Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. September 2015 (715 15 19 / 216) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Anspruch auf Insolvenzentschädigung aufgrund Verletzung der Schadenminderungs- pflicht verneint Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei ber i.V. Lukas Meyer Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Insolvenzentschädigung A. Die 1991 geborene A.____ stand vom 1. Mai 2013 b is 31. Oktober 2013 als Verkäuferin Textilien mit der B.____ AG in einem Arbeitsverhält nis. Am 14. Oktober 2013 leitete die Versi- cherte gegen ihre ehemalige Arbeitgeberin die Betre ibung für die ausstehenden Lohnforderun- gen ein. Gegen diese wurde von der B.____ AG am 19. November 2013 Rechtsvorschlag er- hoben. Am 19. März 2014 wurde über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet. Am 4. April 2014 stellte A.____ bei der Arbeitslosenversicherung Ant rag auf Insolvenzentschädigung für die aus- stehenden Löhne der Monate August bis Oktober 2013. Mit Verfügung vom 21. Mai 2014 lehnte die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeit slosenkasse) den Antrag auf Insolvenzent- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigung mit der Begründung ab, A.____ sei ihrer Schadenminderungspflicht nicht genügend nachgekommen. Insbesondere habe sie es unterlassen, die of fenen Lohnforderungen beim ehemaligen Arbeitgeber rechtsgenüglich geltend zu machen. B. Die dagegen am 28. Mai 2014 erhobene Einsprache w ies die Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 10. Dezember 2014 ab. Die Versicherte h abe nach dem Rechtsvorschlag der B.____ AG weder ein Rechtsöffnungsbegehren noch eine Lohnklage eingereicht. Sie habe so- mit in der Zeit vom 19. November 2013 bis 19. März 2014 (ca. vier Monate) nicht die notwendi- gen Schritte eingeleitet, um die Betreibung fortzusetze n, respektive die offenen Lohnforderun- gen einzufordern. Damit habe die Versicherte zumindes t grobfahrlässig gehandelt und sei ihrer Schadenminderungspflicht nicht gehörig nachgekommen. C. Hiergegen erhob A.____ am 17. Januar 2015 Beschwer de beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrech t (Kantonsgericht). Sie beantrag- te sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheides sowie die Ausrichtung der Insolven- zentschädigung. Sie habe aufgrund ihrer finanziellen L age weder eine anwaltliche Vertretung bestellen können, um die ausstehenden Löhne gerichtlich g eltend zu machen, noch hätte sie die Gesellschaft in den Konkurs treiben können. Sie hab e sich in der Zeit vom 19. November 2013 bis 19. März 2014 im Rahmen ihrer finanziellen Mö glichkeiten intensiv um Informationen bemüht. Zudem habe sie die Schadenminderungspflicht ni cht verletzt, da sie ihre ehemalige Arbeitgeberin mehrmals mündlich aufgefordert habe, ihrer Lohnzahlungspflicht nachzukommen. Weiter machte sie geltend, sie habe nicht mit einem konkreten Lohnverlust rechnen müssen, da sie als Verkaufsmitarbeiterin Einblicke in den täglichen Umsatz gehabt habe. Ausserdem seien die Auskünfte der Arbeitslosenkasse und des Betreibungs amtes zum Vorgehen nach der Erhe- bung eines Rechtsvorschlages nicht verständlich gewesen und si e habe nicht gewusst, was zu tun war. D. Zur Beschwerde liess sich die Arbeitslosenkasse mit Ein gabe vom 7. April 2015 ver- nehmen und beantragte deren Abweisung. Zur Begründu ng verwies sie in erster Linie auf die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid. Der H inweis der Beschwerdeführerin ihr sei es aufgrund ihrer finanziellen Lage nicht möglich ge wesen, sich anwaltlich vertreten zu las- sen, ziele ins Leere, da arbeitsrechtliche Streitigkeiten bis Fr. 30‘000.-- kostenlos seien und auch in Schuldbetreibungssachen die Möglichkeit bestehe, unentgeltliche Rechtspflege zu be- antragen. Weiter wäre die Versicherte zu weitergehend en Schritten gehalten gewesen, da es sich um erhebliche Lohnausstände gehandelt habe und sie konkret mit einem Lohnverlust habe rechnen müssen. E. In ihrer Stellungnahme vom 25. Mai 2015 zur Vern ehmlassung vom 7. April 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obliga torische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht e rhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. d der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolve nzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Arbeitslosenkassen, welche die Insolvenzentschädigung betreffen, nach dem Ort des zuständigen Betreibungs- und Kon- kursamtes. Vorliegend war für das Konkursverfahren über d ie B.____ AG ein Konkursamt im Kanton Basel-Landschaft zuständig, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 17. Ja nuar 2014 ist deshalb einzutreten. 2.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG haben beitragspfl ichtige Arbeitnehmende von Arbeit- gebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unter liegen oder in der Schweiz Arbeit- nehmende beschäftigen, Anspruch auf Insolvenzentschädig ung, wenn gegen ihre Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen. Die Insol- venzentschädigung deckt nach Art. 52 Abs. 1 AVIG Lohnforderungen für die letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 1 AVIG. 2.2.1 Vorausgesetzt wird zunächst der erforderliche Bezug des Arbeitgebers zur Schweiz. Der Arbeitgeber muss in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unte rliegen oder aber zumindest in der Schweiz Arbeitnehmer beschäftigen. Nach Art. 46 Abs . 2 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) vom 11. April 1889 sind die im Handelsregister einge- tragenen juristischen Personen und Gesellschaften an ihr em Sitze zu betreiben (ordentlicher Betreibungsort; vgl. auch Art. 56 des Schweizerischen Zi vilgesetzbuches [ZGB] vom 10. Dezember 1907). Gemäss Handelsregisterauszug ist die B .____ AG mit Sitz in Liestal im Handelsregister eingetragen und unterliegt somit der Zwangsvollstreckung in der Schweiz. 2.2.2 Insolvenzentschädigung kann weiter erst beansprucht werden, wenn ein bestimmtes Stadium im schuldbetreibungs- und konkursrechtlichen Ve rfahren gegen den Arbeitgeber er- reicht worden ist. Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG bezeichn et die Eröffnung des Konkurses gegen den Arbeitgeber als massgeblich. Gemäss Handelsregisterauszug w urde über die B.____ AG mit Verfügung vom 19. März 2014 der Konkurs eröffnet. Das Ar beitsverhältnis wurde per 31. Okto- ber 2013 – also vor der Konkurseröffnung über den Arb eitgeber – aufgelöst. Gemäss Recht- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprechung des Bundesgerichts sind Fälle, in denen der Ko nkurs über den Arbeitgeber während des Arbeitsverhältnisses eröffnet wurde, denjenigen Fäl len gleichzustellen, in welchen das Ar- beitsverhältnis zwar wegen Insolvenz des Arbeitgebers been det wurde, sich die Eröffnung des Konkurses aber verzögert. Der Versicherte soll seinen Ansp ruch auf Insolvenzentschädigung nicht deswegen verlieren, weil sich die Konkurseröffnung aus Gründen verzögert, die er nicht zu vertreten hat. Er ist für seine ausstehenden Lohnguthab en ebenso schutzbedürftig wie ein Ver- sicherter, dessen Arbeitgeber während des Arbeitsverhältnisses in Konkurs fällt (BGE 114 V 59 E. 3c). Damit ist die eben genannte Voraussetzung ebenfalls erfüllt. 2.3 Art. 53 Abs. 1 AVIG verlangt ferner, dass bei Konku rseröffnung über den Arbeitgeber der Arbeitnehmer seinen Entschädigungsanspruch späteste ns 60 Tage nach Veröffentlichung des Konkurses im Schweizerischen Handelsamtsblatt bei der öffentlichen Arbeitslosenkasse stellen muss, die am Ort des Betreibungs- und Konkursamte s zuständig ist. Die Versicherte reichte ihren Antrag auf Insolvenzentschädigung am 4. A pril 2014 und damit innerhalb der ge- setzlich geforderten Frist bei der örtlich zuständigen Arbeitslosenkasse ein. 3.1.1 Nach Art. 55 Abs. 1 AVIG müssen Arbeitnehmende i m Konkurs- oder Pfändungsverfah- ren alles unternehmen, um ihre Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die Kas- se ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das Verfa hren eingetreten ist. Danach müssen sie die Arbeitslosenkasse bei der Verfolgung ihres Anspruchs i n jeder zweckdienlichen Weise un- terstützen. Diese Bestimmung bezieht sich dem Wortlaut n ach auf das Konkurs- und Pfän- dungsverfahren. In reduziertem Umfang greift diese Scha denminderungspflicht bereits vor der Auflösung des Arbeitsverhältnisses, wenn der Arbeitgeber der Lohnzahlungspflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und mit einem Lohnverlust zu r echnen ist (vgl. ARV 2002 Nr. 30 S. 190). 3.1.2 Die Anforderungen an die Erfüllung der Schade nminderungspflicht und damit an die ausreichenden Bemühungen im Sinne von Art. 55 Abs. 1 AVIG wurden vom Bundesgericht in den letzten Jahren präzisiert. In BGE 114 V 60 Erwägu ng 4 führte das Bundesgericht aus, der Anspruch auf Insolvenzentschädigung entfällt, wenn der Arbeitnehmer vor oder nach der Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses seine Lohnansprüche nicht innert nützlicher Frist geltend macht. Das Ausmass der vorausgesetzten Schadenminderungspflicht richtet sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls (vgl. Urteil des EVG vom 6. Fe bruar 2006, C 270/05, E. 3.1). Dies konkretisierte das Bundesgericht dahingehend, dass einer versicherten Person vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht die gleiche Schadenminder ungspflicht obliegt wie danach (vgl. Urteil vom 14. Oktober 2004, EVG C 114/04). Zu weite rgehenden Schritten ist die versicherte Person jedoch insbesondere dann gehalten, wenn es sich u m erhebliche Lohnausstände han- delt und sie konkret mit einem Lohnverlust rechnen muss. Damit ein Anspruch auf Insolven- zentschädigung besteht, wird neben unmissverständlichen Z eichen zur Geltendmachung der Lohnforderungen eine konsequente und kontinuierliche W eiterverfolgung der eingeleiteten Schritte gefordert, welche in einem der vom Gesetz gef orderten zwangsvollstreckungsrechtli- chen Stadien münden müssen (Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2009, 8C_462/2009, E. 3.3). Selbst wenn die Überschuldung des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin offensichtlich erscheint, ist es keineswegs ausgeschlossen, dass die Lohnforde rungen von Arbeitnehmern Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht kurz vor der Konkurseröffnung oder der Pfändung doch noch beglichen werden (Urteil des Bun- desgerichts vom 3. Oktober 2011, 8C_630/2011, E. 4.2). Im Urteil 8C_898/2011 vom 6. Juni 2012 erkannte das Bundesgericht jedoch keine Verletzung der Schadenminderungspflicht darin, dass ab Zeitpunkt der Zahlungseinstellung des Arbeitgebe rs bis zur Einreichung des Betrei- bungsbegehrens knapp zwei Monate verstrichen. In einem anderen Fall entschied das Bundes- gericht, dass von einem hochbezahlten Projektverantwortlichen zielgerichtetes Verhalten erwar- tet werden darf. In diesem Sinne kann nicht beanstand et werden, dass die blosse mündliche Geltendmachung nach einem Ausstand von mehr als drei bis vier Monaten als grobe Missach- tung des objektiv zu Erwartenden gewertet wurde (Urtei l des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 8C_66/2011, E. 4.3). Demgegenüber stellte das B undesgericht in einem anderen Ent- scheid fest, dass ein Zuwarten von drei Monaten vom Ausble iben der geschuldeten Lohnzah- lung bis zur schriftlichen Geltendmachung kein grobes Ve rschulden darstellt, da es sich um einen Vorarbeiter im Baugewerbe handelte, der es nich t gewohnt gewesen ist, mit seiner Ar- beitgeberin schriftlich zu kommunizieren (Urteil des Bun desgerichts vom 4. November 2009, 8C_643/2008, E. 4). 3.1.3 In einem neueren Urteil führte das Bundesgeri cht aus, dass es nach konstanter Recht- sprechung für die Erfüllung der Schadenminderungspflic ht in der Regel nicht genügt, wenn Lohnausstände lediglich mündlich gemahnt werden. Dies g ilt beispielsweise, wenn es um eine langandauernde, das heisst über zwei bis drei Monate hi naus andauernde Nichterfüllung der vertraglichen Verpflichtung des Arbeitgebers geht; wenn überhaupt keine, also auch keine Akonto- oder Teilzahlung erfolgt; wenn aus der Sicht de s Versicherten nicht mit guten Gründen damit gerechnet werden kann, dass sich bald eine Besserun g der Situation ergibt und wenn nicht andere, im Einzelfall verständliche Gründe vorli egen, die ein Zuwarten mit zielgerichteten Schritten aus objektiver Sicht verständlich erscheinen lasse n. Insbesondere ist der Umstand allein, dass zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitneh mer verwandtschaftliche Beziehun- gen bestehen, keine hinreichende Begründung für ein N ichtergreifen der notwendigen Mass- nahmen. Zwar mag mit Blick auf ein bestehendes Familien verhältnis aus persönlicher Sicht verständlich erscheinen, dass von weiteren Massnahmen zur Rea lisierung der Lohnansprüche abgesehen wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2009, 8C_685/2009, E. 4.2). 3.2 Eine Leistungsverweigerung infolge Verletzung de r Schadenminderungspflicht im Sinne von Art. 55 Abs. 1 AVIG setzt voraus, dass einer versicherte n Person ein schweres Verschul- den, also vorsätzliches oder grobfahrlässiges Handeln oder Unterlassen, vorgeworfen werden kann (vgl. U RS BURGHERR , Die Insolvenzentschädigung, Zahlungsunfähigkeit des Arbe itgebers als versichertes Risiko, Diss. Zürich 2004, S. 166 und FN 640). Dem massgeblichen Erfordernis der Verhältnismässigkeit ist mit dem Ausmass der vom Arbei tnehmer zu erwartenden Vorkeh- ren Rechnung zu tragen; dabei ist jedes Vorgehen zu ber ücksichtigen. Das Ausmass der vo- rausgesetzten Schadenminderungspflicht richtet sich nach d en jeweiligen Umständen des Ein- zelfalls. Es hat eine Gesamtbetrachtung der Bemühungen P latz zu greifen. Vom Arbeitnehmer wird in der Regel nicht verlangt, dass er bereits währen d des bestehenden Arbeitsverhältnisses gegen den Arbeitgeber betreibungsrechtliche Schritte einleitet oder eine Klage einreicht. Die versicherte Person muss jedoch unmissverständliche Zeichen setze n, aus denen die Ernsthaf- tigkeit ihrer Lohnforderungen zu erkennen ist. Dement sprechend darf sie nicht untätig bleiben Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und zuwarten, bis der Arbeitgeber (beispielsweise) in Konkurs fällt (vgl. Urteil des EVG vom 15. Oktober 2001, C 194/01, E. 2b). Zu weitergehenden Sc hritten ist die versicherte Person gehal- ten, wenn es sich um erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem Lohnverlust rechnen muss (vgl. Urteile des EVG vom 6. Februar 2006 , C 270/05; vom 20. Juli 2005, C 264/04; vom 14. Oktober 2004, C 114/04 und vom 4. Juli 2002, C 33/02). 4.1 Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwe rdeführerin auf Insolvenzentschädi- gung und in diesem Zusammenhang insbesondere die Frag e, ob die Beschwerdeführerin ihrer Schadenminderungspflicht in hinreichendem Masse nachgekommen ist. 4.2 Die Beschwerdegegnerin monierte in diesem Zusamme nhang, die Beschwerdeführerin habe die Lohnforderung zwar am 14. Oktober 2013 in Be treibung gesetzt, jedoch in den vier Monaten zwischen dem am 19. November 2013 erhobenen Re chtsvorschlag bis zur Kon- kurseröffnung am 19. März 2014 keine weiteren geeignete n Schritte zur Durchsetzung ihrer offenen Lohnforderung unternommen. Dies stelle eine g robfahrlässige Unterlassung dar, zumal die Beschwerdeführerin letztmals den Lohn in der Höhe von Fr. 2'208.35 für den Juli 2013 er- halten habe und in den drei Monaten vor Auflösung de s Arbeitsverhältnisses am 31. Oktober 2013 weder eine Teil- noch eine Vollzahlung bei ihr e ingegangen sei. Bei drei ausstehenden Monatslöhnen handle es sich um erhebliche Lohnausstände un d es sei daher offensichtlich gewesen, dass die Firma bereits über einen längeren Zei traum zahlungsunfähig war. Die Be- schwerdeführerin habe konkret mit einem Lohnverlust rechnen müssen. 4.3 Dem hielt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen e ntgegen, sie sei im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten stets aktiv gewesen. Um sich anwa ltlich vertreten zu lassen, oder die B.____ AG selbst in Konkurs zu treiben, hätte sie sich hoch verschulden müssen. Den Vorwurf der grobfahrlässigen Unterlassung akzeptiere sie nicht, d a sie nie auf die Geltendmachung ih- res Anspruchs verzichtet habe. Bereits nach der ersten ausg ebliebenen Lohnzahlung habe sie ihren Arbeitgeber mehrmals mündlich aufgefordert, sei ner Verpflichtung nachzukommen. Sie sei gutgläubig gewesen und habe den Aussagen, die zur B egründung der ausstehenden Lohn- zahlungen gemacht wurden, geglaubt. Die überraschende Leerräumung der Filiale zeige, dass sie zuvor zu keinem Zeitpunkt mit einem konkreten Lohnverlus t habe rechnen müssen. Zudem seien ihr die Informationen zum Vorgehen im Verfahre n sowie die Anforderungen an die Scha- denminderungspflicht nicht klar und verständlich vermittelt worden. 4.4 Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführ erin im September 2013 ihre Lohnforderung vom August 2013 per Einschreiben bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin einforder- te. Die folgenden ausgebliebenen Lohnzahlungsansprüch e vom September 2013 und Oktober 2013 machte sie im Anschluss jedoch nur mündlich geltend . In tatsächlicher Hinsicht steht fest und ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin keine Massnahmen zur Beseitigung des von der ehemaligen Arbeitgeberin am 19. November 2013 er hobenen Rechtsvorschlages ergriff. Der Rechtsvorschlag steht einer Weiterführung des Vollst reckungsverfahrens entgegen. Vier Monate später am 19. März 2014 wurde der Konkurs über d ie B.____ AG eröffnet. In der Zeit dazwischen hat die Beschwerdeführerin keine Rechtshandl ungen zur Durchsetzung ihrer aus- stehenden Lohnansprüche unternommen. Die Beschwerdefüh rerin hat sich zwar unbestritte- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nermassen mehrfach mündlich nach ihrem Lohn erkundigt, telefonisch Auskünfte eingeholt und sich mit ehemaligen Mitarbeitern getroffen und abgespr ochen. Es ist jedoch darauf hinzuwei- sen, dass eine versicherte Person sich gegenüber der (ehemaligen) Arbeitgeberin so zu verhal- ten hat, als ob es das Institut der Insolvenzentschädigun g nicht gäbe (vgl. U RS BURGHERR , a.a.O., S.149). Auch eine Überschuldung schliesst nicht aus, dass eine Arbeitgeberin noch über liquide Mittel verfügt, welche aber – mangels Druck seite ns der Arbeitnehmenden – prioritär für andere Zwecke als für die Bezahlung der Lohnausstände ve rwendet werden. Die Vorinstanz führt somit zu Recht an, dass die Beschwerdeführerin di e Rechtsöffnung hätte verlangen oder eine Lohnklage hätte anheben sollen, da arbeitsrechtli che Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 30'000.-- kostenlos gewesen wären. Zudem kann es u nter arbeitslosenversicherungs- rechtlichen Gesichtspunkten nicht Sache der versicherten Person sein, darüber zu entscheiden, ob weitere Vorkehrungen zur Realisierung der Lohnanspr üche erfolgsversprechend sind oder nicht (Urteil des EVG vom 3. Dezember 2003, C 148/03). Das tatenlose Zuwarten während vier Monaten ist bei den vollen Lohnausständen von drei Mon atslöhnen erheblich und als grobfahr- lässige Verletzung der Schadenminderungspflicht zu wert en. Die Erheblichkeit der Lohnaus- stände ist bei Ausständen von drei vollen Monatslöhnen zu bejahen. Zudem bestätigt insbeson- dere auch der Brief der Beschwerdeführerin vom 19. Se ptember 2013 an ihre Arbeitgeberin, wie sehr sie auf dem Lohn angewiesen war, um ihren Ver pflichtungen gegenüber dem Vermie- ter, der Krankenkasse etc. nachzukommen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wäre die Beschwerdeführerin aber gehalten gewesen, ihre Lohnforderungen gegenüber der ehemali- gen Arbeitgeberin vehementer durchzusetzen. Vor diesem Hintergrund und unter Bezugnahme auf die unter Erwägung 3.1.2 ff. hiervor genannte bu ndesgerichtliche Rechtsprechung ist in der Untätigkeit der Beschwerdeführerin und dem Zuwarten b is die ehemalige Arbeitgeberin in Kon- kurs fällt, eine Verletzung der Schadenminderungspflich t zu sehen. Demzufolge wurde ihr An- spruch auf Insolvenzentschädigung zu Recht verneint. 4.5 Weiter kann die Beschwerdeführerin gestützt auf die im Brief vom 25. Mai 2015 enthal- tene Behauptung, dass andere Mitarbeiter eine Insolven zentschädigung erhalten hätten, nichts zu ihren Gunsten ableiten. Denn der Anspruch auf Insol venzentschädigung wird für jeden Ar- beitnehmer eines Betriebes gesondert beurteilt. 5.1 Indem die Beschwerdeführerin geltend macht, ihr sei nicht klar gewesen, was sie nach dem Rechtsvorschlag hätte unternehmen sollen, da ihr kei ne Behörde verständlich habe Aus- kunft erteilen können, bleibt zu prüfen, ob aufgrund des Gebots von Treu und Glauben ein An- spruch auf Insolvenzentschädigung besteht. 5.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie habe sich ab Oktober 2013 erstmals beim Amt für Arbeit und Migration C.____ gemeldet und danach mehr ere Male schriftlich und telefonisch beim KIGA und beim SVA Basel-Landschaft um Hilfe ersu cht. Aus den erhaltenen Informatio- nen sei für sie nicht klar gewesen, was sie nach einem Re chtsvorschlag unternehmen müsse. Die Informationen seien somit nicht verständlich an sie vermittelt worden. Weil der Inhalt der Telefongespräche nicht bekannt sei, könne auch nicht festgestellt werden, ob die Informationen auch korrekt weitergegeben worden seien. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Bei der Verweigerung der Insolvenzentschädigung in folge Pflichtverletzung kann sich auch die offensichtlich (rechts)unkundige Versicherte ni cht darauf berufen, die zumutbaren Pflichten gemäss Art. 55 Abs. 1 AVIG seien ihr nicht be kannt gewesen, da vor der Anmeldung zum Leistungsbezug naturgemäss noch keine behördliche Ausku nftspflicht besteht und man grundsätzlich keine Vorteile aus seiner eigenen Rechtsunke nntnis ableiten kann (vgl. BGE 124 V 220 E. 2b/aa mit Hinweisen). Im Rahmen des Vertrau ensschutzes kommt eine vom Gesetz abweichende Behandlung nur in Betracht, wenn die pra xisgemäss erforderlichen fünf Voraus- setzungen für eine Berufung auf den öffentlich-rechtlic hen Vertrauensschutz (vgl. dazu BGE 138 V 258 E. 6 mit Hinweisen auf BGE 116 V 298 E . 3a) erfüllt sind. Dies setzt insbeson- dere voraus, dass die Verwaltung tatsächlich eine falsche Auskunft erteilt hat (BGE 124 V 220 E. 2b/aa). Wie die Beschwerdeführerin selbst vorbringt , ist der Inhalt der Gespräche nicht be- kannt (vgl. E. 5.2 hiervor). Zudem behauptet sie nicht, die Verwaltung habe ihr eine unzutref- fende Auskunft in dem Sinne erteilt, dass sie ohne weit eres bis zur allfälligen Konkurseröffnung zuwarten könne, um einen Anspruch auf Insolvenzentschädig ung geltend zu machen. Auch die Aktenlage lässt indes den Schluss nicht zu, dass die Beschwerd egegnerin ihr vorbehaltlos eine falsche Auskunft hinsichtlich der Schadenminderungspflicht erteilt hat. Daher verfängt der Ein- wand der Rechtsunkenntnis nicht. Ansprüche aus Treu und Gl auben im Hinblick auf eine allfäl- lige unterbliebene oder unzutreffende Auskunft andere r Ämter im Zusammenhang mit der Wei- terführung des Zwangsvollstreckungsverfahrens vermögen im v orliegenden Streit um Insolven- zentschädigung keine Auswirkungen zu zeitigen. 5.4 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin zu Beginn der Lohnausstände mit der schriftlichen Gelte ndmachung des Lohnes für den Monat August und der Einleitung der Betreibung zwar unmissvers tändliche Zeichen zur Geltendma- chung ihrer Lohnforderungen setzte. Dies reicht aber zu r Erfüllung der Schadenminderungs- pflicht nicht aus. Gefordert ist auch eine konsequente un d kontinuierliche Weiterverfolgung der eingeleiteten Schritte, welche in einem der vom Gesetz geforderten zwangsvollstreckungsrecht- lichen Stadien münden müssen, damit ein Anspruch auf Ins olvenzentschädigung besteht. Die Ablehnung des Anspruchs auf Insolvenzentschädigung durch d ie Beschwerdegegnerin ist des- halb insgesamt nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 6. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorliegende V erfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht