B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1815/2012 U r t e i l v o m 4 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher; Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______, Albanien, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. März 2012 / N (…). E-1815/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat nach eigenen Anga- ben am 28. August 2011 auf dem Luftweg, indem er von Tirana nach Z ü- rich flog und auf legalem Wege in die Schweiz einreiste, wo er am 6. Sep- tember 2011 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte. Der Bruder des Beschwerdeführers, B._______ (N […]), stellte am 2. No- vember 2011 ebenfalls ein Asylgesuch in der Schweiz. Anlässlich der summarischen Befragung zur Person vom 15. September 2011 führte er aus, er habe sein Heimatland verlassen, weil er dort von Blutrache bedr oht sei. Bei einem Streit um ein Grundstück habe sein Grossvater vor vielen Jahren einen Landsmann getötet, woraufhin sich die Rachegedanken der verfeindeten Familie gegen dessen Sohn – den Vater des Beschwerdeführers – gerichtet hätten. Dieser sei deshalb nach Griechenland gegan gen und habe dort gearbeitet. Nachdem der B e- schwerdeführer die Grundschule abge schlossen habe (im Sommer […]), sei die Familie von C._______ (Kreis D._______) nach E._______(Kreis F._______) gezogen. Am neuen Wohnort hätten sie sich um eine friedl i- che Lösung mit der verfeindeten Familie bemüht; eine solche sei aber nicht zustande gekommen. Stattdessen habe der Beschwerdeführer ind i- rekt über Nachrichtenüberbringer erfahren, dass die gegnerische Familie ihn umbringen wolle. Er sei mit seinem Vater zur Polizei gegangen, habe jedoch keinen Schutz erhalten. Deshalb habe er das Gymnasium ab- gebrochen und sei die ganze Zeit zu Hause eingeschlossen gewesen. Ab und zu habe er seinen Vater in Griechenland besucht . Dieser sei seit un- gefähr Mitte 2010 wieder in der Heimat und habe sich ebenfalls im Haus eingeschlossen. Bei seiner eingehenden Anhörung vom 24. Februar 2012 brachte der Be- schwerdeführer vor, sein Vater sei nach Griechenland gegangen, weil er seine alte Stelle (…) verloren habe. Der Beschwerdeführer habe derweil die Schule besucht. Eines Tages sei ein Mitschüler zu ihm ge kommen und habe berichtet, dass jemand nach ihm fragen würde. Dies sei ihm angesichts der Blutrachegefahr unheimlich gewesen, weshalb er in einer Pause weggerannt und nach Hause gegangen sei. Männer seiner Familie hätten den Vorfall mit der verfeindeten Familie besprochen. Diese habe bestätigt, dass der Beschwerdeführer nun alt genug sei und dass sie ihn umbringen müsse, da das Blut nicht vergeben w erde. Der Beschwerde-E-1815/2012 Seite 3 führer sei mit seinem Vater zur Polizei gegangen, die keinen Handlungs- bedarf gesehen habe. Fortan habe er sich nur noch im Haus aufgehalten. Ein knappes halbes Jahr nach dem Vorfall in der Schule beziehungswe i- se dem unmittelbar darauffo lgenden Schulabbruch, habe er Albanien (im Jahre […]) verlassen und – unterbrochen durch gelegentliche Kurzau f- enthalte in seiner Heimat – bis zum Frühjahr 2011 ebenfalls in Griechen- land gelebt. Im Laufe jener Zeit habe auch sein Bruder die Grundschule abgeschlossen und sei seither ebenfalls durch die Blutrache bedroht. Im August 2011 habe der Beschwerdeführer seine Mutter in Albanien am Strand abholen wollen und sei dort von zwei Männern mit einer Waffe verfolgt worden. Nachdem diese einmal in die Luft geschossen hätten, sei unter den Badegästen Panik ausgebrochen. Der Beschwerdeführer habe seinen Verfolgern aber entfliehen können. Der Vorfall habe ihm gezeigt, dass er weggehen müsse. Sein Vater lebe auch in Gefahr; diese sei aber nicht so gross, da bei der Blutrache vorwiegend junge Männer getötet würden. Zum Beweis seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Best ä- tigung der Gemeinde E._______ vom (…) ein, wonach seine Familie – und insbesondere er als einziger Sohn – durch Blutrache bedroht seien. Der Beschwerdeführer führte hierzu aus, die Betonung der besonderen Bedrohung für ihn rühre möglicherweise vom Vorfall am Strand im August 2011 her. B. Mit Verfügung vom 8. März 2012 – eröffnet am 12. März 2012 – lehnte das BFM das Asylgesuch ab. In der Begründung führte es aus, die Au s- sagen des Gesuchstellers würden in wesentlichen Punkte n massive Wi- dersprüche und Ungereimtheiten aufweisen und seien deshalb nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) . Gleichzeitig wies das BFM den Besch werdeführer aus der Schweiz weg. Den Vollzug der Wegweisung erachtete es als zu- lässig, zumutbar und möglich. C. Der Beschwerdeführer gelangte mit Beschwerde vom 4. April 2012 an das Bundesverwaltungsgericht, und beantragt die Aufhebung der Verf ü- gung des BFM, d ie Feststellung der Flüchtlings eigenschaft und die G e- währung von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In ve r- fahrensrechtlicher Hinsicht ersucht der Beschwerdeführer um Gewährung E-1815/2012 Seite 4 der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebu ng eines Kostenvorschusses. Als weitere Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine Bestätigung des Direktors seiner ehemaligen Schule vom (…) und die Abschrift einer gleichentags gemachten und notariell beglaubigten Aussage seines V a- ters ein. D. Am 10. April 2012 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den B e- schwerdeeingang und teilte dem Beschwerdeführer mit, er könne d en Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM g e- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig en t- scheidet. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Der Be - schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders be rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse a n deren Aufhebung bzw. Änd e-E-1815/2012 Seite 5 rung. Er ist daher zur Einreichung d er Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf diese ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachve rhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um eine offensichtlich unbegründete Beschwerde, weshalb der Beschwerdeentscheid nur su m- marisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurd e vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in de m sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüc hlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-1815/2012 Seite 6 4.3. Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Aussagen des Beschwerdeführers würden in wesentlichen Punkten massive Unge- reimtheiten aufweisen. So habe er bei der Erstbefragung als einzige g e- gen ihn persönlich gerichtete Drohung der verfeindeten Familie vorg e- bracht, er habe von einem Nachrichtenüberbringer erfahren, dass ein Mitglied der gegnerischen Familie auf ihn warte, um ihn umzubringen. Danach habe er die Schule abgebrochen, sei zu Hause eingeschlossen gewesen und in den letzten Jahren habe sich in der Sache nichts mehr geändert. In der Anhörung habe er diesen Vorfall nicht mehr erwähnt, sondern ausgeführt, er habe einmal während seiner Zeit am Gymnasium von einem Mitschüler erfahren, dass Angehörige der verfeindeten Familie nach ihm gefragt hätten. Auslöser seiner Flucht sei schliesslich ein Vorfall vom August 2011 gewesen, als Mitglieder der Familie am Str and auf ihn geschossen hätten. Diese beiden Ereignisse habe der Beschwerdeführer trotz ihrer Bedeutung für seine Asylgesuchsbegründung anlässlich der Erstbefragung mit keinem Wort erwähnt. Des Weiteren habe er in der An- hörung angegeben, es sei schon lange her – Anfang bis Mitte der Neu n- zigerjahre – dass die verfeindete Familie mit seiner Familie Kontakt au f- genommen habe. Demgegenüber habe er bei der Erstbefragung ausg e- sagt, die gegnerische Familie sei während seiner Zeit am Gymnasium über einen Nachrichtenüberbringer an ihn gelangt. Widersprüchlich seien auch die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinen Aufenthalten in Griechenland und zur Gefährdungslage seines Vaters. Einerseits habe der Beschwerdeführer anlässlich der Erstbefragung angege ben, er sei nach dem Abbruch des Gymnasiums zu Hause eingeschlossen gewesen und habe nur manchmal seinen Vater in Griechenland besucht. Andere r- seits habe er bei der Anhörung vorgebracht, er selbst sei aufgrund der Drohungen gegen ihn nach Griechenland gega ngen und habe dort c irca fünf Jahre beziehungsweise von etwa (…) bis 2011 gelebt. In dieser Zeit sei er nur ferienhalber nach Albanien zurückgekehrt. Hinsichtlich der G e- fährdung seines Vaters habe er bei der Erstbefragung ausgeführt, sein Vater sei wegen d en Drohungen seitens der gegnerischen Familie zum Arbeiten nach Griechenland gereist. Seit dessen Rückkehr nach Albanien (Mitte 2010) dürfe dieser wegen der akuten Gefahr das Haus nicht mehr verlassen. Bei der Anhörung habe der Beschwerdeführer hingegen vo r- gebracht, sein Vater sei in Griechenland arbeiten gegangen, weil er seine frühere Stelle (…) verloren habe. Für seinen Vater bestehe zu Hause nach der Rückkehr keine allzu grosse Gefahr, da insbesondere jüngere Männer von der Blutrache betroffen seien. E-1815/2012 Seite 7 Die Vorinstanz verwies "für weitere Unglaubhaftigkeitselemente" im Übr i- gen auf die Argumentation in einer Verfügung vom 8. März 2012 im Falle des Bruders des Beschwerdeführers (N […]), dessen Asylgesuch ebe n- falls gestützt auf Art. 7 AsylG abgelehnt worden s ei (vgl. E. I/2 der ang e- fochtenen Verfügung). Abschliessend führte sie aus, auch das Schreiben der Gemeinde E._______ vom (…), welches den Familienkonflikt bestätige, ändere nichts an ihrer Einschätzung; allgemein sei solchen Dokumenten nämlich ein sehr geringer Beweiswert beizumessen, da sie leicht käuflich zu e r- werben seien. Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anfo r- derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG somit nicht stand- halten, weshalb deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 4.4. Auf Beschwerdeebene wendet der Beschwerdeführer gegen den vor- instanzlichen Entscheid ein, er habe bei der Befragung zur Person vom 15. September 2011 die Gründe seiner Ausreise nicht aus führlich b e- schrieben, weil er nicht genau danach gefragt worden sei. Man habe ihm vor der ersten Befragung gesagt, dass er nur kurz zu seinen Personalien Auskunft geben müsse und erst in einem späteren Zeitpunkt hinsichtlich seiner Situation und der Gründe für sein Asylgesuch genauer befragt würde. Deshalb habe er sich Mühe gegeben, nur kurz auf die Fragen zu antworten. Seine Aussagen seien in rechtswidriger Weise als wide r- sprüchlich interpretiert worden. Um Klarheit zu schaffen, legt der B e- schwerdeführer in der Folge den Sachverhalt aus seiner Sicht nochmals detailliert dar. 5. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Würdigung der Akten zum Schluss, dass das BFM zu Recht von der Unglaubhaftigkeit der Vorbri n- gen des Beschwerdeführers ausging. 5.1. Im Gegensatz zu den Aussagen einer asylsuchenden Person bei der Anhörung kommt den Aussagen bei der Befragung zur Person angesichts des summarischen Charakters dieser Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zu. Dies bedeutet, das s einfachen Unvollständigkeiten und unwesentlichen Abweichungen zu späteren Aussagen keine entscheidende Bedeutung beigemessen we r- den darf. Widersprüche sind aber dann für die Beurteilung der Glaubha f- tigkeit der Vorbringen heranzuziehen, wenn anlässlich de r Erstbefragung gemachte klare Aussagen in wesentlichen Punkten der Asylbegründung E-1815/2012 Seite 8 von späteren Aussagen bei der Anhörung diametral abweichen. Dies gilt auch für den Fall, dass bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, die später als zentrale Asylgründe gen annt werden, nicht bereits zumindest ansatzweise bei der Befragung zur Person erwähnt werden (vgl. Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 2005 Nr. 7 E. 6.2.1 S. 66; EMARK 2004 Nr. 34 E. 4.4 S. 243). 5.2. Bei der Anhörun g brachte der Beschwerdeführer in diesem Zusa m- menhang vor, er habe bei der Erstbefragung kurz über das Ereignis am Strand vom August 2011 berichtet. Man habe ihm aber gesagt, er könne Einzelheiten bei der Anhörung ausführen (vgl. A13/15 S. 6 F48). Auf den Vorhalt, er habe über diesen Vorfall bei der Erstbefragung nicht berichtet, entgegnete der Beschwerdeführer, der Dolmetscher habe ihm in einer Pause gesagt, er "solle ausführlich bei der Anhörung berichten und nicht in einer kurzen Version" (A13/15 S. 7 F5 0). Dem Protokoll der Befragung zur Person (A 6/11) lässt sich diesbezüglich nichts entnehmen. Der B e- schwerdeführer hatte sowohl bei der Befragung zur Person als auch bei der Anhörung die Möglichkeit, seine Asylgründe in einer freien Erörterung darzulegen (vgl. A6/11 Ziff. 7.01; A13/15 S. 4 F30), bevor ihm Fragen zu diesen gestellt wurden. Danach fragte ihn der/die Sachbearbeitende a b- schliessend, ob er alle Gründe für sein Asylgesuch genannt habe bezi e- hungsweise, ob es weitere Gründe gegen eine Rückkehr in den Heimat- staat gebe (vgl. A6/11 Ziff. 7.01 und 7.03; A13/15 S. 12 F105), was der Beschwerdeführer verneinte. Nachdem er den Inhalt sämtlicher Protoko l- le mit seiner Unterschrift genehmigt hat, ohne wesentliche Änderungen vornehmen zu lassen, muss er sich s eine Aussagen entgegenhalten las- sen. 5.3. Die zahlreichen Widersprüche in den Vorbri ngen des Beschwerd e- führers und die nachgeschobenen Asylgründe sind derart wesentlich, dass sie nicht mit dem summarischen Charakter der Erstbefragung erklärt werden können. Insbesondere ist das Weglassen des wichtigen – und für die Ausreise angeblich entscheidenden (vgl. A13/15 S. 7 F52) – Vorfalles vom August 2011 bei der Befragung zur Person nicht schlüssig begrün d- bar. Des Weiteren entbehren die Ausführungen des Beschwerdef ührers zum eingereichten Schreiben der Gemeinde E._______ vom (…) jegli- cher Logik. In diesem wird festgehalten, dass von der Blutrache insb e- sondere der Beschwerdeführer als einziger Sohn bedroht sei. Dies trifft offensichtlich nicht zu, hat der Bruder des Beschwerdeführers doch selbst ein Asylgesuch in der Schweiz gestellt. Hinsichtlich der Bestätigung führte E-1815/2012 Seite 9 der Beschwerdeführer zunächst aus, er habe diese im (…) ausstellen lassen, weil er mit seinem Vater während Ostern eine eventuelle Ausreise besprochen habe. Er glaube, er sei zwischen (…) und August 2011 noch einmal in Griechenland gewesen, weshalb er schliesslich erst im August 2011 ausgereist sei. Auf die Frage, warum nur die besondere Bedrohung seiner Person und nicht jene seines Bruders im Schreiben vom (…) fest- gehalten werde, brachte der Beschwerdeführer sodann vor, er wisse es nicht, dies könne eventuell mit dem neuen Vorfall am Strand zusamme n- hängen. Nachdem sich dieser (…) Monate nach der Ausstellung der Bes- tätigung zugetragen haben soll, erscheinen auch die Vorbringen des B e- schwerdeführers im Zusammenhang mit dem eingereichten Beweismittel als widersprüchlich. Im Üb rigen kann auf die ausführliche Erwägu ng I/1 der Vorinstanz verwiesen werden, die im Einzelnen darlegt, inwiefern die Aussagen des Beschwerdeführers wider sprüchlich erscheinen und der vollumfänglich beigepflichtet wird. In Erwägung I/2 der angefochtenen Verfügung verwies das BFM für wei- tere Unglaubhaftigkeitselemente auf die Verfügung des Bruders des Be- schwerdeführers, was mit Blick auf das rechtliche Gehör des Beschwe r- deführers (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101] , Art. 29 und Art. 35 Abs. 1 VwVG) als heikel erscheint. Aufgrund der eingehenden Ausfü h- rungen der Vorinstanz in Erwägung I/1 ist der Entscheid jedoch ausre i- chend begründet, so dass sich der Verweis nicht als wesentlich für die sachgerechte Anfechtung der Verfüg ung durch den Beschwerdeführer erweist. Dieser rügte denn auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Beim Verweis handelt es sich mithin um eine unnötige Nebenerwägung, was das BFM mit der Formulierung "ist im Übrigen (…) zu verweisen" ebenfalls andeutet. Wenngleich Erwägung I/2 aus rechtlicher Sicht ung e- schickt formuliert ist, führt sie somit nicht zu einer Verletzung des rechtl i- chen Gehörs. 5.4. Die Entgegnungen des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene erweisen sich als un behelflich; insbesondere setzt er sich mit den vorin - stanzlichen Erwägungen nicht konkret auseinander. Er führt einzig aus, seine Aussagen seien falsch interpretiert worden, und beschränkt sich darauf, eine weitere Sachverhaltsvariante vorzubringen, die sich im W e- sentlichen aus an der Bef ragung zur Person und der Anhörung geschi l- derten Begebenheiten zusammensetzt (vgl. S. 2 -5 des begleitenden B e- gründungsschreibens zur Beschwerde). E-1815/2012 Seite 10 5.5. Der Beschwerdeführer reichte auf Beschwerdeebene als zusätzliche Beweismittel eine Bestätigung seiner Schule vom (…) ein, wonach er den Schulunterricht ab dem (…) abgebrochen habe, weil sein Leben aus Gründen der Feindschaft bedroht sei. Ausserdem legte er eine notariell beglaubigte Aussage seines Vaters ins Recht, mit der der Vater den Streit um das Grundstück be stätigt und ausführt, die Familie lebe in Angst vor der Blutrache der verfeindeten Familie. Schliesslich stellt der Beschwe r- deführer eine schriftliche Aussage der Friedensstifter in Aussicht, die zw i- schen den Familien zu vermitteln versucht hätten. Eine so lche wurde j e- doch bis dato nicht nachgereicht. Aufgrund der gravierenden Widersprüche in den Vorbringen des B e- schwerdeführers vermögen die eingereichten und angekündigten B e- weismittel an der dargelegten Einschätzung nichts zu ändern. Die not a- riell bestätigte Aussage des Vaters – der seinen Sohn verständlicherweise unterstützen will – taugt aus diesem Grund nicht zum Beweis bezi e- hungsweise zur Glaubhaftmachung einer Bedrohung. Die Bestätigung der Schule vom (…) – ausgestellt auf Antrag des Beschwerdeführers bezi e- hungsweise dessen Familie – beinhaltet sodann als angeblichen Grund des Schulabbruchs eine Lebensbedrohung aus Gründen der Feindschaft, wobei die Schulleitung in keiner Weise darlegt, dass sie selber ein e sol- che Bedrohung wahrgenommen hätte. 5.6. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM zu Recht die Aus- führungen des Beschwerdeführers als unglaubhaft qualifiziert und dessen Asylgesuch gestützt auf Art. 7 AsylG abgewiesen hat. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksich- tigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Au f- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen und macht dies auch nicht geltend. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). Ist der Vollzug der Weg weisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s-E-1815/2012 Seite 11 ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das hei sst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7. 7.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in seinen Heimat -, He r- kunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. J uli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 ( BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101] darf niemand der Folter oder unmenschlicher o der erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfül len. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des E-1815/2012 Seite 12 Beschwerdeführers nach Albanien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Albanien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rücksch iebung Folter oder unmenschl i- che Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi g e- gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Mensche n- rechtssituation in Albanien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völke r- rechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges zutreffend aus, dass weder die i n Albanien herr- schende politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit seiner Rückführung sprechen. Auch aus den Akten ergeben sich k eine individuellen Vollzugshindernisse. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen (…)-jährigen, gemäss Akten gesunden Mann, der zehn Jahre die Schule besucht hat . Mit Ausnahme seines Bruders leben g e- mäss seinen Angaben seine Familie und der grösste Teil seiner Ve r- wandtschaft in Albanien. Es ist ihm ohne Weiteres zuzumuten, in seinen Heimatstaat zurückzukehren und – sofern erforderlich – mit Unters tüt- zung seiner Familie eine Existenz aufzubauen. Nachdem die Beschwerde seines Bruders mit Urteil gleichen Datums abgewiesen wird (vgl. E - 2034/2012), hat der Beschwerdeführer ausserdem die Möglichkeit, g e- meinsam mit diesem zurück nach Albanien zu reisen. E-1815/2012 Seite 13 7.3. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung seines Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch möglich ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.4. Zusammenfassend hat das BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG) . Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Das in der Rech tsmitteleingabe gestellte Gesuch um Verzicht auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Dieser beantragt d ie Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Beza h- lung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos e r- scheint. Vorliegend ist das Gesuch des Beschwerdeführers aufgrund der Aussichtslosigkeit des vorliegenden Beschwerdeverfahrens abzuweisen. Die Verfahrenskosten von CHF 600.00 (Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Koste n und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) sind deshalb durch den Beschwerdeführer zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-1815/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von CHF 600.00 werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: