Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Juni 2015 (725 14 371 / 143) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Zur Bemessung der Arbeitsfähigkeit kann nur auf die Restarbeitsfähigkeit in einer Ver- weistätigkeit abgestellt werden, wenn ein stabiler Gesundheitszustand vorliegt; der me- dizinische Endzustand für den Fallabschluss ist vor liegend noch nicht erreicht und es sind weiterhin Taggeldleistungen zu entrichten Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber i.V. Lukas Meyer Parteien A. _____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Markus Schmid , Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Zürich Versicherungs -Gesellschaft AG , Geschäftsbereich Sch a- den, Postfach, 8085 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen (272/13-131'075) A. Der 1944 geborene A.____ arbeitete zum Zeitpunkt des Unfalls als Innendekorateur bei der B.____ AG und war in dieser Eigenschaft bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (Zürich) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberu fsunfällen sowie Berufskrankheiten versi- chert. Gemäss Schadenmeldung UVG vom 21. Februar 20 13 der Arbeitgeberin ist der Versi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherte am 16. Februar 2013 auf Glatteis ausgeglitten u nd auf die rechte Schulter gefallen. Die Zürich erbrachte in der Folge die gesetzlichen Versicher ungsleistungen (Heilbehand- lung/Taggeld). Mit Schreiben vom 22. Oktober 2013 teil te sie A.____ mit, dass ihm eine ange- passte Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei und die Taggeldle istungen daher per 31. Dezember 2013 eingestellt würden. Auf Ersuchen des Versicherten wurde dieser Entscheid mit Verfügung vom 21. November 2013 bestätigt. Die dagegen erhobene Einsprache wurde mit Einsprache- entscheid vom 24. Oktober 2014 dahingehend teilweise g utgeheissen, als die Taggeldleistun- gen für eine längere Periode, nämlich bis am 22. März 2014 entrichtet wurden. Im Übrigen wur- de die Einsprache abgewiesen. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Markus Schmid, am 26. November 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der ange fochtene Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2014 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwer- deführer die gesetzlichen Leistungen, insbesondere das Taggeld auch nach dem 22. März 2014 weiterhin auszurichten; alles unter o/e-Kostenfolge. In der Beschwerdebegründung wurde im Wesentlichen festgehalten, dass die Beschwerdegegnerin d en Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, indem sie dem Beschwerdeführer keine konkr eten erwerblichen Tätigkeiten dar- lege, die ihm mit seiner gesundheitlichen Beeinträchtig ung noch zumutbar sein sollen. Weiter fehle der zur Einstellung von Taggeldleistungen erforde rliche stabile Gesundheitszustand und es sei dem Beschwerdeführer aufgrund seines Alters von 69 Jahren nicht zumutbar eine adap- tierte Tätigkeit aufzunehmen. C. Die Zürich schloss in ihrer Vernehmlassung vom 9. Januar 2015 auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Binningen, weshalb di e örtliche Zuständigkeit des Kantonsge- richts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän dig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 26. November 2014 ist dem- nach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Mit Verfügung vom 21. November 2013 stellte die Be schwerdegegnerin ausschliesslich ihre Taggeldleistungen betreffend das Unfallereignis vom 16. Februar 2013 per 31. Dezember 2013 ein. Mit Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2014 verlängerte sie diese bis am 22. März 2014. Streitig und zu prüfen ist somit einzig, ob der Beschwerdeführer über diesen Zeitpunkt hinaus weiterhin Anspruch auf Taggeldleistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage eines allfälligen Rentenan- spruchs des Beschwerdeführers. 3. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und ei n adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2). Ursachen im Sinne de s natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eing etretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur glei chen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahu ng des natürlichen Kausalzusam- menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allein ige oder unmittelbare Ursache gesund- heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende E reignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität de r versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werde n kann, ohne dass auch die eingetre- tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem ein getretenen Schaden ist nach der Rechtsprechung dann zu bejahen, wenn das Ereignis n ach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hin weis). Im vorliegenden Fall wird weder der natürliche noch der adäquate Kausalzusammenhang zwi schen dem Unfallereignis vom 16. Februar 2013 und der eingetretenen Arbeitsunfähigkeit bestritten. 4.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. D er Anspruch entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag und erlischt mit der Wiedererlangu ng der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Der Un- fallversicherer hat die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung/Taggeld) so lange zu erbringen, als von der ärztlichen Behandlung eine namhafte Besserun g des Gesundheitszustandes erwar- tet werden kann (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG). Rechtsprech ungsgemäss folgt aus Art. 19 Abs. 1 UVG, dass dann, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen B ehandlung keine namhafte Besse- rung des Gesundheitszustands mehr zu erwarten ist, der soge nannte „Fallabschluss“ vorzu- nehmen ist: Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen sind einzustellen und es ist der Anspruch der versicherten Person auf Invalidenrente und Integrit ätsentschädigung zu prüfen (Rumo- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Jungo/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialve rsicherungsrecht, Bundesge- setz über die Unfallversicherung, 4. Auflage, Zürich 2012 , S. 143 unter Hinweis auf BGE 134 V 109 E. 4.1). 4.2. Die Arbeitsunfähigkeit, welche den Anspruch auf ein Taggeld auslöst, ist gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbe- reich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Eine Person gilt demnach als arbeitsunfähig, wenn sie infolge eines Gesundheitsschadens ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr, nur noch beschränkt oder nur unter der Gefahr, ihren Gesundheitszustand zu verschlimmern, ausüben kann. Mass- gebend ist grundsätzlich die aufgrund ärztlicher Feststel lungen ermittelte tatsächliche Unfähig- keit, am angestammten Arbeitsplatz nutzbringend tätig z u sein, nicht hingegen die bloss medi- zinisch-theoretische Schätzung der Arbeitsunfähigkeit (BGE 114 V 283 E. 1c; RKUV 1987 Nr. U 27 S. 394 E. 2b, je mit Hinweisen). Nach Art. 6 Sat z 2 ATSG wird bei langer Dauer auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt. Der Grad der Arbeitsunfähigkeit ist solange unter Berücksichtigung d es bisherigen Berufs festzusetzen, als von der versicherten Person vernünftigerweise nicht verlangt werden kann, ihre restliche Ar- beitsfähigkeit in einem anderen Berufszweig zu verwert en. Dementsprechend wird bei langan- dauernder Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf au ch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. April 2013, 8C_838/2012, E. 3.3.1 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Die Pflicht des Versicherten zur beruflichen Neueing liederung leitet die Rechtspre- chung aus dem Gebot der Schadenminderung ab. Der Versich erte soll alles ihm Zumutbare unternehmen, um die erwerblichen Folgen seines Gesundhe itsschadens bestmöglich zu min- dern, denn die Sozialversicherung soll nicht Schäden ausg leichen müssen, welche der Versi- cherte durch zumutbare geeignete Vorkehren selbst behebe n oder vermindern kann (BGE 114 V 283 E. 3a mit Hinweis). Die durch die Pfli cht zur Schadenminderung gebotene Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in einem anderen als dem angestammten Tätigkeitsbe- reich bildet aber die Ausnahme vom Grundsatz, wonach für die Bemessung der Arbeitsunfähig- keit auf die tatsächliche Einschränkung im zuletzt ausgeü bten Beruf abzustellen ist. Sie setzt eine voraussichtlich dauernde Beeinträchtigung der Arbe itsfähigkeit in der bisher ausgeübten Berufstätigkeit einerseits und einen stabilen Gesundhei tszustand andererseits voraus. Ein labi- les gesundheitliches Geschehen von zeitlich beschränkter Da uer genügt nicht (Urteil des Bun- desgerichts vom 1. Oktober 2003, U 301/02, E. 1.3). 4.4.1 Zusätzlich muss die Frage, ob und gegebenenfalls welche berufliche Neueingliederung vom Versicherten im Rahmen seiner Pflicht zur Schadenminderung verlangt werden kann, nach dem Grundsatz der Zumutbarkeit als Teilgehalt des verfassu ngsmässigen Grundsatzes der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 Bundesverfassung der S chweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) beantwortet werden. Vom Versicherten kann daher nur eine berufliche Umstellung verlangt werden, die ihm unter Berücksichtigu ng der gesamten objektiven und sub- jektiven Gegebenheiten des Einzelfalls zumutbar ist (vgl. BGE 113 V 28 E. 4a; Urteil des Bun- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht desgerichts vom 1. Oktober 2003, U 301/02, E. 1.4). So mit darf es sich nicht um realitätsferne und in diesem Sinne unmögliche oder unzumutbare Vorkehren handeln. 4.4.2 Für die Beurteilung der Zumutbarkeit eines Ber ufswechsels sind gemäss bundesge- richtlicher Rechtsprechung im Urteil vom 1. Oktober 2003 U 301/02 Erwägung 1.4 insbesondere das Alter des Versicherten, die Art und Dauer seiner bish erigen Berufstätigkeit, deren selbstän- dige und unselbständige Ausübung, die mit einer beruf lichen Neueingliederung verbundene Veränderung der sozialen Stellung des Versicherten, sein e persönlichen und familiären Ver- hältnisse sowie seine entsprechend grössere oder geringer e Flexibilität hinsichtlich seines Wohn- und Arbeitsortes massgebend. Ins Gewicht fällt auch die Art und Dauer der beanspruch- ten Versicherungsleistungen sowie deren Kosten. Die Anfo rderungen an die Schadenminde- rungspflicht sind dort strenger, wo eine erhöhte Inansp ruchnahme der Sozialversicherung in Frage steht (vgl. BGE 113 V 22, E. 3d), wie dies beispi elsweise bei Rentenleistungen an relativ junge Versicherte der Fall ist, denen in einer neuen beruflichen Tätigkeit noch eine lange Aktivi- tätsperiode verbleibt. 5.1 Der Versicherte beanstandet in seiner Beschwerde u.a ., dass bei ihm kein stabiler Ge- sundheitszustand vorliege. Für die Verpflichtung zur ber uflichen Neueingliederung setzt die Rechtsprechung – kumulativ – eine voraussichtlich dauernde Beeinträchtigung der Arbeitsfä- higkeit in der bisher ausgeübten Berufstätigkeit einer seits und einen stabilen Gesundheitszu- stand andererseits voraus (vgl. E. 4.3 hiervor). Der bet reffende Einwand ist deshalb vorab zu prüfen. 5.2 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts sin d im Wesentlichen folgende Berichte von Relevanz: 5.3 Dr. med. C.____, FMH Radiologie, hielt in seinem Bericht vom 4. März 2013 fest, dass das MRI die Befunde einer veränderten mittelschweren AC-Arthrose mit bandförmigem Ödem unter den Gelenksfacetten und Kapselödem ergeben habe . Die Rotatorenmanschette im disto- ventralen Supraspinatusgebiet zeige einen lokalen Makroriss. Die übrigen Anteile der Supraspi- natussehne zeigten eine posttraumatische Tendiose. Eine T eilruptur im distalen Anteil subtotal zeige die Sehne des Subscapularis mit deutlichen Kalibe rschwankungen und opaquem Kon- trastenhancement nebst zahlreichen Mikrorissen. Eine ausgie bige Tendiose der langen Bi- zepssehnen im horizontalen intraartikulären Schenkel mit langstreckiger Verdickung und opaquem Kontrastenhancement lasse sich bis in den Ansatz an den Oberrand des Glenoids verfolgen. 5.4 In seinem ärztlichen Verlaufsbericht vom 10. Juni 201 3, der nach der Operation vom 27. März 2013 erstattet wurde, hielt Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, fest, dass bei der le tzten Kontrolle am 22. Mai 2013 noch erhebliche Beschwerden bestanden hätten. Der Patient b efinde sich in physiotherapeutischer Behandlung und es sei eine durchschnittliche Elevation möglich. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Dem Bericht von Dr. D.____ vom 13. August 2013 ist zu entnehmen, dass beim Versi- cherten bis am 30. Juni 2013 eine volle Arbeitsunfähig keit und ab dem 1. Juli 2013 eine Ar- beitsunfähigkeit von 50 % vorlägen. Zur Verbesserung de r Schmerzklinik nehme der Versicher- te neben NSAR auch ein regelmässiges Taping zur Stabilisierung der Schulter in Anspruch. Die Beweglichkeit sei nach wie vor eingeschränkt. Die Elevati on sei mit über 80 Grad besser und langsam progredient. Die Kraft sei hingegen noch erheblich eingeschränkt und das Heben einer Last sei noch nicht möglich. Als weitere Behandlungsmassn ahmen seien Physiotherapie, Ta- ping und eventuell ein MRI vorgesehen. 5.6 Dr. D.____ hielt im darauf folgenden Bericht vom 3. Oktober 2013 fest, dass vor allem bei der Elevation, die nur bis 70 Grad möglich sei, Schulterschmerzen rechts bestünden. Weiter sei eine deutliche Kraftverminderung feststellbar und A rbeiten seien über Schulterhöhe nicht möglich. Die Innenrotation sei eingeschränkt. Bei der Ar beit sei das Zuschneiden von Stoffen und Leder, das Mattieren von Möbelflächen und das Aufh ängen von Vorhängen nicht mehr möglich. Entsprechend sei die Arbeitsfähigkeit um 70 - 80 % eingeschränkt. Auch das Autofah- ren sei aufgrund der verminderten Rotationsmöglichkeit u nd der Elevationsminderung zuneh- mend erschwert. Bei einer Zunahme der Beschwerden kom me allenfalls eine Schulterprothese in Frage. Der Endzustand sei noch nicht erreicht. 5.7 Mit Bericht vom 27. August 2014 hielt Dr. D.____ fest, dass nach wie vor Schmerzen an der rechten Schulter mit einer erheblichen Belastungsintoleranz bestünden. Die Elevation sei nur bis knapp 90 Grad möglich, die Aussenrotation könn e nur mittels NSAR knapp ausgeführt werden und die Innenrotation sei nur bis zum gluteus ma ximus durchführbar. Weiter habe die unfallbedingte Behandlung noch nicht abgeschlossen werden können und der Versicherte habe weiterhin Physiotherapie sowie Taping mit elastischen Pflastern. Eine Arbeitsfähigkeit als Deko- rateur sei nicht mehr gegeben. Allenfalls seien eine A cromioplastik und eine Rotatorenman- schettennaht notwendig, um eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu bewirken. 6.1 Die Zürich ging im angefochtenen Einspracheentschei d vom 24. Oktober 2014, mit welchem sie die Taggelder per 22. März 2014 einstellte, davon aus, dass beim Versicherten eine stabile medizinische Situation bestehe. Die Aussag en des Arztes, wonach allenfalls noch eine Operation durchgeführt und der Versicherte noch t herapiert werden müsste, widerspreche nicht dem Umstand, dass die Beschwerden und Einschränkungen seit längerer Zeit praktisch gleichbleibend seien und daher von einem stabilen Ge sundheitszustand ausgegangen werden könne. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden . Zunächst ist diesbezüglich festzuhal- ten, dass Dr. D.____ in seinem Bericht vom 13. August 2 013 festhielt, dass der Versicherte ab dem 1. Juli 2013 zu 50 % arbeitsunfähig sei. In dem – w enige Wochen später – am 3. Oktober 2013 erstellten Bericht, ging er hingegen von einer B eeinträchtigung von 70 - 80 % aus und hielt fest, dass der Endzustand noch nicht erreicht sei. Zudem berichtete Dr. D.____, am 27. August 2014, dass die unfallbedingte Behandlung n och nicht abgeschlossen sei und zur Verbesserung des Gesundheitszustandes weitere Behandlungen – insbesondere Taping und Physiotherapie – notwendig seien. Er erachtete sogar eine erneute Operation als allenfalls not- wendig. Ohne Therapie und eventuell auch ohne Opera tion sei ein bleibender Nachteil zu er- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht warten. Bei dieser Aktenlage ist die Erreichung eines s tabilen Gesundheitszustandes, zu ver- neinen. 6.2 Es steht somit fest, dass beim Versicherten kein stabile r Gesundheitszustand besteht und daher eine der kumulativ nötigen Voraussetzungen fü r eine Verpflichtung zur beruflichen Neueingliederung (vgl. E. 4.3 hiervor) nicht erfüllt ist. Auf eine Prüfung der Zumutbarkeit einer adaptierten Verweistätigkeit und der Rüge der Verletzu ng des Anspruchs auf rechtliches Gehör kann unter diesen Umständen verzichtet werden. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass für die Bemessun g der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers nicht auf dessen Restarbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit abgestellt werden kann. Vielmehr ist weiterhin die tatsächliche E inschränkung im zuletzt ausgeübten Be- ruf als Innendekorateur von Bedeutung. Im vorliegende n Fall gilt demnach die zuvor von der Zürich anerkannte Arbeitsunfähigkeit von 50 % als weit erhin massgebend, weshalb die – ge- mäss Art. 16 Abs. 2 UVG – für die Einstellung der Tagge ldleistung geforderte volle Arbeitsfä- higkeit zu verneinen ist. Zudem sind aufgrund des aktenkun digen Sachverhalts die Schmerz- problematik der rechten Schulter mit erheblicher Belastungsintoleranz sowie die eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit noch nicht hinreichend therapiert. Daraus resultiert, dass der medizini- sche Endzustand nach dem Unfallereignis vom 16. Februar 2013 bzw. der versicherungsrecht- liche Zeitpunkt für den Fallabschluss im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG noch nicht erreicht ist und die Taggeldleistungen somit nicht eingestellt werden können. 7. Demzufolge ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen , dass der angefochtene Ein- spracheentscheid vom 24. Oktober 2014 aufgehoben wird un d die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer über den 22. März 2014 hinaus weiter Taggelder zu gewähren hat. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. 8.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahren s entsprechend ist dem Versicherten eine Parteientschädigung zu Lasten der Zürich zuzusprec hen. Sein Rechtsvertreter macht in seiner Honorarnote vom 9. Februar 2015 einen Zeitauf wand von insgesamt 8.1 Stunden sowie Auslagen von Fr. 52.-- aus. Dieser Aufwand ist angesicht s der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen angemessen. Damit ist dem Beschwerdef ührer für das vorliegende Be- schwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 2'243.15 (8.1 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen in der Hö he von Fr. 52.-- und 8 % Mehrwertsteu- er) zu Lasten der Zürich zuzusprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 24. Oktober 2014 aufgehoben und die Zürich verpflichtet , dem Be- schwerdeführer die Taggeldleistungen auch nach dem 22. März 2014 auszurichten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Zürich hat dem Beschwerdeführer eine Parteien tschädigung in der Höhe von Fr. 2'243.15 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwert steuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht