Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. September 2015 (725 15 180 / 228) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Leistungseinstellung infolge Erreichung des status quo sine vel ante Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Nicolai Fullin, Advokat, indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A. Die 1960 geborene A.____ war seit 1. Mai 2010 al s Empfangs-Mitarbeiterin bei der B.____ AG tätig und durch die Arbeitgeberin bei der Schweizerischen Unfallversicherungsan- stalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unf ällen und Berufskrankheiten versichert. Am 25. Oktober 2013 wurde A.____ in einer Tiefgarage n ach der Rückkehr vom Einkaufen überfal- len, wobei ihr die Handtasche geraubt wurde. Beim Ü berfall wurde sie von einem der Täter in den Rücken und den Beckenbereich getreten. Nach dem Unfallereignis setzten bei der Versi- cherten zunehmend Kreuz- und Lendenwirbelsäule-Besc hwerden ein, weshalb ihr Hausarzt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. med. C.____, Chirurgie FMH, eine bildgebende Di agnostik der Lendenwirbelsäule und des Beckens veranlasste. Diese zeigte gemäss Bericht Radiologie D.____ vom 19. Dezember 2013 nebst einer bereits bekannten flachen, mediolateral re chts gelegenen Diskushernie LWK 4/5 (ohne Progredienz im Vergleich zur Voraufnahme vom 30.1 2.2010 und ohne neurologische Tangierung) auch eine neu aufgetretene grosse, mediol ateral rechts gelegene Diskushernie, sich leicht nach kaudal in den Recessus S1 erstreckend mit au sgeprägter diskogener Oblitera- tion des Recessus S1 und direkter Tangierung und Verlag erung der Nervenwurzel S1 nach dorsal. Nach Eingang der Unfallmeldung erbrachte die S UVA der Versicherten die gesetzlichen Leistungen für die Folgen des Unfalls vom 25. Oktober 2013. Am 18. Februar 2015 erliess die SUVA eine Verfügung, mit welcher sie den Fall, was die Unfall- folgen anbelange, per 24. November 2014 abschloss und d ie Weiterausrichtung von Versiche- rungsleistungen ab diesem Datum ablehnte. Zur Begründ ung hielt sie fest, laut kreisärztlicher Beurteilung seien die aktuell bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern aus- schliesslich krankhafter Natur. Der Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall vom 25. Oktober 2013 eingestellt hätte, sei gemäss medizinischer Beurteil ung spätestens am 24. November 2014 erreicht gewesen. Daran hielt die SUVA auf Einsp rache der Versicherten hin mit Ein- spracheentscheid vom 16. April 2015 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Advokat Nicol ai Fullin namens und im Auf- trag von A.____ am 18. Mai 2015 Beschwerde beim Kant onsgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Entscheid der Be- schwerdegegnerin aufzuheben und es sei diese zu verpflicht en, der Beschwerdeführerin wei- terhin Leistungen aus dem Unfallereignis vom 25. Oktobe r 2013 zu erbringen. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, weitere medizinisch e Abklärungen, insbesondere zum psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, zu t ätigen und im Anschluss daran erneut über die weiteren Leistungen aus dem Unfallereignis vom 25. Oktober 2013 zu entschei- den; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 28. Mai 2015 beantragte die SUVA die Abweisung der Beschwerde. D. Nachdem die Angelegenheit dem Dreiergericht zur Beu rteilung überwiesen und den Parteien der Termin der parteiöffentlichen Urteilsb eratung angezeigt worden war, liess die Be- schwerdeführerin mit Eingabe vom 18. August 2015 beantr agen, es sei eine mündliche Partei- verhandlung durchzuführen, anlässlich welcher sie über da s Unfallereignis und dessen Folgen persönlich Auskunft geben könne. Mit Verfügung vom 19. Au gust 2015 wies die instruierende Präsidentin des Kantonsgerichts diesen Antrag ab. Was die Begründung dieses Entscheides betrifft, kann vollumfänglich auf die Erwägungen der genannten Verfügung verwiesen werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in E.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 18. Mai 2015 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Be schwerdegegnerin ihre Versiche- rungsleistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 2 5. Oktober 2013 zu Recht per 24. November 2014 eingestellt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss U VG setzt - unter anderem - vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, li egt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (So zialversicherungsrecht – Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Bewe is des Wegfalls des Kausalzusammen- hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Bewei s zu verlangen, dass kein Gesund- heitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nu n bei voller Gesundheit sei. Ent- scheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu- tung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil P . des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 2.4 Zusätzlich zu diesen allgemeinen Grundsätzen, die im Zusammenhang mit der Fest- stellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin zu beachten sind, gilt es bei der Beurteilung der Unfallkausalität von Diskushernien d er medizinischen Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandschei- benveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt . Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfaller eignis von besonderer Schwere sowie geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbei zuführen, und die Symptome der Dis- kushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzügl ich und mit sofortiger Arbeitsunfä- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit aufgetreten sind (Urteil K. des Bundesgerichts vom 12. Juli 2012, 8C_151/2012, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Ist die Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch de n Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leis tungen für das unmittelbar im Zu- sammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erb ringen. Nach derzeitigem medi- zinischem Wissensstand kann das Erreichen des Status quo sin e bei posttraumatischen Lum- balgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfäl- lige richtunggebende Verschlimmerung röntgenologisch au sgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben muss; eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschl ossen zu betrachten (Urteil B. des Bundesgerichts vom 27. Juni 2012, 8C_681/2011, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4.1 Wie eingangs ausgeführt, war die Versicherte anlässli ch des Überfalls vom 25. Oktober 2013 von einem der Täter in den Rücken und den Beckenbereich getreten worden. Da bei ihr in der Folge zunehmend Kreuz- und Lendenwirbelsäule-Besch werden einsetzten, veranlasste ihr Hausarzt Dr. C.____ eine bildgebende Diagnostik des Beck ens und der Lendenwirbelsäule. Diese zeigte gemäss Bericht der Radiologie D.____ vom 19. Dezember 2013 zum einen eine bereits bekannte flache, mediolateral rechts gelegene Diskushernie LWK 4/5 (ohne Progredienz im Vergleich zur Voraufnahme vom 30.12.2010 und ohne n eurologische Tangierung) und zum andern eine neu aufgetretene grosse, mediolateral re chts gelegene Diskushernie, sich leicht nach kaudal in den Recessus S1 erstreckend mit ausgeprägter diskogener Obliteration des Re- cessus S1 und direkter Tangierung und Verlagerung der Ne rvenwurzel S1 nach dorsal. Am 26. März 2014 nahm Dr. med. F.____, Orthopädische Chirurgie FMH, bei der Versicherten eine Diskushernienoperation L5/S1 (Fenestration, Sequestrektomie, Nukleotomie) vor. Im Nachgang zu diesem Eingriff orientierte die Versicherte die Besch werdegegnerin am 27. Mai 2014 telefo- nisch, dass es ihr „sehr gut“ gehe und dass sie ab 2. Juni 20 14 die angestammte Tätigkeit wie- der im bisherigen Pensum (50 %) aufnehmen werde. Im Lauf des zweiten Halbjahres 2014 tra- ten bei der Versicherten wieder Lumbalgien und ins Bei n ausstrahlende Schmerzen auf, wes- halb sie Dr. med. G.____, Neurochirurgie FMH, aufsuch te. Dieser diagnostizierte bei ihr am 19. November 2014 gestützt auf ein am 10. November 201 4 erfolgtes MRI der LWS ein lumbo- radikuläres Reizsyndrom S1 rechts bei Rezidiv-Diskushernie L5/ S1 rechts sowie einen Status nach Diskushernienoperation L5/S1 rechts. Er führte desw egen am 25. November 2014 eine Re-Diskektomie nach Re-Fenestration L5/S1 rechts durch. 4.2 Auf Vorlage der medizinischen Akten hin verneinte de r SUVA-Kreisarzt Dr. med. H.____, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, in seiner kurzen Stellungnahme vom 5. Januar 2015 die ihm von der Verwaltung unterbreitete Frage, ob die durchgeführte Operation vom 25. November 2014 mit überwiegender Wahrscheinlich keit auf das Ereignis vom 25. Oktober 2013 zurückzuführen sei. Zur Begründung wies er darauf hin, dass das damalige Unfallereignis lediglich zu einer vorübergehenden Ve rschlechterung im Bereich der Lendenwir- belsäule und des Beckens geführt habe. In der Folge ersuc hte die Beschwerdegegnerin ihren Kreisarzt Dr. H.____ um eine ausführlichere Stellungna hme, welche dieser am 16. Februar 2015 erstattete. Darin wies er darauf hin, dass am 19 . Dezember 2013 durch Kernspintomogra- phien der Lendenwirbelsäule und des Beckens eine struktur ell objektivierbare Läsion aufgrund des Unfallereignisses vom 25. Oktober 2013 habe ausgeschl ossen werden können. Die festge- stellten Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule würden degenerative Veränderungen darstellen. Als Hauptbefund hätten sich eine Diskushernie bei L4/5 und eine deutliche Chondro- se bei L5/S1 sowie zusätzlich eine grosse, mediolateral rechts gelegene Diskushernie mit Ver- lagerung der Nervenwurzel S1 rechts gezeigt. Im weite ren Verlauf habe Dr. F.____, der behan- delnde Chirurg, festgestellt, dass aufgrund eines senso motorischen Ausfallsyndroms bei Dis- kushernie L5/S1 rechts eine Indikation zum operativen Vo rgehen bestehe, worauf am 26. März Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2014 eine Diskushernienoperation L5/S1 rechts durchgefü hrt worden sei. Aufgrund persistie- render Beschwerden bei lumboradiculärem Reizsyndrom S1 r echts habe Dr. G.____ am 19. November 2014 die Indikation zu einer erneuten Di skushernienoperation L5/S1 rechts ge- stellt und diesen Eingriff am 25. November 2014 vorgen ommen. Dieser Verlauf zeige, dass es durch das Ereignis am 25. Oktober 2013 zu einer vorüberg ehenden Verschlechterung im Be- reich der Lendenwirbelsäule und im Bereich des Beckens gekommen sei. Die am 26. März 2014 operierte Diskushernie bei L5/S1 rechts stelle keine Unfallfolge dar. Es handle sich um einen unfallfremden Befund, welcher vorübergehend versch lechtert worden sei. Mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit würden im Beschwerdebild der Versicherten ab dem 24. November 2014 Unfallfolgen keine Rolle mehr spielen. Die Phas e der vorübergehenden Verschlechterung im Bereich des Beckens und der Lendenwirbelsäule sei vorü ber. Ab dem 24. November 2014 würden im Bereich der Lendenwirbelsäule und im Berei ch des Beckens nur noch krankheitsbe- dingte Diagnosen überwiegen. 5. Die Beschwerdegegnerin verweist bei ihrer Würdigung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf die Ausführungen des Kreisarztes Dr. H.____ vom 16. Februar 2015. Des- sen Beurteilung lasse sich entnehmen, dass bei der Versicher ten eine vorbestehende Dis- kushernie L5/S1 vorgelegen habe. Der Unfall vom 25. Oktober 2013 habe die Diskushernie ein- deutig nicht verursacht, sie sei durch das Ereignis aber symptomatisch geworden. Die am 26. März 2014 erfolgte Diskushernienoperation habe bei der Versicherten - laut ihren eigenen Angaben - zu einer anschliessenden Beschwerdefreiheit von drei bis vier Monaten geführt. Hal- te man sich diesen Verlauf vor Augen, so könne davon aus gegangen werden, dass das Unfall- ereignis vom 25. Oktober 2013 zu einer vorübergehenden Verschlechterung der unbestritte- nermassen vorbestehenden Diskushernie L5/S1 geführt habe , eine richtunggebende Ver- schlimmerung des bei der Versicherten bestehenden Vorzustandes an der LWS dürfe hingegen als ausgeschlossen gelten. Was das mit MRI vom 10. November 2014 nachgewiesene und am 25. November 2014 operativ behandelte Diskushernien-Re zidiv betreffe, so bilde dieses Be- standteil der vor dem Unfall vom 25. Oktober 2013 bere its bestehenden Vor- und Grunderkran- kung. Die Möglichkeit einer solchen Rezidivbildung könne nä mlich aus medizinischer Sicht vor einer allfälligen Operation nie zuverlässig ausgeschloss en werden, weshalb sie als entspre- chendes Risiko der Grunderkrankung zuzurechnen sei. Somit sei dem Kreisarzt im Ergebnis dahingehend zuzustimmen, dass bei der Versicherten am 24. November 2014 keine Unfallfol- gen mehr vorgelegen hätten, die mit dem erforderlich en Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 25. Oktober 2013 zurückgeführt werden könnten. Die- se vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), darf ein medizinischer Sachverhalt ohne Einhol ung eines externen Gutachtens ent- schieden werden, solange keine - auch nur geringe - Zwe ifel an der Richtigkeit der versiche- rungsinternen ärztlichen Feststellungen bestehen. Vorliegend besteht kein Anlass, an der Rich- tigkeit der Kausalitätsbeurteilung des Kreisarztes Dr. H. ____ zu zweifeln. Die von der Be- schwerdegegnerin übernommenen Ergebnisse, zu denen Dr. H.____ gelangt ist, beruhen auf einem sorgfältigen Studium der vorhandenen medizinischen Aktenlage und sein Bericht erweist sich sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenh änge als auch bezüglich der dar- aus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend. Dazu k ommt, dass sich in den übrigen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht (medizinischen) Akten keine Anhaltspunkte finden, die Anlass geben könnten, die Schlüssigkeit der Kausalitätsbeurteilung von Dr. H.____ in Zweifel zu ziehen. 6.1 Die Versicherte stellt in ihrer Beschwerde die vorin stanzliche Beurteilung der Unfall- kausalität ihres Rückenleidens nicht explizit in Frage, ihr Rechtsvertreter weist vielmehr darauf hin, dass die Versicherte bereits früher Opfer eines Üb erfalls geworden sei. Laut dem behan- delnden Psychiater Dr. med. I.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, leide die Versicherte aufgrund dieses früheren Ereignisses an einer rezidivieren den depressiven Störung und an ei- ner posttraumatischen Belastungsstörung. Es sei, so der Rechtsvertreter weiter, nicht klar, in- wiefern das neue Unfallereignis vom 25. Oktober 2013 zu einer zusätzlichen Traumatisierung und damit einhergehenden Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Ver- sicherten geführt habe. Der Sachverhalt sei diesbezügli ch von der Beschwerdegegnerin nur ungenügend abgeklärt worden, weshalb diese anzuweisen s ei, weitere medizinische Abklärun- gen, insbesondere zum psychischen Gesundheitszustand der Beschw erdeführerin, zu tätigen und im Anschluss daran erneut über die weiteren Leistung en aus dem Unfallereignis vom 25. Oktober 2013 zu entscheiden. Von solchen zusätzliche n Abklärungen kann nun allerdings abgesehen werden. Letztlich können nämlich sowohl die Frage, an welchen psychischen Ge- sundheitsbeeinträchtigungen die Versicherte im Zeitpun kt des vorliegend strittigen Fallab- schlusses gelitten hat, als auch die weitere Frage, ob d ie betreffenden psychischen Leiden in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 25. Oktober 2013 stehen, aus den nachfolgenden Gründen offen bleiben. 6.2 Um die Leistungspflicht des Unfallversicherers bejahen zu können, muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nich t nur ein natürlicher, sondern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtspr echung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es n ach dem gewöhnlichen Lauf der Din- ge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich g eeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinw eis). Der Voraussetzung des adäqua- ten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzu- sammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eing etretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechts erhebliche Kausalzusammenhang be- steht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Ge- richt zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenha ng ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürli- chen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb). Stehen hingegen psychi- sche Unfallfolgeschäden zur Beurteilung, so hat eine beso ndere Adäquanzprüfung zu erfolgen. Danach ist für die Bejahung des adäquaten Kausalzusamme nhangs im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entst ehung der Arbeits- bzw. Erwerbs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht unfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit an- deren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 141 E. 7). 6.3 Wie die SUVA in ihrer Vernehmlassung zutreffend g eltend macht, ist diese Vorausset- zung vorliegend nicht erfüllt. Dem Unfallereignis vom 25 . Oktober 2013 ist zwar eine gewisse Eindrücklichkeit zuzubilligen, von den übrigen Kriterien, die im Rahmen der besonderen Adä- quanzprüfung bei mittleren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Unfällen - und von einem solchen Ereignis kann hier höchstens ausgegangen werden - rechtsprechungsgemäss in die erforderliche Gesamtwürdigung miteinzubeziehen sind und die für eine Bejahung der Adäquanz in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein mü ssen (vgl. zum Ganzen: BGE 115 V 140 E. 6c), ist vorliegend aber keines erfüllt: Die Versicher te zog sich beim Unfall keine Körperver- letzungen zu, die aufgrund ihrer Schwere oder besonderen Art erfahrungsgemäss geeignet wä- ren, psychische Fehlentwicklungen herbeizuführen. Im Weite ren war die Versicherte - ihren eigenen Angaben zufolge - nach dem operativen Eingr iff während mehrerer Monate beschwer- defrei, sodass weder von körperlichen Dauerschmerzen noch vo n einem schwierigen Heilungs- verlauf und erheblichen Komplikationen gesprochen werd en kann. Unstreitig lag ferner auch keine ärztliche Fehlbehandlung vor, welche die Unfall folgen erheblich verschlimmert hätte. Schliesslich kann auch das Kriterium von Grad und Dauer de r physisch bedingten Arbeitsunfä- higkeit nicht als erfüllt erachtet werden, wenn man be rücksichtigt, dass die Versicherte nicht unmittelbar nach dem Unfall, sondern erst ab 10. Janua r 2014 arbeitsunfähig geschrieben war und dass sie anfangs Juni 2014, d.h. knapp fünf Monate sp äter, ihre Tätigkeit wieder im glei- chen Pensum wie vor den Unfall aufnehmen konnte. 7. Zusammenfassend ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen für die Versicherte per 24. November 2014 e ingestellt hat. Die gegen den betreffen- den Einspracheentscheid vom 16. April 2015 erhobene B eschwerde erweist sich als unbegrün- det, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht