Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Oktober 2013 (725 13 224 / 258) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Squat-Jump, unfallähnliche Körperschädigung bejaht Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yves Thom men, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Helsana Unfall AG , Recht , Postfach , 8081 Zürich , Besc hwerdege g- nerin Betreff Leistungen A. Die 1964 geborene A.____ war seit 1. Januar 1993 bei der B____AG als Instruktorin angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana) obligato- risch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheite n versichert. Am 24. März 2013 erlitt A.____ in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit bei e iner Squat-Jump-Übung einen Innenmenis- kushinterhornriss sowie eine Teilruptur des vorderen Kreuzbandes am linken Knie. Nach Durch- führung der erforderlichen Abklärungen lehnte die Hel sana mit Verfügung vom 16. April 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen Anspruch von A.____ auf Versicherungsleistungen man gels Vorliegens eines Unfalls im Rechtssinne bzw. einer unfallähnlichen Körperschädigung ab. Daran hielt sie auch auf Einspra- che der Versicherten sowie deren Krankenversicherung KPT Krankenkasse AG (KPT) hin mit Entscheid vom 27. Juni 2013 fest. B. Hiergegen erhob A.____ am 14. August 2013 Beschwerd e beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung des Einspracheentscheides vom 27. Juni 2013 sei die Beschwe rdegegnerin zu verpflichten, die gesetzlichen und vertraglichen Leistungen auszurichten; unter o/e- Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. September 2013 schlo ss die Helsana auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6 . Oktober 2000 und Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 ATSG das Versi- cherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versichert e Person zur Zeit der Beschwerde- erhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich d ieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträ ger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich für die Behandlung der vorliegende n Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 14. August 2013 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegneri n zu Recht die Übernahme von Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 24. März 2013 abgelehnt hat. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in d er obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80% des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am drit- ten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wie dererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi gende Einwirkung eines ungewöhnli- chen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die ei ne Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 4.2 Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des un gewöhnlichen äusseren Fak- tors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grund- satz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat (BGE 130 V 117 E. 2. 1). Bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere beschränken, unterliegt der Nachweis eine s Unfalls indessen insofern strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache der Schädig ung unter besonders sinnfälligen Um- ständen gesetzt werden muss; denn ein Unfallereignis ma nifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrschein- lichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (BGE 99 V 136 E. 1). Der äussere Faktor ist zentrales Begriffscharakteristikum eines jeden Unfallereig nisses; er ist Gegenstück zur - den Krankheitsbegriff konstituierenden - inneren Ursache (B GE 134 V 72 E. 4.1, E. 4.3.2.1). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit ohne besonde- res Vorkommnis daher auch bei einer Sportverletzung zu ver neinen. Der äussere Faktor ist nur dann ungewöhnlich, wenn er - nach einem objektiven Ma ssstab - nicht mehr im Rahmen des- sen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltä glich und üblich ist, nicht aber, wenn ein Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsm uster des betreffenden Sports fällt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 8C_189/2010, E. 5.1). 5.1 Die versicherte Person hat die Umstände des als Unfal l gemeldeten Ereignisses glaub- haft zu machen. Unvollständige, ungenaue oder widerspr üchliche Angaben zum Geschehens- ablauf können die Verneinung der Leistungspflicht der Unfallversicherung zur Folge haben. Im Streitfall hat das Sozialversicherungsgericht zu entscheide n, ob die einzelnen Merkmale des Unfallbegriffs, insbesondere die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors, gegeben sind. Spricht der rechtserhebliche Sachverhalt nicht wenigstens mit Wa hrscheinlichkeit für das Vorliegen der einzelnen Begriffsmerkmale - die blosse Möglichkeit genügt nicht -, ist ein Unfall im Rechtssinne zu verneinen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgeri chts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 23. Nove mber 2006, U 258/04, E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen). 5.2 Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Pe rson über den Unfallhergang ist zunächst auf die Beweismaxime hinzuweisen, wonach die s ogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuve rlässiger sind als spätere Darstellun- gen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überle gungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Lau- fe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz na ch dem Unfall gemacht hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehn ungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 45 E. 2a mit Hinweisen). Dabei handelt e s sich indessen nicht um eine förmliche Beweisregel, sondern lediglich um eine im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu berücksich- tigende Entscheidungshilfe. Sie kann zudem nur dann zu r Anwendung gelangen, wenn von Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zusätzlichen Beweismassnahmen keine neuen Erkenntnisse zu erwa rten sind (RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546 E. 3.3.4 [U 236/03]). 6. Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von i hrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofe rn das Gesetz nichts Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wah rscheinlichkeit zu fällen. Die blos- se Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den B eweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol gen, die es von allen möglichen Ge- schehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BG E 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). 7.1 Zur Beurteilung der umstrittenen Frage, ob mit d er erforderlichen Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass sich am 24. März 2013 ein Unfall im Re chtssinne ereignet hat, liegen folgende Unterlagen vor: In der Schadenmeldung UVG vom 25. März 2013 wurde festgehalten, dass die Versicherte im Rahmen einer Unterrichtsstunde das Kniegel enk verdreht habe. In der Folge seien sehr starke Schmerzen sowie eine Schwellung aufgetreten. Im Fragebogen zum Hergang des Ereignisses führte die Beschwerdeführerin am 29. März 2013 aus, sie habe anlässlich einer Squat-Jump-Übung das Kniegelenk verdreht und ausgekug elt. Gemäss Wikipedia (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Squat_Jump) ist der S quat-Jump eine Sprungform zum Testen der reinen konzentrischen Kraftfähigkeit der Sprungmus kulatur. Er wird in der Regel aus einer Hockstellung heraus ausgeführt. Ziel ist es, so hoch wie möglich zu springen, wobei die Arme an die Hüften angelegt und während der Bewegung nic ht aktiv beteiligt sein sollen. Die Be- schwerdeführerin gab weiter an, es habe sich um eine ge wohnte Tätigkeit unter normalen äusseren Bedingungen gehandelt. Die Frage, ob etwas Besonderes, Unvorhergesehenes (zum Beispiel: Ausgleiten, Sturz, Anschlagen, usw.) passiert s ei, verneinte sie. In ihrer Einsprache vom 16. Mai 2013 gegen die Verfügung vom 16. April 20 13 liess die Versicherte ausführen, sie habe im Rahmen ihrer Tätigkeit als Fitness-Instruktorin einen Squat-Jump vorgezeigt. Dabei sei die Landung missglückt, indem das linke Bein - wahrschei nlich aufgrund einer leicht feuchten Stelle auf dem Boden - leicht weggerutscht sei. Sie habe dies zu korrigieren versucht und dabei das Knie verdreht. 7.2 Im Gegensatz zur zeitnahen, glaubhaften und daher b eweiskräftigen Unfalldarstellung vom 29. März 2013 ist die spätere, davon etwas abweichende Unfallschilderung im Rahmen der Einsprache vom 16. Mai 2013 mit grösserer Zurückhaltung z u würdigen. Sie könnte bewusst oder unbewusst von nachträglichen versicherungsrechtlichen Überlegungen beeinflusst bzw. geprägt sein, zumal sie auch erst nach der ablehnen den Verfügung vom 16. Mai 2013 erfolgte. Demnach ist dem beschriebenen Bewegungsabla uf, wonach sie wahrscheinlich auf- grund einer leicht feuchten Stelle auf dem Boden leich t weggerutscht sei, in beweisrechtlicher Hinsicht nicht zu folgen. Vielmehr kommt die Beweismaxime der Aussage der ersten Stunde zum Tragen, welche eine im Rahmen der freien Beweiswür digung zu berücksichtigende Ent- scheidungshilfe darstellt (vgl. E. 5.2 hiervor). So fand gemäss ihrer Schilderung vom 29. März 2013 keine unkoordinierte Bewegung in dem Sinne stat t, dass der Bewegungsablauf durch et- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht was Programmwidriges, wie ein Ausgleiten, ein Stolper n oder ein reflexartiges Abwehren eines Sturzes etc., gestört worden wäre. Es sind vorliegend auch keine Gründe ersichtlich, die wegen der Natur des Gesundheitsschadens (vgl. nachstehend E. 8. 2) auf eine Ungewöhnlichkeit des Ereignisses vom 8. Mai 2012 schliessen lassen würden. Nach dem Gesagten ist aufgrund der Akten nicht erstellt, dass ein besonderes Vorkommnis zu der erlittenen Sportverletzung geführt hat. Damit ist der Unfallbegriff in Übereinstimmung m it der vorinstanzlichen Auffassung nicht erfüllt. 8. Zu prüfen bleibt, ob eine unfallähnliche Körperschä digung vorliegt. 8.1 Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körpersch ädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die Versicherung einbezieh en. Von dieser Kompetenz hat er in Art. 9 Abs. 2 UVV Gebrauch gemacht. Als so genannte un fallähnliche Körperschädigungen gel- ten die in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgeführte n Körperverletzungen (Knochenbrüche, Ver- renkungen von Gelenken, Meniskusrisse, Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandlä- sionen und Trommelfellverletzungen), sofern sie auf ein e plötzliche, nicht beabsichtigte schädi- gende äussere Einwirkung auf den menschlichen Körper zur ückzuführen sind. Bei unfallähnli- chen Körperschädigungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV müssen zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversicherers mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit d ie übrigen Tatbestandsmerkmale des Unfalls erfüllt sein. Besondere Bedeutung kommt hie rbei der Voraussetzung des äusseren Ereignisses zu, d.h. eines ausserhalb des Körpers liegend en, objektiv feststellbaren, sinnfälli- gen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 E . 2.2). Die schädigende äussere Einwir- kung kann in einer körpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 E. 4.1 mit Hinweisen). Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer ( schädigender) Faktor im Sinne der Rechtsprechung, weshalb dieser nicht gegeben ist, wenn die versicherte Person nur das (erst- malige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht a nzugeben vermag (BGE 129 V 466 E. 4.2.1). Nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors auch, wenn das erstmalige Auftreten der Schmerzen mit einer blossen Leb ensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist. V ielmehr ist gemäss Rechtsprechung für die Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz fü hrende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenomme n wird, wie dies etwa für viele sportli- che Betätigungen zutreffen kann. Der äussere Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial ist sodann auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als physio- logisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchu ng des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, gleichkommt. Deswegen fallen einschie ssende Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV ausser Betracht , wenn sie allein bei der Vornahme einer alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne da ss hiezu ein davon unterscheidbares äusseres Moment hineinspielt. Wer also lediglich beim A ufstehen, Absitzen, Abliegen, der Be- wegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV her ausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung beru fen. Die physiologische Beanspruchung des Skelettes, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem ein zwar nicht ungewöhnliches, jedoch gegenüber d em normalen Gebrauch der Körpertei- le gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnen muss (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Kör- perlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen kön- nen, etwa das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die h eftige und/oder belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderu ng der Körperlage (BGE 129 V 466 E. 4.2.3). Erforderlich für die Bejahung eines äussere n Faktors ist dabei demzufolge ein gestei- gertes Schädigungspotenzial, sei es zufolge einer allge mein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vo rnahme der alltäglichen Lebensverrich- tung führenden Faktors (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 17. Januar 2013, 8C_705/2012, E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 129 V 468 E. 4.3). 8.2 Es steht fest und ist zu Recht unbestritten, dass d er bei der Beschwerdeführerin diag- nostizierte Innenmeniskushinterhornriss sowie die Teilrup tur des vorderen Kreuzbandes am linken Knie Körperschädigungen im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV darstellen. Zu prüfen ist jedoch, ob die Besc hwerdeführerin sich diese Körperschä- digung bei einem sinnfälligen, unfallähnlichen Ereignis im vorstehend genannten Sinne zugezo- gen hat. 8.3 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpun kt, dass der Squat-Jump eine Le- bensverrichtung darstelle, die üblicherweise im Rahmen einer physiologisch normalen und psy- chologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers liege, de r grundsätzlich kein besonderes Schädigungspotential innewohne und daher als solcher ni cht den Anforderungen der Recht- sprechung an den äusseren schädigenden Faktor genüge. Aus dem erhöhten Kraftaufwand allein könne jedenfalls nicht bereits auf ein sinnfällig es Ereignis geschlossen werden. Dieser Auffassung der Beschwerdegegnerin kann nicht gefolgt werden. Der Squat-Jump wird so aus- geführt, dass mit einem kräftigen Sprung aus der Hockstell ung heraus und möglichst ohne Be- teiligung der Arme versucht wird, so hoch wie möglich zu springen. Diesem Bewegungsablauf ist durchaus ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotential zuzusprechen. Da der Sprung aufgrund der fehlenden Ausholbewegung keine koordinativen Elemente enthält, verläuft er nicht stets gleich und kontrolliert. Folglich stellt diese spo rtliche Betätigung aufgrund des erhöhten Kraftaufwandes und einer gewissen Unkontrollierbarkeit e ine mehr als physiologisch normale Beanspruchung des Körpers dar, die zu körpereigenen Verletzungen führen kann. Die Situation bei einem Squat-Jump ist vergleichbar mit dem plötzlic hen Aufstehen aus der Hocke (BGE 116 V 145 E. 2c mit Hinweisen), mit dem Aufsprin gen von einem Bürostuhl (Urteil vom 29. August 2006, U 159/06, E. 3.2), dem Herabspringen aus 60 cm Höhe (Urteil des Bundesge- richts vom 13. November 2007, 8C_158/2007, E. 4.2), de m Fangen eines Balles bei einem Netzballtournier (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2 008, 8C_532/2007, E. 5) oder dem Carving-Skifahren (Urteil vom 27. Oktober 2005, U 223/0 5). In diesen Fällen wurde gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ein äusserer Faktor bej aht (vgl. auch die Übersicht in: ALEXANDRA RUMO -JUNGO /A NDRÉ PIERRE HOLZER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Auflage 2012, S. 81 f.). Auch wenn die sportliche Betätigung für eine Fitness-Instruktorin eine alltägliche Lebensverrich- tung darstellt, tritt bei dieser Übung ein zur Unkontr ollierbarkeit der Verrichtung führendes Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht äusseres Moment in Form der Plötzlichkeit, Brüskheit und Belastung hinzu. Unter diesen Um- ständen ist im vorliegenden Fall ein ausserhalb des Körpe rs liegendes, objektiv feststellbares, sinnfälliges, unfallähnliches Ereignis deshalb zu bejahen. 9. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass das Ereignis vo m 24. März 2013 eine unfall- ähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UV G i.V.m. Art. 9 Abs. 2 UVV darstellt. In Gutheissung der Beschwerde ist demnach der Einspracheen tscheid vom 27. Juni 2013 auf- zuheben und die Helsana zu verpflichten, der Beschwerdefü hrerin im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 24. März 2013 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 10. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind be i der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 27. Juni 2013 aufgehoben und die Helsana Unfall AG verpflichtet, der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mi t dem Er- eignis vom 24. März 2013 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde am 16. Januar 2014 Beschwerde beim Bundesgericht (sie nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_40/2014 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht