B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2119/2016 U r t e i l v o m 28 . A p r i l 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren am 10. September 1997, Eritrea, vertreten durch MLaw Gian Ege, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 15. März 2016 / N (…). D-2119/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Hei- matstaat im Juni 2013 und gelangte am 17. Juli 2014 unkontrolliert in die Schweiz, wo er am folgenden Tag im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) M._______ ein Asylgesuch stellte. A.b Anlässlich der Befragung vom 29. Juli 2014 zur Person (BzP) im EVZ N._______ sowie der Anhörung vom 1. Dezember 2015 durch das SEM machte der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs im We- sentlichen geltend, er sei eritreischer Staatsangehöriger und auch in Erit- rea zur Welt gekommen. Er habe mit seiner Mutter und seinen Geschwis- tern in O._______ gewohnt. Seine Fami lie lebe von der Landwirtschaft, sein Vater sei Soldat. Die Schule habe er im Jahre 2011 in der achten Klasse abgebrochen und fortan als Hirte gea rbeitet. Nach seinem Schul- abbruch hätten die Behörden mehrmals einen Brief zu ihm nach Hause gebracht und diesen jeweils wiederum ungeöffnet mitgenommen. Er habe angenommen, es habe sich dabei um ein Militäraufgebot gehandelt, wes- halb er sich versteckt hab e. Im Juni 2013 sei er alleine und zu Fuss von O._______ illegal über die Grenze nach Äthiopien gegangen. Seines Ver- schwindens wegen hätten die Behörden seiner Mutter das L eben schwer gemacht. Nach seiner Ankunft im Ausland habe man seine Mutter indessen nicht mehr befragt. Nach verschiedenen Zwischenaufenthalten im Sudan, in Libyen und Italien sei er am 17. Juli 2014 illegal in die Schweiz einge- reist. Seine gesamte Reise habe 6'200 Dollar gekostet und sei von seinen Eltern und einem Cousin bezahlt worden. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er als Beweismittel eine Ko- pie eines Teils eines Identitätspapiers seiner Mutter zu den Akten. A.c Der Beschwerdeführer deklarierte auf dem Personalienblatt des Emp- fangszentrums, er sei am 10. September 1993 geboren. Aufgrund von Zweifeln an der Korrektheit der Altersangabe wurde am 5. August 2014, d.h. nach der BzP und vor der Direktanhörung, eine Knochenaltersbestim- mung nach Greulich und Pyle durchgeführt. Diese ergab ein wahrscheinli- ches Alter von 17 Jahren. Dem Beschwerdeführer wurde im Beisein einer Vertrauensperson das rechtliche Gehör zum Ergebnis der Knochenalters- analyse gewährt. D-2119/2016 Seite 3 B. B.a Mit Verfügung vom 15. März 2016 – eröffnet am 18. März 2016 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 18. Juli 2014 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungs- vollzug an. B.b Zur Begründung machte die Vorinstanz geltend, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien in verschiedener Hinsicht widersprüchlich aus- gefallen. So habe er geltend gemacht, die Behörden hätten mehrmals ein militärisches Aufgebot zu ihm nach Hause gebracht und anschliessend un- geöffnet wieder mitgenommen. Dabei sei die von ihm genannte Anzahl von Zustellungen des fraglichen Schreibens anlässlich der BzP ( zweimal) so- wie anlässlich der Direktanhörung (dreimal) unterschiedlich und damit wi- dersprüchlich ausgefallen. Des Weiteren habe er unterschiedliche Anga- ben zum zeitlichen Ablauf beziehungsweise zum Zeitpunkt gemacht, in dem das fragliche Schreiben angeblich zum ersten Mal zu ihm nach Hause gebracht worden sei. Einerseits habe er den zeitlichen Ablauf wie folgt ge- schildert: Schulabbruch – Militäraufgebot – Hausbrand. Andererseits wolle er beim Hausbrand noch zur Schule g egangen sein. Ob sich der angebli- che Hausbrand vor oder nach der Zustellung des Schreibens ereignet habe, ob er zum Zeitpunkt der Zustellung des Schreibens noch in der Schule gewesen sei oder diese bereits abgebrochen habe, sei für die Be- urteilung der Glaubhaftigkeit seines Vorbringens von zentraler Bedeutung. Seine diesbezüglichen Angaben seien indessen widersprüchlich ausgefal- len. Ferner wichen auch seine Angaben zu seinem Aufenthalt sowie zu den Umständen, unter denen das fragliche Schreiben angeblich erstm als zu- gestellt worden sei, erheblich voneinander ab. Die oben erwähnten Wider- sprüche beträfen das angebliche Milit äraufgebot und damit den wesentli- chen Punkt seines Asylvorbringens. Angesichts der genannten Widersprü- che halte sein Vorbringen – er habe ein Militärdienstaufgebot erhalten und hätte demnächst einrücken müssen – den Anforderungen an die Glaubhaf- tigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht stand. Des Weiteren erschie- nen seine Vorbringen zum angeblich illegalen Verlassen Eritreas, insbe- sondere bezüglich des Grenzübertritts, als schemenhaft, weitgehend un- substanziiert und stereotyp. Die Vorbringen erweckten den Anschein, er habe das Geschilderte nicht selbst erlebt. Seine Schilderungen zur Aus- reise seien zu dem im Vergleich mit den Schilderungen zu seinem Ar- beitsalltag als Hirte markant detailärmer ausgefallen und verstärkten den obigen Eindruck. Somit erschienen seine Vorbringen zur Ausreise aus Erit- rea als insgesamt nicht glaubhaft. Zusammenfa ssend sei festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, die behauptete illegale D-2119/2016 Seite 4 Ausreise und damit das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen glaubhaft zu machen. Obwohl demnach davon auszu gehen sei, dass er die wahren Umstände sein er Ausreise verheimlicht habe, könne aus der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen noch nicht auf eine legale Ausreise geschlossen werden. Genauso wenig reiche es aus, sich auf die notorisch schwierige legale Ausreise zu berufen, ohne die konkreten Ausreisegründe und –umstände glaubhaft dazutun, um von einer illegalen Ausreise auszu- gehen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten nach dem Gesagten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Demzufolge er- fülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzu- lehnen sei. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewendet werden. Ferner ergäben sich aus den Akten keine An- haltspunkte dafür, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Str afe oder Behandlung drohe. Somit sei der Wegweisungsvollzug zulässig. Des Weiteren lasse die allgemeine Lage in seinem Heimatstaat nicht auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen. Auch auf der in- dividuellen Ebene liege nichts vor, das den Vollzug der Wegweisung unzu- mutbar erscheinen lassen würde, zumal seine Familie nach wie vor in Erit- rea lebe und er somit über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfüge. Es sei davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Eritrea wieder dort einziehen könne und von seiner Fa milie auch wirtschaftlich unterstützt werde. Ausserdem hätten seine Eltern sowie ein Cousin aus (…) die an- geblichen Reisekosten von 6'200 Dollar bezahlt, weshalb sich der Eindruck aufdränge, er könne auch in finanzieller Hinsicht auf eine ni cht unbedeu- tende Unterstützung zählen. Zudem sei er jung und gesund. Diese Um- stände würden seine soziale und wirtschaftliche Integration in Eritrea be- günstigen. In Würdigung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigung der Aktenlage im gegenwärtigen Zeitpunkt erachte das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Eritrea als zumutbar. Schliesslich bestünden vorlie- gend keine Vollzugshindernisse, insbesondere sei die Wegweisung nach Eritrea technisch und praktisch durchführbar. Der Vollzug der Wegweisung sei somit möglich. C. Mit Eingabe vom 6. April 2016 liess der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde anheben und die nachfolgend aufgeführten D-2119/2016 Seite 5 Rechtsbegehren stellen: Es sei die Verfügung vom 15. März 2016 des SEM bezüglich der Dispositivziffern 1, 3, 4 und 5 aufzuheben. Es sei die Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers anzuerkennen und seine vorläu- fige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. Eventualiter sei der Beschwer- deführer im Hinblick auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei dem Beschwer- deführer die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren und ihm ein amtlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Schliess- lich sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausna hme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. D-2119/2016 Seite 6 1.4 Die Ziffer 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung (Ablehnung des Asylgesuchs) ist mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Beruft sich eine Person da- rauf, dass durch ihre illegale Ausreise (sog. Republikflucht) oder durch ihr Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat (insbe- sondere durch politische Exilaktivitäten) eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, hat sie begründeten Anlass z ur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahr- scheinlichkeit vom fraglichen Umstand erfahren hat und die Person des- halb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (Urteil des BVGer E-5232/2015 vom 3. Februar 2015 E. 5.3). Durch Republikflucht zum Flüchtling wird demzufolge, wer sich aufgrund der un- erlaubten Ausreise mit Sanktionen seines Heimatstaates konfrontiert sieht, die bezüglich ihrer Art, ihres Ausmasses und der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen ( CA- RONI/GRASDORF-MEYER/OTT/SCHEIBER, Migrationsrecht, 3. Aufl. 2014, S. 239, 241). Solche subjektiven Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne v on Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung bis anhin davon aus, dass eine illegale Ausreise aus Erit- rea als subjektiver Nachfluchtgrund anzusehen ist, weil illegal Ausreisende bei einer Rückkehr nach Eritrea mit erheblichen Nachteilen im Sinne von D-2119/2016 Seite 7 Art. 3 AsylG rechnen müssen (vgl. Urteil des BVGer D -3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.3). 3.2 Der Beschwerdeführer versucht seine Flüchtlingsstellung im Wesentli- chen mit einer illegalen Ausreise aus Eritrea zu begründen. Zwar anerkennt das Bundesverwaltungsgericht, dass eine legale Ausreise aus Eritrea nur sehr eingeschränkt möglich ist (vgl. Urteil des BVGer D -4787/2013 vom 20. November 2014 E. 8.2 [als Referenzurteil publiziert]). Nichtsdestotrotz geht das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass die gesetzliche Beweislast für das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen auch unter diesen Umständen nicht umgekehrt wird (vgl. z.B. Urteil des BVGer E-5232/2015 vom 3. Februar 2016 E. 6.3.2). Es bleibt bei der Beweislastregel von Art. 7 AsylG, wonach eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen muss. Für die Anerkennung der Flüchtlingseigenscha ft reicht es deshalb nicht aus, dass eine illegale Ausreise aus Eritrea lediglich behaup- tet wird; die illegale Ausreise muss vielmehr glaubhaft gemacht werden, wobei der Massstab der Glaubhaftigkeit (Art. 7 AsylG) uneingeschränkt gilt (vgl. Urteil des BVGer D-4787/2013 vom 20. November 2014 E. 9; zuletzt bestätigt durch die Urteile E -5601/2015 vom 20. Januar 2016 E. 4.2 und E-7364/2015 vom 28. Dezember 2015 S. 5). Diese Rechtsprechung wird unter anderem damit begründet, dass eine grosse Zahl eritreischer Staats- angehöriger seit langer Zeit, teilweise seit Geburt, in den Nachbarländern Eritreas lebt (vgl. die Urteile des BVGer E -7730/2015 vom 10. Februar 2016 S. 6; E -7861/2015 vom 7. Januar 2016 S. 5; E -5878/2015 vom 30. Oktober 2015 E. 5.3; E-5753/2015 vom 29. Oktober 2015 E. 6.1). 3.3 3.3.1 In seiner Beschwerdeschrift macht der Beschwerdeführer im Zusam- menhang mit der von ihm geltend gemachten illegalen Ausreise aus dem Heimatstaat im Wesentlichen geltend, das SEM habe die Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise ungenügend geprüft und durch sein Vorgehen seine Untersuchungs- und Begründungspflicht verletzt. Was die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs anbelange, so habe die Praxis bislang darin bestanden, selbst bei nicht glaubhaft gemachter illegaler Ausreise aus Eritrea die Gesuchstellenden aufgrund der Unzumut- barkeit der Wegweisung vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. 3.3.2 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers in Bezug auf seine Flucht beziehungsweise die illegale Ausreise aus D-2119/2016 Seite 8 Eritrea als glaubhaft einzustufen sind. Wie der Beschwerdeführer zurecht vorbringt, ist hierbei zu berücksichtigen, dass er bei der BzP noch minder- jährig war. Die Vorbringen des Beschwerdeführers müssen grundsätzlich im Lichte seines Alters und seiner pers önlichen Reife zum Zeitpunkt der Anhörungen gewürdigt werden (Urteil des BVGer E-1928/2014 vom 24. Juli 2014 E. 2.4). In diesem Zusammenhang stellt das Bundesverwaltungsge- richt fest, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der BzP immerhin schon fast 17 Jahre alt war; dass er die anspruchsvolle Reise aus Eritrea in die Schweiz alleine bewältigt hat, spricht in den Augen des Gerichts zu- dem für eine doch beachtliche persönliche Reife und Selbständigkeit des Beschwerdeführers. Anlässlich d er Bundesanhörung vom 1. Dezember 2015 war der Beschwerdeführer im Übrigen bereits volljährig. Wenngleich also bei der Würdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers im Rahmen der BzP dessen Minderjährigkeit im Auge behalten werden muss, dürfte dieser nach Einschätzung des Ger ichts damals im Stande gewesen sein, wesentliche von unwesentlichen Informationen zu unterscheiden und Ge- schehnisse örtlich wie zeitlich einzuordnen. 3.4 Wie sich aus dem Anhörungsprotokoll vom 1. Dezember 2015 ergibt, machte der Beschwerdeführer im Zusammenha ng mit der geltend ge- machten illegalen Ausreise aus dem Heimatstaat geltend, er habe im Hin- blick auf das (angebliche) Aufgebot die Entscheidung getroffen, an einem bestimmten Tag – ungefähr drei Jahre nach der dritten Zustellung des Auf- gebots – auszureisen (A17/19 F137, F139 S. 13 , F170/1 S. 16 sowie An- merkung zur Rückübersetzung). Die Flucht habe, wie sich aus den Ausfüh- rungen in der Beschwerdeschrift explizit ergibt (a.a.O. S. 4), lediglich eine Nacht gedauert. Dies sei schon daraus zu erkennen, dass der Beschwer- deführer beschrieben habe, wie er am Abend von seinem Heimatort aufge- brochen sei, im Dunkeln zwei Ortschaften passiert und sich beim Grenz- fluss bis zum nächsten Morgen versteckt habe (A17/19 F132 S. 12, F142 S. 13, F149 S. 14). Diese Schilderung de r Ausreise aus dem Heimatstaat deckt sich mit den Schilderungen des Beschwerdeführers anlässlich der Direktanhörung. Indessen ergibt sich eine chronologische Unstimmigkeit aufgrund der Behauptung des Beschwerdeführers anlässlich ein- und der- selben Anhörung, er habe unterwegs in der Einöde mehrmals übernachtet (A17/19 F141 S. 13). In der Beschwerde wird in diesem Zusammenhang geltend gemacht, hier manifestiere sich ein Übersetzungsproblem. Der Be- schwerdeführer habe nämlich in Rahmen der persönlichen Fallbesp re- chung mit seinem Rechtsvertreter darauf hingewiesen, er habe in Wirklich- keit vielmehr gesagt, er habe sich im Verlaufe der Nacht mehrmals "nieder-D-2119/2016 Seite 9 gelegt" um sich auszuruhen. Angesichts der Antwort des Beschwerdefüh- rers auf die Frage 155 ist allerdings nic ht davon auszugehen, dass dies e Interpretation auf Beschwerdeebene mit den Vorbringen des Beschwerde- führers anlässlich der Direktanhörung in Einklang steht. Dies umso weni- ger, als dem Beschwerdeführer auch das Anhörungsprotokoll nach Ab- schluss der Anhörung rückübersetzt wurde. Bei dieser Gelegenheit hätte er auf allfällige Ungereimtheiten im Zusammenhang mit den vom Befrager nochmals angesprochenen mehrmaligen Übernachtungen aufmerksam werden und die Unstimmigkeit beanstanden müssen, wie er es in Bezug auf andere Fragen getan hat. Da er dies unterlassen hat, muss sich der Beschwerdeführer bei seinen Erklärungen, wie sie in die Protokolle Ein- gang gefunden haben, behaften lassen. Da die Flucht bei mehreren Über- nachtungen aber mehr als einen Tag gedauert haben müsste, drängt sich der Eindruck auf, der Beschwerdeführer habe bei seiner Schilderung der Ausreise aus dem Heimatstaat nicht auf Erinnerungen an tatsächliche Be- gebenheiten zurückgreifen können. Im Übrigen zeigen diese Ausführungen auch, wie unsubstanziiert die Beschreibung der Ausreise aus dem Heimat- staat durch den Beschwerdeführer insgesamt ausgefallen ist. Dementspre- chend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine illegale Ausreise glaubhaft machen konnte. Obwohl aus der Unglaubhaftigkeit seiner A us- sagen zu seiner angeblich illegalen Ausreise noch nicht mit Bestimmtheit auf eine legale Ausreise geschlossen werden kann, ist eine solche nicht auszuschliessen. Ebenso ist es möglich, dass sich der Beschwerdeführer schon seit Jahren gar nicht mehr in Er itrea aufgehalten hat. Dem Be- schwerdeführer ist es nicht gelungen, das Vorliegen subjektiver Nach- fluchtründe zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint. Bei die- ser Sachlage erü brigt es sich, die angefochtene Verfügung zu kassieren und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. 4. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den D-2119/2016 Seite 10 gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 5.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zu- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er- geben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er für d en Fall einer Aus- schaffung nach Eritrea dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre, zumal selbst Eritreer, die den Heimatstaat illegal verlassen ha- ben, allfälligen Sanktionen durch Bezahlung einer kleineren Geldsumme entgehen. Der Vollzug der Wegweisung ist nach dem Gesagten zulässig. 5.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. In Eritrea herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt. Bezüglich der per- sönlichen Situation ist vorauszusetzen, dass begünstigende individuelle Umstände (namentlich ein wirtschaftlich tragfähiges soziales und familiä- res Netz oder andere die wirtschaftliche Integration ermöglichende Fakto- ren) vorliegen (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 12 E. 10.5 – 10.8; in neuerer Rechtsprechung vgl. Urteile des BVGer E-6845/2013 vom 10. Januar 2014 E. 7.2, E-6816/2014 vom 9. Juni 2015, E-5237/2015 vom 20. Oktober 2015 E. 7.2 und E-1705/2016 vom 6. April 2016 E. 6.3). Die zitierten Urteile ge- ben – entgegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift – die ständige Praxis des Bundesverwaltungsge richts wider; eine Praxisänderung des D-2119/2016 Seite 11 Bundesverwaltungsgerichts liegt nicht vor, und das SEM orientiert sich vor- liegend richtigerweise an dieser Praxis. In Bezug auf den Beschwerdeführer liegen begünstigende individuelle Um- stände vor. So pflegt der Beschwerdeführer telefonischen Kontakt mit sei- nen Eltern (A4/15 Ziff. 2.01 S. 5, A17/19 F 27 ff. S. 4), obwohl diese nicht über einen eigenen Telefonanschluss verfügen. Mithin kann – zusammen mit der Vorinstanz – von einem intakten familiären Beziehungsnetz ausge- gangen werden (vgl. a.a.O. Ziff. 3 S. 5) ; zusätzlich verfügt der Beschwer- deführer über eine gesicherte Unterkunft (A4/15 Ziff. 2.01 S. 4). Er ent- stammt einer Hirtenfamilie und verfügt über persönliche Arbeitserfahrung als Hirte und Landwirt (A17/19 F83 S. 8); diesen Aktivitäten kann er auch nach seiner Rü ckkehr in den Heimatstaat nachgehen , und sie sind ihm auch zuzumuten. In Anbetracht dieser Sachlage ist nicht davon auszuge- hen, dass er nach seiner Heimkehr einer existenziellen Bedrohung ausge- setzt wäre, dies umso weniger, als seine Familie ihn vordem finanziell un- terstützt hat, indem sie seinen Emigrationsversuch nach Europa mit 6'200 Dollar erst ermöglicht hat (A4/15 Ziff. 5.02 S. 7). Diesen Betrag haben seine Eltern und ein Cousin bezahlt. Es ist davon auszugehen, dass ihn die Fa- milie auch nach der Rückkehr in den Heimatstaat – soweit notwendig – unterstützen wird. Im Übrigen handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen gesunden, jungen und mittlerweile volljährigen Mann im Alter von ungefähr 18 Jahren. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Eritrea ist somit als zumutbar zu erachten. 5.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich- nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr not- wendigen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat- staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist möglich. 5.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut- bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf- nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. D-2119/2016 Seite 12 7. 7.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 7.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. Aus demselben Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rech tsverbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht stattgegeben werden. 7.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. – (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-2119/2016 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Bestellung eines amtlichen Rechtsbei- stands werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: