Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. August 2013 (720 12 381 / 179) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gemischte Methode; Haushaltsabklärungsbericht bei psychischen Gesundheitsstörun- gen; Schadenminderungspflicht der Familienmitglieder Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber i.V. Daniel Rüdin Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Monica Armesto , Adv o- katin, indemnis, Spalenberg 20, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene A.____ arbeitete zuletzt bis Oktob er 2010 als Reinigungsangestell- te im Stundenlohn bei der B.____ AG sowie bei der C.____ AG. Unter Hinweis auf eine depres- sive Entwicklung meldete sich die Versicherte im März 2011 bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der e rwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse sowie durchgeführtem Vorbescheidverfahren s prach ihr die IV-Stelle mit Verfü- gung vom 9. November 2012 rückwirkend ab 1. Oktober 2011 eine Dreiviertelsrente zu. Die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berechnung des massgebenden Invaliditätsgrades in der Hö he von 62 % erfolgte dabei in An- wendung der gemischten Methode mit einem Erwerbsanteil von 62 % und einem Haushaltsan- teil von 38 %. B. Gegen die vorerwähnte Verfügung erhob die Versiche rte, vertreten durch Advokatin Monica Armesto, am 10. Dezember 2012 Beschwerde an das K antonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht). Sie beantragte, es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 9. November 2012 aufzuheben und die Beschwerde- gegnerin sei zu verpflichten, ihr mit Wirkung ab dem 1 . Oktober 2011 eine ganze Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 100 % auszuricht en. Ferner beantragte sie die Durchführung einer öffentlichen Parteiverhandlung. Im Übrigen sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokatin Monica Armesto als unentgeltl iche Rechtsbeiständin zu gewähren; unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung machte die Be- schwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass sie ohne G esundheitsschaden in einem Voll- zeitpensum arbeiten würde, weshalb die von der Beschwe rdegegnerin durchgeführte Invalidi- tätsbemessung nach der gemischten Methode unzulässig sei. C. Die IV-Stelle liess sich mit Eingabe vom 29. Januar 20 13 zur Beschwerde vernehmen und beantragte dabei deren Abweisung. D. Mit Verfügung vom 7. März 2013 bewilligte das Kanto nsgericht der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Monica Armesto. E. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Besc hwerdeführerin mit ihrer Rechts- vertreterin sowie ein Vertreter der IV-Stelle teil. D ie Parteien halten an ihren Rechtsbegehren fest. Die Verhandlung findet unter Anwesenheit einer Dolmetscherin für Serbisch statt. Auf die während der Verhandlung gemachten Vorbringen wird - soweit notwendig - in den nachfolgen- den Erwägungen eingegangen. Gleiches gilt im Übrigen für die Ausführungen in den vorge- nannten Eingaben. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der hiesigen IV-Stel le, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 b eurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan tons Beschwerden gegen Verfü- gungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlic h zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und fo rmgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 10. Dezember 2012 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdefüh- rerin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat bzw. o b diese Frage in Anbetracht der ge- genwärtigen Aktenlage zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt bereits beantwortet werden kann. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähi gkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hin weisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invalidenversiche- rung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfa ll sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körp erlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung un d Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten au f dem in Betracht kommenden allge- meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträch- tigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähig keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.6 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.7 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 508 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bunde sgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 9. November 2012) entwickelt haben, wobei für d ie hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderl ich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.2 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d der Versicherten nach der gemischten Methode bemessen. Die IV-Stelle hat bei der Festlegun g der Anteile der Erwerbs- und Haus- haltstätigkeit im Wesentlichen auf die im "Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit" wie- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dergegebenen Angaben der Versicherten abgestellt, wonach diese ohne gesundheitliche Beein- trächtigungen in einem Pensum (wie bisher) von 27.5 Stu nden pro Woche bzw. 62 % erwerbs- tätig wäre. Gestützt auf diese Aussage der Versicherten hat die IV-Stelle die Anteile der Er- werbs- und der Haushaltstätigkeit auf 62 % bzw. 38 % fe stgesetzt, was von der Beschwerde- führerin nun aber bestritten wird. Diese macht ihrersei ts nämlich geltend, dass sie ohne Ge- sundheitsschaden im Umfang eines 100 % Pensums arbeiten würde und dies auch bereits vor ihrer Erkrankung getan habe, wobei sie bei zwei verschiede nen Arbeitgebern zu je 50 % gear- beitet habe. Aus diesem Grund müsse die Invaliditätsbem essung nach der allgemeinen Metho- de des Einkommensvergleichs erfolgen. Zur Begründung ve rweist die Beschwerdeführerin ins- besondere auf ihre diesbezüglichen Aussagen anlässlich d er Haushaltsabklärung und anläss- lich der von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychoth erapie, durchgeführten medizini- schen Begutachtung. Dagegen wendet die IV-Stelle ein, dass sich im "Abklärungsbericht Haus- halt" vom 31. Juli 2012 keinerlei Angaben fänden, wo nach sich die Beschwerdeführerin dahin- gehend geäussert habe, dass sie bei guter Gesundheit 100 % arbeiten würde. Gleichzeitig ver- weist die IV-Stelle auf den Punkt "Bisher ausgeübte Tä tigkeiten" im genannten Abklärungsbe- richt (recte: "Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstät igkeit"), wo protokolliert wird, dass die Beschwerdeführerin bei der B.____ AG ca. 15 Stunden p ro Woche bzw. bei der C.____ AG ca. 12 Stunden pro Woche gearbeitet habe. Angesprochen auf den Widerspruch zwischen den An- gaben im "Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigke it" und ihrer aktuellen Aussage betref- fend ihres (bisherigen) Arbeitspensums, gibt die Beschw erdeführerin anlässlich der heutigen Parteiverhandlung an, dass die 27.5 Stunden pro Woche nicht korrekt seien. Auf die Frage weshalb sie den besagten Fragebogen trotzdem unterschrie ben habe, antwortet die Beschwer- deführerin im Übrigen, dass sie dessen Inhalt damals nicht verstanden habe. 4.3 Es ist vorab festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheits- schadens zwar in sehr unterschiedlichem Ausmass gearbeitet ha t, dabei tatsächlich aber nie ein 100 % Pensum erreicht hat. Dies ergibt sich unzweife lhaft aus den beiden ins Recht geleg- ten "Fragebogen für Arbeitgebende" vom 8. März 2011 b zw. 11. April 2011 und dem entspre- chenden "Auszug aus dem individuellen Konto" vom 10. März 2011 (IK-Auszug). Im Weiteren ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum auch bei guter Gesund- heit nicht auf 100 % gesteigert hätte. Denn entgegen ihren Ausführungen sind keine Verände- rungen in den tatsächlichen Verhältnissen ersichtlich, w elche eine solche Ausweitung des Ar- beitspensums im Zeitpunkt des Verfügungserlasses als überwiegend wahrscheinlich erscheinen liessen. So überzeugt das von der Beschwerdeführerin ange führte Argument, dass mittlerweile alle ihre Kinder erwachsen seien und folglich keine Bet reuung ihrerseits mehr benötigten - mit- hin eine Reduktion ihres Arbeitspensums unter diesem Asp ekt nicht gerechtfertigt sei -, nicht. Gleich verhält es sich mit ihrem Vorbringen, dass ihre F amilie auf das Einkommen aus einem Vollzeitpensum angewiesen wäre, um die Rückzahlung eines von ihrem Ehemann aufgenom- menen Kredites finanzieren zu können. Denn zum einen w aren die Kinder der Beschwerdefüh- rerin bereits vor Eintritt des Gesundheitsschadens volljä hrig bzw. zumindest 16-jährig, weshalb anzunehmen ist, dass sie schon damals nicht mehr betreu ungsbedürftig waren. Zum anderen war ihre Familie, gemäss "Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit", schon vor Eintritt des Gesundheitsschadens verschuldet. Gleichwohl ging die B eschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt, wie eingangs erwähnt, keiner Vollzeitstel le nach. Demgemäss ist mit überwiegender Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh rerin auch im Gesundheitsfall lediglich in einem Teilzeitpensum (wie bisher) erwerbstätig wäre. Somit hat die IV-Stelle bei der Invaliditätsbemessung also zu Recht die gemischte Methode zur Anwendung gebracht. 5. Es bleibt allerdings unklar, zu welchen Anteilen die Beschwerdeführerin im Erwerbs- und Haushaltsbereich vor Eintritt des Gesundheitsschadens tatsächlich tätig war. Dies ist für die Festlegung des Invaliditätsgrades und die daraus result ierende Rentenhöhe jedoch von zentra- ler Bedeutung. Im vorliegenden Fall widersprechen sich nicht nur die in diesem Zusammenhang gemachten Aussagen der Parteien (vgl. E. 4.2 hiervor), sondern auch die diesbezüglichen An- gaben der beiden Arbeitgeber. So ist beispielsweise i m Arbeitsvertrag der C.____ AG vom 14. April 2009 eine wöchentliche Mindestarbeitszeit von grundsätzlich acht Stunden festgehal- ten. Demgegenüber sind in dem von der C.____ AG ausg efüllten "Fragebogen für Arbeitgeben- de" Arbeitszeiten zwischen 7.5 und 12.5 Stunden pro Woch e angegeben. Im entsprechenden Fragebogen der B.____ AG werden als durchschnittliche Arbeitszeit der Beschwerdeführerin sogar 59 Stunden pro Woche genannt, obwohl die allgemeine Arbeitszeit im Betrieb lediglich 42 Stunden pro Woche betrage. Des Weiteren lassen auch d ie jährlichen Einkommenszahlen im IK-Auszug keine verwertbaren Rückschlüsse bezüglich der tatsä chlich geleisteten Arbeitspen- sen zu. Denn aus den übrigen ins Recht gelegten Akten i st nicht klar ersichtlich, zu welchem Stundenansatz die Beschwerdeführerin jeweils gearbeite t hat. Somit ist eine Berechnung der von ihr effektiv erbrachten Arbeitsstunden nicht möglich . Selbst wenn verlässliche Durch- schnittswerte ermittelt werden könnten, stünde zudem in Frage, auf welche Zeitperiode vorlie- gend abgestellt werden müsste. So macht die Beschwerdefü hrerin sinngemäss geltend, dass lediglich Werte aus dem Jahr 2009 berücksichtigt werden dürften, da sie im Jahr 2010 bereits gesundheitlich beeinträchtigt gewesen sei. Es ist zwar ko rrekt, dass bereits vor Oktober 2010 krankheitsbedingte Arbeitsabsenzen der Beschwerdeführerin nachgewiesen sind. Aus den Mo- natsaufstellungen der beiden Arbeitgeber (vgl. dazu di e jeweiligen "Fragebogen für Arbeitge- bende") kann jedoch geschlossen werden, dass die Beschwerde führerin in einigen Monaten des Jahres 2010 mehr gearbeitet hat als in gewissen Monaten des Jahres 2009. Wie sich nach- folgend erweisen wird (vgl. E. 7.1 ff. hiernach), ka nn im vorliegenden Fall aber an dieser Stelle offen gelassen werden, auf welche Zahlen und Zeitperioden nun konkret abzustellen ist. 6.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrad es im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 6.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 f. E. 4 mit weiteren Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.4 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im We- sentlichen auf das von Dr. D.____ verfasste Gutachten vom 17. Februar 2012. Darin hielt er als Diagnose eine im jetzigen Ausmass seit Oktober 2010 besteh ende depressive Störung und schwere Episode ohne psychotische Symptome mit ausgeprägte n Somatisierungstendenzen (ICD-10 F 32.2) fest. Gestützt darauf attestierte Dr. D.____ der Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Schliesslich könnten auch keine alte rnativen Tätigkeiten genannt werden, in welchen die Beschwerdeführerin eine höhere Arbeitsfäh igkeit aufzubringen vermöge. Der be- gutachtende Facharzt hat die Versicherte eingehend unt ersucht, er geht in seinem ausführli- chen Bericht einlässlich auf deren Beschwerden ein, er setz t sich mit den bei den Akten liegen- den medizinischen Unterlagen auseinander und er vermit telt so ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. Im Übrigen e rweist sich auch die von ihm vorge- nommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicher ten als überzeugend. Die vorinstanz- liche Würdigung des medizinischen Sachverhalts wird den n auch - was die Zumutbarkeit der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit betrifft - von der Versicherten in ihrer Beschwerde zu Recht nicht in Frage gestellt. 6.5 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.5 h iervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgr und eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen. Da die Beschwerdeführerin nach dem vorstehend Gesagten in sämtlichen beruflichen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig ist, kann aller dings ein solcher unterbleiben und ohne weitere Erörterungen festgehalten werden, dass der Inva liditätsgrad im Erwerbsbereich 100 % beträgt, was zwischen den Parteien im Übrigen auch nicht streitig ist. 7.1 Zu prüfen ist hingegen, in welchem Masse die Beschwe rdeführerin zufolge ihrer ge- sundheitlichen Beschwerden im Haushalt eingeschränkt ist. Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsbereich hat die IV-Stelle am 24. April 2 012 eine Haushaltsabklärung getätigt. Die Abklärungsperson kam dabei zum Schluss, dass aufgrund der Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen keine Einschränkung im Haushalt bestehe. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsberei ch bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abklärungsbe- richts sind - analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von A rztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) - verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Hau shaltsabklärungsbericht ist beweis- kräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen u nd Behinderungen hat, die sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die A ngaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Bet eiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und a ngemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erho- benen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S. 218 E. 2 .3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne da rstellt, in das Ermessen der Abklä- rungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinsch ätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate vorliegen. Das gebi etet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkret en Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (Urteil des Bundesgeri chts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit Hinweis; BGE 128 V 93 f. E. 4). 7.3 Aus dem "Abklärungsbericht Haushalt" vom 31. Juli 2012 geht im Wesentlichen hervor, dass praktisch alle Haushaltsarbeiten von den Töchtern sowi e in geringem Ausmass vom Ehe- mann der Beschwerdeführerin erledigt werden. Diesbezüg lich gilt es zwar zu berücksichtigen, dass die im Sozialversicherungsrecht jeder versicherten Pe rson obliegende Schadenminde- rungspflicht auch bei der Bemessung der Invalidität im Haushalt miteinzubeziehen ist. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haushaltsarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invaliditätsbe- dingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen Personen nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden können, d urch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Er- werbseinbusse oder eine unverhältnismässige Belastung ents teht. Die im Rahmen der Invalidi- tätsbemessung bei einer Hausfrau oder einem Hausmann z u berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen geht daher weiter als die ohne G esundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versiche- rungsleistungen zu erwarten wären (BGE 133 V 509 f. E . 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundes- gerichts vom 25. März 2010, 9C_39/2010, E. 4.3.2). Nach der Rechtsprechung des Bundesge- richts darf aber unter dem Titel der Schadenminderungsp flicht der versicherten Person nicht etwa die Bewältigung der Haushaltstätigkeit in einzelne n Funktionen oder insgesamt auf die übrigen Familienmitglieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jeder festge- stellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sich ein Familienmitglied finden lässt, das allenfalls für eine ersatzweise Ausführung der entsprechenden Teilfunktion in Frage kommt (BGE 133 V 510 E. 4.2). Ginge man nämlich davon aus, dass es zur Schadenminde- rungspflicht gehört, die behinderungsbedingt fehlende Leistungsfähigkeit im Haushalt soweit als Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht möglich durch die Mithilfe von Familienangehörigen zu ko mpensieren, würde dies im Ergebnis dazu führen, dass nicht die Invalidität der behinderten Person, sondern die Leistungsfähigkeit der Familie, zu der die behinderte Person gehört, ge messen wird. Im Extremfall könnte die Mit- hilfe einer vielköpfigen Familie im Haushalt daher so g ross sein, dass selbst eine bettlägerige Person im Haushalt als nicht invalid betrachtet werden müsste (Entscheid des Versicherungs- gerichts des Kantons St. Gallen vom 3. April 2008, IV 2006/248, E. 5.1.1). 7.4 Im vorliegenden Fall wird die Schadenminderungsp flicht jedoch genau in diesem Sinne überstrapaziert. Dem Ehemann und der im gleichen Hausha lt lebenden Tochter ist im Rahmen der Schadenminderungspflicht zwar eine gewisse Mithilfe im Haushalt zumutbar. Im Übrigen ist es aber unzulässig Mithilfe von Familienangehörigen, die nicht mehr im gleichen Haushalt wie die Versicherte leben, anzurechnen. Daran ändert auch nichts, dass die beiden älteren Töchter aufgrund des engen familiären Zusammenhalts ohnehin täglich zu Besuch bei der Beschwerde- führerin kämen und zudem in deren Nähe wohnten. Ebenso wenig rechtfertigt der Umstand, dass die Töchter schon immer im Haushalt mitgeholfen hä tten, eine Ausdehnung ihrer Scha- denminderungspflicht über das im Rahmen der Invaliditä tsbemessung bei einer Hausfrau oder einem Hausmann zu berücksichtigende Ausmass. Denn es ist nich t davon auszugehen, dass eine vernünftige Familiengemeinschaft, im Sinne der o bigen Erwägung (vgl. E. 7.3 hiervor), eine vergleichbare (Mehr-) Belastung auf sich nehmen w ürde, wie dies insbesondere im Hin- blick auf die beiden älteren Töchter der Beschwerdefüh rerin der Fall ist. Demnach kann vorlie- gend eine Einschränkung im Haushaltsbereich - entgegen der Annahme der IV-Stelle - nicht bereits aufgrund der Schadenminderungspflicht verneint werden. 7.5 Weiter ist zu berücksichtigen, dass es sich vorliegend um einen psychischen Gesund- heitsschaden handelt, weshalb die grundsätzliche Massgeb lichkeit der Abklärungsberichte, auch wenn die erwähnten Anforderungen erfüllt sind, praxisgemäss eingeschränkt ist (vgl. AHI- Praxis 2001 S. 162 E. 3d mit Hinweis). Im Urteil vom 22 . Dezember 2003 (I 311/03, in deut- scher Übersetzung publiziert in: AHI-Praxis 2004 S. 137 ff.) hat das EVG seine Rechtsprechung zur Bemessung der Invalidität von ganz oder teilweise im Haushalt tätigen Personen, welche an einem psychischen Gesundheitsschaden leiden, präzisiert (E. 5, insbesondere E. 5.3). Danach bildet die Abklärung im Haushalt auch hier grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Invaliditäts- bemessung im Aufgabenbereich. Im Falle eines Widerspru chs zwischen den Ergebnissen der Abklärung vor Ort und den fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist den ärztlichen Stellungnahmen aber in der Regel mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über d ie Haushaltsabklärung (Urteil des Bundesgerichts vom 5. September 2011, 9C_201/2011, E. 2). Diese prinzipielle Gewichtung hat ihren Grund darin, dass es für die Abklärungsperson regel mässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu er- kennen (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008, 8C_6 71/2007, E. 3.2.1 mit Hinweisen). Für die Rechtsanwendung im konkreten Fall bedeutet die s, dass nach Massgabe der Kriterien, die von der Rechtsprechung entwickelt worden sind, der Beweiswert sowohl der medizinischen Unterlagen (BGE 125 V 352 E. 3) als auch des Haushalt sabklärungsberichts zu beurteilen ist. Liegen gleichermassen beweiskräftige Stellungnahmen vor, muss geprüft werden, ob die ge- machten Aussagen vereinbar sind oder einander widerspre chen. Bestehen Divergenzen zwi- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen den Ergebnissen der Haushaltsabklärung und den ärzt lichen Feststellungen zur Fähig- keit der versicherten Person, ihre Haushaltstätigkeiten t rotz des psychischen Leidens noch ver- richten zu können, ist der medizinischen Einschätzung prinzipiell höheres Gewicht beizumessen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 28. Februar 2007, I 373/06, E. 4.3.2 und vom 6. September 2004, I 249/04, E. 5.1.1). 7.6 Wie soeben dargelegt (vgl. E. 7.3 f. hiervor), beh andelt der "Abklärungsbericht Haus- halt" vom 31. Juli 2012 insbesondere die Schadenminderu ngspflicht der Familienangehörigen. Auf die psychische Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführer in im Haushalt geht der genannte Bericht allerdings nur am Rande ein. So wird darin le diglich pauschal festgehalten, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben kein Interesse m ehr für den Haushalt aufbringen könne und nichts mehr im Haushalt übernehmen möge. Insg esamt setzt sich der ins Recht ge- legte Abklärungsbericht also nicht in genügender Weise plausibel, begründet und angemessen detailliert mit den einzelnen Einschränkungen im Haush altsbereich auseinander. Eine eigentli- che psychiatrische Einschätzung bezüglich der Beeinträchtigu ng im Haushalt liegt ebenfalls nicht vor. Die IV-Stelle hat nur eine Stellungnahme d es Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) zum "Abklärungsbericht Haushalt" vom 31. Juli 2012 eing eholt. Zusammengefasst kommt Dr. med. E.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera pie, darin zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin einen Mangel an Interesse am Hausha lt habe und nicht einen Mangel an Können. Somit bestehe aus rein versicherungsmedizinischen Gründen keine relevante Ein- schränkung in der Haushaltstätigkeit, weshalb sich die die sbezügliche Einschätzung im Abklä- rungsbericht als richtig erweise. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, die abschliessende Beur- teilung des Haushaltsabklärungsberichtes dem RAD zu überlassen. Ist allerdings ein psychiatri- sches Gutachten erstellt worden (hier: das von Dr. D.____ verfasste Gutachten vom 17. Februar 2012), ist die entsprechende Stellungnah me vom Gutachter und nicht vom RAD einzuholen. Denn vom Gutachter ist eine differenzierter e Stellungnahme zu erwarten, hat er sich doch im Rahmen des Gutachtens mit der psychischen Leistun gsfähigkeit der versicherten Person auseinandergesetzt (vgl. Urteil des Kantonsgeric hts, Abteilung Sozialversicherungs- recht, vom 27. Juni 2013, 720 13 21/143, E. 6.4.2). Im vorliegenden Fall erstaunt das Vorgehen der IV-Stelle auch deshalb, weil sie bezüglich der Ar beitsunfähigkeit im Erwerbsbereich nicht auf eine RAD-Stellungnahme abstellt, sondern auf das e rwähnte Gutachten von Dr. D.____ (vgl. E. 6.4 hiervor). Der RAD-Stellungnahme von Dr. E.____ vom 29. August 2012 kann aber auch aus anderen Gründen keine Beweiskraft zukommen. Zum einen ist sein Bericht sehr pau- schal ausgefallen und eine nachvollziehbare Begründung fehlt komplett. Eine solche wäre vor- liegend aber insbesondere deshalb angezeigt, weil das v on Dr. E.____ bei seiner Beurteilung hauptsächlich angeführte Argument des "mangelnden Int eresses an der Haushaltstätigkeit" nicht ohne Weiteres zu überzeugen vermag. Denn das von der Beschwerdeführerin an den Tag gelegte "mangelnde Interesse" scheint gerade die Folg e ihrer Depression zu sein, mit welcher gemäss dem Gutachten von Dr. D.____ ein apathisch-antriebsloses Verhalten einhergehe. Zum anderen ist der Beweiswert dadurch in Frage gestellt, dass Dr. E.____ nicht ansatzweise er- klärt, weshalb bei einer Einschränkung im Erwerbsbereich von 100 %, im Aufgabenbereich gar keine (relevante) Einschränkung bestehen soll. Dies ersche int bei der Beurteilung einer Reini- gungsangestellten umso fraglicher, da sich die konkret betroffenen Tätigkeiten im Erwerbs- und Haushaltsbereich teilweise decken. Schliesslich ist im vorl iegenden Fall anzumerken, dass Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. D.____ offensichtlich aufgrund der Angaben der Be schwerdeführerin von einem 100 % Ar- beitspensum derselben ausgegangen ist und daher keine V eranlassung sah, sich zu einer all- fälligen Beeinträchtigung im Haushalt zu äussern. Da e ine psychiatrische Einschätzung der krankheitsbedingten Einschränkung im Haushalt für die In validitätsbemessung unabdingbar ist, bedarf es diesbezüglich jedoch einer nachträglichen Beurteilung durch Dr. D.____. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gestützt auf die m edizinischen Unterlagen und den Haushaltsabklärungsbericht die Invalidität im Aufgabenbereich nicht zuverlässig beur- teilt werden kann. Aus diesem Grund ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfügung vom 9. November 2012 aufzuheben. Die Angeleg enheit ist an die IV-Stelle zurück- zuweisen, damit ein neuer Haushaltsabklärungsbericht ver anlasst wird, in welchem allfällige Einschränkungen im Haushalt nachvollziehbar dargestellt u nd begründet werden. Dabei ist ins- besondere eine korrekte Auseinandersetzung mit der Schad enminderungspflicht der Familien- angehörigen der Beschwerdeführerin vorzunehmen. Anschliess end ist der Haushaltsabklä- rungsbericht Dr. D.____ zur Stellungnahme zu unterbr eiten und ihn anzufragen, ob sich das Ergebnis der Haushaltsabklärung mit seiner Einschätzung de r psychiatrischen Einschränkun- gen im Haushaltsbereich deckt. Gestützt auf diese Abklärungen hat die IV-Stelle über den Ren- tenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfügen. So fern für die Rentenzusprache von Relevanz wäre zudem abzuklären, zu welchen Anteilen die Be schwerdeführerin im Erwerbs- und Haushaltsbereich vor Eintritt des Gesundheitsschadens tatsächlich tätig war. In diesem Fall hätte die IV-Stelle erst danach über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfü- gen. 9.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befind en. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanto- nalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahr enskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unt erliegenden Partei auferlegt. Vor- liegend hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu bea chten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht int eressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Best immung hat die IV-Stelle als Vo- rinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten zu erheben sind. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerde- führerin hat in ihrer Honorarnote vom 27. März 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 11.83 Stunden geltend gemacht, was sich umfa ngmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 67.--. Unter Hinzurechnung des Zeitaufwandes für die heutige Parteiverhandlung i st der Beschwerdeführerin deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'806.45 (13.8 3 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 67.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtliche n Angelegenheiten an das Bundesge- richt zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschli essen. Selbständig eröffnete Zwi- schenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gu tzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefoch- tene Verfügung vom 9. November 2012 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen sowie zum E rlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zur ückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'806.45 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.