Beschluss vom 8. Januar 2021 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Roy Garré, Vorsitz, Miriam Forni und Patrick Robert-Nicoud, Gerichtsschreiber Stephan Ebneter Parteien BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdeführerin gegen 1. A., vertreten durch Rechtsanwalt Marino Di Rocco, 2. B. GMBH, 3. C. AG, 4. D. AG, 5. E. AG, Beschwerdegegner B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: BB.2020.302 - 2 - BUNDESSTRAFGERICHT, Strafkammer, Vorinstanz Gegenstand Verfahrenshandlung der Strafkammer (Art. 20 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO) - 3 - Die Beschwerdekammer hält fest, dass: - die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») am 13. November 2020 bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend «Strafkammer») An- klage im abgekürzten Verfahren erhob gegen A. wegen mehrfachen Dieb- stahls und mehrfacher Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses (Datum der Anklageschrift: 21. Oktober 2020); - die Strafkammer das unter der Geschäftsnummer SK.2020.54 eröffnete Ver- fahren mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 sistierte, die Anklageschrift samt Akten zur Ergänzung an die BA zurückwies und dieser die Rechtshän- gigkeit zurückgab (act. 1.1); - die BA dagegen mit Beschwerde vom 23. Dezember 2020 an die Beschwer- dekammer des Bundesstrafgerichts gelangt und hauptsächlich beantragt, die Verfügung der Strafkammer vom 15. Dezember 2020 sei aufzuheben und die Anklageschrift im abgekürzten Verfahren vom 21. Oktober 2020 sei mit- samt den Akten zur Durchführung eines ordentlichen Verfahrens an die BA zurückzuweisen (act. 1). Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: - gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie gegen Verfahrenshandlungen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erhoben werden kann, wobei verfahrens- leitende Entscheide ausgenommen sind (Art. 393 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. a StPO und Art. 37 Abs. 1 StBOG); verfahrensleitende Anordnun- gen der Gerichte nur mit dem Endentscheid ange fochten werden können (Art. 65 Abs. 1 StPO); - gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung diese Bestimmungen so aus- zulegen sind, das s verf ahrensleitende Anordnungen der erstinstanzlichen Gerichte nur dann mit Beschwerde angefochten werden können, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil i m Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG herbeiführen können (BGE 143 IV 175 E. 2.2 S. 177; 140 I V 202 E. 2.1 S. 204 f.; TPF 2013 69 E. 2.1 S. 70 f.); - die Einzelrichterin der Strafkammer mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 das Verfahren in Anwendung von Art. 329 Abs. 2 f. StPO an die Bundesan- waltschaft zurückgewiesen hat; - 4 - - es sich dabei um einen verfah rensleitenden Entscheid handelt, gegen den die Beschwerde nach der Rechtsprechung zulässig ist, wenn er einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG be- wirken kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_211/2018 vom 27. Juni 2018 E. 2.1); - es an der Beschwerdeführerin liegt, den nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG darzulegen, wenn dieser nicht offensichtlich ist (vgl. zuletzt u.a. Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2020.205 vom 9. Juli 2020 E. 1.3 mit Hinweisen); - die Beschwerdeführerin (unter dem Titel «Materielles») geltend macht, sei das Vorverfahren von ihr im abgekürzten Verfahren weiterzuführen, sei ihr jeglicher Handlungsspielraum verwehrt und eine dem Untersuchungsgrund- satz nach Art. 6 StPO entsprechende Untersuchung zumindest stark beein- trächtigt bzw. ganz verunmöglicht, gebe die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung doch ganz klare Vorgaben, was aus ihrer Sicht angepasst bzw. ergänzt werden müsste; sei das Vorverfahren von ihr demgegenüber im or- dentlichen Verfahren weiterzuführen, bedürfe es hierzu – nachdem sie der Durchführung des abgekürzten Verfahrens endgültig und die Parteien eben- falls unwid erruflich zugestimmt hätten – eines klaren Entscheids der Vo- rinstanz bzw. eine ausdrückliche Ablehnung des abgekürzten Verfahrens; - die Vorinstanz mit der angefochtenen Verfügung anordnet, dass die Rechts- hängigkeit an die Beschwerdeführerin zurückgeht; - mit der Rückgabe der Rechtshängigkeit an die Staatsanwaltschaft, dieser (wieder) die ihr vor Anklageerhebung zustehenden Befugnisse ( GRIESSER, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri- schen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, Art. 329 StPO N. 26), die Verfah- rensherrschaft (vgl . SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerisch en Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 1285) bzw. die Leitung des Vorverfah- rens (Art. 16 i.V.m. Art. 299 ff. StPO) zukommen; - aufgrund der sich aus dem Anklageprinzip ergebenden Trennung der rich- terlichen Funktion von derjenigen der Anklagebehörde Letztere nicht ver- pflichtet ist, der Aufforderung des Gerichts zur Ergänzung oder Verbesse- rung der Anklage nachzukommen (GRIESSER, a.a.O., Art. 329 StPO N. 22); - 5 - - die Verwendung des Begriffs der Endgültigkeit in Art. 359 Abs. 1 StPO nicht ausschliesst, dass die Beschwerdeführerin selbst auf die Frage der Durch- führung des abgekürzten Verfahrens zurückkommen kann (GREINER/JAGGI, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 359 StPO N. 3); - nach dem Gesagten weder ersichtlich noch dargetan ist, dass der Beschwer- deführerin durch die angefochtene Verfügung ein nicht wieder gutzumachen- der Nachteil droht; - sich die Beschwerde daher als offensichtlich unzulässig erweist, weshalb auf sie ohne Schriftenwechsel nicht einzutreten ist (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario); - bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind (Art. 423 Abs. 1 StPO und Art. 21 Abs. 2 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]); - den Beschwerdegegnern keine Aufwendungen entstanden sind; bereits aus diesem Grund keine Entschädigungen für das vorliegende Verfahren zuzu- sprechen sind; - dieser Beschluss gestützt auf Art. IIIA lit. a des Vertrags vom 13. November 1969 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesre- publik Deutschland über die Ergänzung des Europäischen Übereinkommens über die Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 und die Erleichterung seiner Anwendung (SR 0.351.913.61) unmittelbar durch die Post an die in Deutschland domizilierte B. GmbH übersendet werden kann; - 6 - und erkennt: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 3. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen. Bellinzona, 8. Januar 2021 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: Zustellung an - Bundesanwaltschaft - Rechtsanwalt Marino Di Rocco - B. GmbH - C. AG - D. AG - E. AG - Bundesstrafgericht, Strafkammer Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.