<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 7] </div> <div class="para">I 728/99 Gb </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV. Kammer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Nussbaumer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 27. April 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">M.________, Beschwerdeführer, vertreten durch den Rechtsdienst für Behinderte, Wildhainweg 19, Bern, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV-Stelle Bern, Chutzenstrasse 10, Bern, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Bern </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.- M.________ (geboren 1943), gelernter Fotograf und Kinooperateur, war vom 1. Februar 1979 bis Oktober 1996 als Aussendienstmitarbeiter bei der Firma Y.________ AG erwerbstätig. Seit 1. September 1997 bezieht er wegen seinem Augenleiden von der Pensionskasse seiner Arbeitgeberin eine Invalidenrente. Ende Oktober 1996 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Einholen mehrerer Arztberichte und eines beruflichen Abklärungsberichts vom 10. Juli 1998 lehnte die IV-Stelle Bern das Rentengesuch mit Verfügung vom 7. Mai 1999 mangels rentenbegründender Invalidität ab, da der Versicherte mit einer seinem Augenleiden angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.- Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 8. November 1999 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C.- M.________ lässt Verwaltungsgerichtsbeschwerde führen mit dem Antrag, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm eine Invalidenrente zuzusprechen. Ferner sei das Beschwerdeverfahren bis zum Abschluss der beruflichen Massnahmen zu sistieren. </div> <div class="para">Die IV-Stelle Bern schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. </div> <div class="para">Kantonales Gericht und Bundesamt für Sozialversicherung verzichten auf eine Vernehmlassung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">D.- Am 21. November 2000 erkundigte sich das Eidgenössische Versicherungsgericht nach dem Stand des von M.________ im Anschluss an den vorinstanzlichen Entscheid eingereichten Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen. Am 11. und 14. Dezember 2000 gingen die Antworten der Parteien ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Nachdem das Eidgenössische Versicherungsgericht das Verfahren gestützt auf den Antrag des Beschwerdeführers informell sistiert hatte, besteht für eine weitere Sistierung kein Anlass mehr, da die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 7. Dezember 2000 mitgeteilt hat, sie habe die Eingliederungsfrage umfassend geprüft und weitere Eingliederungsbemühungen würden bei der subjektiv empfundenen vollständigen Erwerbsunfähigkeit zu keinen greifbaren Ergebnissen führen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Das kantonale Gericht hat die massgebenden gesetzlichen Bestimmungen über den Invaliditätsbegriff (<span class="artref">Art. 4 IVG</span>), die Voraussetzungen und den Umfang des Rentenanspruchs (<span class="artref">Art. 28 Abs. 1 IVG</span>) sowie die Invaliditätsbemessung bei Erwerbstätigen nach der Einkommensvergleichsmethode (<span class="artref">Art. 28 Abs. 2 IVG</span>) zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- a) Nach dem Gutachten der Augenklinik und Augenpoliklinik des Spitals X.________ vom 9. Februar 1998 ist der Beschwerdeführer wegen seinem Augenleiden in seiner Tätigkeit als Aussendienstmitarbeiter einer Versicherung zu 100 % arbeitsunfähig. Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit könne er in vollem Umfang erfüllen. Dr. med. N.________, Augenarzt FMH, hält im Bericht vom 5. Juni 1997 aus ophthalmologischer Sicht alle Tätigkeiten für möglich, welche mit einem Visus von 0.5 ausgeführt werden können. Gemäss seinem Bericht vom 21. April 1999 ist die ophthalmologische Situation stabil. Nach Auffassung des Dr. med. G.________, Neurologie FMH, im Bericht vom 19. März 1999 bedingt die Migräne allein keine Invalidität. Dr. med. B.________, FMH für Innere Medizin speziell Kardiologie, führt im Bericht vom 17. Juni 1997 aus, die Arbeitsfähigkeit sei aus ophthalmologischer Sicht zu beurteilen und die internistische Situation rechtfertige eine Invalidenrente nicht. Daran hat sich laut seinem Bericht vom 1. September 1998 nichts geändert. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Aus diesen ärztlichen Berichten und Gutachten haben IV-Stelle und kantonales Gericht an und für sich zu Recht geschlossen, bei Ausübung einer vor allem dem Augenleiden angepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsfähig. Hingegen ist nicht abgeklärt worden, welche konkreten Tätigkeiten dem Beschwerdeführer angesichts seiner starken Sehbehinderung noch zugemutet werden können und welchen Verdienst er damit noch erzielen könnte. Nach dem Protokoll der Besprechung in der Eingliederungsstelle für Sehbehinderte in A.________ vom 30. Juni 1998 ist eine Abklärung in O.________ angezeigt, damit die restliche Sehfähigkeit optimal erfasst und mit Hilfsmitteln versorgt werden könne. Als weiterer Schritt käme eine Abklärung von drei Monaten in der Eingliederungsstelle in A.________ in Frage. Hier könne neben der Abgabe von Hilfsmitteln mit dazugehörigem Training eine gezielte Abklärung der beruflichen Möglichkeiten im Bereich Büro, Kommunikation und EDV durchgeführt werden. In Anbetracht seiner Vorbildung und langjährigen Berufserfahrung und unter Berücksichtigung des Sehrestes liege durchaus noch ein gewisses berufliches Potential mit entsprechender Arbeitsfähigkeit vor. </div> <div class="para">Angesichts dieser Ausführungen zur erwerblichen Situation kann ohne zusätzliche Aktenergänzungen, namentlich der empfohlenen Abklärung in der Eingliederungsstelle für Sehbehinderte in A.________, eine abschliessende Beurteilung des zumutbaren Invalideneinkommens nicht erfolgen. Erst nach Durchführung der erforderlichen Abklärungen in beruflicher Hinsicht und in Kenntnis der Ergebnisse allfälliger Eingliederungsmassnahmen wird es möglich sein, über einen Rentenanspruch zu befinden. Daran ändert nichts, dass sich der Beschwerdeführer nicht für arbeitsfähig hält und die Verwaltung aus diesem Grunde vom vorgeschlagenen Aufenthalt in der Eingliederungsstelle abgesehen hat. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Verwaltung gegenüber einem Eingliederungsmassnahmen ablehnenden Versicherten in jedem Fall erst nach durchgeführtem Mahn- und Bedenkzeitverfahren die Verweigerung von Versicherungsleistungen verfügen darf (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=25&amp;from_date=26.04.2001&amp;to_date=15.05.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-218%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page218">BGE 122 V 218</a>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. November 1999 und die Verwaltungsverfügung vom 7. Mai 1999 aufgehoben werden und die Sache an die IV-Stelle Bern zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch neu verfüge. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III. Die IV-Stelle Bern hat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1000. - (einschliesslich Mehrwertsteuer) zu bezahlen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern wird über eine Parteientschädigung für das kantonale Verfahren entsprechend dem Ausgang des letztinstanzlichen Prozesses zu befinden haben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">V. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 27. April 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>