200 21 10 ALV FUR/SCC/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil der Einzelrichterin vom 4. März 2021 Verwaltungsrichterin Fuhrer Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero A.________ Beschwerdeführer gegen Arbeitslosenkasse Unia Monbijoustrasse 61, Postfach 3398, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2020 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1977 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer), ..., arbeitete vom 15. August 2016 bis 30. Juni 2020 in einem Pensum von 35 % für die B.________ AG, ... (Arbeitgeberin; Akten der Arbeitslosenkasse, [act. II] 82 f., 119, 128). Nachdem der Versicherte die Arbeitsstelle gekün- digt hatte (act. II 98, 105 ff.) meldete er sich am 30. Juni 2020 beim Regio- nalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (act. II 128) und stellte am 27. Juli 2020 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Juli 2020 (act. II 75 f.). Die Arbeitslosenkasse Unia (Unia bzw. Be- schwerdegegnerin) holte Stellungnahmen des Versicherten (act. II 105 ff., 110 f.) und der Arbeitgeberin (act. II 70) den Kündigungsgrund betreffend ein. Mit Verfügung vom 10. August 2020 stellte die Unia den Versicherten wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Juli 2020 für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein (act. II 64 ff.). Hiergegen erhob der Versicherte Einsprache (act. II 38, 46). Nach Einreichung einer Kopie eines Strafantrages, welche der Versicherte bei der Staatsanwalt- schaft ... erhoben hatte (act. II 32 ff., 36), sistierte die Unia das Einsprache- verfahren (act. II 30 f.). Als weder ein strafrechtliches noch ein arbeitsrecht- liches Verfahren erfolgten (act. II 23-26), erliess die Unia den Einspra- cheentscheid vom 22. Dezember 2020, in welchem sie die Sistierung des Einspracheverfahrens aufhob und die Einsprache abwies (act. II 18 ff.). B. Mit Eingabe vom 5. Januar 2021 erhob der Versicherte beim Verwaltungs- gericht des Kantons Bern Beschwerde. Er beantragte sinngemäss die Auf- hebung des angefochtenen Entscheids und damit der 31 Einstelltage. Mit Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2021 schloss die Unia auf Abwei- sung der Beschwerde.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 der Verordnung vom 31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmun- gen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Ver- waltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der die Verfügung vom 10. August 2020 (act. II 64 ff.) bestätigende Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2020 (act. II 18 ff.). Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht im Umfang von 31 Tagen in der Anspruchsbe- rechtigung auf Arbeitslosenentschädigung eingestellt hat. 1.3Da der Streitwert bei einer Einstelldauer von 31 Tagen unter Fr. 20'000.-- liegt (Fr. 91.65 [act. II 59 f.] x 31 = Fr. 2'841.15), fällt die Beur- teilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 1 GSOG). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 4 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Der Tatbestand der selbst verschuldeten Arbeitslosigkeit er- fasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslosigkeit zu vermeiden, bedeuten (ARV 2014 S. 147 E. 3.1). Die Arbeitslosigkeit gilt insbesondere dann als selbstverschuldet, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Ver- bleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.2Von einer freiwilligen Preisgabe der Beschäftigung im Sinne einer Selbstkündigung kann gemäss den massgebenden staatsvertraglichen Bestimmungen dann nicht gesprochen werden, wenn eine versicherte Per- son die Beschäftigung nicht von sich aus aufgibt, sondern vom Arbeitgeber oder durch die Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall, da die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag (BGE 124 V 234 E. 4b aa S. 238; ARV 2009 S. 265 E. 2.2). 2.3Nach der Rechtsprechung ist bei der Prüfung der Frage, ob der ver- sicherten Person ein Verbleiben am bisherigen Arbeitsplatz nicht mehr zu- mutbar gewesen sei, ein strenger Massstab anzulegen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323 E. 1). Dass die Art der Beschäftigung oder das Betriebsklima den Wünschen der versicherten Person nicht entsprochen haben, genügt zur Annahme der Unzumutbarkeit nicht (ARV 1986 S. 95 E. 2). Auch ein gespanntes Verhältnis zu Vorgesetzten oder Mitarbeiterinnen und Mitarbei- tern des früheren Arbeitgebers begründet für sich allein keine Unzumutbar- keit (BGE 124 V 234 E. 4b bb S. 239; ARV 1986 S. 92 E. 2b; Entscheid des BGer vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 2).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 5 2.4Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein ein- deutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Be- weismittel) belegt sein, wobei die Zumutbarkeit zum Verbleiben strenger beurteilt wird als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b bb S. 238; ARV 2009 S. 265 E. 2.2; Entscheid des BGer vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 2 und E. 4.3). 3. 3.1Aufgrund der Akten ist erstellt und auch unbestritten, dass der Be- schwerdeführer das seit Mitte August 2016 bestehende (unbefristete) Ar- beitsverhältnis mit der B.________ AG am 5. März 2020 per 31. Juli 2020 kündigte (act. II 82, 105 ff., 119), ohne dass ihm eine andere Stelle zugesi- chert war. Es liegen gestützt auf die Akten keine Hinweise vor, dass die Arbeitgeberin ihn gezwungen hätte, von sich aus zu kündigen; entspre- chendes wird auch nicht geltend gemacht. Vielmehr gab der Beschwerde- führer – im Rahmen des ihm gewährten rechtlichen Gehörs – in einer (un- datierten) Stellungnahme an, „dass ich auf eigenen Wunsch den Betrieb verlassen habe“ (act. II 110). Damit begründet die Kündigung durch den Beschwerdeführer grundsätzlich eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV (vgl. E. 2.1 hiervor). 3.2Zu prüfen bleibt die Frage, ob der Beschwerdeführer für das Verlas- sen der Arbeitsstelle legitime Gründe zu nennen vermag (vgl. E. 2.2 hier- vor), denn eine Einstellung in der seit 1. Juli 2020 bestehenden Anspruchs- berechtigung auf Arbeitslosenentschädigung entfällt nur dann, wenn dem Beschwerdeführer das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht mehr zumutbar war. Er führt beschwerdeweise als Begründung für die Selbstkündigung an, es hätten Mobbing-Vorfälle vorgelegen und dies sei der Arbeitgeberin – entgegen ihrer Angaben im Verwaltungsverfahren – bekannt gewesen. Den Akten ist im Wesentlichen Folgendes zu entnehmen: 3.2.1Anlässlich der Sitzung des Teams vom 9. März 2018 wurde u.a. protokolliert, es sei im Team betreffend Einhaltung des Leitbilds zu Entglei- sungen gekommen, die Kommunikation sei „hinten herum gelaufen“, man Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 6 habe übereinander statt miteinander gesprochen, es sei zu mobbingartigen Verhalten gekommen, die Situation sei völlig aus dem Ruder gelaufen (act. II 49 S. 3 Ziff. 4). 3.2.2In der Notiz vom 27. Januar 2020 aufgrund eines Gesprächs zwi- schen dem Beschwerdeführer, der Vorgesetzten und der Betriebsleiterin wurde festgehalten, nach Aussage des Beschwerdeführers habe die Vor- gesetzte das Mitarbeitergespräch (MAG) im November 2019 mit den Wor- ten begonnen, „ich habe Probleme mit dir, die müssen wir besprechen“. Er finde diesen Einstieg ungeeignet und nicht wertschätzend. Die Aussage auf dem Zielvereinbarungsblatt „erledigt seine Aufgaben zufriedenstellend“ finde er unbegründet und vermute, diese Beurteilung beruhe auf der Kritik einer Arbeitskollegin. Damit sei er nicht einverstanden. Er habe bei allen mit ihm zusammenarbeitenden Kolleginnen nachgefragt, wie sie die Zu- sammenarbeit mit ihm erlebten. Das Feedback sei von Allen positiv gewe- sen, mit Ausnahme der Arbeitskollegin. Er möchte, dass mindestens gut statt zufriedenstellend im MAG-Protokoll stehe. Er wünsche sich mehr Wertschätzung von seiner Vorgesetzten (act. II 53). 3.2.3Im Kündigungsschreiben vom 5. März 2020 zuhanden der Arbeitge- berin führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, anlässlich eines MAG im November 2019 sei er mit den Worten empfangen worden: „Ich habe ein Problem mit dir und wir müssen jetzt schauen, ob und wie wir das jetzt miteinander lösen“; es sei ihm vorgeworfen worden, dass eine Arbeits- kollegin sich beschwert habe, er würde nicht gut arbeiten (act. II 105). Er habe argumentiert, er stelle stets seine Hilfe zur Verfügung, was er ge- genüber den Arbeitskolleginnen auch so kommuniziere. Er habe das Ge- sprächsprotokoll mit der Beurteilung erhalten, dass er zufriedenstellend arbeite und mit seiner Arbeit zufrieden sei. Dieses habe er ergänzt mit der Bitte, zukünftig konstruktivere Kritik zu erhalten, damit er auch wisse, was nicht gut sei und somit die Möglichkeit zur Verbesserung habe (act. II 106). Anlässlich des Gesprächs mit der vorgesetzten Person und der Betriebslei- terin am 27. Januar 2020 habe er mitgeteilt, dass er sich in der Zwischen- zeit bei seinen Kolleginnen ein Feedback eingeholt habe. Er sei der Mei- nung gewesen, dass er nach den Mobbingvorfällen im Frühjahr 2018 einen „guten Draht“ zur Arbeitskollegin hätte und habe sich enttäuscht gezeigt, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 7 dass diese wohl weiterhin schlecht über ihn rede und ebenso, dass die Vorgesetzte ihr hierfür eine Plattform biete, was nicht im Sinne des Leitbil- des sei. Er habe das MAG alles andere als wertschätzend empfunden, sondern vielmehr als „Retourkutsche“ für seine Kritik an der Vorgesetzten (act. II 107). 3.2.4In der (undatierten) Stellungnahme bezüglich seiner Kündigung führte der Beschwerdeführer aus, er sei in den letzten Monaten von einer Arbeitskollegin, welche mit ihm im …dienst gearbeitet habe, gemobbt wor- den. Er habe dies mehrfach mit seinen Vorgesetzten thematisiert, jedoch hätten diese keine Veranlassung gesehen zu handeln. Auch sei ihm wie auch anderen Mitarbeitenden so gut wie keine Wertschätzung entgegen- gebracht worden (act. II 110). 3.2.5Die Arbeitgeberin führte in der Stellungnahme vom 29. Juli 2020 auf Nachfragen der Beschwerdegegnerin aus, der Betriebsleitung sei kein Mobbing-Fall seitens des Beschwerdeführers bekannt. Er sei mit einer zu- friedenstellenden Beurteilung von seiner Vorgesetzten vom November 2019 nicht einverstanden gewesen, woraus sich am 27. Januar 2020 eine Aussprache mit der Vorgesetzten und der Betriebsleiterin gemäss des Jah- resmottos „…“ ergeben habe. Diese Aussprache habe der Beschwerdefüh- rer ganz plötzlich verlassen, es liege eine Gesprächsnotiz vor. In diesem Gespräch und den darauffolgenden E-Mails sei nie die Rede von Mobbing gewesen. Der Beschwerdeführer habe das Thema Mobbing nicht ange- sprochen. Es hätte bei der Planung Möglichkeiten gegeben, dass der Be- schwerdeführer keinen …dienst mit der Kollegin hätte ausführen müssen, dies sei jedoch von ihm nicht gewünscht worden. Der Begriff Mobbing o.ä. sei nicht gefallen (act. II 70). 3.3Der Beschwerdeführer spricht im Kündigungsschreiben vom 5. März 2020 von einem MAG, welches aus seiner Sicht unbefriedigend verlaufen sei (act. II 106). Auch ein weiteres Gespräch am 27. Januar 2020 mit der Vorgesetzten und der Betriebsleiterin empfand er nicht als zielführend und wertschätzend, weshalb er in der Folge seine Arbeitsstelle kündigte (act. II 105 ff.). Den Akten ist zu entnehmen, dass unterschiedliche Betrachtungs- weisen über die (verschiedenen) Vorkommnisse vorliegen: U.a. habe sich – laut Gesprächsnotiz vom 27. Januar 2020 – die Vorgesetzte für die Wort-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 8 wahl beim MAG, welche der Beschwerdeführer beanstandete, entschuldigt (act. II 53); während der Beschwerdeführer im Kündigungsschreiben vom 5. März 2020 wiederum anführte, die Vorgesetzte habe keine Entschuldi- gung vorgebracht (act. II 107). Laut Gesprächsnotiz vom 27. Januar 2020 habe die Vorgesetzte betont, die Einschätzung im MAG, wonach die Leis- tung „zufriedenstellend“ sei, habe auf einem Gesamtbild beruht, d.h. auf Rückmeldungen verschiedener Personen (act. II 54). Der Beschwerdefüh- rer beanstandete demgegenüber im Kündigungsschreiben vom 5. März 2020, dass eine Kollegin über ihn schlecht geredet habe, was sich seiner Meinung nach in der Beurteilung im MAG wiedergespiegelt habe (act. II 106) und spricht von einer (wiederkehrenden) Mobbing-Situation (Be- schwerde S. 2). Die Beschwerdegegnerin wiederum gibt in der Stellung- nahme vom 29. Juli 2020 an, es sei das Thema Mobbing beim MAG bzw. bei der Aussprache am 27. Januar 2020 nicht angesprochen worden (act. II 70). Richtig ist, dass von einem mobbingartigem Verhalten und ungenü- gender Kommunikation einzig bei einer Sitzung des Teams vom 9. März 2018 gesprochen worden war (act. II 49). Der Beschwerdeführer stellte die Vermutung auf wegen der von ihm als wenig wertschätzend empfundenen Beurteilung im MAG, dass diese auf einer Aussage einer Arbeitskollegin beruht habe, was die Vorgesetzte verneinte (act. II 54, 107). Mit den er- wähnten Kündigungsgründen der angeblich mangelnden Akzeptanz durch eine Arbeitskollegin („zeigte mich enttäuscht“, dass die Arbeitskollegin „wohl weiterhin schlecht über mich redet“ [act. II 107]) und der geltend ge- machten mangelnden Wertschätzung durch die Vorgesetzte („dass ich das MAG als alles andere als wertschätzend empfunden habe, sondern es viel mehr als Retourkutsche“ für seine Kritik an der Vorgesetzten empfunden habe [act. II 107]), spricht der Beschwerdeführer Spannungen, insbesonde- re mögliche Differenzen mit einer Arbeitskollegin, mit welcher er jedoch nur sehr wenige Nächte zusammengearbeitet habe (vgl. act. II 107), und ein aus seiner Sicht ungünstiges Arbeitsklima an, was jedoch keine Unzumut- barkeit des (zumindest vorübergehenden) Verbleibens am Arbeitsplatz zu begründen vermag; hätte er doch, trotz der (seit längerem bestehenden) Spannungen mit einer Arbeitskollegin (vgl. act. II 54) mindestens vorüber- gehend bis zum Auffinden einer neuen Stelle das Arbeitsverhältnis auf- rechterhalten können.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 9 3.4Auch wenn mit Blick auf die Angaben des Beschwerdeführers der Entschluss zur Selbstkündigung aus seiner Optik verständlich erscheint, so ist doch im vorliegend allein massgebenden, arbeitslosenversicherungs- rechtlichen Kontext festzuhalten, dass es ihm im Lichte der aktenmässig dokumentierten Umstände zumutbar gewesen wäre, das Arbeitsverhältnis erst zu kündigen, wenn er eine neue Stelle zugesichert gehabt hätte. Mit Blick auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden (Beschwerde S. 2) ist zudem festzuhalten, dass kein ärztli- ches Zeugnis vorliegt, welches die Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz belegen würde. Die Beschwerdegegnerin hatte den Beschwer- deführer bereits im Rahmen des gewährten rechtlichen Gehörs am 13. Juli 2020 aufgefordert, allenfalls den Fragebogen durch seinen Arzt ausfüllen zu lassen, sollte er gesundheitliche Gründe geltend machen (act. II 114). Der Beschwerdeführer gab in seiner (undatierten) Stellungnahme einerseits an, er sei in den Monaten März und April 2020 schwer erkrankt, anderer- seits führte er aus, das Arbeitsverhältnis sei nicht aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst worden (act. II 110). Es ist möglich, dass sich die Um- stände (Spannungen mit den Vorgesetzten und einer Arbeitskollegin sowie die angegebene mangelnde Wertschätzung) negativ auf die Gesundheit des Beschwerdeführers ausgewirkt haben. Dies wurde von ihm nicht be- legt, hat er doch weder im Verwaltungsverfahren noch beschwerdeweise ein entsprechendes ärztliches Attest eingereicht (vgl. E. 2.2 vorne). In An- betracht der geltenden Rechtsprechung, wonach für die Beurteilung der Frage nach der Unzumutbarkeit eines Verbleibens am bisherigen Arbeits- platz ein strenger Massstab anzulegen ist, hat der Beschwerdeführer seine Pflicht, Arbeitslosigkeit zu verhindern, durch seine Selbstkündigung dem- nach verletzt, womit der Tatbestand der selbstverschuldeten Arbeitslosig- keit erfüllt ist (vgl. E. 2.1 f.). 4. Zu prüfen bleibt, ob die Dauer der Einstellung dem Verschulden des Be- schwerdeführers angemessen ist.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 10 4.1Nach Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV (bis 31. März 2011 aArt. 45 Abs. 3 AVIV) liegt unter anderem ein schweres Verschulden vor, wenn die versi- cherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben hat. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet die Kasse nach pflichtgemässem Ermessen. Das Sozialversicherungsgericht darf sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund anstelle desjenigen der Verwaltung setzen; die Rekurs- behörde muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, welche ihre abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen las- sen (BGE 123 V 150 E. 2 S. 152; ARV 2006 S. 230 E. 2.1). Bei Einstellungen nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV kann Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV (bis 31. März 2011 aArt. 45 Abs. 3 AVIV) lediglich die Regel bilden, von welcher beim Vorliegen besonderer Umstände im Einzelfall abgewi- chen werden darf. Insoweit ist das Ermessen von Verwaltung und Sozial- versicherungsrichter nicht auf eine Einstellungsdauer im Rahmen eines schweren Verschuldens beschränkt, sondern lässt auch eine mildere Sank- tion zu (ARV 2005 S. 216 E. 2.3.1; vgl. auch BGE 130 V 125 E. 3.4.3 f. S. 130; SVR 2006 ALV Nr. 5 S. 16 E. 2.3). 4.2Vorliegend wurde eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Umfang von 31 Tagen verfügt, was der minimal möglichen Sanktion im Bereich des schweren Verschuldens entspricht (Art. 45 Abs. 3 lit. c AVIV; vgl. AVIG-Praxis ALE, Rz. D75 1.D [Oktober 2011]). Die Aufgabe einer zumutbaren Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen ist denn auch grundsätzlich als schweres Verschulden zu werten (Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV). Mit Blick auf die gesamten Umstände besteht vorliegend keine Ver- anlassung in das Ermessen der Verwaltung einzugreifen, um eine mildere Sanktion auszusprechen (vgl. E. 4.1 hiervor). 4.3Der Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2020 (act. II 18 ff.) ist nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuwei- sen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. März 2021, ALV/21/10, Seite 11 5. 5.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 f bis ATSG (Um- kehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu er- heben. 5.2Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par- teientschädigung (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr- schluss]). Demnach entscheidet die Einzelrichterin: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - A.________ - Arbeitslosenkasse Unia - Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst - Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.