BRKE IV Nrn. 38 und 39/2000 vom 30. März 2000 in BEZ 2000 Nr. 30 Das Baugrundstück liegt te ilweise in der Kernzone und im Ü brigen in der ka n- tonalen Landwirtschaftszone. Der westliche Teil des Kernzonenbereichs befindet sich im Perimeter des Ortsbildinventars von kantonaler Bedeutung. Im Baulandb e- reich sollen insgesamt sechs Einfamilienhäuser erstellt werden. 6. Die Rekurrenten machen zunächst geltend, die Baudirektion habe ihre Beu r- teilungskompetenzen überschritten. Dieser Behörde stehe lediglich die Überprüfung des Bauvorhabens im Zusammenhang mit dem Schutz des Ortsbildes zu, nicht a ber die Beurteilung der gestalterischen Detailfragen. Es könne nicht Aufgabe der Baud i- rektion sein, darüber zu entscheiden, ob Lamellenstoren und Fenstertüren der ort s- üblichen Gestaltung entsprächen. Ebensowenig sei die Baudirektion dazu berufen, über die nach der kommunalen Bau - und Zonenordnung zulässigen Fensterformen, Sprosseneinteilungen und Fenstergewände zu entscheiden. Ohnehin verwehrt sei der Baudirektion, die Überschreitung der Geschosszahl beim Gebäude 2 mit der Begründung zu beansta nden, dass di e im Untergeschoss geplanten Räume für den dauernden Aufenthalt geei gnet seien; diese Frage stehe mit der Einordnung der Überbauung in keinem Zusammenhang. a) Gemäss Ziffer 1.4.1.3 Anhang BVV in Verbindung mit § 7 BVV bedürfen Ba u- vorhaben im Geltungsbereic h eines überkommunalen Ortsbildschutzinventars einer z usätzlichen Baubewilligung der Baudirektion. Die Baudirektion hat dafür zu sorgen, dass das betreffende Schutzobjekt geschont wird und, wo das schutzwürd ige Inte- resse überwiegt, ungeschmälert erhalten b leibt (§ 204 Abs. 1 PBG in Verbi ndung mit § 1 der N atur- und Heimatschutzverordnung [NHV] vom 20. Juli 1977). Die Beurte i- lungskompetenz der Baudirektion erstreckt sich somit auf alle gestalterischen Be- lange eines Bauvorhabens, welche das fragliche Schutzob jekt beeinträchtigen könn- ten. Dazu gehören z unächst die Kubaturen der Bauten und ihre Anordnung auf dem Baugrundstück. Diese Gestaltungsmerkmale hat die Baudirektion nach Mas s gabe von § 238 Abs. 2 PBG und alle nfalls anhand besonderer Vorschriften der Schut zan- ordnung (inkl. des ko mmunalen Kernzonenplans) zu überprüfen. Aber auch die - 2 - Überprüfung der Detailgestaltung fällt in die Kompetenz der Baudirektion, sind doch auch Dinge wie Fassadengestaltung, Far bgebung, (fehlender) Fassadenve rputz, Fenstereinrahmungen, Rolläden oder (fehlende) Fenstersprossen durchaus geei g- net, das Bauvorhaben im Ortsbild störend erscheinen zu lassen. Bei der Beu rteilung der Detailgestaltung hat die Baudirektion neben § 238 Abs. 2 PBG auch die mas s- geblichen kommunalen Kernzonenvorschr iften zu beachten, weil diese B estimmun- gen näher ausführen, welche Gestaltungselemente im jeweiligen schü tzenswerten Ortsbild typisch oder gar unerlässlich sind. Bezüglich des Gebietes im Perimeter eines schützenswerten Ortsbilds von überkommunaler Bedeutung ist die Baudirektion somit umfassend für die Beurteilung der Einordnung und der Einhaltung der massgeblichen Gestaltungsvorschriften z u- ständig. Dies war schon bisher nicht anders, kam aber bis zur Einführung der koo r- dinationsrechtlichen Verfahrensvorschriften (BVV vom 7. Dezember 1997) nicht zum Ausdruck, da sich die Baudirektion bis dahin auf die Genehmigung der kommunalen Baubewilligung beschränkte. Im Rahmen jenes Genehmigungsverfahrens war die Baudirektion sehr wohl zu Detailbeurteilungen befugt, mac hte davon aber eher se l- ten Gebrauch. Alle anderen Belange eines Bauvorhabens fallen mangels direkten Bezuges auf das Ortsbild auch dann nicht in die Beurteilungskompetenz der Baudirektion, wenn ein Zusammenhang zwischen dem fraglichen Teilbauvorhaben und e inem äusseren Gestaltungsmerkmal herstellbar ist. b) Das Bauvorhaben befindet sich etwa zur Hälfte ausserhalb des Perimeters des Ortsbildinventars von kantonaler Bedeutung. Dieser Umstand hat keine Auswi r- kungen auf die Zuständigkeitsfrage. Das Bauvorhaben ist gesamthaft zu beurteilen; zudem müssen Bauten und Anlagen, welche sich knapp ausserhalb des Perimeters befinden, aufgrund ihrer Nähe zum schützenswerten Ortskern ebenfalls auf die Übereinstimmung mit den Zielen des Ortsbildschu tzes überprüft werden. c) Aus den Akten geht nicht klar hervor, ob die Baudirektion den Gemeinderat X. zur Stellungnahme über die Einordnung des Bauvorhabens und die Einhaltung der Kernzonenvorschriften eingeladen hat (§ 2 Abs. 2 NHV). In ihrer Rekursschrift hat die Gemeinde X. in dessen zu dieser Frage ausführlich Stellung genommen, weshalb eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs im Rekursverfahren g e- heilt worden wäre. Nach dem Gesagten stand es der Baudirektion nicht zu, das Untergeschoss des Gebäudes 2 daraufhin zu unte rsuchen, ob es für den dauernden Aufenthalt von Menschen geeignet sei und gegen eine nutzungsbeschränkende Norm der Bau - und Zonenordnung verstosse. Alle anderen beanstandeten Punkte fallen hingegen in den Zustä ndigkeitsbereich der Baudirektion. Dies gilt auch für die Feststellung der Verletzung von § 293 PBG betreffend die Erscheinung von Untergeschossen, da diese Vorschrift die Gestaltung des Bauvorhabens direkt mitbestimmt. d) Die geringfügige Kompetenzüberschreitung der Baudirektion hat für sich a l- leine nicht die beantragte Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids zur Folge. In der nac hfolgend vorzunehmenden Überprüfung der Verweigerungsgründe hat die Frage der Zulässigkeit der geplanten Untergeschossnutzung jedoch ausser Betracht zu fallen.