B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3923/2013 U r t e i l v o m 7 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, geboren (…), Nigeria, vertreten durch lic. iur. Seraina Berner, Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende Solothurn, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Juni 2013 / N (…). E-3923/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 14. Januar 2013 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass er am 21. Januar 2013 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ summarisch zu den Asylgründen befragt wurde, w obei er gel- tend machte, er habe seit dem Jahre 2002 in Italien gelebt und gearbe i- tet; die italienischen Behörden hätten ihm im Jahre 2009 eine Aufen t- haltsbewilligung ausgestellt, die ihm jedoch im März 2012 entzogen wo r- den sei, dass er sich weiterhin in It alien aufgehalten habe, wobei er im Juni 2012 wegen einer Lungenentzündung hospitalisiert worden sei, dass er seither keine Arbeit mehr gefunden und sich schliesslich zur Au s- reise entschlossen habe, dass dem Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung im EVZ vom 21. Januar 2013 gestützt auf seine Aussagen das rechtliche Gehör zu e i- ner allfälligen Wegweisung nach Italien gewährt wurde, wobei er geltend machte, er habe in Italien kein Asylgesuch gestellt und für die Aufen t- haltsbewilligung bezahlen müssen; a uch erhalte er dort keine Arbeitsb e- willigung, dass das BFM am 12. April 2013 an Italien ein Ersuchen um Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 9 Abs. 4 respektive Art. 10 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 (Du blin-II-Verordnung) zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrages z u- ständig ist, stellte (Akte A16), dass die italieni schen Behörden innerhalb der festgelegten Frist zum Übernahmeersuchen keine Stellung nahmen, dass der Beschwerdeführer am 21. Februar 2013 im (…)spital C._______, Infektiologie, positiv auf HIV getestet wurde, wobei eine chronische HIV-Infektion im CDC-Stadium C3 (AIDS) mit fortgeschrittener Schwächung der Immunitätslage (CD4 -Zellzahl 23 Zellen/ µl) diagnosti- ziert wurde, E-3923/2013 Seite 3 dass der Beschwerdeführer am 2. April 2013 antiretrovirale Therapie b e- gonnen hat, dass das BFM mit Verfügung vom 28. Juni 2013 – eröffnet a m 3. Juli 2013 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach A b- lauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändi- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer verfügte, dass für die Begründung der angefochtenen Verfügung auf die Akten und, soweit für den Entscheid relevant, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen wird, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Juli 2013 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltung sgericht durch seine Rechtsvertreterin Beschwerde erhob und dabei beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben un d das BFM anzuweisen, sein Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für vorliegendes Asylgesuch für zuständig zu erac h- ten, dass er in formeller Hinsicht im Sinne vorsorglicher Massnahmen um E r- teilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, um vorsorg liche Anordnung vollzugshemmender Massnahmen sowie um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensge- setzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht ersuchte, dass ferner e in ärztlicher Bericht von Dr. med. D._______, Infektiologie, (...)spital C._______, vom 23. April 2013, eine Abwesenheitsanzeige des behandelnden Arztes, ein Aufgebot für eine Sprechstunde am 13. August 2013 eingereicht wurden; eine Fürsorgebestätigung wur de am 16. Juli 2013 nachgereicht, dass auf die weitere Begründung, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, E-3923/2013 Seite 4 dass die vorinstanzlichen Akten am 12. Juli 2013 beim Bundesverwa l- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 5. August 2013 die A b- weisung der Beschwerde beantragte, dass der Beschwerdeführer mit Replik vom 4. September 2013 dazu Stel- lung nahm und gleichzeitig einen Arztbericht von Dr. med. D._______, In- fektiologie, (...)spital C._______, vom 6. August 2013 einreichte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei- det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 - 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit d as VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), E-3923/2013 Seite 5 dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe r- prüfen (Art. 32 – 35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerd e- instanz grundsätzlich auf die Frage beschrän kt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5.), dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintr e- tensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiel- len Prüfung ent hält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (BVGE 2007/8 E. 2.1, mit weiteren Hinweisen), dass im Rahmen des Dublin -Verfahrens, bei dem es sich um ein Übe r- stellungsverfahren in den für die Prü fung des Asylgesuches zuständigen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), dass eine entsprechende Prüfung, soweit notwendig, vielmehr bereits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass diesbezüglich das Dublin-Assoziierungsabkommen vom 26. Oktober 2004 (DAA, SR 0.142.392.68) zur Anwendung gela ngt und das BFM die Zuständigkeitsfrage gestützt auf die Dublin-II-VO prüfte, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Satz 2 Dublin -II-VO jeder Asylantrag von e i- nem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kap i- tels III als zuständiger Staat bestimmt wird, dass – unter anderem – derjenige Mitgliedstaat zur Prüfung eines Asylge- suches zuständig ist, welcher dem Asylbewerber einen gültigen Aufen t- haltstitel oder ein gültiges Visum ausgestellt hat (Art. 9 Dublin-II-VO), dass derjenige Mitgliedstaat den A sylbewerber, der sich zuvor während eines ununterbrochenen Zeitraumes von mindestens fünf Monaten in di e-E-3923/2013 Seite 6 sem Mitgliedstaat aufgehalten hat, nach Massgabe der Art. 17 bis 19 Dublin-II-VO aufzunehmen hat (Art. 10 Abs. 2 und Art. 16 Abs. 1 Bst. a Dublin-II-VO), wenn der Asylbewerber in einem weiteren Mitgliedstaat ein Asylgesuch einreicht, dass das BFM gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers, wonach er sich seit 2002 ununterbrochen in Italien aufgehalten habe und ihm im Jahre 2009 eine Aufenthaltsbewilli gung ausgestellt worden sei, die im März 2012 entzogen worden sei, die italienischen Behörden am 12. April 2013 um Übernahme der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 9 Abs. 4 resp. Art. 10 Abs. 2 Dublin-II-VO ersuchte, dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in Art. 18 Abs. 7 Dublin -II-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, womit sie die Zuständigkeit von Italien implizit anerkannten, dass auf Beschwerdeebene die Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates u n- bestritten blieb, dass nach dem Gesagten vorliegend Italien für die Prüfu ng des Asyla n- trags zuständig ist (vgl. Art. 9 Abs. 4 i.V.m. Art. 18 Abs. 7 Dublin-II-VO), dass weiter zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer auch dorthin ausre i- sen kann oder ob Überstellungshindernisse bestehen, dass die Frage der Zulässigkeit, Zumutbarke it und Möglichkeit des We g- weisungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG Vorau s- setzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10.2), weshalb allfällige Vollzugshindernisse in den zuständigen Dub lin-Mitgliedstaat – vorliegend Italien –, welche zur Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin - II-VO) in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 über Ve r- fahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV1, SR 142.311) führen kö nn- ten, bereits in diesem Rahmen geprüft werden, dass die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 28. Juni 2013 dazu erwog, der Wegweisungsvollzug nach Italien sei zulässig, zumutbar und möglich, dass der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe geltend ma cht, sein Gesundheitszustand stehe einer Überstellung nach Italien entgegen, E-3923/2013 Seite 7 dass er am 21. Februar 2013 im (...)spital C._______, Infektiologie, posi- tiv auf HIV getestet worden sei, wobei eine chronische HIV -Infektion im CDC-Stadium C3 (AIDS) mit fortgesc hrittener Schwächung der Immun i- tätslage (CD4 -Zellzahl 23 Zellen/ µl) und eine enorale Candidainfektion diagnostiziert worden seien, dass zudem am 11. März 2013 multiple kleine Lymphknotenvergröss e- rungen festgestellt worden seien, dass sich sein Allgemeinzus tand gemäss dem ärztlichen Bericht vom 23. April 2013 dank der komplexen antiretroviralen Therapie zwar verbes- sert habe, dies jedoch auf die spezialisierte medizinische Behandlung z u- rückzuführen sei, wobei ein Abbruch der HIV -Therapie innert kurzer Zeit zu einer deutlichen Verschlechterung der Abwehrlage mit Todesfolge füh- ren würde, dass er in Italien zudem früher oder später obdachlos würde und die l e- benslänglich notwendige medizinische Versorgung nicht sichergestellt wäre, dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung an ihrem Standpunkt fes t- hielt und ausführte, hinsichtlich der Erkrankung des Beschwerdeführers könne nicht von einem Zustand in Todesnähe ausgegangen werden, z u- dem würden Medizinfälle den italienischen Behörden erst im Zusamme n- hang mit der Überstellung angekündigt, dass Italien zudem die erforderliche medizinische Grundversorgung auch illegal anwesenden Personen gewähre, wobei dem Beschwerdeführer o f- fen stehe, bei seiner Ankunft in Italien ein Asylgesuch einzureichen und so in die asylrechtlichen Unterbringungsstrukturen zu gelangen, dass Italien überdies die Aufnahmerichtlinie ( Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003), welche Mindestnormen für die Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden – insbesondere auch medizinische Betreuung betreffend – beinhaltet, umsetze, dass Dublin -Rückkehrende sowie verletzliche Personen, zu denen der Beschwerdeführer zähle, von den italienischen Behörden bevorzugt b e- handelt würden, wobei für die Aufnahme von vulnerablen Dublin - Rückkehrern besondere Struk turen geschaffen worden seien, insbeso n- dere in Milano und Roma, E-3923/2013 Seite 8 dass es keinen Grund zur Annahme gebe, dass in Italien die notwendige ärztliche Betreuung nicht gegeben sei und der Standard der medizin i- schen Infrastruktur in Italien mit dem in der Schweiz v ergleichbar sei, wo- bei die benötigte Therapieform auch in Italien fortgeführt werden könne, dass gemäss des Arztberichtes beim Beschwerdeführer auch nicht von einem Zustand in Todesnähe auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer in seiner Replik unter Hinwe is auf einen a k- tuellen Arztbericht vom 6. August 2013 festhält, er befinde sich zur Zeit zwar nicht in Todesnähe, ohne entsprechende komplexe und lückenlose Therapie würde sich sein Allgemeinzustand und seine Immunitätslage in kürzester Zeit indessen verschlechtern, dass er eine besonders verletzliche Person sei, das BFM jedoch eine mögliche Ausübung des Selbsteintritts durch die Schweiz nicht geprüft, sondern pauschal festgestellt habe, Italien könne eine angemessene m e- dizinische Versorgungsleistung erbrin gen und der Zugang zur medizin i- schen Behandlung sei gewährleistet, dass er weiter festhält, dem BFM sei es ferner nicht gelungen, die in der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Juli 2013 angeforderten schriftlichen Garantien in Italien bezüglich einer lückenl o- sen medizinischen Betreuung bei der Überstellung des Beschwerdefü h- rers einzuholen, dass das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main in seinem Urteil vom 9. Urteil 2013 nämlich zum Schluss gelangt sei, die Aufnahmebedingun- gen in Italien wiesen schwerwiegende systematische Mängel auf und It a- lien verletze die Aufnahmerichtlinie (Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003) in tiefgreifender Weise, dass das italienische Aufnahme- und Unterbringungssystem sehr unüber- sichtlich sei, wobei auch die italienischen Behörden keinen vollständigen Überblick über die Kapazität und Effektivität hätten, dass der Beschwerdeführer implizit geltend macht, die Überstellung nach Italien setze ihn einer Gefahr für seine Gesundheit aus und verletze damit Art. 3 EMRK, bzw. sein Gesuch sei aus humanitären Gründen in der Schweiz zu behandeln, E-3923/2013 Seite 9 dass diese Einwände indes nicht geeignet sind, an der Zuständigkeit It a- liens zur Durchführung des Asylverfahrens etwas zu ändern respektive einen – wie von den Beschwe rdeführenden geltend gemacht – Anspruch auf Selbsteintritt nach Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin -II-VO durch die Schweiz zu begründen, dass man bei einer Überstellung in den zuständigen Mitgliedstaat unter anderem von der Prämisse ausgeht, dass dieser kra ft seiner Mitglie d- schaft den Verpflichtungen aus 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylb e- werbern in Mitgliedstaaten (sog. Aufnahmerichtlinie) , darunter auch dem Non-Refoulement-Gebot, nachkommt (v gl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2 S. 638), dass die blosse Verletzung erwähnter Richtlinie durch den zuständigen Mitgliedstaat kein selbständiges Recht einer beschwerdeführenden Person auf Anrufung der Ausübung des Selbsteintrittsrechts begrü n- det, sondern es hier zu grundsätzlich des Nachweises eines "real risk" im Sinne der EMRK bedarf ( vgl. dahingehend CHRISTIAN FILZWIE- SER/ANDREA SPRUNG, Dublin-II-Verordnung, 3. Auflage, Wien/Graz 2010 , Art. 3 K11 S. 75), dass, sofern dieser Nachweis nicht gelingt und somit nich t von einem Überstellungshindernis in den zuständigen Mitgliedstaat auszugehen ist, der betroffenen Person die Möglichkeit offensteht, sich im zuständigen Mitgliedstaat mittelbar auf die Aufnahmerichtlinie zu berufen respektive die entsprechenden innerstaatlichen Rechtsmittel zu ergreifen, dass, falls es demgegenüber einer notorischen Tatsache entspricht, dass der zur Prüfung des Asylverfahrens zuständige Mitgliedstaat systematisch gravierende Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 EMRK be- geht, ein e beschwerdeführende Person nicht die volle Beweislast trägt (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte [ EGMR] vom 21. Januar 2011 im Fall M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Beschwerde-Nr. 30696/09]), dass Italien – wie die Schweiz – unter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und der FoK ist und als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO zuständi- ger Staat gehalten ist, die Aufnahmerichtlinie von Asylbewerbern in Mi t- gliedstaaten anzuwenden respektive umzusetzen, E-3923/2013 Seite 10 dass auch nicht geschlosse n werden kann, Italien würde in genereller Weise seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen r e- spektive – wie dahingehend in der Beschwerde geltend gemacht – in völ- kerrechtswidriger Weise gegen die Aufnahmerichtlinie verstossen, dass diese Ansicht durch den EGMR bestätigt wird, indem dieser in se i- ner neusten Rechtsprechung festhält, dass in Italien kein systematischer Mangel an Unterstützung und Einrichtungen für Asylsuchende bestehe, obwohl die allgemeine Situation und insbesondere die Leben sumstände von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. EGMR: Entscheidung Mohammed Hussein und andere vs. Niede r- lande und Italien [Beschwerde Nr. 27725/10] vom 2. April 2013, § 78), dass gemäss den im erwähnten Urteil zitierten Berichten in Italien insb e- sondere für besonders verletzliche Personen, darunter auch für Dublin - Rückkehrende, in den Aufnahmezentren Plätze reserviert sind und g e- mäss Stellungnahme des italienischen Staates zud em die notwendigen medizinischen Vorkehrungen für diese Personen getroffen würden, sofern der überstellende Staat eine Person als solche bezeichne (vgl. a.a.O. § 43 und 45), dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur im Einzelfall und unter ganz aussergewöhnlichen U m- ständen einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann ( vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Praxis des EGMR; sowie diesbezügli- che Zusammenfassung der Rechtsprechung des EGMR in E ntscheide und Mitteilungen der Asylrekurskommission [E MARK] 2005 Nr. 23, Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2477/2012 vom 12. Februar 2013), dass Art. 3 EMRK nur dann tangiert wäre, wenn ein Wegweisungsvollzug kausal für das Entstehen einer schwerwiege nden lebensbedrohenden Si- tuation wäre, weil beispielsweise die notwendigen medizinischen Behand- lungsmöglichkeiten fehlen, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur dann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kan n, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder termin a- len Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet (vgl. EGMR, N. c. Vereinigtes Königreich [Appl. No. 26565/05], Urteil vom 27. Mai 2008), E-3923/2013 Seite 11 dass dies im vorliegenden Fall für die Situation des Beschwerdeführers nicht zutrifft, da seine Krankheit, wie nachstehend ausgeführt, in Italien behandelbar ist, dass sich der Beschwerdeführer gemäss dem ärztlichen Bericht vom 23. April 2013 von Dr. med. D._______ im Stadium C befindet, wo bei im Zeitpunkt der Diagnosestellung eine bereits schwer eingeschränkte I m- munitätslage sowie eine enorale Candidainfektion und eine Peribronchitis vorlagen, dass den weiteren Angaben des behandelnden Arztes indessen entno m- men werden kann, dass der Beschwe rdeführer auf die durchgeführten medizinischen Behandlungen gut angesprochen habe und bereits am 16. April 2013 eine gute Verträglichkeit der Therapie, eine gewisse Stab i- lisierung des Allgemeinzustandes sowie eine Verbesserung des Hustens und der Candidainfektion festgestellt wurden, dass sich die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers auch g e- mäss dem aktualisierten Arztbericht vom 6. August 2013 nicht verschlech- tert hat, vielmehr von einer Verbesserung des Allgemeinzustandes und der Immunitätslage ausgegangen werden kann und der behandelnde Arzt festhielt, der Beschwerdeführer könne noch Jahre bzw. Jahrzehnte mit seiner Krankheit leben, dass der behandelnde Arzt darauf hinwies, der Beschwerdeführer benöt i- ge eine Therapie – eine Kombination dreier M edikamente, die die Ve r- mehrung des HI-Virus hemme – ohne die für ihn eine schlechte Prognose bestünde, dass er zudem regelmässige Kontrollen im Abstand von drei Monaten empfiehlt, um die Verträglichkeit und die regelmässige Einnahme der Me- dikamente zu überprüfen, wobei auch Laboruntersuchungen durchgeführt werden müssten, mit dem Ziel, die Immunitätslage und die Wirksamkeit der Therapie zu überprüfen (vgl. Arztbericht vom 6. August 2013), dass im Übrigen davon auszugehen ist, dass alle Dublin -Staaten die grundlegenden medizinischen Bedürfnisse der Asylsuchenden erfüllen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.2), dass Italien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfüg en dürfte, um die vom Beschwerdeführer dringend benötigte medizinische Betreuung zu gewährleisten, E-3923/2013 Seite 12 dass insbesondere davon auszugehen ist, Italien könne dem Beschwe r- deführer als westeuropäischer Staat eine wie vom Arzt empfohlene oder gleichwertige Behandlung anbieten, dass dabei hervorzuheben ist, dass der Beschwerdeführer eine Eige n- verantwortung für die konsequente lebenslange und vorschriftsgemässe Einnahme der Medikamente (Therapietreue) trägt, von der auch ausz u- gehen ist, zumal er dadurch bereits eine Stabilisierung resp. Verbess e- rung seines Allgemeinzustandes erreicht hat, dass auch angenommen werden kann, er werde für den Fall, dass er die- se Eigenverantwortung allenfalls vorübergehend nicht wahrnehmen könn- te, dabei unterstützt, dass an dieser Stelle zudem festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer in Italien im Juni 2012 wegen gesun dheitlicher Probleme bereits einmal ärztlich betreut worden war (Hospitalisierung wegen Lungenentzündung), weshalb davon ausgegangen werden kann, er sei in der Lage, seine Be- dürfnisse auch anzumelden, dass es ihm im Bedarfsfall im Übrigen offen stehen würd e, Probleme bei der Unterbringung oder beim Zugang zur medizinischen Versorgung bei den zuständigen italienischen Justizbehörden oder beim EGMR zu rügen (BVGE 2010/45 E. 7.6.4), dies entweder unter Beiziehung eines italien i- schen Rechtsanwaltes oder mittels Hilfe unabhängiger, vorhandener Hilfsorganisationen in Italien, dass der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers anlässlich der Überstellung nach Italien durch vorgängige Informierung der mediz i- nischen Behandlungsbedürfnisse sowie bei der Ankunft in Italien und Mit- gabe von Medikamenten Rechnung getragen wird (vgl. angefochtene Verfügung S. 3 f., Vernehmlassung vom 10. Oktober 2013), dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 10. Oktober 2013 we i- ter ausführte, es werde in einem Fall wie dem v orliegenden eine Verbin- dungsperson des BFM vor Ort über die anstehende Überstellung info r- miert, dass diese Verbindungsperson einen direkten und informellen Draht zum italienischen Dublin-Office habe und die Einzelheiten des Falls mit den italienischen MitarbeiterInnen bespreche und auf diesem Weg sicherste l- le, dass nebst den offiziell von der Dublin -Verordnung vorgeschriebenen E-3923/2013 Seite 13 Punkten auch darüber hinausgehende praktische Details geregelt würden (vgl. a.a.O.), dass insgesamt keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, die darauf hindeuten, der Beschwerdeführer würde im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten, dass der Beschwerdefü hrer nach dem Gesagten nicht beweisen oder glaubhaft machen konnte, dass ein konkretes und ernsthaftes Risiko b e- stehe, seine Überstellung nach Italien würde gegen Art. 3 EMRK oder e i- ne andere völkerrechtliche Verpflichtung der Schweiz verstossen (vgl. die hievor erwähnte Rechtsprechung des EGMR), dass die Schweiz zudem aus humanitären Gründen gestützt auf Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vom Selbsteintrit tsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO Gebrauch machen kann, dass es sich um eine Kann -Bestimmung handelt, bei der das BFM über einen gewissen Ermessensspielraum verfügt, dass jedoch durch eine restriktive Praxis der Auslegung von Art. Art. 29a Abs. 3 Asy lV 1 sichergestellt wird, dass das Zuständigkeitssystem der Dublin-II-VO nicht unterhöhlt wird (vgl. BVGE 201 1/9 E. 8.1 mit Hinweis auf die Literatur), dass vorliegend unter den erwähnten Umständen kei ne humanitäre Gründe im Si nne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 einer Überstellung des Beschwerdeführers entgegen stehen, dass es demnach keinen Grund für die Anwendung der Souveränität s- klausel (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin-II-VO) gibt, dass Italien somit für die Prüfung des Asylgesuchs des Beschwerde - führers gemäss der Dublin-II-VO zuständig und entsprechend verpflichtet ist, ihn gemäss Art. 19 Dublin-II-VO wieder aufzunehmen, dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und, da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung ist, ebenfalls zu Recht in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), E-3923/2013 Seite 14 dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verl etzt, den recht s- erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder una n- gemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit verfah- rensleitender Verfügung vom 18. Juli 2013 gutgeheissen worden ist, wes- halb vorliegend keine Verfahrenskosten erhoben werden. (Dispositiv nächste Seite) E-3923/2013 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand: