A bteilung III C -768/2006 {T 0/2} U rteil vom 28. Juni 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichter Vaudan; R ichterin Avenati-C arpani; G erichtsschreiber Birgelen. B._______ und J._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisebew illigung für E._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er 1984 im Kosovo geborene E._______ (nachfolgend: G esuchsteller) beantragte am 28. April 2006 beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina ein Visum für einen einm onatigen Besuchsaufenthalt bei seinem im Kanton Aargau w ohnhaften Vater B._______ (nachfolgend: G astge- ber). D ie Schw eizerische Vertretung verw eigerte eine Erteilung des Vi- sum s in eigener Kom petenz form los und leitete das G esuch an das Bun- desam t für M igration (BFM , nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form ellen Entscheid w eiter. B. N achdem das M igrationsam t des Kantons Aargau beim G astgeber ergän- zende Auskünfte eingeholt hatte, lehnte die Vorinstanz das Einreisegesuch m it Verfügung vom 31. M ai 2006 ab. Zur Begründung w urde insbesondere ausgeführt, die vom G astgeber abgegebenen finanziellen G arantien seien ungenügend und eine fristgerechte W iederausreise des G esuchstellers nach Ablauf des Visum s könne nicht als hinreichend gesichert betrachtet w erden. C . G egen diese Verfügung erhoben der G astgeber und seine Ehefrau J._______ (nachfolgend: Beschw erdeführer) am 9. Juni 2006 beim Eidge- nössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) Beschw erde. D arin er- suchen sie sinngem äss um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Erteilung des beantragten Visum s. Zur Begründung m achen sie gel- tend, die von der Vorinstanz erhobenen Einw ände seien nicht gerechtfer- tigt. Sie w ürden für säm tliche Kosten im Zusam m enhang m it der R eise und dem Aufenthalt in der Schw eiz aufkom m en und hätten auch für die W ie- derausreise schriftlich garantiert. D . In einem unaufgefordert eingereichten Schreiben vom 8. August 2006 bo- ten die Beschw erdeführer an, den G esuchsteller zur Kontrolle bei ihrer W ohngem einde nach der Einreise an- und nach erfolgter Ausreise w ieder abzum elden sow ie eine Kaution von Fr. 5'000.-- zu hinterlegen. E. D ie Vorinstanz hielt in ihrer Vernehm lassung vom 28. August 2006 an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abw eisung der Be- schw erde. D ass die Beschw erdeführer die U nterhaltsgarantie nicht restlos erfüllen könnten, w erde von ihrer W ohngem einde bescheinigt; es bestün- den Steuerschulden und Betreibungen. W as das R isiko einer nicht fristge- rechten W iederausreise betreffe, so seien beim G esuchsteller keine indivi- duellen Verbindlichkeiten auszum achen, die von einer Em igration abzuhal- ten verm öchten. F. D ie Beschw erdeführer verzichteten in der Folge auf die Einreichung einer R eplik.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31, Art. 32 sow ie Art. 33 Bst. d des Verw altungsge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der anlässlich des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw er- dediensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsge- richtsgesetz nichts anderes vorsieht. D as Bundesverw altungsgericht ent- scheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bun- desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D ie Beschw erdeführer sind gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG und Art. 48 Vw VG zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211], PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). 2.3 U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in 4 Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten allgem einen Einreisevoraussetzungen er- füllen (Art. 9 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 VEA). U nter anderem haben sie G e- w ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). Sie m üssen zudem über genügend M ittel verfügen, um ihren Le- bensunterhalt w ährend des Aufenthalts in der Schw eiz zu bestreiten, oder in der Lage sein, sich diese M ittel auf legale W eise zu beschaffen (Art. 1 Abs. 2 Bst. d VEA). D arüber hinaus kann die Bew illigungsbehörde die un- terzeichnete G arantieerklärung bis zu einem U m fang von 20'000 Franken einer solventen natürlichen oder juristischen Person in der Schw eiz verlan- gen (Art. 6 Abs. 1 i.V.m . Art. 7 Abs. 3 VEA). 2.4 D er G esuchsteller kann sich nicht auf eine Ausnahm eregelung berufen. Er ist auf G rund seiner Staatszugehörigkeit visum spflichtig. D ie Vorinstanz verw eigerte die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die fi- nanziellen M ittel beziehungsw eise die G arantien seien ungenügend und die fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3. 3.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.2 D ie Sicherheitslage in der von der U N M IK verw alteten Provinz Kosovo konnte zw ar im Verlauf der letzten Jahre w eitgehend stabilisiert w erden und der W iederaufbau von Adm inistration und Infrastruktur ist unter Beteili- gung internationaler O rganisationen und Staatengem einschaften in G ang gekom m en. Trotz grosser internationaler U nterstützung ist es aber bisher nicht gelungen, eine W achstum sdynam ik einzuleiten; es herrscht w irt- schaftliche Stagnation und die Arbeitslosigkeit bleibt hartnäckig hoch. So sind m ehr als die H älfte der Erw erbsfähigen ohne oder zum indest ohne re- gelm ässiges Einkom m en. D ie R eduktion der Arbeitslosigkeit und die Erhö- hung des allgem einen Lebensstandards haben zw ar für die U N M IK hohe Priorität, doch in Anbetracht dessen, dass von den Experten für die Zu- kunft ein m assiver R ückgang bei den H ilfsgeldern erw artet w ird, sind auch die w irtschaftlichen Perspektiven zum indest m ittelfristig schlecht. G em äss W orld Bank Brief lag der Arm utsanteil der Bevölkerung im Kosovo im Jahr 2005 bereits bei 37% (Tendenz steigend). Entsprechend hoch ist der An- teil jener, die versuchen, ins Ausland zu gelangen, um sich unter günstige- ren Lebensbedingungen eine bessere Existenz sichern zu können. Laut der "International O rganization for M igration" (IO M ) sollen in einer zu Be- ginn des Jahres 2003 durchgeführten U m frage über 50% der Befragten angegeben haben, sie w ürden lieber im Ausland leben und arbeiten. U nter den M igrationsw illigen gilt vor allem W esteuropa und dam it auch die 5 Schw eiz als W unschdestination. D er Trend zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Freunden bereits ein m inim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland be- steht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulas- sungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim - m ungen. 4. 4.1 Bei der R isikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einer G esuchstellerin oder einem G esuchsteller im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünsti- gen. U m gekehrt m uss bei Antragstellerinnen und Antragstellern, die in ih- rer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem denpolizeilich nicht regelkonform es Verhalten (nach bew illigter Einrei- se zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 4.2 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen 22-jährigen, ledigen M ann ohne eigene Kinder. G em äss einer m it dem Visum sgesuch eingereichten am tlichen Bestätigung der U N M IK vom 5. April 2006 lebt er in Fam ilienge- m einschaft m it seinen zw ei volljährigen G eschw istern und einer Schw äge- rin. W eitergehendes ist in Bezug auf die persönlichen und fam iliären Ver- hältnisse nicht bekannt. Aus den U m ständen kann jedenfalls nicht ge- schlossen w erden, der G esuchsteller habe gegenüber nahen Verw andten an seinem Aufenthaltsort Verpflichtungen, die besondere G ew ähr für eine R ückkehr abgeben könnten. 4.3 D er G esuchsteller selbst hat sich anlässlich der Antragstellung als arbeits- los bezeichnet. Eine laufende Ausbildung erw ähnte er unter der entspre- chenden R ubrik des G esuchsform ulars nicht. D er Beschw erdeführer hat zw ar gegenüber dem M igrationsam t des Kantons Aargau am 16. M ai 2006 festgehalten, sein Sohn w erde nach dem Besuchsaufenthalt eine Schule besuchen bzw . ein Studium beginnen. W as er studieren w ill und an w el- cher Institution, ist jedoch nicht bekannt. D ies ist allerdings im Zusam m en- hang m it der R isikoeinschätzung auch nicht entscheidend. D ie Erfahrung zeigt näm lich ganz allgem ein, dass selbst eine höhere Schul- oder Berufs- bildung (ob begonnen oder schon abgeschlossen) angesichts des herr- schenden sozialen und w irtschaftlichen U m felds im Kosovo nicht nachhal- tig von einer allfälligen Em igration abhalten kann. 5. In Beachtung der konkreten U m stände durfte die Vorinstanz zu R echt H in- derungsgründe im Sinne von Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA annehm en. An die- ser R isikoeinschätzung verm ag grundsätzlich nichts zu ändern, dass die Beschw erdeführer für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise garantieren w ollen, da sie aus naheliegenden G ründen nicht für ein be- stim m tes Verhalten ihres G astes in verbindlicher und durchsetzbarer W ei- se einstehen können. 6 6. Bei dieser Sachlage braucht nicht w eiter geprüft zu w erden, ob die Vorin- stanz zu R echt H inderungsgründe für eine Visum serteilung auch in Form einer ungenügenden G arantiefähigkeit bei den G astgebern angenom m en hat. 7. D ie Verfügung der Vorinstanz erw eist sich auf G rund vorstehender Erw ä- gungen als rechtm ässig und die Beschw erde ist abzuw eisen (Art. 49 Vw VG ). 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w erden die unterliegenden Beschw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrens- kosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden den Beschw erde- führern auferlegt. Sie sind durch den am 7. August 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern (einschreiben) - der Vorinstanz (einschreiben, Akten 2 158 839 zurück) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er L. Birgelen Versand am :