<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 42 S.218</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">218</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>42</b></span> <span class="ft1"><b>Verhältnismässigkeit der fürsorgerischen Freiheitsentziehung und der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Zwangsmedikation bei schleichendem Beginn einer Schizophrenieerkran-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>kung eines jungen Patienten, obwohl keine Selbst- oder Fremdgefähr-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>dung vorliegt.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Bei Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis bei jüngeren</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Patienten ist zu berücksichtigen, dass bei frühzeitiger Behandlung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gute Heilungschancen bestehen, während sich die Krankheit bei zu</b></span><br/> <span class="ft1"><b>langem Hinauszögern chronifizieren kann (Entscheid vom 14. Fe-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>bruar 2006, Erw. 4.2.3).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Mit zwangsweise vorgenommener medikamentöser Behandlung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>kann einem Patienten auf längere Sicht eine bessere Lebensqualität</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gewährleistet werden, als wenn die Krankheit unbehandelt bliebe</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Entscheid vom 28. Februar 2006, Erw. 4.3).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Eine indizierte Zwangsmedikation ist durchzuführen, wenn wegen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>weiterer Verzögerung der notwendigen Behandlung die Freiheitsent-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ziehung verlängert würde (Entscheid vom 28. Februar 2006,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Erw. 4.2)</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 14. Februar 2006 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen S.W. gegen Verfügungen des Bezirksarzt-Stellvertreters X. und des</span><br/> <span class="ft4">Bezirksarztes Y. (Anstaltseinweisung) sowie Entscheid des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richts, 1. Kammer, vom 28. Februar 2006 in Sachen S.W. gegen Entscheid der</span><br/> <span class="ft4">Klinik Königsfelden (Zwangsmedikation).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen des Entscheids vom 14. Februar 2006</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1. Allein die Tatsache, dass eine Person an einer Geistes-</span><br/> <span class="ft6">krankheit im Sinne des ZGB leidet, genügt nicht zur Anordnung ei-</span><br/> <span class="ft6">ner fürsorgerischen Freiheitsentziehung. Diese einschneidende</span><br/> <span class="ft6">Massnahme ist nur dann zulässig, wenn das Fürsorgebedürfnis des</span><br/> <span class="ft6">Betroffenen unter Berücksichtigung seiner eigenen Schutzbedürftig-</span><br/> <span class="ft6">keit und der Belastung der Umgebung sie erfordert und andere, we-</span><br/> <span class="ft6">niger weitgehende Vorkehren nicht genügen (Art. 397a Abs. 1 und 2</span><br/> <span class="ft6">ZGB; AGVE 1997, S. 240; 1992, S. 276; 1990, S. 223; Thomas Gei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">219</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ser, in: Basler Kommentar, ZGB I, 2. Auflage, Basel/Genf/München</span><br/> <span class="ft6">2002, Art. 397a N 12 f.; Eugen Spirig, in: Zürcher Kommentar,</span><br/> <span class="ft6">Art. 397a-397f ZGB, Zürich 1995, Art. 397a N 259 f.).</span><br/> <span class="ft6">3.2. (...)</span><br/> <span class="ft6">4.</span><br/> <span class="ft6">4.1.</span><br/> <span class="ft6">4.1.1. Eine Verwaltungsmassnahme muss geeignet sein, das im</span><br/> <span class="ft6">öffentlichen Interesse angestrebte Ziel zu erreichen (Ulrich Häfe-</span><br/> <span class="ft6">lin/Georg Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zü-</span><br/> <span class="ft6">rich/Basel/Genf 2002, Rz. 581). Sie muss im Hinblick auf das im öf-</span><br/> <span class="ft6">fentlichen Interesse angestrebte Ziel erforderlich sein und darf in</span><br/> <span class="ft6">sachlicher, räumlicher, zeitlicher und personeller Beziehung nicht</span><br/> <span class="ft6">über das Notwendige hinausgehen (Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 591,</span><br/> <span class="ft6">594) und sie muss durch ein das private überwiegendes öffentliches</span><br/> <span class="ft6">Interesse gerechtfertigt sein (Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 615). Dies</span><br/> <span class="ft6">gilt auch im Falle einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung. Dass</span><br/> <span class="ft6">dabei die Verhältnismässigkeit gewahrt werden muss, drückt</span><br/> <span class="ft6">Art. 397a ZGB mit den Worten aus: "...wenn ihr die nötige persönli-</span><br/> <span class="ft6">che Fürsorge nicht anders erwiesen werden kann". Die fürsorgerische</span><br/> <span class="ft6">Freiheitsentziehung muss also ultima ratio bleiben (Eugen Spirig,</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., Art. 397a N 258 f.).</span><br/> <span class="ft6">4.1.2. In der Regel soll der Klinikaufenthalt eine (meist medi-</span><br/> <span class="ft6">kamentöse) Behandlung ermöglichen, die notwendig erscheint und</span><br/> <span class="ft6">wegen des Zustands und Verhaltens der betroffenen Person nicht</span><br/> <span class="ft6">ambulant erfolgen kann. Das Verwaltungsgericht hat in seiner bishe-</span><br/> <span class="ft6">rigen Rechtsprechung daher festgehalten, die fürsorgerische Frei-</span><br/> <span class="ft6">heitsentziehung sei unverhältnismässig, wenn nur vage Aussichten</span><br/> <span class="ft6">auf einen Behandlungserfolg bestünden und die betroffene Person</span><br/> <span class="ft6">nicht gleichzeitig in hohem Masse selbst- oder fremdgefährlich sei</span><br/> <span class="ft6">(AGVE 1993, S. 310 ff.). Gemäss verwaltungsgerichtlicher Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung kann eine fürsorgerische Freiheitsentziehung gerechtfer-</span><br/> <span class="ft6">tigt sein, wenn durch frühzeitige, intensive Behandlung bessere Hei-</span><br/> <span class="ft6">lungsaussichten bestehen (AGVE 1990, S. 221 [Regeste]). Bei Ge-</span><br/> <span class="ft6">fahr eines sofortigen Rückfalls ist die Entlassung nicht angezeigt</span><br/> <span class="ft6">(AGVE 1994, S. 352 ff.).</span><br/> <span class="ft6">4.2. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">220</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">4.2.1. (...)</span><br/> <span class="ft6">4.2.2. Der zuständige Oberarzt erklärte anlässlich der verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgerichtlichen Verhandlung, dass der Beschwerdeführer einer</span><br/> <span class="ft6">medikamentösen Behandlung über 10 bis 14 Tage mit Antipsycho-</span><br/> <span class="ft6">tika bedürfe. Anschliessend sei ein Übertritt in die ambulante Be-</span><br/> <span class="ft6">handlung mit psychiatrischer Begleitung zu empfehlen, um auch die</span><br/> <span class="ft6">soziale und berufliche Situation des Beschwerdeführers zu ändern.</span><br/> <span class="ft6">Im Falle einer jetzigen Behandlung bestünde die Chance für einen</span><br/> <span class="ft6">Wiedereintritt in die Gesellschaft. Andernfalls würde sich die Pro-</span><br/> <span class="ft6">gnose verschlechtern. Die Folgen wären ein weiterer sozialer Rück-</span><br/> <span class="ft6">zug und das Auftreten von Verwahrlosungstendenzen, so dass ir-</span><br/> <span class="ft6">gendwann das Bezirksamt beigezogen werden müsste. Der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer entferne sich immer mehr von der realen Welt, habe</span><br/> <span class="ft6">auch Mühe, sich zu verständigen. Er werde immer mehr zu einem</span><br/> <span class="ft6">Autisten. Ohne Behandlung würde sich der Zustand des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führers mit der Zeit so sehr verschlechtern, dass eine Behandlung nur</span><br/> <span class="ft6">noch mit um einiges drastischeren Behandlungsmethoden möglich</span><br/> <span class="ft6">und die Erfolgsaussichten kleiner wären. Der Beschwerdeführer sei</span><br/> <span class="ft6">aus medizinisch-psychiatrischer Sicht behandlungsbedürftig und -fä-</span><br/> <span class="ft6">hig. Auch der Fachrichter bestätigte, dass die Heilungschancen er-</span><br/> <span class="ft6">heblich besser seien bei sofortiger Behandlung im Vergleich zu einer</span><br/> <span class="ft6">Behandlung in einigen Monaten. In dieser Zeit würde sich das Zu-</span><br/> <span class="ft6">standsbild mit grösster Wahrscheinlichkeit weiter verschlechtern.</span><br/> <span class="ft6">4.2.3. Für das Verwaltungsgericht steht aufgrund der Kranken-</span><br/> <span class="ft6">geschichte, der ärztlichen Aussagen und des an der Verhandlung ge-</span><br/> <span class="ft6">wonnenen Eindrucks fest, dass der Beschwerdeführer an einer be-</span><br/> <span class="ft6">handlungsbedürftigen und grundsätzlich medikamentös behandelba-</span><br/> <span class="ft6">ren psychischen Krankheit aus dem schizophrenen Formenkreis lei-</span><br/> <span class="ft6">det. Der Beschwerdeführer ist relativ jung und die Krankheit befindet</span><br/> <span class="ft6">sich noch im Anfangsstadium. Bis anhin wurde er noch nie medika-</span><br/> <span class="ft6">mentös behandelt. Aus medizinisch-psychiatrischer Sicht ist zu be-</span><br/> <span class="ft6">rücksichtigen, dass nach der heutigen Erkenntnis bei Erkrankungen</span><br/> <span class="ft6">aus dem schizophrenen Formenkreis bei jüngeren Menschen relativ</span><br/> <span class="ft6">gute Heilungschancen bestehen, wenn die Behandlung frühzeitig er-</span><br/> <span class="ft6">folgt, während sich die Krankheit bei einem zu langen Hinauszögern</span><br/> <span class="ft6">der Behandlung chronifizieren kann. Durch eine erfolgreiche Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">221</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">handlung verringert sich im vorliegenden Fall auch die Belastung der</span><br/> <span class="ft6">Umgebung, da sich die Eltern verständlicherweise seit mehreren</span><br/> <span class="ft6">Monaten grosse Sorgen machen und auch eine Suizidalität nicht aus-</span><br/> <span class="ft6">schliessen. Da beim Beschwerdeführer weder Krankheits- noch Be-</span><br/> <span class="ft6">handlungseinsicht besteht, muss davon ausgegangen werden, dass er,</span><br/> <span class="ft6">auf sich alleine gestellt, die benötigten Medikamente nicht einneh-</span><br/> <span class="ft6">men würde, wodurch sich sein Zustand und damit auch die Hei-</span><br/> <span class="ft6">lungsaussichten verschlechtern würden. Aufgrund seines seit mehre-</span><br/> <span class="ft6">ren Monaten ständig schlechteren Zustandsbilds mit vermehrt feh-</span><br/> <span class="ft6">lendem Realitätsbezug und unberechenbaren Verhaltensweisen kann</span><br/> <span class="ft6">sodann eine Selbst- und Fremdgefährdung nicht ausgeschlossen wer-</span><br/> <span class="ft6">den. Die Aufrechterhaltung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung</span><br/> <span class="ft6">ist daher gerechtfertigt und verhältnismässig. Die nötige persönliche</span><br/> <span class="ft6">Fürsorge kann dem Beschwerdeführer nur mit einer stationären kon-</span><br/> <span class="ft6">trollierten Medikation erwiesen werden.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen des Entscheids vom 28. Februar 2006</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1.</span><br/> <span class="ft6">1.1. Grundsätzlich dürfen Untersuchungen, Behandlungen, me-</span><br/> <span class="ft6">dizinische Eingriffe und Pflege nur mit Zustimmung des Patienten</span><br/> <span class="ft6">erfolgen. In Notfällen darf die Zustimmung vermutet werden (§ 15</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 und 3 PD). Gemäss § 67e</span><span class="ft8"><sup>bis</sup></span> <span class="ft6">EG ZGB dürfen jedoch im</span><br/> <span class="ft6">Rahmen einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung in der Klinik Kö-</span><br/> <span class="ft6">nigsfelden Behandlungen und andere Vorkehrungen auch <i>gegen</i></span> <span class="ft6">den</span><br/> <span class="ft6">Willen der betroffenen Person vorgenommen werden. Solche</span><br/> <span class="ft6">Zwangsmassnahmen sind nicht nur auf eigentliche Notfälle und</span><br/> <span class="ft6">Akutsituationen zu beschränken. Vielmehr darf auch ohne oder ge-</span><br/> <span class="ft6">gen den Willen der betroffenen Person eine längerdauernde Behand-</span><br/> <span class="ft6">lung vorgenommen werden (AGVE 2000, S. 174 f.).</span><br/> <span class="ft6">1.2. Ziel und Zweck jeder Zwangsmassnahme ist der Schutz der</span><br/> <span class="ft6">betroffenen Person und deren Mitmenschen vor körperlichen und</span><br/> <span class="ft6">seelischen Schäden. In Anwendung des Verhältnismässigkeitsprin-</span><br/> <span class="ft6">zips muss sie "ultima ratio" sein, indem der betroffenen Person die</span><br/> <span class="ft6">notwendige Fürsorge nicht auf andere Weise gewährleistet werden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">222</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">kann (AGVE 2000, S. 168 mit Hinweis). Eine Zwangsmassnahme ist</span><br/> <span class="ft6">namentlich dann unverhältnismässig, wenn eine ebenso geeignete</span><br/> <span class="ft6">mildere Anordnung für den angestrebten Erfolg ausreicht.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1. Als Ziel der Zwangsmedikation wird im angefochtenen</span><br/> <span class="ft6">Zwangsmassnahmen-Entscheid die antipsychotische Behandlung des</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführers genannt. Der Entscheid wurde bis zum 3. März</span><br/> <span class="ft6">2006 befristet. Die aufschiebende Wirkung wurde dem Entscheid</span><br/> <span class="ft6">entzogen mit der Begründung, die Behandlungsnotwendigkeit sei</span><br/> <span class="ft6">lange genug erörtert worden und es seien dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">lange genug Alternativen angeboten worden. Aus den beigezogenen</span><br/> <span class="ft6">Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer die Medikamente un-</span><br/> <span class="ft6">ter der Androhung von Zwangsinjektion seit dem 23. Februar 2006 in</span><br/> <span class="ft6">flüssiger Form eingenommen hat. Der Beschwerdeführer macht im</span><br/> <span class="ft6">Wesentlichen geltend, die Zwangsmedikation sei sofort abzubrechen,</span><br/> <span class="ft6">da er gesund sei. Eine Fremd- oder Selbstgefährdung sei nicht</span><br/> <span class="ft6">gegeben. Sollte sein Antrag abgelehnt werden, sei dem Zwangs-</span><br/> <span class="ft6">massnahmen-Entscheid die aufschiebende Wirkung zu erteilen, so-</span><br/> <span class="ft6">lange bis die Urteile betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung</span><br/> <span class="ft6">und Zwangsmedikation rechtskräftig seien.</span><br/> <span class="ft6">3.2. Gemäss Praxis des Verwaltungsgerichts betreffend die Ab-</span><br/> <span class="ft6">grenzung von sinnvoller Überzeugungsarbeit der Ärzte und Zwang-</span><br/> <span class="ft6">smedikation im Rahmen einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung,</span><br/> <span class="ft6">liegt eine Zwangsmedikation im Sinne von § 67e</span><span class="ft10"><sup>bis</sup></span> <span class="ft6">Abs. 1 EG ZGB</span><br/> <span class="ft6">auch dann vor, wenn der Patient in die Medikation einwilligt, weil</span><br/> <span class="ft6">ihm andernfalls eine Zwangsinjektion - nötigenfalls unter Anwen-</span><br/> <span class="ft6">dung von körperlicher Gewalt - angedroht wurde (AGVE 2002, S.</span><br/> <span class="ft6">198). Die aktuelle orale Medikation ist somit zweifellos eine</span><br/> <span class="ft6">Zwangsmedikation im Sinne des Gesetzes.</span><br/> <span class="ft6">3.3. Im Folgenden gilt zu prüfen, ob die angefochtene Zwangs-</span><br/> <span class="ft6">medikation im sachlichen Zusammenhang mit der Krankheit des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers steht, medizinisch indiziert und verhältnismässig ist.</span><br/> <span class="ft6">4.</span><br/> <span class="ft6">4.1. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">223</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">4.2. (...) Angesichts der Konsequenzen einer Nichtbehandlung</span><br/> <span class="ft6">auf das Zustandsbild des Beschwerdeführers und der schlechteren</span><br/> <span class="ft6">Heilungsaussichten, erscheint es gerechtfertigt und verhältnismässig,</span><br/> <span class="ft6">dem Beschwerdeführer die nötigen Medikamente auch gegen seinen</span><br/> <span class="ft6">Willen zu verabreichen. Würde man den Beschwerdeführer ohne Be-</span><br/> <span class="ft6">handlung entlassen, käme es mit grösster Wahrscheinlichkeit früher</span><br/> <span class="ft6">oder später erneut zu einer Klinikeinweisung mittels fürsorgerischer</span><br/> <span class="ft6">Freiheitsentziehung, wobei die Prognose dann viel schlechter wäre</span><br/> <span class="ft6">als bei der aktuellen Hospitalisation.</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer befand sich zum Zeitpunkt der Anord-</span><br/> <span class="ft6">nung der Zwangsmedikation bereits seit einem Monat in der Klinik</span><br/> <span class="ft6">Königsfelden, ohne dass er behandelt wurde. Eine weitere Verzöge-</span><br/> <span class="ft6">rung der notwendigen Behandlung hätte zur Folge, dass dem Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer weiterhin die Freiheit entzogen würde, ohne dass</span><br/> <span class="ft6">ihm die notwendige persönliche Fürsorge gewährt werden könnte.</span><br/> <span class="ft6">Angesichts dieser Sachlage wurde dem Zwangsmassnahmen-Ent-</span><br/> <span class="ft6">scheid die aufschiebende Wirkung zu Recht nicht erteilt.</span><br/> <span class="ft6">4.3. Zusammenfassend kann dem Beschwerdeführer mit einer</span><br/> <span class="ft6">zwangsweise vorgenommenen medikamentösen Behandlung auf</span><br/> <span class="ft6">längere Sicht eine bessere Lebensqualität gewährleistet werden, als</span><br/> <span class="ft6">wenn man die Krankheit unbehandelt liesse. Die Zwangsmassnahme</span><br/> <span class="ft6">steht in einem sachlichen Zusammenhang mit der Geisteskrankheit</span><br/> <span class="ft6">des Beschwerdeführers, ist medizinisch indiziert und verhältnismäs-</span><br/> <span class="ft6">sig. Die zwangsweise medikamentöse Behandlung des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führers erweist sich in seinem eigenen Interesse als dringend not-</span><br/> <span class="ft6">wendig und verhältnismässig, auch in zeitlicher Hinsicht.</span><br/></div> </div> </body> </html>