Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Februar 2017 (720 16 230 / 52) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bemessung der Invalidität; Wiedererwägung/ Zweifellose Unrichtigkeit der damaligen Rentenverfügung auf Grund Ermessensüberschreitung Besetzung Vorsitzender Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrichter Markus Matt- le, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin i.V. Noémie Müller Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Stephan Müller, Advo- kat, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1976 geborene A.____ war seit 1996 als Fil ialleiterin einer Bäckerei tätig. Am 11. April 2001 erlitt sie bei einem Autounfall ein schw eres Schädelhirntrauma und war seither ar- beitsunfähig. Sie meldete sich am 1. Juli 2001 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wurde ihr von der IV-Stelle Basel-Landschaft mit Verfügung vo m 12. Mai 2005 eine ganze Invalidenrente ab 1. April 2002 zugesprochen. 2003 nahm sie ihre A rbeit in einer Autogarage im Telefonmar- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht keting und in der Administration mit einem Pensum von 50 % auf. Am 2. Februar 2015 leitete die IV-Stelle eine Rentenrevision ein. Die daraufhin durchgeführten Abklärungen ergaben, dass durch die neu hinzugekommene Betreuungspflicht gegenüber ihrem 2013 geborenen Sohn nun ein Aufgabenbereich vorliege und somit die gemischte Met hode der Invaliditätsbemessung zur Anwendung komme. Mit Vorbescheid vom 26. Januar 2016 lehnte die IV-Stelle unter Anwen- dung der gemischten Methode (Erwerb 80 %/Haushalt 20 % ) und gestützt auf einen IV-Grad von 33 % einen Rentenanspruch der Versicherten ab 1. August 2016 ab. A.2 Mit Einwand vom 11. Februar 2016 monierte die Versicherte mit Verweis auf das Urteil Nr. 7186/09 des Europäischen Gerichtshofs für Menschenre chte (EGMR) vom 2. Februar 2016 i.S. Di Trizio g. Schweiz, die Änderung der Berechnungsmethode des IV-Grades. Mit Verfügung vom 9. Juni 2016 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbesche id fest. Zum geltend gemachten Ein- wand führte die IV-Stelle aus, dass das in Frage stehe nde EGMR-Urteil noch nicht rechtskräftig sei. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Stephan M üller, Advokat, c/o Procap Schweiz, am 13. Juni 2016 Beschwerde an das Kantonsgeri cht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantra gte sie, es sei die Verfügung vom 9. Juni 2016 aufzuheben und ihre bisherige ganze In validenrente per 1. August 2016 auf eine Viertelsrente zu reduzieren, unter o/e- Kostenfolge. Zu r Begründung gab sie im Wesentlichen an, dass die angewendete Berechnungsmethode die Konvent ion zum Schutze der Menschen- rechte und Grundfreiheiten (EMRK) verletzen würde. C. Mit Vernehmlassung vom 28. September 2016 beantrag te die IV-Stelle aufgrund des mittlerweile rechtskräftigen EGMR-Urteils Nr. 7186/09 vom 2. Februar 2016 die teilweise Gut- heissung der Beschwerde. Eventualiter sei die ursprüngl iche Rentenverfügung vom 12. Mai 2005 in Wiedererwägung zu ziehen, da diese zweifellos unrichtig sei. D. Mit Replik vom 7. November 2016 änderte die Beschwe rdeführerin ihre Rechtsbegeh- ren dahingehend ab, dass ihr unverändert eine ganze I nvalidenrente zuzusprechen sei. Even- tualiter sei sie auf eine Viertelsrente zu reduzieren. Z ur Begründung führte die Beschwerdefüh- rerin im Wesentlichen aus, dass in Bezug auf die Rent enverfügung vom 12. Mai 2005 nicht von einem groben Fehler bzw. einer zweifellosen Unrichtigk eit gesprochen werden könne. Ein Zu- rückkommen sei deshalb unzulässig. E. Mit Duplik vom 6. Januar 2017 beantragte die IV-St elle, die Beschwerde sei aufgrund des mittlerweile rechtskräftigen EGMR-Urteils teilweise g utzuheissen, da in der angefochtenen Verfügung eine Rentenaufhebung aufgrund eines Statu swechsels erfolgt sei. Sie hielt aber an ihrem Rechtsbegehren fest, dass die ursprüngliche Rente nzusprache vom 12. Mai 2005 in Wiedererwägung zu ziehen sei. Danach resultiere zum Zeit punkt der angefochtenen Verfügung ein IV-Grad von 33 %. Demzufolge sei der in der ange fochtenen Verfügung ermittelte IV-Grad nicht zu beanstanden und die Rente im Ergebnis zu Recht aufgehoben worden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 13. Juni 2016 ist demnach einzu treten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der ge sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad bei erwerbstätigen Versicherten auf- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird da s Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Eink ommensdifferenz der IV-Grad bestim- men lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136). Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenb ereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugem utet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG d arauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 2.6 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Au fgabenbereich tätig, so wird die Invali- dität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG fe stgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzu legen und der IV-Grad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der IV-Grad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält- nissen, die geeignet ist, den IV-Grad und damit den Re ntenanspruch zu beeinflussen. Zu den- ken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderu ng des Gesundheitszustandes der ver- sicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter and erem revidierbar, wenn sich die er- werblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Ge sundheitszustandes erheblich ver- ändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl . auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weite- ren Hinweisen; R UDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grundf igur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaffhau ser/Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 3.2 Vorliegend hatte die IV-Stelle aufgrund der neu hinzukommenden Betreuungspflicht der Versicherten gegenüber ihrem 2013 geborenen Sohn eine Rentenrevision vorgenommen und die Invalidenrente anhand der gemischten Methode b erechnet. Die Rentenaufhebung auf- grund eines Statuswechsels wurde von der Beschwerdeführe rin beanstandet. An dieser Stelle Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist darauf hinzuweisen, dass sich der EGMR im unterdessen re chtskräftigen Urteil Di Trizio g. Schweiz vom 2. Februar 2016 (Requête n° 7186/09) mit der Frage der EMRK-Konformität der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung zu befassen h atte. Dabei hat der EGMR fest- gestellt, dass mit dem bei ihm angefochtenen, in dieser Angelegenheit ergangenen bundesge- richtlichen Urteil die Bestimmung des Art. 14 (Diskrimini erungsverbot) in Verbindung mit Art. 8 (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) der EMRK verletzt worden sei. Wie das Bundesgericht mit Urteil vom 20. Dezember 2016 ausführ t, betrifft das Urteil des EGMR vom 2. Februar 2016 eine versicherte Person, welche unter d em Status einer Vollerwerbstätigen eine Invalidenrente beanspruchen konnte und diesen An spruch zu einem späteren Zeitpunkt allein aufgrund des Umstandes verliert, dass sie wegen de r Geburt ihrer Kinder und der damit einhergehenden Reduktion des Erwerbspensums für die In validitätsbemessung neu als Teiler- werbstätige mit einem Aufgabenbereich qualifiziert wird (Urteil des Bundesgerichts vom 20. De- zember 2016, 9F_8/2016, E. 4.1). In Ziff. 4.4 weist d as Bundesgericht darauf hin, dass das EGMR-Urteil vom 2. Februar 2016 unter der geltenden Rechtslage nichts daran ändere, dass die gemischte Methode in Fällen, welche ausserhalb der in E. 4.1 beschriebenen Konstellation (vgl. IV-Rundschreiben Nr. 355 des Bundesamt für Sozialv ersicherung vom 31. Oktober 2016) liegen, weiterhin Anwendung finden könne. Zu denken sei beispielsweise an eine versicherte Person, deren Statusfestsetzung als Teilerwerbstätige mit einem Aufgabenbereich nicht familiär bedingt sei (Urteile des Bundesgerichts vom 11. August 20 16, 9C_179/2016, E. 5 und vom 11. August 2016, 9C_650/2015, E. 5.5), oder an die e rstmalige Rentenzusprache an eine wäh- rend des ganzen massgebenden Beurteilungszeitraums als t eilerwerbstätig mit Aufgabenbe- reich zu qualifizierende versicherte Person (in diesem Sin ne auch Urteil des Bundesgerichts vom 12. Februar 2016, 8C_633/2015 E. 4.3). Mit Replik vom 7. November 2016 führte die IV-Stelle deshalb zu Recht aus, dass die Be- schwerde teilweise gutzuheissen sei, denn gemäss Bundesger icht sei die Änderung der Be- rechnungsmethode aufgrund eines familiär bedingten Sta tuswechsels unzulässig. Es stellt demnach zutreffend fest, dass gestützt auf das EGMR-Urteil kein Revisionsgrund vorliegt. 4.1 Die IV-Stelle vertritt indessen mit Vernehmlassun g vom 28. September 2016 den Standpunkt, die ursprüngliche Rentenzusprechung erweise sich als zweifellos unrichtig, wes- halb die damalige Verfügung vom 12. Mai 2005 in Wiedererwägung zu ziehen und die IV-Rente der Versicherten im Ergebnis zu Recht eingestellt word en sei. Die Beschwerdeführerin hinge- gen bestreitet, dass die Voraussetzungen für ein wiederer wägungsweises Zurückkommen auf die ursprüngliche Rentenverfügung erfüllt seien. 4.2 Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG ist die Verwaltung befug t, auf formell rechtskräftige Ver- fügungen oder Einspracheentscheide zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Indem die genannte Bestimmung ausdrücklich die Verfügung und den Einspracheentscheid a ls Objekt der Wiedererwägung be- zeichnet, wird klargestellt, dass Entscheide eines Gerichts n icht in Wiedererwägung gezogen werden können (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015 , Art. 53 Rz. 51 ff.). Der Wiedererwägung zugänglich sin d mit anderen Worten nur Verfügungen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Einspracheentscheide, die nicht Gegenstand materiel ler richterlicher Beurteilung gebildet haben. 4.3 Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 AT SG dient der Korrektur einer an- fänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrich tiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts. Sie ist jederzeit möglich (vgl. Art. 53 Abs. 3 ATSG), insbesondere auch wenn die Voraussetzungen der Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind (Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2008, 9C_342/208, E. 5.1 mit Hinweisen). Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenver fügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die im Revisionsverfahren verfügte Aufhebung der Rente mit dieser substituierten Be- gründung schützen (BGE 125 V 369 E. 2; Urteil des Bun desgerichts vom 4. Mai 2007, I 61/2007, E. 3). 5.1 Die Wiedererwägungsvoraussetzung der erheblichen Bed eutung ist vorliegend ohne Weiteres erfüllt, da eine periodische Dauerleistung Pr ozessgegenstand bildet (vgl. BGE 119 V 440 E. 1c mit Hinweisen; Sozialversicherungsrecht - Rechts prechung [SVR] 2001 IV Nr. 1 S. 3 E. 5c). Zu prüfen bleibt dagegen, ob auch das Erforde rnis der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung vom 12. Mai 2005 gegeben ist. 5.2 Die Frage nach der zweifellosen Unrichtigkeit als Voraussetzung für die Wiedererwä- gung ist gemäss ständiger Praxis nach der Sach- und Recht slage zu beurteilen, welche be- stand, als die ursprüngliche Rentenverfügung erging (BGE 125 V 389 E. 3 mit Hinweisen). 5.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann die wiedererwägungsweise Auf- hebung einer Invalidenrente nur bei Unvertretbarkeit d er ursprünglichen Rentenzusprache er- folgen. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Sch luss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – möglich (Urteile des Bundesgerichts vom 12. A ugust 2010, 9C_181/2010, E. 3 und vom 14. Januar 2009, 8C_512/2008, E. 6.1 mit Hinweisen ; vgl. auch BGE 125 V 392 f. E. 6a). Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit – als Schra nke für ein wiedererwägungsweises Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Leistungszusp rechung – ist deshalb so zu hand- haben, dass die Wiedererwägung nicht zum Instrument e iner voraussetzungslosen Neuprüfung von Dauerleistungen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung entspricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglicher besserer Einsicht der Durch führungsorgane jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können. Das Erfordernis der zw eifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn die gesetzeswidrige Leistungszusprechung aufgrund falscher oder unzutref- fender Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrich- tig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der W iedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurtei lung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Invaliditätsbemessung, Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit, Beweiswür- digungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendigerweise Erme ssenszüge aufweist. Erscheint die Be- urteilung solcher Anspruchsvoraussetzungen (einschliesslich ih rer Teilaspekte wie etwa die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbo t, als vertretbar, scheidet die An- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteile des Bunde sgerichts vom 12. August 2010, 9C_181/2010, E. 3 und vom 7. Mai 2007, I 907/06, E. 3.2.1, je mit Hinweisen). 6.1 In der ursprünglichen Verfügung vom 12. Mai 2005 h at die IV-Stelle den IV-Grad der Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommen svergleichs ermittelt, was sich in Bezug auf die Methodenwahl grundsätzlich als richtig erw eist und von den Parteien auch nicht bestritten wird. Dabei hat sie anhand der Gegenüberste llung eines Valideneinkommens von Fr. 51‘072.-- und eines als zumutbar erachteten Invalid eneinkommens von Fr. 15‘401.-- einen IV-Grad von 70 % ermittelt. Wie den damaligen Ausführungen der IV-Stelle entnommen werden kann, hat sie das Invalideneinkommen anhand der Tabell enlöhne der Schweizerischen Lohn- strukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik bemes sen und der Versicherten dabei einen Abzug von 25 % von dem auf diese Weise ermittelt en LSE-Tabellenlohn gewährt. In der Vernehmlassung vom 28. September 2016 vertritt die I V-Stelle nunmehr die Auffassung, dass die damalige Vornahme eines Abzugs von 25 % vom Tabelle nlohn rechtlich nicht zulässig ge- wesen wäre. Ein Abzug aus gesundheitlichen Gründen sei n icht angezeigt gewesen, da dieser bereits bei der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit berücksich tigt worden sei. Die Gewährung die- ses Abzugs habe zur Folge gehabt, dass man von einem falsc hen, deutlich zu niedrigen Invali- deneinkommen ausgegangen sei, was wiederum im Rahmen d es Einkommensvergleichs zu einem zweifellos unrichtigen IV-Grad geführt habe. Som it erweise sich die ursprüngliche Ren- tenverfügung vom 12. Mai 2005 als zweifellos unrichtig. 6.2.1 Die Parteien sind sich einig, dass das Invalideneink ommen anhand der LSE- Tabellenlöhne zu ermitteln ist. Wird das Invalideneink ommen auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen- falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getr agen werden, dass persönliche und be- rufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa). Ein Abzug hat jedoch nicht automatisch, sondern nur dann zu erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür b estehen, dass die versicherte Person we- gen eines oder mehrerer dieser Merkmale die verbleib ende Arbeitsfähigkeit auf einem ausge- glichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem er werblichem Erfolg verwerten kann (BGE 216 V 80 E. 5b/aa in fine). Besteht Anlass für ei nen Abzug, so ist dieser unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 301, E. 5.2, 126 V 80 E. 5b/bb-cc). 6.2.2 Die Frage, ob ein (behinderungsbedingt oder a nderweitig begründeter) Leidensabzug vom Tabellenlohn vorzunehmen sei, ist eine Rechtsfrage (BGE 137 V 72f. E. 5.1 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 19. Januar 2009, 9C_973/20 08, E.3). Demgegenüber stellt die Frage nach der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn eine t ypische Ermessensfrage dar (BGE 132 V 399 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts vom 19. Jan uar 2009, 9C_973/2008, E.3). Geht es – wie hier – um die Beurteilung der Frage der zweife llosen Unrichtigkeit einer früheren Renten- verfügung, so folgt aus dieser Unterscheidung, dass die IV-Stelle dann wiedererwägungsweise auf einen in der ursprünglichen Verfügung gewährten Abzug vom Tabellenlohn zurückkommen kann, wenn ein solcher zweifellos zu Unrecht vorgenommen oder aber das Ermessen bei der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Festsetzung der Höhe des Abzugs willkürlich und damit missbrä uchlich ausgeübt worden ist. (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Oktober 2007, I 739/06, E. 2.3 mit Hinweisen). 6.2.3 Im Lichte der Ausführungen der IV-Stelle in ih rer Vernehmlassung vom 28. September 2016, denen bezüglich des leidensbedingten Abzuges vollum fänglich beizupflichten ist, lässt sich die damalige Gewährung des maximal zulässigen Abzugs von 25 % vom Tabellenlohn in keiner Weise nachvollziehen. Die Vornahme des Maximalabzugs muss dabei nicht nur aus heu- tiger Sicht, sondern klarerweise auch vor dem Hintergrun d der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der damaligen Leistungszusprechung darb ot, als zweifellos unrichtig qualifi- ziert werden. Den gesundheitlich bedingten Leistungsreduktionen wurde bereits mit der Reduk- tion des zumutbaren Pensums von 50 % Rechnung getragen, weshalb mit der Vornahme eines zusätzlichen leidensbedingten Abzugs das in Frage stehende Merkmal in unzulässiger Weise doppelt berücksichtigt worden ist (vgl. Urteil des Bundesg erichts vom 16. November 2016, 9C_412/2016. E. 3.1 mit Hinweisen). Offen bleiben kan n dabei, ob der Versicherten unter den geschilderten Umständen damals überhaupt ein leidensbed ingter Abzug hätte gewährt werden dürfen. Selbst wenn man ihr einen solchen zugestehen wo llte, so hätte dieser nach pflichtge- mässem Ermessen gesamthaft mit kaum mehr als 5 % beziffert werden dürfen. 7.1 Nach Auffassung der IV-Stelle erweist sich die Rente nverfügung vom 12. Mai 2005 noch aus einem weiteren Grund als zweifellos unrichtig. So habe man damals beim Invaliden- einkommen fälschlicherweise nicht denselben Tabellenlohn wie beim Valideneinkommen her- angezogen, sondern einen bedeutend tieferen Tabellen lohn, obwohl gemäss Gutachten der Medizinische Abklärungsstelle B.____ (MEDAS) vom 11. Aug ust 2014 die 50 %- Restarbeitsfähigkeit auch für die angestammte Tätigkei t gelte. So hätte zwingend auf die LSE 2002, Tabelle TA 1, Handel Reparatur, Anforderungsniveau 3, abgestellt werden müssen. 7.2 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass die ursprüngliche Ren- tenverfügung der IV-Stelle vom 12. Mai 2005 als zweife llos unrichtig zu qualifizieren und somit in Wiedererwägung zu ziehen ist. 8.1 Steht die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglic hen Rentenverfügung fest und ist die Berichtigung von erheblicher Bedeutung (vgl. hiervor E. 5.1), sind in einem nächsten Schritt die Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Ansp ruchs pro futuro zu prüfen. Es ist wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts der IV-Grad bei Erlass der streitigen Verfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspruchsberechtigung und all enfalls der Umfang des Anspruchs ergeben (Urteile des Bundesgerichts vom 14. April 2009 , 9C_1014/2008, E. 3.3, und vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.3, je mit Hinweisen). 8.2 Im Zusammenhang mit dem Erlass der Verfügung vom 12 . Mai 2005 gab die IV-Stelle zur Abklärung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfä higkeit der Versicherten beim MEDAS B.____ ein polydisziplinäres Gutachten – mit Betei ligung der Disziplinen Innere Medi- zin/Rheumatologie, Neurologie, Neuropsychologie und Psy chiatrie – in Auftrag, welches am 11. August 2004 erstattet wurde. Darin wurde ein Polyt rauma mit schwerem Schädelhirntrauma Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie eine Sakrum- und eine Schambeinastfraktur diagno stiziert. Die neuropsychologischen Befunde würden deutliche Defizite in den Bereichen d er Aufmerksamkeit und Konzentrationsfä- higkeit sowie eine allgemeine erhöhte Ermüdbarkeit au fzeigen. Es bestünden Minderleistungen in der Erfassungsspanne, dem Arbeitsgedächtnis, der a daptiven Flexibilität, im Grundrechnen, im visuell-episodischen Gedächtnis, der nonverbalen Flüssig keit und der praktischen visokon- struktiven Verarbeitung. Aufgrund dieser Beeinträchtigu ng sei es der Beschwerdeführerin zu- zumuten, sämtliche körperlich leichten Tätigkeiten in We chselpositionen ohne rein sitzende Tä- tigkeiten in Zwangspositionen, dauernd vornüber geneig t, mit vorgeneigter Kopf – und Rumpf- position sowie ohne andauernde Arbeit im Überkopfber eich zu 50 % auszuüben. Dabei ist die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die leichte ne uropsychologische Störung, den erhöh- ten Schlafbedarf, die verminderte Konzentrationsspanne und eine insgesamt verstärkte Ermüd- barkeit bedingt. Bei der Beweiswürdigung ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gel angen, volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Das Guta chten vermittelt ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. Schl iesslich erweist sich auch die von den Gutachtern in ihrer interdisziplinären Konsensbeurteilung vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten als überzeugend. Es k ann demnach auf das MEDAS- Gutachten vom 11. August 2004 abgestellt werden. 8.3 Bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielbare n Einkommens (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgeben den Zeitpunkt nach dem Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkre t wie möglich zu erfolgen. Massge- bend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer ber uflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weite rentwicklung, soweit hierfür hinrei- chend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten geh abt hätte (BGE 96 V 29; ZAK 1985 S 635 E. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b ). Da im Gesundheitsfall erfahrungsge- mäss die bisherige Tätigkeit in der Regel weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b am Ende; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 E. 3c). 8.4 Zur Berechnung des Valideneinkommens hat die I V-Stelle auf die Löhne gemäss Lohnstrukturerhebung 2002 (LSE) Tabelle TA 1, privater Sektor, Handel; Reparatur, Kompe- tenzniveau 3, Spalte Frauen, Fr. 4‘063.-- abgestellt. Nach Umrechnung auf die damalige be- triebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,9 Stunden g ing die IV-Stelle demzufolge von ei- nem Valideneinkommen von Fr. 51‘072.-- aus, was nicht zu beanstanden ist. 8.5 Gestützt auf die Ergebnisse der medizinischen Abklär ungen, welche der Beschwerde- führerin aus medizinischer Sicht in einer leidensangepasste n Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestierten, geht das Kantonsgericht bei der Erm ittlung des Invalideneinkommens von Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem jährlichen Einkommen von Fr. 20‘534.-- aus. Grun dlage hierfür ist LSE 2002, Tabelle TA 1, privater Sektor, persönliche Dienstleistungen, Kom petenzniveau 4, Spalte Frauen, Fr. 3‘275.-- monatlich, basierend auf einer 40 Stundenwoche. Nach Umrechnung auf die dama- li-ge betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,9 S tunden x 12 Monate ergibt sich ein jährli-ches Invalideneinkommen von Fr. 41‘069.--. Bei einem zumutbaren Pensum von 50 % resultiert das oben erwähnte Jahreseinkommen. Die von d er IV-Stelle vorgenommene Berech- nung des Invalideneinkommens kann nicht gefolgt werden. An dieser Stelle ist darauf hinzuwei- sen, dass das MEDAS-Gutachten vom 11. August 2004 von eine r angestammten Tätigkeit als Büroangestellte ausging, obwohl die Beschwerdeführeri n vor dem Unfall als Filialleiterin einer Bäckerei tätig war. So stützt sich die Aussage der Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tä- tigkeit auf den Beruf als Büroangestellte respektive au f die adaptierte Tätigkeit – welche im Gutachten als ideale Verweistätigkeit bezeichnet wird – und nicht auf die tatsächlich ange- stammte Tätigkeit im Bereich Handel/ Reparatur. Inwief ern sich die ermittelte Restarbeits- fähigkeit von 50 % auf die angestammte Tätigkeit als F ilialleiterin einer Bäckerei auswirkt, ist dem Gutachten nicht zu entnehmen. Es ist aber gemäss den A usführungen des Gutachtens davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin aufgrund i hrer Einschränkungen im ange- stammten Beruf nicht arbeitsfähig ist. Es rechtfertigt sich daher, für die Ermittlung des Lohnes einer Büroangestellten, auf die Tabelle TA 1, persönl iche Dienstleistungen, Anforderungsni- veau 4, Spalte Frauen abzustellen. 8.6 Ob ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn vo n höchstens 5 % gewährt werden sollte, kann offen gelassen werden, da damit kein höhere r Leistungsanspruch resultieren würde (vgl. E. 9). 9. Für die Bestimmung des IV-Grades wird das Invalidene inkommen der Versicherten in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen kö nnte, wenn sie nicht invalid ge- worden wäre (Valideneinkommen). Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen. Vorliegend beläuft sich das Valideneinkommen wie ausgeführt auf Fr. 51‘072.-- und das Invalideneinkommen auf Fr. 20‘534.--. Die Gegenüb erstellung der beiden Vergleichsein- kommen ergibt eine Erwerbseinbusse von Fr. 30‘538.-- und damit einen IV-Grad von aufgerun- det 60 % (59,79%). Dies führt mit Wirkung ab dem ersten Tag des zweiten Monats nach Zustel- lung der angefochtenen Verfügung (vgl. Art. 88bis Abs. 2 lit.a IVV) zur Ausrichtung einer Drei- viertelsrente. 10. Aufgrund vorstehender Ausführungen ist die Beschwe rde teilweise gutzuheissen, die vorliegend angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel -Landschaft vom 9. Juni 2016 aufzuhe- ben, und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführeri n mit Wirkung ab 1. August 2016 An- spruch auf eine Dreiviertelsrente hat. 11.1 Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss A rt. 69 Abs. 1bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicher ungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auf- erlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin unterlegene Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinstanz bzw. den kan tonalen Behörden gemäss Verwal- tungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine Verfahren skosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten und der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. 11.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerde- führerin hat in seiner Honorarnote vom 20. Januar 20 17 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 11.50 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angeme ssen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu e ntschädigen. Nicht zu beanstanden sind die geltend gemachten Auslagen im Umfang von insge samt Fr. 61.40. Es ergibt sich dem- nach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdege gnerin in der Höhe von insgesamt Fr. 3‘171.30 (11.50 Stunden à Fr. 250.-- und Auslage n in der Höhe von Fr. 61.40 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft vom 9. Juni 2016 aufgehoben un d es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 1. August 2016 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- wir d der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in Höhe von Fr. 3‘171.30 (inkl. Auslag en und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der IV-Stelle am 18. Mai 2017 Beschwerde beim Bundes- gericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_358/2017 ) erhoben. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht