B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-2438/2014 U r t e i l v o m 1 4 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, vertreten durch Dr. iur. Peter Bieler, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot. C-2438/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die aus Serbien stammende Beschwerdeführerin (geb. 1985) wurde am 3. April 2014 am Flughafen Zürich -Kloten bei der Ausreise nach Belgrad kontrolliert. Dabei wurde festgestellt, dass sie ihren bewilligungsfreien Aufenthalt im Schengenraum um 59 Tage überzogen hat te. Noch am gleichen Tag wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör im Hin- blick auf eine allfällige Fernhaltemassnahme gewährt (vgl. Formular "Rechtliches Gehör" der Flughafenpolizei vom 3. April 2014). B. Mit Verfügung vom 11. April 2014 verhängte das BFM ein zweijähriges Einreiseverbot gegen die Beschwerdeführerin. Zur Begründung wurde darauf hingewiesen, sie habe sich während mehr als dreissig Tagen über den bewilligungsfreien Aufenthalt hinaus illegal im Schengenraum au f- gehalten. Gemäss ständiger Praxis und Rechtsprechung liege damit ein ernstzunehmender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Or d- nung im Sinne von Art. 67 AuG ( SR 142.20) vor. Die im Rahmen des rechtlichen Gehörs gemachten Angaben vermöchten keinen anderen Entscheid zu rechtfertigen. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin darüber informiert, dass das Einreiseverbot zu einer Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS II) führt und damit ein Einreiseve r- bot für das gesamte Gebiet der Schengen -Staaten bewirkt. Einer allfäll i- gen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. C. Mit Strafbefehl des Statthalteramts Bezirk Bülach vom 24. April 2014 wurde die Beschwerdeführerin wegen widerrechtliche n Verweilens im Schengenland Schweiz, nach Ablauf des bewillig ungsfreien Aufenthaltes von 90 Tagen oder des bewilligten Aufenthaltes (Art. 115 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Abs. 3 AuG) , zu einer Busse von Fr. 350. - verurteilt. Dieser En t- scheid wuchs unangefochten in Rechtskraft. D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 6. Mai 2014 an das Bundesverwaltungsge- richt beantragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der vorinstanzl i- chen Verfügung vom 11. April 2014 bzw. des gegen sie ausgesprochenen Einreiseverbots. Zur Begründung macht sie im Wesentlichen geltend, sie sei am 6. Januar 2014 von Serbien in die Schweiz geflogen. Beim Grenz- übertritt habe sie sich erkundigt, wie lange sie sich bewilligungsfrei bei i h- rem Verlobten aufhalten dürfe. Nach Rücksprache sei ihr mitgeteilt wor-C-2438/2014 Seite 3 den, sie dürfe sich 88 Tage hier aufhalten. Entsprechend sei sie am 6. Ap- ril 2014 (recte: 3. April 2014) wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie habe damit keine Einreise - und Aufenthaltsvorschriften missachtet. Die angefochtene Verfügung sei in keiner Art und Weise haltbar. Diese enthal- te zudem keine Sachverhaltsdarste llung und sei erwiesenermassen falsch. Damit sei sie willkürlich und unhaltbar. Sie sei auch nicht begrü n- det, sodass es nicht möglich sei, auszuführen bzw. auszumachen, welche Punkte oder Angaben anzufechten seien. Das Einreiseverbot lasse sich nicht recht fertigen. Hätte das rechtswidrige Einreiseverbot Gültigkeit, könnte die Beschwerdeführerin gar nicht zu ihrer eigenen Hochzeit in die Schweiz reisen, um dort ihren Schweizer Verlobten zu heiraten. E. Die Vorinstanz beantragt mit Stellungnahme vom 17. Juni 2014 die Ab- weisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin sei am 15. Oktober 2013 in den Schengenraum eingereist und habe diesen am 14. Deze m- ber 2013 wiederum verlassen, worauf sie am 6. Jan uar 2014 das Schen- gengebiet erneut betreten habe und bei der Ausre ise am 3. April 2014 kontrolliert worden sei. Bezüglich des relevanten Referenzzeitraums von sechs Monaten (6. Oktober 2013 bis 3. April 2014) habe die Beschwerde- führerin den bewilligungsfreien Aufenthalt im Schengenraum um 59 Tage überzogen und sich damit strafbar gemacht. Bezüglich der offenbar g e- planten Vermählung führte die Vorinstanz aus, das Einreiseverbot könne für einen bestimmten Zeitraum suspendiert werden. Sollte das zuständige Migrationsamt der Beschwerdeführerin in der Folge die Aufenthaltsbewi l- ligung erteilen, könne die erwähnte Behörde beim BFM die Aufhebung des Einreiseverbots beantragen. F. Mit Schreiben vom 25. Juni 2014 macht die Beschwerdeführerin repli k- weise geltend, es treffe zu, dass sie sich vor dem 14. Dezember 2013 für kurze Zeit im Schengenraum aufgehalten habe. Sie habe die ihr im Jahr 2013 zustehende Aufenthaltszeit von drei Monaten als Besucherin hing e- gen nicht ausgeschöpft. Entscheidend sei aber, dass sie am 6. Januar 2014 bei ihrer Einreise in die Schweiz die Auskunft erhalten habe, sie dür- fe 88 Tage in der Schweiz bleiben. Dies sei nach Konsultation des E in- trags im elektronischen System des BFM geschehen. Auf diese Auskunft habe sie sich verlassen. Inzwischen sei sie mit ihrem Verlobten verheir a- tet. Sie dürfe aber ihrem Ehemann nicht in die Schweiz folgen, weil sie aufgrund des ungerechtfertigten Einreiseverbots das Gesuch, mit dem C-2438/2014 Seite 4 Ehemann in der Schweiz zu wohnen, aus formellen Gründen gar nicht einreichen dürfe. Dem Schreiben beigelegt war ein Auszug aus dem Heiratsregister der Republik Serbien vom 24. Juni 2014. G. Mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2014 ersuchte das Bundesverwa l- tungsgericht die Vorinstanz im Hinblick auf die erfolgte Eheschliessung der Beschwerdeführerin mit einem Schweizer Bürger um eine ergänze n- de Vernehmlass ung. Das BFM teilte daraufhin mit Triplik vom 17. Juli 2014 mit, gemäss einer schriftlichen Mitteilung des zuständigen Migrati- onsamts vom 9. Juli 2014 habe diese Behörde keinen entsprechenden Antrag erhalten; eine Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ste he somit nicht kurz bevor. Es bestehe deshalb gegenwärtig keine Veranlassung, das Einreiseverbot aufzuheben. H. In der Folge ersuchte das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerdefü h- rerin mit Zwischenverfügung vom 5. August 2014 um Stellungnahme; des Weiteren wurde sie unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtspr e- chung zur Mitteilung aufgefordert, welche Schritte sie bezüglich des Er- halts einer allfälligen Aufenthaltsbewilligung einzuleiten gedenke. I. Die Beschwerdeführerin teilte mit Quadruplik vom 27. August 2014 mit, die Gemeinde Davos habe sich zwischenzeitlich dazu bereit erklärt, das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung dem Migrationsamt des Kantons Graubünden zu unterbreiten. Nun habe aber diese Behörde wi e- derum ausgeführt, es benötige den Visumantrag der schweizerischen Vertretung in Belgrad. Die Schweizervertretung sei hingegen aufgrund des völlig ungerechtfertigten Einreiseverbots nicht bereit, diesen Antrag zu behandeln. J. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C-2438/2014 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfü gungen im Sinne von Art. 5 VwVG , sofern keine Au s- nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das BFM, das mit der A n- ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts a n- deres bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde legitimiert ( Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerechte B e- schwerde (Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit einzutreten. 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange- legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG [SR 173.110]). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhaltes sowie – falls nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrü n- dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E.2 m.H.). 3. 3.1 In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführer in, die angefochtene Verfügung enthalte keine Sachverhaltsdarstellung und sei auch nicht b e- gründet, sodass es gar nicht möglich sei auszuführen bzw. auszumachen, welche Punkte oder Angaben anzufechten seien. Sie erhebt damit implizit C-2438/2014 Seite 6 die Rüge, die Begründu ngspflicht und damit ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV sowie Art. 29 ff. VwVG). 3.2 Gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG sind die Behörden verpflichtet, schriftl i- che Verfügungen zu begründen. Die Begründungspflicht ist Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV. Sie soll verhindern, dass die Behörden sich von unsachlichen Motiven leiten la s- sen, und es der betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung gegeb e- nenfalls sachgerecht anzufechten. Ei ne sachgerechte Anfechtung ist nur möglich, wenn sich sowohl die Partei wie auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Be hörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verf ü- gung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand au s- einandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den E ntscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 III 439 E. 3.3 S. 445 m.H.; vgl. auch BVGE 2007/27 E. 5.5.2 m.H. sowie LORENZ KNEU- BÜHLER, in: Kommentar zum VwVG, 2008, Rz. 4 ff. und insb. 9 ff. zu Art. 35 VwVG). Eine Verletzung des Gehörsanspruchs führt grundsätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vori n- stanz. Im Falle der Verletzung der Begründungspflicht kann der Mangel auf Rechtsmittelebene jedoch geheilt werden, wenn die Vorinstanz die Entscheidsgründe in einer den gesetzlichen Anforderungen genügenden Weise darlegt und die Rechtsmittelinstanz der betroffenen Partei im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels die Möglichkeit einräumt, sich dazu zu äussern (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 19 ff. zu A rt. 35 m.H.). 3.3 Die Begründung der angefochtenen Verfügung ist zwar knapp und summarisch gehalten, es geht daraus aber ohne weiteres hervor, aus welchem Grund die Vorinstanz ein zweijähriges Einreiseverbot erlassen hat, verweist sie doch explizit auf den illegalen Aufenthalt der Beschwer- deführerin im Schengenraum. Damit dürfte ihr der Sachverhalt hinlänglich bekannt gewesen sein. Ferner hat die Vorinstanz im Rahmen ihrer Ve r- nehmlassung – mit nunmehr genauer Angabe aller Ein - und Ausreiseda- ten – detailliert auf das fehlbare Verhalten der Beschwerdeführerin hi n- gewiesen. Im Rahmen des ihr gewährten Replikrechts konnte sie somit ihren Standpunkt nochmals erläutern. Die Beschwerdeführerin war damit C-2438/2014 Seite 7 durchaus in der Lage, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Die erho- bene Rüge der Gehörsverletzung erweist sich demnach als unbegründet. 4. 4.1 Das BFM verfügt Einreiseverbote gegenüber weggewiesenen Au s- länderinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachg e- kommen ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AuG). Es kann sodann nach Art. 67 Abs. 2 AuG Einreiseverbote gegen ausländische Personen erlassen, die gegen die öffentliche Sich erheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG), Sozialhilfekosten verursacht haben (Art. 67 Abs. 2 Bst. b AuG) oder in Vorbereitungs -, Ausschaffungs - oder Durchsetzungshaft genommen worden sind (Art. 67 Abs. 2 Bst. c AuG). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt. Es kann für eine längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung d arstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Die Behörde kann aus humanitären oder anderen wichtigen Grü n- den von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Einre i- severbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG). 4.2 Das in Art. 67 AuG gerege lte Einreiseverbot bildet eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Botschaft], BBl 2002 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgü- ter; sie umfasst u.a. die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). In diesem Sinne liegt nach Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung u.a. vor, wenn gesetzlich e Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet werden. Widerhandlungen gegen das Ausländerrecht fallen unter diese Begriffsbestimmung und können ein Einreiseverbot nach sich ziehen (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3813). Die Verhängung eines Einreis e- verbots knüpft an das Risiko einer künftigen Gefährdung an. Gestützt auf sämtliche Umstände des Einzelfalls ist eine entsprechende Prognose zu stellen. Dabei ist naturgemäss primär das vergangene Verhalten der b e-C-2438/2014 Seite 8 troffenen Person zu berücksichtigen (vgl. Urte il des BVGer C-820/2009 vom 9. März 2011 E. 5 m.H.). 5. 5.1 Die Vorinstanz stützt das Einreiseverbot – wenn auch nicht explizit – auf Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG. Die Beschwerdeführerin habe sich während mehr als dreissig Tagen über den bewilligungsfreien Aufen thalt hinaus i l- legal im Schengenraum aufgehalten. Damit liege gemäss ständiger Pr a- xis und Rechtsprechung ein ernstzunehmender Verstoss gegen die ö f- fentliche Sicherheit und Ordnung vor. 5.2 Ausländische Personen, die in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, bedürfen für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen – dies innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nach der Einreise – keiner Bewilligung, und sie müssen sich nicht anmelden (bewilligungsfreier Au f- enthalt; Art. 10 AuG und Art. 9 Abs. 1 VZAE). Die Einreisevoraussetzu n- gen nach Art. 5 AuG müssen während des gesamten bewilligungsfreien Aufenthalts erfüllt sein (Art. 9 Abs. 2 VZAE). An die Höchstaufenthalt s- dauer von 90 Tagen anrechenbar sind dabei Aufenthalte in der Schweiz und im übrigen Schengen -Raum. Das ergibt sich aus dem Vorrang des Schengen-Rechts (Art. 2 Abs. 4 AuG) und der Tatsache, dass sich im An- wendungsbereich des Schengen -Rechts visumspflichtbefreite Drittau s- länder höchstens 90 Tage je Zeitraum von 180 Tagen im Hoheitsgebiet der Schengen -Staaten frei bewegen dürfen, soweit sie die Einreisevo r- aussetzungen erfüllen (vgl. Art. 20 Abs. 1 des Schengener Durchfü h- rungsübereinkommens [SDÜ], Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62], zuletzt geändert durch die Verordnu ng [EU] Nr. 610/2013 ABl. L182 vom 29. Juni 2013). 5.3 Die Beschwerdeführerin hielt sich vom 15. Oktober 2013 bis am 14. Dezember 2013 während 61 Tagen in der Schweiz auf. Vom 6. Jan u- ar 2014 bis zum 3. April 2014 weilte sie erneut für insgesa mt 88 Tage in der Schweiz, mithin vor Ablauf des Zeitraums von s echs Monaten g e- mäss Art. 9 VZAE. Die Beschwerdeführerin hat damit die für einen bewi l- ligungsfreien Aufenthalt zulässige Dauer um 59 Tage überschritten, ohne sich anzumelden bzw. die erforderliche Bewilligung einzuholen (vgl. Art. 10 Abs. 2 und Art. 12 AuG). 5.4 Aufgrund dieses Umstands wurde die Beschwerdeführerin mit Straf- befehl des Statthalteramts Bezirk Bülach vom 24. April 2014 wegen wi-C-2438/2014 Seite 9 derrechtlichen Verweilens im Schengenland Schweiz nach Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthalts von 90 Tagen (vgl. Art. 115 Abs. 1 Bst. b AuG) zu einer Busse von Fr. 350. - verurteilt. Die strafurteilende Behörde ging dabei von einem fahrlässigen Verhalten nach Art. 115 Abs. 3 AuG aus, womit der Beschwerdeführerin zumindest eine pflichtwidrige Unvo r- sichtigkeit vorgeworfen werden kann (vgl. dazu VETTERLI/D'ADDARIO DI PAOLO: in Stämpflis Handkommentar zum AuG, 2010, N 15 zu Vorb. Art. 115 – 120). Unter diesen Umständen ist die Verhän gung eines Einreis e- verbots gerechtfertigt, obliegt es doch jeder Ausländerin und jedem Au s- länder, sich über bestehende Rechte und Pflichten im Zusam menhang mit ausländerrechtlichen Vorschriften ins Bild zu setzen und sich im Falle von Unklarheiten bei de r zuständigen Behörde zu informie ren (vgl. Urteil des BVGer C -3348/2012 vom 20. März 2014 E. 3.3 m.H.). Ein vorsätzli- cher Verstoss gegen ausländerrechtliche Bestimmungen ist mithin nicht erforderlich. 5.5 In dieser Hinsicht wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin habe bei ihrer Einreise in die Schweiz am 6. Januar 2014 nach Vorweisung des Passes die Auskunft erhalten, sie dürfe 88 Tage in der Schweiz bleiben. Dies sei nach Konsultation des Eintrages im elektronischen System des BFM geschehen. Auf diese Auskunft habe sie sich verlassen. Somit habe sie sich nicht strafbar gemacht (vgl. Beschwerde vom 6. Mai 2014 sowie Replik vom 25. Juni 2014). 5.6 Diesbezüglich gilt es zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin le- diglich sehr pauschal darlegt, wie es zur obgenannten falschen Auskunft gekommen sei n soll . Zudem hat sie weder genaue Angaben zur Au s- kunftsperson gemacht noch ihre Behauptung mittels schriftlicher Unterla- gen belegen können . Kommt hinzu, dass sie anlässlich ihrer Einverna h- me durch die Kantonspoliz ei Zürich vom 3. April 2014 noch mit keinem Wort erwähnte, dass sie die falsche Auskunft anlässlich der Passkontrolle erhalten habe, sondern lediglich ganz allgemein geltend machte, sie habe die Information bekommen, sie dürfe – nach ihrem Aufenthalt im letzten Jahr – im neuen Jahr erneut drei Monate hier bleiben; sie habe nicht g e- wusst, dass sie innerhalb von einem halben Jahr nur drei Monate bleiben dürfe (vgl. Rapport vom 3. April 2014) . Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig glaubhaft, dass ihr anlässlich der Ausweiskontrolle eine solche (falsche) Auskunft erteilt wur de, zumal die Einreise- und Ausreisedaten aufgrund von Stempeleinträgen im Reisepass der Beschwerdeführerin problemlos zu ermitteln sind. C-2438/2014 Seite 10 5.7 Im Übrigen ist d er Strafbefehl vom 24. April 2014 in Rechtskraft e r- wachsen. Wieso es der Beschwerdeführerin nicht möglich gewesen sein soll, die zehntägige Ein sprachefrist nach Erhalt des Strafbefehls zu wa h- ren, wie es in der Beschwerde vom 25. Juni 2014 geltend gemacht wird, ist vorliegend nicht ersichtlich, nachdem eine Einsprache der beschuldig- ten Person noch nicht einmal eine Begründung erfordert (vgl. Art. 354 Abs. 2 StPO [SR 312.0 ] sowie Rechtsmittelbelehrung des S trafbefehls vom 24. April 2014). 5.8 Vor diesem Hintergrund gilt es als erstellt, dass die Beschwerdeführe- rin d urch den rechtswidrigen Aufenthalt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen und unter dem Gesichtspunkt von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG hinreichenden Anlass für die Verhängung einer Fernhalt e- massnahme gegeben hat. 6. 6.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des E r- messens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältni s- mässigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine wertende Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Massnahme und den beeinträchtigten privaten Interessen des Betroff e- nen vorzunehmen. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Recht s- güter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die pe r- sönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dabei den Au s- gangspunkt der Überlegungen (vgl. statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHL- MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., 2010, Rz. 613 ff.). 6.2 Die Beschwerdeführerin hielt sich während rund 59 Tage rechtswidrig in der Schweiz auf. Vorliegend kann somit nicht von einem leichten Fehl- verhalten ausgegangen werden, besteht doch an der Einhaltung von Ein- reise- und Aufenthaltsvorschriften ein gewichtiges öffentliches Interesse. Dabei liegt insbesondere ein generalpräventiv motiviertes öffentliches In- teresse an der Fernhaltung der Beschwerdeführerin vor , dies auch im Sinne einer konti nuierlichen Praxis. Zudem ist eine spezialpräventive Zielsetzung der Massnahme darin zu sehen, dass sie die Betroffenen e r- mahnt, inskünftig den für sie geltenden Regeln nachzuleben. In casu e r- scheint eine Reduktion der Verbotsdauer daher nicht als ange zeigt. Dass die begangene Verfehlung nicht vorsätzlich nachzuweisen ist (vgl. E. 5.4), kann vorliegend keine Rolle spielen, sind doch Einreisever bote, wie b e- reits ausgeführt, auch bei fahrlässigen Verstössen gegen Ein -C-2438/2014 Seite 11 reisebestimmungen zu verhängen ( vgl. bspw. vergleichbare Urteile des BVGer C-1712/2011 vom 12. September 2012, C -1667/2010 vom 21. März 2011 und C-7820/2009 vom 4. November 2011). 6.3 Als privates Interesse der Beschwerdeführerin fällt vorliegend ins Gewicht, dass sie seit dem 10. Juni 2014 mit einem Schweizer Bürger verheiratet ist (vgl. Auszug aus dem Heir atsregister vom 24. Juni 2014), womit sie sich grundsätzlich auf das Recht auf Fa milienleben gemäss Art. 8 EMRK und Art. 13 BV berufen kann. 6.4 Diesbezüglich gilt es hingegen vorerst zu erwähnen, dass die Verwirk- lichung des Familienlebens in der Schweiz nicht erst an der ausgespr o- chenen Fernhaltemassnahme scheitert, sondern bereits an der fehlenden Aufenthaltsregelung (vgl. BVGE 2013/4 E. 7.4.1 m.H.). Entsprechende In- teressen wären im Rahmen eines Gesuchs um Familiennachzug zu pr ü- fen und könnten – wie es die Vorinstanz in ihrer Ver nehmlassung vom 17. Juni 2014 bereits festgehalten hat – bei Vorliegen eines positiven Entscheides der kantonalen Behörden zur wiedererwägungsweisen Au f- hebung der Fernhaltemassnahme durch das BFM führen (vgl. Urteil des BVGer C-1638/2011 vom 10. August 20 12 E. 6.3) . Den diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin (vgl. Stellungnahmen vom 25. J u- ni 2014 sowie 27. August 2014) ist zu entgegnen, dass die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung losgelöst vom Einreiseverbot geprüft werden muss (vgl Urteil des BGer 2C_793/2008 vom 27. März 2009 E. 3.2. m.H.). Der Beschwerdeführerin steht zudem die Möglichkeit offen, aus wichtigen Gründen mittels begründetem Gesuch die zeitweilige Suspension der a n- geordneten Fernhaltemassnahme zu beantragen (Art. 67 Abs. 5 A uG). Die Suspension wird aber praxisgemäss nur für eine kurze und klar b e- grenzte Zeit gewährt (vgl. Urteil des BVGer C -2731/2011 vom 18. N o- vember 2011 E. 5.2.5). Zudem könnte der Kontakt während der Dauer des Einreiseverbots auch auf andere Weise (Briefver kehr, Telefon, Skype usw.) gepflegt werden. Möglich wären auch Reisen de s in der Schweiz lebenden Ehemanns in den Aufenthaltsstaat der Beschwerdeführerin. Die mit dem Einreiseverbot verbundenen Einschränkungen sind demnach zu relativieren. Die sich daraus ergebenden Einschränkungen des Familien- lebens sind vom öffentlichen Interesse grundsätzlich gedeckt und von der Beschwerdeführerin hinzunehmen. Schliesslich ist es der Beschwerd e- führerin zuzumuten, die administrativen Erschwernisse zur Durchsetzung ihrer R echte auf sich zu nehmen. Sie hat die Ursachen zur derzeitigen Sachlage gesetzt und ihr obliegt es jetzt, die nötigen Schritte zu unte r- nehmen. C-2438/2014 Seite 12 6.5 Aufgrund einer wertenden Gewichtung der sich entgegenstehenden Interessen gelangt das Bundesverwaltungsgericht z um Schluss, dass sich das auf zwei Jahre befristete Einreiseverbot unter Berücksichtigung der gängigen Praxis in vergleichbaren Fällen als verhältnismässig und angemessen erweist. 7. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung ferner die Ausschre i- bung des Einreiseverbots im SIS angeordnet. Die Beschwerdeführerin ist nicht Bürgerin eines Mitgliedstaates der Europäischen Union. Aufgrund der Ausschreibung im SIS ist es ihr untersagt, den Schengen -Raum zu betreten. Der darin liegende Eingriff wird durch die Bedeutung des Falles gerechtfertigt (vgl. Art. 21 i.V.m. Art. 24 Abs. 2 SIS -II-VO). Zum einen ist aufgrund des Verhaltens der Betroffenen – wie oben ausgeführt – von ei- ner nicht unbeachtlichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Or d- nung auszugehen, zum andern hat die Schweiz die Interessen der G e- samtheit aller Schengen -Staaten zu wahren (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1). Es bleibt den Schengen -Staaten dabei unbenommen, der ausgeschri e- benen Person bei Vorliegen besonderer Gründe die Einreise ins eigene Hoheitsgebiet zu gestatten (vgl. auch Art. 67 Abs. 5 AuG). Die Vorausset- zungen für die Ausschreibung im SIS sind demnach ebenfalls erfüllt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 9. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der B e- schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä di- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320]). (Dispositiv nächste Seite) C-2438/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900.- werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt. Der entrichtete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Beza h- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) – das Migrationsamt des Kantons Graubünden Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: