B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV/sma D-5626/2012 U r t e i l v o m 1 6 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), sowie deren gemeinsames Kind C._______, geboren am (…), Bosnien und Herzegowina, alle vertreten durch Annelise Gerber, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. Oktober 2012 / N (…). D-5626/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, ethnische Roma aus D._______, verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben gemäss am 17. September 2012 und gelangten gleichentags in die Schweiz wo sie um Asyl nachsuchten. Am 21. September 20 12 wurden sie (…) summarisch zu ihren Asylgründen befragt. Am 27. September 2012 beziehungsweise 15. Oktober 2012 hör- te das BFM d ie Beschwerdeführenden einlässlich zu ihren Asylgründen an. Die Beschwerdeführenden machten zur Begründung ihrer Asylgesuche im Wesentlichen geltend, sie stammten aus D._______, wo auch die (…) verheirateten Töchter lebten. Er , der Beschwerdeführer, habe 1993 im Krieg durch eine Mine (gesundheitliche Beschwerden), seine Eltern und Geschwister seien damals umgebracht worden. Im Jahr 2010 sei ihr Haus in D._______ von Unbekannten angezündet und vollständig ni e- dergebrannt worden. Sie seien anschliessend vor allem von unbekannten Jugendlichen auf Motorrädern bedroht worden. Diese hätten sie mit au f- heulenden Motoren eingeschüchtert, Steine in die Fenster des Hauses geworfen und ihnen mit dem Tod gedroht. Die Polizei wisse von den Vor- fällen, habe ihnen aber nicht helfen können. Seitdem leide sowohl sie, die Beschwerdeführerin, als auch das gemeinsames Kind an Angstzuständen und Depressionen. Da ihr eine ausreichende psychiatrische Behandlung in D._______ verwehrt worden sei, seien sie nach E._______ gegangen. Dort habe der Beschwerdeführer gearbeitet, um der Beschwerdeführerin eine psychiatrische Behandlung zu ermöglichen. Da sie nicht ausreichend krankenversichert gewesen seien, hätten sie die Medikamente selb er be- zahlen müssen. Sie seien einige Zeit nach dem Hausbrand nach Deutschland gegangen und hätten dort um Asyl ersucht. Nach etwa ei- nem halben Jahr seien sie freiwillig aus Deutschland wieder ausgereist. Sie hätten geglaubt, dass sie von der Gemeinde Baumaterial und Unter- stützung für den Wiederaufbau des Hauses erhalten würden. Der Bü r- germeister sei aber nicht bereit gewesen, den Beschwerdeführer zu empfangen. Zudem hätten sie gedacht, die Lage hätte sich beruhigt, aber es sei noch schlimmer geworden. Die Unbekannten seien maskiert e r- schienen, hätten sie nachts bedroht, Geld und Schmuck verlangt und sie geschlagen. Ihnen sei 2012 erneut mit der Inb randsetzung des Hauses gedroht und Parolen seien an die Hauswand geschrieben worden. Der Beschwerdeführerin sei eine Vergewaltigung angedroht worden. Die Ju- gendlichen auf Motorrädern hätten das Haus mit Steinen beworfen. Die D-5626/2012 Seite 3 Polizei habe ihnen nicht geholfen. Sie hätten sich nach ihrer Rückkehr etwa zwei Wochen in D._______ aufgehalten, in ihrem Haus und bei d en verheirateten Töchtern, und a nschliessend etwa zwei Monate in E._______. Dort hätten sie wegen der Angstzustände (Kind) nicht leben können. Anschliessend seien sie mehrere Monate in Kroatien gewesen. Die Beschwerdeführerin leide wie (Kind) an Angststörungen und habe im Heimatland keine ausreichende psychiatrische Behandlung erhalten. Der Beschwerdeführer sei herzkrank, benötige eine Bypass -Operation und habe zudem noch Minensplitter (…), die entfernt werden müssten. Die Beschwerdeführenden reichten folgende Dokumente zu den Akten: Einen Polizeirapport vom 3. September 2012 (Beweismittel 1); auf Antrag des Beschwerdeführers ausgestellte Bestätigungen vom 24. August 2012 und 29. August 2012 (Beweismittel 2 und 3) ; einen Polizeirapport vom 19. Oktober 2010 (Beweismittel 4); zwei Zeitungsberichte (einer undatiert, der andere vom 23. Juli 2010) mit Teil -Übersetzungen (Beweismittel 5); drei Fotos und eine CD den Hausbrand betreffend (Beweismittel 6 und 7); Registerauszug vom 10. Juli 2012 (Beweismittel 8); die Beschwerdefü h- rerin betreffende Arztberichte (…) vom 22. Mai 2010 und 14. Februar 2011 mit Übersetzungen (Beweismittel 9 und 10). B. Mit Verfügung vom 22. Oktober 2012 – eröffnet am 23. Oktober 2012 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlings- eigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegwei- sung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an. Zur Begründung erwog das BFM im Wesentlichen, hinsichtlich der Ereig- nisse im Ja hr 1993 ([gesundheitliche Beschwerden] und der Ermordung der Eltern und Geschwister des Beschwerdeführers) sowie der Inbrand- setzung des Hauses der Beschwerdefüh renden im Jahr 2010 sei der asylrelevante, enge zeitliche und sachliche Zusammenhang nicht mehr gegeben, lägen diese Ereignisse doch mehr als zwei Jahre zurück und hätten die Beschwerdeführenden in der Zwischenzeit ein Asylverfahren in Deutschland durchlaufen und einige Zeit in E._______ gelebt. Die nach dem Aufenthalt in Deutschland geltend gemachte n wiederholten Bedr o- hungen von unbekannten Jugendlichen, erneut das Haus in Brand zu setzen, die Beschwerdeführerin zu vergewaltigen und das Steine -Werfen auf das H aus der Beschwerdeführenden sowie das Beschmieren des Hauses, hielten den Anforderungen an d ie Glaubhaftigkeit nicht stand. D-5626/2012 Seite 4 Die Beschwerdeführenden hätten die Übergriffe in den Anhörungen w e- der konkret, detailliert und differenziert , noch übereinstimmend darzule- gen vermocht. Auch liessen sich die Aussagen nicht mit den eingereic h- ten Beweismitteln in Einklang bringen. Die im Polizeiprotokoll vom 3. Sep- tember 2012 genannten drei konkreten Übergriffe hätten die Beschwerde- führenden nicht erwähnt und habe der Beschwerdeführer auch nicht auf Nachfrage darzulegen vermocht. Auch sei aus den zeitlichen Ang aben des Beschwerdeführers in der Anhörung zu Aufenthalten in D._______, E._______ und Kroatien zu schliessen, dass die Beschwerdeführenden sich bei mehreren Übergriffen gar nicht mehr im Heimatort aufgehalten hätten. Hinsichtlich der eingereichten Dokumente sei bekannt, dass es im Heimatland der Beschwerdeführenden leicht sei, entsprechende Dok u- mente unrechtmässig zu erwerben. Angesichts der dargelegten Unglaub- haftigkeit der Vorbringen könne darauf verzichtet werden, die Dokumente aus dem Jahr 2012 eingehe nd zu würdigen. Im Bestätigungsschreiben vom 29. August 2012 werde beispielsweise ein Unterkunftsersuchen der Beschwerdeführenden zu einem Zeitpunkt erwähnt, zu dem sie sich nach Aussagen des Beschwerdeführers in Kroatien aufgehalten haben wollen. Es sei d avon auszugehen, dass die Beweismittel 1 -3 (Polizeirapport und Bestätigungen) unrechtmässig erworben seien, weshalb sie eingezogen würden. Auf die anderen eingereichten Beweismittel müsse nicht eing e- gangen werden, weil sie offensichtlich nicht asylrelevant seien. Der Weg- weisungsvollzug sei zulässig und zumutbar. Die von den Beschwerdefü h- renden geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden seien im He i- matland grundsätzlich behandelbar und sie könnten bei der Rückkehr die medizinische Infrastruktur wieder in Anspruch nehmen. Es sei angesichts des bestehenden Sozialversicherungssystems im Heimatland davon aus- zugehen, dass sie verschiedene Unterstützungsbeiträge erhalten hätten und auch nach der Rückkehr beziehen könnten . Auch bei der Rückkehr aus Deutschland h ätten sie sicherlich gewisse Hilfeleistungen erhalten. Die (…) verheirateten Töchter würden sie bestimmt auch in mancher Hin- sicht unterstützen können. Im Übrigen w erde eine weitergehende Ei n- schätzung der Situation nach der Rückkehr durch das missbräuchliche Verhalten der Beschwerdeführenden verunmöglicht. C. Gegen diese Verfügung erhob en die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin am 29. Oktober 2012 (Poststempel: 30. Oktober 201 2) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten, unter Kos- ten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung teilweise aufzuheben und festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzu-D-5626/2012 Seite 5 lässig und unzumutbar sei, wobei das BFM in der Folge anzuweisen sei, den weiteren Aufenthalt der Beschwerdeführenden nach den Bestimmun- gen über die vorläufige Aufnah me zu regeln . In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht. In der Beschwerde machten die Beschwerdeführenden hinsichtlich der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Wesentlichen geltend, sie hätten in ihrer schwierigen Situation versucht, mittels der Bestätigungen Hilfe zu bekommen. Im Heimatland hätten sie wegen der grossen psychi- schen Probleme (Kind) und der Beschwerdeführerin nicht mehr leben können. Angesichts der Prägung durch die jahrelangen, belastenden E r- eignisse hätten sie verständlicherweise nicht alles widerspruchsfrei und detailgenau wiedergeben können. Es sei mit Sicherheit davon auszug e- hen, dass sie im Heimatland keine adäquate medizinische Hilfe erhielten. Ihnen sei der Zugang dazu verwehrt, da sie die notwendigen Kosten nicht tragen könnten. Da vor allem die Beschwerdeführerin und der (Kind) durch die Ereignisse vor Ort traumatisiert seien, sei eine psychotherapeu- tische Behandlung am Ort der erlebten Traumata nicht nutzbringend, vielmehr sei für die Behandlung ein gesichertes und geordnetes Umfeld von Nöten. Alle drei Beschwerdeführenden hätten massive gesundheitl i- che Probleme und es sei ihnen in der Schweiz eine angemessene ps y- chotherapeutische Behandlung zu ermöglichen. D. Mit Zwischenverfügung de s Bundesverwaltungsgerichts vom 2. November 2012 stellte die Instruktionsrichterin fest, dass sich die Be- schwerde ausschliesslich gegen den Wegweisungsvollzug richtet, we s- halb die Ziffern 1 -3 der angefochtenen Verfügung vom 22. Oktober 2012 in Rechtskraft erwachsen seien. Sie hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts pflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Ve r- nehmlassung eingeladen. E. Am 10. November 2012 reichte die Rechtsvertreterin einen provisor i- schen ärztlichen Bericht des (…), vom 8. November 2012 (den Klinikauf- enthalt des Beschwerdeführers vom 28. Oktober 2012 bis 8. November 2012 betreffend) ein. Aus diesem Bericht geht im Wesentlichen hervor, dass der Beschwerde- führer, der bereits einen Monat zuvor wegen Thoraxbeschwerden hospita-D-5626/2012 Seite 6 lisiert worden sei, wieder notfallmässig erschienen sei , wegen rezidivie- render Thoraxbeschwerden und vermehrten Hustens. Er habe unter an- derem innerhalb des letzten Jahres 30 Kilogramm an Gewicht verloren. Er befinde sich in stabilem Allgemein zustand und kachektischem Ernä h- rungszustand und habe nach Kriegsverletzung eine (Operation) erhalten. Er weise einen chronischen Nik otinabusus auf. D er Beschwerdeführer habe angegeben, in seinem Heimatland sei die Indikation zu einer B y- pass-Operation gestellt worden. In der Unikli nik sei das Elektrokardio- gramm (EKG) jedoch unauffällig gewesen. Eine psychische Komponente im Rahmen der schwierigen psycho sozialen Situation könne hingegen nicht ausgeschlossen werden. Es sei aber keine weitere kardiale Abkl ä- rung von Nöten. Die thorakalen Schmerzen seien als nicht -kardiale zu di- agnostizieren. Zu nennen sei allerdings eine einmalig aufgetretene asymptomatische Herzrhythmusstörung. Die wegen des beklagten G e- wichtverlustes, Nachtschweisses und Bluthustens durchgeführten Abkl ä- rungen hätten eine offene Tuberkulose ausschliessen können. Eine Com- putertomografie (CT)-Thorax habe granulomatöse Veränderungen des Lungengewebes ge zeigt. Differentialdiagnostisch kämen anderweitige granulomatöse Erkrankungen in Betracht, wie beispielsweise eine Sa r- koidose. Wegen des Nikotinabusus müsse auch an ein mögliches Bro n- chialkarzinom gedacht werden. Zur Abklärung der Lungenbefunde seien eine Bronchoskopie und /oder eine Positronen Emis sions Tomograf ie (PET)-CT in Betracht zu ziehen. Da die kardiale n Symptome aktuell einer dringenderen Abklärung bedurft hätten, seien diese Lungen- Untersuchungen bisher nicht veranlasst worden. Sie könnten, bei klin i- scher Verschlechterung, ambulant durchgeführt werden. Der Beschwe r- deführer müsse weiter medikamentös behandelt werden, notwendig sei eine lebenslängliche Einnahme von Aspirin (100mg). Die Austrittsmedika- tion des Beschwerdeführers bestehe im Einzelnen aus: ASS cardio 100 mg-Tabletten, Sortis 40mg -Tabletten und Nitrolingual-Pumpspray 11,2 g bei Bedarf. F. Mit Vernehmlassung vom 19. November 2012 hielt das BFM an seinen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. G. Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am 21. November 2012 zur Kenntnis gebracht. D-5626/2012 Seite 7 H. Mit Zwischenverfügung vom 23. Januar 2012 wurden die Beschwerdefüh- renden aufgrund des provisorischen Charakters des eingereichten Arz t- zeugnisses und der zwischenzeitlich eingegangenen Meldungen der "ors service ag" über Arztbesuche und Spitaleinlieferungen des Beschwerd e- führers (unter anderem wegen [gesundheitliche Beschwerden], Herzprob- lemen, Metallsplitterentfernung und Atemnot) eingeladen, das Gericht i n- nert Frist über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und eine mögliche medizinische Behandlung desselben zu informieren und geg e- benenfalls entsprechende Arztberichte einzureichen. I. Mit Schreiben vom 30. Januar 201 3 informierte die Rechtsvertreterin, der Beschwerdeführer befinde sich gegenwärtig in keiner ärzt lichen Behand- lung mehr. Unter den Beilagen einer am 26. Februar 2013 per Telefax eingereichten Verfahrensstandsanfrage (…) befanden sich unter anderem die Kopie e i- nes Austrittsberichtes des (…) vom 23. November 2012 über eine amb u- lante Behandlung des Beschwerdeführers. Diesem seien in einer (…). Er sei in gutem Allgemeinzustand und trockenen und reizlosen Wund en nach Hause entlassen worden. Als weiteres Prozedere se ien Wundkon- trollen und zwei Wochen nach der Operat ion die Fadenentfernung vorzu- nehmen. Nach Massgabe der Beschwerden sei eine Mobilisation mit e r- laubter Vollbelastung möglich. Eine klinische Nachkontrolle sei von N ö- ten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s-D-5626/2012 Seite 8 lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung des Asylges u- ches und die Wegweisung als solche werden in der Beschwerde vom 29. Oktober 2012 nicht angefochten. Die Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 22. Oktober 2012 sind daher, wie bereits in der Zwischenverfügung vom 2. November 2012 festgehalten, in Rechts- kraft erwachsen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet somit einzig die Frage, ob das BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht a n- geordnet hat, bzw. ob entsprechend den Rechtsbegehren infolge Unz u- lässigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit an Stelle des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme anzuordnen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 4. 4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach D-5626/2012 Seite 9 den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 4.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls w e- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 5. 5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder de s Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da r- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be- schwerdeführenden – wie rechtskräftig festgestell t wurde – nicht gelu n- gen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Heimatstaat ist de m- nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. D-5626/2012 Seite 10 5.3 Sodann konnte n die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft machen, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit b e- achtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver- botene Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Geri chtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten sie eine konkrete Gefahr im Sinne eines "real risk" nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würden (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien , Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). 6. 6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen w ie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.2 Nach Einschätzung des Bundesverwaltu ngsgerichtes ist zum heut i- gen Zeitpunkt nicht von einer allgemeinen Situation der Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen in Bosnien und Herzegowina auszugehen, die eine konkrete Gefährdung für die B e- schwerdeführenden darstellen würden. Die Beschwerdeführenden könn- ten sich bei einer allfälligen Bedrohung durch Dritte, wobei mit dem BFM die geltend gemachten Übergriffe durch Dritte nach dem Deutschland - Aufenthalt als unglaubhaft zu erachten sind, schutzsuchend an die bosni- schen Behörden wenden. Die staatlichen Stellen sind grundsätzlich schutzwillig und schutzfähig, weshalb Bosnien und Herzegowina durch den Bundesrat am 1. August 2003 als sogenannter verfolgung ssicherer Staat ernannt wurde (vgl. Art. 6 Abs. 2 AsylG). 6.3 Die Beschwerdeführenden machen geltend, der Wegweisungsvollzug erweise sich vor ihrem gesundheitlichen Hintergrund als unzumutbar. Sie seien traumatisiert und benötigten psychotherapeutische Behandlung en in der Schweiz. Insbesondere die Beschwerdeführerin leide an psych i- schen Problemen, auch (Kind) habe Angststörungen. Nach Ansicht der Vorinstanz können die Beschwerdeführenden hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme die entsprechende medizinische Infrastruktur ihres Heimatland in Anspruch nehmen und würden dort auch D-5626/2012 Seite 11 eventuell benötig te Unterstützungsleistungen erhalten. Weitergehende Einschätzungen der Rückkehr-Situation hätten die Beschwerdeführenden selbst durch ihr missbräuchliches Verhalten verunmöglicht. 6.4 Es ist von folgendem Gesundh eitszustand der Beschwerdeführenden auszugehen: 6.4.1 Der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und ihre un genügende psychiatrische Behandlung im Heimatland wurde in den Befragungen und in der Beschwerde als einer der Hauptausreis e- gründe genannt. Sie sei im Heimatland in psychiatrischer Behandlung gewesen und habe auch Medikamente verabreicht bekommen. Allerdings habe sie sich nicht am Heimatort behandeln lassen können, sondern h a- be dafür nach E._______ gehen müssen. Hinsichtlich der ärztlichen B e- handlungen im Heimatland werden zwei Arztberichte und eine Bestät i- gung vom 24. August 2012 eingereicht (Beweismittel 2, 9 und 10, act. A1). Die Beschwerdeführerin drohte in der Befragung mit Selbstmord im Fall ihrer Wegweisung. Sie habe schon zweimal versucht, sich umzubrin- gen (vgl. act. A5, S. 6). Sie benötige einen Psychiater wegen ihrer Angst- zustände und habe Depressionen (vgl. act. A5, S. 7). In der Bundesanhö- rung wurde ihr gesagt, sie könne bei Problemen einen Arzt konsultieren, der eine Diagnose stelle n würde (vgl. act. A8, S. 6). Ihren Aussagen ge- mäss habe ihr der Arzt des Zentrums vor einigen Tagen Medikamente gegeben und sie aufgefordert, sich an einen Psychiater oder eine Psychi- aterin zu wenden (vgl. act. A8, S. 7). Auch die Hilfswerksvertretung hat im Protokoll vermerkt, der psychische Zustand der Beschwerdeführerin e r- scheine ihr angeschlagen und diese benötige dringend psychologische Unterstützung durch eine Fachperson (siehe Unterschriftenblatt der Hilfswerkvertretung gemäss Art. 30 Abs. 4 AsylG, act. A8, S. 10). Da kein den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin betreffendes Arztzeug- nis bei der Vorinstanz oder bei Gericht eingereicht worden ist, kann davon ausgegangen werden , dass sie sich , entgegen ihrer Ankündigung und den Suiziddrohungen, nicht in psychiatrische Behandlung begeben hat, sie nimmt jedoch Medikamente, die ihr der Arzt im Em pfangszentrum ge- geben hat ( vgl. act. A8, S. 7). In den Übersetzungen der eingereichten Arztberichte vom 22. Oktober 2010 und 14. Februar 2011 ist unter and e- rem vo n Angstzuständen, Panikattacken und Schlafstörungen seit dem Hausbrand die Rede. Als verabreichte Medikamente werden Luxeta, L a- diomil, Lexillium und Sanval genannt. Hierbei handelt es sich zusammen- gefasst um Antidepressiva, Tranquilizer und Schlafmittel. Angesichts des- sen, dass es die Beschwerdeführerin bis dato unterliess, sich trotz Auffor-D-5626/2012 Seite 12 derung durch den Arzt des Zentrums an einen Psychiater oder eine Psy- chiaterin zu wenden, ist davon auszugehen, dass bei ihr - entgegen den Behauptungen in der Beschwerde - kein Therapiebedarf in Form von u n- terstützenden psychiatrisch/therapeutischen Gesprächen besteht. Alle r- dings besteht bei ihr offensichtlich Bedarf an angsthemmenden und schlaffördernden Medikamenten, wobei über ihren momentanen Bedarf an konkreten Medikamenten, angesichts fehlender aktueller Arztzeugnis- se, keine Kenntnis besteht. Hinsichtlich der behaupteten Suizidgedanken der Beschwerdeführerin ist g rundsätzlich festzustellen, dass ein unau s- weichlich bevorstehender Wegweisungsvollzug bei einer Vie lzahl asylsu- chender Personen zu Ängsten und einem gewissen psychischen Druck führen kann. Diesem kommt für die Frage der Zumutbarkeit jedoch meist keine Relevanz zu. Vielmehr ist entscheidendes Kriterium bei der Prüfung der Zumutbarkeit das Vorliegen einer konkreten Gefährdung. Wenn eine reaktiv auf einen bevorstehenden Wegweisungsvollzug auftretende und ernsthaft gesundheitsgefährdende psychische Störung lebensbedrohl i- chen Ausmasses vorliegt, kann einem solche n Krankheitsbild durchaus Relevanz für die Frage der Zumutbarkeit zukommen. Von akuter Suizida- lität ist aber mangels des Vorliegens eines entsprechenden ärztlichen Zeugnisses bei der Beschwerdeführerin nicht auszugehen. 6.4.2 Nach eigenen Aussagen wurde der Beschwerdeführer in Bosnien wegen eines Herzinfarktes behandelt (vgl. act. A9, S. 4). Auch in Zagreb, Kroatien, sei er (aus nicht erwähnten Gründen) im Spital gewesen (vgl. act. A9, S. 9). In der Schweiz hatte er nach eig enen Angabe n am 26. September 2012 einen leichten Herzinfarkt und wurde auf eigenen Wunsch daraufhin einige Tage stationär behandelt und mit Medikamenten versorgt (vgl. act. A9, S. 2, Arztzeugnis vom 8. November 2012, S. 2: "Hospitalisierung wegen Thoraxbeschwerden"). In den Befragungen spricht er davon, dass er einen Bypass benötige, dies hätten ihm die Är z- te in Bosnien gesagt (vgl. act. A9, S. 4). Er könne sich eine derartige Be- handlung aber nicht leisten (vgl. act. A9, S. 4). Dem Hilfswerksvertreter fiel der starke Hust en während der Befragung auf (siehe Unterschrifte n- blatt der Hilfswerkvertretung gemäss Art. 30 Abs. 4 AsylG, act. A9, S. 15). Die Untersuchungen in der Schweiz haben jedoch er geben, dass die "Herzenzyme sowie das EKG während den Schmerzanfällen immer im Normbereich waren". Es sei "keine weitere kardiale Ab klärung indiziert " (Arztzeugnis vom 8. November 2012). Auch der Verdacht auf eine Tube r- kulose habe ausgeräumt werden können. Stattdessen habe er mögl i- cherweise Entzündungen im Lungengewebe, beispielsweise eine Sarkoi- dose oder ein Bronchialkarzinom, was bisher angesichts der dringlicheren D-5626/2012 Seite 13 Abklärung der kardialen Symptome noch nicht abgeklärt worden sei. Der Beschwerdeführer müsse lebenslänglich Aspirin (100mg) nehmen. Die Austrittsmedikation des Beschwerdefü hrers bestand neben dem Medika- ment ASS cardio (zur Prävention von Herz -Kreislauferkrankungen) aus den Medikamenten Sortis (wird bei Störungen des Fettstoffwechsels bei ungenügender Wirkung anderer Massnahmen und auch zur Prävention von Herz -Kreislauf-Ereignissen angewandt) und zur Behandlung von Herz-Schmerzanfällen Nitrolingual-Pumpspray im Bedarfsfall. Aus dem Arztzeugnis des (…), vom 23. November 2012 ist ersichtlich, dass beim Beschwerdeführer Metallsplitter aus dem (…) entfernt wurden. Dem Be- schwerdeführer wird sowohl im Arztbericht vom 8. November 2012 ( […], hierbei im Zusammenhang mit der kriegsbedingten [gesundheitliche Be- schwerden]) als auch im Austrittsbericht vom 23. November 2012 ( …) ei- ne Posttraumatische Belastungsstörung als Nebendiagnose bescheinigt. Im Arztbericht vom 8. No vember ist zudem eine psychische Komponente als ein e mö gliche Ursache der Herzbeschwerden aufgeführt. Allerdings hat sich der Beschwerdeführer in der Schweiz nicht in eine psychiatrische Behandlung (weder in eine medikamentöse noch psychiatrische G e- sprächs-Therapie) begeben und war auch im Heimatland nach seinen Angaben nicht in psychiatrischer /psychotherapeutischer Behandlung. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden bescheinigt so dann am 3 0. Januar 2013, dass sich der Beschwerdeführer gegenwärtig nicht mehr in ärztlicher Behandlung befindet. 6.4.3 Die als Ausreisegrund der Beschwerdeführenden genannten ps y- chischen Probleme des (Kind), (welches) an Angstzuständen und Schlaf- störungen leide n soll (vgl. act. A8, S. 3) und da s Wasser -Lassen nicht kontrollieren könne (vgl. act. A9, S. 2) , sind nicht ärztlich bescheinigt. Damit fehlt es an einem entsprechenden Nachweis der Notwendigkeit ei- ner therapeutischen Behandlung des (Kind), wie sie die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden in der Beschwerde auch für (Kind) fordert. 6.5 Soweit das BFM festhält, eine Behandlung für sämtliche von den B e- schwerdeführenden geltend gemachten Erkrankungen sei in Bosnien und Herzegowina gewährleistet, ist dem BFM insofern beizupflichten, als in Bosnien und Herzegowina alle üblichen chirurgischen Eingriffe und medi- zinischen Behandlungen, zumindest in den Krankenhäusern der gröss e- ren Städte, vorgenommen werden können (vgl. Internationale Organisati- on für Migration [IOM], Länderinformationsblatt Bos nien und Herzegow i- na, Oktober 2012, S. 14). Hinsichtlich der öffentlichen medizinischen Ver- sorgung ist jedoch anzumerken, dass diese auf Grund der schwierigen D-5626/2012 Seite 14 wirtschaftlichen Situation in Bosnien und Herzegowina nicht vollständig kostenlos ist. Je nach Art der medizinischen Behandlung müssen Patie n- tinnen und Patient en einen kleinen Betrag leisten ( IOM, Länderinformati- onsblatt Bosnien und Herzegowina, Oktober 2012, S. 11). Auch bei den Medikamenten können Kosten anfallen. Kostenfrei sind nur Medikame n- te, we lche auf der Liste der notwendigen Medikamente sind (ca. 100). Nicht in dieser Liste enthaltene Medikamente müssen vo n den Patienten und Patientinnen vollständig selbst bezahlt werden. Spezifische nicht vor Ort verfügbare Medikamente können auf eigene Kost en über eine lokale Apotheke aus dem Ausland organisiert werden (IOM, Länderinformat i- onsblatt Bosnien und Herzegowina, Oktober 2012, S. 13). Grundsätzlich gibt es in Bosnien und Herzegowina auch psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten und entsprechende medikamentöse Behand- lungen. Allerdings weisen die psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten ein niedriges Niveau auf. In den grösseren Städten , wie Sarajevo, Banja Luka, Tuzla, Zenica, Mostar und Bijeljina, existieren psychiatrische Klin i- ken, die jedoch überbelegt sind. Eine fortlaufende und systematische Therapie ist damit oft nicht möglich . Es fehlt insgesamt an ausreichend qualifiziertem ärztlichem Personal und an klinischen Psycholo ginnen und Sozialarbeitern zur Behandlung psychisch kranker Personen. Die Thera- pien beschränken sich überwiegend auf Medikamentenabgaben. Eine adäquate Therapie traumatisierter Personen ist in Bosnien und Herzego- wina angesichts ungenügender Kapazitäten der psychiatrischen Einric h- tungen und des Fehlens der erforderlichen Qualitä t der Behandlungen mitunter nur unzu reichend möglich (vgl. zum Ganzen: Schweizerische Flüchtlingshilfe [ SFH], Bosnien -Herzegowina: Behandlung psychischer Erkrankung, Auskunft der SFH-Länderanalyse, RAINER MATTERN, 30. April 2009, Bern, S. 4). 6.6 Nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass die andauernde Di s- kriminierung von Roma in Politik und Verwaltung ( siehe zum Ausschluss von politischer Teilhabe: EGMR [Grosse Kammer] Sejdić und Finci gegen Bosnien-Herzegowina, Urteil vom 22. Dezember 2009, Be schwerde Nr. 27.996/06 und 34.836/06 ; Human Rights Watch, Second Class Cit i- zens Discrimination against Roma, Jews, and Other National Minorities in Bosnia and Herzegovina, April 2012, S . 2) sich weitreichend auswirkt auf den Alltag der Ro ma hinsichtlich d es Zugangs zu Wohnraum, Bildung, Beschäftigung und auch zur Gesundheitsversorgung (vgl. Human Rights Watch, a.a.O., S. 3; Europäische Kommission, Bosnia And Herzegovina 2012 Progress Report Accompanying The Document Communication D-5626/2012 Seite 15 From The Commission To The European Parliament And The Council ; Enlargement Strategy And Main Challenges 2012 -2013 [SWD(2012) 335 final], 10.Oktober 2012, S. 20). Soweit das BFM ausführt, angesichts des modernen Sozialversich e- rungssystems (mit Kranken- Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie Sozialhilfe) in Bosnien und Herzegowina sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden in der Heimat verschiedene Unterstützungsbeitr ä- ge erhalten hätten und bei der Rückkehr auch wieder erhalten würden, ist diese Aussage zumind est fraglich. So geht aus einem Bericht des Me n- schenrechtsrates der v ereinigten Nationen hervor, dass 90 Prozent der Roma keine Krankenversicherung haben und von der Gesundheitsve r- sorgung ausgeschlossen sind (vgl. United Nations, General Assembly, Human Rights Council, Working Group on the Universal Pe riodic Review, Seventh session, Geneva, 8-19 February 2010, Compilation Prepared By The Office Of The High Commissioner For Human Rights, In Accordance With Paragraph 15(B) Of The Annex To Human Rights Council Rresoluti- on 5/1, Bosnia and Herzegowina, S. 10). Grundvoraussetzung für den Erhalt staatlicher Unterstützungsleistungen oder die Anmeldung bei einer obligatorischen Krankenkasse ist eine schnellstmögliche Registrierung der Rückkehrenden bei einer Gemeinde in Bosnien und Herzegowina. Die obligatorische Krankenversicherung gilt nur für die Rückkehrenden, die vor der Ausreise krankenversichert waren und sich innert 30 Tagen nach der Wiedereinreise beim Arbeitsamt regist- rieren und damit kra nkenversichern lassen. Eine Anmeldung alleine bei der Arbeitslosenversicherung garantiert noch keine Aufnahme in die Krankenversicherung (vgl. SFH, a.a.O., S. 3). Es ist üblich, dass eine Gemeinde eine Registrierung vom Vorhandensein von Wohnraum (Eigen- tum, Miete oder Unterkunft bei Verwandten) abhängig macht. Die Regist- rierung ist entscheidend für jegliche Art sozialer Unterstützung. Die Vor- aussetzungen für die Bewilligung von Sozialhilfe sind Arbeitsunfähigkeit sowie das Fehlen eines sozialen oder familiä ren Netzwerkes und somit sehr restriktiv. Typischerweise werden Sozialhilfegelder an alte und kran- ke Personen ausgezahlt. Es kann aber mehrere Monate oder sogar Jahre dauern, bis eine Bewilligung der Sozialhilfe erteilt wird. Während dieser Zeit gibt es ke ine anderweitige staatliche Unterstützung. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht nur, wenn sich die betreffende Person inner- halb von 60 Tagen nach der letzten Kündigung beim Arbeitsamt arbeitslos meldet und weder selbst gekündigt noch die Kündigung zu verantworten hat. Arbeitslosenunterstützung finanziert sich aus Lohnanteilen und D-5626/2012 Seite 16 kommt daher auch nur denen zugute, die seit der Schaffung dieses Versi- cherungstyps (nach dem Jugoslawien -Krieg) eingezahlt haben. Entspr e- chend gering ist die Zahl derjenigen, die Arbeitslosenunterstützung b e- ziehen (vgl. zum Ganzen: SFH, a.a.O). 6.7 In Bezug auf die Beschwerdeführenden ergeben diese Ausführungen Folgendes: 6.7.1 Hinsichtlich der psychiatrischen/psychotherapeutischen Behandlung der Beschwerdeführenden ist betreffend den Beschwerdeführer festzuhal- ten, dass ihm in den Arztberichten (…) eine Posttraumatische Be las- tungsstörung lediglich als Nebendiagnose attestiert wird. Auch hat er sich bis dato weder im Heimatland noch in der Schweiz in eine psychothera- peutische Behandlung begeben, weshalb davon auszugehen ist, dass er mangels schwerer Traumatisierung keiner entsprechenden psychother a- peutischen Gesprächs-Therapie bedarf und er im Bedarfsfall auf die im Heimatland grundsätzlich erhältliche medikamentöse Behandlung z u- rückgreifen könnte. Gleiches gilt für die Beschwerdeführerin, die in der Schweiz nicht in psychiatrisch/psychotherapeutische r Behandlung ist, sondern ausschliesslich Medikamente (zur Behandlung von Depressi o- nen und zur Beruhigung) einnimmt. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie die Medikamente im Heimatland erhalten wird, a uch wenn sie diese allenfalls (teilweise) selbst bezahlen muss. Schliesslich hat sie di e- se im Heimatland bereits mit Hilfe der Töchter, die "Sachen verkauft h a- ben, damit sich die Beschwerdefü hrerin Medikamente kaufen konnte" (A5, S. 6), beziehen können. Zudem konnte sie sich in E._______ in ärzt- liche Behandlung begeben . Hinsichtlich der Be scheinigung vom August 2012, wonach es der Beschwerdeführerin als Roma verwehrt gewesen sein soll, in D._______ die benötigte Behandlung zu erhalten, ist dem BFM Recht zu geben, dass es sich um ein unrechtmässig erworbenes, unechtes Dokument handelt; schliesslich hat sich die Beschwerdeführerin zum genannten Zeitpunkt nach den Aussagen des Beschwerdeführer s bereits in Kroatien aufgehalten und kann daher gar nicht um eine ent- sprechende ärztliche Behandlung in D._______ ersucht haben (vgl. zu den widersprüchlichen Zeitangaben zum Kroatien- Aufenthalt act. A9, S. 9 und 10 ). Mangels jedwelchen ärztlichen Besche inigungen der angebl i- chen gesundheitlichen Beschwerden (Kind) ist auf eine allfällige Behan d- lungsmöglichkeit nicht weiter einzugehen. 6.7.2 Hinsichtlich der weiteren Leiden des Beschwerdeführers, die das BFM in seiner Ver fügung nennt, (gesundheitliche Beschwerden) und D-5626/2012 Seite 17 Herzbeschwerden, ist festzustellen, dass er sich einer Entfernung der Metallsplitter unterziehen konnte und er keine Bypass -Operation sowie auch keine weiteren kardiologischen Abklärungen benötigt (s.o). Unklar ist der Bedarf an weiteren Lungenuntersuchungen. Auch wenn die Rechtsvertreterin am 30. Januar 2013 bescheinigt, der Beschwerdeführer befinde sich in ke i- ner Behandlung mehr, so kann die im nur wenige Monate alten Arztzeug- nis gestellte Diagnose (8. November 2012), wo nach der Beschwerdefüh- rer granulomatöse Veränderungen des Lungenparenchyms aufweise und eine Bronchoskopie oder eine PET-CT in Betracht zu ziehen seien, nicht ignoriert werden. Nach Erkenntnissen des Gerichts sind beide Untersu- chungen, sowohl die Bronchoskopie, als auch die PET -CT, sollte sich die klinische Situation des Beschwerdeführers verschlechtern, in Bosnien und Herzegowina möglich , wobei die Kranke nversicherung nur die Ko s- ten bei einer Bronchoskopie übernehmen würde. Eine PET-CT ist dag e- gen nur in Privatkliniken möglich, wobei der Beschwerdeführer die Kosten bei einer solchen selber über nommen müsste . Angesichts des Akte n- standes ist damit eine an dieser Stelle genügende theoretische Möglich- keit eventueller Lungen-Untersuchungen des an Thoraxbeschwerden lei- denden Beschwerdeführers vorhanden, zumal er sich nach eigenen A n- gaben schon einmal wegen der Herzbeschwerden in Bosnien und Herze- gowina in Behandlung befand (vgl. act. A9, S. 4) und sich auch in Zagreb stationär behandeln liess (vgl. act. A9, S. 9). Auch ist die im Arztzeugnis vom 8. November 2012 aufgeführte Austrittsmedikation ( ASS cardio 100 mg-Tabletten, Sortis 40mg-Tabletten und Nitrolingual-Pumpspray 11,2 g) im Heimatland erhältlich, wenn auch unter Kostentragung des Patienten. Am wichtigsten dürfte hierbei sein, dass das Medikament, w elches als einziges als "notwendige und angemessene lebenslängliche Behandlung" des Beschwerdeführers erachtet wird, Aspirin (100mg) -Tabletten bzw. ASS cardio (100mg), bereits zu einem geringen Selb stkostenpreis im Heimatland erhältlich ist. 6.7.3 Trotz der Diskriminierungen der Roma beim Zugang zum G esund- heitssystem, auch im Hinblick auf staatliche Unterstützungsleistungen, ist vorliegend anzunehmen, dass sich die Beschwerdeführenden im Heimat- land an ihre m H eimatort D._______ wieder registrieren lassen können , da der notwendige Wohnraum am Heimatort vorhanden ist . Schliesslich befindet sich dort nicht nur das Haus der Beschwerdeführenden, in we l- chem sie auch nach der Rückkehr aus Deutschland gewohnt haben (vgl. act. A9, S. 8) , weshalb es möglich sein sollte, dort wieder Unterkunft zu finden. Auch die verheirateten Töchter und die Mutter der Beschwerd e-D-5626/2012 Seite 18 führerin leben dort, womit auch bei ihnen potentieller Wohntraum vorhan- den sein sollte . Zwar behauptet e der Beschwerdeführer in der Bunded e- sanhörung zuletzt, nur (Ausführung zu Töchter n) (act. A9, S. 8). Es ist aber davon auszugehen, dass alle (…) Töchter in D._______ leben, da die Beschwerdeführenden dies vorher in den Befragungen zur Pe r- son/Bundesanhörungen übereinstimmend ausgesagt haben (vgl. act. A4, S. 4; act. A8, S. 4). Einen kurzen Zeitraum hätten die Töchter die B e- schwerdeführenden auch aufgenommen (act. A8, S. 4), mit einem länge- ren Aufenthalt seien die Ehemänner nicht einverstanden gewe sen (act. A8, S. 7). Auch die Mutter der Beschwerdeführerin lebt in D._______ (act. A5, S. 4). Die Beschwerdeführerin hat auch zwischenzeitlich bei ihr woh- nen können (act. A9, S. 11). Des weiteren ist anzunehmen, dass die B e- schwerdeführenden vor ihrer Ausreise in der obligatorischen Krankenver- sicherung versichert waren, was neben der Registrierung innert der 30 - Tages-Frist eine weitere Voraussetzung für die Wiederaufnahme in die Krankenversicherung als Rückkehre nde darstellt (siehe oben) , sagte d ie Beschwerdeführerin doch aus, sie seien zwar krankenversichert, aber dies gelte nur für die Untersuchungen, die Medikamente müsse man se l- ber zahlen (vgl. act. A 5, S. 7). Zudem ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden vor der Ausreise staatliche Unterstützung in Form von Ersatzwohnraum während eines bestimmten Zeitraumes zur Verfü- gung gestellt bekommen haben, sagt e der Beschwerdeführer doch aus, eine beantragte Rente wegen seiner körperlichen Behinderun g sei zwar abgelehnt worden, der Familie sei aber nach dem Hausbrand eine Woh- nung bzw. Baracke zur Verfügung gestellt worden (vgl. act. A9, S. 3). Auch in E._______ hätten sie eine Wohnung für zwei Monate gestellt b e- kommen (act. A9, S. 12) , wenn der Beschwerdeführer auch erst behaup- tete, in den zwei Monaten in E._______ nach ihrer Rückkehr aus Deutschland hätten sie in Abbruchhäusern gelebt (act. A9, S. 7) . Ange- sichts dessen, dass sie bereits in gewissem Rahmen staatliche Unte r- stützung in Bezug auf ihre Wohnraumsituation erhalten haben, dürfte dies nach ihrer Rückkehr bei bestehender Dringlichkeit wieder der Fall sein. 6.7.4 Insgesamt ist nach den obigen Ausführungen davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden im Heimatland wieder Zugang zu medizi- nischen Einrichtungen haben können und angesichts ihres Hauses und der Nachbarschaft der verheirateten Töchter über eine Wohn möglichkeit verfügen. Überdies kann von finanzieller Unterstützung durch die Töchter oder von staatlicher Sei te mittels einer Krankenversicherung oder gege- benenfalls Bereitstellung von Ersatzwohnraum aus gegangen werden . Damit erscheint unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände im D-5626/2012 Seite 19 Falle eines Vollzugs der Wegweisung nach Bosnien und Herzegowina e i- ne konkrete, auf gesundheitliche Beeinträchtigungen zurückzuführende Gefährdung der Beschwerdeführerenden im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG nicht gegeben. Der Vollzug der Wegweisung erweis t sich mithin auch als zumutbar (vgl. dazu BVGE 2009/2 E. 9.3.2; BVGE 2011/50 E. 8.3). 7. Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt ei- ne Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indes- sen wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltl i- che Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mi t Zwischenver- fügung vom 2. November 2012 gutgeheissen. Somit haben die B e- schwerdeführenden keine Verfahrenskosten zu tragen. (Dispositiv nächste Seite) D-5626/2012 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Mareile Lettau Versand: