Abteilung V E-6490/2006 {T 0/2} U r t e i l v o m 1 7 . J u l i 2 0 0 8 Richterin Therese Kojic (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Christa Luterbacher, Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. X._______, und Y._______, Bosnien und Herzegowina, beide vertreten durch Ulrich Seiler, Fürsprecher, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFF vom 17. Februar 2003 / N _______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandE-6490/2006 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein bosnisch-herzegowinischer Staatsan- gehöriger muslimischen Glaubens mit letztem Wohnsitz in A._______, B._______ (bosnisch-kroatische Föderation) verliess seinen Heimat- staat eigenen Angaben zufolge am 30. April 2001 und reiste am 1. Mai 2001 in die Schweiz ein, wo er am 2. Mai 2001 um Asyl nachsuchte. Am 8. Mai 2001 wurde er in der Empfangsstelle (heute: Emp- fangszentrum) Basel befragt. Am 21. Juni 2001 folgte eine Direkt- anhörung durch das Bundesamt. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, er sei während des Krieges in A._______ (...) der höchste Amtsträger im Dorf gewesen. Am 30. Dezember 1993 sei er von Einheiten von V._______ festgenommen und in ein Lager gebracht, verhört und dazu aufgefordert worden, die Seite zu wechseln. Weil er dies abgelehnt habe, sei er geschlagen und misshandelt worden. Nach zwei Monaten habe er die Gefangenschaft nicht länger ausgehalten und beschlossen, die Seite zu wechseln. Er habe die Aufgabe des (...) erhalten. Als solcher habe er die Bevöl- kerung dazu aufrufen müssen, zur Autonomie-Behörde überzutreten. Ende 1994 sei Z._______ von Regierungskräften eingenommen worden. Er habe nach Kroatien flüchten müssen und sei im Oktober 1995 nach Z._______ zurückgekehrt. Zirka Ende Dezember 1995, als die meisten die Stadt wieder verlassen hätten, sei er von Regierungstruppen festgenommen, geschlagen und nach zwei Tagen wieder freigelassen worden. In der Folge sei er von der Armee als (...) engagiert worden. Nach Abschluss des Dayton-Abkom mens sei er dazu aufgefordert worden, in einem Verfahren wegen Mordes, (...), als Zeuge gegen W._______ auszusagen. Nachdem ihm das Gericht Schutz zugesichert habe, habe er dies getan. Es habe sich dabei um einen Mordfall gehandelt, der sich vor seinen Augen zugetragen habe. In der Folge sei W._______ zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Seither habe er Probleme mit Freunden des Verurteilten gehabt. Er sei von diesen verfolgt und geschlagen worden. Man habe ihn dazu aufge- fordert, keine weiteren Zeugenaussagen mehr zu machen. Zudem habe er wegen seiner Tätigkeit (...) das Vertrauen der Regierungsbehörden verloren. Er dürfe an keinen Veranstaltungen mehr teilnehmen. Er werde als Verräter betrachtet. Seit 1997 habe er mehrmals versucht, von den Internationalen Organisationen vor Ort Schutz zu erhalten und seine Ansprüche angemeldet. Er habe mindes- Seite 2E-6490/2006 tens 20 Mal vorgesprochen. Er habe jedoch keine Hilfe erhalten. Im Jahr 2000 sei er wiederum dreimal und im Jahr 2001 einmal wegen seiner früheren Zeugenaussagen bedroht worden. Die Polizei habe weiterhin nichts dagegen unternommen. Er habe Angst, als Zeuge im Zusammenhang mit Kriegsverbrechen aussagen zu müssen. Im April 2001 sei er angefragt worden, gegen V._______, (...), auszusagen. Er habe zugesagt. Aus diesen Gründen habe er sich zur Ausreise entschlossen. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. Der Beschwerdeführer reichte zur Untermauerung seiner Vorbringen die folgenden Beweismittel ein: - Verfügung vom 24. Januar 1994 betreffend Freilassung im Original; - Beschluss vom 15. Februar 1994 (...) im Original; - Bestätigung des Roten Kreuzes (IKRK) vom 16. Januar 1997 über Gefangenschaft vom 14. Dezember 1993 - 24. Januar 1994 im Ori- ginal; - Schreiben vom 6. Oktober 1997 betreffend Zeugenaussage im Ori- ginal; - Bestätigungsschreiben vom 5. Januar 1999 betreffend Zerstörung des Hauses im Original; - Entscheid vom 24. Mai 2000 betreffend Nichtgewährung des Vertriebenenstatus im Original; - Bestätigungsschreiben vom 2. August 2000 betreffend Aufforde- rung, das Haus, das seit 1993 bewohnt wurde, zu verlassen, im Ori- ginal; - Bestätigungsschreiben vom 20. Januar 2001 betreffend Schläge in Kopie; - Bestätigung betreffend Beschwerde an das Innenministeriums vom 25. Januar 2001 in Kopie; - zwei Fotos eines zerstörten Hauses. A.b Die Beschwerdeführerin, eine bosnisch-herzegowinische Staats- angehörige muslimischen Glaubens mit letztem Wohnsitz in A._______, B._______ verliess ihren Heimatstaat zusammen mit ihrem Sohn am 29. Oktober 2001 und reiste am 30. Oktober 2001 in die Schweiz ein, wo sie am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 8. November 2001 wurde sie in der Empfangsstelle (heute: Empfangs- zentrum) Basel befragt. Am 16. April 2002 wurde sie durch die zu- ständige kantonale Behörde angehört. Seite 3E-6490/2006 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen damit, sie und ihre Kinder hätten wegen ihres Ehemannes Probleme gehabt. Dieser sei im Jahre 1994 dazu gezwungen worden, (...) die Leute dazu aufzurufen, zur Armee von V._______ überzutreten. Sie und ihre Kinder seien deswegen malträtiert worden. Während des Krieges seien ihre Töchter bei der Grossmutter gewe sen, den älteren Sohn habe sie versteckt, da sie befürchtet habe, er könnte in den Militärdienst eingezogen werden. Sie selber habe sich zeitweise auch nicht zu Hause aufgehalten. Nachdem sie im Februar 1994 zusammen mit ihrem Sohn U._______ in ihr Hause zurückgekehrt sei, seien Soldaten erschienen und hätten ihren Sohn geschlagen, worauf er in Ohnmacht gefallen sei. Anschliessend habe man sie vergewaltigt. Sie habe von diesem Vorfall lediglich ihrer Mutter erzählt. Sie sei danach ins Spital gebracht worden. Später sei ihr Haus in Brand gesetzt wor- den. Seither hätten sie im Haus eines Serben gewohnt, das sie im Jah- re 2000 hätten verlassen müssen. Nach dem Krieg habe ihr Ehemann als Zeuge vor Gericht aussagen müssen. Deshalb seien Polizei und Militär mehrmals zu Hause erschienen. Ihr Ehemann sei bereits früher ausgereist, da sie nicht genügend Geld für eine gemeinsame Ausreise gehabt hätten. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. B. Das Bundesamt stellte mit Verfügung vom 17. Februar 2003 - eröffnet am 18. Februar 2003 - fest, die Beschwerdeführer erfüllten die Flücht- lingseigenschaft nicht und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig ord- nete es die Wegweisung der Beschwerdeführer aus der Schweiz an. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Vorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten würden. Den Vollzug der Wegweisung nach Bosnien und Herzegowina befand die Vorinstanz für zulässig, zumutbar und mög- lich. C. Mit Eingabe vom 24. Februar 2003 beantragten die Beschwerdeführer zusammen mit ihrem Sohn bei der vormals zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) durch ihren Rechts- vertreter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh- rung des Asyls. Eventualiter seien die Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wur- Seite 4E-6490/2006 de um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Beiord- nung des unterzeichnenden Rechtsvertreters als amtlicher Beistand ersucht. Zudem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren und der Vollzug der Wegweisung auszusetzen. Ferner er- suchten die Beschwerdeführer um Einsicht in die Akten, wobei ihnen die Möglichkeit zu geben sei, eine Beschwerdeergänzung einzurei- chen. Auf die Begründung im Einzelnen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Gleichzeitig wurden eine Ernennungsurkunde (Rjesenje) und ein Ausweis als (...)- beide fremd- sprachig und in Kopie - sowie ein ärztlicher (Überweisungs-)Bericht des Spitals C._______ betreffend den Sohn der Beschwerdeführer eingereicht. D. Mit verfahrensleitender Verfügung des damals zuständigen Instruk- tionsrichters der ARK vom 6. März 2003 wurde das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs- verfahren (VwVG, SR 172.021) unter Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gutgeheissen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung wurde abgewiesen. Gleichzeitig wurden die Beschwerdeführer angewiesen, entweder eine Fürsorgebe- stätigung einzureichen oder einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- einzuzahlen. Im Weiteren wurde den Beschwerdeführern Ge- legenheit zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung eingeräumt. Ferner wurden sie dazu aufgefordert, die Originale und eine Über- setzung der eingereichten fremdsprachigen Beweismittel einzureichen. E. Mit Eingabe vom 11. März 2003 ergänzten die Beschwerdeführer ihre Beschwerde und reichten eine Unterstützungsbestätigung vom 10. März 2003 ein. Gleichzeitig bezeichneten sie die Abweisung des Ge- suchs um Beiordnung eines amtlichen Anwalts als gesetzeswidrig. Weiter wurde ein Arztzeugnis betreffend die Beschwerdeführerin von Dr. med. T._______, das jedoch nicht vor Ende April 2003 abgefasst werden könne, in Aussicht gestellt. F. Mit Zwischenverfügung der ARK vom 14. März 2003 wurde die mit Zwischenverfügung vom 6. März 2003 bisher erst bedingt gewährte unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG vorbe- Seite 5E-6490/2006 hältlich einer Abänderung bei allfälliger Veränderung der finanziellen Lage der Beschwerdeführer bestätigt. Gleichzeitig wurde das Wieder- erwägungsgesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abgewiesen und eine Frist zur Einrei- chung eines Artzberichtes angesetzt. G. Am 4. April 2003 wurde ein Arztzeugnis von Dr. med. T._______, vom 3. April 2003, betreffend die Beschwerdeführerin zu den Akten gereicht. H. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 25. August 2003 die Abweisung der Beschwerde. I. Am 8. September 2003 reichten die Beschwerdeführer eine Stellung- nahme ein. J. In ihrer ergänzenden Vernehmlassung vom 1. März 2006 verneinte die Vorinstanz das Vorliegen einer schwerwiegenden persönlichen Notla- ge. K. Die Beschwerdeführer nahmen dazu am 24. April 2006 Stellung und reichten verschiedene Unterlagen (Arbeitszeugnisse, Bestätigungen für Deutschkurs 2001/2002, Referenzschreiben und Bewerbungsunter- lagen für den Sohn U._______) ein, die ihre Integration in der Schweiz belegen sollen. L. Im November 2006 wies der damals zuständige Instruktionsrichter die Beschwerdeführer darauf hin, dass die ARK per 31. Dezem ber 2006 durch das Bundesverwaltungsgericht ersetzt werde, welches seine Tä- tigkeit am 1. Januar 2007 in Bern aufnehme und die Beurteilung der am 31. Dezember 2006 bei den Vorgängerorganisationen hängigen Rechtsmittel übernehme. M. Am 3. Mai 2007 teilte das Bundesverwaltungsgericht die Übernahme Seite 6E-6490/2006 des Beschwerdeverfahrens sowie die Zuständigkeit für das Verfahren mit. N. Mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2008 wurden die Beschwer- deführer dazu aufgefordert, betreffend die Beschwerdeführerin einen aktuellen ärztlichen Bericht sowie eine ärztliche Entbindungserklärung von der Schweigepflicht und allfällige neue Beweismittel insbesondere betreffend den geltend gemachten (...)-Prozess einzureichen. O. Mit Eingabe vom 26. Februar 2008 ersuchten die Beschwerdeführer für die Einreichung von Arztzeugnissen um Fristverlängerung. Zudem wiesen sie auf ihre Integration in der Schweiz hin. Gleichzeitig wurde um Einsicht in aktuelle Akten des Bundesamtes sowie um Einholen ei- ner Vernehmlassung bei der Vorinstanz ersucht. P. Mit Verfügung vom 3. März 2008 wurden die Gesuche um Fristerstre- ckung und um Einholung einer Vernehmlassung bei der Vorinstanz ab- gewiesen. Gleichzeitig wurde den Beschwerdeführern die Kopie eines Schreibens der S._______ vom 9. Februar 2008 und des Bundes- verwaltungsgerichts vom 18. Februar 2008 (in der Sache ihres Sohnes) zugestellt. Q. Am 20. März 2008 reichten die Beschwerdeführer zwei fremdsprachige Beweismittel und eine Stellungnahme ein. Zudem wurde ein Arztbe- richt betreffend die Beschwerdeführerin auf frühestens Ende April 2008 in Aussicht gestellt. R. Am 1. April 2008 reichten die Beschwerdeführer weitere Beweismittel betreffend den Beschwerdeführer (Schreiben des (...) vom 6. März 2008 an die bosnische Rechtsanwältin des Beschwerdeführers in Kopie samt Übersetzung und ein Urteil des (...) vom (...) in Kopie mit Teilübersetzung) zu den Akten. Zudem wurde auf ein E-Mail des Rechtsvertreters an Dr. med. T._______ hingewiesen. S. Am 11. April 2008 wurden zwei Zeitungsausschnitte zu den Akten ge- reicht. Seite 7E-6490/2006 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah- me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs- gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernahm bei gegebener Zustän- digkeit am 1. Januar 2007 die bei der ARK hängigen Rechtsmittel. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Die Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführer sind durch die angefochtene Verfügung berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs- weise Änderung. Die Beschwerdeführer sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner- kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei- Seite 8E-6490/2006 ner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nach- teile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft berechtigter- weise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmo tive durch Organe des Heimat- oder Herkunftsstaats oder - unter gewissen Voraussetzungen - durch nichtstaatliche Organe zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen. Dabei ist einerseits die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise aktuell vorhandenen Furcht zu stellen und an- dererseits zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung (noch) begründet ist. Veränderungen der objektiven Situation im Hei- matstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zu- lasten des Gesuchstellers zu berücksichtigen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 2 E. 8b und 1994 Nr. 24 E. 8a; W ALTER KÄLIN, Grund- riss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, S. 135 ff.). Für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft muss schliesslich feststehen, dass sich eine von flüchtlingsrechtlich erheblichen Nachteilen bedrohte Person landesweit in einer ausweglosen Situation befindet. 4. 4.1 Das Bundesamt begründete seinen ablehnenden Entscheid damit, die Vorbringen der Beschwerdeführer seien insgesamt nicht asylrele- vant. So würden die vorgebrachten Schwierigkeiten der Beschwerde- führer während des Krieges (Hausverlust, Malträtierungen, Schläge, Inhaftierung, Gefangenschaft und anderes) ausschliesslich in der da- maligen Bürgerkriegssituation in Bosnien und Herzegowina begründet liegen, von welcher sehr viele bosnisch-herzegowinische Staatsange- hörige in ähnlicher Weise betroffen gewesen seien. Seit der Unter- zeichnung des Dayton-Abkommens am 14. Dezember 1995 in Paris sei es in Bosnien und Herzegowina zu keinen kriegerischen Auseinan- Seite 9E-6490/2006 dersetzungen mehr gekommen. Es würden keine Anhaltspunkte für die Annahme vorliegen, dass den Beschwerdeführern im heutigen Zeit- punkt staatliche Verfolgungsmassnahmen drohen könnten. Weiter be- zeichnete die Vorinstanz die geltend gemachten schwierigen Lebens- bedingungen, die die Beschwerdeführer an ihrem Zufluchtsort ange- troffen hätten, insbesondere die unbefriedigenden Wohnverhältnisse als Ausdruck der allgemeinen wirtschaftlichen Situation, welche keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstelle. Überdies hielt die Vor- instanz fest, aufgrund unsubstanziierter Aussagen des Beschwerde- führers bestünden an den vorgebrachten Übergriffen von Seiten Dritter erhebliche Zweifel. Zudem sei wegen widersprüchlicher Angaben des Be schwerdeführers nicht gesichert, dass er auch künftig als Zeuge aussagen müsse. Schliesslich habe er seinerzeit freiwillig Auskunft er- teilt. Abgesehen davon könne aus den Darlegungen und den vom Be- schwerdeführer beigebrachten Dokumenten keineswegs geschlossen werden, dass der Staat den entsprechenden Schutz nicht gewähren wolle. Der bosnische Staat sei schutzwillig und grundsätzlich schutzfä- hig. Indes könne der Staat nicht in jedem Einzelfall den vollumfängli- chen Schutz bei Übergriffen Dritter gewähren. Ausserdem sei es schwierig, die unbekannten Täter zu fassen und zur Rechenschaft zu ziehen. Weiter mutmasse der Beschwerdeführer, dass er ausserhalb der angestammten Region wohl kaum mehr Probleme mit Verfolgungs- mass nahmen durch Dritte haben würde. Es handle sich somit um lo- kale Massnahmen, denen er sich durch Wegzug in ein anderes Gebiet in Bosnien und Herzegowina entziehen könne. Ferner seien die Be- fürchtungen des Beschwerdeführers, von Seiten Dritter umgebracht zu werden, reine Mutmassungen. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe und deren Ergänzung wird dazu ein- gewendet, die Gefangenschaft des Beschwerdeführers von 1993/1994 habe belegt werden können. Zudem könne dem Schreiben vom 10. Ja- nuar 2001 entnommen werden, dass er geschlagen und misshandelt worden sei. Die Beschwerdeführer und ihr Sohn seien unter Todesdro- hungen gestanden. Der Beschwerdeführer sei zweimal zu Zeugenaus- sagen gezwungen worden. Einer der zwei zu mehrjährigen Gefängnis- strafen Verurteilten habe seit Juni 2002 regelmässig Ausgang. Dieser soll laut den Angaben eines Kollegen, der sich ebenfalls in der Schweiz befindet, Rache gegenüber dem Beschwerdeführer und des- sen Familie geschworen haben. Der bosnische Staat sei nicht in der Lage, die Sicherheit des Beschwerdeführers zu gewährleisten. Ein (...) von V._______, gegen den der Beschwerdeführer ebenfalls als Zeuge Seite 10E-6490/2006 ausgesagt habe, sei unterdessen aus der Haft entlassen worden. Der Beschwerdeführer befürchte, in dessen Verfahren erneut aussagen zu müssen und von diesem umgebracht zu werden. Es gebe keine Zeu- genschutzprogramme. Zudem seien die Beschwerdeführerin mit er- neuter Vergewaltigung und der Sohn der Beschwerdeführer mit dem Tode bedroht worden. Ausserdem sei der Sohn wegen seiner (...) auf seine Eltern angewiesen. Im Weiteren seien in Bosnien und Herzegowina wieder Kriegsparteien an der Macht. Die heutige Re- gierung behandle den Beschwerdeführer als damaligen Feind und ge- währe ihm deshalb keinen Zeugenschutz. Schliesslich leide die Be- schwerdeführerin aufgrund der Vergewaltigung während des Krieges an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, die bisher aus Scham nicht behandelt worden sei. Da der Beschwerdeführer überall in Bosnien als Verräter gelte, käme auch keine Wohnsitzverlegung in Frage. Gemäss der vorgelegten undatierten Ernennungsurkunde wurde der Beschwerdeführer zum Vorsitzenden einer untersten Verwaltungsbe- hörde ernannt. Auf dem in Kopie eingereichten (...)-Ausweis ist der Name des Beschwerdeführers aufgeführt. Gemäss dem eingereichten Arztzeugnis von Dr. med. T._______, vom 3. April 2003, litt die Beschwerdeführerin an depressiv gefärbten Störungen mit suizidalen Gedanken und an einer posttraumatischen Belastungsstörung nach schwerem Kriegstrauma (Misshandlungen und Vergewaltigung während des Bosnienkrieges) sowie an starken Augenschmerzen. Eine Behandlung sei nötig und eine Rückführung nach Bosnien sei in den nächsten Monaten mangels Reisefähigkeit abzulehnen. 4.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 25. August 2003 an ihrem Standpunkt fest und führte dabei aus, die auf Beschwerde- ebene eingereichten Dokumente betreffend den Beschwerdeführer, die im Wesentlichen den Sachverhalt für die Zeitspanne des Krieges be- treffen würden, seien von vermindertem Beweiswert. So würden sie nur in Fotokopie vorliegen. Zudem seien beim Kopieren verschiedene Elemente wegkopiert worden, wie etwa Teile des Briefkopfs der Ernen- nungsurkunde und eine Stelle auf dem Ausweis (...). Im Übrigen habe der Beschwerdeführer die Verfolgungsmassnahmen durch Dritte undifferenziert und ungenau geschildert, so dass nicht der Eindruck entstanden sei, er habe das Behauptete auch tatsächlich erlebt. Seite 11E-6490/2006 Zudem habe der Beschwerdeführer entgegen den in der Be- schwerdeschrift gemachten Äusserungen nie geltend gemacht, dass er sich zwischen 1996 und 2000 in Bosnien und Herzegowina ver- steckt gehalten habe. Vielmehr habe er ausgesagt, in diesem Zeitraum stets gearbeitet zu haben. Was zudem die medizinischen Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffe, seien die sexuellen Übergriffe während des Krieges angesichts der fehlenden zeitlichen Kausalität zwischen erfolgter Benachteiligung und Flucht nicht asylrelevant. Die Beschwerdeführerin habe sich erst nach dem ablehnenden Entscheid und nachdem sie viele Jahre nach den traumatisierenden Erlebnissen offenbar auch nicht auf eine solche angewiesen gewesen sei, in psychotherapeutische Behandlung begeben. Vorher habe sie eine sol- che Therapie für nicht notwendig erachtet. Im Weiteren sei darauf hin- zuweisen, dass in Bosnien und Herzegowina in den Jahren seit Be- endigung des Krieges zahlreiche Kliniken und Spezialeinrichtungen für psychisch Kranke aufgebaut und institutionalisiert worden. Dort seien auch verschiedene Therapien für die Behandlung traumatisierter Men- schen möglich. Im Weiteren wies die Vorinstanz auf eine individuelle medizinische Rückkehrhilfe hin. Schliesslich würden in der Herkunfts- region der Beschwerdeführer verschiedene Verwandte wohnen, womit von einem tragfähigen Beziehungsnetz auszugehen sei. Ausserdem verfüge der Beschwerdeführer über eine langjährige Ausbildung und habe bis kurz vor der Ausreise gearbeitet, womit die Beschwerdeführer eine neue finanzielle Existenz aufbauen könnten. 4.4 In ihrer Replik vom 8. September 2003 halten die Beschwerdefüh- rer dazu im Wesentlichen fest, der in Kopie eingereichte (...)-Ausweis könne im Original eingereicht werden. Die Vorinstanz habe den Um - ständen, welche sich aus dem Krieg ergeben hätten, nicht Rechnung getragen. Für eine medizinische Behandlung der Beschwerdeführerin liege das nächste Krankenhaus 120 Kilometer von ihrem Wohnort weg. Zudem fehle das dafür notwendige Geld. Im Weiteren habe die Vorins- tanz aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer gearbeitet habe - dies habe er im Übrigen nicht immer getan -, zu Unrecht darauf ge- schlossen, dass er sich nicht versteckt habe. Schliesslich existiere in Bosnien und Herzegowina die Blutrache. Der Beschwerdeführer gelte als Verräter und könne jederzeit umgebracht werden. 4.5 Am 1. April 2008 reichten die Beschwerdeführer ein Schreiben des (...) vom 6. März 2008 und ein Urteil vom (...) 1997 betreffend R._______ samt (Teil-)Übersetzung zu den Akten. Seite 12E-6490/2006 Gemäss dem Urteil vom (...) 1997 wurde R._______ wegen Kriegsverbrechen zu einer 8-jährigen Haftstrafe verurteilt. Auf Seite (...) des dazugehörigen Protokolls wurden die Aussagen des Beschwerdeführers als Zeuge aufgenommen. Dieser soll ausgesagt haben, anfangs Dezember 1993 (...) zusammen mit ungefähr 120 weiteren Personen von der Polizei festgenommen und später ins Ge- fängnis D._______ verlegt worden zu sein. Es sei grosser Druck auf ihn ausgeübt worden, damit er die Autonomieprovinz Westbosnien anerkenne und auf ihre Seite trete. Dies habe er abgelehnt. In einer weiteren Eingabe vom 11. April 2008 weisen die Beschwerde- führer auf einen Zeitungsartikel vom 6. April 2008 hin, worin von einer im Kosovo als Zeuge aufgetretenen Person berichtet wird, die bei ei- nem Autounfall in Montenegro umgekommen sei. Dabei handle es sich um eine vergleichbare Situation, wie sie sich vorliegend präsentiere. 5. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführer zu Recht abgelehnt hat. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht zunächst in Weiterführung der Praxis der ARK davon aus, dass sich die Lage in Bosnien und Her- zegowina seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Day- ton am 14. Dezember 1995 und der darauf folgenden Annahme der UNO-Resolution Nr. 1088 am 12. Dezember 1996 entspannt und stabi- lisiert hat (vgl. EMARK 2000 Nr. 2). 5.2 Vor diesem Hintergrund vermögen die Beschwerdeführer aus den von ihnen geltend gemachten verschiedenen Verfolgungsmassnahmen während des Krieges (Vergewaltigung der Beschwerdeführerin, Malträ- tierungen, Schläge, Inhaftierung und Gefangenschaft), welche die Vor- instanz nicht in Frage gestellt hat, keine asylrelevante Gefährdung ab- zuleiten. An dieser Stelle ist überdies darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Verge- waltigung im Februar 1994 in ihrer Verfügung nicht ausdrücklich aufge- führt hat. Jedoch ist den Akten zu entnehmen, dass sie dieses bereits mehrere Jahre zurückliegende Vorbringen nicht übersehen hat. So kam sie zum Schluss, dass die verschiedenen, während des Krieges erlittenen Verfolgungsmassnahmen nicht asylrelevant seien. Jedenfalls Seite 13E-6490/2006 erfüllt die Beschwerdeführerin, deren Ausreise erst im Jahre 2001 er- folgte und damit lange nach dem von der Praxis festgelegten Zeitpunkt des Abschlusses des Abkommens von Dayton beziehungsweise der UNO-Resolution Nr. 1088, die Voraussetzungen sogenannter "zwin- gender Gründe" im Sinne der Rechtsprechung nicht (vgl. zum Ganzen die weiterhin geltende Praxis der ehemaligen ARK in EMARK 2000 Nr. 2 E. 9a und b, S. 23 f.). 5.3 Hinsichtlich der von den Beschwerdeführern geltend gemachten schwierigen Lebensbedingungen (insbesondere die unbefriedigenden Wohnverhältnisse) ist zudem festzuhalten, dass diese Schwierigkeiten Ausdruck der allgemeinen wirtschaftlichen Situation im vom früheren Bürgerkrieg gezeichneten Bosnien und Herzegowina waren und nicht zur Anerkennung als Flüchtling im Sinne von Art. 3 AsylG zu führen vermögen. Eine Anerkennung setzt vielmehr voraus, dass als Folge solcher Verhältnisse eines Landes eine individuelle konkrete staatliche Verfolgung oder Bedrohung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft ge- macht werden kann. Dies ist jedoch vorliegend nicht der Fall, zumal sich aus den Akten keine Hinweise darauf ergeben, dass die behördli- che Aufforderung vom August 2000 an die Beschwerdeführer, das von ihnen bewohnte Haus zu verlassen, aus einem asylrechtlich massgeb- lichen Motiv erfolgt ist. Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zu- sammenhang vorbringt, die heutige Regierung würde ihn wegen seiner früheren, (...) für die Autonomiebewegung weiterhin als Verräter ansehen und deswegen in verschiedenen Belangen (Wiederaufbau des Wohnhauses, kein Vertriebenenstatus, etc.) benachteiligen, handelt es sich um eine Behauptung ohne konkrete Anhaltspunkte oder Beweise. 5.4 Was schliesslich die vom Beschwerdeführer geltend gemachten, im Zusammenhang mit Zeugenaussagen gegen ihn erfolgten Übergrif- fe durch Dritte betrifft, kann den eingereichten Unterlagen (Bestäti- gung des (...) vom (...) 1997 und Urteil samt Begründung vom (...) 1997 entnommen werden, dass er in einem Verfahren gegen R._______ als Zeuge ausgesagt hat. R._______ wurde angeklagt, ein Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen zu haben, indem er (...) in Z._______ u.a. Bürger, die gegen die Autonomie waren, gesetzeswidrig festgenommen und eingesperrt habe. R._______ wurde zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Der Beschwerdeführer machte in diesem Zusammenhang Aussagen zu seiner unrechtmässigen Festnahme und derjenigen weiterer Seite 14E-6490/2006 Zivilpersonen durch die Streitkräfte der Autonomiebehörden sowie zu der von diesen ausgehenden Druckausübung. In einem weiteren Beweismittel vom 10. Januar 2001 wird bestätigt, dass der Beschwer- deführer im Januar 2001 durch Dritte geschlagen worden sei (vgl. Beweismittelverzeichnis der vorinstanzlichen Verfahrens, Beweismittel Nr. 2). In der Folge hat sich der Beschwerdeführer beim Innen- ministerium darüber beschwert, dass nichts (dagegen) unternommen worden sei (vgl. a.a.O., Beweismittel Nr. 3). Das Bundesverwaltungs- gericht hat keinen Anlass, an diesem Sachverhalt zu zweifeln. Hingegen bestehen betreffend die Dauer und das Ausmass der gel- tend gemachten Übergriffe gegen den Beschwerdeführer durch Be- kannte und Freunde der Verurteilten (R._______ und Q._______) erhebliche Zweifel. So vermochte der Beschwerdeführer, wie in der vorinstanzlichen Verfügung zutreffend dargelegt worden ist, die von ihm erlittenen Verfolgungsmassnahmen nicht substanziiert darzulegen. In der Empfangsstelle gab er zu Protokoll, er sei wegen seiner Zeugenaussage im Verfahren gegen W._______, der (...), von dessen Freunden ständig verfolgt und geschlagen worden (vgl. Akte A2, S. 5). Anlässlich der kantonalen Anhörung gab er angesprochen auf die letzten drei Monate vor seiner Ausreise zögernd an, er sei von zwei ihm unbekannten Personen mitgenommen und zur Person, gegen die er seinerzeit ausgesagt habe, befragt und geschlagen worden. Auf weitere in diesem Zusam menhang gestellte Fragen konnte er keine Antwort geben (vgl. Akte A14, S. 4f.). Weiter machte er auf Vorhalt seiner Aussagen in der Empfangsstelle, wonach er verfolgt und geschlagen werde, geltend, dies betreffe Probleme wegen seiner früheren (...), zu der man ihn während der Autonomie gezwungen habe. Gleichzeitig führte er seine seinerzeitigen Aussagen als Zeuge an. Er erwähnte in diesem Zusammenhang, zirka zwanzig Mal zum Ombudsmann ge gangen zu sein, vermochte jedoch kein Datum dafür zu nennen. Dies sei nach dem Krieg, insbesondere seit 1997 jedes Jahr geschehen. Auf die Frage, weshalb er an diese Stellen gelangt sei, nannte er als Grund die Wiederaufbauhilfe für das verbrannte Haus, die häufigen Malträtierungen und weil er von der Polizei immer wieder zwangsweise als Zeuge vor Gericht gebracht worden sei (vgl. Akte A14, S. 6 f.). Auf die Frage, wie oft er zwischen 1997 bis 2001 bedroht worden sei, machte er vorerst verschiedene Aussagen und konnte diese erst auf Vorhalt seiner Widersprüche einordnen. Dabei gab er an, im Jahre 2000 dreimal und 2001 einmal bedroht worden zu sein, jedoch wiederum ohne die genauen Daten nennen zu können (vgl. A14, S. 8). Schliesslich gab der Beschwerdeführer auf die Frage Seite 15E-6490/2006 nach künftigen Problemen zu Protokoll, wenn er nicht mehr als Zeuge auftreten würde, würden die Drohungen vielleicht abnehmen (vgl. S. 9). Insgesamt war der Beschwerdeführer weder in der Lage, die geltend gemachten Über griffe Dritter jeweils im gleichen Zusammenhang noch substanziiert darzulegen. Das eingereichte Schreiben vom 20. Januar 2001, in dem bestätigt wird, dass der Beschwerdeführer geschlagen worden sei, und die in diesem Zusammenhang eingereichte Beschwerde des Beschwerdeführers an das Innenministerium vom 25. Januar 2001 lassen ebenfalls keine Rückschlüsse auf jahrelange Übergriffe Dritter zu. Überdies kann aufgrund des Bestätigungsschreibens betreffend die Schläge davon ausgegangen werden, dass sich die Behörden der Angelegenheit angenommen haben. Die vier Tage später erfolgte Beschwerde lässt nicht auf das Gegenteil schliessen. Insgesamt ist somit fraglich, ob der Beschwerdeführer wegen seiner früheren Zeugenaussage tatsächlich wiederholt von Dritten bedroht und verfolgt worden ist und die Behörden dem Beschwerdeführer keinen Schutz angeboten haben. Ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Drohun- gen und Schläge durch Dritte ist festzustellen, dass solche Benachtei- ligungen als Handlungen privater Dritter zu erachten sind. Nach Er- kenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts davon auszugehen, dass die bosnisch-herzegowinischen Behörden schutzwillig und schutzfähig sind. Überdies besteht für die Beschwerdeführer die Möglichkeit, allfälligen Behelligungen durch Dritte durch Wohnsitznahme in einer anderen Re- gion ihres Heimatlandes zu entgehen. Immerhin will der Beschwerde- führer eigenen Aussagen anlässlich der kantonalen Befragung zufolge während seiner Tätigkeit bei (...) ausserhalb seiner Heimatregion in der Zeit von 1997 bis 2000 nicht belästigt worden sein (vgl. A14, S. 5 ff.). Schliesslich bestehen vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte, wo- nach der Beschwerdeführer in Zukunft wiederum als Zeuge aussagen müsste. Jedenfalls kann dem auf Beschwerdeebene eingereichten Schreiben des (...) vom 6. März 2008 an die Rechtsanwältin P._______ nicht entnommen werden, dass das seinerzeitige Verfahren gegen R._______ wieder aufgenommen worden wäre. Abgesehen davon ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben in der Empfangsstelle im seinerzeitigen Verfahren im Jahre Seite 16E-6490/2006 1997 lediglich freiwillig Auskunft gegeben hat, dies nachdem ihm das Gericht Zeugenschutz versprochen hatte (vgl. Akte A2, S. 5). Dem Einwand in der Beschwerdeschrift, wonach die heutige Regierung in Bosnien und Herzegowina den Beschwerdeführer als früheren Feind ansehe und ihm deshalb in einem heutigen Verfahren keinen Zeugenschutz zugestehen würde, kann somit nicht gefolgt werden. Soweit in der Rechtsmitteleingabe vorgebracht wird, der seinerzeit zu 17 Jahren Gefängnis verurteilte Q._______, der seit 2002 regelmässig Ausgang erhalte, habe - gemäss Aussagen eines Bekannten des Be- schwerdeführers - gedroht, er werde den Beschwerdeführer und seine Familie umbringen, basieren diese Aussagen auf dem blossen Hören durch Dritte. Abgesehen davon können sich die Beschwerdeführer bei Vorliegen konkreter Anhaltspunkte dafür an die Behörden wenden und diese um Schutz ersuchen. Auf eine Befragung des Bekannten des Beschwerdeführers kann daher verzichtet werden. Die beantragte Zeugenbefragung ist abzuweisen. 5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführer die Voraussetzungen zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen und die Vorinstanz die Asylgesuche zu Recht abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein- heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei- ner solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Seite 17E-6490/2006 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän- ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge- fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No - vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. M ARIO G ATTIKER , Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es den Beschwerdeführern nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er- hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non- Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführer in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführer noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol- terausschusses müssten die Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall ei- ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen Seite 18E-6490/2006 würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvoll- zug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erschei- nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.4.1Nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts ist zum heu- tigen Zeitpunkt nicht mehr von einer allgemeinen Situation der Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen in Bosnien und Herzegowina auszugehen, welche für die Beschwerde- führer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung darstellen wür- den. Seit dem Abschluss des Friedensabkommens von Dayton am 14. De zember 1995 hat sich die allgemeine Lage in Bosnien und Her- zegowina kontinuierlich normalisiert und stabilisiert. Die Beibehaltung dieser Entwicklung bestätigte sich auch nach den Wahlen vom 5. Okto- ber 2002. Die Sicherheitslage in Bosnien und Herzegowina hat sich in den letzten Jahren wesentlich verbessert, obgleich das Verhältnis der verschiedenen Ethnien zuein ander weiterhin von Spannungen geprägt und die wirt schaftliche Lage schwierig ist. Auf Grund der angelaufenen politischen und juristischen Reformen und der langsamen aber steti- gen Verbesserung der Rückkehrbedingungen erklärte der Schweizer Bundesrat Bosnien und Herzegowina mit Beschluss vom 25. Juni 2003 zum so genannten verfolgungssicheren Herkunftsstaat. In Anbetracht dessen erachtet das Bundesverwaltungsgericht einen Wegweisungs- vollzug für die Beschwerdeführer als zumutbar, was die politische und wirtschaftliche Lage anbelangt. Zu prüfen bleibt, ob persönliche Grün- de der Beschwerdeführer den Wegweisungsvollzug als nicht zumutbar erscheinen lassen. Seite 19E-6490/2006 7.4.2Bei der Prüfung der Frage der Zumutbarkeit in ein Gebiet, wel- ches grundsätzlich als sicher gilt, sind im Rahmen einer Gesamtwürdi- gung individuelle Faktoren - namentlich das Vorhandensein bezie- hungsweise Fehlen eines familiären oder sozialen Netzes und von Wohn eigentum, das Alter, die Gesundheit, das Geschlecht und all- fällige familiäre Verpflichtungen - zu gewichten (vgl. EMARK 1999 Nr. 8 E. 7l S. 54 f.). 7.4.3Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführer aus B._______ stammen, wo sie eigenen Angaben zufolge seit Geburt bis zu ihrer Ausreise gewohnt haben (vgl. Akte A2, S. 1; A7, S. 1). Somit stehen einer Rückkehr in diese Region keine unüberwindbaren Hindernisse tatsächlicher Natur entgegen, weil sich die Beschwerdeführer von den dortigen Behörden wieder registrieren las- sen können. Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass die Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in ihr Heimatland aufgrund der langen Landesabwesenheit mit gewissen Schwierigkeiten konfrontiert sein könnten. Gemäss ihren Angaben (vgl. Akte A11, S. 2 ff.) ist davon auszugehen, dass auch im heutigen Zeitpunkt noch Verwandte (mehrere Geschwister und Halbgeschwister) in ihrer Heimatregion le- ben. Auch wenn der Einstieg ins Berufsleben infolge der schlechten wirtschaftlichen Situation im Heimatland für die nicht mehr jungen Beschwerdeführer nicht einfach sein dürfte, ist es ihnen zuzumuten, sich um eine Arbeit zu bemühen, um für sich eine Existenzgrundlage zu schaffen. Überdies wird mit gleichem Datum auch die Beschwerde in der Sache des Sohnes abgewiesen, so dass die Beschwerdeführer mit diesem zurückkehren können. Aus den ihn betreffenden Akten geht hervor, dass er durchaus in der Lage sein sollte, seine Eltern zu unterstützen. Schliesslich ist auch davon auszugehen, dass die drei im nahe gelegenen Kroatien und Slowenien lebenden erwachsenen Kinder (vgl. A11, S. 2) die Beschwerdeführer unterstützen können. Aufgrund der Aktenlage ist somit insgesamt nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführer bei ihrer Rückkehr in ihre Heimat in eine existenzbedrohende Situation geraten würden. 7.4.4Hinsichtlich der vorgebrachten gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin wurde auf Beschwerdeebene ein Arztzeugnis von Dr. med. T._______, vom 3. April 2003, eingereicht. Darin wurde der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belastungsstörung mit anhaltenden depressiven Beschwerden bei anamnestisch bekanntem Kriegstrauma attestiert. Der behandelnde Arzt führte weiter aus, die Seite 20E-6490/2006 Beschwerdeführerin benötige gegenwärtig und bis auf weiteres eine regelmässige psychiatrische Behandlung und Betreuung (stützende Gesprächspsychotherapie in ihrer Muttersprache, täglich Medikation mit Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln und Antidepressiva, Entspannungstherapie und sozialpsychiatrische Massnahmen). Ein Abbruch der aktuellen psychiatrischen Behandlung und eine zwangsweise Rückführung nach Bosnien und Herzegowina würde mit Sicherheit zur erneuten Eskalation ihrer krankhaften Beschwerden führen. Die Behandlung ihrer posttrauma tischen Störung könne nicht am Ort der Traumatisierung stattfinden. Zudem sei sie für die nächsten Monate nicht reisefähig. Die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin wurden für die Zeit seit dem Arztbericht vom 3. April 2003 nicht mehr dokumentiert, obwohl den Beschwerdeführern mit Zwischenverfügung vom 18. Feb- ruar 2008 eine Frist zur Einreichung eines Arztberichtes gewährt wor- den war. Am 26. Februar 2008 wiesen die Beschwerdeführer darauf hin, Dr. med.T._______ arbeite nicht mehr im (...) und führe nun eine eigene Praxis. Einen Bericht über die Beschwerdeführerin könne Dr. med. T._______ nicht vor Ende April 2008 verfassen. Das mit gleicher Eingabe eingereichte Gesuch um Fristerstreckung wurde mit Verfügung vom 3. März 2008 abgewiesen und die Beschwerdeführer wurden dazu aufgefordert, u.a. mitzuteilen, ob noch gesundheitliche Weg weisungshindernisse vorliegen würden sowie anzugeben, bei welchen Ärzten sie in Behandlung stehen. Zudem hätten sie eine Entbindungserklärung der Ärzte von der Schweigepflicht einzureichen. Die Beschwerdeführer wurden auf Art. 32 Abs. 2 VwVG hingewiesen, wonach verspätete Parteivorbringen, die ausschlaggebend erschienen, trotz der Verspätung berücksichtigt werden könnten. In ihrer Eingabe vom 20. März 2008 wiesen die Beschwerdeführer darauf hin, die Beschwerdeführerin sei bei Dr. med. T._______ in Behandlung. Eine Rückführung der Beschwerdeführerin sei laut dessen mündlichen An gaben nicht zumutbar. Die Lage sei gegenüber dem 3. April 2003 unverändert. Ein Bericht könne nicht vor Ende April 2008 verfasst wer- den. Zudem führten die Beschwerdeführer aus, sie hätten auf eine Nachfrage beim Hausarzt der Beschwerdeführerin verzichtet, da es nur um eine psychiatrische Frage gehe. Mit Eingabe vom 1. April 2008 teilte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer mit, er habe bis heute keine Bestätigung von Dr. med. T._______ erhalten. Aus einem vom Rechtsvertreter verfassten E-Mail an Dr. med. T._______ geht dessen An frage hervor, wonach vom Arzt eine Bestätigung der unveränderten Seite 21E-6490/2006 gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin erwartet werde. Zudem hätten die Beschwerdeführer dem Rechtsvertreter gegenüber ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin wegen der Weigerung der Krankenkasse, die Behandlung zu finanzieren, diese abgebrochen habe. Auch im heutigen Zeitpunkt liegen bezüglich einer allfälligen weiteren ärztlichen Behandlung der Beschwerdeführerin keine Angaben vor. Eine entsprechende Bestätigung von Dr. med. T._______ sowie eine ärztliche Entbindungserklärung der Beschwerdeführer, die für eine Nachfrage bei einem allfälligen behandelnden Arzt notwendig wäre, fehlen weiterhin, was den Schluss zulässt, die Beschwerdeführerin befinde sich nicht mehr in psychiatrischer Behandlung respektive sie habe im heutigen Zeitpunkt keine derart gravierenden gesundheitli- chen Probleme, welche eine psychiatrische Behandlung notwendig erscheinen liessen. Nebst der fehlenden psychiatrischen Behandlung findet offenbar auch keine Medikation mehr statt. Bei der Aussage der Be schwerdeführer gegenüber dem Rechtsvertreter, wonach die Krankenkasse für keine weitere ärztliche Behandlung aufkomme, handelt es sich um eine blosse, nicht näher substanziierte Behaup- tung. Es soll nicht bestritten werden, dass die Beschwerdeführerin auf- grund der Vergewaltigung im Februar 1994 tatsächlich unter gesund- heitlichen Problemen litt. Hingegen hat sie sich wegen diesen Proble- men in Bosnien und Herzegowina mit Ausnahme eines kurz danach erfolgten kurzen Spitalaufenthalts nicht in ärztliche Behandlung bege- ben und war offenbar mehrere Jahre nach den traumatisierenden Er- lebnissen nicht auf eine solche angewiesen. Schliesslich wies die Be- schwerdeführerin auch anlässlich der Befragungen vor den Asylbe- hörden darauf hin, sie benötige keine ärztliche Behandlung, woraus zu schliessen ist, eine solche habe sich aus ihrer Sicht nicht aufgedrängt beziehungsweise nicht als unverzichtbar erwiesen. Schliesslich befand auch der in der Schweiz behandelnde Hausarzt die Überweisung der Beschwerdeführerin an einen Psychiater vorerst offenbar nicht als notwendig. Erst nach erfolgtem negativen Asylentscheid überwies der Hausarzt die Beschwerdeführerin an einen Spezialarzt. Weiter ist fest- zustellen, dass das Arztzeugnis vom 3. April 2003 nicht sehr ausführ- lich ausgefallen ist und auch keinerlei Angaben über den bisherigen Verlauf einer Behandlung enthält. Überdies ist nicht klar, bis wann die- se gedauert hat. Schliesslich liegen auch keine Hinweise vor, wonach der Abbruch der nicht näher dokumentierten ärztlichen Behandlung bei der Beschwerdeführerin zu einem Rückfall geführt hätte. Seite 22E-6490/2006 Insgesamt gelangt das Bundesverwaltungsgericht in Würdigung des eingereichten Arztzeugnisses vom 3. April 2003 betreffend die Be- schwerdeführerin sowie der seither erfolgten kurzen Angaben daher zum Schluss, dass sich die gesundheitlichen Probleme der Beschwer- deführerin nicht derart darstellen, dass sie zur Zeit auf eine ärztliche Behandlung angewiesen wäre. Sollte sich ihre gesundheitliche Si- tuation trotzdem verschlechtern und sie eine ärztliche Behandlung be- anspruchen müssen, ist eine solche nach den Erkenntnissen des Bun- desverwaltungsgerichts auch in Bosnien und Herzegowina möglich. Seit Beendigung des Krieges sind in Bosnien und Herzegowina zahl- reiche Kliniken und Spezialeinrichtungen für psychisch Kranke aufge- baut und institutionalisiert worden (vgl. SYLVIA GALOPIN , RAINER M ATTERN , Schweizerische Flüchtlingshilfe, Bosnien und Herzegowina, Registrie- rung und medizinische Versorgungsmöglichkeiten nach der Rückkehr, Bern, März 2007; JOËLLE S CACCHI , Schweizerische Flüchtlingshilfe, Bosnien und Herzegowina, Behandlungsmöglichkeiten für schwer traumatisierte Personen, Bern Oktober 2004). Zwar befinden sich Institutionen, welche auf die Behandlung von schweren psychischen Erkrankungen spezialisiert sind, einzig in den grösseren städtischen Zentren (Sarajevo, Tuzla, Mostar, Travnik, Zenica, aber auch Bihac). Dabei sind diese Einrichtungen chronisch überlastet, weshalb viele Personen nicht behandelt werden können und abgewiesen werden müssen. Hingegen kann sich die Beschwerdeführerin, die aufgrund der Erlebnisse, welche immerhin nahezu 15 Jahre zurückliegen, bisher keine gravierenden Probleme hatte, in einem der in den Gemeinden tätigen "Mental Health Centers" behandeln lassen. Es besteht somit kein erhebliches Risiko, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland keine fachgerechte medizinische Behandlung erhalten würde. Hinsichtlich der Finanzierung einer allenfalls erforderlichen me- dizinischen Behandlung respektive der Verlaufskontrollen in Bosnien und Herzegowina besteht für die Beschwerdeführer die Möglichkeit, sich mit Hilfe ihrer Identitätsausweise bei den lokalen Behörden registrieren zu lassen, um so medizinische Hilfe und auch Sozialhilfe zu erhalten (vgl. dazu EMARK 2002 Nr. 12 E. 10b, EMARK 1999 Nr. 6 E. 6d und e in fine). Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführer - sollte sich dies als notwendig erweisen - die Möglichkeit haben, medizini- sche Rückkehrhilfe im Sinne von Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG zu be- antragen. Seite 23E-6490/2006 7.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.6 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführern, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä- tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut- bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Zwischenverfügung vom 14. März 2003 gutgeheissen hat und die Beschwerdeführer weiterhin bedürftig sind, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) Seite 24E-6490/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter der Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Angefochtene Verfügung im Original) - das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak- ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie) - (...) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Therese Kojic Alexandra Püntener Versand: Seite 25