2018 Kausalabgaben und Enteignungen 439 B. Erschliessungsabgaben 58 Erschliessungsbeitrag und Anschlussgebühr - Den Anschlussgebühren gehen regelmässig Erschliessungleistungen voraus. - Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts kann die ku - mulierte Erhebung von Erschliessungsbeiträgen und Anschlussge - bühren zu einer Verletzung des Äquivalenzprinzips führen. - Eine Verletzung des Äquivalenzprinzips kann ausnahmsweise vorlie- gen, wenn Erschliessungsbeiträge und Anschlussgebühren von dem - selben Grundeigentümer zu leisten sind, weil die Realisierung der Erschliessung und der Nutzbaute zus ammenfallen oder in kur zem zeitlichem Abstand erfolgen. Für diese Fälle ist eine Reduktion der Anschlussgebühren im kommunalen Recht zulässig und vorbe halten (Präzisierung der Rechtsprechung). Aus dem Entscheid des S pezialverwaltungsgerichts, Abteilung Kausalabga- ben und Enteignungen, vom 6. Dezember 2017 in Sachen A. und B. gegen Einwohnergemeinde C. (4-BE.2017.2). Aus dem Sachverhalt Am 19. Dezember 2016 erteilte der Gemeinderat C. den Be- schwerdeführern A. und B. die Baubewilligung für den Neubau eines Einfamilienhauses auf der Parzelle Nr. zzz. Darin verfügte er provi - sorische Anschlussgebühren Wasser und Abwasser. Gegen diese Ver- fügung liessen die Beschwerdeführer durch den Generalun ternehmer D. Einsprache beim Gemeinderat einreichen. Sie liessen geltend ma - chen, im kommunalen Reglement sei vorgesehen, dass die An - schlussgebühr um 20 % zu reduzieren sei, insofern durch die Grund - eigentümer Erschliessungsbeiträge geleistet worden seie n. Der Ge - meinderat C. wies die Einsprache ab, worauf A. und B. Be schwerde beim Spezialverwaltungsgericht erhoben. 440 Spezialverwaltungsgericht 2018 (…) Aus den Erwägungen 6. 6.1. V orliegend werden die Gebührenpflicht an sich und die Berech - nung der Anschlussgebühren von den Beschwerdeführern im Grund- satz nicht bestritten. Sie bestreiten aber die Höhe der An schluss- gebühren Wasser und Abwasser, da sie geltend machen, es sei ihnen aufgrund der vom Rechtsvorgänger geleisteten Er schliessungsbei- träge reglementarisch eine Reduktion von jeweils 20 % zu gewähren. Sie verweisen dabei auch auf den Verwaltungsge richtsentscheid AGVE 1998 S. 179 ff. 6.2.-6.6. (…) 6.7. Das Verwaltungsgericht hielt im angeführten Entscheid zu - sammenfassend fest, dass die Kombination von Erschliessungsbeiträ- gen und Anschlussgebühren dazu führen könne, dass die Grund - eigentümer zu hohe Abgaben leisten müssen. Daraus könne sich eine Verletzung des Äquivalenzprinzips ergeben. Das Verwaltungsgericht wies damit auf die Möglichkeit einer Verletzung des Äquivalenz - prinzips hin, es hielt eine solche aber nicht für zwingend. Die Frage, wann genau und unter welchen V oraussetzungen eine Verletzung des Äquivalenzprinzips vorliegt, wurde im genannten Ent scheid vom Verwaltungsgericht nicht beantwortet. Diese Frage war auch zu keinem späteren Zeitpunkt abschliessend von der aar gauischen Verwaltungsjustiz zu beurteilen. 7. 7.1.-7.2. (…) 7.3. 7.3.1.-7.3.5. (…) 7.3.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im Regelfall ein Neu - bau nur dann auf einem Grundstück errichtet werden kann, wenn das 2018 Kausalabgaben und Enteignungen 441 Grundstück normgemäss erschlossen ist und demzufolge auch Er - schliessungsbeiträge geleistet wurden. Den Anschlussgebühren ge - hen somit immer auch Erschliessungsbeiträge voraus. Es entspricht aber nicht dem Sinn und Zweck der Reduktionsregelu ng, dass in all diesen Fällen eine Reduktion gewährt wird. Die Reduktion soll viel - mehr in jenen Fällen gewährt werden, in welchen die Erschliessungs- beiträge und die Anschlussgebühren von demselben Grundeigen - tümer zu leisten sind, weil die Realisierung d er Erschliessung und der Nutzbaute zusammenfallen oder in kurzem zeitlichem Abstand erfolgen. In diesen Ausnahmefällen kann die Kombination von Er - schliessungsbeiträgen und Anschlussgebühren zu einer Verletzung des Äquivalenzprinzips führen, weshalb der kommunale Gesetzgeber in C. zulässigerweise vorgesehen hat, dass dem betroffenen Grund - eigentümer eine Reduktion der Anschlussgebühren gewährt werden soll. Im Weiteren gilt es zu beachten, dass eine solche Reduktions - norm nach eidgenössischem und kantonalem Recht nicht zwingend ist. Massgebend ist allein die kommunale Praxis. 59 Ursprünglicher Beitragsplan - Der Entscheid über einen Beitragsstreit hat keine Auswirkung auf andere, unbestritten gebliebene Beiträge (Erw. 4.1.). - Werden mehrere Verfahren betreffend denselben Beitragsplan ge - führt, wirken sich Erkenntnisse aus einem Verfahren auf die übri - gen, hängigen Verfahren aus (Erw. 4.2.). - Ein bereits aufgelegter Beitragsplan kann aufgehoben und in einer überarbeiteten Fassung neu aufgelegt werden. Der neue Beitragsplan eröffnet den betroffenen Grundeigentümern erneut und in vollem Umfang den Rechtsmittelweg, selbst wenn sie bisher keine Rechts - mittel ergriffen haben (Erw. 4.4.).