<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 84 S.408</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">408</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>84 Erteilung</b></span> <span class="ft2"><b>einer</b></span> <span class="ft2"><b>Aufenthaltsbewilligung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bei der Beurteilung, ob einem Ausländer eine Aufenthaltsbewilligung er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teilt werden soll, dürfen auch Verurteilungen berücksichtigt werden, wel-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>che aus dem Strafregisterauszug wieder gelöscht wurden (Erw. II./4.3.4.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Liegt ein Fehlverhalten des Ausländers vor, ist bei Bemessung des öffent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lichen Interesses zu berücksichtigen, wie lange die Tat zurückliegt, ob sich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Betroffene vor und nach der Tat tadellos verhalten hat und wie lange</b></span><br/> <span class="ft2"><b>er sich insgesamt in der Schweiz aufhält (Erw. II./4.4.1.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Eine Härtefallbewilligung kann unter Umständen auch dann erteilt wer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den, wenn sich der Betroffene in den vorangehenden neun Jahren nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>deliktsfrei verhalten hat (Erw. II./4.5.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 3. März</span><br/> <span class="ft3">2006 in Sachen U.R. betreffend Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft3">(1-BE.2005.49).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">409</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Der Beschwerdeführer reiste am 13. März 1990 in die</span><br/> <span class="ft1">Schweiz ein und ersuchte am folgenden Tag um Asyl.</span><br/> <span class="ft1">Mit Verfügung vom 16. Juli 1996 lehnte das Budesamt für</span><br/> <span class="ft1">Flüchtlinge (BFF; heute Bundesamt für Migration [BFM]) das Asyl-</span><br/> <span class="ft1">gesuch des Beschwerdeführers ab, nahm ihn aber gleichzeitig vorläu-</span><br/> <span class="ft1">fig in der Schweiz auf.</span><br/> <span class="ft1">Mit Urteil des Bezirksgerichts Laufenburg vom 28. Juni 2001</span><br/> <span class="ft1">wurde der Beschwerdeführer wegen einfacher Körperverletzung zu</span><br/> <span class="ft1">einer bedingten Gefängnisstrafe von 8 Monaten, bei einer Probezeit</span><br/> <span class="ft1">von 2 Jahren, verurteilt.</span><br/> <span class="ft1">Die Familie des Beschwerdeführers stellte am 15. März 2005</span><br/> <span class="ft1">ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Mit Schrei-</span><br/> <span class="ft1">ben vom 4. Mai 2005 teilte das Migrationsamt, Sektion Einreise und</span><br/> <span class="ft1">Arbeit dem Beschwerdeführer mit, es sei bereit, seiner Ehefrau und</span><br/> <span class="ft1">seinen Kindern eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Hingegen</span><br/> <span class="ft1">wurde dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Vorstrafe die Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung verweigert.</span><br/> <span class="ft1">Mit Verfügung vom 5. Juli 2005 lehnte das Migrationsamt, Sek-</span><br/> <span class="ft1">tion Einreise und Arbeit das Gesuch um Erteilung einer Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung ab.</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen die Verfügung des Migrationsamtes erhob der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer am 25. Juli 2005 Einsprache, welche durch die Vor-</span><br/> <span class="ft1">instanz am 30. August 2005 abgewiesen wurde.</span><br/> <span class="ft1">C. Mit Eingabe vom 21. September 2005 erhob der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer gegen den vorinstanzlichen Entscheid Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 4.3.4. Der Beschwerdeführer wurde am 28. Juni 2001 wegen</span><br/> <span class="ft1">einfacher Körperverletzung, begangen am 9. Juni 2000 zu einer be-</span><br/> <span class="ft1">dingten Gefängnisstrafe von 8 Monaten verurteilt. Da es sich vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gend um ein Delikt gegen Leib und Leben handelt und die Strafe von</span><br/> <span class="ft1">einer gewissen Tragweite ist, kann nicht mehr von einem nur ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">410</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ringfügigen Fehlverhalten gesprochen werden. Dass der entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Strafregistereintrag inzwischen gelöscht ist, vermag an der</span><br/> <span class="ft1">rechtskräftigen und aktenkundigen Verurteilung nichts ändern. Es ist</span><br/> <span class="ft1">daher entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers zulässig, sein da-</span><br/> <span class="ft1">maliges Fehlverhalten auch zum jetzigen Zeitpunkt noch zu berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigen. Dem Beschwerdeführer ist somit das tadellose Verhalten</span><br/> <span class="ft1">abzusprechen. Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob aufgrund des Verhal-</span><br/> <span class="ft1">tens des Beschwerdeführers im heutigen Zeitpunkt ein überwiegen-</span><br/> <span class="ft1">des öffentliches Interesse an der Bewilligungsverweigerung besteht.</span><br/> <span class="ft1">4.4.1. Im Hinblick auf das öffentliche Interesse berücksichtigte</span><br/> <span class="ft1">die Vorinstanz zu wenig, dass sich der Beschwerdeführer während</span><br/> <span class="ft1">seiner nun 16-jährigen Aufenthaltsdauer abgesehen von seinem De-</span><br/> <span class="ft1">likt im Sommer 2000 nichts hat zu Schulden kommen lassen. Der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer hat sich somit zu Beginn seines Aufenthaltes wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend 10 Jahren tadellos verhalten. Im Weiteren sind seit der Tatbege-</span><br/> <span class="ft1">hung mehr als 5 ½ Jahre verstrichen, während derer sich der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer bewährt hat. Aufgrund dieser langen Zeit des Wohl-</span><br/> <span class="ft1">verhaltens seit Begehung des Delikts ist davon auszugehen, dass sich</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer auch inskünftig wohl verhalten wird. Anders</span><br/> <span class="ft1">wäre die Situation zu beurteilen, wenn das Delikt erst kurze Zeit zu-</span><br/> <span class="ft1">rückliegen würde und noch nicht von einer Bewährung gesprochen</span><br/> <span class="ft1">werden könnte. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände ist</span><br/> <span class="ft1">davon auszugehen, dass das öffentliche Interesse an der Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsverweigerung, welches zum Zeitpunkt der Tatbegehung als</span><br/> <span class="ft1">gross einzustufen gewesen wäre, nun erheblich kleiner ist. Bei der</span><br/> <span class="ft1">Bemessung des öffentlichen Interesses an der Verweigerung der Här-</span><br/> <span class="ft1">tefallbewilligung ist aus heutiger Sicht überdies nicht nur die Straftat</span><br/> <span class="ft1">und die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit zu berücksichtigen,</span><br/> <span class="ft1">sondern auch die Tatsache, dass die Straftat innerhalb einer Zeit-</span><br/> <span class="ft1">spanne von fast 16 Jahren ein einmaliges Vorkommnis darstellt.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten besteht daher nur noch ein marginales öffentli-</span><br/> <span class="ft1">ches Interesse an der Bewilligungsverweigerung.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.5. (...) Klarzustellen bleibt, dass das Migrationsamt zu Un-</span><br/> <span class="ft1">recht davon ausging, die Erteilung einer Härtefallbewilligung könne</span><br/> <span class="ft1">erst nach neun Jahren deliktfreien Verhaltens erfolgen. Im Extremfall</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">würde dies bedeuten, dass ein Betroffener, der sich im neunten Jahr</span><br/> <span class="ft1">etwas zu Schulden kommen lässt, erst nach 18-jährigem Aufenthalt</span><br/> <span class="ft1">in der Schweiz eine Härtefallbewilligung beantragen könnte. Diese</span><br/> <span class="ft1">Auffassung wird - wie die vorgenommene Interessenabwägung ge-</span><br/> <span class="ft1">zeigt hat - den Umständen des Einzelfalles nicht gerecht.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>