<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 61 S.242</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>61</b></span> <span class="ft2"><b>Erschliessung durch die Gemeinden (§ 33 Abs. 2 BauG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Verpflichtung der Gemeinden, ein Erschliessungsprogramm festzu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>legen (Erw. 2/a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Funktion und Bedeutung des Erschliessungsprogramms als Füh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungsinstrument im Bau- und Erschliessungsbereich; dessen Fehlen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kann ein erschliessungswilliges Gemeinwesen nicht an der Realisie-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rung der Erschliessung hindern (Erw. 2/b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 2. Mai 2000 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">S. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Das gemäss dem Bauzonenplan der Gemeinde Mettau vom</span><br/> <span class="ft1">7. Juni 1996 / 11. März 1997 der Wohnzone W2a zugeteilte Gebiet</span><br/> <span class="ft1">,,Trottmatt" weist noch verschiedene unüberbaute Grundstücke auf.</span><br/> <span class="ft1">Ein erster - von privater Seite erfolgter - Versuch, das Gebiet zu</span><br/> <span class="ft1">erschliessen, scheiterte im Jahre 1992. Die Einreichung eines Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesuchs veranlasste dann den Gemeinderat im Jahre 1997, die Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessung an die Hand zu nehmen. Ein aus sechs Grundeigentü-</span><br/> <span class="ft1">mern bestehendes Erschliessungskonsortium fand sich in der Folge</span><br/> <span class="ft1">zur Vorfinanzierung der Projektierungskosten zusammen, wobei die</span><br/> <span class="ft1">Einwohnergemeinde Mettau die Bauherrschaft bzw. Federführung</span><br/> <span class="ft1">übernahm. Im Weitern beschloss die Einwohnergemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung vom 21. November 1997 einen Bruttokredit über</span><br/> <span class="ft1">Fr. 1'840'000.-- für den Bau der Erschliessung. An der Referen-</span><br/> <span class="ft1">dumsabstimmung vom 15. März 1998 wurde dann die Kreditvorlage</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">243</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">allerdings verworfen. Der Gemeinderat will nun den interessierten</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümern die Möglichkeit offen lassen, nach Massgabe von</span><br/> <span class="ft1">§ 37 Abs. 1 Satz 1 BauG die geplanten Erschliessungsanlagen auf</span><br/> <span class="ft1">eigene Kosten zu erstellen; in diesem Sinne soll das Bauprojekt-</span><br/> <span class="ft1">verfahren zu Ende geführt werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Einwohnergemeinde Mettau betrachtet sich nach wie vor</span><br/> <span class="ft1">als Bauherrin des Erschliessungsbauprojekts ,,Trottmatt". Dem steht</span><br/> <span class="ft1">trotz der Weigerung des Gemeindesouveräns, einen Bruttobaukredit</span><br/> <span class="ft1">zu sprechen, grundsätzlich nichts entgegen, wobei allerdings ein An-</span><br/> <span class="ft1">wendungsfall von § 36 BauG und nicht ein solcher von § 37 BauG</span><br/> <span class="ft1">vorliegt; vorgesehen ist ja nach dem Gesagten die Erstellung der Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsanlagen durch die Gemeinde, und nur die (zinslose) Vor-</span><br/> <span class="ft1">schiessung sämtlicher Kosten soll Sache der Grundeigentümer sein.</span><br/> <span class="ft1">Anders verhielte es sich, wenn - nach Massgabe von Ziffer VIII/1</span><br/> <span class="ft1">des Erschliessungsvertragsentwurfs - neu die einfache Gesellschaft</span><br/> <span class="ft1">,,Trottmatt" als Bauherrschaft aufträte.</span><br/> <span class="ft1">2. Die Beschwerdeführerin rügt, wie schon vor dem Baude-</span><br/> <span class="ft1">partement, in erster Linie das Fehlen eines Erschliessungsprogramms</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 33 Abs. 2 BauG .</span><br/> <span class="ft1">a) Bauzonen werden durch das Gemeinwesen innerhalb der im</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsprogramm vorgesehenen Frist erschlossen (Art. 19</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 1 RPG in der Fassung vom 6. Oktober 1995, in Kraft seit</span><br/> <span class="ft1">dem 1. April 1996). Die erschliessungspflichtigen Gemeinwesen, pri-</span><br/> <span class="ft1">mär die Gemeinden, sind damit von Bundesrechts wegen grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich verpflichtet, ein Erschliessungsprogramm festzusetzen (vgl. Urs</span><br/> <span class="ft1">Eymann, Erschliessungsrecht und Erschliessungsprogramm, Voll-</span><br/> <span class="ft1">zugshilfe zu den neuen bundesrechtlichen Bestimmungen über die</span><br/> <span class="ft1">Erschliessung, herausgegeben vom Bundesamt für Raumplanung,</span><br/> <span class="ft1">Bern 1999, S. 12). Auf der Ebene des kantonalen Rechts wurde eine</span><br/> <span class="ft1">analoge Bestimmung bereits per 1. April 1994 in Kraft gesetzt; der</span><br/> <span class="ft1">einschlägige § 33 Abs. 2 BauG lautet:</span><br/> <span class="ft5">,,Der Gemeinderat erstellt ein Erschliessungsprogramm, in dem er</span><br/> <span class="ft5">festlegt, welche Gebiete in welchem Zeitpunkt erschlossen und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">244</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">welche bestehenden Erschliessungsanlagen geändert oder erneuert</span><br/> <span class="ft5">werden sollen. Er berücksichtigt dabei namentlich die bauliche Ent-</span><br/> <span class="ft5">wicklung und ihre Auswirkungen auf die Gemeinde, die Nachfrage</span><br/> <span class="ft5">nach Bauland, die Lage und Form der Grundstücke sowie die finan-</span><br/> <span class="ft5">ziellen Möglichkeiten der Gemeinde. Die Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft5">oder der Einwohnerrat nimmt vom Erschliessungsprogramm Kennt-</span><br/> <span class="ft5">nis. Die Beschlussfassung über die einzelnen Kredite für Erstellung</span><br/> <span class="ft5">und Erneuerung der Erschliessungsanlagen bleibt vorbehalten."</span><br/> <span class="ft1">b) Das Baudepartement hat erwogen, dass das Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft1">programm ein Führungsinstrument sei, das die Interessen und Ab-</span><br/> <span class="ft1">sichten der Behörde transparent mache und den Bauinteressenten als</span><br/> <span class="ft1">Information diene, ohne unmittelbare Rechtswirkungen zu entfalten;</span><br/> <span class="ft1">namentlich wenn die Behörde wie im vorliegenden Falle die Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessung eines Gebiets nicht aufhalten wolle, könne ein der Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessung opponierender Grundeigentümer aus dem Fehlen eines</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsprogramms keine Rechte ableiten.</span><br/> <span class="ft1">Nach der vor dem 1. April 1996 geltenden Formulierung von</span><br/> <span class="ft1">Art. 19 Abs. 2 Satz 1 RPG waren Bauzonen durch das Gemeinwesen</span><br/> <span class="ft1">,,zeitgerecht" zu erschliessen. Mit der klarerweise griffigeren</span><br/> <span class="ft1">Neuumschreibung wurde eine Verbesserung der Rechtsstellung des</span><br/> <span class="ft1">Privaten insoweit bezweckt, als die Grundeigentümer bei nicht frist-</span><br/> <span class="ft1">gerechter Erstellung der Erschliessungsanlagen nach Massgabe von</span><br/> <span class="ft1">Art. 19 Abs. 3 RPG (in der Fassung vom 6. Oktober 1995) berechtigt</span><br/> <span class="ft1">sind, ihr Land selber zu erschliessen oder die Erschliessung durch</span><br/> <span class="ft1">das Gemeinwesen zu bevorschussen; mit dem Erschliessungspro-</span><br/> <span class="ft1">gramm legt das Gemeinwesen selber fest, bis zu welchem Termin es</span><br/> <span class="ft1">die nötigen Erschliessungsanlagen planen und bauen will (Eymann,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 6). Das Erschliessungsprogramm steht also im Dienste ei-</span><br/> <span class="ft1">ner wirksameren Umsetzung der Erschliessungspflicht des Gemein-</span><br/> <span class="ft1">wesens; mit der Festlegung von Fristen zur Erschliessung der Bauzo-</span><br/> <span class="ft1">nen soll die Beantwortung der Frage, wann sich das Gemeinwesen</span><br/> <span class="ft1">mit dieser Pflicht im Verzug befindet, wesentlich erleichtert werden</span><br/> <span class="ft1">(vgl. das Votum von Bundesrat Koller in der Sitzung des Nationalrats</span><br/> <span class="ft1">vom 12. Juni 1995 [Amtliches Bulletin des Nationalrats 1995,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">S. 1225]; Eymann, a.a.O., S. 11 f.). Eine weitergehende Funktion und</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung kommt dem Erschliessungsprogramm nicht zu. Nament-</span><br/> <span class="ft1">lich kann dessen Fehlen ein - wie im vorliegenden Falle - erschlies-</span><br/> <span class="ft1">sungswilliges Gemeinwesen nicht an der Realisierung der Erschlies-</span><br/> <span class="ft1">sung hindern; eine solche Rechtsfolge wäre nach dem Gesagten ge-</span><br/> <span class="ft1">radezu paradox. Hieran vermag auch der Einwand der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin nichts zu ändern, ohne Erschliessungsprogramm werde in</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinde ,,eine unkontrollierte Entwicklung einsetzen", und der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat verliere jede Steuerungsmöglichkeit; werde wie vorge-</span><br/> <span class="ft1">sehen der gesamte Schild ,,Trottmatt" überbaut, seien Anpassungen</span><br/> <span class="ft1">bezüglich der übrigen Infrastruktur (Schulen, Kindergärten usw.) un-</span><br/> <span class="ft1">umgänglich. Richtig ist, dass der Gemeinderat bei der Erstellung des</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsprogramms u. a. auch ,,die bauliche Entwicklung und</span><br/> <span class="ft1">ihre Auswirkungen auf die Gemeinde" sowie ,,die finanziellen Mög-</span><br/> <span class="ft1">lichkeiten der Gemeinde" berücksichtigen soll (§ 33 Abs. 2 Satz 2</span><br/> <span class="ft1">BauG). Diese Anweisung des Gesetzgebers steht aber in enger Re-</span><br/> <span class="ft1">lation zum weiten Ermessen, das den Gemeinden aufgrund ihrer</span><br/> <span class="ft1">autonomen Stellung allgemein zusteht (§ 106 Abs. 1 KV; vgl. Kurt</span><br/> <span class="ft1">Eichenberger, Verfassung des Kantons Aargau, Textausgabe mit</span><br/> <span class="ft1">Kommentar, Aarau 1986, § 106 N 8). Es bildet denn auch nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">als einen Nebeneffekt des Erschliessungsprogramms, dass der Druck</span><br/> <span class="ft1">auf die Gemeinwesen, Finanzlage und Bauzonenfestlegung aufeinan-</span><br/> <span class="ft1">der abzustimmen, verstärkt wird (vgl. Eymann, a.a.O., S. 6 f.). Einen</span><br/> <span class="ft1">klagbaren Anspruch auf Durchsetzung der erwähnten Planungsziele</span><br/> <span class="ft1">hat der Private jedenfalls nicht. Das Erschliessungsprogramm stellt</span><br/> <span class="ft1">ein ,,Führungsinstrument im Bau- und Erschliessungssektor" dar</span><br/> <span class="ft1">(vgl. die Botschaft des Regierungsrats an den Grossen Rat vom</span><br/> <span class="ft1">21. Mai 1990 zur Totalrevision des Baugesetzes vom 2. Februar</span><br/> <span class="ft1">1971, S. 23 zu § 26), nicht mehr und nicht weniger. Abgesehen da-</span><br/> <span class="ft1">von wird in der Beschwerde nicht geltend gemacht, dass die rechts-</span><br/> <span class="ft1">kräftig ausgeschiedenen Bauzonen der Gemeinde Mettau über-</span><br/> <span class="ft1">dimensioniert seien und kein objektiv begründbarer Bedarf nach der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">246</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Überbauung des Gebiets ,,Trottmatt" bestehe. Die Beschwerde er-</span><br/> <span class="ft1">weist sich daher insoweit als unbegründet.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>