<h2>SubmittedText<h2><p>In den letzten Jahren wurde häufig über die Präsenz von Blaualgen, einer Ansammlung von Cyanobakterien, in den Schweizer Seen berichtet. Am Neuenburgersee ist im Juni 2022 ein Hund an einer Blaualgenvergiftung gestorben. Das ist weder der erste noch der einzige Fall. Auch in anderen Schweizer Seen ist es zu solchen Vergiftungen gekommen. Bereits aber einer kleinen Menge können diese Bakterien gefährlich für die Gesundheit von Mensch und Tier sein - in grösseren Mengen können sie sogar tödlich sein.</p><p>Gemäss der Eawag begünstigen der Temperaturanstieg und der Nährstoffgehalt des Wassers (Phosphor und Stickstoff) die starke Vermehrung der Blaualgen. Wie aus zahlreichen Studien hervorgeht, werden Klimaerwärmung, Eutrophierung (aufgrund von Überdüngung) und die Erhöhung des CO2-Werts höchstwahrscheinlich die Häufigkeit, Intensität und Dauer der Blaualgenblüte in den aquatischen Ökosystemen steigern.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten: </p><p>1. Welches Risiko stellt die Vermehrung der giftigen Cyanobakterien für Gesundheit und Umwelt dar?</p><p>2. Teilt der Bundesrat die Befunde der Eawag, was die Ursachen für die verstärkte Präsenz der Blaualgen angeht?</p><p>3. Wo und wie oft ist es in den letzten zehn Jahren zu einer starken Vermehrung von Blaualgen in Schweizer Gewässern gekommen? Kann vorausgesagt werden, wo es in Zukunft zu solchen Vermehrungen kommen wird? </p><p>4. Welche Rolle weist er - aufgrund der Tatsache, dass Stickstoff und Phosphor in die Schweizer Gewässer gelangt - dem Einfluss der Landwirtschaft zu?</p><p>5. Was zieht der Bundesrat in Betracht, um bei künftigen Fällen der Blaualgen-Vermehrung Abhilfe zu schaffen? </p><p>6. Wie sind bei der Bekämpfung solcher Ereignisse die Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen aufgeteilt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1) Manche Cyanobakterien produzieren Giftstoffe. Bei einer Massenvermehrung, einer sogenannten Blüte, steigt die Konzentration der Giftstoffe derart stark an, dass der Hautkontakt mit Wasser oder das Verschlucken von grösseren Wassermengen gesundheitsschädigend ist. Dies macht Cyanobakterien insbesondere für Hunde gefährlich, die Seewasser trinken. Für Menschen ist wichtig, nicht in auffällig verfärbtem oder stark getrübtem Wasser zu baden. Tiere sollen von solchem Wasser ferngehalten werden. Die Kantone führen präventiv Informationskampagnen durch. Sobald Blüten festgestellt werden, warnen die Kantone oder Gemeinden die Bevölkerung und verbieten das Baden. Bei der Aufbereitung von Seewasser zu Trinkwasser werden die Giftstoffe eliminiert. Vom Trinkwasser geht deshalb keine Gefahr aus. Nach einer Blüte sinken die abgestorbenen Cyanobakterien auf den Seegrund. Dort werden sie von Bakterien zersetzt. Dies kann lokal zu Sauerstoffknappheit in tieferen Wasserschichten führen.</p><p>2) Der Bundesrat teilt die Einschätzung der Eawag (Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs), dass hohe Nährstoffkonzentrationen (Phosphor und Stickstoff) und die Erwärmung der Gewässer durch den Klimawandel das Vorkommen von Cyanobakterien fördern.</p><p>3) Dem Bund sind 34 Blüten in 19 Schweizer Gewässern im Zeitraum 2018-2022 bekannt. Blüten traten am häufigsten im Sommer und in nährstoffreichen Gewässern auf. Es gibt jedoch viele unterschiedliche Arten von Cyanobakterien. Bei manchen Arten kann es auch in kalten oder in nährstoffarmen Gewässern zu Blüten kommen. Vorhersagen, wo und wann Blüten auftreten werden, sind heute nicht möglich. Die Eawag und die Universität Neuenburg arbeiten an der Entwicklung von Vorhersagemodellen.</p><p>4) Ruhiges und warmes Wasser, starke Sonneneinstrahlung und ausreichend Nährstoffe (Stickstoff und Phosphor) sind für Blüten von Cyanobakterien förderlich. Die Reduktion der Nährstoffeinträge in die Gewässer nicht nur aus der Landwirtschaft, sondern auch aus den Abwasserreinigungsanlagen reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass Blüten auftreten.</p><p>5) Das Auftreten von Blüten kann reduziert werden, wenn der Klimawandel gebremst wird und Nährstoffeinträge aus den Abwasserreinigungsanlagen und der Landwirtschaft erfolgreich reduziert werden. Siehe auch Antwort 6 zur Interpellation 23.3414.</p><p>6) Der Bund erarbeitet Grundlagen zum schweizweiten Vorkommen der Cyanobakterien und fördert den Erfahrungsaustausch zwischen den Kantonen. Der Bundesrat ist überzeugt, dass die Kantone ihre Informations- und Warnpflicht bestmöglich wahrnehmen (vgl. Antwort auf Frage 1). Bund und Kantone engagieren sich im Rahmen ihrer Kompetenzen für den Klimaschutz und die Reduktion der Nährstoffeinträge in die Gewässer.</p>  Antwort des Bundesrates.