Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Januar 2012 (725 11 304 / 17) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallbegriff bei einer Sportverletzung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Stephan Wolf, Advokat gegen Basler Versicherung AG , Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Manfred Bayerdörfer, Ad- vokat Betreff Leistungen A. A.____ arbeitete für die Firma B.____ AG und war in dieser Eigenschaft bei der Basler Versicherung AG (Basler) gegen Berufs- und Nichtberufsun fälle obligatorisch versichert. Mit Bagatellunfallmeldung vom 17. Juli 2009 meldete die A rbeitgeberin, dass sich der Versicherte während seinen Ferien am 4. Juli 2009 beim Volleyball spielen am Strand im Rücken- /Lendenwirbelbereich verletzt habe. Mit Arztzeugnis vom 1 4. Juli 2009 attestierte Dr. med. C.____ eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. D r. med. D.____ hielt am 21. Juli 2009 als radiologische Diagnose eine grosse mediale und vorwiege nd linkslaterale Discushernie mit subligamentärer Luxation von Discusmaterial nach caudal fest. Nachdem zuerst eine konserva- tive Behandlung stattgefunden hatte, liess sich der Ver sicherte am 10. März 2010 operieren. Die auch nach diesem Eingriff persistierenden Schmerzen wurden einem radiologisch nachge- Seite 2 wiesenen postoperativen Narbenzug und einer Kompression der Nervenwurzel S1 links zuge- schrieben (Bericht von Dr. med. E.____, Facharzt für Orthopädie, vom 25. August 2010). Die Basler erbrachte die gesetzlichen Leistungen, über nahm die Heilungskosten und richtete ein Taggeld aus. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2010 e ntschied sie gestützt auf ein Gutach- ten von Dr. med. F.____, Neurochirurgie FMH, vom 15. November 2010, dass ab 15. Juni 2010 keine Unfallfolgen mehr vorliegen würden. Die gegen diese Verfügung vom Versicherten erho- bene Einsprache wies die Basler nach Einholung eines w eiteren medizinischen Gutachtens bei Dr. med. G.____, Facharzt für Innere Medizin FMH, vom 29. April 2011, mit Einspracheent- scheid vom 6. Juli 2011 ab. In der Begründung wurde zusammenfassend festgehalten, dass die Leistungen zu Recht per 15. Juni 2010 eingestellt wor den seien, da nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Zusammenhang zwischen de n noch beklagten Beschwerden und dem Ereignis vom 4. Juli 2009 erwiesen sei. Zudem sei der Unfallbegriff ohnehin zu vernei- nen. Für die weiteren Behandlungskosten sei deshalb die Krankenversicherung zuständig. Auf eine Rückforderung der bis Ende Oktober 2010 erbrachten Leistungen werde weiterhin verzich- tet. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durch Stephan Wolf, Advokat, mit Ein- gabe vom 7. September 2011 Beschwerde beim Kantonsgeri cht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht. Darin beantragte er, der Einspracheentschei d sowie die Verfügung seien vollum- fänglich aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, auch über den 1. November 2010 hinaus die gesetzlichen Leistungen für den erlittenen Unfall vom 4. Juli 2009 zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm die un entgeltliche Prozessführung zu bewilligen sei. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht anerkannt habe, weshalb sie ihre Leistun gen nur noch dann einstellen könne, wenn ihr der Nachweis gelänge, dass die Kausalität zwischen dem Unfallereignis und den nach wie vor bestehenden körperlichen Beschwerden weggefallen sei. Dr. F.____ vermöge seine Schlussfolgerung, wonach mit der Operation der Diskushe rnie L5/S1 links vom 10. März 2010 die Voraussetzungen für die Wiederherstellung des Stat us quo ante vel sine gegeben worden seien und damit die Kausalität per 10. Juni 2010 wegg efallen sei, nicht hinreichend zu begrün- den. Daran könne auch das zweite Gutachten, das die Besch werdegegnerin eingeholt habe, nichts ändern. Die vom Beschwerdeführer eingereichten är ztlichen Berichte von Dr. E.____ vom 23. Dezember 2010, und von Dr. med. H.____, Facha rzt für Orthopädie und Unfallchirur- gie, vom 15. Dezember 2010, würden den Kausalzusamme nhang bejahen. In Bezug auf das Unfallereignis brachte der Beschwerdeführer vor, dass se lbst wenn beim Volleyball spielen ein Sturz auf den Boden möglicherweise zum Spielgeschehen g ehöre, es sich doch so verhalte, dass ein Sturz, welcher die vom Beschwerdeführer erlitt enen körperlichen Beeinträchtigungen zur Folge habe, klarerweise als plötzliche und nicht bea bsichtigte schädigenden Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper und damit als Unfall zu werten sei. C. Mit Vernehmlassung vom 27. Oktober 2011 beantragte die Basler, vertreten durch Ad- vokat Dr. Manfred Bayerdörfer, die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 18. Januar 2012 reichte der Beschw erdeführer sein Gesuch um unent- geltliche Prozessführung ein. Seite 3 1. Auf die beim örtlich wie sachlich zuständigen Gericht und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegneri n zu Recht die Übernahme von Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 4. Juli 2009 abgelehnt hat. 3.1 Vorab ist auf die Rüge des Beschwerdeführers einzuge hen, wonach die Beschwerde- gegnerin die durch die Übernahme von Heilbehandlungsko sten und die Leistung von Taggel- dern einmal anerkannte Leistungspflicht nicht einfach m it der Begründung verneinen könne, es liege kein Unfallereignis vor. 3.2 Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung zu Recht ausführt, hat der Versi- cherer die Möglichkeit, die durch Ausrichtung von Heilbe handlungskosten und Taggeldern zu- nächst anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung "ex nunc et pro futuro" mit der Begründung ein- zustellen, ein versichertes Ereignis sei nicht gegeben (BG E 130 V 380 ff.). Im vorliegenden Fall liegt eine solche Leistungseinstellung vor. Auf die Rückforderung bisher von ihr erbrachter Leis- tungen hat die Beschwerdegegnerin verzichtet. Sie stützte sich weder auf den Rückkommensti- tel der Wiedererwägung noch auf jenen der prozessualen Revision (BGE 129 V 110 E. 1.1). Die Leistungseinstellung bedeutet unter diesen Umständen kein Zurückkommen auf bisher erbrach- te Heilbehandlungskosten oder Taggelder. Verzichtet der Versicherer auf die Rückforderung bereits erbrachter Leistungen, ist nur die künftige L eistungseinstellung als solche Verfügungs- gegenstand, welche ohne Bindung an früher ausgerichte te Leistungen vorgenommen werden kann (BGE 130 V 384 E. 2.3.1). In diesem Sinne hat da s Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG, heute: Schweizerisches Bundesgericht, Sozialrechtli che Abteilungen) auch hinsichtlich der Prüfung der adäquaten Kausalität zwischen Unfall un d Gesundheitsschaden entschieden. Danach kann der Unfallversicherer trotz vorheriger Ausrichtung von Heilbehandlungskosten und Taggeldern ohne Berufung auf die Wiedererwägung ode r die prozessuale Revision die Adä- quanz verneinen und die Leistungen ex nunc einstellen (Ur teil des EVG vom 6. Mai 2003, U 6/03, E. 4.2.1). Entsprechendes hat auch in Bezug a uf den Unfalltatbestand zu gelten, des- sen eingehende Prüfung unter Umständen längere Zeit b eanspruchen kann und nicht selten von zusätzlichen Feststellungen abhängt. 4.1 Zu prüfen ist, ob das Ereignis vom 4. Juli 2009 als Unfall im Rechtssinne zu qualifizieren ist. 4.2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. 4.2.2 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die plötzlic he, nicht beabsichtigte schädi- gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors a uf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen G esundheit oder den Tod zur Folge hat Seite 4 (BGE 134 V 75 E. 2.3). Der äussere Faktor ist ungewöhn lich, wenn er den Rahmen des im je- weiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen übersch reitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (BGE 134 V 76 E. 4.1, 129 V 402 E. 2.1, 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen). Nach der Recht- sprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichk eit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selbst. Ohne Be lang für die Prüfung der Ungewöhn- lichkeit ist, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiege nde, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ausschlaggebend ist, dass sich der äussere Fakt or vom Normalmass an Umwelt- einwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungew öhnliche Auswirkungen allein be- gründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 80 E. 4.3.1). Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewö hnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbe wegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich da nn erfüllt ist, wenn ein in der Aus- senwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf ein er Körperbewegung gleichsam "pro- grammwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoor dinierten Bewegung ist der ungewöhnli- che äussere Faktor zu bejahen; der äussere Faktor – Verän derung zwischen Körper und Aus- senwelt – ist wegen der Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 118 E. 2.1; Kranken- und Unfallversicherung, Rech tsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4c). Der äussere Fakto r ist zentrales Begriffscharakteristikum eines jeden Unfallereignisses; er ist Gegenstück zur – de n Krankheitsbegriff konstituierenden – inneren Ursache (BGE 134 V 72 E. 4.1 und 4.3.2.1). B ei Schädigungen, die sich auf das Kör- perinnere beschränken, unterliegt der Nachweis eines Un falls indessen strengen Anforderun- gen, weil die unmittelbare Ursache der Schädigung unt er besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden muss; denn ein Unfallereignis manifestier t sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen e ine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (Urteil des Bundesg erichts vom 9. Juli 2010, 8C_189/2010, E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 99 V 136 E. 1). 4.2.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit ohne besonderes Vorkommnis daher auch bei einer Sportver letzung zu verneinen (BGE 130 V 118 E. 2.2 mit Hinweisen). Ein Unfall im Rechtssinne i st lediglich dann anzunehmen, wenn die sportliche Übung anders verläuft als geplant (vgl. RKUV 2 004 Nr. U 502 S. 185 E. 4.4). Wenn sich hingegen das einer sportlichen Übung inhärente Risiko einer Verletzung verwirklicht, liegt kein derartiges Unfallereignis vor. Ein solches ist auch dann zu verneinen, wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der Ausführung aber noch in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmuster des betreffenden Sports fällt (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juli 2011, 8C_186/2011, E. 5). Verläuft die Bewegung unkoordini ert, liegt der ungewöhnliche äussere Faktor darin, dass die körperliche Bewegung durch etwas P rogrammwidriges gestört wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einem Ge- genstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhal- tung ausführt oder auszuführen versucht. Ein Unfall se tzt insbesondere bei Sportverletzungen begrifflich voraus, dass das exogene Element – immer be zogen auf die gewöhnliche Bandbreite des Bewegungsmusters des betreffenden Sports (Urteil des B undesgerichts 8C_189/2010 vom 9. Juli 2010, E. 5.1) – derart ungewöhnlich ist, dass e ine endogene Verursachung der erlittenen Körperschädigung ausser Betracht fällt (vgl. BGE 134 V 76 f. E. 4.1). Seite 5 4.3.1 Die versicherte Person hat die Umstände des als Unf all gemeldeten Ereignisses glaub- haft zu machen. Unvollständige, ungenaue oder widerspr üchliche Angaben zum Geschehens- ablauf können die Verneinung der Leistungspflicht der Unfallversicherung zur Folge haben. Im Streitfall hat das Sozialversicherungsgericht zu entscheide n, ob die einzelnen Merkmale des Unfallbegriffs, insbesondere die Ungewöhnlichkeit des ä usseren Faktors, gegeben sind. Hiezu hat es im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes die notwend igen Beweise zu erheben (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Spricht der rechtserhebliche Sa chverhalt nicht wenigstens mit Wahrschein- lichkeit für das Vorliegen der einzelnen Begriffsmerkmal e – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, ist ein Unfall im Rechtssinne zu verneinen (Urt eil des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen). 4.3.2 Zu ergänzen ist, dass der mangelnde Nachweis eines die Merkmale des Unfalles erfül- lenden Ereignisses sich nur selten durch medizinische Festste llungen ersetzen lässt. Diesen kommt im Rahmen der Beweiswürdigung für oder gegen da s Vorliegen eines unfallmässigen Geschehens in der Regel nur die Bedeutung von Indizien zu. Dabei ist zu beachten, dass sich der medizinische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfal lbegriff deckt. Ein traumatisches Er- eignis oder Trauma im medizinischen Sinne kann neben d em eigentlichen Unfall im Rechtssin- ne auch Ereignisse umfassen, denen der Charakter der Un gewöhnlichkeit und/oder der Plötz- lichkeit abgeht (Urteil des EVG vom 10. Mai 2004, U 199/03, E. 1). 4.4.1 Im Zusammenhang mit dem Erfordernis der Program mwidrigkeit bei Sportverletzungen sei auf folgende Präjudizien verwiesen: 4.4.2 Bejaht wurde das Vorliegen eines Unfalls bei ein em Fussballer, dessen Knie verdreht wurde, als ihm ein Gegenspieler in die Beine grätschte. Durch diesen Angriff – einen in der Aus- senwelt begründeten Umstand – sei der Bewegungsablauf des Verletzten "programmwidrig" gestört worden. Es sei von einer unvorhersehbaren, unk oordinierten Bewegung auszugehen und insofern das Vorliegen eines ungewöhnlichen äussere n Faktors zu bejahen. Nicht ent- scheidend sei, ob eine Massregelung des beteiligten Gegen spielers erfolgt sei (RKUV 1993 Nr. U 165 S. 58). Verneint wurde die Ungewöhnlichkeit hingegen bei einer Verletzung, die sich eine Fussballspielerin anlässlich eines Zweikampfes zugezogen hatte . Das Bundesgericht führte aus, dass ein Zweikampf bei einem Fussballspiel nicht unge wöhnlich sei, wenn sich dabei nicht noch etwas Besonderes ereigne. Eine falsche Bewegung all ein genüge nicht (Urteil des Bun- desgerichts vom 26. Juli 2011, 8C_186/2011, E. 6.3). 4.4.3 Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors wur de ferner bei einem Skifahrer bejaht, der im buckligen Gelände auf einer vereisten Stelle ausglitt, danach – ohne zu stürzen – unkontrolliert einen Buckel anfuhr, abgehoben wurde und bei verdrehter Oberkörperhaltung auf den Boden aufschlug (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420 ff.). Als Programmwidrigkeit wurden in je- nem Urteil das Ausgleiten auf der vereisten Stelle, da s sich daraus ergebende unkontrollierte Anfahren eines Buckels und das harte Aufschlagen gesehen (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 424 f. E. 4). 4.4.4 Bei einer Lehrerin, die in einer Turnstunde ei ne Rolle vorwärts ausführte und in der Fol- ge behandlungsbedürftige Beschwerden im Nackenbereich verspürte, verneinten alle Instanzen Seite 6 das Vorliegen eines Unfalles im Rechtssinne; letztinstanzli ch wurde zudem eine unfallähnliche Körperschädigung verneint (Urteil des EVG vom 28. Juni 2002, U 98/01). 4.4.5 Ein auf einem Ausbildungs-Kunstflug beim Wechsel der Fluglage erlittenes Beschleuni- gungstrauma durch plötzliche Druckveränderung erfüllt den Unfallbegriff mangels Ungewöhn- lichkeit des äusseren Faktors nicht (Urteil des EVG vom 28. Juni 2002, U 370/01, E. 2b). 4.4.6 Im Urteil des EVG vom 10. Januar 2003, U 385/0 1, war der Fall eines Versicherten zu beurteilen, welcher beim Jiu-Jitsu Training eine Halswi rbeldistorsion erlitten hatte. Der Versi- cherte gab an, er sei beim Bodenkampf unter seinen Tra iningspartner geraten und habe ver- sucht, diesen nach oben zu drücken, um sich von ihm zu lös en. Durch diese Bewegung sei grosser Druck auf sein Genick entstanden, sodass der Kopf nach vorne eingeknickt sei, was zur Stauchung und Quetschung der Halswirbelsäule geführt hab e. Die Vorinstanz und das EVG kamen zum Schluss, das vom Versicherten ausgeübte Drücken n ach oben stelle keine unkoor- dinierte Bewegung dar, weil der äussere Bewegungsabla uf nicht durch etwas Programmwidri- ges gestört worden sei, woraus eine unphysiologische Beanspr uchung einzelner Körperteile hätte resultieren können. Die Ungewöhnlichkeit wurde weiter verneint bei der Sportlehrerin, die bei einer Rückwärtsrolle beim Jiu-Jitsu Training anstatt über die Schulter über das Genick ab- rollte und sich dabei an der Halswirbelsäule verletzte. Das Bundesgericht führte dazu aus, dass zur Annahme des Begriffsmerkmals der Ungewöhnlichkeit ei n schadensspezifisches Zusatzge- schehen erstellt sein müsse, da es sich um eine Körperschädig ung handle, die sich auf das Körperinnere beschränke. Kein in der Aussenwelt begrü ndeter Umstand habe den natürlichen Ablauf der Körperbewegung programmwidrig gestört un d habe dazu geführt, dass die Übung nicht so abgelaufen sei, wie geplant. Wenn die Beschwer deführerin nicht über die Schulter, sondern über das Genick abrolle, so falle dies vielmehr in die gewöhnliche Bandbreite des Be- wegungsmusters dieses Sports (Urteil des Bundesgerichts vom 9 . Juli 2010, 8C_189/2010, E. 5.1). 4.4.7 Verneint wurde das Merkmal des ungewöhnlichen äu sseren Faktors im Sinne einer den normalen, üblichen Bewegungsablauf störenden Program mwidrigkeit ("unkoordinierte Bewe- gung") bei einer Versicherten, die ohne besondere Vor kommnisse einen Rückwärtspurzelbaum ausgeführt und sich dabei im Nacken-/Schulterbereich verl etzt hatte (Urteil des EVG vom 7. Oktober 2003, U 322/02, E. 4.2 und 4.4). 4.4.8 Das Kantonsgericht verneinte sodann im Urteil vom 6. Dezember 2006 (725 06 165/242) das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors bei e inem Handballspieler, der sich bei einem angetäuschten Sprung ohne Einwirkung eines andere n Spielers am Knie verletzt hatte. Der mithin abrupt angetäuschte Sprungwurf selbst sei g ewollt gewesen und habe sich im Rah- men dessen bewegt, was unter den konkreten Umständen zwar als anstrengend, indessen aber auch als bei dieser Sportart alltäglich und üblich zu bezeichnen sei (KGSV vom 6. Dezember 2006, 725 06 165/242, E. 6). 5.1 In der Bagatellunfallmeldung vom 17. Juli 2009 li ess der Beschwerdeführer zum Unfall- hergang ausführen, dass er sich während seinen Ferien i n Spanien am 4. Juli 2009 beim Vol- leyball spielen am Strand im Rücken-/Lendenwirbelberei ch verletzt habe. Es habe bei einem Smash einen heftigen Zwick in den unteren Rücken-/Lenden wirbelbereich gegeben. Er habe Seite 7 sich nicht mehr bewegen können und sei dann von einem Ph ysiotherapeuten leicht massiert worden. Am 4. August 2009 hielt der Beschwerdeführer a uf Anfrage der Beschwerdegegnerin zum Unfallhergang fest, dass er beim Beachvolleyball spi elen Anlauf zu einem Schmetterball geholt habe. Da der Anlauf parallel zum Netz verlaufe n sei und er sich in der Luft habe drehen müssen, sei er bei der Landung in Rücklage geraten und sei auf sein Hinterteil gefallen. Ob sich der Bandscheibenvorfall beim Smash selbst oder bei der Landung zugetragen habe, könne er nicht genau sagen. Er habe sich in jeden Fall danach ni cht mehr bewegen können. Das sei schade gewesen, denn sie hätten im 5. Satz mit 13:8 vorne gelegen. Aufgrund einer Bespre- chung mit dem Beschwerdeführer am 23. Februar 2010 pr otokollierte die Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin Folgendes: Der Beschwerdeführer hab e Beachvolleyball gespielt. Bei einem Smash habe er sich nach hinten bewegen müssen, um den Ball noch erreichen zu kön- nen. Er sei dann hingefallen und auf dem Po-/Rückenber eich gelandet. Danach sei er liegen geblieben und die anderen Mitspieler seien gekommen, um ihm zu helfen. Es sei aber nicht gegangen. Er habe sich auf den Bauch drehen und auf die Knie bewegen müssen, um so mit Hilfe aufstehen zu können. 5.2 Da der Beschwerdeführer über eine Gesundheitsschädi gung klagt, die sich auf das Kör- perinnere beschränkt, müsste nach der dargelegten Rech tsprechung zur Annahme des erfor- derlichen Begriffsmerkmals der Ungewöhnlichkeit ein Zusatzg eschehen erstellt sein. An einem solchen besonderen Ereignis fehlt es indessen. Gestützt au f die Schilderungen des Beschwer- deführers steht fest, dass der Schmetterball in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmus- ter der Sportart Beachvolleyball fällt. Dabei ist es nicht aussergewöhnlich, dass die Spieler ihren Oberkörper stark verdrehen müssen, um Schwung zu holen und nach dem Schmetterball rück- wärts auf dem Hinterteil im Sand landen. Kein in der Aussenwelt begründeter Umstand hat den natürlichen Ablauf der Körperbewegung beim Smash gestö rt. Die angeführten Präjudizien zei- gen, dass bei sportlichen Tätigkeiten ein Unfall im Rechtssinne dann anzunehmen ist, wenn die sportliche Übung anders verläuft als geplant. Wenn sich h ingegen das in einer sportlichen Übung inhärente Risiko einer Verletzung verwirklicht, l iegt kein Unfallereignis vor. Ein solches ist auch dann zu verneinen, wenn die Übung zwar nicht i deal verläuft, die Art der Ausführung sich aber noch in der Spannweite des Üblichen bewegt. E ine relevante Programmwidrigkeit läge im Falle des Beschwerdeführers dann vor, wenn er zu m Beispiel einen Zusammenstoss mit einem Mitspieler gehabt hätte oder bei der Landu ng über ein Hindernis im Sand gestolpert wäre. Ein derartiges Vorkommnis wäre mit dem Verlust de r Skiführung auf vereister Unterlage vergleichbar, welche im Falle des Skifahrers zur Bejahung des Merkmals des ungewöhnlichen äusseren Faktors führte (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420 ff.). Wäre ein sinnfälliges Ereignis vorge- fallen, ist indes mit hoher Wahrscheinlichkeit anzuneh men, dass der Beschwerdeführer dieses auf der Unfallmeldung oder zumindest auf dem ergänzenden Fragebogen erwähnt hätte. 5.3 Zum vergleichbaren Fall eines Versicherten, der ohn e besondere Vorkommnisse beim Volleyball spielen nach einem geschlagenen Schmetterball, bei dem er in gestreckte Rückenla- ge geriet, einen Zwick im Rücken und danach starke Kreuzsch merzen verspürte, führte das EVG aus, im Volleyballspiel sei es durchaus üblich, dass ein Zuspiel ungenau erfolge oder aber der Absprung des Spielers nicht optimal auf ein Zuspiel abgestimmt sei. In diesen Fällen wie auch bei Angriffen des Gegners müssten Bälle regelmässig mit aussergewöhnlichen Körperbe- wegungen oder im Fallen geholt werden. Entsprechende Bewegungsabläufe würden denn auch trainiert. Ballannahmen in überstreckter Rückenlage (H ohlkreuz) mit anschliessender Landung Seite 8 in dieser spezifischen Körperlage würden beim Volleyball häufig vorkommen. Solche Bewegun- gen würden in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegun gsmuster dieses Sports fallen, und zwar unabhängig von der Leistungsfähigkeit des betroff enen Spielers. Dass er am Ende der Landung auf die Knie gefallen sei, stelle nichts "Pro grammwidriges" dar (Urteil des EVG vom 10. Mai 2004, U 199/03, E. 4.2). 6. Beim ausgeführten Schmetterball handelt es sich nicht um eine "programmwidrige", un- koordinierte Bewegung, welche das Unfallmerkmal des ung ewöhnlichen äusseren Faktors er- füllt. Das Ereignis vom 4. Juli 2009 stellt daher kei nen Unfall im Rechtssinne dar. Im Weiteren muss auch das Vorliegen einer der in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 abschliessend aufgezählten unfallähnlichen Körperschädigun- gen verneint werden, da beim Beschwerdeführer keine entsprechende Verletzung diagnostiziert wurde. Da kein Unfall im Rechtssinne vorliegt und auch keine unfallähnliche Körperschädigung, die eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begrü nden würde, kann auf die Prüfung der zwischen den Parteien umstrittenen Frage, ob zwischen dem Ereignis und den eingetretenen Beschwerden im Zeitpunkt der Leistungseinstellung ein na türlicher und ein adäquater Kausal- zusammenhang noch bestanden hat, verzichtet werden. Die Beschwerdegegnerin lehnte ihre Leistungspflicht zu Recht ab. Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Art. 61 l it. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vor- liegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Entsprechen d dem Ausgang des Verfahrens – der Beschwerdeführer ist mit seinen Rechtsbegehren unte rlegen – steht ihm gemäss Art. 61 lit. g ATSG keine Parteientschädigung zu. Mit Beschwerde vom 7. September 2011 ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung. Ge mäss § 22 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 wird der Beschwerde führenden Person, der die nötigen Mitt el fehlen und deren Begehren nicht of- fensichtlich als aussichtslos erscheint, von der Bezahlung der Verfahrenskosten und der Kosten der Beweismassnahmen befreit. Unter den gleichen Voraussetzungen wird einer Partei der kos- tenlose Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin gewährt, sofern dies zur Wahrung ihrer Rech- te notwendig erscheint. Die Beschwerde kann nicht offen sichtlich als aussichtslos bezeichnet werden. Aufgrund der Komplexität der sich stellenden F ragen durfte zudem ein Anwalt beige- zogen werden. Es bleibt somit zu prüfen, ob der Beschwe rdeführer prozessual bedürftig ist. Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Prozesskosten aufzukommen, ohne dass sie die Mittel beanspruchen müsste, die zur D eckung des Grundbedarfs für sie und ihre Familie notwendig sind (BGE 127 I 205 f. E. 3b, 124 I 2 f. E. 2a, je mit Hinweisen). Für den Entscheid über die Bewilligung der unentgeltlichen R echtspflege ist grundsätzlich die gesamte wirtschaftliche Situation im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuches massgebend (BGE 120 Ia 181 E. 3a). Mit Eingabe vom 18. Januar 2012 reichte d er Beschwerdeführer das Gesuchsfor- mular sowie die entsprechenden Belege dazu ein. Nach Durchführung der Bedarfsrechnung ergibt sich ein monatlicher Überschuss von Fr. 245.--. Pra xisgemäss hat sich der Beschwerde- führer im dreifachen Betrag dieses Überschusses an den Anwaltskosten zu beteiligen, was in Anbetracht der vorliegenden Angaben einen Selbstbehalt in der Höhe von Fr. 735.-- ergibt. Dies bedeutet für das vorliegende Verfahren, dass die unentg eltliche Verbeiständung mit Advokat Stephan Wolf teilweise zu bewilligen ist und er für se ine Bemühungen, soweit sie den vom Be- schwerdeführer zu tragenden Selbstbehalt von Fr. 735.-- übersteigen, aus der Gerichtskasse zu Seite 9 entschädigen ist. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltl icher Verbeiständung Fr. 180.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 18. Januar 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 7 Stunden geltend ge macht, was sich umfangmässig in An- betracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfrag en als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 26.--. In Berücksichtigung des vom Beschwerdeführer zu tragenden Selbstbehaltes in der Höhe von Fr. 735.-- ist dem Rechts- vertreter deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 551. -- (7 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich Aus- lagen von Fr. 26.-- abzüglich des Selbstbehaltes von F r. 735.--) aus der Gerichtskasse auszu- richten. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge teilweiser Bewilligung der unentgeltlichen Ve rbeiständung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar i n der Höhe von Fr. 551.-- (inkl. Auslagen) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht