<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">328</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>59 Windenergieanlage</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Richtplan-Fortschreibungen haben Informationscharakter und die-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nen nicht der verbindlichen räumlichen Festlegung (Erw. 4.2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Auch nicht UVP-pflichtige Anlagen können der Planungspflicht un-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>terliegen (Erw. 4.2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Frage im konkreten Fall offengelassen, ob eine nicht UVP-pflichtige</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Windenergieanlage der Planungspflicht unterliegt (Erw. 4.1 und 4.2),</b></span><br/> <span class="ft3"><b>da die Erteilung einer Baubewilligung (Ausnahmebewilligung nach</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Art. 24 RPG) aus überwiegenden Landschaftsschutz-Interessen aus-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ser Betracht fällt (Erw. 4.3 und 4.4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 21. März 2012 i.S. M. GmbH</span><br/> <span class="ft6">gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung</span><br/> <span class="ft6">für Baubewilligungen)/Gemeinderats R. (RRB Nr. 2012-000373)</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Projekt</span><br/> <span class="ft1">Die Bauherrschaft plant auf der Parzelle X der Gemeinde R. die</span><br/> <span class="ft1">Errichtung einer Windkraftanlage des Typs Enercon E-82 mit einer</span><br/> <span class="ft1">Nennleistung von 2 MW. Die projektierte Anlage hat folgende räum-</span><br/> <span class="ft1">liche Ausmasse: Die Nabenhöhe des Rotors befindet sich in 108 m</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Höhe und die Rotorenblätter haben einen Durchmesser von 82 m.</span><br/> <span class="ft1">Die maximale Gesamthöhe der Anlage liegt demnach auf über 149</span><br/> <span class="ft1">m. Die Anlage bedarf eines kreisförmigen Fundaments mit einem</span><br/> <span class="ft1">Durchmesser von 16,4 m und einer Höhe von 2,85 m. Gemäss den zu</span><br/> <span class="ft1">den Akten gereichten Fotomontagen ist die Windkraftanlage von R.,</span><br/> <span class="ft1">S., O. und W. aus bei schönem Wetter einsehbar. Der Schattenwurf</span><br/> <span class="ft1">der Anlage reicht gemäss dem Schattenwurfgutachten bis in den</span><br/> <span class="ft1">Weiler S.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">3. Zonenkonformität</span><br/> <span class="ft1">Die Bauparzelle X im Weiler S. in R. liegt gemäss der gelten-</span><br/> <span class="ft1">den, von der Gemeindeversammlung am 7. März 1994 beschlossenen</span><br/> <span class="ft1">und vom Grossen Rat am 10. September 1996 genehmigten NO Kul-</span><br/> <span class="ft1">turland in der Landwirtschaftszone mit überlagernder Landschafts-</span><br/> <span class="ft1">schutzzone (§ 14 NO Kulturland), wobei sich die Landschaftsschutz-</span><br/> <span class="ft1">zone im Bereich der Landschaft von kantonaler Bedeutung befindet</span><br/> <span class="ft1">(vgl. dazu auch Richtplan vom 17. Dezember 1996 [Richtplan 1996],</span><br/> <span class="ft1">L 4.1 und die dazugehörende Richtplangesamtkarte; welcher - unab-</span><br/> <span class="ft1">hängig des Inkraftsetzungsdatums des neuen Richtplans - für das</span><br/> <span class="ft1">vorliegende Verfahren noch anwendbar ist [Beschluss des Grossen</span><br/> <span class="ft1">Rats vom 20. September 2011 zum Richtplan 2011, Ziff. 4]). Südöst-</span><br/> <span class="ft1">lich des projektierten Standorts liegt die Naturschutzzone F. (§ 9 NO</span><br/> <span class="ft1">Kulturland), welche gemäss Richtplan ebenfalls kantonale Bedeu-</span><br/> <span class="ft1">tung hat (Richtplan 1996, L 3.2). Auf Grund dieser Ausgangslage ist</span><br/> <span class="ft1">zu Recht nicht bestritten, dass die geplante Windenergieanlage mit</span><br/> <span class="ft1">dem Zweck der Landwirtschaftszone nicht vereinbar und daher nicht</span><br/> <span class="ft1">zonenkonform ist. Eine Bewilligung der Windenergieanlage gestützt</span><br/> <span class="ft1">auf Art. 22 Abs. 2 RPG scheidet daher von vornherein aus.</span><br/> <span class="ft1">4. Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG / Planungspflicht</span><br/> <span class="ft1">4.1</span><br/> <span class="ft1">Neue Bauten und Anlagen ausserhalb von Bauzonen, die dem</span><br/> <span class="ft1">Zonenzweck nicht entsprechen, können gemäss Art. 24 RPG und in</span><br/> <span class="ft1">Abweichung von Art. 22 Abs. 2 lit. a RPG bewilligt werden, wenn</span><br/> <span class="ft1">sie standortgebunden sind und ihnen keine überwiegenden Interessen</span><br/> <span class="ft1">entgegenstehen. Die Erteilung einer solchen Ausnahmebewilligung</span><br/> <span class="ft1">ist jedoch nicht zulässig für Bauten und Anlagen, die aufgrund ihrer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Grösse, ihrer Auswirkungen auf die Nutzungsordnung oder aufgrund</span><br/> <span class="ft1">eines erheblichen Regelungsbedürfnisses von raum- und umweltrele-</span><br/> <span class="ft1">vanten Gesichtspunkten nur in einem Planungsverfahren angemessen</span><br/> <span class="ft1">erfasst werden können. Es geht insoweit nicht an, durch Erteilung</span><br/> <span class="ft1">von Ausnahmebewilligungen die Planungspflicht (Art. 2 RPG) bzw.</span><br/> <span class="ft1">das Gebot der bewussten demokratischen Zuordnung von Gebieten</span><br/> <span class="ft1">zu einer (Sonder-)Nutzungszone "der Einfachheit halber" zu unter-</span><br/> <span class="ft1">laufen. Zieht ein nicht zonenkonformes Vorhaben durch seine Aus-</span><br/> <span class="ft1">masse oder seine Natur bedeutende Auswirkungen auf die bestehen-</span><br/> <span class="ft1">de Nutzungsordnung nach sich, so darf es erst nach einer ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechenden Änderung des Zonenplans bewilligt werden. In diesem</span><br/> <span class="ft1">Sinne hält auch § 13 Abs. 2 BauG fest, dass Vorhaben mit we-</span><br/> <span class="ft1">sentlichen Auswirkungen auf die räumliche Ordnung und die Um-</span><br/> <span class="ft1">welt einer besonderen Grundlage in einem Nutzungsplan bedürfen.</span><br/> <span class="ft1">Wann ein nicht zonenkonformes Vorhaben so gewichtig ist, dass es</span><br/> <span class="ft1">der Planungspflicht nach Art. 2 RPG untersteht, ergibt sich aus den</span><br/> <span class="ft1">Planungsgrundsätzen und -zielen (Art. 1 und 3 RPG), dem kantona-</span><br/> <span class="ft1">len Richtplan und der Bedeutung des Projekts im Lichte der im</span><br/> <span class="ft1">Raumplanungsgesetz und im kantonalen Recht festgelegten Verfah-</span><br/> <span class="ft1">rensordnung (Art. 4 und 33 f. RPG; RRB Nr. ..., BGE 124 II 252,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3 und 120 Ib 207 Erw. 5, je mit weiteren Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">4.2</span><br/> <span class="ft1">Der im vorliegenden Verfahren noch anwendbare Richtplan</span><br/> <span class="ft1">1996 enthielt noch keinen Beschluss des Grossen Rats über die Pla-</span><br/> <span class="ft1">nung und Realisierung von Windenergieanlagen. Die vom Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat beschlossene Fortschreibung des Richtplans (Kapitel E 2.1)</span><br/> <span class="ft1">wurde nämlich nicht vom Grossen Rat nach Durchführung eines öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlichen Mitwirkungsverfahrens zum Beschluss erhoben und dem</span><br/> <span class="ft1">Bundesrat zur Genehmigung unterbreitet. Die Fortschreibung des</span><br/> <span class="ft1">Richtplantextes kann damit lediglich eine Information des Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrats darstellen, welche weiteren Schritte in nächster Zukunft</span><br/> <span class="ft1">unternommen werden sollen (vgl. dazu auch die die Kompetenzord-</span><br/> <span class="ft1">nung des Richtplans 1996, S. 7: "(Die Fortschreibung) liegt in der</span><br/> <span class="ft1">Kompetenz des Regierungsrates, weil es sich um blosse Informati-</span><br/> <span class="ft1">onsinhalte handelt. Die Fortschreibung untersteht keinem Mitwir-</span><br/> <span class="ft1">kungs-, Beschluss- oder Genehmigungsverfahren"). Dem Regie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">331</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rungsrat wäre es über die Information hinaus insoweit gar nicht er-</span><br/> <span class="ft1">laubt, in einer Vorgabe gegenüber den Gemeinden eine verbindliche</span><br/> <span class="ft1">räumliche Festlegung zu treffen und sie in ihrer Planungsautonomie</span><br/> <span class="ft1">einzuschränken. Eine inhaltlich verbindliche Vorgabe müsste im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen einer Plananpassung gemäss Art. 9 Abs. 2 RPG durch den</span><br/> <span class="ft1">dafür zuständigen Grossen Rat im ordentlichen Verfahren erfolgen</span><br/> <span class="ft1">(Bernhard Waldmann/Peter Hänni, Raumplanungsgesetz 2006, N 29</span><br/> <span class="ft1">zu Art. 9). Im Übrigen könnte aus dem Passus E 2.1 auch nicht ab-</span><br/> <span class="ft1">geleitet werden, dass Windenergieanlagen zwingend gemäss Art. 24</span><br/> <span class="ft1">RPG ausnahmsweise bewilligt werden müssen. Die Vororientierung</span><br/> <span class="ft1">besagt nämlich nur, dass "bis zum Vorliegen einer Richtplanvorgabe</span><br/> <span class="ft1">die Prüfung und Interessenabwägung eingehender Gesuche einzel-</span><br/> <span class="ft1">fallweise aufgrund der im Zeitpunkt bereits bestehenden Grundlagen</span><br/> <span class="ft1">erfolgt". Aus dem Richtplan 1996 darf damit weder positiv noch ne-</span><br/> <span class="ft1">gativ auf eine Planungspflicht geschlossen werden.</span><br/> <span class="ft1">Von der Planungspflicht ist jedoch bei Bauten und Anlagen aus-</span><br/> <span class="ft1">zugehen, welche Umweltbereiche erheblich belasten können und</span><br/> <span class="ft1">deshalb der UVP unterstehen (Art. 10a USG; BGE 119 Ib 439 Erw. 4</span><br/> <span class="ft1">mit weiterem Hinweis). Diese positive Bejahung der Planungspflicht</span><br/> <span class="ft1">bedeutet aber im Umkehrschluss nicht unbedingt, dass jede nicht der</span><br/> <span class="ft1">UVP unterliegenden Anlage keine wesentlichen Auswirkungen auf</span><br/> <span class="ft1">die räumliche Ordnung und die Umwelt i.w.S. haben könnte und</span><br/> <span class="ft1">deshalb im Einzelfall nicht der Planungspflicht unterliegen würde.</span><br/> <span class="ft1">Dies erhellt sich bereits daraus, dass die UVP weder den technologi-</span><br/> <span class="ft1">schen Fortschritt vorwegnehmen noch jede technisch denkbare An-</span><br/> <span class="ft1">lage umfassen kann. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Gegen-</span><br/> <span class="ft1">stand des USG hauptsächlich den Umweltschutz i.e.S. umfasst, d.h.</span><br/> <span class="ft1">vor schädlichen und lästigen Einwirkungen gemäss Art. 7 USG</span><br/> <span class="ft1">schützen soll. Demgegenüber enthält das NHG als Spezialgesetz die</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen zum Schutz und Erhalt des Landschafts- und Ortsbil-</span><br/> <span class="ft1">des sowie der Natur- und Kulturdenkmäler (Art. 3 i.V.m. Art. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft1">NHG) und damit zu weiteren Umweltaspekten. Diesen Umweltbe-</span><br/> <span class="ft1">reichen i.w.S. würde bei einer Beschränkung der Planungspflicht auf</span><br/> <span class="ft1">UVP-pflichtige Vorhaben kaum Rechnung getragen. Eine solche Be-</span><br/> <span class="ft1">schränkung erschiene damit wenig sachgerecht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">332</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall sind der Naturschutz und das Land-</span><br/> <span class="ft1">schaftsbild die hauptsächlich betroffenen Umweltaspekte. Die er-</span><br/> <span class="ft1">heblichen räumlichen Ausmasse (insbesondere die Höhe der geplan-</span><br/> <span class="ft1">ten Anlage von über 150 m, die z.B. deutlich höher als der 126 m</span><br/> <span class="ft1">hohe Prime Tower in Zürich ist), die Mächtigkeit und die gute Ein-</span><br/> <span class="ft1">sehbarkeit der projektierten Windenergieanlage sprechen damit für</span><br/> <span class="ft1">eine Bejahung der Planungspflicht (die Planungspflicht ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">bejahend: Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr Ener-</span><br/> <span class="ft1">gie und Kommunikation und die Bundesämter für Energie BFE, für</span><br/> <span class="ft1">Umwelt BAFU und für Raumentwicklung ARE in: Empfehlung zur</span><br/> <span class="ft1">Planung von Windenergieanlagen, die Anwendung von Raumpla-</span><br/> <span class="ft1">nungsinstrumenten und Kriterien zur Standortwahl, Ittigen, Bern,</span><br/> <span class="ft1">2003, S. 38). Gegen die Annahme der Planungspflicht spricht, dass</span><br/> <span class="ft1">Windenergieanlagen erst ab einer Leistung von 5 MW der UVP un-</span><br/> <span class="ft1">terstellt sind und damit davon auszugehen ist, dass das vorliegende</span><br/> <span class="ft1">Projekt mit einer Nennleistung von 2 MW die Umweltbereiche i.e.S.</span><br/> <span class="ft1">nicht besonders stark betrifft. Die Frage der Planungspflicht der pro-</span><br/> <span class="ft1">jektierten Windenergieanlage muss allerdings im vorliegenden Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren gar nicht abschliessend beurteilt werden, da eine Bewilligung</span><br/> <span class="ft1">für die projektierte Anlage - ohne vorgängige Anpassung der NO</span><br/> <span class="ft1">Kulturland der Gemeinde R. bzw. des höherrangigen Rechts - auch</span><br/> <span class="ft1">bei Verneinung der Planungspflicht ausser Betracht fällt (nachfol-</span><br/> <span class="ft1">gend Erw. 4.3).</span><br/> <span class="ft1">4.3</span><br/> <span class="ft1">Art. 24 lit. b RPG schreibt vor, dass einer Baute oder Anlage,</span><br/> <span class="ft1">die einen Standort ausserhalb der Bauzonen bedingt, keine überwie-</span><br/> <span class="ft1">genden Interessen entgegenstehen dürfen. Die entscheidende Be-</span><br/> <span class="ft1">hörde hat in diesem Rahmen alle im konkreten Fall berührten räum-</span><br/> <span class="ft1">lich wesentlichen Gesichtspunkte und Interessen zu ermitteln, zu</span><br/> <span class="ft1">bewerten und gegeneinander abzuwägen. Zu den dabei zu beachten-</span><br/> <span class="ft1">den öffentlichen Interessen gehören insbesondere die Anliegen des</span><br/> <span class="ft1">Landschaftsschutzes gemäss Art. 3 Abs. 2 RPG.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 14 Abs. 1 der NO Kulturland sind in der Land-</span><br/> <span class="ft1">schaftsschutzzone die Erstellung von Bauten und Anlagen grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich verboten. Ausnahmen sind lediglich für kleinere Terrainver-</span><br/> <span class="ft1">änderungen und Fahrnisbauten vorgesehen, die der zonenkonformen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">333</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bewirtschaftung dienen (§ 14 Abs. 3 NO Kulturland). Demgemäss</span><br/> <span class="ft1">befindet sich die Parzelle X in R. in einer eigentlichen Bauverbots-</span><br/> <span class="ft1">zone.</span><br/> <span class="ft1">Von vorrangiger Bedeutung ist bei der Interessenabwägung ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Art. 24 Abs. 1 lit. b RPG, dass die geplante Windenergieanlage</span><br/> <span class="ft1">nicht nur die Landwirtschaftszone tangiert, sondern dass sie in der</span><br/> <span class="ft1">Landschaftsschutzzone erstellt werden soll. Die geplante Erstellung</span><br/> <span class="ft1">einer Windenergieanlage ist dabei nicht nur mit dem Zonenzweck</span><br/> <span class="ft1">nicht vereinbar, sondern würde sogar die in einem demokratischen</span><br/> <span class="ft1">Verfahren erlassenen Schutzzone und -vorschriften sowie die dazu-</span><br/> <span class="ft1">gehörenden kantonalen Schutzziele des Richtplans in Frage stellen.</span><br/> <span class="ft1">Der Richtplan stuft das hier interessierende Gebiet als Landschaft</span><br/> <span class="ft1">von kantonaler Bedeutung ein. Vorliegend besteht - wie bereits ge-</span><br/> <span class="ft1">sagt - keine Richtplanfestsetzung, welche § 14 Abs. 3 NO Kulturland</span><br/> <span class="ft1">entgegenstehen würde, da der Richtplan (noch) keine Festsetzung zur</span><br/> <span class="ft1">Planung und Realisierung von Windenergieanlagen enthält. Damit ist</span><br/> <span class="ft1">es der Einwohnergemeinde R. im Rahmen ihrer durch die Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">autonomie geschützten Planungsautonomie ohne weiteres erlaubt, in</span><br/> <span class="ft1">einer Schutzvorschrift ein generelles Verbot für die Erstellung von</span><br/> <span class="ft1">Bauten und Anlagen auszusprechen (vgl. dazu Urteil des Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richts 1C_36/2011 vom 8. Februar 2012, Erw. 4.2 und 4.3), welches</span><br/> <span class="ft1">auch den Bau von Windenergieanlagen umfassen darf. Die Gemein-</span><br/> <span class="ft1">deversammlung R. erliess vorliegend § 14 NO Kulturland im korrek-</span><br/> <span class="ft1">ten Verfahren unter Nachachtung des kantonalen Richtplans (Richt-</span><br/> <span class="ft1">plan 1996, L 4, S. 44). Ein Spannungsverhältnis zum Richtplan 1996</span><br/> <span class="ft1">ist nicht ersichtlich. Diese rechtliche Grundordnung darf auch im</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmebewilligungsverfahren gemäss Art. 24 RPG nicht ausser</span><br/> <span class="ft1">Acht gelassen bzw. sogar in Frage gestellt werden. Der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">R. durfte damit auch keine in einem unlösbaren Spannungsverhältnis</span><br/> <span class="ft1">zu § 14 NO Kulturland stehende Baubewilligung erteilen. Die Ertei-</span><br/> <span class="ft1">lung der nachgesuchten Baubewilligung würde vorliegend im</span><br/> <span class="ft1">tangierten Gebiet die Landschaftsschutzzone der Gemeinde R.</span><br/> <span class="ft1">faktisch ausser Kraft setzen. Die planungsrechtliche Stufenordnung</span><br/> <span class="ft1">bedingt deshalb, dass vor der Erteilung einer Ausnahmebewilligung</span><br/> <span class="ft1">die kommunale Schutzzone von der Gemeindeversammlung aufge-</span><br/> <span class="ft1">hoben oder eingeschränkt werden müsste bzw. dass im höherrangi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">334</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen Recht (Sachplan, Richtplan, kantonaler Nutzungsplan, BauG)</span><br/> <span class="ft1">Spezialvorschriften für den Bau von Windenergieanlagen in Schutz-</span><br/> <span class="ft1">zonen erlassen würden. Die zu berücksichtigenden Interessen des</span><br/> <span class="ft1">Landschaftsschutzes sind deshalb im heutigen Zeitpunkt klar höher</span><br/> <span class="ft1">zu gewichten, als die Interessen der Bauherrschaft an der Erstellung</span><br/> <span class="ft1">der Windkraftanlage auf dem H. Daran ändert auch die Tatsache</span><br/> <span class="ft1">nichts, dass der H. bezüglich Windvorkommen offensichtlich ein</span><br/> <span class="ft1">geeigneter Standort für die Windenergieproduktion ist.</span><br/> <span class="ft1">Nicht ganz ausser Acht zu lassen ist auch noch, dass die Bau-</span><br/> <span class="ft1">herrschaft es unterlassen hat, eine Standortevaluation durchzuführen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. zur Pflicht: BGE 129 II 63 Erw. 3.2 und 118 Ib 17 Erw. 3, je mit</span><br/> <span class="ft1">weiteren Hinweisen). Auf Grund der Windmessungen erscheint der</span><br/> <span class="ft1">Standort H. zwar auch aus Sicht des Regierungsrats geeignet, Ener-</span><br/> <span class="ft1">gie aus Windkraft zu gewinnen. Hingegen zeigt die Windpotential-</span><br/> <span class="ft1">karte des Richtplans 2011 weitere mögliche Standorte zur Gewin-</span><br/> <span class="ft1">nung der Windenergie im Kanton auf, welche nur teilweise innerhalb</span><br/> <span class="ft1">von im Richtplan ausgeschiedenen Landschaftsschutzzonen liegen.</span><br/> <span class="ft1">Die Bauherrschaft wäre insoweit gehalten gewesen, insbesondere die</span><br/> <span class="ft1">sich nicht in einer Schutzzone oder im Wald befindlichen Gebiete zu</span><br/> <span class="ft1">evaluieren, wenn sie eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG</span><br/> <span class="ft1">erhältlich machen will.</span><br/> <span class="ft1">Eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG fällt aus den dar-</span><br/> <span class="ft1">gelegten Gründen ausser Betracht. Die Beschwerde ist abzuweisen.</span><br/> <span class="ft1">4.4</span><br/> <span class="ft1">An diesem Ergebnis ändern die von der Bauherrschaft vorge-</span><br/> <span class="ft1">brachten Rügen nichts: Soweit die Bauherrschaft auf Grund des Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheides BGE 132 II 408 ("Crt-Meuron") davon ausgeht, dass der</span><br/> <span class="ft1">Landschaftsschutz der Erstellung einer Windenergieanlage nicht ent-</span><br/> <span class="ft1">gegensteht, ist darauf hinzuweisen, dass der Standort der Energiean-</span><br/> <span class="ft1">lage im zitierten Entscheid in einem Planungsverfahren festgesetzt</span><br/> <span class="ft1">wurde. Zu beurteilen war demnach keine - der Nutzungsplanung</span><br/> <span class="ft1">nachgeordnete - baurechtliche Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24</span><br/> <span class="ft1">RPG, sondern eine Regelung in einem Nutzungsplan, welche in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Spannungsverhältnis zur (auf derselben Stufe stehenden) Land-</span><br/> <span class="ft1">schaftsschutzzone stand. Da vorliegend aber gerade weder eine</span><br/> <span class="ft1">Richtplanfestsetzung noch eine Nutzungsvorschrift zwecks Erstel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">335</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lung von Windenergieanlagen besteht, kann und darf das öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Interesse an der Produktion von erneuerbarer Energie der in § 14 NO</span><br/> <span class="ft1">Kulturland grundeigentümerverbindlich festgesetzte Landschafts-</span><br/> <span class="ft1">schutz nicht ausser Acht lassen oder sogar ausser Kraft setzen. Aus</span><br/> <span class="ft1">dem Entscheid Crt-Meuron kann deshalb nur gefolgert werden, dass</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen einer Nutzungsplanung dem Interesse an der Gewinnung</span><br/> <span class="ft1">von erneuerbarer Energie höheres Gewicht beigemessen werden darf</span><br/> <span class="ft1">als an der Erhaltung der geschützten Landschaft (Erw. 4.3). Er</span><br/> <span class="ft1">widerspricht insbesondere nicht der Beurteilung, dass die bestehende</span><br/> <span class="ft1">Landschaftsschutzzone die Erteilung einer Ausnahmebewilligung</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 24 RPG ausschliesst. Diesbezüglich ist jedoch klar da-</span><br/> <span class="ft1">rauf hinzuweisen, dass der H. im Richtplan 2011 als Gebiet mit</span><br/> <span class="ft1">Potential für die Nutzung von Windenergie bezeichnet wird und dass</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen eines noch zu erlassenden regionalen Sachplanes,</span><br/> <span class="ft1">kantonalen oder kommunalen Nutzungsplanes der Energieproduktion</span><br/> <span class="ft1">auch höheres Gewicht als dem Landschaftsschutz beigemessen</span><br/> <span class="ft1">werden könnte (vgl. dazu: Richtplan 2011, E 1.3, Beschluss 1).</span><br/> <span class="ft1">4.5</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend erweisen sich die in der Beschwerde vorge-</span><br/> <span class="ft1">brachten Rügen als unberechtigt. Die Beschwerde ist damit abzuwei-</span><br/> <span class="ft1">sen. (...)</span><br/> <span class="ft1">5. Künftige Planung</span><br/> <span class="ft1">In sachlicher Hinsicht rechtfertigt sich noch folgende Bemer-</span><br/> <span class="ft1">kung: Dem Regierungsrat ist durchaus bewusst, dass die Bedeutung</span><br/> <span class="ft1">der alternativen Energiegewinnungsformen zunimmt. Dies hängt</span><br/> <span class="ft1">insbesondere mit den Ereignissen von Fukushima, Japan, und den</span><br/> <span class="ft1">damit ausgelösten politischen Prozessen (insbesondere dem vom</span><br/> <span class="ft1">Bundesrat, eidgenössischen Parlament und Regierungsrat getragenen</span><br/> <span class="ft1">Verzicht auf Errichtung von neuen Kernkraftwerken der heutigen</span><br/> <span class="ft1">Generation) zusammen. Neue Energieproduktionsformen können da-</span><br/> <span class="ft1">mit keinesfalls mehr nur als Ergänzung der "ordentlichen bzw. bis</span><br/> <span class="ft1">anhin üblichen Stromproduktion" gesehen werden, sondern es stellt</span><br/> <span class="ft1">sich die grosse Herausforderung, die Stromproduktion und den</span><br/> <span class="ft1">Stromverbrauch auf die Zeit nach dem Wegfall der heutigen Kern-</span><br/> <span class="ft1">kraftwerke anzupassen. Der räumlichen Planung der Energieproduk-</span><br/> <span class="ft1">tionsanlagen muss deshalb ein hohes Gewicht beigemessen werden,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">336</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wobei der Grosse Rat die neuen rechtlichen Planungs-Grundlagen im</span><br/> <span class="ft1">Richtplan 2011 festschrieb. In diesem Sinn strebt der Kanton auch</span><br/> <span class="ft1">eine räumliche Konzentration der neu zu erstellenden Windenergie-</span><br/> <span class="ft1">anlagen an (Richtplan 2011, E 1.3, Beschlüsse A und 1.3). Der Re-</span><br/> <span class="ft1">gierungsrat ist deshalb der Auffassung, dass die räumliche Planung</span><br/> <span class="ft1">von Energieproduktionsanlagen nicht nur auf lokaler, sondern auch</span><br/> <span class="ft1">auf kantonaler Ebene anzugehen ist.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>