Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. April 2019 (715 18 325 / 103) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Es ist fraglich, ob die Beschwerdeführerin mit der Zustimmung zum Aufhebungsvertrag der Arbeitslosenkasse einen Schaden zugefügt hat, da unklar ist, ob die Beschwerdefüh- rerin überhaupt noch Lohn- oder Krankentaggeldansprüche gegenüber ihrer Arbeitgebe- rin hätte; Rückweisung an die Vorinstanz Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1978 geborene A.____ war ab 1. Juli 2011 als B.____ im C.____ tätig. Nachdem sie vom 17. August 2017 an krankgeschrieben war, wurde das Arbeitsverhältnis mit Aufhebungs- vertrag vom 22. März 2018 per 31. März 2018 aufgelö st. Am 22. März 2018 stellte A.____ bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbei tslosenkasse) Antrag auf Arbeitslosenent- schädigung ab 2. April 2018 und meldete sich am 26. März 2018 beim Regionalen Arbeitsver- mittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Verfügung vom 27. April 2018 stellte die Arbe itslosenkasse A.____ wegen selbstver- schuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 2. April 2018 für 24 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Baselland (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, wies d ie dagegen erhobene Einsprache von A.____ mit Entscheid vom 6. September 2018 ab. C. Hiergegen erhob A.____ am 28. September 2018 Besch werde beim Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei sie sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 6. September 2018 beantragte. D. Die Arbeitslosenkasse schloss mit Vernehmlassung vom 19. D ezember 2018 auf Ab- weisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslo senversicherung und die Insolvenzent- schädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend kam die Beschwerdeführerin ihren Kontrollpflichten im K anton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicheru ngsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhob ene Beschwerde der Versicherten ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die pr äsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeite n bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Bei einem Tagg eld von Fr. 240.65 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 5‘775.60. Die Angelegenheit ist daher präsidial zu entscheiden. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerd eführerin infolge selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 24 Ta gen in der Anspruchsberechtigung ein- gestellt hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/ Tschannen/Uhlmann, Schweizer i- sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor , wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertragl icher Pflichten, dem Arbeitgeber An- las zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat ( Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV) oder wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufg elöst hat, ohne dass ihr eine an- dere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Ver bleiben an der Arbeitsstelle nicht zu- gemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3 Am 17. Oktober 1991 ist für die Schweiz das Überein kommen Nr. 168 der Internationa- len Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsf örderung und den Schutz gegen die Ar- beitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Übereinkommen) in Kra ft getreten. Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens können Leistungen verweigert, entzogen, zu m Ruhen gebracht oder gekürzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, da ss die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gestützt auf Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt somit voraus, dass die ver sicherte Person vorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat (Urteile des Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007: Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilunge n] vom 26. April 2006, C 6/06, E. 1.1 und C 11/06, E. 1 je mit Hinweisen auf BGE 124 V 236 E. 3b). Im Sozialversicherungsrecht handelt vorsätzlich, wer eine Tat mit Wissen und Willen begeht, oder mindestens im Sinn des Eventualvorsatzes in Kauf nimmt (J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 52). Eine zumindest eve ntualvorsätzliche Herbeiführung der Arbeitslosigkeit liegt beispielsweise dann vor, wenn die versicherte Person auf Grund einer Verwarnung weiss, dass ein bestimmtes Verhalten vom Arbei tgeber nicht – oder nicht mehr – toleriert und zu einer Kündigung führen wird, sie ab er dennoch die ihr nach den persönlichen Umständen und Verhältnissen zumutbare Anstrengung zu eine r Änderung des beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt (vgl. BVR 1999 S. 379 E. 5c) . Hat eine versicherte Person nur grob fahrlässig zur Kündigung durch den Arbeitgeber beigetr agen, ist eine Einstellung in der An- spruchsberechtigung gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkomme ns nicht zulässig. Auch wenn die Vorgesetzten dies anders interpretieren, ist nicht ausgesc hlossen, dass die versicherte Person wirklich nicht erkannte, was von ihr erwartet wurde (B ARBARA KUPFER BUCHER , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Inso lvenzentschädigung, 4. Auflage, Zürich 2013, S. 169, unter Hinweis auf das Urteil des B undesgerichts vom 26. April 2006, C 6/06, E. 3.2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Beim Einstellungsgrund nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV genügt der im Sozialversiche- rungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei nlichkeit nicht, sondern das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten muss klar f eststehen (THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 835). Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermögen blosse Behauptungen des Arbeitgebers den Nachweis für ein schul dhaftes Verhalten der versicherten Person nicht zu erbringen, wenn sie von dieser bestritten werden und nicht durch andere Be- weise oder Indizien bestätigt erscheinen (BGE 112 V 245 E. 1 mit Hinweisen; ARV 1993/94 Nr. 26 S. 183 f. E. 2a; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 837 mit Hinweisen). 2.5 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wes entlich erschwert (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besonde- re Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zuge mutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (ARV 1976 Nr. 18; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 116). Die Zumutbarkeit zum Verbleiben an d er bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt ei ner neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). Im Weiteren ist bei der Prüfung der F rage, ob eine Sanktion wegen Selbstauf- gabe der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVI V zulässig ist, zu beachten, dass nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens die Leistungen bei Arbeitslo sigkeit verweigert, entzogen, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden können, wenn die zu ständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre Beschäftigung freiwillig („volontairement“) ohne triftigen Grund („sans motif légitime“) aufgegeben hat. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Ausle- gung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten A nforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden; insbesonde re sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der versicherten Person zu berücksichtigen (J ACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen werden, wenn eine versicher te Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die Entwicklung am A rbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall, da die versicherte Pe rson für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag (BGE 124 V 238 E. 4b/aa). 2.6 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt di e Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Dageg en vermögen ein schlechtes Arbeits- klima und Meinungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten ode r Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhält nisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323, C 128/96). Bei Schwierigkeiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und dergleichen ist es der versicherten Person grundsätzlic h zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicherung einer neuen Anschlussstelle aufzugeben. Das Bu ndesgericht hat festgehalten, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeit ige Auflösung des Arbeitsverhältnis- ses nicht rechtfertigen. Sie können aber allenfalls be im Verschulden berücksichtigt werden (Ur- teil des EVG vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 m it Hinweisen). Auch ein den Vorstellun- gen der versicherten Person nicht entsprechendes Betrie bsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 2.7 Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses „im gegenseitige n Einvernehmen“ gilt aus der Sicht des Arbeitslosenversicherungsrechts grundsätzlich als Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitnehmer (ARV 1979 Nr. 23; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Nach stän- diger Rechtsprechung ist aber zu prüfen, ob eine versicherte Person unmissverständlich vor die Wahl gestellt worden ist, selber zu kündigen (bzw. das A rbeitsverhältnis im gegenseitigen Ein- vernehmen aufzulösen) oder aber die Kündigung der Arbe itgeberin entgegen zu nehmen (BARBARA KUPFER BUCHER , a.a.O., S. 165f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, wonach Versicherungsträger und Ge- richte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen haben (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen dann vorzunehmen sind, wenn und soweit hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder ander er sich aus den Akten ergebender An- haltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1b; BGE 117 V 282 E. 4a; AHI-Praxis 1994 S. 212 E. 4a; SV R-Rechtsprechung 1999, IV Nr. 10 S. 28 E. 2c). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S . 135). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (H ANS -ULRICH STAUFFER /B ARBARA KUPFER BUCHER , Recht- sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligato- rische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 2008, S. 347 ff.). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt d iesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). 4. Die Beschwerdeführerin war seit 17. August 2018 kran kgeschrieben. Mit Bericht vom 21. Januar 2018 hat Dr. med. D.____, FMH Innere Med izin, als Diagnose eine physische und psychische Erschöpfung bei chronischer Überlastung mit Mehrarbeit und Mobbingsituation fest- gehalten. Weiter hielt Dr. D.____ fest, eine Rückkehr a n diese Arbeitsstelle sei für die Be- schwerdeführerin nicht zumutbar. Die Beschwerdeführerin b leibe für diese Stelle 100 % ar- beitsunfähig, für jede andere Stelle sei sie voll arbe itsfähig. Nach Ablauf der Sperrfrist gemäss Art. 336c Abs. 1 lit. c OR im Februar 2018 haben die B eschwerdeführerin und die Arbeitgeberin Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht am 22. März 2018 eine Aufhebungsvereinbarung abgeschlossen und den Arbeitsvertrag per 31. März 2018 aufgelöst. 4.1 Die Beschwerdegegnerin vertritt die Auffassung, dass in casu davon auszugehen sei, dass die Aufhebungsvereinbarung auf Initiative des Arbe itgebers ausgearbeitet und unterzeich- net worden sei. Deshalb sei vorliegend von einer Arb eitgeberkündigung auszugehen. Dieser Auffassung ist ohne weiteres zuzustimmen. In der Tat erg ibt sich aus den Akten, dass die Auf- hebungsvereinbarung wohl durch die Arbeitgeberin ausge arbeitet wurde und sich die Be- schwerdeführerin lediglich damit einverstanden erklärt ha t. Weiter ist auch nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin einen arbeitsrechtlich relevan ten Anlass zur Kündigung gegeben hätte. Die krankheitsbedingte Absenz kann jedenfalls keinen ihr vorwerfbaren Grund zur Kündi- gung darstellen. Da aber die Sperrfrist für eine Künd igung durch den Arbeitgeber gemäss Art. 336c Abs. 1 lit. b OR – in casu 180 Tage – abgelaufen war, war die Arbeitgeberin zur Kündi- gung auch berechtigt, auch wenn die Beschwerdeführerin für die betreffende Stelle – immer noch – nicht arbeitsfähig war. Mit der Arbeitslosenka sse ist somit von einer Arbeitgeberkündi- gung auszugehen, womit keine selbstverschuldete Arbeitsl osigkeit durch Selbstkündigung vor- liegt. 4.2 Weiter vertritt die Beschwerdegegnerin die Auffa ssung, die Beschwerdeführerin habe mit der Unterzeichnung der Aufhebungsvereinbarung im g egenseitigen Einvernehmen auf die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses verzichtet und dami t den Tatbestand der selbstver- schuldeten Arbeitslosigkeit erfüllt. Daran würden auch die vorliegenden Arztberichte nichts än- dern. 4.2.1 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin sich mit der Unterzeichnung der Auf- hebungsvereinbarung damit einverstanden erklärt hat, da ss der Arbeitsvertrag ohne Einhaltung der Kündigungsfrist beendet werde. Gemäss Rechtsprechun g ist aber der Verzicht auf die Ein- haltung der Kündigungsfrist als selbstverschuldete Arbeit slosigkeit zu werten, welche grund- sätzlich mit einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu sanktionieren ist, da der Arbeits- losenkasse durch den Verzicht auf Lohnfortzahlung oder Krankentaggeld ein Schaden entsteht. Die Höhe der Einstellung in der Anspruchsberechtigung hängt von der Dauer der Lohnfortzah- lung bzw. des Taggeldanspruchs im Krankheitsfall ab (Aud it-Letter 2017/2 – September 2017 des Staatssekretariats für Wirtschaft [seco]). 4.2.2 Dr. D.____ hält in ihrem Schreiben vom 21. Jan uar 2018, aber auch im Arztzeugnis vom 16. März 2018 fest, dass die Beschwerdeführerin an der bisherigen Arbeitsstelle nicht mehr arbeitsfähig war. Aufgrund der Darstellung sowohl der Ärztin als auch der Beschwerdefüh- rerin ist dem zuzustimmen. Nachdem die Beschwerdeführeri n seit dem 17. August 2018 auf- grund physischer und psychischer Erschöpfung bei chronischer Überlastung mit Mehrarbeit und Mobbingsituation krankgeschrieben war, ist davon auszugehen, dass eine Rückkehr an die bis- herige Arbeitsstelle nicht mehr zumutbar war bzw. die Beschwerdeführerin für diese Arbeitsstel- le zu 100 % arbeitsunfähig war. Im Übrigen ist auch di e Krankentaggeldversicherung davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin nur an einem anderen – nicht aber am bisherigen – Arbeitsplatz wieder voll arbeitsfähig war. Damit lie gen legitime Gründe vor, welche die Wieder- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufnahme der Tätigkeit an der bisherigen Arbeitsstell e als nicht mehr zumutbar erscheinen las- sen. 4.2.3 Es stellt sich nun die Frage, ob die Beschwerdefüh rerin während der laufenden Kündi- gungsfrist also in der Zeit vom 1. April 2018 bis 30 . Juni 2018 überhaupt noch Anspruch auf Lohn bzw. Krankentaggelder gehabt hätte, wenn sie zufo lge Krankheit an der Arbeitsstelle ver- hindert war. Denn nur wenn die Beschwerdeführerin du rch ihr Einverständnis in die Aufhebung des Arbeitsvertrages auf Lohn oder Krankentaggelder ve rzichtet, verursacht sie der Arbeitslo- senkasse einen Schaden. Mit dieser Frage hat sich die Vor instanz nicht auseinandergesetzt. Vielmehr ist sie offensichtlich davon ausgegangen, dass d ie Beschwerdeführerin während der Kündigungsfrist entweder Lohn oder Krankentaggelder erhalten hätte. Ob die Beschwerdeführerin noch Anspruch auf Lohn bzw. L ohnfortzahlungen im Krankheitsfall hatte, ist nach den arbeitsrechtlichen Bestimmungen im OR (vgl. dazu auch die Berner, Basler und Zürcher Skala) bzw. nach den im Normalarbeitsvertrag (vgl. dazu auch den Hinweis im Ar- beitsvertrag vom 24. Juni 2011 unter Ziff. 7 auf ein beigelegtes Merkblatt für die Unfall- und Krankentaggeldversicherung) oder – gegebenenfalls – im Gesamtarbeitsvertrag getroffenen Regelungen zu beurteilen. Weder befindet sich das Mer kblatt in den Akten noch ist ersichtlich, dass die Vorinstanz das Vorliegen eines Gesamtarbeitsvertrags geprüft hätte. Abzuklären bleibt auch, ob gestützt auf die – anscheinend – von der Arbe itgeberin abgeschlossenen Krankentag- geldversicherung nicht weiterhin Krankentaggelder durch die Versicherung zu erbringen waren, insbesondere ob eine allfällige Leistungspflicht zeitlich abgelaufen war oder ob die Krankentag- geldversicherung für den vorliegenden Fall, dass die Be schwerdeführerin an einer anderen Ar- beitsstelle voll arbeitsfähig war, ihre Leistungen ei nstellen durfte, wie sie dies geltend gemacht hat (vgl. Schreiben der Vaudoise vom 15. Mai 2018). 4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorweg abzukläre n ist, ob die Beschwerde- führerin, hätte sie dem Aufhebungsvertrag nicht zugesti mmt, überhaupt Lohn- oder Kranken- taggeldansprüche gegenüber der Arbeitgeberin hätte. I st dies der Fall, so ist die Sanktion ge- mäss der Dauer der Lohnfortzahlung/Krankentaggeldanspru ch festzulegen. Hat die Beschwer- deführerin während der gesamten Dauer der Kündigungsfrist Anspruch auf Lohn oder Kranken- taggeld, so wäre die verfügte Einstelldauer nicht zu be anstanden. Hat sie jedoch keinen An- spruch auf Lohn oder Krankentaggelder so ist eine Einst ellung in der Anspruchsberechtigung nicht gerechtfertigt. Demzufolge ist die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Arbeitslosenkasse zurück zu weisen. In diesem Sinne ist die vorlie- gende Beschwerde gutzuheissen. 5. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind für das vorliegende Ve rfahren demnach keine Kosten zu erheben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , dass die Angelegen- heit zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Arbeitslosenkasse Baselland zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht