1 Obergericht des Kantons Bern 1. Strafkammer Cour suprême du canton de Berne 1re Chambre pénale Urteil SK 17 171 + 172 Hochschulstrasse 17 3001 Bern Telefon +41 31 635 48 08 Fax +41 31 634 50 54 obergericht-straf.bern@justice.be.ch www.justice.be.ch/obergericht Bern, 30. Juli 2018 Besetzung Oberrichter Guéra (Präsident i.V.), Oberrichterin Hubschmid Volz und Oberrichter Vicari Gerichtsschreiberin Segessenmann Verfahrensbeteiligte 1. A.________ amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________ Beschuldigter/Berufungsführer 1 2. C.________ amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt D.________ Beschuldigter/Berufungsführer 2 gegen Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras- se 10, Postfach 6250, 3001 Bern Staatsanwaltschaft/Anschlussberufungsführerin sowie 1. E.________ vertreten durch Rechtsanwalt Dr. F.________ Straf- und Zivilkläger 1 und 2. G.________ vertreten durch Rechtsanwältin H.________ Straf- und Zivilkläger 2 2 Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, Raufhandel etc. Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht) vom 22. Februar 2017 (PEN 16 784/785)3 Erwägungen: I. Formelles 1.Erstinstanzliches Urteil Am 22. Februar 2017 sprach das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht) C.________ (nachfolgend Beschuldigter 2) schuldig der versuchten schweren Kör- perverletzung, mehrfach begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil von E.________ (Straf- und Zivilkläger 1, nachfolgend Privatkläger 1) und G.________ (Straf- und Zivilkläger 2, nachfolgend Privatkläger 2), sowie des Rauf- handels, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil der Privatkläger 1 und 2. Das Gericht verurteilte ihn hierfür zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wovon 6 Monate zu vollziehen sind und für eine Teilstrafe von 24 Monaten der Vollzug aufgeschoben wurde (Probezeit 2 Jahre), zur Bezahlung der anteilsmässi- gen Verfahrenskosten von CHF 9‘445.00, zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 7‘452.00 für die Aufwendungen im Verfahren an den Privatkläger 1, sowie zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 3‘534.39 für die Aufwendungen im Ver- fahren an den Privatkläger 2; letzteres unter solidarischer Haftung mit dem Be- schuldigten 1. Im Zivilpunkt wurde der Beschuldigte 2 zur Bezahlung von CHF 118.30 Schadenersatz und CHF 1‘300.00 Genugtuung (zuzüglich 5 % Zins seit dem 8. November 2015) an den Privatkläger 1 verurteilt (Teilklage). Soweit weitergehend wurde die Teilklage abgewiesen. Die Zivilklage wurde darüber hinaus dem Grundsatz nach gutgeheissen und auf den Zivilweg verwiesen. Weiter wurde der Beschuldigte 2 zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 1‘800.00 (zuzüglich 5 % Zins seit dem 8. November 2015) an den Privatkläger 2 verurteilt. Soweit wei- tergehend wurde die Zivilklage abgewiesen. Für die Beurteilung der Zivilklagen wurden keine Kosten ausgeschieden. Mit gleichem Urteil sprach das Kollegialgericht Bern-Mittelland A.________ (nach- folgend Beschuldigter 1) schuldig der versuchten schweren Körperverletzung, be- gangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil des Privatklägers 2, des Rauf- handels, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil der beiden Privat- kläger, der Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz durch Führen eines Personenwagens in fahrunfähigem Zustand, begangen am 7. Mai 2016 auf der Au- tobahn A6 Nord, sowie der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Konsum von Marihuana, begangen am 6. Mai 2016 in K.________, und ver- urteilte ihn hierfür zu einer Freiheitsstrafe von 17 Monaten sowie zu einer Geldstra- fe von 15 Tagessätzen à CHF 30.00, ausmachend CHF 450.00. Der Vollzug beider Strafen wurde je unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. Weiter wurde der Beschuldigte 2 zu einer Verbindungsbusse von CHF 150.00 (Er- satzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung 5 Tage), zu einer Übertretungs- busse von CHF 100.00 (Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung 1 Tag), zur Bezahlung der anteilsmässigen Verfahrenskosten von CHF 10‘284.40 sowie zur Zahlung einer Entschädigung von CHF 3‘534.30 an den Privatkläger 2 für dessen Aufwendungen im Verfahren (unter solidarischer Haftung mit dem Be- schuldigten 2) verurteilt. Im Zivilpunkt entschied das Gericht, dass der Beschuldigte 1 eine Genugtuung von CHF 2‘000.00 (zuzüglich 5 % Zins seit dem 8. Novem- ber 2015) an den Privatkläger 2 zu bezahlen habe. Soweit weitergehend wurde die 4 Zivilklage ohne Ausscheidung von Kosten auf den Zivilweg verwiesen. Im Weiteren verfügte das Kollegialgericht Bern-Mittelland über das amtliche Honorar der amtli- chen Verteidiger der beiden Beschuldigten sowie die entsprechenden Rückzah- lungs- und Nachzahlungspflichten. Das Gericht verfügte weiter die Rückgabe der beschlagnahmten Schuhe an den Beschuldigten 2 sowie die Löschung der erho- benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist. Schliesslich wurde die Erstellung eines DNA-Profils der beiden Beschuldigten angeordnet, wobei die vorzeitige Zustimmung zur Löschung des Profils nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt wurde (pag. 587 ff.). 2.Berufung Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt D.________ namens des Beschuldigten 2 am 23. Februar 2017 form- und fristgerecht Berufung an (pag. 596). Auch Rechtsanwalt B.________ meldete gleichentags namens des Beschuldigten 1 form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 598). In der Berufungserklärung vom 17. Mai 2017 erklärte Rechtsanwalt B.________ die teilweise Anfechtung des erst- instanzlichen Urteils bezüglich der Schuldsprüche wegen versuchter schwerer Kör- perverletzung und Raufhandels sowie der damit zusammenhängenden Straf-, Zivil- und Kosten- und Entschädigungsfolgen (pag. 711 f.). Rechtsanwalt D.________ erklärte in seiner Berufungserklärung vom 18. Mai 2017 die Anfechtung der den Beschuldigten 2 betreffenden Schuldsprüche sowie der damit zusammenhängen- den Straf-, Zivil- sowie Kosten- und Entschädigungsfolgen (pag. 714 f.). Mit Verfü- gung vom 22. Mai 2017 gewährte die Verfahrensleitung der Generalstaatsanwalt- schaft und den Privatklägern Gelegenheit, Anschlussberufung zu erklären und/oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufungen zu beantragen (pag. 717 f.). Mit Eingabe vom 29. Mai 2017 erhob die Generalstaatsanwaltschaft bezüglich beider Beschuldigten Anschlussberufung. Die Anschlussberufung erstrecke sich auf die Punkte der rechtlichen Qualifikation und des Strafmasses bezüglich der versuchten schweren Körperverletzung (pag. 722 f.). Rechtsanwalt Dr. F.________ gab na- mens des Privatklägers 1 mit Eingabe vom 6. Juni 2017 bekannt, dass auf die Er- klärung der Anschlussberufung verzichtet werde und keine Gründe für ein Nichtein- treten auf die Berufungen vorhanden seien (pag. 727). Mit Eingabe vom 8. Ju- ni 2017 erklärte Rechtsanwältin H.________ namens des Privatklägers 2 ebenfalls, dass auf die Anschlussberufung verzichtet werde und keine Gründe für ein Nicht- eintreten ersichtlich seien (pag. 729). Mit Verfügung vom 9. Juni 2017 gab die Ver- fahrensleitung die voraussichtliche Zusammensetzung des Gerichts bekannt und gewährte den Parteien die Möglichkeit, Nichteintretensgründe betreffend die An- schlussberufung geltend zu machen (pag. 932 f.). Solche wurden keine geltend gemacht (pag. 738 und 740). Mit Verfügung vom 6. Juli 2017 ersuchte die Verfah- rensleitung die Parteien darum mitzuteilen, ob sie mit der Durchführung des schrift- lichen Verfahrens einverstanden seien (pag. 742 f.). Die beiden Privatkläger erklär- ten sich mit Eingabe vom 13. und 20. Juli 2018 damit einverstanden (pag. 749 und 752). Auch die Generalstaatsanwaltschaft gab am 27. Juli 2017 ihr Einverständnis bekannt (pag. 760 f.). Nach gewährter Fristerstreckung erklärte Rechtsanwalt B.________ namens des Beschuldigten 1, dass er trotz mehreren Versuchen kei- nen Kontakt zu seinem Klienten habe herstellen können, weswegen er gezwungen sei, erneut eine Verlängerung der Frist zu beantragen (pag. 763). Auch Rechtsan- walt D.________ ersuchte aufgrund fehlenden Kontakts mit seinem Klienten um 5 erneute Fristverlängerung (pag. 765), welche mit Verfügung vom 15. August 2017 letztmals gewährt wurde (pag. 767). Rechtsanwalt D.________ teilte schliesslich am 4. September 2017 mit, dass nach wie vor keine Zustimmung vorliege (pag. 769). Auch Rechtsanwalt B.________ gab am 4. September 2017 bekannt, dass er nach wie vor keinen Kontakt zu seinem Klienten habe herstellen können (pag. 771). In der Folge lud die Verfahrensleitung am 13. Oktober 2017 zur mündli- chen Verhandlung vor und hielt fest, dass sich die Verfahrensleitung einen Wech- sel ins schriftliche Verfahren vorbehalte, sofern das entsprechende Einverständnis der Beschuldigten noch rechtzeitig beigebracht werden könne (pag. 795 ff.). Am 6. November 2017 gab Rechtsanwalt D.________ namens des Beschuldigten 2 die Zustimmung für die Durchführung des schriftlichen Verfahrens bekannt (pag. 817). Die beiden Privatkläger liessen über ihre Rechtsvertreter mitteilen, dass sie an der mündlichen Hauptverhandlung nicht teilnehmen werden (pag. 820 und 822 f.). Am 15. Januar 2018 gab schliesslich auch Rechtsanwalt B.________ namens des Be- schuldigten 1 das Einverständnis für die Durchführung des schriftlichen Verfahrens bekannt (pag. 828), woraufhin dieses mit Verfügung vom 16. Januar 2018 ange- ordnet und der Hauptverhandlungstermin vom 26. April 2018 abgesetzt wurde. Gleichzeitig wurden beide Beschuldigten aufgefordert, eine schriftliche Begründung der Berufung einzureichen, ansonsten die Berufung als zurückgezogen gelte (pag. 830 f.). Mit Eingabe vom 12. Februar 2018 beantragte Staatsanwalt L.________ namens der Generalstaatsanwaltschaft, es seien die Strafakten betref- fend den Beschuldigten 2 wegen Raubes bei der Staatsanwaltschaft Frauenfeld zu edieren (pag. 863). Mit Verfügung vom 14. Februar 2018 verlängerte die Verfah- rensleitung auf Ersuchen von Rechtsanwalt B.________ die Frist zur Einreichung der Berufungsbegründung für beide Beschuldigten und gewährte den Parteien Ge- legenheit, gegen den beantragten Aktenbeizug Einwände zu erheben (pag. 866 f.). Der Privatkläger 2 machte keine solchen Einwände geltend (pag. 875). Rechtsan- walt D.________ stellte jedoch namens seines Klienten den Antrag, der Beweisan- trag der Generalstaatsanwaltschaft sei abzuweisen, da noch keine rechtskräftige Beurteilung erfolgt sei (pag. 878). Mit Verfügung vom 8. März 2018 wurde die Frist für die Einreichung der schriftlichen Berufungsbegründung für beide Beschuldigten letztmals verlängert (pag. 883 f.). Mit Beschluss vom 14. März 2018 wurde der Be- weisantrag der Generalstaatsanwaltschaft gutgeheissen und die Akten des neuen Strafverfahrens der Staatsanwaltschaft Frauenfeld gegen den Beschuldigten 2 bei- gezogen (pag. 888 f.). Die schriftliche Berufungsbegründung des Beschuldigten 2 ging am 4. April 2018 beim Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 898 ff.). Glei- chentags reichte auch der Beschuldigte 1 die schriftliche Begründung ein (pag. 924 ff.). Mit Verfügung vom 5. April 2018 wurde der Generalstaatsanwalt- schaft und den Privatklägern Gelegenheit gewährt, zu den Berufungsbegründun- gen der Beschuldigten Stellung zu nehmen. Die Generalstaatsanwaltschaft wurde gleichzeitig zur Einreichung der Begründung der Anschlussberufung aufgefordert, ansonsten die Anschlussberufung als zurückgezogen gelte (pag. 940 f.). Die Stel- lungnahme bzw. Begründung der Anschlussberufung der Generalstaatsanwalt- schaft ging am 16. April 2018 beim Obergericht ein (pag. 946 ff.). Der Privatkläger 1 liess sich mit Eingabe vom 17. April 2018 und der Privatkläger 2 mit Eingabe vom 18. April 2018 zu den Berufungsbegründungen der Beschuldigten vernehmen (pag. 965 ff. und 971 ff.). Mit Verfügung vom 19. April 2018 gewährte die Verfah- rensleitung den Beschuldigten Gelegenheit zur Einreichung einer Replik 6 (pag. 977 f.), welche der Beschuldigte 1 mit Eingabe vom 9. Mai 2018 (pag. 991 ff.) und der Beschuldigte 2 mit Eingabe vom 14. Mai 2018 wahrnahmen (pag. 998 ff.). Auf die Einreichung einer Duplik (pag. 1008 f.) verzichteten die Generalstaatsan- waltschaft und die beiden Privatkläger (pag. 1013 f., 1015 und 1017), woraufhin der Schriftenwechsel als geschlossen erachtet und die amtlichen Verteidiger zur Ein- reichung ihrer Kostennoten aufgefordert wurden (pag. 1019 f.). 3.Anträge der Parteien Namens des Beschuldigten 1 stellte Rechtsanwalt B.________ in der Berufungser- klärung vom 17. Mai 2017 folgende Anträge (pag. 711 f.): I. A.________ sei freizusprechen 1. von den Anschuldigungen der versuchten schweren Körperverletzung, eventuell einfachen Körperverletzung, 2. des Raufhandels beides angeblich begangen am 08.11.2015 z.N. von G.________ bzw. G.________ und E.________, unter Auflegung von 95 % der auf ihn entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton Bern und unter Ausrichtung einer Entschädigung für die entstandenen erstinstanzlichen Verteidi- gungskosten sowie unter Auferlegung der gesamten oberinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kan- ton Bern und der Ausrichtung einer Entschädigung für die oberinstanzlich entstehenden Verteidi- gungskosten. II. Die Zivilklagen der Privatkläger seien kostenfällig abzuweisen. III. Es werden derzeit keine weiteren Beweisanträge für das oberinstanzliche Verfahren gestellt. In seiner schriftlichen Berufungsbegründung stellte Rechtsanwalt D.________ na- mens des Beschuldigten 2 folgende Anträge (pag. 902): 1. In Abänderung des Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. Februar 2017 (PEN 16 784/785) sei C.________ freizusprechen von der Anschuldigung der versuchten schwe- ren Körperverletzung, angeblich mehrfach begangen am 08.11.2015 in Bern, z.N. von E.________ und/oder G.________. 2. In Abänderung des Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. Februar 2017 (PEN 16 784/785) sei C.________ freizusprechen von der Anschuldigung des Raufhandels, an- geblich begangen am 08.11.2015 in Bern, z.N. von E.________ und G.________. 3. Die Verfahrenskosten sowie die Entschädigung für die im Zusammenhang mit den beantrag- ten Freisprüchen entstandenen Anwaltskosten seien den Privatklägern, eventualiter dem Kanton Bern aufzuerlegen. 4. Die Zivilklagen der Privatkläger seien zurückzuweisen, eventualiter abzuweisen; unter Kos- ten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Privatkläger. 5. Die weiteren Beschlüsse seien unter Berücksichtigung der beantragten Freisprüche von Am- tes wegen vorzunehmen. - unter Kosten- und Entschädigungsfolge -7 Staatsanwalt L.________ stellte namens der Generalstaatsanwaltschaft am 16. April 2018 folgende Anträge (pag. 947): I. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 2. Februar 2017 inso- fern in Rechtskraft erwachsen ist, als A.________ schuldig erklärt wurde wegen Widerhandlung ge- gen das Strassenverkehrsgesetz durch Führen eines Personenwagens in fahrunfähigem Zustand und wegen Widerhandlung gegen das BetmG durch Konsum von Marihuana, als er deswegen zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen, zu einer Verbindungbusse von CHF 150.00 und zu einer Übertretungsbusse von CHF 100.00 verurteilt worden ist und als über die beschlagnahmten Schuhe verfügt worden ist. II. C.________ sei 1. schuldig zu sprechen wegen 1.1 versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfach begangen am 08.11.2015 in Bern z.N. von E.________ und von G.________; 1.2 Raufhandels, begangen am 08.11.2015 in Bern; 2. Zu verurteilen 2.1 zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Davon seien 12 Monate zu vollziehen; der Voll- zug für eine Teilstrafe von 24 Monaten sei aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jah- re festzusetzen; 2.2 zu den auf ihn entfallenden erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten. III. A.________ sei 1. schuldig zu sprechen wegen 1.1 versuchter schwerer Körperverletzung, begangen am 08.11.2015 in Bern z.N. von G.________; 1.2 Raufhandels, begangen am 08.11.2015 in Bern; 2. zu verurteilen 2.1 zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Der Vollzug sei aufzuschieben und die Probe- zeit auf zwei Jahre festzusetzen; 2.2 zu den auf ihn entfallenden erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten. Rechtsanwalt F.________ beantragte namens des Privatklägers 1 in seiner Stel- lungnahme vom 17. April 2018 die vollumfängliche Bestätigung des erstinstanzli- chen Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. Februar 2017 (pag. 965). Rechtsanwältin H.________ stellte namens des Privatklägers 2 ihrerseits in ihrer Stellungnahme vom 18. April 2018 folgende Anträge (pag. 971 f.): 1. C.________ sei wegen versuchter schwerer Körperverletzung, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil des Privatklägers zu verurteilen und angemessen zu bestrafen.8 2. C.________ sei wegen Raufhandels, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil des Privatklägers zu verurteilen und angemessen zu bestrafen. 3. A.________ sei wegen versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfach begangen am 8. No- vember 2015 in Bern zum Nachteil des Privatklägers zu verurteilen und angemessen zu bestra- fen. 4. A.________ sei wegen Raufhandels, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil des Privatklägers zu verurteilen und angemessen zu bestrafen. 5. C.________ sei zu verurteilen, dem Privatkläger eine Genugtuung in Höhe von 2‘0000.00 zuzüg- lich Zins zu 5 % seit dem 8. November 2015 zu bezahlen. 6. A.________ sei zu verurteilen, dem Privatkläger eine Genugtuung in Höhe von 2‘000.00 zuzüg- lich Zins zu 5 % seit dem 8. November 2015 zu bezahlen. 7. Für die Beurteilung der Zivilklage seien keine Kosten auszuscheiden. Falls auf die Zivilklage obe- rinstanzlich Verfahrenskosten ausgeschieden werden, seien diese den Beschuldigten unter soli- darischer Haftbarkeit aufzuerlegen. 8. Die Verfahrenskosten für das Vorverfahren sowie das erst- und oberinstanzliche Gerichtsverfah- ren seien von den beschuldigten unter solidarischer Haftbarkeit zu bezahlen. 9. Die Beschuldigten seien unter solidarischer Haftbarkeit zu verurteilen, dem Privatkläger eine Ent- schädigung für seine Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren gemäss der auf erste Auf- forderung hin einzureichenden Honorarnote zu bezahlen. 4.Oberinstanzliche Beweisergänzungen Mit Verfügung vom 13. Oktober 2017 (pag. 795 ff.) wurden über die beiden Be- schuldigten von Amtes wegen aktuelle Strafregisterauszüge (Beschuldigter 2, pag. 845; Beschuldigter 1, pag. 861) und ergänzende Leumundsberichte samt Er- hebungen über wirtschaftliche Verhältnisse (Beschuldigter 2, pag. 837 ff., Beschul- diger 1, pag. 846 ff.) eingeholt. Zudem wurden die Strafakten der Staatsanwalt- schaft Bern-Mittelland betreffend rechtskräftige Strafbefehle wegen Raufhandels beigezogen (BM 16 2753, BM 16 8302 und BM 16 8301). Mit Beschluss vom 14. März 2018 wurden auch die Akten des neuen Strafverfahrens der Staatsan- waltschaft Frauenfeld gegen den Beschuldigten 2 beigezogen (pag. 888 f.). Am 5. April 2018 wurden schliesslich die vom Beschuldigten 1 eingereichten Unterla- gen zu den Akten erkannt (Lehrvertrag vom 6. Oktober 2017 und Arztzeugnis vom 19. Februar 2018; pag. 940 f.). 5.Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer Betreffend den Beschuldigten 1 hat die Kammer die Schuldsprüche wegen ver- suchter schwerer Körperverletzung und Raufhandels (Ziffer B.I.1. und B.I.2 des Dispositivs), die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe, die Kosten- und Entschädi- gungsfolgen sowie den Zivilpunkt zu überprüfen, soweit die Zivilklage nicht abge- wiesen wurde (Ziffer B.III. des Dispositivs). Hingegen sind die Schuldsprüche we- gen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz und Betäubungsmittelge- setz (Ziffer B.I.3. und B.I.4.), die hierfür ausgesprochene bedingte Geldstrafe sowie die Verbindungs- und Übertretungsbussen in Rechtskraft erwachsen. Betreffend den Beschuldigten 2 hat die Kammer die Schuldsprüche wegen ver- suchter schwerer Körperverletzung und Raufhandels, die Verurteilung zu einer 9 Freiheitsstrafe, die Kosten- und Entschädigungsfolgen sowie den Zivilpunkt zu überprüfen, soweit die Teilklage und die Zivilklage nicht abgewiesen wurden (A.I. und A.III. des Dispositivs). In Rechtskraft erwachsen ist der Beschluss betreffend Rückgabe der beschlag- nahmten Schuhe (C.1. des Dispositivs). Praxisgemäss wird die Kammer über die Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten und DNA- Profile sowie über die amtliche Entschädigung und die Rück- und Nachzahlungs- pflichten neu zu verfügen haben. Die Kammer verfügt bei der Überprüfung des erstinstanzlichen Urteils in den ange- fochtenen Punkten über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Da die Generalstaatsanwaltschaft An- schlussberufung erklärt hat, ist die Kammer grundsätzlich nicht an das Verschlech- terungsverbot gebunden. Dieses gilt aber aufgrund der fehlenden Beru- fung/Anschlussberufung der Privatkläger im Zivilpunkt (Art. 391 Abs. 2 StPO). II. Formelles – Anklagegrundsatz 6.Rüge der Verteidigung des Beschuldigten 1 Rechtsanwalt B.________ rügt zunächst eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Die Formulierung gemäss Ziffer I.B.2. der Anklageschrift genüge den gesetzlichen Anforderungen nicht. Aufgrund der Formulierung «wo sich die Beiden in einen Schlagabtausch verwickelten» sei unklar, wer wen in einen Schlagabtausch verwi- ckelt haben soll, was jedoch zentral sei. Gemäss Anklage habe sich der Schlagab- tausch in der Laube vor dem M.________ abgespielt. Auf der Videoaufnahme sei jedoch zu erkennen, wie die beiden Beschuldigten von den Privatklägern aus der Laube gedrängt worden seien. Die Vorinstanz sei daher zu Recht davon ausge- gangen, dass es in der Laube vor dem Hotel nicht zu einem Raufhandel gekom- men sei und dass nicht erstellt sei, dass – wie in der Anklage festgehalten – die Beschuldigten den Privatklägern abgepasst hätten. Dadurch lege die Vorinstanz ih- rem Urteil einen anderen Sachverhalt zugrunde, der Beschuldigte 1 sei vom Vor- wurf des Raufhandels freizusprechen (pag. 925 f.). 7.Ausführungen der Kammer Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und sub- jektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprin- zip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a; je mit Hinweisen). Diese muss aus der Anklage ersehen können, was ihr konkret vorgeworfen wird, damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann. Sie darf nicht erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschul- digungen konfrontiert werden (vgl. Urteile 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 437; 6B_1079/2015 vom 29. Februar 2016 E. 1.1; 6B_1073/2014 vom 7. Mai 2015 E. 1.2; je mit Hinweisen). Die Anklageschrift ist in- des nicht Selbstzweck, sondern dient der Umgrenzung des Prozessgegenstandes und der Information der beschuldigten Person, damit diese die Möglichkeit hat, sich zu verteidigen (BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 140 IV 188 E. 1.3 f.; je mit Hinweisen; Ur-10 teil 6B_462/2014 vom 27. August 2015 E. 2.3.1, nicht publ. in: BGE 141 IV 369). Ungenauigkeiten sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die be- schuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr angelas- tet wird (Urteile 6B_866/2016 vom 9. März 2017 E. 2.2; 6B_803/2014 vom 15. Ja- nuar 2015 E. 1.3; je mit Hinweisen). An die Anklageschrift dürfen keine überspitzt formalistischen Anforderungen gestellt werden (vgl. Urteil 6B_966/2009 vom 25. März 2010 E.3.3). Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist vorliegend eine Verletzung des Anklagegrundsatzes zu verneinen. Die Anklageschrift gibt den dem Beschul- digten 1 vorgeworfenen Sachverhalt genügend präzise wieder. Sie umschreibt, dass der Beschuldigte 1 zusammen mit seinen Kollegen den beiden Privatklägern in der Laube vor dem Hotel M.________ abgepasst haben soll, wo es zu einem Schlagabtausch gekommen sei (pag. 411). Der Sachverhalt ist mit dieser Um- schreibung genügend konkretisiert, so dass der Beschuldigte 1 weiss, welches Verhalten ihm angelastet wird und gestützt darauf hat entscheiden können, wie er bzw. sein Verteidiger sich gegen den entsprechenden Vorwurf wehren will. Mit Blick auf den Anklagegrundsatz ist unerheblich, ob sich der Zwischenfall vor dem Hotel M.________ in der Laube oder unmittelbar vor der Laube auf der Strasse ab- gespielt haben soll. Ebenso unerheblich ist, dass in der Anklage der Beginn der Auseinandersetzung vor dem Restaurant N.________ geschildert wird, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu Körperverletzungen gekommen ist. Die Verteidi- gungsrechte des Beschuldigten 1 bleiben gewahrt, auch wenn zusätzliche Informa- tionen in der Anklage enthalten sind und der Ort der Auseinandersetzung nicht ex- akt benannt wird. Eine andere Betrachtung wäre angesichts einer örtlichen Abwei- chung des mutmasslichen Tatorts von wenigen Metern als überspitzt formalistisch zu betrachten. Gleiches hat auch bezüglich der Frage zu gelten, wer Aggressor und damit Auslö- ser der körperlichen Auseinandersetzung war. Der (Auffang-)Tatbestand des Rauf- handels pönalisiert bereits die Gefährdung durch eine physische Auseinanderset- zung, bei welcher sich eben gerade nur schwer beweisen lässt, wer den Schaden unmittelbar begünstigt hat (TRECHSEL/MONA in: Praxiskommentar StGB, Trech- sel/Pieth (Hrsg.), 3. Auflage 2018, N 1 zu Art. 133). Straflos bleibt nur derjenige, welcher lediglich abwehrt oder schlichtet (TRECHSEL/MONA, a.a.O., N 4 zu Art. 133). Wer Auslöser bzw. Angreifer war, wird sich daher regelmässig nicht eruieren lassen. Diese Frage ist für die Verteidigungsmöglichkeit des Beschuldigten, wel- chem eine Beteiligung an einem Raufhandel vorgeworfen wird, mit Blick auf den Tatbestand auch nicht relevant. Sie kann daher in der Anklageschrift ohne Nachtei- le für den Beschuldigten offen gelassen werden. Dem Beschuldigten 1 bleibt es vorliegend – unabhängig von der Frage, wer Aggressor war – unbenommen, sich gegen den Vorwurf gemäss Anklage zu verteidigen und seine Rolle präzisierend bzw. entlastend zu beschreiben. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist daher zu verneinen.11 III. Sachverhalt und Beweiswürdigung 8.Vorwurf gemäss Anklageschrift Den beiden Beschuldigten wird gemäss Anklageschrift vom 20. September 2016 versuchte schwere Körperverletzung, evtl. einfache Körperverletzung und Rauf- handel vorgeworfen. Der Beschuldigte 1 soll zusammengefasst am 8. November 2015, ca. um 03.20 Uhr den Privatkläger 2 in einem Gerangel am Boden fixiert und aus kurzer Distanz dreimal mit der rechten Faust heftig gegen den Kopf geschlagen haben. Weiter soll er ihm, nachdem sich der Privatkläger 2 abwehrunfähig auf allen Vieren und mit gesenktem Kopf am Boden befunden habe, mit dem rechten Fuss heftig gegen den Kopf getreten haben. Damit habe der Beschuldigte 1 mindestens in Kauf genom- men, den Privatkläger 2 lebensgefährlich zu verletzen, bleibend zu versehren oder ihm eine schwere Gesundheitsschädigung zu verursachen (pag. 411). Der Beschuldigte 2 soll zusammengefasst dem Privatkläger 1 im Verlaufe einer tät- lichen Auseinandersetzung mit der linken Faust einen kurzen harten Schlag ins Gesicht verpasst haben, so dass der Privatkläger 1 zu Boden gegangen sei. Dar- aufhin habe er dem reglos auf dem Rücken liegenden Privatkläger 1 noch zweimal mit der rechten Faust ins Gesicht geschlagen. Dem Privatkläger 2, welcher sich abwehrunfähig in Kriechstellung auf dem Boden befunden habe, soll der Beschul- digte 2 mit dem rechten Fuss gegen den Kopf getreten haben. Mit diesem Vorge- hen habe der Beschuldigte 2 mindestens in Kauf genommen, die Privatkläger le- bensgefährlich zu verletzen, bleibend zu versehren oder eine schwere Gesund- heitsschädigung zu verursachen (pag. 410). 9.Beweismittel Die Vorinstanz hat die vorhandenen objektiven und subjektiven Beweismittel zutref- fend und vollständig wiedergegeben. Auf die entsprechenden Ausführungen kann vollumfänglich verwiesen werden (pag. 620 ff., S. 15-42 der Entscheidbegründung). 10.Beweiswürdigung 10.1Vorbemerkungen und durch die Kammer zu klärende Beweisfragen Mit Blick auf die den Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen, deren rechtliche Würdigung und die Vorbringen der Parteien stellen sich folgende durch die Kam- mer zu beurteilende Beweisfragen: - Wie ist es zum Vorfall vor dem Restaurant N.________ gekommen und was ist dort geschehen? - Was ist danach vor dem Hotel M.________ geschehen? Haben die Beschuldig- ten den Privatklägern aufgelauert? Oder haben die Privatkläger die Beschuldig- ten angegriffen? - Wie sind die Handlungen des Beschuldigten 1 (drei Faustschläge und ein Fuss- tritt) zum Nachteil des Privatklägers 2 zu qualifizieren? oSind sie in einer Notwehrsituation erfolgt und waren sie angemessen bzw. verhältnismässig?12 oKannte der Beschuldigte 1 das mit seinen Handlungen verbundene Ri- siko einer schweren Körperverletzung und nahm er dieses in Kauf? - Wie sind die Handlungen des Beschuldigten 2 (drei Faustschläge) zum Nachteil des Privatklägers 1 zu qualifizieren? oSind sie in einer Notwehrsituation erfolgt und waren sie angemessen bzw. verhältnismässig? oKannte der Beschuldigte 2 das mit seinen Handlungen verbundene Ri- siko einer schweren Körperverletzung und nahm er dieses in Kauf? - Wie sind die Handlungen des Beschuldigten 2 (ein Fusstritt) zum Nachteil des Privatklägers 2 zu qualifizieren? oSind sie in einer Notwehrsituation erfolgt und waren sie angemessen bzw. verhältnismässig? oKannte der Beschuldigte 2 das mit seinen Handlungen verbundene Ri- siko einer schweren Körperverletzung und nahm er dieses in Kauf? 10.2Würdigung der subjektiven Beweismittel Die Vorinstanz hat sämtliche subjektiven Beweismittel ausführlich und zutreffend gewürdigt. Auf diese Ausführungen kann verwiesen werden (pag. 650 ff., S. 45-50 der Entscheidbegründung). Die vorinstanzliche Beweiswürdigung wird – abgesehen von der Frage, was die Beschuldigten wussten oder in Kauf nahmen – durch die Parteien grösstenteils nicht in Zweifel gezogen. Die nachfolgenden Ausführungen verstehen sich daher – mit Ausnahme der darzulegenden Abweichungen von der vorinstanzlichen Be- weiswürdigung – als Wiederholung bzw. Zusammenfassung der vorinstanzlichen Beweiswürdigung sowie mit Blick auf die Vorbringen der Parteien als präzisierende Ergänzungen. 10.3Beweiswürdigung durch die Kammer 10.3.1Beweiswürdigung betreffend Vorfall vor dem Restaurant N.________ Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass es vor dem Restaurant N.________ zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen (Be- schuldigte 1 und 2 sowie O.________ einerseits, und Privatkläger 1 und 2 anderer- seits) gekommen ist. Der Beschuldigte 2 befand sich zu Beginn der Auseinander- setzung im Restaurant N.________, wurde dann aber durch den Beschuldigten 1 nach draussen geholt. Die Vorinstanz hat ebenso zutreffend ausgeführt, dass auf- grund der Aussagen der Beteiligten und insbesondere der Sicherheitsmitarbeiter nicht mehr eruiert werden könne, wer bzw. was Auslöser der Auseinandersetzung war. Darauf kann verwiesen werden (pag. 653 f., S. 48 f. der Entscheidbegrün- dung). Die Generalstaatsanwaltschaft sieht – entgegen der Vorinstanz – den Beschuldig- ten 1 als Auslöser der Auseinandersetzung, da er gemäss eigenen Angaben über die beiden betrunkenen Privatkläger gelacht habe (pag. 953). Inwiefern und zu welchem Zeitpunkt (bewusste) Provokationen erfolgt sind, wie diese gedeutet wurden und weshalb es schliesslich zu der Auseinandersetzung vor dem N.________ kam, ist nach Ansicht der Kammer unklar und im Ergebnis auch 13 nicht von entscheidender Bedeutung. Keiner der Beteiligten, also weder die Be- schuldigten noch die Privatkläger, konnten den Beginn der Auseinandersetzung schlüssig schildern. Auch die Sicherheitsmitarbeiter als unbeteiligte Dritte vermoch- ten zu dieser Frage keine weiterführenden Angaben zu machen. Die Frage muss daher offen gelassen werden. Was den Inhalt bzw. weiteren Ablauf der Auseinandersetzung betrifft, fällt auf, dass insbesondere die Privatkläger zurückhaltende Angaben machten und sich an den Inhalt der Gespräche bzw. Provokationen nicht mehr erinnern konnten (pag. 29, 35, 45 f., 52 f., 57, 534 f., 541). Diesbezüglich liegen jedoch die glaubhaften Aussagen der Sicherheitsmitarbeiter vor, welche gegenseitige Beleidigungen und Provokatio- nen beider Parteien schildern (pag. 137, 144, 150, 153). Davon ist auszugehen. Weiter ist aufgrund der subjektiven Beweismittel erstellt, dass der Beschuldigte 2 im Zuge dieser verbalen Auseinandersetzung den Privatklägern eine Ohrfeige ver- setzt hat, woraufhin die beiden Gruppen von den Sicherheitsmitarbeitern getrennt wurden. 10.3.2Beweiswürdigung betreffend Beginn der Schlägerei vor dem Hotel M.________ Die Generalstaatsanwaltschaft macht geltend, die Beschuldigten hätten den Privat- klägern aufgelauert bzw. auf sie gewartet, was auf den Videoaufnahmen ersichtlich sei und im Übrigen auch durch den Zeugen P.________ bestätigt werde (pag. 953). Die Verteidigung der Beschuldigten moniert demgegenüber, es sei ent- gegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht zutreffend, dass die beiden Be- schuldigten einer Konfrontation (vor dem Hotel M.________) nicht abgeneigt ge- wesen seien (pag. 910 und 928). Bezüglich der Frage, wie die körperliche Auseinandersetzung vor dem Hotel M.________ ausgelöst wurde, kann grundsätzlich auf die Ausführungen der Vorin- stanz verwiesen werden, wonach davon auszugehen ist, dass die Privatkläger die Beschuldigten attackiert hatten (pag. 654, S. 49 der Entscheidbegründung). Die Kammer schliesst sich diesen vorinstanzlichen Ausführungen an. Wie die Vorin- stanz stellt auch die Kammer bezüglich der Frage, wer Auslöser der gewalttätigen Auseinandersetzung vor dem Hotel M.________ war, in erster Linie auf die glaub- haften Aussagen des Sicherheitsmitarbeiters und Zeugen Q.________ ab, welcher mit den beiden Privatklägern gesprochen hatte. Zwar konnten er und sein Kollege den Beginn der Auseinandersetzung von ihrem Standort vor dem Restaurant N.________ aus nicht beobachten. Er schilderte jedoch glaubhaft, dass sich die Beschuldigten vom Ort der Auseinandersetzung entfernt hatten, die beiden Privat- kläger diesen jedoch dann gefolgt wären und ihnen gegenüber geäussert hätten, die Angelegenheit nicht auf sich sitzen lassen zu wollen. Konkret gab der Zeuge Q.________ an, dass einer der beiden Privatkläger gesagt hätte, dass sie nun „Nägel mit Köpfen“ machen wollten und sich dies von den anderen nicht gefallen lassen würden. Der eine habe sein Bier auf den Boden geschmissen und die bei- den seien den Beschuldigten hinterhergerannt (pag. 137 und 146). Die Kammer stellt – wie die Vorinstanz – auf diese Aussagen ab. Es ist nicht ersichtlich, wieso der Zeuge Q.________ die beiden Privatkläger zu Unrecht belasten sollte. Auch die Aussagen von P.________, welcher an jenem Abend zufällig Zeuge der Auseinandersetzung wurde, lassen nicht an diesen Aussagen zweifeln. Der Zeuge 14 P.________ gab zwar an, dass die Beschuldigten auf die drei Privatkläger losge- gangen seien (pag. 129 und 132). Angesichts der Tatsache, dass er wesentliche Ereignisse falsch schilderte, kann auf seine Aussagen jedoch nicht ohne Weiteres abgestellt werden. In diversen Punkten machte er nachweislich falsche Angaben, so u.a. bezüglich der Anzahl involvierter Personen pro Gruppe. Weiter führte er aus, dass die Gruppe, welche bedroht worden sei, aus drei Personen bestanden habe, wovon einer ein Thailänder gewesen sei (pag. 134). Ebenso gab er fälschli- cherweise an, dass vor dem Restaurant N.________ nur diskutiert worden sei (pag. 133). Schliesslich schilderte er auch einen Fusstritt des Beschuldigten 2 ge- gen den Privatkläger 1, welcher – wie auf den Videoaufnahmen ersichtlich – so nicht stattgefunden hat (pag. 128). Auch seine Aussagen zu angeblichen Äusse- rungen der Beschuldigten und Privatkläger sind wenig glaubhaft und überzeugend, zumal er in der ersten Einvernahme keine solchen angeblichen Äusserungen schil- derte. So gab er bei der Staatsanwaltschaft erstmals an, die Privatkläger hätten gesagt, man soll es sein lassen. Die Beschuldigten hätten den Privatklägern jedoch zugerufen, sie sollten doch kommen und hätten sich dann versteckt (pag. 132). Angesichts dieser offensichtlichen Ungenauigkeiten ist davon auszugehen, dass es sich bei den Aussagen von P.________ zumindest teilweise um (unzutreffende) In- terpretationen der Ereignisse handelt. Auch die Aussagen der Privatkläger lassen keine Zweifel am vorinstanzlichen Be- weisergebnis aufkommen. Auffällig ist, dass beide Privatkläger, insbesondere der Privatkläger 1, weder Angaben zu den Geschehnissen vor dem N.________ noch Angaben zu den Geschehnissen vor dem M.________ machen können und Erin- nerungslücken geltend machen, aber dennoch in Abrede stellen, angegriffen zu haben (Privatkläger 1: pag. 29, 36, 533, 535 f.; Privatkläger 2: pag. 46, 52, 54, 541 f.). Beide Privatkläger verharmlosen ihre eigene Rolle bei der Auseinanderset- zung vor dem N.________. So stellen sie die Schilderung des Sicherheitsmitarbei- ters in Abrede, wonach sie die Beschuldigten auch beschimpft hätten, und diesen dann nachgerannt seien. Beide konnten jedoch keine Erklärung dafür vorbringen, wieso der Sicherheitsmitarbeiter falsche Angaben machen sollte (pag. 38, 56, 535, 542 f.) Schliesslich stützen auch die Videoaufnahmen die Aussagen des Zeugen Q.________. Auf den Videoaufnahmen ist deutlich zu sehen, wie die beiden Be- schuldigten als erstes aus den Lauben auf die Strasse hinaus straucheln, was eher auf einen unerwarteten Angriff hindeutet. Angesichts der Tatsache, dass insbeson- dere der Beschuldigte 2 dem alkoholisierten Privatkläger 1 deutlich überlegen war und diesen mit einem einzigen Faustschlag niederschlug, kann davon ausgegan- gen werden, dass die körperliche Auseinandersetzung in der Laube nicht bereits längere Zeit andauerte, wäre diesfalls doch zu erwarten gewesen, dass sich der Beschuldigte 2 bereits zuvor deutlich durchgesetzt hätte. Vielmehr muss aufgrund dieser Umstände davon ausgegangen werden, dass der Angriff auf die Beschuldig- ten auch für diese eher unerwartet erfolgt ist und der Beschuldigte 2 deshalb durch den Angriff überrascht kurz ins Straucheln geraten, sich dann aber wieder auffan- gen konnte. Diese Sequenz ist auf den Videoaufnahmen deutlich zu erkennen. Die objektiven Beweismittel stützen damit grundsätzlich die glaubhaften Aussagen von Q.________. 15 Entgegen den Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft erachtet die Kammer die Annahme, dass die Beschuldigten vor dem M.________ auf die Privatkläger ge- wartet hätten, als wenig plausibel und nicht erstellt. Die Beschuldigten konnten nicht wissen, dass die Privatkläger den gleichen Weg wie sie einschlagen würden. Sie konnten ebenso wenig ahnen, dass diese erneut eine Auseinandersetzung mit ihnen suchen würden. Ihre Aussagen, dass sie vor dem M.________ auf das Taxi gewartet hätten, wo sich auch ein Taxistand befindet, sind daher nicht abwegig. Dass sie, nachdem sie sich vom Ort der ersten Auseinandersetzung entfernt hat- ten, Blicke nach hinten warfen (was auf den Videoaufnahmen ebenfalls zu sehen ist), ist ebenso nachvollziehbar. Ganz offensichtlich wollten die Beschuldigten die Privatkläger zumindest anfangs, also in dem Moment, in dem sie sich vom N.________ entfernten, im Auge behalten. Dies stellt jedoch für sich allein noch kein Indiz dafür dar, dass sie den Privatklägern tatsächlich aufgelauert hatten und eine Schlägerei beginnen wollten. Dies hat umso mehr zu gelten, als die Beschul- digten eher Anlass hatten, die Angelegenheit als abgeschlossen zu betrachten. Immerhin konnten sie sich insofern Genugtuung verschaffen, als der Beschuldigte 2 den beiden Privatklägern abschliessend eine Ohrfeige versetzt hatte. Insofern kann nach Ansicht der Kammer auch nicht festgehalten werden, dass die Privat- kläger einer weiteren Auseinandersetzung nicht abgeneigt gewesen seien. Viel- mehr ist nach dem Grundsatz in dubio pro reo davon auszugehen, dass die Ange- legenheit für die Beschuldigten mit den beiden Ohrfeigen abgeschlossen war und sie vor dem M.________ auf ein Taxi warteten. 10.3.3Beweiswürdigung betreffend Ablauf der Auseinandersetzung und Bestehen einer Notwehrlage Wie bereits dargelegt, erachtet es die Kammer als erstellt, dass die Beschuldigten vor dem Hotel M.________ durch die Privatkläger attackiert wurden. Der Ablauf der körperlichen Auseinandersetzung ist auf den Videoaufnahmen ersichtlich: Der Beschuldigte 2 wird vom Privatkläger 1 attackiert. Nach einer kurzen Keilerei trennen sich die Beiden. Der Privatkläger 1 hebt die Faust und läuft auf den Be- schuldigten 2 zu. Dabei hebt er sein Bein an und macht damit eine Kickbewegung gegen den Beschuldigten 2. Bei dieser Ausgangslage ist von einem unmittelbaren Angriff des Privatklägers 1 auf den Beschuldigten 2 auszugehen. Der Beschuldigte 2 versetzt in Reaktion auf diesen Angriff dem Privatkläger 1 einen Faustschlag. Der Privatkläger 1 stürzt in Folge des Faustschlags zu Boden und bleibt ausgestreckt und regungslos liegen, womit der Angriff in diesem Moment beendet bzw. abge- wehrt ist. Der Beschuldigte 2 versetzt dem regungslos am Boden liegenden Privat- kläger 1 daraufhin zwei weitere Faustschläge ins Gesicht, obwohl er wusste, dass dieser stark alkoholisiert, wehrlos und aufgrund des ersten und einzigen Faust- schlages bereits ausser Gefecht gesetzt war. Dass heftige Schläge gegen den Kopf eines bereits zum Widerstand unfähigen und alkoholisierten Opfers gefährlich sind, weil es sich beim Kopf um einen sehr empfindlichen Körperteil handelt und Beeinträchtigungen zu schweren und bleibenden Schäden führen können bzw. es ausschliesslich vom Zufall abhängt, ob solche Verletzungen eintreten, ist allgemein bekannt und musste daher auch der Beschuldigte 2 wissen (vgl. Urteil des Bun- desgerichts BGer 6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.4). Auf die Beweisfrage, ob der Beschuldigte 2 das ihm bekannte Risiko in Kauf nahm, wird der Einfachheit halber unter E. IV.16.3 einzugehen sein.16 Der Beschuldigte 2 handelte nicht aus Aufregung oder Bestürzung über den An- griff. Vielmehr war ihm seine körperliche Überlegenheit bewusst, was sich darin zeigt, dass er die Auseinandersetzung nicht scheute, sich im Kampf ruhig und ge- zielt bewegte und sich anschliessend furchtlos und zielstrebig in die Geschehnisse, in welche der Beschuldigte 1 involviert war, einmischte. Der Beschuldigte 1 wurde durch den Privatkläger 2 angegriffen. Beide stürzen zu Boden. Auf den Videoaufnahmen ist nicht eindeutig ersichtlich, wer wen fixiert und festhält. Da der Angriff jedoch durch den Privatkläger 2 erfolgt ist und auf den Vi- deoaufnahmen ersichtlich ist, dass der Beschuldigte 1 dem Privatkläger 2 kurz hin- tereinander drei Faustschläge versetzt, um sich aus der Fixierung zu lösen, ist da- von auszugehen, dass der Beschuldigte 1 – solange er sich zusammen mit dem Privatkläger 2 auf dem Boden befand – einem Angriff ausgesetzt war. Damit war der Beschuldigte 1 in jenem Moment, in dem er dem Privatkläger 2 drei Faust- schläge versetzte und in dem der Beschuldigte 2 dem Privatkläger 2 einen Fusstritt gegen den Kopf versetzte, noch einem Angriff ausgesetzt. Der Angriff war jedoch beendet, als sich der Beschuldigte 1 aus der Fixierung lösen und aufstehen konnte. Im Moment, in dem der Beschuldigte 1 dem Privatkläger 2 einen Fusstritt gegen den Kopf versetzte, lag damit kein Angriff mehr vor. Dass ein mit Anlauf ausgeführ- ter Fusstritt gegen den Kopf eines sich bereits am Boden befindlichen und zum Wi- derstand unfähigen und alkoholisierten Opfer gefährlich ist, weil es sich beim Kopf um den empfindlichsten Körperteil handelt und Beeinträchtigungen zu schweren und bleibenden Schäden führen können bzw. es ausschliesslich vom Zufall ab- hängt, ob solche Verletzungen eintreten, ist allgemein bekannt. Diese Tatsache war beiden Beschuldigten bekannt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts BGer 6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.4). Der Beschuldigte 2 gestand denn auch ein, dass er wisse, dass bei einem solchen Tritt – abhängig davon, ob und wie man treffe – viel passieren könne (pag. 105). Auch der Beschuldigte 1 bestätigte zu wis- sen, dass man eine Person schwer verletzen könne, wenn man gegen den Kopf tritt (pag. 121). Die Verteidigung wendet nun dagegen ein, die Erkenntnis über die Gefährlichkeit ihrer Handlungen sei den Beschuldigten erst später gekommen. Es mag durchaus zutreffend sein, dass die beiden Beschuldigten sich erst später de- taillierter mit den Konsequenzen ihrer Handlungen auseinandergesetzt haben. Das Wissen um die Gefährlichkeit ihrer Handlungen muss bei ihnen jedoch bereits zu- vor vorhanden gewesen sein, handelt es sich dabei doch um Allgemeinwissen. Für die Annahme, dass die Beschuldigten erst später Kenntnis dieses Umstands er- langten, gibt es keine Hinweise. Dies wird denn durch die Beschuldigten selbst auch gar nicht behauptet. Auf die Beweisfrage, ob die beiden Beschuldigten das ihnen bekannte Risiko in Kauf nahmen, wird der Einfachheit halber unter E. IV.16.3 einzugehen sein. Der Beschuldigte 2 handelte auch in dieser zweiten Sequenz der Auseinanderset- zung nicht in Aufregung oder Bestürzung über den zuvor erfolgten Angriff. Er hatte – als er den Weg zum Beschuldigten 1 zurücklegte – genügend Zeit, die Situation zu überblicken und zu analysieren. Dass er dies auch tat, zeigt sich in seiner ziel- strebigen und ruhigen Vorgehensweise. Auch der Beschuldigte 1 handelte nicht in Bestürzung, Aufregung oder Angst. Nachdem es ihm gelang, sich mit drei gezielten Faustschlägen aus der Fixierung durch den Privatkläger 2 zu lösen, agierte er ebenfalls ruhig und zielgerichtet. Beide Beschuldigten wirkten weder orientierungs- noch hilflos und verliessen denn auch zielstrebig den Tatort. Zu keinem Zeitpunkt 17 zeigten sie Anzeichen von Verstörung oder Verwirrung über die Auseinanderset- zung. Bezüglich der bei den beiden Privatklägern eingetretenen Verletzungen ist festzu- halten, dass diese weder einem bestimmten Schlag oder Tritt, noch einer Person (betrifft den Privatkläger 2) zugeordnet werden können. IV. Rechtliche Würdigung 11.Anwendbares Recht Vorliegend stellt sich in Bezug auf die Revision von Art. 122 StGB die Frage des anwendbaren Rechts. Im Zeitpunkt der Tat sah der Tatbestand der schweren Kör- perverletzung eine Mindeststrafe von 180 Tagessätzen vor. Heute beträgt das Strafmass 6 Monate bis 10 Jahre Freiheitsstrafe. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des neuen Strafge- setzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn dieses für ihn das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnormen ist nach der sog. kon- kreten Methode vorzunehmen, wonach sich umfassende Beurteilungen des Sach- verhalts nach altem und nach neuem Recht gegenüberzustellen sind. Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das alte oder das neue Recht. Eine kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist ausgeschlossen (BGE 134 IV 82 E.6.2.3). Vorliegend gelangt daher formell das alte Recht (aStGB) mit dem mil- deren Strafrahmen zur Anwendung. 12.Rechtliche Grundlagen Notwehrsituation Das Bundesgericht hat hierzu Folgendes festgehalten (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 2.2.1 und 2.2.2; Hervorhebungen durch Verfasserin): Die Abwehr in einer Notwehrsituation muss nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spielen insbesondere die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und die Abwehr bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche Verwendung. An- gemessen ist die Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefährlichen und zumutbaren Mitteln hätte abgewendet werden können, der Täter womöglich gewarnt worden ist und der Abweh- rende vor der Benutzung eines gefährlichen Werkzeugs das Nötige zur Vermeidung einer übermässi- gen Schädigung vorgekehrt hat. Auch ist eine Abwägung der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter unerlässlich. Doch muss deren Ergebnis für den Angegriffenen, der erfahrungsgemäss rasch handeln muss, mühelos erkennbar sein. […] Die Angemessenheit der Abwehr ist auf Grund jener Situation zu beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber angestellt werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können (BGE 136 IV 49 E. 3.1 und 3.2 S. 51 f. mit Hinweisen). Notwehr ist nur so lange zulässig, wie der Angriff andauert, d.h. die Zufügung einer neuen oder die Vergrösserung einer bereits eingetretenen Verletzung durch das Verhalten des Angreifers unmittelbar droht. Entscheidend ist nicht die formelle Vollen- dung des im Angriff liegenden Deliktes, sondern die Beeinträchtigung des bedrohten Rechtsguts (Ur- teil 6B_251/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 1.2 mit Hinweisen). 18 13.Subsumtion Gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist Notwehr solange zulässig, wie der Angriff angedauert hat und die Angreifer noch in der Lage waren, weitere Angriffe zu starten bzw. weiter auf die Beschuldigten einzuwirken. Wie im Rahmen der Beweiswürdigung dargelegt, stellte der Privatkläger 1, welcher den Beschuldigten 2 angriff, solange eine Gefahr für diesen dar, bis er aufgrund des Faustschlages durch den Beschuldigten 2 zu Boden fiel. Solange ist daher von einer Notwehrsituation auszugehen. Beim Beschuldigten 1 ist solange von einer Notwehrsituation auszugehen, als er durch den Privatkläger 2 festgehalten wurde. Die drei Faustschläge durch den Beschuldigten 1 sowie der Fusstritt durch den Be- schuldigten 2 sind daher noch innerhalb der Notwehrsituation erfolgt. Zu prüfen ist, ob die Abwehr der Notwehrsituation der Gesamtheit der Umstände angemessen und damit verhältnismässig war: - Der Beschuldigte 2 hat sich gegenüber dem Privatkläger 1 initial mit einem ein- zigen, aber heftigen Faustschlag zur Wehr gesetzt. Die Kammer beurteilt diese Abwehr noch als verhältnismässig. Der Privatkläger 1 hat die Fäuste zum An- griff erhoben und dem Beschuldigten 2 mit einem Faustschlag gedroht. Zudem hat er gleichzeitig das Bein zu einem Kick erhoben. Zwar könnte durchaus ar- gumentiert werden, dass ein Fusstritt gegen den Bauch des Privatklägers 1 vor- liegend das mildere aber gleichermassen effektive Mittel gewesen wäre und der Faustschlag mit einer zu grossen Heftigkeit ausgeführt wurde. Angesichts der Tatsache, dass es sich um ein dynamisches Geschehen gehandelt hat, dem Beschuldigten 2 keine Zeit für eingehende Überlegungen blieb und er berech- tigt ist, ein Mittel einzusetzen, welches auch effektiv ist, wird die Abwehrhand- lung noch als angemessen beurteilt. Als der Privatkläger 1 infolge des Faust- schlages sogleich zu Boden fiel, war der Angriff jedoch beendet. Die unmittel- bar folgenden beiden Faustschläge gegen den am Boden liegenden Privatklä- ger 1 sind daher nicht mehr in einer Notwehrsituation erfolgt. - Der Beschuldigte 2 hat dem Privatkläger 2, welcher den Beschuldigten 1 um- klammert hatte, einen heftigen Fusstritt gegen den Kopf versetzt. Diese Not- wehrhilfe war nicht mehr angemessen. Der Beschuldigte 2 befand sich zusam- men mit dem Beschuldigten 1 gegenüber dem Privatkläger 2 in Überzahl. Der Privatkläger 1 war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschaltet. Zudem hatten sich auch Sicherheitsmitarbeiter eingeschaltet, welche die Streitenden zu tren- nen versuchten. Zudem stellt ein Fusstritt gegen den Kopf des Privatklägers 2, wie bereits dargelegt, ein erhebliches Risiko dar. Aufgrund dieser Umstände musste der Beschuldigte 2 davon ausgehen, dass die Situation bereits ent- schärft war und dem andauernden Angriff ohne Weiteres auch mit weniger ein- schneidenden und weniger gefährlichen Mitteln, namentlich einem Umklam- mern bzw. Zurückhalten des Privatklägers 2, hätte begegnet werden können. Die Notwehrhilfe war damit nicht mehr verhältnismässig. - Der Beschuldigte 1 hat seinerseits dem Privatkläger 2 in einer Notwehrsituation drei Faustschläge versetzt. Die Kammer erachtet dieses Abwehrmittel ebenfalls noch als angemessen. Dem Beschuldigten 1 blieb in diesem Moment keine an- dere Möglichkeit zur Abwehr. Ihm stand nur seine rechte Hand frei zur Verfü- gung, wobei er zudem aufgrund einer Schulterverletzung eingeschränkt war. 19 Die drei Faustschläge waren nicht von besonderer Heftigkeit, was sich (neben den Videoaufnahmen) auch darin zeigt, dass der Privatkläger 2 erst nach dem dritten Faustschlag von ihm abliess. Auch ex post kann daher nicht gesagt werden, dass ein einziger Faustschlag das mildere und dennoch wirksame Mit- tel gewesen wäre. Der Beschuldigte 1 konnte die Wirkung des ersten Schlags bzw. der beiden ersten Schläge gar nicht beurteilen, da er nach wie vor festge- halten wurde. In diesem Moment muss es ihm daher erlaubt sein, sich so lange zur Wehr zu setzen, als der Angriff andauert. Auch der Umstand, dass zu die- sem Zeitpunkt bereits weitere Personen zu Hilfe eilten bzw. ihn und den Privat- kläger 2 trennen wollten, ist vorliegend nicht zu seinen Lasten zu werten. Wie erwähnt, handelte es sich um ein dynamisches Geschehen, in das der Be- schuldigte 1 unmittelbar involviert war. Es war ihm nicht möglich zu sehen und abzuschätzen, welche Personen sich weiter einmischen würden. Im Gegensatz zum Beschuldigten 2 fehlte ihm der Überblick über die Gesamtsituation. Der Beschuldigte 1 musste zudem innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Ent- scheidung treffen. Die Abwehrhandlung ist daher noch als angemessen zu be- urteilen. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der erste Faustschlag des Beschuldigten 2 gegen den Privatkläger 1 sowie die drei Faustschläge des Beschuldigten 1 gegen den Privatkläger 2 als angemessene Abwehrhandlungen in einer Notwehrsituation und daher als gerechtfertigt zu beurteilen sind. Hingegen handelt es sich beim Fusstritt des Beschuldigten 2 gegen den Privatkläger 2 um eine nicht angemesse- ne Abwehrhandlung. 14.Intensiver oder extensiver Notwehrexzess 14.1Allgemeines Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr nach Artikel 15, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 aStGB). Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den An- griff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 aStGB). Der sogenannte intensive Notwehrexzess, bei dem in einer bestehenden Notwehr- situation die Grenzen der angemessenen Notwehr überschritten werden, führt von Gesetzes wegen zu einer obligatorischen Strafmilderung, oder – sofern entschuld- bar – zum Wegfall der Schuld und damit zur Straflosigkeit (Art. 16 aStGB). Umstrit- ten ist, ob dies auch für den extensiven Notwehrexzess gilt. Die Generalstaatsan- waltschaft stellt sich auf den Standpunkt, das Bundesgericht habe dies zwar in ei- nem älteren Entscheid implizit bejaht, sich jedoch nicht konkret mit der Abgrenzung zwischen intensivem und extensivem Exzess auseinandergesetzt. Die neueren Entscheide würden belegen, dass bei einem extensiven Exzess keine obligatori- sche Strafmilderung zu erfolgen habe (pag. 959). Die Verteidigung stellt sich dem- gegenüber auf den Standpunkt, dass selbst wenn von einem extensivem Exzess (und nicht von einer anhaltenden Notwehrsituation) auszugehen wäre, dieser nur Sekundenbruchteile zu spät und damit noch innerhalb einer Notwehrlage erfolgt wäre (pag. 915 und 932 f.) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt bei einem extensiven Notwehr- exzess grundsätzlich keine Notwehrsituation vor und Art. 16 aStGB gelangt nicht zur Anwendung (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 20 3.2.3). Im Urteil 6B_345/2013 vom 24. Oktober 2013 hat das Bundesgericht jedoch bestätigt, dass bei einer um lediglich Sekundenbruchteilen zu spät erfolgen Ab- wehrhandlung noch eine Notwehrsituation vorliege (E. 4.3). Von keiner Notwehrsi- tuation ausgegangen ist das Bundesgericht hingegen bei einer Schussabgabe auf ein regungs- und wehrlos am Boden liegendes Opfer (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 3.2.3), sowie bei einer 20-25 Sekunden nach dem Angriff erfolgten Schussabgabe auf den Flüchtigen (Urteil des Bundes- gerichts BGer 6B_345/2013 vom 24. Oktober 2013, E. 4.3). 14.2Betreffend den Beschuldigten 2 Die beiden Faustschläge des Beschuldigten 2 gegen den am Boden liegenden Pri- vatkläger 1 erfolgten unmittelbar nachdem der Privatkläger 1 zu Boden gefallen ist. Es handelt sich dabei um eine nur um Sekundenbruchteile später erfolgte über- mässige Abwehrhandlung. Die vorliegende Situation ist insofern nicht mit den oben genannten Fällen vergleichbar, in denen das Bundesgericht die Anwendung von Art. 16 aStGB verneint hat, als nicht mehrere Sekunden zwischen den Handlungen lagen, in welchen es dem Beschuldigten 2 möglich gewesen wäre, die Situation neu einzuschätzen. Vielmehr hat der Beschuldigte 2 eher reflexartig noch zwei wei- tere Male auf den Privatkläger 1 eingeschlagen, um danach so rasch als möglich zu seinem Kollegen, dem Beschuldigten 1, zu laufen. Es kann daher noch von der Anwendbarkeit von Art. 16 aStGB ausgegangen werden. Beim Fusstritt des Beschuldigten 2 gegen den Privatkläger 2 handelt es sich un- zweifelhaft um einen intensiven Notwehrexzess, der zur Anwendung von Art. 16 aStGB führt. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten 2 bezüglich sämtli- cher Handlungen, welche nicht gerechtfertigt bzw. rechtswidrig erfolgt sind, von ei- ner Anwendbarkeit von Art. 16 aStGB auszugehen ist (zwei Faustschläge gegen den Privatkläger 1, ein Fusstritt gegen den Privatkläger 2). 14.3Betreffend den Beschuldigten 1 Auch die nicht mehr angemessene Abwehrhandlung des Beschuldigten 1 (Fusstritt gegen den Privatkläger 2) ist nur Sekundenbruchteile später erfolgt, d.h. unmittel- bar nachdem er sich aus der Umklammerung durch den Privatkläger 2 befreien konnte. Mit Verweis auf die obigen Ausführungen (E. 14.2) ist daher auch diesbe- züglich von der Anwendbarkeit von Art. 16 aStGB auszugehen. 15.Entschuldbarer Notwehrexzess nach Art. 16 Abs. 2 aStGB In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 2 aStGB (entschuldbarer Notwehrexzess) gegeben sind, d.h. ob die Grenzen der Notwehr(hilfe) in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über- schritten worden sind oder nicht. Das Bundesgericht hat zum entschuldbaren Notwehrexzess Folgendes festgehal- ten (Urteil des Bundesgerichts BGer 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 2.2.4, Hervorhebungen durch Verfasserin): Ein Notwehrexzess ist gemäss Art. 16 Abs. 2 StGB entschuldbar, wenn die Aufregung oder die Bestürzung des Täters allein oder zumindest vorwiegend auf den rechtswidrigen Angriff zurück- zuführen ist. Überdies müssen Art und Umstände des Angriffs derart sein, dass sie die Aufregung 21 oder die Bestürzung entschuldbar erscheinen lassen. Nicht jede geringfügige Erregung oder Bestür- zung führt zu Straflosigkeit. Erforderlich ist, dass es dem Täter aufgrund der Aufregung oder Bestürzung über den Angriff nicht möglich war, besonnen und verantwortlich zu reagieren (vgl. zum Einsatz von Schusswaffen: Urteil 6S.734/1999 vom 10. April 2001 E. 4b mit Hinweisen). Insoweit besteht trotz der absoluten Formulierung ein gewisses Ermessen (Urteil 6B_810/2011 vom 30. August 2012 E. 5.3.2 mit Hinweisen). Nicht jede Aufregung, die mit einem Angriff gezwungenermassen einhergeht, führt zur Straflosigkeit im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB. Bei der Beurteilung, ob die Aufregung oder die Bestürzung hinrei- chend erheblich war, um den Täter in Anwendung von Art. 16 Abs. 2 StGB nicht mit Strafe zu bele- gen, wird ein umso höherer Grad entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung verlangt, je mehr die Reaktion des Täters geeignet ist, den Angreifer zu gefährden oder zu verletzen (Urteil 6B_910/2016 vom 22. Juni 2017 E. 4.2.2; Rspr. missverständlich, soweit sie auf den Verletzungser- folg und nicht die Verteidigungshandlung abstellt: zuletzt Urteil 6B_352/2016 vom 29. Juli 2016 mit Hinweisen). Tatfrage ist, in welchem Zustand sich die angegriffene Person befand. Rechtsfrage ist hingegen, ob dieser Zustand eine entschuldbare Aufregung oder Bestürzung im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB darstellt (Urteil 6B_811/2011 vom 30. August 2012 E. 5.3.4 mit Hinweisen). Wie im Rahmen der Beweiswürdigung festgestellt, befanden sich die beiden Be- schuldigten nicht in einem Zustand, welcher von Aufregung oder Bestürzung ge- prägt war. Damit stellt sich die Rechtsfrage vorliegend gar nicht, ob der Zustand der Beschuldigten entschuldbar war. Selbst wenn jedoch davon auszugehen wäre, dass sich beide Beschuldigten in einem Zustand der Aufregung und Bestürzung befunden hätten, wäre dieser Zustand mit Blick auf die Vorgeschichte und die wei- teren Umstände nicht als entschuldbar im Sinne des Gesetzes zu beurteilen. Wie festgestellt, wurden die beiden Beschuldigten zwar angegriffen und waren zur Ab- wehr des Angriffs berechtigt. Aber der Angriff erfolgte nicht völlig unvermittelt. Vielmehr ist zu berücksichtigen, dass es bereits vor dem N.________ zu einer Auseinandersetzung gekommen ist, bei dem der Beschuldigte 2 zum einen die bei- den Privatkläger geohrfeigt hat. Die Beschuldigten konnten zum anderen auch wahrnehmen, dass die Privatkläger offensichtlich betrunken und dadurch zumin- dest in einem gewissen Masse beeinträchtigt waren. Die Beschuldigten waren den beiden Privatklägern körperlich überlegen, was sich denn auch darin zeigt, dass sie auf den Angriff verhältnismässig ruhig und zielgerichtet reagierten. Die Kammer hält den Notwehrexzess daher für nicht entschuldbar, weshalb der Schuldaussch- liessungsgrund von Art. 16 Abs. 2 aStGB nicht zur Anwendung gelangt. Hingegen wird der Strafmilderungsgrund von Art. 16 Abs. 1 aStGB im Rahmen der Strafzu- messung zu berücksichtigen sein. 16.Rechtliche Würdigung versuchte schwere Körperverletzung 16.1Rechtliche Grundlagen Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen der versuchten schweren Körperver- letzung zutreffend und ausführlich wiedergegeben. Auf diese Ausführungen wird verwiesen (pag. 656 ff., S. 51-54 der Entscheidbegründung) 16.2Versuchte schwere Körperverletzung – objektiver Tatbestand Die Faustschläge ins Gesicht des sich regungslos am Boden befindlichen Privat- klägers 1 waren geeignet, eine schwere Körperverletzung zu verursachen. Sie er- folgten heftig und ungeschützt, da der Privatkläger 1 im Moment, in dem die Schlä-22 ge erfolgten, regungslos und zur Abwehr unfähig war. Auch der durch den Be- schuldigten 2 ausgeführte Fusstritt gegen den Kopf des Privatklägers 2 war geeig- net, eine schwere Körperverletzung zu verursachen. Der Fusstritt erfolgte mit Schwung und direkt gegen den ungeschützten Kopf des Privatklägers 2. Auch der Privatkläger 2 war in jenem Moment – er hielt nach wie vor den Beschuldigten 1 umklammert – nicht in der Lage, seinen Kopf gegen den heftigen Tritt zu schützen. Beim Beschuldigten 1 stellt sich die Situation gleich dar. In jenem Moment, in dem er dem Privatkläger 2 einen heftigen Fusstritt versetzt hat, befand sich letzterer auf allen Vieren am Boden. Es ist offensichtlich, dass er nicht mehr mit einem Schlag rechnete und nicht in der Lage war, seinen Kopf zu schützen. Das Bundesgericht hat in konstanter Rechtsprechung bestätigt, dass heftige Schläge und Tritte gegen den ungeschützten Kopfbereich des Opfers objektiv ge- eignet sind, schwere Körperverletzungen zu verursachen (vgl. u.a. Urteile des Bundesgerichts 6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.4, 6B_161/2016 vom 12. Oktober 2016, E. 1.4.2, 6B_181/2015 vom 23. Juni 2015, E. 2.3). Die Handlungen der beiden Beschuldigten waren damit geeignet, auch eine schwere Körperverlet- zung zu verursachen. 16.3Versuchte schwere Körperverletzung – subjektiver Tatbestand Zur eventualvorsätzlich begangenen versuchten schweren Körperverletzung hat das Bundesgericht Folgendes festgehalten (Urteil des Bundesgerichts 6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.3, Hervorhebungen durch Verfasserin): Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweis). Ob der Täter die Tatbe- standsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf genommen hat, muss das Gericht bei Fehlen eines Ge- ständnisses des Beschuldigten aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverlet- zung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; 134 IV 26 E. 3.2.2; 133 IV 9 E. 4.1; je mit Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 134 IV 26 E. 3.2.2; je mit Hinweisen). Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Rechtsgutsver- letzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; 133 IV 222 E. 5.3 S. 226). Eventualvorsatz kann indes- sen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9 E. 4.1 S. 17, 1 E. 4.5 S. 6 f.; je mit Hinwei- sen). Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der Täter das ihm bekannte Risiko nicht kal- kulieren und dosieren kann und das Opfer keine Abwehrchancen hat (BGE 133 IV 1 E. 4.5 S. 7; 131 IV 1 E. 2.2 S. 5). Wie bereits oben (siehe E. 16.2) dargelegt, entspricht es der allgemeinen Lebens- erfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in den Kopfbereich eines am Boden 23 liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der kör- perlichen Integrität führen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.4). Da der Eintritt des Erfolgs in der vorliegenden Konstellation – auch mit Blick auf andere mögliche Tatbestandsvarianten – nicht sehr wahrscheinlich, sondern ledig- lich möglich war, kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht ohne Weiteres vom Wissenselement auf das Wollenselement geschlossen werden. Vielmehr ist zu prüfen, ob zusätzliche Umstände vorliegen, welche zu einem Beja- hen des Eventualvorsatzes führen (siehe Auszug aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung oben). Bei beiden Beschuldigten liegen solche Umstände vor: - Beim Beschuldigten 2: Der Beschuldigte 2 hat dem sich auf dem Boden befind- lichen und offensichtlich zur Abwehr unfähigen Privatkläger 1 zwei heftige Faustschläge ins Gesicht versetzt. Der Privatkläger 1 hatte keine Möglichkeit, seinen Kopf zu schützen und war nicht nur aufgrund seiner Alkoholisierung be- einträchtigt, sondern wurde durch den zuvor erfolgten heftigen Faustschlag of- fensichtlich ausser Gefecht gesetzt. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschuldigte 2 das ihm bekannte Risiko, mit den Faustschlägen schwere Kör- perverletzungen des Privatklägers 1 zu verursachen, in Kauf nahm. Der Fusstritt des Beschuldigten 2 gegen den Kopf des Privatklägers 2 erfolgte für diesen unerwartet. Bei einem Fusstritt, welcher wie vorliegend schwungvoll und innerhalb eines dynamischen Geschehens erfolgt, lässt sich das damit verbundene Risiko nicht kalkulieren. Der Beschuldigte 2 hatte keine Möglichkeit mit seinem Fuss genau zu zielen oder seine Kraft dosiert einzusetzen. Im Mo- ment, in dem der Fusstritt erfolgt ist, war der Privatkläger 2 zudem zum Wider- stand unfähig. Er hielt den Beschuldigten 1 umklammert und hatte damit keine Chance, seinen Kopf zu schützen. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschuldigte 2 das ihm bekannte Risiko, mit dem Fusstritt schwere Körperver- letzungen des Privatklägers 2 zu verursachen, in Kauf nahm. - Beim Beschuldigten 1: Der Fusstritt des Beschuldigten 1 gegen den Kopf des Privatklägers 2 erfolgte für diesen unerwartet. Er war aufgrund der kurz zuvor erfolgten drei Faustschläge erkennbar zum Widerstand unfähig. So kniete er auf allen Vieren am Boden und hatte keine Hände frei, um seinen Kopf zu schützen. Bei einem Fusstritt, welcher wie vorliegend schwungvoll erfolgt, lässt sich das Risiko nicht kalkulieren oder steuern. Auch der Beschuldigte 1 hatte keine Möglichkeit mit seinem Fuss genau zu zielen oder seine Kraft dosiert ein- zusetzen. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschuldigte 1 das ihm bekannte Risiko, mit dem Fusstritt schwere Körperverletzungen des Privatklä- gers 2 zu verursachen, in Kauf nahm. - Bei beiden Beschuldigten: Ihre Kenntnis davon, dass die beiden Privatkläger alkoholisiert und bereits dadurch erheblich beeinträchtigt waren, kommt er- schwerend dazu. Die Alkoholisierung der Privatkläger war offensichtlich, was durch die Beschuldigten und die Sicherheitsmitarbeiter bestätigt wurde (Be- schuldigter 1 pag. 123; Beschuldigter 2: pag. 103; Zeuge Q.________: pag. 137; Zeuge R.________: pag. 152). Die alkoholbedingten Beeinträchti-24 gungen waren damit für beide Beschuldigten erkennbar – unabhängig von der Frage, wie stark alkoholisiert sie selbst waren. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 1 der versuchten schwe- ren Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 2, und der Beschuldigte 2 der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil der Privatkläger 1 und 2 schuldig zu erklären sind. Da es sich dabei um Notwehrexzesse handelt, gelangt im Rahmen der Strafzumessung Art. 16 Abs. 1 aStGB zur Anwendung. 17.Rechtliche Würdigung Raufhandel Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen des Raufhandels zutreffend wieder- gegeben und ebenso zutreffend subsumiert, dass die beiden Beschuldigten den Tatbestand des Raufhandels erfüllt haben. Auf diese Ausführungen kann vollum- fänglich verwiesen werden (pag. 662 ff., S. 57-59 der Entscheidbegründung; pag. 669 f., S. 64 f. der Entscheidbegründung). Die Verteidigungen beider Beschuldigter wenden gegen die Schuldsprüche wegen Raufhandels im Wesentlichen ein, dass die Beschuldigten angegriffen worden sei- en und sich lediglich verteidigt hätten. Dem Beschuldigten 1 würde der für den Tat- bestand des Raufhandels erforderliche Vorsatz fehlen. Er sei vom Privatkläger 2 in den Schwitzkasten genommen worden, aber zu diesem Zeitpunkt habe noch kein Raufhandel vorgelegen. Dass daraufhin seine beiden Kollegen eingegriffen und ihm geholfen hätten, sei für ihn nicht vorhersehbar gewesen (pag. 927). Wie festgestellt, sind die Handlungen der beiden Beschuldigten über die zulässige Notwehr hinausgegangen. Sie haben sich damit nicht bloss auf die Abwehr be- schränkt. Dass in der Anklage auch die Auseinandersetzung vor dem Restaurant N.________ geschildert wird, wo es noch zu keiner Körperverletzung gekommen ist, ist unerheblich. Der Tatbestand bzw. dessen objektive Strafbarkeitsbedingung wurde mit der tätlichen Auseinandersetzung vor dem M.________ erfüllt, bei wel- cher beide Privatkläger Körperverletzungen im Sinne von Art. 123 aStGB erlitten. Das Bundesgericht hat bestätigt, dass es in subjektiver Hinsicht genügt, wenn der Täter damit rechnet, dass sich mehr als zwei Personen an der tätlichen Auseinan- dersetzung beteiligen. Das Tatgeschehen ist als Tateinheit zu betrachten (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 und 4.3.1). Sowohl die Beschuldigten als auch die Privatkläger waren in 3er bzw. 2er Gruppen unterwegs. Sie wussten bzw. mussten zumindest damit rechnen, dass sich ihre Kollegen in eine körperliche Auseinandersetzung einmi- schen würden, was mutmasslich auch zur Eskalation beigetragen hat. Der Be- schuldigte 1 hatte in jenem Moment, in dem er dem Privatkläger 2 einen Fusstritt versetzte, bereits Kenntnis davon, dass seine beiden Kollegen eingegriffen hatten. Auch der Beschuldigte 2 hat – als er sich gegen den Privatkläger 2 gewandt hatte – in eine bestehende Auseinandersetzung eingegriffen. Beide Beschuldigten haben damit sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand erfüllt. Raufhan- del steht in echter Konkurrenz zu Körperverletzungsdelikten (STEFAN MAEDER, in: Basler Kommentar Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N. 33 zu Art. 133 StGB). Sie sind somit auch des Raufhandels schuldig zu erklären. 25 V. Strafzumessung 18.Grundlagen der Strafzumessung Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Strafzumessung und der Asperation zutref- fend wiedergegeben. Auf diese Ausführungen wird verwiesen (pag. 671 f., S. 66 f. der Entscheidbegründung). 19.Schuldsprüche, Strafrahmen und Strafart Vorab ist festzuhalten, dass für den Beschuldigten 1 infolge der Rechtskraft der Schuldsprüche wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen Strassenverkehrsgesetz-Widerhandlungen wie auch der hierfür ausgespro- chenen Sanktionen (Geldstrafe sowie Verbindungs- und Übertretungsbussen) obe- rinstanzlich die Strafe für die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 2 und den Raufhandel zu bestimmen ist. Auch der Beschuldigte 2 wurde oberinstanzlich der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil der beiden Privatkläger sowie des Raufhandels schuldig erklärt, wofür die schuldan- gemessene Strafe zu bestimmen sein wird. Mit ihren Handlungen haben die beiden Beschuldigten sowohl den Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung als auch den Tatbestand des Raufhandels erfüllt. Aus spezialpräventiven Gründen sowie aufgrund des engen sachlichen, zeit- lichen und örtlichen Zusammenhangs der beiden Delikte erachtet es die Kammer nicht als zweckmässig, hierfür unterschiedliche Strafarten zu bestimmen. Für beide Schuldsprüche sind daher je Freiheitsstrafen auszusprechen. Wie die Vorinstanz zutreffend und entsprechend der bundesgerichtlichen Praxis festgehalten hat, liegen keine ausserordentlichen Umstände vor, aufgrund welcher der massgebliche weite Strafrahmen für die schwere Körperverletzung als das schwerste Delikt – gemäss Art. 122 aStGB 180 Tagessätze Geldstrafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe – gegen oben oder unten zu verlassen wäre (pag. 674, S. 69 der Entscheidbegründung). Die Strafkammern des Obergerichtes verfügen als Berufungsgericht über umfas- sende Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). Das gilt auch für die Strafzumessung, doch sind die Kammern bei gleich- bleibenden Schuldsprüchen und vergleichbarer Gewichtung der übrigen Strafzu- messungsfaktoren bezüglich einer allfälligen Abweichung von der durch die Vorin- stanz festgelegten Sanktion zurückhaltend, da die erstinstanzlichen Gerichte von allen Aspekten des beurteilten Falles einen unmittelbaren Eindruck gewinnen und in bestimmten Deliktskategorien über eine reiche Praxis mit vielen Vergleichsmög- lichkeiten verfügen. Für gleiche Schuldsprüche ist daher in solchen Fällen eine Kor- rektur im Strafmass durch die Kammer nur angezeigt, wenn wesentliche Tat- oder Täterkomponenten oder Abstufungen unter Teilnehmern unberücksichtigt geblie- ben oder falsch gewürdigt worden sind oder wenn seit dem erstinstanzlichen Urteil wesentliche, die Strafzumessung beeinflussende Änderungen eingetreten sind.26 20.Strafzumessung Beschuldigter 2 20.1Einsatzstrafe für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Pri- vatklägers 1: objektive Tatkomponenten Obwohl sich die beiden Körperverletzungsdelikte vom Unrechtsgehalt her nicht markant unterscheiden, erachtet die Kammer – wie die Vorinstanz – aufgrund der eingetretenen Verletzung die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 als konkret schwerste Tat, für welche die Einsatzstrafe zu be- stimmen ist. Der Beschuldigte 2 versetzte dem sich am Boden befindlichen und zur Abwehr un- fähigen Privatkläger 1 – nachdem er ihm in Notwehr einen Faustschlag versetzt und zu Boden gebracht hatte – noch einmal zwei heftige Faustschläge ins Gesicht. Der Privatkläger 1 erlitt dadurch erhebliche Verletzungen, welche ihn noch während längerer Zeit beeinträchtigten bzw. nach wie vor beeinträchtigen. Im Verhältnis zum weiten Strafrahmen und auch mit Blick auf weitere mögliche Tatvarianten ist jedoch nach bundesgerichtlicher Terminologie noch von einem leichten Verschulden zu sprechen bzw. von einer Strafe im unteren Drittel des Strafrahmens auszugehen, wobei eine Freiheitsstrafe im Bereich von 24 Monaten angemessen erscheint. 20.2Einsatzstrafe für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Pri- vatklägers 1: subjektive Tatkomponenten Der Beschuldigte 2 handelte eventualvorsätzlich, was verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist. Ebenso sind die konkreten Umstände zu seinen Gunsten zu werten. Der Beschuldigte 2 wurde durch den Privatkläger 1 angegriffen. Seine Handlungen sind als Notwehrexzess zu beurteilen und sind nur Sekundenbruchtei- le nach Beendigung der Notwehrsituation erfolgt. Relativiert werden diese Umstän- de jedoch durch das vorgängige Verhalten des Beschuldigten 2, welcher damit, dass er den beiden Privatklägern zwei Ohrfeigen versetzt hatte, die Privatkläger bei ihrem Vorgehen zusätzlich angetrieben und dadurch die Eskalation der Situation letztlich massgeblich mitkonstelliert hat. Der Beschuldigte 2 offenbarte zudem eine gewisse kriminelle Energie, indem er nicht davor zurückschreckte, den bereits re- gungslos am Boden liegenden und damit wehrlosen Privatkläger 1 zweimal zu schlagen. Unter Berücksichtigung vorallem des Notwehrexzesses und in geringerem Aus- mass auch des Eventualvorsatzes, reduziert sich das Verschulden recht erheblich bzw. die Freiheitsstrafe um rund einen Drittel auf 16 Monate. 20.3Verschuldensunabhängige Strafzumessungsfaktoren / Versuch Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass der ausgebliebene Erfolg weitge- hend dem Zufall zu verdanken und damit von einem vollendeten Versuch auszuge- hen ist, weswegen unter dem Titel der verschuldensunabhängigen Strafzumes- sungsfaktoren lediglich eine Reduktion der Einsatzstrafe um zwei Monate auf 14 Monate vorzunehmen ist (vgl. auch pag. 677, S. 72 der Entscheidbegründung). 20.4Asperation für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privat- klägers 2: objektive Tatkomponenten Der Beschuldigte 2 hat dem Privatkläger 2, welcher den Beschuldigten 1 zu diesem Zeitpunkt umschlungen hielt, einen heftigen Fusstritt gegen den Kopf versetzt. Der 27 Beschuldigte 2 handelte in Notwehrhilfe. Sein Kollege, der Beschuldigte 1, befand sich in einer Notwehrsituation. Zu berücksichtigen ist aber, dass bereits Sicher- heitskräfte eingriffen und die Parteien zu trennen versuchten, was ein derart skru- pelloses Eingreifen als unverständlich erscheinen lässt. Obwohl der Privatkläger 2 insgesamt eher weniger stark verletzt wurde als der Privatkläger 1, ist angesichts des Vorgehens von einem nicht unerheblichen Verschulden auszugehen. Der Be- schuldigte 2 hat gegen den Kopf des Privatklägers 2 und damit gegen den empfind- lichsten Körperteil getreten. Im Verhältnis zum weiten Strafrahmen und auch mit Blick auf weitere mögliche Tatvarianten ist jedoch nach bundesgerichtlicher Termi- nologie auch hier noch von einem leichten Verschulden zu sprechen bzw. von einer Strafe im unteren Drittel des Strafrahmens auszugehen, wobei eine Freiheitsstrafe im Bereich von 22-24 Monaten angemessen erscheint. 20.5Asperation für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privat- klägers 2: subjektive Tatkomponenten Der Beschuldigte 2 handelte auch hier eventualvorsätzlich. Sein Handeln ist zudem als Notwehrhilfeexzess zu qualifizieren. Er wollte seinem Kollegen, dem Beschul- digten 1, zu Hilfe kommen. Der Beschuldigte 2 offenbarte dabei aber eine nicht un- erhebliche kriminelle Energie, indem er bei vorliegender Sachlage ohne zu zögern mit dem Fuss gegen den Kopf des Privatklägers 2 getreten hat. Unter Berücksichtigung vorallem des Notwehrhilfeexzesses und in geringerem Ausmass auch des Eventualvorsatzes, reduziert sich das Verschulden auch hier recht erheblich bzw. die Freiheitsstrafe um rund einen Drittel auf 15-17 Monate. 20.6Asperation: verschuldensunabhängige Strafzumessungsfaktoren / Versuch Der hier einschlägige verschuldensunabhängige Strafzumessungsfaktor – konkret die Tatsache, dass der Erfolg nicht eingetreten ist (Versuch) – ist lediglich dem Zu- fall zu verdanken. Er wirkt sich daher auch hier nur in geringem Masse strafmin- dernd aus, konkret im Umfang von zwei Monaten. Die Berücksichtigung der Tatkomponenten – notabene betreffend das zweite Opfer des Beschuldigten 2 – führt zu einer verschuldensangemessenen Strafe von 13-15 Monaten, welche unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips zu einer Er- höhung der Einsatzstrafe um 11 Monate führen (auf total 24-26 Monate). 20.7Asperation Raufhandel Unter Berücksichtigung des Umstands, dass das mit dem Raufhandel zu pönalisie- rende Tatunrecht – mit Blick auf den engen sachlichen, örtlichen und zeitlichen Zu- sammenhang – bereits im Wesentlichen durch die Bestrafung wegen versuchter schwerer Körperverletzung abgegolten wurde, erachtet die Kammer für den Rauf- handel zum Nachteil der beiden Privatkläger – wie die Vorinstanz – eine Strafe von zwei Monaten als verschuldensangemessen, wobei infolge Asperation ein Monat aufzurechnen ist, so dass 25-27 Monate Freiheitsstrafe resultieren. 20.8Täterkomponenten Diesbezüglich kann grundsätzlich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 678, S. 73 der Entscheidbegründung). Der Beschuldigte 2 erlitt gemäss aktuellem Leumundsbericht eine Psychose, wel- che einen längeren Aufenthalt in der UPD Waldau erforderlich machte. Den einver-28 nehmenden Polizeibeamten machte er einen gesundheitlich schlechten Eindruck. Gemäss eigenen Angaben hat der Beschuldigte 2 eine mündliche Zusage für eine Arbeitsstelle als Maler erhalten, welche er nach seiner Entlassung antreten könne (pag. 838). Der Beschuldigte 2 verfügt über Einträge im Betreibungsregister (pag. 840 ff.). Am 1. Dezember 2017 sei eine Exmission aus seiner Wohnung er- folgt (pag. 839). Der Beschuldigte 2 hat zudem während hängigem Verfahren – am 17. Februar 2017, kurz vor der Hauptverhandlung vor Regionalgericht am 22. Fe- bruar 2017 – delinquiert und wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern- Mittelland vom 16. Oktober 2017 des Diebstahls schuldig gesprochen (pag. 845). Dieses Verhalten kann ihn im vorliegenden Verfahren jedoch nicht negativ angelas- tet werden. Der Leumundsbericht erwähnt weitere Anzeigen gegen den Beschul- digten 2 seit der Erstattung des letzten Berichts. Im Sommer 2017 sei er zudem selber Opfer einer Körperverletzung geworden. Zu erwähnen ist in diesem Zusam- menhang die laufende Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft Frauenfeld u.a. wegen Raubes/Vorfall vom 6. Juli 2017 (vgl. beigezogene kopierte Akten SUV_F.2017.817; sep. Ordner). Mit der Generalstaatsanwaltschaft ist festzuhalten, dass aus dem zwischenzeitlichen Verhalten des Beschuldigten 2 zumindest keine Abkehr von gewalttätigen Auseinandersetzungen ersichtlich ist (pag. 963). Wie die Verteidigung aber zu Recht erwähnt, liegen bisher keinerlei rechtskräftige Verurtei- lungen vor, welche dem Beschuldigten 2 negativ angelastet werden könnten (Un- schuldsvermutung). Die Täterkomponenten lassen sich – unter Einbezug der zwischenzeitlichen Ent- wicklungen und Erkenntnisse – nur mehr ganz knapp als neutral beurteilen. 20.9Konkretes Strafmass, Anrechnung Haft und bedingter Strafvollzug Die verschuldensangemessene Strafe des Beschuldigten 2 beläuft sich somit auf eine Freiheitsstrafe im Bereich von 25-27 Monaten, unter Anrechnung von einem Tag Untersuchungshaft (Polizeihaft vom 19. Januar 2016; Art. 51 aStGB). Es stellt sich die Frage, ob eine Reduktion dieser Strafe auf ein mit dem vollbedingten Voll- zug vereinbares (immer noch angemessenes) Mass zu erfolgen hat bzw. ob dem Beschuldigten 2 der bedingte Vollzug zu gewähren ist oder nicht. Diese Frage ist – trotz gewisser Unsicherheiten – zu bejahen und die Freiheitsstrafe auf 24 Monate festzusetzen (vgl. die nachstehenden Ausführungen). Wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Be- gehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten, so schiebt das Gericht in der Regel den Vollzug der Strafe auf (Art. 42 Abs. 1 aStGB). Bezüglich der rechtli- chen Grundlagen kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 681, S. 76 der Entscheidbegründung). Mit Verweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (zwar zum teilbe- dingten Vollzug, hier jedoch ebenso anwendbar) kann dem Beschuldigten 2 der bedingte Strafvollzug gewährt werden (pag. 679 f., S. 74 f. der Entscheidbegrün- dung). Aus den vorliegenden Umständen lässt sich (noch) keine ungünstige Pro- gnose belegen. Zwar geht der Beschuldigte 2, soweit ersichtlich, nach wie vor kei- ner Erwerbstätigkeit nach; gemäss seinen Angaben hat er jedoch eine mündliche Zusage für eine Arbeitsstelle als Maler erhalten (pag. 838). Der Beschuldigte 2 weist einen Strafregistereintrag wegen Diebstahls auf und ist damit bezüglich Ge- waltdelikten nicht einschlägig vorbestraft (pag. 845). Hingegen deuten die weiteren 29 Anzeigen und Verfahren seit des letzten Leumundsberichts noch nicht auf eine ge- lungene Wende zum Besseren hin; sie trüben die Legalprognose, vermögen aber für sich allein – auch mit Blick auf die Unschuldsvermutung – noch keine Schlecht- prognose zu begründen. Angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte 2 sich zudem auch in einem gewissen Masse einsichtig gezeigt hat (vgl. seine Aussagen anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, wonach er gelernt habe, sich nicht provozieren zu lassen und sich wegzudrehen und wegzugehen, pag. 551; weiter auch seine Aussagen vom 30. Januar 2018, wonach er grosse Fehler ge- macht habe und nach der Entlassung aus der UPD Waldau sein Leben neu ord- nen, arbeiten und sicherlich nicht mehr straffällig werden wolle, pag. 838), erachtet die Kammer den Vollzug der Freiheitsstrafe aus spezialpräventiven Gründen nicht als zwingend notwendig, um den Beschuldigten 2 von weiterer Delinquenz abzu- halten. Ihm ist daher der bedingte Vollzug zu gewähren. Die Probezeit ist auf zwei Jahre festzusetzen. 21.Strafzumessung Beschuldigter 1 21.1Einsatzstrafe für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Pri- vatklägers 2: objektive Tatkomponenten Der Beschuldigte 1 hat dem Privatkläger 2, welcher sich wehrlos am Boden befand, einen heftigen Fusstritt gegen den Kopf versetzt. Der Beschuldigte 1 nahm die tat- bestandsmässige Handlung vor, nachdem er sich aus der Umklammerung des Pri- vatklägers 2 befreit hatte, also unmittelbar nach einer bestehenden Notwehrsituati- on. Der Privatkläger 2 erlitt durch die ihm versetzten Schläge erhebliche Verletzun- gen, welche ihn noch während längerer Zeit beeinträchtigten. Im Verhältnis zum weiten Strafrahmen und auch mit Blick auf weitere mögliche Tatvarianten ist jedoch nach bundesgerichtlicher Terminologie noch von einem leichten Verschulden zu sprechen bzw. von einer Strafe im unteren Drittel des Strafrahmens auszugehen, wobei eine Freiheitsstrafe im Bereich von 24-26 Monaten angemessen erscheint. 21.2Einsatzstrafe für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Pri- vatklägers 2: subjektive Tatkomponenten Der Beschuldigte 1 handelte eventualvorsätzlich, was verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist. Auch die konkreten Umstände vermindern das Verschulden. Der Beschuldigte 1 wurde durch den Privatkläger 2 angegriffen. Seine Handlungen sind als Notwehrexzess zu beurteilen. Sie sind nur Sekundenbruchteile nach Be- endigung der Notwehrsituation erfolgt. Relativiert werden diese Umstände jedoch durch das vorgängige Verhalten des Beschuldigten 1, welcher zusammen mit dem Beschuldigten 2 in eine Auseinandersetzung mit den Privatklägern getreten ist und diese erheblich mitkonstelliert hat. Zudem hat der Beschuldigte 1 durch sein Vor- gehen – er hat mit Anlauf mit dem Fuss gegen den Kopf des Privatklägers 2 getre- ten – eine erschreckende kriminelle Energie und Skrupellosigkeit offenbart. Auch beim Beschuldigten 1 reduziert sich, unter Berücksichtigung vorallem des Notwehrexzesses und in geringerem Ausmass auch des Eventualvorsatzes, das Verschulden recht erheblich bzw. die Freiheitsstrafe um rund einen Drittel auf 16- 18 Monate.30 21.3Einsatzstrafe: verschuldensunabhängige Strafzumessungsfaktoren / Versuch Dass der strafrechtliche Erfolg nicht eingetreten ist, ist vorliegend – da von einem vollendeten Versuch auszugehen ist – einzig dem Zufall zu verdanken und kann sich daher nur leicht – konkret im Umfang von zwei Monaten – strafmindernd aus- wirken. Unter Berücksichtigung sämtlicher Tatkomponenten ist von einer hypothetischen Einsatzstrafe von 14-16 Monaten auszugehen. 21.4Asperation Raufhandel Unter Berücksichtigung des Umstands, dass das mit dem Raufhandel zu pönalisie- rende Tatunrecht bereits im Wesentlichen durch die Bestrafung wegen versuchter schwerer Körperverletzung abgegolten wurde, erachtet die Kammer auch für den Beschuldigten 1 eine Strafe von zwei Monaten als verschuldensangemessen, wo- bei infolge Asperation ein Monat aufzurechnen ist, so dass 15-17 Monate resultie- ren. 21.5Täterkomponenten Bezüglich der Täterkomponente kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vor- instanz verwiesen werden (pag. 680, S. 75 der Entscheidbegründung). Der Be- schuldigte 1 ist nicht vorbestraft, familiär gut integriert und geht einer Erwerbstätig- keit (Lehre) nach. Gemäss ergänzendem Leumundsbericht vom 1. Februar 2018 (pag. 846 ff) absolviert der Beschuldigte 1 zurzeit eine Lehre als Polymechaniker, befindet sich im dritten Lehrjahr und erbringt dort gute Arbeitsleistungen (pag. 847 und 936 ff.). Gesundheitlich fühle er sich gut, befinde sich aber 14-täglich in Be- handlung bei Frau Dr. med. S.________ für Gesprächstherapien (vgl. deren Bericht vom 19. Februar 2018, pag. 938). Der Betreibungsregisterauszug weist mehrere Betreibungen auf (pag. 857 ff.). Der Beschuldigte 1 gibt an, zurzeit einige Bussen abzubezahlen und nach Abschluss der Lehre eine Schuldensanierung in Angriff nehmen zu wollen (pag. 858). Der erst 21-jährige Beschuldigte 1 ist noch auf der Suche nach der für ihn geeigneten Lebensstruktur, scheint aber selber zunehmen- de für die Festigung seiner Persönlichkeit und die Gestaltung seiner Lebensum- stände besorgt zu sein. Die Täterkomponenten wirken sich insgesamt leicht positiv aus. 21.6Konkretes Strafmass und bedingter Strafvollzug Der Beschuldigte 1 ist zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu verurteilen. Mit Verweis auf die diesbezüglich zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ist dem Beschuldigten 1 bei dieser Erstverurteilung keine ungünstige Legalprognose zu stellen und daher der bedingte Strafvollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer minimalen Probezeit von 2 Jahren (pag. 681, S. 76 der Entscheidbegründung). Wie bereits dargelegt, sind die Schuldsprüche und Sanktionen betreffend die Wi- derhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz und die Konsumwiderhandlun- gen gegen das Betäubungsmittelgesetz unangefochten geblieben und damit be- reits rechtskräftig.31 VI. Zivilpunkt 22.Rechtliche Grundlagen Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen betreffend Schadenersatz und Ge- nugtuung zutreffend wiedergegeben. Darauf wird verwiesen (pag. 685 ff., S. 80-82 der Entscheidbegründung). Soweit relevant, folgen weitere Ausführungen an der entsprechenden Stelle. 23.Betreffend den Privatkläger 1 23.1Schadenersatz Zunächst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 2 in Anwendung von Art. 41 Abs. 1 des Schweizerischen Obligationenrechts (OR; SR 220) grundsätz- lich haftpflichtig ist. Es kann auf die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, welche den Umfang der Haftpflicht des Beschuldigten 2 zutref- fend dargelegt hat (pag. 687 f., S. 82 f. der Entscheidbegründung). Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der erste Faustschlag des Beschuldigten 2 im Rahmen der Notwehr als rechtmässig zu beurteilen ist. Die Verletzungen sind auf die Faustschläge des Beschuldigten 2 zurückzuführen, welche als einheitliche Handlung zu beurteilen sind. Das Selbstverschulden des Privatklägers 1 vermag die Kausalität nicht zu unterbrechen, ist jedoch in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 OR bei der Festlegung der Haftungsquote zu berücksichtigen (zum Mitverschulden des Opfers vgl. auch BGE 124 II 8 E. 5c und Urteil des Bundesge- richts BGer 6B_529/2010 vom 4. November 2010, E. 4.3). Die Vorinstanz hat den geltend gemachten Schadenersatz von CHF 155.40 auf die zugesprochenen CHF 118.30 reduziert (Abzug für Teilnahme an der staatsanwalt- schaftlichen Einvernahme vom 11. April 2016; pag. 688, S. 83 der Entscheidbe- gründung). Diese Reduktion wurde vom Privatkläger 1 nicht angefochten. Anders als die Vorinstanz erachtet die Kammer jedoch – unter Berücksichtigung des Not- wehrexzesses sowie des gerechtfertigten ersten Faustschlags – (auch hier) in An- wendung von Art. 44 Abs. 1 OR eine Ermässigung im Umfang von einem Drittel als angemessen, so dass der Beschuldigte 2 aus der Teilklage des Privatklägers 1 zur Bezahlung von Schadenersatz von CHF 78.85 zu verurteilen ist. Soweit weiterge- hend, ist die Teilklage abzuweisen. 23.2Zukünftiger mit dem Vorfall in Zusammenhang stehender Schaden Die Vorinstanz hat den zivilrechtlichen Anspruch des Privatklägers 1 für zukünftige mit dem Vorfall im Zusammenhang stehende Forderungen dem Grundsatz nach gutgeheissen und für die vollständige Beurteilung auf den Zivilweg verwiesen (pag. 689 f., S. 84 f. der Entscheidbegründung). Das Strafgericht hat im Urteilsdispositiv klar anzugeben, welche Grundsatzfragen es bereits beurteilt hat und welche Fragen dem Zivilgericht noch zur Entscheidung unterbreitet werden können. So kann z.B. die grundsätzliche Haftpflicht der be- schuldigten Person festgestellt werden, die Höhe des Schadenersatzes, die Haf- tungsquoten bei Mittätern oder die Beurteilung eines allfälligen Drittverschuldens dem Zivilgericht überlassen werden. Auch die Beurteilung des (adäquaten) Kausal- zusammenhangs zwischen einer Gesundheitsstörung der geschädigten Person und dem strafbaren Verhalten kann ausnahmsweise dem Zivilgericht überlassen 32 werden (ANNETTE DOLGE, in: Basler Kommentar StPO, Niggli/Heer/Wiprächtiger (Hrsg.), 2. Auflage 2014, N 48 zu Art. 126). Der Beschuldigte 2 wird – mit Verweis auf die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz – für künftig mit dem Vorfall in Zusammenhang stehenden Schäden ge- genüber dem Privatkläger 1 grundsätzlich für haftpflichtig erklärt, wobei sich die Haftpflicht auf 2/3 des Schadens beschränkt (vgl. E. 23.1 oben). Für die weitere Beurteilung bzw. vollständige Beurteilung wird die Forderung auf den Zivilweg ver- wiesen. 23.3Genugtuung Die Vorinstanz hat dem Privatkläger 1 zu Lasten des Beschuldigten 2 in Anwen- dung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen aufgrund der erlittenen Kör- perverletzung und der dadurch verursachten immateriellen Unbill eine Genugtuung zugesprochen. Die Vorinstanz hat eine Genugtuung von CHF 2‘000.00 als ange- messen erachtet, diese Summe jedoch in Anwendung von Art. 43 Abs. 1 und Art. 44 Abs. 1 OR aufgrund des Mitverschuldens des Privatklägers 1 um rund einen Drittel auf CHF 1‘300.00 gekürzt. Die Kammer erachtet diese Genugtuungssumme – unter Berücksichtigung der erheblichen Verletzungen sowie der Auswirkungen auf das Leben des Privatklägers 1 – als angemessen. Auch die Kürzung um einen Drittel erweist sich mit Blick auf das Mitverschulden des Privatklägers 1 und auf die auch im Rahmen der Schadenersatzforderung vorgenommene Kürzung um einen Drittel als angemessen (vgl. E. 23.1 oben sowie auch pag. 688, S. 83 f. der Ent- scheidbegründung). 23.4Fazit Zivilforderung Privatkläger 1 Der Beschuldigte 2 wird zur Bezahlung von Schadenersatz von CHF 78.85 sowie einer Genugtuung von CHF 1‘300.00, zuzüglich 5 % Zins seit dem 8. Novem- ber 2015, an den Privatkläger 1 verurteilt. Die Zivilklage wird bezüglich künftiger Schadenersatzforderungen aus dem Vorfall im Umfang von 2/3 dem Grundsatz nach gutgeheissen und zur weiteren Beurteilung auf den Zivilweg verwiesen. So- weit weitergehend, wird die Zivilklage abgewiesen. 24.Betreffend den Privatkläger 2 24.1Genugtuung Die Vorinstanz hat dem Privatkläger 2 zu Lasten des Beschuldigten 1 in Anwen- dung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen aufgrund der erlittenen Kör- perverletzung und der dadurch entstandenen immateriellen Unbill eine Genugtuung von CHF 3'000.00 zugesprochen, welche wiederum um rund einen Drittel gekürzt wurde. Zu Lasten des Beschuldigten 2 hat die Vorinstanz eine Genugtuungsforde- rung von CHF 2‘500.00 zugesprochen, der Betrag wurde um einen Viertel gekürzt (vgl. pag. 688 f., S. 83 f. der Entscheidbegründung). Auch beim Privatkläger 2 können die Verletzungen nicht einem Beschuldigten bzw. einer Handlung zugeordnet werden. Dies bleibt jedoch im Ergebnis irrelevant; die beiden Beschuldigten sind haftpflichtig (vgl. auch Ausführungen oben E. 23.1). Die Handlungen der beiden Beschuldigten waren beide gegen den Privatkläger 2 ge- richtet, erfolgten innerhalb von wenigen Sekunden und erscheinen damit als ein- heitliches Vorgehen, in dessen Verlauf der Schaden durch einen der beiden Be-33 schuldigten verursacht wurde. Der Schaden gilt damit als gemeinsam verschuldet i.S. Art. 50 OR (MARTIN A. KESSLER, a.a.O., N 25 zu Art. 41). Die Vorinstanz hat dem Privatkläger 2 zu Lasten der beiden Beschuldigten je eine höhere Genugtuungssumme zugesprochen als dem Privatkläger 1. Beide litten massgeblich unter dem Vorfall, die beim Privatkläger 1 eingetretenen Verletzungen und Auswirkungen müssen jedoch als eher leichter bezeichnet werden. Hingegen wiegt das Verschulden der beiden Beschuldigten schwerer; der Fusstritt gegen den Kopf des Privatklägers 2 ist als gefährlichere und skrupellosere Handlung zu beur- teilen. Da beide Fusstritte vergleichbar sind, erachtet die Kammer eine gleich hohe Genugtuungssumme, konkret je CHF 2‘500.00, als angemessen. Für eine unter- schiedliche Reduktion sieht die Kammer mit Blick auf das Beweisergebnis bzw. das Ergebnis der rechtlichen Würdigung keine Handhabe. Die Reduktion aufgrund des Mitverschuldens ist in beiden Fällen wiederum auf rund 1/3 festzulegen, so dass eine Genugtuung von je CHF 1‘600.00 resultiert. 24.2Fazit Zivilforderung Privatkläger 2 Die beiden Beschuldigten sind zu verurteilen, dem Privatkläger 2 je eine Genugtu- ung von CHF 1‘600.00, zuzüglich Zins von 5 % seit dem 8. November 2015, zu bezahlen. Soweit weitergehend ist die Zivilklage abzuweisen. 25.Kosten für die Zivilklage Für die Beurteilung der Zivilklage im erstinstanzlichen Verfahren wurden keine Ver- fahrenskosten ausgeschieden (Art. 427 Abs. 1 StPO); dies ist zu bestätigen. Die Kostenauflage im Rechtsmittelverfahren richtet sich ausschliesslich nach Art. 428 StPO, weshalb auch oberinstanzlich keine Kosten ausgeschieden werden (Urteil des Bundesgerichts BGer 6B_370/2016 vom 16. März 2017 E. 1.2). VII. Kosten und Entschädigung 26.Erstinstanzliche Verfahrenskosten Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Beide Beschuldigten wurden schuldig gesprochen, sie ha- ben dementsprechend die auf sie entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten zu tragen. Der Beschuldigte 2 wird zur Bezahlung der anteilsmässigen erstinstanz- lichen Verfahrenskosten von CHF 9‘445.00 und der Beschuldigte 1 zur Bezahlung der anteilsmässigen Verfahrenskosten von CHF 10‘284.40 verurteilt (je ½ der Ge- bühren plus die zurechenbaren Auslagen). 27.Oberinstanzliche Verfahrenskosten Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf CHF 4'000.00 bestimmt (Art. 24 Bst. b i.V.m. Art. 6 Abs. 2 des Verfahrenskostendekrets [VKD; BSG 161.12]). Davon entfallen je die Hälfte auf die Verfahrensteile betreffend den Be- schuldigten 1 und 2, ausmachend je CHF 2‘000.00. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegen oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Wenn mehrere Parteien ein Rechtsmittel gegen denselben Entscheid einlegen, tragen sie die Verfahrenskosten anteilsmässig nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Dies gilt auch im 34 Falle einer Anschlussberufung (THOMAS DOMEISEN, a.a.O., N 11 f. zu Art. 428 StPO). Der Beschuldigte 2 ist mit seinen Anträgen auf Freisprüche unterlegen. Hingegen wurde die gegen ihn ausgesprochene Strafe bedeutsam auf ein Mass reduziert, welches noch im Bereich des vollbedingten Vollzugs liegt. Der Beschuldigte 1 ist bezüglich der beantragten Freisprüche unterlegen, die erstinstanzlich ausgespro- chene Freiheitsstrafe wurde im Wesentlichen bestätigt. Die Generalstaatsanwalt- schaft ist ihrerseits mit ihren Anträgen auf Bestätigung der Schuldsprüche durch- gedrungen, nicht jedoch bezüglich der beantragten Erhöhung des Strafmasses. Die Privatkläger haben keine Berufung/Anschlussberufung erklärt und dringen mit ihren Anträgen auf Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils im Wesentlichen durch. Die oberinstanzliche Abänderung der Beträge ist marginal und liegt im Ermessensbe- reich. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschuldigte 2 zwei Drittel des auf ihn entfallenden Verfahrenskostenanteils von CHF 2‘000.00, ausmachend CHF 1‘333.35, zu bezahlen. Das restanzliche Drittel von CHF 666.65 trägt der Kan- ton Bern. Der Beschuldigte 1 hat bei diesem Ausgang des Verfahrens – gemessen an seinen Anträgen – als grösstenteils unterliegend zu gelten. Die Staatsanwaltschaft ist le- diglich mit ihrem Antrag auf Erhöhung der Freiheitsstrafe innerhalb des vollbeding- ten Bereichs nicht durchgedrungen. Der Beschuldigte 1 hat demzufolge drei Viertel der auf ihn entfallenden oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2‘000.00, ausmachend CHF 1‘500.00, zu bezahlen. Der restanzliche Viertel von CHF 500.00 trägt der Kanton Bern. 28.Entschädigung Privatkläger 1 Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf an- gemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt (Art. 433 Abs. 1 Bst. a StPO). Der Beschuldigte 2 wurde im Strafpunkt verurteilt. Die Zivilklage des Privatklägers 1 wurde im Wesentlichen gutgeheissen bzw. dem Grundsatz nach gutgeheissen. Angesichts der Tatsache, dass die im Zivilpunkt vorgenommenen marginalen Än- derungen bzw. die Beurteilung im Zivilpunkt keinen erheblichen (Zusatz-)Aufwand verursacht haben, wird darauf verzichtet, eine Kostenausscheidung vorzunehmen. Der Privatkläger 1 hat als obsiegend zu gelten und ist für seine Aufwendungen im erst- und oberinstanzlichen Verfahren zu entschädigen. Der Beschuldigte 2 hat da- her dem Privatkläger 1 für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte im erstinstanzlichen Verfahren eine Entschädigung von CHF 7‘452.00 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) und im oberinstanzlichen Verfahren eine Entschädigung von CHF 4‘311.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 29.Entschädigung Privatkläger 2 Die beiden Beschuldigten wurden im Strafpunkt verurteilt und die mit Zivilklage gel- tend gemachten Zivilforderungen wurden dem Privatkläger 2 überwiegend zuge- sprochen (vgl. Ausführungen oben E. 28). Der Privatkläger 2 hat damit im Sinne von Art. 433 Abs. 1 Bst. a StPO obsiegt. Das geltend gemachte Honorar erscheint 35 dem Gericht als angemessen. Da die beiden Beschuldigten für die Verletzungen gemeinsam haften und damit die Aufwendungen des Privatklägers 2 im Verfahren gemeinsam verursacht haben, ist gestützt auf Art. 418 Abs. 2 StPO eine solidari- sche Haftung anzuordnen. Die beiden Beschuldigten sind daher unter solidarischer Haftung zu verurteilen, dem Privatkläger 2 je die Hälfte der geltend gemachten Entschädigung von CHF 7‘068.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) für dessen Aufwendungen im erstinstanzlichen Verfahren, ausmachend je CHF 3‘534.30, und der Entschädigung von CHF 3‘941.70 für dessen Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren, ausmachend je CHF 1‘970.85, zu bezahlen. 30.Amtliche Entschädigung Rechtsanwalt D.________ (Beschuldigter 2) Die amtliche Entschädigung von Rechtsanwalt D.________ für die amtliche Vertei- digung des Beschuldigten 2 im erstinstanzlichen Verfahren wird auf CHF 12‘202.10 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) bestimmt. Der Beschuldigte 2 hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und Rechtsanwalt D.________ die Differenz von CHF 2‘940.80 zwischen der amtlichen Entschädi- gung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Ver- hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Die von Rechtsanwalt D.________ im oberinstanzlichen Verfahren geltend ge- machten, tatsächlich etwas umständlich dargestellten Aufwendungen werden – mit Blick auf die Höhe des erstinstanzlichen Honorars und nach Massgabe von Art. 17 Abs. 1 Bst. f Parteikostenverordnung (PKV; BSG 168.811) – noch als an- gemessen erachtet. Soweit der Beschuldigte 2 im Umfang von 2/3 unterliegt, wird die amtliche Ent- schädigung von Rechtsanwalt D.________ im oberinstanzlichen Verfahren auf CHF 4‘152.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) bestimmt. Der Beschuldigte 2 hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und Rechtsanwalt D.________ 2/3 der Differenz von CHF 976.90 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Soweit der Beschuldigte 2 im Umfang von 1/3 obsiegt, wird das amtliche Honorar von Rechtsanwalt D.________ im oberinstanzlichen Verfahren auf CHF 2‘075.15 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) bestimmt. 31.Amtliche Entschädigung Rechtsanwalt B.________ (Beschuldigter 1) Die amtliche Entschädigung von Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Vertei- digung des Beschuldigten 1 im erstinstanzlichen Verfahren wird auf CHF 12‘421.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) bestimmt. Der Beschuldigte 1 hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 2‘845.80 zwischen der amtlichen Entschädi- gung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Ver- hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Die von Rechtsanwalt B.________ im oberinstanzlichen Verfahren geltend ge- machten Aufwendungen werden – mit Blick auf die Höhe des erstinstanzlichen Ho- norars und nach Massgabe von Art. 17 Abs. 1 Bst. f PKV – noch als angemessen 36 erachtet. Soweit der Beschuldigte 1 im Umfang von 3/4 unterliegt, wird die amtliche Entschädigung von Rechtsanwalt B.________ im oberinstanzlichen Verfahren auf CHF 4‘570.35 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) bestimmt. Der Beschuldigte 2 hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und Rechtsanwalt B.________ 3/4 der Differenz von CHF 1‘066.85 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Soweit der Beschuldigte 1 im Umfang von 1/4 obsiegt, wird das amtliche Honorar von Rechtsanwalt B.________ im oberinstanzlichen Verfahren auf CHF 1‘523.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) bestimmt. VIII. Verfügungen Der Beschluss der ersten Instanz betreffend Rückgabe der beschlagnahmten Schuhe ist in Rechtskraft erwachsen. Sowohl vom Beschuldigten 2 (pag. 267 ff.) als auch vom Beschuldigten 1 (pag. 278 ff.) wurden im Rahmen des Vorverfahrens biometrische erkennungs- dienstliche Daten erhoben. Auch kann den Akten entnommen werden, dass DNA- Profile erstellt wurden (pag. 267 f., 278 f.). Dem zuständigen Bundesamt wird hier- mit die vorzeitige Zustimmung zur Löschung der erhobenen Profile nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt (Art. 16 Abs. 1 Bst. e i.V.m. Art. 17 Abs. 1 des DNA-Profil Gesetzes). Auch dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst ist die vorzeitige Zustim- mung zur Löschung dieser erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Da- ten des Beschuldigten 2 (PCN .________) und des Beschuldigten 1 (PCN .________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist zu erteilen (Art. 17 Abs. 1 Bst. e i.V.m Art. 19 Abs. 1 der Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erken- nungsdienstlicher Daten). 37 IX. Dispositiv Die 1. Strafkammer erkennt: A. Das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. Februar 2017 ist insofern in Rechtskraft erwachsen, als I. A.________ schuldig erklärt wurde: 1. der Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz durch Führen eines Per- sonenwagens in fahrunfähigem Zustand (Fahren unter Drogeneinfluss), begangen am 07.05.2016 auf der Autobahn A6 Nord auf dem Weg von K.________ nach T.________ bzw. festgestellt in U.________; 2. der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Konsum von Mari- huana, begangen am 06.05.2016 in K.________; und in Anwendung der Artikel 42 Abs. 1 und Abs. 4, 44, 47 StGB; Art. 31 Abs. 2, 55, 91 Abs. 2 Bst. b SVG; Art. 19a Ziff. 1 BetmG verurteilt wurde: 1. zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 450.00. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt; 2. zu einer Verbindungsbusse von CHF 150.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaf- ter Nichtbezahlung wird auf fünf Tage festgesetzt; 3. zu einer Übertretungsbusse von CHF 100.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuld- hafter Nichtbezahlung wird auf einen Tag festgesetzt. II. weiter beschlossen wurde: dass die beschlagnahmten Schuhe, Marke Nike, nach Eintritt der Rechtskraft des vorlie- genden Urteils C.________ zurückgegeben werden.38 B. A.________ I. A.________ wird schuldig erklärt: 1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 08.11.2015 in Bern zum Nachteil von G.________; 2. des Raufhandels, begangen am 08.11.2015 in Bern zum Nachteil von E.________ und G.________ und in Anwendung der Artikel 16 Abs. 1, 22 Abs. 1, 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 48a, 49 Abs. 1, 122, 133 aStGB; Art. 418, 426 Abs. 1, 428 Abs. 1, 433 Abs. 1 StPO verurteilt: 1. zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt; 2. zur Bezahlung der auf ihn entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 10‘284.40; 3. zur Bezahlung von ¾ der auf ihn entfallenden oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2‘000.00 (von total CHF 4‘000.00), ausmachend CHF 1‘500.00. Die restanz- lichen Verfahrenskosten von CHF 500.00 (¼) trägt der Kanton Bern; 4. zur Bezahlung der Hälfte der Entschädigung von CHF 7‘068.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer), ausmachend CHF 3‘534.30, an den Privatkläger G.________ für seine Aufwendungen im erstinstanzlichen Verfahren, unter solidarischer Haftung mit C.________; 5. zur Bezahlung der Hälfte der Entschädigung von CHF 3‘941.70 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer), ausmachend CHF 1‘970.85 an den Privatkläger G.________ für seine Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren, unter solidarischer Haftung mit C.________.39 II. A.________ wird in Anwendung von Art. 41, 44 Abs. 1, 47, 49 OR sowie Art. 126 StPO weiter verurteilt: 1. zur Bezahlung von CHF 1‘600.00 Genugtuung, zuzüglich 5 % Zins seit dem 08.11.2015, an den Privatkläger G.________. Soweit weitergehend, wird die Zivilklage abgewiesen. 2. Für die Beurteilung der Zivilklage werden erst- und oberinstanzlich keine Kosten ausgeschieden. III. 1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwalt B.________ im erstinstanzlichen Verfahren werden wie folgt bestimmt: Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von A.________ mit CHF 12‘421.60. A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurück- zuzahlen und Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 2‘845.80 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirt- schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 2. Soweit A.________ im oberinstanzlichen Verfahren im Umfang von ¾ unterliegt, wer- den die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwalt B.________ wie folgt bestimmt: Leistungen Stunden Satz amtliche Entschädigung 52.70 200.00CHF10'540.00 CHF 961.50 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF11'501.50CHF 920.10 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF12'421.60 volles Honorar CHF13'175.00 CHF 961.50 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF14'136.50CHF 1'130.90 Total CHF15'267.40 nachforderbarer Betrag CHF 2'845.80 Auslagen MWSt-pflichtig Auslagen MWST-pflichtig40 Leistungen ab 23.2.2017 bis 31.12.2017 Stunden Satz amtliche Entschädigung 4.35 200.00CHF 870.00 CHF 107.40 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF 977.40CHF 78.20 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 1'055.60 volles Honorar CHF 1'087.50 CHF 107.40 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF1'194.90CHF 95.60 Total CHF 1'290.50 nachforderbarer Betrag CHF 234.90 Auslagen MWSt-pflichtig Auslagen MWST-pflichtig Leistungen ab 1.1.2018 Stunden Satz amtliche Entschädigung 15.45 200.00CHF 3'090.00 CHF 173.45 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF3'263.45CHF 251.30 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 3'514.75 volles Honorar CHF 3'862.50 CHF 173.45 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF4'035.95CHF 310.75 Total CHF 4'346.70 nachforderbarer Betrag CHF 831.95 Auslagen MWSt-pflichtig Auslagen MWST-pflichtig Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von A.________ mit total CHF 4‘570.35 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer). A.________ hat dem Kanton Bern die für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichte- te Entschädigung von insgesamt CHF 4‘570.35 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt B.________ die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Ho- norar, ausmachend CHF 1‘066.85, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Ver- hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 3. Soweit A.________ im Umfang von ¼ vor oberer Instanz obsiegt, wird das amtliche Honorar von Rechtsanwalt B.________ wie folgt bestimmt: Leistungen ab 23.2.2017 bis 31.12.2017 Stunden Satz amtliche Entschädigung 1.45 200.00CHF 290.00 CHF 35.80 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF 325.80CHF 26.05 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 351.85 Auslagen MWST-pflichtig41 Leistungen ab 1.1.2018 Stunden Satz amtliche Entschädigung 5.15 200.00CHF 1'030.00 CHF 57.80 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF1'087.80CHF 83.75 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 1'171.55 Auslagen MWST-pflichtig Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von A.________ mit total CHF 1‘523.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer). C. C.________ I. C.________ wird schuldig erklärt: 1. der versuchten schweren Körperverletzung, mehrfach begangen am 08.11.2015 in Bern 1.1 zum Nachteil von E.________; 1.2 zum Nachteil von G.________; 2. des Raufhandels, begangen am 08.11.2015 in Bern zum Nachteil von E.________ und G.________; und in Anwendung der Artikel 16 Abs. 1, 22 Abs. 1, 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 48a, 49 Abs. 1, 51, 122, 133 aStGB; Art. 418, 426 Abs. 1, 428 Abs. 1 ,433 Abs. 1 StPO verurteilt: 1. zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt. Die ausgestandene Haft von einem Tag (Polizeihaft 19.01.2016) wird auf die Frei- heitsstrafe angerechnet; 2. zur Bezahlung der auf ihn entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 9‘445.00; 3. zur Bezahlung von 2/3 der auf ihn entfallenden oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2‘000.00 (von total CHF 4‘000.00), ausmachend CHF 1‘333.35. Die restanz- lichen Verfahrenskosten von CHF 666.65 (1/3) trägt der Kanton Bern;42 4. zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 7‘452.00 (inkl. Auslagen und Mehr- wertsteuer) an den Privatkläger E.________ für seine Aufwendungen im erstin- stanzlichen Verfahren; 5. zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 4‘311.40 (inkl. Auslagen und Mehr- wertsteuer) an den Privatkläger E.________ für seine Aufwendungen im oberin- stanzlichen Verfahren; 6. zur Bezahlung der Hälfte der Entschädigung von CHF 7‘068.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer), ausmachend CHF 3‘534.30 an den Privatkläger G.________ für seine Aufwendungen im erstinstanzlichen Verfahren, unter solidarischer Haftung mit A.________; 7. zur Bezahlung der Hälfte der Entschädigung von CHF 3‘941.70 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer), ausmachend CHF 1‘970.85 an den Privatkläger G.________ für seine Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren, unter solidarischer Haftung mit A.________. II. C.________ wird in Anwendung von Art. 41, 44 Abs. 1, 47, 49 OR sowie Art. 126 StPO verurteilt: 1. zur Bezahlung von CHF 78.85 Schadenersatz an den Privatkläger E.________. 2. zur Bezahlung von CHF 1‘300.00 Genugtuung, zuzüglich 5 % Zins seit dem 08.11.2015, an den Privatkläger E.________. Soweit weitergehend als Ziff. 1+2, wird die Teilklage von E.________ abgewiesen. 3. Darüber hinaus wird die Zivilklage des Privatklägers E.________ dem Grundsatz nach im Umfang von 2/3 des Schadens gutgeheissen und für die vollständige Be- urteilung der Forderung auf den Zivilweg verwiesen. 4. zur Bezahlung von CHF 1‘600.00 Genugtuung, zuzüglich 5 % Zins seit dem 08.11.2015, an den Privatkläger G.________. Soweit weitergehend, wird die Zivilklage von G.________ abgewiesen. 5. Für die Beurteilung der Zivilklagen werden erst- und oberinstanzlich keine Kosten ausgeschieden.43 III. 1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von C.________ durch Rechtsanwalt D.________ im erstinstanzlichen Verfahren werden wie folgt bestimmt: Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt D.________ für die amtliche Verteidigung von C.________ mit CHF 12‘202.10. C.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurück- zuzahlen und Rechtsanwalt D.________ die Differenz von CHF 2‘940.80 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 2. Soweit C.________ im Umfang von 2/3 vor oberer Instanz unterliegt, werden das amt- liche und das volle Honorar von Rechtsanwalt D.________ wie folgt bestimmt: Leistungen ab 23.2.2017 bis 31.12.2017 Stunden Satz amtliche Entschädigung 4.00 200.00CHF 800.00 CHF 86.40 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF 886.40CHF 70.90 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 957.30 volles Honorar 4 250.00CHF 1'000.00 CHF 86.40 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF1'086.40CHF 86.90 Total CHF 1'173.30 nachforderbarer Betrag CHF 216.00 Auslagen MWSt-pflichtig Auslagen MWST-pflichtig Leistungen Stunden Satz amtliche Entschädigung 54.46 200.00CHF10'891.65 CHF 406.60 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF11'298.25CHF 903.85 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF12'202.10 volles Honorar CHF13'614.60 CHF 406.60 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF14'021.20CHF 1'121.70 Total CHF15'142.90 nachforderbarer Betrag CHF 2'940.80 Auslagen MWSt-pflichtig Auslagen MWST-pflichtig44 Leistungen ab 1.1.2018 Stunden Satz amtliche Entschädigung 14.13 200.00CHF 2'826.00 CHF 140.65 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF2'966.65CHF 228.45 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 3'195.10 volles Honorar CHF 3'532.50 CHF 140.65 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF3'673.15CHF 282.85 Total CHF 3'956.00 nachforderbarer Betrag CHF 760.90 Auslagen MWSt-pflichtig Auslagen MWST-pflichtig Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt D.________ für die amtliche Verteidigung von C.________ mit total CHF 4‘152.40 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer). C.________ hat dem Kanton Bern die für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichte- te Entschädigung von insgesamt CHF 4‘152.40 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt D.________ die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Ho- norar, ausmachend CHF 976.90, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Ver- hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 3. Soweit C.________ im Umfang von 1/3 vor oberer Instanz obsiegt, wird das amtliche Honorar von Rechtsanwalt D.________ wie folgt bestimmt: Leistungen ab 23.2.2017 bis 31.12.2017 Stunden Satz amtliche Entschädigung 2.00 200.00CHF 400.00 CHF 43.20 Mehrwertsteuer8.0% auf CHF 443.20CHF 35.45 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 478.65 Auslagen MWST-pflichtig Leistungen ab 1.1.2018 Stunden Satz amtliche Entschädigung 7.06 200.00CHF 1'412.00 CHF 70.35 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF1'482.35CHF 114.15 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 1'596.50 Auslagen MWST-pflichtig Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt D.________ für die amtliche Verteidigung von C.________ mit total CHF 2‘075.15 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer).45 IV. Weiter wird verfügt: 1. Dem zuständigen Bundesamt wird die vorzeitige Zustimmung erteilt zur Löschung der erstellten DNA-Profile von C.________ (PCN .________) und A.________ (PCN .________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist (Art. 16 Abs. 1 Bst. e i.V.m. Art. 17 Abs. 1 DNA-ProfilG). 2. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die vorzeitige Zustimmung erteilt zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten von C.________ (PCN .________) und A.________ (PCN .________) nach Ablauf der ge- setzlichen Frist (Art. 17 Abs. 1 Bst. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bear- beitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). V. 1. Zu eröffnen: - dem Beschuldigten/Berufungsführer 1, vertreten durch Rechtsanwalt B.________ - dem Beschuldigten/Berufungsführer 2, vertreten durch Rechtsanwalt D.________ - dem Straf- und Zivilkläger 1, vertreten durch Rechtsanwalt F.________ - dem Straf- und Zivilkläger 2, vertreten durch Rechtsanwältin H.________ - der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern 2. Mitzuteilen: - der Vorinstanz - der Koordinationsstelle Strafregister (nur Dispositiv nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist) - dem Amt für Migration und Personenstand (betreffend C.________, nach Ablauf der Rechtsmittelfrist) - auszugsweise dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern, Ab- teilung Administrative Verkehrssicherheit (nur Dispositiv Ziff. A.I., nach unbenutz- tem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)46 Bern, 30. Juli 2018 Im Namen der 1. Strafkammer Der Präsident i.V.: Oberrichter Guéra Die Gerichtsschreiberin: Segessenmann i.V. Hiltbrunner Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge- richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen seit Eröffnung bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (Adresse: Pretorio, Viale Stefano Franscini 3, 6500 Bellinzona) schriftlich und begründet Beschwerde führen (Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO).