2014 Sozialhilfe 203 VII. Sozialhilfe 36 Sozialhilfe; Wohnung Im Anwendungsbereich der SKOS-Richtlinien besteht nach längerer Un - terbringung in einer Notunterkunft der Gemeinde (vorliegend fünf Mo - nate) mit erfolglosen Suchbemühungen der unterstützten Person ein An - spruch auf Vermittlung von Wohnraum, in welch em eine selbstständige Haushaltsführung ermöglicht wird. Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 20. August 2014 in Sachen A. gegen Beschwerdestelle SPG und Sozialkommission B. (WBE.2014.3). Aus den Erwägungen 2.4. 2.4.1. Die Notunterkunft, welche dem Beschwerdeführer von der Ge - meinde zur Verfügung gestellt wurde, war ein Zimmer ohne direktes Tageslicht und nur mit gemeinschaftlich nutzbaren sanitären Anlagen ausgestattet. Diese Notunterkunft befindet sich in einer (Lager -) Ge- werbehalle einer Bau firma und verfügt nur über ein Fenster in den Lagerraum. Die Halle hat kleine Oblichter. Das Zimmer ist klein und war auch nach Darstellung der Sozialen Dienste der Gemeinde B. als Übergangslösung gedacht. Der Beschwerdeführer lebte zum Zeit - punkt der Unterzeichnung des Mietvertrages bereits rund fünf Mo - nate in dieser Notunterkunft. 2.4.2. Es besteht grundsätzlich ein Anspruch auf ein menschenwürdi - ges Ob dach, in we lchem den Grundbedürfnissen nach Bewegung, Luft, Licht, Wärme, Schlaf, Körperhygiene und privater Rückzugs - möglichkeit nach gegangen werden kann. So gehören insbesondere angemessene Be leuchtung und Belüftung zum Kernbestand einer 204 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2014 menschenwürdigen Un terbringung. V orübergehend ist es jedoch zulässig, jemanden in einem nur künstlich belüfteten und beleuchte - ten Raum unterzubringen (vgl. KA THRIN AMSTUTZ, Das Grundrecht auf Existenzsicherung, Bern 2002, S. 218 f.). Des Weiteren gehören zur unerlässlichen Grundausstattung einer menschenwürdigen Unter- kunft sanitäre Einrichtungen (vgl. dies., a.a.O., S. 222 f.). Ob eine Unterkunft zumutbar ist, bemisst sich nach den konkreten Umstän - den im Einzelfall, wobei auch die Dauer der Notlage von Relevanz ist (vgl. CLAUDIA HÄNZI, Die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, Basel 2011, S. 370). Mit zunehmender Dauer ei ner materiellen Notlage verdichtet sich der Anspruch auf Obdach zu ei nem Recht auf Zuteilung bzw. Vermittlung eines men - schenwürdigen Wohnraums, in welchem eine selbstständige Haus - haltsführung ermöglicht wird (vgl. AMSTUTZ, a.a.O., S. 236). Auch wenn an Notunterkünfte gerin gere Anforderungen gestellt wer den dürfen, muss die Würde des Be troffenen gewahrt bleiben (vgl. JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Auflage, Bern 2008, S. 775). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdestelle SPG war dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar, über einen weiteren längeren Zeitraum in der Notunter kunft zu wohnen. Diese Notunter- kunft ist auf längere Sicht kein zumutba res Logis. Der Be schwer- deführer lebte bereits fünf Monate darin und suchte wäh rend dieser Zeit mit Unterstützung der Sozialbehörde erfolglos nach einer günsti- gen, angemessenen Unterkunft. Nach fünf Mo naten in der Not unter- kunft ohne Aussicht auf eine Veränderung der Situation ist ein treuwidriges Verhalten des Beschwerdeführers fraglich. 37 Sozialhilfe; Unterstützungswohnsitz - Der Unterstützungswohnsitz setzt die subjekti ve und nach aus sen manifestierte Absicht dauernden Verbleibens voraus, wozu alle Ele - mente der äusserlichen Gestaltung der Lebensverhält nisse zu be - rücksichtigen sind.