Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Februar 2018 (720 17 150 / 50) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Zweifel an der versicherungsinternen Beurteilung des regional-ärztlichen Dienstes. Rückweisung der Angelegenheit zur ergänzenden Abklärung. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt , Neuarle s- heimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1959 geborene A.____ ist gelernter Lastwagen mechaniker. Nachdem er einige Jah- re auf diesem Beruf gearbeitet hatte, übernahm er i m Jahr 1999 den väterlichen Transportbe- trieb. Gemäss eigenen Angaben anlässlich der letzte n medizinischen Begutachtung im Jahre 2011 war er seit 2009 nicht mehr arbeitstätig. Ende Oktober 2009 hat sich A.____ wegen eines Herzfehlers und eines Burnouts erstmals bei der Inv alidenversicherung (IV) zum Leistungsbe- zug angemeldet. Im Rahmen der Abklärungen seiner gesundheitlichen Verhältnisse ist er in der Folge vom Zentrum für medizinische Begutachtung (ZM B) orthopädisch und psychiatrisch be- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gutachtet worden. Gestützt auf die Ergebnisse im entspr echenden Gutachten des ZMB vom 5. Juli 2011 wies die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-St elle) das Leistungsbegehren des Versi- cherten mit Verfügung vom 31. Mai 2012 ab. B. Nachdem im Mai 2015 am linken Hüftgelenk eine Tota lprothese eingesetzt und im De- zember 2015 eine Lumbaldekompression vorgenommen worden war, meldete sich der Versi- cherte unter Hinweis auf ein versteiftes rechtes Handgelen k sowie Rücken- und Hüftbeschwer- den im August 2016 erneut zum Leistungsbezug bei der IV an. Die IV-Stelle holte in der Folge die entsprechenden medizinischen Berichte ein und legte den Fall ihrem regional-ärztlichen Dienst (RAD) zur Beurteilung vor. Nachdem der RAD de m Versicherten weiterhin eine volle Arbeitsfähigkeit in einer vorwiegend sitzenden Tätigkei t an einem dem versteiften Handgelenk adaptierten Arbeitsplatz bescheinigt hatte, lehnte sie den Anspruch auf eine IV-Rente mit Ver- fügung vom 4. April 2017 ab. C. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Re chtsanwalt Daniel Altermatt, am 25. April 2017 Beschwerde am Kantonsgericht des Kanton s Basel-Landschaft, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, e s sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung ein gerichtliches Gutachten zur Frage der Arb eitsfähigkeit anzuordnen; eventualiter sei die IV-Stelle zu verpflichten, die entsprechenden m edizinischen Abklärungen selbst vorzu- nehmen. Zur Begründung liess er im Wesentlichen vorbri ngen, dass aus den Berichten des Kantonsspitals Aarau, auf welche sich der RAD bei der Be urteilung der gesundheitlichen Ver- hältnisse abgestützt habe, nicht der Schluss gezogen werde n könne, dass er nicht mehr unter Rückenbeschwerden leide. Sein Hausarzt habe vielmehr fes tgehalten, dass er leichte Tätigkei- ten im Sitzen lediglich während zwei Stunden ausüben könne. Ausserdem halte der Hausarzt fest, dass im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) praktisch auf allen Bewegungsebenen und auch an der Hüfte Schmerzen bestünden. Schliesslich besteh e der hausärztlichen Einschät- zung zufolge eine depressive Grundstimmung. Dass die IV-S telle keine neue medizinische Be- gutachtung in Auftrag gegeben habe, sondern ausschliesslich auf der Basis des RAD entschie- den habe, sei unter diesen Umständen nicht statthaft. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 13. Juli 2017 auf Abweisung der Be- schwerde. Die Beurteilung des RAD sei nicht zu beanstanden. E. Mit Replik vom 9. November 2017 hielt der Beschwerde führer fest, dass für die Beurtei- lung seiner Arbeitsfähigkeit keinesfalls auf das ZMB-G utachten aus dem Jahre 2011 abgestellt werden könne. Ausser der Aktenbeurteilung durch den R AD sei seither keine medizinische Be- urteilung mehr erfolgt. Ausserdem seien seine Schmerzen am linken Handgelenk und die Ver- steifung des rechten, dominanten Handgelenks unberücksicht igt geblieben. Im Ergebnis sei festzustellen, dass ein verschlechterter Gesundheitszustand vorliege, jedoch nie eine entspre- chende Begutachtung stattgefunden habe. F. Mit Duplik vom 5. Dezember 2017 hielt die IV-Stelle an der Abweisung der Beschwerde fest. Die Einschränkungen hinsichtlich der Handgelenkspr oblematik seien bereits im Tätigkeits- profil des ZMB-Gutachtens mitberücksichtigt worden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die weiteren Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung d es Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti- gen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine IV-Rente besitzt. Strittig ist insbesondere, in welchem Ausmass er aufgrund seiner gesund heitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] bleib t folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.2 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse ist di e rechtsanwendende Behörde somit auf Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweise n). Das Gericht hat diese Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grund satz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Be- weisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdige n. Dies bedeutet, dass das Sozial- versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbes ondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht e rledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des B eweiswertes eines ärztlichen Berich- tes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belang e umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksicht igt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebe nd für den Beweiswert ist grund- sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht o der Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Rechtsprechungsgemä ss ist es dem Sozialversicherungs- gericht demnach nicht verwehrt, gestützt allenfalls ausschli esslich auf versicherungsinterne Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinische Unterlagen zu entscheiden. Wie das Bundesger icht in ständiger Rechtsprechung präzisiert hat, sind in solchen Fällen jedoch strenge Anfo rderungen an die Beweiswürdigung in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweif eln an der Zuverlässigkeit und Schlüs- sigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärun gen vorzunehmen sind (Urteil des Bundesgerichts, I. sozialrechtliche Abteilung, vom 27. Ju li 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit Ver- weisen). 3.3 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozialversiche- rungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge setz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforde rungen nicht. Das Gericht hat viel- mehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). Ein An- spruch auf Leistungen besteht nur, wenn die Voraussetz ungen dafür mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit erfüllt sind (ZAK 1983 S. 259). 3.4 Nach ständiger Rechtsprechung hat das Sozialversicherung sgericht die Gesetz- mässigkeit angefochtener Verwaltungsverfügungen in der R egel nach dem Sachverhalt zu be- urteilen, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vorg elegen hat (BGE 130 V 140 E. 2.1, 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Daraus folgt, dass für die Beurteilung der künftig massgeben- den Verhältnisse grundsätzlich jener medizinische Sachverh alt massgebend ist, wie er im Zeit- punkt des Erlasses der vorliegend angefochtenen Verfügu ng der IV-Stelle vom 4. April 2017 vorgelegen hat. 4.1 Im Zentrum der medizinischen Aktenlage steht die A ktenbeurteilung des RAD durch Dr. B.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatol ogie des Bewegungsapparats, vom 19. Dezember 2016. Daraus geht hervor, dass eine massge bliche und dauerhafte Funktions- einschränkung des Achsenorgans bezüglich einseitiger Bel astungen spätestens seit dem Wir- belsäuleneingriff nachvollziehbar sei. Damit sei auch die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als LKW- Chauffeur nicht mehr zumutbar. In einer dem Rücken ang epassten Tätigkeit sei hingegen in einer körperlich leichten Arbeit mit spontaner Wechseltä tigkeit spätestens seit dem Untersu- chungszeitpunkt der Halbjahres-Verlaufskontrolle vom 14. Juni 2016 wieder eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit im Umfang von 100% gegeben. Für den Zeitraum zwischen dem 10. Dezember 2015 und dem 14. Juni 2016 könne auf die Arbeitsunfäh igkeits-Atteste des Hausarztes im Um- fang einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit abgestellt werden. Die vom Hausarzt angesproche- ne depressive Grundstimmung sei weder per se noch im me dizinischen Kontext als massge- blich die Arbeitsfähigkeit reduzierend einzustufen. Eine psychiatrische Diagnose mit bleibenden Einschränkungen nach ausgeschöpfter, leitliniengerechter Therapie sei nicht ausgewiesen. Gemäss den medizinischen Daten im Untersuchungsbericht d es chirurgischen Spezialisten sei ab dem 8. März 2016 eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit zumutbar gewe- sen. Diese Beurteilung weiche von jener des Hausarztes ab, der letztlich jedoch keine konkre- ten Schmerzen aufführe und keine medizinischen Befunde p räsentiere, welche den Versicher- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten ohne Berücksichtigung der subjektiven Schmerzangaben i n einer angepassten Tätigkeit massgeblich limitieren würden. Qualitative oder quanti tative Funktionseinschränkungen, die ausgerechnet eine nur 35%-ige Restarbeitsfähigkeit be gründen, würden vom Hausarzt nicht vorgelegt. Das rechte Handgelenk sei offensichtlich versteift worden, so dass diesbezüglich ebenfalls eine entsprechende ergonomische Anpassung der Ar beitsplatzsituation und des An- forderungsprofils erforderlich sei. In einer entspreche nd angepassten Tätigkeit könne dieser Umstand jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Der Fall sei „medizinisch komplex dokumentiert“, weshalb weitere medizinische Abklär ungen gegenwärtig nicht erforder- lich seien, sondern eine versicherungsmedizinische Fallbeurt eilung nach Aktenlage vertretbar erscheine. 4.2 Den Akten sind folgende weitere medizinischen Unterl agen von Relevanz zu entneh- men: 4.2.1 Gemäss der Gesamt-Beurteilung im ZMB-Gutachten vom 5. Juli 2011 zeige der Versi- cherte auf orthopädischer Ebene eine Schmerzsymptomatik de s linken Handgelenks und eine leichte Kraftminderung. Am rechten Handgelenk sei eine deutliche Bewegungseinschränkung als Folge einer posttraumatisch durchgeführten Arthrodese zu erheben. Es bestehe eine leichte Einschränkung der Belastbarkeit des linken Handgelenks bei Uricopathie. Aufgrund des chroni- schen Lumbovertebralsyndroms seien dem Versicherten schwere rückenbelastende Tätigkeiten mit regelmässigem Bücken und Arbeiten in Zwangshaltung n icht mehr zumutbar. Aufgrund der Handgelenksproblematik seien ausserdem schwere handbelastende Tätigkeiten, die bimanuelle Kraft benötigen würden, sowie feinmotorische manuelle Tätigkeiten weder zumutbar noch mög- lich. Aufgrund der kardiologischen Befunde seien ebenfal ls keine körperlich schweren Tätigkei- ten mehr zumutbar. Rein medizinisch beurteilt seien dem Versicherten alle Tätigkeiten zumut- bar, die kein regelmässiges Bücken mit sich bringen, bei d enen regelmässiges Halten und He- ben von Lasten über 10 Kilogramm vermieden werde, keine ausgesprochen rückenbelastenden Tätigkeiten und sonstig körperlich schwer belastenden Arbeiten beinhalten sowie keine Arbeiten mit sich bringen würden, die eine volle Funktionsfähi gkeit der Handgelenke sowie eine Kraftan- wendung in den Händen verlangen. 4.2.2 Gemäss Operationsbericht des Spitals C.____ vom 9. Januar 2012 sei infolge eines beidseitig symptomatischen CAM Impingements mit erhebl ichen Beschwerden am 6. Januar 2012 eine Arthroskopie am rechten Hüftgelenk mit Bump- Abtragung und partieller Labrumre- sektion durchgeführt worden. 4.2.3 Gemäss Operationsbericht des Spitals C.____ vom 22. Februar 2012 sei nach voran- gehender gleicher Operation auf der rechten Seite n unmehr bei starken Schmerzen auf der linken Hüftseite am 17. Februar 2012 eine Arthroskopie auch am linken Hüftgelenk mit einer Bump-Abtragung und partieller Labrumresektion, parti eller Synovektomie und Kapsulektomie durchgeführt worden. Auf der rechten Seite sei der Patient unbelastet beschwerdefrei. 4.2.4 Gemäss Bericht des Spitals C.____ vom 12. Juli 20 12 habe sich der Versicherte am 7. Juni 2012 zur geplanten Nachkontrolle nach Status n ach Hüft-Arthroskopie vorgestellt. Zwi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schenzeitlich würde es ihm bezüglich der rechten Hüfte s ehr gut gehen. Die linke Hüfte würde ab und zu noch schmerzen. Der Verlauf sei erfreulich. Es könne weiterhin von einer Besserung der linken Hüfte ausgegangen werden. 4.2.5 Gemäss Operations-Bericht des Spitals D.____ vom 18. Mai 2015 sei eine beidseitige Coxarthrose, links beschwerdeführend, bei Status nach beidseitiger Hüftgelenksarthroskopie zu diagnostizieren. In der Zusammenschau der klinischen und radiologischen Befunde sei die Indi- kation zur Implantation einer Hüft-Totalprothese auf d er linken Seite gestellt worden. Die ent- sprechende Operation habe am 19. Mai 2015 stattgefunden. 4.2.6 Der Hauptdiagnose gemäss Austrittsbericht des Spita ls D.____ vom 10. Dezember 2015 zufolge leide der Versicherte hauptsächlich an ein er Claudicatio spinalis bei epiduraler Lipomatose L2-S1 sowie an einer claudicatioformen Lumba lgie bei mehrsegmentalen Verände- rungen der LWS, einer Spondylarthrose L3-S1 und eine r Spondylolyse L5/S1. Im Rahmen des stationären Aufenthalts sei infolge dieser Diagnostik am 10. Dezember 2015 eine Spondylodese und eine TLIF L5/S1 durchgeführt worden. Der Patient klage seit Jahren über Beschwerden im LWS-Bereich. Seit dem letzten Sprechstundenbericht habe sich die Symptomatik verschlech- tert. Er klage über Schmerzen tieflumbal, die über das Gesäss auf die laterale Seite des rechten Oberschenkels ziehen würden. Beim Gehen würden die Schme rzen stärker und es kämen Kribbelparästhesien im Bereich der Aussenseite der Wade hinzu. Schmerzen bestünden insbe- sondere beim Anlaufen. Bei nunmehr auch radikulären Symptomen und neu im MRI diagnosti- zierter epiduraler Lipomatose mit Enge auf Höhe L2-S1 sei eine Dekompression der oberen Segmente ab L2 nach caudal besprochen worden. Der E ingriff habe ohne Probleme durchge- führt werden können. 4.2.7 Gemäss Bericht des Spitals D.____ vom 8. März 2016 sei der Patient mit dem posto- perativen Verlauf nach erfolgter Dekompression am 10. Dezember 2015 zufrieden. Er klage noch über unwesentliche Rückenschmerzen. 4.2.8 Dem Bericht des Spitals D.____ vom 14. Juni 2016 zufolge zeige sich eine schöne interkorporelle Konsolidation. Der Patient sei lumbal soweit schmerz- und beschwerdefrei, eine Claudicatio spinalis bestehe keine mehr. Betreffend die Hüfte klage er seit dem Hüfteingriff über mittelgradige Schmerzen beim Liegen links. Anzustreben sei nunmehr eine Normalisierung des Alltags. Wegen der Hüfte und dem Rücken könne er künft ig sicherlich nicht mehr als LKW- Chauffeur arbeiten. 4.2.9 Gemäss Bericht des Hausarztes Dr. E.____, FMH Allg emeine Medizin, vom 4. Oktober 2016 seien mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit e ine beidseitige Coxarthrose sowie fort- geschrittene degenerative Veränderungen an der LWS zu diagnostizieren. Der Patient sei durch chronische Schmerzen stark belastet und dadurch in seinem A llgemeinzustand reduziert. Es bestünden praktisch auf allen Bewegungsebenen Schmerzen an der LSW und Hüftschmerzen bei reduzierter Ad- und Abduktion sowie bei der Flexio n beider Hüften. Im Rahmen der chroni- schen Schmerzbelastung und als Folge der beruflichen Inakt ivität bestehe eine depressive Grundstimmung. Die Gehstrecke betrage knapp einen Kilo meter. Im Zusammenhang mit den Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fragen zur bisherigen Tätigkeit ist dem Bericht des Haus arztes zu entnehmen, dass leichte Tätigkeiten im Stehen und Sitzen während rund zwei Stunden möglich seien. Danach benötige der Patient eine längere Erholungszeit im Umfang von t eils mehr als 24 Stunden. Das Be- und Abladen von Lasten als LKW-Fahrer sei künftig nicht m ehr möglich. Der Versicherte benötige lange Arbeitspausen selbst bei einer Wechseltätigkeit und bei einer maximal mässigen Belas- tung. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Eine leichte Tätigkeit während plus/minus sechs Stunden pro Tag sei wohl möglich, bei genügend extensiven Pausen allenfalls auch wäh- rend achteinhalb Stunden. 5.1 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt , dass nicht auf die RAD- Beurteilung vom 19. Dezember 2016 abgestellt werden kö nne. In diesem Zusammenhang macht er insbesondere geltend, dass er der hausärztlichen Einschätzung zufolge in einer leich- ten Verweistätigkeit lediglich noch im Umfang von 35% arbeitsfähig sei. Vorab ist klarzustellen, dass er dabei einem Irrtum unterliegt. In seinem Berich t vom 4. Oktober 2016 geht Dr. E.____ explizit davon aus, dass dem Versicherten eine leichte Verw eistätigkeit während rund sechs Stunden pro Tag, bei genügend extensiven Pausen allenfalls gar eine vollzeitliche Verweistätig- keit, zumutbar sei (oben, Erwägung 4.2.9). Die Ausfü hrungen des Hausarztes, dass leichte Tä- tigkeiten im Stehen und Sitzen noch während lediglich rund zwei Stunden pro Tag möglich sei- en, beziehen sich auf die angestammte Tätigkeit des Versich erten als LKW-Chauffeur, für wel- che der Hausarzt zwischen schweren Belastungen einerseits und leichten Arbeiten andererseits unterscheidet. Nichts desto trotz aber ist der Auffassung des Beschwerdeführers zuzustimmen, wonach nicht auf den RAD-Bericht vom 19. Dezember 201 6 abgestellt werden kann. Wie oben ausgeführt (oben, Erwägung 3.2), ist den im Rahmen d es Verwaltungsverfahrens eingeholten Beurteilungen versicherungsinterner Herkunft bei der Be weiswürdigung nur dann volle Beweis- kraft zuzuerkennen, wenn keine auch nur geringen Zweif el gegen deren Zuverlässigkeit spre- chen. Solche Zweifel liegen hier vor. 5.2.1 Der RAD-Arzt geht in seiner Beurteilung vom 19. Dezember 2016 davon aus, dass Dr. Hollenstein keine Funktionseinschränkungen vorzulege n in der Lage sei, wonach ausge- rechnet eine nur 35%-ige Restarbeitsfähigkeit vorlieg e. Damit unterliegt er offenbar dem glei- chen Irrtum wie der Beschwerdeführer. Es kann auf das soe ben Gesagte verwiesen werden: Die Aussage des Hausarztes, leichte Tätigkeiten seien im Stehen und Sitzen während lediglich noch rund zwei Stunden pro Tag möglich, bezieht sich auf die angestammte Tätigkeit des Ver- sicherten als LKW-Chauffeur (oben, Erwägung 5.1). Die Stellungnahme des RAD geht mithin bereits in grundsätzlicher Hinsicht an der Sache vorbei. S odann attestiert Dr. E.____ dem Ver- sicherten in einer leichten Verweistätigkeit allenfalls e ine Restarbeitsfähigkeit für die Dauer von achteinhalb Stunden pro Tag mit Gewährung genügend e xtensiver Pausen (oben, Erwägung 4.2.9). Den Aussagen des Hausarztes lässt sich keine präzise Quantifizierung des notwendigen Pausenbedarfs entnehmen. Hierzu nimmt der RAD-Arzt in se inem Bericht vom 19. Dezember 2016 keine Stellung. Dessen Einschätzung erweist sich mithin auch als unvollständig. 5.2.2 Im Zusammenhang mit den Rückenbeschwerden des Versi cherten kann dem ZMB- Gutachten (oben, Erwägung 4.2.1) entnommen werden, d ass dem Versicherten alle leichten Tätigkeiten zugemutet werden können, sofern damit wed er ein regelmässiges Bücken noch Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht allfällige Arbeiten in Zwangshaltung verbunden sind. A us dem Bericht des RAD vom 19. Dezember 2016 geht zwar ebenfalls hervor, dass nur n och eine leichte körperliche Arbeit mit spontaner Wechseltätigkeit zumutbar sei. Allerdings sind in den Erläuterungen des RAD keine zusätzlichen Einschränkungen erwähnt, wie sie noch i m Gutachten des ZMB hinsichtlich des Bückens und der Zwangshaltung formuliert worden sin d. Mit diesen zusätzlichen Limitie- rungen würde das Leistungsprofil qualitativ zweifelsohne zusätzlich eingeschränkt. Dass diese zusätzlichen Einschränkungen nach der im Dezember 2015 du rchgeführten Spondylolyse neu- erdings nicht mehr berücksichtigt werden müssen, erscheint zweifelhaft. Dem RAD-Bericht lässt sich in diesem Zusammenhang immerhin entnehmen, dass spät estens seit dem Wirbelsäulen- eingriff im Dezember 2015 eine „massgebliche und daue rhafte Funktionseinschränkung“ des Achsenorgans bestehe. Bei dieser Aktenlage liegt die Ve rmutung nahe, dass die im ZMB- Gutachten im Jahre 2011 zusätzlich attestierten Einschränku ngen vom RAD nunmehr überse- hen worden sind. Jedenfalls bleibt unbeantwortet, wesha lb die im ZMB-Gutachten dazumal zu- sätzlich attestierten Einschränkungen neuerdings keine Gül tigkeit mehr besitzen. Es tritt hinzu, dass der RAD mit keinem Wort auf die bildgebend dokum entierten Befunde eingeht, wie sie einerseits dem ZMB-Gutachten (a.a.O., S. 20) und andererseits dem Austrittsbericht des Spitals D.____ vom 10. Dezember 2015 entnommen werden können. Während die im ZMB-Gutachten analysierten Röntgenaufnahmen der LWS eine präsakrale S pondylarthrose lediglich geringer Ausprägung ausgewiesen haben, zeigen die im November 2 015 angefertigten Röntgenbilder mittlerweile spondylolytische Veränderungen auf praktisch sämtlichen Etagen in akzentuierter Form insbesondere im Bereich der unteren Brustwirbelsäu le. Ob und allenfalls in welchem Um- fang diese offenbar progrediente Entwicklung die theo retisch zumutbare Verweistätigkeit des Versicherten trotz oder gerade infolge der im Dezember 2015 erfolgten Dekompression zusätz- lich beeinflusst, wird vom RAD in keiner Weise beantwortet. 5.2.3 Bereits anlässlich der Begutachtung durch das ZMB im Jahre 2011, deutlicher im nach- folgenden Bericht des Spitals D.____ vom 18. Mai 201 5 (oben, Erwägung 4.2.5), ist von einer beidseitigen Coxarthrose die Rede. Auch wenn dazumal die linke Hüftseite als beschwerdefüh- rend bezeichnet worden war, nimmt der RAD nunmehr kei ne Stellung zur rechten Hüfte. Eine entsprechende Präzisierung wäre aber umso mehr von Nöte n gewesen, weil Dr. E.____ am 4. Oktober 2016 die weiterhin beidseitig geklagten H üftschmerzen mit objektivierbaren Befun- den in Form einer reduzierten Ad- und Abduktion sowie einer reduzierten Flexion an beiden Hüften begründet hat. Es tritt hinzu, dass eine Coxart hrose notorisch einer gewissen Progredi- enz unterliegt. Der Auffassung des RAD, dass eine versiche rungsmedizinische Fallbeurteilung vertretbar erscheine, ist unter diesen Umständen zu wider sprechen. Insbesondere die Frage, ob der Versicherte tatsächlich vorwiegend noch sitzende Tätigkeiten verrichten kann, erweist sich bei dieser Aktenlage als ungeklärt. Zwecks Beantwortung dieser Frage wäre der Versicher- te mit Blick auf die hausärztlichen Befunde persönlich zu untersuchen gewesen. 5.2.4 Im Zusammenhang mit den Beschwerden an den Hand gelenken ist sodann ebenfalls bereits im ZMB-Gutachten festgehalten, dass feinmotorisch e Tätigkeiten oder Tätigkeiten mit beidseitigem Kraftaufwand künftig nicht mehr möglich sind. Im Verweisungsprofil des RAD sind diese zusätzlichen Einschränkungen nicht erwähnt. Weshalb dem so sein soll, bleibt offen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.5 In seiner Beurteilung vom 19. Dezember 2016 geh t der RAD fast ausschliesslich auf die orthopädischen Probleme des Versicherten ein. Soweit er mit Blick auf den im Bericht des Hausarztes vom 4. Oktober 2016 erwähnten Hinweis einer depressiven Erkrankung des Versi- cherten ausserdem festhält, dass keine psychiatrische Diagno se ausgewiesen sei, ist ihm zu- zustimmen. Mangels einer konkreten psychiatrischen Diagnose stellung sowie mangels Angabe einer allenfalls resultierenden Arbeitsunfähigkeit au s rein psychischen Gründen besteht bei der aktuell vorliegenden Aktenlage keine Veranlassung, auch die psychiatrischen Verhältnisse des Versicherten näher abzuklären. Daran ändert auch nichts, dass im Gutachten des ZMB aus dem Jahr 2011 noch eine Anpassungsstörung mit längerer d epressiver Reaktion diagnostiziert worden war. 5.3 Zusammenfassend greift die Betrachtungsweise des RAD mit Blick auf die somatischen Verhältnisse zu kurz. In Anbetracht der dargelegten Unz ulänglichkeiten bestehen gewichtige Zweifel an der durch den RAD vorgenommenen Beurteilu ng des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten. Weder die im Zen trum stehende RAD-Beurteilung vom 19. Dezember 2016 noch die übrigen medizinischen Akten l assen dabei eine zuverlässige Be- urteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu. Die Angelegenheit bedarf bei diesem Ergebnis zusätzlicher Abklärungen. 5.4 Im Entscheid 137 V 210 ff. hat das Bundesgericht die bisherige ständige Rechtspre- chung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die frei e Wahl hatte, bei festgestellter Abklä- rungsbedürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen oder aber selber zur Herstellung der Spruchreife zu schreiten, geändert. Es h at erkannt, dass die Beschwer- deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einzuhole n hat und eine Rückweisung an die IV- Stelle nur noch in Ausnahmefällen erfolgen soll. Da es Aufgabe der Verwaltung und nicht der Beschwerdeinstanz ist, für eine erstmalige vollständige Erhebung des massgebenden Sachver- haltes besorgt zu sein, liegt ein solcher Ausnahmefall et wa vor, wenn ein relevanter Aspekt des medizinischen Sachverhaltes durch die Verwaltung nicht rechtsgenügend abgeklärt worden ist. Gleiches gilt, wenn sich die Verwaltung auf Unterlagen stützt, welche die medizinische Situation der versicherten Person nur unzureichend wiedergeben. B eide Punkte sind nach dem vorste- hend Gesagten auch hier gegeben. Somit aber ist eine Rückweisung an die IV-Stelle vorzu- nehmen. Die angefochtene Verfügung vom 4. April 2017 ist deshalb aufzuheben und die Ange- legenheit ist an die IV-Stelle zurückzuweisen. Diese wir d den aktuellen Gesundheitszustand und die Frage der (Rest-) Arbeitsfähigkeit des Versiche rten innert nützlicher Frist durch ein ex- ternes Gutachten abklären zu lassen haben. Gestützt auf die Ergebnisse dieser Aktenergän- zung wird die IV-Stelle anschliessend so rasch als möglich über den Rentenanspruch des Be- schwerdeführers neu zu befinden haben. Die vorliegende B eschwerde ist in diesem Sinne gut- zuheissen. 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zu ergän zender Abklärung und neuer Beurtei- lung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unte rliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2; BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden und der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.— an den Beschwerdeführer zurück zu erstatten ist. 6.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Sein R echtsvertreter hat in seiner Honorar- note vom 28. Dezember 2017 für das vorliegende Verfah ren einen Zeitaufwand von 9 ¾ Stun- den geltend gemacht, was sich angesichts des doppelten Sch riftenwechsels und der sich dabei stellenden Sach- und Rechtsfragen als angemessen erwei st. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz von Fr. 250.— zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 69.—. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung gemäss Honorarnote in der Höh e von Fr. 2‘707.— (inkl. Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 4. April 2017 aufgeho ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erw ägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel -Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.— zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘707.— (inkl. Auslag en und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.