TPF 2021 165 165 TPF 2021 165 21. Auszug aus der Verfügung der Beschwerdekammer in Sachen A. gegen Eidgenössische Spielbankenkommission vom 23. Juni 2021 (BV.2020.10) Verwaltungsstrafrecht; Beschwerde gegen Entschädigungsentscheid; Zuständigkeit des Einzelgerichts Art. 395 lit. b StPO, Art. 100 Abs. 4 VStrR Es ist sachgerecht, Art. 395 lit. b StPO auch bei Beschwerden gegen Entschädigungsentscheide im Sinne von Art. 100 Abs. 4 VStrR anzuwenden (E. 2). Droit pénal administratif; recours contre une décision relative à une demande d’indemnité; compétence du juge unique Art. 395 let. b CPP, art. 100 al. 4 DPA Il convient d’appliquer l’art. 395 let. b CPP également dans le cas de recours contre une décision relative à une demande d’indemnité au sens de l’art. 100 al. 4 DPA (consid. 2). Diritto penale amministrativo; reclamo contro una decisione sulla richiesta d’indennità; competenza del giudice unico Art. 395 lett. b CPP, art. 100 cpv. 4 DPA L’applicazione dell’art. 395 lett. b CPP anche ai reclami contro le decisioni sulle richieste d’indennizzo giusta l’art. 100 cpv. 4 DPA è appropriata (consid. 2). Zusammenfassung des Sachverhalts: Gegen einen verurteilenden Strafbescheid der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) vom 13. Oktober 2017 erhob A., vertreten durch seinen Rechtsanwalt, Einsprache. Am 19. Juni 2019 stellte die ESBK das Verfahren ein. Mit Entscheid vom 17. Februar 2020 sprach die ESBK A. für seine Anwaltskosten Fr. 3’613.80 (inkl. MwSt.) für die Zeit bis zum 28. Juni 2019 und Fr. 365.95 (inkl. MwSt.) für die Zeit nach dem 29. Juni 2019 zu. Den Antrag auf eine Parteientschädigung von Fr. 200.– wies sie ab. Dagegen erhob A. bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts TPF 2021 165 166 Beschwerde und beantragte unter anderem, ihm sei für das vorinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 4’418.80 (inkl. Fr. 315.90 MwSt.) und Fr. 962.20 (inkl. Fr. 74.10 MwSt.), total Fr. 5’455.10 zu entrichten. Die Beschwerdekammer hiess die Beschwerde teilweise gut. Aus den Erwägungen: 2. 2.1 Gemäss Art. 38 StBOG entscheiden die Beschwerdekammern in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen, soweit dieses Gesetz nicht die Verfahrensleitung als zuständig bezeichnet. Gemäss Art. 395 lit. b StPO ist die Verfahrensleitung eines Kollegialgerichtes alleine zuständig, wenn die Beschwerde die wirtschaftlichen Nebenfolgen eines Entscheides bei einem strittigen Betrag von nicht mehr als 5000 Franken zum Gegenstand hat. Nach konstanter Praxis wendet die Beschwerdekammer die genannte Bestimmung der StPO an und entscheidet diese Verfahren in der Besetzung mit einem Richter oder einer Richterin (statt vieler: Verfügungen des Bundesstrafgerichts BB.2020.247 vom 3. März 2021 E. 1.2; BB.2020.90 vom 15. Oktober 2020 E. 2.1; BB.2012.64 vom 30. Juli 2012 E. 1.1; so auch Art. 19 Abs. 3 des Organisationsreglements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [Organisationsreglement BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]). 2.2 Das VStrR regelt zwar einzelne Aspekte des Beschwerdeverfahrens, namentlich die Beschwerdelegitimation, die Kognition und die Beschwerdefrist (Art. 28 Abs. 1–3 VStrR). Beim vorläufigen Rechtsschutz überlässt es das VStrR der Beschwerdeinstanz, ob sie oder ihr Präsident entscheiden soll (Art. 28 Abs. 5 VStrR), ohne sich dazu zu äussern, wie deren Zusammensetzung sein soll. Es erscheint daher sachgerecht, Art. 39 5 lit. b StPO auch bei Beschwerden gegen Entschädigungsentscheide im Sinne von Art. 100 Abs. 4 VStrR anzuwenden (implizit LEONOVA, Basler Kommentar, 2020, Vor Art. 25–28 VStrR N. 30).