B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5469/2016 U r t e i l v o m 1 7 . A u g u s t 2 0 1 8 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiberin Nira Schidlow. Parteien A._______, geboren am (…), Kamerun, vertreten durch Alfred Ngoyi Wa Mwanza, BUCOFRAS Consultation juridique pour étrangers, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. August 2016 / N (…). D-5469/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger von Kamerun, welcher ge- mäss eigenen Angaben zufolge ein ethnischer Ngie aus B._______, (…) ist – ersuchte am 9. Dezember 2013 um die Gewährung von Asyl in der Schweiz, worauf am 10. Dezember 2013 von der Flughafenpolizei die Be- fragung zur Person durchgeführt wurde. Die einlässliche Anhörung zu den Gesuchsgründen fand schliesslich am 23. Dezember 2013 statt. Der Beschwerdeführer kontaktierte die Flughafenpolizei am 9. Dezember 2013 im Transitbereich des Flughafens Zürich, um ein Asylgesuch einzu- reichen. Dabei machte er geltend, C._______ zu heissen, am (…) geboren worden zu sein und aus Kamerun zu stammen. Die Flughafenpolizei stellte jedoch fest, dass der Beschwerdeführer mit einem kamerunischen Pass, lautend auf A._______, geboren am (…), nach Zürich geflogen war. Damit konfrontiert, bestätigte der Beschwerdeführer, zu Beginn falsche Angaben gemacht zu haben. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen da- mit, dass er homosexuell sei. Dies sei in Kamerun sowohl illegal als auch geächtet. Am (…) 2012 habe er seinen damaligen Freund unter dem Ein- fluss von Alkohol auf offener Strasse geküsst, weshalb sie verhaftet worden seien. Nachdem er drei Wochen unter miserablen Bedingungen in Haft ge- wesen sei, sei ihm mit Hilfe eines bestochenen Polizisten die Flucht gelun- gen. Bis zu seiner Ausreise aus Kamerun habe er sich bei einem Agenten aufgehalten, welcher ihm seine Flucht und ein britisches Studentenvisum organisiert habe. Mit dem Visum sei er nach London geflogen, wo er im (…) 2013 ein Asylgesuch gestellt habe. Allerdings sei dieses abgewiesen worden, weshalb er England am (…) 2013 per Flugzeug habe verlassen müssen. Nach der Landung in D._______, Kamerun, sei er wiederum ver- haftet worden. Am (…) 2013 habe er abermals aus dem Gefängnis ent- kommen können, worauf er erneut aus Kamerun geflohen sei. Dieses Mal sei er in die Schweiz gereist. Er bitte um Asyl, da er Angst habe, dass er bei einer Rückkehr in die Heimat aufgrund seiner Homosexualität abermals verhaftet würde und ins Gefängnis käme. Zur Stützung seiner Vorbringen hatte der Beschwerdeführer im Rahmen des Asylverfahrens in Grossbritannien einen Haftbefehl der Staatsanwalt- schaft E._______ vom (…) 2012 sowie einen Artikel der Zeitung „The Re- corder“ vom (…) 2013 eingereicht (act. A93). Im Rahmen des vorinstanzli- chen Asylverfahrens reichte der Beschwerdeführer zudem ein undatiertes D-5469/2016 Seite 3 Schreiben eines Anwalts namens F._______ sowie verschiedene Fotos als Beweismittel zu den Akten (act. A43, A71, A104). B. Mit Entscheid vom 9. August 2016 wies das SEM das Asylgesuch ab, ver- fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Es begründete dies im Wesentlichen damit, dass die vom Be schwerdeführer geltend gemachten Vorbringen widersprüchlich und nicht ausreichend sub- stantiiert oder differenziert seien, weshalb weder seine sexuelle Orientie- rung noch die darauf beruhende staatliche Verfolgung glaubhaft seien. C. Mit Eingabe beim Bundesverwaltungsgericht vom 9. September 2016 er- hob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde. Er bean- tragt, den angefochtenen Entscheid des SEM aufzuheben , seine Flücht- lingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei der Entscheid zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht beantragt er die unentgeltliche Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichte er Kopien bereits bekannter Beweismittel ein so- wie zwei Fotos, welche ihn an der Pride in Zürich (der grössten LGBT [Les- bian, Gay, Bisexual, Transgender] Veranstaltung der Schweiz) zeigen. D. Mit Schreiben vom 12. September 2016 bes tätigte das Bundesverwal- tungsgericht den Eingang der Beschwerde vom 9. September 2016. E. Mit Zwischenverfügung vom 16. September 2016 hielt die damalige In- struktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Ver- fahrens in der Schweiz abwarten. Mit gleicher Verfügung hiess sie das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – unter der Voraus- setzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung – gut und setzte dem Beschwerdeführer eine Frist an, um sich zu allfälligen gesundheitli- chen Problemen zu äussern, respektive einen detaillierten, aktuellen Arzt- bericht sowie eine Erklärung einzureichen, mit der er die ihn behandelnden Ärzte dem Bundesverwaltun gsgericht und dem SEM gegenüber von der ärztlichen Schweigepflicht entbinde. F. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 23. September 2016 eine D-5469/2016 Seite 4 Fürsorgebestätigung sowie eine kurze ärztliche Stellungnahme des Psy- chiatriezentrums (…), ein. Er behielt sich zudem vor, in den nachfolgenden Tagen einen detaillierten ärztlichen Bericht nachzureichen. Allerdings reichte er keine Erklärung ein, um die ihn behandelnden Ärzte von der ärzt- lichen Schweigepflicht zu entbinden. G. Das SEM betonte in seiner Vernehmlassung vom 13. Oktober 2016 , im eingereichten Bericht hätten die behandelnden Ärztinnen beim Beschwer- deführer eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) als Folge der erlebten Verfolgung und Folter in seiner Heimat festgestellt. Diese Diag- nose werde aber im Bericht weder näher begründet noch liege mittlerweile der erwähnte ausführliche Bericht vor. Damit und in Unkenntnis der ge- nauen Sachlage, sei es dem SEM zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mög- lich, zur geltend gemachten posttraumatischen Belastungsstörung und den Ausführungen des Rechtsvertreters in de r Beschwerde Stellung zu neh- men. Die Vorinstanz wies zudem darauf hin, welche Voraussetzungen der ausführlichere Bericht erfüllen sollte, um eine genaue Prüfung und somit eine Stellungnahme zu ermöglichen. H. Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2016 wurde dem Beschwerdefüh- rer die Möglichkeit gewährt, innert Frist eine Replik einzureichen, andern- falls Verzicht angenommen werde. Der Beschwerdeführer liess die Frist ungenutzt verstreichen. I. Mit Zwischenverfügung vom 27. Juni 2017 wurde der Beschwerdeführer darauf aufmerksam gemacht, dass der angekündigte ausführliche Arztbe- richt bis heute nicht nachgereicht worden sei. Ihm wurde eine Frist von 30 Tagen eröffnet, um sich zu den geltend gemachten Gesundheitsproblemen zu äussern respektive einen detaillierten, ausführlichen und aktuellen Arzt- bericht sowie eine aktuelle Erklärung einzureichen, mit der er die ihn be- handelnden Ärztinnen und Ärzte von der ärztlichen Schweigepflicht ent- binde. J. Fristgemäss reichte der Be schwerdeführer einen etwas ausführlicheren Bericht des Psychiatriezentrums (…) sowie einige Fotos, allerdings keine Erklärung mit der er die Ärztinnen und Ärzte von der ärztlichen Schweige- pflicht entbinde, zu den Akten. D-5469/2016 Seite 5 K. Das SEM betonte in seiner Vernehmlassung vom 16. August 2017, die ärzt- liche Stellungnahme des Psychiatriezentrums (…) erfülle nicht die in der Zwischenverfügung gemachten Vorgaben, welche nötig wären, um eine genaue Überprüfung der Angaben zu ermöglichen. Die eingereichte Stel- lungnahme vermöge somit in keiner Weise zu belegen , dass der Be- schwerdeführer an P TBS leide und schon gar nicht, dass diese Belas- tungsstörung auf eine Verfolgung als Homosexueller zurückzuführen sei. L. Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2017 wurde dem Beschwerdefüh- rer die Möglichkeit gewährt, innert Frist Stellung zu nehmen , andernfalls Verzicht angenommen werde. Der Beschwerdeführer liess die Frist unge- nutzt verstreichen. M. Mit Eingabe vom 9. Mai 20 18 reichte der Beschwerdeführer ein en neuen Austrittsbericht über s eine kürzliche Hospitalisation aufgrund von (…) zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist D-5469/2016 Seite 6 durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte die Vor- instanz die geltend gemachte n Vorbringen als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend. Es gebe diverse Wi- dersprüche innerhalb der Vorbringen des Beschwerdeführers, des Weite- ren würden sich die Angaben als weder ausreichend substantiiert noch ge- nügend differenziert erweisen und zudem seien verschiedene Handlungen nicht nachvollziehbar und somit ebenfalls nicht glaubhaft. 4.1.1 Im Rahmen des Asylverfahrens in der Schweiz habe der Beschwer- deführer im Wesentlichen folgende Angaben zu seiner Person und seinen D-5469/2016 Seite 7 Asylgründen gemacht: Er sei homosexuell und habe seit der Sekundar- schule zwei homosexuelle Beziehungen gehabt . Von 2004 bis zu seiner Flucht aus Kamerun habe er eine Beziehung zu G._______ geführt. Er sei aufgrund seiner Homosexualität wiederholt schlecht von Leuten behandelt worden. Im (…) 2011 sei er beispielsweise in einer Kneipe in H._______ angegriffen worden, da anderen Gästen aufgefallen sei, wie er und se in Freund miteinander umgegangen seien. Homosexuelle Freunde hätten ihnen dann bei der Flucht vor dem Mob geholfen. Mit den Behörden habe er deshalb aber keine Probleme gehabt. Am (…) 2012 habe er mit seinem Freund G._______ eine Hochzeit besucht und diese n nach der Feier, als er mit ihm auf der Strasse auf ein Taxi gewartet habe, unter dem Einfluss von Alkohol geküsst. Dies müsse irgendjemand gesehen habe n, da drei Polizisten in einem Polizeiwagen gekommen seien und sie auf den Polizei- posten von I._______ mitgenommen hätten. Dort sei er während drei Wo- chen mit vielen anderen Personen in einer kleinen Zelle festgehalten und jeden Morgen geschlagen worden. Am (…) 2012 habe ihm ein Polizist, der bestochen worden sei, die Flucht ermöglicht. Bis zu seiner Ausrei se habe er sich anschliessend bei einem Agenten aufgehalten, der ihm auch das britische Visum besorgt habe. Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis sei ein Haftbefehl gegen ihn erlas- sen worden und ein Artikel über ihn in einer kamerunischen Zeitung er- schienen. Nach seiner Rückführung von Grossbritannien nach Kamerun am (…) sei er nach der Landung noch auf dem Flughafen verhaftet und ins Gefängnis von D._______ gebracht worden, wo er auf eine gerichtliche Vorladung ge- wartet habe. Nach viermonatiger Haft habe der k amerunische Präsident D._______ am (…) besucht, weshalb die Sicherheitsvorkehrungen weni- ger streng gewesen seien. Er habe diese Gelegenheit genutzt und sei ge- flohen. Anschliessend habe er sich bis zur Ausreise bei einem Schulfreund in J._______ aufgehalten. Seinen Pass habe er vom Polizeikommandan- ten des Flughafens, einem Jugendfreund seines Anwalts, gegen Bezah- lung zurückerhalten. Jener Kommandant habe ihm auch die Ausreise über den Flughafen ermöglicht. Seine Ehefrau, welche bei seiner Ausreise schwanger gewesen sei, habe ihn nach seiner Festnahme verlassen, da sie erfahren habe, dass er ho- mosexuell sei. Auch seine Familie sei deshalb auf Distanz zu ihm gegan- gen. D-5469/2016 Seite 8 4.1.2 Um seine Asylgründe zu belegen , habe der Beschwerdeführer ver- schiedene Dokumente zu den Akten gereicht, welche jedoch ein anderes Geschehen, wie dasjenige im schweizerischen Asylverfahren geltend ge- machte, beschreiben würden: das Original eines undatierten Schreibens des Anwalts F._______, E._______, in welchem festgehalten wird, dass der Beschwerdeführer und sein Partner im (…) 2012 beinahe von einer Gruppe wütender Jugendlicher wegen ihrer sexuellen Orientierung ge- lyncht worden seien und von der Polizei hätten gerettet werden müssen. Anschliessend sei der Beschwerdeführer auf dem Poli zeiposten E._______ festgehalten und nach einigen Tagen auf Kaution frei gelassen worden. Die Polizei habe die Vorfälle weiter untersucht. 4.1.3 Auf Anfrage hin hätten die britischen Migrationsbehörden dem SEM am (…) 2014 und am (…) 2016 folgende Dokumente zugestellt: einen Haft- befehl der Staatsanwaltschaft E._______ vom (…) im Original, welcher be- sagt, dass der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 347 des kamerunischen Strafgesetzes der Homosexualität beschuldigt werde. Die Ausgabe der Zeitung „The Recorder“ vom (…) mit dem Artikel „(…)“ im Original. In jenem Artikel werden im Wesentlichen die Angaben des undatierten Schreibens von F._______, E._______ (vgl. oben E. 4.1.2), bestätigt. Zudem hätten di e britischen Migrationsbehörden den Entscheid der „UK Border Agency“ vom (…) 2013 (Reasons for Refusal) , mit welchem das Asylgesuch wegen Unglaubhaftigkeit der Vorbringen abgelehnt wurde, und das Urteil des britischen „First -tier Tribunal (Immigration and Asylum Chamber)“ vom (…) 2013, mit welchem sein Rekurs gegen den erstin- stanzlichen Entscheid abgelehnt wurde, zugestellt sowie die britischen Be- fragungsprotokolle vom (…) 2013 und (…) 2013. Aus den Befragungsprotokollen bei den britischen Migrationsbehörden würden im Wesentlichen folgende Vorbringen hervorgehen: Der Beschwerdeführer habe im Alter von 14 Jahren, während der Sekun- darschulzeit, festgestellt, dass Männer ihn anziehen würden. Er habe viele Beziehungen zu Männern gehabt. Drei jener Beziehungen hätten länger gedauert. Seine Beziehung zu G._______ habe vor vier Jahren [und somit im Jahr 2009] begonnen. Im (…) 2011 habe er vor einem Nachtclub in H._______ und im (…) 2011 in K._______ Probleme mit der Polizei gehabt. Er sei jeweils eine Nacht lang festgehalten und am nächsten Tag wieder freigelassen worden. D-5469/2016 Seite 9 Am 6. September 2012 habe er nach einer Hochzeitsfeier zusammen mit G._______ auf ein Taxi gewartet und diesen geküsst. Darauf seien zwei Polizisten mit einem Taxi gekommen und hätten beide zum Polizeiposten gebracht. Der Beschwerdeführer sei dort 15 Tage lang festgehalten wor- den, bis ihm am 21. September 2012 gegen Bestechung die Flucht gelun- gen sei. 4.1.4 Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid weiter aus, dem Beschwerdeführer sei am 16. Juni 2016 das rechtliche Gehör zu den un- terschiedlichen Angaben im britischen und schweizerischen Asylverfahren gewährt worden (vgl. act. A103). In seiner Stellungnahme, die am 4. Juli 2016 eingegangen sei, habe er im Wesentlichen die Angaben, die er bei den britischen Behörden gemacht habe, bestätigt (act. A104). Er habe die Differenzen in seinen Angaben damit erklärt, dass er nach zwei Wochen auf dem Flughafen sehr gestresst und übermüdet gewesen sei. Er habe während des Interviews mehrere Male weinen müssen, als schlechte Erin- nerungen hochgekommen seien. Da ihm die Behörden im Jahr 2011 nichts hätten nachweisen können, seien ihm diese Vorfälle nicht wichtig erschie- nen, weshalb er sie in der Schweiz nicht mehr erwähnt habe. Die Vorinstanz schloss, dass dies nicht zu überzeugen vermöge: Der Be- schwerdeführer habe nicht nur die zentralen Asylgründe anders geschildert als in Grossbritannien, sondern habe, als er am 9. Dezember 2013 die Po- lizei im Transitbereich des Flughafens Zürich kontaktiert und um Asyl er- sucht habe, eine andere Identität, C._______, angegeben (act. A20). Erst nachdem die Polizei festgestellt ha be, dass er mit einem kamerunischen Pass auf den Namen A._______ gereist sei, habe er s eine Angaben be- richtigt (act. A17 Pkt. 8.01; A20). Zu den unterschiedlichen Angaben be- fragt, habe er erklärt, dass er durch die Angabe eines falschen Namens bei der Einreichung seines Asylgesuchs in der Schweiz versucht habe , sein abgelehntes Asylgesuch in Grossbritannien zu verheimlichen (act. A17 Pkt. 1.15 und 8.1). Zudem habe der Beschwerdeführer eine Agenda mit Notizen bei sich gehabt, bei denen es sich gemäss seinen Angaben um die Ge- schichte gehandelt habe, welche er sich zu seinem falschen Namen aus- gedacht habe (act. A20 Pkt. 7.05). Deshalb sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den schweizerischen Asylbehörden gegenüber eine andere Identität und andere Asylgründe geltend gemacht hätte, wenn seine wahre Identität nicht bekannt geworden wäre. Somit seien die geltend ge- machten Asylvorbringen nicht glaubhaft. D-5469/2016 Seite 10 4.1.5 Die Unglaub haftigkeit der Vorbringen werde zudem dadurch ver- stärkt, dass die in Grossbritannien eingereichten Originaldokumente di- verse Fälschungsmerkmale aufweisen würden (vgl. dazu act. 93: Ent- scheid der „UK Border Agency“ vom (…) 2013 [Reasons for Refusal] insb. S. 6-7 Pkt. 25-37). Die Vorinstanz schloss, d a die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden, müsse de- ren Asylrelevanz nicht geprüft werden. 4.2 Dem hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegen, ihm werde zu Unrecht nicht geglaubt, dass er homosexuell sei und deshalb in Kame- run asylrelevante Nachteile erlebt habe. Er fürchte sich aufgrund seiner sexuellen Orientierung vor einer Rückkehr in die Heimat. Dort sei er ge- zwungen gewesen, seine sexuelle Orientierung zu verstecken, aus Angst, nicht nur von der Gesellschaft ausgeschlossen, sondern auch strafrechtlich verurteilt zu werden. Aufgrund seiner sexuellen Orientierung sei er bereits verhaftet, angeklagt und unter schwierigen Bedingungen gefangen gehal- ten worden. Es sei gar ein Strafverfahren geg en ihn hängig. Im Rahmen seines Asylgesuches habe er diverse Beweismittel zu den Akten gereicht, um seine Vorbringen zu belegen. Durch den eingereichten Haftbefehl der Staatsanwaltschaft E._______ vom (…) 2012 bestehe kein Zweifel, dass in seiner Heimat ein Strafverfahren gegen ihn hängig sei. Es gehe nicht an, dass das SEM diesem wichtigen Beweismittel pauschal jeglichen Beweis- wert abspreche, ohne dessen Fälschung zu belegen. Dasselbe gelte für den eingereichten Zeitungsartikel. Da seine Personalien im Zeitungsartikel veröffentlicht worden seien, könne ihm bei einer Rückkehr nach Kamerun schon deshalb eine Identifizierung und ein weiteres Strafverfahren drohen. Aufgrund der als Beweismittel eingereichten Fotografien sei auch seine Homosexualität bewiesen. Hier in der Schweiz habe er endlich die Mög- lichkeit, seine sexuelle Orientierung offen zu leben. Angesichts der bereits erlittenen Misshandlungen, der allgemeinen Gewaltsituation gegen Homo- sexuelle in Kamerun und des ungenügenden Schutzes des Staates be- stehe bei einer Rückkehr das Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK. Es wäre zudem unzumutbar, ihn in die Heimat zurückzuschicken und ihn dadurch zu zwingen, seine sexuelle Orientierung erneut zu verheimlichen. 5. 5.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge- gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des D-5469/2016 Seite 11 Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilde rung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrekt heit, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Üb ereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. B VGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5.2 Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seines Asylgesuchs gel- tend, homosexuell zu sein, weshalb er in Kamerun verhaftet und gefoltert worden sei. Die Vorinstanz stellt in ihrem Entscheid in erster Linie auf Wi- dersprüchlichkeiten zwischen den geltend gemachten Asylvorbringen zwi- schen dem Asylverfahren in Grossbritannien zu demjenigen in der Schweiz ab. In dieser Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Rah- men der rechtlich en Gehörs zu den Widersprüchen ausdrücklich aner- kannte, unterschiedliche Angaben gemacht zu haben (act. A104). Er sei aufgrund der Zeit auf dem Flughafen, wo es laut gewesen und er in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt gewesen sei, psychisch und phy- sisch derart in schlechter Verfassung gewesen, dass er sich wohl in gewis- sen Aussagen widersprochen habe. Diese Erklärung vermag jedoch nicht zu überzeugen. So hatte der Beschwerdeführer in der Anhörung in der Schweiz auf die Frage, wie viele Beziehungen zu Männern er gehabt habe, ausdrücklich vorgebracht, lediglich mit zwei Männern eine Beziehung ge- habt zu haben (act. A30 F31). Dass ihm bei dieser Gelegenheit aus Schlaf- mangel und wegen Lärms entfallen sein soll, dass er tatsächlich drei län- gere und diverse kurze Beziehungen gehabt habe (vgl. A104 mit Verweis auf act. A101/B11 F94 ff. insb. F97), kann nicht überzeugen. Ebenfalls als D-5469/2016 Seite 12 widersprüchlich und insgesamt nicht nachvollziehbar erweisen sich seine Angaben bezüglich der Dauer seiner Beziehung zu G._______ (vgl. act. A103). Gemäss seinen Aussagen in der Schweiz will er mit ihm seit 2004 liiert gewesen sein (act. A30 F41), wohingegen er in Grossbritannien aus- gesagt hatte, von 2006 bis 2008 sei er mit L._______zusammen gewesen (act. A101/B16 F114), und seine Beziehung zu G._______ habe erst im Jahr 2009 begonnen (act. A101/B9 F40). Der Beschwerdeführer schafft mit diesen offensichtlich ständig wechselnden Angaben ein Widerspruchsge- flecht, welches seine Vorbringen als insgesamt unglaubhaft ausweist. Als ebenso widersprüchlich erweisen sich sodann seine Vorbringen über die geltend gemachten Probleme mit Behörden aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung (vgl. act. A103). In der Schweiz gab er an, zwar immer wieder von Leuten schlecht behandelt und im Juni 2011 einmal in einer Kneipe von anderen Gästen angegriffen worden zu sein (act. A30 F35-38), mit den Behörden allerdings bis zum Vorfall vom (…) 2012 nie Probleme gehabt zu haben (act. A30 F39). Demgegenüber hatte er in Grossbritannien vorge- bracht, bereits im Januar und im Juni 2011 verhaftet und jeweils für eine Nacht festgehalten worden zu sein (act. A101/B28 F246-249). Auf den Wi- derspruch angesprochen, erklärte der Beschwerdeführer, dass er im Jahr 2011 zwar zweimal eine Nacht im Gefängnis gewesen sei, da ihm aber nichts habe nachgewiesen werden können, seien ihm diese Zwischenfälle nicht mehr wichtig erschienen (act. A104). Diese Erklärung vermag nicht zu überzeugen, nachdem der Beschwerdeführer auf Nachfrage hin Prob- leme mit den Behörden vor dem (…) 2012 ausdrücklich verneint hatte (act. A30 F39). Schliesslich widersprach sich der Beschwerdeführer auch be- züglich der Art der Verhaftung und der Dauer der erlittenen Haft, indem er einmal von einer Verhaftung durch zwei Polizisten und einer zweiwöchigen Haft berichtete (act. A101/B18 F150, A101/A9 F5.1, A101/A8 F4.2) , um später auszuführen, er sei von drei Polizisten verhaftet worden und danach für drei Wochen in Haft gewesen (act. A30 F60-63). Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass di e Vorbringen des Beschwer- deführers aufgrund der Vielzahl von Widersprüchen nicht überzeugen kön- nen. In diesem Zusammenhang kann ausserdem auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden, in welchen auf weitere Ungereimtheiten in den Angaben und Ausführungen des Beschwerdeführers eingegangen wird (vgl. oben E. 4., insb. E. 4.1.4 und E. 4.1.5). Schliesslich fällt auf, dass sich der Beschwerdeführer nicht nur diverse Male widersprochen hat, son- dern sich seine Angaben als nicht ausreichend substantiiert und differen- ziert erweisen (vgl. vorinstanzliche n Entscheid, insb. S. 6-10). Das Bun- desverwaltungsgericht kommt somit mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die vorgebrachten Ereignisse D-5469/2016 Seite 13 in einer Art und Weise darzustellen, welche den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG zu genügen vermag. An dieser Schlussfolgerung vermögen auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern , zumal deren Echtheit angezweifelt werden muss (vgl. betreffend Zeitungsartikel und Haftbefehl die angefochtene Verfügung S. 8 f. sowie oben E. 4.1.5 mit Verweis auf den Entscheid der „UK Border Agency“). Auch die bei der Vorinstanz sowie auf Beschwerdeebene einge- reichten Fotos, mit welchen der Beschwerdeführer seine sexuelle Neigung zu belegen versucht, vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern, dies insbesondere, da auch seine sexuelle Orientierung die behaupteten Nachteile nicht belegen würde. Dem undatierten Schreiben des Rechtsan- walts ist ebenfalls kein Beweiswert einzuräumen, da dieses aufgrund der Aktenlage als Gefälligkeitsschreiben zu erkennen ist . Bereits eine kurze Internetrecherche erbringt, dass sich in Kamerun ein Sachverhalt wie vom Anwalt beschrieben, durchaus ereignet hat, davon jedoch offensichtlich an- dere Personen als der Beschwerdeführer betroffen waren (vgl. bspw. Am- nesty International, Kamerun: Zwei junge Männer wegen „Homosexualität“ in Haft genommen, 15.08.2011, < https://www.a mnesty.de/bericht/2011/ 8/zwei-junge-maenner-wegen-homosexualitaet-haft-genommen > ; oder queer.de, Kamerun: Zwei Männer erneut wegen „schwulen Aussehens“ verhaftet, 28.03.2013 < http://www.queer.de/detail.php?article_id=18880 > beide abgerufen am 04.07.2018). Vor diesem Hintergrund erscheint als hinreichend erstellt, dass der Beschwerdeführer sein Vorbringen anhand realer, allgemein bekannter Ereignisse konstruiert hat. In einer Gesamtwürdigung sind die geltend gemachten Asylvorbringen da- her als unglaubhaft einzustufen und es ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in Kamerun wegen homosexuellen Verhaltens ver- folgt worden ist. 5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers v erneint und sein Asylge- such abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). D-5469/2016 Seite 14 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) ein er Weiterreise der Aus- länderin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Dritt- staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge- fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe- halt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähr en. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus- länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt- staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung (vgl. dort E. III) zu- treffend erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nicht- rückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwen- dung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar sind. Aus den Akten ergeben sich sodann keine konkreten An- haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall der Ausschaf- fung nach Kamerun dort mit beachtlic her Wahrscheinlichkeit einer nach D-5469/2016 Seite 15 Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre. Wie unter E. 5 .2 ausgeführt, ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat nicht wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt worden ist. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. Weder die allgemeine Lage in Kamerun noch individuelle Gründe lassen den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen. Weder die psychi- schen Probleme noch seine physischen Probleme aufgrund von (…) ver- mögen daran etwas zu ändern (vgl. ärztliche Stellungnamen der (…) vom (…) 2016 und (…) 2017 sowie Eingabe vom 9. Mai 2018) , da es auch in Kamerun die Möglichkeit gibt, sich medizinisch behandeln zu lassen. Selbst wenn davon ausgegangen werden müsste, dass die Behandlungen teilweise bar bezahlt werden müssen, sollte dies in Anbetracht dessen, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben aus einer wohlha- benden Familie stammt und im Besitz von zwei Immobilien ist, kein Prob- lem darstellen. Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer auch über eine gute Bildung, diverse Berufserfahrung sowie ein tragfähiges Beziehungs- netz, auf welches er im Notfall zurückgreifen könnte. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Wegweisungs- vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachv erhalt richtig sowie voll- ständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über- prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Be-D-5469/2016 Seite 16 schwerde gestellt Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung wurde jedoch mit Zwischenverfügung vom 16. September 2016 gut- geheissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) D-5469/2016 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Mia Fuchs Nira Schidlow Versand: