Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. Oktober 2017 (720 17 213 / 282) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ablehnung eines Rentenanspruchs mangels Erfüllung des Wartejahres Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Christof Enderle, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Denis G. Giovannelli, Rechtsanwalt und Notar, Baarerstrasse 34, Postfach, 6300 Zug gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1960 geborene A.____ meldete sich am 9. Mai 2014 unter Hinweis auf unfallbe- dingte Schulter-, Arm- und Hüftschmerzen bei der Ei dgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft - nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens - mit Verfügung vom 17. Mai 2017 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab. Z ur Begründung machte sie im Wesentli- chen geltend, dass „die Bedingungen des Wartejahres (ununterbrochene durchschnittlich min- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht destens 40 %-ige Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres und anschliessende rentenbegrün- dende Erwerbsunfähigkeit) nicht erfüllt“ worden seien. B. Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Denis G. G iovannelli namens und im Auf- trag von A.____ am 3. Juli 2017 Beschwerde beim Kanton sgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es se i die angefochtene Verfügung vollum- fänglich aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin mindestens eine unbefristete halbe Rente auszurichten. Es seien bei Dr. med. B.____, Inne re Medizin FMH, und C.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, aktuelle Berichte ei nzuholen; eventualiter sei über den Ge- sundheitszustand der Beschwerdeführerin ein Gutachten und subeventualiter ein psychosoma- tisches Gutachten erstellen zu lassen und es sei gestützt a uf diese Gutachten neu zu verfügen; alles unter o/e Kostenfolge, wobei der Beschwerdeführer in die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter zu bewilligen seien. C. In ihrer Vernehmlassung vom 24. August 2017 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 28. September 2017 bewilligte das Kantonsgericht der Beschwer- deführerin gestützt auf die eingereichten Unterlage n die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Rechtsanwalt Denis G. Giovannelli als Rechtsvertreter. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 3. Juli 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c). 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experti n oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.1 Die IV-Stelle zog im Rahmen der Abklärung des med izinischen Sachverhalts zum ei- nen die Akten der D.____, des Unfallversicherers der Be schwerdeführerin, und zum andern Berichte verschiedener behandelnder Ärzte bei und legte diese Dr. med. E.____, Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vor. In seiner Beurteilung vom 25. November 2015 hielt dieser bei der Versicherten f olgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1) ein Cervicalsyndrom bei ö dematöser Osteochondrose HWK 5/6 mit zum Teil deutlichen ventralen und beginnenden dorsalen spondylophytären Appositionen und zirkulärer dorsaler Protrusion sowie intraforaminaler He rnierung C6 links mit gut möglicher me- chanischer Irritation der Nervenwurzel C6 links sowie (2) ein Lumbalsyndrom bei linksbetonter ödematöser Osteochondrose LWK 2/3 ohne neurologische Ta ngierung und rechtsbetonter ödematöser Osteochondrose LWK 3/4 mit beginnender Hern ierung von Bandscheibengewebe in das Foramen L3 und fraglicher Tangierung der Nerve nwurzel L3 rechts intraforaminal. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit der Versicherten führte D r. E.____ aus, für den Zeitraum vom 10. Dezember 2013, dem Behandlungsbeginn im Spital F.____, bis zum 16. Mai 2014, dem Datum der dortigen letzten Kontrolle, sei aufgrund d er von den Spitalärzten dokumentierten Exacerbation des vorbekannten Cervikal- und Lumbalsyndrom s für sämtliche Tätigkeiten von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Für die Zeit danach habe in der ange- stammten und in sämtlichen leichten bis mittelschweren Ve rweistätigkeiten mit einer Gewichts- limite von 10 kg wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden. In Bezug auf den Zeitraum vor dem am 10. Dezember 201 3 erfolgten Behandlungsbeginn im Spital F.____ hielt Dr. E.____ Folgendes fest: Die V ersicherte sei von ihrem Hausarzt Dr. B.____ (bereits) ab 18. Oktober 2013 unfallbeding t vollständig arbeitsunfähig geschrieben worden. Für die Annahme einer solchen vollständigen Arb eitsunfähigkeit liege aber kein medi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zinischer Grund vor. Gemäss den Angaben von Dr. B.____ sei die Versicherte am 30. September 2013 am Arbeitsplatz vor dem Lift ausge rutscht und auf dem steinernen Boden auf den Rücken gefallen, vor allem auf die linke Körp erseite. Seither hätte sie Schmerzen im linken Schulter/Arm-Bereich und lumbal mit Ausstrahlun g in das linke Bein. Ebenso habe sie über Hüftschmerzen links geklagt. Strukturelle Traumafolg en seien jedoch nie nachgewiesen worden. Es seien keine Prellmarken beschrieben und die Bildgebung habe nichts ergeben, was auf ein Trauma hindeuten würde. Es hätten sich nur vorb ekannte degenerative Veränderungen gezeigt, welche die geklagten Beschwerden teilweise er klären könnten. Ebenso seien nie neu- rologische Ausfälle dokumentiert worden. Dazu komme, d ass sich die Versicherte erst am 18. Oktober 2013 wegen des angeblichen Unfalls von Dr. B.____ arbeitsunfähig habe schreiben lassen. Beim beschriebenen Unfallmechanismus wäre jedoch zu erwarten gewesen, dass es sofort und nicht erst zwei Wochen später zu einer Arbeitsunfähigkeit gekommen wär e, falls beim Ereignis tatsächlich strukturelle Schäden entstanden wären. Es liege denn auch kein zeit- naher Nachweis vor, dass der Sturz jemals stattgefunden habe. Zudem sei in den Berichten von Dr. B.____ einmal von einem Unfallereignis am 30. September 2013 die Rede und dann wieder von einem Ereignis am 4. Oktober 2013. Diese Inkonsisten z sei nicht akzeptabel und stelle sämtliche Angaben in Frage. Schliesslich sei auch die Un fallmeldung des Arbeitgebers erst am 4. November 2013, also über einen Monat nach dem angeblichen Ereignis, erfolgt. 4.2.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung d es medizinischen Sachverhalts vollum- fänglich auf diese Beurteilung des RAD-Arztes Dr. E._ ___. Sie ging deshalb davon aus, dass die Versicherte vom 10. Dezember 2013 bis 16. Mai 2014 vo llständig arbeitsunfähig gewesen sei. Für die Zeit davor und für die Zeit danach habe jedoch sowohl in der angestammten als auch in jeglicher leichten bis mittelschweren Verweistätigkeit mit einer Gewichtslimite von 10 kg wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden. Somit sei die Versicherte aber nicht während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen. Sie habe deshalb das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG nicht erfüllt. 4.2.2 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist - wie das da raus gewonnene Ergebnis - nicht zu beanstanden. Sie erweist sich insbesondere in Bezug au f den Zeitraum ab 10. Dezember 2013 als zutreffend. Der RAD-Arzt Dr. E.____ zeigt nach vollziehbar auf, dass und weshalb während der Dauer der Behandlung der Versicherten im Spital F.____ (vom 10. Dezember 2013 bis 16. Mai 2014) wegen einer Exacerbation eines vorbekannten Cervikal- und Lumbal- syndroms eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat und dass diese durch die bei den Akten liegenden Berichte des genannten Spitals auch hinr eichend dokumentiert ist. Für die Zeit danach ist jedoch bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasse s im Mai 2017 - auch darin ist Dr. E.____ beizupflichten - eine Arbeitsunfähigkeit ni cht mehr belegt. So hielt Dr. med. G.____, Kardiologie und Innere Medizin FMH, in seinem undatierten, am 29. Dezember 2014 bei der IV- Stelle eingegangenen Bericht ausdrücklich fest, dass bei de r Versicherten aus kardiologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Dr. med. H.____, Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, berichtete am 8. Dezember 2014, dass die Versicherte ihn wegen unklarer Gesäss- und Beinsch merzen links aufgesucht habe. Nach einer ersten Konsultation habe sie jedoch die weit eren, für eine genauere Untersuchung der Problematik vereinbarten Termine abgesagt. Der Psych iater C.____ schliesslich hatte bei Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherten gemäss seinem Bericht vom 27. August 201 5 zwar eine Somatisierungsstö- rung (ICD-10 F45.0), einen Verdacht auf eine Anpassu ngsstörung (ICD-10 F43.23) mit vorwie- gender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen, den V erdacht auf einen Medikamentenabusus (ICD-10 F15.24) und den Verdacht auf eine Persönlichk eitsstörung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80) diagnostiziert, am Schluss seines Berichts hielt er jedoch fest, die Versicherte habe angegeben, dass es ihr insgesa mt gut gehe, weshalb aus psychiatri- scher Sicht keine Notwendigkeit auf Weiterbehandlung b estanden habe. Zur Frage der Arbeits- fähigkeit äusserte sich der damals behandelnde Psychiater n icht, da er aber eine Fortführung der Therapie nicht als erforderlich erachtete und da e r in erster Linie Verdachtsdiagnosen erho- ben hatte, durften Dr. E.____ und mit ihm die IV-St elle zu Recht davon ausgehen, dass die Versicherte im Zeitraum nach dem 16. Mai 2014 auch aus p sychiatrischer Sicht nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war. Diesbezüglich kann vo llumfänglich auf die überzeugenden Ausführungen hierzu in der Vernehmlassung der IV-Stell e vom 24. August 2017 verwiesen werden. 4.2.3 Nicht gänzlich klar ist die Situation in Bezug auf eine allfällige Arbeitsunfähigkeit einzig für den Zeitraum vom 18. Oktober 2013 bis 9. Dezember 2013. In dieser Periode war die Versi- cherte durch ihren Hausarzt Dr. B.____ aufgrund der Fo lgen eines - je nach Aktenstück am 30. September oder am 4. Oktober 2013 erlittenen - Unfalls vollständig arbeitsunfähig geschrie- ben worden. Dr. E.____ und mit ihm die IV-Stelle sin d jedoch der Auffassung, dass für die An- nahme einer solchen vollständigen Arbeitsunfähigkeit kein medizinischer Grund vorgelegen habe. Es sei für die fragliche Periode vielmehr von e iner vollständigen Arbeitsfähigkeit der Ver- sicherten auszugehen. Wie es sich damit verhält, braucht n un allerdings nicht weiter geprüft zu werden. Selbst wenn man entgegen der Auffassung der IV-Stelle nicht erst ab 10. Dezember 2013, sondern bereits ab 18. Oktober 2013 von einer v ollständigen, bis 16. Mai 2014 dauern- den Arbeitsunfähigkeit ausgehen würde, bleibt es dabei, dass die Beschwerdeführerin das War- tejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG nicht erfüllt hat. 4.3 Was die Versicherte vorbringt, führt zu keiner and eren Beurteilung der Angelegenheit. Ihr Rechtsvertreter beschränkt sich in seiner Beschwerde auf die knappen und nicht weiter be- legten Hinweise, dass die Beschwerdeführerin bei einer P sychologin in einer „delegierten Psy- chotherapie“ sei und dass sie anfangs 2017 zu weiteren A bklärungen an die Klinik I.____ über- wiesen worden sein soll. Trotz damals noch hängigem Rent enprüfungsverfahren hat die Versi- cherte die IV-Stelle über diese angeblichen neuen Beh andlungen und Untersuchungen und eine allenfalls damit verbundene Verschlechterung ihre s psychischen Gesundheitszustandes nicht in Kenntnis gesetzt. Die IV-Stelle hatte deshalb keine Veranlassung, entsprechende zu- sätzliche Abklärungen vorzunehmen. Ihr unter diesen Umständen eine Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes vorzuwerfen, geht jedenfalls fehl. Dazu kommt, dass auch in der vorliegen- den Beschwerde äusserst kurze und ausgesprochen vage gehalt ene Ausführungen zu den an- geblichen neuen Behandlungen und Untersuchungen gemach t werden. So wird etwa nicht an- gegeben, welcher Arzt nunmehr die „delegierte Psychotherapie“ verordnet haben soll, nachdem der Psychiater C.____ die Behandlung im Sommer 2015 b eendet hatte. Ebenso fehlen Hinwei- se, ob es in der Zwischenzeit tatsächlich zu Untersuchungen in der Klinik I.____ gekommen ist. Bei derart knappen, allgemein gehaltenen und insbesond ere auch in keiner Weise belegten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinweisen der anwaltlich vertretenen Versicherten besteh t aber auch von Seiten des Kantons- gerichts keine Veranlassung, weitere Abklärungen vorzuneh men oder vornehmen zu lassen. Den Eventualbegehren der Beschwerdeführerin auf Einh olung von Berichten der (früher) be- handelnden Ärzte oder auf Anordnung eines Gerichtsguta chtens ist nicht stattzugeben. Ebenso besteht kein Grund für eine Rückweisung der Angelegenh eit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle. 4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle i n der angefochtenen Verfügung vom 17. Mai 2017 einen Rentenanspruch der Versicherten zu Recht abgelehnt hat. Die hierge- gen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, we shalb sie abgewiesen werden muss. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sin d. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 28. September 2017 die unent geltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorlä ufig auf die Gerichtskasse genom- men. 5.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 28 . September 2017 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Be schwerdeführerin hat in seiner Honorar- note vom 19. Oktober 2017 für das vorliegende Verfahr en einen Zeitaufwand von 6,1 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 47.60. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honora r in der Höhe von Fr. 1‘369.-- (6,1 Stun- den à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 47.60 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskas- se auszurichten. 5.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1‘369.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht