<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 115 S.415</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verfahren</span> <span class="page_no">415</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>115 Lohnverfügung. Formelle Rechtsverweigerung.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Abgrenzung zwischen öffentlichrechtlichem und privatrechtlichem</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Anstellungsverhältnis (Erw. I/2).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Abgrenzung zwischen Klage- und Beschwerdematerie (Erw. I/3).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Formelle Rechtsverweigerung bejaht, da der Gemeinderat durch</b></span><br/> <span class="ft1"><b>seinen Rechtsvertreter mitteilen liess, er sehe trotz Aufforderung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>zum Erlass einer neuen Lohnverfügung keinen Handlungsbedarf</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. II/2 und 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 8. Juli 2004 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">Z. gegen Einwohnergemeinde X. (BE.2004.50004).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">I. 2. Umstritten ist zunächst die Frage, ob das Anstellungsver-</span><br/> <span class="ft6">hältnis zwischen der Beschwerdeführerin und der Einwohnerge-</span><br/> <span class="ft6">meinde X. öffentlichrechtlicher oder privatrechtlicher Natur ist. Nur</span><br/> <span class="ft6">im ersten Fall ist die Zuständigkeit des Personalrekursgerichts gege-</span><br/> <span class="ft6">ben (vgl. lit. d hienach).</span><br/> <span class="ft6">a) Gemäss Personalreglement der Gemeinde X. vom</span><br/> <span class="ft6">26. November 2001 (Personalreglement), gültig ab 1. Januar 2002,</span><br/> <span class="ft6">ist das Arbeitsverhältnis zwischen der Gemeinde und ihren Ange-</span><br/> <span class="ft6">stellten grundsätzlich öffentlichrechtlicher Natur (Art. 2 Abs. 1). In</span><br/> <span class="ft6">einem privatrechtlichen Anstellungsverhältnis stehen indessen die</span><br/> <span class="ft6">Aushilfen (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 Personalreglement). Dabei handelt es</span><br/> <span class="ft6">sich um Personal, welches auf befristete Dauer oder stundenweise</span><br/> <span class="ft6">angestellt ist, oder um Praktikanten (Art. 1 Abs. 7 Personalregle-</span><br/> <span class="ft6">ment).</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführerin ist weder auf befristete Dauer noch</span><br/> <span class="ft6">stundenweise angestellt (vgl. insbesondere Ziff. 1 Abs. 1 Satz 2</span><br/> <span class="ft6">Pflichtenheft ["Die Besoldung wird ... dem Hauswart monatlich aus-</span><br/> <span class="ft6">gerichtet"] sowie den Gemeinderatsbeschluss Nr.</span> <span class="ft6">596 vom</span><br/> <span class="ft6">10. Dezember 2001, wonach für die Funktion der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft6">rin eine feste "Entschädigung" für ein Jahr festgelegt wurde); ebenso</span><br/> <span class="ft6">wenig als Praktikantin. Eine privatrechtliche Anstellung als Aushilfe</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">fällt somit gemäss Personalreglement ausser Betracht. Entsprechend</span><br/> <span class="ft6">ist von einem öffentlichrechtlichen Anstellungsverhältnis auszuge-</span><br/> <span class="ft6">hen.</span><br/> <span class="ft6">b) Zur Zeit der Anstellung der Beschwerdeführerin im Jahr</span><br/> <span class="ft6">1998 galt noch nicht das Personalreglement, sondern das Dienst- und</span><br/> <span class="ft6">Besoldungsreglement vom 7. Dezember 1987 (DBR). Danach stan-</span><br/> <span class="ft6">den Angestellte (= hauptamtliches, voll- und teilzeitbeschäftigtes</span><br/> <span class="ft6">Gemeindepersonal; Art. 1 Abs. 1 DBR) und nebenamtliches Ge-</span><br/> <span class="ft6">meindepersonal in einem öffentlichrechtlichen Dienstverhältnis</span><br/> <span class="ft6">(Art. 2 Abs. 1 DBR). Privatrechtliche Dienstverhältnisse waren le-</span><br/> <span class="ft6">diglich vorgesehen für Aushilfspersonal, welches im Stundenlohn</span><br/> <span class="ft6">angestellt war (Art. 2 Abs. 3 DBR).</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführerin wurde nicht im Stundenlohn angestellt</span><br/> <span class="ft6">(vgl. lit. a hievor), sondern offensichtlich als nebenamtliches Ge-</span><br/> <span class="ft6">meindepersonal gemäss Art. 1 Abs. 1 lit. a DBR angesehen (vgl. ins-</span><br/> <span class="ft6">besondere Titel des Pflichtenhefts ["Pflichtenheft für den nebenamt-</span><br/> <span class="ft6">lichen Hauswartsdienst im Schloss"] sowie Ziff. 11 des Mietvertra-</span><br/> <span class="ft6">ges vom 25. August 1998 ["Die Miete der Wohnung ist fest mit der</span><br/> <span class="ft6">Ausübung des nebenamtlichen Hauswartsdienstes verbunden"]).</span><br/> <span class="ft6">Dementsprechend war auch nach Massgabe des Dienst- und Besol-</span><br/> <span class="ft6">dungsreglements das umstrittene Anstellungsverhältnis öffent-</span><br/> <span class="ft6">lichrechtlicher Natur.</span><br/> <span class="ft6">c) Aus dem Pflichtenheft, durch dessen Unterzeichnung am</span><br/> <span class="ft6">16. Oktober 1998 die Anstellung begründet wurde, ergibt sich nicht</span><br/> <span class="ft6">der geringste Hinweis auf eine gegenteilige Beurteilung. Vielmehr</span><br/> <span class="ft6">lässt die Formulierung, dass die Hauswartin "auf die Dauer einer</span><br/> <span class="ft6">Amtsperiode vom Gemeinderat gewählt" wird, darauf schliessen,</span><br/> <span class="ft6">dass die Beschwerdeführerin seinerzeit öffentlichrechtlich angestellt</span><br/> <span class="ft6">wurde; bei privatrechtlichen Anstellungsverhältnissen spricht man</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich nicht von einer Wahl und insbesondere werden sie</span><br/> <span class="ft6">nicht auf die Dauer einer Amtsperiode begründet. Auch der Umstand,</span><br/> <span class="ft6">dass im Pflichtenheft die Anwendbarkeit von Disziplinarbestim-</span><br/> <span class="ft6">mungen vorgesehen ist, bildet ein deutliches Indiz für das Vorliegen</span><br/> <span class="ft6">eines öffentlichrechtlichen Anstellungsverhältnisses. Im Zu-</span><br/> <span class="ft6">sammenhang mit den diesbezüglichen Ausführungen der Einwoh-</span><br/> <span class="ft6">nergemeinde X. erscheint wesentlich, dass für nebenamtliches Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verfahren</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">meindepersonal das Dienst- und Besoldungsreglement grundsätzlich</span><br/> <span class="ft6">keine Geltung beanspruchte (Art. 1 Abs. 2 lit. a DBR) und die An-</span><br/> <span class="ft6">wendbarkeit der Disziplinarbestimmungen folglich einen expliziten</span><br/> <span class="ft6">Verweis voraussetzte. Schliesslich ist der Begriff der Kündigung</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Ziff. 1 Abs. 5 Pflichtenheft) nicht auf privatrechtliche Anstel-</span><br/> <span class="ft6">lungsverhältnisse beschränkt, sondern wird insbesondere auch bei</span><br/> <span class="ft6">vertraglich begründeten öffentlichrechtlichen Anstellungsverhältnis-</span><br/> <span class="ft6">sen regelmässig verwendet.</span><br/> <span class="ft6">d) Zusammenfassend ergibt sich, dass in concreto ein öffent-</span><br/> <span class="ft6">lichrechtliches Anstellungsverhältnis vorliegt. Dies ergibt sich so-</span><br/> <span class="ft6">wohl in Anbetracht der massgebenden rechtlichen Grundlagen als</span><br/> <span class="ft6">auch aufgrund des Pflichtenhefts; schlüssige Indizien, welche für</span><br/> <span class="ft6">eine privatrechtliche Anstellung sprechen würden, sind nicht ersicht-</span><br/> <span class="ft6">lich. Der Umstand, dass seitens des Gemeinderates nach Abschluss</span><br/> <span class="ft6">des Pflichtenhefts zum Teil eine andere Meinung vertreten wurde,</span><br/> <span class="ft6">vermag diese Beurteilung nicht in Frage zu stellen. Der Vollständig-</span><br/> <span class="ft6">keit halber sei schliesslich darauf hingewiesen, dass selbst beim Vor-</span><br/> <span class="ft6">liegen eines Zweifelsfalls von einem öffentlichrechtlichen Anstel-</span><br/> <span class="ft6">lungsverhältnis auszugehen wäre (vgl. PRGE vom 19. Mai 2003 i.S.</span><br/> <span class="ft6">J.I., S. 4 f.; VGE IV/52 vom 25. September 2001 i.S. A.B., S. 4 ff.</span><br/> <span class="ft6">mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft6">Gemäss § 48 Abs. 1 PersG gelten bei Streitigkeiten aus einem</span><br/> <span class="ft6">öffentlichrechtlichen Anstellungsverhältnis zwischen Gemeinden,</span><br/> <span class="ft6">Gemeindeverbänden oder anderen öffentlichrechtlichen Körper-</span><br/> <span class="ft6">schaften und ihren Mitarbeitenden die Bestimmungen über das ge-</span><br/> <span class="ft6">richtliche Klage- und Beschwerdeverfahren nach §§ 39 und 40</span><br/> <span class="ft6">PersG; das Schlichtungsverfahren nach § 37 PersG entfällt. Das Per-</span><br/> <span class="ft6">sonalrekursgericht ist somit sachlich zuständig, um über Streitigkei-</span><br/> <span class="ft6">ten aus dem Anstellungsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft6">und der Einwohnergemeinde X. zu urteilen.</span><br/> <span class="ft6">3. Gegen Verfügungen und Entscheide der Gemeinden in Per-</span><br/> <span class="ft6">sonal- und Lohnfragen steht die Beschwerdemöglichkeit offen; ver-</span><br/> <span class="ft6">tragliche Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis zwischen den Ge-</span><br/> <span class="ft6">meinden und ihren Mitarbeitenden sind demgegenüber auf dem Kla-</span><br/> <span class="ft6">geweg zu beurteilen (vgl. §§ 38 - 40 in Verbindung mit § 48 PersG).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">a) Gemäss Art. 4 Abs. 1 Personalreglement wird das Anstel-</span><br/> <span class="ft6">lungsverhältnis zwischen der Einwohnergemeinde X. und ihren An-</span><br/> <span class="ft6">gestellten durch öffentlichrechtlichen Arbeitsvertrag begründet.</span><br/> <span class="ft6">Demgegenüber enthält das Personalreglement keine Aussage dar-</span><br/> <span class="ft6">über, inwieweit über die Begründung des Anstellungsverhältnisses</span><br/> <span class="ft6">hinaus personalrechtliche Belange vertraglich zu regeln sind und in-</span><br/> <span class="ft6">wieweit dies mittels Verfügung erfolgt. Immerhin steht fest, dass</span><br/> <span class="ft6">nicht alle Fragen vertraglich geregelt werden; ansonsten wäre in</span><br/> <span class="ft6">Art. 54 Personalreglement nebst der Klage- nicht auch die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdemöglichkeit erwähnt.</span><br/> <span class="ft6">b) aa) Die Formulierung in Art. 31 Abs. 1 Personalreglement,</span><br/> <span class="ft6">wonach der Gemeinderat die Löhne der Angestellten "festlegt", lässt</span><br/> <span class="ft6">den Schluss zu, dass es sich dabei um eine Verfügungsmaterie han-</span><br/> <span class="ft6">delt. Dasselbe gilt in Bezug auf die Marginale von Art. 36 Personal-</span><br/> <span class="ft6">reglement ("Eröffnung des Lohns"; ein vertraglich vereinbarter Lohn</span><br/> <span class="ft6">bedürfte keiner "Eröffnung"). Im Weiteren ergibt sich aus Art. 56</span><br/> <span class="ft6">Personalreglement in Verbindung mit § 48 PLV, dass zwar personal-</span><br/> <span class="ft6">rechtliche Belange grundsätzlich vertraglich zu regeln sind, insbe-</span><br/> <span class="ft6">sondere in Bezug auf die Festlegung des Lohns und der Lohnzulagen</span><br/> <span class="ft6">indessen eine Verfügung ergeht. Diese kantonale Regelung käme als</span><br/> <span class="ft6">subsidiäre Rahmenordnung selbst ohne ausdrücklichen Verweis im</span><br/> <span class="ft6">Personalreglement zur Anwendung (vgl. § 50 GG). Schliesslich ist</span><br/> <span class="ft6">anhand der Materialien kein Hinweis darauf ersichtlich, dass mit Er-</span><br/> <span class="ft6">lass des Personalreglements im Gegensatz sowohl zum Dienst- und</span><br/> <span class="ft6">Besoldungsreglement als auch zum kantonalen Recht nebst der An-</span><br/> <span class="ft6">stellung künftig auch die Lohnfestlegung nicht mehr mittels Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung, sondern mittels Vertrag erfolgen sollte.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss Art. 36 Personalreglement bildet der Anfangslohn Be-</span><br/> <span class="ft6">standteil des schriftlichen Anstellungsvertrages und wird vom Ange-</span><br/> <span class="ft6">stellten mit der Vertragsunterzeichnung akzeptiert (vgl. auch Art. 32</span><br/> <span class="ft6">Personalreglement). Die Notwendigkeit eines Akzepts steht der obi-</span><br/> <span class="ft6">gen Beurteilung nicht entgegen bzw. bildet kein schlüssiges Indiz für</span><br/> <span class="ft6">eine vertragliche Regelung: Auch die hoheitliche Festlegung des</span><br/> <span class="ft6">Lohns bedarf der Zustimmung des Betroffenen, da sie eine mitwir-</span><br/> <span class="ft6">kungsbedürftige Verfügung darstellt (vgl. zu diesem Begriff Ulrich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verfahren</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Häfelin/Georg Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage,</span><br/> <span class="ft6">Zürich 2002, Rz. 897 ff.).</span><br/> <span class="ft6">bb) Im Beschluss Nr. 596 vom 10. Dezember 2001 legte der</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderat X. u.a. das Entgelt der Beschwerdeführerin in der</span><br/> <span class="ft6">Amtsperiode 2002 - 2005 fest. Der verwendete Begriff "Entschädi-</span><br/> <span class="ft6">gung" (anstatt "Lohn") lässt darauf schliessen, dass der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft6">die Funktion der Beschwerdeführerin als "Nebenamt" im Sinne von</span><br/> <span class="ft6">Art. 1 Abs. 8 Personalreglement auffasst. Es erscheint fraglich, ob</span><br/> <span class="ft6">sich unter diesen Begriff seiner Natur nach nebst magistralen und</span><br/> <span class="ft6">auftragsähnlichen Nebenbeschäftigungen auch Tätigkeiten innerhalb</span><br/> <span class="ft6">der Verwaltungshierarchie subsumieren lassen, zumal mit dem Per-</span><br/> <span class="ft6">sonalreglement gegenüber dem Dienst- und Besoldungsreglement</span><br/> <span class="ft6">(Art. 1 DBR) die Unterscheidung zwischen "hauptamtlichem Ge-</span><br/> <span class="ft6">meindepersonal" und "nebenamtlichem Gemeindepersonal" aufgege-</span><br/> <span class="ft6">ben wurde. Die Frage kann indessen vorliegend offen bleiben, da</span><br/> <span class="ft6">kein Indiz dafür besteht, dass Entschädigungen im Sinne von Art. 1</span><br/> <span class="ft6">Abs. 8 Personalreglement im Gegensatz zum Lohn (vgl. lit. aa hie-</span><br/> <span class="ft6">vor) vertraglich zu regeln wären. Dagegen spricht auch die Formulie-</span><br/> <span class="ft6">rung der genannten Bestimmung ("... werden vom Gemeinderat fest-</span><br/> <span class="ft6">gelegt").</span><br/> <span class="ft6">cc) Soweit die Beschwerdeführerin ihre Forderung gegenüber</span><br/> <span class="ft6">der Einwohnergemeinde X. damit begründete, dass ihr Lohn bzw.</span><br/> <span class="ft6">ihre Entschädigung diskriminierend sei, machte sie sinngemäss gel-</span><br/> <span class="ft6">tend, ihr Entgelt sei rückwirkend neu festzulegen und die Differenz</span><br/> <span class="ft6">sei nachzuzahlen. Die Festlegung des Lohnes bzw. der Entschädi-</span><br/> <span class="ft6">gung erfolgt - wie gesehen (vgl. lit. aa und bb hievor) - mittels Ver-</span><br/> <span class="ft6">fügung. Entsprechende Streitigkeiten sind folglich durch das Perso-</span><br/> <span class="ft6">nalrekursgericht im Beschwerdeverfahren zu beurteilen.</span><br/> <span class="ft6">c) Die Beschwerdeführerin stützt ihre Forderung zusätzlich auf</span><br/> <span class="ft6">angeblich geleistete Überstunden sowie angeblich irrtümlich gelei-</span><br/> <span class="ft6">stete Zahlungen für Stellvertretungen und Hilfskräfte. Gemäss der</span><br/> <span class="ft6">subsidiär anwendbaren kantonalen Regelung handelt es sich dabei</span><br/> <span class="ft6">um Klagematerien, und zwar sowohl nach altem (Michael Merker,</span><br/> <span class="ft6">Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aar-</span><br/> <span class="ft6">gauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Diss. Zürich</span><br/> <span class="ft6">1998, § 60 N 32) als auch nach neuem Recht (keine Verfügungskom-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">petenz der Anstellungsbehörde gemäss § 48 PLV). Der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft6">X. ist nicht zuständig, eine diesbezügliche Verfügung zu erlassen,</span><br/> <span class="ft6">bzw. die Beschwerdeführerin ist nicht auf eine entsprechende Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung angewiesen. Vielmehr kann sie ihre Forderung direkt mittels</span><br/> <span class="ft6">Klage beim Personalrekursgericht geltend machen. Eine Beschwerde</span><br/> <span class="ft6">ist demzufolge in diesem Zusammenhang ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">II. 2. Gemäss dem Diskriminierungsverbot gemäss Art. 3 GlG</span><br/> <span class="ft6">dürfen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufgrund ihres Ge-</span><br/> <span class="ft6">schlechts weder direkt noch indirekt benachteiligt werden (Abs. 1).</span><br/> <span class="ft6">Dieses Verbot gilt u.a. in Bezug auf die Entlöhnung (Abs. 2). Dar-</span><br/> <span class="ft6">unter ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht nur der</span><br/> <span class="ft6">Geldlohn im engeren Sinne zu verstehen, sondern - unabhängig da-</span><br/> <span class="ft6">von, wie es im Einzelnen bezeichnet wird - jedes Entgelt, das für</span><br/> <span class="ft6">geleistete Arbeit ausgerichtet wird (BGE 126 II 217, Erw. 8/a; BGE</span><br/> <span class="ft6">109 Ib 81, Erw. 4/c; Margrith Bigler-Eggenberger, Justitias Waage -</span><br/> <span class="ft6">wagemutige Justitia, Basel 2003, S. 276). Darunter fällt mithin auch</span><br/> <span class="ft6">das der Beschwerdeführerin in ihrer Eigenschaft als Hauswartin ent-</span><br/> <span class="ft6">richtete Entgelt, und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei ge-</span><br/> <span class="ft6">mäss den einschlägigen Bestimmungen des Personalreglements um</span><br/> <span class="ft6">Lohn oder um eine Entschädigung handelt (vgl. Erw. I/3/b hievor).</span><br/> <span class="ft6">Der Gemeinderat X. ist zuständig, in Bezug auf die Aufforde-</span><br/> <span class="ft6">rung betreffend Festlegung des Lohns bzw. der Entschädigung eine</span><br/> <span class="ft6">Verfügung zu erlassen (vgl. Erw. I/3 hievor). Aufgrund der behaup-</span><br/> <span class="ft6">teten Diskriminierung hat die Beschwerdeführerin einen entspre-</span><br/> <span class="ft6">chenden Rechtsanspruch (Art. 5 Abs. 1 GlG).</span><br/> <span class="ft6">3. Mit Schreiben vom 23. Februar 2004 teilte der Rechtsvertre-</span><br/> <span class="ft6">ter der Einwohnergemeinde bzw. des Gemeinderates X. der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführerin mit, nach eingehender Prüfung der Unterlagen so-</span><br/> <span class="ft6">wie der rechtlichen Grundlagen komme er zum Schluss, dass sämtli-</span><br/> <span class="ft6">che geltend gemachten Forderungen jeder Grundlage entbehren wür-</span><br/> <span class="ft6">den und somit kein Handlungsbedarf von Seiten seiner Klientschaft</span><br/> <span class="ft6">bestehe. Damit wurde unmissverständlich zum Ausdruck gebracht,</span><br/> <span class="ft6">dass der Gemeinderat X. untätig bleiben bzw. keine Verfügung be-</span><br/> <span class="ft6">treffend der Forderung um eine neue Festlegung des Lohnes erlassen</span><br/> <span class="ft6">werde. Das Schreiben des Rechtsvertreters stellt offensichtlich keine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verfahren</span> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Verfügung dar. In der Folge wurde tatsächlich keine Verfügung erlas-</span><br/> <span class="ft6">sen, obwohl der Gemeindeammann offenbar gegenüber der Präsi-</span><br/> <span class="ft6">dentin der Schlichtungsstelle für Gleichstellungsfragen Ende Februar</span><br/> <span class="ft6">2004 in Aussicht gestellt hatte, dass innert 2 - 3 Wochen eine Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung ergehen werde. Damit sind die Voraussetzungen einer formel-</span><br/> <span class="ft6">len Rechtsverweigerung erfüllt.</span><br/></div> </div> </body> </html>