Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 21. Oktober 2015 (810 14 58) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Stefan Schulthess, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Thomas Zajac , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 0199 vom 11. Februar 2014) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ ist am 11. Mai 1989 in der Schweiz geboren und verfügt über eine Niederlassungsbewilligung. In der Vergangenheit ist A.____ mehrfach (ju- gend-)strafrechtlich in Erscheinung getreten. Am 20 . Juli 2004 verurteilte ihn die Jugendanwalt- schaft Basel-Landschaft wegen Nötigung zu zehn Halb tagen Arbeitsleistung, mit Urteil vom 12. April 2005 wegen mehrfachen Diebstahls und mehr facher Nötigung zu drei Tagen Arbeits- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht leistung und am 14. August 2006 wurde er wegen Angri ffs, einfacher Körperverletzung mit ei- nem gefährlichen Gegenstand sowie mehrfacher, teilwe ise versuchter Nötigung zu Erziehungs- hilfe verpflichtet. Am 4. Juli 2008 wurde A.____ vom Bezirksstatthalteramt B.____ wegen Zuwi- derhandlung gegen das Bundesgesetz betreffend die Hand habung der Bahnpolizei zu einer Busse von Fr. 60.-- verurteilt. Mit Urteil des Strafger ichts Basel-Landschaft vom 11. November 2011 wurde A.____ wegen gewerbsmässigen und teilweise bandenmässigen Diebstahls, mehr- fachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitung sanlage, Hehlerei, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen und teilweise versuchten Hau sfriedensbruchs, Gehilfenschaft zum Angriff, Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, einfacher und mehrfacher gro- ber Verletzung von Verkehrsregeln zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 28 Mo- naten, davon 9 Monate unbedingt, sowie einer Busse vo n Fr. 60.-- verurteilt. Das Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, bestätigte dieses Urteil am 18. Dezember 2012. B. Mit Schreiben vom 27. Mai 2013 gewährte das Amt fü r Migration des Kantons Basel- Landschaft (AfM) A.____ das rechtliche Gehör zum beabsic htigten Widerruf seiner Niederlas- sungsbewilligung sowie seiner Wegweisung aus der Schweiz. E ine Stellungnahme von A.____ ist nicht eingegangen. C. Mit Verfügung vom 24. Oktober 2013 widerrief das Af M die Niederlassungsbewilligung von A.____ und ordnete dessen Wegweisung bis spätestens 31. Januar 2014 resp. spätestens zum Zeitpunkt der (bedingten) Entlassung aus dem Strafvollzug aus der Schweiz an. D. Die von A.____ am 5. November 2013 dagegen erhobe ne Beschwerde wies der Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) mi t Entscheid Nr. 0199 vom 11. Februar 2014 ab. E. Gegen den Entscheid des Regierungsrats Nr. 0199 vom 11 . Februar 2014 liess A.____, nachfolgend vertreten durch Thomas Zajac, Advokat in Ba sel, am 27. Februar 2014 beim Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrech t (Kantonsgericht), Beschwerde erhe- ben mit den Rechtsbegehren, es sei die Verfügung des Reg ierungsrats Nr. 0199 vom 11. Februar 2014 aufzuheben und dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung zu erteilen. Ferner sei dem Beschwerdeführer die unentg eltliche Rechtspflege sowie der kostenlo- se Beizug eines Rechtsanwalts zu bewilligen und es sei d er Unterzeichnende als unentgeltli- cher Rechtsbeistand zu bestellen, unter o/e Kostenfolge. Zur Begründung führt er aus, der Wi- derrufsgrund werde nicht in Abrede gestellt, es handl e sich vorliegend jedoch um einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall, weshalb der vor genannte Entscheid des Regierungs- rates aufzuheben sei. F. Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 28. Februar 2014 wurde A.____ wegen Raufhandels, mehrfachen Angriffs, mehrf acher Sachbeschädigung, mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz und mehrfache r Übertretung des Betäubungs- mittelgesetzes zu einer Freiheitsstrafe von 4 ¾ Jahren so wie zu einer Busse von Fr. 300.-- ver- urteilt. Gleichzeitig wurde die Strafe gemäss Urteil d es Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Ab- teilung Strafrecht, im Umfang von 19 Monaten für vollziehbar erklärt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 30. April 2014 auf Abweisung der Beschwerde, es sei insbesondere kein schwerwiegender pers önlicher Härtefall zum Verbleib in der Schweiz ersichtlich. H. Mit Präsidialverfügung vom 23. Mai 2014 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen und dem Besch werdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung durch Thomas Zajac, Advokat in Basel, bewilligt. I. Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Kantonsgeri cht vom 2. Juli 2014 hielt der Be- schwerdeführer im Wesentlichen an seinen Anträgen und Begründungen fest. Mit Verfügung vom 2. Juli 2014 wurde das Verfahren bis zum Vorliegen des Urteils des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt betreffend Berufung gegen das U rteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 28. Februar 2014 sistiert. J. Am 11. Dezember 2014 trat der Beschwerdeführer den v orzeitigen Strafvollzug in der Strafanstalt Bostadel an. K. Mit Eingabe vom 2. Juni 2015 beantragte der Beschwe rdegegner die Aufhebung der Sistierung des Verfahrens, nachdem das erstinstanzliche Urt eil des Strafgerichts vom 28. Februar 2014 mit Urteil des Appellationsgerichts de s Kantons Basel-Stadt vom 17. April 2015 vollumfänglich bestätigt wurde. Der Beschwerdeführe r erhob keine Einwände gegen die Aufhebung der Sistierung (vgl. Eingabe vom 18. Juni 2015). L. Nachdem das vorerwähnte Urteil des Appellationsgericht s des Kantons Basel-Stadt in Rechtskraft erwachsen ist, wurde die Sistierung des Verfa hrens mit Verfügung vom 21. Juli 2015 aufgehoben und der Fall der Kammer im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. M. Mit Eingabe vom 10. August 2015 liess der Beschwerdege gner dem Kantonsgericht eine Kopie des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Basel-St adt vom 29. Juni 2015 zukommen. Demgemäss wurde der Beschwerdeführer wegen einfacher K örperverletzung zu einer Frei- heitsstrafe von 100 Tagen verurteilt, da er in der Ze lle des Ausschaffungsgefängnisses Bäss- lergut einem Mithäftling mehrfach einen Hocker an den Kopf und ins Gesicht geschlagen hatte. Der Beschwerdegegner wies insbesondere auf die daraus hervorgehende schlechte Legalprog- nose des Beschwerdeführers hin. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Als Adressat des angefochtenen Entscheids weist der Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung auf. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt und sowo hl die örtliche als auch die sachliche Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, ist auf d ie vorliegende Beschwerde einzutre- ten. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsge richtlichen Beschwerde ist die Kog- nition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den ange- fochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen rechtsfehle rhaft ausgeübt hat. Ferner kann be- urteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Über- prüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Kantonsger icht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und die damit einhergehende Wegweisung zu Recht erfolgten. 3.2 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzt ode r wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinne n und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. AuG und 27 ff. AuG – im Rahmen der g esetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassun g zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Gewä hrung einer Anwesenheitsbewilli- gung hat die ausländische Person grundsätzlich nicht, es se i denn, das AuG oder völkerrechtli- che Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2. 3; P ETER UEBERSAX , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg .], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 3.3 Zwischen der Schweiz und der Türkei besteht kein Sta atsvertrag, der dem Beschwer- deführer einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schwei z gewähren würde. Es sind entspre- chend die Bestimmungen des AuG, vorbehältlich anderer vö lkerrechtlicher Verträge, anwend- bar. 3.4 Die Niederlassungsbewilligung verleiht ihrem Inhab er grundsätzlich einen zeitlich unbe- fristeten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz (Art. 34 Abs. 1 AuG). Es ist somit von einem grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf Aufent- halt in der Schweiz auszugehen. 3.5.1 Des Weiteren können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschen rechte und Grundfreiheiten (Europäi- sche Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 sowie dem inhaltlich gleich- wertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweize rischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Pri vat- und Familienlebens einen An- spruch auf Aufenthalt oder Verbleib in einem andern S taat ableiten, wenn eine staatliche Ent- fernungsmassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /T HOMAS Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Ausl änderrecht, insbeson- dere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, E uropäische Grundrechte-Zeitschrift [EuGRZ] 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Die se Garantien können somit dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienan gehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Famil ienleben vereitelt wird. Gemäss stän- diger bundesgerichtlicher Rechtsprechung müssen die sich hi erzulande aufhaltenden Angehö- rigen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilli gung besitzen oder über eine Auf- enthaltsbewilligung verfügen, die ihrerseits auf ein em gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zu- dem müssen diese Personen zur Kernfamilie (Ehegatte ode r im gleichen Haushalt lebende, minderjährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Nach der Rechtsprechung fallen zudem die sozialen Bindunge n eines Ausländers im Aufent- haltsstaat und zur Gemeinschaft, in der er lebt – insbeso ndere wenn er im Aufenthaltsstaat ge- boren wurde oder im jungen Kindesalter eingereist ist –, bei einer langen Aufenthaltsdauer in den Schutzbereich des Privatlebens (kombinierter Schutzber eich des Privat- und Familienle- bens, vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2). 3.5.2 Die Garantie des Familienlebens ist bei ledigen und kinderlosen jungen Erwachsenen namentlich berührt, wenn sie dem Elternhaus noch nicht entwachsen sind, sondern weiterhin mit den Eltern oder anderen Familienmitgliedern in einem gemeinsamen Haushalt wohnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2 013 E. 4.4.2). Losgelöst vom Fami- lienleben kann bei einer sehr langen Aufenthaltsdauer der Schutzbereich des Privatlebens be- troffen sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.4.2). Un- abhängig vom Bestehen eines Familienlebens wird bei im Aufenthaltsstaat geborenen und auf- gewachsenen (erwachsenen) Ausländerinnen und Ausländern der zweiten Generation insbe- sondere dann ein Anspruch aus der kombinierten Garantie des Privat- und Familienlebens an- genommen, wenn eine aufenthaltsbeendende Massnahme die Trennung von den hier lebenden Eltern und Geschwistern bedeutet (vgl. z.B. Urteil des B undesgerichts 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2) 3.5.3 Der heute 26-jährige, ledige und kinderlose Be schwerdeführer ist in der Schweiz gebo- ren und hier bei seiner Familie aufgewachsen. Er hat se in gesamtes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht und verfügt über ein gefestigtes Anwese nheitsrecht. Mit kurzen Unterbrü- chen wohnte der Beschwerdeführer bis zum Antritt des Str afvollzugs bei seinen Eltern bzw. nach der Trennung seiner Eltern bei seiner Mutter und dem jüngeren Bruder. Entgegen der An- sicht der Vorinstanz kommt demnach beim Beschwerdeführe r als Ausländer der zweiten Gene- ration der kombinierte Schutzbereich von Privat- und Familienleben gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV zur Anwendung (vgl. auch Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 9. September 2015 [810 15 19], E. 4.4.1 ff.). 4.1 Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf A ufenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privat- und Fami lienleben absolut. Die Niederlassungs- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bewilligung kann widerrufen werden, wenn der Auslände r zu einer längerfristigen Freiheitsstra- fe, d.h. zu einer solchen von mehr als einem Jahr, ver urteilt worden ist (Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG; BGE 137 II 297 E. 2; BGE 135 II 377 E. 4.2). Dabei spielt es keine Rol- le, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (vgl. BGE 139 I 16 E. 2.1). Ein Widerruf ist überdies möglich, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise ge- gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Die Praxis geht hiervon aus, wenn die ausländische Person durch ihr Handeln besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht hat, sich von strafrechtlichen Mass- nahmen nicht beeindrucken lässt und sich im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die R echtsordnung zu halten (BGE 139 I 16 E. 2.1, BGE 137 II 297 E. 3). Diese Widerrufsgründe gelten auch, wenn eine ausländische Per- son sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ord nungsgemäss im Land aufgehalten hat (Art. 63 Abs. 2 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.1). 4.2 Bereits mit der Verurteilung zu einer teilbedingt en Freiheitsstrafe von 28 Monaten (da- von 9 Monate unbedingt) gemäss Urteil des Strafgerichts B asel-Landschaft vom 11. November 2011, welches im Berufungsverfahrens bestätigt wurde (vgl . Urteil des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 18. Dezember 201 2), ist vorliegend eine längerfristige Freiheitsstrafe ausgesprochen worden und der Widerru fsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 lit. b AuG gegeben, was vom Beschwerde führer nicht bestritten wird. Die Vo- rinstanz ist ferner davon ausgegangen, dass auch der Wid errufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt sei. Ob das Verhal ten des Beschwerdeführers als schwerwie- gender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und O rdnung zu werten ist, bedarf keiner nä- heren Betrachtung, weil dieser Widerrufsgrund nur dan n zur Anwendung kommt, wenn es an den Voraussetzungen für einen Widerruf aufgrund der V erurteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe fehlt (BGE 135 II 377; Urteil des Bu ndesgerichts 2C_888/2012 vom 13. März 2013 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 2C_1029/2011 vom 10 . April 2012 E. 3.1). In der vorlie- genden Konstellation kommt ihm somit nur subsidiäre u nd damit keine entscheidwesentliche Bedeutung zu. 5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm sei die Be willigung ermessensweise zu be- lassen, handle es sich doch vorliegend um einen Härtefal l, was die Vorinstanz jedoch nicht ein- gehend geprüft und verneint habe. Hierzu führt er in seiner Beschwerdebegründung aus, er habe nie in der Türkei gelebt und habe dort weder Be kannte noch Verwandte. Es sei unzumut- bar, ihn in ein Land wegzuweisen, in welchem er keine Zukunft habe und ganz allein auf sich gestellt wäre. Er wäre in der Türkei ein Fremder, ohn e jeglichen Bezug zur Kultur, zu den dort lebenden Menschen sowie zum gesamten Land. Er habe sein ganzes Leben hier verbracht, spreche perfekt schweizer- und hochdeutsch, sei nicht nur gut integriert, sondern lebe die hiesi- ge Kultur. Er sei quasi ein Schweizer ohne Schweizer P ass. Das letzte Mal habe er die Türkei vor ca. zehn Jahren als Tourist besucht. Da er Kurde sei, bestehe augenscheinlich die akute Gefahr, dass er im Fall seiner Ausweisung mittel- und obdachlos auf der Strasse landen werde, ohne staatliche Hilfe zu erhalten und ohne die Möglich keit, sich zu integrieren und Fuss zu fas- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen. In Anbetracht sämtlicher Umstände sei ein schwerwiege nder persönlicher Härtefall gege- ben. 5.2 Demgegenüber verneint der Beschwerdegegner das Vor liegen eines Härtefalls und verweist hierzu zunächst auf die Ausführungen des AfM in der angefochtenen Verfügung sowie auf seine eigenen Erwägungen im Rahmen der Ermessens- und Verhältnismässigkeitsprüfung. 5.3 Hat eine ausländische Person durch ihr Verhalten ei nen Widerrufsgrund gesetzt, bleibt zu prüfen, ob der Widerruf verhältnismässig ist, d.h. o b die öffentlichen Interessen am Widerruf der Bewilligung die privaten Interessen am Verbleib in der Schweiz überwiegen (Art. 96 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.2.1; B ENJAMIN SCHINDLER , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 10 ff. zu Art. 96). Praxisgemäss sind dabei namentlich die Schwere des Deliktes und des Verschuldens der betroffenen Person, der seit der Tat ver gangene Zeitraum, das Verhalten der ausländischen Person während dieser Periode, der Grad d er Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihr und seiner Famili e drohenden Nachteile zu berücksichti- gen (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.3). Die Niederlassungsb ewilligung einer ausländischen Person, die sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar n ur mit besonderer Zurückhaltung widerru- fen werden, doch ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Delinquenz selbst dann nicht ausge- schlossen, wenn sie das ganze Leben im Land verbracht hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_368/2015 vom 15. September 2015 E. 2.2; Urteil d es Bundesgerichts 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.4). Bei schweren Straftaten, Rückfal l und wiederholter Delinquenz besteht – überwiegende private oder familiäre Bindungen vorbeha lten – auch in diesen Fällen ein schutzwürdiges öffentliches Interesse daran, die Anwesenhe it der ausländischen Person zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Verhütung von (weiteren) Straftaten zu beenden (BGE 139 I 16 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 5.4 Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs f ür Menschenrechte (EGMR) zu Art. 8 EMRK sind im Rahmen der Beurteilung der Zulässigkeit aufenthaltsbeenden- der Massnahmen dieselben Elemente massgebend wie nach d er bundesgerichtlichen Recht- sprechung: (1) die Art und Schwere der vom Betroffenen begangenen Straftaten, wobei beson- ders ins Gewicht fällt, ob er diese als Jugendlicher oder als Erwachsener begangen und es sich dabei um Gewaltdelikte gehandelt hat oder nicht; (2) die Dauer des Aufenthalts im Land; (3) die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das Verhalte n des Betroffenen während dieser; (4) die sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum Aufenthaltsstaat und zum Herkunftsland; (5) sein gesundheitlicher Zustand sowie (6) die mit de r aufenthaltsbeendenden Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung (vgl. BGE 139 I 16 E. 2.2.2). Keines dieser Elemente ist für sich allein ausschlaggebend; geboten ist in jedem Fall eine Gesamtwertung (Urteil des Bundes- gerichts 2C_659/2015 vom 20. August 2015 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2012 E. 2.3). 5.5 Ausgangspunkt für die Schwere des Verschuldens und die vorzunehmende ausländer- rechtliche Interessenabwägung ist die vom Strafgericht verhängte Strafe (Urteil des Bundesge- richts 2C_733/2012 vom 24. Januar 2013 E. 8.4.1). Der B eschwerdeführer ist in der Schweiz Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht seit seiner Jugend – und auch im Erwachsenenalter – wied erholt straffällig geworden und wur- de zweimal zu einer Freiheitsstrafe von über einem Jahr verurteilt, was vorliegend wesentlich ins Gewicht fällt. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 11. November 2011 resp. mit Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilu ng Strafrecht, vom 18. Dezember 2012 wurde der Beschwerdeführer wegen gewerbsmässigen und te ilweise bandenmässigen Dieb- stahls, mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenve rarbeitungsanlage, Hehlerei, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen und teilweise versuchten Hausfriedensbruchs, Gehilfenschaft zum Angriff, Widerhandlung gegen das B etäubungsmittelgesetz sowie einfacher und mehrfacher grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten (davon 9 Monate unbedingt) sowie einer Buss e von Fr. 60.-- verurteilt. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 28. Februar 2014, welches das Appellationsgericht des Kan- tons Basel-Stadt mit Urteil vom 17. April 2015 bestäti gte, wurde der Beschwerdeführer wegen Raufhandels, mehrfachen Angriffs, mehrfacher Sachbeschä digung, mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Freiheitsstrafe von 4 ¾ Jahren sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 300.-- verurteilt. Im Strafvollzug erfolgte eine weitere Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 100 Tagen wegen einfacher Körperverletzung (vgl. Strafbefehl der Staa tsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 29. Juni 2015). Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Jugenddelikte (Angriff, einfa- che Körperverletzung, Nötigung oder Diebstahl) sich auch in den vorstehend erwähnten Strafur- teilen wiederfinden. Damit ist der Beschwerdeführer m ehrfach wegen Gewaltdelikten verurteilt worden und in dieser Hinsicht rückfällig geworden. Weit er ist er auch durch mehrfache Verge- hen und Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgeset z aufgefallen, welche sich nicht auf den strafbaren Eigenkonsum beschränkten. Ausserdem ist das Strafgericht Basel-Landschaft in seinem Urteil von einer grossen Anzahl Delikte in einer hohen Kadenz und von teilweise erheb- licher Schwere ausgegangen. Im diesbezüglichen Urteil w ird ausgeführt, der Beschwerdeführer habe in der Regel eine aktive Rolle übernommen und som it eine grosse kriminelle Energie an den Tag gelegt. Insgesamt habe sein Verschulden schwer g ewogen (vgl. Urteil des Strafge- richts Basel-Landschaft vom 11. November 2011 S. 154, 1 57). Zusammenfassend zeigt sich der Beschwerdeführer als unfähig oder unwillig, sich a n die hiesige Rechtsordnung zu halten. Weder die zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen n och die Bewährungsfristen vermochten den Beschwerdeführer davon abzuhalten, immer wieder St raftaten zu begehen. Mit der Vo- rinstanz ist deshalb festzuhalten, dass ein gewichtiges öff entliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers besteht. 5.6 Bei der Ermittlung der privaten Interessen des Besch werdeführers am Verbleib in der Schweiz ist ihm darin zu folgen, dass sich sein Lebensmittelpunkt in der Schweiz befindet. Er ist hier geboren und aufgewachsen, wo er nun seit 26 Jahren lebt. Nach eigenen Angaben würden sodann sämtliche weiteren Familienmitglieder hier woh nen und er pflege insbesondere zu sei- nen Eltern und Geschwistern eine intensive Beziehung. A us den Verfahrensakten gehen keine vertieften sozialen Kontakte im ausserfämiliären Bereic h hervor. Auch beruflich vermochte sich der Beschwerdeführer nicht einzugliedern. Wie sich aus den Akten ergibt, absolvierte er ledig- lich die obligatorische Schulzeit und verfügt über keine B erufsausbildung. Auch wenn er einige temporäre Anstellungen gefunden hatte, war er immer wieder arbeitslos und musste finanziell Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht von seinen Eltern unterstützt werden. Der Beschwerdeführer spricht schliesslich schweizer- und hochdeutsch. 5.7 Dem erheblichen öffentlichen Interesse an der Fe rnhaltemassnahme sind die soeben erwähnten privaten Interessen des Beschwerdeführers an e inem Verbleib in der Schweiz ge- genüberzustellen. Wie bereits ausgeführt, besteht ein g ewichtiges öffentliches Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers. Praxisgemäss ist im auslän derrechtlichen Widerrufsver- fahren bei Delikten gegen Leib und Leben – wie sie vom Beschwerdeführer mehrfach begangen wurden – auch ein geringes Rückfallrisiko nicht hinzunehm en (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_368/2015 vom 15. September 2015 E. 3.3). Die beid en längerfristigen Verurteilungen hat der Beschwerdeführer im Erwachsenenalter begangen und beide richteten sich gegen die phy- sische Integrität. Selbst während des aktuellen Strafvollz ugs machte er sich erneut einer Kör- perverletzung schuldig. Gleichzeitig ist die Niederlassung sbewilligung aufgrund seiner langen Aufenthaltsdauer nur mit Zurückhaltung zu widerrufen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_368/2015 vom 15. September 2015 E. 2.2). Es handelt sich bei ihm um einen Ausländer der zweiten Generation und schon alleine aufgrund der langen Aufenthaltsdauer ist von gewichtigen privaten Interessen an einem Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz auszugehen. Die Trennung von seinen Eltern und Geschwistern wird ihn h art treffen, doch haben ihn diese Be- ziehungen bis anhin nicht abgehalten, immer neue Deli kte zu begehen. Immerhin ist es dem Beschwerdeführer gelungen, durch einige kurzfristige An stellungen gelegentlich zu arbeiten. Dennoch musste er finanziell von seinen Eltern unterstüt zt werden, womit nicht von stabilen beruflichen Verhältnissen ausgegangen werden kann, aus w elchen er herausgerissen würde. Daraus ergibt sich mit anderen Worten, dass es dem Beschwe rdeführer nicht gelungen ist, sich auf dem Arbeitsmarkt (nachhaltig) zu integrieren und da ss seine wirtschaftlichen Perspektiven in der Schweiz dementsprechend ungünstig einzuschätzen si nd. Insgesamt kann angesichts seiner wiederholten Delinquenz nicht von einer gelunge nen Integration gesprochen werden. Zusammenfassend scheint es ihm trotz seines langen Aufentha lts und weitgehender Sozialisa- tion in der Schweiz am Verständnis für die hiesige Recht sordnung zu mangeln. Nach bundes- gerichtlicher Rechtsprechung kann eine schlechte Integration eine lange Aufenthaltsdauer denn auch relativieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_21 8/2010 vom 27. Juli 2010 E. 3.3.2). Aus den vorstehenden Umständen erhellt, dass das öffentliche Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers sein privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz überwiegt. Eine Rückkehr in die Türkei ist in der Tat mit persönlich en und wirtschaftlichen Nachteilen für den Beschwerdeführer selbst und für ihm nahestehende Personen verbunden. Trotzdem er- scheint sie gesamthaft betrachtet zumutbar. Nach eigenen Angaben hat der Beschwerdeführer in der Türkei keine Verwandten mehr. Er bringt hingeg en nicht vor, dass ihm durch das Eltern- haus die dortigen kulturellen und sozialen Gepflogenhei ten nicht übermittelt worden seien. Hin- sichtlich seiner Sprachkenntnisse ist festzuhalten, dass e r – wie er anlässlich der Parteiver- handlung ausführte – mit seinen Eltern kurdisch spricht. Darüber hinaus verfüge er über Tür- kischkenntnisse. Mögen diese auch nicht perfekt sein, so ist i hm damit die Sprache des Her- kunftslandes geläufig. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Integration im Heimat- land erfüllt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_119 3/2013 vom 27. Mai 2014 E. 3.5). Dar- über hinaus könnten ihm seine Deutschkenntnisse den beruf lichen Einstieg erleichtern und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beim Aufbau einer neuen Existenz behilflich sein. Seine Ausführung, wonach er dort keine dem schweizerischen Sozialsystem entsprechende staatliche Unterstützung erhalten werde, ist nicht zu hören und geht an der Sache vorbei. Damit stehen ei ner Rückkehr keine unüberwindbaren Hindernisse im Weg. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die damit einhergehende Wegweisung des Beschwerdeführers erweisen sich als verhältnismässig und der Eingriff in das Recht auf Privat- und Familienleben als gerechtfertigt. 5.8 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG kann von den Zulass ungsvoraussetzungen abgewi- chen werden, um schwerwiegenden persönlichen Härtefälle n oder wichtigen öffentlichen Inte- ressen Rechnung zu tragen. Es handelt sich dabei um eine “Kann-Vorschrift“, d.h. die Anwen- dung der Bestimmung liegt im freien Ermessen der Behö rden, wobei die Behörden dieses pflichtgemäss auszuüben haben (vgl. A NDREA GOOD /T ITUS BOSSHARD , in: Martina Caroni/ Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundesgese tz über die Ausländerinnen und Aus- länder [AuG], Bern 2010, N 2 f. zu Art. 30). Gemäss de r Rechtsprechung des Bundesgerichts setzt der massgebliche Härtefall voraus, dass sich der betr effende Ausländer in einer persönli- chen Notlage befindet. Das bedeutet, dass seine Lebens- und Daseinsbedingungen gemessen am durchschnittlichen Schicksal von Ausländern in gesteige rtem Mass infrage gestellt sein müssen bzw. dass die Verweigerung der Härtefallbewilligu ng für den Betroffenen schwere Nachteile zur Folge hätte (Urteil des Bundesgerichts 2A.2 9/2001 vom 2. April 2001 E. 2.a). Die Kriterien des schwerwiegenden Härtefalls werden in Art . 31 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 konkretisiert. Die Beurteilung des Härtefalls erfordert eine Gesamtwürdigung der Situ ation in Berücksichtigung aller Umstän- de und stellt einen Ermessensentscheid dar. Das AfM hat die Voraussetzungen für die Erteilung einer Härtefallbewilligung im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG eingehend geprüft und das Vor- liegen eines Härtefalls unter Berücksichtigung sämtliche r Umstände des Einzelfalls verneint. Der Regierungsrat hat das Vorliegen eines Härtefalls au sgeschlossen mit der Begründung, der zu beurteilende Widerruf sei als angemessen und verhältn ismässig zu qualifizieren. In seiner Vernehmlassung vom 30. April 2014 ergänzt er diesbezügl ich, er habe – nachdem er die Weg- weisung des Beschwerdeführers als zumutbar beurteilt habe – der Härtefallprüfung des AfM nichts entgegenzusetzen gehabt. Bei der Abwägung der massgeblichen Kriterien sei das Legal- verhalten des Beschwerdeführers entscheidend zu seinen Ungu nsten ins Gewicht gefallen. Damit ist keine rechtsfehlerhafte Ermessensbetätigung i st in diesem Zusammenhang erkenn- bar. Eine weitergehende inhaltliche Angemessenheitskont rolle ist dem Kantonsgericht nicht gestattet (vgl. E. 2). Es ist demzufolge nicht zu beanstan den, dass es der Regierungsrat abge- lehnt hat, dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung ermessensweise zu belassen. 6. Zusammenfassend sind der Widerruf der Niederlassungsbe willigung des Beschwerde- führers und dessen Wegweisung aus der Schweiz nicht zu b eanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Der Beschwerdeführer wird die S chweiz unmittelbar nach Verbüssung seiner Freiheitsstrafe bzw. zum Zeitpunkt seiner (bedingt en) Entlassung aus dem Strafvollzug zu verlassen haben. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von insge samt Fr. 1'800.-- dem unterlegenen Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die ausserordentlichen Kosten sind demnach wettzuschlagen. Zufolge Be- willigung der unentgeltlichen Verbeiständung ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. In sei ner Honorarnote vom 15. Januar 2014 (beim Gericht eingegangen am 23. Juni 2014) mach t er einen Zeitaufwand von 5.6 Stun- den sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 12.-- geltend, was nicht zu beanstanden ist. Für die Parteiverhandlung vom 2. Juli 2014 sowie die Eingabe vom 10. November 2014 bzw. vom 18. Juni 2015 ist dem Rechtsvertreter ein zusätzlicher A ufwand von 3 Stunden auszurichten. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeist ändung Fr. 200.-- pro Stunde. Daraus ergibt sich ein aus der Gerichtskasse auszurichtendes Gesamt honorar von Fr. 1‘870.55 (inkl. 8 % MWSt). 7.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hingew iesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in de r Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz unmittelbar n ach der Beendi- gung seiner Freiheitsstrafe bzw. zum Zeitpunkt der (be dingten) Entlas- sung aus dem Strafvollzug zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘800.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Entschädigung i n der Höhe von Fr. 1‘870.55 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) zu lasten der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin