Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. September 2019 (720 19 126 / 225) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der medizinischen Berichte Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Markus Mattle, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1966 geborene A.____ meldete sich am 30. Oktobe r 2013 unter Hinweis auf Kopf- schmerzen und psychische Beschwerden bei der Eidgenössischen In validenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse, nament- lich gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. me d. B.____, FMH Neurologie, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 8. September 2014 sowie das polydis- ziplinäre Gutachten der asim vom 31. Dezember 2016, verneinte die IV-Stelle nach Durchführung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 26. März 2 019 in Anwendung der gemischten Bemessungsmethode mit den Anteilen 50 % Erwerb und 50 % Haushalt und einem ermittelten IV-Grad von 24 % einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente. B. Dagegen erhob A.____ mit Eingabe vom 16. April 20 19 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte eine Ü berprüfung des Entscheids. Ihre ge- sundheitliche Situation habe sich verschlechtert. Die Kopfschmerzen träten gehäuft auf und hiel- ten länger an, so dass sie mehrere Tage auf Medikamente sowie Ruhe angewiesen sei. Der Schwindel sei nach wie vor vorhanden und unter Medikamenteneinnahme kaum besser. Ihr psy- chischer Zustand habe sich nach der schweren Erkrankung und des kürzlichen Todes ihrer Mutter verschlechtert. Aktuell besuche sie zwei Mal pro Monat eine Psychotherapie. C. Mit Vernehmlassung vom 13. Juni 2019 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, so dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und fo rmgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 16. April 2019 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführe rin Anspruch auf eine IV-Rente hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Um festzustellen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststel- lungen auf Arbeitsunfähigkeit schiessen lassen, sind sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des IV-Grades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der me- dizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tä- tigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei- nander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad bestim- men (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.2 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig si nd oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich t ätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG ermittelt. In die sem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich zu bestimmen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu be- messen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Ver- sicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesund- heitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die I nvaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 bis Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961) 3.4 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder teilzei tig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zuge- mutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo thetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgeri chts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beso nderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufga- ben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die per- sönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erford erlich (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 3.5 In der angefochtenen Verfügung vom 26. März 2019 ermittelte die IV-Stelle den IV-Grad der Versicherten anhand der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung. Dabei ging sie da- von aus, dass die Versicherte als Gesunde zu 50 % einer au sserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde und zu 50 % im Haushalt beschäftigt wä re. Diese Aufteilung wird seitens der Beschwerdeführerin nicht bestritten, weshalb darauf abgestellt werden kann. 4. Ausgangspunkt für die Ermittlung des IV-Grades bild et die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle ande- ren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht b ei Gerichtsgutachten nicht ohne zwin- gende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Den im Rahmen des Gerichtsverfahrens eingeholten Gutachten ist so- mit volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesge- richts vom 20. März 2018, 8C_569/2017, E. 2.2). 5. Die IV-Stelle stützte ihren Entscheid im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten der asim vom 31. Dezember 2016. Die Versicherte wurde in allgemeinmedizinischer, neurologi- scher und psychiatrischer Hinsicht sowie von einer HNO-Spezia listin untersucht. Die Gutachter diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei t eine Migräne mit Aura kombiniert mit Arzneimittel induziertem Kopfschmerz sowie einen Verdac ht auf eine vestibuläre Funktionsstö- rung rechts. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit st ellten sie ein Meningeom links fronto- parietal, eine ängstlich gefärbte, leichte depressive Episode, eine leichtgradige rechtsseitige sen- sorineurale Hörminderung im Vergleich zu links sowie ei ne Hyposmie (unvollständiger Verlust des Geruchsinns) beidseits unklarer Ätiologie fest. In der aktuellen Begutachtung könne aus psy- chiatrischer Sicht keine Diagnose mit Krankheitswert gestellt werden. Die von Dr. C.____ im bi- disziplinären Gutachten vom 8. September 2014 diagnostizierte rezidivierende, ängstlich gefärbte depressive Episode leichten Grades – welche damals für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht von Relevanz gewesen sei - sei aktuell remittiert . Die geschilderte Ängstlichkeit erfülle die Kriterien für eine Angststörung gemäss ICD-10 nicht und eine depressive Symptomatik sei nicht erkennbar gewesen. Es gebe aber einige Hinweise auf ei ne Symptomverdeutlichung bzw. auf Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Aggravation. Die Versicherte zeige sich sehr klagsam b ei weitgehend unecht und übertrie- ben wirkender Beschwerdedarstellung und sehr weitschweifiger, verdeutlichender Symptomschil- derung. Aus neurologischer Sicht lasse sich festhalten, da ss 2012 ein hoch parietales Menin- geom von 2,7 x 3 cm Grösse diagnostiziert worden sei im Z usammenhang mit der Abklärung rechtsseitiger Kopfschmerzen. Der behandelnde Neurologe, Dr. med. D.____, habe die seit Jah- ren bestehenden Kopfschmerzen differenzialdiagnostisch al s im Zusammenhang mit dem Me- ningeom stehend erachtet und die Versicherte zur weiteren Beurteilung an die neurochirurgische Poliklinik des E.____ verwiesen (vgl. Bericht neurologisch er Konsilien und Kontrollen vom 20. Februar 2012 bis 27. März 2012 [Konsil vom 20. Februar 2012 und Kontrolle vom 16. März 2012]). Eine initiale Indikation zur Operation sei damals be i asymptomatischem Verlauf und fehlendem Zusammenhang mit den geschilderten Beschwerden nicht ge stellt worden. Auch habe sich das Meningeom in den folgenden Jahren bei Verlaufsbildgebungen jeweils grössenkonstant gezeigt, so dass letztlich bis zum heutigen Zeitpunkt keine Grössenprogredienz habe festgestellt werden können und das Meningeom überwiegend wahrscheinlich als weitestgehend unabhängig vom Schmerzsyndrom eingestuft worden sei. Dementsprechend habe auch Dr. D.____ in einer Kon- sultation im Mai 2014 seine Diagnose dahingehend geändert, dass eine Migräne mit Aura sowie chronische Kopfschmerzen im Vordergrund ständen und diffe renzialdiagnostisch Spannungs- kopfschmerzen sowie Arzneimittel induzierte Kopfschmerzen (vgl. Bericht neurologischer Konsi- lien und Kontrollen vom 20. Februar 2012 bis 21. Janua r 2015 [Kontrolle vom 27. Mai 2014]). Ferner habe er die Diagnose eines Meningeoms links fronto-parietal als nun unabhängig von den Kopfschmerzen aufgeführt. Dieser Einschätzung sei auch Dr. B.____ im Rahmen des bidiszipli- nären Gutachtens vom 8. September 2014 gefolgt. Die Versicherte habe heute von chronischen Gesichtsschmerzen berichtet, welche in der Regel von der rechten Wange ausgehen und dann über das Auge nach parietal und okzipital ausstrah- len würden. Aufgrund der anamnestischen Angaben sei ein Arzneimittel induzierter Kopfschmerz überwiegend wahrscheinlich, wie schon im Vorfeld vom behandelnden Neurologen diagnostiziert worden sei. Eine deutliche Reduktion bzw. ein Absetzen d er Schmerzmedikation sei allerdings im Verlauf der letzten Jahre nicht gelungen. Die Notwendigkeit hierzu sei der Versicherten auch im Rahmen der Begutachtung kaum zu vermitteln gewesen . In Bezug auf den Schwindel, unter welchem sie seit 2011 leide, habe die klinische Untersu chung unauffällige vestibulospinale Re- flexe gezeigt. Ein Spontan- oder Provokationsnystagmus se i ebenfalls nicht feststellbar. Ferner sei der Video-Kopf-Impulstest unauffällig gewesen. Die Gleichgewichtsanalyse zeige Zeichen ei- ner nicht-organischen Gleichgewichtsstörung, wobei eine zu sätzliche organische Störung nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden könne. Differenzialdiagnostisch handle es sich ent- weder um eine passagere peripher-vestibuläre Funktionsstörung der rechten Seite oder aber um eine vestibuläre Migräne. In Anbetracht der Tatsache, dass bislang kein typischer Tieftonhörver- lust dokumentiert sei, könne heute die Diagnose eine s Hydrops rechtsseitig nicht mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit gestellt werden. Wie anhand der Gleichgewichtsanalyse deutlich ge- worden sei, lägen aktuell eindeutige Zeichen einer nicht-organischen, d.h. am ehesten einer pho- bischen Schwindelkomponente vor. Dies stehe in Einklang m it der im Rahmen der Anamnese geäusserten Aussage der Versicherten, durch die Diagnose des Kopftumors extrem verunsichert und schockiert gewesen zu sein, zumal sie offensichtlich auch widersprüchliche Meinungen in Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezug auf eine Operation gehört habe. Weiterhin lie ge sowohl anamnestisch als auch psycho- physisch messbar eine Hyposmie beidseits vor, deren Ätiologie unklar sei. Zusammenfassend ergäben sich gegenüber dem bidisziplinären Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ vom 8. September 2014 keine relevanten neuen Aspekte. Die Schwindelsymptomatik dürfte einen erheblichen funktionellen Anteil aufweisen und vor allem durch die Verunsicherung bezüglich des Meningeoms getriggert worden sein. Das Meningeom als solches sei bei Grössen- konstanz über Jahre weiterhin nicht relevant für die Symp tomatik und die Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Eine Operationsindikation sei derzei t nicht gegeben. Die im Gutachten vom 8. September 2014 attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 % aufgrund der chronischen Kopf- schmerzen sei auch heute zu bestätigen. Die zusätzlich beklagten Schwindelbeschwerden hätten sicherlich im Rahmen des akuten Auftretens 2013 sowie 2015 kurzfristig für einige Tage zu einer deutlichen Einschränkung geführt, seien aktuell allerd ings nur in geringerem Ausmass vorhan- den. Aus HNO-ärztlicher Sicht stehe die funktionelle Sc hwindelkomponente, d.h. der phobische Schwindel im Vordergrund, so dass die Versicherte keine Tätigkeiten ausführen sollte, welche in grösserer Höhe oder mit deutlich erhöhter Sturzgefahr ausgeführt werden müssten. 6. Sowohl das bidisziplinäre Gutachten vom 8. September 2014 als auch das polydiszipli- näre Gutachten der asim vom 31. Dezember 2016 erweise n sich als zuverlässige Entscheid- grundlagen. So basieren sie auf gründlichen Untersuchung en, berücksichtigen die ganze Kran- kengeschichte, setzen sich mit den abweichenden Diagnos en und Beurteilungen auseinander und sind in den Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Insbesondere wird im asim-Gut- achten ausführlich auf das bidisziplinäre Gutachten Bezug genommen und überzeugend darge- legt, weshalb die von Dr. B.____ und Dr. C.____ festgelegte Arbeitsunfähigkeit von 20 % weiter- hin Gültigkeit hat. Ferner gibt das asim-Gutachten au sführlich Auskunft über die Funktionsein- bussen und Ressourcen der Beschwerdeführerin und erfüllt damit die bundesgerichtlichen Anfor- derungen an ein beweistaugliches Gutachten. Die Bewei skraft der Gutachten wird seitens der Beschwerdeführerin auch nicht in Frage gestellt. Vielmehr macht sie geltend, dass sich ihre ge- sundheitliche Situation seither zunehmend verschlechtert habe, weshalb eine Überprüfung ange- zeigt sei. 7.1 Im Rahmen des Einwandverfahrens berichtete der Hau sarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, am 20. Oktober 2017, dass die Beschwerden in Form von Kopfschmerzen und Migräne zunehmend seie n und eine Untersuchung in der G.____ stattgefunden habe, der Bericht aber noch ausste hend sei. Wegen des Schwindels sei sie ferner bei Prof. Dr. med. H.____, FMH Ohren- Nas en- und Halskrankheiten, in Behandlung. Die entsprechenden neuen Untersuchungsberichte seien in die Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit miteinzubeziehen. 7.2 Eine höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lä sst sich mit dem Bericht der Neuropsy- chologin I.____ vom 25. Oktober 2017 nicht begründen. Nach neuropsychologischer Testung vom 19. Oktober 2017 diagnostizierte sie eine nicht quant ifizierbare neuropsychologische Stö- rung, ein Meningeom hochfrontoparietal rechts sowie einen Verdacht auf eine behandlungsbe- dürftige psychopathologische Problematik. Die Versicherte habe über eine Lichtempfindlichkeit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht berichtet und während der Untersuchung über Kopfschmerzen, Schwindel und Gesichtsschmer- zen geklagt. Die allgemeine Aktiviertheit sei deutlich r eduziert gewesen und das Arbeitstempo massiv verlangsamt. Die Testergebnisse entsprächen rein formal einer sehr schweren neuropsy- chologischen Störung, seien aber in sich widersprüchlich un d daher nicht verwertbar. Eine Ag- gravation sei nicht auszuschliessen. Aufgrund der eigen- und fremdanamnestischen Angaben, der Verhaltensbeobachtung und des klinischen Eindrucks sei davon auszugehen, dass eine be- handlungsbedürftige psychopathologische Problematik vorliege, welche das Testverhalten über- lagert haben dürfte. 8. Auch aus den Berichten des behandelnden Neurologe n, Dr. med. J.____, vom 24. Ok- tober 2017, 23. Oktober 2017, 30. August 2017, 17. Mai 2017, 2. Februar 2017 und 23. Septem- ber 2016 lässt sich keine höhere Einschränkung der Arbe itsfähigkeit ableiten. Im Wesentlichen handelt es sich um protokoll- und stichwortartige Einträge im Patientendossier zu den jeweiligen Konsultationen. Ausführungen zu den Diagnosen oder Befunden sowie eine Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit fehlen dagegen. Zwar führt Dr. J.____ in seinem Bericht vom 24. Oktober 2017 an die IV-Stelle unter den Diagnosen eine schwere depressi ve Symptomatik auf. Dabei bezieht er sich auf den Bericht der Neuropsychologin vom 25. Oktober 2017. I.____ spricht hingegen nicht von einer schweren depressiven Symptomatik, sondern von einer Überlagerung und einem Ver- dacht auf eine psychische Problematik. Eine objektive neurologische Befunderhebung liegt – wie der RAD am 17. Juli 2018 und 18. Februar 2019 festhielt - vorliegend nicht vor. 9. Ferner kann dem Hausarztbericht von Dr. F.____ vom 2 . Juni 2018 keine massgebende zusätzliche Beeinträchtigung entnommen werden, welche zu einer anderen Beurteilung der gut- achterlichen Einschätzung führen würde. Nach wie vor wir d von persistierenden Schmerzen im rechten Ellbogen berichtet. Diese wurden bereits im Gutachten der asim vom 31. Dezember 2016 aufgeführt. Der bei der gutachterlichen Untersuchung eingebundene Ellbogen erwies sich aus klinischer Sicht als reizlos und in der Beweglichkeit nich t eingeschränkt. Die röntgenologische Abklärung am 29. September 2017 ergab zum Vergleich zur Voruntersuchung vom 14. Juni 2017 eine unveränderte Ansammlung krümeliger Verkalkungen, unauffällige knöcherne und artikuläre Strukturen und keinen Hinweis auf einen Gelenkserguss. Es waren lediglich diskrete Zeichen einer leichten Synovitis am Oberrand des Caput radii rechts zu sehen. Weiter nannte Dr. F.____ rezidivierenden Schwindel und tägliche Kopfschmerzen. Gemäss Auskunft von Prof. Dr. H.____ handle es sich dabei um einen benignen, paroxysmalen La gerungsschwindel, womit die Versi- cherte leben müsse (vgl. Bericht vom 26. Januar 2018). Der RAD führte ergänzend dazu aus, dass diese Art Schwindel vorübergehender Natur sei und entweder spontan oder durch gezielte Behandlungsmanöver wieder verschwinde und somit keinen an haltenden Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit darstelle (vgl. RAD-Bericht vom 17. Juli 2018). Des Wei- teren haben die von Dr. med. K.____, FMH Radiologie, mit Bericht vom 16. Januar 2018 festge- stellten erhöhten Leberwerte keine Einschränkungen zur Folge. Psychische Beschwerden wer- den von Dr. F.____ nicht erwähnt. Die von ihm attesti erte Arbeitsunfähigkeit von 50 % erweist sich schliesslich im Ergebnis als unbegründet. 10. Alles in allem vermögen die neueren medizinischen B erichte und Befunde keine die Ar- beitsfähigkeit beeinflussende Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit dem Gutachten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der asim vom 31. Dezember 2016 bis zum Verfügungszeitpunkt am 26. März 2019 zu begründen. Folglich bleibt es bei der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 20 %. 11. Anspruch auf eine Rente besteht ab einem IV-Grad von 40 %. Gemäss Haushaltsbericht vom 28. Oktober 2015 ist die Versicherte in der Ausübun g der Haushaltsarbeiten zu 5.3 % ein- geschränkt, was unbestritten ist. Ebenfalls nicht beanstan det wurde der Einkommensvergleich, wonach eine Einschränkung in der Erwerbstätigkeit von 43.09 % resultierte. Bei einer Gewichtung von 50 % Erwerbstätigkeit (0,5 x 43.09) und 50 % Haushalt (0,5 x 5.3) ergibt sich ein IV-Grad von 24.2 %, womit kein Anspruch auf eine IV-Rente besteht. Die Beschwerde ist demnach abzuwei- sen. 12. Soweit die Versicherte mit Beschwerde vom 16. April 2019 eine zusätzliche Verschlech- terung des Gesundheitszustandes geltend macht, ist festzu halten, dass keine neuen medizini- schen Berichte vorhanden sind, welche diese Aussage aktuel l stützen könnten. Ein pauschaler Verweis auf die behandelnden Ärzte reicht dafür nicht aus. Es bleibt ihr jedoch unbenommen, bei einer relevanten Gesundheitsverschlechterung mit entspre chenden Arztzeugnissen bei der IV- Stelle eine Neuanmeldung vorzunehmen. 13.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befind en. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewi lligung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO wer- den die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegen den Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unter liegende Partei, weshalb ihr die Verfah- renskosten aufzuerlegen sind. Da ihr mit verfahrensleite nder Verfügung vom 27. Mai 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 13.2 Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich au f § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wu rde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, so- bald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. http://www.bl.ch/kantonsgericht