B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6845/2008 U r t e i l v o m 11 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Kurt Gysi, Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, und ihre Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…) alle vertreten durch Melanie Aebli, Freiplatzaktion Zürich, Rechtshilfe Asyl, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Sep- tember 2008 / N (…). E-6845/2008 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin lebte eigenen Angaben zufolge seit ihrer Geburt bis zum 18. Lebensjahr in Addis Abeba. Danach sei ihre Familie nach Eritrea deportiert worden, von wo sie am 14. August 2006 nach Sudan geflüchtet sei und nach einem zehntätigen Aufenthalt in Khartum auf dem Luftweg nach (...) gelangte. Am 1. September 2006 reiste sie illegal in die Schweiz ein und stellte gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszent- rum (...) ein Asylgesuch. Am 11. September 2006 fand am selben Ort eine summarische Befragung der Beschwerdeführerin statt. In der Folge wu r- de sie für die Dauer des Verfahrens dem Kanton (...) zugewiesen. Das Ausländeramt des Kantons (...) hörte sie sodann am 27. November 2006 eingehend zu ihren Asylgründen an. Die Beschwerdeführerin machte fo l- gende Aussagen zu ihrer Person und ihren Fluchtgründen: Sie sei zwar in Addis Abeba geboren und aufgewachsen, stamme aber ursprünglich aus Eritrea und ihr Heimat ort heisse (...). Beide ihrer Eltern- teile seien in Eritrea geboren und würden zur ethnischen Gruppe der Tig- re gehören. Sie spreche weder Tigre noch Tigrinya, sondern nur Amh a- risch und ein wenig Arabisch . Sie habe nach der Zwangsumsiedelung nach Eritrea zunächst mit der Familie in (...), einem Stadtteil der eritre i- schen Stadt D._______, gelebt . Danach sei sie aus wirtschaftlichen Gründen alleine nach E._______ gezogen, einer Ortschaft an der Grenze zwischen E ritrea und Äthiopien. Ihre fünf Geschwister, drei Schwestern und zwei Brüder, würden bis heute bei den Eltern in D._______ leben. Sie habe die Schule bis zur 9. Klasse besucht und danach keine Berufs- bildung genossen. [Arbeitstätigkeiten] Zur Begründung ihres Asylges u- ches brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie und ihre Familie seien in Addis Abeba aufgrund ihrer Herkunft durch äthiopische Vollzugsbehörden nach Eritrea deportiert worden. Sie habe damals auch eine Vergewaltigung erlebt. Nach der Zwangsumsiedelung habe sie von den eritreischen Behörden ein schriftliches Aufgebot zur Militärdienstaus- hebung erhalten, worauf sie den Entschluss gefasst habe, das Land zu verlassen. B. Die Beschwerdeführerin gab am 26. Dezember 2007 zwei Dokumente zu den Akten. Es handelte sich um eine Identitätskarte und um einen Au s- weis für vertriebene Eritreer. E-6845/2008 Seite 3 C. Am 24. und 30. Juli 2008 liess die Vorinstanz amtsintern einen Analys e- bericht zu den Identit ätsdokumenten erstellen. Gemäss Analysebericht sind beide Dokumente, die Identitätskarte sowie der Ausweis für aus Äthiopien vertriebene Eritreer, gefälscht. Zum Abklärungsresultat gewähr- te die Vorinstanz der damaligen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführ e- rin mit Schreiben vom 31. Juli 2008 rechtliches Gehör. Letztere verzichte- te auf die Einreichung einer Stellungnahme innert Frist. Auf den genauen Inhalt des Berichts zur Dokumentenanalyse wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D. Mit Verfügung vom 24. September 2008 – der Rechtsvertreterin eröffnet am 25. September 2008 – wies die Vorinstanz das Asylgesuch der B e- schwerdeführerin ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz s o- wie deren Vollzug an. Dabei wurde das am (…) 2008 geborene Kind ins Verfahren seiner Mutter miteinbezogen. Zur Begründung führte das BFM aus, die Asylvorbringen vermöchten den Anforderungen an die Glaubha f- tigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] nicht zu genügen. Insbesondere seien gemäss amtsinterner Dokumentenprüfung die von der Beschwerdeführerin als Beweismittel eingereichten Dokumente gefälscht. Den Wegweisungsvollzug erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. Auf die detaillierte Begrü n- dung wird in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. E. Mit Eingabe vom 24 . Oktober 2008 wandte sich die Beschwerdeführerin persönlich ans BFM und hielt an der Echtheit der nachgereichten Dok u- mente fest. Zudem machte sie gesundheitliche Probleme geltend, wobei sie für nähere Auskü nfte auf ihren H ausarzt verwies. Die Eingabe war nicht unterzeichnet. Das BFM überwies die Eingabe ans Bundesverwa l- tungsgericht. F. Mit Zwischenverfügung vom 4. November 2008 nahm die Instruktionsrich- terin die Eingabe als verbesserungsbedürftige Beschwerde entgegen und teilte der Beschwerdeführerin mit, dass sie und [ihr Kind] den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten könnten. Sodann wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, eine unterschriebene B e- schwerdeschrift einzureichen, wobei bei unbenutzter Frist auf die B e- schwerde nicht eingetreten würde . Weiter wurde festgehalten, dass über E-6845/2008 Seite 4 die Erhebung eines Vorschusses zur Deckung der mutmasslichen Ve r- fahrenskosten und über die Beibringung weiterer Beweismittel (ärztliches Zeugnis) nach Ablauf der Frist zur Verbesserung zu entscheiden sei. G. Am 4. November 2008 reichte der von der Beschwerdeführerin neu ma n- datierte Rechtsvertreter beim BFM ein Gesuch um Akteneinsicht ein. Die- sem Ersuchen wurde mit Aktenzustellung vom 17. November 2008 Folge geleistet. H. Da die Zwischenverfügung vom 4. November 2008 infolge Umzugs der Beschwerdeführerin an die falsche Adresse geschickt wurde, war eine Nachsendung erst mit Datum vom 14. November 2008 möglich . Die von der Beschwerdeführerin fristgerecht nachgereichte Origina l-Unterschrift mit Eingabe vom 16. November 2008 (Datum Poststempel: 17. November 2008) wurde in der Instruktionsverfügung vom 12. Februar 2009 sodann als Beschwerdeverbesserung entgegen genommen und auf die B e- schwerde wurde eingetreten. Aufgrund der Akten lage wurde zudem auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ver zichtet und die Beschwerd e- führerin aufgefordert, bis zum 4. März 2009 allfällige Wegweisungshi n- dernisse medizinischer Natur durch einen aktuellen und detaillierten ärz t- lichen Bericht zu belegen s owie eine Erklärung über die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden einzure i- chen. Ferner wurde die Beschwerdeführerin um Mitteilung einer im B e- schwerdeverfahren allfällig neu eingesetzten Rechtsvertretung aufgefo r- dert. I. Mit Eingabe vom 13. Februar 2009 teilte der damalige Rechtsvertreter mit, dass das Mandatsverhältnis zwischen ihm und der Beschwerdeführe- rin per 16. Dezember 2008 beendet wurde. J. Mit Eingabe vom 27. Februar 2009 reichte die Beschwerdeführerin frist- gerecht einen aktuellen ärztlichen Bericht sowie die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht zu den Akten. K. Am (…) 2010 anerkannte (...) seine Vaterschaft gegenüber der Tochter der Beschwerdeführerin. Die Vorinstanz leitete die zivilstandsamtliche E-6845/2008 Seite 5 Kindesanerkennung mit Eingabe vom 3. Mai 2010 an das Bundesverwal- tungsgericht weiter. L. Mit Instruktionsverfügung vom 2. September 2011 wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. M. Mit Vernehmlassung vom 12. September 2011 hielt die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel enthalte, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfert i- gen könnten. Sie hielt vollumfänglich an ihren Erwägungen fest und bean- tragte die Abweisung der Beschwerde. N. Mit Instruktionsverfügung vom 14. September 2011 räumte die Instrukti- onsrichterin der Beschwerdeführerin die Möglichkeit ein, eine Replik ei n- zureichen. Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 22. Septe m- ber 2011 ( Datum Poststempel: 21. Sept ember 2011) fristgerecht eine Stellungnahme ein, welche fälschlicherweise an das BFM adressiert war. Die Stellungnahme wurde ans Bundesverwaltungsgericht überwiesen. O. Am (...) 2011 brachte die Beschwerdeführerin ein zweites Kind, C._______, zur Welt. P. Am 12. Dezember 2011 wandte sich die heutige Rechtsvertreterin ans Gericht und beantragte die Ansetzung einer neuen Frist zur Stellungnah- me. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstan z des Bundesve r-E-6845/2008 Seite 6 waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls en dgültig, ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder, sofern diese geboren waren, haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefoch- tene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Int e- resse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 1.4. [Das] am (...) 2011 geborene [Kind] der Beschwerdeführer in, C._______, wird als zweites Kind der Beschwerdeführerin in das vorli e- gende Verfahren miteinbezogen. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ern sthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen E-6845/2008 Seite 7 psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1. Die Vorinstanz hielt in ihrer ablehnenden Verfügung fest, dass die als Beweismittel eingereichten Dokumente gestützt auf die amtsinternen Überprüfungsergebnisse gefälscht sind. Bei der Identitätskarte handle es sich um eine Fotokopie, welche keine der üblichen Sicherheitsmerkmale aufweise. So seien unter dem UV -Licht keinerlei typischen Kennzeichen ersichtlich. Ferner seien die Einträge nach einer Beschädigung durch Wasser handschriftlich angebracht worden. Beim 'Ausweis für aus Äthi o- pien vertriebene Eritreer' falle im Vergleich zu einem Originalexemplar dieses Ausweises auf, dass grundlegende Eigenschaften wie beispiel s- weise Grösse oder Farbe nicht übereinstimmen würden. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie gehöre zur Volksgruppe der Tigre und habe nach der Deportation vier Jahre lang in Eritrea gelebt, hielt die Vorinstanz für unglaubhaft. Die Beschwerdeführerin spreche ei- genen Angaben zufolge kein Tigrinya, sondern nur Amharisch und Ar a- bisch. Die Erklärungen der Beschwerdeführerin betreffend ihrer Herkunft und ihrer Sprachkenntnisse seien als realitätsfremd zu qualifizieren. Da r- aus könne gefolgert werden, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine Äthiopierin ohne eritreische Abstammung handle, welche auch nie in Eritrea gelebt habe. Die Vorinstanz kam nach eingehender Prüfung der Vorbringen zum Schluss, dass diese insgesamt unsubstantiiert und widersprüchlich seien. Gemäss Vorinstanz hielten die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht stand. Der Vollzug der Wegweisung nach Äthiopien sei zulässig, zumutbar und möglich. E-6845/2008 Seite 8 4.2. Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Beschwerde an der Echtheit der eingereichten Dokumente fest und machte gesundheitliche Probleme gel- tend, wobei sie für nähere Auskünfte auf ihren Hausarzt verwies. Im nachgereichten Arztbericht wird im Wesentliche n festgehalten, dass die Beschwerdeführerin am (...) 2007 wegen wiederholten Infekten der Har n- blase und damit verbundenen Unterbauchschmerzen in einer gynäkolog i- schen Untersuchung war. 4.3. In der Vernehmlassung vom 12. September 2011 entgegnete die Vor- instanz, dass die von der Beschwerdeführerin gelten d gemachten g e- sundheitlichen Probleme offensichtlich nicht schwerwiegend genug seien, als dass eine adäquate Behandlung in Äthiopien nicht gewährleistet wäre, zumal sie eine empfohlene Kontrolluntersuchung nicht eingehalten habe. Ferner habe der leibliche Vater [des älteren Kindes] der Beschwerdefüh- rerin, [dieses] als sein Kind anerkannt. Er sei äthiopischer Staatsangeh ö- riger, dessen Asylgesuch ebenfalls abgelehnt wurde, weshalb eine g e- meinsame Rückkehr der Beschwerdeführerinnen mit dem Vater des Ki n- des zumutbar sei. Im Übrigen hielt die Vorinstanz vollumfänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte erneut die Abweisung der Beschwerde. 4.4. In ihrer Stellungnahme vom 21. September 2011 wiederholte die B e- schwerdeführerin ihre bisherigen Vorbringen und ersuchte darum, erneut angehört zu werden. 5. Die heutige Rechtsvertreterin reichte am 12. Dezember 2012 eine Vol l- macht zu den Akten und teilte mit, sie habe mit heutigem Datum um A k- teneinsicht ersucht. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass aus den Akten nicht hervorgeht, dass die heutige Rechtsvertreterin beim BFM ein Akten- einsichtsgesuch eingereicht hat. In der selben Eingabe ersucht sie um Gewährung einer neuen Frist zur Stellungnahme. Sie macht geltend, die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Schwangerschaft und ihres abge- legenen Wohnortes zum damaligen Zeitpunkt nicht in der Lage gewesen, fristgerecht eine eingehende Stellungnahme einzureichen. Zur vorgenannten Eingabe der heutigen Rechtsvertreterin ist Folgendes festzuhalten: Die Beschwerdeführerin war im vorin stanzlichen Verfahren vertreten durch eine in Asylverfahren spezialisierte Rechtsberatungsste l- le. Das Schreiben betreffend Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Fäl- schungserkenntnis wurde an diese Vertreterin geschickt; ebenso wurde die anfechtbare Verfügung an diese Rechtsvertreterin geschickt, welche E-6845/2008 Seite 9 auf eine Beschwerdeerhebung für ihre Mandantin verzichtete; die B e- schwerdeführerin reichte sodann persönlich eine Be schwerde ein. Alle Akten wurden der Rechtsvertreterin bereits vor Erlass der anfechtbaren Verfügung antragsgemäss zugestellt (vgl. A 21/3). Im Verlauf des Beschwerdeverfahrens, das seit Einreichung der Eingabe vom 24. Oktober 2008 beim BVGer hängig war, mandatierte die B e- schwerdeführerin am 4. November 2008 erneut einen Rechtsvertreter, der sich mit einem Gesuch um Akteneinsicht ans BFM wandte (A 27/2). Auch ihm wurden die Akten durch das BFM zugestellt (A 28/2). Auch das Bundesverwaltungsgericht stellte ihm eine Kopie der Instruktionsverf ü- gung vom 12. Februar 2009 zu und setzte Frist zur Klärung an, ob er im Beschwerdeverfahren als Rechtsvertreter auftrete oder nicht. Dieser teilte dem Gericht in der Folge mit Schreiben vom 13. Februar 2009 mit, das Mandatsverhältnis sei mittlerweile beendet. Für das Gericht besteht angesichts des ski zzierten Verfahrensablaufs, demzufolge das BFM bereits zweimal an von der Beschwerdeführerin mandatierte professionelle und im Asylverfahren erfahrene Rechtsvertr e- ter Akteneinsicht gewährt hat, keine Veranlassung, ein weiteres Mal für eine Akteneinsicht besorgt zu sein, zumal ein solches Gesuch beim BFM nicht mehr aktenkundig wurde. Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 21. Septe m- ber 2011 darum ersuch te, erneut angehört zu werden, ist dieser Antrag abzuweisen, bzw. besteht keine Veranlassung , die Sache an das BFM zwecks Durchführung einer erneuten Anhörung zurückzuweisen. Das BFM hat den Sachverhalt vielmehr korrekt ermittelt und festgestellt, und Veranlassung für weitere Sachverhaltsabklärungen oder Befragungen besteht nicht. 6. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten in Übereinstimmung mit den Erwägungen der Vorinstanz zum Schluss, dass die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte e ritreische Herkunft bzw. eritreische Staatsangehörigkeit und die Deportation nach Eritrea nicht glaubhaft geworden sind. 6.1. 6.1.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die eritreische Staatsbü r- gerschaft zu besitzen (A10 S. 15). Gemäss amtsinternen Abklärungen E-6845/2008 Seite 10 des BFM konnte nach Überprüfung der beiden Identitätsdokumente deren Fälschung festgestellt werden . Die vom BFM dargelegten Abklärungse r- gebnisse sind überzeugend. Der zur Untersuchung beauftragte amtsin- terne Länderexperte kam zum Schluss, dass die eritreische Identitätskar- te offensichtlich gefälscht ist. Es wurde festgestellt, dass es sich beim fraglichen Dokument um eine Kopie handelt und es insbesondere unter dem UV -Licht keine Sicherheitsmerkmale aufweist. Die vom BFM g e- nannten Fälschungsmerkmale des Ausweises, namentlich die fehlenden dokumententypischen Angaben und tatsachenfremden Vermerke, sind nachvollziehbar. Bei der Prüfung des zweiten Dokuments, eines Auswe i- ses für aus Äthiopien vertrieben e Eritreer, sind bei einem Vergleich mit einem Original ebenfalls entscheidende Unterschiede festgestellt worden. So war die blaue Färbung des von der Beschwerdeführerin eingereichten Ausweises deutlich schwächer ausgeprägt als beim Original und es war ein Formatunterschied zwischen den zwei Ausweisexemplaren e rkenn- bar. Auf der Frontseite fehlten bestimmte Beschriftungen und auf der In- nenseite des Ausweises waren diverse weitere Abweichungen vom Origi- nalexemplar erkennbar. Aufgrund der präzisen und sorgfältigen Untersu- chung erscheinen die Ausführungen zur Echthe it der eingereichten Be- weismittel insgesamt überzeugend . Im Übrigen fallen bereits bei einer oberflächlichen Betrachtung der Ausweise gewisse Qualitätsmängel phy- sischer Natur auf, welche auf eine Fälschung hinweisen . Die Schriftzüge auf den Ausweisen sind verschmiert oder verblasst und weisen han d- schriftliche Einträge auf. Die Laminierung der Ausweise hinterlässt keinen professionellen Eindruck. Aufgrund dieser Erkenntnisse ist davon ausz u- gehen, dass die Beschwerdeführerin nicht eritreische Staatsbürgerin i st. Dies auch vor dem Hintergrund, dass gemäss Erkenntnissen einer deutsch-österreichisch-schweizerischen Fact Finding Mission nach Äthi o- pien und Somaliland ( im Januar 2010) eine Vielzahl gefälschter Dok u- mente in Äthiopien problemlos erhältlich sind (vgl. Bundesamt für Migrati- on und Flüchtlinge, Bundesasylamt, Bundesamt für Migration BFM: B e- richt zur D -A-CH Fact Finding Mission Äthiopien/Somaliland 2010, Mai 2010, S. 31). Im Folgenden wird auf weitere Punkte , die im Zusammen- hang mit der Herkunft der Beschwerdeführerin von Bedeutung sind, ein- gegangen. 6.1.2. Gemäss Beschwerdeführerin seien beide Eltern in Eritrea geboren und würden dem Volksstamm der Tigre angehören. Dennoch verfügt sie kaum über Kenntnisse zu diesem Volksstamm. Anlässlich der ersten A n- hörung war sie der Ansicht, dass alle Eritreer auch Tigre genannt würden (A1 S. 5). Diese Antwort ist in Anbetracht der in Eritrea vorkommenden E-6845/2008 Seite 11 Stammesvielfalt offensichtlich falsch. Auf die anschliessende Frage, ob sie die Hauptethnien in Eritrea nennen könne, konnte sie keine Antwort zu Protokoll geben. Anlässlich der zweiten Befragung zweieinhalb Monate später, erklärte sie zum Begriff Tigre , dass es sich um e inen der neun Volksstämme Eritreas handelt (A10 S. 18). Dieser Aussage ist insofern keine Relevanz beizumessen, als sich di e Beschwerdeführerin in der Zwischenzeit auf die Zweitanhörung vorbereiten konnte und vermutungs- weise deswegen korrekt aussagte. Insgesamt sind die Äusserungen der Beschwerdeführerin zur Stammesangehörigkeit äusserst vage , zugleich tatsachenwidrig und stellen die geltend gemachte Herkunft stark in Frage. Auf den eritreischen Heimatort ihrer Eltern angesprochen, konnte sie ebenfalls keine überzeugende Antwort zu Protokoll geben. Erst a ls der Befrager sie auf die Ortschaft (...) aufmerksam machte, welche sie bereits anlässlich der ersten Befragung nannte, erinnerte sie sich wieder und bestätigte sodann den genannten Ort als Heimatort ihrer Eltern (A10 S. 14). Auf die Frage, weshalb ihre Eltern mit ihren Kindern nicht über deren Abstammung gesprochen hätten , erklärte die Beschwerdeführerin, sie habe nicht oft danach gefragt (A10 S. 14). Die Antworten der Beschwer- deführerin sind unsubstantiiert und wirken gesucht . Sie erwecken den Eindruck, dass sie nicht dem Tigre-Volksstamm angehört und den eritrei- schen Heimatort ihrer Eltern nicht kennt , woraus geschlossen werden kann, dass ein solcher nie existierte. 6.1.3. Die Beschwerdeführerin spricht angesichts der vorgebrachten eri t- reischen Herkunft erstaunlicherweise weder Tigre noch Tigrinya, sondern lediglich Amharisch und Arabisch. Auf die Frage, wie sie sich denn in E._______, Eritrea, als Verkäuferin mit ihrer Kundschaft unterhalten h a- be, a ntwortete sie, sie habe in Arabisch kommuniziert (A10 S.8). Diese Behauptung erscheint unglaubwürdig, da die meist gesprochene Sprache in Eritrea Tigrinya ist. Es ist unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführe- rin während ihres angeblichen vierjährigen Aufenthaltes in Eritrea sich die lokale Sprache, zumindest in ihren Grundzügen , nicht aneignen konnte. Insgesamt weisen ihre Sprachkenntnisse vielmehr auf eine äthiopische Herkunft hin. Ausserdem kann sie sich auch ein wenig auf Englisch ve r- ständigen, was die vorgängige Vermutung bekräftigt, da nur in Äthiopien Englisch als Bildungssprache gesprochen wird . Ferner gehört sie der christlich-orthodoxen Kirche an. Dies erscheint für eine Tigre - Stammesangehörige ungewöhnlich, zumal die Mehrheit de r eritreischen Bevölkerung muslimisch ist, während die in Äthiopien lebenden Amharen vorwiegend Christen sind. E-6845/2008 Seite 12 6.1.4. Die Beschwerdeführerin sei zeitweise in Besitz zweier äthiopi scher Ausweispapiere (Reisepass und ID) gewesen. Diese habe sie durch Be- ziehungen besorgen können, sie seien aber gefälscht gewesen. Sie habe sie lediglich zur Arbeit ins Ausland, nach (...), verwenden wollen. Vor ihrer angeblichen Ausreise nach Eritrea im 2002 habe sie beide Ausweise in Addis Abeba entsorgt (A1 S. 3 f.; A10 S. 4). 6.1.5. Die vorgenannten Umstände erwecken insgesamt starke Zweifel an der Glaubhaftigkeit der von der Beschwerdeführerin geltend gemach- ten eritreischen Herkunft. Es sind genügend Anhaltspunkte gegeben, um vielmehr auf eine äthiopische Herkunft der Beschwerdeführerin schlies- sen zu können. Aufgrund dieser Schlussfolgerung kann bezüglich den vorgängig erwähnten äthiopischen Ausweispapieren , entgegen den Au s- führungen der Beschwerdeführerin, angenommen werden, dass es sich dabei um ihre echten und persönlichen Identitätsdokumente handelte. 6.2. Das Bundesverwaltungsgericht stellt im Sinne eines Zwischenfazits fest, dass die Beschwerdeführerin die angeblich eritreische Abstammung nicht glaubhaft darlegen konnte. Es ist folglich gestützt auf die vorstehen- den Erwägungen davon auszugehen, dass sie aus Äthiopien stammt und vermutungsweise der Volksgruppe der Amharen angehört. 6.3. Da die vorgebrachte eritreische Herkunft nicht glaubhaft geworden ist, bestehen auch Zweifel an der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Deportation. Im Folgenden werden nebst der unglaubhaften Deportation auch weitere Ungereimtheiten aufgezeigt. 6.3.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie und ihre Familie hätten Äthiopien während dem Krieg verlassen müssen (A10 S. 11). Sie seien im Jahr 2002 nach Eritrea, D._______, umgesiedelt worden (A10 S. 5 f., S. 11). Diese Aussage ist tatsachenfremd, da der Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea bereits am 18. Juni 2000 beendet wurde. Gemäss Beschwer- deführerin habe ein lokaler Verwaltungsangestellter eine Mitteilung an ih- re Familie überbracht mit der Aufforderung , das Land zu verlassen. Für den Umzug sei ihnen eine Frist von einem Monat eingeräumt worden. Die sehr oberflächliche Schilderung der angeblich erlebten Deportation der Beschwerdeführerin vermitteln den Eindruck, die Beschwerdeführerin sei selber nicht davon betroffen gewesen. Die un substanziierte und vage Er- zählweise der Beschwerdeführerin und die mangelnden Realkennzeichen in ihrer Schilderung führen zum Er gebnis, dass die Deportation erfunden und unglaubhaft ist. Das Bundesver waltungsgericht gelangt in Überei n-E-6845/2008 Seite 13 stimmung mit der vorinstanzlichen Erwägung zur Überzeugung, dass die geschilderte De portation der Be schwerdeführerin im Sinne von Art. 7 AsylG nicht glaubhaft ist. 6.3.2. Aufgrund der unglaubhaf ten Deportation ergibt sich in der Kon - sequenz, dass die weiteren Verfolgungsvorbringen, die mit der De - portation eng verknüpft sind, namentlich die Vergewaltigung während der Deportation und das Aufgebot für den eritreischen Militärdienst, jeglicher Grundlage entbehren. Ungeachtet dieser Schlussfolgerung sind die die s- bezüglichen Schilderungen, auf welche im Folgenden kurz eingegangen wird, ebenfalls nicht glaubhaft geworden. Die Beschwerdeführerin macht geltend , während der Deportation zw i- schen Addis Abeba und D._______ vergewaltigt worden zu sein. Es sei geschehen, nachdem sie wegen Herzbeschwerden und Bewusstlosigkeit von Soldaten ins Krankenhaus gebracht worden sei (A10 S. 15 f.). Die Diagnose ihrer Krankheit und die verabreichten Medikamente konnte sie nicht nennen (A10 S. 16). Die Vergewaltigung habe nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus stattgefunden. Sie und ihre Freundin seien in einer Nacht von Soldaten zum Beischlaf gezwungen worden (A10 S. 16 f.). Die oberflächlichen und vagen Aussagen vermitt eln den Eindruck, dass die Beschwerdeführerin diesen Vorfall nicht tatsächlich erlebt hat. Ihre Aus- führungen sind mangels Realkennzeichen und in Bestätigung der diesb e- züglichen Erwägung der Vorinstanz als unglaubhaft einzustufen. Im Übri- gen konnte sie die Adresse ihres Wohnsitzes, an welchem sie vier Jahre gelebt habe, nicht angeben. Ihre Angaben zum Wohnort in Eritrea sind ebenfalls widersprüchlich. So gab sie anlässlich der ersten Anhörung zu Protokoll, sie habe vier Jahre in D._______ gelebt, während sie später in derselben Anhörung angab, in E._______ gearbeitet und gelebt zu haben (A1 S. 2 und 5). Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin habe das schriftliche Militär- aufgebot der eritreischen Behörden sie zur Ausreise veranlasst. Sie habe sich gefürchtet, zwangsrekrutiert zu werden, als sie den Brief der eritre i- schen Behörden erhalten habe, und habe deshalb das Land verlassen. Das geschilderte Aufgebot erscheint unglaubhaft, da die Beschwerdefü h- rerin diesbezüglich realitätsfremde bzw. wenig plausible Aussagen zu Protokoll gab. Auf die Frage, weshalb sie das Schreiben der eritreischen Behörden nicht als Beweismittel nachschicken liess, gab sie lediglich an, sie habe gedacht, es sei nicht so wichtig (A10 S. 12). Ferner erstaunt es, dass ihre fünf Geschwister keine Wehrdienstaufforderung erhalten hätten E-6845/2008 Seite 14 bzw. vom Wehrdienst be freit worden wären. Die Beschwerdeführerin konnte hierzu keine schlüssige Begründung angeben (A10 S. 13). 6.3.3. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass d ie von der Beschwerdeführerin geäusserte Befürchtung, sie würde bei einer Rüc k- führung nach Eritrea bzw. Äthiopien durch die jeweiligen Behörden g e- sucht werden, nicht glaubhaft geworden ist. 6.4. Nach dem Gesagten sind in Bestätigung der vorinstanzlichen Erwägu n- gen sämtliche obgenannten Aussagen der Beschwerdeführerin als u n- glaubhaft zu qualifizieren, weshalb sich die Prüfung der Asylrelevanz an dieser Stelle erübrigt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Beschwerdefüh- rerin keine asylrechtlich relevanten Verfolgungsgründe i m Sinne Art. 3 und 7 AsylG glaubhaft machen konnte, weshalb das Vorliegen einer be- gründeten Furcht vor Verfolgung zu verneinen ist. 7. 7.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder verfügen weder über eine au s- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen. Der Partner der Beschwerdeführerin, der gleichzei- tig Vater ihres ersten Kindes u nd vermutungsweise auch ihres zweiten Kindes ist, befindet sich ebenfalls in der Schweiz. Er besitzt die äthiop i- sche Staatsangehörigkeit und stellte am 25. Januar 2006 in (...) ein Asyl- gesuch, welches die Vorinstanz ablehnte. Gegen die negative Verfügung des BFM erhob er Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, welche s mit heutigem Urteil seine Beschwerde abweist und die Verfügung des BFM betreffend Verweigerung des Asyls, der Wegweisung und des We g- weisungsvollzugs bestätigt (Verfahren E-6773/2009). Die We gweisung der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder wurde de m- nach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m it Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekur s- kommission [EMARK] 2001 Nr. 21). E-6845/2008 Seite 15 7.2. Die Wegweisung erfolgt nach Äth iopien, da die Beschwerdeführerin die geltend gemachte eritreische Staatsangehörigkeit weder beweisen noch glaubhaft machen konnte. 8. 8.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist , und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz ei ner Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 8.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ih re Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. E-6845/2008 Seite 16 8.2.2. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder nach Äthi opien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung nach Äthiopien dort mit bea chtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie j ener des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Gro s- se Kammer], Saadi gege n Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, B e- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation i n Äthiopien lässt den Wegwe i- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3. 8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige A ufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 8.3.2. Die schweizerischen Asylbehörden gehen in konstanter Praxis von einer grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Äthiopien aus (vgl. bereits EMARK 1998 Nr. 22). Der zweieinhalb Jahre dauernde Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea wurde im Juni 2000 mit einem von der Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) vermittelten E-6845/2008 Seite 17 Waffenstillstand und einem von beiden Staate n am 12. Dezember 2000 unterzeichneten Friedensabkommen beendet. Trotz des Abzugs der UN - Friedenstruppen aus Eritrea im März 2008 und aus Äthiopien im August 2008 ist im heutigen Zeitpunkt nicht von einem offenen Konflikt im Gren z- gebiet zwischen diesen bei den Staaten auszugehen, wenn auch gleic h- zeitig zu bemerken ist, dass eine Lösung der Grenzproblematik und eine Normalisierung zwischen den beiden Staaten nach wie vor nicht in Sicht ist (zur Entwicklung der Lage in Äthiopien siehe: PETER K. MEYER, SFH, Äthiopien, Update: Aktuelle Entwicklungen bis Juni 2009, Bern, 11. Juni 2009, S. 6 ff.; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E -1724/2007 vom 5. Mai 2011 und E-5432/2006 vom 13. Januar 2011). 8.3.3. Gemäss öffentlich zugänglichen Quellen sind die Lebensumstände für den Grossteil der am oder unter dem Existenzminimum lebenden B e- völkerung Äthiopiens in jeder Hinsicht (Einkommen, Ernährungssich e- rung, Gesundheit, Bildung, Wohnraumversorgung) prekär. Im Frühling 2008 kam es im Osten/Südosten des Landes zu einer Dürre, in deren Folge Hunderttausende von Nutztieren verendeten und die eine Hu n- gersnot in der Bevölkerung auslöste. Daneben führen sintflutartige R e- genfälle immer wieder zu massiven Zerstörungen und Opferzahlen sowie Hunderttausenden von intern Vertriebenen. Die E xistenzbedingungen sind für die Mehrheit der Bevölkerung äusserst hart und bei Ernteausfä l- len oft auch lebensbedrohlich. In den letzten Jahren hat die internationale Gemeinschaft praktisch kontinuierlich Nahrungsmittelhilfe in der einen oder anderen Region Äthiopiens geleistet. Die rasante Inflation der let z- ten Jahre (teilweise über 30%) drückt immer mehr Haushalte auch im städtischen Bereich unter die absolute Armutsgrenze, so dass sie nicht mehr in der Lage sind, die zum Überleben notwendigen Nahrungsmitt el zu erwerben. Zum Aufbau einer sicheren Existenz sind ausreichend f i- nanzielle Ressourcen und gut vermarktbare berufliche Fähigkeiten sowie intakte familiäre und soziale Netzwerke unabdingbar. Arbeitsplätze ble i- ben trotz des gestiegenen Wirtschaftswachstu ms der letzten Jahre auch in städtischen Gebieten rar. Für wenig qualifizierte Arbeiter ist die Arbeits- situation nochmals schwieriger. Allein die starke Inflation der letzten Jahre (im Jahr 2008 stiegen beispielsweise die Preise für Lebensmittel um 60 Prozent) hat zudem eine Mehrheit der Bevölkerung in existenzielle Nöte gebracht (vgl. PETER K. MEYER, a.a.O., S. 18 ff.; vgl. Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts E-2097/2008 vom 7. Juli 2011, E. 8.4.) 8.3.4. Mit Urteil von heute wird auch das Asylverfahren des Vaters der beiden Kinder resp. des Partners der Beschwerdeführerin abgeschlo s-E-6845/2008 Seite 18 sen. Seine Beschwerde wird ebenfalls abgewiesen und die Anordnung der Wegweisung und deren Vollzug es bestätigt. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder werden somit gemeinsam mit dem Vater der Kinder nach Äthiopien zu rückkehren können. Der Grundsatz der Einheit der Familie gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG ist damit gewahrt. 8.3.5. In Anbetracht der obgenannten Faktoren und der persönlichen Vor- aussetzungen der Beschwerdeführerin ist nachfolgend zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Zumutbarkeit einer Rückkehr in den Heimatstaat in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht bejahte. Dabei ist unter anderem auch zu berücksichtigen, dass Äthiopien in den letzten Jahren einen wir t- schaftlichen Boom m it zeitweilig zweistelligen Wachstumsraten zu ve r- zeichnen hat, von dem freilich bisher vorab die urbane Mittelschicht prof i- tiert hat, und dass Addis Abeba bessere Arbeits - und Einkommensmög- lichkeiten bietet als andere Städte oder ländliche Regionen (vgl. U rteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2097/2008 vom 7. Juli 2011, E. 8.6.). Die Beschwerdeführerin ist eigenen Angaben zufolge in Addis Abeba g e- boren und in F._______ aufgewachsen, einem Quartier in Addis Abeba, wo sie seit Geburt mit ihrer Familie wohnhaft gewesen sei (A1 S.1; A10 S.5). Da die Beschwerdeführerin die Umsiedlung nach Eritrea nicht glaubhaft machen konnte, ist davon auszugehen, dass ihre Eltern heute noch dort leben. Die Beschwerdeführerin war eigenen Angaben zufolge bis zu ihrer Ausreise [Arbeitstätigkeiten] in E._______, Eritrea, erwerbstä- tig. Der Aufenthalt in E._______ konnte zwar nicht glaubhaft gemacht werden, jedoch ist betreffend der geltend gemachten beruflichen Tätigkeit davon auszugehen, dass diese stattdessen in Addis Abeba ausgeü bt wurde. Der Vater der Kinder stammt ebenfalls aus Äthiopien und lebte bis zu sei- ner Ausreise im selben Quartier wie die Beschwerdeführerin. Aufgrund seiner für äthiopische Verhältnisse überdurchschnittlichen Ausbildung, seine Zugehörigkeit zur gesellschaftlichen Mittelschicht und seines noch heute bestehenden familiären Netzes am Heimatort erweist sich eine wirtschaftliche und soziale Wiedereingliederung des Familienvaters als möglich. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet den Wegweisungsvol l- zug ihm gegenüber als zumutbar. Der Vater der Kinder wird seine Familie in seiner Rolle als Familienvater, aber auch in finanzieller Hinsicht unterstützen können. Für die Beschwer- deführerin stellt er somit hinsichtlich der Wiedereingliederung in die sozia-E-6845/2008 Seite 19 len Strukturen von Addis Abeba eine Entlastung dar . Aufgrund des noch heute bestehenden sozialen Netzwerks an ihrem Heimatort und insbe- sondere der Unterstützung durch den Vater der Kinder, kann im Fall einer Rückkehr der Beschwerdeführerin das Vorliegen einer existenzbedrohen- den Situation ausgeschlossen werden. (…) Es kann somit davon ausg e- gangen werden, dass die Familie der Beschwerdeführerin mindestens zur mittleren Gesellschaftsschicht in Addis Abeba gehört und damit vom vo r- genannten wirtschaftlichen Wachstum der vergangenen Jahre profitieren konnte. Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten gesun d- heitlichen Beschwerden ist festzuhalten, dass der nachgereichte Arztb e- richt nicht eine gravierende oder schwer heilbare gesundheitliche Krank- heit aufzeigte, sondern es sich hier um Harnblaseninfekte handelte, we l- che mit Unterbauchschmerzen verbunden waren. Hinzu kommt, dass seit dem fraglichen Arztzeugnis vom (…) 2009 bezüglich dieser Beschwerden nichts mehr aktenkundig wurde. Die Bemerkungen des BFM in seiner Vernehmlassung vom 12. September 2011, die angeblichen gesundheitli- chen Probleme seien nicht schwerwiegend genug, als dass eine adäqu a- te Behandlung in Äthiopien nicht gewährleistet wäre, sind nachvollziehbar und zutreffend. 8.3.6. Zusammenfassend geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass es der Beschwerdeführerin und ihren Kindern angesichts der famili- ären Begebenheiten gelingen dürfte, sich wirtschaftlich und sozial in Äthi- opien zu reintegrieren. Das Bundesverwaltungsgerich t erachtet den Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder somit in Übereinstimmung mit dem BFM als zumutbar. 8.4. Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zustä n- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente für sich und ihre Kinder zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 - 515), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme a usser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). E-6845/2008 Seite 20 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insg e- samt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-6845/2008 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Rechtsvertreterin Beschwerdeführerin, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Lhazom Pünkang Versand: