<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 53 S.191</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">191</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>53</b></span> <span class="ft3"><b>Zwangsmassnahmen im Rahmen fürsorgerischer Freiheitsentziehung;</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Fixierung mit Bauchgurt in Isolation; Besuchsverbot für die Seelsorgerin;</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Bibelentzug.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 17. November 2000 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen H.S. gegen Entscheide der Klinik Königsfelden.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">H.S. leidet an einer chronischen paranoiden Schizophrenie mit</span><br/> <span class="ft1">religiösem Wahn. Aufgrund möglicher Fremdgefährdung und Medi-</span><br/> <span class="ft1">kamentenverweigerung wurde er anlässlich der fürsorgerischen Frei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">192</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">heitsentziehung zwangsmediziert, isoliert und gegurtet. Zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">wurde ein Bibelentzug und ein Besuchsverbot der Seelsorgerin ver-</span><br/> <span class="ft1">fügt.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. a) Seit dem 14. November 2000 und erneut gestützt auf den</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmassnahmen-Entscheid vom 17. November 2000 wird der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer im Isolationszimmer mit dem Bauchgurt fixiert.</span><br/> <span class="ft1">An der Verhandlung beklagte er sich, dass er im Gurt ersticke, dass</span><br/> <span class="ft1">er nicht immer ans Bett gefesselt sein wolle.</span><br/> <span class="ft1">b) Das bis vor kurzem ungeschriebene verfassungsmässige</span><br/> <span class="ft1">Recht der persönlichen Freiheit, das in der am 1. Januar 2000 in</span><br/> <span class="ft1">Kraft getretenen Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich in Art.10 und - hinsichtlich des Schutzes der Menschen-</span><br/> <span class="ft1">würde - auch in Art. 7 gewährleistet ist, beinhaltet insbesondere das</span><br/> <span class="ft1">Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit, auf Bewegungs-</span><br/> <span class="ft1">freiheit und Wahrung der Würde des Menschen sowie alle Freiheiten,</span><br/> <span class="ft1">die elementare Erscheinungen der Persönlichkeitsentfaltung darstel-</span><br/> <span class="ft1">len (BGE 126 I 114 mit Hinweisen). Das Recht auf persönliche Frei-</span><br/> <span class="ft1">heit gilt indessen, wie die übrigen Freiheitsrechte, nicht absolut. Ein-</span><br/> <span class="ft1">schränkungen sind zulässig, wenn sie auf einer gesetzlichen Grund-</span><br/> <span class="ft1">lage beruhen, im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig</span><br/> <span class="ft1">sind; zudem dürfen sie den Kerngehalt des Grundrechts nicht beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigen, das heisst, dieses darf weder völlig unterdrückt noch sei-</span><br/> <span class="ft1">nes Gehalts als Institution der Rechtsordnung entleert werden (BGE</span><br/> <span class="ft1">126 I 115). Eine Zwangsmassnahme ist namentlich dann unverhält-</span><br/> <span class="ft1">nismässig, wenn eine ebenso geeignete mildere Anordnung für den</span><br/> <span class="ft1">angestrebten Erfolg ausreicht. Der Eingriff darf in sachlicher, räumli-</span><br/> <span class="ft1">cher, zeitlicher und personeller Hinsicht nicht einschränkender sein</span><br/> <span class="ft1">als notwendig (BGE 126 I 119 f. mit Hinweisen).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">193</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) Beim Entscheid über die Zulässigkeit einer Zwangsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahme darf auch das Schutzbedürfnis Dritter einbezogen werden.</span><br/> <span class="ft1">Unter Würdigung aller Umstände gilt es somit zu prüfen, ob die Fi-</span><br/> <span class="ft1">xierung mit Bauchgurt medizinisch indiziert und verhältnismässig</span><br/> <span class="ft1">sei.</span><br/> <span class="ft1">aa) Gemäss Aussage des Klinikarztes wurde die Fixierung not-</span><br/> <span class="ft1">wendig, weil der Beschwerdeführer aggressiv sei und ihm bei jeder</span><br/> <span class="ft1">Gelegenheit die Faust zeige. Er äussere sich mit viel Wucht und</span><br/> <span class="ft1">wirke sehr bedrohlich. Er selber besuche ihn jeweils in Begleitung</span><br/> <span class="ft1">von zwei Personen im Isolationszimmer (Protokoll, S. 13 und 19).</span><br/> <span class="ft1">Der Pfleger sagte aus, dass sich die Aggressionen hauptsächlich ge-</span><br/> <span class="ft1">gen die Ärzte richteten und das Pflegepersonal keine Probleme mit</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer habe. Der Beschwerdeführer sei im Gurt,</span><br/> <span class="ft1">weil die Gefahr bestehe, dass er jemanden schlagen könnte, den er</span><br/> <span class="ft1">nicht möge. Man habe zu wenig Personal auf der Abteilung (Proto-</span><br/> <span class="ft1">koll, S. 9 f.).</span><br/> <span class="ft1">Der Zustand des Beschwerdeführers verlangt nach einer Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung mit Medikamenten, die notfalls zwangsweise - d.h. allen-</span><br/> <span class="ft1">falls auch durch Festgurten zu diesem Zweck - verabreicht werden</span><br/> <span class="ft1">müssen. Da sich die verbalen und tätlichen Angriffe hauptsächlich</span><br/> <span class="ft1">gegen die Ärzte richten, ist ein Gurten somit zumindest während der</span><br/> <span class="ft1">Arztvisite zum Schutz Dritter indiziert.</span><br/> <span class="ft1">bb) Bei der Frage der Verhältnismässigkeit gilt es aber daran zu</span><br/> <span class="ft1">erinnern, dass der Eingriff in die persönliche Freiheit durch Fixie-</span><br/> <span class="ft1">rung ans Bett in extremer Weise den Kerngehalt des Grundrechts</span><br/> <span class="ft1">betrifft und daher gemäss Art. 36 Abs. 4 BV grundsätzlich unzulässig</span><br/> <span class="ft1">ist. Ausnahmen sind nur denkbar, wenn in akuter Weise eine Gefahr</span><br/> <span class="ft1">für Leib und Leben von Menschen besteht. Dabei darf der Eingriff</span><br/> <span class="ft1">insbesondere in zeitlicher Hinsicht nicht einschränkender sein als zur</span><br/> <span class="ft1">Abwendung der Gefahr erforderlich (BGE 126 I 119f.). §</span> <span class="ft2">67e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EG</span><br/> <span class="ft1">ZGB sieht Vorkehrungen vor, zu denen auch die Isolation und</span><br/> <span class="ft1">Gurtung zählen. Ziel und Zweck einer solchen Massnahme kann aber</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">194</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">auch gemäss Darstellung in der Botschaft nur der Schutz der</span><br/> <span class="ft1">betroffenen Person oder deren Mitmenschen sein (Botschaft, S. 6).</span><br/> <span class="ft1">Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer, der</span><br/> <span class="ft1">aus Sicherheitsgründen bereits isoliert wird, zusätzlich die ganze Zeit</span><br/> <span class="ft1">im Gurt ans Bett gebunden sein muss. Ein Festgurten kann nur in</span><br/> <span class="ft1">akuten Notsituationen verhältnismässig sein. Wo ein Kampf mit dem</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer voraussehbar ist, wie vor einer Visite oder einer</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmedikation, ist das Gurten zum Schutz der Betroffenen an-</span><br/> <span class="ft1">gebracht. Unverhältnismässig ist dagegen, wenn ein Patient ausser-</span><br/> <span class="ft1">halb von Notsituationen im Isolationszimmer in den Gurt gelegt</span><br/> <span class="ft1">wird. Der zuständige Pfleger hat denn auch bestätigt, dass es bei</span><br/> <span class="ft1">Toilettenbesuchen oder dem Duschen etc. mit dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">keine Probleme gebe. Auch anlässlich der Verhandlung konnte sich</span><br/> <span class="ft1">das Gericht davon überzeugen, dass vom Beschwerdeführer grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich keine konkrete Gefahr ausgeht. Wohl ist er - insbesondere</span><br/> <span class="ft1">den Ärzten gegenüber - verbal massiv bedrohlich, im übrigen aber</span><br/> <span class="ft1">anständig und wie Pfarrerin R. aussagte, anhänglich und Geborgen-</span><br/> <span class="ft1">heit suchend. Unter diesen Umständen ist zu befürchten, dass diese</span><br/> <span class="ft1">extrem einschneidende Sicherheitsmassnahme die Aggression des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers gegen die Ärzte noch steigert. Das Fixieren mit</span><br/> <span class="ft1">dem Bauchgurt betrifft den Kerngehalt der Bewegungsfreiheit als</span><br/> <span class="ft1">Aspekt der persönlichen Freiheit in extremster Form und kann nur</span><br/> <span class="ft1">bei einer konstanten akuten Gefahr für Leib und Leben verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässig sein. Da der Beschwerdeführer sich selber nicht gefährdet</span><br/> <span class="ft1">und seine Angriffe gegen Dritte sich grundsätzlich nur gegen die</span><br/> <span class="ft1">behandelnden Ärzte richten, ist ein Fixieren während des ganzen</span><br/> <span class="ft1">Tages offensichtlich unverhältnismässig. Die Beschwerde ist somit</span><br/> <span class="ft1">bezüglich des Fixierens mit dem Teilgurt in dem Sinne teilweise</span><br/> <span class="ft1">gutzuheissen, so dass die Klinik mit milderen Massnahmen einer</span><br/> <span class="ft1">latenten Gefahr zu begegnen hat. Es ist zweifellos sinnvoll, wenn</span><br/> <span class="ft1">Ärzte in der Regel - wie schon bisher praktiziert - nicht alleine zum</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer ins Isolationszimmer gehen. Solange sich der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer nicht gleichzeitig mit Ärzten im Isolationszimmer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aufhält, muss er sich mindestens frei bewegen und so einen Teil sei-</span><br/> <span class="ft1">ner Aggression abreagieren können. Demgegenüber sind kurze Fixie-</span><br/> <span class="ft1">rungen mit dem Bauchgurt für die Zeiten der Arztvisiten und der</span><br/> <span class="ft1">Medikamentenverabreichung verhältnismässig, ebenso bleiben un-</span><br/> <span class="ft1">vorhergesehene Notfallsituationen mit akuter Gefahr für Leib und</span><br/> <span class="ft1">Leben vorbehalten.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Der Zwangsmassnahme-Entscheid vom 17. November</span><br/> <span class="ft1">2000 sieht zusätzlich ein Besuchsverbot betreffend die Anstaltspfar-</span><br/> <span class="ft1">rerin R. vor. Es ist vorweg zu prüfen, ob ein solches Besuchsverbot</span><br/> <span class="ft1">überhaupt als Zwangsmassnahme gemäss § 67e</span><span class="ft7"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EG ZGB qualifi-</span><br/> <span class="ft1">ziert werden kann.</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss Abs. 1 der genannten Norm dürfen "Behandlungen</span><br/> <span class="ft1">und andere Vorkehrungen", die medizinisch indiziert sind, zwangs-</span><br/> <span class="ft1">weise vorgenommen werden, sofern die notwendige Fürsorge auf</span><br/> <span class="ft1">andere Weise nicht gewährleistet werden kann. Die Botschaft nennt</span><br/> <span class="ft1">neben der Zwangsmedikation, Isolation und Gurtung als Beispiele</span><br/> <span class="ft1">für "andere Vorkehrungen" (Botschaft, S. 6). Eine Zwangsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahme ist nur innerhalb einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung</span><br/> <span class="ft1">zulässig und liegt immer dann vor, wenn durch eine ärztlich ange-</span><br/> <span class="ft1">ordnete Vorkehr die persönliche Freiheit des Betroffenen noch stär-</span><br/> <span class="ft1">ker eingeschränkt wird als durch den Zwangsaufenthalt in einer An-</span><br/> <span class="ft1">stalt.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">der fürsorgerischen Freiheitsentziehung bereits die Zwangsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahme der geschlossenen Isolation angeordnet wurde und seit dem</span><br/> <span class="ft1">6. November 2000, und somit seit 11 Tagen, ununterbrochen voll-</span><br/> <span class="ft1">zogen wird. Dies ist bereits ein massiver Eingriff in seine persönliche</span><br/> <span class="ft1">Freiheit. Das zusätzliche Verbot an den Beschwerdeführer, mit der</span><br/> <span class="ft1">Anstaltspfarrerin als seiner langjährigen Vertrauensperson und</span><br/> <span class="ft1">gleichzeitigen Seelsorgerin reden zu dürfen, bedeutet nochmals eine</span><br/> <span class="ft1">erhebliche Einschränkung der persönlichen Freiheit. Das Be-</span><br/> <span class="ft1">suchsverbot muss vom psychisch kranken Beschwerdeführer als</span><br/> <span class="ft1">nicht nachvollziehbare, zusätzliche einschneidende Beschränkung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">196</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">oder gar als Strafe empfunden werden. Es handelt sich daher</span><br/> <span class="ft1">zweifellos um eine andere Vorkehr im Sinne von § 67e</span><span class="ft7"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EG ZGB.</span><br/> <span class="ft1">Von der Klinik wurde das Besuchsverbot in formell korrekter Weise</span><br/> <span class="ft1">mittels Zwangsmassnahmen-Entscheid verfügt.</span><br/> <span class="ft1">c) Eine Zwangsmassnahme - und somit auch das vorliegend zu</span><br/> <span class="ft1">beurteilende Besuchsverbot - ist nur zulässig, wenn sie medizinisch</span><br/> <span class="ft1">indiziert und verhältnismässig ist. Beim Entscheid kann auch das</span><br/> <span class="ft1">Schutzbedürfnis Dritter in die Beurteilung miteinbezogen werden.</span><br/> <span class="ft1">aa) Der Arzt begründet die medizinische Indikation des Be-</span><br/> <span class="ft1">suchsverbots der Seelsorgerin damit, dass er dem Beschwerdeführer,</span><br/> <span class="ft1">der unter einem religiösen Wahn leide, die "nährenden" Reize ent-</span><br/> <span class="ft1">ziehen wolle. Es sei üblich, bei Wahn-Patienten einen Reizentzug</span><br/> <span class="ft1">anzuordnen. Durch den Entzug religiöser Einflüsse müsse sich der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer auf Alltägliches konzentrieren. Der Arzt erhofft</span><br/> <span class="ft1">sich dadurch - zusammen mit weiteren Massnahmen - eine Beruhi-</span><br/> <span class="ft1">gung des Patienten, so dass eine Medikation auf freiwilliger Basis</span><br/> <span class="ft1">möglich wird.</span><br/> <span class="ft1">Nach Aussage der Seelsorgerin R. anlässlich der Verhandlung</span><br/> <span class="ft1">drehen sich die Gespräche zwar oft um religiöse Themen, eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">schlechterung des Zustandes des Beschwerdeführers nach Besuchen</span><br/> <span class="ft1">der Pfarrerin wurde jedoch weder behauptet noch nachgewiesen. So</span><br/> <span class="ft1">erklärte die Anstaltspfarrerin glaubwürdig, dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">immer wieder zu erklären, dass er die Bibel teilweise falsch auslege,</span><br/> <span class="ft1">weil er z.B. nicht der Jeremia sei, sondern der H.; so habe sie schon</span><br/> <span class="ft1">öfters erreicht, dass der Beschwerdeführer sich wieder beruhigt habe.</span><br/> <span class="ft1">Weiter spreche sie mit ihm auch häufig über das Problem der Sexua-</span><br/> <span class="ft1">lität und der Masturbation.</span><br/> <span class="ft1">Der Fachrichter sieht in den 1 bis 2 Besuchen à ca. 30 Minuten</span><br/> <span class="ft1">pro Woche keine Anhaltspunkte für eine Verstärkung des psychoti-</span><br/> <span class="ft1">schen Erlebens des Beschwerdeführers und nach seiner Ansicht ist es</span><br/> <span class="ft1">höchst unwahrscheinlich, dass sich die Wahngedanken des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers durch ein Besuchsverbot auflösen oder auch nur</span><br/> <span class="ft1">reduzieren werden. Die heftigen verbalen Attacken an der Verhand-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lung vom 17. November 2000, die sich ausschliesslich gegen die</span><br/> <span class="ft1">beiden anwesenden Ärzte richteten, lassen eher darauf schliessen,</span><br/> <span class="ft1">dass sich der Beschwerdeführer durch die erfolgten ärztlichen An-</span><br/> <span class="ft1">ordnungen bestraft fühlt und deshalb noch aggressiver reagiert.</span><br/> <span class="ft1">Es bestehen somit erhebliche Bedenken, ob das verfügte Be-</span><br/> <span class="ft1">suchsverbot überhaupt medizinisch indiziert sei. Da es jedoch offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich an der Verhältnismässigkeit dieser Zwangsmassnahme fehlt,</span><br/> <span class="ft1">kann diese Frage offen gelassen werden.</span><br/> <span class="ft1">bb) aaa) Das verfassungsmässige Gebot der Verhältnismässig-</span><br/> <span class="ft1">keit verlangt, dass staatliche Hoheitsakte für das Erreichen eines im</span><br/> <span class="ft1">übergeordneten öffentlichen Interesse liegenden Zieles geeignet,</span><br/> <span class="ft1">notwendig und dem Betroffenen zumutbar sein müssen. Eine</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmassnahme ist namentlich dann unverhältnismässig, wenn</span><br/> <span class="ft1">eine ebenso geeignete mildere Anordnung für den angestrebten Er-</span><br/> <span class="ft1">folg ausreicht. Der Eingriff darf in sachlicher, räumlicher, zeitlicher</span><br/> <span class="ft1">und personeller Hinsicht nicht einschränkender sein als notwendig</span><br/> <span class="ft1">(BGE 126 I 119 f. mit Hinweisen). Je schwerer ein Eingriff wiegt,</span><br/> <span class="ft1">desto sorgfältiger ist er folglich zu begründen (BGE 124 I 304). In</span><br/> <span class="ft1">der Lehre wird überdies die Meinung vertreten, dass das Verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässigkeitsprinzip für eine Zwangsbehandlung voraussetzt, dass die</span><br/> <span class="ft1">Vorteile der Massnahme die Nachteile eindeutig überwiegen (Tho-</span><br/> <span class="ft1">mas Geiser, Die fürsorgerische Freiheitsentziehung als Rechts-</span><br/> <span class="ft1">grundlage für eine Zwangsbehandlung?, in: Familie und Recht, Fest-</span><br/> <span class="ft1">gabe der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg</span><br/> <span class="ft1">für Bernhard Schnyder, Freiburg 1995, S. 311).</span><br/> <span class="ft1">Es stellt sich somit die Frage, ob die persönliche Freiheit durch</span><br/> <span class="ft1">das verfügte Besuchsverbot über das zulässige Mass hinaus verletzt</span><br/> <span class="ft1">wird. Die persönliche Freiheit, wie sie in der neuen Bundesverfas-</span><br/> <span class="ft1">sung in Art. 10 ausdrücklich garantiert ist, beinhaltet insbesondere</span><br/> <span class="ft1">das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit, auf Bewe-</span><br/> <span class="ft1">gungsfreiheit sowie die elementare Persönlichkeitsentfaltung. Art. 7</span><br/> <span class="ft1">BV schützt zudem die Würde des Menschen (BGE 126 I 114). Ge-</span><br/> <span class="ft1">genüber spezifischen Grundrechtsgarantien, die Teilbereiche der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">198</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Persönlichkeit schützen, kommt dem verfassungsmässigen Persön-</span><br/> <span class="ft1">lichkeitsschutz die Funktion einer subsidiären Garantie zu (Jörg Paul</span><br/> <span class="ft1">Müller, Grundrechte in der Schweiz, Im Rahmen der Bundesverfas-</span><br/> <span class="ft1">sung von 1999, der UNO-Pakte und der EMRK, 3. Auflage, Bern</span><br/> <span class="ft1">1999, S.8). Sie tritt deshalb zurück, wenn die Persönlichkeitsentfal-</span><br/> <span class="ft1">tung des Einzelnen unter einem durch ein spezifischeres Freiheits-</span><br/> <span class="ft1">recht geschützten Aspekt wie die Glaubens- und Gewissensfreiheit</span><br/> <span class="ft1">beeinträchtigt wird (BGE 123 I 118). Gegenüber Personen in einem</span><br/> <span class="ft1">Sonderstatus wie Haft oder fürsorgerische Freiheitsentziehung, die</span><br/> <span class="ft1">dem staatlichen Machtmonopol nahezu vollständig ausgeliefert sind,</span><br/> <span class="ft1">hat der Staat den verbleibenden Freiraum des Einzelnen aktiv zu</span><br/> <span class="ft1">schützen. Bei der konfessionellen Betreuung von Personen in Son-</span><br/> <span class="ft1">derstatusverhältnissen hat der Staat sicherzustellen, dass der Kontakt</span><br/> <span class="ft1">mit Gleichgläubigen und eine glaubenskonforme Lebensführung</span><br/> <span class="ft1">möglich sind (ZBl 1994, S. 398). Das öffentliche Interesse an einer</span><br/> <span class="ft1">Beschränkung der Glaubens- und Gewissensfreiheit kann sich aus</span><br/> <span class="ft1">dem Zweck einer Institution, wie z.B. einer Klinik oder einer Straf-</span><br/> <span class="ft1">anstalt, ergeben. Solche Beschränkungen sind jedoch durch sachge-</span><br/> <span class="ft1">rechte Anstaltsordnungen in engen Schranken zu halten (BGE 113 Ia</span><br/> <span class="ft1">305). Gemäss § 6 PD hat die Klinik den Patienten angemessen Gele-</span><br/> <span class="ft1">genheit für vertrauliche Gespräche mit ihren Seelsorgern zu gewäh-</span><br/> <span class="ft1">ren. Im Unterschied zu § 7 Abs. 2 PD, gemäss welcher Norm der</span><br/> <span class="ft1">Arzt im medizinischen Interesse des Patienten ausnahmsweise ein</span><br/> <span class="ft1">Verbot des allgemeinen Besuchsrechts anordnen kann, sieht § 6 PD</span><br/> <span class="ft1">keine entsprechende Ausnahmereglung betreffend vertraulichen Ge-</span><br/> <span class="ft1">sprächen vor. Ein entsprechendes Verbot kann somit nur in ganz</span><br/> <span class="ft1">akuten Notfällen verhältnismässig sein. So ist selbst bei Strafgefan-</span><br/> <span class="ft1">genen ein Besuchsverbot unzulässig, wenn ein Priester von sich aus</span><br/> <span class="ft1">eine seelsorgerliche Betreuung anbietet (ZBl 1994, S. 398).</span><br/> <span class="ft1">bbb) An der Verhandlung vom 17. November 2000 hat sich ge-</span><br/> <span class="ft1">zeigt, dass die Seelsorgerin R. seit Jahren eine der vertrautesten Be-</span><br/> <span class="ft1">zugspersonen des Beschwerdeführers ist, die mit ihm höchstens ein</span><br/> <span class="ft1">bis zwei mal pro Woche eine halbe Stunde spricht. Dabei mischt sie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">199</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sich offensichtlich nicht in Fragen der ärztlichen Therapie ein, son-</span><br/> <span class="ft1">dern bespricht mit dem Beschwerdeführer persönliche Lebens- und</span><br/> <span class="ft1">Glaubensfragen.</span><br/> <span class="ft1">Der behandelnde Arzt hofft auf eine positive Wirkung durch</span><br/> <span class="ft1">den Entzug sämtlicher religiöser Einflüsse. Demgegenüber zeigte</span><br/> <span class="ft1">sich eindrücklich, dass der Beschwerdeführer sich nahezu konstant</span><br/> <span class="ft1">mit seinen Glaubensüberzeugungen beschäftigt und sowohl dem</span><br/> <span class="ft1">Gericht wie auch den Ärzten gegenüber häufig mit Bibelzitaten ant-</span><br/> <span class="ft1">wortete. Es ist denn auch erstellt, dass er seit Jahren an einer chroni-</span><br/> <span class="ft1">schen paranoiden Schizophrenie mit religiösem Wahn leidet. Die</span><br/> <span class="ft1">Befragung der Klinikpfarrerin ergab keine Anhaltspunkte dafür, dass</span><br/> <span class="ft1">sie die seelsorgerlichen Besuche dazu missbrauchen könnte, den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer im Hinblick auf ärztliche Anordnungen und Me-</span><br/> <span class="ft1">dikamenteneinnahme irgendwie negativ zu beeinflussen. Da es sich</span><br/> <span class="ft1">beim Besuchsrecht eines Seelsorgers um ein grundlegendes Recht</span><br/> <span class="ft1">handelt, kann die ungewisse Hoffnung auf einen zusätzlichen thera-</span><br/> <span class="ft1">peutischen Effekt keinesfalls genügen, diesen massiven Eingriff in</span><br/> <span class="ft1">die persönliche Freiheit bzw. in die Glaubens- und Gewissensfreiheit</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers zu rechtfertigen. Das verfügte Verbot der</span><br/> <span class="ft1">üblichen ein bis zwei Besuche pro Woche erweist sich daher als un-</span><br/> <span class="ft1">verhältnismässig und ist aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">6. Der Zwangsmassnahmen-Entscheid vom 17. November 2000</span><br/> <span class="ft1">sieht den Entzug der Bibel vor.</span><br/> <span class="ft1">a) Wie beim Besuchsverbot der Seelsorgerin stellt sich auch</span><br/> <span class="ft1">hier die Frage, ob es sich dabei um eine Zwangsmassnahme im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von § 67e</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">Abs. 1 EG ZGB handelt. Für den Beschwerdeführer ist</span><br/> <span class="ft1">die Bibel zweifellos ein wichtiges Buch, mit dem er sich häufig und</span><br/> <span class="ft1">intensiv beschäftigt. Indem dem Beschwerdeführer, der sich bereits</span><br/> <span class="ft1">im verschlossenen Isolationszimmer aufhält, das Lesen seiner Bibel</span><br/> <span class="ft1">verunmöglicht wird, wird ihm die persönliche Freiheit zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">beschränkt, weshalb eine Zwangsmassnahme im Sinne der genannten</span><br/> <span class="ft1">Norm vorliegt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">200</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) Der Entzug der Bibel als Zwangsmassnahme gestützt auf</span><br/> <span class="ft1">§ 67e</span><span class="ft7"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EG ZGB ist nur zulässig, wenn er medizinisch indiziert und</span><br/> <span class="ft1">verhältnismässig ist.</span><br/> <span class="ft1">aa) Nach Ansicht des behandelnden Arztes verstärkt die Aus-</span><br/> <span class="ft1">einandersetzung mit der Bibel den religiösen Wahn. Wie schon beim</span><br/> <span class="ft1">Besuchsverbot der Seelsorgerin beabsichtigt er mit der Massnahme</span><br/> <span class="ft1">einen Reizentzug und damit eine Hinwendung des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers zum Alltäglichen. Es soll damit verhindert werden, dass er noch</span><br/> <span class="ft1">mehr in seine Wahnwelt abtauchen könne. Nach seiner Einschätzung</span><br/> <span class="ft1">habe der Entzug der Bibel die Aggressionen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">nicht verstärkt. Er habe das Buch auch kampflos hergegeben. Ziel</span><br/> <span class="ft1">der flankierenden Massnahmen (Besuchsverbot und Bibelentzug) sei</span><br/> <span class="ft1">ein erzieherisches, das aber nur erreicht werden könne, wenn der</span><br/> <span class="ft1">Lernprozess längere Zeit andaure.</span><br/> <span class="ft1">Das Gericht zweifelt - wie schon beim Besuchsverbot der Seel-</span><br/> <span class="ft1">sorgerin - aufgrund des seit Jahren anhaltenden chronischen Zu-</span><br/> <span class="ft1">standsbildes des Beschwerdeführers an den Erfolgschancen der ver-</span><br/> <span class="ft1">fügten Massnahme. Aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer in erregtem Zustand gewisse für ihn wichtige Bibelzitate even-</span><br/> <span class="ft1">tuell nicht sofort findet und durch das Suchen und Blättern noch</span><br/> <span class="ft1">erregter wird, kann ein gewisser Beruhigungseffekt und damit die</span><br/> <span class="ft1">medizinische Indikation dieser Anordnung allerdings nicht ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen werden.</span><br/> <span class="ft1">bb) Der Bibelentzug ist unverhältnismässig, wenn damit die</span><br/> <span class="ft1">persönliche Freiheit des Beschwerdeführers über das notwendige</span><br/> <span class="ft1">Mass hinaus beschränkt wird. Bereits die Isolierung stellt einen</span><br/> <span class="ft1">schweren Eingriff in die persönliche Freiheit dar und betrifft deren</span><br/> <span class="ft1">Kerngehalt (BGE 126 I 115). Die Tatsache, dass der im Isolations-</span><br/> <span class="ft1">zimmer eingeschlossene Beschwerdeführer zusätzlich nicht in sei-</span><br/> <span class="ft1">nem Lieblingsbuch lesen darf, stellt einen noch tiefgreifenderen Ein-</span><br/> <span class="ft1">griff in seine persönliche Freiheit dar und kann daher nur verhältnis-</span><br/> <span class="ft1">mässig sein, wenn diese Massnahme zur Gewährung der nötigen</span><br/> <span class="ft1">persönlichen Fürsorge unumgänglich ist, d.h. wenn ohne diese An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ordnung eine mögliche Heilung verhindert oder eine akute Gefahr</span><br/> <span class="ft1">für Leib und Leben eintreffen würde. Zum Vergleich sei darauf hin-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen, dass gemäss Bundesgericht Untersuchungsgefangene und</span><br/> <span class="ft1">ausländerrechtliche Administrativhäftlinge gestützt auf die persönli-</span><br/> <span class="ft1">che Freiheit und auf Art. 10 Ziff. 1 EMRK sogar ein Recht auf die</span><br/> <span class="ft1">Zustellung von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern haben. Einzig</span><br/> <span class="ft1">bei Untersuchungshäftlingen gilt bei Kollusionsgefahr die Beschrän-</span><br/> <span class="ft1">kung, dass Drucksachen nur über Verlage oder Buchhandlungen</span><br/> <span class="ft1">bezogen werden können (BGE 122 I 234). Umso mehr muss ein</span><br/> <span class="ft1">isolierter, geisteskranker Patient die Möglichkeit haben, in seiner</span><br/> <span class="ft1">Bibel zu lesen. Das Recht in der eigenen Bibel zu lesen berührt zu-</span><br/> <span class="ft1">dem den Kerngehalt der Glaubens- und Gewissensfreiheit und ist</span><br/> <span class="ft1">daher grundsätzlich unantastbar (Art. 36 Abs. 4 BV). So verbietet die</span><br/> <span class="ft1">Garantie der Glaubens- und Gewissensfreiheit auch, dass Strafgefan-</span><br/> <span class="ft1">genen religiöse Bücher, die ihnen von Dritten zur Verfügung gestellt</span><br/> <span class="ft1">werden, entzogen werden (ZBl 1994, S. 398).</span><br/> <span class="ft1">Wie bereits mehrfach ausgeführt wurde, besteht die primäre</span><br/> <span class="ft1">ärztliche Behandlung des Beschwerdeführers in einer medikamentö-</span><br/> <span class="ft1">sen Therapie mit Neuroleptika. In der akut psychotischen Phase ist</span><br/> <span class="ft1">zusätzlich eine gewisse Reizabschirmung sinnvoll und auch zum</span><br/> <span class="ft1">Schutz der übrigen Patienten und des Personals verhältnismässig.</span><br/> <span class="ft1">Mit diesen Massnahmen ist zwar keine Heilung der chronischen</span><br/> <span class="ft1">Schizophrenie zu erwarten, jedoch eine Verbesserung des Zustands-</span><br/> <span class="ft1">bildes, so dass der Beschwerdeführer in einigen Wochen wieder in</span><br/> <span class="ft1">einem freieren Rahmen in der Klinik leben kann. Selbst wenn der</span><br/> <span class="ft1">Entzug der Bibel einen kleinen Beitrag zur Beruhigung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers leisten kann, ist die damit verbundene tiefgreifende</span><br/> <span class="ft1">Einschränkung der Freiheitsrechte des Beschwerdeführers unverhält-</span><br/> <span class="ft1">nismässig. Der angestrebte Erfolg ist nach ärztlicher und fachrichter-</span><br/> <span class="ft1">licher Meinung mit den angeordneten medizinisch indizierten Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen der medikamentösen Behandlung und der - vorübergehen-</span><br/> <span class="ft1">den - Isolation anzustreben und selbst gewisse Nachteile wie eine</span><br/> <span class="ft1">zeitliche Verzögerung, die durch das Bibellesen entstehen könnten,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rechtfertigen diesen massiven Eingriff in den Kerngehalt des Grund-</span><br/> <span class="ft1">rechts des Beschwerdeführers nicht. Zum Schutz von Leib und Le-</span><br/> <span class="ft1">ben ist diese Zwangsmassnahme jedenfalls klarerweise nicht erfor-</span><br/> <span class="ft1">derlich.</span><br/> <span class="ft1">Der angeordnete Entzug der Bibel ist demzufolge nicht verhält-</span><br/> <span class="ft1">nismässig.</span><br/></div> </div> </body> </html>