Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 16. Januar 2019 (810 18 40) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Erlöschen der Niederlassungsbewilligung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Claude Jeanneret, Hans Furer, Daniel Ivanov, Stefan Schulthess, Gerichtsschreiberin i.V. Sarah Rivoli Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Ozan Polatli, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Erlöschen der Niederlassungsbewilligung (RRB Nr. 99 vom 23. Januar 2018) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ (geb. 1958) r eiste am 13. September 1984 in die Schweiz ein und erhielt in der Folge eine Aufent haltsbewilligung, die später in eine Nieder- lassungsbewilligung umgewandelt wurde. Mit seiner dama ligen Ehefrau, B.____ (geb. 1966), geborene C.____, hat A.____ einen Sohn namens D.____ (geb. 1985) und eine Tochter na- mens E.____ (geb. 1990). A.____ bezieht seit dem 1. Jan uar 1998 eine Rente der Invaliden- versicherung. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Schreiben vom 22. März 2007 teilte das Amt für Migration des Kantons Basel- Landschaft (AfM) A.____ mit, es sei im Herbst 2006 darü ber informiert worden, dass er sich mehrheitlich in der Türkei aufhalte und dort einer E rwerbstätigkeit nachgehe. Weiter hielt das AfM fest, dass es in diesem Zusammenhang von Amtes wege n Abklärungen getroffen habe und nach Abwägung sämtlicher Tatsachen zum Schluss gekomm en sei, dass er sich in den letzten Jahren wiederholt in seinem Heimatland aufgeh alten habe. Ob A.____ seinen Lebens- mittelpunkt in die Türkei verlegt hatte, konnte das A fM jedoch nicht zweifelsfrei feststellen. Dementsprechend klärte das AfM A.____ im genannten Schr eiben darüber auf, dass eine Ver- legung des Lebensmittelpunktes ins Ausland oder ein ununt erbrochener sechsmonatiger Aus- landaufenthalt zwangsläufig zum Erlöschen der Niederla ssungsbewilligung führe. Zudem bat das AfM A.____ darum, sich bei der Einwohnerkontrolle s einer Wohngemeinde abzumelden, sollte er seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt haben. C. Am 23. März 2010 liessen sich A.____ und B.____ scheid en. Ab dem 1. Januar 2011 waren A.____ sowie sein Sohn D.____ in der Gemeinde F.____ an der X.____strasse ange- meldet. Am 11. September 2011 heiratete A.____ in d er Türkei die türkische Staatsangehörige G.____ (geb. 1965), welche nach der Eheschliessung in der Türkei verblieb. D. Mit Schreiben vom 29. Oktober 2013 forderte die A bteilung Einwohnerdienste der Ge- meinde F.____ A.____ auf, sich in F.____ ab- bzw. umzu melden, da er nie an der X.____strasse in F.____ gewohnt habe. Seit dem 1. Feb ruar 2014 ist A.____ in der Gemeinde H.____ am Y.____weg angemeldet. Sein Sohn D.____ ist dort bereits seit dem 1. Oktober 2013 angemeldet. E. Ein Bericht der Polizei Basel-Landschaft (Polizei) vom 11. Februar 2015, wonach A.____ im Rahmen eines Betreibungsverfahrens auf mehrm aliges Erscheinen der Polizei an seinem Wohnort am Y.____weg in H.____ nie habe anget roffen werden können, veranlasste das AfM erneut zu Aufenthaltsabklärungen. Mit Schreiben vom 18. Februar 2015 setzte das AfM A.____ darüber in Kenntnis. Daraufhin reichte A.____ unter anderem eine Kopie einer Sei- te seines Reisepasses mit diversen Ein- und Ausreisestempel ungen ein, die belegen sollten, dass er nicht länger als sechs Monate im Ausland gewesen s ei. Mit Schreiben vom 19. März und 22. April 2015 forderte das AfM A.____ auf, seine n Aufenthalt seit Februar 2014 detailliert zu belegen. F. Mit Schreiben vom 14. April 2016 teilte das AfM A._ ___ mit, dass polizeiliche Ermitt- lungen ergeben hätten, dass er seinen Lebensmittelpunkt seit mindestens 1. Januar 2011 nicht mehr in der Schweiz habe, weshalb erwogen werde, da s Erlöschen seiner Niederlassungsbe- willigung zu verfügen. Hierzu wurde A.____ das rechtl iche Gehör gewährt und er wurde gleich- zeitig um die Beantwortung einiger Fragen sowie um die Einreichung diverser Unterlagen gebe- ten. Mit separatem Schreiben wandte sich das AfM zudem an D.____ mit der Bitte, das erwähn- te Schreiben seinem Vater weiterzuleiten, sollte es diesem nicht möglich sein, den Brief persön- lich entgegenzunehmen. Da eine entsprechende Stellun gnahme ausblieb, gewährte das AfM A.____ mit Schreiben vom 15. März 2017 erneut das rechtliche Gehör, indem es das Schreiben Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht an dessen Adresse in der Türkei sandte. In der Folge n ahm A.____ die Gelegenheit zur Stel- lungnahme mit Schreiben vom 31. März 2017 wahr. G. Am 12. Juli 2017 verfügte das AfM das Erlöschen der N iederlassungsbewilligung von A.____ sowie dessen Ausreise aus der Schweiz bis zum 15. August 2017. H. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Ozan Polatli, Advokat, mit Ein- gabe vom 15. August 2017 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). I. Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit Beschluss Nr. 2018-99 vom 23. Janu- ar 2018 ab und ordnete die Ausreise von A.____ inner t 30 Tagen ab Rechtskraft des Ent- scheids an. J. Mit Eingabe vom 5. Februar 2018 erhob A.____, wei terhin vertreten durch Ozan Polatli, Advokat, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht (Kantonsgericht). Der Beschwerdeführer bea ntragt die Aufhebung des Regie- rungsratsentscheids Nr. 2018-99 vom 23. Januar 2018 sowi e die Belassung der Niederlas- sungsbewilligung. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer die Aufenthaltsbewilligung zu ertei- len. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeu rteilung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen; alles unter o/e-Kostenfolge. Am 11. April 2018 re ichte der Beschwerdeführer die Be- schwerdebegründung ein. K. Der Regierungsrat beantragt in seiner Vernehmlassung vom 6. Juni 2018 die Abwei- sung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. L. Mit Verfügung vom 25. Juli 2018 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung überwie- sen und die Beweisanträge des Beschwerdeführers auf Part ei- und Zeugenbefragung wurden abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Der Beschwe rdeführer ist Adressat des ange- fochtenen Entscheids und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die vorliegen- de Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nach § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Demgegenüber ist dem Kantonsgericht die Überprü fung der Angemessenheit im vorlie- genden Fall verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Vorinstanzen aufgrund der Auslandaufenthalte des Beschwerdeführers in der Türkei zu Recht vom Erlöschen seiner Niederlassungsbewilligung ausgegangen sind. 4.1 Verlässt eine niederlassungsberechtigte Person die Sch weiz, ohne sich abzumelden, erlischt die Niederlassungsbewilligung nach sechs Monaten (Art. 61 Abs. 2 Satz 1 des Bundes- gesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration [AIG] vom 16. De- zember 2005 [bis 31. Dezember 2018 und soweit im Folge nden die altrechtliche Fassung mas- sgeblich ist: AuG]). Auf Gesuch hin kann sie während vier Jahren aufrechterhalten werden (Art. 61 Abs. 2 Satz 2 AuG), wobei das Gesuch gemäss Art . 79 Abs. 2 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 vor Ablauf der sechsmonatigen Frist eingereicht werden muss. Dauert der t atsächliche Aufenthalt im Ausland länger als sechs Monate, erlischt die Niederlassungsbewilligung unabhängig von den Ursachen, Motiven oder Absichten der betroffenen Person im Zusamm enhang mit ihrer Landesabwesen- heit (Urteile des Bundesgerichts 2C_461/2012 vom 7. November 2012 E. 2.4.1 und 2C_609/2011 vom 13. April 2012 E. 3.2, je mit Hinwei sen). Es genügt, wenn sich die ausländi- sche Person während sechs aufeinanderfolgenden Monaten fortwährend im Ausland aufhält (BGE 120 Ib 396 E. 2c). 4.2 Eine gesamthaft sechs Monate dauernde Abwesenheit mit Unterbrüchen lässt die Nie- derlassungsbewilligung nicht erlöschen. Wenn die auslän dische Person den Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen jedoch ins Ausland verlegt hat, wird d ie sechsmonatige Frist durch vo- rübergehende Besuchs-, Tourismus- oder Geschäftsaufenthal te in der Schweiz nicht mehr un- terbrochen (vgl. Art. 79 Abs. 1 VZAE; BGE 120 Ib 369 E. 2c-d mit Hinweisen; Urteil des Bun- desgerichts 2C_1035/2017 vom 20. Juli 2018 E. 3.2). Be i solchen Aufenthalten in der Schweiz kann in der Regel nicht von einer Unterbrechung der Lan desabwesenheit gesprochen werden, unter Umständen selbst dann nicht, wenn der Ausländer i n der Schweiz noch eine Wohnung zur Verfügung hat (Urteil des Bundesgerichts 2A.380/20 03 vom 29. August 2003 E. 2.3). Somit erlischt die Niederlassungsbewilligung wegen Aufenthaltsunterbruchs auch dann, wenn die aus- ländische Person während eines grösseren Zeitraums lan desabwesend ist, jeweils vor Ablauf von sechs Monaten für beschränkte Zeit in die Schweiz zurü ckkehrt, dies aber bloss zu Be- suchszwecken tut. Bei solchen Verhältnissen werden daher nic ht etwa die (verschiedenen) Ausreisezeitpunkte, sondern vielmehr die Frage nach dem Lebensmittelpunkt zum ausschlag- gebenden Kriterium (Urteil des Bundesgerichts 2C_405/20 15 vom 23. Oktober 2015 E. 2.2 mit Hinweisen). 5.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdefü hrer der Schweiz nie länger als sechs aufeinanderfolgende Monate ferngeblieben ist. Strittig und zu prüfen ist hingegen, ob der Beschwerdeführer seinen Lebensmittelpunkt in die Türkei verlegt hat, mit der Folge, dass seine Niederlassungsbewilligung durch die zeitweilige Landesabwesenheit von Gesetzes wegen erlo- schen ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Der Beschwerdegegner erwog im angefochtenen Entsch eid, dass sich der Lebensmit- telpunkt des Beschwerdeführers spätestens seit Mitte 201 5 im Ausland befinde. Seitens der Behörden bestünden seit Jahren Zweifel im Zusammenha ng mit dem Aufenthaltsort des Be- schwerdeführers. Dieser sei verschiedene Male über läng ere Zeiträume an seiner aktuellen Wohnadresse in H.____, wo er zusammen mit seinem Sohn angemeldet sei, sowie an seiner vorherigen Wohnadresse in F.____, nicht anzutreffen ge wesen. Auch seien behördliche Mittei- lungen aufgrund seiner Abwesenheit während Monaten nicht zustellbar gewesen oder allenfalls von seinem Sohn entgegengenommen worden. Der Sohn habe ausserdem gegenüber der Poli- zei mehrfach angegeben, dass sich sein Vater auf unbestim mte oder für längere Zeit in der Türkei in den Ferien befinde. Die polizeiliche Befragu ng diverser Hausbewohner sowohl an der Wohnadresse in H.____ als auch an der Wohnadresse in F._ ___ habe ergeben, dass der Be- schwerdeführer – bis auf eine Person – von niemandem al s Nachbar erkannt worden sei. Auch der Liegenschaftsverwaltung des Mehrfamilienhauses in H. ____ sei nicht bekannt gewesen, dass der Beschwerdeführer dort wohne, zumal lediglich de ssen Sohn im Mietvertrag aufgeführt sei. Den im Rahmen des rechtlichen Gehörs eingereichten Mietverträgen, worin der Sohn als angeblicher Vermieter und der Beschwerdeführer als an geblicher Mieter eingetragen seien, fehle jegliche Rechtsgültigkeit. Aus den vonseiten des Beschwerdeführers eingereichten Flug- bestätigungen ergebe sich zweifelsohne, dass dieser sich zwi schen dem 1. Juli 2015 und dem 1. März 2017, also über einen Zeitraum von 20 Monaten , insgesamt lediglich 36 Tage in der Schweiz aufgehalten habe. Spätestens seit Anfang Juli 2015 sei der Beschwerdeführer nach- weislich lediglich für kurzzeitige Besuche von fünf bis a cht Tagen in die Schweiz gekommen. Danach habe er sich jeweils wieder für mehrere Monate i n seine Heimat begeben. Auffallend sei in diesem Zusammenhang, dass die Flugbuchungen immer von der Türkei aus erfolgt seien. Die Dauer des Aufenthalts in der Schweiz habe der Beschwe rdeführer dabei stets im Voraus terminiert, indem er die Buchung des Hinflugs in die Schweiz gleichzeitig mit dem Rückflug in die Türkei vorgenommen habe. Angesichts dieser Ausführu ngen dränge sich der Schluss auf, dass sich der Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers (mit ü berwiegender Wahrscheinlich- keit) in der Türkei befinde, wo er sein eigentliches soziales Leben pflege und wo letztlich auch seine Ehefrau lebe, die einen weiteren gewichtigen B ezugspunkt zur Türkei darstelle. Bis auf seine hier lebenden volljährigen Kinder würden zur S chweiz nicht annähernd gleichwertige Be- zugspunkte bestehen, vor allem nicht solche beruflicher od er sozialer Art. Obschon der Be- schwerdeführer seit über 33 Jahren in der Schweiz lebe, liessen vor diesem Hintergrund auch seine eingeschränkten Deutschkenntnisse sowie die Tatsache, dass er es vorziehe, sich – ohne entsprechende Indikation – regelmässig in seiner Heimat medizinisch behandeln zu lassen, obwohl er hier krankenversichert sei, objektiv darauf schli essen, dass sich der Schwerpunkt seiner Lebensbeziehungen in der Türkei befinde. Aufgru nd der vorhandenen Indizien könne spätestens seit Mitte 2015 davon ausgegangen werden, da ss die Anwesenheit in der Schweiz jeweils nur von relativ kurzer Dauer gewesen sei und de r Beschwerdeführer sich seither gröss- tenteils im Ausland aufhalte. Die Verlegung des Leben smittelpunktes in die Türkei habe zur Folge, dass die Niederlassungsbewilligung des Beschwerde führers von Gesetzes wegen erlo- schen sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, dass seine Niederlassungsbewilligung zu keinem Zeitpunkt erloschen sei und sein Lebensmittelpunkt in der Schweiz liege. Aus der Tat- sache, dass er an seiner Wohnadresse mehrfach nicht habe angetroffen werden können, könne nicht abgeleitet werden, dass er seinen Wohnsitz in die Türkei verlegt habe. Die Polizei könne Erwerbstätige auch nicht immer zu Hause antreffen. Zu dem habe er das Recht, seine Freizeit so zu gestalten, wie er wolle. Er müsse nicht immer zu Ha use bleiben. In Bezug auf die Aussa- ge seines Sohnes, dass er sich auf unbestimmte oder für lä ngere Zeit in der Türkei in den Feri- en befinde, sei festzuhalten, dass dieser sich damals auf grund der Trennung von seiner Ehe- frau in einer Depression befunden habe. Zudem habe s ein Sohn seine Arbeitsstelle verloren, weshalb er seine Rechnungen nicht mehr habe bezahlen können und ständig betrieben worden sei. Sein Sohn habe weder den Betreibungsbeamten noch seiner Mutter die Tür geöffnet und habe endlich in Ruhe gelassen werden wollen, weshalb er den Polizisten tatsachenwidrig ge- sagt habe, dass sein Vater für längere Zeit in die Tür kei gereist sei. Des Weiteren könne es nicht sein, dass die Liegenschaftsverwaltung seiner Wohnung in H.____ noch nie etwas von ihm gehört habe. Schliesslich bezahle er nachweislich den Mietzins und der Vermieter habe ihn gesehen, wenn in der Wohnung Reparaturen vorgenommen worden seien. Bezüglich der medi- zinischen Behandlungen in der Türkei habe der Beschwerdegegner ausser Acht gelassen, dass Therapien in der Muttersprache effektiver seien. Ausser dem sei festzuhalten, dass er während seinen medizinisch indizierten Aufenthalten in der Türkei nicht bei seiner Ehefrau, sondern bei seinem Bruder wohne. Seine Ehefrau lebe zwar in der T ürkei und er habe noch nie mit ihr zu- sammengelebt, sie würden dies jedoch beide auch nicht w ollen. Engere Beziehungen als zu seinem Bruder und zu seiner Ehefrau habe er zu seinen b eiden Kindern und den beiden Enkel- kindern, die alle in der Schweiz leben würden. Seine T ochter habe ihn regelmässig zu den Be- sprechungen mit seinem Anwalt begleitet und mit seinem Sohn wohne er sogar seit mehreren Jahren zusammen. 5.4.1 Wie der Beschwerdegegner zutreffend festhält, ge ht aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Flugbestätigungen hervor, dass dieser zwi schen dem 1. Juli 2015 und dem 1. März 2017 jeweils nur für kurzzeitige Besuche von 5 bi s 8 Tagen in die Schweiz gereist ist. Die Buchungen erfolgten dabei stets von der Türkei aus und die Dauer des Aufenthalts in der Schweiz war insofern vorbestimmt, als der Rückflug in die Türkei jeweils gleichzeitig mit dem Hinflug in die Schweiz gebucht wurde. Gestützt auf die fraglichen Flugbestätigungen ist mit dem Beschwerdegegner davon auszugehen, dass sich der Beschwer deführer zwischen dem 1. Juli 2015 und dem 1. März 2017, d.h. über einen Zeitraum von 20 Monaten, an insgesamt lediglich 36 Tagen in der Schweiz aufgehalten hat. Dies bildet e in gewichtiges Indiz, dass sich der Mit- telpunkt der Lebensbeziehungen des Beschwerdeführers ni cht in der Schweiz, sondern in der Türkei befindet. 5.4.2 Hinzu kommt, dass die Ehefrau des Beschwerdeführe rs in der Türkei lebt und sich der Beschwerdeführer regelmässig in der Türkei medizinisch be handeln lässt, obwohl er in der Schweiz krankenversichert ist. Letzteres ergibt sich aus den vom Beschwerdeführer eingereich- ten Behandlungsbestätigungen sowie Medikamentenrezept en von Ärzten und Spitälern in der Türkei. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass Therapien in der Muttersprache ef- fektiver seien, mag dies zutreffen, ändert jedoch nichts a m Umstand, dass die medizinische Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Behandlung des Beschwerdeführers in der Türkei – ohne zwingende Indikation – ein weiteres Indiz darstellt, dass sich dessen Lebensmittelpunkt in der Türkei befindet. 5.4.3 Diese Annahme wird zudem durch die Ergebnisse de r von der Polizei durchgeführten Aufenthaltsabklärungen bestätigt. Gemäss dem Polizeiber icht vom 2. Juni 2015 ist der Be- schwerdeführer zwar seit dem 1. Februar 2014 ordnungsgem äss in H.____ am Y.____weg an- gemeldet und wohnt dort formell zusammen mit seinem 3 3-jährigen Sohn in derselben Miet- wohnung. Vor Ort erkannte ihn jedoch unter Vorlage ei ner Fotografie bis auf eine Person keine bzw. keiner von acht befragten Mieterinnen und Mieter n. Von dem einen Nachbarn, der den Beschwerdeführer auf der Fotografie identifizieren konnte, wurde er am Y.____weg lediglich ein bis zwei Mal gesehen, das letzte Mal ungefähr vor einem Jahr. Hinzu kommt, dass der Sohn des Beschwerdeführers gegenüber der Polizei mehrfach angab, dass sein Vater für unbestimm- te Zeit in der Türkei in den Ferien weile. Soweit de r Beschwerdeführer geltend macht, sein Sohn habe sich im damaligen Zeitpunkt in einer schwieri gen Lebensphase befunden und end- lich in Ruhe gelassen werden wollen, weshalb er tatsache nwidrig behauptet habe, sein Vater sei für längere Zeit in die Türkei gereist, erscheint di es als wenig glaubhaft bzw. als reine Schutzbehauptung. Dem Polizeibericht vom 2. Juni 2015 ist weiter zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer auch bei der Liegenschaftsverwaltung des besagten Mehrfamilienhauses in H.____ nicht bekannt ist. Diese bestätigte zudem gegen über der Polizei, dass der Mietvertrag allein auf den Sohn des Beschwerdeführers laute. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er bezahle nachweislich den Mietzins für die Wohnung am Y.____weg in H.____, kann er dar- aus nichts zu seinen Gunsten ableiten, vermag dieser Um stand doch nichts über seine physi- sche Anwesenheit in der Schweiz auszusagen. Die regelmässige Bezahlung des Mietzinses durch den Beschwerdeführer wurde überdies im vorliegen den Verfahren nur unvollständig be- legt. Auch die Ergebnisse der polizeilichen Aufenthalt sermittlung am ehemaligen Wohnort des Beschwerdeführers, an der X.____strasse in F.____, wo e r vom 1. Januar 2011 bis 31. Januar 2014 angemeldet war, stützen die Annahme, dass der Besc hwerdeführer seinen Lebensmittel- punkt in der Schweiz aufgegeben hat. Gemäss Polizeiberich t vom 26. Oktober 2015 wurde der Beschwerdeführer auch an dieser Wohnadresse von zwei befragten Personen, die zur gleichen Zeit wie er dort wohnhaft waren, unter Vorlage einer Fotografie nicht erkannt. Ausserdem bestä- tigte auch die Liegenschaftsverwaltung der Wohnung in F.____, dass der Mietvertrag nur auf den Sohn des Beschwerdeführers gelautet habe. 5.4.4 Angesichts der eindeutigen Indizienlage ist der Be schwerdegegner zu Recht davon ausgegangen, dass sich der Lebensmittelpunkt des Beschwerdef ührers spätestens seit Anfang Juli 2015 nicht mehr in der Schweiz, sondern in der Türkei befindet. 5.4.5 Was die Beweisanträge des Beschwerdeführers auf P arteibefragung und Befragung seines Sohnes als Zeuge anbelangt, so ist festzustellen, da ss angebotene Beweise nicht abge- nommen werden müssen, wenn sie von vornherein am festgestellten Ergebnis nichts zu ändern vermögen (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 130 II 425 E. 2.1 mit Hinweisen). Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen (E. 5.4.1 ff.) ist e rstellt, dass der Beschwerdeführer seinen Lebensmittelpunkt dauerhaft in die Türkei verlegt hat. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Aus- sagen des Beschwerdeführers und seines Sohnes etwas an diese r Schlussfolgerung ändern Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht könnten. Die entsprechenden Beweisanträge des Beschwerdef ührers auf Partei- und Zeugen- befragung sind demnach in antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen. 5.5 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalte n, dass die Niederlassungsbe- willigung des Beschwerdeführers aufgrund der Verlegung seines Lebensmittelpunktes in die Türkei spätestens Anfang Juli 2015 von Gesetzes wegen erloschen ist. Soweit die Vorinstanzen von der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung abgese hen haben, legt der Beschwerdeführer nicht substantiiert dar, inwiefern in diesem Zusammenhang eine Rechtsverletzung vorliegen soll und eine solche ist auch nicht ersichtlich. Die Beschwerde ist demnach vollumfänglich abzuwei- sen. 6.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht ko stenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Ab s. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem unter liegenden Beschwerdeführer aufzuer- legen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. 6.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug einer Anwältin bzw. eines Anwalts eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Parteikosten sind demnach wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.