Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 11. November 2015 (810 14 383 / 810 14 384) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Bauen im näheren Sichtbereich eines geschützten Kulturdenkmals Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber Stefan Suter Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Stephanie Trüeb , Advokatin B.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Thomas Christen, Advokat gegen Baurekurskommission des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstra s- se 29, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin C.____ AG , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Roman Zeller, Advokat Beigeladene D.____ Betreff Baugesuch Nr. 0258/2012 (Entscheid der Baurekurskommission Nr. 14-008 und 14-009 vom 19. August 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 26. Januar 2012 reichte die C.____ AG beim Ba uinspektorat des Kantons Ba- sel-Landschaft (Bauinspektorat) das Baugesuch Nr. 0258/2012 für das Wohnprojekt E.____ auf der Parzelle Nr. 7203, GB D.____, ein. Dieses sieht a ls 3. Etappe der Gesamtüberbauung F.____ im Bereich F.____strasse/E.____strasse in D.___ _ (Wohn- und Geschäftszone 3) die Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit Autoeinstellha lle vor. Gegen das Baugesuch erhoben unter anderem A.____ und B.____ Einsprache. Zur Begrü ndung führten sie im Wesentlichen aus, dass das Bauvorhaben die Umgebung des denkmalgeschützten F.____hofs beeinträchtige und deshalb nicht bewilligungsfähig sei. Ausserdem rü gten sie eine Verletzung des Rechts- gleichheitsgebots. Auch nachdem die Baugesuchstellerin mehrfach bereinigte Pläne eingereicht hatte, hielten die Einsprecher an ihren Einsprachen fest. B. Mit Entscheid vom 6. Januar 2014 wies das Bauinspektora t die Einsprachen von A.____ und B.____ ab, soweit es darauf eintrat. Weit er erklärte es die in den Erwägungen auf- geführten Auflagen zum verbindlichen Bestandteil der B aubewilligung und verwies die Einspre- cher bezüglich der privatrechtlichen Einsprachen an das zuständige Zivilgericht. C. Die dagegen erhobenen Beschwerden wies die Baurekur skommission des Kantons Basel-Landschaft (Baurekurskommission) mit Entscheid Nr. 14-008 und 14-009 vom 19. August 2014 ab, soweit sie darauf eintrat. Sie erwog im Wes entlichen, das streitbetroffene Projekt sei zonenkonform und vermöge den massgebenden Bestimmungen bezüglich Gestaltung und Ein- gliederung ins Ortsbild sowie den Denkmalschutznormen st andzuhalten. Weiter verneinte sie eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots. D. Mit gleichlautenden Eingaben vom 18. Dezember 2014 haben A.____, vertreten durch Stephanie Trüeb, Advokatin, (Verfahren Nr. 810 14 383) und B.____, vertreten durch Thomas Christen, Advokat, (Verfahren Nr. 810 14 384) beim Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde g egen den Entscheid der Baure- kurskommission vom 19. August 2014 erhoben. Sie stellen das Begehren, der angefochtene Entscheid sei unter o/e-Kostenfolge vollumfänglich aufzu heben und das Baugesuch Nr. 0258/2012 sei abzuweisen. In der Beschwerdebegründu ng rügen die Beschwerdeführer eine falsche Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverlet zungen. Sie stellen sich zusam- menfassend auf den Standpunkt, das Bauvorhaben sei überd imensioniert und beeinträchtige mit dem F.____hof ein kantonal geschütztes Objekt. Entge gen den Feststellungen der Vor- instanz werde das Hofgut von Seiten der F.____- wie au ch der G.____strasse verdeckt, der Bauerngarten sei ebenfalls praktisch nicht mehr einsehb ar. In zwei früheren Baubewilligungs- verfahren im näheren Sichtbereich des geschützten Kultur denkmals seien das Bauinspektorat resp. die Rechtsmittelinstanzen jeweils zum Schluss gelang t, dass die Projekte das Schutzob- jekt unzulässig beeinträchtigten. Würden die gleichen denkmalpflegerischen Massstäbe auf das vorliegend strittige Bauprojekt angewendet, so sei dieses ebenfalls nicht bewilligungsfähig. E. In ihrer Vernehmlassung vom 12. März 2015 verweist d ie Gemeinde D.____ vollum- fänglich auf ihre dem Bauvorhaben zustimmende Stellungnahme im Baugesuchsverfahren. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Vernehmlassung vom 24. April 2015 beantragt das Bauinspektorat die vollum- fängliche Abweisung der Beschwerden, soweit darauf einzu treten sei. Es weist unter Bezug- nahme auf die beigelegte Stellungnahme der Kantonal en Denkmalpflege vom 25. März 2015 insbesondere darauf hin, dass die von den Beschwerdeführ ern angeführten beiden Bauvorha- ben mit dem vorliegenden nicht vergleichbar seien, wesh alb die Beschwerdeführer daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten könnten. G. Die C.____ AG, vertreten durch Roman Zeller, Advo kat, beantragt in ihrer Stellung- nahme vom 24. April 2015 die kostenfällige Abweisung der Beschwerden. H. Mit Verfügung vom 11. Mai 2015 wurden die beiden Beschwerdeverfahren vereinigt und der Kammer zur Beurteilung überwiesen. I. Das Kantonsgericht hat heute einen Augenschein an Ort und Stelle durchgeführt, an dem die Rechtsvertreter der Beschwerdeführer und der Baugesuchstellerin wie auch Vertreter der Gemeinde D.____, des Bauinspektorates sowie der Kantonalen Denkmalpflege teilnahmen. An der anschliessenden Parteiverhandlung halten die Par teien an ihren schriftlich gestellten Begehren und Begründungen fest, wobei die Beschwerdeführer neu zusätzlich geltend machen, der geplante Neubau überschreite wegen einer unzulässigen Nutzungsübertragung die gemäss Zonenreglement zulässige Ausnützung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 134 Abs. 5 des Raumplanungs- und Baugesetz es (RBG) vom 8. Januar 1998 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entschei de der Baurekurskommission durch die Betroffenen und die Gemeinden beim Kantonsg ericht angefochten werden. Die Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorl iegenden Beschwerden ist somit gege- ben. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde be fugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Diese Voraussetzungen gelten nach der Rechtsprechung in der Regel als erfüllt, wenn die Liegenschaft des Beschw erde führenden Nachbarn unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch ei nen Verkehrsträger davon getrennt wird (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfass ungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 22. April 2015 [810 14 227] E. 1.2.2; BGE 121 II 171 E. 2b; Urteil des BGer 1C_500/2009 vom 1. Februar 2010 E. 2.3). Beide Beschwerdeführer sind Eigentümer einer an das Baugrund- stück angrenzenden resp. im Falle der Beschwerdeführerin nur durch eine Quartierstrasse da- von getrennten Parzelle, weshalb ihre Beschwerdelegiti mation im Sinne von § 47 Abs. 1 lit. a VPO zu bejahen ist. Da auch die weiteren formellen V oraussetzungen erfüllt sind, ist auf die vorliegenden Beschwerden einzutreten. 2.1 In der Beurteilung der vorliegenden gegen den En tscheid der Baurekurskommission gerichteten verwaltungsgerichtlichen Beschwerden ist die Kognition des Kantonsgerichts ge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfe n, ob die Vorinstanz ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kan n beurteilt werden, ob diese den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt ha t. Die Unangemessenheit eines ange- fochtenen Entscheids kann jedoch nur in den vom Gesetz a bschliessend aufgezählten Fällen, die vorliegend nicht einschlägig sind, sowie gestützt a uf spezialgesetzliche Vorschriften über- prüft werden (§ 45 lit. c VPO). 2.2 Wie erwähnt kann im Verfahren vor Kantonsgericht die unrichtige oder unvollständi- ge Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz ger ügt werden. Neue tatsächliche Be- hauptungen und Beweismittel können die Parteien nach § 6 Abs. 2 VPO jedoch nur vorbringen, sofern ihnen dies unverschuldet nicht früher möglich war (sog. Verbot unechter Noven). Verspä- tete Vorbringen werden aus dem Recht gewiesen. Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesge- setzes über die Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 und Art. 110 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 muss mindesten s eine kantonale richterliche Be- hörde den Sachverhalt frei überprüfen können, weshalb kein derartiges Novenverbot gelten kann, wenn das kantonale Verwaltungsgericht als einzige ka ntonale Gerichtsinstanz urteilt (BGE 135 II 369 E. 3.3). Unter dem Begriff der richt erlichen Behörde ist eine unabhängige, un- parteiische und unbefangene, nicht der Weisungsbefugnis a nderer Behörden unterstellte, nur dem Recht verpflichtete Behörde zu verstehen (vgl. B ERNHARD EHRENZELLER , in: Marcel Ale- xander Niggli/Peter Uebersax/Hans Wiprächtiger [Hrsg.], B asler Kommentar zum Bundesge- richtsgesetz, 2. Aufl., Basel 2011, Art. 110 Rz. 13). Be i der Baurekurskommission handelt es sich um eine unabhängige kantonale Beschwerdebehörde im Sinne der Bundesgesetzgebung (KGE VV vom 20. Januar 2011 [810 09 128] E. 2; KGE V V vom 17. Oktober 2007, in: BLKGE 2007 Nr. 41 E. 3.1). Sie hat im vorliegenden Fall de n Sachverhalt frei geprüft und damit die bundesrechtlichen Anforderungen an das kantonale Beschwer deverfahren bezüglich Sachver- haltsermittlung erfüllt. Entscheidet das Kantonsgericht wie vorliegend als zweite Rechtsmittel- instanz, kommt das in § 6 Abs. 2 VPO statuierte Verbot un echter Noven voll zum Tragen (vgl. Urteil des BGer 2C_112/2014 vom 15. September 2014 E . 5.2.1; Urteil des BGer 2C_924/2012 vom 29. April 2013 E. 2.3.3). 2.3 Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG ist in Fällen wie dem vorliegenden auch die volle Überprüfung der Angemessenheit durch wenigstens eine un abhängige kantonale Beschwerde- behörde verlangt. Die Baurekurskommission und die in de ren Verfahren anwendbare Kogniti- onsregelung (vgl. § 32 Abs. 1 lit. c des Verwaltungsverfah rensgesetzes vom 13. Juni 1988) er- füllen diese Voraussetzungen ohne Weiteres, weshalb die in § 45 lit. c VPO vorgesehene Ko- gnitionseinschränkung des Kantonsgerichts den Anforderungen des RPG genügt. Die Überprü- fung der Angemessenheit des angefochtenen Entscheides der Baurekurskommission ist dem Kantonsgericht somit (bundesrechtskonform) verwehrt. Ausser dem auferlegt sich das Kantons- gericht in Übereinstimmung mit der Praxis des Bundesger ichts bei der Auslegung der massge- blichen unbestimmten Rechtsbegriffe Zurückhaltung, weil den kantonalen Behörden und der Baurekurskommission ein gewisser Beurteilungsspielraum zuko mmt, wenn der Entscheid Ver- trautheit mit den tatsächlichen Verhältnissen oder bes ondere Fachkenntnisse voraussetzt. Ver- fügt eine Behörde über besonderes Fachwissen, so ist ihr bei der Bewertung von ausgespro- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht chenen Fachfragen ein gewisser Beurteilungsspielraum zu belassen, soweit sie die für den Ent- scheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforde rlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat (vgl. U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER /FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, Rz. 446c f.; BGE 135 II 384 E. 2.2.2; KGE VV vom 22. Januar 2014 [810 13 264] E. 2; KGE VV vom 17. Okt ober 2007, in: BLKGE 2007 Nr. 41 E. 3.3). 2.4 Die Interventionsmöglichkeiten des Kantonsgerichts sind somit begrenzt und auf die Kontrolle von Rechts- und Sachverhaltsverletzungen beschrä nkt, wobei die Rechtsanwendung unter Beachtung der gebotenen Zurückhaltung überprüft wird. 3. Die Beschwerdeführer machen geltend, das Bauvorhaben widerspreche den kom- munalen Bauvorschriften und den kantonalen Bestimmunge n über den Schutz von Kulturdenk- mälern. 4. Die Beschwerdeführer behaupten an der heutigen Pa rteiverhandlung, es habe im vorliegenden Verfahren eine Nutzungsübertragung gemäss § 88 RBG von nicht beanspruchter baulicher Nutzung von benachbarten Grundstücken auf das str eitgegenständliche Baugrund- stück stattgefunden. Diese Tatsachenbehauptung bringen sie heute erstmals im Verfahren vor. Sie legen nicht dar und es ist auch nicht ersichtlich, d ass sie unverschuldet nicht früher in der Lage gewesen wären, diese tatsächliche Behauptung zu e rheben. Bei diesem Vorbringen han- delt es sich somit um ein unzulässiges Novum, das unbeachtl ich bleiben muss (vgl. oben E. 2.2). Ohnehin übersehen die Beschwerdeführer bei ihrer eigenen Berechnung der Ausnüt- zungsziffer, dass sich die anrechenbare Grundstücksfläche neb en der eigentlichen Fläche der Bauparzelle zusätzlich auch aus Anteilen von umliegenden Grundstücken der Gesamtüberbau- ung F.____ zusammensetzt. So werden etwa die Fläche des zentralen Kinderspielplatzes (Par- zelle Nr. 7136, GB D.____) oder der privaten Hauszufah rt (E.____strasse, Parzelle Nr. 7122, GB D.____) entsprechend dem Miteigentumsanteil anger echnet. Wie das Bauinspektorat auf der Grundlage des von seiner technischen Expertin nachkon trollierten Prüfberichts der Ge- meinde D.____ im Rahmen der erstinstanzlichen Zonenkon formitätsprüfung des Bauvorhabens zutreffend festgehalten hat, wird die gemäss Art. 2 de s Zonenreglements Siedlung (ZRS) der Gemeinde D.____ vom 17. Dezember 2008 in der Wohn- un d Geschäftszone 3 zulässige Aus- nützungsziffer von 80 % vorliegend nicht überschritten ( vgl. Einspracheentscheid des Bauin- spektorats vom 6. Januar 2014 E. 2.1). Das Bauvorhaben en tspricht somit den Zonenvorschrif- ten. 5.1 Nach § 104 RBG sind alle bewilligungspflichtigen B auten und Anlagen unter Be- rücksichtigung der Ziele des Natur-, Landschafts-, Denkmal- und Heimatschutzes derart zu ge- stalten und in die Umgebung einzugliedern, dass auf we rtvolle Objekte Rücksicht genommen wird. Wertvolle Objekte im Sinne dieser Bestimmung si nd unter anderem Kulturdenkmäler (vgl. § 3 f. des Gesetzes über den Denkmal- und Heimatschutz [ DHG] vom 9. April 1992). Schutz und Unterhalt von schützenswerten Kulturdenkmälern können dabei etwa durch Ausscheidung und Bezeichnung in Zonenplänen oder mittels Aufnahme in das Inventar der geschützten Kul- turdenkmäler erreicht werden (§ 5 Abs. 1 lit. a und b DHG). § 29 Abs. 3 RBG hält dazu aus- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht drücklich fest, dass schützenswerte Einzelobjekte in den Zonenvorschriften bezeichnet und um- schrieben werden. Art. 25 Abs. 1 ZRS sieht in dieser Hin sicht vor, dass die im Zonenplan be- zeichneten erhaltenswerten Gebäude in ihrer Substanz, Konstruktion und Erscheinung zu erhal- ten sind und verweist im Übrigen auf die Bestimmungen d es kantonalen Rechts. § 7 Abs. 1 DHG untersagt die Verunstaltung des Orts- und Landscha ftsbildes. Bauten und Anlagen sind zudem in das Orts- und Landschaftsbild einzupassen. Explizit Bezug zu geschützten Kultur- denkmälern nehmen § 7 Abs. 3 DHG und § 9 DHG. Gemäss § 7 Abs. 3 DHG ist es verboten, die geschützten Kulturdenkmäler in ihrem Bestand zu gefährden, sie in ihrem Wert oder in ihrer Wirkung zu beeinträchtigen oder sie zu beseitigen. Gesch ützte Kulturdenkmäler dürfen darüber hinaus durch bauliche oder technische Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden. Als Umgebung gilt der nähere Sichtbereich des Kulturdenkmals (§ 9 DHG). 5.2 Mit Art. 25 Abs. 1 ZRS, den §§ 7 und 9 DHG sowi e mit § 104 RBG statuiert das Ge- setz sogenannte Ästhetikklauseln (vgl. KGE VV vom 25. Januar 2012 [810 11 197] E. 7.3). Die Ästhetikvorschriften bezwecken allgemein den Schutz des Lan dschafts-, Orts- und Strassenbil- des, der historischen Stätten sowie der Natur- und Kunst denkmäler (PETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Aufl., Bern 2008, S. 318). Sie sind zumeist in Form einer Generalklausel umschrieben, können jedoch auch det aillierte Vorschriften bezüglich ein- zelner Gestaltungselemente der Bauten wie beispielswei se Baumaterialien, Farbgebung oder Materialauswahl beinhalten (H ÄNNI , a.a.O., S. 319; M ARCEL STEINER , Die Ästhetikgeneralklau- seln, Baurecht 1994, S. 117; zum Ganzen auch B EAT ZUMSTEIN , Die Anwendung der ästheti- schen Generalklauseln des kantonalen Baurechts, St. Gallen 2001, S. 27 ff.). Die Ästhetikvor- schriften bilden Teil des materiellen Baupolizeirechts, weshalb jedes Bauvorhaben der ästheti- schen Beurteilung unterliegt. Die Rechtsanwendung muss sic h dabei auf objektive und grund- sätzliche Gesichtspunkte stützen und auf einem Werturteil b eruhen, das Auffassungen ent- spricht, die eine gewisse Verbreitung und Allgemeingült igkeit beanspruchen dürfen (Z UMSTEIN , a.a.O., S. 119; R ENÉ WIEDERKEHR , Grundprobleme des basellandschaftlichen Bau- und Pla- nungsrechts, BJM 2006, S. 248 ff.; BGE 114 Ia 343 E. 4b; BGE 82 I 102 E. 4). Von den rein ästhetischen Interessen im Sinne eines Verunstaltungs- und Beeinträchtigungsverbots zu un- terscheiden sind kulturhistorische Interessen, die im Denkmal schutz gewahrt werden. Die ent- sprechenden Generalklauseln bezwecken einen eigenständigen zusätzlichen Schutz und gehen mit ihrem Normgehalt weiter als die blosse äussere Ersc heinung (vgl. W ALTER ENGELER , Das Baudenkmal im schweizerischen Recht, Zürich 2008, S. 58; ZUMSTEIN , a.a.O., S. 10; KGE VV vom 22. Januar 2014 [810 13 264] E. 6.2.4). 5.3 Die vorliegend anwendbaren Ästhetikvorschriften stell en unbestimmte Rechtsbegrif- fe dar, für deren Auslegung und Handhabung die Verwa ltungsbehörde zur Auslegung kompe- tenter erscheint, handelt es sich dabei doch jeweils um a usgesprochene Fachfragen, bei deren Beantwortung besondere Fachkenntnisse und die Vertrautheit mit den tatsächlichen Verhältnis- sen vorausgesetzt werden. Dementsprechend übt das Kanton sgericht bei der nachfolgend vor- zunehmenden Überprüfung der Anwendung und Interpreta tion dieser unbestimmten Rechtsbe- griffe praxisgemäss Zurückhaltung (vgl. oben E. 2.3; KGE VV vom 22. Januar 2014 [810 13 264] E. 6.1; KGE VV vom 25. Januar 2012 [810 11 197] E. 7.4). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Das Hofgut "F.____", Parzelle Nr. 6247, GB D.____ , grenzt auf der Nordseite des Grundstücks an die streitgegenständliche Bauparzelle und be steht aus einem zweigeschossi- gen Wohngebäude und einer angebauten Scheune. Das Woh ngebäude ist im kantonalen In- ventar der geschützten Kulturdenkmäler aufgeführt, das Ö konomiegebäude wurde in das kan- tonale Bauinventar aufgenommen. Auf dem Zonenplan S iedlung, Planteil überlagernde Gebie- te, der Gemeinde D.____ vom 17. Dezember 2008 ist das gesamte Hofgut, d.h. sowohl das Wohnhaus als auch der angebaute Ökonomieteil, als "erhal tenswertes Gebäude (Kategorie A)" markiert, wobei das Wohnhaus zusätzlich mit einem schwarze n Punkt gekennzeichnet ist. Die- ser Punkt bezeichnet eine Baute unter kantonalem Schutz (Art. 25 Abs. 2 ZRS). Das Wohnge- bäude ist demnach kantonal geschützt, währenddem die S cheune im Zonenplan als kommunal erhaltenswertes Gebäude ausgeschieden und bezeichnet ist ( vgl. KGE VV vom 22. Januar 2014 [810 13 264] E. 5.1). Das Bauvorhaben befindet sich somit unstrittig im näheren Sichtbe- reich dieses Kulturdenkmals, weshalb das geplante Mehrfa milienhaus nach § 7 Abs. 3 DHG das Hofgut in seinem Wert oder in seiner Wirkung nicht beeinträchtigen darf. 6.2 Gegenstände des fachwissenschaftlichen Baudenkmalbegri ffs sind ortsgebundene, von Menschenhand erschaffene Objekte, wie beispielsweise ein aufgerichteter Stein, ein Ge- bäude oder eine Mehrheit baulicher Anlagen mit über geordnetem Funktionszusammenhang sowie im dazugehörigen Kontext stehende Freiräume. De nkmäler sind bestimmt durch ihren Zeugniswert (vgl. E IDGENÖSSISCHE KOMMISSION FÜR DENKMALPFLEGE , Leitsätze zur Denkmal- pflege in der Schweiz, Zürich 2007, Nr. 1.1 ff.; E NGELER , a.a.O., S. 28 f.). Schutzobjekte sind demnach Kulturdenkmäler, an deren Erhaltung wegen ihr es kulturellen, geschichtlichen, künst- lerischen, kunsthistorischen, städtebaulichen, volkskundlichen oder wissenschaftlichen Wertes ein erhebliches öffentliches Interesse besteht (vgl. § 3 Abs. 1 DHG). Der nähere Sichtbereich des Baudenkmals umrahmt dieses und beeinflusst dessen geg enwärtige Wirkungsmöglichkeit und Nutzung. Dabei muss nicht jedes Kulturobjekt zusammen mit seiner näheren Umgebung geschützt werden. Ob und in welchem Ausmass die Umgebung eines Baudenkmals zu schüt- zen ist, ergibt sich aus seiner Bedeutung und potentiel len Gefährdungen, die aus seiner Umge- bung erfolgen können (E NGELER , a.a.O., S. 126 f.; F ELIX BERNET , Rechtliche Probleme der Pflege von Kulturdenkmälern durch den Staat, Zürich 197 5, S. 9). Ob ein geschütztes Kultur- denkmal durch bauliche oder technische Veränderungen in seiner Umgebung in seinem Wert oder in seiner Wirkung beeinträchtigt wird, ist im Ei nzelfall auf der Grundlage des konkreten fachwissenschaftlichen Zeugniswerts des betreffenden Obje kts nach Massgabe des mit der Unterschutzstellung verfolgten Schutzziels zu bestimmen. 6.3 Gemäss der Beschreibung im kantonalen Inventar de r Kulturdenkmäler handelt es sich beim Wohnhaus F.____, Bestandteil des Hofgutes mit S cheune und Nebengebäude, um ein historisch besonders wertvolles Kulturdenkmal. Die F.____ sei der letzte noch gut erhaltene Einzelhof ausserhalb des Stadtzentrums und bezeuge auch mit seiner Ausstattung die Wohn- und Baukultur der wohlhabenden ländlichen Bevölkerung . Die wechselvolle Baugeschichte ge- be vielfältigen Aufschluss über die Bauvorgänge und Bau techniken des 18. und 19. Jahrhun- derts. Auf der Aussenseite werden im Inventar insbesond ere ein original erhalten gebliebenes Eichenholzfenster mit Butzenscheiben und eine zweigescho ssige, mit Holzschalung geschlos- sene Laube auf der Westseite hervorgehoben. An der Ostf assade werden eine Türe mit Kalk- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht steineinlabung und auf der Rückseite zwei weitere Türen speziell erwähnt, wobei diejenige am Nordwestende ein zweitverwendetes Türblatt mit geschnitz ten Rosetten besitze. Im Gebäu- deinnern habe sich eine historisch wertvolle Ausstattung erhalten: Eine eichene Treppe mit ge- schwungenen Trittstufen führe ins Obergeschoss. Im Obergesc hoss des ersten Bauabschnitts befänden sich zwei Zimmerdecken mit originalem Stuckdekor. In der Mitte sei ein grosser, aus mehreren Teilkartuschen aufgebauter Deckenspiegel aufgebr acht, währenddem die Ecken mit kleineren Kartuschen verziert würden. Gestützt auf diesen Beschrieb im Bauinventar und nach Vornahme eines Augenscheins kam die Baurekurskommission zum Schluss, dass es sich beim F.____hof um einen Solitärbau handle, der isoliert in der Landschaft stehe und keinen Bezug zu umliegenden Gebäuden aufweise. Das Hofgut sei für sich allein zu betrachten und es sei nicht Teil eines Ensembles. Das Schutzziel richte sich in erster Linie auf die historische Bausubstanz, weshalb der Schutz im vorliegenden Fall in räumlicher Hinsicht nicht wesentlich über das Hofgut hinausgehe. Das Schutzziel bleibe gewahrt, solan ge der F.____hof als alleinstehende Baute wahrgenommen werde. Diese Einschätzung der Baurekurskommission erachtet das Kant onsgericht für ohne Weiteres nachvollziehbar und sieht sie auch durch den heute durchge führten gerichtlichen Augenschein bestätigt. Dabei zeigte sich, dass das Hofgut in der Ba uzone am Rande des Siedlungsgebiets der Gemeinde D.____ situiert ist und bereits heute auf zwei Seiten von modernen Wohnbauten umrahmt wird. Westlich - auf der Rückseite des Hofes - si nd in den letzten Jahren im Rahmen der Gesamtüberbauung F.____ zwei Mehrfamilienhäuser mit jeweils drei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss in weniger als zwanzig Metern Abstand zu r Fassade gebaut worden. In südlicher Richtung steht in noch kürzerem Abstand zur Scheu ne ein ebenfalls in modernem Baustil gehaltenes, vor die Fassadenflucht des Hofes gese tztes dreigeschossiges Wohnhaus, das sich im Eigentum des Beschwerdeführers befindet. Im O sten, auf der anderen Seite der F.____strasse, befindet sich der Gewerbezone zugewiesenes baureifes Land, mit dessen Überbauung in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Beim F.____hof handelt es sich offenkun- dig um ein isoliertes Einzelobjekt, dem keine ortsbild- oder landschaftsprägende Funktion zu- kommt. Das Kulturdenkmal steht in keinem Wechselspiel zu d en umgebenden Gebäuden, ein Zusammenwirken zwischen dem Denkmal und seiner Umgebung i st nicht erkennbar. Demnach ist der - auch von der kantonalen Denkmalpflege geteilte n - Einschätzung der Vorinstanz zu folgen, wonach es sich beim F.____hof um einen Solitärb au handelt, dessen Zeugniswert sich in erster Linie aus dessen historischer Bausubstanz ergibt, und dessen Schutzbereich im vor- liegenden Fall in räumlicher Hinsicht nicht wesentlich über das Hofgut hinausreicht. 6.4 Beim vorliegend umstrittenen Bauvorhaben handelt es sich um die überarbeitete Fassung eines früheren Bauprojekts (Baugesuch Nr. 2368/20 06). In jenem Verfahren hatte die kantonale Denkmalpflege moniert, die geplanten Gebäud e beeinträchtigten die Umgebung des geschützten Wohnteils des Hofguts F.____. Sie lägen zu na he am geschützten Objekt und be- friedigten weder in ihrer Architektur noch in der Umg ebungsgestaltung. Auch werde der Bau- erngarten nicht berücksichtigt. Die Baugesuchstellerin zog ihr Baugesuch in der Folge zurück und erarbeitete unter Einbezug der Denkmal- und Heim atschutzkommission das vorliegende neue Projekt. Darin wird ein einziger Baukörper - unt er Ausnützung eines Näherbaurechts zu Lasten der westlichen Nachbarsparzelle - so nah an der e ntgegengesetzten Parzellengrenze Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie zulässig und damit maximal weit weg von der F.____strasse und dem F.____hof situiert. Es wird ein möglichst grosser Abstand zum Hofgut eingehalten , wodurch von der F.____strasse (und der rund 60 Meter dahinter parallel verlaufende n G.____strasse) her gesehen ein mög- lichst breiter Sichtwinkel auf die Ostfassade des Wohnge bäudes frei bleibt. Der Gebäudeab- stand beträgt nunmehr über zwanzig Meter. Zusätzlich wur de der Lichtschacht der Tiefgarage verschoben, so dass der (nicht unter Schutz stehende und üb erwiegend auf der Bauparzelle gelegene) Bauerngarten vollständig erhalten bleibt. 6.5.1 Die Beschwerdeführer rügen zunächst eine falsche Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz. Diese spreche in ihren Erwägungen von einer durch das geplante Mehr- familienhaus leicht geschmälerten Einsehbarkeit des geschützten Hofguts. Die diesbezüglichen Ausführungen seien nicht nachvollziehbar, wenn man bede nke, dass der Blick auf das Hofgut und den Bauerngarten von Seiten der F.____- wie der G.____strasse "teilweise komplett ver- deckt" werde. Inwiefern zwischen der Sachverhaltsdarstellu ng der Vorinstanz und derjenigen der Beschwerdeführer eine rechtlich relevante inhaltlich e Differenz bestehen soll, bleibt uner- findlich. Was die Bezeichnung der Einschränkung der Ein sehbarkeit als "leicht" betrifft, so han- delt es sich um eine rechtliche Wertungs- und nicht um ei ne Tatsachenfrage. Die Sachverhalts- rüge der Beschwerdeführer geht demnach fehl. 6.5.2 Die Beschwerdeführer werfen der Vorinstanz zusät zlich Rechtsverletzungen vor. Sie wenden hauptsächlich ein, in zwei früheren Baubewillig ungsverfahren im näheren Sichtbereich des geschützten Kulturdenkmals sei die Denkmalpflege jewei ls zum Schluss gelangt, dass die Projekte das Schutzobjekt unzulässig beeinträchtigten. Wer de nach dem Grundsatz der Rechtsgleichheit der gleiche denkmalpflegerische Beurtei lungsmassstab auf das vorliegend strittige Bauprojekt angewendet, so sei dieses ebenfall s nicht zu bewilligen. Die Beschwerde- führer beziehen sich einerseits das Baugesuch Nr. 2379/2 004, welches das vom Beschwerde- führer errichtete Wohnhaus südlich des Hofguts betrifft. Dieses Projekt wurde allerdings nach Verhandlungen mit der Denkmal- und Heimatschutzkommissio n in einer überarbeiteten Fas- sung bewilligt, so dass gar kein negativer Behördenentsch eid vorliegt, der für einen Vergleich herangezogen werden könnte. Andererseits berufen sich die Beschwerdeführer auf das Bauge- suchsverfahren Nr. 1310/2009, in dem der Einbau von dr ei Wohnungen in das bestehende Dachgebälk der ehemaligen Scheune des F.____hofs bewil ligt wurde, dazu kamen ein Terras- senanbau und Dachaufbauten. Die (nachträgliche) Bewil ligung für einen über die Fassaden- flucht hinausragenden Balkon unter dem Vordach wurde d emgegenüber aus Gründen des Denkmalschutzes verweigert. Das erstere Bauvorhaben betraf einen Baukörper, der in weniger als fünf Metern Abstand zur geschützten Scheune errichte t wurde, das letztere Projekt betraf eine bauliche Veränderung an der Fassade des Hofguts selbst. Wie die Vorinstanz und die Be- schwerdegegnerin zu Recht einwenden, unterscheiden sich di e genannten Bauvorhaben durch ihre räumliche Nähe zum Hofgut in tatsächlicher Hinsicht so wesentlich vom vorliegend stritti- gen Bauvorhaben, dass bereits aus diesem Grund keine vergle ichbaren Verhältnisse vorliegen. Es ist entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer nicht w illkürlich, wenn die Bewilligungsbe- hörden Änderungen direkt an einem denkmalgeschützten Objekt anders einstufen als Bauten in der Nachbarschaft. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5.3 Die Argumentation der Beschwerdeführer ist aber von Vorneherein nicht zielfüh- rend: Selbst wenn ihrer Ansicht gefolgt würde, wonach in den genannten rechtskräftig abge- schlossenen Verfahren ein unzulässig strenger denkmalpflegerischer Beurteilungsmassstab zur Anwendung gelangt sei, so hiesse das nicht, dass aus Gründ en der Rechtsgleichheit im vorlie- genden Fall ebenso zu verfahren wäre. Die Baugesuchst ellerin muss sich ein allfälliges Fehl- verhalten der kantonalen Denkmalpflege resp. des Bauin spektorates in früheren, andere Pro- jekte betreffenden Baubewilligungsverfahren nicht entg egenhalten lassen, denn sie hat einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass ihr Baugesuch nach den korrekten denkmalpflegerischen Kriterien beurteilt und bei Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen bewilligt wird. 6.5.4 Inhaltlich bringen die Beschwerdeführer zum Bauge such vor, der strittige Baukörper sei unzulässig massiv ausgefallen und werde zu nahe am Kul turdenkmal situiert. Die von ihnen vertretene Auffassung, wonach die Baute die Umgebung d es F.____hofs unzulässig beein- trächtige, lässt allerdings die gebotene Substantiierun g vermissen und setzt sich insbesondere nicht mit den für das Denkmal massgeblichen denkmalrechtli chen Schutzzielen auseinander. Die Beschwerdeführer legen lediglich ihre eigene ästhetische Beurteilung der projektierten Bau- te dar. Es fehlt jegliche Konkretisierung zur entscheid enden Frage, inwiefern die Erwägungen der Vorinstanz unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten fachwissenschaftlich nicht haltbar sein sollen. Ihre Argumentation ist auch nicht frei von Widersprüchen: So machen die Be- schwerdeführer auf der einen Seiten geltend, das gepl ante Gebäude komme zu nahe am Denkmal zu stehen und versperre aus einem bestimmten Bli ckwinkel die Sicht auf das Hofgut, was rechtswidrig sei. Umgekehrt bezeichnen sie das Projekt als zulässig, wenn das Gebäude an der gleichen Position um ein Vollgeschoss reduziert würde (vgl. Beschwerdebegründung vom 20. Februar 2015, S. 10). Wie die Vorinstanz zum Thema Einsehbarkeit treffend ausführte, vermag jede Baute, die rund um das Hofgut errichtet w ird, exakt aus jener Richtung den Blick auf das Denkmal zu verdecken. Zu Recht erkannte sie weiter, die Einsehbarkeit werde von der geplanten Baute nur unwesentlich tangiert und nicht stä rker beeinträchtigt als durch das vom Beschwerdeführer errichtete Wohnhaus. Müsste die Einsehb arkeit - wie es den Beschwerde- führern offenbar vorschwebt - vollständig gewährleistet bleiben, so käme dies einem Bauverbot für die umliegenden Parzellen gleich. Die Gemeinde D .____ hat jedoch bei der letzten Überar- beitung der Zonenplanung im Jahr 2008 vom Erlass einer entsprechenden Denkmalschutzzone (vgl. § 29 Abs. 2 lit. h RBG) abgesehen. Ästhetikklausel n dürfen dabei nicht als Ersatz für die Funktion einer solchen Schutzzone oder einer Planungszone angerufen werden (vgl. H ÄNNI , a.a.O., S. 319). Entspricht eine geplante Baute wie vo rliegend der Fall den Bau- und Zonenvor- schriften, so kann die Anwendung von Ästhetikvorschriften i m Einzelfall zu einer Reduktion der nach der Zonenordnung grundsätzlich zulässigen bauliche n Nutzungs- und Gestaltungsmög- lichkeiten führen, sie darf jedoch nicht zur Folge habe n, dass die geltende Zonenordnung fak- tisch ausser Kraft gesetzt wird (vgl. KGE VV vom 22. April 2015 [810 14 227] E. 3.4; Urteil des BGer 1C_434/2012 vom 28. März 2013 E. 3.3). Im vorlie genden Fall engen denkmalpflegeri- sche Schutzbedürfnisse die zonenrechtlich zugestandene Gesta ltungsfreiheit hinsichtlich An- zahl sowie Situierung von Gebäuden und oberirdischen Er gänzungsbauten auf dem Baugrund- stück ein. Das strittige Projekt trägt diesen Anliegen Rech nung, indem ein einzelner Bauku- bus - soweit es die gesetzlichen Abstandsvorschriften zula ssen - möglichst weit weg vom Kul- turdenkmal positioniert wird und der Bauerngarten ung eschmälert erhalten bleibt. Inwiefern ein Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht überwiegendes öffentliches Interesse eine weitergehende Einschränkung der Rechte der Bau- gesuchstellerin gebieten sollte, legen die Beschwerdeführer wiederum nicht substantiiert dar. 6.6 Sowohl die kantonale Denkmalpflege wie auch die B aurekurskommission, die beide im Bereich der Denkmalpflege über besondere Fachkennt nisse verfügen, kamen nach entspre- chender Prüfung des Bauvorhabens zum Ergebnis, dass die Wahrnehmung des F.____hofs als alleinstehende Baute durch die geplante Baute nicht i n Frage gestellt wird. Ihre Überlegungen beruhen auf sorgfältigen und umfassenden Sachverhaltsab klärungen, wobei die wesentlichen Gesichtspunkte unter Verwendung sachlicher Kriterien gep rüft wurden. Das vorliegende Bau- projekt beeinträchtigt nach den überzeugenden Schlussfolg erungen der Vorinstanz das Hofgut in seinem Wert oder in seiner Wirkung nicht wesentlich und ist unter denkmalpflegerischen Ge- sichtspunkten bewilligungsfähig. Diese Beurteilung ist e ntgegen der Auffassung der Beschwer- deführer schlüssig und nachvollziehbar. Es besteht für das Kantonsgericht kein Anlass, davon abzuweichen. 7. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist festzuhal ten, dass die Baurekurs- kommission den ihr zustehenden Beurteilungsspielraum bei der Handhabung der Ästhetikvor- schriften korrekt gehandhabt hat. Sie hat das geplante Bauvorhaben zu Recht als zonenkon- form und unter dem Gesichtspunkt des Denkmalschutzes als bewi lligungsfähig erachtet. Die Beschwerden sind demgemäss vollumfänglich abzuweisen. 8. Es bleibt über die Verteilung der Kosten zu entschei den. 8.1 Dem Verfahrensausgang entsprechend werden die Ve rfahrenskosten gemäss § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 VPO den unte rliegenden Parteien auferlegt. Für die heutige Parteiverhandlung mit Augenschein ist eine Gerichtsgebühr in der Höhe von gesamthaft Fr. 3'200.-- zu entrichten, welche den Beschwerdeführe rn je zur Hälfte aufzuerlegen ist. Die Verfahrenskosten sind mit den geleisteten Kostenvorschüssen von je Fr. 2'200.-- zu verrech- nen, wobei der zuviel bezahlte Kostenvorschuss in der Höh e von jeweils Fr. 600.-- den Be- schwerdeführern zurückzuerstatten ist. 8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gem äss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessen e Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der anwaltlich ve rtretenen obsiegenden Beschwerde- gegnerin C.____ AG ist demnach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdeführer zuzusprechen. Der in der Honorarnote ihres Rechtsvertret ers vom 8. Juni 2015 geltend ge- machte Aufwand von 17.17 Stunden ist nicht zu beanstand en. Für die Teilnahme am heutigen Augenschein und an der Parteiverhandlung sind weitere drei Stunden zu vergüten. Insgesamt ist ein Aufwand von 20.17 Stunden ausgewiesen, wobei d er geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 300.-- der Sache nicht angemessen erscheint und ermessensweise auf Fr. 250.-- zu reduzieren ist. Dazu kommen Auslagen von Fr. 394.50. Das Gesamthonorar ist somit auf Fr. 5'871.95 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) festzusetzen, wobei dieses wiederum zwischen den Beschwerdeführern aufzuteilen ist. Die Beschwerdeführer haben der privaten Beschwerde- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegnerin somit jeweils eine reduzierte Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 2'936.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zu bezahlen. Die übrigen Parteikosten sind wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'200.-- werden den Be- schwerdeführern je zur Hälfte (Fr. 1'600.--) auferleg t und mit den geleis- teten Kostenvorschüssen in der Höhe von je Fr. 2'200.-- verrechnet. Der zuviel bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von je Fr. 6 00.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 3. Die Beschwerdeführer haben der Beschwerdegegnerin C .____ AG eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von je Fr. 2'936.-- (inkl. Aus- lagen und 8 % MWST) zu bezahlen. Im Übrigen werden di e Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 8. März 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 1C_127/2016) erhoben.