<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">352</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>62</b></span> <span class="ft3"><b>Rückstellung; Delkredere; Konzern (§ 68 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 StG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Forderungen zwischen verbundenen Unternehmen (Mutter- und</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Schwestergesellschaft) sind einer vorläufigen Wertberichtigung (Del-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kredere-Rückstellung) in der Regel nicht zugänglich.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Nur wenn die Forderungsgefährdung durch Umstände bewirkt wur-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>de, welche ausserhalb der Beeinflussungsmöglichkeiten der gemein-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>samen Aktionäre liegen und auch unter unabhängigen Unternehmen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zu einer vorläufigen Wertberichtigung berechtigen, ist eine Delkre-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dere-Rückstellung bzw. eine Wertberichtigung auf der Forderung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>geschäftsmässig begründet.</b></span><br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft5">vom 25. Februar 2016 in Sachen I. AG (3-RV.2015.138)</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrentin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in A. (...)</span><br/> <span class="ft1">Weiter ist davon auszugehen, dass die Rekurrentin eine Tochter-</span><br/> <span class="ft1">gesellschaft der X. Deutschland GmbH (Beteiligung 75 %) und die</span><br/> <span class="ft1">X. Austria GmbH eine Schwestergesellschaft ist.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Mit der Bilanz per 31. Dezember 2011 wurden "Debitoren" von</span><br/> <span class="ft1">CHF 1'471'910.24, "Debitoren Ausland" von CHF 107'781.23 und</span><br/> <span class="ft1">"Debitoren Nahestehende" von CHF 416'985.77 ausgewiesen. Das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">353</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Delkredere belief sich auf insgesamt CHF 254'100.00. Darin einge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen ist ein Betrag von CHF 38'989.00 (10 % von</span><br/> <span class="ft1">CHF 389'889.00) für Rückstellungen auf den Debitoren an nahe-</span><br/> <span class="ft1">stehende Personen, insbesondere auf Forderungen gegenüber der X.</span><br/> <span class="ft1">Deutschland GmbH und der X. Austria GmbH.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Im Veranlagungs- und Einspracheverfahren liess das KStA JP</span><br/> <span class="ft1">auf den "Debitoren Nahestehende" keine Delkredere-Rückstellung</span><br/> <span class="ft1">zu. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass auf den Forderungen ge-</span><br/> <span class="ft1">genüber Gruppengesellschaften kein Risiko der Nicht-Zahlung be-</span><br/> <span class="ft1">stehe. Die Forderungen gegenüber Gruppengesellschaften könnten</span><br/> <span class="ft1">nicht als gefährdet qualifiziert werden. Im Gegensatz zu einem Dritt-</span><br/> <span class="ft1">verhältnis sei die Bonität der einzelnen Gesellschaften im Konzern</span><br/> <span class="ft1">bekannt. Im Kanton Aargau gelte der Grundsatz, dass pauschale</span><br/> <span class="ft1">Wertberichtigungen von Forderungen gegenüber Nahestehenden</span><br/> <span class="ft1">nicht akzeptiert werden. Einzelwertberichtigungen von Forderungen</span><br/> <span class="ft1">innerhalb des Konzerns seien in Ausnahmefällen möglich. Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zung sei, dass nachweislich Inkassobemühungen eingeleitet worden</span><br/> <span class="ft1">seien. Dieser Nachweis sei vorliegend nicht erbracht.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">4.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Rückstellungen bzw. Wertberichtigungen zu Lasten der Erfolgs-</span><br/> <span class="ft1">rechnung sind zulässig für Verlustrisiken, die mit Aktiven des</span><br/> <span class="ft1">Umlaufvermögens, insbesondere mit Waren und Debitoren, verbun-</span><br/> <span class="ft1">den sind. Mit den Delkredere-Rückstellungen werden Verlustrisiken</span><br/> <span class="ft1">für Forderungen des Umlaufvermögens berücksichtigt. Der Umfang</span><br/> <span class="ft1">der geschäftsmässig begründeten Wertberichtigung richtet sich nach</span><br/> <span class="ft1">dem Grad der Verlustwahrscheinlichkeit der einzelnen Forderung</span><br/> <span class="ft1">(VGE vom 16. November 2000 in Sachen A. AG [BE.99.00045], be-</span><br/> <span class="ft1">stätigt durch Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juli 2001</span><br/> <span class="ft1">[2P.16/2001]; Markus Reich/Marina Züger, in: Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, Bundesgesetz über die di-</span><br/> <span class="ft1">rekte Bundessteuer [DBG], 2. Aufl., Basel 2008, Art. 29 DBG</span><br/> <span class="ft1">Rz. 32, mit Hinweisen).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">354</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht hat im VGE vom 16. November 2000</span><br/> <span class="ft1">in Sachen A. AG (BE.99.00045), bestätigt durch Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gerichtes vom 5. Juli 2001 (2P.16/2001), in Erw. 2 b) ausgeführt:</span><br/> <span class="ft7">"b) Forderungen zwischen verbundenen Unternehmen sind einer</span><br/> <span class="ft7">vorläufigen Wertberichtigung in der Regel nicht zugänglich. Es ist Sache</span><br/> <span class="ft7">der die Unternehmen beherrschenden gemeinsamen Aktionäre, dafür zu</span><br/> <span class="ft7">sorgen, dass eine Gefährdung von gegenseitigen Forderungen gar nicht erst</span><br/> <span class="ft7">eintritt. Erscheint die Schuldnergesellschaft nicht mehr zahlungsfähig, ist</span><br/> <span class="ft7">diese mit genügend Eigenkapital auszustatten, um deren Bonität zu garan-</span><br/> <span class="ft7">tieren. Besteht Zahlungsunwilligkeit trotz berechtigtem Anspruch, muss die</span><br/> <span class="ft7">widerstrebende Gesellschaft zur Begleichung der Schuld angehalten</span><br/> <span class="ft7">werden.</span><br/> <span class="ft7">Nur wenn die Forderungsgefährdung durch Umstände bewirkt wurde,</span><br/> <span class="ft7">welche ausserhalb der Beeinflussungsmöglichkeiten der gemeinsamen Ak-</span><br/> <span class="ft7">tionäre liegen und auch unter unabhängigen Gesellschaften zu einer vor-</span><br/> <span class="ft7">läufigen Wertberichtigung berechtigten, ist bei verbundenen Unternehmen</span><br/> <span class="ft7">(z.B. Schwestergesellschaften) eine Delkredere-Rückstellung bzw. eine</span><br/> <span class="ft7">Wertberichtigung auf der Forderung geschäftsmässig begründet (vgl.</span><br/> <span class="ft7">StE 2000, B 72.14.2 Nr. 25; 1996, B 72.14.1 Nr. 15). Ob eine Wertberich-</span><br/> <span class="ft7">tigung zulässig sei, ist aufgrund der konkreten Umstände im Einzelfall zu</span><br/> <span class="ft7">beurteilen. Nachweispflichtig für die geschäftsmässige Begründetheit als</span><br/> <span class="ft7">steuermindernden Umstand ist die Steuerpflichtige (...)."</span><br/> <span class="ft1">4.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Im Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprüfung, Band 1, Buch-</span><br/> <span class="ft1">führung und Rechnungslegung, Zürich 2009, S. 231, Ziff. IV.6.19.3.,</span><br/> <span class="ft1">wird zur Bedeutung des Delkrederes folgendes ausgeführt:</span><br/> <span class="ft7">"(...) Neben einzelnen konkretisierten Bewertungsrisiken hat das Del-</span><br/> <span class="ft7">kredere auch das allgemeine Kreditrisiko zu decken.</span><br/> <span class="ft7">Für das allgemeine Kreditrisiko, das heisst für die nach Vornahme von</span><br/> <span class="ft7">Wertberichtigungen für erkennbare Einzelrisiken noch verbleibenden Ri-</span><br/> <span class="ft7">siken für Forderungsausfälle, lässt die Eidgenössische Steuerverwaltung auf</span><br/> <span class="ft7">inländischen Guthaben (ausgenommen Forderungen gegen öffentlich-</span><br/> <span class="ft7">rechtliche Körperschaften und Forderungen mit voller Deckung) eine</span><br/> <span class="ft7">pauschale Wertberichtigung von 5% und auf ausländischen von 10% zu.</span><br/> <span class="ft7">(...)."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">355</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">6.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Zwar ist der Rekurrentin einerseits zuzustimmen, dass keine</span><br/> <span class="ft1">Konzernbesteuerung erfolgen kann. Insofern ist die geschäftsmässige</span><br/> <span class="ft1">Begründetheit der Delkredere-Rückstellung im Umfang von</span><br/> <span class="ft1">CHF 38'989.00 aus der Sicht der Rekurrentin im Drittvergleich zu</span><br/> <span class="ft1">prüfen. Anderseits verkennt die Rekurrentin aber, dass die pauschale</span><br/> <span class="ft1">Delkredere-Rückstellung hinsichtlich tatsächlich geschäftsmässiger</span><br/> <span class="ft1">Begründetheit überprüft werden kann (vgl. VGE vom 16. November</span><br/> <span class="ft1">2000 in Sachen A. AG [BE.99.00045], bestätigt durch Urteil des</span><br/> <span class="ft1">Bundesgerichts vom 5. Juli 2001 [2P.16/2001]).</span><br/> <span class="ft1">6.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Prüfung wurde vom KStA JP bei der Rekurrentin zwar un-</span><br/> <span class="ft1">ter einer etwas zu eingeschränkten Optik vorgenommen, indem jeg-</span><br/> <span class="ft1">liche Delkredere-Rückstellung unter Hinweis auf die "Veranlagungs-</span><br/> <span class="ft1">richtlinien" für unmöglich erklärt wurde. Im Schreiben vom 22. Mai</span><br/> <span class="ft1">2015 wurde aber präzisierend ausgeführt, dass im Konzern kein Ri-</span><br/> <span class="ft1">siko der Nicht-Bezahlung bestehe. Auf Nachfrage durch die</span><br/> <span class="ft1">Rekurrentin wurde in der E-Mail des Revisors des KStA vom 9. Juni</span><br/> <span class="ft1">2015 erwähnt, dass Abschreibungen auf Forderungen bei nachgewie-</span><br/> <span class="ft1">sener tatsächlicher Zahlungsunfähigkeit der Muttergesellschaft</span><br/> <span class="ft1">vorgenommen werden könnten. Im Einspracheentscheid wurde so-</span><br/> <span class="ft1">dann ausgeführt, dass eine Gefährdung der Forderungen gegenüber</span><br/> <span class="ft1">Gruppengesellschaften nicht ausgewiesen worden sei, womit implizit</span><br/> <span class="ft1">ein Nachweis eines Forderungsverlustes bzw. eines Kreditrisikos als</span><br/> <span class="ft1">möglich erachtet wurde.</span><br/> <span class="ft1">6.3.</span><br/> <span class="ft1">6.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Entgegen der Auffassung der Rekurrentin besteht kein absoluter</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf pauschale Wertberichtigung von Debitoren. Bei</span><br/> <span class="ft1">verbundenen Unternehmen, wie es die Rekurrentin, die X.</span><br/> <span class="ft1">Deutschland GmbH und die X. Austria GmbH sind, kann durchaus</span><br/> <span class="ft1">ein Nachweis des konkreten Kreditrisikos verlangt werden. Diesen</span><br/> <span class="ft1">Nachweis hat die Rekurrentin nicht erbracht. Dass und wie sich die</span><br/> <span class="ft1">Rekurrentin um die Einforderung der Guthaben bei der X.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">356</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Deutschland GmbH oder der X. Austria GmbH bemühte, wurde von</span><br/> <span class="ft1">der Rekurrentin ebenfalls nicht dargetan. Allein deshalb ist der Re-</span><br/> <span class="ft1">kurs abzuweisen.</span><br/> <span class="ft1">6.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Wenn die Rekurrentin ausführt, in der Vergangenheit hätten De-</span><br/> <span class="ft1">bitoren in Darlehen umgewandelt werden müssen, ändert das nichts</span><br/> <span class="ft1">an der Beurteilung, dass zwischen den nahestehenden Personen kein</span><br/> <span class="ft1">erhebliches Kreditrisiko besteht, welches zu einer Delkredere-Rück-</span><br/> <span class="ft1">stellung führen könnte. Debitorenguthaben wurden lediglich in eine</span><br/> <span class="ft1">Darlehensschuld umgewandelt. Auf die Uneinbringlichkeit bestehen-</span><br/> <span class="ft1">der aktueller Debitoren kann daraus nicht geschlossen werden. Das</span><br/> <span class="ft1">gilt auch, als für Darlehen Sicherheiten gestellt werden mussten</span><br/> <span class="ft1">(Darlehensvertrag zwischen der Rekurrentin und der X. Deutschland</span><br/> <span class="ft1">GmbH).</span><br/> <span class="ft1">6.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Auch das Argument, dass die Preise bei erhöhtem Dokumentati-</span><br/> <span class="ft1">onsbedarf immer wieder mit der Muttergesellschaft ausgehandelt</span><br/> <span class="ft1">werden müssten, bzw. nachträgliche Diskussionen über die Inhalte</span><br/> <span class="ft1">und Preise ändern nichts. Gleiches gilt für den Umstand, dass beim</span><br/> <span class="ft1">gegenseitigen Abgleich zum Abschluss Gegenverrechnungen von un-</span><br/> <span class="ft1">deklarierten Forderungen zu akzeptieren seien.</span><br/> <span class="ft1">Verhandlungen finden jeweils im tatsächlich ausgehandelten</span><br/> <span class="ft1">Preis ihren Niederschlag, welcher die (definitive) Debitorenforde-</span><br/> <span class="ft1">rung bestimmt. Eine Reduktion der Forderung führt zu einer effekti-</span><br/> <span class="ft1">ven Reduktion des Debitors, welche - soweit sie dem Drittvergleich</span><br/> <span class="ft1">standhält - ohne weiteres als Erlösminderung zu beachten ist. Ein</span><br/> <span class="ft1">Bedarf für eine (zusätzliche) pauschale Delkredere-Rückstellung</span><br/> <span class="ft1">wird damit nicht ausgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">6.3.4.</span><br/> <span class="ft1">Unbeachtlich bezüglich Delkredere-Rückstellung sind ver-</span><br/> <span class="ft1">längerte Zahlungsfristen. Sie ändern nichts am Bestand des Debitors.</span><br/> <span class="ft1">6.4.</span><br/> <span class="ft1">Eine Forderungsgefährdung durch Umstände, welche ausser-</span><br/> <span class="ft1">halb der Beeinflussungsmöglichkeit der X. Deutschland GmbH als</span><br/> <span class="ft1">Muttergesellschaft liegen, ist nicht ersichtlich.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">357</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">7.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist die vom KStA JP vorgenommene</span><br/> <span class="ft1">Aufrechnung mangels Nachweises eines Verlustrisikos auf Debitoren</span><br/> <span class="ft1">zu bestätigen. Dementsprechend ist der Rekurs abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>