<h2>SubmittedText<h2><p>1. Hat der Bundesrat ein Interesse daran, ohne ideologische Scheuklappen nach einer Lösung zu suchen, welche die teilweise divergierenden Interessen der Produzenten, der Konsumenten und des Tierschutzes optimiert? </p><p>2. Warum wurde die Evaluation der verschiedenen Kastrationsmethoden und Schmerzausschaltungsmöglichkeiten bereits zu einem frühen Zeitpunkt eingeschränkt, ohne eine befriedigende Lösung zur Hand zu haben? </p><p>3. Ist er bereit, die Frist für ein vollständiges Verbot der Kastration ohne Schmerzausschaltung um ein Jahr zu verschieben, um den aktuellen Entwicklungen im In- und Ausland besser Rechnung tragen zu können? </p><p>4. Ist er bereit, Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Schweinepopulationen in Bezug auf Ebergeruch wissenschaftlich zu erforschen (ähnliche, erfolgreiche Forschung wurde bereits im Zusammenhang mit der Stressresistenz bei Schweinen unterstützt und alsdann erfolgreich angewendet)?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Im Rahmen des Projekts Pro Schwein wurden alle heute bekannten alternativen Methoden zur Kastration ohne Schmerzausschaltung auf folgende Kriterien überprüft: Sie müssen für das Tier eine Verbesserung bringen, wirtschaftlich tragbar, kontrollierbar und für die Konsumentinnen und Konsumenten akzeptierbar sein; zudem dürfen sie den hohen Qualitätsstandard von Schweinefleisch nicht gefährden. Der Bund war im Projekt Pro Schwein durch die Bundesämter für Veterinärwesen und Landwirtschaft vertreten. In Berücksichtigung der genannten Kriterien wurden von Pro Schwein im Juni 2008 drei Methoden zur Umsetzung empfohlen: die Impfung gegen den Ebergeruch, die Schmerzausschaltung durch die Isoflurannarkose kombiniert mit der Applikation eines Schmerzmittels sowie die Jungebermast in der Nischenproduktion. Alle drei Methoden wurden von den im Projekt Pro Schwein vertretenen Organisationen (Produzenten-, Tierschutz-, Abnehmer-, Tierarztorganisationen) als umsetzbar beurteilt. Ziel war es, dass die Schweinehaltenden, unter Berücksichtigung ihrer betrieblichen Situation, unter den drei Methoden die für sie am besten geeignete auswählen können. Im Herbst 2008 haben jedoch wichtige Abnehmerorganisationen beschlossen, dass für sie nur die Methode der Schmerzausschaltung durch Isoflurannarkose kombiniert mit Schmerzmittelapplikation infrage komme. Der Bundesrat bedauert diese Entwicklung und hat bereits auch seine Bedenken hinsichtlich einer flächendeckenden Umsetzung der Isoflurannarkose geäussert (Antwort zur Interpellation Graf Maya 08.3777, "Schmerzlose Ferkelkastration. Wie weiter?"). Bei der Impfung gegen den Ebergeruch erübrigt sich ein chirurgischer Eingriff an den Tieren. Der Impfstoff ist in der Schweiz zugelassen. Die Zulassung in der EU wird demnächst erwartet. Er ist hinsichtlich Lebensmittelsicherheit unbedenklich und hinterlässt keine Rückstände im Schweinefleisch. </p><p>2. Die Ferkelkastration verursacht dem Tier während und nach dem chirurgischen Eingriff Schmerzen. Im Rahmen von Pro Schwein wurde zusammen mit Experten auch untersucht, ob nicht der Einsatz eines Schmerzmittels genügen würde. Es hat sich jedoch gezeigt, dass Schmerzmittel allein eine völlig ungenügende Wirkung gegen die akuten Schmerzen während der Operation haben. Es wurden auch weitere Kastrationsmethoden und Schmerzausschaltungsmöglichkeiten untersucht. Sie genügten entweder den tierschutzrechtlichen Anforderungen nicht oder waren nicht praxistauglich und konnten somit für die Umsetzung nicht berücksichtigt werden.</p><p>3. Umsetzbare Alternativen zur heutigen Kastration ohne Schmerzausschaltung sind vorhanden (vgl. Ziffer 1). Für eine Verschiebung des Inkrafttretens des Verbots der chirurgischen Kastration von Ferkeln ohne Schmerzausschaltung besteht aus heutiger Sicht kein Anlass. Im Übrigen haben sich im März 2009 anlässlich einer Aussprache des Bundesamtes für Veterinärwesen mit den interessierten Kreisen alle Beteiligten für eine Umsetzung des Verbots per 1. Januar 2010 ausgesprochen.</p><p>4. Gestützt auf die Verordnung über die Tierzucht (SR 916.310) unterstützt der Bund die schweizerische Schweinezucht mit jährlich höchstens 3,4 Millionen Franken. Im Rahmen der Festlegung der züchterischen Massnahmen durch die Zuchtorganisationen können diese Mittel auch dazu verwendet werden, für die Jungebermast geeignete Zuchtlinien gezielt zu fördern. Die Landwirtschaftlichen Forschungsanstalten Agroscope forschen ebenfalls unterstützend in der Thematik Ebergeruch.</p>  Antwort des Bundesrates.