Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. März 2019 (725 18 300 / 83) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Bemessung des Integritätsschadens: Gemäss den Erläuterungen der Suva-Tabellen 5 und 6 ist in Fällen, in denen im gleichen Gelenk eine Arthrose und eine Instabilität nach- gewiesen sind, derjenige Zustand für die Integritätsentschädigung massgebend, der die höhere Schädigung aufweist; in der Regel erfolgt keine Kumulation Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen A.1 Der 1966 geborene A.____ war als Maschinist tät ig und durch die Arbeitgeberin bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 27. Oktober 1992 liess er der Suva durch seine Arbeitge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht berin einen Unfall melden. Bei diesem Ereignis zog er sich ein Trauma am linken Knie mit kom- plexen Verletzungen zu, das operativ versorgt werden musst e. Die Suva anerkannte das Vor- liegen einer unfallähnlichen Körperschädigung und kam ihrer gesetzlichen Leistungspflicht nach. Mit Verfügung vom 8. März 1996 sprach ihm die Su va mit Wirkung ab 1. Dezember 1995 eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähig keit von 25 % und eine Integritätsent- schädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 15 % zu. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Suva am 15. Mai 1996 ab. Die gegen diesen Einspracheent- scheid erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht Base l-Landschaft (seit 1. April 2002: Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht [Kantonsgericht]) am 19. November 1997 ab. Der Entscheid erwuchs in Recht skraft. In der Folge nahm die Suva die durch den Versicherten am 20. November 1997 einge reichte Rückfallmeldung an Hand. In ihrer Verfügung vom 26. Mai 2003 führte die Suva au s, dass sich die Unfallfolgen seit der Ren- tenfestsetzung nicht erheblich verschlimmert hätten, wesha lb weder eine höhere Rente noch eine höhere Integritätsentschädigung geschuldet sei. Die gegen diesen Entscheid erhobenen Rechtsmittel wurden abgewiesen und das in der Sache er gangene Urteil des Kantonsgerichts vom 24. November 2004 erwuchs in Rechtskraft. Anlässlich einer periodischen Rentenrevision im Jahre 2008 wurde der Invaliditätsgrad durch die Suva erneut geprüft und eine Änderung ver- neint. Nach einer erneuten Rückfallmeldung vom 5. Januar 2010 wurde A.____ am 18. Januar 2010 am linken Knie operiert und es wurde eine Anpassung sei ner kniestabilisierenden Orthese vor- genommen. Der Versicherte klagte danach weiterhin über Beschwerden im Knie sowie ab dem Jahr 2011 zunehmend auch über Schmerzen im Bereich der L endenwirbelsäule (LWS) und der Hüfte. Nach mehrfachen psychiatrischen, orthopädischen wie auch neurologischen Untersu- chungen erklärte die Suva mit Verfügung vom 20. November 2012 den gemeldeten Rückfall als abgeschlossen und stellte die Heilkosten- und Taggeldlei stungen ein. Für den notwendigen Schmerzmittelbedarf, ein bis zwei Physiotherapie-Serien pro Jahr sowie die monatliche Rente werde sie jedoch im bisherigen Rahmen Leistungen erbri ngen. Aus somatischer Sicht hätten keine wesentlichen Änderungen der Unfallfolgen am link en Knie bestätigt werden können und der Versicherte sei somit weiterhin im Rahmen der mit der Verfügung vom 8. März 1996 zuge- sprochenen Invalidenrente von 25 % als erwerbsfähig zu bet rachten. Des Weiteren verneinte sie die Unfallkausalität der Hüft- und LWS-Beschwerden. Mit Entscheid vom 13. Mai 2013 lehn- te die Suva die dagegen erhobene Einsprache ab. Gegen den ablehnenden Einspracheent- scheid erhob A.____ Beschwerde beim Kantonsgericht. Das K antonsgericht wies die Be- schwerde mit Urteil vom 10. April 2014 ab. Auch dieses Urteil wurde rechtskräftig. Anlässlich eines weiteren Unfallereignisses am 3. Januar 2 015 entschied die Suva mit Verfü- gung vom 6. September 2017, dass die heutigen medizinisc hen Verhältnisse mit jenen anläss- lich der Rentenzusprechung im Jahre 1996 vergleichbar se ien. Insbesondere hinsichtlich der zumutbaren Leistungsfähigkeit bestehe im Vergleich zum Z eitpunkt der Rentenzusprechung keine wesentliche Veränderung. Aufgrund dessen seien d ie Voraussetzungen für eine Erhö- hung der bestehenden Invalidenrente von 25 % nicht gege ben. Aufgrund der kreisärztlichen Beurteilung habe er aber Anspruch auf eine Integritä tsentschädigung basierend auf einer zu- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sätzlichen Integritätseinbusse von 10 %. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 14. August 2018 ab. A.2 Mit Gesuch vom 3. September 1993 meldete sich der Ve rsicherte auch bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistunge n an. Mit Verfügungen vom 7. März 1997 und vom 13. August 2003 lehnte die zuständige IV-Stelle einen Rentenanspruch mangels rentenbegründendem Invaliditätsgrad ab. Auch m it Verfügung vom 18. November 2015 verneinte die IV-Stelle nach Abklärung der medi zinischen Verhältnisse und nach Durch- führung des Vorbescheidverfahrens den Anspruch auf ein e Invalidenrente bei einem Invalidi- tätsgrad von 15 %. Die IV-Stelle ging gestützt auf ein von ihr in Auftrag gegebenes bidisziplinä- res rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten vom Februar 2013 davon aus, dass dem Versi- cherten die Ausübung einer angepassten Tätigkeit im Umf ang von 100 % zumutbar sei. Eine dagegen von A.____ beim Kantonsgericht erhobene Beschwe rde wies dieses mit Urteil vom 16. Juni 2016 ab. Das Urteil erwuchs in Rechtskraft. B. Gegen den Einspracheentscheid der Suva vom 14. August 2018 erhob A.____, vertre- ten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, mit Eingabe vo m 14. September 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte er unter o/e-K ostenfolge die Aufhebung des angefoch- tenen Einspracheentscheids sowie die Rückweisung der Angel egenheit an die Beschwerde- gegnerin, damit diese eine versicherungsexterne medizinisch e Begutachtung anordne, um die Frage der Arbeitsfähigkeit und des Integritätsschadens a bzuklären. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit seinem Rechtsvertre- ter als unentgeltlichem Rechtsbeistand. In der Begründ ung führte er zusammenfassend aus, dass nicht auf die Beurteilung des Kreisarztes abgestellt w erden könne. Heute würden schwer- wiegendere Befunde vorliegen als von zwanzig Jahren. De s Weiteren handle es sich bei den bestehenden Rücken- und Hüftbeschwerden entgegen der A uffassung der Beschwerdegegne- rin um Unfallfolgen aufgrund der Fehlbelastung bzw. F ehlhaltung infolge der Knieverletzung. Weiter sei die Begründung des Kreisarztes, weshalb die Integritätsentschädigung lediglich um 10 % zu erhöhen sei, willkürlich. Stattdessen würden bei der Gelenkinstabilität und der Arthrose zwei unabhängige Befunde vorliegen, die unterschiedli che Beschwerden verursachen würden. Daher gehe es nicht an, diese Beschwerden gegeneinander aufzurechnen. Vielmehr müssten beide Aspekte voll berücksichtigt werden. Der Beschwerdeführer habe Anspruch auf eine Integ- ritätsentschädigung von mindestens 35 %. Damit sei die kr eisärztliche Beurteilung in mehrfa- cher Hinsicht unverwertbar. C. Mit Vernehmlassung vom 8. November 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 19. Dezember 2018 verzichtete der Beschwerdeführer auf die Einrei- chung einer Replik. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die dem Besch werdeführer ab dem 1. De- zember 1995 für die Restfolgen des Unfalles vom 23. Okto ber 1992 gewährte Invalidenrente von 25 % (Verfügung vom 8. März 1996) zu erhöhen ist. Zu dem sind sich die Parteien uneinig über die Höhe des der Integritätsentschädigung zugrunde liegenden Integritätsschadens. 3.1 Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversi cherung (UVG) vom 20. März 1981 werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Wird die versicher- te Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % inval id (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweis e Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versi- cherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invali dität und nach Durchführung allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Erleidet der die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der kör perlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). 3.2 Die Revision einer Invalidenrente der Unfallversicher ung richtet sich nach Art. 17 Abs. 1 ATSG (vgl. Art 1 Abs. 1 UVG). Gemäss dieser Norm wird die Rente dann von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho- ben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüger in oder eines Rentenbezügers erheb- lich ändert. Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteil ung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades ist die letzte rechtskräftige Verfü gung, welche auf einer materiellen Prü- fung des Rentenanspruches beruht (BGE 134 V 131 E. 3 mit Hinweis). 3.3 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass auf de n 1. Januar 2017 die mit dem Bun- desgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten sind. Zu den geänderten Normen gehört auch die Bestimmung von Art. 18 Abs. 1 UVG. Laut Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des UVG vom 25 . September 2015 werden jedoch Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkr afttreten dieser revidierten Bestim- mungen zugetragen haben, und für Berufskrankheiten, di e vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. So verhält es sich a uch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergan gene Rechtsprechung Bezug genom- men wird. 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte ist die rech tsanwendende Behörde regel- mässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärzt innen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. 4.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entsc heidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Bezüglich der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte versicherungsinterner Fachpersonen wird vom Bundesgericht der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Be- fangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Diesen Berichten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten exter- ner Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berück- sichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtig keit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 465 E. 4.7). 4.4 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 121 V 47 E. 2a, 115 V 142 E. 8b, je mit Hinweisen). 4.5 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialv ersicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Streitig und zu prüfen ist in einem ersten Schri tt, ob die Beschwerdegegnerin eine revi- sionsweise Erhöhung der 25 %-igen Invalidenrente zu Re cht ablehnte. Massgebender Ver- gleichszeitpunkt für die Frage, ob per 14. August 2018 eine revisionsbegründende Veränderung hinsichtlich des Gesundheitszustands eingetreten ist, ist de r Einspracheentscheid vom 15. Mai 1996, der die Verfügung vom 8. März 1996 bestätigte. In den darauffolgenden Verfahren haben die medizinischen Abklärungen keine erhebliche dauerhafte Verschlechterung des Gesund- heitszustands und auch keine wesentliche Veränderung des Zumutbarkeitsprofils gezeigt (vgl. Urteile des Kantonsgerichts vom 24. November 2004 und vom 10. April 2014). 5.2 Mit Verfügung vom 8. März 1996 sprach die Beschwerde gegnerin dem Beschwerde- führer für die verbliebene Beeinträchtigung gestützt a uf die Beurteilung von Dr. med. B.____, Spezialarzt FMH für Chirurgie, Suva Unfallmedizin, vom 17. August 1995 eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 25 % zu. Dr. B.____ hielt damals fest, dass allein bezogen auf die somatischen Unfallfolgen mit dem Befun d einer erheblichen lateralen, posterolateralen Instabilität am linken Kniegelenk und diskretem intraartikulärem Erguss dem Versicherten eine rein sitzende, aber auch eine mehrhei tlich sitzende und teils stehende Tätig- keit, inklusive gelegentlichem Gehen in ebenem Gelände und gelegentlichem Begehen von Treppen, aber ohne Transport von Lasten über solche, voll schichtig zumutbar sei. Nicht mehr zumutbar seien eine Tätigkeit im Baugewerbe, Tätigkei ten, die mit Gehen in unebenem Gelän- de, mit einer knieenden oder kauernden Arbeitshaltung verbunden seien, das Besteigen von Leitern und das Heben und Tragen von Lasten über 10 bis 15 kg. In den darauffolgenden Verfahren aufgrund von Rückfällen wurde abschliessend jeweils festge- stellt, dass sich der Gesundheitszustand nicht wesentlich verändert habe. 5.3.1 Anlässlich der vorliegenden Unfallmeldung vom 1 4. Januar 2015 informierte der Be- schwerdeführer die Beschwerdegegnerin über eine erneute Traumatisierung des linken Knies. 5.3.2 Am 3. Mai 2016 fand eine erste kreisärztliche Unte rsuchung durch Dr. med. C.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, statt. An- lässlich der Untersuchung konnte Dr. C.____ eine Gonarthrose im linken Knie, eine Giving-way- Symptomatik sowie ein dringender Verdacht auf ein postt hrombotisches Syndrom am linken Unterschenkel feststellen. Weiterhin zeigten sich struktu rell nicht erklärbare strumpfförmige Sensibilitätsstörungen am linken Unterschenkel sowie ebe nfalls eine neurologisch nicht erklär- bare funktionelle Störung der Motorik am linken Unter schenkel. Dr. C.____ unterstützte in der Folge die Indikation zur Prothesenversorgung. Er hielt aber fest, dass es keine absolute Garan- tie zur Verbesserung der Situation geben könne. 5.3.3 Am 5. April 2017 fand eine zweite Untersuchung durch Dr. C.____ statt. Darin diagnos- tizierte der Kreisarzt eine Läsion des vorderen linken Kr euzbandes und linken medialen Seiten- bandes nach einem Distorsionstrauma des linken Knies am 2 3. Oktober 1992; einen Status nach Arthroskopie und transossärer Refixation des vorder en linken Kreuzbandes am 11. No- vember 1992; einen Status nach diagnostischer Arthroskopi e des linken Knies am 29. Juni Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1993; ein phlebographischer Nachweis eines Status nach Th rombose der Unterschenkelvenen links am 29. März 1994; ein arthroskopisches Gelenk-Débri dement, vordere Kreuzbandplastik und laterale Stabilisation des linken Kniegelenks am 19 . Mai 1994; eine Kniegelenksmobilisati- on links und Fixation einer Oberschenkelhülse in Streckstell ung am 9. Juni 1994 sowie eine Arthroskopie und ein Narbenshaving sowie eine Notch-Plast ik links am 21. Juli 1994. In der Folge seien weitere Eingriffe erfolgt, letztmals am 2 4. April 2015 mit einem vorderen Kreuz- band-Débridement, Entfernung freier Gelenkkörper, Teilmeniskektomie innen und aussen sowie Knorpelglättung und Abrasionschondroplastik am medialen Femurcondylus des linken Knies. Aktuell würden eine Gonarthrose links, eine Giving-way-Sym ptomatik, der dringende Verdacht auf ein postthrombotisches Syndrom am linken Unterschenke l, strukturell nicht erklärbare stumpfförmige Sensibilitätsstörungen am linken Unterschen kel und ebenfalls mit Verletzungs- folgen und neurologisch nicht erklärbare funktionelle S törungen der Motorik am linken Unter- schenkel vorliegen. In der Beurteilung hielt Dr. C.____ fest, dass prinzip iell die gleiche Situation vorliege, wie er sie schon anlässlich der Untersuchung im Mai 2016 dokumentiert habe. Durch eine weitere aktive Behandlung könne der unfallbedingte Zustand nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit er- heblich verbessert werden. Durch die Prothese könnten nicht alle vom Versicherten geklagten und demonstrierten Beschwerden beseitigt werden. Die Situation am oberen Sprunggelenk und die Sensibilitätsstörungen seien mit der Prothese am K niegelenk ebenfalls nicht beeinflussbar. Recht sicher könne er sagen, dass die Instabilität mit ei ner gekoppelten Prothese beseitigt wer- den könne, hinsichtlich der Beschwerden könne aber keine Garantie gegeben werden. Er selbst würde sich für eine Implantation einer Prothese entschei den. Seit der Berentung im Jahr 1995 habe sich die medizinische Situation verändert, sie sei schlechter geworden. Die fassbare In- stabilität habe sich zwar kaum verändert, aber die Gonart hrose sei fortgeschritten, klinisch und auch objektiviert durch die Bildgebung. Er sei der Auff assung, dass dem Versicherten noch leichte Tätigkeiten bei einer selbstbestimmt wechselbela stenden Arbeit, überwiegend sitzend mit gelegentlichem Aufstehen und kurzen Gehstrecken, zumutb ar sei. Klettern auf Gerüsten und Leitern, Arbeiten in unebenem Gelände und Arbei ten in der Hocke und im Knien seien ihm nicht zumutbar, Treppensteigen nur kurzzeitig und gelegen tlich. Bei Einhaltung dieses Tätig- keitsprofils spreche nichts gegen eine ganztägige Arbeit. Es sei möglich, aber nicht sicher, dass nach Implantation der Kniegelenkstotalendoprothese di e Zumutbarkeit besser sein werde. Dies müsse dann geprüft werden. Von einer weiteren Behandl ung sei keine namhafte Verbesserung zu erwarten. Sollte sich der Versicherte für eine Prot hese entscheiden, so sei dies jederzeit möglich im Sinne eines Rückfalles. 5.3.4 Nachdem der Beschwerdeführer gegen die Verfügung vom 6. September 2017 Ein- sprache erhoben und eine Verschlechterung geltend gemacht hatte, unterbreitete die Be- schwerdegegnerin Dr. C.____ erneut das Dossier. Dieser hi elt mit ausführlicher Akten- Beurteilung vom 10. August 2018 fest, dass das Unfaller eignis vom 3. Januar 2015 nicht zu zusätzlichen strukturellen Läsionen am linken Knie geführt habe, welche objektivierbar seien. Es könne davon ausgegangen werden, dass allerspätestens sec hs Monate nach dem Ereignis eine allfällige „Traumatisierung“ eines vorbestehenden posttraumatischen Zustands nach dem Ereignis von 1992 abgeklungen sei und ausschliesslich Folg en des Ereignisses von 1992 vor- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegen würden. Gestützt darauf erging der vorliegend angefochtene Einspracheentscheid vom 14. August 2018. 5.4.1 Die Beschwerdegegnerin vertritt die Auffassung, d ass auf die Ausführungen ihres Kreisarztes vollumfänglich abgestellt werden könne. Es z eige sich, dass sich die Unfallfolgen zwar verschlechtert hätten, indem sich eine Gonarthrose entwickelt habe. Diese Verschlechte- rung des Gesundheitsschadens führe aber nur dann zu einer Erhöhung der laufenden Rente, wenn sie auch – mit einer gegenüber früher – weiter ve rminderten Arbeitsfähigkeit bzw. einge- schränkterer Zumutbarkeit einherginge. Das sei aber nicht der Fall. Das von Dr. C.____ erstellte Zumutbarkeitsprofil decke sich mit demjenigen von Dr. B. ____ vom 17. August 1995. Damit seien die heutigen medizinischen Verhältnisse mit jenen anlässlich der Rentenzusprechung zu vergleichen. Kreisärztlich sei festgestellt worden, dass im Hinblick auf die massgebenden so- matischen Unfallfolgen am linken Knie weiterhin die Au sübung einer wechselbelastenden, vor- wiegend sitzenden Erwerbstätigkeit ganztags zugemutet w erden könne. Die unfallfremden ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen seien bei der Bemessu ng des Invaliditätsgrads nicht zu be- rücksichtigen. 5.4.2 Der Beschwerdeführer beschränkt sich auf den Hinw eis, dass er heute an viel ausge- prägteren Beschwerden und damit einhergehend schwerwiegenderen Befunde leide. Dies zeige sich durch die Erhöhung des Integritätsschadens. Die Beu rteilung von Dr. C.____ sei deshalb willkürlich. 5.4.3 Dr. C.____ erstattete seine Beurteilungen vom 5 . April 2017 und vom 10. August 2018 nach persönlicher Untersuchung des Beschwerdeführers sowie in Kenntnis aller Vorakten so- wie unter Berücksichtigung der aktuellsten Berichte der b ehandelnden Spezialisten und bildge- benden Untersuchungen (insb. MRT vom 2. Februar 2015). Hinzu kommt, dass er seit mehre- ren Jahren mit dem Fall des Beschwerdeführers vertraut ist. Seine Beurteilung ist darüber hin- aus schlüssig begründet. Er führt nachvollziehbar aus, wesh alb sich bezüglich der Auswirkun- gen des Gesundheitsschadens und der Funktionseinschränkun gen gegenüber 1995 keine we- sentlichen Veränderungen eingestellt haben. Im Umstan d, dass Dr. C.____ eine Zunahme des Integritätsschadens am linken Knie feststellte, ist kein Wi derspruch auszumachen, denn für die Rentenfrage ist die Einschätzung des Zumutbarkeitsprofils entscheidend und nicht der Gesund- heitsschaden an und für sich. Die Erhöhung der Integri tätsentschädigung führt damit nicht au- tomatisch auch zu einer Erhöhung der Invalidenrente. Gewichtige Indizien, die gegen die Zuver- lässigkeit der kreisärztlichen Einschätzung sprechen würden, liegen nicht vor. Die Auffassung des Beschwerdeführers kann demzufolge nicht geteilt we rden. Seine nicht weiter substantiier- ten Vorbringen vermögen keine Zweifel an der Einschätzung von Dr. C.____ zu begründen. 5.4.4 Weiter bestreitet der Beschwerdeführer, dass die R ücken- und Hüftbeschwerden un- fallfremd seien. Diese Beschwerden seien Folge der jahr zehntelangen Fehlbelastung bzw. Fehlhaltung infolge der Knieverletzung. Die Beschwerde gegnerin führt in diesem Zusammen- hang in der Vernehmlassung (Ziff. 35) unter Hinweis au f die ärztlichen Unterlagen zu Recht aus, dass allfällige Rücken- und Hüftbeschwerden unfallfremd seien. Darauf ist an dieser Stelle zu verweisen. Darüber hinaus setzte sich auch das Kantonsg ericht bereits im Urteil vom 10. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht April 2014 mit dieser Frage auseinander (E. 6.1 ff.). In Erwägung 7.2 hielt es nach Würdigung der Berichte fest, dass bezüglich der Rücken- und Hüftbesch werden, soweit diese überhaupt objektiviert werden könnten, keine Unfallkausalität best ehe. An dieser Stelle ist auch darauf zu verweisen. Neue ärztliche Unterlagen, die die Behauptun g des Beschwerdeführers belegen würden, werden keine vorgelegt. Auf eine erneute Auseinandersetzung mit den damaligen ärzt- lichen Berichten ist folglich zu verzichten. 5.5 Ausgehend von der Einschätzung ihres Kreisarztes und dessen Feststellung, dass das Zumutbarkeitsprofil im Wesentlichen gleich geblieben sei, schloss die Beschwerdegegnerin somit zu Recht eine Erhöhung der 25 %-igen Invalidenrente aus. Eine erhebliche Verschlechte- rung des Gesundheitszustands, die zu einer wesentlichen, mehr als 5 % ausmachende Erhö- hung führen würde, ist damit ausgeschlossen. In diesem Punkt ist die Beschwerde abzuweisen. 6.1 Zu prüfen ist weiter, ob eine Integritätsentschäd igung von 35 % zuzusprechen ist. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass die Betrachtungsweise von Dr. C.____ willkürlich sei, da die Gelenkinstabilität und die Arth rose zwei unabhängige Befunde seien und es dadurch zu unterschiedlichen Beschwerden komme. Die Beschw erdegegnerin lehnt eine solche Betrachtungsweise ab. Sie setzte die Integritätse ntschädigung gestützt auf die Schät- zung von Dr. C.____ auf 10 % fest. Im angefochtenen Einspracheentscheid führte sie aus, dass bei Zusammenfallen mehrerer körperlicher, geistiger o der psychischer Integritätsschäden die Entschädigung nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet werde. Dafür seien die Prozentwerte der einzelnen Schädigungen zu addieren; a nschliessend sei eine Gesamtwürdi- gung vorzunehmen und zu beurteilen, ob das Ergebnis im Vergleich mit anderen Integritäts- schäden in Anhang 3 zur UVV gerecht und verhältnismässig s ei. Sie wies weiter darauf hin, dass dem Beschwerdeführer bei einer zukünftigen erheblichen Zustandsverschlimmerung sämt- liche Rechte gewahrt bleiben würden. 6.2.1 Nach Art. 24 UVG hat der Versicherte Anspruch au f eine angemessene Integritätsent- schädigung, wenn er durch den Unfall bzw. die Berufskrank heit (vgl. Art. 9 Abs. 3 UVG) eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder g eistigen Integrität erleidet. Nach Art. 36 der Verordnung über die Unfallversicherung (U VV) vom 20. Dezember 1982 gilt ein In- tegritätsschaden dann als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens min- destens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integri- tät, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfälli g oder stark beeinträchtigt wird. Die Höhe der Integritätsentschädigung wird nach Art. 25 UVG en tsprechend der Schwere des Integritäts- schadens abgestuft; der Bundesrat erhält die Kompetenz zur Regelung der Bemessung der Entschädigung. 6.2.2 In Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlini en für die Bemessung der Integritäts- schäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten , nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b S. 32 mit Hinweisen) häufig vorko mmende und typische Schäden prozen- tual gewichtet. Die Entschädigung für spezielle oder nich t aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Z iff. 1 Abs. 2). Die völlige Gebrauchs- unfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestel lt; bei teilweisem Verlust und bei teilwei- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden ent sprechend geringer, wobei die Ent- schädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsscha den weniger als 5 Prozent des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2). 6.2.3 Die medizinische Abteilung der Beschwerdegegnerin hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tab ellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet (Mitteilungen der Medizinischen Abteilung d er Beschwerdegegnerin). Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für das Gericht nicht verbindlich, umso weniger als Ziff. 1 Abs. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, der in der Skala angegebene Prozentsatz des Höchstbetrage s des versicherten Verdienstes gelte im Regelfall, welcher im Einzelnen Abweichungen nach unten wie nach oben ermögliche. So- weit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit d enen die Gleichstellung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 z ur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c mit Hinweisen; RKUV 1989 Nr. U 76 S. 306, U 47/88 E. 4a, nicht publiziert in BGE 115 V 147). 6.2.4 Verwaltung und Gericht sind für die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen auf ärztliche Sachverständige angewiesen. Die Beurteilung des Integritätsschadens basiert auf dem medizinischen Befund. In einem ersten Schritt fällt es d em Arzt oder der Ärztin zu, sich unter Einbezug der in Anhang 3 der UVV und gegebenenfalls in den Tabellen der Beschwerdegegne- rin aufgeführten Integritätsschäden dazu zu äussern ob und inwieweit ein Schaden vorliegt, welcher dem Typus von Verordnung, Anhang oder Weisung e ntspricht. Verwaltung und Gericht obliegt es danach, gestützt auf die ärztliche Befunderhe bung die rechtliche Beurteilung vorzu- nehmen, ob ein Integritätsschaden gegeben ist, ob die E rheblichkeitsschwelle erreicht ist und, bejahendenfalls, welches Ausmass die erhebliche Schädigung angenommen hat. Dass sie sich hiefür an die medizinischen Angaben zu halten haben, än dert nichts daran, dass die Beurtei- lung des Integritätsschadens als Grundlage des gesetzlich en Leistungsanspruchs letztlich Sa- che der Verwaltung, im Streitfall des Gerichts, und nich t der medizinischen Fachperson ist. Ge- langt der Rechtsanwender im Rahmen der freien Beweisw ürdigung zur Auffassung, es lägen keine schlüssigen medizinischen Angaben zum Vorliegen eines Integritätsschadens vor, be- dingt dies regelmässig Aktenergänzungen in medizinischer Hinsicht (vgl. SVR 2009 UV Nr. 27 S. 97, Urteile des Bundesgerichts vom 4. Februar 2009, 8C_459/2008, E. 2.3 und vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2; zum Zusammenwirken ärztlicher Einschätzung und juristischer Wertung bei der Bemessung der Integritätseinbusse vgl. auch T HOMAS FREI , Die Integritätsentschädi- gung nach Art. 24 und 25 des Bundesgesetzes über die Unf allversicherung, Diss. Freiburg 1997, S. 68 ff.). 6.3.1 Dr. B.____ hielt anlässlich seiner Beurteilung v om 17. August 1995 in Bezug auf den Integritätsschaden folgendes fest: Bei einer erheblichen lateralen, postero-lateralen Instabilität als einer Komplexinstabilität mit Varusüberlastung, schä tze er den Integritätsschaden auf 15 % gemäss Tabelle 6, also etwas weniger hoch als den Integ ritätsschaden bei einer mit gutem Er- folg implantierten Knie-Totalprothese, die gemäss Ta belle 5 zu einer Integritätsentschädigung von 20 % berechtige. Möglicherweise sei ein solcher Eingriff in Zukunft einmal notwendig. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht In der Folge sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwer deführer mit Verfügung vom 8. März 1996 eine Integritätsentschädigung von 15 % zu. 6.3.2 Im vorliegenden Verfahren hielt Dr. C.____ auf grund seiner Abschlussuntersuchung mit Beurteilung vom 5. April 2017 in Bezug auf den Integritätsschaden fest, dass sich der Versi- cherte beim Unfall im Jahre 1992 mehrere Kniebinnenve rletzungen zugezogen habe. In der Folge habe eine multidirektionale Instabilität result iert. Aufgrund dessen sei bereits in der Ver- gangenheit eine 15 %-ige Integritätsentschädigung ausg erichtet worden. Mittlerweile komme zur multidirektionalen Instabilität noch eine Gonarthro se mässiger Ausprägung im mittleren Be- reich hinzu. Die multidirektionale Instabilität stufe e r als schwer im unteren Bereich ein. In der Begründung führte er aus, dass für eine multidirektiona le Instabilität nach dieser Einordnung eine Integritätsentschädigung von 20 % geschuldet sei, f ür eine Gonarthrose mässiger Ausprä- gung im mittleren Bereich etwa 15 %. Dies sei ein Inte gritätsschaden von insgesamt 35 %. Da es sich jedoch um das gleiche Kniegelenk handle, sei die Einbusse der Integrität nicht so hoch, er schätze sie insgesamt auf 25 %. 15 % seien bereits ausge richtet worden, daher sei noch eine Integritätsentschädigung von 10 % geschuldet. 6.4 Nach Tabelle 6, welche den „Integritätsschaden bei G elenkinstabilitäten“ auflistet, ent- spricht eine schwere Komplexinstabilität einem Wert von 20 -30 %. Tabelle 5 listet den „Integri- tätsschaden bei Arthrosen“ auf und sieht dabei für die Pangonarthrose einen Integritätsschaden von 10-30 % für eine mässige Arthrose vor. Gemäss den Erl äuterungen der Tabelle 5 und der Tabelle 6 ist in Fällen, in denen neben der Arthrose noch eine Instabilität des betroffenen Ge- lenks nachgewiesen wird, derjenige Zustand für die Int egritätsentschädigung massgebend, der die höhere Schädigung aufweist; in der Regel erfolgt keine Kumulation (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2013, 8C_826/2012, E. 3.1). Beeinträchtigungen, die nicht vonei- nander unabhängig sind, werden somit nicht addiert. Li egen stattdessen klar unterscheidbare und sich gegenseitig nicht beeinflussende Integritätsschäd en vor, so sind diese gemäss bun- desgerichtlicher Praxis grundsätzlich zu addieren (vgl. Ur teil des Bundesgerichts vom 9. De- zember 2010, 8C_794/2010, E. 3.3). 6.5 Vorliegend betreffen die Gonarthrose und die Ins tabilität das gleiche Gelenk und las- sen sich in ihren Auswirkungen nicht gänzlich voneinander trennen. Soweit der Beschwerdefüh- rer rügt, es handle sich um zwei unabhängige Befunde, kann ihm nicht gefolgt werden. Gestützt auf die vorstehende Erwägung ist folglich derjenige Zust and für die Integritätsentschädigung massgebend, der die höhere Schädigung aufweist. Es erfolgt keine Kumulation. Gemäss Tabel- le 6 ist bei einer schweren Komplexinstabilität von eine m Wert von 20-30 % auszugehen. Dr. C.____ legte den Integritätsschaden auf insgesamt 2 5 % fest und zog von diesem Schätz- wert die dem Beschwerdeführer bereits früher ausgericht ete Integritätsentschädigung im Um- fang von 15 % ab. Vor diesem Hintergrund ist bei einem auf 25 % bemessenen Integritätsscha- den keine rechtsfehlerhafte Handhabung des Ermessens ersichtlich. 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegneri n zu Recht eine Erhöhung der 25 %-igen Invalidenrente ablehnte und dem Beschwe rdeführer korrekterweise eine zusätz- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht liche Integritätsentschädigung basierend auf einer um 1 0 % erhöhten Integritätseinbusse zu- sprach. Demzufolge ist die vorliegende Beschwerde abzuweisen. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.2 Dem Prozessausgang entsprechend wird dem Beschwerdefü hrer keine Parteientschä- digung zugesprochen. 8.3 Abschliessend bleibt über den Antrag des Beschwerdefü hrers zu befinden, es sei ihm die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertr eter zu bewilligen. Gemäss Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG wird der Beschwerde führenden Person, wo die Verhältnisse es rechtfertigen, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Praxisgemäs s ist die unentgeltliche Verbeistän- dung im kantonalen Beschwerdeverfahren zu gewähren, wenn der Prozess nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, die Partei bedürftig und die anw altliche Verbeiständung notwendig oder doch geboten ist (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015 , Art. 61 Rz. 176 ff. mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Dies e Voraussetzungen sind vorliegend zu bejahen. Die prozessuale Bedürftigkeit des Beschwerdefü hrers ist gestützt auf die von ihm ein- gereichten Unterlagen zu bejahen. Zudem kann die Beschw erde nicht als offensichtlich aus- sichtslos bezeichnet werden und die anwaltliche Vertretun g war geboten. Das Gesuch des Be- schwerdeführers um unentgeltliche Verbeiständung im vorstehenden Verfahren ist demnach zu bewilligen. 8.4 Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwält innen und Anwälte vom 17. Novem- ber 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verb eiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honora rnote vom 15. März 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 6,25 Stu nden geltend gemacht. Dieser Aufwand erweist sich angesichts der sich stellenden Rechtsfragen a ls angemessen. Nicht zu beanstan- den sind auch die geltend gemachten Auslagen im Betrag von Fr. 69.50. Dem Rechtsvertreter ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘421.10 (6 ,25 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Ausla- gen von Fr. 69.50 + 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.5 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 au fmerksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dem Beschwerdeführer wird die unentgeltliche Verb eiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt. 5. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeistä ndung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘421.10 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht