<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">176</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>34</b></span> <span class="ft3"><b>Zonenkonformität einer Einkaufsanlage in der Industriezone</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 1. Juli 2009 in Sachen X.</span><br/> <span class="ft4">AG gegen Beschluss des Gemeinderats Seon (Sprungbeschwerde;</span><br/> <span class="ft4">WBE.2008.152).</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin plant auf der Parzelle Nr. 1947 den</span><br/> <span class="ft1">Neubau einer Filiale mit einer Verkaufsfläche von rund 1'198 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">und</span><br/> <span class="ft1">111 Parkplätzen. Hinzu kommen verschiedene Nebenräume und</span><br/> <span class="ft1">Abstellplätze für Velos und Mofas. Die Zufahrt zur geplanten Ver-</span><br/> <span class="ft1">kaufsstelle soll über die Industriestrasse "Birren" erfolgen, die in ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Abstand von rund 105 m zum Baugrundstück in die Lenzbur-</span><br/> <span class="ft1">gerstrasse (K 249) mündet.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">177</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Bauparzelle liegt gemäss Bauzonen- und Kulturlandplan</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinde Seon vom 23. November 2001 / 26. August 2003 in</span><br/> <span class="ft1">der Industriezone.</span><br/> <span class="ft1">2. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.-3.3. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">3.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Das RPG erlaubt es den Kantonen, neben den in den Art. 15 -</span><br/> <span class="ft1">17 RPG ausdrücklich genannten weitere Zonen vorzusehen. In der</span><br/> <span class="ft1">Ausgestaltung und Ergänzung der vom RPG geregelten Nutzungsar-</span><br/> <span class="ft1">ten kommt den Kantonen ein erheblicher Gestaltungsspielraum zu,</span><br/> <span class="ft1">wobei sie an die bundesrechtliche Grundordnung gebunden bleiben.</span><br/> <span class="ft1">Die Gestaltungsfreiheit der Kantone wird begrenzt durch den</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz der Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet, durch das</span><br/> <span class="ft1">Konzentrationsprinzip, das die Streubauweise für nicht freilandge-</span><br/> <span class="ft1">bundene Bauten verbietet, und durch die Ziele und Grundsätze der</span><br/> <span class="ft1">Raumplanung (zum Ganzen Bernhard Waldmann / Peter Hänni,</span><br/> <span class="ft1">Raumplanungsgesetz, Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die</span><br/> <span class="ft1">Raumplanung [RPG], Bern 2006, Art. 18 N 4 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Nach § 15 Abs. 2 BauG können die Gemeinden innerhalb der</span><br/> <span class="ft1">Bauzone namentlich Wohn-, Kern-, Gewerbe-, Industriezonen und</span><br/> <span class="ft1">Zonen für öffentliche Bauten ausscheiden und Art sowie Ausmass</span><br/> <span class="ft1">der Nutzungen regeln. Das kantonale Recht schreibt den Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">nicht vor, welche Nutzungen sie in diesen Zonen zuzulassen haben.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Ausscheidung und der Definition der verschiedenen Zonen</span><br/> <span class="ft1">geniessen die Gemeinden vielmehr verfassungsrechtlich geschützte</span><br/> <span class="ft1">Autonomie (§ 106 Abs. 1 KV); hierin eingeschlossen ist die An-</span><br/> <span class="ft1">wendung des autonomen Gemeinderechts. Das kantonale Recht</span><br/> <span class="ft1">gewährt rechtlich erhebliche Entscheidungsfreiheit, und zwar in der</span><br/> <span class="ft1">Absicht, die Ordnung den Gemeinden zu überlassen, d.h. ihnen</span><br/> <span class="ft1">Kompetenzen für selbstständige Regelungen in einem für den Sinn</span><br/> <span class="ft1">und die Funktion der Gemeindefreiheit wichtigen Bereich offen zu</span><br/> <span class="ft1">halten. Daraus folgt, dass sich das Verwaltungsgericht bei der Über-</span><br/> <span class="ft1">prüfung gemeinderätlicher Entscheide zurückzuhalten hat, soweit es</span><br/> <span class="ft1">bei den zu entscheidenden Fragen um rein lokale Anliegen und ört-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">178</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lich-spezifische Interessen geht und weder überörtliche Interessen</span><br/> <span class="ft1">noch überwiegende Rechtsschutzanliegen berührt werden. Die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde kann sich in solchen Fällen bei der Auslegung kommunalen</span><br/> <span class="ft1">Rechts insbesondere dort auf ihre Autonomie berufen, wo eine Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung unbestimmt ist und verschiedene Auslegungsergebnisse recht-</span><br/> <span class="ft1">lich vertretbar erscheinen lässt. Die kantonalen Rechtsmittelinstan-</span><br/> <span class="ft1">zen sind hier gehalten, das Ergebnis der gemeinderätlichen Rechts-</span><br/> <span class="ft1">auslegung zu respektieren und nicht ohne Not ihre eigene Rechts-</span><br/> <span class="ft1">auffassung an die Stelle der gemeinderätlichen zu setzen. Die</span><br/> <span class="ft1">Autonomie der Gemeindebehörden hat jedoch dort ihre Grenzen, wo</span><br/> <span class="ft1">sich eine Auslegung mit dem Wortlaut sowie mit Sinn und Zweck</span><br/> <span class="ft1">des Gesetzes nicht mehr vereinbaren lässt (AGVE 2005, S. 152;</span><br/> <span class="ft1">2003, S. 190). Wo eine Norm der rechtsanwendenden Behörde Er-</span><br/> <span class="ft1">messen einräumt, ist die Gemeindebehörde bei der Ermessensbe-</span><br/> <span class="ft1">tätigung ausserdem an die Verfassung, insbesondere an das Rechts-</span><br/> <span class="ft1">gleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeitsprinzip und an die Pflicht</span><br/> <span class="ft1">zur Wahrung öffentlicher Interessen, gebunden (Ulrich Häfelin /</span><br/> <span class="ft1">Georg Müller / Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5.</span><br/> <span class="ft1">Aufl., Zürich 2006, Rz. 441).</span><br/> <span class="ft1">3.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Nach § 12 Abs. 1 der Bauordnung der Gemeinde Seon vom</span><br/> <span class="ft1">23. November 2001 / 26. August 2003 (BO) ist die Industriezone be-</span><br/> <span class="ft1">stimmt für mässig und stark störende Industrie- und Gewerbebetrie-</span><br/> <span class="ft1">be. Wohnungen sind nur für den Betriebsinhaber sowie für betrieb-</span><br/> <span class="ft1">lich an den Standort gebundenes Personal gestattet. Eine Umschrei-</span><br/> <span class="ft1">bung dessen, was unter mässig und stark störenden Industrie- und</span><br/> <span class="ft1">Gewerbebetrieben zu verstehen ist, enthält das lokale Recht nicht.</span><br/> <span class="ft1">Die genaue Bedeutung von § 12 Abs. 1 BO ist daher durch Ausle-</span><br/> <span class="ft1">gung zu bestimmen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">ist bei der Auslegung vom Wortlaut auszugehen, doch kann dieser</span><br/> <span class="ft1">nicht allein massgebend sein. Besonders wenn der Text unklar ist</span><br/> <span class="ft1">oder verschiedene Deutungen zulässt, muss nach seiner wahren Trag-</span><br/> <span class="ft1">weite gesucht werden unter Berücksichtigung weiterer Auslegungs-</span><br/> <span class="ft1">elemente, wie der Gesetzessystematik, der Entstehungsgeschichte der</span><br/> <span class="ft1">Norm oder der Wertung, die der Gesetzesbestimmung zugrunde liegt</span><br/> <span class="ft1">(vgl. BGE 128 I 40 f.; BGE vom 21. März 2000, in: ZBl 102/2001,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">179</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">S. 84; BGE 125 II 525; AGVE 2003, S. 191 f., je mit Hinw.; zum</span><br/> <span class="ft1">Ganzen auch Häfelin / Müller / Uhlmann, a.a.O., Rz. 216 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Der Wortlaut von § 12 Abs. 1 BO führt zu keinem eindeutigen</span><br/> <span class="ft1">Auslegungsergebnis. Während sich der Begriff der Industrie nach</span><br/> <span class="ft1">herkömmlichem Sprachgebrauch auf die Produktion und Weiterver-</span><br/> <span class="ft1">arbeitung von Waren und Gütern bezieht, kann der Begriff des Ge-</span><br/> <span class="ft1">werbes je nach Sprachverständnis in einem engeren oder einem</span><br/> <span class="ft1">weiteren Sinn verwendet werden. In einem engeren Sinn fallen da-</span><br/> <span class="ft1">runter nur Betriebe, die der Bearbeitung oder Verarbeitung von</span><br/> <span class="ft1">Stoffen aller Art mit Hilfe von Maschinen oder anderen technischen</span><br/> <span class="ft1">Hilfsmitteln dienen (so ZBl 81/1980, S. 258; 90/1989, S. 211), nicht</span><br/> <span class="ft1">aber Verkaufsgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe. In einem weite-</span><br/> <span class="ft1">ren Sinn umfasst der Begriff des Gewerbes jede wirtschaftliche Tä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit, die auf eigene Rechnung, eigene Verantwortung und auf</span><br/> <span class="ft1">Dauer mit der Absicht zur Gewinnerzielung betrieben wird (so</span><br/> <span class="ft1">http://de.wikipedia.org/wiki/Gewerbe). Darunter fielen auch Ver-</span><br/> <span class="ft1">kaufsgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe.</span><br/> <span class="ft1">Auch die Gesetzessystematik lässt mehrere Deutungen zu. Zwar</span><br/> <span class="ft1">hat der Gesetzgeber in den §§ 10 Abs. 1 und § 11 Abs. 1 BO termi-</span><br/> <span class="ft1">nologisch zwischen Gewerbe, Dienstleistungsbetrieben und Läden</span><br/> <span class="ft1">unterschieden, was darauf hinweisen könnte, dass er den Begriff des</span><br/> <span class="ft1">Gewerbes und der Industrie in § 12 Abs. 1 BO in einem engen Sinn</span><br/> <span class="ft1">verwenden wollte und darunter nur produzierende und weiterverar-</span><br/> <span class="ft1">beitende Betriebe verstand. Allerdings legt § 7 Abs. 1 BO den ge-</span><br/> <span class="ft1">genteiligen Schluss nahe, werden doch hier mit dem Begriff des</span><br/> <span class="ft1">"mässig störenden Gewerbes" offenbar auch Verkaufsgeschäfte ein-</span><br/> <span class="ft1">gefangen, von denen sich einige in der Kernzone befinden (so etwa</span><br/> <span class="ft1">Coop, Volg und Intersport [...]).</span><br/> <span class="ft1">Dagegen kann sich die Auffassung des Gemeinderats, wonach</span><br/> <span class="ft1">reine Verkaufsgeschäfte in der Industriezone unzulässig sind, auf die</span><br/> <span class="ft1">Entstehungsgeschichte stützen. Im Planungsbericht vom 31. Oktober</span><br/> <span class="ft1">2001 zur Anpassung der Bauordnung an das neue Baugesetz,</span><br/> <span class="ft1">Teiländerungen Bauzonen- und Kulturlandplan, wurde ausdrücklich</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, in den Industriezonen seien wegen ihrer peripheren</span><br/> <span class="ft1">Lage in Bezug auf den Ortskern weiterhin keine Einkaufsanlagen</span><br/> <span class="ft1">zulässig, ausser Fabrikläden, die als Bestandteile von Industriebauten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">180</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gelten würden (...). Die gleiche Zielsetzung ergibt sich aus dem</span><br/> <span class="ft1">Regionalen Entwicklungskonzept für die Region Seetal aus dem Jahr</span><br/> <span class="ft1">2006 (...), wo explizit festgehalten wird, der Einkauf für den tägli-</span><br/> <span class="ft1">chen Bedarf [...] solle in den peripheren Arbeitsplatzgebieten ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen werden (...).</span><br/> <span class="ft1">Zum gleichen Auslegungsergebnis führt auch eine teleologische</span><br/> <span class="ft1">Betrachtung: Zwar dürfen in Industriezonen unter <i>immissions-</i></span><br/> <span class="ft2"><i>rechtlichen</i> Gesichtspunkten auch Betriebe errichtet werden, die nur</span><br/> <span class="ft1">mässig stören (sog. Recht zur Minderausnutzung; vgl. Erich Zim-</span><br/> <span class="ft1">merlin, Baugesetz des Kantons Aargau vom 2. Februar 1971,</span><br/> <span class="ft1">Kommentar, 2. Auflage, Aarau 1985, §§ 130-33 N 10a), hinter dem</span><br/> <span class="ft1">Verbot von Verkaufsgeschäften in Industriezonen kann gleichwohl</span><br/> <span class="ft1">ein legitimes planerisches Anliegen stecken. So kann ein berechtigtes</span><br/> <span class="ft1">Ziel des Gesetzgebers darin bestehen zu verhindern, dass die Orts-</span><br/> <span class="ft1">zentren durch den Bau von abseits gelegenen Verkaufsgeschäften</span><br/> <span class="ft1">entleert oder in ihrer Lebensfähigkeit beeinträchtigt werden. Ge-</span><br/> <span class="ft1">genstand der Raumplanung darf somit mindestens in gewissen</span><br/> <span class="ft1">Schranken auch die Konsumversorgung der Wohngebiete sein (vgl.</span><br/> <span class="ft1">auch BGE 116 Ia 428 ff.). Ein Vorhaben der streitbetroffenen Art, das</span><br/> <span class="ft1">mit seinem Sortiment an Nahrungs- und Genussmitteln sowie an Ge-</span><br/> <span class="ft1">und Verbrauchsgütern den kurz- und mittelfristigen Bedarf von</span><br/> <span class="ft1">Endverbrauchern abdeckt, ist geeignet, diese vom Ortszentrum weg</span><br/> <span class="ft1">in die Industriezone zu locken und so (über das Absterben zentral</span><br/> <span class="ft1">gelegener Betriebe) die Güterversorgung im Ortszentrum in Frage zu</span><br/> <span class="ft1">stellen. Ein weiteres berechtigtes planerisches Interesse besteht darin,</span><br/> <span class="ft1">gewerbliche und industrielle Betriebe, die wegen ihrer Auswirkungen</span><br/> <span class="ft1">auf die Umwelt und/oder wegen ihres grösseren Raumbedarfs auf die</span><br/> <span class="ft1">Industriezone angewiesen sind, vor einer Verdrängung durch reine</span><br/> <span class="ft1">Verkaufsgeschäfte zu schützen, zumal solche auch in anderen Zonen</span><br/> <span class="ft1">betrieben werden können. Gemäss dem Planungsbericht handelt es</span><br/> <span class="ft1">sich bei den Industriezonen Birren und Egliswil um die einzigen</span><br/> <span class="ft1">beiden Industriegebiete mit regionaler Bedeutung für das Seetal. In</span><br/> <span class="ft1">den Gemeinden mit Seeanstoss sei aus Landschaftsgründen bewusst</span><br/> <span class="ft1">auf die Ausscheidung von Industriezonen verzichtet worden (...). Da</span><br/> <span class="ft1">somit das regionale Angebot an Zonen beschränkt ist, in denen sich</span><br/> <span class="ft1">Betriebe mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt und/oder</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">181</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">grossem Raumbedarf niederlassen können, kann sich die Fernhaltung</span><br/> <span class="ft1">von Verkaufsgeschäften, die entweder weniger Immissionen</span><br/> <span class="ft1">verursachen oder geringeren Raumbedarf haben, auf ein berechtigtes</span><br/> <span class="ft1">raumplanerisches Interesse stützen.</span><br/> <span class="ft1">Zwar lässt sich anführen, dass ein Verkaufsgeschäft wie das ge-</span><br/> <span class="ft1">plante, bei dem das Einzugsgebiet der Kundschaft über den lokalen</span><br/> <span class="ft1">Bereich hinausgeht, infolge des Verkehrsaufkommens in einer pe-</span><br/> <span class="ft1">ripheren Industriezone besser aufgehoben wäre als im Ortskern, eine</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde ist jedoch grundsätzlich nicht verpflichtet, auf ihrem Ge-</span><br/> <span class="ft1">biet jede beliebige Nutzung zuzulassen. Soweit es planerische oder</span><br/> <span class="ft1">infrastrukturelle Gründe rechtfertigen, können Gemeinden auch in</span><br/> <span class="ft1">Industrie- und Gewerbezonen bestimmte Betriebsarten (zum Beispiel</span><br/> <span class="ft1">Einkaufsanlagen) ausschliessen (vgl. auch Christoph Fritzsche / Peter</span><br/> <span class="ft1">Bösch, Zürcher Planungs- und Baurecht, 4. Aufl., Zürich 2006, Ziff.</span><br/> <span class="ft1">3-15).</span><br/> <span class="ft1">Für die Ansicht des Gemeinderats, wonach reine Verkaufsge-</span><br/> <span class="ft1">schäfte in der Industriezone nicht zulässig sind, sprechen somit das</span><br/> <span class="ft1">historische und das teleologische Element. Mit Wortlaut und Geset-</span><br/> <span class="ft1">zessystematik lässt sich das Auslegungsergebnis zumindest vereinba-</span><br/> <span class="ft1">ren. Der angefochtene Beschluss beruht somit auf einer vertretbaren</span><br/> <span class="ft1">Auslegung des kommunalen Rechts. Daran ändert auch der Umstand</span><br/> <span class="ft1">nichts, dass der Gemeinderat anfänglich selber davon ausgegangen</span><br/> <span class="ft1">war, das Vorhaben lasse sich in baurechtlicher Hinsicht nicht</span><br/> <span class="ft1">verhindern (...). Nach der Konzeption des Baugesetzes können ver-</span><br/> <span class="ft1">bindliche Zusagen nur noch als Vorentscheid im Sinn von § 62 BauG</span><br/> <span class="ft1">ergehen (vgl. auch BGE 117 Ia 288 f.). Das gilt jedenfalls solange,</span><br/> <span class="ft1">als Dritte davon betroffen sind (vgl. Michael Merker, Rechtsmittel,</span><br/> <span class="ft1">Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz</span><br/> <span class="ft1">über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG] vom 9. Juli 1968, Diss.,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1998, § 38 N 36; Zimmerlin, a.a.O., § 152 N 9). Im konkreten</span><br/> <span class="ft1">Fall fehlt es an einem förmlichen Vorentscheid, der auch gegenüber</span><br/> <span class="ft1">den Einsprechern verbindlich werden könnte.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>