Seite 1 Entscheid vom 24. März 2023 (510 20 97) _____________________________________________________________________ Geltendmachung von Grundstück- und Handänderungssteuer gegenüber dem Erwerber / Eintragung eines gesetzlichen Grundpfands / Verkehrswert vor 20 Jahren Besetzung Vizepräsident Dr. L. Schneider, Steuerrichter J. Felix, M. Zeller, H. Steiner, Dr. D. Schaffner, Gerichtsschreiber D. Kambanas Parteien A.____ Rekurrent gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft, Rheinstrasse 33, 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Grundstückgewinnsteuer / Handänderungssteuer Seite 2 In Erwägung: - dass der Rekurrent am 2. Oktober 2018 vom Veräusserer B.____ das Stockwerkeigentum an der X.____strasse 73 in C.____ (Parzelle Nr. xx GB C.____) erwarb, - dass die Steuerverwaltung auf dieser Liegenschaft daraufhin ein gesetzliches Grundpfand eintragen liess, - dass die Steuerverwaltung, nachdem sämtliche Bemühungen der Steuerverwaltung zur Er- hältlichmachung der vom Verkäufer geschuldeten Handänderungssteuer und Grundstück- gewinnsteuer gescheitert waren, mit Verfügung Handänderungssteuer und Verfügung Grundstückgewinnsteuer vom 4. Juni 2020 gegenüber dem Erwerber (als gegenwärtiger Ei- gentümer) unter Geltendmachung des gesetzlichen Grundpfandrechts eine Handände- rungssteuer von Fr. 2'500.-- und eine Grundstückgewinnsteuer von Fr. 38'831.-- erhob, - dass die Steuerverwaltung mit Einspracheentscheid vom 23. Juli 2020 die gegen die Veran- lagungsverfügungen erhobene Einsprache im Hinblick auf die Handänderungssteuer abwies und im Hinblick auf die Grundstückgewinnsteuer teilweise guthiess, - dass der Rekurrent mit Schreiben vom 24. August 2020 Rekurs erhebt und begehrt, der Einspracheentscheid der Steuerverwaltung sei aufzuheben, - dass die Steuerverwaltung mit Vernehmlassung vom 24. Oktober 2020 beantragt, der Re- kurs sei teilweise gutzuheis sen und der Steuerverwaltung zur Neuveranlagung zurückzu- weisen, - dass das Steuergericht gemäss § 124 des Gesetzes vom 7. Februar 1974 über die Staats - und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG; SGS 331) für die Anhandnahme der vorliegen- den Streitsache zuständig ist, wobei gemäss § 129 Abs. 3 StG Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 10’000.-- übersteigt, von der Fünferkammer des Steuergerichts beurteilt werden, - dass die in formeller Hinsicht an eine n Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, weshalb ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten ist, - dass die sich an den Veräusserer wendende Grundstückgewinnsteuerveranlagung vom 26. Februar 2019 etliche Berechnungsfehler und Mängel beinhaltet, so namentlich eine Mu ltipli- kation der Miteigentumsanteilsquote mit sich selbst, und in der Berechnung des Verkehrs- wertes vor 20 Jahren Baunebenkosten von 15 %, eine Indexierung von 5 %, die Handände- rungssteuer und die Notariatskosten berücksichtigt werden müssten, - dass diese Berechnungsfehler und Mängel in zu tiefen Gestehungskosten und somit einer überhöhten Grundstückgewinnsteuer resultierten, Seite 3 - dass die Steuerverwaltung im Einspracheentscheid vom 23. Juli 2020 sowohl die Handän- derungssteuer wie auch die Grundstückgewin nsteuer thematisch zusammentrug und die Einsprache fälschlicherweise als Revisionsgesuch behandelte, - dass dieses Vorgehen dem Rekurrenten erschwerte, den Gegenstand der Abweisung im Einspracheentscheid nachzuvollziehen, dessen rechtliche Konsequenzen ab zuschätzen und den Rechtsweg mit einem klaren Anfechtungsobjekt zu bestreiten, - dass der Fall deshalb zur materiellen Neubeurteilung an die Steuerverwaltung zurückge- wiesen wird, - dass das gesetzliche Grundpfandrecht nach Begleichung der neu zu berechnenden Steu- ern gelöscht wird, - dass der Rekurrent in der heutigen Verhandlung beantragt, ihm seien die Fahrtkosten für seinen Hin- und Rückfahrt zur heutigen Verhandlung von je 210 Km zu erstatten, - dass praxisgemäss keine Erstattung für Fahrtkosten resp. für Parteientschädigungen für die Vertretung in eigener Sache ausgerichtet wird, Seite 4 wird erkannt: 1. Der Rekurs wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen und der Fall zur materiellen Neubeur- teilung an die Steuerverwaltung zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- werden der Steuerverwaltung auferlegt. Der bereits be- zahlte Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 2'000.-- wird dem Rekurrenten zurückerstattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Mitteilung an den Rekurrenten (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3).