<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">6A.3/2002/kra </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> K A S S A T I O N S H O F </div> <div class="para"> ************************* </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 10. April 2002 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Schubarth, Präsident des </div> <div class="para">Kassationshofes, Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger, </div> <div class="para">Kolly, Karlen und Gerichtsschreiber Borner. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> --------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">S.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt </div> <div class="para">Stefan Galligani, Ruederstrasse 8, Schöftland, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verwaltungsgericht des Kantons A a r g a u, 1. Kammer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> betreffend </div> <div class="para"> Führerausweisentzug </div> <div class="para">(Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid der </div> <div class="para">1. Kammer des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau vom </div> <div class="para">5. Dezember 2001), </div> <div class="para">hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Nach eigenen Angaben konsumierte S.________ in </div> <div class="para">der Nacht vom 24. auf den 25. April 1999 zwischen 20.00 </div> <div class="para">Uhr und ca. 04.00 Uhr in Aarau rund 1,2 l Bier, 4 dl Cham- </div> <div class="para">pagner und 3 dl Rotwein. Nach dem Alkoholkonsum liess er </div> <div class="para">sich in einem Taxi nach Hause fahren und begab sich zu </div> <div class="para">Bett. Nach 6 - 7 Stunden Schlaf setzte er sich an das </div> <div class="para">Steuer seines Personenwagens, um seine Freundin von </div> <div class="para">Schöftland nach Trimbach zu bringen. Um 11.50 Uhr wurde er </div> <div class="para">einer polizeilichen Kontrolle unterzogen. Die Blutprobe </div> <div class="para">ergab eine rückgerechnete Blutalkoholkonzentration (BAK) </div> <div class="para">von 1,00 Promille. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> S.________ besitzt den Führerausweis der Kate- </div> <div class="para">gorie B seit dem 14. Juni 1982. Er ist ihm am 7. Juli 1988 </div> <div class="para">sowie am 7. Februar 1991 wegen Fahrens in angetrunkenem </div> <div class="para">Zustand (FiaZ) mit Selbstunfall für die Dauer von 3 bzw. </div> <div class="para">16 Monaten entzogen worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Das Bezirksgericht Zofingen verurteilte </div> <div class="para">S.________ am 28. Oktober 1999 gestützt auf <span class="artref">Art. 91 Abs. 1 </span></div> <div class="para">SVG zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 30 Tagen und </div> <div class="para">einer Busse von Fr. 2'000.--. Das Urteil erwuchs in </div> <div class="para">Rechtskraft. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Am 3. Juni 1999 verfügte das Strassenverkehrsamt </div> <div class="para">des Kantons Aargau einen Führerausweisentzug von 9 Mona- </div> <div class="para">ten. Das Departement des Innern des Kantons Aargau hiess </div> <div class="para">am 14. Juni 2001 eine Beschwerde von S.________ teilweise </div> <div class="para">gut und reduzierte die Entzugsdauer auf 7 Monate. Eine </div> <div class="para">Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen diesen Entscheid wies </div> <div class="para">das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau am 5. Dezember </div> <div class="para">2001 ab. </div> <div class="para"> C.- S.________ führt eidgenössische Verwaltungs- </div> <div class="para">gerichtsbeschwerde mit den Anträgen, es seien das Verwal- </div> <div class="para">tungsgerichtsurteil vom 5. Dezember 2001 aufzuheben und </div> <div class="para">die Dauer des Führerausweisentzuges auf 3 Monate festzu- </div> <div class="para">setzen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Verwaltungsgericht schliesst auf Abweisung </div> <div class="para">der Beschwerde. Das Bundesamt für Strassen stellt den </div> <div class="para">Antrag, die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gutzuheissen und </div> <div class="para">die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz </div> <div class="para">zurückzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Letztinstanzliche kantonale Entscheide über Füh- </div> <div class="para">rerausweisentzüge unterliegen der Verwaltungsgerichtsbe- </div> <div class="para">schwerde an das Bundesgericht (<span class="artref">Art. 24 Abs. 2 SVG</span>). Der </div> <div class="para">Beschwerdeführer hat als unmittelbar Betroffener ein </div> <div class="para">schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefoch- </div> <div class="para">tenen Entscheids, weshalb er zur Beschwerde legitimiert </div> <div class="para">ist (<span class="artref">Art. 24 Abs. 5 SVG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann die Ver- </div> <div class="para">letzung von Bundesrecht aller Stufen, also auch von Bun- </div> <div class="para">desverfassungsrecht, sowie Überschreitung oder Missbrauch </div> <div class="para">des Ermessens, nicht aber Unangemessenheit gerügt werden </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 104 OG</span>). Nachdem als Vorinstanz eine richterliche </div> <div class="para">Behörde entschieden hat, ist das Bundesgericht an die </div> <div class="para">Feststellung des Sachverhaltes gebunden, soweit dieser </div> <div class="para">nicht offensichtlich unrichtig, unvollständig oder unter </div> <div class="para">Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften ermittelt </div> <div class="para">worden ist (<span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Die Vorinstanz verweist zunächst auf die so </div> <div class="para">genannte "Aargauer Praxis" der Verwaltungsbehörden. Danach </div> <div class="para">wird ein rückfälliger Automobilist nicht wieder wie ein </div> <div class="para">Ersttäter behandelt, auch wenn nach Ablauf eines früheren </div> <div class="para">Entzugs wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand mehr als </div> <div class="para">5 Jahre verstrichen sind. Es wird vielmehr für die Bemes- </div> <div class="para">sung der Entzugsdauer bei einem Rückfall von abgestuften </div> <div class="para">Richtwerten ausgegangen, wobei der gesetzliche Wert von 12 </div> <div class="para">Monaten für den Rückfall innert 5 Jahren proportional zu </div> <div class="para">den seit dem früheren Entzug verstrichenen Jahren redu- </div> <div class="para">ziert wird, d.h. nach 6 (7, 8, 9, 10) Jahren gilt als </div> <div class="para">Richtmass eine Entzugsdauer von 10 (8, 6, 4, 2) Monaten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Das Bundesgericht hat sich mehrfach mit sol- </div> <div class="para">chen standardisierten "Tarifen" befasst und festgehalten, </div> <div class="para">diese verletzten Bundesrecht, wenn sie zu schematisch an- </div> <div class="para">gewendet und die Umstände des Einzelfalls nicht mehr genü- </div> <div class="para">gend berücksichtigt werden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=15&amp;from_date=01.04.2002&amp;to_date=20.04.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-II-44%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page44">BGE 124 II 44</a> E. 1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=15&amp;from_date=01.04.2002&amp;to_date=20.04.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-II-63%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page63">123 II 63</a> </div> <div class="para">E. 3c). Ausgangspunkt der Bemessung einer Massnahme muss </div> <div class="para">der vom Gesetz vorgegebene Wert sein. In Bezug auf die </div> <div class="para">Dauer des Entzuges hat der Gesetzgeber eine klare Abstu- </div> <div class="para">fung vorgenommen: Bei einem Rückfall innert 5 Jahren ist </div> <div class="para">der Führerausweis mindestens für ein Jahr zu entziehen </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. d SVG</span>), danach für mindestens zwei </div> <div class="para">Monate (<span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. b SVG</span>). Nach Ablauf der 5 Jah- </div> <div class="para">re darf der Faktor Zeit nicht mehr so stark gewertet wer- </div> <div class="para">den, ausser bei Vorfällen, die nur kurze Zeit nach Ablauf </div> <div class="para">der fünfjährigen Frist erfolgt sind. Die Einsatzdauer muss </div> <div class="para">so gewählt werden, dass die Entzugsdauer unter Anwendung </div> <div class="para">der Kriterien von <span class="artref">Art. 33 Abs. 2 VZV</span> bis auf den gesetz- </div> <div class="para">lichen Mindestwert hinab angepasst werden kann, wenn die </div> <div class="para">Voraussetzungen dafür gegeben sind (Urteil des Bundesge- </div> <div class="para">richts 6A.49/2001 vom 30. Oktober 2001, E. 2a). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Die Vorinstanz weist darauf hin, dass die kan- </div> <div class="para">tonalen Behörden im Falle des Beschwerdeführers die Ent- </div> <div class="para">zugsdauer gemäss Aargauer Praxis festgelegt hätten. Die </div> <div class="para">angefochtene Entzugsdauer müsse nun anhand der bundesge- </div> <div class="para">richtlichen Rechtsprechung überprüft werden, ohne dass </div> <div class="para">dabei bereits neue Richtwerte festgelegt würden: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Auszugehen sei von der minimalen Entzugsdauer </div> <div class="para">von 2 Monaten. Diese sei entsprechend den Kriterien des </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 33 Abs. 2 VZV</span> anzupassen. Insbesondere falle der </div> <div class="para">Rückfall massnahmeerhöhend ins Gewicht. Grundlage für die </div> <div class="para">Bemessung des Verschuldens bilde die Schwere der Tat. Sie </div> <div class="para">messe sich an der Gefährlichkeit des widerrechtlichen Ver- </div> <div class="para">haltens sowie an den konkreten Tatumständen. Zunächst </div> <div class="para">falle für die Qualifikation des Verschuldens der Rückfall </div> <div class="para">ins Gewicht. Dieser liege 2 Jahre über der fünfjährigen </div> <div class="para">Rückfallsfrist, für welche das Gesetz die Mindestentzugs- </div> <div class="para">dauer von 12 Monaten vorsehe. Der Zeitfaktor von zwei </div> <div class="para">Jahren sei stark verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. </div> <div class="para">Bezüglich des Alkoholisierungsgrades und der Umstände der </div> <div class="para">Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz sei fest- </div> <div class="para">zuhalten, dass die BAK von mindestens 1,00 Promille deut- </div> <div class="para">lich über der Grenze von 0,8 Promille liege. Der Beschwer- </div> <div class="para">deführer, den als Rückfalltäter mit einschlägigen Vorstra- </div> <div class="para">fen ohnehin ein erhöhtes Verschulden treffe, müsse sich </div> <div class="para">vorwerfen lassen, dass er pflichtwidrig unvorsichtig seine </div> <div class="para">eingeschränkte Fahrtüchtigkeit nicht richtig bedacht habe. </div> <div class="para">Es sei daher von einem schweren Verschulden des Beschwer- </div> <div class="para">deführers auszugehen. Als weiteres Zumessungskriterium für </div> <div class="para">die Entzugsdauer diene der Leumund als Motorfahrzeug- </div> <div class="para">führer. Auch hier müsse die zeitliche Nähe des neuen </div> <div class="para">Deliktes berücksichtigt werden. Der Rückfall rufe nach </div> <div class="para">einem strengen Massstab bei der Festsetzung der Entzugs- </div> <div class="para">dauer. Schliesslich sei nur von einer leicht erhöhten </div> <div class="para">Massnahmeempfindlichkeit auszugehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Ausgehend von der Mindestentzugsdauer von 2 Mo- </div> <div class="para">naten lasse sich festhalten, dass die konkrete schwere </div> <div class="para">Verschuldenssituation sowie der erheblich getrübte auto- </div> <div class="para">mobilistische Leumund unter Einschluss des Rückfalls </div> <div class="para">innert 7 Jahren für eine massive Erhöhung sprächen. Dem- </div> <div class="para">gegenüber lege die leicht erhöhte Massnahmeempfindlichkeit </div> <div class="para">eine gewisse Reduktion nahe. Insgesamt erscheine damit die </div> <div class="para">vom Departement des Innern festgelegte Entzugsdauer von 7 </div> <div class="para">Monaten als sachgerecht. Entscheidend sei dabei in erster </div> <div class="para">Linie der einschlägig getrübte Leumund. Die mehrfachen </div> <div class="para">bisherigen Entzüge hätten den Beschwerdeführer bislang </div> <div class="para">nicht von seinem allzu sorglosen Umgang mit Alkohol am </div> <div class="para">Steuer abhalten können. Die geltend gemachte kontrollierte </div> <div class="para">Alkoholabstinenz könne nicht zu einer Reduktion der Ent- </div> <div class="para">zugsdauer führen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von </div> <div class="para">Bundesrecht. Er macht geltend, die Vorinstanz weiche nur </div> <div class="para">vordergründig von ihrer alten, bundesrechtswidrigen Praxis </div> <div class="para">ab. Im Gegensatz zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung </div> <div class="para">messe sie dem Faktor Zeit einen sehr hohen Stellenwert zu, </div> <div class="para">berücksichtige sie ihn doch sowohl beim Verschulden als </div> <div class="para">auch beim automobilistischen Leumund. Diese zwei Faktoren </div> <div class="para">führten gemäss Vorinstanz zu einer massiven Erhöhung der </div> <div class="para">Mindestentzugsdauer von 2 Monaten. Bezeichnenderweise </div> <div class="para">komme sie denn auch zu keinem andern Ergebnis als das De- </div> <div class="para">partement des Innern, welches mit dem "bewährten" Tarif- </div> <div class="para">system gearbeitet habe. Mit dem Urteil vom 30. Oktober </div> <div class="para">2001 habe das Bundesgericht das Tarifsystem als bundes- </div> <div class="para">rechtswidrig erklärt. Es habe damals einen Vorfall beur- </div> <div class="para">teilt, welcher mit dem heute zur Diskussion stehenden </div> <div class="para">grosse Ähnlichkeit aufweise. Beide Male handle es sich um </div> <div class="para">Rückfälle mit etwa demselben Alkoholgehalt, beide ohne Un- </div> <div class="para">fälle, beide mit getrübtem Leumund und nicht leichtem Ver- </div> <div class="para">schulden und beide mit erhöhter Massnahmeempfindlichkeit. </div> <div class="para">Trotzdem wolle die Vorinstanz den Führerausweis für mehr </div> <div class="para">als doppelt so lang entziehen, als dies das Bundesgericht </div> <div class="para">für angemessen bezeichnet habe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, er sei </div> <div class="para">seit dem Vorfall im Jahre 1999 nachweislich alkoholabsti- </div> <div class="para">nent, was von der Vorinstanz zutreffend festgestellt wer- </div> <div class="para">de. Dadurch werde aber die Erforderlichkeit der erzieheri- </div> <div class="para">schen Sanktion stark relativiert. Die Weigerung der Vorin- </div> <div class="para">stanz, dieses Moment bei der Bemessung der Entzugsdauer zu </div> <div class="para">berücksichtigen, verstosse gegen Bundesrecht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, die Vor- </div> <div class="para">instanz sei in Willkür verfallen. So leite sie ein beson- </div> <div class="para">deres Verschulden aus dem Umstande ab, dass er bereits die </div> <div class="para">Hinfahrt nach Trimbach auf der Autobahn N 1 zurückgelegt </div> <div class="para">habe. Ein solcher Sachverhalt ergebe sich aber nirgends </div> <div class="para">aus den Akten. Ebenso willkürlich habe die Vorinstanz die </div> <div class="para">Bestätigung seines Arbeitgebers vom 17. August 2001 bezüg- </div> <div class="para">lich der Erreichbarkeit seiner Kunden mit dem öffentlichen </div> <div class="para">Verkehr gewürdigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- a) Es fällt auf, dass die Vorinstanz das Moment </div> <div class="para">des Rückfalles ausserordentlich stark betont. Wiederholt </div> <div class="para">und mit Nachdruck wird auf die Rückfälligkeit des Be- </div> <div class="para">schwerdeführers, auf dessen einschlägige Erfahrungen be- </div> <div class="para">ziehungsweise auf seine früheren FiaZ-Vorfälle hinge- </div> <div class="para">wiesen. Der Rückfall und damit die zeitliche Nähe des </div> <div class="para">neuen Delikts werden von der Vorinstanz sowohl bei der </div> <div class="para">Gewichtung des Verschuldens als auch bei der Beurteilung </div> <div class="para">des automobilistischen Leumundes hervorgehoben. Diese </div> <div class="para">doppelte Berücksichtigung des gleichen Elementes bei zwei </div> <div class="para">verschiedenen Zumessungsfaktoren im Sinne von <span class="artref">Art. 33 Abs. </span></div> <div class="para">2 VZV verletzt Bundesrecht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Gesetz trägt dem Rückfall in <span class="artref">Art. 17 Abs. 1 </span></div> <div class="para">lit. c sowie lit. d SVG durch eine Verschärfung der Mass- </div> <div class="para">nahme Rechnung. Ein FiaZ-Rückfall im Sinne von <span class="artref">Art. 17 </span></div> <div class="para">Abs. 1 lit. d SVG liegt vor, wenn der Führer innert 5 </div> <div class="para">Jahren seit Ablauf eines früheren Entzuges wegen FiaZ </div> <div class="para">erneut in diesem Zustand gefahren ist. Die Mindestentzugs- </div> <div class="para">dauer für diesen Tatbestand beträgt ein Jahr. In dieser </div> <div class="para">Entzugsdauer sind das Fahren in angetrunkenem Zustand </div> <div class="para">sowie die Tatsache des Rückfalls innert 5 Jahren erfasst, </div> <div class="para">weshalb dies weder beim Verschulden noch beim Leumund zu- </div> <div class="para">sätzlich zu Ungunsten des Betroffenen berücksichtigt wer- </div> <div class="para">den darf (Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen </div> <div class="para">Strassenverkehrsrechts, Band III, Rz. 2461). Nach Ablauf </div> <div class="para">der 5 Jahre kommt wieder <span class="artref">Art. 17 Abs. 1 lit. b SVG</span> zur </div> <div class="para">Anwendung, also eine Entzugsdauer von mindestens 2 Mo- </div> <div class="para">naten. Diese ist unter der Berücksichtigung der Zumes- </div> <div class="para">sungskriterien von <span class="artref">Art. 33 Abs. 2 VZV</span> gegebenenfalls zu </div> <div class="para">erhöhen (ebenso Bussy/Rusconi, Code suisse de la </div> <div class="para">circulation routière: commentaire, 3. Auflage, N. 2.2 zu </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 17 SVG</span>). Der Faktor Zeit indessen darf nach Ablauf </div> <div class="para">der 5 Jahre nicht mehr so stark gewertet werden, ausser </div> <div class="para">bei Vorfällen, die nur kurze Zeit nach Ablauf der </div> <div class="para">fünfjährigen Frist erfolgt sind (Urteil des Bundesgerichts </div> <div class="para">6A.49/2001 vom 30. Oktober 2001, E. 2a). Ein solcher Fall </div> <div class="para">ist hier nicht gegeben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Bundesgerichtspraxis darf nicht dadurch um- </div> <div class="para">gangen werden, dass das zeitliche Moment sowohl beim Ver- </div> <div class="para">schulden als auch beim automobilistischen Leumund zu Las- </div> <div class="para">ten des Fahrzeuglenkers gewichtet wird. Das Moment des </div> <div class="para">Rückfalls ist im Rahmen von <span class="artref">Art. 33 Abs. 2 VZV</span> nur beim </div> <div class="para">automobilistischen Leumund zu beachten, stellt dieser doch </div> <div class="para">ein Abbild des früheren Verhaltens eines Fahrzeuglenkers </div> <div class="para">im Verkehr dar. Die Dauer der bisherigen Fahrpraxis sowie </div> <div class="para">die früheren Massnahmen und Strafen, d.h. die Zahl der </div> <div class="para">erfassten, den Massnahmen und Strafen zu Grunde liegenden </div> <div class="para">Delikte, ihre Schwere, ihre Zusammensetzung, ihre zeitli- </div> <div class="para">che Abfolge und auch die allfällige Gleichartigkeit der </div> <div class="para">Verkehrsdelikte stellen bei der Berücksichtigung des auto- </div> <div class="para">mobilistischen Leumundes entscheidende Gesichtspunkte dar </div> <div class="para">(vgl. Schaffhauser, a.a.O., Rz. 2313, S. 201). Demgegenü- </div> <div class="para">ber sind beim Verschulden die verschiedenen Schuldformen </div> <div class="para">(leichte Fahrlässigkeit bis Vorsatz) zu prüfen (ders., </div> <div class="para">a.a.O., Rz. 2285 ff.). Der Rückfall ist daher - anders als </div> <div class="para">etwa der Alkoholisierungsgrad - kein Verschuldenselement. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Vorinstanz geht zu Unrecht von einem </div> <div class="para">schweren Verschulden des Beschwerdeführers aus. Wohl </div> <div class="para">trifft es zu, dass FiaZ immer zu einem obligatorischen </div> <div class="para">Führerausweisentzug führt. Auch eine Massnahme wegen FiaZ </div> <div class="para">setzt jedoch immer ein Verschulden des Fahrzeugführers </div> <div class="para">voraus. Dabei genügt grundsätzlich jede Art von Verschul- </div> <div class="para">den. Vorsatz oder Fahrlässigkeit beziehen sich dabei auf </div> <div class="para">die Angetrunkenheit bei Antritt der Fahrt. Der Fahrzeug- </div> <div class="para">führer handelt vorsätzlich, wenn er die Fahrt antritt, ob- </div> <div class="para">wohl er weiss oder mit der Möglichkeit rechnen muss, dass </div> <div class="para">er angetrunken ist. Fahrlässig handelt er, wenn er im </div> <div class="para">Zeitpunkt des Antritts der Fahrt aus pflichtwidriger Un- </div> <div class="para">vorsichtigkeit nicht bedenkt, dass er angetrunken ist oder </div> <div class="para">sein könnte (Schaffhauser, a.a.O., Rz. 2393 mit Hinweisen; </div> <div class="para">BGE 117 IV 292). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Beschwerdeführer hat lediglich fahrlässig ge- </div> <div class="para">handelt. Er hat nicht bedacht, dass sein Blut bei Antritt </div> <div class="para">der Fahrt noch einen unzulässigen Alkoholwert aufweisen </div> <div class="para">könnte. Es ist ihm nämlich zu Gute zu halten, dass er nach </div> <div class="para">einer durchzechten Nacht mit dem Taxi nach Hause gefahren </div> <div class="para">ist und anschliessend mehrere Stunden geschlafen hat. Erst </div> <div class="para">etwa 7 - 8 Stunden nach Ende des Alkoholkonsums hat er </div> <div class="para">sich ans Steuer gesetzt. Diese Tatsache lässt das Ver- </div> <div class="para">schulden in erheblich milderem Licht erscheinen. Der Vor- </div> <div class="para">fall unterscheidet sich diesbezüglich massgebend von den </div> <div class="para">in früheren Jahren mit Alkohol begangenen Selbstunfällen. </div> <div class="para">Das Verschulden ist daher weniger schwer zu gewichten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Der automobilistische Leumund des Beschwerde- </div> <div class="para">führers ist - wie die Vorinstanz zutreffend festhält - </div> <div class="para">durch zwei Alkoholfahrten aus den Jahren 1988 und 1991 </div> <div class="para">erheblich getrübt, was bei der Festsetzung der Entzugs- </div> <div class="para">dauer beachtet werden muss. Allerdings trägt der ange- </div> <div class="para">fochtene Entscheid auch in diesem Zusammenhang einem </div> <div class="para">wesentlichen Moment nicht Rechnung. Es ist unbestritten, </div> <div class="para">dass der Beschwerdeführer seit dem 25. April 1999 alkohol- </div> <div class="para">abstinent lebt. Diese Tatsache ist unter dem Titel "auto- </div> <div class="para">mobilistischer Leumund" massnahmereduzierend zu berück- </div> <div class="para">sichtigen. Gemäss <span class="artref">Art. 30 Abs. 2 VZV</span> dienen Warnungsent- </div> <div class="para">züge wegen Verletzung von Verkehrsvorschriften der Besse- </div> <div class="para">rung des Führers und der Bekämpfung von Rückfällen. Mit </div> <div class="para">der Einhaltung einer Abstinenz hat der Beschwerdeführer </div> <div class="para">gezeigt, dass er im Sinne des Gesetzes aus dem letzten </div> <div class="para">Vorfall eine Lehre gezogen hat. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Die Dauer des Warnungsentzugs richtet sich ge- </div> <div class="para">mäss <span class="artref">Art. 33 Abs. 2 VZV</span> schliesslich nach der beruflichen </div> <div class="para">Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Vorinstanz </div> <div class="para">hält fest, gemäss Bestätigung des Arbeitgebers bestehe bei </div> <div class="para">dem als Verkäufer/Innenarchitekt tätigen Beschwerdeführer </div> <div class="para">eine erheblich gesteigerte Massnahmeempfindlichkeit, weil </div> <div class="para">er für die Ausübung der Kundenkontakte, die ausserhalb der </div> <div class="para">mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbaren Gegenden </div> <div class="para">liegen, auf sein Fahrzeug angewiesen sei und dieses zeit- </div> <div class="para">weise auch als Transportmittel für Kleinmöbel und Katalog- </div> <div class="para">material benötige. Allerdings gelte es zu berücksichtigen, </div> <div class="para">dass ein Grossteil der Kundschaft mit öffentlichen Ver- </div> <div class="para">kehrsmitteln erreichbar und es dem Beschwerdeführer daher </div> <div class="para">zuzumuten sei, sich für die Fahrten zu der übrigen Kund- </div> <div class="para">schaft zweckdienlich zu organisieren. Es werde daher le- </div> <div class="para">diglich von einer leicht erhöhten Massnahmeempfindlichkeit </div> <div class="para">ausgegangen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Diese Erwägungen sind widersprüchlich und jeden- </div> <div class="para">falls im Ergebnis unhaltbar. Die tatsächliche Feststellung </div> <div class="para">der Vorinstanz - Erreichbarkeit der Kundenmehrheit mit dem </div> <div class="para">öffentlichen Verkehr - weicht klar von der Bestätigung des </div> <div class="para">Arbeitgebers ab. Worauf die vorinstanzliche Annahme basie- </div> <div class="para">ren soll, ist nicht ersichtlich. Damit ist die Willkürrüge </div> <div class="para">begründet (vgl. zum Begriff der Willkür: <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=15&amp;from_date=01.04.2002&amp;to_date=20.04.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-38%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page38">BGE 127 I 38</a> E. </div> <div class="para">2a). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- a) Das Strassenverkehrsamt sowie das Departement </div> <div class="para">des Innern des Kantons Aargau haben ihre Verfügungen auf </div> <div class="para">die dargelegte "Aargauer Praxis" gestützt. Die Vorinstanz </div> <div class="para">überprüft die angefochtene Entzugsdauer anhand der bundes- </div> <div class="para">gerichtlichen Rechtsprechung, welche die "Aargauer Praxis" </div> <div class="para">als bundesrechtswidrig bezeichnet. Das Verwaltungsgericht </div> <div class="para">gelangt zum gleichen Ergebnis wie seine Vorinstanz. Mit </div> <div class="para">der Erhöhung der Mindestentzugsdauer von 2 Monaten auf 7 </div> <div class="para">Monate überschreitet es jedoch aus den aufgezeigten Grün- </div> <div class="para">den sein Ermessen. Die Beschwerde ist daher begründet und </div> <div class="para">gutzuheissen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Das Bundesgericht hat in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=15&amp;from_date=01.04.2002&amp;to_date=20.04.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-II-44%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page44">BGE 124 II 44</a> in </div> <div class="para">einem ähnlich gelagerten Fall mit einer noch höheren BAK </div> <div class="para">(1,27 Promille) und neuerlicher Fahrt in angetrunkenem </div> <div class="para">Zustand 5 Jahre und 9 Monate nach einer ersten Massnahme </div> <div class="para">einen Warnungsentzug von 4 Monaten verfügt. Im Entscheid </div> <div class="para">vom 30. Oktober 2001 wurde eine Entzugsdauer von 7 Monaten </div> <div class="para">auf 3 Monate herabgesetzt. Der damalige Beschwerdeführer </div> <div class="para">war mit einer BAK von mindestens 1,03 Promille gefahren </div> <div class="para">und hatte bereits drei Massnahmen aus früheren Jahren zu </div> <div class="para">verzeichnen. Der FiaZ-Rückfall lag 6 Jahre und 11 Monate </div> <div class="para">zurück. In der Zwischenzeit war noch eine Verwarnung wegen </div> <div class="para">Unachtsamkeit erfolgt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Im Lichte dieser zwei Urteile sowie der vorlie- </div> <div class="para">genden Erwägungen erscheint eine Entzugsdauer von 3 Mona- </div> <div class="para">ten, wie sie auch der Beschwerdeführer beantragt, als </div> <div class="para">angemessen (<span class="artref">Art. 114 Abs. 1 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5.- a) Hebt das Bundesgericht den angefochtenen Ent- </div> <div class="para">scheid auf, so entscheidet es selbst in der Sache oder </div> <div class="para">weist diese zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurück </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 114 Abs. 2 OG</span>). Die entscheidwesentlichen Elemente </div> <div class="para">liegen vor. Damit kann umgehend entschieden werden, dass </div> <div class="para">dem Beschwerdeführer der Führerausweis für die Dauer von </div> <div class="para">3 Monaten entzogen wird. Einzig für die Regelung der Kos- </div> <div class="para">ten- und Entschädigungsfolgen im kantonalen Verfahren ist </div> <div class="para">die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden keine </div> <div class="para">Kosten erhoben (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/156/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/156/1" type="start"></artref>Art. 156 Abs. 1 und 2 OG</span><artref id="CH/173.110/156/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref>). Dem Beschwerde- </div> <div class="para">führer steht eine Parteientschädigung zu (<span class="artref">Art. 159 Abs. 2 </span></div> <div class="para">OG). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Mit dem Entscheid in der Sache ist das Gesuch um </div> <div class="para">aufschiebende Wirkung gegenstandslos. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird gutgeheis- </div> <div class="para">sen und das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons </div> <div class="para">Aargau vom 5. Dezember 2001 aufgehoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Dem Beschwerdeführer wird der Führerausweis für </div> <div class="para">die Dauer von 3 Monaten entzogen. Im Übrigen wird die </div> <div class="para">Sache zur Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfol- </div> <div class="para">gen des kantonalen Verfahrens an die Vorinstanz </div> <div class="para">zurückgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Der Kanton Aargau hat den Beschwerdeführer für </div> <div class="para">das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 2'500.-- zu ent- </div> <div class="para">schädigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem </div> <div class="para">Verwaltungsgericht, 1. Kammer, und dem Strassenverkehrsamt </div> <div class="para">des Kantons Aargau sowie dem Bundesamt für Strassen </div> <div class="para">schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> _____________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 10. April 2002 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Im Namen des Kassationshofes </div> <div class="para"> des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para"> Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>