Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 29. Juni 2022 (470 22 33) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Rechtsverweigerung und Verweigerung der Akteneinsicht Es ist die Aufgabe der Staatsanwaltschaft, bei der Such e nach der materiellen Wahrheit nach Massgabe der gesetzlichen Vorgaben alle allenfalls bedeu tsamen Beweise zu erheben und gestützt hierauf entweder einen Strafbefehl zu erlasse n, Anklage zu erheben oder das Verfah- ren einzustellen. Wie sie dies konkret tut bzw. welche Re ihenfolge der Beweismittelerhebung sie als opportun erachtet, steht dabei im pflichtgemässen Ermessen der Staatsanwaltschaft. Die beschuldigte Person kann hierauf keinen Einfluss nehmen, es sei denn, sie könne nachweisen, dass ein Zuwarten mit der Beweisabnahme aller Voraussich t nach zu einem Beweisverlust füh- ren würde (E. 3.1.c/aa und E. 3.3.c/bb). Bei sogenannt en Vier-Augen-Delikten kann es durch- aus gerechtfertigt sein, zuerst Drittpersonen einzuverne hmen und erst danach die beschuldigte Person mit sämtlichen erhobenen Beweisen zu konfrontie ren. Ob dies die zur Erforschung der materiellen Wahrheit im Einzelfall zweckdienlichste Vorgehensweise ist, hat die im Vorverfahren zuständige Verfahrensleitung, d.h. die Staatsanwaltscha ft, in Ausübung ihres pflichtgemässen Ermessens zu entscheiden. Der Beschwerdeinstanz ist es, sowe it nicht gesetzlich ausdrücklich vorgesehen, grundsätzlich verwehrt, der Staatsanwaltscha ft Weisungen zu erteilen, wie diese das Untersuchungsverfahren zu führen hat (E. 3.1.c/bb un d E. 3.3.c/bb). Die Rechtsverweige- rungs- bzw. Rechtsverzögerungsbeschwerde kann nicht gegen das Verweigern oder Verzögern eines beliebigen, sondern nur eines anfechtbaren Entscheids geführt werden (E. 3.4.c). Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Andreas Noll, Falknerstrasse 3, 4001 Basel, Beschwerdeführer gegen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Allgemeine Delikte, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin Gegenstand Rechtsverweigerung und Verweigerung der Akteneinsicht (Beschwerde gegen die Verfügung sowie das Antwortschreiben der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, jeweils datierend vom 18. März 2022) A. Im Rahmen eines gegen A.____ geführten Strafverfahre ns wegen des Vorwurfs der Ver- gewaltigung erliess die Staatsanwaltschaft Basel-Landsch aft, Allgemeine Hauptabteilung (neu: Hauptabteilung Allgemeine Delikte), mit Datum vom 18 . März 2022 eine Verfügung, in welcher sie festhielt, dass der von Advokat Dr. Andreas Noll mit S chreiben vom 2. März 2022 gestellte Antrag, es seien dem Beschuldigten umgehend die gesamte n Verfahrensakten zur vollständi- gen Einsichtnahme zuzustellen, im jetzigen Zeitpunkt ab gewiesen werde. Des Weiteren erwog die Staatsanwaltschaft in einem ebenfalls vom 18. März 2 022 datierenden Schreiben, eine Ver- fügung betreffend die beiden anderen Anträge ‒ es seien weder der Bruder noch der Freund der Anzeigestellerin als Zeugen einzuvernehmen sowie es s ei als nächster Verfahrensschritt A.____ als beschuldigte Person einzuvernehmen ‒ werde nicht erlassen. Auf die Begründung der Verfügung sowie des Antwortschreibens, jeweils datie rend vom 18. März 2022, wie auch der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, sowei t erforderlich, in den Erwägungen einge- gangen. B. Hiergegen reichte A.____ mit Datum vom 25. März 202 2 eine Beschwerde beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, ein und brachte dabei folgende Rechtsbegehren vor: Es sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, weder mit dem Bruder noch mit dem Verlobten der Beschuldigenden B.____ Einvernahmen durchzuführen (Ziff. 1). Überdies sei die Staatsan- waltschaft anzuweisen, als nächste Beweiserhebung eine Ei nvernahme mit dem Beschwerde- führer durchzuführen und ihm anschliessend vollständige Akteneinsicht in die gesamten Verfah- rensakten zu gewähren (Ziff. 2). Eventualiter zu Ziffer 1 f. sei die Staatsanwaltschaft anzuwei- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen, dem Beschwerdeführer vor der Durchführung der in Ziffer 1 genannten Einvernahmen voll- ständige Einsicht in die gesamten Verfahrensakten zu gew ähren (Ziff. 3). Subeventualiter zu Ziffer 1 f. sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, die sbezüglich eine förmliche Verfügung zu erlassen (Ziff. 4). In Form von Verfahrensanträgen wurd e ferner begehrt, es sei die Staatsan- waltschaft im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuweis en, bis zum rechtskräftigen Ent- scheid über die vorliegende Beschwerdesache weder mit d em Bruder noch mit dem Verlobten der Beschuldigenden Einvernahmen durchzuführen (Ziff. 5). Ausserdem sei dem Beschwerde- führer die Möglichkeit zu gewähren, auf eine allenfa lls eingereichte Stellungnahme bzw. Be- schwerdeantwort zu replizieren (Ziff. 6). Dies alles unte r o/e Kostenfolge zu Lasten der Staats- anwaltschaft bzw. des Staates (Ziff. 7). C. Die Staatsanwaltschaft begehrte in ihrer Stellungna hme vom 6. April 2022, die Beschwer- de vom 25. März 2022 sei unter o/e Kostenfolge zu Laste n des Beschwerdeführers vollumfäng- lich abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. D. In seiner replizierenden Stellungnahme vom 20. April 2022 beantragte der Beschwerde- führer die Gutheissung der Beschwerde im Sinne der gest ellten Rechtsbegehren. Darüber hin- aus begehrte er, es seien ihm sämtliche Akten, über welch e die Beschwerdeinstanz verfüge, zur Einsichtnahme zuzustellen sowie es sei ihm eine angeme ssene Frist ab Zustellung der zur Einsichtnahme beantragten Akten zwecks Einreichung einer ergänzenden Replik zu gewähren. E. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts v om 22. April 2022 wurden die Anträge des Beschwerdeführers auf Erlass einer vorsorgliche n Massnahme, auf Zustellung sämtlicher Akten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sowie auf Gewährung einer Nachfrist zur Ergänzung seiner replizierenden Stellungnahme abgewiesen. F. Gegen die verfahrensleitende Verfügung des Kantonsger ichts vom 22. April 2022 erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Mai 2022 Besc hwerde in Strafsachen an das Bun- desgericht. G. Mit Urteil vom 10. Mai 2022 erkannte das Bundesgericht , dass auf die Beschwerde vom 3. Mai 2022 nicht eingetreten wird und die Gerichtskosten in der Höhe von CHF 500.-- dem Be- schwerdeführer auferlegt werden. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. a) Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Be- schwerdeinstanz zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmit tels ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StPO. N ach Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Verfügungen und die Verf ahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, ei nschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzög erung (lit. a); die unvoll- ständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (l it. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). Gestützt auf Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Besc hwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Die Legitimation der beschuldigten Person zur Ergreifung des Rechtsmittels schliesslich wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. b) Nachdem in casu die angefochtene Verfügung vom 18. Mä rz 2022 betreffend Verweige- rung der Akteneinsicht ohne Zweifel ein taugliches Anfe chtungsobjekt darstellt, der Beschuldig- te beschwerdelegitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Begründungspflicht nachgekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die dies- bezügliche Beschwerde einzutreten. c) In Bezug auf die Rechtsverweigerungsbeschwerde betre ffend das Schreiben vom 18. März 2022, mit welchem der Erlass einer anfechtbaren Verfügung hinsichtlich der Begehren des Beschwerdeführers, wonach von einer Einvernahme des B ruders und des Verlobten der Anzeigestellerin als Zeugen abzusehen und stattdessen der Beschwerdeführer als beschuldigte Person einzuvernehmen sei, verweigert worden ist, ist F olgendes zu konstatieren: Die Be- schwerde ist nicht nur gegen Entscheide und weitere form alisierte Verfahrenshandlungen, son- dern gegen Verfahrenshandlungen generell zulässig. Be schwerdeobjekt können allerdings nur konkrete, hoheitliche Verfahrenshandlungen bilden. Unt er hoheitlichen Verfahrenshandlungen ist jede gegen aussen wirksame Handlung der Strafverfolg ungsbehörden und Gerichte zu ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht stehen, welche auf den Verfahrensausgang, also die Einl eitung, die Durchführung oder den Abschluss des Verfahrens, gerichtet ist und einer prozessre chtlichen Regelung unterliegt sowie die Parteien und weitere Verfahrensbeteiligte unmit telbar tangiert. Hierunter können nur Akte fallen, welche das Strafverfahren vorantreiben und auf diese Weise die Rechtsstellung von Par- teien bzw. Verfahrensbeteiligten berühren. Ausgeschlosse n ist die Beschwerde demgegenüber bei rein behördeninternen Vorgängen. Anfechtbar sind sodann nicht nur hoheitliche Verfah- renshandlungen, sondern auch Unterlassungen (P ATRICK GUIDON , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 20 14, N 6 zu Art. 393 StPO; A NDREAS J. KELLER , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 11 zu Art. 393 StPO; jeweils mi t Hinweisen; N IKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich / St. Gal- len 2018, N 2 zu Art. 393 StPO). Nach der Praxis des Bundesgerichts versteht der Gesetzgeber unter Amtshandlungen Akte, welche die Strafuntersuchung vorantreiben und auf diese Weise die Rechtsstellung des Beschuldigten berühren (BGE 130 IV 140 E. 2). Indem in concreto die Staatsanwaltschaft sich mit Schreiben vom 18. März 2022 a usdrücklich geweigert hat, dem Be- gehren des Beschwerdeführers auf Erlass einer Verfügung b ezüglich der Einvernahme von Zeugen bzw. seiner eigenen Einvernahme als beschuldigte Person nachzukommen, ist hierin eine anfechtbare Verfahrenshandlung im Sinne der vorg ängig zitierten rechtlichen Ausführun- gen zu erblicken, womit in casu das Vorliegen eines taug lichen Anfechtungsobjekts zu bejahen ist. Nachdem im Übrigen die weiteren Beschwerdevoraussetzungen fraglos erfüllt sind (vgl. vor- stehend lit. b), ist auch auf die diesbezügliche Beschwer de und damit auf das Rechtsmittel ins- gesamt einzutreten. 2.1 a) Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung der ange fochtenen Verfügung vom 18. März 2022 aus, gemäss Art. 101 Abs. 1 StPO könnten die Parte ien spätestens nach der ersten Ein- vernahme der beschuldigten Person und der Erhebung de r übrigen wichtigsten Beweise durch die Staatsanwaltschaft die Akten des Strafverfahrens ei nsehen, wobei Art. 108 StPO vorbehal- ten bleibe. Im vorliegenden Fall sei der Beschuldigte noch nicht zur Sache befragt sowie mit den Aussagen des Opfers und entsprechenden Vorhalten k onfrontiert worden. Insofern stehe die erste Einvernahme mit der beschuldigten Person noch a us. Ferner seien zudem Zeugen- einvernahmen geplant, weshalb auch die Erhebung von a nderen wichtigen Beweisen derzeit ausstehend sei. Entsprechend könne zur Zeit keine Akteneinsicht gewährt werden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) In Ihrem Antwortschreiben vom 18. März 2022 legt die Staatsanwaltschaft dar, dass sie eine Verfügung betreffend die anderen Anträge (als d as Gesuch auf Akteneinsicht) nicht erlas- sen werde. Zum einen sei die Staatsanwaltschaft nicht ve rpflichtet, die Parteien zwecks Durch- führung von Beweiserhebungen um Erlaubnis zu bitten un d diesen zu geplanten Beweiserhe- bungen eine anfechtbare Verfügung zu unterbreiten. Zum anderen habe die Staatsanwaltschaft ‒ entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers, wonach sie auf dessen Antrag, als nächs- te Beweiserhebung die Befragung von A.____ als beschul digte Person durchzuführen, nicht eingegangen sei ‒ bereits in ihrem Schreiben vom 25. Februar 2022 klar zum Ausdruck ge- bracht, diesem Antrag zu gegebener Zeit nachzukommen. De r Erlass einer anfechtbaren Ver- fügung sei daher ebenfalls nicht erforderlich, zumal d er Entscheid über die Reihenfolge von Beweiserhebungen der Verfahrensleitung obliege. c) aa) In ihrer Beschwerdeantwort vom 6. April 2022 führt die Staatsanwaltschaft zudem zu- sammengefasst aus, für eine Ankündigung von vorgesehene n Einvernahmen mit entsprechen- der Terminunterbreitung sei im Gesetz der Erlass einer b eschwerdefähigen Verfügung nicht vorgesehen, womit der Nichterlass einer solchen auch kein e Rechtsverweigerung darstellen könne. Es sei die Aufgabe der untersuchungsleitenden S taatsanwaltschaft, die gebotenen Un- tersuchungshandlungen vorzunehmen und im Rahmen ihrer Beweiserhebungen gegebenen- falls auch relevante Zeugeneinvernahmen durchzuführen. Soweit sie sich entscheide, das Vor- verfahren durch eine Anklageerhebung abzuschliessen, obliege die Würdigung der im Strafver- fahren erhobenen Beweise und damit auch die Beurteilung deren Verwertbarkeit dem Sachrich- ter. Gerade bei Vier-Augen-Delikten entspreche es gän giger Praxis, Personen als Zeugen zu befragen, die über das Vorgefallene Informationen li efern könnten, und sei es auch nur vom Hörensagen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers produziere sie durch die vorgese- henen Einvernahmen keine unverwertbaren Beweise. Auch distanziere sie sich von den Vor- würfen, weder neutral noch fair zu agieren. Es stehe dem Beschwerdeführer nicht zu, der Un- tersuchungsleitung vorzuschreiben, wie diese in der Unters uchungsführung vorzugehen habe, welche Beweiserhebungen wann durchgeführt oder nicht d urchgeführt werden sollen und wie sie bisherige Ermittlungsergebnisse zu interpretieren habe. Damit sei es der Staatsanwaltschaft nicht verwehrt, die von der Anzeigestellerin genannten Personen als Zeugen zu befragen, so- fern sie dies als erforderlich erachte. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bb) Es sei nicht Sache des Beschwerdeführers, zu entscheiden, w ann dieser als beschuldigte Person einzuvernehmen sei. Die Staatsanwaltschaft habe zuerst weitere wichtigste Beweise zu erheben, bevor eine Einvernahme mit dem Beschuldigten stattfinden könne. Aus diesem Grund werde dem Beschwerdeführer zur Zeit keine Akteneinsicht gewährt. Würde man der Argumen- tation folgen, wonach das Teilnahme- und Konfrontat ionsrecht durch das Nichtgewähren der Akteneinsicht verletzt werde und der Beschuldigte das Ergänzungsfragerecht nur dann wirksam ausüben könne, wenn er über eine vollständige Kenntni s der gesamten Verfahrensakten verfü- ge, dann könnte die Bestimmung von Art. 101 Abs. 1 StP O mit dieser Begründung immer um- gangen werden. 2.2 a) aa) Der Beschwerdeführer begründet seine Beschwerde vom 2 5. März 2022 im Wesentlichen wie folgt: In casu werde dem Beschuldigten ein Vier-Aug en-Delikt vorgeworfen. Weder der Bru- der noch der Verlobte der Beschuldigenden könnten dahe r Aussagen zum angeblichen Tatge- schehen machen. Gemäss Art. 162 StPO könne nur Zeuge sein , wer einerseits an der Bege- hung einer Straftat nicht beteiligt sei, andererseits aber der Aufklärung dienende Aussagen ma- chen könne. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung könne in Aussage-gegen-Aussage- Konstellationen nur mittels der wissenschaftlich-aussagepsy chologischen Methodik einer in- haltsbasierten Aussageanalyse der Beschuldigenden hinsich tlich deren Glaubhaftigkeit Beweis geführt werden. Im Rahmen dieser Methodik fänden Au ssagen von Drittpersonen über Anga- ben der Beschuldigenden oder Beobachtungen über ihr Verhalten oder Befinden keinerlei Be- rücksichtigung. Massgeblich seien ausschliesslich die Aussagen der Beschuldigenden. Vor die- sem Hintergrund könnten die Angaben, welche der Brude r und der Verlobte der Beschuldigen- den zu machen in der Lage seien, beweisrechtlich gar ke ine Bedeutung entfalten. Diese seien somit von vornherein beweisuntauglich. In Anbetracht hi ervon ziele das Bestreben der Be- schwerdegegnerin, den Bruder und den Verlobten der Be schuldigenden als Zeugen einzuver- nehmen, darauf ab, unverwertbare Beweise zu produzieren, um mit deren Hilfe im gerichtlichen Verfahren im Widerspruch zu Art. 141 Abs. 5 StPO die r ichterliche Beweiswürdigung zu beein- flussen. Die Beschwerdegegnerin agiere trotz ihrer jetzi gen Rolle als Untersuchungsrichterin bereits als Anklägerin und Partei eines allfälligen späteren gerichtlichen Verfahrens, indem sie versuche, ihre spätere Rolle als Anklägerin zu verbessern. Es sei klar, dass die Staatsanwalt- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaft schon jetzt eine Anklageerhebung anstrebe, statt i n ihrer Rolle als Untersuchungsrichte- rin den Sachverhalt ergebnisoffen abzuklären. Sie bezweck e durch ihr Vorgehen, den Aussa- gen der Beschuldigenden zusätzlich Glaubhaftigkeit zu v erleihen durch Personen, welche nicht Zeugen der erhobenen Vorwürfe seien. Dadurch verletze die Beschwerdegegnerin ihre Pflicht zur Neutralität gemäss Art. 3 Abs. 2 StPO. Ausserdem ve rstosse sie gegen den Grundsatz ei- nes fairen Verfahrens gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO, Art. 29 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 EMRK, weil unverwertbare Beweise im Widerspruch zu Art. 141 Abs. 5 StPO stets dem urteilenden Sachgericht zur Kenntnis gelangten. bb) Nachdem die Beschuldigende am 4. November 2021 befragt worden sei, seien auch die wichtigsten Beweise bereits erhoben worden. Infolgedesse n müsse nun als nächste Beweiser- hebung die erste Einvernahme des Beschwerdeführers als b eschuldigte Person erfolgen. Ein diesbezügliches Hinauszögern würde das in Art. 101 StPO s tatuierte Akteneinsichtsrecht der beschuldigten Person aushöhlen. Genau dies tue aber di e Beschwerdegegnerin, womit ihr Ver- halten als rechtsmissbräuchlich zu bezeichnen sei. Überdies w erde hierdurch ein wirksames Ausüben des Ergänzungsfragerechts des Beschwerdeführers gemäss Art. 147 StPO, Art. 32 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK verhindert, da ein solches ohne vollständige Kenntnis der gesamten Verfahrensakten nicht möglich sei. Soweit also seine Anträge ‒ es sei die Be- schwerdegegnerin anzuweisen, weder mit dem Bruder noch mit dem Verlobten der Beschuldi- genden Einvernahmen durchzuführen (Ziff. 1) sowie es se i die Beschwerdegegnerin überdies anzuweisen, als nächste Beweiserhebung eine Einvernahme mit dem Beschwerdeführer durch- zuführen und ihm anschliessend vollständige Akteneinsicht in die gesamten Verfahrensakten zu gewähren (Ziff. 2) ‒ abgewiesen würden, müsse ihm vollständige Einsicht in die gesamten Ver- fahrensakten gewährt werden, ansonsten es ihm nicht m öglich sei, sein Ergänzungsfragerecht wirksam auszuüben. b) Ergänzend legt der Beschwerdeführer in seiner replizie renden Stellungnahme vom 20. April 2022 dar, die Auffassung der Beschwerdegegne rin, wonach es ihm nicht zustehe, der Untersuchungsleitung vorzuschreiben, wie diese in der Un tersuchungsführung vorzugehen ha- be, welche Beweiserhebungen wann durchgeführt oder nich t durchgeführt werden sollen und wie sie bisherige Ermittlungsergebnisse zu interpretieren habe, sei richtig, allerdings habe er lediglich verlangt, dass sich die Staatsanwaltschaft hier bei an das Gesetz und die bundesge- richtliche Rechtsprechung halte. Indem die Beschwerdegegnerin die Reihenfolge der Beweiser- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hebungen festlege, versuche sie, die Gewährung des Akten einsichtsrechts zu Lasten des Be- schwerdeführers zu verzögern. Zutreffend sei zwar, dass mit der Argumentation des Beschwer- deführers die Bestimmung von Art. 101 Abs. 1 StPO umgangen werden könne; dies hänge aber damit zusammen, dass die Gerichte dazu übergegangen se ien, die Ausübung des Teilnahme- rechts als Umsetzung des Konfrontationsanspruchs anzuseh en, sodass die beschuldigte Per- son später über keinen Konfrontationsanspruch mehr ver füge, dieser Anspruch aber nur dann wirksam ausgeübt werden könne, wenn vollständige Akteneinsicht bestehe. 3.1 a) Der Beschwerdeführer beantragt in seinem Rechtsmittel , es sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, weder mit dem Bruder noch mit dem Verlob ten der Beschuldigenden B.____ Ein- vernahmen durchzuführen (Ziffer 1 der Rechtsbegehren). b) aa) In casu ist unbestritten, dass die Verfahrensleitung mom entan bei der Staatsanwaltschaft liegt (Art. 16 Abs. 2 StPO sowie Art. 61 lit. a StPO ), und diese die Anordnungen trifft, die eine gesetzmässige und geordnete Durchführung des Verfahrens gewährleisten (Art. 62 Abs. 1 StPO). Gestützt auf Art. 308 Abs. 1 StPO klärt die Staa tsanwaltschaft in der Untersuchung den Sachverhalt tatsächlich und rechtlich so weit ab, dass sie das Vorverfahren abschliessen kann. Es ist nicht die Aufgabe der Beschwerdeinstanz, sondern d iejenige der Staatsanwaltschaft, die Untersuchung zu führen, den Fall in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht abzuklären, den Ein- satz der Mittel und Möglichkeiten zu beurteilen, das Vor gehen festzulegen und entsprechende Aufträge zu erteilen (GUIDON , a.a.O., N 17 zu Art. 393 StPO, mit Hinweisen). In Anwendung von Art. 6 StPO ist es Sache der Untersuchungsbehörde, von A mtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsa chen abzuklären, wobei sie die be- lastenden und entlastenden Umstände mit gleicher Sorgfalt zu untersuchen hat. Zur Wahrheits- findung setzen die Strafbehörden alle nach dem Stand v on Wissenschaft und Erfahrung geeig- neten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig sind (Art. 139 Abs. 1 StPO). bb) Soll Anklage erhoben werden, so hat die Untersuchung dem Gericht die für die Beurtei- lung von Schuld und Strafe wesentlichen Grundlagen zu liefern (Art. 308 Abs. 3 StPO). Soweit Anklage erhoben worden ist, hat das urteilende Gericht nach dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) frei von Beweisreg eln und nur nach seiner persönlichen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber z u entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft sein Urteil unabh ängig von der Zahl der Beweismittel, wel- che für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Form des Beweismittels (ROBERT HAUSER / ERHARD SCHWERI / KARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 2005, § 54 N 3 f., mit Hinweisen). Beweise frei zu würdigen heisst, Beweismit- tel gewissenhaft und unvoreingenommen auf ihre spezifis che Glaubwürdigkeit und ihren indivi- duellen Beweiswert hin zu beurteilen, um daraus Schlüs se auf das tatsächlich Geschehene zu ziehen. Das Gebot der freien Beweiswürdigung verweist da mit auf die zentrale Aufgabe der Strafbehörden, die historischen Fakten zu ermitteln. D as Gericht darf die Beurteilung dessen, was tatsächlich vorgefallen ist, nicht nach generell-ab strakten Vorgaben, sondern nur frei, in Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls und nach pflichtgemässem Ermessen vornehmen. Es gibt keinen "numerus clausus" der Beweismit tel. Alle zulässigen und verwertba- ren Beweismittel sind formell gleichrangig; Überzeugun gskraft entfalten sie einzig im Umfang ihrer inneren Autorität (T HOMAS HOFER , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozess- ordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 47 ff. zu Art. 10 StPO, mit Hinweisen). cc) Im Zusammenhang mit sogenannten Vier-Augen-Delikten ist praxisgemäss (vgl. zum Ganzen BGer 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 E. 4.2) be deutsam für die Wahrheitsfindung die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, die durch methodi sche Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen be zogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. Damit eine Aussage al s zuverlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realität skriterien und umgekehrt auf das Feh- len von Phantasiesignalen zu überprüfen. Entscheidend i st, ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen Le istungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund mache n könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise vorgenommen, dass das im Rahmen ei nes hypothesengeleiteten Vorge- hens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkma le, so genannte Realkennzei- chen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussag e sowie des Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überpr üft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert werden. Dabei wird zunächst davon ausgegangen, dass die Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist, und erst w enn sich diese Annahme (Nullhypothe- se) aufgrund der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (BGE 133 I 33 E. 4.3; 129 I 49 Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 5; 128 I 81 E. 2; BGer 6B_793/2010 vom 14. April 2011 E. 1.3.1; je mit Hinweisen). Die Prü- fung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist primär Sache der Gerichte (BGer 6B_200/2015 vom 7. Oktober 2015 E. 1.3). c) aa) In Anbetracht der vorgängig zitierten gesetzlichen Best immungen (oben E. 3.1.b/aa) steht es ausser Frage, dass es die Aufgabe der Staatsanwaltschaft ist, bei der Suche nach der mate- riellen Wahrheit nach Massgabe der gesetzlichen Vorgaben alle allenfalls bedeutsamen Bewei- se zu erheben und gestützt hierauf entweder einen Strafbefehl zu erlassen, Anklage zu erheben oder das Verfahren einzustellen (Art. 318 Abs. 1 StPO ). Wie sie dies konkret tut bzw. welche Reihenfolge der Beweismittelerhebung sie als opportun erachtet, steht dabei im pflichtgemäs- sen Ermessen der Staatsanwaltschaft. Die Parteien haben zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen (Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO) sowie bei Bewei serhebungen anwesend zu sein (Art. 147 Abs. 1 StPO), nicht jedoch auf deren konkrete Ausgestaltung einzuwirken und auch nicht gegen die Ablehnung von Beweisanträgen durch die Staatsanw altschaft Beschwerde zu führen, wenn der Antrag ohne Rechtsnachteil vor dem erstinstanzlichen Gericht wiederholt werden kann (Art. 394 lit. b StPO). Letzteres wäre nur möglich, wenn es dem Beschwerdeführer gelänge, den Nachweis des drohenden und schwerwiegenden Beweisverlusts zu erbringen, wobei belegt werden müsste, dass ein Zuwarten mit der Beweisabnahme aller Voraussicht nach zu einem Beweisverlust führen würde (ANDREAS J. KELLER , in: Kommentar zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 3 zu Art. 394 StPO, mit Hinweisen). Dies wird vorliegend jedoch nicht geltend gemacht und spielt von vornherein keine Rolle. bb) Bei der in casu vorherrschenden Beweiskonstellation sind a ngesichts der Natur der Vor- würfe die Aussagen der Anzeigestellerin sowie des Beschu ldigten von zentraler Bedeutung. Diese sind gemäss der vorstehend zitierten methodischen An alyse (oben E. 3.1.b/cc) auf ihre Glaubhaftigkeit zu prüfen. Gerichtsnotorisch nimmt die Zuverlässigkeit von Aussagen mit fort- schreitendem Zeitablauf ab. Insofern wäre es fraglos wün schenswert gewesen, in erster Linie die direkt Beteiligten ‒ mithin die Anzeigestellerin und den Beschuldigten ‒ möglichst zeitnah zu den beanzeigten Geschehnissen einzuvernehmen. Dies bede utet jedoch entgegen der Auffas- sung des Beschwerdeführers weder, dass die Einvernahme von Drittpersonen, welchen die Anzeigestellerin vom beanzeigten Vorfall erzählt haben soll, zeitlich vor der Einvernahme des Beschuldigten generell unzulässig, noch dass die konkrete Einvernahme des Bruders sowie Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Verlobten der Anzeigestellerin von vornherein bew eisuntauglich wäre. Als zum Beweis un- tauglich gelten Beweismittel nur dann, wenn sie (im Si nne von Art. 139 Abs. 1 StPO) per se ungeeignet sind, den beantragten Beweis zu erbringen b zw. wenn sie nicht verwertet werden dürfen, weil sie einem Verwertungsverbot unterliegen. Davon kann in concreto jedoch keine Rede sein. Beweismittel, die theoretisch geeignet sind, die unter Beweis gestellte Beweistatsa- che zu beweisen, sind auch dann nicht ungeeignet, wenn ihr Beweiswert im konkreten Einzelfall zweifelhaft ist. So muss z.B. das Beweismittel auch dann als geeignet eingestuft werden, wenn fraglich ist, ob eine Person die ihr zugeschriebenen Beobachtungen gemacht hat bzw. gemacht haben kann. Ist lediglich der Beweiswert fraglich oder zweifelhaft, so ist der Beweis zu erheben und sein Beweiswert dann im Rahmen der freien Beweiswü rdigung zu beurteilen (W OLFGANG WOHLERS , in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 9 und N 13 zu Art. 139 StPO). Wenngle ich also vorliegend die Aussagen der direkt Beteiligten im Zentrum stehen, bedeutet dies se lbstredend nicht, dass es sich hierbei um die einzig zulässigen Beweise handelt. Der Beschwerdefüh rer geht fehl in seiner Ansicht, wo- nach die allfälligen Aussagen des Bruders sowie des Verlo bten der Anzeigestellerin von vorn- herein einem Verwertungsverbot unterliegen sollen. F raglich ist lediglich, welchen Beweiswert diese allfälligen Aussagen haben werden. Dies zu beurte ilen ist jedoch nach den vorgängigen Darlegungen (oben E. 3.1.b/bb) die Aufgabe des mater iell zuständigen Sachgerichts. Ungeach- tet der Tatsache, wonach bei sogenannten Vier-Augen-D elikten die Aussagen der direkt Betei- ligten (zumindest solange diese überhaupt Depositionen zu Protokoll geben und sich nicht bloss auf das Aussageverweigerungsrecht berufen) die grösste Re levanz aufweisen, kann es durch- aus gerechtfertigt sein, zuerst Drittpersonen einzuvernehm en und erst danach die beschuldigte Person mit sämtlichen erhobenen Beweisen zu konfrontie ren. Ob dies die zur Erforschung der materiellen Wahrheit im Einzelfall zweckdienlichste Vorgehensweise ist, hat die im Vorverfahren zuständige Verfahrensleitung, d.h. die Staatsanwaltschaf t, in Ausübung ihres pflichtgemässen Ermessens zu entscheiden. Gleichermassen hat diese darüber zu bestimmen, welche Beweise als erheblich eingestuft werden und damit für das Gericht die wesentliche Grundlage bilden sol- len für die Beurteilung von Schuld und Strafe. Es ist ausdrücklich zu betonen, dass es geradezu die Pflicht der Staatsanwaltschaft ist, alle allfällig zweckdienlichen Beweise zu erheben, wobei dann das Sachgericht über deren Relevanz (und grundsätzlich auch über deren Verwertbarkeit) entscheidet. Würde die Staatsanwaltschaft dies nicht tun , dann würde sie ihrer gesetzlichen Aufgabe als Strafuntersuchungsbehörde offensichtlich nicht nachkommen. Der Beschwerdefüh- rer scheint davon auszugehen, dass die Aussagen des Bruders und des Verlobten der Anzei- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht gestellerin zwingend zu seinen Lasten ausfallen werden. Denkbar wäre im jetzigen Verfahrens- stadium allerdings auch, dass diese gerade nicht zu eine r Erhärtung der Vorwürfe führen. Nach Gesagtem ist überdies nicht ersichtlich, inwiefern die Be schwerdegegnerin durch die Erfüllung der vom Gesetz definierten Aufgaben im Vorverfahren bestrebt sein soll, ihre Position als Partei vor Gericht in unstatthafter Weise zu verbessern. Abschliessend bleibt in genereller Weise fest- zuhalten, dass es der Beschwerdeinstanz soweit nicht gesetzlich ausdrücklich vorgesehen ‒ so bei der Aufhebung einer Einstellungsverfügung oder bei Feststellung einer Rechtsverweigerung bzw. einer Rechtsverzögerung (Art. 397 Abs. 3 und Abs. 4 StPO) ‒ grundsätzlich verwehrt ist, der Staatsanwaltschaft Weisungen zu erteilen, wie di ese das Untersuchungsverfahren zu füh- ren hat. cc) Gestützt auf diese Erwägungen ist das Rechtsbegehren d es Beschwerdeführers, wonach die Beschwerdegegnerin anzuweisen sei, weder mit dem Bru der noch mit dem Verlobten der Beschuldigenden Einvernahmen durchzuführen, abzuweisen. 3.2 a) Weiter begehrt der Beschwerdeführer, es sei die Staats anwaltschaft anzuweisen, als nächste Beweiserhebung eine Einvernahme mit dem Beschuld igten durchzuführen und ihm anschliessend vollständige Akteneinsicht in die gesamten Verfahrensakten zu gewähren (Ziffer 2 der Rechtsbegehren). b) Dieses Rechtsbegehren ist in Anbetracht der vorstehende n Begründung unter Verweis auf die entsprechenden Erwägungen ohne Weiteres abzuweisen. 3.3 a) Ferner stellt der Beschwerdeführer den Antrag, eventua liter sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, ihm vor der Durchführung der in Ziffer 1 genannten Einvernahmen (mit dem Bru- der und dem Verlobten der Anzeigestellerin) vollstä ndige Einsicht in die gesamten Verfahrens- akten zu gewähren (Ziffer 3 der Rechtsbegehren). b) aa) In Anwendung von Art. 107 Abs. 1 StPO haben die Part eien Anspruch auf rechtliches Gehör und mithin namentlich das Recht auf Akteneinsicht (lit. a), das Recht, sich zur Sache und Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Verfahren zu äussern (lit. d) sowie das Recht, Bewe isanträge zu stellen (lit. e). Die Partei- en haben schon aufgrund von Art. 29 Abs. 2 und Art. 3 2 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 bzw. Ziff. 3 lit. b EMRK Anspruch auf Kenntnisnahme aller Beweisunterlagen, unabhängig davon, ob sie letztlich entscheidrelevant sind oder nicht. Das Aktene insichtsrecht soll sicherstellen, dass insbesondere die beschuldigte Person als Verfahrensparte i von den Entscheidgrundlagen Kenntnis erhält und sich wirksam und sachbezogen verteidig en kann (DANIELA BRÜSCHWEILER / CHRISTA GRÜNIG , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 1 zu Art. 101 StPO, mit Hinweisen). bb) Nach Art. 101 Abs. 1 StPO können die Parteien spätest ens nach der ersten Einvernahme der beschuldigten Person und der Erhebung der übrigen wichtigsten Beweise durch die Staats- anwaltschaft die Akten unter Vorbehalt von Art. 108 St PO einsehen. Gemäss der Praxis des Bundesgerichts besteht zu Beginn der Strafuntersuchung noc h kein absoluter Anspruch auf eine vollständige Akteneinsicht (BGer 1B_474/2019 vom 6 . Mai 2020 = Pra 12/2020 E. 3.1.2; BGE 139 IV 25 E. 5.5.2; vgl. auch NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH , Handbuch des schweize- rischen Strafprozessrechts, 3. Auflage, Zürich / St. Gallen 2017, Rz. 624 Fn. 512). Art. 101 Abs. 1 StPO setzt für die obligatorische Gewährung von Akt eneinsicht kumulativ einerseits die erste Einvernahme des Beschuldigten durch die Staatsanw altschaft nach Art. 158 StPO sowie andererseits die Erhebung der wichtigsten Beweise voraus (SCHMID / JOSITSCH , a.a.O., N 3 f. zu Art. 101 StPO). cc) Gemäss der herrschenden Lehre ist unter dem Begriff de r ersten Einvernahme die in zeit- licher Hinsicht am frühesten erfolgte Einvernahme der b eschuldigten Person durch die Staats- anwaltschaft zu verstehen, d.h. die erste protokollarische Befragung zur Sache (N IKLAUS RUCKSTUHL , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnun g, 2. Auflage, Basel 2014, N 7 zu Art. 158 StPO; JEAN -PIERRE GRETER , Die Akteneinsicht im Schweizerischen Straf- verfahren, in: ZStV Nr. 172, S. 119). Hierzu zählt nac h Art. 158 StPO und Art. 312 Abs. 2 StPO auch eine von der Staatsanwaltschaft an die Polizei de legierte erste Einvernahme (M IRIAM HANS , Einsicht der Parteien in die Akten eines hängigen St rafverfahrens, forumpoenale 4/2014, S. 234; M ARKUS SCHMUTZ , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnu ng, 2. Auflage, Basel 2014, N 14 zu Art. 101 StPO). Es geh t im Rahmen der ersten Einvernahme primär um Fakten, d.h. der beschuldigten Person ist nicht der Vorhalt strafrechtlicher Begriffe oder Bestimmungen zu machen, sondern es sind ihr die ä usseren Umstände der Straftat hin- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtlich Ort, Zeit und Tatumstände vorzuhalten. Die Ori entierung hat aber so konkret zu erfol- gen, dass der Beschuldigte den gegen ihn gerichteten Vor wurf erfassen und sich entsprechend verteidigen kann. Nicht zulässig sind pauschale Vorwürfe (SCHMID / JOSITSCH , a.a.O., N 8 zu Art. 158 StPO). Die erste Einvernahme gilt auch dann als durchgeführt, wenn sie nur summa- risch oder sonst wie zu kurz und damit aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht ergiebig verlaufen ist, oder wenn die beschuldigte Person die Aussagen ga r verweigert hat. Die erste Einvernah- me kann sich indessen bei umfangreichen Sachverhalten auc h über mehrere Teilbefragungen bzw. Einvernahmetermine erstrecken, wenn diese notwend ig sind, damit die beschuldigte Per- son zu sämtlichen zu untersuchenden Sachverhalten erstmal s befragt werden kann. Weitere Einvernahmetermine sind daher nur dann der ersten Einvernahme zuzuordnen, wenn die ange- schuldigte Person zu weiteren Sachverhalten erstmals befr agt wird (SCHMID / JOSITSCH , a.a.O., N 3 zu Art. 101 StPO; B RÜSCHWEILER / GRÜNIG , a.a.O., N 4 zu Art. 101 StPO; G RETER , a.a.O., S. 119; HANS , a.a.O., S. 233; BGer 1B_261/2011 vom 6. Juni 2011 E. 2.3 f.; BGE 137 IV 172; KGer 470 20 130 E. 4.2.2.1). dd) Was die weitere Voraussetzung der Erhebung der übrig en wichtigsten Beweise betrifft, so enthält die Strafprozessordnung weder eine Legaldefin ition des Beweises noch gibt es einen "numerus clausus" der Beweismittel, ohne deren Erhebung die materielle Wahrheit nicht er- forscht bzw. das Verfahren nicht mit Anklage, Einstellung oder Strafbefehl abgeschlossen wer- den kann (BRÜSCHWEILER / GRÜNIG , a.a.O., N 5 zu Art. 101 StPO, mit Hinweisen). Beim Beweis, Beweismittel und Beweisen geht es um das Einbringen von inneren oder äusseren Tatsachen ins Verfahren, um bei der zum Entscheid aufgerufenen J ustizbehörde die Überzeugung zu we- cken, dass die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale des in Frage stehenden De- likts erfüllt oder nicht erfüllt sind. Je nach der Art des Beweises kann der direkte Beweis gelie- fert werden. Der Beweis kann jedoch auch nur indirekter Art sein; genügen können sogar blos- se Hilfstatsachen oder Indizien (S CHMID / JOSITSCH , a.a.O., N 3 vor Art. 139-195 StPO; KGer 470 20 130 E. 4.2.2.3). ee) Zu den übrigen wichtigsten Beweisen im Sinne von Art. 101 Abs. 1 StPO kann allenfalls auch die (erste) Befragung der beschuldigten Person zu (bereits erhobenen) massgeblichen Beweisergebnissen zählen (BGer 1B_4/2017 vom 3. März 20 17 E. 4.3). Damit eine Einschrän- kung des Akteneinsichtsrechts gestützt auf Art. 101 Abs. 1 StPO zulässig ist, reicht es indessen nicht aus, dass die Beweismittel, deren Vorhalt gegenübe r der beschuldigten Person noch er- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht folgen soll, von erheblicher Bedeutung sind. Vielmehr ist kumulativ vorausgesetzt, dass auch dieser Befragung der beschuldigten Person möglicherweis e eine entscheidende Bedeutung zukommt, sie also ein wichtiges Beweismittel im Sinne von Art. 101 Abs. 1 StPO darstellt, und die vorzeitige Gewährung der vollständigen Akteneinsicht die Untersuchung diesbezüglich stö- ren könnte (BGer 1B_585/2021 E. 2.3). c) aa) Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass die erste Einve rnahme der beschuldigten Person im Sinne von Art. 101 Abs. 1 StPO noch nicht stattgefun den hat, richten sich doch die Rechts- begehren 1 und 2 des Beschwerdeführers darauf, dass als nächste Beweiserhebung eine (ers- te) Einvernahme mit ihm durchgeführt werden soll. Gestützt auf diese Tatsache erübrigt sich die Prüfung, ob die Erhebung der übrigen wichtigsten Bewe ise als kumulative Voraussetzung für die Akteneinsicht nach Art. 101 Abs. 1 StPO bereits stat tgefunden hat, und es ist festzustellen, dass die Voraussetzungen für die obligatorische Gewährun g von Akteneinsicht offensichtlich nicht erfüllt sind, womit die Staatsanwaltschaft das Gesu ch des Beschuldigten um vollständige Akteneinsicht zum jetzigen Zeitpunkt grundsätzlich zu Recht abgewiesen hat. Zu würdigen bleibt damit nur, ob die Staatsanwaltschaft unbesehe n des objektiv betrachtet formell korrekten Vorgehens allenfalls rechtsmissbräuchlich gehandelt hat, wie ihr dies vom Beschwerdeführer vorgehalten wird. Dies wäre namentlich dann zu bejahen , wenn die Beschwerdegegnerin die erste Einvernahme des Beschuldigten aus sachfremden Mot iven möglichst lange hinauszögert bzw. bloss deshalb nicht durchführt, um eine Legitimatio n zu haben, ihm die Akteneinsicht zu verweigern. Eine solche Konstellation ist vorliegend je doch nicht gegeben, was sich wie folgt begründet: bb) Aus der Prozessgeschichte ergibt sich, dass B.____ mit Schr eiben vom 20. Mai 2021 bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen den Besc huldigten wegen Vergewaltigung ein- gereicht hat. Dieses Schreiben ist dem Beschwerdeführer zusammen mit der Eröffnungsverfü- gung vom 31. Mai 2021 am 6. Juli 2021 zur Kenntnis ge bracht worden. Mit Eingabe vom 11. Juni 2021 hat der Beschwerdeführer seine Parteirec hte gegenüber der Staatsanwaltschaft geltend gemacht. Mit E-Mail der Staatsanwaltschaft vom 14. Juni 2021 ist dem Beschwerdefüh- rer eine Terminanfrage in Bezug auf die Einvernahme mit der Anzeigestellerin unterbreitet wor- den. Mit weiterer E-Mail der Staatsanwaltschaft vom 21. Juni 2021 sowie Antwortmail des Be- schwerdeführers vom 28. Juni 2021 ist der Einvernahmeterm in mit der Anzeigestellerin auf den Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12. August 2021 festgelegt worden. Mit Schreiben vom 1 4. Juli 2021 hat der Beschuldigte sei- nerseits eine Strafanzeige gegen B.____ wegen des Vorw urfs der falschen Anschuldigung und der Verleumdung eingereicht und zugleich sämtliche ihn betreffenden Vorwürfe bestritten. Die entsprechende Strafuntersuchung hat die Staatsanwalt schaft mit Verfügung vom 21. Februar 2022 sistiert. Mit Vorladung vom 28. Juni 2021 ist der Einvernahmetermin mit B.____ per 12. August 2021 bestätigt worden. Diese geplante Einve rnahme ist mit E-Mail der Staatsan- waltschaft vom 2. August 2021 abgesagt worden. Am 8. Sep tember 2021 ist dem Beschwerde- führer eine weitere Terminanfrage bezüglich der Einver nahme der Anzeigestellerin unterbreitet worden, auf welche dieser nicht reagiert hat. Daraufhi n hat die Staatsanwaltschaft auf telefoni- schem Wege nach Absprache mit den Parteien am 20. Sep tember 2021 einen neuen Einver- nahmetermin festgelegt. Am 4. November 2021 hat soda nn die erste Einvernahme mit der An- zeigestellerin stattgefunden. Anlässlich dieser Einvernahm e hat diese vorgebracht, ihrem Ver- lobten sowie ihrem Bruder vom betreffenden Vorfall be richtet zu haben, woraufhin die Staats- anwaltschaft eine entsprechende Einvernahme mit den b eiden Genannten beschlossen hat. Darauf folgend hat die Staatsanwaltschaft mit Datum vom 10. Februar 2022 dem Beschuldigten eine Terminanfrage hinsichtlich der Einvernahmen des Pa rtners sowie des Bruders der Anzei- gestellerin unterbreitet. Daraufhin hat der Beschwerde führer mit Schreiben vom 21. Februar 2022 sein Unverständnis über die geplanten Einvernahmen zum Ausdruck gebracht und zu- gleich die Einvernahme mit ihm als beschuldigte Person b eantragt. In der Folge hat die Staats- anwaltschaft mit Schreiben vom 25. Februar 2022 dem B eschwerdeführer die Frist zur Be- kanntgabe der Verfügbarkeit bezüglich der Teilnahme a n den fraglichen Einvernahmen verlän- gert. Schliesslich hat der Beschwerdeführer mit Stellungnahme vom 2. März 2022 beantragt, es seien weder der Bruder noch der Lebenspartner der An zeigestellerin als Zeugen einzuverneh- men, vielmehr sei als nächster Verfahrensschritt er selbe r als beschuldigte Person einzuver- nehmen; ausserdem seien ihm umgehend die gesamten Ver fahrensakten zur vollständigen Einsichtnahme zuzustellen und es sei über diese Anträge i m Wege einer anfechtbaren Verfü- gung zu entscheiden. Seine Verfügbarkeit im Hinblick a uf die Teilnahme an den Einvernahmen mit dem Bruder und dem Verlobten der Anzeigestelleri n hat der Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt mitgeteilt. Hieraus erhellt, dass es ‒ insbesondere angesichts der soweit bekannt übersichtlich en Anzahl von bisherigen Verfahrenshandlungen ‒ wiederholt zu Verfahrensverzögerungen gekommen ist, wobei diese teilweise durch die Staatsanwaltschaft und teilweise durch den Beschwerdefüh- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht rer zu verantworten sind; durch Letzteren insbesondere aufgrund seiner konsequenten Weige- rung, bei Terminabsprachen hinsichtlich den Einvernahmen mit dem Bruder und dem Verlobten der Anzeigestellerin mitzuwirken. Wie bereits vorgängi g festgestellt (oben E. 3.1.c), liegt es im pflichtgemässen Ermessen der Staatsanwaltschaft, alle zur Ermittlung der materiellen Wahrheit tauglich erscheinenden Beweise zu erheben und dabei auc h die konkrete Reihenfolge bei de- ren Erhebung zu bestimmen. Die beschuldigte Person kann hierauf keinen Einfluss nehmen, es sei denn, sie könne nachweisen, dass ein Zuwarten mit d er Beweisabnahme aller Voraussicht nach zu einem Beweisverlust führen würde, was vorliege nd aber nicht geltend gemacht wird und (zumindest zu Lasten des Beschwerdeführers) auch nicht ersichtlich ist. Nichtsdestotrotz wäre es im Hinblick auf die Wahrheitsfindung in casu w ünschenswert gewesen, die Einvernah- men mit den beiden direkt betroffenen Personen (und auch den allfälligen Zeugen) zeitlich mög- lichst nahe zur beanzeigten Tat durchzuführen, nachdem di e entsprechenden Depositionen erfahrungsgemäss die hauptsächlichen Beweise darstellen d ürften. Unabhängig der letzten Feststellung ist aber entscheidend dafür, dass das Verhal ten der Beschwerdegegnerin in con- creto nicht zu beanstanden ist, deren zu Recht erfolgter Hinweis, wonach es durchaus gängiger Praxis entspricht, bei sogenannten Vier-Augen-Delikten, worum es sich in casu handelt, zuerst Drittpersonen als allfällige Zeugen zu befragen und er st danach der beschuldigten Person die Untersuchungsergebnisse gegenüberzustellen. Hieraus folgt , dass eine Konfrontation des Be- schuldigten mit den Vorwürfen ‒ soweit diese nicht bloss pro forma als erste Einvernahme gel- ten soll (vgl. oben E. 3.3.b/cc) ‒ und der in diesem Zusammenhang störungsfrei erhobenen massgeblichen Beweise, worunter in einem Fall wie dem vorliegenden eben auch die Aussagen von Zeugen bzw. Auskunftspersonen gehören, ohne Weiteres als sachgerecht zu bezeichnen ist. Dass im Übrigen die entsprechenden Einvernahmen bislang nicht durchgeführt worden sind, liegt nicht zuletzt daran, dass die Staatsanwaltschaft w iederholt versucht hat, einen entspre- chenden Termin unter Rücksichtnahme auf die Interessen des Beschwerdeführers zu finden, dieser aber bislang seine Mitwirkung verweigert hat. Infolgedessen kann der Staatsanwaltschaft kein rechtsmissbräuchliches Verhalten vorgeworfen werden, weshalb sie im Ergebnis dem Be- schuldigten zu Recht (noch) keine vollständige Akteneinsich t gewährt hat zufolge der bisher nicht stattgefunden ersten Einvernahme. Zutreffend ist zwar der Einwand des Beschwerdefüh- rers, dass die beschuldigte Person mangels Aktenkenntnissen i hre Teilnahmerechte bei Befra- gungen von Zeugen bzw. Auskunftspersonen nur beschränkt a usüben kann und diese deshalb zwecks Verwertbarkeit allenfalls wiederholt werden müsse n; dies ist allerdings bei der vorlie- genden gesetzlichen Konzeption hinzunehmen. Abschliessend b leibt zu konstatieren, dass in Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht casu die Einvernahmen mit dem Bruder und dem Verlobten der Anzeigestellerin angesichts der Terminvorschläge im Schreiben vom 18. März 2022 zwischenzeit lich durchgeführt worden sein sollten, womit nunmehr einer Einvernahme des Beschwerde führers als beschuldigte Person und in deren Folge dessen vollständigen Akteneinsicht ni chts mehr im Wege stehen sollte, zu- mal es sich nicht um einen besonders komplexen Sachverhalt zu handeln scheint, die Anzeige- stellung immerhin schon über ein Jahr her ist und der Beschwerdeführer zu Recht darlegt, dass die Akteneinsicht nach Art. 101 Abs. 1 StPO spätestens nach der ersten Einvernahme der be- schuldigten Person und der Erhebung der übrigen wichtigsten Beweise zu gewähren ist. cc) Gestützt auf diese Darlegungen ist auch das Rechtsbegehr en des Beschwerdeführers, eventualiter sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, ih m vor der Durchführung der in Ziffer 1 genannten Einvernahmen (mit dem Bruder und dem Verl obten der Anzeigestellerin) vollständi- ge Einsicht in die gesamten Verfahrensakten zu gewähren, abzuweisen. 3.4 a) Schliesslich beantragt der Beschwerdeführer, subeventua liter sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, bezüglich der von ihm gestellten Begehren (es sei keine Einvernahme mit dem Bruder oder dem Verlobten der Anzeigestellerin durchzu führen bzw. es sei zuerst eine Einver- nahme mit ihm durchzuführen) eine förmliche Verfügung zu erlassen (Ziffer 4 der Rechtsbegeh- ren). b) Beim Begriff "Rechtsverweigerung" wird unterschieden zwi schen formeller und materieller Rechtsverweigerung. Formelle Rechtsverweigerung bedeutet, dass eine Behörde dem Rechts- suchenden "auf eine Art und Weise begegnet, die vor re chtsstaatlichen Verfahrensprinzipien unhaltbar erscheint". Unter materieller Rechtsverweig erung werden in der Regel Willkür und andere materielle Fehler verstanden. Von formeller R echtsverweigerung im engeren Sinn wird gesprochen, wenn es eine Behörde zu Unrecht unterlässt, einen Entscheid zu fällen (F ELIX UHLMANN , in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, Basel 20 08, N 1 zu Art. 94 BGG, mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine Rechtsverweigerung gege- ben, wenn eine Behörde es ausdrücklich ablehnt, eine En tscheidung zu treffen, obwohl sie da- zu verpflichtet ist (BGer 2C_152/2014 vom 5. September 2014 E. 2.1). Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) Die Rechtsverweigerungs- bzw. Rechtsverzögerungsbeschwerde kan n nicht gegen das Verweigern oder Verzögern eines beliebigen, sondern n ur eines anfechtbaren Entscheids ge- führt werden (BGer 2C_152/2014 vom 5. September 201 4 E. 1.2.1). In Anbetracht der vorste- henden Erwägungen des Kantonsgerichts (oben E. 3.1 und 3.2) ist festzustellen, dass der Be- schwerdeführer keinen Anspruch darauf hat, wonach keine Einvernahmen mit dem Bruder oder dem Verlobten der Anzeigestellerin durchgeführt werde n bzw. dass zuerst eine Einvernahme mit ihm stattfindet, woraus folgt, dass er auch keinen An spruch auf Erlass einer anfechtbaren Verfügung in diesem Zusammenhang hat und insoweit die Beschwerdegegnerin von vornherein nicht verpflichtet gewesen ist, einen entsprechenden En tscheid zu treffen. Hinzu kommt, dass die Beschwerdegegnerin in ihrem Schreiben vom 18. März 2022 ‒ welches gemäss den vorste- henden Erwägungen zu den Formalien (vgl. oben E. 1.c) vorliegend als anfechtbare Verfah- renshandlung eingestuft und entsprechend materiell ge prüft worden ist ‒ ihren diesbezüglichen Standpunkt dargelegt und es damit gerade nicht abgeleh nt hat, eine Entscheidung zu treffen. Folglich ist das Vorliegen einer Rechtsverweigerung ohn e Weiteres zu verneinen. Demzufolge ist auch das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers, subevent ualiter sei die Staatsanwalt- schaft anzuweisen, bezüglich der von ihm gestellten Begehr en (es sei keine Einvernahme mit dem Bruder oder dem Verlobten der Anzeigestellerin d urchzuführen bzw. es sei zuerst eine Einvernahme mit ihm durchzuführen) eine förmliche Verfügung zu erlassen, abzuweisen. d) Nach diesen Darlegungen ist die Beschwerde des Beschuldig ten vom 25. März 2022 ge- gen die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 18. März 2022 sowie deren ebenfalls vom 18. März 2022 datierenden Schreiben insgesamt als unbegründet abzuweisen. 4. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Bei vorl iegendem Verfahrensausgang ge- hen somit die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1'550.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'500.-- sowie Ausla gen von CHF 50.-- [§ 13 Abs. 1 GebT sowie § 3 Abs. 6 GebT]) zu Lasten des Beschwerdeführers, w elcher ausserdem seine Partei- kosten selbst zu bezahlen hat. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von CHF 1'550.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'500 .-- sowie Aus- lagen von CHF 50.--) gehen zu Lasten des Beschwerdeführers. 3. Dem Beschwerdeführer wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist rechtskräftig