B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-2058/2021 U r t e i l v o m 1 2 . M a i 2 0 2 3 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Annina Mondgenast. Parteien A._______, vertreten durch Dr. iur. Luzia Vetterli, Rechtsantwältin, Rudolf & Bieri AG Rechtsanwälte & Notare, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Zustimmung zur Aufenthaltsbewilligung; schwerwiegender persönlicher Härtefall. F-2058/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer (Staatsangehöriger von Eritrea, geboren am […]) ersuchte am 2. August 2015 in der Schweiz um Asyl. Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch am 28. März 2018 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an (bestätigt mit Urteil des BVGer D-2495/2018 vom 26. Januar 2020). Die ihm in Folge angesetzte Frist zum Verlassen der Schweiz bis zum 3. April 2020 wurde in der Folge zufolge der Covid-19-Pandemie mehrfach verlängert und endete am 7. Mai 2021. B. Am 20. August 2020 reichte der Beschwerdeführer ein Gesuch um Ertei- lung einer Aufenthaltsbewilligung wegen Vorliegens eines schwerwiegen- den persönlichen Härtefalls beim Migrationsamt des Kantons B._______ ein. C. Das Migrationsamt unterbreitete das Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung dem SEM am 4. Februar 2021 zur Zustimmung. D. Mit Verfügung vom 30. März 2021 verweigerte die Vorinstanz die Zustim- mung zur Erteilung einer Aufenthalt sbewilligung wegen Vorliegens eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls. E. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 30. April 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung. Es sei das Vorliegen eines schwer- wiegenden persönlichen Härtefalls festzustellen und ihm eine Aufenthalts- bewilligung zu erteilen. Eventualiter sei ihm die Aufenthaltsbewilligung un- ter der Bedingung der Bemühung um gültige Ausweispapiere zu gewähren. In prozessualer H insicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung der rubrizierte Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin. F-2058/2021 Seite 3 F. Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2021 wies das Bundesverwaltungsge- richt die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung sowie um unentgeltli- che Rechtsverbeiständung ab und forderte den Beschwerdeführer auf, ei- nen Kostenvorschuss zu leisten. Dieser ging fristgerecht ein. G. Die Vorinstanz beantra gte in ihrer Vernehmlassung vom 29. September 2021 die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik. H. Anfangs 2022 übernahm d ie unterzeichnende Richterin das vorliegende Verfahren aus organisatorischen Gründe n vom vormaligen Instruktions- richter. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG (SR 142.31) sind mit Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Dieses entscheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c Ziff. 2 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG (vgl. BVGE 2020 VII/4 E. 4.3). Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 VwVG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltu ngsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG; BVGE 2022 VII/4 E. 2–3). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge- mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebun- den und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend F-2058/2021 Seite 4 gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grund- sätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt des Entscheids (BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2). 3. 3.1 Gemäss Art. 14 Abs. 2 AsylG kann der Kanton mit Zustimmung des SEM einer ihm nach dem Asylgesetz zugewiesenen Person eine Aufent- haltsbewilligung erteilen, wenn sich die betroffene Person seit Einreichung des Asylgesuchs mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält (Bst. a), ihr Aufenthaltsort den Behörden immer bekannt war (Bst. b), wegen der fort- geschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vor- liegt (Bst. c) und keine Widerrufsgründe nach Art. 62 AIG bestehen (Bst. d). Gemäss Art. 31 Abs. 2 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulas- sung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) muss die ge- suchstellende Person die Identität offenlegen. Das Erfordernis der Offen- legung der Identität steht in Zusammenhang mit Art. 13 und Art 90 AIG, wonach die gesuchstellende Person im Bewilligungs- und Anmeldeverfah- ren ein gültiges Ausweispapier vorlegen und diesbezüglich zutreffende und vollständige Angaben machen muss. Die Verletzung dieser zwingenden Vorschriften kann den Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 Bst. a AIG erfül- len, wonach die Bewilligungen widerrufen werden, wenn der Ausländer im Bewilligungsverfahren falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsa- chen verschwiegen hat, und somit der Erteilung einer Aufenthaltsbewilli- gung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG entgegenstehen. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer hält sich seit Einreichung seines Asylgesuchs im August 2015 mehr als fünf Jahre – seit dem Eintritt der Rechtskraft der Wegweisung allerdings ohne Aufenthaltstitel – ununterbrochen in der Schweiz auf, wobei sein Aufenthaltsort den Behörden immer bekannt war. Die in Art. 14 Abs. 2 Bst. a und b AsylG genannten Voraussetzungen sind damit erfüllt. Zu prüfen ist, ob nach Massgabe von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG aufgrund der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender per- sönlicher Härtefall vorliegt. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, kann offen- bleiben, ob Widerrufgründe gemäss Art. 62 Abs. 1 Bst. a AIG (insbeson- dere Offenlegung der Identität) bestehen. 4.2 In Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichts hat der Ver- ordnungsgeber in Art. 31 Abs. 1 VZAE eine entsprechende Kriterienliste aufgestellt, die sich auf Art. 14 Abs. 2 AsylG wie auch auf den Anwendungs- bereich des AIG (Art. 30 Abs. 1 Bst. b, Art. 50 Abs. 1 Bst. b und Art. 84 F-2058/2021 Seite 5 Abs. 5 AIG) bezieht. Gemäss Art. 31 Abs. 1 VZAE sind bei der Beurteilung eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles die Integration anhand der Integrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG (Bst. a), die Familienver- hältnisse, insbesondere der Zeitpunkt der Einschulung und die Dauer des Schulbesuchs der Kinder (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse (Bst. d), die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (Bst. e), der Gesundheitszustand (Bst. f) und die Möglichkeiten einer Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (Bst. g) zu berücksichtigen. 4.3 Im Hinblick auf die Rechtsprechung zum ausländerrechtlichen Härte- fallbegriff darf auch im Anwendungsbereich des Asylgesetzes ein schwer- wiegender persönlicher Härtefall nicht leichthin angenommen werden. Er- forderlich ist, dass sich die ausländische Person in einer persönlichen Not- lage befindet, was bedeutet, dass ihre Lebens- und Existenzbedingungen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sind b eziehungsweise die Verwei- gerung einer Aufenthaltsbewilligung für sie mit schweren Nachteilen ver- bunden wäre. Die diesbezüglich in Art. 31 Abs. 1 VZAE formulierten Krite- rien stellen weder einen abschliessenden Katalog dar noch müssen sie ku- mulativ erfüllt sein (vgl. BVGE 2009/40 E. 6.2 m.H.). 4.4 Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwingend voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur Verhinderung einer per- sönlichen Notlage darstellt. Es genügt indessen auch nicht, wenn sich die ausländische Person während l ängerer Zeit in der Schweiz aufgehalten, sich in sozialer und beruflicher Hinsicht gut integriert und sich nichts hat zuschulden kommen lassen. Vielmehr bedarf es einer so engen Beziehung zur Schweiz, dass es ihr nicht zugemutet werden kann, im Ausland, insbe- sondere in ihrem Heimatland, zu leben. Berufliche, freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen, welche die betroffene Person während ihres Aufenthalts in der Schweiz knüpfen konnte, genügen dieser Anforde- rung gewöhnlich nicht (BGE 130 II 39 E. 3; BVGE 2007/45 E. 4.2). Immer- hin werden bei einem sehr langen Aufenthalt weniger hohe Anforderungen an das Vorliegen besonderer Umstände, wie etwa eine überdurchschnittli- che Integration oder andere Faktoren, gestellt, welche die Rückkehr ins Heimatland als ausgesprochen schwierig erscheinen lassen. Laut einem Urteil des Bundesgerichts ist bei einem Asylsuchenden, der sich seit zehn Jahren in der Schweiz aufhält und dessen Asylverfahren immer noch nicht abgeschlossen ist, in der Regel vom Vorliegen eines sc hwerwiegenden persönlichen Härtefalls auszugehen, sofern dieser finanziell unabhängig, sozial und beruflich gut integriert ist und sich bis dahin klaglos verhalten F-2058/2021 Seite 6 hat; im Weiteren darf die Dauer seines Aufenthaltes nicht absichtlich durch das missbräuchliche Ergreifen von Rechtsmitteln zum Zwecke der Verzö- gerung verlängert worden sein (BGE 124 II 110 E. 3). 4.5 Die Zulassungsregelung von Art. 14 Abs. 2 AsylG bezweckt nicht den Schutz ausländischer Personen gegen die Folgen eines Krieges oder des Missbrauchs staatlicher Gewalt. Eine dahingehende Argumentation betrifft daher in erster Linie die Frage der Asylgewährung b eziehungsweise im Falle der verfügten Wegweisung die Beurteilung von Vollzugshindernissen (vgl. Art. 83 AIG). Demgegenüber sind bei der Prüfung ei nes schwerwie- genden persönlichen Härtefalls ausschliesslich humanitäre Gesichtspunk- te ausschlaggebend, wobei der Schwerpunkt auf der Verankerung in der Schweiz liegt. Persönliche, familiäre und ökonomische Schwierigkeiten, denen die betroffene Person im Heimatland ausgesetzt wäre, stehen damit jedoch im Zusammenhang und können folgerichtig nicht ausser Acht ge- lassen werden (vgl. BGE 123 II 125 E. 3). Die sich daraus ergebende Über- schneidung von Gründen, die den Wegweisungsvollzug betreffen, und sol- chen, die einen Härtefall (mit)begründen können, ist in Kauf zu nehmen (vgl. Urteil des BVGer F-3866/2017 vom 14. März 2019 E. 6.3 m.H.). 5. 5.1 In einer Gesamtwürdigung der Situation des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz einen schwerwiegenden persönlichen Härtefa ll verneint. Sie führt in der angefochtenen Verfügung und in ihrer Replik im Wesentlichen aus, beim Beschwerdeführer sei insgesamt von einer guten Integration in sozialer, sprachlicher und wirtschaftlicher Sicht auszugehen. Eine beson- dere Beziehung zur Sch weiz beziehungsweise eine fortgeschrittene In- tegration, welche einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall zu be- gründen vermöchte, sei aus den gesamten Umständen jedoch nicht er- sichtlich. Es liege keine derart enge Verbundenheit mit der Schweiz vor, als dass von ihm nicht verlangt werden könne, sein Leben in einem anderen Land weiterzuführen. Er halte sich seit fünf Jahren und achteinhalb Mona- ten hier auf, wobei nicht von einer langen legalen Aufenthaltsdauer ausge- gangen werden könne, welche weniger hohe A nforderungen an das Vor- liegen von besonderen Umständen begründen könnte. Er sei sodann am 11. Januar 2019 strafrechtlich wegen Fälschung von Ausweisen verurteilt und mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30. – sowie mit einer Busse von Fr. 200.– bestraft worden. Weiter habe er es unterlassen, seiner Mitwirkungspflicht bei der Papierbeschaffung sowie der rechtsgenüglichen Offenlegung seiner Identität nachzukommen. Eine Wiedereingliederung in F-2058/2021 Seite 7 seinem Heimatstaat sei aufgrund seiner dort lebenden Familie, seines Al- ters, seiner Schulbildung, Sprachkenntnisse und Berufserfahrung zumut- bar und es sei nicht von einer Verwurzelung in der Schweiz auszugehen. 5.2 Der Beschwerdeführer bestreitet diese Schlussfolgerung und macht insbesondere eine ausserordentlich gute Integration in sozialer und beruf- licher Hinsicht geltend. Zum Vorwurf der Ausweisfälschung sei festzuhal- ten, dass er den Ausweis nie erhalten und nie benutzt habe. Er habe stets betont, es handle sich um seinen richtigen Ausweis, habe im Strafbefehls- verfahren jedoch auf einen Anwalt verzichtet und den Strafbefehl direkt ak- zeptiert. Es handle sich nicht um eine schwerwiegende Verfehlung, son- dern diese sei als Bagatelle zu qualifizieren. Seine Ausreisefrist sei auf- grund der Covid-19-Pandemie mehrfach verlängert worden und er sei sei- tens der Behörden seit dem Ausreisegespräch nicht mehr aufgefordert worden, Papiere zu beschaffen oder ander weitig an der Vorbereitung der Ausreise mitzuwirken. Es könne ihm damit kein renitentes Verhalten und mangelnder Respekt der Rechtsordnung gegenüber vorgeworfen werden. Seine Identität sei im Asylverfahren trotz des Fehlens von Originalausweis- papieren nie in Frage gestellt worden. Es sei daher stossend, wenn im vor- liegenden Verfahren nun die Identität angezweifelt werde und er Original- papiere vorlegen müsse. Die Eritreische Botschaft in der Schweiz sei seit Beginn der Covid-19-Pandemie nicht zugänglich und er befürchte zudem, zu Geständnissen gezwungen zu werden, die sich bei einer allfälligen Rückkehr negativ auswirken könnten. Eine Beschaffung von Originalpapie- ren erscheine daher kaum möglich. Seit nunmehr rund sechs Jahren halte er sich in der Schweiz auf und sei verwurzelt, weshalb ein schwerwiegen- der persönlicher Härtefall vorliege. Er habe sich stets rechtmässig hier auf- gehalten und die Aufenthaltsdauer nicht durch missbräuchliches Ergreifen von Rechtsmitteln verlängert. Aufgrund der aktuellen und akuten Gefä hr- dungssituation in Eritrea sei es ihm kaum möglich, überhaupt zu seiner Fa- milie zurückzukehren. Für die Familie sei die Lebenssituation sodann der- art belastend, dass sie ihm bei einer Rückkehr kaum eine Stütze sein könnte, selbst wenn sie wider Erwarten dazu bereit wäre. 6. 6.1 Was die Integration des Beschwerdeführers im Sinne der Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung , der Sprachkompeten- zen (Art. 31 Abs. 1 Bst. a VZAE i.V.m. Art. 58a Abs. 1 Bst. c und d AIG) sowie seiner finanziellen Verhältnisse (Art. 31 Abs. 1 Bst. d VZAE) betrifft, so ergibt sich aus den Akten Folgendes: F-2058/2021 Seite 8 6.1.1 Nach seiner Einreise in die Schweiz im August 2015 leistete der Be- schwerdeführer zunächst diverse freiwillige Einsätze und erhielt dafür po- sitive Zeugnisse. Seit dem 16. August 2029 war er bei C._______ in D._______ (durchschnittlich 50–60 % pro Monat; Arbeitsbestätigung vom 23. April 2021 act. 1 Beilage 4) sowie seit dem 16. September 2019 an der Heilpädagogischen Sonderschule in E._______ (zwischen 8 bis 12 Stun- den wöchentlich) als Küchenhilfe angestellt (act. 1 Beilage 2) . Mit Ablauf der Ausreisefrist war ihm die Weiterbeschäftigung aufgrund der rechtskräf- tigen Abweisung seines Asylgesuchs nicht mehr erlaubt, was bei der Prü- fung der finanziellen Verhältnisse zu berücksichtigen ist (Art. 31 Abs. 5 VZAE). Sein letzter Arbeitgeber bestätigt sodann im Arbeitszeugnis vom 9. Juli 2020, den Beschwerdeführer bei Vorliegen einer Arbeitsbewilligung wieder einzustellen (SEM -Akten act. 12 S. 138). Gemäss dem Betrei- bungsregisterauszug vom 4. August 2020 liegen keine Betreibungen vor (SEM-Akten act. 12 S. 134). Insoweit scheint ein ernsthafter und umsetz- barer Wille zur künftige n Teilnahme am Wirtschaftsleben vorhanden, was ihm in der angefochtenen Verfügung auch seitens der Vorinstanz attestiert wird. 6.1.2 Den Akten lässt sich weiter entnehmen, dass der Beschwerdeführer seit seiner Ankunft in der Schweiz Deutsch gelernt und sich einen Bekann- tenkreis aufgebaut hat. Gemäss der Kursbestätigung vom 14. Juli 2020 bewegen sich seine Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 (SEM -Akten act. 12 S. 117), wobei er beim Sprachtest telc der Stufe Deutsch B1 am 11. Januar 2019 zwar den mündlichen, nicht aber den schriftlichen Teil be- standen hat. Bei der Wiederholung des schriftlichen Teils am 15. August 2019 bestand er erneut nicht (vgl. SEM-Akten act. 12 S. 119 und S. 121). Die zahlreichen Schreiben von Bekannten und Freunden, die sich bei den Akten befinden (vgl. SEM-Akten act. 12/ S. 115 ff. und 124 ff.), legen nahe, dass der Beschwerdeführer im Alltag sprachlich gut zurechtkommt. Es ist davon auszugehen, dass er seither weitere Fortschritte gemacht hat, auch wenn dazu keine Belege vorliegen. 6.2 Als weitere Integrationskriterien zu prüfen sind die Beachtung der öf- fentlichen Sicherheit und Ordnung sowie die Respektierung der Werte der Bundesverfassung (Art. 31 Abs. 1 Bst. a VZAE i.V.m. Art. 58a Abs. 1 Bst. a und b AIG). Der Beschwerdeführer wurde mit Strafbefehl der Staatsanwalt- schaft Abteilung 2 F._______ vom 11. Januar 2019 wegen Fälschung von Ausweisen mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– bei einer Probezeit von 3 Jahren sowie einer Busse von Fr. 200.– bestraft F-2058/2021 Seite 9 (SEM-Akten act. 10). Das Verhalten des Beschwerdeführers kann damit nicht als klaglos bezeichnet werden. 6.3 Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Beschwerdeführer aus sei- nen familiären Verhältnissen (Art. 31 Abs. 1 Bst. c VZAE). Seine Ehefrau und das gemeinsame Kind sowie weitere Verwandte (Eltern und Geschwis- ter) leben in Eritrea. Auch das in Art. 31 Abs. 1 Bst. f VZAE genannte Kri- terium des Gesundheitszustandes erfordert im vorliegenden Fall keine wei- tere Prüfung. Weder macht der Beschwerdefüh rer gesundheitliche Prob- leme geltend noch sind solche aktenkundig. 6.4 Zur Dauer der Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz (Art. 31 Abs. 1 Bst. e VZAE) ist festzuhalten, dass er am 2. August 2015 in die Schweiz einreiste. Sein Asylverfahren wurde mit Urteil des BVGer D-2495/2018 vom 26. Februar 2020 rechtskräftig abgeschlossen. Die ihm angesetzte Ausreisefrist (3. April 2020) wurde aufgrund der Covid-19-Pan- demie mehrmals verlängert, letztmalig bis zum 7. Mai 2021 (SEM-Akten Asyl act. 1064740-24). Der rechtmässige Aufenthalt des Beschwerdefüh- rers in der Schweiz umfasst damit die Zeitspanne des Asylverfahrens (fünfeinhalb Jahre), wobei diese durch das Ergreifen von Rechtsmitteln verlängert worden war, sowie diejenige bis zur letztmaligen Verlängerung der Ausreisefrist (ein Jahr und drei Monate). Damit liegt beim Beschwerde- führer keine so lange Aufenthaltsdauer vor, dass sie im Sinne der Recht- sprechung das Vorliegen eines Härtefalls zu begründen vermöchte (vgl. vorstehend E. 4.4). 6.5 Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist die Möglichkeit der Wie- dereingliederung im Herkunftsstaat (Art. 31 Abs. 1 Bst. g VZAE), wobei auch dieses Kriterium keiner separaten Beurteilung unterliegt, sondern nur im Kontext der Integration dahingehend geprüft wird, ob die au sländische Person eine so enge Beziehung zur Schweiz entwickelt hat, dass ihr die Rückkehr in ihr Heimatland nicht mehr zugemutet werden kann. Der Beschwerdeführer gelangte im Alter von 25 Jahren in die Schweiz und hat damit die für die vorliegende Beurte ilung massgebenden, prägenden Jahre der Adoleszenz in seiner Heimat verbracht. Gemäss seinen Angaben habe der Kontakt zu seiner Familie über die Jahre stark abgenommen. Die letzten Jahre in Eritrea habe er im Militärdienst verbracht, weshalb sich keine wirkliche eheliche Beziehung zwischen ihm und seiner Ehefrau habe festigen können. Nach seiner Flucht sei seine Ehefrau inhaftiert und ihr sei Land weggenommen worden. Dies habe die zuvor schon unsichere F-2058/2021 Seite 10 Beziehung weiter belastet. Er verfüge in Eritrea nicht über ein Beziehungs- netz und es sei nicht sicher, ob seine Familie ihn wieder aufnehmen werde (SEM-Akten act. 16 S. 5). Nebst seiner Ehefrau leben auch die Eltern des Beschwerdeführers sowie ein Grossteil seiner Geschwister im Heimatland (Urteil D-2495/2018 vom 26. Februar 2020 E. A). Es ist damit – entgegen seinen Ausführungen – von einem tragfähigen familiären Beziehungsnetz auszugehen, selbst wenn die Beziehung zu seiner Ehefrau keinen Bestand mehr haben sollte. In Bezug auf die geltend gemachte allgemeine unsi- chere und gefährliche Lage in Eritrea ist darauf hinzuweisen, dass gemäss der nach wie vor geltende n Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge- richts weder von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt auszugehen ist (vgl. Referenzurteil D -2311/2016 vom 17. August 2017 E. 17.2 und BVGE 2018 VI/4 E. 6.2 ). Dem Beschwerdeführer dürfte es mit seinen beruflichen Kenntnissen und dem familiären Beziehungsnetz trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage in Eritrea möglich sein, sich dort wieder einzugliedern und wirtschaftlich Fuss zu fassen. 7. Beim Beschwerdeführer ist zusammengefasst zwar in beruflicher, sprach- licher und sozialer Hinsicht von einer gelungenen Integration auszugehen. Jedoch deutet in Anbetracht der übrigen Kriterien von Art. 31 Abs. 1 VZAE, wie insbesondere der Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und der Möglichkeiten für seine Wiedereingliederung in Eritrea, nichts auf einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall hin. Eine besondere Verankerung in der Schweiz ergibt sich auch unter Berücksichtigung ähnlich gelagerter Fälle nicht (vgl. Urteile des BVGer F-3806/2021 vom 3. März 2023, F-3866/2017 vom 14. März 2019, F-3956/2016 vom 17. Dezember 2018). Schliesslich ist auch das Verhalten des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht als klaglos zu bezeichnen . Aus den genannten Gründen kann offen bleiben, ob das Unterlassen der Einreichung von Originalausweispapieren einen Widerrufsgrund darstellen würde. 8. Beim Beschwerdeführer liegt zusammenfassend kein schwerwiegender persönlicher Härtefall vor, wenn er die Schweiz verlassen müsste. Entspre- chend hat die Vorinstanz die Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthalts- bewilligung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG zu Recht verweigert (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. F-2058/2021 Seite 11 9. Bei diesem Verfahrensausgang sind dem Beschwerdeführer die Verfah- renskosten aufzuerlegen und auf Fr. 1'000. – festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 5 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kosten- vorschuss gedeckt. (Dispositiv nächste Seite) F-2058/2021 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Annina Mondgenast Versand: