<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>55</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 176 ZGB</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Auch wenn Eltern, die ihr Kind während des ehelichen Zusammenlebens</b></span><br/> <span class="ft3"><b>je hälftig betreut haben, die gemeinsame Obhut belassen wird, kann</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ihnen unter Umständen eine Ausdehnung des während des Zusammenle-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>bens ausgeübten Erwerbspensums zugemutet werden, soweit dies zur</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Deckung eines Mankos notwendig wird. Die eheliche Aufgabenteilung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kann dem nicht entgegengehalten werden.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 17. Dezember</span><br/> <span class="ft4">2015 in Sachen Ch.K. gegen M.P. (ZSU.2015.137)</span><br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <span class="ft1">Entgegen dem (Eheschutz-) Entscheid der Vorinstanz wurde im</span><br/> <span class="ft1">Berufungsverfahren den Eltern von L., die ihn vor der Trennung bei</span><br/> <span class="ft1">Erwerbspensen von ca. 60 % (Mutter als Angestellte) bzw. ca. 50 %</span><br/> <span class="ft1">(Vater als Selbständigerwerbender) ungefähr hälftig betreut hatten,</span><br/> <span class="ft1">die gemeinsame Obhut eingeräumt.</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">7.4.</span><br/> <span class="ft1">Das von den Parteien gemeinsam erzielte Einkommen von Fr.</span><br/> <span class="ft1">4'909.60 (Fr. 3'000.00 + Fr. 1'909.60) zuzüglich der von der Beklag-</span><br/> <span class="ft1">ten bezogenen Kinderzulage von Fr. 200.00 reicht zur Deckung des</span><br/> <span class="ft1">Bedarfs der Parteien und von L. nicht aus. Unter Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft1">des Wohnkostenanteils von L. von Fr. 200.00 beläuft sich dessen Be-</span><br/> <span class="ft1">darf auf nach wie vor Fr. 685.85, derjenige von Kläger und Beklagter</span><br/> <span class="ft1">- unter Abzug von je Fr. 100.00 [Hälfte von L.'s Wohnkostenanteil] -</span><br/> <span class="ft1">auf Fr. 2'331.00 bzw. Fr. 2'446.50. Damit resultiert ein Manko von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 353.75 (= Fr. 5'109.60 ./. Fr. 685.85 ./. Fr. 2'331.00 ./.</span><br/> <span class="ft1">Fr. 2'446.50).</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen fragt sich, ob und allenfalls wie die-</span><br/> <span class="ft1">ses Manko durch zusätzlich erzielbares Mehreinkommen (mit oder</span><br/> <span class="ft1">ohne Modifikation der Betreuungsanteile) gedeckt werden kann. Die</span><br/> <span class="ft1">zivilrechtliche Novelle zur elterlichen Sorge verschafft den Eltern</span><br/> <span class="ft1">keinen unbedingten Anspruch auf Weiterführung der während des</span><br/> <span class="ft1">ehelichen Zusammenlebens gewählten Erwerbspensen. Denn wenn</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">332</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Eheleute schon während des ehelichen Zusammenlebens auf die Auf-</span><br/> <span class="ft1">gabenteilung zurückkommen müssen, wenn sich die Verhältnisse we-</span><br/> <span class="ft1">sentlich geändert haben (Zeiter, in: Handkommentar zum Schweizer</span><br/> <span class="ft1">Privatrecht, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, N. 10 f. zu Art. 163</span><br/> <span class="ft1">ZGB, wonach bei Uneinigkeit der Eheleute der Eheschutzrichter</span><br/> <span class="ft1">angerufen werden kann), muss dies erst recht im Fall der Trennung</span><br/> <span class="ft1">gelten, wenn wie hier eine wirtschaftliche Mehrbelastung durch die</span><br/> <span class="ft1">Führung zweier Haushaltungen entsteht.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall erscheint es aus drei Gründen gerechtfer-</span><br/> <span class="ft1">tigt, den Kläger zu verpflichten, sein Erwerbspensum von 50 % um</span><br/> <span class="ft1">10 % auszudehnen (Bei einem Einkommen des Klägers von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 3'600.00 [= Fr. 3'000.00 : 5 x 6] kann das Manko gedeckt</span><br/> <span class="ft1">werden): Erstens arbeitet auch die Beklagte bei einer täglichen</span><br/> <span class="ft1">Arbeitszeit von 5 bzw. 5.25 Stunden in einem Arbeitspensum von</span><br/> <span class="ft1">rund 60 %. Zweitens erzielt der Kläger ein deutlich höheres</span><br/> <span class="ft1">Stundeneinkommen als die Beklagte. Und drittens ist es ihm als selb-</span><br/> <span class="ft1">ständig erwerbstätigem Masseur leichter möglich, seinen Arbeitsein-</span><br/> <span class="ft1">satz an Tagen und an Wochenenden, an denen L. durch die Beklagte</span><br/> <span class="ft1">betreut wird, auszudehnen (ohne dass er deshalb in seiner Mög-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit, L. hälftig zu betreuen, eingeschränkt würde). Eine Über-</span><br/> <span class="ft1">gangsfrist zur Pensenerhöhung ist nicht zu gewähren, nachdem der</span><br/> <span class="ft1">Kläger bereits im angefochtenen Urteil zu einer Ausweitung seiner</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit (sogar auf 80 %) verpflichtet worden ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>