<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Kantonale Steuern Migrationsrecht</span> <span class="page_no">117</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>16</b></span> <span class="ft4"><b>§ 96 und 102 StG</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Berücksichtigung eines Entgelts, welches an den Berechtigten für die Auf-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>gabe eines Wohnrechts bezahlt wird (Umzug der überlebenden Witwe ins</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Altersheim), bei der Einkommenssteuer.</b></span><br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 31. März 2015, i.S. KStA</span><br/> <span class="ft6">gegen X. (WBE.2014.382).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Nicht mehr streitig ist die Besteuerung des Werts der Wohnnut-</span><br/> <span class="ft1">zung der Liegenschaft bis zum Auszug Ende Juni 2012; auch die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegnerin anerkennt dies nunmehr ausdrücklich. Umstritten</span><br/> <span class="ft1">ist einzig die Erfassung der Abgeltung für den "unverbrauchten" Teil</span><br/> <span class="ft1">des auf zehn Jahre festgelegten, vom Verkäufer für sich und seine</span><br/> <span class="ft1">Ehefrau vorbehaltenen Wohnrechts.</span><br/> <span class="ft1">2.-3. <i>(identisch mit 2015 <b>15</b> 112<b>,</b> Erw. 1-2)</i></span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Liegt in der Errichtung eines Vorbehaltswohnrechts wie darge-</span><br/> <span class="ft1">legt konzeptionell gesehen ein echter Vorbehalt (nicht etwa der ent-</span><br/> <span class="ft1">geltliche Erwerb einer Personaldienstbarkeit), mit dem aber nicht in</span><br/> <span class="ft1">die Substanz des Grundstücks eingegriffen wird, so liegt auf der</span><br/> <span class="ft1">Hand, dass der als Abgeltung für die Nichtweiterausübung des</span><br/> <span class="ft1">Wohnrechts gezahlte bzw. hier lediglich vereinbarte und kreditierte</span><br/> <span class="ft1">Betrag entgegen der Auffassung des Spezialverwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">keine blosse Vermögensumschichtung bewirkt, sondern einen echten</span><br/> <span class="ft1">Vermögenszufluss. Der Wohnrechtsberechtigte, d.h. hier die Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">118</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schwerdegegnerin, hat mit der Aufgabe des Wohnrechts nämlich</span><br/> <span class="ft1">nichts anderes getan, als den Wert des Wohnrechts (genauer: der vor-</span><br/> <span class="ft1">aussichtlichen, künftig noch verbleibenden Nutzung) zu realisieren.</span><br/> <span class="ft1">Damit stellt das Entgelt für die Aufgabe des Wohnrechts, wie die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin zutreffend ausführt, entgegen der Auffassung des</span><br/> <span class="ft1">Spezialverwaltungsgerichts einen steuerbaren Vermögenszugang dar,</span><br/> <span class="ft1">und zwar unabhängig davon, ob das Entgelt nun als Entschädigung</span><br/> <span class="ft1">für die Nichtausübung eines Rechts gemäss § 32 lit. d StG (so</span><br/> <span class="ft1">K</span><span class="ft6">LÖTI</span><span class="ft2">-W</span><span class="ft6">EBER</span><span class="ft1">, in: M</span><span class="ft6">ARIANNE</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft6">LÖTI</span><span class="ft2">-W</span><span class="ft6">EBER</span><span class="ft1">/D</span><span class="ft6">AVE</span> <span class="ft1">S</span><span class="ft6">IEGRIST</span><span class="ft1">/</span><br/> <span class="ft1">D</span><span class="ft6">IETER</span> <span class="ft1">W</span><span class="ft6">EBER</span> <span class="ft1">[Hrsg.], Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft1">4. Aufl., Muri 2015, § 102 N 9a) oder als Einkommen aus unbeweg-</span><br/> <span class="ft1">lichem Vermögen qualifiziert wird (so H</span><span class="ft6">ANS</span><span class="ft2">-J</span><span class="ft6">ÖRG</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft6">ÜLLHAUPT</span><span class="ft1">, in:</span><br/> <span class="ft1">K</span><span class="ft6">LÖTI</span><span class="ft2">-W</span><span class="ft6">EBER</span><span class="ft1">/S</span><span class="ft6">IEGRIST</span><span class="ft1">/W</span><span class="ft6">EBER</span><span class="ft1">, a.a.O., § 32 N 11; ebenso schon in</span><br/> <span class="ft1">der Vorauflage.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Dieses Resultat ergibt sich im Übrigen schon aufgrund der Prä-</span><br/> <span class="ft1">misse, dass Einkommens- und Grundstückgewinnsteuerrecht nach</span><br/> <span class="ft1">dem Willen des Bundesgesetzgebers - abgesehen von der Steuerfrei-</span><br/> <span class="ft1">heit von Kapitalgewinnen aus der Veräusserung von beweglichem</span><br/> <span class="ft1">Privatvermögen - ein lückenloses System der Einkommensbesteue-</span><br/> <span class="ft1">rung darstellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Februar 2012</span><br/> <span class="ft1">[2C_622/2011] Erw. 4 mit Hinweisen). Die Lückenlosigkeit hat zur</span><br/> <span class="ft1">Folge, dass Zuflüsse von aussen entweder der allgemeinen Einkom-</span><br/> <span class="ft1">menssteuer oder der den Kantonen vorbehaltenen Grundstückge-</span><br/> <span class="ft1">winnsteuer unterliegen (vgl. dazu M</span><span class="ft6">ARKUS</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft6">EICH</span><span class="ft1">, in: P</span><span class="ft6">ETER</span><br/> <span class="ft1">A</span><span class="ft6">THANAS</span><span class="ft1">/M</span><span class="ft6">ARTIN</span> <span class="ft1">Z</span><span class="ft6">WEIFEL</span> <span class="ft1">[Hrsg.], Kommentar zum Schweizeri-</span><br/> <span class="ft1">schen Steuerrecht, Bd. I/1, 2. Aufl., Basel 2002, Art. 7 N 16 ff. und</span><br/> <span class="ft1">84). Dieses Bestreben nach Lückenlosigkeit des Systems ergibt sich</span><br/> <span class="ft1">im Übrigen auch für das kantonale Recht aus § 25 Abs. 1 i.V.m. § 95</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 StG.</span><br/> <span class="ft1">Dabei bleibt zwar die Besteuerung der Grundstückgewinne aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich den Kantonen überlassen (vgl. R</span><span class="ft6">EICH</span><span class="ft1">, a.a.O., Art. 12</span><br/> <span class="ft1">N 1 f.). Dementsprechend hat der Bundesgesetzgeber aus steuer-</span><br/> <span class="ft1">systematischen Gründen in Art. 7 Abs. 4 lit. c StHG bestimmte Arten</span><br/> <span class="ft1">von Einkünften, welche traditionell, obwohl nicht direkt Einkünfte</span><br/> <span class="ft1">aus der Veräusserung eines Grundstücks, der Grundstückgewinn-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Kantonale Steuern Migrationsrecht</span> <span class="page_no">119</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">steuer unterliegen (z.B. Geschäfte über Mobilien, die jedoch hin-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich der Verfügungsgewalt über ein Grundstück wirtschaftlich</span><br/> <span class="ft1">wie eine Veräusserung wirken), dem Bereich der Einkommenssteuer</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich entzogen und allein der Grundstückgewinnsteuer</span><br/> <span class="ft1">zugewiesen. Unter die dort genannten Einkünfte fällt die hier streiti-</span><br/> <span class="ft1">ge Ablösungszahlung nicht. Abgesehen von den in Art. 7 Abs. 4 lit. c</span><br/> <span class="ft1">StHG genannten Einkünften unterliegt, von hier nicht zutreffenden</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmen abgesehen (z.B. Steuerfreiheit von auf beweglichem Pri-</span><br/> <span class="ft1">vatvermögen erzielten Kapitalgewinnen), jeder geldwerte Zufluss der</span><br/> <span class="ft1">Einkommenssteuer. Es steht fest, dass der Verzicht auf die weitere</span><br/> <span class="ft1">Ausübung des Wohnrechts am Grundstück GB Y. im Jahr 2012 bei</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdegegnerin einen geldwerten Zufluss bewirkt hat. Auch</span><br/> <span class="ft1">deshalb ist die Beschwerde gutzuheissen und das Urteil des</span><br/> <span class="ft1">Spezialverwaltungsgerichts vom 18. September 2014 aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">Damit wird ohne weitere Anordnung der Einspracheentscheid der</span><br/> <span class="ft1">Steuerkommission Y. wiederhergestellt.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">Nicht zu übersehen ist, dass die Besteuerung der Abgeltung für</span><br/> <span class="ft1">die Aufgabe des Wohnrechts als Einkommen bei der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">gegnerin im Ergebnis dazu führt, dass der Geldwert der weiteren</span><br/> <span class="ft1">Nutzung der Liegenschaft jedenfalls für die Restdauer des Wohn-</span><br/> <span class="ft1">rechts im Ergebnis nicht nur bei der Beschwerdegegnerin, sondern</span><br/> <span class="ft1">darüber hinaus beim Erwerber - als Eigenmietwert, sofern er die Lie-</span><br/> <span class="ft1">genschaft nach dem Auszug der Beschwerdegegnerin selbst nutzt,</span><br/> <span class="ft1">oder als Mietertrag aus der Vermietung der Liegenschaft - nochmals</span><br/> <span class="ft1">steuerlich erfasst wird. Aus steuersystematischer Sicht stellt sich da-</span><br/> <span class="ft1">her die Frage, ob diese steuerliche Doppelbelastung der Vermö-</span><br/> <span class="ft1">genszuflüsse aus der Nutzung bzw. der Entschädigung für die Auf-</span><br/> <span class="ft1">gabe der Nutzung der Liegenschaft nicht durch eine der einkom-</span><br/> <span class="ft1">menssteuerlichen Belastung der Beschwerdegegnerin korrespondie-</span><br/> <span class="ft1">rende einkommenssteuerliche Entlastung des Erwerbers beseitigt</span><br/> <span class="ft1">bzw. zumindest gemildert werden müsste. Darüber ist indessen hier,</span><br/> <span class="ft1">wo nur die Besteuerung der Beschwerdegegnerin streitig war, nicht</span><br/> <span class="ft1">zu entscheiden.</span><br/></div> </div> </body> </html>