B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6561/2013 U r t e i l v o m 1 0 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), und deren Kinder C._______, geboren (…), und D._______, geboren (…), Syrien, (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone; Verfügung des BFM vom 14. November 2013 / N________. D-6561/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 28. Oktober 2013 suchten die Beschwerdeführenden in der Schweiz um Asyl nach. Im Rahmen der Erstbefragung vom 6. November 2013 gab die Beschwerdeführerin B._______ unter anderem an, ihre Schwester E.______ lebe im Kanton Tessin, weshalb sie und ihre Fam ilienangehöri- gen dem Kanton Tessin zugewiesen werden möchten. Das BFM gewäh r- te der Beschwerdeführerin im Anschluss an die Befragung das rechtliche Gehör in Bezug auf die Kantonszuweisung. B. Mit Entscheid vom 11. November 2013 wies das BFM die Beschwerd e- führenden für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Graubünden zu. C. Mit Verfügung vom 14. November 2013 wies das BFM das Gesuch um einen Kantonswechsel ab. D. Mit auf den 20. November 2013 datierter, zuhanden der schweizerischen Post am 22. November 2013 aufg egebener Eingabe erhoben die B e- schwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem G ebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). 1.2 Beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden Person an einen Kantons gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG handelt es sich um eine beim D-6561/2013 Seite 3 Bundesverwaltungsgericht selbständig anfechtbare Zwischenverfügung (Art. 107 Abs. 1 AsylG). 1.3 Gemäss Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG – welcher als lex spec ialis der allgemeinen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht (Art. 106 Abs. 2 AsylG) – kann der Zuweisungsentscheid nur mit der Begründung ang e- fochten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie. Diese Rüge wird im vorliegenden Fall von den Beschwerdeführenden, welche als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert sind (Art. 48 VwVG), denn auch erhoben. Auf die im Übrigen frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Beschwerde erweist sich, wie nachfolgend dargelegt, als offensich t- lich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Rich- terin (Art. 111 Bst. e AsylG) mit summarische r Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1) ist der Schutzbereich des Grundsatzes der Einheit der Familie gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG deckungsgleich mit den entspre- chenden Begriffen in Art. 44 Abs. 1 sowie Art. 51 Abs. 1 und 2 AsylG s o- wie Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Me n- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101). Danach können sich neben den Mitgliedern der Kernfamilie (Eheg atten und ihre minde r- jährigen Kinder) auch weitere nahe Angehörige wie Onkel/Tante und Nef- fe/Nichte auf den Schutz des Familienlebens berufen, sofern eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung unter ihnen besteht. Dabei setzt allerdings eine über d ie eigentliche Kernfamilie hinaus gehende schü t- zenswerte verwandtschaftliche Beziehung voraus, dass zwischen diesen Personen ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis besteht. 4. 4.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Voraussetzungen für einen Kantonswechsel seien nicht g e- geben. Die Beziehung der Beschwerdeführerin B.______ zu ihrer Schwester E.______ beziehungsweise des Beschwerdeführers D-6561/2013 Seite 4 A._______ zu seiner Schwägerin falle nicht unter den Begriff der Kernf a- milie. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe machten die Beschwerdeführenden ge l- tend, das BFM habe in seinem Entscheid nicht berücksichtigt, dass E.________ schweizerische Staatsangehörige sei, die Beschwerdefü h- renden aufgrund dieser familiären Beziehung aus ihrem Heimatstaat hät- ten fliehen können und bereits andere Familienangehörige von E._______ dem Kanton Tessin zugewiesen worden seien. Im Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführenden christlichen Glaubens wegen ihrer Religionszugehörigkeit in Syrien Behelli gungen er- fahren hätten und sich im ihnen zugewiesenen Aufnahmezentrum in F.________ Asylbewerber muslimischen Glaubens befänden, welche die Töchter der Beschwerdeführenden bereits aufgrund ihres Glaubens b e- drängen könnten. 4.3 Mit der Vorinstanz ist festzust ellen, dass es sich bei der Schwester beziehungsweise Schwägerin nicht um ein Mitglied der Kernfamilie ha n- delt. Im Weiteren besteht allein aufgrund der in der Beschwerde geltend gemachten Tatsachen, wonach E._______ schweizerische Staatsangehö- rige sei, die Beschwerdeführenden bei der Flucht aus Syrien unterstützt habe und bereits andere Familienangehörige von E._______ dem Kanton Tessin zugewiesen worden seien, zwischen den Familienmitgliedern kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der Rechtsprechung. Der Wu nsch, in der Nähe der Schwester beziehungsweise der Schwägerin zu wohnen und insoweit deren Unterstützung in Anspruch nehmen zu können, ist zwar verständlich, stellt aber keinen gesetzlich zwingenden Grund für e i- nen Kantonswechsel dar. Auf das Vorbringen, die Töchter der Beschwer- deführenden könnten von den im Aufnahmezentrum in F._______ leben- den Asylbewerbern muslimischen Glaubens bedrängt werden, ist nicht näher einzugehen, da sich – abgesehen vom rein spekulativen und u n- substanziierten Charakter dieser Behauptung – daraus keine Gründe e r- geben, welche unter dem hier einzig zu prüfenden Aspekt der Familie n- einheit von Bedeutung sein könnten. Die Ablehnung des Gesuchs um e i- nen Wechsel in den Kanton Tessin ist daher im Rahmen der Kognition des Bundesverwaltungsgerichts nicht zu beanstanden. 5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung den Grundsatz der Einheit der Familie nicht verletzt. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. D-6561/2013 Seite 5 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä- digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-6561/2013 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführe nden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Ve rsand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, da s BFM und die z u- ständigen kantonalen Behörden. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: