, B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1674/2024 U r t e i l v o m 2 0 . M ä r z 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiberin Sarah Rutishauser. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 11. März 2024 / N (…). D-1674/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 12. November 2023 suchte der Beschwerdeführer in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass er am 27. Oktober 2022 bereits in Griechenland um Asyl nachgesucht hatte und ihm dort am 21. Dezember 2022 internationaler Schutz gewährt worden war. B. Am 12. Januar 2024 ersuchte das SEM die griechischen Behörden gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Drittstaatsange- höriger (nachfolgend: Rückführungs -Richtlinie) und auf das Abkommen zwischen der Schweiz und Griechenland über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729) schriftlich um Rückübernahme des Beschwerdefüh- rers. C. Am 15. Januar 2024 stimmten die griechischen Behörden dem Übernah- meersuchen des SEM vom 12. Januar 2024 zu. Sie bestätigten, der Be- schwerdeführer sei in Griechenland als Flüchtling a nerkannt (gültiger Schutzstatus vom 5. Januar 2023 bis 4. Januar 2026). D. Im Rahmen der Personalienaufnahme (PA) vom 27. Februar 2024 und des persönlichen Gesprächs zur Rückführung in einen sicheren Drittstaat (RüA) vom 1. März 2024 gab der Beschwerdeführer hinsichtlich des Rei- seweges an, er habe seinen Heimatstaat vor rund fünf Jahren verlassen und sei mit einem Schlepper nach Griechenland gereist, wo er zunächst in Thessaloniki gelebt habe . Als der Schlepper seine Bezahlung verlangt habe, sei er nach Athen «geflohen», habe sich dort bei der Polizei gemeldet und als Minderjähriger um Asyl nachgesucht. Das Datum seiner Ausreise aus Griechenland kenne er nicht und er sei im Besitz eines Reisepasses mit dem Flugzeug in die Schweiz eingereist. Betreffend eine allfällige Rück- kehr nach Griechenland erklärte der Beschwerdeführer, er wolle nicht dort- hin zurückkehren. Die griechischen Behörden würden ihn als nunmehr Voll- jährigen nicht unterstützen, weshalb sein Leben in Griechenland in Gefahr sei. Hinsichtlich seiner gesundheitlichen Situation gab er an, es gehe ihm physisch gut. Im Gegensatz zu früher komme er heute psychisch gut damit D-1674/2024 Seite 3 klar, seine Familie nicht mehr gesehen zu haben, jedoch schlafe er seit seiner Ankunft in der Schweiz schlecht. E. Das SEM tätigte im Verlauf des Verfahrens diverse medizinische Abklärun- gen (Arztberichte vom 1. Dezember 2023, 8. Dezember 2023, 27. Dezem- ber 2023, 31. Dezember 2023 sowie Verlaufsblätter der medizinischen Be- treuung). F. Am 1. März 2024 reichte die d amalige Rechtsvertretung beim SEM einen Auszug aus dem griechischen Reisepass in Kopie ein. G. Mit Stellungnahme vom 11. März 2024 äusserte sich die damalige Rechts- vertretung des Beschwerdeführers zum beabsichtigten Nichteintretensent- scheid der Vorinstanz und zur Wegweisung nach Griechenland. Sie machte im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer könne nicht nach Griechenland zurückkehren, weil der Schlepper ihn mit dem Tod be- droht habe und ihn immer noch suche. Zudem müsse er gemäss Angaben des dortigen Sozialarbeiters nach Erlangen der Volljährigkeit das Camp verlassen, weshalb ihm bei einer Wegweisung Obdachlosigkeit drohen würde, wobei er keinerlei Unterstützung der Behörden erwarten dürfe. Ge- mäss öffentlichen Quellen sei aufgrund des überlasteten Asylsystems eine Verletzung von Art. 3 EMRK zu befürchten. H. Mit am 12. März 2024 eröffnetem Entscheid vom 11. März 2024 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen; ansonsten werde er in Haft genommen und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt. Gleichzei- tig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. I. Mit Eingabe vom 12. März 2024 teilte die damalige Rechtsvertretung dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit dem Beschwerdefüh- rer mit. D-1674/2024 Seite 4 J. Der Beschwerdeführer erhob am 15. März 2024 beim Bundesverwaltungs- gericht Beschwerde gegen den vorinstanzlichen Entscheid v om 11. März 2024. Er beantragte dessen Aufhebung und auf das Asylgesuch einzutre- ten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes. K. Mit Schreiben vom 18. März 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer- deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist mit Vorbehalt von nachstehender Erwägung (E.) 1.2 – einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Auf den Prozessantrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ist, da dieser eine solche bereits von Gesetzes wegen zu- kommt und sie von der Vorinstanz nicht entzogen wurde (Art. 55 VwVG), mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. 1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor- instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 D-1674/2024 Seite 5 m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das SEM eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbe- züglich volle Kognition zukommt. 3. Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat. Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellungen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG be- steht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den Be- schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Län- der der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsasso- ziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. 4.2 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass es sich bei Griechenland, als Mitglied der EU, um einen sicheren Dritt- staat im Sinne von Art. 6 a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den Akten ist zu entnehmen, dass die griechischen Behörden dem Beschwerdeführer am 21. Dezember 2022 internationalen Schutz gewährten und seiner Rück- übernahme am 15. Januar 2024 ausdrücklich zugestimmt haben (A21/1). Griechenland ist unter anderem Signatarstaat der FK und es bestehen we- der objektive Anhaltspunkte noch substanzielle Hinweise für eine drohende Rückschiebung in seinen Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement- Verbots. Weder der vorherige Aufenthalt in Griechenland noch die erhal- tene Aufenthaltsbewilligung werden in der Beschwerde bestritten. Die Be- schwerdevorbringen hinsichtlich der Lebensumstände in Griechenland sind in nachstehenden E. 9 und E. 10 betreffend Wegweisungsvollzug zu berücksichtigen. 4.3 Bei dieser Sachlage ist das (sinngemässe) Begehren auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz mit der Anweisung, auf das Asylgesuch D-1674/2024 Seite 6 einzutreten, abzuweisen. Festzustellen ist vielmehr, dass die Vorausset- zungen für einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt sind. Das SEM ist demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 5. 5.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt in der Schweiz weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 6.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7. 7.1 Die Vorinstanz hielt in Würdigung der Aussagen des Beschwerdefüh- rers und der Stellungnahme der damaligen Rechtsvertretung in der ange- fochtenen Verfügung fest , Griechenland habe die Qualifikationsrichtlinie (2011/95/EU) sowie die Aufnahmerichtlinie (2013/33/EU) umgesetzt. Ge- mäss der Aktenlage sei der Beschwerdeführer als ( damals noch) minder- jährige Person in einer adäquaten Unterkunft untergebracht worden (vor- handene Betreuung, zuständiger Sozialarbeiter) und es sei ihm während des Asylverfahrens auch eine Anwältin zur Seite gestellt worden. Im Wei- teren habe er die reguläre Schule in Griechenland besuchen können und die Möglichkeit erhalten, die griechische und englische Sprache zu lernen. Gleichermassen sei die medizinische Versorgung gewährleistet gewesen. Es sei nicht den griechischen Behörden anzulasten, wenn der sich über ein Jahr in den dortigen Asylstrukturen aufhaltende Beschwerdeführer ihre D-1674/2024 Seite 7 Angebote nur widerwillig annehme, weil er in ein anderes Land weiterrei- sen wolle und gemäss eigenen Angaben auch keine Anstrengungen habe unternehmen wollen, die Sprache zu lernen oder weitergehende Kennt- nisse zu erlangen . Im Weiteren werde auf die Internetseite des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) verwiesen, wo ausführliche Informationen über das Leben i n Griechenland, die Rechte und Pflichten von Personen mit Schutzstatus, den Zugang zum Arbeits- markt und zum Gesundheitssystem (auch in Persisch) abrufbar seien, so- wie betreffend die Unterbringung in Griechenland auf das HELIOS-Projekt und den ECRI-Bericht (Webseite IOM: verfügbare, preisgünstige Mietwoh- nungen; Unterstützung bei Mietvertragsabschlüssen; Finanzierung/Mietzu- schüsse; Informationen zu Hilfsorganisationen ; wöchentliche Informatio- nen bezüglich Arbeitsstellen auf der Webseite von «Generation 2.0 RED»; kostenlose Sprachkurse von «Greek Council for Refugees» inklusive Un- terstützung bei der Arbeitssuche ). Nebst der bereits erhaltenen griechi- schen Steuernummer (AFM -Nummer) könne er auch die Sozialversiche- rungsnummer (AMKA-Nummer) beantragen, sofern er – trotz der bereits in Anspruch genommenen medizinischen Behandlung in Griechenland – noch nicht über eine solche verfügen sollte. Im Weiteren seien die griechi- schen Behörden schutzwillig und schutzfähig. Er könne sich bei einer mög- lichen, jedoch infolge Än derung seiner Telefonnummer (SIM -Karte) nicht mehr vorgekommenen und damit zukünftig unwahrscheinlichen, weiteren Bedrohung durch den Schlepper an die funktionierende Polizeibehörde wenden. Die abstrakte Befürchtung weiterer Bedrohungen durch den Schlepper begründe keine konkrete Bedrohungslage. Die Ausführungen der Rechtsvertretung in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf seien alsdann allgemeiner Natur und stünden in keinem Kontext zu seinen indi- viduellen Vorbringen. Weiter führte die Vorinstanz aus, gemäss dem Referenzurteil des Bundes- verwaltungsgerichts E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 könne trotz Schwächen davon ausgegangen werden, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der Lage seien, ihre existenziellen Bedürfnisse abzudecken und es könne nicht von einem dysfunktionalen Aufnahmesys- tem gesprochen werden. Es sei in Griechenland nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Person eine völkerrechtswidrige Behandlung be- ziehungsweise eine Verletzung von Art. 3 EMRK drohe. Hinsichtlich des Gesundheitszustands könne aufgrund der vorgebrachten und diagnostizierten körperlichen Beschwerden des Beschwerdeführers festgehalten werden, diese seien nicht derart gravierend, dass sie einer D-1674/2024 Seite 8 Wegweisung nach Griechenland entgegenstünden (beispielsweise Pus- teln, Erkältungssymptome, Mittelohrenentzündung, Ellbogenschmerzen). Diese seien auch in Griechenland behandelbar und eine Verweigerung ei- ner adäquaten Betreuung oder Behandlung sei nicht anzunehmen und auch nicht dargetan worden. Der Wegweisungsvollzug sei sowohl zulässig als auch zumutbar und tech- nisch möglich. 7.2 In der Beschwerde brachte der Beschwerdeführer nebst der Wiederho- lung seiner bisherigen Ausführungen hauptsächlich vor, er sei wegen des Schleppers, der ihn bedroht habe, zur Polizei gegangen, jedoch habe diese ihm nicht zugehört und ihn nicht beschützt. Bei einer Rückkehr nach Grie- chenland drohe ihm tägliche Polizeigewalt und unmenschliche Behand- lung. Seine besondere Verletzlichkeit aufgrund seines jungen Alters sei zu berücksichtigen, wie auch, dass es deswegen für ihn schwierig sei, sich um eine Wohnung und um Hilfe vom Staat zu kümmern. Diejenige Hilfe, die er benötige, bekomme er von den überlasteten Hilfsorganisationen nicht. Er habe viele schlechte Erfahrungen in Gri echenland gemacht und müsse sich auch vor anderen Flüchtlingen schützen . So müsse er draussen übernachten, weil er sich nicht traue, in einer Unterkunft zu schla- fen, «wo niemand aufpasse». 8. 8.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im erwähnten Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 einlässlich mit der Situation in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtsprechung festgehal- ten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätzlich zulässig ist. In Griechenland ist nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Person mit Schutzstatus eine unangemessene und erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. Trotz der schwierigen Verhältnisse geht das Gericht – entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers – davon aus, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre exis- tenziellen Bedürfnisse abzudecken (a.a.O. E. 11.2). 8.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU - oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (a.a.O. E. 11.3). Wie die Vorinstanz zutreffend berücksichtigt hat, gilt die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung bezüglich Griechenlands grundsätzlich auch für vulne rable Personen, wie zum D-1674/2024 Seite 9 Beispiel Schwangere oder Personen, die an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1). Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutun- gen umzustossen. Da zu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubrin- gen, dass die Behörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder ge- sundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4). 9. 9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 9.2 Der Beschwerdeführer wurde in Griechenland als Flüchtling anerkannt. Er kann sich damit auf die Garantien der Qualifikationsrichtl inie berufen (insbesondere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], zu Bildung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu Wohn- raum [Art. 32] und zu medizinischer Versorgung [Art. 30]), auf die sich Grie- chenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Aufgrund der Akten liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für den Fall einer Rück- kehr nach Griechenland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind; dennoch ist unter diesen Umständen im heu- tigen Zeitpunkt nicht von einem «real risk» auszugehen, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland einer menschen- rechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. dazu auch Urteil Papos- hvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10, § 183). Auch unter Berücksichtigung der Schwächen des griechischen Aufnahmesystems ver- mag die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht vorausseh- baren Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die einer Aus- setzung einer existenziellen Notlage und andauernden menschenrechts- widrigen Behandlung gleichkäme, die hohe Schwelle zu einem entspre- chenden «real risk» nicht zu erreichen. D-1674/2024 Seite 10 9.3 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zulässig. 10. 10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 10.2 Betreffend die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass Griechenland an die Qualifikationsrichtlinie gebunden ist. Auch wenn eine adäquate Eingliederung des Beschwerde- führers in die sozialen Strukturen Griechenlands als Person mit internatio- nalem Schutzstatus mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden ist, vermögen seine Vorbringen die hohen Anforderungen an eine konkrete Gefährdung nicht zu erfüllen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen Mann, welcher bereits einige Zeit in Griechenland verbracht hat (Asylgesuch vom 27. Oktober 2022) und von den Angeboten der grie- chischen Behörden, welche gemäss seinen Angaben «nicht ganz perfekt waren, er aber fast alles bekommen habe» (A25/8, F45), Gebrauch machte (Transport zur Schule, Schulbesuch, Sprachkurse, betreute Unterkunft im Viererzimmer, Taschengeld; A25/8, F40 ff.). Er kann aus seinen Beschwer- deausführungen, bei einer Rückkehr unmenschlich behandelt zu werden und insbesondere, sich in Griechenland nicht weiter entwickeln zu können, nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal aus den Akten sein fehlender Wille sich zu integrieren und die von den griechischen Behörden angebo- tene Unterstützung anzunehmen, anschaulich hervorgeht. So erinnere er sich nicht an die Schulfächer; weil er «sowieso nicht gelernt habe», könne er nichts über eine geplante berufliche Fachrichtung mangels Interesses «irgendetwas zu lernen» sagen und habe er auch keine Bemühungen hin- sichtlich einer Arbeitsstelle tätigen wollen (A25/8, F49 bis F56) . Die Inan- spruchnahme der angebotenen sozialen und wirtschaftlichen Hilfe leistun- gen in Griechenland kann von ihm – ob als damals Minderjähriger oder als nunmehr Volljähriger – erwartet werden. Die Vorinstanz hat die vorhande- nen Unterstützungsmöglichkeiten in ihren Erwägungen ausführlich aufge- zeigt (vi-Entscheid, Ziff. III, S. 8-10; vorstehend E. 7.1). Dem Beschwerde- führer ist es zuzumuten, sich um solche – beispielsweise betreffend die von ihm genannte Unterkunft beziehungsweise Mietwohnung – zu bemühen. Zudem sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche dagegen sprechen, dass er sich an die griechischen Behörden wende t, um die erforderliche D-1674/2024 Seite 11 Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Es geht aus den Akten keine dauerhafte Verweigerung von Unterstützung auf ein konkretes, akti- ves Hilfeersuchen bei den griechischen Behörden oder Hilfsorganisationen hervor. Der Beschwerdeführer hat alsdann im Zusammenhang mit dem Schutz durch die griechischen Behörden selbst dargelegt, der Polizei nichts von den Problemen mit dem Schlepper erzählt zu haben, weshalb sein Vorbringen, sie hätte ihm nicht zug ehört beziehungsweise ihn nicht beschützt, fehlschlägt (A25/8, F15 ff, insbesondere F18). Seine rein hypo- thetische Befürchtung, die Hilfsorganisationen seien nicht in der Lage, ihm in geeigneter Form zu helfen und zudem überlastet, vermag zu keiner an- deren Einschätzung zu führen. 10.3 Hinsichtlich des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers kann aufgrund der Aktenlage nicht darauf geschlossen werden, der Beschwer- deführer sei auf dringende medizinische Behandlung angewiesen (A13/2, A14/1, A15/2, A18/2, A26/3, A27/1, A28/1, vgl. vi -Entscheid, S. 10f.: mit Salbe behandelte und abgeheilte Pickel an Gesäss und Hinterkopf; medi- kamentös behandelte Erkältungssymptome und Ellbogenschmerzen vom 19./20./21. November 2023 und 16./21. Januar 2024, mit Medikamenten behandelte Mittelohrenentzündung vom 31. Dezember 2023; keine ausste- henden Arzttermine). Solches wird von ihm auch nicht vorgebracht. Entge- gen seiner Auffassung handelt es sich beim Beschwerdeführer aufgrund seines Alters auch nicht um eine (besonders) vulnerable Person, für wel- che sich der Vollzug der Wegweisung nur unter besonderen Umständen als zumutbar erweisen würde (vgl. dazu auch BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). 10.4 Insgesamt besteht kein Grund zu der Annahme, der Beschwerdefüh- rer gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine Existenz gefähr- dende Situation. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfüg ung verwiesen werden. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zumutbar. 11. Nachdem die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be- schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, ist der Vollzug der Weg- weisung auch möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). 12. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht D-1674/2024 Seite 12 als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläu- figen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 13. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver fügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 14. 14.1 Mit Ergehen des vorliegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 14.2 Die Beschwerde erschien im Zeitpunkt der Einreichung als aussichts- los, weshalb die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und der amtlichen Rechtsverbeiständung unabhängig vom Vorliegen einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen sind. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuer- legen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-1674/2024 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Sarah Rutishauser Versand: