<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 64" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 64</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">457</span> </div> <div class="page" id="S457"> <span class="text"><b>64 </b> <b>Art. 12 lit. a BGFA</b></span><br/> <span class="text">Verletzung der Berufspflichten, wenn ein Anwalt seine Substitutin</span><br/> <span class="text">mangelhaft instruiert und beaufsichtigt. Die Verfehlung seiner Substitutin</span><br/> <span class="text">(unkontrollierte Weiterleitung von privater Post an einen und von einem</span><br/> <span class="text">Untersuchungshäftling über die Anwaltspost) ist dem Anwalt anzurech-</span><br/> <span class="text">nen, da er seine Substitutin in ungenügender Weise instruiert und beauf-</span><br/> <span class="text">sichtigt hat. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 24. April 2018</span><br/> <span class="text">(AVV.2016.52), in Sachen Aufsichtsanzeige.</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">2.1. (...) In sachverhaltlicher Hinsicht anerkennt der beanzeigte</span><br/> <span class="text">Anwalt, dass seine Substitutin private Briefe des inhaftierten Klien-</span><br/> <span class="text">ten über die Anwaltspost entgegengenommen und diese an die</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Anwaltskommission</span> <span class="page_no">458</span> </div> <div class="page" id="S458"> <div role="main"> <span class="text">Freundin des inhaftierten Klienten weitergeleitet hat, von denen die</span><br/> <span class="text">Staatsanwaltschaft keine Kenntnis hatte (...). Weiter anerkennt er,</span><br/> <span class="text">dass er die Verfehlung seiner Substitutin mangels genügender Auf-</span><br/> <span class="text">sicht bzw. Instruktion nicht zu verhindern gewusst hat und er sich die</span><br/> <span class="text">Handlungen seiner Substitutin demnach anzurechnen hat (...).</span><br/> <span class="text">2.2. (...)</span><br/> <span class="text">2.3.</span><br/> <span class="text">2.3.1. Vorliegend hat der beanzeigte Anwalt seine Praktikantin</span><br/> <span class="text">A. im Untersuchungsverfahren gegen B. als Substitutin eingesetzt.</span><br/> <span class="text">Der beanzeigte Anwalt hätte die Substitutin - im Voraus - auf die</span><br/> <span class="text">Rechte und Pflichten eines Verteidigers hinweisen müssen. Jedenfalls</span><br/> <span class="text">ist auch bei einer erfahrenen Substitutin eine spezielle Instruktion be-</span><br/> <span class="text">züglich Untersuchungshaft notwendig. Dazu gehört insbesondere</span><br/> <span class="text">auch der Hinweis, dass keine persönlichen Briefe über die Anwalts-</span><br/> <span class="text">post entgegengenommen werden dürfen. Der beanzeigte Anwalt</span><br/> <span class="text">anerkennt, wie oben dargelegt (Ziff. 2.1), dass er seine Substitutin in</span><br/> <span class="text">ungenügender Weise instruiert und beaufsichtigt hat.</span><br/> <span class="text">2.3.2. Indem die unter seiner Aufsicht stehende Substitutin meh-</span><br/> <span class="text">rere private Briefe zwischen dem inhaftierten Klienten und seiner</span><br/> <span class="text">Freundin über die Anwaltspost weitergeleitet und diesem übergeben</span><br/> <span class="text">hat, ohne dass die Untersuchungsbehörde die entsprechenden Schrei-</span><br/> <span class="text">ben vorgängig hätte kontrollieren können, hat der beanzeigte Anwalt</span><br/> <span class="text">es an der notwendigen Instruktion mangeln lassen und so gegen die</span><br/> <span class="text">Berufspflichten gemäss Art. 12 lit. a BGFA verstossen. Die Verfeh-</span><br/> <span class="text">lung der Substitutin ist dem beanzeigten Anwalt anzurechnen. Die</span><br/> <span class="text">mangelhafte Instruktion und Aufsicht stellt ein grobes Fehlverhalten</span><br/> <span class="text">seitens des beanzeigten Anwalts dar. Demnach hat er seine Sorgfalts-</span><br/> <span class="text">pflicht gemäss Art. 12 lit. a BGFA verletzt.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>