<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2022-07-07-5A_20-2022.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5A_20/2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 7. Juli 2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>II. zivilrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Herrmann, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter von Werdt, Bovey, </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Gutzwiller. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">Familienstiftung A.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Aline Kratz-Ulmer, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Eidgenössisches Amt für das Handelsregister (EHRA), </div> <div class="para">Bundesrain 20, 3003 Bern. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Eintragung einer Familienstiftung im Handelsregister, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, Abteilung II, vom 23. November 2021 </div> <div class="para">(B-5100/2020). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Am 7. April 2008 starb A.A.________ (Erblasserin, Jahrgang 1912). Ihre Willensvollstreckerin, die B.________ AG, errichtete unter dem Namen "A.________" eine Familienstiftung. Gemäss der Stiftungsurkunde vom 27. September 2010 widmete die Erblasserin ein Anfangskapital von Fr. 200'000.-- und zwei Grundstücke für den Zweck, den Unterhalt und die Verwaltung der beiden Liegenschaften und deren Nutzung durch die im Testament Bedachten, insbesondere die Verwandten und Freunde der Erblasserin, zu gewährleisten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.a.</b> Auf Gesuch des Stiftungsrates trug das Handelsregisteramt des Kantons Zürich die Familienstiftung unter dem Namen "Familienstiftung A.________" mit Sitz in U.________ und Urkundendatum vom 27. September 2010 erstmals (Neueintragung) im Handelsregister ein (Nr. xxx vom 29. Juli 2019). </div> <div class="para">Das Eidgenössische Amt für das Handelsregister (EHRA) verweigerte der Eintragung die Genehmigung wegen der Zweckumschreibung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.b.</b> Der Stiftungsrat passte den Stiftungszweck am 25. November 2019 an. Das Handelsregisteramt trug die Familienstiftung erneut ein mit Urkundendatum vom 27. September 2010 und 25. November 2019 (Nr. yyy vom 3. Dezember 2019). </div> <div class="para">Das EHRA lehnte es ab, die Eintragung zu genehmigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.c.</b> Der Stiftungsrat passte den Stiftungszweck am 23. Juni 2020 an. Das Handelsregisteramt trug die Familienstiftung wiederum ein mit Urkundendatum vom 27. September 2010 und 23. Juni 2020 (Nr. zzz vom 16. Juli 2020). </div> <div class="para">Das EHRA genehmigte die Eintragung nicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.d.</b> Mit Verfügung vom 15. September 2020 verweigerte das EHRA die Genehmigung der Eintragungen endgültig mit der Begründung, der Stiftungszweck enthalte unzulässige Bestimmungen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.e.</b> Die Familienstiftung A.________ gelangte dagegen an das Bundesverwaltungsgericht, das ihre Beschwerde abwies (Urteil vom 23. November 2021). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Mit Eingabe vom 10. Januar 2022 beantragt die Familienstiftung A.________ (Beschwerdeführerin) dem Bundesgericht, das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. November 2021 aufzuheben und das EHRA zu verpflichten, den Tagesregistereintrag Nr. zzz vom 16. Juli 2020, eventuell den Tagesregistereintrag Nr. xxx vom 29. Juli 2019 und subeventuell den Tagesregistereintrag Nr. yyy vom 3. Dezember 2019 des Handelsregisteramtes des Kantons Zürich zu genehmigen und die Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt SHAB zu veranlassen, subsubeventuell die Angelegenheit an das Bundesverwaltungsgericht mit der Anweisung zurückzuweisen, dass vor dessen Urteil der Zivilrichter über die Gültigkeit der Konversion bzw. die Konversion der Stiftung zu urteilen habe. </div> <div class="para">Das Bundesgericht hat die Akten des Beschwerdeverfahrens, hingegen keine Vernehmlassungen eingeholt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Das angefochtene Urteil über die Eintragung einer Familienstiftung in das Handelsregister ist ein öffentlich-rechtlicher Entscheid, der in unmittelbarem Zusammenhang mit Zivilrecht steht (Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 2 BGG). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.1.</b> Der Entscheid über die Führung des Handelsregisters betrifft eine vermögensrechtliche Angelegenheit (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=05.07.2022&amp;to_date=24.07.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-III-368%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page368">BGE 133 III 368</a> E. 1.3.1). Die Beschwerde in Zivilsachen ist deshalb nur zulässig, wenn der Streitwert mindestens Fr. 30'000.-- beträgt (<span class="artref">Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG</span>). Beim vergleichbaren Antrag auf Wiedereintragung einer Gesellschaft im Handelsregister sind die finanziellen Folgen für die beschwerdeführende Partei oder die Gesellschaft streitwertbestimmend (Urteil 4A_465/2008 vom 28. November 2008 E. 1.5, in: SZZP 2009 S. 182 f. und ZBGR 91/2010 S. 311; für weitere Beispiele: TAPPY, in: Commentaire romand, Code de procédure civile, 2. Aufl. 2019, N. 80 zu <span class="artref">Art. 91 ZPO</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.2.</b> Seit der Änderung von <span class="artref">Art. 52 Abs. 2 ZGB</span>, in Kraft getreten am 1. Januar 2016 (AS 2015 1389 und 1406), sind Familienstiftungen nicht mehr von der Eintragung in das Handelsregister befreit und selbst nach bisherigem Recht gültig errichtete Familienstiftungen haben sich binnen fünf Jahren im Handelsregister eintragen zu lassen (<span class="artref">Art. 6b Abs. 2bis SchlT ZGB</span>). Für den Fall, dass sie sich nicht oder nicht fristgerecht eintragen lassen, sah der Bundesrat in seinem Entwurf vor, dass die säumigen Familienstiftungen nicht mehr als juristische Personen anerkannt werden (Botschaft vom 13. Dezember 2013 zur Umsetzung der 2012 revidierten Empfehlungen der Groupe d'action financière [GAFI], BBl 2014 S. 657 Ziff. 2.1). Die Räte entschieden indessen gegenteilig und bestimmten, dass Familienstiftungen, die ihre Eintragungen im Handelsregister nicht oder nicht vor Fristablauf vornehmen lassen, ihre Rechtspersönlichkeit nicht verlieren (vgl. insbesondere AB 2014 N 1967 und 2266, je Votum Vogler; AB 2014 S 1178). </div> <div class="para">Das Auslegungsergebnis anhand der Entstehungsgeschichte (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=05.07.2022&amp;to_date=24.07.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-II-201%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page201">BGE 146 II 201</a> E. 4.1) ist anerkannt und findet sich in allen gängigen Lehrbüchern und Kurzkommentaren. Lässt sich eine Familienstiftung nicht oder nicht rechtzeitig im Handelsregister eintragen, droht ihr kein Verlust der Rechtspersönlichkeit, sondern allenfalls ein Verfahren auf Eintragung von Amtes wegen (MEIER, Droit des personnes, 2. Aufl. 2021, Rz. 1000 Fn. 2472 und Rz. 1305 mit weiteren Hinweisen; TUOR/SCHNYDER/SCHMID/JUNGO, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 14. Aufl. 2015, § 15 Rz. 30 und Fn. 22 sowie § 48 Rz. 6 und Fn. 12; HUGUENIN/GIAMPAOLO, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch, 6. Aufl. 2019, N. 9a zu <span class="artref">Art. 6b SchlT ZGB</span>; PIOTET, in: Commentaire romand, Code civil, 2016, N. 19 zu <span class="artref">Art. 6b SchlT ZGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.3.</b> Der Hinweis auf die Rechtsprechung zur zivilgerichtlichen Auflösung einer juristischen Person wegen widerrechtlichen Zwecks (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=05.07.2022&amp;to_date=24.07.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-II-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">BGE 112 II 1</a> E. 2) hilft der Beschwerdeführerin nicht weiter, da es hier weder um ein gerichtliches Verfahren noch um die Aufhebung der juristischen Person geht. Streitwertbestimmend ist auch nicht das Stiftungsvermögen (S. 3 Ziff. I/3 der Beschwerdeschrift). Es geht vielmehr um die Frage, welches die finanziellen Folgen sind, wenn die Familienstiftung nicht im Handelsregister eingetragen wird (vgl. etwa zu den Kosten einer Eintragung: Verordnung vom 6. März 2020 über die Gebühren für das Handelsregister [GebV-HReg; SR 221.411.1]). Dazu finden sich in der Beschwerdeschrift keinerlei Angaben, obwohl Lehre und Rechtsprechung auf diese Bestimmung des Streitwertes hinweisen. Selbst eine Festsetzung des Streitwertes nach Ermessen (<span class="artref">Art. 51 Abs. 2 BGG</span>) könnte hier nicht zu einem Betrag von mehr als Fr. 30'000.-- führen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=05.07.2022&amp;to_date=24.07.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-III-571%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page571">BGE 140 III 571</a> E. 1.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.</b> Erreicht der Streitwert den gesetzlichen Mindestbetrag nicht, so ist die Beschwerde dennoch zulässig, wenn sich - als einziger hier in Betracht fallender Ausnahmetatbestand - eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (<span class="artref">Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG</span>). Warum diese Voraussetzung erfüllt ist, ist in der Beschwerdeschrift auszuführen (<span class="artref">Art. 42 Abs. 2 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=05.07.2022&amp;to_date=24.07.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-III-182%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page182">BGE 139 III 182</a> E. 1.2 mit Hinweis). Entsprechende Ausführungen der Beschwerdeführerin fehlen, so dass die Beschwerde in Zivilsachen auch unter diesem Blickwinkel und damit insgesamt unzulässig ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Da vorinstanzlich das Bundesverwaltungsgericht entschieden hat, fällt nicht in Betracht, die Eingabe der Beschwerdeführerin als subsidiäre Verfassungsbeschwerde entgegenzunehmen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=23&amp;from_date=05.07.2022&amp;to_date=24.07.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-II-168%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page168">BGE 145 II 168</a> E. 4). Ihre Zulässigkeit setzt einen Entscheid letzter kantonaler Instanzen (<span class="artref">Art. 113 BGG</span>) bzw. eine kantonale Vorinstanz (<span class="artref">Art. 114 BGG</span>) voraus. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Insgesamt ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Die Beschwerdeführerin wird damit kosten-, nicht hingegen entschädigungspflichtig (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 und <artref id="CH/173.110/68/3" type="start"></artref>Art. 68 Abs. 3 BGG</span><artref id="CH/173.110/66/1" type="end"></artref>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, dem Eidgenössischen Amt für das Handelsregister (EHRA) und dem Bundesverwaltungsgericht, Abteilung II, mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 7. Juli 2022 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Herrmann </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: Gutzwiller </div> </div></body></html>