Beschluss vom 14. Juni 2017 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Andreas J. Keller, Vorsitz, Roy Garré und Cornelia Cova, Gerichtsschreiberin Inga Leonova Parteien A., Gesuchsteller gegen APPELLATIONSGERICHT BASEL-STADT, Gesuchsgegner Gegenstand Ausstand des gesamten Berufungsgerichts (Art. 59 Abs. 1 lit. d i.V.m. Art. 56 StPO) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: BB.2017.103 - 2 - Die Beschwerdekammer hält fest, dass: - A. gegen den Entscheid des Strafgerichts des Kantons Basel -Stadt vom 1. September 2014 mit Berufung an das Appel lationsgericht des Kantons Basel-Stadt gelangte (act. 1.2); - A. mit Eingabe vom 13. Juni 2017 bei der Beschwerdekammer des Bun- desstrafgerichts ein Ausstandsgesuch gegen das gesamte Appe llationsge- richt Basel-Stadt einreichte (act. 1). Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: - die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ohne weiteres Beweisver- fahren und endgültig entscheidet, wenn ein Ausstandsgrund nach Art. 56 lit. a oder f. StPO geltend gemacht wird oder sich eine in einer Strafbehörde tätige Person einem von einer Partei gestellten Ausstandsgesuch widersetzt, welches sich auf Art. 56 lit. b-e StPO abstützt (Art. 59 Abs. 1 lit. d StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG); - gemäss § 92 Abs. 1 Ziff. 1 des Gerichtsorganisationsgesetzes des Kantons Basel-Stadt vom 3. Juni 201 5 ( Gerichtsorganisationsgesetz, GOG; SG 154.100) die Beurteilung von Berufungen gegen ein Urteil der Dreierge- richte für Strafsachen und des Einzelgerichts in Strafsachen in die Zustän- digkeit des Dreiergerichts der strafrechtliche Abteilung des Appel lationsge- richts fällt; somit die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gestützt auf Art. 59 Abs. 1 lit. d StPO für die Beurteilung des vorliegenden Gesuchs zuständig ist; - die Ausstandsgründe immer in der Person begründet sind, weshalb sich das Gesuch auch immer nur gegen die Mitwirkung einer in der konkreten Sache tätigen einzelnen Person richtet, nicht jedoch gegen die Gesamtbehörde oder das ganze Gericht ( BOOG, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 58 StPO N. 2 m.w.H.); daran auch der Wortlaut von Art. 59 Abs. 1 lit. d StPO nichts ändert; - gegebenenfalls ein Gesuch gegen die Gesamtbehörde als einheitliches Aus- standsbegehren gegen alle Einzelmitglieder entgegenzunehmen ist, was je- doch entsprechend begründet sein muss ( BOOG, a.a.O., Art. 58 StPO N. 2 m.w.H.; Beschluss der Beschwerdekammer BB.2012.140 vom 26. Septem- ber 2012); - 3 - - materielle oder prozessuale Rechtsfehler in erster Linie im Rechtsmittelver- fahren zu rügen sind und keinen hinreichenden Anschein der Befangenheit zu begründen vermögen, solange sie nicht besonders krass sind und wie- derholt auftreten, sodass sie einer schweren Amtspflichtverletzung gleich- kommen, sich einseitig zu Lasten einer Prozesspartei auswirken und eine fehlende Distanz und Neut ralität beurteilende Haltung offenbaren ( BOOG, a.a.O., Art. 56 StPO N. 59). - sich das vorliegende Ausstandsgesuch gegen das Appe llationsgericht des Kantons Basel-Stadt als Gesamtbehörde richtet sowie eine genügende Be- gründung, weshalb die namentlich genan nten Gerichtspräsidenten/ -innen und nebenamtlichen Richter/-innen in den Ausstand treten sollen, im obge- nannten Sinne fehlt; - es der Beschwerdekammer des Bundess trafgerichts bei diesen Vorausset- zungen nicht möglich ist, die Befangenheit jedes einzelnen Mitglieds des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt zu überprüfen; - der Gesuchsteller seine Vorbringen in Bezug auf materielle und prozessuale Rechtsfehler (einschliesslich Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung) im Berufungsverfahren bzw. allfälligen Beschwerdeverfahren vor Bundesge- richt geltend zu machen hat; - deshalb auf das Ausstandsgesuch ohne Durchführung eines Schriftenwech- sels (in Analogie zu Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario) nicht einzutreten ist; - die Kosten des vorliegenden Verfahrens daher vom Gesuchsteller zu tragen (Art. 59 Abs. 4 StPO) und auf Fr. 300.-- festzusetzen sind (Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 2 BStKR). - 4 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Auf das Ausstandsgesuch wird nicht eingetreten. 2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- wird dem Gesuchsteller auferlegt. Bellinzona, 14. Juni 2017 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Vorsitzende: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - A. - Appellationsgericht Basel-Stadt Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.