2017 Zivilprozessrecht 299 Klage nicht eintritt (Egli bzw. Pahud, in: Brunner/Gasser/Schwander, Schweizerische Zi vilprozessordnung, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, N. 8 zu Art. 199 ZPO und N. 23 zu Art. 221 ZPO; Gasser/Rickli, Kurzkommentar zur Schweize rischen Zivilprozess - ordnung, 2. Aufl. , Zürich/St. Gallen 2014, N. 1 zu Art. 199 ZPO; Infanger, Basler Kommentar zur Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Basel 2017, N. 4 zu Art. 199 ZPO; Naegeli/Richers, in: Oberham - mer/Domej/Haas, Kurzkommentar Schweizerische Zivilprozessord - nung, 2. Aufl., Basel 2014, N. 35 zu Art. 221 ZPO; Killias, in: Berner Kommentar, Bern 2012, N. 37 zu Art. 221 ZPO). Andere Autoren vertreten demgegenüber die Auffassung, dass eine solche Einlassung nicht möglich ist, da das V orliegen einer Klagebewilligung bzw. - bei fakultativem Schlich tungsversuch - einer gemeinsamen Verzichts - erklärung bei Klageeinrei chung eine unabdingbare Prozess voraus- setzung ist (Honegger, ZPO -Komm., a.a.O., N. 2 zu Art. 199 ZPO; Leuenberger, ZPO-Komm., a.a.O., N. 3 zu Art. 220 ZPO und N. 68 zu Art. 221 ZPO; Sutter-Somm, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 2017, Rz. 602 und 606). Die ser Auffassung i st zu folgen, besteht doch angesichts des klaren Wort lauts von Art. 221 Abs. 2 lit. b ZPO, wonach mit der Klage gegebenenfalls die Klagebewilligung oder die allfällige Erklärung, dass auf das Schlich- tungsverfahren verzichtet wird, einzureichen ist, für e inen konklu - denten Verzicht auf das Schlichtungsverfahren kein Raum (ebenso: Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen vom 28. Oktober 2016 E. 3b/aa [DZ. 2016.1]). Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die V orinstanz davon abgesehen hat, die Klage den Be klagten zuzu - stellen. 57 Art. 276 ZPO. Abgrenzung der Zuständigkeit des Eheschutzgerichts von derjenigen des Präliminargerichts Aus dem Entscheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 26. April 2017, i.S. I.S. gegen K.S. (ZSU.2015.323). 2017 Zivilrecht 300 Aus den Erwägungen 3.2.1. Das Eheschutzgericht ist zuständig für Massnahmen bis zum Eintritt der Rechtshängigkeit der Scheidung, für die Zeit danach ist das Scheidungs gericht zu ständig (BGE 101 II 1, bestätigt in BGE 129 III 60 Erw. 3). D.h. reicht eine Partei während der Rechtshängigkeit eines Ehe schutzverfahrens vor erster oder oberer Instanz (also vor Rechtskraft des Ehe schutzentscheids) eine Schei - dungsklage ein, fällt mi t der Hängigkeit der Scheidungsklage die sachliche Zuständig keit des Eheschutzgerichts da hin. Eheschutz- massnahmen sind indes auch nach Einleitung des Schei dungs- verfahrens wirksam, bis sie vom Scheidungsgericht im Rah men vorsorglicher Massnahmen abgeändert oder durch die Regelung nach der Scheidung abge löst werden (vgl. BGE 129 III 60 Erw. 4.2; Art. 276 Abs. 2 ZPO). Wird während der Dauer des Eheschutz ver- fahrens (bis zu dessen rechtskräftigen Abschluss) der Scheidungspro- zess anhän gig gemacht, w ird ersteres daher nicht einfach gegen - standslos. Der Eheschutzrichter bleibt für Massnahmen mit Wirkung im Zeitraum bis zum Eintritt der Rechtshängigkeit der Scheidung zuständig, und zwar auch dann, wenn erst nach diesem Zeit punkt darüber entschieden werden kann (BGE 129 III 60 Erw. 2 f.). Dem- nach ist nicht von Belang, ob über die Eheschutz massnahmen aufgrund der Zeit, wel che die Behandlung des Dossiers in Anspruch nimmt, vor oder nach der Rechts hängigkeit der Scheidungs klage entschieden wurde; d ies gilt aller dings nur, sofern es keinen Zu - ständigkeitskonflikt gibt (BGE 138 III 646 Erw. 3.3.2 = Pra 102 [2013] Nr. 34). D.h. w ird bei Ein reichung einer Scheidungsklage während eines hän gigen Eheschutzverfahrens bei einem Präliminar - richter am (a nderen) Ort des Scheidungs verfahrens ein Massnah - mebegehren eingeleitet, kann der Eheschutz richter nur für die vor - herige Zeit Anord nungen treffen (vgl. Ent scheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 24. August 2015 [ZSU.2015.134], Erw. 2.1). Jedenfalls sind, da der Eheschutz richter nur für Massnahmen mit Wirkung im Zeitraum bis zum Ein tritt der Rechtshän gigkeit zustän-2017 Zivilprozessrecht 301 dig ist, nach diesem Zeitpunkt eintretende Veränderungen nicht mehr im Eheschutzverfahren zu berücksichtigen.