Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Januar 2018 (720 17 316 / 04) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Dem verwaltungsextern eingeholten Gut- achten kommt kein ausschlaggebender Beweiswert zu. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Roman Felix , Advokat , Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1960 geborene A.____ war zuletzt in Teilzeit als Küchenhilfe im Alterszentrum B.____ in X.____ erwerbstätig. Am 26. Juni 2015 mel dete sie sich unter Hinweis auf Rücken- und Kniebeschwerden, einen Fersensporn sowie psychi sche Beschwerden bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitliche n, erwerblichen und hauswirtschaftlichen Ver- hältnisse ab. Nach Durchführung des Vorbescheidverf ahrens wies sie mit Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 18. August 2017 – in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung – einen Anspruch von A.____ auf eine Rente ab, da keine rente nbegründende Erwerbseinbusse aus- gewiesen sei. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Rom an Felix, am 22. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicher ungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verf ügung vom 18. August 2017 aufzuhe- ben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr di e gesetzlichen Leistungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte sie im W esentlichen vor, dass der Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe und zudem die Haushaltsabklärung so- wie der Einkommensvergleich nicht korrekt durchgeführt worden seien. Ferner sei für die Invali- ditätsbemessung nicht die gemischte Methode, sondern d ie allgemeine des Einkommensver- gleichs anzuwenden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 31. Oktober 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 22. September 2017 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 18. August 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.2 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 4.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 5.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bund esgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 18. August 2017) entwickelt haben, wobei für di e hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderl ich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 5.2 Während die IV-Stelle davon ausgeht, dass die Ver sicherte als Gesunde zu 80% einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde und zu 20% im Haushalt beschäftigt wäre, was zur Anwendung der gemischten Methode führe, macht di e Versicherte geltend, sie wäre ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen zu 100% erwerbst ätig, weshalb die Bemessung der Invalidität nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu erfolgen habe. 5.3 Diese aktuelle Erklärung der Beschwerdeführerin ver mag nicht zu überzeugen. Aus dem Fragebogen für Arbeitgebende vom 22. Juli 2015 e rgibt sich, dass sie vor Eintritt der ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen im Rahmen eines Pensums von 35,583 Stunden pro Woche einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachging. Dies ent spricht im Vergleich zu einer Voll- zeittätigkeit von 42 Wochenstunden einem Pensum von 80% . Eine Erhöhung des Pensums auf 100% stand laut Angaben im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit vom 23. Juli 2016 auch nach dem Tod des Ehemannes im Jahr 2015 nicht zur Diskussion. Vielmehr erklärte die Beschwerdeführerin im Fragebogen explizit, dass sie bei guter Gesundheit und den aktuellen familiären Verhältnissen weiterhin im bisherigen Pensu m erwerbstätig wäre. Aufgrund dieser – unterschriftlich bestätigten – klaren und eindeutigen A ussage ist demnach davon auszugehen, dass sie im Gesundheitsfall wie bisher teilzeitlich arbeiten würde. Wenn sie geltend macht, dass ihre beiden erwachsenen und berufstätigen Kinder nur deshalb noch zu Hause wohnen und sich am Mietzins beteiligen, weil sie gesundheitlich sta rk angeschlagen sei, ist ihr entgegenzu- halten, dass eben gerade auch die Beteiligung der noc h zu Hause wohnenden Kinder an den mit dem gemeinsamen Haushalt im weitesten Sinne zusam menhängenden Aufgaben zu be- rücksichtigen ist. Dass sich die Verhältnisse in den Monaten b is zum Verfügungserlass am 18. August 2017 entscheidend verändert hätten, ist wede r dargetan noch sonst wie ersichtlich. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin als Gesunde im Umfang von 80% einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. 6. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgra des bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 6.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 6.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abteilungen] vom 9. August 2000, I 437/99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach- )Arztes einerseits und von Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät zungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpr etation entspringende – Aspekte benen- nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar ( BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 7. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 8. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdef ührers liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht allesamt gew ürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wi edergegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Die IV-Stelle beauftragte die Ärztliche Begutacht ungsinstitut GmbH (ABI) mit einem polydisziplinären Gutachten, welches am 29. Februar 2016 erstattet wurde. Demnach wurden bei der Versicherten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähi gkeit ein chronisches zervikospondylo- genes bis zervikobrachiales Schmerzsyndrom beidseits linksbeto nt (ICD-10 M53.0/M53.1), ein chronisches lumbospondylogenes bis differenzialdiagnostisch intermittierend sensibles radikulä- res Schmerz- und Ausfallsyndrom L5 rechts (ICS-10 M54), eine Gonarthrose rechts (ICD-10 M17.1), eine chronische Enthesitis plantaris beidseits (ICD-10 M72), eine Schlaf-Grand-mal- Epilepsie (ICD-10 G40.8) und eine leichtgradige depr essive Episode (ICD-10 F32.0) vermischt mit Trauerreaktion diagnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakt oren (ICD-10 F45.41), ein Migränekopfschmerz (ICD-10 G43) mit Aura, anamnestisch e ine beginnende Fingergelenks- pondylarthrose (ICD-10 M15.9), ein substituierter Vita min D-Mangel (ICD-10 E55), anamnes- tisch ein leichtes saisonales Asthma bronchiale (ICD-10 J45 ) und eine chronische Rhinitis mit Postnasal-Drip (ICD-10 J31), eine Sensibilisierung gege n Baum- und Roggenpollen (ICD-10 J30) und eine Adipositas (ICD-10 E66). Es bestünden seit Jahren klar nachweisbare pathologi- sche Befunde am Bewegungsapparat. Das Ausmass der geklagt en Schmerzsymptomatik, die weitgehende Therapieresistenz trotz engmaschiger fachärz tlich-rheumatologischer Behandlung und die geklagten Weichteilempfindlichkeiten liessen j edoch den Verdacht auf eine relevante psychosoziale Überlagerung des Schmerzbildes im Sinne ein es multilokulären Schmerzsyn- droms zu. Die zuletzt ausgeübte körperlich mittel- bis schwe rbelastende Arbeit in der Küche sei seit Januar 2015 nicht mehr zumutbar. Körperliche leich te, angepasste berufliche Tätigkeiten seien seit Januar 2015 im Umfang von 75% möglich. Zu vermeiden seien dabei Arbeiten mit stereotypen Rotationsbewegungen der Hals- und Lendenwirbelsäule (HWS, LWS) und Arbeiten mit anhaltenden Oberkörpervorneigepositionen. Berufsbed ingte Kontrollgänge auf ebener Un- terlage seien intermittierend möglich, jedoch keine re gelmässigen beruflichen Aktivitäten, wel- che mit regelmässigem Treppensteigen oder gar dem Benü tzen von Leitern und Gerüsten ver- bunden seien. Das Heben und Tragen von Lasten bis zur Taille sei bis maximal 15 kg, über die Taille bis maximal 10 kg möglich. Diese Beurteilung st imme mit derjenigen der behandelnden Ärztin Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, partiell überein, wonach der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von 50% zumutbar sei. In neurologischer Hin- sicht seien keine Beteiligungen neuraler Strukturen fest zustellen. Es bestünden eine Schlaf- mal-Epilepsie, ein lumbospondylogenes Syndrom mit einem Zustand nach sensiblem radikulä- rem Syndrom L5 rechts und ein Migränekopfschmerz. Aufg rund der schlafgebundenen Grand- mal-Epilepsie mit weiterhin nachweisbarer niedriger Kr ampfschwelle seien grundsätzlich sturz- oder unfallgefährdende Arbeiten oder ein regelmässiger Schichtdienst nicht möglich. Insgesamt sei aus neurologischer Sicht eine Einschränkung der Arbeit s- und Leistungsfähigkeit von 20% zu bejahen. In psychiatrischer Hinsicht weise die Versichert e eine leichtgradige depressive Epi- sode auf, aktuell gemischt mit Trauerreaktion nach dem To d des langjährigen Ehepartners im Oktober 2015. Eine höhergradige depressive Episode könne nicht festgestellt werden. Das ge- neralisierte Schmerzsyndrom habe sich bereits vor der Erkra nkung des Ehemannes manifes- tiert. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit im Umfang von 20% eingeschränkt. In gesamtmedizinischer Hinsicht seien die die zuletzt ausgeüb te sowie sonstige körperlich mittel- bis schwerbelastende berufliche Tätigkeiten nicht mehr zu mutbar. Für körperlich leicht belas- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tende berufliche Tätigkeiten bestünde unter spezifischen Arbeitsplatzbedingungen eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 75%. Das Pensum könne vollschich tig umgesetzt werden mit einem Pausenbedarf von 10-15 Minuten pro Stunde und leicht r eduziertem Rendement. Die geringen Leistungseinbussen der verschiedenen Fachrichtungen würden sich nicht addieren; es könnten die gleichen Zeitabschnitte für Pausen und Erholung ge nutzt werden. Im Haushalt betrage die Einschränkung 20%. 8.2 Die Beschwerdeführerin war vom 8. November 2016 bi s 15. Dezember 2016 in der Klinik D.____AG hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 2 3. Dezember 2016 wurden eine mittel- gradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), eine chronisch e Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), Grand-mal-Anf älle, seit Jahren anfallsfrei (ICD-10 G40.6), eine Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis der unteren Extremitäten, andere Kon- taktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis (ICD -10 Z63) und sonstige Probleme mit Bezug auf die Lebensführung (ICD-10 Z72.8) diagnosti ziert. Während der Behandlung hätten sich Stimmungsschwankungen und Erschöpfungszustände gezeigt. Die wechselhafte Stim- mungslage stünde auch im Zusammenhang mit der nicht ab geschlossenen Trauerarbeit. Die Versicherte habe sich nur teilweise in den Trauerprozess einlassen können. Sie wirke schnell erschöpfbar und die Konzentrationsfähigkeit sei beeintr ächtigt. Im Verlauf der Therapien habe sich die depressive Stimmungslage, die Antriebs- und Lustlosigkeit teilweise zurückgebildet und die Schlafqualität habe sich verbessert. Im Zeitpunkt de s Austritts aus der Klinik habe eine voll- ständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die Prognose sei eher ungünstig. 8.3 Dr. med. E.____, Fachärztin für Physikalische und Reh abilitative Medizin, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, stellte am 27. Januar 2017 fest, dass bei der Versicherten circa Ende Oktober 2016 eine Kniearthroskopie links bei Me niskusläsion durchgeführt worden sei. Sie bat darum, hierzu weitere Unterlagen einzufor dern um hernach beurteilen zu können, ob sich allenfalls eine relevante Veränderung der Arbe itsfähigkeit in einer Verweistätigkeit ein- gestellt habe. 8.4 Am 10. Juni 2017 nahm der RAD-Arzt Dr. med. F.___ _, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, zum Austrittsbericht der Klinik D.____AG vom 2 3. Dezember 2016 Stellung. Er hielt fest, dass der Auslöser der Depression, insbesondere der To d des Ehemannes im Oktober 2015, im Gutachten der ABI vom 29. Februar 2016 ausf ührlich beschrieben worden sei. Wäh- rend dem Klinikaufenthalt habe sich zwar keine vollständ ige, jedoch unter Erhöhung der Dosie- rung des Medikaments Venlafaxin eine teilweise Rückbildun g der Beschwerden eingestellt, so dass insgesamt ein ähnlicher psychischer Gesundheitszustand vo rliege, wie im Zeitpunkt der Begutachtung durch die ABI. Während des stationären Aufenthalts in der Klinik D.____AG habe eine vorübergehende volle Arbeitsunfähigkeit bestande n. Vor und nach dem Klinikaufenthalt betrage die Arbeitsfähigkeit gemäss Beurteilung im psychiatrischen Teilgutachten der ABI 20%. 8.5 Die behandelnde Ärztin Dr. C.____ hielt am 22. Mai 2017 fest, dass die Versicherte seit Jahren bei ihr in Behandlung sei. Aktuell stünden t ieflumbale Rückenbeschwerden links im Vordergrund. Klinisch präsentiere sich die Versicherte mi t einem sensiblen lumboradikulären Ausfallsyndrom L5/S1 bei nachgewiesener grösserer mediolateral links gelegener Diskushernie Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf der Höhe L5/S1 mit Kontakt zur Nervenwurzel S1 ohn e Kompression. Aus rheumatologi- scher Sicht sei die im Gutachten der ABI attestierte Arbeitsfähigkeit von 75% nicht realistisch. 8.6 Am 27. Juni 2017 führte Dr. C.____ aus, bei der V ersicherten stünde aktuell erneut das zervikospondylogene Schmerzsyndrom beidseits bei Diskopathie C 5/6 links mit beginnender Kompression der Nervenwurzel C6 links foraminal im Vordergrund. Wegen der geplanten diver- sen Infiltrationen am Nacken- Schultergürtel werde der Versicherten aktuell eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Nach Abschluss der Neuralt herapie betrage die Arbeitsunfähigkeit wiederum 50%. 8.7 In ihrer Stellungnahme vom 9. August 2017 hielt d ie RAD-Ärztin Dr. E.____ fest, dass sich keine neuen objektivierbaren Aspekte oder Diagnosen fü r eine relevante, anhaltende oder richtungsweisende Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der Begutachtung durch die ABI im Januar 2016 ergeben würden. 9.1 Die IV-Stelle ging gestützt auf die Beurteilung i m Gutachten der ABI vom 29. Februar 2016 davon aus, dass der Versicherten angepasste Tätigkei ten im Umfang von 75% zumutbar sind. Wie in Erwägung 6.3 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und S pezialärzten volle Beweiskraft zuzuer- kennen, wenn diese aufgrund eingehender Beobachtunge n und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, und solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen. Solche Indizien sind vorliegend jedoch ni cht von der Hand zu weisen, wie die nachstehenden Erläuterungen aufzeigen. 9.2.1 Zunächst bestehen in somatischer Hinsicht bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit erhebliche fachärztliche Diskrepanzen. Während der rheum atologische Gutachter der ABI da- von ausgeht, dass die Beschwerdeführerin eine Arbeitsfä higkeit von 75% aufweise, attestiert die langjährig behandelnde Rheumatologin Dr. C.____ – vor und nach der Neuraltherapie – eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Die im Gutachten der A BI attestierte Arbeitsfähigkeit von 75% sei nicht realistisch. Auch wenn Dr. C.____ ihre Einschätz ung der Leistungsfähigkeit in ihren Berichten vom 22. Mai 2017 und 27. Juni 2017 nicht weiter begründet, lässt sie ernsthafte Zwei- fel an der Zuverlässigkeit des rheumatologischen Gutacht ers aufkommen. Dies gilt umso mehr, als sich dieser mit den abweichenden Einschätzungen der b ehandelnden Rheumatologin in keiner Weise auseinandersetzte und seine Schlussfolgerung, wonach seine Einschätzung der Leistungsfähigkeit mit derjenigen der behandelnden Är ztin Dr. C.____ partiell übereinstimmen würde, nicht stichhaltig ist. Es kommt hinzu, dass aufgru nd der vorliegenden Berichte von Dr. C.____ nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich der G esundheitszustand der Versi- cherten nach der Begutachtung durch die ABI im Januar 2 016 bis zum Erlass der angefochte- nen Verfügung vom 18. August 2017 verschlechtert haben könnte. Immerhin beschreibt Dr. C.____ in ihrem Bericht vom 27. Juni 2017 eine t herapiebedürftige Diskopathie C5/6 links mit beginnender Kompression der Nervenwurzel C6, wogeg en im Gutachten der ABI noch kei- ne Irritation der Wurzel C6 bestätigt werden konnte. Ausserdem wurden – soweit ersichtlich – keine weiteren Abklärungen in Bezug auf die von der RAD -Ärztin Dr. E.____ festgestellte Knie- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht arthroskopie (vgl. E. 8.3 hiervor) vorgenommen. Auch i n dieser Hinsicht ist nicht hinreichend geklärt, ob sich mittlerweile tatsächlich eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes und der daraus resultieren Arbeitsfähigkeit eingestellt hat. 9.2.2 Auch in psychiatrischer Hinsicht vermag das Gutacht en der ABI nicht zu überzeugen. Zweifel an der Schlüssigkeit der psychiatrischen Expertise e rgeben sich aufgrund des abwei- chenden Berichts der Klinik D.____AG vom 23. Dezember 201 6. Während der psychiatrische Gutachter – aufgrund einer lediglich 55 Minuten dauer nden Exploration (mit Dolmetscherin) und nur spärlichen psychiatrischen Vorakten – eine leichtgradig e depressive Episode, aktuell ge- mischt mit Trauerreaktion nach dem Tod des langjährigen Ehepartners im Oktober 2015, fest- stellte und deswegen eine Einschränkung der Arbeitsfähi gkeit im Umfang von 20% attestierte, ergibt sich aus dem Bericht der Klinik D.____AG vom 23. Dezember 2016 ein deutlich anderes Bild. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten nach eine r stationären Beobachtung nicht nur eine leichte, sondern eine mittelgradige depressive Epis ode. Sie beobachteten bei der Versi- cherten Stimmungsschwankungen, Erschöpfungszustände und Ko nzentrationsschwächen. Auch wenn sich die depressive Stimmungslage, die Antriebs - und Lustlosigkeit im Verlauf der stationären Behandlung teilweise zurückbildeten, attesti erten sie auch nach dem Austritt aus der Klinik eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und stellten eine eher ungünstige Prognose. Zwar enthält der Bericht der Klinik D.____ keine vollständi ge bzw. ausreichende Begründung. Den- noch lässt er unüberwindbare Zweifel an der psychiatrischen Beurteilung im ABI Gutachten auf- kommen. Da im Bericht der Klinik D.____AG der beschrieb ene Gesundheitszustand (auch) mit der nicht abgeschlossenen Trauerarbeit nach dem Tod des Ehemannes im Oktober 2015 be- gründet wird, kann jedenfalls nicht ausgeschlossen wer den, dass bei der Versicherten bereits seit längerer Zeit eine schwerwiegendere psychische Erkrankung vorliegen könnte, als der psy- chiatrische Gutachter der ABI und der RAD-Arzt Dr. F.____ angenommen haben. 9.2.3 Schliesslich wirft auch die im ABI-Gutachten vorge nommene interdisziplinäre Gesamt- beurteilung der Arbeitsfähigkeit Fragen auf. Die Gut achter gingen unter blossem Hinweis, dass sich die Einschränkungen in den einzelnen Disziplinen hinsi chtlich möglicher Pausen ergänz- ten, sodass kein additiver Effekt entstehe, davon aus, dass die Versicherte gesamthaft betrach- tet unter spezifischen Arbeitsplatzbedingungen eine Arb eits- und Leistungsfähigkeit von 75% aufweise. Bei dieser weder allgemein noch im Hinblick a uf ein bestimmtes Belastungsprofil be- gründeten Einschätzung bleibt die Frage nach dem Zusam menspiel der somatischen und psy- chischen Einschränkungen auf die Leistungsfähigkeit weitg ehend unklar. Dies gilt umso mehr, als der Versicherten ein regelmässiger und hoher Pausenb edarf (10-15 Minuten pro Stunde) attestiert wurde. 9.3 So wie sich die Aktenlage präsentiert, ist der massgeb ende medizinische Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt, weshalb die Auswirkungen der gesundheitlichen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund der bestehenden Aktenlage nicht ab- schliessend beurteilt werden können. Folglich ist der rech tserhebliche Sachverhalt durch geeig- nete medizinische Abklärungen zu vervollständigen. Von wei teren Abklärungen kann nicht ab- gesehen werden, da nicht von vornherein angenommen we rden kann, eine ergänzende Begut- achtung vermöge zu keinen besseren Erkenntnissen führen. D amit steht fest, dass die ange- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht fochtene Verfügung vom 18. August 2017 auf unzureiche nden medizinischen Abklärungser- gebnissen beruht und deshalb aufzuheben ist. Unter di esen Umständen braucht die streitige Frage, ob – wie die Beschwerdeführerin geltend macht – eine unzulässige Vorbefassung resp. Befangenheit des fallführenden und rheumatologischen G utachters der ABI, Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, zu bejahen ist, nicht abschliessend beur- teilt zu werden. 10. Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kö nnen die Sozialversiche- rungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat viel mehr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräfti g ist. Eine Rückweisung an die IV- Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in de r notwendigen Erhebung einer bisher voll- ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledi glich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 ff. E. 4.4.1 ff.). Vorliegend erweist sich das der angefochtenen Verfügung zugrunde gelegte Gutachten der ABI vom 29. Februar 2016 als nicht beweistauglich. Zudem i st weitgehend ungeklärt, ob sich der Gesundheitszustand der Versicherten nach der Begutachtung durch die ABI im Januar 2016 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 18. August 2017 verschlechtert hat. Da es die IV-Stelle unterliess, die diesbezüglich nötigen (weiter en) Abklärungen zu veranlassen, und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwa ltungsverfahren versäumte medizini- sche Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an d ie Vorinstanz nichts entgegen. Diese wird angehalten, den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe- rin von einer bisher nicht involvierten Institution polydisziplinär abklären zu lassen. Hernach wird sie zu entscheiden haben, ob eine erneute Abklärung im Haushaltsbereich erforderlich ist. Ge- stützt auf die Ergebnisse dieser Aktenergänzungen wird d ie IV-Stelle anschliessend über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeite n um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufe rlegt. Bei diesem Ausgang des Ver- fahrens ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wesha lb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nic ht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund diese r Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskost en aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahrenskosten erhoben und der von der Beschwerd eführerin geleistete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- ist zurückzuerstatten. 11.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde fü hrende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und oh ne Rücksicht auf den Streitwert Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schw ierigkeit des Prozesses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genügt für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem S inne, dass der Beschwerde führen- den Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verf ügung und der Rückweisung der Sa- che an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neue n Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt bleiben (BGE 1 32 V 215 E. 6.2). Nachdem die Be- schwerde gutzuheissen und die Sache zur erneuten Abklärun g im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, hat diese der Beschwe rdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 21. November 2017 einen Zeitaufwand von 10,9 Stunde n geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nich t zu beanstanden ist. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Stundenan satz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgew iesenen Auslagen von Fr. 32.90. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädi gung in der Höhe von Fr. 2‘978.55 (10,9 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 32.90 + 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 12.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesg ericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifüh- ren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit ode r Kosten für ein weitläufiges Beweisver- fahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). N ach der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an de n Versicherungsträger zur Ak- tenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 12.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 18. August 2017 aufge- hoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘978.55 (inkl. Ausl agen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht