Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. September 2014 (720 14 168 / 219) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhaltes Besetzung Vorsitzender Kantonsrichter Jgnaz Jermann , Kantonsrichter Yves Thommen, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advo- kat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1955 geborene, zuletzt bis April 2009 als se lbständiger Kundenmaurer erwerbstä- tig gewesene A.____ meldete sich am 9. Dezember 201 0 unter Hinweis auf verschiedenste Gesundheitsbeeinträchtigungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlic hen und der erwerblichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Vers icherten ab 20. April 2010 (Ablauf des War- tejahres) einen Invaliditätsgrad von 100 % und ab 1 9. Oktober 2011 einen solchen von 2 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheidverfahrens mit Verfügung vom 9. Mai 2014 für den Z eitraum vom 1. Juni 2011 bis 31. Januar 2012 eine befristete ganze Rente zu. Gleichz eitig hielt sie fest, dass ab 1. Februar 2012 kein Rentenanspruch mehr bestehe. In Bezug auf d en Beginn der befristet zugesproche- nen ganzen Rente wies die IV-Stelle den Versicherten darauf hin, dass der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachu ng des Leistungsanspruchs entstehe. Vorliegend sei seine Anmeldung im Dezember 2010 eingegangen, weshalb die ganze Rente erst ab 1. Juni 2011 ausgerichtet werden könne. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Dr. Alex Hediger, am 4. Juni 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung S ozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte er, es sei die angefochten e Verfügung aufzuheben und es sei ihm auch mit Wirkung über den 31. Januar 2012 hinaus ein e ganze, auf einem mindestens 70 %- igen Invaliditätsgrad basierende Rente auszurichten. Zu dem seien ihm für die o/e-Kosten des vorliegenden Verfahrens der Kostenerlass mit seinem Rec htsvertreter als unentgeltlichem Rechtsbeistand zu bewilligen; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 19. Juni 2014 bewilligte das Kan tonsgericht dem Beschwerdeführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorl iegende Beschwerdeverfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeist ändung mit Advokat Dr. Alex Hediger als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 8. August 2014 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 4. Juni 2014 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Nach Eingang des Leistungsgesuchs des Versicherten holt e die IV-Stelle zur Abklä- rung des medizinischen Sachverhaltes diverse Berichte behandelnder Ärzte ein. Da diese nach Auffassung der IV-Stelle keine abschliessende Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit zuliessen, gab die IV-Stelle beim Institut B.____ eine polydisziplinäre Begutach- tung des Versicherten mit fachärztlichen Untersuchungen in den Bereichen Innere Medizin, Neurologie und Psychiatrie in Auftrag. In ihrem ausfü hrlichen Gutachten, welches sie am 31. Januar 2013 erstatteten, erheben die beteiligten Ärzte folgende Diagnosen mit Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit: ein Alkoholabhängigkeit ssyndrom, gegenwärtig abstinent (seit De- zember 2010), eine chronische Pankreatitis, einen Status nach mehreren Pankreatitis-Schüben, eine exokrine und endokrine Pankreasinsuffizienz, ein pan kreatopritiver Diabetes bei Therapie mit Insulin und - als Sekundärkomplikation - mit einer distal-symmetrischen, zum Teil schmerz- haften, sensiblen Polyneuropathie sowie einen Status nach zweimaliger Bewusstlosigkeit unkla- rer Ursache (07/2011 und 12/2011). In ihrer Beurteilu ng weisen die Gutachter darauf hin, dass der Explorand seit Dezember 2010 abstinent sei, was auc h regelmässig kontrolliert werde. Zur Zeit beklage er diverse Symptome wie eine Schlaflosigkeit , eine schlechte Stimmung, einen Schwindel, eine Reizbarkeit und Nervosität etc. Diese Symptome würden jedoch vom Schwere- grad her nicht das Ausmass einer leichten depressiven Episode erreichen. Der Explorand be- finde sich allerdings in einer schwierigen psychosozialen S ituation mit Arbeitslosigkeit und fi- nanziellen Problemen. Zudem habe er den Fahrausweis, d er ihm wegen Fahrens in angetrun- kenem Zustand entzogen worden sei, noch nicht wieder zurü ckerhalten. Im Rahmen ihrer inter- disziplinären Konsensbeurteilung führen die Gutachter zu r Frage der Arbeitsfähigkeit aus, der Versicherte sei angelernter Maurer und habe zuletzt vo n 2004 bis 2009 als selbständiger Kun- denmaurer gearbeitet. Diese Tätigkeit sei dem Explora nden aus somatischer Sicht nicht mehr zumutbar. Der Grund hierfür liege in den „Gefahren w egen möglicher Bewusstlosigkeiten in Zusammenhang mit zum Beispiel Hypoglykämien (oder alle nfalls epileptischen Anfällen?)“. Zu- dem bestehe wegen der Polyneuropathie insofern eine E inschränkung, als Tätigkeiten mit hö- heren Anforderungen an das Gleichgewichtssystem wie z.B. Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten nicht mehr möglich seien. Für eine adaptierte Tätigkeit, die keine Selbst- und Fremdgefährdung, keine Schichtarbeit und keine höheren Anforderungen an das Gleichgewichtssystem beinhalten dürfe, bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit . Diese Einschätzung gelte seit dem Austritt aus der Klinik C.____ im Oktober 2011. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des G esundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit des Versicherten vollumfänglich auf die Er gebnisse, zu denen die Gutachter des Instituts B.____ in ihrem polydisziplinären Gutachten v om 31. Januar 2013 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte ab April 2010 (Ablauf des Wartejahres) bis zum Austritt aus der Klinik C.____, in welcher er von M itte März 2011 bis Mitte Oktober 2011 stationär behandelt worden war, für sämtliche Tätigkei ten vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Für die Zeit danach, d.h. ab Mitte Oktober 2011, sei dem Beschwerdeführer aus gesamt- medizinischer Sicht eine adaptierte Tätigkeit, die kein e Selbst- und Fremdgefährdung, keine Schichtarbeit und keine höheren Anforderungen an das G leichgewichtssystem beinhalte, im Umfang von 100% zumutbar. Diese vorinstanzliche Beweiswür digung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im R ahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor . Das Gutachten des Instituts B.____ vom 31. Januar 2013 weist weder formale noch inhaltli che Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es be- ruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt d ie geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zu- sammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situa tion ein, es setzt sich mit den vor- handenen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseina nder und es ist in den Schlussfol- gerungen überzeugend. Insbesondere nehmen die Gutachte r auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vor. 5.3 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geeign et, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens des Instituts B.____ vom 31. Januar 2013 in Zweifel zu ziehen. Er beruft sich hauptsächlich auf verschiedene fachärztliche B erichte und Stellungnahmen von Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH (vgl. dessen Schreiben vom 11. Februar 2014, 26. März 2014 und 21. Mai 2014). Darin diagnost iziert dieser beim Versicherten im We- sentlichen ein mittelgradiges dementielles Syndrom, ei ne Alkoholabhängigkeit (gegenwärtig abstinent) und eine mittelgradige depressive Episode ohn e somatisches Syndrom. Auf Grund dieser Leiden besehe beim Versicherten zur Zeit keine unt er den Bedingungen der freien Wirt- schaft verwertbare Arbeitsfähigkeit. Zudem bemängelt Dr. D.____, dass die kognitiven Leistun- gen des Versicherten im Gutachten des Instituts B.____ weder geprüft noch objektiviert worden seien. Vor einer abschliessenden Beurteilung der Leistu ngsfähigkeit sollte deshalb eine neu- ropsychologische Untersuchung des Versicherten erfolgen. W ie die IV-Stelle in ihrer Vernehm- lassung gestützt auf die Beurteilungen von Dr. med. E._ ___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) bei der Basel , vom 17. März 2014, 9. April 2014 und 26. Juni 2014 zutreffend festhält, kann der Beschwerdeführer aus den erwähnten Berichten von Dr. D.____ vorliegend nichts zu seinen Gunsten ableite n. Die IV-Stelle weist zu Recht darauf hin, dass es den Berichten des Dr. D._____ an einer durch gehenden, strikten Differenzierung zwischen subjektiven Angaben und objektiven Befunden mange lt, was den Beweiswert der Be- richte schmälert. Sodann haben die Gutachter des Institut s B.____ - auch darin ist der IV-Stelle Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht beizupflichten - schlüssig aufgezeigt, dass beim Versicherte n die Kriterien der von Dr. D.____ diagnostizierten mittelgradig depressiven Episode nicht erfüllt sind. Letztlich beschreibt dieser, wie die IV-Stelle zutreffend festhält, lediglich eine dysthyme Stimmungslage, wie sie sie bereits die Gutachter des Instituts B.____ festgehalten haben. In Bezug auf den Einwand der fehlenden Prüfung und Objektivierung der kognitiven Leistungen d es Versicherten kann ebenfalls auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle hierzu verwiesen werden. Diese erwähnt zu Recht, dass der Versicherte in den Jahren 2010 und 2011 mehrfa ch hospitalisiert worden ist und dass in keinem der (Austritts-) Berichte je kognitive Störungen beschrieben worden sind oder ein sol- cher Verdacht geäussert worden wäre. Dies steht auch im Einklang mit den Feststellungen der Gutachter des Instituts B.____, lassen sich doch weder dem neurologischen noch dem psychi- atrischen (Unter-) Gutachten Hinweise auf das Vorliege n einer relevanten kognitiven Störung entnehmen. Die von Dr. D.____ gestellte Diagnose ein es mittelgradigen dementiellen Syn- droms vermag deshalb nicht zu überzeugen. Schliesslich kann d er Beschwerdeführer auch aus dem nachgereichten Bericht von Dr. med. F.____, Spital G.____, vom 21. Februar 2014 nichts zu seien Gunsten ableiten. Die darin enthaltenen Diagn osen sind im ZMB-Gutachten ausführ- lich beschrieben und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (mit-) berücksichtigt worden. 6.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. Da der Beschwerdeführer laut dem vorstehend Gesagten nach Ablauf des Wartejah res (April 2010) noch bis Oktober 2011 in sämtlichen beruflichen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig war, kann ohne weitere Erörterungen festgehalten werden, dass der Invaliditä tsgrad im genannten Zeitraum 100 % be- trug. Für die Zeit danach, d.h. ab Mitte Oktober 20 11, in welcher der Versicherte in einer adap- tierten Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig war, hat die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 9. Mai 2014 den zur Ermittlung des Invaliditätsgrades e rforderlichen Einkommensvergleich vor- genommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumutbarem Invali- deneinkommen ab Mitte Oktober 2011 einen IV-Grad von 2 % ermittelt. Die konkreten Berech- nungen sind zwar vom Versicherten in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden, es kann ihnen jedoch, wie im Folgenden zu zeigen sein w ird, nicht in allen Punkten gefolgt wer- den. 6.2 Während das von der IV-Stelle ermittelte Validen einkommen von Fr. 76‘537.-- nicht zu beanstanden ist, kann der vorinstanzlichen Berechnung d es Invalideneinkommens nicht gefolgt werden. Da der Versicherte seit Eintritt der Gesundhe itsschädigung keine zumutbare leidens- angepasste Tätigkeit ausübt, hat die IV-Stelle das Inva lideneinkommen richtigerweise unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruktur erhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/ bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Laut Tabelle TA1 der LSE 2010 belief sich der Zentral wert für die mit einfachen und repetitiven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer im privaten Sektor im Jahre 2010 auf Fr. 4'901.-- (LSE 2010, Privater Sektor, Tabelle TA1, Männer, Total Ziff. 02-96). Die IV-Stelle hat nun allerdings ihrer Berechnung den Zentralwert der im Anforderungsniveau 3 beschäftigten Männer zu Grunde gelegt, welcher sich gemäss LSE 2010 im Jahr 2010 auf Fr. 5‘909.-- belau- fen hat. Auf die Löhne des Anfoderungsniveaus 3 ist ab zustellen, wenn die versicherte Person in der ihr zumutbaren Invalidentätigkeit über Berufs- und Fachkenntnisse verfügt. Diese Vo- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht raussetzung ist im Fall des Beschwerdeführers nun aber ein deutig nicht erfüllt und die IV-Stelle begründet denn auch mit keinem Wort, weshalb vorlieg end vom Zentralwert des Anforderungs- niveaus 3 statt von jenem des Anforderungsniveaus 4 ausgegangen werden soll. Da die IV- Stelle in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung selber das Anforderungsniveau 4 als Ausgangspunkt der Berechnung erwähnt, verhält es sich wo hl so, dass die Übernahme des Betrages von Fr. 5‘909.-- in die konkrete Berechnung des Invalideneinkommens letztlich auf einem Versehen der IV-Stelle beruht, welches nachfolgend entsprechend zu korrigieren ist. 6.3 Bei der Berechnung des Invalideneinkommens des Beschwe rdeführers ist demnach von dem Zentralwert für die mit einfachen und repetit iven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer auszugehen. Dieser hat nach dem oben Gesagten im Jahr 2010 im priva- ten Sektor Fr. 4'901.-- betragen. Dabei ist zu beacht en, dass dieser Tabellenlohn auf einer ein- heitlichen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden beruht und auf die durchschnittliche Wochenar- beitszeit des Jahres 2011 von 41,7 Stunden (vgl. Die V olkswirtschaft 03/2014 S. 88 Tabelle B 9.2) umzurechnen ist. Daraus resultiert ein Monatslohn von Fr. 5'109.30. Dieser Betrag ist der bis ins Jahr 2011 erfolgten Nominallohnentwicklung von + 1,0 % (Bundesamt für Statistik, Die Lohnentwicklung 2012, S. 21, Tabelle T1.1.10, Männer, Total) anzupassen, was ein Invaliden- einkommen von Fr. 5'160.40 pro Monat bzw. ein Jahresgeh alt von Fr. 61'925.-- ergibt. Da der Versicherte laut den massgebenden medizinischen Unterlagen (vgl. E. 5.1 und 5.2 hiervor) in einer solchen Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist, resul tiert für den Beschwerdeführer ein mass- gebendes Invalideneinkommen von Fr. 61'925.--. Setzt m an im Einkommensvergleich dieses Invalideneinkommen dem Valideneinkommen von Fr. 76'537 .-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 14’612.--, was einen Invaliditätsgrad von 19 % und nicht, wie von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung ermittelt, einen solchen von 2 % ergibt. 7. Zu prüfen bleibt, wie sich die festgestellten IV-Gr ade von 100 % (für den Zeitraum vom 20. April 2010 [Ablauf des Wartejahres] bis Mitte Okto ber 2011) bzw. von 19 % (ab Mitte Okto- ber 2011) auf den Beginn und die Dauer des Rentenans pruchs des Beschwerdeführers auswir- ken. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspru ch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Vorliegend hat der Versicherte diesen am 9. Dezember 2010 geltend gemacht. Dies bedeut et, dass ihm - wie die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 9. Mai 2014 zutreffen d entschieden hat - die ganze Rente nicht nach Ablauf des Wartejahres, d.h. per 1. April 2010, sondern erst ab 1. Juni 2011 ausge- richtet werden kann. Nach Art. 88a Abs. 1 IVV der Vero rdnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist eine Verbesserung der Erw erbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen wer den kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu b erücksichtigen, nachdem sie ohne wesentli- che Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussi chtlich weiterhin andauern wird. Nach dem Gesagten liegt beim Versicherten ab Mitte Okt ober 2011 lediglich noch ein IV-Grad von 19 % vor. In Berücksichtigung der genannten Bestimmun g besteht der Anspruch auf die ganze Rente noch während dreier Monate seit der Mitte Oktober 2011 eingetretenen Verbesse- rung der Erwerbsfähigkeit, also noch bis Ende Januar 2 012. Für den Zeitraum danach besteht in Anbetracht des ermittelten Invaliditätsgrades von 19 % kein Rentenanspruch mehr. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle de m Versicherten in der ange- fochten Verfügung vom 9. Mai 2014 zu Recht für die Per iode vom 1. Juni 2011 bis 31. Januar 2012 eine befristete ganze Rente zugesprochen hat. Im Er gebnis ebenfalls nicht zu beanstan- den ist sodann, dass sie in dieser Verfügung gleichzeitig e inen (weiteren) Rentenanspruch mit Wirkung ab 1. Februar 2012 abgelehnt hat. Die vom Ve rsicherten gegen die genannte Verfü- gung erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegrü ndet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun aller- dings mit Verfügung vom 19. Juni 2014 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 19. Juni 2014 die unentgeltliche Verbei- ständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1. Jan uar 2014 geltenden Fassung). beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 2 00.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 18. August 2014 für das vorliegende Verfah- ren einen Zeitaufwand von 9,84 Stunden geltend gema cht, was sich umfangmässig in Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr . 369.--. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘523.95 (9, 84 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Ausla- gen von Fr. 369.-- + 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘523.95 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht