Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. September 2021 (720 21 66 / 265) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Einstellung der zugesprochenen beruflichen Massnahme wegen Verletzung der Scha- denminderungspflicht Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen betr. B.____ A. Am 15. August 2019 meldete A.____ mit dem Formul ar "Anmeldung für Minderjährige: Medizinische Massnahmen, Berufliche Massnahmen und Hilfsmittel" ihren Sohn B.____ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an, wobei sie um Gewährung von Massnahmen für die berufliche Eingliederung ersucht e. Gestützt auf ihre Abklärungen ge- währte die IV-Stelle dem Versicherten mit Mitteilung en vom 27. Juli 2020 und 3. November 2020 für die Perioden vom 1. August 2020 bis 31. Okto ber 2020 bzw. vom 1. November 2020 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis 31. Januar 2021 Kostengutsprachen für einen Berufsor ientierungskurs in der Institution C.____. Mit einer an A.____ gerichteten Verfügung vom 20. Januar 2021 lehnte die IV-Stelle einen (wei- teren) Anspruch von B.____ auf berufliche Massnahmen ab. Zur Begründung führte sie aus, der Verlauf des Berufsorientierungskurses und der Umstand, dass der Versicherte die ihm im Zu- sammenhang mit diesem Kurs auferlegten Massnahmen zur S chadenminderung nicht erfüllt habe, würden deutlich machen, dass B.____ im Moment n och nicht in der Lage sei, eine erst- malige berufliche Ausbildung mit IV-Unterstützung erfo lgreich zu absolvieren. Ein neues Ge- such könne unter den Bedingungen gestellt werden, dass eine regelmässige psychiatrische- psychotherapeutische Behandlung unter leitliniengerichte ter Medikation nach Vorgabe eines Facharztes erfolge und eine mindestens dreimonatige Cann abisabstinenz mittels entsprechen- der Laborkontrollen nachgewiesen werde. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 17. Februa r 2021 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die IV -Stelle anzuweisen, eine Kostengut- sprache für eine berufliche Massnahme zu Gunsten ihres min derjährigen Sohnes B.____ in Zusammenarbeit mit der Klinik D.____ und der Kesb E._ ___ zu gewähren. Zudem seien ihr die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren. C. Mit Verfügung vom 18. März 2021 bewilligte das Kant onsgericht der Beschwerdeführe- rin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für d as vorliegende Beschwerdeverfahren die un- entgeltliche Prozessführung. D. In ihrer Vernehmlassung vom 30. März 2021 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde vom 17. Februar 2021 ist demnach einzutreten. 2.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versi cherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a), und soweit die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Laut Art. 8 Abs. 1 bis IVG besteht der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen unabhängig von der Ausübung ei ner Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität (Satz 1). Bei der Festlegung der Massn ahmen ist die gesamte noch zu erwarten- de Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Satz 2). 2.2 Die in Aussicht genommene Massnahme hat neben den in Art. 8 Abs. 1 IVG ausdrück- lich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und No twendigkeit auch demjenigen der An- gemessenheit (Verhältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des Verhältnis- mässigkeitsgrundsatzes zu genügen. Danach muss sie unter Berü cksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungsziel stehen. Hinsichtlich d er Angemessenheit lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zei tliche, die finanzielle und die persönli- che Angemessenheit. Danach muss die Massnahme prognostisch e in bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit aufweisen; sodann muss gewährleis tet sein, dass der angestrebte Eingliederungserfolg voraussichtlich von einer gewissen Da uer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten Eingliede- rungsmassnahme stehen; schliesslich muss die Massnahme dem Bet roffenen auch zumutbar sein (BGE 142 V 523 E. 2.3 mit zahlreichen Hinweisen). 2.3 Zu den Eingliederungsmassnahmen gehören nach Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG die Mass- nahmen beruflicher Art, wozu insbesondere auch die e rstmalige berufliche Ausbildung zählt. Dazu ist in Art. 16 Abs. 1 IVG vorgesehen, dass Versichert e, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen be ruflichen Ausbildung in wesentlichem Um- fang zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz di eser Kosten haben, sofern die Aus- bildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspri cht (Abs. 1). Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz vom 13. Dezember 2002 sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, u nter anderem die berufliche Vor- bereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte (Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 3.1 Die Parteien sind sich dahingehend einig, dass der Versicherte wegen der bestehen- den gesundheitlichen Einschränkungen grundsätzlich Anspr uch auf Massnahmen zur berufli- chen Eingliederung hat. Im Vordergrund stehen dabei e ine seine Fähigkeiten entsprechende erstmalige berufliche Ausbildung und die dafür erford erlichen Vorbereitungsmassnahmen. Im Rahmen dieses Anspruchs gewährte die IV-Stelle dem Versicherten denn auch mit Mitteilungen vom 27. Juli 2020 und 3. November 2020 für die Period en vom 1. August 2020 bis 31. Oktober 2020 und vom 1. November 2020 bis 31. Januar 2021 K ostengutsprachen für einen Berufsori- entierungskurs in der Institution C.____. 3.2 Strittig und zu prüfen ist hingegen, ob die IV-St elle zu Recht diesen Berufsorientie- rungskurs wegen Nichteinhaltung der am 15. Juli 2020 u nd 28. Oktober 2020 angeordneten Auflagen abgebrochen und in der angefochtenen Verfügung vom 20. Januar 2021 einen (weite- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren) Anspruch des Versicherten auf berufliche Massnahmen abgelehnt bzw. deren erneute Prü- fung und Gewährung unter die beiden Bedingungen der Aufnahme einer regelmässigen psychi- atrischen-psychotherapeutischen Behandlung unter leitlini engerichteter Medikation nach Vor- gabe eines Facharztes und des Nachweises einer mindestens d reimonatigen Cannabisabsti- nenz mittels entsprechender Laborkontrollen gestellt hat. 4.1 Nach Art. 7 Abs. 1 IVG muss die versicherte Person al les ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art . 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] v om 6. Oktober 2000) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern (sog. Schadenminderungspflicht). Nach Abs. 2 der genannten Bestimmung muss die versicherte Person an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgeste llten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen. 4.2 Im Rahmen der soeben umschriebenen Schadenminderu ngspflicht ist die versicherte Person unter anderem gehalten, sich im Sinne der Selbst eingliederung einer zumutbaren medi- zinischen Behandlung zu unterziehen, wenn die Möglichkeit dazu besteht (vgl. Art. 7 Abs. 2 lit. d IVG). Grundsätzlich sind die Anforderungen an d ie Schadenminderungspflicht dort stren- ger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversi cherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Renten leistungen auslöst. Nach der Rechtsprechung ist die fortgesetzte Krankheitsbehandlung , die insbesondere auch die dauern- de Einnahme ärztlich verschriebener Medikamente umfasst, in aller Regel eine jederzeit zumut- bare Form allgemeiner Schadenminderung (Urteil des Bu ndesgerichts vom 22. Mai 2019, 8C_741/2018, E. 4.1 mit Hinweisen). Die aus fachärztlicher Sicht indi zierten und zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten hat die versicherte Person in koopera- tiver Weise optimal und nachhaltig auszuschöpfen. Welche konkreten Behandlungsmöglichkei- ten indiziert und zumutbar sind, bestimmt der Facharzt oder die Fachärztin (Urteil des Bundes- gerichts vom 22. Mai 2019, 8C_741/2018, E. 4.2 mit Hinweisen). 4.3 Gemäss Art. 7b Abs. 1 IVG können Leistungen nach A rt. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person unter an derem den Pflichten nach Art. 7 IVG nicht nachgekommen ist. Die Teilnahme an zumutbaren medizinischen Behandlungen im Sinne von Art. 7 Abs. 2 lit. d IVG stellt eine solche mitte ls Sanktionen durchsetzbare Pflicht dar. Als zumutbar gilt gemäss Art. 7a IVG jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Per- son dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesund heitszustand nicht angemessen sind. Die in Art. 7b Abs. 1 IVG angesprochene Bestimm ung von Art. 21 Abs. 4 ATSG sieht die vorübergehende oder dauernde Kürzung oder Verweigeru ng von Leistungen vor, wenn sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behandlung od er Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, entzieht oder widersetzt, oder wenn sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu beiträgt (Satz 1). Sie muss vorher schriftlich gemah nt und auf die Rechtsfolgen hingewie- sen werden und es ist ihr eine angemessene Bedenkzeit ein zuräumen (Art. 21 Abs. 4 Satz 2 ATSG). Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweiger ung von Leistungen sind sodann alle Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (Art. 7b Abs. 3 IVG). Zudem ist bei der Festlegung der Sanktion dem Verhältnismässigkeitsprinzip Beachtung zu schenken (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 21 N 157). 4.4 Die vorübergehende oder dauernde Kürzung oder Ve rweigerung der Leistung wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht setzt nicht nur die Zumutbarkeit der (unterbliebenen) medizinischen Behandlung oder erwerblichen Eingliederu ng voraus. Die Vorkehr, der sich die versicherte Person widersetzt oder entzogen hat, muss darüber hinaus auch geeignet sein, eine wesentliche Steigerung der Erwerbsfähigkeit zu bewirken . Hierfür bedarf es keines strikten Be- weises, sondern es genügt eine - je nach den Umständen z u konkretisierende - gewisse Wahr- scheinlichkeit, dass die Vorkehr erfolgreich gewesen wäre. Zu ergänzen bleibt, dass die Sankti- on nach Art. 21 Abs. 4 ATSG nur so lange greifen kann, als zwischen Verhaltensweise und Schaden ein Kausalzusammenhang besteht. Entschliesst sich die versicherte Person, die bis- herige Verweigerung aufzugeben, fällt für die Zukun ft der Kausalzusammenhang grundsätzlich dahin. Deshalb ist ab diesem Zeitpunkt und mit Wirkun g für die Zukunft zu prüfen, ob auf die bisherige Kürzung bzw. Verweigerung der Leistung zurückzuk ommen ist (U ELI KIESER , a.a.O., Art. 21 N 164). 5.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass dem Versicherten am 27. Juli 2020 für den Zeitraum vom 1. August 2020 bis 31. Oktober 2020 die Kostengutsp rache für einen Berufsorientierungs- kurs in der Institution C.____ erteilt wurde. Da der K onsum von Cannabis und die depressiven Schwierigkeiten des Versicherten schon damals ein Thema wa ren, hatte die IV-Stelle bereits am 15. Juli 2020 eine Auflage zur Schadenminderung au sgesprochen. Darin wurde der Versi- cherte aufgefordert, eine regelmässige psychiatrische-psychoth erapeutische Behandlung unter leitliniengerichteter Medikation nach Vorgabe eines F acharztes aufzunehmen und monatlich einen Cannabisabstinenznachweis vorzulegen. Mit der ang eordneten Therapieauflage war der Versicherte nicht einverstanden. Es wurde deshalb am 10. September 2020 im Rahmen einer Zielvereinbarung zwischen dem Versicherten, der IV-Stell e und der zuständigen Betreuerin der Institution C.____ festgehalten, dass auf die Aufnahme einer psychotherapeutischen Behand- lung verzichtet werden könne, sofern der Cannabis-Kon sum nachweislich reduziert werde. In der Folge attestierte die zuständige Betreuerin der Institution C.____ dem Versicherten grund- sätzlich eine positive Entwicklung. Diese war jedoch nicht vo n langer Dauer. Dem Bericht der Institution C.____ vom 26. Oktober 2020 ist vielmehr zu entnehmen, dass der Versicherte die vereinbarten Ziele allesamt nicht erreichen konnte. Insbesondere habe auch sein Cannabiskon- sum wieder zugenommen. Gründe für das Nichterreichen der Ziele seien der Cannabiskonsum und das Fehlen einer psychotherapeutischen Behandlung. Laut der zuständigen Betreuerin sei das Verhalten des Versicherten während der Phase des red uzierten Cannabiskonsums auffal- lend besser gewesen. Die Fachleute der Institution C._ ___ boten dem Versicherten daher an, unter gleichzeitiger Aufnahme einer psychotherapeutischen Behandlung ein "Timeout" auf ei- nem Bauernhof zur Förderung der Cannabisabstinenz zu a bsolvieren. Am 28. Oktober 2020 forderte die IV-Stelle den Versicherten erneut zur Mi twirkung/Schadenminderung auf, konkret verlangte sie von ihm, das von der Institution C.____ a ngebotene "Timeout" zur Erreichung der Cannabisabstinenz wahrzunehmen. Ebenso ordnete sie an, dass der Versicherte monatlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abstinenznachweise vorzulegen und umgehend eine psychiatrisch e-psychotherapeutische Be- handlung aufzunehmen habe. Mit Mitteilung vom 3. Novem ber 2020 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten für den Zeitraum vom 1. November 2020 bis 3 1. Januar 2021 die Kostengutspra- che für einen Berufsorientierungskurs mit betreutem Wohn en. Gleichzeitig unterzeichneten der Versicherte, die IV-Stelle und die zuständige Betreuer in der Institution C.____ eine Zielverein- barung, in welcher sie die dem Versicherten am 28. Oktob er 2020 gemachten Auflagen noch- mals explizit festhielten. Weiter wurde in der Zielvereinbarung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die beruflichen Massnahmen der IV abgebrochen würden , falls der Versicherte die gefor- derte Abstinenz nicht erreichen werde. 5.2 Am 17. Dezember 2020 orientierte die zuständige B etreuerin der Institution C.____ die IV-Stelle, dass sich die Situation mit dem Versicherten seit dessen Rückkehr aus dem "Time- out" massiv verschlechtert habe. Der Cannabiskonsum sei nac hweislich wieder massiv ange- stiegen. Zudem sei der Versicherte diese Woche nicht zu r Arbeit und zum Kurs erscheinen und nicht erreichbar gewesen. Auch habe er den letzten The rapietermin nicht wahrgenommen. Sie erachte eine Fortführung der Massnahme unter diesen Umständen nicht als sinnvoll. Diese Ein- schätzung der Betreuerin bestätigten alle Beteiligten der Institution C.____ im definitiven Bericht vom 8. Januar 2021, worauf die IV-Stelle und die Inst itution C.____ die vorzeitige Beendigung der Massnahme per 31. Dezember 2020 vereinbarten. Gestützt auf den von ihrer Berufsberate- rin verfassten "Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahm e" vom 13. Januar 2021 erliess die IV-Stelle in der Folge die vorliegend angefochtene Verfügung vom 20. Januar 2021. 5.3 Der vorstehend wiedergegebene Sachverhalt wird von d er Mutter des Versicherten in ihrer Beschwerde vom 17. Februar 2021 nicht in Frage gestellt. 6.1 Hält man sich den geschilderten Ablauf vor Augen, so ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 20 . Januar 2021 einen Anspruch des Versi- cherten auf berufliche Massnahmen abgelehnt, bzw. eine n eue Anspruchsprüfung unter die Bedingungen gestellt hat, dass eine regelmässige psychia trische-psychotherapeutische Be- handlung unter leitliniengerichteter Medikation nach Vorgabe eines Facharztes erfolge und eine mindestens dreimonatige Cannabisabstinenz mittels entspre chender Laborkontrollen nachge- wiesen werde. 6.2 Wie aufgezeigt, ordnete die IV-Stelle mit Schre iben vom 15. Juli 2020 und 28. Oktober 2020 dem Versicherten gegenüber gestützt auf Art. 7 Ab s. 2 IVG Auflagen zur Schadenminde- rung an. Sie forderte ihn vor dem Hintergrund seine s erheblichen Cannabiskonsums und den damit zusammenhängenden psychischen Problemen auf, eine regelmässige psychiatrische- psychotherapeutische Behandlung unter leitliniengerichte ter Medikation nach Vorgabe eines Facharztes aufzunehmen und monatlich einen Nachweis der Ca nnabisabstinenz vorzulegen. Mit diesen Anordnungen bezweckte die IV-Stelle, die Ei ngliederung des Betroffenen ins Er- werbsleben zu ermöglichen und zu erleichtern. Die stri ttigen Auflagen erweisen sich in Anbe- tracht des ausufernden Cannabiskonsums des Versicherten und seines gemäss den Fachleu- ten der Institution C.____ in erheblichem Masse darauf zurückzuführenden Verhaltens (ganztä- gige unentschuldigte Absenzen, Verspätungen, Nichteinhal ten von Therapieterminen, fehlende Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht proaktive Kommunikation) als angemessen und verhältnismässig . Letzteres gilt insbesondere auch in Bezug auf die angeordnete Aufnahme einer reg elmässigen psychiatrischen- psychotherapeutischen Behandlung unter leitliniengericht eter Medikation nach Vorgabe eines Facharztes, ist es dem Versicherten doch - entgegen seinen ursprünglichen Vorsätzen - offen- sichtlich nicht gelungen, die angestrebte Cannabisabstine nz ohne entsprechende therapeuti- sche Begleitung zu erreichen. Im Weiteren ist festzuhalte n, dass die Einhaltung der Auflagen dem Versicherten auch zumutbar gewesen wäre. Wie oben a usgeführt, ist nach der Rechtspre- chung die fortgesetzte Krankheitsbehandlung, die insbeson dere auch die erforderliche Einnah- me ärztlich verschriebener Medikamente umfasst, in aller R egel eine jederzeit zumutbare Form allgemeiner Schadenminderung (vgl. E. 4.2 hiervor und die dortigen Hinweise). Ebenfalls erfüllt ist das Erfordernis der Wirksamkeit der Auflagen. Es darf zweifellos davon ausgegangen wer- den, dass die Anordnungen, denen der Versicherte nicht Folge leistete, zu einer erfolgreichen Eingliederung ins Erwerbsleben beigetragen bzw. die Ch ancen hierfür gesteigert hätten. Diese Einschätzung wird durch die Feststellungen der zuständige n Betreuerin der Institution C.____ bestätigt. Diese weist darauf hin, dass einerseits das Verh alten des Versicherten während der Phase des reduzierten Cannabiskonsums auffallend besser ge wesen sei, andererseits sei es gegen Ende der Massnahme wegen des erhöhten Cannabiskon sums wieder zu einer Ver- schlechterung der Situation gekommen. Somit ist auch der Kausalzusammenhang zwischen dem Nichtbefolgen der schadenmindernden Auflagen und dem Nichterreichen der angestrebten Eingliederungsziele gegeben. 6.3 Die IV-Stelle hat auch das für eine Leistungsein stellung bzw. Leistungsaufhebung vor- geschriebene Mahn- und Bedenkzeitverfahren (vgl. E. 4.3 hiervor) eingehalten. Sie hat den Be- schwerdeführer mehrfach auf seine Mitwirkungspflicht hin gewiesen, so erstmals im Schreiben vom 15. Juli 2020. Zudem hat sie die angeordneten Scha denminderungsauflagen im Schreiben vom 28.Oktober 2020 und in den gemeinsam mit dem Versic herten und der zuständigen Be- treuerin der Institution C.____ vereinbarten Zielvor gaben wiederholt. Im Weiteren hat die IV- Stelle dem Versicherten im Schreiben vom 28. Oktober 20 21 angedroht, die Leistungen bei einer weiteren Verweigerung der Mitwirkung einzustellen. Gleichzeitig hat sie ihm die erforderli- che Bedenkzeit eingeräumt. Der Versicherte hatte damit Gelegenheit und Zeit, um sich über die Konsequenzen seines Verhaltens Rechenschaft abzulegen. Vor diesem Hintergrund wurde dem Sinn und Zweck des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens klar Genüge getan. Dies gilt umso mehr, als es sich bei den eingestellten Eingliederungsm assnahmen nicht um einen erheblichen Eingriff in die Rechtsposition des Versicherten handelt, denn die IV-Stelle lehnt einen weiteren Anspruch auf berufliche Massnahmen bekanntlich nicht gr undsätzlich und definitiv ab, sondern sie stellt eine neue Anspruchsprüfung einzig unter die B edingungen, dass eine regelmässige psychiatrische-psychotherapeutische Behandlung unter leitlin iengerichteter Medikation nach Vorgabe eines Facharztes erfolge und eine mindestens dre imonatige Cannabisabstinenz mit- tels entsprechender Laborkontrollen nachgewiesen werde. 6.4 Was die Mutter des Versicherten in ihrer Beschwerd e vorbringt, ändert nichts am Er- gebnis, dass die IV-Stelle berechtigt war, die laufend e berufliche Massnahme zu beenden und die erneute Prüfung eines (weiteren) Anspruchs unter die vorstehend genannten Auflagen zu stellen. Sie macht im Wesentlichen geltend, dass sie als Mutter ihrer Mitwirkungspflicht stets Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nachgekommen sei und die notwendigen Schritte unterno mmen habe, um ihrem Sohn eine Ausbildung respektive vorab die Absolvierung der beruf lichen Massnahme in der Institution C.____ zu ermöglichen. Diesem Einwand hält die IV-Stel le in ihrer Vernehmlassung vom 30. März 2021 zu Recht entgegen, dass im vorliegenden Verfahren in keiner Weise das Verhal- ten der Mutter, sondern selbstverständlich nur dasjenige des Versicherten zur Diskussion steht. Es bedarf keiner weiteren Erörterungen, dass sich die Schadenminderungsauflagen der IV- Stelle einzig an den Versicherten richteten und ausschlie sslich von ihm bestimmte Verhaltens- weisen verlangt wurden. Der genannte Einwand der Besch werdeführerin erweist sich deshalb als unbegründet. 6.5 Abschliessend bleibt zu ergänzen, dass die Sanktion na ch Art. 21 Abs. 4 ATSG nur so lange greifen kann, als zwischen Verhaltensweise und Scha den ein Kausalzusammenhang be- steht. In diesem Sinne hat die IV-Stelle in der angef ochtenen Verfügung zu Recht festgehalten, dass sie ein neues Gesuch um Gewährung von beruflichen Massn ahmen prüfen werde, sofern der Versicherte seine Verhaltensweise ändert und eine re gelmässige psychiatrische- psychotherapeutische Behandlung unter leitliniengerichte ter Medikation nach Vorgabe eines Facharztes aufnimmt und den Nachweis einer mindestens dr eimonatigen Cannabisabstinenz mittels entsprechender Laborkontrollen erbringt. 6.6 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 20. Januar 2021 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Beschwerde ist als unbegründet abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen si nd. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 18. März 2021 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorl äufig auf die Gerichtskasse genom- men. 7.2 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. http://www.bl.ch/kantonsgericht