Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. September 2016 (720 16 134 / 251) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revisionsweise Aufhebung der Dreiviertelsrente aufgrund einer Verbesserung des Ge- sundheitszustandes bestätigt. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Natalie Matiaska , Adv o- katin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Mit Verfügung vom 30. August 2002 sprach die IV -Stelle Basel-Landschaft dem 1962 geborenen A.____ rückwirkend ab 1. April 1998 aufgr und eines IV-Grads von 46% eine halbe (Härtefall-)Rente zu. Nach Überprüfung der medizini schen Akten ermittelte die IV-Stelle einen IV-Grad von 61%. Gestützt auf dieses Ergebnis sprac h sie dem Versicherten mit Verfügung vom 22. April 2003 ab 1. April 1998 eine halbe Rent e zu. Die hiergegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, mit Urteil vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. Dezember 2003 ab. Im Zuge der 4. IV-Revision wurd e die Rente mit Verfügung vom 10. August 2004 rückwirkend per 1. Januar 2004 auf eine Dreiviertelrente erhöht. A.2 Im August 2007 führte die IV-Stelle eine Revision der Rente durch. Nach Abklärung der medizinischen Verhältnisse teilte sie A.____ mit Schreibe n vom 21. Dezember 2007 mit, dass er bei einem IV-Grad von 62% weiterhin Anspruch auf die bisherige Dreiviertelsrente habe. A.3 Im März 2012 wurde eine weitere Rentenrevision von Amtes wegen eingeleitet. Ge- stützt auf ihre Abklärungen gelangte die IV-Stelle zur Auffassung, dass sich der Gesundheits- zustand von A.____ verbessert habe und der neu ermittel te IV-Grad lediglich noch 8% betrage. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens hob die IV-Stelle deshalb die laufende Dreivier- telsrente von A.____ mit Verfügung vom 17. März 2016 au f das Ende des der Zustellung fol- genden Monats auf. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin N atalie Matiaska, am 2. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte, in Auf hebung der Verfügung vom 17. März 2016 sei ihm weiterhin eine Dreiviertelsrente auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der une ntgeltlichen Rechtspflege mit Advokatin Matiaska als Rechtsvertreterin. Zur Begründung wurde im W esentlichen ausgeführt, dass auf- grund der im Rahmen der Rentenrevision eingeholten Un terlagen ein verbesserter Gesund- heitszustand nicht rechtsgenüglich nachgewiesen sei. C. Mit Verfügung vom 13. Juni 2016 wurde dem Beschwerd eführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Natalie Matiaska als Rechtsvertreterin bew illigt und auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses verzichtet. D. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Juli 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 7. September 2016 beantragte der Beschwerdeführer, es sei eine Parteiverhandlung durchzuführen und Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, als Sachverständiger anzuhören. F. Mit Verfügung vom 19. September 2016 wurde der An trag des Beschwerdeführers auf Durchführung einer Parteiverhandlung, anlässlich welche r Dr. B.____ als Sachverständiger an- zuhören sei, vorerst abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereich- te Beschwerde vom 2. Mai 2016 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. In formeller Hinsicht ist zunächst der Verfahrensantr ag, es sei eine Parteiverhandlung durchzuführen und Dr. B.____ als Sachverständiger anzuhören, zu beurteilen. 2.1.1 Ein solcher Antrag kann zum einen auf die Durc hführung einer öffentlichen Verhand- lung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK abzielen. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung be- darf es hierfür im Sozialversicherungsprozess grundsätzlich eines klaren und unmissverständli- chen Parteiantrags (BGE 120 V 8 E. 3d, BGE 119 V 381 E. 3b/dd, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 121 I 38 E. 5f). Fehlt es an einem solchen, lässt si ch in der Regel gegen ein ausschliess- lich schriftliches Verfahren nichts einwenden. Insbesonder e in Verfahren, die nach der Praxis des betroffenen Kantons üblicherweise ausschliesslich in Schr iftform durchgeführt werden, muss sich die Partei, die eine öffentliche Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK wünscht, der Notwendigkeit eines entsprechenden Antrags bewusst sein, weshalb dessen Feh- len als Verzicht zu werten ist (BGE 121 I 40 f. E. 6a, BGE 119 Ib 329 ff.). 2.1.2 Ein Antrag auf Durchführung einer Parteiverha ndlung kann sodann aber auch zum Zwecke einer Parteibefragung oder -anhörung gestellt werden oder im Zusammenhang mit wei- teren Beweisanträgen wie der Einvernahme eines Zeugen, der Anhörung eines Sachverständi- gen oder der Vornahme eines Augenscheins erfolgen. In all diesen Fällen handelt es sich beim Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung ledig lich um einen Beweisantrag . Aus ihm allein ist denn auch (noch) nicht auf den Wunsch auf e ine konventionskonforme Verhandlung mit Publikums- und Presseanwesenheit zu schliessen (BGE 122 V 55 E. 3a mit Hinweisen). 2.2 Vorliegend verlangt die Rechtsvertreterin des Beschw erdeführers nicht die Durchfüh- rung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Die beantragte mündliche Parteiverhandlung soll vielmehr dazu dienen, die medi zinischen Zusammenhänge von einer sachverständigen Person anhand des konkret zu beurteilend en Sachverhalts erläutern zu las- sen. Nach dem vorstehend Gesagten handelt es sich beim ent sprechenden Begehren somit lediglich um einen Beweisantrag. In Anbetracht dessen, dass Dr. B.____ in seinen aktenkundi- gen Berichten vom 11. November 2015 und 27. April 201 6 zu der in diesem Verfahren zu beur- teilenden medizinischen Sachlage Stellung genommen hat, besteht keine Veranlassung für eine öffentliche, mündliche Parteiverhandlung zwecks Anhörung eines medizinischen Sachverstän- digen. Somit ist nicht zu beanstanden, dass der Instruktion srichter in seiner Verfügung vom 19. September 2016 den Beweisantrag des Beschwerdeführers abgewiesen hat. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwe rdeführer über den 30. April 2016 hinaus Anspruch auf eine Rente der IV hat. 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invali- denversicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit o der Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigu ng der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behan dlung und Eingliederung verblei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke iten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindes- tens 40% invalid ist. 3.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich geblie benen Gesundheitszustandes er- heblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; R UDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grundfigur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, i n: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 4.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 22. April 2003 mit Wirkung ab 1. April 1998 eine unbefris- tete halbe Rente (Invaliditätsgrad: 61%) zu. Mit Verf ügung vom 10. August 2004 wurde die lau- fende halbe Rente aufgrund der mit der 4. IV-Revision eingeführten neuen Rentenabstufung per 1. Januar 2004 auf eine Dreiviertelsrente erhöht. Eine einlässliche materielle Prüfung des Ren- tenanspruchs mit einer vertieften Abklärung des medizi nischen Sachverhalts erfolgte im Rah- men des im August 2007 eingeleiteten Revisionsverfahrens, holte die IV-Stelle doch damals ein Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bidisziplinäres Gutachten bei Dr. med. C.____, FMH Rheu matologie, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein. Gestützt auf die Ergebnisse in deren Gutachten vom 12. Dezember 2007, eröffnete die IV-Stelle dem Versi cherten in der Mitteilung vom 21. Dezember 2007, dass sie keine Änderung festgestellt habe, die sich auf die Rente auswir- ke, weshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige Dreivie rtelsrente (Invaliditätsgrad: 62%) be- stehe. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung de r Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 17. März 2016 eine Änderun g in den tatsächlichen Verhältnis- sen eingetreten ist, die eine revisionsweise Herabsetzung oder Aufhebung der bis anhin ausge- richteten IV-Rente rechtfertigt, bildet demnach die Situation, wie sie gemäss der Mitteilung vom 21. Dezember 2007 bestand. Dabei ist zu beachten, dass eine Mitteilung – wenn keine Verfü- gung verlangt worden ist (Art. 74 quater IVV) – in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rec hts- kräftigen Verfügung gleichzustellen ist (Urteil des Bunde sgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hinweis). 5. Im Folgenden ist demnach zunächst zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsfähigkeit d es Versicherten in anspruchserheblicher Weise verbessert hat. 6.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 6.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an för mliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.4 Im Urteil vom 29. August 2011 (9C_418/2010) hat d as Bundesgericht ergänzend zu- sätzliche Besonderheiten festgehalten, die es in Revisionsf ällen (im Sinne des Art. 17 ATSG) bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen Sachverhaltes zu beachten gilt: 6.4.1 Da die Feststellung einer revisionsbegründenden V eränderung durch eine Gegenüber- stellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Bewei- ses das Vorhandensein einer entscheidungserheblichen Dif ferenz der den medizinischen Gut- achten zu entnehmenden Tatsachen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und dessen funktionelle Auswirkungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit sie tatsächlich einen Unter- schied auf der Seinsebene zum früheren Zustand wiedergi bt. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wese ntlich davon ab, ob es sich ausrei- chend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren u nd schlüssigen medizinischen Beurtei- lung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), ma ngelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer fr üheren abweichende) ärztliche Einschät- zung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern ei ne effektive Veränderung des Gesund- heitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben ( Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). 6.4.2 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrech tlichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in i hrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Eine verlässliche Abgr enzung der tatsächlich eingetre- tenen von der nur angenommenen Veränderung ist als er forderliche Beweisgrundlage nicht erreicht, wenn bloss nominelle Differenzen diagnostischer Art bestehen. Die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretenen tatsächlichen Änderung ist hingegen genügend untermauert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunk- te in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbe itsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnosti- schen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben. Ein Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverständiger kann jedoch die betreffende Entwicklung regelmässig nicht aus eigener Wahrnehmung beschreiben (ausser er sei schon als Vorgutacht er tätig gewesen). Daher ist es erforderlich, dass er sich, soweit verfügbar, mit den Fakt en fundiert auseinandersetzt, wie sie sich aus den für den früheren Entscheid massgebenden medizinischen Vorakten ergeben. Dem Gutachten, welches die medizinischen Vorakten unzureichend berücksichtigt, fehlt daher die erforderliche Überzeugungs- und Beweiskraft selbst dann, wenn die Schlussfolgerungen, wel- che auf der Grundlage der vom Sachverständigen selber e rhobenen Befundtatsachen gezogen worden sind, an sich einleuchten und vom Rechtsanwender prüfend nachvollzogen werden können. Diesem Beweiswertkriterium kommt hinsichtlich der Entscheidungsgrundlagen in Revi- sionsfällen – mit Blick auf deren vergleichende Natur – eine besondere Bedeutung zu. Diese spezifischen Anforderungen müssen sich denn auch im Rahmen der Fragestellung zuhanden des Gutachters niederschlagen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). 6.4.3 Je mehr medizinisches Ermessen bei der Stellung ei ner Diagnose und der ärztlichen Einschätzung der Funktionseinschränkungen im Spiel ist, de sto wichtiger ist es, den gutachtli- chen Befund einer Veränderung möglichst solide auf klini sche Feststellungen, gutachterliche Verhaltensbeobachtungen und anamnestische Daten zu stüt zen und diese Elemente in Bezie- hung zu den medizinischen Vorakten und den dort gesetzt en Anknüpfungstatsachen zu brin- gen. Nur so kann dem Gutachten hinreichend zuverlässig entnommen werden, dass die in den Schlussfolgerungen beschriebene Differenz nicht wesentli ch einer unterschiedlichen Wertung zuzuschreiben ist. Auf der anderen Seite darf die Notwe ndigkeit, eine bloss andere Beurteilung nicht als Anlass einer materiellen Revision gelten zu lasse n, nicht dazu führen, dass die Anfor- derungen an den Nachweis einer Veränderung so hoch ang esetzt werden, dass die ursprüngli- che Festlegung praktisch perpetuiert wird. Dies gilt insbe sondere für psychiatrische Beurteilun- gen, bei denen praktisch immer ein Spielraum besteht, innerhalb dessen verschiedene medizi- nische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Hier können die Beurteilungen nicht i mmer lückenlos mit Tatsachenschilde- rungen unterlegt werden. Bei einer stark ermessensgepr ägten Einschätzung, die weniger auf Messung und anderweitig normierter Feststellung als auf interpretationsbedürftigen Befundtat- sachen beruht, kann etwa eine Auseinandersetzung mit der Genese des Gesundheitsschadens, den das Krankheitsgeschehen unterhaltenden Faktoren, für den Nachweis einer tatsächlichen Veränderung besondere Bedeutung erlangen (Urteil de s Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.4 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2013, 9C_698/2012, E. 2.2). 7.1 Im Rahmen des im August 2007 eingeleiteten Renten revisionsverfahrens, in welchem die IV-Stelle die laufende Dreiviertelsrente des Versic herten bestätigte (Mitteilung vom 21. Dezember 2007), stützte sie sich bei der Beurteilu ng des medizinischen Sachverhalts auf das von ihr veranlasste Gutachten der Dres. C.____ und D. ____ vom 12. Dezember 2007. In somatischer Hinsicht diagnostizierte Dr. C.____ mit Auswir kung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches thorakovertebrales Syndrom. Ohne Auswirkung au f die Arbeitsfähigkeit bestünde ein Status nach Mitralklappenoperation am 8. März 200 0. Die klinische Untersuchung zeige einen kräftig gebauten Exploranden mit leichter Adiposi tas, deutlichem Rundrücken mit Hyper- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht kypose der Brustwirbelsäule (BWS), normaler Form der L endenwirbelsäule (LWS) und leichter Kopfpropulsion. Die Wirbelsäule sei im Lot. An den obe ren und unteren Extremitäten würden sich Normalbefunde zeigen. Kraft, Sensibilität und Refl exbild seien unauffällig. Der periphere Gelenkstatus entspreche einem Normbefund. Im Bereich der BWS würde sich eine leichte Ein- schränkung bei der Seitneigung finden. Es bestünden klare Hinweise auf eine psychogene Schmerzgenese. Auch der geklagte Schwindel sei im Rahme n einer gewissen Überlagerungs- symptomatik zu sehen. Aggravation oder Simulation seien zu verneinen. Die aktuellen Rönt- genbilder der BWS würden einen normalen Befund zeig en. Als Maurer sei der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig. Angepasste leichte bis mittelschwer e Tätigkeiten seien aber vollschichtig zumutbar. In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierte Dr. m ed. Andor D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig keit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) bei kombinierter Persönli chkeitsstörung (ICD-10 F61.0) mit vorwiegend ängstlich-vermeidenden und narzisstischen Elemen ten. Der Versicherte sei infolge von Rückenschmerzen seit 1997 keiner Erwerbstätigkeit me hr nachgegangen. Es scheine ihm zu keinem Zeitpunkt gelungen zu sein, den Verlust seiner körperlichen Integrität adäquat zu verarbeiten. Die Unfähigkeit, die neue Lebenssituation anders als mit vollständiger Arbeitsunfä- higkeit und permanenten Körperschmerzen zu verarbeiten , basiere auf einer ungünstigen Per- sönlichkeitsstruktur, die ihre Wurzeln in den schwierigen Familienverhältnissen habe. Der Ex- plorand zeige deutliche Hinweise für eine narzisstische S törung. Zudem seien ängstlich- vermeidende Elemente auszumachen. Aus psychosozialen Grün den habe der Versicherte in den letzten Jahren immer wieder depressiv reagiert. Au fgrund der psychischen Störung zeige der Explorand ein relevantes Vermeidungsverhalten und eine fehlerhafte Schmerzverarbeitung, die zu einer teilweisen Einschränkung der Funktionsfähig keiten führen würden. Erhaltende und nicht erhaltende Funktionsfähigkeiten würden sich die Waage halten, so dass aus psychiatri- scher und gesamtmedizinischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen sei. 7.2.1 Im Rahmen des im März 2012 von Amtes wegen eingel eiteten Revisionsverfahrens gab die Beschwerdegegnerin zur Abklärung des massgebliche n medizinischen Sachverhalts bei der MEDAS X.____ ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, welches am 7. Mai 2013 erstattet wurde. Demnach seien die geklagten Leiden am Bewegungsapparat im Rahmen der orthopädischen Untersuchung nicht objektivierbar gewesen . Indes könnten die Adipositas und die körperliche Dekonditionierung einen Teil der Besch werden erklären. Internistisch bestünde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine therapeu tisch erfolgreich angegangene koronare Herzerkrankung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigke it bestünden ein obstruktives Schlafapnoesyndrom, eine arterielle Hyperthonie und ei ne valvulare Herzerkrankung bei Zu- stand nach Mitralklappenrestruktion im Jahr 2000. Aus i nternistischer Sicht bestünde ab 27. Januar 2011 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Maurer im Umfang von 20%. Andere berufliche Tätigkei ten seien vollständig zumutbar, wobei starke körperliche Belastung, Stress und Wechselschichttätigk eiten zu vermeiden seien. Aus psychiatrischer Sicht sei keine Diagnose mit Auswirkung a uf die Arbeitsfähigkeit festzustellen. So seien gegenwärtig keine psychiatrisch definierten Stö rungen, Hemmungen oder Barrieren erkennbar, welche einer Arbeitsaufnahme entgegenstehen würden. Die noch bestehenden Ein- schränkungen im Alltag seien auf die unzureichende Strukt urierung des Tagesablaufs bei feh- lender beruflicher Beschäftigung zurückzuführen. Die in den früheren Gutachten dokumentier- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Befindlichkeitsstörungen und Verhaltensauffälligkei ten bestünden nicht mehr. Eine weitere Differenzierung der früher erhobenen psychiatrischen Befu nde und Diagnosen sei aktuell we- gen der lückenhaften Aktenlage und der fehlenden bzw. insuffizienten psychiatrischen Behand- lung retrospektiv nicht mehr möglich. Bei der gegenwärt igen Beschwerdekonstellation könnten aber die früher gestellten Diagnosen einer anhaltende n somatoformen Schmerzstörung und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend ängstlich-vermeidenden und narziss- tischen Elementen nicht mehr nachvollzogen werden. Eine anhaltende somatoforme Schmerz- störung liege weder gegenwärtig vor, noch sei sie ret rospektiv zuverlässig darstellbar. Diese finde sich auch in den ärztlichen Befunden der letzten Ja hre kaum noch Erwähnung. So fehle bei den Angaben des Versicherten eine affektiv besetzt e Beschwerdefokussierung. Die Be- schreibung der Beschwerden sei undifferenziert und allge mein. Zudem zeige sich eine man- gelnde Leistungsbereitschaft und die Bereitschaft Behan dlungsmassnahmen in Anspruch zu nehmen sei gering. Die geklagte Schmerzsymptomatik beruhe auf einem dysfunktionalen Be- wältigungsmuster. Eine relevante Persönlichkeitsstörung k önne ebenfalls nicht diagnostiziert werden. Im Rahmen der Exploration wirke der Versicherte weder ängstlich-vermeidend noch seien eindeutige narzisstische Elemente feststellbar. Insge samt seien dem Versicherten ange- passte Verweistätigkeiten vollständig zumutbar. 7.2.2 Am 11. November 2015 hielt der behandelnde Ar zt Dr. B.____ fest, dass der Versi- cherte vom 4. Dezember 2002 bis 16. April 2004 bei ihm in Behandlung gewesen sei. Die Be- handlung sei am 27. Januar 2015 wieder aufgenommen worden. Seit dem Jahr 1999 bestünden unverändert eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und akzentuierte Persönlichkeitszüge in Form von ängstlich-vermeidenden und narzisstisch anmutenden Zügen (ICD-10 Z73.1). Der Versicherte habe weiterhin Beschwer den, insbesondere Schmerzverarbei- tungsstörungen und soziale Rückzugstendenzen mit ängstli ch-vermeidendem Verhalten, kom- biniert mit einer nur geringen Frustrationstoleranz i n der Alltagsbewältigung. Insgesamt sei von einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70% auszugehen. 7.2.3 Am 27. April 2016 hielt Dr. B.____ ergänzend fest, dass entgegen der Auffassung im Gutachten der MEDAS X.____ vom 7. Mai 2013 der Bestan d einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.5) weiterhin zu bejahen se i, da die bekannten somatisch objekti- vierbaren Befunde das aktuelle Beschwerdebild nicht gänzl ich erklären würden. Zudem würde sich die dysfunktionale Schmerzverarbeitung aggravierend au swirken. Daraus liesse sich die allgemein nur geringe Belastbarkeit und das Vermeidungsverhalten erklären. Verstärkend seien die akzentuierten Persönlichkeitszüge in Form von ängstl ich-vermeidenden sowie narzisstisch anmutenden Zügen (ICD-10 Z73.1). Diese zeigten sich d urch die meistens vorhandene An- spannung, die Besorgtheit, die geringe Frustrationstol eranz und die geringe Flexibilität in der Bewältigung vieler Alltagsaufgaben. Insgesamt hätten sich im Laufe der Jahre recht auffällige Verhaltensmuster entwickelt, die wesentlich zur Vermin derung der beruflichen und sozialen Fähigkeiten/Kompetenzen geführt hätten. 8.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteilu ng des aktuellen medizinischen Sachverhalts und bei ihrem Entscheid über die Frage, o b seit dem Abschluss der im Jahr 2007 durchgeführten Rentenrevision (Mitteilung vom 21. Dezem ber 2007) eine wesentliche Verbes- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht serung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers eingetreten ist, vollumfänglich auf die Ergebnisse des Gutachtens der MEDAS X.____ vom 7. Mai 20 13. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert habe und ihm nun die Ausübung einer angepassten Tätigkeit im Umfang von 100% zumutbar sei. 8.2 Wie unter Erwägung 6.3 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsver- fahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Vorliegend sind keine Gründe ersichtli ch, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des Gutachtens vom 7. Mai 2013 in Frage zu ste llen oder davon abzuweichen. Das Gutachten weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesge- richt verlangt wird (vgl. E. 6.2 hiervor) – für die stre itigen Belange umfassend, beruht auf allsei- tigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschw erden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medi zinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, setzt sich mit den bei den Akten liegenden (abwei- chenden) fachärztlichen Einschätzungen auseinander und ist in den Schlussfolgerungen über- zeugend. 8.3 Bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen S achverhalts in Revisionsfällen gelten ausserdem besondere Anforderungen an die Bewei stauglichkeit (vgl. E. 6.4 hiervor). Beweisthema dieser Gutachten ist nicht bloss die Festste llung des aktuellen Gesundheitszu- stands und seiner funktionellen Auswirkungen, sondern insb esondere auch den Vergleich die- ses Befunds mit dem früheren Gesundheitszustand. Spricht si ch ein solches Gutachten nicht hinreichend darüber aus, inwiefern eine effektive Verä nderung des Gesundheitszustands statt- gefunden hat, mangelt es ihm in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, es sei denn, die Änderung der gesundheitlichen Verhältnisse ist ohn ehin evident (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). Das Gutach ten der MEDAS X.____ äussert sich zwar – wohl nicht zuletzt aufgrund der entsprechend unv ollständigen Fragestellung durch die IV-Stelle – nicht ausführlich zur Entwicklung des Gesundhe itszustandes und nimmt auch keinen ausdrücklichen Vergleich zwischen dem früheren und dem jetzigen Gesundheitszustand vor. Es beschränkt sich im Wesentlichen darauf, den aktuellen Gesu ndheitszustand zu beschreiben und zu beurteilen. Dennoch hält die Auffassung der Vor instanz, wonach die aktuellen medizini- schen Unterlagen eine zur Einstellung der Rentenleistu ngen führende Veränderung des Ge- sundheitszustands ausweisen würden, einer Überprüfung stand . Denn aufgrund des Gutach- tens der MEDAS X.____ vom 7. Mai 2013 kann darauf gesc hlossen werden, dass der Be- schwerdeführer aktuell keine gesundheitlichen Probleme ha t, welche zu einer relevanten Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit in einer Erwerbstätigke it führen. Es wird deutlich, dass im Ver- gleich zur Beurteilung von Dr. D.____ im Gutachten vom 12. Dezember 2007 aktuell weder eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung noch eine kombi nierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend ängstlich-vermeidenden und narzisstischen Elemen ten diagnostiziert werden kön- nen. Damit ist aber gleichzeitig auch die revisionsrechtli ch erhebliche Verbesserung des Ge- sundheitszustandes im Vergleich zur Situation, wie sie die Dres. C.____ und D.____ am Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12. Dezember 2007 (50%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychisc hen Gründen) festgestellt hatten, evident. Damit genügt das Gutachten vom 7. Mai 2013 auch den bundesgerichtlichen Vorgaben zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts in Revisions fällen, weshalb ihm volle Beweis- kraft zukommt. 8.4 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geeign et, Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens vom 7. Mai 2013 zu wecken. Er rügt insbesondere , der psychiatrische Gutachter der MEDAS X.____ habe sich mit der bisher diagnostizierten Schmerzstörung nicht hinreichend auseinandergesetzt resp. nicht schlüssig dargelegt, wesha lb die Kriterien der somatoformen Schmerzstörung nicht gegeben seien. Zwar ist dem Beschw erdeführer darin beizupflichten, dass der psychiatrische Gutachter der MEDAS X.____ die kl assifikatorischen Vorgaben für die Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) nicht detailliert dar- legte. Indes begründete der Psychiater einlässlich und na chvollziehbar das Fehlen einer psy- chischen Störung mit Krankheitswert mit den vorhandenen Ressourcen des Versicherten, der eine gute Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit aufwei se, in der Lage sei, eigenständige Ent- scheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Zudem sei er in lebenspraktischen Fertigkeiten hinsichtlich einer selbstständigen Lebensf ührung nicht eingeschränkt und er weise eine gute familiäre wie auch eine ausreichende ausserfa miliäre soziale Integration auf. Weiter hielt der Gutachter explizit fest, dass – unter besondere r Berücksichtigung des Mini-ICF-Ratings für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen E rkrankungen – keine qualitativen oder quantitativen Einschränkungen bestünden, die sich a uf die Arbeitsfähigkeit des Versicher- ten auswirken würden (vgl. Gutachten vom 7. Mai 2013, S. 21). Vor diesem Hintergrund ist der erhebliche funktionelle Schweregrad der Störung zu ver neinen, setzt doch die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) per defini tionem Beeinträchtigungen der All- tagsfunktionen voraus (BGE 141 V 281 E. 2.1.1 mit Literaturhinweisen). Wenn der Beschwerde- führer weiter rügt, der psychiatrische Experte habe sich n icht hinreichend mit den Kriterien der bis anhin diagnostizierten kombinierten Persönlichkeitss törung (ICD-10 F61.0) auseinanderge- setzt, ist ihm entgegenzuhalten, dass auch der behandeln de Psychiater Dr. B.____ in seinen Berichten vom 11. November 2015 und 27. April 2016 kei ne Persönlichkeitsstörung, sondern akzentuierte Persönlichkeitszüge in Form von ängstlich-ver meidenden und narzisstisch anmu- tenden Zügen (ICD-10 Z73.1) diagnostizierte. Selbst we nn der Beurteilung von Dr. B.____ ge- folgt und akzentuierte Persönlichkeitszüge bejaht würd en, liesse sich nichts zu Gunsten des Versicherten ableiten, denn akzentuierte Persönlichkeitszüge (Probleme mit Bezug auf Schwie- rigkeiten bei der Lebensbewältigung) beeinflussen zwar den Gesundheitszustand einer Person, sie stellen aber keine Krankheit oder Schädigung dar (S VR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.2.2.2). Auch bei einer Gesamtbetrachtung aller m assgeblichen Indikatoren gemäss BGE 141 V 281, wären hier die geltend gemachten Leist ungseinschränkungen nicht durch eine versicherte Gesundheitsschädigung begründet. Die Prüfung d er rechtserheblichen Standardin- dikatoren gemäss BGE 141 V 281 erübrigt sich deshalb in Anwendung der neuen Praxis des Bundesgerichts, zumal eine medizinisch-gesundheitliche Ans pruchsgrundlage, welche zur rechtlichen Anerkennung einer Invalidität führt, gestü tzt auf das beweiskräftige Gutachten der MEDAS X.____ vom 7. Mai 2013 schon mangels einer die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Gesundheitsbeeinträchtigung nicht nachgewiesen ist (BGE 141 V 281 E. 2.1). Wenn der Be- schwerdeführer schliesslich geltend macht, während den Integrationsmassnahmen seien erneut Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht die altbekannten Verhaltensmuster aufgetreten, die let ztlich zu einem Abbruch derselben ge- führt hätten, ist darauf hinzuweisen, dass der psychiatr ische Gutachter beim Beschwerdeführer eine mangelnde Leistungsbereitschaft resp. eine reduzierte Motivation in Bezug auf eine mögli- che Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit feststell te. Unter diesen Umständen vermag der Beschwerdeführer aus der Tatsache, dass die Integrati onsmassnahmen nicht abgeschlos- sen werden konnten, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Neuere fachärztliche Berichte, die im hier zu beurteilenden Zeitraum bis 17. März 2016 nach der Begutachtung durch die MEDAS X.____ eine massgebliche Verschlechterung des Gesundheit szustandes beschreiben würden oder an den Feststellungen im aktuellen Gutachten Zwe ifel zu begründen vermögen, liegen nicht vor. 9. Aufgrund des Gesagten ist gemäss der massgebenden Beu rteilung im Gutachten der MEDAS X.____ vom 7. Mai 2013 davon auszugehen, dass dem Versicherten eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 100% möglich und zumutbar ist . Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung v on Amtes wegen durch das Ge- richt eine andere Einschätzung der Vergleichseinkommen vo rzunehmen wäre und die Berech- nung auch vom Versicherten nicht beanstandet wurde, erü brigt sich eine detaillierte Auseinan- dersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Ein kommensvergleich. Es ist mit der IV- Stelle davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ein rentenausschliessendes Erwerbsein- kommen erzielen könnte. Die angefochtene Verfügung vom 17. März 2016, mit welcher die bis- her ausgerichtete Dreiviertelsrente des Beschwerdeführer s aufgehoben wurde, ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die dagegen gerichtete Beschwerde deshalb abzuweisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 13. Juni 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewilli gt wurde, gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 13. Juni 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt wu rde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honora r bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Besc hwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 7. September 2016 für das vorliegende Verfahren e inen Zeitaufwand von 24,83 Stunden und Auslagen von Fr. 89.40 geltend gemacht. Zu beachte n ist, dass gemäss Art. 52 Abs. 3 ATSG für den Aufwand im Einspracheverfahren keine Pa rteientschädigung zugesprochen wird. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der zu entgeltende Aufwand ist demnach auf das vorliege nde Beschwerdeverfahren zu be- schränken, woraus ein Zeitaufwand von 21,83 Stunden à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 64.90 resultieren. In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin der Rechtsvertreterin für das Einwandverfahren zufolge Bewilligung der unentgel tlichen Verbeiständung ein Honorar im Umfang von Fr. 5‘622.30 (24.67 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 272.50 und 8% Mehrwertsteuer) vergütete, erweist sich der vorliegen d geltend gemachte Aufwand für das Beschwerdeverfahren als zu hoch, weshalb eine angemessen e Kürzung der Entschädigung vorzunehmen ist. Da ein Teil des Aufwands bereits im Vorverfahren abgegolten wurde und rund die Hälfte der 16-seitigen Beschwerdeschrift eine Zus ammenfassung der Akten enthält, ist für das vorliegende Verfahren eine reduzierte Entschädigung von Fr. 3‘526.10 (16 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 64.90 und 8% Mehrw ertsteuer) gerechtfertigt. Der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers wird deshalb ein Honorar in dieser Höhe aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. 10.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘526.10 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht