200 20 762 IV KOJ/REL/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 12. März 2021 Verwaltungsrichter Kölliker, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichter Loosli Gerichtsschreiberin Bischof A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 8. September 2020 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1998 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) wurde durch seine Eltern am 22. Januar 1999 aufgrund eines kongenitalen vesico-ureteralen Reflux zum Leistungsbezug für Minderjährige bei der Invalidenversicherung (IV) angemeldet (Antwortbeilage der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin; AB] 9.1 S. 7 ff.]). In der Folge sprach ihm die IV medizinische Massnahmen für die Behandlung des Geburtsgebre- chens Nr. 346 (Kongenitaler vesico-ureteraler Reflux [AB 16]) zu. Nachdem der Versicherte eine Ausbildung zum … absolviert und während gut eines Jahres auf diesem Beruf gearbeitet hatte (vgl. AB 24 S. 5 f.), wurde er durch seinen Arbeitgeber am 22. November 2018 unter Hinweis auf nicht geklärte Lähmungserscheinungen am rechten Arm und rechten Bein zur Früherfassung angemeldet (AB 19). Am 16. Dezember 2018 mel- dete er sich selber zum Leistungsbezug bei der IV an (AB 24). Die IVB nahm Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht vor und ver- neinte den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (AB 49) und berufli- che Massnahmen (AB 87). Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztli- chen Dienst (RAD [AB 62]) liess die IVB den Versicherten bidisziplinär (neurologisch und psychiatrisch) begutachten (AB 88). Gestützt auf das entsprechende Gutachten vom 20. Mai 2020 (AB 103.1) stellte sie mit Vor- bescheid vom 8. Juni 2020 (AB 105) die Abweisung des Leistungsbegeh- rens mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens in Aussicht. Dagegen erhob der Versicherte – vertreten durch die C.________ – Ein- wand und beantragte die Ausrichtung von Leistungen der IV (AB 106 und AB 110). Mit Verfügung vom 8. September 2020 (AB 111) verfügte die IVB dem Vorbescheid entsprechend. B. Hiergegen erhob der Versicherte – neu vertreten durch Rechtsanwalt B.________ – am 8. Oktober 2020 Beschwerde. Er beantragt die Aufhe-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 3 bung der angefochtenen Verfügung und die Festsetzung des Invaliditäts- grades (IV-Grades) auf 100 %. Eventualiter sei bezüglich seines Gesund- heitszustandes und der daraus abgeleiteten Arbeits- und Leistungsfähigkeit ein Gerichtsgutachten anzuordnen. Subeventualiter seien die Akten zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es sei zudem eine parteiöffentliche Verhandlung durchzuführen. Mit Beschwerdeantwort vom 9. November 2020 beantragt die Beschwer- degegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit prozessleitender Verfügung vom 18. November 2020 wies der Instrukti- onsrichter den Antrag auf Durchführung einer parteiöffentlichen Verhand- lung ab. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 4 tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 8. September 2020 (AB 111). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der IV, insbesondere auf eine Rente. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so- wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be- fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti- gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 S. 221). 2.3 2.3.1Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 5 sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Ge- sundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit inva- lidenversicherungs-rechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könn- te; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). 2.3.2Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorga- ben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegrün- dende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturier- ten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429). 2.3.3Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein- trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Ag- gravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 und 2.2.1 S. 287; SVR 2016 UV Nr. 25 S. 83 E. 6). 2.3.4Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 6 seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardin- dikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien „funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ einteilen las- sen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). Die Anerkennung eines rentenbegründenden IV-Grades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge- sundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi- katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6 S. 308). 2.4Um den IV-Grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be- urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 3. 3.1Bezüglich des Gesundheitszustandes und der Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit des Beschwerdeführers finden sich in den Akten insbeson- dere folgende Angaben: 3.1.1Prof. Dr. med. D.________, Fachärztin für Neurologie, und Dr. med. E.________, Assistenzärztin am Spital F.________ (Neurozentrum), Sprechstunde für Funktionelle Neurologische Störungen, hielten im Bericht vom 25. September 2018 (AB 54 S. 15 f.) die Verdachtsdiagnose eines fluktuierenden sensomotorischen Hemisyndroms (ICD-10: F44.6 und ICD-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 7 10: F44.4) sowie als Nebendiagnose eine protrahierte Kopfschmerzepisode fest. Seit dem 5. August 2018 beständen plötzlich eingetretene Kopf- schmerzen, welche initial während der Arbeit aufgetreten und mit Fieber und Erbrechen einhergegangen seien. Die durchgeführten MRI zeigten Normalbefunde, die zweimalige Liquorpunktionen seien ohne Auffälligkei- ten und das EEG ebenfalls unauffällig gewesen. Die Ursache der Kopf- schmerzen sei unklar (S. 16). Das begleitende, leicht in der Ausbreitung fluktuierende sensomotorische Hemisyndrom rechts sei am ehesten funkti- onell einzuordnen. Insgesamt könne es sich bei den Kopfschmerzen gut um eine Migräne handeln, welche häufig von funktionellen Störungen als zusätzliche Überlagerungen begleitet werde. 3.1.2Im Rahmen einer interdisziplinären Sprechstunde Neuropsychoso- matik/Psychologie des Neurozentrums diagnostizierten Prof. Dr. med. D.________ und Dr. med. E.________ zusammen mit Dr. phil. G.________, Fachpsychologin für Psychotherapie, im Bericht vom 6. Fe- bruar 2019 (AB 54 S. 10 f.) eine funktionelle neurologische Störung mit sensomotorischem Hemisyndrom rechts (ICD-10: F44.6 und ICD-10: F44.4) und chronische Kopfschmerzen. Es sei nach der letzten Verlaufs- kontrolle zu einer initialen leichten Verschlechterung und schliesslich Stabi- lisierung der sensomotorischen rechtsseitigen Hemiparese gekommen. Der Beschwerdeführer könne seinen rechten Arm und das rechte Bein nicht spüren und nicht bewegen. Es sei weiterhin von einer funktionellen Ätiolo- gie auszugehen bei hierfür typischen positiven Zeichen. Unter der gegen- wärtig ambulanten Physiotherapie zeige sich bisher keine klare Zustands- besserung. Geplant sei ein Ausbau des ambulanten Netzwerkes mittels Physiotherapie, Ergotherapie sowie Verhaltenspsychotherapie. 3.1.3In ihrem Bericht vom 30. April 2019 (AB 62) fasste die RAD-Ärztin Dr. med. H.________, Fachärztin für Neurologie, die vorliegenden medizi- nischen Unterlagen zusammen und diagnostizierte eine funktionelle neuro- logische Störung mit sensomotorischem Hemisyndrom rechts (ICD-10: F44.6 und ICD-10: F44.4) sowie chronische Kopfschmerzen (S. 4). Sie hielt es für nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer nicht im gewohnten Ausmass arbeiten könne und dass eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20 % seit dem Auftreten der Symptomatik bestehe (S. 5). Es sei jedoch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 8 davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit mit Therapie (und ev. berufli- chen Massnahmen) wieder gesteigert werden könne. 3.1.4Die behandelnden Fachärzte des Neurozentrums diagnostizierten im Bericht vom 14. Oktober 2019 (AB 82 S. 6 f.) eine funktionelle neurolo- gische Störung mit schwerem sensomotorischen Hemisyndrom (ICD-10: F44.6 und ICD-10: F44.4). Es bestehe weiter ein unveränderter Verlauf der Symptome der funktionellen neurologischen Störung (S. 7). Eine stationäre Rehabilitation mit dem Ziel der Durchführung einer intensiven physiothera- peutischen Behandlung stelle eine Option dar, wobei der Zeitpunkt hierfür aufgrund der wenig spürbaren Eigeninitiative des Beschwerdeführers dies- bezüglich nicht optimal sei. 3.1.5Im bidisziplinären Gutachten vom 20. Mai 2020 (AB 103.1) wurde als relevante Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine dis- soziative Störung der Bewegung und der Sensibilität (ICD-10: F44.6 und ICD-10: F44.4) festgehalten (S. 28). Dr. med. I.________, Facharzt für Neurologie, konnte in seinem neurologi- schen Teilgutachten (S. 8 ff.) keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit erheben (S. 14 Ziff. 5.1). Als Diagnose ohne Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit nannte er ein sensomotorisches Hemisyndrom rechts, scha- rfmittig begrenzt im Hinblick auf die Sensibilität sowie unterhalb der Thorax apertur, was die Motorik betreffe (Ziff. 5.2). Insgesamt seien die erhobenen Befunde wie auch die Beschriebe von Voruntersuchern nicht mit einer or- ganischen Beeinträchtigung vereinbar (S. 15). Es sei von einer nichtorgani- schen/seelischen Ursache der vom Beschwerdeführer beschriebenen und demonstrierten Beeinträchtigungen und Einschränkungen auszugehen. Aus neurologischer Sicht sei der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit bei nichtorganisch bedingter Hemisymptomatik als voll arbeits- fähig zu bezeichnen (entsprechend acht Stunden und 15 Minuten pro Tag [S. 18 Ziff. 7.1]). Er sei für jegliche Tätigkeiten, welche seiner Konstitution und seinem Bildungsniveau angepasst seien, als zu 100 % arbeitsfähig zu bezeichnen (Ziff. 1). Die Tätigkeit als … sei als optimal angepasst anzu- nehmen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 9 Dr. med. J.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem psychiatrischen Teilgutachten (AB 103.1 S. 20 ff.) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine dissoziative Störung der Be- wegung und der Sensibilität (ICD-10: F44.6 und ICD-10: F44.4 [S. 25]). Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stellte er nicht. Auf- grund der rein psychischen Funktion sei der Beschwerdeführer weiterhin vollumfänglich in der Lage, die bisherige Tätigkeit durchzuführen (S. 26 Ziff. 8). Die Beeinträchtigungen erklärten sich aufgrund der Lähmung der rechten Seite und auch des Sensibilitätsverlustes rechtsseitig. Er könne die rechte Seite überhaupt nicht mehr einsetzen, entsprechend sei die ange- stammte Tätigkeit seit August 2018 nicht mehr möglich. Eine angepasste Tätigkeit könnte der Beschwerdeführer theoretisch durchführen, wenn er nur die linke Seite einsetzen müsste, respektive auch die linke Hand (S. 27). In derartigen Tätigkeiten würde theoretisch keine Einschränkung bestehen. Im Rahmen der bidisziplinären Konsensbesprechung kamen die Referen- ten nach eingehender Diskussion zum Schluss, dass die psychiatrische Beurteilung hinsichtlich der Einschätzung der Arbeits- und Leistungsfähig- keit massgebend sei (S. 28). Aus psychiatrischer Sicht müsse angenom- men werden, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Konversionssym- ptomatik mit Sensibilitäts- und Kraftverlust rechtsseitig massiv beeinträch- tigt sei und die angestammte Tätigkeit nicht mehr durchführen könne. Die angestammte Tätigkeit sei seit August 2018 vollumfänglich nicht mehr möglich (S. 29 Ziff. 1.6). Theoretisch könne der Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit durchführen, wenn er nur die linke Seite einsetzen müsste, resp. auch die linke Hand. In derartigen Tätigkeiten bestände keine Einschränkung (Ziff. 1.7). Der Beschwerdeführer versuche sich im Alltag weitgehend zu aktivieren, wobei sich die Behinderung vorwiegend aufgrund der körperlichen Problematik manifestiere (S. 28 Ziff. 1.5). Die von ihm ge- klagten Beschwerden und Einbussen erschienen konsequent und nachvoll- ziehbar, sie deckten sich mit den Angaben in den Unterlagen. 3.1.6Die behandelnden Ärzte des Spitals K.________ nahmen im Bericht vom 7. August 2020 (AB 110 S. 5 f.) zum psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med. J.________ (AB 103.1 S. 20 ff.) Stellung und führten aus, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 10 dass dieses sämtliche psychiatrischen Beschwerden berücksichtige und widerspruchsfrei sowie schlüssig sei (AB 110 S. 5 Ziff. 1 - 3). Sie teilten die Ansicht der Gutachter in der Konsensbesprechung und insbesondere aus- drücklich die Ansicht, wonach die angestammte Tätigkeit seit August 2018 vollumfänglich nicht mehr möglich sei (Ziff. 4). In einer Tätigkeit, in welcher nur die linke Körperseite eingesetzt werde müsse, würde keine Einschrän- kung bestehen. Zur abschliessenden Beurteilung seien keine weiteren Ab- klärungen notwendig (S. 6 Ziff. 5). 3.1.7Dr. med. L.________, Fachärztin für Neurologie am Neurozentrum, nannte in ihrer Stellungnahme zum Vorbescheid vom 11. August 2020 (AB 110 S. 3 f.) die Diagnose einer funktionellen neurologischen Störung in Form eines schweren sensomotorischen Hemisyndroms rechts (ICD-10: F44.6 und ICD-10: F44.4). Definitionsgemäss fehle ein für die Beschwer- den verantwortliches strukturelles Korrelat, weshalb funktionelle neurologi- sche Beschwerden ein Verbesserungspotential aufweisen würden oder gar reversibel sein könnten, wobei der Individualverlauf nur schwer abschätz- bar sei. Aufgrund der schwerwiegenden sensomotorischen Hemisympto- matik rechts sei der Beschwerdeführer im Alltag sowohl in seiner Mobilität wie auch im Einsatz der rechten oberen Extremität erheblich eingeschränkt. Es empfehle sich bei funktionellen neurologischen Störungen jeweils ein sehr langsamer progressiver Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit mit initialem Pensum von maximal 10 % - 20 % an fünf Tagen pro Woche, um eine allfällige Überforderung und somit eine potentielle Symptomzunahme zu vermeiden. Beim Beschwerdeführer solle dies in einer angepassten Tätigkeit (sitzend, keine schweren körperlichen Aktivitäten oder wiederholt längere Gangstrecken, Gelegenheit zu Pausen, limitierte Verantwortung etc.) versucht werden. 3.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 11 ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.3 3.3.1Die Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung in medizinischer Hinsicht massgeblich auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. med. J.________ und I.________ vom 20. Mai 2020 (AB 103.1) ge- stützt. Dieses erfüllt – was die erhobenen Befunde und gestellten Diagno- sen anbelangt – die vorerwähnten höchstrichterlichen Beweisanforderun- gen (vgl. E. 3.2 hiervor) und erbringt insoweit vollen Beweis. Die darin ent- haltenen Feststellungen beruhen auf zwei einlässlichen fachärztlichen Ab- klärungen und sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden getroffen worden. Die Ergebnisse der beiden fachärztlichen Untersuchungen fanden sodann Eingang in die umfassende bidisziplinäre Konsensbeurteilung. Gestützt darauf haben die Sachverstän- digen die medizinischen Befunde und die Diagnosen nachvollziehbar und überzeugend dargestellt. Die im Gutachten erhobene psychiatrische Dia- gnose der dissoziativen sensomotorischen Störung (ICD-10: F44.6 und ICD-10: F44.4) findet in sämtlichen Berichten der behandelnden Ärzte ihren Rückhalt: diese Diagnose wurde auch von den Behandlern des Spitals K.________ im Bericht vom 7. August 2020 (AB 110 S. 5 f.), ebenso wie von der RAD-Ärztin Dr. med. H.________ im Bericht vom 30. April 2019 (AB 62) und den Fachärzten des Neurozentrums des Spitals F.________ in den Berichten vom 25. September 2018 (AB 54 S. 15 f.), vom 6. Februar Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 12 2019 (AB 54 S. 10 f.), vom 14. Oktober 2019 (AB 82 S. 6 f.) und in der Stel- lungnahme zum Vorbescheid vom 11. August 2020 (AB 110 S. 3 f.) bestätigt. Des Weiteren sind auch die übrigen gutachterlichen Ausführun- gen schlüssig und überzeugen. Zu Recht wurde das Gutachten deshalb von den Fachärzten des Spitals K.________ denn auch als widerspruchs- frei und schlüssig bezeichnet (AB 110 S. 5 f.) und wird es oder dessen Be- weiskraft vom Beschwerdeführer weder in somatischer noch in psychiatri- scher Hinsicht bestritten. Der Sachverhalt erweist sich als rechtsgenüglich abgeklärt. Anders als es der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 8. Oktober 2020 (S. 3 Art. 2) vorbringt, durfte die Beschwerdegegnerin unter diesen Umständen nach Erstellung des Gutachtens von einer Rücksprache mit dem RAD absehen. Von weiteren medizinischen Sachverhaltserhebungen und insbesondere der Erstellung eines Gerichtsgutachtens, wie sie der Beschwerdeführer beantragt (Beschwerde vom 8. Oktober 2020 S. 2 Rechtsbegehren 2 und S. 8 Art. 8), sind keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten, so dass hiervon in antizipierter Beweiswürdigung abzusehen ist (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4). Nach dem Dargelegten ist auf das Gutachten der Dres. med. J.________ und I.________ vom 20. Mai 2020 (AB 103.1) – jedenfalls in medizinischer Hinsicht – abzustellen. 3.3.2Was die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers betrifft, bestehen in somatischer Hinsicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, wie Dr. med. I.________ in seinem neurologischen Teilgutachten überzeugend ausgeführt hat (AB 103.1 S. 14 und S. 18). Diese Einschätzung stimmt auch insoweit mit derjenigen der Ärzte des Neurozentrums vom 11. August 2020 (AB 110 S. 3 f.) überein, als diese einen Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit empfehlen, auch wenn die- ser sehr langsam progressiv und mit einem initialen Pensum von lediglich 10 % - 20 % erfolgen sollte. Im ebenfalls auch für sich alleine überzeugenden psychiatrischen Teilgut- achten kam Dr. med. J.________ zum Schluss, dass der Beschwerdefüh-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 13 rer aus psychiatrischer Sicht aufgrund der Lähmung der rechten Seite und auch des rechtsseitigen Sensibilitätsverlusts und der daraus abgeleiteten Diagnose der dissoziativen Störung der Bewegung und der Sensibilität (ICD-10: F44.4 und ICD-10: F44.6) seit August 2018 in der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei (S. 26). Die Schlussfolgerungen des psychiatrischen Gutachters korrelieren mit der Einschätzung der behan- delnden Fachärzte des Spitals K.________ in ihrem Bericht vom 7. August 2020 (AB 110 S. 5 f.). Sowohl der psychiatrische Gutachter wie auch die behandelnden Psychiater sehen eine theoretische Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit, in welcher nur die linke Seite eingesetzt und die linke Hand benutzt werden müsste, ohne Ein- schränkung arbeitsfähig sei (AB 103.1 S. 27 und AB 110 S. 5 f.). Es beste- hen damit keine im Wesentlichen divergierenden ärztlichen Berichte, die Zweifel an der Beurteilung von Dr. med. J.________, wonach in der ange- stammten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit August 2018 besteht und der Beschwerdeführer theoretische eine angepasste Tätigkeit ausführen könnte, wenn er nur die linke Seite bzw. die linke Hand einset- zen müsste, zu begründen vermöchten. 4. Nach dem Dargelegten ist mit den Gutachtern davon auszugehen, dass aus medizinisch-theoretischer Sicht die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde- führers aufgrund eines psychischen Gesundheitsschadens eingeschränkt ist. Davon zu unterscheiden ist jedoch die Frage, ob dieser Gesundheits- schaden auch aus rechtlicher Sicht zu berücksichtigen, d.h. invalidisierend ist. Zu klären bleibt damit die Relevanz der erhobenen psychischen Störungen und dabei insbesondere die Massgeblichkeit dieser gutachter- lich attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit seit August 2018 (vgl. E. 2.3.3 f. und E. 3.3.2 hiervor). Dies beur- teilt sich nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens, von wel- chem bei der vorliegenden Diagnose – anders als zum Beispiel bei Störungsbildern wie Schizophrenie, Zwangs-, Ess- und Panikstörungen (vgl. BGE 143 V 418, E. 7.1 S. 429 mit Hinweis auf BGE 139 V 574 E. 7.1.4 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 14 S. 562) – nicht abgesehen werden kann (vgl. Entscheid des Bundesge- richts [BGer] vom 22. Oktober 2019, 9C_520/2019). 4.1Diesbezüglich ist vorab festzuhalten, dass hier keine Ausschluss- gründe im Sinne der höchstrichterlichen Rechtsprechung vorliegen (BGE 141 V 281 E. 2.2 S. 287 f. unter Hinweis auf BGE 131 V 49). Insbesondere finden sich in den Akten keine Hinweise für eine Aggravation oder Simula- tion der Beschwerden. Vielmehr verneint der psychiatrische Gutachter Dr. med. J.________ das Vorliegen eines solchen Verhaltens explizit und verweist darauf, dass sich der Beschwerdeführer mit seiner Störung im Wesentlichen Nachteile einhandle (AB 103.1 S. 25). 4.2Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie "funktioneller Schweregrad" (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.). 4.2.1Mit Bezug auf den Komplex "Gesundheitsschädigung" (BGE 141 V 281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes: 4.2.1.1Zum Indikator "Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome" ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich der Begutachtung auf einem Bein hüpfend und dadurch nur mit grösster Mühe fortbewegen konnte (AB 103.1 S. 15 und S. 24 f.). Durch die so manifes- tierte schwerwiegende sensomotorische Hemisymptomatik rechts ist er im Alltag erheblich in seiner Mobilität und auch im Einsatz der rechten oberen Extremität eingeschränkt, wie die Fachärzte des Neurozentrums in ihrer Stellungnahme vom 11. August 2020 (AB 110 S. 3 f.) nachvollziehbar fest- gehalten haben. Übereinstimmend gehen sowohl die behandelnden Ärzte wie auch die Gutachter davon aus, dass die angestammte Tätigkeit seit August 2018 nicht mehr möglich ist (vgl. E. 3.3.2 vorstehend). Hingegen sollte es ihm zumindest theoretisch möglich sein, eine angepasste Tätigkeit auszuführen, in welcher er aber nur seine linke Körperhälfte einsetzen müsste (AB 110 S. 5 und AB 103.1 S. 29 Ziff. 1.7). Dies alles zeigt, dass die diagnoserelevanten Befunde deutlich ausgeprägt sind. 4.2.1.2Hinsichtlich des Indikators „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.) steht fest, dass der Beschwerdeführer bisher Physiotherapie und Ergotherapie (AB 103.1 S. 10 Ziff. 5) sowie von Februar bis September 2019 eine ambulante psychiatri-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 15 sche Behandlung im Spital K.________ (AB 78 S. 4 und AB 110 S. 5) in Anspruch genommen hat. Von Mitte Januar bis Anfang März 2019 erfolgte zudem ein Reha-Aufenthalt in der Klinik M.________ (AB 100 S. 2 ff. und AB 103.1S. 25) und weitere Kontrollen finden regelmässig beim Hausarzt und alle zwei Monate im Spital N.________ (AB 103.1 S. 21) statt. Bei der gutachterlichen Befragung gab der Beschwerdeführer an, dass er einen Rollstuhl zur besseren Fortbewegung benutzen möchte, was ihm aber von den psychosomatischen Behandlern nicht erlaubt worden sei (S. 23). Ein Versuch mit einem Rollator sei durchgeführt worden, habe sich aber auf- grund der starken Einseitigkeit als ziemlich problematisch erwiesen. Gemäss der Einschätzung des neurologischen Gutachters sind sowohl die bisher durchgeführte Behandlung (S. 16 Ziff. 6.2.1 und Ziff. 6.2.5) als auch der Therapieverlauf (Ziff. 6.2.2) als zielgerichtet und adäquat zu bezeich- nen, genau wie sämtliche Rehabilitations- und Eingliederungsmassnahmen (S. 17 Ziff. 6.2.8). Aus neurologisch-gutachterlicher Sicht konnte Dr. med. I.________ deshalb keine weiteren Behandlungsmöglichkeiten empfehlen (Ziff. 6.2.7). Hingegen sind im psychiatrischen Fachbereich – welcher hier von primärem Interesse ist – bisher keine längerfristigen und konsequenten Therapiemassnahmen durchgeführt worden (S. 26 Ziff. 7.7.2). Im Zeitpunkt der Begutachtung im Frühjahr 2020 war die Aufnahme von weiteren Phy- sio- und Ergotherapien (S. 11 Ziff. 12) ebenso wie einer neuen Psychothe- rapie geplant (S. 26 Ziff. 7.7.2) und letztere hat der Beschwerdeführer gemäss eigenen Aussagen nun auch wieder begonnen (Beschwerde vom 8. Oktober 2020 S. 4 f. Art. 4). Die Durchführung solcher weiteren Thera- piemassnahmen ist gemäss dem psychiatrischen Gutachter denn auch notwendig, da noch nicht von einer Ausschöpfung aller Massnahmen aus- gegangen werden könne und allenfalls auch die Behandlung in einer psy- chotherapeutischen Tagesklinik zu erwägen sei (AB 103.1 S. 26 Ziff. 7.7.2). Unter diesen Umständen ist insgesamt eine Behandlungs- wie auch eine Eingliederungsresistenz zu verneinen, was der Beschwerdeführer im Übri- gen auch anerkennt (Beschwerde vom 8. Oktober 2020 S. 5 Art. 4). 4.2.1.3Bezüglich der wesentlichen "Komorbiditäten", welche sich ressour- cenhemmend auswirken könnten (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 ff.), sind beim Beschwerdeführer chronische Kopfschmerzen sowie aufgrund der hüpfenden Fortbewegung Schmerzen in der linken Hüfte sowie im lin-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 16 ken Knie aktenkundig (AB 100 S. 2). Es liegen damit nur geringfügige Ko- morbiditäten vor. 4.2.2Betreffend den Komplex "Persönlichkeit" (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 302) bestehen beim Beschwerdeführer keine Hinweise auf Persönlich- keitsauffälligkeiten (AB 103.1 S. 26 Ziff. 7.7.1) und die Gutachter konnten keine pathologische Persönlichkeitsstruktur oder diesbezügliche Belastun- gen feststellen (S. 28 Ziff. 1.3). Auch der Beschwerdeführer selber beurteilt diesen Komplex als unauffällig bzw. nicht ressourcenraubend (Beschwerde vom 8. Oktober 2020 S. 5 Art. 4). 4.2.3Der Komplex "sozialer Kontext" (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303) zeigt, dass der Beschwerdeführer auf das Verständnis und die Unterstüt- zung seiner Mutter zählen kann (AB 103.1 S. 16 Ziff. 6.1.3), mit welcher er in einer Wohnung lebt, und auch das Haus verlassen kann (S. 21 f.). Er hat zwei Katzen, für die er sorgt, besucht die Grosseltern und hat regelmässi- gen Kontakt mit seiner Schwester. Früher hat der Beschwerdeführer viel Sport betrieben, was ihm heute nicht mehr möglich ist (S. 11 Ziff. 11). Auch wenn er gemäss eigenen Angaben aufgrund der Einschränkung der rech- ten Körperhälfte quasi nur zu Hause "rumhängen" und nichts machen kön- ne (S. 9 Ziff. 2.2.1), hat er einen Freundeskreis mit Kollegen, welche er ab und zu sieht, wenn sie ihn am Nachmittag besuchen, und mit welchen er regelmässig telefonisch und am Abend via Computer kommuniziert (S. 11 Ziff. 11, S. 21 und S. 24 Ziff. 6). Entgegen den Ausführungen in der Be- schwerde vom 8. Oktober 2020 (S. 5 Art. 4) ist damit erstellt, dass der so- ziale Kontext durchaus Ressourcen bereithält. 4.3Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der "Konsistenz". Dar- unter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 303). 4.3.1Zum Indikator "Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen" (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 S. 303 f.) ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Alltag sehr eingeschränkt ist und fast nur noch zu Hause lebt. Seinen Angaben zufolge ist er zwar weitestgehend selbstständig im Haushalt und Alltag, benötigt jedoch manchmal etwas mehr Zeit, so sei es insbesondere beim An- und Entklei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 17 den "kompliziert" (AB 103.1 S. 11 und S. 21). Ferienreisen habe er in den letzten zwei, drei Jahren nicht mehr unternommen (S. 11). Der neurologi- sche Gutachter hielt fest, dass sich aus der Besprechung keine Inkonsis- tenzen ergeben haben (S. 12 Ziff. 15). Gleichzeitig erwähnt er aber, dass die gezeigten Symptome und Funktionseinbussen weitestgehend inkonsis- tent und klinisch-neurologisch nicht plausibel und die Untersuchungsergeb- nisse nicht als valide und nachvollziehbar zu bezeichnen sind (S. 17 Ziff. 6.3.2). Diesen Umstand führt er auf die Folgen der seelischen Erkran- kung des Beschwerdeführers zurück. Etwas widersprüchlich sind die Aus- sagen des Beschwerdeführers zudem insoweit, als er gegenüber Dr. med. I.________ anlässlich der neurologischen Untersuchung angibt, beim Be- nutzen von Verkehrsmitteln selbstständig zu sein (S. 11 Ziff. 11), während Dr. med. J.________ im psychiatrischen Teilgutachten festhält, die Benut- zung des öffentlichen Verkehrs sei dem Beschwerdeführer gemäss eige- nen Angaben nicht selbstständig möglich (S. 23 Ziff. 4.1). Indessen hält auch der psychiatrische Gutachter fest, dass die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und Einbussen konsistent und nachvollziehbar sind und sich mit den Angaben in den Unterlagen decken (S. 26 Ziff. 7.7.3). Die übereinstimmenden Angaben der beiden Gutachter sind schlüssig, so dass auf diese abzustellen und davon auszugehen ist, dass keine Inkonsis- tenzen vorliegen. 4.3.2Was den Indikator "Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck" anbelangt (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304), ist auf Folgendes zu verweisen: Zwar ist der Beschwerdeführer in sämtlichen Lebensbereichen beeinträchtigt, doch ist ein wesentlicher Lei- densdruck bei ihm nicht spürbar, was gemäss dem neurologischen Gutach- ter Dr. med. I.________ im Zusammenhang mit der psychiatrischen Grun- derkrankung zu sehen ist (AB 103. S. 17 Ziff. 6.3.1). Medikamente nimmt der Beschwerdeführer keine (mehr) ein (S. 21) und eine konsequente psychiatrische Therapie wurde bisher nicht durchgeführt (S. 25), was bei- des auf einen geringen Leidensdruck schliessen lässt. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben in der Beschwerde vom 8. Oktober 2020 (S. 4 Art. 4) in der Zwischenzeit eine psychiatrische Behandlung bei Dr. med. O.________, Facharzt für Psychiatrie und Psy- chotherapie, aufgenommen hat. Zwar liegt kein medizinischer Bericht die-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 18 ses Arztes vor, doch auf das Einholen eines solchen kann vorliegend ver- zichtet werden, da – wie vorstehend bereits ausgeführt wurde (vgl. E. 3.3 vorstehend) – der Sachverhalt im hier massgeblichen Verfügungszeitpunkt rechtsgenüglich erstellt ist. Insgesamt ist von einem geringen Leidensdruck auszugehen. 4.4Zusammengefasst lassen die zu berücksichtigenden Indikatoren nicht den Schluss auf invalidisierende Funktionseinbussen im rechtlichen Sinne zu. Zwar sind die beiden Indikatoren "Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde" (E. 4.2.1.1 hiervor) und "Gleichmässige Ein- schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen" (E. 4.3.1 hiervor) einigermassen ausgeprägt, was auf gewisse leistungs- hindernde äussere Belastungsfaktoren hindeutet; in der Gesamtbetrach- tung überwiegen jedoch sämtliche übrigen Indikatoren, welche auf Kom- pensationspotentiale (Ressourcen) schliessen lassen und damit gegen das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens sprechen (vgl. BGer 9C_520/2019, E. 7.1 mit Hinweisen). Die vom psychiatrischen Gut- achter attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit ist deshalb als rechtlich nicht massgebend zu beurteilen, ohne dass das Gutachten vom 20. Mai 2020 (AB 103.1) dadurch seinen Beweiswert verliert (vgl. Entscheid des BGer vom 26. November 2018, 8C_480/2018, E. 5.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 50 E. 4.3 S. 53 f.). Es besteht damit weder aus somatischer (vgl. E. 3.3.2 hiervor) noch aus psychiatrischer Sicht ein invalidisierender Gesundheitsschaden und der Beschwerdeführer hat demnach keinen An- spruch auf Leistungen der IV. 5. Nach dem Dargelegten ist die Verfügung vom 8. September 2020 (AB 111) nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 19 6. 6.1Gemäss aArt. 69 Abs. 1 bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen und hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitig- keiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kosten- pflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1’000.– festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh- rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.–, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen. 6.2Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr- schluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.– werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für SozialversicherungenUrteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. März 2021, IV/20/762, Seite 20 Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.