<h2>SubmittedText<h2><p>Das erste kommerzielle Kernkraftwerk in der Schweiz ging 1969 ans Netz. Die meisten der erfahrenen Spezialisten starteten damals ihre Karriere. Bis Anfang der Achtzigerjahre wurde die Atomenergie in vielen Ländern teils massiv ausgebaut. Viele Stellen in der Atomtechnik sind demnächst altersbedingt neu zu besetzen. Die Kerntechnik steht nicht mehr sehr hoch im Kurs. Junge Leute lassen sich dafür nicht motivieren.</p><p>1. Weiss der Bundesrat, wie viele Spezialistenstellen im Bereich der Kerntechnik in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren altersbedingt neu besetzt werden müssen?</p><p>2. Weiss er, wie viele Nachwuchskräfte im Bereich der Kerntechnik derzeit ausgebildet werden?</p><p>3. Wie will er die Sicherheit der Atomkraftwerke sicherstellen, wenn die Spezialisten fehlen?</p><p>4. Weiss er, wie viele Nuklearphysiker und andere Spezialisten heute in den Schweizer Atomkraftwerken fehlen?</p><p>5. Weiss er, wie sich der Bestand an geschulten Spezialisten in den Schweizer AKW in den letzten fünf bis zehn Jahren entwickelt hat?</p><p>6. Weiss er, wie viele Spezialisten von Atomkraftwerken in den Dienst der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen gewechselt haben und umgekehrt?</p><p>7. Ist er nicht auch der Meinung, dass der Expertenmangel neben der veralteten Technologie, der grossen Gefahr und den überteuerten Kosten, einen Ausstieg aus der Atomenergie rechtfertigen würde?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ein ausreichender Bestand an fachlich gut ausgebildetem Personal ist wichtig für den sicheren Betrieb der schweizerischen Kernanlagen. Die Sicherheitsbehörden des Bundes messen deshalb den personellen und organisatorischen Fragen eine grosse Bedeutung bei. Bei der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) befasst sich die Sektion "Mensch, Organisation und Sicherheitskultur" damit. Diese arbeitet auch in internationalen Gremien mit, die sich mit dieser Thematik befassen. In der verwaltungsexternen Eidgenössischen Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen werden Fragen von Personal und Organisation insbesondere in deren Ausschuss "Personal und Organisation" behandelt. </p><p>In Westeuropa wurde es in den letzten Jahren schwierig, junge Leute für die Nukleartechnik zu motivieren. In der Folge wurden an Ausbildungsinstituten (Universitäten, Fachhochschulen usw.) Kurse in Nukleartechnik gestrichen. Die Auswirkungen dieser Streichungen sind jedoch weniger für die laufenden Anlagen ein Problem (siehe Antworten zu den einzelnen Fragen), als vielmehr bei allfälligen neuen Projekten im Bereich der Kernenergie. </p><p>Der in der Einfachen Anfrage verwendete Begriff "Spezialist" ist zu allgemein und so nicht verwendbar. Im Nachfolgenden wird deshalb zwischen Fachpersonal und lizenzpflichtigem Personal unterschieden.</p><p>Zu den einzelnen Fragen:</p><p>1./5. Die Aufsichtsbehörde HSK ist über den Personalbestand in den schweizerischen Kernkraftwerken und dessen Altersstruktur gut informiert. Alle schweizerischen Kernkraftwerke verfügen heute über mehr Personal als vor zehn Jahren.</p><p>Die schweizerischen Kernanlagenbetreiber sind verpflichtet, der HSK den Personalbestand monatlich und aufgeschlüsselt nach Funktionsgruppen zu melden. Zudem verlangt die HSK jährlich detaillierte Angaben über das Kaderpersonal und dessen Altersstruktur (Direktion, Abteilungsleiter, Ressortleiter, Gruppenleiter und Fachstellenleiter, lizenzpflichtiges Personal). In den letzten Jahren konnten alle notwendigen Stellen für Fachpersonal und lizenzpflichtiges Personal in den schweizerischen Kernkraftwerken bei Abgängen wieder gleichwertig besetzt werden.</p><p>2./4. Da nicht alle Personen, die einen Kurs oder eine Vorlesung in Kerntechnik besuchen, später in einem Kernkraftwerk tätig sind, ist es nicht zweckmässig, diese Personen zahlenmässig zu erfassen. Hingegen verfolgt die HSK systematisch insbesondere die Ausbildung des lizenzpflichtigen Personals (Reaktoroperateure, Schichtchefs, Pikett-Ingenieure) und informiert sich laufend über dessen Bestand und den Rekrutierungsbedarf. </p><p>In Kernanlagen braucht es weniger Kerntechniker und -physiker, als vielmehr Fachpersonal (Mechaniker, Elektriker, Leittechniker) aus verschiedenen Industriezweigen. Die Kernanlagenbetreiber achten bei der Rekrutierung darauf, möglichst Personal mit Erfahrung auf ihrem Fachgebiet einzustellen. An werksinternen Ausbildungsveranstaltungen und externen Kursen bei Fachinstituten oder Lieferanten wird dieses anschliessend auf seine zukünftige Aufgabe in der Anlage vorbereitet.</p><p>Die HSK konnte feststellen, dass alle Kernanlagenbetreiber eine vorausschauende Personalpolitik betreiben, indem sie frühzeitig Stellen besetzen, deren Inhaber demnächst in Pension gehen. Durch die Überlappungszeit, welche je nach Position Monate bis Jahre dauern kann, wird ein guter Know-How-Transfer gewährleistet. Zurzeit sind alle relevanten Stellen in den schweizerischen Kernkraftwerken mit genügend Fachpersonal und lizenzpflichtigem Personal besetzt.</p><p>3. Nach dem Atomgesetz können der Bundesrat und die Aufsichtsbehörden jederzeit alle zur Gewährleistung der Sicherheit nötigen Massnahmen anordnen. Im äussersten Fall könnte die Ausserbetriebnahme einer Kernanlage verfügt werden, wenn aus Personalgründen der sichere Betrieb einer Anlage nicht mehr möglich ist.</p><p>6. In den letzten zehn Jahren haben vier Personen aus der HSK in schweizerische Kernkraftwerke gewechselt. Zwei Personen sind von den Werken in die HSK eingetreten.</p><p>7. Am 18. Mai 2003 haben Volk und Stände die Initiativen "Strom ohne Atom" und "Moratorium plus" deutlich abgelehnt und sich somit für den Weiterbetrieb der schweizerischen Kernkraftwerke ausgesprochen.</p><p>Der Bundesrat teilt die Auffassung der Sicherheitsbehörden, wonach der sichere Betrieb der Kernkraftwerke zurzeit gewährleistet ist. Zu einem sicheren Betrieb gehört eine genügende Anzahl gut ausgebildeter Fachleute. Auf absehbare Zeit hinaus (etwa zehn Jahre) ist nicht mit einem Mangel an dem für den sicheren Betrieb der Kernkraftwerke erforderlichen Fachpersonal und lizenzpflichtigen Personal zu rechnen.</p>  Antwort des Bundesrates.