JAAC69.103 Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 20. Dezember 2004 i.S. R.A., Mazedonien, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 4 Art. 44 al. 2-4 LAsi. Art. 14a al. 3-4 bis LSEE. Art. 25 al. 3 Cst. Art. 3 CEDH. Licéité et exigibilité de l’exécution du renvoi en Macédoine. Examen d’une situation de détresse personnelle grave. 1. L’exécution des renvois en Macédoine est en principe licite et raisonnablement exigible. Il n’y a pas d’obstacle particulier à l’exécution du renvoi d’un Macédonien, d’ethnie albanaise, qui invoque un danger actuel à retourner au pays, motif pris de son engagement passé pour la cause albanaise (consid. 6 et 7). 2. Faute d’avoir fourni les efforts d’intégration qu’on pouvait attendre de lui, un demandeur d’asile, même s’il a un certain âge, ne peut se prévaloir du seul fait d’avoir séjourné en Suisse durant dix ans, pour se voir reconnaître le cas de détresse personnelle grave (consid. 8). Art. 44 Abs. 2-4 AsylG. Art. 14a Abs. 3-4 bis ANAG. Art. 25 Abs. 3 BV . Art. 3 EMRK. Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Mazedonien. Prüfung einer schwerwiegenden persönlichen Notlage. 1. Grundsätzliche Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Mazedonien; keine individuellen Vollzugshindernisse im Falle eines ethnischen Albaners, der eine aktuelle Gefährdung aufgrund eines lange zurückliegenden proalbanischen Engagements geltend macht (E. 6 und 7). 12. Bei Fehlen zumutbarer Integrationsbemühungen vermag die blosse über 10-jährige Aufenthaltsdauer in der Schweiz - auch bei fortgeschrittenem Alter der gesuchstellenden Person - das Vorliegen einer schwerwiegenden persönlichen Notlage nicht zu begründen (E. 8). Art. 44 cpv. 2-4 LAsi. Art. 14a cpv. 3-4 bis LDDS. Art. 25 cpv. 3 Cost. Art. 3 CEDU. Liceità ed esigibilità dell’esecuzione dell’allontanamento verso la Macedonia. Esame del caso di rigore personale grave. 1. L’esecuzione dell’allontanamento verso la Macedonia è di regola lecita e ragionevolmente esigibile. Non sussistono ostacoli alla pronuncia dell’esecuzione dell’allontanamento di un cittadino macedone d’etnia albanese, che invoca un pericolo, in caso di rimpatrio, derivante da un’attività svolta anni addietro a favore della causa albanese (consid. 6 e 7). 2. Non può essere riconosciuto un caso di rigore personale grave ad un richiedente l’asilo, quand’anche di una certa età, solamente perché ha vissuto in Svizzera per dieci anni. Occorrono ulteriori sforzi d’integrazione, nella misura in cui esigibili (consid. 8). ZusammenfassungdesSachverhalts: DerimJahr1948geboreneBeschwerdeführerreichteam6. Mai1994in derSchweizeinAsylgesuchein. DabeibrachteerimWesentlichenvor,er stammeursprünglichausVaksincë(Kumanovë),Mazedonien,habejedoch seitvielenJahreninPrishtinëgelebt. ErseieinKommilitonevonIbrahim RugovagewesenundhabenachAbschlussdesStudiumsalsProfessorfür AlbanologieinKumanovëgelehrt. ImJahre1987seierzusammenmitdem überwiegendenTeilderLehrkräfteentlassenwordenundimfolgenden JahrwegenderTeilnahmeaneinerDemonstrationverhaftetundzueinem MonatGefängnisverurteiltworden. ImWeiterenhättenjugoslawische Sicherheitskräfteam1. Februar1994anderGrenzezuMazedonienseinen Passkonfisziert. ImZeitraumvon1981biszuseinerAusreiseseierinsgesamt 30bis40MalvonderPolizeiverhörtunddabeiauchgeschlagenworden,weil manihmvorgeworfenhabe,albanischenSeparatismuszubetreibenundein SpiondesWestenszusein. AlsFolgederMisshandlungenleideerheutean Nierenbeschwerden. Letztmalsseieram8. März1994inPrishtinëbefragt worden,weilmanihnverdächtigthabe,einMitgliedderGegenregierungim Kosovozusein. NachdemdiePolizeiimRahmeneinesfingiertenProzesses gegenprominenteAlbanererneutnachihmgesuchthabe,habeerdasLand schliesslichverlassen. DasBundesamtfürFlüchtlinge(BFF)lehntedasAsylgesuchmitVerfügung vom28. November1994abundordnetedieWegweisungausderSchweiz sowiedenVollzugan,schlossjedochgleichzeitigeineRückschaffungnach Jugoslawienaus. ZurBegründunghieltdieVorinstanzimWesentlichenfest, derBeschwerdeführerbesitzenebeneinerallfälligenjugoslawischenauchdie 2mazedonischeStaatsbürgerschaft. EinePrüfungderFlüchtlingseigenschaft bezüglichJugoslawienkönnedaherunterbleiben. ImWeiterenseiaufgrund deraktuellenpolitischenSituationinMazedonienauszuschliessen,dassdem BeschwerdeführerdortasylrelevanteNachteiledrohenwürden. Zudem ergäbensichausdenAktenkeineHinweise,welchegegendieZulässigkeit, ZumutbarkeitundMöglichkeitdesVollzugesderWegweisungindiesenStaat sprechenwürden. GegendieseVerfügungreichtederBeschwerdeführerbeiderSchweizerische Asylrekurskommission(ARK)soweitdenVollzugderWegweisungbetreffend Beschwerdeein. ZurBegründungführteerimWesentlichenaus,dass albanischeIntellektuellewieersowohlinMazedonienalsauchimKosovo verfolgtwürden,dasievondenserbischenbeziehungsweisemazedonischen BehördenalsBedrohungwahrgenommenwürden. IndiesemZusammenhang wiesernamentlichaufdieVerhaftungvonalbanischenIntellektuellenund PolitikernvonMitteDezember1994anlässlichderNeueröffnungeiner UniversitätinTetovëhin. DieARKwiesdenRekursdesBeschwerdeführersab. InderFolgelehnte dasBFFeinWiedererwägungsgesuchebenfallsab. Hingegenhiessdie ARKeingegendenBeschwerdeentscheideingereichtesRevisionsgesuch aufgrundeinerfestgestelltenVerletzungdesrechtlichenGehörsdes BeschwerdeführersgutundnahmdasRekursverfahrenimVollzugspunkt wiederauf. AufRevisionsstufemachtederBeschwerdeführerinmaterieller HinsichtimWesentlichenneugeltend,erhabeinseinemHeimatlandmit einerGefängnisstrafevon20Jahrenzurechnen,daerwährendseines StudiumsdiverseWiderstandsschriftenverfassthabe. DieseDokumente seieninzwischenhöchstwahrscheinlichindieHändederRegierung gefallen. SchliesslichhabeeraufgrundseineslangjährigenAufenthaltsin derSchweizeinesehrengeBeziehungzudiesemLandentwickelt. Seine Schwester,zuderervielKontakthabe,lebeebenfallshier. Ersprechezudem ausgezeichnetDeutschundhabevieleschweizerischeFreunde. Diebisherigen ArbeitsbemühungenseienanseinemfortgeschrittenenAlterundseinem unsicherenAufenthaltsstatusalsAsylsuchendergescheitert. MitBeschlussvom25. Juni2003hatderBundesratMazedonienals verfolgungssicherenHerkunftsstaat(sogenannte«safecountry»)imSinnevon Art. 34Abs. 1desAsylgesetzesvom26. Juni1998(AsylG,SR142.31)bezeichnet. DieARKweistdieBeschwerdeab. AusdenErwägungen: 6. 6.1. DasinArt. 25Abs. 2derBundesverfassungderSchweizerischen Eidgenossenschaftvom18. April1999(BV,SR101),Art. 5AsylGundArt. 33 desAbkommensvom28. Juli1951überdieRechtsstellungderFlüchtlinge(FK, SR0.142.30)statuierteflüchtlingsrechtlicheRückschiebungsverbotbietetnur FlüchtlingenimSinnevonArt. 3AsylGbeziehungsweiseArt. 1AFKSchutz. DurchdieunangefochteninRechtskrafterwachseneFeststellungdesBFF, 3dassderBeschwerdeführerdieFlüchtlingseigenschaftnichterfülle,daerin MazedoniennichtinasylrelevanterWeiseverfolgtsei,kommtvorliegenddie AnwendungdersoebengenanntenBestimmungennichtinBetracht. 6.2. SodannergebensichwederausdenAussagendesBeschwerdeführers nochausdenAktenkonkreteAnhaltspunktedafür,dassihmimFalleeiner RückführungnachMazedonieneinenachArt. 3derKonventionvom4. November1950zumSchutzederMenschenrechteundGrundfreiheiten (EMRK,SR0.101beziehungsweiseArt. 25Abs. 3BVundArt. 3des Übereinkommensvom10. Dezember1984gegenFolterundandere grausame,unmenschlicheodererniedrigendeBehandlungoderStrafe [FoK],SR0.105)verboteneStrafeoderBehandlungdrohenwürde(vgl. zur generellenTragweitevonArt. 3EMRK:EntscheidungenundMitteilungen derSchweizerischenAsylrekurskommission[EMARK]2004Nr. 6E.7a S.40= VPB68.115,mitweiterenHinweisen). GemässderPraxisder ARK,welcheimEinklangmitderjenigendesBundesgerichtssowiedes EuropäischenGerichtshofsfürMenschenrechte(EGMR)steht,genügteine schlechteMenschenrechtslageimHeimatstaatgrundsätzlichnicht,umden Wegweisungsvollzugalsunzulässigerscheinenzulassen. Vielmehrmüssen stichhaltigeGründedafürvorliegen,dassderBeschwerdeführerFolteroder unmenschlicheBehandlungkonkretzubefürchtenhätte(sogenannte«real risk»;vgl. EMARK2003Nr. 10E.10aS.66,mitweiterenHinweisen). InMazedonienwurdemitdemimAugust2001unterzeichnetenVertragswerk vonOhrideineVerfassungs-undGesetzesreforminGanggesetzt,mitwelcher nunmehrdiepolitischeGleichberechtigunginsbesonderederalbanischen Bevölkerungsgruppe,aberauchandererethnischerMinderheitenrechtlich verankertist. EinIndizfürdiepositivenAuswirkungendieserEntwicklung bildenetwadieAnstrengungenimHinblickaufeinegemischtethnische ZusammensetzungderPolizei,dieeinenwesentlichenBeitragzurBefriedung unterdendiversenVolksgruppenleistensoll. DieRekrutierungund AusbildungneuerPolizeikräfte,diegemässdemAbkommenvonOhrid unterbesondererBerücksichtigungderethnischenMinderheitenerfolgen muss,verläuftnachDarstellungderKonferenzüberSicherheitund ZusammenarbeitinEuropa(OSZE)-welchedaranmassgeblichbeteiligtist- inzufriedenstellenderWeise. ZudemistderDezentralisierungsprozessmit demScheiterndesReferendumsgegendieneuenGemeindegrenzenvom7. November2004einenweiterenwichtigenSchrittvorangekommen. Dieneue RegelungderGemeindegrenzenführtdazu,dassallegrossenGemeinden imWestenMazedonienseinealbanischeBevölkerungsmehrheithaben, wasmittelbarzueinerstärkerenVertretungderethnischenAlbanerund AlbanerinnenindenstaatlichenInstitutionenführensoll. Derpolitischeund rechtlicheWandelistnachübereinstimmendenBerichtenallgemeinmiteiner wesentlichenBeruhigungderSicherheitslageverbunden,selbstwennauch heutenoch-geradegegenAngehörigeethnischerMinderheiten-vereinzelt gewalttätigeÜbergriffeundMenschenrechtsverletzungenvorkommen können. MitderVorinstanzistsodanninindividuellerHinsichtdavonauszugehen, dassderBeschwerdeführerimZeitpunktseinerFluchtindieSchweizimJahre 1994vondenmazedonischenBehördennichtverfolgtwurdeundinseinem HeimatlandnamentlichkeinStrafverfahrenwegenseinerproalbanischen Aktivitätengegenihnhängigwar. DerBeschwerdeführerwargemässeigenen 4AngabenseitderUnabhängigkeitserklärungMazedoniensvonJugoslawien imJahre1991biszuseinerAusreiseimJahre1994wiederholtbeiseiner MutterinMazedonienzuBesuch. DieserUmstandisteingewichtigesIndiz dafür,dasserimbesagtenZeitraumdortnichtpolizeilichgesuchtwurde. GegeneineentsprechendebehördlicheSuchenachdemBeschwerdeführer sprechenfernerseineeigenenAussagenimerstinstanzlichenVerfahren, wonachdiefluchtauslösendeVerfolgungvondenjugoslawischenundnicht vondenmazedonischenBehördenausgegangensei. AufgrundderaktuellenpolitischenSituationinMazedonienerachtetes dieARKzudemalsunwahrscheinlich,dassderBeschwerdeführerwegen seinerStellungalsalbanischerIntellektuellerundehemaligerKritiker derSchliessungderalbanischsprachigenSchulenindenJahren1987und 1988inMazedonienbeieinerRückkehrvondendortigenBehördenheute nochalsBedrohungwahrgenommenwerdenkönnteunderdeshalbmit Behelligungenzurechnenhätte. Wiederobenskizziertefortschreitende Reformprozessbelegt,istdiemazedonischeRegierungseitdemAbschluss desAbkommensvonOhridimJahre2001offenkundigdarumbemüht,die albanischeBevölkerungaufinstitutionellerEbenebesserindasGemeinwesen zuintegrieren. ImWeiterenistderBeschwerdeführergemässeigenen AngabennachdemVorfallimJahre1988-mithinvorüber16Jahrenund nochzurZeitdesehemaligenJugoslawien-nichtmehrinKonfliktmitden BehördendiesesStaatesgeratenundhatdarüberhinaus-soweitausden Aktenersichtlich-seitseinerFluchtindieSchweizimJahre1994keine politischenAktivitätenmehrentwickelt. VordiesemHintergrundbesteht keinhinreichenderAnlasszurAnnahme,diemazedonischenBehörden seiendemBeschwerdeführerimheutigenZeitpunkt(noch)feindselig gestimmt. AndieserEinschätzungändertauchderUmstandnichts,dassdie LeitungsfunktionenderlängstwiedereröffnetenalbanischsprachigenSchulen gemässdenAngabendesBeschwerdeführersmitPersonenbesetztsein sollen,welchebeiderSchliessungdieserLehrstättenmitdemmazedonischen Regimekollaborierthätten. Selbstwennesnämlichzutreffensollte,dass zwischendenerwähntenSchulleitern unddemBeschwerdeführer imheutigen ZeitpunkteffektivnochpersönlicheAnimositätenbestehenwürden,wäre dieskeingenügendkonkretesIndizfüreineallfälligdrohendeunmenschliche BehandlungimSinnevonArt. 3EMRK. AlsüberwiegendunwahrscheinlichistschliesslichdasVorbringendes Beschwerdeführerszuqualifizieren,beieinerRückkehrnachMazedonien befürchtenzumüssen,wegenLandesverratsverurteiltzuwerden,weil vonihmverfassteSchriftenindieHändedermazedonischenBehörden gefallenseien. DieentsprechendenAusführungendesBeschwerdeführers sindalsausgesprochenvagezubezeichnenundmachenzudemeinen konstruiertenEindruck. SohatsichderBeschwerdeführerinseinem Wiedererwägungsgesuch(...) imWesentlichendaraufbeschränkt,einen BekanntenalsZeugenaufzuführen,ohnejedochselberAngabendazuzu machen,wiediefraglichenDokumente,welcheervorseinerFluchtbei einemFreundhinterlegthabe,aufeinmalindenBesitzdermazedonischen Behördengelangtseinsollen. AuchbeimspäterenVersuch,seineVorbringen weiterzusubstanziieren,vermagerdiesbezüglichkeinebefriedigenden Antwortenzugeben. NichtüberzeugendwirkeninsbesonderedieAussagedes Beschwerdeführers,seinKofferseiausunbekanntenGründenundzueinem 5nichtgenauerdefiniertenZeitpunktspurlosausdemVersteckverschwunden sowiediepauschaleBehauptung,überFreundeinKumanovëhabein Erfahrunggebrachtwerdenkönnen,dasserimheutigenZeitpunktvonder mazedonischenRegierungalsLandesverräterbetrachtetwerde. Aufwelche WeisedieseFreundeumdieangeblicheGefährdungdesBeschwerdeführers erfahrenhabensollen,bleibtindessenimDunkeln. Schliesslichsprichtauch derUmstand,dassesderBeschwerdeführerbislangunterlassenhat,Kopien deroffenbaruntereinemPseudonympubliziertenSchriftstückeeinzureichen, gegendieGlaubhaftigkeitseinerVorbringen. SelbstwenndiesejedochderWahrheitentsprechenwürden,könnte nichternsthaftvoneinemaktuellenVerfolgungsinteressedes mazedonischenStaatesausgegangenwerden. Beidenbesagten«brisanten Widerstandsschriften»handeltessichgemässdenAussagendes Beschwerdeführersumsolche,welcheerwährendseinerStudienzeit-vor über30Jahren-verfassthabenwill. DiepolitischeSituationinMazedonien hatsichseitherindessenmassgeblichverändert. Allfälligen,Jahrzehnte zurückliegendenAufrufendesBeschwerdeführersandiealbanische BevölkerungzumWiderstandgegendiedamaligejugoslawischeRegierung dürftendiemazedonischenBehördennachEinschätzungderARKimheutigen ZeitpunktdaherkaummehralshistorischeBedeutungzumessen. Beidieser Sachlagekannletztlichoffenbleiben,obeinemöglicheVerurteilungdes BeschwerdeführersnichtauchinfolgeEintrittsderVerfolgungsverjährung ausgeschlossenwerdenkann. 6.3. NachdemGesagtenerweistsichdervomBFFverfügteVollzugder Wegweisungalszulässig. 7. 7.1. NachArt. 14aAbs. 4desBundesgesetzesvom26. März1931über AufenthaltundNiederlassungderAusländer(ANAG,SR142.20)istderVollzug derWegweisungnichtzumutbar,wennerfürdievonihmbetroffenePerson einekonkreteGefährdungdarstellt. EinesolcheGefährdungkannangesichts derimHeimatlandherrschendenallgemeinenpolitischenLage,diesich durchKrieg,BürgerkriegoderdurcheineSituationallgemeinerGewalt kennzeichnet,oderaufgrundandererGefahrenelemente,wiebeispielsweise einernotwendigenmedizinischenBehandlung,angenommenwerden(vgl. EMARK2004Nr. 7E.5dS.50= VPB68.116,EMARK2003Nr. 24E.5aS.157,je mitweiterenHinweisen). 7.2. Wieweiterobenbereitsdargelegtwurde,herrschtinMazedonienim heutigenZeitpunktkeineSituationallgemeinerGewaltunderscheintder BeschwerdeführerauchaufgrundseinesindividuellenProfilsnichtalskonkret gefährdet,beieinerRückkehrinseinHeimatlanddasOpfervon(ethnisch motivierten)Übergriffenzuwerden(vgl. Ziff. 6.2.). ImWeiterenwirdesfürdenBeschwerdeführeraufgrundseinesschon fortgeschrittenenAltersundseinerlangenLandesabwesenheitzwar nichteinfachwerden,sichinMazedonieneineneuewirtschaftliche Existenzaufzubauen. Esistjedochfestzuhalten,dasserübereinhohes Bildungsniveauverfügt,-soweitausdenAktenersichtlich-keine gravierendengesundheitlichenProblemeundnamentlichkeinefamiliären Lastenzutragenhat. VordiesemHintergrunddarfangenommenwerden,dass 6ergrundsätzlichgenügendeVoraussetzungenerfüllt,umdiewirtschaftliche undsozialeWiedereingliederungzubewerkstelligen,auchwenndies vonihmunterUmständendasÜberwindenpersönlicherAbneigungen gegenüberehemaligenpolitischenGegnernverlangt. Zudemistaufgrund derAktendavonauszugehen,dassderBeschwerdeführerübereinsoziales Beziehungsnetzverfügt,welchesihmbeiseinerRückkehrhinreichende Unterstützungbietenwird. SolebenbeispielsweisederBruderdes BeschwerdeführerssowieeinCousin(wieder)inMazedonien. Dader erwähnteCousinoffenbarinderLageundbereitwar,denausÖsterreich zurückgekehrtenBruderdesBeschwerdeführerszusammenmitdessen Familiebeisichaufzunehmen,kannerwartetwerden,Letztererkönneim FalleeinerRückkehrmitdergleichenHilfsbereitschaftrechnen. Sodannwird derBeschwerdeführervoraussichtlichauchaufdiefinanzielleUnterstützung seinerinderSchweizlebendenSchwesterzählenkönnen,zuwelcherer gemässeigenenAngabeneinenengenKontakthat. 7.3. ZusammenfassenderweistsichderVollzugderWegweisungimSinne vonArt. 14aAbs. 4ANAGinsgesamtalszumutbar. BeidieserSachlage kannletztlichoffenbleiben,obderursprünglichauseinerreichenFamilie stammendeBeschwerdeführer-wievonihmbehauptet-inMazedonien effektivkeineVermögenswerte,namentlichGrundeigentum,mehrbesitzt. 8. 8.1. SofernvierJahrenachEinreichendesAsylgesuchesnochkein rechtskräftigerEntscheidvorliegt,kanninFälleneinerschwerwiegenden persönlichenNotlageeinevorläufigeAufnahmeangeordnetwerden(Art. 44 Abs. 3AsylGinVerbindungmitArt. 14aAbs. 4 bis ANAG). 8.2. DasAsylgesuchdesBeschwerdeführersdatiertvom6. Mai1994. Da dieARKihrursprünglichesBeschwerdeurteil(...) inRevisiongezogenund gleichzeitigdasBeschwerdeverfahrenwiederaufgenommenhat,befindet sichderBeschwerdeführerimheutigenZeitpunktseitüberzehnJahrenim Asylverfahren,ohnedasseinrechtskräftigerEntscheidergangenwäre. Damit sinddieformellenVoraussetzungenfürdiePrüfungeinerschwerwiegenden persönlichenNotlageerfüllt(vgl. EMARK2001Nr. 20E.3c/ddS.156= VPB 66.31). 8.3. InmateriellerHinsichtsindbeiderHärtefallprüfunginsbesonderedie IntegrationinderSchweiz,diefamiliärenVerhältnisseunddieschulische SituationderKinderzuberücksichtigen(Art. 44Abs. 4AsylG).DiePraxis derARKlehntsichindieserFragedervomBundesgerichtentwickelten RechtsprechungzuArt. 13Bst. fderVerordnungvom6. Oktober1986über dieBegrenzungderZahlderAusländer(BVO,SR823.21)an(vgl. EMARK 2001Nr. 10E.6c-dund7S.67ff. = VPB66.32). Danachlassensichnicht schematischeKriterienaufstellen,sondernesistimEinzelfallzuprüfen, obeineRückkehrfürdieBetroffenenaufgrundihrerIntegrationindie schweizerischenVerhältnisseeinebesondereHärtedarstellenwürde(vgl. zuletztBGE130II39 ,mitweiterenHinweisen). NebendeninArt. 33Abs. 1 derAsylverordnung1vom11. August1999überVerfahrensfragen(AsylV 1,SR142.311)beispielhaftaufgezähltenmassgeblichenFaktorenwieetwa derAufenthaltsdauerinderSchweiz(vgl. dazuinsbesondere BGE124 II110),denfamiliärenVerhältnissenoderderberuflichen,sozialenund kulturellenIntegrationsowiederschulischenSituationderKindersindauch 7dieVerhältnisse,welchedieBetroffeneninihremHeimatlandantreffen würden,zuberücksichtigen(vgl. zurZulässigkeitderKombinationmit UnzumutbarkeitsaspektenimSinnevonArt. 14aAbs. 4ANAG:EMARK 2001Nr. 10E.8S.74= VPB66.32). DabeikommtdenzwischenEndeder AdoleszenzundEintrittinsErwachsenenalterinderSchweizverbrachten LebensjahrenbesondereBedeutungzu(vgl. EMARK2001Nr. 25E.6dS. 199). ImWeiterenistbeideranalogenAnwendungderbundesgerichtlichen PraxisderbesonderenSituationvonAsylsuchendenRechnungzutragen. Bei Asylsuchendenist-imGegensatzzuanderenAusländernundAusländerinnen -namentlichzubeachten,dassihreReintegrationinfolgedeszwangsweisen AbbruchsihrerBeziehungenzumHeimatstaatmeistnuruntererschwerten Bedingungenmöglichistundsiedarüberhinausoftauseinemweitentfernten Kulturkreisstammen,weshalbeineerfolgreicheIntegrationumsohöher einzuschätzenist(vgl. EMARK2001Nr. 10E.7bS.71= VPB66.32,mitweiteren Hinweisen). ImgleichenSinneistbeiderBeurteilungderwirtschaftlichen IntegrationsbemühungenvonAsylsuchendendemUmstandangemessen Rechnungzutragen,dasssieeinenerschwertenZugangzuminländischen Arbeitsmarkthaben(vgl. insbesondereArt. 43AsylGundArt. 7BVO). 8.4. AusdenBerichtendesMigrationsamtsdesKantonsX.vom30. Juni2000 (inklusivedasErgänzungsschreibenvom2. November2000)undvom15. Juli2004gehthervor,dassderBeschwerdeführerseitseinerEinreisein dieSchweizhiernieeineErwerbstätigkeitausgeübthatunddieganzeZeit vollumfänglichvonderUnterstützungdurchdieFürsorgeabhängigwar. Dem Beschwerdeführeristesfolglichnichtgelungen,sichinderSchweizeine dauerhaftewirtschaftlicheExistenzaufzubauen(vgl. Art. 33Abs. 1Bst. a AsylV1). Ermachtdiesbezüglichzwargeltend,erhabesichbemühteineAnstellungzu finden;seineVersucheseienjedochaufgrundseinesschonfortgeschrittenen Alters,dergegenwärtigenwirtschaftlichenSituationundseinesunsicheren AufenthaltsstatusalsAsylsuchendemerfolglosgeblieben. Dazumuss indessenfestgehaltenwerden,dassesderBeschwerdeführerbishertrotz mehrfacherausdrücklicherAufforderungunterlassenhat,seineangeblichen AnstrengungenumeinewirtschaftlicheIntegrationinderSchweizzubelegen. NachAuffassungderKommissionmüssteesdemBeschwerdeführerjedoch -unabhängigvonseinerschwierigenpersönlichenAusgangslageaufdem schweizerischenArbeitsmarkt-ohneweiteresmöglichsein,entsprechende Belege,namentlichBewerbungsschreibenoderschriftlicheAbsagen, vorzulegen. Daerdiesbislangunterlassenhat,mussbezweifeltwerden,dass ersichwährendseinesAufenthaltesinderSchweizjeernsthaftumArbeit bemühthat. ObimvorliegendenFallsodannvoneinergelungenensozialenIntegration gesprochenwerdenkann,erscheintebenfallszumindestfraglich. Der BeschwerdeführerhältsichseitüberzehnJahreninderSchweizauf(vgl. BGE 124II110 E.3S.112f.) undbeherrschtoffenbardiedeutscheSprache. Zudem lebthierseineSchwester,welcheübereineNiederlassungsbewilligungverfügt. DarüberhinausbestehenjedochkeineweiterenAnhaltspunkte,diefüreine erfolgreicheIntegrationdesBeschwerdeführersaufsozialerEbenesprechen würden,auchwennvermutungsweisezuseinenGunstendavonauszugehen ist,dasserhiernachsolangerZeitübergewissesozialeKontakteverfügt. Der BeschwerdeführerhatkeineKinderundverbrachtediemeisteZeitseines 8Lebens,namentlichdiefürdieSozialisierungbesondersprägendenJahre seinerJugend,inMazedonienundimKosovo. DamitentfallenzweiAspekte, welchefürdenIntegrationsprozessregelmässigvongrosserBedeutung sind. ImÜbrigenergebensichausdenAktenkeinekonkretenHinweise, dassderBeschwerdeführertatsächlich-wievonihmbehauptet-besonders engmitderSchweizverbundenwäre. IndiesemZusammenhangfälltzu seinemNachteilinsbesondereinsGewicht,dasserestrotzexplizitemHinweis seitensderARKbisherunterliess,seineangeblichesozialeIntegrationinder Schweizweiterzusubstanziieren. Vielmehrbeschränkteersichdarauf,in pauschalerWeisegeltendzumachen,alleinstehendeälterePersonenseien imVergleichzuanderenbenachteiligt,dasiedieAnforderungenfüreinen schwerwiegendenpersönlichenHärtefallkaumerfüllenkönnten. Dieser grundsätzlicheEinwandgehtschliesslichebenfallsfehl. Einerseitstrifftes nichtzu,dassalleinstehendeälterePersonendieVoraussetzungenvonArt. 44Abs. 3AsylGnichtbeziehungsweisekaumerfüllenkönnen. Zudemist esnichtzubeanstanden,sondernvielmehrgeboten,dassunterschiedliche Sachverhalte-wiebeispielsweisedieimVergleichzuälterenalleinstehenden PersonenschnelleresozialeIntegrationvonschulpflichtigenKindern-bei derPrüfungeinerschwerwiegendenpersönlichenNotlageangemessen berücksichtigtwerden. 8.5. NachdemGesagtenistderBeschwerdeführerinderSchweiz wirtschaftlichnichtintegriertundistesihm-trotzseinesbereitsüberzehn JahredauerndenAufenthaltesinderSchweiz-auchsonstnichtgelungen,das BesteheneinerbesondersengenBeziehungzurSchweizglaubhaftzumachen. VordiesemHintergrundkannselbstunterBerücksichtigungdernichtals idealzubezeichnendenVoraussetzungenfüreineReintegrationinseinem Heimatland(vgl. obenZiff. 7.2.: langeLandesabwesenheit,fortgeschrittenes Alter)dasVorliegeneinerschwerwiegendenpersönlichenNotlageimSinne vonArt. 44Abs. 3AsylGentsprechenddemAntragdesMigrationsamtesdes KantonsX.nichtbejahtwerden. DasBFFhatsomitdieAnordnungeiner vorläufigenAufnahmegemässArt. 44Abs. 3AsylGzuRechtabgelehnt. 9Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 69.103 - Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 20. Dezember 2004 i.S. R.A., Mazedonien, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 4 In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2005 Année Anno Band 69 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 731 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. 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