Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. Oktober 2017 (720 17 54 / 267) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Nichteintreten auf ein erneutes Leistungsgesuch mangels Glaubhaftmachung eines ver- schlechterten Gesundheitszustands. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A. Der 1969 geborene A.____ arbeitete zuletzt bis E nde Januar 2011 als Küchengehilfe im Restaurant B.____. Nachdem er sich zunächst am 29. November 2010 das linke Knie an einer Garagentüre angeschlagen und sich dabei eine Menisk usläsion zugezogen und anschliessend am 26. Januar 2011 beim Anheben einer schweren Kist e eine Rippenfraktur erlitten hatte, blieb er in der Folge bedingt durch einen Korbhenkelriss des medialen Meniskus links arbeitsunfähig. Am 13. Juli 2011 meldete er sich bei der Eidgenössi schen Invalidenversicherung (IV) zum Leis- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse verfügte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) am 27. Sep tember 2013 nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren gestützt auf einen IV-Grad von 0% die Re ntenablehnung. Eine hiergegen er- hobene Beschwerde wies das Kantonsgericht des Kantons B asel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht) mit Urteil vom 24. April 2014 ab. B. Am 31. März 2016 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV mit der Begründung zum Leistungsbezug an, dass sich sein Gesundheitszustand insof ern verschlechtert habe, als am linken Knie mittlerweile eine Totalprothese einges etzt worden sei und er noch immer an Stöcken gehen müsse. Die IV-Stelle holte in der Folge weitere medizinische Berichte ein und entschied mit Verfügung vom 19. Januar 2017, dass auf d as erneute Leistungsbegehren nicht eingetreten werde. Zur Begründung wurde im Wesentlic hen angeführt, dass aufgrund der Ope- rationen vom 24. Juni und 23. September 2015 zwar von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Seit dem 8. März 2016 sei dem Versichert en jedoch wieder ein vollschichtiges Pensum in einer adaptieren Tätigkeit zumutbar. Dieser habe nicht glaubhaft darlegen können, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung in einer für den Leistungsan- spruch erheblichen Weise verändert hätten. Auf sein erneu tes Leistungsgesuch könne daher nicht eingetreten werden. C. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Re chtsanwalt Daniel Altermatt, am 17. Februar 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er be antragte, die IV-Stelle sei zu ver- pflichten, auf sein Leistungsgesuch vom 31. März 2016 einzutreten. Zur Begründung liess er im Wesentlichen vorbringen, dass entgegen der Behauptung d er IV-Stelle eine wesentliche Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes nachgewiesen sei. Na mentlich sei gemäss einem Bericht der Klinik C.____ neu ein CRPS Typ II (complex regional pain syndrome, Morbus Su- deck) diagnostiziert worden. Diese Diagnose sei klar begründet worden, so dass nicht nachvoll- ziehbar sei, warum die Anästhesie des Spitals D.____ die se Diagnose nicht bestätigt habe. Ferner sei festgehalten worden, dass neu eine Ischiadikus -Läsion bestehe, welche durch einen Operations- oder Lagerungsschaden verursacht worden sein könnte. Ausserdem habe sich der Versicherte am 24. Juni 2015 erneut einer Operation am linken Knie unterziehen müssen, da eine fehlimplantierte Knieprothese bestanden habe. D urch diese Operation habe sich nichts an der im Jahr 2014 festgestellten Nervenläsion geändert. Die Auffassung der IV-Stelle, wonach nur im Zusammenhang mit der Operation vom 24. Juni 20 15 eine dreimonatige Arbeitsunfähig- keit bestanden habe, sei daher nicht haltbar. Durch di e erwähnte Nervenverletzung sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 1. März 2017 auf Abweisung der Be- schwerde. Zusammenfassend hielt sie fest, dass dem Beschw erdeführer spätestens ab 8. April 2016 und somit noch vor dem frühestmöglichen Rentenbeginn wieder eine angepasste sitzende oder wechselbelastende Verweistätigkeit ganztags zumutba r gewesen sei. Sein Gesundheits- zustand und seine Arbeitsfähigkeit seien daher im Wesent lichen identisch wie im Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle vom 27. September 2013 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 24. April 20 17 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt. Mit Replik vom 28. August 2017 hielt dieser an seinen Rechtsbegehren und an seiner entsprechenden Begründung fest. Die IV-Stelle verzichtete mit Eingabe vom 30. August 2017 auf die Einreichung einer Duplik. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht beim sachlich sowie ör tlich zuständigen Gericht einge- reichte Beschwerde ist einzutreten. Zu prüfen ist, ob di e IV-Stelle auf die Neuanmeldung zum Leistungsbezug des Beschwerdeführers vom 31. März 2016 zu Recht nicht eingetreten ist. 2.1 Die Neuanmeldung eines Rentenanspruchs wird materie ll nur geprüft, wenn die versi- cherte Person glaubhaft macht, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechts- kräftigen Entscheidung in einem für den Rentenanspruch erheblichen Mass verändert haben (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 der Verordn ung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher un d rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C _325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 in Verb indung mit Abs. 2 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftig er Anspruchsprüfung immer wie- der mit gleichlautenden und nicht näher begründeten R entengesuchen befassen muss (BGE 130 V 71 E. 3.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit be urteilte Sachverhalt sich in der Zwi- schenzeit nicht verändert hat. Die Verwaltung verfügt b ei der Beurteilung dieser Eintretensvor- aussetzung über einen gewissen Spielraum. Dabei hat si e zu berücksichtigen, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt. Entsprechend sind an die Glaubhaft- machung mehr oder weniger hohe Anforderungen zu stell en (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 2.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgese tzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nich t nach dem im Sozialversiche- rungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahr scheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhalts änderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder dere n Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollt en (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). 2.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substanzielle Anhaltspunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darzu legen (vgl. auch bezüglich Nach- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht fristansetzung zur Einreichung ergänzender, in der Neu anmeldung lediglich in Aussicht gestell- ter Beweismittel BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Wenn die de r Neuanmeldung beigelegten ärztlichen Berichte so wenig substanziiert sind, dass sich eine neue P rüfung nur aufgrund weiterer Er- kenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV-St elle unter Umständen zur Nachforderung weiterer Angaben gehalten. Dies ist nur, aber immerhin dann der Fall, wenn den - für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden - Arztberi chten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserheb- liche Änderung vorliegt (Urteil des Bundesgerichts vom 21 . Juni 2016, 8C_244/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch kein materielles Eintreten auf die Neuanmeldung (Ur- teil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 2.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht. Aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begründungsaufwandes der Verwaltung bleiben dagegen allfällige vorangehende N ichteintretensverfügungen unbeachtlich (BGE 130 V 71 E. 3.2.3). Vorliegend erfolgte die letzte materielle Prüfung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers im Rahmen des Verfahrens, das zur rentenablehnenden Verfügung vom 3. Juli 2009 geführt hatte. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen erfolgt ist, die ein Eintr eten auf die Neuanmeldung rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenverfügung vom 3. Juli 2009 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorlie gend angefochtenen Verfügung vom 28. April 2017. 3.1 In ihrer rentenablehnenden Verfügung vom 27. Sep tember 2013 hatte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wes entlichen auf den Bericht ihres Re- gional-ärztlichen Dienstes (RAD) vom 9. Juli 2013 abgestü tzt, der sich seinerseits auf die Ver- laufsberichte des Spitals D.____ bezogen hatte. Den ent sprechenden Berichten des Behand- lungszentrums Bewegungsapparat Orthopädie des Spital D .____ ist zu entnehmen, dass dem Versicherten am 3. Mai 2013 eine unikompartimentelle K nieprothese links eingesetzt worden war, und sich ein komplikationsloser postoperativer Verlauf ergeben hat. Die radiologische Kon- trolle hatte postoperativ eine regelrechte Lage der Pr othesenteile gezeigt. Vom 2. Mai bis 14. Juni 2013 hatte eine volle Arbeitsunfähigkeit und d amit maximal sechs Wochen nach der Operation eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auch in einer Verweistätigkeit bestanden. Da- nach war von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit für r ein sitzende Tätigkeiten auszugehen. Nicht zuletzt gestützt auch auf die Einschätzung der Klinik E.____ (vgl. Beiblatt zum Arztbericht der Klinik E.____ vom 28. September 2012) war deshalb davon auszugehen, dass dem Versi- cherten in der Folge weiterhin eine sitzende Tätigkeit ganztags zumutbar war. Der Beurteilung des RAD vom 9. Juli 2013, auf welchen sich die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 27. September 2013 gestützt hatte, ist weiter zu entnehmen, dass das Verweisprofil anzupassen wäre, falls der Heilungsverlauf gut verlaufe. Es sei zu erwarten, dass dem Versicherten dann auch wechselbe- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht lastende Tätigkeiten mit gehenden und stehenden Anteilen zumutbar sein würden. Gestützt auf diese ärztlichen Einschätzungen hat die IV-Stelle dazum al einen IV-Grad von 0% ermittelt und den Leistungsanspruch des Versicherten abgewiesen. Das Kan tonsgericht hat in der Folge mit Urteil vom 24. April 2014 die hiergegen erhobene Bes chwerde abgewiesen und die Auffassung der IV-Stelle gestützt. 3.2 Im Zuge seiner Neuanmeldung hat der Versicherte am 31. März 2016 geltend ge- macht, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Renten ab lehnenden Verfügung vom 27. September 2013 deutlich verschlechtert habe. So sei ihm mittlerweile eine Knietotalprothe- se eingesetzt worden. In Folge dieser Operation sei e s zu Komplikationen gekommen, so dass er nunmehr noch immer an Stöcken gehen müsse. Mit Schreiben vom 7. Dezember 2016 hat er gegenüber der IV-Stelle ausserdem vorgebracht, dass ei n CRPS sowie chronische Knie- schmerzen links diagnostiziert worden seien. Im Vergleich zu r Verfügung aus dem Jahr 2013 sei somit eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen. 3.2.1 Mit Bericht vom 24. März 2014 diagnostizierte die Orthopädie des Spitals D.____ chro- nische Schmerzen im Kniegelenk links am ehesten posttraumati sch bei Status nach diagnosti- scher Arthroskopie und Meniskusnaht am 29. Juni 2011, b ei medialer Korbhenkelläsion und bei Status nach unikondylärer Knieprothese im Mai 2013. Die Knieschmerzsymptomatik sei nach wie vor unklar, weshalb eine neurologische Konsiliarunter suchung sowie eine anästhesiologi- sche schmerz-therapeutische Konsiliaruntersuchung veranlasst worden seien. 3.2.2 Gemäss Bericht der Orthopädie des Spitals D.___ _ vom 30. Juni 2014 führt der be- handelnde Arzt aus, dass weiterhin ein unklares Schmerzsyndrom der linken unteren Extremität zu erheben sei. Es bestünden ein minimer Gelenkserguss, jedoch kein Hinweis auf eine Infekti- on, reizfreie Narbenverhältnisse und eine deutliche Mu skelatrophie im Bereich der Unterschen- kel- und Oberschenkelmuskulatur. Ferner bestehe ein hinkf reier Gang an Unterarmgehstöcken. Aus orthopädischer Sicht könne ein Belastungstest für sitzende Tätigkeiten gestartet werden. In seinem Beruf als Koch werde der Versicherte vermutlich nicht mehr arbeiten können. 3.2.3 Den nachfolgenden Berichten von Prof. Dr. med. F .____, FMH Orthopädie und Trau- matologie, Klinik E.____, ist zu entnehmen, dass am 24. Juni 2015 eine Revisionsarthroplastik links mit einem Wechsel von einer unikondylären medialen Knie-Teilprothese auf eine Totalpro- these sowie eine Rekonstruktion des mediokollareralen Li gaments vorgenommen worden sei. Im entsprechenden Austrittsbericht vom 28. September 201 5 stellt Prof. F.____ die Diagnose einer Arthrofibrose Knie-Totalprothese links und einer Stressfraktur periprothetisch Femur links. Aus diesem Bericht geht im Weiteren hervor, dass am 23. S eptember 2015 eine Mobilisation des linken Kniegelenks erfolgt und eine Stabilisation mit LISS-Platte distales Femur links vorge- nommen worden sei. Durch eine mangelnde Patienten-Akti vität und die Arthrofibrose- Entwicklung sei die linke Knie-Teilprothese sehr einge steift gewesen. Es habe ein physiothera- peutisch-resistentes Extensionsdefizit bestanden, so dass eine Mobilisation unter Narkose indi- ziert gewesen sei. Intraoperativ sei die Mobilisation zwar äusserst vorsichtig vorgenommen worden; durch die starke Arthrofibrose und starke Osteopenie sei es aber zu einer Stressfraktur oberhalb der Femurkomponente gekommen. Es sei dann die präoperativ hergestellte orthopä- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht disch-technische Orthokonzeptschiene mit Hartschale angeleg t worden. Die Mobilisation sei mittels Physiotherapie, Stöcken und CPM-Knie-Maschine erf olgt. Der Patient sei am 28. Sep- tember 2015 beschwerdearm und mit reizlosen Operationswu nden nach Hause entlassen wor- den. 3.2.4 In einem weiteren Bericht vom 8. März 2016 berich tet Prof. F.____, dass der Versi- cherte soweit zufrieden sei. Zu Hause laufe er bereits o hne Stöcke. Klinisch zeige sich ein gu- tes Gangbild. Palpatorisch bestehe eine Druckdolenz. Das Kn iegelenk sei reizlos und ohne Er- guss. Radiologisch sei die Beinachse physiologisch, die Pro these gut aligniert und die supra- kondyläre Region verheilt. Als Koch mit rein stehender T ätigkeit bestehe eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit. In einer rein sitzenden oder wechsel belastenden Tätigkeit ohne vorwiegendes Stehen oder Gehen, ohne Bücken, ohne Überkopfarbeiten, ohne Kauern, Knien, Treppenstei- gen oder auf Gerüste oder Leitern Steigen, sei der Versicherte jedoch ganztags arbeitsfähig. 3.2.5 Mit Bericht vom 28. Juni 2016 attestiert Prof. F .____ dem Versicherten in der weiteren Folge eine Besserung der Situation. Dieser sei fähig, zu Hause ohne Stöcke zu laufen und zei- ge ein gutes Gangbild. Die Situation am Knie sei reizl os. Das Bein sei gerade. Die Einlage zur Beinlängenkorrektur sei adäquat. Zur Verbesserung des F lexionsdefizits und der Oberschen- kelmuskulatur sei eine weiterführende Physiotherapie verordnet worden. 3.2.6 Gestützt auf die Berichte von Prof. F.____ kommt der RAD-Arzt Dr. med. G.____, Facharzt für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, mit Berich t vom 20. Juli 2016 zum Schluss, dass der Versicherte spätestens seit dem 8. März 2016 für sitzende und wechselbelastende Tätigkeiten wieder vollschichtig einsetzbar sei. Die von P rof. F.____ formulierten Einschränkun- gen bezüglich kniebelastender Arbeiten seien nachvollzieh bar, wobei ein Treppensteigen nicht völlig ausgeschlossen sei. Die angestammte Tätigkeit als Koch sei noch nicht zumutbar, eben- so wenig ausschliesslich stehende und gehende Tätigkeiten. Nach den erfolgten Operationen vom 24. Juni 2015 und vom 23. September 2015 habe vorüb ergehend eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit bestanden. Seit dem 8. März 2016 sei jedoch wieder eine volle Einsatzfähigkeit in einer Verweistätigkeit gegeben. Diese Einschätzung bestätigt Dr. G.____ nach Einsicht in weitere, namentlich ältere Arztberichte aus den Jahren 2014 und 2015 in seinen Berichten vom 1. September 2016 und 22. Dezember 2016. 3.2.7 Mit Bericht vom 1. Februar 2017 führt Prof. F._ ___ schliesslich aus, dass der Versicherte am 31. Januar 2017 zur Verlaufskonsultation erschienen s ei. Zu Hause laufe er ohne Stöcke, diese benutze er nur draussen. Am linken Kniegelenk ge be er Beschwerden am medialen Kniegelenk bei palpabler Plica parapatellaris medialis an. Die Flexion bzw. Extension betrage 45-0-0° . Das Gangbild sei akzeptabel, eine Schwellung se i nicht vorhanden. Der Verlauf sei stationär. Eine weitere Verbesserung der Situation sei nicht zu erwarten. Es werde deshalb die SVA Baselland um eine Neubeurteilung des Falles gebeten. 3.2.8 In seiner abschliessenden RAD-Beurteilung vom 14. Februar 2017 führt Dr. G.____ aus, dass Prof. F.____ einen unveränderten Gesundheitszustand und die bekannte gute Funktionali- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tät des linken Knies bestätigt habe. Der RAD-Arzt hal te daher an seinen vorgängigen Beurtei- lungen unverändert fest. 4.1 Ein Vergleich der medizinischen Zumutbarkeitsbeurte ilung im Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle vom 27. September 2013 mit den aktuell en medizinischen Unterlagen zeigt auf, dass eine Verschlechterung der gesundheitlichen Verhäl tnisse auszuschliessen ist. Während dazumal insbesondere gestützt auf den Bericht der Klinik E.____ vom 28. September 2012 eine rein sitzende Tätigkeit in einem Vollzeitpensum als zumut bar erachtet worden war (vgl. auch Urteil des Kantonsgerichts vom 24. April 2014, E. 5.2), ist dem Versicherten im hier massge- benden Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung der IV -Stelle vom 19. Januar 2017 mittlerweile auch eine vollschichtig wechselbelastende Verweistätigkeit zuzumuten. Es kann an dieser Stel- le auf den Bericht des behandelnden Orthopäden verwie sen werden, der dem Versicherten am 8. März 2016 in einer rein sitzenden oder wechselbelast enden Tätigkeit ohne vorwiegendes Stehen oder Gehen, ohne Bücken, ohne Überkopfarbeiten, ohne Kauern, Knien, Treppenstei- gen oder auf Gerüste oder Leitern Steigen eine ganztä gige Arbeitsfähigkeit attestiert hat (vgl. oben, Erwägung 3.2.4 hiervor). Nachdem sich offen bar auch der Versicherte mit der post- operativen Situation Anfang März 2016 zufrieden gezeigt hatte, trat in der Folge eine weitere Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse ein, der zufolge der Beschwerdeführer bei reizlosen Verhältnissen am betroffenen Knie bereits fähig war, zu Hause ohne Stöcke zu laufen und dabei ein gutes Gangbild zeigte (vgl. oben, Erwägung 3.2.5 hiervor). Diese aktuell massge- bende Zumutbarkeitsbeurteilung wird durch den Bericht des behandelnden Orthopäden vom 1. Februar 2017 bestätigt, dem zufolge der Versichert e zu Hause ohne Stöcke laufe und bei fehlender Schwellung ein weiterhin akzeptables Gangbil d zeige. Soweit der Beschwerdeführer in seiner erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug vom 31. März 2016 geltend gemacht hat, dass er noch immer an Stöcken gehen müsse, ist ihm zwar zu zugestehen, dass im Nachgang zur Knieoperation Ende September 2015 sicherlich eine o perativ bedingte Verschlechterung des Gesundheitszustands stattgefunden hat. Diese war jedoch lediglich vorübergehender Na- tur. Es ist darauf hinzuweisen, dass allfällige Leistu ngen der IV gestützt auf die Neuanmeldung vom 31. März 2016 so oder anders frühestens nach Ablauf von sechs Monaten – mithin erst ab September 2016 – ausgerichtet werden könnten (Art. 29 Abs. 1 IVG). Ab September 2016 ist die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer Verwei stätigkeit jedoch im erwähnten Umfang wieder vollständig vorhanden gewesen. Deren Zumutbar keit in einem Vollzeitpensum wird vor- liegend nicht nur durch den Operateur und behandelnde n Orthopäden Prof. Dr. F.____, son- dern auch durch den RAD-Bericht von Dr. G.____ vom 20. Juli 2016 bestätigt. Letztere Ein- schätzung des RAD ist mit Blick auf die Tatsache, dass Prof. Dr. F.____ in seinem Verlaufsbe- richt vom 1. Februar 2017 einen unveränderten Gesundhei tszustand und eine gute Funktionali- tät des linken Knies bestätigt hat, nicht zu beanstanden (vgl. oben, Erwägungen 3.2.6 f.). Eine davon abweichende ärztliche Einschätzung ist den ärztlichen Unterlagen nicht zu entnehmen. 4.2 Daran vermögen die übrigen Einwendungen des Be schwerdeführers nichts zu ändern. Er lässt in diesem Zusammenhang vorbringen, dass gemäss dem Bericht der Poliklinik des Spi- tals D.____ vom 10. Oktober 2014 neu ein CRPS Typ II di agnostiziert worden sei (IV-Dok 91, S. 2 f.). Wie der Beschwerdeführer zu Recht bereits selb st vorgebracht hat, wird diese Diagno- se im nachfolgenden Bericht des Spitals D.____ vom 20. Ja nuar 2015 jedoch nicht bestätigt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht (IV-Dok 91, S. 5 f.). Als Begründung lässt sich der anästhetischen Beurteilung entnehmen, dass trotz vielfältiger Therapieversuche keine Anhaltspunkte f ür ein CRPS erhoben werden konnten. Zumal diese Diagnose nach dem zwischenzeitlich erfolgten Prothesenersatz als veraltet be- zeichnet werden muss, ist auch den späteren Berichten kein Hinweis zu entnehmen, dass der Versicherte aktuell noch immer an einem CRPS leiden wü rde. Nichts anderes gilt in Bezug auf die Geltendmachung einer Ischiadikus-Läsion, für welche g emäss Bericht der Klinik des Spitals D.____ vom 10. Oktober 2014 (IV-Dok 91, S. 2 ff.) bei regelrechtem MRT des proximalen linken Nervus ischiadicus ohnehin nur ein differentialdiagnostischer Verdacht erhoben werden konnte. Diese mithin nur mögliche Nervenschädigung, für welche in elektrophysiologischer Hinsicht ur- sprünglich nur leichte Anzeichen erhoben werden konnten, wird in den späteren Berichten, ins- besondere im Bericht des Spitals D.____ vom 20. Januar 2015, schliesslich ebenso weder er- wähnt noch diagnostiziert. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sie sich im Zeitpunkt der hier massgebenden Verfügung der IV-Stelle vom 19. Januar 20 17 wieder erholt hat. Eine Ver- schlechterung der gesundheitlichen Verhältnisse im Vergleich zum Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle vom 27. September 2013 ist bei diesem Ergebn is weder zu vermuten noch glaubhaft dargelegt. 5. A us dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV-Stell e auf die Neuanmeldung der Versicherten vom 31. März 2016 zu Recht nicht einget reten ist. Die gegen die betreffende Verfügung der IV-Stelle vom 19. Januar 2017 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegrün- det, weshalb sie abzuweisen ist. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1'000.— festgelegt . Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Beschwerdeführer un- terliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten a ufzuerlegen sind. Ihm ist allerdings mit verfahrensleitender Verfügung vom 24. April 2017 die u nentgeltliche Prozessführung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer mit prozessleitender Verfüg ung vom 24. April 2017 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertret er bewilligt worden ist, hat dessen Ent- schädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 200.— pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 28. September 2017 für das vorliegend e Verfahren einen Zeitaufwand von sechseinhalb Stunden sowie Spesen und Auslagen von insg esamt Fr. 68.— geltend gemacht, was umfangmässig nicht zu beanstanden ist. Ihm ist deshal b ein Honorar in der Höhe von Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 1‘477.45 (6,5 Stunden à Fr. 200.— zuzüglich Spese n und Auslagen von Fr. 68.— sowie 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 6.3 Der Beschwerdeführer wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewä hrt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘477.45 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet.