Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. August 2014 (725 13 94 / 212) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beurteilung der Unfallkausalität, Gerichtsgutachten massgebend Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Monica Armesto , Adv o- katin, indemnis, Spalenberg 20, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A.1 Die 1947 geborene A.____ war Geschäftsführerin der B.____ und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfol gend: SUVA) obligatorisch gegen die Fol- gen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 18. Juni 2010 wurde A.____ als Fuss- gängerin von einem Auto angefahren. Dabei zog sie s ich gemäss Bericht des Kantonsspitals X.____ vom 5. Juli 2010 eine komplexe Lisfranc Verl etzung mit Fraktur der Basis Metatarsale II Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und III rechts zu. Die SUVA erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Heilbehand- lung, Taggelder). A.2 Am 8. November 2012 diagnostizierte der behandelnd e Arzt Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe gungsapparates, eine traumatische mediale Meniskushinterhornläsion am rechten Knie und bea bsichtigte die Durchführung einer Arthroskopie mit medialer totaler mesorektaler Exzision (TME). Mit Verfügung vom 23. Novem- ber 2012 verneinte die SUVA ihre Leistungspflicht für die Kniebeschwerden rechts resp. die geplante Kniearthroskopie mit TMC mangels Kausalzusammen hangs. Daran hielt sie auch auf Einsprache der Versicherten hin mit Entscheid vom 15. Februar 2013 fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Monica Armesto, am 8. April 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicher ungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 15 . Februar 2013 sei die Beschwer- degegnerin unter Entschädigungsfolge zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Versicherungsleis- tungen für die Kniebeschwerden rechts, die erfolgte K niegelenksarthroskopie und die mediale TME auszurichten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantra gte sie die Durchführung einer öf- fentlichen Parteiverhandlung. Zur Begründung brachte si e im Wesentlichen vor, dass der Ein- spracheentscheid auf unzureichenden medizinischen Unterla gen beruhe. Aufgrund der Er- kenntnisse der am 3. Dezember 2012 durchgeführten Opera tion am rechten Knie sei erstellt, dass die Kniebeschwerden und die Meniskusoperation in e inem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 18. Juni 2010 stehen würden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Juni 2013 schloss die SUVA auf Abweisung der Be- schwerde. D. Im Rahmen der Verfahrensinstruktion gelangte die i nsturierende Präsidentin des Kan- tonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, zur Auff assung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich sei. In der Folge beauftragte sie Prof. Dr. med. D.__ __, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, mit der Begutachtung der Versicherten. Sein Gutach- ten erging am 29. November 2013. E. Mit Eingaben vom 16. Dezember 2013 und 31. Januar 2014 nahmen die Parteien zum Gutachten von Prof. D.____ vom 29. November 2013 sowie zu den Auswirkungen der medizini- schen Beurteilung auf den Leistungsanspruch Stellung. F. Zu dem von der SUVA zusammen mit ihrer Stellungnahm e vom 31. Januar 2014 ein- gereichten versicherungsmedizinischen Bericht von Dr. med. E.____, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 20. Jan uar 2014 nahm Prof. D.____ am 4. März 2014 Stellung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Am 10. April 2014 reichte die SUVA zum Bericht von Prof. D.____ am 4. März 2014 unter Beilage eines weiteren Berichts von Dr. E.____ vom 8. April 2014 eine neuerliche Stel- lungnahme ein. H. An der heutigen Parteiverhandlung nahmen die Beschw erdeführerin, Advokatin Armes- to sowie Advokat Andrea Tarnutzer-Münch als Vertreter d er SUVA teil. Die Parteien hielten an ihren Rechtsbegehren fest. Auf die während der Verhan dlung gemachten Vorbringen wird – soweit notwendig – in den nachfolgenden Erwägungen e ingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befand sich dieser in Y.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde ist einzutreten. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die SUVA für die Kniebeschwerden rechts resp. die Kniegelenksarthroskopie und die mediale TME leistungs- pflichtig ist. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in d er obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Per- son. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person A nspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist . Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund- heitszustandes der versicherten Person mehr erwartet wer den kann und allfällige Eingliede- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschloss en sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schade n ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3. 2). Ursachen im Sinne des natür- lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne dere n Vorhandensein der eingetrete- ne Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass e in Unfall die alleinige oder unmit- telbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt , dass das schädigende Ereignis zu- sammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder g eistige Integrität der versicherten Per- son beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Wort en nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinwei- sen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer ge sundheitlichen Störung ein natür- licher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, w orüber die rechtsanwendende Behör- de - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswür- digung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Bew eisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eine s Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5. Nachdem die instruierende Präsidentin des Kantonsge richts, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht, zur Auffassung gelangte, dass eine abschliessen de Einschätzung der Angelegen- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht heit gestützt auf die bei den Akten liegenden unterschiedlichen fachärztlichen Beurteilungen der Unfallkausalität der Kniebeschwerden rechts nicht möglic h sei, wurde am 26. Juli 2013 Prof. D.____ mit einem orthopädischen Fachgutachten bea uftragt. Am 29. November 2013 di- agnostizierte er in Bezug auf das rechte Knie ein derzei t beschwerdefreies, funktionell nicht einschränkendes Kniegelenk bei Status nach Radiär- und H orizontalriss des medialen Menis- kus, nach arthroskopischer medialer Teilmeniskektomie am 3. Dezember 2012 bei konstitutio- nell hypovalgischer Beinachse beidseits und aktuell beg innender medialer Gonarthrose rechts. Aus der Vorgeschichte und dem klinischen Befund sei von ein em stummen Vorzustand einer geringfügig erhöhten Beanspruchung der inneren Kniege lenkshälften in beiden Knien durch die konstitutionsbedingte Verminderungen des knöchernen Val guswinkels der Beinachsen beid- seits auszugehen. Eine vorbestehende stumme Meniskusläsion se i dabei aber lediglich mög- lich. Aus der Unfallschilderung und dem medizinischen Befu nd sei mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass beim Unfall eine massi v forcierte Beugung im Knie mit fixiertem Fuss unter gleichzeitiger Innenrotation erfolgt sei. Ein solcher Mechanismus sei geeig- net, eine Meniskusläsion hervorzurufen. Im MRI-Befund vom 30. November 2011 resp. im Ope- rationsbefund vom 3. Dezember 2012 werde sowohl ein h orizontaler Riss (was gemäss medizi- nischer Literatur eher für eine degenerative Genese spr eche) als auch ein Radiärriss, der bis zur Basis des Meniskus gehe (was gemäss medizinischer Literatur für eine traumatische Gene- se spreche), beschrieben. Da die medizinische Literatur keine eindeutige Evidenz für einen re- gelmässigen Zusammenhang von Rissform und Aetiologie der Läsion ergebe, sei aus der Riss- form die Zusammenhangswahrscheinlichkeit mit dem Unfall nicht zu klären. Aufgrund des Ope- rationsbefunds sei jedoch die Aussage möglich, dass der Operateur das Meniskusgewebe nicht als makroskopisch degenerativ beurteilt habe und im Gelen kinneren keine erheblichen sonsti- gen Veränderungen vorgefunden habe, die a priori eine degenerative mediale Meniskusrissent- stehung zu diesen Zeitpunkt als überwiegend wahrscheinlich erscheinen lassen würden. Dies entspreche auch dem MRI-Befund. Die Knieschmerzen seie n aber erst ab circa 10 Monaten nach dem Unfallereignis dokumentiert und es seien kein e Echtzeitdokumente über Knie- schmerzen oder Knieuntersuchungen vorhanden. Am Unfallt ag dürfte keine Untersuchung am rechten Kniegelenk erfolgt sein. Da erwiesen sei, dass M eniskusrisse keineswegs immer oder durchgehend subjektive Beschwerden verursachen würden, sei denkbar, dass der Schmerz am Unfalltag hinter die ungleich höhere Schmerzhaftigkeit der Quetschverletzung am Fuss und den Gesässschmerz getreten und nicht beachtet worden sei. Nach d em MRI-Befund vom 30. No- vember 2011 habe zudem ein nicht-dislozierter Riss im Meni skus vorgelegen. Es sei plausibel, dass dieser lange keine Beschwerden verursacht habe und e s erst durch die medial anheben- den Einlagen resp. die verstärkte mediale Be- und late ralen Entlastung im Kniegelenk zu Be- schwerden gekommen sei. Es stehe fest, dass die Kniebeschwerd en durch die Meniskusläsion und nicht durch eine sonstige Pathologie hervorgerufen worden seien. Dies werde ex post durch die Tatsache bestätigt, dass nach arthroskopischer R esektion des gerissenen Menis- kusanteils diese Beschwerden verschwunden und seither wegg eblieben seien. Die Beurteilung des Kreisarztes Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Ch irurgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, wonach aus versicherungsmedizinischer Sicht mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit kein Zusammenhang zwischen der degenerativen Meniskusläsion am rechen Knie und dem Unfallereignis vom 18. Juni 2010 hergest ellt werden könne, sei nicht überzeu- gend. Zunächst bezeichne Dr. F.____ die Meniskusläsion o hne weitere Begründung als dege- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nerativ, obwohl dieser Terminus weder im MRI-Befund n och von den behandelnden Chirurgen verwendet worden sei. Auch habe er in seiner Untersuchu ng vom 15. August 2011 keine Zei- chen einer Degeneration am rechten Kniegelenk festgeste llt. Weiter könne das Fehlen objekti- vierbarer Schäden nicht als erwiesen hingestellt werden , wenn gar keine Untersuchung erfolgt sei. Für die Beurteilung von Dr. F.____, wonach ein Ka usalzusammenhang zwischen den Knie- beschwerden und dem Ereignis vom 10. Juni 2010 ausgesc hlossen sei, gebe es weder eine klinische noch eine bildgebende Grundlage. Gestützt auf die Akten, die Angaben der Versicher- ten und die Untersuchungsbefunde sei in Abwägung verschiedener Szenarien und Wahrschein- lichkeiten davon auszugehen, dass die Versicherte ohne Vorzu stand mit seitengleichem alters- typischem Kniegelenkszustand am 18. Juni 2010 im Rahmen de r Verletzung der rechten unte- ren Extremität unter anderem auch eine mediale Meniskusl äsion bei dafür geeignetem Flexi- ons-Rotationsmechanismus zugezogen habe, die wegen der dra matischen Schmerzhaftigkeit und Behandlungsbedürftigkeit der gleichseitigen Fussverl etzung in der Akutphase übersehen worden sei. Die nicht dislozierte Meniskusläsion sei unbemerkt geblieben. Erst bei der Verände- rung der Statik im Knie durch Einlagenversorgung und später durch Aufbau der Beanspruchung auf normales Alltags-Belastungsniveau seien die Beschwerd en an der Innenseite des rechten Knies immer deutlicher geworden und hätten schliesslich zu einer MRI-Untersuchung am 30. November 2011 mit Dokumentation der Rissbildung geführ t. Demnach stelle das Unfallereignis vom 18. Juni 2010 überwiegend wahrscheinlich eine Ursache für die mittlerweile durchgeführte Meniskektomie am rechten Knie dar. 6.1 Nach der Praxis weicht das Gericht bei Gerichtsgutach ten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachpersonen ab, d eren Aufgabe es ist, ihre Fach- kenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt me- dizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlieg en, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegen- sätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Geri cht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexper tise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abw eichende Schlussfolgerungen zieht (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Solche Gründe sind hier nicht gegeben. Wie oben (vgl. E. 4.2 hiervor) ausgeführt, ist hinsichtlich d es Beweiswertes eines Arztberichtes ent- scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um fassend ist, auf allseitigen Untersuchun- gen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgege- ben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zus ammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Die Beurteilung von Prof. D._ ___ vom 29. November 2013 beruht auf einer eingehenden Untersuchung der Versicherten, sie setz t sich mit den bei den Akten liegen- den medizinischen Berichten auseinander und enthält nach sorgfältiger Würdigung der Vorge- schichte und des klinischen Befunds, des Unfallmechanismus, de s bei den Akten liegenden MRI vom 30. November 2011, des Operationsbefunds vom 3. Dezember 2012, des zeitlichen Verlaufs des Schmerzes und unter Einbezug früherer Ka usalitätseinschätzungen eine überzeu- gende Beurteilung zur umstrittenen Frage, ob das Unfa llereignis vom 18. Juni 2010 überwie- gend wahrscheinlich eine (Teil-)ursache für die mittler weile durchgeführte Meniskektomie mit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht TME am rechten Knie darstellt. Insgesamt ist die Beurtei lung im Gerichtsgutachten sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend und deshalb für die Beurteilung der umstrittenen Unfallkausa- lität der Kniebeschwerden rechts massgebend. 6.2 Daran vermögen die Vorbringen der Beschwerdegegne rin nichts zu ändern. Soweit sie unter Hinweis auf die Stellungnahmen von Dr. E.____ vom 20. Januar 2014 und 8. April 2014 die Beurteilung im Gerichtsgutachten als nicht stichhal tig erachtet, kann ihr nicht gefolgt wer- den. Zunächst ist festzustellen, dass Dr. E.____ auf die Beurteilung des Gerichtsgutachters Prof. D.____, wonach überwiegend wahrscheinlich sei, dass die am 18. Juni 2010 erfolgte massiv forcierte Beugung im Knie mit fixiertem Fuss unter gleichzeitiger Innenrotation geeignet gewesen sei, eine Meniskusläsion hervorzurufen, nicht weiter eingeht. Folglich ist von der un- widersprochenen Beurteilung des Sachverhalts durch Prof . D.____ auszugehen. Den Zweifeln des Versicherungsmediziners Dr. E.____, ob überhaupt ein Meniskusriss vorgelegen habe, hielt Prof. D.____ in seiner Stellungnahme vom 4. März 201 4 überzeugend entgegen, dass ein int- raoperativ visuell sichtbarer, zweifelsfreier und schrift lich beurkundeter Operationsbefund als höchstwertiger Beleg zu werten und es deshalb nicht ange zeigt sei, am Befund im Operations- bericht von Dr. C.____ vom 3. Dezember 2012 zu zweifeln. Seine auf die Erkenntnisse im Ope- rationsbericht stützende Beurteilung der Unfallkausalität erweist sich deshalb als stichhaltig und überzeugend. Weiter ist die Beurteilung des Gerichtsguta chters, wonach gut vorstellbar sei, dass die Knieproblematik zunächst wegen der Schmerzhaftig keit und Behandlungsbedürftigkeit der gleichseitigen Fussverletzung nicht erkannt und erst m it einer Veränderung der Statik im Knie die Beschwerden an der Innenseite des rechten Knies immer deutlicher geworden sei, einleuchtend begründet und aufgrund der sich aus den Ak ten ergebenden längeren Phase der Minderbelastung des rechten Beins nachvollziehbar. Insges amt benennt Dr. E.____ in seinen Berichten vom 20. Januar 2014 und 8. April 2014 keine A spekte, die im Rahmen der Begutach- tung durch Prof. D.____ unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Aus diesem Grund ver- mag seine Beurteilung die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu stellen. Allein der Umstand, dass Prof. D.____ die Beurteilung von Dr. E.____ einer kritischen Würdigung un- terzog und schliesslich zu einer abweichenden Beurteilun g der medizinischen Sachlage kam, reicht nicht aus, um die Zuverlässigkeit des gerichtlich en Gutachtens in Frage zu stellen. Nach dem Gesagten ist nach dem differenzierten und deshalb ma ssgebenden Gerichtsgutachten von Prof. D.____ davon auszugehen, dass der Unfall vom 18. J uni 2010 überwiegend wahrschein- lich eine Ursache für die Kniebeschwerden sowie für die damit verbundene Kniegelenkarthro- skopie und die mediale TME darstellt. Demnach kann in a ntizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf er gänzende medizinische Abklärungen verzichtet werden. 6.3 Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einsprachee ntscheid vom 15. Februar 2013 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichte n, der Beschwerdeführerin die gesetzli- chen Versicherungsleistungen für die Kniebeschwerden recht s resp. die durchgeführte Knie- arthroskopie und die TME auszurichten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung bei Prof. D.____ in Höhe von insgesamt Fr. 4‘274.25 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt (vgl. BGE 137 V 210, E. 4.4.2 und Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2013, 8C_984/2012). 7.2 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin ob siegende Partei ist, ist ihr eine Par- teientschädigung zu Lasten der SUVA zuzusprechen. Die R echtsvertreterin der Beschwerde- führerin hat in ihrer Honorarnote vom 17. März 2014 f ür das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 8,166 Stunden geltend gemacht, was sich um fangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Unter Hinzurechnung von 2,5 Stunden für die Parteiverhandlung resultiert ein Aufwand von insgesamt 10,666 Stunden. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnitt- liche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgew iesenen Auslagen von Fr. 79.30. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschäd igung in der Höhe von Fr. 2'965.65 (10,666 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 79.30 zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der SUVA zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 15. Februar 2013 aufgehoben und die Beschwerdegegner in verpflich- tet, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Versicherun gsleistungen für die Kniebeschwerden rechts auszurichten. 2. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 4‘274.25 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘965.65 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht