A bteilung III C -897/2006 {T 0/2} U rteil vom 27. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Bernard Vaudan; R ichter Blaise Vuille; G erichtsschreiber R udolf G run. K ._______, Beschw erdeführerin, Zustelldom izil: gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Am 24. August 2006 ersuchte die Beschw erdeführerin (geboren 1976, thai- ländische Staatsangehörige) bei der Schw eizerischen Botschaft in Bang- kok um ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrer Schw ester und ihrem Schw ager (G astgeber) in Bonisw il (AG ). D ie Schw ei- zerische Vertretung überw ies das G esuch in der Folge an die Vorinstanz zur Prüfung und zum Entscheid. B. D ie Vorinstanz w ies das G esuch um Bew illigung der Einreise m it Verfü- gung vom 29. Septem ber 2006 ab. D ies im W esentlichen m it der Begrün- dung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise könne ange- sichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland so- w ie der persönlichen Verhältnisse der Beschw erdeführerin nicht als gesi- chert betrachtet w erden. C . M it Verw altungsbeschw erde an das Eidgenössische Justiz- und Polizeide- partem ent (EJPD ) vom 3. N ovem ber 2006 beantragt die Beschw erdeführe- rin sinngem äss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Er- teilung der Einreisebew illigung für einen dreim onatigen Aufenthalt, um die Fam ilie ihrer Schw ester zu besuchen und die Schw eiz kennen zu lernen. D anach w erde sie nach Thailand zu ihrem kleinen Lebensm ittelgeschäft und ihrem neunjährigen Sohn zurückkehren. D . In ihrer Vernehm lassung vom 27. N ovem ber 2006 spricht sich die Vorin- stanz für die Abw eisung der Beschw erde aus und hält ergänzend fest, auf- grund der gem achten Erfahrungen w erde eine restriktive Visum spolitik ver- folgt und das R isiko einer nicht gesicherten W iederausreise grundsätzlich hoch eingeschätzt. D avon sei nur abzuw eichen, w enn dem oder der Be- treffenden im H erkunftsland besondere fam iliäre, berufliche oder gesell- schaftliche Verpflichtungen oblägen. D ie in der Beschw erdeschrift in die- sem Zusam m enhang gem achten Ausführungen und Zusicherungen er- reichten die an diese O bliegenheiten zu stellende Intensität nicht. E. D ie Beschw erdeführerin hält in der R eplik vom 10. M ärz 2007 an ihrer Be- schw erde fest und verw eist auf ihr Lebensm ittelgeschäft, w elches w ährend ihre Abw esenheit durch ihren Bruder und dessen Ehefrau w eitergeführt w erde. Ihr Sohn w erde in der Zeit ihres Auslandaufenthaltes ebenfalls von ihrem Bruder versorgt. Ferner w ird darauf aufm erksam gem acht, dass die G astgeber schon zw ei andere G äste w ährend 90 Tagen zu Besuch gehabt hätten, w elche rechtzeitig w ieder ausgereist seien. Auf die w eiteren Vorbringen w ird, sow eit rechtserheblich, in den Erw ägun- gen eingegangen.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illi- gung unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G rich- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Bun- desgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsgerichtsgesetz nichts ande- res bestim m t. 1.3 D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 2. D ie Beschw erdeführerin ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 3. 3.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel/ G enf/M ünchen 2000, S. 24). 3.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (vgl. Art. 1 bis 5 VEA). D ie G e- suchstellerin kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen; sie ist auf- grund ihrer Staatsangehörigkeit visum spflichtig.4 4. U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. U nter anderem haben sie gem äss Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten. D ie Vorinstanz verw eigerte der Beschw erdefüh- rerin die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, ihre fristge- rechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 5. 5.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum Vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 5.2 D ie Asienkrise von 1997 liess auch die W irtschaft Thailands schrum pfen, dem Land gelang allerdings schnell der U m schw ung hin zu neuem W irt- schaftsw achstum . Seit 2005 sind die W achstum sw erte w ieder leicht rück- läufig. H auptträger des W achstum s 2005 w aren, gestützt durch um fangrei- che Konjunkturprogram m e der R egierung, der Export und öffentliche In- vestitionen, die den privaten Verbrauch als W achstum sm otor klar abgelöst haben (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand: O ktober 2006). D ie grundsätzlich erm utigenden w irtschaftlichen Entw icklungen können aber nicht über die Tatsache hinw egtäuschen, dass nach w ie vor breite Bevöl- kerungsschichten von vergleichsw eise schw ierigen ökonom ischen und so- zialen Lebensbedingungen betroffen sind. D as Bruttoinlandprodukt pro Kopf der Bevölkerung betrug im Jahre 2005 nur gerade 2'628 U SD . Ent- sprechend hoch ist der Anteil jener, die versuchen, ins Ausland zu gelan- gen, um sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz sichern zu können. D er Trend zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Freunden bereits ein m inim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland besteht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim m ungen. 6. 6.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solche allgem einen U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller bzw . einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünsti- gen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfah- rungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Ver-5 haltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch ein- geschätzt w erden. 6.2 Bei der Beschw erdeführerin handelt es sich um eine 31-jährige Frau und M utter eines neuneinhalb Jahre alten Kindes. Auf den ersten Blick könnte der U m stand, dass sie für die D auer ihres Besuchsaufenthaltes in der Schw eiz ihr Kind in der H eim at zurücklassen w ürde, durchaus für eine ge- w isse Verw urzelung sprechen. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass zu- rückbleibende Angehörige gerade in Situationen angespannter w irtschaftli- cher Verhältnisse nicht verlässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Em igration zu fällen. Im G egenteil, der Entscheid kann dort von der H offnung getragen sein, die Angehörigen aus dem Ausland effizienter unterstützen und allenfalls später nachziehen zu können. 6.3 Entsprechend grosse Bedeutung kom m t deshalb den w irtschaftlichen Ver- hältnissen zu, in denen sich die Beschw erdeführerin befindet. So soll sie in ihrer H eim at ein kleines Lebensm ittelgeschäft betreiben. Schon die Be- zeichnung "klein" w eist darauf hin, dass die Beschw erdeführerin aus ihrem Lebensm ittelgeschäft keine besonderen finanziellen Erträge erw irtschaftet. Sie m acht denn auch keine Angaben über ihre Einkom m ens- und Verm ö- gensverhältnisse. Breite finanzielle Verhältnisse dürften aber nicht vorhan- den sein, ist doch vorgesehen, dass die G astgeber säm tliche m it dem Be- suchsaufenthalt verbundenen Kosten übernehm en w ürden. Alles in allem kann dam it nicht von w irtschaftlich günstigen Verhältnissen ausgegangen w erden, die die Beschw erdeführerin verlässlich von einer Em igration ab- halten könnten. 6.4 In der R eplik w ird u.a. darauf hingew iesen, dass die G astgeber noch nie Problem e m it den Behörden gehabt hätten. An deren Integrität ist sicher- lich nicht zu zw eifeln. Für die R isikobeurteilung ist aber in erster Linie die Situation des G astes in dessen H eim atland m assgebend. D ie G astgeber können zw ar für gew isse finanzielle R isiken im Zusam m enhang m it dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein bestim m tes Verhalten des G astes garantieren. D enn eine G arantie für die rechtzeitige R ückreise ist trotz bester und ehrlicher Absichten nicht m öglich beziehungsw eise rechtlich nicht durchsetzbar (vgl. Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 57.24; U rteil des Bundesverw altungsgerichts C -771/2006 vom 4. April 2007). D ie Abw ägung der für und gegen eine W iederausreise sprechenden G esichtspunkte obliegt allein der zuständigen Behörde. D ie G astgeber in der Schw eiz haben darauf keinen Einfluss. Sow eit vorgebracht w ird, die G astgeber hätten bereits G äste aus dem H ei- m atland der Beschw erdeführerin zu Besuch gehabt, w elche fristgerecht w ieder zurückgekehrt seien, gilt es darauf hinzuw eisen, dass sich m angels näherer Angaben einerseits nicht eruieren lässt, unter w elchen U m ständen diesen Personen in der Vergangenheit ein Einreisevisum erteilt w urde. An- dererseits w eist jeder Einzelfall – w ie vorliegend belegt – eine ihm eigene und spezifische Konstellation auf, so dass er nicht ohne w eiteres m it ande- ren, angeblich gleichgelagerten Fällen verglichen w erden kann. 7. Vor dem aufgezeigten H intergrund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, 6 die fristgerechte W iederausreise sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). Zw ar lässt sich diese Prognose nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten, sie reicht aber aus, um die Er- teilung einer Einreisebew illigung – auf w elche w ie bereits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht – abzulehnen. D araus folgt, dass die ange- fochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt. D er rechtserhebliche Sach- verhalt w urde richtig und vollständig festgestellt und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Erm essen pflichtgem äss und zutreffend ausgeübt (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist daher abzuw eisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be- schw erdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D iese sind in An- w endung von Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D e- zem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht (VG KE, SR 173.320.2) auf Fr. 600.-- festzusetzen. D ispositiv Seite 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdeführerin auf- erlegt. Sie sind durch den am 12. M ärz 2007 geleisteten Kostenvorschuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. [...] zurück) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf R udolf G run Versand am :