Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Juli 2020 (810 20 107) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Erteilung des Obhutsrechts an den Kindsvater Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Markus Clausen , Jgnaz Jermann, Kantonsrichterin Helena Hess, Ge- richtsschreiberin Yaël Heymann Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführer gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz D.____ , Beschwerdegegner E.____ , Beigeladene Betreff Erteilung des Obhutsrechts an den Kindsvater (Rektifikat der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 24. März 2020) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. F.____ (geb. 2008), G.____ und H.____ (beide geb . 2012) sind die gemeinsamen Kin- der von E.____ und D.____. Die Kindseltern sind geschieden und gemeinsam Inhaber der elter- lichen Sorge. Das Obhutsrecht wurde der in I.____ lebenden Kindsmutter E.____ zugeteilt. B. Mit Verfügung des Zilvilkreisgerichts Basel-Landschaft J.____ vom 5. März 2018 wurde zur Regelung des Besuchsrechts des nicht obhutsberechtigten Elternteils eine Erziehungsbei- standschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 31 5a Abs. 1 des Schweizerischen Zivilge- setzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 errichtet und di e Kindes- und Erwachsenenschutz- behörde C.____ (KESB) beauftragt, eine Beiständin oder einen Beistand zu ernennen. C. Mit Entscheid der KESB vom 17. Mai 2018 wurde K.___ _, Berufsbeistandschaft C.____, zum Beistand der drei Kinder F.____, G.____ und H.____ ernannt und mit der Aufgabe betraut, die Umsetzung des Besuchsrechts zwischen den drei Kindern und dem Kindsvater zu begleiten und zu überwachen sowie den Kindseltern im Sinne von A rt. 308 Abs. 1 ZGB in ihrer Sorge um die Kinder mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. D. Nachdem die Kindsmutter anlässlich eines Gesprächs vom 2 6. November 2019 mit dem Beistand und der KESB wiederholt erklärt hatte, dass e s ihr nicht gut gehe und sie sich wün- sche, dass ihre Kinder für eine gewisse Zeit vom Grossvater mütterlicherseits A.____ und des- sen Partnerin B.____ betreut würden, fand am 11. Deze mber 2019 bei der KESB die Anhörung von D.____ und am 7. Januar 2020 jene der Kinder F.____, G.____ und H.____ statt. E. Am 3. Februar 2020 führte die KESB bei A.____ u nd dessen Partnerin B.____ in L.____ sowie bei D.____ in M.____ Hausbesuche durch. F. Mit Entscheid vom 19. Februar 2020 bzw. Rektifikat vo m 24. März 2020 teilte die KESB die faktische Obhut über die drei Kinder dem Kindsvater zu und räumte der Kindsmutter jedes zweite Wochenende ein Besuchsrecht und dem Grossvater und dessen Partnerin ein Be- suchswochenende pro Monat ein. Zudem wurde der Beistand insbesondere damit beauftragt, den Schulwechsel und Umzug der Kinder zusammen mit den Eltern und den Schulen (in M.____ und I.____) in die Wege zu leiten, am Wohnort des Kindsvaters eine sozialpädagogi- sche Familienbegleitung zu organisieren, zu begleiten un d zu überwachen sowie die Umset- zung des Besuchsrechts zwischen den drei Kindern und der Ki ndsmutter einerseits und dem Grossvater und dessen Partnerin anderseits zu begleiten und zu überwachen. Einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. G. Gegen diesen Entscheid erhoben A.____ und B.____ mit Eingabe vom 30. März 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilu ng Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), und beantragten, es sei die Z uteilung der faktischen Obhut erneut zu prüfen und es sei zu prüfen, ob die Person des Beistands zu wechseln sei. In verfahrensrechtli- cher Hinsicht wurde eine nochmalige Anhörung der drei Kinder beantragt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Stellungnahme vom 6. Mai 2020 beantragte di e KESB, es sei die Beschwerde voll- umfänglich abzuweisen, sofern darauf eingetreten werden kann, unter o/e-Kostenfolge. I. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 15. Mai 2020 wurde der Beistand K.____ er- sucht, dem Kantonsgericht einen kurzen schriftlichen Beri cht über die aktuelle Situation der Kinder, insbesondere über die Wohnsituation, den Umzug stermin und den Schulwechsel, zu erstatten. J. Mit Eingabe vom 4. Juni 2020 reichte der Beistand K.____ den Bericht zur aktuellen Situation der Kinder F.____, G.____ und H.____ ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide einer Kin- desschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erho ben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgese tzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach A rt. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Ver- waltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). 1.2.1 Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwer de befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich ge- schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des a ngefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Als nahestehende Personen gemäss Art. 450 Ab s. 2 Ziff. 2 gelten qualifizierte Drittper- sonen, die sich durch ein besonderes Näheverhältnis zur un mittelbar betroffenen Person von anderen Dritten unterscheiden und dadurch geeignet erscheinen, die Interessen der betroffenen Person wahrzunehmen, und mit der Beschwerde auch tatsäc hlich deren Interessen verfolgen (LORENZ DROESE /D ANIEL STECK , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, 6. Auflage, Basel 2018, N 31d zu Art. 450 ZGB; vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_746/2016 vom 5. April 2017 E. 2.3.2). Es handelt sich dabei nach Lehre und Rechtsprechung um Personen, welche die betroffene Person zufolge Verwandtschaft oder Freundschaft oder wegen ihrer Funktion oder beruflichen Tätigkeit (Arzt, Sozialhelfer, Priester oder Pfarrer etc.) gut kennen und kraft ihrer Eigensch aften sowie kraft ihrer Beziehungen zu dieser als geeignet erscheinen, deren Interessen zu wahre n. Eine Rechtsbeziehung ist nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr die faktische Ve rbundenheit (DROESE /S TECK , a.a.O., N 32 ff. zu Art. 450 ZGB; BGE 137 III 67 E. 3.4.1). 1.2.2 A.____ ist der Grossvater der direkt betroffenen F.____, G.____ und H.____ und gilt damit als diesen nahestehende Person. Der Beschwerdefü hrer verlangt unter anderem eine erneute Prüfung der Obhutszuteilung und eine nochmali ge Kindsanhörung, da die betroffenen Kinder gestanden hätten, dass sie nicht beim Kindsvater, sondern bei ihm und der Beschwerde- führerin wohnen wollten. Der Beschwerdeführer erscheint zur Wahrnehmung der Interessen der Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kinder als geeignet und nimmt sie auch tatsächlich wahr, weshalb seine Beschwerdelegitimati- on als nahestehende Person zu bejahen ist. Ob auch die Beschwerdeführerin zur Beschwerde- erhebung legitimiert ist, kann angesichts des Umstands, da ss auf die gemeinsam frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ohnehin teilweise einzutreten ist, letztlich offengelassen werden. Da die übrigen Prozessvoraussetzungen nach Art. 4 50 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten. 1.3.1 Zu prüfen ist, ob auf alle von den Beschwerdef ührern gestellten Rechtsbegehren ein- zutreten ist. Die Beschwerdeführer beantragen sinngemäss die Übertragung der faktischen Ob- hut über die drei Kinder, einen Wechsel der Beistand sperson sowie die nochmalige Durchfüh- rung der Kindsanhörung. 1.3.2 Vorliegend ist der Entscheid der KESB vom 19. Februar 2020 bzw. 24. März 2020 an- gefochten und bildet damit das Beschwerdeobjekt. Das Beschwerdeobjekt ist jedoch nicht iden- tisch mit dem Streitgegenstand. In der nachträglichen Ve rwaltungsrechtspflege (worunter auch das vorliegende Beschwerdeverfahren vor Kantonsgericht fä llt) ist Streitgegenstand das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet, soweit es im Streit liegt (RENÉ RHINOW /HEINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /DANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl., Basel 2014, Rz. 987 und 1051). Streitgegenstand kann so- mit nur sein, was bereits Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder allenfalls hätte sein sollen. Gegenstände, über welche die erstinstanzlic h verfügende Behörde nicht entschie- den hat und über welche sie nicht entscheiden musste, darf die obere Instanz – abgesehen von hier nicht vorliegenden äusserst seltenen Ausnahmefällen – nicht beurteilen, da sie sonst in die funktionelle Zuständigkeit der Vorinstanz eingreifen würde. Ein Antrag, der über das hinaus- geht, was von der Vorinstanz entschieden wurde, oder de r mit dem Gegenstand der angefoch- tenen Verfügung nichts zu tun hat, ist ungültig (Entsche id des Bundesverwaltungsgerichts A- 5781/2007 vom 18. Juni 2008 [BVGE 2009/37] E. 1.3.1; RHINOW /KOLLER /KISS /T HURN - HERR /B RÜHL -MOSER , a.a.O., Rz. 988; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilun g Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 18. März 2015 [810 14 18 6] E.1.3; KGE VV [810 18 260] vom 19. Dezember 2018 E. 1.2.1). 1.3.3 In der vorliegenden Sache wurde mit dem angefo chtenen Entscheid das faktische Ob- hutsrecht über die drei Kinder dem Kindsvater zugeteilt , wurde die am 5. März 2018 errichtete Beistandschaft weitergeführt und wurden die Aufgaben d es Beistands K.____ erweitert. Hinge- gen war die Einsetzung von K.____ als Beistand, welche bereits mit Entscheid vom 17. Mai 2018 vorgenommen worden war, nicht von dem angefochte nen Entscheid erfasst. Auch kann den Akten nicht entnommen werden, dass die Beschwerdefüh rer gegenüber der KESB einen Antrag auf Wechsel der Beistandsperson gestellt hätten, welcher mit angefochtenem Entscheid durch die Weiterführung der Beistandschaft als stillschwe igend abgewiesen erachtet werden könnte. Damit kann ein Wechsel der Beistandsperson nich t Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden, weshalb auf den Antrag, es sei zu p rüfen, ob die Person des Beistands zu wechseln sei, nicht eingetreten werden kann. Demgegenüber ist das Begehren um Überprüfung der Zuteilung der faktischen Obhut vom Streitgegenstand erfasst und daher im vorliegenden Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahren zu prüfen. Das Begehren um nochmalige Dur chführung der Kindsanhörung stellt ei- nen Verfahrensantrag dar, welcher ebenfalls vom Kant onsgericht zu prüfen ist. Auf die Be- schwerde ist mithin gemäss den vorangehenden Ausführungen teilweise einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Streitgegenstand bilden vorliegend die Fragen der nochmaligen Durchführung der Kindsanhörung sowie der Zuteilung der faktischen Obhut. 4.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Kinder F.____, G._ ___ und H.____ im Beschwerdever- fahren durch das Kantonsgericht nochmals anzuhören sind. 4.2 Gemäss des in Art. 12 Abs. 2 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes (UKRK) vom 20. November 1989 verankerten Grundsatzes, sin d Kinder anzuhören, wenn ein Gerichts- oder Verwaltungsverfahren ihre Angelegenheiten betrifft (CHRISTOPH HÄFELI , Die Auf- hebung der elterlichen Obhut nach Art. 310 ZGB, in: Zeitschrift für Vormundschaftswesen [ZVW], 56 1-2/200 S. 111 ff., S. 122). Gemäss bundesg erichtlicher Praxis ist Art. 12 Abs. 2 UKRK direkt anwendbar (BGE 124 III 93 E. 3a). Die Anhörung dient einerseits der Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Kindes und andererseits der Sachverhaltsermittlung (KURT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bern 2016, N 16 zu Art. 314a ZGB). Die mehrmalige Anhörung kann jedenfalls dort unterbleiben, wo sie einzig um de r Anhörung willen stattfände, namentlich, wenn sie für das Kind eine unnötige Belastung bedeuten würde, wie etwa bei akuten Loyalitäts- konflikten, und überdies keine neuen Erkenntnisse zu erw arten wären. Um eine solche Anhö- rung um der Anhörung willen zu vermeiden, besteht da her die Pflicht, ein Kind anzuhören, in der Regel nur einmal im Verfahren, und zwar nicht nu r auf eine Instanz gesehen, sondern ein- schliesslich des Instanzenzugs (Urteile des Bundesgerichts 5A_ 775/2016 vom 17. Januar 2017 E. 3.3; 5A_724/2015 vom 2. Juni 2016 E. 4.3; 5A_299/ 2011 vom 8. August 2011 E. 5.2). Ein Verzicht auf eine erneute Anhörung setzt allerdings vorau s, dass das Kind zu den entscheidre- levanten Punkten befragt worden und das Ergebnis der A nhörung noch aktuell ist (Urteile des Bundesgerichts 5A_724/2015 vom 2. Juni 2016 E. 4.3; 5A_821/2013 vom 16. Juni 2014 E. 4). 4.3.1 Vorliegend machen die Beschwerdeführer geltend, F.____ und H.____ hätten ihnen unter Tränen gestanden, dass sie – entgegen den Ausführ ungen der KESB – nicht beim Kinds- vater, sondern bei ihnen wohnen wollten. G.____ könne sich zwar vorstellen, beim Kindsvater zu wohnen, wäre aber ebenso gerne bei der Kindsmutter oder bei ihnen. Deshalb seien die Kinder ihrem Alter entsprechend nochmals anzuhören. 4.3.2 Demgegenüber bringt die KESB in ihrer Verneh mlassung vor, F.____, G.____ und H.____ seien bereits am 7. Januar 2020 persönlich dur ch die verfahrensleitende Person der KESB, welche eine Ausbildung als Sozialarbeiterin FH und langjährige Erfahrung in Kindsanhö- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen habe, angehört worden. Die Anhörung sei spiel erisch und in einem kindergerechten Rahmen gestaltet worden. Es sei für alle drei Geschwister je ein Blatt mit bunten Häusern, re- präsentativ für die jeweiligen Wohnsituationen, vorbereitet worden und sie seien anhand dessen befragt worden. Die Kinder hätten sich trotz des Hinwe ises, dass sie nichts erzählen müssten, ungehemmt und frei geäussert und hätten einen aufgest ellten und entspannten Eindruck ge- macht. F.____ habe sich klar dafür ausgesprochen, beim Grossvater wohnen zu wollen. H.____ hingegen habe erklärt, er wolle am liebsten abwechselnd beim Kindsvater und der Kindsmutter wohnen. G.____ sei zunächst zurückhaltend gewesen, konnt e jedoch schliesslich sagen, dass sie glaube, dass es sich beim Kindsvater gut anfühlen würd e. Grundsätzlich sei anzumerken, dass die Kinder in einem Loyalitätskonflikt stünden un d deshalb ihre Aussagen an den jeweili- gen Adressaten anpassen würden, sodass eine erneute Anhö rung keine weitere Klärung brin- ge. 4.3.3 Aus den Akten erhellt, dass die Kinder F.____, G .____ und H.____ am 7. Januar 2020 durch die KESB persönlich befragt wurden, was die Besch werdeführer nicht bestreiten. Ge- mäss Protokoll vom 7. Januar 2020 wurden die Kinder je einzeln zu den möglichen Wohnsitua- tionen anhand drei gezeichneter Häuser angehört und sie konnten sich zur Frage äussern, wie es sich anfühlen würde, beim Kindsvater oder Grossvater zu wohnen. Damit konnten die Standpunkte der drei Kinder in tauglicher Weise Eingan g in das vorliegende Verfahren finden. Die Art und Weise der durchgeführten Anhörung sowie d ie gemäss Protokoll gestellten Fragen sind auch nicht zu beanstanden, weshalb von einer in an gemessener Weise erfolgten Kindsan- hörung ausgegangen werden kann. Betreffend die Frag e, ob die Kinder erneut anzuhören sind, ist zunächst festzuhalten, dass F.____ sich gemäss Protokoll vom 7. Januar 2020 gegenüber der KESB dafür ausgesprochen hat, beim Beschwerdeführ er wohnen zu wollen. Indem die Be- schwerdeführer vorbringen, dass F.____ ihnen das Gleiche w iederholt hat, machen sie keine sich widersprechenden Aussagen geltend. Folglich würde aufgrund unveränderter Aussage gegenüber den Beschwerdeführern eine nochmalige Anhör ung offensichtlich einzig um der An- hörung willen stattfinden, ohne dass neue Erkenntnisse zu erwarten wären. Damit kann eine nochmalige Durchführung der Anhörung von F.____ unte rbleiben. Bezüglich der Geschwister G.____ und H.____ ergibt sich aus dem Protokoll der K indsanhörung, dass sowohl G.____ als auch H.____ erklärt haben, beim Kindsvater leben zu wo llen. So hat G.____ gegenüber der KESB erklärt, dass sie nicht beim Grossvater leben wolle , da man bei ihm im Gegensatz zur Kindsmutter und Kindsvater keinen Spass haben könne. H.__ __ hingegen hat sich für eine ab- wechselnde Betreuung durch den Kindsvater und die Kindsm utter ausgesprochen. Gegen eine erneute Anhörung bringt die KESB zu Recht vor, dass die Kinder – zumindest G.____ und H.____ – in einem Loyalitätskonflikt gegenüber den unt erschiedlichen Familienangehörigen stehen und deshalb ihre Aussagen an den jeweiligen Ad ressaten anpassen. Unter Berücksich- tigung des jungen Alters von G.____ und H.____ und de r damit noch nicht gefestigten eigenen Willensbildung erscheint es nachvollziehbar, dass die Ki nder unterschiedliche Angaben ma- chen, je nachdem, wem gegenüber sie gemacht werden. Es i st folglich naheliegend, dass die jeweilige Aussage gerade für diejenige Person, der geg enüber sie gemacht wird, positiv aus- fällt, die Aussage sich aber durch ein Gespräch mit der a bwesenden Person wieder ändern kann. Deshalb kann nicht davon ausgegangen werden, dass vorliegend eine erneute Anhörung zu neuen Erkenntnissen führen würde, selbst wenn die Ge schwister in Abweichung zu ihren Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ursprünglichen Äusserungen gegenüber den Beschwerdeführe rn erklärt hätten, dass sie bei ihnen leben wollten. Vielmehr würde die nochmalige A nhörung aufgrund des Loyalitätskonflikts gegenüber den unterschiedlichen Familienangehörigen ei ne unnötige Belastung bedeuten. Zu- dem wurden die Kinder erst am 7. Januar 2020 durch di e KESB zu allen entscheidrelevanten Punkten persönlich angehört, weshalb das Ergebnis noch aktuell ist. Demgemäss kann auf eine erneute Anhörung von F.____, G.____ und H.____ verzichtet werden. 4.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass auf eine erneute Anhörung der Kinder verzichtet wird, womit der Antrag auf erneute Anhörung abgewiesen wird. 5.1 Weiter ist zu prüfen, ob die KESB die faktische Ob hut über die Kinder F.____, G.____ und H.____ zu Recht dem Kindsvater und nicht dem Grossva ter und dessen Partnerin zugeteilt hat. 5.2.1 Die Vorinstanz bringt im angefochtenen Entsche id sowie in ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2020 zusammenfassend vor, dass beim Kindsvater anl ässlich der Anhörung vom 11. Dezember 2019 eine klare Einstellungsänderung zu erkennen gewesen sei, dies im Gegen- satz zu einem im Rahmen des Scheidungsverfahrens in Auftrag gegebenen Gutachten bzw. zur Beantwortung der Ergänzungs-/Erläuterungsfragen vom 4. Januar 2019. Der Kindsvater scheint erkannt zu haben, dass seine Aufgabe als Vater nicht dar in bestehe, jemand anderen zu su- chen, der die (Erziehungs-)Verantwortung für die Kinde r übernehmen kann, sondern es scheint ihm klar zu sein, dass nun der Moment gekommen sei, in dem er die Verantwortung über die Kinder übernehmen muss. So habe er erklärt, dass er die Kinder niemals der Kindsmutter weg- nehmen würde, werde sie aber unterstützen, wenn sie di es benötige. Er habe immer gedacht, dass er als Mann arbeiten müsse und nicht für die Erziehu ng der Kinder zuständig sei. Nun ha- be sich die Situation geändert und er sei bereit, die Verantwortung für die Betreuung zu über- nehmen. Der Grossvater wäre nur dann eine Option, wen n er selbst nicht präsent wäre. Weiter führt die KESB aus, dass sich der Kindsvater bereits mit d er Betreuung und Unterstützung der Kinder auseinandergesetzt habe und auch durch seine Fa milie ein unterstützendes Umfeld ha- be. Zudem betone der Beistand, dass die Besuche beim Kindsvater sehr gut verlaufen würden. Betreffend eine mögliche Platzierung beim Grossvater u nd dessen Partnerin bringt die KESB vor, dass beim Hausbesuch vom 3. Februar 2020 die Beschw erdeführer nicht authentisch ge- wirkt hätten. Sie seien darauf bedacht gewesen, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Ausser- dem habe die Kindsmutter anlässlich der Information üb er die Hausbesuche und die dabei ge- wonnenen Eindrücke der KESB erklärt, dass sie nicht mehr von einer Platzierung der Kinder bei den Beschwerdeführern überzeugt sei. Sofern die KESB eine Platzierung der gemeinsamen Kinder beim Kindsvater entscheiden würde, sei dies für sie in Ordnung. Weiter bringt die KESB vor, dass ein Eingriff in die Elternrechte des Kindsvat ers durch Übertragung der Obhut auf den Grossvater nicht verhältnismässig sei, da der Kindsvater in der Lage sei, die elterlichen Aufga- ben und die ihm obliegenden Pflichten ausreichend wahrzunehmen. 5.2.2 Demgegenüber machen die Beschwerdeführer im We sentlichen geltend, dass die Er- ziehungs- und Betreuungsfähigkeit des Kindsvaters zweifelhaft sei. Er werde die Verantwortung in der Erziehung der Kinder an Dritte abgeben, was ni cht im Interesse der Kinder stehe. Sie Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hingegen hätten die Kinder seit den Herbstferien 201 9 bereits regelmässig und längerfristig be- treut und würden die Schulsituation und die Schulwege kennen. Sie seien sich über die Trag- weite, drei schulpflichtige Kinder zu betreuen, im Kl aren, hätten bereits für Unterstützung ge- sorgt und würden noch weitere Hilfe in Erziehungsbelangen in Anspruch nehmen. 5.3.1 Nach Art. 298d Abs. 1 und 2 ZGB regelt die Kin desschutzbehörde die Zuteilung der Obhut auf Begehren eines Elternteils, des Kindes oder von Amtes wegen neu, wenn dies we- gen wesentlicher Änderung der Verhältnisse zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist. Mit der Zuteilung der Obhut an einen Elternteil im Rahmen d er gemeinsamen Sorge ist auch der per- sönliche Verkehr zu regeln. Ob eine wesentliche Veränd erung vorliegt, beurteilt sich aufgrund sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5C.34/2006 vom 27. Juni 2006 E. 1.1; KGE VV [810 17 16] vom 17. Mai 2017 E. 7.1). 5.3.2 Die Obhut umfasst nach dem neuen Recht nicht me hr das Aufenthaltsbestimmungs- recht, sondern nur noch die Befugnis zur täglichen Betr euung des minderjährigen Kindes, und damit das Recht mit ihm in häuslicher Gemeinschaft zu le ben und die Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit seiner Pflege und laufenden Erziehun g auszuüben (BGE 142 III 612 E. 4.1). Mit der Obhut ist damit die Frage der Betre uung des Kindes im Alltag verbunden. Ne- ben der Berücksichtigung der Anträge der Eltern ist der Einbezug der Meinung des Kindes und die Berücksichtigung seiner Wünsche und Bedürfnisse von vor rangiger Bedeutung (vgl. BGE 142 III 612 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 5A_627/20 16 vom 28. August 2017 E. 5.1). Mit dem Entscheid über die Obhut im Rahmen gemeinsamer el terlicher Sorge greift das Gericht bzw. die KESB jedoch insofern in die elterliche Sorge ein, als es das Aufenthaltsbestimmungs- recht des Elternteils ohne Obhut beschränkt; es wird ihm aber nicht entzogen. In der Wirkung kommt die behördliche Obhutszuteilung für den Elternte il ohne Obhut einer Massnahme nach Art. 310 ZGB nahe, in den Voraussetzungen unterscheidet sich dieser Eingriff aber insofern, als nicht eine Gefährdung des Kindeswohls im Raum steht, sond ern mangels elterlicher Einigung durch eine ausserfamiliäre Instanz autoritativ eine für die Lebensumstände des Kindes aus- schlaggebende Entscheidung zu fällen ist (vgl. AFFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 26 zu Art. 310/314b ZGB). 5.3.3 Unter neuem Recht bleiben die von der Rechtspre chung entwickelten Kriterien für die Obhutszuteilung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts 5A_ 985/2014 vom 25. Juni 2015 E. 3.2.1). Nach der Rechtsprechung ist oberste Maxime de s Kindesrechts das Kindeswohl; es ist für die Regelung des Eltern-Kind-Verhältnisses demna ch immer der entscheidende Faktor, während die Interessen und Wünsche der Eltern in den H intergrund zu treten haben (vgl. BGE 142 III 612 E 4.2). Einbezogen werden müssen zunächst d ie bestehenden Beziehungen des Kindes zu den beiden Elternteilen. Entscheidend ist sod ann die Erziehungsfähigkeit der Eltern. Dazu kommen ihre Eignung und Bereitschaft, sich persönlich um die Kinder zu kümmern und sich mit ihnen zu beschäftigen, sowie die Kooperationsber eitschaft und die Bereitschaft, insbe- sondere die Beziehung zum anderen Elternteil zuzulassen (Urteil des Bundesgerichts 5A_985/2014 vom 25. Juni 2015 E. 3.2.1; KGE VV [810 1 8 219] vom 19. Dezember 2018 E. 7.5). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4.1 Unbestritten ist, dass die drei Kinder, zumindest vorübergehend, nicht mehr unter der Obhut der Kindsmutter, welche ihr mit Scheidungsurteil vom 7. Mai 2019 zugeteilt wurde, ver- bleiben können. Gemäss Aktenlage beantragt die Kindsmutter aufgrund gesundheitlicher Belas- tung selbst, dass die Kinder für eine gewisse Zeit nicht mehr von ihr betreut werden. Zunächst wünscht sie sich, dass ihr Vater und dessen Partnerin die B etreuung der Kinder übernehmen, wäre aber schliesslich doch nicht gegen die Betreuung du rch den Kindsvater (vgl. Aktennotiz der KESB vom 12. Februar 2020). Vor diesem Hintergru nd hat die Vorinstanz im Hinblick auf eine Obhutsumteilung eine Interessensabwägung vorgenomm en und die Obhut schliesslich dem Kindsvater zugeteilt. Im vorliegenden Fall ist die von der Kindsmutter geltend gemachte Belastung und die daraus folgende Einschränkung der Be treuungsmöglichkeit als wesentliche Änderung der Verhältnisse und die von der Vorinstanz vorg enommene Obhutsumteilung als entsprechende Anpassung im Sinne von Art. 298d ZGB zu qualifizieren. 5.4.2 Betreffend das vorinstanzliche Vorgehen ist vollstä ndigkeitshalber darauf hinzuweisen, dass dem angefochtenen Entscheid in keiner Weise entnomme n werden kann, auf welche ge- setzliche Grundlage sich die Neuregelung der Obhut stütz t. Die Vorinstanz äussert sich erst in ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2020 dazu, indem sie im Rahmen rechtlicher Erwägungen auf Art. 307 ZGB verweist, wonach die Kindesschutzbehörde die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes trifft, wenn das Wohl des Kindes gefährd et ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder sie dazu ausserstande sind (v gl. Art. 307 Abs. 1 ZGB). Diesbezüg- lich ist jedoch festzuhalten, dass die Bestimmung in Art . 307 Abs. 1 ZGB zwar eine generelle Grundlage zu behördlichem Einschreiten bietet und die offene Formulierung es der KESB er- möglicht, im Rahmen der Rechtsordnung und mit einem we iten Ermessensspielraum jene An- ordnungen zu treffen, welche geeignet sind, die Gefährdung des Kindeswohls abzuwenden (Ur- teil des Bundesgerichts 5A_457/2009 vom 9. Dezember 2009 E. 4.3; H EINRICH HONSELL , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweize rischen Zivilgesetzbuch, 6. Auflage, Basel 2018, N 6 f. zu Art. 4 ZGB). Der in Abs. 3 des Art. 307 ZGB beispielhaft aufge- führte Massnahmekatalog wird aber durch das typengebund ene Massnahmensystem des Kin- desrechts, insbesondere die Beistandschaft (Art. 308), d ie Aufhebung des Aufenthaltsbestim- mungsrechts (Art. 310) und die Beschränkung gemeinsamer elterlicher Sorge durch behördli- che Regelung von Teilaspekten (Art. 298d), ergänzt. D amit dürfen gestützt auf Art. 307 ZGB keine Massnahmen angeordnet werden, für welche das Gese tz eine spezifische Rechtsgrund- lage zur Verfügung stellt (A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 27 ff. zu Art. 307 ZGB). Eine Obhutsumteilung kann folglich nicht gestützt auf Art . 307 ZGB angeordnet werden, sondern hat entweder bei Vorliegen einer Kindeswohlgefährdung du rch Entzug des Aufenthaltsbestim- mungsrechts verbunden mit einer behördlichen Platzierung gemäss Art. 310 ZGB, oder aber durch eine Neuregelung der Obhut gemäss Art. 298d Abs. 2 ZGB zu erfolgen. Da in casu das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Kindsmutter nicht entzogen wurde und ohnehin die Neurege- lung der Obhut nicht mit einer Kindeswohlgefährdung begründet wurde, kann die Zuteilung der faktischen Obhut an den Kindsvater nur als Neuregelung der Obhut im Sinne von Art. 298d Abs. 2 ZGB erfolgt sein. 5.4.3 Ungeachtet der Rechtsgrundlage für die Zuteilu ng der faktischen Obhut ist zunächst festzuhalten, dass gemäss Akten sowohl die Kindsmutter als a uch der Kindsvater Inhaber der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht elterlichen Sorge sind (vgl. Mitteilung über eine Ehesch eidung des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft J.____ vom 28. Mai 2019). Damit tragen die Kindseltern (gesetzlich sowie natur- rechtlich) die umfassende Verantwortung für die Kinder (vgl. B REITSCHMID , a.a.O., N 1 zu Art. 307 ZGB). Sofern die Kindsmutter als obhutsberec htigter Elternteil die Betreuung der Kin- der im Alltag nicht mehr gewährleisten kann, ist zunäch st zu prüfen, ob der Kindsvater unter Berücksichtigung der für die Frage der Obhutszuteilung massgebenden Kriterien mit den Kin- dern in häuslicher Gemeinschaft leben kann und dazu ber eit ist (vgl. Erwägung 5.2.3). Ist dies aus besonderen Gründen nicht möglich und wird dadurch das Wohl der Kinder gefährdet, muss eine geeignete Massnahme, beispielsweise eine Fremdplat zierung der Kinder bei nahen Ver- wandten, anstelle der Kindseltern durch die Behörde getroffen werden. Um die faktische Obhut über die Kinder F.____, G.____ und H.____ den Beschwe rdeführern zuzuteilen, müssen folg- lich besondere Gründe vorliegen, die gegen die Betreu ung der Kinder durch den Kindsvater sprechen. 5.4.4 Aus den Akten geht hervor, dass der Kindsvater den Wunsch geäussert habe, für die Betreuung der drei Kinder aufzukommen und die Verant wortung für deren Erziehung zu über- nehmen. Der Beistand führt in seinem Bericht vom 4. Jun i 2020 aus, dass der Kindsvater die Kinder in der neuen Schule in M.____ bereits angemeldet habe und die Tagesbetreuung für die Kinder selbständig organisiert habe. Die Schulleitung habe dem Beistand bestätigt, dass die Kinder von Montag bis Dienstag sowie Donnerstag bis Freit ag jeweils bis Arbeitsschluss des Kindsvaters von der Schule betreut werden können. Gemä ss Angaben des Kindsvaters könne seine Schwester jeweils am Mittwoch die Betreuung übernehmen. Zudem sei der Kindsvater mit einer sozialpädagogischen Familienbegleitung zur Unterst ützung einverstanden, welche aufge- gleist werde. Der Bericht des Beistands bestätigt damit die Ausführungen der Vorinstanz, wo- nach dem Kindsvater nun klar sei, dass er aufgrund der Be lastung der Kindsmutter die Verant- wortung übernehmen müsse und dies auch möchte. Indem d er Kindsvater sich bereits mit dem Schulwechsel und der Tagesbetreuung der Kinder auseina ndergesetzt hat, lässt er seinen Wil- len und seine Bereitschaft erkennen, die Betreuung d er Kinder sowie die Verantwortung über sie zu übernehmen. Zwar müssen die Kinder aufgrund des Arbeitspensums des Kindsvaters tagsüber fremdbetreut werden, doch steht dies insgesamt einer persönlichen Einbringung in die Betreuung der Kinder nicht entgegen. Betreffend die Frage der Erziehungsfähigkeit, welche von den Beschwerdeführern angezweifelt wird, ist festzuhalt en, dass sich aus dem im Rahmen des Scheidungsverfahrens in Auftrag gegebenen Gutachten bzw. der Beantwortung der Ergän- zungs-/Erläuterungsfragen vom 4. Januar 2019 ein Vorbeh alt in Bezug auf die Fähigkeit des Kindsvaters, seine an sich adäquaten Erziehungseinstellung en im pädagogischen Alltag umzu- setzen, ergab. Begründet wurde dies im Wesentlichen mi t dem traditionellen Rollenverständnis des Kindsvaters, der sich bloss als Versorger und Ernähre r der Kinder sehe, weshalb fraglich sei, ob er bei einer Umplatzierung der Kinder von diesem Rollenmodell wegkommen könnte und den erforderlichen Rollenwechsel zum emotional verfügba ren Vater und zur Hauptbezugsper- son der Kinder vollziehen könnte. Auch fehle eine konkrete Planung, wie die Betreuung der Kinder gestaltet werden solle. Gestützt auf die Akten kann diesbezüglich festgehalten werden, dass eine konkrete Planung, wie die Betreuung ausgestalte t sein solle, zumindest im Vergleich zu den Verhältnissen im Zeitpunkt des Gutachtens, im jetzigen Zeitpunkt vorliegt. So ist gemäss Bericht des Beistands tagsüber die Betreuung der Kinder entweder durch die Tagesstruktur-Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angebote der Schule oder aber durch die Schwester des Kindsvaters gewährleistet. Zudem hat der Kindsvater gemäss Ausführungen der Vorinstanz durch seine Familie ein unterstützendes Umfeld, sodass nötigenfalls auf sie zurückgegriffen werd en könne. Auch ist es dem Kindsvater möglich, seine Arbeitszeiten so einzurichten, dass er jeweils am Morgen genügend Zeit mit den Kindern verbringen kann, bis diese in der Schule sind. Bezüglich der Wohnsituation des Kinds- vaters ist festzuhalten, dass diese durch die KESB als kin dsgerecht erachtet wurde. Zwar geht die Vorinstanz auch bei den Beschwerdeführern von einer kindsgerechten Wohnsituation aus, doch entstand bei diesen im Gegensatz zum Kindsvater der E indruck, dass sie sich nicht voll- ständig bewusst seien, was der Alltag mit den drei schul pflichtigen Kindern bedeuten würde. Die Vorinstanz ist aufgrund der gesamten Lebensverhältniss e zu Recht zum Schluss gelangt, dass der Kindsvater in der Lage ist, die ihm obliegenden Pflichten, namentlich die Kinder so zu betreuen, wie diese es im Rahmen ihres Wohls, ihrer Pf lege und Erziehung benötigen, ausrei- chend wahrzunehmen. Die Aktenlage lässt nicht die begr ündete Annahme zu, dass der Kinds- vater nicht geeignet wäre, die Obhut über die Kinder F.____, G.____ und H.____ angemessen auszuüben. Der Wunsch von F.____, bei den Beschwerdefüh rern zu wohnen, hat angesichts des allgemeinen Bedürfnisses, die Geschwister zusammen zu b elassen, was letztlich ihrem Wohl entspricht, in den Hintergrund zu treten. Die von der Vorinstanz angeordnete Übertragung der Obhut an den Kindsvater erweist sich als im Wohl der drei Kinder und damit als bundes- rechtskonform. Bezüglich der Unterstützung des Kindsvaters bei der Erziehungsarbeit kann festgehalten werden, dass die KESB im vorliegenden Fal l gleichzeitig mit der Übertragung der Obhut den Beistand mit der Aufgabe betraut hat, eine sozialpädagogische Familienbegleitung zu organisieren. Es handelt sich diesbezüglich um eine m ildere Massnahme als eine Fremdplatzierung bei den Beschwerdeführern, die im vorl iegenden Fall zur Gewährleistung der nötigen Unterstützung angezeigt aber vorerst auch genügend erscheint. 5.4.5 Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass ke ine besonderen Gründe vorliegen, die gegen eine Betreuung der Kinder durch den Kindsv ater sprechen. Insgesamt bestehen kei- ne begründeten Zweifel an der Eignung des Kindsvaters, welche es rechtfertigen würden, die Obhut einer anderen Person als einem Elternteil zu übe rtragen. Damit ist die Zuteilung der fak- tischen Obhut an den Kindsvater nicht zu beanstanden un d die Beschwerde auch in diesem Punkt abzuweisen. 6. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpfl ichtig. Die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'400.-- sind dem Ausgang des Verfahrens entsprechend den Be- schwerdeführern aufzuerlegen und mit dem geleisteten K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Die Parteikosten werden gemäss § 21 VPO wettgeschlagen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- gehen zu Lasten der Beschwerdeführer und werden mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin