B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-566/2023 U r t e i l v o m 2 5 . O k t o b e r 2 0 2 3 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Constance Leisinger, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Rechtsanwältin Raffaella Massara, (…), Gesuchsteller, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1415/2022 vom 13. Dezember 2022 (N […]). E-566/2023 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Der Gesuchsteller suchte am 28. Mai 2017 in der Schweiz um Asyl nach. Mit Verfügung vom 28. April 2020 stellte das SEM fest, er erfülle die Flücht- lingseigenschaft nicht; es wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Weg- weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die vom Gesuchsteller gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 4. Juni 2020 wurde vom Bundes verwaltungsgericht mit Urteil D -2892/2020 vom 10. August 2020 vollumfänglich abgewiesen. B. Auf ein am 21. Dezember 2020 gestelltes Revisionsgesuch des Gesuch- stellers (aufgrund neu entdeckter Beweismittel in Form von Strafermitt- lungsakten aus der Türkei aus dem Jahr 2018) trat das Gericht mit Urteil D-6417/2020 vom 10. Februar 2021 mangels Leistung des Kostenvor- schusses nicht ein. II. C. Mit einer als "qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch" bezeichneten Ein- gabe vom 13. März 2021 gelangte der Gesuchsteller wiederum an das SEM. Die Vorinstanz nahm diese Eingabe teils als Mehrfachgesuch , teils als Wiedererwägungsgesuch entgegen und wies diese Begehren mit Ver- fügung vom 22. Februar 2022 ab. Auf die vom Gesuchsteller vorgebrach- ten Revisionsgründe trat sie mangels funktioneller Zuständigkeit nicht ein. D. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 25. März 2022 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-1415/2022 vom 13. De- zember 2022 abgewiesen. E-566/2023 Seite 3 III. E. E.a Mit wiederum als "qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch" bezeich- neter Eingabe an das SEM vom 24. Januar 2023 beantragte der Gesuch- steller, die Verfügung vom 28. April 2020 sei aufzuheben und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen ; eventualiter sei die Unzulässigkeit be- ziehungswiese Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und er sei vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, der Wegweisungsvollzug sei bis zum Abschluss des vorliegen- den Verfahrens auszusetzen und die Migrationsbehörde sei anzuweisen, von jeglichen Vollzugsmassnahmen abzusehen. Ferner sei ihm die unent- geltliche Prozessführung zu gewähren und von der Erhebung eines Kos- tenvorschusses abzusehen. E.b In der Beilage wurden folgende Beweismittel eingereicht: ‒ Schreiben des Rechtsanwalts B._______ vom (…) 2023 (inkl. Überset- zung); ‒ Zustellung Ermittlungsakten an Staatsanwaltschaft C._______ vom (…) 2022 mit Forschungsbericht vom (…) 2022 (inkl. Übersetzung); ‒ Protokoll der Staatsanwaltschaft vom (…) 2022 (inkl. Übersetzung); ‒ Überweisungsschreiben der Gendarmerie an Oberstaatsanwaltschaft C._______ vom (…) 2022 (inkl. Übersetzung); ‒ Entscheid über die Nichtzuständigkeit der Oberstaatsanwalt- schaft C._______ vom (…) 2022 (inkl. Übersetzung); ‒ Antrag auf Haftbefehl der Oberstaatsa nwaltschaft D._______ an das Friedensrichteramt D._______ vom (…) 2023 (inkl. Übersetzung); ‒ Haftbefehl des Friedensrichteramt D._______ vom (…) 2023 (inkl. Übersetzung); ‒ DHL-Sendenachweis (inkl. Couverts im Original) für die Übermittlungen der Beweismittel aus der Türkei via Übersetzungsdienst (erhalten am 20. Januar 2023); ‒ Printscreen UYAP (Ulusal Yargi Agi Bilisim Sistemi; E -Justiz-Informati- onssystem) vom (…) 2023. E-566/2023 Seite 4 F. Mit Eingabe vom 26. Januar 2023 wurden weitere Beweismittel eingereicht: ‒ Vollmacht zugunsten des Rechtsanwalts B._______ vom 25. Oktober 2021 inklusive Apostille; ‒ vollständige Fassung des Open-Source-Untersuchungsberichts vom (…) 2022; ‒ Protokoll der Einvernahme von E._______ (Onkel des Gesuchstellers) durch die Gendarmerie-Kommandantur der Provinz D._______ vom (…) 2022; ‒ Untersuchungsbericht der Direktion der Terrorbekämpfungsabteilung der Provinz D._______ betreffend den Gesuchsteller vom (…) 2022; ‒ Bericht der Abteilungsleitung zur Bekämpfung der Cyberkriminalität der Gendarmerie-Kommandantur der Provinz D._______ vom (…) 2022; ‒ Protokoll einer Foto-Analyse der Abteilungsleitung zur Bekämpfung der Cyberkriminalität der Gendarmerie -Kommandantur der Provinz D._______ vom (…) 2022; ‒ Dokumente betreffend Identitätsnachforschung vom (…) 2022 (respek- tive undatiert). G. Mit Begleitschreiben vom 30. Januar 2023 beziehun gsweise 1. Februar 2023 überwies das SEM diese Eingaben zur Behandlung zuständigkeits- halber an das Bundesverwaltungsgericht. H. Der Instruktionsrichter setzte mit Verfügung vom 1. Februar 2023 den Voll- zug der Wegweisung per sofort einstweilen aus. I. Mit Zwischenverfügung vom 13. März 2023 stellte der Instruktionsrichter fest, die Eingabe vom 24. Janu ar 2023 werde, soweit vorbestandene Be- weismittel betreffend, als Gesuch um Revision des Urteils des Bundesver- waltungsgerichts E-1415/2022 vom 13. Dezember 2022 entgegengenom- men und behandelt. Das Gesuch um Aussetzung des Vollzugs wurde gut- geheissen und es wurde festgestellt, dass der Gesuchsteller den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Das Gesuch um unentgelt- liche Prozessführung wurde gutgeheissen und auf die Erhe bung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. E-566/2023 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG (SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be- schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1). 1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes- verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung. 1.3 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge- such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur- teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen (vgl. MOSER et a l., Prozessieren vor dem Bundesverwal tungsgericht, 3. Aufl. 2022, S. 348 Rz. 5.36). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG). Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi- sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel- tend machen können ( sinngemäss Art. 125 BGG sowie Art. 46 VGG; vgl. auch BVGE 2021 VI/4 E. 6–9.1). 2. 2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von Art. 124 BGG darzutun (vgl. Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG). 2.2 Vier der eingereichten Beweismittel – Schreiben von R echtsanwalt B._______ vom (…) 2023, Antrag auf Haftbefehl der Oberstaatsanwalt- schaft D._______ an d as Friedenrichteramt D._______ vom (…) 2023, Haftbefehl des Friedenrichteramts D._______ vom (…) 2023, Printscreen UYAP vom (…) 2023 – datieren nach dem Urteil E-1415/2022 vom 13. De- zember 2022. Es handelt sich bei diesen Dokumenten somit um nachträg- lich entstandene Beweismittel, welche vorbestandene respektive nachträg- lich entstandene Tatsachen belegen sollen. Diese Beweismittel sind daher im Rahmen eines qualifizierten Wiedererwäg ungsgesuchs durch die E-566/2023 Seite 6 Vorinstanz zu beurteilen und bilden nicht Gegenstand des vorliegenden Revisionsverfahrens (vgl. zum Ganzen BVGE 2013/22 insbes. E. 12). Diesbezüglich ist auf das Revisionsgesuch nicht einzutreten. Diese Be- weismittel sind mit dem vorliegenden Urteil an die Vorinstanz rückzuüber- weisen. 2.3 Mit den zehn anderen Beweismitteln zeigt der Gesuchsteller den Revi- sionsgrund im Sinne von Art. Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG auf: Schreiben der Gendarmerie C._______ an Oberstaatsanwaltschaft C._______ vom (…) 2022, inklusive "Open-Source-Forschungsbericht" über Facebook-Aktivitä- ten des Gesuchstellers vom (…) 2022; Protokoll der Staatsanwaltschaft vom (…) 2022; Überweisungsschreiben der Gendarmerie C._______ an die Oberstaatsanwaltschaft C._______ vom (…) 2022; Entscheid über die Nichtzuständigkeit der Oberstaatsanwaltschaft C._______ im Verfa hren (…) vom (…) 2022; vollständige Fassung des Open -Source- Forschungsberichts der Abteilung zur Bekämpfung der Cyberkriminalität der Gendarmerie-Kommandantur der Provinz D._______; Dokument be- treffend Identitätsabklärungen vom (…) 2022; Protokoll der Einvernahme von E._______ durch die Gendarmerie-Kommandantur der Provinz D._______ vom (…) 2022; Untersuchungsbericht der Direktion der Ter- rorbekämpfungsabteilung der Provinz D._______ betreffend den Gesuch- steller vom (…) 2022; Bericht (Protokoll) der Abteilungsleitung zur Bekämp- fung der Cyberkriminalität der Gendarmerie -Kommandantur der Provinz D._______ vom (…) 2022; Protokoll Foto-Analyse der Abteilungsleitung zur Bekämpfung der Cyberkriminalität der Gendarmerie -Kommandantur der Provinz D._______ vom (…) 2022. 2.4 In Bezug auf den (implizit angerufenen) Revisionsgrund des nachträg- lichen Auffindens entscheidender Beweismittel (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG) beträgt die Revisionsfrist 90 Tage nach deren Entdeckung, frühes- tens jedoch nach der Eröffnung des Entscheids (vgl. Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG). Das Revisionsbegehren vom 24. Januar 2023 wurde innert 90 Ta- gen nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens E-1415/2022 eingereicht; somit ist auf das frist- und formgerecht eingereichte Revisionsgesuch inso- weit einzutreten. 3. 3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tat- sachen erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im frühe- ren Verfahren nicht beibri ngen konnte, dies unter Ausschluss der Tatsa- chen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind. E-566/2023 Seite 7 3.2 Erhebliche Tatsachen beziehungsweise entscheidende Beweismittel bilden demnach nur einen Revisionsgrund, wenn sie vor dem in Revision zu ziehenden Entscheid entstanden sind, in früheren Verfahren aber nicht beigebracht werden konnten, weil sie der gesuchstellenden Person damals nicht bekannt waren beziehungsweise trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt sein konnten oder ihr die Geltendmachung oder Beibringung aus entschuldbaren Gründen nicht möglich war (vgl. BGE 134 III 47 E. 2.1 sowie Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs- kommission [EMARK] 1994 Nr. 27 E. 5a f. [zu Art. 66 Abs. 3 VwVG]). 3.3 Die neuen Tatsachen oder Beweismittel müssen sodann erheblich, das heisst dazu geeignet sein, die tatbest ändliche Grundlage des Entscheids zu ändern und bei zutreffender Würdigung zu einem anderen, für die ge- suchstellende Person günstigeren Ergebnis zu führen. Neu entdeckte Tat- sachen oder Beweismittel sind erheblich, wenn sie die Beweisgrundlage des früheren Urteils so erschüttern können, dass aufgrund des veränderten Sachverhalts für die betreffende Partei ein wesentlich günstigerer Ent- scheid wahrscheinlich ist (vgl. MOSER, a.a.O., Rz. 5.51, m.H.a. BGE 122 IV 67 E. 2a, 122 II 17 E. 3 und 120 IV 248 E. 2b; zudem SEILER et al., Bundesgesetz über da s Bundesgericht, Handkommentar, 2. Aufl. 2015 , Rz. 11 f. zu Art. 123). Nachträglich entstandene Beweismittel (welche vor- bestehende Tatsachen belegen sollen) können, wie erwähnt, nicht im Rah- men eines Revisionsgesuchs vom Bundesverwaltungsgericht berücksich- tigt werden, sondern wären gegebenenfalls durch das SEM im Rahmen eines Wiedererwägungsverfahrens zu prüfen (vgl. vorstehende E. 2.2). 3.4 3.4.1 Der Gesuchsteller machte im vorangegangenen Beschwerdeverfah- ren exilpolitische Aktivitäten geltend und brachte vor, es bestehe gemäss Abklärungen seines türkischen Rechtsanwalts ein Eintrag im UYAP . Diesen Vorbringen wurde vom Gericht die asylrechtliche Relevanz abgesprochen, unter anderem mit der Begründung, die eingereichten Beweismittel würden nicht auf laufende Ermittlungen gegen ihn hindeuten , und er habe keine näheren diesbezüglichen Angaben machen oder weiteren Akten vorweisen können, obwohl dies zu erwarten gewesen wäre (vgl. Urteil des BVGe r E-1415/2022 vom 13. Dezember 2022 E. 6.3.2). Mit de n Eingaben vom 24. Januar 2023 und 30. Januar 2023 reichte der Gesuchsteller nunmehr Dokumente zum Beleg der gegen ihn durch die türkischen Behörden ein- geleiteten Ermittlungen ein. E-566/2023 Seite 8 3.4.2 Den vor dem Beschwerdeurteil vom 13. Dezember 2022 entstande- nen Polizeiakten lässt sich entnehmen, dass die Polizei- und Verwaltungs- behörden in C._______ und D._______ gegen den Gesuchsteller wegen des Verdachts der Propaganda für eine terroristische Organisation mit dem Mittel sozialer Medien Ermittlungen eingeleitet und Abklärungen vorge- nommen haben. In C._______ eröffnete zwar in der Folge die dortige Staatsanwaltschaft ein staats -anwaltliches Ermittlungsverfahren; m it Ver- fügung vom (…) 2022 erklärte sich die Oberstaatsanwaltschaft C._______ aber als nicht zuständig und überwies die Ermittlungsakten zur allfälligen weiteren Behandlung an die Oberstaatsanwaltschaft D._______ (vgl. Ent- scheid über die Nichtzuständigkeit vom 9. Dezember […]). 3.4.3 Aus diesen Dokumenten ergibt sich keine wesentlich veränderte Sachlage hinsichtlich der Verfolgungssituation des Gesuchstellers. In dem vorliegenden Verfahrensstadium stand im Zeitpunkt der Ausfällung des Ur- teils E-1415/2022 weder fest, ob ein förmliches Strafverfahren gegen ihn eröffnet würde, das zu einer Anklage und in der Folge einer strafrechtlichen Verurteilung führen könnte, noch was deren Inhalt (insbesondere Anklage- punkte und gefordertes Strafmass) wäre. Demnach vermag der Gesuch- steller mit diesen Beweismitteln nicht aufzuzeigen, dass ihm bei einer Rückkehr in die Heimat wegen diesen Umständen mit erheblicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung respektive eine menschenrechtswidrige Behandlung drohen würde. Der von der Friedenrichteramt D._______ am (…) 2023 ausge- stellte Haftbefehl ist erst nach Abschluss des vorangegangenen Beschwer- deverfahrens entstanden und kann daher im vorliegenden Revisionsver- fahren nicht berücksichtigt werden. Die Frage einer sich aus diesem Doku- ment (und den anderen nachträglich entstandenen Beweismitteln) allen- falls ergebenden relevanten Gefährdung des Gesuchstellers wird vom SEM unter wiedererwägungsrechtlichen Gesichtspunkten zu prüfen sein. 3.4.4 Auch in den übrigen Ausführungen in der Eingabe vom 24. Januar 2023 sind keine Revisionsgründe zu erblicken. Namentlich wurden der schlechte Gesundheitszustand des Gesuchstellers und das Fehlen eines tragfähigen Beziehungsnetzes bereits im Rahmen des Beschwerdeverfah- rens vorgebracht und im Beschwerdeurteil E-1415/2022 vom 13. Dezem- ber 2022 im Rahmen der Prüfung der Zulässigkeit und Zumutbarkeit de s Wegweisungsvollzugs ausdrücklich gewürdigt. E-566/2023 Seite 9 3.4.5 Dem Gesuchsteller gelingt es nach dem Gesagten im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens nicht, die revisionsrechtliche Erheblich- keit der neuen Tatsachen und Beweismittel darzutun. 3.4.6 Bei diesem Ergebnis kann die Frage offenbleiben, ob es dem Ge- suchsteller bei Beachtung der gebotenen Sorgfalt möglich und zumutbar gewesen wäre, die im vorliegenden Verfahren zu würdigenden Dokumente früher beizubringen und im Verfahren E-1415/2022 vorzulegen, mithin ob die Revisionsvorbringen als revisionsrechtlich verspätet im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG und Art. 46 VGG zu erachten wären. 4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich relevan- ten Gründe dargetan sind. Das Gesuch um Revision des Urteils des Bun- desverwaltungsgerichts vom 13. Dezember 2022 ist demzufolge abzuwei- sen. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem der Instruktionsrichter sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Instruktionsverfügung vom 13. März 2023 gut - geheissen hatte und den Akten keine Hinweise auf eine massgebende Ver- änderung der finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, ist jedoch auf eine Kostenauflage zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-566/2023 Seite 10 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Revisionsgesuch wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Akten werden (mit Bezug auf die nach dem Urteil E -1415/2022 vom 13. Dezember 2022 entstandenen Beweismittel) im Sinne der Erwä- gungen an das SEM rücküberwiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, das SEM und die kantonale Mig- rationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: