B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1149/2014 U r t e i l v o m 1 4 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, alias C._______, geboren B._______, alias D._______, geboren E._______, alias F._______, geboren E._______, seine Ehefrau G._______, geboren H._______, alias I._______, geboren H._______, alias J._______, geboren K._______, ihre Kinder L._______, geboren M._______, alias N._______, geboren M._______, O._______, geboren P._______, Irak, alle vertreten durch Gian Ege, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, Q._______, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 26. Februar 2014 / N _______. D-1149/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die aus dem Irak stammenden Beschwerdeführenden gelangten – mit Ausnahme des jüngsten Kindes – eigenen Angaben zufolge am 20. März 2013 in die Schweiz , wo sie gleichentags Asylgesuch e stellten. Im Ra h- men der Befragung zur Person vom 28. März 2013 gaben sie unter ande- rem zu Protokoll, sie sei en mit einem von den italienischen Behörden ausgestellten Schengen-Visum am 28. Februar 2012 auf dem Luftweg le- gal aus ihrem Heimatstaat Irak nach Italien gereist, von wo aus sie am 20. März 2013 in die Schweiz gelangt seien. B. Mit separaten Anfragen vom 12. April 2013 ersuchte das BFM gestützt auf Art. 9 Abs. 2 der Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Febru- ar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsang e- hörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (nachfolgend Dublin-II-VO), die italienischen Behörden um Aufnahme der Beschwerdeführenden. C. Mit S chreiben vom 1 7. und 18. April 2013 lehnten die italienisch en B e- hörden die Aufnahmeersuchen des BFM ab. Zur Begründung wurde an- geführt, die Gesuche enthielten nicht die notwendigen Beweise (Eurodac- Treffer, Fingerabdruck). D. Mit Gesuch vom 19. April 2013 und gleichzeitiger Nachreichung der Fi n- gerabdrücke per E-Mail (als Datei im Anhang) ersuchte das BFM die ita- lienischen Behörden im Rahmen eines Remonstrationsverfahren s ge- mäss Art. 5 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Veror d- nung (EG) Nr. 343/2003 des Rates (DVO Dublin ) erneut um Übernahme der Beschwerdeführenden. E. Am 17. Mai 2013 ersuchte das BFM die italienischen Behörden schriftlich um Beantwortung des Gesuchs vom 19. April 2013. F. Am P ._______ wurde die Tochter O._______ geboren. D-1149/2014 Seite 3 G. Mit Eingabe vom 8. Januar 2014 zeigte der Rechtsvertreter die Übe r- nahme das Mandates an und ersuchte um Gewährung der Akteneinsicht. Diesem Gesuch wurde vom BFM am 10. Januar 2014 entsprochen. Am 27. Januar 2014 ersuchten die Beschwerdeführenden um Änderung ih rer Namen, da sie den Irak mit gefälschten Ausweisen hätten verlassen müs- sen. Am 30. Januar 2014 liessen die Beschwerdeführenden um Mitteilung ersuchen, ob sie sich noch immer im Dublin -Verfahren befänden oder ob angesichts der fortgeschrittenen Dauer des Verfahrens das nationale Ver- fahren durchgeführt werde. Sie ersuchten erneut um Änderung ihrer N a- men im zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS), da nun ihre ori- ginalen Identitätsdokumente eingereicht worden seien. Zudem teilten sie mit, die gemeinsame Tochter O._______ sei am 24. Oktober 2013 geb o- ren worden, und ersuchten um deren Einbezug in das Verfahren der E l- tern. H. Am 21. Februar 2014 erteilten die italienischen Behörden ihre Zusage zur Übernahme der Beschwerdeführenden. I. Mit Verfügung vom 2 6. Februar 2014 – eröffnet am 3. März 2014 – trat das BFM in Anwendung von Art. 31 Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31 [rec- te: Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG]) auf die Asylgesuche der Beschwerdefüh- renden nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Italien, forderte die B e- schwerdeführenden – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterla s- sungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, stellte fest, der Kanton R._______ sei verpflichtet, die We g- weisungsverfügung zu vollziehen, und hielt weiter fest, eine allfällige B e- schwerde gegen die vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung. J. Mit Eingabe vom 5. März 2014 beantragte n die Beschwerdeführe nden, die am P ._______ geborene Tochter sei in das Verfahren einzubeziehen, es sei festzustel len, dass die Überstellung an Italien nicht in der geset z- lich vorgesehenen Frist erfolgt und die Zuständigkeit zur Durchführung des Asylverfahrens auf das BFM übergegangen sei, die Verfügung vom 26. Februar 2014 sei deshalb aufzuheben und die Vorinstanz se i anzu- weisen, ein ordentliches Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei das Amt anzuweisen, sich im Sinne eines in Art. 17 Abs. 1 der Verord-D-1149/2014 Seite 4 nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur B e- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drit t- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin -III- VO) vorgesehenen Selbsteintrittes für das Verfahren zuständig zu erkl ä- ren. Subeventualiter sei die Sache zur Korrektur erheblicher Verfahren s- mängel an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sodann sei der Beschwerde im Sinne vorsorglicher Massnahmen die aufschiebende Wirkung zu ertei- len und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung der Beschwerdeführenden nach Italien abzusehen, bis das Bundesve r- waltungsgericht über den Suspensiveffekt der Beschwerde entschieden habe. Ferner ersuchten sie um Gewährung der unentgeltl ichen Rechts- pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig reichten sie Fürsorgeabhän- gigkeitserklärungen des Sozialdienstes des Kantons R._______ (datiert vom 5. März 2014) zu den Akten. K. Mit Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. März 2014 wurde der Vollzug der Wegweisung vorsorglich ausgesetzt. Gleichzeitig wurde angeordnet, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pr o- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden, wobei gleichzeitig antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet wurde. Der Instruktionsrichter lud die Vorinstanz ein, sich innert Frist zur Beschwerde vernehmen zu lassen. L. In ihrer Vernehmlassung vom 25. März 2014 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. M. Mit Eingabe vom 30. April 2014 wurde eine Kostennote zu den Akten g e- reicht und gleichzeitig um Anpassung des Namens des Beschwerdefü h- rers – entsprechend der vom BFM vorgenommenen Ände rung im ZEMIS – ersucht. N. Mit Schreiben vom 2. und 9. Mai 2014 ersuchte S._______ um Aktenein- sicht und erklärte, dass er die Beschwerdeführenden neu vertrete. D-1149/2014 Seite 5 O. Der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgericht hielt in seinem Antwortschreiben vom 15. Mai 2014 fest, die Beschwerdeführenden seien bereits durch einen bevollmächtigen Rechtsvertreter vertreten, dass sich aus den Akten weder ein Entzug noch eine Nie derlegung des Mandats ergebe, weshalb das Bundesverwaltungsgericht seine Mitteilungen g e- stützt auf Art. 12 Abs. 2 AsylG unverändert an den erstbevollmächtigten Rechtsvertreter richten werde. Zudem sei den Beschwerdeführe nden be- reits im Januar 2014 auf ents prechendes Gesuch hin von der Vorinstanz Einsicht in die Akten gewährt worden. P. Mit Eingabe vom 21 . Mai 2014 machte n die Beschwerdeführenden von dem ih nen mit Instruktionsverfügung vom 15. Mai 2014 eingeräumten Recht zur Replik Gebrauch und bekräftigte n ihre Beschwerdevorbringen. Gleichzeitig wurde eine erneuerte Kostennote eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegend en Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorli e- gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwe r- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Au fhebung beziehungsweise Änd e- rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Die gemein- same Tochter O._______, die während des erstinstanzlichen Verfahrens geboren wurde, ist durch die angefochtenen Verfügung ebenfalls beso n-D-1149/2014 Seite 6 ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Sie kann gestützt auf Art. 4 VwVG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilpr o- zess (BZP , SR 273) dem Prozess als Partei beitreten und ist antragsge- mäss in das Verfahren einzu beziehen. Auf die Beschwerde ist einzutr e- ten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu übe rprüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwe r- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2, m.w.H.). Die Beschwerdeinstanz enthält sich somit, wenn sie den Nich t- eintretensentscheid als unrechtmässig erachtet, einer selbstständigen materiellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurüc k (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). 4. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung das Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist ( Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG bzw. aArt. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). 5. 5.1 Per 1. Januar 2014 wurde die Dublin -II-VO durch die seither in allen Staaten der Europäischen Union (EU) anwendbare Dublin -III-VO abg e- löst. Im Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen der Schweiz und der EU betreffend die Übernahme der Dublin -III-VO (Weit erentwicklung des Dublin/Eurodac-Besitzstands) teilte der Bundesrat mit, dass die Schweiz den Inhalt dieses Rechtsakts akzeptiere und in ihr e innerstaatli- che Rechtsordnung umsetzen werde. Mit Bundesratsbeschluss vom 18. Dezember 2013 wurde zudem – unter Hinweis auf Ausnahmen – fest-D-1149/2014 Seite 7 gehalten, die Dublin-III-VO werde ab dem 1. Januar 2014 vorläufig ange- wendet. 5.2 Gemäss Art. 49 Abs. 2 Dublin-III-VO erfolgt für einen Antrag auf inter- nationalen Schutz, der vor diesem Datum eingereicht wird, die Besti m- mung des zuständigen Mitgliedstaats noch nach den Kriterien der Dublin - II-VO. Da sowohl die Asylgesuche vom 20. März 2013 als auch die Auf- nahmeersuchen des BFM vom 12 . April 2013 vor dem 1. Januar 2014 gestellt wurden, ist demnach vorliegend – entgegen der Ansicht der B e- schwerdeführenden – die Zuständigkeit nach den Kriterien der Dublin -II- VO zu bestimmen. 6. Gemäss Art. 5 i.V.m. Art. 6 bis 13 Dublin-II-VO ist unter anderem nament- lich derjenige Mitgliedstaat zuständig, welcher einem Familienangehör i- gen das Recht auf Aufenthalt in seiner Eigenschaft als Flüchtling gewährt hat, dem Asylbewerber einen gültigen Aufenthaltstitel oder ein gültiges Vi- sum ausgestellt hat, dessen Land -, See- oder Luftgrenze der Asylbewer- ber aus einem Drittstaat kommend legal oder illegal überschritten hat, oder in welchem der erste Asylantrag gestellt wurde. Sodann wird in A b- weichung von den vorgenannten Zuständigkeitskriterien jedem Mitglied- staat die Möglichkeit zur Prüfung eines Asylgesuches eingeräumt (Art. 3 Abs. 2 und Art. 15 Dublin-II-VO). 7. Das BFM führte zur Begründung se iner Verfügung aus, ein Abgleich mit dem zentralen Visa -Informationssystem habe ergeben, dass den B e- schwerdeführenden von Italien ein gültiges Visum ausgestellt worden sei (Gültigkeit: {…….}). Sodann habe Italien das Ersuchen um Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 9 Abs. 2 Dublin-II-VO gutge- heissen, womit die Zuständigkeit zur Durchführung des As yl- und Weg- weisungsverfahrens bei Italien liege. Die Beschwerdeführenden hätten anlässlich des ihnen gewährten rechtlichen Gehörs zu Protokoll gegeben, mit gefälschten Pässen gereist zu sein und die italienischen Schengen - Visa seien nicht auf ihre richtigen Namen ausgestellt worden. Ferner hät- ten sie angegeben, es spreche nichts gegen eine Zuständigkeit Italiens zur Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens und es spiele keine Rolle, wo sie leben würden. Bezüglich des Antrags a uf eine N a- mensänderung sei festzuhalten, dass bis zur Rückführung nach Italien jene Namen als Hauptidentitäten zu belassen seien, auf welche das it a- lienische Schengen -Visum ausgestellt sei, und eine Namensänderung D-1149/2014 Seite 8 sodann bei den italienischen Behörden zu b eantragen sei. Die Überstel- lung der Beschwerdeführe nden an die italienischen Behörden habe – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung (Art. 19 f. Dublin-II-VO) – bis spätestens am 21. August 2014 zu erfolgen. 7.1 Die Beschwerdeführenden führten zur Begründung ihrer Beschwerde aus, ihre Überstellung an Italien sei nicht in der gesetzlich vorgeschrieb e- nen Frist erfolgt, weshalb die Zuständigkeit zur Durchführung des Asy l- verfahrens gemäss Art. 29 Abs. 2 Dublin -III-VO auf die Schweiz überg e- gangen sei. Die Feststellung des BFM, wonach die italienischen Behö r- den das Übernahmeersuchen am 21. Februar 2014 gutgeheissen hätten, sei tatsachenwidrig. Die Zusage datiere vom 4. Juni 2013. Es mache den Anschein, dass es bei der Übermittlung der erwähnten Zusage zu Pro b- lemen gekommen sei. Dies sei dem BFM anscheinend in einer E-Mail vom 21. Februar 2014 erklärt worden. Dieser E -Mail-Verkehr könne j e- doch nicht beurteilt werden, da sowohl Absender als auch Empfänger der E-Mail nicht ersichtlich seien. Jedenf alls sei klar, dass eine fünfzeilige E-Mail keine formelle Antwort auf ein Überstellungsersuchen darstelle. Gemäss Art. 29 Abs. 1 Dublin -III-VO habe eine Überstellung innerhalb von sechs Monaten seit der Annahme der Aufnahme zu erfolgen. In casu datiere die Annahmeverfügung der italienischen Behörden vom 4. Juni 2013, weshalb die Überstellung bis Anfang Dezember 2013 hätte vorg e- nommen werden müssen. Mit der Nichtüberstellung der Beschwerdefüh- renden nach Italien sei die Zuständigkeit Italiens erloschen un d die Schweiz für die Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens zuständig geworden. Daran ändere sich selbst dann nicht s, wenn das Schreiben vom 21. Februar 2014 als Zusage der italienischen Behörde betrachtet würde. Gemäss Art. 23 Dublin-III-VO sei nach Nichtbeantwortung der Anfrage in- nerhalb von zwei Monaten davon auszugehen, dass der Anfrage stattg e- geben worden sei. Das BFM habe am 19. April 2013 die italienischen B e- hörden erneut um Übernahme der Beschwerdeführenden angefragt. E n- de Juni 2013 hätte das BFM bei Ermangelung einer Antwort davon au s- gehen müssen, dass der Anfrage stattgegeben worden sei. Demnach sei die sechsmonatige Frist zur Rückführung nach Italien Ende 2013 abg e- laufen. Indem das BFM jedoch bis jetzt keine Überstellung vorgenommen habe, sei die Zuständigkeit von Italien in Anwendung von Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO erloschen und das BFM für die Durchführung eines orden t- lichen Asylverfahrens zuständig. Eine nach dem Übergang der Zustä n- digkeit erfolgte Übernahmeerklärung vermöge am Übergang der Zustän-D-1149/2014 Seite 9 digkeit nichts zu ändern, zumal in besagter E-Mail auch keine solche Er- klärung gesehen werden könne. Sollte wider Erwarten Italien als zuständig für die Durchführung des Asy l- verfahrens erachtet werden, so müsste sich dennoch die Schweiz im Si n- ne des Selbsteintrittsrechts nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO aus mehre- ren Gründen für zuständig erklären und auf die Asylgesuche der B e- schwerdeführenden eintreten. So habe das BFM die neugeborene Toc h- ter O._______ trotz Geburtsmitteilung nicht in seinen En tscheid aufg e- nommen. Indem die Vorinstanz diesen wesentlichen Aspekt des Sac h- verhalts nicht in seine Erwägungen aufgenommen habe, verletze das BFM seine Begründungspflicht. Da sich der Entscheid des BFM, aber vor allem auch der Übernahmeentscheid Italiens, nicht auf alle Familiena n- gehörigen beziehe, sei der Grundsatz der Einheit der Familie verletzt. Dadurch entstehe eine unklare Rechtslage und es sei nicht ersichtlich, was mit der Tochter geschehen werde. Deshalb erscheine die Überste l- lung der gesamten Familie nach Italien als unzumutbar, wenn nicht sogar als unmöglich. Sodann bestehe der eigentliche H auptgrund des Dublin -Systems darin, den Betroffenen eine rasche Bestimmung des zuständigen Staats zu er- möglichen, um den effektiven Zugang zu den Verfahren zur Gewährung des internationalen Schutzes zu gewährleisten und das Ziel einer zügigen Bearbeitung der Asylanträge nicht zu gefährden. Die Beschwerdeführen- den hätten sich jedoch fast ein Jahr lang im Ungewissen über die Z u- ständigkeit bezüglich ihres Asylgesu chs befunden. Zudem sei aufgrund mehrerer Berichte über die Situation von Asylsuchenden und Dublin - Rückkehrenden in Italien zu bezweifeln, dass die italienischen Behörden ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen – vor allem in Bezug auf das Ki n- deswohl – nachkommen könnten. Es liege ein besonderer Härtefall vor , weshalb sich das BFM nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO für zuständig hätte erklären müssen. 7.2 Das BFM führte in seiner Vernehmlassung aus, es lägen keine neuen Tatsachen oder Beweismittel vor, welche eine Änderung ihres Standpunk- tes rechtfertigen könnten. Gleichwohl sei f estzuhalten, dass ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-Vis) ergeben habe, dass die Beschwerdeführenden ein Schengen -Visum von den italienischen Behörden erhalten h ätten, weshalb das BFM die italienischen Behörden am 12. April 2013 um deren Übernahme ersucht h abe. Weil die italie ni- schen Behörden nebst dem CS -Vis-Treffer auch einen Fingerabdruckb o-D-1149/2014 Seite 10 gen gewünscht hätten, seien die Übernahmeersuchen abgelehnt worden. In Form von zwei Remonstrationen habe das BFM am 19. April 2013 den italienischen Behörden die gewünschten Fingerabdrücke der Beschwe r- deführenden zugestellt. Hinsichtlich des Remonstrationsverfahrens sei anzumerken, dass die italienischen Behörden zwar binnen zwei Wochen hätten antworten sollen, es aber keinen Zuständigkeitsübergang zur Fo l- ge habe, falls keine Antwort innerhalb dieser Frist eingehe. Anzumerken sei, dass die italieni schen Behörden viel Zeit für die Beantwortung der Remonstrationsersuchen benötig t hätten, da sie die ältere Toch ter der Beschwerdeführenden, L._______, in ihrem Visasystem nicht hätten e r- mitteln können. Anfang Februar 2014 hätten die ital ienischen Behörden der BFM -Verbindungsperson mitgeteil t, dass sie am 4. Juni 2013 den beiden Remonstrationsersuchen zugestimmt hätten. Allerdings seien di e- se Zustimmungen beim BFM nie eingegangen und die italienischen B e- hörden seien auch nich t in der Lage, entsprechende Empfangsbestät i- gungen ('proof of delivery') vorzulegen. Schliesslich habe sich das BFM mit den italienischen Behörden auf eine erneute Zustellung der besagten Zustimmungen vom 4. Juni 2013 geeinigt, wobei im Rahmen eines Ve r- merks festzuhalten sei , dass die Zustimmung ab dem 21. Februar 2014 gelte und die sechsmonatige Überstellungsfrist somit ab diesem Zeitpunkt laufe. Diese Nachrichten seien dem BFM am 21. Februar 2014 von den italienischen Behörden übermittelt worden. Sodann handle es sich bei der Tatsache, dass O._______, die in der Schweiz geborene Tochter der B e- schwerdeführenden, in der Verfügung vom 26. Februar 2014 nicht aufg e- führt worden sei, um einen Kanzleifehler. O._______ sei nach Erhalt des Geburtsscheines im ZEMIS erfasst worden. Im Rahmen der Überstellung nach Ita lien werde das B FM, wie üblich im Falle einer Geburt in d er Schweiz, den italienischen Behörden den Geburtsschein von O._______ zustellen, wodurch sie in Italien als weiteres Kind der Beschwerdeführe n- den registriert werde. 7.3 In ihrer Replik führten d ie Beschwerdeführe nden aus, der Einschä t- zung des BFM, wonach die italienischen Behörden zwar grundsätzlich zwei Wochen nach dem Remonstatrionsersuchen hätten antworten so l- len, das Unterlassen jedoch keine Zuständigkeitsübergang zur Folge h a- be, sei zu widersprechen. Gemäss Art. 23 Dublin -III-VO gelte nach zwei Monaten ohne Antwort die Vermutung, dass dem Ersuchen stattgegeben worden sei. Dementsprechend habe das BFM Ende Juni 2013 von der Zuständigkeit Italiens ausgehen können, womit die sech smonatige Frist zur Überstellung Ende 2013 abgelaufen sei. Mit der Nichtüberstellung der D-1149/2014 Seite 11 Beschwerdeführenden sei die Zuständigkeit zur Durchführ ung eines o r- dentlichen Asylverfahrens auf das BFM übergegangen. 8. 8.1 8.1.1 In ihrer Rechtsmitteleingabe rügen die Beschwerdeführenden , das BFM habe den Sachverhalt unvollständig festgestellt, weil i n der ang e- fochtenen Verfügung ihre in der Schweiz geborene Tochter O._______ nicht aufgeführt worden sei. Der Entscheid des BFM beziehe sich ledi g- lich auf die Ehegatten sowie das ältere Kind . Trotz Geburtsmitteilung sei ihre jüngste Tochter nicht in den En tscheid aufgenommen worden. Eben- so würden von den italienischen Behörden lediglich Übernahmeentsche i- de für die Eltern und die ältere Tochter vorliegen, was zu einer unklaren Rechtslage führe. Es sei nicht ersichtlich, was mit der Tochter geschehen würde. 8.1.2 Vorliegend ist die Rüge der unvollständigen Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhalts berech tigt. Das BFM hat in der angefoch tenen Verfügung die in der Schweiz geborene Tochter O._______ nicht aufge- führt, obwohl in der Eingabe der Beschwerdeführenden vom 30. Januar 2014 auf die Geburt hingewiesen und darum ersucht wurde, das Kind in das Asylverfahren der Eltern aufzunehmen. Im Rahmen der Vernehmla s- sung erklärte die Vorinstanz, aufgrund einer technischen P anne bei der automatischen Datenübernahme aus dem ZEMIS sei die am P ._______ geborene Tochter O._______ nicht in der Verfügung aufgeführt worden. Im Rahmen der Überstellung nach Italien werde das BFM allerdings, wie üblich im Falle eines in der Schweiz geb orenen Kindes, den italienischen Behörden den Geburtsschein zustellen, wodurch O._______ in Italien als weiteres Kind der Beschwerdeführenden registriert werde. 8.1.3 Auf die Aufhebung eines Entscheides wegen Verletzung des rechtli- chen Gehörs kann verzichtet we rden, wenn das Versäumnis in einem Rechtsmittelverfahren nachgeholt und der erstrebte Zweck so nachträ g- lich erreicht wird, ohne dass der betroffenen Partei daraus ein wesentl i- cher Nachteil erwächst. In casu wird das BFM mit der nachträglichen Z u- stellung des Geburtsscheines der in der Schweiz geborenen Tochter und der daraus resultierenden Gewährleistung der gemeinsamen Überste l- lung nach Italien eine geeignete Korrektiv -Massnahme ergr eifen, ohne dass dabei den Beschwerdeführenden ein Nachteil erwächst. Desha lb ist der festgestellte Verfahrensmangel durch die nachträglich vorzunehmen-D-1149/2014 Seite 12 de Handlung als geheilt zu betrachten. Der dementsprechende Rückwei- sungsantrag ist daher abzuweisen. 8.2 8.2.1 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sehen die Beschwerdefüh- renden sodann darin begründet, dass zwischen der Befragung und dem Erlass der angefochtenen Verfügung fast ein Jahr verstrichen sei, sich zwischenzeitlich die Umstände in Italien jedoch wesentlich geändert hä t- ten und ihre jüngste Tochter O._______ zur Welt gekommen sei, weshalb im Hinblick auf ihr neugeborenes Kind eine erneute Befragung hätte durchgeführt werden müssen. 8.2.2 Bezüglich dieser Rüge ist festzuhalten, dass die Untersuchung s- pflicht der Behörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht eines G e- suchstellers findet (Art. 8 AsylG), der auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Die Beschwerdeführenden hatten im vorliegenden Verfah- ren hinreichend Gelegenheit gehabt, zu ihrer heutigen Situation Stellung zu nehmen. Aus den Akten ist ersichtli ch, dass sie nach ihrer letzten Be- fragung, insbesondere seit der Geburt ihres jüngsten Kindes am P ._______, bis zum Ergehen der angefochtenen Verfügung – mit Aus- nahme der Einreichung von originalen Identitätspapieren , dem Gesuch um Namensänderung und der M itteilung der Geburt von Tochter O._______ (vgl. oben Bst. G) – keine neuen wesentlichen Sachverhalts- elemente zu Handen des BFM nachzutragen hatten. Nachdem d ie Be- schwerdeführenden allfällige neue Erkenntnisse aufgrund ihrer gesetzli- chen Mitwirkungspflicht hätten bekanntgeben müssen und ih nen dies of- fensichtlich auch möglich und zumutbar gewesen wäre, erweist sich die Rüge diesfalls als unbegründet. 9. 9.1 Bezüglich der behaupteten Verfristung zur Überstellung der B e- schwerdeführenden nach Italien stellt das Bunde sverwaltungsgericht so- dann Folgendes fest: 9.2 9.2.1 Die italienischen Behörden lehnten das ursprüngliche Übernahm e- gesuch des BFM vom 12. April 2013 mit Antwortschreiben vom 17. und 18. April 2013 fristgerecht ab und verweigerten damit die Übernahme der Beschwerdeführenden. Ihre negative Antwort begründeten sie damit, dass das Gesuch nicht die erforderlichen Beweise – in casu Fingerabdrü- cke der Beschwerdeführenden – enthalte. D-1149/2014 Seite 13 9.2.2 9.2.2.1 Mit einer als "Re-examination" bezeichneten Anfrage an die italie- nischen Behörden vom 19. April 2013 sowie der gleichzeitigen Zustellung der Fingerabdrücke stellte das BFM ein Remonstrationsbegehren im Sin- ne von Art. 5 Abs. 2 DVO Dublin. 9.2.2.2 Art. 5 Abs. 2 DVO Dublin hat folgenden Wortlaut: " Vertritt der er- suchende Mitgliedstaat die Auffassung, dass die Ablehnung auf einem Irr- tum beruht, oder kann er sich auf weitere Unterlagen berufen, ist er b e- rechtigt, eine neuerliche Prüfung seines Gesuchs zu verlangen. Diese Möglichkeit muss binnen drei Wochen nach Erhalt der ablehnenden Ant- wort in Anspruch genommen werden. Der ersuchte Mitgliedstaat erteilt binnen zwei Wochen eine Antwort. Durch dieses zusätzliche Verfahren ändern sich in keinem Fall die in Artikel 18 Absätze 1 und 6 und Artikel 20 Absatz 1 Buchstabe b) der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 vorgesehenen Fristen". 9.2.2.3 In der Lehre wird festgehalten, die Fristen für Antrag und Antwort des Remonstrationsverfahrens seien wegen der Notwendigkeit eines schnellen Vorgehens kurz bemessen; der Ablauf dieser Fristen könne nicht zuständigkeitsbegründend wirken, und es bleibe demnach für den (erneut) nachgesuchten Mitgliedstaat – mit Bezug auf die Zuständigkeits- frage – ohne Folge, wenn er sich innert der Antwortfrist nicht äussere (vgl. MATHIAS HERMANN, Das Dublin System, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 141 f.; CHRISTIAN FILZWIESER / ANDREA SPRUNG, Dublin II -Verordnung, 3. Aufl., Wien/Graz 2010, K5 ff. zu Art. 5 DVO). 9.2.2.4 Vorliegend ist festzustellen, dass das BFM den Remonstrations - antrag vom 19. April 2013 rechtzeitig gestellt hat te (Art. 5 Abs. 2 Satz 2 DVO Dublin). Innert der zweiwöchigen Antwortfrist (Art. 5 Abs. 2 Satz 3 DVO Dublin) ging jedoch keine Reaktion der italienischen Behörden ein. 9.2.3 In Anbetracht dieser Sach - und Rechtslage wäre an sich die Schweiz aufgrund der ablehne nden Antworten Italiens vom 17. bezi e- hungsweise 18. April 2013 für die Behandlung der Asyl - und Wegwe i- sungsverfahren der Beschwerdeführenden zuständig geworden. Der U m- stand, dass sich die italienischen Behörden im Rahmen des Remonstrat i- onsverfahrens nicht äusserten, hat für Italien somit keine Folgen in dem Sinne, dass mangels Antwort die Zuständigkeit auf diesen Staat überg e- gangen wäre (Zustimmungsfiktion; vgl. bspw. Art. 18 Abs. 7 Dublin-II-VO). D-1149/2014 Seite 14 9.3 9.3.1 Am 21. Februar 2014 erklärten die italienischen Behörden je doch ihre Bereitschaft, die Beschwerdeführe nden zu übernehmen. Es stellt sich die Frage, ob diese Erklärung den Wechsel der Zuständigkeit von der Schweiz auf Italien zu bewirken vermochte, und das BFM demnach zu Recht von der staatsvertraglichen Zuständigk eit eines Drittstaates im Sinn von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ausging. 9.3.2 Das in der Dublin -II-VO festgelegte System steht dem Umstand, dass sich ein gemäss den in der Dublin -II-VO festgelegten Kriterien u n- zuständiger Staat als zuständig erklärt, nicht entg egen, solange andere personenbezogene Rechte, insbesondere jenes auf Wahrung der Famil i- eneinheit, nicht verletzt werden (vgl. BVGE 2010/27 E. 7.3.2). Dem e r- wähnten Urteil lag der Sachverhalt zugrunde, dass der Bestimmungsstaat seine Zuständigkeit durch kon kludentes Verhalten anerkannte, indem er die Überstellung auch nach Ablauf der diesbezüglichen Frist zuliess. Vo r- liegend wurde zwar kein Überstellungsverfahren in Gang gesetzt. In an a- loger Anwendung der in BVGE 2010/27 E. 7.3.2 enthaltenen Rechtspr e- chung i st indessen von einem Wechsel der Zuständigkeit aufgrund von konkludentem Verhalten des Bestimmungsstaates auch in anderen Fälle auszugehen, zumal nicht ersichtlich ist, dass diese Ausnahmekonstellat i- on nur auf Fälle des Überstellungsverfahrens beschränkt sein soll. In die- sem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass in der Praxis auch mehrfache Anfragen zur Übernahme zugelassen werden. Die erwähnte Ausnahmekonstellation trifft vorliegend umso mehr zu, als die italien i- schen Behörden am 21. Februar 2014 nich t nur konkludent, sondern ausdrücklich die Zuständigkeit Italiens für die Behandlung der Asylges u- che der Beschwerdeführenden bestätigten. Anhaltspunkte, dass die F a- milie der Beschwerdeführenden dadurch getrennt würde, bestehen nicht. 9.3.3 Nach dem Gesagten erübrigt es sich, auf die geltend gemachte Übermittlungsproblematik des vom 4. Juni 2013 datierten Zustimmung s- dokuments der italienischen Behör den und einer allfälligen Verfristung weiter einzugehen, da die sechsmonatige Frist zur Überstellung , wie vor- gängig erwähnt, mit Zusage der italienischen Behörden vom 21. Februar 2014 zu laufen beginnt. Diesbezüglich ist ergänzend festzuhalten, dass den Beschwerdeführenden das entsprechende Aktens tück (A40/2) im Rahmen der entsprechenden Einschränkungen – gemäss Art. 27 VwVG durften die Namen der mit der Angelegenheit befassten Personen abg e- deckt werden – offen gelegt wurde, weshalb sich die sinngemässe Rüge der nicht vollständigen Akteneinsicht als unbegründet erweist. Unbe-D-1149/2014 Seite 15 helflich ist diesbezüglich auch der Einw and, in einer fünfzeiligen E -Mail könne keine formelle Antwort auf ein Überstellun gsersuchen erblickt wer- den. Zwar wird nach Möglichkeit der gesamte Schriftenwechsel zwischen den Mitgliedstaaten über das elektronische Kommunikationsnetz "Dubl i- net" übermittelt, indessen können unter gewissen Umständen Schriftstü- cke auch auf anderem Wege übermittelt werden (vgl. Art. 15 Abs. 1 DVO Dublin). Gegen die Übermittlung der Antwort Italiens vom 21. Februar 2014 per E -Mail ist folglich nichts einzuwenden, zumal die Üb ermittlung der Zustimmung Italiens vom 4. Juni 2013 über "Dublinet" offensichtlich nicht funktionierte. Die nachträgliche Zustimmung der italienischen Behörden ist damit – ent- gegen den diesbezüglichen Einwänden auf Beschwerdeebene – im Rahmen der vorgenannten Ausnahmeregelung rechtsgültig, womit Italien für die Prüfung der Asylanträge der Beschwer deführenden grundsätzlich zuständig ist. Es erübrigt sich deshalb, auf die übrigen in diesem Zusam- menhang stehenden Rügen und Vorbringen in der Beschwerde weiter einzugehen. 10. 10.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-II-VO ist sodann zu prüfen, ob in Abweichung von der festgestellten Zuständigkeit Italiens die Schweiz die Prüfung der Asylgesuche der Beschwerdeführenden vorz u- nehmen hat. 10.2 Die Beschwerdeführenden führten unter H inweis auf eine Medie n- mitteilung der S chweizerischen Flüchtlingshilfe (S FH) vom 10. Oktober 2013 sowie die aktuelle Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) aus, es könne zurzeit niemand mit Sicher- heit oder hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Situation der Besc hwerdeführenden in Italien der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrecht e und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und den humanitären Gesichtspunkten entsprechend berüc k- sichtigt werde. 10.3 Hierzu ist festzuhalten, dass die schweizerischen Behörden zwar da- für sorgen müssen, dass die Beschwerdeführenden im Falle einer Übe r- stellung nach Italien nicht einer dem in ternationalen Recht widerspr e- chenden Behandlung ausgesetzt sind, Italien indessen Vertragspartei der EMRK, des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Übereinkommens vom 10. De-D-1149/2014 Seite 16 zember 1984 gegen Folte r und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist . Angesichts der Vermutung, wonach jener Staat, der für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, die völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalte, obliegt es den Beschwerdeführen den, diese Vermutung umzustossen, wobei sie ernsthafte Anhaltspunkte vorzubringen haben, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates in ihrem konkreten Fall das Völkerrecht verle t- zen und ihnen nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie me n- schenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden (vgl. EGMR, M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Appl. No. 30696/09], Urteil vom 21. Januar 2011, § 84 -85 und 250; ebenso Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493). 10.4 Italien ist als nach Art. 3 Abs. 1 Dublin -II-VO zuständiger Staat gehalten, die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten (sog. Aufnahmerichtlinie ) umzusetzen. Es kann au s- serdem entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden in Fortfü h- rung der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht davon ausgegangen werden, Italien würde in genereller Weise seinen völke r- rechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen respektive in völke r- rechtswidriger Weise gegen die Aufnahmerichtlinie verstossen. Diese An- sicht wurde durch den EGMR in der Entscheidung Mohammed Hussein und andere vs. Niederlande und Italien ([Beschwerde Nr. 27725/10] vom 2. April 2013, Unzulässigkeitsentscheidung wegen offensichtlic her Unbe- gründetheit gemäss Art. 35 Abs. 3 EMRK) bestätigt. Darin führte der G e- richtshof aus, dass kein systematischer Mangel an Unterstützung und Einreichungen für Asylsuchende (als besonders verletzliche Persone n- gruppe) bestehe, wenn auch die allgemeine Situation und insbesondere die Lebensumstände vo n Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. auch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3508/2013 vom 27. Juni 2013). Diese Rechtsprechung hat nach wie vor G ültigkeit (vgl. etwa das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-5918/2013 vom 23. April 2014 E. 7.2 unter Hinweis auf die Urteile D-1694/2014 vom 4. April 2014, E -1476/2014 vom 17. März 2014, E-1372/2014 vom 21. März 2014, D -538/2014 vom 14. Februar 201 4, E-6838/2013 vom 27. Dezember 2013 oder D -5957/2013 vom 3. Dezem- ber 2013). D-1149/2014 Seite 17 10.5 Die Beschwerdeführenden vermögen die Vermutung, wonach Italien seine völkerrechtlichen Verpflichtungen einhält, nicht umzustossen. Sie haben kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die italienischen Behörden würden sich weigern, sie aufzunehmen und ihren Antrag auf in- ternationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft (sog. Verfahrensrichtlinie) zu prüfe n. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwun- gen zu werden. Ausserdem haben die Beschwerdeführenden nicht darge- tan, die sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Es wurden von ihnen auch keine konkreten Hinweise für die Annahme vorgebracht, Italien würde ihnen dauerhaft die ihnen gemäss Aufnahme- richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Ebenso wenig bestehen substanziierte Anhaltspunkte, die Kinder würden während ihres Aufenthaltes in Italien von ihren Eltern getrennt. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der Lebensumstände könnten sie sich im Übrigen nötigenfalls an die italienischen Behörden wenden und die ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 10.6 Das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende steht zwar in g e- wissen Punkten in der Kritik (vgl. namentlich Bericht der SFH, Italien: Aufnahmebedingungen, Aktuelle Situatio n von Asylsuchenden und Schutzberechtigten, insbesondere Dublin-Rückkehrenden, Oktober 2013; vgl. auch UNHCR, Recommendations on Important Aspects of Refugee Protection in Italy, Juli 2013, Ziffer 5: "Reception conditions for asylum - seekers"). Indes werden nach Kenntnis des Bundesverwaltungsgerichts Dublin-Rückkehrende sowie verletzliche Personen bezüglich Unterbri n- gung von den italienischen Behörden bevorzugt behandelt. Zudem ne h- men sich auch private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asyls u- chenden und Flüchtlingen an. D-1149/2014 Seite 18 10.7 Nach dem Gesagten konnten die Beschwerdeführenden , welche keine aktuellen gesundheitlichen Probleme geltend machen, kein konkre- tes und ernsthaftes Risiko glaubhaft machen, welches ihre Überstellung als unzulässig erscheinen lassen würde. Italien ist gemäss Dub lin-II-VO zuständig für die Prüfung der Asylgesuche der Beschwerdeführenden und entsprechend verpflichtet, sie aufzunehmen. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dub- lin-II-VO nicht gerechtfertigt. Der Volls tändigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-II-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ih- ren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). Somit bleibt Italien der für die Behandlung der Asylgesuche der Be - schwerdeführenden zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-II-VO. 11. Das BFM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. Da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Italien in Anwendung vo n Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Wie vor- stehend aufgezeigt, litt jedoch die angefochtene Verfügung im Zeitpunkt ihres Erlasses an einem Verfahrensmangel. Dieser Mangel wurde zwar geheilt; aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführenden nur durch das Ergreifen eines Rechtsmittels zu einem recht skonformen Entscheid g e- langt sind, darf ih nen jedoch kein finanzieller Nachteil erwachsen, we s- halb in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 letzter Satz VwVG i.V.m. Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) keine Kosten aufzuerlegen sind (vgl. BVGE 2008/47 E. 5.1 S. 680 f.). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird damit gegenstandslos. 13. Aufgrund des soeben Gesagte n ist den Beschwerdeführenden trotz des D-1149/2014 Seite 19 Umstandes, dass sie im vorliegenden Beschwerdeverfahren letztlich mit ihren Rechtsbegehren nicht durchgedrungen ist, für die ih nen aus der Beschwerdeführung erwachsenen, notwendigen Kosten (vgl. BVGE 2008/47 E. 5.2 S . 681) respektive für diejenigen Aufwendungen, die auf die Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz zurückzufü h- ren sind, eine reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist demnach unter B e- rücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) auf insgesamt Fr. 200.– (inkl. Spesen) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-1149/2014 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das BFM wird angewiesen, de n Beschwerdeführenden eine Parteient - schädigung von Fr. 200.– auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kant o- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand: