Im vorliegenden Fall ist d as Erfordernis eines nicht wiedergutzum a- chenden Nachteils gegeben. Ohne die J+S -Anerkennung der Beschwer- deführerin erhielte deren Arbeitgeber keine Fördergelder mehr . Es b e- steht daher das Risiko einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber, damit eine Trainerin mit gültiger J+S-Anerkennung neu eingestellt werden könnte. Daher ist das berufliche Fortkommen der B e- schwerdeführerin durch die Sistierung der Anerkennungen zumindest ge- fährdet. 1.1.4 Die Anfechtung der angefochtenen Zwischenverfügung ist demnach zulässig. Diese stammt weiter vom BASPO, also einer Dienststelle der Bundesverwaltung nach Art. 33 Bst. d VGG. Eine Ausnahme, was das Sachgebiet angeht (vgl. Art. 32 VGG), liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde z u- ständig. 1.2 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Tei l- nahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders b e- rührt ist und e in schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ä n- derung hat. Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die ang e- fochtene Verfügung formell beschwert und besonders berührt und hat – wie dargelegt (vgl. E. 1.1.3) – ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf- hebung bzw. Änderung. Damit ist sie zur Beschwerde legitimiert. A-5465/2014 Seite 7 1.3 Die Beschwerde wurde im Weiteren frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und 52 VwVG), weshalb auf sie einzutreten ist. 2. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grund sätzlich mit uneing e- schränkter Kognition. Es überprüft die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit (Art. 49 VwVG). 3. 3.1 Der Bund führt das Programm "Jugend und Sport" (J+S) für Kinder und Jugendliche. Dieses unterstützt die Entwicklung und Entfaltung der Kinder und Jugendlichen und ermöglicht ihnen, Sport ganzheitlich zu e r- leben (Art. 6 des Bundesgesetzes über die Förderung von Sport und B e- wegung vom 17. Juni 2011 [SR 415.0]). Das Programm J+S gestaltet und fördert kinder - und jugendgerechten Sport und berücksichtigt dabei die Grundsätze der Fairness und der Sicherheit. Es unterstützt unter päda- gogischen, sozialen und gesundheitlichen Gesichtspunkten die Entwic k- lung und Entfaltung und fördert die langfristige, hochstehende und lei s- tungsorientierte Ausbildung von Nachwuchsathleten (Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Förderung von Spor t und Bewegung vom 23. Mai 2012 [Sportförderungsverordnung, SR 415.01; nachfolgend: SpoFöV]. Gemäss Art. 15 SpoFöV setzen J+S-Kadermitglieder in ihrer Tätigkeit die Grundsätze des fairen und sicheren Sports sowie das Leitbild von J+S um. Sie treffen die erforderlichen Massnahmen zur Verhinderung von Un- fällen. Gemäss Art. 21 Abs. 1 SpoFöV kann das BASPO die Anerkennung von Kadermitgliedern sistieren oder entziehen, wenn das Kadermitglied gegen die in Gesetz, Verordnung oder Ausführungsbestimmungen festge- legten Verpflichtungen verstösst (Bst. a), wenn die Eignung des Kade r- mitglieds zur Ausübung seiner Aufgabe wegfällt (Bst. b) oder wenn die Zusammenarbeit aufgrund eines zerrütteten Vertrauensverhältnisses nicht mehr möglich ist (Bst. c). Anstelle einer Sistier ung oder eines En t- zugs kann das BASPO die weitere Tätigkeit des Kadermitglieds mit Au f- lagen verbinden oder in leichteren Fällen eine Verwarnung aussprechen (Art. 21 Abs. 2 und 3 SpoFöV). 3.2 Mit Verfügung vom 25. August 2014 hat die Vorinstanz der Beschwer- deführerin mitgeteilt, dass sie in Anwendung von Art. 21 SpoFöV bea b- sichtige, ihr sämtliche Anerkennungen als J+S -Kader zu entziehen. Weil A-5465/2014 Seite 8 festgestellt wurde, dass die Beschwerdeführerin weiterhin als Trainerin der (…) aktiv sei, würden zum Schutz der betroff enen Athletinnen alle J+S-Anerkennungen der Beschwerdeführerin mit sofortiger Wirkung bis zum Entscheid über den Entzug der Anerkennungen sistiert. 3.3 Nach den Regeln des VwVG setzt die Anordnung derartiger Mas s- nahmen Dringlichkeit voraus, d.h. es muss sich als notwendig erweisen, die fraglichen Vorkehren sofort zu treffen. Weiter muss der Verzicht auf Massnahmen für den Betroffenen einen nicht leicht wieder gutzumache n- den Nachteil bewirken, wobei ein tatsächliches, insbesondere wirtschaftli- ches Interesse gen ügt. Erforderlich ist schliesslich, dass die Abwägung der verschiedenen Interessen den Ausschlag für den einstweiligen Rechtsschutz gibt und dieser verhältnismässig erscheint. Der durch die Endverfügung zu regelnde Zustand darf jedoch weder präjudiziert no ch verunmöglicht werden (vgl. zum Ganzen Art. 55 und 56 VwVG, die im erstinstanzlichen Verfahren analog gelten; BGE 130 II 149 E. 2.2, BGE 127 II 132 E. 3; Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts A - 3464/2013 vom 16. Juli 2013 E. 5.1; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 562 und 566 f.; SEILER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxis- kommentar VwVG, Zürich 2009, Art. 56 Rz. 17). Der Entscheid über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen beruht auf einer bloss summar i- schen Prüfung der Sach - und Rechtslage. Herabgesetzt sind neben den Untersuchungspflichten auch die Beweisanforderungen; das Glaubhaf t- machen von Anliegen genügt in der Regel (sog. Prima -facie-Entscheid; vgl. BGE 130 II 149 E. 2.2; Zwischenverfügung des Bundesverwaltung s- gerichts A-3464/2013 vom 16. Juli 2013 E. 5.1; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 568). Die Hauptsachenprognose kann berücksichtigt werden, wenn sie eindeutig ist. Bei tatsächlichen oder rechtlichen Unklarheiten drängt sich hingegen Zurückhaltung auf, weil in diesem Fall die erfor derli- chen Entscheidgrundlagen im Hauptverfahren erst noch beschafft werden müssen (vgl. BGE 130 II 149 E. 2.2, BGE 127 II 132 E. 3; Zwischenverf ü- gung des Bundesverwaltungsgerichts A -3464/2013 vom 16. Juli 2013 E. 5.1; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 565 und 567). 3.4 Im Folgenden ist unter Beachtung der aufgezeigten Entscheidsyst e- matik (E. 3.2) zu prüfen, ob die Vorinstanz die streitige vorsorgliche Massnahme zu Recht angeordnet hat. 4. A-5465/2014 Seite 9 4.1 Eine verlässliche Entscheidprognose über das vor der Vorinstanz hängige Ve rfahren in der Hauptsache (definitiver Entzug der Anerke n- nungen als J+S-Kaderperson) lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht tre f- fen. Es werden genauere Abklärungen und allenfalls die Durchführung ei- nes Beweisverfahrens notwendig sein. Zudem hatte die Besc hwerdefüh- rerin im Rahmen des Hauptverfahrens bisher noch keine Gelegenheit, zu allen Unterlagen der Vorinstanz Stellung zu nehmen bzw. die entspr e- chenden Fristen laufen noch. Mangels eindeutiger Entscheidprognose hat diese deshalb nachfolgend ausser Acht zu bleiben. 4.2 Das Erfordernis der Dringlichkeit wird aus dem Umstand abgeleitet, dass ohne sofortige Anordnung einer Massnahme ein schwerwiegender, nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht (vgl. Zwischenverf ü- gungen des Bundesverwaltungsgerichts A- 7841/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.2 und A -8531/2010 vom 4. März 2011 E. 2.3; STAEHE- LIN/STAEHELIN/GROLIMUND, Zivilprozessrecht, 2. Aufl. 2013, S. 381; HU- BER, in: Sutter -Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar ZPO, 2. Aufl. 2013, Art. 261 Rz. 22). W artet die anordnende Instanz zu lange mit der Massnahme zu, ist die Anordnung schon unter dem G e- sichtspunkt des Rechtsmissbrauchsverbots zu verweigern ( HUBER, a.a.O., Art. 265 Rz. 9). 4.2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die Vorinstanz trotz Kenntnis der Vorwürfe fast 10 Monate lang untätig geblieben sei. Die e r- forderliche Dringlichkeit sei nicht gegeben. Die Vorinstanz hingegen bringt vor, sie sei vom (Sportverband) im Januar 2014 über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der Beschwerdeführerin informiert worden, we s- halb zum damaligen Zeitpunkt kein weiterer Handlungsbedarf bestanden habe. Nachdem man aber im August 2014 erfahren habe, dass die B e- schwerdeführerin wieder bei einem Verein, der bei J+S angemeldet ist, tätig ist, habe man unverzüglich gehandelt. 4.2.2 Aus den im vorliegenden Verfahren eingereichten Unterlagen geht hervor, dass das BASPO das (Kader) (…) seit März 2010 sportpsycholo- gisch unterstützte. Im Bericht vom 17. Mai 2010 machten die Sportps y- chologen des BASPO auf die aus ihrer Sicht fragwürdige Verhaltenswei- sen und Methoden der Trainerinnen des Nationalkaders aufmerksam und schlugen für das weitere Vorgehen mehrere Varianten vor. In einem we i- teren Bericht vom 28. Oktober 2013 stellten die Sportpsychologen des BASPO fest, dass keine V erbesserungen erkennbar seien, die Situation habe sich eher zugespitzt. Es wurde beantragt, dass das BASPO das A-5465/2014 Seite 10 Gespräch mit dem (Sportverband) suche und im Bereich (…) gemeinsa- me Ziele für die Zusammenarbeit zur Verbesserung der aktuellen Situat i- on der Ath letinnen festlege. Ansonsten sei die Zusammenarbeit des BASPO mit dem (Sportverband) abzubrechen. Am 3. November 2013 fand offensichtlich eine Aussprache zwischen d em BASPO und dem (Sportverband) statt. Am 8. November 2013 kündigte der (Sportverband) das Arbeitsverhältnis mit der Beschwerdeführerin fristlos. Mit Schreiben vom 15. Januar 2014 teilte das BASPO dem (Sportverband) schliesslich mit, dass man die Weiterführung des (…) in (…) unter der Leitung der beiden verantwortlichen Trainerinnen ab sofort nicht mehr dulden könne. 4.2.3 Folglich hatte die Vorinstanz seit Mai 2010 Kenntnis von den Vo r- würfen, die gegenüber der Beschwerdeführerin erhoben wurden. Vom Ar- beitgeber der Beschwerdeführerin hat sie deshalb ausdrücklich verlangt, dass Massnahmen zum Schutz der Athletinnen zu ergreifen seien. G e- mäss Schreiben vom 15. Januar 2014 teilte die Vori nstanz dem (Sport- verband) an der Besprechung vom 3. November 2013 mit, dass sie die Weiterführung des (…) in (…) unter Leitung der beiden verantwortlichen Trainerinnen, somit unter anderem unter Leitung der Beschwerdeführerin, ab sofort nicht mehr dulden könne. Das Verhalten der Vorinstanz und die klaren Forderungen gegenüber dem (Sportverband) zeigen, dass die Vor- instanz offenbar grundsätzliche , erhebliche Zweifel gegenübe r der Ei g- nung der Beschwerdeführerin als Trainerin hatte und ihre Trainingsm e- thoden als nicht mit dem Wohl der Athletinnen vereinbar erachtete. Weil die Vorwürfe bezüglich Trainer inverhalten bereits seit Mai 2010 bekannt und dokumentiert sind und die Vorin stanz spätestens seit 3. November 2013 die Tätigkeit der Beschwerdeführerin als J+S Leiterin nicht mehr duldete, handelte sie widersprüchlich, wenn sie das Verfahren auf Entzug der J+S -Anerkennungen erst im August 2014 einleitete und gleichzeitig mittels vorsorglicher Massnahme die Sistierung der Anerkennungen ve r- fügte. Die Dringlichkeit der Massnahme erscheint fraglich, nachdem die Vorwürfe selbst bis zum 3. November 2013 über dreieinhalb Jahre im Raum standen, ohne dass gemäss den Akten bis zum Vorliegen des als vertraulich bezeichneten Berichts zur Zusammenarbeit des (Sportverban- des) und des Ressorts Leistungssport am BASPO vom 28. Oktober 2013 eine weitere Intervention oder Abklärung durch das BASPO erfolgte. Un- behelflich ist, dass die Vorinstanz das weitere Zuwarten damit erklärt, dass sie erst im August 2014 Kenntnis von der neuen Trainer intätigkeit der Beschwerdeführerin erhalten habe. Die Vorinstanz konnte nicht au s- schliessen, dass die Beschwerdeführerin nach der fri stlosen Entlassung beim (Sportverband) am 8. November 2013 eine neue Trainer intätigkeit A-5465/2014 Seite 11 aufnehmen könnte. Aufgrund des langen Zuwartens der Vorinstanz ist die Dringlichkeit zu verneinen und die Anordnung einer vorsorglichen Mass- nahme nicht mehr gerechtfertigt. 4.3 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die superproviso- rische bzw. vorsorgliche Sistierung aller J+S -Anerkennungen der B e- schwerdeführerin mangels Dringlichkeit zu Unrecht erfolgt ist. Bei diesem Ergebnis ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Ve rfü- gung aufzuheben. Aufgrund dieses Endentscheids erweist sich der Ve r- fahrensantrag der Beschwerdeführerin um Wiederherstellung der au f- schiebenden Wirkung als gegenstandslos und ist abzuschreiben. 5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens obsiegt die Beschwerdef ührerin. Es sind ihr deshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800. -- ist ihr nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 5.2 Der obsiegenden Partei ist von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 übe r die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Entschädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen der Partei (Art. 8 ff. VGKE). Sie wird vom Gericht aufgrund der Akten festgesetzt , wenn keine Kostennote eingereicht wird (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In A n- wendung dieser Bestimmungen hat die Vorinstanz der obsiegenden B e- schwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- (inkl. Ausla- gen und Mehrwertsteuer) auszurichten. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung der Vorinstanz vom 25. August 2014 wird aufgehoben. 2. Der Verfahrensantrag um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben. A-5465/2014 Seite 12 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800. -- nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. Die Beschwerdefüh- rerin hat hierzu dem Bundesverwaltungsgericht Ihre Kontoverbindung mitzuteilen. 4. Die Vorinstanz wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine Parteien t- schädigung von Fr. 2'000.-- (inkl. Auslagen und MwSt) zu leisten. 5. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – das GS VBS (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz ([…]; Einschreiben) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Maurizio Greppi Laura Bucher A-5465/2014 Seite 13 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der B e- weismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ang efochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: