Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. November 2016 (720 16 210) ____________________________________________________________________ Invalidenrente Es ist nicht zu beanstanden, dass sich die Beschwerdegegnerin auf das Gutachten des Spitals D.____ vom 28. November 2014 stützte. Die Beschwerde wird abgewiesen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Mar kus Mattle, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Robin Eschbach Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Markus Schmid, Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ erlitt seit dem Jahr 2002 mehrere Unfälle . Sie zog sich bei einem Sturz am 7. Juni 2002 ein HWS-Abknicktrauma zu, am 11. Oktob er 2006 erlitt sie eine Distorsionsverlet- zung des rechten Kniegelenks und am 27. Oktober 2011 eine Mittelgesichtskontusion mit Zahn- verletzung. Im Januar 2008 meldete sie sich erstmal s bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) zum Leistungsbezug an, wobei der Versichert en unter anderem Arbeitsvermittlung/ Ein- gliederungsmassnahmen angeboten wurden, welche mit Mitteilung vom 19. Dezember 2012 abgeschlossen wurden. Am 20. Januar 2012 zog sie si ch bei einem Verkehrsunfall (Frontalkol- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lision) eine Rippenfraktur 2-5 rechts, eine Beckenringfr aktur, eine Acetabulumimpressionsfrak- tur ventraler Pfeiler beidseitig, eine obere Schambe inastfraktur rechts, eine untere Scham- beinastfraktur beidseitig, eine Sakrumimpressionsfraktur links und ein leichtes Schädelhirn- trauma zu. In der Folge erbrachte die B.____ als Un fallversicherung die gesetzlichen Leistun- gen. Am 3. September 2012 meldete sich die Versicherte erneut bei der Eidgenössischen Inva- lidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stel le führte in der Folge verschiedene medizinische und erwerbliche Abklärungen durch. Nach durc hgeführtem Vorbescheidverfahren verfügte die IV-Stelle am 27. Mai 2016 die Abweisung des Leistungsbegehrens wegen Nichter- füllung des Wartejahres. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Markus Schmi d, Rechtsanwalt, mit Eingabe vom 29. Juni 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei d ie Verfügung vom 27. Mai 2016 aufzu- heben und es sei ihr mit Wirkung ab 1. Januar 2013 ein e Invalidenrente auszurichten. Eventua- liter sei die Verfügung vom 27. Mai 2016 aufzuheben un d die Sache zur Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Des Weiteren sei ihr die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch Recht sanwalt Schmid sowie die unentgeltli- che Prozessführung zu gewähren; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 27. Juli 2016 bewilligte das Kan tonsgericht der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltli che Verbeiständung mit Rechtsanwalt Schmid als Rechtsvertreter. D. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 13. September 2016 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 29. Juni 2016 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführer in Anspruch auf eine Rente der In- validenversicherung hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der ge sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die Versicherten haben Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid sind. 3.5 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.6 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.7 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Des Weiteren darf und soll das Gericht in Bezug auf Berichte von behandelnden Ä rzten der Erfahrungstatsache Rech- nung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen un d Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). 4. Ausgangspunkt des invalidenversicherungsrechtlichen An spruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer ges undheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Aufgrund der umfangreichen Krank heitsgeschichte der Beschwerdeführerin werden nachfolgend nur ausgewählte medizinische Unterl agen zusammengefasst. Zur Beurtei- lung ihres Gesundheitszustands sind im Wesentlichen die folgenden medizinischen Akten zu berücksichtigen: 4.1 Dr. med. C.____, FMH Neurologie, hielt in ihrem Bericht vom 13. Juli 2006 fest, sie habe die Beschwerdeführerin wegen einem Verdacht auf e in Carpaltunnelsyndrom (CTS) un- tersucht. Die Versicherte leide seit dem Sturz am 7. Juni 2002 unter Schmerzen im Bereich der rechten Schulter ausstrahlend in den gesamten rechten Ar m sowie einem Taubheitsgefühl des gesamten rechten Armes. Insbesondere nachts käme es verstärkt zu Ameisenlaufen und Taub- heitsgefühl im Bereich der Hand palmar und dorsalseiti g. In ihrer Beurteilung kam Dr. C.____ zum Schluss, es liege ein leichtes Carpaltunnelsyndrom rech ts vor. Die Beschwerden der Ver- sicherten seien jedoch hierdurch nicht vollständig erklärt. 4.2 Im Austrittsbericht des Spitals D.____ vom 15. Februa r 2012 wurden folgende Diagno- sen gestellt: Ein Polytrauma bei Status nach Frontalkol lision als Beifahrerin; ein Thoraxtrauma mit Rippenserienfraktur 2-5 rechts, ein Beckentrauma mi t Beckenringfraktur, eine Acetabulu- mimpressionsfraktur ventraler Pfeiler beidseitig, eine o bere Schambeinastfraktur rechts, eine untere Schambeinastfraktur beidseitig, eine Sakrumimpr essionsfraktur links, ein Schädelhirn- trauma (SHT) Grad I, eine Nierenkontusion rechts, ein Verdacht auf ein sensomotorisches Aus- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fallsyndrom mit Hypästhesie Dig. I-III Hand rechts und ein Verdacht auf CTS rechts. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für acht Wochen. 4.3 Mit Bericht des Spitals D.____ vom 12. November 201 2 wurden im Wesentlichen die- selben Diagnosen gestellt wie im Austrittsbericht des Spi tals D.____ vom 15. Februar 2012. Des Weiteren wurde ein Verdacht auf eine Pseudoarthrose ISG links diagnostiziert. Am ehesten liege eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und p sychischen Faktoren vor. Der Pa- tientin sei angeraten worden, eine Psychotherapie dur chzuführen. Hausärztlicherseits sei eine Therapie mit Fentanyl-Pflaster begonnen worden sowie eine stufenweise Steigerung der Lyrica- Dosierung. Die Patientin nehme die Psychotherapie nich t wahr und sie zweifle an der Korrekt- heit der Fentanyl-Pflaster-Versorgung. Das Lyrica werde von der Patientin ebenfalls nur be- darfsweise eingenommen. Insgesamt liege eine komplexe Situation vor mit dieser Schmerzver- arbeitungsstörung ohne aktuelles morphologisches Korrelat. Die Compliance der Patientin spie- le hier sicherlich eine übergeordnete Rolle. Die Patientin sei im Beisein der Tochter nochmals in einem längeren Gespräch darauf hingewiesen worden, da ss die drei Säulen der medikamentö- sen psychotherapeutischen, physio- und schmerztherapeutischen Ansätze im Vordergrund ste- hen würden. Chirurgisch bestehe aktuell kein Handlungsbe darf. Sicherlich werde es für die Prognose von Bedeutung sein, die Patientin hierbei g ut zu führen und die Compliance zu för- dern. 4.4 Im Bericht der Klinik E.____ vom 8. Juli 2014 diagn ostizierten Dr. med. F.____, FMH Neurologie, Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. H.____, FMH All- gemeine Innere Medizin, im Wesentlichen die gleichen g esundheitlichen Beschwerden wie im Austrittsbericht des Spitals D.____ vom 15. Februar 2012 . Des Weiteren wurden folgende Di- agnosen gestellt: Ein posttraumatisches chronisches gemischtes Schmerzsyndrom mit radikulä- rem Reiz- und sensiblem Ausfallsyndrom S1 und S2 links, MR T LWS/ISG 5. April 2012: Unauf- fällige Darstellung der LWS ohne Nachweis posttraumatischer Veränderungen. Ein Status nach bekannter Sakrumimpressionsfraktur mit Beteiligung der Massa laterales SWK1 – SWK3 links. Bei minimaler Fragmentdislokation zeige sich eine leich tgradige Einengung der Neuroforamen S1 und S2 links jeweils mit Tangierung der Nervenwurzel ohne Nachweis einer Neukompressi- on. Als weitere Diagnose wurde die eines zervikospondylogenen Schmerzsyndroms gestellt mit Differenzialdiagnose: Myofaszial, CTS; MRI HWS vom 28. A ugust 2012: Geringfügige Dis- kusprotrusion C5/C6 und C6/C7. Geringe Einengung des Fo ramen invertebrale C5/C6 links; Elektrophysiologie 17. April 2013: Kein Anhalt für ei ne Radiculopathie; im MRI und SSEP/MEP 2014 kein Hinweis auf Myelonschädigung. Schliesslich wurde als weitere Hauptdiagnose eine Adipositas genannt. Als Nebendiagnosen wurden eine Coxa rthrose beidseitig, eine Gonarthro- se rechts, ein Status nach Carpaltunnelsyndrom beidseitig und ein Carpaltunnelsyndrom ope- riert rechts 4/2014 gestellt. Es bestehe der Verdacht a uf eine inkomplette linksbetonte Paraple- gie sub Th10 ASIA D unklarer Ätiologie nach Polytrauma bei Autounfall im Jahr 2012. 4.5 In der Folge gab die IV-Stelle ein bidisziplinäre s Gutachten beim Spital D.____ in Auf- trag. Mit Gutachten vom 28. November 2014 wurde eine leichte ISG-Arthrose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert. Des Weiteren stellten die Gutachter folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Eine anhalte nde somatoforme Schmerzstörung (ICD- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10 F 45.5) mit/ bei lumbospondylogenem Schmerzsyndrom mi t pseudoradikulärer Ausstrahlung nach Verkehrsunfall am 20. Januar 2012, zervikospondolygen em Schmerzsyndrom mit Hypäs- thesie Dig. I-III Hand rechts nach Verkehrsunfall am 20 . Januar 2012, zervikalem Schmerzsyn- drom nach Trauma am 27. Oktober 2011 und anhaltende m Schmerzsyndrom nach Trauma am 7. Juni 2002. Ausserdem wurde eine rezidivierende depre ssive Störung, gegenwärtig leichtgra- dige Episode (ICD-10 F33.0), eine Adipositas (BMI 32kg / m 2), eine beginnende degenerative Veränderung des rechten Kniegelenks (ED 19. Oktober 20 06), eine Periarthropathia humeros- capularis rechts mit/ bei Tendinose der Supraspinatussehne und langen Bizepssehne (ED 15. Januar 2007) und schliesslich eine beidseitige Coxarthrose diagnostiziert. Aus traumatologi- scher Sicht könne eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10-20 % postuliert werden, wel- che sich aufgrund der leichten ISG-Arthrose begründe, d ie aus traumatologischer Sicht mit ei- nem Integritätsschaden von 10 % beziffert werde. In der angestammten Tätigkeit als Raumpfle- gerin und/ oder Hausabwartin sei die Explorandin somit zu 80-90 % arbeitsfähig, solange die Möglichkeit von Wechselbelastungen gegeben sei und kein e permanenten schweren Arbeiten zu verrichten seien. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe ke ine Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit. Die depressive Symptomatik sei zu leicht ausgeprä gt, um die Arbeitsfähigkeit zu beein- trächtigen und die somatoforme Schmerzstörung sei noch nicht adäquat therapeutisch behan- delt worden. Gemäss psychiatrischem Untergutachten sei un ter Berücksichtigung der Foerster- Kriterien bei der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Weitere internistisch ode r psychiatrisch arbeitsrelevante Diagno- sen würden nicht vorliegen. Es bestehe somit eine Arbei tsfähigkeit von 80-90 % in der ange- stammten Tätigkeit. Die Einschränkung der Arbeitsfähi gkeit von 10-20 % begründe sich mit dem potentiell erhöhten Pausen- und Erholungsbedarf nach Belastungen. Ideal wäre wahr- scheinlich ein Vollzeitpensum mit der Möglichkeit 10-20 % der Arbeitszeit für Pausen und Erho- lung nutzen zu können. Die Verweistätigkeit sollte i n einer wechselnd belastenden Tätigkeit bestehen und zudem die Möglichkeit von Erholungszeiten bieten. Für permanent schwere Ar- beiten sei die Patientin ungeeignet. Dies begründe sich aus der Tatsache der vorbestehenden ISG-Arthrose, um eine weitere Schädigung zu vermeiden. Arbeiten mit streng einseitiger Belas- tung sollten vermieden werden. Die Beurteilungen und Stellungnahmen bezüglich der Be- schwerden und Befunde und deren Auswirkung auf die Arbe itsfähigkeit im traumatologischen Gutachten, datiert vom 19. Juni 2014, seien unter de r Annahme einer möglichen inkompletten linksbetonten Paraplegie getroffen worden. Die Verdac htsdiagnose einer inkompletten linksbe- tonten Paraplegie sei in den spezialärztlichen Untersuchun gen der Klinik E.____ nicht bestätigt worden. Somit bleibe somatisch aus traumatologischer Sich t der Befund einer ISG-Arthrose bestehen. 4.6 Mit Bericht von Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie, vom 16. Dezember 2015 stellte dieser folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychische n Faktoren seit 2012, eine sonstige anhaltende affektive Störung seit 2014 sowie ein e posttraumatische Belastungsstö- rung seit 2012. Des Weiteren diagnostizierte er einen Status nach Anpassungsstörung und län- gerer depressiver Reaktion ohne Auswirkung auf die Arbei tsfähigkeit. Die Patientin benutze beim Gehen einen Rollator. Ihr Gang sei verlangsamt u nd beim Hinsetzen mache sich im Ge- sicht ihr Kampf mit den Schmerzen bemerkbar. Sie würde über gelegentliche Merkfähigkeitsstö- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen berichten, welche nach einer Prüfung als mitte lgradig hätten eingestuft werden können. Darüber hinaus würde sie über Gedächtnisstörungen beri chten, welche nicht objektiviert wor- den seien. Im formalen Denken sei sie geordnet gewesen . Angegeben worden sei häufiges Grübeln um die Themen Zukunft und eigene Wertlosigke it. Es seien dissoziative Zustände be- schrieben worden (Schleiersehen, Derealisationserlebnisse ), welche im Rahmen der Angstzu- stände in den Situationen, die ihre Unsicherheit verstä rken (Strasse, Verkehr), auftreten wür- den. Bestimmte Situationen wie das Fahren im Auto wü rden die Erinnerungen an den Unfall und somit Angst auslösen. Angeblich träume sie gelegentl ich noch immer vom Unfall. Affektiv sei sie leicht bedrückt und klagsam bei normaler affektiver Modulation. Massive Insuffizienzge- fühle, Schuldgefühle und andere Aspekte der Selbstwer tproblematik, sowie eine Störung der Vitalgefühle seien eruiert worden. Eine mässig ausgepr ägte Antriebsstörung habe ebenfalls beschrieben werden können. Darüber hinaus bestünden Ei n- und Durchschlafstörungen sowie Kopf- und Rückenschmerzen bzw. Schmerzen im Steissbein mit Au sstrahlung in die Beine. Ei- ne Suizidalität liege nicht vor. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte ab sofort zu 50 % arbeitsunfähig. 4.7 Im Bericht von Dr. med. J.____, Facharzt für Arbeit smedizin, Regionaler ärztlicher Dienst beider Basel (RAD) vom 28. Dezember 2015 nahm dieser eine Prüfung der Arbeitsfähig- keit anhand der Standardindikatoren gemäss der neuen b undesgerichtlichen Rechtsprechung (Urteil vom 3. Juni, 2015, 9C_492/2014) vor, auf wel che noch eingegangen wird (vgl. E. 7.1 hiernach). Er führte aus, in Ermangelung von elektrop hysiologischen Befunden hätten die Neu- rologen zunächst die Verdachtsdiagnose neuropathischer S chmerzen gestellt. Um diesen Ver- dacht zu erhärten oder auszuschliessen, hätten sie weiter e Untersuchungen angekündigt. Die- se elektrophysiologischen Befunde seien nun nachgereicht w orden und hätten keine Rücken- marksschädigung oder radikuläre Kompressionen erbracht. Au ch in den ergänzenden bildge- benden Befunden seien keine nachweisbaren radikulären K ompressionen gefunden worden. Damit habe sich die Verdachtsdiagnose der neuropathisch en Schmerzen nicht bestätigt. Der Gutachter PD Dr. med. K.____, FMH Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie, begründe die von ihm beurteilte 10-20 %-ige Einschränkung mit der zu sätzlich festgestellten leichten ISG- Arthrose, welche Schmerzen verursachen könne und zu vermeh rten Pausen und Erholungsbe- darf bei der Tätigkeit als Raumpflegerin führe. Dies sei nachvollziehbar. Die klinisch imponie- rende inkomplette linksbetonte Paraplegie sei somit nicht vollständig somatisch zu erklären, sondern sei hauptsächlich durch die somatoforme Schmerzstör ung erklärbar. Diese sei mass- geblich für die geklagten Beschwerden und die subjektiv d ramatisch erlebte Einschränkung im Alltag verantwortlich. Ob hierdurch eine über den ver mehrten Pausenbedarf hinausgehende zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe, se i daher psychiatrisch zu beurteilen gewesen. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. L.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, habe auch unter Kenntnis des Arztberichtes von Dr. I.__ __ klar dargelegt, dass eine posttrau- matische Belastungsstörung nicht bestehe, weil die diagno stischen Kriterien nicht vollständig erfüllt seien. Der Gutachter folge hier dem behandelnden Psychiater nicht. Dr. L.____ begründe seine von Dr. I.____ abweichende Beurteilung ausführlich und nachvollziehbar, weshalb ihm zu folgen sei. Es lägen keine höhergradigen psychiatrischen Di agnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.8 Mit Schreiben vom 10. Mai 2016 beantwortete Dr. L .____ die Fragen des RAD vom 5. Januar 2016 zum Gutachten vom 28. November 2014. D iagnostisch different zum Bericht von Dr. I.____ seien die Angabe der posttraumatischen B elastungsstörung sowie die sonstige anhaltende affektive Störung. Auch im Gutachten sei ein e affektive Störung diagnostiziert wor- den, jedoch eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F 33.0). Die Begründung der Diagnose sei ausführlich im Gutachten zu finden. Dr. I.____ habe ebenso wie im psychiatrischen Teilgutachten vom 7. Februar 2014 eine anhaltende somatofor- me Schmerzstörung diagnostiziert. Alle drei Diagnosen (po sttraumatische Belastungsstörung, sonstige anhaltende affektive Störung, anhaltende somat oforme Schmerzstörung) seien im Be- richt von Dr. I.____ als Diagnosen mit Auswirkung auf d ie Arbeitsfähigkeit genannt worden. Nach ICD-10 handle es sich bei der anhaltenden affektiv en Störung um anhaltende und meist fluktuierende Stimmungsstörungen, bei denen die Mehrzah l der einzelnen Episoden nicht aus- reichend schwer genug seien, um als hypomanische oder au ch als nur leichte depressive Epi- soden gelten zu können. Gelegentlich könnten rezidivieren de oder einzelne manische oder de- pressive Episoden eine anhaltende affektive Störung überlagern. Nach ICD-10 sei die Mehrzahl der einzelnen Episoden also nicht schwer genug, um als hy pomanische oder auch nur leichte depressive Episoden zu gelten. Sie sollten daher keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben. Gemäss Wegleitung zur Einschätzung der zumutbaren Arbeit stätigkeit nach Unfall und bei Krankheit der Swiss Insurance Medicine, Ausgabe April 20 13, bestünde bei leicht Depressiven in der Regel eine Arbeitsfähigkeit, sofern am Arbeit splatz nicht besondere kreative Fähigkeiten oder Flexibilität und erhöhte Anforderungen an die ko gnitiven Funktionen gestellt würden. Da- her sei die Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode, die im psychiatrischen Teilgutachten vom 7. Februar 2014 geste llt worden sei, in Bezug auf die Tätigkeit als Reinigungskraft und Hauswartin nicht unte r Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit aufgeführt. Die sonstigen anhaltenden a ffektiven Störungen seien nach ICD-10 nicht schwer genug, um als leichte rezidivierende depressiv e Episode gelten zu können. Daher sollte diese Diagnose bis auf Ausnahmen, in denen eine sch were depressive Symptomatik er- reicht werde, was nach ICD-10 gelegentlich erfolgen kön ne, keine Arbeitsunfähigkeit verursa- chen. Zum Zeitpunkt der Untersuchung zum psychiatrischen Teilgutachten vom 7. Februar 2014 habe keine posttraumatische Belastungsstörung gesehen werde n können. Es hätten nämlich keine anhaltenden Erinnerungen oder ein Wiedererleben der Belastungssituation eruiert werden kön- nen. Die Ängste seien auf die Schmerzen und, wie auch i m Bericht von Dr. I.____ beschrieben, auf die daraus folgende Angst vor der Zukunft bezogen. Eine innere Unruhe oder Gereiztheit sei verneint worden. Die Konzentration sei während der Untersuchung nicht eingeschränkt er- schienen. Die Schlafstörungen seien auf die Schmerzen bezogen worden. Die Hypervigilanz sei nicht ersichtlich gewesen. Auch der Konsiliarpsychiater des Spitals M.____, der während der Hospitalisation vom 4. April 2013 bis 24. April 2013, a lso 14 Monate nach dem Unfallereignis herbeigezogen worden sei, habe keine posttraumatische Be lastungsstörung diagnostiziert und habe eine depressive Symptomatik nicht sicher ausschliessen kö nnen. Nach ICD-10 werde gefordert, dass die Symptomatik innerhalb von sechs Monate n nach dem Belastungsereignis oder nach Ende einer Belastungsperiode auftrete. Dah er sei im Rahmen des psychiatrischen Teilgutachtens vom 7. Februar 2014 nach ICD-10 die D iagnose der posttraumatischen Belas- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsstörung nicht gestellt worden. Die von Dr. I.____ beschriebene Symptomatik der Trauma- folgen sei sehr gering ausgeprägt. Auch Dr. I.____ schr eibe, dass die belastenden, angstauslö- senden Erinnerungen an den Unfall nicht mehr vordergr ündig seien. Es könne davon ausge- gangen werden, dass das Fahren im Auto, also die belaste nden Situationen, bei der Tätigkeit als Reinigungsfachkraft und Hauswartin nicht relevant sei en, dass also die im Bericht von Dr. I.____ beschriebene Diagnose der posttraumatischen B elastungsstörung bei der beschrie- benen geringen Symptomausprägung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit als Reinigungs- kraft und Hauswartin habe. 4.9 In der Stellungnahme des RAD vom 8. August 2016 f ührte Dr. J.____ aus, im Gutach- ten vom 28. November 2014 des Spitals D.____ werde ei n beidseitiges mittelschweres Carpal- tunnelsyndrom in der medizinischen Anamnese gelistet. A namnestisch hätte die Versicherte eine verminderte Sensibilität der rechten Hand dorsal angegeben, welche nicht dermatombezo- gen sei. In der klinischen Untersuchung habe sich die Sen sibilität, Kraft und Motorik der oberen Extremität jedoch unauffällig und seitengleich dargest ellt. Es würden keine spezifischen anam- nestischen Hinweise vorliegen, die auf eine eingeschränkte Funktionalität aufgrund eines CTS hinweisen würden. Unter „aktuelle Beschwerden“ habe di e Versicherte keine Beschwerden mehr von Seiten der Hände erwähnt. Diese Anamnese in Verbindung mit dem klinischen Be- fund schliesse zum Begutachtungszeitpunkt ein höhergradig es Carpaltunnelsyndrom mit Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit aus. 5. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 27. Mai 2016 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfä higkeit der Beschwerdeführerin zur Hauptsache auf das Gutachten des Spitals D.____ vom 28. November 2014. Sie ging demnach davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh rerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsfachfrau aus traumatologischer Sicht zu 15 % eingeschränkt sei und ihr ab April 2012 wieder ein Pensum von 85 % zuzumuten sei. Aus psychi scher Sicht bestehe keine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Arbeits- und Erwerb sfähigkeit sei somit vor Ablauf der Wartezeit im Januar 2013 wieder zumutbar, weshalb da s Leistungsbegehren abgewiesen wur- de. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist – wie nachfo lgend aufgezeigt wird – nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.7 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinne n und -ärzte, die aufgrund einge- hender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ei nsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb nissen gelangen, bei der Beweiswür- digung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon krete Indizien gegen die Zuverlässig- keit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutach- ten des Spitals D.____ vom 28. November 2014, insbesond ere das im vorliegenden Fall um- strittene psychiatrische Teilgutachten von Dr. L.____ vom 7. Februar 2014, weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bun desgericht verlangt wird (vgl. E. 3.6 hier- vor) – für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es be- rücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis d er Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizi- nischen Situation ein und es setzt sich mit den vorhandene n abweichenden ärztlichen Ein- schätzungen auseinander. Zudem wird einlässlich auf die Be schwerden eingegangen und es Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird insgesamt ein hinreichendes Bild über den Gesundh eitszustand der Beschwerdeführerin vermittelt. Auch die fachärztlichen Einschätzungen der A rbeitsfähigkeit sind ausreichend be- gründet und nachvollziehbar. Es ist daher nicht zu beanst anden, dass sich die IV-Stelle in Be- zug auf die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin und ihrer Arbeitsfä- higkeit auf das bidisziplinäre Gutachten stützte. 6.1 Daran ändert auch der Arztbericht von Dr. I.____ vom 16. Dezember 2015 nichts, der eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychische n Faktoren seit 2012, eine sonstige anhaltende affektive Störung seit 2014 sowie ein e posttraumatische Belastungsstö- rung seit 2012 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und einen Status nach Anpassungsstö- rung und längerer depressiver Reaktion ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizier- te und ausführt, aus psychiatrischer Sicht bestehe ab sofo rt eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Dr. L.____ nimmt in seinem Bericht vom 10. Mai 2016 ausführlich zu den abweichenden Diag- nosen von Dr. I.____ Stellung und begründet in überzeugender Weise seine differierende medi- zinische Einschätzung. So legt er insbesondere nachvollzie hbar dar, weshalb die diagnostizier- te rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode, keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat. Des Weiteren legt er dar, w eshalb entgegen der Ansicht von Dr. I.____ die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung mi t Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit nicht gestellt werden kann. In diesem Zusammenhang ist schliesslich auch auf die Erfah- rungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrecht- liche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Guns ten ihrer Patienten aussagen (vgl. E 3.7 hiervor). Die Beurteilung von Dr. I.____ vermag damit keine Zweifel am Beweiswert des Gut- achtens hervorzurufen. 6.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Beschwerdeg egnerin habe den Sachverhalt nicht korrekt abgeklärt, da gemäss bundesgerichtlicher Rec htsprechung gelte, dass die umfas- sende administrative Erstbegutachtung regelmässig polydiszi plinär und damit zufallsbasiert an- zulegen sei. Eine polydisziplinäre Expertise sei auch dann einzuholen, wenn der Gesundheits- schaden zwar bloss auf eine oder zwei medizinische Disziplinen fokussiert erscheine, die Be- schaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nich t vollends gesichert sei. Dies treffe im vorliegenden Fall zu. So habe sie bereits im Vorfeld de r Begutachtung mit Schreiben vom 7. Mai 2013 auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass die Vergabe eines bloss bidisziplinä- ren Gutachtens nicht angehen könne. Im Resultat der Beg utachtung zeige sich, dass das Gut- achten des Spitals D.____ vom 28. November 2014 ungenü gend sei, da wesentliche geklagte und diagnostizierte Leiden, insbesondere das beidseitige Carpaltunnelsyndrom nicht in die Be- gutachtung einbezogen worden seien. Die Sachverhaltsab klärung vermöge deshalb den bun- desgerichtlichen Anforderungen nicht stand zu halten. Der Beschwerdeführerin kann aus nachfolgenden Gründen nicht gefolgt werden. Aus der Wen- dung “regelmässig“ folgt, dass nicht in jedem Fall, bei welchem die versicherte Person an ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen aus verschiedenen Fachrichtungen leidet, ein polydisziplinä- res Gutachten einzuholen ist. In begründeten Fällen kann von einer polydisziplinären Begutach- tung abgesehen und eine mono- oder bidisziplinäre durc hgeführt werden, sofern die medizini- sche Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fac hgebiete beschlägt; weder dürfen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht weitere interdisziplinäre Bezüge (z.B. internistischer A rt) notwendig sein (zur Interdisziplinarität der Begutachtung vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.4) noch d arf ein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf bestehen. Vo rliegend wurde eine bidisziplinäre psychiatrische und traumatologische Begutachtung durchgefüh rt. Die Gutachter forderten zu- sätzlich die neurologische Beurteilung der Klinik E.____ vom 18. März 2014 und vom 8. Juli 2014 an, welche jedoch keinen Anlass für weitere Abklärungen ergab. In Bezug auf das Schrei- ben der Beschwerdeführerin vom 7. Mai 2013 ist festzuha lten, dass sie damals in erster Linie vorbrachte, es sei eine traumatologische statt eine rhe umatologisch- psychiatrische Begutach- tung angezeigt, da objektivierbare Unfallfolgen vorlie gen würden. Die Beschwerdeführerin brachte jedoch damals wie heute nicht vor, inwiefern si e aufgrund ihrer gesundheitlichen Be- schwerden in weiteren Disziplinen begutachtet werden müs ste. Auch aus den Akten ergeben sich keine Gesundheitsschädigungen im Bereich anderer Diszipl inen, welche zur Beurteilung des Gesundheitszustandes weiter abgeklärt werden müssten. Insbesondere auch nicht in Be- zug auf das beidseitige Carpaltunnelsyndrom. Wie Dr. J._ ___ in seinem Bericht vom 8. August 2016 zu Recht ausführte, erwähnte die Versicherte bei der Begutachtung unter „aktuelle Be- schwerden“ keine Beschwerden mehr von Seiten der Hände . Diese Anamnese in Verbindung mit dem klinischen Befund schliesst zum Begutachtungszeitp unkt ein höhergradiges Carpaltun- nelsyndrom mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aus. Z u berücksichtigen ist insbesondere auch, dass der ausgewählte Gutachter verpflichtet ist, den ert eilten Auftrag zurückzugeben, falls er der Ansicht sein sollte, die ausgewählte Disziplin sei nich t zutreffend (vgl. BGE 139 V 352 E. 3.3). Es ist demnach keine zusätzliche Abklärung vorzunehmen. 7.1 Schliesslich ist der Einwand der Beschwerdeführerin zu prüfen, das Gutachten bzw. das Teilgutachten von Dr. L.____ gebe keinen Aufschluss darüber, inwieweit die anhaltende somatoforme Schmerzstörung gemäss der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe, da sich diese ausschlie sslich an den Foerster-Kriterien orientiere. Es erlaube demnach keine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgebenden Indikatoren. 7.2 Mit Leitentscheid vom 3. Juni 2015 hat das Bundesg ericht seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörunge n und vergleichbaren psycho- somatischen Leiden revidiert und sich von der bisherigen Überwindbarkeitsvermutung verab- schiedet (BGE 141 V 281 ff.). Die Rechtsprechungsänderun g findet grundsätzlich auch auf lau- fende Verfahren wie auf das vorliegende Anwendung. Ei ne Einschränkung der Leistungsfähig- keit kann deshalb weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich ein- wandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung i st. Auch künftig wird der Rentenan- spruch – in Nachachtung der verfassungs- und gesetzmässigen V orgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rechts- gleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumut barkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs- unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit länge- rem namentlich aus medizinischer, aber auch aus juristisch er Sicht an der bisherigen Schmerz- rechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutung nicht weiter fest. Anstelle des bisherigen Regel/ Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichb are Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äussere n Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 7.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Stell ungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargeta n werden kann, trägt weiterhin die ma- teriell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. E ine anhaltende somatoforme Schmerz- störung und vergleichbare Leiden können somit eine Inval idität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlich en Anspruchsgrundlage im Einzel- fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider spruchsfrei mit zumindest überwiegen- der Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Au smass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6). 7.4 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Licht e dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten – wie das hier vorliegende Guta chten vom 28. November 2014 – nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein ab- schliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlag en vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-bewe isrechtlich geänderten Anforderun- gen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beig ezogenen administrativen und/ oder ge- richtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfalls i m Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massg eblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8 mit Hinweis). 7.5 Das Bundesgericht hat die massgeblichen Abklärungen in zwei Bereiche eingeteilt: In einem ersten Teil sind unter dem Stichwort des funktion ellen Schweregrades drei Indikatoren- Komplexe zu klären, welche wiederum in weitere Indikato ren unterteilt sind. In einem zweiten Teil sind die Ergebnisse aus dem ersten Teil einer Konsistenzprüfung zu unterziehen. 7.5.1 Der erste Indikatoren-Komplex steht unter dem Ti tel “Gesundheitsschädigung“. Dabei stellt sich zunächst die Frage nach der Ausprägung der d iagnoserelevanten Befunde. Zu würdi- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen ist unter dem Aspekt der Schwere des Krankheitsgesc hehens, wie stark die Alltagsfunktio- nen beeinträchtigt sind und ob Hinweise auf Aggravation oder Simulation ersichtlich sind. Im vorliegenden Fall geht aus dem psychiatrischen Teilgu tachten vom 7. Februar 2014 hervor, die Beschwerdeführerin lebe zusammen mit ihrem Ehemann in einer Wohnung und verfolge einen strukturierten Tagesrhythmus. Gemäss eigenen Angabe n unternehme die Versicherte auch im Alltag bzw. in der Freizeit nicht viel; sie li ege viel auf dem Sofa oder auf dem Bett, lese oder schaue fern und gehe mehrmals täglich ein wenig s pazieren. Soziale Kontakte habe sie keine. Ihren anamnestischen Angaben ist nichts zu entnehm en, was auf eine Beeinträchtigung der Alltagsfunktionen hindeuten würde. Im Gutachten vom 28. November 2014 wurde festgehal- ten, im Einklang mit früheren Beurteilungen bestehe aus ärztlicher Sicht eine Diskrepanz zwi- schen der von der Explorandin beklagten Schmerzen und den objektivierbaren Befunden. Auch seien die anamnestischen Angaben der Explorandin teils nicht deckend mit der Aktenlage. Be- sonders auffällig sei dies in Bezug auf frühere Unfälle und eine gut dokumentierte chronische Schmerzsymptomatik, welche sie bei der Anamnese im medizini schen Gutachten negiert habe, obwohl sie aufgrund dieser Beschwerden wiederholt arbe itsunfähig gewesen sei und eine stati- onäre Behandlung sowie ein versicherungstechnisches Gutach ten erfolgt seien. Anzeichen für eine Aggravation oder Simulation wurden von den Gutachtern jedoch nicht festgestellt. 7.5.2 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht d en Behandlungs- und Eingliede- rungserfolg. Dabei sind Verlauf und Ausgang der bisher durchgeführten Therapien und Einglie- derungsversuche zu würdigen, und es ist zu prüfen, ob di e therapeutischen Möglichkeiten aus- geschöpft wurden. Die Beschwerdeführerin hat gemäss psychiatrischem Teilgutac hten vom 7. Februar 2014 seit dem Unfall vom Januar 2012 nicht mehr gearbeitet. Im Gutachten vom 28. November 2014 wurde festgestellt, dass die Angaben der Versicherten, sie könne sich nicht vorstellen irgendei- ne Tätigkeit auszuüben, auf Selbstlimitierung beruhen würden. Die Medikation sei nachweislich nicht in ausreichendem Masse eingenommen worden. Therapeutisch bestehe ein beeinflussba- rer innerseelischer Verlauf. Es könne nicht vom Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung ausgegangen we rden. Die Versicherte solle bei dem leichten depressiven Zustandsbild die psychiatrische Behand lung weiterführen, auch die weite- re Verordnung eines Antidepressivums wäre sinnvoll, unter der Voraussetzung, dass sie die Medikation auch einnehme. Es ist festzustellen, dass in den medizinischen Akten mehrfach von einer Therapieadhärenz-Problematik die Rede ist, welche auch im Bericht des Spitals D.____ vom 12. November 2012 beschrieben wird und durch zu tiefe Medikamentenspiegel am 11. Dezember 2013 beim psychiatrischen Teilgutachten obj ektiviert worden sei. Unter diesen Umständen scheinen die therapeutischen Optionen nicht ausgeschöpft zu sein. 7.5.3 Als letzter Indikator des Indikatoren-Komplexes “G esundheitsschädigung“ ist schliess- lich die Komorbidität zu würdigen. Der psychischen Komor bidität ist nach der neuen Praxis kei- ne vorrangige Bedeutung mehr einzuräumen, vielmehr sin d auch körperliche Begleiterkrankun- gen zu würdigen. Im psychiatrischen Teilgutachten vom 7. F ebruar 2014 wurde unter anderem ein leichtgradiges depressives Syndrom diagnostiziert. De r Gutachter stellte fest, dass die Ex- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht plorandin aus rein psychiatrischer Sicht auch mit dieser S ymptomatik in der Lage sein sollte, einer Arbeit nachzugehen. Der subjektive Leidensdruck b ezüglich der Depression erscheine nicht so gross zu sein, dass sie eine konsequente antidepressive Medikation einnehmen würde, wie die Blutspiegeluntersuchungen vom 11. Dezember 2013 gezeigt hätten. Die Beschwerde- führerin leide unter einer ISG-Arthrose, welche aus traumatologischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe. Aufgrund der von der Beschwerdeführerin beschriebenen Schmerzlokalisation sei diese jedoch für die Mehrheit ih rer Beschwerden nicht ursächlich. Vor diesem Hintergrund sind die Komorbiditäten als eher gering einzuschätzen. 7.5.4 Im zweiten, die Persönlichkeit betreffenden Indi katoren-Komplex, wird nach der Per- sönlichkeitsentwicklung und der Persönlichkeitsstruktur gef ragt, und es sind die persönlichen Ressourcen der Versicherten zu eruieren. Aus den gutachterl ichen Ausführungen von Dr. L.____ vom 7. Februar 2014 geht hervor, dass die B eschwerdeführerin bewusstseinsklar, örtlich, zeitlich, zur Person und Situation ausreichend orientiert gewesen sei. Es fänden sich keine Hinweise für inhaltliche Denkstörungen, Wahrnehm ungsstörungen, Zwangsstörungen oder Ich-Störungen. Die Beschwerdeführerin bewohne mi t ihrem Ehemann eine Zweizimmer- wohnung. Der Ehemann der Explorandin sei selbst eingesc hränkt und beziehe eine Rente. Er arbeite jeweils für zwei bis drei Stunden pro Woche als Hauswart. Die Versicherte lebe noch vom Lohn und von der Rente des Ehemannes, Schulden habe sie keine. Die Beziehung zum Ehemann und den Kindern, die viel mithelfen und sie ü berall hinfahren würden, beschreibe sie als gut. Das Mittag- und Abendessen werde jeweils von der Tochter oder dem Ehemann zube- reitet. Der Bruder der Versicherten sei gesund und als Vorarbeiter in einer Fabrik tätig. Er lebe in N.____. Die Eltern würden in O.____ wohnen. Von ihrem sozialen Umfeld geht somit zweifel- los eine starke Stütze aus. Die persönlichen Ressourcen sind damit insgesamt noch umfassend genug erhalten, um einer Tätigkeit nachgehen zu können. 7.5.5 Im dritten Indikatoren-Komplex ist unter dem Ti tel „sozialer Kontext“ eine Abgrenzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorzuneh men. Diese Faktoren bleiben als invaliditätsfremd unbeachtlich. Im vorliegenden Fall l iegen gemäss psychiatrischem Teilgutach- ten vom 7. Februar 2014 vor allem sprachliche Schwierig keiten, finanzielle Belastungen, man- gelnde Schulbildung und unzureichende Copingstrategi en vor. Bei der finanziellen Problematik könne von psychosozialen Problemen ausgegangen werden, di e schwerwiegend genug sind, um als entscheidender ursächlicher Einfluss für das Krankheitsgeschehen zu gelten. 7.5.6 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht a uch in diesem Indikatoren-Komplex – wie im Indikatoren-Komplex der Persönlichkeit – die E ruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds. Beachtlich sind dabei die Verankerung u nd Vernetzung im sozialen Umfeld und die daraus mobilisierbaren Ressourcen. Die Beziehung sfähigkeit der Versicherten ist wie ausgeführt erhalten; neben der Partnerschaft zu ihrem Ehemann und der familiären Beziehung zu ihren Kindern freue sie sich auch über den Enkelsohn , den sie regelmässig sehe. Der als Vorarbeiter in einer Fabrik tätige Bruder der Versiche rten sei gesund und lebe in N.____. Die Eltern würden in O.____ wohnen. Vom Umfeld der Beschw erdeführerin geht demnach eine starke Stütze aus. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.6.1 Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslic h die „Konsistenzprüfung“ vorzuneh- men. Dabei ist zu prüfen, ob die vom Gutachter festgest ellten Auswirkungen auf die Leistungs- fähigkeit aufgrund des medizinisch festgestellten Gesundheitsschadens anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein lichkeit nachgewiesen sind. Ein wichtiger Indikator ist dabei die Frage, ob die diskuti erte Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit gleich ausgeprägt ist wie die Einschränkungen in den sonstigen Lebensbereichen. Ferner ist zu beachten, ob die versicherte Person Therapieangebote w ahrnimmt oder mögliche Behandlun- gen auslässt. 7.6.2 Die Beschwerdeführerin leide unter einer anhal tenden somatoformen Schmerzstörung, welche es ihr subjektiv verunmögliche jeglicher Arbeit nachzugehen. Gemäss eigenen Angaben unternehme die Versicherte auch im Alltag bzw. in der Freizeit nicht viel; sie liege viel auf dem Sofa oder dem Bett, lese oder schaue fern und gehe me hrmals täglich ein wenig spazieren. Aufgrund der erwähnten Indikatoren ist aber insgesamt eine solch wesentliche Einschränkung nicht plausibel, vielmehr sind noch beträchtliche Restress ourcen erkennbar, welche mit Blick auf eine künftige Arbeitstätigkeit auch im Rahmen de s Erwerbslebens verwertbar sein dürften. Gemäss Gutachten vom 28. November 2014 bestehe aus ärztlic her Sicht eine Diskrepanz zwi- schen der von der Explorandin beklagten Schmerzen und den objektivierbaren Befunden. Auch würden sich die anamnestischen Angaben der Explorandin teils nicht mit der Aktenlage decken. Die Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Alltag ste hen demnach nicht im Einklang mit der von den Gutachtern entsprechend veranschlagten 80- 90 %-igen Arbeitsfähigkeit in der an- gestammten Tätigkeit. Zu beachten ist in diesem Zusammen hang auch die ausgeführte Thera- pieadhärenz-Problematik (vgl. E. 7.5.2 hiervor). Die su bjektiven Beschwerden sowie die eige- nen Angaben der Beschwerdeführerin bezüglich ihres All tags stimmen überein. Allerdings sind diese nicht mit den Diagnosestellungen und Beurteilun gen der Gutachter des Spitals D.____ vereinbar. 8. Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass d as bidisziplinäre Gutachten des Spitals D.____ vom 28. November 2014, insbesondere das psychiatrische Teilgutachten von Dr. L.____ vom 7. Februar 2014, genügend Aufschluss übe r die massgeblichen Indikatoren gibt. Die von den Gutachtern darin vorgenommene Zumu tbarkeitsbeurteilung erweist sich auch in Würdigung der nach neuer Rechtsprechung zu berücksichti genden Indikatoren als überzeu- gend. Das fragliche Gutachten lässt mithin eine zuverlässig e Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu. Insgesamt resulti ert in medizinischer Hinsicht, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit zu 80 -90 % arbeitsfähig ist. Schliesslich ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass es der IV- Stelle bzw. dem RAD in der Über- gangsphase zur neuen Rechtsprechung erlaubt ist, ledig lich eine Stellungnahme zur Indikato- renprüfung zu verfassen. Eine neue Begutachtung muss gr undsätzlich nicht gemacht werden. Die RAD Stellungnahme vom 28. Dezember 2015 ist zudem vollständig und schlüssig. Es be- steht daher kein Grund, weitere (fach-)ärztliche Abklärungen vorzunehmen. 9. Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass sich die Be schwerdegegnerin in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf das Gutachten des Spitals D.____ vom 28. November 2014 stützte. Was die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 29. Juni 2016 vorbringt, ist nicht geeignet, die bewe isrechtliche Verwertbarkeit des Gutachtens in Frage zu stellen. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist somit nicht zu beanstanden. Die gegen die Verfügung vom 27. Mai 2016 erhobene Beschwe rde erweist sich unter diesen Um- ständen als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen sind. Da ihr mit Verfügung vom 27. Juli 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde , gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin ebenfalls mit Verfügung vom 27. Juli 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwer deführerin hat in seiner Honorarnote vom 21. September 2016 für das vorliegende Verfahren e inen Zeitaufwand von 8 Stunden und Auslagen von Fr. 159.-- geltend gemacht. Der vorliegen d geltend gemachte Aufwand für das Beschwerdeverfahren erweist sich als angemessen, weshalb ei ne – auf den Ansatz von Fr. 200.-- reduzierte – Entschädigung von Fr. 1‘899.7 0 (8 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Ausla- gen von Fr. 159.-- und 8 % Mehrwertsteuer) gerechtfert igt ist. Dem Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin wird deshalb ein Honorar in dieser Höhe aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 11. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein reduziertes H onorar in der Höhe von Fr. 1‘899.70 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwert steuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht