Abteilung IV D-1060/2007 {T 0/2} U r t e i l v o m 2 0 . J a n u a r 2 0 0 9 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Jean- Pierre Monnet, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel. A._______, deren Ehemann B._______, und die Kinder C._______, und D._______, Kolumbien, c/o schweizerische Vertretung in Bogotá, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 15. Januar 2007. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-1060/2007 Sachverhalt: A. Mit gleichentags bei der schweizerischen Vertretung in Bogotá einge- gangener Eingabe vom 19. September 2006 ersuchte die Beschwerde- führerin für sich, ihren Ehemann und die drei gemeinsamen Kinder um Gewährung von Asyl in der Schweiz. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, sie seien am 10. Mai 2006 Opfer von Morddro- hungen und einer Vertreibung durch die FARC (Fuerzas Armadas Re- volucionarias de Colombia) geworden. Sie hätten all ihre Habe an ih- rem Herkunftsort im Departement Valle del Cauca zurücklassen und sich nach Bogotá begeben müssen, wo sie allerdings nach wie vor von der Guerilla behelligt würden. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin mehrere Beweismittel (in Kopie) zu den Akten, darunter eine Anzeige vom 6. Juni 2006 an die kolumbianische Generalstaatsanwaltschaft, eine Bestätigung der Defensoría del Pueblo vom 8. Juni 2006, und ein Sch- reiben der Stadtpolizei von Bogotá. Aus der von der Beschwerdeführe- rin am 6. Juni 2006 bei der Generalstaatsanwaltschaft eingereichten Anzeige geht folgender Sachverhalt hervor: Am 10. Mai 2006 sei die Beschwerdeführerin mit ihrer [...]-jährigen Tochter in der Familienwoh- nung gewesen, als um 17.00 Uhr an die Türe geklopft worden sei. Sie habe die Türe geöffnet, worauf zwei Männer – von insgesamt sechs Anwesenden, die allesamt Schusswaffen getragen hätten – in die Wohnung eingedrungen seien und sie nach dem Aufenthaltsort ihres Ehemannes gefragt hätten. Sie hätten ihren Ehemann als Informanten der Streitkräfte bezeichnet und die ganze Wohnung durchsucht und dabei $2.000.000 an sich genommen sowie die Adresse und Telefon- nummer ihres ältesten Sohnes – welcher in Bogotá lebe – gefunden. Nachdem man sie und ihre Tochter zunächst im Bad eingesperrt habe, habe man sie aufgefordert, ihrem Mann zu bestellen, dass er sich zur Verfügung halten solle. Nachdem die Männer gegangen seien, habe sie einen Koffer mit den notwendigsten Utensilien gepackt und sich mit ihrer Tochter nach E._______ begeben. Unterwegs habe sie mit ihren Ehe mann telefoniert und ihm gesagt, er solle nicht nach Hause gehen, sondern zu Frau F._______ in E._______ kommen. Dort hätten sie in der Folge beschlossen, sich nach Bogotá zu begeben, wo sie sich nun seit dem 11. Mai 2006 bei einem Onkel ihres Ehemannes aufhielten. Seither würden die Guerilleros ständig bei ihrem ältesten Sohn (auf dessen Mobiltelefon) anrufen, und ihn unter Druck setzten, damit er Seite 2D-1060/2007 ihren Aufenthaltsort bekannt gebe. Ihr Sohn habe sich deswegen zu einem Freund begeben, wo er seither wohne. Angesichts ihrer Lage seien sie daran, sich zu überlegen, sich definitiv in Bogotá niederzulassen. Vor acht Tagen hätten die Guerilleros aber ununterbrochen auf den Mobiltelefonanschluss ihres Sohnes angerufen und mitgeteilt, sie hätten ihre Leute auch in Bogotá, und diese würden sie früher oder später finden. Da sie schon früher in Bogotá gelebt hätten, würden sie an die Eröffnung einer Bäckerei denken. Ihr Ehemann gebe aktuell Kochkurse und betreibe Handel mit Bäckereiutensilien und sie kümmere sich um den Haushalt. Sie habe keine Ahnung, weshalb diese Männer sie bedrohen würden, hätten sie doch nie Kontakt zu den Streitkräften gehabt. B. Am 3. November 2006 füllten die Beschwerdeführer den ihnen von der schweizerischen Vertretung abgegebenen Fragebogen aus. Gemäss ihren Angaben hätten sie am 20. Juni 2006 bei den Vertretungen Ka- nadas und Schwedens schriftlich um Schutz nachgesucht, jedoch kei- ne Antwort erhalten; auch die Botschaft der USA gebe ihnen keine Un- terstützung. Der Beschwerdeführer habe sich im Jahre 2003 mit C._______ als Tourist in den Vereinigten Staaten aufgehalten, wo eine Schwester von ihm lebe. In der Schweiz hätten sie weder Verwandte noch Bekannte. C. Die schweizerische Vertretung in Bogotá übermittelte die Akten in der Folge am 9. November 2006 zuständigkeitshalber an das BFM. Das BFM eröffnete für den bereits volljährigen Sohn der Beschwerdeführer – G._______ – ein eigenes Verfahren [...], welches im Zeitpunkt des vorliegenden Urteils immer noch erstinstanzlich hängig ist. D. Das BFM verweigerte den Beschwerdeführern mit Verfügung vom 15. Januar 2007 die Einreise in die Schweiz und lehnte deren Asylge- such ab. Zur Begründung führte es aus, der kolumbianische Staat ver- füge grundsätzlich über eine funktionierende und effiziente Schutzin- frastruktur, insbesondere über einen funktionierenden Polizeiapparat sowie über ein Rechts- und Justizsystem. Da der kolumbianische Staat die Guerilla im Rahmen des Möglichen bekämpfe, könne die Schutz- willigkeit als gegeben erachtet werden, weshalb es den Beschwerde- führern zumutbar und möglich sei, sich unter den Schutz der Behörden Seite 3D-1060/2007 zu stellen; den Bürgern jederzeit und überall die absolute Sicherheit zu garantieren, gelinge im Übrigen keinem Staat. Zudem handle es sich bei den Beschwerdeführern nicht um landesweit bekannte Persönlich- keiten, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass ihre Verfolger sie an einem beliebigen Wohnort in Kolumbien ausfindig machen könnten. Den Beschwerdeführern stehe daher die Möglichkeit einer innerstaatli- chen Fluchtalternative offen. SchIiesslich hätten sie keine besonders nahen Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht, weshalb es ihnen zuzumuten sei, in einem anderen Land um Schutz nachzusuchen, ins- besondere in einem der Nachbarstaaten Kolumbiens, welche die Flüchtlingskonvention und das entsprechende Zusatzprotokoll ratifi- ziert hätten und sich grundsätzlich an das Gebot des Non-Refoule- ment von Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) halten würden. Vor diesem Hintergrund sei den Beschwerdeführern die Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen und ihr Asylgesuch abzuweisen. E. Mit an die schweizerische Vertretung in Bogotá gerichteter und glei- chentags dort eingegangener Eingabe vom 30. Januar 2007 erhoben die Beschwerdeführer gegen die Verfügung des BFM vom 20. Februar 2007 Beschwerde, welche in der Folge zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet wurde (Posteingang beim Bundesverwaltungsgericht: 12. Februar 2007). Zur Begründung ihrer Beschwerde brachten die Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, sie lebten in ständiger Furcht und hätten deswegen bereits von ehemali- gen Wohnort nach Bogotá übersiedeln müssen. Im Weiteren ersuchten sie zur nochmaligen Darlegung ihrer Gesuchsbegründung um eine persönliche Anhörung. F. Mit Eingabe vom 4. April 2007 reichten die Beschwerdeführer weitere Beweismittel in Kopie ein, so einen Auszug aus dem kolumbianischen Register von innerstaatlich vertriebenen Personen, Identitätsdokumen- te und Geburtsscheine, eine Bestätigung der Defensoría del Pueblo vom 8. Juni 2006 und ein Schreiben der Beschwerdeführerin vom 8. März 2007 an die schweizerische Vertretung in Bogotá, in welchem die Ereignisse, welche zur Einreichung des Asylgesuches geführt hät- ten, ausführlich dargelegt werden. Seite 4D-1060/2007 G. In ihrer Vernehmlassung vom 28. April 2008 – welche den Beschwer- deführern zur Kenntnis gebracht wurde – hält die Vorinstanz an der an- gefochtenen Verfügung fest und beantragt die Abweisung der Be- schwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Gemäss ständiger Praxis erstreckt sich sodann die Zu- ständigkeit der Beschwerdeinstanz aufgrund des engen sachlichen Zu- sammenhangs auch auf die Verweigerung der Einreisebewilligung im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 12). 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abge- fasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indessen verzichtet werden, da der in Spanisch verfassten Beschwer- deeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne weiteres darüber befunden werden kann. 1.4 Der Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung steht mangels Vorliegens einer Empfangsbestätigung nicht fest. Angesichts der Tatsache, dass die angefochtene Verfügung des BFM vom 15. Ja- Seite 5D-1060/2007 nuar 2007 datiert, ist die 30-tägige Beschwerdefrist durch die am 30. Januar 2007 bei der schweizerischen Vertretung in Bogotá eingegan- gene Beschwerdeschrift ohne weiteres eingehalten. 2. Die Beschwerde ist somit – abgesehen vom sprachlichen Mangel – form- und fristgerecht eingereicht; die Beschwerdeführer sind legiti- miert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 und 52 ff. VwVG). Auf die Be- schwerde ist mithin einzutreten. 3. 3.1 In formeller Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass gemäss Art. 19 AsylG ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertre- tung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das Bun- desamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertre- tung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bun- desverwaltungsgericht hat in Auslegung dieser Bestimmungen in BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen bei der je- weiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im betreffenden Land oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen Grün- den ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Ge- hörs dient (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei gegebener Unmöglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mit- wirkungspflicht in einem individualisierten Schreiben mittels konkreter Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; ein stan- dardisiertes Schreiben vermag diesen Anforderungen damit in aller Regel nicht zu genügen (BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklä- rung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereich- ten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Ent- scheid zumindest schriftlich zu äussern (BVGE a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen Seite 6D-1060/2007 von einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begrün- den (BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7). 3.2 3.2.1Im vorliegenden Fall wurden die Beschwerdeführer weder von der schweizerischen Vertretung in Bogotá zu ihrem Asylgesuch vom 19 September 2006 befragt, noch wurden sie mittels eines individuali- sierten Schreibens zur weiteren Konkretisierung ihrer Asylgründe auf- gefordert. Der ihnen von der Vertretung zugestellte Fragebogen genügt den oben erwähnten Anforderungen an eine schriftliche Sachverhalts- abklärung nicht, da er ausschliesslich Fragen zu persönlichen Lebens- daten, Sprachkenntnissen, Auslandaufenthalten beziehungsweise Kon- takten zu ausländischen Botschaften, und verwandtschaftlichen Bezie- hungen ausserhalb Kolumbiens enthält; diese Fragen sind zwar für die Beurteilung eines Asylgesuches aus dem Ausland durchaus auch von Belang (vgl. dazu untenstehende E. 4.2), stehen jedoch in keinem Be- zug zu den eigentlichen Asylgründen. Angesichts der schriftlichen Be- gründung des Asylgesuches in der Eingabe der Beschwerdeführer vom 19. September 2006 sowie den gleichzeitig eingereichten Beweis- mitteln, aus welchen sich insgesamt alle entscheidrelevanten Informa- tionen in Bezug auf die Urheber und Aktualität der Verfolgung sowie die von den Beschwerdeführern unternommenen Schritte zum Erhalt innerstaatlichen Schutzes ergeben, erscheint indessen der rechtser- hebliche Sachverhalt genügend abgeklärt, so dass sich eine Befra- gung beziehungsweise eine schriftliche Aufforderung zu weiteren Kon- kretisierungen der Angaben erübrigten; insoweit hat das Bundesamt demnach den gesetzlichen Bestimmungen Genüge getan. 3.2.2Nach der obenstehend zitierten Rechtsprechung des Bundes- verwaltungsgerichts hätte das BFM bei dieser Sachlage indessen ei- nerseits den Beschwerdeführern Gelegenheit geben müssen, sich zum abzusehenden negativen Entscheid zu äussern, und andererseits in der Verfügung vom 15. Januar 2007 den Verzicht auf eine Befragung begründen müssen. Die Nichtbeachtung dieser Grundsätze stellt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, welche angesichts dessen for- meller Natur grundsätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung führen würde (vgl. BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185, BVGE 2007/30 E. 8.2 S. 371 m.w.H., BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332). 3.2.3Das BFM stellt sich diesbezüglich in seiner Vernehmlassung vom 28. April 2008 auf den Standpunkt, die angefochtene Verfügung Seite 7D-1060/2007 datiere vom 15. Januar 2007 und sei in Beachtung der zu diesem Zeit- punkt üblichen Praxis bei der Behandlung von Asylgesuchen, welche bei der schweizerischen Vertretung in Bogotá eingereicht worden sei- en, ergangen. Die damalige Praxis sei von der Schweizerischen Asyl- rekurskommission (ARK) über Jahre hinweg in zahlreichen Fällen ge- schützt worden und auch das Bundesverwaltungsgericht habe in zwei Verfahren die jeweiligen Beschwerden abgewiesen, obwohl den Be- schwerdeführern das rechtliche Gehör betreffend den Verzicht auf eine Anhörung beziehungsweise eine schriftliche Aufforderung zur Konkre- tisierung der Asylgründe nicht gewährt worden sei. Ferner würde im vorliegenden Fall in materieller Hinsicht angesichts der klaren Sachla- ge auch bei einer nachträglichen Gewährung des rechtlichen Gehörs kein anderes Ergebnis resultieren. 3.2.4Dem BFM ist darin zuzustimmen, dass – soweit ersichtlich – zu- nächst die ARK und seit dem 1. Januar 2007 auch das Bundesverwal- tungsgericht als deren Nachfolgeorganisation die Praxis des Bundes- amtes im Zusammenhang mit der Frage der Anhörung von asylsu- chenden Personen, welche ihr Asylgesuch bei einer schweizerischen Vertretung im Ausland stellten, nie gerügt hat. Mit dem Urteil BVGE 2007/30 vom 27. November 2007 ist das bisherige Vorgehen des Bun- desamtes zwar als nicht rechtskonform zu bezeichnen; die Vorinstanz ist aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen gehalten, das rechtliche Gehör zu gewähren. Die Aufhebung eines Entscheides des BFM, vor dessen Ausfällung das Bundesamt diesem Erfordernis nicht nachge- kommen ist, erscheint allerdings dennoch nicht in jedem Fall zwin- gend. Namentlich in Fällen, in welchen das BFM den erstinstanzlichen Entscheid betreffend die Fragen der Einreisebewilligung und des Asyls vor Bekanntsein des genannten Urteils des Bundesverwaltungsge- richts getroffen hat, kann es angezeigt erscheinen, den Verfahrens- mangel zu heilen (vgl. dazu EMARK 1999 Nr. 3 E. 3c S. 20 f.; vgl. zur Praxis des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die Frage der Hei- lung von Verfahrensmängeln BVGE 2007/30 E. 8.2 und im gleichen Sinne auch BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332, wobei gemäss diesem Ent- scheid eine Heilung die Ausnahme bleiben soll), sofern aufgrund der Akten davon ausgegangen werden kann, dass der asylsuchenden Per- son in materieller Hinsicht kein Nachteil erwachsen ist; diese Voraus- setzung ist gegeben, wenn der entscheidwesentliche Sachverhalt auf- grund der schriftlichen Begründung des Asylgesuches und allfälliger Beweismittel als hinreichend erstellt zu erachten ist und der asylsu- Seite 8D-1060/2007 chenden Person zumindest auf Beschwerdeebene die Möglichkeit of- fenstand, sich nochmals einlässlich zu ihren Asylgründen zu äussern. 3.3 Im vorliegenden Fall sind die Voraussetzungen für eine Heilung der festgestellten Verletzung des rechtlichen Gehörs erfüllt; die Verfü- gung des BFM datiert vom 15. Januar 2007, mithin einem Zeitpunkt lange vor dem Entscheid BVGE 2007/30, und der rechtserhebliche Sachverhalt ist angesichts der Aktenlage – wie in E. 3.2.1 ausgeführt – als erstellt zu bezeichnen. Ferner hatten die Beschwerdeführer im vor- liegenden Beschwerdeverfahren Gelegenheit, ihre Asylgründe erneut ausführlich darzulegen, was sie in ihrer Beschwerdeschrift vom 30. März 2007 sowie der ergänzenden Eingabe vom 4. April 2007 auch getan haben. Bei dieser Sachlage besteht einerseits kein Anlass zu weiter gehenden Sachverhaltsabklärungen – weshalb der Antrag der Beschwerdeführer auf eine persönliche Anhörung abzuweisen ist –, und ist andererseits von einer Kassation der angefochtenen Verfügung abzusehen, mithin in materieller Hinsicht zu prüfen, ob das BFM den Beschwerdeführern zu Recht die Einreise in die Schweiz verwehrt und ihr Asylgesuch abgewiesen hat. 4. 4.1 Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer- den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklä- rung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 4.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei- ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewäh- rung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur an- derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiter- hin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 1997 Nr. 15, insbesondere S. 131 ff., welcher angesichts bloss redaktioneller Änderungen bei der Seite 9D-1060/2007 letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefähr- dung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. 5. 5.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, die Beschwerdeführer hätten in ihrem Gesuch keine besonders nahen Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht. Im Weiteren hat das Bun- desamt zu Recht erwogen, dass es den Beschwerdeführern zuzumu- ten sei, in einem anderen Land um Asylgewährung nachzusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind beispielsweise die Nachbarstaaten Bra- silien, Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl des Ab- kommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 als auch des betreffenden Zusatzprotokolls vom 31. Januar 1967; Ve- nezuela wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht ratifiziert, wohl aber das Protokoll. Diese Länder verfügen mit Ausnahme Venezuelas über ein eigenes, gesetzlich geregeltes Verfahren zur Anerkennung von Flüchtlingen. Zudem halten sie sich gemäss den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts grundsätzlich an das Gebot des Non- Refoulement von Art. 33 FK, auch wenn als Einschränkung festgestellt werden muss, dass es in den Grenzgebieten – insbesondere denjeni- gen zu Panama und Venezuela – in den letzten Jahren zu unkontrol- lierten Rückschiebungen durch die Grenzbehörden gekommen ist. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche spricht im Weiteren die Möglichkeit der visumsfreien Ein- reise nach Brasilien, Ecuador und Peru sowie der Umstand, dass jähr- lich mehrere tausend kolumbianische Staatsangehörige in den Nach- barländern – namentlich in Ecuador – um Asyl ersuchen und dort zu einem beträchtlichen Teil auch tatsächlich als Flüchtlinge anerkannt werden. Insgesamt ergeben sich keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, es sei den Beschwerdeführern praktisch unmöglich oder objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat, insbesondere einen der Nachbarstaaten Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 sowie 1997 Nr. 15, E. 2f, S. 132). Dies umso mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, dass es sich bei den Beschwerdeführern nicht um landesweit bekannte Persönlichkeiten handelt, die aufgrund ihrer be- Seite 10D-1060/2007 sonders exponierten Stellung auch bei einer Flucht ins nahe Ausland allenfalls befürchten müssten, weiterhin verfolgt zu werden. 5.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich die Be- schwerdeführer den Bedrohungen durch die FARC allenfalls durch eine innerstaatliche Wohnsitzverlegung entziehen könnten. 5.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Beschwerdeführer aufgrund der Akten über keine Beziehungsnähe zur Schweiz verfügen, hingegen die Möglichkeit der anderweitigen Schutz- suche haben. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz den Be- schwerdeführern zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung ver- weigert und das Asylgesuch abgewiesen. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.-- an sich den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG); aus verwaltungsökonomischen Gründen wird indessen in Anwendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet. (Dispositiv nächste Seite) Seite 11D-1060/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an: - die Beschwerdeführer, durch die schweizerische Vertretung in Bo- gotá - die schweizerische Vertretung in Bogotá, mit der Bitte um Eröffnung dieses Urteils an die Beschwerdeführer sowie um Zustellung der Empfangsbestätigung an das Bundesverwaltungsgericht ad acta - das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak- ten (per Kurier; in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel Versand: Seite 12