2018 III/4 Internationale Amtshilfe in Steuersachen 28 III BVGE / ATAF / DTAF 2018 III/4 Auszug aus dem Urteil der Abteilung I i.S. X. und Y . gegen Eidgenössische Steuerverwaltung A‒6895/2017 vom 20. November 2018 Internationale Amtshilfe in Steuersachen. Erhältlichkeit der Informa- tionen. Art. 126, Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG. Art. 26 Abs. 3 DBA CH-FI. 1. Die Schweiz ist in der Regel nicht gehalten, dem ersuchenden Staat Informationen herauszugeben, die sie im innerstaatlichen Verhält- nis nicht erlangen könnt e. Die Erhältlichkeit von Informationen richtet sich insbesondere nach den Art. 123 ff. DBG (E. 2.2.2 und 3.2.1). 2. Eine in der Schweiz steuerpflichtige Person hat im Verfahren der internationalen Amtshilfe in Steuersachen der Steuerverwaltung gemäss Art. 126 DBG auch Informationen zur Veranlagung eines Dritten zu übermitteln, sofern diese Informationen ihre eigene Veranlagung beeinflussen können (E. 3.3.1; vgl. auch E. 3.3.2). 3. Kommt die Auskunftspflicht nach Art. 126 DBG nicht infrage, ist eine Bescheinigu ngspflicht nach den Art. 127 ff. DBG zu prüfen (vgl. E. 3.2.2). Bei Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG handelt es sich um einen Auffangtatbestand (E. 3.4.2.2.2). D anach müssen d ie be - scheinigungspflichtige und die steuerpflichtige Person in einem Rechtsverhältnis zueinander stehen (E. 3.4.2.2.3, E. 3.4.2.3). Dies gilt auch im internationalen Verhältnis (E. 3.4.2.4). Assistance administrative internationale en matière fiscale. Disponibi- lité des renseignements. Art. 126, art. 127 al. 1 let. e LIFD. Art. 26 al. 3 CDI CH-FI. 1. En règle générale, la Suisse n 'est pas tenue de fournir à l 'Etat re- quérant des renseignements qu'elle ne pourrait obtenir au niveau national. La disponibilité des renseignements est , en particulier, régie par les art. 123 ss LIFD (consid. 2.2.2 et 3.2.1). 2. Dans le cadre d 'une procédure d 'assistance administrative inter - nationale en matière fiscale, l'art. 126 LFID exige d'une personne Internationale Amtshilfe in Steuersachen 2018 III/4 BVGE / ATAF / DTAF III 29 assujettie à l'impôt en Suisse de fournir également des renseigne - ments sur la taxation de tiers dès lors que ces renseignements sont susceptibles d'influencer sa propre taxation (consid. 3.3.1 et 3.3.2). 3. Si l'obligation de renseigner au sens de l'art. 126 LIFD n'entre pas en considération , il convient d 'examiner l 'existence d 'une obli - gation de délivrer des attestations au sens des art. 127 ss LFID (consid. 3.2.2). L'art. 127 al. 1 let. e LFID constitue une clause gé- nérale (consid. 3.4.2.2.2). Conformément à cette disposition, la personne tenue de délivrer des attestations et la personne as - sujettie doivent se trouver dans un rapport juridique mutuel (consid. 3.4.2.2.3 et 3.4.2.3). Ce principe vaut également dans les relations internationales (consid. 3.4.2.4). Assistenza amministrativa internazionale in materia fiscale. Reperibi- lità delle informazioni. Art. 126, art. 127 cpv. 1 lett. e LIFD. Art. 26 cpv. 3 CDI CH-FI. 1. Di norma, la Svizzera non è tenuta a fornire allo Stato richiedente informazioni che non potrebbe ottenere a livello nazionale . La reperibilità delle informazioni è disciplinata in particolare dagli art. 123 segg. LIFD (consid. 2.2.2 e 3.2.1). 2. Nell'ambito di una procedura di assistenza amministrativa inter - nazionale in materia fiscale, l'art. 126 LIDF impone al contribuen- te imponibile in Svizzera di trasmettere all'Amministrazione delle contribuzioni anche informazioni che riguardano la tassazione di terzi, se queste sono suscettibili di influire sulla sua tassazione (consid. 3.3.1 e 3.3.2). 3. Se l 'obbligo di informare previsto all 'art. 126 LIFD non entra in considerazione, occorre esaminare l 'esistenza di un obbligo di rilasciare attestazioni ai sensi degli art. 127 segg. LIFD (consid. 3.2.2). L'art. 127 cpv. 1 lett. e LIFD è una clausola gene- rale (consid. 3.4.2.2.2). In virtù di tale disposizione, la persona tenuta a rilasciare le attestazioni e il contribuente devono essere legate da un rapporto giuridico (consid. 3.4.2.2.3 e 3.4.2.3). Tale condizione vale anche nell 'ambito di relazioni internazi onali (consid. 3.4.2.4). 2018 III/4 Internationale Amtshilfe in Steuersachen 30 III BVGE / ATAF / DTAF Am 5. Juli 2017 stellte die Finnish Tax Administration (nachfolgend: FTA) ein Amtshilfeersuchen an die Eidgenössische Steuerverwaltung ( ESTV , nachfolgend auch: V orinstanz), welches sich auf Art. 26 des Abkommens vom 16. Dezember 1 991 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen - schaft und der Republik Finnland zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen (SR 0.672.934.51, nachfolgend: DBA CH-FI) stützte. Dieses richtet sich gegen die X. als finnische Steuerzahlerin (nachfolgend: finnische Gesellschaft). Die Y . in der Schweiz (nachfolgend: schweizerische Gesellschaft) wird als Gesellschaft, von der Informationen gewünscht werden, genannt. Die FTA beschreibt den Sachverhalt wie folgt: Sie führe bei der finnischen Gesellschaft eine Untersuchung zu den Ver - rechnungspreisen durch. Die Gesellschaft gehöre zur A. -Gruppe, deren operative Bereiche in verschiedene weltweite Divisionen unterteilt seien, welche wiederum aus besonderen Geschäftseinheiten bestünden. Die weltweite Geschäftseinheit werde weitgehend von der finnischen Ge- sellschaft geführt. Rechtlich gesehen liege die Leitung aber bei der B. in der Schweiz. Das bedeute, dass Geschäfte zwar vom Personal der finni - schen Gesellschaft geleitet, aber alle dort entstehenden Kosten der B. in Rechnung gestellt und von dieser umgelagert würden. Gestützt auf die jüngsten Informationen, die die FTA von der finnischen Gesellschaft erhal- ten habe, müsse die schweizerische Gesellschaft im Besitz der gewünsch- ten Informationen sein. Die Technologie, deren Besitzerin die finnische Gesellschaft sei, werde von dieser und anderen zugehörigen Gesellschaften verwendet, unter an - derem in drei Ländern ausserhalb der Schweiz. Mit diesen habe die finni- sche Gesellschaft Lizenzvereinbarungen abgeschlossen und Einkommen vor allem in Form von Lizenzzahlungen erhalten. Allerdings sei die Höhe der eingenommenen Lizenzzahlungen von den Gesellschaften aus diesen Ländern recht gering. Bisher wisse sie (die FTA) nicht, wie der Gewinn zwischen den Gesell - schaften aufgeteilt werde, weil die finnische Gesellschaft keine Informa - tionen zur finanziellen Leistung der ausländischen Parteien habe geben können. Um die Steuerprüfung so effizient wie möglich abzuschliessen, seien die Informationen, um die ersucht werde, wichtig. Gegen die nach Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens erlassene Schlussverfügung vom 2. November 2017 erhoben die finnische Gesell - schaft (nachfolgend: Beschwerdeführerin 1) und die schweizerische Internationale Amtshilfe in Steuersachen 2018 III/4 BVGE / ATAF / DTAF III 31 Gesellschaft (nachfolgend: Beschwerdeführerin 2, zusammen: Beschwer- deführerinnen) am 4. Dezember 2017 Beschwerde an das Bundesverwal - tungsgericht. Sie machen insbesondere geltend, die Beschwerdeführerin 2 erstelle die Konzernrechnung und k onsolidiere zu diesem Zweck die Fi - nanzinformationen, welche ihr von den über den ganzen Globus verteilten Konzerngesellschaften übermittelt würden. Amtshilfeweise seien Infor - mationen aber bei den an den Transaktionen beteiligten Personen ein - zuholen. Die Beschwerdeführerin 1 produziere die im Amtshilfeersuchen genannten Produktegruppen und vertreibe sie unter anderem an Gruppen - gesellschaften in drei Ländern ausserhalb der Schweiz. Die Gesellschaften führten ihre Rechnungslegung und Buchhaltung lokal auss erhalb der Schweiz. Aufgrund des konzernintern implementierten Reportingprozes- ses rapportierten die einzelnen Gruppengesellschaften ihre Quartals - und Jahresrechnungen an die Beschwerdeführerin 2. Diese konsolidiere die Finanzdaten für die Erstellung der vierteljährlichen und jährlichen Kon - zernabschlüsse und stelle sie der börsenkotierten C., der sie gehöre, zur Verfügung. Die Tätigkeit der Beschwerdeführerin 2 sei nicht Gegenstand des Amtshilfeersuchens. Ihre Steuerpflicht sei nicht betroffen. Sie verfüge aber über die verlangten Informationen. Die V orinstanz macht hingegen geltend, die Beschwerdeführerin 2 erstelle zuhanden ihrer Muttergesellschaft die Konzernrechnung und ziehe zu die- sem Zweck die Finanzinformationen der weltweit verteilten Konzernge - sellschaften zu Konsolidierungszwecken zusammen. Die konsolidierten Zahlen seien bei der Beschwerdeführerin 2 vorhanden. Die Einholung die- ser Informationen durch die finnische Behörde bei den einzelnen Gruppen- gesellschaften wäre nicht zweckdienlich und unverhältnismässig gewesen. Indem die Beschwerdeführerin 2 die Konsolidierung vornehme, erbringe sie Leistungen innerhalb des Konzerns. Damit liege ein Rechtsgeschäft vor, welches Rechte und Pflichten innerhalb des Konzerns begründe. Damit bestünden gegens eitige Ansprüche, welche der Bescheinigungs - pflicht unterlägen. Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde in der Hauptsache gut. [Das Bundesgericht schreibt mit Urteil vom 29. Januar 2019 (2C_1068/2018) die Sache infolge Rückzugs der Beschwerde ab, nachdem die ersuchende Behörde ihr Amtshilfeersuchen zurückgezogen hat.] 2018 III/4 Internationale Amtshilfe in Steuersachen 32 III BVGE / ATAF / DTAF Aus den Erwägungen: 2.2 2.2.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 Satz 1 DBA CH -FI tauschen die zustän - digen Behörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informa- tionen aus, « die zur Durch führung dieses Abkommens oder zur Anwen - dung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fallenden Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen wi - derspricht ». Dabei ist der Informationsaustausch nicht durch Art. 1 DBA CH-FI (persönlicher Geltungsbereich) eingeschränkt ( Art. 26 Abs. 1 Satz 2 DBA CH-FI). 2.2.2 Art. 26 Abs. 3 DBA CH -FI enthält bestimmte Beschränkungen der Pflicht zur Leistung von Amtshilfe. So wird damit der ersuchte Ver - tragsstaat von der Verpflichtung enthoben, von den Gesetzen oder der Ver- waltungspraxis des einen oder des anderen Vertragsstaats abzuweichen (Bst. a) oder Informationen zu erteilen, welche nach den Gesetzen oder auf dem üblichen Verwaltungsweg eines der beiden Vertragsstaaten nicht be - schafft werden können (Bst. b). Auch besteht keine Verpflichtung zur Er- teilung von Informationen, « die ein Handels-, Geschäfts-, Industrie-, Ge- werbe- oder Berufsgeheimnis oder ein Geschäftsverfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre public widerspräche » (Bst. c). 2.2.3 Art. 26 Abs. 5 DBA CH -FI enthält Gegenausnahmen zu Art. 26 Abs. 3 DBA CH-FI, die jedoch vorliegend nicht relevant sind. 2.3‒2.4 (…) 3. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin 2 von der V orinstanz zu Recht aufgefordert wurde, die von der FTA verlangten In- formationen aufzubereiten und zu edieren. 3.1 3.1.1 Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, die Informationen, die die Beschwerdeführerin 2 habe edieren müssen, könnten deren Besteu- erung nicht beeinflussen, weshalb sich ihre Mitwirkungspflicht nach Art. 127‒129 DBG (SR 642.11) richte. Die dort genannten Bescheini - gungspflichten träfen auf sie jedoch nicht zu, da sie mit den im Amtshilfe- ersuchen genannten Gruppengesellschaften keine Geschäftsbeziehungen pflege und insbesondere an den fraglichen Transaktionen gar nicht betei - ligt sei. Auch könne von ihr nicht verlangt werden, Informationen rechts - widrig zu beschaffen. Internationale Amtshilfe in Steuersachen 2018 III/4 BVGE / ATAF / DTAF III 33 3.1.2 Die V orinstanz bringt dagegen vor, Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG stehe der Einholung der Informationen nicht entgegen. Es handle sich um einen Auffangtatbestand, welcher weit auszulegen sei, da der Gesetzgeber die Norm bei deren Erlass nicht im Zusammenhang mit dem internationa- len Informationsaustausch gesehen haben dürfte. Die Informationen seien voraussichtlich erheblich und bei der Beschwerdeführerin 2 vorhanden. 3.2 3.2.1 Der in Art. 26 Abs. 3 Bst. a und b DBA CH -FI formulierte V orbehalt des innerstaatlichen Rechts (E. 2.2.2) bezieht sich, soweit es um die Beschaffung von Informationen in Bezug auf direkte Steuern bei einer in der Schweiz steuerpflichtigen Person geht, auf die Art. 123‒129 DBG (BGE 142 II 69 E. 4; XA VIER OBERSON, in: Modèle de Convention fiscale OCDE concernant le revenu et la fortune, Commentaire, 2014, Art. 26 N. 115 f.; DANIEL HOLENSTEIN, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Internationales Steuerrecht, 2015, Art. 26 N. 285, 287; ANDREAS DONA TSCH et al., Internationale Rechtshilfe, unter Einbezug der Amtshilfe im Steuerrecht, 2. Aufl. 2015, S. 250 f.). Die abweichende Be- stimmung von Art. 26 Abs. 5 DBA CH-FI ist im vorliegenden Zusammen- hang nicht anwendbar. 3.2.2 Das DBG unterscheidet zwischen einer generellen, dem Steuer - pflichtigen obliegenden Mitwirkungspflicht ( Art. 126 DBG) und spezifi - schen, gewissen Dritten obliegenden Mitwirkungspflichten (Art. 127‒129 DBG). Verlangt der ersuchende Staat Informationen über eine in der Schweiz steuerpflichtige Person, so treffen diese die Mitwirkungspflichten des Steuerpflichtigen gemäss Art. 124‒126 DBG. Die Mitwirkungspflicht erstreckt sich allerdings nicht auf Auskünfte über Geschäftsbeziehungen, die nicht für die Veranlagung dieser Person von Bedeutung sein könnten, sondern ausschliesslich für die Ver anlagung ihrer Geschäftspartner (HOLENSTEIN, a.a.O., Art. 26 N. 285 und 290; Urteil des BVGer A‒8018/2016 vom 8. November 2017 E. 2.4.2). 3.3 3.3.1 Die steuerpflichtige Person hat im Verfahren der internationalen Amtshilfe in Steuersachen der Steuerverwaltung gemäss Art. 126 DBG auch Informationen zur Veranlagung einer Drittperson zu übermitteln, sofern diese Informationen ihre eigene Veranlagung beeinflussen können. Dies kann beispielsweise bei verdeckten Gewinnausschüttungen oder einem Durchgriff der Fall sein (BGE 142 II 69 E. 5.1.4 und 5.3; Urteil des BGer 2C_954/2015 vom 13. Februar 2017 E. 7.4; Urteil des BVGer A‒5936/2017 vom 19. Juli 2018 E. 2.6.2). 2018 III/4 Internationale Amtshilfe in Steuersachen 34 III BVGE / ATAF / DTAF 3.3.2 Die Beschwerdeführerin 2, die die Informationen herausgeben soll, erhält vorliegend von den Gruppengesellschaften Finanzdaten, welche sie zusammenstellt und als konsolidierte Rechnung der Mutterge - sellschaft weiterleitet. Sie ist im Bereich der vom Amtshilfeersuchen er- fassten Produktegruppen selbst nicht tätig. Daher sind die vorliegend verlangten Daten, die die Gruppengesellschaften ihr zur Verfügung stellen, für ihre eigene Besteuerung nicht von Bedeutung. Die Verrechnungspreise für diese Produkte gruppen sind für die Besteuerung der Beschwerdefüh - rerin 2 ebenfalls nicht von Bedeutung. Auch werden (anders als in der Konstellation, wie sie dem in BGE 143 II 185 E. 5.1 f. veröffentlichten Urteil des BGer zugrunde lag) nicht Informationen über die Besc hwerde- führerin 2 verlangt, sondern Informationen, die bei ihr liegen, sie selbst aber nicht betreffen. Die Daten könnten daher, wenn sich der Sachverhalt ausschliesslich in der Schweiz abgespielt hätte, nicht gestützt auf Art. 126 DBG erhoben wer - den. 3.4 Zu prüfen ist daher, ob eine Herausgabepflicht gestützt auf Art. 127 ff. DBG besteht. 3.4.1 Die Anwendung von Art. 128 und Art. 129 DBG ist vorliegend ausgeschlossen, besteht doch zwischen den Beschwerdeführerinnen we - der ein Gesellschaft s-, Miteigentums - oder Gesamteigentumsverhältnis (Art. 128 und Art. 129 Abs. 1 Bst. c DBG) noch geht es um Leistungen an Organe oder Begünstigte oder um Mitarbeiterbeteiligungen ( Art. 129 Abs. 1 Bst. a, b und d DBG). Schliesslich handelt es sich bei der Beschwerdeführerin 2 wed er um eine Einrichtung der beruflichen V or- sorge oder der gebundenen Selbstvorsorge noch um eine einfache Gesell- schaft oder Personengesellschaft noch um eine kollektive Kapitalanlage (Art. 129 Abs. 1 Bst. b und c und Abs. 3 DBG). 3.4.2 Damit bleibt eine Herausg abepflicht gestützt auf Art. 127 DBG zu prüfen, wobei zunächst der Inhalt von Art. 127 Abs. 1 DBG, insbesondere von Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG, zu bestimmen ist. 3.4.2.1 Der Inhalt einer Norm ist durch Auslegung zu ermitteln. Aus - gangspunkt jeder Auslegung ist der Wortlaut, wobei bei Erlassen des Bun- desrechts die Fassungen in den drei Amtssprachen gleichwertig sind. Ist der Text nicht ohne Weiteres klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, muss nach der wahren Tragweite der Bestimmung gesucht wer - den. Vom Wortlaut kann abgewichen werden, wenn triftige Gründe für die Internationale Amtshilfe in Steuersachen 2018 III/4 BVGE / ATAF / DTAF III 35 Annahme bestehen, dass er nicht den wahren Sinn der V orschrift wie - dergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte, aus Sinn und Zweck der Norm oder aus dem Zusammenhang mit anderen Gesetzesbestimmungen ergeben (BGE 143 II 268 E. 4.3.1; 143 II 202 E. 8.5; 141 V 191 E. 3; 130 V 472 E. 6.5.1). Bei der Auslegung sind alle Auslegungselemente zu berücksichtigen (Methodenpluralismus; BGE 143 I 109 E. 6; 143 III 453 E. 3.1; 141 I 78 E. 4.2). Es sollen alle jene Methoden kombiniert werden, die für den konkreten Fall im Hinblick auf ein vernünftiges und praktikables Ergebnis am meisten Überzeugungskraft haben. Sind mehrere Lösungen denkbar, ist jene zu wählen, die der Ver - fassung entspr icht (BGE 143 V 114 E. 5.2; 140 II 495 E. 2.3; BVGE 2016/25 E. 2.6.4.1 m. w.H.; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.182 ff.). 3.4.2.2 Art. 127 Abs. 1 DBG bestimmt, dass a) Arbeitgeber den Arbeit- nehmern Leistungen der Ersteren an Letztere bescheinigen müssen, b) Gläubiger und Schuldner der steuerpflichtigen Person dieser Bestand, Höhe, Verzinsung und Sicherstellung von Forderungen zu bescheinigen haben, c) Versicherer der steuerpflichtigen Person dieser über d en Rück- kaufswert von Versicherungen und über die aus dem Versicherungsver - hältnis ausbezahlten oder geschuldeten Leistungen eine Bescheinigung ausstellen müssen, d) Treuhänder, Vermögensverwalter, Pfandgläubiger, Beauftragte und andere Personen, die Vermö gen des Steuerpflichtigen in Besitz oder in Verwaltung haben oder hatten, über dieses Vermögen und seine Erträgnisse Bescheinigungen auszustellen haben und e) Personen, die mit der steuerpflichtigen Person Geschäfte tätigen oder getätigt haben, die beiderseitigen Ansprüche und Leistungen bescheinigen müssen. 3.4.2.2.1 Art. 127 Abs. 1 Bst. a‒d DBG definieren genau, welche Personen zuhanden der steuerpflichtigen Person (und, falls diese ihren Pflichten nicht nachkommt, direkt zuhanden der Veranlagungsbehörde; Art. 127 Abs. 2 DBG) über welche Rechtsverhältnisse Bescheinigungen ausstellen müssen. Art. 127 Abs. 1 Bst. a‒d DBG ist vorliegend nicht weiter ausle - gungsbedürftig. 3.4.2.2.2 Demgegenüber nennt Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG nur Personen, die mit der steuerpflichtigen Person Geschäfte tätigen oder getätigt haben, ohne genauer darzulegen, um welche Personen oder welche Geschäfte es sich dabei handeln könnte. Auch sind die beiderseitigen Ansprüche und Leistungen zu bescheinigen, ohne dass näher beschrieben wäre, um wel - che Leistungen es sich handelt. Die offenen Formulierungen machen deut- lich, dass es sich um einen Auffangtatbestand handelt (vgl. PETER LOCHER, 2018 III/4 Internationale Amtshilfe in Steuersachen 36 III BVGE / ATAF / DTAF Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, III. Teil, 2015, Art. 102‒222 DBG, Art. 127 N. 11). Die Lehre ist sich einig, dass diese Auffangklausel weit zu verstehen ist: Unter der « Tätigung eines Geschäfts » sind sämtliche vertraglichen Be - ziehungen zu verstehen, etwa auch die Beteiligung an einer Erbengemein- schaft, oder Beziehungen, die sich aus einer Scheidung ergeben (ZWEIFEL/ HUNZIKER, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesge- setz über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl. 2017, Art. 127 N. 5 und 24 f.; ISABELLE ALTHAUS-HOURIET, in: Commentaire romand, Impôt fédéral direct, 2. Aufl. 2017, Art. 127 N. 34; LOCHER, a.a.O., Art. 127 N. 23 f.). Dem ist zuzustimmen. Bescheinigungspflichtige Person ist damit jene Person, die mit der steuer- pflichtigen Person entsprechende Rechtsbeziehungen aufweist. Die zu be- scheinigenden Umstände sind Ansprüche und Leistungen, die sich aus diesen Rechtsbeziehungen ergeben und die für die Besteuerung der steuer- pflichtigen Person relevant sind. 3.4.2.2.3 Schon aus dem Wortlaut von Art. 127 Abs. 1 Bst. a‒e DBG ergibt sich damit, dass die bescheinigungspflichtige und die steuerpflichtige Per- son in einem Rechtsverhältnis zueinander stehen müssen. 3.4.2.3 Dieses Ergebnis wird durch Sinn und Zweck der Norm sowie den Zusammenhang mit anderen Bestimmungen bestätigt: 3.4.2.3.1 Zunächst ist Art. 127 DBG im Verhältnis zu Art. 126 DBG zu se- hen. Art. 126 Abs. 1 DBG bestimmt nämlich, dass die steuerpflichtige Per- son alles tun muss, um eine vollständige und richtige Veranlagung zu er - möglichen. Die Abs. 2 und 3 zählen dann beispielhaft Informationen und Dokumente auf, die die steuerpflichtige Person der Ver anlagungsbehörde erteilen beziehungsweise vorlegen muss. Im Gegensatz zur umfassenden Mitwirkungspflicht der steuerpflichtigen Person betrifft die Bescheinigungspflicht Dritter nur bestimmte Umstände und nur solche Rechtsverhältnisse, an denen sowohl sie selbst als auch die steuerpflichtige Person beteiligt sind oder waren. Insbesondere kann sich die Bescheinigungspflicht des bescheinigungspflichtigen Dritten nicht auf ein Vertragsverhältnis beziehen, das die steuerpflichtige Person mit einem weiteren Dritt en eingegangen ist ( ALTHAUS-HOURIET, a.a.O., Art. 127 N. 10). Zweck dieser Bestimmung ist, wie eine Gegenüberstellung von Abs. 1 und 2 von Art. 127 DBG ergibt, in erster Linie, dass die be - scheinigungspflichtige Person es der steuerpflichtigen Person ermög licht, ihre Mitwirkungspflicht gegenüber der Veranlagungsbehörde zu erfüllen. Internationale Amtshilfe in Steuersachen 2018 III/4 BVGE / ATAF / DTAF III 37 Kommt die steuerpflichtige Person ihrer Pflicht nicht nach, kann die Ver - anlagungsbehörde die Unterlagen direkt bei der bescheinigungspflichtigen Person einholen. Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt im innerstaat- lichen Verhältnis, dass eine Person, deren Steuerpflicht nicht Gegenstand einer Untersuchung ist, nicht vollumfänglich mitwirkungspflichtig ist. Da- her ist ihre Mitwirkungspflicht auf die Bescheinigungspflichten gemäss Art. 127 DBG beschränkt. 3.4.2.3.2 Was nun insbesondere Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG anbelangt, so ergibt ‒ neben dem Wortlaut ‒ auch ein Vergleich mit Art. 127 Abs. 1 Bst. a‒d DBG, dass eine Besch einigungspflicht nur in Bezug auf beste - hende oder abgeschlossene Rechtsverhältnisse besteht. Allen Bescheini - gungspflichten in Art. 127 Abs. 1 DBG ist nämlich eigen, dass sie einem Vertragsverhältnis zwischen der steuerpflichtigen Person und dem be - scheinigungspflichtigen Dritten entspringen ( ZWEIFEL/HUNZIKER, a.a.O., Art. 127 N. 4 f.; ALTHAUS-HOURIET, a.a.O., Art. 127 N. 6 und 8; FELIX RICHNER et al., Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Art. 127 N. 12 und 22). Dies hat folglich mangels Anhaltspunkten für das Gegenteil nicht nur für die Art. 127 Abs. 1 Bst. a‒d, sondern auch für Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG zu gelten. 3.4.2.4 Damit ist nun Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG zwar in Bezug auf die Frage, über welche Rechtsbeziehungen Bescheinigungen auszustellen sind, weit zu verstehen. In jedem Fall muss aber eine Rechtsbeziehung zwischen der bescheinigungspflichtigen und der steuerpflichtigen Person bestehen. Es ist auc h kein Grund ersichtlich, aus dem Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG weiter zu verstehen wäre, wenn er im Bereich der inter - nationalen Amtshilfe in Steuersachen analog angewendet wird. Insbeson - dere dürfen Dritten (nämlich den bescheinigungspflichtigen Personen) ‒ von klaren innerstaatlichen oder völkerrechtlichen Bestimmungen abge - sehen ‒ keine Pflichten aufgebürdet werden, die über das hinausgehen, was der Fall wäre, wenn sich der internationale Sachverhalt rein inner - staatlich abgespielt hätte. 3.4.3 Da es vorliegend um die Besteuerung der Beschwerdeführerin 1 geht, ist die Beschwerdeführerin 2 somit einzig verpflichtet, über vertrag- liche Beziehungen zwischen ihr und der Beschwerdeführerin 1 Auskunft zu erteilen (bzw. diese zu bescheinigen). In Bezug auf die Gesellsch aften in (drei Ländern ausserhalb der Schweiz ) muss sie hingegen keine Aus - kunft erteilen, da die Beschwerdeführerin 1 steuerpflichtige Person ist und die weiteren Personen in diesem Verhältnis als Drittpersonen zu gelten 2018 III/4 Internationale Amtshilfe in Steuersachen 38 III BVGE / ATAF / DTAF haben. Die Unterlagen Drittpersone n betreffend sind damit nach schwei - zerischem Recht nicht erhältlich und daher auch im vorliegenden Amts - hilfeverfahren der ersuchenden finnischen Behörde nicht zu übermitteln (E. 3.4.2). 3.4.4 Die Beschwerdeführerin 2 ist weder Arbeitgeberin der Beschwer- deführerin 1 noch Gläubigerin oder Schuldnerin noch Versicherer in noch Treuhänderin oder Ähnliches ( Art. 127 Abs. 1 Bst. a‒d DBG). Damit bleibt eine Bescheinigungspflicht in Bezug auf die die Beschwerde - führerin 1 betreffenden Zahlen nach Art. 127 Abs. 1 Bst. e DBG zu prüfen. 3.4.5 Die Beschwerdeführerin 1 liefert ‒ ebenso wie die Gesellschaften in (drei Ländern ausserhalb der Schweiz) ‒ ihre Quartals- und Jahresrech- nungen an die Beschwerdeführerin 2. Die Beschwerdeführerinnen haben soweit ersichtlich keinen Vertrag miteinander geschlossen. Insbesondere führt die Beschwerdeführerin 2 nicht die Buchhaltung der Beschwer - deführerin 1. Es bestehen in Bezug auf die Lieferung der Geschäftszah - len nur einerseits ein Vertrag zwischen der Beschwerdeführerin 1 und (wohl) der Konzernobergesellschaft (Lieferung der Geschäftszahlen an die Beschwerdeführerin 2) und andererseits ein Vertrag zwischen der Be - schwerdeführerin 2 und der Konzernobergesellschaft (Erstellung einer konsolidierten Rechnung auch aufgrund der von der Beschwerd efüh- rerin 1 gelieferten Zahlen). Auch wenn daher die Beschwerdeführerin 1 der Beschwerdeführerin 2 Geschäftszahlen zu liefern hat, besteht zwi - schen den beiden Gesellschaften kein Rechtsverhältnis, aus dem sich eine Bescheinigungs- (oder Auskunfts-)Pflicht der Beschwerdeführerin 2 ge - genüber der Beschwerdeführerin 1 ergäbe. Gleiches gilt in Bezug auf die weiteren für das vorliegende Amtshilfeverfahren relevanten Gruppenge - sellschaften (vgl. zu diesen aber schon E. 3.4.3). 3.4.6 Auch gestützt auf Art. 127 ff. DBG (i.V .m. Art. 26 Abs. 3 Bst. b DBA CH-FI i.V .m. Art. 8 Abs. 1 und Art. 10 des Steueramtshilfegesetzes vom 28. September 2012 [ StAhiG, SR 651.1] ) kann die V orinstanz die verlangten Unterlagen nicht von der Beschwerdeführerin 2 herausverlan- gen. 3.5 Bescheinigungs- oder Auskunftspflichten nach anderen rechtli - chen V orschriften, die im vorliegenden Fall zur Anwendung kommen könnten, sind nicht ersichtlich. Insbesondere äussert sich Art. 8 Abs. 3 StAhiG nur zur Frage, bei wem die V orinstanz Informationen einholen kann, nicht aber zur Frage, welche Informationen dies sind. Internationale Amtshilfe in Steuersachen 2018 III/4 BVGE / ATAF / DTAF III 39 3.6 Die von der FTA verlangten Informationen sind demnach nach schweizerischem Recht und schweizerischer Verwaltungspraxis nicht er - hältlich und nach Art. 26 Abs. 3 Bst. b DBA CH-FI nicht zu übermittel n. Daher ist nicht mehr zu prüfen, ob die Informationen voraussichtlich er - heblich wären. Die Erhältlichkeit ist eine eigene V oraussetzung, die erfüllt sein muss, damit Amtshilfe zu leisten ist. Eine allfällige Erheblichkeit der Unterlagen würde nicht dazu führen, dass sie als erhältlich zu gelten hätten. Dies gilt unabhängig davon, dass das Bundesgericht die Betroffen- heit einer Person weitgehend über die voraussichtliche Erheblichkeit der Informationen definiert (BGE 141 II 436 insb. E. 4.5). Diese Auslegung bezieht sich auf Art. 4 Abs. 3 StAhiG und damit auf die Frage, welche In- formationen zu übermitteln sind, nicht aber auf die Frage, welche Infor - mationen bei wem erhoben werden können. Auch auf die weiteren Argu - mente der Parteien muss nicht eingegangen werden. 3.7 Schliesslich ist es dem Amtshilfeverfahren zwar immanent, dass eine Person der V orinstanz Informationen herausgeben muss, die letztlich nicht an den ersuchenden Staat übermittelt werden. Die ESTV muss prüfen können, ob in Bezug auf gewisse Inform ationen die V oraussetzungen zur Leistung von Amtshilfe erfüllt sind, was ihr oft nur möglich ist, wenn sie die Unterlagen sichten kann. V orliegend war die Beschwerdeführerin 2 aber gar nicht bescheinigungspflichtig, weshalb die V orinstanz sie auch nicht zur Herausgabe der Unterlagen hätte auffordern dürfen.