STEUERREKURSKOMMISSION II DES KANTONS ZÜRICH 2 ST.2010.226 2 DB.2010.168 Entscheid 7. Dezember 2010 Mitwirkend : Einzelrichter Richard Oesch und Sekretärin Barbara Müller In Sachen 1. A, 2. B, Rekurrenten/ Beschwerdeführer, gegen 1. S t a at Z üri c h, Rekursgegner, 2. S c hw ei zeri s ch e Ei d ge no ss en sc haf t , Beschwerdegegnerin, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Nord, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Einschätzung 2009 und Direkte Bundessteuer 2009 - 2 - 2 ST.2010.226 2 DB.2010.168 hat sich ergeben: A. A, geboren 1957 (nachfolgend der Pflichtige), ist verheiratet mit B, gebore- ne C. In der Steuererklärung 2009 gab er als Zivilstand "getrennt" an. Als Einko m- mens- und Vermögensbestandteile deklarierte er au sschliesslich eigene Werte und keine seiner Gattin. Bei den Abzügen für Versicherungsprämien und Zinsen von Spa r- kapitalien machte er jene für Alleinstehende geltend. Am 30. April 2010 schätzte das Steueramt der Gemeinde F ihn für 2009 in Übereinstimmung mit der Steuer erklärung für die Staat - und Gemeindesteuern mit ei- nem steuerbaren Einkommen von Fr. 57'800. - und einem steuerbaren Verm ögen von Fr. 21'000.- ein; sodann erklärte es den Grundtarif für massgebend. Ebenso veranlagte das Steueramt ih n für die Bundessteuerper iode 2009 gemäss Selbstdekl aration mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 58'800. -, ohne indes den massgebl ichen Tarif zu bezeichnen. B. Am 27. Mai 2010 erhob der Pflichtige dagegen Einsprache, indem er b e- mängelte, in der Steuerrechnung sei anstelle d es für ihn als Verheirateten massgebl i- chen Verheiratetentarifs zu Unrecht der Grundtarif verwendet worden. Das kantonale Steueramt nahm diese Eingabe als Einsprache gegen die Staats- und Gemeindesteuereinschätzung sowie gegen die Bundessteuerveranlagung entgegen. Mit getrennten Entscheiden vom 19. Juli 2010 wies es die Einsprachen ab. In beiden Entscheiden bezeichnete es den jeweiligen Grund - bzw. Alleinstehendentarif für massgeblich. C. 1. Mit von ihm sowie seiner Ehefrau unterzeichnetem "Rekurs" vom 23. Juli 2010 verlangte der Pflichtige sinngemäss, für die Einschätzung 2009 sowie die Veranlagung 2009 sei der Verheiratetentarif anzuwenden. - 3 - 2 ST.2010.226 2 DB.2010.168 Das kantonale Steueramt schloss am 27. August 2010 auf Abweisung der Rechtsmittel, wohingegen die Eidg. Steuer verwaltung auf eine Stellungnahme verzich- tete. 2. Mit Verfügung vom 30. September 2010 forderte die Steuerrekurskommi s- sion II den Pflichtigen auf, verschiedene Fragen im Zusammenhang mit der tatsächl i- chen Situation seiner Ehe zu beantworten. Hierauf ging namens des Pflichtigen ein Antwortschreiben eines gewissen D aus E vom 21. Oktober 2010 ein. Danach forderte die Rekurskommission den Pflicht i- gen am 8. November 2010 vergeblich auf, diese Eingabe eigenhändig zu unterzeic h- nen oder eine Vollmacht zugunsten von D vorzulegen. Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. a) Gegen den Einspracheentscheid kann der Steuerpflichtige laut Art. 140 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundesste uer vom 14. Dezember 1990 (DBG) und § 147 Abs. 1 des Steuergesetz es vom 8. Juni 1997 (StG) binnen 30 Tagen nach Zustellung Beschwerde bzw. Rekurs erheben. Die kombinierte Beschwerde- und Rekurseingabe vom 30. September 2010 weist zwar nur die Adresse des Pflichtigen auf; indes haben beide Gatten unterschrieben. Deshalb ist davon auszugehen, sie hät- ten die Einspracheentscheide gemeinsam angefochten. b) Betroffen sind Einspracheentscheide, welche einzig den Pflichtigen be rüh- ren. Nachdem er sich per 23. Mai 2007 von seiner Ehefrau – offenbar bloss, aber i m- merhin – faktisch getrennt hat und diese , soweit ersichtlich, hernach nach Italien weg- gezogen ist, untersteht gemäss Art. 3 Abs. 1 DBG bzw. § 3 Abs. 1 StG nur noch er hier der umfassenden Steuerhoheit und ist demnach nur noch er in der Schweiz bzw. im Kanton Zürich unbeschränkt steuerpflichtig. Fest steht, dass die Ehefrau ihren Woh n- sitz seither nicht mehr in der Schweiz hat. Ungeachtet dessen, ob die Ehe intakt war oder nicht, besteht bei solcher Lage der Dinge (mangels einer massgeblichen wir t- schaftlichen Beziehung der E hefrau zur Schweiz) nur noch für den Pflichtigen eine - 4 - 2 ST.2010.226 2 DB.2010.168 steuerliche Anknüpfung zur Schweiz ( vgl. BGr, 31. August 2006, 2P.99/2006 , 2A.193/2006, www.bger.ch; StE 2009 B 11.3 Nr. 20) . Es findet keine gemeinsame Be- steuerung (mehr) statt (vgl. Art. 9 Abs. 1 DBG; § 7 Abs. 1 StG). Bei solcher Lage der Dinge hat das kantonale Steueramt mit gutem Grund allein ihn erfasst und haben die beiden Einspracheentscheide nur ihn berührt; die Eh efrau ist davon zu Recht nicht betroffen. Ist mithin allein der Pflichtige beschwer t, so ist auf die Be schwerde (Art. 140 DBG) und den Rekurs (§ 47 StG) nur insoweit einzutreten, als er diese ergrif- fen hat; hingegen kann auf die Rechtsmittel der Ehefrau nicht eingetreten werden. 2. a) Das Steuergesetz kennt einen Doppeltarif. Personen ohne familienrecht- liche Unterstützungspflichten unterliegen nach Art. 214 DBG bzw. §§ 35 und 47 StG dem Alleinstehenden - bzw. Grundtarif (je Abs. 1); für Steuerpflichtige mit solchen Pflichten greift hingegen grundsätzlich der mildere Verheiratetentarif (je Abs. 2). Bezo- gen auf Ehepaare kommt der günstigere Tarif nur dann zur Anwendung, wenn sie in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben. Ist diese Voraussetzung erfüllt, gilt der Verheiratetentarif unabhängig davon, ob beide Gatten in der Schweiz bzw. im Kan- ton leben oder nicht (§ 7 Abs. 2 Satz 3 StG). Eine Trennung der Gatten im Sinn dieser Bestimmungen ist dann tatsächlich, wenn sie sowohl in räumlicher Hinsicht als auch bezüglich der Mittelverwendung vo r- liegt. Diese Voraussetzungen müssen kum ulativ erfüllt sein. Fehlt es an der gemei n- samen Mittelverwendung, besteht die eheliche wirtschaftliche Gemeinschaft nicht mehr (RB 1991 Nr. 18). Dabei kommt es einzig auf die objektiven Verhältnisse an; keine B e- deutung haben die bloss subjektiven Absichte n der Gatten. Auf eine getrennte Mitte l- verwendung ist dann zu schliessen, wenn jeder Gatte aus eigener Kraft für seine L e- benshaltungskosten aufkommt oder wenn der eine den anderen unterstützt, indem er ihm ziffernmässig bestimmte Beträge zukommen lässt (BGr, 18. Januar 20 07, 2A.353/2006, E. 4.1, www.bger.ch). b) Die Umstände, die den tieferen Verheiratetentarif als berechtigt erscheinen lassen, sind angesichts der aktenkundigen Fakten (hinten E. 3a) steuermindernder Natur und daher vom Steuerpflichtigen d arzutun und nachzuweisen (RB 1987 Nr. 35). Den Nachweis hat er spätestens mit Rekurs -/Beschwerdeschrift durch eine substanz i- ierte Sachdarstellung anzutreten, aus welcher sämtliche für die rechtliche Würdigung - 5 - 2 ST.2010.226 2 DB.2010.168 massgeblichen Tatsachen im Einzelnen hervorzu gehen haben. Eine fehlende Su b- stanziierung kann nicht im Beweisverfahren nachgeholt werden (RB 1980 Nr. 69). Überdies hat der Steuerpflichtige die zum Beweis für seine Darstellung erforderlichen Beweismittel einzureichen oder unter genauer Bezeichnung zumi ndest anzubieten (RB 1975 Nr. 55, 1986 Nr. 49). Fehlt es an einer hinreichenden Sachdarstellung oder Beweismittelofferte, trifft die Rekurskommission keine weitere Untersuchungspflicht (RB 1975 Nr. 64, 1981 Nr. 90) und hat eine Beweisabnahme zu unterbleibe n mit der Wirkung, dass der Nachweis der fraglichen Aufwendungen zu Ungunsten des hierfür beweisbelasteten Steuerpflichtigen als gescheitert zu betrachten ist. 3. Der Pflichtige beansprucht den Verheiratetentarif allein mit der Begründung, er sei nach wie vor mit seiner Gattin B verheiratet, wie er mit einem aktuellen Auszug aus dem Eheregister belegt. Es sei ihm ein Rätsel, weshalb er und seine Eh efrau als getrennt lebend qualifiziert würden. Das allein kann indes unter den gegebenen U m- ständen nicht genügen, um in den Genuss dieses Tarifs zu kommen. a) Laut dem amtlichen Unterlagen sind die Eheleute seit 23. Mai 2007 g e- trennt. Sodann hat sich die Ehefrau am 30. Mai 2007 in der damaligen Wohnsitzge- meinde E abgemeldet und ist ins Ausland (nach Italien) weggezogen; der Pflicht ige seinerseits verblieb hier und ist seit 1. Oktober 2007 in F angemeldet. Zudem hat di e- ser in seiner ausgefüllten Steuererklärung 2009 selber angeführt, er lebe "g etrennt". Ebenso hat er im Beiblatt "Versicherungsprämien" nicht di e Abzüge für Ver heiratete, sondern die für "übrige Steuerpflichtige" massgeblichen beansprucht. Schliesslich fin- den sich nur Werte des Pflichtigen, nicht aber solche der Ehefrau in der Selbstdeklar a- tion. b) Allein schon aufgrund dieser Angaben durfte das Steueramt ohne Weiteres davon ausgehen, der Pflichtige lebe von seiner Ehefrau faktisch getrennt. Dies umso mehr, als es diesem nicht verborgen bleiben konnte, dass die höheren Abzüge für Ver- heiratete selbst dann gelten, wenn die Eh eleute je eigenständige Wohnsitze haben, jedenfalls sofern die Ehe, wie er heute meint, weder juristisch noch tatsächlich getrennt ist. Unbestritten ist bei alledem, dass die Eheleute AB nach wie vor verheiratet sind. - 6 - 2 ST.2010.226 2 DB.2010.168 Um Klarheit zu erlangen, ist die Rekur skommission am 30. Se ptember 2010 an den Pflichtigen gelangt und hat ihn im Rahmen der stark eingeschränkten Unters u- chungspflicht (vorn E. 2b und BGr, 28. September 2009, 2C_154/2009, E 5.3, www.bger.ch) angehalten, verschiedene Fragen zu beantworten. So wollte das Gericht u.a. wissen, ob die Ehe nicht nur rechtlich, sondern auch faktisch intakt sei und wie sich dies äuss ere. Sodann hat es nach der Finanzierung des Lebensunterhalts der Ehefrau und danach gefragt, ob der Pflichtige seine Ehefrau unterstütze, und falls ja, wann und in welcher Form. Im Weiteren hat es sich erkundigt, wann und wo er sich mit seiner Gattin getroffen habe. Schliesslich ersuchte es um Beibringung einer Kopie der Steuererklärung der Ehefrau und des entsprechenden Steuerbescheids (wobei vers e- hentlich von einem deutschen Dokument die Rede war) . A ll das bezog sich auf das Kalenderjahr 2009. Diese Verfügung wurde dem Pflichtigen am 8. Oktober 2010 au s- gehändigt. Binnen Frist wurde zwar am 21. Oktober 2010 eine Stellungnahme einge- reicht. Indes war diese nicht vom Pflichtigen, sondern von einem gewissen nicht be- vollmächtigten D aus E und damit nicht rechtsgültig unterzeichnet. In der Folge hat die Rekurskommission den Pflichtigen am 8. November 2010 aufgefo rdert, bis zum 29. November 2010 die soeben erwähnte Ein gabe eigenhändig zu unte rschreiben oder aber eine Vollmacht zugunsten von D auszustellen und dem Gericht vorzulegen. Diese dem Pflichtigen am 13. November 2010 eröffnete Aufforderung blieb unbeantwortet. Bei solcher Lage der Dinge ist die Eingabe vom 21 . Oktober 2010, da sie von einer am Prozess unbeteiligten Drittperson stammt, unbeachtlich und aus dem Recht zu weisen. Die genauen Lebensumstände der Eheleute AB im Jahr 2009 bleiben mit- hin im Dunkeln; namentlich lässt sich nicht feststellen, wie sie ihre Ehe gelebt h aben. Es darf angenommen werden, sie seien tatsächlich getrennt gewesen. Nicht erstellt ist, dass der Pflichtige seine Ehefrau unterstützt hat und, falls dem tatsächlich so gewesen wäre, dass dessen Leistungen über ziffernmässig bestimmte Beträge hinausgegangen wären. Angesichts der Beweislastverteilung (vorn E. 2b) muss dies zu seinem Nachteil ausschlagen; der Verheiratetentarif ist ihm nicht zuzugestehen. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn die Eingabe vom 21. Oktober 2010 zu beachten w äre. Denn jene Ausführungen sind zu unbestimmt und zu wenig konkret, d.h. zu unsubsta nziiert, um eine andere Würdigung zu erlauben. c) Muss es demnach damit sein Bewenden haben, dass das Steueramt dem Pflichtigen den Verheiratetentarif zu Recht verweige rt hat; die angefochtenen Einspr a-- 7 - 2 ST.2010.226 2 DB.2010.168 cheentscheide erweisen sich als rechtsb eständig. Demnach sind die Beschwerde und der Rekurs abzuweisen. 4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Pflichtigen au f- zuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG; § 151 Abs. 1 StG) Demgemäss verfügt der Einzelrichter: Auf den Rekurs und die Beschwerde der Rekurrentin/Beschwerdeführerin wird nicht eingetreten; und erkennt: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Beschwerde wird abgewiesen. […]