Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. April 2020 (725 19 346 / 72) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Leistungseinstellung; Natürlicher Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und als Rückfall geltend gemachten Beschwerden zu Recht verneint. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch J ürg Tschopp, Advokat, Simonius & Partner, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel gegen Vaudoise Allgemeine Versicherungs -Gesellschaft AG , Place de Milan, Case postale 120, 1001 Lausanne, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A.a Der 1971 geborene A.____ war als Sicherheitsagen t bei der B.____ in X.____ ange- stellt und in dieser Eigenschaft bei der Vaudoise Allg emeine Versicherungs-Gesellschaft AG (Vaudoise) freiwillig gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 24. Februar 2006 verunfallte der Versicherte, als er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit bei der Verfolgung eines Diebes stürzte. Dabei zog er sich e ine Schulterluxation rechts zu. Bis zum 13. März 2006 war der Versicherte 100% arbeitsunfähig. Vom 14. März 2006 bis 9. April 2006 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestand eine 50%ige, ab 10. April 2006 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Mit Schreiben vom 15. April 2006 meldete der behandelnde Arzt dem zustän digen Unfallversicherer, dass die Be- handlung abgeschlossen sei. A.b Mit Frageblatt vom 14. Juni 2012 meldete A.____ der Vaudoise einen Rückfall. Der Unfallversicherer erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen, übernahm die Operations- und Heilungskosten und richtete Taggelder aus. A.c Am 14. August 2015 meldete der Versicherte einen erneuten Rückfall. Die Vaudoise richtete auch für diesen Rückfall zunächst die gesetzlich en Leistungen aus. Mit Verfügung vom 13. Mai 2016 bzw. Einspracheentscheid vom 6. Dezember 2 016 lehnte sie die weitere Kosten- übernahme für den Schadensfall indessen unter Hinwei s auf den fehlenden Kausalzusammen- hang zwischen dem Ereignis vom 24. Februar 2006 und den aktuellen Schulterbeschwerden ab. Der Status quo sine sei spätestens sechs Monate nach d em Unfallereignis erreicht gewe- sen. Es werde jedoch auf eine Rückforderung der ab 2012 gewährten Leistungen verzichtet. Der Versicherte erhob hiergegen, vertreten durch Jür g Tschopp, Advokat, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht), wel- ches die Beschwerde mit Urteil vom 8. Juni 2017 (Verfahr en-Nr. 725 17 19 / 149) insofern gut- hiess, als es die Angelegenheit in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids zu wei- teren Abklärungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vaudoise zurückwies. Es er- wog, dass es die Beschwerdegegnerin angesichts der divergierenden Beurteilungen zur Kausa- litätsfrage nicht bei einer versicherungsinternen Beurt eilung hätte bewenden lassen dürfen, sondern die Einholung eines externen Gutachtens angezeigt gewesen wäre. Dabei vermochten insbesondere die Beurteilungen von Dr. med. C.____, FMH Chirurgie sowie Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 1 6. August 2016 und von Dr. med. D.____, FMH Chirurgie und Unfallchirurgie, vom 20. No vember 2015, Zweifel an der versiche- rungsinternen Beurteilung zu begründen. A.d. In Nachachtung des Kantonsgerichtsurteils veranlasste die Vaudoise ein Gutachten bei Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Trau matologie des Bewegungsapparates . Gestützt auf diese weiteren Abklärungen verneinte sie m it Verfügung vom 5. Februar 2019 ei- nen weiteren Leistungsanspruch ab Abschluss der Behandlu ng im Jahr 2012. Ab diesem Zeit- punkt seien ausschliesslich unfallfremde Faktoren für das vorliegende Krankheitsbild verant- wortlich gewesen. Auf die Festsetzung eines genaueren Datums könne verzichtet werden, da die Leistungen ohnehin bis im Jahr 2016 erbracht word en seien. An dieser Auffassung hielt sie auch auf Einsprache des Versicherten hin mit Einsprach eentscheid vom 24. September 2019 fest. B. Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte, vert reten durch Advokat Tschopp, mit Eingabe vom 16. September 2019 (recte: 25. Oktober 201 9, Datum der Postaufgabe) Be- schwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte er, in Aufhebung des angefochtenen Ein- spracheentscheids sei die Beschwerdegegnerin zu verpflicht en, ihm die gesetzlichen Leistun- gen über den 13. Mai 2016 hinaus zu erbringen. Eventua liter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; un ter o/e-Kostenfolge. In verfah- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rensrechtlicher Hinsicht beantragte er die unentgeltli che Prozessführung mit Advokat Tschopp als Rechtsvertreter. Zur Begründung führte er im Wesent lichen an, dass das Gutachten, auf welches sich die Leistungseinstellung der Beschwerdegegner in stütze, aus verschiedenen Gründen nicht über den erforderlichen Beweiswert verfüg e. Gestützt auf die medizinischen Ak- ten sei sodann erstellt, dass die anhaltenden Beschwerden an der rechten Schulter natürlich kausal auf das Ereignis im Jahr 2006 zurückzuführen seien. C. Mit prozessleitender Verfügung vom 28. Oktober 2019 bewilligte die instruierende Prä- sidentin dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Verbe iständung mit Advokat Tschopp als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Dezember 2019 schloss die Vaudoise auf Abweisung der Beschwerde Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Geri cht und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vo m 25. September 2015 revidier- ten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 in Kraft getreten. Zu den geänderten Normen gehört auch die Bestimmung von Art. 18 Abs. 1 UVG, welche den Anspruch auf eine Invalidenrente regelt. Laut der Übergangsbestimmung von Art. 118 Abs. 1 UVG werden jedoch Versicherungsleistung en für Ereignisse, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen zugetragen haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend auf da s bisherige Recht und die dazu ergan- gene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Beha ndlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Tagge ld. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10% invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn v on der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederu ngsmassnahmen der Invalidenversiche- rung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fal len die Heilbehandlung und die Tag- geldleistungen dahin (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallversi cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tat bestände dar (Art. 22 UVG; BGE 127 V 457 E. 4b, 118 V 297 E. 2d). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederauf- flackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so da ss es zu ärztlicher Behandlung, möglich- erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit o rganische oder psychische Veränderun- gen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbi ld führen können. Rückfälle und Spät- folgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Un fallereignis an (Kranken- und Unfall- versicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 3.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt unt er anderem voraus, dass zwi- schen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Scha den (Krankheitskosten, Arbeits- unfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein na türlicher Kausalzusammenhang besteht (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des nat ürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen ei- nem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen S törung ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die recht sanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Es ist vielm ehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste gewürdigt wird (BGE 126 V 360 E. 5b). 3.2 Da ein Rückfall begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis anschliesst (vgl. E. 2.2 hiervor), kann er eine Leistungspflicht des Unfallversich erers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerze it beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher Kausalzusammenhang b esteht (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Dab ei gilt es klarzustellen, dass der Unfall- versicherer in Bezug auf den geltend gemachten Rückfall nicht auf der Anerkennung des natür- lichen Kausalzusammenhangs beim Grundfall behaftet wer den kann, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. Es oblieg t vielmehr der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen de m neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltende n Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je grösser der zeitliche Ab stand zwischen dem Unfall und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung is t, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalz usammenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c in fine). Bei Bewe islosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteil des Bundesgerichts vo m 7. Juli 2010, 8C_113/2010, E. 2.3; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 4.1 Zur Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge i m Bereich der Medizin ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen a ngewiesen, die ihr vorab von Ärztin- nen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 158 f. E. 1b). Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies be- deutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismitt el, unabhängig, von wem sie stam- men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den P rozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streit igen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden be rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge- reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.2 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwalt ungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Wie eingangs dargelegt, veranlasste die Beschwerdege gnerin im Sinne der Erwägun- gen des Rückweisungsurteils des Kantonsgerichts ein Gutachten bei Dr. E.____, welches am 22. Mai 2018 erstattet wurde. Darin stellt dieser die Diagnose von unklaren Schulterschmerzen im Bereich der rechten dominanten Schulter, bei einem Status nach Schulterluxation 2006, ei- nem Status nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion 2012 sowie Revisionen 2015, 2016 und 2017. Die Rotatorenmanschette sei soweit intakt und fun ktionstüchtig, was sich sowohl anhand Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der normal ausgebildeten Muskulatur als auch im Rahmen der klinischen Tests gezeigt habe. Dies decke sich auch mit der aktuell veranlassten MRI-Bi ldgebung. Die geschilderten Be- schwerden könnten sich nicht durch ein organisches Korrela t objektivieren lassen. Auch das subjektive Empfinden des Patienten, wonach die Hände ge schwollen seien, könne nicht objek- tiviert werden. Die Aussage, wonach der Patient ständig unter massiven Schmerzen leide, sei mit der Tatsache, dass er acht Stunden durchschlafen kön ne und höchstens ein bis zwei Schmerzmittel pro Monat konsumiere, nicht vereinbar. Hinsichtlich der Kausalitätsfrage führte er aus, dass unfallfremde Faktoren das heutige Krankheitsbild beeinflussen würden. Bereits in der Physiotherapie habe der Patient massive psychovegetative S ymptome gezeigt. Seit dem Ab- schluss der Behandlung im Jahr 2012 seien ausschliesslich unfa llfremde Faktoren für das Krankheitsbild verantwortlich. Was die diesbezüglichen Beurteilungen von Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe gungsapparates, Dr. D.____ und Dr. C.____ anbelange, so sei die Auffassung von Dr. C.____ die am wahrscheinlichsten zutref- fende, da die Kausalitätsfrage in der Retrospektive schwer zu beurteilen sei. Zentral sei jedoch, dass die Muskulatur im MRI von 2012 nicht eine Verfettung von Goutallier III-IV mit erheblicher Atrophie, sondern eine solche von Goutallier I und kei ne Atrophie aufweise, was Dr. med. G.____, FMH Radiologie, der die ursprünglichen Bilde r interpretiert habe, auf Nachfrage hin bestätigt habe. Insofern würden sich die Bildgebungen 2012 und 2018 bezüglich Verfettung und Atrophie nicht unterscheiden. Dies bedeute, dass, wenn die 2012 festgestellte Ruptur anlässlich des Sturzes von 2006 entstanden wäre, die Muskulatur i m Jahr 2012 eine höhergradige Verfet- tung hätte aufweisen müssen. 5.2 Anlässlich des vorliegenden Beschwerdeverfahrens nahm Dr. E.____ auf Ersuchen der Beschwerdegegnerin am 29. Januar 2019 Stellung zu den Einwänden des Versicherten. Zu- sammenfassend führte er aus, dass der Versicherte zum Zeit punkt der Schulterluxation 35- jährig gewesen sei. Bei unter 40-jährigen sei nur bei 20% eine Rotatorenmanschetten- Pathologie vorhanden. Da zudem der Verfettungsgrad i m MRI von 2012 mit Goutallier I noch normal gewesen sei, sei ein Zusammenhang der Ruptur mit der Schulterluxation nur möglich, nicht aber überwiegend wahrscheinlich. Der Verfettungsg rad müsste nach dieser Zeit eher ein Stadium Goutallier III aufweisen. Es sei zwar möglich, dass seine Schulter nach mehreren Ope- rationen schmerzen könne. Die Schmerzen, die der Pat ient vorgebe, würden jedoch nicht mit den Befunden der Anamnese korrelieren, auch nicht mit den fremdanamnestischen Befunden in den Akten. Es bestehe ein langes Intervall vom Ereign is 2006 bis zur Erstkonsultation 2012. Im darauffolgenden Zeitraum sei der Beschwerdeführer wied er schmerzfrei gewesen, bevor schliesslich erneute Reoperationen erfolgt seien. Diesbezü glich könne jedoch kein Korrelat ge- funden werden, das die Beschwerden genügend erklären kö nnte. Insgesamt könnten die vom Patienten geschilderten Beschwerden keinem Krankheitsbil d und insbesondere nicht einem Status nach Rekonstruktion einer Rotatorenmanschette zugeordnet werden 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts auf das Gutachten von Dr. E.____ vom 22. Mai 2018 . Demzufolge ging sie davon aus, dass die Beschwerden an der rechten Schulter ab 2012 ni cht überwiegend wahrscheinlich auf das Ereignis vom 24. Februar 2006 zurückzuführen seien, u nd der Zustand, wie er sich früher oder später auch ohne Ereignis eingestellt hätte (status quo sine), erreicht sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bean standen. Das Gutachten von Dr. E.____ erfüllt sämtliche Voraussetzungen, die das B undesgericht an eine beweistaugliche Beurteilungsgrundlage stellt (vgl. E. 4.1 hiervor). D r. E.____ setzt sich hinreichend mit den we- sentlichen medizinischen Unterlagen auseinander und ve rmittelt insgesamt ein vollständiges Bild des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers. Alsdann nimmt Dr. E.____ gestützt auf seine eingehende persönliche Untersuchung und Befunderh ebung eine schlüssige Beurteilung der Kausalitätsfrage vor. Seine Beurteilung steht au ch im Einklang mit dem Gesundheitszu- stand, wie er in den vorhandenen medizinischen Unterlagen dokumentiert wird. 6.3.1 Soweit der Beschwerdeführer die Beweiskraft des G utachtens zunächst insofern in Frage stellt, als er geltend macht, dass Dr. E.____ nur noch als Gutachter tätig sei, ansonsten aber über kein weiteres ärztliches Einkommen verfüge, kann ihm nicht gefolgt werden. Diesbe- züglich ist er darauf hinzuweisen, dass nach ständiger bund esgerichtlicher Rechtsprechung die Tatsache einer regelmässigen Gutachtertätigkeit für sich allein die Unabhängigkeit der Gut- achterperson nicht in Frage zu stellen vermag, selbst wen n eine medizinische Fachperson ihr Einkommen ausschliesslich durch Gutachteraufträge erzielen sollte (vgl. BGE 122 V 157 E. 1c; 123 V 175 E. 3d). Es bedarf vielmehr besonderer Umständ e, welche das Misstrauen in die Un- parteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet e rscheinen lassen. Im Hinblick auf die er- hebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger M assstab anzulegen (BGE 122 V 157 E. 1c; 123 V 175 E. 3d). 6.3.2 In diesem Zusammenhang wirft der Beschwerdeführe r dem Gutachter ferner vor, dass dieser mit vorgefasster Meinung an die Sache herangetre ten sei und sich die Beurteilung als tendenziös erweise. Dieser Auffassung kann nicht beige pflichtet werden. Zwar können gewisse Äusserungen und das Verhalten von Experten während de r Exploration durchaus objektiv den Anschein von Befangenheit erwecken. Zu denken ist etwa a n Anmerkungen, welche die Glaub- haftigkeit der Angaben des Exploranden zum Gesundheitszust and und zur Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit von vornherein mehr oder weniger offen verneinen. Eine Befangenheit kann auch bei abschätzigen und beleidigenden Bemerkungen persönlicher Natur oder unter Umstän- den in der Art und Weise, wie die Untersuchung durchg eführt wird, vorliegen (Urteil des Eidge- nössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht, so zialrechtliche Abteilungen] vom 26. November 2004, U44/04, E. 4.2). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist das Gutachten von Dr. E.____ indessen objektiv und sachlich g ehalten. Es gibt keine Hinweise auf Kommentare unsachlicher Art, die objektiv Zweifel an sei ner Unvoreingenommenheit wecken würden. Aufgrund der gutachterlichen Feststellungen, w onach der Versicherte während der ganzen Untersuchung "gestöhnt" und "geächzt" sowie bei der geringsten Berührung Schmerzen demonstriert habe, kann noch nicht auf eine Voreingen ommenheit geschlossen werden. Dies umso weniger, als der Gutachter die diffus geschilderte n Angaben und Schmerzempfindungen des Beschwerdeführers konkret und detailliert beschreibt und namentlich unter Verweis auf die klinischen und radiologischen Befunde nachvollziehbar darl egt, dass das Ausmass der geklag- ten Beschwerden nicht objektiviert werden könne. Alsdann weist er in seiner ergänzenden Stel- lungnahme vom 29. Januar 2019 darauf hin, dass er sich den gutachterlichen Vorgaben ent- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprechend auch zur Konsistenz zu äussern habe, und begründet erneut eingehend, weshalb die subjektiv geklagten Beschwerden aus somatischer Sicht nicht nachvollzogen werden könn- ten. Wenn Dr. E.____ anlässlich der Begutachtung die be sagten Beobachtungen gemacht hat, kann ihm das nicht als Befangenheit angelastet werden, zumal sich der Beschwerdeführer da- bei im Wesentlichen mit pauschaler Kritik begnügt, ohn e seine Einwände mit konkreten – nicht ausschliesslich seiner subjektiven Interpretation entspring enden – Anhaltspunkten zu unter- mauern. 6.3.3 Ferner macht der Beschwerdeführer geltend, der Gutachter hätte darauf hingewirkt, dass Dr. G.____ seine ursprüngliche Interpretation des MRI-Berichts von 2012 revidiere. Dr. E.____ legt in seinem Gutachten nachvollziehbar d ar, weshalb die Feststellung eines Ver- fettungsmasses Goutallier Grad III-IV mit erheblicher Atrophie im Jahr 2012 eine Fehleinschät- zung darstellte. Hierbei handelt es sich nicht um eine iso lierte Betrachtung des Gutachters, vielmehr stützt Dr. E.____ seine Aussagen mit beigelegt en Korrespondenzen mit Dr. G.____, der nach einer erneuten Sichtung der MRT-Bilder ebe nfalls zur Auffassung gelangte, dass sei- ne ursprüngliche Interpretation falsch gewesen sei. E s muss einer medizinischen Fachperson zugestanden werden, eine frühere medizinische Einschätzu ng zu revidieren, sofern sich die abweichende Beurteilung – wie im vorliegenden Fall – schlüssig und nachvollziehbar begrün- den lässt. Die Feststellungen der medizinischen Fachpersonen stehen sodann im Einklang mit den aktuell nach MRT veranlassten Bildgebungen, die eine gute Qualität der gesamten Rotato- renmanschettenmuskulatur und keine Hinweise für eine höhergradige Verfettung und eine Atro- phie zeigten. Anhand seiner Diagnosestellung sowie gestü tzt auf diese neuesten Bildgebungen gelangt der Gutachter schliesslich überzeugend zum Ergebni s, dass, sofern die 2012 festge- stellte Ruptur der Sehne anlässlich des Sturzes von 2006 entstanden wäre, im damaligen Zeit- punkt bereits eine höhergradige Verfettung und Atrophie hätte vorliegen müssen. Damit entkräf- tet er gleichzeitig auch die Kausalitätsbeurteilung von Dr. D.____ vom 20. November 2015, die im Wesentlichen auf dieser Fehlinterpretation der Bil dgebungen im Jahr 2012 gründete. Als- dann sind weder gestützt auf die ebenfalls im Wesentliche n auf die Bildgebung aus dem Jahr 2012 gestützte Beurteilung von Dr. C.____ vom 16. Aug ust 2016 noch sonst Hinweise ersicht- lich, die eine andere Auffassung als (ebenso) vertretbar erscheinen lassen. Dies umso weniger, als der Beschwerdeführer keine solchen Aspekte benennt und seine Auffassung auch nicht mit divergierenden medizinischen Berichten untermauert. Damit läuft aber zugleich der Einwand ins Leere, wonach der Gutachter zu Unrecht auf weitere fr emdanamnestische Angaben verzichtet habe, zumal nicht ersichtlich ist, inwiefern sich durch zusä tzliche Erkundigungen relevante In- formationen hätten gewinnen lassen. Auch die im Rahm en der vorliegenden Beschwerde ins Recht gelegten Berichte von Dr. C.____ vom 8. August b zw. 15. Oktober 2019 vermögen zu keiner anderen Beurteilung der Kausalitätsfrage zu f ühren, nachdem sich Dr. C.____ darin we- der mit der Kausalitätsfrage noch mit dem Gutachten von Dr. E.____ auseinandersetzt. 6.4 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die B eschwerdegegnerin auf der Grundlage der gutachterlichen Feststellungen von Dr. E.____ vom 22. Mai 2018 den natürli- chen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 24 . Februar 2006 und den über das Jahr 2012 hinaus bestehenden gesundheitlichen Beschwerden verneinte. Damit hat sie ihre Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistungspflicht zu Recht eingestellt. Auch die im Sinn e eines Eventualbegehrens beantragten weiteren medizinischen Abklärungen würden zu keinen neuen Erkenntnissen führen, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung auf zusätzliche medizinisch e Abklärungen verzichtet werden kann (vgl. zur Zulässigkeit einer antizipierten Beweiswürdigung: BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7. Zusammenfassend erweist sich der Einspracheentscheid vom 24. September 2019 als rechtens. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird keine P arteientschädigung ausge- richtet. Dem Beschwerdeführer ist allerdings mit verfahr ensleitender Verfügung vom 28. Okto- ber 2019 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden, womit dessen Entschädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen hat . Gemäss § 3 Abs. 2 der Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. Novembe r 2003 beträgt das Honorar bei unent- geltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Versicherten ist mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 15. Januar 2020 aufgefordert worden, innert unerstreckba- rer Frist bis 29. Januar 2019 seine aktualisierte Hono rarnote nach Zeitaufwand einzureichen. Gleichzeitig ist er darauf hingewiesen worden, dass das Honorar nach Ermessen festgesetzt werde, falls bis zum genannten Termin keine Honorarnot e eingehen sollte. In der Folge hat der Rechtsvertreter mit Eingabe vom 28. Januar 2020 das Kan tonsgericht ausdrücklich darum er- sucht, dass Honorar nach Ermessen festzusetzen. Der erbrachte Aufwand setzt sich vorliegend im Wesentlichen aus einem Instruktionsgespräch mit dem Mand anten, dem Verfassen der Be- schwerde sowie eines Kurzbriefes zusammen. Alsdann gilt es zu berücksichtigen, dass der Rechtsvertreter den Beschwerdeführer bereits im Einsprach everfahren vertreten hatte und da- mit insbesondere ein vertieftes Aktenstudium entfällt . Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre- chung sind Synergieeffekte bei der Beurteilung der Hono rarnote insofern zu berücksichtigen, als diese bei der Vertretung durch denselben Anwalt im Verwaltungsverfahren zur Kürzung der Honorarnote führen (Urteil des Bundesgerichts vom 13. D ezember 2013, 9C_637/2013, E. 5.3, und vom 14. Januar 2010, 8C_723/2009, E. 4.3). Im We iteren enthält die vorliegende Be- schwerde viele Übereinstimmungen mit der Einsprache. Häl t man sich die erbrachten Bemü- hungen vor Augen, erscheint es angemessen, für diese eine n Zeitaufwand von insgesamt 9 Stunden zu entschädigen. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist deshalb ein Hono- rar in der Höhe von Fr. 1'938.60 (9 Stunden à Fr. 2 00.-- zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 au fmerksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein pauschales Honorar von Fr. 1'938.60 (inkl. 7.7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausge- richtet.