B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7719/2015 U r t e i l v o m 17 . F e b r u a r 2 0 1 7 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Raffaella Massara, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 4. November 2015 / N (…). D-7719/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge floh die Beschwerdeführerin aus ihrem Hei- matstaat im August 2014 auf dem Landweg und gelangte von dort über die Grenze in den Iran, um weiter von der Türkei nach Europa zu reisen. Sie gelangte in der Folge am 3. Februar 2015 in die Schweiz und stellte am 5. Februar 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in M._______ ein Asylgesuch. Daraufhin wurde sie dem Testbetrieb in Zürich zugewiesen. Anlässlich der Befragung vom 11. Februar 2015 zur Person (BzP) sowie am 26. Februar 2015 bei der Anhörung gemäss Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV machte die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Asylge- suchs im Wesentlichen geltend, sie sei afghanische Staatsangehörige tad- schikischer Ethnie und habe bis vor der Ausreise in Herat bei ihrer Familie gewohnt. Sie habe dort die Schule bis zur zehnten Klasse besucht und danach nicht weiter in die Schule gehen dürfen. Ihr Vater habe sie wegen der schlechten Sicherheitslage und seiner Meinung nach genügender Schulbildung aus der Schule genommen. Sie habe danach ihre Zeit zu Hause als Hausfrau verbracht, obwohl sie sehr gerne weiter zur Schule gegangen wäre. Im Haus ihrer Cousinen habe sie B._______, einen Eng- lischlehrer und Ingenieurstudent, kennen gelernt. Sie habe während eines Jahres mit ihm eine heimliche Beziehung geführt. Etwa im Juni 2014 habe sie durch ihre Mutter von der Absicht ihres Vaters, sie mit einem ca. 45 - jährigen Witwer namens C._______ zu verheiraten, erfahren. Sie sei em- pört gewesen und habe ihre Mutter davon zu überzeugen versucht, dass sie ihren Vater, welcher die Hochzeit arrangiert habe, vom Vorhaben ab- bringe. Ihre Mutter habe jedoch zu bedenken gegeben, dass sie bereits 25- jährig sei und in Zukunft möglicherweise niemand um ihre Hand anhalten werde. Als sie bemerkt habe, dass die Sache offiziell we rde, habe sie sich ihrem Freund B._______ offenbart. Gemeinsam hätten sie sich entschlossen das Land zu verlassen, um so der bevorstehenden Vermählung durch F lucht zu entgehen. Ihr Freund habe die Finanzierung und Organisation der Aus- reise in die Hand genommen. Am Tag der Hochzeit habe sie sich mit ihrem Freund getroffen , um gemeinsam die Flucht anzutreten . M it dem Auto seien sie über den Iran und dann in die Türkei weitergereist. Dort habe der Schlepper sie von ihrem Freund B._______ getrennt, da es we niger auf- falle, wenn sie die Reise alleine fortführen würde. Sie sei nach einem zwei- monatigen Aufenthalt in der Türkei alleine weiter nach Griechenl and ge- reist, wo sie vier Monate lang geblieben sei. In Gri echenland sei sie mit D-7719/2015 Seite 3 dem christlichen Glauben konfrontiert worden und habe Gottesdienste be- sucht. Nach einer religiösen Ausbildung sei sie zum Christentum konver- tiert. Danach habe sie über eine ihr unbekannte R oute die Reise in die Schweiz fortgesetzt. A.b Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin anlässlich der Bundesanhörung zwei griechische Dokumente ein, welche ihre Konversion zum Christentum belegen sollten. B. B.a Mit Verfügung vom 4. November 2015 (eröffnet am 6. November 2015) lehnte das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 5. Februar 2015 ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungs- vollzug an. B.b Zur Begründung dieses Entscheids machte die Vorinstanz im Wesent- lichen geltend, die Beschwerdeführerin habe ihre Vorbringen unglaubhaft und nicht plausibel darlegen können. So habe sie erklärt, aus einer religiös- konservativen Familie zu stammen, die sie gegen ihren Willen an den etwa 45-jährigen C._______ habe verheiraten wollen. Gerade bei sehr religiös- konservativen Familien sei es aber sehr unüblich, dass Frauen in Afgha- nistan erst Mitte zwanzig heiraten würden. Sie habe nicht einleuchtend dar- legen können, weshalb in einer so streng religiösen Familie alle drei Töch- ter erst Anfang bis Mitte zwanzig verheiratet worden seien. Die Erklärung, dass es bei ihren Schwestern nicht viele gute Anwärter gegeben habe und ihr Vater wählerisch sei, überzeuge nicht. So würden ihre Aussagen auf die Herkunft aus einer eher liberalen Familie hindeuten. Ungereimt seien auch ihre Aussagen zu ihrem angeblich zukünftigen Ehemann gewesen . So habe sie ihn weder gekannt noch jemals zu sehen bekommen. Dies unter Berücksichtigung, dass ihre Schwestern ihre Verlobungszeit mit ihren zu- künftigen Ehemännern ohne Einschränkungen des Vaters hätten verbrin- gen dürfen. So sei die Art, wie eine afghanische Familie ihre Töchter ver- heirate, Ausdruck von Wertvorstellungen sowie auch eine r Positionierung in der Gesel lschaft, die nicht von einem Tag auf d en anderen geändert werde. Zudem habe sie nicht einleuchtend darlegen können, weshalb ihre Eltern sie und ihre Schwestern auf so unterschiedliche Art hätten verheira- ten wollen. Mehrmals sei sie dazu aufgefordert worden, eine der Heirats- feierlichkeiten im Detail zu beschreiben. Ihre Erzählung en hätten jedoch keine Realkennzeichen enthalten. Vielmehr hätten sie eine Aufzählung von Ereignissen enthalten. So seien ihre Aussagen zur bevorstehenden Zwangsverheiratung widerspr üchlich, unsubstantiiert und deshalb nicht glaubhaft. Über ihren angeblichen Geliebten sowie zur Organisation der D-7719/2015 Seite 4 Reise, habe sie sehr substanzlos und marginal Auskunft geben können. Ihr Vorbringen, während ihres Aufenthaltes in Griechenland mit dem Christen- tum in Kontakt gekommen zu sein und durch das gewaltlose und friedliche Zusammenleben im Christentum zur Konversion inspiriert worden zu sein, erscheine als wenig substantiiert und unglaubhaft. Ebenfalls die Begrün- dung, dass im Vergleich zum Islam Frauen im Christentum n icht unter- drückt würden, könne nicht vollumfänglich überzeugen. Diese Aussage würde vielmehr einer stereotypen Gegenüberstellung von Islam und Chris- tentum, als einer persönlichen Überzeugung entsprechen. Deshalb könne die Konversion zum Christentum ihr nicht geglaubt werden. Zusammenfas- send sei festzustellen, dass die vorgebrachten Asylgründe den Anforderun- gen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht stand- halten würden. Demzufolge erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft nicht und ihr Asylgesuch sei abzulehnen. Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug nach Afghanistan zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe vom 27. November 2015 liess die Beschwerdeführerin gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwe rde erheben und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuhe- ben. Die Sache sei zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei ihre Flüchtlingse igenschaft fe stzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Subventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. D. D.a Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2016 wies der Instruktionsrich- ter des Bundesverwaltungsgerichts das Gesuch um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses ab und forderte die Beschwerdeführerin auf, bis zum 4. Februar 2016 einen Kostenvorschuss von Fr. 600. – zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. D.b Die Beschwerdeführerin leistete den ei nverlangten Kostenvorschuss am 3. Februar 2016 fristgerecht. D.c Mit Eingabe vom 11. April 2016 liess die Beschwerdeführerin ein en Arztbericht vom 26. Februar 2016 einreichen. D-7719/2015 Seite 5 D.d Mit Eingabe vom 4 . Mai 2016 reichte die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin ein Sch reiben der Persisch Sprechenden Christli- chen Gemeinde in der Schweiz (PCGS) vom 2. Mai 2016 und eine Ko pie ihres Mitgliedausweises ein. Zudem ersuchte sie das Gericht wiedererwä- gungsweise um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. D.e Mit Zwischenverfügung vom 17. Mai 2016 wies der zuständige Instruk- tionsrichter das erneute Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab. D.f Mit Eingabe vom 18. Mai 2016 liess die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin einen Bericht der Psychiatrie (…) vom 11. Mai 2016 ein- reichen. D.g Mit Eingabe vom 17. Juni 2016 liess die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin Informationen zur Situation von Frauen in Afghanistan einreichen. D.h Mit Zwischenverfügung vom 5. Juli 2016 wies der zuständige Instruk- tionsrichter das erneute Gesuch um wiedererwägungsweise Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab. D.i Mit Eingabe vom 21. November 2016 liess die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin einen Brief der Schwester einreichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. D-7719/2015 Seite 6 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Mass nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we- gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstan den sind und weder Aus- druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat be- stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die D-7719/2015 Seite 7 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 In ihrer Beschwerdeschrift machte die Beschwerdeführerin im Wesent- lichen geltend, sie sei durch die bevorstehende arrangierte Zwangsheirat mit C._______ so sehr unter psychischem Druck gestanden, dass sie sich nicht im Stande gesehen habe , sich der Zwangsheirat zu widersetzen . Hätte sie sich ausserdem aktiv dagegen gewehrt, wäre sie ernsthaften Re- pressionen ihres Vaters ausgesetzt gewesen. Nebst Repressalien seitens ihres Vaters, würden Frauen, welche sich in Afghanistan einer Zwangshei- rat widersetzten, hohe Haftstrafen und Ehrverlust drohen. Angesichts der prekären Sicherheitslage in Afghanistan sei es ihr auch nicht möglich ge- wesen eine innerstaatliche Fluchtalternative auszuwählen. Die Beschwer- deführerin wies ausserdem darauf hin, dass die Vorinstanz ihre Aussagen zu ihrer Konversion nicht näher berücksichtigt habe . Zwar habe sie nicht alle Fragen zum Christentum richtig beantworten können, aber ausführlich erzählt, wie es in Griechenland zu r Konversion gekommen sei . Ferner seien ihre Schilderungen entgegen der Ansicht der Vorinstanz substanziiert ausgefallen und würden viele Realitätskennzeichen enthalten. Diese seien durch Detailreichtum und innere Übereinstimmung glaubwürdig und durch- aus plausibel gewesen. Auf weitere Vorbringen wird – soweit entscheidwesentlich – in den nachfol- genden Erwägungen eingegangen. 5.2 Nach Prüfung der Akten durch das Bundesverwaltungsgericht ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der g eltend gemachten Verfolgung in ihrem Heimatstaat wegen fehlender Glaubhaftigkeit (Art. 7 AsylG) den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standzuhalten vermögen, weshalb diesbezüglich vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu verweisen ist. Der Rechtsmitteleingabe sind keine stichhaltigen Entgeg- nungen zu entnehmen, zumal die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ihre bisherigen Vorbringen wiederholt, an deren Asylrelevanz sowie deren Glaubhaftigkeit festhält und die vom SEM in der angefochtenen Verfügung dargelegten Unstimmigkeiten bestreitet. Um Wiederholungen zu vermei-D-7719/2015 Seite 8 den wird diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen in der angefoch- tenen Verfügung sowie die Ausführungen in den Z wischenverfügungen vom 20. Januar 2016, 17. Mai 2016 und 5. Juli 2016 verwiesen. Die Be- schwerdeführerin bestätigte in der Anhörung, es sei in Afghanistan üblich, dass Mädchen aus traditionellen Familien mit 14/15-jährig verlobt würden (A23, F119 S. 13). Sie konnte vor diesem Hintergrund aber nicht nachvoll- ziehbar darlegen, weshalb in ihrer Familie – einer gemäss ihren Aussagen streng religiös-konservativen Familie – alle drei Töchter erst Anfang bis Mitte zwanzig verheiratet wor den seien. Und trotz der angeblich wähleri- schen Art ihres Vaters in Bezug auf die Auswahl der Anwärter, soll dieser ausgerechnet einen verwitweten Mann mit zwei Kindern für seine Tochter ausgewählt haben. Über diesen hat die Beschwerdeführerin keine detail- lierten Auskünfte geben können. Bei dieser Sachlage ist davon auszuge- hen, dass die Beschwerdeführerin nicht aus einer konservativ-religiösen Familie stammt, was ihre Fluchtvorbringen in Zweifel zieht. Die Zweifel an der Fluchtgeschichte werden zudem dadurch verstärkt, dass die Be- schwerdeführerin zu ihrem angeblichen Freund, der ihre Reisekosten be- zahlt haben soll und mit ihr aus Afghanistan geflohen sei, nur spärlich Aus- kunft geben konnte. Über dessen Verbleib hat sie nur die Begründung vor- gebracht, von ihm auf der Reise getrennt worden zu sein. Angesichts des- sen, dass die Flucht ihre Liebesbeziehung und die gemeinsame Zukunft hätte sichern sollen, sind keine ernsthaften Bemühungen ersichtlich, den Aufenthaltsort des Freundes zu eruieren (A33, F134 S. 16), was gegen die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Beziehung spricht. Bei Würdigung aller Unstimmigkeiten kann die geltend gemachte Verfolgungssituation im Heimatstaat nicht geglaubt werden. 6. 6.1 Die Beschwerdeführerin beruft sich überdies auf ihre Konversion zum Christentum und somit auf subjektive Nachfluchtgründe. Sie bringt vor, sie habe sich in Griechenland am 11. Januar 2015 taufen lassen und besuche regelmässig die Gott esdienste der Persischen Christ lichen Gemeinde in N._______. Bei einer Rü ckkehr nach Afghanistan würde sie deshalb von den afghanischen Behörden als auch von den Taliban als Abtrünnige an- gesehen. 6.2 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen - schaft im Sinn von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Asyl- ausschluss. Personen, welche subj ektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, werden hingegen als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. auch BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). D-7719/2015 Seite 9 6.3 Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zunächst fest, dass Personen, die Gründ e geltend ma- chen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunfts- staat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht F lüchtlinge sind; diese einschränkende Festst ellung wurde vom Gesetzgeber al ler- dings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Geltung der FK wieder relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). 7. 7.1 Eine Person, die subjek tive Nachfluchtgründe geltend macht, hat be- gründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und di e Person deshalb bei einer Rück kehr i n flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Sinn von Art. 3 AsylG verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.; BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom - mission [EMARK] 2006 Nr. 1 E. 6.1). Die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht bleiben dabei grundsätzlich massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinn von Art. 3 AsylG befürchten muss. 7.2 Gemäss öffentlich zugänglichen Quellen sind weniger als 1% der Be - völkerung Afghanistans Christen (84% sind sunnitische und 15% sind schi- itische Muslime). Bei afghanischen Christen handelt es sich im Wesentli- chen um vom Islam zum Christentum konvertierte Personen. Für sie gibt es keine Möglichkeit der offenen Religionsausübung ausserhalb des häus- lichen Rahmens. Auch ausländische Christen üben ihre Religion grund - sätzlich zurückhaltend aus. A fghanen, die verdächtigt oder beschul digt werden, vom Islam zum Christentum übergetreten zu sein, können einem Verfolgungsrisiko ausgesetzt sein. Das Risiko geht dabei von Familien- und Sippenmitgliedern wie auch von Angehörigen der weiteren Ge meinschaft aus. Auch Übergriffe von staatlicher Seite gegen Konvertiten sind denkbar. In Kabul und im ganzen Land wird heute praktisch wieder nach der Scharia geurteilt, nach der "Abtrünnige vom Islam" streng bestraft werden. Die Ver- hältnisse in den Provinze n sind nic ht anders. Je nach In terpretation der Scharia können Konvertiten auch mit dem Tode bestraft werden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -4981/2013 vom 4. Dezember 2013 E. 7.4 m.w.H.). D-7719/2015 Seite 10 7.3 Trotz dieser Feststellungen kann nicht von einer allgemeinen, alleine an das Bekenntnis zum Christentum anknüpfenden Verfolgungssituation im Sinne einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden. Die Anforderun- gen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind sehr hoch. Alleine die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, welches in seinen spezifischen Ei - genschaften Ziel einer Verfolgungsmotivation ist, reicht in der Regel nicht, um eine Kollektivverfolgung zu begründen. Vielmehr kommen auch bei gel- tend gemachter Verfolgung aufgrund der blossen Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kollektiv die Kriterien der ernsthaften Nachteile oder der be- gründeten Furcht gemäss Art. 3 AsylG zur Anwendung. Solange die Über- griffe gegen das Kollektiv nicht derart intensiv und häufig sind, dass jedes Gruppenmitglied mit guten Gründen befürchten muss, getroffen zu werden, müssen besondere Umstände vorliegen, damit bereits aufgrund der blos- sen Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kollektiv die Ernsthaftigkeit der Nachteile oder Begründetheit der Furcht als erfüllt betrachtet werden kön- nen (vgl. EMARK 2006 Nr. 1 E. 4.3, S. 3 f., mit weiteren Hinweisen). Solche Umstände liegen zur Zeit in Afghanistan nicht vor. Namentlich geht auch das UNHCR nicht von einer Kollektivverfolgung aus, sondern betont die Notwendigkeit der individuellen Prüfung in jedem Fall, ob konkret eine Ge- fährdung aufgrund der Konversion bestehe (vgl. dazu insbesondere UN- HCR Eligibility Guidelines for Assessing the International Protection Needs of Asylum-Seekers from Afghanistan, 6. August 2013, S. 47). An dieser Ein- schätzung vermögen auch die diesbezüglichen Vorbringen in der Rechts- mittelschrift nichts zu ändern. 7.4 Vorliegend ergeben sich aufgrund der Aktenlage keine hinreichenden konkreten Anhaltspunkte auf eine begründe te Furcht vor künftiger Verfol- gung wegen der geltend gemachten Konversion (vgl. EMARK 2001 Nr. 1 E. 6a S. 9 f.). Es ist der Beschwerdeführerin nicht gelungen darzutun, dass die vorgebrachte Konversion überhaupt jemandem in Afghanistan, wo sie eigenen Angaben zufolge seit dem Jahr 2014 nicht mehr gelebt hat, be- kannt geworden wäre. An dieser Einschätzung ändert auch ihre Aussage auf Beschwerdeebene nichts, wonach die von ihr in der Schweiz besuch- ten Gottesdienste auch von anderen Afghanen und Iranern besucht wer- den würden, die ihre Konversion in Afghanistan preisgeben könnten, zumal dieses Vorbringen in keiner Weise belegt ist und nicht nachvollziehbar ist, weshalb sich ein Konvertit gegenüber einem anderen Konvertiten derart verhalten sollte. Wie bereits in den Zwischenverfügungen vom 20. Januar 2016, 17. Mai 2016 und 5. Juli 2016 ausgeführt, bestehen grundsätzliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Konversion. Über die Motivationsgründe D-7719/2015 Seite 11 ihrer Konversion gibt die Beschwerdeführerin an, sie habe einfach den Is- lam mit dem Christentum verglichen und dabei festgestellt, dass dort nicht so viel Zwang stattfinde (vgl. A23 S. 19 F177). Auch das von der Beschwer- deführerin eingereichte Bestätigungsschreiben vom 2. Mai 2016, welches im Wesentlichen nur wiederholt, dass die Beschwerdeführerin in Griechen- land getauft worden sei und in N._______ jeden Sonntag den Gottesdienst in der Persisch Christlichen Gemeinde besuche, vermag nicht ihre Motiva- tion zu erklären. Letztlich ist die Glaubhaftigkeit ihrer Konversion nicht mas- sgebend, da allein aufgrund der Konversion noch keine begründete Furcht vor Verfolgung anzunehmen ist. 7.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass auch die geltend gemachten sub- jektiven Nachfluchtgründe keine Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde - führerin im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen vermögen. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug de r Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). D-7719/2015 Seite 12 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs- sig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr (« real risk») nach- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. N ach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg- weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim- mungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-D-7719/2015 Seite 13 grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil BVGE 2011/7 eine Ana - lyse der Lage in Afghanistan vorgenommen. Dabei ist es zum Schluss ge- kommen, dass die dortige Sicherheitslage und die humanitäre Situation derart schlecht sei, dass – ausser allenfalls in Grossstädten – von einer existenzbedrohenden Situation im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG auszuge- hen sei. Ausnahme bilde die Stadt Kabul, in welcher die Sicherheitslage weniger bedrohlich und die humanitäre Situation weniger dramatisch sei als in anderen Geb ieten. Ein Vollzug der Wegweisung in die Stadt Kabul sei daher nicht generell unzumutbar, sondern könne unter begünstigenden Umständen als zumutbar erachtet werden. Im Urteil BVGE 2011/38 hat sich das Gericht zur Lage in Herat geäussert. Es hat festgestellt, dass die dortige Sicherheitslage und die humanitäre Si- tuation aktuell weniger bedrohlich sei als in den übrigen Landesteilen Af - ghanistans. Unter der Voraussetzung begünstigender Umstände (siehe vorstehend) sei der Vollzug nach Herat daher zumutbar (B VGE a.a.O. E.4.3.1 ff.). 9.6 Auf Beschwerdeebene macht die Beschwerdeführerin geltend, sie ver- füge in Herat zwar über ihre Familie, es könne jedoch nicht von der Trag- fähigkeit des familiären Netzes ausgegangen werden, da sie ihr zuhause ohne das Einverständnis ihrer Eltern verlassen habe. Allein aufgrund die- ses Umstands sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr von ihrer Familie das Schlimmste zu befürchten hätte. 9.7 Ihren Angaben zufolge lebte die – soweit den Akten zu entnehmen ist – physisch gesunde Beschwerdeführerin seit ihrer Geburt bis zu ihrer Aus- reise im Frühjahr 2014 in Herat. Folglich ist sie mit den dortigen Le bens- umständen bestens vertraut. Ihren Angaben nach hat sie die Schule bis zur 10. Klasse besucht. Ihre Eltern leben in Herat, wo sie zusammen mit ihren vier Geschwistern im gleichen Haus wohnen könnte. Zudem hat sie eige- nen Aussagen nach einen guten Kontakt zu ihren Geschwistern gepflegt (A23, S. 7 F39). Ausserdem verfügt sie über ein intaktes Verhältnis zu ih- rem Onkel und zu ihren Tanten. Es kann deshalb davon ausgegangen wer- den, dass ihre Familie und Verwandten sie wieder in die Famil iengemein- schaft einschliessen werden, zumal kein „familiäres Fehlverhalten“ ersicht- lich ist. Der Vater führt einen Lebensmittelladen, der ihren Angaben zufolge D-7719/2015 Seite 14 gut laufe (A 23, S. 5 F21 f.). Dementsprechend ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt, wel- ches ihr eine soziale und wirtschaftliche Reintegration ermöglichen wird. Was die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin anbelangt, wurde der Verdacht auf Suizidali tät und psychosoziale Belastungsreaktion erst- mals im ärztlichen Bericht vom 26. Februar 2016 aktenkundig. Nach dem Bericht des Kantonsspitals (…) vom 11. Mai 2016 hat erst der negative Asylentscheid bei der Beschwerdeführerin eine anhaltende psychische Krise ausgelöst und die Entwicklung einer depressiven Symptomatik mit wiederkehrenden Suizidgedanken ausgelöst. Sie sei jedoch nicht akut su- izidal. Des Weiteren dr ängt sich entgegen den Ausführungen der Be- schwerdeführerin keine veränderte Betrachtungsweise auf. Drohen näm- lich Ausländer für den Fall des Wegweisungsvollzuges mit Suiz id, so ist nach dem EGMR der wegweisende Staat nicht verpflichtet, vom Vollzug der Ausweisung Abstand zu nehmen, solange er Massnahmen ergreift, um die Umsetzung der Suiziddrohung zu verhindern. In solchem Falle vermag die Ausschaffung nicht gegen Art. 3 EMRK zu verstossen (vgl. den Unzu- lässigkeitsentscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. Dragan und an- dere gegen Deutschland, Nr. 33743/03, angeführt in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212, Urteil des BGer 2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1). Der geltend gemachten latenten Suizidalität der Beschwerdefüh- rerin ist deshalb durch Heranziehen von medizinischem Fachpersonal bei der Ausschaffung Rechnung zu tragen. Nach dem Gesagten trägt die Voll- zugsbehörde die Verantwortung für einen komplikationsfreien Wegwei- sungsvollzug. Sie ist gehalten, den Wegweisungsvollzug in einer Weise auszugestalten, welche die Gefahr der Selbst - oder Drittgefährdung mini- miert. Gemäss Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts gibt es keine Hin- weise darauf, wonach in Herat der Zugang zur staatlichen medizinischen Versorgung nicht gewährleistet sei. Das grösste Spital in Herat (Herat Re- gional Hospital) verfügt über eine eigene psychiatrische Abteilung (Mental Health Clinic). Ausserdem wird von der christlichen Nichtregierungsorgani- sation International Assistance Mission (IAM) in Herat das Heart Mental Health Training Center betrieben, welches ebenfalls Patienten mit psychi- schen Erkrankungen behandelt . Somit kann d ie Beschwerdeführerin die notwendige Behandlung in ihrem Heimatstaat fortsetzen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. D-7719/2015 Seite 15 9.8 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde - führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-7719/2015 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens- kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: