B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-1133/2025 U r t e i l v o m 6. J u n i 2 0 2 5 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Gregor Chatton, Richterin Christa Preisig, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), Afghanistan, vertreten durch MLaw Lea Haidlauf, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 12. Februar 2025 / N_______. F-1133/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der minderjährige Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben zufolge am 14. September 2024 nach Europa (Belgien) ein (vgl. SEM act. 3) und suchte in der Folge am (...) in der Schweiz um Asyl nach. A.b Am 19. September 2024 stellte das SEM bei den belgischen Behörden betreffend den Beschwerdeführer ein Informationsersuchen gemäss Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah- ren zur Bestimmung des Mitgl iedstaats, der für die Prüfung eines von ei- nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge- stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO). A.c Am 23. September 2024 beantworteten die Behörden das Informati- onsersuchen und teilten mit, der Beschwerdeführer habe am (Nennung Zeitpunkt) bei ihnen internationalen Schutz als unbegleiteter Minderjähri- ger beantragt. Bei seiner Registrierung habe er angegeben, einen Bruder mit den Personalien (...) (nachfolgend: B._______), geboren (...), (...), zu haben. Dieser sei den Behörden bekannt und verfüge über eine befristete, bis am (...) gültige Aufenthaltsgenehmigung in Belgien. Der Minderjährige sei kurz nach seiner Registrierung verschwunden, und seitdem seien keine Informationen über seinen Verbleib bekannt. Es habe die Zeit gefehlt, ihm einen Betreuer zuzuweisen und ein Gespräch mit ihm zu führen. Seine Akte sei jedoch weiterhin offen. Es sei ihm kein Visum erteilt worden. A.d Am 3. Oktober 2024 führte das SEM mit dem Beschwerde führer eine Erstbefragung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (EB UMA) durch. Dabei wurden ihm diverse Fragen gestellt: zu seinen Personalien , den persönlichen Verhältnissen, seinem Alter, den Ausweispapieren, dem Reiseweg und seinen Gründen für sein Asylgesuch. Ferner wurde ihm das rechtliche Gehör zur allfälligen Zusammenführung mit seinem Bruder in Belgien und der Zuständigkeit der dortigen Behörden für die Durchführung seines Asylverfahrens sowie zum medizinischen Sachverhalt gewährt. Überdies wurde er über den Ablauf einer allenfalls durchzuführenden me- dizinischen Altersabklärung informiert (vgl. SEM act. 16). Dabei brachte er vor, er sei im Jahr (...) aus seiner Heimat ausgereist und innerhalb eines Jahres in d ie Schweiz gelangt. Über C._______ sei er in den D._______ und von dort in die E._______ gelangt, wo er sich während (Nennung Dauer) aufgehalten habe. Danach habe er sich nach F._______ F-1133/2025 Seite 3 und (Nennung Zeitpunkt) später nach G._______ begeben. Da er dort den falschen Zug genommen habe, sei er nicht wie beabsichtigt in die Schweiz, sondern nach Belgien gereist. Die dortige Polizei habe ihn festgenommen, daktyloskopiert, in ein Wald-Camp gebracht und er habe ein Asylgesuch gestellt. Im Camp seien nur Minderjährige gewesen, und er habe sich ohne Begleitung dort aufgehalten (vgl. SEM act. 16 S. 7 f.). Nach (Nennung Dauer) sei er über G._______ in die Schweiz gekommen. Auf den Vorhalt, wonach er in Belgien am (Nennung Zeitpunkt) unter den Personalien H._______, geboren (...), ein Asylgesuch gestellt habe, führte er an, sich nicht an ein Geburtsdatum zu erinnern, welches er dort ange- geben haben soll. In der Schweiz sei das Geburtsjahr (...) aufgeführt wor- den, weil er gesagt habe, sein Geburtsdatum nicht zu kennen. Zum Vorhalt, wonach er in Belgien erklärt habe, dass der am (...) geborene B._______ sein Bruder sei, entgegnete er, davon nichts zu wissen. Er habe keinen Bruder genannt und seine beiden Brüder seien in Afghanistan. Einen wei- teren Bruder habe er nicht. Vielleicht handle es sich um eine andere Person mit demselben Namen. Sodann habe er B._______ in Belgien nie gese- hen. Weiter sei I._______, der sich in der Schweiz aufhalte, ein Cousin respektive der Sohn seines (Nennung Verwandter). Dieser habe nach sei- ner Ankunft hier mit ihm Kontakt aufgenommen, wobei sie einmal die Wo- che über Whatsapp miteinander sprechen würden. A.e Die am (...) am (Nennung Institut) erstellte 3 -Säulen-Modell-Analyse (körperliche, radiologische und zahnärztliche Untersuchung/Beurteilung) zur Altersbestimmung ergab zum Zeitpunkt der gleichentags durchgeführ- ten Untersuchung ein Mindestalter des Beschwerdeführers von 14.9 Jah- ren und ein durchschnittliches Alter von 16.2 – 17 Jahren. Nach den Er- gebnissen der Forensischen Altersdiagnostik könne die Volljährigkeit nicht bewiesen werden (Minderjährigkeit sei möglich). Das angegebene Alter von 13 Jahren und 9 Monaten lieg e unterhalb der Ergebnisse der Alters- schätzung. A.f Auf das Informationsersuchen des SEM vom 29. Oktober 2024 stellten die belgischen Behörden der Vorinstanz am 12. November 2024 das Do- kument zu mit den Angaben, die der Beschwerdeführer in Belgien gemacht hatte. A.g Am 20. November 2024 ersuchte das SEM die bel gischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ge stützt auf Art. 8 in F-1133/2025 Seite 4 Verbindung mit 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO. Die Behörden lehnten das Ersuchen am 20. Dezember 2024 ab. A.h Am 6. Januar 2025 unterbreitete das SEM dem Beschwerdeführer ei- nen Fragenkatalog im Zusammenhang mit seinen Familienverhältnissen und den unterschiedlichen Angaben gegenüber den belgischen und den Schweizer Asylbehörden. Gleichzeitig räumte es ihm die Gelegenheit ein, sich innert angesetzter Frist dazu zu äussern. Am 9. Januar 2025 nahm er diesbezüglich Stellung. A.i Das SEM gelangte am 10. Januar 2025 erneut an die belgischen Be- hörden und ersuchte gestützt auf Art. 5 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durchfüh- rungsbestimmungen zur V erordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied- staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (DVO), um eine Überprüfung der ablehnenden Antwort und um Wiederauf- nahme des Beschwerdeführers. Am 24. Januar 2025 wurde dieses Ersu- chen gutgeheissen. A.j Im Sinne eines rechtlichen Gehörs erhielt der Beschwerdeführer am 7. April 2017 Gelegenheit, sich zur beabsichtigten Anpassung seiner Daten im ZEMIS zu äussern (vgl. SEM act. 40) . Am 4. Februar 2025 nahm der Beschwerdeführer dazu Stellung. A.k Am 8., 19. November 2024 und am 29. Januar 2025 gingen dem SEM diverse Informationen (inkl. ärztliche Berichte) über den Gesundheitszu- stand respektive über durchgeführte Kontrollen/Behandlungen des Be- schwerdeführers zu. B. Mit Verfügung vom 12. Februar 2025 – eröffnet tags darauf – trat die Vor- instanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein (Dispositiv- ziffer 1) und verfügte seine Wegweisung nach Belgien (Dispositivziffer 2 f.). Sein Geburtsdatum laute im ZEMIS auf den (...) mit Bestreitungsvermerk (Dispositivziffer 5). Ferner händigte sie ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis (Dispositivziffer 6) aus und hielt fest, einer allfäl- ligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu (Dispositivzif- fer 7). F-1133/2025 Seite 5 C. Der Beschwerdeführer focht diese Verfügun g mit Beschwerde vom 20. Februar 2025 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, es seien die Ziffern 1 bis 4 des Dispositivs aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Be- schwerde und um Anordnung vorsorglicher Massnahmen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren; insbesondere sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. D. Am 21. Februar 2025 ordnete die Instruktionsrichterin einen superproviso- rischen Vollzugsstopp an. E. Mit Zwischenverfügung vom 4. März 2025 erteilte die Instruktionsrichterin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung, hiess das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses und forderte das SEM zur Einreichung ei- ner Vernehmlassung auf. F. In ihrer Vernehmlassung vom 18. März 2025 hielt die Vorinstanz – nach einigen ergänzenden Bemerkungen – vollumfänglich an ihren Erwägungen fest. G. Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 12. Mai 2025. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde- führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. F-1133/2025 Seite 6 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat (respektive innert Frist auf die entsprechende Anfrage nicht geantwor- tet hat; vg l. Art. 22 Abs. 1 und 7 Dublin -III-VO), auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den im Kapitel III dargelegten Kri- terien (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). 3.3 Handelt es sich beim Antragsteller um einen unbegleiteten Minderjäh- rigen, so ist der Mitgliedstaat zuständiger Mitgliedstaat, in dem sich ein Fa- milienangehöriger oder eines der Geschwister des unbegleiteten Minder- jährigen rechtmässig aufhält, sofern es dem Wohl des Minderjährigen dient (Art. 8 Abs. 1 1. Satz Dublin -III-VO). Artikel 8 regelt die Zuständigkeit für Anträge auf internationalen Schutz, die durch Minde rjährige gestellt wer- den, abschliessend (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, 2014, K3 zu Art. 8). F-1133/2025 Seite 7 4. 4.1 Vorliegend gelangte das SEM am 10. Januar 2025 im Rahmen einer Remonstration an die belgischen Behörden und legte dar, dass es mit Blick auf die Würdigung des Kindeswohls eine Zusammenführung mit dem in Belgien lebenden Bruder als im besten Interesse des Beschwerdeführers erachte. So werde dessen Wohlergehen in Belgien besser geschützt sein als in der Schweiz (vgl. SEM act. 35) . Belgien hat der Wiederaufnahme (engl.: take back) gestützt auf Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO in der Folge zugestimmt (vgl. SEM act. 38). Die grundsätzliche Zuständigkeit Belgiens ist damit gegeben. 4.2 Der minderjährige Beschwerdeführer bestreitet in seiner Rechtsmittel- eingabe, dass eine Familienzusammenführung in Belgien gemäss Art. 8 Dublin-III-VO seinem Wohl besser diene. 4.3 Den Akten ist zu entnehmen, dass der volljährige Bruder B._______ sich seit dem Jahr (...) in Belgien aufhält und dort über eine Aufenthaltsbe- willigung verfügt, welche bis zum (...) gültig ist (vgl. SEM act. 13 und 34). Dieser habe auch – zusammen mit einem (Nennung Verwandter) – die Reise des Beschwerdeführers organisiert und bezahlt (vgl. SEM act. 2 8). Letzterer habe regelmässigen telefonischen Kontakt mit seinem Bruder (vgl. SEM act. 34 ). Im Rahmen der EB UMA führte er an, seine drei Ge- schwister (zwei Brüder und eine Schwester) würden sich zusammen mit seiner Mutter in Afghanistan aufhalten. Seine B rüder würden J._______ und K._______ heissen (vgl. SEM act. 16 Ziff. 2.01 und 3.01). Auf Vorhalt in der EB UMA, wonach in Belgien B._______ als sein Bruder registriert worden sei, bestritt er, dort einen Bruder angegeben zu haben. Er habe zwei Brüder, die sich aber in Afghanistan aufhalten würden; einen anderen Bruder habe er nicht. Es müsse sich um einen Fehler der belgischen Be- hörden handeln. Er habe B._______ in Belgien denn auch nie gesehen (vgl. SEM act. 15 Ziff. 5.02 S. 8 f.). Im Rahmen des rechtlichen Gehörs gab er hingegen in seiner Stellungnahme vom 9. Januar 2025 unter anderem zu, es handle sich bei B._______ um einen seiner beiden Brüder (unter Beilage von Kopien der belgischen Aufenthaltsbewilligung und des afgha- nischen Reisepasses). Da er (Beschwerdeführer) bei der EB UMA krank gewesen sei und starke Kopfschmerzen gehabt habe, könne er sich nicht mehr genau erinnern, was er damals gesagt habe. Aufgrund seines dama- ligen Zustandes habe er aber wohl Fehler bei der Beantwortung der Fragen gemacht. Sein Zielland sei von Anfang an die Schweiz gewesen. Als er sich in G._______ befunden habe, sei er in den falschen Zug gestiegen und F-1133/2025 Seite 8 nach Belgien gefahren. Dort sei er von der Polizei aufgegriffen und an der Weiterreise gehindert worden. Die Zustände dort seien sehr schlecht ge- wesen, und s ein Bruder B._______ habe ihm gesagt, er solle in die Schweiz weiterreisen. Er habe B._______ während seines Aufenthalts in Belgien nur ein Mal getroffen. Sein Bruder habe ihm mitgeteilt, dass er sich nicht um ihn kümmern respektive bei sich aufnehmen könne. Dieser müsse die ganze Zeit arbeiten und verfüge nur über ein kleines Zimmer in einer Wohngemeinschaft (vgl. SEM act. 34). In der Beschwerde gibt der Beschwerdeführer sodann an, aufgrund des grossen Altersunterschiedes hätten er und B._______ in Afghanistan nur während fünf Jahren im gleichen Haushalt gelebt. Da er (Beschwerdefüh- rer) damals sehr klein gewesen sei, könne er sich nicht an diese Zeit erin- nern. Er wisse lediglich, dass B._______ sein Bruder sei. Dieser sei sozi- alhilfeabhängig und lebe in einer kleinen Einzimmerwohnung, weshalb er ihm (Beschwerdeführer) weder helfen könne noch wolle. Belgien habe bei seinem Bruder nicht abgeklärt, ob dieser bereit wäre und die Möglichkeit hätte, für ihn zu sorgen. Der Bruder wolle nicht, dass er zu ihm nach Bel- gien komme. Dies habe B._______ in mehreren Gesprächen gegenüber den UMA Fachpersonen wie auch in seinem Schreiben vom (...) bestätigt (vgl. Beschwerdebeilagen 4 und 5). Es bestehe somit weder bei ihm noch bei seinem Bruder ein Wille zur Familienzusammenführung. Auch der Um- stand, dass er seinen Bruder zu Beginn des Verfahrens hier nicht erwähnt habe, zeige, dass er diese Verbindung nicht gewollt habe. Hingegen lebe in der Schweiz sein Cousin I._______, mit welchem er regelmässigen te- lefonischen Kontakt pflege und in dessen Nähe er leben wolle . Bei einer Einschätzung des Kindeswohls seien alle fa miliären Bindungen einzube- ziehen. Alleine der Umstand, dass der Verwandtschaftsgrad zu seinem Bruder näher sei als zum Cousin, gebe noch keinen Aufschluss über die tatsächliche gelebte Beziehung. 4.4 Die Bestimmungen über die Zuständigkeit für die Durchführung der Asylverfahren von unbegleiteten Minderjährigen wurden im Rahmen des Erlasses der Dublin -III-VO unter der Prämisse neu gefasst, dass das Kindswohl zum Schutz der Minderjährigen noch stärker zu beachten sei und daher in der Zuständigkeitsprüfung neu das vorrangigste Kriterium dar- stellen soll (vgl. BVGE 2016/1 E. 4.2.1 m.w.H.). Das Kindswohl (im Ein- klang mit dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes von 1989 [ KRK, SR 0.107]) ist als allgemeiner Grundsatz für Minderjährige in allen Verfahren, die in der Dublin-III-VO vorgesehen sind, vorranging zu erwägen (Erw. 13 und Art. 6 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dabei ist F-1133/2025 Seite 9 den folgenden Kriterien gebührend Rechnung zu tragen: den Möglichkei- ten der Familienzusammenführung, den Sicherheitserwägungen , dem Wohlergehen und der sozialen Entwicklung des Minderjährigen sowie des- sen Ansichten entsprechend seinem Alter und seiner Reife (Art. 6 Abs. 3 Dublin-III-VO). Die geeignetste Massnahme soll mithilfe eines Standardfor- mulars für den Austausch der einschl ägigen Informationen zwischen den betroffenen Mitgliedstaaten eruiert werden (Art. 6 Abs. 5 Dublin-III-VO). 4.5 4.5.1 Zunächst ist mit Blick auf das in Art. 8 Abs. 1 , 1. Satz, enthaltene Erfordernis eines rechtmässigen Aufenthalts festzuhalten, dass B._______ in Belgien über eine Aufenthaltsbewilligung der Kat egorie B. mit unbe- grenztem Aufenthalt ("Séjour illimite"), gültig bis (...), verfügt (vgl. SEM act. 34). Nachdem die Dub lin-III-VO keine Definition der Rechtmässigkeit kennt, richtet sich diese nach dem jeweiligen innerstaatlichen Recht des Aufenthaltsstaates (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K4 zu Art. 8). Die B._______ ausgestellte Aufenthaltsbewilligung ist vor diesem Hintergrund ohne Weiteres als rechtmässiger Aufenthalt zu qualifizieren. 4.5.2 Nachfolgend ist anhand der in Art. 6 Abs. 3 Dublin-III-VO enthaltenen Kriterien zu prüfen, ob es d em Wohl des Beschwerdeführers die nt, dass die belgischen Behörden für die Durchführung seines Asyl - und Wegwei- sungsverfahrens zuständig sind. Ein Vergleich der Aussagen des Beschwerdeführers zwischen den schwei- zerischen und belgischen Asylbehörden lässt unschwer erkennen, dass sich seine diesbezüglichen Aussagen zu seiner Reiseroute, der von ihm durchquerten Länder, der jeweiligen Aufenthaltsdauer in den besagten Ländern und der Umstände, wie es zu seiner Ankunft in Belgien gekommen sein soll, erheblich unterscheiden (vgl. SEM act. 13, 16 und 28). Insbeson- dere schwieg er sich anlässlich der EB UMA darüber aus, dass einer seiner beiden Brüder mit einer Aufenthaltsbewilligung in Belgien lebt. Zudem gab er dort ganz andere Vornamen seiner angeblich noch immer in Afghanistan wohnhaften Brüder an, als er dies im späteren Verlauf des Verfahrens oder gegenüber den belgischen Behörden tat (vgl. SEM act. 16 Ziff. 2.01). Über- dies brachte er in Belgien vor, sich vor seiner dortigen Einreise während (Nennung Dauer) in einem Lager in L._______ aufgehalten zu haben. So- wohl L._______ als Durchreisestaat als auch den längeren Lageraufenthalt liess er jedoch gegenüber dem SEM gänzlich unerwähnt (vgl. SEM act. 16 Ziff. 5.02). Ein solches Aussageverhalten lässt den Eindruck entstehen, er habe diese Sachverhaltselemente bewusst verschw eigen respektive F-1133/2025 Seite 10 verschleiern wollen, um in der Schweiz verbleiben zu können. Dieses Ver- halten lässt daher an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit zweifeln. Der Einwand, er sei bei der EB UMA krank gewesen und habe starke Kopf- schmerzen gehabt, weshalb er sich nicht mehr an seine damaligen Antwor- ten erinnern könne, die wohl aufgrund seines damaligen Zustandes fehler- haft gewesen seien, überzeugt nicht. So machte er anlässlich der Erstbe- fragung an keiner Stelle geltend, er ha be Kopfschmerzen oder vermöge der Befragung aus sonstigen Gründen nicht zu folgen oder brauche des- wegen eine Pause. Es lassen sich dem Protokolltext denn auch keine Hin- weise entnehmen, die solches vermuten lassen würden. Zudem bestätigte er am Ende der Bef ragung die Korrektheit und Wahrheit seiner Angaben mit seiner Unterschrift, nachdem ihm das Protokoll in seiner Muttersprache rückübersetzt worden war. Überdies erklärte er sowohl zu Beginn als auch am Schluss der Befragung, die Dolmetscherin gut zu verstehen respektive gut verstanden zu haben. Im Weiteren führte er in Belgien mitnichten an, er sei unabsichtlich ins Land eingereist; seine dortige kurze Schilderung der Reiseroute lässt vielmehr – wie dies die Vorinstanz zu Recht erkannte – den Schluss zu, dies sei so geplant gewesen, zumal er in diesem Zusammenhang insbesondere an- führte, sein (Nennung Verwandter) und sein Bruder B._______ hätten die Reise für ihn organisiert respektive alles geregelt (vgl. SEM act. 28). Sein diesbezügliches Vorbringen, er habe in G._______ den falschen Zug be- stiegen, weshalb er statt in die Schweiz nach Belgien gelangt sei, ist daher als blosse Schutzbehauptung zu werten. Dies umso mehr, als er vorher während Monaten durch verschiedene europäische Länder gereist war und daher eine entsprechende Reiseerfahrung gesammelt haben dürfte . So- dann ist es – entgegen der in der Replik vertretenen Ansicht – nicht abwe- gig, dass der Beschwerdeführer über G._______ nach Belgien gereist ist, zumal es sich um benachbarte Staaten handelt und G._______ dafür ein logisches Transitland darstellt, zumal er von F._______ beziehungsweise L._______ herkommend gereist sein will. Wenn die Schweiz sein primäres Reiseziel gewesen wäre, erscheint es hingegen abwegiger, dass er den Umweg über G._______ und Belgien hätte nehmen sollen. Der Eindruck abweichender und widersprüchlicher Aussagen wird auch dadurch ge- stützt, dass seine Aussagen zur Existenz eines in Belgien wohnhaften Bru- ders beziehungsweise der Gründe, wie es zur angeblich unbeabsichtigten Reise nach Belgien gekommen sein soll, unterschiedlich ausgefallen sind. So bestritt er in der EB UMA, dass sich einer seiner Brüder (B._______) in Belgien aufhalten würde. Erst im weiteren Verlauf des Verfahrens respek- tive auf wiederholten Vorhalt der Vorinstanz räumte er ein, dass es sich bei F-1133/2025 Seite 11 B._______ um einen Bruder von ihm handle, und dieser mit Aufenthaltsbe- willigung in Belgien lebe (vgl. SEM act. 34). Der Beschwerdeführer wendet ein, es bestehe bei ihm kein Willen zu einer Familienzusammenführung. So sei er noch ein Kleinkind gewesen, als B._______ die Familienwohnung verlassen habe; zudem zeige die Nichter- wähnung des Bruders im hiesigen Verfahren, dass er diese Verbindung gar nicht wolle. Dieser ablehnende Wille ist jedoch aufgrund obiger Erläuterun- gen ganz entscheidend zu relativieren, mithin gar in Frage zu stellen . So- dann dürfte der Beschwerdeführer entgegen seinem Einwand, er habe keine tatsächliche Erinnerung an seinen Bruder B._______, da dieser nur während seiner ersten fünf Lebensjahre im gleichen Haushalt gelebt habe, durchaus über Erinnerungen an seinen Bruder verfügen. So setzt die früh- kindliche Erinnerung ab dem Ende des dritten Lebensjahres ein (vgl. MDR, https://www.mdr.de › MDR.DE › Wissen, Mit zweieinhalb Jahren beginnen unsere Erinnerungen , https://www.mdr.de/wissen/frueheste -erinnerung- kindheit-zweieinhalb-jahre-infantile-amnesie-100.html; GEO.de, https:// www.geo.de › Wissen, Forschung: Warum unsere frühsten Kindheitserin- nerungen oft nur erfunden sind, https://www.geo.de/wissen/forschung-wa- rum-unsere-fruehesten-kindheitserinnerungen-oft-nur-erfunden-sind- 30175846.html, beide abgerufen am 22.05.2025). Das Gericht stellt daher in Zweifel, dass der Beschwerdeführer eine Zusammenführung mit seinem Bruder namentlich aus dem Grund ablehnt, weil er eine engere Beziehung zu seinem Cousin als zu seinem Bruder B._______ habe. Bezeichnender- weise führt er dazu zur Begründung mehrheitlich an, sein Bruder B._______ habe kein Interesse an einer Zusammenführung, wobei – wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht festhielt – dafür vorder- gründig ökonomische Gründe für dessen Vorbehalte in Betracht gezogen werden. Diesbezüglich ist zu entgegnen, dass gemäss Art. 8 Dublin-III-VO die Verwandtschaftsbeziehung und die Rechtmässigkeit des Aufenthalts im Mitgliedstaat entscheidend ist . Hingegen wird nicht vorausgesetzt, dass das Geschwister für den unbegleiteten Minderjährigen aufkommen und/oder ihm eine Unterkunft zur Verfügung stellen kann (vgl. auch FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K4 ff. zu Art. 8). In diesem Zusammenhang bleibt einer der vom Beschwerdeführer angeführten Gründe, warum sich B._______ nicht um ihn kümmern könne, nicht gegeben. Einerseits sei der Grund die Arbeit von B._______ ("er müsse die ganze Zeit arbeiten…", vgl. SEM act. 34), um andererseits anzugeben, B._______ sei von der Sozial- hilfe abhängig (vgl. Beschwerdeschrift S. 6; Beschwerdebeilage 4). Dem handschriftlich verfassten Schreiben von B._______ vom (...) lässt sich fer- ner nicht entnehmen, dass er seinem Bruder (Beschwerdeführer) F-1133/2025 Seite 12 grundsätzlich nicht beistehen wolle; so führt er darin lediglich seine Sozial- hilfeabhängigkeit und die Wohn ungsknappheit als Gründe an (vgl. Be- schwerdebeilage 4). Diesbezüglich sind denn auch die belgischen Behör- den – und nicht B._______ – gehalten, die dem Beschwerdeführer gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen zu er- möglichen (vgl. E. 7 hiernach). Soweit der Beschwerdeführer in der EB UMA und auf Beschwerdeebene anführt, er verfüge in der Schweiz über eine Bezugsperson, nämlich seinen Cousin I._______, in dessen Nähe er leben wolle, da ihm der Kontakt zu diesem sehr wichtig sei (vgl. SEM act. 16 Ziff. 9.01; Beschwerde S. 6; Ein- schätzung UMA-Fachperson als Beschwerdebeilage 5), vermag dies zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen. So hat er eigenen Angaben zufolge zu I._______ in Afghanistan noch keinen Kontakt gepflegt, telefo- niert nun aber seit seiner Einreise in der Schweiz immer wieder per Whatsapp mit ihm ( vgl. SEM act. 16 Ziff. 5.02 S. 9; Beschwerdeschrift S. 6). Vorweg ist festzuhalten, dass ein tatsächliches Verwandtschaftsver- hältnis zu I._______ nicht belegt wurde. Sodann kennt der Beschwerde- führer – im Gegensatz zum erwähnten Cousin – seinen Bruder B._______ seit seiner Kindheit und steht eigenen Angaben zufolge mit ihm in ständi- gem Kontakt; auch sonst sind keine substanziierten Anhaltspunkte ersicht- lich, dass ein weiterer Verbleib in der Schweiz bei I._______ seinem Kinds- wohl mehr dienen würde als eine Familienzusammenführung in Belgien. 4.5.3 Es ergeben sich somit bei der Berücksichtigung des Kindswohls mit Blick auf die Kriterien von Art. 6 Abs. 3 Bst. b und d Dublin-III-VO (Wohler- gehen und soziale Entwicklung des Minderjährigen; Ansichten des Minder- jährigen entsprechend seinem Alter und seiner Reife ) weder aus seinen Aussagen noch aus den bestehenden Akten konkrete Gründe, die gegen eine Durchführung des Asylverfahrens in Belgien bei seinem volljährigen Bruder sprechen würden. Sodann sind auch keine Anhaltspunkte ersicht- lich, welche auf eine Unmöglichkeit der Familienzusammenführung hin- deuten würden oder dass Sicherheitsaspekte einer solchen in Belgien ent- gegenstünden, nachdem weder geltend gemacht wurde noch ersichtlic h ist, dass es sich beim Beschwerdeführer um ein Opfer des Menschenhan- dels handeln könnte (vgl. Art. 6 Abs. 3 Bst. a und c Dublin-III-VO sowie E. 6 und 7 hiernach). 5. Weiter sind auch aus Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO keine Gründe ersichtlich, die eine Pflic ht der Schweiz zur Prüfung des Asylgesuchs des F-1133/2025 Seite 13 Beschwerdeführers begründen könnten. Sein sich in der Schweiz aufhal- tender angeblicher Verwandter (Cousin) stellt weder einen Familienange- hörigen im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO dar, noch fällt die Be zie- hung zu ihm in den Anwendungsbereich von Art. 16 Abs. 1 der Dublin-III- VO. Die grundsätzliche Zuständigkeit Belgiens bleibt deshalb bestehen. 6. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts weist das Asylverfahren in Belgien keine systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO auf (vgl. anstelle vieler: Urteil des BVGer F-2118/2024 vom 12. April 2024 E. 5 m.w.H.). Dies stellt der Beschwerde- führer nicht in Frage, weshalb sich Weiterungen dazu erübrigen. Unter die- sen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht ge- rechtfertigt 7. 7.1 Zur Frage des Selbsteintrittsrechts nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dub- lin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, ist Folgendes auszufüh- ren: 7.2 Belgien ist Signatarstaa t der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), der KRK und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls zur FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301). Ausserdem wird Belgien durch die Richtlinien des Europä- ischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna- tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie durch die Aufnahme- richtlinie gebunden. 7.3 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Belgien seinen völker- und gemeinsch aftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Personen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbe - sondere auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Ver - fahrens- und der Aufnahmerichtlinie ergeben. Diese Vermutung kann zwar im Ei nzelfall widerlegt werden; hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer F -651/2023 vom 17. Februar 2023 E. 8.2). F-1133/2025 Seite 14 7.4 Der Beschwerdeführer hat ke ine konkreten und ernsthaften Hinweise für die Annahme dargetan, Belgien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen, bei- spielsweise eine menschenwürdige Notversorgung, vorenthalten. Im Übri- gen ist davon au szugehen, dass er sich bei einer vorübergehenden Ein- schränkung nötigenfalls an die belgischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 7.5 Den Akten lassen sich auch keine Gründe für die Annahme entnehmen, Belgien werde im Fall des Beschwerdeführers den Grundsatz des Non - Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet wäre oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Belgien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU -Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. 7.6 Bezüglich der gesundheitlichen Aspekte ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer den Akten zufolge seit (Nennung Zeitpunkt) nicht mehr beim Gesundheitsdienst gemeldet hat und keine Beschwerden bekannt sind (vgl. SEM act. 39). Auch in der Beschwerde wird diesbezüglich nichts ausgeführt. Weitere Ausführunge n zum Gesundheitszustand des Be- schwerdeführers erübrigen sich damit. 7.7 Andere individuelle Umstände, die die Ausübung des Selbsteintritts- rechts nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO notwendig machten, sind nicht er- sichtlich und werden auch nicht geltend gemacht. 8. 8.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht z u beanstanden; insbeson- dere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang einer weiteren Überprüfung. F-1133/2025 Seite 15 8.2 Es liegen somit weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, welche die Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch bestehen Rechts- fehler bei der Ermessensbetätigung. Es besteht folglich kein Grund für ei- nen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbin- dung mit Art. 17 Dublin-III-VO. 9. Zu Recht ist die Vorinstanz auf das Asylgesuch nicht eingetreten und hat die Überstellung des Beschwerdeführers nach Belgien verfügt. Die Be- schwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Ihm wurde jedoch mit Zwischenverfügung vom 4. März 2025 die unentgeltliche Prozessfüh- rung gewährt. Es sind demzufolge keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) F-1133/2025 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan- tonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Stefan Weber Versand: