<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">H 297/99 Ge </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>I. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Schön, Spira, Meyer </div> <div class="para">und Ferrari; Gerichtsschreiber Grünvogel </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 29. Mai 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, </div> <div class="para">St. Gallen, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">S.________, Beschwerdegegner, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, St. Gallen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- S.________ ist gemäss Handelsregisterauszug vom </div> <div class="para">15. Juli 1997 seit Eintragung der Firma H.________ GmbH </div> <div class="para">(nachfolgend: GmbH) einzelzeichnungsberechtigter </div> <div class="para">Gesellschafter. Als alleiniger Geschäftsführer ist der mit </div> <div class="para">95 % am Stammkapital beteiligte zweite Gesellschafter </div> <div class="para">B.________ im Handelsregister eingetragen. Die Statuten der </div> <div class="para">GmbH vom 29. Juni 1994 sehen eine jährlich von der </div> <div class="para">Gesellschafterversammlung zu wählende (externe) Kon- </div> <div class="para">trollstelle vor. Eine spezielle Bestimmung, welche die </div> <div class="para">nicht geschäftsführenden Gesellschafter ausdrücklich zur </div> <div class="para">Kontrolle und/oder Überwachung des Geschäftsganges der GmbH </div> <div class="para">verpflichtet, findet sich in diesem Regelwerk nicht. </div> <div class="para"> Nachdem die Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen die </div> <div class="para">GmbH für ausstehende AHV/IV/EO/ALV-Beiträge der Jahre 1995 </div> <div class="para">und 1996 auf dem betreibungsrechtlichen Wege belangt hatte, </div> <div class="para">stellte diese ihre Geschäftstätigkeit per 1. Juli 1997 ein. </div> <div class="para">Die Kasse erhielt zwei definitive Pfändungsverlustscheine </div> <div class="para">(vom 8. Juli 1997); eine weitere Betreibung setzte sie aus. </div> <div class="para">Für die aufgelaufenen Ausstände der GmbH in der Höhe von </div> <div class="para">Fr. 8'001.- erklärte die Kasse die beiden Gesellschafter </div> <div class="para">solidarisch haftbar und forderte sie mit Verfügungen vom </div> <div class="para">13. Oktober 1997 zur Leistung von Schadenersatz auf. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Auf Einspruch der Belangten hin klagte die Aus- </div> <div class="para">gleichskasse auf Bezahlung des erwähnten Betrages. Mit Ent- </div> <div class="para">scheid vom 19. August 1999 wies das Versicherungsgericht </div> <div class="para">des Kantons St. Gallen die Klage, soweit S.________ be- </div> <div class="para">treffend, ab. Weiter sprach es diesem eine Partei- </div> <div class="para">entschädigung in der Höhe von Fr. 650.- zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Die Kasse erhebt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit </div> <div class="para">dem Antrag, der kantonale Entscheid sei aufzuheben und </div> <div class="para">S.________ sei zu verpflichten, ihr Fr. 8'001.- zu be- </div> <div class="para">zahlen; eventuell sei der kantonale Entscheid insoweit au- </div> <div class="para">fzuheben, als er die Parteientschädigung umfasse. Gleich- </div> <div class="para">zeitig legt die Kasse neue Dokumente ins Recht. </div> <div class="para"> S.________ schliesst auf Abweisung der Verwaltungs- </div> <div class="para">gerichtsbeschwerde. Während der als Mitinteressierter </div> <div class="para">beigeladene B.________ das Rechtsbegehren des S.________ </div> <div class="para">unterstützt, hat sich das Bundesamt für Sozialversicherung </div> <div class="para">nicht vernehmen lassen. Die Vorinstanz nimmt zur Frage der </div> <div class="para">Parteientschädigung Stellung, ohne einen Antrag zu </div> <div class="para">formulieren. </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- a) Da es sich bei der angefochtenen Verfügung </div> <div class="para">nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versiche- </div> <div class="para">rungsleistungen handelt, hat das Eidgenössische Versi- </div> <div class="para">cherungsgericht nur zu prüfen, ob das vorinstanzliche Ge- </div> <div class="para">richt Bundesrecht verletzt hat, einschliesslich Überschrei- </div> <div class="para">tung oder Missbrauch des Ermessens, oder ob der rechtser- </div> <div class="para">hebliche Sachverhalt offensichtlich unrichtig, unvollstän- </div> <div class="para">dig oder unter Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmun- </div> <div class="para">gen festgestellt worden ist (Art. 132 in Verbindung mit </div> <div class="para">Art. 104 lit. a und b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Im Rahmen von <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span> ist die Möglich- </div> <div class="para">keit, im Verfahren vor dem Eidgenössischen Versicherungs- </div> <div class="para">gericht neue tatsächliche Behauptungen aufzustellen oder </div> <div class="para">neue Beweismittel geltend zu machen, weitgehend einge- </div> <div class="para">schränkt. Nach der Rechtsprechung sind nur jene neuen Be- </div> <div class="para">weismittel zulässig, welche die Vorinstanz von Amtes wegen </div> <div class="para">hätte erheben müssen und deren Nichterheben eine Verletzung </div> <div class="para">wesentlicher Verfahrensvorschriften darstellt (BGE 121 II </div> <div class="para">99 Erw. 1c, 120 V 485 Erw. 1b, je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> Zwar ist der Verwaltungsprozess vom Untersuchungs- </div> <div class="para">grundsatz beherrscht, wonach Verwaltung und Gericht von </div> <div class="para">sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des </div> <div class="para">Sachverhalts zu sorgen haben; doch entbindet das den </div> <div class="para">Rechtsuchenden nicht davon, selber die Beanstandungen vor- </div> <div class="para">zubringen, die er anzubringen hat (Rügepflicht), und sei- </div> <div class="para">nerseits zur Feststellung des Sachverhalts beizutragen </div> <div class="para">(Mitwirkungspflicht). Unzulässig und mit der weit gehenden </div> <div class="para">Bindung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts an die </div> <div class="para">vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung gemäss <span class="artref">Art. 105 </span></div> <div class="para">Abs. 2 OG unvereinbar ist es darum, neue tatsächliche Be- </div> <div class="para">hauptungen und neue Beweismittel erst im letztinstanzlichen </div> <div class="para">Verfahren vorzubringen, obwohl sie schon im kantonalen Be- </div> <div class="para">schwerdeverfahren hätten geltend gemacht werden können und </div> <div class="para">- in Beachtung der Mitwirkungspflicht - hätten geltend ge- </div> <div class="para">macht werden müssen. Solche (verspätete) Vorbringen sind </div> <div class="para">nicht geeignet, die tatsächlichen Feststellungen der Vor- </div> <div class="para">instanz als mangelhaft im Sinne von <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span> er- </div> <div class="para">scheinen zu lassen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-II-97%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page100">BGE 121 II 100</a> Erw. 1c; AHI 1994 S. 211 </div> <div class="para">Erw. 2b mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Wie die Vorinstanz darlegt, besteht die wesent- </div> <div class="para">liche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht nach </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 52 AHVG</span> darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder </div> <div class="para">grobfahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch </div> <div class="para">diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist. Ist </div> <div class="para">der Arbeitgeber eine juristische Person, so können subsi- </div> <div class="para">diär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in Anspruch </div> <div class="para">genommen werden (statt vieler: <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-V-12%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page15">BGE 123 V 15</a> Erw. 5b mit </div> <div class="para">Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) <span class="artref">Art. 14 Abs. 1 AHVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 34 ff. </span></div> <div class="para">AHVV schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzah- </div> <div class="para">lung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zu- </div> <div class="para">sammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu </div> <div class="para">entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen </div> <div class="para">periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre </div> <div class="para">Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die ent- </div> <div class="para">sprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt </div> <div class="para">werden können. Dies gilt nicht nur für Versicherungsbei- </div> <div class="para">träge der AHV, sondern auch der IV (<span class="artref">Art. 1 IVV</span>), der EO </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 24 EOV</span>) und der ALV (<span class="artref">Art. 6 AVIG</span>). </div> <div class="para"> Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Ar- </div> <div class="para">beitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich- </div> <div class="para">rechtliche Aufgabe. Dazu hat das Eidgenössische Versiche- </div> <div class="para">rungsgericht wiederholt erklärt, dass die Nichterfüllung </div> <div class="para">dieser Pflicht eine Missachtung von Vorschriften im Sinne </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> bedeute und die volle Schadendeckung nach </div> <div class="para">sich ziehe (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-V-193%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page195">BGE 118 V 195</a> Erw. 2a, 111 V 173 Erw. 2). </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 52 AHVG</span> und die dazu ergangene Rechtsprechung finden </div> <div class="para">sinngemäss auch bei IV- (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 IVG</span>), EO- (<span class="artref">Art. 21 </span></div> <div class="para">Abs. 2 EOG) und ALV-Beiträgen (<span class="artref">Art. 88 Abs. 2 AVIG</span>; BGE 113 </div> <div class="para">V 186) Anwendung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Die Vorinstanz hat in sachverhaltsmässiger Hin- </div> <div class="para">sicht verbindlich (Erw. 1a) festgestellt, dass die Firma </div> <div class="para">für die Jahre 1995 und 1996 die paritätischen Sozialversi- </div> <div class="para">cherungsbeiträge nicht vollständig abgeliefert hat. Damit </div> <div class="para">verstiess sie gegen die Beitragszahlungspflichten (<span class="artref">Art. 14 </span></div> <div class="para">Abs. 1 AHVG) und missachtete dadurch Vorschriften im Sinne </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 52 AHVG</span>. Nachdem die Firma ihre Geschäftstätigkeit </div> <div class="para">per 1. Juli 1997 eingestellt hat und danach fruchtlos ge- </div> <div class="para">pfändet worden ist, gilt der Betrag von Fr. 8001.- als bei </div> <div class="para">der Firma uneinbringlich (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-V-256%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page258">BGE 113 V 258</a> Erw. 3c; ZAK </div> <div class="para">1988 S. 299 Erw. 3b). </div> <div class="para"> Fraglich ist, ob das Verschulden der Arbeitgeberin dem </div> <div class="para">Beschwerdegegner zugerechnet werden kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Im Falle einer Gesellschaft mit beschränkter </div> <div class="para">Haftung begründet die Stellung eines blossen Gesellschaf- </div> <div class="para">ters - wie vom kantonalen Gericht dargetan - für sich al- </div> <div class="para">leine keine Kontroll- oder Überwachungspflichten. Dies </div> <div class="para">ergibt sich aus <span class="artref">Art. 819 Abs. 1 OR</span>, der für von der Ge- </div> <div class="para">schäftsführung ausgeschlossene Gesellschafter lediglich ein </div> <div class="para">Einsichtsrecht vorsieht (vgl. Janggen/Becker, Kommentar zum </div> <div class="para">Schweizerischen Zivilgesetzbuch [Berner Kommentar; Band </div> <div class="para">VII, Teil 3], Bern 1939, N 28 zu <span class="artref">Art. 819 OR</span>; </div> <div class="para">Pedroja/Watter, Kommentar zum schweizerischen Privatrecht </div> <div class="para">[Basler Kommentar, Obligationenrecht II], Basel/Frankfurt </div> <div class="para">a.M. 1994, N 1 und N 7 zu <span class="artref">Art. 819 OR</span>; Lukas Handschin, Die </div> <div class="para">GmbH, Zürich 1996, <span class="artref">§ 19 N 7</span>; Herbert Wohlmann, Die Gesell- </div> <div class="para">schaft mit beschränkter Haftung, in: Schweizerisches </div> <div class="para">Privat- recht, Band VIII/2, Basel/Frankfurt a.M. 1982, S. </div> <div class="para">427 f. und S. 430; derselbe, GmbH-Recht, Basel/Frankfurt </div> <div class="para">a.M. 1997, S. 119 und S. 124). Hätte der Gesetzgeber </div> <div class="para">darüber </div> <div class="para">hinaus die blossen Gesellschafter zur Kontrolle der </div> <div class="para">Geschäftsführung verpflichten wollen, hätte dies unzweifel- </div> <div class="para">haft im Gesetz einen Niederschlag gefunden, was indessen </div> <div class="para">nicht der Fall ist. Folgerichtig sieht <span class="artref">Art. 827 OR</span> bezüg- </div> <div class="para">lich der auf Pflichtverletzungen beruhenden Verantwortlich- </div> <div class="para">keit nur für bei der Gesellschaftsgründung beteiligte und </div> <div class="para">mit der Geschäftsführung und der Kontrolle betraute Perso- </div> <div class="para">nen sowie die Liquidatoren eine Normierung vor. Auch wenn </div> <div class="para">die gesetzliche Lösung als wenig geglückt bezeichnet wird, </div> <div class="para">weil die Kontrollstelle nicht nur im Interesse der Anteils- </div> <div class="para">inhaber, sondern auch im Interesse der Gläubiger und des </div> <div class="para">Rechtsverkehrs agiert (Pedroja/Watter, a.a.O.; Wohlmann, </div> <div class="para">a.a.O.), liegt darin kein triftiger Grund, der ein </div> <div class="para">Abweichen von der vom Gesetzgeber getroffenen Regelung </div> <div class="para">rechtfertigen würde (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-192%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page196">BGE 125 II 196</a> Erw. 3a, 244 Erw. </div> <div class="para">5a, 125 V 130 Erw. 5, je mit Hinweisen). Soweit die Kasse </div> <div class="para">in diesem Zusammenhang aus <span class="artref">Art. 814 Abs. 1 OR</span> etwas anderes </div> <div class="para">ableiten will, ist dies nicht nachvollziehbar, wird in </div> <div class="para">dieser Bestimmung doch einzig die Vertretungsbefugnis der </div> <div class="para">Geschäftsführer näher umschrieben. Wenn daher ein nicht ge- </div> <div class="para">schäftsführender Gesellschafter die Einhaltung der so- </div> <div class="para">zialversicherungsrechtlichen Abrechnungs- und Beitrags- </div> <div class="para">zahlungspflichten (<span class="artref">Art. 14 Abs. 1 AHVG</span>; <span class="artref">Art. 34 ff. AHVV</span>) </div> <div class="para">durch die Firma nicht überprüft, kann er für den von der </div> <div class="para">Kasse wegen der Beitragsausfälle erlittenen Schaden auch </div> <div class="para">nicht haftbar gemacht werden. Ist er indessen statutarisch </div> <div class="para">zur Kontrolle oder Überwachung der Geschäftsführertätigkeit </div> <div class="para">verpflichtet, was nicht mit der Einsetzung einer (externen) </div> <div class="para">Revisionsstelle nach <span class="artref">Art. 819 Abs. 2 OR</span> zu verwechseln ist, </div> <div class="para">kann er wegen unterlassener oder unzureichender Kontrolle </div> <div class="para">genauso in die Pflicht genommen werden, wie wenn er in </div> <div class="para">Kenntnis mangelhafter Geschäftsführung keine Vorkehren </div> <div class="para">trifft (in diesem Sinne nicht veröffentlichtes Urteil A. </div> <div class="para">vom 17. Dezember 1999, H 136/99). Hat er innerhalb der </div> <div class="para">GmbH gar eine Stellung inne, die einem Geschäftsführer </div> <div class="para">entspricht, ist er weiter gehenden Pflichten unterworfen </div> <div class="para">(Näheres hiezu: Rolf Watter, Kommentar zum schweizerischen </div> <div class="para">Privatrecht [Basler Kommentar, Obligationenrecht II], </div> <div class="para">Basel/Frankfurt a.M. 1994, N 16 zu <span class="artref">Art. 811 OR</span> mit Hinweis </div> <div class="para">auf N 3 ff. zu <span class="artref">Art. 717 OR</span>; Werner von Steiger, Die </div> <div class="para">Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Kommentar zum </div> <div class="para">Schweizerischen Zivilgesetzbuch [Zürcher Kommentar, Band V, </div> <div class="para">Teil 5c], Zürich 1965, N 33 zu <span class="artref">Art. 811 OR</span>; Handschin, </div> <div class="para">a.a.O., <span class="artref">§ 19 N 40</span> ff.; Wohlmann, Die Gesellschaft mit </div> <div class="para">beschränkter Haftung, a.a.O., S. 419 ff.; derselbe, </div> <div class="para">GmbH-Recht, S. 112 f.), deren Verletzung ebenfalls eine </div> <div class="para">Verantwortlichkeitsklage nach sich ziehen kann (Art. 827 in </div> <div class="para">Verbindung mit <span class="artref">Art. 754 OR</span>). Als mit der Geschäftsführung </div> <div class="para">befasst gelten nicht nur Personen, die ausdrücklich als </div> <div class="para">Geschäftsführer ernannt worden sind (sog. formelle Organe); </div> <div class="para">dazu gehören auch Personen, die faktisch die Funktion eines </div> <div class="para">Geschäftsführers ausüben, indem sie etwa diesem vorbehal- </div> <div class="para">tene Entscheide treffen oder die eigentliche Geschäftsfüh- </div> <div class="para">rung besorgen und so die Willensbildung der Gesellschaft </div> <div class="para">massgebend beeinflussen (materielle oder faktische Organe; </div> <div class="para">BGE 117 II 441 Erw. 2, 571 Erw. 3, 114 V 78, 213). Darunter </div> <div class="para">fallen typischerweise Personen, die kraft ihrer Stellung </div> <div class="para">(z.B. Mehrheitsgesellschafter) dem formell eingesetzten </div> <div class="para">Geschäftsführer Weisungen über die Geschäftsführung </div> <div class="para">erteilen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5.- a) Da sich in den Statuten der GmbH keine Bestim- </div> <div class="para">mung findet, welche die nicht geschäftsführenden Gesell- </div> <div class="para">schafter zur Kontrolle und/oder Überwachung des Geschäfts- </div> <div class="para">ganges der GmbH verpflichten, und der Beschwerdegegner for- </div> <div class="para">mell von der Geschäftsführung ausgeschlossen ist, könnte er </div> <div class="para">nach Gesagtem nur dann in die Pflicht genommen werden, wenn </div> <div class="para">er innerhalb der GmbH eine Stellung innegehalten hat, die </div> <div class="para">einem Geschäftsführer entspricht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Dies durfte die Vorinstanz auf Grund der Vorbringen </div> <div class="para">der Verfahrensbeteiligten und der eingereichten Beweismit- </div> <div class="para">tel ohne weiteres verneinen. Der geringe Anteil des Be- </div> <div class="para">schwerdegegners am Stammkapital der Firma (5 %) sowie der </div> <div class="para">Umstand, dass er im Unterschied zum tatsächlich für die </div> <div class="para">GmbH arbeitenden Mehrheitsteilhaber formell von der Ge- </div> <div class="para">schäftsführung ausgeschlossen war, sprechen klar gegen die </div> <div class="para">Annahme einer Organstellung. Es kommt hinzu, dass auf der </div> <div class="para">Lohnliste der GmbH einzig B.________ und dessen Ehegattin </div> <div class="para">zu finden sind. Weiter begründete die Kasse ihre Klage mit </div> <div class="para">der formellen Stellung des Beschwerdegegners als </div> <div class="para">einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter, ohne konkrete </div> <div class="para">Anhaltspunkte zu nennen, die auf eine materielle Organ- </div> <div class="para">stellung hingedeutet hätten. Gegenteils warf sie in der </div> <div class="para">Klageschrift die ihr bekannte Aussage der beiden Gesell- </div> <div class="para">schafter vom 4. August 1997 nicht auf, wonach der Beschwer- </div> <div class="para">degegner faktisch keinerlei Einfluss auf die Bezahlung oder </div> <div class="para">Nicht-Bezahlung von Rechnungen gehabt habe. Auch nachdem </div> <div class="para">der Beschwerdegegner in der Klageantwort vom 18. Dezember </div> <div class="para">1997 dargelegt hatte, nie mit der Geschäftsführung beauf- </div> <div class="para">tragt worden zu sein, verzichtete die Kasse in der Duplik </div> <div class="para">auf eine Entgegnung. Da endlich selbst die Besorgung von </div> <div class="para">Büroarbeiten die Annahme einer Organstellung nicht zu </div> <div class="para">rechtfertigen vermag, weil sie sich in Handlungen er- </div> <div class="para">schöpft, welche die Willensbildung der Gesellschaft nicht </div> <div class="para">im Sinne von Lehre und Rechtsprechung massgebend beeinflus- </div> <div class="para">sen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-V-219%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page219">BGE 114 V 219</a> Erw. 5), bot allein der Umstand, dass </div> <div class="para">der Beschwerdegegner für die GmbH am 19. Juli 1994 den </div> <div class="para">Fragebogen "zur Abklärung der Beitragspflicht AHV/IV/EO/ALV </div> <div class="para">für juristische Personen" ausgefüllt sowie die Jahresab- </div> <div class="para">rechnungen 1995 und 1996 unterzeichnet hatte, keinen Anlass </div> <div class="para">für weitere Abklärungen in Richtung materieller Organstel- </div> <div class="para">lung. Der Vorinstanz kann unter diesen Umständen keine Ver- </div> <div class="para">letzung des Untersuchungsgrundsatzes (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-V-282%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page283">BGE 117 V 283</a> Erw. 4a </div> <div class="para">in fine, 110 V 52 f. mit Hinweisen; AHI 1994 S. 212 </div> <div class="para">Erw. 4a) vorgeworfen werden. Es hätte an der Kasse gelegen, </div> <div class="para">in Beachtung ihrer Mitwirkungspflicht die Frage der mate- </div> <div class="para">riellen Organstellung aufzugreifen und entsprechende </div> <div class="para">Beweismittel beizubringen. Soweit sie dieses Versäumnis </div> <div class="para">letztinstanzlich nachholen will, ist dies verspätet </div> <div class="para">(Erw. 1b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 6.- Es bleibt zu prüfen, ob das kantonale Gericht dem </div> <div class="para">obsiegenden Beschwerdegegner eine Parteientschädigung zu- </div> <div class="para">sprechen durfte, was von der Kasse bestritten wird. </div> <div class="para"> In sachverhaltsmässiger Hinsicht ging die Vorinstanz </div> <div class="para">davon aus, es habe ein Vertretungsverhältnis vorgelegen, </div> <div class="para">was indessen offenkundig unrichtig (vgl. Erw. 1a hievor) </div> <div class="para">ist: Der Versicherte hat die gemeinsam mit einer in </div> <div class="para">gleicher Angelegenheit von der Kasse eingeklagten Person </div> <div class="para">abgefasste Klageantwort eigenhändig unterzeichnet. Einer in </div> <div class="para">eigener Sache prozessierenden Partei steht nun aber - </div> <div class="para">anders als einer vertretenen - selbst bei Obsiegen nur </div> <div class="para">ausnahmsweise eine Entschädigung für Arbeitsaufwand und </div> <div class="para">Umtriebe zu. Erforderlich ist unter anderem, dass die Inte- </div> <div class="para">ressenwahrung einen derart hohen Arbeitsaufwand notwendig </div> <div class="para">macht, dass die normale (z.B. erwerbliche) Betätigung </div> <div class="para">während einiger Zeit erheblich beeinträchtigt ist (BGE 110 </div> <div class="para">V 135 Erw. 4d), wovon vorliegend indessen keine Rede sein </div> <div class="para">kann. Somit ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde im Kos- </div> <div class="para">tenpunkt begründet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 7.- Da es nicht um die Bewilligung oder Verweigerung </div> <div class="para">von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kosten- </div> <div class="para">pflichtig (<span class="artref">Art. 134 OG</span> e contrario). Dem Prozessausgang </div> <div class="para">entsprechend sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin </div> <div class="para">und dem Beschwerdegegner im Verhältnis neun zu eins </div> <div class="para">aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 135 </span></div> <div class="para">OG). </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. In teilweiser Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbe-</i> </div> <div class="para"> schwerde wird Dispositiv-Ziffer 3 des Entscheids des </div> <div class="para"> Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom </div> <div class="para"> 19. August 1999 aufgehoben. Im Übrigen wird die Ver- </div> <div class="para"> waltungsgerichtsbeschwerde abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Von den Gerichtskosten von insgesamt Fr. 1000.- werden </div> <div class="para"> der Beschwerdeführerin Fr. 900.- und dem Beschwerde- </div> <div class="para"> gegner Fr. 100.- auferlegt. Der Anteil der Beschwerde- </div> <div class="para"> führerin ist durch den geleisteten Kostenvorschuss von </div> <div class="para"> Fr. 1000.- gedeckt; der Differenzbetrag von Fr. 100.- </div> <div class="para"> wird zurückerstattet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungs- </div> <div class="para"> gericht des Kantons St. Gallen, dem Bundesamt für </div> <div class="para"> Sozialversicherung und B.________ zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 29. Mai 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der I. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>