<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 103 S.436</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>103 Abzüge vom Reineinkommen; Zuwendungen an unterstützungsbedürf-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tige Personen (§ 30 lit. d StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Strenge Anforderungen an den Nachweis von Unterstützungsleistun-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gen an im Ausland lebende Personen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">17. August 2000 in Sachen G., RV.2000.50090/K 7030</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">437</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Der Vertreter beantragt, es seien den Rekurrenten zwei Un-</span><br/> <span class="ft1">terstützungsabzüge von je Fr. 1'700.-- zu gewähren, weil letztere in</span><br/> <span class="ft1">den Jahren 1997 und 1998 M. G. (Novi Travnik, Bosnien Herzego-</span><br/> <span class="ft1">vina) und D. S. (Pula, Kroatien) mit jährlich je Fr. 6'000.-- unterstützt</span><br/> <span class="ft1">hätten.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Gemäss § 30 lit. d StG werden vom Reineinkommen 30 %</span><br/> <span class="ft1">der Zuwendungen an unterstützungsbedürftige Personen, maximal</span><br/> <span class="ft1">jedoch Fr. 1'700.-- pro unterstützte Person, mit Ausnahme des Ehe-</span><br/> <span class="ft1">gatten und der Kinder, abgezogen.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Höhe des Unterstützungsabzuges richtet sich nach dem</span><br/> <span class="ft1">Mass der ausgerichteten Unterstützung. Der Abzug im Höchstbetrag</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 1'700.-- wird in der Regel nur gewährt, wenn der Steuer-</span><br/> <span class="ft1">pflichtige für die unterstützungsbedürftige Person vollständig auf-</span><br/> <span class="ft1">kommt (§ 23 Abs. 2 StGV).</span><br/> <span class="ft1">c) Der Unterstützungsabzug ist auf Verhältnisse ausgerichtet, in</span><br/> <span class="ft1">denen sowohl der Leistende als auch der Empfänger der Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zung in der Schweiz wohnen und die persönlichen Verhältnisse somit</span><br/> <span class="ft1">überprüfbar sind. Die erst in jüngerer Zeit mögliche Mobilität im</span><br/> <span class="ft1">heutigen Ausmass sowie die vermehrten internationalen Verflechtun-</span><br/> <span class="ft1">gen haben indessen dazu geführt, dass die Zahl derjenigen ausländi-</span><br/> <span class="ft1">schen Steuerpflichtigen, welche Verwandtenunterstützungen über die</span><br/> <span class="ft1">Landesgrenzen hinaus behaupten, zugenommen hat. Verschiedene</span><br/> <span class="ft1">damit verbundene Besonderheiten erfordern klare Kriterien für den</span><br/> <span class="ft1">Nachweis der Berechtigung eines Unterstützungsabzuges: Die Wür-</span><br/> <span class="ft1">digung von Bestätigungen örtlicher Behörden, deren Organisation</span><br/> <span class="ft1">und Sprache von den schweizerischen völlig verschieden sind, kann</span><br/> <span class="ft1">problematisch sein. Es muss sowohl bezüglich der Bedürftigkeit der</span><br/> <span class="ft1">Angehörigen im Ausland als auch der richtigen Verwendung von</span><br/> <span class="ft1">überwiesenem Geld Gewissheit bestehen. Zum Abzug ist deshalb</span><br/> <span class="ft1">nicht berechtigt, wer seine Angehörigen im Ausland am höheren</span><br/> <span class="ft1">Lebensstandard teilhaben lassen will, ohne dass diese bedürftig sind.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">438</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">All dies spricht dafür, an den Nachweis der Voraussetzungen strenge</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen zu stellen (Baselstädtische Steuerpraxis, Band XIII,</span><br/> <span class="ft1">S. 117; vgl. auch GVP 1997 Nr. 21, wonach hohe Anforderungen an</span><br/> <span class="ft1">den Nachweis der geschäftsmässigen Begründetheit gestellt werden,</span><br/> <span class="ft1">wenn ein Steuerpflichtiger Provisionszahlungen ins Ausland geltend</span><br/> <span class="ft1">macht; vgl. auch Basellandschaftliche Steuerpraxis, Band XIV,</span><br/> <span class="ft1">S. 313, wonach die Steuerverwaltung den Abzug der Schuldzinsen</span><br/> <span class="ft1">von weiteren Nachweisen abhängig machen kann, wenn die Quittun-</span><br/> <span class="ft1">gen von den in Ecuador lebenden Schwägerinnen des Schuldners</span><br/> <span class="ft1">unterzeichnet sind).</span><br/> <span class="ft1">d) Die Rekurskommission des Kantons Basel-Stadt lässt einen</span><br/> <span class="ft1">Abzug für Unterstützungsleistungen an die im Ausland lebenden</span><br/> <span class="ft1">Angehörigen nur zu, wenn der Steuerpflichtige mit geeigneten Mit-</span><br/> <span class="ft1">teln den Nachweis erbringt, dass die entsprechenden Zahlungen tat-</span><br/> <span class="ft1">sächlich erfolgt sind (Baselstädtische Steuerpraxis, Band XIV, S. 98</span><br/> <span class="ft1">ff., wo eine "schriftliche Bestätigung" eines Geldboten nicht als Be-</span><br/> <span class="ft1">weis effektiver Geldzahlungen akzeptiert wurde; Baselstädtische</span><br/> <span class="ft1">Steuerpraxis, Band XIII, S. 115 ff., wo Bestätigungen türkischer</span><br/> <span class="ft1">Post- und Gemeindestellen die Beweiskraft abgesprochen wurde).</span><br/> <span class="ft1">Die Zürcher Praxis verlangt bei Geldzahlungen ins Ausland grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich Post- oder Bankbelege. Daraus müssen sowohl der Leistende</span><br/> <span class="ft1">als auch der Empfänger klar ersichtlich sein. Quittungen über Bar-</span><br/> <span class="ft1">zahlungen an Empfänger mit steuerrechtlichem Wohnsitz im Ausland</span><br/> <span class="ft1">werden grundsätzlich nicht als Beweismittel für Unterstützungs-</span><br/> <span class="ft1">leistungen angenommen (Richner/Frei/Kaufmann, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">harmonisierten Zürcher Steuergesetz, Zürich 1999, N 24 zu § 34).</span><br/> <span class="ft1">Nach Auffassung des BGr ist nichts dagegen einzuwenden, wenn im</span><br/> <span class="ft1">internationalen Verhältnis an den Nachweis der von den Steuer-</span><br/> <span class="ft1">pflichtigen geltend gemachten Unterstützungsleistungen besonders</span><br/> <span class="ft1">strenge Anforderungen gestellt werden (StE 1997 B 92.51 Nr. 4).</span><br/> <span class="ft1">Dies entspricht wohl auch der Meinung des aargauischen Gesetzge-</span><br/> <span class="ft1">bers. Er hat zwar eine Beschränkung des Abzugs bei Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsleistungen auf in der Schweiz wohnhafte Personen ausdrück-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">439</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lich abgelehnt, war sich aber der "Missbrauchsgefahr" durchaus be-</span><br/> <span class="ft1">wusst (vgl. Protokoll des Grossen Rates zur Steuergesetzrevision</span><br/> <span class="ft1">1985, 2. Beratung, S. 1793 f. ["Die Abzüge, die für Zuwendungen ins</span><br/> <span class="ft1">Ausland geltend gemacht werden, sind völlig unkontrollierbar.</span><br/> <span class="ft1">Immer wieder werden Ausweise vorgelegt, von denen man nicht</span><br/> <span class="ft1">weiss, ob sie von einer Behörde oder von einem Verwandten unter-</span><br/> <span class="ft1">schrieben wurden"]). Daher ist auch die Praxis des StRG streng. Wo</span><br/> <span class="ft1">die Unterstützung in Form von Geldmitteln erfolgt und an Personen</span><br/> <span class="ft1">gerichtet ist, die nicht im Haushalt des Unterstützenden leben, wird</span><br/> <span class="ft1">ein Unterstützungsabzug grundsätzlich nur gewährt, wenn die Zu-</span><br/> <span class="ft1">wendungen belegt sind (RGE vom 27. April 1994 in Sachen M.,</span><br/> <span class="ft1">RGE vom 16. März 1994 in Sachen D., RGE vom 4. September 1996</span><br/> <span class="ft1">in Sachen C.).</span><br/> <span class="ft1">e) Bereits im vorinstanzlichen Verfahren haben die Rekurrenten</span><br/> <span class="ft1">je eine eigenhändig unterzeichnete Bestätigung (mit deutscher Über-</span><br/> <span class="ft1">setzung) von M. G. und D. S. eingereicht, wonach beide in den Jah-</span><br/> <span class="ft1">ren 1997 und 1998 vom Rekurrenten je Fr. 6'000.-- als Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsbeitrag für den Lebensunterhalt erhalten haben. Gemäss einer</span><br/> <span class="ft1">beigelegten Aufstellung wurden monatlich je Fr. 500.-- entrichtet.</span><br/> <span class="ft1">Mit der Replik vom 23. Juni 2000 hat der Vertreter ausserdem je eine</span><br/> <span class="ft1">Bestätigung vom Mai 2000 von M. G. und D. S. eingereicht, wonach</span><br/> <span class="ft1">die Alterspension für den minimalsten Lebensbedarf nicht ausreiche</span><br/> <span class="ft1">und sie deshalb auf die finanzielle Hilfe des Sohnes bzw. der Tochter</span><br/> <span class="ft1">angewiesen seien. Die Unterschriften der Begünstigten sind amtlich</span><br/> <span class="ft1">beglaubigt. Bezüglich D. S. wird überdies vom Gemeindeschreiber</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, dass er von der Richtigkeit der Bestätigung überzeugt</span><br/> <span class="ft1">sei.</span><br/> <span class="ft1">f) Aufgrund der hohen Anforderungen, welche die Rechtspre-</span><br/> <span class="ft1">chung in internationalen Verhältnissen an den Nachweis von Unter-</span><br/> <span class="ft1">stützungsleistungen stellt, kann den Rekurrenten nach Auffassung</span><br/> <span class="ft1">des StRG trotz der erwähnten Bestätigungen kein Unterstützungsab-</span><br/> <span class="ft1">zug gewährt werden. Der Beweiswert von Bestätigungen, welche</span><br/> <span class="ft1">von Leistungsempfängern stammen, welche enge familiäre Bezie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">440</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hungen zu den Leistungsgebern haben und überdies selber mit kei-</span><br/> <span class="ft1">nen steuerlichen Folgen zu rechnen haben, ist ganz allgemein als</span><br/> <span class="ft1">gering einzustufen. Auch die im Rekursverfahren eingereichten Be-</span><br/> <span class="ft1">stätigungen vermögen trotz der amtlichen Beglaubigung den Nach-</span><br/> <span class="ft1">weis, dass die Rekurrenten M. G. und D. S. in den Bemessungsjahren</span><br/> <span class="ft1">mit je Fr. 6'000.-- unterstützt haben, nicht zu erbringen. Die be-</span><br/> <span class="ft1">glaubigten Bestätigungen beweisen lediglich, dass M. G. und D. S.</span><br/> <span class="ft1">die beurkundete Erklärung abgegeben haben, dagegen nicht den von</span><br/> <span class="ft1">der Urkundsperson nicht überprüfbaren Inhalt (vgl. dazu RGE vom</span><br/> <span class="ft1">17. Dezember 1997 in Sachen H.). Andere, nicht von den Beteiligten</span><br/> <span class="ft1">stammende Beweismittel, wie z.B. Zahlungsanweisungen der</span><br/> <span class="ft1">schweizerischen Post oder einer Bank, aus welchen zumindest die</span><br/> <span class="ft1">Überweisung der geltend gemachten Geldbeträge hervorgeht (auf</span><br/> <span class="ft1">einen strikten Verwendungsnachweis muss wie bei den Zuwendun-</span><br/> <span class="ft1">gen an gemeinnützige Institutionen aus praktischen Gründen ver-</span><br/> <span class="ft1">zichtet werden), liegen keine vor. Unter diesen Umständen kann in</span><br/> <span class="ft1">Anlehnung an die dargelegte strenge Rechtsprechung den Rekurren-</span><br/> <span class="ft1">ten kein Unterstützungsabzug gewährt werden, weil den eingereich-</span><br/> <span class="ft1">ten Bestätigungen aus den dargelegten Gründen zuwenig Beweiswert</span><br/> <span class="ft1">zukommt, um allein gestützt darauf einen Unterstützungsabzug zu</span><br/> <span class="ft1">gewähren. Ein Abzug wegen Unterstützung von im Ausland woh-</span><br/> <span class="ft1">nenden Personen setzt voraus, dass zumindest mittels amtlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">legen bzw. Bestätigungen schweizerischer Behörden (und nicht nur</span><br/> <span class="ft1">von beteiligten Parteien oder diesen nahestehenden Personen ausge-</span><br/> <span class="ft1">stellten Bestätigungen) nachgewiesen werden kann, dass tatsächlich</span><br/> <span class="ft1">im massgeblichen Zeitraum und im geltend gemachten Umfang Geld</span><br/> <span class="ft1">an die unterstützte(n) Person(en) geflossen ist. Ob der Einwand des</span><br/> <span class="ft1">Vertreters der Rekurrenten zutrifft, der Post- und Bankverkehr sei im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall wegen des Krieges nicht garantiert gewesen, so</span><br/> <span class="ft1">dass auf private Kuriere habe ausgewichen werden müssen, kann</span><br/> <span class="ft1">nicht beurteilt werden. Auch wenn dies zutreffend sein sollte, hätten</span><br/> <span class="ft1">sich die Rekurrenten auf andere Weise den belegmässigen Nachweis,</span><br/> <span class="ft1">dass die geltend gemachten Geldbeträge tatsächlich geflossen sind,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">441</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sichern müssen (z. B. Bestätigung der Geldübergabe durch schweize-</span><br/> <span class="ft1">risches Konsulat). Aus dem Umstand, dass der Wegleitung zur Steu-</span><br/> <span class="ft1">ererklärung nichts über die Beweisanforderungen bei Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsleistungen an im Ausland wohnhafte Personen entnommen</span><br/> <span class="ft1">werden kann, kann der Vertreter nichts zu Gunsten der Rekurrenten</span><br/> <span class="ft1">ableiten. Die Wegleitung muss sich auf das Wesentliche beschränken.</span><br/> <span class="ft1">Was der Beizug eines Sachverständigen und die Vornahme eines</span><br/> <span class="ft1">Augenscheines im vorliegenden Fall, wo es um die Frage, welche</span><br/> <span class="ft1">Beweisanforderungen im Zusammenhang mit Unterstützungsleistun-</span><br/> <span class="ft1">gen an im Ausland wohnhafte Personen geht, bringen sollen, ist für</span><br/> <span class="ft1">das StRG nicht ersichtlich, so dass auf beides verzichtet werden</span><br/> <span class="ft1">kann.</span><br/> <span class="ft1">g) Es kann unter diesen Umständen offen gelassen werden, ob</span><br/> <span class="ft1">M. G. und D. S. überhaupt unterstützungsbedürftig im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">§ 30 lit. d StG sind.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurs erweist sich somit als unbegründet und ist abzuwei-</span><br/> <span class="ft1">sen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>