A bteilung IV D -6322/2006 law /bah {T 0/2} U rteil vom 17. A ugust 2007 M itw irkung:R ichter W alter Lang, R ichterin N ina Spälti G iannakitsas, R ichter R obert G alliker G erichtsschreiber C hristoph Basler A ._______, geboren _______, Kroatien, vertreten durch B._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 31. O ktober 2003 i.S. Vollzug der W egw eisung (W iedererw ägung) / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer reiste am 4. M ärz 1998 zusam m en m it seiner M utter und seiner Schw ester in die Schw eiz ein und ersuchte gleichentags um Asyl. M it Verfü- gung vom 21. Septem ber 1998 stellte das Bundesam t fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. G leichzeitig ordnete es die W egw eisung aus der Schw eiz und deren Vollzug an. G egen diese Verfügung reichte der Beschw erdeführer am 21. O ktober 1998 Beschw erde bei der dam als zuständigen Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) ein, w elche diese m it U rteil vom 11. Februar 2002 abw ies. B. M it Eingabe vom 8. Juli 2002 reichte der Beschw erdeführer beim Bundesam t ein G esuch um W iedererw ägung der Verfügung vom 21. Septem ber 1998 ein. D er Eingabe lagen die folgenden Bew eism ittel bei: drei Berichte der Psychiatrischen Privatklinik A._______ vom 12. D ezem ber 2001, 28. Februar 2002 und 10. Juni 2002, ein ärztliches Zeugnis von D r. C ._______ vom 7. M ärz 2002, ein ärztliches Zeugnis vom 27. Februar 2002 von D r. D ._______, ein Bericht der Klinik für Psy- chiatrie und Psychotherapie B._______ vom 4. April 2001 und ein Bericht des Kreisspitals C ._______ vom 27. M ärz 2001. D as Bundesam t setzte den Vollzug der W egw eisung m it Zw ischenverfügung vom 11. Juli 2002 aus. M it Schreiben vom 12. Februar 2003 forderte das Bundesam t den Beschw erdefüh- rer auf, einige Fragen zu seiner Erkrankung beziehungsw eise deren Behandlung zu beantw orten. D r. D ._______ beantw ortete m it Schreiben vom 20. Februar 2003 auf Bitte des Be- schw erdeführers die gestellten Fragen. D as Bundesam t stellte dem Beschw erdeführer m it Schreiben vom 10. Septem ber 2003 w eitere Fragen zu seiner Erkrankung. D r. D ._______ reichte am 8. O ktober 2003 einen ergänzenden ärztlichen Bericht ein. D iesem lagen ein vorläufiger Austrittsbericht vom 24. Juni 2003 und ein Aus- trittsbericht vom 28. Juli 2003 der Psychiatrischen Privatklinik A._______, eine An- m eldung vom 9. Juli 2003 sow ie Teilnahm ebestätigung der Asyl-O rganisation D ._______ vom 3. O ktober 2003 und ein U rteil des Bezirksgerichts E._______ vom 24. Juni 2003 betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung bei. C . M it Verfügung vom 31. O ktober 2003 - eröffnet am 3. N ovem ber 2003 - w ies das Bundesam t das W iedererw ägungsgesuch ab und stellte fest, die Verfügung vom 21. Septem ber 1998 sei rechtskräftig und vollstreckbar; einer allfälligen Beschw er- de kom m e keine aufschiebende W irkung zu. D . M it Eingabe vom 1. D ezem ber 2003 an die dam als zuständige AR K liess der Be- schw erdeführer durch seine Vertreterin (seine Schw ester) gegen diese Verfügung Beschw erde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sow ie im Voll- zugspunkt auch die Verfügung vom 21. Septem ber 1998 seien aufzuheben, es sei festzustellen, dass der W egw eisungsvollzug unzum utbar sei und der Aufenthalt sei 3 nach Art. 14a Abs. 1 AN AG zu regeln. In verfahrensrechtlicher H insicht liess er zudem beantragen, es sei ihm im Sinne einer vorsorglichen M assnahm e zu gestatten, den Ausgang des Verfahrens in der Schw eiz abzuw arten und die Vollzugsbehörden seien entsprechend anzuw eisen, es sei ihm die Bezahlung des Kostenvorschusses sow ie der Verfahrenskosten zu erlassen und das Verfahren sei m it dem jenigen seiner M utter und seiner Schw ester koordiniert zu behandeln. D er Eingabe lagen ein ärztliches Zeugnis von D r. F. R . vom 26. N ovem ber 2003 sow ie zw ei bereits bei der Vorinstanz eingereichte ärztliche Berichte bei. E. M it Zw ischenverfügung des Instruktionsrichters der AR K vom 19. D ezem ber 2003 w urde das G esuch um Aussetzung des Vollzugs der W egw eisung gutgeheissen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses w urde verzichtet; über das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege w erde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. D em Bundesam t w urde G elegenheit zur Einreichung einer Vernehm - lassung gew ährt. F. D as Bundesam t beantragte in der Vernehm lassung vom 13. Januar 2004 die Ab- w eisung der Beschw erde. D ie Vernehm lassung w urde dem Beschw erdeführer von der AR K am 23. Januar 2004 zur Kenntnisnahm e ohne R eplikrecht zugestellt. G . Am 21. August 2006 gingen bei der AR K die Kopie eines Berichts der F._______ vom 14. August 2006 und ein Internetauszug ein. H . M it Zw ischenverfügung vom 29. Juni 2007 setzte der Instruktionsrichter des Bun- desverw altungsgerichts dem Beschw erdeführer Frist zur Einreichung eines aktuali- sierten ärztlichen Berichts an. I. Am 9. Juli 2007 (Poststem pel) überm ittelte der Beschw erdeführer dem Bundesver- w altungsgericht ein ärztliches Zeugnis der G ._______ vom 12. Juni 2007. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31), das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehem aligen AR K hängig gew esenen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ).4 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist einzutreten. 3. Ein Anspruch auf W iedererw ägung besteht nam entlich dann, w enn sich der rechts- erhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsw eise - w as vorliegend von Interesse ist - seit dem U rteil der m it Beschw erde angerufenen R echtsm ittelinstanz (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1995 N r. 21 E. 1c S. 204) in w esentlicher W eise verändert hat und m ithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist (vgl. EM AR K 2003 N r. 7 E. 1 S. 42 f.). Eine W iedererw ägung fällt hingegen dann nicht in Betracht, w enn le- diglich eine neue W ürdigung der beim früheren Entscheid bereits bekannten Tat- sachen herbeigeführt w erden soll oder G ründe angeführt w erden, die bereits in ei- nem ordentlichen Beschw erdeverfahren gegen die frühere Verfügung hätten gel- tend gem acht w erden können (vgl. EM AR K 2003 N r. 17 E. 2B S. 104). 4. 4.1 Im W iedererw ägungsgesuch w urde geltend gem acht, für den Beschw erdeführer sei eine R ückkehr nach Kroatien unvorstellbar. Er sei aufgrund der Kriegserlebnis- se gesundheitlich angeschlagen und habe sich dreim al in einer Psychiatrischen Klinik behandeln lassen m üssen. Im Falle einer R ückkehr w ürde er in die Arm ee eingezogen; es sei ihm aber aufgrund seiner Erkrankung unm öglich, M ilitärdienst zu leisten. Serben, die nach Kroatien zurückkehrten, w ürden im m er noch inhaftiert. Eine R ückkehr w ürde zu einer Verschlechterung seines G esundheitszustandes führen. Er sei nicht sicher, ob er seine M utter und seine Schw ester in Kroatien be- schützen könne. D ie Erinnerungen an den Krieg seien bei ihm im m er noch sehr stark, w eshalb er oft unruhig und ängstlich sei. Er habe sich in der Schw eiz gut in- tegriert und habe auch gearbeitet. 4.2 D ie Vorinstanz begründete ihren Entscheid dam it, dass die kroatischen Behörden den Beschw erdeführer m it Sicherheit ausm ustern w ürden, zum al er m edizinische Atteste aus der Schw eiz vorlegen könne. Es sei zu bezw eifeln, dass er an einer posttraum atischen Belastungsstörung (PTBS) leide. Im ausführlichen ärztlichen Bericht vom 28. Februar 2002 sei festgehalten w orden, dass er Sym ptom e aufw ei- se, die sow ohl bei einer akuten psychotischen Episode als auch bei einer PTBS auftreten könnten. Es sei die Vornahm e w eiterer Abklärungen em pfohlen w orden. Im ärztlichen Bericht vom 10. Juni 2002 sei plötzlich das Bestehen einer PTBS at- testiert w orden, ohne dass die vorgängig em pfohlenen Abklärungen gem acht w or- den seien. Aus dem Bericht gehe nicht hervor, w elche neuen Erkenntnisse zum anderen Befund geführt hätten. Bezeichnenderw eise w erde im aktuellsten ärztli-5 chen Bericht vom 8. O ktober 2003 eine chronisch-paranoide Schizophrenie diag- nostiziert. Bei Einnahm e des M edikam entes "Zyprexa" habe sich die psychiatri- sche Sym ptom atik jew eils norm alisiert. D urch die Einnahm e des betreffenden M e- dikam entes könne das Auftreten von Krankheitsschüben, die von einer Selbstge- fährdung begleitet seien, verhindert w erden. Aus den eingereichten ärztlichen Be- richten gehe hervor, dass er die M edikam ente w iederholt abgesetzt habe. Eine ad- äquate ärztliche Behandlung könne in Kroatien sichergestellt w erden, da "Zyprexa" dort erhältlich sei. D er Verschreibung m üsse auf Antrag des behandelnden Arztes seitens der kroatischen G esundheitsbehörde im Einzelfall zugestim m t w erden, w elches Vorgehen sicherstelle, dass der Patient begleitet und beaufsichtigt w erde. Es sei dem Beschw erdeführer zuzum uten, sich zu H anden der kroatischen Ärzte eine Behandlungsem pfehlung ausstellen zu lassen, in der die positiven Erfahrun- gen m it "Zyprexa" festgestellt w ürden. 4.3 In der Beschw erde w ird ausgeführt, es sei unbestritten, dass der Beschw erdefüh- rer schw er krank sei. Sein G esundheitszustand habe sich unter dem D ruck einer bevorstehenden W egw eisung in den letzten Jahren verschlechtert. Er habe m ehr- fach stationär behandelt w erden m üssen und sei aufgrund von akuter Selbst- und Frem dgefährdung auch per fürsorgerischen Freiheitsentzug in Kliniken eingew ie- sen w orden. Zw ischen Ende Februar und Juni 2002 habe er stationär behandelt w erden m üssen. D ie nicht deckungsgleichen D iagnosen in den Berichten vom 28. Februar und 10. Juni 2002 seien vor dem H intergrund des fortschreitenden ärztli- chen U ntersuchungsprozesses zu sehen. Es spreche für die Seriosität der behan- delnden Ärztin, dass sie nicht sofort eine PTBS diagnostiziert habe. M it den zu- sätzlichen, vom Sanatorium A._______ selbst durchgeführten U ntersuchungen, habe schliesslich eine klare D iagnose gestellt w erden können. Es sei dem nach nicht so, dass die Ärztin "plötzlich" und "ohne dass sie die vorgängig em pfohlenen Abklärungen habe durchführen lassen", eine PTBS "attestiert" habe. Aus dem Be- richt vom 10. Juni 2002 gehe hervor, dass eine ausführliche Exploration vom 10. April 2002 zum definitiven Befund geführt habe. D ie panischen und traum abe- dingten Ängste vor einer R ückführung nach Kroatien stünden einer erfolgverspre- chenden Behandlung im H eim atland von vornherein entgegen. D ie Ängste seien auch deshalb nicht ganz unbegründet, als dass in Kroatien die m eisten Serben vertrieben w orden seien. Vor diesem H intergrund m üsse m it grosser W ahrschein- lichkeit vom R isiko einer w eiteren Exazerbation des psychischen Zustands m it akuten Selbst- und Frem dgefährdungsrisiken ausgegangen w erden, zum al der Be- schw erdeführer m ehrfach habe stationär eingeliefert m üssen. D ie Schw ester (und Vertreterin) des Beschw erdeführers schreibt in einer persönli- chen Begründung der Beschw erde, sie und ihre Fam ilie versuchten, sich seit sechs Jahren über die R unden zu bringen. Seit ihr Bruder das erste M al w egen ei- nes Selbstm ordversuchs in eine psychiatrische Klinik habe eingew iesen w erden m üssen, seien die Zeiten noch schw erer gew orden. D as Leben m it einer pflegebe- dürftigen Person sei nicht leicht, zum al, w enn die Person so starke Stim m ungs- schw ankungen und Schlafstörungen habe und sich nichts sagen lasse. Eine R ück- kehr nach Kroatien w äre ohne G eld und Perspektiven sehr schw ierig. Sie m üssten von dem G eld leben, das nicht einm al für ihre Angehörigen in Kroatien ausreiche, und w üssten nicht, w ie lange diese ihren Bruder "aushalten" w ürden. D ie m edizini- sche Versorgung in Kroatien m öge w ohl gut sein, sie hätten aber kein G eld, um 6 sich diese leisten zu können. 4.4 Im ärztlichen Bericht der Psychiatrischen Privatklinik A._______ vom 28. Februar 2002 w urde beim Beschw erdeführer eine akut polym orphe psychotische Störung m it Sym ptom en einer Schizophrenie diagnostiziert. D er Beschw erdeführer sei erst- m als im M ai 2000 m it dieser D iagnose hospitalisiert w orden. Im M ärz 2001 habe er erneut hospitalisiert w erden m üssen. N ach sechs M onaten habe er die M edikation m it "Zyprexa" abgesetzt. Vor erneutem Eintritt in die Klinik im D ezem ber 2001 habe er über Angstzustände geklagt, den Eindruck gehabt, bestraft zu w erden, und Stim m en erw ähnt, die ihm befohlen hätten, sich um zubringen. Zudem leide er unter Schuldgefühlen, da er sich als ethnischer Serbe für die Kriegsereignisse ver- antw ortlich fühle. Im Verlauf der erneuten M edikation habe er sich von seinen pa- ranoiden Ideen distanzieren können. Er habe über ein ausgeprägtes G efühl der Entw urzelung berichtet. Eine Fortführung der m edikam entösen Therapie sei w ich- tig und es m üsse ihm eine gesicherte Tagesstruktur gegeben w erden. Auf starke Stressoren sollte verzichtet w erden. Eine m edikam entöse Behandlung sollte auch in Kroatien m öglich sein. Eine R ückkehr dorthin w äre aber ein schw er w iegender Stressor, der eine m ögliche neue Krankheitsepisode auslösen könne. D as G efühl der Entw urzelung und der m angelnden Integration in der Schw eiz stelle auch eine Belastung dar, die ebenfalls neue Krankheitsphasen auslösen könne. W ürde eine bisher noch nicht diagnostizierte PTBS vorliegen, w äre aus psychiatrischer Sicht dringend von einer R ückkehr nach Kroatien abzuraten. 4.5 Im ärztlichen Bericht der Psychiatrischen Privatklinik A._______ vom 10. Juni 2002 w ird ausgeführt, im R ahm en des Krieges seien 1995 die ethnischen Serben ver- haftet und in ein Fussballstadion getrieben w orden, w o m an gedroht habe, die Sol- daten w ürden erschossen. D er Beschw erdeführer sei dam als m it seiner M utter und seiner Schw ester zusam m en gew esen. D a U N O -Truppen gekom m en seien, seien die D rohungen nicht in die Tat um gesetzt w orden. G em äss Auskünften der M utter habe er etw a einen M onat später angefangen, von diesem Zw ischenfall zu träu- m en. Er sei gereizter gew orden, bisw eilen verbal-aggressiv, habe m it Suizid ge- droht, sich sozial zurückgezogen und sei schreckhafter gew orden. M anchm al sei es auch tagsüber zu R ückhall-Erinnerungen gekom m en. N ach der Einreise in die Schw eiz habe sich sein Zustand verbessert, seit 2001 aber w ieder verschlechtert. D ie Erinnerungen an das Ereignis von 1995 könne er nicht verm eiden, obw ohl er sich dies w ünsche. D ie erhobenen Befunde seien charakteristisch für eine PTBS. D em Beschw erdeführer sei die Erfassung des traum atischen Erlebnisses er- schw ert gew esen, da es sprachliche Schw ierigkeiten gegeben habe und es ihm schw er gefallen sei, Frauen gegenüber von seinen Problem en zu berichten. D ie Behandlung der PTBS um fasse die Aufklärung des Beschw erdeführers über die Störung und die G ew ährung eines sicheren U m feldes. Eine R ückkehr in die Ver- hältnisse, in der das Traum a erlebt w orden sei, sei kontraindiziert und könnte ins- besondere m it der Verschlim m erung der Suizidialität einhergehen. D aher erschei- ne die G ew ährung eines Aufenthaltsrechts aus m edizinisch-psychiatrischen G rün- den dringend gegeben. Im ärztlichen Bericht der F._______ vom 14. August 2006 w ird ausgeführt, der Be- schw erdeführer habe w iederholt unter ausgeprägten Angstzuständen sow ie Verfol- gungsw ahn m it W ahnvorstellungen gelitten. Eine am bulant psychiatrische Behand- lung sei aufgrund der finanziellen Situation nicht m öglich gew esen, w oraufhin er 7 seine antipsychotischen M edikam ente im m er w ieder abgesetzt habe. Frem danam netisch habe m an erfahren, dass sein Zustand zunehm end prekärer gew orden sei. Er habe kaum noch die banalsten täglichen H andlungen selbständig ausführen können und sei m ehrheitlich stum m dagesessen. Im M ai 2006 sei er in psychotischem Zustand von der Polizei aufgegriffen und in die G ._______ (Klinik) gebracht w orden. Er sei kaum ansprechbar gew esen, habe nicht sprechen können und H alluzinationen gehabt. Es sei nicht m öglich gew esen, m it ihm zu kom m uni- zieren. U nter Aufdosierung einer antipsychotischen M edikation sow ie einer ganz- heitlichen Therapie sei es sehr langsam zu einer Besserung gekom m en. D er Be- schw erdeführer leide unter einer chronisch paranoiden Schizophrenie m it Erkran- kungsbeginn um das 20. Lebensjahr. Zu Beginn seiner Erkrankung hätten w ahn- hafte Sym ptom e m it Verfolgungsw ahn im Vordergrund gestanden, aktuell leide er vor allem unter ausgeprägten form alen D enkstörungen m it vorübergehend annä- hernd vollständigem Sprachzerfall. Es erscheine essentiell, dass nach seiner Ent- lassung nach H ause eine engm aschige am bulante Betreuung erfolge. D ie regel- m ässige Einnahm e der neuroleptischen M edikam ente m üsse gew ährleistet sein und es m üsse ihm eine geregelte Tagesstruktur ausserhalb seiner W ohnung orga- nisiert w erden. In Anbetracht des schw eren Verlaufs der paranoiden Schizophrenie seien auch bei engm aschiger am bulanter Betreuung w eitere D ekom pensationen m it anschliessendem Klinikaufenthalt durchaus m öglich. Im neusten ärztlichen Bericht der G ._______ vom 12. Juni 2007 w ird bestätigt, dass der Beschw erdeführer vom 25. M ai 2006 bis zum 10. O ktober 2006 stationär behandelt w orden sei. Seit dem 16. O ktober 2006 sei er in am bulanter und teilsta- tionärer N achbehandlung. Er erscheine alle 10 bis 14 Tage zu ärztlichen Einzelge- sprächen und zur M edikam entenabgabe. Ausserdem besuche er dreim al in der W oche halbtags das Tageszentrum , w o eine G ruppentherapie m it Training von All- tagsfertigkeiten stattfinde. Seine schw ere psychische Erkrankung bedürfe einer dauerhaften therapeutischen und m edikam entösen Begleitung. 5. 5.1 D er Vollzug der W egw eisung kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für die ausländische Person eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 4 AN AG ). D am it w ird zum Ausdruck gebracht, dass aus hum anitären G ründen und nicht in Erfüllung einer völkerrechtlichen Verpflichtung der Schw eiz, insbesondere dann auf den Vollzug der W egw eisung zu verzichten ist, w enn die R ückkehr in den H eim at- oder H erkunftsstaat für die betroffene Person angesichts der dort herr- schenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgem einer G ew alt kennzeichnet, eine konkrete G efährdung darstellt. N eben einer konkreten G efährdung können aber auch andere U m stände im H eim at- oder H erkunftsstaat dazu führen, dass der Vollzug der W egw eisung - aus hum anitären Ü berlegungen - nicht zum utbar ist. So kann sich der W egw ei- sungsvollzug gestützt auf Art. 14a Abs. 4 AN AG auch aus m edizinischen G ründen als unzum utbar erw eisen, w as aber grundsätzlich nur dann der Fall ist, w enn für die betroffene Person bei einer R ückkehr in ihre H eim at eine w esentliche m edizini- sche Behandlung nicht erhältlich w äre. Bei der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 14a Abs. 4 AN AG sind hum anitäre Ü berlegungen im Einzelfall gegen andere 8 öffentliche Interessen abzuw ägen, die allenfalls für den Vollzug der W egw eisung sprechen w ürden, w as den Asylbehörden einen Erm essensspielraum lässt. Ent- sprechend bilden etw a gesundheitliche Problem e, w elche für sich allein betrachtet den W egw eisungsvollzug nicht bereits als unzum utbar erscheinen lassen, ein Be- urteilungselem ent, w elches in die vorzunehm ende Interessenabw ägung einbezo- gen w erden m uss und zusam m en m it w eiteren hum anitären Aspekten zur Feststel- lung der U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs führen kann (vgl. zum G anzen EM AR K 2001 N r. 16 E. 6b S. 123; 2003 N r. 24 E. 5a am Ende und 5b S. 157 f.). 5.2 D ie psychische Erkrankung des Beschw erdeführers w ar offensichtlich im Zeitpunkt des U rteils der AR K vom 11. Februar 2002 noch nicht bekannt beziehungsw eise die bereits vorhandenen Sym ptom e (vgl. den ärztlichen Bericht vom 10. Juni 2002) w urden noch nicht als solche w ahrgenom m en. Insow eit w ird vorliegend eine im Vergleich zu dem der angefochtenen Verfügung zugrunde liegenden Sachverhalt veränderte Sachlage geltend gem acht, m ithin ist die Vorinstanz zu R echt auf das W iedererw ägungsgesuch eingetreten. D ie Vorinstanz vertritt indes die Auffassung, der Beschw erdeführer könne nach Kroatien zurückkehren und dort ärztliche H ilfe in Anspruch nehm en. D iese Feststellung w ird in der R echtsm itteleingabe bestrit- ten. 5.3 Angesichts der eingereichten ärztlichen Zeugnisse und Berichte steht fest, dass der Beschw erdeführer an sehr schw eren psychischen Problem en leidet, m indes- tens einen Suizidversuch begangen hat und desw egen seit M ai 2000 m indestens fünfm al in stationärer psychiatrischer Behandlung w ar. Zw ischen den einzelnen Klinikaufenthalten w ar er teilw eise in am bulanter Behandlung, ebenso seit der letz- ten Entlassung aus der stationären Behandlung im O ktober 2006. Aufgrund der Befragungsprotokolle sow ie der ärztlich aufgeführten Anam nesen ist die genaue U rsache der psychischen Problem e des Beschw erdeführers nicht ein- deutig. Fest steht, dass der Beschw erdeführer unter einer chronisch paranoiden Schizophrenie leidet. O b er zusätzlich auch an einer PTBS leidet, w ie im ärztlichen Bericht vom 10. Juni 2002 ausgeführt, in den neueren Arztberichten aber nicht m ehr diagnostiziert w ird, kann vorliegend offen gelassen w erden. Aufgrund der langjährigen Behandlung des Beschw erdeführers sow ie der fundierten und über- zeugenden fachärztlichen Ausführungen besteht keine Veranlassung, an der Seriosität der m edizinischen Abklärungen zu zw eifeln. D as Bundesverw altungsgericht erachtet es als erstellt, dass der Beschw erdeführer auf unbestim m te Zeit regelm ässiger psychiatrischer Behandlung, Therapierung und Betreuung bedarf und nam entlich auf ein für ihn stabilisierendes U m feld ange- w iesen ist, ansonsten ihm ernsthafte G efahr für seine G esundheit (auch Selbst- und Frem dgefährdung) droht. Zw ar ist bekannt, dass Ausländer, deren Asylgesu- che abgelehnt w erden oder die in lang andauernder U ngew issheit über ihren Auf- enthaltsstatus im G astland leben, in depressive Stim m ung verfallen und bei einem entsprechenden Persönlichkeitsprofil auch suizidale G edanken entw ickeln können; vorliegend kann angesichts des bisherigen Krankheitsverlaufs sow ie des aufge- zeigten Krankheitsbilds aber nicht davon ausgegangen w erden, beim Beschw erde- führer liege "lediglich" eine psychische R eaktion auf den ablehnenden Asylent- scheid vor. W ie das Bundesam t in der angefochtenen Verfügung richtigerw eise festgestellt hat und auch in den ärztlichen Berichten bestätigt w ird, ist die Betreu-9 ung, Therapierung und Behandlung von Patienten m it dem beim Beschw erdeführer diagnostizierten Krankheitsbild in Kroatien grundsätzlich m öglich. Aufgrund der Arztberichte steht jedoch fest, dass der Beschw erdeführer sich vor einer R ückkehr in sein H eim atland panisch fürchtet. O b diese Furcht in direktem Zusam m enhang m it seinen Erlebnissen w ährend des Balkankrieges - w as auf das Vorliegen einer PTBS hindeuten w ürde - oder ob diese auf der w ahnhaften Idee, er und seine An- gehörigen seien in Kroatien an Leib und Leben gefährdet, steht, ist für die sich stellende R echtsfrage der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs von unterge- ordneter Bedeutung. D as psychische Befinden des Beschw erdeführers ist derm a- ssen angeschlagen, dass ein bevorstehender Vollzug der W egw eisung auf ihn der- art bedrohlich und belastend w irken w ürde, dass die G efahr einer Selbst- und/oder Frem dgefährdung als m assiv erhöht zu bew erten ist. Solche H andlungen können nach den Erkenntnissen des Bundesverw altungsgerichts ohne direkte w illentliche Beeinflussung auftreten. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschw erde- führer bei einer Bestätigung des W egw eisungsvollzugs bereits vor der Abreise nach Kroatien, spätestens aber bei der R ückkehr dekom pensiert. Zudem w ürde er in Kroatien nicht auf das für ihn notw endige, stabilisierende U m feld stossen. G e- m äss den glaubhaften Ausführungen seiner Schw ester besteht nur ein loser Kon- takt zu den noch in Kroatien lebenden Verw andten. Angesichts der Schw ere der Erkrankung darf auch bezw eifelt w erden, dass seine Verw andten w illens oder auch nur in der Lage w ären, ihm ein stabilisierendes U m feld zu schaffen, stossen doch bereits seine M utter und seine Schw ester begreiflicherw eise an ihre G ren- zen. D ie Schw ester des Beschw erdeführers, die im vorliegenden Beschw erdever- fahren die Interessen ihres Bruders w ahrgenom m en hat, hat aufgrund der H eirat eines in der Schw eiz niedergelassenen Ausländers m ittlerw eile eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbew illigung erhalten und w ird nicht nach Kroatien zurückkeh- ren. D er Beschw erdeführer hätte som it als engere Bezugsperson nur noch seine gesundheitlich ebenfalls angeschlagene M utter, die m it seiner Betreuung bald überfordert sein dürfte. D as aufgezeigte psychische Krankheits- und Persönlich- keitsprofil sow ie insbesondere auch der U m stand, dass der psychische Zustand des Beschw erdeführers gem äss den beiden letzten Arztberichten nur langsam sta- bilisiert w erden konnte, lassen im gegenw ärtigen Zeitpunkt eine R ückkehr nach Kroatien insgesam t als nicht zum utbar erscheinen. 5.4 Zusam m enfassend ergibt sich, dass im vorliegenden Fall in Bezug auf die Beurtei- lung der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs von einer seit dem U rteil der AR K vom 11. Februar 2002 w esentlich veränderten Sachlage auszugehen ist. D ie- ser erscheint aus heutiger Sicht für den Beschw erdeführer in Berücksichtigung der erw ähnten G esichtspunkte insgesam t als nicht zum utbar im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG . D a sich aus den Akten gleichzeitig keine H inw eise auf allfällige Aus- schlussgründe gem äss Art. 14a Abs. 6 AN AG ergeben, ist die Beschw erde folge- richtig gutzuheissen. D ie angefochtene Verfügung des Bundesam tes vom 31. O ktober 2003 sow ie die Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der Verfügung vom 21. Septem ber 1998 sind dem - nach aufzuheben und das BFM ist anzuw eisen, den Aufenthalt des Beschw erde- führers nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu re- geln (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m . Art. 14a Abs. 1 und 4 AN AG ).10 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Beschw erdeverfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ), w eshalb das G esuch um G ew ährung der unent- geltlichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG gegenstandslos w ird. 6.2 O bsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erw achsenen notw endigen Kosten (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw al- tungsgericht vom 20. April 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D a der Beschw erdeführer im Beschw erdeverfahren von seiner Schw ester vertreten w urde, ist nicht davon auszugehen, dass ihm aus der Vertretung Kosten erw ach- sen sind. Aus diesem G rund ist keine Parteientschädigung auszurichten. (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie Verfügung vom 31. O ktober 2003 und die Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der Verfügung vom 21. Septem ber 1998 w erden aufgehoben. D as BFM w ird angew ie- sen, die vorläufige Aufnahm e des Beschw erdeführers anzuordnen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es w ird keine Parteientschädigung entrichtet. 5. D ieses U rteil geht an: - die Vertreterin des Beschw erdeführers (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (Kopie zu den Akten; R ef.-N r. N _______) - (kantonale Behörde) D er R ichter: D er G erichtsschreiber: W alter Lang C hristoph Basler Versand am :