<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 0] </div> <div class="para">1P.406/2000/boh </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG </div> <div class="para">********************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para">11. September 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Aemisegger, Präsident der </div> <div class="para">I. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter </div> <div class="para">Aeschlimann, Bundesrichter Féraud und Gerichtsschreiber Forster. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para">E.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Eric Stern, Beethovenstrasse 24, Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Obergericht des Kantons Zürich, II. Strafkammer, Kassationsgericht des Kantons Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 29 Abs. 1, <artref id="CH/101/30/1" type="start"></artref>Art. 30 Abs. 1 BV</span><artref id="CH/101/29/1" type="end"></artref> (Strafprozess), </div> <div class="para">wird in Erwägung, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass das Bezirksgericht (2. Abteilung) Bülach E.________ mit Strafurteil vom 20. Mai 1996 der mehrfachen Vergewaltigung, mehrfachen Förderung der Prostitution, mehrfachen Nötigung, mehrfachen Freiheitsberaubung und Entführung, mehrfachen Veruntreuung, des Betruges, der Urkundenfälschung und weiterer Straftaten schuldig sprach und zu 5 1/2 Jahren Zuchthaus sowie einer Busse von Fr. 500.-- verurteilte, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass das Obergericht (II. Strafkammer) des Kantons Zürich den Angeklagten am 2. Oktober 1997 auf Berufung hin wegen mehrfacher (teilweise qualifizierter) Vergewaltigung, Anstiftung zu Menschenhandel und weiteren Delikten mit 12 Jahren Zuchthaus und einer Busse von Fr. 5'500.-- bestrafte, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass das Kassationsgericht des Kantons Zürich eine von E.________ gegen das Urteil des Obergerichtes erhobene kantonale Nichtigkeitsbeschwerde mit Beschluss vom 8. Mai 2000 guthiess, das Strafurteil des Obergerichtes aufhob und die Strafsache zur Neuentscheidung an die Vorinstanz zurückwies, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass eine gegen das Urteil des Obergerichts erhobene eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde daraufhin vom Kassationshof des Bundesgerichtes mit Beschluss vom 23. Juni 2000 als gegenstandslos abgeschrieben wurde (Verfahren 6S.160/ 1998), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass E.________ gegen den Rückweisungsentscheid des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 22. Juni 2000 an das Bundesgericht gelangte, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass er eine Verletzung von <span class="artref">Art. 29 Abs. 1 BV</span> und <span class="artref">Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span> (Beschleunigungsgebot) sowie von <span class="artref">Art. 30 Abs. 1 und <artref id="CH/101/9" type="start"></artref>Art. 9 BV</span><artref id="CH/101/30/1" type="end"></artref> (Anspruch auf ein unabhängiges Gericht, Willkürverbot) rügt, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass das staatsrechtliche Beschwerdeverfahren grundsätzlich rein kassatorischer Natur ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=29.08.2000&amp;to_date=17.09.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-86%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page86">BGE 125 II 86</a> E. 5a S. 96<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=29.08.2000&amp;to_date=17.09.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-I-327%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page327">124 I 327</a></span> E. 4b S. 332 f.), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass daher die Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei "abzuändern" bzw. es sei "das Ablehnungsbegehren wegen Befangenheit der mit dem Fall befassten Mitglieder der II. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich gutzuheissen", nicht zulässig sind, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass der Beschwerdeführer keinen Antrag stellt, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass auf die Rüge der Verletzung von <span class="artref">Art. 30 Abs. 1 BV</span> (Anspruch auf ein unabhängiges Gericht) daher schon mangels zulässiger Rechtsbegehren nicht eingetreten werden kann, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass das Strafurteil des Obergerichtes vom 2. Oktober 1997 im angefochtenen Entscheid aufgehoben und die Strafsache zur Neubeurteilung an das Obergericht zurückgewiesen wurde, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass das Obergericht ein neues Strafurteil zu fällen hat, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass es bezüglich der Frage, ob das Obergericht das - aufgehobene - Strafurteil vom 2. Oktober 1997 in verfassungskonformer Besetzung gefällt hatte, somit auch noch an einem aktuellen praktischen Rechtsschutzinteresse (<span class="artref">Art. 88 OG</span>) fehlen würde, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass es sich beim angefochtenen Entscheid im Übrigen nicht um einen selbstständig eröffneten Vor- oder Zwischenentscheid über ein Ausstandsbegehren i.S.v. <span class="artref">Art. 87 Abs. 1 OG</span> handelt, sondern um einen Rückweisungsbeschluss, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass es sich beim angefochtenen Rückweisungsbeschluss um einen Zwischenentscheid handelt (<span class="artref">Art. 87 OG</span>), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass es - angesichts der Rückweisung der Strafsache zur Neubeurteilung - an einem nicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 87 Abs. 2 OG</span> fehlt, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass der Beschwerdeführer namentlich die Rüge der Verletzung des Beschleunigungsgebotes (<span class="artref">Art. 29 Abs. 1 BV</span>, <span class="artref">Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span>) auch noch im hängigen Berufungsverfahren (und nötigenfalls mit Rechtsmitteln bis ans Bundesgericht) vorbringen kann, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass eine allfällige Verletzung des Beschleunigungsgebotes im Übrigen Auswirkungen auf die Strafzumessung nach sich ziehen könnte (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=29.08.2000&amp;to_date=17.09.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-IV-124%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page124">BGE 117 IV 124</a>) und es sich auch unter diesem Gesichtspunkt aufdrängt, dass zunächst das erkennende Strafgericht über die betreffenden Vorbringen befindet, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass die Beschwerde nach dem Gesagten offensichtlich unzulässig erscheint, weshalb darauf im vereinfachten Verfahren mit summarischer Begründung nicht einzutreten ist (<span class="artref">Art. 36a Abs. 1 lit. a und Abs. 3 OG</span>), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass dem Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege stattgegeben werden kann, da die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt erscheinen und insbesondere die Bedürftigkeit des Gesuchstellers ausreichend glaubhaft gemacht wird, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Verfahren nach <span class="artref">Art. 36a OG</span> </div> <div class="para">erkannt : </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.-Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.-Dem Beschwerdeführer wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt: </div> <div class="para">a) Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para">b) Rechtsanwalt Eric Stern, Zürich, wird als unentgeltlicher Rechtsvertreter ernannt und für das bundesgerichtliche Verfahren aus der Bundesgerichtskasse mit einem Honorar von Fr. 1'000.-- entschädigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.-Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer sowie der Staatsanwaltschaft, dem Obergericht, II. Strafkammer, und dem Kassationsgericht des Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para">Lausanne, 11. September 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>