B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2680/2014 law/auj U r t e i l v o m 25 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger. Parteien A._______, geboren am (…), Russland (Tschetschenien), vertreten durch Ass. iur. Urs Jehle, Caritas Schweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. April 2014 / N (…). D-2680/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer , ein russischer Staatsangehöriger tschetscheni- scher Herkunft aus B._______ bei C._______ verliess eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat Anfang Mai 2013 und gelangte am 8. Mai 2013 illegal in die Schweiz, wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte. B. Das BFM erhob am 16. Mai 2013 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen die Personalien des Beschwerdeführers und befragte ihn zum Reiseweg sowie – summarisch – zu den Asylgründen. Am 27. Mai 2013 hörte das Amt den Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asylgründen an. C. Zur Begründung des Gesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesen t- lichen geltend, am 18. April 2013 abends hätten uniformierte Männer, wahrscheinlich Polizisten der Drogenabteilung, ihn auf dem Weg nach Hause angehalten, sein Auto durchsucht und dabei zwei Päckchen mit Marihuana gefunden. Als er die Männer bezichtigt habe, die Drogen in sein Auto gelegt zu haben, seien diese aggressiv geworden und hätten ihn in ein Amtsgebäude nach Grozny gebracht. Dort hätten sie ein Brett auf seinen Kopf gelegt und mit Gummiknüppeln auf das Brett geschlagen; sie hätten ihn auch mittels Elektroschocks "von hinten" gefoltert, bis er den Drogenfund in seinem Auto unterschriftlich bestätigt habe. Daraufhin hätten sie ihm angeboten, das Geständnis zu vernichten, die Sache nicht an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten und ihm so eine Gefängnisstrafe zu ersparen, falls er inne rt zehn Tagen eine Mio. Rubel (zirka 28'000 E u- ro) bezahlen werde. Nach seiner Freilassung hätten die Polizisten ihn mehrmals angerufen. Der Verkauf seines Autos und seiner Tiere habe ihm lediglich 200'000 Rubel eingebracht. Seine Mutter habe ihn inständig gebeten, sich zu retten. Wer in Tschetschenien in die Hände der Leute von Ramzan Kadyrov gerate, werde zum Krüppel geschlagen oder lande unschuldig im Gefängnis. Wer könne, verlasse das Land, andere würden sich den Kämpfern anschliessen. Er habe sich schli esslich nach Ing u- schetien begeben und sei zusammen mit einem dort lebenden Cousin mithilfe eines Schleppers nach Europa gefahren. Nach seiner Ausreise habe die Polizei bei seiner Familie mehrmals nach ihm gefragt, und er habe Vorladungen erhalten. Die Poli zei denke wohl, dass er zu den R e- bellen in die Berge gegangen sei. D-2680/2014 Seite 3 D. Mit Verfügung vom 28. Mai 2013 trat das BFM in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes in der Fassung gemäss Ziff. I des Bu n- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 (aAsylG, AS 2006 4745) auf das Asylgesuch nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord- nete den Vollzug der Wegweisung an. E. Mit Eingabe vom 3. Juni 2013 liess der Beschwerdeführer durch seinen damaligen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid Beschwerde erheben und beantragen, die vorinstanzliche Ve r- fügung sei aufzuheben und die Sache sei für zusätzliche Abklärungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. F. Mit Eingabe vom 24. Juni 2013 liess der Beschwerdeführ er eine der an der Anhörung erwähnten Vorladungen im Original einreichen. G. Mit Verfügung vom 16. August 2013 wies das BFM den Beschwerdefü h- rer für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Schwyz zu. H. Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Urteil D -3161/2013 vom 19. No- vember 2013 die Beschwerde vom 3. Juni 2013 gut, hob die angefochte- ne Verfügung vom 28. Mai 2013 auf und wies die Sache zwecks zusätzli- cher Abklärungen und zur Neu beurteilung an das BFM zu rück, wobei es das Bundesamt anwies, den Beschwerdeführer zu den geschlechtsspezi- fischen Vorbringen durch ein reines Männerteam zu befragen. I. I.a Das BFM hörte den Beschwerdeführer am 16. und 22. Januar durch ein reines Männerteam an. I.b Dabei führte der Beschwerdeführer aus, die Tschetschenisch spre- chenden Männer in schwarzen Uniformen, die ihn auf dem Heimweg kon- trolliert hätten, seien wohl Polizisten bzw. Leute einer Einheit von Kadyrov oder von der Mafia gewesen. Weil er mit seinem Wagen unterwegs ge- wesen sei und er Werkzeuge dabei gehabt habe, hä tten sie gedacht, er sei wohlhabend , und ihm deshalb zwei Päckchen Marihuana ins Fahr- zeug gelegt in der Annahme, sie könnten von ihm Geld erpressen. Als er sich im Gebäude in Grozny, wo sie ihn festgehalten hätten, geweigert ha-D-2680/2014 Seite 4 be, ein Protokoll zu unterzeichnen, hätten sie ihm zunächst drei oder vier Mal Elektroschocks im Anus zugefügt ; danach habe er sich hinknien müssen, und die Männer hätten auf ein auf seinen Kopf gelegtes Hol z- brett eingeschlagen. Sie hätten kaum mit ihm gesprochen, sondern ihn ständig beschimpft und sich über ihn lustig gemacht. Schliesslich seien sie zu einer anderen Foltermetho de übergegangen. Er habe leicht in die Knie gehen und die Arme hinter den Beinen platzieren müssen. Zwischen Armen und Beinen hätten sie eine Stange durchgeführ t und ihn daran aufgehängt. Die Fortsetzung dieser Foltermethode, welche man im Ja r- gon "Televisor" nenne, bestehe darin, dass zwei unter Strom stehende Drähte in den Anus eingeführt würden. Um dem Televisor zu entgehen, habe er ein Geständnis unterschriebe n, dass er im Besitz von Drogen gewesen sei beziehungsweise damit gehandelt habe. Als die Männer ihm angeboten hätten, das Geständnis zu vernichten, wenn er innerhalb von zehn Tagen eine Mio. Rubel bezahle, habe er eingewilligt, obwohl er g e- wusst habe, dass er diesen Betrag nicht würde aufbringen können. Nach seiner Freilassung habe er sein Fahrzeug und drei Rinder verkauft und ein wenig Geld von seiner Mutter erhalten, was insgesamt 200'000 Rubel ergeben habe. Das Haus habe er nicht verkaufen wollen. Er ha be mit dem Gedanken gespielt, das Geld für seine Ausr eise zu verwenden, und seine Mutter und seine Ehefrau hätten ihn darin bestärkt. Die Erpresser seien die ersten zwei bis drei Monate seit dem Vorfall in Grozny immer wieder bei seinem Haus aufgetaucht un d hätten seiner Ehefrau gesagt, dass er ihnen Geld schulde. Die Besuche hätten erst in letzter Zeit aufge- hört, wohl nachdem die Männer von seiner Ausreise erfahren hätten. Sei- ner Familie seien zwei Vorladungen von der Polizei in C._______ zuge- stellt worden. Er gehe nicht davon aus , dass eine Untersuchung oder ein Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden sei. Aus Kostengründen und weil man in Tschetschenien ohne Beziehungen zu Kadyrov ausgeli e- fert sei, habe er keine Abklärungen über den Stand des Verfahrens gegen ihn veranlasst und auf den Beizug eines Rechtsanwaltes verzichtet. Er habe in Tschetschenien auch Probleme mit dem russischen Militär ge- habt, welche allerdings nicht der Grund seines Asylgesu ches seien. Rus- sische Militärs hätten immer wieder sein Dorf umzingelt und dabei Perso- nenkontrollen, insbesondere von Männern, vorgenommen. Ein mal sei sein Dorf während drei er Monate umzingelt gewesen, und niemand habe das Areal verlassen dürfen. Sein Bruder sei festgenommen und entführt worden. In Tschetschenien wisse man nie, wann man selber festgenom- men werden würde. D-2680/2014 Seite 5 J. Mit Verfügung vom 23. April 2014 – eröffnet am 25. April 2014 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylgesuch vo m 8. Mai 2013 gestützt auf Art. 7 des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) ab. Gleichzeitig verfügte es die We g- weisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vol l- zug der Wegweisung an. K. Mit Eingabe vom 16 . Mai 2014 liess der Beschwerdeführer durch seinen aktuellen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen die se Verfügung Beschwerde erheben und dabei beantragen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft des B e- schwerdeführers festzustellen sowie ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und dem Beschwerdeführer als Folge davon von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wu rde bea n- tragt, es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und der Unterzeichnende sei gemäss Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG als amtlicher Rechtsbeistand zu bestellen. L. Am 27. Mai 2014 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. M. Mit Verfügung vom 11. Juni 2014 forderte der Instruktionsrichter den Be- schwerdeführer auf, entweder eine Fürsorgebestätigung nachzureichen oder einen Kostenvorschuss zu leisten. N. Mit Eingabe vom 20. Juni 2014 liess der Beschwerdeführer eine vom 17. Juni 2014 datierende Fürsorgebestätigung nachreichen. O. O.a Bei Recherchen im Zusammenhang mit dem vorliegenden B e- schwerdeverfahren stiess das Bundesverwaltungsgericht in der russ i- schen Datenbank < http://sudact.ru/regular/doc/PxDPhZ5hBabt/ > auf ei- nen Beschluss des Stadtgerichts C._______, welcher am (…) Juni 2013 gegen eine Person mit dem Namen A._______ ergangen war. Mit diesem Beschluss vom (…) Juni 2013 hatte das Stadtgericht C._______ in Ab-D-2680/2014 Seite 6 wesenheit des Beklagten diesen dazu verpflichtet, innerhalb eines M o- nats dem Vormundschaftsamt von C._______ Rechenschaft über die Verwendung von Vermögenswerten abzulegen, welche ihm in sein er Funktion als Vormund von zwei Minderjährigen anvertraut worden waren. O.b Mit Verfügung vom 11. Juli 2014 teilte d er Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts dem Beschwerdeführer mit, dass aufgrund der Übereinstimmung des Namens des Beklagten im V erfahren in C._______ mit dem Namen auf der vom Beschwerdeführer eingereichten Polizeivorladung vom 26. April 2013 sowie wegen der zeitlichen Koinz i- denz des Verfahrens in C._______ mit der Ausreise des Beschwerdefüh- rers und der Asylgesuchstellung in der Schweiz anzunehmen sei, dass es sich beim Beklagten im genannten Verfahren um den Beschwerdeführer handle und aufgrund dieser Sachlage die Vermutung nahe liege, dieser habe Tschetschenien wegen des gegen ihn in C._______ laufenden Ver- fahrens verlassen und nicht aus den im Asylverfahren an gegebenen Gründen. Der Instruktionsrichter gewährte dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zum Beschluss des Stadtgerichts C._______ vom (…) Juni 2013 und den Schlussfolgerungen, die das Gericht daraus zu ziehen beabsichtige. P. In seiner Stellungnahme vom 24. Juli 2014 räumte der Beschwerdeführer ein, dass der Beschluss des Stadtgerichtes C._______ vom (…) Juni 2014 tatsächlich gegen seine Person ergangen sei. Er hielt fest, dass es sich bei diesem Verfahren allerdings um eine zivilrechtliche Angelege n- heit handle, die nichts mit den erlitten en Verfolgungsmassnahmen zu tun habe. Als sein Bruder verstorben sei, habe er die Vormundschaft für de s- sen zwei Töchter übernommen. Es sei lediglich um sehr geringe monatl i- che Beiträge für Essen und Kleidung für die Mädchen gegangen, und die im Beschluss geforderten Rechenschaftsberichte habe er mittlerweile nachgereicht. Er habe sich als Vormund nicht bereichert, sondern im G e- genteil der medizinischen Fakultät 300'000 Rubel an Schwarzge ld aus der eigenen Tasche bezahlt, um einer der Nichten eine gute Ausbildung zu sichern. Ein strafrechtliches Verfahren wegen Betrugs oder Veruntre u- ung sei in der russischen Datenbank denn auch nicht verzeichnet. Er sei kein Betrüger und kein Vermögenshint erzieher, sondern ein liebevoller Familienvater, und er würde lieber den Freitod wählen, als nochmals in die Hände seiner Folterer zu geraten. D-2680/2014 Seite 7 Q. Am 30. Juli 2014 reichte der Beschwerdeführer beim Gericht die Kopie einer Quittung über die Bezahlung von 48'000 Rubel ein als Beweis, dass er die Schuld aus der Beistandschaft vollständig zurückbezahlt habe. Ferner machte er geltend, die geringe Höhe des Betrages von umg e- rechnet zirka Fr. 1200.– belege, dass das zivilrechtliche Verfahren kein fluchtbegründendes Ereignis dargestellt habe, es somit in keinem Z u- sammenhang mit dem Asylverfahren stehe und daher bei der Prüfung der Asylgründe nicht zu berücksichtigen sei. Der Beschwerdeführer habe demnach keine asylrelevanten Tatsachen verschwiegen und seine Mitwir- kungspflicht nicht verletzt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor instanz des Bun- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist deshalb zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-2680/2014 Seite 8 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, d ie in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 4.1.1 Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnen den Asylentschei- des fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers hiel ten den Anforderun- gen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung nicht stand. Im Einzelnen führte es aus, die amtsinterne Analyse der eingereichten Vorladung habe ergeben, dass diese zwar im Wesentlichen der in Russland üblichen Form entspreche und keine offensichtlichen Fälschungs- oder Manipulati- onsmerkmale aufweise. Mangels Vergleichsmaterials und eines einheitli- chen Layouts solcher Dokumente könne die Authentizität der Vorladung jedoch nicht zuverlässig festgestellt werden. In Russland und insbeso n- dere den nordkaukasischen Republiken könnten authentische Dokume n- te aufgrund der verbreiteten Korruption käuflich erworben werden. Daher lasse sich der Beweiswert der eingereichten Vorladung vom 26. April 2013 nur in Berücksichtigung des Gesamtkontextes, insbesondere der Aussagen im Asylverfahren, würdigen. Dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, seine Asylvorbringen differenziert und substanziiert zu schildern. Die Angaben, die er anlässlich der Anhörungen zur geltend gemachten Mitnahme und Inhaftierung in Grozny gemacht habe, wirkten schemenhaft; insbesondere die knappen Angaben zu den Folterungen wiesen auf einen konstruierten Sachverhalt hin. Überdies habe er bei der zweiten Anhörung am 16. Januar 2014 schwerwiegende Vorfäl le bei der D-2680/2014 Seite 9 Wagenkontrolle durch die Polizisten nicht mehr erwähnt, welche er an der ersten Anhörung vom 27. Mai 2013 noch geschildert habe und die ihm besonders in Erinnerung hätten bleiben müssen. 4.1.2 Das Bundesamt führte weiter aus, die Vorbringen des Beschwerd e- führers würden in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung und der Logik des Handelns widersprechen. So sei davon auszugehen, dass eine Person, die von Behördenvertretern unter Androhung strafrechtlicher Massnahmen erpresst werde und deshalb flüchte, interessiert sei zu e r- fahren, was nach ihrem Verschwinden geschehen sei und ob die Famil i- enangehörigen ihretwegen Probleme habe. Vor diesem Hintergrund über- rasche, dass der Beschwerdeführer keinen Kontakt mit seiner Familie aufgenommen habe, als er sich vor der Ausreise noch bei Verwandten in Tschetschenien und Inguschetien aufge halten habe. Überdies sei unve r- ständlich, weshalb er zu den beiden Vorladungen nur ungenaue Angaben habe machen können. Weiter habe e r nicht einmal ungefähr angeben können, bis zu welchem Zeitpunkt die Erpresser zu seiner Fami lie nach Hause gekommen seien; als er erfahren habe, dass die Besuche aufg e- hört hätten, habe er sich nicht bemüht herauszufinden, ob gegen ihn ein gerichtliches Ve rfahren eingeleitet worden sei. Solche Abklärungen zu veranlassen, wäre ihm jedoch auch von der Schweiz aus und zu geringen Kosten möglich gewesen. Seine Aussage anlässlich der zweiten Anh ö- rung, er kenne sich nicht aus und würde keinen Unterschied zwischen Polizei und Untersuchungsrichter machen, überzeuge nicht . Der Unte r- schied zwischen den beiden Institutionen hätte ihm bekannt sein müssen, zumal er an der ersten Anhörung festgehalten habe, die Erpresser hätten ihm gedroht, die Sache an die Staatsanwaltschaft oder das Gericht we i- terzuleiten, falls er nicht zahlen würde, und er sich sicherlich nach einer solchen Drohung genauer informiert hätte. Aus dem Datum der Vorladung (26. April 2013) sei zu schliessen, dass die Erpresser die Sache schon vor Ablauf der zehntägige n Frist dem Untersuchungsrichter übergeben hätten, was bedeuten würde, dass sie bereits vor Ablauf der Frist davon ausgegangen seien, dass er den geforderten Betrag nicht bezahlen we r- de. Dies lasse sich jedoch nur schwerlich mit seiner Aussage vereinb a- ren, wonach die Erpresser nach seinem Verschwinden noch während zwei oder drei Monaten von seiner Ehefrau Geld verlangt hätten. Hätten die Erpresser mit dem Untersuchungsrichter unter einer Decke gesteckt, hätten die Polizisten die Ehefrau des Beschwerdeführers sicherlich dar- über informiert, dass die Angelegenheit in der Zwischenzeit an den Un- tersuchungsrichter überwiesen worden sei und jener bereit wäre, die A n- klage bei Bezahlung der verlangen Summe fallen zu lassen. Sodann sei D-2680/2014 Seite 10 es erstaunlich, dass die Erpresser eine Mio. Rubel und damit eine Su m- me verlangt hätten, welche weit über die finanziellen Möglichkeiten des Beschwerdeführers hinausgegangen sei, und dieser nicht versucht habe, die Erpresser mit dem Teilbetrag, den er habe aufbringen können, zufrie- denzustellen. 4.1.3 Das BFM hielt sodann fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers erwiesen sich in verschiedener Hinsicht als widersprüchlich. So habe die- ser an der ersten Anhörung vom 27. Mai 2013 ausgesagt, er habe bis an- hin noch keinen Kontakt mit seiner Familie aufnehmen können, und seine Ehefrau habe seinem in der Schweiz wohnhaften Cousin über das Inte r- net mitgeteilt, dass die Polizei mehrmals bei ihr gewesen sei. An der An- hörung vom 22. Januar 2014 hingegen habe er angegeben, in einem Te- lefongespräch mit seiner Ehefrau von den Besuchen der Polizei erfah ren zu haben. Weiter habe der Beschwerdeführer an der ersten Anhörung er- klärt, sein Cousin habe ihm nach der Kontaktnahme mit der Ehefrau mi t- geteilt, die tschetschenischen Behörden dächten, er habe sich den Kämp- fern in den Bergen angeschlossen. An der dritten Anhörung hingegen ha- be er solche Anschuldigungen nicht mehr erwähnt, und auf seine früheren Aussagen angesprochen habe er erklärt, so etwas sei ihm nicht mitgeteilt worden. Ferner habe er im Laufe des Verfahrens unterschiedliche Ang a- ben zum Ort gemacht, an dem man ihn angeblich festgehalten und gefo l- tert ha be ( keine Polizeistation, Drogenabteilung, Polizei - oder Amtsg e- bäude, Polizeiposten, Stelle zur Drogenbekämpfung). 4.1.4 Schliesslich hielt das BFM fest, die Vorbringen des Beschwerdefü h- rers enthielten auch Unstimmigkeiten, die sich nicht mit Gedächtnislücken infolge von Schlägen, mit Stress während der Polizeikontrolle , mit den besonderen Umständen in Tschetschenien oder damit erklären liessen, dass Russisch nicht seine Muttersprache sei. Er habe bei der Erstbefr a- gung erklärt, man könne ihn auf Russisch anhören, und es s eien keine Hinweise dafür ersichtlich, dass er an den Anhörungen Probleme gehabt habe, sich in dieser Sprache auszudrücken. Da es ihm nicht gelungen sei, seine Asylvorbringen ausreichend zu begründen oder sich diese als widersprüchlich erwiesen hätten, sei en die geltend gemachten behördl i- chen Verfolgungsmassnahmen, insbesondere die geschlechtsspezifische Verfolgung, nicht glaubhaft. Daher erübrige es sich, weite re Unstimmig- keiten zu erwähnen und sei davon auszugehen, dass es sich bei der ei n- gereichten Vorla dung eines Untersuchungsrichters um eine Fälschung handle oder dieses Dokument käuflich erworben worden sei. D-2680/2014 Seite 11 4.2 4.2.1 In der Beschwerde wird zur Frage der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers zunächst vorgebracht, das Bundesverwaltung s- gericht habe bereits im Kassationsurteil D -3161/2013 vom 19. November 2013 E. 5.3.2 eine eigene Prüfung der Glaubwürdigkeit des Beschwerd e- führers vorgenommen und diese bejaht. Das BFM versuche nun, eine Würdigung alleine anhand der Anhörungen vom 16. und 22. Januar 201 4 vorzunehmen, obwohl das Gericht die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers bereits festgestellt habe. Dessen neue Aussagen bestätigten jedoch seine früheren Vorbringen, so dass nicht nachvollzie h- bar sei, weshalb die neuen Anhörungen die Glaub würdigkeit des B e- schwerdeführers erschüttern sollten. 4.2.2 Weiter wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe entgegen der Ansicht der Vorinstanz auch an der zweiten Anhörung die Gesche h- nisse während der Wagenkontrolle erneut geschildert, so dass die Schlussfolgerung des BFM, daraus auf einen konstruierten Sachverhalt zu schliessen, nicht haltbar sei. Dass der Beschwerdeführer in den wen i- gen Tagen, in denen er bei Verwandten untergekommen sei und bis er sich endgültig in Sicherheit gebracht habe, den Kontak t zu seiner Familie vermieden habe, sei nicht verwunderlich. Hinsichtlich der vom BFM als ungenau bezeichneten Angaben zu den beiden Vorladungen wurde au s- geführt, der Beschwerdeführer habe an der zweiten Anhörung das Datum der Zustellung genannt und glaubh aft dargelegt, dass er nicht wisse, ob seine Ehefrau oder die Mutter die Vorladung entgegengenommen habe, zumal er in diesem Zeitpunkt selbst nicht mehr vor Ort gewesen sei. Dass der Beschwerdeführer angesichts der geschilderten Vorfälle nach seiner Flucht jeglichen Kontakt zu Gerichten und Behörden seiner Heimat ve r- mieden habe, sei nachvollziehbar und könne ihm nicht zur Last gelegt werden. Er habe mehrfach dargelegt, wie korrupt die Behörden in seiner Heimat seien und habe ernsthafte Nachteile für sich un d seine Familie zu befürchten, wenn er sich weiter mit den Behörden auseinandersetzen würde. Auch könne man ihm nicht anlasten, dass er bezüglich der Unte r- scheidung von Polizei und Staatsanwaltschaft (recte: Untersuchungsrich- ter) über keine genauen rechtli chen Kenntnisse verfüge. Der Beschwer- deführer habe eine Vorladung eines Ermittlungsrichters aus C._______ erhalten, was vermutlich bedeute, dass die Ermittlungsergebnisse der Po- lizei an die Staatsanwaltschaft und schliesslich auch an das Gericht g e- langt sein müssten. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Erpresser auf i h- re Forderungen verzichten würden. Sofern es sich bei diesen um Männer von Kadyrov handle, sei festzuhalten, dass Polizei und Justiz den Anord-D-2680/2014 Seite 12 nungen des tschetschenischen Präsidenten sowie denjenigen seiner Ein- heiten folgten. Doch auch die Mafia habe einen grossen Einfluss in der Region, und tschetschenische Behörden seien korrupt. Dass der Unte r- suchungsrichter nach der Zahlung der verlangten Geldsumme das Ve r- fahren einstellen würde, sei daher n icht unwahrscheinlich, selbst wenn der Beschwerdeführer von dieser Möglichkeit nichts wisse oder man dies seiner Familie nicht ausdrücklich mitgeteil t habe. D ie Erpresser hätten dem Beschwerdeführer dementsprechend gesagt, das Geständnis würde vernichtet, falls er das Geld zahle. Weiter wird geltend gemacht, die Vo r- ladungen dienten jedenfalls als Druckmittel, um aufzuzeigen, dass ein solches Vorgehen jederzeit wieder möglich sei. Nachdem der Beschwer- deführer geflohen sei, versuchten die korrupten Polizisten letztlich alles, um doch noch an ihr Geld zu kommen. Der Beschwerdeführer habe e r- klärt, dass mit den Männern von Kadyrov und der Mafia über eine Herab- setzung der geforderten Summe nicht zu verhandeln sei. Allen Menschen in der Region sei bekannt, dass Feilschen in solchen Fällen nicht möglich sei, da die Erpresser ansonsten ihre Glaubwürdigkeit verlieren würden. Wohin genau in Grozny man ihn gebracht ha be, habe der Beschwerd e- führer nicht erkennen können, da er von Männern umringt in Handschel- len abgeführt worden sei. Er habe jedoch berichtet, dass man ihn in den zweiten Stock eines Gebäudes gebracht habe, und die dortigen Ereignis- se lebhaft und detailliert beschrieben. Zwar sei es ihm auch in einem re i- nen Männerteam sichtlich schwergefallen, über die dritte Foltermethode, den "Televisor", zu sprechen, doch habe er diese Methode genau darg e- stellt und seine Ängste geschildert. Ausser der Angst vor dem "Televisor" habe er wenig emotio nale Regung ge zeigt; eine solche Abspaltung der Gefühlsebene sei jedoch bei Folteropfern häufig anzutreffen. Hinsichtlich der eingereichten Vorladung wird in der Beschwerde argumentiert, der Umstand, dass kein Vergleichsmaterial vorliege, dürfe nicht dem B e- schwerdeführer angelastet werden, und wenn keine Fälschungsmerkmale vorlägen, sei das Dokument als echt anzuerkennen. Der Beschwerdefü h- rer habe somit glaubhaft gemacht, dass er in seinem Heimatland seitens der Sicherheitsbehörden verfolgt sei. Er sei innerhalb eines Jahres vie r- mal angehört worden; dass dabei Erinnerungen verblassten und sich ei n- zelne Widersprüche und Ungenauigkeiten ergäben, sei unvermeidbar. Die Vorinstanz habe überspannte Anforderungen an die Glaubhaftm a- chung gestellt und damit Art. 7 AsylG verletzt. 4.2.3 In Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft wird ausgeführt, d er B e- schwerdeführer habe glaubhaft dargelegt und mit der Vorladung bewi e- sen, dass er begründete Furcht habe, in Tschetschenien wegen eines fal-D-2680/2014 Seite 13 schen Vorwurfs zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurteilt zu we r- den. Ein Gerichtsverfahren sei bereits eröffnet worden, und aufgrund des durch die Folter erzwungenen Geständnisses sei eine Verurteilung zu e r- warten. Des Weiteren drohe dem Beschwerdeführer auch eine Verfolgung durch die Polizisten . Es sei höchstwahrscheinlich, dass sie ihre Drohu n- gen fortsetzen würden, um in Besitz des geforderten Geldes zu gelangen. Unter Hinweis auf Berichte von NGOs aus den Jahren 2010 und 2011 zur Menschenrechtslage in Tschetschenien wird geltend gemacht, Willkür und Übergriffe von Sicherheitsbehörden seien dort an der Tagesordnung . Dem Beschwerdeführer stehe auch keine innerstaatliche "Fluchtalternati- ve" innerhalb der Russischen Föderation (Beschwerde S. 10) zur Verf ü- gung, zumal er in seiner Heimatregion von Organen der Zentralgewalt und damit unmittelbar staatlich verfolgt worden sei und daher ein Wegzug in einen anderen Landesteil solche Nachstellungen nicht effektiv zu u n- terbinden vermöge. 5. 5.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss A rt. 3 AsylG erfüllt eine asyls u- chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtl ings- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 141 f.; 2011/51 E. 6.1 S. 1016; 2008/12 E. 7.2.6.2 S . 174 f.; 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktual i- tät der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der obje k- tiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden P erson zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2013/21 E. 9.2 S. 264; 2013/11 E. 5.1 S. 141 f.; 2011/51 E. 6.1 S. 1016; 2008/34 E. 7.1 S. 507 f.; 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar /Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, S. 531 f. Rz. 11.17 und 11.18). Be- gründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur A n-D-2680/2014 Seite 14 nahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müss en konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 S. 1016 f.). 5.2 Glaubhaft sind die Vorbringen einer a sylsuchenden Person grund- sätzlich dann, wenn sie genügend substanz iiert, in sich schlüssig und plausibel sind, sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentl i- chen Punkten nicht widersprüchlich sind oder der inneren Logik entbe h- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wide r- sprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fa ll ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbri n- gen der asylsuchenden Person. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhalt s- darstellung dieser Person sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 5.3 Vorab ist festzuhalten, dass die Aussage in der Beschwerde, das Bundesverwaltungsgericht habe im Urteil D-3161/2013 vom 19. Novem- ber 2013 die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers g e- prüft und bejaht, unzutreffend ist. Im erwähnten Entscheid hat das Gericht zum einen dargelegt, dass im ersten Verfahren die Richtigkeit der Sac h- verhaltsabklärung unter anderem aufgrund des Verstosses gegen Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [ AsylV 1, SR 142.311]) hin- sichtlich des Vorbrin gens der geschlechtsspezifischen Folter nicht g e- währleistet war, und die Vorinstanz angewiesen, den Beschwerdeführer zu diesem Vorbringen durch ein reines Männerteam zu befragen. Zum D-2680/2014 Seite 15 anderen hat das Gericht im Urteil aufgezeigt, dass sich nicht schon au f- grund einer bloss summarischen Prüfung feststellen liess, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien offenkun dig nicht glaubhaft, und die Beur- teilung der Glaubhaftigkeit und der Asylrelevanz einer vertieften Ause i- nandersetzung mit seinen Vorbringen und einer eingehenderen Begrü n- dung bedurft hätte , weshalb das BFM unter Missachtung von Art. 32 Abs. 3 Bst. c aAsylG zu Unrecht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a aAsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten war. 5.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, uniformierte Männer – Polizis- ten beziehungsweise Schergen des tschetschenischen Präsidenten K a- dyrov oder der Mafia – hätten ihm am 18. April 2013 bei einer Persone n- kontrolle Drogen in sein Auto gelegt und ihn anschliessend in einem Amtsgebäude in Grozny durch schwere Folterungen dazu gebracht, den Drogenbesitz zu gestehen. Da er ausgereist sei, ohne den von ihnen g e- forderten Betrag von einer Mio. Rubel zu bezahlen, m üsse er bei der Rückkehr damit rechnen, dass sie sich an ihm rächen würden und /oder dass er in einem Gerichtsverfahren zu einer hohen Gefängnisstrafe verur- teilt werden würde. 5.4.1 Die Lektüre der Protokolle der Anhörungen vom 16. und 22. Januar 2014, welche da s BFM in einem reinen Männe rteam durchgeführt hat, ergibt zum einen, dass der Beschwerdeführer die geltend gemachten Fol- termethoden sehr distanziert beschrieb. Wie in der Beschwerde zu Recht festgehalten wird, ist eine solche "Abspaltung der Gefühlsebene" bei Fol- teropfern häufig anzutreffen, weshalb alleine daraus noch keine Rüc k- schlüsse im Hinblick auf die Glaubhaftigkeit des Foltervorbringens zulä s- sig sind. Zum andern ist den Protokollen zu entnehmen, dass der B e- schwerdeführer an der dritten Anhörung zur dritten Foltermethode, dem sogenannten "Televisor" angab, die Männer hätten eine Eisenstange zw i- schen seinen nach hinten gelegten Armen und den Beinen durchgeführt und ihn an der Stange aufgehängt, woraufhin er zugesagt habe, das Ges- tändnis zu unterschreiben, weil er damit der Fortsetzung dieser Folterme- thode – Einführen von zwei unter Strom stehenden Drähten in den Anus – habe entgehen wollen . Er habe über den "Televisor" Bescheid gewusst, da ein guter Freund von ihm auf diese Weise gefoltert worden sei, weil man davon ausging, dass er die Aufst ändischen unterst ützt habe (vgl. act. A68/21 F111 ff. S. 14 f.). An der vierten Anhörung sechs Tage später hingegen sagte er auf Nachfrage des BFM -Mitarbeiters, man habe ihm mit der Anwendung der Foltermethode "Telev isor" gedroht, jedoch keine konkreten Schritte unternommen, diese Folter auch durchzuführen (vgl. D-2680/2014 Seite 16 act. 75/19 F26 ff. S. 5). Den Widerspruch zur ursprünglichen Aussage, wonach er an der Stange aufgehängt worden sei, vermochte er auch auf explizite Nachfrage des BFM-Mitarbeiters nicht aufzulösen (vgl. act. 75/19 F108 f. S. 13 f.). Ein derartiger Widerspruch zwischen zwei Aussagen, welche innerhalb von sechs Tagen erfolgten, lässt sich jedoch weder mit Selbstschutz- und Verdrängungsmechanismen noch mit Gedächtnislü- cken oder damit erklären, dass die Anhörungen in russischer und nicht in tschetschenischer Sprache durchgeführt wurden . Die Beschwerde (vgl. S. 7) schweigt sich zu diesem Widerspruch denn auch aus . Aus diesen Gründen können die geltend gemachte Folter und das dabei angeblich unterschriebene Geständnis über den Drogenbesitz nicht geglaubt we r- den. 5.4.2 Als einziges Beweismittel für seine Vorbringen reichte der B e- schwerdeführer am 24. Juni 2013 eine von einem Untersuchungsrichter in C._______ am 26. April 2013 ausgestellte Vorladung im Original ein. Gemäss dieser hätte er am 28. April 2013, mithin wenige Tage vor seiner Ausreise, bei der Polizei in C._______ zu einer Befragung erscheinen müssen. Diese (und eine weitere) Vorladung hatte der Beschwerdefüh rer erstmals an der ersten Anhörung vom 27. Mai 2013 im Zusammenhang damit erwähnt, dass die tschetschenischen Behörden ihn "als einen R e- bellen darstellen" wollten und manchen Leuten "gewisse Sachen" unte r- schieben würden, um sie dann festzunehmen (vgl. act . A8/14 F4 f. S. 2). An der zweiten Anhörung vom 16. Januar 2014 gab er einerseits zu Pr o- tokoll, die Vorladung hänge damit zusammen, dass die Polizei ihn suche, da er ihr einen gewissen Betrag schulde bzw. hätte übergeben sollen; andererseits sagte er, die Befragung sei nur ein Vorwand, und man wolle sich an ihm rächen (vgl. act. A68/21 F. 37 und 40 S. 5, F60 S. 7). Wes- halb die eingereichte Vorladung von einem Untersuchungsrichter ausg e- stellt wurde und nicht von der Polizei, wie der Beschwerdeführer behau p- tet hatte, vermochte er nicht überzeugend zu erklären (vgl. act. A68/21 F68 f. S. 8, act. A75/19 F89 S. 11). Als der Mitarbeiter des BFM sich ge- gen Ende der vierten Anhörung nach dem Stand des Verfahrens in Tsche- tschenien erkundigte , gab der Beschwerdeführe r zu Protokoll , er gehe davon aus, dass noch kein e Untersuchung gegen ihn eingeleitet worden sei (vgl. act. A75/19 F87 S.10). In der Folge sagte er, nach seiner Ausrei- se müsse sein Fall von Grozny nach C._______ "transferiert" worden sein, da die Vorladung ja von dort stamme (a.a.O. F88 S. 11). Auf die Frage des BFM -Mitarbeiters, ob er denn nichts unternommen habe, um den Verfahrensstand abzuklären, antwortete er, er gehe davon aus, dass der Fall "nach der Übergabe nach C._______ komplett geändert" habe D-2680/2014 Seite 17 und man ihm "etwas anderes unterschoben" habe (a.a.O., F92 S. 11); dies habe er sich gedacht, als er gesehen habe, dass die Vorladung aus C._______ gekommen sei (a.a.O., F95 S. 11). Mit seiner Antwort auf die Frage des BFM -Mitarbeiters, was man ihm denn nun k onkret vorwerfe, verstrickte er sich in weitere Widersprüche zu den vorherigen Ausführun- gen: "Eigentlich macht es keinen Unterschied. C._______ und Grozny ist alles dasselbe. Ich kann annehmen, dass mir das Gleiche zur Schuld ge- legt wird. Denn diese Leute besitzen ja ein Geständnis, das von mir u n- terschrieben wurde" (a.a.O., F96 S. 12). Mit dem einzigen Beweismittel konfrontiert, das er zum Beleg seines Vorbringens selbst eingereicht hat, verstrickte sich der Beschwerdeführer somit in Widersprüche und war nicht in der Lage, die gegen ihn angeblich erhobenen Vorwürfe substanzi- iert und schlüssig anzugeben – dies, obwohl er nach der Kassation der ersten Verfügung des BFM von diesem während beinahe 12 Stunden und durch ein reines Männerteam angehört worden war. Vor diesem Hinte r- grund erstaunt es nicht, dass er die zweite Vorladung, welche seiner F a- milie im Juni/Juli 2013 zugestellt worden sein soll, gar nicht mehr ei n- reichte. Seine Aussage, er habe den tschetschenischen Freund, dem sei- ne Ehefrau die Vorladung übergeben habe, an seinem Wohnort in Öste r- reich nicht kontaktieren können, ist jedenfalls nicht plau sibel (vgl. act. A 68/21 S. 5ff., A75/19 S. 3 f.). 5.4.3 Die Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu führen. Wie vorstehend ausgeführt, ist es dem Beschwerdeführer keineswegs gelungen, mit der eingereichten Vorladung zu beweisen, dass er begründete Furcht habe, in Tschetschenien wegen eines falschen Vorwurfs zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurteilt zu werden. Auch die Behauptung in der Beschwerde, ein Gerichtsverfah- ren sei bereits eröffnet worden, wird in keiner Weise substanziiert und ist überdies mit den gegenteiligen Aussagen des Beschwerdeführers nicht zu vereinbaren, der nicht davon ausgeht, dass ein e Untersuchung (g e- schweige denn ein Gerichtsverfahren) gegen ihn eingeleitet worden sei (vgl. act. A75/19 F87 S . 10). Dass dem Beschwerdeführer zudem eine Verfolgung durch die Polizisten drohe, die höchstwahrscheinlich ihre Dr o- hungen fortsetzen würden, um doch noch in den Besitz des Geldes zu gelangen, ist ebenfalls nicht weiter belegte Behauptung, die überdies mit den Aussagen des Beschwerdeführers, gemäss denen die Besuche bei seiner Familie aufgehört hätten; nicht in Einklang stehen. Die geltend gemachten Drohungen durch die angeblichen Erpresser vermochte er zudem ohnehin nicht hinreichend zu konkretisieren (vgl. act. A75/19 F68 ff. S. 9 f.). Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht hat D-2680/2014 Seite 18 das BFM nicht zu hohe Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art.7 AsylG gestellt. Die Flüchtlingseigenschaft ist nicht schon glaubhaft gemacht, wenn – wie in der Beschwerde – alle möglichen, nicht völlig unwahrscheinlichen Verfolgungsszenarien aufgezählt werden, sondern erst dann, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. 5.4.4 Hinsichtlich der Vorladung, welche ein Untersuchungsrichter in C._______ am 26. April 2013 auf den Namen des Beschwerdeführers ausgestellt hat, liegt aufgrund der zeitlichen Übereinstimmung die Vermu- tung nahe, dass die Vorladung im Zusammenhang mit dem Verfahren vor dem Stadtgericht C._______ zur Rechenschaftsablage über die Ve rwen- dung von Vermögenswerten erging, welche dem Beschwerdeführer in seiner Funktion als Vormund anvertraut worden waren (vgl. Sachverhalt Bst. O). Diese Vermutung wird mit der Stellungnahme vom 24. Juli 2014 und der Einreichung der Kopie einer Quittung über die Bezahlung von 48'000 Rubel (vgl. Sachverhalt Bst. P und Q) nicht widerlegt. Denkbar ist auch, dass die Vorladung im Zusammenhang mit der Einziehung des Führerausweises des Beschwerdeführers durch die Verkehrspolizei steht, welche ebenfalls vor seiner Ausreise erfolgte (vgl. act. A68/21 F26 S. 5). Hierzu bleibt anzufügen, dass die Flucht vor legi timer Strafverfolgung kei- nen Grund für die Anerkennung als Flüchtling bildet und die Bestrafung für gemeinrechtliche Delikte in der Regel keine Verfolgung im flüchtling s- rechtlichen Sinn darstellt (vgl. WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfa h- rens, 1990, S. 112 ff.). 5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende oder unmi t- telbar drohende asylrelevante Verfolgung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Gleichzeitig liegen keine hinreichend konkreten Anhaltspunkte für eine für die Flüchtlingseigenschaft relevante Verfolgung vor, welche ihm bei einer Rückkehr nach Tschetschenien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft drohen würde. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach im Ergebnis zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Sch weiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fam i- lie. Im Übrigen finden für die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung D-2680/2014 Seite 19 die Artikel 83 und 84 des Ausländergesetzes (AuG, SR 142.20) Anwen- dung (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung (Art. 32 Bst. a AsylV 1) noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht verfügt (vgl. BVGE 2012/31 E. 6.2 S. 588; 2011/24 E . 10.1 S. 10.1; EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Weg - oder Ausweisung nicht möglich, nicht zulä s- sig oder nicht zumutbar, so verfügt das BFM die vorläufige Aufnahme (Art. 83 Abs. 1 AuG). 7.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gi lt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls w e- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2012/31 E. 7.1 S. 588, 2011/24 E. 10.2 S. 502, STÖCKLI, a.a.O. S. 567 f. Rz. 11.148). 7.3 7.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in ein en Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3.2 Der Vollzug der Wegweisung nach Tschetschenien ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, da der Beschwerdeführer – wie dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wäre. Aus seinen Vorbringen ergeben sich ausserdem auch keine konkre-D-2680/2014 Seite 20 ten und gewichtigen Anhaltspunkte für die Annahme, dass er im Falle e i- ner Rückschaffung nach Tschetschenien mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausg e- setzt wäre (vgl. BVGE 2013/27 E. 8.2; 2012/31 E. 7.2.2 S. 589; aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vgl. EGMR [Grosse Kammer] Saadi gegen Italien , Urteil vom 28. Februar 2008, 37201/06, §§ 124-127, m.w.H.). Zwar ist die allgemeine Menschenrechts- situation in der Russischen Föderation einschliesslich Tschetscheniens in verschiedener Hinsicht als problematisch zu bezeichnen (vgl. HRW, World Report 2014, S. 471 ff.). In Bezug auf die Person des Beschwerde- führers sind jedoch keine gewichtigen Indizien vorha nden, die darauf schliessen liessen, dass er den tschetschenischen oder den russischen Behörden in spezifischer Weise als verdächtig erscheinen und für ihn im Falle der Rückkehr eine Gefährdung in einem flüchtlings - oder me n- schenrechtlich relevanten Ausmas s bestehen könnte. Der Vollzug der Wegweisung ist daher sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 7.4.1 Der Vollzug kann für Ausländerinnen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen wie Krieg, Bür gerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im Heimat - oder Herkunftsstaat konkret g e- fährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Wird eine konkrete Gefährdung festg e- stellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Auf- nahme zu gewähren. 7.4.2 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist die Sicherheitslage in Tschetschenien zwar angespannt, doch herrscht dort keine Situation allgemeiner Ge walt, weshalb der Wegweisungsvol l- zug abgewiesener tschetschenischer Asylsuchender nicht generell unzu- mutbar ist (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.2). Diese Einschätzung hat nach wie vor Gültigkeit, auch wenn sich die Sicherheitslage in Tschetschenien wei- terhin instabil präsentiert und Menschen rechtsverletzungen nach wie vor verbreitet sind. Immerhin ist in den letzten Jahren ein Rückgang bewaf f- neter Auseinandersetzungen zwischen russischen und tschetschenischen Sicherheitskräften auf der einen und bewaffneten Oppositionsgruppen auf der anderen Seite zu verzeichnen (vgl. Urteil des BVGer E -4413/2011 vom 4. Juli 2013 E. 6.1, insbes. E. 6.1.1) . Sodann gehört der Beschwer- deführer keiner der in BVGE 2009/52 E. 10.2.3 erwähnten Personenkate- gorien an , welche am ehesten Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Aufgrund der allgemeinen Lage in Tschetschenien ist somit nicht von D-2680/2014 Seite 21 einer konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers in seinem Heima t- land auszugehen. 7.4.3 Der Beschwerdeführer ist eigenen Angaben zufolge im Dorf B._______ in der Nähe der Stadt C._______ aufgewachsen und hat dort bis zu seiner Ausreise zusammen mit seiner Mutter, der Ehefrau und dem gemeinsamen Kind gelebt. Er erwähnte an den Befragungen einen Bru- der, eine Schwester, eine Halbschwester sowie einen Cousin, wobei die drei letztgenannten ebenfalls in Tschetschenien leben. Der Beschwerde- führer ist gesund, hat eine elfjährige Schulbildung und war bis kurz vor der Ausreise als (…) und (…) tätig. Seine Ehefrau ist (…) und die Mutter bezieht eine Rente (vgl. act. A5/12 S. 4, A68/21 S. 2 f., F71 S. 9 und S. 18, A75/19 S. 3). Er verfügt daher an seinem Herkunftsort über ein fa- miliäres und soziales Beziehungsnetz und hat eine überdurchschnittliche Schuldbildung sowie Berufserfahrung, an die er bei einer Rückkehr wird anknüpfen können. 7.4.4 Es ist demzufolge nicht davon auszugehen, dass der Beschwerd e- führer bei der Rückkehr nach Tschetschenien aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich de m- nach nicht als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513-515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und mö glich erachtet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. D-2680/2014 Seite 22 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz- lich vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser hat im Rahmen seiner Beschwerde ein Gesuch um G e- währung der unentgeltlichen Rechtspflege eingereicht. Da die prozessua- le Bedürftigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der eingereichten Fü r- sorgebestätigung belegt ist und die Beschwerde nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gutz u- heissen. Folglich sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 9.2 Im Rahmen der Beschwerde wurde beantragt, dem Beschwerdefü h- rer sei in der Person des unterzeichnenden Rechtsvertreters ein amtlicher Rechtsbeistand gemäss Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG zu bestellen. Das Bundesverwaltungsgericht bestellt bei Beschwerden gegen ablehnende Asyl- und Wegweisungsentscheide i.S.v. Art. 44 AsylG auf Antrag der asylsuchenden Person, die von der Bezahlung der V erfahrenskosten be- freit wurde, eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Recht s- beistand (Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG). Da das Gesuch des Beschwe r- deführers um unentgeltliche Rechtspflege gutgeheissen wurde, ist auch seinem Gesuch um Gewährung de r unentgeltlichen Rechtsverbeistä n- dung zu entsprechen . Der Rechtsvertreter im vorliegenden Verfahren, Ass. iur. Urs Jehle, verfügt über einen juristischen Hochschulabschluss der Humboldt Universität von Berlin, hat die deutsche Rechtsanwaltspr ü- fung abgelegt und ist seit 15. August 2013 als juristischer Mitarbeiter in der Abteilung Anwaltschaft der Caritas Schweiz hauptberuflich tätig. Er er- füllt somit die in Art. 110a AsylG genannten Voraussetzungen, so dass dem Gesuch stattzugeben ist und er dem Beschwerdeführer als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet wird. 9.3 Dem amtlich eingesetzten Rechtsvertreter ist eine Entschädigung zu Lasten des Gerichts auszurichten. Er wies in der Beschwerde vom 16. Mai 2014 (S. 11) einen Aufwand von sechs Stunden à Fr. 194.– (inkl. Mehrwertsteuer) aus und bezifferte die Kosten für das Beschwerdeverfah- ren einschliesslich einer Spesenpauschale von Fr. 50. – auf Fr. 1'214.–. Der geltend gemachte Aufwand erscheint aufgrund der Aktenlage ang e- messen. Für die Stellungnahme vom 24. Juli 2014 und eine weitere Ei n- gabe vom 30. Juli 2014 reichte der Rechtsvertreter keine Kostennote ein, weshalb die diesbezügliche Entschädigung auf Grund der Akten festzule- gen ist. Unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8-11 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht D-2680/2014 Seite 23 [VGKE, SR 173.320.2]) ist die Entschädigung insgesamt auf Fr. 1'514.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Dem als unentgeltl i- cher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter ist dieser Betrag als amtliches Honorar für das Verfahren vor dem Bundes verwaltungsgericht zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2680/2014 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes wird gutgeheissen. Ass. iur. Urs Jehle, juristischer Mitarbeiter der Abteilung Anwaltschaft von Caritas Schweiz, wird dem Beschwerdeführer als u n- entgeltlicher Rechtsbeistand beigeordnet. 4. Dem Rechtsbeistand wird für das Verfahren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht ein Honorar von Fr. 1514.– entrichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Jacqueline Augsburger Versand: