<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">I 226/99 Ge </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>III. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Schön, Spira und Bundesrichterin Widmer; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Kopp Käch </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 15. Mai 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">P.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt </div> <div class="para">S.________, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV-Stelle des Kantons Aargau, Kyburgerstrasse 15, Aarau, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Versicherungsgericht des Kantons Aargau, Aarau </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Mit vier Verfügungen vom 19. Dezember 1997 sprach </div> <div class="para">die IV-Stelle Aargau P.________ ab 1. April 1995 eine halbe </div> <div class="para">Invalidenrente zu. </div> <div class="para"> Die dagegen erhobene Beschwerde vom 26. März 1998, mit </div> <div class="para">welcher P.________ sinngemäss die Zusprechung einer ganzen </div> <div class="para">Rente beantragen liess, schrieb das Versicherungsgericht </div> <div class="para">des Kantons Aargau mit Entscheid vom 26. Mai 1998 als </div> <div class="para">gegenstandslos geworden von der Kontrolle ab, nachdem die </div> <div class="para">IV-Stelle mit Verfügung vom 22. Mai 1998 die angefochtenen </div> <div class="para">Verfügungen lite pendente aufgehoben und weitere Abklärun- </div> <div class="para">gen angekündigt hatte. Auf die Beschwerde vom 18. Juni </div> <div class="para">1998, mit welcher P.________ die Aufhebung der Verfügung </div> <div class="para">vom 22. Mai 1998 beantragen liess, trat das Versi- </div> <div class="para">cherungsgericht mit Entscheid vom 11. August 1998 nicht </div> <div class="para">ein. </div> <div class="para"> P.________ liess mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom </div> <div class="para">17. August 1998 die Aufhebung des Entscheids des </div> <div class="para">Versicherungsgerichts vom 26. Mai 1998 sowie die Rückwei- </div> <div class="para">sung der Sache an die IV-Stelle zur Vornahme weiterer Ab- </div> <div class="para">klärungen und mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom </div> <div class="para">24. September 1998 die Aufhebung des Entscheids des Versi- </div> <div class="para">cherungsgerichts vom 11. August 1998 sowie die Rückweisung </div> <div class="para">an die Vorinstanz zur materiellen Entscheidung beantragen. </div> <div class="para"> Mit Urteil vom 17. Dezember 1998 hob das Eidgenössi- </div> <div class="para">sche Versicherungsgericht den Entscheid des Versicherungs- </div> <div class="para">gerichts vom 26. Mai 1998 in Gutheissung der Verwaltungsge- </div> <div class="para">richtsbeschwerde vom 17. August 1998 auf und wies die Sache </div> <div class="para">an das Versicherungsgericht zurück, damit es im Sinne der </div> <div class="para">Erwägungen verfahre. Gleichzeitig wies es die Verwaltungs- </div> <div class="para">gerichtsbeschwerde vom 24. September 1998 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Das Versicherungsgericht des Kantons Aargau hiess </div> <div class="para">daraufhin die Beschwerde vom 26. März 1998 mit Entscheid </div> <div class="para">vom 2. März 1999 in dem Sinne gut, dass die Verfügungen der </div> <div class="para">IV-Stelle vom 19. Dezember 1997 aufgehoben wurden und die </div> <div class="para">Sache zu weitergehenden Abklärungen an die IV-Stelle zu- </div> <div class="para">rückgewiesen wurde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde lässt P.________ </div> <div class="para">beantragen, es sei der Entscheid vom 2. März 1999 insoweit </div> <div class="para">aufzuheben, als in Ziff. 1 festgehalten werde, dass die </div> <div class="para">Verfügungen der IV-Stelle vom 19. Dezember 1997 </div> <div class="para">aufgehoben werden. Ziff. 1 des vorinstanzlichen Entscheids </div> <div class="para">sollte seiner Meinung nach wie folgt gefasst sein: Die Be- </div> <div class="para">schwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Sache zu </div> <div class="para">weitergehenden Abklärungen an die IV-Stelle zurückgewiesen </div> <div class="para">wird. </div> <div class="para"> Die IV-Stelle verzichtet auf eine Stellungnahme. Das </div> <div class="para">Bundesamt für Sozialversicherung hat sich nicht vernehmen </div> <div class="para">lassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid vom 2. März </div> <div class="para">1999 die Verfügungen der IV-Stelle, mit welchen dem Versi- </div> <div class="para">cherten ab 1. April 1995 eine halbe Invalidenrente zuge- </div> <div class="para">sprochen worden war, aufgehoben und die Sache zu weiterge- </div> <div class="para">henden Abklärungen an die IV-Stelle zurückgewiesen. - Der </div> <div class="para">Beschwerdeführer rügt nun, dass diese Verfügungen vollum- </div> <div class="para">fänglich aufgehoben worden sind. Er habe bereits im vorin- </div> <div class="para">stanzlichen Verfahren den Streitgegenstand dahingehend ein- </div> <div class="para">geschränkt, dass die Verfügungen insoweit nicht angefochten </div> <div class="para">würden, als ihm damit eine halbe Rente zugesprochen werde. </div> <div class="para">Mit der vollständigen Aufhebung habe eine unzulässige Aus- </div> <div class="para">weitung des Streitgegenstandes stattgefunden. Er sei da- </div> <div class="para">durch schlechter gestellt worden, weil mit der gänzlichen </div> <div class="para">Aufhebung auch der Anspruch auf eine halbe Rente dahinge- </div> <div class="para">fallen sei. Da es sich dabei um eine reformatio in peius </div> <div class="para">handle, wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, ihm eine </div> <div class="para">Frist anzusetzen um die Beschwerde zurückzuziehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren </div> <div class="para">sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen </div> <div class="para">bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungs- </div> <div class="para">behörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - </div> <div class="para">Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den </div> <div class="para">beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Um- </div> <div class="para">gekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit </div> <div class="para">an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine </div> <div class="para">Verfügung ergangen ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-413%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page414">BGE 125 V 414</a> Erw. 1a, 119 Ib 36 </div> <div class="para">Erw. 1b, 118 V 313 Erw. 3b, je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Streitgegenstand im System der nachträglichen Ver- </div> <div class="para">waltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches - im </div> <div class="para">Rahmen des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegen- </div> <div class="para">standes - den auf Grund der Beschwerdebegehren effektiv an- </div> <div class="para">gefochtenen Verfügungsgegenstand bildet. Nach dieser Be- </div> <div class="para">griffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und Streit- </div> <div class="para">gegenstand identisch, wenn die Verwaltungsverfügung ins- </div> <div class="para">gesamt angefochten wird. Bezieht sich demgegenüber die </div> <div class="para">Beschwerde nur auf einen Teil des durch die Verfügung be- </div> <div class="para">stimmten Rechtsverhältnisses, gehören die nicht beanstan- </div> <div class="para">deten Teilaspekte des verfügungsweise festgelegten Rechts- </div> <div class="para">verhältnisses zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum </div> <div class="para">Streitgegenstand (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-413%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page414">BGE 125 V 414</a> Erw. 1b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- a) In <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-413%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page413">BGE 125 V 413</a> hat sich das Eidgenössische </div> <div class="para">Versicherungsgericht in Präzisierung der bisherigen Recht- </div> <div class="para">sprechung weiter zur begrifflichen Umschreibung des Streit- </div> <div class="para">gegenstandes und seiner Abgrenzung vom Anfechtungsgegen- </div> <div class="para">stand geäussert. Dabei führte es aus, Anfechtungsgegenstand </div> <div class="para">im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren bildeten, </div> <div class="para">formell betrachtet, Verfügungen im Sinne von <span class="artref">Art. 5 VwVG</span> </div> <div class="para">und - materiell - die in den Verfügungen geregelten Rechts- </div> <div class="para">verhältnisse. Streitgegenstand bilde demgegenüber das auf </div> <div class="para">Grund der Beschwerdebegehren tatsächlich angefochtene, so- </div> <div class="para">mit als Prozessthema vor das (erst- oder zweitinstanzli- </div> <div class="para">che) Gericht gezogene Rechtsverhältnis. </div> <div class="para"> Nach dieser Umschreibung beziehen sich Anfechtungs- </div> <div class="para">und Streitgegenstand auf eines oder mehrere materielle </div> <div class="para">Rechtsverhältnisse. Streitgegenstand ist mithin nicht der </div> <div class="para">beschwerdeweise beanstandete "Teil des durch die Verfügung </div> <div class="para">bestimmten Rechtsverhältnisses" (so noch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-48%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page51">BGE 110 V 51</a> </div> <div class="para">Erw. 3c, 112 V 99 Erw. 1a, 117 V 295 Erw. 2a und 122 V 244 </div> <div class="para">Erw. 2a ["partie du rapport juridique déterminé par la </div> <div class="para">décision litigieuse"]). Vielmehr erfolgt die begriffliche </div> <div class="para">Unterscheidung von Streit- und Anfechtungsgegenstand auf </div> <div class="para">der Ebene von Rechtsverhältnissen. Bezieht sich also die </div> <div class="para">Beschwerde nur auf einzelne der durch die Verfügung be- </div> <div class="para">stimmten Rechtsverhältnisse, gehören die nicht beanstande- </div> <div class="para">ten - verfügungsweise festgelegten - Rechtsverhältnisse </div> <div class="para">zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegen- </div> <div class="para">stand. Sache des Gerichts bleibt es, im jeweiligen Einzel- </div> <div class="para">fall unter Berücksichtigung des materiellrechtlichen Kon- </div> <div class="para">textes, des massgeblichen Verfügungsinhaltes und der, in </div> <div class="para">Anbetracht der Beschwerde, konkreten Verfahrenslage zu </div> <div class="para">entscheiden, was den zu beurteilenden Streitgegenstand </div> <div class="para">bildet und ob allenfalls die Voraussetzungen für eine Aus- </div> <div class="para">dehnung des Prozesses über den Streit- oder sogar den </div> <div class="para">Anfechtungsgegenstand hinaus erfüllt sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-413%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page415">BGE 125 V 415</a> </div> <div class="para">Erw. 2a mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Für die begriffliche Umschreibung des Streitgegen- </div> <div class="para">standes und seine Abgrenzung vom Anfechtungsgegenstand </div> <div class="para">nicht von Bedeutung sind demzufolge die bestimmenden Ele- </div> <div class="para">mente ("Teilaspekte", "aspects", vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-48%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page51">BGE 110 V 51</a> Erw. 3c </div> <div class="para">und 122 V 244 Erw. 2a) des oder der verfügungsweise festge- </div> <div class="para">legten Rechtsverhältnisse. Dazu zählen bei der Zusprechung </div> <div class="para">von Versicherungsleistungen unter anderem die für die An- </div> <div class="para">spruchsberechtigung als solche massgebenden Gesichtspunkte, </div> <div class="para">wie die versicherungsmässigen Voraussetzungen, ferner die </div> <div class="para">einzelnen Faktoren für die (massliche und zeitliche) Fest- </div> <div class="para">setzung der Leistung, bei Invalidenrenten insbesondere der </div> <div class="para">Invaliditätsgrad, die Rentenberechnung und der Rentenbe- </div> <div class="para">ginn. Teilaspekte eines verfügungsweise festgelegten </div> <div class="para">Rechtsverhältnisses dienen in der Regel lediglich der Be- </div> <div class="para">gründung der Verfügung und sind daher grundsätzlich nicht </div> <div class="para">selbstständig anfechtbar. Sie können folgerichtig erst als </div> <div class="para">rechtskräftig beurteilt und damit der richterlichen Über- </div> <div class="para">prüfung entzogen gelten, wenn über den Streitgegenstand </div> <div class="para">insgesamt rechtskräftig entschieden worden ist (BGE 125 V </div> <div class="para">416 Erw. 2b mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Den Streitgegenstand bestimmende, aber nicht bean- </div> <div class="para">standete Elemente prüft im Übrigen die Beschwerdeinstanz </div> <div class="para">nur, wenn hiezu auf Grund der Vorbringen der Parteien oder </div> <div class="para">anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinrei- </div> <div class="para">chender Anlass besteht. Zieht das Gericht an sich nicht </div> <div class="para">bestrittene Aspekte des streitigen Rechtsverhältnisses in </div> <div class="para">die Prüfung mit ein, hat es bei seinem Entscheid je nachdem </div> <div class="para">die Verfahrensrechte der am Prozess Beteiligten, insbeson- </div> <div class="para">dere das Anhörungsrecht der von einer möglichen Schlechter- </div> <div class="para">stellung bedrohten Partei oder den grundsätzlichen Anspruch </div> <div class="para">auf den doppelten Instanzenzug zu beachten (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-413%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page417">BGE 125 V 417</a> </div> <div class="para">Erw. 2c mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Mit der verfügungsweisen Zusprechung einer unbe- </div> <div class="para">fristeten Invalidenrente wird ein im Wesentlichen durch die </div> <div class="para">Anspruchsberechtigung an sich sowie die Höhe und den Beginn </div> <div class="para">der Leistung bestimmtes Rechtsverhältnis geordnet. Werden, </div> <div class="para">was die Regel ist, lediglich einzelne Elemente der Renten- </div> <div class="para">festsetzung (Invaliditätsgrad, Rentenbeginn etc.) beanstan- </div> <div class="para">det, bedeutet dies nicht, dass die unbestrittenen Teilas- </div> <div class="para">pekte in Rechtskraft erwachsen und demzufolge der richter- </div> <div class="para">lichen Überprüfung entzogen sind. Die Beschwerdeinstanz </div> <div class="para">prüft vielmehr von den Verfahrensbeteiligten nicht aufge- </div> <div class="para">worfene Rechtsfragen und nimmt allenfalls selber zusätzli- </div> <div class="para">che Abklärungen vor (oder veranlasst solche), unter den in </div> <div class="para">Erw. 3c in fine hievor eben erwähnten Voraussetzungen. </div> <div class="para">Diese Grundsätze gelten auch bei der revisionsweisen Erhö- </div> <div class="para">hung, Herabsetzung oder Aufhebung einer laufenden Rente </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 41 IVG</span> und <span class="artref">Art. 87 ff. IVV</span>). Wird beispielsweise eine </div> <div class="para">halbe auf eine ganze Rente heraufgesetzt und beantragt der </div> <div class="para">Versicherte schon ab einem früheren als dem in der Verfü- </div> <div class="para">gung festgelegten Zeitpunkt die Erhöhung der Rente, hat der </div> <div class="para">Richter gegebenenfalls, insbesondere wenn dies die Gegen- </div> <div class="para">partei oder weitere Verfahrensbeteiligte verlangen, auch </div> <div class="para">den bisher nicht in Frage gestellten Anspruch auf eine gan- </div> <div class="para">ze Rente in die Beurteilung miteinzubeziehen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-413%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page417">BGE 125 V 417</a> </div> <div class="para">Erw. 2d mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> e) Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass keine </div> <div class="para">unzulässige Ausdehnung des Verfahrens vorliegt. Wird einer </div> <div class="para">versicherten Person verfügungsweise eine halbe Rente zuge- </div> <div class="para">sprochen und beantragt diese beschwerdeweise die Zuspre- </div> <div class="para">chung einer ganzen, wächst die unbestrittene halbe Rente </div> <div class="para">nicht in Teilrechtskraft. Vielmehr unterliegt der Rentenan- </div> <div class="para">spruch als solcher insgesamt (Anspruchsberechtigung, Höhe </div> <div class="para">und Beginn einer allfälligen Leistung) der uneingeschränk- </div> <div class="para">ten richterlichen Überprüfung. Dieser Streitgegenstand </div> <div class="para">bleibt bei einer Rückweisung an die Verwaltung zu weiter- </div> <div class="para">gehenden Abklärungen der gleiche. Die Aufhebung der Verfü- </div> <div class="para">gungen ist somit vorliegend zu Recht erfolgt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Ebenfalls unbegründet ist der Einwand des Be- </div> <div class="para">schwerdeführers, die Vorinstanz habe unzulässigerweise eine </div> <div class="para">reformatio in peius vorgenommen, indem sie die Verfügungen </div> <div class="para">vom 19. Dezember 1997 vollumfänglich aufgehoben habe. Von </div> <div class="para">einer reformatio in peius kann nur gesprochen werden, wenn </div> <div class="para">die urteilende Instanz selber einen reformatorischen Ent- </div> <div class="para">scheid fällt. Die blosse Möglichkeit einer Schlechterstel- </div> <div class="para">lung der beschwerdeführenden Partei infolge Aufhebung des </div> <div class="para">angefochtenen Entscheids oder der angefochtenen Verfügung </div> <div class="para">verbunden mit Rückweisung zu ergänzender Sachverhaltsfest- </div> <div class="para">stellung sowie zu neuer Beurteilung der Sache gilt gemäss </div> <div class="para">ständiger Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungs- </div> <div class="para">gerichts, von welcher abzuweichen kein Anlass besteht, </div> <div class="para">nicht als reformatio in peius (ARV 1995 Nr. 23 S. 138 </div> <div class="para">Erw. 3a mit Hinweis auf ZAK 1988 S. 615 Erw. 2b). Das Vor- </div> <div class="para">gehen der Vorinstanz ist demzufolge nicht zu beanstanden. </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>III. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungs-</i> </div> <div class="para"> gericht des Kantons Aargau, der Ausgleichskasse des </div> <div class="para"> Kantons Aargau und dem Bundesamt für Sozialversiche- </div> <div class="para"> rung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 15. Mai 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der III. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>