B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-3576/2012 U r t e i l v o m 9 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Jean-Daniel Dubey, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien D._______, vertreten durch lic. iur. Benedikt Schneider-Koch, Rechtsan- walt, Advokatur & Notariat, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot. C-3576/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die aus Brasilien stammende Beschwerdeführerin (geb. 1983) mit festem Wohnsitz in Italien wurde am 2. Juni 2012 in einem Luzerner Nachtclub durch die Polizei festgenommen. Ihr wurde vorgeworfen, in eine massive tätliche Auseinandersetzung ver wickelt gewesen zu sein. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme stellte sich ausserdem heraus, dass die B e- schwerdeführerin seit ungefähr sechs Wochen in einem in der Rotlich t- szene als Kontaktbar bekannten Hotel logierte, deren Zimmer au s- schliesslich an P rostituierte vermietet werden. Gegenüber der Polizei bestritt die Beschwerdeführerin jedoch, der Prostitution nachgegangen zu sein. Die Luzerner Polizei gewährte ihr das rechtliche Gehör zu einer al l- fälligen Wegweisung aus der Schweiz sowie zu einer allfäl ligen Fernhal- temassnahme (vgl. das Protokoll der Einvernahme vom 6. Juni 2012, Fragen 62 und 63). B. Gestützt auf diesen Sachverhalt verfügte die Vorinstanz am 6. Juni 2012 gegen die Beschwerdeführerin ein Einreiseverbot für die Dauer von drei Jahren. Zur Begründung der Massnahme führte sie im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin habe durch das Ausüben einer Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 des Ausländergesetzes vom 16. Dezem ber 2005 (AuG, SR 142.20) verstossen. Einer allfälligen Beschwerde entzog die Vorinstanz vorsorglich die aufschiebende Wirkung. Mit (unangefochten gebliebener) Verfügung vom 6. Juni 2012 wurde die Beschwerdeführerin vom Amt für Migration des Kantons Luzern aus der Schweiz weggewiesen. C. Mit Rechtmitteleingabe vom 5. Juli 2012 an das Bundesverwaltungsg e- richt lässt die Beschwerdeführerin die Aufhebung des Einreiseverbots sowie in prozessualer Hinsicht die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde beantragen. Im Wesentlichen bringt sie zur Be- gründung vor, sie sei legal in die Schweiz eingereist und habe sich nur vorübergehend als Feriengast in der Schweiz aufgehalten, um Freunde zu besuchen. Im Zuge von tätlichen Auseinandersetzungen in einem L u- zerner Nachtlokal sei sie am 2. Juni 201 2 verhaftet und polizeilich einver- nommen worden. Da sie jedoch unschuldig sei, habe ihr die zuständige Staatsanwaltschaft die Einstellung des Strafverfahrens in Aussicht g e-C-3576/2012 Seite 3 stellt. Sie habe sich weder widerrechtlich in der Schweiz aufgehalten noch sei sie hierzulande erwerbstätig gewesen, gehe sie doch in Italien einer regelmässigen Erwerbstätigkeit nach. D. Am 6. Ju li 2012 reichte die Beschwerdeführerin weitere Beweismittel zu den Akten ( u.a. ein Unterstützungsschreib en einer brasilianischen B e- kannten sowie eine Lohnabrechnung aus Italien). E. Mit Zwischenverfügung vom 18. Juli 2012 gab das Bundesverwaltungsge- richt dem Verfahrensantrag um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde statt mit der Begründun g, der dem Einreisever- bot zugrunde liegende Sachverhalt (illegale Erwerbstätigkeit) gehe nicht aus den dem Gericht von der Vorinstanz zugestellten Akten hervor. F. Am 17. August 2012 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsver- treter unter Hinweis auf ihre Bedürftigkeit die Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege samt Rechtsverbeiständung beantragen. G. Mit Instruktionsverfügung vom 3. September 2012 wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingelade n und aufgefordert, ihre Akten zu vervol l- ständigen. Das BFM beantragt in ihrer ersten Vernehmlassung vom 1. Oktober 2012 die Abweisung der Beschwerde. H. Gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Abteilung 1 Luzern vom 27. August 2012 wegen Ausübens einer Erwerbstätigkeit ohne Bewill i- gung sowie rechtswidri gen Aufenthalts in der Schweiz erhob die B e- schwerdeführerin am 11. September 2 012 fristgerecht Einsprache , wes- halb die Strafsache am 5. November 2012 ans Bezirksgericht Luzern überwiesen wurde. I. Die Vorinstanz beantragt in ihrer ergänzenden Vernehmlassung vom 7. November 2012 die Abweisung der Beschwerde und bringt zusätzlich vor, die Beschwerdeführerin habe seit ihrer Einreise in die Schweiz an der X._______-Gasse in Luzern logiert. Die dortigen Zimmer, die gemäss An-C-3576/2012 Seite 4 gaben der Beschwerdeführerin Fr. 140.- pro Tag kosten würden, gehörten zur Kontaktbar " P ._______" und würden ausschliesslich an Prostituierte vermietet. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, das s die Be- schwerdeführerin einer illegalen Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Dies schon deshalb, w eil sie mit einem monatlichen Erwerbseinkommen von Euro 800.- (als Haushalthilfe in Italien) wohl kaum in der Lage gewesen wäre, die Hotelrechnungen für ihren sechswöchigen Aufenthalt in Luzern zu bezahlen und zusätzlich noch Geld für ihre Mutter ins Ausla nd zu überweisen. J. Mit Instruktionsverfügung vom 21. November 2012 wurden der B e- schwerdeführerin die ergänzende Vernehmlassung der Vorinstanz sowie das vollständige Einvernahmeprotokoll der Kantonspolizei Luzern vom 2. bzw. 6. Juni 2012 zur Kenntnis gebracht und ihr Gelegenheit zur Ste l- lungnahme eingeräumt. K. Mit Replik vom 4. Januar 2013 hält die Beschwerdeführerin an ihrer B e- schwerde und deren Begründung fest. Ergänzend weist sie darauf hin, dass das gegen sie eingeleitete Strafverfahren im Hauptpunk t eingestellt worden sei. Bezüglich des Vorwurfs des illegalen Aufenthaltes und der i l- legalen Erwerbstätigkeit in der Schweiz sei das Verfahren vor dem B e- zirksgericht Luzern hängig, wobei die Unschuldsvermutung gelte. Aus der beigelegten Einstellungsverfüg ung der Staatsanwaltschaft Abtei- lung 1 Luzern vom 27. August 2012 geht hervor, dass die Strafunters u- chung gegen die Beschwerdeführerin wegen Raufhandels, Angriffs und einfacher Körperverletzung eingestellt wurde, nachdem ihr eine Beteil i- gung an der tätlich en Auseinandersetzung vom 2. Juni 2012, welche von ihr von Anfang an bestritten worden war, nicht hatte nachgewiesen we r- den können. L. Mit Urteil vom 11. März 2013 schliesslich wurde die Beschwerdeführerin vom Bezirksgericht Luzern wegen rechtswidrigen Aufe nthaltes in der Schweiz sowie Ausübens einer Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung (Prosti- tution), begangen vom 11. April 2012 bis 2. Juni 2012 in Luzern, X._______-Gasse, zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 10.- sowie einer Busse von Fr. 2 00.- verurteilt. Soweit aus den Akten ersichtlich, ist dieses Urteil mittlerweile in Rechtskraft erwachsen. C-3576/2012 Seite 5 M. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgeset- zes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine A us- nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das BFM, das mit der A n- ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen h at. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts a n- deres bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eing e- reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange- legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhaltes sowie – soweit nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrü n- dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. C-3576/2012 Seite 6 Massgebend ist grundsätzlich die Sachla ge zum Zeitpunkt seines En t- scheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1, BVGE 2011/43 E. 6.1 sowie BVGE 2011/1 E. 2). 3. 3.1 Das BFM verfügt Einreiseverbot e gegenüber weggewiesenen Au s- länderinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachg e- kommen ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AuG). Es kann sodann nach Art. 67 Abs. 2 AuG Einreiseverbote gegen ausländische Personen erlass en, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Aus- land verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a), Soz i- alhilfekosten verursacht haben (Art. 67 Abs. 2 Bst. b) oder in Vorbere i- tungs-, Ausschaffungs - oder Durchs etzungshaft genommen werden mussten (Art. 67 Abs. 2 Bst. c). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt. Es kann für eine längere Dauer ve r- fügt werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentlic he Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann die verfügende Behörde aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG). 3.2 Das Einreiseverbot stellt keine Sanktion dar, sondern eine Massna h- me, um künftigen Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vor- zubeugen (siehe Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Botschaft], BBL 2002 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbe griff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter; sie umfasst unter anderem die Unverletzlichkeit der objekt i- ven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (Botschaft, a.a.O., 3809; vgl. auch Art. 80 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung vom 24. Okto- ber 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201] sowie RAINER J. SCHWEIZER/PATRICK SUTTER/NINA WIDMER, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Sicherheits- und Ordnungsrecht des Bundes, SBVR Bd. III/1, Basel 2008, Teil B, Rz. 13 mit Hinweisen). In diesem Si n- ne liegt nach Art. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE ein Verstoss gegen die öffentl i- che Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfü gungen missachtet werden. Wide r- handlungen gegen Normen des Ausländerrechts fallen ohne weiteres u n-C-3576/2012 Seite 7 ter diese Begriffsbestimmung und können daher Anlass für die Verhä n- gung eines Einreiseverbots sein (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsg e- richts C-2771/2010 vom 3. Februar 2012 E. 4.3), wobei d er Erlass einer solchen Massnahme, wie erwähnt, stets zum Schutz vor künftigen St ö- rungen und nicht im Sinne einer Sanktion erfolgt (vgl. Botschaft, a.a.O., 3813). 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete das Einreiseverbot primär damit, dass die Beschwerdeführerin in de r Schweiz o hne die erforderliche auslände r- rechtliche Bewilligung erwerbstätig gewesen sei. Mit Urteil des Bezirksge- richts Luzern vom 11. März 2013 ist die Beschwerdeführerin des recht s- widrigen Aufenthaltes in der Schweiz sowie der Ausübung einer Erwerb s- tätigkeit ohne Bewilligung (Prostitution), begangen vom 11. April 2012 bis 2. Juni 2012 in Luzern, für schuldig befunden und gestützt auf Art. 115 Abs. 1 Bst. b und c AuG zu einer (bedingt ausgesprochenen) Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 10.- sowie zu einer Busse von Fr. 200.- verur- teilt worden. Für das vorliegende Verfahren ist nicht von Belang, dass das Einreiseverbot erlassen wurde, bevor diese s Strafurteil in Rechtskraft er- wachsen ist, knüpft doch das Einreiseverbot grundsätzlich nicht an die Er- füllung einer Strafnorm, sondern an das Vorliegen einer Polizeigefahr an. Ob eine solche besteht und wie sie zu gewichten ist, hat die Behörde in eigener Kompetenz unter Zugrundelegung spezifisch ausländerrechtl i- cher Kriterien zu beurteilen. Entsprechend ist die Behörde in der Regel nicht gehalten, den rechtskräftigen Abschluss eines Strafverfahrens a b- zuwarten, sofern das strafbare Verhalten – wie in casu – aufgrund der Ak- ten, insbesondere des erwähnten polizeilichen Einvernahmeprotokolls, als hinreichend erstellt betrachtet werden konnte (vgl. Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts C-4953/2010 vom 24. August 2012 E. 6.1 mit Hi n- weis). 4.2 Ein mit Erwerbstätigkeit verbundener Aufenthalt in der Schweiz ist grundsätzlich und ungeachtet seiner Dauer bewilligungspflichtig. Als Er- werbstätigkeit gilt jede üblicherweise gegen Entgelt ausgeübte unsel b- ständige oder selbständige Tätigkeit, selbst wenn sie unentgeltlich erfolgt (Art. 11 Abs. 1 und 2 AuG). Ohne Belang ist, in welchem zeitlichen Au s- mass diese Tätigkeit ausgeübt wird. Das wird in Art. 1a Abs. 1 VZAE aus- drücklich für die unselbständige Erwerbstätigkeit festgehalten, gilt jedoch allgemein. Aufgrund der vorliegenden Akten (vgl. insbesondere das e r- wähnte Urteil des Bezirksgerichts Luzern vom 11. März 2013) ist klar er- stellt, dass die Beschwerdeführerin in der Zeit von Mitte April 2012 bis zu C-3576/2012 Seite 8 ihrer Verhaftung am 2. Juni 2012 der entgeltlichen Prostitution nachging, mithin ohne Bewilligung eine Erwerbstätigkeit ausübte und auf diese Wei- se gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat. Sie hat somit unter dem Gesichtspunkt von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG hinreiche n- den Anlass für die Verhängung eines Einreiseverbots gesetzt , zumal ihr Verhalten darauf schliessen lässt, dass sie auch künftig keine Gewähr für ein Respektieren der schweizerischen Rechtsordnung bieten kann. 5. 5.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme in richtiger Ausübung des E r- messens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältni s- mässigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspun kt ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem öffentlichen Int e- resse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beei n- trächtigten privaten Interessen des Betroffenen andererseits. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse des Ve r- fügungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen (vgl. statt vieler ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allg e- meines Verwaltungsrecht, 6. vo llständig überarbeitete Aufl., Z ü- rich/St. Gallen 2010, Rz. 613 ff.). 5.2 Die Beschwerdeführerin ging in der Schweiz – wie festgestellt – ohne Bewilligung einer Erwerbstätigkeit nach , was zu einer strafrechtlichen Verurteilung führte. Aus dem manifestierten Ver halten de r Beschwerde- führerin, die sich im Übrigen gegenüber den zuständigen Behörden völlig uneinsichtig gezeigt und das inkriminierte Verhalten vehement abgestri t- ten hat, wird auf eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung geschlossen. Das Einreiseverbot h at in erster Linie präventiven Charakter, um einer weiteren illegalen Erwerbstätigkeit de r Beschwerdeführerin entgegenzu- wirken. Die Vorinstanz war demnach berechtigt, zur Abwendung künftiger Störungen ein Einreiseverbot zu verhängen. Den ausländerrechtlich en Normen kommt im Interesse einer funktionierenden Rechtsordnung grundsätzlich eine zentrale Bedeutung zu. Namentlich das generalpr ä- ventiv motivierte Interesse, die ausländerrechtliche Ordnung durch eine konsequente Massnahmenpraxis zu schützen, ist als g ewichtig zu b e- trachten. Überdies liegt eine spezialpräventive Zielsetzung der Mas s- nahme darin, dass sie den Betroffenen ermahnt, bei einer allfälligen künf- tigen Wiedereinreise in die Schweiz nach Ablauf der Dauer des Einreis e- verbots die für ihn geltenden Regeln einzuhalten (vgl. das erwähnte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -2771/2010 vom 3. Februar 2012 C-3576/2012 Seite 9 E. 6.1). Es besteht somit ein gewichtiges öffentliches Interesse an der be- fristeten Fernhaltung der Beschwerdeführerin. 5.3 Die Beschwerdeführerin bringt keine besonderen persönlichen Int e- ressen vor, welche es rechtfertigen würden, von einem Einreiseverbot abzusehen. Das dargelegte öffentliche Interesse fällt demgegenüber stark ins Gewicht. Die Fernhaltemassnahme wirkt im Übrigen nicht absolut. Den Betroffenen steht die Möglichkeit offen, aus wichtigen Gründen die zeitweilige Suspension der angeordneten Fernhaltemassnahme zu bea n- tragen (Art. 67 Abs. 5 AuG), wobei diese praxisgemäss nur für eine kurze und klar begrenzte Zeit gewährt wird (vgl. das Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts C-3304/2009 vom 18. Januar 2012 E. 7.2 in fine mit Hi n- weis). Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden Interessen führt im vorliegenden Fall zum Ergebnis, dass das auf drei Jahre befriste- te Einreiseverbot sowohl vom Grundsatz her als auch in Bezug auf seine Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar stellt. Sie entspricht auch der Praxis in vergleichbaren Fällen (vgl. etwa Urteil e des Bundes- verwaltungsgerichts C -4953/2010 vom 24. August 2012 , C-2900/2009 vom 31. März 2011 , sowie noch unter der altrechtlichen Regelung g e- mäss Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Au f- enthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAG, BS 1 121]: C-4055/2007 bzw. C-4056/2007 vom 21. Januar 2009 und C -43/2006 vom 27. Februar 2007 ). Es liegen keine besonderen Gründe vor, die es rechtfertigen würden, in casu von der bisherigen Praxis abzuweichen. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Ergebnis Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachve r- halt richtig und vollständig feststellt; sie ist auch angemessen (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Der Vollständigkeit halber wird darauf hingewiesen, dass die m it Zw i- schenverfügung vom 18. Juli 2012 vorsorglich angeordnete Wiederhe r- stellung der aufschiebenden Wirkung mit dem vorliegenden Urteil dahi n- fällt. 7. Da der Beschwerde bereits im Zeitpunkt ihrer Einreichung keine Aussicht auf Erfolg zugesprochen werden konn te, ist das im Verlaufe des B e- schwerdeverfahrens gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen C-3576/2012 Seite 10 Rechtspflege samt Verbeiständung (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG) abz u- weisen. Auf die prozessuale Bedürftigkeit, die anscheinend vorliegt, kommt es daher nicht mehr an. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten der Be- schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. des Re g- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173 .320.2]). Aufgrund des Umstandes, dass der Beschwerdeführerin bzw. ihrem Rechtsvertreter vor Einreichung der Rechtsmitteleingabe nur unvollständige Akteneinsicht seitens der Vorinstanz gewährt wurde (vgl. Bst. G und J des Sachve r- halts), rechtfertigt es sic h jedoch, ausnahmsweise auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten (vgl. Art. 63 Abs. 1 letzter Satz VwVG, Art. 6 Bst. b VGKE). (Dispositiv nächste Seite) C-3576/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege samt Rechtsverbeiständung wird nicht stattgegeben. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] zurück) – das Amt für Migration des Kantons Luzern (ad LU […]) Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: