A bteilung III C -811/2006 und C -828/2006 {T 0/2} U rteil vom 3. A pril 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichterin Ele- na Avenati-C arpani; R ichter Bernard Vaudan; G erichtsschreiber D aniel Brand. 1. A ._______, 2. B ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Am 19. Juni 2006 beantragte A._______ (geb. 1977, Serbien/Kosovo; Be- schw erdeführerin) beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina ein Visum für einen einm onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem im Kanton St. G allen w ohnhaften O nkel B._______ (Beschw erdeführer) und dessen Fa- m ilie. N ach form loser Verw eigerung überm ittelte die Schw eizerische Ver- tretung das G esuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz. B. N achdem das Ausländeram t des Kantons St. G allen bei den G astgebern ergänzende Auskünfte eingeholt hatte, w ies die Vorinstanz m it Verfügung vom 21. Juli 2006 das Einreisegesuch im W esentlichen m it der Begrün- dung ab, die fristgerechte W iederausreise sei aufgrund der w irtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse in der H erkunftsregion sow ie aufgrund der persönlichen Situation nicht gew ährleistet. C . In einer eigenen R echtsm itteleingabe vom 8. August 2006 beantragt die Eingeladene sinngem äss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des gew ünschten Besuchervisum s. Zur Begründung bringt sie im W esentlichen vor, sie sei an der R echtsw issenschaftlichen Fakultät der U niversität Pristina eingeschrieben und stehe kurz vor dem Abschluss ihres Studium s. Ab Januar 2007 w erde sie m it dem M asterstudi- um "Internationale Beziehungen" w eiterfahren. Es sei ihr ein Anliegen, ih- ren O nkel und dessen Fam ilie in der Schw eiz besuchen zu können. D er Eingabe beigelegt w aren unter anderem zw ei an die Schw eizerische Vertretung in Pristina gerichtete Einladungsschreiben der G astgeber vom 3. April und 12. Juni 2006. D . M it Eingabe vom 10. August 2006, m itunterzeichnet von der Ehefrau S._______, stellt der ebenfalls Beschw erde führende G astgeber sinnge- m äss dieselben R echtsbegehren und versichert, dass seine C ousine frist- gerecht in ihr H eim atland zurückkehren w erde. Als Studentin habe sie dort durchaus Perspektiven. E. In ihrer Vernehm lassung vom 29. Septem ber 2006 spricht sich die Vorin- stanz für die Abw eisung der Beschw erde aus und hält ergänzend fest, aus den eingereichten U nterlagen gehe nicht hervor, ob die R ekurrentin an der U niversität für das von ihr erw ähnte M asterstudium eingeschrieben sei und einen Studienplatz bekom m en w erde. F. Trotz gew ährtem R eplikrecht liessen sich die Beschw erdeführenden nicht m ehr vernehm en. G . Am 16. M ärz 2007 w urden die R ekursverfahren C -811/2006 und C -828/ 2006 vom Bundesverw altungsgericht aus prozessökonom ischen G ründen vereinigt. H . M it Eingabe vom 24. M ärz 2007 betont der Beschw erdeführer nochm als, dass seine "C ousine" (w ohl: N ichte) nur besuchshalber in der Schw eiz w ei- len w erde, um die hiesige Kultur kennen zu lernen. Ihre Zukunft sehe sie 3 im Kosovo, als erfolgreiche R ichterin. Zur U nterm auerung seiner Vorbringen reichte der Beschw erdeführer w ei- tere U nterlagen zu den Akten (Bestätigung betr. M asterstudium an der U niversität Pristina vom 21. M ärz 2007, Praktikum sbestätigung des Be- zirksgerichts der G em einde D ._______ vom 20. M ärz 2007). D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021). D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 N ebst der Beschw erdeführerin als Verfügungsbetroffener ist auch der Be- schw erdeführer, als "M itbeteiligter" (G astgeber und G arant) gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG , zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerechten Beschw erden ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 2. Ausländer/-innen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz berechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung besitzen oder w enn sie keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 1a AN AG ). D ie Behörde entscheidet, im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Aus- land, nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt oder N ie- derlassung (Art. 4 AN AG ). D aher räum t das schw eizerische R echt w eder einen Anspruch auf Einreise noch auf Erteilung eines Visum s ein (vgl. PETER U EBE R SAX , Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold (H rsg.), Ausländerrecht, Auslände- rinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143). D em behörd- lichen Erm essen steht som it im Falle der Erteilung einer Einreisebew illi- gung ein w eiterer Spielraum offen als beispielsw eise bei der Verlängerung 4 einer allm ählich den Vertrauensschutz verfestigenden Anw esenheitser- laubnis. D ies gilt auch für die Beurteilung von Einreiseersuchen zur Anw e- senheit von bis zu drei M onaten, die bew illigungsfrei, m itunter aber vi- sum spflichtig sind (vgl. Art. 2 Abs. 1 AN AG i.V.m . den nachstehend er- w ähnten Visum sbestim m ungen). 3. Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz grundsätzlich ein Visum (vgl. Art. 1 und Art. 3 der Verordnung vom 14. Ja- nuar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Auslän- dern [VEA, SR 142.211]). D as Visum w ird verw eigert, w enn die Auslände- rin oder der Ausländer die Einreisevoraussetzungen nach Art. 1 VEA nicht erfüllt (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). So m üssen Personen, die in die Schw eiz reisen m öchten, unter anderem G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ie- der ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c. VEA). D azu lassen sich jedoch, da ein künftiges Verhalten zu beurteilen ist, in der R egel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Voraussagen m achen. D abei sind säm t- liche U m stände des konkreten Einzelfalles zu w ürdigen. 4. D ie Beschw erdeführerin kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen und unterliegt aufgrund ihrer N ationalität den Visum sbestim m ungen (vgl. Art. 1 - 5 VEA). 4.1 Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten W iederausreise können sich aus der allgem einen Lage im H erkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw . R egionen m it politisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise un- günstigen Verhältnissen können darauf hindeuten, dass die persönliche In- teressenlage in solchen Fällen nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 4.2 Trotz grosser internationaler U nterstützung ist es bisher nicht gelungen, im Kosovo eine W achstum sdynam ik einzuleiten; es herrscht w irtschaftliche Stagnation. D ie Arbeitslosigkeit bleibt hartnäckig hoch, sind doch m ehr als die H älfte der Erw erbsfähigen ohne oder zum indest ohne regelm ässiges Einkom m en. D ie soziale Lage ist für w eite Teile der Bevölkerung unbefrie- digend. Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die versuchen nach W est- europa und hier unter anderem auch in die Schw eiz zu gelangen, um sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz aufzubauen. D iese Tendenz zur Ausw anderung zeigt sich erfahrungsgem äss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen, die bereits über ein m ini- m ales soziales Beziehungsnetz im Ausland (Verw andte oder Freunde) ver- fügen. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven frem den- polizeilichen Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländer- rechtlicher Bestim m ungen. 4.3 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch, w ie unter Ziffer 3 ausgeführt, säm tliche G e- sichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W ie-5 derausreise begünstigen. Andererseits m uss bei G esuchstellern, die in der H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m ög- lichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 4.4 Bei der R ekurrentin handelt es sich um eine 30-jährige ledige Frau, w elche sich w eiterhin in Ausbildung befindet und som it beruflich (noch) nicht in der Arbeitsw elt integriert ist. Aus den nachgereichten Bestätigungen (vgl. Bst. H des Sachverhalts) geht diesbezüglich näm lich hervor, dass die Be- schw erdeführerin nach Beendigung ihres rechtsw issenschaftlichen Studi- um s an der U niversität von Pristina an besagter H ochschule ein M asterstu- dium in Internationalen Beziehungen aufgenom m en hat und gleichzeitig am G em eindegericht in D ._______ ein Praktikum absolviert. Sie verfügt som it im Kosovo fraglos w eder über besondere berufliche Verpflichtungen noch über fam iliäre Verantw ortlichkeiten, die sie ernsthaft von einer Em i- gration abzuhalten verm öchten, zum al sie m it dem R ekurrenten – sei er nun ihr O nkel oder C ousin – bereits über eine Bezugsperson in der Schw eiz verfügt. Berücksichtigt m an zudem die oben erw ähnte allgem eine w irtschaftliche Lage im H eim atland, dürften die m ittelfristigen Zukunftsaussichten der Be- schw erdeführerin zum indest als schw ierig einzustufen sein. Ihr Einw and, sie w olle in den Kosovo zurückkehren, um m it ihren Studien fortzufahren, m uss daher als nicht ausschlaggebend bezeichnet w erden; dies um so w e- niger, als ebenfalls die Schw eizerische Vertretung in Pristina, w elche m it den sozialen, w irtschaftlichen und politischen Verhältnissen im H erkunfts- staat der Ausländerin gut vertraut ist und sich som it durchaus ein Bild der Einreisew illigen m achen kann, Bedenken bezüglich der anstandslosen W iederausreise äusserte und daher die Einreisebew illigung form los ver- w eigerte. 4.5 N ach dem G esagten durfte die Vorinstanz davon ausgehen, die W ieder- ausreise der Beschw erdeführerin sei im Sinne der m assgeblichen Bestim - m ungen nicht gesichert. Zw ar liess sich diese Prognose nicht zu einer ge- sicherten Feststellung verdichten; sie reichte aber aus, um die Erteilung ei- nes Einreisevisum s – auf das, w ie erw ähnt, ohnehin kein R echtsanspruch besteht – abzulehnen. D aran ändert auch die Tatsache nichts, dass der R ekurrent und seine Ehefrau für die R ückreise ihres G astes garantiert hät- ten, denn eine solche G arantie ist trotz bester und ehrlicher Absichten nicht m öglich bzw . rechtlich nicht durchsetzbar (vgl. Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 57.24). D ie Abw ägung der für und gegen eine W ie- derausreise sprechenden G esichtspunkte obliegt allein der zuständigen Behörde; die G astgeber in der Schw eiz haben darauf keinen Einfluss. W ie bereits m ehrfach betont, ist bei der Beurteilung von Einreisebegehren in erster Linie auf das U m feld bzw . die (persönlichen) Verhältnisse der einge- ladenen Personen – und nicht der G astgeber – abzustellen. 4.6 Sow eit die R ekurrentin schliesslich vorbringt, Bekannte von ihr hätten ein 6 Besuchervisum erhalten, gilt es darauf hinzuw eisen, dass sich m angels näherer Angaben einerseits nicht eruieren lässt, unter w elchen U m ständen den fraglichen Personen in der Vergangenheit eine Einreisebew illigung er- teilt w urde. Andererseits w eist jeder Einzelfall – w ie vorliegend belegt – eine ihm eigene und spezifische Konstellation auf, so dass er nicht ohne w eiteres m it anderen, angeblich gleich gelagerten Fällen verglichen w er- den kann. 5. N ach dem G esagten ist som it nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das öffentliche Interesse sow ie die Beachtung der geltenden Bestim - m ungen entsprechend gew ichtete und der Beschw erdeführerin die Einrei- se verw eigerte. D ie angefochtene Verfügung verletzt daher Bundesrecht nicht. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und vollständig fest- gestellt, und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Erm essen pflichtge- m äss und zutreffend gehandhabt (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist dem zufolge abzuw eisen. 6. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w erden die unterliegenden Beschw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrens- kosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006, [VG KE, SR 173.320.2]). D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erden w erden abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden den Beschw erdeführern aufer- legt. Sie sind durch den am 20. Septem ber 2006 geleisteten Kostenvor- schuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. 2 235 745 retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf D aniel Brand Versand am :