Pferdehaltung in Wohnzonen; Geruchsimmissionen – Die Beurteilung der Zonenkonformität einer Pferdehaltung in der Wohnz o- ne hat abstrakt zu erfolgen. – Bei einem Bestand von 2 bis 4 Pferden ist ein Mindestabstand von Stallung zum nächstgelegenen bewohnten Gebäude von 10 m einzuhalten. – Die Abstandsvorschriften gemäss FAT -Richtlinie stellen sicher, dass bei ordnungsgemäss geführtem Betrieb keine übermässigen Immissionen auf- treten (Erw. 4). Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (EBVU) vom 8. Ma i 2012 (BVURA. 11.393) Aus den Erwägungen 2. Beschrieb der Anlage Seit Mai 2008 hat die Beschwerdeführerin in der rechtskräftig bewil- ligten Doppelbox (Weidehütte) auf Parzelle 874 zwei Pferde unte r- gebracht. Im Sommer 2009 hat sie ohne Baubewilligung eine weitere Weidehütte (Einzelbox, 3 m x 3 m) hingestellt, um darin z usätzlich Platz für einen Hengst zu haben, den sie im November 2009 erwo r- ben hat. Die Beschwerdeführerin, die an Reining Country Meiste r- schaften reitet, hält somit – zusammen mit ihrer Mutte r – insgesamt drei Pferde… Weitere Pferde will sie nicht zutun. Auch sollen keine Fohlen g e- züchtet werden. Da sich Hengst und Wallach nicht gut vertragen, muss sie die beiden Pferde voneinander trennen. Auf eine separate Box ist sie daher selbst dann ang ewiesen, wenn sie nur diese bei den Pferde halten dürfte. … 3. Zonenkonformität a) Bundesumweltrecht und kommunales Recht Strittig ist, ob die bereits installierte Pferdebox (Einzelbox) und d a- mit die Haltung eines z usätzlichen dritten Pferdes auf Parzelle 874 bewilligt werden kann. Geruchsimmissionen, um die es hier vor allem geht, beurteilen sich grundsätzlich nach der Umweltschutzgesetzgebung des Bundes. Das kantonale und kommunale Recht verliert diesbezüglich seine sel b- ständige Bedeutung. Es behält sie nur dort, wo es die bundesrechtl i- chen Bedingungen ergänzt oder – soweit erlaubt – verschärft (Art. 65 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz vom 7. Oktober 1983 [USG; SR 814.01]). Kommunale Bestimmungen über die Z u- lässigkeit störender Bauten und Betriebe in Nutzungszonen können aber insofern noch eine eigenständige Funktion beanspruchen, als sie die Frage regeln, ob aus raumplanerischen und städtebaulichen Gründen ein Bauvorhaben am vorgesehenen Ort übe rhaupt erstellt werden darf. Schliesslich erf asst das Umweltrecht des Bundes nicht alle Auswirku ngen, die eine Baute oder Anlage mit sich bringen kann. So können etwa Bauten und B etriebe, die mit dem Charakter einer Wohnzone unvereinbar sind, wegen fehlender Zonenkonform i- tät untersagt werden, auch wenn die Immissionen, die sie verurs a- chen, bundesrechtliche Schranken nicht überschreiten. Die Beurteilung der Zonenkonformität eines Vorhabens erfolgt abs- trakt, ohne Berücksicht igung der konkreten Immissionen, die sich nach Ausführung des Projekts zeigen. Zu fragen ist, ob mit der b e- treffenden Nutzung typi scherweise Belästigungen verbunden sind, die über das hinausgehen, was normalerweise mit zonenkonformen Nutzungen verbunden ist. Hingegen bleibt auf dieser Stufe der Pr ü- fung unberücksichtigt, ob im konkreten Einzelfall tatsächlich Immis- sionen verursacht worden sind und welche (Aargauische Gerichts - und Verwaltungsentscheide [AGVE] 1998, S. 317 f.; 1990, S. 393; Urteil des Verwaltungsgerichts [VGE] III/108 vom 12. D ezember 1991, S. 5). b) Beurteilung Die Bauparzelle befindet sich in der Wohnzone W2. Es gilt die Emp- findlichkeitsstufe ES II. Die Zone dient vorwiegend dem Wohnen. Nicht störendes Gewerbe oder Dienstleistungsbetriebe sind zugelas- sen. Zur Frage der Zonenkonformität hat der Gemeinderat im Entsche id vom 10. März 2008 erklärt: "In Wohnzonen dürfen max. 4 Pferde gehalten werden, wenn dadurch von der Umgebung keine übermässigen Belästigungen wahrgenommen we r- den". Am Augenschein hat der Gemeinderat die Frage wie folgt beantwo r- tet: "Wir stützen uns auf die Gerichtspraxis und erlauben deshalb grund sätzlich vier Pferde. Aber es hängt von den Immissionen ab. Eine eigene Praxis gibt es bis jetzt noch nicht. Im vorliegenden Fall haben wir festge stellt, dass die Anlage schlechter ist, als die anderen im Dorf, und deshalb haben wir sie nicht bewilligt." Nach den Darlegungen des Gemeinderats ist somit das Halten von drei Pferden, um die es hier geht, in der Wohnzone W2 als zone n- konform zu betrachten. Hinzuweisen ist in diesem Z usammenhang auch auf die fachliche Beurteilung des Bundes zur Frage, wie viele Pferde in einer Wohnzone gehalten werden dürfen. Er führt aus, dass – je nach zugelassenen Aktivitäten und Immissionen – "realisti- scherweise … die Zahl etwa bei drei bis vier Pferden liegen" dürfe (Bundesamt für Raumentwicklung ARE, Wegleitung "Pferd und Raumplanung", aktualisierte Version 2011 [kurz: Wegleitung Bund], S. 19; siehe auch AGVE 2003, S. 230). Ob im konkreten Fall die Immissionen tatsächlich als übermässig anzusehen sind, ist hingegen keine Frage de r Zonenkonformität, die nach kommunalem Recht zu beurteilen wäre. Die Beurteilung der Schädlichkeit und Lästigkeit der Geruchsimmissionen erfolgt nach der Umweltschutzgesetzgebung des Bundes. 4. Immissionsschutz nach USG a) anwendbare Bestimmungen Die strittige Pferdebox ist eine Tierhaltungsanlage und damit eine stationäre Anlage im Sinne von Art. 2 Abs. 1 der Luftreinhalte - Verordnung, der en Betrieb unter anderem Geruchsstoff-Emissionen erzeugt (Art. 2 Abs. 1 der Luftreinhalte -Verordnung vom 16. D e- zember 1985 [LRV; SR 814.318.142. 1]). Die von der Anlage verur- sachten Emissionen sind auf der ersten Stufe des Immissionsschutzes so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich mö glich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG; sog. Vorsorge- prinzip). Neue stationäre Anlagen müssen so ausgerüstet und betri e- ben werden, dass sie die im Anhang 1 LRV und allenfalls die in den Anhängen 2 bis 4 LRV festgelegten Emissionsbegrenzungen einha l- ten. Emissionen, für welche die Luftreinhalte -Verordnung keine Emissionsbegrenzung fest legt oder eine bestimmte Begrenzung als nicht anwendbar erklärt, sind von der Behörde vorsorglich so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaft- lich tragbar ist (Art. 4 Abs. 1 LRV). Für Tierhaltungs anlagen gelten die speziellen Anforderungen nach Anhang 2 Ziff. 512 LRV (Art. 3 Abs. 2 lit. a LRV). Bei der Errichtung derartiger Anlagen müssen die nach den anerkannten Regeln der Tierhaltung erforderlichen Mi n- destabstände zu bewohnten Zonen eingehalten w erden. Als so lche gelten nach Anhang 2 Ziff. 512 Abs. 1 LRV insbesondere die gemäss den Empfehlungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für B e- triebswirtschaft und Landtechnik (FAT) berechneten Abstände. Die FAT-Richtlinien befassen sich mit der vorsorgl ichen Emissionsb e- grenzung, dienen aber auch als Hilfsmittel zur B eurteilung, ob die Tierhaltungsanlage übermässige Immissionen verursacht ( Entscheid des Bundesgerichts 1A.44/2006 vom 20. September 2006; BGE 126 II 43 E. 4a S. 45; Urteil des Bundesgerichts 1A.58/2001 in URP 2002 S. 97 ff. E. 2d). Für kleine Tierbestände – namentlich hobbymässige Pferdehaltungen – können dem erwähnten FAT -Bericht keine exakten Mindesta b- stände entnommen werden. Die Formel für die Berechnung der Mi n- destabstände ist auf grösser e Tierbestände ausgelegt. Sie ergibt erst ab einer Geruchsbelastung (GB) von 4 auf den Einzelfall bezogene Ergebnisse. 4 GB entsprechen e inem Bestand von 35- 40 Pferden. Gemäss FAT-Bericht ist der für 4 GB geltende Abstand in der Regel auch bei niedrigeren Geruchsbelastungen einzuhalten. Es liegt aber im Ermessen der Behörde, einen kleineren Mindestabstand zuzulas- sen. Bei 4 GB beträgt der Normabstand rund 20 m. Bei einem B estand von 2 bis 4 Pferden, was bei hobbymässiger Pferdehaltung der Regel entspricht, werden nur rund 10 % der 40 GB (recte: 4 GB) ergeben- den Anzahl Tiere gehalten. Um diesem Umstand Rechnung zu tr a- gen, verlangen einige Kantone – so auch der Kanton Aa rgau – die Einhaltung des halben Normabstands, d.h. rund 10 m (Wegleitung Bund, S. 25, FAT -Bericht Nr. 476 von 1995, Mindes tabstände von Tierhaltungsanlagen – Empfehlungen für neue und bestehende B e- triebe, S. 6; www.ag.ch/landwirtschaft > Baugesuche & Raumpl a- nung > Geruchsemissionen). Im vorliegenden Fall beträgt der Abstand der näher stehenden (Dop- pel-)Pferdebox zum Wohngebäude auf Parzelle 865 des Beschwe r- degegners mehr als 20 m (wenigstens ca. 21 m). Der verlangte 10-m- Abstand und somit die Grenzwerte der Umweltschutzgeset zgebung sind damit deu tlich eingehalten. Die beigezogene Fachperson best ä- tigt dies. Im Rahmen des Vorsorgeprinzips (Art. 11 Abs. 2 USG) sind Mas s- nahmen zu verfügen, die die Emissionen soweit begrenzen, als die technisch und betrieblich möglich und wirtschaf tlich tragbar ist. Die Beschwerdeführerin gibt an, dass sie Ammoniakbinder verwe nde und dreimal am Tag miste. Die Mulde für den Mist halte sie stets geschlossen. Die Beschwerdeführerin ist dabei zu behaften, die A n- lage (Boxen und Auslauf) wenigstens zweimal täglich zu misten, die Mulde für den Mist wenn immer möglich geschlossen zu halten und eine geruchshindernde Einstreu zu verwenden. Weitere Massna h- men, die im Rahmen der Vorsorge zu verfügen wären, sind nicht auszumachen. Auch hat der Augenschein gezeigt, dass der Betrieb sauber geführt wird und – auch nach Ansicht der Fachperson – zu keinen Beanstan- dungen Anlass gibt. Sollte in Zukunft die Füh rung des Betriebs zur Klage Anlass geben und vermeidbare Immissionen zum Problem werden, ist es möglich, dagegen grundsätzlich jede rzeit Immissions- klage zu führen. Die Beachtung der Abstandsvorschriften gemäss den FAT - Richtlinien stellt sicher, dass bei ordentlich g eführtem Betrieb mit übermässigen oder lästigen (Geruchs-)Immissionen nicht zu rechnen ist. Somit erübrigt sich eine wei tergehende Prüfung. Was die Inse k- ten – namentlich Fliegen und Bremen – angeht, die eine Pferdeha l- tung herbeilockt, stellen die vorsorglichen Massnahmen einen gen ü- genden Schutz dar, dass diese Kleinlebewesen nicht zur Plage we r- den. Stichwörter: Geruchsimmissionen, Immissionen (siehe G e- ruchsimmissionen), Tierhaltung, Pferdehaltung (siehe Tierhaltung), Zonenkonformität