B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5121/2017 U r t e i l v o m 1 6 . O k t o b e r 2 0 1 8 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Jürg Marcel Tiefenthal; Richterin Regula Schenker Senn Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, geboren am (…), China (Volksrepublik), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. August 2017 / N (…). E-5121/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland gemäss eigenen Aus- sagen mit seiner eigenen Identitätskarte im (...) 2015 auf dem Landweg in Richtung Nepal. Während zwei Monaten sei er in Kathmandu geblieben, wo viele Tibeter gelebt hätten. Dort habe ihm der Schlepper seine Identi- tätskarte abgenommen, weil es gefährlich gewesen wäre, diese auf sich zu tragen. Anschliessend sei er an einen ihm unbekannten Ort geflogen, wo er übernachtet habe. Am nächsten Tag ([…] 2015) sei er mit einem PW in das Empfangs- und Verfahrenszentrum in Basel gefahren worden, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 17. August 2015 fand die Befragung zu seiner Person (BzP), zum Reiseweg und summarisch zu den Asylge- suchsgründen statt. Die einlässliche Anhörung zu den Asylvorbringen er- folgte am 18. November 2016. A.b Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie und stamme aus dem Dorf B._______, Bezirk C._______, Präfektur D._______, in der autono- men Region Tibet. Dort habe er seit seiner Geburt bis zur Ausreise im (...) 2015 gelebt. Er habe – ausser (…) Monate in einer (…)-Schule als Klein- kind – keine weiteren Schulen mehr besucht. Seine Familie betreibe (…). Sein Vater sei im (…) 2015 wegen einer Demonstrationsteilnahme von den chinesischen Behörden verhaftet worden und befinde sich vermutlich im- mer noch in Haft. Er selbst habe im (...) 2015 zusammen mit (…) im von Kameras überwachten Zentrum von C._______ Flugblätter in die Luft ge- worfen und gerufen, der Dalai Lama müsse nach Tibet zurückkehren und Gyawa Panchen Rinpoche sowie Tulku Tenzing Geleg müssten freigelas- sen werden. Es seien immer mehr Leute gekommen und hätten bei der Aktion mitgemacht. Nach etwa fünf Minuten seien die chinesischen Sicher- heitskräfte gekommen und hätten angefangen zu schiessen, worauf alle in verschiedene Richtungen weggerannt seien. Er habe sic h bis zwei Uhr nachts in der Nähe seines Dorfes versteckt und sei erst dann nach Hause gegangen. Die Mutter sei bereits über alles im Bild gewesen und habe ei- nen R ucksack gepackt gehabt und gesagt, dass er weg gehen müsse, sonst werde ihm das gleiche wie dem Vater geschehen. Daher sei er noch in der gleichen Nacht in ein benachbartes Dorf zu einem Nomaden gegan- gen. Nach etwa zehn Tagen sei sein Bruder gekommen und habe ihm mit- geteilt, dass die Polizei über ihn Bescheid wisse und er fliehen müsse. Nach etwa zehn Tagen habe er Nepal erreicht. E-5121/2017 Seite 3 Der Beschwerdeführer sei aufgefordert worden , Identitätspapiere einzu- reichen. Dabei wiederholte er, dass es keine Möglichkeit gebe, diese zu besorgen. A.c Am 26. April 2017 fand ein Telefongespräch der Fachstelle LINGUA zur Evaluation des Alltagswissens statt und am 16. Juni 2017 erstellte die sachverständige Person einen entsprechenden Bericht. Am 25. Juli 2017 wurde dem Beschwerdeführer im Sinne von Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) mündlich das rechtliche Gehör zu dieser Analyse gewährt. B. Mit Verfügung vom 9. August 2017 – eröffnet am 14. August 2017 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers unter Verneinung seiner Flüchtlingseigenschaft ab, wies ihn aus der Schweiz weg, ordnete den Voll- zug der Wegweisung an und schloss einen solchen nach China aus. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägun- gen eingegangen. C. Gegen diesen Entscheid erhob de r Beschwerdeführer mit Eingabe vom 11. September 2017 ( Eingabe und Poststempel) Beschwerde. Er bean- tragte die Aufhebung der Verfügung vom 9. August 2017, eine angemes- sene Nachfrist zur Beschwerdeergänzung, die Feststellung der Flücht- lingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme als Flüchtling, subeventualiter die Aufhebung der Verfügung und Rückweisung zwecks Neubeurteilung bezüglich der Herkunft an die Vorinstanz. Ferner ersuchte er unter Einreichung einer Für- sorgebestätigung des Amtes für Migration und Zivilrecht Graubünden vom 8. September 2017 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten und eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. D. Mit Eingabe ebenfalls vom 11. September 2017 ersuchte der Beschwerde- führer beim SEM um Zugang zu den Originalaufnahmen der LINGUA-Her- kunftsabklärung. Der Beschwerdeführer wurde in der Folge eingeladen, am 22. September 2017 in den Räumlichkeiten des SEM die Aufzeichnung des Gesprächs anzuhören, das als Grundlage für die LINGUA-Analyse ge- dient hatte. E-5121/2017 Seite 4 E. Am 27. September 2017 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesver- waltungsgericht nach Anhörung der CD-ROM eine Beschwerdeergänzung ein. F. Mit Zwischenverfügung vom 2 9. September 2017 wurde de m Beschwer- deführer mitgeteilt, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten (Art. 42 AsylG). Gleichzeitig wurde auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses vorderhand gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG verzichtet und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verschoben . Die Vorinstanz wurde zudem zur Einreichung einer Vernehmlassung eingela- den. G. In seiner Vernehmlassung vom 3. Oktober 2017 hielt das SEM – unter ei- nigen zusätzlichen Anmerkungen – vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Auf die Einzelheiten ist nachfolgend zurückzukommen. H. In seiner Replik vom 23. Oktober 2017 nahm der Beschwerdeführer zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. E-5121/2017 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die geltend gemachten Vorbringen seien im Sinne von Art. 7 AsylG un- glaubhaft und damit nicht geeignet, di e Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers zu begründen. Daher müsse deren Asylrelevanz nicht ge- prüft werden. 3.1.1 Der Beschwerdeführer sei trotz mehrmaliger Aufforderung der Pflicht, rechtsgenügliche Ausweispapiere einzureichen, bis heute nicht nachge- kommen. Er habe weder Ausreispapiere noch irgendwelche Beweismittel eingereicht, die geeignet wären, etwas zur Klärung seiner Identität und sei- nes Herkunftslandes beizutragen. Seine Identität – namentlich seine Staatsangehörigkeit – stehe nicht fest. Seine diesbezügliche Aussage, er habe weder eine Kopie seiner Identitä tskarte noch könne er diese vom Schlepper zurückfordern, sei als Standardvorbringen vieler Gesuchsteller zu werten, die nicht bereit seien, den Asylbehörden ihre Identitäts- und Rei- sedokumente auszuhändigen. Bezeichnenderweise habe er auch angege- ben, keinen Kontakt zu seinen Familienangehörigen zu haben. Es müsse ihm bewusst gewesen sein, dass er sich in jedem Gast- beziehungsweise Asylland anhand persönlicher Dokumente identifizieren müsse. Anhand der Protokolle sei jedoch nicht ansatzweise ersichtlich, dass er bemüht ge- wesen wäre, seine Identität mittels Dokumenten oder anderweitigen Unter- lagen zu belegen. Mit diesem Verhalten habe er die Mitwirkungspflicht ge- mäss Art. 8 AsylG verletzt. E-5121/2017 Seite 6 Die Zweifel bezüglich seiner Herkunft würden durch seine Angaben zu den Reiseumständen erhärtet. Er sei von Nepal aus an einen ihm unbekannten Ort, in ein ihm unbekanntes Land geflogen, von dort auf dem Landweg weitergefahren und mit einem Auto in die Schweiz gebracht worden. Von einem (…)-jährigen Mann könne verlangt werden, dass er wisse, wohin er sich begebe. Seine Reiseumstände seien insgesamt vage und unglaubhaft ausgefallen und würden Anlass zu weiteren Zweifeln an den Asylvorbrin- gen geben (vgl. EMARK 1998 Nr. 17. E. 4b S. 150). Der Grund für seine Reise sei das Verteilen von Flugblättern gewesen, wel- ches sich binnen weniger Minuten zu einer grösseren Ansammlung entwi- ckelt habe. Danach sei die Polizei gekommen und habe geschossen. Ab da habe er sich bei einem Freund der Mutter versteckt und einige Tage später Tibet in Richtung Nepal verlassen. D a er sich bis dahin politisch kaum betätigt habe, erscheine nicht plausibel, dass er aufgrund der darge- legten Ereignisse derart hastig sein Zuhause und anschliessend Tibet ver- lassen habe, anstatt sich beispielsweise zuerst nochmals in eine andere Ortschaft innerhalb Tibets zu begeben. Unplausibel erscheine die Angabe, zwischen dem Verteilen von Plakaten, der Ansammlung der Menschen und dem Eintreffen der Polizei seien nur fünf bis sechs Minuten verstrichen. Da sein Vater in Haft gewesen sei, sei es zudem erstaunlich, dass er, Gefahr laufend, ebenfalls inhaftiert zu werden, wenige Monate nach seiner Fest- nahme gegen die chinesische Regierung aktiv geworden sei n wolle und dies gar an einem von Kameras überwachten Ort. Als realitätsfremd müsse auch die Schilderung der Vorgänge taxiert werden, wonach sich Drittper- sonen spontan an der politischen Aktion beteiligt haben woll ten. In Bezug auf die geltend gemachte Verfolgung sei ausserdem festzustellen, dass er keinerlei Beweismittel eingereicht habe. 3.1.2 Bereits im Rahmen der BzP seien Vorbehalte gegenüber der vorge- brachten Herkunft aufgetreten. In einem telefonischen Interview sei sein Alltagwissen durch einen qualifizierten LINGUA -Experten eingehend ge- prüft worden. Der wesentliche Inhalt des im Anschluss an das Gespräch erstellten Gutachtens sei ihm im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur Kenntnis gebracht worden, er habe die Möglichkeit gehabt, sich insbeson- dere zu den als unzureichend eingestuften Antworten zu äussern. Er habe zwar richtigerweise erklärt , in der Nähe seines Heimatdorf es fliesse ein Fluss durch, dessen Bezeichnung er aber erstaunlicherweise nicht gekannt habe, obwohl es in der Umgebung seines Heimatdorfes nur E-5121/2017 Seite 7 diesen einen grossen Fluss gebe. Nach Nennung der korrekten Bezeich- nung habe er erklärt, es handle sich dabei um einen See namens (…), der sich am Rande von C._______ befinde, was falsch sei. Allein aufgrund der Bekanntheit des Sees hätte ihm bewusst sein müssen, dass sich dieser nicht am von ihm angegebenen Ort befinde. Weiter sei er nach Dörfern, Gemeinden und Kreisen seiner angeblichen Heimatregion befragt worden. Auf die Frage, warum ihm die beiden Dörfer E._______ und F._______ nicht bekannt seien, obwohl sich diese in der Nähe von B._______ befänden, habe er erk lärt, sieben Dörfer der Ge- meinde aufzählen zu können. Die Frage, warum er die beiden benachbar- ten Dörfer nicht gen annt habe, habe er unbeantwortet gelassen. Er habe die sieben zum Kreise C._______ gehörenden Gemeinden aufzählen kön- nen. Als er jedoch gefragt worden sei, in welche Richtung man fahren müsse, um zu den jeweiligen Orten zu gelangen, habe er nur zögerlich geantwortet. Obgleich sein Heimatort an der befahrenen Nationalstrasse (…) liege, habe er die Fahrtrichtung der angegebenen nahegelegenen Ge- meinden nicht anzugeben vermocht. Daher komme die Vermutung auf, dass er das korrekte und lückenlose Aufzählen der sieben Gemeinden des Kreises C._______ auswendig gelernt habe. Ferner habe er erklärt, seine Familie betreibe (…). Er habe ausführlich über die (…) berichtet und plausibel die üblichen Zeiten für den Anbau und die Ernte von (…) genannt. Weiter habe er in diesem Zusammenhang ange- geben, dass seine Familie über einen Traktor verfüge, sie aber die meiste Erntearbeit in Handarbeit erl edige. Darauf angespr ochen, dass sich ein Traktor für diese Arbeit nicht eigne, habe er erklärt, dass sie den (…) mit der Sichel abschneiden würden und der Traktor zum (…) benützt würde. Weiter habe er erklärt, seine Familie würde den (…) verkaufen, was in Tibet nicht üblich sei. Dazu habe er angegeben , dass die (…) verkauft worden seien und erst die Käufer (…) weiterverarbeiten würden. Zugleich habe er die Frage gestellt, wo (…) hätte verkauft werden sollen. Er habe angegeben, für den Verkauf von 50 Pfund (…) könnten 200 chine- sische Yuan und für 50 Pfund (…) 100 Yuan verlangt werden. Entgegen dieser Angabe erhalte man für (…) nur etwa die Hälfte des verlangten Prei- ses. Er sei darauf angesprochen, dass ihm die gängigen Preise nicht be- kannt seien, obwohl er bis zur Ausreise im (…) tätig gewesen sei und durch den Verkauf von (…) Geld verdient habe, worauf er erklärt habe, der Preis sei von der Qualität abhängig und er habe gute Qualität anbieten können. E-5121/2017 Seite 8 Im Weiteren habe er erklärt, (…) angepflanzt zu haben. Andere (…) hätten sie nicht angebaut. Eine Person, die (…) Jahre in Tibet gelebt und nur im (…) gearbeitet habe, müsse jedoch noch weitere (…) angebaut haben und diese benennen können. Auf Nachfrage habe er angegeben, dass andere Dorfbewohner zum Beispiel auch Tomaten angepflanzt hätten. Er habe da- für das Wort „Lama Marbo“ verwendet, dessen sprachliche Verwendung in Tibet jedoch nicht üblich sei. Vielmehr werde für „Tomate“ die dafür gängige chinesische Bezeichnung bevorzugt. Der Beschwerdeführer habe behauptet, sein Vater habe nicht gewollt, dass er die Schule besuche, da dort nur C hinesisch gesprochen werde und er zudem auf dem (…) helfen solle. In Tibet gelte jedoch die generelle Schul- pflicht. Von dieser sei er, gerade als Bewohner eines durch die Nähe zur Nationalstrasse (…) gut erschlossenen Dorfes, nicht ausgeschlossen. Zum traditionellen Bewusstsein seines Vaters sei anzumerken, dass die jüngere Schwester des Beschwerdeführers gemäss seinen Aussagen die Gemein- deschule besucht habe. Der in den ersten Jahren übliche Tibetisc hunter- richt sei ihm aber trotz des Schulbesuchs seiner Schwester nicht bekannt. Er habe angegeben, als kleines Kind eine „(…)–Schule“, eine Art Kinder- garten, in B._______ besucht zu haben. Die Existenz einer solchen Ein- richtung sei für ein Dorf eher ungewöhnlich. Des Weiteren seien bei ihm Chinesischkenntnisse kaum vorhanden, was nicht den Erwartungen an einen jungen Tibeter entspreche, der rund (…) Jahre in der angegebenen Region gelebt habe. Sein Argument, er habe der chinesischen Sprache keine Wichtigkeit beigemessen, scheine wenig plausibel. Zudem würden seine fehlenden Chinesisch kenntnisse mit den anderen, bisher genannten und zu seinen Ungunsten sprechenden Punk- ten kumulierend ins Gewicht fallen. Es sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer gewisse Kenntnisse über Belange vor Ort habe. Insgesamt würden aber diese im Sinne der schlüs- sigen Analyse im LINGUA-Gutachten nicht ausreichen, die angeblich erst 2015 erfolgte Ausreise aus Tibet im Sinne einer Hauptsozialisation zu be- legen. Erklärungsversuche wirkten stereotyp. Er scheine über die Gege- benheiten seiner angeblichen Herkunftsregion wenig Bescheid zu wissen. Er habe Begriffe benutzt, die man in Tibet nicht verwende, und fehlerhafte Angaben zu den thematisierten Bereichen des Alltags gemacht. Seine Chi- nesischkenntnisse würden nicht den Erwartungen entsprechen. Aufgrund der unglaubhaften Angaben zu zentralen Punkten seiner vorgebrachten E-5121/2017 Seite 9 Herkunft, bestünden begründete Zweifel an der von ihm geltend gemach- ten chinesischen Staatsangehörigkeit. Ferner werde die Annahme einer Täuschung über seine tatsächliche Her- kunft durch die Unglaubhaftigkeitsmomente in den Aussagen hinsichtlich der Vorfluchtgründe bekräftigt. Seine Aussagen seien insgesamt vage, wi- dersprüchlich und unplausibel und somit als unglaubhaft zu taxieren. 3.2 3.2.1 In der Rechtsmitteleingabe machte der Beschwerdeführer vorab eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Es sei ihm zwar zum Ergebnis des Expertengutachtens der Fachstelle LINGUA am 25. Juli 2017 das rechtliche Gehör gewährt worden. Wie aber den Akten entnommen werden könne, sei ihm bis zu diesem Zeitpunkt nicht die Möglichkeit aufgezeigt worden, seinen Anspruch auf Akteneinsicht wahrzunehmen und sich vor der Anhörung vom 25. Juli 2017 das Ergebnis seines Herkunftstests vor Augen zu führen. Insofern habe er keine Gelegenheit gehabt, sich über die Fragen und Antworten angemessen zu informieren und sich infolgedessen sachgerecht dazu zu äussern. Vor diesem Hintergrund sei ihm nachträglich die G elegenheit zu geben, die LINGUA -CD-ROM beim SEM anzuhören und danach detailliert in der Form einer Beschwerdeergänzung dazu Stel- lung zu nehmen. 3.2.2 In materieller Hinsicht führte der Beschwerdeführer in seiner Rechts- mitteleingabe sodann aus, d ie Vorinstanz halte seine Herkunft aus dem Dorf B._______ für tatsachenwidrig, weil er über die geographische L age nicht ausreichend Bescheid gewusst habe. Hierzu werde nach der entspre- chenden Anhörung der Gesprächsaufzeichnung Stellung genommen. Sodann sei die Existenz einer (…)-Schule in einem Dorf – entgegen der Ansicht der Vori nstanz – nichts Ungewöhnliches. Es sei eine Art Spiel- gruppe oder Kindergarten und es werde in erster Linie dort gespielt. Solche Einrichtungen seien auch in kleinen Dörfern vorzufinden. Die Schulpflicht sei eher in Stadtnähe anzutreffen und eine Umsetzung gestalte sich in Ti- bet schwierig (vgl. SFH, China/Tibet: Schulbildung, https://www.fluecht- lingshilfe.ch/assets/herkunftslaender/asien-pazifik/china-tibet/151218- chn-schule-themenpapier.pdf). Ferner sei der Umstand, dass eine Person nicht oder nicht ausreichende chinesische Sprachkenntnisse habe, nicht automatisch ein Hinweis dafür, dass sie ausserhalb der Autonomen Region Tibets oder andern tibetischen E-5121/2017 Seite 10 Regionen in China stamme. Insbesondere in ländlichen Gebieten werde kein Chinesisch gesprochen. Er habe in Tibet an einigen politischen Aktionen teilgenommen und Plakate bei der Bank oder beim Kloster aufgehängt. Die Demonstration vom (…) 2015 sei nur ein Beispiel gewesen. Diese habe an einem von Kameras überwachten Ort stattgefunden und sei von der Polizei aufgelöst worden, wobei auch Schüsse gefallen seien. Die Tei lnahme an einer solchen De- monstration sei äusserst gefährlich, we swegen er das Land möglichs t schnell habe verlassen müssen, insbesondere da er eine führende Rolle innegehabt habe. Die Inhaftierung seines Vaters sei für ihn gerade eine besondere Motivation gewesen, eine Demonstration durchzuführen. Das Bewusstsein der Gefahr habe ihn jedoch veranlasst, die Demonstration an einem gewöhnlichen Tag und nicht an einem Feiertag durchzuführen, da die Polizeipräsenz geringer sei. Er selbst sei erstaunt gewesen, dass sich so viele andere Personen der Demonstration angeschlossen hätten. Der Unmut gegenüber der chinesi- schen Regierung sei derart gross gewesen, dass die Personen auch die Gefahr einer Inhaftierung in Kauf genommen hätten. 3.3 In seiner Beschwerdeergänzung vom 27. September 2017 legte der Beschwerdeführer nach der ihm gewährten Einsicht in das L INGUA-Ge- spräch dar, dass er den Fluss, der durch sein Dorf fliesse , (…) genannt habe. Die Fachspezialistin habe erwidert, er heisse (…). Dies sei aber die Bezeichnung für einen See, wie er bereits damals gesagt habe. Der Fluss in seinem Dorf sei klein und habe keinen offiziellen Namen. Er werde von allen (…) genannt (hierzu reichte er eine Luftaufnahme der Flussgabelung in seinem Dorf ein, auf welcher kein Name steht). Zur Lage des Sees (…) habe das SEM angemerkt, er liege nicht am Rand von C._______. Dies treffe zu. Er liege weiter weg, als er angenommen habe. Da er jedoch nie dort gewesen sei, habe er dies nicht genau gewusst. Weiter habe die Vo- rinstanz bemängelt, dass er die Richtungen in die jeweiligen Gemeinden im Kreis C._______ zögerlich und nicht ganz richtig angegeben habe. Es sei per Telefon schwierig er gewesen, Richtungsangaben korrekt zu be- schreiben, als im direkten Gespräch. Er sei sicher, dass seine Angaben korrekt gewesen seien, wenn auch etwas umständlich. Aber ohne visuelle Kommunikation habe sich dies als schwierig herausgestellt. Weiter sei es korrekt, dass er die beiden umliegenden Dörfer (…) und (…) nicht gekannt E-5121/2017 Seite 11 habe. Er habe diese Dörfer unter den Namen (…) und (…) gekannt. Die unterschiedlichen Bezeichnungen seien in Tibet keine Besonderheit. Wei- ter habe die Vorin stanz gesagt, es sei falsch, dass es ein e Nachbarsge- meinde namens (…) gebe. Sie habe offenbar (…) verstanden, aber er habe (…) gesagt. Diese befinde sich in der Nähe seines Dorfes. Sodann hält der Beschwerdeführer weiterhin an der Erk lärung fest, dass er seine Doku- mente in Nepal bewusst losgeworden sei, weil es für ihn gefährlich gewe- sen wäre. Die Situation für tibeti sche Flüchtlinge in Nepal habe sich ver- schlechtert. Auch halte er an seinen Ausführungen bezüglich der Preise für (...), der von der Qualität und Region abhänge, fest. Man könne wegen der grossen Vielfalt keine Generalisierung zu ganz Tibet machen. 3.4 In seiner Vernehmlassung vom 3. Oktober 2017 stellte die Vorinstanz fest, dass in der Beschwerde auf allgemeine Erklärungen und Verweise zurückgegriffen worden sei. So habe der Beschwerdeführer über die Viel- falt von Dialekten in Tibet gesprochen. Einen Aufschluss darüber, weshalb er selber konkrete Begriffe benutzt respektive nicht benutzt habe, ergebe sich daraus nicht. Sodann stehe der Umstand, dass er wegen der Gefahr einer möglichen Inhaftierung anstelle eines Feiertages einen gewöhnlichen Tag gewählt habe, im Widerspruch dazu, dass er dafür einen von Kameras überwachten Ort ausgesucht habe. Schliesslich habe er bis heute keine Ausweispapiere oder sonstige Dokumente als Beweis seiner Herkunft ein- gereicht sowie es auf Beschwerdeebene unterlassen, sich um die Rekon- struktion seines Reisewegs zu bemühen. 3.5 In der Replik vom 23. Oktober 2017 wurde demgegenüber ausgeführt, dass einzelne Begriffe nicht der ganzen Region zugeordnet werden könn- ten, weshalb es nicht möglich sei, die Herkunft des Beschwerdeführers an- hand einiger Begriffe, welche er verwendet oder nicht verwendet habe, festzustellen oder zu verneinen. Weiter sei das Risiko während eines Fest- tages nicht dasselbe wie an einem videoüberwachten Ort. An einem Fest- tag wäre die Demonst ration wegen der starken Polizeipräsenz abgebro- chen worden, noch bevor sie von einer grösseren Menschenmenge wahr- genommen worden wäre. Wegen der Öffentlichkeitswirkung habe er die Demonstration nicht an einem versteckten Ort durchführen können, wes- halb er das Risiko wegen seines Unmuts über die Verhaftung seines Vaters in Kauf genommen habe. Sodann habe er gleich am Anfang gesagt, keine Ausweispapiere beibringen zu können, weil er diese in Nepal zurückgelas- sen habe. In Bezug auf die Rekonstruktion des Reiseweges sei zu erwäh- nen, dass er nicht viel Schulbildung geno ssen habe, weshalb er sich auf einer Weltkarte nur schlecht orientieren könne. Zudem habe er während E-5121/2017 Seite 12 der gesamten Reise weder Ortsschriften noch sonstige Anschriften lesen können. 4.1 4.1.1 Vorab ist die formelle Rüge der rechtlichen Gehörsverletzung zu be- handeln, da sie – sofern begründet – allenfalls geeignet wäre, eine Kassa- tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 4.1.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsst ellung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). 4.1.3 Die Fachstelle LINGUA hat eine landeskundlich -kulturelle Analyse durchgeführt. Die L INGUA-Analyse hat zwar nicht den Stellenwert eines Sachverständigengutachtens, ihr kommt aber erhöhter Beweiswert zu, wenn die gebotenen Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objekti- vität und Neutralität des Experten sowie die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind (vgl. dazu BVGE 2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.). Die Rechtsprechung definierte ferner Mindeststandards, denen die Gewährung des rechtlichen Gehörs und der Akteneinsicht be- treffend LINGUA-Analysen zu genügen hat. Zwar stünden der nach Art. 26 VwVG grundsätzlich zuzugestehenden Einsicht in ein LINGUA-Gutachten überwiegende öffentliche und private Geheimhaltungsinteressen entge- gen, die eine Verweigerung der vollumfänglichen Offenlegung des Gutach- tens an die Asylsuchenden rechtfertigen (Art. 27 Abs. 1 VwVG). Dazu seien namentlich die Verhinderung eines Ler neffektes und einer miss- bräuchlichen Weiterverbreitung des Fragekatalogs, wodurch ähnliche Ab- klärungen in zukünftigen Verfahren erschwert oder verunmöglicht würden, E-5121/2017 Seite 13 sowie der Sicherheitsanspruch des Sachverständigen zu zählen. Zur Wah- rung des Anspruchs auf rechtliches Gehör muss der asylsuchenden Per- son aber vom wesentlichen Inhalt des Gutachtens Kenntnis gegeben wer- den, mit der Möglichkeit, sich dazu zu äussern (Art. 30 VwVG) und Gegen- beweise zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). Dazu muss die Behörde der asyl- suchenden Person in zusammenfassender Weise die von der Fachperson gestellten Fragen und den wesentlichen Inhalt der darauf erhaltenen Ant- worten sowie die weiteren in den Akten enthaltenen Beweiselemente, auf welche die Fachperson ihre Einschätzung stützt, offenlegen, sei es in einer aktenkundigen schriftlichen Notiz, sei es anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rahmen einer zu protokollierenden mündlichen An- hörung. Dem Anspruch auf rechtliches Gehör ist gemäss Rechtsprechung überdies nur dann Genü ge getan, wenn den Betroffenen im Rahmen der LINGUA-Abklärung Herkunft, Dauer und Zeitraum des Aufenthalts der sachverständigen Person im umstrittenen Herkunftsland oder -gebiet so- wie deren Werdegang, auf den sich ihre Sachkompetenz abstützt, zur Kenntnis gebracht wird. Nur so können sich die Betroffenen und im Übrigen auch das Gericht klare Vorstellungen über die gutachterliche Qualifikation machen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1). 4.1.4 Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör im Rahmen der Anhörung vom 25. Juli 2017 ausführlich und zu zahlreichen Details sowie den wesentlichen Unstimmigkeiten gewährt. Dabei hatte der Beschwerdeführer Gelegenheit, eingehend Stellung dazu zu nehmen und Unklarheiten auszuräumen. Ebenfalls konnte er sich mit der Beschwerde- schrift umfassend zu den wesentlichen Punkten äussern. Weiter ist festzu- halten, dass dem Ersuchen des Beschwerdeführers, sich das Telefoninter- view, auf welches sich das LINGUA -Gutachten stü tzte, anzuhören, ent- sprochen wurde und er die Möglichkeit wahrnahm, sich mit Eingabe vom 27. September 2017 dazu zu äussern. 4.2 Nach dem Gesagten kann keine Verletzung des rechtlichen Gehörs festgestellt werden. Der subeventuell gestellte Rückweisungsantrag ist ab- zuweisen. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Sch weiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer E-5121/2017 Seite 14 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahm en, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 5.3 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Sie müssen ihre Identität offenlegen sowie Reisepapiere und Identitätsausweise abgeben (Art. 8 AsylG und Art. 2 a Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen [Asylverordnung 1, AsylV1, SR 142.311]). Der Un- tersuchungsgrundsatz findet unter anderem seine Grenzen an der Mitwir- kungspflicht (Art. 8 AsylG, vgl. BVGE 2014/12 E. 6 S. 213 f.). 6.1 Einleitend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bis heute keine Reise- oder Identitätspapiere zu den Akten gereicht hat, die es erlauben würden, Rückschlüsse auf seine Identität zu geben. Die Antworten des Be- schwerdeführers anlässlich der Befragungen und auf Beschwerdeebene erschöpfen sich in den Behauptungen, dass er keine Papiere habe, da der Schlepper seine Identitätskarte an sich genommen habe, weil es gefährlich gewesen wäre, diese bei sich zu haben , und er keine Möglichkeit habe, diese wieder zu bekommen . Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Erhältlichmachen von Dokumenten aus seinem Heimatstaat nicht ausge- schlossen wäre. Seinen Angaben zufolge leben in seinem Heimatdorf noch seine Mutter, ein erwachsener Bruder und eine mittlerweile auch erwach- sene Schwester. Über diese hätte es möglich sein müssen, entsprechende E-5121/2017 Seite 15 Beweismittel erhältlich zu machen. Der Hinweis auf die Gefährlichkeit jeg- licher Kontaktaufnahme mit Personen in Tibet vermag nicht zu überzeu- gen. 6.2 In der Sache selber ist die vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht zu beanstanden. Die Verfügung ist ein lässlich begründet und stützt sich auf eine fundierte L INGUA-Analyse. Entgegen den Ausführungen in der Be- schwerde und der Beschwerdeergänzung hat die Vorinstanz die Sozialisa- tion des Beschwerdeführers in Tibet nicht einzig aufgrund von dessen An- gaben bezüglich der Identitätskarte in Zweifel gezogen, sondern seine Vor- bringen insgesamt als nicht überzeu gend qualifiziert. Die Vorinstanz hat nicht nur Aspekte abgehandelt, welche gegen eine Sozialisation des Be- schwerdeführers in der angeblichen Heimatregion und die Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen sprechen (beispielsweise die kaum vorhandenen Chinesischkenntnisse und die fehlerhaften Angaben zur Schulpflicht), son- dern auch diejenigen Aspekte genannt, welche dafür sprechen (namentlich einige zutreffende geografische Schilderungen sowie die Schilderungen über den […] und die […]). Im Übrigen bestätigt der vom Beschwerdeführer in der Beschwerde als Quelle angegebene SFH -Bericht zur Schulbildung (vgl. Beschwerde Ziffer 2c) seine diesbezüglichen Ausführungen nicht. Im besagten Bericht steht nämlich, dass es vor allem in abgelegenen Noma- denregionen vorwiegend weibliche Personen sind, die keine Schule besu- chen und demnach Chinesisch nicht beherrschen würden. Da der Be- schwerdeführer auf einer Hauptachse der Natio nalstrasse (…) gewohnt und seine Schwester die Dorfschule besucht haben will, erweist sich der Hinweis auf den SFH-Bericht für die Erklärung, warum er die Schule nicht besucht habe, als untauglich. Die Einschätzung, dass der Beschwerdefüh- rer seine Herkunft verschleiert, wird dadurch verstärkt, dass auch seine Ausführungen zum fluchtauslösenden Ereignis, er habe sich nach der Teil- nahme an einer Demonstration vor Verfolgung durch die chinesischen Be- hörden gefürchtet, nicht zu überzeugen vermögen. Seine diesbezüglichen Angaben sind stereotyp und blieben trotz wiederholter Nachfragen ober- flächlich und rudimentär. Befremdend erscheint auch, dass er zwar anläss- lich der Demonstration die Freilassung von zwei Männern gefordert und ihre Namen ausgerufen, sich aber für seinen eigenen Vater, der ebenfalls aus politischen Gründe n im Gefängnis sitze, nicht eingesetzt haben will. Schliesslich machte der Beschwerdeführer kaum Angaben zu seinem Rei- seweg von Nepal in die Schweiz, womit die Schlussfolgerung bekräftigt wird, dass er an der Bekanntgabe seines tatsächlichen Herkunftsortes nicht interessiert ist. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vollumfäng-E-5121/2017 Seite 16 lich auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung ver- wiesen werden. Es erübrigt sich eine eingehendere A useinandersetzung mit den Ausführungen auf Beschwerdeebene, die nicht geeignet sind, an dieser Einschätzung in entscheidwesentlicher Hinsicht etwas zu ändern. 6.3 Nach dem Gesagten ist weder die Identität noch die Staatsangehörig- keit beziehungsweise das Herkun ftsland des Beschwerdeführers geklärt. Sein Verhalten stellt eine Verletzung der ih m obliegenden Mitwirkungs- pflicht (Art. 8 AsylG) dar. Durch die Verletzung dieser Pflicht verunmöglicht er die Abklärung, welchen effektiven Status er im Staat seines vormaligen Aufenthalts hatte. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer zwar ethnische r Tibeter ist und nicht ausge- schlossen werden kann, dass er die chinesische Staatsangehörigkeit be- sitzt, aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora sozialisiert wurde. Es liegt keine illegale Ausreise des Beschwerdeführers aus China und somit kein subjektiver Nachfluchtgrund vor. Bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, ist vermutungsweise da- von auszugehen, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 und 6.). 6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaub- haft zu machen vermag . Die Vorinstanz hat seine Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. D ie Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den E-5121/2017 Seite 17 gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Eine weitergehende Prüfung von Vollzugshindernissen erübrigt sich angesichts des Umstan- des, dass der Beschwerdeführer der ihm obliegenden und zumutbaren Mit- wirkungspflicht (Art. 8 AsylG) hinsichtlich Herkunft, Staatsangehörigkeit und Identität nicht nachzukommen gewillt ist. Es kann diesbezüglich auf die Ausführungen der Vorinstanz sowie auf die Erwägungen E. 5.3 Abs. 1 und E. 6 des erwähnten Urteils BVGE 2014/12 verwiesen werden. 8.3 Der Beschwerdeführer ist unbestrittenermassen tibetischer Ethnie, weshalb möglich ist, dass er die chinesische Staatsangehörigkeit besitzt. Ein Wegweisungsvollzug nach China ist deshalb – in Übereinstimmung mit dem Dispositiv der angefochtenen Verfügung – auszuschliessen, da ihm dort gegebenenfalls eine Refoulement-Verletzung droht. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verlet zt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass. Die Beschwerde ist abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht hat zwar mit Zwischenverfügung vom 29. September 2017 zufolge Bedürf- tigkeit auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet und den Ent- scheid über die unentgeltliche Rechtspflege auf e inen späteren Zeitpunkt verschoben. Da der Beschwerdeführer indessen seit 13. Dezember 2017, wenn auch mit Unterbrüchen, einer Erwerbstätigkeit nachgeht, ist sein Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mangels Bedürftig-E-5121/2017 Seite 18 keit abzuweisen. Folglich sind ihm die Verfahrenskosten von Fr. 750.– auf- zuerlegen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2). (Dispositiv nächste Seite) E-5121/2017 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: Die Beschwerde wird abgewiesen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge- wiesen. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand: