B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1810/2019 U r t e i l v o m 9 . J u n i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Lorenz Noli, Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 13. März 2019 / N (…). E-1810/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am (…) April 2015 in der Schweiz um Asyl nach und machte anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 6. Mai 2015 und der Anhörung vom 6. März 2017 im Wesentlichen Folgendes gel- tend: Er sei sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, geboren in B._______ und aufgewachsen in C._______, im Raum D._______. Wäh- rend der Schulzeit habe er die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) un- terstützt, indem er (…) organisiert, (…). Die LTTE habe an der Schule Selbstverteidigungskurse gegeben. Er habe verschiedene LTTE-Mitglieder kennengelernt und sei mit diversen wichtigen LTTE -Personen fotografiert worden. (…) sei beim (…) der LTTE gewesen und einer seiner engen Freunde sei für eine Selbstmordgruppe zuständig gewesen. (…) und des- sen Freund hätten ihm zwischen (…) immer wieder kleinere Aufträge ge- geben. Die Nachbarin, welche in den (…) verliebt gewesen sei, habe die- sen der Eelam People's Democratic Party (EPDP) gemeldet, als sie her- ausgefunden habe, dass er für die LTTE tätig sei. Im Jahr 2006 sei (…) daher nach E._______ gegangen. Er habe später (…) der Nachbarin um- gekommen sei. Im selben Jahr ([…] 2006) sei der (…) erschossen worden. Der spätere Mann der Nachbarin wiederum sei von den LTTE getötet wor- den, da seine Familie Informationen über diesen an die LTTE weiteregelei- tet habe. Die Nachbarin sei danach aus Angst weggezogen. Als im Jahr 2010 eine Climor-Bombe auf der Strasse explodiert sei (BzP) beziehungs- weise er neben einer Reismühle mit einem Waffenversteck gestanden habe (Anhörung), sei er zusammen mit weiteren Jungen verhaftet und ins Camp gebracht worden. Am Abend seien sie unter der Bedingung, jeden Freitag zur Unterschrift zu erscheinen, entlassen worden. Dies habe er län- gere Zeit getan. Ab und zu hätten sie ihn durch „Kopfnicker“ identifizieren lassen. Einige Monate später hätten Soldaten ihn auf dem Feld verhaftet und ins Camp gebracht, wo sie ihn zwei Tage lang festgehalten hätten. Da sein Vater mit dem Friedensrichter und einer weiteren wichtigen Person zum Camp gekommen sei, hätten sie ihn freigelassen. 2013 sei die Nach- barin zurückgekehrt, worauf hin sie aufgrund einer Grundstück sgrenze Probleme gehabt hätten. Die Nachbarin – Mitglied der EPDP – habe von seiner LTTE-Tätigkeit gewusst, ihn bedroht und ihn sowohl bei der EPDP als auch beim Militär verraten, weshalb (…) 2013 seine eigentlichen Prob- leme begonnen hätten. 2013 und 2014 sei er für eine Weile nach E._______ gegangen. Sein Vater habe ihm im Jahr 2014 gesagt, dass ein E-1810/2019 Seite 3 Kollege verhaftet worden sei und sie auch auf der Suche nach ihm seien. Er habe bereits zu diesem Zeitpunkt ausreisen wollen, sei aber auf Anraten des Vaters geblieben. Eines Tages seien vier Militärpersonen auf „field-bikes“ vorbeigekommen und hätten das Haus durchsucht und seine Mutter sowie seine Schwester belästigt. Insgesamt sei er in seiner Abwesenheit drei Mal gesucht worden. Da diese Suchen abgenommen hätten, sei er wieder nach Hause. Am (…) 2014 seien wiederum Personen des Militärs bei ihm zuhause vorbeigekom- men und hätten seiner Mutter ein Foto von ihm gezeigt und sich nach ihm erkundigt. Weil seine Mutter und (…) geschlagen worden seien, habe (…) beziehungsweise die Mutter verraten, dass er auf dem Markt sei. Sie hätten ihn dort geholt und ins (…)-Camp gebracht. Schon beim Eingang seien ihm die Augen verbunden und die Hände gefesselt worden. Ihm seien von der dort anwesenden Nachbarin vier Fotos vorgehalten worden, um Personen zu identifizieren. Er habe zwar drei Personen erkannt, aber behauptet, nie- manden zu kennen. Er sei brutal geschlagen worden, wobei ihm unter an- derem die (…) durch einen Stoss mit dem Gewehrkolben (…), (…) und das (…) abgeschnitten sowie sein (…) derartig verletzt worden sei, dass er (…). Ausserdem sei er mit glühenden Zigaretten im (…) und am (…) verbrannt und auf weitere Arten misshandelt worden. Er sei ins Koma gefallen und daraufhin seinem Vater ausgeliefert worden. Als er im Spital gewesen sei, seien Militärangehörige wiederholt zu seinem Vater gegangen und hätten sich nach seinem Zustand erkundigt, wobei sie dem Vater mitgeteilt hätten, dass er nach der Heilung wieder zurück ins Camp müsse. Er habe im Spital einmal eine Unterschrift leisten müssen und sei danach direkt nach F._______, wo er bis zu seiner Ausreise weiterhin ambulant behandelt wor- den sei (Anhörung) beziehungsweise er sei nach seinem Aufenthalt im Spi- tal in C._______ jeweils in Begleitung zum Camp gegangen, um Unter- schrift zu leisten; da er weiterhin verdächtigt worden sei, die LTTE wieder- aufbauen zu wollen, und misshandelt worden sei, um entsprechende Infor- mationen preiszugeben, habe ihn sein Vater zur Ausreise gedrängt (BzP). Am 7. April 2015 habe er deshalb sein Heimatland verlassen und sei via G._______, H._______ und I._______ in die Schweiz gereist. Nach seiner Ausreise, am (…) 2015, sei sein Vater auf dem Heimweg von Personen geschlagen worden, die sich nach ihm (dem Beschwerdeführer) erkundigt hätten, woraufhin er im Spital habe behandelt werden müssen. (…) 2015 sei die Polizei bei seinen Eltern gewesen und habe sich nach seiner Tele- fonnummer erkundigt. Hier in der Schweiz habe er am 27. November (…) an einer Gedenkfeier der LTTE in J._______ und auch im Jahr (…) an einer Demonstration der LTTE in K._______ teilgenommen. E-1810/2019 Seite 4 Zum Nachweis seiner Identität reichte er eine Kopie seiner Identitätskarte, seinen Geburtsschein (im Original sowie in Kopie mit Übersetzung) sowie die Geburtsscheine seiner Eltern (in Kopie mit Stempel) ein. Als Beweis- mittel legte er die Kopie der Todesurkunde (…) mit Übersetzung, einen Arztbericht betreffend die Verletzungen seines Vaters (im Original), ein Schreiben des Friedensrichters L._______ (im Original) sowie ein Affidavit seiner Mutter mit der Bestätigung über die verwandtschaftlichen Verh ält- nisse (…) (im Original) zu den Akten. Anlässlich der Anhörung hielt die Hilfswerksvertretung fest, der Beschwer- deführer sei bei der Schilderung seiner Probleme immer wieder auf seine Misshandlungen und die erlittene Folter zurückgekommen , ohne dies zu merken. Sie regte ein spezialärztliches Gutachten an, um den rechtserheb- lichen Sachverhalt vervollständigen zu können und ihm Zugang zu einer adäquaten medizinisch-psychiatrischen Behandlung zu ermöglichen. B. Mit Verfügung vom 13. März 2019 – eröffnet am 19. März 2019 – verneinte die Vorinstanz aufgrund mangelnder Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz der Vorbringen die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete sie seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 15. April 2019 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung vom 13. März 2019. Diese sei wegen der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventuell wegen der Verletzung der B egründungspflicht, eventuell zur Feststellung des richtigen und rechtserheblichen Sachverhalts aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei seine Flüchtlingsei- genschaft festzustellen; es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Even- tuell sei die angefochtene Verfügung betreffend die Ziffern 4 und 5 aufzu- heben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die vollständige Einsicht in die gesamten Akten des SEM, insbesondre in das Aktenstück A14/1, mit der Gewährung einer Nachfrist zur Einreichung einer Beschwerdeergän- zung. Ausserdem sei der Spruchköper bekannt zugeben und mitzuteilen, E-1810/2019 Seite 5 ob dieser zufällig ausgewählt worden sei; andernfalls seien die objektiven Kriterien für die Auswahl des Spruchkörpers bekanntzugeben. Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht materiell entscheiden sollte, stellte er die Be weisanträge, er sei zu seinen Asylgründen, insbe- sondere dazu wie sich die Gefährdung mit der sich neu darstellenden Si- tuation in Sri Lanka verändert habe, anzuhören. Ihm seien sämtliche dem SEM vorliegenden Beweismittel offenzulegen und es sei ihm eine ang e- messene Frist zur Einreichung einer Stellungnahme anzusetzen. Ausser- dem sei sein Gesundheitszustand vollumfänglich abzuklären und ihm sei eine angemessene Frist anzusetzen, um einen ausführlichen Arztbericht einzureichen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Fotos seiner Narben sowie von ihm an einer Demonstration in K._______ im (…) 2017 ein. Zur Unter- mauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird – reichte der Beschwerdeführer eine CD-ROM mit verschiedenen Beweismitteln ein und führte in einem separaten Schreiben vom 15. April 2019 aus, ohne ausdrücklichen Gegenbericht werde davon ausgegangen, dass die Beila- gen in elektronischer Form auf der CD -ROM als vollwertige Beweismittel akzeptiert würden und auf die Einreichung dieser Beilagen in Papierform verzichtet werden könne. D. Am 17. April 2019 bestätigte das Gericht dem Beschwerdeführer den Ein- gang der Beschwerde und hielt fest, dieser dürfe den Ausgang des Verfah- rens einstweilen in der Schweiz abwarten. E. Mit Zwischenverfügung vom 9. Mai 2019 teilte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer den bisher festgelegten Spruchkörper mit, forderte den Beschwerdeführer auf, den in Aussicht gestellten Arztbericht innert Frist nachzureichen und die ihn behandelnden Fachpersonen gegenüber den Bundesasylbehörden vom Arztgeheimnis zu entbinden. Überdies wies sie die Anträge auf Akteneinsicht und auf Einräumung einer Frist zur Einrei- chung einer Beschwerdeergänzung ab und forderte den Beschwerdeführer auf, innert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten. E-1810/2019 Seite 6 F. Mit Schreiben vom selben Tag reichte der Beschwerdeführer den in Aus- sicht gestellten Arztbericht nach, laut welchem er an einer posttraumati- schen Belastungsstörung (PTBS) (…) leide. G. Am 24. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Eingabe ein, in welcher er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte , und legte eine weitere CD-ROM mit 48 Beweismitteln sowie eine Unterstützungsbe- stätigung vom 13. Mai 2019 und die unterzeichnete Erklärung über die Ent- bindung von der ärztlichen Schweigepflicht ins Recht. H. Mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2019 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG [SR 142.31] vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die E-1810/2019 Seite 7 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – einzutreten. 1.5 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D -1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3 [zur Publikation vorgesehen]). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Die Vorinstanz hielt in ihrem Entscheid zunächst fest, dass die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers nicht glaubhaft seien, weshalb auf die Prüfung der Asylrelevanz verzichtet werden könne. So habe der Beschwerdeführer an der BzP geltend gemacht, die LTTE mit (…). Bei der Anhörung habe er hingegen erwähnt, er habe (…). Dass (…) beim (…) der LTTE gewesen sei und ihm und seinen Kollegen den Auftrag erteilt habe, Informationen über die sri-lankischen Behörden zu sammeln, habe er erstmals an der Anhörung vorgebracht. Es sei nicht einsichtig, wa- rum er diese Vorbringen nicht bereits bei der BzP geltend gemacht habe, zumal er damals gefragt worden sei, ob er die LTTE noch durch weitere Tätigkeiten unterstützt habe. Es müsse deshalb davon ausgegangen wer- den, dass er bei der Anhörung nachträglich versucht habe, seinen Asyl- gründen mehr Gewicht zu verleihen. Die Erklärung, nie nach dem Handeln (…) gefragt worden zu sein, sei als Schutzbehauptung zu werten. Seine Unterstützung der LTTE könne daher nicht geglaubt werden. Auch seine Aussagen bezüglich der geltend gemachten behördlichen Su- chen und Festnahmen würden zahlreiche Widersprüche aufweisen. So habe er an der BzP geltend gemacht, dass im Jahr 2010 auf der Strasse eine Bombe explodiert sei, worauf hin er und andere junge Leute festge- nommen und ins Camp gebracht worden seien. Er sei unter der Bedingung E-1810/2019 Seite 8 freigelassen worden, jeden Freitag eine Unterschrift zu leisten. Bei der An- hörung habe er hierzu angegeben, er sei festgenommen worden, als er auf dem Feld gearbeitet habe, und danach zwei Tage festgehalten worden. Ein anderes Mal sei er im Jahr 2010 zusammen mit seinen drei Kollegen ver- haftet worden, als sie in der Nähe einer Reismühle gestanden hätten. Die Erklärung, wonach es sich dabei um verschiedene Vorfälle gehandelt habe, vermöge nicht zu überzeugen. Abgesehen davon habe er an der BzP behauptet, der Vorfall auf dem Feld habe 2014 stattgefunden. Weiter habe er widersprüchliche Angaben bezüglich der Suche durch die sri-lankische Armee respektive der Angehörigen seiner Nachbarin gemacht. So habe er sich einerseits nach M._______ begeben, da er zu Hause gesucht worden sei, sei andererseits aber bereits in M._______ gewesen, als er das erste Mal zu Hause gesucht worden sei. Ferner habe er sich betreffend seine Festnahme vom (…) 2014 widersprochen. Bei der BzP habe er erzählt, (…) habe seinen Aufenthaltsort verraten, an der Anhörung habe er indessen angegeben, nicht zu wissen , wie die Soldaten ihn gefunden hätten. Auf diesen Widerspruch angesprochen, habe er seine Aussage der BzP bestä- tigt. Aufgrund der widersprüchlichen Schilderung dieser Festnahme könne ihm auch nicht geglaubt werden, dass er tatsächlich den geschilderten Misshandlungen ausgesetzt gewesen sei. Diese Schlussfolgerung erhärte sich durch seine widersprüchlichen Angaben betreffend die Zeit nach der Haft. So habe er an der BzP dargelegt, nach dem Spitalaufenthalt weiterhin Unterschrift geleistet zu haben. Da er jedoch weiterhin verdächtigt und ein- mal verletzt worden sei, sei er ausgereist. An der Anhörung habe er hinge- gen geltend gemacht, lediglich einmal im Spital eine Unterschrift geleistet zu haben und danach direkt in das Privatspital in F._______ gegangen zu sein. Die eingereichten Beweismittel würden überdies nicht dazu taugen, den asylrelevanten Sachverhalt glaubhaft zu machen. So sei das Schrei- ben des Friedensrichters als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren und dessen Inhalt stimme überdies nicht mit dem geschilderten Sachverhalt überein. 4.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht auf Beschwerde- ebene ausgedehnte allgemeine Ausführungen zur Lage in Sri Lanka und reicht zum Beleg seiner Einschätzung eine umfangreiche eigene Doku- menten- und Quellensammlung zu den Akten, welche das Lagebild und die Einschätzung der Vorinstanz widerlege. Die Vorinstanz habe die individu- ellen Asylgründe (insbesondere die LTTE -Verbindungen, seine Inhaftie- rung und massive Folterung, seiner Herkunft aus dem Norden Sri Lankas und sein exilpolitisches Engagement) unvollständig geprüft. Ausserdem sei sie auf pauschale Weise zum Schluss gekommen, dass die Vorbringen des E-1810/2019 Seite 9 Beschwerdeführers unglaubhaft seien, da sie widersprüchlich oder nach- geschoben seien. Die Glaubhaftigkeitsprüfung sei klar ungenügend erfolgt. So sei das Vorbringen betreffend die LTTE-Tätigkeit des (…) keineswegs nachgeschoben, sondern eine Konkretisierung des Sachverhalts. Überdies sei er auch nie nach dessen Problemen gefragt worden. Ausserdem sei anlässlich der Anhörung offensichtlich gewesen, dass sein Aussageverhal- ten nicht als normal bezeichnet werden könne. Dies sei von der Hilfswerks- vertretung auch bestätigt worden. Das ständige, ungewollte, wiederho- lende Erinnern an die Foltererfahrung sei ein klarer Hinweis auf die Trau- matisierung. Eine entsprechende Abklärung sei trotz Hinweis der Hilfs- werksvertretung unterblieben. Ausserdem sei er weiterhin exilpolitisch tätig gewesen (Teilnahme an re- gimekritischen Demonstrationen) und einmal mit einer LTTE-Flagge gefilmt worden. Dieses Video sei auf einem Onlineportal veröffentlicht worden. Diesen Sachverhalt habe die V orinstanz nicht abgeklärt, obwohl es sich dabei um einen Hochrisikofaktor handle. Dasselbe gelte für seine zahlrei- chen Narben, die er aufgrund seiner erlittenen Folter trage. Sodann hält der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe daran fest, dass e r mehrere der im Referenzurteil E-1866/2016 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren erfülle. So stamme er aus einer Familie mit LTTE Mitglie- dern, was in seiner Herkunftsregion bekannt sei. (…) habe eine wichtige Funktion beim (…) der LTTE innegehabt. Er selbst habe regelmä ssig in Kontakt zu anderen LTTE-Mitgliedern gestanden und diese mit Hilfsarbei- ten unterstützt. Aufgrund dieser Verbindungen und Tätigkeiten sei er in der Vergangenheit mehrmals behelligt, befragt, entführt und misshandelt wor- den, wobei er massive Verletzungen und psychische Traumata davonge- tragen habe. Mit seiner Flucht ins Ausland und dem mehrjährigen Aufent- halt in einem tamilischen Diasporazentrum mache er sich weiter verdäch- tig, Wiederaufbaubestrebungen der LTTE getätigt zu haben. D ieser Ver- dacht würde sich auch durch seine exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz bewahrheiten. Ausserdem gehöre er den sozialen Gruppen der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden sowie der vermeintlich oder tat- sächlichen LTTE-Unterstützer an. Zudem würde er mit temporären Reise- dokumenten in sein Heimatland zurückgeschafft und so die Aufmerksam- keit der Behörden auf sich lenken. Die auf den zu erwartenden Back- ground-Check folgende Verhaftung aufgrund seines Profils würde mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen. Ausserdem bestehe aufgrund seiner allenfalls erheblichen psychischen Traumatisierung eine erhöhte Verfolgungsempfindlichkeit. E-1810/2019 Seite 10 4.3 Aus dem Arztbericht vom 9. Mai 2019 geht hervor, dass der Beschwer- deführer an einer posttraumatischen Belastungsstörung (…) leide. Im Be- gleitschreiben legt der Beschwerdeführer dar, dies sei auch bei der Anhö- rung erkennbar gewesen, da er – konditioniert durch die Verhöre in Sri Lanka, bei welchen er gefoltert worden sei – immer wieder ungewollte, wie- derholende Erinnerungen an die Foltererfahrung hervorgebracht habe und sein Aussageverhalten sehr auffällig gewesen sei. Er leide weiterhin an Schlafstörungen, wache jede Stunde auf und sei tagsüber entsprechend schläfrig. Auch diese Symptome stünden in einem Zusammenhang mit den Erinnerungen an das Erlebte in Sri Lanka und der ständigen Angst, wieder dorthin zurückkehren zu müssen. Ausserdem sei er (…), was durch die Schläge (…) verursacht worden sei. Er sei folglich in einem sehr bedenkli- chen und labilen Gesundheitszustand. Seine Krankheiten würden seine Geschichte untermauern und aufzeigen, dass die berichteten Erlebnisse in Sri Lanka tatsächlich stattgefunden hätten. Er reagiere gut auf die Behand- lung und habe bereits einige Besserungen erlangen können. Eine Weiter- behandlung und Begleitung über die nächsten Jahre hinweg sei nicht nur sinnvoll, sondern auch dringend notwendig. Eine Rückkehr nach Sri Lanka würde zu einer drastischen Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen (mit Verwei s auf das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsge- richts D-4543/2013 E. 5.7 vom 22. November 2017). Seine Verfolgungs- empfindlichkeit sei somit massiv erhöht, was zwangsläufig zur Anerken- nung der Flüchtlingseigenschaft und zur Gewährung von Asyl führen müsse. 5. 5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vo- rinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih- rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus- einandersetzt und jedes einzel ne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dem verfassungsmässigen Grundsatz des rechtlichen Gehörs erwachsen behördliche Pflichten, wie unter anderem E-1810/2019 Seite 11 die Untersuchungspflicht (vgl. E. 3.2.2) sowie die Begründungspflicht (vgl. E. 3.2.3). Das AsylG als lex specialis zum VwVG sieht für das Asylverfah- ren besondere Verfahrensbestimmungen vor (Art. 6–17 AsylG). Die behördliche Untersuchungspflicht beinhaltet die richtige und vollstän- dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, die Beschaffung der für das Verfahren notwendigen Unterlagen, die Abklärung der rechtlich re- levanten Umstände sowie die entsprechende, ordnungsgemässe Beweis- führung. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sach- verhalts prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Un- recht verneinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wur- den (vgl. Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfa hren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Im Asylverfahren wird der Untersuchungsgrundsatz durch Art. 13 VwVG in Verbindung mit Art. 8 AsylG beschränkt, weil diese im Asylverfahren eine Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person bei der Sachverhaltsermittlung verlangen. Die Begründungspflicht stellt sicher, dass es der betroffenen Person ermöglicht wird, den Entscheid sachgerecht anfechten zu können, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl die betroffene Person als auch die Rec hts- mittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Die Begründungsdichte als solche richtet sich dabei nach dem Verfü - gungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffe n in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 und E -1445/2020 vom 30. Juli 2020 E. 3.2.2 m.w.H.). 5.3 Vorliegend ergibt eine Überprüfung der Akten, dass die formelle n Rü- gen des Beschwerdeführers begründet sind. Die vorinstanzliche Verfügung vermag den Anforderungen an die Untersuchungs- sowie an die Begrün- dungspflicht und somit an das rechtliche Gehör nicht zu genügen. 5.3.1 Die Vorinstanz stellt sowohl die Tätigkeit des Beschwerdeführers für die LTTE, die diversen Festnahmen, die Misshandlungen als auch die Um- stände der Ausreise in Frage. E-1810/2019 Seite 12 5.3.2 Wie bereits erwähnt, hat die Hilfswerksvertretung nach der Anhörung festgehalten, der Beschwerdeführer habe Mühe bekundet, bei der Schilde- rung seiner Probleme nicht immer wieder zu seinen Misshandlungen und Foltererfahrungen zurückzuspringen, und regte die Erstellung eines spezi- alärztlichen Gutachtens an. In der Tat fällt bei der Lektüre des Anhörungs- protokolls auf, dass der Beschwerdeführer offenkundig Schwierigkeiten hatte, sich zu fokussieren und die Ereignisse geordnet wiederzugeben , was – unter Berücksichtigung des eingereichten Arztberichts vom 2. Mai 2019, in welchem eine (…) vermutet wird, – auf eine schlechte psychische Verfassung während der Anhörung hindeuten könnte. 5.3.3 Es kann festgehalten werden, dass sich die protokollierten Angaben durch eine Fülle detailreicher und lebhaft beschriebener Erfahrungen aus- zeichnen. Die einzelnen Schilderungen der Ereignisse weisen Details, In- teraktionen und inhaltliche Besonderheiten auf. Der Beschwerdeführer un- termauert seine Erzählungen mit vielen Realkennzeichen, wie seiner Ges- tik (vgl. A12 F55, F165 und F177) und der direkten Wiedergabe von Ge- sprächen (vgl. A12 F55, F131, F145, F148 f., F159 f., F161 und F163 f.). Übertreibungen lassen sich keine erkennen. Dies trifft beispielsweise auf die Aussage in der BzP zu, laut welcher nach der Verhaftung von N._______ viele Personen Probleme bekommen hätten, er selbst jedoch nicht (vgl. A3 Ziff. 7.01, vgl. auch A12 F55). Auch sein Hinweis, dass er sich nach dem Tod (…) nur noch wenig für die LTTE eingesetzt habe und kein Mitglied gewesen sei, ist hier zu erwähnen (vgl. A12 F55 , F67 und F219, vgl. auch A12 F205 und F207). Allfällige Wissens- oder Erinnerungslücken hat er frei eingestanden oder darauf hingewiesen, wenn es sich lediglich um eine Vermutung handelte (vgl. A12 F31 und F153, vgl. auch sein Hin- weis, wonach er nicht wisse, ob Leute der EPDP oder der Armee ihn ge- sucht hätten, vgl. A12 F125), und Fehler spontan korrigiert (vgl. A12 F55). Verschiedene Punkte sind allerdings unklar. Beispielsweise geben die Er- eignisse nach der behaupteten Haft Rätsel auf . Der Beschwerdeführer äussert sich hier teilweise widersprüchlich, so dass nicht eruierbar ist, was sich in der Zeit zwischen dem (…) 2014 und der Ausreise im (…) 2015 ereignet hat. Zweifel weckt auch die erst in der Anhörung vorgebrachte (…) des (…) für die LTTE, wenn auch daraus nicht geschlossen werden kann, dass dieser nicht Mitglied der LTTE gewesen ist. Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner angeblichen Tätigkeit für die LTTE erschei- nen indessen glaubhaft. Ebenso liegen verschiedene Hinweise für die Glaubhaftigkeit der diversen Festnahmen vor. Auffallend ist zudem die sehr detailreiche Beschreibung der geltend gemachten Misshandlungen, die im E-1810/2019 Seite 13 Anhörungsprotokoll einen zentralen Platz einnimmt. Der Beschwerdeführer ist zudem durch Narben und frühere Verletzungen gekennzeichnet, welche sich mit den behaupteten Misshandlungen in Einklang bringe n lassen. Er wies während der Anhörung immer wieder auf diese hin (vgl. A12 F55 ff., F165 und F254). Da die Vorinstanz die Festnahme vom (…) 2014 nicht für glaubhaft hält, kommt sie ohne nähere Begründung zum Schluss , dass auch die geltend gemachte Folter nicht stattgefunden habe. Die zahlrei- chen Narben des Beschwerdeführers lässt sie dabei unkommentiert und äussert sich auch nicht zu einer allfälligen alternativen Ursache der Nar- ben. Eine Befragung zu den genauen Umständen der erlittenen Misshand- lungen hätte hier Klarheit schaffen können. Ebenso hätte sich eine detail- liertere Auseinandersetzung mit den diversen Vorfällen in den Jahren vor den geltend gemachten Misshandlungen aufgedrängt. Es scheint hinsicht- lich der geltend gemachten behördlichen Suchen u nd Festnahmen nicht ausgeschlossen, dass es sich um mehrere und nicht nur um zwei wider- sprüchlich vorgetragene Vorfälle gehandelt hat. Insgesamt lässt die Verfü- gung des SEM eine umfassende Abwägung der Elemente, die für und ge- gen die Glaubhaftigkeit des Vorgetragenen sprechen, vermissen. 5.3.4 Dessen ungeachtet weist der Asylentscheid keine hinreichende Ein- schätzung der Risikofaktoren gemäss Referenzurteil E-1866/2015 vom 16. Juli 2016 auf. Die Ausführungen des SEM beschränken sich im Wesentli- chen auf die Verneinung von Vorfluchtgründen und die Niederschwelligkeit des exilpolitischen Engagements. Eine Würdigung sämtlicher Sachverhalt- selemente (so insbesondere der geltend gemachten verwandtschaftlichen Verbindungen zu den LTTE wie auch der Narben und erlittenen Verletzun- gen) unter dem Gesichtspunkt des Risikoprofils im Sinne des erwähnten Referenzurteils hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung weitge- hend unterlassen. Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer dar- legte, aus einer Familie mit Bezug zu d en LTTE zu stammen, greift eine pauschale Risikoeinschätzung zu kurz. Selbst wenn die Vorinstanz zum Schluss gelangt, dass der Beschwerdeführer keine asylrechtlich relevan- ten Vorfluchtgründe hat glaubhaft machen können, ist sie vorliegend ge- halten, die im Referenzurteil E -1866/2015 genannten Risikofaktoren für Verhaftung und Folter bei einer Rückkehr nach Sri Lanka individuell zu prü- fen (a.a.O. E. 8.4). Soweit die Vorinstanz dies unterlassen hat, ist von einer Verletzung der Begründungspflicht und somit des rechtlichen Gehörs aus- zugehen. E-1810/2019 Seite 14 6. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwa ltungsgericht in der Sache selbst oder weist di ese ausnahmsweise mit verbindli chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. 6.1 Eine Kassation und Rückwei sung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsa chen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh- lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be- schwerdeinstanz selbst hergestell t werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.). Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt – angesichts des formellen Charakters des Gehörs- anspruchs unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei korrek- ter Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre – grundsätz- lich ebenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Be- schwerdeinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefug- nis in Bezug auf Tatbestand und R echtsanwendung zukommt sowie die festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.). 6.2 Im vorliegenden Fall erscheint es aus prozessökonomischen Gründen nicht angebracht, die fehlende Entscheidungsreife durch die Beschwer- deinstanz herzustellen. Es ist nicht Aufgabe des Bundesverwaltungsge- richts – welches in Asylsachen die einzige Beschwerdeinstanz ist – für eine vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die voraussichtlich erforderlichen Abklärungen übersteigen bezüglich Um- fang und Dauer den für das Gericht vertretbaren Aufwand. Zudem wurde mit der Untersuchungs- und der Begründungspflicht das rechtliche Gehör verletzt. Somit erscheint es als angezeigt, die angefochtene Verfügung auf- zuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts sowie zur rechtsgenüglichen Prüfung, Begründung und Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese wird im Rahmen einer erneuten An- hörung offene Fragen zu klären haben, wie die Rolle der Nachbarin, die Ursachen für die Narben und Verletzungen des Beschwerdeführers, die verschiedenen Verhaftungen und insbesondere die Ereignisse zwischen E-1810/2019 Seite 15 der geltend gemachten Folter und der Ausreise. Das Vorliegen einer allfäl- ligen Traumatisierung des Beschwerdeführers ist ebenfalls abzuklären . Schliesslich ist eine rechtsgenügliche Auseinandersetzung mit den Risiko- faktoren gemäss dem erwähnten Referenzurteil vorzunehmen. 7. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen, soweit darauf ein- zutreten ist. Die angefochtene Verfügung des SEM vom 13. März 2019 ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhal- tes mittels Durchführung e iner erneuten Anhörung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die wei- teren Begehren in der Beschwerde einzugehen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind ungeachtet der Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An- wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädigung für die ih m notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote einge- reicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann jedoch verzichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren der Aufwand zuverläss ig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Entschädigungspflichtig ist nur der notwendige Aufwand, weshalb es zu berücksichtigen gilt, dass die Beschwerdeeinga- ben sowohl redundante Passagen als auch weitschweifige Ausführungen zur allgemeinen Lage in Sri Lanka enthalten, welche sich auch in den Ein- gaben des Rechtsvertreters in ande ren Beschwerdeverfahren finden. Die von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung ist in Berücksich- tigung dieser Umstände sowie der übrigen massgeblichen Bemessungs- faktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 1‘500.– (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) E-1810/2019 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die angefochtene Verfügung vom 13. März 2019 wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1’500.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Regina Seraina Goll