Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. Mai 2017 (810 16 391) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts / Verhältnismässigkeit Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Beat Walther , Gerichtsschreiberin Irmgard Mostert Meier Beteiligte A.____ , Beschwerde führerin, vertreten durch Dr. Rita Jedelhauser, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____, Vorinstanz C.____ , Beigeladener Betreff Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts und Platzierung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 21. Dezember 2016) A. D.____, geboren 2002, und E.____, geboren 2004, sind die gemeinsamen Kinder der unverheirateten Eltern A.____ und C.____. Im Herbst 2015 trennten sich die Eltern und A.____ zog mit ihren beiden Töchtern nach F.____. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 19. November 2015 erhielt die Kindes- und Erwach senenschutzbehörde B.____ (KESB) eine Gefährdungsmeldung betreffend D.____. Am 2. Februar 2016 ging bei der KESB eine weitere Gefährdungsmeldung wegen häuslicher Gewal t zwischen den Kindseltern ein. Aufgrund dieser Gefährdungsmeldungen erteilte die KE SB am 4. Februar 2016 den Sozialen Diensten F.____ einen Abklärungsauftrag. C. Am 26. Mai 2016 meldete sich D.____ bei der abkläre nden Sozialarbeiterin der Sozia- len Dienste F.____. Die Situation zuhause sei prekär, die Mutter sei oft abwesend und sie müs- se sich dann um E.____ kümmern und kochen. Sie wolle nich t mehr nach Hause, zu ihrem Va- ter zu gehen sei keine Option. Mit Entscheid vom 26. Mai 2016 entzog die KESB den Kinds- eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.____ und platzierte D.____ mit Entscheid vom 22. Juni 2016 im Heim G.____ in H.____. Durch Entschei d der KESB vom 6. Juli 2016 wurde für D.____ und E.____ eine Erziehungsbeistandschaft err ichtet und I.____, Soziale Dienste F.____, zur Beiständin ernannt mit den Aufgaben, die Eltern in ihrer Sorge um die Kinder zu unterstützen, die Zusammenarbeit mit der Schule zu koordi nieren, die Platzierung von D.____ zu begleiten und medizinische Massnahmen einzuleiten sowie die soziale Integration zu för- dern. D. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2016 erweiterte d ie KESB die Erziehungsbeistand- schaft für E.____ und übertrug der Beiständin weitere Kompetenzen für den Bereich Gesund- heit (Dispositivziffer 1). Weiter entzog die KESB den Ki ndseltern das Aufenhaltsbestimmungs- recht über E.____ (Ziff. 2) und platzierte sie per 9. Januar 2017 im Heim G.____ in H.____ (Ziff. 3). Der Beiständin wurden Aufträge erteilt im Bereich Finanzierung der Massnahme (Ziff. 4), der Berichterstattung (Ziff. 5) sowie der O rganisation einer umfassenden gesundheitli- chen Abklärung (körperlich und psychisch) von E.____ (Ziff. 6). Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziff. 7). Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, gestützt auf den Abklärungsbericht der Er ziehungsbeiständin vom 21. November 2016 wirke E.____ sehr eingeschüchtert und in sich gekehrt, sie getraue sich nicht, mit der Bei- ständin oder in der Klasse zu reden. Ihr Erscheinungsbild deute auf Verwahrlosung hin und ihr Übergewicht gefährde die gesundheitliche und soziale E ntwicklung. Die Mutter sei nicht in der Lage, die nötigen medizinischen Massnahmen in Bezug auf das Übergewicht einzuleiten und umzusetzen. Auch sei aufgrund der Schilderungen von D.____, trotz gegenteiliger Äusserungen der Mutter, zu bezweifeln, dass E.____ zu Hause genügend versorgt werde. E. Mit Eingabe vom 28. Dezember 2016 erhob A.____, ve rtreten durch Rita Jedelhauser, Advokatin, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaf t, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte, da ss die Dispositivziffern 2 bis und mit 7 des Entscheids der KESB vom 21. Dezember 2016 aufzuheben seien. Alles unter o/e-Kosten- folge, wobei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurd e die Erteilung der aufschiebenden Wir- kung beantragt. Zur Begründung macht die Beschwerdefüh rerin geltend, dass der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts nur dann zulässig sei, wenn a ndere Massnahmen ohne Erfolg geblieben seien oder von vornherein als ungenügend er schienen, um eine Gefährdung abzu- wenden. Die Mutter sei kooperationswillig und kooperationsbereit für mildere Massnahmen, wie Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht beispielsweise eine Familienbegleitung oder Weisungen, welche die Arztbesuche betreffen. Sie kümmere sich um ihre Tochter und deren Gesundheit. E.___ _ sei ärztlich betreut und die Bei- ständin könne sich ebenfalls in Gesundheitsfragen betätigen, es brauche keine weitergehenden Massnahmen. F. Das Kantonsgericht erteilte der Beschwerde zunächst am 29. Dezember 2016 super- provisorisch und dann mit Verfügung vom 17. Januar 2017 definitiv die aufschiebende Wirkung bezüglich der Dispositivziffern 2 bis 5 des angefochtenen Entscheids. G. Am 10. Januar 2017 liess sich der Kindsvater vernehme n. Er beantragte, dass die Ob- hut über E.____ bei der Mutter verbleiben solle. Er sei mit der Fremdplatzierung von E.____ nicht einverstanden. E.____ sei gut betreut und versorg t und in keiner Weise gefährdet. Er selbst habe ein gutes Verhältnis zu seinen Töchtern und ihrer Mutter. Er könne die Kinder je- derzeit sehen, die Mutter verwehre das Besuchsrecht nicht. H. Mit Eingabe vom 27. Januar 2017 liess sich die KESB v ernehmen und schloss auf Ab- weisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. I. Am 6. Februar 2017 liess die Erziehungsbeiständin de m Kantonsgericht die weitere Korrespondenz mit der Schule sowie eine Aktennotiz zukommen. J. Mit Präsidialverfügung vom 24. Februar 2017 wurde d er Fall der Kammer zur Beurtei- lung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen und die Beschwerdeführerin angewiesen, an der Parteiverhandlung persönlich zu erscheinen. Das Ge such der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung wurd e bewilligt. Zusätzlich wurden mit Ver- fügung vom 17. März 2017 als Auskunftspersonen Herr J.___ _ (Soziale Dienste F.____) und Herr K.____ (Lehrer der Sekundarschule L.____) zur Parteiverhandlung geladen. K. Mit Eingabe vom 2. März 2017 leitete die KESB eine Gefährdungsmeldung der Sekun- darschule L.____ betreffend E.____ und am 17. März 201 7 eine Aktennotiz der Beiständin wei- ter. L. Am 26. April 2017 hörte die Präsidentin des Kanton sgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, E.____ an. M. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Besc hwerdeführerin und ihre Rechts- vertreterin, der Beigeladene, M.____ und N.____ als V ertreter der Vorinstanz und die gelade- nen Auskunftspersonen teil. Die Beteiligten halten an ihren bereits in den Rechtsschriften ge- stellten Anträgen fest. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzb uches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des k antonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), d ie der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufheb ung oder Änderung des angefochte- nen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin i st als direkte Verfahrensbeteiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen P rozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Ge setzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfü llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Vorliegend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz den El tern zu Recht das Aufenthaltsbe- stimmungsrecht über E.____ entzogen und das Kind fremdpl atziert hat. In diesem Zusammen- hang ist zu beurteilen, ob die Voraussetzungen für diese Kindesschutzmassnahmen, nament- lich die Verhältnismässigkeit, gegeben sind. 3.2 Ist das Wohl des Kindes gefährdet und sorgen die El tern nicht von sich aus für Abhilfe oder sind sie dazu ausserstande, so trifft die Kindesschutzbehörde gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes. Art. 307 Abs. 1 ZGB enthält die Aufforde- rung, die im Einzelfall geeigneten, vom Gesetz vorgese henen Massnahmen (Art. 307 Abs. 3 ZGB bis Art. 312 ZGB) zu treffen (K URT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bern 2016, N 13 zu Art. 307 ZGB). Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Kindesschutzbehör de, wenn einer Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann, dieses den Elt ern wegzunehmen und in angemes- sener Weise unterzubringen. Wie jede andere Kindesschutzmassnahme setzt die Fremdplatzie- rung eine Gefährdung des Kindeswohls voraus und muss als sol che geeignet sein, diese Ge- fährdung zu beseitigen. Die Massnahme hat zur Folge, dass das Recht, den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen, den Eltern bzw. einem Elternteil e ntzogen und der Kindesschutzbehörde übertragen wird, die nunmehr für die Betreuung des K indes verantwortlich ist (Urteil des Bun- desgerichts 5A_335/2012 vom 21. Juni 2012 E. 3.1; A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 141 zu Art. 310/314b ZGB). Kriterium für die angemessene U nterbringung ist das Wohl des be- troffenen Kindes, die Konkretisierung ergibt sich aus dess en Erziehungs- und Pflegebedürfnis- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen, ferner sind Ausbildungsbedürfnisse und Bedürfnisse nach therapeutischer Behandlung massgebend (C HRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Kindes- und Erwachsenenschutz, 2. Aufl., Bern 2016, N 40.42). Die Gefährdung des Kindes, die Anlass zum Entzug des Aufenthaltsbe- stimmungsrechts gibt, muss darin liegen, dass das Kind im U mfeld der Eltern bzw. des Eltern- teils nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für s eine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung nötig wäre (Urteile des Bundesgerichts 5A_8 75/2013 vom 10. April 2014 E. 3.1; 5A_729/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 4.1). Unerhebli ch ist, auf welche Ursachen die Ge- fährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen od er in einem Fehlverhalten des Kin- des, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen (AFFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 18 zu Art. 307 ZGB). Desgleichen spielt es keine Rolle, ob di e Eltern ein Verschulden an der Gefähr- dung trifft. Massgebend sind die Verhältnisse im Zeitpu nkt der Entziehung. Alle Kindesschutz- massnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiarität), und e s ist immer die mildeste, einen Er- folg versprechende Massnahme anzuordnen (Proportionali tät); diese soll elterliche Be- mühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität; vgl. BGE 136 III 353 E. 3.3). 4.1 Die KESB stützt die im angefochtenen Entscheid ang eordneten Massnahmen primär auf die von der Schule gemachten Gefährdungsmeldungen , den Bericht der abklärenden Sozi- alarbeiterin vom 24. Mai 2016 und den Bericht der Be iständin vom 21. November 2016. Aus den vorinstanzlichen Akten, namentlich dem Abklärungsberich t der Beiständin, ist ersichtlich, dass sich E.____ sozial auffällig verhält, sie wirkt sehr eingeschüchtert und in sich gekehrt und getraut sich nicht, mit der Beiständin oder in der Kla sse zu reden. Anlässlich der heutigen Par- teiverhandlung bestätigt E.____s Lehrer, K.____, dass E .____ zwar mit ihren gleichaltrigen Klassenkollegen und Freundinnen spreche, aber mit den erwachsenen Lehrkräften kaum kom- muniziere. Er erläutert, dass die Gefährdungsmeldung ha uptsächlich aufgrund der häufigen Absenzen E.____s erfolgt sei. Sie weise einen grossen S chulrückstand im Vergleich zu Gleich- altrigen auf. Sie erbringe unterdurchschnittliche Leist ungen und entwickle sich nur sehr lang- sam. Aufgrund der Kommunikationsprobleme mit erwachsene n Personen sei eine Fortschritts- kontrolle schwierig. Er mache sich Sorgen um E.____s En twicklung, sie brauche Regeln und Strukturen und sollte befähigt werden, Vertrauen auc h zu Erwachsenen aufzubauen. Zudem brauche sie Motivation, um sich schulisch zu verbessern. 4.2 Des Weiteren ergibt sich aus den Akten das Bild einer Verwahrlosung von E.____ so- wie einer Gefährdung der gesundheitlichen und sozialen Entwicklung durch ihr Übergewicht. Im Bericht vom 24. Mai 2016 führte die abklärende Sozialar beiterin aus, die Klassenlehrerin von E.____ habe erklärt, dass E.____ korpulent sei und verwah rlost wirke, sie rieche häufig sehr stark und trage schmutzige, nicht immer witterungsangepasst e Kleider. Es sei deshalb darauf zu achten, dass E.____ wegen ihres Erscheinungsbilds nicht gemobbt werde (vgl. Bericht der abklärenden Sozialarbeiterin vom 24. Mai 2016 S. 2). Obwohl die Kindsmutter von der Beistän- din bereits während der Abklärungsphase von Februar bi s Mai 2016 und dann wieder im Ge- spräch vom 21. September 2016 auf die Gewichtsproblema tik und auf das Erfordernis eines Kinderarztbesuches sowie einer Ernährungsberatung hing ewiesen wurde, hat sie erst am 14. Dezember 2016 - am Tag vor der geplanten Anhörung durch die KESB - einen Termin beim Kinderarzt wahrgenommen. Vorher hatte sie offenbar me hrfach vereinbarte Arzttermine nicht Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingehalten, was sie der Beiständin verschwiegen hatte (vg l. Bericht der Beiständin vom 21. November 2016 S. 3). 4.3 Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass das Kin deswohl von E.____ aufgrund der häufigen Schulabsenzen, der Hinweise auf Verwahr losung in ihrem Erscheinungsbild, ihrer mangelnden Kommunikationsfähigkeit mit erwachsenen Pe rsonen, einer allfälligen sozialen Isolation und des Übergewichts gefährdet ist. Die KESB h at deshalb gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB geeignete Massnahmen zum Schutz des Kindeswohls von E.____ zu treffen, was auch die Beschwerdeführerin nicht grundsätzlich in Abrede stellt. 5.1 Die Beschwerdeführerin verlangt, dass der vorinstanzli che Entscheid vom 21. Dezember 2016 aufzuheben, den Eltern das Aufentha ltsbestimmungsrecht über ihre Toch- ter zu belassen und von einer Fremdplatzierung von E.__ __ im G.____ abzusehen sei. Sie rügt eine Verletzung des bei der Errichtung von Kindesschutzmass nahmen zu beachtenden Ver- hältnismässigkeitsgrundsatzes. 5.2 Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Kindesschutzbehörde das Kind den Eltern oder, wenn es sich bei Dritten befindet, diesen wegzunehmen un d in angemessener Weise unterzu- bringen, wenn der Gefährdung des Kindes nicht durch and ere Massnahmen gemäss Art. 307 und Art. 308 ZGB begegnet werden kann (Grundsätze der Verhältnismässigkeit und der Subsi- diarität; vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_724/2015 vom 2. Juni 2016 E. 6.3, nicht publ. in: BGE 142 I 188; Urteile des Bundesgerichts 5A_70/2016 vom 25. April 2016 E. 3.1; 5A_548/2015 vom 15. Oktober 2015 E 4.3; 5A_875/2013 vom 10. April 2014 E. 3.1; Y VO BIDERBOST , in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Sch weizer Privatrecht, Perso- nen und Familienrecht, 3. Aufl., Zürich 2016, N 1 zu A rt. 310 ZGB). Aus dem Subsidiaritätsprin- zip folgt das Zurückstehen stärkerer vor hinreichend schwäch eren Massnahmen (A FFOLTER - FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 22 zu Art. 307 ZGB). Im Sinne einer Stu fenfolge gilt, wo absehbar ist, dass mit der Anordnung von milderen Massnahmen im Si nne von Art. 307 Abs. 3 ZGB und auch mit ihrer Kombination die gebotene Wirkung nich t erreicht werden kann, entweder eine Beistandschaft anzuordnen (vgl. Art. 308 f. ZGB), das Auf enthaltsbestimmungsrecht gemäss Art. 310 ZGB aufzuheben oder als ultima ratio nach Art . 311 ZGB die elterliche Sorge zu ent- ziehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_156/2016 vom 12. Mai 2017 E 4.2). Massnahmen nach Art. 307 Abs. 3, Art. 308 ZGB und Art. 310 ZGB können kombiniert werden, soweit sie in ihrer Summe nicht faktisch den Entzug der elterlichen S orge bewirken (PETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilge setzbuch I, Art. 1 - 456 ZGB, 5. Aufl., Basel 2014, N 1 ff. zu Art. 307 ZGB). 5.3 Die Beschwerdeführerin bestreitet eine Kindeswohlge fährdung grundsätzlich nicht, sie macht aber geltend, es fehle ein stufenweises Vorgehen. Sie sei kooperativ und auch für Wei- sungen zugänglich, somit seien vor dem Entzug des Aufenth altsbestimmungsrechts mildere Massnahmen wie beispielsweise Weisungen bezüglich der Übe rwachung der Gesundheit von E.____ zu erlassen. So habe sie der Erweiterung der Ko mpetenzen der Erziehungsbeiständin, im Bereich der Gesundheit von E.____ tätig zu sein, anlä sslich ihrer Anhörung am 15. Dezember 2016 zugestimmt. Sie widersetze sich auch n icht der Abklärung der Gewichts- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht probleme von E.____ durch den Kinderarzt sowie einer Ernährungsberatung. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung führt die Beschwerdeführer in aus, dass E.____ seit Dezember 2016 ärztlich betreut werde, was durch ein Arztzeugnis b elegt werde. Die Ernährungsberatung sei seit Januar 2017 aufgegleist, die Termine mit der B eraterin würden wahrgenommen. Mitt- lerweile habe E.____ zwei Kilo abgenommen. E.____ wi e auch D.____ besuchten an vier Ta- gen unter der Woche den Mittagstisch. Zur Sicherstellu ng von weitergehenden medizinischen Abklärungen und Beratungen sei aus diesen Gründen keine Fremdplatzierung erforderlich. Zu- dem sei die von der KESB erhoffte positive Auswirkung e iner Platzierung von E.____ ähnlich wie bei ihrer Schwester D.____ nicht zu erwarten. D._ ___ habe von zu Hause weggewollt und sei mit einer Platzierung im Waisenhaus einverstanden gewesen. E.____ hingegen habe be- reits bei der Anhörung durch die KESB wie auch bei der Anhörung durch die Präsidentin des Kantonsgerichts klar ausgedrückt, dass sie bei der Mutter bleiben wolle. Aktuell liege keine Be- einträchtigung des Kindeswohls von E.____ vor, welche nicht mit Unterstützung durch die Schule, bei ihrer Mutter daheim oder mit ihrer Beiständin aufgefangen werden könne. Eine Plat- zierung im G.____ sei unnötig und damit unverhältnismässig. 5.4 Die KESB führt demgegenüber aus, dass das Kindeswoh l von E.____ wegen ihrer zu- nehmenden Verwahrlosung gefährdet sei und die Kindsel tern dieser Gefährdung nicht aus- reichend entgegenwirkten. Entgegen ihren Aussagen sei d ie Kindsmutter nicht kooperativ. Sie habe in der Vergangenheit vereinbarte Termine immer wieder abgesagt oder verschoben. Jede verbindliche Terminfindung mit ihr sei ausserordentlich kompliziert. Wie unter diesen Umstän- den eine sozialpädagogische Familienbegleitung als milde re Massnahme umgesetzt werden könnte, sei nicht ersichtlich. Der Vertreter der Vorinsta nz wie auch J.____ von den Sozialen Diensten F.____ räumen an der heutigen Parteiverhand lung ein, dass sich die Situation unter dem Druck der Fremdplatzierung von D.____ und der bevorst ehenden Platzierung von E.____ verbessert habe, aber diese Entwicklung werde nicht als sta bil und nachhaltig erachtet. Insbe- sondere sei eine ambulante Abklärung des Unterstützungs bedarfs von E.____ unter diesen Umständen nicht möglich. Wenn absehbar sei, dass mit der A nordnung von Massnahmen im Sinne von Art. 307 Abs. 3 ZGB und auch mit ihrer Komb ination die gebotene Wirkung nicht er- reicht werden könne, seien die schärferen Behelfe von A rt. 308, 310 bzw. 311 ZGB zu ergrei- fen. Ein Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts setze n icht voraus, dass ambulante Mass- nahmen versucht aber erfolglos geblieben seien, sondern nur, dass aufgrund der Umstände nicht damit gerechnet werden könne, es lasse sich die Gefäh rdung mit solchen Massnahmen abwenden. Die Platzierung von E.____ im G.____ sei de shalb erforderlich und verhältnismäs- sig. 6.1 Aus den vorinstanzlichen Akten ist ersichtlich, dass die Be schwerdeführerin immer wieder Termine zur Abklärung der Gewichtssituation bzw. der Ernährungsberatung von E.____ aus fadenscheinigen Gründen verschob oder gar unentschuld igt ausfallen liess (vgl. Aktennotizen der Beiständin vom 16. November 2016 S. 3 und vom 17. März 2017). Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt, zeigte die Beschwerdef ührerin damit nicht die notwendige Unterstützung für Massnahmen, welche die Gefährdung de s Kindeswohls von E.____ abwen- den. Entgegen ihren Beteuerungen verhielt sie sich nur vordergründig kooperativ. So versuchte sie beispielsweise, Termine, die sie nicht wahrgenommen hatte, als erfolgt erscheinen zu las- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen (vgl. Aktennotiz der Beiständin zum Schulgespräch vom 16. November 2016 S. 3 bezüglich der Abklärung von E.____ durch den Kinderarzt). Ein Ei nschreiten der KESB war unter diesen Umständen angezeigt. Allerdings durfte die Vorinstanz gestützt auf diese Faktenbasis und ohne weniger einschneidende Massnahmen überhaupt versucht zu ha ben nicht darauf schliessen, dass der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts die milde ste erfolgsversprechende Mass- nahme darstellte. Mit Blick auf die Art und Schwere de r Gefährdung, welche nicht als massiv und akut einzustufen war und offensichtlich auch nach de m Dafürhalten der Vorinstanz keine unverzügliche Fremdplatzierung erforderlich erscheinen liess, wäre sie nach dem Verhältnis- mässigkeitsgrundsatzes gehalten gewesen, zunächst in der St ufenfolge tiefer anzusiedelnde Kindesschutzmassnahmen zu ergreifen, um die Beschwerdeführ erin zur Kooperation zu bewe- gen. Die Vorinstanz hat es in diesem Sinn versäumt, früh mit der nötigen Konsequenz auf das - wohl erst spät erkannte - Verhaltensmuster der Beschwerdeführerin zu reagieren. Legt ein Elternteil die Tendenz an den Tag, sich Kindesschutzmassna hmen generell und der Zusam- menarbeit mit der Beistandsperson im Besonderen zu ent ziehen, ist eine besonders engma- schige Begleitung durch die involvierten Fachpersonen und etwa im Bereich von medizinischen Untersuchungen resp. Behandlungen eine konsequente Na chkontrolle der elterlichen Compli- ance angezeigt. Der in solchen Fällen nötige Koopera tionsdruck kann etwa dadurch aufgebaut werden, dass dem Elternteil Weisungen erteilt werden, nötigenfalls verbunden mit der Andro- hung schärferer Massnahmen im Falle der Nichteinhaltung. Die Vorinstanz hat es vorliegend unterlassen, die von der Beschwerdeführerin eingeforde rten Arztbesuche sowie Inanspruch- nahme einer Ernährungsberatung durch Weisungen abzusi chern. Dass sich die Kooperations- bereitschaft der Beschwerdeführerin aber unter Druck ver bessert, zeigte sich an den Folgen des Standortgesprächs bezüglich der Platzierung von D.____ vom 17. November 2016. In die- sem Gespräch wurde der Kindsmutter unter anderem mitget eilt, dass sich alle am Gespräch anwesenden Fachpersonen einig seien, dass auch eine Plat zierung von E.____ dringend nötig sei. Die Beschwerdeführerin veranlasste daraufhin umgehen d, dass E.____ vom Kinderarzt untersucht wurde. Darin zeigte sich schon vor Ergehen de s angefochtenen Entscheids zumin- dest ansatzweise, dass sich die Beschwerdeführerin nicht une insichtig und beharrlich sämtli- chen behördlichen Hilfestellungen und Anweisungen wider setzt oder diese unterläuft. Nach der Überweisung durch den Kinderarzt suchte sie während de s vorliegenden Verfahrens ab Januar 2017 die Ernährungsberatung auf. Zwar hat die Beschw erdeführerin nicht alle vereinbarten Termine bei der Beratung wahrgenommen (vgl. Aktennoti z der Beiständin vom 17. März 2017), aber es sind durchaus Fortschritte im Verhalten der Be schwerdeführerin zu beobachten. An- lässlich der heutigen Parteiverhandlung versichert die B eschwerdeführerin, dass sie inskünftig vereinbarte Termine zuverlässig wahrnehmen werde. Zudem habe sie angefangen, mit der Schule und der Beiständin proaktiv und regelmässig über alle Belange von D.____ und E.____ zu kommunizieren und zu informieren. Die Beschwerdeführerin erinnert auch daran, dass beide Töchter den Mittagstisch besuchen. Es sei nicht so, dass sie jedes behördliche Unterstützungs- angebot ablehne. E.____s Klassenlehrer führt in der V erhandlung aus, dass sich die Situation in Bezug auf die Körperpflege sowie die krankheitsbed ingten Absenzen seit seiner Gefähr- dungsmeldung anfangs März deutlich verbessert habe. Er wü rde deshalb im jetzigen Zeitpunkt von einer Gefährdungsmeldung absehen. Auch die Vorinst anz räumt heute Verbesserungen im Verhalten der Kindsmutter ein, aufgrund der grundsätzl ich mangelnden Problemeinsicht der Mutter sei aber eine verbindliche Zusammenarbeit zum Wohle E.____s nicht möglich. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Nach dem Gesagten schiesst die angefochtene Fremdpla tzierung über das Ziel der Abwendung einer Kindeswohlgefährdung hinaus. Sie ist n icht die mildeste, einen Erfolg ver- sprechende Massnahme. Damit verstösst der angefochtene Entsch eid gegen den Grundsatz der Proportionalität. Das Kantonsgericht verkennt dabei nicht, dass weiterhin nicht vollständig ausgeräumte Zweifel an der Problemeinsicht und Kooperationsbereitschaft der Beschwerdefüh- rerin bestehen. Dieser Problematik wird mit den von d er Vorinstanz neu zu erlassenden milde- ren Kindesschutzmassnahmen und entsprechenden Kontrollmechanismen Rechnung zu tragen sein. Nachdem sich an der heutigen Verhandlung gezeigt hat, dass trotz in dieser Hinsicht ent- zogener aufschiebender Wirkung während des kantonsgerichtlichen Verfahrens keinerlei Abklä- rungen stattgefunden haben, ist es nunmehr aufgrund de r fortdauernden Kindeswohlgefähr- dung umso dringlicher angezeigt, eine umfassende (körpe rliche und psychische) gesundheitli- che Abklärung E.____s in die Wege zu leiten, um defin ieren zu können, welche konkreten Un- terstützungsmassnahmen bzw. welches ambulante Setting E .____ zu helfen vermögen. Die Vorinstanz wird deshalb - allenfalls auch mittels entsp rechender Weisungen an die Kindsel- tern - sicherzustellen haben, dass das ärztliche Gutachten zeitnah erstellt werden kann. Sollte sich im weiteren Verlauf zeigen, dass die Beschwerdeführe rin in alte Verhaltensmuster zurück- fällt und wiederum Absprachen und Termine nicht zuverlässig einhält, so ist sie an dieser Stelle mit Nachdruck daran zu erinnern, dass diesfalls schärfere Massnahmen nicht mehr zu vermei- den sein werden. Bedarf es der Festlegung eines geeign eten Settings, so ist im Übrigen auch die Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts nur fü r die Dauer einer Abklärung zulässig (ALBERT GULER , in: Kren Kostkiewicz/Nobel/Schwander/Wolf [Hrsg.], Kom mentar zum Schwei- zerischen Zivilgesetzbuch, 2. Aufl., Bern/St. Gallen 201 1, N 2 zu Art. 310 ZGB). Eine solche ist unter Verhältnismässigkeitsgesichtspunkten deutlich wenig er problematisch als die vorliegend verfügte definitive Fremdplatzierung. Auch bei der Ei nrichtung und Umsetzung des ambulanten Settings, welches insbesondere dem festgestellten Nachholbedarf an kindlicher Entwicklung bei E.____ begegnen soll, ist zunächst durch Weisungen und Kontrolle sicherzustellen, dass eine kontinuierliche und verbindliche Zusammenarbeit mit den Eltern von E.____ erfolgt. 6.3 Zusammenfassend zeigen die obigen Ausführungen, da ss die angeordnete Fremd- platzierung und der damit verbundene Entzug des Aufenth altsbestimmungsrechts zu Unrecht erfolgten. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuhe issen und der angefochtene Ent- scheid aufzuheben. Das Verfahren wird zu neuem Entschei d im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Den Vorinstanzen werd en – von hier nicht vorliegenden Konstellationen abgesehen – keine Verfahrenskosten aufe rlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dem- entsprechend sind im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens ist der anwaltlich Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vertretenen Beschwerdeführerin als obsiegender Partei a ntragsgemäss eine Parteientschädi- gung zuzusprechen. Der in den Honorarnoten vom 27. Mä rz 2017 und 9. Mai 2017 geltend ge- machte Aufwand von 13 Stunden (zuzüglich zweier Stunden für die Parteiverhandlung) à Fr. 200.-- ist nicht zu beanstanden. Hinzu kommen Auslagen in der Höhe von Fr. 4.--. Die Vor- instanz hat der Beschwerdeführerin demgemäss eine Partei entschädigung von insgesamt Fr. 3'244.30 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) auszurichten. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 21. Dezember 2016 a ufgeho- ben und die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ hat der Beschwer- deführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 3'244.30 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiberin