Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Oktober 2022 (730 21 320 / 237) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Zahnbehandlung; Extraktions- und Implantationsindikation fraglich. Rückweisung zur er- gänzenden Abklärung der medizinischen Verhältnisse. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Assura -Basis AG , Case postale 7 , 1052 Le Mont -sur -Lausanne , Be- schwerdegegnerin, vertreten durch Assura-Basis SA, z.H. L. Scha- walder, Jurist, Chemin de Budron A1, Case postale 7, 1052 Le Mont- sur-Lausanne Betreff Leistungen A. A.____ ist bei der Assura-Basis AG (Assura) obligator isch krankenpflege- und unfallver- sichert . Am 7. September 2019 erlitt er bei einem Sturz unter anderem eine Kontusion diverser Zähne. Am 24. Januar 2020 reichte seine behandelnde Zahnärztin Dr. med. dent. B.____ bei der Assura ein Zahnschadenformular inklusive Kostenvoranschlag vom 14. Januar 2020 in der Höhe von Fr. 2'502.55 samt Laborkosten im Umfang von Fr. 891.45 für die Versorgung des Zahnes 12 mittels einer MVK-Krone ein. Mit Schreiben vom 3. Februar 2020 teilte die Assura der Zahnärztin Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit, dass sie sich nach Prüfung der Unterlagen durch ihren Vertrauensarzt lediglich an den Kos- ten für eine Wurzelbehandlung beteiligen könne. Da für die Herstellung einer Krone zum jetzigen Zeitpunkt keine medizinische Indikation erkennbar sei, sei die vorgeschlagene Behandlung nicht wirtschaftlich. B. Am 10. Juni 2020 und am 26. Juni 2020 gingen bei der Assura zwei weitere Gesuche um Kostenübernahme für die Folgebehandlung in Form eine r Extraktion und eines Implantats des betroffenen Zahnes 12 durch Dr. med. med. dent. C.____ im Umfang von Fr. 2'169.85 und einer anschliessenden Implantatkronenversorgung durch Dr. B.____ in der Höhe von Fr. 2'409.05 ein. Auf Nachfrage vom 18. Juni 2022 stellte Dr. B.____ der Assura in der Folge die originalen Rönt- genbilder samt Markierung einer vermuteten Wurzelfraktu r im apikalen Bereich des Zahnes 12 zu. Nach Einsicht in die ihr zur Verfügung gestellten Röntgenbilder bat die Assura mit Schreiben vom 27. Juli 2020 um Erläuterung, worin die zahnmedizi nische Indikation für die Extraktion des betroffenen Zahnes bestehe. Am 22. September 2020 teilte Dr. B.____ der Assura mit, dass die Extraktion des betroffenen Zahnes durch eine apikale Auf hellung nach erfolgter Wurzelbehand- lung indiziert gewesen sei. Bei persistierenden Beschwerd en und leichter apikaler Aufhellung handle es auch gemäss der Beurteilung durch Dr. C.____ u m die beste Lösung. Am 8. Oktober 2020 teilte die Assura der behandelnden Zahnärztin mit, dass die Voraussetzungen für eine Kos- tengutsprache hinsichtlich der geltend gemachten Unfallfolgebehandlung mangels ausreichender medizinischer Indikation nicht erfüllt seien. C. Am 19. Oktober 2020 ersuchte Dr. B.____ um Wiedere rwägung des ablehnenden Ent- scheids mit der Begründung, dass aufgrund der im Röntgenbild nachgewiesenen Fraktur unver- ständlich sei, weshalb keine Kostengutsprache erfolge. Zwecks erneuter Prüfung ihrer Leistungs- pflicht bat die Assura am 20. Oktober 2020 um Zustellung der Krankengeschichte des Versicher- ten. Am 7. Januar 2021 teilte die Assura mit, dass nach eingehender Prüfung der Angelegenheit durch ihren Vertrauensarzt keine neuen Erkenntnisse vorlägen, welche ein Neubeurteilung recht- fertigen würden. Für die Extraktion und eine Implantation des Zahnes 12 bestünde nach wie vor keine medizinische Indikation. Die Wurzelbehandlung sei etwas kurz ausgefallen; zudem weise der Zahn eine Parodontitis apikalis mit periradikuläre r Osteolyse auf. Als Therapiemassnahme werde eine Wurzelspitzenresektion für sinnvoll erachtet. An dieser Auffassung hielt sie in der Folge fest und lehnte mit Verfügung 28. April 2021 eine Kostenübernahme für die bereits durch- geführte Extraktion und Implantation des betroffenen Zahnes unter Hinweis auf eine erneute Stel- lungnahme ihres Vertrauensarztes Dr. med. dent. D.____ vom 18. April 2021 ab. Eine unter Hin- weis auf eine Stellungnahme von Dr. C.____ vom 8. Juni 2021 erhobene Einsprache des Versi- cherten vom 31. Mai 2021 wies sie nach Einholung von zwei weiteren vertrauensärztlichen Stel- lungnahmen vom 30. Juli 2021 und vom 27. August 2021 mi t Einspracheentscheid vom 1. Sep- tember 2021 ab. D. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch R echtsanwalt Daniel Altermatt, am 4. Oktober 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte di e Übernahme der Kosten für die durchgeführte Extraktion und Implantation des Zahnes 12. Zur Begründung brachte er zusam- menfassend vor, dass Dr. C.____ nachvollziehbar begründet habe, weshalb der betroffene Zahn Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht extrahiert und eine Implantatversorgung habe vorgenommen werden müssen. Die hiergegen er- hobenen Einwände der Vertrauensärzte der Beschwerdegegnerin seien nicht stichhaltig, da sie auf einer ex post erfolgten Beurteilung beruhen würden. E. Mit Vernehmlassung vom 11. November 2021 schloss die Assura unter Hinweis auf eine erneute Stellungnahme ihres Vertrauensarztes vom 19. O ktober 2021 auf Abweisung der Be- schwerde. F. Mit Replik vom 27. Januar 2022 und Duplik vom 16. Fe bruar 2022 hielten die Parteien an ihren bereits dargelegten Standpunkten fest. Nachdem die Angelegenheit am 18. Februar 2022 ein erstes Mal dem Präsidium des Kantonsgerichts zur Beurt eilung überwiesen worden war, er- suchte der Beschwerdeführer am 23. Februar 2022 um Ein reichung einer weiteren Stellung- nahme. Diese erging am 27. April 2022 unter Verweis auf eine erneute Beurteilung seines be- handelnden Zahnarztes vom 31. März 2022. Die Beschwerdeg egnerin hielt am 19. Mai 2022 unter Hinweis auf die Stellungnahme ihres Vertrauensarztes vom 12. Mai 2022 weiterhin an ihrem Abweisungsantrag fest. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 5. Juli 200 wurde die Angelegen- heit dem Präsidium erneut zur Beurteilung überwiesen. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des am 1. Januar 2003 in Kr aft getretenen Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) vom 20. März 1981 kann gegen Einspracheentscheide der Krankenversicherer Be schwerde erhoben werden. Zu- ständig ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person ihren Wohnsitz hat (vgl. Art. 58 ATSG). Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 4. Oktober 2021 ist daher einzutreten. 1.2 Strittig zwischen den Parteien ist der Anspruch des Ve rsicherten auf Leistungen der As- sura für den ursprünglich am 7. September 2019 erlittenen Schaden am Zahn 12 und dabei ins- besondere der Umfang der Versorgung des daraus resultierenden Folgeschadens in Form einer von den behandelnden Zahnärzten vorgenommenen Extraktion und Implantation. Gemäss § 55 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantons- gerichts über Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.—. Im vorliegenden Fall unter- schreiten die Kosten für die umstrittene Extraktion und Implantation gemäss den von Dr. B.____ und Dr. C.____ eingereichten Kostenvoranschlägen vom 29 . Mai 2020 und vom 22. Juni 2020 (Beilagen 9 und 10 zur Vernehmlassung) den Grenzbetrag von Fr. 20'000.—. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Gemäss Art. 31 Abs. 2 lit. b KVG übernimmt die ob ligatorische Krankenpflegeversiche- rung die Kosten der Behandlung von Schäden des Kausystems, die durch einen Unfall verursacht worden sind, soweit dafür keine Unfallversicherung aufkommt. Unbestritten ist, dass das erlittene Ereignis vom 7. September 2019 die Voraussetzungen ein es Unfalls im Sinne von Art. 4 ATSG erfüllt und dass die resultierenden Beschwerden und Schäden am Zahn 12 des Versicherten auf den erlittenen Unfall zurückzuführen sind (Stellungnahm e von Dr. D.____ vom 18. April 2021, Beilage 23 zur Vernehmlassung; Verfügung der Assura vom 28. April 2021, S. 1, letzter Absatz, Beilage 24 zur Vernehmlassung). Umstritten ist jedoch der Umfang der daraus resultierenden Behandlungsfolgekosten und dabei insbesondere, ob der Versicherte Anspruch auf eine Kosten- gutsprache für die von den behandelnden Zahnärzten v orgenommene Extraktion und Implanta- tion des betroffenen Zahnes besitzt. 2.2 Nach Art. 32 Abs. 1 KVG müssen die Leistungen nach den Art. 25 – 31 KVG wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein. Zweckmässigkeit und Wirksamke it (als Teilgehalt der Zweckmässigkeit; vgl. ALFRED MAURER , Das neue Krankenversicherungsrecht, Basel und Frank- furt am Main 1996, S. 51 f.) setzen voraus, dass die Massnahme geeignet ist, das angestrebte Ziel zu erreichen. Die Wirksamkeit muss nach wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen sein (Satz 2). Die Wirksamkeit, die Zweckmässigkeit und die Wirtschaftlichkeit der Leistungen wer- den periodisch überprüft (Abs. 2). Welche von mehreren in Betracht fallenden Massnahmen als geeignet erscheint, ist im Rahmen dieser Voraussetzungen nicht entscheidend. Nach der gesetz- lichen Regelung genügt es, dass die vom Arzt oder der Ä rztin angeordnete Massnahme zweck- mässig ist. Sind gleichzeitig mehrere Leistungen als zweckmässig zu qualifizieren, beurteilt sich die Leistungspflicht des Krankenversicherers unter dem Gesich tspunkt der Wirtschaftlichkeit (Art. 56 KVG). Nach dieser Vorschrift haben die Kran kenversicherer die Leistungen auf jenes Mass zu beschränken, das im Interesse der Versicherten lie gt und für den Behandlungszweck erforderlich ist (Abs. 1). Für Leistungen, die über dieses Mass hinausgehen, kann die Vergütung verweigert werden (Abs. 2). Indem das Gesetz auf das Interesse der Versicherten Bezug nimmt, wird zum Ausdruck gebracht, dass der Begriff der Wirtschaf tlichkeit der Behandlung nicht eng auszulegen ist (vgl. RKUV 1999 Nr. KV 64 S. 67 f. E. 3a mit Hinweis). Bei vergleichbarem medi- zinischem Nutzen ist jedoch stets die kostengünstigste Vari ante beziehungsweise diejenige mit dem besten Kosten-/Nutzen-Verhältnis zu wählen. Von zwei gleichermassen zweckmässigen Be- handlungsalternativen gilt daher grundsätzlich nur die kostengünstigere Variante als notwendig und wirtschaftlich (BGE 128 V 66 E. 6 mit Hinweisen). D ies gilt namentlich auch in Bezug auf Zahnschäden. Demnach besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Versorgung mittels eines Implantats, wenn eine Behandlung der Oberkieferfront auf zweckmässige und kostengünsti- gere Weise mit einer herkömmlichen prothetischen Versorg ung wiederhergestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 28. März 2019, 9C_63 7/2018, E. 4.4, mit Verweis auf BGE 128 V 54 E. 3c). 3.1 Die Abklärung des für die Beurteilung von Ansprüche n versicherter Personen notwendi- gen Sachverhalts hat gemäss dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Untersuchungsgrund- satz die verfügende wie auch die eine Verfügung überprü fende Behörde bzw. das Gericht von Amtes wegen vorzunehmen. Sowohl die Krankenkasse wie auch das Sozialversicherungsgericht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht haben demnach von sich aus, ohne Bindung an die Parteibegehren, für die richtige und vollstän- dige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, in welcher Art über die Rechte und Pflichten einer versicherten Person zu entscheiden ist. Dabei sind gerade in Fällen wie dem vorliegenden, in denen medizinische Sach- verhalte zu klären sind, sowohl die Verwaltung als auch d ie Justiz zur Beurteilung der sich stel- lenden Rechtsfragen auf Unterlagen angewiesen, die eine Ärztin bzw. ein Arzt und gegebenen- falls andere Fachpersonen zur Verfügung zu stellen haben (THOMAS LOCHER , Grundriss des So- zialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern 2014, § 70, N 2 f. und 8 f. mit weiteren Hinweisen). 3.2.1 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung erachtet es m it dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Solche ärztlichen Stellungnah men sind, wie alle Beweise im Sozialversi- cherungsprozess, von der rechtsanwendenden Behörde frei sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, S. 278). Dabei ist für den Beweiswert grundsätzlich weder die Herkunft eines Bewei smittels, noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnah me als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt ausschlaggebend. Letztendlich ist entscheide nd, ob der fragliche Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet, und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a und 122 V 160 E. 1c mit weiteren Hinweisen; A LFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Pri- vatgutachten in: Rechtsfragen der medizinischen Begutach tung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten soll und darf das Gericht dabei der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags- rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. 3.2.2 Andererseits sind Krankenversicherungen oder ihre Verbände gemäss Art. 57 Abs. 1 KVG verpflichtet, nach Rücksprache mit den kantonalen Är ztegesellschaften Vertrauensärzte bzw. Vertrauensärztinnen zu bestellen. Diese wiederum ha ben die Krankenversicherungen ge- mäss Art. 57 Abs. 4 und 5 KVG in medizinischen Fachfragen zu beraten und insbesondere die Voraussetzungen der Leistungspflicht zu überprüfen. Sie sin d in ihrem Urteil unabhängig und weder die Krankenversicherung noch die Leistungserbringe r können ihnen Weisungen erteilen. Berichte und Gutachten der Vertrauensärzte haben in beweisrechtlicher Hinsicht jedoch den glei- chen Stellenwert wie verwaltungsinterne Arztberichte un d Gutachten der UVG-Versicherer (GEBHARD EUGSTER , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Basel/Genf /München 2007, Krankenversicherung, N 209 ff.). Solchen Berichten kommt deshalb nicht derselbe Beweis- wert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar einem Gerichtsgutachten zu. Sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als keine geringen Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Das Sozialversicherungsgericht darf eine rechtserhebli che Tatsache erst dann als be- wiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen überzeugt i st. Dabei hat es seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt die- sen Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol- gen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (LOCHER , a.a.O., § 70, N 58). 4. Zur Beurteilung der vorliegend strittigen Leistun gspflicht sind nachfolgende zahnärztli- che Berichte und Stellungnahmen zu berücksichtigen: 4.1 Der Stellungnahme von Dr. B.____ vom 27. Juli 20 20 ist zu entnehmen, dass eine Ex- traktion des Zahnes 12 durch eine apikale Aufhellung nach erfolgter Wurzelbehandlung indiziert sei. Bei weiter persistierenden Schmerzen und leichter apikaler Aufhellung sei dies auch gemäss der Beurteilung des mitbehandelnden Zahnarztes Dr. C. ____ die beste Lösung (Beilage 15 zur Vernehmlassung). 4.2 Der Mitteilung von Dr. B.____ vom 19. Oktober 2 020 zufolge habe der Versicherte am Zahn 12 ein Trauma erlitten, welches zu einer Wurzelbe handlung geführt habe, da der Patient starke Schmerzen angegeben habe. Bei persistierenden Schmerzen sei ein neues Röntgen an- gefertigt worden, worauf ganz klar eine Fraktur zu sehen gewesen sei, weshalb der Zahn extra- hiert und ein Implantat eingesetzt worden sei (Beilage 17 zur Vernehmlassung). 4.3 Dem Eintrag in der Krankengeschichte des Versichert en vom 9. Dezember 2019 ist zu entnehmen, dass im Röntgen eine apikale Aufhellung zu sehen sei. Aus dem Eintrag vom 18. De- zember 2019 geht indessen hervor, dass der Zahn noch vita l gewesen sei und geblutet habe (Beilage 19 zur Vernehmlassung). 4.4 Gemäss vertrauensärztlicher Stellungnahme von Dr. D. ____ vom 18. April 2021 würden die Röntgenaufnahmen eine Frakturlinie im apikalen Bereich der Wurzel rund zwei Millimeter vom Apex entfernt bestätigen. Die zweckmässige und wirtschaftlich e Therapiemassnahme zur Be- handlung der Fraktur im Bereich der Wurzelspitze sei die Resektion des apikalen Wurzelfrag- ments. Für einen Ersatz des Zahns mit einem Implantat l iege keine ausreichende medizinische Indikation vor, da mit der Wurzelspitzenresektion eine e benso zweckmässige und deutlich wirt- schaftlichere Therapiemassnahme zur Verfügung stehe (Beilage 23 zur Vernehmlassung). 4.5 Dem Bericht von Dr. C.____ vom 8. Juni 2021 kann ent nommen werden, dass ihm der Patient wegen des stark schmerzhaften und wahrscheinlich gebrochenen Zahnes 12 zugewiesen worden sei. Da die Frakturbeurteilung schwierig sein könne, habe er die behandelnde Zahnärztin angewiesen, eine weitere Bildgebung anzufertigen, um die Rissbildung aus einem anderen Win- kel besser beurteilen zu können. Darauf habe sich der Verdacht einer Fraktur bildgebend bestä- tigt. Der Zahn sei ausserdem stark druck- und berührungse mpfindlich gewesen. Die Extraktion und gleichzeitige Implantation sei in der Folge unter anderem wegen des Leidensdrucks kurzfris- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tig geplant worden. Anlässlich der Operation am 8. Jun i 2020 habe sich schliesslich herausge- stellt, dass der Zahn nicht frakturiert gewesen sei, was zwar etwas überraschend gewesen sei, aufgrund von Artefakten im Röntgenbild aber vorkommen könne. Indessen sei die Indikation für die Extraktion bereits aufgrund der Symptomatik gegeben gewesen. Die von der Versicherung vorgeschlagene Wurzelspitzenresektion sei unsinnig, da der Schmerzreiz entlang der Zahnwur- zel entstehe und eine Wurzelspitzenresektion deshalb nichts bringe, nachdem eine Wurzelbe- handlung bereits im Vorfeld durchgeführt worden sei (Beilage 27 zur Vernehmlassung). 4.6 Gemäss Stellungnahme von Dr. D.____ vom 30. Juli 20 21 sei eine Wurzelspitzenresek- tion bei einer vertikalen Zahnfraktur, bei der der Riss entlang der Zahnwurzel verlaufe, tatsächlich ein sinnloses Unterfangen ohne Erfolgschance. Er sei jedo ch von einer Fraktur im Bereich der Wurzelspitze des Zahnes ausgegangen, da die vorgelegten Röntgen keine Anzeichen einer ver- tikalen Fraktur gezeigt hätten. Bei klarer klinischer Symptomatik hätte erwartet werden müssen, dass sich der Infekt entlang der Wurzel radiologisch in F orm einer Osteoloyse dargestellt hätte. Ausserdem habe Dr. B.____ auf Nachfrage den vermuteten Frakturbereich in das entsprechende Röntgenbild eingezeichnet. Der eingezeichnete Kreis zeige die vermutete Frakturlinie im Bereich der Wurzelspitze und nicht als vertikale Wurzelfraktur. Dieser vermutete Frakturbereich sei gera- dezu exemplarisch geeignet, um mit einer Resektion de s apikalen Teils therapiert zu werden. Damit werde zugleich auch der Vorwurf von Dr. C.____ entkräftet, die von der Versicherung vor- geschlagene Therapiemassnahme sei unsinnig. Widersproch en werden müsse ausserdem der Behauptung, dass die Indikation für eine Extraktion des Zahnes bereits aufgrund der Symptoma- tik gegeben gewesen sei. Die Behandlungsrelevanz ergebe sich nämlich daraus, dass je nach Frakturverlauf unterschiedliche Therapiemassnahmen geeignet seien. Dies äussere sich auch in den Kosten. Die Wurzelspitzenresektion wäre geschätzt ze hn Mal günstiger gekommen als der Zahnersatz mit einem Implantat. Zudem gelte in der Zahnmedizin keinesfalls der Grundsatz, dass ein schmerzhafter Zahn einfach extrahiert werde. Damit würde ein massive Überbehandlung stattfinden, da Zähne, die sehr starke Schmerzen bereit en, sehr wohl zahnerhaltend behandelt werden könnten. Dr. C.____ habe sich vorliegend nicht f ür die wirtschaftlichere Massnahme in Form einer Wurzelspitzenresektion, sondern für eine wi rtschaftlich erheblich aufwendigere Ex- traktion mit einem anschliessenden Implantat entschieden (Beilage 28 zur Vernehmlassung). 4.7 Gemäss Aktenbeurteilung von Dr. med. dent. E.____, Vertrauensarzt der Assura, vom 27. August 2021 würden einige Unstimmigkeiten auffal len. Im Eintrag der Krankengeschichte vom 9. Dezember 2019 stehe, dass im Röntgen eine apikale Aufhellung zu sehen sei. Im Eintrag vom 18. Dezember 2019 werde dann aber von einer vitalen Pulpa gesprochen. Diese Aussagen widersprächen sich gegenseitig, weil ein vitaler Zahn keine apikale Aufhellung aufweisen könne. Leider fehle zu diesem Zeitpunkt der Behandlung sowohl ein Vitalitätstest als auch eine Aussage über den parodontalen Zustand des Zahnes, was elementa r gewesen wäre. Ein zweiter Wider- spruch sei die Geschichte mit der apikalen Wurzelfraktur. Nach der Extraktion des Zahnes sei das Vorhandensein einer solchen Wurzelfraktur verneint worden. Die Interpretation der zuvor an- gefertigten Röntgenbilder sei somit falsch gewesen. Die s könne zwar passieren. Weshalb aber dann im Wissen darum, dass keine Wurzelfraktur vorgelegen habe, dennoch eine Extraktion durchgeführt worden sei, erschliesse sich nicht. Sollte tatsächlich ein apikales Geschehen vorge- legen haben, wäre die Wurzelspitzenresektion oder alle nfalls eine erneute Wurzelbehandlung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zielführend gewesen, der Zahn noch immer verortet gewesen und kein Implantat notwendig ge- worden. Insofern liege unbesehen des Aspekts der Wirtschaftlichkeit bereits alleine mangels ei- ner adäquaten Diagnose keine medizinische Indikation fü r eine Extraktion vor. Dies bedeute, dass die zahnerhaltenden Möglichkeiten einer Wurzelspitz enresektion nicht ausgeschöpft wor- den seien, und die Extraktion aufgrund einer falschen Diagnose erfolgt sei. Fakt sei, dass keine Wurzelfraktur vorgelegen habe und somit die medizinisch e Diagnose für eine Extraktion nicht gegeben gewesen sei. Mit der Wurzelspitzenresektion hätte die Möglichkeit bestanden, das auf den Röntgenbildern diagnostizierte apikale Geschehen zahnerhaltend anzugehen. Diese Chance sei mit der voreiligen Extraktion verpasst worden. Ein weiterer Grund, der für die Wirksamkeit einer Wurzelspitzenresektion gesprochen habe, sei die radiologisch zu kurz erscheinende Wur- zelbehandlung. Im Endeffekt wäre im Gegensatz zur Ext raktion die medizinische Indikation für eine Wurzelspitzenresektion gegeben gewesen, welche zudem deutlich kostengünstiger ausge- fallen wäre als der von den behandelnden Zahnärzten eingeschlagene Weg einer Extraktion und eines anschliessenden Implantats mit einer Krone (Beilage 29 zur Vernehmlassung). 4.8 In der Stellungnahme von Dr. C.____ vom 4. Oktob er 2021 legte der behandelnde Zahn- arzt dar, dass er nicht von einer Faktur im Bereich der Wurzelspitze ausgegangen sei. Dort sei nichts zu sehen. Für ihn habe die schräg verlaufende un d hakenförmige Verschattung nahe der Knochengrenze eine mögliche Fraktur dargestellt, welche in vier verschiedenen Röntgenbildern sichtbar gewesen sei. Diese Annahme habe sich bei der Extraktion allerdings nicht bewahrheitet. Der Zahn habe also schliesslich weder eine Fraktur noch e ine apikale Beherdung aufgewiesen. Eine Wurzelspitzenresektion wäre weder fachlich korrekt noch zielführend oder wirtschaftlich ge- wesen. Der Zahn habe dem Patienten unheimlich weh get an, was mit der Extraktion ein für alle Male gelöst worden sei. Fazit sei, dass ein vorausgehender Unfall zu einem Zahnverlust geführt habe (Beilage 2 zur Beschwerdebegründung). 4.9 Der vertrauensärztlichen Stellungnahme von Dr. E._ ___ vom 19. Oktober 2021 zufolge stelle sich die generelle Frage, ob der Zahn hätte erhalten können werden oder nicht. Der Zahn- erhalt müsse immer im Vordergrund des zahnärztlichen Tuns stehen. Ein Implantat komme erst zum Einsatz, wenn alle zahnerhaltenden Massnahmen ausgesc höpft seien. Der Krankenge- schichte zufolge sei die Wurzelbehandlung am 18. Dezember 2019 begonnen und am 13. Januar 2020 abgeschlossen worden. Betrachte man das dazumal a ngefertigte Röntgenbild, so könne man eine leicht zu kurze Wurzelfüllung erkennen, was spätere Probleme in Form einer Parodon- titis apikalis begünstige. Nach erneuten Schmerzen sei im Mai 2020 ein neues Röntgenbild an- gefertigt und dabei von einem frakturierten apikalen Wurzelstück gesprochen worden. Nachdem die behandelnde Zahnärztin dieses Röntgenbild mit einer Kennzeichnung im apikalen Wurzelbe- reich zurückgesandt habe, müsse man davon ausgehen, dass zu diesem Zeitpunkt das Problem in Form einer Wurzelfraktur im apikalen Wurzelbereich des Zahnes gewesen zu sein schien. Mit der von Dr. D.____ in der Folge vorgeschlagenen Wurzelspitzenresektion hätte ein allenfalls frak- turiertes apikales Wurzelstück entfernt und gleichzeitig e ine leicht undichte Wurzelfüllung von apikal her abgedichtet werden können. Da diese Wurzelspitzenresektion nicht kostenintensiv sei, wäre damit auch den Kriterien der Wirtschaftlichkeit Folge geleistet worden. Weil die in der Folge aufgetretenen Schmerzen aber nicht von einer Wurzelfr aktur stammen konnten, bleibe nur ein apikales Geschehen in Form einer Parodontitis apikalis. M it einer Wurzelspitzenresektion wäre Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht es ebenfalls möglich gewesen, diese Schmerzen zu beheben. Der Aussage von Dr. C.____, wo- nach die Assura ihre Leistungspflicht umgehen wolle, sei klar entgegen zu treten. Die Möglichkeit, mittels Wurzelspitzenresektion den durch den Unfall geschädigten Zahn zu therapieren und mög- lichst zu erhalten, sei mit dessen Extraktion vergeben wor den. Es gehe folglich nicht um einen Lückenschluss nach Zahnverlust, sondern um die voreilig e Extraktion des Zahnes an sich. Mit der Durchführung einer Wurzelspitzenresektion hätte d ie Möglichkeit bestanden, die Beschwer- den des Patienten anzugehen und den Zahn zu erhalten. Dies sei mit der Extraktion verpasst worden, weshalb sie zum damaligen Zeitpunkt als falsch zu bezeichnen sei (Beilage 31 zur Ver- nehmlassung). 4.10 Gemäss vertrauensärztlicher Stellungnahme von Dr. E.____ vom 2. Februar 2022 hätten die von Dr. B.____ und Dr. C.____ erhobenen Diagnosen der Parodontitis apikalis und der Wur- zelfraktur im apikalen Bereich für eine Wurzelspitzenresektion gesprochen. Die Durchführung ei- ner solchen Behandlung sei mitnichten belastender als eine Implantation. Hätte man nach erfolg- ter Extraktion den Fall möglichst ohne Belastung und ohne Nebenwirkungen lösen wollen, wäre daher die Versorgung mittels einer Extensionsbrücke auf dem bestehenden Implantat 11 der sinnvollste Weg gewesen (Einzelbeilage zur Duplik). 4.11 Gemäss Stellungnahme von Dr. C.____ vom 31. März 2022 sei das Insistieren auf einer Wurzelspitzenresektion als Behandlungsmassnahme für die Fraktur der Zahnwurzel tendenziös, irreführend und fachlich unhaltbar. Tendenziös deshalb, weil es bei der Behandlung nicht um die apikale Parodontitis gegangen sei, sondern um eine Zahnfraktur. Irreführend, weil die Möglichkeit einer Behandlung dieser Fraktur durch eine Wurzelspit zenresektion diskutiert werde, und schliesslich fachlich unhaltbar, da die Fraktur nicht api kal, sondern unweit der Krone vermutet worden sei. Eine Fraktur in diesem Bereich bedeute u nweigerlich den Zahnverlust. Erwähnens- wert sei, dass der Vertrauensarzt in der Lage sei, auf einem Röntgenbild die Diagnose einer Pulpitis zu stellen, während er gleichzeitig einen äusserst klaren MRI-Befund mit einer Osteomy- elitis als unwesentlich betrachte. Eine Pulpitis sei auf dem Röntgenbild nicht sichtbar. Wegen der offensichtlichen Osteomyelitis sei gar ein notfallmässiger Kontakt durch die beurteilende Radio- login erfolgt. Es grenze an Betrug, wenn belegte und behandlungswürdige Diagnosen aus dem Wind geschlagen würden (Einzelbeilage zur Eingabe des Be schwerdeführers vom 27. April 2022). 4.12 Der vertrauensärztlichen Stellungnahme von Dr. E.__ __ vom 12. Mai 2022 zufolge sei aufgrund der Einträge in der Krankengeschichte des Pati enten davon auszugehen, dass Dr. B.____ nicht von einer Wurzelfraktur unweit unter der Krone, sondern im apikalen Bereich ausgegangen sei. Insofern würden die von Dr. C.____ in seiner neuerlichen Stellungnahme vom 31. März 2022 erfolgten Aussagen erstaunen. Selbst wenn eine Wurzelfraktur unweit der Krone bestanden hätte, hätte dies mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit mit einem lokalen parodontalen Einbruch entlang der Wurzelfraktur klinisch diagnostiziert werden können. Mangels entsprechen- der Hinweise in den Akten würden die fehlenden klinisch en Angaben, das Röntgenbild und die Aussage von Dr. C.____ einer unweit der Krone vermuteten Wurzelfraktur nicht zusammenpas- sen (Einzelbeilage zur Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 19. Mai 2022). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Der Beschwerdeführer wendet ein, dass der fragliche Zahn in Tat und Wahrheit zwar nicht gebrochen gewesen sei. Den behandelnden Zahnärzten könne dabei kein Diagnosefehler vorgeworfen werden, da eine Fehlinterpretation von Röntgenbildern möglich sei. Soweit den Be- handlern nunmehr vorgeworfen werde, den betroffenen Zahn voreilig entfernt zu haben, seien die vertrauensärztlichen Einwände ex post und mit dem Wissen erfolgt, dass eben keine Fraktur vor- gelegen habe. Die Beurteilung, ob die vorgenommene Extraktion indiziert gewesen sei, müsse jedoch ex ante vorgenommen werden. In diesem Zusammenhang habe Dr. C.____ nachvollzieh- bar begründet, weshalb er den Zahn extrahiert und ein Implantat habe einsetzen müssen. Auch die Vertrauensärzte seien ursprünglich davon ausgegangen, dass eine Fraktur der Wurzelspitze bzw. ein apikales Geschehen vorgelegen habe, was mit einer Wurzelresektion zu behandeln ge- wesen wäre. Da letztlich aber keiner dieser beiden Befu nde vorgelegen habe, könne nicht auf deren Stellungnahmen abgestellt werden. Die behande lnden Zahnärzte seien ihrerseits davon ausgegangen, dass ein derart frakturierter Zahn vorge legen habe, so dass eine Wurzelspitzen- resektion als Behandlungsmöglichkeit ausgeschlossen gewesen sei. Ex ante betrachtet hätten die Extraktion und die Implantatversorgung deshalb di e einzige Behandlungsmöglichkeit darge- stellt und damit auch den Wirtschaftlichkeitskriterien entsprochen. Demgegenüber vertritt die Be- schwerdegegnerin die Auffassung, dass die Beurteilung durch ihre Vertrauensärzte nicht ex post erfolgt sei. Bereits nach Erhalt des Röntgenbilds mit der Kennzeichnung einer potentiellen Schä- digung im apikalen Wurzelbereich seien auch die Vertrauensärzte davon ausgegangen, dass das Problem in Form einer Wurzelfraktur im apikalen Wurzelbereich liegen würde. Die anschliessend bereits dazumal vorgeschlagene Massnahme der Wurzelspitze nresektion wäre aber eine adä- quate Therapiewahl gewesen, da mit ihr und mit Blick auf den vermuteten Befund der Erhalt des betroffenen Zahnes hätte realisiert werden können. Aufgrund der voreiligen Extraktion hätten es die behandelnden Zahnärzte verpasst, die zahnerhaltenden Massnahmen auszuschöpfen, wel- che im Vergleich zur vorgenommenen Extraktion und Impl antation zudem erheblich wirtschaftli- cher ausgefallen wären. 5.1.1 Aufgrund der Akten ist erstellt, dass sich der anfä nglich auf den Röntgen vermutete Ver- dacht sowohl einer möglichen Zahnfraktur als auch einer apikalen Parodontitis letztlich nicht be- wahrheitet hat (oben, Erwägungen 4.5 und 4.8). Nachdem namentlich die im Röntgen ursprüng- lich als apikale Aufhellung interpretierte Schädigung (oben, Erwägungen 4.1 f.). anlässlich der Extraktion des betroffenen Zahnes nicht objektiviert werden konnte (oben, Erwägung 4.8), ist da- mit zugleich gesagt, dass mit Blick auf diese Verdachtsdi agnosen ex post betrachtet keine Indi- kation für eine Extraktion des betroffenen Zahnes vorgelegen hat, welche die umstrittene Kosten- gutsprache nachträglich rechtfertigen würde. Klarzustellen ist in diesem Zusammenhang jedoch auch, dass den behandelnden Zahnärzten nicht vorgeworfe n werden kann, eine Fehldiagnose erhoben zu haben. Hintergrund bildet der Umstand, dass eine unzutreffende Interpretation zuvor angefertigter Röntgenbilder aufgrund von Artefakten im Röntgenbild generell nicht ausgeschlos- sen werden kann (oben, Erwägungen 4.5 und 4.7). Es k ann in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme von Dr. D.____ vom 18. April 2021 verwiesen werden, wonach auch der Vertrau- ensarzt eine Frakturlinie im apikalen Bereich der Wurzel des betroffenen Zahnes in den Röntgen- aufnahmen ursprünglich bestätigt hatte (oben, Erwägung 4.4). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1.2 Obschon sich der anfänglich bildgebende Verdacht einer Fraktur nicht bewahrheitet hat, begründet der behandelnde Zahnarzt die Indikation für eine Extraktion des Zahnes in erster Linie mit der Symptomatik und demnach damit, dass der Zahn grosse Schmerzen bereitet habe. Dies habe mit der Extraktion ein für alle Male gelöst werden können (oben, Erwägungen 4.5 und 4.8). Dieser Auffassung ist entgegen zu halten, dass Schmerzen al leine noch keine medizinische In- dikation für eine bestimmte Behandlung begründen könn en. Es ist zwar ausgewiesen, dass der Versicherte im Nachgang zu seiner Erstbehandlung offenbar an starken Schmerzen gelitten hat (oben, Erwägungen 4.2 und 4.5 sowie 4.9; ebenso Krankengeschichte des Patienten, Beilage 19 zur Vernehmlassung, ad Eintrag vom 9. April 2020). Die Relevanz für eine bestimmte Behand- lungsmethode und vor allem auch für deren Kostengutspr ache ergibt sich aber daraus, dass je nach Befund und Diagnose unterschiedliche Therapiemassn ahmen resultieren. Hintergrund bil- det die Bestimmung von Art. 56 Abs. 1 KVG, wonach die Krankenversicherer ihre Leistungen auf jenes Mass zu beschränken haben, welches nebst dem Interesse des Versicherten insbesondere für den Behandlungszweck erforderlich ist. Schmerzen alleine stellen aber noch keine Diagnose dar. Soweit der behandelnde Zahnarzt die Extraktion d es betroffenen Zahnes und dessen Im- plantatversorgung nunmehr im Wissen darum, dass sich der anfänglich auf den Röntgen ausge- wiesene Verdacht sowohl einer möglichen Zahnfraktur als auch einer apikalen Parodontitis letzt- lich nicht bewahrheitet hat (oben, Erwägungen 4.5 und 4.8), nachträglich mit den geklagten Be- schwerden des Versicherten begründet, vermag diese Auffassu ng alleine mithin nicht zu über- zeugen. 5.2 Fraglich ist jedoch, wie es sich bei einer ex ante vorgenommenen Betrachtungsweise verhält. Hintergrund bildet der Umstand, dass den behandelnden Zahnärzten nicht vorgeworfen werden kann, eine Fehldiagnose erhoben zu haben (oben, Erwägung 5.1.1). Auch wenn sich der Befund weder einer Fraktur noch einer apikalen Beherdung bewahrheitet hat, verbleibt somit zu klären, ob die Behandler auf der Basis ihrer Interpret ation der angefertigten Röntgenbilder zu Recht davon ausgegangen sind, dass der betroffene Zahn e xtrahiert werden muss. Dr. C.____ hat die Extraktion des betroffenen Zahnes in seiner St ellungnahme vom 31. März 2022 auch damit begründet, dass die Fraktur nicht apikal, sondern unweit der Krone vermutet worden sei, und eine Fraktur in diesem Bereich unweigerlich den Z ahnverlust nach sich ziehe (oben, Erwä- gung 4.11). Dabei ist ihm zwar entgegen zu halten, dass aufgrund der zuvor ergangenen Akten die Fraktur ursprünglich im apikalen Bereich vermutet wo rden war. Namentlich der von Dr. B.____ im Röntgenbild eingezeichnete Kreis zeigt eine vermutete Frakturlinie im Bereich der Wurzelspitze von Zahn 12 (oben, Erwägung 4.4). Dass Dr. C.____ ex ante betrachtet jedoch berechtigterweise von einer Fraktur im Bereich der Krone ausgegangen ist, der unweigerlich ei- nen Zahnverlust nach sich zieht, lässt sich damit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Hintergrund bildet der Umstand, dass eine unzutreffende Interpretation zuvor an- gefertigter Röntgenbilder aufgrund von Artefakten im Röntgenbild generell nicht ausgeschlossen werden kann (oben, Erwägungen 4.5 und 4.7). Dies muss a uch für eine allenfalls im Kronenbe- reich des betroffenen Zahnes vermutete Fraktur gelten. Aus welchen Gründen Dr. C.____ letzt- lich von einer dergestalt lokalisierten Fraktur ausgegangen ist, erweist sich angesichts der offen- bar nicht einfach zu beurteilenden Bildgebung im hier vorliegenden Fall mithin von Relevanz, bleibt aber ungeklärt. Der Verweis des Vertrauensarztes der Beschwerdegegnerin vom 12. Mai 2022, dass die Aussagen von Dr. C.____ erstaunen würden , reicht in diesem Zusammenhang Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht alleine nicht aus, um eine allfällige Indikation für eine Extraktion des betroffenen Zahnes auszu- schliessen (oben, Erwägung 4.12). Ob die von den Vert rauensärzten der Beschwerdegegnerin bereits schon früh vorgeschlagene Massnahme einer Wurzelspitzenresektion die adäquate The- rapiewahl gewesen wäre, mit welcher ex ante betrachtet der Erhalt des betroffenen Zahnes hätte realisiert werden können, lässt sich mithin nicht abschlie ssend beantworten. Hinzu tritt ein Wei- teres: In seiner Stellungnahme vom 31. März 2022 begründet der behandelnde Zahnarzt die Ex- traktion des Zahnes nämlich auch damit, dass eine Osteomyelitis vorgelegen habe. Wegen dieser offensichtlichen Osteomyelitis sei gar ein notfallmässiger Kontakt durch die beurteilende Radio- login erfolgt (oben, Erwägung 4.11). In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die von der Beschwerdegegnerin als zweckmässig und wirtschaftlich vertret ene Behandlung einer Wurzel- spitzenresektion nicht in allen Fällen angemessen ist. Gegenindikationen liegen namentlich dann vor, wenn der Allgemeinzustand des Patienten einen so lchen Eingriff nicht zulässt oder bereits eine weitreichende Zerstörung des Zahnhalteapparates eingetreten ist. In diesen Fällen ist viel- mehr just eine Extraktion die geeignete Therapiemassnahme (vgl. Patienteninformation der Kas- senzahnärztlichen Bundesvereinigung KZBV, www.kzbv.de). Gestützt auf die Stellungnahme von Dr. C.____ ist nun aber nicht auszuschliessen, dass eine all fällige Entzündung des Kieferkno- chens eine Extraktion des betroffenen Zahnes nahegelegt hat. Den vertrauensärztlichen Stel- lungnahmen kann in diesem Zusammenhang jedenfalls nichts entnommen werden. Damit bleibt unter dem Aspekt der Zweckmässigkeitskriterien gemäss Art. 56 Abs. 1 KVG letztlich ungeklärt, ob die Extraktion und anschliessende Implantatversorgung ex ante betrachtet die einzige Be- handlungsmöglichkeit dargestellt hat. Dies gilt umso mehr, weil Dr. C.____ bereits am 4. Oktober 2021 dargelegt hat, dass für ihn eine schräg verlaufend e und hakenförmige Verschattung nahe der Knochengrenze eine mögliche Fraktur dargestellt habe (oben, Erwägung 4.8). Daran vermag nichts zu ändern, dass in der Krankengeschichte des Versich erten am 18. Dezember 2019 ver- merkt worden ist, dass der betroffene Zahn vital sei (oben, Erwägungen 4.5 und 4.7), weil diese Einschätzung noch deutlich vor der Operation durch Dr. C.____ am 8. Juni 2020 und der erst im Mai 2020 befundeten Bildgebungen erfolgt ist (Beilage 19 zur Vernehmlassung). 5.3 Zusammenfassend verbleiben zumindest geringe Zweifel an den vertrauensärztlichen Einschätzungen. Namentlich bleibt unklar, ob ex ante bet rachtet sowohl der von Dr. C.____ ge- äusserte Verdacht einer Fraktur im Kronenbereich als au ch eine allfällige Osteomyelitis die Ex- traktion des betroffenen Zahnes zu rechtfertigen vermög en. Angesichts der in diesen Punkten unvollständigen und sich generell diametral widersprechenden Aussagen der zahnmedizinischen Experten erweist sich eine erneute Beurteilung der Angelegenheit mittels eines externen Verwal- tungsgutachtens als unerlässlich (oben, Erwägung 3.2.2). Dies führt im Ergebnis in Gutheissung der Beschwerde zur Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zu ergänzenden Abklä- rung des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts. 6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Das KVG sieht keine Kostenpflicht vor, weshalb im vorliegenden Fall keine Kosten zu erheben sind. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist dem Beschwerdeführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwe rdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht in seiner Hono rarnote vom 20. Juli 2022 einen Aufwand von acht Stunden und 40 Minuten à Fr. 250.— zu züglich Spesen von Fr. 65.— geltend, was in Anbetracht der Vielzahl an zahnmedizinischen Stellungnahmen nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerdegegnerin hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers somit ein Honorar von Fr. 2'403.50 (inkl. Auslagen in Höhe von Fr. 65.-- und 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischenent- scheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vorausset- zungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vo rbehalt. Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Praxis die in einem Rückweisungsentscheid getroffene Entschädigungsre- gelung - wie die Rückweisung im Hauptpunkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG) darstellt, der in der Regel keinen nicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten wer- den kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet die Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten der Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei- sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BG G ab Rechtskraft des Endentscheids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochte n werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Einsprache- entscheid der Assura-Basis AG vom 1. September 2021 auf gehoben und die Angelegenheit zur erneuten Prüfung des Sachverhalts im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2'403.50 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht