B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3259/2017 U r t e i l v o m 5 . J u l i 2 0 1 7 Besetzung Einzelrichter Markus König, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Russland, alle vertreten durch Herbert H. Scholl, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 5. Mai 2017 / N (…). E-3259/2017 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführenden, russische Staatsbürger armenischer Eth- nie, eigenen Angaben zufolge den Heimatstaat am (…) Juli 2015 verlies- sen und am 26. Juli 2015 in die Schweiz einreisten, wo sie am selben Tag um Asyl nachsuchten, dass am 20. August 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum Vallorbe die Befragungen zur Person (BzP) der Beschwerdeführenden A._______ und B._______ (Eltern) sowie (…) stattfanden und das SEM die eingehen- den Anhörungen zu den Asylgründen am 9. Dezember 2016 (Eltern) res- pektive 19. Dezember 2016 ([…]) durchführte, dass die Beschwerdeführenden dabei im Wesentlichen geltend machten, sie seien seit 2007 (Ehemann/Beschwerdeführer) respektive 2013 (Ehe- frau/Beschwerdeführerin) russische Staatsangeh örige und hätten seit 2003 in Moskau gelebt, dass er zuerst als (…) gearbeitet habe, bevor er im Sommer 2014 in Mos- kau einen (…)stand eröffnet habe, dass er für dieses Lokal dem (…) einen monatliche Miete sowie einen ein- maligen Betrag in Millionenhöhe habe bezahlen müssen, dass er bereits nach elf Monaten wegen anderweitiger Bauvorhaben, res- pektive weil der (…)stand sich als lukrativ erwiesen habe, zum Räumen des Lokals aufgefordert worden sei, dass er damit nicht einverstanden gewesen sei, woraufhin von ihm noch mehr Geld verlangt und ihm mit Gefängnis und dem Verschwindenlassen der Familie gedroht worden sei, dass sein Lokal in der Folge zerstört worden sei, die den Vorfall untersu- chende Polizei im Lokal (…) – gefunden und ihn verhaftet habe, dass er annehme, die Leute des (…) hätten ihm (…) untergeschoben, dass er mit Hilfe des Freundes C._______ (nachfolgend C._______) und eines von C._______ organisierten Anwaltes nach drei Tagen freigekom- men sei und er danach mit der Familie beim Freund gewohnt habe, da die familieneigene Wohnung überwacht worden sei, E-3259/2017 Seite 3 dass sein Anwalt ihm geraten habe, den Geldforderungen nachzukommen, ansonsten er mit langer Haft zu rechnen habe und seine Familie nie mehr sehen würde, dass die Beschwerdeführerin diese Vorbringen im Wesentlichen stützte, dass sie zudem darlegte, im (…) 2014 an (…)krebs erkrankt und deswegen im (…) 2014 operiert worden zu sein, dass der Ehemann sie aus diesem Grund und um sie zu schonen nicht über alles Geschehene informiert habe, dass die das Geld einfordernden Personen erklärt hätten, das bereits be- zahlte Geld sei nur für ein Jahr gültig gewesen, der Ehemann jedoch für fünf Jahre bezahlt gehabt habe, dass der Ehemann nach dem Angriff auf das Lokal nicht mehr heimgekom- men sei, sie deswegen C._______ angerufen habe und der Freund sie und die Kinder in der Folge zu sich geholt habe, dass eine Rückkehr in die eigene Wohnung nicht mehr möglich gewesen sein, nachdem die Aufseherin des Wohnblocks ihnen mitgeteilt habe, Un- bekannte hätten nach der Familie gefragt und würden die Wohnung über- wachen, dass sie ein paar Tage später beim Passbüro unter dem Vorwand, die In- landpässe seien abhandengekommen, Ersatzpässe beantragt habe, und sie dann mit diesen Dokumenten ausgereist seien, dass der (…) im (…) 2015 mit älteren Freunden auf fahrende Züge aufge- stiegen sei, einer der Freunde dabei verunglückt sei und dieses Ereignis die Beschwerdeführerin sehr belaste, dass die (…) die Vorbringen, soweit (…) überhaupt darüber informiert wor- den sei, im Wesentlichen bestätigte, dass die Beschwerdeführenden zwei Bürgerkarten von Moskau, diverse Versicherungskarten, einen Arbeitsvertrag der Beschwerdeführerin, eine Steuererklärung, die Heiratsurkunde von (…), den Militärausweis und den Führerausweis des Beschwerdeführers, Inlandpässe, armenische Ge- burtsurkunden der Eheleute, das Familienbüchlein, die Heiratsurkunde so- wie Geburtsurkunden und russische Einbürgerungen die Kinder betreffend E-3259/2017 Seite 4 zu den Akten des SEM reichten (vgl. Protok oll A25/21 S. 5 f.) und dazu erklärten, ihr Freund C._______ habe diese organisiert und in Frankreich lebende Armenier hätten die Unterlagen aus Moskau mitgenommen, dass am (…) das jüngste Kind (…) in der Schweiz geboren worden ist, dass das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 5. Mai 2017 – eröffnet am 9. Mai 2017 – ablehnte, die Wegweisung aus der Schweiz verfügte und deren Vollzug anordnete, dass das SEM zur Begründung im Wesentlichen anführte, die Vorbringen würden den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht stand halten, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 8. Juni 2017 durch ihren Rechtsvertreter gegen diesen Entschei d beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen liessen, es sei ihre Flüchtlingseigen- schaft anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewähren, eventuell seien sie gemäss Art. 5 AsylG nicht zur Ausreise nach Russland zu zwingen, sub- eventuell sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Ergänzung der Be- weise und zu neuem Entscheid zurückzuweisen, dass in prozessualer Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung und die Beigabe ihres Rechtsanwalts als unentgeltlicher Rechts- beistand beantragt wurden, dass dem Rechtsmittel ein Bericht der Psychiatrischen Dienste D._______ vom 6. Juni 2017 (betreffend die Beschwerdeführerin ), ein Bericht des Klassenlehrers (…) vom 26. Januar 2017 und ein Schreiben vom 8. Juni 2017, verfasst von der Vermieterin der von den Beschwerdeführenden be- wohnten Wohnung, beigelegt wurden, dass am 12. Juni 2017 der Eingang der Beschwerde vom 8. Juni 2017 vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt wurde, und das Bundesverwaltungsgericht erwägt, dass es auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Ver- fügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines E-3259/2017 Seite 5 Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh- rende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilge- nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und d aher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb de r Be- schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften- wechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1 AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), E-3259/2017 Seite 6 dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält, dass Vorbringen insbesondere dann unglaubhaft sind, wenn sie in wesent- lichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden, dass das SEM auf zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten in den Aussagen der B eschwerdeführenden hingewiesen und sich damit einge- hend auseinandergesetzt hat, dass im Rechtsmittel zu diesen detaillierten Erwägungen der Vorinstanz inhaltlich nicht Stellung bezogen, sondern lediglich festgehalten wird, das SEM habe die konkrete Gefahrensituation nicht näher abgeklär t und sich nur auf angebliche Widersprüche in den Aussagen der Eheleute kon- zentriert, dass dabei weiter, ebenfalls ohne weitergehende vertiefte Begründung, da- ran festgehalten wird, der Beschwerdeführer müsse im Fall einer Rückkehr nach Moskau mit erneuter Verhaftung rechnen und seine Familie laufe Ge- fahr, plötzlich zu „verschwinden“, die Beschwerdeführenden würden mit weiteren Zahlungsforderungen konfrontiert, wobei sie nicht nur in Moskau, sondern auf dem ganzen Staatsgebiet Russlands aufgespürt werden könn- ten, dass ausserdem behauptet wird, die Beschwerdeführenden seien mit dem Entscheid der Vorinstanz erstmals in vollem Umfang mit den angeblichen Widersprüchen konfrontiert worden und hätten sich dazu bisher nur rudi- mentär äussern können, weshalb sich angesichts der nicht hinreichend ab- geklärten ernsthaften Gefährdung auch eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vertieften Abklärung und zu weiterer Beweiserhebung rechtfertige (dies sei namentlich angesichts der kurzen Zeit sinnvoll, die für die Einreichung dieser Beschwerde zur Verfügung gestanden habe, zumal nach dem bald zweijährigen Aufenthalt der Beschwerdeführenden in der Schweiz eine vertiefte Abklärung durchaus zu verantworten sei), E-3259/2017 Seite 7 dass die Beschwerdeführerin (…)krebs habe und in psychiatrischer Be- handlung stehe und eine Einweisung für eine stationäre Krisenintervention bevorstehe, dass die Familie sich zudem gut in der zugewiesenen Wohnliegenschaft integriert und (…) ein ausgezeichnetes Zeugnis von (…) Klassenlehrer ausgestellt erhalten habe, (…) weitere Entwicklung in Russland demge- genüber höchst ungewiss wäre, dass das Bundesverwaltungsgericht nach Durchsicht der vorliegenden Ak- ten mit der Vorinstanz zum Schluss gelangt, dass die von den Beschwer- deführenden angeführten Gründe fü r das Verlassen des Heimatstaates und Stellen eines Asylgesuches in ihrer Gesamtheit als überwiegend un- glaubhaft zu beurteilen sind, dass die Vorbringen im Zusammenhang mit dem (…)lokal in ihrer Gesamt- heit widersprüchlich, konstruiert und nicht nachvollziehbar wirken, dass der Beschwerdeführer beispielsweise weder einen Pachtvertrag vor- gelegt noch entsprechende Unterl agen über seinen guten Freund C._______ besorgt hat und seine Begründung dazu i n keiner Weise schlüssig wirkt, dass der besagte Freund gemäss eigenen Angaben den Beschwerdefüh- renden im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens zwar verschiedenste Dokumente (vgl. S. 4 erster Absatz ) ha t organisieren und diese über in Frankreich wohnhafte Armenier hat bringen lassen können, dass der Beschwerdeführer auf die Frage nach Unterlagen betreffend den (…)stand und allfälligen Unterlagen zur Polizeihaft über den Rechtsvertre- ter in Moskau (der solche habe), der ebenfalls von Freund C._______ or- ganisiert worden sei (vgl. Protokoll Anhörung A25/21 S. 5), einerseits ge- antwortet hat, der Freund habe ihm verboten, direkt mit dem Anwalt Kon- takt aufzunehmen (vgl. a.a.O. S. 14) respektive er „dürfe“ C._______ nicht anrufen, dieser habe vermutlich auch seine Nummer gewechselt, er habe den Kontakt zum Freund zudem über einen gemeinsamen Kollegen her- gestellt (vgl. a.a.O. S. 17), dass dabei in keiner Weise verständlich ist, weshalb es ihm nun nicht (mehr) möglich gewesen sein soll, diese Kontaktkette (gemeinsamer Kol- lege / Freund C._______ / Rechtsanwalt) noch einmal zu nutzen, respek-E-3259/2017 Seite 8 tive weshalb er nicht gleichzeitig mit den anderen Unterlagen b eweisbil- dende Unterlagen zu den als zentral geschilderten Vorfällen für das Ver- lassen der Heimat über C._______ hat besorgen lassen (können), dass auch die weiteren Aussagen, weshalb er Originaldokumente nicht habe mitnehmen können, unglaubhaft ausgefallen sind, der Beschwerde- führer hierzu sagte, der Freund hätte sich in Gefahr gebracht, wenn er in die Wohnung der Beschwerdeführenden gegangen wäre (vgl. a.a .O. S. 16), die Besc hwerdeführerin jedoch erklärte, es sei C._______ gewe- sen, der sämtliche Dokumente nach ihrer aller Ausreise in der Wohnung abgeholt habe, und dieser habe auch die Wohnung geräumt (vgl. Protokoll A26/14 S. 4), dass sodann auch nicht offensichtlich ist, das s das Lokal tatsächlich von Schergen des Moskauer (…) zerstört worden sein soll, zumal die dort an- wesenden Mitarbeiter des Beschwerdeführers von betrunkenen Männern gesprochen haben sollen, die Streit angefangen und dann im Lokal zu ran- dalieren begonnen hätten, dass bei einer solchen Sachlage der Beschwerdeführer, allenfalls mit an- waltlicher Hilfe, hätte Anzeige erstatten können, mithin auch diese Ausfüh- rungen in der vorinstanzlichen Verfügung zu bestätigen sind, dass auch die zeitliche Konstellation der von der Beschwerdeführerin vor- genommenen Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses insgesamt nicht nach- vollziehbar ist, für die Einzelheiten hier auf die detaillierten und zutreffen- den Ausführungen des SEM in seiner Verfügung (S. 5 unten) verwiesen werden kann, dass es den Beschwerdeführenden in Würdigung aller massgeblichen Sachverhaltselemente nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgung überwiegend glaubhaft zu machen, wobei für die weite- ren zahlreichen Ungereimtheiten und Widersprüche in ihren Aussagen zur Vermeidung von Wiederholungen auf die Verfügung des SEM verwiesen wird, dass letztlich ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit festzuhalten wäre, dass es sich bei dem Sachverhalt, wie er vorliegend präsentiert wird, allen- falls um Au seinandersetzungen im Zusammenhang mit Bestechung und Korruption einzelner – unter Umständen in behördlichen Ämtern tätiger – Personen handeln würde, die sich auf solche Weise unerlaubt zu berei-E-3259/2017 Seite 9 chern versuchen könnten, wobei solche Vorfälle (schon mangels eines re- levanten Verfolgungsmotivs) nicht unter den Flüchtlingsbegriff von Art. 3 AsylG zu subsumieren wären, dass der Einwand in der Beschwerde nicht überzeugt, wonach die Be- schwerdeführenden erst jetzt mit Widersprüchen in ihren Aussagen richtig konfrontiert worden seien und die Beschwerdefrist zur entsprechenden Stellungnahme zu kurz gewesen sei, dass es in der Natur der Sache liegt und nicht zu beanstanden ist, dass die rechtliche Würdigung der Asylvorbringen des SEM den Beschwerdeführen- den erst mit dem Asylentscheid zur Kenntnis gelangt, dass die vom SEM aufgelisteten Ungereimtheiten sich fast ausschliesslich aus einem Vergleich der protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers mit seinen eigenen Angaben ergeben (vgl. Entscheidungen und Mitteilun- gen de r vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 13) und nicht mit denjenigen einer anderen beschwerdeführenden (oder dritten) Person, zu denen das rechtliche Gehör hätte gewährt werden müssen (vgl. EMARK 1994 Nr. 14), dass im Übrigen das SEM den Beschwerdeführer im Verlauf und kon- zentriert am Ende der Anhörung ausführlich mit den Ungereimtheiten und Widersprüchen in seinen früher protokollierten Angaben konfrontiert hatte (vgl. Protokoll A25/21 insbesondere S. 14 ff.) und ihm – im Sinn der er- wähnten Rechtsprechung gemäss EMARK 1994 Nr. 13 – korrekt und hin- reichend Gelegenheit geboten hatte, seine Angaben plausibler und ver- ständlicher zu machen, dass auch der Einwand der „kurzen Zeit“ für die Einreichung der (vorlie- genden) Beschwerde inhaltlich nicht überzeugt, nachdem die Beschwer- deführenden seit Zustellung der vorinstanzlichen Verfügung dreissig Tage Zeit hatten, sich mit deren Inhalt und namentlich der Würdigung ihrer Vor- bringen auseinanderzusetzen, und es sich im Übrigen um eine gesetzliche Frist handelt, die nicht beliebig angepasst werden kann, dass in der durch einen Rechtsanwalt angefertigten Beschwerde kein An- trag auf Gewährung einer Frist zur Ergänzung der Beschwerdebegründung gestellt worden ist (ein solcher allerdings im Übrigen auch nicht gutzuheis- sen gewesen wäre, nachdem weder von einem aussergewöhnlichen Um- fang noch von einer besonderen Schwierigkeit der Beschwerdesache im Sinn von Art. 53 VwVG auszugehen gewesen wäre), E-3259/2017 Seite 10 dass unter diesen Umständen auch kein Grund für eine Rüc kweisung der Sache an die Vorinstanz ersichtlich ist und dieses Eventualbegehren abzu- weisen ist, dass es den Beschwerdeführenden somit nicht gelingt, die Flüchtlingsei- genschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, weshalb das Staatssekretariat ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs ode r das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die verfügte Weg- weisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und dem- nach vom Staatssekretariat zu Recht angeordnet wurde, dass das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Voll- zug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]), dass beim Geltendmach en von Wegweisungsvollzugshindernissen ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.), dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtun g dieser mass- geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche E-3259/2017 Seite 11 Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoule- ment im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet, dass sodann keine Anhaltspunkte für eine im Heimat- oder Herkunftsstaat drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Be handlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon- kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage im Heimat- beziehungsweise Herkunfts- staat der Beschwerdeführenden noch individuelle Gründe auf eine kon- krete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vor diesem Hintergrund zumutbar ist, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben im (…) 2014 an (…)krebs erkrankt und im (…) 2014 operiert worden ist, sie dabei auch dargelegt hat, die Geschwüre seien im Anfangsstadium gewesen und es sei vorläufig alles in Ordnung, sie müsse dazu dreimonatige Kontrollunter- suchungen vornehmen lassen (vgl. Protokoll A5/14 S. 11, Protokoll A26/14 S. 6), dass die Beschwerdeführerin damit zu erkennen gegeben hat, dass sie die notwendige medizinische Behandlung in Moskau erhalten konnte, wobei davon ausgegangen werden kann, dass eine solche, namentlich die allfäl- lig weiterhin notwendigen Kontrolluntersuchungen, nach einer Rückkehr in den Heimatstaat weiterhin möglich sein wird, dass die Beschwerdeführerin auch psychische Probleme geltend macht – zumal wegen der finanziellen Verluste daheim und wegen der traumati- sierender Erlebnisse (…) – und anführt, sie leide unter anderem an Schlaf- losigkeit und Albträumen (vgl. Protokoll A5/14 S. 10, Protokoll A26/14 S. 10 f.), dass dazu mit dem Rechtsmittel ein Kurzbericht der Psychiatrischen Diens- te D._______ vom 6. Juni 2017 zu den Akten gereicht worden ist, E-3259/2017 Seite 12 dass gemäss diesem Bericht der Verdacht auf eine depressive Störung, gegenwärtig einer mittelgradig depressiven Episode, bestehe, bei der Be- schwerdeführerin bestehe Angst und depressive Störung gemischt (ICD- 10:41.2) in schwieriger psychosozialer Situation , die mittels ambulant durchgeführter, stützender Gespräche therapiert werde, von einer medika- mentösen Therapie werde (vorderhand) abgesehen, zumal das jüngste Kind gestillt werde, dass die Situation sich aktuell zugespitzt habe und eine stationäre Krisenintervention veranlasst worden sei, dass davon auszugehen ist, dass solchen Gesundheitsbeschwerden grundsätzlich durch die Wahl geeigneter Vollzugsmodalitäten hinreichend Rechnung getragen werden kann und die Beschwerdeführenden zusätz- lich auf die Möglichkeit hinzuweisen sind, beim SEM ein Gesuch um Ge- währung medizinischer Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 75 der Asylver- ordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]), dass gemäss den verfügbaren öffentlich zugänglichen Informationen in Russland für die Behandlung psychischer Erkrankungen neben grossen Spezialkliniken (für eine allfällig notwendige stationäre Behandlung ) auch sogenannte psychoneurologische Dispans er existieren, welche üblicher- weise als ausserhalb eines psychiatrischen Spitals angesiedelte Anlauf- stellen in einer Stadt, einem Bezirk oder Gebiet vor allem ambulante psy- chiatrische, psychologische, psychotherapeutische, neurologische und so- ziale Behandlungen und Hilfe anbieten, dass demnach die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin auch im Heimatland – namentlich in Moskau, wo mehrere solche Institutionen zur Verfügung stehen – adäquat behandelt werden können, dass die Beschwerdeführenden über gute Ausbildungen und Berufserfah- rungen verfügen und bei ihrer Rückkehr nach Moskau, wo sie seit vielen Jahren ihr Daheim gefunden haben, ein entsprechendes soziales Netz vor- finden werden (beispielsweise in der Person des vielfach erwähnten Freun- des C._______ oder weiterer Bekannter), dass der Umstand, dass die Beschwer deführenden sich gut in ihre Wohnumgebung in der Schweiz und in die Schule ( […]) eingelebt haben (vgl. Beilagen zum Rechtsmittel), nicht auf einen unzumutbaren Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat schliessen lässt, zumal die Beschwerde-E-3259/2017 Seite 13 führenden erst seit rund zwei Jahren in der Schweiz leben und ihre Rück- kehr in das Heimatland damit nicht zu einer eigentlichen Entwurzelung füh- ren wird, dass in diesem Zusammenhang nach Durchsicht der Akten a uch festge- stellt werden muss, dass im Oktober 2015 gegen den Beschwerdeführer und (…) und (…) wegen eines offenbar gemeinsam begangenen Laden- diebstahls (mit einem Deliktsbetrag von rund 770 Franken) ein Strafverfah- ren eröffnet werden musste, dass der Ausgang dieses Verfahrens sich mit Bezug auf die Kinder nicht aus den Akten ergibt, hingegen einer gegen den Beschwerdeführer gerich- teten Ein- respektive Ausgrenzungsverfügung der zuständigen kantonalen Behörde zu entnehmen ist, dass dieser wegen dieses Vermögensdelikts am (…) Januar 2016 durch die Staatsanwaltschaft E._______ zu einer Geldstrafe verurteilt worden sei, dass diese Straffälligkeit nicht auf eine gute Integration schliessen und sich im Übrigen auch kaum mit dem zu erwartenden Verhalten eines Menschen vereinbaren lässt, der von seinem Gastland Schutz vor Verfolgung benö- tigt, dass insgesamt in Würdigung aller massgeblichen Sachverhaltselemente der Vollzug der Wegweisung nach dem Gesagten als zumutbar zu beurtei- len ist, dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden in den Hei- matstaat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindern isse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es den Beschwerdeführenden obliegt, bei der Beschaffung gültiger Reisep apiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), dass nach dem Gesagten der vom Staatssekretariat verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechts- erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist , weshalb die Be- schwerde abzuweisen ist, E-3259/2017 Seite 14 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beigabe einer amtlichen Rechts- vertretung aufgrund der Aussichtslosigkei t der Rechtsbegehren (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen und die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-3259/2017 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand: