<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 74 S.326</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">326</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>74</b></span> <span class="ft2"><b>Intransparente Kostenermittlung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Will die Vergabestelle die Betriebs- oder Servicekosten in die Berech-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nung miteinbeziehen, so muss sie in den Ausschreibungsunterlagen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>jedenfalls den Zeitraum angeben, für den die Kostenberechnung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>erfolgt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 29. November 2000 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen H. AG gegen Verfügung des Kantonsspitals Baden.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. Die Vergabebehörde hat den Grundsatz der Transparenz</span><br/> <span class="ft1">vorliegendenfalls noch in einem weiteren Punkt verletzt, wie die</span><br/> <span class="ft1">folgenden Ausführungen zeigen:</span><br/> <span class="ft1">a) Zuschlagskriterium sind gemäss den Ausschreibungsunter-</span><br/> <span class="ft1">lagen u. a. die ,,Kosten". Welche Aspekte unter dem Gesichtspunkt</span><br/> <span class="ft1">,,Kosten" im Einzelnen bewertet werden sollen, lässt sich den Aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibungsunterlagen nicht entnehmen. Im Rahmen der Bewertung</span><br/> <span class="ft1">hat die Vergabestelle die ,,Kosten" dann in die Teilaspekte ,,An-</span><br/> <span class="ft1">schaffungskosten", ,,Betriebskosten" und ,,Unterhaltskosten" unter-</span><br/> <span class="ft1">teilt. Die Betriebskosten für die einzelnen Fabrikate wurden pro</span><br/> <span class="ft1">Waschgang, pro Tag und pro Jahr berechnet. In den Offertvergleich</span><br/> <span class="ft1">mit einbezogen wurden schliesslich die Betriebskosten für zehn</span><br/> <span class="ft1">Jahre. Auch die Unterhalts- bzw. Servicekosten wurden für zehn</span><br/> <span class="ft1">Jahre berechnet.</span><br/> <span class="ft1">b) Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin lässt sich</span><br/> <span class="ft1">der Einbezug der Betriebs- und Servicekosten nicht grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">beanstanden. Die Vergabestelle ist nicht verpflichtet, ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">auf die Investitionskosten, d. h. den Preis, abzustellen. Auch der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">327</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kriterienkatalog in § 18 Abs. 2 SubmD erwähnt ausser dem Preis die</span><br/> <span class="ft1">Betriebs- und Unterhaltskosten als mögliche Zuschlagskriterien. Die</span><br/> <span class="ft1">Anbietenden mussten im vorliegenden Fall aufgrund der ,,offenen"</span><br/> <span class="ft1">Bezeichnung des Preiskriteriums als ,,Kosten" grundsätzlich damit</span><br/> <span class="ft1">rechnen, dass bei der Bewertung nicht nur die reinen Anschaffungs-</span><br/> <span class="ft1">kosten (Preis), sondern weitere Kostenelemente berücksichtigt wür-</span><br/> <span class="ft1">den. Nur wenn die Vergabestelle statt des Kriteriums ,,Kosten" das</span><br/> <span class="ft1">Kriterium ,,Preis" bekannt gegeben hätte, könnte sich die Frage</span><br/> <span class="ft1">stellen, ob die Vergabestelle dabei im von der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">behaupteten Sinne zu behaften ist.</span><br/> <span class="ft1">Bezüglich der Kosten sind in den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft1">allerdings keine weiteren Anhaltspunkte vorhanden; insbesondere</span><br/> <span class="ft1">finden sich keinerlei Hinweise, für welche Zeitdauer die Betriebs-</span><br/> <span class="ft1">und Unterhaltskosten miteinbezogen werden sollen. Die Anbietenden</span><br/> <span class="ft1">hatten in Bezug auf die Betriebskosten auch keine eigenen Angaben</span><br/> <span class="ft1">bzw. Berechnungen zu machen; in den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft1">wurden diesbezüglich keine konkreten Fragen gestellt. Erst mit</span><br/> <span class="ft1">Schreiben vom 15. Juni 2000 wurden die Anbietenden aufgefordert,</span><br/> <span class="ft1">für die Erstellung einer Betriebskostenrechnung ,,zusätzli-</span><br/> <span class="ft1">che/nochmalige" Angaben zu machen.</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Die Vergabestelle hat in den Offertvergleich die Gesamt-</span><br/> <span class="ft1">kosten für zehn Jahre miteinbezogen. Diese betragen beim Angebot</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin Fr. 407'305.-- (ohne Wärmepumpe) und</span><br/> <span class="ft1">Fr. 398'764.-- (mit Wärmepumpe). Beim Angebot der M. AG belau-</span><br/> <span class="ft1">fen sich die Gesamtkosten auf Fr. 368'059.-- (ohne Wärmepumpe)</span><br/> <span class="ft1">und auf Fr. 390'210.-- (mit Wärmepumpe).</span><br/> <br/> <span class="ft1">(Tabellarische Kostenzusammenstellung mit/ohne Wärme-</span><br/> <span class="ft1">pumpe)</span><br/> <br/> <span class="ft1">Bei den Anschaffungskosten erweist sich das Angebot der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin sowohl bei der Offerte ohne Wärmepumpe als</span><br/> <span class="ft1">auch bei der Offerte mit Wärmepumpe deutlich günstiger als die ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">328</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sprechenden Angebote der M. AG. Der Preisunterschied beträgt</span><br/> <span class="ft1">Fr. 12'665.86 (ohne WP) bzw. Fr. 14'0404.14 (mit WP). Bei den</span><br/> <span class="ft1">Gesamtkosten liegen hingegen die beiden Offerten der M. AG vorne;</span><br/> <span class="ft1">sie sind Fr. 39'246.-- (ohne WP) bzw. Fr. 8'554.-- (mit WP) günstiger</span><br/> <span class="ft1">als diejenigen der Beschwerdeführerin. Ausschlaggebend für die</span><br/> <span class="ft1">unterschiedliche Rangfolge gegenüber den Anschaffungskosten sind</span><br/> <span class="ft1">die auf 10 Jahre berechneten Betriebskosten. Die Vergabestelle hat</span><br/> <span class="ft1">für die streitbetroffenen Geschirrwaschanlagen die folgenden Be-</span><br/> <span class="ft1">triebskosten berechnet:</span><br/> <br/> <span class="ft1">(Tabellarische Betriebskostenrechnung mit/ohne Wärmepumpe)</span><br/> <br/> <span class="ft1">bb) Die jährliche Betriebskostendifferenz zwischen der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin und der M. AG beträgt Fr. 5'222.70 (ohne WP)</span><br/> <span class="ft1">bzw. Fr. 2'327.35 (mit WP). Legt man der Gesamtkostenberechnung</span><br/> <span class="ft1">(ohne Wärmepumpe) nun die Betriebskosten für ein Jahr oder für</span><br/> <span class="ft1">zwei Jahre zugrunde, so bleibt das Angebot der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">wegen der niedrigeren Anschaffungskosten das kostengünstigere.</span><br/> <span class="ft1">Beim Angebot mit Wärmepumpe bleibt das Angebot der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin insgesamt kostengünstiger, wenn man die Betriebskosten</span><br/> <span class="ft1">für maximal sechs Jahre miteinberechnet; erst dann vermögen sich</span><br/> <span class="ft1">die höheren Betriebskosten zu Ungunsten der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">auszuwirken. Mit dem Einbezug der Betriebskosten in die Kostenbe-</span><br/> <span class="ft1">rechnung entsteht für die Vergabestelle somit klarerweise eine Ma-</span><br/> <span class="ft1">nipulationsmöglichkeit, die mit einem transparenten und fairen Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabeverfahren unvereinbar ist. Je nach der Dauer, für die sie die Be-</span><br/> <span class="ft1">triebskosten berechnet, kann sie die bei den Anschaffungskosten</span><br/> <span class="ft1">bestehende Differenz ausgleichen und auf diese Weise einen Anbieter</span><br/> <span class="ft1">bevorzugen oder benachteiligen. Die Vergabestelle hält in der</span><br/> <span class="ft1">Vernehmlassung denn auch an sich zutreffend fest, sie hätte die Be-</span><br/> <span class="ft1">triebskostenrechnung auch über 20 Jahre erstellen können, wodurch</span><br/> <span class="ft1">der Preisvorteil der M. AG noch deutlicher ausgefallen wäre. Die den</span><br/> <span class="ft1">Betriebskosten zugrunde gelegten zehn Jahre entsprechen wohl der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">von der Vergabestelle angenommenen Lebensdauer der Geschirr-</span><br/> <span class="ft1">waschanlage. Für den Kostenvergleich erscheint diese Dauer aber</span><br/> <span class="ft1">nicht zwingend; es handelt sich um eine Annahme. Die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft1">hätte die Betriebskosten zu Vergleichszwecken genauso gut auch nur</span><br/> <span class="ft1">für ein Jahr (mit oder ohne Wärmepumpe) oder für fünf Jahre (mit</span><br/> <span class="ft1">Wärmepumpe) berechnen können, wodurch die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">preislich im Vorteil gewesen wäre. Will die Vergabestelle daher die</span><br/> <span class="ft1">Betriebskosten miteinbeziehen, so muss sie in den Ausschreibungs-</span><br/> <span class="ft1">unterlagen jedenfalls den Zeitrahmen angeben, für den die Kosten-</span><br/> <span class="ft1">berechnung erfolgt, um allfällige Manipulationsmöglichkeiten von</span><br/> <span class="ft1">vornherein auszuschliessen. Zweckmässigerweise wird sie die Be-</span><br/> <span class="ft1">triebskostenberechnung auch von den Anbietenden selbst als Be-</span><br/> <span class="ft1">standteil des Angebots verlangen und diese Angaben dann im Rah-</span><br/> <span class="ft1">men der Offertbereinigung nachprüfen. Auf diese Weise wird sicher-</span><br/> <span class="ft1">gestellt, dass die Vergabestelle nicht von falschen, nicht dem Ange-</span><br/> <span class="ft1">bot entsprechenden Annahmen ausgeht. Im vorliegenden Fall erüb-</span><br/> <span class="ft1">rigt es sich, auf die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte</span><br/> <span class="ft1">Unrichtigkeit der ermittelten Betriebskosten näher einzugehen. Nach</span><br/> <span class="ft1">Auffassung des Verwaltungsgerichts erscheint die vorgebrachte Kri-</span><br/> <span class="ft1">tik allerdings nicht völlig unbegründet.</span><br/> <span class="ft1">d) Das soeben Ausgeführte gilt grundsätzlich auch für die Ser-</span><br/> <span class="ft1">vicekosten. Auch hier wurde in den Ausschreibungsunterlagen un-</span><br/> <span class="ft1">zulässigerweise nirgends darauf hingewiesen, dass der Kostenbe-</span><br/> <span class="ft1">rechnung die Service-Kosten für zehn Jahre zugrunde gelegt würden.</span><br/> <span class="ft1">e) Nur mehr am Rande bleibt festzustellen, dass es dem Grund-</span><br/> <span class="ft1">satz der Transparenz wesentlich besser entspricht, wenn die Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">stelle den Preis, d. h. die Anschaffungs- oder Investitionskosten, und</span><br/> <span class="ft1">die Betriebs- und Unterhaltskosten als zwei verschiedene Zuschlags-</span><br/> <span class="ft1">kriterien behandelt (wie dies im Übrigen auch § 18 Abs. 2 SubmD</span><br/> <span class="ft1">vorsieht) und getrennt bewertet.</span><br/> <span class="ft1">f) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die dem Verga-</span><br/> <span class="ft1">beentscheid zugrunde gelegte Kostenermittlung in zu wenig transpa-</span><br/> <span class="ft1">renter und in mit willkürlichen Elementen behafteter Weise erfolgt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">330</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ist, weshalb sich auch aus diesem Grund die Wiederholung des Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens rechtfertigt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>