<h2>SubmittedText<h2><p>Wegwerfwindeln tragen weltweit zu einem grossen Abfallberg bei (u.a. Plastikmüll). Das ist nicht die einzige Problematik. Neuere internationale Studien belegen, dass Wegwerfwindeln die Reinlichkeitsentwicklung von Kindern massiv behindern. Eine breitangelegte Studie aus China an 19 500 Kindern zeigt auf, dass, wenn ein Kind bis zum Alter von 6 Monaten nicht "abgehalten" wird (d.h. dem Baby Ausscheidung in bequemer Position ohne Windel ermöglichen), die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Bettnässer wird, mit jedem zusätzlichen Monat steigt. Eine Schweizerin, die diese Praxis des Abhaltens der Babys ab Geburt aus den Schwellenländern aufgriff, legte bereits vor 24 Jahren dar, dass die Reinlichkeit dem Menschen angeboren ist und in den ersten 3 Monaten einem entsprechenden Reflex untersteht. Diese Praxis hat sich unter jungen Eltern in allen Industrienationen verbreitet. Durch unser Windelverhalten wird die biologische Entwicklung von Kindern massiv gestört, was unter anderem durch ein Angebot in allen Warenhäusern von Windeln für 12-15jährige oder bis 57kg (!) sichtbar wird.</p><p>Der Bundesrat wird mit diesem Hintergrund um die Beantwortung der folgenden Fragen gebeten: </p><p>1. Ist dem Bundesrat diese Problematik des Bettnässens (90 000 Bettnässer über 5 Jahre) und der vielen Ausscheidungsprobleme bei Kindern bekannt? </p><p>2. Falls nein, ist er bereit Studien in Auftrag zu geben, die das angeborene Verhalten von Babys in den ersten 3 Lebensmonaten untersucht?  </p><p>3. Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, um zur Aufklärung der negativen Seiten der Wegwerfwindeln und möglicher Alternativen (z.B. Stoffwindeln) beizutragen?</p><p>4. Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat auf nationaler Ebene, um gegen den Abfallberg der Wegwerfwindeln vorzugehen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. bis 3. Die Reinlichkeitsentwicklung von Kindern ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, welchen die Eltern und weitere Bezugspersonen mit Geduld und Verständnis unterstützen sollen. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass einige Kinder in diesem Bereich Schwierigkeiten haben und dass sich daraus ein ernstzunehmendes Problem entwickeln kann. Für die betroffenen Kinder und Familien gibt es bereits Betreuungsangebote - insbesondere durch Kinderärztinnen und Kinderärzte.</p><p>Bezüglich des Zusammenhangs zwischen dem Tragen von Windeln und Problemen mit Bettnässen kam eine Meta-Analyse im Mai 2021 (Breinbjerg A et al., Does the development and use of modern disposable diapers affect bladder control? A systematic review, Journal of Pediatric Urology, https://doi.org/10.1016/j.jpurol.2021.05.007) zum Ergebnis, dass ein solcher Zusammenhang nicht eindeutig ist. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass zum jetzigen Zeitpunkt kein Handlungsbedarf für eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Thema besteht.</p><p>4. Wegwerfwindeln machen einen Teil des in der Schweiz anfallenden Abfalls aus. In Ökobilanz-Studien wurden Einwegwindeln mit Stoffwindeln verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass sich die beiden Windelarten bezüglich Treibhauseffekt nicht sehr unterscheiden. Die Ergebnisse sind auch immer stark vom Verhalten der Person abhängig, welche die Windeln verwendet. Bei den Stoffwindeln ist vor allem das Waschverhalten für die Umweltwirkung massgebend, das sich im Energie- und Wasserverbrauch manifestiert. Bei den Einwegwindeln schlägt sich die Anzahl der verwendeten Windeln im Ressourcenverbrauch nieder.</p><p>Bei Stoffwindeln haben Eltern mehr Einflussmöglichkeiten auf die Umweltbelastung (energieeffiziente Waschmaschine, Temperatur des Waschvorgangs, Trocknung etc.). Bei Einwegwindeln liegt wohl der wesentlichste Faktor zur Reduktion der Umweltbelastung in der Dauer, wie lange ein Kleinkind Windeln trägt. Je früher darauf verzichtet werden kann, desto besser ist die Ökobilanz und desto kleiner die produzierte Abfallmenge.</p>  Antwort des Bundesrates.