<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 105 S.460</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">460</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>105 Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Ausweisung des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ehegatten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bei der Berechung der Dauer des Zusammenlebens in ehelicher Gemein-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schaft ist nicht relevant, ob der Ehegatte des hier niedergelassenen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ausländers gestützt auf ein Familiennachzugsgesuch in der Schweiz</b></span><br/> <span class="ft2"><b>weilte oder sich auf einen anderen Aufenthaltstitel stützen konnte. Ent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>scheidend ist einzig, dass er sich nicht illegal in der Schweiz aufhielt, son-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dern mit gültiger fremdenpolizeilicher Anwesenheitsbewilligung. I. c. hat</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Beschwerdeführerin Anspruch auf Erteilung einer Niederlassungsbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>willigung, da sie mehr als 5 Jahre ununterbrochen mit ihrem Ehemann in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Schweiz zusammenlebte (Erw. II/2b und c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 26. August</span><br/> <span class="ft3">2005 in Sachen H.B. gegen einen Entscheid des Migrationsamts</span><br/> <span class="ft3">(BE.2005.00041).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Die Beschwerdeführerin heiratete am 15. Oktober 1998 in</span><br/> <span class="ft1">ihrer Heimat einen in der Schweiz niedergelassenen Landsmann. Am</span><br/> <span class="ft1">24. April 1999 reiste sie illegal in die Schweiz ein und ersuchte zwei</span><br/> <span class="ft1">Tage später in Basel um Asyl. Bei der Befragung an der Empfangs-</span><br/> <span class="ft1">stelle gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, ihr Ehemann lebe</span><br/> <span class="ft1">mit einer Niederlassungsbewilligung im Kanton Aargau in Oftringen.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der detaillierteren Asyl-Befragung vom 17. Mai 1999</span><br/> <span class="ft1">durch die Fremdenpolizei des Kantons Aargau (heute Migrationsamt)</span><br/> <span class="ft1">wurde die Beschwerdeführerin darauf aufmerksam gemacht, dass der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">461</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kanton Aargau im Falle eines negativen Asylentscheids nicht bereit</span><br/> <span class="ft1">wäre, den Aufenthalt der Beschwerdeführerin zu regeln.</span><br/> <span class="ft1">Einem Schreiben der Fremdenpolizei vom 22. September 1999</span><br/> <span class="ft1">an die Beschwerdeführerin ist zu entnehmen, dass sie zu jenem Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt an der gleichen Adresse wie ihr Ehemann wohnte.</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesamt für Flüchtlinge (heute Bundesamt für Migra-</span><br/> <span class="ft1">tion, BFM) lehnte das Asylgesuch mit Entscheid vom 17. April 2000</span><br/> <span class="ft1">ab und verfügte die Wegweisung der Beschwerdeführerin. Mit Ein-</span><br/> <span class="ft1">gabe vom 3. Mai 2000 reichte der Ehegatte der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">ein Familiennachzugsgesuch ein. In der Folge erteilte die Fremden-</span><br/> <span class="ft1">polizei der Beschwerdeführerin am 15. Juni 2000 eine Jahresaufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung. Diese wurde in der Folge regelmässig verlängert,</span><br/> <span class="ft1">letztmals am 30. April 2004, gültig bis 30. April 2005.</span><br/> <span class="ft1">Das Migrationsamt wies den Ehegatten der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">mit Verfügung vom 5. November 2004 für unbestimmte Dauer aus</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz aus. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechts-</span><br/> <span class="ft1">kraft, worauf sich der Ehegatte per 20. Dezember 2004 nach Serbien</span><br/> <span class="ft1">und Montenegro abmeldete und gleichentags ausreiste.</span><br/> <span class="ft1">Am 25. Mai 2005 verfügte das Migrationsamt, Sektion Verlän-</span><br/> <span class="ft1">gerungen und Massnahmen, die Nichtverlängerung der Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung der Beschwerdeführerin und wies sie an, die Schweiz in-</span><br/> <span class="ft1">nert 60 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen.</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am</span><br/> <span class="ft1">15. Juni 2005 Einsprache. Die Vorinstanz wies diese am 28. Juni</span><br/> <span class="ft1">2005 ab.</span><br/> <span class="ft1">C. Mit Eingabe vom 18. Juli 2005 erhob die Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft1">rin Beschwerde</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 2. b) Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin einen</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf weiteren Verbleib in der Schweiz hat.</span><br/> <span class="ft1">aa) Gemäss Art. 17 Abs. 2 ANAG hat der Ehegatte eines in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz niedergelassenen Ausländers Anspruch auf Erteilung und</span><br/> <span class="ft1">Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, solange die Ehegatten zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">462</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sammen wohnen. Nach einem ordnungsgemässen und ununterbro-</span><br/> <span class="ft1">chenen Aufenthalt von fünf Jahren hat der Ehegatte ebenfalls An-</span><br/> <span class="ft1">spruch auf die Niederlassungsbewilligung.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Vorinstanz geht in ihrem Entscheid davon aus, ein ord-</span><br/> <span class="ft1">nungsgemässer und ununterbrochener Aufenthalt von fünf Jahren</span><br/> <span class="ft1">liege erst dann vor, wenn dem Betroffenen die fünfte Aufenthaltsbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung erteilt worden sei. Nachdem die erste Bewilligung zu Be-</span><br/> <span class="ft1">ginn des Aufenthaltes erteilt wird und der Beschwerdeführerin auf-</span><br/> <span class="ft1">grund von Stellenwechseln bislang insgesamt acht Bewilligungen er-</span><br/> <span class="ft1">teilt wurden, ist offensichtlich, dass die Vorinstanz nicht davon aus-</span><br/> <span class="ft1">ging, es müssten fünf Bewilligungen erteilt worden sein, sondern der</span><br/> <span class="ft1">betroffene Ehegatte müsse während fünf Jahren in der Schweiz mit</span><br/> <span class="ft1">dem hier niedergelassenen Ehegatten zusammengelebt haben. Ohne</span><br/> <span class="ft1">es explizit zu erwähnen, zählt die Vorinstanz aber nur diejenigen</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligungen, die gestützt auf ein Familiennachzugsge-</span><br/> <span class="ft1">such erteilt wurden, dazu.</span><br/> <span class="ft1">cc) Diese Rechtsauffassung der Vorinstanz ist unzutreffend.</span><br/> <span class="ft1">Massgeblich ist gemäss Art. 17 Abs. 2 ANAG einzig, ob der nachge-</span><br/> <span class="ft1">zogene Ehegatte während fünf Jahren ordnungsgemäss und ununter-</span><br/> <span class="ft1">brochen in ehelicher Gemeinschaft mit seinem hier niedergelassenen</span><br/> <span class="ft1">Ehegatten zusammen gewohnt hatte. Dabei ist entgegen der Auffas-</span><br/> <span class="ft1">sung der Vorinstanz nicht relevant, ob der Ehegatte des hier niederge-</span><br/> <span class="ft1">lassenen Ausländers gestützt auf ein Familiennachzugsgesuch in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz weilte oder sich auf einen anderen Aufenthaltstitel stützen</span><br/> <span class="ft1">konnte, auch wenn der Aufenthalt im Rahmen des Familiennachzu-</span><br/> <span class="ft1">ges wohl den Regelfall bildet. Entscheidend ist einzig, dass er sich</span><br/> <span class="ft1">nicht illegal in der Schweiz aufhielt, sondern mit gültiger fremden-</span><br/> <span class="ft1">polizeilicher Anwesenheitsbewilligung (vgl. BGE 2P.108/2001 vom</span><br/> <span class="ft1">2. Mai 2001, E. 2c, S. 2 f.).</span><br/> <span class="ft1">dd) Die Beschwerdeführerin hielt sich ab dem 26. April 1999</span><br/> <span class="ft1">aufgrund ihres Asylgesuches gestützt auf Art. 19 Abs. 1 des Asylge-</span><br/> <span class="ft1">setzes von 1979 bzw. ab dem 1. Oktober 1999 gestützt auf Art. 42</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 des Asylgesetzes (AsylG) vom 26. Juni 1998 rechtmässig in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz auf. Bevor sie die Schweiz aufgrund des abgelehnten</span><br/> <span class="ft1">Asylgesuches per 31. Mai 2000 hätte verlassen müssen, erklärte sich</span><br/> <span class="ft1">die Fremdenpolizei des Kantons Aargau am 5. Mai 2000 bereit, der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">463</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin im Rahmen des Familiennachzugs eine Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung zu erteilen. Spätestens ab dem 22. September 1999,</span><br/> <span class="ft1">wenn nicht gar bereits ab dem 19. Mai 1999, lebte die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin in ehelicher Gemeinschaft mit ihrem Ehemann zusammen,</span><br/> <span class="ft1">der seit dem 12. Dezember 1994 über eine Niederlassungsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung verfügte. Das eheliche Zusammenleben wurde erst mit Ausreise</span><br/> <span class="ft1">des Ehemannes am 20. Dezember 2004 aufgegeben.</span><br/> <span class="ft1">ee) Zusammenfassend steht damit fest, dass sich die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin seit dem 26. April 1999 ordnungsgemäss in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz aufhielt und spätestens vom 22. September 1999 bis am</span><br/> <span class="ft1">20. Dezember 2004 ununterbrochen mit ihrem hier niedergelassenen</span><br/> <span class="ft1">Ehemann zusammenlebte. Die Beschwerdeführerin lebte somit spä-</span><br/> <span class="ft1">testens ab dem 22. September 2004 während fünf Jahren ordnungs-</span><br/> <span class="ft1">gemäss und ununterbrochen in ehelicher Gemeinschaft mit einem</span><br/> <span class="ft1">hier niedergelassenen Ausländer zusammen, weshalb sie seit dem</span><br/> <span class="ft1">22. September 2004 einen Anspruch auf Erteilung einer Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung hat. Dieser Anspruch besteht auch dann, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin ihn (noch) nicht explizit geltend gemacht hat</span><br/> <span class="ft1">(vgl. BGE 2P.108/2001 vom 2. Mai 2001, E. 2c, S. 2 f. und BGE 122</span><br/> <span class="ft1">II 1, E. 1d, S. 4).</span><br/> <span class="ft1">ff) Nur am Rande sei vermerkt, dass der Fremdenpolizei bereits</span><br/> <span class="ft1">bei Einreichung des Asylgesuches bekannt war, dass der Ehemann</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin mit Niederlassungsbewilligung im Kanton</span><br/> <span class="ft1">Aargau lebte. Umso unverständlicher ist es, dass sich die Fremden-</span><br/> <span class="ft1">polizei sowohl gegenüber dem Bundesamt für Flüchtlinge als auch</span><br/> <span class="ft1">gegenüber der Beschwerdeführerin zunächst weigerte, der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin im Falle einer Ablehnung des Asylgesuches eine Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung zu erteilen. Die Fremdenpolizei hätte die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin darauf aufmerksam machen müssen, dass ihr Asylgesuch</span><br/> <span class="ft1">praktisch aussichtslos war, es aber zulässig gewesen wäre, parallel</span><br/> <span class="ft1">zum Asylgesuch, ein Familiennachzugsgesuch einzureichen. Dies</span><br/> <span class="ft1">auch dann, wenn gegenüber dem Ehemann der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">zu diesem Zeitpunkt fremdenpolizeiliche Entfernungsmassnahmen</span><br/> <span class="ft1">erwogen wurden. Spätestens mit Erlass der Verfügung betreffend An-</span><br/> <span class="ft1">drohung der Ausweisung, d.h. am 8. Oktober 1999, war der Fortbe-</span><br/> <span class="ft1">stand der Niederlassungsbewilligung des Ehemannes gesichert und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">464</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familien-</span><br/> <span class="ft1">nachzuges hätte nichts mehr im Wege gestanden.</span><br/> <span class="ft1">c) Nachdem die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf Ertei-</span><br/> <span class="ft1">lung der Niederlassungsbewilligung hat, geht es selbstredend nicht</span><br/> <span class="ft1">an, ihren weiteren Aufenthalt vom Vorliegen eines Härtefalles abhän-</span><br/> <span class="ft1">gig zu machen. Gemäss Ziffer 654 der Weisungen und Erläuterungen</span><br/> <span class="ft1">des Bundesamtes für Zuwanderung, Integration und Auswanderung</span><br/> <span class="ft1">(IMES; heute Bundesamt für Migration, BFM) über Einreise, Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthalt und Arbeitsmarkt (ANAG-Weisungen), an welche sich das</span><br/> <span class="ft1">Migrationsamt regelmässig hält (AGVE 1999, S. 477), ist die Nicht-</span><br/> <span class="ft1">verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach einem ordnungs-</span><br/> <span class="ft1">gemässen und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren nur in</span><br/> <span class="ft1">Erwägung zu ziehen, wenn die Aufenthaltsbewilligung erschlichen</span><br/> <span class="ft1">wurde oder ein Ausweisungsgrund (Art. 7 Abs. 1 ANAG) oder ein</span><br/> <span class="ft1">Verstoss gegen die öffentliche Ordnung (Art. 17 Abs. 1 ANAG) vor-</span><br/> <span class="ft1">liegt. Solches geht aus den Akten jedoch nicht hervor. Unter diesen</span><br/> <span class="ft1">Umständen ist die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">zu verlängern.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>