Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. November 2015 (715 15 211) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen einer abgelehnten Änderungskündi- gung; Unzumutbarkeit des Verbleibs unter geänderten Bedingungen infolge Rückverset- zung des Versicherten vom Chef de Service zum Servicemitarbeiter. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei ber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Marco Albrecht , Advokat , Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1972 geborene A.____ arbeitete seit 1. April 2000 im Restaurant B.____ als Chef de Service. Am 22. April 2014 wurde sein Arbeitsverhäl tnis durch den Arbeitgeber per Ende Juli 2014 schriftlich aufgelöst. Am 25. Juni 2014 meldet e sich A.____ bei seiner Wohnsitzgemeinde zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 30. Juni 2014 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. August 2014. Bereits am 19. September 2014 me ldete sich der Versicherte per 24. Sep- tember 2014 von der Arbeitsvermittlung wieder ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Verfügung vom 13. November 2014 stellte die Öf fentliche Arbeitslosenkasse Basel- land (Kasse) den Versicherten mit Wirkung ab 1. August 2 014 wegen selbstverschuldeter Ar- beitslosigkeit für die Dauer von 24 Tagen in der Ansp ruchsberechtigung ein. Zur Begründung machte sie geltend, dass der Versicherte das ihm ab 1. Aug ust 2014 unterbreitete Stellenange- bot seines ehemaligen Arbeitgebers abgelehnt habe. Ein e hiergegen erhobene Einsprache des Versicherten wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 11 . Mai 2015 ab. Zur Begründung machte sie geltend, dass der ehemalige Arbeitgeber den Versicherten aus wirtschaftlichen Gründen entlassen habe. Ihm sei im selben Betrieb jedo ch eine andere Arbeit angeboten wor- den, die mit einer Lohneinbusse im Umfang von Fr. 50 0.— bis Fr. 800.— verbunden gewesen wäre. Die Annahme des neuen Arbeitsvertrages und dami t auch der Verbleib am bisherigen Arbeitsort wären unter diesen Umständen zumutbar gew esen. Die Einstellungsdauer im Um- fang von insgesamt 24 Tagen sei angemessen festgesetzt worden. C. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Ma rco Albrecht, Advokat, am 10. Juni 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, der angef ochtene Einspracheentscheid sei auf- zuheben und es sei festzustellen, dass die Einstellung in de r Anspruchsberechtigung zu Un- recht erfolgt sei, unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm d ie unentgeltliche Verbeiständung zu bewilli- gen sei. Mit Eingabe vom 3. August 2015 zog er sein Ge such um unentgeltliche Rechtspflege zurück. D. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 27. Juli 2015 auf Abweisung der Beschwer- de. Auf die Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzu- gehen. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kanton sgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachli ch und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vor liegend, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberechtigung einge- stellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 203.70 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 4‘888.80. Die An- gelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschulde- ter Arbeitslosigkeit im Umfang von 24 Tagen in der An spruchsberechtigung eingestellt worden ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (THOMAS NUSSBAUMER , in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundes- verwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicher ung, Basel/Genf/München 2007, S. 2423, Rz. 822). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und so weit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in ei nem nach den persönlichen Umstän- den und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 198 2 Nr. 4 S. 39). Der Tatbestand der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit erfasst stets Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeitslosigkeit sind mithi n und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslo- sigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielhaft Tatbestän- de auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten A rbeitslosigkeit fallen. So liegt selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person das Arbeits- verhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugsichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3 Nach der Rechtsprechung und der Lehre erfüllt Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV ebenfalls, wer trotz gebotener Gelegenheit nicht bereit war, sein Arbeitsverhältnis unter geänderten Bedingun- gen, namentlich zu einem tieferen Lohn weiterzuführen (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 119). D er Tatbestand der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVI V kann deshalb auch dann erfüllt sein, wenn die Kündigung durch den Arbeitgeber ausgesprochen wird (ARV 1986 Nr. 23 S. 91; 1976 Nr. 18 S. 117). In einem solchen Fall ist zu untersuche n, ob der versicherten Person ein Ver- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bleiben am bisherigen Arbeitsplatz zumutbar gewesen wäre (ARV 1986 Nr. 23 S. 91). Dies wird im Regelfall angenommen, wenn der reduzierte Lohn ni cht unter 70 % des versicherten Ver- dienstes gefallen wäre (CHOPARD , a.a.O., S. 119). Eine Änderungskündigung des Arbeit gebers ist einstellungsrechtlich aber nur dann im Lichte von Ar t. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zu beurteilen, wenn klar feststeht, dass die versicherte Person die diskutierte Vertragsänderung abgelehnt hat (Urteil M. des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 3.2 mit Hinweisen). 2.4 Eine Änderungskündigung liegt vor, wenn eine Part ei den Arbeitsvertrag kündigt, aber gleichzeitig eine neue Vertragsofferte mit geänderten Bedingungen unterbreitet. Mit der Ände- rungskündigung wird in erster Linie nicht die Beendigu ng des Arbeitsverhältnisses bezweckt, sondern dessen Weiterführung mit veränderten Pflichten und Rechten (R EHBINDER , Berner Kommentar, N 1a zu Art. 335 OR; VISCHER , Der Arbeitsvertrag, in: Schweizerisches Privatrecht, Bd. VII/1, III; S. 163). Von einer Änderungskündigung im weiteren Sinn kann aber auch dann gesprochen werden, wenn die beiden Rechtsgeschäfte ni cht unmittelbar miteinander verknüpft werden und einer Partei gekündigt wird, weil sie zu ei ner einverständlichen Änderung der Ar- beitsbedingungen nicht bereit war. Rechtlich zulässige Ä nderungskündigungen sind klar abzu- grenzen vom Versuch des Arbeitgebers, einseitige Vertr agsänderungen zu Lasten des Arbeit- nehmers sofort durchzusetzen. Wenn der Arbeitgeber vert ragsändernde Anordnungen trifft und sie sofort in Kraft setzt, liegt mit Ausnahme des Falls, in dem sich der Arbeitnehmer damit ein- verstanden erklärt hat, eine Vertragsverletzung vor (BGE 123 III 251 E. 4 a). 3.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass das ehemalige Arbeit sverhältnis des Versicherten am 22. April 2014 per Ende Juli 2014 durch den Arbeitg eber aufgelöst worden ist (vgl. Kassen-Akt 23). Dem Antrag auf Arbeitslosenentschädigung zufolge sei die Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt (vgl. Kassen-Akt 21). Gemäss den von der Kasse eingeholten Erkundigungen beim ehemaligen Arbeitgeber des Versicherten sei der Kündigungsgrund ausschliesslich auf die wirtschaftliche Lage zurückzuführen. Mit dem Versicherten seien deshalb mehrere längere Ge- spräche geführt worden. Da die abnehmende Gästeanzahl keine zwei Führungsteam- Mitarbeiter mehr zugelassen habe und der Versicherte üb er ungenügende Weinkenntnisse ver- füge, habe man sich leider gegen den Versicherten ent scheiden müssen. Diese Entscheidung habe nichts mit dessen Verhalten oder seinem Einsatz ode r Charakter zu tun. Nach über 20 Jahren Einsatz habe man ihm einen anderen Job im Betrieb angeboten. Diese Arbeit wäre jedoch mit finanziellen Einschränkungen verbunden gew esen, und es wäre auch keine Füh- rungsposition mehr gewesen. Es sei verständlich, dass der Versicherte dies abgelehnt habe (vgl. Mail des ehemaligen Arbeitgebers vom 4. Septembe r 2014, Kassen-Akt 43). Der telefoni- schen Nachfrage der Kasse zufolge sei dem Versicherten ein e Stelle im Service angeboten worden. Die finanzielle Einbusse hätte Fr. 500.— bis F r. 800.— betragen. Es sei aber nicht zu Lohnverhandlungen gekommen, da der Versicherte nicht vo n einer Führungsposition in den Service habe wechseln wollen. Dies sei angeblich auch d em ehemaligen Arbeitgeber klar ge- wesen (vgl. Telefonnotiz der Kasse, Kassen-Akt 65). Dem Fra gebogen betreffend rechtliches Gehör vom 12. Oktober 2014 ist schliesslich zu entnehmen, dass der Versicherte ursprünglich die Funktion des Restaurantleiters innegehabt habe und deshalb die ihm neu angebotene Funk- tion als Servicemitarbeiter abgelehnt habe, weil damit eine Abstufung verbunden gewesen wä- re. Die Mitarbeitenden und Gäste hätten eine solche Abstufung vom Chef zum Servicemitarbei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter nicht verstanden. Die Arbeitszeiten wären anders ge wesen. Als Servicemitarbeiter hätte der Versicherte ausserdem Zimmerstunden absolvieren müssen un d hätte über keine geregelten freien Tage mehr verfügt (vgl. Kassen-Akt 67). 3.2 Der Beschwerdeführer stellt in Abrede, dass von eine r Änderungskündigung auszuge- hen sei. Es fehle an der für eine Änderungskündigung vorausgesetzten Gleichzeitigkeit, wonach eine Partei der anderen neue Vertragsbedingungen vorsc hlage und gleichzeitig die Kündigung für den Fall erkläre, dass der andere Teil den vorgesch lagenen Vertragsbedingungen nicht zu- stimme. Vorliegend habe der Arbeitgeber vielmehr bedi ngungslos gekündigt und keine Ände- rungen des Arbeitsvertrages vorgelegt. Dieser habe ihm e rst in einem späteren Zeitpunkt eine andere Arbeit angeboten. 3.3 Dem Beschwerdeführer ist zuzustimmen, dass sich den Akten zufolge nicht erstellen lässt, wann genau der ehemalige Arbeitgeber dem Versich erten das Angebot unterbreitet hat, das Arbeitsverhältnis künftig als Servicemitarbeiter weiter führen zu können. Aus den vorliegen- den Unterlagen geht nicht hervor, dass das Änderungsangebot, als normaler Servicemitarbeiter angestellt zu bleiben, bereits im Zeitpunkt der Überg abe der Kündigung als Chef de Service erfolgt wäre (vgl. Kassen-Akt 23). Andererseits erscheint e s unwahrscheinlich, dass eine künfti- ge Anstellung als Servicemitarbeiter im Rahmen der dive rsen – unbestritten gebliebenen – Ge- spräche zwischen dem Versicherten und seinem ehemaligen Arbeitgeber nicht bereits im Vor- feld der Kündigung vom 22. April 2014 thematisiert wo rden ist (vgl. Kassen-Akt 43). In Anbe- tracht der wirtschaftlich bedingten Entscheidung des Arbei tgebers einerseits und der über 20- jährigen Tätigkeit des Versicherten in dessen Betrieb an dererseits scheint es ebenso möglich, dass das Änderungsangebot dem Versicherten in der einen oder anderen, allenfalls auch un- verbindlichen Form noch vor seiner Kündigung unterbrei tet worden ist. Wie es sich damit im Detail verhält, kann jedoch dahingestellt bleiben (v gl. sogleich unten, Erwägungen 4.1 ff.). Festzuhalten ist jedenfalls, dass für die Annahme einer Änderungskündigung im weiteren Sinne nicht zwingend vorausgesetzt ist, dass der Arbeitgeber mit dem Vorschlag neuer Vertragsbe- dingungen zeitgleich auch die Kündigung für den Fall erklärt, dass der Arbeitnehmer den vorge- schlagenen, neuen Vertragsbedingungen nicht zustimmt (vgl. oben, Erwägung 2.4 hiervor). Vor- liegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer das Angebot seines ehemaligen Arbeitge- bers, künftig nur noch als gewöhnlicher Servicemitarbei ter tätig zu sein, aus diversen Gründen abgelehnt hat (vgl. Kassen-Akt 67). Diese Ablehnung abe r war ausschlaggebend und mithin offensichtlich kausal für seine anschliessende Arbeitslosigkeit ab August 2014. Als Zwischenergebnis kann demnach festgehalten werden, d ass die Nichtannahme der ange- botenen Vertragsänderung vorliegend zur Auflösung des A rbeitsverhältnisses und damit zur Arbeitslosigkeit des Versicherten geführt hat. Da Art. 4 4 Abs. 1 lit. b AVIV - wie hiervor (vgl. Erwägung 2.3) ausgeführt - auch anwendbar ist, wenn der Arbeitgeber die Kündigung aus- spricht, weil der Arbeitnehmer seine Zustimmung zu eine r Vertragsänderung verweigert, ist im Weiteren zu untersuchen, ob dem Versicherten die Annah me der Vertragsänderung und ein Weiterführen des Arbeitsverhältnisses zumindest bis zum An tritt einer Anschlussstelle nicht doch zumutbar gewesen ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Die Frage nach der Zumutbarkeit des Verbleibens an der bisherigen Arbeitsstelle ist in analoger Anwendung von Art. 16 AVIG zu beurteilen. Da nach gilt eine Arbeit noch als zumut- bar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbeitsvertragli- chen Bedingungen entspricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich erschwert. Das Bundesgericht wendet hinsichtlich der Annahme der Unzumutbarkeit am bisherigen Ar- beitsplatz zu verbleiben, einen strengen Massstab an und schliesst generell subjektive Beweg- gründe von der Zumutbarkeitsprüfung aus (BGE 124 V 23 8 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinwei- sen; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2428, Rz. 832; J ACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 116). Wenn nicht besondere Umstände vorliegen, darf einer versi cherten Person grundsätzlich zu- gemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat, bzw. ein zumutbares Vertragsänderungsangebot zu akzeptieren und das Arbeits- verhältnis bis zur Zusage einer anderen Erwerbstätigkeit weiterzuführen (vgl. J ACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 116 und 119). 4.2 Laut Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG ist eine Arbeit u nzumutbar, die dem Versicherten einen Lohn einbringt, der geringer ist als 70% des versicherten Verdienstes, es sei denn der Versi- cherte erhalten Kompensationsleistungen nach Art. 24 AV IG (vgl. Erwägung 3.3 hiervor). Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdefü hrer als Chef de Service mit sei- nem Vollzeitpensum bisher ein monatliches Brutto-Einko mmen von Fr. 5‘100.— realisiert hat (vgl. Arbeitgeberbescheinigung vom 28. Juli 2014, Ziffer 17, Kassen-Akt 29). Als gewöhnlicher Service-Mitarbeiter hätte er künftig einen um bis Fr. 8 00.— tieferen Lohn und damit im schlech- testen Fall monatlich noch Fr. 4‘300.— erhalten (vgl. K assen-Akt 65). Dieser Lohn übersteigt jedoch deutlich die in Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG sta tuierte Zumutbarkeitsgrenze von Fr. 3‘570.— (70% x Fr. 5‘100.—). Die Annahme des neuen Arbeitsvertr ages wäre dem Versicherten aus pekuniärer Sicht deshalb zumutbar gewesen. Es kann an dieser Stelle an die zutreffende Erwä- gung im angefochtenen Einspracheentscheid verwiesen werden (vgl. a.a.O., Ziffer 11). 4.3 Eine künftig angebotene Arbeit gilt jedoch nicht nur dann als unzumutbar, wenn deren Entgelt lohnmässig unter 70% des versicherten Verdienstes des Versicherten fällt. Auch eine künftige Überqualifikation verursacht durch eine Rückverse tzung kann zur Unzumutbarkeit füh- ren. Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auf Art. 16 Abs. 2 lit. d AVIG, wonach eine Ar- beit ebenfalls von der Annahmepflicht ausgenommen ist , welche die Wiederbeschäftigung des Versicherten in seinem Beruf wesentlich erschwert, falls d arauf in absehbarer Zeit überhaupt Aussicht besteht. Sich nach einer Rückversetzung um eine neu e Arbeitsstelle zu bewerben, ist für eine Arbeit nehmende Person eine grundsätzlich schl echte Ausgangssituation. Hintergrund bildet der Umstand, dass eine Rückversetzung erfahrungsgem äss bei jedem späteren Arbeit- geber ein gewisses Misstrauen betreffend die Fähigkeiten der sich bewerbenden Person auslö- sen wird. Einem Arbeitnehmer, der rückversetzt worden ist , wird es daher nur schwer gelingen, ein so entstandenes Misstrauen gegenüber einem neuen, potentiellen Arbeitgeber entkräften zu können, falls er dazu überhaupt erst Gelegenheit erhä lt. Ein Verbleiben an der bisherigen Ar- beitsstelle verbunden mit einem geänderten Stellenpr ofil gilt deshalb als unzumutbar. Eine mit einer Rückversetzung verbundene Kündigung kann kein ein stellungsbegründendes und dem- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach auch kein selbstverschuldetes Verhalten darstellen ( vgl. zum Ganzen: J ACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 120). 4.4 Nicht anders verhält es sich im vorliegenden Fall. Im Zeitpunkt der Auflösung seines Arbeitsverhältnisses war der Beschwerdeführer seit über 14 Jahren ununterbrochen beim glei- chen Arbeitgeber angestellt gewesen (vgl. Arbeitgeberb escheinigung vom 28. Juli 2014, Ziffer 2, Kassen-Akt 29). Bereits im Jahre 2010 war er vom Ser vicefachangestellten zum Chef de Service bzw. zum Leiter des Serviceteams des Restaurantbetri ebs (Restaurantleiter) aufgestie- gen. Seither war er stets in dieser Führungsfunktion t ätig (vgl. Lebenslauf des Versicherten, Kassen-Akt 4). Das ihm unterbreitete Stellenangebot a ls gewöhnlicher Servicemitarbeiter hätte unter diesen Umständen eine wesentliche Rückversetzung mit sich gebracht. Unbesehen der persönlichen Einschätzung des Versicherten, wonach weder Mitarbeiter noch Gäste eine solche Rückversetzung verstanden hätten (vgl. Kassen-Akt 67), wäre s eine Wiederanstellung als Chef de Service auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auch bei ob jektivierter Betrachtungsweise we- sentlich erschwert worden. Ein Blick auf seine mit der bi sherigen Führungsfunktion verbundene Stellung und die damit zweifellos verbundenen Kompeten zen zeigt, dass es ihm jedenfalls nur schwer gelungen wäre, das mit seiner Rückversetzung notorisc h verbundene Misstrauen eines potentiellen neuen Arbeitgebers auszuräumen. Zumal es sich beim ehemaligen Arbeitgeber des Versicherten um einen Restaurantbetrieb der gehobenen Klasse handelt, wären mit dem Makel seiner Versetzung zurück zum gewöhnlichen Servicemitarbeite r deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbunden gewesen. Daran ändert nichts, dass der Versicherte – hätte er die Rückversetzung akzeptiert – weiterhin in ungekündigt er Stellung tätig gewesen wäre. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass er im Vergleich mit anderen Stellenbewerbenden glei- cher Qualifikation schlechter gestellt gewesen wäre, wi e eine arbeitslose Person, welche zuvor keine Rückversetzung in Kauf nehmen musste. Dies gilt im Fa lle des Beschwerdeführers umso mehr, weil dessen Chance für eine erneute Anstellung als Chef de Service in Anbetracht seines bisher langen Arbeitsverhältnisses auf dem allgemeinen A rbeitsmarkt offensichtlich beeinträch- tigt gewesen wäre. Seine Rückversetzung zum Serviceangestel lten und der damit verbundene Verlust seiner bisherigen Führungsfunktion hätte eine künftige Neuanstellung deshalb unbese- hen der finanziellen Einbusse deutlich erschwert (vgl. so im Ergebnis auch die Stellungnahme des ehemaligen Arbeitgebers, Kassen-Akt 65). 4.5 Im Lichte der vorstehend wiedergegebenen Rechtslage war es dem Beschwerdeführer daher nicht zumutbar, die ihm unterbreitete Vertrags änderung zu akzeptieren und das Arbeits- verhältnis zumindest bis zur Zusage bzw. bis zum Antritt eine r Anschlussstelle weiterzuführen. Damit aber resultiert, dass die Kasse vorliegend zu Unr echt von einer selbstverschuldeten Ar- beitslosigkeit des Versicherten ausgegangen ist. Die Besch werde ist bei diesem Ergebnis gut- zuheissen. 5.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens en tsprechend ist dem Beschwerde- führer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Kasse zuzusprechen. Dessen Rechts- vertreter hat in seiner Honorarnote vom 25. August 2015 für das vorliegende Beschwerdever- fahren einen Zeitaufwand von 7½ Stunden ausgewiesen . In Anbetracht der nur sehr kurzen Beschwerdebegründung erscheint dieser Aufwand jedoch al s zu hoch. Die materielle Be- schwerdebegründung umfasst lediglich knapp zwei Seiten un d beschränkt sich darauf, die Vor- aussetzungen einer Änderungskündigung darzulegen. Nebst den Bemühungen für das Akten- studium, zwei Besprechungen und drei Telefonaten, wel che mangels detaillierter Aufstellung mit drei Stunden zu bemessen sind, ist der hierfür not wendige Aufwand – auch im Querver- gleich zu ähnlich gelagerten Fällen – mit zweieinhalb Stunden festzusetzen. Damit resultiert ein insgesamt zu entgeltender Aufwand von fünfeinhalb Stun den, der zu dem in Sozialversiche- rungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.— zu entschädigen ist. Dem Rechtsvertreter ist de shalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘485.— (fünfeinhalb Stunden à Fr. 250.— inklusive A uslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Arbeitslosenkasse zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden der Einsp racheentscheid der öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 11. Mai 201 5 und deren Verfügung 2179/2014 vom 13. November 2014 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben 3. Die öffentliche Arbeitslosenkasse hat dem Beschwerde führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘485.— (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.