B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-985/2016 U r t e i l v o m 2 8 . D e z e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Richter Daniele Cattaneo (Vorsitz), Richterin Sylvie Cossy, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiber Arthur Brunner. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Bernhard Eymann, Advokat, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 18. Januar 2016 / N (…). D-985/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein ethnischer Tamile sri-lankischer Staatsange- hörigkeit – verliess seinen Heimatort B._______ eigenen Angaben zufolge am 5. März 2014 auf dem Seeweg. Nachdem er an einem ihm unbekann- ten Ort an Land gelassen wurde, reiste er am 15. April 2014 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 22. April 2014 wurde er im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) ein erstes Mal summarisch zu seinen Asylgründen angehört und am 5. Februar 2015 erfolgte eine aus- führliche Anhörung. B. Der Beschwerdeführer machte im Rahmen der Anhörungen im Wesentli- chen geltend, seine Schwester C._______ sei 1991 der Organisation Libe- ration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) beigetreten und habe in der Folge in deren Geheimdienst gewirkt. Er selbst habe die LTTE nur sporadisch un- terstützt, indem er für sie Plakate aufgehängt und Essenspakete zu Check- points der LTTE geliefert habe. Daraus seien ihm bis zum Jahr 2014 keine Probleme entstanden. Dann habe jedoch eine unbekannte Person ihn und seine Familie wegen ihrer Verwandtschaft zu C._______ bei den sri-lanki- schen Sicherheitskräften denunziert. Am 14. Januar 2014 seien deshalb drei zivil gekleidete Angehörige des Crimin al Investigation Department (CID) in seinem Elternhaus in D._______ aufgetaucht und hätten seine El- tern nach dem Verbleib von C._______ gefragt. Er sei zufälligerweise auch zugegen gewesen, weil er in D._______ arbeitstätig gewesen sei. Als seine Eltern nichts zum Verbleib von C._______ hätten aussagen können, sei er von den Männern des CID für ein Verhör in einem weissen Van ins Armee- Camp in D._______ gebracht worden. In einem dunklen Zimmer mit Seilen und Eisenketten mit Ringen an der Decke sei er nach dem Verbleib seiner Schwester befragt worden. Dabei habe ihn ein Mann mit Handschuhen auf das rechte Ohr geschlagen, was für längere Zeit ein Ohrensummen bei ihm ausgelöst habe. Als er nichts über den Verbleib s einer Schwester habe aussagen können, habe man ihn aufgefordert, niemandem über das Ver- hör zu erzählen und ihn unter der Auflage, B._______ nicht zu verlassen, freigelassen. Er sei in der Folge mit seiner Familie nach Hause gegangen, habe aber ständig Angs t gehabt, dass CID -Vertreter auftauchen und ihn wieder mitnehmen würden. Aus diesem Grund habe er seinen Heimatstaat knapp zwei Monate später verlassen. Zur Dokumentation seiner Vorbrin-D-985/2016 Seite 3 gen reichte der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren unter an- derem drei Schreiben verschiedener Personen zu den Akten, welche auf seine Verfolgung Bezug nehmen. C. Mit Verfügung vom 18. Januar 2016 – eröffnet am darauffolgenden Tag – stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei- genschaft nicht und wies sein Asylgesuch ab. Zudem ordnete sie die Weg- weisung an und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. D. Mit Eingabe vom 17. Februar 2016 focht der Beschwerdeführer die Verfü- gung der Vorinstanz vom 18. Januar 2016 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf- nahme in der Schweiz zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde beigelegt waren der Asylentscheid des damaligen Bundesamts für Migration (BFM) vom 8. Juli 2009 betreffend die Schwester des Beschwerdeführers, eine Fürsor- gebestätigung des (…) vom 9. Februar 2016 und eine Kostennote des Be- schwerdeführers. E. Mit Zwischenverfügung vom 14. März 2016 lud der Instruktionsrichter die Vorinstanz ein, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen. Am 29. März 2016 reichte die Vorinstanz ihre Vernehmlassung ein, in welcher sie an der angefochtenen Verfügung vollumfänglich festhielt. F. Mit Zwischenverfügung vom 30. März 2016 stellte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung der Vorinstanz zu und bot ihm die Gelegenheit, dazu eine Replik einzureichen. Am 14. April 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein, in welcher er an den Beschwerde- anträgen vollumfänglich festhielt. G. Mit Zwischenverfügung vom 25. April 2016 stellte der Instruktionsrichter der Vorinstanz die Replik zu und gab ihr die Gelegenheit, eine Duplik dazu D-985/2016 Seite 4 einzureichen. Die Vorinstanz reichte am 6. Mai 2016 eine Duplik ein, in welcher sie an der angefochtenen Verfügung vollumfänglich festhielt. H. Mit Eingabe vom 13. Mai 2016 reichte der Beschwerdeführer seine eigene Geburtsurkunde und diejenige seiner Schwester C._______ zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltung sgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verf ügung im Asylbereich auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige und unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Zusammenhang mit dem Wegweisungsvollzug kann zu- dem die Unangemessenheit gerügt werden (A rt. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Im Asylverfahren gilt – wie in anderen Verwaltungsverfahren – der Un- tersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Nach dem Un- tersuchungsgrundsatz muss die entscheidende Behörde den Sachv erhalt von sich aus abklären, d.h. sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid notwendigen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsachen (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 142; KRAUS- KOPF/EMMENEGGER/BABEY, Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG, in: Wald- mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrens- gesetz, 2. Aufl. 2016). 3.2 Der Beschwerdeführer hält der Vorinstanz vor, sie habe im Asylverfah- ren seiner Schwester (N […]) die LTTE-Mitgliedschaft seiner Schwester als D-985/2016 Seite 5 Tatsache anerkannt. Dass sie nun die LTTE-Mitgliedschaft seiner Schwes- ter in Frage stelle, erwecke den Eindruck, dass sie das Dossier seiner Schwester für die Beurteilung seines Asylgesuchs nicht beigezogen habe. Dies verstosse gegen den Untersuchungsgrundsatz. 3.3 Aus den Anhörungen des Beschwerdeführers geht klar hervor, dass die von ihm vorgebrachten Asylgründe stark mit der LTTE -Mitgliedschaft sei- ner Schwester zusammenhängen (vgl. die Akten des Asylverfahrens, A3/11, F 7.01). Sowohl in der BzP als auch in der ausführlichen Anhörung äusserte der Beschwerdeführer zudem die Vermutung, dass sich seine Schwester C._______ in der Schweiz aufhalten könnte (vgl. Akten des Asylverfahrens, A3/11, F 3.02; A10/25, F 30). Entgegen der in der Ver- nehmlassung geäusserten Auffassung musste für die Vorinstanz bei dieser Sachlage klar sein, dass die Schwester des Besc hwerdeführers in der Schweiz womöglich ein Asylverfahren durchlaufen hatte. Entsprechend wäre sie aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes gehalten gewesen, nach jenem Dossier zu forschen und die dortigen Erkenntnisse für das vor- liegende Asylverfahren zu berücksichtigen. Durch die diesbezügliche Un- terlassung hat die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG) verletzt. 3.4 Nach Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmswei se mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Rückweisung kommt insbeson- dere dann in Betracht, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist ( WEISSENBER- GER/HIRZEL, N 16 zu Art. 61 VwVG, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016). Im vorlie- genden Fall erlauben die Akten hingegen eine materielle Beurteilung des Asylgesuchs durch die Beschwerdeinstanz, so dass auf eine Kassation – auch aufgrund der materiellen Gutheissung der Beschwerde – verzichtet werden kann. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden D-985/2016 Seite 6 (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen ( Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft ge- macht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält ( Art. 7 Abs. 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwal- tungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbrin- gen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4.3 Im Asylpunkt begründete die Vorinstanz ihre Verfügung im Wesentli- chen damit, es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die vorgebrach- ten Asylgründe glaubhaft zu machen. Seine Schilderungen der Unterstüt- zungsleistungen für die LTTE, des Beitritts seiner Schwester zur LTTE und des Vorfalls vom 14. Januar 2014 seien widersprüchlich, realitätsfremd und substanzlos ausgefallen. Auch die eingereichten Beweismittel vermöchten seine Asylgründe nicht glaubhaft zu machen. Zudem würden die sri-lanki- schen Behörden zwar gegenüber tamilischen Rückkehrern eine erhöhte Wachsamkeit aufweisen. Trotz der tamilischen Ethnie des Beschwerdefüh- rers, seiner Herkunft aus dem Norden Sri Lankas und seines Alters von 48 Jahren sei jedoch nicht davon auszugehen, dass er bei einer Wiederein- reise Massnahmen zu befürchten hätte, welche über einen sogenannten „background check“ hinausgingen, weil er kein oppositionelles Profil auf- weise. 4.4 Unter Bezugnahme auf die Anhörungsprotokolle und die im Beschwer- deverfahren eingereichten Beweismittel hält der Beschwerdeführer dem entgegen, seine Asylvorbringen seien glaubhaft, wenn man dem von der Praxis entwickelten Massstab folge. Der Beitritt seiner Schwester zur LTTE sei schon allein deshalb erstellt, weil die Vorinstanz ihr im Verfahren N (…) aufgrund ihrer LTTE -Mitgliedschaft die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt habe. Darauf müsse sich die Vorinstanz behaften lassen. Zudem vertritt der Beschwerdeführ er die Auffassung, dass eine asylrele- vante Verfolgung aufgrund seiner Berührungspunkte zur LTTE (Unterstüt- zungsleistungen für die LTTE in den 1990er -Jahren und Beitritt seiner D-985/2016 Seite 7 Schwester zur LTTE im Jahr 1991) ohne weiteres zu bejahen sei. Seine Gefährdung sei einerseits in dem Übergriff im Jahr 2014 zum Ausdruck ge- kommen, der für sich genommen schon die Flüchtlingseigenschaft be- gründe. Anderseits lägen auch konkrete Indizien vor, welche den Eintritt ernsthafter Nachteile in der Zukunft als wahrscheinlich erscheinen liessen. 4.5 Tatsächlich ist aufgrund der Akten ohne weiteres davon auszugehen, dass die Schwester des Beschwerdeführers – ihre Verwandtschaft zum Beschwerdeführer ist durch die eingereichten Geburtsurkunden ausgewie- sen – bei der LTTE in Kaderfunktionen tätig war. Im Verfahren N (…) beur- teilte die Vorinstanz die Aussagen der Schwester zu ihrer Tätigkeit für die LTTE als glaubhaft. Sie sei nach einer mehrmonatigen Kampfausbildung im LTTE-Camp in E._______ der F._______-Brigade zugeteilt worden, in welcher sie bis 2002 gedient habe – zunächst als gewöhnliche Kämpferin, ab 1993 als Leutnant und ab 1998/99 als Major. Das Bundesverwaltungs- gericht hat keine Gründe, von dieser Einschätzung abzuweichen. Entspre- chend ist die Verwandtschaft des Beschwerdeführers zu einer ehemals profilierten LTTE-Aktivistin ausgewiesen. 4.6 Von diesem Aspekt abgesehen hegt auch das Bundesverwaltungsge- richt Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwerde- führers. Entgegen der in der Beschw erdeschrift und der Replik geäusser- ten Auffassung hat er nämlich sowohl hinsichtlich seiner Unterstützungs- handlungen für die LTTE als auch hinsic htlich der Geschehnisse vom 14. Januar 2014 teilweise widersprüchliche Aussagen gemacht. Diese ge- gen die Glaubhaftigkeit sprechenden Elemente dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen in einer Gesamtsicht gegen jene Ele- mente abgewogen werden, welche für die Glaubhaftigkeit sprechen. 4.6.1 Während der BzP führte der Beschwerdeführer in Bezug auf seine Unterstützung für die LTTE aus, er habe keinen persönlichen Kontakt zur LTTE gehabt, und Kämpfern der LTTE lediglich Essen gegeben, als sie ihn bei ihrem Aufenthalt in seinem Dorf danach gefragt hätten (vgl. Akten des Asylverfahrens, A3/11, F 7.01). In de r ausführlichen Anhörung brachte er demgegenüber vor, er habe mehrmals Plakate aufgehängt und Essenspa- kete an Checkpoints der LTTE geliefert (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 83, F 92, F 104-106). Zudem sei er mehrmals im LTTE-Camp in D._______ gewesen (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 100). Ent- gegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift handelt es sich bei der Aussage in der ausführlichen Anhörung nicht nur um eine Ergänzung der Aussage in der BzP . Der Beschwerdeführer erzählt vielmehr eine teilweise D-985/2016 Seite 8 neue Geschichte, ohne dass er plausible Gründe dafür anführen könnte. Die Aussage in der Bundesanhörung, man habe ihm während der BzP keine konkreten Fragen dazu gestellt (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 228), wird durch das Befragungsprotokoll der BzP widerlegt (vgl. Akten des Asylverfahrens, A3/11, F 7.01, wo ausdrücklich nach persönli- chen Kontakten zur LTTE gefragt wurde). Anderseits vermochte der Beschwerdeführer den Aufdruck der von ihm aufgehängten Plakate darzulegen (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 94) und die Schilderung seiner Essenslieferungen enthält plausible Orts- angaben (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 104 -106). Auch wenn sich der Beschwerdeführer in der Schilderung seiner Unterstützungsleis- tungen für d ie LTTE teilweise widersprochen hat, erreichen diese Wider- sprüche verglichen mit den Realkennzeichen in seinen Aussagen nicht in ein Ausmass, das auf Unglaubhaftigkeit schliessen lässt. 4.6.2 Auch die Schilderung der Vorkommnisse am 14. Januar 2014 ist von Widersprüchen durchsetzt, die jedenfalls nicht als vernachlässigbar be- zeichnet werden können. So führte der Beschwerdeführer in der BzP unter Hinweis auf die Schwerhörigkeit seines Vaters aus, die CID-Beamten hät- ten beim Besuch in seinem Elternhaus mit der Mutt er über den Verbleib seiner Schwester gesprochen (vgl. Akt en des Asylverfahrens, A3/11, F 7.01). In der Bundesanhörung behauptete er hingegen, die Männer hät- ten mit seinem Vater gesprochen (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 114) und bestätigte dies auf ausdrückliche Nachfrage hin (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 137). Weiter widersprechen die von ihm im vor- instanzlichen Verfahren eingereichten Schreiben eines Pastors und eines Friedensrichters seinen Ausführungen in den Anhörungen. In den S chrei- ben ist nämlich die Rede von einer Bedrohung durch bewaffnete Männer des sri-lankischen Militärs (vgl. Akten des Asylverfahrens, A11/4, D1 und D2), während der Beschwerdeführer immer von zivil gekleideten Angehö- rigen des CID sprach (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 80, F 111). Wie der Beschwerdeführer aber zu Recht anführt, enthalten seine Schilde- rungen des Vorfalls umgekehrt auch verschiedene Realkennzeichen, wel- che die Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen nahelegen: So berichtet er in kohärenter Art und Weise von der Ausstattung des Raums im Militärcamp in D._______ (vgl. Akten des Asylverfahrens, A3/11, F 7.01; A10/25, F 114) und von den Fragen der Männer. Zudem erzählt er von den Handschuhen des Mannes, der ihn geschlagen habe (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 153). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer in der BzP von D-985/2016 Seite 9 einem Schlag auf das rechte Ohr berichtete (vgl. Akten des Asylverfahrens, A3/11, F 7.01), steht nicht zwingend in Widerspruch zu seiner Schilderung in der Bundesanhörung, als er – womöglich aus der Perspektive der befra- genden Person – auf das linke, aus seiner eigenen Perspektive jedoch auf das rechte Ohr zeigte (vgl. Akten des Asylverfahrens, A10/25, F 151-152). 4.7 Es bestehen damit sowohl Hinweise für die Glaubhaftigkeit der Vorbrin- gen, als auch solche dagegen. Die Widersprüche in den Aussagen über- wiegen in einer Gesamtsicht jedoch nicht die Elemente, welche für die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers sprechen, so dass unter dem Strich von deren Gl aubhaftigkeit auszugehen ist. Im Fol- genden ist deshalb die Asylrelevanz der Vorbringen zu prüfen. 4.7.1 Die Schwester des Beschwerdeführers ist seinen Angaben zufolge bereits 1991 untergetaucht und hat sich den LTTE angeschlossen. Diese Ausführungen sind mit de njenigen seiner Schwester im Verfahren N (…) konvergent (vgl. die vom Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift bei- gelegte Verfügung des BFM vom 8. Juli 2009, S. 2). In den 23 Jahren bis zu seiner Ausreise wurde er jedoch von den sri -lankischen Behörden mit Ausnahme des Vorfalls am 14. Januar nie behelligt (vgl. Akten des Asyl- verfahrens, A3/11, F 7.01). Auch nach dem 14. Januar 2014 bis zu seiner Ausreise am 5. März 2014 kam es zu keinen weiteren Übergriffen oder Drohungen (vgl. Akten des Asylverfahrens, A 10/25, F 179 -182). Selbst wenn der Vorfall am 14. Januar 2014 den Beschwerdeführer belastet ha- ben muss, erreicht er nicht die Schwelle ernsthafter Nachteile (Art. 3 Abs. 2 AsylG), zumal es sich dabei weder um einen schweren Eingriff in die kör- perliche Integrität handelte, noch um eine Gefährdung, die eine Rückkehr nach Sri Lanka unzumutbar machen würde (vgl. CARONI/GRASDORF- MEYER/OTT/SCHEIBER, Migrationsrecht, 3. Aufl. 2014, S. 246). 4.7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem publizierten Leitent- scheid (BVGE 2011/24) jedoch verschiedene Risikogruppen definiert, die bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer erhöhten Verfolgungsgefahr un- terliegen und damit begründete Furcht haben, zukünftig ernsthaften Nach- teilen (Art. 3 Abs. 2 AsylG) ausgesetzt zu werden. Dazu gehören einerseits Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt wer- den, mit den LTTE in Verbindung zu stehen beziehungsweise gestanden zu sein (BVGE 2011/24, E. 8.1 ). Dazu gehören unter bestimmten qualifi- zierten Umständen aber auch abgewiesene tamilische Asylsuchende, die aus der schweizerischen Diaspora nach Sri Lanka zurückkehren (BVGE D-985/2016 Seite 10 2011/24, E. 8.4). In Bezug auf letztere Personenkategorie hat das Bundes- verwaltungsgericht in seinem jüngsten Referenzurteil zu Sri Lanka ver- schiedene Kriterien aufgestellt, welche ein Verfolgungsrisiko begründen (vgl. Urteil des BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert], E. 8.5). Eine geltend gemachte Verbin dung zu den LTTE ver- mag demnach dann eine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im asylrechtlichen Sinn zu begründen, wenn der betroffenen Person aus Sicht der sri-lankischen Behörden ein Interesse am Wiederaufflammen des ta- milischen Separatismus zugeschrieben wird (a.a.O., E. 8.5.3). Eine solche Zuschreibung kann insbesondere auf familiären Verbindungen zu LTTE - Mitgliedern und vergangenen Hilfeleistungen für die LTTE beruhen (a.a.O., E. 8.4.1). Diese Faktoren sind im Falle des Beschwerdeführers erfüllt. Auf- grund seiner Verwandtschaft zu einer hochrangigen LTTE-Kämpferin und seiner glaubhaften Unterstützung für die LTTE besteht das Risiko, dass ihm die sri-lankischen Behörden ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zuschreiben. A us diesem Grunde ist unter Ab- stützung auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nach- teile zu befürchten hätte. 5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne vo n Art. 3 AsylG erfüllt. Da den Akten keine Hinweise zu entnehmen sind, die auf das Vorliegen von Ausschluss- gründen (Art. 53 AsylG) hindeuten, ist ihm in der Schweiz Asyl zu gewäh- ren (vgl. Art. 49 AsylG). Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und das SEM anzuweisen, dem Be- schwerdeführer Asyl zu gewähren. Auf die weiteren Beschwerdeausfüh- rungen zur Zumutbarkeit und Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs ist aufgrund der Gutheissung d er Beschwerde im Asylpunkt nicht näher ein- zugehen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm D-985/2016 Seite 11 notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechts- vertreter reichte eine Kostennote ein, welche bis und mit Verfassung der Beschwerde einen Aufwand von Fr. 1100.– (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuer) ausweist. Dieser Aufwand erscheint als angemessen. Unter Einbe- zug des doppelten Schriftenwechsels und der zusätzlichen Beweismitte- leingabe vom 13. Mai 2016 ist gestützt auf die anwendbaren Grundsätze zur Bemessung der Parteientschädigung (Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]) von einem Aufwand von Fr. 1500.– auszugehen. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das SEM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-985/2016 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1500.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniele Cattaneo Arthur Brunner Versand: