B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-722/2010 law/rep U r t e i l v o m 5 . O k t ob e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Januar 2010 / N (…). D-722/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin stellte am 22. Juli 2003 bei der Schweizer Vertretung in Ankara ein erstes Einreise - und Asylgesuch, welches das BFM mit Verfügung vom 30. März 2004 ablehnte. Eine hiergegen am 19. April 2004 erhobene Beschwerde wies die damals zuständig e Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil vom 22. Sep- tember 2005 ab. A.b Am 27. Oktober 2005 stellte der Vater der Beschwerdeführerin (N […]), welchem in der Schweiz Asyl gewährt worden war, mittels seines Rechtsvertreters in der Schweiz beim BFM ein Gesuch um Familienz u- sammenführung für seine Ehefrau und die Beschwerdeführerin , das er hinsichtlich der letzteren im Wesentlichen damit begründete, am 22. September 2005 sei deren Bruder B._______ in Istanbul wegen poli- tischer Tätigkeiten für die MLKP (Marxistische Leninistische Kommunist i- sche Partei) festgenommen und danach ins Gefängnis von C._____ über- führt worden, wo er seither in Untersuchungshaft sitze und mit einer G e- fängnisstrafe von zwölf Jahren rechnen müsse. Da die Mutter der B e- schwerdeführerin gestützt auf Art. 51 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) einen Anspruch auf Einreise in die Schweiz und dortigen Aufenthalt habe, wäre die ledige Beschwerdeführe- rin in der Türkei künftig auf sich alleine gestellt, womit sie den weiterhin zu gewärtigenden polizeilichen Nachstellungen und Behelligungen schutzlos ausgeliefert wäre. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2005 lehn- te das BFM das Gesuch vom 27. Oktober 2005 sowohl unter dem Aspekt eines Asylgesuches aus dem Ausland als auch unter dem Aspekt der Re- geln des Familienasyls im Sinne von Art. 51 Abs. 2 und 4 AsylG ab und verweigerte der Beschwerdeführerin abermals die Einreise in die Schweiz. A.c Am 7. April 2006 stellte die Beschwerdeführerin mittels ihres Rechts- vertreters in der Schweiz ein drittes Gesuch um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl, welches das BFM mit Verfü- gung vom 8. November 2006 ablehnte. Hiergegen erhob die Beschwe r- deführerin am 11. Dezember 2006 bei der ARK Beschwerde. B. Die Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland eigenen Angaben zufolge am 22. Oktober 2007 via den Flughafen Istanbul und gelangte am selben Tag per Direktflug in die Schweiz, wo sie am 29. Oktober 2007 um Asyl D-722/2010 Seite 3 nachsuchte. In der F olge schrieb das Bundesverwaltungsgericht die im Rahmen ihres dritten Asylverfahrens aus dem Ausland bei der ARK erh o- bene Beschwerde mit Entscheid D-5195/2006 vom 8. November 2007 als gegenstandslos geworden ab. Am 2. November 2007 erhob das BFM im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ihre Personalien und be- fragte sie summarisch zu ihrem Reiseweg sowie zu ihren Ausreisegrün- den. Mit Zwischenverfügung vom 13. November 2007 wies sie das Bu n- desamt für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton D._______ zu. Am 23. November 2009 hörte sie das BFM in Bern-Wabern einlässlich zu ih- ren Asylgründen an. Zur Begründung ihres Asylgesuches machte d ie Beschwerdeführerin – eine türkische Staatsangehörige kurdischer Ethnie aus der Provinz E._______ – geltend, sie habe vor ihrer Ausreise aus der Türkei an wechselnden Adressen bei verschiedenen Verwandten gelebt. Ihre Eltern F._______ (N […]) und ihre Geschwister G._______ (N […]), H._______ (N […]) und I._______ (N […]) seien schon früher in die Schweiz eing e- reist und hä tten hier alle Asyl erhalten. Sie selbst sei namentlich wegen der politischen Aktivitäten ihres Vaters und ihres Bruders J._______ für die MLKP unter dem Druck der türkischen Behörden gestanden. Ihr Vater sei deswegen in der Türkei lange Jahre im Gefängnis gewesen und im Jahre 2003 in die Schweiz gereist, wo er heute als Flüchtling anerkannt sei. Ihr Bruder J._______ sei im September 2005 von den türkischen B e- hörden festgenommen worden und seither im Gefängnis von C._______ inhaftiert, wo sie ihn auch schon besucht habe und in diesem Zusa m- menhang vom dortigen Gefängnispersonal schikaniert und beschimpft worden sei. Nach der Ausreise ihrer Mutter aus der Türkei im (…) habe der behördliche Druck auf sie zugenommen. Sie habe sich in der Folge von K._______, wo sie zusammen mit ihrer Mutter gelebt habe, zu einem in C._______ lebenden Onkel väterlicherseits (L._______) begeben. Am 5. Januar 2006 sei sie in C._______ von drei in Zivil gekleideten Poli- zisten in einem Auto entführt worden. Diese hätten sie an ei nen abgele- genen Ort gebracht und ihr mit Vergewaltigung gedroht, falls sie nicht mit ihnen zusammenarbeiten würde. Dabei hätten die Polizisten sie insb e- sondere aufgefordert, ihnen Informationen über die politischen Aktivitäten ihres im September 2005 in der Türkei verhafteten Bruders J._______ zu liefern, den sie damals bereits im Gefängnis besucht habe. Ende Januar und Anfang Februar 2006 hätten die Polizisten sie in C._______ auf der Strasse erneut angehalten und zur Kollaboration gedrängt. In der Folge habe sie sich nicht mehr getraut, das Haus ihres Onkels in C._______ zu D-722/2010 Seite 4 verlassen, was dazu geführt habe, dass die Sicherheitskräfte diesen pe r- sönlich unter Druck gesetzt hätten. Aus diesen Gründen habe sie sich an den türkischen Menschenrechtsverein (IHD/ Insan Haklari Dernegi) in C._______ gewandt, welcher am (…) in ihrem Beisein eine Pressekonf e- renz durchgeführt habe, bei der sie persönlich das Verhalten der Siche r- heitskräfte ihr gegenüber angeprangert habe. Gleichzeitig habe sie via einen vom türkischen Menschenrechtsverein in C._______ organisierten Anwalt eine Anzeige gegen ihre Entführer eingereicht. Einige Tage nach dieser Pressekonferenz sei sie zu einer Tante väterli- cherseits (M._______) nach Adana geflüchtet, wo die türkischen Siche r- heitsbehörden sie jedoch rasch aufgespürt und erneut bedroht hätten. Ähnliches habe sich auch in Bursa beziehungsweise in Istanbul zugetr a- gen, wo sie bei einem Onkel väterlicherseits (N._______) respektive einer Tante mütterlicherseits (O._______) gelebt habe. Ihre Anwe senheit in I s- tanbul habe sogar dazu geführt, dass die Sicherheitskräfte d eren Woh- nung durchsucht hätten. Die Sicherheitskräfte hätten damals nur deshalb davon abgesehen, sie mitzunehmen, weil ihre Tante sich tatkräftig einem entsprechenden Vorhaben der Sicherheitskräfte in den Weg gestellt habe. Aufgrund ihrer ausweglosen Situation hätten Freunde ihres Vaters in der Türkei schliesslich ihre Flucht aus der Türkei vorbereitet. Am 22. Oktober 2007 habe sie mit einem grünen Pass für türkische Beamte direkt in d ie Schweiz fliegen können. Die Beschwerdeführerin reichte bereits im Rahmen ihres dritten Au s- landsverfahrens Kopien eines im Internet publizierten Artikels der Zeitung "P ._______" vom (…) über eine vom IHD C._______ in ihrer Anwesenheit durchgeführte Pressekonferenz ein, worin sie über ihre im Januar und Februar 2006 erlittenen Einschüchterungen seitens türkischer Polizisten berichtet (vgl. Beilagen zu act. C7/12) . Weiter reichte sie Faxkopien einer von Rechtsanwalt Q._______ für sie aufgesetzten Strafanzeige unter Bei- fügung der dieser zugrundeliegenden und protokollierten eigenen Aussa- gen (inklusive deutsche Übersetzungen) ein (vgl. act. C15/12). C. Mit Verfügung vom 5. Januar 2010 – eröffnet am 11. Januar 2010 – stellte das BFM fest, d ie Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte de ren Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. D-722/2010 Seite 5 D. Mit Eingabe vom 8. Februar 2010 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht mittels ihres Rechtsvertreters Beschwerde ge- gen die Verfügung des BFM vom 5. Januar 2010. Darin beantragt e sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Es sei ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug unzulässig und unzumutbar erscheine. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu be- willigen und es sei ihr in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltl i- cher Rechtsbeistand beizugeben. Im Weiteren beantragte sie den Beizug der Asylverfahrensakten ihrer Eltern F._______ (N […]) sowie derjenigen ihrer Geschwister H._______ (N […]), I._______ (N […]) und G._______ (N […]). Der Rechtsvertreter legte der Beschwerde die Kopie des vom Kompetenzzentrum Integration in D._______ für seine Mandantin ausg e- stellten Monatsbudgets Januar 2010 bei. E. Am 11. Februar 2010 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ei n- gang der Beschwerde. F. Mit Verfügung vom 1. März 2010 hielt der Instruktionsrichter des Bundes- verwaltungsgerichts fest, d ie Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang ih- res Verfahrens in der Schweiz abwarten. Im Weiteren hiess er das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) unter Vorbehalt einer nachträglichen Verände- rung der finanziellen Verhältnisse de r Beschwerdeführerin gut und ve r- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Demgegenüber wies er das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung mangels Erforderlichkeit ab. Antragsgemäss zog er die Asylakten der E l- tern sowie der drei Geschwister der Beschwerdeführerin für das vorli e- gende Beschwerdeverfahren bei. Schliesslich lud er die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 16. März 2010 ein. G. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 26. März 2010 fest, die Be- schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Insbesondere sei die Gefährdungslage der Beschwerdeführerin bereits in Würdigung der familiären Vorbelastung beurteilt worden. Im Üb-D-722/2010 Seite 6 rigen verwies es vollumfänglich auf seine Erwägungen in der angefochte- nen Verfügung und beantragte die Abweisung der Beschwerde. H. Das Bundesv erwaltungsgericht stellte dem Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin die Vernehmlassung des BFM vom 2 6. März 2010 am 30. März 2010 zur Kenntnisnahme zu. I. Mit Begleitschreiben vom 13. April 2010 teilte der Rechtsvertreter dem Bundesverwaltungsgericht mit, d ass seine Mandantin beim (…) des R._______ in D._______ eine Therapie begonnen habe. Als Beilage reichte er eine an seine Mandantin adressierte Einladung des S._______ vom 30. März 2010 auf den 8. April 2010 ein. J. Mit Begleitschreiben vom 1. November 2010 reichte der Rechtsvertreter einen vom 25. Oktober 2010 datierenden Therapiebericht des S._______ ein. Ergänzend fügte er an, die in besagtem Therapiebericht erwähnten schwer wiegenden psychischen Probleme, an welchen seine Mandantin bis heute leide, korrespondierten mit den von ihr geltend gemachten Ve r- folgungsmassnahmen, die sie in der Türkei erlitten habe. K. Am (…) reiste der Bruder J._______ der Beschwerdeführerin in die Schweiz ein und stellte am (…) ein Asylgesuch (N […]). Zur Begründung führte er anlässlich seiner Erstanhörung im EVZ Basel vom 21. Dezember 2011 namentlich aus, er sei früher Verantwortlicher der Zeitung "P ._______" in T._______ und gleichzeitig Korrespondent dersel- ben Zeitung in K._______ gewesen. Wegen seiner journalistischen Tätig- keiten sei er zwischen 1994 und 2002 mehrfach festgenommen und g e- foltert worden. Im Jahre 1997 sei er deswegen sieben oder acht Monate lang in Untersuchungshaft gewesen. Am (…) sei er in Istanbul verhaftet und anschliessend in C._______ in Untersuchungshaf t gewesen. Schliesslich sei er gerichtlich zu einer Gefängnisstrafe von 7 ½ Jahren verurteilt worden. Am (…) sei er aus de m Strafvollzug entlassen worden. Nach seiner Freilassung habe ihn die Polizei mit dem Tode bedroht und ihn aufgefordert, C._______ zu verlassen. In E._______ sei er zweimal auf den Gendarmerieposten zitiert worden, wo er in ähnlicher Weise b e- droht worden sei. In Istanbul schliesslich habe er seine Tätigkeit für die Zeitung wieder aufnehmen wollen. Auch dort habe ihn die Polizei indes-D-722/2010 Seite 7 sen nicht in Ruhe gelassen. Einmal hätten ihn in Istanbul Polizisten in ein Auto gezerrt und mit einer Waffe bedroht. Diese anhaltenden behördli- chen Belästigungen hätten ihn zur Flucht in die Schweiz veranlasst. Zur Bekräftigung seiner Gesamtvorbringen reichte der Bruder der Beschwe r- deführerin unter anderem eine Anklageschrift vom (…) sowie ein G e- richtsurteil vom (…) ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich des Asylrechts endgültig, ausser, was vorliegend nicht zutrifft, bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än - derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Reli gion, Nationali-D-722/2010 Seite 8 tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten n amentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen damit, sie sei namentlich im Zusammenhang mit den politischen Aktivitä- ten ihres Vaters sowie ihres Bruders J._______ unter Druck der türk i- schen Behörden gestanden. Nach der im Jahre 2003 erfolgten Ausreise ihres Vaters in die Schweiz und der Festnahme ihres Bruders J._______ in der Türkei im September 2005 habe sich der behö rdliche Druck ve r- stärkt. Nachdem ihre Mutter am (…) die Türkei ebenfalls verlassen habe, sei sie das einzige in der Türkei verbliebene Kind ihrer Eltern gewesen, weil – von ihrem Bruder J._______ abgesehen – auch sämtliche ihrer Geschwister die Türkei bereits zu einem früheren Zeitpunkt verlassen hät- ten. Nach dem Wegzug ihrer Mutter in die Schweiz sei sie zu einem in C._______ wohnhaften Onkel väterlicherseits gezogen, wobei sie dort gleichzeitig ihren Bruder J._______ im Gefängnis besucht habe. Am 5. Januar 2006 hätten sie drei in Zivil gekleidete Polizisten in C._______ in einem Auto entführt. Diese hätten sie an einen abgeschiedenen Ort ge- fahren und ihr angetragen, Spitzeldienste für sie zu verrichten, ansonsten man sie vergewaltigen werde. Dabei seien die Polizisten insbesondere an Informationen über ihren inhaftierten Bruder J._______ interessiert gewe- sen, da sie allem Anschein nach gewusst hätten, dass sie diesen kurz vorher im Gefängnis besucht habe. Ende Januar und Anfang Februar 2006 hätten die Polizisten sie in C._______ abermals auf der Strasse an- gehalten und zur Kolla boration gedrängt, was sie abgelehnt habe. Da- nach sie sich nicht mehr getraut, das Haus ihres Onkels in C._______ zu verlassen, was dazu geführt habe, dass die Sicherheitskräfte diesen per- sönlich unter Druck gesetzt hätten. Deshalb habe sie sich an den türk i-D-722/2010 Seite 9 schen Menschenrechtsverein in C._______ gewandt, welcher am (…) gemeinsam mit ihr eine Pressekonferenz durchgeführt habe, bei der sie persönlich das Verhalten der Sicherheitskräfte i hr gegenüber angepra n- gert habe. Gleichzeitig habe sie mittels eines vom IHD in C._______ or- ganisierten Anwalts eine Anzeige gegen die fehlbaren Polizisten einge- reicht. Einige Tage nach dieser Pressekonferenz sei sie zu einer Tante väterlicherseits nach Ada na geflüchtet, wo die türkischen Sicherheitsb e- hörden sie jedoch rasch aufgespürt und erneut bedroht hätten. Ähnliches sei auch in Bursa beziehungsweise in Istanbul passiert, wo sie bei einem Onkel väterlicherseits beziehungsweise einer Tante mütterlicherseits g e- lebt habe. Ihre Anwesenheit in Istanbul habe sogar dazu geführt, dass die Sicherheitskräfte die Wohnung ihrer Tante durchsucht hätten. Die Sicher- heitskräfte hätten sie damals mitnehmen wollen, was nur deshalb nicht geglückt sei, weil ihre Tante sich energisch für sie gewehrt habe. 4.2 4.2.1 Hinsichtlich der Vorbringen der Beschwerdeführerin ist vorweg fest- zustellen, dass sie – wenn überhaupt – selber politisch nur in sehr geri n- gem Ausmass tätig war. So erklärte sie bei ihrer Befragung durch die Bot- schaft in Ankara vom 22. Juli 2003 anlässlich ihres ersten Asylgesuchs aus dem Ausland auf die Frage hin, ob sie politisch aktiv sei, sie sei an Politik nicht interessiert (vgl. act. A3/6 S. 4). Erst bei ihre n Anhörungen durch das BFM am 2. November 2007 und 23. November 2009 im Ra h- men des vorliegenden Verfahrens machte sie geltend, sie habe sich in der Schule für die Jugend eingesetzt und die Zeitschrift " U._______" ver- teilt beziehungsweise sei für diese tätig gewesen . Ausserdem habe sie die Zeitungen " P ._______" und " V._______" gelesen (vgl. act. D1/14 S. 10 oben i.V.m. act. D22/15 S. 5 F und A23). Auf Nachfrage hin, we s- halb sie sich früher als politisch nicht aktiv b zw. uninteressiert beschrie- ben habe, erklärte sie zwar, sie habe damals aus Angst, ihre Aussagen in der Schweizer Botschaft in Ankara könnten der türkischen Polizei zur Kenntnis gelangen, nicht die Wahrheit gesagt (vgl. act. D22/15 S. 5 F und A26). Diese Erklärung ist jedoch entgegen der in der Beschwerde implizit vertretenen Ansicht (vgl. Beschwerde S. 10, Ziff. 6.6, Abs. 3) als Schutz- behauptung zu werten. Sie vermag schon deshalb nicht zu überzeugen , weil sich eine Person, die einen Drittstaat um Schutz vor Verfolgung er- sucht, dem um Schutz ersuchten Staat gegenüber aber gleichzeitig unter Berufung auf persönliche Schutzinteressen nach eigenem Gutdünken die Mitwirkungs- bzw. Wahrheitspflicht verletzt, von vornherein in sich wide r- sprüchlich verhält. D-722/2010 Seite 10 4.2.2 Ungeachtet dessen in mit Bezug auf die V orbringen der Beschwer- deführerin festzuhalten, dass es in der Türkei auch heute noch zu staatl i- chen Repressalien gegen Familienangehörige von politischen Aktivisten kommen kann, die als sogenannte Reflexverfolgung flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne vo n Art. 3 AsylG sein können. Die Wahrscheinlichkeit einer asylrelevanten Reflexverfolgung hängt allerdings stark von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab. Bedroht sind vor allem Pers o- nen, die sich offen für politisch aktive Verwandte einsetzen (vgl. Urteile E- 8572/2010 vom 15. Mai 2012 E. 5.3.2, E-255/2009 vom 20. Januar 2012 E. 5.1, EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3 S. 199 f.). Diesbezüglich ergibt sich aus den Akten, dass die Beschwerdeführerin zweifellos einer Familie an- gehört, deren Mitglieder sich tei lweise in beträchtlichem Mass politisch engagiert haben und dabei erheblichen Verfolgungsmassnahmen ausg e- setzt waren. So wurde etwa der Vater der Beschwe rdeführerin – W._______ (N […]) – als gewerkschaftlich tätiger (…) kurz nach dem Mili- tärputsch vom 12. September 1980 mehrmals festgenommen. Auf eine Denunziation hin wurde er im Jahre 1985 abermals festgenommen und ein Jahr lang festgehalten. In der Folge wurde er zwar gerichtlich freig e- sprochen. Nichtsdestotrotz nahmen ihn die türkischen Behörden später weitere Male fest. 1987 gründete W._______ in C._______ einen (…). Ende April 1990 wurde er bei Vorbereitungen für die 1. Mai-Feier festge- nommen, wegen Hilfeleistung für die TKP/ML -Hareketi zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt und anschliessend ein Jahr lang inhaftiert. Als Folge polizeilicher Folterungen verlor er eine Niere. Danach übersiedelte er mit seiner Familie von C._______ nach K._______. Am 18. Mai 1992 wurde er in K._______ erneut festgenommen. Die Behörden warfen ihm vor, e i- ne illegale Demonstration mitorganisiert zu haben. In der Folge verurteilte ihn das Staatssicherheitsgericht X._______ wegen Mitgliedschaft bei der illegalen Organisation TKP/ML -Hareketi zu einer Gefängnisstrafe von 12 ½ Jahren. Während seiner Gefangenschaft nahm er wiederholt an Todes- fasten teil und beteiligte sich überdies an mehreren Hungerstreiken. W e- gen im Gefängnis durchgeführter Protest - und Widerstandsaktionen wur- den weitere Strafverfahren gegen ihn eingeleitet, wobei ihn das Strafg e- richt Y ._______ am (…) in diesem Zusamme nhang zu einer Gefängni s- strafe von drei Jahren verurteilte. Weitere diesbezügliche Strafverfahren sind noch hängig, wobei es sich durchwegs um Massenprozesse zu ha n- deln scheint (vgl . act. A1/1 [Beweismittelkuvert], Ziff. 12). Mitte Mai 2002 wurde W._______ aus der Haft entlassen, worauf er sieben Monate lang eine Therapie in Adana und Istanbul besuchte. Er ersuchte am (…) in der Schweiz um Asyl und wurde am (…) als Flüchtling anerkannt. In der Fo l- ge gelangte am (…) auch die Mutter in die Schweiz und wurde a m (…) in D-722/2010 Seite 11 die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes eingeschlossen. Dessen Sohn H._______ (N […]) war Sympathisant der MLKP , las deren Parte i- zeitung und hatte Kontakte zu politisch engagierten Menschen, ohne deswegen zunächst direkte behördliche Probleme gehabt zu haben. Al- lerdings verweigerte er die Leistung des Militärdienstes, da er befürcht e- te, wegen seines Vaters Nachteile erleiden zu müssen. Im Jahre 1993 wurde er zwangsrekrutiert, vermochte jedoch Mitte dieses Jahres zu de- sertieren und lebte fortan illegal in C._______ unter der Identität des ihm ähnlich sehenden Bruders Ad._______. Letzterer wurde im Januar 2001 behördlich festgenommen, nachdem er zugunsten seines inhaftierten Va- ters ein Statement abgegeben hatte, das am (…) in der Zeitung "P ._______" publiziert wurde. Als Folge hiervon reiste H._______ am (…) in die Schweiz ein, da er befürchten musste, dass seine wahre Identität auffliegen würde . Am (…) anerkannte ihn das BFM als Flüchtling. Ad.________ selbst reiste im Verlaufe des Jahres 2001 nach Ae._______, wo er im März 2002 eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Die Schwester I._______ (N […]) der Beschwerdeführerin stellte am 22. Juli 2003 gemeinsam mit ihr bei der Schweizer Botschaft in Ankara ein Asy l- gesuch. Am (…) bewilligte das BFM I._______ die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens . Am (…) reiste diese in die Schweiz ein und wurde vom BFM am (…) als Flüchtling anerkannt. Ihre Schwester G._______ (N […]) heiratete am (…) einen seit Augu st 1997 in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Landsmann, worauf das BFM sie auf Antrag ihres Ehemannes am (…) in dessen Flüchtlingse i- genschaft einbezog. B._______ – ein politisch tätiger (…) und unter a n- derem auch für die Zeitung " P ._______" tätig und diverser Pressedelikte angeklagt – wurde am (…) bei einem Ausreiseversuch aus der Türkei in Istanbul festgenommen. Am (…) reiste dieser ebenfalls in die Schweiz ein und stellte am (…) ein Asylgesuch (vgl. Sachverhalt Bst. K). 4.2.3 Aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin sowie der ei n- schlägig bekannten Vorgehensweise der türkischen Behörden gegenüber nahen Familienangehörigen politischer Aktivisten ist glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit – ebenso wie ihre Mutter und ihre Schwes ter Z._______ – bei den Besuchen ihrer in türkischen G e- fängnissen einsitzenden Angehörigen oftmals Schikanen und Beschim p- fungen seitens des Wachpersonals ausgesetzt war. Im Weiteren dürfte auch ihre Behauptung zutreffen, dass die Sicherheitsbehörden gerade auch nach der Freilassung ihres Vaters im Jahre 2002 vermehrt Hau s- durchsuchungen durchgeführt und in diesem Zusammenhang mögliche r- weise auch sie persönlich über den aktuellen Verbleib ihres Vaters und D-722/2010 Seite 12 dessen Aktivitäten befragt haben. Glaubhaft ist auch die Aussage der Be- schwerdeführerin, wonach sie am 5. Januar 2006 von drei Zivilpolizisten anderthalb Stunden lang in einem Auto entführt und bedroht worden sei, wobei die Polizisten sie zu Spitzeltätigkeiten hätten überreden wollen . Dies nicht zuletzt deshalb, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Polizisten zunächst tatsächlich versucht haben, via die Beschwerd e- führerin an weitere politische Informationen über ihren damals in Unte r- suchungshaft befindlichen Bruder J._______ und dessen Gesinnungsum- feld zu gelangen. Nichtsdestotrotz bestehen jedoch überwiegende Zweifel daran, dass die Beschwerdeführerin auch im Nachgang zu den gewiss bedrohlich anmutenden Geschehnissen im Januar und Februar 2006 wei- terhin anhaltenden erheblichen behördlichen Verfolgungsm assnahmen ausgesetzt war: So leuchtet selbst vor dem Hintergrund, dass die B e- schwerdeführerin einer teils politisch engagierten Familie entstammt, nicht ein, weshalb die türkischen Sicherheitskräfte über einen Zeitraum von mehr als eineinhalb Jahre n hinweg bei verschiedenen Verwandten der Beschwerdeführerin in verschiedene n Städten der Türkei immer wi e- der nach ihrem Verbleib hätten forschen sollen, ohne sie allerdings ein einziges Mal festzunehmen. An dieser Einschätzung ändert angesichts der auch in der Türkei limitierten Ressourcen des Polizeiapparates der diesbezügliche Erklärungsversuch in der Beschwerde , die Intensität der gegen die Organisation MLKP gerichteten Verfolgung sei damals hoch gewesen und die Beschwerdeführerin damit als mutmassliche Kontak t- person zu Aktivisten der MLKP ebenfalls Ziel behördlicher Observation gewesen (vgl. Beschwerde S. 11 f.), nichts. Hätten die Polizisten demg e- genüber – wie von der Beschwerdeführerin ebenfalls behauptet wird – tatsächlich danac h getrachtet, sie bei ihrer Tante in Af._______, deren Wohnung sie zu diesem Zweck gar einmal "gestürmt" hätten (vgl. act. D1/14 S. 9), festzunehmen, hätten sie sich von ihrem Vorhaben mit B e- stimmtheit auch nicht durch den handfesten Widerstand ihrer Tante abhal- ten lassen. Gegen die Glaubhaftigkeit letzterer Behauptung spricht inde s- sen auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin dieses Geschehnis einerseits auf Juni oder Juli 2007 (vgl. act. D1/14 S. 9) veranschlagte, andererseits behauptete, das Vorkommnis habe sich bloss 15 Tage vor ihrer Ausreise (also Anfang Oktober 2007) zugetragen (vgl. act. D22/15 S. 3 F und A5 und S. 6 F und A37). Gegen die Plausibilität einer anha l- tenden behördlichen Drangsalierung der Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus der Türkei spricht zusätzlich die Tatsache, dass sich der Va- ter der Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren als Flüchtling in der Schweiz aufhält , während ihr Bruder J._______ damals im Gefängnis sass. Während Ersterer also dem Zugriff der türkischen Behörden endgül-D-722/2010 Seite 13 tig entzogen war, bestand damals hinsichtlich des Letzteren kein Kontroll- bzw. Überwachungsbedürfnis der türkischen Sicherheitsbehörden aus- serhalb der Gefängnismauern. 4.2.4 Diese Ausführungen machen deutlich, dass die heimatlichen B e- hörden trotz ihres familiären Hintergrundes zum Zeitpunkt ihrer Ausreise kein Verfolgungsinteresse an der Beschwerdeführerin selbst hatten. Gleichzeitig ist gesagt, dass die von der Beschwerdeführerin in der Ve r- gangenheit wegen ihrer politischen Familienangehörigen erlittenen staat- lichen Verfolgungen – ungeachtet der Frage der asylrechtlich relevanten Intensität – allein schon deshalb keinen Asylanspruch zu begründen ve r- mögen, weil sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise zu weit zurückgelegen haben, um noch als ausreisebestimmend und damit asylrechtlich bedeutsam gel- ten zu können. Vor diesem Hintergrund ist auch eine begründete Furcht vor künftiger (Reflex)-Verfolgung im Falle einer Rückkehr der Beschwe r- deführerin in die Türkei zu verneinen. Wohl ist anzunehmen, dass die Be- schwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Türkei von den dortigen B e- hörden über allfällige politische Aktivitäten ihrer in der Schweiz befindl i- chen und als Flüchtlinge anerkannten Familienangehörigen befragt we r- den könnte. Dass diese die Beschwerdeführerin je doch zufolge des Ve r- dachts, ihr Vater steure aus dem Ausland ein subversives Netz von in der Türkei aktiven Militanten der MLKP einer asylrechtlich relevanten Refle x- verfolgung aussetzen könnten (so zumindest sinngemäss Beschwerde S. 11 Ziff. 6.7 Abs. 2), mutet reichlich spekulativ an, zumal ein entspr e- chender Verdacht der türkischen Behörden bereits vor der Ausreise der Beschwerdeführerin aus der Türkei bestanden hätte , sie jedoch – jeden- falls nach den Behelligungen im Januar und Februar 2006 – bis zur Aus- reise im Oktober 2007 keinen weiteren behördlichen Nachteilen ausge- setzt gewesen war. Darüber hinaus erscheint auch nicht wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin heute wegen ihres sich nunmehr ebenfalls in der Schweiz aufhaltenden Bruders erhebliche Nachteile seitens der türkischen Sicherheitsbehörden zu gewärtigen hat, zumal B._______ die ihm in der Türkei auferlegte Gefängnisstrafe vollumfänglich verbüsst hat. 4.2.5 In der Beschwerde wird alsdann eine rechtsungleiche Behandlung der Verfahren der Beschwerdeführerin und ihrer Schwester I._______ ge- rügt. Das BFM habe letzterer eine Einreisebewilligung erteilt , obwohl die von ihrer Schwester (der Beschwerdeführerin) erlittenen Behelligungen nicht weniger intensiv und auch in zeitlicher Hins icht nicht weniger aktuell gewesen seien wie ihre eigenen. Damit sei das Gebot der Rechtsgleic h-D-722/2010 Seite 14 heit und damit im Ergebnis auch Art. 3 AsylG verletzt worden (vgl. B e- schwerde S. 13/14). In diesem Zusammenhang ist jedoch darauf hinzuweisen, dass sich I._______ im Gegensatz zur Beschwerdeführerin (vgl. E. 4.2.1 vorste- hend) politisch engagiert hat. So erklärte sie anlässlich ihrer am 22. Juli 2003 erfolgten Befragung in der Schweizer Botschaft in Ankara, sie sei Sympathisantin des IHD und besuche einmal wöchentlich dessen Lokali- täten, um dort Zeitungen zu lesen und mit Freunden über aktuelle Erei g- nisse zu diskutieren (vgl. act. A3/6 S 3). W._______ hat das politische Engagement seiner Tochter insofern bestätigt, als er anlässlich seiner Be- fragung vom 15. Mai 2003 ausführte, seine Tochter Z._______ habe in der Zeit vor der Einführung der F -Typ-Gefängnisse an vielen Sitzungen und Presseerklärungen teilgenommen, was alles mit ihm im Zusamme n- hang gestanden habe, wogegen er ein politisches Engagement der B e- schwerdeführerin verneinte (vgl. act. A11/34 S. 25 unten). Im Weiteren scheint der Umstand, dass Z._______ bereits im Jahre 2002 oder 2003 untergetaucht ist, während Aa._______ bei der Mutter blieb, indiziell da r- auf hinzudeuten, dass der behördliche Druck Z._______ gegenüber grös- ser war als bei der Beschwerdeführerin , was sich wiederum durch deren eigene politische Aktivitäten erklär en lässt . So betrachtet, liegen keine analogen Sachverhalte vor, weshalb sich der Vorwurf der rechtsungle i- chen Behandlung der beiden Schwestern als unbegründet erweist. 4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, Asylgründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das BFM hat ihr Asylgesuch dem- nach zu Rec ht abgelehnt. Es erübrigt sich deshalb, auf weitere Vorbri n- gen in der Beschwerde einzugehen, da diese am Ergebnis nichts zu ä n- dern vermögen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung au s der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502). D-722/2010 Seite 15 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandart wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502, WALTER STÖCKLI, Asyl , in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz 11.148). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfa ssung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Ve rfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e-D-722/2010 Seite 16 fährdung nachzuwei sen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführe- rin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh- rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie im Falle einer Ausschaffung in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§. 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist der B e- schwerdeführerin unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen zur fehlenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz ihrer Vorbringen nicht gelu n- gen; zudem leben zahlreiche Onkel und Tanten der Beschwerdeführerin nach wie vor in ihrem Heimatland. Auch die allgemeine Menschenrecht s- lage in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Im Weiteren ergibt sich nach der Recht- sprechung des EGMR aus Art. 3 EMRK zudem grundsätzlich kein A n- spruch auf Verbleib in einem Konventionsstaat, um we iterhin in den G e- nuss medizinischer Leistungen dieses Staats zu kommen. Nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen kann der Vollzug der Weg - oder Aus- weisung einer ausländischen Person im Einzelfall mit Blick auf deren g e- sundheitliche Situation einen Verst oss gegen Art. 3 EMRK darstellen (EGMR, i.S. D. gegen Grossbritannien, Urteil vom 2. Mai 1997, Rep. 1997III, E. 49 ff.; vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f., EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1. S. 211 f.). Im Fall Bensaid gegen Grossbritannien hat der EGMR präzisiert, dass der Schutzbereich von Art. 3 EMRK grundsätzlich auch dann betroffen sein könne, wenn mangels angemessener medizinischer Behandlungsmöglichkeiten im Heimat - oder Herkunftsstaat eine Ve r- schlimmerung eines bereits bestehenden psychischen Leidens zu erwa r- ten wäre, die selbstgefährdende Handlungen der betroffenen Person zur Folge haben könnte (EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Rep. 2001I, E. 37). Eine derartige Situation liegt im Falle der Beschwerdeführerin mit Blick auf ihre gesundheitliche Situation ange- sichts der nachfolgenden Überlegungen in Erwägung 7.2 nicht vor. Der D-722/2010 Seite 17 Vollzug der Wegweisung ist daher sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7. 7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.2 7.2.1 Die Beschwerdeführerin leidet gemäss dem auf Beschwerdeebene eingereichten ärztlichen Bericht von Frau Dr. med. Ab._______ (Ac._______) vom 25. Oktober 2010 an einer Agoraphobie (Platzangst) mit Panikstörung (F40.1), einer Anpassungsstörung mit längerer de pres- siver Reaktion (F43.21), Schlafstörungen und Albträumen (F51.5), dem Betroffensein von Verfolgung und Feindseligkeiten (Z65.5) sowie einer familiären Belastung durch Inhaftierung des Vaters in der Kindheit (Z63.8). Die Beschwerdeführerin zeige weiterhin intrusive Symptome wie Ein- und Durchschlafstörungen mit Alpträumen, aus denen sie schreiend und durchschwitzt erwache (Inhalt: Verfolgung und Entführung durch die türkische Polizei). Die zu Beginn stark im Vordergrund stehenden Ängste und Panikattacken hätten sich in ihrer Frequenz reduziert. Panikattacken mit vegetativer Begleitsymptomatik wie Schwitzen und Herzklopfen kön n- ten entstehen, wenn die Beschwerdeführerin von Fremden angeschaut werde, verbunden mit der Vorstellung, diese seien Mitglieder der t ürki- schen Polizei und könnten sie entführen. Teilweise könnten dann Flas h- backs (Überflutung mit Erinnerung an die eigene Entführung durch die türkische Polizei) auftreten. Aufgrund dieser Beschwerden habe die B e- schwerdeführerin ein Vermeidungsverhalten ent wickelt, was sich etwa darin zeige, dass sie die Wohnung nur verlasse, wenn sie Termine habe, wobei sie letzterenfalls immer in engem telefonischen Kontakt mit ihrer Familie bleibe. Trotzdem suche sie die Exposition und nehme an einem Beschäftigungsprogramm teil und möchte sich durch das Erlernen der deutschen Sprache in Richtung Autonomie entwickeln. Es sei auch ihr Ziel, sich von den Erinnerungen und den Ängsten zu befreien, weswegen sie psychotherapeutische Unterstützung suche. Nach ärztlicher Einschät- zung wäre die Beschwerdeführerin im Falle einer Rückkehr in die Türkei D-722/2010 Seite 18 psychisch stark überfordert und es müsse von einer bedrohlichen Dest a- bilisierung ihres Gesundheitszustandes ausgegangen werden. Die aktuell positive Entwicklung Richtung Autonomie, Integr ation und psychischer Stabilität würde unterbrochen, und die Symptomatik, insbesondere die sozialen Ängste und die Panikattacken würden erneut auftreten. Die B e- schwerdeführerin könne in einem solchen Zustand auf der sozialen Eb e- ne und Leistungsebene nicht ihrem biologischen Alter entsprechend funk- tionieren. Auch bestehe die Gefahr einer suizidalen Entwicklung, da die Beschwerdeführerin noch keine stabilen und andauernden Bewält i- gungsmechanismen für die wiederholt erlebten traumatischen Situationen in der Türkei habe entwickeln können. 7.2.2 Gemäss Praxis führen medizinische Aspekte nur dann zur Unz u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, wenn eine notwendige medizin i- sche Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und sich da r- aus eine konkrete Gefährdung für die betroffene Person ergibt. Dabei muss eine allgemeine und dringliche medizinische Behandlung, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist, verfügbar sein (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f., BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367, BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21). Demgegenüber liegt noch keine Unzumutbarkeit vor, wenn im Heimatstaat eine dem schweizer i- schen Standard nicht entsprechende medizinische Behandlung zur Ve r- fügung steht. 7.2.3 Die Beschwerdeführerin hat gemäss der am 13. April 2010 eing e- reichten Terminbestätigung des Ac.________ dort erstmals auf den 8. April 2010 ein Therapiegespräch vereinbart. Wie dem ärztlichen Bericht vom 25. Oktober 2010 zu entnehmen ist, hat die bis dahin geführte Th e- rapie bewirkt, dass sich die Beschwerdeführerin psychisch stabilisieren konnte. Im Weiteren hat die Therapie allem Anschein nach dazu geführt, dass sich die zu Beginn stark im Vordergrund stehenden Ängste und P a- nikattacken bei der Beschwerdeführerin in ihrer Häufigkeit reduziert ha- ben. Als Folge der Therapie scheint die Patientin auch vermehrt die als sicher geltende Wohnung ihrer Familie zu verlassen und sich nach au s- sen zu wenden. Diese Entwicklungen lassen die Annahme zu, dass die seelischen Leiden der Beschwe rdeführerin nicht irreversibler Natur, so n- dern grundsätzlich einer Heilung zugänglich sind. Da bis heute keine we i- teren ärztlichen Berichte eingereicht wurden, bestehen aufgrund des wei- teren Zeitablaufs und in Ausübung der freien Beweiswürdigung (Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilpr o- zess [BZP , SR 273]) gewichtige Indizien dafür, dass die Therapie weitere D-722/2010 Seite 19 Fortschritte mit sich gebracht und möglicherweise bereits zu einer wei t- gehenden Gesundung der Psyche der Beschwerdeführer in geführt ha t. Einer allfälligen, im Zusammenhang mit der Rückkehr in die Türkei auftre- tenden vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin könnte mit einer angepassten Betreuung und med i- kamentösen Behandlung begegnet wer den. Sollte die Beschwerdeführ e- rin wider Erwarten in der Türkei nach wie vor einer ärztlichen Betreuung bedürfen, wäre eine solche aufgrund der medizinischen Infrastruktur in ih- rem Heimatland ohne Weiteres erhältlich. 7.3 Es ist nicht zu verkennen, dass die mit einer Rückkehr der Beschwer- deführerin in die Türkei verbundene Trennung von ihrer Kernfamilie eine gewisse Härte bedeutet. Nichtsdestotrotz bleibt anzufügen, dass sie vor ihrer Ausreise aus der Türkei während etwa zwei Jahren bei verschied e- nen Onkeln u nd Tanten gelebt hat, welche sie auch finanziell unterstützt haben. Aufgrund dessen ist auch davon auszugehen, dass sie in der Tü r- kei über ein hinreichendes soziales Netz verfügt, um – mit allfälliger z u- sätzlicher Unterstützung ihrer in der Schweiz befindl ichen Familienange- hörigen – dort leben und eine neue Existenz aufbauen zu können. 7.4 In der Türkei besteht überdies keine Situation generalisierter Gewalt, die sich über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstr e- cken würde. Eine gänzlich unsiche re, von bewaffneten Konflikten oder permanent drohenden Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer sich die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt sehen würde, besteht somit nicht. 7.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich daher sowohl vor dem Hi n- tergrund der allgemeinen Lage in der Türkei als auch in individueller Hi n- sicht nicht als unzumutbar. 8. Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, die über eine türkische Identitätskarte verfügt, sich bei der zuständigen Vertretung des Heima t- staates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu bescha f- fen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 - 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu b e- zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-722/2010 Seite 20 9. Zusammenfassend folgt, dass das BFM den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat. Die Anordnung der vorläuf igen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art . 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens grundsätzlich de r Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da diese jedoch aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit nach wie vor als prozessual bedürftig zu betrachten ist, ist die mit Verfügung vom 1. März 2010 – unter Vorbehalt einer nachträglichen Änderung der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin – erfolgte Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht zu widerr u- fen. Folglich sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-722/2010 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand: