Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Januar 2017 (715 16 281 / 31) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung. Das Verschulden bei einer während der Pro- bezeit durch die versicherte Person erfolgten Kündigung ist im Allgemeinen weniger streng zu beurteilen, als wenn sie das Arbeitsverhältnis zu einem späteren Zeitpunkt auf- löst. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Mark A. Schwitter, Rechtsanwalt, Postfach 507, 8965 Berikon gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1993 geborene A.____ war zuletzt ab 1. Dezem ber 2015 bei der B.____AG in X.____ als Augenoptikerin angestellt. Am 8. Februar 2016 kündigte sie dieses Arbeitsverhältnis noch während der Probezeit auf den 20. Februar 2016 . Am 21. März 2016 meldete sich A.____ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum Y.____ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht am 23. März 2016 bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse B aselland (Arbeitslosenkasse) An- spruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 21. März 2016. Mit Verfügung vom 18. Mai 2016 stell- te die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter A rbeitslosigkeit ab 21. Februar 2016 für 18 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Die von A.____, vertreten durch Rechts- anwalt Dr. Mark A. Schwitter, gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Einsprach- einstanz des KIGA Baselland, Abteilung Öffentliche Arbe itslosenkasse, mit Entscheid vom 5. Juli 2016 ab. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Schwitter, am 5. September 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Be schwerde seien der Einspracheent- scheid vom 5. Juli 2016 und die Verfügung vom 18. Mai 2 016 aufzuheben. Es sei von einer Einstellung der Anspruchsberechtigung ab 21. Februar 2016 wegen selbstverschuldeter Ar- beitslosigkeit abzusehen. Eventualiter sei die Einstellung in der Anspruchsberechtigung auf ma- ximal 7 Tage zu begrenzen. In verfahrensrechtlicher Hi nsicht beantragte sie, soweit die Be- schwerde nicht bereits gestützt auf die Akten gutgeheisse n werden könne, sei eine öffentliche Verhandlung durchzuführen und sie persönlich anzuhören; eventualiter seien Zeugen einzuver- nehmen und von den behandelnden Ärzten Berichte einzuh olen. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass ihr eine Fortsetzung des Arbei tsverhältnisses nicht zumutbar gewe- sen sei und sie kein Verschulden an der Arbeitslosigkeit treffe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 23. November 2016 schloss d ie Arbeitslosenkasse auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2016 wies der instru ierende Präsident des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, den Antrag der Beschwerdeführerin auf Durchfüh- rung einer Parteiverhandlung ab. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide au s dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit A rt. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbe itslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasse s die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend erfüllt die Beschwerdeführerin ihre Kontrollpfl icht im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassung s- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträg er gemäss Art. 56 ATSG. Auf Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwer- de ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwer- deführerin zu Recht für die Dauer von 18 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 90.-- beläuft sich der Strei twert somit auf Fr. 1‘620.--, weshalb die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arb eitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem n ach den persönlichen Umständen und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalt en der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Um- stände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemute t werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gef unden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S . 116). Die Zumutbarkeit zum Verblei- ben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 2 1. Juni 1988 über Beschäftigungsförde- rung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinko mmen; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige („volontairement“) Aufgeben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans mo tif légitime“) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30 . April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt d ie Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundhei tsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Un zumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverh alts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). 2.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mei nungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 10 5 S. 323, C 128/96). Bei Schwierig- keiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und d ergleichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicherung einer neuen Anschlussstel- le aufzugeben. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass b elastende Verhältnisse am Arbeits- platz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nich t rechtfertigen. Sie können aber allenfalls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicherten Person nicht entsprechen- des Betriebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf f olgende Verfahrensgrundsätze hin- zuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwer- deverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Da nach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und voll ständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abkläru ngen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nic ht uneingeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). Sodann ist da rauf hinzuweisen, dass bei sich wider- sprechenden Angaben der versicherten Person die Beweismaxim e gilt, wonach die sogenann- ten spontanen „Aussagen der ersten Stunde“ in der Rege l unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst vo n nachträglichen Überlegungen ver- sicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 115 V 133 E. 8c). 4. Zu prüfen ist, ob der Versicherten ein Verschulden a n ihrer Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG anzulasten ist. 5. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folgt dar: Am 8. Februar 2016 kündigte die Beschwerdeführerin das am 19. November 2015 geschlosse ne Arbeitsverhältnis während der Probezeit auf den 20. Februar 2016. Zur Begründu ng hielt sie im Wesentlichen fest, dass die in der Filiale X.____ gelebte Unternehmenskultur nicht ihren Erwartungen und den bisheri- gen sehr guten Erfahrungen in der B.____AG entsprochen habe. So sei sie von der Filialleiterin in einer massiv verletzenden Art beschimpft und zurechtge wiesen worden, nachdem sie einer älteren Dame – auf deren Wunsch hin – lediglich einen Brillengestell-Ersatz anstatt einer neuen Brille mit neuen Gläsern offeriert habe. In der Fol ge habe die Filialleiterin entschieden, dass sie während eines Jahres keine Brillen verkaufen, sondern n ur anderen Augenoptikern assistieren dürfe, was eine arbeitsvertragswidrige Weisung darstelle . Die Art des Zurechtweisens verletze die Regeln des gebotenen Anstands und sei für die weite re Tätigkeit als Augenoptikerin völlig demotivierend gewesen. Da sie mit einer nachhaltigen Ve rbesserung der in der Filiale X.____ bestehenden Probleme innerhalb nützlicher Frist nicht ha be rechnen können, habe sie sich ge- zwungen gesehen, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Im A ntrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 23. März 2016 gab die Beschwerdeführerin als Grund für die Kündigung „Mob- bing/Verletzung der Persönlichkeitsrechte“ an. In der Arbeitgeberbescheinigung vom 4. April 2016 wurde bei der Frage nach dem Grund der Kündigu ng auf das Kündigungsschreiben der Versicherten vom 8. Februar 2016 verwiesen. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs gab die Ver- sicherte an, wegen Mobbing der Filialleiterin gekündigt zu haben. Das Arbeitsverhältnis sei nicht aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst worden. In ihrer Einsprache vom 23. Mai/20. Juni 2016 gegen die Verfügung vom 18. Mai 2016 liess die Versiche rte im Wesentlichen festhalten, dass Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie das Arbeitsverhältnis aufgrund des schikanösen Verhalte ns und der vertragswidrigen Wei- sungen der Filialleiterin gekündigt habe. Bereits ihr e Vorgängerin habe die Stelle wegen Mob- bing durch die Filialleiterin verlassen. Aufgrund der Tatsache, dass sie seit dem 13. April 2016 (wieder) für die C.____AG arbeite und die B.____AG und die C.____AG dieselbe Personalab- teilung hätten, könne nicht auf ein Fehlverhalten i hrerseits geschlossen werden. Zu berücksich- tigen sei schliesslich, dass die Auflösung des Arbeitsverhäl tnisses während der Probezeit er- folgt sei und sie wegen dem Vorgehen der Filialleite rin gesundheitliche Beeinträchtigungen ge- habt habe. 6.1 Es steht unbestritten fest, dass die Beschwerdeführeri n das bestehende Arbeitsverhält- nis auf den 20. Februar 2016 auflöste, ohne dass ihr zum damaligen Zeitpunkt von anderer Sei- te verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gewese n wäre. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihr ein Verbleiben an der bis- herigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen zum utbar gewesen wäre (vgl. E. 2.3 hier- vor). Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe i hre Stelle wegen Mobbing gekündet. Mobbing ist nach einer auch vom Bundesgericht verwendete n Definition ein systematisches, feindliches, über einen längeren Zeitraum anhaltende s Verhalten, mit dem eine Person an ih- rem Arbeitsplatz isoliert, ausgegrenzt oder gar von ihr em Arbeitsplatz entfernt werden soll (Ur- teile des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_826/2009, E. 4.2 und vom 17. Mai 2010, 4A_32/2010, E. 3.2 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführ erin begründete den Mobbing-Vorwurf im Wesentlichen damit, dass sie – nachdem sie einer ältere n Dame lediglich einen Brillenge- stell-Ersatz anstatt einer neuen Brille mit neuen Gläser n offeriert habe – von der Filialleiterin in einer massiv verletzenden Art beschimpft und zurechtgewi esen worden sei und diese bestimmt habe, dass sie während eines Jahres keine Brillen verkauf en, sondern nur noch hätte assistie- ren dürfen. In diesem Vorgehen der Filialleiterin i st aber – angesichts der nur kurzen Anstel- lungsdauer von etwas mehr als zwei Monaten – noch kein f ür Mobbing charakteristisches sys- tematisches und über einen längeren Zeitraum anhalten des Verhalten zu sehen. Zwar kann aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin darauf g eschlossen werden, dass auf persönli- cher Ebene zwischen ihrer Vorgesetzten und ihr Spannung en bestanden. Solche Schwierigkei- ten reichen aber rechtsprechungsgemäss nicht aus, um den (vorläufigen) weiteren Verbleib an der Arbeitsstelle als unzumutbar erscheinen zu lassen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 324 E. 2a mit Hinweis). Allfällige Verletzungen arbeitsvertraglicher Rechte und Pflichten wären auf zivilrechtli- chem Weg geltend zu machen. Soweit die Beschwerdeführerin für die Unzumutbarkeit des Ver- bleibens an der Arbeitsstelle gesundheitliche Gründe anf ührt, kann ihr nicht gefolgt werden. Abgesehen davon, dass aufgrund der Angaben im Rahmen des rechtlichen Gehörs überwie- gend wahrscheinlich davon auszugehen ist, dass das Arbeitsv erhältnis nicht aus gesundheitli- chen Gründen aufgelöst wurde („Aussage der ersten Stun de“; vgl. E. 3.2 hiervor), finden sich in den Akten keine Arztzeugnisse, die eine Unzumutbarkeit de r Weiterführung des bisherigen Ar- beitsverhältnisses bescheinigen würden. Im Rahmen diese r Mitwirkungspflicht wäre es an der Beschwerdeführerin gewesen, die medizinische Notwendigke it der Aufgabe der Arbeitsstelle glaubhaft zu machen, was ihr aber nicht gelungen ist. Auch wenn die Situation am Arbeitsplatz für die Beschwerdeführerin belastend war und der Wunsch nach einem Stellenwechsel nach- vollzogen werden kann, liegen aus arbeitslosenversicherung srechtlicher Sicht keine Gründe vor, welche die freiwillige Stellenaufgabe rechtfertigen würden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Zusammengefasst kann die Beschwerdeführerin nicht dar legen, dass ein zwingender Grund zur freiwilligen Stellenaufgabe vorgelegen hat. Gerade im Hinblick auf den strengen Massstab bei der Beurteilung der Zumutbarkeit zum Verbl eib an der bisherigen Stelle (vgl. E. 2.3 hiervor), erweisen sich ihre Vorbringen als nicht ausreichend. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung ist demnach im Grundsatz nicht zu beanstanden. 7.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltage korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 - 15 Tage bei leich tem Verschulden, 16 - 30 Tage bei mittel- schwerem Verschulden und 31 - 60 Tage bei schwerem Versc hulden. Innerhalb dieses Rah- mens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem E rmessen. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das der Arbeitslosenkasse zustehend e Ermessen ein. Es setzt nicht sein Ermessen anstelle desjenigen der Arbeitslosenkasse, so lange diese von ihrem Ermessen pflichtgemäss Gebrauch gemacht hat, also allen einschlägi gen Gesichtspunkten gebührend Rechnung getragen hat. 7.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist im vorlie genden Fall von einer solchen selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit auszugehen. Demnach lä ge der grundsätzliche Rahmen für die Bemessung der Einstelltage zwischen 31 und 60 Tagen. Die Beschwerdegegnerin setzte die Dauer der Einstellung auf 18 Tage fest. Dabei unt erschritt sie den grundsätzlichen Sankti- onsrahmen für ein schweres Verschulden. Dies kann gemäss bun desgerichtlicher Rechtspre- chung dann angezeigt sein, wenn zwar kein entschuldbarer Grund für die Stellenaufgabe, wohl aber besondere Umstände im Einzelfall vorliegen (vgl. BG E 130 V 126 E. 3.2). Diese können sich auf die subjektive Situation der betroffenen Perso n oder auf eine objektive Begebenheit beziehen (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 200 9, 8C_829/2009, E. 3.1). Bei der Festlegung der Dauer der Einstellung ist zu Gunsten d er Beschwerdeführerin zu Recht berück- sichtigt worden, dass diese den Anspruch auf Arbeitslosen entschädigung nicht sofort stellte. Auch das Verhalten der Arbeitgeberin erachtete die Be schwerdegegnerin als verschuldensmin- dernd. Zu Gunsten der Beschwerdeführerin ist aber auch zu berücksichtigen, dass die Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses während der Probezeit erfol gte. Das Verschulden bei einer wäh- rend der Probezeit durch die versicherte Person erfolgt en Kündigung ist im Allgemeinen weni- ger streng zu beurteilen, als wenn sie das Arbeitsverhält nis zu einem späteren Zeitpunkt auf- löst. Dies ergibt sich aus dem Zweck der Probezeit, welche den arbeitsvertraglichen Parteien nicht nur ermöglicht, das Vertragsverhältnis unter erlei chterten Bedingungen aufzulösen, son- dern ihnen in erster Linie eine Bedenkzeit einräumt, während welcher sie Gelegenheit haben, sich gegenseitig kennenzulernen und zu prüfen, ob das A nstellungsverhältnis den gegenseiti- gen Erwartungen entspreche (vgl. Urteil des Bundesger ichts vom 21. Dezember 2005, C 296/05, E. 3.3 mit Hinweis). Unter Berücksichtigung, dass das Verschulden bei einer während der Probezeit durch die versicherte Person erfolgten Kündigung weniger streng zu beurteilen ist und die Beschwerdegegnerin diesen Aspekt vorliegend nicht beachtete (vgl. die Bewertungskri- terien in act. 96), erscheint eine auf 12 Tage festgel egte Einstellung in der Anspruchsberechti- gung in diesem Fall angemessen und sachlich gerechtfert igt. Die Beschwerde ist demnach in- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sofern gutzuheissen, als in Abänderung des angefochte nen Einspracheentscheids vom 5. Juli 2016 die Einstellungsdauer von 18 Tagen auf 12 Tage herabgesetzt wird. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. 8.2 Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hält fest, dass die obsi egende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat. Bei diesem Au sgang des Verfahrens ist der Versi- cherten eine Parteientschädigung zu Lasten der Vorinst anz zuzusprechen. Ihr Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 19. Dezember 2016 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 3,75 Stunden à Fr. 1 80.-- und Auslagen von Fr. 41.-- ausge- wiesen. Zu beachten ist, dass im vorliegenden Verfahren der im Verwaltungsverfahren entstan- dene Aufwand nicht entschädigt werden kann, sodass insgesa mt ein Zeitaufwand von 2 Stun- den und Auslagen von Fr. 23.-- anzuerkennen sind. Da di e Beschwerde insofern gutzuheissen ist, als die Einstellungsdauer von 18 Tagen auf 12 Tage herabgesetzt wird, ist es angemessen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 413.65 (2 Stunden à Fr. 180.-- zu- züglich Auslagen von Fr. 23.-- und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Vorinstanz zuzuspre- chen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern gutgeheissen, als in Abänderung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 5. Juli 2016 Einstellungsdauer von 18 Tagen auf 12 Tage herabgesetzt wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 413.65 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid hat die Öffentliche Arbeitslosenkasse am 15. März 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_205/2017 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht