B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-73/2012/wif U r t e i l v o m 3 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Dezember 2011 / N […]. D-73/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Sri Lanka am (…) August 2009 und gelangte (…) am 17. Au gust 2009 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nach suchte. Am 25. August 2009 führte das BFM eine Summarbefragung durch. Die Anhörung fand am 10. September 2009 statt. A.b Der Beschwerdeführer – ein Tamile aus B._______/C._______ mit letztem Auf enthalt im Vanni -Gebiet – machte geltend, sein Cousin D._______ habe bei den Liberation Tigers of Ta mil Eelam (LTTE) mitge- wirkt. D._______ und seine Freunde hätten ferngesteuerte Sprengsätze gelegt. Während der Waffenstill standszeit hätten ihn diese Personen z u- hause besucht. Die sri-lankische Armee sei über diese Besuche informiert worden. Im Januar 2006 sei seine Familie aufgefordert worden, s ich im Lager E._______ zu melden. Sie seien getrennt verhört und am Abend wieder freigelassen wor den. Sein Vater habe wegen der Folterungen schwere Verletzungen erlitten. Auch er sei geschlagen worden. Tags dar- auf respektive etwa 14 Tage später seien Unbekannte zu ihrem Haus g e- kommen und hätten ihn mitgenommen. Er sei in einem Lager mit verbun- denen Augen zu Belan gen von D._______ befragt worden. Er sei g e- schlagen w orden unter dem Vor wurf, ebenfalls Sprengsätze gelegt zu haben. Am nächsten Morgen sei er freigekommen. Es hätten immer wie- der Unbekannte mit Motorrädern bei ih nen zuhause vorgesprochen. Er sei unter Drohungen einer Meldepflicht im Lager E._______ unterworfen worden. Er habe diese vorerst befolgt und seinen Cousin D._______ kon- taktiert. Mit diesem sei er im Februar 2006 nach C._______ und im März 2006 nach I._______/G._______ zu seiner Tante im Vanni-Gebiet gereist. Er sei von den LTTE zu einem Zwangstraining mit genommen worden. Er habe in verschiedenen Bereichen für die Organisation tätig sein müssen. Er sei auch an die Front geschickt wor den. Zwischendurch habe er zur Tante zurückkehren können. Im April 2009 sei ihm die Flucht aus d em Machtbereich der LTTE gelungen. Zusam men mit seiner Tante sei er nach H._______ gegangen, wo sehr pre käre Umstände geherrscht hä t- ten. Der Ort sei durch die Armee zurück erobert worden. Sie hätten sich den Sicherheitskräften ergeben und seien am 17. beziehungsweise 20. Mai 2009 ins IDP[Internal dispa ced people] -Armeelager I._______ in J._______ im Bezirk K._______ gelangt. Allfällige LTTE-Mitglieder seien aufgefordert worden sich zu stellen. Mitglieder, wel che sich zu erkennen gegeben hätten, seien nicht mehr ins Lager zurück gekehrt. Aus Furcht D-73/2012 Seite 3 um sein Leben habe er das Engagement für die Or ganisation verschwie- gen. Dank der Unterstützung eines Onkels, welcher ihn im Lager besucht habe, sei er am 17. Juli 2009 mit Hilfe einer Drittper son und gegen B e- stechung des Lagerverantwortlichen aus dem behördlichen Gewahrsam geflohen. Nach einem Aufenthalt in L._______ sei er am 8. August 2009 nach M._______ gelangt. Seine Tante und deren Sohn befänden sich immer noch im erwähnten Lager. A.c Der Beschwerdeführer gab eine sri -lankische Identitätskarte zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 5. Dezember 2011 – eröffnet am 7. Dezember 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei gen- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug. Die Vori n- stanz erachtete die Vorbringen für unglaubhaft beziehungsweise für nicht asylrelevant. Den Vollzug der Wegweisung be zeichnete das BFM als zu- lässig, zumutbar und möglich. C. C.a Mit Eingabe seiner Rechtsvertre tung vom 5. Januar 2012 beantragte der Beschwerd eführer beim Bundes verwaltungsgericht die Aufhe bung des vorinstanzlichen Entscheids, die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung sowie eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit be- ziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verbunden mit der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. Er machte geltend, aufgrund seiner glaubhaften Vorbringen sei von begründeter Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Heimatland auszugehen. C.b Der Eingabe lagen ein englischsprachiges B estätigungsschreiben vom 25. Dezember 2011 und eine Honorarvereinbarung Rechtsvertre - ter/Klient bei. Ein weiteres Beweismittel (schriftliche Schilderung von Asyl- gründen durch seinen Mandanten) stellte der Rechtsvertreter in Aussicht. D. Mit Zwischenverfügung vom 11. Januar 2012 stellte das Bundesverwal - tungsgericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest. Betreffend Nachreichung des Beweismittels verwies es auf Art. 32 Abs. 2 des Ver - waltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, D-73/2012 Seite 4 SR 172.021). Der Beschwerdeführer wurde zur Leistung eines Kostenvor- schusses aufgefordert. Diesen bezahlte er am 16. Januar 2012. E. Mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2012 beantragte das BFM die A b- weisung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde de m Beschwerdeführer am 26. Januar 2012 zur Kenntnis gebracht. F. Am 1. Februar 2012 übermittelte der Beschwerdeführer dem Gericht eine schriftliche Schilderung seiner Erlebnisse . Die Über setzung des Dok u- ments stellte er in Aussicht; sie wurde am 13. Februar 2012 nachgereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 D-73/2012 Seite 5 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz legte dar, der Beschwerdeführer habe sein Engage - ment für die LTTE von 2006 bis 2009 nicht glaubhaft darlegen können. Er habe die angeblichen Aktivitäten in zeitlicher Hinsicht nicht übereinstim - mend geschildert. Zudem habe er anlässlich der Befragung beziehungs - weise der Anhörung widersprüchliche Angaben zu den ausgeübten Tätig- keiten gemacht. Seinen Vorbringen zu Einsätzen an der Front fehle die Substanz. Im Weiteren sei eine begründete Furcht vor ernst haften Nach- teilen nach Kriegsende zu verneinen. Die srilankischen Sicherheitsbe hör- den respektive Unbekannte, welche offensichtlich für die Behörden arbe i- teten, hätten den Beschwerdeführer im Januar und Feb ruar 2006 sowie im Juli 2009 nicht aus der vor übergehenden Haft respek tive aus dem IDP-Lager entlassen, wenn sie ihn tatsächlich politischer Akti vitäten zu- gunsten der LTTE verdächtigt hätten. Seine jeweiligen Freilas sungen D-73/2012 Seite 6 sprächen dafür, dass ihn die srilankischen Behörden kei nes nennenswer- ten E ngagements für die LTTE verdächtigt hätten. Zwar sei der B e- schwerdeführer im Februar 2006 einer Meldepflicht unterworfen worden, welche er nach kurzer Zeit nicht mehr befolgt habe. Derartigen Massnah - men komme aber bereits aufgrund der Intensität in der Re gel kein Verfol- gungscharakter zu. Darüber hinaus hätten die Personenkontrol len einzig darauf abgezielt, die Infiltrierung von LTTE -Kämpfern in die Zivilgesel l- schaft zu unterbinden, was in asylrechtlicher Hin sicht nicht relevant sei. Es bestünden mithin a ufgrund der Akten keine genügend konkreten Hi n- weise darauf, dass er im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka mit erhebli- cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu kunft seitens der heimatl i- chen Behörden Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG au s- gesetzt werde. 4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht von der fehlenden Glaubhaftigkeit des geltend gemachten, erzwungenen LTTE-Engagements aus. Dass er den Zeitpunkt der Zwangsrekrutierung unter emotionalem Stress nicht immer üb ereinstimmend genannt habe, erscheine für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens nicht als entscheidend. Auch die vom BFM festgestellten Abweichungen zu Aussagen betreffend Fronteinsatz (Kampf beziehungsweise bloss Einsatz als Sanitäter) seien lediglich als linguistisches Missverständnis zu werten. Eine weitere angebliche Differenz in den Aussagen zum Fronteinsatz – ein Monat beziehungsweise sieben bis acht Monate – sei darauf zurück- zuführen, dass er mit der kürzeren Zeitangabe den Einsat z als Sani täter und mit der anderen die gesamte Dauer des Einsatzes erwähnt habe. Entgegen der vorinstanzlichen Sichtweise habe er seine Tätigkeiten für die LTTE angemessen zu substanziieren vermocht. Ferner sei er nach den Festnahmen vom Januar und Februar 2006 zwar freigelassen wo r- den; damals habe er aber noch kein Engagement für die LTTE ausgeübt. Im IDP -Camp sei den Behörden sein Engagement für die LTTE wah r- scheinlich noch nicht bekannt gewesen, ansonsten er mit anderen LTTE - Mitgliedern abgeführt worden wäre. Zudem sei die Entlassung nur gegen Bestechung un d demnach keineswegs ordentlich erfolgt, was das BFM argumentativ verkenne. Wegen eigener Aktivitäten und denjenigen seines Cousins weise er ein Persönlichkeitsprofil auf, das – so auch die Zuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzugs betreffend – mit erheblicher Wahr - scheinlichkeit zu relevanten Verfolgungshandlungen im Fall der Rückkehr ins Heimatland führen würde. Dies gehe auch aus dem beigelegten Be - stätigungsschreiben vom 25. Dezember 2011 hervor. Gemäss diesem lie- ge ein Haftbefehl gegen ihn vor; zudem sei die Wohnung seiner Eltern D-73/2012 Seite 7 mehrmals von "unidentifizierten" Personen und Behördenvertretern durchsucht worden. Nach dem Gesagten sei ihm als Flüchtling Asyl zu gewähren. 5. 5.1 Seit Mai 2009 ist, gemäss weitgehend übereinstimmenden Berichten insgesamt von einer seit Beendigung des militärischen Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE erheblich verbesserten Lage in Sri Lanka auszugehen. Militärisch gelten die LTTE als vernichtet; e s gibt keine Anzeichen, dass sie heute noch in der Lage wären, Angriffe auf die Sicherheitskräfte oder sonstige Attentate auszuführen. Die Sicherheitsl a- ge hat sich in bedeutsamer Weise stabilisiert, auch wenn sich das Land immer noch in einem Entwicklungsp rozess befindet. Die Mensche n- rechtslage hat sich jedoch gleichzeitig namentlich hinsichtlich der Me i- nungsäusserungs- und der Pressefreiheit weiter verschlechtert. Politisch Oppositionelle jeglicher Couleur werden seitens der Regierung als Staatsfeinde betr achtet und müssen mit entsprechenden Verfolgung s- massnahmen rechnen (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.6). Aus diesem Grunde definierte das Bundesverwaltungsgericht im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 – im Sinne von Risikogruppen – Personenkreise, deren Zugehö- rige einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen. Zu diesen Risikogru p- pen gehören namentlich (1) Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen beziehungsweise gestanden zu sein, (2) kritisch auftretende J ournalisten und Medienschaffende, (3) Menschenrechtsaktivisten und regimekritische Nichtregierungsorganisationen-Vertreter, ferner (4) Personen, die Opfer oder Zeuge schwerer Menschenrechtsverstösse wurden oder diesbezü g- lich juristische Schritte einleiten, sowie (5) Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt werden beziehungsweise die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen (BVGE 2011/24 E. 8). In- nerhalb der Risikogruppen muss im Einzelfall untersucht werden, ob die individuellen Begebenheiten eine asylrelevante Verfolgungsgefahr zu b e- gründen vermögen. Namentlich bildet nach Auffassung des Bundesve r- waltungsgerichts der Umstand allein, dass ein Angehöriger der tamil i- schen Ethnie im Zeitraum vor dem Ende des Bürgerkriegs mit den LTTE in Kontakt kam, kein ausreichendes Kriterium für eine asylrechtlich rel e- vante Gefährdung. (Auch) zum heutigen Zeitpunkt ist aufgrund der in den ehemals von der LTTE kontrollierten Gebieten von dieser Organisation aufgebauten Strukturen davon ausz ugehen, dass praktisch die gesamte dortige Bevölkerung in bestimmter Weise entsprechende Kontakte au f- wies. Die Wahrscheinlichkeit eines konkreten Verfolgungsrisikos setzt D-73/2012 Seite 8 vielmehr ein entsprechendes besonderes Profil der betreffenden Person voraus (vgl. b eispielsweise Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1858/2012 vom 24. Januar 2013 E. 6.2). Diese Lageeinschätzung des Grundsatzurteils BVGE 2011/24 des Bundesverwaltungsgerichts ist we i- terhin zutreffend und wird in der jüngsten Einschätzung des UNHCR und in den weiteren vom Beschwerdeführer eingereichten Berichten betre f- fend die politische und menschenrechtliche Lage in Sri Lanka bestätigt (vgl. UNHCR: Eligibility Guidelines for Assessing the International Protec- tion Needs of Asylum Seekers from Sri Lanka , 21. Dezember 2012; A m- nesty International [AI], Report 2012, London 2012, S. 314 ff. [AI -Index: POL 10/001/2012]; dies., Sri Lanka: Locked away: Sri Lanka's security detainees, London 2012 [AI -Index: ASA 37/003/2012]; Human Rights Watch, World Report 2012, New York 2012, S. 388 ff.; International Crisis Group, Sri Lanka's North I: The Denial of Minority Rights, Crisis Group Asia Report N°219, Colombo/Brüssel 2012; Schweizerische Flüchtling s- hilfe (SFH), Sri Lanka: Aktuelle Situation für aus dem Norden ode r Osten stammende Tamilen in Colombo und für RückkehrerInnen nach Sri La n- ka, Bern 2011 sowie Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2625/2011 vom 22. Januar 2013 E.5.5.3). Auch im neusten Bericht der SFH wird klar zum Ausdruck gebracht, es gäbe keine Hinwe ise, dass sämtliche Rüc k- kehrende systematisch entführt, verhaftet oder gefoltert werden würden (SFH, Aktuelle Situation, Bern, 15. November 2012, S. 20ff.). Somit kann davon ausgegangen werden, dass, auch nach Konsultation insbesondere der vom Beschwerdefü hrer eingereichten Quellen bezüglich der Ei n- schätzung der Lage in Sri Lanka, rückkehrenden Tamilen gemäss der nach wie vor geltenden Rechtsprechung nicht in genereller Weise u n- menschliche Behandlung droht (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). 5.2 Mit der Gefährdungssituation, jedoch im Hinblick auf eine EMRK -wid- rige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, hat sich auch der Europä i- sche Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Ja- nuar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application n o. 41178/08, Ent- scheid vom 31. Mai 2011). Auch der EGMR hält fest, dass nicht in gen e- reller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe u n- menschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in B etracht ziehen, aus denen sich in s- gesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte D-73/2012 Seite 9 Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Fes t- nahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrie- rung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE -Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder vor Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE-Finanzmittelbeschaffungs- zentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE- Mitglied (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). 6. 6.1 Das BFM hat in seiner Verfügung keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit gewisser Vorbringen des Beschwerdeführers geäussert. Auch das Gericht hat keinen Anlass, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Fes t- nahmen vom Winter 2006 im Zusammenhang mit seinem Cousin D._______ verbunden mit einer Meldepflicht in Frage zu stellen. Weiter erscheint auch glaubhaft, dass er sich zwischen 2006 und 2009 im Vanni- Gebiet aufgehalten und dort unter kriegerischen Ereignissen gelitten ha t. Die Vorinstanz geht im Sinne seiner Vorbringen davon aus, dass er in ein IDP-Lager gelangte und dieses in der Folge wieder verlassen konnte. I n der Beschwerde wird zurecht darauf hingewiesen, dass Letzteres gemäss seinen Ausführungen nur gegen Bestechung möglich gewesen sei. Im La- ger habe er einen falschen Namen angegeben. Diese Sachverhaltsel e- mente sind in Anbetracht seiner substanziierten Vorbringen ebenfalls als glaubhaft zu erachten. Fraglich ist allenfalls, ob und in welchem Ausmass er tatsächlich für die LTTE tätig war beziehungsweise sein musste. Ange- sichts des erwähnten Aufenthalts im Vanni -Gebiet ist jedoch mit sehr ho- her Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er tatsächlich gezwun- gen war, gewisse Tätigkeiten für die LTTE auszuführen, wenn auch in der Tat aufgrund der vagen oder gar widersprüchlichen Zeitangaben der U m- fang dieser Tätigkeiten unklar bleibt. In diesem Zusammenhang ist jedoch auch darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer offenbar unter g e- wissen psychischen Schwierigkeiten leidet. Sodann ist für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit in der Tat in einem gewissen Ausmass unerheblich, ob er in Anbetracht der weit zurückliegenden Ereignisse und der damals chaotischen Bürgerkriegssituation anlässlich der Anhörung in der Lage war, den Zeitpunkt der Abholung zu einem Zwangstraining durch die LTTE genau beziehungsweise übereinstimmend zu nennen. Die weiteren D-73/2012 Seite 10 Ausführungen zu Fronteinsätzen sind – wenn auch lediglich in linguisti- scher Hinsicht – allenfalls etwas missverständlich; in Anbetracht seiner substanziierten Angaben (auch in der nachgereichten schriftlichen Ste l- lungnahme) zur Versorgung Verletzter vor Ort wirken beispielsweise se i- ne Darlegungen zum Sanitätsdienst aber realitätsbezogen; aufgrund der überdies vorhandenen Realkennzeichen und der – entgegen der vor in- stanzlichen Sichtweise zu bejahenden – Substanziierung in einem gewis- sen Ausmass ist jedenfall s nicht von einem blossen Sachverhaltsko n- strukt auszugehen. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem B e- schwerdeführer gelungen ist, auch ein Engagement für die LTTE – wenn auch nicht als Kämpfer – im genannten Zeitraum glaubhaft zu machen. 6.2 Vor dem Hintergrund der oben skizzierten aktuellen Lage in Sri Lanka und in Abwägung aller vom Beschwerdeführer vorgebrachten Sachve r- haltselemente kommt das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Einzelfall zum Schluss, dass im Falle einer Rückkehr des Beschwerd e- führers nach Sri Lanka von einer objektiv begründeten Furcht vor Verfo l- gung ausgegangen werden kann. Auf der subjek tiven Seite sind dabei seine Erlebnisse aus dem Jahre 2006 zu berücksichtigen, wobei er selber und vor allem auch sein Vater Opfer von intensiven Ü bergriffen seitens der sri -lankischen Sicherheitsbehörden geworden ist. Sodann führt eine Kumulation von verschiedenen Gefährdungspotentialen – die jede für sich genommen nicht ausreichen dürfte – zum Schluss, dass eine Verfol- gungsgefahr für den Beschwerdeführer nicht von der Hand zu weisen ist. Der Beschwerdeführer ist den Behörden offenbar als Cousin eines LTTE- Aktivisten, der die Familie in der Zeit des Waffenstil lstandes oft besucht habe, bereits aufgefallen. Wegen des Cousins, der als LTTE -Mitglied für Bombenanschläge verantwortlich gewesen sein soll, wurde er 2006 zwei - mal festgehalten und geschlagen. Sein Vater soll beim ersten Vorfall schwer gefoltert worden sein. Diese Massnahmen der Sicherheitskräfte beziehungsweise einer mit ihnen agierenden Grup pierung erfolgten zwei- fellos wegen des gegen ihn bestehenden LTTE -Verdachts. Aus demsel- ben Grund wurde er einer Meldepflicht unterworfen, der er zunächst nachkam, sich ihr jedoch später entzog, was den Verdacht einer LTTE - Verbindung weiter verschärft haben dürfte. In der Folge hielt er sich im Vanni-Gebiet auf und geriet in den Machtbereich der LTTE. Er musste für die Organisation verschiedene Aufgaben wahrnehmen. Gegen Kriegse n- de ergab er sich den Sicherheitskräften und landete in einem IDP -Lager, wo er ei nen falschen Namen angab. Gegen Bestechung kam er frei . Demnach erfolgte keine ordnungsgemässe Entlassung, was zusätzlich zu Verdachtsmomenten geführt haben dürfte. Im eingereichten Bestät i-D-73/2012 Seite 11 gungsschreiben werden ein in C._______ gegen ihn bestehender Haftbe- fehl und andauernde Suchen erwähnt. Ohne den Beweiswert des Schrei- bens und das Risiko eines formell gegen ihn bestehenden Haftbefehls abschliessend zu beurteilen, gelangt das Gericht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer i m Falle der Wiedereinreise wegen vorhandener b e- ziehungsweise i hm unterstellte r LTTE-Vergangenheit mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit mit der Festnahme, einem Verhör verbunden mit der Gefahr von erneuten Misshandlungen und einer Inhaftierung von einer gewissen Dauer rechnen müsste. 6.3 Aufgrund dieser Gesamtwürdigung ergibt sich, dass der Beschwerd e- führer insgesamt ein Profil aufweist, aufgrund dessen er für die sri -lanki- schen Behörden als LTTE -Anhänger wahrgenommen wird. Er ist daher einer aktuellen Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Eine innerstaatliche Flucht- alternative besteht offensichtlich nicht, da sich die Ge fährdung bereits bei der Einreise ergeben würde. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf den Beschwerd e- führer sämtliche Kriterien der in Art. 3 AsylG enthaltenen Definition als er- füllt zu betrachten und er demzufolge als Flüchtling anzuerkennen ist. Die vorinstanzliche Verfügung ist dementsprechend auf zuheben und es ist dem Beschwerdeführer mangels Anzeichen für das Vorliegen eines Au s- schlussgrundes (Art. 53 As ylG) in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der vom Beschwerdeführer geleistete Kos- tenvorschuss ist daher zurückzuerstatten. 8.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteient schädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des Regle - ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent schädigungen vor dem Bundes verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach dem sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Ak tenlage hinreichend zuverlässig abschätzen lässt, erübrigt sich die Einholung einer Kostenn o- te. Die von der Vorinstanz aus zurichtende Parteientschädigung ist un ter Berücksichtigung der mass gebenden Be messungsfaktoren von Amtes wegen auf Fr. 1'800.– festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-73/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 5. Dezember 2011 wird au fgehoben. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt; der am 16. Januar 2012 ge- leistete Kostenvorschuss wird zurückerstattet. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteients chädi- gung in der Höhe von Fr. 1'800.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän di- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: