Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht vom 4. Juni 2012 (460 11 206) ____________________________________________________________________ Strafrecht Mehrfache Tierquälerei etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richterin Regi- na Schaub; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Laufen, Rennimattstrasse 77, 4242 Laufen, Anklagebehörde A.____ , Privatkläger gegen B.____ , vertreten durch Advokat Niggi Dressler, Hauptstrasse 46, 4102 Binningen, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand mehrfache Tierquälerei etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 11. Oktober 2011 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil vom 11. Oktober 2011 erklärte das Strafgericht Basel-Landschaft B.____ der mehrfachen Drohung, der mehrfachen Pornografie sowie der mehrfachen Tierquälerei schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 8 Monat en, dies in Anwendung von Art. 180 Abs. 1 StGB, Art. 197 Ziff. 3 StGB, Art. 26 Abs. 1 li t. a TSchG (i.V.m. Art. 3 lit. a TSchG, Art. 4 TSchG und Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV), Art. 19 Abs. 2 StGB, Art. 40 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB (Ziff. 1). Ferner wurde der Strafvollzug in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zu Gunsten einer ambulanten psychotherapeutischen Massnahme aufgeschoben (Ziff. 2). Das Strafgericht legte im Weiteren fest, dass die beschlagna hmten pornografischen Gegenstände im Sinne von Art. 197 StGB als Aktenbestandteil bei den Akten verbleiben (Ziff. 3a), der be- schlagnahmte PC Acer (PSF1BE6Z0014400040CELAW) in Anwe ndung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen (Ziff. 3b) un d der beschlagnahmte Ordner nach Rechtskraft unter Aufhebung der Beschlagnahme gestützt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO dem Beschuldigten zurückgegeben werde (Ziff. 3c). Überdies wurden die Verfahrenskosten von insgesamt CHF 26'575.10 in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO dem Beschuldigten aufer- legt (Ziff. 4) und dem amtlichen Verteidiger des Besc huldigten für seine Bemühungen ab dem 5. Oktober 2011 ein Honorar von CHF 3'571.60 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entrichtet (Ziff. 5). Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Urteils eingegangen. B. Gegen obgenanntes Urteil meldete der Beschuldigte, ve rtreten durch Advokat Niggi Dressler, mit Eingabe 20. Oktober 2011 Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 5. Dezember 2011 sowie in seiner Berufungsbegründung vom 6. März 2012 beantragte er, in Aufhebung des Urteils vom 11. Oktober 2011 sei er vollumfänglich freizusprechen. Überdies sei ihm die amtliche Verteidigung mit Advokat Niggi Dressler als sein Rechtsbeistand zu gewähren. C. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilu ng Laufen, begehrte mit Beru- fungsantwort vom 29. März 2012, es sei die Berufung in B estätigung des angefochtenen Urteils vollumfänglich abzuweisen und zu überprüfen, ob für d as Berufungsverfahren ein Fall von amt- licher Verteidigung gegeben sei. D. Mit Verfügung vom 13. April 2012 stellte der Präsiden t des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, fest, dass der Privatkläger innert Frist auf die Möglichkeit einer Berufungsantwort verzichtet hat, und bewilligte dem B erufungskläger die amtliche Verteidigung mit Advokat Niggi Dressler für das zweitinstanzliche Verfahren. E. An der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kantonsge richt erscheinen Advokat Niggi Dressler sowie der Staatsanwalt Pascal Pilet, währenddem der Beschuldigte und Berufungsklä- ger fehlt. Die Staatsanwaltschaft stellt vorab den Antr ag, auf die Berufung sei mangels Anwe- senheit des Berufungsklägers an der kantonsgerichtlichen Ha uptverhandlung nicht einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgegenüber reicht der Rechtsvertreter des Berufungskläg ers ein Schreiben desselben ein, gemäss welchem sich dieser für die heutige Verhandlung entschuldigt, und begehrt, auf die Berufung sei - in Abweisung des Antrags der Staatsanwal tschaft - einzutreten. Im Weiteren lässt der Berufungskläger beantragen, entgegen der Beru fungserklärung vom 5. Dezember 2011 und der Berufungsbegründung vom 6. März 2012 sei das angefochtene Urteil des Strafge- richts lediglich hinsichtlich der Verurteilung betreffend mehrfacher Tierquälerei aufzuheben, währenddem die Verurteilung betreffend mehrfacher Drohung und mehrfacher Pornografie nicht angefochten werde. Im Übrigen wiederholen die Partei en ihre Rechtsbegehren gemäss ihren Eingaben. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfol- genden Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1. Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessor dnung (StPO, SR 312.0) in Kraft getreten. Gemäss Art. 454 Abs. 1 StPO werden Rech tsmittel gegen erstinstanzliche Ent- scheide, die nach Inkrafttreten der Schweizerischen Straf prozessordnung gefällt worden sind, nach neuem Recht beurteilt. Das im vorliegenden Fall angefochtene Urteil datiert vom 11. Oktober 2011, weshalb die neue Strafprozessordnung Anwendung findet. 2. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zulässig geg en Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise a bgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungsg ericht das Urteil in allen angefochte- nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem ersti nstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder münd lich anzumelden und danach dem Be- rufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung d es begründeten Urteils eine schriftliche Be- rufungserklärung einzureichen. Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Par- tei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufh ebung oder Änderung eines Entscheides hat, zur Berufung legitimiert. 3. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts Basel-Lan dschaft vom 11. Oktober 2011 angefochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Mit Eingaben vom 20. Oktober 2011 und 5. Dezember 2011 hat der Berufungskläger die Rechtsmittelfrist gewahrt und ist sei- ner Erklärungspflicht nachgekommen. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Berufungsg ericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sow ie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführungs- gesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO, SGS 250). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kant onsgericht begehrt die Staats- anwaltschaft, zufolge Nichterscheinens des Berufungsklägers se i in Anwendung von Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO auf die Berufung nicht einzutreten. Das Entschuldigungsschreiben mit heuti- gem Datum, welches der Berufungskläger seinem Rechtsvertreter per Email zugestellt und die- ser an der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung einger eicht habe, sei nicht als genügend zu qualifizieren, zumal sich der Berufungskläger einzig dar auf berufe, aufgrund eines Versehens werde er erst am 5. Juni 2012 wieder in der Schweiz se in. Der Berufungskläger bemühe sich jedoch nicht, die Rückfahrt bereits früher anzutreten und so zumindest verspätet an der Ver- handlung teilzunehmen. Im Weiteren führt die Staatsa nwaltschaft aus, der Rechtsvertreter des Berufungsklägers sei wohl nicht speziell für die Berufung sverhandlung mandatiert worden, was jedoch notwendige Voraussetzung einer Vertretung im Sinne von Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO sei. 5. Der Rechtsvertreter des Berufungsklägers bringt vor den S chranken des Kantonsge- richts vor, aus dem Schreiben seines Mandanten mit heutig em Datum gehe klar hervor, dass dieser an der Berufung festhalte. Überdies habe der Be rufungskläger ihn instruiert, weshalb auf die Berufung einzutreten sei. 6. Gemäss Art. 407 Abs. 1 StPO gilt die Berufung oder An schlussberufung als zurückge- zogen, wenn die Partei, die sie erklärt hat, der mündl ichen Berufungsverhandlung unentschul- digt fernbleibt und sich auch nicht vertreten lässt (li t. a), keine schriftliche Eingabe einreicht (lit. b) oder nicht vorgeladen werden kann (lit. c). K eine unentschuldigte Abwesenheit im Sinne von lit. a liegt vor, wenn der Berufungskläger nicht or dnungsgemäss nach Art. 201 ff. StPO vor- geladen wurde und es für seine Abwesenheit einen trif tigen Grund gibt. Aufgrund des eindeuti- gen Gesetzeswortlauts ergibt sich sodann, dass die beschuldi gte Person, welche die Berufung erhoben hat, dann nicht als säumig gilt, wenn ledigl ich der Rechtsbeistand zur Berufungsver- handlung erscheint (C HRISTEN , Anwesenheitsrecht im schweizerischen Strafprozessrecht m it einem Exkurs zur Vorladung, ZStV Band/Nr. 161, 2010, S. 236 ff.; H UG , Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 407 N 3; S CHMID , Praxiskommentar StPO, 2009, Art. 407 N 3; E UGSTER , Bas- ler Kommentar StPO, 2011, Art. 407 N 1). 7. Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist der Berufungskl äger der heutigen Hauptver- handlung vor dem Kantonsgericht ferngeblieben. Dessen ungeachtet ist sein amtlicher Verteidi- ger, Advokat Niggi Dressler, erschienen. Soweit die Staa tsanwaltschaft vorbringt, der amtliche Verteidiger sei nicht speziell für die heutige Berufu ngsverhandlung instruiert worden, weshalb nicht von einer Vertretung im Sinne von Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO auszugehen sei, kann ihr nicht gefolgt werden. Aus den Verfahrensakten sind kei nerlei Hinweise ersichtlich, dass der amtliche Verteidiger nicht auch speziell für die heutig e Hauptverhandlung instruiert wäre, zumal aus dem vom Rechtsvertreter eingereichten Schreiben des Berufungsklägers mit heutigem Da- tum hervorgeht, dieser sei „sehr wohl und sehr ernst“ da ran interessiert, dass die Berufungs- verhandlung stattfinde. Demzufolge ist von einer ordnung sgemässen Vertretung des Beru- fungsklägers an der heutigen Hauptverhandlung auszugehe n, womit die kumulativen Voraus- setzungen der Annahme eines Rückzugs der Berufung gemäss Ar t. 407 Abs. 1 lit. a StPO nicht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht erfüllt sind. Der Antrag der Staatsanwaltschaft ist da her abzuweisen und auf die Berufung ist einzutreten. II. Materielles 1. Gegenstand der Berufung Aufgrund der seitens der Parteien eingereichten Rechtsschriften sowie der anlässlich der heuti- gen Hauptverhandlung gehaltenen Parteivorträgen, namentlich aufgrund der Ausführungen des Berufungsklägers, die Straftatbestände der mehrfachen Dr ohung sowie der mehrfachen Porno- grafie seien zugestanden und nicht mehr strittig, zeigt sich, dass einzig der Straftatbestand der mehrfachen Tierquälerei Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bildet, weshalb im folgenden ausschliesslich dieser Aspekt zu prüfen ist. Im Übrigen blieben die Ausführungen des Strafgerichts betreffend Beschlagnahme und Einziehung u nbestritten, weshalb diese nicht Ge- genstand des vorliegenden Verfahrens sind. 2. Sachverhaltsfeststellung 2.1 Mit Urteil vom 11. Oktober 2011 führt das Strafgericht Basel-Landschaft aus, der Beru- fungskläger habe wenige Stunden nach seiner Anhaltung vom 15. April 2010 gegenüber der Polizei Basel-Landschaft zu Protokoll gegeben, er hab e an mehreren Hunden den Oralverkehr vollzogen und diese wiederum dasselbe an ihm. Dazu habe er masturbiert und sei sehr oft zum Orgasmus gekommen. Das Ejakulat sei dann von den Hunden aufgegessen worden. Zudem habe er Hündinnen und Rüden am Geschlechtsteil „gesch leckt“, seinen Hunden C.____ und D.____ die Möglichkeit gegeben, sie mit der Hand zu bef riedigen, und den Rüden auch den „Arsch abgeleckt“. Anal- und Vaginalverkehr habe er jedoch noch nie gehabt, da die Hunde dies bisher immer abgelehnt hätten. Ausserdem habe er mit mehreren Hunden Zungenküsse ausge- tauscht, wobei er erregt werde und dazu masturbiere. E r zwinge den Hund nicht zu sexuellen Handlungen, sondern nehme auf dessen Verhalten Rücksicht und lasse diesen seine Sexualität leben. Sexuelle Handlungen an einem Hund habe er er stmals mit neun Jahren vorgenommen und letztmals am Vortag mit seinem Hund D.____. Durchschn ittlich sei es alle ein bis zwei Wo- chen zu sexuellen Kontakten mit Hunden gekommen. Ferner habe der Berufungskläger ausge- sagt, er kenne Art. 26 Abs. 1 TSchG nicht, jedoch habe er sich diesbezüglich bereits mit einem Juristen unterhalten, welcher ihm erklärt habe, dass nur das Penetrieren strafbar sei, hingegen das Streicheln mit anschliessender Ejakulation nicht. I m Widerspruch zu dieser Aussage habe der Berufungskläger im Verlauf der Einvernahme zu Pro tokoll gegeben, er sei der Meinung, dass nur die Ausübung der Zoophilie verboten sei. Im Weiteren führt das Strafgericht aus, am selbigen Tag, mithin am 15. April 2010, sei der Hund D.____ des Berufungsklägers beschlag- nahmt worden. In der Folge habe der Kantonstierarzt a m 19. April 2010 unter Bezugnahme auf das Einvernahmeprotokoll vom 15. April 2010 gegenüber dem Berufungskläger ein Hundehal- teverbot sowie die Umplatzierung des beschlagnahmten Hun des verfügt. Unmittelbar danach habe der Berufungskläger ein Schreiben verfasst, mit we lchem er die zuvor gemachten Aussa- gen widerrufen und vorgebracht habe, er sei zu dieser „Gefälligkeitsaussage“ gedrängt worden. Er sei unter Druck gestanden und habe die Einvernahme nur noch verlassen wollen. Da diese Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Falschaussagen für ihn Folgen gehabt hätten, habe er si e widerrufen. Er habe nie an Hunden sexuelle Handlungen vorgenommen und werde dies auch nie tun. Seine DNA sei deshalb in den Darm von D.____ gelangt, weil dieser das Fieberthermometer verschluckt habe, welches er wiederum habe herausholen müssen. Zudem erachte er es a ls möglich, dass D.____ Genital- flüssigkeit konsumiert habe und diese dann in den Darm „gewandert“ sei. Das Strafgericht führt ferner aus, dass sich neben den Aussagen des Berufungskläg ers noch zahlreiche weitere Be- weismittel bei den Akten befänden, wobei insbesondere aufgrund der Beiträge in Internet-Foren und der schriftlichen Arbeiten zum Thema „kynosexuelle Be gegnung“ sowie „Zoophilie und Tierschutz“ feststehe, dass der Berufungskläger an Hunden e in sexuelles Interesse habe. Überdies habe er unzählige weitere Bilder von tierischen Geschlechtsteilen angeschaut. Das Geständnis vom 15. April 2010 sei sehr detailliert und differenziert, zumal der Berufungskläger ohne konkrete Frage auf weitere sexuelle Handlungen s owie auf zusätzliche Beweismittel hin- gewiesen habe. Die Aussagen seien daher plausibel und es sei nicht nachvollziehbar, dass diese durchwegs fiktiv sein sollen. Es sei nicht glaubhaft , dass der Berufungskläger unter dem angeblichen Druck solch detaillierte Erfindungen gemacht habe. Die späteren Aussagen betref- fend seinen psychischen Zustand im Zeitpunkt der Einverna hme vom 15. April 2010 seien da- her als Schutzbehauptungen zu qualifizieren. Im Übrigen sei ein klares Motiv für den späteren Widerruf des Geständnisses erkennbar, da die Depositionen zur Folge gehabt hätten, dass ihm sein Hund D.____ entzogen und ihm ein Hundehalteverbot auferlegt worden sei. Weiter sei auf- grund der nachvollziehbaren und äusserst plausiblen guta chterlichen Ausführungen, gemäss welchen im Anus von D.____ nicht nur DNA-Spuren des Ber ufungsklägers, sondern auch von diesem stammende Genitalflüssigkeit gefunden worden sei en, - entgegen den Behauptungen des Berufungsklägers - davon auszugehen, dass zwischen ihm un d seinem Hund D.____ kurz vor dem 14. April 2010 über den After des Hundes ein s exueller Kontakt stattgefunden habe. Der angeklagte Sachverhalt, mithin die wiederholte Vo rnahme von sexuellen Handlungen mit Hunden im Zeitraum vom September 2008 bis 2010, sei da her erstellt, wobei eine Schädigung der Tiere im eigentlichen Sinne nicht nachgewiesen werden könne. 2.2 Demgegenüber bringt der Berufungskläger mit Berufung sbegründung vom 6. März 2012 vor, der Rückzug seines Geständnisses sei beachtlich, zum al er am frühen Morgen aus dem Bett geholt und in Polizeigewahrsam genommen word en sei, was ihn schockiert und unter Druck gesetzt habe. Überdies sei er nicht anwaltlich verbei ständet gewesen. Zwar sei er auf Art. 26 Abs. 1 TSchG hingewiesen worden, darin würden sexuelle Handlungen mit Tieren je- doch nicht erwähnt. Vielmehr habe man es unterlassen, i hn auf Art. 4 TSchG sowie auf Art. 16 TSchV hinzuweisen, weshalb er nicht in der Lage gewese n sei, sich adäquat zu verteidigen. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kanton sgericht führt der Berufungskläger ergänzend aus, er habe durchwegs bestritten, dass er seinen Hund jemals penetriert habe. Selbst wenn man auf die rechtsmedizinischen Gutachten a bstellen sollte, so sei eine Penetrati- on dennoch nicht bewiesen, da die DNA-Spuren im Anus des Hundes damit zu erklären seien, dass er mit dem Hund das Bett geteilt habe. Ebenso könn e die Genitalflüssigkeit auf andere Weise eingebracht worden sein, beispielsweise mit dem F inger. Aufgrund des Rückzuges des Geständnisses seien im Übrigen auch die anderen sexuelle n Handlungen mit dem Hund nicht bewiesen, weshalb er von der mehrfachen Tierquälerei freizusprechen sei, zumal er die Würde Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Tiere schätze, auf der Seite der Tiere stehe und seinen Hund auf jeden Fall nicht quälen würde. 2.3 Mit Berufungsantwort vom 29. März 2012 macht die Staa tsanwaltschaft geltend, der Berufungskläger bringe keine relevanten Gründe vor, wesh alb das ursprüngliche Geständnis nicht verwertbar sei. Vielmehr sei eine Schockwirkung, wie sie vorgebracht werde, aufgrund des hohen Detaillierungsgrades des Geständnisses ausgeschlossen . Ebenso könne aus der an- fänglich noch nicht vorhandenen anwaltlichen Vertretung nichts geschlossen werden, da es sich vorliegend nicht um einen Fall der notwendigen Vertei digung handle. Ferner sei der Berufungs- kläger auf die massgebende Strafbestimmung aufmerksam g emacht worden, was praxisge- mäss genüge, zumal er den Inhalt von Gesetz und Verordnu ng in Bezug auf sexuelle Handlun- gen mit Tieren bestens gekannt habe, wie sich im Verlauf der Untersuchung gezeigt habe. An der heutigen Hauptverhandlung vor den Schranken des K antonsgerichts bringt die Staatsan- waltschaft vor, die rechtsmedizinischen Gutachten würden deutlich aufzeigen, dass eine Penet- ration stattgefunden habe. Wolle man diese Gutachten anfechten, so müsse man dies in qualifi- zierter Weise tun, was vorliegend jedoch gerade nicht geschehen sei. Vielmehr lege die Vorin- stanz überzeugend dar, weshalb den Gutachten zu folgen sei. Diesen Ausführungen schliesse sich die Staatsanwaltschaft an. Der Umstand, dass die Gen italflüssigkeit auch mit dem Finger hätte eingebracht werden können, sei zwar theoretisch m öglich, dennoch wäre auch diese Handlung als eine sexuelle zu qualifizieren. Hinsichtlich des Rückzuges des Geständnisses habe sich die Vorinstanz ausführlich ausgelassen und sei zum zutreffenden Schluss gekom- men, dass die Verwertbarkeit zu bejahen sei. Im Übrige n befänden sich genügend andere Be- weismittel in den Akten, weshalb der Sachverhalt als erstellt zu gelten habe. 2.4 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 1 0 Abs. 2 StPO) hat das urtei- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon- nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft se in Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprec hen, und ohne Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Bewei se. Massgebend soll allein deren Stichhaltigkeit sein (R IEDO /F IOLKA /N IGGLI , Strafprozessrecht, 2011, Rz. 234; H OFER , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 10 N 41 ff.). Dem Geständnis der beschuldigten Person kommt im Rahmen der freien Beweiswürdigung kein a priori gröss erer Beweiswert zu als anderen Aussa- gen oder sonstigen Beweismitteln. Sagt die beschuldigte Person zunächst aus und beruft sich erst später auf das Aussageverweigerungsrecht, bleiben di e früheren Aussagen analog zu Art. 175 Abs. 2 StPO verwertbar (S CHMID , Praxiskommentar StPO, 2009, Art. 159 N 18). Das- selbe hat auch für den Fall eines etwaigen Widerrufs d es Geständnisses der beschuldigten Person zu gelten. Dieses bleibt daher als Beweismittel w eiterhin verwertbar, wobei es eine Fra- ge der freien Beweiswürdigung ist, welche Bedeutung de m Widerruf zukommt. Dabei sind zu- nächst die Beweggründe abzuklären, die zu den widersprü chlichen Aussagen geführt haben, um dann auf dieser Grundlage die Glaubhaftigkeit und Ernsthaftigkeit von Geständnis und Wi- derruf gegeneinander abzuwägen (G ODENZI , Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 160 N 5; HAUSER /S CHWERI /H ARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 2005, § 54 Rz. 4). Nach der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Ar t. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) flie ssenden und in Art. 6 Ziff. 2 der Kon- vention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheit en (EMRK, SR 0.101) verankerten Maxime „in dubio pro reo“ bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist. Als Beweiswürdigungsregel be- sagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Di e Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, we il solche immer möglich sind und ab- solute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unter- drückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich na ch der objektiven Sachlage auf- drängen (BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Verweis auf BGE 1 20 Ia 31). Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1). Das Bundesgericht greift auf Beschwerde hin nur ein, wenn das Sachge- richt diesen missbraucht, insbesondere offensichtlich unhalt bare Schlüsse zieht, erhebliche Beweise übersieht oder solche willkürlich ausser Acht lässt (BGE 132 III 209, E. 2.1). 2.5 Vorliegend strittig und daher zu prüfen ist, ob der S achverhalt als erstellt zu erachten ist. Aus den Verfahrensakten ist ersichtlich, dass der Be rufungskläger anlässlich der Einver- nahme vom 15. April 2010 zu Protokoll gab, er kenne A rt. 26 Abs. 1 TSchG nicht. Er habe sich jedoch bereits mit einem Juristen über diese Problemat ik unterhalten, welcher ihm erklärt habe, dass lediglich das Penetrieren strafbar und das Streicheln mit anschliessender Ejakulation nicht rechtswidrig sei. Da er noch nie Anal- oder Vaginalverk ehr mit Tieren gehabt habe, sei er der Meinung, dass er den Tatbestand nicht erfülle (act. 965 ff.). Auf die Frage, welche sexuellen Handlungen er konkret an Hunden vorgenommen habe, fü hrte der Berufungskläger aus, er ha- be an mehreren Hunden den Oralverkehr vollzogen und diese auch an ihm. Dabei habe er mas- turbiert und sei sehr oft zum Orgasmus gekommen. Der Hun d habe das Ejakulat dann aufge- gessen. Sowohl bei Hündinnen als auch bei Rüden habe er am Geschlechtsteil „geschleckt“. Ferner habe er C.____ und D.____, mithin seinen beiden Hunden, die Möglichkeit gegeben, sie mit der Hand zu befriedigen; D.____ möge dies jedoch n icht. Er stelle vor allem die sexuellen Bedürfnisse des Hundes in den Vordergrund und seine eig enen zurück. Auch habe er den Rü- den am „Arsch“ geleckt. Im Weiteren gab der Berufungskläg er auf die Frage, weshalb er keinen Vaginal- beziehungsweise Analverkehr mit Hunden gehabt habe, zu Protokoll, die Hunde hätten dies bisher immer abgelehnt (act. 967). Er hätte jedoch gerne Vaginal- oder Analverkehr mit einem Hund, dennoch habe er dies noch nie ausgelebt. Zudem habe er schon mit mehreren Hunden Zungenküsse ausgetauscht, wobei er während des A ustausches masturbiert habe (act. 969). Mit neun Jahren habe er sein erstes sexuelles Erlebnis mit einem Hund gehabt. Den letzten sexuellen Kontakt habe er am Vortag gehabt, als er vor seinem Hund D.____ mastur- biert und diesen am Körper, unter anderem auch am G eschlechtsteil, gestreichelt habe (act. 973). Mit 18 Jahren habe er seinen Hund C.____ e rhalten, mit welchem er von Beginn an bis zum Tode des Hundes sexuelle Handlungen vorgenommen h abe. Sodann sei im Jahr 2005 die Hündin E.____ dazugekommen, mit welcher er ebenfa lls sexuelle Handlungen durchgeführt Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe, bis sie im Jahr 2006 verstorben sei. Nach dem Tod von C.____ habe er D.____ aufge- nommen und überdies in den Jahren 2008 und 2009 sexuel le Handlungen an F.____, der Hün- din seiner Mutter, vorgenommen (act. 983). Durchschnit tlich sei es ca. einmal pro Woche oder einmal in zwei Wochen zu sexuellen Kontakten mit den H unden gekommen (act. 975). Im Wei- teren machte der Berufungskläger geltend, er habe noch nie sexuelle Handlungen an anderen Tieren als an Hunden gehabt (act. 979). Zwar würde er gerne einmal sexuelle Handlungen an Pferden vornehmen, bis jetzt habe sich jedoch noch keine Möglichkeit ergeben (act. 981). Auf die Frage, wie er sich dazu äussere, dass Zoophilie in de r Schweiz verboten sei, gab der Beru- fungskläger sodann zu Protokoll, dies sei eine Auslegungss ache. Seiner Ansicht nach sei die Präferenz legal, die Ausübung jedoch nicht (act. 991). 2.6 Im Weiteren ergibt sich aus den Verfahrensakten, dass m it superprovisorischer Verfü- gung des Veterinär-, Jagd- und Fischereiwesens des Kant ons Basel-Landschaft vom 15. April 2010 (act. 395) der Hund D.____ des Berufungsklägers besc hlagnahmt wurde und der Kan- tonstierarzt am 19. April 2010 verfügte, dass dem Beruf ungskläger das Halten von Hunden ver- boten und der vorsorglich beschlagnahmte Hund nicht an den Berufungskläger zurückgegeben, sondern umplatziert werde. In der besagten Verfügung führte der Kantonstierarzt aus, der Beru- fungskläger habe anlässlich einem Telefonat vom 19. April 2010 weder seine Neigung noch die im Einvernahmeprotokoll gemachten Äusserungen bestritten (act. 399 ff.). In der Folge widerrief der Berufungskläger mit Schreiben vom selbigen Tag sein G eständnis vom 15. April 2010 und machte geltend, er sei während der Einvernahme unter Druck gestanden und habe die Aussa- gen nur deshalb getätigt, um die Befragung zu beenden. Hinzugekommen sei, dass er aufgrund der Wegnahme seines Hundes D.____ seelische Schmerzen verspü rt habe. Ausserdem hätte die einvernehmende Person auf seine Frage nach einem Pflichtverteidiger lediglich gesagt, den müsse er selbst bezahlen (act. 1011 ff.). Anlässlich der E invernahme vom 26. April 2010 gab der Berufungskläger zu Protokoll, sein Geständnis vom 15. April 2010 sei eine Gefälligkeitsaus- sage gewesen, damit er in Ruhe gelassen werde, zumal er unter psychischem Druck gestanden habe (act. 1025). Er habe in der Einvernahme vom 15. April 2010 die Strategie verfolgt, eine Gefälligkeitsaussage zu machen, um möglichst schnell wied er nach Hause gehen zu können, wobei er nur Handlungen habe gestehen wollen, welche im „grünen Bereich“ seien, so dass es für ihn keine Folgen habe. Nachdem er jedoch die Ve rfügung des Kantonstierarztes erhalten habe, habe er bemerkt, dass die Gefälligkeitsaussage für ihn doch folgenschwer sei, weshalb er sie widerrufen habe (act. 1037). 2.7 Es stellt sich nun vorab die Frage, ob das Geständnis d es Berufungsklägers vom 15. April 2010 verwertbar ist. Vorderhand ist festzuste llen, dass sich das besagte Geständnis als äusserst detailliert und ausführlich erweist. Insbeso ndere beschränkte sich der Berufungs- kläger nicht bloss auf die notwendigsten Angaben, sonder n beantwortete die Fragen minutiös und einlässlich. Dabei wies er die einvernehmenden Perso nen sogar auf weitere sexuelle Handlungen hin, zu welchen er nicht einmal befragt wurde, und belegte seine Ausführungen mit weiteren Beweismitteln. Überdies wurde der Berufungsklä ger auf den Straftatbestand von Art. 26 des Tierschutzgesetzes (TSchG, SR 455) aufmerksam ge macht, welchen er - entgegen seinen Ausführungen zu Beginn der Einvernahme - offen sichtlich bereits kannte, zumal er sich Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemäss eigenen Angaben schon mit Juristen über die besagt e Bestimmung unterhalten habe (act. 965 ff.) und sich überdies eine Arbeit des Berufu ngsklägers mit dem Titel „Zoophilie und Tierschutz“ in den Akten befindet, in welcher er Art. 26 TSchG wiedergibt und darlegt, dass jede Handlung mit sexuellem Motiv durch Art. 16 der Tierschut zverordnung (TSchV, SR 455.1) kri- minalisiert werde (act. 719 ff.). Die Aussagen des Beruf ungsklägers sind daher als glaubhaft zu bezeichnen. Demzufolge stellt sich die Frage, ob der Widerruf des Geständnisses in casu be- achtlich ist. Soweit der Berufungskläger geltend macht, er sei unter Druck beziehungsweise Schock gestanden und habe daher eine Gefälligkeitsaussage g emacht, kann ihm nicht gefolgt werden. Vorderhand zeigt sich, dass der Berufungskläger a m Ende der Einvernahme vom 15. April 2010 auf die Frage, wie er sich psychisch fühle , ausgesagt hat, abgesehen davon, dass ihm sein Lebenspartner ohne ersichtlichen Grund weggenommen worden sei, gehe es ihm eigentlich gut (act. 993). Überdies hat der Berufungsklä ger ein überaus ausführliches Geständ- nis abgelegt und sich dafür insgesamt über fünf Stunden Zeit genommen, weshalb die geltend gemachte Drucksituation nicht plausibel erscheint. Dabei ist namentlich zu beachten, dass die Einvernahme offenkundig wesentlich kürzer ausgefallen wä re, wenn der Berufungskläger die Aussage schlicht verweigert hätte. Dieser Umstand musste auch dem Berufungskläger bewusst sein. Sodann geht aus der Aktennotiz des bei der Einver nahme anwesenden Feldweibels G.____ vom 22. April 2010 hervor, dass sich der Berufu ngskläger für die Durchsicht des Proto- kolls sehr viel Zeit genommen und unzählige handschriftli che Korrekturen, teilweise ganze Sät- ze, angebracht habe. Nachdem die Korrekturen und Ergä nzungen in das Einvernahmeprotokoll übernommen worden seien, sei dieses dem Berufungskläger erneut vorgelegt worden, worauf sich dieser wiederum viel Zeit für die erneute Durchsicht genommen und dabei zwei Flüchtig- keitsfehler gefunden habe (act. 997 ff.). Aufgrund d ieser Ausführungen zeigt sich, dass es sich bei dem Vorbringen des Berufungsklägers, er habe ledigl ich Falschaussagen getätigt, um eine reine Schutzbehauptung handelt. Hätte der Berufungsklä ger tatsächlich eine Gefälligkeitsaus- sage machen wollen, um möglichst schnell wieder nach Hause gehen zu können, so hätte er sich klarerweise nicht die Zeit genommen, um das Protoko ll mit der an den Tag gelegten Ge- nauigkeit durchzulesen. Ausserdem führte der Kantonstierarzt in seiner Verfügung vom 19. April 2010 aus, der Berufungskläger habe anlässlich eines Tel efonats vom selbigen Datum, mithin vier Tage nach dem Geständnis, weder seine Neigung noch die im Einvernahmeprotokoll ge- machten Äusserungen bestritten (act. 399 ff.). Es ist ni cht davon auszugehen, dass der Beru- fungskläger dannzumal immer noch unter demselben Druck gestanden hat, wie an der Einver- nahme. Somit ist das Vorbringen, er sei unter Druck bezie hungsweise Schock gestanden, nicht plausibel. Soweit der Berufungskläger geltend macht, er sei während der Einvernahme nicht anwaltlich vertreten gewesen, ist festzustellen, dass er zu Beginn der Einvernahme vom 15. April 2010 auf sein Recht, jederzeit eine Vertei digung beizuziehen, hingewiesen wurde (act. 965). Ausserdem lag kein Fall der notwendigen Verteidigung im Sinne von § 18 des dama- ligen Gesetzes betreffend die Strafprozessordnung des Kan tons Basel-Landschaft (StPO BL, GS 33.825) vor, weshalb eine Verteidigung nicht von Am tes wegen anzuordnen war. Im Übri- gen hatte der Berufungskläger offenkundig ein Motiv, se in Geständnis zurückzuziehen, zumal dieses dazu geführt hat, dass ihm sein Hund D.____ wegge nommen und ein Hundehalteverbot auferlegt wurde. Der Widerruf des Geständnisses ist dahe r in Würdigung aller Umstände nicht Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht beachtlich und auf das Geständnis vom 15. April 2010 kann abgestellt werden, zumal keine Hinweise darauf erkennbar sind, dass das Geständnis nicht der Wahrheit entsprechen würde. 2.8 Ferner sind aus den Verfahrensakten diverse weitere Be weise ersichtlich, aus welchen offenkundig hervorgeht, dass der Berufungskläger sexuelle Handlungen mit Tieren vorgenom- men hat, und somit die Glaubhaftigkeit des Geständnisse s untermauern. Namentlich wurde anlässlich der Hausdurchsuchung beim Berufungskläger vom 15 . April 2010 unter anderem eine sogenannte Stellungnahme zum Thema „kynosexuelle Begegnung“ (act. 275) beschlag- nahmt. Darin kommt der Berufungskläger zum Schluss, dass e s durchaus Möglichkeiten und Wege gebe, den Hund als Geschlechtspartner in das humane Sexualverhalten miteinzubezie- hen. Im Weiteren wurde ein Ordner sichergestellt, welch er unter anderem 122 Bilder mit Dar- stellungen von sexuellen Handlungen mit Tieren beinhaltete (act. 273, 279 ff.) sowie eine Arbeit des Berufungsklägers mit dem Titel „Zoophilie und Tiersch utz“, in welcher er im Wesentlichen bestreitet, dass jede sexuelle Annäherung an Tiere eine Verletzung deren Würde sei und des- wegen gesondert in Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV verbot en gehöre. Vielmehr basiere Zoophilie auf gegenseitigem Respekt, Achtung der Würde und Verständni s der Kreatürlichkeit der Tiere. Se- xuell motivierte Handlungen seien nicht zu verbieten, da sie sehr wohl auf der Entscheidfindung des Tieres beruhen könnten (act. 719 ff.). Überdies w urden auf dem beschlagnahmten Compu- ter des Berufungsklägers insgesamt über 800 Bilddateien gesichtet, die sexuelle Handlungen mit Tieren oder Geschlechtsteile von Tieren zeigen (act. 581, 589 ff.) sowie das Dokument „Se- xueller Mensch frau nasswetter.doc“, zu welchem der Berufu ngskläger eine Anmerkung ver- fasste, in welcher er unter anderem ausführt, er wisse, dass Haushunde nicht monogam leben würden, weshalb er es einem Hund nicht krumm nehme, we nn dieser mit jemand anderem schmuse oder bei diesem aufreite. Zudem führt der Beru fungskläger in der besagten Anmer- kung detailliert aus, was seinen Hund C.____ für ihn se xuell attraktiv mache (act. 633 ff.). Nebstdem liegen diverse Auszüge aus Internet-Foren vor, gemäss welchen der Berufungsklä- ger unter dem Benutzernamen „H.____“ am 23. April 2 009 unter anderem ausgeführt hat, dass bei ihm ein Beziehungsaufbau stattfinde, aus dem eine si chere Bindung entstehe. Wenn die Hündin ihn als Sexualpartner wähle, so freue er sich un d nehme gerne an. Er würde einen Hund jedoch nicht aufgrund seines Geschlechts oder der Grösse seines Geschlechtsteils aus- wählen. Vielmehr zeige es sich beim ersten Treffen, ob Sympathie oder Antipathie prävalent sei. Wenn es ein Rüde werde, dann dürfe auch dieser sein e Bedürfnisse ausleben (act. 753). Ferner schrieb der Berufungskläger am 5. März 2010 betr effend die Jahreshauptversammlung des Vereins I.____, er würde sehr gerne kommen, leider habe sein Lebenspartner jedoch nicht die nötigen Impfungen. Diese hätten verzögert werden müssen, da bei seinem Lebenspartner ein Zwingerhusten vermutet worden sei (act. 923). Mit dem Begriff Lebenspartner meinte der Berufungskläger dabei offenkundig seinen Hund. Ausserdem schrieb der Berufungskläger am 19. März 2010: „hilfe, ich weiss nicht was ich tun soll, w enn ich nen hundehintern sehe krieg ich nen ständer“ (act. 931). 2.9 Die soeben dargelegten weiteren Beweise zeigen unmissve rständlich auf, dass der Berufungskläger ein starkes sexuelles Interesse an Hunden hat, und dieses auch auslebt. Inso- fern wird das Geständnis vom 15. April 2010 durch diese weiteren Beweise mit aller Deutlichkeit Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht objektiviert, weshalb davon auszugehen ist, dass der Beruf ungskläger eine unbekannte Anzahl an sexuellen Handlungen mit den Hunden C.____, F.____ und D.____ in der Zeit vom Septem- ber 2008 bis zum 14. April 2010, ca. einmal pro Woche oder alle zwei Wochen einmal, vorge- nommen hat. Der Sachverhalt ist diesbezüglich daher erstellt. 2.10 Fraglich ist im Weiteren, ob es zwischen dem Berufungskläg er und dem Hund D.____ kurz vor dem 14. April 2010 zu einer Penetration gekomme n ist. Wie bereits in den vorherge- henden Erwägungen aufgezeigt wurde, gab der Berufun gskläger anlässlich der Einvernahme vom 15. April 2010 zu Protokoll, er habe noch nie Vag inal- oder Analverkehr mit einem Hund gehabt, da dies seine Hunde bis anhin abgelehnt hätten (act. 969). Da es einem Hund nicht möglich ist, seine abweisende Haltung gegenüber Vaginal - oder Analverkehr mitzuteilen, ist offenkundig davon auszugehen, dass der Berufungskläger zumi ndest versucht hat, mit einem seiner Hunde Vaginal- oder Analverkehr zu haben. Dem st eht nicht entgegen, dass der Beru- fungskläger in der Einvernahme vom 15. April 2010 als e inzige sexuelle Handlung den Vaginal- oder Analverkehr bestritt, zumal er damals die Meinung vertrat, lediglich die Penetration sei strafbar (act. 965 ff.). Der Umstand, dass es zwischen dem Berufungskläger und seinem Hund D.____ zu einer Penetration gekommen ist, wird sodann durch die sich in den Akten befinden- den Gutachten untermauert. So geht aus dem rechtsmedizin ischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel vom 15. April 2010 (act. 309 ff.) hervor, dass am Penis des Berufungsklägers anhaftende Haare gefunden worden seie n, welche gemäss dem Berufungs- kläger Haare seines Hundes seien, was aufgrund des äusseren Aspekts der Haare plausibel sei. Gemäss den Gutachtern sei die Erklärung des Berufu ngsklägers betreffend den Übertra- gungsweg der Haare, mithin das gemeinsame Schlafen mit dem Hund im selben Bett, nachvoll- ziehbar. Sodann wird im Gutachten über spurenkundliche DNA-Untersuchungen des Instituts für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Inn sbruck vom 9. September 2010 (act. 327 ff.) festgehalten, dass im Anus des Hundes in d er Tiefe von ca. 5 cm ein schwach po- sitiver Reaktionsausfall auf männliche Genitalflüssigkeit feststellbar gewesen sei. Überdies ha- be man an Abstrichen in den Tiefen von 5 cm beziehungswe ise 10 cm ab Anus des Hundes jeweils menschliche DNA nachweisen können, welche mit ei ner Sicherheit von 1 zu 1 Milliarde dem Berufungskläger zuzuordnen sei. Mit ergänzendem rech tsmedizinischem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel vom 8. O ktober 2010 (act. 377 ff.) wird in Be- antwortung der Ergänzungsfragen des Berufungsklägers vom 29. September 2010 (act. 371 ff.) ausgeführt, Genitalflüssigkeit sei ein flüssiges, zellfreies Sekret, welches in den akzessorischen männlichen Geschlechtsdrüsen gebildet werde und zusammen mit zellulären Bestandteilen das Ejakulat bilde. Zwar könne Genitalflüssigkeit auch oral aufgenommen werden und in den Ver- dauungstrakt gelangen, jedoch erfolge dort durch entsp rechende Enzyme eine Verdauung des Materials, aufgrund dessen an Abstrichen aus dem Enddarm kein positives Ergebnis mehr zu erwarten wäre. Rein theoretisch wäre es aber möglich, Genitalflüssigkeit manuell oder instru- mentell in den Enddarm einzubringen. In Bezug auf d ie Frage, ob eine Sekundärübertragung der nachgewiesenen menschlichen DNA möglich sei, halten d ie Gutachter sodann fest, dass die Ergebnisse der spurenkundlichen Untersuchungen dafür sprechen würden, dass es sich bei der nachgewiesenen DNA um biologisches Material aus dem männlichen Genitaltrakt des Beru- fungsklägers handle. Dennoch sei eine manuelle oder in strumentelle Verbringung dieses Mate- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht rials theoretisch möglich, wenn die Hände oder das verwe ndete Instrumentarium entsprechen- de Antragungen aufweisen würden. 2.11 Die soeben dargelegten rechtsmedizinischen Gutachten er weisen sich durchwegs als nachvollziehbar, in sich stimmig und widerspruchsfrei. A ufgrund des eindeutigen Gutachtens über spurenkundliche DNA-Untersuchungen des Instituts für Gerichtliche Medizin der Medizini- schen Universität Innsbruck vom 9. September 2010 sowie d es ergänzenden rechtsmedizini- schen Gutachtens des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel vom 8. Oktober 2010 ist somit bewiesen, dass es zwischen dem Berufungskläger und seine m Hund D.____ kurz vor dem 14. April 2010 zu einem sexuellen Kontakt über de n After des Hundes gekommen ist. Dar- an vermögen auch die pauschalen Vorbringen des Berufungskl ägers nichts zu ändern. Zwar ist es theoretisch denkbar, dass sowohl die Genitalflüssigkeit als auch das DNA-Material manuell in den Enddarm eingebracht wurden, dennoch handelt e s sich dabei lediglich um rein theoreti- sche und somit unbeachtliche Zweifel, zumal es keineswegs wahrscheinlich ist, dass sowohl Genitalflüssigkeit als auch DNA-Spuren manuell eingeführt wurden. Vielmehr ist den plausiblen Ausführungen des Gutachtens zu folgen, demgemäss die E rgebnisse der spurenkundlichen Untersuchungen dafür sprechen würden, dass es sich bei de r nachgewiesenen DNA um biolo- gisches Material aus dem männlichen Genitaltrakt des Berufungsklägers handle. 2.12 Aufgrund der obigen Erwägungen zeigt sich, dass neben den übrigen sexuellen Hand- lungen zwischen dem Berufungskläger und den Hunden C.___ _, F.____ und D.____ auch die Penetration des Hundes D.____ durch den Berufungskläger, und somit der angeklagte Sach- verhalt insgesamt, erstellt ist. Entsprechend dem Grundsa tz „in dubio pro reo“ kann jedoch mangels Nachweises nicht davon ausgegangen werden, dass der Berufungskläger den Hunden dabei Schmerzen oder einen Schaden zugefügt hat. 3. Grundsatz „nulla poena sine lege“ 3.1 Das Strafgericht Basel-Landschaft führt mit Urteil vom 11. Oktober 2011 aus, die ei- gentliche Strafnorm sei Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG, welche durch Art. 16 TSchV konkretisiert werde. Indem der Bundesrat in Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV sexuell motivierte Handlungen mit Tieren verboten habe, habe er die ihm in Art. 4 Abs. 3 TSchG eingeräumte Gesetzgebungs- kompetenz nicht überschritten und somit nicht gegen den i n Art. 1 StGB festgehaltenen Grund- satz „keine Strafe oder Massnahme ohne Gesetz“ verstossen. 3.2 Der Berufungskläger macht hingegen geltend, Art. 26 T SchG erwähne sexuelle Hand- lungen mit Tieren mit keinem Wort. Ausserdem sei Art. 4 TSchG keine ausreichende Delegati- onsnorm, da sie viel zu unbestimmt und offen sei und ni cht auf konkrete Handlungen - welche bestraft werden sollen - verweise, namentlich nicht auf sexuelle Handlungen mit Tieren. Demzu- folge erweise sich Art. 16 TSchV, mithin kein Gesetz im formellen Sinn, als ungenügende Straf- norm, weshalb er freizusprechen sei, zumal nicht jede sexuelle Handlung mit einem Tier per se Tierquälerei sei. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kanto nsgericht führt die Staatsan- waltschaft aus, Art. 16 TSchV lege mit aller Deutlichkeit dar, dass jegliche sexuelle Handlungen mit Tieren verboten seien. Für diese Konkretisierung vo n Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG bestehe eine hinreichende Delegationsnorm in Art. 4 Abs. 3 TS chG, weshalb Art. 1 StGB entsprechend den Ausführungen des Strafgerichts nicht verletzt sei. 3.4 Art. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 31 1.0) normiert den Grund- satz „nulla poena sine lege“, gemäss welchem eine Strafe oder Massnahme nur wegen einer Tat verhängt werden darf, die das Gesetz ausdrücklich unter Strafe stellt. Demgemäss bedürfen Sanktionen, die mit einem Freiheitsentzug verbunden sind, einer klaren Grundlage in einem formellen Gesetz (P OPP /L EVANTE , Basler Kommentar StGB, 2007, Art. 1 N 18; STRATENWERTH /W OHLERS , Handkommentar StGB, 2009, Art. 1 N 2). Ebenso ergi bt sich aus diesem Grundsatz das Bestimmtheitsgebot, laut welchem d ie Merkmale strafbaren Verhaltens und dessen Folgen im Zeitpunkt seiner Ausführung bestim mt und für jedermann klar erkennbar gewesen sein müssen. Das Gesetz muss so präzise formuliert sei n, dass der Bürger sein Ver- halten danach richten und die Folgen eines bestimmten V erhaltens mit einem den Umständen entsprechenden Grad an Gewissheit erkennen kann (S TRATENWERTH /W OHLERS , a.a.O., Art. 1 N 6; POPP /L EVANTE , a.a.O., Art. 1 N 31 ff.). 3.5 Gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG wird mit Gefängni s oder mit Busse bestraft, wer vorsätzlich ein Tier misshandelt, vernachlässigt, es unnöti g überanstrengt oder dessen Würde in anderer Weise missachtet. Dabei handelt es sich unbest rittenermassen um den eigentlichen Straftatbestand. Art. 4 Abs. 2 TSchG hält in Überein stimmung mit soeben zitierter Norm fest, dass niemand ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Le iden oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missach ten darf. Das Misshandeln, Ver- nachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren i st verboten. Im Sinne einer Delegati- onsnorm führt Art. 4 Abs. 3 TSchG sodann aus, dass der B undesrat weitere Handlungen an Tieren verbietet, wenn mit diesen deren Würde missachtet wird. In Wahrnehmung dieser ihm eingeräumten Gesetzgebungskompetenz hat der Bundesrat a lsdann Art. 16 TSchV erlassen. Demgemäss ist das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötig e Überanstrengen von Tieren verboten (Art. 16 Abs. 1 TSchV). Namentlich verboten si nd sexuell motivierte Handlungen mit Tieren (Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV). 3.6 Im Rahmen der Frage, ob das Bestimmtheitsgebot vorlie gend eingehalten wurde, ist akzessorisch zu prüfen, ob der Bundesrat überhaupt befugt war, sexuell motivierte Handlungen mit Tieren unter Strafe zu stellen. Das akzessorische P rüfungsrecht bedeutet das Recht von Gerichten und Verwaltungsbehörden, die von ihnen anzuwendenden generellen Rechtssätze im Zusammenhang mit einem konkreten Rechtsanwendungsakt v orfrageweise auf ihre Rechtmäs- sigkeit, einschliesslich Verfassungsmässigkeit, hin zu überprüf en und im Fall der Rechtswidrig- keit nicht anzuwenden (H ÄFELIN /H ALLER /K ELLER , Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 2008, Rz. 2070). Verordnungen wie die vorliegende TSchV, zu deren Erlass der Bundesrat durch eine Delegationsnorm in einem Bundesgesetz ermächtigt worde n ist, unterstehen in beschränktem Ausmass dem Anwendungsgebot von Art. 190 BV. Hier ist ab zuklären, ob sich der Bundesrat Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht an die Grenzen der ihm im Gesetz eingeräumten Befugni sse gehalten hat. Soweit das Gesetz den Bundesrat nicht ermächtigt, von der Verfassung abz uweichen, befindet das Gericht auch über die Verfassungsmässigkeit der selbständigen Verordnung. Räumt jedoch das Gesetz dem Bundesrat einen weiten Ermessensspielraum für die Regel ung auf Verordnungsstufe ein, so ist dieser für das Gericht verbindlich. Es darf in diesem Fall nicht sein eigenes Ermessen an die Stelle jenes des Bundesrates setzen, sondern kann lediglic h prüfen, ob die Verordnung den Rahmen der dem Bundesrat delegierten Kompetenzen off ensichtlich sprenge oder sich aus anderen Gründen als gesetzes- oder verfassungswidrig e rweise (H ÄFELIN /H ALLER /K ELLER , a.a.O., Rz. 2099). 3.7 Vorliegend stellt sich somit die Frage, ob sexuell m otivierte Handlungen mit Tieren un- ter die Delegationsnorm von Art. 4 Abs. 3 TSchG subsum ierbar sind. Klarerweise nimmt die Würde des Tieres im TSchG eine zentrale Rolle ein. Ne ben den bereits zitierten Regelungen von Art. 4 Abs. 2 und Abs. 3 TSchG findet sich die Würde des Tieres als massgebendes Kriteri- um bereits in Art. 1 TSchG, gemäss welchem es Zweck des TSc hG sei, die Würde und das Wohlergehen des Tieres zu schützen. Ferner führt Art. 10 Abs. 2 TSchG aus, dass der Bundes- rat beim Erlass von Vorschriften über das Züchten und Erze ugen von Tieren sowie bei der Be- stimmung der Kriterien zur Beurteilung der Zulässigkeit von Zuchtzielen und Reproduktionsme- thoden die Würde des Tieres zu berücksichtigen habe. Ebe nso ist bei Ausnahmen von der Be- willigungspflicht oder Vereinfachungen im Bewilligun gsverfahren für das Erzeugen, Züchten, Halten, Verwenden und Handeln mit gentechnisch veränd erten Tieren unter anderem massge- bend, dass durch die Erzeugungs- und Zuchtmethoden der Würde des Tieres Rechnung getra- gen wird (Art. 11 Abs. 4 TSchG). Ferner wird auch in Bezug auf die Meldepflicht von Art. 12 Abs. 1 TSchG die Würde des Tieres als wesentliches Kriter ium angeführt. Schliesslich sind Tierversuche, welche die Würde des Tieres missachten könn en, auf das unerlässliche Mass zu beschränken (Art. 17 TSchG). Die Würde des Tieres wird in Art. 3 lit. a TSchG definiert, welcher festlegt, dass diese missachtet wird, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Eine Belastung l iegt unter anderem dann vor, wenn das Tier übermässig instrumentalisiert wird. Indem der Gesetzgeber den Bundesrat mit Art. 4 Abs. 3 TSchG anwies, weitere Handlungen an Tieren zu verbiete n, wenn mit diesen deren Würde missachtet wird, räumte er ihm - namentlich auch unter B eachtung der weiten Definition der Würde des Tieres von Art. 3 lit. a TSchG - zweifellos ei nen grosszügigen Ermessensspielraum für die Regelung auf Verordnungsstufe ein. Dieser ist für das Berufungsgericht ohne Weiteres verbindlich. Wie das Strafgericht mit Urteil vom 11. Okt ober 2011 zu Recht ausführt, kann zwi- schen einem Menschen und einem Tier keine gleichrangige B eziehung entstehen, zumal es dem Tier an den entsprechenden Fähigkeiten mangelt, u m unabhängig von seinem Halter sein zu können. Vielmehr besteht durchwegs in mehrfacher Hin sicht ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Hund und seinem Halter. Werden nun sexuell e Handlungen mit oder vor dem Hund vorgenommen, so wird dieser dadurch übermässig instr umentalisiert, ist es dem Tier doch gerade nicht möglich, in diese Handlungen einzuwil ligen. Aufgrund der übermässigen In- strumentalisierung ist daher eine Belastung im Sinne vo n Art. 3 lit. a TSchG und somit eine Missachtung der Würde des Tieres bei sexuell motivierten Handlungen mit Tieren zu bejahen. Demgemäss hat der Bundesrat mit dem Erlass von Art. 16 Ab s. 2 lit. j TSchV lediglich eine Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht übermässige Instrumentalisierung des Tieres verboten, mith in eine Missachtung der Würde, und folglich die ihm delegierten Kompetenzen nicht üb erschritten. Das Bestimmtheitsgebot wurde demzufolge eingehalten und eine Verletzung de s Grundsatzes „nulla poena sine lege“ (Art. 1 StGB) ist zu verneinen, weshalb die Berufung in diesem Punkt abzuweisen ist. 4. Tatbestandsmässigkeit Wie bereits dargelegt wurde, macht sich der Tierquälere i schuldig, wer vorsätzlich ein Tier misshandelt, vernachlässigt, es unnötig überanstrengt ode r dessen Würde in anderer Weise missachtet (Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG). Verboten sind g emäss Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV na- mentlich sexuell motivierte Handlungen mit Tieren. Auf grund des als erstellt zu betrachtenden Sachverhalts ist davon auszugehen, dass der Berufungskläge r eine unbekannte Anzahl an se- xuellen Handlungen vor und unter Einbezug der Hunde C .____, F.____ und D.____ vorge- nommen hat. Aus dem Sachverhalt - insbesondere aus dem G eständnis des Berufungsklägers - ergibt sich mit aller Deutlichkeit, dass diese Handlun gen sexuell motiviert waren, zumal diese auch der sexuellen Befriedigung des Berufungsklägers dienten. Unbestrittenermassen handelte der Berufungskläger mit Wissen und Willen im Sinne von A rt. 12 Abs. 2 StGB, mithin vorsätz- lich. Folglich hat der Berufungskläger sowohl den objekt iven als auch den subjektiven Tatbe- stand der Tierquälerei gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG i.V.m. Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV mehr- fach erfüllt. 5. Rechtswidrigkeit und Schuld 5.1 Mit Berufungserklärung vom 5. Dezember 2011 führt de r Berufungskläger aus, das Urteil vom 11. Oktober 2011 werde in vollem Umfang ang efochten. Dessen ungeachtet legt der Berufungskläger weder in seinen schriftlichen Eingaben a n das Kantonsgericht noch anlässlich der heutigen Hauptverhandlungen dar, inwiefern die A usführungen des Strafgerichts in Bezug auf die Rechtswidrigkeit beziehungsweise die Schuldfähigkeit nicht zutreffend sein sollen. Auch sind aus den vorliegenden Verfahrensakten keine Rechtfe rtigungsgründe ersichtlich, weshalb von einer rechtswidrigen Begehung der mehrfachen Tierquälerei auszugehen ist. 5.2 Ebenso erweisen sich die Ausführungen des Strafgerichts h insichtlich der Schuld als zutreffend und sind in keiner Weise zu beanstanden. Wie das Strafgericht zu Recht darlegt, ergibt sich aufgrund der sich in den Verfahrensakten be findenden Arbeit des Berufungsklägers mit dem Titel „Zoophilie und Tierschutz“ (act. 719 ff.) mit aller Deutlichkeit, dass diesem im Tat- zeitpunkt bewusst war, dass er rechtswidrig handelte, insb esondere da er in der besagten Ar- beit bestreitet, dass jede sexuelle Annäherung an Tiere eine Verletzung deren Würde sei und deswegen gesondert in Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV verb oten gehöre. Ein Verbotsirrtum im Sinne von Art. 21 StGB ist daher offenkundig zu verneinen. 5.3 Des Weiteren sind die Erwägungen des Strafgerichts in B ezug auf die Schuldfähigkeit nicht zu beanstanden. Zunächst ist die vom Berufungskläger im vorinstanzlichen Verfahren gel- tend gemachte Parteilichkeit des Gutachters J.____ klare rweise zu verneinen, namentlich da Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht seine Feststellungen im Gutachten vom 12. Oktober 2010 ( act. 123 ff.) nicht als abwertend zu qualifizieren sind, sondern es vielmehr seinem Auftrag als Gutachten entspricht, dass er Fest- stellungen über die Verhaltensweisen und allfällige P ersönlichkeitsauffälligkeiten des Beru- fungsklägers anführt. In diesem Zusammenhang ist insbesonde re auch auf die Befragung des Gutachters J.____ anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverh andlung vom 11. Oktober 2011 zu verweisen (act. 1369 ff.), in welcher der Experte seine Ausführungen gemäss Gutachten vom 12. Oktober 2010 zu Gunsten des Berufungsklägers anpasste. Überdies ist der Vorinstanz auch insofern zuzustimmen, als sich das Gutachten von J.____ vo m 12. Oktober 2010 als wider- spruchsfrei und schlüssig erweist und aufgrund seiner Ausf ührlichkeit und Nachvollziehbarkeit darauf abzustellen ist. Somit ist davon auszugehen, dass der Berufungskläger zur Zeit der Tat- begehung an einer Störung der sexuellen Präferenz im Sinne einer Sodomie sowie an einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung litt, weshalb seine Schuldfähigkeit betreffend der vorliegend zu beurteilenden mehrfachen Tierquälerei im jeweiligen Tatzeitpunkt mittelgradig vermindert war. Aufgrund der lediglich verminderten Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB hat der Berufungskläger grundsätzlich schuldhaft geha ndelt und sich somit der mehrfa- chen Tierquälerei nach Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG i.V .m. Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV schuldig ge- macht. 6. Strafzumessung 6.1 Mit Berufungsbegründung vom 6. März 2012 macht der Ber ufungskläger geltend, die ausgefällte Strafe sei zu hoch, zumal selbst die Vori nstanz festgehalten habe, dass das Ver- schulden nicht schwer wiege, da er den Hunden keine Schm erzen zugefügt habe. Überdies führt er anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht aus, die Strafe sei erheblich zu reduzieren, da man sich nicht im Kernbereich des Strafrechts befinde und zudem andere Länder das an den Tag gelegte Verhalten nicht unbedingt mit einer Strafnorm beantwor- ten würden. Ausserdem müsse die verminderte Schuldfähig keit zu einer Reduktion der Strafe führen, weshalb eine Freiheitsstrafe von drei Monate n beantragt werde. Weil der Berufungsklä- ger absolut nicht zahlungsfähig sei, sei ausnahmsweise e ine kurze Freiheitsstrafe von unter sechs Monaten auszusprechen. Schliesslich sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren, da er Ersttäter sei und es keinen Grund für eine ungünstige Pr ognose gebe, habe er sich doch seit der erstinstanzlichen Verhandlung keiner neuen Strafta ten schuldig gemacht. Überdies soll der Strafvollzug nicht zu Gunsten einer ambulanten psychoth erapeutischen Massnahme aufge- schoben werden, da der Berufungskläger eine Therapie ab lehne und es ohnehin an einer für seine Problematik geeigneten Massnahme fehle, sei er doch gerade kein Sexualstraftäter. 6.2 Die Staatsanwaltschaft bringt mit Berufungsantwort vo m 29. März 2012 vor, die Straf- zumessung der Vorinstanz sei nicht zu beanstanden. Insbesonde re sei die Prognose klar un- günstig, erscheine der Berufungskläger doch als ein eige ntlicher Überzeugungstäter, wie auch an seinen selbst verfassten Schriften ersichtlich sei. Der Umstand, dass er nicht vorbestraft sei, wiege dies nicht auf, weshalb der unbedingte Strafvollzug angezeigt sei. An der kantonsgericht- lichen Hauptverhandlung führt die Staatsanwaltschaft so dann ergänzend aus, dass ein Ver- stoss gegen das Nebenstrafrecht genau so strafbar sei wie e in Verstoss gegen das Kernstraf- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht recht, weshalb die Ausführungen des Berufungsklägers inso fern nicht zu hören seien. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Tierquälerei nicht der einzi ge Grund für das vorliegende Straf- mass gewesen sei, sondern sich der Berufungskläger auch der mehrfachen Pornografie sowie der mehrfachen Drohung strafbar gemacht habe, weshalb m an sich vielmehr fragen könnte, ob nicht sogar ein höheres Strafmass angemessener wäre. Die Rüge des Berufungsklägers, die verminderte Schuldfähigkeit sei zu berücksichtigen, gehe i nsofern ins Leere, als die Vorinstanz diese explizit in ihre Erwägungen miteinbezogen habe. Soweit der Berufungskläger vorbringe, es gebe keine geeignete Massnahme für seine Problematik, stelle er lediglich eine Mutmassung auf. Vielmehr habe der Gutachter anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung ausgeführt, dass eine geeignete Massnahme eben gerade doch möglich se i, insbesondere da beim Beru- fungskläger mehrere psychische Probleme vorliegen würden. 6.3 Gemäss Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach de m Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Ver hältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verlet- zung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimm t, wie weit der Täter nach den in- neren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefä hrdung oder Verletzung zu vermei- den (Abs. 2). Demgegenüber ist das Verschulden für die Wahl der Sanktionsart nicht von Rele- vanz. Massgebliche Kriterien bilden die Zweckmässigkeit, die Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die präventive Effizienz (BGE 1 34 IV 97, E. 4.2; BGE 134 IV 82, E. 4.1; publiziertes Urteil der Dreierkammer des Kanto nsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 6. Juni 2011 [100 10 1532], E. 5.3). 6.4 Das Strafgericht hat das Vorleben, die persönlichen Ver hältnisse des Berufungsklägers sowie den Strafrahmen im angefochtenen Urteil (II. b und c) dargelegt, worauf an dieser Stelle verwiesen wird. Das objektive Tatverschulden in Bezug auf die mehrfache Tierquälerei wird durch die Vorinstanz als relativ leicht qualifiziert, da d er Berufungskläger keinem der Tiere Schmerzen zugefügt und diese somit nicht im eigentliche n Sinne geschädigt beziehungsweise missbraucht, vernachlässigt oder unnötig überanstrengt ha be. Dem ist jedoch zu entgegnen, dass hinsichtlich der vorgeworfenen Missachtung der Würde der Tiere allfällig erlittene Schmer- zen gerade nicht massgebend und notwendig sind. Vielmeh r hat der Gesetzgeber in Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG explizit festgehalten, dass jede Missacht ung der Würde des Tieres einer Misshandlung, Vernachlässigung oder unnötigen Überanstren gung gleichgestellt ist. Wie das Strafgericht zu Recht ausführt, hat der Berufungskläger einzig die Würde der Tiere missachtet. Daraus kann jedoch aufgrund der Gleichsetzung der Tatb estände nicht geschlossen werden, das Verschulden des Berufungsklägers sei geringer als bei e iner Verletzung der übrigen Tatbe- stände. Vielmehr hat der Berufungskläger vor und mit den Tieren über Jahre hinweg permanent sexuell motivierte Handlungen vorgenommen und dadurch d ie Würde der Tiere in erheblicher Weise missachtet. Es ist daher nicht von einem relativ lei chten, sondern von einem mittleren Verschulden bezüglich der mehrfachen Tierquälerei auszu gehen. Gleichwohl ist, unter Beach- tung des erheblichen Verschuldens betreffend die mehrf ache Drohung, insgesamt im Einklang mit der Vorinstanz von einem recht erheblichen Verschuld en auszugehen. Im Weiteren ist das Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht erstinstanzliche Urteil sowohl betreffend die Tat- als auch die Täterkomponenten in keiner Wei- se zu beanstanden. Daran vermag auch das Vorbringen des Berufungsklägers, die verminderte Schuldfähigkeit müsse zu einer Reduktion der Strafe führ en, nichts zu ändern, hat das Strafge- richt die zwingende Strafmilderung zufolge verminderte r Schuldfähigkeit doch explizit berück- sichtigt und die Strafe in Anwendung von Art. 19 Abs. 2 StGB um insgesamt vier Monate redu- ziert. Demzufolge ist keine erneute Verminderung der Strafe zu gewähren. Entgegen den Aus- führungen des Berufungsklägers kann im Weiteren keine R eduktion des Strafmasses einzig aufgrund des Umstandes, dass die Tierquälerei formell im Nebenstrafrecht geregelt ist, gewährt werden, zumal sich die Tatbestände des Nebenstrafrechts ni cht als weniger individuell vorwerf- bar erweisen im Vergleich mit dem Kernstrafrecht. Vie lmehr zeichnet sich das Nebenstrafrecht dadurch aus, dass ein Straftatbestand im Zusammenhang mi t dem ihn betreffenden Sachbe- reich - in casu mithin der Tierschutz - geregelt wird, und nicht losgelöst von diesem Sonderge- biet im Kernstrafrecht eine Regelung findet (W IPRÄCHTIGER , Basler Kommentar StGB, 2007, Art. 333 N 8). Ebenso kann nicht ausschlaggebend sein, ob andere Länder dasselbe Verhalten ebenfalls unter Strafe stellen oder nicht, ist doch vorl iegend einzig schweizerisches Recht an- wendbar. Unter Berücksichtigung aller Umstände kommt das K antonsgericht daher - in Über- einstimmung mit dem vorinstanzlichen Urteil - zum Schluss, d ass eine Strafe von 12 Monaten dem recht erheblichen Verschulden des Berufungskläger angemessen ist. Ebenso erscheint die Reduktion der Strafe zufolge verminderter Schuldfähig keit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB von insgesamt vier Monaten adäquat, weshalb die vom Stra fgericht ausgefällte Strafe von acht Monaten zu schützen ist. Im Übrigen erweist sich eine Gel dstrafe unbestrittenermassen als nicht zweckmässig, zumal deren Sinn - neben dem Entzug von finanziellen Mitteln - insbeson- dere in der Beschränkung des Lebensstandards sowie dem Konsumverzicht besteht, der Beru- fungskläger allerdings materiellen Gütern keine massgebende Bedeutung zu kommen lässt, wie sich namentlich aufgrund seiner dokumentierten Wohnverh ältnissen (act. 267 ff.) sowie den Aussagen anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Strafger icht (act. 1367) ergibt. Somit ist der Berufungskläger zu einer Freiheitsstrafe zu verurteilen. 6.5 Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte St rafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Ver gehen abzuhalten. Die einzige formelle Voraussetzung für die Anwendung des bedingten Strafvollz ugs ist somit die Art der Sanktion. Aus materieller Sicht wird das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt, mithin das künftige Wohlverhalten des Täters. Als Wirkung des bedin gten Strafaufschubs wird daher eine innere und infolgedessen dauernde Besserung des Verurte ilten erwartet (S CHNEIDER /G ARRÉ , Basler Kommentar StGB, 2007, Art. 42 N 37 ff.). Die Frage, ob eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung we iterer Delikte abzuhalten, muss vom Richter aufgrund einer Gesamtwürdigung beantwortet we rden, wobei namentlich das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die g ültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen, zu berü cksichtigen sind (SCHNEIDER /G ARRÉ , a.a.O., Art. 42 N 45). Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Aufgrund der obigen Erwägungen erhellt, dass der Ber ufungskläger zu einer Freiheits- strafe von acht Monaten zu verurteilen ist und die for melle Voraussetzung des bedingten Voll- zugs demzufolge erfüllt ist. Hinsichtlich des Erfordernisses des Fehlens einer ungünstigen Prognose ergibt sich aus den Verfahrensakten, dass J.____ mit Gutachten vom 12. Oktober 2010 das Risiko, dass es erneut zu Delikten nach Art und Umfang wie bisher komme, als hoch einstufte (act. 183, 189). Diese Ausführungen bestätigte der Gutachter am 11. Oktober 2011 vor den Schranken des Strafgerichts insofern, als er den Berufungskläger an der Verhandlung zwar offener erlebt habe, die Rückfallgefahr jedoch nach wie vor als hoch einzuschätzen sei (act. 1369, 1381). Die vom Gutachter gestellte Prognose wird überdies durch die Verfahrensak- ten untermauert. Zwar äusserte der Berufungskläger anlä sslich der strafgerichtlichen Hauptver- handlung den Wunsch, sich beim Kantonstierarzt für die D rohungen zu entschuldigen (act. 1393), dennoch kann - insbesondere im Hinblick auf d ie mehrfache Tierquälerei - keines- falls von Reue und Einsicht gesprochen werden. Vielmehr zeigt sich aufgrund der von ihm ver- fassten Arbeiten, namentlich der sogenannten Stellungn ahme zum Thema „kynosexuelle Be- gegnung“ (act. 275) und der Arbeit mit dem Titel „Zo ophilie und Tierschutz“ (act. 719 ff.), dass es sich beim Berufungskläger um einen Überzeugungstäter ha ndelt. Dass der Berufungskläger sozial nicht integriert ist, sondern äusserst zurückgezogen und isoliert lebt, ist sodann ebenfalls zu berücksichtigen und steht im Einklang mit der vom Gutach ter gestellten ungünstigen Prog- nose. Daran vermögen auch die Vorbringen des Berufungsklägers, er sei ein Ersttäter und habe sich seit den vorliegend zu beurteilenden Taten strafr echtlich unauffällig verhalten, nichts zu ändern. Vielmehr ist in Übereinstimmung mit dem Strafgericht davon auszugehen, dass es dem Berufungskläger diesbezüglich möglich ist, sich bis zum Abschluss des Strafverfahrens zu- sammenzureissen. Demzufolge ist von einer ungünstigen Pro gnose auszugehen, weshalb die materielle Voraussetzung des bedingten Vollzugs nicht er füllt und die Freiheitsstrafe von acht Monaten unbedingt auszusprechen ist. 6.7 Im Weiteren ist umstritten, ob das Strafgericht die Vo raussetzungen einer ambulanten Massnahme zu Recht als erfüllt angesehen hat. Gemäss Art . 63 Abs. 1 StGB kann das Gericht anordnen, dass der psychisch schwer gestörte Täter nicht sta tionär, sondern ambulant behan- delt wird, wenn er eine mit Strafe bedrohte Tat ver übt, die mit seinem Zustand im Zusammen- hang steht (lit. a) und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusammenhang stehender Taten begegnen (lit. b). Das Gericht kann den Vollzug einer zugleich ausgesprochenen unbedingten Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Be- handlung aufschieben, um der Art der Behandlung Rech nung zu tragen. Es kann für die Dauer der Behandlung Bewährungshilfe anordnen und Weisungen erteilen (Art. 63 Abs. 2 StGB). Vor- liegend strittig ist einzig, ob die Massnahme auch gegen den Willen des Berufungsklägers an- geordnet werden kann und ob überhaupt eine zur Behan dlung des Berufungsklägers geeignete Massnahme besteht. Da die übrigen Voraussetzungen nicht bestritten werden, kann hiezu auf die Erwägungen des Strafgerichts (IV. des angefochtenen Urteils) verwiesen werden. 6.8 Der Berufungskläger bringt vor, zur Behandlung seiner Problematik bestehe keine ge- eignete Massnahme. Überdies stehe er einer Therapie ab lehnend gegenüber. Gemäss Art. 56 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 63 Abs. 1 lit. b StGB wird g efordert, dass mit der Behandlung die Gefahr Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusammenhang st ehender Taten begegnet werde. Demzufolge muss die psychische Störung zum einen generell überhaupt therapierbar sein (ge- nerelle Therapierbarkeit), zum anderen muss eine Koope rationsbereitschaft des Täters vorlie- gen (individuelle Therapierbarkeit). Die Anforderung en an die Kooperation sind allerdings nicht allzu hoch anzusetzen, zumal gerade bei schwer gestörten Persönlichkeiten die Motivationsar- beit zu den mühsamen ersten Bemühungen des Therapeuten gehört (HEER , Basler Kommentar StGB, 2007, Art. 63 N 29). 6.9 Vorliegend bejahte J.____ mit Gutachten vom 12. Okto ber 2010 eine Therapiemöglich- keit. Diese bestehe in einer deliktsspezifischen forensisch-psy chiatrischen oder psychologi- schen Psychotherapie durch einen in der Forensik erfahrenen Psychiater oder Psychologen entweder kognitiv-verhaltenstherapeutischer oder analytischer Ausrichtung. Aus gutachterlicher Sicht könnte eine derartige Behandlung nur im Rahmen einer stationären Massnahme erfolg- versprechend aufgenommen werden, da einzig dadurch eine Therapiemotivation beim Beru- fungskläger aufgebaut werden könne, welche ihn einer Therapie überhaupt erst zugänglich ma- che. Weiter führte der Gutachter aus, dass der Berufun gskläger zum Zeitpunkt der Begutach- tung in keiner Weise bereit gewesen sei, sich einer etw aigen Behandlung im Rahmen einer Massnahme zu unterziehen. Dennoch könne erfahrungsgemäss i m Verlauf der Massnahme häufig eine Therapiemotivation bei den Betroffenen aufgebaut werden, wenn dies auch längere Zeit in Anspruch nehme (act. 181, 191 ff.). Anlässlich der strafgerichtlichen Hauptverhandlung vom 11. Oktober 2011 brachte J.____ ergänzend vor, aufgru nd der ausgeprägten Abwehrhal- tung des Berufungsklägers sei er mit Gutachten vom 12. O ktober 2010 zum Schluss gekom- men, dass dieser einer ambulanten Therapie nicht zugänglich sei. Heute erscheine ihm der Be- rufungskläger jedoch offener. Auch gebe es Anzeichen daf ür, dass er sich auf eine Therapie einlassen könnte, was er bei der damaligen Begutachtu ng noch nicht für realistisch gehalten habe. Insofern komme er heute zu einer anderen Einschät zung (act. 1381, 1383). Diese Aus- führungen des Experten erweisen sich durchwegs als nachvollzi ehbar und überzeugend, wes- halb darauf abzustellen ist. Dementsprechend zeigt sich, dass - entgegen den Ausführungen des Berufungsklägers - beide psychischen Störungen grundsät zlich therapierbar sind, mithin eine generelle Therapierbarkeit zu bejahen ist. Hinsi chtlich der individuellen Therapierbarkeit gab der Berufungskläger anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zu Protokoll, Grund- lage für eine Therapie sei eine entsprechende Störung, über deren Vorliegen das Gericht zu entscheiden habe, weshalb er sich nicht zu einer allfäl ligen Therapie äussere. Dies bedeute jedoch weder, dass er sich auf eine Therapie einlasse, noch dass er eine solche verweigere (act. 1383). Demzufolge lehnt der Berufungskläger eine ambulante Massnahme nicht prinzipiell ab. Hingegen bejaht der Gutachter J.____ die individue lle Therapierbarkeit des Berufungsklä- gers. Seine Ausführungen sind wiederum nicht zu beansta nden, zumal diese in sich stimmig und plausibel erscheinen, weshalb darauf abzustellen ist und die individuelle Therapierbarkeit bejaht werden kann, unabhängig vom Vorbringen des Rec htsvertreters des Berufungsklägers anlässlich der heutigen Hauptverhandlung, demgemäss der Berufungskläger eine Massnahme ablehne. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.10 Somit sind die Voraussetzungen einer ambulanten Massnah me gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB gegeben, weshalb diese anzuordnen ist. Im Einklang mit dem erstinstanzlichen Urteil ist der Vollzug der unbedingten Freiheitsstrafe in Anwendu ng von Art. 63 Abs. 2 StGB zu Gunsten der ambulanten psychotherapeutischen Massnahme aufzuschieben. 7. Aufgrund der obigen Ausführungen erhellt, dass sich d ie Berufung als unbegründet erweist und daher in Bestätigung des Urteils des Strafge richts vom 11. Oktober 2011 abzuwei- sen ist. III. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. En tsprechend dem Ausgang des vor- liegenden Verfahrens werden die Verfahrenskosten des Ka ntonsgerichts in der Höhe von CHF 6'400.00, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 6’000.00 (§ 12 Abs. 1 der Verord- nung über die Gebühren der Gerichte, GebT, SGS 170.3 1) sowie Auslagen von CHF 400.00, dem Berufungskläger auferlegt. 2. Mit Verfügung des Präsidenten des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Straf- recht, vom 13. April 2012 wurde dem Berufungskläger fü r das Rechtsmittelverfahren die amtli- che Verteidigung mit Advokat Niggi Dressler bewilligt. Anlässlich der heutigen Hauptverhand- lung reicht der Rechtsvertreter des Berufungsklägers seine Honorarnote vom 4. Juni 2012 ein, welche einen Aufwand von 8.16 Stunden ausweist. Für die Hauptverhandlung vor dem Kan- tonsgericht sind ausserdem 4 Stunden einzusetzen, wesha lb dem Rechtsvertreter des Beru- fungsklägers für seine Bemühungen im Berufungsverfahren e in Honorar von CHF 2'253.90 (in- klusive Auslagen von CHF 65.10) zuzüglich 8% Mehrwertsteue r von CHF 180.30, insgesamt somit CHF 2'434.20, aus der Gerichtskasse zu entrichten ist. Der Berufungskläger, der zu den Verfahrenskosten verurteilt wurde, hat gemäss Art. 135 A bs. 4 StPO dem Kanton die Entschä- digung zurückzuzahlen und der Verteidigung die Differ enz zwischen der amtlichen Entschädi- gung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es se ine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau- ben. Demnach wird erkannt: ://: 1. In Abweisung der Berufung des Beschuldigten wi rd das Urteil des Strafgerichtes Basel-Landschaft vom 11. Oktober 2011 bestätigt. 2. Die Verfahrenskosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 6'400.00, beinhaltend eine Gebühr von CHF 6'000. 00 sowie Auslagen von CHF 400.00, gehen zu Lasten des Berufungsklägers. Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Zufolge Gutheissung der amtlichen Verteidigung f ür das Rechtsmit- telverfahren wird dem Vertreter des Berufungsklägers für seine Bemühungen im Berufungsverfahren ein Honorar von CHF 2'253.90 (inklusive Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer von CHF 18 0.30, insgesamt somit CHF 2'434.20, aus der Gerichtskasse entrichtet. Der Beschuldigte, der zu den Verfahrenskosten verurteilt wurde, wird verpflichtet, dem Kanton die Entschädigung zurückzuz ahlen und der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlich en Entschä- digung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirt- schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Dominik Haffter