<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 18 S.78</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">78</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>18</b></span> <span class="ft2"><b>Gewinnungskosten; Mehrkosten für auswärtige Verpflegung bei selbstän-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>diger Erwerbstätigkeit.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Mehrauslagen der auswärtigen Verpflegung werden bei Selbstän-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>digerwerbenden anerkannt.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anforderungen an den Nachweis.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 10. März 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">H. (WBE.2007.358). Zur Publikation vorgesehen in StE 2009.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 36 Abs. 1 StG werden die geschäfts- oder berufsmäs-</span><br/> <span class="ft1">sig begründeten Kosten, auch Gewinnungskosten genannt, bei selb-</span><br/> <span class="ft1">ständiger Erwerbstätigkeit von den steuerbaren Einkünften abge-</span><br/> <span class="ft1">zogen. Ob diese Kosten durch zweckmässigeres oder sparsameres</span><br/> <span class="ft1">Handeln seitens des Steuerpflichtigen hätten vermieden werden kön-</span><br/> <span class="ft1">nen, ist irrelevant (Philip Funk, in: Kommentar zum Aargauer Steu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">79</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ergesetz, Band 1, 2. Aufl., Muri/Bern 2004, § 36 N 5). § 36 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">StG statuiert keine explizite Beschränkung der abzugsfähigen Kos-</span><br/> <span class="ft1">ten, und die Aufzählung verschiedener Kostenarten in § 36 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">StG ist nicht abschliessend. Das Verwaltungsgericht hat die Mehr-</span><br/> <span class="ft1">auslagen der auswärtigen Verpflegung bei Selbständigerwerbenden</span><br/> <span class="ft1">als abzugsfähig anerkannt (VGE II/82 vom 12. November 2001</span><br/> <span class="ft1">[BE.2001.00035], S.6). An dieser Rechtsprechung zum alten Steuer-</span><br/> <span class="ft1">gesetz, die zur Gleichbehandlung mit den unselbständigen Erwerbs-</span><br/> <span class="ft1">tätigen führt, ist auch unter dem neuen Recht festzuhalten (ebenso</span><br/> <span class="ft1">Richner/Frei/Kaufmann, Handkommentar zum DBG, Zürich 2003,</span><br/> <span class="ft1">Art. 27 N 8).</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Nach der allgemeinen Regel trägt der Steuerpflichtige die Be-</span><br/> <span class="ft1">weislast für Tatsachen, welche die Steuerschuld aufheben oder min-</span><br/> <span class="ft1">dern (AGVE 1992, S. 228). Dies trifft somit auch auf die Gewin-</span><br/> <span class="ft1">nungskosten zu (VGE II/83 vom 12. November 2001</span><br/> <span class="ft1">[BE.2000.00242], S. 4). Nachzuweisen ist primär die Tatsache, dass</span><br/> <span class="ft1">die Aufwendungen tatsächlich erbracht wurden, im Weiteren aber</span><br/> <span class="ft1">auch deren geschäfts- oder berufsmässige Begründetheit (vgl.</span><br/> <span class="ft1">VGE II/97 vom 7. Dezember 2004 [BE.2004.00071], S. 7; Markus</span><br/> <span class="ft1">Reich/Marina Züger, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuer-</span><br/> <span class="ft1">recht, Band I/2a [DBG], Basel/Genf/München 2000, Art. 27 N 39).</span><br/> <span class="ft1">Da, wo nach aller Erfahrung gewisse Gewinnungskosten glaub-</span><br/> <span class="ft1">haft sind, kann für im üblichen Rahmen geltend gemachte Abzüge</span><br/> <span class="ft1">auf den strikten Nachweis durch detaillierte Aufstellungen und Be-</span><br/> <span class="ft1">lege unter Umständen verzichtet werden. Welche formellen Anforde-</span><br/> <span class="ft1">rungen an den Nachweis zu stellen sind, hängt von den Umständen</span><br/> <span class="ft1">und den geltend gemachten Auslagen ab. Fehlen einzig genügende</span><br/> <span class="ft1">Angaben über die Höhe, ist die anzuerkennende Spesenvergütung</span><br/> <span class="ft1">ermessensweise festzulegen (AGVE 1988, S. 209 f.). Sobald die</span><br/> <span class="ft1">geltend gemachten Spesen den üblichen Rahmen sprengen, kann auf</span><br/> <span class="ft1">den Nachweis nicht verzichtet werden. Die Pauschalierung darf nicht</span><br/> <span class="ft1">so weit gehen, dass sich der Steuerpflichtige dadurch vom zumutba-</span><br/> <span class="ft1">ren Spesennachweis befreit (VGE II/96 vom 18. Dezember 2003</span><br/> <span class="ft1">[BE.2003. 00349], S. 4 f.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">80</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Soweit es um die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung</span><br/> <span class="ft1">geht, wird von Unselbständigerwerbenden nicht der Nachweis ver-</span><br/> <span class="ft1">langt, dass sie sich tatsächlich auswärts verpflegten (VGE II/17 vom</span><br/> <span class="ft1">5. März 2007 [WBE.2005.350], S. 5). Der Abzug für Mehrkosten der</span><br/> <span class="ft1">auswärtigen Verpflegung setzt einzig voraus, dass der Steuerpflich-</span><br/> <span class="ft1">tige wegen zu grosser Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsstätte</span><br/> <span class="ft1">oder wegen kurzer Essenspause oder Schichtarbeit eine Hauptmahl-</span><br/> <span class="ft1">zeit nicht zu Hause einnehmen kann (§ 35 Abs. 1 lit. b und Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">StG i.V.m. § 12 StGV sowie Art. 6 Abs. 1 der Verordnung des EFD</span><br/> <span class="ft1">über den Abzug von Berufskosten der unselbstständigen Erwerbstä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit bei der direkten Bundessteuer vom 10. Februar 1993 [Berufs-</span><br/> <span class="ft1">kostenverordnung; SR 642.118.1]).</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer brachten in der Rekursschrift vor, der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer 1 habe im Jahr 2004 für die Firma S. AG, in F.,</span><br/> <span class="ft1">während insgesamt 200 Tagen in deren Räumen gearbeitet. Es sei</span><br/> <span class="ft1">somit der Mehraufwand für auswärtige Verpflegung mit 200 Tagen à</span><br/> <span class="ft1">Fr. 14.-- (insgesamt also Fr. 2'800.--) anzuerkennen. Ein Sammeln</span><br/> <span class="ft1">und Verbuchen jeder einzelnen Rechnung für das Mittagessen würde</span><br/> <span class="ft1">einen unverhältnismässigen Aufwand bedeuten. In der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">schrift halten die Beschwerdeführer an diesen Aussagen fest und</span><br/> <span class="ft1">betonen nochmals, dass die Arbeiten des Beschwerdeführers 1 nicht</span><br/> <span class="ft1">bei ihm zu Hause, sondern in den Räumen der Firma S. AG erfolgt</span><br/> <span class="ft1">seien. Die Distanz zwischen dem Wohnort L. und dem Arbeitsort F.</span><br/> <span class="ft1">sei zu gross, um über Mittag nach Hause zurückzukehren. Als Be-</span><br/> <span class="ft1">weis legen sie ein Schreiben dieser Firma vom 12. November 2007</span><br/> <span class="ft1">(im Folgenden: Bestätigung S.) bei, in dem bestätigt wird, dass der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer 1 im Laufe des Jahres 2004 mindestens während</span><br/> <span class="ft1">200 Tagen für die Firma entweder im Büro in F. oder unterwegs auf</span><br/> <span class="ft1">den Objekten und Baustellen in der ganzen Schweiz gearbeitet habe.</span><br/> <span class="ft1">In der Beschwerde wird ferner betont, dass der Beschwerdeführer 1</span><br/> <span class="ft1">einen Grossteil seines Umsatzes mit der Firma S. AG erzielt habe.</span><br/> <span class="ft1">Den direkten Nachweis, dass sich der Beschwerdeführer 1 aus-</span><br/> <span class="ft1">wärts verpflegte (beispielsweise mit Quittungen von Restaurants),</span><br/> <span class="ft1">treten die Beschwerdeführer somit nicht an. Sie stützen ihren An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">81</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">spruch auf den verlangten Abzug vielmehr auf das Argument der</span><br/> <span class="ft1">Gleichbehandlung mit den Unselbständigerwerbenden. Entsprechend</span><br/> <span class="ft1">wurde beim Abschluss der Buchhaltung ein pauschaler Betrag von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 2'800.-- verbucht.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">2.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Mit der Bestätigung S., wonach der Beschwerdeführer 1 wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend mindestens 200 Tagen für die Firma entweder in deren Büro in</span><br/> <span class="ft1">F. oder unterwegs gearbeitet habe, stimmt die ursprüngliche Be-</span><br/> <span class="ft1">hauptung der Beschwerdeführer, der Beschwerdeführer 1 habe 200</span><br/> <span class="ft1">Tage in den Büros der Firma S. AG gearbeitet, nicht überein. In der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde passten die Beschwerdeführer ihre Sachdarstellung dann</span><br/> <span class="ft1">der eingereichten Bestätigung S. an. Ebensowenig treffen aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der eingereichten Buchhaltungsunterlagen ihre Ausführungen zu,</span><br/> <span class="ft1">wonach der Beschwerdeführer 1 "einen Grossteil seines Umsatzes</span><br/> <span class="ft1">mit dieser Firma erzielt" habe. Im Konto "6200 Erlös aus Arbeiten"</span><br/> <span class="ft1">finden sich, bei einem Gesamtumsatz im Jahr 2004 in Höhe von</span><br/> <span class="ft1">Fr. ...., Erlöse mit dem Buchungstext "S. AG" oder "S." von insge-</span><br/> <span class="ft1">samt Fr. ...., was 26% des Gesamtumsatzes entspricht. Dass daneben</span><br/> <span class="ft1">andere Erlöse aus Arbeiten für die Firma S. AG resultierten, ist aus</span><br/> <span class="ft1">der Buchhaltung nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">Aber auch die Richtigkeit der Bestätigung S. selber erscheint</span><br/> <span class="ft1">durchaus fragwürdig. In der Steuerpraxis wird ein volles Arbeitspen-</span><br/> <span class="ft1">sum mit jährlich 220 Arbeitstagen gleichgesetzt (vgl. erwähnter VGE</span><br/> <span class="ft1">vom 5. März 2007, S. 4). Danach würden die 200 Tage bedeuten,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer 1 im Jahr 2004 beinahe ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">für die Firma S. AG arbeitete. Mit dem Umstand, dass der Erlös aus</span><br/> <span class="ft1">Arbeiten für die Firma S. AG nur 26% des Gesamtumsatzes aus-</span><br/> <span class="ft1">macht, lässt sich dies nicht in Übereinstimmung bringen. Der Ver-</span><br/> <span class="ft1">dacht, dass es sich bei der erst im Beschwerdeverfahren eingereich-</span><br/> <span class="ft1">ten Bestätigung S. um ein nachträgliches "Gefälligkeitszeugnis" han-</span><br/> <span class="ft1">delt, ist nicht von der Hand zu weisen. Jedenfalls ist nicht glaubhaft,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer 1, wie behauptet, an 200 Tagen für die</span><br/> <span class="ft1">Firma S. AG arbeitete.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">82</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"> <p><br/> <span class="ft1">2.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Dies schliesst jedoch nicht aus, die Grundaussage in der Bestä-</span><br/> <span class="ft1">tigung S., nämlich dass der Beschwerdeführer 1 an den Tagen, an</span><br/> <span class="ft1">denen er tatsächlich für die Firma S. AG arbeitete, seine Arbeit in de-</span><br/> <span class="ft1">ren Büros (oder unterwegs auf Baustellen) verrichtete, für glaubhaft</span><br/> <span class="ft1">anzusehen und darauf abzustellen.</span><br/> <span class="ft1">Da nicht feststeht, an wie vielen Tagen sich der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer 1 im Zusammenhang mit seiner Arbeit für die Firma S. AG aus-</span><br/> <span class="ft1">wärts verpflegen musste und den Abzug für Verpflegungsmehrkosten</span><br/> <span class="ft1">beanspruchen kann, ist die Höhe des Abzugs ermessensweise fest-</span><br/> <span class="ft1">zulegen. Für das Steuerjahr 2004 betrug der volle Abzug für Mehr-</span><br/> <span class="ft1">kosten der Verpflegung Fr. 14.-- pro Hauptmahlzeit bzw. Tag und</span><br/> <span class="ft1">Fr. 3'000.-- im Jahr (Art. 3 Berufskostenverordnung und Anhang zur</span><br/> <span class="ft1">Berufskostenverordnung). Ausgehend davon, dass der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer 1 rund einen Viertel seines Umsatzes mit Arbeiten für die</span><br/> <span class="ft1">Firma S. AG erzielte (vorne Erw. 2.2.1), erscheint es gerechtfertigt,</span><br/> <span class="ft1">¼ der Jahrespauschale für Verpflegungsmehrkosten, somit Fr. 750.--,</span><br/> <span class="ft1">zum Abzug zuzulassen.</span><br/> <span class="ft1">2.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Diesem Ergebnis steht der Grundsatz, dass neben effektiven</span><br/> <span class="ft1">Spesen keine Pauschalspesen anerkannt werden, nicht entgegen. Die-</span><br/> <span class="ft1">ser überzeugt, soweit es um ein und denselben Zeitraum geht; im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall handelt es sich indessen bei den effektiven Spesen</span><br/> <span class="ft1">um diejenigen auf Auslandreisen, während die Pauschalspesen die</span><br/> <span class="ft1">Zeiten betreffen, als der Beschwerdeführer 1 im Inland arbeitete.</span></p> </div> </div> </body> </html>