Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Oktober 2018 (720 17 329 / 269) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts; auf das p olydisziplinäre Gutachten des BEGAZ kann abgestellt werden. Die Versicherte hat a b 1. November 2013 bis 30. Juni 2015 Anspruch auf eine befristete volle Rente der I V. Einen weitergehenden Rentenan- spruch ab 1. Juli 2015 hat die IV-Stelle zu Recht abgelehnt. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Nikolaus Tamm, Advo- kat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1960 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Apri l 2007 bis 31. Januar 2011 in einem 80%igen Pensum als „Mitarbeiterin Verpflegung“ beim Spital B.____ beschäftigt. Am 19. Febru- ar 2013 (Eingang) meldete sie sich bei der Eidgenös sischen Invalidenversicherung (IV) unter Hinweis auf eine Arthrose in den Knien sowie auf ein Mammakarzinom zum Leistungsbezug an. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach erfolglos vorgenommenen beruflichen Massnahmen und Abklärung der gesundheitlichen und beruflichen Verhältnisse sowie nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) A.____ mit Verfüg ung vom 11. September 2017 eine vom 1. November 2013 bis 30. Juni 2015 befristete ganze Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Nikolaus Tamm, am 29. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung auf- zuheben und es sei ihr eine unbefristete ganze Rente zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass die med izinische Gesamtbeurteilung im Gutachten des BEGAZ Begutachtungszentrum BL (BEGAZ) vom 8. Dezember 2016 unzu- reichend bzw. überhaupt nicht begründet werde; sie besc hränke sich darauf, Kurzfassungen der Teilgutachten unkommentiert aufeinanderfolgen zu lassen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2017 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen einer ersten Urteilsberatung ist das Kanto nsgericht am 7. Dezember 2017 zur Auffassung gelangt, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die medizinische Aktenlage nicht möglich ist. Mittels Besch luss wurde der Fall ausgestellt und im Rahmen einer amtlichen Erkundigung eine ergänzende Stellungnahme beim BEGAZ einge- holt. E. Am 28. März 2018 nahmen die Gutachter des BEGAZ Ste llung zu den Ergänzungsfra- gen des Gerichts. Mit Schreiben vom 11. April 2018 führ te die IV-Stelle aus, dass die Stellung- nahme des BEGAZ vom 28. März 2018 an ihren Einschätzung en in der angefochtenen Verfü- gung nichts zu ändern vermöge. Sie würde daher an de r Abweisung der Beschwerde im Sinne der Vernehmlassung festhalten. Am 7. Mai 2018 hielt di e Beschwerdeführerin fest, dass die Beantwortung der Rückfragen des Gerichts durch die Gu tachter nicht überzeugen könne. Die im Rahmen der Beschwerde geltend gemachten Mängel des Gutachtens würden somit nicht behoben. Es könne nicht auf das Gutachten abgestellt wer den. Die Beschwerde sei antrags- gemäss gutzuheissen. F. Nachdem die Gutachter am 21. Juni 2018 erneut Ste llung zu einer Frage genommen hatten, bekamen die Parteien wiederum Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Die IV-Stelle hielt mit Schreiben vom 11. Juli 2018 an ihren Auffassungen und Anträgen fest. Auch die Beschwer- deführerin hielt mit Stellungnahme vom 6. August 2018 an ihren bisherigen Ausführungen und Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte – Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist der Renten anspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass de r angefochtenen Verfügung vom 11. September 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bi ldet rechtsprechungsgemäss die zeitli- che Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 1 29 V 4 E. 1.2). Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten von November 2012 bis Ende März 2015 ist unbestritten. Das führt zum Anspruch auf eine befristete volle Rente ab 1. November 2013 bis 30. Juni 2015. Streitig ist hingegen der Rentenanspruch ab 1. Juli 2015. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2 , 130 V 390 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – so- gar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 4.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d der Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was von der Beschwerdeführerin – zu Recht – nicht bestritten wird. 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis- würdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Forme n medizinischer Berichte und Gutach- ten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen ( vgl. die ausführlichen Zusammenstellun- gen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/9 9, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfa hrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potenti- ellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht verg essen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen läng eren Zeitraum abdeckende und umfas- sende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft we rtvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Beha ndlungsauftrag des therapeutisch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil d es EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandel nden Ärzte zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich e ine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begut achtung unerkannt oder ungewür- digt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinwei- sen). 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerd eführerin liegen im Wesent- lichen folgende medizinische Unterlagen vor: 6.1 Im Auftrag der IV-Stelle erstellte das BEGAZ am 8 . Dezember 2016 ein polydisziplinä- res Gutachten mit den Fachdisziplinen Allgemeinmedizin, Gynäkologie, Onkologie, Orthopädie und Kardiologie. Dr. med. C.____, FMH Gynäkologie und Geburtshilfe, ste llte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein mässig differenziertes invasi v-duktales Karzinom der linken Mamma mit ausgedehnter muzinöser und herdförmiger mikropapillär er Komponente fest. Als Diagnose oh- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden Blutunge n per vaginam aufgeführt. Zur Arbeits- fähigkeit aus gynäkologischer Sicht hielt Dr. C.____ fes t, dass aufgrund der Anamnese und Befunde eine sicher 60%ige Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Zu berücksichtigen sei die leichte Einschränkung der Beweglichkeit des linken Armes. Einersei ts fielen Überkopfarbeiten weg, andererseits sei das Heben von schweren Lasten nicht angezeigt. Diesbezüglich würde auf das parallel durchgeführte orthopädische Fachgutachten verw iesen. Die Versicherte halte sich selbst für absolut nicht arbeitsfähig, da sofort der li nke Arm aufschwelle und sie von ihrem All- gemeinzustand her nicht in der Lage sei, einer Arbeit nachzugehen, schon gar nicht in ihrer angestammten Arbeit in der Küche. Wenn sie nur kleine Arbeiten im Haushalt verrichte, leide sie sofort unter Herz- und Knieschmerzen sowie einer Ate mnot. Im Weiteren besitze sie über- haupt keine Kraft, um eine Arbeit zu verrichten. Trot z all dem ist Dr. C.____ der Ansicht, dass eine nicht allzu anstrengende Arbeit aus rein gynäkolog ischer Sicht für die Beschwerdeführerin im Rahmen von 70% durchaus möglich sei. Dr. med. D.____, FMH Medizinische Onkologie und Allgeme ine Innere Medizin, hielt als Diag- nosen ein mässig differenziertes invasives duktales Mammakar zinom links mit ausgedehnter muzinöser und herdförmig mikropapillärer Komponente s owie ein cancer-related fatigue syn- drome fest. Zur Arbeitsfähigkeit aus onkologischer Sicht hielt Dr. D.____ fest, dass sich die ver- sicherte Person aktuell noch unter einer installierten adjuvanten antihormonellen Therapie ihres Mammakarzinoms mit einem Aromatase-Inhibitor befinde u nd in regelmässigen onkologischen Kontrollen bei den behandelnden Spezialisten am Spita l E.____ zur Nachsorge sei. Gemäss den Unterlagen bestehe seit Abschluss der adjuvanten Radi otherapie im Juni 2013 weiterhin eine anhaltend komplette Remission. Die von der Beschwe rdeführerin aktuell hauptsächlich Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht beklagte Fatigue- und Erschöpfungssymptomatik lasse sich i m Rahmen der stattgehabten in- tensiven Systemtherapien klar als therapieassoziiert erkläre n. Eine mögliche Cardiomyopathie als Ursache dieser Symptomatik wäre, wenn tatsächlich bestä tigt, allerdings auch als therapie- assoziiert zu interpretieren. Daher könne ab Diagnoseste llung und Therapie-Einleitung des Mammakarzinoms im September 2012 bis zum Abschluss der kura tiv-intendierten Radiothera- pie im Juni 2013 sowie für eine anschliessende Rekonvale szenz-Periode von sechs Monaten, also bis Ende 2013, aus onkologischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Ab diesem Zeitpunkt, ab Januar 2014, könne aus onkologisc her Sicht aufgrund der persistie- renden ausgeprägten chronischen Fatigue im Rahmen eines cancer related fatigue syndrome sowie im Rahmen der persistierenden Schmerzsymptomatik im u rsprünglichen Operationsge- biet gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von 30% attestiert werden. Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie, diagnost izierte in seinem Teilgutachten mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Sch merzsyndrom am linken Kniegelenk, angedeutet rechts sowie ein chronisches Lumbovertebral syndrom, exazerbiert seit Juni 2016. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. F.____ ein beginnendes Impingementsyndrom an der linken Schulter bei einem St atus nach Mammakarzinom links, ein Schmerzsyndrom der linken Hüfte, einen Status nach Spru nggelenks-Distorsion links sowie einen klinischen Verdacht auf einen Fersensporn rechts und beidseitig einen Spreizfuss fest. Zur Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht hielt D r. F.____ fest, dass der Versicherten keine schweren körperlichen Tätigkeiten mit Heben von Lasten, d ie mehr als 15 kg wiegen würden und keine Tätigkeiten mit häufigem Bücken oder in die Hocke gehen, zuzumuten seien. Es sei- en auch keine Tätigkeiten im Gehen oder im Stehen ode r mit Steigen auf Leitern zuzumuten. Diese Einschätzung sei rückwirkend auf die Diagnosestellung der fortgeschrittenen beidseitigen Gonarthrose im Juni 2013 zurückzuführen. Die Arbeitsfäh igkeit habe auch nicht durch die bei- den durchgeführten Kniegelenks-Operationen verbessert w erden können. Ebenfalls erschwe- rend auf jegliche belastende körperliche Tätigkeit wi rke sich neu auch die seit Juni 2016 beste- hende lumbosacrale Diskopathie aus. Dagegen seien der Versicherten leichte bis mittelschwe- re, teils sitzende, teils stehende Tätigkeiten vollschichti g möglich. In Übereinstimmung mit der postulierten Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit durch den Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes beider Basel (RAD), Dr. med. G.____, vom 16. D ezember 2015, könne davon ausge- gangen werden, dass laut Akten eine adaptierte Tätigke it, vorwiegend im Sitzen, ab März 2015 teilweise zumutbar gewesen sei. Mit Ausnahme der reduzi erten Kniegelenksbeweglichkeit sei das Operationsergebnis ab März 2015 zufriedenstellend gewesen. Bezugnehmend auf die ge- genwärtige Statuserhebung dürfe schmerzbedingt eine 30 %ige Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit ab März 2015 bestehen. Eine 40%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, wie vom RAD-Arzt im Dezember 2015 festgestellt worden sei, sei ni cht mehr gegeben. Es sei seither eine Besserung eingetreten. Dr. med. H.____, FMH Kardiologie und Allgemeine Inn ere Medizin, stellte als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein persistierend es tachykardes Vorhofflimmern fest. Un- ter den Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfäh igkeit führte Dr. H.____ eine Adiposi- tas auf. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus kardiologischer Sicht führte Dr. H.____ aus, dass er die Beschwerdeführerin aufgrund der Befunde akt uell für schwere und mittelschwere Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht körperliche Arbeiten seit September 2016 für 100% arb eitsunfähig erachte. Leichte körperliche Arbeiten mit teils sitzender teils stehender Position s eien ihr zumutbar, Gehstrecken über 50 Meter seien jedoch nicht zumutbar und das Heben von Lasten über 5 kg sei ebenfalls nicht möglich. Im Zeitraum von Dezember 2012 bis September 2 016 habe bei nur seltenen Palpitati- onen und noch normaler linksventrikulärer Funktion eine Arbeitsunfähigkeit aus kardiologischer Sicht nur für schwere körperliche Arbeiten bestanden, m ittelschwere und leichte körperliche Arbeiten seien zu diesem Zeitpunkt zu 100% durchführbar gewesen. In der Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass der Versicherten ab Diagnosestel- lung des Mammakarzinoms bis Abschluss der Therapie inkl. de r Rehabilitationsphase bis Ende 2013 eine vollschichtige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden müsse. Aus rein orthopädischer Sicht seien der Versicherten keine schweren körperlichen Tät igkeiten mit Heben von Lasten, die mehr als 15 kg wiegen und mit häufigem Bücken od er in die Hocke gehen, zuzumuten. Es seien auch keine Tätigkeiten, welche im Gehen oder im Stehen oder mit Steigen auf Leitern verbunden seien, zuzumuten. Aufgrund der aktuellen kard iologischen Problematik seien nur leichte körperliche Arbeiten mit teils sitzender teils ste hender Position zumutbar, Gehstrecken über 50 Meter seien jedoch nicht zumutbar und das He ben von Lasten über 5 kg sei ebenfalls nicht möglich. Diesbezüglich würden sie auf die Feststel lungen im Fachgutachten von Dr. H.____ verweisen. Je nach weiterem Verlauf der Be handlung könne sich die Arbeitsfähig- keit aus rein kardiologischer Sicht deutlich verbessern. Som it seien der Beschwerdeführerin ab Gutachtensdatum lediglich leichte adaptierte Tätigkeiten zumutbar mit einer Einschränkung von 30%. Bis September 2016 seien der Versicherten auch in termittierend mittelschwere adaptierte Tätigkeiten zuzumuten mit einer Einschränkung von 30%. 6.2 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte die Besch werdeführerin einen Bericht von Prof. Dr. med. I.____, FMH Orthopädische Chirurgi e und Traumatologie des Bewegungs- apparates, vom 28. Februar 2017 ein. Prof. Dr. I.___ _ hielt fest, dass eine hartnäckige Schmerzsituation von Seiten des linken Oberschenkels vorlie ge, hüftumgreifend, bis zum lum- bosacralen Übergang und zum linken Kniegelenk. Es lägen Zustände nach endoprothetischer Versorgung der Kniegelenke sowie auch Infiltrationen im Bereich der LWS vor. Bei der Patientin liege sicherlich keine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer Tätigkeit mit stehender und gehender, körperlich leichter Beanspruchung vor. Die Versicherte se i über den Bewegungsapparat hinaus geplagt vom Zustand nach der Chemotherapie und Antihor montherapie aufgrund des Mammakarzinoms. Zuletzt klinisch im Vordergrund stünden zude m eine belastungsabhängige Dyspnoe und Arhythmie, weshalb sie sich weiterhin in kardi ologischer Betreuung befinde. Prof. Dr. I.____ ist der Auffassung, dass eine maximale Arbeitsfähigkeit von 50% in einem Beruf mit überwiegend sitzender Tätigkeit vorliege. 6.3 Dr. med. J.____, FMH Medizinische Onkologie und Allg emeine Innere Medizin, berich- tete am 30. März 2017, dass die Beschwerdeführerin seit 2012 wegen eines Mammakarzinoms in seiner Behandlung und zu 100% arbeitsunfähig sei. Sie habe initial eine Operation mit Lymphknotenentfernung und anschliessender Chemotherapie u nd Radiotherapie erhalten. Zu- dem stehe sie seit Mai 2013 unter einer antihormonelle n Therapie mit Femara. Die Patientin habe sich bisher nie richtig von den Behandlungen erhol t. Sie berichte hauptsächlich von einer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgeprägten Müdigkeit und Fatigue, Schmerzen im Bere ich des OP-Gebietes, vor allem auch in der Axilla und dem Arm, sie könne mit dem Arm nicht schwer arbeiten. Des Weiteren sei sie durch ihre Herzerkrankung mit Vorhofflimmern eingeschrän kt. Zudem leide sie unter chroni- schen Knieschmerzen bei Arthrose. 6.4 Das Kantonsgericht ging bereits im Rahmen der erste n Urteilsberatung am 7. Dezember 2017 von der grundsätzlichen Validität des polydisziplinären Gutachtens aus. Es stellte den Fall aber aus, um einige Unklarheiten in Bezug auf das Gutachten vom 8. Dezember 2016 zu klären. Im Rahmen der amtlichen Erkundigung re ichte das Kantonsgericht am 18. Ja- nuar 2018 ein Schreiben bei der BEGAZ ein. Klärungsbe dürftig sei, weshalb Dr. C.____ zuerst eine 60%ige und danach eine 70%ige Arbeitsfähigkeit a ttestiert habe. Ausserdem sei eine Er- klärung bezüglich des Ausdrucks „nicht allzu anstrengende Ar beit“ notwendig. Weiter gehe aus dem onkologischen Teilgutachten von Dr. D.____ nicht her vor, woraus der Gutachter eine Stei- gerung der Arbeitsfähigkeit von 0% auf 70% herleite . Schliesslich werde zwar im Gutachten erwähnt, dass keine relevanten Wechselwirkungen der Diagn osen ersichtlich seien. Es fehle jedoch eine Begründung dafür, weshalb die einzelnen E inschränkungen nicht doch zu einer mindestens teilweisen Addition der von den Gutachtern in ihren Fachdisziplinen einzeln festge- stellten Arbeitsfähigkeiten und damit zu einer Erhöhu ng der massgebenden „Gesamtarbeitsfä- higkeit“ führen. Am 28. März 2018 nahmen die Gutachter Stellung zu den Ergänzungsfragen des Gerichts. Dr. C.____ führte aus, dass er im Konsens mit Dr. D. ____ auf eine Arbeitsfähigkeit von 70% gegangen sei, was aus gynäkologischer Sicht auch zu verantwo rten sei. Leider habe er in sei- nem Gutachten diese Korrektur nicht vorgenommen. Mit ei ner nicht allzu anstrengenden Arbeit sei gemeint, dass die Explorandin keine Überkopfarbeiten und keine längeren, gleichbleibenden Belastungen (mehr als 1,5 Stunden), welche mit dem l inken Arm ausgeführt würden, ausüben sollte. Zusätzlich sollten keine Lasten über 15 kg gehobe n werden. Das Brustleiden habe kei- nen Einfluss auf die Diskopathie und die kardiale Proble matik. Dr. D.____ hielt fest, dass sich die Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 0% während der laufenden Tumortherapie (von Sep- tember 2012 bis Mitte 2013 einschliesslich Rekonvaleszenzpe riode bis Ende 2013) auf 70% ab Januar 2014 einfach dadurch begründen lasse, dass zu dies em Zeitpunkt die Strapazen der anstrengenden Tumortherapie, mit ihren physischen und psych ischen Belastungen im Wesent- lichen abgeklungen sein dürften. Somit trügen nur noch die residuellen Therapie-assoziierten aber leider noch persistierenden Beschwerden (chronische Fatigue und Schmerzsyndrom) zu einer geringfügigeren Einschränkung der Arbeitsfähigke it, entsprechend einer Arbeitsunfähig- keit von 30% bei. 6.5 Auf erneute Nachfrage hin reichten die Gutachter schliesslich am 21. Juni 2018 eine weitere Stellungnahme zur Frage allfälliger Wechselwi rkungen ein. Dr. C.____ ist der Meinung, dass es keine Wechselwirkung zwischen den einzelnen Diszipline n gebe. Mit der höchsten Ar- beitsunfähigkeit sei der Versicherten Genüge getan. Dr. D.____ führte aus, dass eine Addition oder Teiladdition der Arbeitsunfähigkeit ausgeschloss en sei. Die Beurteilung von Dr. C.____ bestätige eindeutig im Konsens seine Beurteilung einer Gesamt-Arbeitsunfähigkeit von kumula- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht tiv 30%, entsprechend einer resultierenden Gesamt-Arbe itsfähigkeit von 70% ab Januar 2014. Somit bestünden auch keine Wechselwirkungen. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 11. September 2017 bei der Würdigung des massgebenden medizinischen Sachverhalts und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf die Ausf ührungen im Gutachten des BEGAZ vom 8. Dezember 2016. Sie ging deshalb davon aus, dass der Versicherten leichte, ihrem Leiden angepasste Tätigkeiten im Umfang von 70% zumutbar sei en. Diese vorinstanzliche Beweiswür- digung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutach- ten erfüllt alle rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine taugliche medizinische Be- urteilungsgrundlage. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf und ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.2) – für die str eitigen Belange umfassend. Es beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der im Zeitpunkt der Exploration vorhandenen Vorakten abgegeb en worden und leuchtet in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge ein. Die auf diese Erkenntnisse gestützte Zumutbar- keitsbeurteilung ist ebenfalls nicht zu beanstanden. 7.2 Daran ändern die Ausführungen der Beschwerdeführ erin nichts. 7.3 Der Beschwerdeführerin ist zwar insofern Recht zu geb en, als die von ihr geklagte Müdigkeit und Gelenkschmerzen als Nebenwirkungen des Medika ments Femara qualifiziert wurden, während der onkologische Gutachter bezüglich der Müdigkeit von einer cancer related Fatigue ausgeht. Ein Widerspruch besteht aber insoweit nicht, als bezüglich dieser onkologi- schen Fachfrage der zuständige Facharzt den Vorrang genie sst. Die Müdigkeitsthematik hat denn auch beim gynäkologischen Teilgutachten zu keiner D iagnosestellung geführt, wohl aber beim onkologischen Teilgutachten, und letztere Diagnose ist denn auch in die Gesamtbeurtei- lung aufgenommen worden. 7.4 Zum Bericht von Prof. Dr. I.____ ist festzuhalten, d ass diese zunächst gestützt auf die Knieproblematik eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in eine r stehenden und gehenden, leichten kör- perlichen Tätigkeit verneint. Zum einen ist anzumerken, dass dies gar nicht dem Belastungspro- fil gemäss dem BEGAZ-Gutachten entspricht. Zum anderen begründet Prof. Dr. I.____ dies im Anschluss auch mit den weitergehenden Beschwerden und kommt zu einer maximalen Arbeits- fähigkeit von 50% in überwiegend sitzender Tätigkeit. D abei bleibt aber unklar, wie sie die Ar- beitsfähigkeit aus rein orthopädischer Sicht beurteilt. Es fehlt insoweit auch eine Auseinander- setzung mit dem orthopädischen Teilgutachten. Insbesonder e wird nicht dargelegt, welche Be- schwerden das Teilgutachten nicht oder zu wenig berücksicht igt hätte. Indem Prof. Dr. I.____ die Arbeitsfähigkeit gesamthaft auf 50% festlegt, han delt es sich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5 Auch die in der ersten Urteilsberatung vorhandenen Unklarheiten in Bezug auf das Gutachten konnten im Rahmen der amtlichen Erkundigung a llesamt geklärt werden. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit erscheint die Schilderung des gynäkologischen Gutachters, wonach es sich um ein Versehen gehandelt habe, grundsätzlich nachvollzie hbar, zumal in der Gesamtbeurtei- lung im sonst weitgehend deckungsgleichen Text beide Male von einer 70%igen Arbeitsfähig- keit ausgegangen wird. Im Übrigen ist es zulässig, dass ein Gutachter gestützt auf eine Kon- sensbesprechung mit Kollegen seine ursprüngliche Beurt eilung der Arbeitsfähigkeit korrigiert, solange dies in einem gewissen Rahmen bleibt. Dies ist h ier mit einer 10%igen Abänderung sicherlich der Fall, auch wenn diese 10% letztlich anspr uchsrelevant sind. Soweit die Be- schwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 7. Mai 201 8 kritisiert, dass der Gynäkologe ein schlichtes Versehen geltend mache, trifft dies zu. Es macht die Beurteilung aber nicht unrichtig. Was den starken Anstieg der Arbeitsfähigkeit von 0% auf 70% anbelangt, handelt es sich – ent- gegen der Ansicht der Versicherten – bei der Begründung von Dr. D.____ nicht einfach um eine tautologische Aussage. Der Gutachter hat vielmehr dargele gt, dass nach einer halbjährigen Erholungsphase von einem starken Rückgang der Einschränkun gen auszugehen sei. Dies ist als fachärztliche Beurteilung so hinzunehmen, zumal die Be schwerdeführerin selbst keine sub- stanziierte gegenteilige Einschätzung vorzutragen vermag. Hinsichtlich allfälliger Wechselwirkungen zwischen den Diagn osen kann auf die Seite 50 des Gutachtens verwiesen werden. Es trifft zwar zu, dass das Fehl en von Wechselwirkungen dort nicht begründet wurde. Diesbezüglich ist aber daran zu erinnern, dass eine negative Tatsache schwierig zu begründen ist. Ausserdem hat der Gynäkologe am 28. März 2018 festgehalten, dass das Brustleiden, das heisst die Tumorerkrankung, keinen Einfluss auf die Diskopathie und die kardiale Problematik habe. Auch wenn die Renitenz von Dr. D.____ in der Beantwortung der Fragen zu kritisieren ist, vermag sie letztlich am Ergeb nis nichts zu ändern. Es sind eben keine Wechselwirkungen ersichtlich. In ihrer Stellungnahme vom 6. August 2018 macht die Be- schwerdeführerin geltend, dass die Gutachter übereinstimm end festhielten, dass keine Wech- selwirkungen bezüglich Diagnosen und Befunden bestünden . Daraus folge, dass auch die Feststellungen bezüglich der Arbeitsunfähigkeit nicht decku ngsgleich seien, was wiederum be- deute, dass die Zumutbarkeitsbeurteilungen, anders als a ngenommen werde, nicht ohne weite- res ineinander aufgehen würden. Vielmehr gebiete die Logik, dass die Arbeitsunfähigkeiten zu- mindest teilweise zu addieren seien. Diese Kritik ist nicht nachvollziehbar, namentlich ist nicht schlüssig, wie aus dem übereinstimmend angenommenen Fehl en von Wechselwirkungen auf nicht deckungsgleiche Feststellungen der Arbeitsfähigkeit geschlossen werden kann. Im Übri- gen sind gemäss Rechtsprechung die unter verschiedenen me dizinischen Titeln ausgewiese- nen Teilarbeitsunfähigkeiten grundsätzlich nicht einfach zu addieren, weil in der Regel der Um- fang der grössten Teileinschränkung auch die weiteren E ntlastungserfordernisse abdeckt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Mai 2018, 8C_893/2017, E. 5.3 mit Hinweisen). 7.6 Schliesslich ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhal ten, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes bzw. der Arbeitsfähigkeit durch de n Treppensturz vom Juni 2017 nicht belegt wurde. In den Akten befindet sich kein B ericht von Prof. Dr. I.____ vom 12. Juni Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2017. Ausserdem hat die Beschwerdeführerin auf die Ste llungnahme der IV-Stelle nicht mehr reagiert. Dem Vorfall kommt somit für den vorliegenden Entscheid keine Bedeutung zu. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf das polydiszipli näre Gutachten des BEGAZ vom 8. Dezember 2016 abgestellt werden kann. D araus folgt, dass der Versicherten leichte, leidensangepasste Tätigkeiten im Umfang von 70% zumutbar sind. Der von der Be- schwerdegegnerin gestützt darauf erfolgte Einkommensvergle ich in der angefochtenen Verfü- gung wurde korrekt durchgeführt. Auf diesbezügliche Er läuterungen wird daher verzichtet, zu- mal auch die Beschwerdeführerin die Berechnung nicht b eanstandet. Im Ergebnis hat die Ver- sicherte ab 1. November 2013 bis 30. Juni 2015 Anspruch auf eine befristete volle Rente der IV. Einen weitergehenden Rentenanspruch ab 1. Juli 2015 hat die IV-Stelle demgegenüber gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 30% zu Recht abgelehnt . Die Beschwerde ist demnach abzuwei- sen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor kantonalem Versiche- rungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung o der die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Entspre chend dem Ausgang dieses Ver- fahrens hat die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- zu tragen. Diese werden mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrech- net. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. 9.2 Das BEGAZ hat im Rahmen der amtlichen Erkundigun g für die Beantwortung der Rückfragen vom 28. März 2018 eine Rechnung in der Höhe von Fr. 600.-- eingereicht. Diese Kosten sind der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die Kosten für die amtliche Erkundigung beim BEGAZ Begutachtungs- zentrum BL in der Höhe von Fr. 600.-- werden der IV-S telle Basel- Landschaft auferlegt. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht