<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>49</b></span> <span class="ft4"><b>§ 42 Abs. 1 lit a VRPG</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Mangelndes Rechtsschutzinteresse zur Anfechtung einer Veranlagung, bei</b></span><br/> <span class="ft4"><b>der durch das KStA zu Lasten des Eigenkapitals eine Minusreserve für</b></span><br/> <span class="ft4"><b>ein wertloses Darlehen gebildet wird. Zur Aufrechnung der verdeckten</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Gewinnausschüttung kommt es erst bei der Abschreibung des Darlehens.</b></span><br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 26. Juni 2014 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">X. AG (WBE.2013.450).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Zunächst ist zu klären, ob auf die Beschwerde überhaupt einge-</span><br/> <span class="ft1">treten werden kann. Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde, sie sei für das Jahr 2005 mit einem steuerbaren Reinge-</span><br/> <span class="ft1">winn (Verlust) in Höhe von Fr. -130'066.00 und einem steuerbaren</span><br/> <span class="ft1">Kapital von Fr. 127'635.00 sowie für das Jahr 2006 mit einem steuer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">baren Reingewinn (Verlust) in Höhe von Fr. -42'548.00 und einem</span><br/> <span class="ft1">steuerbaren Kapital in Höhe von Fr. 137'436.00 zu veranlagen.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin wurde vom KStA für die Jahre 2005</span><br/> <span class="ft1">und 2006 jeweils mit einem Reingewinn von Fr. 0.00 veranlagt. Für</span><br/> <span class="ft1">das Jahr 2005 wurde sie mit einem steuerbaren Eigenkapital von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 98'412.00 und für das Jahr 2006 mit einem steuerbaren Eigen-</span><br/> <span class="ft1">kapital von Fr. 81'776.00 veranlagt. Die Beschwerdeführerin be-</span><br/> <span class="ft1">antragt somit hinsichtlich des Eigenkapitals eine Höherveranlagung</span><br/> <span class="ft1">und darüber hinaus eine Anerkennung des Verlustvortrages. Im</span><br/> <span class="ft1">Folgenden ist zunächst auf den Antrag auf Höherveranlagung einzu-</span><br/> <span class="ft1">gehen; anschliessend ist der Antrag auf Anerkennung eines Ver-</span><br/> <span class="ft1">lustvortrags zu behandeln.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">2.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Befugnis zur Beschwerdeerhebung setzt ein schutzwürdiges</span><br/> <span class="ft1">Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheids voraus (§ 42 Abs. 1 lit. a VRPG). Da die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">vorliegend eine Höherveranlagung beantragt, ist fraglich, ob sie ein</span><br/> <span class="ft1">solches schutzwürdiges Interesse hat. Ein solches ergibt sich klar,</span><br/> <span class="ft1">wenn eine tiefere Veranlagung angestrebt wird. Ein schutzwürdiges</span><br/> <span class="ft1">Interesse an einer Höherveranlagung besteht dagegen nur in Ausnah-</span><br/> <span class="ft1">mefällen. Schutzwürdig ist das eigene Interesse, wenn die Erhebung</span><br/> <span class="ft1">eines erfolgreichen Rechtsmittels dem Betroffenen einen praktischen</span><br/> <span class="ft1">Nutzen bringt, das heisst einen Nachteil abwendet, den der angefoch-</span><br/> <span class="ft1">tene Entscheid für ihn zur Folge hätte. Ein schutzwürdiges Interesse</span><br/> <span class="ft1">an einer Höherveranlagung besteht beispielsweise, wenn dies in einer</span><br/> <span class="ft1">folgenden Steuerperiode zu tieferen Steuern führt oder wenn die</span><br/> <span class="ft1">steuerpflichtige Person dadurch ein Nachsteuer- und Hinterziehungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren vermeiden kann (AVGE 2004 S. 271 = StE 2005 B 96.21</span><br/> <span class="ft1">Nr. 13; siehe auch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zü-</span><br/> <span class="ft1">rich vom 27. Juni 2012 [SB.2012.00019] Erw. 2.1). Das allgemeine</span><br/> <span class="ft1">Interesse an einer gesetzmässigen Besteuerung genügt dagegen als</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdiges Interesse nicht (ASA 43 [1974/75], 342 ff.).</span><br/> <span class="ft1">2.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Bildung der sogenannten Minus-Reserve durch das KStA</span><br/> <span class="ft1">ist Konsequenz dessen Auffassung, wonach die Darlehenserhöhung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">294</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">in den Jahren 2005 und 2006 simuliert ist, somit die entsprechenden</span><br/> <span class="ft1">Beträge als (verdeckt) an die Beteiligten ausgeschüttet zu betrachten</span><br/> <span class="ft1">sind und das Eigenkapital sich dementsprechend vermindert hat. Als</span><br/> <span class="ft1">Konsequenz dieser Auffassung wird das KStA die Vornahme von Ab-</span><br/> <span class="ft1">schreibungen, Rückstellungen oder anderer Belastungen der Erfolgs-</span><br/> <span class="ft1">rechnung zulasten der Aktivdarlehen in späteren Steuerperioden</span><br/> <span class="ft1">nicht als geschäftsmässig begründet anerkennen (Ebenso wird es</span><br/> <span class="ft1">,,Rückzahlungen" in späteren Steuerperioden im Umfang der Minus-</span><br/> <span class="ft1">reserve steuerlich als Kapitaleinlagen betrachten). Für die Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gung der Gewinnsteuern 2005 und 2006 spielt die umstrittene Bil-</span><br/> <span class="ft1">dung einer Minusreserve indessen keine Rolle. Erst wenn die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin Abschreibungen, Rückstellungen oder andere</span><br/> <span class="ft1">Wertberichtigungen auf dem vom KStA als simuliert betrachteten</span><br/> <span class="ft1">Darlehen (bzw. auf den Erhöhungen in den Jahren 2005 und 2006)</span><br/> <span class="ft1">vornimmt und das KStA diese als nicht geschäftsmässig begründet</span><br/> <span class="ft1">anerkennt, kommt es zu Aufrechnungen und kann die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin die entsprechenden Veranlagungen anfechten (vgl. im</span><br/> <span class="ft1">Ergebnis ebenso Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich</span><br/> <span class="ft1">vom 27. Juni 2012 [SB.2012.00019] Erw. 2.2). Insbesondere wäre es</span><br/> <span class="ft1">für das KStA dannzumal auch nicht möglich, unter Hinweis auf die</span><br/> <span class="ft1">Berücksichtigung der Minusreserve bei der Berechnung des steuer-</span><br/> <span class="ft1">baren Kapitals bei der Kantons- und Gemeindesteuer der Steuer-</span><br/> <span class="ft1">perioden 2005 und 2006 eine Beurteilung der Aufrechnung unter</span><br/> <span class="ft1">Hinweis darauf, damit sei über diese Problematik schon in einer</span><br/> <span class="ft1">früheren Steuerperiode rechtskräftig entschieden worden, zu verwei-</span><br/> <span class="ft1">gern. Deshalb erweist sich auch der vom Spezialverwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">angeführte Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 7. Februar 2007</span><br/> <span class="ft1">(WBE.2006.122) als unzutreffend, indem er ohne weiteres davon</span><br/> <span class="ft1">ausgeht, dass im Hinblick auf eine später notwendig werdende</span><br/> <span class="ft1">Auflösung der Minusreserve (praktisch: Verrechnung des sich als</span><br/> <span class="ft1">Verlust niederschlagenden Abschreibungsaufwands mit der Minusre-</span><br/> <span class="ft1">serve, d.h. Verbuchung einer "echten" Eigenkapitalreduktion) ein</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdiges Anfechtungsinteresse bestehe (vgl. Urteil des</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichts vom 7. Februar 2007 [WBE.2006.122] i.V.m.</span><br/> <span class="ft1">Urteil</span> <span class="ft1">des</span> <span class="ft1">Steuerrekursgerichts</span> <span class="ft1">vom</span> <span class="ft1">19. Januar</span> <span class="ft1">2006</span><br/> <span class="ft1">[3-RV.2005.50131] Erw. 3). An dieser im angeführten Entscheid</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">295</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ohne nähere Begründung geäusserten Auffassung kann nicht</span><br/> <span class="ft1">festgehalten werden. Schliesslich liegt auch kein schutzwürdiges</span><br/> <span class="ft1">Interesse im Umstand, dass den beteiligten Darlehensempfängern die</span><br/> <span class="ft1">Aufrechnung der verdeckten Gewinnausschüttungen droht, können</span><br/> <span class="ft1">sie sich doch in den sie betreffenden Verfahren dagegen wehren.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz hat im Zusammenhang mit dem für die Rekurs-</span><br/> <span class="ft1">bzw. Beschwerdeführung erforderlichen aktuellen schutzwürdigen</span><br/> <span class="ft1">Interesse zwar zutreffend ausgeführt, dass bei einer Veranlagung nur</span><br/> <span class="ft1">das Dispositiv in Rechtskraft erwächst, während die dem Entscheid</span><br/> <span class="ft1">zugrunde liegende Begründung nicht an der Rechtskraft teilnimmt.</span><br/> <span class="ft1">Sie hat indessen verkannt, dass, da in der fraglichen Steuerperiode</span><br/> <span class="ft1">noch keine Abschreibungen auf dem simulierten Darlehen vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommen wurden und nur das Dispositiv des Entscheids in Rechts-</span><br/> <span class="ft1">kraft erwächst, die Beschwerdeführerin auch erst dann ein aktuelles</span><br/> <span class="ft1">Interesse an der rechtlichen Qualifikation des Darlehens hat, wenn</span><br/> <span class="ft1">sie Abschreibungen darauf vornimmt und diese von der Steuer-</span><br/> <span class="ft1">behörde nicht zugelassen werden. Nur dann führt die Qualifikation</span><br/> <span class="ft1">des Darlehens auch zu einer Erhöhung der Steuerfaktoren und die</span><br/> <span class="ft1">Steuerveranlagung kann entsprechend angefochten werden (vgl.</span><br/> <span class="ft1">wiederum Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich</span><br/> <span class="ft1">vom 27. Juni 2012 [SB.2012.00019], Erw. 2.2). In den beiden hier zu</span><br/> <span class="ft1">beurteilenden Steuerperioden ist dies aber noch nicht der Fall und die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin hat daher vorliegend noch kein aktuelles Inte-</span><br/> <span class="ft1">resse an der Anfechtung der Veranlagung.</span><br/> <span class="ft1">Es steht somit fest, dass die Beschwerdeführerin kein schutz-</span><br/> <span class="ft1">würdiges aktuelles Interesse an der Erhöhung ihrer Steuerfaktoren</span><br/> <span class="ft1">hat und daher auf ihre Beschwerde nicht eingetreten werden kann,</span><br/> <span class="ft1">soweit sie eine Korrektur des steuerbaren Eigenkapitals verlangt.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgericht verneint in ständiger Praxis ein Feststel-</span><br/> <span class="ft1">lungsinteresse hinsichtlich der Festlegung des Verlustvortrags, so-</span><br/> <span class="ft1">lange der in Frage stehende Verlust nicht in einer Steuerperiode zur</span><br/> <span class="ft1">Verrechnung gebracht wird, d.h. sich die Höhe des Verlustvortrags</span><br/> <span class="ft1">nicht unmittelbar auf die umstrittene Veranlagung auswirkt (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Urteil des Bundesgerichts vom 23. Juni 2008 [2C_761/2007], Erw. 1,</span><br/> <span class="ft1">m.w.H.). Dieser Praxis folgt auch die Rechtsprechung des Verwal-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">296</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tungsgerichts (AGVE 2009, S. 123 ff.). Auf die Beschwerde kann</span><br/> <span class="ft1">daher auch nicht eingetreten werden, soweit die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">die Anerkennung eines Verlustvortrages für das Jahr 2005 in Höhe</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 130'066.00 und die Anerkennung eines Verlustvortrages für</span><br/> <span class="ft1">das Jahr 2006 in Höhe von Fr. 42'548.00 beantragt.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist kein schutzwürdiges Interesse der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin an der Erhöhung der Steuerfaktoren ersichtlich und</span><br/> <span class="ft1">es besteht praxisgemäss kein Feststellungsinteresse bezüglich der</span><br/> <span class="ft1">Festlegung des Verlustvortrages. Auf die Beschwerde kann daher ge-</span><br/> <span class="ft1">samthaft gesehen nicht eingetreten werden. Da schon die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">auf den Rekurs nicht hätte eintreten dürfen, rechtfertigt es sich, das</span><br/> <span class="ft1">Dispositiv des angefochtenen Entscheids entsprechend zu korrigie-</span><br/> <span class="ft1">ren.</span><br/></div> </div> </body> </html>