Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. Januar 2015 (720 14 301) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revisionsweise Aufhebung der Viertelsrente infolge Verbesserung des psychischen Ge- sundheitszustandes der Versicherten Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Michelle Wahl, Advoka- tin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.3337.6353.67) Seite 2 A. Die 1969 geborene A.____ bezieht seit 1. Mai 2001 eine Viertelsrente der Invalidenver- sicherung gestützt auf einen mittels Betätigungsvergleich s ermittelten IV-Grad von 41,5% (vgl. Urteil des Kantonsgerichts vom 10. Juli 2002 [2001/227; Nr. 199]). Mit Mitteilungen vom 1. Sep- tember 2005 und 20. Dezember 2007 wurde die IV-Rent e bestätigt. Am 19. Januar 2010 leitete die IV-Stelle eine Revision ein. A.____ machte eine V erschlechterung ihres Gesundheitszu- standes geltend. Die IV-Stelle holte daraufhin ein po lydisziplinäres Gutachten bei der B.____ ein. In rheumatologischer Hinsicht erwies sich der Gesun dheitszustand als gleichbleibend, in psychiatrischer Hinsicht wurde eine Verbesserung festgestellt . Die Gutachter attestierten eine volle Arbeitsfähigkeit (Gutachten der B.____ vom 5. April 2011). Mit Vorbescheid vom 11. Okto- ber 2011 kündigte die IV-Stelle die Aufhebung der IV -Rente an. Dagegen erhob A.____, vertre- ten durch Advokat Erik Wassmer, Einwand und beantragte m it Eingabe vom 10. November 2011 mit Verweis auf die Berichte der behandelnden Är zte Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Medizin, vom 25. Oktober 2011 und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. Oktober 2011 sowie auf das Arztzeugnis der Klini k Sonnenhalde vom 4. November 2011 eine ganze IV-Rente. Die IV-Stelle kam gestützt auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zum Schl uss, dass mit der Hospitalisation in der Klinik F.____ ein Grund vorliege, den Revisionse ntscheid aufzuschieben. Vom 7. No- vember 2011 bis 30. März 2012 besuchte A.____ die Tageskl inik der G.____. Die IV-Stelle hol- te in der Folge ein Gutachten bei Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein, um zu klären, ob sich der psychische Gesundheitszustand bzw. die Arbeitsfähigkeit seit der Untersuchung bei der B.____ verändert habe. Mit Guta chten vom 21. Juni 2012 stellte Dr. H.____ fest, dass der psychische Gesundheitszustand seit der Beurteilung der B.____ als sta- tionär bezeichnet werden könne und attestierte ebenfal ls eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Ge- mäss Abklärungsbericht Haushalt vom 11. April 2011 konnte auch keine Einschränkung mehr im Haushalt festgestellt werden. Vom 19. Juni 2012 bis 9. August 2012 und vom 14. April 2014 bis 30. April 2014 wurde A.____ erneut in der Klinik F.____ behandelt. Mit Verfügung vom 29. August 2014 hob die IV-Stelle nach Durchführung eines erneuten Vor- bescheidverfahrens gestützt auf das Gutachten von Dr. H.____ vom 21. Juni 2012, welches im Wesentlichen mit dem Gutachten der B.____ vom 5. Apri l 2011 übereinstimmt, die IV-Rente revisionsweise auf. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokatin Michelle Wahl, Be- schwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsr echt. Sie beantragte die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente. Sie machte geltend, dass auf das Gutachten von Dr. H.____ vom 21. Juni 2012 nicht abgestellt werden könne. Insbesondere sei es nicht in Kenntnis von allen rel evanten medizinischen Berichten er- gangen. Weiter habe es die IV-Stelle versäumt, die Au swirkungen der körperlichen Beschwer- den auf den psychischen Gesundheitszustand umfassend abzukläre n. Es fehle vor allem an einer neurologischen Abklärung. Weiter seien bezüglich der somatoformen Schmerzstörung die Seite 3 Försterkriterien erfüllt. Nicht zuletzt sei die Haushalt sabklärung veraltet. Es sei unberücksichtigt geblieben, dass sich der Gesundheitszustand des Ehemannes d rastisch verschlechtert habe. Es fehle auch an einer fachpsychiatrischen und neurologischen Beurteilung der einzelnen Posi- tionen des Haushaltsabklärungsberichts unter dem Gesichtspun kt der Zumutbarkeit. Unter den gegebenen Umständen erweise sich die Aufhebung der IV-R ente als nicht gerechtfertigt. Die Versicherte sei sowohl im beruflichen Bereich als auch im Aufgabenbereich Haushalt und Kin- derbetreuung als nicht arbeitsfähig einzustufen. C. Mit Vernehmlassung vom 25. November 2014 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Aus beiden Gutachten gehe hervor, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten massgeblich gebessert habe und die Versichert e voll arbeitsfähig sei. Sowohl der psychiatrische Gutachter der B.____, Dr. med. I.____, als auch Dr. H.____ hätten sich mit den abweichenden Berichten der behandelnden Ärzte auseinan dergesetzt. Eine weitere neurologi- sche Abklärung sei nicht indiziert. In Bezug auf den Haus haltsabklärungsbericht sei anzumer- ken, dass der Ehemann gemäss Austrittsberichte der J.____ vom 26. März 2013 und 9. Mai 2014 in stabilem Zustand entlassen worden sei. Aufgrun d der gutachterlich festgestellten Fä- higkeit der Versicherten, den Haushalt führen zu können, hätten selbst allfällige gesundheitliche Probleme des Ehemannes keinen entscheidenden Einfluss auf die Bereiche im Haushalt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob die IV-Stelle zu Recht von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes ausge gangen ist und die IV-Rente aufgehoben hat. 1.2 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende ode r längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert Seite 4 schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 1.5 Die Bemessung der Invalidität von Teilerwerbstätig en erfolgt nach Art. 28a Abs. 3 IVG. Danach wird bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstä tig sind, für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Danach wird der IV-Grad aufgrund eines Einkommensvergleichs bestimmt. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Inva- lidität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeg lichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbsei nkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Waren sie daneben auch im Aufga- benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen. 2. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin heute o hne Invalidität zu 50% im erwerb- lichen Bereich und zu 50% im Haushalt tätig wäre. Folg lich wird der IV-Grad neu nicht mehr mittels Betätigungsvergleichs, sondern anhand der gemisch ten Bemessungsmethode zu beur- teilen sein. 3. Ändert sich der IV-Grad einer Rentenbezügerin oder e ines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin fü r die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). A nlass zur Rentenrevision gibt jede we- sentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, d ie geeignet ist, den IV-Grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentli- chen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dan n revidierbar, wenn die erwerbli- chen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheit szustandes sich erheblich ver- ändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebe nen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisio nsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 Seite 5 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilun g einer anspruchserheblichen Änderung des IV-Grades bildet die letzte rechtskräftige Verfügung , welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklä rung, Beweiswürdigung und Inva- liditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108 ff.). 4.1 Es stellt sich die Frage, ob das psychiatrische Gutachten von Dr. H.____ vom 21. Juni 2012 den beweisrechtlichen Anforderungen genügt und d arauf abgestellt werden kann. Der Gutachter kam in Übereinstimmung mit den Gutachtern der B.____ zum Schluss, dass die Be- schwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit oder in einer Verweistätigkeit voll arbeitsfähig sei. Die Versicherte macht dagegen geltend, dass Dr. H.____ ihre gesundheitliche Situation und die Arbeitsfähigkeit nicht richtig beurteilt habe und verweist auf die Berichte der behandelnden Ärzte, insbesondere auf diejenigen von Dr. D.____ und der Klinik F.____. Es sei ihr nicht mög- lich, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. Im Folgenden ist deshalb zu prüfen, ob sich der Ge- sundheitszustand der Versicherten seit Ausrichtung der Viert elsrente per 1. Mai 2001 (vgl. Be- schluss der IV-Stelle vom 3. Februar 2003 und Urteil des Kantonsgerichts vom 10. Juli 2002) in einer anspruchserheblichen Weise verbessert hat. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Seite 6 Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5.1 Den IV-Grad beurteilte das Kantonsgericht mit Urt eil vom 10. Juli 2002 für die Zeit ab 1. Mai 2001 aufgrund eines Betätigungsvergleichs, da die Versicherte angab, ab diesem Zeitpunkt wegen der Geburt ihrer Tochter keiner Erwerbstätigkeit mehr nachzugehen und ermittelte einen IV-Grad von 41,5 %. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit vor diesem Zeitpunkt wies das Gericht die Angelegenheit zur Einholung eines neuen medizinisc hen Gutachtens an die IV-Stelle zu- rück, da das Gutachten der K.____ vom 21. März 2000 nicht in allen Punkten schlüssig sei. Insbesondere sei unklar, ob „eine organische Komponente hinsichtlich allfälliger neuropsycho- logischer Defizite“ mitspiele. Die Neubeurteilung der Gesundheitssituation nahm die L.____ vor. Im polydisziplinärem Gutachten vom 10. Mai 2004 mit den Disziplinen Rheumatologie, Neurolo- gie und Psychiatrie nannten die Gutachter folgende Dia gnosen mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit: Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-1 0: F45.4), dissoziative Amnesie (ICD-10: F44.88) bei Verdacht auf Dysfunktion des Fami liensystems (ICD-10: Z60.1) sowie leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörungen mi t Aufmerksamkeitsstörungen und leichte Störungen der exekutiven Funktionen. Ohne Auswi rkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein Status nach Polytrauma 1976 mit Schädelhirntrauma und Status nach Laparotomie wegen Leberrisses und inneren Blutungen genannt. In der Konkl usion kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der psychischen Erkrankung seit 1998 zu 50% in der angestammten Tätigkeit sowie in einer Verweistä tigkeit arbeitsunfähig sei. Im Vergleich Seite 7 zur neuropsychologischen Testung im Rahmen des Gutachtens vom 21. März 2000 zeigten sich in allen Belangen verbesserte Befunde. Aufgrund de r aktuellen Testung könne eine neu- ropsychologische Funktionsstörung nicht vollständig ausgesc hlossen werden. Im Vordergrund stehe aber eine schmerz- und psychischbedingte Leistungsminde rung. Aktuell würde ein Wie- dereingliederungsversuch für die Mutter von zwei kleinen Kindern eine zeitliche und emotionale Überforderung darstellen und die somatoforme Schmerzstö rung wie auch die dissoziative Am- nesie verschlimmern und weiter chronifizieren. Ohne Ther apie und bei unverändert sozialen Verhältnissen sei die Prognose schlecht. 5.2 Im Rahmen des am 19. Januar 2010 eingeleiteten R evisionsverfahrens wurde die Versi- cherte in der B.____ in psychiatrischer, rheumatologischer und internistischer Hinsicht gut- achterlich untersucht, um abzuklären, ob der Gesundheit szustand sich seit dem Gutachten der L.____ vom 10. Mai 2004 in relevanter Weise verändert habe. Zuvor hatte Dr. D.____ mit Be- richt vom 28. Juni 2010 ausgeführt, dass die Versicherte na ch wie vor an den gleichen Symp- tomen leide, insbesondere an andauernden Schmerzen in d en Muskelpartien. Sie sei rasch erschöpft, schlafe schlecht und leide teilweise an Schw indelgefühlen. Es herrsche eine allge- meine Trauer bezüglich der Lebensbedingungen. Das Leid en sei chronisch und werde durch die sozialen Umstände, insbesondere die angespannte fina nzielle Situation aufrechterhalten. Dr. D.____ diagnostizierte eine mittelgradige Depressio n mit somatischen Symptomen sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Dr. C.____ hielt als Diagnose eine anhaltende somat oforme Schmerzstörung sowie einen Ver- dacht auf eine zunehmende depressive Entwicklung, teilwe ise mit Suizidgedanken fest. Ge- mäss seinen Beobachtungen habe sich die Gesamtsituation in den letzten 2 bis 3 Jahren ver- schlechtert. Vor allem sei die psychische Situation verme hrt in den Vordergrund getreten. Die Arbeitsfähigkeit sei deutlich eingeschränkt (vgl. Bericht vom 29. März 2010). 5.3 Im Gutachten der B.____ vom 5. April 2011 kamen d ie Gutachter nach Konsensbeurtei- lung zum Schluss, dass keine Diagnosen mit Einfluss auf di e Arbeitsfähigkeit gestellt werden könnten. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannt en sie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), eine Persönlichkeitsakzent uierung mit histrionischen Zügen (ICD-10: Z73.1), ein generalisiertes chronisches unspezif isches Schmerzsyndrom, chronic wi- despread pain, rezidivierende Kopfschmerzen, ein subklini scher Vitamin D-Mangel sowie einen Status nach Treppensturz am 11. Oktober 1997 und einen Status nach Autounfall in der Kind- heit (1976). Aus somatischer Sicht könne die heute gelten d gemachte Verschlechterung seit 2004 weder wahrnehmungsmässig noch objektiv untermauert werden. Subjektiv im Vorder- grund stünden andauernde Schmerzen hoher Intensität. D ie Schmerzangaben seien sowohl in Bezug auf Lokalisation, Intensität und beeinflussende F aktoren vage, diffus und nicht nachvoll- ziehbar. Mehrfach erwähne die Versicherte, dass sie sich d ie Schmerzen nicht anmerken lasse und versuche, einen normalen Alltag zu leben, was ihr w eitgehend gelinge. Diese Fähigkeit spreche jedoch gegen eine wesentliche Einschränkung im Hau shalt und Beruf. Der rheumato- logische Untersuchungsbefund sei praktisch normal. Für die Schmerzklagen gebe es keine or- Seite 8 ganische Erklärung. Auffällig sei, dass die Explorandin tr otz anhaltender hoher Schmerzintensi- tät derzeit keine Analgetika benötige und ein völlig unbeeinträchtigtes Mobilitätsbild zeige. Da- mit sei gegenüber den somatischen Vorbefunden aus dem Jah r 2004 eher von einer Verbesse- rung des Zustandes auszugehen. Anlässlich der aktuellen psychiatrischen Untersuchung hätten sich erhebliche Anhaltspunkte für ein aggravatorisches Verhalten ergeben. Aufgrund des bi zarren Defizitprofils bei detaillierter Prüfung der kognitiv mnestischen Fähigkeiten und der Ori entierung müsse am ehestens von einer Simulation ausgegangen werden, denn bei einer derartigen Schwere der Beschwerden wäre es der Versicherten keineswegs möglich, als Hausfrau u nd Mutter zu funktionieren und sich im Alltag zurecht zu finden. Der wahrnehmbare Leid ensdruck sei im Vergleich zu 2000 bzw. 2004 insgesamt jedoch deutlich geringer, was unte r anderem auf die stabile und einge- spielte familiäre Situation und auch das Grösserwerden der Kinder zurückzuführen sein dürfte. So bestünden auch keine Hinweise auf eine relevante d epressive Symptomatik. Insofern könne die Einschätzung von Dr. D.____ in seinem Bericht vom 28. Juni 2010 nicht geteilt werden. Die Versicherte präsentiere in der aktuellen Untersuchung k eine für die Diagnose einer Depression notwendigen objektivierbaren Defizite. So müsse bei der Versicherten die Frage nach prinzipiel- ler Überwindbarkeit der beklagten Beschwerde gestellt w erden. Die Versicherte habe angege- ben, die Symptomatik gut überwinden zu können, indem e s ihr beispielsweise gelinge, unge- stört an sozialen Anlässen teilzunehmen. Bei den von Dr. D.____ genannten Faktoren (enge finanzielle Situation, Arbeitslosigkeit des Ehemannes) h andle es sich allesamt um IV-fremde Faktoren. Die Versicherte sei in ihrem angestammten Ber uf einer kaufmännischen Mitarbeiterin voll arbeitsfähig. Für eine leichte bis mittelschwere V erweistätigkeit sowie in der Haushaltsfüh- rung bestehe ebenfalls eine uneingeschränkte Arbeits- u nd Leistungsfähigkeit. Gegenüber den Begutachtungen in den Jahren 2000 und 2004 sei spätestens ab Gutachtenszeitpunkt von einer wesentlichen und medizinisch objektivierbaren Verbesserung der gesundheitlichen Situation auszugehen. Berufliche Massnahmen seien aufgrund der gän zlichen Invaliditätsüberzeugung der Versicherten nicht zu empfehlen. 5.4 Gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 11. April 2011 wurde keine Einschränkung in der Haushaltsführung festgestellt. 5.5 Mit Vorbescheid vom 11. Oktober 2011 kündigte die IV -Stelle die Aufhebung der IV- Rente an. Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte de r damalige Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 10. November 2011 einen Bericht des behandelnden Psychiaters vom 17. Oktober 2011 sowie ein Schreiben des Hausarztes vom 25. Oktober 2011 ein. Beide Ärzte erachteten die Versicherte nach wie vor aufgrund der psychischen Beeinträchtigung als arbeits- unfähig. Gleichzeitig wurde bekannt, dass sie vom 26. Se ptember 2011 bis 4. November 2011 stationär in der Klinik Sonnenhalde behandelt worden war. Dies veranlasste die IV-Stelle mit der Rentenaufhebungsverfügung zuzuwarten und den Austrittsbericht anzufordern. Seite 9 5.6 Laut Austrittsbericht vom 18. November 2011 wurde d ie Versicherte durch Dr. D.____ zur stationären Behandlung eingewiesen. Diagnostiziert w urde eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig bis schwere Episode, eine somatoforme Schmerzstörung sowie ein Verdacht auf eine akzentuierte Persönlichkeit. Die Gefühlslage sei während des Ein- trittsgesprächs stark schwankend, zwischen traurig verzweifelt , ärgerlich wütend und klagsam gewesen. Psychomotorisch sei die Versicherte antriebsgesteiger t, logorrhoisch und teilweise etwas theatralisch wirkend. Unter medikamentöser Behand lung sei es gelungen, sie etwas zu aktivieren und wieder an eine regelmässige Tagesstruktur zu gewöhnen. Eine leichte Verbesse- rung der depressiven Symptomatik sei immer wieder vorüber gehend durch ablenkende und aktivierende Massnahmen zu beobachten gewesen. Dies sei aber von der Versicherten subjek- tiv nicht wahrgenommen worden. Aktuell sei die Versicherte 100% arbeitsunfähig. 5.7 Zur ambulanten Behandlung in der Tagesklinik der G .____ vom 7. November 2011 bis 30. März 2012 führte die Oberärztin sowie der Leiter der Tagesklinik im Bericht vom 23. April 2012 an, dass die Versicherte die Angebote der Tagesklini k nur wenig genutzt habe. Sie sei sehr schnell ermüdet und an Bewegungsangeboten habe sie , bedingt durch die angegebenen Schmerzen, nicht teilnehmen können. Während des Aufenth altes in der Klinik sei sie zu 100% arbeitsunfähig gewesen. 6. Die IV-Stelle beauftrage schliesslich Dr. H.____ mit der psychiatrischen Begutachtung der Versicherten. Gemäss Gutachten vom 21. Juni 2012 kon nte er keine Diagnosen mit Rele- vanz für die Arbeitsfähigkeit stellen. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien eine anhalten- de somatoforme Schmerzstörung sowie eine Neurasthenie. Di e Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sei in allen relevanten psychia trischen Vorberichten gestellt worden und könne aufgrund des aktuellen klinischen Eindr uckes bestätigt werden. Des Weite- ren sei eine Reihe von psychischen Beschwerden zu nennen, d ie teils kognitive (Vergesslich- keit, Konzentrationsstörung) und teils affektive Aspekte ( keine Lebensfreude, Platzangst, Pa- nikgefühle) beinhalteten. Die Versicherte könne kaum Fa kten oder Zeitangaben reproduzieren. Allerdings wirke sie diesbezüglich völlig desinteressiert, weshalb diese Schwäche mehr im Sin- ne einer intellektuellen Passivität als ein eigentliche s Defizit zu werten sei. So sei sie in der La- ge gewesen, allein und rechtzeitig von Pratteln mit de m Tram anzureisen, obwohl sie angege- ben habe, sich in diesem Stadtteil nicht auszukennen. E ine relevante kognitive Störung liege nicht vor. Ansonsten wäre es ihr unmöglich gewesen, in de n vergangenen 13 Jahren zwei Kin- der grosszuziehen und den Haushalt zu besorgen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Explorandin ihre Kräfte auf die für sie wesentlichen Di nge bündle und anderes ausblende. Der Symptomenkomplex mit vermehrter Müdigkeit und Energielosi gkeit, Konzentrationsschwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Unwohlsein, Dep rimiertheit, Ängsten sowie leich- ter kognitiver Schwäche sei diagnostisch einer Neurasthe nie zuzuordnen. Für eine zusätzliche depressive Störung beständen dagegen keine Anhaltspunkte. Die Explorandin sei psychomoto- risch nicht gehemmt, zeige keine vitale Traurigkeit, weise keine Antriebsschwäche auf und äussere keine Suizidideen. Sie weise einen geregelten T agesrhythmus auf, habe Freude an Seite 10 ihren Kindern und scheine auch in ihrer Ehe fest verank ert zu sein. Des Weiteren zeige der Se- rumspiegel, dass sie die angegebenen Antidepressiva nicht e innehme. Daraus lasse sich schliessen, dass kein massiver Leidensdruck bestehe. Die Dia gnose einer rezidivierenden de- pressiven Störung, welche von der G.____ und der Klini k F.____ gestellt worden sei, könne nicht bestätigt werden. Hinsichtlich der Foersterkriteri en könne keine psychische Komorbidität genannt werden. Weder liege eine affektive Störung v on nennenswertem Ausmass, noch eine Persönlichkeitsstörung noch eine psychotische Entwicklung vor. Es lasse sich auch keine chro- nische körperliche Begleiterkrankung nennen. Ein umfassend er sozialer Rückzug in allen Le- bensbereichen könne nicht bestätigt werden, denn die Exp lorandin habe Kontakte zu ihren An- gehörigen und Freundinnen in der Region. Sie sei of fensichtlich auch in der Lage, zu reisen, wenn es notwendig erscheine. Ein primärer Krankheitsgewi nn sei nicht ausgewiesen. Somit seien die Foersterkriterien mehrheitlich nicht erfüllt . Der Versicherten sei folglich ein volles Ar- beitspensum zuzumuten. Angesichts der hohen subjektiven Kr ankheitsüberzeugung seien be- rufliche Massnahmen nicht durchführbar. 7. Vom 19. Juni 2012 bis 9. August 2012 war die Versiche rte erneut zur stationären Be- handlung in der Klinik F.____. Grund war eine schwere depressive Episode. Im Austrittsbericht wurde festgehalten, dass therapeutische Bemühungen dur ch das zurzeit laufende Rekursver- fahren gegen die Aberkennung der IV-Rente behindert würden (vgl. Bericht vom 23. August 2012). 8. Eine dritte stationäre Behandlung in der Klinik F. ____ fand vom 14. April 2014 bis 30. April 2014 statt. Als Diagnosen wurden eine somatofo rme Schmerzstörung, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, sowie ei ne nichtorganische Insomnie ge- nannt. Die Versicherte habe sich durch die stationäre A ufnahme deutlich entlastet gefühlt. Sie habe bei der Teilnahme am multimodalen Therapieprogramm motiviert gewirkt. Wie schon beim Voraufenthalt seien auch dieses Mal die komplexe Schmer zsymptomatik sowie die schwere chronische und auch durch pflegerische Beobachtung objektivierte Ein- und Durchschlafstörung im Vordergrund gestanden. Eine eindeutige depressive Sym ptomatik habe sich während des stationären Aufenthaltes nicht beobachten lassen. Auffallend seien die schwer fassbaren kogni- tiven Defizite, insbesondere im Bereich von Zahlen sowie die geklagte Erschöpfbarkeit. Diffe- renzialdiagnostisch liesse sich aufgrund der Vorgeschichte ein organisches Psychosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma diskutieren. Diesbezüglich kön nte eine neuropsychologische Tes- tung sinnvoll sein (vgl. Austrittsbericht vom 2. Mai 2014). 9. RAD-Arzt Dr. E.____ sprach sich gegen einen weitere n Test aus. Die Frage nach einem organischen Psychosyndrom sei in den bisherigen Abklärungen hinlänglich diskutiert worden. Es bestünden keine Anhaltspunkte für eine hirnorganische Schädigung. 10. Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung der Frage, ob eine Verbesserung des Ge- sundheitszustandes seit Verfügung vom 1. Mai 2001 eingetre ten sei auf die Gutachten der Seite 11 B.____ vom 5. April 2011 und von Dr. H.____ vom 21. J uni 2012 und kam zum Schluss, dass eine wesentliche Verbesserung der gesundheitlichen Situ ation eingetreten und die Versicherte zu 100% arbeitsfähig sei. Eine Einschränkung im Haushalt sbereich liege nicht vor. In somati- scher Hinsicht könnten nach wie vor keine spezifischen rheu matologischen Befunde erhoben werden, welche die anhaltende Schmerzproblematik ausreic hend erklären würden (vgl. rheu- matologisches Fachgutachten von Dr. med. M.____). In psychi atrischer Hinsicht sei weiterhin von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung auszug ehen. Weder die von Dr. I.____ diagnostizierte Zweitstörung einer Persönlichkeitsakzentu ierung mit histrionischen Zügen noch die von Dr. H.____ genannte Neurasthenie erfüllten d ie Anforderungen an eine komorbide Stö- rung von erheblicher Bedeutung. Da sowohl eine depressi ve Erkrankung als auch die Foerster- kriterien zu verneinen seien, gälten die Beschwerden als überwindbar. 11. Unbestritten ist, dass in rheumatologischer Hinsicht k eine die Arbeitsfähigkeit einschrän- kende Diagnose vorliegt. Dagegen erachtet die Versicher te die anhaltende somatoforme Schmerzstörung als invalidisierend. 11.1 Eine anhaltende somatoformen Schmerzstörung gehö rt nach der Rechtsprechung zu den pathogenetisch-ätiologisch unklaren Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage (vgl. BGE 139 V 547). Diese haben nur ausnahmsweise invalidisierenden, d.h. einen Rentenanspruch begründenden Charakter (Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG; grundlegend BGE 130 V 352). Entscheidend ist, ob und inwiefern die versicherte Person über psychische Ressourcen verfügt, die es ihr erlauben, t rotz ihren subjektiv erlebten Schmer- zen einer Arbeit nachzugehen (BGE 130 V 352, E. 2.2.4 ). Umstände, die bei Vorliegen eines solchen Krankheitsbildes die Verwertung der verbliebenen Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt als unzumutbar erscheinen lassen können, sind: Eine Komorbi dität im Sinne eines vom Schmerz- geschehen losgelösten eigenständigen psychischen Leidens von erheblicher Schwere, Intensi- tät, Ausprägung und Dauer, chronische körperliche Beg leiterkrankungen mit mehrjährigem Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progrediente r Symptomatik ohne längerfristige Re- mission, sozialer Rückzug, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseeli- scher Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlast enden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn), unbefriedigende Ergebniss e von konsequent durchgeführten Be- handlungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem An satz) und gescheiterte Rehabilita- tionsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstr engung der versicherten Person (BGE 132 V 65, E. 4.2.2, 130 V 352, E. 2.2.3; Urtei l des Bundesgerichts vom 11. März 2010, 9C_1061/2009, E. 5.4.3.1.1). Umgekehrt sprechen u.a. e ine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalte n oder der Anamnese, die Angabe intensiver in der Umschreibung vager Schmerzen oder beha uptete schwere Einschränkungen im Alltag bei weitgehend intaktem psychosozialen Umfeld g egen das Vorliegen eines invalidi- sierenden Gesundheitsschadens (BGE 131 V 49 E. 2.1 S. 5 1; Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2012, 9C_736/2011, E. 1.1 und vom 13. August 2012, 9C_302/2012, E. 4.2.1). Seite 12 12. Grundlage für die Beurteilung der Rechtsfrage, o b und gegebenenfalls inwieweit einer versicherten Person unter Aufbringung allen guten Wille ns die Überwindung ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft zumutbar ist oder nicht, bilden die fachärzt- lichen Stellungnahmen zum psychischen Gesundheitszustand u nd zu dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotenzial (BGE 130 V 352 E. 2.2.5). Nicht erforderlich ist, dass sich eine psychiatrische Expertise in jedem Fall üb er jedes einzelne der genannten Kriterien ausspricht; massgeblich ist eine Gesamtwürdigung der Situation (SVR 2005 IV Nr. 6 S. 21, I 457/02 E. 7.4 mit Hinweis, nicht publ. in: BGE 130 V 396). 13. In Würdigung der ärztlichen Berichte und Gutachte n ist festzustellen, dass die Beurtei- lungen von Dr. I.____ und Dr. H.____ die beweisrechtli chen Anforderungen an ein Gutachten erfüllen und darauf abgestellt werden darf. Weder di e Diagnose einer Persönlichkeitsakzentuie- rung mit histrionischen Zügen noch diejenige einer Ne urasthenie erfüllen die Voraussetzungen an eine komorbide psychische Störung von erheblicher Schw ere und Intensität, weshalb es unerheblich ist, welcher psychiatrischen Zweitdiagnose der Vorzug zu geben ist. Die von Dr. D.____ mit Berichten vom 28. Juni 2010 sowie vom 17 . Oktober 2011 diagnostizierte rezidi- vierende depressive Störung schlossen beide Gutachter zum Zeitpunkt der Untersuchung über- einstimmend aus. Die Versicherte hielt sich diesbezüglich zwar vom 26. September 2011 bis 4. November 2011, vom 19. Juni 2012 bis 9. August 2012 sowie vom 14. April 2014 bis 30. April 2014 in der Klinik Sonnenhalde auf. Der erste stationä re Aufenthalt erfolgte wegen einer mittel- gradig bis schweren Episode einer rezidivierenden depre ssiven Störung, der zweite wegen ei- ner schweren und der dritte Aufenthalt wegen einer leichten depressiven Episode, wobei jeweils das Schmerzsyndrom im Vordergrund stand. Die Chronologie der Geschehensabläufe lässt aber vermuten, dass die drohende Aufhebung der IV-Rent e mit ausschlaggebend für die jewei- lige zwischenzeitliche Verschlechterung des Zustandes der Versicherten und die stationären Aufenthalte war (vgl. Telefonnotiz vom 6. Oktober 2011 sowie Austrittsberichte der Klinik F.____ vom 18. November 2011 sowie vom 23. August 2012). So erfolgte der erste Aufenthalt nach dem Gutachten der B.____ und der Haushaltsabklärung, wonach sich eine Aufhebung der IV-Rente abzeichnete. Der zweite Klinikaufenthalt war vier Tage nach der Begutachtung bei Dr. H.____, welcher sich der Beurteilung der Arbeitsfähigke it der Versicherten durch die B.____ anschloss. Der letzte stationäre Aufenthalt erfolgte schliesslich hauptsächlich zur Entlastung bei schwieriger psychosozialer Situation (vgl. Austrittsbericht vom 2. Mai 2014). Wie es sich damit genau verhält, muss abschliessend jedoch ni cht beurteilt werden, denn spä- testens ab April 2014 ist lediglich noch von einer le ichten depressiven Episode auszugehen, welche nicht als komorbide psychische Störung von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä- gung und Dauer gewertet werden kann. Die IV-Stelle a nerkannte denn auch eine volle Arbeits- unfähigkeit der Versicherten bis nach dem dritten Klini kaufenthalt und richtete die IV-Rente nahtlos aus. Erst mit Verfügung vom 29. August 2014 hob sie diese auf und damit zu einem Zeitpunkt, als keine massgebende depressive Störung mehr bestand. Seite 13 14. Auch in Bezug auf die Beurteilung der Foersterkrit erien äusserte sich Dr. H.____ klar und überzeugend. Er wie auch Dr. I.____ erachteten die Kriterien nach einer Gesamtwürdigung mehrheitlich als nicht erfüllt. So berichte die Versiche rte selbst, dass sie im Alltag ihre Be- schwerden überwinden könne und so normal wie möglich a uftrete. Eine chronische körperliche Begleiterkrankung liege nicht vor. Dagegen sei ein chron ischer Krankheitsverlauf zu bejahen. Ein umfassender sozialer Rückzug in allen Lebenslagen sei nicht gegeben, denn die Versicher- te habe Kontakte zu Angehörigen in der Region und zu F reundinnen. Ein primärer Krankheits- gewinn könne nicht nachgewiesen werden und ein unbewusster Konflikt sei nicht erkennbar. Aus den verschiedenen ärztlichen Berichten geht überdies hervor, dass das Krankheitsbild stark von psychosozialen Belastungsfaktoren geprägt ist. Die se sind bei der Beurteilung der Überwindbarkeit der Beschwerden ausser Acht zu lassen (Ur teil des Bundesgerichts vom 13. August 2012, 9C_302/2012, E. 4.2.2 mit weiteren Hinw eisen). Im Ergebnis ist folglich davon auszugehen, dass seit der letzten gutachterlichen Beurte ilung im Jahr 2004 von einer Verbes- serung des psychischen Gesundheitszustandes auszugehen ist. 15. Daran ändert auch der Einwand der Versicherten ni chts, dass das Gutachten von Dr. H.____ ungenügend sei, weil es nicht in Kenntnis al ler medizinischen Berichte ergangen sei. Gemäss der Auflistung der ärztlichen Berichte im Guta chten vom 21. Juni 2012 sind alle relevanten Dokumente aufgelistet, insbesondere auch d as geltend gemachte Schreiben von Dr. D.____ vom 13. Oktober 1999. Somit erfolgte das Gu tachten von Dr. H.____ in Kenntnis vollständiger Aktenlage. 16. Weiter macht die Versicherte geltend, dass versäumt worden sei abzuklären, ob eine organische Ursache für die psychischen Probleme in Frage kä me. Die kognitiven Defizite seien augenfällig und es fehle insbesondere an einer neurolo gischen und neuropsychologischen Be- urteilung. Dem kann nicht gefolgt werden. Bereits mit neurologischem Untergutachten vom 20. März 2000 der K.____ wurde festgehalten, dass es für die angegebenen, im geschilderten Masse nicht nachvollziehbaren neuropsychologischen Defizite keine organische Erklärung ge- be. Aus rein neurologischer Sicht bestehe keine Einschrän kung. Bestätigt wurde diese Ein- schätzung im Erläuterungsschreiben der K.____ vom 25. Janu ar 2001 zum Gutachten, worin erneut betont wurde, dass weder eine gravierende neuropsychologische Funktionsstörung noch eine organische Hirnerkrankung noch die von Dr. D.____ diagnostizierte organische Persön- lichkeitsstörung habe festgestellt werden können. Gemäss ne uropsychologischem Gutachten der L.____ vom 10. Mai 2004 wurde eine leichte bis m ittelschwere kognitive Funktionsstörung diagnostiziert. Eine neuropsychologische Funktionsstörung könne zwar nicht vollständig ausge- schlossen werden, im Vordergrund stünden jedoch eine schm erz- und psychischbedingte Leis- tungsminderung. Während der Anamneseerhebung sei eine Diskrepanz zwischen der von der Patientin angegebenen, stark ausgeprägten Vergesslichkei t bezüglich ihres eigenen Alters und Geburtsdatums, der Geburtsdaten der Kinder und des Ehe mannes im Gegensatz zu einer in der Regel schnellen und kohärenten Beantwortung ander er Fragen aufgefallen. Insbesondere Seite 14 sei der 5-tägige Aufenthalt in der L.____ völlig prob lemlos verlaufen. Sie sei stets pünktlich zu den Terminen erschienen und habe sich bestens zurechtgef unden. Die klinisch-neurologische Untersuchung zeige keine Auffälligkeiten. Dr. I.____ führte zudem an, dass die vermuteten Di- agnosen einer organischen Persönlichkeitsstörung und ein es organischen Psychosyndroms keinen Bestand hätten. Die Versicherte habe in der Verg angenheit keine relevanten Hirnverlet- zungen erlitten, die solche Krankheitsbilder hätten he rvorrufen können. Bei den immer noch demonstrierten, bizarren und nicht einer bekannten Störung zuzuordnenden Defiziten handle es sich um eine zumindest bewusstseinsnahe Symptomatik. In die sem Punkt habe sich seit 2004 nichts verändert. Die Diagnosen der organischen Persönli chkeitsstörung und des Psychosyn- droms nach Schädel-Hirn-Verletzung, initial durch ihren behandelnden Psychiater gestellt, seien im weiteren Verlauf von ihm auch nicht mehr getragen worden. Eine organische Ursache für die kognitiven Defizite ka nn somit aufgrund der bisherigen Akten- lage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Einzig im Austrittsbericht der Klinik F.____ vom 2. Mai 2014 wird das organische P sychosyndrom wieder als Differenzial- diagnose in Betracht gezogen und ein neuropsychologisc her Test empfohlen. Offensichtlich erging dieser Vorschlag in Unkenntnis der bisherigen medizinischen Abklärungen. Aufgrund der überzeugenden medizinischen Erkenntnisse zu diesem Thema erübrigen sich weitere neurolo- gische bzw. neuropsychologische Tests. Vielmehr ist wie bere its im Gutachten von L.____, von Dr. I.____ und zuletzt von Dr. H.____ einleuchtend da rgelegt, von einer psychosomatischen bzw. einer psychischen Ursache für die geltend gemachten Defizite auszugehen. 17. Folglich ist festzuhalten, dass die Versicherte aus me dizinischer Sicht heute zu 100% arbeitsfähig ist. Im Haushaltsbereich besteht gemäss Haushaltsbericht vom 11. April 2011 keine Einschränkung. Dieses Resultat widerspiegelt die Erkenntnisse der medizinischen Abklärungen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Haushalt sbericht veraltet sei, weil darin die Mithilfe ihres Ehemannes berücksichtigt worden sei. Sein Gesundheitszustand habe sich aber unterdessen drastisch verschlechtert. Dies sei in die Beurt eilung miteinzubeziehen, denn den Töchtern sei es nicht zumutbar, diesen Ausfall zu kompen sieren. Eine wesentliche Einschrän- kung der Versicherten im Haushaltsbereich wurde ärztlicherseits nicht attestiert. Demnach ist es ihr grundsätzlich zumutbar, im Haushalt die Aufgaben zu übernehmen, selbst wenn ihr Ehe- mann vorübergehend aufgrund seines Gesundheitszustandes ausfällt. Im Ergebnis ist der Haushaltsbericht somit nicht zu beanstanden. Dazu kommt, dass aufgrund der anwendbaren gemischten Berechnungsmethode mit den Anteilen 50% Erwe rb und 50% Haushalt und einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nur eine sehr hohe Einschränkung im Haushalt (80%) rentenrelevant wäre. Eine solche kann vorliegend ausgeschlossen werden. Die Rentenaufhebungsverfügung der IV-Stelle vom 29. A ugust 2014 ist demnach zu bestätigen und die vorliegende Beschwerde abzuweisen. Seite 15 18. Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli- gung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kan tonalen Versicherungsgericht kosten- pflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahre nskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ih r zu auferlegen sind. Gemäss Ausgang des Verfahrens werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht