B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6315/2011 U r t e i l v o m 2 1 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter François Badoud. Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 17. Oktober 2011 / N (…). E-6315/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess gemäss eigenen Angaben Sri Lanka am 20. Februar 2010, reiste am 21. Februar 2010 in die Schweiz ein und suchte am folgenden Tag um Asyl nach. Anlässlich der Befragungen machte er geltend, er stamme aus B._______, Jaffna District (Nordpro- vinz). Von 1984 bis 1990 habe er bei C._______, danach bis Ende 1996 in E._______, anschliessend bis Januar 2009 in D._______ (Vanni- Gebiet) und danach bis zur Ausreise in C._______ gelebt. B. Mit Verfügung vom 24. März 2010 stellte das BFM fest, der Beschwerde- führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Wegen Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs ordnete es die vorläufige Aufnahme an. Die Verfügung e r- wuchs unangefochten in Rechtskraft. C. Mit Schreiben vom 30. Juni 2011 teilte das BFM dem Beschwerdeführer mit, aufgrund der verbesserten Situation in Sri Lanka beabsichtige es, die vorläufige Aufnahme aufzuheben. Zur Einreichung einer Stellungnahme setzte es ihm Frist. D. Mit Eingabe v om 12. Juli 2011 reichte der Beschwerdeführer seine Stel- lungnahme ein und führte aus, er stamme aus B._______. 1990 sei er von dort nach E._______ und anschliessend nach C._______ gegangen. Ab 1997 habe er in D._______ gelebt. Sowohl sein Geburtsort als au ch sein letzter Aufenthaltsort würden in der Sperrzone liegen. Sodann sei die Lageeinschätzung des BFM unzutreffend. Die Ausnahmegesetze seien nach wie vor in Kraft und bei der Niederschlagung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch ge- genüber tamilischen Zivilpersonen begangen worden. Der Beschwerd e- führer sei bereits früher der Unterstützung der LTTE verdächtigt worden. Hinzu komme, dass sowohl sein Vater als auch die Grossmutter getötet worden seien und der Bruder verschwunden sei. Schliesslich habe er sich in der Schweiz gut integriert , namentlich auch berufl ich. Aufgrund dieser Umstände sei ihm die vorläufige Aufnahme zu belassen. E-6315/2011 Seite 3 E. Mit Verfügung vom 17. Oktober 2011 hob das BFM die vorläufige Au f- nahme auf und setzte dem Beschwerdeführer Frist zum Verlassen der Schweiz. F. Mit Eingabe vom 21. November 2011 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, verbunden mit der Weisung, die Verfügung vom 24. März 2010 sei in Wiedererwägung zu ziehen, das Asylverfahren wieder aufzunehmen, unter ausdrücklicher Aufrechterha l- tung der vorläufigen Aufnahme. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben, die Sache zur Prüfung der aktu ellen Asylgründe, zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neu- beurteilung an das BFM zurückzuweisen, unter ausdrücklicher Aufrech t- erhaltung der vorläufigen Aufnahme. Eventuell sei die Verfügung aufz u- heben und die Flüchtlingseigenschaft durch das Gericht festzustellen. Das BFM sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und die Unzulässigkeit des Vol l- zugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme a nzu- ordnen. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben. Bei Aufhebung und Rückweisung sei das BFM anzuweisen, sämtliche Herkunft sländerinfor- mationen offenzulegen. Eventuell sei das BFM im Rahmen des B e- schwerdeverfahrens anzuweisen, sämtliche Herkunftsländerinfo rmatio- nen offenzulegen und Frist zur Einreichung einer Stellungnahme anz u- setzen. Vor Gutheissung der Beschwerde sei dem Anwalt eine angeme s- sene Frist zur Einreichung einer detaillierten Kostennote anzusetzen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer d ie in der Rechtsmi t- teleingabe aufgeführten Belege 3 bis 22 ein. G. Am 30. November 2011 bestätigte der damals zuständige Instruktion s- richter den Eingang der Beschwerde. H. Das BFM beantragt e in der Vernehmlassung vom 26. Juli 2012 die A b- weisung der Beschwerde. Am 16. August 2012 unterbreitete der damals zuständige Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer die Vernehmla s- sung zur Stellungnahme. E-6315/2011 Seite 4 I. Mit Eingabe vom 10. September 2012 antwortete der Beschwerdeführer und reichte die im Schreiben aufgeführten Belege 23 bis 58 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Ausländerrechts betre f- fend die vorläufige Aufnahme endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 des Bundes - gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Der Beschwer- deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 112 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20] i.V.m. Art. 50 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – unter Vorbehalt der nachstehenden E r- wägung E.1.2 – einzutreten. 1.2 Beschwerdegegenstand bildet einzig die Frage, ob die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme Recht verletz t. Die Verfügung des BFM vom 24. März 2010 und damit die Feststellung, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist demgegenüber unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Soweit der Beschwerdeführer eine retrospekt i- ve Prüfung der F lüchtlingseigenschaft verlangt, nimmt er eine unzuläss i- ge Erweiterung des Beschwerdegegenstandes vor. Auf die Beschwerde ist insoweit nicht einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, unr ichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Unangemessenheit hin (Art. 49 VwVG). E-6315/2011 Seite 5 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt e ine Verletzung von Art. 18 des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31). Dazu führt er aus, m it der Eingabe vom 12. Juli 2011 sei dargelegt worden, dass er seit der Rechts- kraft der Verfügung vom 24. März 2010 eine Verfolgung durch paramilit ä- rische Gruppierungen und der sri -lankischen Armee befürchte. Damit ha- be er klar zum Ausdruck gebracht, dass er aufgrund der aktuellen Lage in Sri Lanka um Schutz vor Verfolgung ersuche. Das BFM hätte ein neues Asylverfahren durchführen müssen. 3.2 Befindet sich ein Betroffener in einem anderen Verfahren als dem Asylverfahren – wie vorliegend in einem Verfahren betreffend die Aufhe- bung einer vorläufigen Aufnahme – und stellt er nicht ausdrücklich ein Asylgesuch, sondern macht in diesem anderen Verfahren Sachverhalte geltend, die möglicherweise gemäss Art. 18 AsylG als Asylgesuch zu b e- handeln wären, so hat die Behörde nach d em Willen der betroffenen Per- son zu forschen beziehungsweise dieser Gelegenheit einzuräumen, sich zu äussern. Kommt die für das laufende Verfahren zuständige Behörde zum Schluss, die betroffene Person wolle kein Asylgesuch stellen oder verneint diese es ausdrücklich, so ist nicht ersichtlich, weshalb sie entg e- gen ihrer Absicht ins Asylverfahren verwiesen werden sollte (vgl. BVGE 2010/42 E. 11.1.2 S. 603 f.). In der Stellungnahme zur angezeigten Aufhebung der vorläufigen Au f- nahme ersuchte der damalige Rechts vertreters des Beschwerdeführers ausdrücklich darum, dem Beschwerdeführer die vorläufige Aufnahme zu belassen. Zur Begründung verwies er auf die seiner Ansicht nach falsche Lageeinschätzung des BFM und hielt fest, die beiden ehemaligen Wohn- orte des Beschwerdeführers würden in der Sperrzone liegen. Eine Rüc k- kehr sei daher nicht zumutbar. Schliesslich verwies er auf die gute Inte g- ration des Beschwerdeführers in der Schweiz. Aus diesen Ausführungen lässt sich entgegen der heutigen Ansicht des Beschwerdeführers nicht auf das Stellen eines zweiten Asylgesuchs schliessen. Die Vorinstanz hat demnach die Eingabe vom 12. Juli 2011 zu Recht nicht als neues Asylge- such entgegengenommen. Die erhobene Rüge erwe ist sich als unb e- gründet. 3.3 Der Beschwerdeführer rügt weiter die Verletzung der Begründung s- pflicht. Die angefochtene Verfügung führe einzig die UNHCR Richtlinien E-6315/2011 Seite 6 aus dem Jahre 2010 an und nenne keine anderen verwendeten Länderin- formationen als Quellen. Die Offenlegung beziehungsweise Auflistung sämtlicher verwendeter Quellen in Verfügungen ist im Verwaltungsverfahren weder üblich noch erforderlich. Indes muss g emäss konstanter Rechtsprechung der En t- scheid so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. Namentlich müssen die Überlegungen kurz gena nnt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt (BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Vorliegend hat die Vorinstanz unter Bezu g- nahme auf die UNHCR Richtlinien ausreichend dargelegt, aus welchen Gründen sie die Voraussetzungen zur Aufhebung der vorläufigen Au f- nahme als gegeben erachtet. Die Beschwerde selbst zeigt denn auch , dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt somit nicht vor. 4. 4.1 Weiter rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe den rechtse r- heblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt. 4.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fa l- scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demg e- genüber unvollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentl i- chen Sachumstände berücksichtigt werden ( ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄ- NER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Zü- rich 1998, 2. Aufl., Rz. 630). 4.3 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, die Vorinstanz hätte ihm Gelegenheit gegeben müssen, sich mündlich zu r aktuellen Verfo l- gungssituation zu äussern und zusätzliche Beweismittel zu bezeichnen. Im Rahmen des Asylverfahrens wird ein Asylsuchender zunächst summa- risch befragt (Art. 26 AsylG), danach vertieft zu den Asylgründen angehört (Art. 29 AsylG) und, sofern weitere Abklärungen erforderlich sind , ergän- zend angehört (Art. 41 Abs. 1 AsylG). Betreffend die Aufhebung der vo r- läufigen Aufnahme kennt das AsylG keine besonderen verfahrensrechtl i- chen Bestimmungen. Das Verfahren ric htet sich demnach nach Art. 30 VwVG. Gemäss dieser Bestimmung hört die Behörde die Partei an, bevor sie verfügt. Grundsätzlich besteht aber kein Anspruch auf mündliche Äus- serung (PATRIK SUTER, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum E-6315/2011 Seite 7 Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), Zürich 2008, Rz. 10 zu Art. 30). Indem die Vorinstanz dem Beschwerdeführer Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zur beabsichtigten Aufhebung der vo r- läufigen Aufnahme ansetzte, hat sie dem Anspruch auf rechtliches Gehör Genüge getan und insoweit den Sachverhalt auch vollständig und richtig abgeklärt. 4.4 Zur Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung wird weiter ausgeführt, der Beschwerdeführer habe in seinem Heimatland extrem be- lastende Erfahrungen gemacht. Seitens der Vorinstanz hätte daher abge- klärt werden müssen, ob er unter einer posttraumatischen Belastungsst ö- rung oder einer anderweitigen psychischen Krankheit leide. Asylsuchende sind verpflichtet, bei der Sachverhaltsfeststellung aktiv mit- zuwirken (BVGE 2011/27 E. 4.2 S. 539). Entsprechend werden sie zu Beginn des Asylverfahrens auf diese Pflicht aufmerksam gemacht. Ein Asylsuchender kann somit im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht jederzeit neue Vorbringen einbringen und neue Beweismittel einreichen. Vorlie- gend hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer ihre Absicht, die vorläuf i- ge Aufnahme aufzuheben, angezeigt und ihm Frist gesetzt, allfällige Gründe, die gegen einen Vollzug der Wegweisung sprechen, zu nennen. Im Rahmen der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht wäre es demnach Sache des Beschwerdeführers gewesen, allfällige Beweismittel für die angeführte psychische Erkrankung beizubringen. Entsprechen des hat er nicht getan. Weiter erblickt der Beschwerdeführer eine unvollständige und unrichtig Sachverhaltsabklärungen darin, dass die Vorinstanz die aktuellen und r e- levanten Herkunftsländerinformationen unberücksichtigt gelassen habe . Auch damit vermag d er Beschwerdeführer keine unrichtige oder unvol l- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes darzutun. Die Vorbringen richten sich nicht gegen die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz, sondern gegen die ihr zugrundliegende Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung der Vorbringen. Darauf ist nachfolgend einz u- gehen. 4.5 Insgesamt erweist sich die Rüge der unvollständigen und unrichtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts als unzutreffend. E-6315/2011 Seite 8 5. Gemäss Art. 84 AuG prüft das BFM periodi sch, ob die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme noch gegeben sind (Abs. 1); es hebt sie auf und ordnet den Vollzug der Wegweisung an, wenn die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind (Abs. 2). Die Voraussetzungen der vorläufigen Aufnahme fallen weg , wenn der Vollzug der rechtskräftig angeordneten Wegweisung zulässig ist und es der ausländischen Person zumutbar und möglich ist, sich rechtmässig in ihren Heimat -, in den Herkunftsstaat oder in einen Drittstaat zu begeben (Art. 83 Abs. 2 – 4 AuG). 6. 6.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Die Vorinstanz stellte mit Verfügung vom 24. März 2010 rechtskräftig fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewendet wird. Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen de s Beschwerdeführers noch aus den Akten konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtl i- cher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Gr undfreihei- ten (EMRK, SR 0.101) oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Entgegen seiner Auffassung kann aus den zahlreich eingereichten Lageberichten über Sri Lanka nicht auf eine völkerrechtswidrige Behandlung aller zurückkehrenden tamil i- schen Asylsuchenden geschlossen werden. Dass er persönlich einer so l- chen Behandlung aussetzt sein soll, legt er nicht substantiiert dar. S o- dann erfüllt er entgegen seiner Ansicht auch keine der Kriterien, die für die Zugehörigkeit zu einer der vom Europäischen Gerichtshof für Me n- schenrechte (EGMR) definierten Risikogruppe erforderlich sind. Die blos- se Existe nz von Körpernarben genügt allein besehen jedenfalls nicht. Schliesslich lässt auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Der Vollzug der E-6315/2011 Seite 9 Wegweisung ist sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.2 6.2.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Das Bundesverwaltungsgericht nahm in BVGE 2011/24 eine umfassende Analyse der Situation in Sri Lanka vor. Dabei gelangte es zum Schluss, dass der Voll zug der Wegweisung in alle Landesteile Sri Lankas, insb e- sondere in den Grossraum Colombo, grundsätzlich zumutbar ist. Au s- nahme bildet die Nordprovinz. Dort ist der Vollzug ins Vanni -Gebiet u n- zumutbar. Bezüglich der übrigen Gebiete der Nordprovinz ist der V ollzug nicht generell unzumutbar, sondern es muss im Einzelfall eine zurückha l- tende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien vorgenommen werden. Bei Personen, die aus dem Vanni -Gebiet stammen, ist das B e- stehen einer zumutbaren Aufenthaltsaltern ative im übrigen Staatsgebiet Sri Lankas zu prüfen, was das Vorliegen besonders begünstigender Fa k- toren, insbesondere die Existenz eines tragfähigen familiären oder sozi a- len Beziehungsnetzes sowie die Aussichten auf eine gesicherte Einko m- mens- und Wohnsitzsituation erfordert (BVGE E. 2011/24 E. 13.2.2.3). 6.2.2 Die Vorinstanz erachtet den Vollzug der Wegweisung des B e- schwerdeführers nach B._______ bei C._______ als zumutbar. Zwar ha- be der Beschwerdeführer einige Jahre im Vanni -Gebiet gelebt, indes ha- be er in der Nähe von C._______ seine Kindheit verbracht und sich auch vor der Ausreise in die Schweiz wieder dort aufgehalten. Die Mutter lebe wieder in B._______ bei C._______, womit er dort über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfüge. Sodann sei er erst im Alter von 25 Jahren in die Schweiz gereist und habe somit den grössten Teil seines Lebens im He i- matland verbracht. Angesicht s seines Alters und der guten Schulbildung sei es dem gesunden Beschwerdeführer nach der relativ kurzen Lande s- abwesenheit möglich, si ch wieder zu integrieren und sich eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzubauen. 6.2.3 In der Rechtsmitteleingabe wird unter Bezugnahme auf die eing e- reichten Berichte ausgeführt, das Grundsatzurteil BVGE 2011/24 stütze sich weitgehend auf die Situation im Jah r 2010 und beziehe die neueste E-6315/2011 Seite 10 Entwicklung nicht ausreichend mit ein. Sodann habe der Beschwerdefüh- rer zwölf Jahre im Vanni -Gebiet gelebt, namentlich habe er dort die prä- genden Jugendjahre und den Start ins Erwachsenenleben verbracht. 6.2.4 Die Ausführungen auf Beschwerdeebene sowie die dem Gericht bestens bekannten Berichte sind nicht geeignet, die im Urteil BVGE 2011/24 dargelegte Einschätzung der aktuellen Lage in Sri Lanka zu ä n- dern. Auf die entsprechenden Vorbringen ist deshalb nicht weiter einzu- gehen. Der Beschwerdeführer wurde in B._______ bei C._______ geboren. Im Alter von sechs Jahren zog die Familie nach E._______. Von 1996 bis 2009 lebte er mit seiner Familie in D._______ (Vanni), wo er die Schule besuchte und ein eigenes F._______ führte. Zuletzt wohn te der B e- schwerdeführer ein halbes Jahr erneut in B._______ bei C._______. Der Beschwerdeführer stammt ursprünglich nicht aus dem Vanni-Gebiet, hat indes als Folge des Krieges dort von 1996 bis 2009 gelebt. Es ist deshalb zu prüfen, ob für ihn eine alternative Wohnsitznahme in einem nicht zum Vanni-Gebiet gehörenden Teil Sri Lankas in Frage kommt. Ge- mäss den Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung im Asylverfahren leben seine Mutter und seine Schwester in G._______, ei- nem Vorort von H._______ (Halbinsel Jaffna) in einer gemieteten Zwe i- zimmerwohnung, zwei Onkel (mütterlicherseits) leben in H._______ und eine Tante (mütterlicherseits) in I._______, sodann leben zwei Tanten sowie ein Onkel ( alle väterlicherseits) in C._______ (Halbinsel Jaffna In der Rechtsmitteleingabe bestätigt der Beschwerdeführer den Wohnsitz seiner Mutter und Schwester, weitergehend äussert er sich nicht. Es ist demnach davon auszugehen, dass die Verwandten heute noch an den angeführten Orten wohnhaft sin d, womit der Beschwerdeführer auf der Halbinsel H._______ über ein familiäres Beziehungsnetz verfügt . Bei ei- ner Rückkehr werden die Mutter und die Schwester den Beschwerdefüh- rer zumindest vorübergehend bei sich in ihrer Wohnung aufnehmen kön- nen. Dagegen we ndet der Beschwerdeführer ein, seine Mutter und Schwester würden von seiner finanziellen Unterstützung leben. Bei einer Rückkehr falle diese weg . Es sei somit offensichtlich, dass ihn weder die Mutter noch die Schwester in dieser Hinsicht unterstützen könn ten. Dem ist entgegenzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nach seiner Rüc k- kehr dennoch möglich und zumutbar sein sollte, eine eigene wirtschaftl i- che Existenz aufzubauen. E r verfügt über eine abgeschlossene, gute Schulbildung (O -Level), hat handwerkliche Trainings ( J._______ und E-6315/2011 Seite 11 K._______, vgl. Akten BFM A1/13 S. 3) durchlaufen, vor seiner Ausreise ein eigenes F._______ geführt und hier in der Schweiz zusätzlich Arbeits- erfahrungen als Mitarbeiter bei der L._______(Lebensmittelbranche) er- werben kö nnen. In diesem Zusammenhang sollte es ihm auch möglich und zumutbar sein, auf die allenfalls notwendige Unterstützung seiner weiteren Verwandten und deren soziale n Umfeld zurückzugreifen. Dabei ist nicht die persönliche Beziehungsnähe des Beschwerdeführers zu di e- sen Personen massgebend, sondern einzig die Frage, ob eine Kontak t- aufnahme zu diesen Verwandten möglich und zuzumuten ist. Dass dem nicht so ist, macht der Beschwerdeführer nicht geltend. Schliesslich ist noch festzuhalten, dass der Beschwerdeführer Sri Lanka erst im Alter von 25 Jahren verliess, sich nur gerade rund drei Jahre im Ausland aufhielt, mithin mit den heimatlichen Gepflogenheiten nach wie vor bestens ver- traut sein sollte. Damit liegen besonders begünstigende Faktoren vor und der gesamte Raum der Halbinsel H._______ kommt für den Beschwerde- führer als zumutbare inländische Wohnsitzalternative in Betracht. Es ist somit nicht davon auszugehen , dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat in eine existen zielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit im heutigen Zei t- punkt als zumutbar. 6.3 Der Beschwerdeführer verfügt über eine sri -lankische Identitätskarte, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM die mit Verfügung vom 24. März 2010 angeordnete vorläufige Aufnahme des Beschwerd e- führers zu Recht aufgehoben und den Wegweisungsvollzug verfügt hat. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Mit dem vorliegenden Urteil wird der Antrag auf Mitteilung des Spruchkör- pers gegenstandslos. 8. Bei diesem Ausga ng des Verfahrens sind die Kosten in der Höhe von Fr. 600.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG s o- wie Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR E-6315/2011 Seite 12 173.320.2]). Damit wird der Antrag auf Ansetzung einer Frist zur Einre i- chung einer Kostennote gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) E-6315/2011 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel Willisegger Barbara Balmelli Versand: