Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Oktober 2022 (725 21 306 / 235) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Teilweise Gutheissung der Beschwerde; Der Versicherte hat Anspruch auf eine Integritäts- entschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 15%. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in Katja Wagner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1955 geborene A.____ arbeitete als Automechan iker bei der B.____ AG und war in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch ge- gen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 21. März 2016 verletzte sich der Versicherte beim Lösen einer Querlenkerschraube an d er rechten Schulter. Die erstbehan- delnden Ärzte diagnostizierten unter anderem eine vollständige Ruptur der Supraspinatussehne, der Infraspinatussehne und eine subtotale Partialruptur der langen Bizepssehne. Die Suva aner- kannte ihre Leistungspflicht und erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Taggelder und Heilungskosten). Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprach die Suva mit Verfügung vom 12. März 2018 dem Versicherten aufgrund der Unfallrestfol- gen eine UVG-Invalidenrente auf der Basis eines Invalid itätsgrads von 22% sowie eine Integri- tätsentschädigung aufgrund einer Integritätseinbusse von 10% zu. Eine hiergegen gerichtete Ein- sprache hiess die Suva mit Entscheid vom 24. August 2021 insoweit teilweise gut, als sie den Invaliditätsgrad für den Rentenanspruch auf 28% festse tzte. Im Übrigen wurde die Einsprache abgewiesen. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versichert e, vertreten durch Daniel Alter- matt, Advokat, mit Eingabe vom 23. September 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kan- tons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (K antonsgericht). Darin beantragte er, es sei der Einspracheentscheid teilweise aufzuhebe n und ihm eine Integritätsentschädigung von mindestens 15% zuzusprechen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, vorliegend gelange die Tabelle 5, Spalte 5 (Endoprothesen guter Erfolg), zur Anwendung, womit ihm eine Integritätsentschädigung von 20% zustehe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 28. Oktober 2021 bean tragte die Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei in dem Sinne teilweise gutzuheissen, als dem Beschwerdeführer eine Integ- ritätsentschädigung entsprechend einem Integritätsschaden von 15% zuzusprechen sei. Hierbei verwies sie auf eine Beurteilung ihres versicherungsintern en Arztes PD Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 27. Oktober 2021. D. Mit Replik vom 21. Januar 2022 stellte der Beschwerd eführer folgende Rechtsbegehren: Es sei ihm eine Integritätsentschädigung in der Höhe von 20% zuzusprechen. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin auf ihrem Zugeständnis zu behaften und es sei ihm eine Integritätsentschä- digung von 15% zuzusprechen. Dabei hielt er an seinen wesentlichen Begründungen fest. E. Mit Duplik vom 25. März 2022 bekräftigte die Beschwer degegnerin ihr in der Vernehm- lassung gestelltes Rechtsbegehren, wonach die Beschwerde teilweise gutzuheissen sei. Ferner legte sie eine weitere Beurteilung von PD Dr. C.____ vom 7. März 2022 ins Recht. F. Mit Eingabe vom 7. Juni 2022 machte der Beschwerde führer von der Möglichkeit Ge- brauch, hierzu Stellung zu nehmen. Die Beschwerdegegnerin äusserte sich schliesslich am 7. Juli 2022 zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 7. Juni 2022. Auf die Vorbringen der Parteien ist − soweit notwendig − in den nachfolgenden Erwägungen ein- zugehen. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Der Streitwert liegt unter di eser Grenze, weshalb die vorliegende An- gelegenheit präsidial entschieden wird. 2. Die Beschwerdegegnerin sprach dem Versicherten in ih rer Verfügung vom 12. März 2018 nach Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse eine Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrads von 22% und eine Inte gritätsentschädigung auf der Grundlage einer Integritätseinbusse von 10% zu. In teilweiser Gu theissung der Einsprache legte sie den Invaliditätsgrad für den Rentenanspruch auf 28% fest. M it der vorliegenden Beschwerde bzw. Replik beantragt der Beschwerdeführer, es sei ihm eine Integritätsentschädigung von 20%, even- tualiter 15%, zuzusprechen. Der ermittelte Invaliditäts grad von 28% sowie die Zusprache der Rentenleistungen mit Wirkung ab 1. Januar 2018 werde n seitens des Beschwerdeführers aus- drücklich nicht (mehr) beanstandet und sind daher nicht str eitig. Auch aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, die gegen die Rechtmässigkeit der beschwerdegegnerischen Schlussfolge- rungen sprechen würden. Streitig und im Folgenden z u prüfen ist somit einzig die Höhe der In- tegritätsentschädigung. 3.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfal lversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädi- gung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebli che Schädigung der körperlichen, geisti- gen oder psychischen Integrität erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallver- sicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 gilt ein Integri tätsschaden als dauernd, wenn er vo- raussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleiche m Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychi sche Integrität, unabhängig von der Er- werbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentschädigung in Form einer Kapitalle istung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Be fugnis hat er in Art. 36 UVV Ge- brauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten f ür die Bemessung der Integritätsent- schädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat de r Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 219 E. 2a; RKUV 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. 3.2 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrität sschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höc hstbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgel eitet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In diesem Zusammenhang hat die SUVA in Weiterentwicklung der bun desrätlichen Skala zusätzliche Be- messungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. D iese in den Mitteilungen der Medizini- schen Abteilung der SUVA Nr. 57 bis 59 herausgegebenen Tabellen (teilweise geändert und er- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gänzt in den nachfolgenden Mitteilungen) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit de- nen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährlei stet werden soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c, 116 V 157 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Zum besseren Verständnis erscheint es angebracht, kurz auf den Inhalt der u.a. vorlie- gend zur Diskussion stehenden Tabelle 5 "Integritätsschaden bei Arthrosen" einzugehen. Ein- gangs zur entsprechenden Tabelle wird u.a. darauf hingewiesen, dass leichte Arthrosen zu keiner Entschädigung führen würden. Hinsichtlich Endoprothesen wird ferner auf das Urteil des damali- gen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei- lungen] vom 4. September 2003, U 313/02, verwiesen, wonach auf den unkorrigierten Zustand abzustellen sei, d.h. auf den Schweregrad der Arthrose vor Prothesenimplantation (Spalten 2 "Arthrose mässig" und 3 "Arthrose schwer"). Bei Prothesen, die direkt nach dem Unfall eingesetzt werden (primäre Endoprothese), würden die Spalten 5 (Endoprothesen guter Erfolg) und 6 (En- doprothesen schlechter Erfolg) zur Anwendung gelangen. In diesem Urteil hat das EVG im We- sentlichen erkannt, dass die Bemessung des Integritätsschad ens bei Funktionsausfall oder Ge- brauchsunfähigkeit eines Organs auch bei der Versorgung mit Endoprothesen − wie bei der Ver- sorgung mit Hilfsmitteln (Ziff. 1 Abs. 4 des Anhangs 3 zu r UVV; BGE 115 V 149 E. 3a) − nach dem unkorrigierten Zustand zu erfolgen habe. Es begründete dies damit, dass die Integritätsent- schädigung den körperlichen oder geistigen Gesundheitsscha den als solchen ausgleiche und nicht dessen Auswirkungen auf die Lebensfunktionen und die allgemeine Lebensgestaltung. Aus diesem Grunde sei auch bei Funktionsausfall oder Gebrauchsunfähigkeit eines Organs nicht zu unterscheiden zwischen der Korrektur mit Hilfsmitteln oder dem Ausgleich mit implantierten Pro- thesen. Es sei unerheblich, dass der Integritätsschade n durch eine implantierte Prothese unter Umständen so weit ausgeglichen werden könne, dass prakt isch keine Beeinträchtigung in der entsprechenden Lebensfunktion mehr bestehe (E. 3). 4.1 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesundh eitlichen Beeinträchtigung han- delt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztliche Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht möglic h, die Beurteilung aufgrund der akten- kundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelas- senen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse vora ussetzt und von einem me- dizinischen Laien keine zuverlässige Zuordnung erwartet werden kann. Die Beurteilung der ein- zelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ärztlichen Sachverständigen (Urteil des Bundesge- richts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle ande- ren Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeich- nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen St ellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Berichten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG einge- holten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolge- rungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5.1 Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 24. August 2021 sprach die Suva dem Be- schwerdeführer für die verbliebene Beeinträchtigung aus dem Ereignis vom 21. März 2016 eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 10% zu. Hierbei stützte sie sich auf die kreisärztlichen Beurteilungen von Dr. med. D.____, FMH Chirurgie, vom 28. August 2017 sowie vom 12. Februar 2018. 5.2 In ihrer kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 28. August 2017 führte Dr. D.____ aus, beim Versicherten bestehe ein Zustand nach inverser Schulterarthroplastik rechts am 20. Ja- nuar 2017 bei nicht mehr rekonstruierbarer Rotatorenm anschettenruptur rechts am 21. März 2016. Klinisch fände sich eine eingeschränkte Beweglichkeit, insbesondere bei der Innenrotation und bei Abduktionsbewegungen. Dem Versicherten sei die angestammte Tätigkeit als Autome- chaniker nach Prothesenimplantation nicht mehr zumutbar, da entsprechend des Tätigkeitsprofils eines Automechanikers viel Überkopfarbeiten sowie Krafta rbeiten körperfern durchgeführt wer- den müssten. Dem Versicherten seien leichte bis maximal mi ttelschwere wechselseitig belas- tende körperliche Tätigkeiten mit Gewichtsbelastungen vo n maximal 10kg ganztags zumutbar. Dabei stellte sie die folgenden Einschränkungen von Seiten der rechten Schulter fest: keine Über- kopfarbeiten, keine körperfernen Tätigkeiten am langen Hebelarm, kein Besteigen von Leitern und Gerüsten, keine Vibrationsbelastungen. In Bezug auf die Beurteilung des Integritätsschadens hielt Dr. D.____ fest, die Einschätzung er- folge gemäss Tabelle 1 "Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten". Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufgrund der Bewegungseinschränkung über der Horizontalen mit einer Abduktion von 120° und einer Elevation bis 140° sei eine Integritätsentschädigung entsprechend geschuldet. 5.3 Im Zuge des Einspracheverfahrens holte die Suva er neut eine Stellungnahme bei Dr. D.____ betreffend die Integritätsentschädigung ei n. Diese führte am 12. Februar 2018 aus, dass in der kreisärztlichen Untersuchung vom 28. August 201 7 nach Prothesenimplantation so- wie präoperativ eine deutliche Einschränkung der Bewegl ichkeit dokumentiert sei. Erfreulicher- weise habe nach der Prothesenimplantation eine Verbesserung erreicht werden können. Auf der Grundlage der präoperativen Funktion mit deutlich ei ngeschränkter Beweglichkeit sei gemäss Tabelle 1 bei einer mässigen Form einer Periarthrosis humeroscapularis, welche dem präopera- tiven Befund entspreche, ein Integritätsschaden von 10% zu bemessen. Da sowohl prä- als auch postoperativ eine Beweglichkeit bis zur Horizontalen möglich gewesen sei, könne nicht von einer vollständigen Gebrauchsunfähigkeit der Extremität, vergleichbar mit einer funktionellen Amputa- tion, und damit von einem Integritätsschaden von 50% aus gegangen werden. Hierzu würde es eine vollständige Gebrauchsunfähigkeit des Ellenbogens, der Hand sowie aller Finger benötigen. Bei der Beurteilung des Integritätsschadens der Periarthrosis werde von vergleichbarer Schwere des Integritätsschadens wie bei einer Omarthrose ausgegangen. Medizintheoretisch hätte es im Rahmen einer vollständigen Rotatorenmanschettenruptur künftig zur Entwicklung einer Omarth- rose kommen können. Gemäss Tabelle 5 wären bei Omarthr osen mässigen Ausmasses 5 bis 10% und bei schweren Omarthrosen 10 bis 25% geschuldet. Beim hypothetisch eingetretenen Krankheitsbild einer Omarthrose erscheine daher der Wert von 10% als Mittelwert zwischen mäs- sig und schwer gerechtfertigt. Somit sei der Integritätsschaden mit 10% zu bewerten. 5.4 Wie eingangs dargelegt, beantragte die Beschwerdeg egnerin in ihrer Vernehmlassung vom 28. Oktober 2021, die Beschwerde sei in dem Sinne teilweise gutzuheissen, als dem Be- schwerdeführer eine Integritätsentschädigung entsprechend einem Integritätsschaden von 15% zuzusprechen sei. Hierbei verwies sie auf eine Beurteilung von PD Dr. C.____ vom 27. Oktober 2021. Dieser nahm insbesondere zur Frage Stellung, ob der beim Versicherten vorgenommene Gelenkersatz als primäre Endoprothese qualifiziert werden könne. Hierzu verwies er auf die Ta- belle 5 "Integritätsschaden bei Arthrosen". Dr. med. E .____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates , habe am 14. April 2016 (Suva-act. 63) eine offene Ro- tatorenmanschettenreinsertionsplastik vorgenommen. Die gemäss Operationsbericht diagnosti- zierte Rotatorenmanschenettenruptur habe durch den orthopädischen Chirurgen somit eine Re- konstruktion als primäre operative Therapie erfahren. Be dauerlicherweise habe diese Mass- nahme zu keinem befriedigenden Erfolg geführt, sodass der Operateur als Grundlage der Indika- tion für den zweiten Eingriff vom 20. Januar 2017 ein e fehlende Rekonstruierbarkeit im Bereich der Rotatorenmanschette angebe und als Diagnose eine sekundäre Omarthrose nenne. Der en- doprothetische Gelenkersatz sei somit unbestreitbar nicht direkt nach dem Unfall eingesetzt wor- den und sei nicht als primäre Therapie zu verstehen. Als Beispiel für eine primäre Endoprothese diene der Fall, bei welchem bei einem eingetretenen Knochenbruch der Versuch einer Wieder- herstellung der knöchernen Anatomie keine Aussicht auf Erfolg verspreche und der chirurgische Gelenkersatz zur primären Behandlung akuter Verletzungsfolgen indiziert sei. Daher würden die Spalten 5 (Endoprothesen guter Erfolg) und 6 (Endopr othesen schlechter Erfolg) der Tabelle 5 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht zur Anwendung kommen. Mit der genannten Tabelle 5 sei bei Endoprothesen auf den un- korrigierten Zustand abzustellen, d.h. auf den Schweregrad der Arthrose vor Prothesenimplanta- tion. Die Röntgenaufnahmen, die den unkorrigierten Zustand des rechten Schultergelenks abbil- den würden, würden vom 26. Mai 2016 stammen und seien im Operationsbericht vom 20. Januar 2017 eingefügt worden. Der entsprechende Radiologe habe im Rahmen des Befunds keine de- generativen Veränderungen beschrieben. Nach eigener Einsichtnahme könne ein Befund erho- ben werden, der kaum mehr als einer leichten Omarthrose entspreche. Allerdings ergebe sich im Vergleich zu der Aufnahme vom Unfalltag, abgesehen von zwischenzeitlich eingebrachten me- talldichten Implantaten, keine relevante Befundänderung, sodass hierauf abstützend kein unfall- bedingter Integritätsschaden zu begründen sei. In Anwendung der Vorgaben in Tabelle 5, derzu- folge auf den unkorrigierten Zustand abzustellen sei, erscheine es gerechtfertigt, auch die präoperativ bestehende Gelenkfunktion zu berücksichtigen. Mit dem jüngsten hierzu verfügbaren Befund beschreibe Dr. E.____ anlässlich einer Konsultation vom 22. September 2016 eine aktive Elevation und Abduktion von jeweils 90°. Gemäss Tabelle 1 "Integritätsschaden bei Funktions- störungen an den oberen Extremitäten" werde bei einer Funktion bis zur Horizontalen beweglich ein Wert von 15% angegeben. Da in der Schätzung des Integritätsschadens auf den unkorrigier- ten Zustand vor Implantation einer Endoprothese abzustellen sei, und ein nachfolgend guter oder schlechter Erfolg keine Berücksichtigung zu erfahren habe , ergebe sich zwangsläufig, dass all- fällige Verschlimmerungen diesbezüglich ohne Auswirkungen bleiben würden. 5.5 In einer weiteren Stellungnahme vom 7. März 2022 nahm PD Dr. C.____ zu den Ein- wänden in der Replik Stellung. Dabei hielt er im Wesentlichen an seinen Schlussfolgerungen fest, wonach der vorliegend zur Diskussion stehende Gelenkersatz nicht als primäre Endoprothese zu werten sei (vgl. hierzu ausführlich Stellungnahme von PD Dr. C.____ vom 7. März 2022). 6.1 Wie aus dem medizinischen Sachverhalt erhellt, erach tete Dr. D.____ in ihrer Beurtei- lung vom 28. August 2017 die nach Einsetzung der Prothese unfallbedingt verbliebenen funktio- nellen Beeinträchtigungen für die Bemessung des Integritätsschadens als massgebend. So führte sie an, es sei eine Integritätsentschädigung entspreche nd der Bewegungseinschränkung über der Horizontalen mit einer Abduktion von 120° und einer Elevation bis 140° geschuldet. Bei einer Beweglichkeit bis 30° über der Horizontalen sieht die T abelle 1 "Integritätsschaden bei Funkti- onsstörungen an den oberen Extremitäten" eine Integritätseinbusse von 10% vor. In ihrer ergän- zenden Beurteilung vom 12. Februar 2018 bekräftigte Dr. D.____, dass bei einer mässigen Form einer Periarthrosis humeroscapularis, welche dem präoperativen Befund entspreche, ein Integri- tätsschaden von 10% zu bemessen sei. Entsprechend dem hypothetischen Verlauf einer Omarth- rose (vgl. E. 5.3 hiervor). Die Beurteilungen von Dr. D.____ stehen zum einen nicht im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach die B emessung des Integritätsschadens auch bei der Versorgung mit Endoprothesen grundsätzlich nach dem unkorrigierten Zustand zu erfolgen hat (vgl. E. 3.3 hiervor). Zum anderen bleibt dabei unberücksichtigt, dass für die Integri- tätsentschädigung derjenige Zustand massgebend sein soll, der die höhere Schätzung aufweist. Dr. D.____ anerkannte zwar unter Hinweis auf die Tabel le 1 eine deutliche präoperative Bewe- gungseinschränkung (bis zur Horizontalen) (vgl. E. 5.3 hiervor), sie bekräftigte ihre Schlussfolge- rungen aber ausschliesslich mit dem hypothetisch eingetretenen Krankheitsbild einer Omarthrose sowie deren möglichen Entwicklung gemäss Tabelle 5 "Integritätsschaden bei Arthrosen" Spalte Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2 und 3. Was die Einwände des Beschwerdeführers in seiner Beschwerde bezüglich der Berichte von Dr. D.____ anbelangt, ist ihm jedenfalls insoweit beizupflichten, als diese Berichte nicht als (alleinige) Beurteilungsgrundlage herangezogen werden können. Dies scheint auch die Be- schwerdegegnerin erkannt zu haben, weshalb sie weitere Abklärungen bei PD Dr. C.____ vor- nahm. 6.2 Anders verhält es sich indessen hinsichtlich der Aktenbe urteilung von PD Dr. C.____ vom 27. Oktober 2021. Darin setzte sich PD Dr. C.____ mi t den wesentlichen medizinischen Unterlagen auseinander und vermittelte insgesamt ein vollständiges Bild des Gesundheitszu- stands des Beschwerdeführers. Anhand eines konkreten Beisp iels zeigte er zunächst schlüssig die Unterschiede zwischen einer primären Endoprothese und einer Endoprothese als sekundäre Option auf. Dabei legte er nachvollziehbar dar, weshal b es sich im vorliegenden Fall nicht um eine primäre Endoprothese handelt und die Spalten 5 und 6 der Suva-Tabelle 5 daher nicht zum Tragen kommen. Im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. E. 3.3 hiervor) erachtete er für die Bemessung der Integritätsentschädigung den unkorrigierten Zustand als mas- sgebend. Diesbezüglich begründete er unter Verweis auf die dokumentierten Befunde einleuch- tend, dass er hierfür die präoperativ bestehende Gelen kfunktion als ausschlaggebend erachte, da die Omarthrose im präoperativen Zustand (wie abe r auch nach Einsetzung des Implantats) geringgradig ausgeprägt gewesen sei, weshalb sie keinen Anspruch auf eine Integritätsentschä- digung zu begründen vermöge. Er trug hierbei auch dem Umstand Rechnung, dass für die Integ- ritätsentschädigung grundsätzlich der Zustand massgebend sein soll, der die höhere Schätzung aufweist. Insgesamt gelangte er überzeugend zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer eine Integritätsentschädigung entsprechend einer Integritätseinbusse von 15% zustehen soll. 6.3 Zu keinem anderen Ergebnis vermögen die Einwände des Beschwerdeführers zu füh- ren. Er hält auch nach den erfolgten Beurteilungen durch PD Dr. C.____ an seinem Standpunkt fest, wonach für die Anwendung der Spalten 5 und 6 gemäss Tabelle 5 die Prothesen-Versorgung an sich ausschlaggebend sei und ihm daher eine Integritätsentschädigung von 20% gestützt auf die Spalte 5 (Endoprothesen guter Erfolg, Tabellenwert 15-20%) zustehe. Der Beschwerdeführer beanstandet die Höhe der Integritätsentschädigung, ohne näher zu begründen, weshalb die Be- urteilung von PD Dr. C.____ nicht zutreffen sollte bzw. namentlich ohne seine Ausführungen mit fachärztlichen Berichten zu untermauern, welche Hinweise für die Zusprache einer höheren In- tegritätsentschädigung enthalten würden. Zumal sich au ch den übrigen Akten keine Anhalts- punkte entnehmen lassen, die im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen ein Abwei- chen von den beweiskräftigen Beurteilungen von PD Dr. C. ____ rechtfertigen würden, ist die Festsetzung des Integritätsschadens im Umfang von 15% nic ht zu beanstanden. In seiner Stel- lungnahme vom 7. Juni 2022 vertritt der Beschwerdeführe r sodann selbst die Auffassung, dass für die Beurteilung allein der unkorrigierte medizini sche Endzustand massgebend sei. In seiner Beschwerde verwies er hierbei noch in Übereinstimmung mit den kreisärztlichen Feststellungen auf die Beurteilung von Dr. E.____ vom 22. September 2016, worin dieser eine Schulterbeweg- lichkeit bis zur Horizontalen (aktive Elevation und Abduktion von jeweils 90°) feststellte. Demge- genüber erachtet er in seiner Stellungnahme vom 7. Juni 2022 nunmehr den Bericht von Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologi e des Bewegungsapparates, vom 21. März 2016 (Suva-act. 69) als relevant. Darin wird fe stgehalten, dass die passive Bewegung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf 35° Abduktion und 20° Elevation eingeschränkt sei. Wie die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 7. Juli 2022 richtig erkennt, handelt es sich hierbei um die erhobenen Bewegungseinschrän- kungen am Tag des stattgehabten Unfallereignisses. Diese Werte können für die Integritätsent- schädigung nicht herangezogen werden. Dessen ungeachtet liegt die durch PD Dr. C.____ aner- kannte Integritätseinbusse von 15% ohnehin im hierfür vorgesehenen Bemessungsrahmen ge- mäss Spalte 5 (Endoprothesen guter Erfolg). 7. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutz uheissen. Der angefochtene Ein- spracheentscheid der Suva vom 24. August 2021 ist insowei t zu ändern, als festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Integrität sentschädigung basierend auf einer In- tegritätseinbusse von 15% hat. 8.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Da das UVG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zulasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. De r Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 3. August 2022 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 10 Stunden und 50 Minuten geltend gemacht. Dieser Zeitauf- wand erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachve rhalts- und Rechtsfragen als ange- messen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsp rozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädi- gen. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die geltend ge machten Auslagen von Fr. 98.--. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'022.40 (10 Stun- den und 50 Minuten à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 98.-- und 7,7% Mehrwertsteuer) zu- lasten der Suva zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Ein- spracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt vom 24. August 2021 insoweit abgeändert, als festgestellt wird, dass der Be- schwerdeführer Anspruch auf eine Integritätsentschädigun g basierend auf einer Integritätseinbusse von 15% hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt hat dem Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'022.40 (inkl. Aus- lagen und 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.