<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 21 S.73</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">73</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>21</b></span> <span class="ft1"><b>§§ 54 Abs. 2/55 Abs. 1 StPO. Polizeirapport.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Ein solcher kann nur wegen Verletzung der Protokollierungsvorschriften</b></span><br/> <span class="ft1"><b>oder Unvollständigkeit, nicht aber wegen der Art seiner Abfassung durch</b></span><br/> <span class="ft1"><b>den Polizeibeamten beanstandet werden (E. 1a und b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Beschwerdekammer in Straf-</span><br/> <span class="ft2">sachen, vom 9. Mai 2000 i.S. M.H.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">Mit Eingabe vom 29. Juni 1999 liessen die Eltern des Kindes</span><br/> <span class="ft4">M.H., geb. 01.02.1989, für dieses gegen A.S. Strafanzeige wegen</span><br/> <span class="ft4">Nötigung erstatten, im Wesentlichen mit der Begründung, A.S. habe</span><br/> <span class="ft4">am 7. Juni 1999 vor dem Schulhauseingang in W. aggressiv auf das</span><br/> <span class="ft4">Kind M.H. eingeredet und es während mehreren Minuten daran ge-</span><br/> <span class="ft4">hindert, den Heimweg anzutreten. Das Kind M.H. wurde am</span><br/> <span class="ft4">21. Dezember 1999 in Anwesenheit des von seinen Eltern beigezo-</span><br/> <span class="ft4">genen Rechtsanwalts B. polizeilich befragt. Nach der Akteneröff-</span><br/> <span class="ft4">nung durch das Bezirksamt B. stellte Rechtsanwalt B. unter Rüge</span><br/> <span class="ft4">dieser formlosen polizeilichen Befragung und der Art der Abfassung</span><br/> <span class="ft4">des Polizeirapports durch den Polizeibeamten verschiedene Aktener-</span><br/> <span class="ft4">gänzungsanträge und wurde durch Verfügung des Bezirksamts B.</span><br/> <span class="ft4">vom 27. März 2000 mit jenen Rügen und diesen Aktenergänzungs-</span><br/> <span class="ft4">anträgen abgewiesen. Die dagegen eingelegte Beschwerde wies das</span><br/> <span class="ft4">Obergericht, Beschwerdekammer in Strafsachen, mit Entscheid vom</span><br/> <span class="ft4">9. Mai 2000 ab, soweit es darauf eintrat.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. a) Der Vertreter der Anzeigerin hat an der polizeilichen Be-</span><br/> <span class="ft4">fragung von M.H. vom 21. Dezember 1999 persönlich teilgenommen</span><br/> <span class="ft4">und hat dort akzeptiert, dass das Kind nicht formell zu Protokoll</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">74</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">(§§ 54, 55 StPO), sondern formlos befragt worden ist. Es hätte</span><br/> <span class="ft4">Rechtsanwalt B. freigestanden, einen entsprechenden Antrag zu</span><br/> <span class="ft4">stellen und gegen dessen Ablehnung zu protestieren. Die Rüge über</span><br/> <span class="ft4">die Art der Befragung erfolgt demnach verspätet.</span><br/> <span class="ft4">b) Die Ausführung in der bezirksamtlichen Verfügung, dass die</span><br/> <span class="ft4">Anzeigerin dem Polizisten nicht vorschreiben könne, wie er seinen</span><br/> <span class="ft4">Rapport abzufassen habe, ist grundsätzlich richtig. Ein solches Wei-</span><br/> <span class="ft4">sungsrecht steht auch dem Bezirksamt gegenüber dem Polizeibeam-</span><br/> <span class="ft4">ten nicht zu. Dem Beschwerdebegehren, der Polizeibeamte sei anzu-</span><br/> <span class="ft4">halten, seinen Rapport anders abzufassen, kann folglich nicht statt-</span><br/> <span class="ft4">gegeben werden. Soweit indessen geltend gemacht wird, der Rapport</span><br/> <span class="ft4">sei unvollständig, und es fehlten wesentliche Äusserungen des Mäd-</span><br/> <span class="ft4">chens zur Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit, ist die Rüge</span><br/> <span class="ft4">zuzulassen und zu prüfen. Zur Klärung des Sachverhalts wird es</span><br/> <span class="ft4">unumgänglich sein, das Mädchen erneut, diesmal indessen nicht</span><br/> <span class="ft4">formlos, sondern zu Protokoll einzuvernehmen. Dass Kinder in der</span><br/> <span class="ft4">Regel im Verfahren nur einmal einvernommen werden dürfen (Ver-</span><br/> <span class="ft4">fügung des Bezirksamts), trifft nur bei Unzuchtsdelikten zu (§ 107</span><br/> <span class="ft4">Abs. 2 StPO).</span><br/> <span class="ft4">4. a) Es ist richtig, dass der Vertreter der Anzeigerin in seiner</span><br/> <span class="ft4">Anzeige vom 29. Juni 1999 um Mitteilung der Termine gemäss § 130</span><br/> <span class="ft4">Abs. 2 StPO ersuchte. Im Schreiben vom 24. August 1999, das er per</span><br/> <span class="ft4">Fax an das Bezirksamt sandte, ersuchte er erneut um Absprache der</span><br/> <span class="ft4">Einvernahmetermine mit ihm. Gleichentags teilte ihm das Bezirks-</span><br/> <span class="ft4">amt per Fax mit, dass die Kantonspolizei B. mit dem Ermittlungsver-</span><br/> <span class="ft4">fahren beauftragt worden sei; falls der Vertreter der Anzeigerin bei</span><br/> <span class="ft4">Einvernahmen dabei sein möchte, müsse er sich mit dem beauftrag-</span><br/> <span class="ft4">ten Polizeibeamten in Verbindung setzen. Auf dieses Schreiben hin</span><br/> <span class="ft4">reagierte der Vertreter der Anzeigerin nicht und setzte sich offenbar</span><br/> <span class="ft4">auch nicht mit dem Polizeiposten B. in Verbindung. Am 29. August</span><br/> <span class="ft4">1999 wurde die Beanzeigte polizeilich befragt.</span><br/> <span class="ft4">Die Rüge des Vertreters der Geschädigten, durch die Befragung</span><br/> <span class="ft4">der Beanzeigten ohne Terminabsprache oder auch nur Mitteilung des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">75</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Termins an ihn sei sein rechtliches Gehör verletzt worden, geht fehl.</span><br/> <span class="ft4">Nachdem er gegen das Fax des Bezirksamts vom 24. August 1999</span><br/> <span class="ft4">weder protestiert und auf der Mitteilung der Termine beharrt noch</span><br/> <span class="ft4">sich mit der Kantonspolizei B. rechtzeitig in Verbindung gesetzt</span><br/> <span class="ft4">hatte, war die Verpassung des Einvernahmetermins seinem eigenen</span><br/> <span class="ft4">Verhalten zuzuschreiben und selbstverschuldet. Es sei beigefügt, dass</span><br/> <span class="ft4">das Recht des Zivilklägers, dass ihm auf Verlangen die Termine von</span><br/> <span class="ft4">Untersuchungshandlungen mitgeteilt werden, nicht auch das Recht</span><br/> <span class="ft4">auf Absprache der Termine mit ihm beinhaltet.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>