Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. August 2015 (720 15 161) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ermittlung des Invalideneinkommens. Aus psychiatrischer Sicht ist der ausgebildeten Krankenschwester lediglich noch eine Teilzeittätigkeit in der Leichtpflege ohne medizini- sche Verantwortung zumutbar. Folglich ist nicht Anforderungsniveau 3 der Tabelle TA 1 der LSE heranzuziehen, sondern Anforderungsniveau 4. Ihr sei gemäss Dr. C.____ nur noch eine Tätigkeit in der Leichtpflege ohne medizinische Ver- antwortung möglich. Folglich müsse auf das Anforderungsniveau 4 abgestellt werden. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____,Beschwerdeführerin, vertreten durch Elisabeth Maier, Advo- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.1827.4599.50) Seite 2 A. Die 1953 geborene A.____ arbeitete zuletzt bis Okto ber 2013 bei der Kinderspitex B.____ und bis Januar 2014 bei den Spitexdiensten C.____ als Pflegefachfrau im Stundenlohn. Mit Gesuch vom 9. Januar 2013 meldete sie sich unter Hinw eis auf chronische Müdigkeit, De- pressionen und Burnout zum Bezug von Leistungen der Inva lidenversicherung an. Nach Abklä- rungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. März 2015 gestützt auf den Arztbericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. D.____ vom 20. Januar 2014 und einer attestierten Arbeitsfähigkeit von 60% sowie einen ermittelten IV-Grad von 30% einen Anspruch auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokatin Elisabeth Maier, mit Eingabe vom 7. Mai 2015 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verf ügung und die Ausrichtung der gesetzli- chen Leistungen. Eventualiter sei zur weiteren Abklärung des Sachverhalts ein Gerichtsgutach- ten in Auftrag zu geben. Subeventualiter sei die An gelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Begründung wurde im Wese ntlichen angeführt, dass grundsätz- lich nicht zu beanstanden sei, dass die IV-Stelle zur Fest stellung der Arbeitsfähigkeit auf den Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. D.____ abgestell t habe. Im Bericht sei aber festge- halten worden, dass der Beschwerdeführerin zwar die zule tzt ausgeübte Tätigkeit als Nachtwa- che noch zu 60% zumutbar sei, dass sie aber die normale T ätigkeit einer Krankenschwester nicht mehr ausüben könne. Folglich habe die IV-Stelle zur Bemessung des Invalideneinkom- mens zu Unrecht auf das Anforderungsniveau 3 der Tabell e TA 1, Gesundheits- und Sozialwe- sen der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statist ik (LSE) 2010 abgestellt, da das Anforderungsniveau 3 die Fähigkeiten einer Krankenschwest er voraussetze, welche die Be- schwerdeführer nicht mehr habe. Ihr sei gemäss Dr. D.___ _ nur noch eine Tätigkeit in der Leichtpflege ohne medizinische Verantwortung möglich. Fo lglich müsse auf das Anforderungs- niveau 4 abgestellt werden. Aufgrund der bestehenden E inschränkungen wie auch aufgrund des fortgeschrittenen Alters müsse der Beschwerdeführeri n ausserdem ein leidensbedingter Abzug von mindestens 15% zugestanden werden. Damit betr age das jährliche Invalidenein- kommen Fr. 30‘176.70 und der IV-Grad 50,3%. Falls wid er Erwarten auf das Anforderungsni- veau 3 abgestellt werden sollte, wäre ein leidensbedingter Abzug von 20% gerechtfertigt, womit ein IV-Grad von 43,7% resultieren würde. C. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 5. Juni 2015 die Abweisung der Be- schwerde. Die Anwendung des Anforderungsniveaus 3 sei be gründet, da ein Einbringen der Fachkenntnisse auch ohne Übernahme von medizinischer Vera ntwortung möglich sei. Ein Ab- stellen auf das Anforderungsniveau 4 würde den Fähigke iten und Möglichkeiten der Beschwer- deführerin sowie ihren Qualifikationen nicht entspreche n. Ferner seien die Einschränkungen bereits durch das reduzierte Pensum berücksichtigt worden, so dass ein leidensbedingter Ab- zug vom Tabellenlohn nicht gerechtfertigt sei. Schliessl ich sei anzunehmen, dass die Be- Seite 3 schwerdeführerin auch im Gesundheitsfall nur in einem Pensum von 60% arbeiten würde, wes- halb zur Ermittlung des IV-Grades richtigerweise die ge mischte Methode anzuwenden sei mit einem erwerblichen Anteil von 60% und einem Haushalts anteil von 40%, wobei im Haushalt keine Einschränkung anzunehmen wäre. D. Mit Replik vom 17. Juni 2015 und mit Duplik vom 9. Juli 2015 hielten beide Parteien an ihren Begehren und Argumenten fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende ode r längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.2. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 1.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad bei erwerbstätigen Versicherten auf- grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird da s Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Eink ommensdifferenz der IV-Grad bestim- men lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136). 1.4 Die Bemessung der Invalidität von Teilerwerbstätig en erfolgt nach Art. 28a Abs. 3 IVG. Danach wird bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstä tig sind, für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Danach wird der IV-Grad aufgrund eines Einkommensvergleichs (allgemeine Methode) bestimmt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IV G (Betätigungsvergleich) festgelegt. In die- sem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich Seite 4 festzulegen und der IV-Grad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Bemessungsmetho- de). 1.5 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig einzustufen ist - was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invalid itätsbemessung führt -, ergibt sich nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesun dheitliche Beeinträchtigung bestün- de. 2.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arb eitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3. Unbestritten ist, dass der Versicherten ab 1. Septembe r 2013 eine Tätigkeit in der Leichtpflege ohne medizinische Verantwortung zu 60% zumu tbar ist. Strittig und zu prüfen ist dagegen der Einkommensvergleich und zwar in Bezug auf d ie Methodenwahl, das Invaliden- einkommen und den leidensbedingten Abzug. 4.1 Zur Bestimmung des IV-Grades wendete die IV-Stelle in der Verfügung vom 26. März 2015 die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs an . In ihrer Vernehmlassung vom 5. Juni 2015 stellt sie sich nun auf den Standpunkt, da ss die Beschwerdeführerin als Gesunde nie mehr als 60% gearbeitet habe, weshalb richtigerwe ise die gemischte Methode anzuwenden sei. Dies ergebe sich daraus, dass sie gemäss eigenen Angaben nicht mehr als Fr. 43‘000.-- im Jahr verdient habe, um zu verhindern, dass die Unterha ltsleistungen ihres geschiedenen Ehe- mannes gekürzt würden. Diese Aussage ist inhaltlich nachwe islich unzutreffend. Dem individu- Seite 5 ellen Konto (IK-Auszug) ist zu entnehmen, dass die Besc hwerdeführerin ohne Unterhaltszah- lungen im Jahr 2008 Fr. 65‘833.--, im Jahr 2009 Fr. 4 8‘403.-- und im Jahr 2010 Fr. 59‘349.-- verdiente, womit das durchschnittliche Pensum klar über 60% lag. Ausserdem ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Beschwerdeführerin immer f ür mehrere Arbeitgeber im Stunden- lohn ohne Zusicherung eines festen Pensums arbeitete. So weit die geleisteten Stunden das Soll einer Vollstelle nicht erreichten, darf nicht davon ausgegangen werden, dass sie nicht mehr arbeiten wollte, sondern dass sie möglicherweise gar n icht mehr arbeiten konnte. Es ist daher auf die unterschriftlich bestätigte Aussage der Beschwerde führerin abzustellen, die sie gegen- über der Abklärungsperson am 4. Juli 2014 abgab, wonach sie ohne gesundheitliche Probleme bis zu ihrer Pensionierung vollzeitlich als Pflegefachfrau arbeiten würde. Damit ist die Anwen- dung der gemischten Methode nicht angezeigt. In der angefochtenen Verfügung wurde somit zu Recht die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs angewendet. 4.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entsche idend, was die versicherte Per- son nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich ver- dienen würde. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzi elten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst ange knüpft, weil es der Erfahrung ent- spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschade n fortgesetzt worden wäre. Aus- nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstel lt sein (BGE 134 V 325 f. E. 4.1 mit Hinweis). 4.3 Beim Valideneinkommen ging die IV-Stelle von ein em Jahreseinkommen als Pflege- fachfrau von Fr. 60‘626.-- für das Jahr 2013 aus. Grun dlage dafür bildete das durchschnittliche Einkommen gemäss IK-Auszug vom 24. Januar 2014, angepasst an die Nominallohnentwick- lung bis 2013. Dies ist nicht zu beanstanden und wird auch nicht bestritten. 4.4 Da die Versicherte seit Eintritt des Gesundheitsscha dens keine zumutbare, leidensan- gepasste Tätigkeit ausübt, ermittelte die IV-Stelle da s Invalideneinkommen richtigerweise unter Beizug der Tabellenlöhne der LSE 2010. Dabei ging sie vom monatlichen Bruttolohn in Höhe von Fr. 5‘629.-- (basierend auf einer wöchentlichen Ar beitszeit von 40 Stunden) für weibliche Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen (Tabelle T A 1), Anforderungsniveau 3, aus. Aufgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41,5 Stunden pro Woche im Jahr 2013 und angepasst an die Nominallohnentwicklung ermittelte sie ein jährliches Invali- deneinkommen von 71‘066.-- für ein Pensum von 100%. Be i einem zumutbaren Pensum von 60% resultierten folglich ein Einkommen von Fr. 42‘640.-- und ein IV-Grad von 30%. 4.5 Die Beschwerdeführerin erachtet dagegen für das In valideneinkommen die statisti- schen Durchschnittswerte gemäss Anforderungsniveau 4 im Gesu ndheits- und Sozialwesen – unter Berücksichtigung eines Pensums von 60% und eines A bzuges vom statistischen Tabel- lenlohn von 15% - als massgebend. Umstritten ist daher, ob bei der Ermittlung des hypotheti- Seite 6 schen Invalideneinkommens das Anforderungsniveau 3 oder 4 heranzuziehen und ob ein lei- densbedingter Abzug vorzunehmen ist. 5.1 Als diplomierte Pflegefachfrau AKP/PsychKP mit verschi edenen Weiterbildungen war die Versicherte zuletzt von 2009 bis 2012 bei der Kinde rspitex E.____ im Teilzeitpensum tätig. Sie pflegte Patienten mit Epilepsie, Hystiozitose, Tetra plegie und Skoliose (vgl. Arbeitszeugnis vom 31. März 2012 sowie Lebenslauf). Seit dem 8. Dezembe r 2004 arbeitete sie zudem für die Spitexdienste C.____ im Tages- und Nachtdienst. Schliesslich begann sie am 1. April 2012 eine stundenweise Tätigkeit bei der Kinderspitex B.____. Dr . D.____ diagnostizierte als behandeln- der Psychiater mit Bericht vom 20. Januar 2014 eine Agoraphobie (Angst in Menschenansamm- lungen ohne Fluchtweg) mit Panikstörung (ICD-10 F40.01 ) und eine Hypochondrie (ICD-10 F45.2) sowie einen Verdacht auf eine autoimmune Hepat itis. Es liege ein langjähriger Verlauf der Angsterkrankungen vor. Die Versicherte sei schon von 20 04 bis 2006 deswegen in Thera- pie gewesen. Das Leiden habe sich seit Sommer 2012 ern eut verschlechtert und lediglich mäs- sig unter Therapie verbessert. Bei der Versicherten handle es sich um eine ängstliche, innerlich sehr unruhige und angespannte, sorgenvolle Versicherte, die auch stark hypochondrisch sei in Bezug auf ihre Leberwerte bei Verdacht auf autoimmune Hepatitis. Im Dezember 2013 habe sie acht und im Januar 2014 drei schwere Panikattacken erlit ten. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei die Prognose sehr schlecht. Die Versicherte habe seit 2 012 starke Angst bei der Ausübung ihres Berufes (Angst vor Fehlern und vor Ansteckung) bzw . medizinisch technische Verrichtun- gen auszuführen. Sie sei psychisch wenig belastbar, leide unter Blockierungen, wenn eine Pa- nikattacke aufkomme, habe lediglich eine geringe Anpass ungsfähigkeit und zeige eine negati- ve, ängstliche Grundstimmung, die unerträglich für die Patienten sei. Zudem leide sie unter Konzentrationsstörungen. Eine normale Tätigkeit als Kr ankenschwester sei unmöglich. Die ab 2012 zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Nachtwache wäre zu 60% zumutbar, wobei bei komplexe- ren medizinischen Situationen sofort eine Überforderung eintreten würde, die ein Weiterarbeiten verunmöglichen würde. Eine Tätigkeit in der Leichtpfleg e ohne medizinische Verantwortung wäre zu 60% zumutbar. 5.2 Dr. med. E.____, FMH Praktische Ärztin, führte in i hrem Bericht vom 20. Januar 2015 als Ursache der Arbeitsfähigkeit eine unklare Hepatopa thie, eine depressive Entwicklung sowie rezidivierende Panikattacken an. Drucksituationen verschlechte rten deutlich den Allgemeinzu- stand, indem die Versicherte Ängste entwickle. Mit komple xen Aufgaben erscheine sie schnell überfordert. Sie sollte deshalb möglichst nur noch ei nfache und stressfreie Arbeitszusammen- hänge durchführen. Eine Arbeitsfähigkeit bestehe nach ihrem Eindruck momentan nicht. 5.3 Aus gastroenterologischer Sicht konnte keine Arbei tsunfähigkeit attestiert werden (vgl. Bericht von Dr. med. F.____, FMH Magen- und Darmkrankheiten, vom 5. Februar 2015). Seite 7 5.4 Der regionale ärztliche Dienst erachtete die Einsch ätzung von Dr. D.____ als nachvoll- ziehbar, weshalb ohne weitere medizinische Abklärungen d arauf abgestellt werden könne (vgl. Bericht vom 5. Mai 2014). 6.1 Für Tätigkeiten mit Anforderungsniveau 3 sind Beru fs- und Fachkenntnisse vorausge- setzt. Eine auf Niveau 3 tätige Person muss sich demnach ü ber qualifizierte Fachkenntnisse ausweisen können. Solche sind bei der Versicherten unbe stritten vorhanden. Sie verfügt über eine abgeschlossene Ausbildung als Krankenpflegerin un d eine abgeschlossene Weiterbildung als Psychiatriekrankenpflegerin. Sie kann sich demnach übe r ein breites Fachwissen im Ge- sundheitswesen ausweisen und besitzt jahrelange Berufserf ahrung. Wesentliches Qualifika- tionsmerkmal einer ausgebildeten Pflegefachperson ist zudem die Fähigkeit, ein gewisses Mass an medizinischer Verantwortung tragen und entsprechende pflegerische Entscheide treffen zu können. Eine Entlöhnung auf der Basis des Anforderungsniveaus 3 setzt darum diese Fähigkeit voraus. Soweit die Beschwerdeführerin weiterhin in ih rer angestammten Tätigkeit arbeiten könnte, wäre das Anforderungsniveau 3 zweifellos gerecht fertigt. Gemäss dem Anforderungs- profil von Dr. D.____ ist nun aber die normale Tätigke it als Krankenschwester nicht mehr mög- lich, da sie bei komplexeren medizinischen Situationen sofo rt überfordert wäre. Möglich sei ihr daher nur noch die Leichtpflege ohne medizinische Vera ntwortung. Der Auffassung der IV- Stelle in ihrer Vernehmlassung vom 5. Juni 2015, dass di e von der Versicherten in ihrem Le- benslauf aufgeführten letzten Betreuungseinsätze (Betre uung einer an Demenz erkrankten Frau, von zwei Tetraplegikern, eines schwerbehinderten jungen Mannes sowie von zwei in der Entwicklung verzögerten Kindern) keine medizinische Verant wortung erforderten, weshalb wei- terhin solche Einsatzmöglichkeiten zumutbar seien, kann nicht gefolgt werden. Vielmehr ist mit der Rechtsvertreterin einig zu gehen, dass gerade die B etreuung solcher Menschen keine Leichtpflege ohne medizinische Verantwortung darstellt. Zu denken ist an Schwierigkeiten wie Verschlucken beim Essen, epileptische Anfälle, akute Kreislau fprobleme oder Atemnot, die zu ernsthaften medizinischen Problemen führen können und e in rasches Eingreifen und eine me- dizinische Erstversorgung erfordern. 6.2 Es mag zutreffen, dass die Beschwerdeführerin – wie die IV-Stelle in ihrer Duplik vom 9. Juli 2015 einwendet – ihre pflegerischen Fachkenntn isse weiterhin einbringen kann, ohne medizinische Verantwortung übernehmen zu müssen. Dies is t dann aber nur noch im Rahmen einer Tätigkeit als Hilfspflegerin möglich, welche nich t mehr auf dem Niveau einer ausgebilde- ten Pflegefachfrau, das heisst nicht mehr auf dem Anfor derungsniveau 3 entschädigt wird. Zu- dem entsprechen die von der IV-Stelle in ihrer Duplik a ufgeführten Tätigkeiten, welche der Ver- sicherten im Anforderungsniveau 3 noch möglich wären, entweder dem Zumutbarkeitsprofil (Überforderung mit komplexen Aufgaben) oder der Ausbi ldung nicht (Betreuung minderjähriger Asylsuchender). Da die Voraussetzungen für das Anforderu ngsniveau 3 nicht mehr vollumfäng- lich erfüllt sind, bleibt nur noch das Anforderungsnivea u 4, weshalb bezüglich Invalideneinkom- men darauf abzustellen ist. Seite 8 6.3 Auszugehen ist daher von einem monatlichen Betrag von Fr. 4‘687.-- (LSE 2010, Ta- belle TA 1, Gesundheits- und Sozialwesen, Anforderung sniveau 4), welcher einem jährlichen Betrag von Fr. 56‘244.-- bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden entspricht. Hochge- rechnet auf die branchenübliche wöchentliche Arbeitszei t von 41.5 Stunden (Bundesamt für Statistik, Sektor 3, Q 86-88; [www.bfs.adim.ch; Dokumen t je-d03.02.04.19 ]) und der Nominal- lohnentwicklung (2011 [0,9], 2012 [0,3] und 2013 [0,5 ]; Bundesamt für Statistik, Nominallohnin- dex 2011-2013, Sektor 3 Dienstleistungen, Q 86-88) resultiert ein Jahreseinkommen für 2013 in Höhe von Fr. 59‘349.-- für ein 100% Pensum. Für eine Tätigkeit im Rahmen von 60% ergibt sich somit ein Einkommen von Fr. 35‘609.--. 7.1 Vom anhand der Tabellenlöhne der LSE erhobenen Invalideneinkommen sind praxis- gemäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsach e Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli chenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Abzu g ist unter Würdigung der Umstän- de im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaf t zu schätzen. Er darf 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 75, 135 V 297). 7.2 Die IV-Stelle erachtete einen Abzug vom Tabellen lohn als nicht gerechtfertigt. Die Ver- sicherte ist dagegen der Ansicht, dass aufgrund ihrer psychi schen Einschränkungen und ihres Alters ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 15% zu gewähren sei. Dazu ist festzuhal- ten, dass den Einschränkungen der Beschwerdeführerin bere its durch das reduzierte Pensum sowie durch das Anforderungsniveau 4 Rechnung getragen wurde. Mit einem zusätzlichen Ab- zug vom Tabellenlohn würden die gesundheitlichen Einschr änkungen doppelt berücksichtigt. Auch das fortgeschrittene Alter der Beschwerdeführerin kann insofern keinen weiteren Abzug rechtfertigen, als sie weiterhin im Pflegebereich tätig sein kann und der Lohn mit zunehmendem Alter eher ansteigt. Allfällige weitere Abzugsgründe kommen nicht in Betracht. 8. Setzt man im Einkommensvergleich für das Jahr 2013 das Invalideneinkommen von Fr. 35‘609.-- dem Valideneinkommen von Fr. 60‘626.- -gegenüber, so resultiert daraus eine Er- werbseinbusse von Fr. 25‘017.--, was einen IV-Grad von 41,26% bzw. gerundet von 41% ergibt (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121) und somit Anspr uch auf eine Viertelsrente. Demge- mäss ist die Beschwerde gutzuheissen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeve rfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leist ungen vor dem kantonalen Versiche- rungsgericht kostenpflichtig, Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden V erfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt, gegenüber der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden Seite 9 werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliege nd die Vorinstanz unterlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 9.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwe rde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Rechtsanwältin der Besch werdeführerin macht inklusive Nach- besprechung einen Aufwand von 13 Stunden und 5 Minut en geltend (vgl. Honorarnote vom 3. August 2015), was nicht zu beanstanden ist. Die IV-Ste lle hat der Rechtsanwältin der Be- schwerdeführerin somit ein Honorar von Fr. 3‘635.05 (i nkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) auszuzahlen. Seite 10 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfüg ung der IV-Stelle vom 26. März 2015 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Be- schwerdeführerin ab 1. September 2013 Anspruch auf eine Viertels- rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘635.05 (inkl. Auslagen und Mehrwert steuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht