<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2002.00298</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=106972&amp;W10_KEY=13013573&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2002.00298</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 11.12.2002</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">1. Abteilung/1. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Baubewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Zulässigkeit eines anrechenbaren Dachgeschosses. Messweise der Firsthöhe. Im vorliegenden Fall wehrt sich die Gemeinde für ihre mit der Bau- und Zonenordnung anvisierten Planungsziele, wozu sie befugt ist (E. 1). Unbestrittenermassen hält das streitbetroffene Dach das von § 281 Abs. 2 PBG definierte Dachprofil ein. Die Beschwerdeführerin möchte diese Bestimmung jedoch bei Dachgeschossen - sofern Geschosszahlen definiert sind - nicht angewendet haben. Es besteht aber kein sachlich vernünftiger Grund, die durch § 281 Abs. 2 PBG vorgegebene Gestaltungsfreiheit bei der Dachformgestaltung einzuengen. Da sehr viele Gemeinden Geschosszahlvorschriften kennen, würde die Rechtsauffassung der Beschwerdeführerin dazu führen, dass in weiten Teilen des Kantons Dachgeschosse unter Tonnen-, Pult-, Mansardendächern usw. gar nicht mehr möglich wären. Zu einer solchen generellen Einschränkung des architektonischen Gestaltungsfreiraums besteht umso weniger Grund, als die Gemeinden gemäss § 49 Abs. 2 lit. d PBG in ihrer Bau- und Zonenordnung die Dachgestaltung näher regeln können. Die Rechtsauffassung der Beschwerdeführerin lässt sich auch nicht aus der Rechtsprechung zu § 292 PBG ableiten (E. 3b). Abweisung (E. 3c).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Planungs- und Baurecht ST: BAUBEWILLIGUNG UND BAUBEWILLIGUNGSVERFAHREN">BAUBEWILLIGUNG UND BAUBEWILLIGUNGSVERFAHREN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DACHFORM">DACHFORM</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DACHGESCHOSS">DACHGESCHOSS</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DACHGESTALTUNG">DACHGESTALTUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DACHNEIGUNG">DACHNEIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FIRSTHÃHE">FIRSTHÃHE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FLACHDACH">FLACHDACH</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESCHOSSZAHLVORSCHRIFTEN">GESCHOSSZAHLVORSCHRIFTEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Planungs- und Baurecht ST: GESTALTUNG UND EINORDNUNG">GESTALTUNG UND EINORDNUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KNIESTOCKHÃHE">KNIESTOCKHÃHE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MANTELLINIE">MANTELLINIE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHRÃGDACH">SCHRÃGDACH</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Planungs- und Baurecht ST: WEITERE BAUVORSCHRIFTEN (NUTZUNGSDICHTE, ABSTÃNDE ETC.)">WEITERE BAUVORSCHRIFTEN (NUTZUNGSDICHTE, ABSTÃNDE ETC.)</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 32 BZO Embrach</span><br/><span class="ungerade">§ 49 Abs. II lit. d PBG</span><br/><span class="gerade">§ 275 Abs. II PBG</span><br/><span class="ungerade">§ 281 PBG</span><br/><span class="gerade">§ 292 PBG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. Der Bauausschuss der Gemeinde X erteilte am 19. MÃ¤rz 2002 B und C unter verschiedenen Auflagen die baurechtliche Bewilligung fÃ¼r die Erstellung eines Einfamilienhau­ses auf dem GrundstÃ¼ck Kat.-Nr. 01 an der K-strasse in X. GemÃ¤ss Dispositiv Ziff. 3 hatte die Bauherrschaft das nicht der Bau- und Zonenordnung der Gemeinde X vom 12. Mai 1993 (BZO) entsprechende zweite Vollgeschoss durch ein anrechen­bares Dachgeschoss mit einer maxima­len KniestockhÃ¶he von 0,9 m zu ersetzen und entspre­chende RevisionsplÃ¤ne vor Baubeginn einzureichen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Hiergegen erhoben B und C am 25. April 2002 Rekurs an die Baurekurskommission IV und beantragten, es sei Dispositiv Ziff. 3 des angefochtenen Beschlusses aufzuheben. Zur BegrÃ¼ndung machten sie geltend, beim streitigen zweiten Geschoss handle es sich nicht um ein Vollgeschoss, sondern um ein zulÃ¤ssiges Dachgeschoss.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Baurekurskommission IV hiess am 18. Juli 2002 den Rekurs gut, hob Dispositiv Ziff. 3 des Beschlusses des Bauausschusses X vom 19. MÃ¤rz 2002 auf und lud die Vor­in­stanz ein, bei der PrÃ¼fung der RevisionsplÃ¤ne bezÃ¼glich der Geschossfrage im Sin­ne der ErwÃ¤gungen eine Bewilligung zu erteilen. Die Rekurskommission fÃ¼hrte zur Haupt­sache aus, die Regelungen von § 275 Abs. 2 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG) Ã¼ber die Legaldefinition von Dachgeschossen und von § 281 PBG betreffend die zulÃ¤ssige FirsthÃ¶he seien klar auseinander zu halten und kÃ¶nnten nicht miteinander ver­mischt werden. Ob ein im konkreten Einzelfall geplantes SchrÃ¤gdach mit einer Neigung von mehr als 45° zulÃ¤ssig sei, beurteile sich unabhÃ¤ngig von der Zahl der nach der Bau- und Zonenordnung zulÃ¤ssigen Geschosse einzig danach, ob das von § 281 Abs. 2 PBG de­finierte SchrÃ¤gdachprofil respektiert sei. Dies sei vorliegend offenkundig der Fall. Ob der unter dem zulÃ¤ssigen SchrÃ¤gdach befindliche GebÃ¤udeabschnitt ein Dachgeschoss darstelle, sei nach § 275 Abs. 2 PBG zu bestimmen. Die Frage, ob die nach dieser Bestimmung zulÃ¤ssige KniestockhÃ¶he eingehalten sei, stelle sich nur dort, wo der Geschoss­boden des fraglichen GebÃ¤udeabschnitts auf einer oder beiden Traufseiten unterhalb der Schnittlinie Fassade/Dach liege. Nordostseits (bergwÃ¤rts) stimmten Geschossboden und die Schnittlinie Fassade/Dach kotenmÃ¤ssig Ã¼berein, weshalb die Merkmale eines Dach­geschosses dort ohne weiteres erfÃ¼llt seien. Auf der gegenÃ¼berliegenden sÃ¼dwestlichen GebÃ¤udeseite rage die Fassade Ã¼ber den Geschossboden des fraglichen GebÃ¤udeabschnitts hinaus und sei damit klarerweise ein Kniestock vorhanden. Dieser mÃ¼sse die nach § 275 Abs. 2 PBG zulÃ¤ssige HÃ¶he einhalten. Die Vorinstanz mache nicht geltend, die Knie­stockhÃ¶he sei in jenem Bereich Ã¼berschritten. Soweit die PlÃ¤ne im Massstab 1:100 diesbezÃ¼glich Aufschluss geben kÃ¶nnten, sei die zulÃ¤ssige KniestockhÃ¶he auf der SÃ¼dwestseite des geplanten GebÃ¤udes wohl gerade noch eingehalten. Im Zusammenhang mit der un­bestritten gebliebenen VerschmÃ¤lerung der auf der SÃ¼dwestseite vorgesehenen Dachaufbauten habe die Bauherrschaft RevisionsplÃ¤ne einzureichen. Diesen sollte sich â anders als bei den vorliegenden Baugesuchsunterlagen â die Einhaltung der zulÃ¤ssigen KniestockhÃ¶he auf der sÃ¼dwestlichen GebÃ¤udeseite absolut zweifelsfrei entnehmen lassen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>III. Mit Beschwerde vom 19. September 2002 liess die Gemeinde X dem Verwaltungsgericht beantragen, den Entscheid der Baurekurskommission IV vom 18. Juli 2002 aufzuheben und die Baubewilligung vom 19. MÃ¤rz 2002 mit den Auflagen zu bestÃ¤tigen, unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerschaft.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerschaft beantragten Abweisung der Beschwerde; Letztere schloss zudem auf Zusprechung einer ParteientschÃ¤digung.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die AusfÃ¼hrungen der Parteien in ihren Rechtsschriften werden â soweit rechtserheb­lich â in den nachfolgenden EntscheidgrÃ¼nden wiedergegeben.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. Die Rechtsmittelbefugnis einer Gemeinde richtet sich auch auf dem Gebiet des Raumplanungs- und Baurechts nach § 21 lit. b des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG; RB 1998 Nr. 12). Danach ist eine Gemeinde zur Beschwerde berechtigt âzur Wahrung der von ihr vertretenen schutzwÃ¼rdigen Interessenâ.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Nach stÃ¤ndiger Praxis des Verwaltungsgerichts ist eine Gemeinde unter anderem dann zur Beschwerde legitimiert, wenn sie sich fÃ¼r die Durchsetzung und richtige Anwendung ihres kommunalen Rechts wehrt und wenn in ihre durch kantonales Recht begrÃ¼ndete Entscheidungs- und Ermessensfreiheit eingegriffen wird (RB 2001 Nr. 9 [Leitsatz] = ZBl 102/2001, S. 526 E. 2a). Keine Rechtsmittelbefugnis kommt der Gemeinde zu, wenn es um Rechtsfragen geht, die im ganzen Kanton einheitlich beantwortet werden sollen (FranÃ§ois Ruckstuhl, Der Rechtsschutz im zÃ¼rcherischen Planungs- und Baurecht, ZBl 86/ 1985, S. 299 f.; JÃ¼rg WÃ¤densweiler, Der Rechtsschutz im Planungs- und Baugesetz [PBG] </span></p> <p class="Einzug1"><span>des Kantons ZÃ¼rich, ZÃ¼rich 1987, S. 133 f.), wie beispielsweise der Begriff des âgewachsenen Bodensâ (RB 1996 Nr. 11) oder die Anwendung von § 357 Abs. 1 PBG (VGr, 28. Ok­tober 1994, VB 1994.00068; vgl. auch BGr, 5. Dezember 1995, ZBl 98/1997, S. 260).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Begriffe Voll-, Dach- und Untergeschoss sind in § 275 PBG einheitlich definiert, und eine Gemeinde ist grundsÃ¤tzlich nicht legitimiert, mit Beschwerde eine unrichtige Anwendung dieser Legaldefinitionen durch die Baurekurskommissionen zu rÃ¼gen. Vorliegend wirft die Gemeinde indessen der Vorinstanz vor, sie habe allein das kantonale Recht angewendet und dieses in seinem Zusammenhang mit den durch die Gemeinde festgelegten Geschosszahlen ungeprÃ¼ft gelassen. Sie wehrt sich damit fÃ¼r ihre mit der Bau- und Zonenordnung anvisierten Planungsziele, wozu sie befugt ist. Ob die EinwÃ¤nde zutreffen, ist im Rahmen der materiellen ErwÃ¤gungen zu beurteilen. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. a) Das BaugrundstÃ¼ck Kat.-Nr. 01 ist nach der geltenden Bau- und Zonenordnung der Gemeinde X der Wohnzone W1b zugeschieden, in welcher je ein anrechen­bares Unter- und Dachgeschoss sowie ein Vollgeschoss erlaubt sind.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die konkrete Ausgestaltung des Dachs bzw. des obersten Geschosses des geplanten Einfamilienhauses ist im angefochtenen Rekursentscheid (E. 1 Abs. 2) korrekt beschrieben. Auf diese AusfÃ¼hrungen kann verwiesen werden (§ 70 in Verbindung mit § 28 Abs. 1 Satz 2 VRG). Die Vorinstanz hat auch die Definition des Dachgeschosses gemÃ¤ss § 275 Abs. 2 PBG richtig wiedergegeben. Danach sind Dachgeschosse horizontale GebÃ¤udeabschnitte, die <i>Ã¼ber</i> der Schnittlinie zwischen Fassade und DachflÃ¤che liegen. GebÃ¤udeabschnitte mit einer KniestockhÃ¶he von hÃ¶chstens 0,9 m, gemessen 0,4 m hinter der Fassade, gelten als Dachgeschosse. Der Kniestock ist ein Begriff aus dem Holzbau und bezeichnet einen konstruktionsbedingten Bauteil (RB 1993 Nr. 42). Ein solcher entsteht dann, wenn zwi­schen dem Dachgeschossboden und der DachschrÃ¤ge eine senkrechte Wand geschaffen wird, mithin, wenn der Geschossboden des in Frage stehenden GebÃ¤udeabschnitts unterhalb der Schnittlinie Fassade/Dach liegt. Liegt der Geschossboden gleichauf oder hÃ¶her als die Schnittlinie Fassade/Dach, besteht begriffsmÃ¤ssig kein Kniestock.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Auf der Nordostseite des geplanten GebÃ¤udes liegt der Geschossboden auf gleicher HÃ¶he wie die Schnittlinie Fassade/Dach. Die Begriffsmerkmale eines Dachgeschosses im Sinn von § 275 Abs. 2 PBG sind damit auf jener GebÃ¤udeseite erfÃ¼llt. Auf der gegenÃ¼berliegenden SÃ¼dwestseite des Einfamilienhauses ist ein Kniestock vorhanden. Da die BauplÃ¤ne allein einen Schnitt (A-A) durch die Dachaufbauten enthalten, ist die genaue KniestockhÃ¶he nicht feststellbar. Nachdem die Bauherrschaft ohnehin RevisionsplÃ¤ne einzureichen hat, welche eine VerschmÃ¤lerung der Dachaufbauten und eine andere Dachneigung ausweisen, hat die Vorinstanz zu Recht verlangt, dass diese RevisionsplÃ¤ne auch die Einhal­tung der zulÃ¤ssigen KniestockhÃ¶he von 0,9 m auf der SÃ¼dwestseite zweifelsfrei nachzu­weisen haben. Unter Vorbehalt dieser PlanergÃ¤nzung stellt das oberste Geschoss definitions­gemÃ¤ss ein Dachgeschoss und nicht, wie der Bauausschuss X in seiner Baubewilligung vom 19. MÃ¤rz 2002 festgehalten hat, ein â unzulÃ¤ssiges â zweites Vollgeschoss dar.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Die BeschwerdefÃ¼hrerin stellt diese Auslegung in Frage und bringt hiergegen vor, die FirsthÃ¶he bzw. die mit ihr gebildete Mantellinie dÃ¼rften nur dann voll ausgenÃ¼tzt werden, wenn nicht gleichzeitig Vorschriften Ã¼ber die Geschosszahlen gÃ¤lten. Nach der Rechtsprechung kÃ¶nnten Bauten innerhalb des durch die GebÃ¤ude- und FirsthÃ¶he vorgegebenen Profils frei gestaltet werden, wenn eine Bauordnung keine Geschosszahlvorschriften enthalte. Daraus ergebe sich, dass eine klare Unterscheidung zwischen Vollgeschossen und Dachgeschossen gemacht werden mÃ¼sse, wenn die Bauordnung Geschosszahlen definiere. Die fiktive Mantellinie, innerhalb derer sich ein Dachgeschoss zu halten habe, mÃ¼sse mit 45° â wie bei Attikageschossen (RB 1993 Nr. 42) â an der <i>tatsÃ¤chlichen</i> Fassade angesetzt werden. Ansonsten kÃ¶nnten in der W1 nahezu zweigeschossige Bauten entstehen. Der kom­­munale Gesetzgeber sei immer davon ausgegangen, dass ein erlaubtes Dachgeschoss auch als solches erkennbar wÃ¤re. GemÃ¤ss Art. 32 BZO habe die minimale Dachneigung fÃ¼r HauptgebÃ¤ude mindestens 13° zu betragen. Damit habe man FlachdÃ¤cher bzw. flachdach­Ã¤hn­­liche DÃ¤cher vermeiden wollen. Eine maximale Dachneigung habe die Bau- und Zonen­­ordnung dagegen nicht festgesetzt, weil an eine solche BeschrÃ¤nkung schlicht niemand gedacht habe. Es liege mithin eine echte LÃ¼cke vor, die zu fÃ¼llen sei, d.h. es mÃ¼sse ein Knie­stock von 0,9 m angelegt werden; dadurch werde die zulÃ¤ssige Dachneigung definiert. Derart steile DÃ¤cher wie hier seien auch nicht im Sinn des kantonalen Gesetzgebers. Bei FlachdÃ¤chern habe das Attikageschoss unter einer Linie von 45° ab Traufe zu liegen. Mit dieser Regel sollte genau das Erscheinungsbild vermieden werden, welches das streitbetroffene GebÃ¤ude biete, indem sich Ã¼ber dem eigentlichen Vollgeschoss ein zweites massiv in Erscheinung tretendes Geschoss erhebe. Es bestehe eine absolut stossende Ungleichbehand­­lung von FlachdÃ¤chern und SchrÃ¤gdÃ¤chern, weil das Volumen eines Attikageschosses viel geringer wÃ¤re als das geplante streitige Geschoss. § 275 Abs. 2 PBG sei offensichtlich unvollstÃ¤ndig, denn es wÃ¼rden SteildÃ¤cher von bis zu 90° Steilheit zugelassen. Es fehle eine BeschrÃ¤nkung der Steilheit in dem Sinn, dass die Dachmantellinie an der Schnittlinie zwischen Fassade und DachflÃ¤che â erhÃ¶ht durch einen hypothetischen Kniestock â anzusetzen sei. Die Baurekurskommission habe die Bedeutung von Geschosszahlvorschriften im Zusammenhang mit § 275 Abs. 2 PBG und mit der Definition von Dachgeschossen aus­ser acht gelassen. Zu Recht habe die Gemeinde X ein steileres Dach als das geplante verlangt.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. a) § 281 PBG regelt nicht nur entsprechend dem Marginale die FirsthÃ¶he, sondern auch die mÃ¶glichen Dachformen. GemÃ¤ss § 281 Abs. 2 PBG darf ein SchrÃ¤gdach an jene Profillinien stossen, welche begrenzt werden durch einen 45°-Winkel, angesetzt auf der maximal zulÃ¤ssigen GebÃ¤udehÃ¶he (vgl. die Skizzen zu § 281 Abs. 1 und 2 PBG im An­hang der Allgemeinen Bauverordnung vom 22. Juni 1977). Wird die GebÃ¤udehÃ¶he nicht aus­geschÃ¶pft, so sind auch Dachformen mÃ¶glich, die steiler als 45° ansteigen, insbesondere die in der Skizze im Anhang zur Allgemeinen Bauverordnung wiedergegebenen Tonnen- oder MansardendÃ¤cher (vgl. auch RB 1993 Nr. 42).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Unbestrittenermassen hÃ¤lt das streitige Dach das von § 281 Abs. 2 PBG definier­te Dachprofil ein. Die BeschwerdefÃ¼hrerin mÃ¶chte diese Bestimmung jedoch bei Dachgeschossen â sofern Geschosszahlen definiert sind â nicht angewendet haben. In solchen FÃ¤l­len will sie eine Dachform vorschreiben, welche durch Mantellinien gebildet wird, die in einem Winkel von 45° an die tatsÃ¤chliche Fassade, eventuell ergÃ¤nzt durch einen âhypothe­tischen Kniestockâ, ansetzen. Es besteht indessen kein sachlich vernÃ¼nftiger Grund, die durch § 281 Abs. 2 PBG vorgegebene Gestaltungsfreiheit bei der Dachformgestaltung einzuengen. Da sehr viele, wenn nicht sogar die meisten Gemeinden Geschossvorschriften ken­­nen, wÃ¼rde die Rechtsauffassung der BeschwerdefÃ¼hrerin dazu fÃ¼hren, dass in weiten Teilen des Kantons Dachgeschosse unter Tonnen-, Pult-, MansardendÃ¤chern usw. gar nicht mehr mÃ¶glich wÃ¤ren.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Zu einer solchen generellen EinschrÃ¤nkung des architektonischen Gestaltungsfreiraums besteht umso weniger Grund, als die Gemeinden ja gemÃ¤ss § 49 Abs. 2 lit. d PBG in ihrer Bau- und Zonenordnung die Dachgestaltung nÃ¤her regeln kÃ¶nnen. Dies hat die BeschwerdefÃ¼hrerin denn auch getan, indem gemÃ¤ss Art. 32 BZO die Dachneigung fÃ¼r Haupt­gebÃ¤ude mindestens 13° betragen muss. Angesichts der klaren Skizzen im Anhang zur Allgemeinen Bauverordnung erscheint die Behauptung, es habe âschlicht niemandâ an eine maximale Dachneigung gedacht, als wenig glaubhaft. Von einer echten LÃ¼cke im Gesetz kann keine Rede sein. Weder lÃ¤sst das Gesetz eine Frage offen, ohne deren Beantwortung eine Rechtsanwendung gar nicht mÃ¶glich wÃ¤re (echte LÃ¼cke), noch fÃ¼hrt die Beantwor­tung hier zu einem sachlich unbefriedigenden Resultat (vgl. hierzu Ulrich HÃ¤felin/Georg MÃ¼ller, All­gemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, ZÃ¼rich 2002, Rz. 237).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Rechtsauffassung der BeschwerdefÃ¼hrerin lÃ¤sst sich auch nicht aus der Rechtsprechung zu § 292 PBG ableiten. Diese Bestimmung beschrÃ¤nkt die Breite der Dachaufbauten, welche bei SchrÃ¤gdÃ¤chern Ã¼ber die <i>tatsÃ¤chliche</i> Dachebene hinausragen (lit. a) bzw. welche bei FlachdÃ¤chern die fÃ¼r ein entsprechendes SchrÃ¤gdach zulÃ¤ssigen Ebenen durch­­stossen (lit. b). Damit Attikageschosse visuell noch als solche erkennbar sind, verlangt die Rechtsprechung, dass bei FlachdÃ¤chern die hypothetische Ebene des SchrÃ¤gdaches an die <i>tatsÃ¤chliche </i>Schnittlinie Fassade/Flachdach ansetzt (RB 1993 Nr. 42); diese An­forderung an die optische Erkennbarkeit entfÃ¤llt indessen dann, wenn die Bau- und Zonen­ordnung gar keine Bestimmungen Ã¼ber die Geschosszahl enthÃ¤lt (RB 1999 Nr. 121). Ein Dachgeschoss unter einem tatsÃ¤chlich ausgebildeten SchrÃ¤gdach ist aber als solches er­kennbar, selbst wenn es die Dachform beispielsweise eines Tonnen-, Pult- oder Mansarden­­dachs aufweist. Auch beim streitigen Projekt ist das Dachgeschoss als solches durchaus erkennbar, auch wenn die Dachform der BeschwerdefÃ¼hrerin als eigenwillig erscheint. Die Gefahr eines âzusÃ¤tzlichen weniger steilen Dachteil[s] als quasi zweitem Dachgeschossâ be­­steht kaum, weil die FirsthÃ¶he bei der tatsÃ¤chlichen Schnittlinie Fassade/DachflÃ¤che und nicht an irgendeiner hypothetischen Schnittlinie angesetzt wird (vgl. BRKE II Nr. 219/ 1995, BEZ 1996 Nr. 9). Verfehlt ist schliesslich der Einwand, die Volumen von FlachdÃ¤chern seien ge­genÃ¼ber SchrÃ¤gdÃ¤chern viel geringer und diese âabsolut stossende Ungleichbehandlungâ sei durch eine EinschrÃ¤nkung des Volumens der SchrÃ¤gdÃ¤cher zu korrigieren. Die unterschied­liche baupolizeiliche Behandlung der beiden Dachformen ist aufgrund ihrer Verschie­denheit sachlich klar gerechtfertigt.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) Zusammengefasst ergibt sich, dass die Baurekurskommission zu Recht Dispositiv Ziff. 3 des Beschlusses des Bauausschusses X vom 19. MÃ¤rz 2002 aufgehoben hat. Die Beschwerde ist abzuweisen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>4. ...</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss <a id="Text4">en</a>tscheidet die Kammer:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen. </span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. ...</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>