Kantonsgericht Schwyz Verfügung vom 28. Juli 2022 ZK2 2022 29 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Prof. Dr. Reto Heizmann, Gerichtsschreiberin lic. iur. Antoinette Hürlimann, LL.M. In Sachen A.________, Beklagte und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, gegen C.________, Kläger und Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwältin D.________, betreffend Beschwerde (Gutachterauftrag) (Beschwerde gegen die Verfügung des Einzelrichters am Bezirksgericht Höfe vom 27. April 2022, ZEO 2021 89);- hat der Kantonsgerichtspräsident,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. a) Im Rahmen des vor dem Einzelrichter am Bezirksgericht Höfe hängi- gen Scheidungsverfahrens der Eheleute A.________ und C.________ ordne- te der Einzelrichter mit Verfügung vom 3. März 2022 ein Gutachten zwecks Bestimmung des aktuellen Verkehrswerts des Grundstücks G.________strasse zz, 8832 Wollerau, an und bestimmte als sachverständige Person H.________ (Vi-act. D22). Mit Eingabe vom 22. April 2022 beantragte der Kläger u.a. Folgendes (Vi-act. D27): 1. Es sei der an Herrn H.________ erteilte Gutachtensauftrag über die Liegenschaft zu beenden und nach Eingang der Eurotax- Bewertung über das Fahrzeug VW Passat Variant 2.0D das Urteil über die Scheidungsnebenfolgen zu fällen. Eventualiter […]. Mit Verfügung vom 27. April 2022 stellte der Einzelrichter die Eingabe der Be- klagten zur Kenntnis zu und wies den Prozessantrag 1 ab (Dispositivziffer 2; Vi-act. 28). b) Gegen die Verfügung vom 27. April 2022 erhob die Beklagte am 9. Mai 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht mit folgenden Anträgen (KG-act. 1): 1. Ziffer 2 der Verfügung ZEO 2021 89 des Bezirksgerichts Höfe vom 27. April 2022 sei vom Beschwerdegericht aufzuheben und an die Vorinstanz zur neuen Entscheidung zurückzuweisen; diesfalls sei die Beschwerdeführerin zum Prozessantrag 1 des Beschwerde- gegners vom 22. April 2022 vor neuer Entscheidung von der Vor- instanz anzuhören. 2. Für den Fall eines reformatorischen Urteils durch das Beschwer- degericht sei wie folgt neu zu entscheiden: Der Antrag des Be- schwerdegegners vom 22. April 2022 sei gutzuheissen, indem der an Herrn H.________ erteilte Gutachtensauftrag über die Liegen- schaft G.________strasse zz, 8832 Wollerau, KTN yy und Mitei- gentumsanteile GB Wollerau Nrn. xx und ww zu beenden ist.Kantonsgericht Schwyz 3 3. In einstweiliger Gutheissung des Prozessantrags 1 des Beschwer- degegners vom 22. April 2022 sei der Gutachterauftrag an Herrn H.________ (vgt.) bis zu neuem Entscheid zu sistieren und damit dieser Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Even- tualiter sei die aufschiebende Wirkung superprovisorisch zu ertei- len. 4. […]. 5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu- lasten des Beschwerdegegners. Mit Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2022 beantragte der Beschwerdegegner, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventualiter sei sie abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten der Be- schwerdeführerin (KG-act. 7). Mit gleicher Eingabe beantragte er, die Be- schwerdeführerin sei zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses von einstweilen Fr. 3‘000.00 (zzgl. MWST) zu verpflichten. Mit Verfügung vom 31. Mai 2022 wies der Kantonsgerichtspräsident das Gesuch um aufschie- bende Wirkung einstweilen ab (KG-act. 8). Am 18. Juli 2022 erfolgte seitens der Beschwerdeführerin eine Noveneingabe (KG-act. 14) und gleichentags nahm sie zum Gesuch um Prozesskostenbevorschussung Stellung (KG- act. 15). 2. a) Laut Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO sind prozessleitende Entscheide an- fechtbar, wenn durch sie ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil droht. Nach der kantonsgerichtlichen Praxis können nur drohende rechtliche Nachteile, nicht aber tatsächliche Nachteile zu einem nicht leicht wiedergut- zumachenden Nachteil i.S.v. Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO führen (EGV-SZ 2014 A 3.5, E. 2.a; Kantonsgericht Schwyz, Beschlüsse ZK2 2015 52 vom 10. Fe- bruar 2016, E. 2.b; ZK2 2015 48 vom 10. Februar 2016, E. 2, jeweils mit Hin- weisen). Dies setzt voraus, dass sich der Nachteil mit einem späteren günsti- gen Endentscheid nicht oder nicht gänzlich beseitigen lässt, wobei die blosse Möglichkeit eines nicht wiedergutzumachenden Nachteils rechtlicher Natur genügt. Nicht hinreichend sind folglich rein tatsächliche Nachteile wie die Ver-Kantonsgericht Schwyz 4 fahrensverlängerung oder -verteuerung (BGer, Urteil 5A_566/2014 vom 11. Februar 2015 E. 1 mit Hinweis auf BGE 137 III 380 E. 1.2.1 und 138 III 190 E. 6). b) Die Beschwerdeführerin macht geltend, weil der Vorderrichter es abge- lehnt habe, den Gutachterauftrag an H.________ zu beenden, drohe ihr inso- fern ein Nachteil, als nicht abzuschätzen sei, in welchem Umfang ein zweites Gutachten vom ersten abweichen würde. Auch habe der Beschwerdegegner mit seiner Eingabe vom 22. April 2022 eine Beschleunigung des Verfahrens bewirken wollen. Ein zweites Gutachten würde sich im weiteren Verlauf des Prozesses nicht mehr entfernen lassen (KG-act. 1 S. 5 f.). Was die mögliche Abweichung des zweiten Gutachtens vom ersten betrifft, erklärt die Beschwerdeführerin nicht näher, wie sich die erneute Begutachtung konkret zu ihrem Nachteil auswirken würde. Ausserdem schliesst die Um- schreibung der Beschwerdeführerin, eine Abweichung sei nicht abschätzbar, nicht aus, dass sich diese auch zugunsten von ihr ausfallen könnte. Der Be- schwerdegegner weist im Übrigen zu Recht darauf hin, dass sich im Endurteil zeigt, ob und inwieweit das Gericht auf die Expertise abstellt und die Be- schwerdeführerin, sollte sie nicht einverstanden sein, dagegen ein Rechtsmit- tel ergreifen kann (KG-act. 7 S. 6). Mithin legt die Beschwerdeführerin nicht ausreichend dar, welche (rechtlichen) Nachteile die erneute Begutachtung für sie haben soll und wieso sich diese nicht mehr beseitigen lassen würden. So- weit die erneute Schätzung bloss eine Verfahrensverlängerung und zusätzli- che Kosten bedeutet, handelt es sich um hier unbeachtliche tatsächliche Nachteile. Die Beschwerdeführerin rügt im Zusammenhang mit dem Nachteil eine Ver- letzung des rechtlichen Gehörsanspruchs, indem ihr die Eingabe des Be- schwerdegegners vor Erlass der angefochtenen Verfügung nicht zugestellt worden sei und sie deshalb dazu nicht habe Stellung nehmen können. Der Kantonsgericht Schwyz 5 vom Beschwerdegegner in der Eingabe vom 22. April 2022 gestellte Antrag Ziff. 1 entspreche nämlich auch dem geäusserten Willen der Beschwerdefüh- rerin (KG-act. 1 S. 4). Daraus vermag die Beschwerdeführerin ebenfalls nichts zu ihren Gunsten abzuleiten, weil nicht ersichtlich ist, inwiefern die behauptete Verletzung des rechtlichen Gehörs überhaupt einen Einfluss auf das Verfah- ren haben könnte (vgl. BGer, Urteil 4A_567/2021 vom 21. Dezember 2021 E. 2.2), zumal sie selber ausführt, es sei dem Vorderrichter „hinlänglich“ be- kannt gewesen, dass sie eine Beendigung des Gutachterauftrages gewollt habe (KG-act. 1 S. 4). Die Beschwerdeführerin stellte denn auch im Vorfeld der Verfügung vom 3. März 2022 den Antrag, es sei von einem gerichtlichen Obergutachten abzusehen (KG-act. 1/9 S. 2). Demnach hätte selbst eine vor- herige Zustellung und eine darauffolgende Eingabe mit gleichlautenden An- trägen seitens der Beschwerdeführerin nicht dazu geführt, dass der Vorder- richter in der angefochtenen Verfügung anders entschieden hätte. Davon ab- gesehen wies der Vorderrichter mittels der angefochtenen Verfügung sämtli- che Anträge des Beschwerdegegners (inkl. Eventualbegehren) vollumfänglich ab (vgl. Leuenberger, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, Art. 225 ZPO N 17e mit Hinweisen). 3. Der Beschwerde wäre aber auch aus den nachfolgenden Gründen kein Erfolg beschieden: Der Rechtsmittelkläger muss durch den angefochtenen Entscheid beschwert sein und damit ein Interesse an dessen Abänderung haben. Eine formelle Beschwer einer Partei liegt vor, wenn das Dispositiv des Entscheids von ihren Anträgen abweicht. Materiell beschwert ist eine Partei, wenn ihren Anträgen zwar entsprochen wurde, sie gleichwohl durch den ange- fochtenen Entscheid in ihrer Rechtsstellung beeinträchtigt ist. Fehlende for- melle Beschwer schliesst in der Regel die materielle Beschwer aus (Art. 59 Abs. 1 lit. a ZPO; Zürcher, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A. 2016, Art. 59 ZPO N 14). Vorliegend wurden durch die angefochtene Verfügung nicht von Kantonsgericht Schwyz 6 der Beschwerdeführerin gestellte Anträge, sondern solche des Beschwerde- gegners abgewiesen. Eine (formelle) Beschwer wäre daher allenfalls beim Beschwerdegegner auszumachen, nicht aber bei der Beschwerdeführerin. Eine materielle Beschwer der Beschwerdeführerin dadurch, dass sie gemäss ihren Ausführungen bezüglich des Gutachterauftrags dieselbe Position ein- nimmt wie der Beschwerdegegner, ist ebenso wenig auszumachen, weil es ihr freisteht, jederzeit einen eigenen Antrag auf Beendigung des Gutachterauftra- ges zu stellen, was sie offenbar auch tat (Vi-act. D 30; KG-act. 7 S. 5). Auch hätte die Beschwerdeführerin Gelegenheit gehabt, die Verfügung vom 3. März 2022 betreffend Anordnung einer zweiten Expertise anzufechten, was sie, obwohl sie sich im Vorfeld gegen ein Obergutachten aussprach, unterliess. 4. Zusammenfassend ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Ausgangs- gemäss gehen die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu Lasten der Be- schwerdeführerin (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Beschwerdeführerin hat den Be- schwerdegegner ausserdem angemessen zu entschädigen. Nach § 12 Geb- TRA beläuft sich das Honorar für das Beschwerdeverfahren auf Fr. 180.00 bis Fr. 2'400.00. In Nachachtung der allgemeinen Bemessungskriterien von § 2 Abs. 1 GebTRA – namentlich der Wichtigkeit der Streitsache, ihrer Schwierig- keit und dem notwendigen Zeitaufwand – sowie unter Berücksichtigung, dass der Beschwerdegegner eine Beschwerdeantwort einreichte, ist die Entschädi- gung auf Fr. 1'200.00 zu bemessen (inkl. Auslagen und MWST; § 2 Abs. 2 GebTRA). Das Gesuch um Prozesskostenbevorschussung ist folglich gegen- standslos;- Kantonsgericht Schwyz 7 verfügt: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Das Gesuch des Beschwerdegegners um Prozesskostenbevorschus- sung wird abgeschrieben. 3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 800.00 werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Sie werden von ihrem Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.00 bezogen und ihr im Rest vom Fr. 700.00 zurückerstattet. 4. Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das Beschwer- deverfahren mit Fr. 1‘200.00 zu entschädigen (inkl. Auslagen und MWST). 5. Gegen diesen Zwischenentscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung unter den Voraussetzungen von Art. 93 des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Zivilsachen beim Bundesgericht in Lausanne ein- gereicht werden; die Beschwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert übersteigt Fr. 30'000.00. 6. Zufertigung an Rechtsanwalt B.________ (2/R), Rechtsanwältin D.________ (2/R, inkl. Eingaben vom 18. Juli 2022 z.K. [KG-act. 14 und 14/1 sowie KG-act. 15 und 15/1-43]), die Vorinstanz (1/A), sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, mit den Akten) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Der Kantonsgerichtspräsident Die Gerichtsschreiberin Versand 28. Juli 2022 kau