B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6311/2023 U r t e i l v o m 2 3 . N o v e m b e r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richter Basil Cupa; Gerichtsschreiber Nassim Safai-Rad. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), und deren Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle Irak, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 13. November 2023 / N (…). E-6311/2023 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführer am 15. Oktober 2023 in der Schweiz um Asyl nachsuchten, dass sie am 18. Oktober 2023 der im Bundesasylzentrum (BAZ) Region E._______ tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilten, dass ihnen anlässlich des Dublin -Gesprächs vom 31. Oktober 2023 das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Kroatiens und zu ihrem Gesundheitszustand gewährt wurde, dass sie gemäss der Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) am (…) in Kroatien um Asyl nachgesucht hatten und das SEM gestützt hierauf am 18. Oktober 2023 die kroatischen Behörden um ihre Wiederauf- nahme ersuchte, die das Ersuchen am 1. November 2023 guthiessen, dass das SEM mit Verfügung vom 13. November 2023 auf die Asylgesuche der Beschwerdeführer nicht eintrat, deren Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien anordnete, eine Ausreisefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, di e editionspflichti- gen Akten aushändigte und feststellte, der Beschwerde komme keine auf- schiebende Wirkung zu, dass die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. November 2023 (Post- stempel 16. November 2023) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichten, dass sie beantragten, es sei die Verfügung vom 13. November 2023 auf- zuheben und das SEM anzuweisen, auf ihre Asylgesuche einzutreten so- wie das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen, dass sie eventualiter beantragten, es sei die Verfügung aufzuheben un d die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an das SEM zu- rückzuweisen, dass sie subeventualiter beantragten, das SEM sei anzuweisen, von den zuständigen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien umgehend O bdach, Nahrung, eine adäquate und regelmässige medizinische sowie psychologische Behandlung zur Verfü- gung stehe, E-6311/2023 Seite 3 dass sie weiter beantragten, es sei jeder Verfahrensschritt mit dem Verfah- ren ihrer volljährigen Tochter (N […]) koordiniert zu behandeln, dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten, es sei die unent- geltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses zu verzichten, dass sie in prozessualer Hinsicht weiter beantragten, es sei im Sinne vor- sorglicher Massnahmen der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Über- stellung nach Kroatien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Beschwerde entschieden habe, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Gerichts beziehungsweise die zulässigen Rü- gen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, dass die Beschwerdeführer zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 48 Abs. 1 VwVG), ihre Eingabe nach dem Gesagten den formel- len Anforderungen an eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und sie ihre Beschwerde fristgerecht eingereicht haben (Art. 108 Abs. 3 AsylG), womit auf diese einzutreten ist, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über - prüfen (Art. 31a Abs. 1 –3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vor - instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2), dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher E-6311/2023 Seite 4 Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass aufgrund des engen sachlichen und persönlichen Zusammenhangs das vorliegende Verfahren antragsgemäss mit dem Beschwerdeverfahren der volljährigen Tochter der Beschwerdeführer E-6310/2023 (N […]) koor- diniert zu behandeln ist, dass die Beschwerdeführer eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache beantragen, weil die Vorinstanz insbesondere eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Kettenabschie- bung, den Zugang zu Unterkunft und medizinischer Betreuung in Kroatien in keiner Weise berücksichtige (vgl. Beschwerde S. 12) und den medizini- schen Sachverhalt in Bezug auf den Gesundheitszustand der Beschwer- deführerin nicht genügend abgeklärt habe (vgl. Beschwerde S. 3 f.), womit sie den Sachverhalt unvollständig festgestellt habe, dass sich die entsprechenden Rügen jedoch als unbegründet erweisen, dass die Vorinstanz ausführlich sowohl auf die Situation der Push -backs beziehungsweise Kettenabschiebungen (vgl. angefochtene Verfügung S. 6 f.) als auch auf die medizinische Versorgung in Kroatien (vgl. a nge- fochtene Verfügung S. 9) eingegangen und hierbei ebenso die individuelle Situation der Beschwerdeführerin ausreichend berücksichtigt hat (vgl. an- gefochtenen Verfügung S. 2 und 8 f.), dass nicht ersichtlich ist, inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt unvoll- ständig abgeklärt haben soll, stützte sie doch i hre Erwägungen zu den Push-backs und zu Dublin -Rückkehrenden sowohl auf die fundierten Ab- klärungen der zuständigen Schweizerischen Botschaft in Kroatien als auch auf die einschlägige Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, was vorliegend nicht zu beanstanden ist (vgl. angefochtene Verfügung. S. 6 f.), dass auch der medizinische Sachverhalt von der Vorinstanz ausreichend abgeklärt wurde, wobei diese insbesondere auch den angesetzten Arztter- min vom 21. November 2023 zur weiteren Abklärung der Rückenschmer- zen der Beschwerdeführerin entsprechend berücksichtigte (vgl. angefoch- ten Verfügung S. 2 und 8 f.), E-6311/2023 Seite 5 dass sich aus den Akten entgegen den Ausführungen in der Beschwerde nicht ergibt, die Vorinstanz hätte die Ergebnisse der Untersuchung am 21. November 2023 abwarten müssen, dass die formellen Rügen folglich unbegründet sind, weshalb eine Rück- weisung an die Vorinstanz ausser Betracht fällt und das Eventualbegehren abzuweisen ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates die Zuständigkeitskriterien nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (Dublin-III-VO) prüft, dass, wenn diese Prüfung zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitglied- staat für die Prüfung des Asyl gesuchs zuständig ist, das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Wiederaufnahme ex- plizit oder implizit zugestimmt hat, auf das Asylgesuch grundsätzlich nicht eintritt (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1), dass jeder Mitgliedstaat beschliessen kann, einen bei ihm von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgeleg- ten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dub- lin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu- ständigkeit Kroatiens erkannte und die kroatischen Behörden – gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO – um Wiederaufnahme der Beschwer- deführer (take-back-Verfahren) ersuchte, dass die kroatischen Behörden – unter vollständiger Aufführung sowohl der Beschwerdeführer als auch ihrer zwei minderjährigeren Kinder (vgl. SEM- eAkten 44/2 und 45/2) – diesem Gesuch am 1. November 2023 explizit zustimmten, E-6311/2023 Seite 6 dass damit von der grundsätzlichen Zuständigkeit Kroatiens zur Rücküber- nahme im Sinne von Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO auszugehen ist, dass sich die Beschw erdeführer am Dublin -Gespräch vom 31. Oktober 2023 im Wesentlichen dahingehend geäussert hatten, sie hätten in Kroa- tien nicht freiwillig ein Asylgesuch gestellt, sondern seien an der Grenze von der Polizei aufgegriffen und auf ein Polizeirevier gebracht worden, wo ihnen gesagt worden sei, dass sie unabhängig davon, ob sie in Kroatien bleiben woll ten, ihre Fingerabdrücke abgeben müssten, woraufhin sie diese abgegeben hätten, dass der Beschwerdeführer anlässlich des rechtlichen Gehörs auf entspre- chenden Hinweis, dass möglicherweise Kroatien für sein Asylgesuch zu- ständig sei, erklärte, dass er und seine Familie von Beginn an in die Schweiz kommen wollten, dass in medizinischer Hinsicht ausgeführt wurde, dass es dem Beschwer- deführer und den zwei minderjährigen Kindern gut gehe und die Beschwer- deführerin starke Rückenschmerzen sowie manchmal auch Schmerzen in den Beinen verspüre, dass die Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe ergänzten, in Kro- atien nie ein Asylgesuch gestellt zu haben, dort dennoch als asylsuchend registriert worden zu sein, wobei jedoch nie ein Asylverfahren durchgeführt worden sei, sie stattdessen aufgefordert worden seien weiterzureisen und Dokumente zu unterschreiben, die sie nicht verstanden hätten, dass sie ferner darauf hinwiesen, dass ihre Kinder grosse Angst vor einer Rückkehr nach Kroatien hätten, sie dort schlecht behandelt worden seien und namentlich erlebt hätten, wie die Polizei ihrem Fahrer eine Waffe an den Kopf gehalten habe, dass aufgrund der Aktenlag e indessen keine Sachverhaltsumstände er- sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Überstellung in den für die Beschwerdeführer zuständigen Dublin-Vertragsstaat sprechen würden, dass es namentlich nicht von Belang ist, ob sich die Beschwerdeführer in Kroatien registrieren lassen woll ten, zumal die Dublin -III-VO den Schutz- suchenden kein Recht einräumt, den Antrag prüfenden Staat auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), E-6311/2023 Seite 7 dass selbst wenn zutreffen würde, dass die Beschwerdeführer ihre Finger- abdrücke in Kroatien nicht freiwillig, sondern unter Zwang abgegeben ha- ben, eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO nicht gerechtfertigt wäre, da sich aus einem solchen Vorkommni s nicht ableiten lässt, dass systemische Schwachstellen bestehen, welche nahelegen, dass die Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Kroatien mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung aus- gesetzt wären, dass in dieser Hinsicht festzuhalten ist, dass Kroatien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzproto- kolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, wobei Kroatien nach Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nachkommt, dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner jüngst bestätigten Recht- sprechung nicht davon ausgeht, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen in Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO auf (vgl. Refer enzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 und insbesondere für take-back- Verfahren: Urteile des BVGer E-5089/2023 vom 28. September 2023 S. 7, F-638/2023 vom 16. Februar 2023 E. 6.3, F-69/2023 vom 25. Januar 2023 E. 5.1, F-37/2023 vom 6. Januar 2023 E. 6.2, E-4341/2022 vom 8. Dezem- ber 2022 E. 6.3), dass die Vorinstanz in Beachtung der aktuellen Rechtsprechung des Bun- desverwaltungsgerichts eine Einzelfallprüfung vorgenommen hat und unter Verweis auf Abklärungen durch die Schweizerische Botschaft in Kroatien zum Schluss gekommen ist, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Kroatien zurückgeführt werden, nicht von der problematischen Push-back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteile des BVGer E-1488/2020 E. 9.5, F -37/2023 vom 6. Janua r 2023 E. 6.2, E -5787/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 7.4, D-4160/2022 vom 28. September 2022 E. 7.3.1), dass auch unter Berücksichtigung der von den Beschwerdeführern geschil- derten Erlebnisse nicht davon auszugehen ist, Kroatien verstosse syste- matisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen, weshalb die Anwen- dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, E-6311/2023 Seite 8 dass die Beschwerdevorbringen zur allgemeinen Lage mit Verweisen auf verschiedene allgemeine Berichte, ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sowie zwei deutsche Gerichtsurteile hie- ran nichts zu ändern vermögen und ebenfalls keinen Anlass zur Annahme geben, die Beschwerdeführer wären in Kroatien persönlich ernsthaft an Leib und Leben gefährdet, dass die Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe zwar geltend ma- chen, von den kroatischen Behörden zum Gehen a ufgefordert worden zu sein, im Verlauf ihres Verfahrens in der Schweiz jedoch weder eine Weg- weisungsverfügung der kroatischen Behörden vorlegen ko nnten noch ein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan haben, wonach sich die kroati- schen Behörden weigern würden, sie wieder aufzunehmen und ihre An- träge auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie des Europäischen Parlaments u nd des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) zu prüfen, dass den Akten auch keine Gründe für die konkrete Annahme zu entneh- men sind, Kroatie n werde im Fall der Beschwerdeführer den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwin- gen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, dass sodann eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesund- heitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, dass dies insbesondere der Fall ist, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech- nen müsste und da bei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des EGMR), dass ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK gemäss aktueller Praxis des EGMR aber auch vorliegen kann, wenn eine schwer kranke Person durch die Überstellung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem L eiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR E-6311/2023 Seite 9 Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180 -193 m.w.H., bestätigt durch Savran gegen Dänemark 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, 57467/15, §§ 121 ff.), dass eine solche Situation vorliegend offensichtlich nicht gegeben ist, dass um Wiederholungen zu vermeiden, in Bezug auf die medizinischen Beschwerden auf die diesbezüglich zutreffenden Erwägungen der Vorin - stanz zu verweisen ist (vgl. angefochtene Verfügung S. 2 und 8 f.), dass die gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin kein Hin- dernis für eine Überstellung nach Kroatien darstellen, zumal Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt und es – ungeachtet der entsprechenden Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe – keinen Grund zur Annahme gibt, ihr werde dort im Rahmen ihrer Wiederaufnahme die notwendige medizinische Behandlung beziehungsweise Weiterbehand- lung nicht gewährleistet (zur medizinischen Versorgung in Kroatien vgl. statt vieler Referenzurteil des BVGer E -1488/2020 vom 22. März 2023 E. 10.2 und Urteil des BVGer D-735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 6.7.3), dass sich die Beschwerdeführer im Übrigen bei Bedarf an die kroatischen Behörden wenden und die ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern können (vgl. insbesondere Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die in- ternationalen Schutz beantragen, sog. Aufnahmerichtlinie), dass für das weitere Dublin-Verfahren einzig die Reisefähigkeit ausschlag- gebend ist, welche – wie in der angefochtenen Verfügung zutreffend aus- geführt (vgl. angefochtene Verfügung S. 9) – erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird, dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte- nen Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Umständen bei der Be- stimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerdefüh- rer Rechnung zu tragen und die kroatischen Behörden vorgängig in geeig- neter Weise über die spezifischen Umstände zu informieren haben (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO), dass demgemäss kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV1 gegeben ist, E-6311/2023 Seite 10 dass für das Einholen von individuellen Zusicherungen der kroatischen Be- hörden namentlich bezüglich des Zugangs der Beschwerdeführer zu adä- quater Unterbringung, Verpflegung sowie medizinischer Behandlung nach dem Gesagten keine Veranlassung besteht (vgl. h ierzu auch Referenzur- teil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 12), weshalb der Sub- eventualantrag abzuweisen ist, dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist, dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach Kroatien der Sys- tematik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Bestim- mung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht, dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be- stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb die Begehren um Erteilung der aufschiebenden Wirkung mit ent- sprechender Anweisung an die zuständigen Behörden und auf Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind, dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als offensichtlich aussichtlos zu bezeichnen sind, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den unterliegenden Beschwerdeführern aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-6311/2023 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführern aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Nassim Safai-Rad Versand: