<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">439</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Besoldung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>99</b></span> <span class="ft2"><b>Kantonale Anstellung. Festlegung des Erfahrungsanteils</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Inzidente Normenkontrolle von Art. 36 Abs. 3 PLV. Die Regelung,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wonach Personalgruppen mit festem Grundlohn ("Grundlöhner")</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ein Erfahrungsanteil ausgerichtet wird, welcher der durchschnittli-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>chen Lohnentwicklung des übrigen Staatspersonals ("Leistungslöh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ner") entspricht, ist rechtmässig. Insbesondere ist sie mit dem</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsgleichheitsgebot sowie mit § 22 LD vereinbar (Erw. II/4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 5. Dezember 2008 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen X. gegen Justizbehörden (2-BE.2005.50016).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">II.</span><br/> <span class="ft7">4.</span><br/> <span class="ft7">4.1.</span><br/> <span class="ft7">Weiter ist zu prüfen, ob bei den jährlichen Lohnveränderungen</span><br/> <span class="ft7">ab 1. Januar 2002 der Erfahrungsanteil des Beschwerdeführers je-</span><br/> <span class="ft7">weils korrekt festgelegt worden ist.</span><br/> <span class="ft7">4.2.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 22 Abs. 2 LD kommt bei positiver Gesamtbeurteilung</span><br/> <span class="ft7">zum Grundlohn ein vom Regierungsrat bzw. vom Obergericht</span><br/> <span class="ft7">festgelegter Erfahrungsanteil dazu, welcher höchstens 20 % des</span><br/> <span class="ft7">Grundlohnes betragen kann. § 36 Abs. 3 PLV hält fest, dass die indi-</span><br/> <span class="ft7">viduelle Lohnentwicklung im Erfahrungsanteil der durchschnittli-</span><br/> <span class="ft7">chen Lohnentwicklung im Leistungsanteil entspricht. In Anwendung</span><br/> <span class="ft7">dieser Bestimmung erfolgten die jährlichen Lohnanpassungen des</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführers jeweils nach Massgabe der durchschnittlichen</span><br/> <span class="ft7">Lohnentwicklung, welche für den Leistungsanteil der Leistungslöhne</span><br/> <span class="ft7">gesprochen worden war. Konkret wurde der jährliche Erfahrungsan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">440</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">teil in der Zeit zwischen 2001 und 2005 von Fr. 3'127.90 auf</span><br/> <span class="ft7">Fr. 8'352.10 erhöht.</span><br/> <span class="ft7">4.3.</span><br/> <span class="ft7">4.3.1.</span><br/> <span class="ft7">Somit ist im Sinne einer inzidenten Normenkontrolle vorfrage-</span><br/> <span class="ft7">weise zu klären, ob die vom Regierungsrat in § 36 Abs. 3 PLV sta-</span><br/> <span class="ft7">tuierte Koppelung der individuellen Lohnentwicklung im Erfah-</span><br/> <span class="ft7">rungsanteil an die durchschnittliche Lohnentwicklung im Leistungs-</span><br/> <span class="ft7">anteil im Hinblick auf höherrangiges Recht zulässig ist.</span><br/> <span class="ft7">4.3.2.</span><br/> <span class="ft7">Der Grundsatz der Rechtsgleichheit und damit Art. 8 Abs. 1 BV</span><br/> <span class="ft7">ist verletzt, wenn im öffentlichen Dienstverhältnis gleichwertige Ar-</span><br/> <span class="ft7">beit ungleich entlöhnt wird (PRGE vom 11. Juli 2005 in Sachen</span><br/> <span class="ft7">S.W., Erw. II/2/b).</span><br/> <span class="ft7">Innerhalb der Grenzen des Willkürverbots und des Rechts-</span><br/> <span class="ft7">gleichheitsgebots sind die Behörden befugt, aus der Vielzahl denk-</span><br/> <span class="ft7">barer Anknüpfungspunkte die Kriterien auszuwählen, die für die Be-</span><br/> <span class="ft7">soldung von öffentlichrechtlich Angestellten massgebend sein sollen.</span><br/> <span class="ft7">Verfassungsrechtlich ist nicht verlangt, dass die Besoldung allein</span><br/> <span class="ft7">nach der Qualität der geleisteten Arbeit bzw. den tatsächlich gestell-</span><br/> <span class="ft7">ten Anforderungen bestimmt wird. Ungleichbehandlungen müssen</span><br/> <span class="ft7">sich aber vernünftig begründen lassen bzw. sachlich haltbar sein. So</span><br/> <span class="ft7">hat das Bundesgericht erkannt, dass Art. 8 BV nicht verletzt ist, wenn</span><br/> <span class="ft7">Besoldungsunterschiede auf objektive Motive wie Alter, Dienstalter,</span><br/> <span class="ft7">Erfahrung Familienlasten, Qualifikation, Art und Dauer der Aus-</span><br/> <span class="ft7">bildung, Arbeitszeit, Leistung, Aufgabenbereich oder übernommene</span><br/> <span class="ft7">Verantwortlichkeiten</span> <span class="ft7">zurückzuführen</span> <span class="ft7">sind</span> <span class="ft7">(BGE 131 I 105,</span><br/> <span class="ft7">Erw. 3.1).</span><br/> <span class="ft7">4.3.3.</span><br/> <span class="ft7">Die Unterteilung des Staatspersonals in eine Gruppe mit Leis-</span><br/> <span class="ft7">tungslohn und eine Gruppe mit Erfahrungslohn beruht auf sachlichen</span><br/> <span class="ft7">Gründen. Die Einführung eines leistungsorientierten Lohnsystems</span><br/> <span class="ft7">dient der Gerechtigkeit, Flexibilität, Leistungs- und Führungsbeto-</span><br/> <span class="ft7">nung (vgl. dazu Botschaft des Regierungsrates des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft7">an den Grossen Rat vom 19. Mai 1999 [Botschaft], S. 13 f.). Eine</span><br/> <span class="ft7">Leistungsbeurteilung ist jedoch bei gewissen Berufsgruppen nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">441</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">sinnvoll; teils wegen Fehlens der Kriterien, teils mangels einer ein-</span><br/> <span class="ft7">deutigen Hierarchie (Botschaft, S. 20). Insbesondere bei Richtern ist</span><br/> <span class="ft7">zur Wahrung der richterlichen Unabhängigkeit von einer Leistungs-</span><br/> <span class="ft7">beurteilung abzusehen (Protokoll der Sitzung vom 10. September</span><br/> <span class="ft7">1999 der Nichtständigen Kommission Nr. 17 "Personalvorlagen",</span><br/> <span class="ft7">S. 321; Regina Kiener, Richterliche Unabhängigkeit, Bern 2001,</span><br/> <span class="ft7">S. 289 ff.)<i>.</i> Die in § 36 Abs. 3 PLV vorgenommene Unterscheidung</span><br/> <span class="ft7">zwischen der individuellen Lohnentwicklung im Erfahrungsanteil</span><br/> <span class="ft7">und Leistungsanteil ist daher mit dem Rechtsgleichheitsgebot ohne</span><br/> <span class="ft7">weiteres vereinbar.</span><br/> <span class="ft7">4.3.4.</span><br/> <span class="ft7">Mit der Koppelung der individuellen Lohnentwicklung im Er-</span><br/> <span class="ft7">fahrungsanteil an die durchschnittliche Entwicklung im Leistungs-</span><br/> <span class="ft7">anteil (§ 36 Abs. 3 PLV) ist vom Regierungsrat ein starres System</span><br/> <span class="ft7">eingeführt worden, in welchen die "Grundlöhner" mit zunehmender</span><br/> <span class="ft7">Erfahrung bei positiver Gesamtbeurteilung automatisch vorrücken</span><br/> <span class="ft7">und in regelmässigen Zeitabständen in den Genuss von Lohner-</span><br/> <span class="ft7">höhungen kommen. Eigentlicher Grund für diesen Automatismus ist</span><br/> <span class="ft7">der Entscheid, die "Grundlöhner" keiner Leistungsbeurteilung zu</span><br/> <span class="ft7">unterziehen und ihnen stattdessen zum Grundlohn einen Erfah-</span><br/> <span class="ft7">rungsanteil auszurichten. Denn es liegt auf der Hand, dass die kon-</span><br/> <span class="ft7">krete Berufserfahrung eines Mitarbeiters anhand dessen Dienstjahre</span><br/> <span class="ft7">gemessen wird und damit automatisch mit jedem weiteren Jahr zu-</span><br/> <span class="ft7">nimmt. Dass bei der Bemessung der Entwicklung des Erfahrungsan-</span><br/> <span class="ft7">teils auf die durchschnittliche Entwicklung bei den Leistungslohn-</span><br/> <span class="ft7">bezügern abgestellt wird, ist eine Folge der Anwendung des Rechts-</span><br/> <span class="ft7">gleichheitsprinzips. In § 11 Abs. 1 Satz 3 LD wird im Zusammen-</span><br/> <span class="ft7">hang mit der Steuerung der Lohnentwicklung explizit festgehalten,</span><br/> <span class="ft7">dass die Personalgruppen mit Positions- und Leistungsanteil und</span><br/> <span class="ft7">Gruppen mit Grundlohn und Erfahrungsanteil in der durchschnittli-</span><br/> <span class="ft7">chen Lohnentwicklung auf die Dauer gleich zu behandeln sind. Das</span><br/> <span class="ft7">Interesse des Staates an einer einheitlichen Lohnentwicklung der</span><br/> <span class="ft7">verschiedenen Personalkategorien ist zentral.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">442</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">4.3.5.</span><br/> <span class="ft7">Demzufolge ist die in § 36 Abs. 3 PLV vorgesehene Koppelung</span><br/> <span class="ft7">an die durchschnittliche Lohnentwicklung nicht zu beanstanden. Ein</span><br/> <span class="ft7">Verstoss gegen das Rechtsgleichheitsgebot ist nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft7">4.4.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">4.5.</span><br/> <span class="ft7">Zu prüfen ist allerdings, ob der Regierungsrat in Anbetracht der</span><br/> <span class="ft7">Bestimmung des § 22 Abs. 2 LD überhaupt die Kompetenz hatte, auf</span><br/> <span class="ft7">dem Verordnungsweg eine Regel über die Bemessung des Er-</span><br/> <span class="ft7">fahrungsanteils aufzustellen.</span><br/> <span class="ft7">Prof. Peter Hänni hat diese Frage im Gutachten ausführlich ge-</span><br/> <span class="ft7">prüft (vgl. Erw. 3.3.2.3). In § 22 Abs. 2 Satz 2 LD heisst es, dass bei</span><br/> <span class="ft7">positiver Gesamtbeurteilung "ein vom Regierungsrat bzw. Oberge-</span><br/> <span class="ft7">richt festgelegter Erfahrungsanteil" zum Grundlohn dazu kommt.</span><br/> <span class="ft7">Diesen Wortlaut könnte man dahin verstehen, dass für die Anpassung</span><br/> <span class="ft7">der Erfahrungslöhne von Mitarbeitern der allgemeinen Verwaltung</span><br/> <span class="ft7">der Regierungsrat und bei Justizbehörden das Obergericht zuständig</span><br/> <span class="ft7">ist. Hänni kommt in diesem Zusammenhang jedoch zum Schluss,</span><br/> <span class="ft7">dass sich die Selbständigkeit der Justizverwaltung nach § 96 Abs. 1</span><br/> <span class="ft7">der Verfassung des Kantons Aargau vom 25.</span> <span class="ft7">Juni 1980 (KV;</span><br/> <span class="ft7">SAR 110.000) nur auf jene Bereiche bezieht, deren Regelung durch</span><br/> <span class="ft7">die Exekutive die richterliche Unabhängigkeit einschränken könnte.</span><br/> <span class="ft7">Das sei vorliegend jedoch nicht der Fall. Der Spielraum für die indi-</span><br/> <span class="ft7">viduelle Lohnentwicklung liege im tieferen einstelligen Prozentbe-</span><br/> <span class="ft7">reich. Die Gefahr einer Beeinflussung der Richter durch die jährliche</span><br/> <span class="ft7">Lohnanpassung sei somit gering. Der Umstand, dass allen Bezügern</span><br/> <span class="ft7">eines Erfahrungslohns grundsätzlich eine gleich hohe Lohnerhöhung</span><br/> <span class="ft7">zugesprochen werde, schränke das Risiko einer Beeinflussung der</span><br/> <span class="ft7">richterlichen Tätigkeit zusätzlich ein. Würde die Lohnanpassung</span><br/> <span class="ft7">durch das Obergericht vorgenommen, wäre - schon wegen den be-</span><br/> <span class="ft7">schränkten finanziellen Mitteln und des Grundsatzes von § 11 Abs. 1</span><br/> <span class="ft7">Satz 3 LD - eine von der geltenden Lösung wesentlich abweichende,</span><br/> <span class="ft7">andere Regelung kaum möglich. Darüber hinaus bestünde die Gefahr</span><br/> <span class="ft7">einer Ungleichbehandlung der Erfahrungslohnbezüger aus der Justiz-</span><br/> <span class="ft7">verwaltung und jenen aus anderen Verwaltungsbereichen (Gutachten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">443</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">a.a.O., S. 33 ff.). Gestützt auf diese Überlegungen kommt das</span><br/> <span class="ft7">Gericht zum Schluss, dass die Erwähnung des Obergerichts in § 22</span><br/> <span class="ft7">Abs. 2 LD so zu verstehen ist, dass dieses bei den Justizbehörden</span><br/> <span class="ft7">lediglich über die positive Gesamtbeurteilung zu befinden hat,</span><br/> <span class="ft7">welche dann den entsprechenden Erfahrungsanteil auslöst. Der Re-</span><br/> <span class="ft7">gierungsrat allein ist dagegen für die Regelung der Anpassung /</span><br/> <span class="ft7">Bemessung von Erfahrungslöhnen sowohl der Justizbehörden als</span><br/> <span class="ft7">auch der allgemeinen Verwaltung zuständig.</span><br/> <span class="ft7">Demnach kann festgehalten werden, dass die Bestimmung des</span><br/> <span class="ft7">§ 36 Abs. 3 PLV mit § 22 Abs. 2 LD ohne weiteres vereinbar ist. Die</span><br/> <span class="ft7">Zuständigkeit der Verwaltungskommission des Obergerichts ein von</span><br/> <span class="ft7">§ 36 Abs. 3 PLV unabhängiges System betreffend Festlegung des Er-</span><br/> <span class="ft7">fahrungsanteils auszugestalten und umzusetzen, ergibt sich folglich</span><br/> <span class="ft7">nicht.</span><br/> <span class="ft7">4.6.</span><br/> <span class="ft7">Zusammenfassend ergibt sich, dass die Festlegung des Erfah-</span><br/> <span class="ft7">rungsanteils des Beschwerdeführers im Rahmen der gesetzlichen</span><br/> <span class="ft7">Grundlagen nicht zu beanstanden ist. Insbesondere ergibt sich auch</span><br/> <span class="ft7">kein Anspruch, innert einer gewissen Dauer den maximalen Erfah-</span><br/> <span class="ft7">rungsanteil erreichen zu können.</span><br/></div> </div> </body> </html>