Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. August 2012 (715 12 27 / 243) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschreiberin Laura Manz Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1968 geborene A.____ war vom 1. Januar 1999 b is 31. Dezember 2010 als Leiter des internen Postdienstes bei der Firma B.____ AG ange stellt. Das Arbeitsverhältnis wurde mit Aufhebungsvereinbarung vom 3. Dezember 2010 per 31. De zember 2010 aufgelöst, worauf A.____ sich für fünf Monate zu Arbeitszwecken in Australi en aufhielt. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz meldete er sich am 1. Juni 2011 zur Arbeitsve rmittlung an und erhob am 7. Juni 2011 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Juni 2011. Die Öffentliche Arbeitslo- senkasse des Kantons Basel-Landschaft (Arbeitslosenkasse) ve rfügte in der Folge am 30. August 2011 eine Einstellung in der Anspruchsberech tigung ab 1. Januar 2011 für 12 Tage wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit. Eine gegen di ese Verfügung gerichtete Einsprache Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wies die Einspracheinstanz des KIGA Basel-Landschaft, Abte ilung Öffentliche Arbeitslosenkas- se, mit Entscheid vom 19. Dezember 2011 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid vom 19. Dezember 20 11 erhob A.____ am 30. Januar 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte dabei sinngemäss die Aufh ebung des Einspracheentscheids, da er seine Arbeitslosigkeit nicht selbst verschuldet habe. C. Die Arbeitslosenkasse beantragte in ihrer Vernehml assung vom 2. April 2012 die Ab- weisung der Beschwerde und verwies zur Begründung im Wese ntlichen auf den Einsprache- entscheid vom 19. Dezember 2011. Auf die weiteren Ausf ührungen wird, soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen. D. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten di e Parteien an ihren Anträgen fest. Der Beschwerdeführer nimmt Stellung zu den Umständen, die zur Auflösung des Arbeitsver- hältnisses geführt haben und legt dar, dass er im Januar 2011 in Australien eine unbefristete Stelle angetreten habe. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (A TSG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorisch e Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versi cherte Person zur Zeit des Verfü- gungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Nach § 54 Ab s. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Beschwerden gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Der Beschwerdeführe r erfüllt die Kontrollpflicht im Kan- ton Basel-Landschaft. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Umfang von unter Fr. 10'000.-- zu beurteilen , weshalb über die Beschwerde präsidial zu entscheiden ist. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe r zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit im Umfang von 12 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person, d ie Versicherungsleistungen beanspruchen will, alles Zumutbare unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Zur Durchsetzung dieses Prinzips sieht das Gesetz bei Verhaltensweisen, die sich nega- tiv auf den Eintritt oder die Dauer der Leistungspfl icht der Arbeitslosenversicherung auswirken, Sanktionen vor (vgl. dazu T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Kol- ler/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwalt ungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel/Genf/München 2007, Rz. 822). So kann b ei Verwirklichung der in Art. 30 Abs. 1 AVIG aufgezählten Tatbestände die Ausrichtung von Arbei tslosenentschädigung für eine be- stimmte Anzahl von Tagen ausgesetzt werden. 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der E intritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den per sönlichen Umständen und den per- sönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die versicherte Person ein Arbeitsverhältnis von vorau ssichtlich längerer Dauer von sich aus aufgelöst hat und ein anderes eingegangen ist, von dem sie wusste oder hätte wissen müssen, dass es nur kurzfristig sein wird, es sei denn, da ss ihr das Verbleiben an der vorheri- gen Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (vgl. Ar t. 44 Abs. 1 lit. c AVIV). Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses "im gegenseitigen Einvernehmen" gilt aus der Sicht des Arbeitslosen- versicherungsrechts grundsätzlich als Auflösung des Arbeitsver hältnisses durch den Arbeit- nehmer (vgl. ARV 1979 Nr. 23). Stellt jedoch der Arbeitgeber die versicherte Person unmissver- ständlich vor die Wahl, selbst zu kündigen oder die Künd igung der Firma entgegenzunehmen, ist auch eine Auflösung im gegenseitigen Einvernehmen als Kündigung durch den Arbeitgeber zu betrachten (vgl. Kreisschreiben des Staatssekretariats für Wirtschaft [SECO] über die Ar- beitslosenentschädigung [KS ALE], Stand: Januar 2007, D 25; ARV 1977 Nr. 30 S. 149, ARV 1980 Nr. 6 S. 13). 2.3 Im Falle einer Arbeitgeberkündigung gilt die Arb eitslosigkeit gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV dann als selbstverschuldet, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesonde- re wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, de r Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat. Die Einstellung in de r Anspruchsberechtigung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Aufl ösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 Schweizerische s Obligationenrecht (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch n icht unbedingt eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, son dern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausser halb des Betriebs berechtigten An- lass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilun gen] C 392/00 vom 8. Oktober 2002 E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Dabei müssen n icht zwingend Beanstandungen in beruf- licher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweis e, dass charakterliche Eigenschaften Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht im weiteren Sinne, die den Arbeitnehmer für den Bet rieb als untragbar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (vgl. BGE 112 V 244 f. E. 1). 2.4 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeit seinstellung ohne Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekü rzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (vgl. BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG C 53/00 vom 17. Oktober 2000). Aufgrund des grund- sätzlichen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b de s Übereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nich t jedes schuldhafte Verhalten der versicher- ten Person, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung de s Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemä ss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vor- werfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übere inkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genüg t (Urteil des EVG C 371/01 vom 4. Juni 2002 E. 2b). Eventualvorsatz ist im Zusammenhan g mit Art. 44 lit. a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen muss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rah- men von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blo sser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgen (J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung, Zürich 1998, S. 76 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten d er Parteien (vgl. Bundesgerichtsent- scheid [BGE] 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist jedoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstell e bzw. des Sozialversicherungsge- richts ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversiche- rungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Par tei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der z umindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER /B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentsch ädigung, 3. Auflage, Zürich 2008, S. 146). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverh alts genügt den Beweisanforderun- gen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würd igt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG C 53/00 vom 17. Oktober 2000 E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen di eser Bestimmung zur Last ge- legte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen , ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG C 365/01 vom 7. N ovember 2002 E. 2 und C 392/00 vom 8. Oktober 2002 E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 11 2 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). 4.1 Zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren zunächst, ob die Arbeitslosenkasse zu Recht davon ausging, dass der Beschwerdeführer sein Arbeitsverhältnis von sich aus ausgelöst hat. 4.2 Aus den Akten geht hervor, dass das Arbeitsverhältniss m ittels Aufhebungsvereinba- rung vom 3. Dezember 2010 per 31. Dezember 2010 been det wurde. Die B.____ AG bezahlte dem Beschwerdeführer eine einmalige Entschädigung von Fr. 28'744.--, entsprechend dem Lohn für die ordentliche Kündigungsfrist von drei Monaten sowie einem Zusatzmonat (vgl. dazu das Schreiben der B.____ AG an das KIGA vom 18. Juli 2011). Im ebengenannten Schreiben begründete die B.____ AG das gegenseitige Einvernehme n bezüglich Auflösung des Arbeits- vertrags einerseits mit dem persönlichen Verhalten des Be schwerdeführers am Arbeitsplatz gegenüber seinen Mitarbeitenden und Vorgesetzten und andererseits mit dem Wunsch des Beschwerdeführers, im Januar 2011 nach Australien auszuw andern. Des Weiteren wies die B.____ AG darauf hin, dass sie das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündi- gungsfrist beendet hätte, wäre es nicht in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst worden. 4.3 Wie hiervor ausgeführt, gilt auch das Auflösen des A rbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen aus der Sicht des Arbeitslosenversicherungsre chts grundsätzlich als Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitnehmer (vgl. Erwä gung 2.2 sowie KS ALE, D24). Ist jedoch klar, dass der Arbeitgeber bei einer Nichtunter zeichnung einer Aufhebungsvereinbarung dem Arbeitnehmer kündigen würde, ist von einer Arbeitg eberkündigung auszugehen (vgl. KS ALE, D25). Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung erklärt der Beschwerdeführer, es sei am Arbeitsplatz zu einer Auseinandersetzung zwischen einem k urdischen und einem türkischen Mitarbeiter gekommen. Er sei schlichtend dazwischen gegangen, wobei man ihm im Nachhinein angelastet habe, er sei gegenüber einem Mitarbeiter tätlich geworden. In der Folge habe er sich krankschreiben lassen. Weiter habe er von der Sekretärin vernommen, dass ihm gekündigt werde, wenn er nicht mehr krankgeschrieben sei. Als er dann wieder zur Arbeit erschienen sei, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe man ihm die Aufhebungsvereinbarung unterbreitet. In der Zwischenzeit habe er sich ent- schieden nach Australien auszuwandern. Da er gewusst habe, dass ihm die Arbeitsgeberin oh- nehin kündigen werde, sei er mit der Aufhebungsvereinb arung einverstanden gewesen. Die B.____ AG bestätigte in ihrem Schreiben vom 18. Juli 2 011 ausdrücklich, dass sie das Arbeits- verhältnis mit dem Beschwerdeführer unter Einhaltung der Kündigungsfrist beendet hätte, wenn er die Aufhebungsvereinbarung nicht unterzeichnet hätte. 4.4 Dem Beschwerdeführer war bewusst, dass sein Arbeitsverh ältnis aufgelöst werden würde, sobald er nicht mehr krankgeschrieben sei. Es blieb ihm somit keine andere Wahl, als in die Aufhebungsvereinbarung einzuwilligen. Dass er zu die sem Zeitpunkt bereits beabsichtigte, nach Australien auszuwandern, ist insofern irrelevant, als dieser Entschluss dadurch begründet war, dass ihm der bevorstehende Verlust seiner Arbeitsste lle bei der B.____ AG verlieren wer- de. Somit ist von einer Kündigung durch den Arbeitge ber auszugehen, weshalb bei der Sach- verhaltsbeurteilung nicht nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AV IV vorzugehen, sondern nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe r der Arbeitgeberin genügend Anlass gegeben hat, ihm eine Aufhebung im gegenseitigen Einverständnis nahe zu legen. 5. Die B.____ AG begründete im Schreiben vom 18. Juli 2011 die Auflösung des Arbeits- verhältnisses mit dem persönlichen Verhalten des Beschwerdeführers als Leiter des Postdiens- tes gegenüber seinen Mitarbeitenden und Vorgesetzten. A ktenkundig ist weiter ein Zwischen- zeugnis vom 12. November 2010. Darin attestierte die B .____ AG dem Beschwerdeführer durchwegs positive Arbeitsleistungen und Verhaltensweisen. Er stehe mit den Vorgesetzten in gutem Einvernehmen und werde von den Mitarbeitern ge schätzt. Er erteile als Vorgesetzter klare Anweisungen und setze sich für die betrieblichen I nteressen ein. In den Akten finden sich keine konkreten Hinweise darauf, aus welchen Gründen od er gestützt auf welche Vorfälle die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis auflösen wollte. Ge mäss der Angaben des Beschwerdefüh- rers habe er sich anlässlich des Streits zwischen seinen beiden Mitarbeitern keiner Tätlichkeit zu Schulden kommen lassen, sondern habe die beiden lediglich voneinander getrennt, als diese angefangen hätten, sich zu prügeln. Er vermute, dass di e gewollte Entlassung vielmehr mit der geplanten Auslagerung des Postdienstes zusammengehangen h abe, was ohnehin den Wegfall seiner Arbeitsstelle zur Folge gehabt hätte. Unter Berücksichtigung, dass ein Selbstverschulden im Sinne der Arbeitslosenversicherung nur dann gegeben i st, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht auf objektive Faktoren zurückzuführen ist, sondern in einem vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt und ein derart iges Verhalten bewiesen werden und nicht bloss mit dem ansonsten im Bereich des Sozialversicheru ngsrechts erforderlichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein muss, ist unter diesen Umständen ein schuldhaftes Verhalten des Versicherten nicht erstell t. Auch ist nicht zu erwarten, dass sich aus weiterführenden Abklärungen noch entscheidrelevant e neue Tatsachen ergeben würden. Es kann unter Berücksichtigung aller Umstände jedenfalls n icht darauf geschlossen werden, dass dem Versicherten eine Auflösung des Arbeitsverhältniss es innerlich gleichgültig oder gar gewünscht war. Nach dem Gesagten steht somit fest, dass aufgrund der vorliegenden Unterla- gen ein eventualvorsätzliches Verhalten des Beschwerdefüh rers in beweismässiger Hinsicht nicht hinreichend erstellt und deshalb von einer Einstell ung in der Anspruchsberechtigung ab- zusehen ist. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zu keinem anderen Ergebnis würde die Annahme, der Beschwerdeführer habe das Arbeitsverhältnis mittels Aufhebungsvereinbarung von sich aus aufgelöst, führen. Die Be- schwerdegegnerin macht diesbezüglich geltend, dass es sich bei der Arbeitsstelle bei der Firma C.____ in Australien um eine befristete Stelle gehan delt habe. Damit habe er seine Arbeitslo- sigkeit selbst verschuldet, indem er eine dauerhafte Arbe itsstelle aufgegeben habe, um eine befristete anzutreten (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. c AVIV). Dass das Arbeitsverhältnis befristet gewe- sen sei, sei aus dem Umstand ersichtlich, dass der Beschwerde führer bereits nach fünf Mona- ten wieder in die Schweiz zurückgekehrt sei und, dass der B eschwerdeführer im Zeitraum vom Januar bis Mai 2011 an die 50 Bewerbungen für Stellen in Australien geschrieben habe (vgl. dazu die Verfügung des Regionalen Arbeitsvermittl ungsvermittlungszentrums [RAV] vom 22. Juni 2011). Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werde n. Der Beschwerdeführer legt glaubhaft dar, dass er sich definitiv in Australien niederlassen wol lte, so meldete er sich auch bei der Ein- wohnerkontrolle D.____ per 31. Dezember 2010 ab (vgl. act. 129). Wie aus den Akten hervor- geht, hatte er zum Kündigungszeitpunkt bereits eine Arbe itsstelle in Australien gefunden. Dass er sich darauf um eine neue Stelle bemühte, heisst nich t, dass die Arbeitsstelle bei der C.____ eine befristete war. Anlässlich der heutigen Parteiverh andlung bestätigt der Beschwerdeführer, dass es sich um eine dauerhafte Arbeitsstelle gehandelt habe, er sich dennoch aber um eine neue Stelle bemüht habe. Seine Rückkehr in die Schweiz im Mai 2011 begründet der Be- schwerdeführer schliesslich damit, dass er in eine – aktenku ndige – Steuerstreitigkeit verwickelt gewesen sei. Zwar wäre der Beschwerdeführer dadurch wo hl nicht gezwungen gewesen, sei- nen Aufenthalt in Australien zu unterbrechen. Es lässt sich daraus jedoch nicht schliessen, dass der Beschwerdeführer ein bloss befristetes Arbeitsverhältn is angenommen hatte und in die Schweiz zurückkehrte, weil er in Australien keine Arbeit sstelle mehr fand. Für die diesbezügli- chen Annahmen der Beschwerdegegnerin lassen sich in den Akten keine Grundlage finden. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass der Be schwerdeführer nicht ein Arbeits- verhältnis angenommen hatte, von dem er wusste oder hät te wissen müssen, dass es sich um ein bloss befristetes handelte. Vielmehr lagen die Grü nde für die Beendigung des Arbeitsver- hältnisses in Australien darin, dass der Beschwerdeführer sich gezwungen sah, sich in der Schweiz um seine steuerrechtlichen Angelegenheiten zu k ümmern. Würde man ergo zum Schluss kommen, dass der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis mit der B.____ AG von sich aus aufgelöst hätte, wäre seine Arbeitslosigkeit im Juni 2011 auch nicht mit Blick auf Art. 44 Abs. 1 lit. c AVIV selbst verschuldet. 7. Zusammenfassend ist somit Folgendes festzuhalten: Da di e Arbeitgeberin im Dezem- ber 2010 beabsichtigte, dem Beschwerdeführer zu kündigen, sofern dieser mit der Aufhebungs- vereinbarung nicht einverstanden gewesen wäre, ist in c asu von einer Arbeitgeberkündigung auszugehen. Es ist sodann nicht erstellt, dass der Beschwerd eführer durch sein Verhalten vor- sätzlich oder grobfahrlässig Anlass zur Kündigung gegeben h at, weshalb er zu Unrecht auf- grund selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit in der Anspruchs berechtigung eingestellt worden ist. Gleiches ergäbe sich, wenn von einer Selbstkündigung ausg egangen würde, da der Beschwer- deführer glaubhaft darlegte, dass es sich bei seinem Arb eitsverhältnis in Australien um eine dauerhafte Anstellung handelte. Die Beschwerde ist demnach in Aufhebung des angefochtenen Einsprachentscheids vom 19. Dezember 2011 sowie der Verfüg ung vom 30. August 2011 der Arbeitslosenkasse gutzuheissen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das Verfahren vor de m kantonalen Sozialversiche- rungsgericht für die Parteien kostenlos. Es sind deshal b keine Verfahrenskosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Einspr acheentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft vom 19. Dezem ber 2011 wird aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.