B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4267/2014 law/auj U r t e i l v o m 11 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), F._______, geboren (…), alle Somalia, alle vertreten durch G._______, Asylbewerberzentrum, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 2. Juli 2014 / N (…). D-4267/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a G._______, somalischer Staatsangehöriger aus Mogadishu und Ver- treter der Beschwerdeführenden im vorliegenden Verfahren, suchte am 9. Juli 2008 in der Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung seines Asyl- gesuchs machte er im Wesentlichen geltend, die Al Shabaab-Miliz habe ihn am 5. Februar 2008 aufgefordert, ihr beizutreten, nachdem einer sei- ner Brüder als Mitglied der Miliz am 14. Januar 2008 einen Selbstmor d- anschlag verübt habe. Er habe die Al Shabaab gebeten, ihm noch eine Woche Zeit zu geben, um seine Angelegenheiten zu regeln. Vier Tage später sei eine Granate in das Haus der Familie in Mogadishu einge- schlagen und habe seine Mutter sowie drei Schwestern getötet; er sei verletzt worden. Am 11. Februar 2008 habe seine Tante mütterlicherseits seine sechs überlebenden Geschwister nach H._______ gebracht. Er selbst habe seine Verletzung in einer Apotheke behandeln lassen, sich anschliessend während fünf Monaten in einem Nachbarhaus versteckt und sei dann ausgereist. A.b Das BFM stellte mit Verfügung vom 15. April 2011 fest, G._______ erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch gestützt auf Art. 3 des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) ab und ordnete die We g- weisung an. Gleichzeitig schob es d en Wegweisungsvollzug wegen U n- zumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Die gegen die- sen Entscheid erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsg e- richt mit Urteil D-2676/2011 vom 11. Mai 2012 ab. B. Mit als "Asylum Seeking Application" bezeic hneter englischsprachiger Eingabe vom 18. August 2012 gelangte G._______ ans BFM. Darin führ- te er aus, nach dem Tod seiner Mutter habe sich seine "half -mother", in deren Obhut sich noch drei weitere Waisenkinder befänden, um seine sechs Geschwister gekümmert. Die drei ältesten Geschwister hätten seit- her Somalia verlassen und hielten sich an einem unbekannten Ort auf. Nachdem seine "half-mother" verstorben sei, bitte er die Schweiz darum, die sechs übrigen Waisenkinder zu retten. C. Das BFM f orderte G._______ mit Schreiben vom 23. August 2012 auf, ein begründetes Asylgesuch mit den vollständigen Personalien seiner Familienangehörigen sowie eine Originalvollmacht einzureichen. D-4267/2014 Seite 3 D. Mit Eingabe vom 24. November 2012 reichte G._______ Vollmachten von sechs Personen im Alter von 10 bis knapp 18 Jahren sowie eine Kopie seines F -Ausweises und einer DHL -Postsendung aus Äthiopien ein. Im Wesentlichen machte er geltend, seine drei Schwestern A._______, B._______ und C._______ sowie die drei Waisenkinder D._______, E._______ und F._______ lebten in einem äusserst gefährlichen Gebiet namens H._______, das von der Al Shabaab kontrolliert werde. Seine "half-mother" beziehungsweise eine Tante mütterlicherseits, I._______, habe die Kinder bis zu ihrem Tod vor vier Monaten betreut. Nun müssten sie sich alleine durchschlagen und hätten grosse Angst. Bis zum Tod der Tante seien die Kinder zu H ause unterrichtet worden; nun erhielten sie keinen Schulunterricht mehr. Der Junge, F._______, befürchte eine Zwangsrekrutierung durch die Al Shabaab; seine Schwestern fürchteten sich vor Vergewaltigung oder Verschleppung durch Angehörige dieser Mi- liz, welchen sie schutzlos ausgeliefert wären. Im Falle einer Vergewalti- gung hätten sie keine Möglichkeit mehr, zu heiraten und müss ten mit e i- ner Bestrafung rechnen; es komme immer wieder zu Steinigungen von Frauen und Mädchen. Nach dem Tod seiner Mutter und der Tante sei er, G._______, als grosser Bruder für die Kinder verantwortlich. Der Vater sei seit dem Tod seiner Ehefrau psychisc h so schwer krank, dass er sich nicht um seine Kinder kümmern könne. Zu den eingereichten Vollmach- ten hielt G._______ fest, er habe diese per E-Mail nach Somalia gesandt, wo ein Bekannter sie den Kindern vorgelegt habe; danach habe jemand die Vollmachten nach Äthiopien mitgenommen, von wo aus sie dann mit DHL in die Schweiz geschickt worden seien. E. Am 18. September 2013 stellte G._______ beim BFM ein Gesuch um Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person mit der Begrü n- dung, er möchte im Februar 20 14 für 30 Tage nach Äthiopien reisen, um seinen dort lebenden kranken Vater zu besuchen. Das BFM hiess das Gesuch am 27. November 2013 gut, nachdem G._______ ein ärztliches Zeugnis einer Klinik in Addis Abeba nach gereicht hatte. Im Zeugnis wird bestätigt, dass der (…)-jährige J._______ sich vom 15. Juli 2013 bis 10. August 2013 in der Klinik stationär aufgehalten habe und wegen "Se- vere Hypertension and Psychotic Depression" medikamentös und mit Vi- taminen behandelt sowie psychologisch beraten worden sei. D-4267/2014 Seite 4 F. Mit Eingabe vom 21. Januar 2014 erkundigte sich G._______ beim BFM nach dem Verfahrensstand bezüglich der Auslandgesuche. G. Das BFM teilte G._______ am 17. April 2014 mit, die Asylgesuche aus dem Ausland seien schriftlich abzuwickeln, da in Somalia keine schweize- rische Vertretung existiere und eine Anhörung nicht möglich sei. Das Bundesamt forderte ihn unter Hinweis auf BVGE 2011/39 auf, persönliche Willensäusserungen aller sechs Personen einzureichen, mittels derer diese zu erkennen geben sollten, dass sie die Schweiz wegen einer asy l- relevanten Verfolgung um Schutz ersuchten. Ferner unterbreitete das Bundesamt G._______ zwecks Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts einen Fragenkatalog zur Beantwortung durch die Asylge- suchstellenden und forderte diese auf, Passfotos sowie Kopien von Iden- titätsausweisen und Beweismitteln einzureichen. H. Mit Eingaben vom 26. Mai 2014 und von Ende Mai 2014 reichte G._______ sechs handgeschriebene Stellungnahmen zum Fragenkat a- log, welche die Beschwerdeführenden seinen Angaben zufolge persönlich verfasst haben, sowie englische Übersetzungen ein. Zur beigelegten Ko- pie des ärztlichen Zeugnisses einer Klinik in Addis Abeba (vgl. Sachver- halt Bst. E) führte er aus, sein Vater sei in Äthiopien in medizinischer Be- handlung gewesen und lebe aus gesundheitlichen Gründen nach wie vor dort, weshalb er sich nicht um die Kinder kümmern könne. I. Mit Verfügung vom 2. Juli 2014 verweigerte das BFM allen sechs Be- schwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte die Asylges u- che ab. J. Mit Eingabe ihres Vertreters vom 28. Juli 2014 liessen die Beschwerd e- führenden Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und b e- antragen, der Entscheid des BFM vom 2. Juli 2014 sei aufzuheben und es sei ihnen die Einreise in die Schweiz zur Durchführung eines ordentl i- chen Asylverfahrens zu bewilligen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht lie s- sen sie beantragen, es sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege zu g e- währen und insbesondere von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen. D-4267/2014 Seite 5 K. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 7. August 2014 den Ei n- gang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwalt ungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorliegend nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsgesuches des Staates, vor wel- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 BGG). 2. Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, wurden un ter anderem die Bestimmungen zur Stellung von Asylge- suchen aus dem Ausland aufgehoben. Gemäss der Übergangsbestim- mung in Ziffer III sind für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änd e- rung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Ar- tikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 aAsylG) in der bisherigen Fa s- sung anwendbar. Da im vorliegenden Fall die Asylgesuche aus dem Aus- land am 18. August 2012 gestellt wurde n, sind die bisherigen Besti m- mungen über das Auslandverfahren anzuwenden. 3. 3.1 Die Beschwerdeführenden haben mit Einreichung ihrer pers önlichen Stellungnahmen vom 26. Mai 2014 und von Ende Mai 2014 am ersti n- stanzlichen Verfahren teilgenommen (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3.2 S. 826 f.), sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschw erde (Art. 108 Abs. 1 As ylG; D-4267/2014 Seite 6 Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutr e- ten. 3.2 Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht und die u n- richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachve r- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. 5.1 In ihren schriftlichen Stellungnahmen vom Mai 2014 zum Fragenkata- log des BFM machten die sechs Beschwerdeführenden geltend, sie leb- ten in ständiger Angst vor der Al Shabaab und rechneten jederzeit damit, von der Miliz getötet, gesteinigt oder zwangsverheiratet (Mädchen) b e- ziehungsweise zwangsrekrutiert (Junge) zu werden. Die Beschwerdefüh- rerinnen A._______, B._______ und C._______ brachten überdies vor, sie seien am 28. Februar 2014 vergewaltigt worden, nachdem sie sich gegen eine Zwangsverheiratung ge wehrt hätten. Bei allen sechs B e- schwerdeführenden handle es sich um verletzliche, arme und schutzlose Personen. Als Angehörige des nicht über Waffen verfügenden Minderhe i- tenclans Rer Hamar ( A._______, B._______ und C._______) respektive weil sie gar keinem Clan angehör ten ( D._______, E._______ und F._______), seien sie überdies einem "tribalen Rassismus" ausgesetzt. Die drei Letzteren machten ferner geltend, sie würden als "Bastarde" b e- schimpft, weil sie keine Eltern hätten (vgl. act. B 9/3 und B8/32, jeweilige Antworten D 1-8). 5.2 Das BFM führte zur Begründung seines ablehnenden Entscheides im Wesentlichen aus, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit müsse nicht von einer akuten Gefährdung der Beschwerde führenden im Fall des Verbleibs im Heimatstaat ausgegangen werden. Zwar seien noch immer Teile Somalias von Kampfhandlungen zwischen Kräften der Übergang s- regierung und verschiedenen Milizen betroffen. Die allgemeine Unsiche r- heit, die als unausweichliche Folge dieses Konfliktes in diesen Gebieten herrsche, betreffe indessen die gesamte Bevölkerung in gleichem Masse. Den Akten könnten keine glaubhaft dargelegten Anhal tspunkte dafür ent- nommen werden, dass den Beschwerdeführenden im heutigen Zeitpunkt in Somalia Verfolgungsmassnahmen aus einem der in Art. 3 AsylG g e- nannten Gründen drohten. Insgesamt lägen weder realitätsnahe Ausfü h-D-4267/2014 Seite 7 rungen noch irgendwelche Beweismittel vo r, welche die behaupteten E r- eignisse plausibel machen würden. Im Einzelnen führte das Bundesamt aus, den Beschwerdeführenden ge- genüber erfolgte Drohungen und Schikanen der Al Shabaab seien zwar nicht kategorisch auszuschliessen, doch fehlten nähere Angabe n und Beweismittel hierzu. Es sei daher unglaubhaft, d ass es sich dabei um e i- ne gezielte Verfolgung gehandelt habe, respektive dass es jemals zu e i- ner einreiserelevanten Verfolgung gekommen sei, und es sei nicht zu er- warten, dass die Beschwerdeführenden bei einem Verbleib in Somalia mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in naher Zukunft von einer solchen Verfolgung betroffen sein würden. So sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführenden sich bereits seit sechs Jahren in einem Gebiet aufhalten sollten, welches von Al Shabaab kontrolliert werde, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hätten, nach der Vertreibung dieser Miliz aus der Hauptstadt und umliegenden Gebieten an ihren Herkunftsort Mogadishu zurückzukehren, wie dies Tausende von Flüchtlingen und intern Vertrie- benen im vergangenen Jahr aufgrund der verbesserten Sicherheitslage auch getan hätten. Zur geltend gemachten Vergewaltigung der ältesten Schwester A._______ hielt die Vorinstanz fest , dass das schweizerische Asylrecht nicht dem Ausgleich erl ittener Nachteile diene; vergangene Verfolgungs- massnahmen könnten jedoch asylbeachtlich sein, wenn sie mit überwi e- gender Wahrscheinlichkeit auf eine zukünftige Verfolgung schliessen lies- sen. Die geltend gemachte Vergewaltigung vermöge bei einer objektivier- ten Betrachtungsweise die Furcht vor zukünftiger Verfolgung allerdings nicht zu begründen, da es sich dabei um ein einmaliges , isoliertes Ereig- nis handle, was unter anderem dadurch belegt werde, dass A._______ seit diesem Vorfall offenbar nicht weiter behelligt worden sei. Dass die Beschwerdeführenden in Somalia überhaupt keine Familienan- gehörigen, auch keine entfernten Verwandten mehr hätten, oder sie gar keinem Clan zu gehörten, bezeichnete das BFM als realitätsfremd . Zum einen sei dem Befragungsprotokoll von G._______ vom 16. Juli 2008 zu entnehmen, dass seine Geschwister K._______, L._______ und M._______ ebenfalls bei der Tante in H._______ gelebt hätten und alle drei im heutigen Zeitpunkt über 20 Jahre alt seien. Zum anderen gehörten in Somalia auch di e Abkömmlinge der Geschwister der Grosseltern, also Verwandte dritten und höheren Grades oder Angehörige desselben Clans zur "engeren" Familie, so dass das familiäre Beziehungsnetz schnell ein i-D-4267/2014 Seite 8 ge Dutzend Personen umfassen könne. Den Beschwerdeführenden sei es zuzumuten, sich bei Bedarf von diesen Personen oder den im Ausland lebenden Familienangehörigen unterstützen zu lassen. 5.3 In der Beschwerde hielt G._______ daran fest, seine drei erst (…),(…) und (…) Jahre alten und unverheirateten Schwestern hätten kei- ne Familienmitglieder mehr, die sie unterstützen könn ten, und müssten sich seit dem Tod der Tante auch noch um deren Ziehkinder im Alter von (…),(…) und (…) Jahren kümmern. Der Junge F._______ lebe in ständ i- ger Angst vor einer Rekrutierung durch die Al Shabaab; diese Gefahr be- stehe nach wie vor, selbst wenn sich die Lage – zumindest in Mogadishu – in jüngster Zeit aus der Sicht Aussenstehender verbessert haben möge. Von einer dauerhaften Stabilität der politischen und sozialen Verhältnisse in Somalia kön ne indessen noch lange nicht gesprochen werden; dies treffe vorab auf alle anderen Regionen des Landes zu. Besonders schutz- los seien die Frauen und Mädchen. A._______ sei im Februar 2014 ve r- gewaltigt worden; davor habe sie sich schon lange gefürchtet. Was eine Vergewaltigung in Somalia für eine Frau aus ihrem kulturellen Umfeld b e- deute, dürfte dem Gericht bekannt sein. Da sie sich nicht selber schützen könne und auch nicht durch ein männliches Mitglied ihrer Familie oder i h- res Clans geschützt werden könne, bestehe die Gefahr, dass ihr oder den jüngeren Schwestern oder den Cousinen auch in Zukunft etwas passi e- ren könne. Die Schutzlosigkeit werde noch dadurch erhöht, dass sie e i- nem Minderheitenclan angehörten. A._______ habe nicht bei der Polizei Schutz suchen können, und die Täter seien ungestraft geblieben. In S o- malia seien alleinstehende, unverheiratete Frauen jederzeit dem Risiko ausgesetzt, Opfer einer Gewalttat, mitunter auch einer Vergewalt igung, zu werden, und sie hätten keine Möglichkeiten, sich rechtl ich erfolgreich zur Wehr zu setzen, geschweige denn nach einer solchen Tat sozial r e- habilitiert zu werden. Des Weiteren führte G._______ in der Beschwerde aus, d ie in den Asy l- gesuchen gemachten Angaben zum fehlenden sozialen und familiären Beziehungsnetz seien korrekt. Durch die in den vergangenen Jahrzeh n- ten in Somalia verübten Gewaltakte seien viele und auch grosse Familien zerstört worden; dies sei auch vorliegend der Fall. So müssten seine drei noch sehr jungen Schwestern sich um die ebenfalls minderjä hrigen Cou- sinen und den Cousin kümmern. Selbst wenn es in der grosselterlichen Linie noch Verwandte geben sollte, hätten diese nie zu seinen Geschwi s- tern geschaut und könnten es wohl auch nicht. Entgegen der Ansicht des BFM sei es sodann für junge und alleinstehende Frauen nicht möglich, D-4267/2014 Seite 9 nach sechs Jahren Aufenthalt in H._______, woher die Cousinen und der Cousin stammten, einfach nach Mogadishu zurückzukehren. Schliesslich wird unter Hinweis auf Berichte diverser Organisationen und auf die aktuelle Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Men- schenrechte (EGMR) vorgebracht, die Sicherheitslage in Somalia ei n- schliesslich Mogadishu sei nach wie vor als prekär, instabil und unvorher- sehbar zu bezeichnen. Die Al Shabaab kontrolliere nicht nur weite Teile Süd- und Zentralsomalias; ihre Anschläge hätten auch in der Hauptstadt seit 2013 wieder zugenommen, die Miliz sei im Grossraum Mogadishu noch immer präsent und es komme dort zu Übergriffen gegen die Zivilb e- völkerung. 6. 6.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sac h- verhalts, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Auf- enthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justi z- und Polizei- departement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asyls u- chenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine u n- mittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG besteht. 6.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutba r- keit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingli e- derungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Au s- schlaggebend für die Erteilung d er Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Fr a- gen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachve r- haltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 E. 5.1; vgl. auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D-2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). D-4267/2014 Seite 10 7. 7.1 Wie das BFM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festgestellt hat, ist nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführenden sich seit sechs Jahren in H._______, einem von der Al Shabaab kontrollierten Ge- biet im Süden des Landes aufhalten sollen, obwohl mindestens drei von ihnen (die drei Schwestern von G._______) aus Mogadishu stammen und sie die Möglichkeit geh abt hätten, nach dem Abzug der Miliz aus der Hauptstadt, welcher im August 2011 begann und im Mai 2012 abg e- schlossen war (vgl. EGMR, K.A.B. gegen Schweden, Urteil vom 5. September 2013, Beschwerde Nr. 886/11, §§ 86 ff.), an ihren He r- kunftsort zurückzukehren, wo die Sicherheitslage besser ist als in Sü d- somalia (vgl. zur Sicherheitslage in Mogadishu und in Zentral- und Süd- somalia sowie zur Rückkehr von Flüchtlingen und intern Vertriebenen [IDPs] auch BVGE 2013/27 E. 8.5.5). Zu stützen ist auch die Einschä t- zung der Vorinstanz, dass die Behauptung der Beschwerdeführenden und ihres Vertreters, sie hätten in Somalia überhaupt keine Verwandten mehr, welche sich um sie kümmern könnten oder wollten – dies unter dem Vorbehalt, dass die Beschwerdeführenden sich überhaupt noch in Somalia aufhalten (vgl. dazu nachstehende E . 7.1.2) –, als realitätsfremd und daher als unglaubhaft zu qualifizieren ist. 7.1.1 In der Eingabe vom 18. August 2012 gab G._______ an, dass seine zwei Brüder M._______ und L._______ sowie die älte ste Schwester K._______ (mittlerweile (…),(…) und (…) Jahre alt, vgl. act. A1/10 S. 4) zunächst zusammen mit A._______, B._______ und C._______ (und den drei anderen Beschwerdeführenden) bei der Tante in H._______ gelebt hätten, dann aber noch vor dem Tod der Tante ohne die drei jüngeren Schwestern das Land verlassen hätten und sich seither an einem unb e- kannten Ort aufh ielten ("three of my brothers and sisters fled from the country and hitch-hiked to unknown place" ). Nach der Prüfung der Akten ist hierzu zunächst festzustellen, dass nicht plausibel ist, dass die drei beschwerdeführenden Schwestern und ihr Vertreter nicht wüssten, wo sich ihre Geschwister aufhal ten. Überdies ist es g erade vor dem Hinter- grund der vom Vertreter in den diversen Eingaben und in sbesondere auch in der Beschwerde wiederholt erwähnten besonderen Verletzlichkeit von alleinstehenden Frauen und Mädchen in Somalia sehr unwahrschein- lich, dass sämtliche männlichen Mitglieder der Kernfamilie von A._______, B._______ und C._______ sowie die älteste Schwester sich im Ausland in Sicherheit gebracht haben – der Vater in Äthiopien, der Bruder G._______ in der Schweiz und die Brüder M._______ und L._______ sowie die Schwester K._______ an einem angeblich unbe-D-4267/2014 Seite 11 kannten Ort –, und ihre Töchter beziehungsweise jünger en Schwestern schutzlos in einem von der Al Shabaab kontrollierten, "äusserst gefährl i- chen Gebiet" (vgl. Eingabe vom 23. November 2012) bei einer offenbar alleinstehenden Tante (vgl. act. A12/10 F31 S. 5) zurückgelassen haben sollen, die sich neben einer eigenen Tochter noch um drei Waisenkinder (die ander en drei Beschwerdeführenden) gekümmert habe . Wären die drei jüngsten Schwestern tatsächlich in H._______ geblieben, wären sie kaum erst seit dem Tod der Tante im Sommer 2012 nicht mehr zur Schule gegangen, sondern bereits viel früher, zumal Mitglieder der Al Shabaab Jungen und Mädchen häufig in der Schule oder auf dem Schulweg als Kindersoldaten oder als Haushälterinnen zwangsrekrutieren oder sie ver- schleppen, um sie zu Eheschliessungen mit Milizionären der Al Shabaab zu zwingen (vgl. H uman Rights Watch [H RW], No Place for Children – Child Recruitment, Forced Marriage, and Attacks on Schools in Somalia, Februar 2012, S. 19 ff., 36 f. und 53 ff.). Schliesslich hätte G._______ kaum 14 Monate zugewartet, bis er sich beim BFM nach dem Verfa h- rensstand erkundigte und dieses um einen raschen Entscheid ersuchte, wenn sich seine Schwestern tatsächlich schutzlos in einer derart gefährli- chen Situation wie behauptet befunden hätten. Dass die Mädchen ihren Herkunftsort Mogadishu überhaupt je verlassen haben, um bei einer alleinstehenden Tante in Südsomalia zu leben, ist höchstens plausibel, sofern und solange sich auch mindestens einer der Brüder dort aufgehalten hätte. Spätestens als die Brüder M._______ und L._______ sowie die älteste Schwester K._______ das Land verlassen haben, dürften die drei jüngeren Schwestern sich wieder in die Haup t- stadt begeben haben, zumal sich die Sicherheitslage nach dem Abzug der Al Shabaab verbessert hat und davon auszu gehen ist, dass sich in Mogadishu Verwandte respektive Mitglieder ihres ursprünglich aus der Hauptstadt stam menden Clans (vgl. act. A1/10 S. 2) aufhalten, welche sich um die Mädchen gekümmert hätten. Die in der Beschwerde erhobe- ne Einwendung von G._______, für junge und alleinstehende Frauen sei es nicht möglich, nach sechs Jahren Aufenthalt an ihren Herkunftsort Mo- gadishu zurückzukehren, ist nicht stichhaltig, und auch die Aussage , die jahrzehntelange Gewalt in Somalia habe viele grosse Familien, so auch die seine zerstört, vermag nicht zu überzeugen. Dass A._______ ihre ei- gene Sicherheit und diejenige ihrer jüngeren Schwestern riskiert hätte, um sich nach dem Tod der Tante um die drei "Waisenkinder" in Südsoma- lia zu kümmern, mit denen sie offenbar nicht einmal verwandt ist, anstatt nach Mogadishu zurückzukehren, ist nicht plausibel. D-4267/2014 Seite 12 7.1.2 Aufgrund der Lage in Somalia und der Aktenlage ist allerdings da- von auszugehen , dass die beschwerdeführenden Schwestern entweder gemeinsam mit den älteren Geschwistern oder in einem späteren Zei t- punkt aus Somalia ausgereist sind und sich seither mit ihrer Kernfamilie im Nachbarstaat Äthiopien aufhalten. Dass viele somalische Familien ihre Heimat verlassen haben, insbesondere um ihre Töchter und Söhne vor Entführungen, Zwangsehen und Zwangsrekrutierungen zu schützen, ist bekannt (vgl. HRW, No Place for Children, a.a.O., S. 19, 53). Aufgrund mehrerer Indizien liegt der Schluss nahe, dass sich die drei beschwerd e- führenden Schwestern mittlerweile in Äthiopien aufhalten. Ihr Vater lebt bereits seit einiger Zeit dort , und beim "unbekannten Ort", an den ihre Geschwister M._______, L._______ und K._______ per "hitch-hiking" ge- flohen seien, dürfte es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um Äthiopien handeln. G._______ beabsichtigte, im Jahr 2014 dorthin zu reisen und die Vollmachten für die Asylgesuche wurden von Addis Abeba aus in die Schweiz geschickt. Schliesslich gaben alle sechs Beschwerdeführenden in den Eingaben vom Mai 2014 mit einer fadenscheinigen Begründung an, in Somalia könnten sie sich keine Passfotos und Belege für ihre Iden- tität beschaffen (vgl. E. 7.1.4; in Äthiopien hingegen, von wo aus sie am liebsten in die Schweiz reisen würden, sei dies möglich. 7.1.3 Hinsichtlich D._______, E._______ und F._______ ist festzuhalten, dass sich weder zu deren Herkunft noch zu einer allfälligen Verwand t- schaft mit den übrigen Beschwerdeführenden und dem Vertreter in den Akten verlässliche und mit Beweismitteln gestützte Angaben finden. Die Kinder bezeichneten die Frau, die sie aufgezogen habe, als "mother", "have-mother" und "grown (up) mother"; über die Person von G._______ wussten sie, dass er der Neffe dieser Frau sei und in der Schweiz lebe (vgl.act. B8/32, Antworten B 1 und C). Schenkte man de n Aussagen von G._______ Glauben, bestünde die einzige Verbindung zwischen seinen drei Schwestern und den anderen drei B eschwerdeführenden darin, dass sie während sechs Jahren von seiner Tante in H._______ betreut worden wären. Dass die drei Schwestern sei t sechs Jahren in H._______ leben, ist unwahrscheinlich. Das BFM bezeichnete D._______, E._______ und F._______ in der angefochtenen Verfügung unzutreffend als Cousinen und Cousin der übrigen Beschwerdeführenden, und der Vertreter übe r- nahm diese falsche Be zeichnung auf Beschwerdeebene umgehend. Dass D._______, E._______ und F._______ in Somalia überhaupt keine Verwandten haben und von einer fremden, offenbar mit ihnen nicht ve r- wandten Frau aufgezogen worden sein sol len, mutet seltsam an, und die Verbindung dieser drei M inderjährigen zu G._______ und seinen b e-D-4267/2014 Seite 13 schwerdeführenden Schwestern wirkt konstruiert. Jedenfalls ist aus den Akten keine – für die Erteilung einer Einreisebewilligung erforderliche – Beziehungsnähe der drei "Waisenkinder" D._______, E._______ und F._______ zur Schweiz (vgl. E. 6.2) ersichtlich. 7.1.4 Alle sechs Beschwerdeführenden haben es trotz der ausdrücklichen Aufforderung durch das BFM unterlassen, Passfotos und Kopien von Identitätsausweisen einzureichen. In ihren Eingaben vom Mai 2014 g a- ben sie an, sie würden mit 99 -prozentiger Wahrscheinlichkeit als Spione für den Westen angesehen und umgebracht, wenn man sie an ihrem ländlichen Aufenthaltsort in Somalia mit Fotos und Identitätsdokumenten antreffen würde; wenn sie jedoch erst einmal in Ä thiopien wären (um von dort in die Schweiz zu reisen), würden sie hinsichtlich Fotos und Ident i- tätsdokumenten fündig werden (vgl. act. B8/32 und B9/3, jeweilige An t- worten unter E 1). Aufgrund dieser Sachlage steht weder die Identität der Beschwerdeführenden fest, noch ist – auch hinsichtlich der drei angebl i- chen Schwestern – eine Verwandtschaft mit G._______ belegt. Da keine Fotos der Beschwerdeführenden vorliegen, wäre nicht einmal gewährleis- tet, dass tatsächlich die in diesem Verfahren als Beschwerdeführe nde auftretenden Personen und nicht irgendwelche Dritte in die Schweiz ei n- reisen würden, falls die Einreisebewilligung erteilt würde. 7.2 A._______, B._______ und C._______ brachten in ihren Eingaben vom Mai 2014 vor, sie seien am 28. Februar 2014 von Kämpfern der Al Shabaab vergewaltigt worden, nachdem sie nicht eingewilligt hätten, mit diesen Zwangsehen einzugehen. 7.2.1 Wie in E. 7.1.1 und 7.1.2 dargelegt, ist davon auszugehen, dass die drei beschwerdeführenden Schwestern sich im Zeitpunkt der geltend g e- machten Vergewaltigung(en) im Februar 2014 nicht in Südsomalia au f- gehalten haben, sondern in Mogadishu oder allenfalls bereits in Äthi o- pien. 7.2.2 Dass Mitglieder der Al Shabaab Mädchen und junge Frauen zu Eheschliessungen zwingen und es im Zusammenhang mit solchen Zwangsehen oder auch unabhängig davon zu Vergewaltigungen durch Milizangehörige kommt, ist dokumentiert (vgl. HRW, No Place for Children, a.a.O., S. 53 ff.). Die Al Shabaab ist zwar in der Hauptstadt im- mer noch präsent, doch richten sich ihre Angriffe in erster Linie gegen Regierung und Sicherheitskräfte und nicht direkt gegen die Zivilbevölke- rung (vgl. EGMR, a.a.O., §§ 41 ff. und 88 f.). Was die Gewalt gegen Mäd-D-4267/2014 Seite 14 chen und Frauen betrifft, ist festzuhalten , dass in Mogadishu und Umge- bung nicht alle weiblichen Personen einem (gleich) hohen Vergewalt i- gungsrisiko ausgesetzt sind. Gefährdet sind insbesondere Mädchen und Frauen, welche aus ärmlichen und ländlichen Verhältnissen stammen und ohne den Schutz ihrer Gemeinschaft in Lagern für IDPs leben (vgl. HRW, "Here, Rape is Normal" – A Five-Point Plan to Curtail Sexual Violence in Somalia, Februar 2014, S. 3, 9 ff., 17). Bei den drei Schwestern von G._______ handelt es sich entgegen den Beteuerungen in den Eingab en der Beschwerdeführenden vom Mai 2014 nicht um arme Personen, so n- dern im Gegenteil um Angehörige einer für somalische Verhältnisse rela- tiv wohlhabenden Familie, welche aus Mogadishu stammt und dort ein Edelmetall-Geschäft geführt sowie diverse Häuser bes essen hat (vgl. act. A1/10 S. 7). Inwiefern die angebliche Schutzlosigkeit der drei Schwestern durch ihre Zugehörigkeit zu einem Minderheitenclan noch e r- höht werde, wird weder in den Eingaben vom Mai 2014 noch in der B e- schwerde auf den vorliegenden Fall be zogen konkret und substanziiert dargelegt. Die Rer Hamar leben in den zentralen Stadtteilen Mogadishus, wo sie Grundeigentum besitzen . Im Gegensatz zur Situation in den fr ü- hen Bürgerkriegsjahren sind sie heute nicht mehr im gleichen Masse den gezielten und straflos verübten Gewalttaten durch die grossen, sich b e- kriegenden Clans ausgesetzt; vielmehr besetzen sie poli tische Positi o- nen, sind in der Lage, sich am lokalen Machtspiel mit den grossen Clans zu beteiligen und werden nur noch selten Ziel von Angriffen durch andere Clans (vgl. ACCORD, Clans in Somalia, Dezember 2009, S. 19 f.). 7.2.3 Die Schwestern B._______ und C._______ haben mit (in der engl i- schen Übersetzung) identischen Formulierungen wie A._______ angege- ben, sie seien ebenfalls (und am gleichen Tag wie die ältere Schwester ) vergewaltigt worden, nachdem sie sich geweigert hätten, eine Zwang s- ehe einzugehen (vgl. act. B8/32, jeweilige Antworten D 2 und D 5). Es er- übrigt sich, auf dieses Vorbringen näher einzugehen, zumal die beiden of- fenbar den Text der Stellungnahme zum Fragenkatalog des BFM von der älteren Schwester übernommen haben und überdies auf Beschwerd e- ebene nicht mehr geltend machen, selbst Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein. Anzufügen bleibt diesbezüglich, dass ein derart leicht- fertiger Umgang mit einem Vergewaltigungsvorbringen befremdet und der persönlichen Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerinnen abträglich ist. 7.2.4 Für die Beurteilung des Vergewaltigungsvorbringens von A._______ ist entgegen der Einschätzung der Vorinsta nz nicht massgebend, ob es sich dabei um ein "einmaliges, isoliertes Ereignis" (vgl. obige E. 5.2) ge-D-4267/2014 Seite 15 handelt hat. Die wohl als Reaktion auf diese Aussage des BFM in der Be- schwerde nicht unberechtigt aufgeworfene Frage, wie viele Male denn ei- ne Frau erst ve rgewaltigt werden müsse, bis dies relevant im Sinne der Gesetze sei (vgl. Be schwerde S. 4), ist vorliegend rhetorischer Natur . Ausschlaggebend ist, ob im konkreten Fall die Beschwerdeführerin su b- stanziiert darzulegen vermag, dass sie Opfer einer asylrechtl ich relevan- ten geschlechtsspezifischen Verfolgung geworden sei und weiterhin so l- che Verfolgungsmassnahmen zu befürchten habe. Dies ist vorliegend nicht der Fall. A._______ Schilderungen der angeblich angedrohten Zwangsverheiratung sowie der geltend gemachten Vergewaltigung durch Mitglieder der Al Shabaab fielen sehr allgemein und vage aus: "(…) pe r- sonally me A._______ i had the most pain ful situation on 28th.4.2014 i have been unmindly rapped in a day light by g unmen member of Al Shabab group who played of my virginhood and this happened after i have refused to marry me in force, and shall not forget this in my life" (vgl. act. B9/3 Antwort D 1). "They wanted force marriga and i refused and then i was rapped" (a.a.O., D 2), und weiter: "The latest and most difficult hardship happened on me 28.2.2014" (a.a.O., D 5). Die Beschwerdefüh- rerin äusserte sich weder zur Anzahl der Männer, welche sich am Übe r- griff beteiligt haben sollen, noch zu den weiteren Umständen der g eltend gemachten Vergewaltigung, zu allfälligen physischen Verletzungen, die sie dabei erlitten haben könnte und schliesslich auch nicht dazu, ob die Milizionäre der Al Shabaab sie anschliessend freigelassen hätten oder wie sie ihnen habe entkommen können. Eine solche oberflächliche Schil- derung vermag den Anforderungen an die Substanziierung einer asyl- rechtlich relevanten geschlechtsspezifischen Verfolgung nicht zu gen ü- gen. 7.3 7.3.1 D._______, E._______ und F._______ machten zur Begründung ih- rer Asylgesuche geltend, sie lebten in ständiger Angst vor der Al Shabaab und rechneten jederzeit damit, von Milizionären getötet, gesteinigt oder zwangsverheiratet respektive zwangsrekrutiert zu werden. Überdies seien sie einem "tribalen Rassismus" ausgesetzt, weil sie gar kei nem Clan an- gehörten, und sie würden als "Bastarde" beschimpft, weil sie keine Eltern hätten. 7.3.2 Da die drei Beschwerdeführenden über keine konkret erfolgten Übergriffe berichten und ihre sehr pauschalen Befürchtungen vor einer Tötung, Zwangsverheiratung oder -rekrutierung in keine r Weise konkreti- sieren und substanziieren, ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit D-4267/2014 Seite 16 von einer akuten Gefährdung im Heimatstaat auszugehen. Sollten sie un- ter "tribalem Rassismus" Schi kanen, Diskriminierungen oder Benachteili- gungen aufgrund ihrer Herkunft verstehen – zu der sie sich abgesehen von der Aussage, keinem Clan anzugehören, nicht näher äussern – ist festzustellen, dass diese, wie im Übrigen auch Beschimpfungen, die für die Annahme einer ernsthaften und unmittelbaren Verf olgungsgefahr im Sinne von Art. 3 AsylG erforderliche Intensität nicht erreichen. 7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG nach- zuweisen oder glaubhaft zu machen. Das BF M hat ihnen daher im E r- gebnis zu Recht die Einreise i n die Schweiz verweigert und ihre Asylge- suche abgelehnt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus ver- waltungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art . 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Abs. 1 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-4267/2014 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Vertreter der Beschwerdeführenden und das BFM. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand: