<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/html4/loose.dtd"> <html lang="en"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Entscheid: IV.2002.00234</title> <link href="/c050018/svg/findexweb.nsf/favicon.ico" rel="SHORTCUT ICON"/> <link href="/xsp/.ibmxspres/dojoroot-1.9.7/dijit/themes/tundra/tundra.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> <link href="/xsp/.ibmxspres/dojoroot-1.9.7/ibm/domino/widget/layout/css/domino-default.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> <link href="/domjava/xsp/theme/webstandard/xsp.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> <link href="/domjava/xsp/theme/webstandard/xspLTR.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> <link href="/domjava/xsp/theme/webstandard/xspFF.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> <link href="/c050018/svg/findexweb.nsf/svger.scss" media="screen" rel="stylesheet" type="text/css"/> <link href="/c050018/svg/findexweb.nsf/svger_print.scss" media="print" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body class="xspView tundra"> <form action="/c050018/svg/findexweb.nsf/urteil.xsp?uid=UWEE-9AQJGB" class="xspForm" enctype="multipart/form-data" id="view:_id1" method="post"> <header><div class="container-main noprint"><div class="container-header"><img alt="" class="xspImage" id="view:_id1:_id2:image1" src="/c050018/svg/findexweb.nsf/logo.png"/><div class="container-header-slogan show-for-medium"><h6>Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich</h6></div></div></div></header><div class="container"> <div class="inner-container1 wrap clearfix"> <section class="vacancy"><div class="grid-container container-main"> <div class="grid-x grid-margin-x grid-margin-y container-form"> <div class="cell small-9 noprint"> <span>Entscheid: IV.2002.00234<span class="xspTextComputedField"></span></span></div> <div class="cell small-3 noprint"> <a href="#" id="view:_id1:lnkPrint">Drucken</a><a href="#" id="view:_id1:lnkBack">Zurück</a></div> <div class="cell small-12"> <div id="view:_id1:inputRichText1"><div class="domino-par--indent"><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="3"><b>IV.2002.00234</b></font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="3"><b> </b></font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="5">Sozialversicherungsgericht</font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="5">des Kantons Zürich</font><br/> <font face="Times New Roman" size="3">II. Kammer</font><br/> <font face="Times New Roman" size="3">Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender</font> <p><font face="Times New Roman" size="3">Sozialversicherungsrichterin Pfiffner Rauber</font></p> <p><font face="Times New Roman" size="3">Ersatzrichterin Romero-Käser</font></p> <p><font face="Times New Roman" size="3">Gerichtssekretärin Buis</font></p> <br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"><b>Urteil vom 17. Juni 2003</b></font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">in Sachen</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"><b>R.___ S.___ geb. 1993</b></font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">Beschwerdeführerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">gesetzlich vertreten durch den Vater S.___</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">gegen</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"><b>Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA)</b></font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">Beschwerdegegnerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3"> </font> <p><font face="Times New Roman" size="3"> </font></p> <br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"><b>Sachverhalt:</b></font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.1 Die Eltern von R.___ S.___ geboren am 16. Februar 1993, meldeten diese am 25. Februar 2000 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Beiträge an die Sonderschulung, namentlich Logopädie ab Januar 2000) an (Urk. 5/13). Mit Verfügung vom 5. Juni 2000 sprach die Sonderschulmassnahmen (Sprachheilbehandlung) vom 1. September 1999 bis 31. Juli 2002 zu (Urk. 5/8). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.2 Mit Schreiben vom 15. Dezember 2001 meldete Dr. med. A.___, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH, R.___ S.___ für die Übernahme der Kosten von medizinischen und pädagogischen Massnahmen wegen eines Geburtsgebrechens nach Ziff. 404 im Anhang der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, an (Urk. 5/10). In der Folge holte die bei Dr. A.___ den Bericht vom 26. Januar 2002 ein (Urk. 5/9) und wies - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 5/4 und Urk. 5/6) - das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 20. März 2002 (Urk. 2 = Urk. 5/2) ab. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> Mit Schreiben vom 25. März 2002 gelangte der Vater als gesetzlicher Vertreter von R.___ S.___ erneut an die und ersuchte sinngemäss um Wiedererwägung der abweisenden Verfügung (Urk. 1). Die hielt an ihrem Entscheid fest und leitete die Sache an das hiesige Gericht weiter, da das erwähnte Schreiben vom 25. März 2002 noch innerhalb der Beschwerdefrist eingegangen war (Urk. 3). Gleichzeitig reichte die die Vernehmlassung vom 2. Mai 2002 ein und beantragte die Abweisung der Beschwerde (Urk. 4). Auf Ersuchen des Gerichts (Urk. 6) reichte der gesetzliche Vertreter von R.___ S.___ die original unterzeichnete Beschwerdeschrift vom 25. März 2002 nach (Urk. 9) und hielt mit Replik vom 12. Juli 2002 an seinem Standpunkt, dass seine Tochter Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behandlung des diagnostizierten Geburtgebrechens habe, fest (Urk. 13). Nachdem die innert Frist keine Duplik eingereicht hatte, wurde der Schriftenwechsel mit Verfügung vom 24. September 2002 als geschlossen erklärt (Urk. 16).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"><b>Das Gericht zieht in Erwägung:</b></font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.1 Am 1. Januar 2003 sind das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des So­zialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) und die Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 11. September 2002 (ATSV) in Kraft getreten und haben in einzelnen Sozialversicherungsgesetzen und -verordnungen zu Revisionen geführt. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Da sich der hier zu beurteilende Sachverhalt vor dem 1. Januar 2003 verwirklicht hat, gelangen die materiellen Vorschriften des ATSG und der ATSV sowie die gestützt darauf erlassenen Gesetzes- und Verordnungsrevisionen im vorliegenden Fall noch nicht zur Anwendung. Bei den im Folgenden zitierten Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen handelt es sich deshalb - soweit nichts anderes vermerkt wird - um die Fassungen, wie sie bis Ende 2002 in Kraft gewesen sind.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.2 Nach Art. 13 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen Massnahmen (Abs. 1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Abs. 2). Als Geburtsgebrechen im Sinne von Art. 13 IVG gelten Gebrechen, die bei vollendeter Geburt bestehen. Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (Art. 1 Abs. 1 GgV). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann eindeutige Geburtsgebrechen, die nicht in der Liste im Anhang enthalten sind, als Geburtsgebrechen im Sinne von Art. 13 IVG bezeichnen (Art. 1 Abs. 2 GgV). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3 GgV).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.3 Für die Annahme einer Leistungspflicht der Invalidenversicherung aufgrund von Art. 13 IVG genügt nach konstanter Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes in beweisrechtlicher Hinsicht, dass es ein Facharzt oder eine Fachärztin zumindest für wahrscheinlich hält, es liege ein im Anhang der GgV enthaltenes Gebrechen vor (BGE 100 V 108 Erw. 2 in fine).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.4 Ziff. 404 des Anhangs der GgV umschreibt folgendes Geburtsgebrechen: Konge­nitale Hirnstörungen mit vorwiegend psychischen und kognitiven Symptomen bei normaler Intelligenz (kongenitales infantiles Psychosyndrom, kongenitales hirndiffuses psychoorganisches Syndrom, kongenitales hirnlokales Psychosyn­drom), sofern sie mit bereits gestellter Diagnose als solche vor Vollendung des 9. Altersjahres behandelt worden sind.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.5 Gemäss der im Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnah­men der Invalidenversicherung (KSME) normierten verordnungskonformen (BGE 122 V 113) Verwaltungspraxis können die Voraussetzungen von Ziff. 404 GgV Anhang als erfüllt gelten, wenn vor Vollendung des 9. Altersjahres min­destens Störungen des Verhaltens im Sinne krankhafter Beeinträchtigung der Affektivität oder der Kontaktfähigkeit, des Antriebes, des Erfassens (perzeptive, kognitive oder Wahrnehmungsstörungen), der Konzentrations­fähigkeit sowie der Merkfähigkeit ausgewiesen sind. Diese Symptome müssen kumulativ nach­gewiesen sein, wobei es genügt, wenn sie nicht alle gleichzeitig, sondern erst nach und nach auftreten. Werden bis zum 9. Geburtstag nur einzelne der er­wähnten Symptome ärztlich festgestellt, sind die Voraussetzungen für Ziff. 404 GgV Anhang nicht erfüllt (Rz 404.5 KSME in der bis Ende 2002 gültigen Fas­sung). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.6 In BGE 122 V 113 hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG) seine Rechtsprechung zum Psychoorganischen Syndrom (POS) nach Ziff. 404 GgV Anhang zusammengefasst und die Gesetzmässigkeit der erwähnten Ziffer bestä­tigt. Es hat sodann erkannt, dass kongenitale Hirnstörungen im Sinne von Ziff. 404 GgV Anhang sowohl angeboren (prä- oder perinatale Entstehung) als auch nachgeburtlich erworben sein können. Invalidenversicherungsrechtlich stelle sich mithin nicht nur die Frage, ob ein POS als solches vorliegt; vielmehr müsse ausserdem feststehen, dass das Leiden angeboren ist. Die in Ziff. 404 GgV Anhang genannten Voraussetzungen für Leistungen der Invalidenversi­cherung beruhten sodann auf der medizinisch begründeten und empirisch be­legten Annahme, dass das Gebrechen vor Vollendung des 9. Altersjahres di­agnostiziert und behandelt worden wäre, wenn es angeboren gewesen wäre (BGE 122 V 120 Erw. 3a/dd). Zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführte Ab­klärungsmassnahmen könnten nach dieser empirischen Erkenntnis nicht mehr zuverlässig Aufschluss über die Abgrenzungsfrage geben, ob das Leiden ange­boren war oder später erworben wurde (BGE 105 V 22; ZAK 1984 S. 33). Recht­zeitige Diagnose und rechtzeitiger Behandlungsbeginn seien Anspruchsvoraus­setzungen für entsprechende Leistungen der Invaliden­versicherung. Demgegen­über begründeten fehlende Diagnose und Behandlung vor vollendetem 9. Altersjahr die unwiderlegbare Rechtsvermutung, dass es sich nicht um ein angeborenes POS handle (BGE 122 V 122 f. Erw. 3c/bb). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">1.7 Gemäss der Rechtsprechung des EVG geht es sodann nicht an, bei festgestellter Behandlungsbedürftigkeit bereits eine Behandlung im Verordnungssinne anzu­nehmen, da der Rechtsbegriff der Behandlung sonst die erforderliche Bestimmt­heit verlieren und Ziff. 404 GgV Anhang die ihr zugedachte Abgrenzungsfunk­tion praktisch nicht mehr erfüllen könne (BGE 122 V 124 Erw. 4c).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">2.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">2.1 Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom 20. März 2002 davon aus, dass die vor dem 9. Lebensjahr durchgeführten Therapien (Bewegungstherapie, Logopädie) und sonderpädagogischen Massnahmen (vgl. Urk. 5/4) sich nicht gezielt auf das POS richteten, mithin das Geburtsgebrechen zwar vor dem 9. Lebensjahr diagnostiziert, aber nicht rechtzeitig spezifisch behandelt worden sei (Urk. 2 = Urk. 5/2). Daran wird auch im Beschwerdeverfahren festgehalten (Urk. 4).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">2.2 Der Vater der Versicherten bringt dagegen vor, dass schon in der Zeit von 1994 bis 11. September 1999 sowie am 20. Dezember 2000, 19. Mai 2001, 15. Dezember 2001 und am 26. Januar 2002 beratende Gespräche mit Dr. A.___ stattgefunden hätten, und seiner Ansicht nach bereits in Form dieser Gespräche Massnahmen im Hinblick auf das Geburtsgebrechen durchgeführt worden seien. In diesen Gesprächen sei vor allem auf Themen wie Motorik, Selbstvertrauen, Selbständigkeit, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Angstzustände sowie Schlaflosigkeit eingegangen worden. Am 11. November 1999 sei R.___ bei Dr. med. B.___ für eine Psychotherapie angemeldet worden, welche aber aus Platzmangel nicht habe durchgeführt werden können. Nach einem weiteren Beratungsgespräch mit Dr. med. C.___, sei eine Ergotherapie geplant gewesen, welche ebenfalls wegen Platzmangels nicht habe durchgeführt werden können. Nach den Sommerschulferien 2002 werde R.___ versuchsweise in eine 2. Regelklasse integriert und sonderpädagogisch sowie psychotherapeutisch begleitet. Im Weiteren werde eine Ergotherapie in Betracht gezogen und eine medikamentöse Unterstützung mit Dr. A.___ diskutiert (Urk. 1 = Urk. 9 und Urk. 13). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">3.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">3.1 Vorab ist festzuhalten, dass Dr. A.___ in seinem Bericht vom 26. Januar 2002 bei R.___ kongenitale Hirnstörungen mit vorwiegend psychischen und kognitiven Symptomen als Geburtsgebrechen Ziff. 404 diagnostizierte (Urk. 5/9). Die Diagnose wurde somit kurz vor dem 9. Geburtstag von R.___ gestellt. Zeitpunkt und Diagnose werden von der Beschwerdegegnerin denn auch nicht bestritten. Zu prüfen bleibt somit einzig, ob das Geburtsgebrechen bereits vor dem 16. Februar 2002, an welchem Datum R.___ S.___ das 9. Altersjahr vollendet hatte, im Sinne der Rechtsprechung rechtzeitig (Erw. 1.6 und 1.7) behandelt worden ist.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">3.2 Dem Bericht von Dr. A.___ ist zu entnehmen, dass bei der Versicherten bis am 26. Januar 2002 (Zeitpunkt der definitiven Diagnose) keine spezialärztlichen Abklärungen unternommen worden (Urk. 5/9 Ziff. 6) und im Augenblick keine ärztlichen Behandlungen vorgesehen seien (Urk. 5/9 Ziff. 6.1). Indes werde eine Psychotherapie ins Auge gefasst (Urk. 5/9 Ziff. 6.2). Sowohl in der Kleinklasse A bis Juli 2002 als auch nach der Einschulung in die 2. Regelklasse im Schuljahr 2002/03 soll die Versicherte mit sonderpädagogischen Massnahmen unterstützt werden. Neben der unterstützenden Psychotherapie sei eine Ergo- und SI-Therapie vorgesehen (Urk. 5/9 Ziff. 7). Betreffend die Zeit vorher hält Dr. A.___ fest, dass eine Psychomotoriktherapie ab April 1999 bewilligt worden sei, aber wegen fehlender Therapeutin nicht habe durchgeführt werden können. Die Versicherte habe stattdessen einen Rhythmikkurs besucht. Zusätzlich habe sie während einem Jahr eine Logopädie-Behandlung erhalten (Urk. 5/9 Ziff. 4.4 und 6.4). Eine Ergotherapie sei bereits 1999 empfohlen, aber ebenfalls mangels Gelegenheit nie durchgeführt worden (Urk. 5/9 Ziff. 6.3). </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">Dass eine spezifische Behandlung des Geburtsgebrechens vor Vollendung des 9. Altersjahres durchgeführt worden wäre, geht aus dem Bericht mithin nicht hervor. Logopädie und Rhythmik erfüllen den Begriff der spezifischen Behandlung des Geburtsgebrechens nicht. Die mit Verfügung der vom 5. Juni 2000 (Urk. 5/8) bewilligte Sonderschulmassnahme in Form einer Sprachheilbehandlung (Logopädie) entspricht keiner spezifischen Therapie eines POS-Lei­dens, sondern befasst sich grundsätzlich mit Kommunikationsstörungen. Logopädie ist eine Kommunikationstherapie, welche der sprachlich beeinträchtigten Person hilft, sie für die bestmögliche Verwirklichung ihrer kommunikativen Lebensanforderungen vorzubereiten (vgl. www.logopädie.ch/berufsinfo/info.htm). Ebenso wenig können die vom Vater der Versicherten geltend gemachten be­ratenden Gespräche als Behandlung des POS-Leidens anerkannt werden. Gemäss herrschender Praxis stellen Abklärungen und Beratungen der Eltern keine Behandlung im Sinne von Ziff. 404 des Anhangs der GgV dar. Aus Gründen der Rechtssicherheit ist es nicht möglich, auf die klaren Begriffe der rechtzeitigen Diagnosestellung und rechtzeitig begonnenen Behandlung zu verzichten (unveröffentlichtes Urteil des EVG vom 28. August 2001 in Sachen L., I 323/00 Gr Erw. 2.b). Die genannten Gespräche mit Dr. A.___, Dr. B.___ und Dr. C.___ (vgl. Urk. 13) sind als Abklärungs- und nicht als Behandlungsmassnahmen zu qualifizieren. Dass bereits in den Jahren 1999 und 2000 eine Psychomotoriktherapie sowie eine Ergotherapie geplant war und die Anmeldung der Beschwerdeführerin wegen Überbelastung der entsprechenden Institutionen nicht berücksichtigt werden konnte, ist für die Beteiligten sicher unbefriedigend. Dieser Umstand vermag indes aus Gründen der Rechtssicherheit ein Abweichen von der höchstrichterlichen Praxis zum Kriterium des rechtzeitigen Behandlungsbeginns nicht zu rechtfertigen. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">3.3 Zusammengefasst ist daher festzuhalten, dass eine gewisse Behandlungsbedürftigkeit schon vor Vollendung des 9. Altersjahres ausgewiesen war, die eigentliche Behandlung jedoch noch nicht eingesetzt hatte. Die früheren Vorkehren erfüllen den Begriff der Behandlung nicht und im Lichte der Rechtsprechung besteht daher die unwiderlegbare Vermutung, dass das festgestellte POS nicht angeborener Natur ist. Die Anwendung dieser Rechtsprechung ist im vorliegenden Fall umso gerechtfertigter, als die Versicherte bereits in den Jahren 1999 und 2000, mithin vor Vollendung ihres 9. Altersjahres durch Fachpersonen untersucht worden ist, welchen bewusst sein konnte, dass die Behandlung nicht über das 9. Altersjahr hinaus aufzuschieben ist. Das diagnostizierte POS ist somit nicht als Geburtsgebrechen im Sinne von Art. 13 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Ziff. 404 GgV Anhang zu qualifizieren.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">4. Allerdings wurde in der angefochtenen Verfügung nicht darüber befunden, ob die Invalidenversicherung allenfalls gestützt auf Art. 12 IVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG für die notwendigen Therapien leistungspflichtig ist. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">4.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die berufliche Ein­gliederung gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit dauernd und we­sentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (Art. 12 IVG).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> Nicht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr mit einem kör­perlichen oder geistigen Gesundheitsschaden gelten als invalid, wenn der Ge­sundheitsschaden wahrscheinlich eine Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 5 Abs. 2 IVG). Nach der Rechtsprechung können daher medizinische Vor­kehren bei Jugendlichen schon dann überwiegend der beruflichen Eingliederung dienen und trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der Invali­denversicherung übernommen werden, wenn ohne diese Vorkehren eine Hei­lung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand einträte, welcher die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide wahrscheinlich beeinträch­tigen würde (BGE 105 V 20; AHI 2000 S. 64 Erw. 1). Voraussetzung bleibt auch in diesen Fällen, dass die Massnahmen nicht zum vornherein in den Bereich der Krankenversicherung fallen, wie beispielsweise zeitlich unbegrenzte Vorkehren, die der Behandlung des Leidens an sich dienen und denen somit kein überwie­gender Eingliederungscharakter im Sinne des IVG zukommt (BGE 100 V 107 f.; ZAK 1984 S. 502 Erw. 1, je mit Hinweisen). Handelt es sich nur darum, die Entstehung eines stabilisierten Zustandes mit Hilfe von Dauertherapie hinaus­zuschieben oder den Krankheitszustand zu lindern, liegt keine Heilung oder Verhinderung eines stabilen Defekts vor. In einem solchen Fall ist deshalb bei nichterwerbstätigen Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr kein Leis­tungsanspruch unter dem Titel von Art. 12 Abs. 1 IVG gegeben (ZAK 1989 S. 452 Erw. 2 mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Eidgenössischen Versi­cherungsgerichtes in Sachen S. vom 7. April 1995, I 10/95).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">4.2 Die am 16. Februar 1993 geborene Versicherte hat das 20. Altersjahr noch nicht vollen­det. Dass sich ihr Leiden ohne eine Behandlung auf die künftige Berufs­bildung und Erwerbstätigkeit auswirken dürfte, ist aufgrund der medizinischen Akten nicht auszuschliessen (vgl. Urk. 5/9 und Urk. 5/12). In welchem Umfang ohne eine medizinische Behandlung künftig eine Erwerbsunfähigkeit zu erwarten sein wird, kann in­dessen gestützt auf den vorliegenden Aktenstand nicht beurteilt werden. Ohne Kenntnis der Auswirkung der gesundheitlichen Störung auf die zukünftige Be­rufsbildung beziehungsweise Erwerbsfähigkeit kann aber nicht beurteilt werden, ob ohne die anbegehrte Massnahme eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand im Sinne der zitierten Rechtsprechung einzutreten droht, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beides beeinträchtigt würden. Ebenfalls nicht beurteilt werden kann, ob die Psychotherapie, die psychomotorische Thera­pie und die Ergotherapie geeignet und notwendig sind, einem allfällig drohenden Defekt vorzubeugen, und ob es sich um zeitlich begrenzte Vorkehrungen handelt. Es bedarf daher weiterer fachmedizinischer Abklärungen insbesondere darüber, mit welchen Be­hinderungen künftig im schulischen, im Berufsbildungsbereich und alsdann im Erwerbsbereich ohne eine Behandlung gerechnet werden muss. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3">4.3 Fällt eine Kostenübernahme gestützt auf Art. 13 IVG ausser Betracht, ist somit zu prüfen, ob eine solche gestützt auf Art. 12 IVG erfolgen kann. Die Sache ist daher zu ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung über den Anspruch auf medizinische Massnahmen nach Art. 12 IVG an die Verwaltung zurückzuweisen.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="3"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"><b>Das Gericht erkennt:</b></font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, vom 20. März 2002 aufgehoben und die Sache an diese zurückgewiesen wird, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">2. Das Verfahren ist kostenlos.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">3. Zustellung gegen Empfangsschein an:</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">- S.___</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">- Bundesamt für Sozialversicherung</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">4. Gegen diesen Entscheid kann innert </font><font face="RotisSansSerif" size="3"><b>30 Tagen</b></font><font face="RotisSansSerif" size="3"> seit der Zustellung beim Eidgenössischen Versicherungsgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereicht werden.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">Die Beschwerdeschrift ist dem Eidgenössischen Versicherungsgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung zuzustellen.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="3">Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift der beschwerdeführenden Person oder ihres Vertreters zu enthalten; die Ausfertigung des angefochtenen Entscheides und der dazugehörige Briefumschlag sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die beschwerdeführende Person sie in Händen hat (Art. 132 in Verbindung mit Art. 106 und 108 OG).</font> <p><font face="Times New Roman" size="3"> </font></p> <p><font face="Times New Roman" size="3"> </font></p> <p><font face="Times New Roman" size="3"> </font></p> </div></div></div> </div> </div> </section></div> </div> <input id="view:_id1__VUID" name="$$viewid" type="hidden" value="!bfo1bsdzcin6ah4ayq5kbaj9r!"/> <input name="$$xspsubmitid" type="hidden"/> <input name="$$xspexecid" type="hidden"/> <input name="$$xspsubmitvalue" type="hidden"/> <input name="$$xspsubmitscroll" type="hidden"/> <input name="view:_id1" type="hidden" value="view:_id1"/></form> </body> </html>