#ST# Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Frauensession - Session des femmes 1991 7. und 8. Februar-Nationalratssaal 7 et 8 février - Salle du Conseil national #ST# Erste Sitzung - Première séance Donnerstag, 7. Februar 1991 Jeudi 7 février 1991 15.00h Vorsitz - Présidence: Frau Elisabeth Blunschy-Steiner Frau Monika Stocker unterbreitet im Namen der Arbeits- gruppe «Frauensession 91» den folgenden schriftlichen Be- richt: 1. Die Geschichte Am 7. Februar 1971 wurde, nach einem gescheiterten Versuch im Jahre 1959, das Frauenstimm- und -Wahlrecht von Volk und Ständen angenommen. Ein jahrzehntelanger Kampf um die politischen Rechte der Schweizer Frauen fand damit einen vorläufigen Abschluss. Nach den eidgenössischen Wahlen vom Oktober 1971 zogen die ersten 11 Frauen ins eidgenössi- sche Parlament ein. Der Kampf um die rechtliche Gleichstellung in allen Belangen wurde 1975 mit der Lancierung der Initiative für gleiche Rechte aufgenommen und fand mit der Abstimmung vom 14. Juni 1981, also gut 10 Jahre später, seinen ebenfalls vorläufigen Ab- schluss. Das Rechtsetzungsprogramm des Bundesrates vom 26. Fe- bruar 1986 wurde von beiden Kammern mit grossmehrheitli- cher Zustimmung verabschiedet. Was sich hier als Aufzählung markanter Daten präsentiert, war im realen gesellschaftspolitischen Alltag eine Schwerarbeit. Frauen aus allen Schichten, aus Parteien, Gruppierungen, Verbänden sowie auch Einzelkämpferinnen, arbeiteten über Jahre hinweg in vielen harten Arbeitsstunden an Tagungen, auf Kongressen, mit Strassenaktionen usw. für ihre selbstver- ständlichen Ziele. Es war ja nicht nur die- meist unentgeltliche - Arbeit, die ihre Kräfte forderte und oft bis zur Erschöpfung verbrauchte; es waren vor allem auch die gesellschaftspoliti- schen Herausforderungen, die provozierten. Frauen, die selb- ständig und selbstbewusst ihre Rechte reklamieren und damit öffentlich werden, sehen sich verschiedensten Diffamierun- gen in Männer- und Frauenkreisen ausgesetzt, wie sie auf Ab- stimmungsplakaten jener Jahre, in Zeitungsartikeln und heute noch in Gesprächen auftauchen: öffentliche Frauen sind un- seriös, Emanzen, Männerfeindinnen, schlechte Mütter und wie die Klischees auch sein mögen. Mit Hartnäckigkeit und Unbeirrbarkeitverfolgten die Frauen ihr Ziel. 2. Und 1991? Wenn sich die Schweiz anschickt, ihren 700jährigen Geburts- tag zu feiern, so ist der Zeitpunkt gekommen, die beiden «Frauendaten» (7. Februar 1971 und 14. Juni 1981), also ein 20- und ein 10jähriges Jubiläum, daneben zu stellen und über den inneren und äusseren Zusammenhang von 700 - 20 -10 nachzudenken. Der innere Wirkungszusammenhang dieser drei Zahlen scheint uns wichtig genug, um öffentlich darüber zu diskutieren. 2.1 Von der Idee zum Konzept In der parlamentarischen Arbeitsgruppe für die 700-Jahr-Feier des Parlamentes brachte die Berichterstatterin die Idee ein, eine Frauensession zum Anlass des 20jährigen Bestehens des Stimm- und Wahlrechts der Frauen zu veranstalten. Der Vorschlag wurde akzeptiert. Eine interfraktionell zusammen- gesetzte Frauenarbeitsgruppe (jede Fraktion, in der Frauen vertreten sind, delegierte eine Frau) machte sich an die Arbeit, die Idee zu konkretisieren. Es war uns Frauen schnell klar, dass eine Frauensession ein Mittel sein könnte, um die politische Gleichstellung formell zu dokumentieren, aber auch die Forderungen über die Parla- mentsarbeit hinaus wieder einmal in alle Frauenbeziehungs- netze hineinzutragen. Das Programm einer eineinhalbtägigen Frauensession soll aber auch unser Selbstverständnis gegenüber einer breiten Bewegung von Frauen in den Nachbarländern und weltweit zeigen. Die Session soll festlich werden, nachdenklich und vorausblickend stimmen. So wurde aus der Idee ein Pro- gramm geboren. 3. Ziele Eine Frauensession verändert nicht die Welt. Sie kann aber eine symbolische Dokumentation von drei wichtigen Anliegen sein: 3.1 Dank Wir möchten den Frauen der Stimmrechtsbewegung, den par- lamentarischen Pionierinnen, auf allen Ebenen danken für ih- ren Durchhaltewillen. 3.2 Demonstration Es gibt ein Frauenbeziehungsnetz in der Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus. Es ist nicht die noch zu geringe Zahl der Parlamentarierinnen allein, die die Frauenpolitik in der Schweiz vertreten, sondern es besteht ein vielfältiges, viel- schichtiges Netz von Frauen in Verbänden, Gruppen, sozialen Bewegungen, thematischen Arbeitsgruppen, Gewerkschaf- ten, von Kulturschaffenden, Kirchenmitarbeiterinnen usw. Die Vielfalt zeigt sich auch in der Parteipolitik, altersmässig, im Ar- beitsstil - sie stellt gerade dadurch einen Reichtum dar. Wir möchten dazu beitragen, diese Beziehungen zu festigen und auszubauen. 3.3 Impuls Wir laden alle Frauen ein, ob organisiert oder nicht, ob alt oder jung, sich 1991 auf ihre Geschichte, ihre aktuelle Situation und ihre Zukunftsvisionen zu besinnen. Es ist unser Wunsch, dass vom Impuls der Frauensession her landauf, landab sichSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Titelblatt Frontispice Frontispizio In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1991 Année Anno Band - Volume Volume Session Frauensession Session Session des femmes Sessione Sessione delle donne Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 00 Séance Seduta Geschäftsnummer --- Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 07.02.1991 Date Data Seite 1-1 Page Pagina Ref. No 20 019 564 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. 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