Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. September 2019 (725 19 40 / 223) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Integritätsentschädigung: keine zusätzliche Berücksichtigung von Schulterschmerzen durch die analoge Anwendung der Suva-Tabelle für Wirbelsäulenaffektionen Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Evelyne Frey Parteien A.____ , vertreten durch André Baur, Advokat, Greifengasse 1, Post- fach 1644, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Integritätsentschädigung A. Der 1967 geborene A.____ arbeitete seit dem 26. Mai 1998 bei der B.____ AG in C.____, als er am 21. Juli 1998 während der Arbeit e inen Unfall erlitt und beim Wechsel des Arbeitsortes in einem zweistöckigen Zugwaggon durch eine Öffnung in den ersten Stock stürzte. Dabei zog er sich Verletzungen an der rechten Schulter zu. Die Suva als zuständiger Unfallver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherer anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen des Unfalles und erbrachte die gesetzli- chen Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld). Nachdem der Versicherte im Jahr 2008 einen Rück- fall gemeldet hatte, sprach sie dem Versicherten gestützt auf eine kreisärztliche Beurteilung vom 21. September 2017 mit Verfügung vom 30. Oktober 20 17 für die verbleibenden unfallkausalen Beschwerden eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 10% zu. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 3. Januar 2019 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat An dré Baur, am 1. Februar 2019 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherun gsrecht (Kantonsgericht). Er bean- tragte, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine Integritätsentschädigung ent- sprechend einer Integritätseinbusse von 20% (entsprechend Fr. 19‘440.--, unter Anrechnung des bereits bezahlten Betrages von Fr. 9‘720.--) auszuricht en. Eventualiter sei zur Klärung der blei- benden somatischen Beeinträchtigungen ein gerichtliche s Gutachten aus dem Fachbereich Schmerzmedizin einzuholen, subeventualiter sei die Sache hierzu an die Vorinstanz zurückzu- weisen. Ferner beantragte er die Verzinsung der berei ts ausbezahlten sowie der ausstehenden Integritätsentschädigung mit 5%; alles unter o/e-Kosten folge. Zur Begründung führte er im We- sentlichen aus, dass die andauernden erheblichen Schmer zen in der rechten Schulter bei der Bemessung der Integritätsentschädigung zu berücksichtigen seien. Sollte das Ausmass der Schmerzsituation nicht beurteilt werden können, solle dies mittels eines Gerichtsgutachtens ge- klärt werden. Die Verzugszinspflicht von 5% bestehe sowohl in Bezug auf die Integritätsentschä- digung betreffend Schulterbeweglichkeit (ab 1. Januar 2003) als auch in Bezug auf die Integri- tätsentschädigung betreffend Schmerzsituation an der rechten Schulter (ab 7. August 2008). C. Die Suva schloss in ihrer Vernehmlassung vom 18. April 2019 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung verwies sie im Wesentlichen auf den angefochtenen Einspracheent- scheid und führte zusätzlich aus, dass Schmerzsituationen mit Ausnahme derjenigen betreffend Affektionen der Wirbelsäule bei der Integritätsentschädi gung nicht berücksichtigt würden. An- spruch auf Verzinsung bestehe ferner nicht, weil der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung erst mit Abschluss der medizinischen Behandlungen entstanden sei, das heisst ab der entspre- chenden Beurteilung vom 22. September 2017. Die Verfü gung betreffend Integritätsentschädi- gung sei bereits am 30. Oktober 2017 ergangen. D. Mit Replik vom 28. Mai 2019 hielt der Beschwerdeführ er an seinen Anträgen und seiner Begründung betreffend Integritätsentschädigung fest, zog jedoch das Begehren auf Verzinsung zurück. E. Mit Eingabe vom 2. Juli 2019 verzichtete die Beschwerd egegnerin auf die Einreichung einer umfassenden Duplik und hielt an ihrem Antrag fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 ATSG, dessen Bes timmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen Versiche rungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in C.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes üb er die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auc h sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fr ist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 1. Februar 2019 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe r Anspruch auf eine höhere Integri- tätsentschädigung hat. Nicht mehr streitig ist nach Eingang der Replik vom 28. Mai 2019, ob die zu leistende Integritätsentschädigung zu verzinsen sei. 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfa llversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsun- fällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistung spflicht des Unfallversicherers setzt vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einget retenen Schaden (Invalidität, In- tegritätseinbusse) ein natürlicher (vgl. dazu BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen) und ein adä- quater (vgl. dazu BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis) Kausalzusammenhang besteht. 3.2 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall ein e dauernde und erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verord- nung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 gilt ein Integritätsschaden als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unab- hängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). Fallen meh- rere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt (Art. 36 Abs. 3 Satz 1 UVV). Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentschädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge- stuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetr ag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen darf. Letzteres gilt auch, wenn eine Gesamtentschädigung für mehrere körper- liche, geistige oder psychische Integritätsschäden zur Ausrichtung gelangt (Art. 36 Abs. 3 Satz 2 UVV). Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat di e Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Rich tlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschl iessenden Skala (BGE 113 V 219 E. 2a; Kranken- und Unfallversicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual ge- wichtet. 3.3 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrität sschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetr ages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet. Das gilt auch für das Zusammenfallen mehrerer körperlicher, geistiger und psychischer Integrit ätsschäden (Ziff. 1 Abs. 2). In diesem Zusammenhang hat die Suva in Weiterentwicklung der bund esrätlichen Skala zusätzliche Be- messungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. D iese in den Mitteilungen der Medizini- schen Abteilung der Suva Nr. 57 bis 59 herausgegebenen Tabellen (teilweise geändert und er- gänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66 [nachfolgend: Suva-Tabellen]) sind, soweit sie ledig- lich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet wer- den soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c, 116 V 157 E. 3a mit Hin- weis). 4.1 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesundh eitlichen Beeinträchtigung handelt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztliche Mit- hilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht möglich, die Beurteilung aufgrund der aktenkun- digen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelasse- nen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse voraussetzt und von einem medizi- nischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht erwartet werden kann. Die Beurteilung der In- tegritätseinbusse obliegt somit den ärztlichen Sachverständigen (Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse ist di e rechtsanwendende Behörde somit auf Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Das G ericht hat diese Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der frei en Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. o hne Bindung an förmliche Beweisregeln, so- wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsge- richt alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen ein e zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden me- dizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdi- gen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob die- ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor akten (Anamnese) abgegeben wor- den ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten be- gründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grun dsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereich ten oder in Auftrag gegebenen Stel- lungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist es dem Sozialversicherungsgericht d emnach nicht verwehrt, ge- stützt ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen zu entscheiden. Wie das Bundesgericht präzisiert hat, sind in solchen Fällen jedoch strenge Anforderungen an die Beweis- würdigung in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur ge ringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (Ur- teil des Bundesgerichts, I. sozialrechtliche Abteilung, vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit Verweisen). 5. Der Angelegenheit liegen im Wesentlichen folgend e medizinische Unterlagen zu Grunde: 5.1 Der Kreisarzt Dr. med. D.____, Facharzt für Orthop ädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, untersuchte den Versicherten am 21. September 2017. In seinem Be- richt vom selben Tag diagnostizierte er einen Status nach Sturz am 21. Juli 1998 mit einer nicht- dislozierten Tuberculum majus-Fraktur an der rechten S chulter, die im weiteren Verlauf konser- vativ behandelt wurde, sowie mit einer Bankart-Läsion und einer SLAP-Läsion der rechten Schul- ter (Erstdiagnose: 18. April 2008). Der Versicherte ber ichte über permanente, ausgeprägte Schmerzen im Bereich der rechten Schulter. Als funktioneller und objektiver Befund der rechten Schulter hielt der Kreisarzt eine aktive und passive Bewegungseinschränkung mit Druckschmerz im Bereich des Tuberculum majus rechts fest (Flexion rech ts bis zu 120 Grad aktiv/passiv und Abduktion rechts bis zu 110 Grad aktiv/passiv). In Anbetracht der Gesamtsituation, der klinischen und radiologischen Befunde, sei eine Operation oder eine erneute MRI-Bildgebung im Bereich der rechten Schulter nicht zielführend. Der medizinische Endzustand sei erreicht. In Bezug auf die Schmerzsituation der rechten Schulter empfehle er die Anwendung eines TENS-Gerätes, wodurch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Verbesserung der Schmerzsituation stattfin- den werde. Gleichentags beurteilte Dr. D.____ den Integritätsschaden. In einem entsprechenden zweiten Be- richt vom 21. September 2017 hielt er unter Hinweis auf die gestellten Diagnosen fest, dass un- fallbedingt dauernde, erhebliche Beschwerden vorlägen. Schätzungsgrundlage sei die Suva-Ta- bell 1.2 (Bereich der oberen Extremitäten). Für eine bis 30° über der Horizontalen beweglichen Schulter resultiere daraus eine Integritätseinbusse von 10%. Aufgrund der in der kreisärztlichen Untersuchung festgestellten Bewegungsausmasse dürfe vorliegend dieser Wert eingesetzt wer- den. 5.2 In einem Bericht vom 12. Dezember 2017 zuhanden de r IV-Stelle Basel-Landschaft hielt der behandelnde Arzt Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, fest, dass der Patient als Rechtshänder praktisch nur seinen linken Arm für geregelte Tätigkeiten einsetzen könne. Der Patient berichte über permanente, spitzenartige Schmerzen im Bereich der rechten Schulter. Er Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei auch in alltäglichen Bewegungen durch die Schulter eingeschränkt. Der Zustand sei chronifi- ziert. Mit Schreiben vom 22. Januar 2018 berichtete Dr. E.___ _, dass durch den Einsatz des von der Suva empfohlenen TENS-Gerätes keine Besserung der Schmerzproblematik eingetreten sei. 5.3 Eine bildgebende Untersuchung des rechten Schulte rgelenks am 28. Februar 2018 ergab die bereits bekannten kortikalen Irregularitäten mit randständiger Sklerose im Bereich des Tuberculum majus und minus jeweils an der Insertion der Supraspinatussehne/Infraspinatus- sehne und Subscapularissehne, ein Hinweis auf Frakturlinien, eine regelrechte Stellung glenoral ohne Hinweise auf eine wesentliche Arthrose bei regelrechter Erhaltung des Gelenkspaltes, eine leichte AC-Gelenksarthrose sowie ein nach lateral abfal lendes Akromion. Es bestünden keine Hinweise auf Frakturlinien oder pathologische Verkalkungen in Projektion auf den Subakromial- raum. 5.4 In seiner Stellungnahme vom 9. März 2018 stellte de r Kreisarzt Dr. D.____ fest, dass sich der von ihm festgelegte Integritätsschaden von 10% aus der Bewegungseinschränkung der Schulter ergebe. Aufgrund einer Arthrose könne keine Integritätsentschädigung gewährt werden, da nachgewiesenermassen (Röntgen vom 28. Februar 2018) keine wesentlichen arthrotischen Veränderungen vorlägen. Für Schmerzzustände im Bereich der Schulter werde in den Suva-Ta- bellen keine Integritätsentschädigung vorgesehen. Gemäss der anwendbaren Suva-Tabelle 1.2 würde eine völlige Gebrauchsunfähigkeit der oberen Extremität zu einer Integritätseinbusse von 50% führen. Eine vollständige Versteifung und Adduktion entspräche einem Integritätsschaden von 30%. Vorliegend habe sich in der Untersuchung jedo ch eine insgesamt gut kompensierte Beweglichkeit gezeigt, weshalb seiner Auffassung nach kein höherer Integritätsschaden anzuer- kennen sei. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte den angefochtenen Ent scheid in medizinischer Hinsicht vollumfänglich auf die kreisärztliche Beurteilung des In tegritätsschadens von Dr. D.____ vom 21. September 2017 und seine ergänzende Stellungnahme vom 9. März 2018. Wie in Erwägung 4 hiervor ausgeführt, sind an die Beweiskraft von versicheru ngsinternen medizinischen Beurtei- lungen strenge Anforderungen zu stellen. Bei diesen Unterlagen sind bereits bei geringen Zwei- feln an die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit ergänzende (externe) Abklärungen vorzunehmen. Allgemein gelten auch bei versicherungsinternen medizinischen Unterlagen die in Erwägung 4.2 genannten Kriterien an den Beweiswert. Diese sind vorl iegend erfüllt: Die Beurteilung von Dr. D.____ ist für die streitigen Belange umfassend, er stützt sich auf eine umfassende Aktenlage, berücksichtigt die beklagten Beschwerden und beruht letztlich nicht unwesentlich auf der persön- lichen kreisärztlichen Untersuchung vom 21. September 201 7. In seiner Stellungnahme vom 9. März 2018 setzt sich der Kreisarzt auch ausführlich mi t der abweichenden Meinung des be- handelnden Arztes Dr. E.____ auseinander und widerlegt dessen Schlussfolgerungen schlüssig und überzeugend. Insbesondere legt Dr. D.____ nachvollziehbar dar, welche Suva-Tabellen zur Anwendung gelangen und wendet sie korrekt an. Ferner bewegt er sich in seiner Beurteilung im vorgegebenen Ermessensspielraum und begründet seine Ermessensausübung nachvollziehbar. Nach dem Ausgeführten erfüllen die kreisärztliche Beurte ilung 21. September 2017 und die er- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gänzende Stellungnahme vom 9. März 2018 die beweisrecht lichen Anforderungen an versiche- rungsinterne medizinische Unterlagen und es bestehen ke ine Zweifel an deren Zuverlässigkeit, weshalb darauf abgestellt werden kann. 6.2 So beanstandet der Beschwerdeführer denn auch nich t die Beurteilung des Integritäts- schadens von 10% in Bezug auf die Bewegungseinschränkung der rechten Schulter. Er bringt indessen vor, dass die permanenten, ausgeprägten Schmer zen in der rechten Schulter zu Un- recht nicht berücksichtigt worden seien, und verlangt dar auf gestützt eine Erhöhung der Integri- tätsentschädigung. Dabei stellt er sich auf den Standpun kt, dass die Einschätzung des Integri- tätsschadens bei Fehlen einer spezifischen Tabelle im Ei nzelfall erfolgen müsse, wobei Werte aus anderen Suva-Tabellen als Vergleichswerte herangezogen werden könnten. Da eine Tabelle für Schulterschmerzen fehle, habe die Beurteilung der Schmerzen des Beschwerdeführers vor- liegend nach der Suva-Tabelle 7 zu erfolgen und es sei basierend auf der Schmerzfunktionsskala ++ entsprechend dem Status nach einer Fraktur der Lende n-/Brust-/Halswirbelsäule eine Ent- schädigung von 5 bis 10% zu gewähren. Demgegenüber stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, dass die Suva-Tabelle 7 vorliegend nicht angewendet werden könne, denn sie gelte lediglich für Schmerzsituationen, welche Affektionen der Wirbelsäule, nicht aber der Schul- ter, betreffen würden. 6.3 Wie in Erwägung 3.4 hiervor ausgeführt, bemisst si ch die Integritätsentschädigung nach dem medizinischen Befund. Subjektive Faktoren werden grundsätzlich ausser Acht gelassen, da die Bemessung der Integritätsentschädigung abstrakt und egalitär zu erfolgen hat (vgl. Urteile des Kantonsgerichts vom 4. Juli 2013, 725 12 374/153, E. 6.2 sowie vom 28. September 2005, 725 05 115/195, E. 8c). Schmerzen werden dabei gemäss Anhang 3 der UVV einzig der Tabelle 7 „Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen“ aus drücklich zugrunde gelegt. Die Frage, ob die Tabelle 7 auch analog auf nicht aufgeführte Schmerzen – wie die vom Beschwerdeführer gel- tend gemachten Schulterschmerzen – anzuwenden ist, ist im Gesetz nicht geregelt. 6.4 Bevor die psychische Integrität in den Art. 24 Abs. 1 UVG aufgenommen wurde, setzte sich das Bundesgericht in BGE 124 V 29 mit der Frage auseinander, ob lediglich organisch be- dingte Beeinträchtigungen der psychischen Integrität zu entschädigen seien. Es stellte dabei fest, dass sich aus dem Wortlaut des erwähnten Artikels kein en tsprechender Ausschluss ableiten lasse. Auch aus den Materialien würden sich keine entspr echenden Anhaltspunkte dafür erge- ben. Schliesslich spreche auch das Prinzip der abstrakten und egalitären Bemessung der Integ- ritätsschäden nicht für einen grundsätzlichen Ausschluss der rein psychogen bedingten Beein- trächtigungen der Integrität vom Anspruch auf Integritätsentschädigung. Das Bundesgericht kam sodann zum Schluss, dass psychogene Störungen ohne organisch bedingte Störungen nach Un- fällen dann Anspruch auf eine Integritätsentschädigung geben, wenn eine eindeutige individuelle Langzeitprognose gestellt werden könne, welche für das ganze Leben eine Änderung durch Hei- lung oder Besserung des Schadens praktisch ausschliesse. Diesem Entscheid entsprechend be- stätigte das Bundesgericht in der Folge in seinem Urteil vom 26. August 2009, 8C_139/2009, die Bemessung der Integritätsentschädigung mittels analoger Anwendung der Tabelle 7 „Integritäts- schaden bei Wirbelsäulenaffektionen“ für Kopfschmerzen. Im gleichen Urteil verneinte das Bun- desgericht die Anwendbarkeit der Tabelle 8 „Integritätsschaden bei psychischen Folgen von Hirn- verletzungen“ auf die vom Beschwerdeführer geltend gem achten mittelschweren bis schweren Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht neuropsychologischen Funktionsstörungen und manifesten Wesensveränderungen, weil kein un- fallbedingter organischer Gesundheitsschaden nachweisbar sei. Die Anwendbarkeit der Tabelle 8 setze eine medizinisch gut dokumentierte Schädigung vora us. Ferner bestätigte es in seinem Urteil vom 25. Juni 2014, 8C_362/2014 die Bemessung der Integritätsentschädigung mittels hilfs- weiser Anwendung der Tabelle 7 bei neuropathischen Schmerzen mit der folgenden Begründung: Die beim Beschwerdeführer bestehenden Einschränkungen bestünden nach den beim Unfall er- littenen Verbrennungen/Verätzungen nicht in einer wesentlichen kosmetischen Entstellung oder einer Funktionsminderung, sondern in Sensibilitätsstörun gen und neuropathischen Schmerzen im Unterschenkel. In Anbetracht der andauernden starken neuropathischen Schmerzen sei die Suva mangels einer die vorliegende Problematik betreffende Tabelle von Tabelle 7 ausgegangen. Aus dem folgenden Quervergleich mit einer Vorderfussamputation (Tabelle 4 "Integritätsschaden bei einfachen oder kombinierten Zehen-, Fuss- und Bein verlusten") sei bei Annahme einer Schmerzfunktionsstufe +++ ein Richtwert von 15 % resultiert. Da einzig die SUVA-Tabelle 7 eine die Schmerzen qualifizierende Skala enthalte, lasse sich deren hilfsweise Anwendung auf die erlittene Schädigung des Beschwerdeführers nicht beanstanden. 6.5 Zusammengefasst folgt aus der bundesgerichtlichen R echtsprechung, dass nicht aufge- führte Schmerzen ohne organisch bedingte (nachweisbare) Beeinträchtigungen zunächst eine erhebliche und dauernde Schädigung im Sinne von Art. 24 UVG bzw. Art. 36 UVV darstellen müssen, um einen Anspruch auf eine Integritätsentschädig ung zu begründen. Die konkrete Be- messung erfolgt sodann unter analoger Anwendung der Tabelle 7 „Integritätsschaden bei Wirbel- säulenaffektionen“; eine andere Tabelle kommt hierfür nicht in Frage. Soweit die Schmerzen da- gegen als Folge einer in den Tabellen aufgeführten B eeinträchtigung der versicherten Person auftreten, werden sie zusammen mit dem organischen Korrelat anhand der hierauf zutreffenden Tabelle berücksichtigt. Für eine additive analoge Anwendung der Suva-Tabelle 7 für Schmerzen, die aus einer (bereits in einer weiteren Suva-Tabelle berücksichtigten) physischen Integritätsein- busse resultieren, besteht somit kein Raum. Dies würde denn auch dem Grundsatz der Gleich- berechtigung und egalitären und abstrakten Bemessung zuwiderlaufen. 6.6. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte andauern de und ausgeprägte Schmerz- situation ist gemäss den medizinischen Unterlagen erstellt und wird von der Beschwerdegegnerin auch nicht bestritten. Dr. D.____ hat die Schulterschme rzen in seinen Berichten ausführlich ge- würdigt und nachvollziehbar dargelegt, dass sie im Zusamme nhang mit der Einschränkung der Schulterbeweglichkeit stehen. Zudem wird aus den medizin ischen Unterlagen deutlich, dass keine weiteren objektiven Befunde bestehen, welche die S chmerzen auslösen könnten. Nach dem soeben unter E. 6.5 Ausgeführten sind die auf die Bewegungseinschränkung zurückzufüh- renden Schulterschmerzen somit bereits in der gemäss Suva-Tabelle 1.2 festgelegten Integritäts- entschädigung berücksichtigt. Eine zusätzliche Entschädigung der Schmerzen ist gemäss bun- desgerichtlicher Rechtsprechung nicht möglich und liefe dem Grundsatz der Gleichbehandlung zuwider. Daraus folgt auch, dass auf eine weitere Abklärung der Schmerzsituation in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden kann (BGE 136 I 236 E . 5.3, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass für die Bemessung der Integritäts- entschädigung auf die kreisärztliche Untersuchung durch Dr . D.____ abgestellt werden kann. Demzufolge ist zusammen mit der Beschwerdegegnerin von e iner Integritätsentschädigung von 10% für die Einschränkungen der Schulterbeweglichkeit ausz ugehen. Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten abzuweisen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Dem Prozessausgang entsprechend wird dem Beschwerde führer keine Parteientschädi- gung zugesprochen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. http://www.bl.ch/kantonsgericht