<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">305</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>49 Kürzung</b></span> <span class="ft3"><b>überhöhter</b></span> <span class="ft3"><b>Wohnkosten</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Nimmt eine unterstützte Person ohne Zustimmung der zuständigen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Sozialbehörde, ohne zumutbare Suchbemühungen und im Wissen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>um die örtlichen Mietzinsrichtlinien einen Wechsel in eine zu teure</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Wohnung vor, besteht von Anfang an keine Pflicht, die Differenz zum</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vertraglich vereinbarten Mietzins zu übernehmen.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Das Grundrecht auf Achtung des Familienlebens gibt in solchen Fäl-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>len keinen Anspruch auf Übernahme zusätzlicher Wohnkosten.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 26. März 2013 in Sachen</span><br/> <span class="ft2">A. gegen Sozialkommission B. und Bezirksamt C. (WBE.2012.310).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">306</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Für die Bemessung der materiellen Hilfe sind die von der</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe erlassenen Richtlinien</span><br/> <span class="ft1">vom 18. September 1997 für die Ausgestaltung und Bemessung der</span><br/> <span class="ft1">Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) mit den bis zum 1. Juli 2004 er-</span><br/> <span class="ft1">gangenen Änderungen massgebend (§ 10 Abs. 1 SPV). Anzurechnen</span><br/> <span class="ft1">ist danach der Wohnungsmietzins (bei Wohneigentum der Hypothe-</span><br/> <span class="ft1">karzins), soweit dieser im ortsüblichen Rahmen liegt (SKOS-Richt-</span><br/> <span class="ft1">linien, Kap. B.3; Handbuch Sozialhilfe des Kantonalen Sozialdiens-</span><br/> <span class="ft1">tes, 4. Aufl., 2003, Kap. 5, S. 40). Ebenfalls anzurechnen sind die</span><br/> <span class="ft1">vertraglich vereinbarten Nebenkosten (SKOS-Richtlinien, Kap. B.3;</span><br/> <span class="ft1">C</span><span class="ft2">LAUDIA</span> <span class="ft1">H</span><span class="ft2">ÄNZI</span><span class="ft1">, Die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für</span><br/> <span class="ft1">Sozialhilfe, Basel 2011, S. 370, 375; VGE IV/89 vom 17. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2012 [WBE.2012.211], S. 6).</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">(...) Nach der Rechtsprechung können die anrechenbaren</span><br/> <span class="ft1">Wohnkosten auf jenen Betrag reduziert werden, der durch die günsti-</span><br/> <span class="ft1">gere Wohnung entstanden wäre, wenn sich eine unterstützte Person</span><br/> <span class="ft1">weigert, in eine effektiv verfügbare und zumutbare günstigere Woh-</span><br/> <span class="ft1">nung umzuziehen (AGVE</span> <span class="ft1">2004, S.</span> <span class="ft1">253</span> <span class="ft1">ff.; SKOS-Richtlinien,</span><br/> <span class="ft1">Kap. B.3). Dies bezieht sich auf die Situation, in der jemand in einer</span><br/> <span class="ft1">Mietwohnung lebt und neu materielle Hilfe beantragen muss.</span><br/> <span class="ft1">Dieser Fall ist zu unterscheiden von der Konstellation, in wel-</span><br/> <span class="ft1">cher eine von der Fürsorge unterstützte Person eigenmächtig und</span><br/> <span class="ft1">freiwillig einen Wechsel aus einer zumutbaren, günstigeren Unter-</span><br/> <span class="ft1">kunft in eine teurere Wohnung vorgenommen hatte und die neuen</span><br/> <span class="ft1">Wohnkosten über dem von der betreffenden Gemeinde vorgegebenen</span><br/> <span class="ft1">Richtsatz lagen (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons</span><br/> <span class="ft1">Zürich vom 13. August 2010 [VB.2010.00267], Erw. 4.2 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weis). Es ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn eine Fürsor-</span><br/> <span class="ft1">gebehörde den Unterstützungsbeitrag um die Differenz zwischen der</span><br/> <span class="ft1">aktuell bewohnten teureren Wohnung und der zuletzt bewohnten</span><br/> <span class="ft1">günstigeren und zumutbaren Unterkunft nicht erhöht, wenn die be-</span><br/> <span class="ft1">treffende Person schon vorher wirtschaftliche Hilfe bezogen und den</span><br/> <span class="ft1">Wohnungswechsel eigenmächtig vorgenommen hat (vgl. Urteil des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">307</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 6.</span> <span class="ft1">April 2005</span><br/> <span class="ft1">[VB.2005.00020], Erw. 3.2).</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer zog am 1. April 2011 von D. nach B.. In</span><br/> <span class="ft1">D. hatte er seit 2008 Sozialhilfe bezogen. Im Gesuch um materielle</span><br/> <span class="ft1">Hilfe vom 1. April 2011, welches er nach dem Umzug stellte, gab der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer an, dass er bei Frau E. in B. wohne, bis die Lie-</span><br/> <span class="ft1">genschaftsverwaltung eine Wohnung für ihn "frei" habe. Bei der</span><br/> <span class="ft1">Wohnung von Frau E. handelt es sich um eine 2,5-Zimmer-Wohnung</span><br/> <span class="ft1">im Erdgeschoss im Haus an der F.-Strasse in B., in welcher der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer allein zur Untermiete wohnte. Der Mietzins betrug</span><br/> <span class="ft1">Fr. 740.00 plus 170.00 Nebenkosten. Die materielle Hilfe wurde ab</span><br/> <span class="ft1">1. April 2011 mit einem halben Mietanteil berechnet. Aus dem Un-</span><br/> <span class="ft1">termietvertrag vom 29. März 2011 geht hervor, dass der monatliche</span><br/> <span class="ft1">Mietzins für die möblierte Wohnung Fr. 455.00 (inkl. Nebenkosten)</span><br/> <span class="ft1">betrug und das Mietverhältnis auf unbestimmte Dauer abgeschlossen</span><br/> <span class="ft1">wurde, bis der Beschwerdeführer eine eigene Wohnung gefunden</span><br/> <span class="ft1">hat.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Protokoll wurde eine Wohnung im gleichen Haus an</span><br/> <span class="ft1">der F.-Strasse in B. im 3. Obergeschoss ab dem 1. Oktober 2011 frei.</span><br/> <span class="ft1">Der Mietzins dieser Wohnung überstieg den maximalen Mietzinsbei-</span><br/> <span class="ft1">trag, welchen die Sozialbehörde in B. im Rahmen der Mietzins-</span><br/> <span class="ft1">richtlinien für einen 1-Personen-Haushalt anrechnet. Der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer wurde rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, dass ihm der</span><br/> <span class="ft1">maximale Mietzinsbeitrag für einen 1-Personen-Haushalt von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 800.00 (inkl. Nebenkosten) pro Monat im Falle eines Umzugs ge-</span><br/> <span class="ft1">währt würde. Den Differenzbetrag zwischen der effektiven Woh-</span><br/> <span class="ft1">nungsmiete und dem maximalen Mietzinsbeitrag müsse er aus dem</span><br/> <span class="ft1">Grundbedarf bezahlen. Der Beschwerdeführer erklärte sich mit die-</span><br/> <span class="ft1">ser Anrechnung des Mietanteils einverstanden. Auf den 1. Oktober</span><br/> <span class="ft1">2011 mietete der Beschwerdeführer die besagte Wohnung mit dem</span><br/> <span class="ft1">Mietzins von Fr. 1'000.00 (inkl. Nebenkosten). Die Sozialbehörde</span><br/> <span class="ft1">bezahlte gestützt auf diese Umstände die Kaution (mit Verrechnung</span><br/> <span class="ft1">in Raten) und berechnete die materielle Hilfe ab 1. Oktober 2011</span><br/> <span class="ft1">neu. Entsprechend der Verfügung vom 17. Oktober 2011 und dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">308</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sozialhilfebudget vom 11. Oktober 2011 wurden wie vereinbart ab</span><br/> <span class="ft1">dem 1. Oktober 2011 Wohnungskosten in der Höhe von Fr. 800.00</span><br/> <span class="ft1">(inkl. Nebenkosten) pro Monat bezahlt. Die Verfügung vom 17. Ok-</span><br/> <span class="ft1">tober 2011 blieb unangefochten. Die vom Beschwerdeführer beim</span><br/> <span class="ft1">Bezirksamt angefochtene Verfügung datiert vom 12. März 2012 und</span><br/> <span class="ft1">erging mithin fünf Monate später. Darin ist der Wohnkostenbeitrag</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 800.00 (inkl. Nebenkosten) pro Monat ausgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss den Mietzinsrichtlinien werden bei einem 1-Personen-</span><br/> <span class="ft1">Haushalt die Wohnkosten in einem maximalen Umfang von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 800.00 (inkl. Nebenkosten) übernommen. Ein 1-Personen-Haus-</span><br/> <span class="ft1">halt gemäss den eben erwähnten Mietzinsrichtlinien ist nicht gleich-</span><br/> <span class="ft1">zusetzen mit einer 1-Zimmer-Wohnung. Nicht strittig ist, ob Woh-</span><br/> <span class="ft1">nungskosten von Fr. 800.00 für einen 1-Personen-Haushalt ausrei-</span><br/> <span class="ft1">chen. Aus den Akten ergibt sich, dass der freiwillige Wohnungswech-</span><br/> <span class="ft1">sel des Beschwerdeführers im Wissen darüber stattfand, dass die</span><br/> <span class="ft1">Wohnungskosten, welche über dem Maximalbeitrag eines 1-Perso-</span><br/> <span class="ft1">nen-Haushalts gemäss kommunalen Mietzinsrichtlinien liegen, vom</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer aus dem Grundbedarf bezahlt werden müssen.</span><br/> <span class="ft1">Aus den Akten geht ebenfalls hervor, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">trotzdem auf einem Wohnungswechsel bestand. Der angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Verfügung vom 12. März 2012 liegt die vor dem Umzug vereinbarte</span><br/> <span class="ft1">Abmachung zwischen dem Beschwerdeführer und der Sozialbehörde</span><br/> <span class="ft1">zugrunde. Weder vermag der Beschwerdeführer darzulegen, noch ist</span><br/> <span class="ft1">ersichtlich, inwiefern sich die Verhältnisse seit dem Umzug geändert</span><br/> <span class="ft1">haben sollten, so dass er sich die Vereinbarung nicht mehr entgegen-</span><br/> <span class="ft1">halten lassen müsste und die Sozialbehörde nun eine vollumfängliche</span><br/> <span class="ft1">Kostenübernahme der Wohnung zu leisten hätte. Ein Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">Wiedererwägung oder Anpassung des Mietkostenanteils infolge ver-</span><br/> <span class="ft1">änderter Umstände wird vom Beschwerdeführer nicht geltend ge-</span><br/> <span class="ft1">macht und ist auch nicht ersichtlich. Insbesondere hätte der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer weiter in Untermiete in der 2,5-Zimmerwohnung</span><br/> <span class="ft1">bleiben und eine geeignete Wohnung suchen können.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Das Grundrecht auf Achtung des Familienlebens (Art. 13 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BV; Art. 8 EMRK) ist auch bei der Ausrichtung staatlicher Leistun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">309</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen zu berücksichtigen (vgl. J</span><span class="ft2">ÖRG</span> <span class="ft1">P</span><span class="ft2">AUL</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft2">ÜLLER</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft2">ARKUS</span> <span class="ft1">S</span><span class="ft2">CHE</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft2">FER</span><span class="ft1">, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 238 f.).</span><br/> <span class="ft1">Grundsätzlich dürfen die Wohnverhältnisse eines Elternteils, welcher</span><br/> <span class="ft1">Sozialhilfe empfängt, das Besuchsrecht nicht verunmöglichen. Die</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung hat jeweils unter Berücksichtigung der Umstände des</span><br/> <span class="ft1">Einzelfalls zu erfolgen (vgl. VGE VI/31 vom 1.</span> <span class="ft1">Juni 2010</span><br/> <span class="ft1">[WBE.2009.413]; IV/75 vom 23. Oktober 2009 [WBE.2009.174]).</span><br/> <span class="ft1">Nachdem der Wohnungswechsel in eine zu teure Wohnung im Wis-</span><br/> <span class="ft1">sen darüber erfolgte, ist das Begehren, die Differenz zwischen über-</span><br/> <span class="ft1">nommenen und geschuldeten Wohnungskosten sei durch die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde (teilweise) zu tragen, widersprüchlich. Der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer hat sich zudem um eine geeignete, angemessene Wohnung bis</span><br/> <span class="ft1">jetzt zu wenig bemüht. Vor diesem Hintergrund verschafft das ver-</span><br/> <span class="ft1">fassungsmässige Recht auf Achtung des Familienlebens dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer keinen Anspruch auf Übernahme zusätzlicher Woh-</span><br/> <span class="ft1">nungskosten.</span><br/></div> </div> </body> </html>