B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1248/2013 U r t e i l v o m 3 0 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Februar 2013 / N (…). E-1248/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der tamilische Beschwerdeführer stammt laut eigenen Angaben aus Urumpirai (Jaffna Distrikt, Nordprovinz). Am (…) 2009 sei er von Colombo aus auf dem Luftweg über Doha nach Mailand geflogen. Einen Tag später sei er mit dem Auto in die Schweiz gefahren, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Eine summarische Befragung des Beschwerdeführers fand am 5. Mai 2009 statt. Am 18. Mai 2009 sowie am 29. Januar 2013 wurde er eingehend zu seiner Asylbegründung angehört. Sein Asylgesuch begründete er im Wesentlichen damit, dass er – als er mit seiner Familie in Kilinochchi (Nordprovinz) gelebt habe – mehrmals von den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) aufgefordert worden sei, eine Ausbildung bei ihnen zu machen. Daraufhin sei er nach Vavuniya (Nordprovinz) gegangen, wo er beim Cousin seines Vaters untergekom- men sei und i n dessen Werkstatt als Schmied gearbeitet habe. Im April 2008 hätten Mitarbeiter des Criminal Investigation Departments (CID) ihn in ein Lager namens B._______ Camp verschleppt, wo man ihn indes am gleichen Tag habe freikaufen können. Auf Details dieser Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. An der Anhörung vom 29. Januar 2013 tat der Beschwerdeführer zusätz- lich kund, da ss er an Protestaktionen von Tamilen hier in der Schweiz teilgenommen habe, weswegen mutmasslich die Polizei ihn im Dezember zu Hause gesucht habe. Zur Untermauerung dieser Vorbringen reichte er drei Fotos zu den Akten, die ihn an einer Demonstration von Tamilen zei- gen würden. Zwei der Fotos weisen das Datum vom (…) 2011 auf. B. Mit Verfügung vom 5. Februar 2013 – eröffnet am 6. Februar 2013 – stell- te da s BFM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, und lehnte das Asylgesuch a b. Gleichzeitig wies es ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vol l- zug der Wegweisung. Es begründete diesen Entscheid im Wesentlichen damit, dass die Auss a- gen des Beschwerdeführers widersprüchlich und unsubstantiiert seien sowie den allgemeinen Erfahrungen oder der Logik des Handelns wide r- sprechen würden (Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Die Angaben zu seiner Teilnahme an Protestkundgebungen in der Schweiz würden ferner den Anforderungen an die F lüchtlingsei-E-1248/2013 Seite 3 genschaft nicht stand halten (Art. 3 AsylG). Der Vollzug der Wegweisung erweise sich zudem als zulässig, zumutbar und möglich. Auf Details di e- ser Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. C. Mit Eingabe vom 8. März 2013 (Poststempel) beantragte der Beschwe r- deführer, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und es sei seine Flücht- lingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Zudem sei ein Vollzugshindernis festzustellen und er vorläufig aufzunehmen. In prozess- rechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Er begründete diese Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen damit, dass er im Jahr 2006 anlässlich verschiedene r Demonstrationen gegen die si n- ghalesische Regierung mehrmals verhaftet worden sei. Während diesen Verhaftungen sei er geschlagen und fotografiert worden. Im Jahr 2008 sei er gezwungen worden, an einem Ausbildungstraining der LTTE teilz u- nehmen; doch sei es ihm möglich gewesen, zu flüchten. Daraufhin sei er nach Vavuniya gegangen, wo er von der srilankischen Armee registriert worden sei. Dass er sich als junger tamilischer Mann in der Endphase des Bürgerkrieges im Vanni-Gebiet aufgehalten habe, mache ihn zusätz- lich sehr verdächtig. Seine Eltern und die jüngste Schwester seien im Jahr 2009 zunächst in C._______ in ein Flüchtlingslager gebracht worden. Ein Jahr später seien sie nach Jaffna umgesiedelt worden. Man habe die zwei älteren Schwes- tern, die sich in einem anderen Lager aufgehalten hätten und erst im Jahr 2012 zu den Eltern zurückgekehrt seien, über ihn ausgefragt. Zudem sei er hier in der Schweiz exilpolitisch tätig gewesen, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet sei Auf Details diese Beschwerde wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. D. Am 12. März 2013 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestät i- gung des Kantonalen Sozialdienstes des Kant ons Aargau vom 8. März 2013 nach. E. Mit Verfügung vom 21. März 2013 hiess das Bundesverwaltungsgericht E-1248/2013 Seite 4 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung i.S.v. Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) gut und verzichtete auf die Erheb ung eines Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-1248/2013 Seite 5 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht , die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG) und kann auf Beschwerdeebene eine Substitution der Motive vornehmen. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile g elten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zunächst gilt es, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vo r- fluchtgründe zu prüfen. 4.1.1 Mit dem Grundsatzurteil BVGE 2011/24 vom 27. Oktober 2011 hat das Bundesverwaltungsgericht die letztmals im Februar 2008 (vgl. BVGE 2008/2) vorgenommene Lageanalyse betreffend Sri Lanka aktual i- siert und seine Praxis angepasst. Gemäss dieser aktuellen Rechtspr e- chung hat sich seit der Beendigung des militär ischen Konflikts zwischen der srilankischen Armee und den LTTE die Sicherheitslage verbessert und stabilisiert. Einer erhöhten Verfolgungsgefahr sind demzufolge Pe r-E-1248/2013 Seite 6 sonen, die der Zugehörigkeit zu den LTTE verdächtig werden, sowie pol i- tische Dissidenten und Oppositionspolitiker, die den Machtanspruch des Rajapakse-Regimes in Frage stellen, ausgesetzt. Ferner sind als Risik o- gruppen kritisch auftretende Journalisten, Menschenrechtsaktivisten oder Personen zu nennen, die Opfer und Zeuge schwerer Menschenrecht s- verstösse waren und diesbezüglich juristische Schritte eingeleitet haben. Unter Umständen sind auch Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt werden, sowie Personen mit beträchtl i- chen finanziellen Mitteln einer erhöhten Verfolg ungsgefahr ausgesetzt. Letztere deshalb, weil auch heute noch Entführungen insbesondere lok a- ler Geschäftsleute stattfinden sollen, vor denen die staatlichen Behörden im Norden und Osten des Landes nur limitiert respektive ineffizient schü t- zen (vgl. dazu BVGE 2011/24 E. 8) 4.1.2 Der Beschwerdeführer sei im April 2003 mit seiner Familie in die Nähe von Kilinochchi (ins sogenannte Vanni-Gebiet, vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.2.1) gezogen und habe dort im Geschäft der Eltern als Gol d- schmied gearbeitet (A1 S. 2, A7 S. 5 und 7 ff., A15 S. 3 f.). Die LTTE habe in dieser Zeit viele Menschen von der Strasse mitgenommen, um sie auszubilden. Der Beschwerdeführer selber habe sich indes im Laden se i- ner Eltern versteckt. Als er dann einmal draussen auf der Strasse gew e- sen sei, hätte n sie ihn in einem Van mitgenommen. Als der Wagen nach einer Stunde angehalten habe, um eine weitere Person mitzunehmen, sei der Beschwerdeführer geflohen (A1 S. 6, A7 S. 7 ff.). Die Angehörigen der LTTE seien ihm zwar kurz nachgelaufen, hätten aber ihre Verfolgungs- jagd bald aufgegeben. Später sei nie jemand von den LTTE nach Hause gekommen, um den Beschwerdeführer zu suchen; auch sei sein Name mutmasslich auf keiner Liste dieser Gruppierung gestanden, noch hätten sie seine ID-Karte gesehen (A7 S. 9, A15 S. 4 f.). Einen Monat später sei er nach Vavuniya gegangen (A7 S. 8). Die Kontrollstellen habe er jeweils mit seiner eigenen ID-Karte problemlos passieren können (A7 S. 6). Am 21. Mai 2008 sei er in Vavuniya, das ausserhalb des sogenannten Vanni-Gebietes liegt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.2.1), angekommen (A7 S. 5). Er sei bei einem Cousin seines Vaters untergekommen . In dessen Geschäft habe er wieder als Goldschmied arbeiten können (A1 S. 6, A7 S. 5). Er habe sich dort weder bei der Polizei noch bei der Armee regist- rieren lassen ; einzig als Angestellter sei er registriert worden (A7 S. 5, A15 S. 5 und 7 f.). Ein Mitarbeiter namens D._______, der auch aus Kil i- nochchi hergezogen sei, sei dann am (…) 2009 (A7 S. 10) bei Verwand- ten erschossen worden. Zwei Tage später sei der Beschwerdeführer vom E-1248/2013 Seite 7 CID verhaftet und in ein Lager namens B._______ Camp gebracht wo r- den. Dort sei er über seine Beziehung zu D._______ verhört und g e- schlagen worden. Noch am gleichen Tag habe indes der Cousin seines Vaters ihn freikaufe n können (A1 S. 6, A7 S. 7 und 10 f., A15 S. 7). Die nächsten drei Wochen sei er – bis zu seiner Weiterreise – im Laden des Cousins seines Vaters geblieben und habe gearbeitet (A7 S. 12). Am (…) 2009 sei er nach Hendala (bei Wattala in der Nähe von Colombo) gegangen (A7 S. 5). Am (…) 2009 habe er sein Heimatland auf dem Luftweg verlassen. Die Reise im Wert von € 15'000.- habe der Cousin seines Vaters finanziert (A1 S. 8). Der Beschwerdeführer betonte in den Protokollen, dass er nie p olitisch aktiv gewesen sei und keine weiteren Probleme mit den Behörden oder anderen Organisationen gehabt habe (A1 S. 7, A7 S. 7 und 12). 4.1.3 Hinsichtlich der vorgebrachten Befürchtung des Beschwerdeführers, bei einer Rückkehr von den Behörden aufgrund einer möglichen LTTE - Vergangenheit verhaftet zu werden, gilt festzuhalten, dass es sich beim Beschwerdeführer nicht um ein Mitglied der LTTE hand elt, da er nie von dieser Organisation ausgebildet und nie von ihr registriert worden sei. Es bestehen keine Verbindungen zwischen dieser Gruppierung und dem Be- schwerdeführer und es scheint, dass die LTTE ihn im Jahr 2008 – unge- fähr ein Jahr vor Beendigung des Bürgerkrieges – wohl eher zufällig mi t- genommen hat. Diese Mutmassung wird durch den Umstand unter mau- ert, dass der Beschwerdeführer in der Zeit nach seiner Flucht aus dem Van der LTTE im April 2008 und vor seinem Wegzug nach Vavuniya am (…) 2008 – wo e r am (…) 2008 angekommen sei – nie in irgendeiner Form weiter von den LTTE belästigt worden sei. In Vavuniya sei der Beschwerdeführer zwei Tage nach dem Tod eines Ar- beitskollegen von der Polizei verhaftet und anschliessen d im B._______ Camp verhört worden . Dies , so vermutete der Beschwerdeführer , weil beide aus Kilinochchi hergezogen seien. Nach der Bezahlung von Schmiergeldern sei er gleichentags freigelassen worden. Diese Aussagen lassen nicht darauf schliessen , dass seitens der srilankischen Behörden ein individueller und ausreichender Tatverdacht gegenüber de m Be- schwerdeführer bestanden habe. Die wohl einzige Gemeinsamkeit, beide seien aus der gleichen Gegend nach Vavuniya hergekom men, begründet keinen hinreichenden Verdacht. Dies rechtfertigt sich durch den Umstand, der Beschwerdeführer habe nach seiner Freilassung noch drei Wochen E-1248/2013 Seite 8 ohne Belästigungen seitens der Behörden im Geschäft des Cousins se i- nes Vaters gearbei tet (A7 S. 12). Auch seine Eltern seien nach seiner Ausreise nicht behelligt worden; erst mals wurden sie gemäss seinen Aussagen vom 29. Januar 2013 am Heldentag im Dezember (mutmas s- lich des Jahres 2012) von der Polizei besucht (A15 S. 8). Seine erst auf Beschwerdestufe eingebrachte Äusserung, er habe im Jahr 2006 in Kilinochchi an zahlreichen Demonstrationen teilgenommen und sei deswegen mehrmals verhaftet und fotografiert worden, muss als nachgeschoben qualifiziert werden, denn der Beschwerdeführer setzte die Behörden erst davon in Kenntnis, nachdem er vom BFM eine negat i- ve Verfügung erhalten hatte. Während den Befragungen im vorinstanzli- chen Verfahren hat er jeweils verneint, andere als nur die in den Protokol- len umschriebenen Konfrontationen gehabt zu haben. Auch steht die Darstellung in der Beschwerdeschrift, der Beschwerdefü hrer sei in Vavu- niya von der srilankischen Armee registriert worden, im Widerspruch zu den Ausführungen, die er im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens machte. Mehrmals – letztmals am 29. Januar 2013 – hatte er betont, er sei weder von der Polizei noch von der Armee registriert worden (A7 S. 5, A15 S. 5). Nach dem Gesagten ist keine gezielte, individuelle und weiterhin drohe n- de Verfolgung des Beschwerdeführers wegen Umständen vor seiner Flucht aus dem Heimatland ersichtlich. 4.2 An der Anhörung vom 29. Januar 2013 brachte der Beschwerdeführer erstmals vor, er habe in der Schweiz an verschiedenen Protes tkundge- bungen teilgenommen. Es gilt deshalb, die Gefährdung aufgrund mögl i- cher Nachfluchtgründe abzuklären. 4.2.1 Wer sich darauf beruft, dass durch ein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsland – so auch durch politische Exilaktivi- täten – eine Gefährdungssituation geschaffen worden sei, macht subjekti- ve Nachfluchtgründe geltend (Art. 54 AsylG). Diese begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sin ne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden ( vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Massgeblich ist, ob die srilankischen Behörden das Ve r- halten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser de s- wegen bei der Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den E-1248/2013 Seite 9 Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und A rt. 7 AsylG). 4.2.2 Das BFM hielt in seiner Verfügung vom 5. Februar 2013 fest, dass allein die Teilnahme an Demonstrationen gegen die srilankische Regi e- rung keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen nach sich ziehen würde, zumal ein grosser Teil der tamilischen Bevölkerung in der Schweiz an solchen Aktivitäten teilnehme. Der Beschwerdeführer führte demgegenüber in seiner Rechtsmitteleinga- be aus, dass er im (vermutungsweise letzten) Dezember zu Hause (in Sri Lanka) vom CID gesucht worden sei. Dies sei auf seine Teilnahme an Protestaktionen in der Schweiz zurückzuführen. Viele Tamilen würden zwar nur teilnehmen, er hingegen habe geholfen, diese Anlässe zu deko- rieren (A15 S. 9). Konkret helfe er, so in seiner Beschwerdeschrift, D e- monstrationen der Gruppierung TGTE (Transnational Government of Ta- mil Eelam) vorzubereiten und verteile auch Flugblätter an den Kundg e- bungen. 4.2.3 Die TGTE ist eine Organisation, die nach dem Ende des Bürge r- krieges entstanden ist und sich für die Unabhängigkeit der tamilischen Gebiete im Norden und Osten von Sri Lanka engagiert (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3747/2011 vom 13. Juli 2012 E. 6.4). Hin- sichtlich der Aktivitäten des Beschwerdeführers für diese Gruppe gilt fes t- zuhalten, dass die Angaben als unsubstantiiert zu bezeichnen sind, da er weder konkret ausführt, an welchen Anlässen er teilgenommen habe, noch umschreibt er seine Funktion innerhalb dieser Gruppe oder an den jeweiligen Aktionen im Detail. Einzig die Aussage, er habe bei der Dek o- ration von Anlässen ge holfen und Flugblätter verteilt, zeugt nicht von e i- ner hohen und damit exponierten Funktion, die allenfalls eine Gefährdung nach sich ziehen könnte. Es liegen somit keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka wegen der Beteiligung an exilpo- litischen Aktivitäten einer spezifischen Gefährdung i.S.v. Art. 3 AsylG aus- gesetzt sein könnte. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). E-1248/2013 Seite 10 5.2 Der Beschwerdefüh rer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizer i- schen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgeric hts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen. 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 6.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. E-1248/2013 Seite 11 6.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien , Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, § 124 ff. m.w.H.). Auch die allgemeine – teilweise problematische – Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. hinsichtlich der Gefährdung von Tamilen bei einer Rückkehr nach Sri Lanka insbesondere BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.1 In Bezug auf die Frage der Zumutbarkei t des Wegweisungsvollzugs ist das Bundesverwaltungsgericht gemäss der aktuellen Rechtsprechung hinsichtlich des Distrikts Jaffna (Nordprovinz) im Wesentlichen zu folge n- der Einschätzung gelangt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Die Sicherheits- lage hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verbessert und die Versorgungslage ist entspannt. Die Polizei- und Zivilbehörden haben ihre E-1248/2013 Seite 12 Funktionen und Tätigkeiten wieder aufgenommen bzw. wurden von den Militärbehörden übernommen. Es herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt mehr und die politische Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als gener ell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage ist aber im Hinblick auf den Vollzug der Wegweisung in dieses Gebiet eine sorgfältige und zurückhaltende Beurteilung der ind i- viduellen Zumutbarkeitskriterien vorzunehmen. Dabei ist neben den allgemeinen Faktoren (wie sozio -ökonomischen und medizinischen Aspekten, dem Kindeswohl etc.) auch dem zeitlichen El e- ment gebührend Rechnung zu tragen (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1.1 f.): Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug zurück in dieses Gebiet als grundsätzlich z u- mutbar zu erachten, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebenssituation zu- rückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise bestand, und dem We g- weisungsvollzug dorthin zurück auch anderweitig nichts entgegensteht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffen den Person in der Nordprovinz i n- des längere Zeit zurück oder gehen konkrete Umstände aus den Akten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben könnten, sind die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfä ltig abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hin zu überprüfen. In diesem Zusammenhang sind namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes, die konkr e- te Möglichkeit der Sicherung eines Existenzminimums und der Wohnsit u- ation als massgebliche Faktoren anzusehen. Falls solche begünstigende Bedingungen in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit e i- ner innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, n a- mentlich im Grossraum Colombo, zu prüfen (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.3). 6.3.2 Das BFM hielt in seiner Verfügung fest, der Vollzug der Wegwe i- sung in die Nordprovinz sei grundsätzlich zumutbar. Der aus Jaffna stammende Beschwerdeführer sei jung, habe eine gute Ausbildung, ve r- füge über Berufserfahrung als Goldschmied und über ein grosses familiä- res Netz. Der Beschwerdeführer erwiderte darauf in seiner Rechtsmitteleingabe, dass es angesichts der sozio-ökonomischen Lage im Norden auch für e i-E-1248/2013 Seite 13 nen jungen Mann keine Möglichkeiten gebe, sich eine Minimalexistenz zu sichern, da die Armut äusserst erschreckend sei. 6.3.3 Aufgrund der aktuellen Rechtsprechung gilt festzuhalten, dass ein Vollzug der Wegweisung in den Norden von Sri Lanka – mit Ausnahme in das sogenannte Vanni-Gebiet – im Grundsatz zumutbar ist. Der aus dem Norden stammende Beschwerdeführer hat diese Region kurz vor Bee n- digung des Bürgerkrieges im April 2009 verlassen. Neben seinen Eltern und seinen Schwestern leben auch mehrere Tanten und Onkel in Jaffna (A15 S. 2), nur eine Schwester (N …) halte sich mit einem negati ven Asylentscheid, der von der Beschwerdeinstanz bestätigt wurde, in der Schweiz auf. Die Eltern würden in einem Haus wohnen, indes handle es sich nicht um dasselbe, das sie früher bewohnt hätten (A15 S. 2). Sein Vater, der früher ein Juweliergeschäft besessen habe, habe immer etwas Geld, er gehe indes momentan keiner Arbeit nach (A15 S. 2). Zumindest früher hat die Familie laut dem Beschwerdeführer noch ein Reisfeld in Ki- linochchi besessen (A7 S. 5). Zudem kann aus dem Umstand, dass der Cousin seines Vaters die Reise des Beschwerdeführers nach Europa im Wert von € 15'000.- bezahlt habe (A1 S. 8), geschlossen werden, dass die gesamte Familie auf gewisse Reserven zurückgreifen kann. Blosse soziale oder wirtschaftliche Erschwernisse stellen zudem nach konstanter Praxis für sich allein keine existenzbedrohende Situation i.S.v. Art. 83 Abs. 4 AuG dar (vgl. EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1). In den Akten sind fer- ner keine Anhaltspukte sichtbar, die einem Vollzug der Wegweisung aus medizinischer Sicht entgegen sprechen wü rden. Der Beschwerdeführer hat neben einer Schulbildung von zwölf Jahren (A1 S. 3) einen grossen Erfahrungsschatz in seinem Beruf vorzuweisen. Daraus ist zu schliessen, dass er bei einer Rückkehr über ein tragfähiges Beziehungsnetz und über die Möglichkeit der Existenzsicherung verfügt. Zudem wird er im Haus seiner Eltern Unterschlupf finden können. 6.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Weg weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). E-1248/2013 Seite 14 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hätte der Beschwerdeführer die Kos- ten die Kosten des vorliegenden Verfahrens zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 21. März 2013 hat das Bundesverwaltung s- gericht dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung stattgegeben. Demzufolge ist der Beschwerdeführer von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit (Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-1248/2013 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe Versand: E-1248/2013 Seite 16 Zustellung erfolgt an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit den Akten N 526 173 (per Kurier; in Kopie) – das Migrationsamt Kanton Aargau (in Kopie)