Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Mai 2018 (720 17 397 / 119) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Die IV-Stelle hat diesen vollständig abge- klärt Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Roman Felix, Advokat, Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1985 geborene A.____ war von März 2004 bis E nde 2009 als Hilfsgipser bei der B.____ AG und anschliessend im Rahmen von diversen Teilzeittätigkeiten für verschiedene Arbeitgeber erwerbstätig. Am 3. März 2014 meldete e r sich bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach ersten medizinischen Abklärungen sprach ihm die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Mitte ilung vom 24. November 2014 Arbeitsver- mittlung zu. Diese wurde am 30. März 2015 beendet, nachdem A.___ um Prüfung des Renten- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht anspruchs ersucht hatte. Die IV-Stelle nahm in der Folge weitere Abklärungen der gesundheitli- chen und der erwerblichen Verhältnisse vor. Gestützt auf d eren Ergebnisse ermittelte sie beim Versicherten einen Invaliditätsgrad von 2 %. Die IV-Ste lle lehnte deshalb nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 24. Oktober 2017 einen Anspruch von A.___ auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Roman Felix, am 27. November 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die ange fochtene Verfügung aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen zu erbringen; unter o/e- Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Prozessführun g und die unentgeltliche Verbeistän- dung mit seinem Rechtsvertreter zu bewilligen seien. C. Mit Verfügung vom 2. Januar 2018 bewilligte das Kantonsgericht dem Beschwerdefüh- rer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vo rliegende Beschwerdeverfahren die un- entgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Ver beiständung mit Advokat Roman Felix als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 26. Januar 2018 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 27. November 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c). 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts Berichte des Haus- arztes Dr. med. C.____, Allgemeine Medizin FMH, und de s Spitals D.____, Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ein. Diesen ist zu entnehmen, dass beim Versicher- ten aus somatischer Sicht hauptsächlich eine seit Jahren b estehende, rezidivierende Fussge- lenk-Problematik, zuletzt vorwiegend links, vorliegt, die mehrfach operativ angegangen wurde, wobei sich mit diesen Eingriffen keine subjektiv befried igende Beschwerdefreiheit erreichen liess. Am 10. November 2014 nahm Dr. med. E.____, Fach arzt für Orthopädische Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, im Rah men einer Kurzbeurteilung zur Frage der Arbeitsfähigkeit des Versicherten Stellung. Dabei gelangte er zur Auffassung, dass dieser seine angestammte Tätigkeit als Hilfsgipser auf Dauer n icht mehr ausüben könne. Zumutbar Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht seien ihm jedoch - und zwar ganztags - wechselbelastende und Sprunggelenksentlastende Tä- tigkeiten, bei denen kein tiefes Abhocken, kein Begehen u nebener Untergründe, kein häufiges Treppen- und Leiternsteigen, keine Arbeiten auf Gerüsten und keine Gewichtsbelastungen über 15 kg erforderlich seien. Nach Eingang weiterer Berich te des Spitals D.____, der Klinik Neuro- logie des Spitals F.____, der Praxis G.____ und von Dr. C.____ unterbreitete die IV-Stelle die Akten ihrem RAD-Arzt Dr. med. H.____, Orthopädische Ch irurgie und Traumatologie des Be- wegungsapparates FMH, zur Beurteilung. Dieser hielt in seinem Bericht vom 21. März 2017 als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein e eingeschränkte Funktion (Belastbar- keit) der Sprunggelenke links und rechts (zuletzt vorwieg end links) fest. Der Versicherte sei deswegen in seiner angestammten Tätigkeit als Hilfsgipse r seit Ende Mai 2013 und auch wei- terhin vollständig arbeitsunfähig. In Bezug auf das Belastungsprofil einer Verweistätigkeit könne auf die Einschätzung von Dr. E.____ vom 10. November 201 4 verwiesen werden, wobei ergän- zend festzuhalten sei, dass die Tätigkeit schwerpunktmässig sit zend ausgeübt werden sollte. Diese Beurteilung gelte grundsätzlich seit Ende Mai 201 3, wobei es bis Ende Oktober 2016 zu verschiedenen behandlungsbedingten Intervallen mit eine r vollständigen Arbeitsunfähigkeit ge- kommen sei. Seit November 2016 sei aber in einer leide nsangepassten Verweistätigkeit, in welcher das vorstehend umschriebene Zumutbarkeitsprofil b eachtet werde, von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. In einer abschliessenden Stellungnahme vom 28. September 2017 hielt Dr. H.____ uneingeschränkt an dieser Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicher- ten fest. 4.2 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten im Wesentlichen auf die Ergebnisse, zu denen der RAD- Arzt Dr. H.____ in seinen Beurteilungen vom 21. März 20 17 und 28. September 2017 gelangt ist. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte se ine bisherige Tätigkeit als Hilfsgip- ser nicht mehr ausüben könne. Hingegen sei ihm die Verri chtung einer leidensangepassten Verweistätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar. Diese vo rinstanzliche Beweiswürdigung ist, jedenfalls soweit es um die Beurteilung der somatischen G esundheitsbeeinträchtigungen des Versicherten geht, nicht zu beanstanden. Wie oben ausgef ührt (vgl. E. 3.3 hiervor), darf ein medizinischer Sachverhalt einzig gestützt auf einen RAD-B ericht beurteilt werden, solange kei- ne - auch nur geringe - Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorliegend besteht keinerlei A nlass, an der Richtigkeit der Einschät- zung des RAD-Arztes Dr. H.____ zu zweifeln. Dieser verfü gt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen, um die Auswirkungen der diagnostiziert en somatischen Gesundheitsbeein- trächtigungen auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu beurteilen (vgl. zu diesem Erforder- nis: Urteil N. des Bundesgerichts vom 26. Januar 2010, 9C_736/2009, E. 2.1), seine Stellung- nahmen setzen sich hinreichend mit den bei den Akten li egenden medizinischen Unterlagen auseinander und er nimmt eine schlüssige Zumutbarkeitsb eurteilung vor. Dazu kommt, dass sich in den Unterlagen keine fachärztlichen Berichte find en lassen, die sich aus somatischer Sicht abweichend zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten i n einer leidensangepassten Verweistä- tigkeit äussern würden. In Anbetracht dieser Aktenlage stellt auch der Versicherte diesbezüglich das Ergebnis der vorinstanzlichen Beweiswürdigung - zu Recht - nicht in Frage. Er anerkennt dieses vielmehr, wenn er in seiner Beschwerde festhält, e s lasse sich „aus rein somatischer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sicht“ wohl nicht beanstanden, dass er „rein theoretisch“ in einer angepassten Verweistätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könnte. 5.1 Die angefochtene Verfügung wird vom Versicherten au s anderen Gründen bean- standet. Er macht hauptsächlich geltend, dass die IV-Stel le den medizinischen Sachverhalt vor Erlass der angefochtenen Verfügung nicht ausreichend abg eklärt habe. Im Hinblick auf die Be- urteilung seines Leistungsanspruchs hätte sie seinen Gesund heitszustand und dessen Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit zusätzlich auch aus psychi atrischer Sicht abklären lassen müs- sen. 5.2 Laut Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG hat der Versicheru ngsträger im Hinblick auf die Er- mittlung des Rentenanspruchs die notwendigen Abklärung en von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die medizi nische Abklärung der objektiven Ge- sundheitsschäden bildet dabei eine unabdingbare gesetzl ich verankerte Voraussetzung für die Zusprache einer Leistung der Invalidenversicherung (Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen M itteln er den rechtserheblichen Sach- verhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat e r einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungs- grundsatz hat der Versicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungs- anspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 360 E. 5b) entscheiden kann (Urteil F. des Bundesgerichts vom 12. März 2010, 9C_28/2010, E. 4.1 mit Hinweisen). 5.3 In seiner Beschwerde weist der Rechtsvertreter des V ersicherten darauf hin, dass die- ser aktenkundig über eine sehr eigeschränkte Intellige nz verfüge. Die fehlenden kognitiven Ressourcen würden den Versicherten stark in seiner Flexibi lität, Umstellungsfähigkeit und Kon- fliktfähigkeit einschränken. Zudem liege laut den Festste llungen des Hausarztes eine ausge- prägte depressive Komponente vor. Diese Umstände würden es dem Versicherten verunmögli- chen, seinen Beruf zu wechseln oder sich gar umschulen zu lassen. Die IV-Stelle habe es un- terlassen, sich mit dieser psychiatrischen Problematik zu be fassen. Sie sei demnach ihrem ge- setzlichen Abklärungsauftrag nur ungenügend nachgekommen, weshalb die Angelegenheit zur Vornahme entsprechender psychiatrischer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen sei. 5.4 Zur Frage, ob beim Beschwerdeführer vom Vorliegen einer - allenfalls weiter abklä- rungsbedürftigen - psychiatrischen Problematik auszugehen ist, lässt sich den medizinischen Akten Folgendes entnehmen: Die RAD-Ärztin I.____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe- rapie und Fachärztin für Neurologie, führt in ihrer S tellungnahme vom 29. September 2014 im Zusammenhang mit einem allfälligen Anspruch auf berufl iche Massnahmen aus, der Versicher- te wirke einfach strukturiert und er sei - bei fehlend en kognitiven Ressourcen - sehr einge- schränkt in seiner Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, auch sei er wenig konfliktfähig. Diese Punkte sollten unbedingt bei allfälligen beruflichen Massnahmen berücksichtigt werden. Aus psychiatrischer Sicht wäre eventuell ein begleitendes Coac hing angezeigt, um diese Defizite auszugleichen. Dr. C.____, der Hausarzt des Versicherten, beschreibt in seinem Bericht vom Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Juli 2015 „den Beginn einer depressiven Entwicklung d urch die lange Krankheitszeit, durch die Arbeitsunfähigkeit und durch das Zerbrechen des so zialen Umfeldes.“ Sodann hält Dr. C.____ in seinem Schreiben vom 19. September 201 7 an den Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers fest, beim Versicherten bestehe eine aus geprägte depressive Komponente. Es bestünden weiterhin Beeinträchtigungen im Bereich des Sprunggelenks, die Gegenstand medizinischer Behandlung seien. Nebst dieser Problemati k sei zusätzlich zu beachten, dass das gesamte Beziehungsnetz des Versicherten in die Brüche gegangen sei. Zudem kämpfe er mit bürokratischen und juristischen Hürden, die drohende IV-Ablehnung „demoliere“ noch mehr seine Zukunftsperspektiven und er sei eigentlich recht verzweifelt. Insgesamt liege ein „kumula- tives Schlamassel“ vor. 5.5 Wie die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung zutreffe nd geltend macht, ergibt sich aus den vorstehend geschilderten Arztberichten kein Bedarf na ch zusätzlichen psychiatrischen Ab- klärungen oder gar nach einer fachärztlichen psychiatrische n Begutachtung. Der RAD-Arzt Dr. H.____ weist in seiner abschliessenden Stellungnahme vom 28. September 2017 zu Recht darauf hin, dass den von der RAD-Ärztin I.____ aufgefü hrten Persönlichkeitsmerkmalen („ein- fach strukturiert“, „sehr eingeschränkt in der Flexibilit ät und Umstellungsfähigkeit“) in versiche- rungsmedizinischer Hinsicht kein relevanter Krankheitswert zukommt. Was die laut Dr. C.____ vorliegende „ausgeprägte depressive Komponente“ betrifft, gilt es festzuhalten, dass es sich bei der genannten Umschreibung nicht um eine fachärztlich-psych iatrische Diagnosestellung han- delt. Auffallend ist sodann, dass diese depressive Kompon ente, obwohl sie in „ausgeprägter“ Weise vorliegen soll, bis anhin offenbar noch keine f achärztliche psychiatrische Abklärung oder gar eine psychiatrische Behandlung erforderlich gemacht hat. Dass eine solche trotz des bereits im Juli 2015 festgehaltenen Beginns der „depressiven Entwicklung“ bis anhin eingeleitet worden wäre, lässt sich jedenfalls weder den Akten entnehmen no ch wird dies vom Versicherten gel- tend gemacht. Zu berücksichtigen ist sodann, dass Dr. C._ ___ in seinem Schreiben vom 19. September 2017 nebst der ausgeprägten depressiven Komponente vor allem psychosoziale Belastungsfaktoren wie „das in die Brüche gegangene ge samte Beziehungsnetz“, die fehlende berufliche Perspektive oder die drohende IV-Ablehnung anführt, die hauptsächlich für das aktu- elle - von ihm so bezeichnete - „kumulative Schlammassel“ des Versicherten verantwortlich sein dürften. Wie auch die IV-Stelle zu Recht festhält, kommt aber solchen belastenden psychosozi- alen Faktoren im Kontext der rentenmässig abzugeltende n psychischen Leiden kein Krank- heitswert zu (vgl. dazu E. 2.3 hiervor). Ebenfalls nich ts zu seinen Gunsten ableiten kann der Beschwerdeführer schliesslich mit dem Einwand, der RAD-A rzt Dr. H.____ sei als Facharzt für Orthopädische Chirurgie wenig befähigt, die Notwendig keit einer psychiatrischen Abklärung zu beurteilen. Wie vorstehend ausgeführt, lässt sich den Be richten der RAD-Psychiaterin I.____ und des Hausarztes Dr. C.____ keine fachärztlich (psychiatri sch) gestellte Diagnose entneh- men. Ebenso hat Dr. C.____ bis anhin offenbar keine f achärztliche psychiatrische Abklärung oder gar Behandlung als erforderlich erachtet (und in die Wege geleitet). Vor diesem Hinter- grund war der RAD-Arzt Dr. H.____, welcher für die I V-Stelle in erster Linie den medizinischen Sachverhalt aus somatischer Sicht zu beurteilen hatte, zweifellos auch als nicht-psychiatrischer Facharzt durchaus in der Lage, die Notwendigkeit zusätzlich er psychiatrischer Abklärungen abzuschätzen und eine solche zu verneinen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV-S telle den Gesundheitszu- stand und die Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu Recht nicht zusätzlich aus psychiatrischer Sicht hat abklären lassen. Somit kann entgegen der Auffa ssung des Beschwerdeführers viel- mehr festgehalten werden, dass die IV-Stelle den medizi nischen Sachverhalt vor Erlass der rentenablehnenden Verfügung ausreichend abgeklärt hat. Sie durfte sich demnach bei der Be- urteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten abschlie ssend auf die Ergebnisse stützten, zu denen der RAD-Arzt Dr. H.____ in seinen Beurteilungen vom 21. März 2017 und 28. September 2017 gelangt ist. 6.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 6.2 Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 24. Oktober 2017 den erforderli- chen Einkommensvergleich vorgenommen. Da der Versicherte seit Eintritt der Gesundheits- schädigung keine ihm zumutbare leidensadaptierte Verwe istätigkeit ausübt, hat die IV-Stelle das Invalideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabelle nlöhne der Schweizerischen Lohn- strukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik festg esetzt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Auf diese Weise hat sie - auf der Basis einer durch den RAD-Arzt Dr. H.____ attestierten vollständig en Arbeitsfähigkeit in einer leidensadap- tierten Verweistätigkeit - ein zumutbares Invalidenei nkommen von Fr. 66‘652.-- errechnet. An- schliessend hat sie diesen Betrag dem Valideneinkommen vo n Fr. 68‘260.-- gegenüber gestellt und so einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 2 % ermittelt. Die konkrete Berech- nung, die vom Versicherten in der vorliegenden Beschwe rde nicht beanstandet worden ist, er- weist sich als rechtens. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Erörterungen zum vor- instanzlichen Einkommensvergleich abgesehen und stattdesse n auf die entsprechenden Aus- führungen der IV-Stelle in der genannten Verfügung verwiesen werden. 7.1 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die IV-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 24. Oktober 2017 einen Rentenanspru ch des Versicherten zu Recht abge- lehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 7.2 Zu ergänzen bleibt Folgendes: Sowohl in den medi zinischen Unterlagen als auch in den Ausführungen des Rechtsvertreters wird auf „fehlende kognitive Ressourcen“ des Versi- cherten hingewiesen. Offenbar hat er deswegen Schwieri gkeiten, sich in geeigneter Weise um eine einfach strukturierte, zumutbare Verweistätigkeit ausserhalb seines bisherigen Betäti- gungsfeldes zu bemühen, geschweige denn eine entsprech ende Arbeitsstelle zu finden. Im Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wissen um diese Problematik hat denn auch Dr. C.____ in seinem Schrieben vom 19. Septem- ber 2017 das Anliegen geäussert, dass dem Versicherten seh r gedient wäre, wenn ihm die IV- Stelle helfen würde, eine geeignete Erwerbstätigkeit zu finden. Wohl nicht zuletzt als Reaktion auf diesen Hinweis des Hausarztes hat die IV-Stelle dem Versicherten in ihrer Vernehmlassung vom 26. Januar 2018 explizit eine Unterstützung in Form von Arbeitsvermittlung in Aussicht gestellt und ihn darauf hingewiesen, dass er sich jeder zeit an die IV-Stelle wenden könne, falls er eine solche wünsche. Der Versicherte ist deshalb auch a n dieser Stelle nochmals ausdrück- lich auf diese Möglichkeit bzw. auf die entsprechende Ber eitschaft der IV-Stelle aufmerksam zu machen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun aller- dings mit Verfügung vom 2. Januar 2018 die unentgel tliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 2. Januar 2018 die unentgeltliche Ver- beiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des B eschwerdeführers hat in seiner Honorar- note vom 13. März 2018 für das vorliegende Verfahren e inen Zeitaufwand von 4,55 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 40.90. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘026.40 (4,55 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 40.90 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer auf Fr. 750.90 bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer auf Fr. 200.--) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘026.40 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer a uf Fr. 750.90 bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer auf Fr. 200.--) aus der Geri chtskasse aus- gerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht