<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 149</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">149</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Submissionen</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>40 Eventualpositionen;</b></span> <span class="ft2"><b>"Per-Positionen"</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Fehlt in den Ausschreibungsunterlagen der klare Hinweis, dass die zu of-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ferierenden Preise für die Eventualpositionen in die Gesamtpreissumme</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einbezogen und somit bewertet werden, stellt die nachträgliche Berück-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sichtigung im Rahmen der Bereinigung der Angebote eine unzulässige</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Änderung der "Spielregeln" des Verfahrens dar und verstösst gegen das</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Transparenzverbot.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 19. Mai 2011 in Sachen A.</span><br/> <span class="ft3">AG gegen Einwohnergemeinde B. (WBE.2011.54).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3.</span><br/> <span class="ft5">3.1.</span><br/> <span class="ft5">Eventualpositionen umschreiben einzelne zusätzliche, aber</span><br/> <span class="ft5">bloss mögliche Leistungen, wobei sie in der Regel auch die zugehö-</span><br/> <span class="ft5">rige Vergütung bestimmen und häufig die voraussichtliche Menge</span><br/> <span class="ft5">angeben (Rainer Schumacher, in: Peter Gauch [Hrsg.], Kommentar</span><br/> <span class="ft5">zur SIA-Norm 118 Art. 38-156, Zürich 1992, Art. 102 Rz. 1; Roland</span><br/> <span class="ft5">Hürlimann / Hans Heer, Preise, Leistungsverzeichnis und Kalkula-</span><br/> <span class="ft5">tion, S. 11, in: Baurechtstagung 1999, Tagungsunterlage 1, hrsg. vom</span><br/> <span class="ft5">Institut für Schweizerisches und Internationales Baurecht). Zu den</span><br/> <span class="ft5">Eventualpositionen zählen insbesondere auch die sogenannten "Per-</span><br/> <span class="ft5">Positionen", bei denen die Bieter zwar bestimmte Einheitspreise</span><br/> <span class="ft5">offerieren sollen, für deren Leistungen das Leistungsverzeichnis des</span><br/> <span class="ft5">Auftraggebers aber keine Menge angibt und die daher regelmässig</span><br/> <span class="ft5">nicht in die bewertungsgegenständliche provisorische Gesamtver-</span><br/> <span class="ft5">gütung einfliessen (Martin Beyeler, Umgelagert, gemischt und offe-</span><br/> <span class="ft5">riert - Thesen zur Preisspekulation, in: Schweizerische Baurechtsta-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">150</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">gung 2011, Freiburg 2011, S. 135). In der Regel fliessen die Even-</span><br/> <span class="ft5">tualpositionen somit preislich nicht in die Angebotssumme ein; ent-</span><br/> <span class="ft5">sprechend werden sie auch nicht bewertet. Dies kann einen Anbieter</span><br/> <span class="ft5">zur Spekulation veranlassen: Der Bieter kann hier seine Marge bei</span><br/> <span class="ft5">gegebenen Kosten pro Leistungseinheit theoretisch beliebig erhöhen,</span><br/> <span class="ft5">ohne damit seine Position im Vergleich mit den übrigen Offerten zu</span><br/> <span class="ft5">gefährden, denn der provisorische Gesamtpreis seiner Offerte, der für</span><br/> <span class="ft5">die Angebotsbewertung errechnet wird, ändert sich dadurch nicht</span><br/> <span class="ft5">(Beyeler, a. a. O., S. 135). Es ist indessen am Auftraggeber zu be-</span><br/> <span class="ft5">stimmen, welche Positionen er messen will. Will der Auftraggeber</span><br/> <span class="ft5">Risiken, die sich aus der Margenspekulation auf nicht bewerteten</span><br/> <span class="ft5">Eventualpositionen ergeben können, vermeiden, hat er diese Positio-</span><br/> <span class="ft5">nen mit einigermassen realistischen Mengenangaben, allenfalls ge-</span><br/> <span class="ft5">wichtet mit ihrer Wahrscheinlichkeit, in die Bewertung einzubezie-</span><br/> <span class="ft5">hen. Das verunmöglicht jede Margenspekulation, und drängt sich im</span><br/> <span class="ft5">Hinblick auf den vergaberechtlichen Wirtschaftlichkeitsgrundsatz</span><br/> <span class="ft5">umso eher auf, je grösser die Wahrscheinlichkeit ist, dass die fragli-</span><br/> <span class="ft5">chen Positionen tatsächlich zur Ausführung kommen. Ein solcher</span><br/> <span class="ft5">Einbezug der Eventualpositionen in die Bewertung setzt allerdings</span><br/> <span class="ft5">voraus, dass diese Vorgehensweise ausgeschrieben wurde oder sie in</span><br/> <span class="ft5">zulässigen Verhandlungen - was nur für das Bundesbeschaffungs-</span><br/> <span class="ft5">recht zutrifft - nachträglich noch angeordnet werden kann (Beyeler,</span><br/> <span class="ft5">a. a. O., S. 158). Wird in den Ausschreibungsunterlagen nicht klar er-</span><br/> <span class="ft5">sichtlich darauf hingewiesen, dass die zu offerierenden Preise für die</span><br/> <span class="ft5">Eventualpositionen in die Gesamtpreissumme einbezogen und somit</span><br/> <span class="ft5">auch bewertet werden, stellt die nachträgliche Berücksichtigung im</span><br/> <span class="ft5">Rahmen der Bereinigung der Angebote eine unzulässige Änderung</span><br/> <span class="ft5">der "Spielregeln" des Verfahrens dar und verstösst gegen das Trans-</span><br/> <span class="ft5">parenzgebot.</span><br/> <span class="ft5">3.2. (...)</span><br/> <span class="ft5">3.3.</span><br/> <span class="ft5">Die Ausschreibungsunterlagen enthalten vorliegend keinen</span><br/> <span class="ft5">Hinweis, dass und unter welchen Voraussetzungen (z. B. bei Eintritt</span><br/> <span class="ft5">einer ausreichenden Wahrscheinlichkeit der Realisierung zum Zeit-</span><br/> <span class="ft5">punkt des Vergabeentscheids) die Eventualpositionen beim Gesamt-</span><br/> <span class="ft5">preis mitberücksichtigt und in die Preisbewertung einfliessen wür-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">den. Vielmehr wird im Submissionsbericht ausdrücklich festgehalten,</span><br/> <span class="ft5">dass diese "während der Ausführung der Hauptarbeiten für jede Lie-</span><br/> <span class="ft5">genschaft separat, durch die Unternehmung, mit den Preisen im LV</span><br/> <span class="ft5">(Objekt HA) zu offerieren" seien. Auch die Umschreibung des Zu-</span><br/> <span class="ft5">schlagskriteriums "Preis" und dessen Bewertung im Leistungsver-</span><br/> <span class="ft5">zeichnis nennt lediglich den "Angebotspreis"; der günstigste An-</span><br/> <span class="ft5">bieter erhalte 100 % der möglichen Bewertungspunkte; Anbieter, die</span><br/> <span class="ft5">teurer als 30 % des günstigsten Angebots seien, erhielten 0 % der</span><br/> <span class="ft5">möglichen Bewertungspunkte (Pos. 224.100 und Pos. 224.200). Ein</span><br/> <span class="ft5">Hinweis, dass die Eventualpositionen bei der Preisbewertung mitbe-</span><br/> <span class="ft5">rücksichtigt würden, hätte sich vorliegend umso mehr aufgedrängt</span><br/> <span class="ft5">als die Vergabestelle geltend macht, gemäss langjährigen Erfahrungs-</span><br/> <span class="ft5">werten würden solche Hausanschlüsse in der Regel zu 80 - 90 %</span><br/> <span class="ft5">realisiert. Mit der vorgenommenen Aufaddierung der Preise für die</span><br/> <span class="ft5">Hausanschlüsse auf den Angebotspreis für die Hauptarbeiten muss-</span><br/> <span class="ft5">ten die Anbieter somit aufgrund der Ausschreibung klarerweise nicht</span><br/> <span class="ft5">rechnen. Damit erweist sich die vorgenommene Aufaddierung der</span><br/> <span class="ft5">Preise für die Hausanschlüsse als unzulässige nachträgliche Ange-</span><br/> <span class="ft5">botskorrektur, die vor dem Transparenzgrundsatz nicht standhält.</span><br/> <span class="ft5">Richtigerweise hätten für die Preisbewertung nur die für die Hauptar-</span><br/> <span class="ft5">beiten offerierten Preise Berücksichtigung finden dürfen.</span><br/> <span class="ft5">Aus dem Offertvergleich / Vergabeantrag geht hervor, dass die</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführerin ohne die aufaddierten Preise für die Hausan-</span><br/> <span class="ft5">schlüsse eine Bewertung von insgesamt 92.50 Punkten erreicht hat</span><br/> <span class="ft5">und damit mit einem Vorsprung von 2.12 Punkten auf Rang 1 vor der</span><br/> <span class="ft5">zweiplatzierten ARGE C. liegt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>