<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 125</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">125</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>33</b></span> <span class="ft2"><b>Verwaltungszwang; § 159 Abs. 1 BauG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Prüfung der (nachträglichen) Bewilligungsfähigkeit einer rechtswid-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rigen Baute im Beseitigungsverfahren setzt nicht in jedem Fall die Durch-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>führung eines nachträglichen Baubewilligungsverfahrens voraus.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 13. April 2011 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">A. und B. (WBE.2009.188).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3.</span><br/> <span class="ft5">3.1.</span><br/> <span class="ft5">Wird durch die Errichtung von Bauten ohne Bewilligung, unter</span><br/> <span class="ft5">Verletzung einer solchen oder auf andere Weise ein unrechtmässiger</span><br/> <span class="ft5">Zustand geschaffen, so können die Einstellung der Arbeiten, die Ein-</span><br/> <span class="ft5">reichung eines Baugesuchs sowie die Herstellung des rechtmässigen</span><br/> <span class="ft5">Zustands, insbesondere die Beseitigung oder Änderung der rechts-</span><br/> <span class="ft5">widrigen Bauten angeordnet werden (§ 159 Abs. 1 BauG). Eine sol-</span><br/> <span class="ft5">che Beseitigungsanordnung darf jedoch praxisgemäss erst erlassen</span><br/> <span class="ft5">werden, wenn feststeht, dass die eigenmächtig ausgeführten Bauar-</span><br/> <span class="ft5">beiten dem objektiven Recht widersprechen und nicht nachträglich</span><br/> <span class="ft5">bewilligt werden können (siehe dazu auch Erw. 3.4.); vorausgesetzt</span><br/> <span class="ft5">ist also die materielle Rechtswidrigkeit der bewilligungswidrig ge-</span><br/> <span class="ft5">troffenen baulichen Vorkehren (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft5">22. Februar 2001 [1P.672/2000], Erw. 3a; BGE 111 Ib 221; AGVE</span><br/> <span class="ft5">2004, S. 157 f.). Die Beseitigung des rechtswidrigen Zustands muss</span><br/> <span class="ft5">mit den Grundsätzen der Verhältnismässigkeit, der Rechtsgleichheit</span><br/> <span class="ft5">und des Gutglaubensschutzes vereinbar sein. So kann der Abbruch</span><br/> <span class="ft5">oder die Abänderung der rechtswidrig erstellten Baute unterbleiben,</span><br/> <span class="ft5">wenn die Abweichung vom Erlaubten nur unbedeutend ist oder der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">126</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Abbruch nicht im öffentlichen Interesse liegt, ebenso wenn die Bau-</span><br/> <span class="ft5">herrschaft in gutem Glauben angenommen hat, sie sei zur Bauaus-</span><br/> <span class="ft5">führung ermächtigt, und der Beibehaltung des rechtswidrigen Zu-</span><br/> <span class="ft5">stands nicht schwerwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen</span><br/> <span class="ft5">(BGE 123 II 255; 111 Ib 221 ff.; 108 Ia 217; AGVE 2001, S. 279 f.;</span><br/> <span class="ft5">2000, S. 262 f., je mit Hinweisen). Schliesslich muss die festgesetzte</span><br/> <span class="ft5">Beseitigungs- bzw. Anpassungsfrist den Verhältnissen angemessen</span><br/> <span class="ft5">sein. Der Bauherrschaft ist ausreichend Zeit für den geordneten Voll-</span><br/> <span class="ft5">zug der Entfernung bzw. Anpassung der Installationen und Bauteile</span><br/> <span class="ft5">einzuräumen (vgl. AGVE 1994, S. 607).</span><br/> <span class="ft5">3.2.-3.3. (...)</span><br/> <span class="ft5">3.4.</span><br/> <span class="ft5">Die Prüfung der (nachträglichen) Bewilligungsfähigkeit setzt</span><br/> <span class="ft5">nicht in jedem Fall die Durchführung eines nachträglichen Baube-</span><br/> <span class="ft5">willigungverfahrens voraus, was sich schon aus der "Kann"-Vor-</span><br/> <span class="ft5">schrift von § 159 Abs. 1 BauG ergibt. Dies ist vorab der Fall, wenn</span><br/> <span class="ft5">über ein Bauvorhaben bzw. die massgebende Frage bereits rechts-</span><br/> <span class="ft5">kräftig entschieden worden ist. Aber auch wenn ein Bauvorhaben</span><br/> <span class="ft5">offensichtlich nicht bewilligungsfähig ist bzw. die materielle Rechts-</span><br/> <span class="ft5">widrigkeit einer Baute aufgrund klarer tatsächlicher Verhältnisse</span><br/> <span class="ft5">eindeutig feststeht, ist der Ausgang des nachträglichen Baubewilli-</span><br/> <span class="ft5">gungsverfahrens von vornherein klar. Das Durchlaufen eines nach-</span><br/> <span class="ft5">träglichen Baubewilligungsverfahrens wäre in solchen Fällen pro-</span><br/> <span class="ft5">zessökonomisch nicht zu rechtfertigen (vgl. z.B. VGE III/3 vom</span><br/> <span class="ft5">21. Januar 2011 [WBE.2010.275], S. 6 f.; Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft5">vom 22. Februar 2001 [1P.672/2000], Erw. 3; BVR 2007, S. 167 f.).</span><br/> <span class="ft5">Die Unterschreitung des Kantonsstrassenabstands bedarf der</span><br/> <span class="ft5">Zustimmung der Abteilung für Baubewilligungen des BVU (früher:</span><br/> <span class="ft5">Koordinationsstelle Baugesuche) (vgl. § 63 lit. c BauG). In der Zu-</span><br/> <span class="ft5">stimmungsverfügung vom 28. November 2005 wurde den Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführern im Sinne einer Ausnahme (§ 67 BauG) erlaubt, den gesetz-</span><br/> <span class="ft5">lich vorgeschriebenen Kantonsstrassenabstand von 6 m (§ 111 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">lit. a BauG) um 2 m zu unterschreiten; gleichzeitig wurde die Beo-</span><br/> <span class="ft5">bachtungsdistanz der Sichtzonen von 4.5 m auf 3.5 m reduziert. In</span><br/> <span class="ft5">einem früheren Stadium des Baugesuchsverfahrens lehnte die Koor-</span><br/> <span class="ft5">dinationsstelle Baugesuche am 5. August 2005 einen Kantonsstras-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">127</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">senabstand des Wendeplatzes von 2 m zudem ab, was die Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführer akzeptierten. Der von der Abteilung Tiefbau des BVU im</span><br/> <span class="ft5">vorliegenden Beseitigungsverfahren angefertigte Plan vom 6. Feb-</span><br/> <span class="ft5">ruar 2009 zeigt zudem illustrativ auf, dass der Abstand des Abstell-</span><br/> <span class="ft5">bzw. Vorplatzes von lediglich 2 m zur Kantonsstrasse die erforder-</span><br/> <span class="ft5">liche, ohnehin schon reduzierte Sichtzone beeinträchtigt: Die unbe-</span><br/> <span class="ft5">willigte Ausgestaltung des Vorplatzes lässt die Parkierung von vier</span><br/> <span class="ft5">Fahrzeugen zu, was die Sichtzone klarerweise einschränkt. Das ge-</span><br/> <span class="ft5">forderte Sichtfeld ist zwar nicht auf der gesamten Abstellfläche, aber</span><br/> <span class="ft5">doch teilweise beeinträchtigt, womit die Verkehrssicherheit nicht</span><br/> <span class="ft5">mehr gewährleistet ist. Einer weitergehenden Ausnahmebewilligung</span><br/> <span class="ft5">(vgl. § 67 BauG, aber auch der neue § 67a BauG) stehen mithin ge-</span><br/> <span class="ft5">wichtige öffentliche Interessen entgegen. Der eigenmächtig erstellte</span><br/> <span class="ft5">Abstell- bzw. Vorplatz ist daher von vornherein nicht bewilligungs-</span><br/> <span class="ft5">fähig. (...)</span><br/> <span class="ft5">Die materielle Rechtswidrigkeit als Grundvoraussetzung einer</span><br/> <span class="ft5">auf Herstellung des rechtmässigen Zustands abzielenden Anordnung</span><br/> <span class="ft5">ist somit erstellt.</span><br/> <span class="ft5">3.5.</span><br/> <span class="ft5">Bleibt zu prüfen, ob die angeordnete Herstellung des recht-</span><br/> <span class="ft5">mässigen Zustands rechtmässig ist. Die verfügte Anordnung ist unter</span><br/> <span class="ft5">Berücksichtigung der allgemeinen Prinzipien des Verfahrens- und</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsrechts zu beurteilen (vgl. Erw. 3.1.).</span><br/> <span class="ft5">3.5.1.-3.5.2. (...)</span><br/> <span class="ft5">(Hinweis: Im Anwendungsfall wurde die Herstellung des</span><br/> <span class="ft5">rechtmässigen Zustands als rechtmässig beurteilt und geschützt)</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>