Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. August 2019 (715 18 161 / 208) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Aufhebungsvereinbarung, Verzicht auf den gesetzlichen Kündigungsschutz verneint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Pascal Acr émann Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1991 geborene A.____ war seit dem 1. März 201 5 bei der B.____ als Store Agent angestellt. Am 21. August 2017 wurde das Arbeitsverhäl tnis wegen der bevorstehenden Schliessung der Filiale im gegenseitigen Einvernehmen per 30. November 2017 aufgelöst und A.____ ab dem 1. November 2017 von der Erbringung we iterer Arbeitsleistungen freigestellt. Am 28. August 2017 meldete er sich beim Regionalen Ar beitsvermittlungszentrum X.____ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 26. Sept ember 2017 bei der Öffentlichen Ar- beitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Ar beitslosenentschädigung ab dem 1. Dezember 2017. Vom 13. November 2017 bis 8. Ja nuar 2018 war der Versicherte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht krankheitsbedingt arbeitsunfähig. Mit Verfügung Nr. 14 0/2018 vom 11. Januar 2018 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ ab dem 1. Dezember 2017 wegen s elbstverschuldeter Arbeitslosig- keit für 24 Tage in der Anspruchsberechtigung ein, da er mit der Aufhebungsvereinbarung auf die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses nach Art. 336c Abs. 1 lit. b des Schweizerischen Obligationenrechts (OR) vom 30. März 1911 verzichtet hab e. Mit Entscheid vom 24. April 2018 hiess die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Indu strie, Gewerbe und Arbeit Basel- Landschaft (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkass e, die vom Versicherten gegen die Verfügung vom 11. Januar 2018 erhobene Einsprache ins ofern teilweise gut, als sie die Ein- stelldauer auf 16 Tage reduzierte. B. Hiergegen erhob A.____ am 7. Mai 2018 Beschwerde b eim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei er die Aufhebung des Einspracheenscheids vom 24. April 2018 beantragte. C. Die Arbeitslosenkasse schloss in ihrer Vernehmlassung vom 18. Juli 2018 auf Abwei- sung der Beschwerde. D. Am 1. August 2018 teilte der Beschwerdeführer dem Kantonsgericht mit, dass er am 8. Juni 2018 beim Zivilgericht Basel-Stadt ein Schlicht ungsgesuch eingereicht habe. Er bean- tragte, das vorliegende Verfahren bis zur rechtskräftigen Erledigung der arbeitsrechtlichen Strei- tigkeit zu sistieren. In ihrer Stellungnahme vom 7. S eptember 2018 erklärte sich die Beschwer- degegnerin mit diesem Vorgehen einverstanden, worauf die instruierende Präsidentin des Kan- tonsgerichts das Verfahren mit Verfügung vom 10. September 2018 sistierte. E. Nachdem der Beschwerdeführer am 21. März 2019, 7. Ma i 2019 und 13. Juni 2019 erfolglos aufgefordert wurde, das Kantonsgericht über den Stand des arbeitsrechtlichen Verfah- rens zu orientieren, wurde die Sistierung des Verfahre ns mit Verfügung vom 22. Juli 2019 auf- gehoben und der Fall dem Präsidium zur Beurteilung überwiesen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend kam der Beschwerdeführer seinen Kontrollpflichten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu b ejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess ordnung (VPO) vom 16. Dezem- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsg ericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Ver sicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte B eschwerde vom 7. Mai 2018 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO (in der ab 1. Januar 2019 g eltenden Fassung) entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherun gsrecht des Kantonsgerichts Streitig- keiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall sind eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Umfang von 16 Tagen bei einem Tag- geld von Fr. 175.40 und damit ein Streitwert von Fr. 2‘806.40 zu beurteilen. Über die Beschwer- de ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (THOMAS NUSSBAUMER , in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundes- verwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicher ung, Basel/Genf/München 2007, S. 2423). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG ist der Versicher te in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn er zu Lasten der Versicherung auf Loh n- oder Entschädigungsansprüche gegenüber seinem bisherigen Arbeitgeber verzichtet hat . Demgegenüber ist eine versicherte Person gemäss Art. 30 Abs.1 lit. a AVIG in der Anspruchs berechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Selbstve rschuldete Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufge- löst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses „im gegenseitigen Einvernehmen “ gilt aus der Sicht des Arbeitslosen- versicherungsrechts grundsätzlich als Auflösung des Arbeitsve rhältnisses durch den Arbeit- nehmer (ARV 1979 Nr. 23). Nach ständiger Rechtsprechun g ist aber zu prüfen, ob eine versi- cherte Person unmissverständlich vor die Wahl gestellt wor den ist, selber zu kündigen (bzw. das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen) oder aber die Kündi- gung der Arbeitgeberin entgegen zu nehmen (B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Auflage, S. 209). 2.3 Wer eine Kündigung akzeptiert, welche die gesetzlich e Kündigungsfrist missachtet, verzichtet nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht auf Lohnansprüche, sondern auf die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses. Ein solches V erhalten kann den Tatbestand der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit erfüllen. Liegt jedoch keine einvernehmliche vorzeitige Auf- lösung des Arbeitsverhältnisses vor, verbleibt für die A nwendung von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (in Verbindung mit Art. 44 lit. b AVIV) kein Raum (U rteil des Bundesgerichts vom 8. März 2013, 8C_765/2012, E. 2.4). Verlängert sich das Arbeitsverhältnis, weil die Kündigungsfrist durch eine Sperrfrist unterbrochen wurde, bestehen die bisherige n vertraglichen und gesetzlichen Rechte und Pflichten der Parteien unverändert fort. Der Arbe itnehmer ist nach wiedererlangter Arbeits- fähigkeit zur Leistung von Arbeit im Dienste des Arbei tgebers und dieser zur Entrichtung des Lohns verpflichtet. Kommt er seiner Arbeitspflicht nic ht nach, und liegen keine anerkannten Verhinderungsgründe vor, so gerät er wegen Nichterfüllung des Vertrags in Verzug. Der Arbeit- geber kann in diesem Fall für die Dauer der fehlenden Arbeitsleistung den Lohn verweigern. Steht einem Arbeitnehmer kein Lohn zu, kann mangels An spruch nicht von einem Lohnverzicht im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG gesprochen w erden. Dagegen stellt sich allenfalls die Frage, ob selbstverschuldete Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG vorliegt, weil der Arbeitnehmer die Gelegenheit zur Weiterarbe it nicht wahrgenommen hat (vgl. ARV 1989 N 5 S. 78 ff.). 2.4 Gemäss Art. 336c Abs. 1 lit. b OR darf der Arbeitg eber nach Ablauf der Probezeit das Arbeitsverhältnis nicht kündigen, wenn der Arbeitnehm er ohne eigenes Verschulden durch Krankheit oder Unfall ganz oder teilweise an der Arb eitsleistung verhindert ist (1. Satzteil). Die Kündigung, die während dieser Sperrfrist erklärt wird, ist nichtig. Erfolgt die Kündigung dagegen vor Beginn einer solchen Frist, ist aber die Kündigungs frist bis dahin noch nicht abgelaufen, so wird deren Ablauf unterbrochen und erst nach Beendigun g der Sperrfrist fortgesetzt (Art. 336c Abs. 2 OR). Diesfalls ruht die Kündigungsfrist während der Sperrfrist und ihr Endtermin ver- schiebt sich (THOMAS GEISER , Kündigungsschutz bei Krankheit, in: AJP 5/96, S. 552). Die Dau- er der Sperrfrist beträgt im ersten Dienstjahr 30 Tage , ab dem 2. bis 5. Dienstjahr 90 Tage und ab dem 6. Dienstjahr 180 Tage (vgl. Art. 336c Abs. 1 lit. b OR). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichts- beschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beher rscht, wonach Versicherungsträ- ger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhaltes zu sorgen haben (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a). Dies bedeu- tet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen dann vorzunehmen sind, wenn und soweit hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten erge- bender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urte il des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1b; BGE 117 V 282 E. 4a; AHI-Praxis 1994 S. 212 E. 4a; SVR-Rechtsprechung 1999, IV Nr. 10 S. 28 E. 2c). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Besch werdefall das Gericht darf eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (HANS -ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligat orische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 1998, S. 77). Die bl osse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhalts- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht darstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglich en Geschehensabläufen als die wahr- scheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). 4.1 Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten, da ss trotz der Aufhebungsvereinba- rung vom 21. August 2017 (act. 16) von einer Arbeit geberkündigung auszugehen ist. Die Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses erfolgte aufgrund der Schli essung der Filiale, in welcher der Be- schwerdeführer arbeitete. Er hatte daher keine Wahl, sich damit einverstanden zu erklären. Die Arbeitslosenkasse begründet die Einstellung in der Anspruch sberechtigung aber damit, dass der Beschwerdeführer mit der Unterzeichnung der Aufhe bungsvereinbarung explizit auf den gesetzlichen Kündigungsschutz infolge Arbeitsunfähigkeit verzichtet und die vorzeitige Arbeits- losigkeit selbst verschuldet habe. 4.2 Soweit sich die Arbeitslosenkasse im angefochtenen Ei nspracheentscheid auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG beruft und geltend macht, der Besc hwerdeführer habe zu Lasten der Versi- cherung auf Lohn und Entschädigungsansprüche gegenüber d em bisherigen Arbeitgeber ver- zichtet, kann ihr nicht beigepflichtet werden. Wer eine Kündigung akzeptiert, welche die gesetz- liche Sperrfrist missachtet, verzichtet nicht auf Lohnansp rüche, sondern einzig auf die Weiter- führung des Arbeitsverhältnisses (E. 2.3 hiervor). Von ein em Lohnverzicht, welcher allenfalls eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss au f Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG nach sich zieht, könnte nur gesprochen werden, wenn der Versicherte nach Wiedererlangung der Arbeits- fähigkeit der Arbeitgeberin seine Dienste unmissverständl ich auch weiterhin angeboten hätte, was hier nicht der Fall ist. Dabei ist zu beachten, dass für eine Einstellung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG stets ein tatsächliches Bestehen von L ohn- bzw. Entschädigungsansprüchen vorausgesetzt wird (AVIG-Praxis ALE, Fassung von Januar 20 18, D32). Vorliegend hatte der Beschwerdeführer die Aufhebungsvereinbarung am 21. August 2017 und damit noch vor seiner am 13. November 2017 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit unterzeichnet. In diesem Zeitpunkt war es ihm nicht möglich, auf allfällige Lohn- oder E ntschädigungsansprüche zu verzichten, da diese mangels Eintritts einer unverschuldeten Arbeitsunfä higkeit noch gar nicht entstanden wa- ren. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung aufg rund von Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG fällt daher ausser Betracht. 4.3 Zu prüfen bleibt, ob allenfalls eine selbstverschul dete Arbeitslosigkeit gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG vorliegt. Der Beschwerdegegnerin ist zwar darin beizupflichten, dass sich die ordentliche Kündigungsfrist infolge krankheitsbedingte r Arbeitsunfähigkeit des Versicherten in der Zeit vom 13. November 2017 bis 8. Januar 2018 (act . 61-63) gemäss Art. 336c OR bis 31. Januar 2018 verlängert hätte, wenn von einer orde ntlichen Kündigung seitens der Arbeitge- berin auszugehen wäre. In casu liegt der Beendigung de s Arbeitsverhältnisses aber die Beson- derheit zu Grunde, dass das Arbeitsverhältnis im gegenseit igen Einvernehmen durch die Auf- hebungsvereinbarung vom 21. August 2017 beendet worden war. Auch wenn diese Vereinba- rung in arbeitslosenversicherungsrechtlicher Hinsicht als Ar beitgeberkündigung zu qualifizieren ist (vgl. E. 4.1 hiervor), ändert dies daher nichts daran , dass dem Versicherten mit der Unter- zeichnung der in Ziffer 9 erwähnten Saldoklausel in zivil - bzw. arbeitsrechtlicher Hinsicht nach dem 30. September 2017 keine Lohnansprüche mehr zustand en. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass ein unbefristetes Arbeitsverhältnis von jeder Vertragspartei gekündigt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden kann (Art. 335 Abs. 1 OR), und eine Aufhebung svereinbarung aus arbeitsrechtlicher Sicht der definitiven Klärung gegenseitiger Forderunge n zwischen Arbeitgeber und Arbeitneh- mer dient. Daraus resultiert, dass eine Vertragsbeendi gung mittels Aufhebungsvereinbarung selbst dann möglich bleibt, wenn damit trotz laufende r Sperrfristen im Sinne von Art. 336c OR keine Umgehung des Kündigungsschutzes oder allfälliger a nderer zwingender Gesetzesbe- stimmungen bezweckt wird (Urteil des Bundesgerichts 8C_368 /2011 vom 25. August 2011, E. 2.2; STREIFF / VON KAENEL / RUDOLPH , Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 7. Aufl., Zürich, 2012, N 10 zu Art. 335 OR). Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass in casu keine Umgehung des Kündigungsschutzes vorliegen kann, da de r Versicherte die Aufhebungs- vereinbarung noch vor Eintritt seiner Arbeitsunfähigkeit unterzeichnet hatte (vgl. E. 4.2 hiervor). Näher zu prüfen bleibt jedoch das Verzichtsverbot gemäss Art . 341 Abs. 1 OR. Demnach ist eine Aufhebungsvereinbarung als unzulässig zu qualifizieren , wenn und soweit eine sofortige Vertragsaufhebung vereinbart wird, ohne dass dem Arbei tnehmer irgendwelche Zusatzleistun- gen ausgerichtet werden (S TREIFF / VON KAENEL / RUDOLPH , a.a.O.). Mit anderen Worten ist nicht bereits von einem unzulässigen Forderungsverzicht ausz ugehen, wenn der Arbeitnehmer eine Saldoerklärung unterzeichnet hat. Die höchstrichterliche Rechtsprechung misst die Zuläs- sigkeit von abgeschlossenen Aufhebungsvereinbarungen vielmehr daran, ob dem Arbeitnehmer als Ausgleich für die Nachteile eines Aufhebungsvertrag s, insbesondere des entfallenden Sperrfristenschutzes, angemessene Ersatzleistungen zufliesse n. In Anlehnung an die Recht- sprechung zu Art. 341 OR, wonach ausgewogenen Vergleich en mit gegenseitigen Zugeständ- nissen nichts im Wege steht, hat es beispielsweise eine U nterzeichnung als unzulässig erklärt, mit welcher eine Arbeitnehmerin mit Rückenschmerzen nach einer erfolgten Kündigung der Schutz von Art. 336 ff. ohne genügende Gegenleistung e ntzogen worden war; ebenso in einem Fall, in welchem kurz vor einer Operation mit einem A rbeitnehmer ein Aufhebungsvertrag ge- schlossen wurde, ohne dass dies durch zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers kompensiert worden wäre (BGE 110 II 168). Verbindlich und rechtens war hingegen der mit einem psychisch angeschlagenen Arbeitnehmer abgeschlossene Aufhebungsvertrag, mit welchem ihm beträcht- liche Mehrleistungen ausgerichtet worden sind (JAR 2008 S. 204). 4.4 Der Aufhebungsvereinbarung vom 21. August 2017 zu folge wurde der Versicherte ab dem 1. November 2017 bis zur Beendigung des Arbeitsverh ältnisses am 30. November 2017 von seiner Arbeitspflicht befreit und es wurde explizit auf die Anrechnung von Einkünften ver- zichtet, die er während der Freistellung erzielt. Angesi chts dieser Zugeständnisse der Arbeitge- berin kann davon ausgegangen werden, dass der Verzicht auf einen hypothetischen Kündi- gungsschutz angemessen abgegolten worden ist. Jedenfalls kann nicht gesagt werden, es läge eine Übervorteilung der ehemaligen Arbeitgeberin un d damit eine Missachtung des Verzichts- verbots vor. Zumal die Vereinbarung in einem Zeitpunkt abgeschlossen worden war, in wel- chem keine der beiden Parteien mit dem Eintritt eine r unverschuldeten Arbeitsunfähigkeit rech- nen musste, kann im Akzept der Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch den Versicherten per 30. November 2017 keine Missachtung von Art. 341 OR er blickt werden. Liegt dem Gesagten zufolge eine rechtsgültige Aufhebungsvereinbarung per 3 0. November 2017 vor, erweist sich der Vorwurf der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführ er habe mit der Unterzeichnung der Aufhebungsvereinbarung explizit auf den gesetzlichen Kün digungsschutz infolge Arbeitsunfä- higkeit verzichtet, als unzutreffend. Demnach kann aber ni cht gesagt werden, der Beschwerde- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht führer habe die bereits per 30. November 2017 einge tretene Arbeitslosigkeit selbst verschuldet. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gestützt au f Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG erweist sich deshalb als unrechtmässig. 5. Zusammenfassend ist die Kasse zu Unrecht davon ausgega ngen, dass der Versicherte auf Lohn- und Entschädigungsansprüche verzichtet hat (Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG). Als unzuläs- sig erweist sich aber auch eine Einstellung wegen selbstver schuldeter Arbeitslosigkeit (Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG). Die Beschwerde ist bei diesem Ergeb nis gutzuheissen und es ist in Aufhe- bung des angefochtenen Einspracheentscheids festzustellen , dass die Einstellung in der An- spruchsberechtigung zu Unrecht erfolgt ist. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind für das vorliegende Ve rfahren demnach keine Kosten zu erheben. Eine Parteientschädigung wird dem anwaltlich nicht vertretenen Beschwerdeführer nicht ausgerichtet. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einsprach eentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 24. April 2 018 aufgeho- ben und es wird festgestellt, dass die Einstellung in de r Anspruchsbe- rechtigung zu Unrecht erfolgt ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht