Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. April 2023 (810 22 285) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen / vorsorgliche Massnahmen / Einschrän- kung Handlungsfähigkeit / Sperrung Konto / Begutachtung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Gerichtsschreiberin Nathalie Droeser Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch B.____ gegen Kindes - und E rwachsenenschutzbehörde C.____ Vorinstanz Betreff Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen / vorsorgl iche Mass- nahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 12. Dezember 2022) A. Mit E-Mail vom 8. November 2022 reichte der Legal C ounsel der D.____ Bank bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) C.____ eine Gefährdungsmeldung betreffend A.____ (geboren 1938) ein. Er teilte mit, diese sei kinderlos und mutmasslich ohne Familienan- gehörige. Sie werde von einer Bekannten namens E.____ betreut und begleitet. Vertreten durch E.____ habe A.____ einen Zahlungsauftrag über Fr. 35 0'000.-- bei der D.____ Bank einge- reicht. Die Begünstigte dieser Zahlung sei E.____ respe ktive deren nicht namentlich bekannte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tochter. Daraufhin habe man A.____ zu einem Gespräch b ei der D.____ Bank eingeladen. Diese sei wiederum von E.____ begleitet worden. A.____ habe einen verwirrten Eindruck hin- terlassen und nicht gewusst, um was es gehe. Auf den Zahl ungsauftrag angesprochen, habe sie keine Angaben machen können, wozu die Zahlung diene n solle. Daraufhin sei E.____ ge- fragt worden, ob die Zahlung ein Darlehen oder eine Schenkung sei und ob dies vertraglich festgehalten worden sei. Konkrete Angaben seien hierzu jedoch keine gemacht worden. E.____ habe lediglich pauschal angegeben, dass «alles in Ordnu ng» sei. Dabei habe sie angedroht, dass das Vermögen von A.____ auf die F.____ AG übertra gen werde, sollte der Zahlungsauf- trag nicht umgehend umgesetzt werden. Eine telefonische Rücksprache mit dem Hausarzt von A.____ habe ergeben, dass sie kognitiv eingeschränkt sei u nd deren Urteilsfähigkeit angezwei- felt werde. Am 9. November 2022 sei ein weiteres Gespräch mit A.____ vorgesehen. Am 9. November 2022 informierte der Legal Counsel der D.____ Bank die KESB C.____ über das Gespräch mit A.____. Diese sei wiederum von E.____ begleitet worden. Letztere habe sich im Rahmen dieses Gesprächs durch die bislang unbekannte Generalvollmacht ausgewiesen. Auf die Frage, ob A.____ mit dem eingereichten Zahlu ngsauftrag nach wie vor einverstanden sei, habe sie keine klare Angabe machen können. Auch hab e sie nicht sagen können, für was das Geld verwendet werden solle, und habe einen äusserst verwirrten Eindruck hinterlassen. E.____ sei hingegen äusserst aggressiv aufgetreten und h abe ausgeführt, dass das Verhältnis zu A.____ familiär sei. Auf Nachfrage hin habe E.____ mitgeteilt, dass ihre Tochter eine Woh- nung kaufen wolle und der Notar auf das Geld warte. B. Mit superprovisorischem Entscheid vom 9. November 2022 entzog die KESB C.____ A.____ den Zugriff auf ihre Vermögenswerte bei der D.____ Bank und der F.____ AG sowie die Handlungsfähigkeit in der Einkommens- und Vermögensverw altung inklusive das Eingehen sämtlicher Arten von Verpflichtungsgeschäften. C. Auf die von A.____ gegen diesen Entscheid am 18. No vember 2022 erhobene Be- schwerde trat das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsge- richt), am 22. November 2022 mangels zulässigen Beschwerdeobjekts nicht ein. D. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs erliess die KE SB C.____ am 12. Dezember 2022 folgenden Entscheid: A.____ bleibt gestützt auf Ar t. 394 Abs. 2 i.V.m. Art. 445 Schweize- risches Zivilgesetzbuch (ZGB) vom 10. Dezember 1907 vor sorglich die Handlungsfähigkeit in der Vermögensverwaltung inklusive das Eingehen sämtlicher Arten von Verpflichtungsgeschäf- ten entzogen, die man aufgrund der Höhe oder ihres In halts üblicherweise nicht alleine mit den laufenden Einnahmen decken kann, sondern unter Rückgriff auf das Vermögen erfüllen müsste. Unabhängig davon ist die Handlungsfähigkeit für alle Rechtsgeschäfte entzogen, welche den Wert von Fr. 1'000.-- übersteigen (bei wiederkehrenden Verpflichtungen zählt die Dauer von 12 Monaten, Ziff. 1). A.____ bleibt gestützt auf Art. 395 Abs. 3 i.V.m. Art. 445 ZGB vorsorglich der Zugriff auf sämtliche bei der D.____ Bank befind lichen Guthaben, Wertschriften, Depots, Safes und allfällige weitere Vermögenswerte lautend auf A.____ entzogen (Ziff. 2). Vollmachten an Drittpersonen sind widerrufen (Ziff. 2.1). Der Ent zug des Zugriffs nach Art. 395 Abs. 3 ZGB für das bei der F.____ AG befindliche Privatkonto laute nd auf A.____ wird hingegen vorsorglich Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht wieder aufgehoben, das heisst A.____ wird der Zugriff auf dieses Konto zurückgegeben (Ziff. 2.2). A.____ wird gestützt auf ihre Mitwirkungsp flicht gemäss Art. 448 Abs. 1 ZGB aufge- fordert, sich zur Abklärung ihres Schutz- und Unterstüt zungsbedarfs von ihrem Hausarzt an die Memory Clinic Basel überweisen zu lassen […]. Zur Sicherstel lung einer unverfälschten Wil- lenskundgebung darf sie an den Untersuchungen in der M emory Clinic von niemandem beglei- tet werden (Ziff. 3). Dem Sozialdienst G.____ wird d er Auftrag erteilt, bis spätestens am 17. März 2022 allgemein die persönliche, soziale Situation von A.____ und deren Alltagsbewäl- tigung abzuklären, bei Bedarf Lösungen zu entwickeln un d umzusetzen und, soweit nötig, ge- eignete Massnahmen vorzuschlagen und sich zu deren Finan zierung zu äussern (Ziff. 4). Die obigen Anordnungen sind sofort vollstreckbar. Einer all fälligen Beschwerde wird die aufschie- bende Wirkung entzogen (Ziff. 5). Über die Erhebung von Verfahrenskosten wird zu einem spä- teren Zeitpunkt entschieden (Ziff. 6). E. Dagegen erhob A.____ (nachfolgend Beschwerdeführeri n genannt), vertreten durch B.____, mit Schreiben vom 23. Dezember 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht und bean- tragte, es seien die erwachsenschutzrechtlichen Massnahmen u nd damit die Verfügung vom 12. Dezember 2022 vollständig und mit sofortiger Wirkung aufzuheben und es sei auf weitere Erwachsenenschutzmassnahmen zu verzichten respektive das laufe nde Verfahren als erledigt abzuschreiben (Ziff. 1). Eventualiter sei zur Abklärung der erforderlichen Fragestellungen ein stufenweises Vorgehen anzuordnen, wobei die medizinische Abklärung als letzte Massnahme vorzunehmen sei, wenn sich bestätigen sollte, dass tatsächl iche, und nicht nur vermutete, Auf- fälligkeiten in der Verrichtung der eigenen Belange u nd der Administration des eigenen Vermö- gens der Beschwerdeführerin sich ereignet haben. Dabei seien die vermögensbezogenen Ein- schränkungen der Handlungsfähigkeit vollständig aufzuheben, und im Übrigen sei die Rückwei- sung der Angelegenheit an die KESB C.____ zur Vornahm e weiterer nichtmedizinischer Abklä- rungen anzuordnen. Es sei demnach die KESB C.____ a nzuweisen, die versäumten Beweise abzunehmen und zu würdigen, den Sachverhalt vollständ ig zu erkunden und die Begründetheit der Gefährdungsmeldung zuverlässig und mit milderen Mit teln zu überprüfen, sprich vorerst ohne medizinische Abklärungen. Es sei die KESB C.____ zud em anzuweisen, Einsicht in die Steuerdokumente der letzten Jahre bei der Gemeinde G.____ anzufordern, um festzustellen, ob das Vermögen abgenommen oder zugenommen hat. Zudem se i der Bank ein schriftlich zu be- antwortender und mit Fragen der Beschwerdeführerin e rgänzter Fragenkatalog zuzustellen, welche die Ereignisse anfangs November 2022 durchleucht et. Erst danach sei die KESB C.____ anzuhalten, über die Fortsetzung des Verfahren s zu befinden. In Ermangelung einer konkreten Gefährdung für das Vermögen der Beschwerdeführerin sei das Verfahren als erledigt abzuschreiben oder im gegenteiligen Fall die Abklärung in der Memory Clinic anzuordnen (Ziff. 2). Es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwer de zu gewähren (Ziff. 3). Es seien die Verfahrensakten der KESB beizuziehen (Ziff. 4). Unter o/e-Kostenfolge (Ziff. 5). F. Mit Verfügung vom 27. Dezember 2022 wurde der An trag der Beschwerdeführerin auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung superprovisorisch abgewiesen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Die KESB C.____ schloss am 31. Dezember 2022 auf v ollumfängliche Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Eventualite r sei die Beschwerdeführerin zu einer persönlichen Anhörung vorzuladen. Unter o/e-Kostenfolge. H. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit für die Entscheidfindung we- sentlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Von Bundesrechts we- gen anfechtbar sind Endentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vor- sorgliche Massnahmen (Art. 445 Abs. 3 ZGB). Nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einfüh- rung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 i st das Kantonsgericht, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für die Beurte ilung von Beschwerden gegen Ent- scheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zuständig . Das Verfahren richtet sich nach Art. 450 ff. ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmung en des kantonalen Verwaltungsprozess- rechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). 1.2 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um ei nen Zwischenentscheid über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde liegt gemäss § 66 Abs. 2 EG ZGB in Verbindung mit § 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der präsidierenden Person. D ie Beschwerdeführerin ist als direkte Verfahrensbeteiligte zur Beschwerde legitimiert. Die B eschwerde ist zudem frist- und formge- recht erhoben worden, weshalb auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ersucht um B efragung der Nachbarn Fami- lie H.____, der langjährigen Freundinnen E.____ und I.____ sowie des Hausarztes Dr. J.____. Vorliegend geht der für das Verfahren relevante Sachv erhalt genügend klar aus den Akten her- vor. Es ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen Erkenntnisse, die nicht bereits Eingang in Rechtsschriften und Akten gefunden haben, aus einer Befr agung der genannten Personen her- vorgehen könnten, weshalb die Anträge abzuweisen sind. 4. Vorliegend ist die Frage zu beurteilen, ob die vor sorglichen Massnahmen im angeord- neten Umfang zu Recht erfolgten. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid ge stützt auf die bisherigen Abklärun- gen, insbesondere betreffend die ausserordentliche Fina nzverwaltung, der Beschwerdeführerin sei es nicht mehr möglich, die vollständigen Konsequen zen ihres Handelns zu erkennen. Zwar habe sie im Rahmen der Anhörung angegeben, E.____ un d deren Tochter I.____ helfen zu wollen, mit dem Darlehen einverstanden zu sein und so lche Geschäfte auch nicht mit irgend- welchen beliebigen Personen abzuschliessen. Jedoch habe sich die Beschwerdeführerin nicht konkret zum Sachverhalt rund um das Darlehen äussern kö nnen und habe den Eindruck er- weckt, keinen Überblick über die Sachlage und deren Konse quenzen zu haben. Die wesentli- chen Angaben habe sie nicht von sich aus gemacht, sondern i hr Rechtsvertreter, oder sie selbst, nachdem ihr dieser mitgeholfen oder ein Stichw ort gegeben habe. Sie scheine sich auf ihre Freundinnen, zu welchen unbestrittenermassen ein langjähriges Vertrauensverhältnis be- stehe, zu verlassen. Dies sei jedoch keine ausreichende Grund lage für eine unabhängige, fun- dierte Meinungsbildung. Unabhängig davon, ob die Vert ragspartnerin eine Freundin oder eine unbekannte Drittperson sei, müsste sich die Beschwerdefü hrerin zumindest über die wesentli- chen Umstände selbst ein Bild machen und über allfällig e Konsequenzen reflektieren und diese abwägen können, damit von Urteilsfähigkeit die Rede sein könne. Dass dies der Fall sei, werde von der Erwachsenenschutzbehörde stark angezweifelt. Die Ereignisse, welche zur Meldung an die KESB C.____ geführt hätten, seien exemplarisch ein Hinweis darauf, dass die Beschwerde- führerin zumindest ihre ausserordentliche Finanzverwalt ung nicht mehr selber wahrnehmen könne und hier ein Schutz- und Unterstützungsbedarf v orliege. Um den – seitens der Be- schwerdeführerin bestrittenen – Schutz- und Unterstützu ngsbedarf genauer beurteilen und die allfälligen Massnahmen darauf angepasst ausgestalten zu können, benötige die KESB C.____ eine fundierte Abklärung der Kognition der Beschwerdef ührerin durch hierfür spezialisierte Fachpersonen. Dieses Vorhaben werde auch vom aktuellen Ha usarzt unterstützt. Die Be- schwerdeführerin sei daher anzuweisen, sich zur vertieften Abklärung der für die KESB C.____ relevanten Fragestellungen von ihrem Hausarzt an die Me mory Clinic Basel überweisen zu las- sen. In Anbetracht dieser offenen Fragen müssten zum Schu tz der Beschwerdeführerin die be- reits verfügten Massnahmen beibehalten werden, zumindest was die Verfügungsmöglichkeit über das Vermögen derselben betreffe. Dies bedinge n icht nur den Entzug des Zugriffs auf das Vermögen, sondern auch die entsprechende Einschränkung der Handlungsfähigkeit, damit die Beschwerdeführerin nicht für sie nachteilige Verfügungs - und Verpflichtungsgeschäfte ab- schliessen könne. Die KESB C.____ habe derzeit keinen Anhaltspunkt daf ür, dass die Beschwerdeführerin in der Alltagsbestreitung besonderen Schutzes durch den Entzug des Zugriffs auf ihr Laufkonto bedür- fe, sofern dabei lediglich die Renteneinkommen zur Ve rfügung stünden und nicht die darüber- hinausgehenden Vermögenswerte. Inwiefern die Beschwerd eführerin tatsächlich in der Lage sei, ihre alltägliche Administration zu bewältigen, wie sich die persönlichen, sozialen Verhältnis- se von ihr gestalten und ob diese ausreichend und geeig net für allfällige Unterstützung seien, müsse der Sozialdienst G.____ parallel zu den medizinisch-psychologischen Abklärungen noch eruieren. Diese Abklärungen sollten sodann dazu dienen, das weitere Vorgehen nach Vorliegen der Ergebnisse der Memory Clinic zu beurteilen und allfällige Lösungen zu finden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen zusammeng efasst geltend, die Gefähr- dungsmeldung der Bank könne keine Grundlage für die von der KESB C.____ verfügten vor- sorglichen Massnahmen sein, da sie irreführend und voller falscher Angaben sei. Bis zum Vor- fall in der D.____ Bank habe die Beschwerdeführerin ei n gesundes, pflichtbewusstes und be- schauliches Leben geführt und sei eng mit der Nachbarschaf t und ihrer eigenen Familie sowie der italienischen Kirchgemeinde vernetzt gewesen. Den Alltag habe sie eigenverantwortlich und selbständig gemeistert. Zu E.____ sowie deren Tochter be stehe eine 50jährige Freundschaft. Als die Tochter von E.____ eine Wohnung habe kaufen wo llen, habe die Beschwerdeführerin angeboten, sie zu unterstützen, weshalb Mitte Oktober 2022 der Entwurf des Darlehensvertrags für den Notar erstellt worden sei. Die Liegenschaft w äre mit Eigenmitteln der Tochter von E.____ sowie mit dem Darlehen der Beschwerdeführerin in der Höhe von Fr. 350'000.-- finan- ziert worden. Die Liegenschaft wäre somit ohne Hypothek finanzierbar gewesen. Das Darlehen hätte aufgrund der guten finanziellen Verhältnissen d er Tochter von E.____ ohne weiteres zu- rückbezahlt werden können. Nach dem Vorfall mit der Ban k und dem Eingriff der KESB in die Privatsphäre der Beschwerdeführerin habe die Tochter von E.____ ihr Finanzierungsgesuch wieder zurückgezogen, um die Beschwerdeführerin wegen ihr er Hilfsbereitschaft nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Das Projekt und die Verha ndlungen mit der Immobilienagentur sei- en am 10. November 2022 für gescheitert erklärt worde n, noch bevor der superprovisorische KESB-Entscheid die Beschwerdeführerin erreicht habe. Das Rechtsgeschäft zwischen der Be- schwerdeführerin und der Tochter von E.____ sei nicht e iner vorübergehenden Laune oder ei- ner mentalen defizitären Verfassung entsprungen, sonde rn einem dauerhaften Wunsch, eine geschätzte und geachtete langjährige Freundin in tief er Verbundenheit zu unterstützen. Die Urteilsfähigkeit in Bezug auf das Rechtsgeschäft auf eine Momentaufnahme reduzieren zu wol- len, sei rechtlich falsch. Die KESB C.____ verkenne, d ass Familie K.____ keine fremden Dritt- personen seien, die die Beschwerdeführerin erst vor ein p aar Wochen kennengelernt hätten, und wo gegebenenfalls ein erhöhtes Augenmass betreffen d Vorliegen des Rechtsgeschäftswil- lens anzuwenden wäre. Auch ein Notar hätte sich bei de r Überprüfung des Rechtsgeschäftswil- lens gerade auf die langjährige Freundschaft abgestützt und deren tatsächliches Vorliegen be- stätigt. Zudem hätte ein Notar vor der Abwicklung des Ve rtrages nochmals den Willen der Be- schwerdeführerin überprüft. Die Beschwerdeführerin leide an keinem Schwächezustand. Es könne nicht sein, dass aufgrund von Behauptungen und Vermutungen oder Zweifel von Dri tten so massiv in die Grundrechte eingegriffen werde. Der Fall sei gekennzeichnet von ei nem grossen Misstrauen gegenüber ei- ner einzigen Handlung einer Person, die 84 Jahre lang reibungslos und organisiert gelebt habe. Für eine hohe mentale Wachheit der Beschwerdeführerin spreche, dass diese mit dem Rechts- vertreter in drei verschiedenen Sprachen (Deutsch, Fran zösisch, Italienisch) eine Konversation führen könne, ohne dabei den Faden zu verlieren. Das Verfassen mehrerer Briefe mit einer kla- ren, sauberen und linearen Handschrift und mit logischen Inhalten spreche ebenso für das Vor- handensein von guten mentalen Fähigkeiten. Auch der mi t dem Einverständnis der Beschwer- deführerin vom Rechtsvertreter durchgeführte Uhren- sowie DemTect-Test habe gezeigt, dass der mentale Zustand der Beschwerdeführerin altersgemäss ordentlich sei und charakterbezo- gene Eigenschaften wie Schüchternheit und Schweigsamkei t nicht als kognitive Einschränkun- gen interpretiert werden sollten. Der neue Hausarzt d er Beschwerdeführerin habe einen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schwächezustand nicht bestätigen können und zudem bestri tten, der Bank gegenüber ausge- sagt zu haben, dass die Beschwerdeführerin kognitiv einge schränkt sei und dass eine Abklä- rung in der Memory Clinic empfohlen werde. Zwischen dem Rechtsgeschäftswillen der Be- schwerdeführerin und einem präsumierten allfälligen me ntalen Schwächezustand bestehe demnach keine Kausalität. Auf die Umsetzung des Vertrag es sei verzichtet worden und die Sa- che sei damit erledigt, da es in Zukunft auch kein solches zweites Rechtsgeschäft geben werde. Ein Auskundschaften mentaler Defizite im Sinne einer ge nerellen Abklärung von kognitiven Fä- higkeiten sei nicht verhältnismässig, da mit Ausnahme der Unklarheit betreffend das Rechtsge- schäft mit der Tochter von E.____ nichts passiert sei. Ein Abklärungsbedarf der Beschwerde- führerin bestehe somit nicht. Sie sei nicht hilfsbedürf tig, da sie autonom und selbstbestimmt lebe und zudem bereits im Juli 2015 einen Vorsorgeauft rag erstellt habe. Die vorsorglichen Massnahmen seien im Weiteren rechtswidrig, da bei einer dreimonatigen Kündigungserklärung für die Auflösung des Kontos keine starke Dringlichkeit gegeben sei. 5.1 Die Erwachsenenschutzbehörde trifft auf Antrag ei ner am Verfahren beteiligten Person oder von Amtes wegen alle für die Dauer des Verfahrens notwendigen vorsorglichen Mass- nahmen (Art. 445 Abs. 1 ZGB). Vorsorgliche Massnahmen mü ssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, dass der ordentliche, spätere Entscheid n icht abgewartet werden kann, ohne einen erheblichen Nachteil für die betroffene Person in Kauf zu nehmen. Als vorsorgliche Mass- nahmen kommen neben der Anordnung einer Beistandschaft Einzelmassnahmen wie die Blo- ckierung des Zugangs zu einem Konto, eine Grundbuchsperre und der Entzug der aufschie- benden Wirkung einer Beschwerde infrage (vgl. C HRISTOPH HÄFELI , Kindes- und Erwachsenen- schutzrecht, 3. Aufl., Bern 2021, N 826 f.). Vorsorgliche Massnahmen ergehen gestützt auf eine bloss summarische Prüfung der Sach- und Rechtslage, wob ei für deren Anordnung das Be- weismass der Glaubhaftmachung genügt. Das reduzierte Bew eismass ist bereits dadurch ge- rechtfertigt, dass der Rechtsschutz schnell gewährt werden so ll und «nur» für einen beschränk- ten Zeitraum eingeräumt wird (vgl. L UCA MARANTA in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kom- mentar zum Zivilgesetzbuch, 7. Aufl., Basel 2022, N 11 zu Art. 445 ZGB). 5.2 Gemäss Art. 446 Abs. 1 ZGB erforscht die Erwachsene nschutzbehörde den Sachverhalt von Amtes wegen. In Art. 446 Abs. 2 ZGB wird die Unter suchungsmaxime konkretisiert: Dem- nach holt die Erwachsenenschutzbehörde die zur Feststellung des Sachverhaltes erforderlichen Erkundigungen ein und erhebt die notwendigen Beweise . Sie ist mit anderen Worten zur selb- ständigen und unbeschränkten Tatsachenfeststellung verpf lichtet. Zu diesem Zweck kann sie eine geeignete Person oder Stelle mit Abklärungen bea uftragen und nötigenfalls ein Gutachten einer sachverständigen Person anordnen. Welche Beweis e die KESB erhebt, steht grundsätz- lich – unter Berücksichtigung der Grundsätze der Verhäl tnismässigkeit, Subsidiarität, Komple- mentarität – in ihrem Ermessen (L UCA MARANTA , a.a.O., N 13 zu Art. 446 ZGB). Die am Verfah- ren beteiligten Personen und Dritte sind zur Mitwirkung bei der Abklärung des Sachverhaltes verpflichtet. Die Erwachsenenschutzbehörde trifft gemäss Art. 448 Abs. 1 ZGB die zur Wahrung schutzwürdiger Interessen erforderlichen Anordnungen. Nöt igenfalls ordnet sie die zwangswei- se Durchsetzung der Mitwirkungspflicht an. Die Mitwirkung spflicht besteht grundsätzlich auch, wenn sie sich zum Nachteil des zur Mitwirkung Verpflichtet en auswirkt (LUCA MARANTA , a.a.O., N 7 zu Art. 448 ZGB). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Anlässlich der Anhörung bei der KESB C.____ am 24 . November 2022 gab die Be- schwerdeführerin jeweils auf Nachfrage kurze, klare Antwo rten auf nicht offen formulierte Fra- gen. Auf offen formulierte Fragen hingegen antwortete sie entweder, indem sie ein zuvor vorbe- reitetes Schreiben vorlas, oder gar nicht oder nur mit Hilfe ihres Rechtsvertreters. Die Be- schwerdeführerin konnte weder zum Geschehenen bei der D .____ Bank noch zu den finanziel- len Verhältnissen der Tochter von E.____ Angaben mache n. Auf die Höhe des Darlehens an- gesprochen teilte die Beschwerdeführerin zuerst mit, da ss es sich um Fr. 35'000.-- gehandelt habe. Erst nachdem die KESB C.____ sie darauf aufmerksam gemacht hatte, dass der Betrag erheblich höher sei, habe die Beschwerdeführerin die richtige Höhe der Darlehenssumme nen- nen können. Auch wusste sie nicht, dass das Darlehen für d ie Familie K.____ zwischenzeitlich nicht mehr Thema sei. Die Beschwerdeführerin hat sich z udem offenbar keinerlei Gedanken darüber gemacht, was das Geschäft für finanzielle Konsequ enzen für sie haben könnte. Das Verhalten sowie die (Nicht-)Beantwortung der Fragen durch die Beschwerdeführerin erwecken den Anschein, dass sie die Sachlage und die damit zusamme nhängenden Fragen und die Re- levanz nicht zu erfassen vermag respektive nicht in der Lage ist, sich diesbezüglich eine eigene Meinung zu bilden und danach zu handeln, was nicht all eine durch ihren Charakter oder ihre Betagtheit erklärt werden kann. Wie die Vorinstanz in i hrer Vernehmlassung korrekt festgestellt hat, realisiert sich die Gefährdung der Beschwerdeführ erin darin, dass sie offenbar Geschäfte von wesentlichem Ausmass tätigt, die sie selbst nicht über blicken kann, was jedoch Vorausset- zung für ein selbstbestimmtes und rechtsgültiges Handeln ist, unabhängig davon, ob sie mit der Vertragspartnerin in freundschaftlicher oder rein gesch äftlicher Beziehung steht. Die unbestrit- tenermassen vorhandene langjährige Freundschaft kann daher nicht als Beweis dafür herange- zogen werden, dass die Zustimmung der Beschwerdeführerin zum fraglichen Geschäft auf einer intakten eigenständigen, unabhängigen Willensbildung beruht. Kommt hinzu, dass allen Betei- ligten die Vermögensverhältnisse der Beschwerdeführerin bekannt sind. Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin kann vorliegend auch nicht von e inem «seriösen Rechtsgeschäft» die Rede sein. Es ist weder nachvollziehbar noch Usanz, dass zuer st der Zahlungsauftrag über Fr. 350'000.-- an die Tochter von E.____ vollzogen un d erst im Nachhinein der Darlehensver- trag einem Notar zur Prüfung vorgelegt werden soll, um somit die Handlungsfähigkeit der Be- schwerdeführerin zu bestätigen. Dafür, dass die seitens der Bank gemachte Gefährdungsmel- dung offensichtlich ungerechtfertigt gewesen sein soll , welche – wie von der Beschwerdeführe- rin geltend gemacht – eine Nichtanhandnahme des Falls durch die KESB C.____ zur Folge hät- te haben müssen, liegen keine Hinweise vor. Auch kann die Beschwerdeführerin aus dem Um- stand der geltend gemachten, nicht weiter substantiierte n dreimonatigen Kündigungsfrist des Kontos bei der D.____ Bank nichts zu ihren Gunsten a bleiten, da diese nicht allein durch einen Mittelabfluss auf ein anderes Konto, sondern auch durch Abschlüsse von Verpflichtungsge- schäften geschädigt werden könnte. Angesichts dieser Sachlage ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von der Wahrscheinlichkeit eines Schwächez ustands sowie einer dringlichen Schutzbedürftigkeit der Beschwerdeführerin ausging und i hr die Handlungsfähigkeit in der Ver- mögensverwaltung sowie den Zugriff auf sämtliche bei der D.____ Bank befindlichen Guthaben, Wertschriften, Depots, Safes und allfälligen weiteren Vermögenswerte entzog. Daran vermag auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, es sei system widrig, ihr die Handlungsfähigkeit vorsorglich einzuschränken, ohne den zur Edition offerierte n Vorsorgeauftrag zu würdigen, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nichts zu ändern. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass ihr durch die KESB C.____ mehrmals die Möglichkeit gegeben wurde (vgl. Anhörung vom 24. No vember 2022 und Frist zur Stellung- nahme vom 25. November 2022), die für den Fall rele vanten Dokumente einzureichen, welche sie jedoch nicht wahrgenommen hat. Die Beschwerdeführer in trifft jedoch eine Mitwirkungs- pflicht bei der Abklärung des Sachverhaltes gemäss Art. 44 8 Abs. 1 ZGB. Der Vorsorgeauftrag, wie übrigens auch der Entwurf des Darlehensvertrags, wurd e erst im Beschwerdeverfahren vor Kantonsgericht eingereicht, weshalb die KESB C.____ di esen bei ihrem vorsorglichen Ent- scheid vom 12. Dezember 2022 nicht berücksichtigen konnte. I nwiefern dieser Vorsorgeauftrag mit E.____ als Vorsorgebeauftragter zu berücksichtigen ist, wird die KESB C.____ im laufenden Verfahren noch zu beurteilen haben. Die Beschwerdefüh rerin kann zwischenzeitlich wieder frei über ihr Laufkonto bei der F.____ AG verfügen und damit ihren Unterhalt selber bestreiten, was aufgrund der Gegebenheiten angezeigt ist, zumal in di eser Grössenordnung kein grosser Schaden verursacht werden kann. Wie sie anlässlich der Anhör ung gegenüber der KESB C.____ bestätigte, benötigt sie für die Alltagsbestre itung nur das Konto bei der F.____ AG und nicht das Vermögen, weshalb die übrigen Schutzvorkehrungen die Beschwerdeführerin faktisch in ihrer Alltagsautonomie kaum berühren dürften. 6.2 Unter den gesamten geschilderten Umständen ist auch nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz eine Begutachtung der Beschwerdeführerin in der Memory Clinic sowie eine Abklä- rung durch den Sozialdienst G.____ verfügt hat. Es gilt durch spezialisierte Fachpersonen ab- zuklären, ob respektive inwiefern kognitive Defizite be i der Beschwerdeführerin vorliegen. Im Rahmen des Abklärungsauftrags an den Sozialdienst G.__ __ sollen auch das persönliche Wohlergehen und dessen Absicherung angeschaut und die hi erfür nötigen Gespräche mit dem Umfeld geführt werden. Mit den vorsorglichen Massnahmen wurde sichergestellt, dass die Be- schwerdeführerin zwischenzeitlich nicht nochmals Gefahr läuft, undurchdachte, für sie allenfalls nachteilige Vorkehrungen zu treffen, scheint doch gerad e auch ihr nahes Umfeld ganz offenbar nicht auf die Problematik sensibilisiert zu sein. Die Massnahmen wurden vorsorglich angeord- net, weil die notwendigen Abklärungen erst noch vorgenommen werden müssen. 6.3 Nach dem Gesagten erweisen sich die vorsorglichen Ma ssnahmen als geboten und verhältnismässig, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Das Gesuch um Erteilung der auf- schiebenden Wirkung wird mit dem Entscheid in der Sache gegenstandslos. 7. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise u nterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- sind ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die P arteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin