B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-1/2024 U r t e i l v o m 8 . J a n u a r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli; Gerichtsschreiber Daniel Grimm. Parteien X._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, diese substituiert durch Clara Böttinger, AsyLex, Gotthardstrasse 52, 8002 Zürich, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 19. Dezember 2023. F-1/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 24. November 2023 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac» - Datenbank ergab, dass er am 21. November 2023 in Kroatien um Asyl nachgesucht hatte (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 8). B. Am 4. Dezember 2023 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer im Rahmen des Dublin -Gesprächs nach Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), im Beisein der zu- gewiesenen Rechtsvertretung, das rech tliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs- verfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt. Hierbei erklärte er im Wesentlichen, über Bosnien nach Kro- atien geflüchtet zu sein. Dort sei er angehalten und kontrolliert worden. Er habe zwei bis drei Stunden draussen im Regen warten müssen. Während der Kontrolle sei die Polizei sehr aggressiv gewesen und habe ihn mehr- mals auf den Kopf geschlagen. Zudem sei er aufgefordert worden, auf die Knie zu gehen, was ihm aufgrund einer frischen Operation am Bein nicht möglich gewesen sei. Deshalb habe man ihm auch auf die Beine geschla- gen. Aufgrund dieser Schläge bekunde er nun Probleme mit dem Fuss. Anschliessend sei er auf eine n Check-Point gebracht worden. Während der ganzen Zeit sei ihm Wasser verweigert worden und er habe erst am nächsten Morgen ein wenig zu essen bekommen. Nach zwei Tagen habe man ihm unter Zwang die Fingerabdrücke abgenommen. Er habe in die- sem Land jedoch kein Asylgesuch stellen wollen und möchte aufgrund der erlebten Gewalt auch nicht dorthin zurückkehren . Zum Gesundheitszu- stand gab er an, dass ihn sein Fuss schmerze. Wegen der Schläge auf den Kopf hätten ihn zudem eine Woche lang Kopfschmerzen gepl agt (SEM act. 13). C. Das SEM ersuchte die kroatischen Behörden am 4. Dezember 2023 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO (SEM act. 14). Diese hiessen das Übernahmeersuchen am F-1/2024 Seite 3 16. Dezember 2023 gestützt auf Art. 2 0 Abs. 5 Dublin -III-VO gut (SEM act. 16). D. Mit Verfügung vom 18. Dezember 2023 (eröffnet am 21. Dezember 2023) trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Überstellung nach Kroatien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte de m Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten g emäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 19). Die zugewiesene Parteivertretung erklärte am 22. Dezember 2023 das Mandatsverhältnis für beendet (SEM act. 20). E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 2. Januar 2024 an das Bundesverwaltungs- gericht beantragte der Beschwerdeführer, handelnd durch AsyLex, die an- gefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege, Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses, Erteilung der aufschiebenden Wirkung sowie Er- lass eines superprovisorischen Vollzugsstopps mit entsprechender Anwei- sung an die zuständigen kantonalen Behörden (BVGer act. 1). F. Am 3. Januar 2024 setzt die Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstel- lung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). F-1/2024 Seite 4 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür- diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da- her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit m it Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch- führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verlet zung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.H.). 4. 4.1 Auf ein Asylgesuch wird in der Regel nicht eingetreten, wenn der oder die Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kann, der für die Durchfüh- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von ei nem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch F-1/2024 Seite 5 Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 4.3 Im Rahmen des – hier interessierenden – Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeits- prüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt. Die Zuständigkeit bezie- hungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kamme r] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C -583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47 –50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). Die Dublin -III- VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfen- den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 4.4 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu- rodac»-Datenbank ergab, dass er am 21. November 2023 in Kroatien ein Asylgesuch gestellt hatte (SEM act. 8). Das SEM ersuchte deshalb die kro- atischen Behörden am 4. Dezember 2023 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers (SEM act. 14). Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmeersuchen am 16. Dezember 2023 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin -III-VO zu (SEM act. 16). Damit sind sowohl die Antragsstellung in Kroatien als auch der Umstand, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für das Asyl- gesuch des Beschwerdeführers zuständigen Mitgliedstaats gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin -III-VO noch nicht abgeschlossen wurde und nach einer Rücküberstellung fortgesetzt wird, als erstellt zu betrachten (vgl. etwa Ur- teil des BVGer F-4364/2023 vom 24. August 2023 E. 5.4). 4.5 Soweit der Beschwerdeführer im Dublin -Gespräch monierte, zur Ab- gabe der Fingerabdrücke gezwungen worden zu sein, gilt es sodann da- rauf hinzuweisen, dass die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einrei- senden Ausländerinnen und Ausländern sich auf die Eurodac-Verordnung stützt und als legitim erweist (vgl. bspw. Urteil des BVGer F-3120/2022 vom 22. Juli 2022 E. 7.3 m.H.). 4.6 Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens ist somit gegeben. 5. 5.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die F-1/2024 Seite 6 Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unm enschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU -Grund- rechtecharta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden. 5.2 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmens chliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), und es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver pflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem davon ausgegangen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi- schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna- tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 5.3 In seinem Referenzurteil E -1488/2020 vom 22. März 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die seit dem Referenzurteil D -1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende Praxis der grundsätzlichen Zulässigkeit von Dublin-Überstellungen nach Kroatien, unabhängi g davon, ob es sich dabei um ein "Take-Charge-" (Aufnahme) oder ein "Take-Back-" (Wieder- aufnahme) Verfahren handelt; es sei nicht davon auszugehen, dass das dortige Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Ab s. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO aufweisen würden, die eine Überstellung von Gesuchstellenden generell als unzulässig erscheinen liessen (vgl. a.a.O. E. 9.5). Das Gericht hielt in diesem Zusammenhang fest, der Verdacht eines – an- gesichts der Situation in Kroatien auf den ersten Blick nicht unbegründeten – Gefährdungszusammenhangs zwischen Push -backs und Dublin -Rück- kehr lasse sich aufgrund der verfügbaren Informationen und Erkenntnisse nicht erhärten (vgl. a.a.O. E. 9.4.2 ff.). Aktuell bestünden keine genüg en- den Anzeichen, die befürchten liessen, Dublin-Rückkehrende würden ohne Eröffnung oder Weiterführung eines Asylverfahrens aus Kroatien rechts- widrig ausgeschafft. Insbesondere berechtige diese Ausgangslage nicht zur Annahme, dass solches systematisch geschehen würde. Im Ergebnis sei davon auszugehen, dass Gesuchstellende, welche gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt würden, Zugang zum dortigen F-1/2024 Seite 7 Asylverfahren erhielten; dies unabhängig davon, ob die gesuchstellenden Personen im Rahmen eines Take-Charge- oder – wie vorliegend – im Take- Back-Verfahrens überstellt würden. Insbesondere bestehe keine beachtli- che Wahrscheinlichkeit, die Überstellten würden der Gefahr einer Verlet- zung ihrer aus dem Refoulement -Verbot fliessenden Rechte ausgesetzt werden (vgl. a.a.O. E. 9.5). Zu diesen Schlussfolgerungen gelangte das Gericht in Kenntnis des in der Rechtsmitteleingabe zitierten Urteils des Ver- waltungsgerichts Stuttgart vom 2. September 2022 (vgl. a.a.O. E. 9.4.2). 5.4 Des Weiteren lassen die vom Beschwerde führer bei seiner illegalen Einreise nach Kroatien geltend gemachten Vorkommnisse (im Regen ste- hen lassen; aggressives Verhalten von Polizisten; Schläge auf Bein; keine Abgabe von Wasser; unzureichende Verpflegung) nicht den Schluss zu, er hätte bei einer Überstellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU -Grundrechtecharta zu gewärtigen. Zum einen will sich der Betroffene seinen Schilderungen zufolge nur kurze Zeit in diesem Land aufgehalten haben, zum andern scheinen die geltend ge- machten Erlebnisse, sofern sie auf tatsächlich Erlebtes hindeuten, im Zu- sammenhang mit seiner illegalen Einreise zu stehen. Bezüglich der Be- handlung von Personen an der Grenze sieht sich Kroatien schon seit ge- raumer Zeit mit teils schweren Vorwürfen konfrontiert (vgl. a.a.O. E. 9.1 - 9.4.2 m.w.H.). Wohl erscheint nicht ausgeschlossen, dass auch im Landes- innern die Sicherheitskräfte nicht immer ein einwandfreies Verhalten an den Tag legen. Damit ist aber nichts zum vorliegend zu beurteilenden Um- stand der Rückkehr des Beschwerdeführers nach Kroatien im Rahmen ei- nes Take-Back-Verfahrens gesagt. Bei einer Überstellung nach Kroatien würde er auf legalem Weg in die Hauptstadt Zagreb ü berstellt. Er würde damit nicht mit einer Situation konfrontiert, wie er sie angeblich an der kro- atischen Aussengrenze erlebt ha t (vgl. bspw. Urteil des BVGer F-1924/2023 vom 13. April 2023 E. 6.4 m.H.). Gegen das Fehlverhalten von einzelnen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten könnte er im Übrigen in Kroatien rechtlich vorgehen, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karita- tiven Organisationen. Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grösse- ren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist nicht per se auf systemische Schwachstellen im kroatischen Asylsys- tem hin (vgl. etwa Urteile des BVGer F-1883/ 2023 vom 12. April 2023 oder E-5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 5.5 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO – auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde erwähnten F-1/2024 Seite 8 Quellen, in welchen das kroatische Asylwesen kritisiert wird (so ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] vom 21. Februar 2023, me h- rere Berichte von Human Rights Watch [HRW] sowie ein Bericht des Euro- päischen Komitees zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder er- niedrigender Behandlung oder Strafe [CPT]) – nicht gerechtfertigt. 6. Weiter ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugshindernisse nach Art. 3 EMRK (oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrecht- lichen Bestimmung) bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ergeben würden. 6.1 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen geg enüber Perso- nen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbesondere die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens - und der Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. bspw. Urteile des BVGer E -1515/2023 vom 23. März 2023; E -5984/2022 v om 3. Januar 2023 E. 7.2; je m.H.). Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die von den Betroffenen glaub- haft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). Der Beschwerdeführer vermag jedoch kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die kroatischen Be- hörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen und einen allfälligen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der R egeln der Verfahrens- richtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die An- nahme zu entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden. 6.2 Die kroatischen Behörden haben der Aufnahme des Beschwerdefüh- rers gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO explizit zugestimmt und sich damit bereit erklärt, die Verantwortung für die Fortführung seines Asylver- fahrens zu übernehmen (siehe SEM act. 16). Ausserdem hat der Be- troffene nicht begründet dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwarten- den Bedingungen seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von F-1/2024 Seite 9 Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 Folterkonvention (SR 0.105) führen könnten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Ein- schränkung könnte er sich nötigenfalls an die kroatischen Behörden wen- den und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 6.3 Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge der unrichtigen und unvoll- ständigen Sachverhaltsermittlung im Zusammenhang mit den völkerrecht- lichen Verpflichtungen Kroatiens als nicht stichhaltig, weshalb das Even - tualbegehren auf Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung abzuweisen ist. 6.4 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so sind die gesundheit- lichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers (Schmerzen am Fuss aufgrund erlittener Schläge in Kroatien) längst nicht derart gravierend, dass in Anwendung von Art. 3 EMRK von einer Überstellung nach Kroatien ab- gesehen werden müsste (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Der Betroffene hat sich während seines Aufenthalts hierzulande bislang weder an medizinisches Personal gewandt noch sind medizinische Unter- lagen aktenkundig. Kroatien verfügt grundsätzlich über eine ausreichende, hinreichend zugängliche medizinische Infrastruktur (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 E. 10.2 und E. 10.3). Nötigenfalls kann der Beschwerdefüh- rer dort die erforderliche Behandlung in Anspruch nehmen. Darüber hinaus trägt die Vorinstanz seinem aktuellen Gesundheitszustand bei der Organi- sation der Überstellung nach Kroatien Rechnung, indem sie die dortigen Behörden vor der Überstellung über seinen Zustand und eine allfällig not- wendige medinische Behandlung informiert. Dies ist vorliegend gesche- hen, figuriert die einzig erkennbare Diagnose («postoperative Schmerzen am Fuss, welche aufgrund der erlittenen Schläge in Kroatien wieder aufka- men») doch in der Beschreibung der Überstellungsmodalitäten (SEM act. 17). Das SEM hat den medizinischen Sachverhalt mithin genügend abge- klärt und ist seiner Untersuchungspflicht diesbezüglich nachgekommen. 6.5 Individuelle Garantien betreffend Unterkunft, Nahrung und Zugang zu adäquater medizinischer und psychologischer Versorgung sind von den kroatischen Behörden nach dem Gesagten keine einzuholen (vgl. Refe- renzurteil E-1488/2020 E. 12). Das entsprechende (Subeventual -)Begeh- ren des Beschwerdeführers ist ebenfalls abzuweisen. F-1/2024 Seite 10 7. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin- weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über - respektive Unter- schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 8. Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes- sensklauseln von Art. 17 Dublin -III-VO. Somit bleibt Kroatien der für die Behandlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mit- gliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 9. Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 10. Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 11. Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses gegenstandslos geworden. Der am 3. Januar 2024 angeordnete Vollzugsst opp fällt mit vorliegendem Urteil dahin. 12. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, da die Beschwerde – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen ist. Somit sind die Voraussetzun- gen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt; die Verfahrenskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). F-1/2024 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Daniel Grimm Versand: F-1/2024 Seite 12 Zustellung erfolgt an: – die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein) – die Vorinstanz, zu den Akten (…) – den Migrationsdienst des Kantons Bern (in Kopie)