<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 67 S.269</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">269</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>67</b></span> <span class="ft3"><b>Zustellung von Verfügungen und Entscheiden.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Erfolgt die Zustellung einer Verfügung oder eines Entscheids als Ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>richtsurkunde oder eingeschriebene Sendung, so reicht die blosse Be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>streitung, die Abholungseinladung erhalten zu haben, nicht aus, um</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den Beweis der gültigen Zustellung zu vereiteln.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 9. Dezember 2004 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen E.F. gegen Steuerrekursgericht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">270</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) Die Grundsätze, nach denen eine eingeschrieben oder als</span><br/> <span class="ft6">Gerichtsurkunde versandte Sendung als zugestellt gilt, hat das Bun-</span><br/> <span class="ft6">desgericht in BGE 127 I 34 zusammengefasst. Danach gilt, wenn der</span><br/> <span class="ft6">Adressat anlässlich einer versuchten Zustellung nicht angetroffen</span><br/> <span class="ft6">und daher eine Abholungseinladung in seinen Briefkasten oder sein</span><br/> <span class="ft6">Postfach gelegt wird, die Sendung in jenem Zeitpunkt als zugestellt,</span><br/> <span class="ft6">in welchem sie bei der Post abgeholt wird. Geschieht dies nicht in-</span><br/> <span class="ft6">nert einer Frist von 7 Tagen, so gilt die Sendung als (am letzten Tag</span><br/> <span class="ft6">dieser Frist) zugestellt, sofern der Adressat mit der Zustellung rech-</span><br/> <span class="ft6">nen musste.</span><br/> <span class="ft6">b) aa) Dass der Beschwerdeführer mit gerichtlichen Zustellun-</span><br/> <span class="ft6">gen rechnen musste, nachdem er Verwaltungsgerichtsbeschwerde</span><br/> <span class="ft6">erhoben hatte, steht ausser Diskussion.</span><br/> <span class="ft6">bb) Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe weder Ab-</span><br/> <span class="ft6">holeinladungen für die beiden ersten Sendungen (Einforderung eines</span><br/> <span class="ft6">Kostenvorschusses und Ansetzung einer letzten Frist für die Bezah-</span><br/> <span class="ft6">lung des Kostenvorschusses gemäss § 34 Abs. 4 VRPG, als Gerichts-</span><br/> <span class="ft6">urkunden zugestellt) noch die anschliessende A-Post-Sendung (mit</span><br/> <span class="ft6">Hinweis auf die trotz fehlender Entgegennahme gültig zugestellten</span><br/> <span class="ft6">Kostenvorschussverfügungen) erhalten.</span><br/> <span class="ft6">Wo es darum geht, dass behördliche Zustellungen beweisbar</span><br/> <span class="ft6">sein sollen, hat der Gesetzgeber die Zustellung gegen Empfangsbe-</span><br/> <span class="ft6">scheinigung (d.h. als Gerichtsurkunde oder eingeschrieben) vorgese-</span><br/> <span class="ft6">hen (§ 23 Abs. 2 VRPG; § 148 Abs. 3 aStG; § 92 ZPO). Es ist davon</span><br/> <span class="ft6">auszugehen, dass er dabei nicht nur die Beweisbarkeit aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">unterschriftlichen Empfangsbestätigung im Auge hatte, sondern auch</span><br/> <span class="ft6">davon ausging, dass diese qualifizierte Art der postalischen Zustel-</span><br/> <span class="ft6">lung zuverlässig und regelmässig funktioniere. Diese Annahme wird</span><br/> <span class="ft6">durch die Erfahrung bestätigt. Ist die direkte Übergabe nicht mög-</span><br/> <span class="ft6">lich, wird eine Abholungseinladung in den Briefkasten oder ins Post-</span><br/> <span class="ft6">fach gelegt - ein Vorgang, bei dem nur geringe Fehlerquellen auszu-</span><br/> <span class="ft6">machen sind (versehentliches Unterlassen, eine Abholungseinladung</span><br/> <span class="ft6">auszufüllen; Einlage der Abholungseinladung in einen falschen</span><br/> <span class="ft6">Briefkasten bzw. ein falsches Postfach). Die Verhältnisse sind damit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">271</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">grundlegend anders als bei nicht eingeschriebenen Sendungen. Des-</span><br/> <span class="ft6">halb kann der Beweis der erfolgten Zustellung nicht durch die einfa-</span><br/> <span class="ft6">che Behauptung, die Abholungseinladung nicht erhalten zu haben,</span><br/> <span class="ft6">vereitelt werden, zumal wenn es an konkreten Hinweisen auf ausser-</span><br/> <span class="ft6">gewöhnliche Umstände, die zu massiven Unzulänglichkeiten der</span><br/> <span class="ft6">Postzustellung führten, fehlt (AGVE 1983, S. 355 ff.; ZR 98/1999,</span><br/> <span class="ft6">Nr. 26 und Nr. 43). Die abweichende Rechtsprechung des Zürcher</span><br/> <span class="ft6">Kassationsgerichts (ZR 95/1996, Nr. 1) vermag nicht zu überzeugen</span><br/> <span class="ft6">und würde in ihren Konsequenzen der Zustellungsvereitelung Tür</span><br/> <span class="ft6">und Tor öffnen.</span><br/> <span class="ft6">... Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführer die Verfügungen mit der Aufforderung zur Bezahlung des</span><br/> <span class="ft6">Kostenvorschusses erhalten hat.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Redaktionelle Anmerkung</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Gegen diesen Entscheid wurde staatsrechtliche Beschwerde er-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>hoben.</i></span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>