<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp316080"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>121 II 134<br/><br/><br/><div class="paraatf">22. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 4. Mai 1995 i.S. S. gegen Rekurskommission für Strassenverkehrssachen des Kantons Thurgau (Verwaltungsgerichtsbeschwerde)</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp317568"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf">Art. 16 Abs. 3 lit. g und 17 Abs. 1 SVG; Vereitelung der Blutprobe, Dauer des Führerausweisentzuges. <div class="paratf">Die Mindestentzugsdauer von zwei Monaten resp. von einem Jahr (<span class="artref"><artref id="CH/741.01/17/d" type="start"></artref><artref id="CH/741.01/17/1/d" type="start"></artref><artref id="CH/741.01/17/1/b" type="start"></artref>Art. 17 Abs. 1 lit. b und d SVG</span><artref id="CH/741.01/17/1/d" type="end"></artref><artref id="CH/741.01/17/d" type="end"></artref><artref id="CH/741.01/d" type="end"></artref>), vorgesehen für Fahren in angetrunkenem Zustand, gilt nicht bei Vereitelung der Blutprobe (E. 3c). Doch kann sich die Behörde bei der Bemessung der Entzugsdauer daran orientieren, wenn die Möglichkeit bestand, dass der Fahrzeuglenker ohne die Vereitelung wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand verurteilt worden wäre (E. 3d). </div> </div> </div> <a name="idp325904"></a> <a name="idp329824"></a> <br/><div> <a name="idp332464"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 135</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page135"></a><div class="center pagebreak">BGE 121 II 134 S. 135</div> </div> <div class="paraatf"> Am 9. Januar 1990 fuhr S. mit einem Blutalkoholgehalt von mindestens 0,94 Gewichtspromillen Auto, worauf das Strassenverkehrsamt des Kantons Thurgau am 9. April 1990 einen Führerausweisentzug während 13 Monaten verfügte.</div> <div class="paraatf">Am 20. Februar 1993 verursachte S. beim Linksabbiegen mit einem entgegenkommenden Fahrzeug einen Verkehrsunfall und verliess die Unfallstelle, ohne das Eintreffen der Polizei abzuwarten. Darauf entzog das Strassenverkehrsamt des Kantons Thurgau mit Verfügung vom 3. März 1994 S. den Führerausweis für 12 Monate. Die Rekurskommission für Strassenverkehrssachen des Kantons Thurgau wies einen Rekurs von S. mit Entscheid vom 30. Mai 1994 ab.</div> <div class="paraatf">Dagegen erhebt S. Verwaltungsgerichtsbeschwerde, mit der er beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Entzugsdauer sei für das Führen von Personenwagen auf sechs, für alle anderen Kategorien auf zwei Monate festzusetzen.</div> <div class="paraatf">Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut.</div> <br/><div> <a name="idp337872"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp338832"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>a) Gemäss <span class="artref">Art. 16 Abs. 3 SVG</span> (SR 741.01) muss der Führerausweis entzogen werden, wenn der Führer in angetrunkenem Zustand gefahren ist <a name="page136"></a><div class="center pagebreak">BGE 121 II 134 S. 136</div>(lit. b), sowie wenn er sich vorsätzlich einer Blutprobe oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt oder entzogen hat oder den Zweck dieser Massnahmen vereitelt hat (lit. g). Nach <span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. a SVG</span> beträgt die Entzugsdauer mindestens einen Monat. Wenn der Führer in angetrunkenem Zustand gefahren ist, beträgt der Entzug mindestens zwei Monate (<span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. b SVG</span>); ist er innert fünf Jahren seit Ablauf eines früheren Entzugs wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand erneut in diesem Zustand gefahren, beträgt die Entzugsdauer mindestens ein Jahr (<span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. d SVG</span>).</div> <div class="paraatf">c) (Entgegen der Auffassung der Vorinstanz liegt kein technischer Rückfall im Sinne von <span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. d SVG</span> vor, wenn sich innert fünf Jahren seit Ablauf des Führerausweisentzuges wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand eine Vereitelung einer Blutprobe ereignet).</div> <div class="paraatf"><span class="artref"><artref id="CH/741.01/17/d" type="start"></artref><artref id="CH/741.01/17/1/d" type="start"></artref><artref id="CH/741.01/17/1/b" type="start"></artref>Art. 17 Abs. 1 lit. b und d SVG</span><artref id="CH/741.01/17/1/d" type="end"></artref><artref id="CH/741.01/17/d" type="end"></artref><artref id="CH/741.01/d" type="end"></artref> beziehen sich ausschliesslich auf den Tatbestand des Fahrens in angetrunkenem Zustand. Der Bundesrat verneinte ausdrücklich die zwingende Anwendung dieser Bestimmungen auf das Delikt der Vereitelung der Blutprobe (vgl. Botschaft über die Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 27. August 1986, BBl 1986 III 209, bes. S. 221 f.) und in den parlamentarischen Debatten wurde daran nichts geändert. Dass eine generelle Gleichstellung für das Verfahren des Führerausweisentzugs nicht beabsichtigt war, folgt auch aus dem Umstand, dass die Vereitelung einer Blutprobe gemäss <span class="artref">Art. 16 Abs. 3 lit. g SVG</span> eine eigenständige Bestimmung im Vergleich zu <span class="artref">Art. 16 Abs. 3 lit. b SVG</span> darstellt. Die gesetzliche Mindestdauer des Führerausweisentzugs wegen Vereitelung einer Blutprobe beträgt deshalb nach <span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. a SVG</span> einen Monat bei der ersten Begehung und sechs Monate, wenn der Führer innert zwei Jahren im Rückfall gehandelt hat (<span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. c SVG</span>).</div> <div class="paraatf">d) Strafrechtlich erfolgt gemäss <span class="artref">Art. 91 Abs. 3 SVG</span> eine Gleichstellung des Delikts der Vereitelung der Blutprobe mit jenem des Fahrens in angetrunkenem Zustand hinsichtlich der Strafzumessung und in bezug auf die Frage der Gewährung des bedingten Strafvollzugs, wenn die Möglichkeit bestand, dass der Fahrzeuglenker bei korrektem Verhalten aufgrund des Ergebnisses der Analyse einer Blutprobe wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand verurteilt worden wäre (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1995&amp;to_year=1995&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-IV-297%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page297">BGE 117 IV 297</a>). Unter den gleichen Voraussetzungen ist es auch der Verwaltungsbehörde erlaubt, sich bei der Bemessung der Dauer des Führerausweisentzugs für die Vereitelung einer Blutprobe am Massnahmerahmen für Fahren in angetrunkenem Zustand zu <a name="page137"></a><div class="center pagebreak">BGE 121 II 134 S. 137</div>orientieren. Sie kann daher der Mindestentzugsdauer für Fahren in angetrunkenem Zustand gemäss <span class="artref"><artref id="CH/741.01/17/d" type="start"></artref><artref id="CH/741.01/17/1/d" type="start"></artref><artref id="CH/741.01/17/1/b" type="start"></artref>Art. 17 Abs. 1 lit. b und d SVG</span><artref id="CH/741.01/17/1/d" type="end"></artref><artref id="CH/741.01/17/d" type="end"></artref><artref id="CH/741.01/d" type="end"></artref> auch bei der Vereitelung einer Blutprobe Rechnung tragen - ohne aber an diese Mindestdauer gebunden zu sein -, sofern die Schwere des Verschuldens und der Gefährdung sowie die persönlichen Umstände des Fahrzeuglenkers es rechtfertigen.</div> </div></body></html>