A bteilung IV law /w ic D -5816/2006 {T 0/2} U rteil vom 11. Juni 2007 M itw irkung: R ichter W alter Lang, Thom as W espi, Fulvio H aefeli G erichtsschreiberin C orinne W irthner X._______, geboren _______, N epal, w ohnhaft _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 16. Juni 2006 i.S. Vollzug der W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein hinduistischer Nepali aus A._______, verliess seinen Heimatstaat nach eigenen Angaben im Januar 2006 und reiste via Indien und Frankreich am 23. Januar 2006 in die Schweiz ein, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 16. Juni 2006 fest, der Beschwerdeführer er- fülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. C. Mit Beschwerde vom 28. Juni 2006 (Poststempel) an die Schweizerische Asylre- kurskommission (ARK) beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung der Vor- instanz sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug nach Nepal zur Zeit unzumutbar sei und folglich sei die Vorinstanz anzuweisen, ihn vor- läufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er zudem, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. D. Mit Zwischenverfügung vom 5. Juli 2006 bestätigte der zuständige Instruktions- richter der ARK das dem Beschwerdeführer von Gesetzes wegen zustehende Recht auf Anwesenheit in der Schweiz bis zum Abschluss des Verfahrens. Gleich- zeitig hiess er die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut. Ausserdem überwies er die Beschwerde dem BFM zur Vernehmlassung. E. D as BFM hielt in der Vernehm lassung vom 7. Juli 2006 an seiner Verfügung vom 16. Juni 2006 fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. D ie Vernehm lassung w urde dem Beschw erdeführer am 11. Juli 2006 ohne R eplikrecht zur Kenntnisnahm e zugestellt. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehö- ren Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgül- tig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t am 1. Januar 2007, sofern es zuständig 3 ist, die Beurteilung der bei der ehem aligen AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m it- hin einzutreten. 3. In der Beschw erde w ird ausschliesslich der angeordnete Vollzug der W egw eisung angefochten. D ie Verfügung des Bundesam tes vom 16. Juni 2006 ist som it betref- fend Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, Ablehnung des Asylgesuchs und An- ordnung der W egw eisung (vgl. Ziff. 1, 2 und 3 des D ispositivs) m angels Anfech- tung in R echtskraft erw achsen. G egenstand des vorliegenden Beschw erdeverfah- rens bildet som it aufgrund der R echtsbegehren lediglich die Frage, ob der Vollzug der W egw eisung unzum utbar und infolgedessen die vorläufige Aufnahm e anzuord- nen ist (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m . Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 4. 4.1 G em äss Art. 44 Abs. 2 AsylG regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Auslän- dern, w enn der Vollzug nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar ist. N icht zum utbar kann der Vollzug der W egw eisung insbesondere sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 4 AN AG ). Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behandlung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 4.2 D ie Vorinstanz erachtet den W egw eisungsvollzug des Beschw erdeführers nach N epal als zum utbar. D azu führte sie in der angefochtenen Verfügung aus, w eder die in N epal herrschende politische Situation noch anderer G ründe w ürden gegen die Zum utbarkeit der R ückkehr des Beschw erdeführers dorthin sprechen. Ende April 2006 seien in N epal sow ohl die R egierung als auch das Parlam ent vom König w ieder eingesetzt w orden. Zudem hätten die M aoisten einen dreim onatigen W af- fenstillstand verkündet und ihre Kooperationsbereitschaft m it der neuen R egierung im H inblick auf die vorgesehene verfassungsgebende Versam m lung bekundet. D a- raufhin habe auch die R egierung ihrerseits m it einem W affenstillstand reagiert. So- m it bestehe in N epal keine Situation allgem einer G ew alt.4 5. D er Beschw erdeführer m acht dagegen im W esentlichen geltend, die Beurteilung der aktuellen Situation in N epal durch das BFM sei ungenau. Es entspreche zw ar den Tatsachen, dass die m aoistischen R ebellen einen W affenstillstand ausgerufen hätten. Ebenso bestätigten aktuelle Berichte, dass die Situation vor O rt seit vielen Jahren nicht m ehr so optim istisch eingeschätzt w orden sei. G leichzeitig könne die Situation nicht pauschal als sicher bezeichnet w erden. Zu viele für die w eitere Ent- w icklung von N epal w ichtige Fragen seien noch ungelöst. Bis dato hätten sich die m aoistischen R ebellen nicht bereit erklärt, ihre W affen niederzulegen, w as jedoch zur Bedingung für eine R egierungsbeteiligung gem acht w erde. Auch kom m e es w eiter zu G ew altakten. Ü ber die letzten Jahre habe es auch schon W affenstillstän- de gegeben, der Krieg sei jedoch im m er w ieder ausgebrochen. D em nach könne zum heutigen Zeitpunkt nicht davon ausgegangen w erden, dass die Situation in N epal geklärt sei. Erst m it der Zeit w erde sich zeigen, ob die heutigen Bem ühun- gen der Konfliktparteien Früchte tragen. Vor diesem H intergrund erscheine eine erzw ungene R ückkehr als verfrüht. 6. 6.1 D as Bundesverw altungsgericht geht davon aus, dass die allgem eine Lage in N epal nicht durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgem einer G ew alt ge- kennzeichnet ist, aufgrund derer die Zivilbevölkerung als konkret gefährdet be- zeichnet w erden m üsste (vgl. dazu die Analyse der jüngsten Entw icklung in N epal im U rteil der AR K vom 17. O ktober 2006. i.S. R .P.B., N epal, publiziert unter Ent- scheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2006 N r. 31 E. 4.3.3.-4.3.5. S. 331 ff.). D iese Einschätzung w ird auch durch die unlängst erfolgten Friedensgespräche zw ischen den m aoistischen R e- bellen und der Sieben-Parteien-Allianz bestärkt, w elche am 21. N ovem ber 2006 in ein um fassendes Friedensabkom m en m ündeten, w elches unter anderem die Ver- staatlichung des Verm ögens des nepalesischen Königshauses sow ie die Entw aff- nung der R ebellen und Teilm obilisierung der Arm ee unter Aufsicht der U N O vor- sieht. M itte D ezem ber 2006 schlossen N epals R egierungsallianz und die m aoisti- schen R ebellen ihre Verhandlungen zu einer Ü bergangsverfassung ab, w elche die M onarchie vorübergehend ausser Kraft setzt. D em nach ist bis M itte des Jahres 2007 anstelle von König G yanendra der R egierungschef das Staatsoberhaupt. N ach Auflösung des bisherigen Parlam entes w urde am 15. Januar 2007 eine neue Ü bergangsregierung eingesetzt, an der erstm als auch die M aoisten beteiligt sind. Sie verfügen über 83 der insgesam t 330 M andate, w om it sie zw eitgrösste Kraft im Parlam ent in Kathm andu stellen. D ie Ü bergangsverfassung w ird gelten, bis eine Sonderkom m ission eine dauerhafte Verfassung ausgearbeitet hat. D ieses G rem i- um soll im Laufe des Jahres gew ählt w erden. Ebenfalls noch in diesem Jahr sollen W ahlen zu einer verfassungsgebenden Versam m lung stattfinden (vgl. N ZZ O nline vom 7. N ovem ber 2006, m zbern.ch vom 8. N ovem ber 2006, N ZZ O nline vom 23. N ovem ber 2006, N ZZ O nline vom 16. D ezem ber 2006, Spiegel O nline vom 15. Ja- nuar 2007, N ZZ O nline vom 16. Januar 2007, tagesschau.de vom 4. M ärz 2007, N ZZ O nline vom 13. M ärz 2007, tagesschau.de vom 1. April 2007 und tagesschau.de vom 24. April 2007). D er Vollzug der W egw eisung ist unter diesen U m ständen nicht generell als unzum utbar zu bezeichnen (Art. 14a Abs. 4 AN AG ).5 6.2 Aufgrund der Aktenlage besteht ferner kein G rund zur Annahm e, der Beschw erde- führer gerate im Falle der R ückkehr aus individuellen G ründen w irtschaftlicher, so- zialer oder gesundheitlicher N atur in eine existenzbedrohende Situation, w elche den Vollzug der W egw eisung als unzum utbar erscheinen liesse. D er offenbar ge- sunde Beschw erdeführer hat nach 12-jähriger Schulbildung etw a drei Jahre lang einen Lebensm ittelladen geführt. Seine Eltern und seine beiden G eschw ister leben nach w ie vor in seinem H eim atdorf, w om it der Beschw erdeführer auf ein bestehen- des Beziehungsnetz zurückgreifen kann. Es kann unter diesen U m ständen davon ausgegangen w erden, dass es ihm im Falle der R ückkehr in seine H eim at aus ei- gener Kraft oder allenfalls m it U nterstützung der Fam ilie gelingen w ird, sich eine w irtschaftliche Existenzgrundlage aufzubauen. 6.3 Zusam m enfassend ergibt sich, dass das BFM den Vollzug der W egw eisung zu R echt als zum utbar erachtet hat. D ie Anordnung der vorläufigen Aufnahm e ge- stützt auf Art. 14a Abs. 4 AN AG fällt som it nicht in Betracht. 7. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest- stellt und angem essen ist (Art. 106 AsylG ). D ie Beschw erde ist dem nach abzuw eisen. 8. M it Zw ischenverfügung vom 5. Juli 2006 w urde dem Beschw erdeführer die unent- geltliche R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG gew ährt. Es sind ihm folglich keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (D ispositiv nächste Seite)6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer (eingeschrieben) - das BFM , Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung (R ef.-N r. N _______) - den _______ (Beilagen: Schulabschlusszeugnis [ausgestellt am 12. Juni 1998], "Character Certificate" [ausgestellt am 15. Juli 1998], Familienbüchlein [ausgestellt am 25. Dezember 2003]) D er R ichter: D ie G erichtsschreiberin: W alter Lang C orinne W irthner Versand am :