B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-962/2014 law/joc U r t e i l v o m 24 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren (…), Gambia, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Wegweisung Dublin (Ausländerrecht); Verfügung des BFM vom 10. Februar 2014 / N (…). D-962/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer seinen Angaben zufolge seinen Heimatstaat am 13. Juli 2011 verliess und nach Italien reiste, wo er g emäss Eurodac- Treffer am 12. April 2012 in B._______ um Asyl nachsuchte, dass er am 10. November 2012 in die Schweiz gelangte, wo er am fo l- genden Tag um Asyl nachsuchte, dass das BFM mit – unangefochten gebliebener Verfügung – vom 28. Dezember 2012 in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31, in der Fassung vom 16. Dezember 2005) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 10. November 2012 nicht eintrat und seine Wegweisung nach Italien ve r- fügte, welche am 22. Mai 2013 vollzogen wurde, dass der Beschwerdeführer am 21. Januar 2014 in die Schweiz einreiste, wo er aufgrund einer bestehenden RIPOL -Ausschreibung zwecks Ve r- büssung einer Freiheitsstrafe bis zum 8. April 2014 in den Strafvollzug überführt wurde, dass dem Beschwerdeführer am 24. Januar 2014 das rechtliche Gehör zur mutmasslich nach wie vor bestehenden Zuständigkeit von Italien zur Durchführung des Asylverfahrens respektive zu einer Wegweisung nach Italien gewährt wurde, dass er dabei erklärte, er habe in Italien keinen Arbeitsplatz gefunden, deswegen sei er in die Schweiz eingereist; in Italien bekomme man keine Hilfe und das Leben dort sei schwer, dass das BFM die italienischen Behörden am 29. Januar 2014 um Wie- deraufnahme des Beschwerdeführers ersuchte, dass es dieses Ersuchen auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der – gemäss Bundes- ratsbeschluss vom 18. Dezember 2013 mit gewissen Ausnahmen ab dem 1. Januar 2014 vorläufig anwendbaren – Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglie d- staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO; Neufassung der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Pr ü-D-962/2014 Seite 3 fung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat g e- stellten Asylantrags zuständig ist [Dublin-II-VO]), stützte, dass die italienischen Behörden mit Antwort an das BFM vom 10. Februar 2014 der Wiederaufnahme des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO (welcher dem Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub- lin-III-VO weitgehend entspricht; vgl. dazu: Anhang II der Dublin -III-VO) zustimmten, dass das BFM mit Verfügung vom 10. Februar 2014 – eröffnet am 14. Februar 2014 – in Anwendung von Art. 64a Abs. 1 des Bundesgeset- zes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug nach Italien anordnete und fest- hielt, einer allfälli gen Beschwerde geg en diesen Entscheid kom me keine aufschiebende Wirkung zu, dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, der Beschwe r- deführer befinde sich ohne Aufenthaltsregelung in der Schweiz und habe das Land grundsätzlich zu verlassen, dass das BFM aufgrund d es oben erwähnten Sachverhalts Italien um Wiederaufnahme des Ausländers ersucht habe und die Zu ständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens bei Italien liege, dass der Beschwerdeführer keine Einwände gegen die Wegweisung nach Italien dargelegt habe und sich keine Hinweise dafür ergeben würden, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich erscheine, weshalb die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen U n- terbrechung oder Verlängerung der Frist (Art. 29 Dublin-III-VO) – bis spä- testens am 10. August 2014 zu erfolgen habe, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. Februar 2014 (Eingang beim Bundesverwaltungsgericht am 26. Februar 2014) Beschwerde e r- hob und s inngemäss die Aufhebung der vorin stanzlichen Verfügung be- antragte, dass er zur Begründung im Wesentlich geltend machte, er habe in Italien nie eine Unterkunft gehabt, auf der Strasse oder bei der Caritas geschl a- fen und sei deswegen in die Schweiz gereist und man solle ihm deshalb den Aufenthalt in der S chweiz ermöglichen; falls dies nicht möglich sei, sei er einverstanden, nach Italien zurückzukehren, D-962/2014 Seite 4 dass die vorinstanzlichen Akten am 14. März 2014 beim Bundesverwal- tungsgericht eintrafen, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht unter anderem über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, wobei das Gericht im Bereich der Wegweisungen aufgrund der Dublin - Assoziierungsabkommen (Art. 64a AuG) endgültig entscheidet (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 31 und 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie Art. 83 Bst. c Ziff. 4 des Bunde s- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet soweit das VGG oder die Spezialgesetzgebung – vorliegend das AuG – nichts anderes b e- stimmt (Art. 37 VGG), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 64a Abs. 2 AuG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), das mit der Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder u n- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und – so- fern nicht ein kantonale Instanz verfügt hat – die Unangemessenheit ge- rügt werden können (Art. 49 VwVG), dass gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG (e contrario) vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass sich die angefochtene Verfügung auf Art. 64a AuG (Wegweisung aufgrund der Dublin-Assoziierungsabkommen) stützt, dass eine Wegweisungsverfügung gemäss Art. 64a Abs. 1 AuG den ille - galen Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz und die Zustä n-D-962/2014 Seite 5 digkeit eines anderen, an das Dublin -Assoziierungsabkommen gebunde- nen Staats für die Durchführung des Asylverfahrens voraussetzt, dass diese Voraussetzungen vorliegend aufgrund der bisherigen Pr o- zessgeschichte ohne weiteres erfüllt s ind, da sich der Beschwerdeführer illegal in der Schweiz aufhält und die Zuständigkeit Italiens mit Verfügung des BFM vom 28. Dezember 2012 bereits rechtskräftig festgestellt wurde, dass der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Anw e- senheitsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verfügt (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.1 S. 285; PETER UEBERSAX, Einreise und Anwesenheit, in: Ue- bersax/Rudin/Hugi Yar/ Geiser [Hrsg.], Ausländerrec ht, Basel 2009, Rz. 7.85 und 7.122 ff. mit weiteren Hinweisen), dass die Zuständigkeit Italiens zur Prüfung des vom Beschwerdeführer am 12. April 2012 erstmals in Italien gestellten Asylgesuches nach wie vor gegeben ist, zumal Italien das – erneute – Wiederaufnahmeersuchen des BFM vom 29. Januar 2014 am 10. Februar 2014 ausdrücklich gutgeheis- sen hat, dass weder der illegale Aufenthalt in der Schweiz noch die Zuständigkeit Italiens grundsätzlich bestritten werden, dass zu prüfen bleibt, ob dem Vollzug der Wegweisung Hindernisse im Sinne von Art. 83 Abs. 1 bis 4 AuG entgegenstehen, da das Bundesamt eine vorläufige Aufnahme anzuordnen hat, wenn sich der Wegweisung s- vollzug als nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich erweist (Art. 83 Abs. 1 AuG), dass Italien Signatarstaat der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Str afe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) ist und vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte dafür bestehen, Italien würde sich im Falle des Beschwerdeführers nicht an seine völkerrechtl ichen Verpflichtungen ha l- ten und den Beschwerdeführer in seinen Heimatstaat zurückschaffen, dies unter Missachtung des Non -Refoulement Gebotes oder von Art. 3 EMRK, nämlich bei konkret drohender Gefahr von Folter oder unmensc h- licher Behandlung, D-962/2014 Seite 6 dass der Be schwerdeführer mit den im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 24. Januar 2014 und der Beschwerde vom 20. Februar 2014 gegen eine Rückführung nac h Italien geäusserten Einwände n, in Italien über keine Arbeitsstelle und Unterkunft verfügt respektive bei der Car itas ge- schlafen zu haben, nicht darzulegen vermag, dass die Lebensbedingu n- gen in Italien so schlecht sind, dass die Überstellung in dieses Land die EMRK verletzen würde, dass auch davon ausgegangen werden kann, Italien anerkenne die Rech- te, die sich für Sc hutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeins a- men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sogenannte Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Pers o- nen, die internationalen Schutz beantragen (sogenannte Aufnahmerichtl i- nie) ergeben, dass die Aufenthaltsbedingungen für Asylsuchende in Italien zwar teilwei- se als verbesserungswürdig erscheinen, ab er derzeit kein Grund zur g e- nerellen Annahme besteht, Personen, die sich im Rahmen eines Asylve r- fahrens in Italien aufhalten, würden aufgrund der dortigen Aufenthaltsb e- dingungen in eine existenzielle Notlage geraten, dass sich – neben den staatlichen Strukturen – zahlreiche private Hilfsor- ganisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen anne h- men; eine Hilfe, die der Beschwerdeführer mit der Unterbringung bei der Caritas in der Vergangenheit bereits beanspruchen konnte, dass im Übrigen darauf hinzuweisen ist, dass es dem Beschwerdeführer unbenommen bleibt, allfällige Schwierigkeiten bei der Unterbringung oder Versorgung bei den italienischen Behörden geltend zu machen, dass demnach sowohl von der Zulässigkeit als auch von der Zumutba r- keit des Wegweisungsvollzugs auszugehen ist (Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG), dass der Vollzug der Wegweisung auch möglich ist (Art. 83 Abs. 2 AuG), zumal keine Vollzugshindernisse ersichtlich sind und – wie erwähnt – Ita- lien einer Wiederaufnahme ausdrücklich zugestimmt hat, dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, in- wiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtse r-D-962/2014 Seite 7 heblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unange- messen ist (Art. 49 VwVG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass bei diesem Verfahrensausgang des sen Kosten von Fr. 600.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (vgl. dazu Art. 63 Abs. 1 VwVG so - wie Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-962/2014 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: