Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. September 2014 (720 12 292 / 229) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhaltes (Gerichts gutachten) / Verfügungen sind in der Regel nach dem Sachverhalt zu beurteilen, wie e r im Zeitpunkt des Verfügungserlas- ses vorgelegen hat; Tatsachen, die jenen Sachverhal t seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Andreas Bernoulli, Advokat, Dornacherstrasse 192, Postfach, 4018 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1978 geborene A.___ erlitt im Kleinkindesalt er eine Poliomyelitis, residuell verblie- ben von dieser Erkrankung Muskelatrophien und motor ische Funktionseinbussen der linken oberen und der linken unteren Extremität. Infolge e iner überdies resultierenden Beinverkürzung links und einer damit einhergehenden Fehlbelastung bzw. muskulären Dysbalance kam es im Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verlauf auch immer wieder zu Schmerzen vor allem im lum balen Rückenbereich und im Ober- schenkelbereich. Im Jahr 1998 hatte sich A.____ unter Hin weis auf diese gesundheitlichen Be- einträchtigungen erstmals bei der Eidgenössischen Invalid enversicherung (IV) zum Leistungs- bezug angemeldet, wobei er berufliche Massnahmen beant ragte, die ihm in der Folge auch ge- währt wurden. Seit dem 27. Februar 2006 war A.____ mit einem Pensum von 76 % als Mitar- beiter im Paketdienst der B.____ AG tätig. Nachdem de r Versicherte jedoch seit einem am 29. März 2008 erlittenen Unfall, bei welchem er sich Fraktu ren der Ossa metatarsalis II bis V links zugezogen hatte, arbeitsunfähig war, löste die Arbeitge berin dieses Arbeitsverhältnis per Ende Januar 2009 auf. Bereits zuvor, am 12. Juni 2008, hatte sich A.____ unter Hinweis auf die Folgen der Poliomyeli- tis-Erkrankung und des erlittenen Unfalls erneut bei de r IV zum Bezug von Leistungen ange- meldet. Nachdem sie die gesundheitlichen und die erwer blichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Versiche rten einen Invaliditätsgrad von 16 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte die IV-Stelle - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 21. August 2012 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokat Dr. Andreas Ber noulli namens und im Auftrag von A.____ am 21. September 2012 Beschwerde beim Kanto nsgericht, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzu- heben und es sei die Angelegenheit zur Durchführung zus ätzlicher medizinischer Abklärungen und zum anschliessenden neuen Entscheid über den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente an die IV-Stelle zurückzuweisen; un ter o/e-Kostenfolge, wobei dem Be- schwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und di e unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter zu bewilligen seien. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Oktober 2012 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 26. November 2012 gewährte das G ericht dem Beschwerdeführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorl iegende Beschwerdeverfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbei ständung mit Advokat Dr. Andreas Bernoulli als Rechtsvertreter. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 14. Februar 2013 gelangte das Kantonsgericht zum Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Gericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und ein bidisziplinäres (neurologisches/orthopädisches) Ge richtsgutachten zum Gesundheits- zustand und zu dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig keit des Versicherten in Auftrag zu geben. Gleichzeitig gab es den Parteien Gelegenheit, sich auf je eine neurologische und eine orthopädische Gutachterperson zu einigen. In der Folg e teilten die Parteien mit, dass sie ge- meinsam Dr. med. C.____, Neurologie FMH, und Dr. med . D.____, Orthopädie FMH, als Ge- richtsgutachter vorschlagen würden, worauf das Kantonsger icht mit Verfügung vom 16. August 2013 die genannten beiden Fachärzte als Gerichtsgutac hter bestimmte. Zusammen mit dieser Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung unterbreitete das Kantonsgericht den Parteien den vorgesehenen Gutachtensauftrag samt Fragenkatalog zur Stellungnahme. Nachdem die Parte ien auf materielle Ausführungen hierzu und auf die Möglichkeit, Zusatzfragen zu stellen, verzichtet hatten, erging der entspre- chende Auftrag am 13. September 2013 an die Dres. C.____ und D.____. F. Am 29. Oktober 2014 stellte der Beschwerdeführer dem Gericht, der IV-Stelle und den beiden Gutachtern einen Bericht der Klinik E.____ vom 21. Juni 2013 zu. G. Am 9. Mai 2014 erstatteten die Dres. C.____ und D. ____ das in Auftrag gegebene bi- disziplinäre Gerichtsgutachten. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutachtens und zur Frage zu äussern, wie sich dessen Ergebnisse auf den Leistungsan- spruch der Versicherten auswirken würden. Der Beschwerdefü hrer machte am 20. Juni 2014 hiervon Gebrauch; die IV-Stelle wiederum liess sich am 2 6. Juni 2014 zum Gutachten und zu dessen Auswirkungen auf den Leistungsanspruch vernehmen. Gleichzeitig legte sie ihrer Ein- gabe eine Beurteilung von Dr. med. F.____, Allgemeinmedizin und Arbeitsmedizin FMH, Regio- naler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 16. Juni 2014 bei. Im Rahmen eines abschlies- senden kurzen Schriftenwechsels teilte die Beschwerdegegn erin am 9. Juli 2014 mit, dass sie auf eine zusätzliche Stellungnahme verzichte. Der Beschwer deführer wiederum äusserte sich am 15. August 2014 zum Schreiben der IV-Stelle vom 26. Juni 2014 und zu den Ausführungen des RAD-Arztes Dr. F.____ vom 16. Juni 2014. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobenen - Beschwerden des Versicherten vom 21. September 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Au fgabe es ist, seine Fachkenntnis- se der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ein en bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, we nn die Gerichtsexpertise wider- sprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Ober gutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurt eilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fach experten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Ober- expertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende S chlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1.1 Die IV-Stelle zog im Rahmen der Abklärung des me dizinischen Sachverhaltes bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) die das U nfallereignis vom 29. März 2008 betreffenden Unfallakten des Versicherten bei. Diese ent halten ein orthopädisches Gutachten, welches das Spitals G.____, Departement Orthopädie, am 6. September 2010 im Auftrag der SUVA über den Versicherten erstellt hatte. Darin diagnostizierten die Gutachter beim Versicher- ten unfallabhängig einen Status nach traumatischen Fra kturen der Ossa metatarsalis II bis V links vom 29. März 2008. Als unfallunabhängig wurden als hauptsächliche Diagnosen eine Poli- omyelitis als Säugling mit/bei Beinverkürzung linksseitig und muskulärer Dysbalance/ muskulä- rer Atrophie der linken Körperhälfte (vor allem der u nteren Extremität), rezidivierende Cephal- gien sowie eine Konzentrationsschwäche unklarer Ätiologie (am ehesten im Rahmen einer psy- chosomatischen Belastungssituation) erhoben. Aus rein ort hopädischer Sicht würden keine re- levanten Unfallfolgen bei vollständiger Konsolidation d er Vorfussfrakturen des linken Fusses in guter Stellung mit Erhaltung des Fussgewölbes vorliege n, weshalb hiermit eine Arbeitsunfähig- keit zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu begründen sei. 5.1.2 Im Weiteren gab die IV-Stelle bei der Klinik E .____ ein neurologisches Gutachten über den Versicherten in Auftrag, welches am 16. Mai 2011 erstattet wurde. Darin hielten die beiden begutachtenden Fachärztinnen als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) einen Status nach Poliomyelitis anterior acuta als Kind mit A rm-und Beinlängenverkürzung links, He- miparese links und Atrophien in der gesamten linken obe ren und unteren Extremität (ICD-10 E91), (2) chronische Schulter- und Iliosakralgelenksschmerzen, am ehesten im Rahmen der erstgenannten Diagnose (ICD-10 M53) sowie (3) eine Migräne ohne Aura seit dem 16. Lebens- jahr (ICD-10 G43) fest. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein Status nach Serienfraktur Metatarsale links am 29. März 2008 ( ICD-10 S92) angeführt. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit des Versicherten führen die Gutachteri nnen aus, aus neurologischer Sicht be- stehe bezüglich der auf die Poliomyelitis zurückzuführenden körperlichen Einschränkungen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für schwere und mittelsch were Tätigkeiten. Für eine leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit eines P ositionswechsels sowie unter Berück- sichtigung eines erhöhten Pausenbedarfs bestehe formal ei ne Arbeitsfähigkeit von 100 %, wo- bei die Hemiparese links mit Beeinträchtigung der Feinm otorik der linken Hand zu qualitativen Einschränkungen führen dürfte. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in der Folge in der an gefochtenen Verfügung vom 21. August 2012 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vollumfänglich auf dieses neurologi- sche Gutachten der Klinik E.____ vom 16. Mai 2011. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht ab Oktober 2008 d ie Ausübung einer leidensadap- tierten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. W ie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztin- nen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise s prechen. Anlässlich der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsberatung vom 14 . Februar 2013 gelangte das Kantonsge- richt nun allerdings zur Auffassung, dass dieses Gutachten der Klinik E.____ vom 16. Mai 2011 Mängel aufweisen bzw. Fragen aufwerfen würde, weshalb ihm letztlich - entgegen der Sicht- weise der IV-Stelle - keine ausschlaggebende Beweiskraft beigemessen werden könne. So set- ze sich das Gutachten lediglich kurz und rudimentär mit de m vom behandelnden Arzt des Ver- sicherten angesprochenen Postpoliosyndrom auseinander. Ebenso vermöge die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit - ungeachtet der e rwähnten Problematik eines möglicherweise vorliegenden Postpoliosyndroms - nicht zu überzeugen. So werde etwa festgehalten, dass beim Exploranden auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit ein erhöhter Pausenbedarf bestehe und dass die Einschränkung der Feinmotorik der linken Hand au ch in einer solchen Tätigkeit zu qualitativen Einschränkungen führe. Trotz der festgehal tenen Beeinträchtigungen werde dem Exploranden aber, ohne dass dies näher begründet würde , in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 % attestiert. Da die üb rigen bei den Akten liegenden medizini- schen Berichte ebenfalls keine verlässliche Entscheidgrundlage bilden würden, seien die Abklä- rungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausreic hend beweiskräftig. Das Gericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur weiteren Abklärung des massgebenden me- dizinischen Sachverhalts ein bidisziplinäres, neurologisches /orthopädisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, mit dessen Erstellung in der Folg e - auf gemeinsamen Vorschlag der Par- teien hin - die Dres. C.____ und D.____ mandatiert wurden. 6. Am 9. Mai 2014 erstatteten die Dres. C.____ und D. ____ ihr bidisziplinäres Gerichtsgut- achten. 6.1 Im orthopädischen Teilgutachten stellte Dr. D.____ beim Versicherten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Po liomyelitis anterior acuta als Kind (ICD-10 A80.9) mit dysplastischer Fehlform vorderer Becke nring links (Os pubis und Os ischi- um), diskreter Hypotrophie Femur links und residueller Mu skelatrophie obere und untere Extre- mität links fest. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit führte er einen Status nach distalen Metatarsale II - V-Frakturen links (ICD-1 0 S92.3) und eine Wirbelsäulenhaltungs- schwäche (ICD-10 M43.94 und M43.96) an. In seiner Beur teilung wies Dr. D.____ vorab darauf hin, dass als Hauptbefund ein Status nach Poliomyelitis i m Kindesalter mit residuellen Mus- kelatrophien, Muskelschwächen und leichtgradigen dysplasti schen Entwicklungen im Hüft- und Beckenbereich links bestehe. Auf diese Beeinträchtigunge n und ihre Auswirkungen auf die Ar- beitsfähigkeit werde Dr. C.____ im neurologischen Fac hteil des Gutachtens eingehen. Aus rein orthopädischer Sicht bestehe ein Zustand nach Metatarsale II - V-Frakturen links am 29. März 2008 mit vollständiger Ausheilung der Frakturen in kor rekter Stellung. Rein orthopädisch be- stünden keine Folgezustände auf Grund dieser Frakturen. Daneben lasse sich eine leichte Fehlhaltung der Wirbelsäule feststellen, welche jedoch durch ein Übungsprogramm kompen- sierbar sei. Weitere orthopädische Pathologien würden sich nicht erheben lassen. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit hielt Dr. D.____ sodann fest, dass sowohl für die ursprünglich angestammte Tätigkeit als angelernter Elektroinstallateur als auch f ür die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Pa- ketdienst der B.____ AG aus rein orthopädischer Sicht, d.h. auf den Fuss und den Rücken be- zogen, eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestehe. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Im neurologischen Teilgutachten erhob Dr. C.___ _ beim Versicherten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Zustand nach Poliomyelitis im Kindesalter (ICD-10 A80.9) mit (1) residuellen Muskelatrophien und motorisch en Paresen der linken oberen und unteren Extremität; (2) reaktiven Rückenschmerzen, Bein schmerzen links bei residueller Bein- verkürzung links und damit einhergehender Fehlbelastung bzw. muskulärer Dysbalance sowie (3) ein Postpoliosyndrom (ICD-10 G14) mit Zunahme der linksseitigen Muskelparesen, Muskel- und Gelenksschmerzen, Kälteintoleranz, Fatigue, Atemstör ung und Schlafstörung. Als Diagno- se ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter eine Migräne ohne Aura (ICD- 10 G43.0) an. 6.2.2 In seiner ausführlichen neurologischen Begutachtu ng wies Dr. C.____ darauf hin, dass beim Exploranden ein Zustand nach einer im Kleinkindes alter erlittenen Poliomyelitis mit resi- duellen Muskelatrophien und motorischen Funktionseinbussen der linken oberen und der linken unteren Extremität vorliege. Infolge einer resultieren den Beinverkürzung links und einer damit einhergehenden Fehlbelastung bzw. muskulären Dysbalance b estünden überdies reaktive Schmerzen vor allem im lumbalen Rückenbereich und im Ob erschenkelbereich. Auf Grund der Beschwerden und Beeinträchtigungen habe der Explorand sowohl die ursprünglich erlernte Tä- tigkeit als Elektroinstallateur als auch eine berufliche Umschulung zum Koch abbrechen müs- sen. Im Zentrum der aktuellen Beurteilung stehe nunmehr d ie - kontrovers diskutierte - Frage nach einem Postpoliosyndrom. Bei diesem handle es sich um ein e Spätkomplikation, die bei etwa 70 % der Patienten, welche in der Kindheit eine Pol iomyelitis durchgemacht hätten, nach einer Latenz von drei bis fünf Jahrzehnten auftrete. Es handl e sich dabei um eine sekundäre Dekom- pensation von Restitutionsvorgängen in der Nerv-Muskel-Einheit, welche nach durchgemachter Erkrankung im Kindesalter eine meistens partielle Funkt ionserholung ermöglicht hätten. Nach einer Jahrzehnte (mindestens aber 15 Jahre) dauernden stabilen Erholungsphase komme es dann beim Postpoliosyndrom zu einer erneuten Zustandsver schlechterung mit Zunahme der Muskellähmungen und Atrophien vor allem der initial b etroffenen Muskelgruppen. Neben der Zunahme von Muskelschwäche und Atrophien würden oft auch andere Symptome auftreten wie Muskel- und Gelenksschmerzen, Müdigkeit und Erschöpfbarkeit, Kälteintoleranz sowie Schlaf- und Atembeschwerden. Anlässlich einer im Jahr 2001 erfo lgten orthopädisch-neurologischen Begutachtung sei das Vorliegen eines Postpoliosyndroms bei m damals 23-jährigen Exploran- den angesichts des sehr frühen Zeitpunkts zu Recht bezweife lt worden. Eine schleichende Funktionsverschlechterung mit Beschwerden, die durchaus zum beschriebenen Symptomen- komplex des Postpoliosyndroms passten, beklage der Explorand seit ca. 2003, was immer noch ein sehr früher Zeitpunkt sei, die Diagnose aber nicht ausschliesse. Die im Mai 2011 begutach- tenden Neurologinnen der Klinik E.____ hätten klinisch keine wesentliche Befundveränderung im Vergleich zu der im Jahr 2001 erfolgten neurologisc hen Begutachtung gefunden, weshalb sie das Vorliegen eines Postpoliosyndroms verneint hätten. Im Vergleich dazu zeige der zwei Jahre später (Januar und Juni 2013) in er Klinik E.___ _ erhobene Befund eine Zunahme der Paresen. Das damals beschriebene Befundmuster sei weit gehend deckungsgleich mit den Be- funden, die er anlässlich seiner aktuellen Begutachtung erhoben habe. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Diagnosestellung eines Postpoliosyndroms erweise sich m itunter als sehr schwierig, da es keine spezifischen Testverfahren gebe. Man könnte argumen tieren, dass die Befunde der Ein- zelmuskelkraftprüfung auch von der Kooperation des Patient en abhängen würden und dass diese Prüfung ungenügend sei, falls der Patient bestrebt sei, eine Verschlechterung nachzuwei- sen. Zudem könnte auch eingewendet werden, dass die Pal ette der genannten Zusatzsympto- me des Postpoliosyndroms vorwiegend subjektiv und schwer n achweisbar sei und vom Patien- ten nach Erkundigung im Internet gelernt und wiederge geben werden könne. Vorliegend sei diesbezüglich jedoch Folgendes festzuhalten: Zu den Krite rien der Diagnosestellung eines Postpoliosyndroms gehöre die Anamnese einer durchgemachte n paralytischen Poliomyelitis in der Kindheit oder Jugend, eine teilweise Erholung de r Lähmungen mit stabiler Erholungsphase während wenigstens 15 Jahren, ein residueller Befund von Muskelschwächen, Muskelatro- phien, Reflexverlust und normaler Sensibilität sowie die Entwicklung neuer neuromuskulärer Symptome, ferner der Ausschluss anderer Erkrankungen, welche zu der genannten Funktions- verschlechterung führen könnten. Alle diese Kriterien se ien im Falle des Exploranden erfüllt. Vergleiche man nun das Profil der Muskelparesen im Verl auf von 2001 bis heute, so zeige sich neben der zuletzt eingetretenen Verschlechterung, dass die unterschiedliche Ausprägung im Vergleich zwischen den betroffenen Muskelgruppen sehr äh nlich geblieben sei, d.h. die früher deutlicher betroffenen Muskelgruppen zeigten sich im Ve rgleich zu früher weniger deutlich be- troffenen Muskeln auch heute deutlicher betroffen. Die ses konsistente Verteilungsmuster spre- che für eine Authentizität der Befundprogression. Bei e iner infolge Begehrenstendenz vorge- täuschten oder selbstlimitierten Befundprogression wäre im Verlauf eher ein diffuseres Parese- muster mit genereller Schwäche in allen untersuchten Mu skelgruppen zu erwarten, was hier nicht der Fall sei. Wesentlich sei ferner der Vergleich der elektromyographischen Befunde im Verlauf: Anlässlich der Untersuchung im Jahr 2001 habe der begutachtende Neurologe einen charakteristischen Befund für eine in der Kindheit abg elaufene Poliomyelitis mit chronisch- neurogenen Veränderungen, insbesondere teils deutlich verlängerter Potentialdauer, nicht je- doch akute Denervationspotentiale - die für eine aktu elle Krankheitsaktivität sprechen würden - gefunden. Demgegenüber habe sich anlässlich der in der K linik E.____ durchgeführten EMG- Untersuchung vom 23. Januar 2013 ein veränderter Befund gezeigt, indem nun nicht mehr nur die alten, für eine stattgehabte Poliomyelitis charakte ristischen Befunde erhoben worden seien, sondern neu auch akute Denervationspotentiale als Ausdruck eines aktuell aktiven Krankheits- prozesses. Andere Erkrankungen, welche diese elektromyographische Befundverschlechterung erklären könnten, seien im Rahmen des Möglichen ausgesch lossen worden. Die neue Befund- situation im EMG sei demnach überwiegend wahrscheinlich als Ausdruck der sekundären De- kompensation im Sinne eines Postpoliosyndroms zu interp retieren. Obwohl der Explorand an- lässlich der aktuellen gutachterlichen Untersuchung ein te ilweise deutliches Schmerzgebaren gezeigt habe und sich klinisch teilweise auch leichte Befu ndinkonsistenzen hätten finden las- sen, müsse in Berücksichtigung der gesamten Datenlage doc h mit überwiegender Wahrschein- lichkeit von einer objektiven Verschlechterung des Gesundh eitszustandes im Sinne eines Post- poliosyndroms ausgegangen werden. 6.2.3 In seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit häl t Dr. C.____ fest, dass übereinstimmend mit den früheren gutachterlichen Beurteilungen unstrei tig eine vollständige Arbeitsunfähigkeit Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht für körperlich mittelschwere und schwere Arbeiten ausgewi esen sei. Auch vorwiegend im Ste- hen und Gehen zu verrichtende Tätigkeiten seien nicht geeignet. Was die angestammten Tätig- keiten betreffe, so seien diese nicht zumutbar bzw. nicht geeignet. In der ursprünglichen Tätig- keit als Elektroinstallateur sei eine vollständige Arbeits unfähigkeit seit der ersten, im Jahr 2001 erfolgten neurologischen Begutachtung anzunehmen. Die zuletzt verrichtete Tätigkeit im Paket- dienst der B.____ AG sei infolge des zwischenzeitlich ei ngetretenen Postpoliosyndroms eben- falls weitgehend ungeeignet, da die Tätigkeit oft geh end und stehend sei und mitunter auch mittelschwere und selten schwere Trage- und Hebebelastu ngen beinhalte. Neurologisch beste- he in dieser Tätigkeit eine 75 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Der Beginn dieser Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit sei retrospektiv schwierig festzulegen, da es sich bei der Entwicklung des Post- poliosyndroms um einen schleichenden Prozess handle. Arbiträr sei der Zeitpunkt der erstmalig dokumentierten klinischen und elektromyographischen Befu ndverschlechterung, also der Janu- ar 2013, anzunehmen. Eine angepasste Tätigkeit müsse folgende Kriterien berücksi chtigen: Sie sollte wechselbelas- tend (mit der Möglichkeit von Positionswechseln), aber v orwiegend sitzend verrichtet werden; Trage- und Hebebelastungen sollten auf leichte Gewichte (bis 5 kg) limitiert und nur sporadisch, d.h. nicht repetitiv anfallen; Verrichtungen mit beidh ändiger Überkopfstellung der Arme seien nicht möglich; grob- und feinmotorische Funktionen der linken oberen Extremität seien deutlich limitiert, sodass Tätigkeiten mit bimanueller Anforder ung nicht in Frage kämen (für Stütz- und Hilfsfunktionen könne die linke Hand jedoch eingesetzt werden). Ferner müsse die angepasste Tätigkeit die Möglichkeit regelmässiger Ruhepausen gewährleisten; erfahrungsgemäss bessere sich beim Postpoliosyndrom die Ermüdbarkeit nach einer Ruh epause von 30 bis 120 Minuten. In Berücksichtigung dieser Einschränkungen sei in einer a ngepassten Tätigkeit aus neurologi- scher Sicht von einer Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 50 % auszugehen. Die Präsenzzeit sei dabei durchaus höher (in einem Bereich von 70 - 80 % ) anzusetzen, damit die entsprechenden Pausen gewährleistet seien. Die aktuelle Beurteilung der Arbeitsfähigkeit divergiere teilweise von den Ergebnissen der frühe- ren, in den Jahren 2001 und 2011 erfolgten neurolog ischen Begutachtungen. Darin sei eben- falls eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für körperli ch schwere und mittelschwere Arbeiten be- scheinigt worden, in einer leidensangepassten Tätigkeit sei man hingegen von einer 100 %-igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Die Divergenz sei darauf zurückzuführen, dass zu den Zeitpunk- ten der früheren Beurteilungen - und im Unterschied zur aktuellen Situation - die Diagnose ei- nes Postpoliosyndroms noch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit habe bestätigt werden können. 6.3 In ihrer abschliessenden gemeinsamen Beurteilung (Ko nsensbesprechung) halten die beiden Gutachter Dres. C.____ und D.____ zur Frage der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf fest, bezüglich der Folgen der in der Kindheit erlittenen Poliomyelitis und des sekundär in den letzten Jahren eingetretenen Postpoliosyndroms best ehe neurologisch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für körperlich mittelschwere und s chwere Arbeiten. Die ursprünglich ange- stammte Tätigkeit als Elektroinstallateur sei nicht zumu tbar und die letzte, während Jahren ver- richtete Tätigkeit im Paketdienst der B.____ AG sei weit gehend ungeeignet, da sie oft gehend Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und stehend sei und mitunter auch mittelschwere und selt en schwere Trage- und Hebebelas- tungen beinhalte (Arbeitsunfähigkeit 75 %). Orthopä disch bestehe aufgrund des Zustandes nach Metatarsale-Fraktur des linken Fusses keine anhalte nde Beeinträchtigung der Arbeitsfä- higkeit; dasselbe gelte hinsichtlich der diagnostizierten Migräne. In Bezug auf den Beginn der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf führen die be iden Gutachter aus, dieser sei schwierig festzulegen, da es sich bei der zugrunde liegenden Versc hlechterung des Gesundheitszustan- des um einen schleichenden Prozess handle. In der zuletzt während Jahren verrichteten Tätig- keit im Paketdienst der B.____ AG sei die neurologisch be gründete Arbeitsunfähigkeit infolge des Postpoliosyndroms arbiträr mit dem Zeitpunkt der do kumentierten Befundverschlechterung (klinische und elektrophysiologische Untersuchung der Klini k E.____) ab Januar 2013 zu attes- tieren. Die Frage der Arbeitsfähigkeit in einer zumutbaren an deren Tätigkeit beantworten die beiden Gutachter dahingehend, dass in einer Tätigkeit mit angepasstem Belastungsprofil unter Berück- sichtigung der neurologischen Einschränkungen eine Arbei ts-/Leistungsfähigkeit von 50 % be- stehe. Das zeitliche Pensum könne dabei im Bereich von 70 – 80 % liegen. Unter Berücksichti- gung der erforderlichen Pausen und Leistungseinschränkun gen sei insgesamt von einer Rest- leistungsfähigkeit von 50 % auszugehen. Was das zumutbare Belastungsprofil betreffe, so kön- ne vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen im neurologischen Teilgutachten ver- wiesen werden. 7.1.1 In seiner Stellungnahme vom 20. Juni 2014 zum Ger ichtsgutachten der Dres. C.____ und D.____ weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass seinem Hauptanliegen - der Anerken- nung des von seinem früheren behandelnden Arzt bereit s vor längerer Zeit diagnostizierten Postpoliosyndroms und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsf ähigkeit - nunmehr mit den gut- achterlichen Feststellungen Rechnung getragen werde. Der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit wiedersetze er sich nicht, zumal er nie geltend gemacht habe, zu 100 % ar- beitsunfähig zu sein. Ob die angenommene Restleistun gsfähigkeit von 50 % bei einer wegen des entsprechenden Pausenbedarfs erhöhten Präsenzzeit tat sächlich noch bestehe, wenn die aus neurologischer Sicht an eine Tätigkeit zu stellenden Bedingungen erfüllt würden, könnte allerdings letztlich nur dann geklärt werden, wenn ihm ein entsprechender Arbeitsplatz zur Ver- fügung gestellt würde. So oder so stelle sich die auch vo n den Gutachtern ausdrücklich als schwierig zu beantworten bezeichnete Frage, ab wann der Beginn der 50 %-igen Arbeitsunfä- higkeit festzulegen sei. Gehe man mit den Gutachtern d avon aus, dass es sich bei der Ver- schlechterung seines Gesundheitszustandes um einen schleichenden Prozess handle, erschei- ne es angezeigt, den Eintritt der 50 %-igen Arbeitsun fähigkeit auf den Beginn des Jahres 2012 zurückzudatieren. 7.1.2 Die IV-Stelle anerkennt in ihrer Eingabe vom 2 6. Juni 2014, dass bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vollumfänglich auf das Ger ichtsgutachten der Dres. C.____ und D.____ abgestellt werden könne. Mit den Gutachtern müsse davon ausgegangen werden, dass der Eintritt der Verschlechterung erstmals im Januar 2013 dokumentiert sei. Für die Zeit davor, d.h. bis Dezember 2012, gelte demnach die bishe rige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss dem neurologischen Gutachten vom 16. Mai 2011, w onach dem Beschwerdeführer die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit im Umfan g von 100 % zumutbar sei. Beachten müsse man sodann, dass für die Beurteilung der vorliegend en Beschwerde die Verhältnisse massgebend seien, wie sie im Zeitpunkt des Verfügungserlasse s - also am 21. August 2012 - vorgelegen hätten. Da die Verschlechterung des Gesundheit szustandes des Versicherten erst- malig mit Beginn ab Januar 2013 dokumentiert sei, dü rfe diese im jetzigen Verfahren nicht (mehr) berücksichtigt werden. Die rentenablehnende Verfügung vom 21. August 2011 sei somit nicht zu beanstanden. 7.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Ei nschätzung der medizinischen Exper- ten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Ger ichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend sind keinerlei Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens der Dres. C.____ und D.____ vom 9. Mai 2014 in Frage zu stellen oder ga r davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erf üllt. Es weist weder formale noch in- haltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseit igen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Sodann weist das Gutachten keinerlei Widersprüche auf und es setzt sich auch mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fach ärztlichen Einschätzungen auseinander. Insbesondere zeigt der neurologische Gerichtsgutachter Dr . D.____ schlüssig auf, dass und weshalb beim Versicherten das Vorliegen eines in den frü heren Gutachten und Berichten noch verneinten - oder jedenfalls kontrovers diskutierten - Po stpoliosyndroms mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist. An dieser Stelle kann vollumfänglich auf die einlässlichen und überzeugenden Ausführungen des neurologischen Gerichtsgutachters hierzu verwiesen werden (vgl. auch E. 6.2.2 hiervor). Al s schlüssig erweist sich sodann auch die gutachterliche Einschätzung, wonach beim Versicherten in Berücksichtigung dieses Postpo- liosyndroms noch von einer 50 %-igen (Rest-) Arbeitsfähi gkeit auszugehen ist. Diese Ergebnis- se, zu denen die beiden Gerichtsgutachter gelangt sind, werden denn auch von den Parteien in ihren zum Gutachten erfolgten Eingaben - zu Recht - nicht in Frage gestellt. 7.3. Streitig und zu prüfen bleibt hingegen, ab welchem Zeitpunkt die gutachterliche Ein- schätzung einer 50 %-igen (Rest-) Arbeitsfähigkeit des V ersicherten Gültigkeit beanspruchen kann. Dies hängt massgeblich von der Beantwortung der Fr age ab, seit wann beim Versicher- ten das gutachterlich diagnostizierte Postpoliosyndrom vo rgelegen bzw. ab wann sich dieses neue Leiden (zusätzlich) auf seine Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hat. 7.3.1 Die IV-Stelle vertritt diesbezüglich den Stand punkt, dass das Vorliegen eines Postpo- liosyndroms und somit eine Verschlechterung des Gesundheitsz ustandes laut den gutachterli- chen Feststellungen erstmals im Januar 2013 dokumentiert sei. Somit könne die im Gutachten attestierte (Rest-) Arbeitsfähigkeit von 50 %, die explizit auf dem Gesundheitszustand nach Auf- treten des Postpoliosyndroms beruhe, frühestens ab die sem Zeitpunkt Geltung beanspruchen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgegenüber ist der Beschwerdeführer der Auffassung, dass es sich bei der Verschlechte- rung seines Gesundheitszustandes laut den Gutachtern um e inen schleichenden Prozess ge- handelt habe, weshalb es angezeigt erscheine, den Eintritt der 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit auf den Beginn des Jahres 2012 zurückzudatieren. 7.3.2 In ihrem Gerichtsgutachten führen die Dres. C.___ _ und D.____ zur Frage des Be- ginns der 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit aus, dieser sei schwierig festzulegen, da es sich bei der zugrunde liegenden Verschlechterung des Gesundheitszustand es um einen schleichenden Prozess handle. In der zuletzt während Jahren verrichteten Tätigkeit im Paketdienst der B.____ AG sei die neurologisch begründete Arbeitsunfähi gkeit infolge des Postpoliosyndroms arbiträr mit dem Zeitpunkt der dokumentierten Befundv erschlechterung (klinische und elektro- physiologische Untersuchung Klinik E.____) ab Januar 2013 zu attestieren (vgl. E. 6.3 hiervor). 7.3.3 Damit ein leistungsbegründender (medizinischer) S achverhalt - wie der hier zur Dis- kussion stehende Eintritt einer Gesundheitsverschlechterun g - bei der Leistungsfestsetzung berücksichtigt werden kann, muss er mit dem im Sozialversich erungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgew iesen sein. Hält man sich diesen beweisrechtlichen Grundsatz vor Augen, so ist im Ergebn is nicht zu beanstanden, dass die Ge- richtsgutachter bei der Beantwortung der Frage, ab wa nn sich das beim Versicherten neu auf- getretene Postpoliosyndrom (zusätzlich) auf dessen Arbei tsfähigkeit ausgewirkt hat, auf den Zeitpunkt abgestellt haben, in welchem dieser Befund e rstmals fachärztlich dokumentiert wor- den ist. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass es si ch bei der betreffenden Gesundheits- verschlechterung laut den Gutachtern um einen schleichende n Prozess gehandelt hat. Soweit der Beschwerdeführer den Eintritt der 50 %-igen Arbe itsunfähigkeit unter Hinweis auf diesen „schleichenden Prozess“ auf den Beginn des Jahres 2012 „zurü ckdatieren“ will, kann ihm nicht gefolgt werden. Den Akten und dem Gerichtsgutachten la ssen sich keine hinreichenden An- haltspunkte entnehmen, mit denen sich nachvollziehbar be gründen liesse, dass und weshalb bezüglich der vorliegend strittigen Frage gerade auf den vom Beschwerdeführer vorgeschlage- nen Zeitpunkt (“Beginn des Jahres 2012“) abgestellt we rden sollte. Dasselbe gilt auch für alle anderen vor dem Januar 2013 liegenden Zeitpunkte. In Anbetracht der geschilderten Aktenlage ist aber mit der IV-Stelle - und im Einklang mit den gutachterlichen Feststellungen - davon aus- zugehen, dass der hier zur Diskussion stehende Eintritt de r Gesundheitsverschlechterung erst- mals im Januar 2013 (klinische und elektrophysiologische Unte rsuchung der Klinik E.____) mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Somit kann aber - und auch darin ist der IV-Stelle beizupfl ichten - die im Gutachten attestierte (Rest-) Arbeitsfähigkeit von 50 %, die explizit auf dem Gesundheitszustand nach Auftreten des Postpo- liosyndroms beruht, frühestens ab diesem Zeitpunkt Geltung beanspruchen. 7.4 Die Beschwerdegegnerin weist in ihrer Stellungnahm e zum Gerichtsgutachten zu Recht darauf hin, dass das Sozialversicherungsgericht nach ständiger Rechtsprechung die Ge- setzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel na ch dem Sachverhalt zu beurteilen hat, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vorgele gen hat (BGE 130 V 140 E. 2.1, 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Tatsachen, die jenen S achverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltun gsverfügung sein (BGE 130 V 140 Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 2.1, 121 V 366 E. 1b mit Hinweis). Daraus folgt, d ass für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde grundsätzlich der (medizinische) Sachverhalt mass gebend ist, der am 21. August 2012, dem Zeitpunkt des Erlasses der rentenablehnenden Verfügung der IV-Stelle, vorgelegen hat. Dies wiederum bedeutet, dass die ab Januar 2013 ausgewiesene (Rest-) Arbeitsfähigkeit des Versicherten von 50 % im Rahmen des vorliegenden Besc hwerdeverfahrens nicht berück- sichtigt werden kann. Über die Auswirkungen der nach Ver fügungserlass eingetretenen und durch das Gerichtsgutachten ausgewiesenen Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten wird im Rahmen ei nes neuen Verwaltungsverfahrens vor der IV-Stelle zu befinden sein. 7.5 Es stellt sich somit die Frage, wie sich der medizini sche Sachverhalt im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses (21. August 2012) präs entiert hat. Von Bedeutung ist dabei insbesondere die Frage, in welchem Ausmass die Arbeitsfäh igkeit des Beschwerdeführers da- mals beeinträchtigt war. 7.5.1 Die IV-Stelle vertritt diesbezüglich die Auffassu ng, dass bis zum Eintritt der ab Januar 2013 ausgewiesenen Gesundheitsverschlechterung, d.h. also bis Dezember 2012, die bisherige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss dem neurologisch en Gutachten vom 16. Mai 2011 gelte. Laut diesem Gutachten sei dem Beschwerdeführer die Ausübung einer leidensadaptier- ten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar gewesen. Di eser Betrachtungsweise kann nun aber nicht gefolgt werden. Das Kantonsgericht hat bere its anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 14. Februar 2013 festgehalten, dass das Gutachten der Klinik E.____ vom 16. Mai 2011 in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Ve rsicherten nicht zu überzeugen vermöge. So werde etwa festgehalten, dass beim Exploranden auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit ein erhöhter Pausenbedarf bestehe und dass die Einschrän kung der Feinmotorik der linken Hand auch in einer solchen Tätigkeit zu qualitativen Ei nschränkungen führe. Trotz der festge- haltenen Beeinträchtigungen werde dem Exploranden ab er, ohne dass dies näher begründet würde, in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine Ar beitsfähigkeit von 100 % attestiert. An der (damaligen) Kritik am Gutachten der Klinik E.____ ist a uch aus heutiger Sicht festzuhalten. Dem betreffenden Gutachten kommt deshalb für die Be urteilung der damaligen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers weiterhin keine ausschlaggebende Beweiskraft zu. 7.5.2 Dem Gerichtsgutachten der Dres. C.____ und D.__ __ lässt sich zur Frage der Arbeits- fähigkeit im Zeitpunkt des Verfügungserlasses keine detai llierte Aussage - im Sinne einer pro- zentgenauen Festlegung eines Arbeitsfähigkeitsgrades - entnehmen. Dies ist insoweit verständ- lich, als sich eine solche prozentgenaue Bezifferung der Beeinträchtigung retrospektiv als aus- serordentlich schwierig - wenn nicht gar unmöglich - er weisen dürfte, nachdem beim Versicher- ten im Vergleich zum damaligen Zustand zwischenzeitlich m it dem Postpoliosyndrom ein zu- sätzliches Leiden mit erheblichen Auswirkungen auf die Arb eitsfähigkeit hinzugetreten ist. In Anbetracht dieser Problematik erscheint es auch nicht ang ezeigt, zur weiteren Klärung der auf- geworfenen Frage zusätzliche medizinische Abklärungen zu veranlassen. 7.5.3 Den Ausführungen der Gerichtsgutachter kann nun aber immerhin entnommen wer- den, dass das neu aufgetretene Postpoliosyndrom beim Ver sicherten zu einer deutlichen Ver- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlechterung des Gesundheitszustandes und - damit einhe rgehend - zu einer markanten zu- sätzlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit geführ t hat. Diese beläuft sich nach dem oben Gesagten (vgl. E. 7.2 hiervor) in Berücksichtigung dieses Postpoliosyndroms auf 50 %. Hält man sich diese Entwicklung vor Augen, so darf gleichzeit ig davon ausgegangen werden, dass die Beeinträchtigung vor Eintritt dieses neuen Leidens wesentlich unter 50 % ge legen hat. Eine prozentgenaue Bezifferung der damaligen Einschränkung ist - wie dargestellt - nicht möglich, im Lichte der Feststellungen im Gutachten vom Mai 2011 und im Gerichtsgutachten vom Mai 2014 erscheint jedoch die Annahme als zulässig, dass sie im vorli egend massgebenden Zeitpunkt weit näher bei der von der IV-Stelle postulierten voll ständigen Arbeitsfähigkeit in einer leidens- adaptierten Tätigkeit als bei der nunmehr ab Januar 20 13 anerkannten 50 %-igen Arbeitsunfä- higkeit gelegen hat. 7.5.4 Hat die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführer s im vorliegend massgebenden Ver- fügungszeitpunkt aber (noch) deutlich näher bei 0 % al s bei 50 % gelegen, so erweist sich die vorinstanzliche Abweisung des Rentenanspruchs des Versicher ten - auch ohne Vornahme ei- nes grundsätzlich erforderlichen Einkommensvergleichs - im Ergebnis als korrekt. Stellt man auf die der angefochtenen Verfügung zu Grunde liegenden Einkommenszahlen und Berechnungen ab, so müsste die Arbeitsunfähigkeit damals nämlich rund 30 % betragen haben, damit sich aus dem Einkommensvergleich ein rentenwirksamer Invaliditätsgr ad von 40 % ergeben würde. Da- von ist aber nach dem Gesagten nicht auszugehen. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfü gung der IV-Stelle vom 21. August 2012 im Ergebnis nicht zu beanstanden ist. Di e dagegen erhobene Beschwerde muss demnach abgewiesen werden. 9. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Danach wäre vo rliegend der Beschwerdeführer eigentlich unterliegende und die IV-Stelle obsiegende Partei. In diesem Zusammenhang gilt es nun allerdings folgende Besonderheit zu berücksichtigen: Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenh eit zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt i n prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV -Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, j e mit Hinweisen). Hält man sich diese Rechtsprechung vor Augen, so erscheint es richtig, die Be schwerde führende Partei bei der Verlegung der Prozesskosten - unabhängig vom effektiven Ve rfahrensausgang - auch dann als obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei zu behandeln, wenn zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage gekommen wäre, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfallen ist. Eine solche Konstellation liegt hier vor . Bei der nachfolgenden Verlegung der Ver- fahrens- und der Parteikosten ist deshalb der Beschwerde führer grundsätzlich als obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei zu behandeln. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 9.3 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträg er die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f . E. 4.4.2). Vorliegend war das Kan- tonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 1 4. Februar 2013 zum Ergebnis ge- langt, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Aus Gründen der Verfahrensfairness er achtete das Kantonsgericht damals eine Rückweisung der Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng an die IV-Stelle als nicht oppor- tun, sondern es entschied sich stattdessen, die erforderli che zusätzliche Abklärung des medizi- nischen Sachverhaltes im Rahmen eines Gerichtsgutachtens vorn ehmen zu lassen. Wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, wa r das in der Folge eingeholte Gerichts- gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 9. Mai 2014 im Hinblick auf eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicherten unerlä sslich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachtens, welche sich gemäss eingereichter Honorarrechnung auf Fr. 8‘845.35 belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 9.4 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seinen Honorarnoten vom 12. Dezember 2012 und 5 . September 2014 für das vorliegen- de Verfahren nebst Auslagen von Fr. 386.75, welche zu keinen Beanstandungen Anlass geben, einen Zeitaufwand von insgesamt 30,25 Stunden geltend gemacht. Der vorliegende Prozess war zwar im Vergleich zu einem durchschnittlichen IV-rechtlichen Beschwerdeverfahren, in wel- chem bei Obsiegen erfahrungsgemäss ein Zeitaufwand zwischen zehn und 14 Stunden ent- schädigt wird, deutlich aufwändiger, galt es doch berei ts bis zur ersten Urteilsberatung vom 14. Februar 2013 eine beträchtliche Zahl an ärztlichen Berichten und Gutachten zu prüfen und Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu würdigen. In der Folge kamen weitere, erhebliche zeitliche Bemühungen im Zusammenhang mit der Gutachterernennung und insbesondere mit der W ürdigung des umfangreichen Ge- richtsgutachtens hinzu. Nichtsdestotrotz muss der ausgewiesene Zeitaufwand von 30,25 Stun- den - vor allem auch im Quervergleich zu anderen aufwän digen Beschwerdeverfahren - als zu hoch bezeichnet werden. Der geltend gemachte Aufwand muss daher aus Gründen der Rechtsgleichheit angemessen gekürzt werden. Insgesamt rec htfertigt es sich, vorliegend bei der Bemessung des Honorars von einem angemessenen Zeitauf wand von 25 Stunden auszu- gehen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherung sprozessen praxisgemäss zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu en tschädigen. Dem Beschwerde- führer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höh e von Fr. 7'167.70 (25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 386.75 zuzüglich 8 % M ehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 8‘845.35 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 7‘167.70 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht