Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Mai 2021 (715 21 20 / 147) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung der Anspruchsberechtigung infolge Ablehnung einer zumutbaren Arbeits- stelle. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin i.V. Jeannine Gass Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen KIGA Baselland , Abteilung Arbeitsvermittlung, Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln 1, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A.1 Die 1993 geborene A.____ war von Februar 2018 bi s Dezember 2019 im Seniorenzent- rum B.____ zu einem Pensum von 80 % angestellt. Infolge erschwerter Vereinbarkeit von Beruf und Familienarbeit kündigte A.____ das Arbeitsverhältnis per Ende Dezember 2019. Am 14. Ja- nuar 2020 meldete sie sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) X per 15. Januar 2020 zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung (ALV) im Umfang von 50 % an. Mit Meldung vom 11. März 2020 i nformierte A.____, dass sie ab dem Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. März 2020 eine Anstellung im Umfang eines 70 % Arbeitspensums suche und sich der Arbeits- vermittlung entsprechend zur Verfügung stelle. A.2 Mit Bewerbungsaufforderung des RAV-Aussendiensts de s Amts für Wirtschaft und Ar- beit des Kantons Basel-Stadt (RAV Aussendienst BS) vom 9. Juni 2020 wurde A.____ aufgefor- dert, sich bis spätestens dem 12. Juni 2020 mit den vollst ändigen Bewerbungsunterlagen auf eine der ALV gemeldeten vakante Stelle bei der privaten Spitex-Firma C.____ in X.____ elektro- nisch oder schriftlich zu bewerben. Am 14. Juni 2020 bewarb sich A.____ per E-Mail bei der Firma C.____, worauf am 22. Juni 2020 ein Bewerbungsgespräch stattfand. B. Mit Verfügung vom 23. Juni 2020 stellte das RAV X di e Versicherte wegen Nichteinhal- tung der gesetzten Bewerbungsfrist für 5 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Mit Verfügung vom 3. September 2020 wurde sie für weitere 32 Tage in ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt. Zur Begründung machte das RAV im Wesentlichen geltend, dass die Verlängerung der Arbeits- losigkeit von A.____ infolge Ablehnung der angebotene n Stelle bei der Firma C.____ in Kauf genommen wurde. Die beiden dagegen erhobenen Einspra chen vom 12. Juli 2020 und vom 1. Oktober 2020 wurden von der Einspracheinstanz, die Abteilung Arbeitsvermittlung des Kantona- len Amts für Industrie, Gewerbe und Arbeit Baselland (KIGA), vereint und mit Einspracheent- scheid vom 28. Dezember 2020 abgewiesen. C. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 17 . Januar 2021 Beschwerde bei Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids sowie den Verzicht auf die Leistungssanktion vom 3. September 2020 (Einstellung von 32 Taggeldzahlungen). D. Das KIGA beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Februar 2021 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 28. Dezember 2020; unter o/e- Kostenfolge. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art . 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 kann der Bundesrat die ört- liche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 regeln. Laut Art. 128 Abs. 2 der Verordnung übe r die obligatorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31 . August 1983 ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Ver- sicherungsgericht desselben Kantons zuständig. Anfechtung sobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet ein Einspracheentscheid, den das KIGA als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art . 85 AVIG erlassen hat, sodass die örtliche Zuständigkeit des K antonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgerich t Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Ver- sicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vo rlie- genden Beschwerde zuständig . Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung So-zial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, o b die Beschwerdegegnerin die Versicherte zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für d ie Dauer von 32 Tagen in der An- spruchsberechtigung eingestellt hat. Bei einem Taggeld in Höhe von Fr. 160.70 liegt der Streit- wert von Fr. 5'142.40 deutlich unter diesem Grenzbetrag. Über die Beschwerde ist demnach prä- sidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbe it zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes, und sie muss ihre Bemühungen nachweisen können. Im Weiteren muss die versicherte Person eine vermittelte zumutbare Arbeit annehmen (Art. 17 Abs. 3 AVIG). 2.2 Zur Durchsetzung der verschiedenen in Art. 17 AVIG statuierten Pflichten der versicher- ten Person, insbesondere der Schadenminderungspflicht, sieht das Gesetz bei Verhaltenswei- sen, die sich negativ auf Eintritt oder Dauer der Leist ungspflicht der Arbeitslosenversicherung auswirken, Sanktionen vor (vgl. dazu THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel 2016, S. 2511 Rz. 828). So ist die versicherte Person gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder Wei- sungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, nament lich eine zumutbare Arbeit nicht an- nimmt. Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschu ldensprinzip beherrscht (NUSSBAUMER , a.a.O., Rz 828). 2.3 Der Einstellungstatbestand der Nichtannahme einer zugewiesenen zumutbaren Arbeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG liegt nicht nur dann vor, wenn die versicherte Person eine Stelle ausdrücklich zurückweist, sondern beinhaltet grundsät zlich jedes Verhalten, welches das Zustandekommen eines Arbeitsvertrages scheitern lässt. Nach der Rechtsprechung hat sich die arbeitslose versicherte Person – in Erfüllung ihrer Schade nminderungspflicht – bei einem künfti- gen Arbeitgeber unverzüglich zu melden und bei den Verhandlungen mit diesem klar und eindeu- tig die Bereitschaft zum Vertragsabschluss zu bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht zu gefährden (vgl. BGE 122 V 34 E. 3b mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz 850). Aus diesen Grundsätzen folgt, dass der Tatbestand der Ablehnung zumutbarer Arbeit auch erfüllt ist, wenn sich die arbeitslose versicherte Person gar nicht ernsthaft um die Aufnahme von Vertrags- verhandlungen bemüht (ARV 1986 Nr. 5 S. 22 unten). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Die Frage der Zumutbarkeit der zugewiesenen Arbe it beurteilt sich angesichts des iden- tischen Begriffs nach Art. 16 AVIG (BGE 122 V 34 E. 3b am Ende). Absatz 2 dieser Bestimmung nennt in den lit. a-i eine Reihe von Voraussetzungen, bei deren Vorliegen eine Arbeit unzumutbar und somit von der Annahmepflicht ausgenommen ist. Ein e unzumutbare Arbeit darf die arbeits- lose Person ohne versicherungsrechtlich nachteilige Folgen ablehnen (BGE 114 V 345 E. 1). Nach Art. 16 Abs. 2 lit. a und c AVIG ist eine Arbeit u nzumutbar, wenn sie den berufs- und orts- üblichen, insbesondere den gesamt- oder normalarbeitsver traglichen Bedingungen nicht ent- spricht oder wenn die Arbeit dem Alter, den persönlich en Verhältnissen oder dem Gesundheits- zustand des Versicherten nicht angemessen ist. 3. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen ann ehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 99 9). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. C RISTINA SCHIAVI , in: Basler Kommentar ATSG, Frésard-Fellay/Klett/Leuzinger [Hrsg.], Basel 2020, N 11 zu Art. 43; BGE 144 V 427 E. 3.2). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt d iesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Ge- schehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6 mit diversen Hinweisen). 4.1 Den Akten ist folgender entscheidrelevanter Sachverh alt zu entnehmen: Die Beschwer- deführerin wurde am 9. Juni 2020 vom RAV Aussendienst BS per Mail aufgefordert, sich bis zum 12. Juni 2020 bei der Firma C.____ in X.____ auf eine 50 bis 100 % Stelle zu bewerben. Nachdem sich die Beschwerdeführerin am 14. Juni 2020 per Mail beworben hatte, fand am 22. Juni 2020 das Bewerbungsgespräch statt. Mit Mail vom 24. Juni 2020 teilte die Vertreterin der Firma C.____ dem RAV X mit, dass der Beschwerdeführerin zwei Vorschläge unterbreitet worden seien: Einer- seits eine Festanstellung per sofort im Pensum von 60 bis 70 %, andererseits eine Anstellung auf Stundenbasis, jeweils am Morgen in der Region Basel-L andschaft Nähe Y.____, ebenfalls per sofort. Beide Vorschläge hätten nicht den Vorstellungen der Beschwerdeführerin entsprochen, da unter anderem auch der Weg nach X.____ zu lange gewesen sei. Ferner habe sie sich dahin- gehend geäussert, dass die Spitex-Pflege nicht gerade etwas sei, was sie gerne machen würde. Mit Schreiben vom 9. Juli 2020 forderte das RAV X die Beschwerdeführerin zur Stellungnahme bezüglich der Nichtannahme der zumutbaren Stelle auf. Die Beschwerdeführerin führte diesbe- züglich im Schreiben vom 12. Juli 2020 aus, dass es sich u m eine offensichtlich unzumutbare Arbeitsstelle gehandelt hätte. Die Arbeitswegkosten wä ren zu Lasten der Beschwerdeführerin angefallen und die Firme C.____ habe ihr keinen Stillraum zur Verfügung stellen können, deshalb hätte sie jeweils zum Stillen nach Hause fahren müssen, wodurch die ihr zur Verfügung stehende Stillzeit bereits für den Heimweg aufgebraucht worde n wäre. In einer weiteren Stellungnahme Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 31. August 2020 erklärte die Beschwerdeführerin, dass die Stelle zumindest für den momen- tanen Zeitpunkt eine unzumutbare Stelle gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. a und c AVIG sei, da ihren persönlichen Verhältnissen – wozu auch die Betreuungspflichten gehörten – nicht Rechnung ge- tragen würde. Auch sei der Arbeitsweg gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. f AVIG zu lange und das Ar- beitsverhältnis an sich gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG aus finanzieller Sicht unzumutbar, da die Wegzeiten und die damit verbundenen Wartezeiten von der Firma C.____ nicht bezahlt oder als Arbeitszeit abgegolten worden wären. Das Angebot der potentiellen Arbeitgeberin, ein Velo zur Verfügung zu stellen, mit welchem sie zur Arbeit und zu den einzelnen Einsätzen fahren könnte, würde daran nichts ändern. Mit der Duplik vom 22. Febr uar 2021 konstatierte die Beschwerde- führerin zudem, dass es keine zweite Stelle in der Nähe ihres Wohnortes gegeben hätte, bei welcher das Problem mit dem Stillen weggefallen wäre. Der Ausgangspunkt wäre nach wie vor X.____ gewesen. 4.2 Infolge der Einsprache der Beschwerdeführerin kon taktierte die Beschwerdegegnerin die Firma C.____ erneut und bat sie um Stellungnahme. Zu den Anstellungsbedingungen führte die Firma C.____ mit E-Mail vom 12. November 2020 aus, dass der Lohn der Beschwerdeführerin monatlich zwischen Fr. 5'500.-- und Fr. 7'000.-- zuzüglich eines 13. Monatslohns und eines mo- natlichen Beitrages in Höhe von Fr. 50.-- für die Nut zung des öffentlichen Verkehrs betragen hätte. Da die Festanstellung infolge der fehlenden S tillmöglichkeit am Arbeitsplatz für die Be- schwerdeführerin nicht in Frage gekommen sei, sei ihr d as zweite Stellenangebot unterbreitet worden, wobei um die Stillzeiten herumgeplant worden wäre, so dass sie am Mittag wieder zu- hause hätte sein können. So wären der Beschwerdeführerin Einsätze im Umkreis ihres Wohnor- tes zugeteilt worden, wodurch es ihr auch ermöglicht worden wäre, zwischenzeitlich nach Hause zu gehen um zu stillen. Auf das zweite Stellenangebot ging die Beschwerdeführerin lediglich mit Duplik vom 22. Februar 2021 ein und monierte, dass das zweite Stellenangebot ebenfalls in der Region X.____ gewesen wäre und keine Lösung für die Stillproblematik dargestellt hätte. 4.3 Soweit die Beschwerdeführerin anführt, die zweite Stelle wäre ebenfalls in X.____ ge- wesen und hätte die Stillproblematik nicht beseitigt, k ann sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zutreffend ist, dass sich der Firmensitz der Firma C.____ in X.____ befindet. Es ist somit mit der Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass sie für die Arbeit, zumindest wenn Arbeit im Betrieb angefallen wäre, nach X.____ hätte reisen müssen. Dass die Einsätze ebenfalls in X.____ gewesen wären, lässt sich aus den dem Gericht vorli egenden Akten nicht entnehmen. Gemäss Auskunft der Firma C.____ wären die Einsätze in der Umgebung des Wohnortes der Beschwerdeführerin geplant worden, damit die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich nach Hause hätte gehen können, um ihr Kind zu stillen. Es ist nicht ersichtlich, welches Interesse die Firma C.____ mit diesen Ausführungen verfolgt hätte, wenn diese nicht zutreffend gewesen wären. Es scheint daher unwahrscheinlich, dass die Stillproblematik seitens der Firma C.____ weder disku- tiert, noch beim zweiten Stellenangebot berücksichtigt wurde. Es ist somit mit der Beschwerde- gegnerin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin ein zweites Stellenangebot mit Eins- ätzen in und um Y.____ unterbreitet wurde, wodurch sie zwischen einzelnen Einsätzen ohne grösseren Zeitaufwand kurz nach Hause hätte gehen können. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Es ist zu prüfen, ob es sich bei den abgelehnten St ellenangeboten um zumutbare Ar- beitsstellen gehandelt hätte. 5.2 Eine Arbeit gilt als unzumutbar, wenn sie den per sönlichen Verhältnissen der versicher- ten Person oder ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen ist (Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung fallen bei der Prüfung der Zumutbarkeit einer Ar- beit unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältn isse insbesondere die gesundheitlichen und familiären Umstände der versicherten Person in Betr acht. Betreuungspflichten gegenüber minderjährigen Kindern stellen grundsätzlich keinen pe rsönlichen Grund dar, der eine arbeits- marktliche Massnahme unzumutbar macht. Dies käme nur in Frage, wenn eine Kinderbetreuung durch Drittpersonen bei objektiver Betrachtungsweise auch potenziell undenkbar wäre, was nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubes regelmässig nicht mehr der Fall sein dürfte. (vgl. BGE 120 V 375 E. 4b; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bun- desgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 25. Juni 2004, C 43/04, E. 2.2). Die Versicherte hat zwei Kinder, wovon das jüngere im Zeitpunkt des Vorstellu ngsgesprächs acht Monate alt war. Nach Lage der Akten konnte die Beschwerdeführerin darle gen, dass die Kindsbetreuung durch die zeitlich vorlaufende Wechselschichtplanung beider Elternteile, der Unterstützung der Schwie- gereltern sowie der Bereitschaft zur Wochenendarbeit kein Problem darstellt. Folglich kann davon ausgegangen werden, dass während der Abwesenheit der Versicherten die Kinderbetreuung hätte gewährleistet werden können. Generell ist zu berücksichtigen, dass eine versicherte Person mit betreuungsbedürftigen Kindern hinsichtlich der Vermittlungsfähigkeit, namentlich in Bezug auf die Verfügbarkeit, die gleichen Bedingungen erfüllen muss wie alle anderen Personen. Es liegt somit an ihr, das Privat- und Familienleben so zu gestalten, dass sie nicht daran gehindert ist, im Umfang des geltend gemachten Beschäftigungsgrades bzw. Arbeitsausfalles einer unselbststän- digen Erwerbstätigkeit nachzugehen (ARV 1993/94 Nr. 31, S. 219). Aus den Ausführungen ergibt sich, dass keine objektive, potentielle Unmöglichkeit der Kindsbetreuung vorliegt. 5.3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie im Z eitpunkt des Vorstellungsge- sprächs ihr jüngeres Kind gestillt habe und die Annahme der Festanstellung zu zeitlichen Prob- lemen mit dem Stillen geführt hätte. Die Stillzeit nach der Niederkunft ist für sich noch kein Unzu- mutbarkeitstatbestand im Sinne des AVIG. Der Gesetzgeb er bringt mit dem Schutz der Mutter- schaft im Arbeitsgesetz und im Arbeitsvertragsrecht gerade zum Ausdruck, dass die Mutterschaft kein Grund sein soll, die Arbeit aufgeben zu müssen. In Art. 35 und Art. 36 des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (A rG), sowie in Art. 60 der Verordnung zum Arbeitsgesetz (ArGV 1) ist ein Sonderschutz für schwanger e und stillende Mütter vorgesehen. Das Arbeitsgesetz schützt in Art. 35 die Gesundheit der Mutter und des Kindes vor Beeinträchti- gungen, die durch Beschäftigungen oder Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Die Arbeitge- berin muss dafür sorgen, dass sich stillende Frauen unter geeigneten Bedingungen hinlegen und ausruhen können und sie hat stillenden Müttern die erforderliche Zeit zum Stillen im Umfang von 30 Minuten bei einer täglichen Arbeitszeit von bis zu vier Stunden, 60 Minuten bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als vier Stunden und 90 Minuten b ei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als sieben Stunden freizugeben (Art. 60 Abs. 2 ArGV 1). Grundsätzlich muss der Arbeitgeber davon nur die effektiv gebrauchte Zeit zum Stillen a ls bezahlte Arbeitszeit gewähren. Sofern je- doch keine geeigneten Räumlichkeiten bestehen und die Frau deshalb zum Stillen nach Hause Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehen muss, kann sie sich die ganze ihr zustehende Zeit zu m Stillen als bezahlte Arbeitszeit anrechnen lassen (z.B. 30 Minuten bei einer täglichen Arbeitszeit von weniger als 4 Stunden, selbst dann, wenn die effektive Stillzeit unter diesen 30 Minuten liegt; THOMAS PIETRUSZAK , Be- zahlte Stillzeit - oder doch (noch) nicht? Versuch einer Auslegeordnung von Art. 60 Abs. 2 ArGV 1 in: Arbeit und Arbeitsrecht: Festschrift für Thomas Geiser zum 65. Geburtstag, Zürich/St. Gallen 2017, S. 339). Laut Art. 36 Abs. 1 ArG ist bei der Festsetzung der Arbeits- und Ruhezeit auf Arbeitnehmerinnen, die einen Haushalt mit Familienangerhörigen besorgen , Rücksicht zu nehmen. Die genannten Bestimmungen schützen die arbeitstätige Mutter – vor al lem während der Stillzeit – und sind zwingender Natur. Erst ihre Nichteinhaltung durch den Arbeitgeber lässt das Arbeitsverhältnis unzumutbar werden. Wenn von Beginn an feststeht, dass die Schutzbestimmungen nicht einge- halten werden, stellt eine entsprechende Nichtannahme des Arbeitsverhältnisses durch die be- troffene Versicherte sodann keinen Einstellungsgrund da r (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Ver- bindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 5.3.2 Die Beschwerdeführerin führt an, dass die poten tielle Festanstellung mit Einsatzgebiet X.____ unzumutbar gewesen wäre, da im Betrieb der Firma C.____ keine Räumlichkeit zum Stil- len vorhanden gewesen wäre und sie zum Stillen jewei ls nach Hause hätte fahren müssen. Ob die angebotene Festanstellung tatsächlich unzumutbar g ewesen wäre, kann jedoch letztlich of- fengelassen werden, da die Beschwerdeführerin bei ihre r Argumentation verkennt, dass die Firma C.____ ihr beim Vorstellungsgespräch als alternative Lösung eine Anstellung auf Stunden- basis mit Einsätzen jeweils vormittags in der Umgebung i hres Wohnorts unterbreitet hatte. Dadurch hätte sie die Möglichkeit gehabt, zwischen zwei E insätzen zum Stillen nach Hause zu fahren, wobei ihr die Abwesenheit zwecks Stillens im ge setzlichen Umfang an die Arbeitszeit angerechnet worden wäre (vgl. Art 35a Abs. 2 ArG und Art. 60 Abs. 2 lit. b ArGV1). Dies wäre gegebenenfalls auch zeitsparender gewesen, als zurück in den Betrieb nach X.____ zu fahren, um dort zu stillen. Die Anpassung des Einsatzplans, wodurch das Einplanen des Stillens zu Hause zwischen zwei Einsätzen ermöglicht würde, erscheint im Vergleich zum Einrichten einer Rückzugsmöglichkeit im Betrieb in X.____ vorteilhafter bzw. zumindest gleichwertig. Das Ange- bot der Firma C.____ stellt somit einen gleichwertigen Ersatz für eine Stillräumlichkeit im Betrieb dar. 5.3.3 Dass die Beschwerdeführerin beanstandet, dass der Au sgangspunkt für die Einsätze in ihrer Wohngegend nach wie vor X.____ gewesen wäre und sie täglich mit dem ÖV bzw. mit dem Fahrrad nach X.____ hätte fahren müssen, wobei auch d ie Arbeitswegkosten zu ihren Lasten gefallen wären, kann nicht nachvollzogen werden, zumal sie im Laufe des Beratungsprozesses gemäss den vorliegenden Akten keine Einschränkungen thematisiert hatte und sich im Rahmen ihrer jeweiligen arbeitsmarktlichen Verfügbarkeit im G rossraum X.____ als Pflegefachfrau be- warb. Zudem ist zu beachten, dass der Ausgangspunkt nicht s über den Einsatzort aussagt und die Kosten für den Arbeitsweg in der Regel immer zu Lasten des Arbeitnehmers gehen. Es wäre dennoch möglich gewesen, beim Ausgangspunkt X.____ Ein sätze in der Umgebung des Woh- norts der Beschwerdeführerin zu planen, wobei auch die Kosten für die Anreise an die Einsatzorte Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der Arbeitgeberin übernommen worden wären und die Beschwerdeführerin zum Stillen zwi- schenzeitlich nach Hause hätte gehen können. Dass die Beschwerdeführerin diesen zusätzlichen Aufwand nicht auf sich nehmen wollte, lässt das angebotene Arbeitsverhältnis nicht unzumutbar werden. Stattdessen ist von einer freiwilligen Ablehn ung des Arbeitsverhältnisses auszugehen. In diesem Sinne ist ihr ein Verschulden an ihrer Arbeitslosigkeit vorzuwerfen. 5.4 Als Zwischenergebnis ist demnach festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin vorlie- gend zu Recht von einer selbstverschuldeten Arbeitslosig keit der Versicherten im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV ausgegangen ist. 6.1 Abschliessend bleibt zu prüfen, ob die durch die Kass e verfügte Einstellung in der An- spruchsberechtigung im Umfang von 32 Tagen angemessen ist. 6.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Gra d des Verschuldens und beträgt je nach Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wird gemäss Art. 45 Abs. 3 AVIV abgestuft und beträgt bei leichtem Ver- schulden 1 bis 15 Tage, bei mittelschwerem Verschulden 16 bis 30 Tage und bei schwerem Ver- schulden 31 bis 60 Tage. Die Einstellung beginnt am er sten Tag nach der Beendigung des Ar- beitsverhältnisses, wenn die versicherte Person aus eigenem Verschulden arbeitslos geworden ist (Art. 45 Abs. 1 lit. a AVIV). Bei der Bemessung d er Einstellungsdauer steht der Kasse ein Ermessen zu, welches sie pflichtgemäss auszuüben hat. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialver- sicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts bzw. deren präsidierende Person bei Präsi- dialentscheiden die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen. Sie greift jedoch bei der Beurteilung der von der Kasse an geordneten Einstellungsdauer praxisge- mäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspielraum ein. 6.3 Gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. b AVIV liegt ein schwer es Verschulden vor, wenn die versi- cherte Person eine zumutbare Arbeit ohne entschuldbaren Grund abgelehnt hat. Bei erstmaliger Ablehnung einer zumutbaren Stelle ist nach den in den Verwaltungsweisungen als Richtlinie be- stehenden Einstellraster des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) die versicherte Person für 31 bis 45 Tage in ihrer Anspruchsberechtigung auf Arbe itslosentaggelder einzustellen (vgl. Ein- stellraster für KAST/RAV, AVIG-Praxis ALE vom 1. Januar 2021, D79, Ziff. 2 B.1). Innerhalb die- ses Rahmens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem Ermessen. 6.4 Vorliegend hat die Kasse das Verhalten der Versiche rten als schweres Verschulden qua- lifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31-60 Tagen zur Folge hat. Gemäss den vorhergehenden Ausführungen geht die Kasse zurecht von einer Ablehnun g einer zumutbaren Arbeit ohne ent- schuldbaren Grund aus. Die übliche Einstelldauer bei schw erem Verschulden beträgt 36 Tage. Der erschwerten Vereinbarkeit von Beruf und Familienar beit der Beschwerdeführerin wurde in- sofern Rechnung getragen, als innerhalb des vorgesehenen Rahmens von der durchschnittlichen Einstelldauer nach unten abgewichen wurde und ledigli ch eine Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung für die Dauer von 32 Tagen verfügt wurde. Die von der Kasse verfügten 32 Einstelltage befinden sich im untersten Bereich des im Einstellrasters aufgeführten Spektrums von 31 bis 45 Tagen, weshalb kein Grund besteht, in das Ermessen der Beschwerdegegnerin einzugreifen. Im Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ergebnis ist die von der Kasse verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung auf Arbeitslo- senentschädigung somit nicht zu beanstanden. 7. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der angef ochtene Einspracheent- scheid der Kasse vom 28. Dezember 2020 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Be- schwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 8. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 g ültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Parteient- schädigung zugesprochen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht