B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-6452/2013 U r t e i l v o m 4 . D e z e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Stephan Breitenmoser (Vorsitz), Hans Urech und Pascal Richard; Gerichtsschreiberin Katharina Walder Salamin. Parteien C._______ Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, Effingerstrasse 27, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Anerkennung eines ausländischen Studienabschlusses. B-6452/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin stellte am 4. April 2013 bei der Vorinstanz ein Gesuch um Anerkennung ihr es Hochschul abschlusses einer Diplom - Ingenieurin FH der Fachrichtung Feinwerktechnik, Studiengang Augenop- tik, welchen ihr die Fachhochschule X._______, Deutschland, am 24. Juli 1990 aufgrund der bestandenen Diplomprüfung verliehen hatte. Die Vor - instanz wies das Gesuch mit Verfügung vo m 21. Oktober 2013 ab. In Ziff. 1 des Entscheiddispositivs hielt sie fest, die Anerkennung der Gleichwertigkeit des deuts chen Abschlusses der Beschwerdeführerin mit dem schweizerischen Fachhochschulabschluss eines Bachelor of Scie n- ce der Fachhochschul e Nordwestschweiz (FHNW) in Opto metrie könne nur unter der Bedingung erfolgen, dass die Beschwerdeführerin die in den Entschei derwägungen näher umschriebenen Ausgleichsmassna h- men erfolgreich absolviere. Dabei habe die Beschwerdeführerin die Wahl, entweder den Anpassungslehrgang mit Zusatzausbildung in den Modulen Kinderoptometrie, Allgemeine Anatomie und Physiologie, Allgemeine Pa- thologie, Anatomie und Physiologie des Auges, Pathologie des Auges sowie Pharmakologie zu absolvieren oder die Eignungsprüfung abzul e- gen. B. Gegen diese Verfügung legte die Beschwerdeführerin am 10. November 2013 (Eingang: 19. November 2013) Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht ein. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung sowie die Anerkennung der Gleichwertigkeit ihres Hoch- schulabschlusses einer Diplom-Ingenieurin FH mit dem Schweizer A b- schluss eines Bachelor of Science der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Optometrie gemäss heute gültiger Studienordnung . Zur B e- gründung macht sie geltend, bei der Prüfung der Gleichwertigkeit ihres Hochschulabschlusses vom 24. Juli 1990 seien weder die höheren Z u- lassungsvoraussetzungen zum Ingenieurstudien lehrgang in Deutschland noch ihre seither erworbene Berufspraxis berücksichtigt worden. Eben- sowenig sei auf die Erläuterungen der Studien- und Prüfungsordnung der Fachhochschule Aalen zu den Lerninhalten der als ungenügend bean- standeten Fächer abgestellt worden. Ihre dem Studium vorangegangene Ausbildung zum Augenoptikergeselle erfülle zusammen mit ihrem Fach- hochschulabschluss die Gleichwertigkeit mit dem Bachelor-Lehrgang in der Schweiz bei weitem, weshalb keine der Ausgleichsmassnahmen ge- rechtfertigt sei. B-6452/2013 Seite 3 B.a Mit Zwischenverfügung vom 21. November 2013 forderte das Bu n- desverwaltungsgericht die Beschwerdeführerin auf, ein Zustelldomizil in der Schweiz zu bezeichnen, die angefochtene Verfügung nachzureichen und bis zum 17. Dezem ber 2013 einen Kostenvorschuss von Fr. 1'200. – zu leisten. Am 5. Dezember 2013 (Eingang: 9. Dezember 2013) reichte die Beschwerdeführerin die angefochtene Verfügung nach. B.b Mit Zwischenverfügung vom 10. Dezember 2013 lud das Bundesve r- waltungsgericht die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. Gleichzeitig b e- willigte es das Gesuch der Beschwerdeführerin um Zahlung des Kosten- vorschusses in Raten und setzte dafür eine neue Frist bis zum 17. März 2014 an. B.c Am 16. Januar 2014 teilte die Beschwerdeführerin dem Bundesve r- waltungsgericht ein Zust ellungsdomizil in der Schweiz gemäss Art. 11 b Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) mit. C. Mit Vernehmlassung vom 17. Januar 2014 beantragt die Vorinstanz, die Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begründung führt sie aus, sie habe in Anwendung des Freizügigkeitsabkommens und der eu- ropäischen Richtlinie 2005/36/EG die Ausbildung der Beschwerdeführerin geprüft und sei zum Ergebnis gelangt, dass die Inhalte der Ausbildung der Beschwerdeführerin sich wesentlich von denjenigen des schweizeri- schen Lehrgangs in Optometrie an der FHNW unterschieden. Der von der Beschwerdeführerin ausgefüllte Fragebogen zwecks Erhebung ihrer Fachkompetenz enthalte keine oder nur ungenaue Angaben z ur theoreti- schen und klinischen (praktischen) Ausbil dung, und die Beschwerdefüh- rerin habe mehrere Fragen mit einem Fragezeichen versehen oder unbe- antwortet gelassen. Der zur Stellungnahme beigezogene Experte der FHNW habe die Unterlagen und die Angaben der Beschwerdeführerin dennoch geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass diese für eine Anerkennung der Gleichwertigkeit der Ausbildung nicht ausreich ten. So würden der Beschwerdeführerin z.B. klinische Kompetenzen fehlen, wie etwa das Wissen um das Sehen nach der physiologischen Norm oder die den physikalischen Gesetzmässigkeiten folgenden Techniken zur Korrek- tur von Fehlsichtigkeit. Dabei gehe es darum, die Augengesundheit ad ä- quat beurteilen zu können. Andererseits sei auch die Berufserfahrung der Beschwerdeführerin in Augenoptik nicht genügend nachgewies en, damit beurteilt werden könn e, ob die fehlende Ausbildung – wie durch die EU -B-6452/2013 Seite 4 Richtlinie vorgese hen – teilweise durch Berufspraxis ausgeglichen we r- den könn te. Die Beschwerdeführerin erfülle daher die Mindestanford e- rungen der Ausbildung zum Bachelor of Science der FHNW nicht . Für ei- ne Anerkennung der Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung seien ihr deshalb Ausgleichsmassnahmen auferlegt worden. D. In ihrer Replik vom 17. Februar 2014 (Ei ngang: 20. Februar 2014) rügt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe sich im angefochtenen En t- scheid überhaupt nicht mit ihren Berufskenntnissen auseinandergesetzt. Es gäbe keine wesentlichen inhaltlichen Unterschiede in den erforderl i- chen Kompetenzen, auch wenn die Fächer zum Teil unter anderer B e- zeichnung gelehrt worden seien. E. Mit Duplik vom 18. März 2014 verzichtete die Vorinstanz auf weitere Aus- führungen und hielt an ihrem Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen, fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 ff. des Ve r- waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahren s- gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Beim Staatssek- retariat für Bildung und Forschung SBFI handelt es sich um eine Vori n- stanz des Bundesverwaltungsgerichts im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG. Die angefochtene Verfügung über die Anerkennung der Gleichwertigkeit einer Ausbildung ist e ine Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. b VwVG, welche sich auf öffentliches Recht des Bundes stützt und die Feststellung des Bestehens, Nichtbestehens oder des Umfangs von Rechten und Pflichten der Beschwerdeführerin zum Gegenstand hat. Das Bundesverwaltungsgericht ist damit zur Behandlung der Beschwerde z u- ständig. 1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge- nommen, sie ist von der Verfügung besonders berührt und hat ein B-6452/2013 Seite 5 schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist damit im Sinne von Art. 48 Abs. 1 Bst. a-c VwVG beschwerdeberechtigt. 1.3 Die Beschwerde wurde form- und fristgerecht eingereicht (Art. 50 und Art. 52 VwVG) und der Kostenvorschuss wurde fristgerecht geleistet (Art. 63 Abs. 4 vwVG). Damit ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Am 1. Juni 2002 trat das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft eine rseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügi g- keit (Freizügigkeitsabkommen, FZA, SR 0.1 42.112.681) in Kraft. Gemäss Art. 1 Bst. a FZA hat dieses zum Ziel, den Staatsangehörigen der Mi t- gliedstaaten der Europäischen Union (EU) und der Schweiz ein Recht auf Einreise, Aufenthalt, Zugang zu einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit und Niederlassung als Selbständige sowie das Recht auf Verbleib im H o- heitsgebiet der Vertragsparteien einzuräumen. Art. 1 Bst. d FZA sieht als weiteres Ziel die Einräumung der gleichen Lebens-, Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen wie für Inländer vor. Der Grundsatz der Nichtdiskr i- minierung gemäss Art. 2 FZA gewährleistet den Staatsangehörigen einer Vertragspartei, die sich regelmässig im Hoheitsgebiet einer anderen Ve r- tragspartei aufhalten, das Recht, bei der Anwendung dieses Abkommens gemäss dessen Anhängen I (Freizügigkeit), II (Koordin ierung der Syste- me der sozialen Sicherheit) und III (Gegenseiti ge Anerkennung von B e- rufsqualifikationen) aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit nicht diskriminiert zu werden. Diese s Ziel der Nichtdiskriminierung wird im Wesentlichen durch die Niederlassungsfreiheit und die Beseitigung des Inländervo r- rangs auf dem Arbeitsm arkt erreicht (vgl. STEPHAN BREITENMO- SER/ROBERT WEYENETH, Europarecht, 2. Aufl., Zürich/St. Gal len/Wien 2014, S. 253 ff., insb. S. 258 ; NINA GAMMENTHALER, Diplomanerkennung und Freizügigkeit, Zürich 2010, S. 286; YVO HANGARTNER, Der Grundsatz der Nichtdiskriminierung wegen der Staatsangehörigkeit im Freizügi g- keitsabkommen der Schweiz mit der Europäischen Gemeinschaft, AJP 2003, S. 257 ff., 260). Namentlich nationale Diplomanerkennungserfo r- dernisse verunmöglichen oder erschweren die Ausübung des Rec hts auf Zugang zu einer selbständigen oder unselbständigen Erwerbstätigkeit in einem Vertragsstaat. Um den Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten der EU und der Schweiz den Zugang zu unselbstständigen und selbstständ i- gen Erwerbstätigkeiten und deren Ausübun g sowie die Erbringung von Dienstleistungen zu erleichtern, treffen daher die Vertragsparteien g e- mäss Anhang III die erforderlichen Massnahmen zur gegenseitigen Ane r-B-6452/2013 Seite 6 kennung der Diplome, Zeugnisse und sonstigen Befähigungsnachweise sowie zur Koordinierung i hrer Rechts- und Verwaltungsvorschriften über den Zugang zu unselbstständigen und selbstständigen Erwerbstätigkeiten und deren Ausübung wie auch über die Erbringung von Dienstleistungen (Art. 9 FZA). 2.1 Anhang III des Freizügigkeitsabkommens trägt die Bezeichnung "Ge- genseitige Anerkennung beruflicher Qualifikationen (Diplome, Prüfung s- zeugnisse und sonstiger Befähigungsnachweise)". Nach dessen Besti m- mungen wenden die Vertragsparteien im Bereich der gegenseitigen Aner- kennung beruflicher Befähigungsnachweise unt ereinander die gemei n- schaftlichen Rechtsakte, auf die Bezug genommen wird, in der zum Zei t- punkt der Unterzeichnung des Abkommens geltenden Fassung ei n- schliesslich der in Abschnitt A dieses Anhangs genannten Änderungen oder gleichwertige Vorschriften an (vg l. Botschaft des Bun desrats vom 23. Juni 1999 zur Genehmigung der sektoriellen Abkommen zwischen der Schweiz und der EG, BBl 1999 6128, insbes. 6155 und 6347 ff.; Bundes- amt für Berufsbildung und Technologie, Bericht über die Anerkennung ausländischer Diplome in der Schweiz und die Anerkennung schweizer i- scher Diplome im Ausland: Regelungen, bestehende Praktiken und Hand- lungsbedarf, Bern 2001, S. 4 f. ; BGE 136 II 470, E. 4.1 ff.; 134 II 341, E. 2.2. f.; BREITENMOSER/WEYENETH, a.a.O., S. 201 f., insb. Rz. 691; RU- DOLF NATSCH, Gegenseitige Anerkennung beruflicher Qualifikationen, in: Bilaterale Verträge Schweiz - EG, Zürich 2002, S. 195 ff., insbes. S. 204; MAX WILD, Die Anerkennung von Diplomen im Rahmen des Abkommens über die Freizügigkeit der Personen, in: Bilaterale Abkommen Schweiz - EU, Basel etc. 2001, S. 383 ff., insb. S. 403). 2.2 Mit Bezug auf die Anerkennung der beruflichen Qualifikationen erfasst das bilaterale Personenfreizügigkeitsabkommen nur die im Aufnahm e- staat reglementierten beruflichen Tätigkei ten. Alle nicht reglementierten Berufe stehen demgegenüber der freien Ausübung offen. Für sie ist die Anerkennung nach dem Personenfreizügigkeitsabkommen ohne Bede u- tung. Ist ein Beruf im Aufnahmestaat nicht reglementiert, bedarf es somit keiner Prüfung der Gleichwertigkeit des Diploms. Eine Arbeitsbewilligung genügt. Der Grundsatz der gegenseitigen Anerkennung beruht auf dem Grundgedanken des sich entgegengebrachten Vertrauens: Er geht davon aus, dass ein Qualifikationsniveau, das ein Mitgliedstaat für sich selbst als ausreichend erachtet, grundsätzlich auch in den übrigen Mitgliedsta a- ten der EU und in den durch das Freizügigkeitsabkommen an der Pers o- nenfreizügigkeit teilhabenden Drittstaaten ausreicht (vgl. BGE 136 II 470, B-6452/2013 Seite 7 E. 4.2; BREITENMOSER/WEYENETH, a.a.O., S. 200, 258; NATSCH, a.a.O., S. 205; HILDEGARD SCHNEIDER, Die Anerkennung von Diplomen in der Euro- päischen Gemeinschaft, Antwerpen -Apeldoorn 1995, S. 177 ; WILD, a.a.O., S. 386 f.). 2.3 Als reglementierte berufliche Tätigkeit im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. a der Richtlinie 2005/36/EG des europäischen Parlaments und des Rats vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifik a- tionen (ABl. L 255 vom 30.9.2005, S. 2 2) gilt eine berufliche Tätigkeit, bei der die Aufnahme oder Ausübung oder eine de r Arten ihrer Ausübung in einem Mitgliedstaat direkt oder indirekt durch Rechts - oder Verwaltungs- vorschriften an den Besitz eines Ausbildungs - oder Befähigungsnachwei- ses (bzw. Di ploms) gebunden ist. Dazu gehören insbesondere die Au s- übung einer beruflichen Tätigkeit in Verbindung mit der Führung eines T i- tels, der nur von Personen geführt werden darf, die einen Ausbildungs - oder Befähigungsnachweis (bzw. ein Diplom) besitzen, die in einschläg i- gen Rechts- und Verwaltungsvorschriften festgelegt sind, sowie die Aus- übung einer beruflichen Tätigkeit im Gesundheitswesen, wenn die Verg ü- tung dieser Tätigkeit und/oder eine diesbezügliche Erstattung durch das einzelstaatliche System der sozialen Sicherheit an den Besitz eines Au s- bildungs- oder Befähigungsnachweises (bzw. Diploms) gebunden ist. 2.4 Gemäss Art. 7 des Bundesgesetzes über die Fachhochschulen vom 6. Oktober 1995 (FHGS, SR 414.711) ist nur zur Ausübung des Berufs ei- nes dipl. Optometristen bzw. einer dipl. Optometristin zugelassen, wer ein entsprechendes Bachelor-Diplom als Optometrist/in erworben hat oder im Besitze eines gleichwertigen Diploms ist. Die Ausübung dieses Berufs im Aufnahmestaat Schweiz ist damit im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. a der Richtlinie 2005/36/EG reglementiert, weshalb das Freizügigkeitsabko m- men auf die Prüfung der Gleichwertigkeit des Fachhochschulabschlusses einer Diplom-Ingenieurin anwendbar ist. 2.5 Wird der Zugang zu einem reglementierten Beruf oder dessen Au s- übung im Aufnahmestaat von dem Besitz eines Diploms abhängig ge- macht, kann der Aufnahmestaat einem Angehörigen eines Mitgliedsta a- tes, der im Besitz eines Diploms im Sinne dieser Richtlinien ist, grun d- sätzlich nicht den Zugang oder die Ausübung eines reglementierten Beru- fes wegen mangelnder Qualifikation verweigern, wenn dieses Diplom Zu- gangs- oder Ausübungsvoraussetzung für den entsprechenden Beruf im Herkunftsstaat ist. Der Aufnahmestaat hat aber das Recht, die Ausbildung und Berufserfahrung mit seinen Anforderungen zu vergleichen und eine B-6452/2013 Seite 8 Anerkennung der Diplome al s gleichwertig abzulehnen, wenn die Ausbi l- dung des Antragstellers sich in Bezug auf die Dauer, den Inhalt oder die Tätigkeitsbereiche wesentlich von der Aus bildung im Aufnahme staat un- terscheidet (Art. 13 der Richtlinie 2005/36/EG ; BGE 134 II 341, E. 2.3; vgl. BREITENMOSER/WEYENETH, a.a.O., S. 200 f. ; GAMMENTHALER, a.a.O., S. 201 ff.). 2.6 Die Kompensation einer unterschiedlichen Ausbildungsdauer kann durch den Nachweis von Berufserfahrung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. f der Richtlinie 2005/36/EG erbracht werden. Im Falle von unterschiedl i- chen Ausbildungsinhalten darf der Aufnahmestaat vom Antragsteller ve r- langen, dass er einen Anpassungslehrgang absolviert oder eine Ei g- nungsprüfung ablegt ( sog. Ausgleichsmassnahmen, Art. 14 Richtlinie 2005/36/EG; vgl. GAMMENTHALER, a.a.O., S. 206 ff.; NATSCH, a.a.O., S. 206 f.; WILD, a.a.O., S. 400). Macht der Aufnahmestaat bei unte r- schiedlichem Ausbildungsinhalt von der Möglichkeit eines Anpassungsi n- struments Gebrauch, so muss er dem Antragsteller die Wahl zwischen dem Anpassungslehrgang und der Eignungsprüfung lassen (Art. 14 Abs. 2 Richtlinie 2005/36/EG; BGE 134 II 341, E. 2.3; vgl. BREITENMO- SER/WEYENETH, a.a.O., S. 200, Rz. 685; JACQUES PERTEK, L'Europe des diplômes et des professions, Bruxelles 1994, S. 81; SCHNEIDER, a.a.O., S. 257). 2.7 Für die Zwecke der Anwendung von Art. 14 Abs. 1 Bst. b und c der Richtlinie sind unter Fächer n, "die sich wesentlich unterscheiden“, jene Fächer zu verstehen, deren Kenntnis eine wesentliche Voraussetzung für die Ausübung des Berufs ist u nd bei denen die bisherige Ausbildung des Migranten bedeutende Abweichungen hinsichtlich Dauer oder Inhalt g e- genüber der im Aufnahmemitgliedstaat geforderten Ausbildung aufweist. Bei der Anwendung von Art. 14 Abs. 1 ist nach dem Grundsatz der Ve r- hältnismässigkeit zu verfahren . Insbesondere muss der Aufnahmemi t- gliedstaat, wenn er beabsichtigt, dem Antragsteller einen Anpassung s- lehrgang oder eine Eignungsprüfung aufzuerlegen, zunächst prüfen, ob die vom Antragsteller im Rahmen seiner Berufspraxis in einem Mit glied- staat oder einen Drittland erworbenen Kenntnisse den wesentlichen U n- terschied nach Ab s. 4 ganz oder teilweise ausgleichen können (Art. 14 Abs. 4 und 5 Richtlinie 2005/36/EG). 3. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid gestützt auf Art. 49 Bst. a-c VwVG auf die richtige Rechtsanwendung, die B-6452/2013 Seite 9 vollständige Feststellung des rechterheblichen Sachverhalts und die A n- gemessenheit, sofern – wie im vorliegenden Fall – als Vorinstanz eine Bundesbehörde verfügt hat. 3.1 In Anwendung von Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich dafür u.a. des Beweismittels ei- nes Sachverständigengutachtens (Expertise; Bst. e). Dieses Beweismittel ersetzt die besonderen Sachkenntnisse, die der Vorinstanz für die Erh e- bung des Sachverhalts fehlen. Je nach Rechtsgebiet ist die Bedeutung einer Expertise unterschiedlich (vgl. CHRISTOPH AUER, in: Christoph A u- er/Markus Müller/Benjamin Schindler (Hrsg .), Kommentar VwVG, Z ü- rich/St. Gallen, 2008, N 55 ff. zu Art. 12 VwVG). Ein Sachverständigen- gutachten ist aber insbesondere im vorliegenden Fall ein wichtiges B e- weismittel, um die Gleichwertigkeit der Ausbildungen feststellen zu kö n- nen, da dafür besondere Kenn tnisse über anatomische, pathologische und technische Fragestellungen notwendig sind, über welche die Vori n- stanz und die Beschwerdebehörde nicht verfügen. So hat die Vorinstanz eine Expertise bei der FHNW eingeholt, wel che in der französischen Or i- ginalfassung und der deutschen Übersetzung bei den Akten liegt und nachfolgend zu würdigen ist. 3.2 In Ergänzung zur Feststellung des Sachverhalts durch die Entscheid- behörde sind die Parteien in einem Verfahren, das sie durch ihr Begehren einleiten, verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG). Die Mitwirkungspflicht ist allgemeiner Natur, sie gilt jedoch vorab mit Bezug auf jene Umstände, die eine Partei besser kennt als die Behörden . Das Ausmass der Mitwirkungspflicht richtet sich nach der Zumutbarkeit und der Verhältnismässigkeit (vgl. AUER, a.a.O., N 3 ff. zu Art. 13 VwVG). So sind vorliegend an die Mitwirkungspflicht der Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin umso höhere Anforderungen z u stellen, als ihr Fachhochschulabschluss schon über 20 Jahre zurückliegt und ihr reglementierter Beruf sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz eine regelmässige Weiterbildung erfordert, um auf dem Stand der Technik und der Entwicklung ausgeübt werden zu können. 3.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung entschieden, der deutsche Abschluss "Diplom -Ingenieurin (Fachhochschule)" werde mit dem schweizerische n Fachhochschulabschluss eines Bachelors of Science FHNW in Opto metrie nur unter der Bedingung gleichgestellt, dass die Beschwerdeführe rin entweder Ausgleichsmassnahmen in den Modulen "Kinderoptometrie, Allgemeine Anatomie und Physiologie, Al l-B-6452/2013 Seite 10 gemeine Pathologie, Anatomie und Physiologie des Auges, Pathologie des Auges sowie Pharmakologie " erfolgreich abso lviere oder die Ei g- nungsprüfung in diesen Fächern ablege . Dafür steht der Beschwerdefüh- rerin gemäss dem angefochtenen Entscheid ein einjähriger Anpassungs- lehrgang in der Schweiz unter der Anleitung eines diplomierten Augeno p- tikers oder der Besuch dieser Fächer an der FHNW zur Wahl. 3.4 Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Beschwerdeschrift und in der Replik im Wesentlichen vor, ihre Ausbildung erfülle die Kriterien der Gleichwertigkeit mit einem Schweizer Fachhochschulabschluss in Opt o- metrie bei weitem, da es keine wesentlichen Unterschiede in den gefo r- derten Kompetenzen gebe, obwohl zum Teil einzelne Themen in Fächern mit einer anderen Bezeichnung als in der Schweiz gelehrt worden seien. Die Zulassungsvoraussetzungen für ein Fachhochschulstudi um seien in Deutschland höher als in der Schweiz. So werde in Deutschland eine Ge- sellenprüfung verlangt, während in der Schweiz lediglich die Hochschul- reife erforderlich sei. Viele der für die Gleichwertigkeit vorausgesetzten Kompetenzen seien indessen in Deutschland bereits Bestandteil der G e- sellenprüfung. 3.5 Für die Erhebung der Kompetenzen hat die Vorinstanz der B e- schwerdeführerin und drei weiteren Gesuchstellern einen Fragebogen zugestellt. Die Beschw erdeführerin wurde aufgefordert , diesen auszufü l- len und für alle aufgeführten Kompetenzen je nach Fachgebiet auf dem Fragebogen anzugeben, in welchen Fächern des Diplomstudiengangs ihr diese Kompetenzen vermittelt worden seien und wie hoch die Stundendo- tation der einzelnen Fächer gewesen sei. Daraufhin hat die Vorinstanz die Angaben der Beschwerdeführerin und die Studienordnung der Fachhoch- schule Aalen mit den Anforderungen des Bachelor -Lehrgangs der FHNW "Optometrie" verglichen. Dabei hat sie festgestellt, dass die Beschwerd e- führerin viele Felder des Fragebogens offen gelassen und lediglich mit ei- nem Fragezeichen beantwortet hatte, und dies mit der Begründung, dass nach über 20 Jahren ein Vergleich ihrer Studienfächer mit den heutigen Fächern schwierig sei. Damit ist die Beschwerdeführerin ihrer Mitwi r- kungspflicht nicht nachgekommen, die um so grösser ist, als die zu ve r- gleichenden Fakten schon über 20 Jahr zurück liegen und damit an die Vergleichbarkeit der Ausbildungen allein aufgrund des technischen For t- schritts in dieser Zeit bereits höhere Beweisanforderun gen zu stellen sind. B-6452/2013 Seite 11 3.6 Zur ergänzenden Sachverhaltsermittlung holte die Vorinstanz ein schriftliches Gutachten ein. D er Sachverständige der FHNW, Prof. M. Goldschmidt, kam darin zum Ergebnis, dass die Beschwerdefüh- rerin mindestens eine theoretische Ausbildung in den Bereichen "Allge- meine Anatomie und Physiologie, Anatomie und Physiologie des Auges, allgemeine Pathologie, Pathologie des Auges, Pharmakologie und Kinde- roptometrie" absolvieren müsste, damit ihre Ausbildung als g leichwertig mit einem Bachelor in Optometrie anerkannt werden könnte. Ausserdem sei seines Erachtens eine zusätzliche klinische Ausbildung zum Erwerb der klinischen optometrischen Kompetenzen für allgemeine Auge nunter- suchungen, zur Erkennung von Grünem Star sowie für Untersuchungen des Augenhintergrunds und für Sehtests bei kleinen Kindern notwendig. Diese Expertise vom 14. Oktober 2013 wurde aufgrund der Gesuchunter- lagen erstellt. Gemäss den Ausführungen des Sachverständigen sei ver- sucht worden, die Ausbildung der Beschwerdeführer in möglichst gros s- zügig zu beurteilen. 3.7 Die Expertise ist nach Ansicht des Gerichts lege artis erstellt, ausführ- lich begründet und kommt zu einem schlüssigen und überzeugenden E r- gebnis. Die erheblichen Lücken in der theoretischen Ausbildung der B e- schwerdeführerin im Vergleich zu den heutigen Anforderungen der FHNW lassen sich demgegenüber nicht oder – wenn überhaupt – nur in sehr ge- ringem Masse damit erklären, dass die Beschwerdeführerin ihr Studium vor über 20 Jahren abgeschlossen hat. Da es sich bei der Ausbildung als Optometristin in beiden Ländern um einen reglementierten Beruf handelt, ist im Sinne des Freizügigkeitsabkommens und der EU -Richtlinie vom Aufnahmemitgliedstaat sicherzustellen, dass nur Ausbildungen als gleichwertig anerkannt werden, in denen effektiv die vorausgesetzten und damit erforderlichen Grundlagen des Studiums auf dem Stand der Wi s- senschaft vermittelt worden sind. Die Vorinstanz hat deshalb nach Auffas- sung des Bundesverwaltungsgerichts zu Recht entschieden, dass die Beschwerdeführerin diese Wissen srückstände durch das Ablegen einer Ergänzungsprüfung oder den Besuch von Ausgleichsmassnahmen wet t- machen müsste, damit ihre Ausbildung als gleichwertig anerkannt werden könne. 4. Art. 14 Abs. 5 der Richtlinie 2005/36/EG sieht vor, dass vom Anerke n- nungsstaat auch die praktische Tätigkeit der Gesuchstellerin eingängig zu würdigen ist, damit eine Anerkennung nicht durch unterschiedliche st aat- liche Vorgaben in der Ausbildung zu Ungunsten der Freizügigkeit der A r-B-6452/2013 Seite 12 beitnehmer vereitelt wird. Als Zweites ist daher zu prüfen und zu würd i- gen, ob die Vorinstanz allenfalls zu streng war in der Beurteilung, ob die Beschwerdeführerin nicht durch ihre l ange Praxis als Geschäftsführerin eines eigenen Augenoptikerbetriebs in Deutschland diese fehlenden theo- retischen Kenntnisse in der Praxis erworben hat. 4.1 In diesem Zusammenhang ist nochmals festzuhalten, dass die B e- schwerdeführerin nur ungenügende Angaben zu ihrer praktischen Täti g- keit gemacht hat und deshalb ihrer Mitwirkungspflicht als Gesuchstellerin nicht nach kommt. Die eingereichten Arbeitszeugnisse datieren aus den 1980er- und frühen 1990er -Jahren und somit aus den Anfängen der B e- rufstätigkeit der Beschwerdeführerin. Aus diesen Zeugnissen geht gerade nicht hervor, dass die Beschwerdeführerin über die erforderlichen Fac h- kenntnisse auf dem heutigen Stand der Technik verfügt. Ebensowenig ist dieser Nachweis ges tützt auf das Praktikumszeugnis einer Augenärztin vom 9. Juni 1988 über ein einmonatiges Praktikum erbracht. Abgesehen davon, dass ein einmonatiges Praktikum kaum einen aussagekräftigen Nachweis der praktischen und theoretischen Berufskenntnisse sowie der Berufserfahrung bilden kann, ging es b ei diesem Praktikum gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin lediglich darum, die Kontaktlinsena n- passung in der Praxis zu üben, und nicht um die Vermittlung theoretischer Fachkenntnisse. 4.2 Schliesslich macht die Beschw erdeführerin zwecks Nachweises ihrer Berufspraxis geltend, sie führe seit 1999 als selbständige Augenoptikerin einen eigenen Optikerbetrieb (sog. Innungsbetrieb). Mit der Führung e i- nes eigenen Geschäfts ist die im Sinne von Art. 14 der Richtlinie zu b e- rücksichtigende Berufspraxis indessen nicht nachgewiesen. Zur Führung eines eigenen Geschäfts gehören neben der fachlichen Arbeit vielmehr zahlreiche kaufmännische, personelle und organisatorische Tätigkeiten. Mit dem eingereichten Handelsregisterauszug ist ebenfalls nicht nac h- weisen, dass die Beschwerdeführerin die verlangten fachlichen Fähigkei- ten beherrscht. Dafür müsste sie insbesondere etwa anonymisierte Fall- beispiele aus der Kundendatei einreichen, aus denen hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin selbst – und nicht etwa Angestellte von ihr – die- se Aufgaben ausgeführt haben. Diesen Nachweis lehnt die Beschwerd e- führerin jedoch mit einem allgemeinen Hinweis auf den Datenschutz ab, womit sie wiederum ihrer verfahrensrechtlichen Mitwirkungspflicht und damit den Beweisanforderungen an ihr Anerkennungsgesuch nicht nach- kommt. B-6452/2013 Seite 13 4.3 Zusammenfassend ist deshalb in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Beschwerdeführerin im Anerkennungsverfahren keine Beweise vorgelegt hat, aus denen schlüssig und überzeugend her- vorgeht, dass ihre Kenntnisse auf dem heutigen Stand der Technik sind und sie über die notwendigen theoretischen und praktischen Kenntnisse verfügt, um in der Schweiz den reglementierten Beruf einer Optometristin auszuüben. Die Beschwerdeführerin hat damit den Nachweis nicht e r- bracht, dass sie über Praxiskenntnisse im Sinne von Art. 14 Abs. 5 der Richtlinie ver fügen würde , die ihre aufgrund der lange zurückliegenden Ausbildung fehlenden theoretischen Kenntnisse wettmachen würden. Die von der Vorinstanz aufgrund der Expertise verfügten Ausgleichsmas s- nahmen erscheinen deshalb als gerechtfertigt und für die Aus übung der reglementierten Tätigkeit einer Optometristin angezeigt. 5. Die Beschwerde ist aus diesen Gründen abzuweisen und der angefoch- tene Entscheid zu bestätigen. Bei diesem Verfahrensausgang trägt die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese werden auf Fr. 1'200.– festgesetzt und mit dem gelei steten Kostenvo r- schuss verrechnet. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten werden auf Fr. 1'200. – festgesetzt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. B-6452/2013 Seite 14 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde); – die Vorinstanz (Ref-Nr. 353/tag/24817; Gerichtsurkunde). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Stephan Breitenmoser Katharina Walder Salamin Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tage nach Eröffnung beim Bu n- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu ent halten. Der angefochtene Entscheid und die B e- weismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizul e- gen (Art. 42 BGG). Versand: 9. Dezember 2014