VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS ZUG FÜRSORGERECHTLICHE KAMMER Mitwirkende Richter: lic. iur. Gisela Bedognetti-Roth, Vorsitz lic. iur. Jacqueline Iten-Staub und Dr. iur. Aldo Elsener Gerichtsschreiber: lic. iur. Albert Dormann U R T E I L vom 12. April 2017 in Sachen Y. X., xxx, zzt. Psychiatrische Klinik Zugersee, 6317 Oberwil b. Zug Beschwerdeführerin gegen Psychiatrische Klinik Zugersee, 6317 Oberwil b. Zug Beschwerdegegnerin betreffend Zwangsmassnahmen im Gesundheitswesen F 2017 17 2 A. X. Y., geb. xxx, wurde am 18. März 2017 vom behandelnden Psychiater Dr. med. I. in die Psychiatrische Klinik Zugersee eingewiesen. Am 5. April 2017 ordnete die Klinik gestützt auf eine schriftliche "Behandlungsvereinbarung" vom 3. April 2017 die zwangs- weise Verabreichung von Haloperidol und Diazepam auf den 11. April 2017 an, falls die Patientin das angebotene Aripiprazol bis zu diesem Termin nicht oral einnehmen würde. B. Mit Schreiben vom 5. April 2017 beschwerte sich X. Y. beim Verwaltungsgericht und führte aus, dass sie nicht einverstanden sei, Medikamente einzunehmen, da diese Drogen enthielten. Sie vertraue nicht der Medizin, sondern nur dem Himmel, der sie heilen könne. C. Auf den 12. April 2017 war eine Anhörung der Beschwerdeführerin durch die für- sorgerechtliche Kammer des Verwaltungsgerichts in den Räumen der Klinik angesetzt. Die Beschwerdeführerin liess dem Gericht jedoch zu Beginn der Verhandlung durch die be- handelnde Psychologin lic. phil. A.B. und in einem kurzen Schreiben vom gleichen Tag mitteilen, dass sie nicht an der Anhörung teilnehmen werde; sie wolle auch weiterhin keine Medikamente einnehmen. An der Anhörung, die ohne die Beschwerdeführerin durch- geführt werden musste, nahmen seitens der Klinik die behandelnde Oberärztin Stv. med. pract. K.L. und lic. phil. A.B. sowie als Dolmetscherin C.D. und als gerichtlicher Gutachter med. pract. E.F., FMH Psychiatrie und Psychotherapie, teil, der sein Gutachten mündlich erstattete. Im Anschluss an die Anhörung beantragte die Klinikvertretung die Abweisung der Beschwerde. Die Verhandlung wurde danach für die Beratung und Urteilsfällung un- terbrochen und anschliessend mit der mündlichen Eröffnung des Urteilsspruchs beendet. Das Verwaltungsgericht erwägt: 1. Gemäss Art. 439 Abs. 1 Ziff. 4 und Abs. 2 ZGB in der seit 1. Januar 2013 gel- tenden Fassung kann die betroffene oder eine ihr nahestehende Person bei Behandlung einer psychischen Störung ohne Zustimmung innert zehn Tagen seit der Mitteilung schrift- lich das zuständige Gericht anrufen. Zuständiges Gericht für die Beurteilung von Be- schwerden in den Fällen von Art. 439 ZGB ist gemäss der per 1. Januar 2013 in Kraft ge- tretenen Fassung von § 58 Abs. 1 lit. b des Einführungsgesetzes zum ZGB (EG ZGB; BGS 211.1) das Verwaltungsgericht. Örtlich zuständig ist das Verwaltungsgericht, wenn 3 die betroffene Person Wohnsitz im Kanton Zug hat oder wenn die Massnahme von einer Arztperson oder Einrichtung im Kanton Zug angeordnet wurde und die betroffene Person sich im Kanton Zug aufhält (§ 58 Abs. 2 EG ZGB). Die Beschwerdeführerin wohnt im Kan- ton Zug, die medizinische Massnahme ohne Zustimmung wurde von einem Arzt der Psy- chiatrischen Klinik Zugersee angeordnet und die Beschwerdeführerin hält sich in dieser Klinik auf. Das Verwaltungsgericht ist demnach zur Beurteilung der fristgerecht eingereich- ten und den minimalen formellen Anforderungen entsprechenden Beschwerde sowohl ört- lich wie auch sachlich und funktionell zuständig. 2. Die gerichtliche Beschwerdeinstanz hört die betroffene Person in der Regel als Kollegium an (Art. 439 Abs. 3 i.V.m. 450e Abs. 4 Satz 1 ZGB) und bei psychischen Störun- gen muss gestützt auf das Gutachten einer sachverständigen Person entschieden werden (Art. 439 Abs. 3 i.V.m. 450e Abs. 3 ZGB). Die Beschwerdeführerin hat sich konsequent geweigert, an der Anhörung teilzunehmen. Damit hat sie eine Anhörung ihrer Person durch das Gericht verunmöglicht, weshalb auf Grundlage der Akten entschieden werden kann und auch muss (siehe dazu Basler Kommentar ZGB I-Geiser, Art. 450e N 24). Die Untersuchung durch den gerichtlichen Gutachter E.F. konnte hingegen am 7. April 2017 unter Beizug einer Dolmetscherin stattfinden. Gestützt auf seine persönliche Untersu- chung, den Einblick in die Klinikunterlagen und das Gespräch mit Klinikvertretern war es dem erfahrenen Gutachter F. ohne weiteres möglich, an der Verhandlung vom 12. April 2017 eine nachvollziehbare und wohlbegründete Beurteilung der Beschwerdeführerin ab- zugeben. Den gesetzlichen Vorgaben an das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwer- deinstanz ist damit in jedem Fall Genüge getan. 3. Wird eine Person zur Behandlung einer psychischen Störung in einer Einrichtung untergebracht (Art. 426 Abs. 1 ZGB), so erstellt der behandelnde Arzt unter Beizug der be- troffenen Person und gegebenenfalls ihrer Vertrauensperson einen schriftlichen Behand- lungsplan (Art. 433 Abs. 1 ZGB). Fehlt die Zustimmung der betroffenen Person, so kann die Chefärztin oder der Chefarzt der Abteilung die im Behandlungsplan vorgesehenen me- dizinischen Massnahmen schriftlich anordnen, wenn der betroffenen Person ohne Be- handlung ein ernsthafter gesundheitlicher Schaden droht oder das Leben oder die körperli- che Integrität Dritter ernsthaft gefährdet ist (Art. 434 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB), die betroffene Person bezüglich ihrer Behandlungsbedürftigkeit urteilsunfähig ist (Art 434 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB) und keine angemessene Massnahme zur Verfügung steht, die weniger einschnei- dend ist (Art. 434 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB). 4 3.1 Der Behandlungsplan gemäss Art. 433 Abs. 2 ZGB soll Auskunft über die geplan- ten Abklärungen und Untersuchungen geben, eine erste oder eine bereits gesicherte Diag- nose enthalten, die dazu passende Therapie umschreiben, Ausführungen über Risiken und Nebenwirkungen der Therapie machen und eine mögliche Prognose stellen. Zudem sind andere mögliche Behandlungswege und die Gefahren einer unterlassenen Therapie aufzuzeigen (vgl. Botschaft Erwachsenenschutz, BBl 2006 7068). Der Behandlungsplan wird der betroffenen Person zur Zustimmung unterbreitet (Art. 433 Abs. 3 ZGB). Wenn ei- ne Zustimmung zur Behandlung nicht vorliegt, ist die Ergreifung von medizinischen Mass- nahmen nur unter den engen Voraussetzungen von Art. 434 ZGB erlaubt (Botschaft Er- wachsenenschutz, BBl 7068). Der Behandlungsplan wird der laufenden Entwicklung an- gepasst (Art. 433 Abs. 4 ZGB). Mit Erstellen des Behandlungsplans wird somit nicht über eine bestimmte Behandlung entschieden, sondern, wie auch in der Botschaft ausgeführt, lediglich Auskunft über die geplanten Therapien oder über alternative Behandlungs- möglichkeiten gegeben. Stimmt eine Person dem Behandlungsplan zu, können die darin erwähnten Behandlungen durchgeführt werden. Stimmt sie dem Behandlungsplan nicht zu, kann eine medizinische Massnahme auf der Grundlage von Art. 434 ZGB durchgesetzt werden. Hierzu bedarf es aber gemäss dem Gesetzeswortlaut eines schriftlichen Ent- scheids, welcher gestützt auf Art. 439 Abs. 1 Ziff. 4 ZGB anfechtbar ist. Vorbehalten bleibt die Anordnung medizinischer Massnahmen, die sofort aufgrund einer Notfallsituation um- gesetzt werden müssen (Art. 435 ZGB). Da somit mit dem Behandlungsplan keine konkre- te medizinische Massnahme angeordnet wird, sondern lediglich Absichten aufgezeigt wer- den, ist der Behandlungsplan nicht als möglicher Anfechtungsgegenstand einer Beschwer- de anzusehen. Gegen eine einzelne Massnahme kann sich eine betroffene Person weh- ren, wenn die Einrichtung einen Entscheid gestützt auf Art. 434 ZGB fällt, mithin "eine im Behandlungsplan vorgesehene medizinische Massnahme" schriftlich und ohne Zustim- mung der betroffenen Person anordnet. Der Behandlungsplan als solcher ist folglich keine behördliche Verfügung und auch keine Zwangsmassnahme, sodass er auch nicht gestützt auf Art. 439 ZGB gerichtlich angefochten werden kann. Der Behandlungsplan bildet jedoch die Grundlage für eine gestützt auf Art. 434 ZGB angeordnete und auch gerichtlich an- fechtbare medizinische Massnahme, da diese im Behandlungsplan vorgesehen sein muss (s. dazu Basler Kommentar ZGB I-Geiser/Etzensberger, Art. 433 N 21; FamKomm Er- wachsenenschutz/Guillod, Art. 433 ZGB N 32; KOKES-Praxisanleitung Erwachsenen- schutzrecht, Zürich/St. Gallen 2012, Rz. 10.40; Erwachsenenschutzrecht, 2. A., Basel 2015, Daniel Rosch, Art. 439 ZGB N 3). 5 3.2 Fehlt die Zustimmung der betroffenen Person, so kann der Chefarzt der Abteilung gemäss Art. 434 Abs. 1 ZGB die im Behandlungsplan vorgesehenen medizinischen Mass- nahmen schriftlich anordnen, wenn der betroffenen Person ohne Behandlung ein ernsthaf- ter gesundheitlicher Schaden droht oder das Leben oder die körperliche Integrität Dritter ernsthaft gefährdet ist (Ziff. 1), die betroffene Person bezüglich ihrer Behandlungs- bedürftigkeit urteilsunfähig ist (Ziff. 2) und keine angemessene Massnahme zur Verfügung steht, die weniger einschneidend ist (Ziff. 3). Die Anordnung wird der betroffenen Person und ihrer Vertrauensperson mit einer Rechtsmittelbelehrung schriftlich mitgeteilt (Art. 434 Abs. 2 ZGB). Der zuständige Arzt kann demnach als ultima ratio die im Behandlungsplan vorgesehenen medizinischen Massnahmen schriftlich anordnen, wenn der Patient der Be- handlung nicht zustimmt, und wenn überdies die Voraussetzungen nach Ziff. 1 bis 3 kumu- lativ erfüllt sind. Die Behandlung ohne Zustimmung ist lediglich im Rahmen einer fürsorge- rischen Unterbringung zulässig, die speziell für diesen Zweck, d.h. die Behandlung einer psychischen Störung, angeordnet worden ist. Diesfalls ist die Massnahme letztlich die lo- gische Folge des Entscheids, den Behandlungsbedürftigen in eine psychiatrische Einrich- tung einzuweisen (Hermann Schmid, Kommentar Erwachsenenschutz, Zürich/St. Gallen 2010, Art. 434 N 3). Ohne Behandlung muss der betroffenen Person, auch durch Selbstgefährdung, ein ernst- hafter gesundheitlicher Schaden drohen, oder das Leben oder die körperliche Integrität Dritter muss ernsthaft gefährdet sein, denn eine Beschränkung auf die Selbstgefährdung hätte zur Folge, dass psychisch Kranke im Fall ernsthafter Fremdgefährdung längere Zeit, unter Umständen dauerhaft, fürsorgerisch untergebracht würden, wenn sie einer Behand- lung nicht zustimmen wollen oder können. Psychiatrische Kliniken würden so zu reinen Verwahrungsanstalten ohne therapeutische Möglichkeiten verkommen. Die betroffene Person muss sodann urteilsunfähig sein bezüglich ihrer eigenen Behandlungsbedürftig- keit. Schliesslich dürfen keine angemessenen Massnahmen zur Verfügung stehen, die we- niger einschneidend sind, d.h. die Behandlung muss verhältnismässig sein und dem Stand der Wissenschaft entsprechen (Schmid, a.a.O., Art. 434 N 7 ff.; Basler Kommentar ZGB I- Geiser/Etzensberger, Art. 434/435 N 13 ff.). 4. Die Beschwerdeführerin beanstandet im vorliegenden Verfahren ohne nähere Be- gründung die geplante medikamentöse Zwangsmassnahme, da sie grundsätzlich nicht be- reit ist, Medikamente bzw. "Drogen" einzunehmen; die Engel würden ihr dies verbieten. Eine Begründung ist nicht erforderlich (Art. 439 Abs. 3 i.V.m. Art. 450e Abs. 1 ZGB), wes-6 halb zu prüfen ist, ob die angeordnete medizinische Massnahme ohne Zustimmung der Beschwerdeführerin den gesetzlichen Vorgaben von Art. 434 ZGB entspricht. 4.1 Die formellen Voraussetzungen einer medizinischen Massnahme ohne Zustim- mung sind vorliegend offensichtlich erfüllt. Die Beschwerdeführerin befindet sich gestützt auf die ärztliche FU von Dr. I. seit 18. März 2017 zur Behandlung in der Psychiatrischen Klinik Zugersee. Die Klinik bzw. die behandelnde Klinikärztin hat sodann einen Be- handlungsplan im Sinne von Art. 433 ZGB erstellt (siehe dazu das Verfahren F 2017 15) bzw. am 3. April 2017 letztmals angepasst. Am 5. April 2017 ist sodann eine medizinische Massnahme ohne Zustimmung der Beschwerdeführerin - konkret eine Zwangsmedikation mit Neuroleptika - angeordnet worden, die im Behandlungsplan enthalten ist. Die Anord- nung ist vom dafür gemäss Gesetz zuständigen Abteilungschefarzt und Leitenden Arzt Dr. med. G.H., Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, unterzeichnet. Der Be- handlungsplan enthält auch die für einen solchen gemäss Art. 433 ZGB vorgeschriebenen Elemente (Gründe und Zweck der Behandlung, Risiken und Nebenwirkungen, Folgen der Unterlassung und alternative Behandlungsmöglichkeiten) und auch die vorgesehene neu- roleptische Medikation (Aripiprazol, Paliperidon und Olanzapin). Einzig der Hinweis, dass bei Non-Compliance auch eine Medikation ohne Zustimmung der Patientin erfolgen würde, wäre zu ergänzen gewesen. Dieser Behandlungsplan wurde mit der Beschwerdeführerin mit Hilfe einer Übersetzerin besprochen und erklärt. 4.2 Die Beschwerdeführerin leidet - soweit bekannt und wohl auch erkennbar - seit rund zweieinhalb Jahren an einer psychischen Störung, die sowohl vom behandelnden Psychiater Dr. I. in seiner Einweisungsverfügung als auch von den Klinikvertreterinnen und dem gerichtlichen Gutachter F. als paranoide Schizophrenie diagnostiziert wird. Sie hat auch ein tiefgehendes Wahngefüge mit Engeln, die ihr Befehle erteilen und die ihr offenbar verbieten, etwas Anderes als Chips und Cola zu essen und zu trinken. Auch die Einnahme von Medikamenten wird ihren Angaben zufolge von den Engeln verboten. Sie leidet stark unter Vergiftungs- und Verschmutzungsideen, sei dies im Zusammenhang mit der Ver- wendung von Dünger bei der Produktion von Lebensmitteln oder im Zusammenhang mit Toiletten und Fäkalien. Dieses paranoide Wahnsystem resultiert unter anderem in einer erheblichen Mangelernährung, die gemäss den Klinikvertreterinnen bereits zu einigen sichtbaren körperlichen Schädigungen - so etwa zu büschelweisem Haarausfall und zu sehr trockener Haut - geführt hat. Einen körperlichen Untersuch wie auch eine Blutent- nahme hat die Beschwerdeführerin bisher verweigert, sodass auch die Auswirkungen der Mangelernährung auf die inneren Organe noch nicht eruiert werden konnten. Diese Man-7 gelernährung wird - wenn sich keine Änderung des Verhaltens der Beschwerdeführerin einstellt - nach den ärztlichen Angaben zu akuter Lebensgefahr und schliesslich zum Tod führen. Eine Gefährdung von Dritten ist ebenfalls nicht auszuschliessen, nachdem die Be- schwerdeführerin mehrmals gedroht hat, dass sie töten würde, wenn man ihr zwangswei- se Medikamente verabreichen würde (so etwa in der Beschwerdeschrift im Verfahren F 2017 15). Sowohl der Gutachter wie auch die Klinikvertreterinnen erachten die bisher nur verbalen Drohungen als ernsthaft. Die gemäss Art. 434 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB für die Anord- nung einer Zwangsmassnahme vorausgesetzte Selbstgefährdung liegt damit offensichtlich vor und auch eine Fremdgefährdung ist nicht auszuschliessen. 4.3 Nach übereinstimmender Ansicht des Gutachters und der Klinikvertreterinnen liegt bei der Beschwerdeführerin sowohl im Allgemeinen wie auch bezüglich ihrer Behand- lungsbedürftigkeit umfassende Urteilsunfähigkeit vor. Es fehlt ihr dementsprechend auch an Einsicht in ihre schwere psychische Krankheit. Eine medikamentöse Behandlung lehnt sie vehement ab, weil ihr die Engel dies verbieten und weil sie durch die Einnahme von Neuroleptika ihrer Engel beraubt würde, was sie indes unter allen Umständen verhindern will. Gestützt auf die Vorgeschichte und die ärztlichen Angaben ist damit klar erstellt, dass die Beschwerdeführerin bezüglich ihrer Krankheit und der Behandlungsbedürftigkeit dieser Krankheit nicht urteilsfähig ist. Damit ist auch diese Voraussetzung (Art. 434 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB) für eine medizinische Massnahme ohne Zustimmung der Patientin erfüllt. 4.4 Die Behandlung lege artis ist nach den ärztlichen Angaben prioritär eine neurolep- tische Medikation. Bei dem im Anordnungsdokument vorgesehenen Medikament Haloperi- dol handelt es sich um ein solches Neuroleptikum, was gemäss Gutachter F. als Not- fallmedikament dem aktuellen medizinischen Wissensstand entspricht und geeignet ist, die psychische Krankheit der Beschwerdeführerin adäquat zu behandeln; das Diazepam ist ein Benzodiazepin, das unter anderem als beruhigend, angstlösend, antiepileptisch und schlaffördernd wirkt und von Gutachter F. ebenfalls nicht beanstandet wird. Schwere irre- versible Nebenwirkungen dieser erprobten Medikamente sind praktisch ausgeschlossen. Mildere Massnahmen als die zwangsweise Medikation wären unter anderem eine orale Medikamenteneinnahme, welche die Beschwerdeführerin jedoch seit Wochen vehement und konsequent ablehnt. Auch eine Abschirmung im Intensivzimmer, eine Kontaktsperre oder Ähnliches wäre zwar möglich, würde aber ohne Wirkung bleiben, jedenfalls aber nicht zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes beitragen. Andere wirksame Mass- nahmen, die weniger einschneidend sind, stehen nicht zur Verfügung. Ohne Neuroleptika wird sich der bereits mehrere Monate andauernde schlechte Gesundheitszustand der Be-8 schwerdeführerin mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verbessern, sondern gleich bleiben oder sich noch weiter verschlechtern. Eine spontane Remission ohne Medikamente ist na- hezu ausgeschlossen. Zudem wird sich die Prognose und die Therapierbarkeit ohne me- dikamentöse Behandlung weiter verschlechtern und der Zustand zunehmend chroni- fizieren. Damit ist die Voraussetzung gemäss Art. 434 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB für eine Zwangs- massnahme ebenfalls offenkundig erfüllt. 4.5 Schliesslich ist auch zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin mittlerweile fast einen Monat in der Klinik Zugersee hospitalisiert ist, ohne dass sich an ihrem psychi- schen Zustand irgendetwas Wesentliches geändert hätte. Ihr körperlicher Gesundheitszu- stand hat sich deutlich verschlechtert und sie wird zunehmend in einen lebensbedrohli- chen Zustand zufolge Mangelernährung geraten. Bereits zuvor war sie vom 15. Februar bis 13. März 2017 in der Klinik Meissenberg hospitalisiert, wo sie ebenfalls keine Medika- mente einnahm und wo sie zum Erstaunen ihres Psychiaters I. in psychotischem Zustand entlassen wurde. Eine spontane Besserung ohne medikamentöse Behandlung ist nahezu ausgeschlossen; vielmehr wird ihr psychischer Zustand gleich bleiben oder sich noch ver- schlechtern. Mit der anhaltenden Mangelernährung schädigt sie ihren Körper - soweit für behandelnden Ärzte überhaupt überprüfbar - in zunehmendem Masse; relativ schnell müsste an eine Verlegung in ein Akutspital gedacht werden, um lebensbedrohlichen Zu- ständen zu begegnen. Wird hingegen eine zwangsweise Medikation verabreicht, so könn- te recht schnell eine Verbesserung erzielt werden, nachdem die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit offenbar sehr gut auf Neuroleptika angesprochen hat. Bei dieser Sachlage erscheint es nun aber auch in jeder Hinsicht als verhältnismässig, den Zustand der Be- schwerdeführerin durch den Einsatz von Medikamenten innert nützlicher Frist zu ver- bessern. Alles andere würde offenkundig eine möglicherweise jahrelange Verwahrung der in besonderem Masse schutzbedürftigen Beschwerdeführerin bedeuten, die Prognose für eine Therapierbarkeit deutlich verschlechtern und das Gefährdungspotential für sich und Andere in keiner Weise verbessern, sofern sie denn trotz der Folgen der Mangelernährung überhaupt längerfristig überleben würde. Ein weiterer Aufenthalt in der Klinik ohne adä- quate Behandlung würde schliesslich auch der Pflicht des Staates, seine Bürger bestmög- lich zu schützen, zuwiderlaufen. Gerade die Beschwerdeführerin in ihrem desolaten psy- chischen Zustand mit schwerwiegenden Verfolgungs- und Vergiftungsängsten und ohne jegliche ernsthafte Aussicht auf spontane Besserung darf nicht in diesem menschenun- würdigen Zustand belassen werden, nachdem Medikamente zur Verfügung stehen, die mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einer relativ schnellen und deutlichen Verbesserung des Zu- standes mit zumindest ansatzweiser Krankheitseinsicht und Behandlungsbereitschaft füh-9 ren dürften. Die angeordnete medizinische Massnahme ist demnach unter allen Aspekten recht- und verhältnismässig und nicht zu beanstanden. 4.6 Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Voraussetzungen für eine medi- zinische Massnahme ohne Zustimmung der Beschwerdeführerin allesamt erfüllt sind und die zwangsweise Verabreichung der im Behandlungsplan und im Anordnungsdokument vorgesehenen Medikamente gesetz- und auch verhältnismässig ist. Die Beschwerde er- weist sich mithin als unbegründet und muss abgewiesen werden. 5. Gerichtskosten sind nicht zu erheben, da es sich um ein Verfahren im Bereich der fürsorgerischen Unterbringung handelt (§ 57 Abs. 2 EG ZGB). Eine Parteientschädigung ist der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin nicht zuzusprechen. 10 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: __________________________________ 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung beim Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne Beschwerde in Zivilsachen eingereicht werden. 5. Mitteilung an die Beschwerdeführerin (mit ausführlicher Rechtsmittelbelehrung) und an die ärztliche Leitung der Psychiatrischen Klinik Zugersee. Zug, 12. April 2017 Im Namen der FÜRSORGERECHTLICHEN KAMMER Die Vorsitzende Der Gerichtsschreiber versandt am