B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7037/2024 U r t e i l v o m 1 3 . N o v e m b e r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler; Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. Parteien A._______, geboren am (…), Ghana, vertreten durch Thierry Gotti, Teichmann International (Schweiz) AG, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Art. 40 i.V.m. Art. 6a Abs. 2 AsylG); Verfügung des SEM vom 31. Oktober 2024 / N (…). E-7037/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 28. September 2024 in der Schweiz um Asyl nach und wurde am 23. Oktober 2024 zu den Asylgründen ange- hört (vgl. Akten der Vorinstanz 1364663-[nachfolgend: SEM-act] 1/2 und 14/12). Dabei führte sie insbesondere aus, sie sei ghanaische Staatsange- hörige, in B._______ in der Region Ashanti geboren und in verschiedenen Teilen der Stadt aufgewachsen. Von 2011 bis zu ihrer Ausreise habe sie mit ihrer Familie im Stadtteil C._______ gelebt und von 20 (…) bis 20(…) an der Universität in B._______ (…) studiert. Nach ihrem Abschluss habe sie bis 20 (…) ihren staatlichen Dienst beim D._______ geleistet und an- schliessend eine Zeit lang (…) hergestellt und verkauft. Als der Verkauf dieser Produkte nicht mehr profitabel gewesen sei, habe sie bis zu ihrer Ausreise keine berufliche Tätigkeit mehr ausgeübt. Am (…) 2023 sei sie legal nach Frankreich gereist und habe sich danach bis am 28. September 2024 bei ihrem Verlobten, einem spanischen Staatsbürger, den sie 2022 in Ghana kennengelernt habe, in E._______ im Kanton F.________ aufge- halten. Sie sei nie politisch aktiv gewesen und weder jemals verhaftet noch angeklagt oder verurteilt worden. Ebenso wenig habe sie jemals ernsthafte Schwierigkeiten mit Privatpersonen gehabt. Nach einer Demonstration im (…) 2024 in G._______, welche ihre Mutter mitorganisiert habe, sei en diese und ihre Familie bedroht worden. Konkret seien Personen – sie ver- mute, dass es sich um Gesa ndte der Regierungspartei gehandelt habe – zu ihnen nach Hause gekommen und gegenüber ihrem Bruder handgreif- lich geworden, weil dieser ihre Mutter in Schutz ge nommen habe. Mehr könne sie zu dieser Situation nicht sagen, da sie selbst nicht anwesend gewesen sei. Weil ihre Mutter und ihr Bruder bedroht worden seien, sei eine Rückkehr für sie nicht sicher. B. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2024 – gleichentags eröffnet – stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete den Vollzug der Wegweisung an und händigte die editionspflichti- gen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus (vgl. SEM-act. 19/8 f.). C. Mit Eingabe vom 7. November 2024 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die Beschwerde sei gutzuheissen, der Entscheid vom 31. Oktober 2024 sei aufzuheben und E-7037/2024 Seite 3 sie sei als Flüchtling anzuerkennen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur vollständigen und richtigen Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und neuerlichen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei der Wegweisungsvollzug während des Beschwerdeverfahrens auszusetzen, die vollständigen Vorakten seien bei der Vorinstanz zu edieren und zum vorliegenden Beschwerdeverfahren beizuziehen. Ferner sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechts- pflege zu gewähren und ein amtlicher Rechtsbeistand in der Person des Unterzeichneten zu bestellen. Die Beschwerdeführerin reichte eine Vertretungsvollmacht vom 6. Novem- ber 2024, die angefochtene Verfügung vom 31. Oktober 2024, einen Aus- weis «Human Right Activist Card» ihrer Mutter, diverse undatierte Bild- schirmausdrucke mit Fotos und diverse vorinstanzliche Akten, alles in Ko- pie, ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn e von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end- gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen E-7037/2024 Seite 4 richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech- sels verzichtet. 4. Das vorliegende Verfahren wird mit dem Verfahren E -7028/2024 (H._______, N […] [Mutter der Beschwerdeführerin]) zeitlich koordiniert, im gleichen Spruchkörper behandelt und es werden die entsprechenden Ak- ten beigezogen. 5. Auf den in der Beschwerde sinngemäss gestellten prozessualen Antrag, es sei die Aussetzung des Wegweisungsvollzugs superprovisorisch zu verfü- gen, wird nicht eingetreten, da der vorliegenden Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 55 Abs. 1 VwVG). 6. Die Beschwerdeführerin beantragt im Rechtsbegehren zwei ausschliess- lich die Anerkennung als Flüchtling. Aufgrund der Begründung der Be- schwerde wird im Folgenden davon ausgegangen, dass sie die angefoch- tene Verfügung auch im Asylpunkt (Dispositivziffer zwei) anficht. 7. Von der Beschwerdeführerin wird im Sinne eines Eventualbegehrens die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, insbesondere zur rechtsgenüg- lichen Feststellung des Sachverhalts beantragt. Begründet wird der Antrag nicht näher und es ist nicht ersichtlich, inwiefern der Sachverhalt vom SEM unrichtig oder unvollständig festgestellt worden wäre. Für die Kassation der angefochtenen Verfügung besteht offensichtlich kein Anlass. E-7037/2024 Seite 5 8. 8.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Fl üchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 8.2 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe- nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver- folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re- flexverfolgung betroffenen Personen ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt sind. 9. 9.1 Zur Begründung seiner Verfügung im Asylpunkt führte das SEM aus , die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand. Der Bundesrat habe Ghana mit Be- schluss vom 5. Oktober 1993 als einen verfolgungssicheren Staat (Safe Country) im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet. Hinweise, welche die widerlegbare Vermutung der Verfolgungssicherheit umstossen könnten, seien keine ersichtlich. Ferner seien dem Sachverhalt keine Hin- weise zu entnehmen, dass die geltend gemachten Verfolgungsmassnah- men – weder für ihre Mu tter noch für ihren Bruder – flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten würden. Der geschilderte Vorfall im September 2024 erreiche nicht die Intensität, die zur Begründung einer flüchtlingsrecht lich relevanten Verfolgung notwendig sei. Zudem sei darauf hinzuweisen, dass ihre Mutter, die die Hauptperson in ihren Vorbringen darstelle, sich wegen der Drohungen nicht an die Behörden gewandt habe, obwohl in Ghana eine funktionierende Schutzinfrastruktur bestehe. Die Beschwerdeführerin selbst verfüge zudem nur übe r rudimentäre Kenntnisse der Fluchtgründe ihrer Mutter. Ebenso wenig seien dem Sachverhalt Hinweise zu entneh- men, dass sich die – ohnehin niederschwellige – Verfolgung ihrer Mutter in irgendeiner Weise auf ihre Familie ausgeweitet habe, zumal ihr Bruder und ihr Vater nach wie vor in B._______ lebten. Auch sei nicht ersichtlich, wes- halb sich die Verfolgungsmassnahmen in Zukunft auf die Beschwerdefüh- rerin ausweiten sollten. Vielmehr sei sie nie politisch aktiv gewesen, sei in E-7037/2024 Seite 6 Ghana nie mit dem Gesetz in Konfl ikt geraten und auch sonst in keiner Weise negativ aufgefallen. Sie habe ein Studium abgeschlossen und im Anschluss den (…) absolviert. Bezeichnenderweise habe sie von keiner Bedrohung, die persönlich gegen sie gerichtet gewesen sei, berichtet und habe auch keine entsprechenden Beweismittel eingereicht. Dass die gha- naischen Behörden ihrer Mutter habhaft werden wollten und desh alb ein behördliches Interesse an ihrer Person bestehe, sei auch angesichts der legalen Ausreise ihrer Mutter einige Wochen nach der Demonstration in G._______ unwahrscheinlich. 9.2 Die Beschwerdeführerin entgegnet dem im Wesentlichen, das SEM habe nicht ausgeführt, weshalb Ghana auch heute noch als sicher anzu- sehen sei. Ghana weise in Bezug auf Menschenrechte und Schutzmög- lichkeiten erhebliche Defizite auf, die einer Einstufung als sicheres Her- kunftsland entgegenstünden. Obwohl sie selbst nicht an der friedlichen De- monstration teilgenommen habe, sei sie dennoch aufgrund der Aktivitäten ihrer Mutter ernsthaft gefährdet. Die nächtliche Anwesenheit mehrerer Per- sonen am Wohnort ihrer Mutter, unmittelbar nach deren Teilnahme an der Demonstration, deute darauf hin, dass nicht nur die Mutter, sondern auch die Familie als Zielscheibe für Einschüchterungen und mögliche Verfol- gungsmassnahmen betrachtet werde. Es sei durchaus bekannt, das s in vielen Fällen politische Verfolgung nicht nur die unmittelbar Beteiligten, sondern auch ihre Angehörigen betreffe , da diese als Druckmittel gegen die aktivistische Person verwendet werden könn ten. Ein solcher Vorfall stelle eine erhebliche Bedrohung für sie dar, da die Menschen, die an der Tür der Mutter erschienen seien, sehr wahrscheinlich beabsichtigten, diese mitzunehmen oder die Familie einzuschüchtern. Ihre enge familiäre Ver- bindung zur Mutter führe dazu, dass sie zwangsläufig den gleichen Risiken ausgesetzt sei. Zudem sei es sehr wahrscheinlich, dass sie ebenfalls als politisch involviert oder zumindest als «mitschuldig» an den Überzeugun- gen ihrer Mutter betrachtet werde. Die psychische Belastung durch den nächtlichen Übergriff sowie das Wissen, dass die Behörden oder oppositi- onelle Gruppen jederzeit wiederkommen könnten, würden einen Zustand ständiger Angst und Unsicherheit schaffen. Ferner sei nicht nachvollzieh- bar, wie die Vorinstanz zum Schluss gelangt sei, dass keine Anhaltspunkte für eine mögliche Ausweitung der Verfolgung auf die Familie der Gesuch- stellerin bestehe. Die Tatsache, dass mehrere Personen in der Nacht nach der Demonstration am Wohnort ihrer Mutter erschienen seien, um diese mutmasslich festzunehmen, stelle ein klares Indiz dafür dar, dass die Akti- vitäten der Mutter auch auf die Familie übergreifen könnten. Es sei gängige Praxis, dass autoritäre Regime Druck auf die Familienangehörigen E-7037/2024 Seite 7 politisch aktiver Personen ausübten, um diese zum Schweigen zu bringen. Das Argument, sie sei selbst nie politisch aktiv gewesen, greife daher nicht, da sie allein aufgrund ihrer familiären Beziehung zur Mutter als Ziel für Ein- schüchterungs- oder Vergeltungsmassnahmen wahrgenommen werden könnte. 10. 10.1 Der Bundesrat hat Ghana als verfolgungssicheren Staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet (vgl. dazu Anhang 2 der Asylverord- nung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Im Rahmen der peri- odischen Überprüfung (vgl. Art. 6a Abs. 3 AsylG) ist die Schweizer Regie- rung darauf bisher nicht zurückgekommen (vgl. Anhang 2 AsylV 1). Die Be- zeichnung eines Staates als «Safe Country» beinhaltet die Regelvermu- tung, dass eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfindet und der behördliche Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung ge- währleistet ist. Es handelt sich dabei um eine relative Verfolgungssicher- heit. Im Einzelfall kann die besagte Regelvermutung somit aufgrund kon- kreter und substanziierter Hinweise umgestossen werden, wobei die Be- weislast des Gegenteils der asylsuchenden Person obliegt (vgl. BVGE 2013/10 E. 7.4.3). 10.2 Die Beschwerdeführerin vermag mit ihren Vorbringen diese Regelver- mutung nicht umzustossen, zumal ihre Argumentation in der Beschwerde ausschliesslich auf Mutmassungen aufgebaut ist. Die Beschwerdeführerin macht eine Reflexverfolgung aufgrund der Tätigkeiten ihrer Mutter geltend. Diese bringt an der Anhörung im Verfahren N […] (respektiv E-7028/2024) vor, sie sei im (…) 2024 aus Ghana ausgereist, dies sei fast drei Wochen nach der fluchtbegründenden Demonstration gewesen (vgl. Akten der Vor- instanz 1364565 17/16 F66). Die Beschwerdeführerin war aber zu diesem Zeitpunkt schon längst aus Ghana ausgereist – nämlich gemäss eigenen Angaben am (…) 2023 – und nicht mehr zurückgekehrt (vgl. SEM -act. 14/12 F57 und F61) . Ferner wird mit heutige m Urteil des BVGer E-7028/2024 die Beschwerde der Mutter der Beschwerdeführerin abgewie- sen und insbesondere festgestellt, dass die von ihr beschriebene, erlittene Verfolgungshandlung nicht der von der Rechtsprechung geforderten Inten- sität entspricht, um als flüchtlingsrelevant qualifiziert zu werden. Eine Re- flexverfolgung aufgrund der Tätigkeiten der Mutter der Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten klarerweise zu verneinen. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Ghana flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen zu erdulden hat. Die im vorliegenden Verfahren eingereichten Beweismittel vermögen dem E-7037/2024 Seite 8 nichts entgegenzusetzen, da sie sich – insbesondere die Fotos – auf die vorgebrachte Verfolgung der Mutter der Beschwerdeführerin beziehen und weder datiert sind noch die Mutter der Beschwerdeführerin darauf identifi- ziert werden kann. 10.3 Die Vorinstanz hat daher die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 11. 11.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 11.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine a us- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 12. 12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 12.2 12.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werd en (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. E-7037/2024 Seite 9 ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unme nschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 12.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be- schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 12.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde- führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei- ner Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be- handlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folter- ausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschie- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu- ation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit- punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 12.3 12.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. E-7037/2024 Seite 10 12.3.2 Die Vorinstanz führt dazu aus, bei der Beschwerdeführerin handle es sich um eine junge, gebildete Frau mit Universitä tsabschluss. Zudem sei sie bei bester Gesundheit, habe ihr ganzes Leben in B._______ ver- bracht und sei mit den Abläufen und Gepflogenheiten vertraut. Sie habe ihren (…) absolviert und Geld im selbstständigen Erwerb verdient. Bis zur Ausreise habe sie mit ihrer Familie im eigenen Haus in B._______ gelebt und verfüge daher bei ihrer Rückkehr nach Ghana über ein soziales Bezie- hungsnetz und adäquaten Wohnraum. Selbst wenn es für sie finanziell nicht einfach sei, könne sie bei Bedarf von ihren Familienmitgliedern unter- stützt werden. Nebst ihrer Mutter, die ihr Leben lang als (…) gearbeitet habe, und ihrem Vater, der nebst seiner Pension Geld als Vermieter ver- diene, könnten ihre Grosseltern und ihre Tante sie bei ihrem Neuanfang in Ghana unterstützen. Was die Ehevorbereitungen mit I._______ und einen allfälligen Familiennachzug angehe, könne sie die damit zusammenhän- genden Aufgaben auch problemlos in ihrem Heimatstaat bewerkstelligen. 12.3.3 Zusammen mit der Bezeichnung als «Safe Country» bezeichnete der Bundesrat Ghana als Heimat- oder Herkunftsstaat, in den eine Rück- kehr in der Regel zumutbar ist (vgl. Art. 83 Abs. 5 AIG). Damit spricht die allgemeine Lage in Ghana nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs. 12.3.4 Weder aus der Beschwerde noch aus den Akten sind Anhaltspunkte ersichtlich, die der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in individueller Hinsicht entgegenstünden. Es ist diesbezüglich vollumfänglich auf die Aus- führungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. E. 12.3.2 supra) zu ver- weisen. 12.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 12.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 13. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig E-7037/2024 Seite 11 sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg- lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 14. 14.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Gesuch um Befreiung von der Kos- tenvorschusspflicht gegenstandslos geworden. 14.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (nach Art. 65 Abs. 1 VwVG) und amtlichen Verbeiständung (nach 102 m Abs. 1 AsylG i.V.m Art. 65 Abs. 1 VwVG) sind abzuweisen, da sich die Be- schwerde nach dem Gesagten als von Vornherein aussichtslos erwiesen hat und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zu deren Gewäh- rung fehlt. 14.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-7037/2024 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Verbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Stefan Trottmann Versand: