Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Mai 2019 (720 18 210 / 121) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ob eine objektiv begründete Befürchtung besteht, da ss ein Gutachter sich nicht allein von fachlichen Gesichtspunkten, sondern auch von de n (vermeintlichen) Erwartungen der Auftraggeber leiten lässt, ist im Rahmen der Be weiswürdigung im Einzelfall zu prü- fen. Allein aus statistischen Daten zu Zahl und Mass der bescheinigten Arbeitsunfähig- keit lässt sich nicht auf eine Befangenheit der Gutachterperson schliessen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin Elisabe th Berger Götz, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Stephan Müller, Advo- kat, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1976 geborene A.____, gelernte Coiffeuse, war zuletzt von Oktober 2009 bis De- zember 2012 bei der B.____AG in der Etikettendruckerei tätig. Am 8. Mai 2013 meldete sie sich wegen wiederkehrenden depressiven Verstimmungen, einer E rschöpfung und Leistungseinbrü- chen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht führte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) er werbliche und medizinische Abklärungen durch, wobei sie A.____ von Dr. med. C.____, FMH Psychiat rie und Psychotherapie, und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten liess. In der Folge ermittel- te sie ab 15. August 2013 einen Invaliditätsgrad von 1 00 %, ab 27. Mai 2014 einen solchen von 56 % und ab 1. Januar 2015 einen solchen von 12 %. G estützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit drei Verfügungen vom 21. Mai 2018 zunächst vom 1. August 2013 bis 31. August 2014 eine ga nze Rente (Verfügung 1), vom 1. September 2014 bis 30. November 2014 eine halbe R ente (Verfügung 2) und vom 1. Dezember 2014 bis 31. März 2015 eine halbe Rente zu (Verfügung 3). Für die Zeit danach verneinte sie einen Rentenanspruch. B. Gegen die Verfügung 3 vom 21. Mai 2018 erhob A._ ___, vertreten durch Advokat Ste- phan Müller, Procap Schweiz, am 22. Juni 2018 Beschwer de beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgeri cht). Sie beantragte, in Gutheis- sung der Beschwerde sei diese teilweise aufzuheben und ihr auch nach dem 31. März 2015 bis auf weiteres eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventua liter sei die Angelegenheit zur Durch- führung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte si e um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung führte sie im Wesentliche n aus, dass die angefochtene Verfü- gung auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 5. Juli 2018 wurde der Beschwerde führerin die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit A dvokat Stephan Müller als Rechtsver- treter bewilligt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. D. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 2 7. Juli 2018 auf Abweisung der Be- schwerde. E. Am 27. August 2018 ersuchte die Beschwerdeführerin bei der IV-Stelle unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juni 2018, 1 C_467/2017, und das Gesetz über die Information und den Datenschutz (Informations- und Datenschutzgesetz; IDG) vom 10. Februar 2011 um Zugang zu Informationen betreffend Dr. D.____ als Gutachter. Gleichentags beantrag- te sie beim Kantonsgericht die Sistierung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. F. Die IV-Stelle beantragte am 2. November 2018 die Abweisung des Sistierungsgesuchs. G. Mit Verfügung vom 14. November 2018 wies die instr uierende Präsidentin des Kantons- gerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, den Antrag a uf Sistierung des Verfahrens ab und gab der Beschwerdeführerin Gelegenheit, Beweisanträge zu stellen. H. Am 27. November 2018 nahm die IV-Stelle zum Gesuc h der Beschwerdeführerin vom 27. August 2018 Stellung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Am 13. Dezember 2018 beantragte die Beschwerdefüh rerin, (1) es sei die Beschwerde- gegnerin aufzufordern, dem Gericht die Angaben zur Verfügung zu stellen, wie viele mono- und bidisziplinäre psychiatrische Gutachten zwischen 1. Januar 20 18 und 31. Dezember 2018 ein- gegangen seien und wie viele dieser Gutachten von Dr. D .____ erstellt worden seien. (2) Die Beschwerdegegnerin solle dem Gericht angeben, wie sich bei den zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2018 eingegangenen mono- und bidisziplinären psychiatrischen Gutachten die attestierten Arbeitsunfähigkeiten in ang epassten Tätigkeiten bei den Expertisen von Dr. D.____ und bei denjenigen, die von allen and eren Gutachtern verfasst worden seien, verteilen würden. Diese Arbeitsunfähigkeiten seien nach dem Grad der Arbeitsunfähigkeit wie folgt zu gliedern: 0 %-19 %; 20 %-29 %; 30 %-39 % 40 % und mehr. J. Zu den Beweisanträgen der Beschwerdeführerin nahm d ie IV-Stelle am 12. Februar 2019 Stellung, wobei sie die Abweisung derselben beantragte. K. Am 20. März 2019 reichte die Beschwerdeführerin zu r Ergänzung der Akten die von der IV-Stelle Basel-Stadt ausgewerteten Daten hinsichtlich der Gutachteraufträge resp. der Experti- sen von Dr. D.____ vom 18. März 2019 ein. L. Am 27. März 2019 reichte die IV-Stelle das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Februar 2019, Verfahren-Nr. 200 17 1009 IV, zu den Akten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 22. Juni 2018 ist demnach einzutreten. 2.1 Zunächst sind die Beweisanträge der Beschwerdeführ erin zu prüfen. Zu deren Be- gründung beruft sie sich auf die Entscheide des Bundesger ichts vom 27. Juni 2018, 1C_467/2017, und BGE 144 I 170. Darin sei der Anspru ch von versicherten Personen auf Zu- gang zu geeigneten Informationen und Dokumenten der IV-Stelle bejaht worden. Die Be- schwerdeführerin macht geltend, diese Daten seien erfo rderlich, um feststellen zu können, ob es für Dr. D.____ eine Tendenz gebe, Arbeitsunfähigkeit eher zurückhaltend oder grosszügig anzuerkennen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2.1 Die IV-Stelle stellt sich auf den Standpunkt, d ass die von der Versicherten geforderten Informationen nicht zielführend seien. Sie hielt fest, dass sie bei der Vergabe von Gutachten über 20 Fachpersonen für Psychiatrie und Psychotherapie ber ücksichtige. Die Anzahl der Auf- träge pro Gutachterperson richte sich nach deren Kapazit äten. Diese könnten sich im Verlauf des Jahres kurzfristig ändern. Während einzelne Gutachter mehrere Aufträge pro Monat über- nehmen, stünden andere nur für wenige Aufträge zur Verfügung. Weiter informierte sie, dass im Zeitraum vom 1. Januar 2018 bis 30. Juni 2018 gesamthaf t 111 mono- und 110 bidisziplinäre Gutachten eingegangen seien. Davon seien 13 mono- und 14 bidisziplinäre Gutachten von Dr. D.____ verfasst worden. Die von der Versicherten ver langten Auskünfte seien nur durch vertiefte Einzelabklärungen in sämtlichen betroffenen Dossiers möglich, was zu einem erhebli- chen Aufwand führen und in keinem Verhältnis zum Nutze n der gewünschten Information ste- hen würde. Weiter verwies sie auf das zwischenzeitlich erga ngene Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2019, 9C_582/2018, in welchem festgestellt wurde, dass das kantonale Versi- cherungsgericht kein Bundesrecht verletzt habe, indem es i n antizipierter Beweiswürdigung auf die bezüglich der gutachterlichen Ergebnisoffenheit verl angten Beweismassnahmen verzichtet habe. Die Beschwerdeführerin habe keine Gründe oder An haltspunkte angegeben, die im vor- liegenden Fall auf eine Befangenheit von Dr. D.____ schliessen lassen würden. Die gewünsch- ten Angaben würden selbst dann keine zuverlässige Aussa ge über das Beurteilungsverhalten von Dr. D.____ zulassen, wenn sämtliche Arbeitsunfähigkei ten aller schweizweit tätigen Gut- achterpersonen bekannt wären. Ohne Kenntnis etwa der gestellten Diagnosen und der erhobe- nen Befunde sei es schlicht nicht möglich, auf eine Befangenheit zu schliessen. 2.2.2 Demgegenüber stellte die Beschwerdeführerin auf grund der Angaben der IV-Stelle vom 27. November 2018 fest, dass der Anteil der Gutachten von Dr. D.____ erheblich höher sei als dies bei einer gleichmässigen Verteilung aller in F rage kommenden psychiatrischen Gut- achterpersonen zu erwarten wäre. Weiter gehe aus dem A ntwortschreiben der IV-Stelle Basel- Stadt vom 18. März 2019 hervor, dass Dr. D.____ im Ver gleich mit den übrigen Gutachten we- sentlich häufiger Arbeitsunfähigkeiten unter 20 % und entsprechend weniger solche von 40 % und mehr attestiere. Unter diesen Umständen seien die beantragten Beweismassnahmen an- gezeigt. 2.3 Der Beschwerdeführerin ist darin beizupflichten, dass Dr. D.____ – wie sich aus den Ausführungen der IV-Stelle vom 27. November 2018 un d der Statistik der IV-Stelle Basel-Stadt vom 18. März 2019 ergibt – im Vergleich zu den übrigen auf der Gutachterliste aufgeführten psychiatrischen Fachpersonen überdurchschnittlich oft involviert war. Nachdem die IV-Stelle im vorliegenden Verfahren aktuelle und zudem repräsentative Angaben zu den vergebenen mono- und bidisziplinären psychiatrischen Gutachten gemacht hat , kann hierzu auf weitere Beweis- massnahmen verzichtet werden. Ob ein ernstzunehmendes Risi ko und damit eine objektiv be- gründete Befürchtung zu bejahen ist, Dr. D.____ könnte sich nicht allein von fachlichen Ge- sichtspunkten, sondern auch von den (vermeintlichen) Erwa rtungen der Auftraggeber leiten lassen, ist im Rahmen der Beweiswürdigung im Einzelfall zu prüfen. Nicht ersichtlich ist, inwie- fern die Kenntnis der von Dr. D.____ in anderen Fälle n attestierten Arbeitsunfähigkeiten man- gelnde Ergebnisoffenheit zu belegen vermöchte. Der Versuch, allein aus statistischen Daten die angebliche Befangenheit einer Gutachterperson abzulei ten, ist von vornherein beweisuntaug- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich, da diese Zahlen den jeweiligen Einzelfällen ni cht Rechnung tragen. Die ärztliche Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit ist in erster Linie abhängig von den Umständen im Einzelfall. Massge- bend sind dabei namentlich das Krankheitsbild und der Schweregrad der Erkrankung. Eine ärzt- lich bescheinigte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigke it ist aussagekräftig, wenn und so- weit sie auf Anamnese, Klinik, Befunde sowie der übrig en Aktenlage basiert und die geltend gemachten Funktionseinschränkungen überdies hinreichend plausibel sind. Erst wenn im ein- zelnen Fall sämtliche Beurteilungsgrundlagen bekannt si nd, kann geprüft werden, ob die von der Gutachterperson erhobenen Feststellungen – inklusive d er Einschätzung des Arbeitsunfä- higkeitsgrads – im Einzelnen sachbezogen, nachvollziehbar und schlüssig sind. Lässt sich die attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht dergestalt anhan d dieser Beurteilungselemente nachvollzie- hen, sagt sie – unabhängig davon, ob es für einen Gutac hter eine (statistisch belegte) Tendenz gäbe, Arbeitsunfähigkeit eher zurückhaltend oder grosszü gig zu attestieren – nichts aus und kann damit auch keinen Umstand darstellen, der geeigne t wäre, Voreingenommenheit und in der Folge einen Ausstands- und Ablehnungsgrund wegen Befangenheit objektiv zu begründen (vgl. zum Ganzen: Urteil des Verwaltungsgerichts des K antons Bern vom 20. Februar 2019 [200 17 1009 IV]. E. 3.6.1.1; Urteil des Bundesgerich ts vom 7. Januar 2019, 9C_582/2018, E. 2.1). Nach dem Gesagten ist die Einschätzung der Ar beitsfähigkeit von den Umständen im Einzelfall abhängig. Daher ist nicht ersichtlich, inwief ern die Kenntnis der von Dr. D.____ und den anderen psychiatrischen Fachgutachterinnen und Fachgu tachtern attestierten Arbeitsunfä- higkeiten im Sinne der Vorbringen der Beschwerdeführe rin mangelnde Ergebnisoffenheit bele- gen und damit den Beweiswert der gutachterlichen Einschätzung im konkreten Fall infrage stel- len könnten. Folglich besteht für die beantragten Be weismassnahmen kein Anlass, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. hierzu BGE 136 I 22 9 E. 5.3 mit Hinweis) darauf verzichtet werden kann. 3. Materiell streitig ist, ob die IV-Stelle den Rente nanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht befristet hat. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefoch- tenen Verfügung entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bild et rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 4. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzug eltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich e rreichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gel ingt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 5.4 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.5 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwalt ungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Hin gegen kommt Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswe rt zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fach personen. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ei n Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Be stehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ä rztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4 .4 in fine mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 6. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auc h der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welch e sich für den Entscheid als zentral erweisen. 7.2 Die Versicherte wurde vom 15. August 2012 bis 14. November 2012 in der Psychiatrie X.____ stationär behandelt. Im Austrittsbericht vom 2. Januar 2013 wurden eine kombinierte und eine andere Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0), Probleme mit der Lebensbewältigung, ein Ehekonflikt (ICD-10 Z73) und Kontaktanlässe mit Be zug auf Kindheitserlebnisse (ICD- 10 Z61) diagnostiziert. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Der behandelnde Arzt Dr. E.____, FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie, diagnostizier- te am 2. April 2013 mit Auswirkung auf die Arbeitsfäh igkeit eine posttraumatische Belastungs- störung (PTBS) nach sexuellem Missbrauch in der frühen Kindheit und nach Retraumatisierung durch Vergewaltigung im vergangenen Jahr (ICD-10 F43.1 ), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode ohne somatisch es Syndrom (ICD-10 F33.10) und eine abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7). O hne Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit bestünde ein Zustand der totalen Erschöpfung nach zwe ijähriger beruflicher Überlastung als Kompensationsstrategie (ICD-10 Z73.0). Die Versicher te sei teilweise emotional inadäquat und zeige im Gespräch immer wieder eine deutlich von der Norm abweichende Wahrnehmung und Interpretation von Menschen und Ereignissen. Es best ünde eine vollständige Arbeitsunfä- higkeit. Langfristig sei eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit möglich. 7.4 Die IV-Stelle beauftragte Dr. C.____ mit einem Gutachten. Am 3. Juni 2014 stellte er eine leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0), gemäss den Angaben in den Unterlagen einen Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61), differentialdiagnostisch eine ak- zentuierte Persönlichkeit, und einen Status nach mögli cher PTBS (ICD-10 F43.1) fest. Der Ver- sicherten gelinge es gut, über die vergangenen Erlebniss e zu berichten; vegetative Symptome würden sich nicht zeigen. Zudem scheine sie nicht unter fl ash-backs zu leiden und werde auch nicht von Bildern verfolgt. Möglicherweise habe die Ge waltanwendung des Ehemanns im Au- gust 2012 die Wunden des in der Kindheit erlittenen Traumas aufgerissen. Mittlerweile stünden die Beschwerden, die in diesem Zusammenhang gesehen we rden könnten, nicht mehr im Vor- dergrund. Inwieweit bei der Versicherten tatsächlich d ie Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gestellt werden könne, lasse sich aus gutachterlicher Sich t nicht sicher beantworten. Immerhin sei die Diagnose von den behandelnden Ärzten der Psychiatrie X.____ nach mehreren Wochen stationärer Behandlung gestellt worden. Zudem stünde si e in intensiver ambulanter Therapie. Differentialdiagnostisch könnten eine neurotische Störun g oder akzentuierte Persönlichkeitszü- ge in Betracht gezogen werden. Die Diagnose einer r ezidivierenden depressiven Störung müs- se relativiert werden, denn objektivierbare Befunde ein er depressiven Störung würden fehlen. Allenfalls könne aktuell eine leichte depressive Störun g angenommen werden. Die Persönlich- keitsproblematik hätte sich aufgrund der schwierigen psychosozialen Umstände vorübergehend akzentuiert, mittlerweile aber wieder etwas nivelliert. Die ab August 2012 attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen sei nachvollzie hbar. Aktuell sei die Versicherte aber wieder in der Lage, einer einfachen strukturier ten Tätigkeit nachzugehen. Aufgrund der verminderten Belastbarkeit bestünde eine Einschränkung v on 50 %. Es sei denkbar, dass die Belastbarkeit in den nächsten Monaten gesteigert werden könne. 7.5 Am 20. August 2014 hielt Dr. C.____ ergänzend fe st, dass es der Versicherten wieder möglich sein sollte, einer Tätigkeit im Umfang von 50 % nachzugehen. Zudem sei anzunehmen, dass innerhalb von sechs Monaten wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne. 7.6 In einem undatierten Bericht (Eingang bei der IV -Stelle am 5. März 2015; act. 77) be- richtete Dr. E.____ über den Therapieverlauf seit Okt ober 2014. Dabei hielt er fest, dass die Belastungsfaktoren bei der Versicherten im letzten Jahr stark zugenommen hätten und sich ihr psychischer Gesundheitszustand verschlechtert habe. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.7 In einem weiteren Bericht vom 14. September 2015 diagnostizierte Dr. E.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Pe rsönlichkeitsstörung, abhängige und emotional instabile Anteile gemischt (ICD-10 F61), eine rezidivierende Depression, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), und einen Status nach einer PTBS (ICD-10 F43.1). Der Ge- sundheitszustand sei stationär. Aufgrund der Beobachtung en und der Entwicklung der letzten Jahre und der Diagnosen werde die Versicherte in den nä chsten Jahren nicht belastbar genug sein, um einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Eine Beschäftigung im Umfang von 50 % könnte möglich sein. Derzeit gehe ihre Arbeitsleistung a llerdings vollumfänglich in der Führung des Haushaltes mit Betreuung von zwei Schulkindern und ei nem achtmonatigen Kleinkind auf. Wiedereingliederungsmassnahmen seien aus psychiatrischer S icht und aus finanziellen Grün- den nicht sinnvoll. 7.8 Die IV-Stelle beauftragte Dr. D.____ mit einem Gutachten, welches am 6. September 2016 erstattet wurde. Er stellte keine Diagnose mit Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Stat us nach PTBS (ICD-10 F43.1), eine re- zidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4) und eine ängstlich- unsichere, abhängige und zwanghafte Persönlichkeit (ICD- 10 Z73.1). Eigentliche depressive Symptome seien nicht vorhanden. Die Versicherte fühle sich durch die Kinderbetreuung und die Haushaltsführung überfordert. Sie habe Mühe, sich abz ugrenzen und stelle hohe Anforderun- gen an sich. Es seien abhängige, ängstlich-vermeidende un d perfektionistische Persönlich- keitsanteile festzustellen. Die Diagnose einer Persönlich keitsstörung könne aber nicht gestellt werden. Trotz ihrer Schwierigkeiten, sich gegenüber der Umgebung abzugrenzen und ihren hohen Leistungsansprüchen, sei sie während Jahren in der L age gewesen, mit guter Leistung in einem Vollzeitpensum zu arbeiten, zudem ohne grosse Hilfe den Haushalt zu besorgen und sich um die Kinder zu kümmern. Die akzentuierten Persönl ichkeitszüge seien dafür verantwort- lich, dass sie sich überfordere und mit ihren hohen Leist ungsansprüchen nicht zufrieden sei. Dies führe aber nicht zu einer Einschränkung in der Umse tzung ihrer Ressourcen. Retrospektiv sei die Arbeitsfähigkeit schwierig zu beurteilen. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte nach der gewalttätigen Auseinandersetzung mit dem Eh emann vorübergehend unter Sympto- men einer PTBS gelitten habe. Aufgrund der Unterlagen sei von August 2012 bis Juni 2014 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Hernach habe sich der Gesundheitszustand verbessert, weshalb bis Juni 2014 von einer Einschränkun g der Arbeitsfähigkeit von 50 % aus- zugehen sei. Ab Januar 2015 könne aus psychiatrischer Sich t keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert werden. 7.9 Am 27. Dezember 2016 hielt prakt. med. F.____, F acharzt für Psychiatrie und Psycho- therapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, fest, dass aufgrund der echtzeitli- chen Zeugnisse der Psychiatrie X.____, Dr. E.____ und Dr. C.____ von August 2012 bis Juni 2014 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszuge hen sei. Hernach betrage die Arbeits- unfähigkeit gemäss der Beurteilung im Gutachten von D r. C.____ 50 %. Ab Januar 2015 sei aufgrund der Einschätzungen der Gutachter Dres. C.____ und D.____ von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.10 Am 26. März 2017 nahm Dr. E.____ zum Gutachten vo n Dr. D.____ vom 6. September 2016 Stellung. Er hielt fest, dass der Gutachter wichtig e Aspekte und Fakten nicht berücksich- tigt habe. Zudem würden die diagnostischen und therape utischen Unterlagen der ersten länge- ren ambulanten psychotherapeutischen Behandlung in den Externen Psychiatrischen Diensten (EPD) in Y.____ fehlen. Ebenso sei die systematische psychia trische und somatische Anamne- se nicht vollständig. Ausserdem habe Dr. D.____ keinen Kontakt mit dem behandelnden Thera- peuten aufgenommen. Die Diagnostik einer solchen Persö nlichkeitsstörung sei im Rahmen ei- nes 75-minütigen Gesprächs kaum möglich, weshalb eine Verlaufsbeobachtung erforderlich gewesen wäre. Entgegen der Auffassung von Dr. D.____ sei die Versicherte nicht aufgrund überhöhter Leistungsansprüchen, sondern wegen einer Per sönlichkeitsstörung mit ihrer Le- bensbewältigung überfordert. Eine 100%ige Arbeitsfäh igkeit sei krankheitsbedingt ausge- schlossen. Der Grad der derzeitigen Belastbarkeit lasse sich erst aufgrund eines Arbeitstrai- nings bestimmen. Derzeit sei von einer Belastbarkeit von 50 % auszugehen. 8.1 Die IV-Stelle stützte sich in den Verfügungen vom 21 . Mai 2018 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versich erten vollumfänglich auf die Ergeb- nisse in den Gutachten der Dres. C.____ vom 3. Juni 2014 und D.____ vom 6. September 2016. Sie ging in der Folge davon aus, dass die Beschwer deführerin von August 2012 bis Juni 2014 vollständig und von Juli 2014 bis Dezember 2014 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen sei. Hernach sei wiederum von einer vollständigen Arbeitsfäh igkeit auszugehen. Diese vorinstanzli- che Beweiswürdigung ist trotz der Kritik der Beschwerdefü hrerin an den Gutachten (vgl. dazu die nachstehenden Erwägungen) im Ergebnis nicht zu be anstanden. Wie in Erwägung 5.4 hier- vor ausgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfügb aren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei- lung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten abgege ben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet und seine Schlu ssfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass gebe n könnten, die Ergebnisse in den Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 3. Juni 201 4 und vom 6. September 2016 in Fra- ge zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass die Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizini sche Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllen. So weisen sie weder formale n och inhaltliche Mängel auf, sie sind – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.4 hiervor ) – umfassend und beruhen auf allsei- tigen Untersuchungen. Die entsprechenden, vorstehend (vgl . E. 7.4 und 7.8 hiervor) wiederge- gebenen Darlegungen in den Gutachten vom 3. Juni 20 14 und vom 6. September 2016 vermö- gen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 8.2.1 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin sind nicht geeignet, das vorstehende Beweis- ergebnis in Frage zu stellen. Wenn sie geltend macht, d ass die Beurteilung von Dr. D.____ nicht überzeuge, kann ihr nicht beigepflichtet werden . Entgegen der Auffassung der Beschwer- deführerin legte der Gutachter nachvollziehbar dar, a us welchen Gründen die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht gestellt werden kann. Er füh rte aus, dass die Versicherte während Jahren in der Lage gewesen sei, in der freien Wirtscha ft mit guter Leistung in einem Vollzeit- pensum zu arbeiten, ohne grosse Hilfe den Haushalt zu besorgen und sich um die Kinder zu Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht kümmern. Er bejahte aber nach kritischer Würdigung der b isherigen Berichte und Gutachten und der darin festgestellten Befunde und Diagnosen, de r anamnestischen Angaben des Versi- cherten und der im Rahmen der Exploration erhobenen Befunde abhängige, ängstlich- vermeidende und perfektionistische Persönlichkeitsanteile und begründete die geklagte Über- forderung mit einer Abgrenzungsproblematik und hohen Leistungsansprüchen der Versicherten. Ob der Gutachter akzentuierte Persönlichkeitszüge oder eine Persönlichkeitsstörung diagnosti- ziert, ist des Weiteren nicht relevant. Denn massgeben d für die Belange der Invalidenversiche- rung ist nicht die Diagnose, sondern die Auswirkungen des fachärztlich festgestellten Leidens auf die Arbeitsfähigkeit (Urteil des Bundesgericht vom 23. April 2019, 9C_184/2019, E. 4.2). Diese erreichen im vorliegenden Fall kein Ausmass, das e inen Invalidenrentenanspruch be- gründen würde, wie im Gutachten von Dr. D.____ nachvollziehbar ausgeführt wird. 8.2.2 Auch der Rüge, wonach der Gutachter auf fremd anamnestische Angaben verzichtet und auch mit dem behandelnden Psychiater Dr. E.____ ke ine Rücksprache genommen habe, kann nicht gefolgt werden. Zwar sind eine Fremdanamne se und Auskünfte der behandelnden Arztpersonen häufig wünschenswert, aber nicht zwingend erf orderlich. Die Notwendigkeit der Einholung einer Fremdanamnese bei der behandelnden Arztperson ist vielmehr in erster Linie eine Frage des medizinischen Ermessens (Urteile des Bunde sgerichts vom 14. Oktober 2015, 8C_444/2015, E. 4.5 und vom 23. Juli 2014, 8C_323/20 14, E. 5.2.1). Auch aus den Qualitäts- leitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der S chweizerischen Gesellschaft für Psy- chiatrie und Psychotherapie ergibt sich in dieser Hinsicht nichts anderes (vgl. die 3. vollständige überarbeitete und ergänzte Auflage vom 16. Juni 2016; in: SZS 2016 S 435 ff.). Aus dem Gut- achten von Dr. D.____ geht hervor, dass ihm zahlreiche Arzt berichte betreffend die Beschwer- deführerin zur Verfügung standen, insbesondere auch mehrere Berichte des behandelnden Psychiaters. Die medizinischen Unterlagen und die Angaben der Beschwerdeführerin waren offenbar hinreichend präzise und kohärent genug, um ei n zuverlässiges Bild über ihren psychi- schen Gesundheitszustand machen zu können. Unter diesen U mständen ist es nicht zu bean- standen, dass Dr. D.____ keine fremd- oder familienana mnestischen Auskünfte einholte. Aus diesem Grund überzeugt auch die Rüge nicht, wonach die D auer der Exploration zu kurz sei, um den Bestand einer Persönlichkeitsstörung zu erfassen. Vor diesem Hintergrund kann nicht gesagt werden, die Beurteilung des Gesundheitszustands und der Zumutbarkeit im Gutachten basiere auf einem unzutreffenden Sachverhalt. Es trifft zwar zu, dass die Indikatorenprüfung (vgl. E. 5.3 hiervor) im Gutachten von Dr. D.____ ehe r knapp ist. Er setzte sich jedoch mit der Biographie, dem beruflichen Werdegang, der sozialen und der Familienanamnese sowie den Alltagsaktivitäten hinreichend auseinander, weshalb ein e schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen Indikatoren ohne weiteres möglich ist. Das Gutachten enthält demnach alle er- forderlichen Angaben für die Prüfung der Frage, ob si ch ein invalidisierender Gesundheitszu- stand anhand der Standardindikatoren verifizieren läss t (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2018, 8C_449/2017, E. 4.2.2 und 4.3). 8.2.3 Wenn sich die Beschwerdeführerin auf die abweiche nde Beurteilung des behandeln- den Arztes Dr. E.____ beruft, ist in Erinnerung zu rufe n, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutachtungsauf- trag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten a nderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass wei- terer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden A rztpersonen beziehungsweise Thera- piekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vo rbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil dies e wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 8C_835/2018, E. 3 mit Hinweis). Vorliegend bringt der behandelnde Arzt Dr. E.____ keine Gesichtspunkte vor, die im Rahmen des psychiatrischen Gutachtens nicht berücksichtig t worden wären. Vielmehr diffe- renziert Dr. D.____ unter Berücksichtigung der Berichte d es behandelnden Arztes zwischen den subjektiv empfundenen Beschwerden, den teilweise i nkonsistenten Angaben der Be- schwerdeführerin in Bezug auf den Tagesablauf resp. da s Vermeidungsverhalten und den ob- jektiv feststellbaren Befunden. Er legt nachvollziehbar dar, weshalb sie keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufweist. Bei dies er Sachlage und der Tatsache, dass es dem Gutachter möglich war, eine zuverlässige Einschätzung d es leistungsmässig Machbaren vorzunehmen, kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf zusätzliche Abklärungen verzichtet werden. 9. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstan den, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestützt auf die Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 3. Juni 2014 und vom 6. September 2016 davon ausgegangen ist, dass die Beschwerdeführerin von Aug ust 2012 bis Juni 2014 vollstän- dig und von Juli 2014 bis Dezember 2014 zu 50 % arbei tsunfähig war, hernach aber wieder vollständig arbeitsfähig war. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleichseinkommen vorzunehmen wäre und die Berec hnung auch von der Versicherten nicht beanstandet wurde, erübrigt sich eine detaillier te Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Einkommensvergleich. Es ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2015 ein rentenau sschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könnte. Die angefochtene Verfügung 3 vom 21. Mai 2018 ist im Ergebnis nicht zu be- anstanden. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ve rfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen si nd. Da ihr mit Verfügung vom 5. Juli 2018 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde , gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Parte ientschädigung ausgerichtet. Da der Beschwerdeführerin ebenfalls mit Verfügung vom 5. J uli 2018 die unentgeltliche Verbei- ständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wurde, i st dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter der Be schwerdeführerin hat in seiner Ho- norarnote vom 4. März 2019 für das vorliegende Verfah ren einen Zeitaufwand von 11 Stunden und Auslagen von Fr. 128.20 geltend gemacht. Dieser Auf wand ist in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. Novembe r 2003 beträgt das Honorar bei unent- geltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 2‘507.45 (11 Stunden x Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 128.20 inkl. 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Der Beschwerdeführerin wird keine Parteientschädig ung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘507.45 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse bezahlt. http://www.bl.ch/kantonsgericht