B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2931/2013 U r t e i l v o m 1 2 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______ und deren Kinder B._______, C._______, Kolumbien, alle vertreten durch Advokat Guido Ehrler, Beschwerdeführende, Gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 22. April 2013 / N (…). E-2931/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 5. März 2012 an die Schweizerische Botschaft in Bogotá – ergänzt durch Eingaben vom 22. März 2012 und 29. Mai 2012 − für sich, ihren Lebenspartner D._______ sowie ihre Kinder ein Asylgesuch ein. B. Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte sie im Wesentlichen vor, ihr Lebenspartner habe sich für die Anliegen der indigenen Bevölkerung in Kolumbien eingesetzt und sei als Mitglied der politischen Kommission für indigene Angelegenheiten im (…) sowie als (…) für die indigene Gemein- schaft tätig gewesen. Aufgrund dieser Aktivitäten seien sie von paramilitä- rischen Gruppen verfolgt worden. D._______ habe im Jahre (…) bei ei- nem auf ihn verübten Attentat Schussverletzungen erlitten und im Jahre (…) sei auch auf s ie und die Kinder geschossen worden. Zudem hätten sie Drohschreiben und -anrufe erhalten , und ihr Anwesen sei zerstört worden. Aufgrund dieser Vorfälle habe Amnesty International sie in ein Schutzprogramm aufgenommen, und es sei ihnen damit ermöglicht wo r- den, am (…) 2010 für einen einjährigen Aufenthalt nach Spanien zu rei- sen. Nach einem Jahr sei sie (die Beschwerdeführerin) mit den Kindern nach Kolumbien zurückgekehrt, während ihr Lebenspartner in Spanien geblieben sei. Nach der Rückkehr sei sie erneut dur ch die Paramilitärs bedroht worden. Weil ihr ein Mitglied der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia ( FARC) Schutz angeboten habe, werde sie der Kollaboration mit den Guerilla beschuldigt. Seit dem (…) Februar 2013 halte sie sich in Bogotá auf. Am (…) Februar 2013 habe ein Unb e- kannter ihr Haus aufgesucht. Dieser habe eine Todesliste mitgeführt, auf welcher ihr Name verzeichnet gewesen sei. Am (…) Februar 2013 sei ihr (…) und am (…) Februar 2013 seien zwei weitere Indigene von Unb e- kannten ermordet worden. Zum Beleg ihrer Identität und Vorbringen reichten die Beschwerdeführe n- den zahlreiche Dokumente zu den Akten ( Identitätskarten und G eburts- registerauszüge in Kopie, notariell beglaubigte Erklärung betreffend die Konkubinatsbeziehung zwischen der Beschwerdeführerin und D._______, schriftliche Erklärungen und Bestätigungsschreiben mehrerer kolumbianischer Behörden und Institutionen, Dokumente der Staatsa n- waltschaft betr effend eine von D._______ [wegen des auf ihn verübten Anschlages] eingereichte Strafanzeige, medizinische Unterlagen betre f-E-2931/2013 Seite 3 fend die von D._______ erlittenen Verletzungen, zwei Schreiben der B e- schwerdeführerin an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Schreiben der spanischen Sektion von Amnesty International an die Beschwerdeführerin vom 14. Juli 2010). C. Mit Begleitschreiben vom 3. April 2012 übermittelte die Schweizerische Botschaft in Bogotá die eingereichten Akten an das BFM, wobei sie au s- führte, eine Befragung der Beschwerdeführenden sei aus Kapazitätsgrün- den nicht möglich. D. Auf ein von D._______ am 29. Oktober 2012 im Empfangs- und Verfah- renszentrum Basel gestelltes Asylgesuch trat das BFM mit Verfügung vom 11. Februar 2013 gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ein und ordnete die Wegwei- sung nach Spanien an. Eine gegen diese Verfügung eingereichte B e- schwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-906/2013 vom 6. März 2013 abgewiesen. Am 21. März 2013 reiste D._______ kon- trolliert nach Spanien aus. E. Mit Eingabe vom 12. März 2013 zeigte der Rechtsvertreter der B e- schwerdeführenden unter Beilage einer Vollmacht die Übernahme des Vertretungsmandats an. F. Mit Schreiben vom 22. März 2013 teilte das BFM den Beschwerdefü h- renden mit, es erachte den entscheidwesentlichen Sachverhalt aufgrund der schriftlichen Begründung des Asylgesuches und der ausführlichen Dokumentation als erstellt. Eine Anhörung durch die Botschaft sei de s- halb nicht n otwendig. Unter Berücksichtigung der Akten, der zu beac h- tenden Faktoren und des ihm zustehenden weiten Ermessensspielraums erwäge es, die Asylgesuche abzulehnen und die Einreise in die Schweiz zu verweigern. Insbesondere erachte es vorliegend die Möglichke it einer anderweitigen Schutzsuche als gegeben. Gleichzeitig räumte das Bu n- desamt den Beschwerdeführenden die Gelegenheit ein, sich hierzu innert Frist zu äussern, ansonsten aufgrund der bestehenden Aktenlage en t- schieden werde. E-2931/2013 Seite 4 G. Mit fristgerechter Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 4. April 2013 reic h- ten die Beschwerdeführenden eine Stellungnahme mit zahlreichen B e- weismitteln ein (Begleitschreiben der Beschwerdeführerin, E-Mail von D._______ vom 3. April 2013, Bestätigungsschreiben mehrerer Organisa- tionen aus den Jahren 2012 und 2013, Unterstützungsschreiben von Ei n- zelpersonen für die Familie der Beschwerdeführenden aus dem Jahre 2009, Schreiben von Amnesty International an D._______ mit Reisepro- gramm aus dem Jahre 2010, gemeinsames Bittschreiben mehrerer O r- ganisationen an die Vorsteherin des EJPD vom 3. April 2013, Zeitungsa r- tikel). Sie beantragten, es sei ihnen umgehend die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und Asyl zu gewähren. H. Mit Verfügung vom 22. April 2013 – eröffnet am 23. April 2013 − verwei- gerte das Bundesamt die Einreise der Beschwerdeführenden in die Schweiz und lehnte die Asylgesuche ab. I. Mit Eingabe ihre s Rechtsvertreters an das Bundesverwaltungsgericht vom 23. Mai 2013 beantragten die Beschwerdeführenden, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, ihnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und Asyl zu gewähren. In verfahrensrechtli cher Hinsicht beantragten sie, das BFM sei anzuweisen, ihnen im Sinne einer vorsorglichen Massna h- me die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und es sei ihnen die unent- geltliche Prozessführung und Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zu gewähren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sac hgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e-E-2931/2013 Seite 5 rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Das Urteil ergeht gestützt auf die Übergangsbestimmung zur Änd e- rung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (in Kraft getreten am 29. September 2012), wonach für Asylgesuche, die – wie vorliegend – im Ausland vor dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die (per 29. September 2012 aufgehobenen) alt Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, Art. 52 und 68 in der bisherigen Fassung des Asylgesetzes gelten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des recht serheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss alt Art. 19 AsylG kann ein Asylgesuch im Auslan d bei einer Schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (alt Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnun g 1 vom 11. August 1999 über Verfa h- rensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die E-2931/2013 Seite 6 asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuha l- ten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung kann sich erübrigen, wenn der Sach verhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs en t- scheidreif erstellt ist; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls das rechtliche Gehör zum absehbaren negativen Entscheid zu gewähren (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7 f.). 4.2 Vorliegend wurde die Beschwerd eführerin aus Kapazitätsgründen nicht zu ihren Asylgründen befragt. Das BFM teilte ih r vor diesem Hinter- grund in seiner Zwischenverfügung vom 22. März 2013 mit, der en t- scheidwesentliche Sachverhalt werde als erstellt erachtet, und es erw ä- ge, die Asylgesuche abzulehnen sowie die Einreisebewilligung zu verwei- gern. Gleichzeitig gab es de r Beschwerdeführerin Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme hierzu, wovon sie innert Frist Gebrauch machte. Unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage hat die Vori n- stanz mit diesem Vorgehen den massgeblichen verfahrensrechtlichen An- forderungen Genüge getan und den erheblichen Sachverhalt hinreichend abgeklärt (vgl. dazu BVGE 2007/30, insbes. E. 5.6 und 5.7). 5. 5.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und alt Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss alt Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einem Asylsuchend en die Einreise zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit zur ander - weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/10 E. 3.3 m.w.H.). 5.3 Das Bundesamt führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, es müsse zwar aufgrund der glaubhaften Vorbringen der Beschwe r- deführerin davon ausgegangen werden, dass sie und ihr Lebenspartner E-2931/2013 Seite 7 in Kolumbien einer Gefährdung ausgesetzt seien. Andererseits habe die Beschwerdeführerin keine über die Zusammenarbeit ihres Lebenspar t- ners mit diversen schweizerischen Organisationen hinausgehende n Be- ziehungen mit der Schweiz vorgebracht , und ihr Lebenspartner habe die Schweiz seither verlassen. Die meisten südamerikanischen Staaten, n a- mentlich die Nachbarstaaten Kolumbiens Brasilien, Ecuador, Peru, P a- nama und Venezuela, hätten die Flüchtlingskonvention ratifiziert und wür- den sich an die damit verbundenen Verpflichtungen , insbesondere das Gebot des Non -Refoulement, halten. Auch in anderen Län dern im sü d- amerikanischen Raum seien die Voraussetzungen für eine dauerhafte I n- tegration gegeben. Diese Staaten würden auch aus geographischen, sprachlichen und kulturellen Gründen als offensichtlich näher liegend e r- scheinen. Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nati- onen (UNHCR) sei in diesen Ländern vor Ort und gewährleiste eine wir t- schaftliche Unterstützung von Asylsuchenden. Aus diesen Gründen sei es der Beschwerdeführerin und den Kindern zuzumuten, in einem anderen Staat als der Schweiz um Schutz nachzusuchen. Namentlich sei es ihrem Lebenspartner zumutbar, in Spanien ein Asylgesuch einzureichen , und sie und ihre Kinder könnten sich bis zum Abschluss dieses Asylverfa h- rens gefahrlos in einem anderen südamerikanischen Staat aufhalten. 5.4 Die Beschwerdeführerin wies zur Begründung ihrer Beschwerde da r- auf hin, sie sei bei der Einreichung ihres Asylgesuchs auf der Schweizeri- schen Botschaft in Bogotá durch das IKRK unterstützt worden. Zudem habe ihr Lebenspartner durch die Teilnahme an mehreren Ve ranstaltun- gen in der Schweiz enge Beziehungen zu diversen Organisationen und Einzelpersonen in der Schweiz aufgebaut, welche ihn unterstützen wü r- den. Dies würde eine rasche Integration in der Schweiz sicherstellen. Demnach bestehe eine hinreichend enge Bez iehung zur Schweiz. Im Weiteren seien sie und ihr Lebenspartner aufgrund ihres hohen Bekann t- heitsgrades auch in den Nachbarstaaten Kolumbiens nicht sicher, we s- halb eine dortige Schutzsuche nicht zumutbar sei. Das Bundesverwal- tungsgericht habe in einem früheren Entscheid (D-8256/2007) die Zumut- barkeit der Schutzsuche in Venezuela wegen der prekären Situation vi e- ler dort lebender Kolumbianer und der Gefahr unkontrollierter Rück - schiebungen verneint. In Ecuador seien kolumbianische Flüchtlinge von Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Marginalisierung betroffen. Frauen seien besonders gefährdet. In Peru leide ebenfalls ein grosser Teil der Bevölkerung unter Armut. In Brasilien bestehe für sie ein sprachliches Hindernis und C hile sei wegen systematischer Aus weisung peruanischer Flüchtlinge angeklagt worden. Zudem verfüge sie in keinem dieser Lä n-E-2931/2013 Seite 8 der über Verwandte, auf deren Unterstützung sie zählen könnte, weshalb sie dort als alleinstehende Mutter mit zwei Kindern nicht überleben kön n- te. Eine Schutzsuche in Spanien komme auch nicht in Frage , denn es würde ihr kein Schengen-Visum ausgestellt, solange ihr Lebenspartner nicht über eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung verfüge. Erst im Falle einer Gutheissung seines dort gestellte n Asylgesuchs könnte er eine F a- milienzusammenführung beantragen, deren Bewilligung aber keineswegs sicher sei, da sie nicht verheiratet seien , sondern nur in einer eheähnl i- chen Gemeinschaft zusammen gelebt hätten. Sie und ihre Kinder seien aber aufgrund ihrer akuten Gefährdung auf sofortigen Schutz angewie- sen. 6. 6.1 Angesichts der Tatsache, dass sich die Beschwerdeführenden nach wie vor im Ausland befinden, sind die Gesuche um Asyl beziehungsweise Einreise in die Schweiz im Licht von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG zu prüfen. Nach dieser Norm kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch abgelehnt werden, wenn de n asylsuchenden Person en zugemutet werden kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Dabei ist in einer Gesamtschau zu prüfen, ob es aufgrund der gesamten Umstände gebo- ten scheint, dass gerade die Schweiz die den angesichts der bestehe n- den Gefährdung erforderlichen Schutz gewähren soll (vgl. Entscheidun- gen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskom- mission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2 f.). 6.2 Aufgrund der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht in Übe r- einstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Beschwerdeführe- rin und ihre Kinder über keine besonder s enge n Beziehungen zur Schweiz verfüg en. Bei den vorgebrachten Beziehungen zur Schweiz handelt es sich im Wesentlichen um Kontakte zu Organisationen und Ein- zelpersonen, welche der Lebenspartner respektive Vater D._______ durch seine Aktivitäten und mehrere Aufenthalte in der Schweiz geknüpft habe. Ein Beziehungsnetz der Beschwerdeführerin sowie der Kinder wur- de jedoch nicht dargetan. Daraus, dass die Beschwerdeführerin bei der Einreichung des Asylgesuchs für sich und ihre Familie durch eine IKRK - Mitarbeiterin in Kolumbien unterstützt wurde und sich mehrere Organisa- tionen und Einzelpersonen aus der Schweiz zur U nterstützung ihres Schutzersuchens mit Schreiben an die kolumbianischen und schweizer i- schen Behörden gewendet haben, lässt sich jedenfalls noch nicht auf en- ge Kontakte schliessen. Insbesondere liegen keine Anhaltspunkte für eine persönliche Beziehung der B eschwerdeführerin zu den Verfassern der E-2931/2013 Seite 9 eingereichten Unterstützungsschreiben oder anderen in der Schweiz l e- benden Personen vor. Eine enge persönliche Beziehung weisen die Beschwerdeführenden hi n- gegen zu Spanien auf, wo sich ihr Partner / Vater aufhält und wo sie ab Sommer 2010 ein Jahr lang gelebt haben. Nach dem Gesagten liegt in casu keine enge Beziehung der Beschwe r- deführerin und ihrer Kinder zur Schweiz vor, welche die Beziehung zu anderen Ländern klar überwiegen würde. 6.3 Es mag zutreffen, dass Vorausset zung für die Ausstellung eines V i- sums zwecks Familienzusammenführung grundsätzlich die Anerkennung des Lebenspartners / Vaters als Flüchtling in Spanien wäre. Dies schliesst aber nicht aus, dass sie auf anderem Weg ein Schengen-Visum für die Einreise in Sp anien beschaffen können, wie dies – mit Hilfe verschied e- ner Organisationen – offensichtlich bereits im Jahr 2010 möglich war. 6.4 Ferner hat das BFM zu Recht auf die Tatsache verwiesen, dass me h- rere Nachbarstaaten von Kolumbien, nämlich Brasilien, Ecuador, Panama und Per u, sowohl die FK als auch das entsprechende Zusatzprotokoll vom 31. Januar 1967 ratifi ziert haben und die visumsfreie Einreise e r- möglichen sowie über ein eigenes, gesetzlich geregeltes Verfahren zur Anerkennung von Flüchtlingen verfügen (vgl. dazu EMARK 2004 Nr. 20 E. 4a S. 131). Zwar leben die kolumbianischen Flüchtlinge in den Nac h- barstaaten Kolumbiens zum Teil in prekären Verhältnissen. Daraus kann aber nicht per se auf die Unzumutbarkeit einer Schutzsuche in diesen Ländern geschlossen werd en, zumal die Regierungen Ecuadors, Ven e- zuelas, Panamas und Perus mit dem UNHCR kooperieren, um den Schutz für Flüchtlinge und Asylsuchende zu gewährleisten (vgl. etwa US STATE DEPARTMENT, Human Rights Reports 2012). Im Weiteren hat die Beschwerdeführerin auch keine stichhaltigen Argumente gegen eine Schutzsuche in den weiteren von der Vorinstanz genannten südamerik a- nischen Ländern ( Argentinien, Uruguay, Bolivien) vorgebracht, zu we l- chen sie aus sprachlichen und kulturellen Gründen einen näheren Bezug als zur Schweiz haben dürfte. Auch ausserhalb von formellen Asylverfah- ren ist im süd- und zentralamerikanischen Raum nach Kenntnis des Bun- desverwaltungsgerichts die Möglichkeit zu einer Einreise weitgehend vo r- handen, und für Kolumbianerinnen und Kolumbianer sind die Chancen auf ein dauerhaftes Bleiberecht in verschiedenen Ländern intakt. Insoweit vermag die Beschwerdeführerin weder aus dem Einwand der mangel n-E-2931/2013 Seite 10 den finanziellen Mittel noch der schwierigen ökonomischen Situation als alleinstehende Frau mit zwei kleinen Kindern etwas zu ihren Gunsten a b- zuleiten. 6.5 Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass das BFM nach einer Einreise der Beschwerdeführenden in die Schweiz voraussichtlich umgehend Spanien um deren Übernahme g e- stützt auf die Normen des Dubliner -Abkommens ersuchen würde , nach- dem sie längere Zeit in diesem Staat gelebt haben und sich ihr Angehör i- ger dort aufhält. Eine Bewilligung der Einreise zwecks Prüfung der sofo r- tigen Wegweisung in den Dublin -Partnerstaat erschiene insoweit als we- nig sinnvoll (zum Ausschluss des Ausland-Asylverfahrens bei absehbarer Anordnung der Wegweisung wegen des Vorliegens von Asylausschlus s- gründen: vgl. BVGE 2011/10 und 2012/26). 6.6 Bei dieser Sachlage kann im Ergebnis die Frage, ob die Beschwer - deführerin und ihre Ki nder in Kolumbien tatsächlich einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wären beziehungsweise ob sie alle n- falls inner halb ihres Heimatlandes über eine valable innerstaatliche Fluchtalternative verfügen würden, offengelassen werden. 6.7 Zusammenfassend hat das BFM nach Auffassung des Gerichts zu Recht und mit zutreffender Begründung den Beschwerdeführenden die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und ihre Asylgesuche abge- lehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungsökon o- mischen Gründen respektive zufolge voraussichtlicher Uneinbringlichkeit der Kosten ist indes praxisgemäss von einer Kostenauflage abzusehen (vgl. Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird damit gegenstandslos. E-2931/2013 Seite 11 9. Ausschlaggebend für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbei - ständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG ist das Kriterium, ob die B e- schwerde führende Partei zur Wahrung ihrer Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f., BGE 12 2 I 49 E. 2c S. 51 ff., BGE 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche − wie das vorliegende − vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge Massstäbe an die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung anzusetzen (EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10). Im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren sind b esondere Rechtskenntnisse zur wirksamen Beschwerdeführung im Regelfall nicht erforderlich. Aus diesen Gründen wird die unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG praxisgemäss hier nur in den besonderen Fällen gewährt, in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher H insicht erhöhte Schwierigkeiten bestehen. Im vorliegenden Verfahren trifft dies nicht zu. Dem Antrag auf unentgeltli- che Rechtsverbeiständung nach Art. 65 Abs. 2 VwVG wird deshalb ma n- gels Notwendigkeit nicht stattgegeben. (Dispositiv nächste Seite) E-2931/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: