Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. August 2015 (725 15 42) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallähnliche Körperschädigung mangels sinnfälligen Ereignisses verneint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach gegen HDI -Gerling Industrie Versicherung AG , Dufourstrasse 46 , 8034 Zürich, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Martin Bürkle, Stiffler & Partner Rechtsanwälte, Postfach 1072, 8034 Zürich Betreff Leistungen (03/52509/13) A.1 A.____ arbeitet als Maschinist und Techniker de s B.____ und war aufgrund dieses Anstellungsverhältnisses bei der HDI-Gerling Indust rie Versicherung AG gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 19. M ärz 2012 suchte er wegen Schmerzen in der linken Schulter seinen Hausarzt Dr. med. C.____, FMH Innere Medizin, auf. Dieser äusserte einen Verdacht auf eine aktivierte AC-Gelenksarthro se links und überwies den Versicherten gleichentags ans Spitals D.____, welches eine MRI-U ntersuchung veranlasste. Im Bericht des Spitals D.____ vom 11. Mai 2012 wurden diskrete Zeichen einer AC-Gelenksarthrose mit wenig Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Flüssigkeit im Gelenkspalt und eine Tendinose der Supra spinatussehne festgestellt. In der Fol- ge wurde A.____ am 16. August und 30. August 2012 an der linken Schulter operiert. A.2 Die Arbeitgeberin meldete der HDI-Gerling Indus trie Versicherung AG am 24. Januar 2013 ein Unfallereignis. Sie beschrieb den Sachverhalt dahingehend, dass der Versicherte am 30. April (recte März) 2012 beim Lösen und Festziehen von Schrauben und Verstrebungen Schmerzen an der linken Schulter verspürt habe. Mit Verfügung vom 13. Januar 2014 lehnte die HDI-Gerling Industrie Versicherung AG den Leistungsanspruch von A.____ ab. Zur Begründung gab sie im Wesentlichen unter Hinweis auf die Ausführu ngen ihres beratenden Arztes Dr. med. E.____, FMH Innere Medizin, vom 9. Juli 201 3 an, dass das vom Versicherten ge- schilderte Ereignis weder die Voraussetzungen eines Unfall s noch einer unfallähnlichen Kör- perschädigung erfülle. Daran hielt die HDI-Gerling Industrie Versicherung AG auch auf Einspra- che von A.____ mit Entscheid vom 29. Dezember 2014 fest. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten du rch Advokat Daniel Altermatt, am 2. Februar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, dass der Einspracheentschei d der Beschwerdegegnerin vom 29. Dezember 2014 aufzuheben und diese zu verpflichten sei, für die Folgen der Schulterverlet- zung vom März 2012 (Ruptur der Supraspinatussehne links) d ie gesetzlichen Versicherungs- leistungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. In ver fahrensmässiger Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Durchführung einer Parteiverhandl ung. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass die Beschwerdegegnerin nicht nachzuweisen vermöge, dass die Ruptur der Supraspinatussehne eindeutig auf eine Erkrankung z urückzuführen sei. Mangels dieses Nachweises gelte die Ruptur als unfallähnliche Körpersch ädigung. Entsprechend habe die Be- schwerdegegnerin die Kosten für die gesetzlichen Leistungen zu tragen. C. Die HDI-Gerling Industrie Versicherung AG, vertret en durch Fürsprecher Martin Bürkle, reichte am 20. April 2015 ihre Beschwerdeantwort ein und beantragte die Abweisung der Be- schwerde. Unter Hinweis auf die Verfügung und den Einsp racheentscheid hielt sie fest, dass das Ereignis vom 30. April (recte: März) 2012 weder als U nfall noch als unfallähnlich zu be- zeichnen sei. D. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung, an welche r der Beschwerdeführer und sein Rechtsvertreter sowie Fürsprecher Bürkle für die Beschwerd egegnerin teilnahmen, hielten die Parteien im Wesentlichen an ihren Standpunkten fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g 1. Auf die frist- und formgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. Mä rz 1981 werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – di e Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheit en gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung ein- beziehen (Abs. 2). 2.2 Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über de n Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die plö tzliche, nicht beabsichtigte schädi- gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors a uf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. 2.3 Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkma l der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äusser e Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Übl ichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschli- chen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein b egründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis). 2.4 Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des u ngewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100 E. 2d mit Hinweisen; ALFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 19 89, S. 176 f.) be- stehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsat z, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den na- türlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam „prog rammwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussen welt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor ( BGE 130 V 117 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1, Nr. U 510 S. 275, Nr. U 523 S. 541 E. 3.1). 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG kann der Bundesrat Körpersch ädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbezie hen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Un fallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 Gebrauch gemacht und folgende Körp erschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne unge- wöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt : a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrun gen; f. Sehnenrisse; g. Band- läsionen; h. Trommelfellverletzungen. Diese Aufzählu ng der den Unfällen gleichgestellten Kör- perschädigungen ist abschliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E.2b, je mit Hinweisen). 3.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung müssen b ei unfallähnlichen Körper- schädigungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversiche- rers mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit die übrigen Tat bestandsmerkmale des Unfalls erfüllt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sein. Besondere Bedeutung kommt hierbei der Voraussetzun g des äusseren Ereignisses zu, das heisst eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv f eststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 E. 2.2). Die schädigende äussere Einwirkung kann in einer körpereigenen Bewegung bestehen (BGE 129 V 466 E. 4.1 mit Hinweisen, vgl. auch BGE 139 V 327 E. 3.3.1). Das Auftreten von Schmerzen allein gilt noch nicht als äusserer Fak- tor im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 9 Abs. 2 UVV, ein solcher ist also nicht gegeben, wenn die versicherte Person einzig das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen angibt, aber keine gleichzeitig mitwirkende äussere Komponente zu benennen vermag (BGE 129 V 466 E. 4.2.1). Auch ist das Erfordernis eines äusseren schädigenden Fakto rs nicht erfüllt, wenn das Auftreten von Schmerzen bloss mit einem von der versicherten Person b eschriebenen gewöhnlichen Be- wegungsablauf einhergeht. Verlangt wird vielmehr ein Geschehen, welchem ein gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt, was zutrifft, wenn die als Schmerzauslöser angegebene Be- tätigung im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefa hrenlage vorgenommen wird, wie dies bei vielen sportlichen Aktivitäten der Fall ist. Ein äusse rer Faktor mit erheblichem Schädigungs- potenzial liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch behe rrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, verbunden ist (BGE 139 V 327 E. 3.3.1). Schmer- zen als Symptome einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV fallen deshalb als massgebender äusserer Faktor nicht in Betracht, wenn sie bei einer a lltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass ein davon unterscheidbares äusseres Moment mitspi elen würde. Wer also etwa beim blossen Aufstehen, Absitzen, Abliegen, bei Bewegun gen im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz verspürt, kann allein deswegen noch keine unfallähnliche Kör- perschädigung geltend machen. Die ausschliesslich physiologi sche Beanspruchung des Ske- letts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt kei nen äusseren Faktor dar, dem ein gegenüber der gewohnten, üblichen körperlichen Belastu ng gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnen würde (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädi- genden Faktors demgegenüber bei Änderungen der Körper lage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen kön nen, so etwa beim plötzlichen Aufste- hen aus der Hocke, bei heftigen belastenden Bewegungen oder bei einer wegen äusserer Ein- flüsse unkontrollierbar gewordenen Positionsänderung (BGE 129 V 466 E. 4.2.3). Für die Beja- hung eines äusseren Faktors ist demnach ein gesteigertes Schädigungspotenzial vonnöten, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Un- kontrollierbarkeit einer an sich alltäglichen Verrichtun g führenden Elementes (BGE 139 V 327 E. 3.3.1, 129 V 466 E. 4.3; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 8. Mai 2014, 8C_40/2014, E. 2.2.3, vom 16. Juli 2014, 8C_147/2014, E. 2.4, vo m 10. Oktober 2014, 8C_451/2014, 8C/453/2014, E. 6 und vom 21. November 2014, 8C_620/2 014, E. 2.2, je mit weiteren Hinwei- sen). 4.1 Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Besc hwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entschei d, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung , die es von allen möglichen Gesche- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3). 4.2 Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, unge- naue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Beste hen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen lassen, besteht keine Leistung spflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbe- griffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die not- wendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auc h die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallere ignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genü gt nicht –, so hat dieses als unbewie- sen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person au swirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). 5. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass es sich be im Ereignis vom März 2012 nicht um einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG handelt, f ehlt es doch an einem für den Unfallbegriff erforderlichen ungewöhnlichen äusseren Faktor auf den me nschlichen Körper wie zum Beispiel einen Sturz (vgl. BGE 134 V 75 E. 2.3). Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob das Ereignis die Voraussetzungen einer unfallähnlichen Körperschädigung i m Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV erfüllt. Die Beschwe rdegegnerin verneint dies und macht im Wesentlichen geltend, dass die geltend gemachten Schult erschmerzen ohne konkreten äusse- ren Anlass eingetreten seien. Schmerzen die sich einzig na ch/während der ausgeübten Tätig- keit ohne einen besonderen Anlass oder eine bestimmte E inwirkung manifestieren würden, würden keine Anspruchsgrundlage zur Anerkennung einer u nfallähnlichen Körperschädigung darstellen. Der Beschwerdeführer bestreitet dies. 6. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folg t dar: 6.1 Der Beschwerdeführer hielt in seiner Unfallschilde rung vom 17. Dezember 2012 fest, dass seine Arbeit als Maschinist im B.____ aufwändig und mit körperlichem Kraftaufwand ver- bunden sei. Bei dem in der Folge geschilderten Arbeitsablauf wurde auf das Lösen von Schrau- ben mit dem verlängerten T-Steckschlüssel mit viel Kraft aufwand stehend und mit einer ruckar- tigen Armbewegung hingewiesen. Auch die Tätigkeit als T echniker wurde beschrieben. Bei die- ser Arbeit würden ruckartige und kraftzehrende Armbeweg ungen zum Ablauf gehören und eine plötzliche unbeabsichtigte Armbewegung sei schnell passier t. Durch den ständig anhaltenden Zug sowie die Belastungen habe sich die Rissläsion der Ro tatorenmanschette vergrössert, was zu zunehmenden und anhaltenden Schmerzen in der Nacht g eführt habe. Dadurch sowie we- gen der schleichenden Kraftlosigkeit am Tage habe er d en Arzt aufgesucht. Beim anschlies- senden MRI habe man den Riss der Rotatorenmanschette er kannt. Betreffend die Ursache ha- be er darauf hingewiesen, dass die Beschwerden von der Arbeit kämen, was der Oberarzt auch bestätigt habe. Dennoch sei die Rotatorenmanschettenrup tur als Krankheit und nicht als Unfall behandelt worden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 3. Februar 2013 ergänzte der Beschwerdeführer, dass eine plötzliche ruckartige Bewegung des Arms unter starker Kraftaufwendung zu den Beschwerde n geführt habe. Die erste ärztliche Behandlung habe am 19. März 2012 beim Hausarzt Dr. C.____, stattgefunden. Dieser habe ihn ins Spital D.____ überwiesen. 6.2 In der Schadenmeldung vom 24. Januar 2013 wurde zum Sachverhalt ausgeführt, der Beschwerdeführer habe beim Lösen von Schrauben und V erstrebungen Schmerzen an der lin- ken Schulter verspürt. Der Zeitpunkt des Ereignisses wurde auf den 30. April 2012 (recte: März 2012) datiert. 6.3 Im Rahmen des Einspracheverfahrens führte der Be schwerdeführer zum Ereignis aus, dass er an seinem Arbeitsplatz mit grossem Kraftaufwand Schrauben habe lösen müssen. Da- bei habe er sehr kraftvolle und ruckartige Bewegungen mit den Armen ausgeführt. Es sei offen- sichtlich, dass sich die Verletzung bei diesem Vorgang ereignet habe. Ebenso deutlich sei, dass es sich bei diesem Vorgang, welcher mit grösster Anstrengung habe ausgeübt werden müssen, nicht um eine normale Körperbewegung handle, sondern um ein sinnfälliges Ereignis, welches ein Gefährdungspotential für eine Verletzung beinhal te. Schliesslich könne das Ereignis auch zeitlich genau zugeordnet werden, da er die erwähnten Arbeiten (Schrauben lösen unter gros- sem Kraftaufwand) nicht permanent ausüben müsse. Im Zusa mmenhang mit dem strittigen Er- eignis sei festzustellen, dass er zwischen dem 5. März 2012 und dem 18. März 2012 die besag- ten Arbeiten habe ausführen müssen. 6.4 An dieser Darstellung des Sachverhaltes hielt der B eschwerdeführer auch in der vor- liegend strittigen Beschwerde vom 2. Februar 2015 fest. 6.5 Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung konkreti sierte der Beschwerdeführer seine Aussage und liess verlauten, dass er die anstrengenden A rbeiten nur an einem Tag zwischen dem 5. März 2012 und dem 18. März 2012 habe ausüben m üssen. Das Ereignis lasse sich un- ter Zugrundelegung der Arbeitspläne zeitlich genau eingrenzen. 6.6.1 Den medizinischen Unterlagen ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 19. März 2012 bei seinem Hausarzt Dr. C.____ in Behand lung war. Dieser überwies ihn wegen eines Verdachts auf eine AC-Gelenksarthrose gleichentags ans Spital D.____. Gemäss dem Bericht vom 30. April 2012 sei die Überweisung wegen einer Krankheit erfolgt. Die am 11. Mai 2012 durchgeführte MRI-Untersuchung ergab, dass beim B eschwerdeführer diskrete Zeichen einer AC-Gelenksarthrose mit wenig Flüssigkeit im Gelen ksspalt und eine Tendinose der Sup- raspinatussehne vorgelegen haben. Am 16. August und am 30. August 2012 wurde der Be- schwerdeführer im Spital D.____ an der linken Schulte r operiert. Im Sprechstundenbericht vom 18. Januar 2013 zuhanden von Dr. C.____ führte das Sp ital D.____ aus, dass es in den letzten Wochen zu einer deutlichen Beschwerdebesserung gekomme n sei. Erfreulicherweise könne der Beschwerdeführer seit dem 27. Dezember 2012 wieder 100% arbeiten. Noch immer beste- he aber eine deutliche Schwäche in der linken Schulter. In seinem Bericht vom 31. Mai 2013 hielt Dr. C.____ fest, dass der Beschwerdeführer ihn am 19. März 2012 aufgesucht habe, weil Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht er „in letzter Zeit“ Schmerzen im Bereich des linken AC- Gelenks verspürt habe. Er bejahte die Kausalität der Beschwerden und hielt fest, dass diese ausschliesslich Unfallfolgen seien. 6.6.2 Die Beschwerdegegnerin holte für die Klärung de s medizinischen Sachverhalts eine Stellungnahme von ihrem Vertrauensarzt Dr. med. E.____ ein. Am 9. Juli 2012 kam dieser zum Schluss, dass aufgrund der vorliegenden medizinischen Unte rlagen die aktuellen Behandlun- gen nicht kausal oder teilkausal zum Ereignis vom 30. Ap ril (recte März) 2015 seien. Es werde vom Beschwerdeführer kein konkretes Ereignis genannt, sond ern auf die Arbeit als Bühnen- techniker verwiesen, bei welcher mit viel Kraftaufwand und mit ruckartigen Armbewegungen Arbeitsvorgänge ausgeführt würden. Auch in den medizi nischen Berichten werde nicht auf ein einzelnes Ereignis hingewiesen. Die AC-Gelenksarthrose sowie die Supraspinatussehnenläsion seien unfallfremd und würden die Beschwerden erklären. Am 8. Juli 2014 holte die Beschwer- degegnerin einen zusätzlichen Bericht bei Dr. med. F.__ __, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, ein. Diese führte am 22. August 201 4 im Wesentlichen aus, dass sich unter Be- rücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde weder in der konventionellen Bildgebung der linken Schulter noch im MRI strukturelle Organkorrelat e einer unfallbedingten Läsion objektivie- ren lassen würden. Die Umstände bzw. der Zeitpunkt des E reignisses seien unklar. Zudem feh- le ein charakteristischer Verlauf der Beschwerdesymptoma tik, welcher auf eine frische Schädi- gung des linken Schultergelenks im Rahmen eines konkreten Ereignisses hinweise. Zudem sei der angebliche Unfallmechanismus dafür ungeeignet. Im Rahmen ihrer Untersuchung holte Dr. F.____ bei Dr. med. G.____, FMH Radiologie, ein e Zweitbeurteilung ein. Dieser hielt am 14. August 2014 unter anderem fest, dass eine eher ger inge Traumatisierung des AC-Gelenks bei wenig Erguss und äusserst geringer Signalalteration denkbar wäre. 7.1 In Würdigung der Aussagen und der medizinischen Ber ichte steht fest, dass es im vor- liegenden Fall an einer echtzeitlichen Beschreibung de s Hergangs des fraglichen Ereignisses fehlt. Die erste Hergangsschilderung findet sich in den Ausführungen des Beschwerdeführers vom 17. Dezember 2012. Darin beschrieb er seine Arbeit als Maschinist und Techniker im B.____. Insbesondere wies er auf das jeweils anstrengende Lösen von Schrauben mit dem ver- längerten T-Steckschlüssel mit viel Kraftaufwand und mit einer ruckartigen Armbewegung hin. Ruckartige und kraftzehrende Armbewegungen würden zum Ablauf gehören und eine plötzliche unbeabsichtigte Armbewegung sei schnell passiert. Diese T ätigkeiten hätten die Rissläsion der Rotatorenmanschette vergrössert, was zu zunehmenden und anhaltenden Schmerzen in der Nacht geführt habe. Deshalb sowie wegen der schleichend en Kraftlosigkeit am Tage habe er den Arzt aufgesucht. Diese Angaben werden - wenn auch verkürzt - in der Unfallmeldung der Arbeitgeberin vom 24. Januar 2013 bestätigt. 7.2 Hierzu ist festzuhalten, dass es sich bei den vorstehen d zitierten Angaben lediglich um eine allgemeine Schilderung der konkreten Arbeitsabläufe handelt. Ein äusserer Faktor, der die konkrete Ursache der Sehnenruptur sein könnte und welcher auf einen bestimmten Zeitpunkt terminierte werden kann, wird nicht erwähnt. Die vom B eschwerdeführer in der Hergangsschil- derung am 17. Dezember 2012 beschriebenen ruckartigen u nd kräftezehrenden Armbewegun- gen erfüllen die Sinnfälligkeit im Sinne der Rechtspre chung nicht, gehören sie doch zur gängi- gen Tätigkeit des Versicherten. Er kann in seinen Ausfü hrungen keinen objektiv feststellbaren Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. sinnfälligen Vorfall wie beispielsweise ein Aus- oder Abrutschen mit dem T-Steckschlüssel, ein Stolpern oder ähnliches nennen, welcher bei diesen für ihn alltäglichen beruflichen Verrich- tungen aufgetreten wäre und welcher ein deutliches un d davon unterscheidbares äusseres Er- eignis darstellen würde. Der von ihm formulierte Sachverhalt enthält daher ke inen Verlauf mit gesteigertem Gefährdungspotential, welcher im direkten Anschluss daran die für die Anerken- nung einer Rotatorenmanschettenruptur im Sinne von Ar t. 9 Abs. 2 UVV typischen Symptome wie Kraftlosigkeit und Schmerzen unmittelbar ausgelöst hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. März 2011, 8C_743/2010, E. 4). Damit steht aber f est, dass die Beschwerden des Be- schwerdeführers bei Ausübung eines normalen, üblichen Be wegungsablaufs auftraten. Etwas anderes ist weder im Rahmen des Verwaltungsverfahrens n och im vorliegenden Beschwerde- verfahren geäussert worden und ist auch den Arztberichte n nicht zu entnehmen. Auch hat der Beschwerdeführer gegenüber den behandelnden Ärzten ni cht von einem solchen speziellen Ereignis als Ursache der Beschwerden gesprochen, sondern lediglich erwähnt, dass diese ihren Ursprung in der Arbeit hätten. Daher ist davon auszuge hen, dass das Lösen der Schrauben zwar eine starke physiologische Beanspruchung darstellt, aber keine Programmwidrigkeit im Bewegungsablauf impliziert hat. Unter diesen Umständen handelt es sich beim Supraspinatus- sehnenruptur nicht um eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne des Gesetzes. 7.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass aufgrund der vo rstehenden Ausführungen die Voraussetzungen für die Bejahung einer unfallähn lichen Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 ni cht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind. Unter diesen Umständen erübrigen sich wei tergehende Ausführungen zur Kritik des Beschwerdeführers an den medizinischen Unterlagen. Die B eschwerdegegnerin hat demnach ihre Leistungspflicht für das Ereignis vom März 2012 zu Recht verneint, weshalb die Beschwer- de abzuweisen ist. 8. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht