<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 141 S.605</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">605</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Opferhilfe</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>141 Kostengutsprache für Anwaltskosten gemäss Opferhilferecht im Verhält-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nis zur unentgeltlichen Rechtspflege.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Im Hinblick auf eine allfällige Nachzahlungspflicht im Rahmen der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>unentgeltlichen Rechtspflege ist dem Opfer aus Gründen der Rechts-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gleichheit für seine anwaltliche Vertretung - suspensivbedingt und</b></span><br/> <span class="ft3"><b>entsprechend der Erfüllung der Voraussetzungen - Kostengutsprache</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gemäss Opferhilferecht im Umfang einer allfälligen Nachzahlung zu</b></span><br/> <span class="ft3"><b>erteilen (Erw. 1 und 2 c aa-dd).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Für weitere, durch die unentgeltliche Rechtspflege nicht gedeckte, an-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>waltliche Bemühungen im strafrechtlichen Ermittlungs- bzw. Unter-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>suchungsverfahren ist dem Opfer ebenfalls Kostengutsprache gemäss</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Opferhilferecht zu erteilen (Erw. 1 und 2 c ee).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Regierungsrates vom 16. Februar 2000 in Sachen D.K. gegen</span><br/> <span class="ft4">Verfügung des Kantonalen Sozialdienstes.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. Im Rahmen der sogenannten weiteren Hilfe übernehmen die</span><br/> <span class="ft6">Opferberatungsstellen Kosten, die dem Opfer als Folge einer Straftat</span><br/> <span class="ft6">entstanden sind, soweit dies aufgrund der persönlichen Verhältnisse</span><br/> <span class="ft6">des gesuchstellenden Opfers angezeigt ist (Art. 3 Abs. 4 Satz 2 des</span><br/> <span class="ft6">Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten [Opferhilfe-</span><br/> <span class="ft6">gesetz, OHG] vom 4. Oktober 1991). Zu den genannten Kosten ge-</span><br/> <span class="ft6">hören auch diejenigen einer anwaltlichen Vertretung. Die weitere</span><br/> <span class="ft6">Hilfe nach Art. 3 Abs. 4 Satz 2 OHG hat allerdings nur den Sinn</span><br/> <span class="ft6">einer Ausfallgarantie. In der Folge muss das Opfer versuchen, die</span><br/> <span class="ft6">Kosten anderweitig (bei Dritten oder mittels eines Gesuches um un-</span><br/> <span class="ft6">entgeltliche Rechtspflege) erhältlich zu machen. Nach der Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung kommt demgemäss dem Anspruch auf weitere Hilfe im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">606</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Vergleich zu anderen Leistungsansprüchen, und dabei insbesondere</span><br/> <span class="ft6">im Vergleich zum Anspruch auf Gewährung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft6">Rechtspflege, eine bloss subsidiäre Funktion zu. Dies bedeutet, dass</span><br/> <span class="ft6">sich eine staatliche Leistung gestützt auf Art. 3 Abs. 4 OHG dann</span><br/> <span class="ft6">nicht mehr rechtfertigt, wenn sich das Opfer im Hinblick auf seine</span><br/> <span class="ft6">Anwaltskosten tatsächlich anderweitig vollumfänglich schadlos hal-</span><br/> <span class="ft6">ten kann. Falls diese Schadloshaltung des Opfers jedoch (vollum-</span><br/> <span class="ft6">fänglich oder teilweise) zu verneinen ist bzw. als nicht gesichert gilt,</span><br/> <span class="ft6">hat die Beratungsstelle zu prüfen, ob eine Erstattung der Anwalts-</span><br/> <span class="ft6">kosten in Anbetracht der persönlichen Verhältnisse des Opfers ange-</span><br/> <span class="ft6">zeigt ist. Entsprechend dispensiert u.a. auch die vollständige Verwei-</span><br/> <span class="ft6">gerung bzw. die nur teilweise erfolgte Zusprechung der kantonalen</span><br/> <span class="ft6">unentgeltlichen Rechtspflege nicht von der Prüfung der Frage, ob die</span><br/> <span class="ft6">durch das Opferhilferecht gestellten Bedingungen erfüllt sind. Nach</span><br/> <span class="ft6">dem Gesagten ersetzen Leistungen nach Opferhilferecht keine an-</span><br/> <span class="ft6">derweitigen Leistungsansprüche wie etwa jene gestützt auf das In-</span><br/> <span class="ft6">stitut der unentgeltlichen Prozessführung, sondern sie ergänzen</span><br/> <span class="ft6">diese, indem sie nach der OHG-Konzeption subsidiär dahinter bzw.</span><br/> <span class="ft6">im Sinne einer Massnahmenkoordination daneben stehen und auch</span><br/> <span class="ft6">Kosten umfassen können, die - wie gemäss der geltenden Praxis des</span><br/> <span class="ft6">Kantons Aargau die Bemühungen von Anwältinnen und Anwälten im</span><br/> <span class="ft6">strafrechtlichen Ermittlungs- bzw. Untersuchungsverfahren - nicht</span><br/> <span class="ft6">unter dem Titel der unentgeltlichen Rechtspflege geltend zu machen</span><br/> <span class="ft6">sind (vgl. zum Ganzen BGE 123 II 548; 121 II 209 E. 3b, S. 212;</span><br/> <span class="ft6">RRB Nr. ... ; Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Urteil vom 18.</span><br/> <span class="ft6">April 1994, in: plädoyer 1994, S. 66; Botschaft des Bundesrates vom</span><br/> <span class="ft6">25. April 1990, in: BBl 1990 II 979; Peter Gomm, Peter Stein,</span><br/> <span class="ft6">Dominik Zehntner, Kommentar zum Opferhilfegesetz, Bern 1995, zu</span><br/> <span class="ft6">Art. 3 Abs. 4, Rz. 46 ff.).</span><br/> <span class="ft6">2. (...)</span><br/> <span class="ft6">c) aa) Gemäss Art. 3 Abs. 4 Satz 2 OHG haftet der weiteren</span><br/> <span class="ft6">Hilfe, die - wie bereits erwähnt - auch gewisse, den Rahmen der</span><br/> <span class="ft6">unentgeltlichen Rechtspflege überschreitende (vorprozessuale) An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">607</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">waltskosten umfassen kann, kein Risiko einer Nachzahlungspflicht</span><br/> <span class="ft6">an. Im Gegensatz hiezu kann ein Opfer, welchem aufgrund seiner</span><br/> <span class="ft6">finanziellen Situation die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wor-</span><br/> <span class="ft6">den ist, je nach kantonalem Prozessrecht früher oder später nach-</span><br/> <span class="ft6">zahlungspflichtig werden. Entsprechend ist im Kanton Aargau denn</span><br/> <span class="ft6">auch für den Strafprozess explizit, d.h. ohne Verzichtsvorbehalt, vor-</span><br/> <span class="ft6">gesehen, dass die Richterin bzw. der Richter die Einforderung der</span><br/> <span class="ft6">einer Partei auferlegten Gerichtskosten sowie der einer rechtsvertre-</span><br/> <span class="ft6">tenden Person bezahlten Parteientschädigung anordnet, wenn die</span><br/> <span class="ft6">betreffende Partei, welcher die unentgeltliche Rechtspflege gewährt</span><br/> <span class="ft6">worden ist, durch den Ausgang des Prozesses oder innerhalb von</span><br/> <span class="ft6">zehn Jahren seit der Rechtskraft des Urteils auf andere Weise in</span><br/> <span class="ft6">günstige wirtschaftliche Verhältnisse kommt (vgl. § 60 Abs. 2 des</span><br/> <span class="ft6">Gesetzes über die Strafrechtspflege [Strafprozessordnung, StPO]</span><br/> <span class="ft6">vom 11. November 1958 i.V.m. § 133 Abs. 1 des Zivilrechtspflege-</span><br/> <span class="ft6">gesetzes [Zivilprozessordnung, ZPO] vom 18. Dezember 1984).</span><br/> <span class="ft6">bb) Für den vorliegenden Fall ist die vorgenannte Unterschei-</span><br/> <span class="ft6">dung zwischen der weiteren Hilfe nach Opferhilfegesetz (keine</span><br/> <span class="ft6">Nachzahlungspflicht) und der unentgeltlichen Rechtspflege nach</span><br/> <span class="ft6">aargauischem Strafprozessrecht (allfällige Nachzahlungspflicht) von</span><br/> <span class="ft6">besonderer Bedeutung. So stellt sich die aufgeworfene Problematik</span><br/> <span class="ft6">einer allfällig definitiven finanziellen Belastung des Opfers vorlie-</span><br/> <span class="ft6">gend nur deshalb, weil die Vorinstanz der Beschwerdeführerin - trotz</span><br/> <span class="ft6">unbestrittener Erfüllung der Voraussetzungen für die Gewährung der</span><br/> <span class="ft6">weiteren Hilfe - die Kostengutsprache gemäss Opferhilfegesetz auf-</span><br/> <span class="ft6">grund der Subsidiarität gegenüber der unentgeltlichen Rechtspflege</span><br/> <span class="ft6">verweigert hat. Nachfolgend ist deshalb der Frage nachzugehen, ob</span><br/> <span class="ft6">es nicht eine unzulässige Ungleichbehandlung darstellt, wenn Perso-</span><br/> <span class="ft6">nen in Bezug auf die endgültige finanzielle Belastung unterschiedlich</span><br/> <span class="ft6">behandelt werden, je nachdem ob sie neben den Voraussetzungen des</span><br/> <span class="ft6">Opferhilfegesetzes auch die Bedingungen für die Gewährung der</span><br/> <span class="ft6">unentgeltlichen Rechtspflege erfüllen. Dabei ist zu beachten, dass</span><br/> <span class="ft6">das in Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">608</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">senschaft vom 18. April 1999 (BV) statuierte Gebot der Rechts-</span><br/> <span class="ft6">gleichheit bei der Rechtsetzung und -anwendung verlangt, dass zwei</span><br/> <span class="ft6">gleiche tatsächliche Situationen nicht ohne Grund unterschiedlich</span><br/> <span class="ft6">behandelt werden dürfen. Im Rahmen der Gesetzgebung und Rechts-</span><br/> <span class="ft6">anwendung ist es somit verboten, Differenzierungen zu treffen, für</span><br/> <span class="ft6">die sachliche und vernünftige Gründe fehlen, oder sich über erhebli-</span><br/> <span class="ft6">che tatsächliche Unterschiede hinwegzusetzen. Ein Erlass bzw.</span><br/> <span class="ft6">Rechtsanwendungsakt verletzt demgemäss das Rechtsgleichheitsge-</span><br/> <span class="ft6">bot, wenn er rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein vernünfti-</span><br/> <span class="ft6">ger Grund in den zu regelnden bzw. zu beurteilenden Verhältnissen</span><br/> <span class="ft6">nicht ersichtlich ist, oder Unterscheidungen unterlässt, die sich auf-</span><br/> <span class="ft6">grund der Verhältnisse aufdrängen. Bei der Beurteilung, ob die tat-</span><br/> <span class="ft6">sächlichen Unterschiede erheblich und die vorgenommenen Diffe-</span><br/> <span class="ft6">renzierungen sachlich gerechtfertigt sind, ist vom Zweck des Erlas-</span><br/> <span class="ft6">ses auszugehen (vgl. zur Thematik Ulrich Häfelin und Walter Haller,</span><br/> <span class="ft6">Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 4. Auflage, Zürich 1998, Rechts-</span><br/> <span class="ft6">gleichheit in der Rechtsetzung und -anwendung, Rz. 1566 ff. und</span><br/> <span class="ft6">1580 ff.).</span><br/> <span class="ft6">cc) In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist zunächst festzu-</span><br/> <span class="ft6">stellen, dass es zwar dem Zweck der Opferhilfe entspricht, die</span><br/> <span class="ft6">Rechtsposition des Opfers zu verbessern. Darüber hinaus soll die</span><br/> <span class="ft6">Opferhilfe jedoch auch - in Ergänzung zur unentgeltlichen Rechts-</span><br/> <span class="ft6">pflege - zu einer grundsätzlichen Verbesserung der Opfersituation</span><br/> <span class="ft6">führen. Ziel der Opferhilfe ist denn auch die Wiedereingliederung</span><br/> <span class="ft6">des Opfers in die Gesellschaft und die Wiedergutmachung der nega-</span><br/> <span class="ft6">tiven Folgen der Straftat, d.h. die Wiederherstellung des vordelikti-</span><br/> <span class="ft6">schen Zustandes (vgl. Peter Gomm, Peter Stein, Dominik Zehntner,</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., zu Art. 1 Abs. 1, Rz. 10).</span><br/> <span class="ft6">Nach Meinung des Regierungsrates wird das vorgenannte Ziel</span><br/> <span class="ft6">mit der durch die Vorinstanz vorgenommenen Handhabe des Opfer-</span><br/> <span class="ft6">hilfegesetzes nur ungenügend bzw. rechtsungleich zulasten einer</span><br/> <span class="ft6">Opfergruppe verfolgt. So trifft es zwar zu, dass bei der Gewährung</span><br/> <span class="ft6">einer vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege die durch die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">609</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Straftat bedingten finanziellen Aufwendungen für die Prozessführung</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich ausgeglichen werden und das Opfer insofern -</span><br/> <span class="ft6">zumindest vorübergehend - vor finanziellem Schaden geschützt wird.</span><br/> <span class="ft6">Aus welchen Gründen dieser Schutz allerdings bei Opfern, welche</span><br/> <span class="ft6">zusätzlich die Voraussetzungen zur Gewährung der weiteren Hilfe</span><br/> <span class="ft6">erfüllen, nicht definitiv (d.h. unabhängig von der zukünftigen Ent-</span><br/> <span class="ft6">wicklung der finanziellen Verhältnisse des Opfers) gelten soll, ist</span><br/> <span class="ft6">nicht ersichtlich. Im Gegensatz zu den vorgenannten Fällen ist näm-</span><br/> <span class="ft6">lich zum einen für Opfer, welche einzig die Bedingungen für die</span><br/> <span class="ft6">weitere Hilfe nach Opferhilfegesetz erfüllen, von vornherein klarer-</span><br/> <span class="ft6">weise keine opferhilferechtliche Nachzahlungspflicht vorgesehen.</span><br/> <span class="ft6">Des Weitern besteht im aargauischen Prozessrecht auch keine beson-</span><br/> <span class="ft6">dere Regelung, dass im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege -</span><br/> <span class="ft6">gerade auch zwecks Vermeidung einer Schlechterstellung einer be-</span><br/> <span class="ft6">stimmten Opfergruppe - auf eine entsprechende Nachzahlung dann</span><br/> <span class="ft6">verzichtet werden kann, wenn die betreffenden Opfer aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht in den Genuss</span><br/> <span class="ft6">von Opferhilfe gekommen sind (vgl. BGE 125 II 237). Opfer haben</span><br/> <span class="ft6">zudem keine Wahl, ob sie von dem ihnen zustehenden Anspruch auf</span><br/> <span class="ft6">unentgeltliche Rechtspflege Gebrauch machen wollen; sie sind zur</span><br/> <span class="ft6">Einreichung eines entsprechenden Gesuchs verpflichtet und können</span><br/> <span class="ft6">der Nachzahlungspflicht im Rahmen der unentgeltlichen Rechts-</span><br/> <span class="ft6">pflege nicht entgehen. Abgesehen hievon lässt sich aus den Materia-</span><br/> <span class="ft6">lien zum Opferhilfegesetz auch kein bewusster gesetzgeberischer</span><br/> <span class="ft6">Wille für eine derartige einseitige Benachteiligung einer Opfergruppe</span><br/> <span class="ft6">herauslesen. Vielmehr muss diese durch die Vorinstanz aus dem Sub-</span><br/> <span class="ft6">sidiaritätsprinzip abgeleitete Konsequenz einer allfälligen späteren</span><br/> <span class="ft6">Nachzahlungspflicht im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege</span><br/> <span class="ft6">als planwidrige Unvollkommenheit im Verhältnis zwischen dem</span><br/> <span class="ft6">Opferhilferecht und dem kantonalen Prozessrecht eingestuft werden,</span><br/> <span class="ft6">die zu beheben ist, ohne dass gleichzeitig das ansonsten nicht zu</span><br/> <span class="ft6">beanstandende Subsidiaritätsprinzip angetastet werden müsste. Dies</span><br/> <span class="ft6">hat insbesondere zu gelten, da es sich beim Anspruch auf Opferhilfe</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">610</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">um einen bundesrechtlichen Anspruch handelt, welcher durch das</span><br/> <span class="ft6">kantonale Recht bzw. dessen Handhabe nicht verletzt werden darf.</span><br/> <span class="ft6">Der Entscheid des Bundesgesetzgebers gegen die Statuierung einer</span><br/> <span class="ft6">opferhilferechtlichen Nachzahlungspflicht muss von den rechtsan-</span><br/> <span class="ft6">wendenden Behörden respektiert werden. Es ist den betreffenden</span><br/> <span class="ft6">Behörden verwehrt, Opfer auf dem Wege der Rechtsprechung dem</span><br/> <span class="ft6">Risiko einer definitiven finanziellen Belastung auszusetzen; eine</span><br/> <span class="ft6">andere Lösung müsste bei Bedarf vielmehr auf der gesetzgeberischen</span><br/> <span class="ft6">Ebene angestrebt werden. Im Zusammenhang mit den kantonalen</span><br/> <span class="ft6">Bestimmungen betreffend die Gewährung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft6">Rechtspflege an eine Zivilpartei im Strafverfahren oder Zivilverfah-</span><br/> <span class="ft6">ren ist nach dem Gesagten eine opferhilferechtskonforme Rechtsan-</span><br/> <span class="ft6">wendung zu verfolgen, die einem grundsätzlich anerkannten An-</span><br/> <span class="ft6">spruch des Opfers auf Übernahme der Anwaltskosten gemäss Art. 3</span><br/> <span class="ft6">Abs. 4 OHG nicht widerspricht und sich gleichzeitig mit dem im</span><br/> <span class="ft6">Opferhilferecht geltenden Subsidiaritätsprinzip vereinbaren lässt.</span><br/> <span class="ft6">dd) Eine solche im vorgenannten Sinne sowohl die Grundsätze</span><br/> <span class="ft6">des Opferhilfsrechts als auch der Rechtsgleichheit berücksichtigende</span><br/> <span class="ft6">Praxis ist darin zu sehen, dass einem Opfer, welches - wie die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin - unbestrittenermassen die Voraussetzungen der</span><br/> <span class="ft6">weiteren Hilfe gemäss Art. 3 Abs. 4 OHG erfüllt und hinsichtlich</span><br/> <span class="ft6">welchem die Entstehung einer Nachzahlungspflicht im Sinne von</span><br/> <span class="ft6">§ 133 Abs. 1 ZPO aus heutiger Sicht zumindest nicht vollständig</span><br/> <span class="ft6">ausgeschlossen werden kann, bei der Gewährung der (vollum-</span><br/> <span class="ft6">fänglichen) unentgeltlichen Rechtspflege zwar keine unmittelbar</span><br/> <span class="ft6">wirksame, aber immerhin eine entsprechende, suspensivbedingte</span><br/> <span class="ft6">Kostengutsprache nach Opferhilfegesetz erteilt wird. Auf diese</span><br/> <span class="ft6">Weise wird zum einen dem Subsidiaritätsprinzip insofern vollends</span><br/> <span class="ft6">Rechnung getragen, als die Opferhilfe für die ganze Zeitdauer und</span><br/> <span class="ft6">im Umfang des Bestandes der unentgeltlichen Rechtspflege dahinter</span><br/> <span class="ft6">zurücksteht und erst im Moment und im Umfang des diesbe-</span><br/> <span class="ft6">züglichen Untergangs im Sinne einer eigentlichen Ausfallgarantie</span><br/> <span class="ft6">auflebt. Andererseits kann dadurch auch verhindert werden, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">611</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">gewisse Opfer infolge einer Straftat plötzlich in sachlich nicht zu</span><br/> <span class="ft6">begründender Weise kostenpflichtig werden, obwohl sich deren</span><br/> <span class="ft6">(finanzielle) Situation im betreffenden Zeitpunkt unter Umständen</span><br/> <span class="ft6">durchaus mit derjenigen jener Opfer vergleichen lässt, die von</span><br/> <span class="ft6">Anfang an in den Genuss einer Kostengutsprache nach</span><br/> <span class="ft6">Opferhilferecht gelangt sind.</span><br/> <span class="ft6">ee) Nach den vorangegangenen Ausführungen ist der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin vorliegend - suspensivbedingt - für jenen Fall eine</span><br/> <span class="ft6">Kostengutsprache für die anwaltliche Vertretung und Verbeiständung</span><br/> <span class="ft6">im erstinstanzlichen Strafverfahren zu erteilen, in welchem die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin gemäss § 60 Abs. 2 StPO i.V.m. § 133 Abs. 1 ZPO</span><br/> <span class="ft6">nachzahlungspflichtig werden sollte. Im Gegensatz hiezu kann der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin hinsichtlich jener anwaltlichen Bemühungen,</span><br/> <span class="ft6">die durch die gewährte unentgeltliche Rechtspflege nicht abgedeckt</span><br/> <span class="ft6">sind, eine Kostengutsprache ohne die erwähnte Suspensivbedingung</span><br/> <span class="ft6">gewährt werden. So ergibt es sich zum einen aus den Akten, dass die</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführerin bereits in ihrem ersten Opferhilfegesuch vom</span><br/> <span class="ft6">4. Juni 1998 sowohl für das Strafverfahren bis und mit erster Instanz</span><br/> <span class="ft6">als auch für das Strafermittlungs- und Untersuchungsverfahren</span><br/> <span class="ft6">weitere Hilfe beantragt hat. Entgegen der Meinung der Vorinstanz ist</span><br/> <span class="ft6">es deshalb auch nicht erforderlich, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">diesbezüglich ein neuerliches Gesuch einreicht. Im Weiteren stellen,</span><br/> <span class="ft6">wie bereits unter Ziffer 1 dargelegt, Bemühungen von Anwältinnen</span><br/> <span class="ft6">und Anwälten im strafrechtlichen Ermittlungs- bzw. Untersuchungs-</span><br/> <span class="ft6">verfahren gemäss der geltenden Praxis des Kantons Aargau keine</span><br/> <span class="ft6">Aufwendungen dar, die im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege</span><br/> <span class="ft6">geltend gemacht werden können (vgl. RRB Nr. ...). Daraus lässt sich</span><br/> <span class="ft6">schliessen, dass sich in Bezug auf die entsprechenden Aufwendungen</span><br/> <span class="ft6">zumindest im Verhältnis zur unentgeltlichen Rechtspflege die Frage</span><br/> <span class="ft6">der Subsidiarität gar nicht stellt und damit einer diesbezüglichen</span><br/> <span class="ft6">opferhilferechtlichen Kostengutsprache nichts entgegensteht. Zur</span><br/> <span class="ft6">frankenmässigen Festlegung des auszuzahlenden Betrages ist es</span><br/> <span class="ft6">jedoch erforderlich, dass die Beschwerdeführerin der Vorinstanz</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">612</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">noch eine Aufstellung der durch die gewährte unentgeltliche Rechts-</span><br/> <span class="ft6">pflege nicht gedeckten Aufwendungen einreicht. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>