Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Juli 2020 (810 20 57) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung eines anerkannten Flüchtlings Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Jgnaz Jermann, Niklaus Ruckstuhl , Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichts- schreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 190 vom 11. Februar 2020) A. Der am XX.XX.1988 geborene A.____, Staatsangehör iger Sri Lankas, reiste am 12. April 2002 im Rahmen des Familiennachzugs nach de m Tod seiner Mutter im Heimatland mit drei Geschwistern in die Schweiz ein. Er wurde in de n Flüchtlingsstatus seines bereits frü- her in die Schweiz geflüchteten Vaters einbezogen und ihm wurde Asyl gewährt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. A.____ geriet bereits als Jugendlicher immer wiede r in Konflikt mit dem Gesetz und wurde jugendstrafrechtlich mehrfach verurteilt. Er wurd e in verschiedenen Jugend- und Erzie- hungsheimen untergebracht (März 2004 bis Dezember 2004 : B.____; Januar 2005 bis Juni 2005: C.____; September 2005 bis Juni 2007: D.____). Ab Mitte September 2008 befand sich A.____ im Massnahmenzentrum für junge Erwachsene E.____ im vorzeitigen Massnahmen- vollzug. Das Strafgericht Basel-Landschaft sprach A.____ mit Urteil vom 16. September 2010 der mehr- fachen, teilweise versuchten Erpressung, der mehrfachen Nötigung, des Angriffs, der mehrfa- chen Drohung, des mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschä- digung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie de r mehrfachen Tätlichkeiten schul- dig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und einer Busse von Fr. 500.-- Franken. Das Gericht schob den Vollzug der Freiheitsstrafe auf und wies A.____ in eine geeig- nete therapeutische Einrichtung ein. Es führte dabei a us, dass eine Fortführung der Massnah- me auf dem E.____ angezeigt erscheine. C. Das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (A fM; heute: Amt für Migration und Bürgerrecht, AFMB) verwarnte A.____ mit Schreiben vom 26. Oktober 2011. lm Frühling 2012 schloss er seine Attestausbildung als Küchenangestellt er erfolgreich ab. Mit Verfügung vom 9. August 2012 wurde er per 31. August 2012 aus de m Massnahmenvollzug im E.____ bedingt entlassen. D. Mit Schreiben vom 12. Oktober 2012 stellte das AfM beim damaligen Bundesamt für Migration (heute: Staatssekretariat für Migration, SEM) ein Gesuch um Aberkennung der Flücht- lingseigenschaft sowie des Asylstatus von A.____, welchem nicht entsprochen wurde. E. Das Strafgericht Basel-Landschaft sprach A.____ mit U rteil vom 2. Dezember 2016 des qualifizierten Raubes (durch Mitführen einer gefä hrlichen Waffe), des gewerbsmässigen Betrugs, des Diebstahls, der Urkundenfälschung, der Nöti gung, des mehrfachen Hausfriedens- bruchs, der missbräuchlichen Verwendung eines Ausweises, d er Anstiftung zur Irreführung der Rechtspflege, des mehrfachen Führens eines Motorfahr zeuges ohne Berechtigung sowie der Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig und verurt eilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. F. Das AfM erwog in der Folge, A.____ trotz seines Sta tus als anerkannter Flüchtling aus der Schweiz wegzuweisen. Das in dem Zusammenhang ange fragte SEM kam in einer Stel- lungnahme vom 21. Oktober 2017 zum Schluss, dass vorlie gend nicht hinreichend geklärt sei, ob bei A.____ von einem erheblichen Rückfallrisiko ausge gangen werden könne. Dies sei bei der Wegweisung eines Flüchtlings vorausgesetzt, ergebe sich aber nicht aus den Akten. Dem Vollzugsbericht der Justizvollzugsanstalt F.____ vom 4. August 2017 sei vielmehr zu entneh- men, dass er eindeutig Fortschritte gemacht habe. Er sei aber keiner Risikogruppe zugehörig, die in Sri Lanka einer relevanten Gefährdung ausgesetzt sei. Der Vollzug der Wegweisung nach Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sri Lanka stelle demnach keine Verletzung des sog. Non- Refoulement-Prinzips (auch Rück- schiebungs- oder Rückschiebeverbot genannt) dar. G. Das AfM verzichtete mit Verfügung vom 30. November 20 17 auf die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von A.____ und wies ihn aus der Schweiz weg. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) hob diese Verfügung mit Beschwerdeentscheid vom 20. März 2018 mit der Begründung auf, es sei nicht gen ügend erstellt, dass A.____ gemeinge- fährlich sei, und wies die Angelegenheit zur weiteren Prüfung an das AFMB zurück. H. Das AFMB erstellte in der Folge gestützt auf die A kten mittels des Violence Risk Ap- praisal Guide (VRAG) des Kompetenznetzwerks Forensische Psychologie (KNFP) eine Ein- schätzung des Rückfallrisikos von A.____ und kam in seiner Einschätzung vom 11. April 2019 zum Schluss, dass der Beurteilte der dritthöchsten Risikokateg orie für gewalttätige Rückfälle (von neun Kategorien) zuzuordnen sei. Das SEM nahm mit Schreiben vom 5. Juni 2019 ergänzend St ellung zu einer allfälligen Weg- weisung von A.____ aus der Schweiz. Dabei hielt es an seiner Einschätzung vom 21. Oktober 2017 fest, wonach nicht von einer aktuellen flüchtlingsre levanten Gefährdung in Sri Lanka aus- zugehen sei. Weder das Non-Refoulement-Prinzip noch a ndere völkerrechtliche Verpflichtun- gen stünden einer Rückkehr von A.____ nach Sri Lanka entgegen. Obwohl er formell die Flüchtlingseigenschaft besitze, erfülle er die Flüchtli ngseigenschaft im Sinne des Asylgesetzes (AsylG) vom 26. Juni 1998 nicht. In seiner Stellungnahme vom 22. Juli 2019 führte A.__ __, nachfolgend immer vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt, und immer substituiert dur ch Brigitt Thambiah, unter anderem aus, dass er am 5. Dezember 2018 Vater einer Schweizer Tochte r geworden sei, welche er jeden Tag sehe und ab Herbst 2019 auch tagsüber betreuen wer de, da die Mutter seiner Tochter dann eine Ausbildung beginnen werde. Des Weiteren mac hte er geltend, dass nach wie vor nicht erstellt sei, dass er gemeingefährlich sei. G.____, die Mutter des Kindes, nahm mit Schreiben vom 15. Oktober 2019 Stellung zu einer allf älligen Nichtverlängerung der Aufent- haltsbewilligung und Wegweisung des Vaters ihrer Tochter aus der Schweiz. I. Das AFMB verlängerte mit Verfügung vom 23. Oktober 2019 die Aufenthaltsbewilligung von A.____ nicht und wies ihn aus der Schweiz weg, wobei die Ausreise aus der Schweiz zum Zeitpunkt der (bedingten) Entlassung aus dem Strafvollz ug zu erfolgen habe. Einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. lm Zu sammenhang mit der Flüchtlings- eigenschaft kam das AFMB zum Schluss, dass eine Wegweisun g von A.____ nicht gegen das asylrechtliche Rückschiebungsverbot verstosse. Und selbst für den Fall, dass sich der Betroffe- ne auf dieses Verbot berufen könne, seien vorliegend die entsprechenden Voraussetzungen für eine Wegweisung erfüllt. Es sei insbesondere davon auszugehen, dass er gemeingefährlich sei. J. A.____ erhob gegen diese Verfügung am 6. November 2 019 Beschwerde beim Regie- rungsrat. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig sei, und die Anweisung an die Vorinstanz, beim SEM seine Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorläufige Aufnahme zu beantragen. lm Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei die aufschie- bende Wirkung wiederherzustellen. In der Begründung seiner Beschwerde anerkannte er, dass der Widerruf seiner Bewilligung aufgrund der gegen ihn ausgesprochenen Strafen rechtmässig sei, jedoch sei die Wegweisung rechtswidrig. Das SEM h abe mit seiner Einschätzung vom 21. Oktober 2017 zum Ausdruck gebracht, dass aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich sei, ob der Beschwerdeführer als gemeingefährlich einzustufen sei. Sei dies zu verneinen, könne er sich nach wie vor auf den Schutz von Art. 33 Ziff. 2 d es Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK) vom 28. Juli 1951 und Art. 5 Abs. 2 AsylG berufen. Aus den Berichten des SEM vom 21. Oktober 2017 und vom 5. Juni 2019 gehe hervo r, dass es fraglich sei, ob er zum jetzigen Zeitpunkt die Flüchtlingseigenschaft materiell erfülle. Sein Asyl sei nicht widerrufen worden und es könne nicht mit Sicherheit davon ausgeg angen werden, dass ihm im Falle sei- ner Rückkehr nach Sri Lanka keine asylrelevante Verfolgun g drohe. Der Vollzug der Wegwei- sung könne somit nur erfolgen, wenn vier kumulative Vora ussetzungen erfüllt seien: besonders schweres Delikt, rechtskräftige Verurteilung, Gemeingefährlichkeit und Verhältnismässigkeit der Rückschiebung. Von diesen vier Voraussetzungen sei nur die rechtskräftige Verurteilung erfüllt. K. Die Verfügung des instruierenden Rechtsdienstes von Re gierungsrat und Landrat vom 8. November 2019, wonach dieser festgestellt hatte, dass der Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme, focht A.____ am 18. November 2019 beim Regierungsrat an. L. Nachdem das AFMB in seiner Stellungnahme vom 4. De zember 2019 die Abweisung der Beschwerde beantragt hatte, wies der Regierungsra t die Beschwerde, soweit er darauf ein- trat, mit Beschluss Nr. 2020-190 vom 11. Februar 2020 a b (Ziff. 1) und schrieb das Verfahren betreffend Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. November 2019 ab (Ziff. 2). Er erhob keine Verfahrenskosten (Ziff. 3) und verfügte, dem Rechtsvertr eter seien zufolge Bewilligung der un- entgeltlichen Verbeiständung Fr. 4'415.70 aus der Ger ichtskasse zu entrichten (Ziff. 4). Der Regierungsrat hielt in seinem Beschluss fest, der Beschwer deführer anerkenne die Rechtmäs- sigkeit der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligu ng, fechte aber die Wegweisung an. Er führte unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung weiter aus, dass alternativ zum Widerruf des Asyls durch das SEM anerkannte Flüchtlinge u nter bestimmten Voraussetzungen durch die Kantone aus der Schweiz – wie vorliegend – w eggewiesen würden und in diesen Fäl- len das Asyl von Gesetzes wegen erlösche. Der Regierungsra t kam zum Schluss, dass der Be- schwerdeführer in schwerwiegender Weise gegen die Siche rheit und Ordnung verstossen und hochwertige Rechtsgüter verletzt habe. Die Wegweisung verletzte des Weiteren weder das Rückschiebungsverbot (Art. 25 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos- senschaft [BV] vom 18. April 1999, Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Ziff. 1 FK) noch das Folterverbot (Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte un d Grundfreiheiten [EMRK] vom 4. November 1950), da keine Hinweise auf eine asylrelevan te Verfolgung im Herkunftsland vor- lägen. Demzufolge müssten für die Rechtmässigkeit der Weg weisung auch nicht die Voraus- setzungen nach Art. 5 Abs. 2 AsylG erfüllt sein. Damit m üsse insbesondere nicht erstellt sein, dass vom Beschwerdeführer eine Gemeingefahr auszugehen h abe, wie der Regierungsrat in seinem Beschluss vom 20. März 2018 noch angenommen habe. Zudem erweise sich die Weg- weisung aus der Schweiz als verhältnismässig. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht M. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 24. Febr uar 2020 gegen den Regie- rungsratsbeschluss beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassung s- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht), Beschwerde und beantragte, es sei Ziff. 1 des angefochtenen Beschlusses vom 11. Februar 2020 aufzuheben (Ziff. 1). Es sei festzust ellen, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers unzulässig sei, und die Sicherheitsd irektion, AFMB, sei anzuweisen, beim SEM seine vorläufige Aufnahme zu beantragen (Ziff . 2). Es sei beim SEM ein aktueller Bericht hinsichtlich der Gefährdungssituation des Beschwe rdeführers in Sri Lanka bzw. seiner materiellen Flüchtlingseigenschaft einzuholen (Ziff. 3). Seinen Rechtsvertretern sei Gelegenheit zu geben, zu diesem Bericht Stellung zu nehmen (Ziff. 3). Im Falle der Entlassung des Be- schwerdeführers aus dem Strafvollzug vor Vorliegen des E ntscheides über diese Beschwerde sei die Sicherheitsdirektion, AFMB, anzuweisen, von jegl ichen Vollzugshandlungen abzusehen (Ziff. 4). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zu dem stellte der Beschwerdeführer das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Der Beschwerdeführer machte unter anderem geltend, angesichts der Stellungnahme des SEM vom 5. Juni 2019 (u nter Hinweis auf diejenige vom 21. Oktober 2017), wonach aufgrund der Aktenlage im vor liegenden Fall nicht von einer aktuel- len flüchtlingsrelevanten Gefährdung in Sri Lanka au szugehen sei, dränge sich die Frage auf, weshalb das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers nicht widerrufen habe. Es sei davon auszugehen, dass sich das SEM diesbezüglich doch ni cht sicher sei. Zudem sei die vom SEM vorgenommene und ins kantonale Verfahren eingeb rachte Unterscheidung zwischen formeller und materieller Flüchtlingseigenschaft gesetzeswidrig. Er sei demzufolge nach wie vor Flüchtling i.S. von Art. 3 Abs. 1 AsylG und könne sich nac h wie vor auf den flüchtlingsrechtli- chen Non-Refoulement-Schutz berufen. Er erklärte weite r, die Situation der tamilischen Bevöl- kerung habe sich unter der neuen Regierung (Wahl von G otabaya Rajapksa zum Präsidenten am 16. November 2019) verschärft, und untermauerte die s mit verschiedenen eingereichten Berichten. Für den Fall, dass aufgrund der Berichte de s SEM vom 17. Oktober 2017 und vom 5. Juni 2019 weiterhin davon ausgegangen werden sollte , der Beschwerdeführer sei lediglich noch in formeller Hinsicht Flüchtling, beantrage er d ie Einholung einer aktuellen Stellungnahme und einer Einzelfallabklärung beim SEM, welche der ve ränderten politischen Situation Rech- nung trage. Überdies wies er auf Widersprüche zwischen de n Berichten des SEM vom 21. Oktober 2017 und vom 5. Juni 2019 hin und zog den Schluss, es habe bei der Einschätzung des SEM in seinem ersten Bericht zu bleiben, wonach fra glich sei, ob er die Flüchtlingseigen- schaft zum jetzigen Zeitpunkt materiell erfülle. Er sei anerkannter Flüchtling i.S. von Art. 3 AsylG und der Wegweisung stünden Wegweisungshindernisse gemäss Art. 33 Abs. 2 FK bzw. Art. 5 Abs. 2 AsylG entgegen. Des Weiteren drohe ihm bei seiner Rückkehr eine unmenschliche, er- niedrigende Behandlung oder Strafe gemäss Art. 3 EMRK, weshalb eine Wegweisung auch aus diesem Grunde rechtswidrig sei. N. In seiner Stellungnahme vom 23. März 2020 beantragt e der Regierungsrat die kosten- fällige Abweisung der Beschwerde. Er führte unter anderem aus, dass das Bundesverwaltungs- gericht mit Urteil E-4354/2018 vom 25. November 2019 auch unter Berücksichtigung der aktuel- len politischen Lage in Sri Lanka keinen Anlass geseh en habe, seine Rechtsprechung zu Sri Lanka, welche es seit dem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 verfolge, anzupassen. Der Regierungsrat pflichtete dem Beschwerdeführer bei, dass sich zwischen den beiden Ein- schätzungen des SEM vom 21. Oktober 2017 und vom 5. Juni 2 019 tatsächlich gewisse Wider- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprüche ergäben. Insgesamt komme aber das SEM in seine r jüngeren Stellungnahme zum Schluss, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigensch aften im Sinne des Asylgesetzes nicht erfülle. Werde der Ansicht des Regierungsrats gefo lgt, dass beim Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gar nicht (mehr) erfüllt sei, s o verstosse eine Wegweisung ins Heimat- land auch nicht gegen das Rückschiebungsverbot. Art. 5 Abs. 2 AsylG und Art. 33 Abs. 2 FK kämen dann nicht zur Anwendung und die vom Beschwerdefüh rer grundsätzlich korrekt wie- dergegebenen Voraussetzungen müssten nicht erfüllt se in. Es bedürfe bei der vorliegenden Ausgangslage insbesondere auch nicht des Nachweises der Ge meingefährlichkeit des Be- schwerdeführers. O. Mit verfahrensleitender Verfügung überwies das Gerich tspräsidium den Fall der Kam- mer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung. Dem Beschwerdeführer wurde für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführun g und Verbeiständung bewilligt. Das AFMB wurde angewiesen, für die Dauer des Verfahrens vo m Vollzug der Wegweisung abzuse- hen. P. Bezugnehmend auf die Vernehmlassung des Regierungsr ats erklärte der Beschwerde- führer in seiner unaufgeforderten Eingabe vom 11. Jun i 2020, es sei nicht zutreffend, dass das SEM in seiner jüngeren Stellungnahme "eindeutig zum S chluss gekommen" sei, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Betreffend die Bemerkungen des Regierungsrats zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-4354/2018 vom 25. November 2019 wies er darauf hin, dass in diesem Urteil die gravierenden politischen Veränderunge n nach den Wahlen gar nicht hätten berücksichtigt werden können, da das Urteil keine 10 Tage nach den Wahlen gefällt worden sei. Q. Gemäss Akten wurde der Beschwerdeführer am 9. Dezemb er 2019 in die Strafanstalt H.____ verlegt und das Vollzugsende auf den 13. Juni 2020 festgelegt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialge setzlicher Ausschlusstatbestand vorliegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtene n Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 li t. c VPO e contrario). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Wegweisu ng des Beschwerdeführers zu Recht erfolgte. Nicht bestritten ist die Rechtmässigkeit der Nichtverlängerung der Aufenthalts- bewilligung. 4.1. Vorab ist zu prüfen, ob das SEM vor dem Wegweisung sentscheid durch das AFMB formell den Asylstatus hätte widerrufen müssen. 4.2. Der Beschwerdeführer moniert, dass ihm im kantonale n Verfahren die materielle Flüchtlingseigenschaft abgesprochen worden sei, obwohl da s SEM in seiner Stellungnahme vom 5. Juni 2019 die Flüchtlingseigenschaft des Beschwe rdeführers nicht widerrufen habe. Die vom SEM vorgenommene und ins kantonale Verfahren eingeb rachte Unterscheidung zwischen formeller und materieller Flüchtlingseigenschaft kön ne der Beschwerdeführer jedoch nicht vom Bundesverwaltungsgericht überprüfen lassen, wodurch er die für die Beurteilung solcher Fragen sachlich zuständige Rechtsmittelinstanz verliere. Weiter f ühre die vom SEM vorgenommene Unterscheidung zwischen "formeller" und "materieller" Flüchtlingseigenschaft zu einer gefährli- chen Aushöhlung des Flüchtlingsbegriffs. Diese Unterscheidung sei gesetzeswidrig. 4.3. Der Regierungsrat erklärt in seiner Stellungnahme , es sei nicht so, dass in Fällen, in welchen das SEM zum Schluss gelange, dass die materielle F lüchtlingseigenschaft nicht mehr gegeben sei, der Bund den Widerruf des Asyls zu verfüge n habe. Alternativ zum formellen Wi- derruf des Asyls durch das SEM sei eine Wegweisung durch die Kantone gesetzlich vorgese- hen. In diesen Fällen erlösche das Asyl von Gesetzes wegen mit dem Vollzug der Wegweisung und es sei kein separates Verfahren auf Bundesebene nöt ig. Die Einholung einer Stellungnah- me beim SEM für Fälle wie den vorliegenden sei in Ar t. 43 Abs. 2 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen (Asylverordnung 1, AsylV 1) vom 11. Au gust 1999 vorgesehen. Gelange das SEM zum Schluss, dass der Wegweisung eines anerkannten Flü chtlings keine Vollzugshinder- nisse entgegenstünden, so nehme es Stellung zum materie llen Gehalt des Asyls. Es müsse im Gesetz nicht explizit vorgesehen sein, dass zwischen der for mellen und der materiellen Seite der Flüchtlingseigenschaft unterschieden werde. 4.4. Von der Beendigung des Asyls (Art. 63 AsylG [Widerr uf] und 64 AsylG [Erlöschen]) zu trennen ist die Frage der weiteren fremdenpolizeiliche n Anwesenheitsberechtigung in der Schweiz. Der Widerruf des Asyls oder dessen Erlöschen berüh rt eine vorhandene Bewilligung grundsätzlich nicht. Eine solche kann nur nach Massgabe der im Bundesgesetz über die Aus- länderinnen und Ausländer und über die Integration ( Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG) vom 16. Dezember 2005 genannten Gründe erlöschen (Art. 61 AIG) oder widerrufen werden (Art. 62 und 63 AIG). Umgekehrt können die kantonalen Migrationsbehörden auch eigenständig über die Nichtverlängerung oder den Widerruf einer vo n ihnen erteilten Anwesenheitsbewilli- gung entscheiden und sodann die Wegweisung verfügen und vollziehen, ohne dass vorgängig das Asyl widerrufen werden muss. Der Entscheid richtet sich in diesem Fall nach den Art. 61 ff. AIG. Die kantonalen Behörden sind jedoch sachlich nicht für den Widerruf des Asyls als sol- chem zuständig; dazu befugt ist allein die Bundesbehörde (Urteil des BGer 2C_14/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.3). Die Kantone müssen gemäss Art. 65 AsylG jedoch vor dem Vollzug Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Wegweisung das menschenrechtliche und das flüchtling srechtliche Refoulementverbot beachten, da die Flüchtlingseigenschaft ohne formelle Verfügung des SEM weiterhin bestehen bleibt. Entgegen seinem Wortlaut (kann) verpflichtet Art. 43 Abs. 2 AsylV 1 gemäss bundesge- richtlicher Rechtsprechung die Kantone zwingend, vorgängig beim SEM eine Stellungnahme zu allfälligen Vollzugshindernissen einzuholen (Urteil des B Ger 2C_14/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.3; BGE 139 II 65 E. 4.2, publ. in: Die Pr axis 5/2013 Nr. 43 S. 323 ff.). Liegen solche vor, wird nur das Asyl und damit die Aufenthalts- oder N iederlassungsbewilligung entzogen und es muss eine vorläufige Aufnahme (korrekterweise als Flüch tling) angeordnet werden. Mit die- sem Vorgehen sollen doppelte Verfahren und Prüfungen durch die kantonale Behörde und das SEM vermieden werden. Das Bundesgericht begründet dies e Vorgehensweise mit Effizienzge- sichtspunkten und verweist überdies auf Art. 64 Abs. 1 lit . d AsylG. Es erachtet den Rechtsmit- telweg auch dann als garantiert, wenn der Entscheid be treffend Widerruf oder Nichtverlänge- rung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung e iner asylberechtigten Person einzig in einem Verfahren vor kantonalen Behörden erfolgt, das bis vor das Bundesgericht gezogen wer- den kann (BGE 139 II 65 E. 4.4, publ. in: a.a.O.). O bwohl dieses Vorgehen zum Teil in der Leh- re als problematisch erachtet wird, da es unter andere m dem SEM die Kompetenz für die Asyl- entscheidung in diesen Fällen entzieht und sie an die kantonale Behörde mit einer im Regelfall weniger vertieften Sach- und Dossierkenntnis zuweist, h at das Bundesgericht diese Vorge- hensweise in konstanter Rechtsprechung als zulässig erklärt (BGE 139 II 65 E. 4.4, publ. in: a.a.O.; Urteile des BGer 2C_14/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.3; 2C_203/2016 vom 30. Januar 2017 E. 2.3; 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 3.1; Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], 2. Aufl., 2015, S. 237 f. Ziff. 4.4). 4.5. Aufgrund der obigen Darlegungen ergibt sich, dass das AFMB, nachdem es die Stel- lungnahme beim SEM zu allfälligen Vollzugshindernissen eingeholt hatte, befugt war, eigen- ständig über die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbew illigung und die Wegweisung zu ent- scheiden. Das SEM musste nicht vorgängig den Asylstatus wid errufen. Die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers sind somit unbegründet. 5.1. Als nächstes ist aufzuzeigen, unter welchen Vorausse tzungen ein Flüchtling ausgewie- sen werden kann. 5.2. Der Beschwerdeführer ist anerkannter Flüchtling. Z war wurde er nicht persönlich ver- folgt, doch wurde ihm Familienasyl gewährt, womit er die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Die asyl- und ausländerrechtliche Anwesenheits- bzw. Anwesenheitsbeen digungsregelung eines aner- kannten Flüchtlings sind miteinander verknüpft. Der Wid erruf der Aufenthalts- oder Niederlas- sungsbewilligung hat die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 64 Abs. 1 lit. c AIG). Nach Art. 64 Abs. 1 lit. d AsylG erlischt das Asyl, wenn di e Weg- oder Ausweisung vollzogen worden ist. Eine kantonale Behörde, die über die Nicht verlängerung einer Aufenthaltsbewilli- gung eines anerkannten Flüchtlings zu befinden hat, muss somit nicht nur die ausländerrechtli- chen, sondern auch die asylrechtlichen Voraussetzungen prü fen (BGE 139 II 65 E. 5.1; 135 II 110 E. 3.1; Urteile des BGer 2C_108/2018 vom 28. Sep tember 2018 E. 3.1; 2C_396/2017 vom 8. Januar 2018 E. 5.2; 2C_203/2016 vom 30. Januar 2017 E. 2.3). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3. Gemäss Art. 65 AsylG richtet sich die Weg- oder Auswe isung von Flüchtlingen nach Art. 64 AIG in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. b und Art. 68 AIG. Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen wer den, wenn die Ausländerin oder der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentli che Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet (vgl. Urteile des BGer 2C_588/201 9 vom 30. Januar 2020 E. 3.5; 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 3.2; 2C_396/2 017 vom 8. Januar 2018 E. 5.3). Die bundesgerichtliche Praxis geht von einer schweren Gefährdu ng im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG aus, wenn (1) die ausländische Person durch ihr Handeln besonders hochwertige Rechtsgüter, wie namentlich die körperliche, psychische un d sexuelle Integrität eines Men- schen, verletzt oder in Gefahr gebracht hat oder (2) sich von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und sich im Rahmen einer Gesamtbetracht ung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten (BGE 139 I 16 E. 2.1; 137 II 297 E. 3; Urteile des BGer 2C_884/2016 vom 25 . August 2017 E. 3.1; 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.2; 2C_310/2011 vom 17. Novembe r 2011 E. 5). Dies bedeutet, dass auch eine Summierung von Verstössen, die für sich genomm en für einen Widerruf nicht ausrei- chen würden, einen Bewilligungsentzug rechtfertigen können. Diesfalls ist nicht die Schwere der verhängten Strafen, sondern die Vielzahl der Delikte e ntscheidend. Sogar das Bestehen von privatrechtlichen Schulden kann gegebenenfalls einen sch werwiegenden Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellen, wenn d ie Verschuldung mutwillig erfolgt ist (vgl. Urteil des BGer 2C_160/2013 vom 15. November 2013 E. 2.1.1). 5.4. Neben den innerstaatlichen Rechtsvorschriften wird die Rechtsstellung von Flüchtlin- gen in der Schweiz zudem durch das FK geregelt (vgl. Art . 12 ff. FK; BGE 139 II 65 E. 4.1; Ur- teile des BGer 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E . 3.2; 2C_14/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.1). Im Zusammenhang mit der Ausweisung von Flüchtlingen findet namentlich Art. 32 FK Anwendung. Gemäss dieser Bestimmung darf ein Flüch tling, der sich rechtmässig in der Schweiz aufhält, nur aus Gründen der Staatssicherheit o der der öffentlichen Ordnung ausge- wiesen werden; insofern wird die Möglichkeit der Auswe isung flüchtlings- bzw. asylrechtlich beschränkt (BGE 135 II 110 E. 2.2.1; Urteile des BGer 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 3.2; 2C_14/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2.2 mit Hinweisen). Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG ist somit völkerrechtskonform, in Übereinstimmung mit Art. 3 2 FK, auszulegen; folglich dürfen nur anerkannte Flüchtlinge aus der Schweiz aus- oder weggew iesen werden, welche die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz oder die öffentlich e Ordnung schwerwiegend gefährden (Urteile des BGer 2C_588/2019 vom 30. Januar 2020 E. 3.6; 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 3.2; 2C_14/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 2. 2; vgl. auch BGE 139 II 65 E. 5.1; 135 II 110 E. 2.2.1). Das Bundesgericht hat in seine r Praxis zur Aus- und Landesverweisung von Flüchtlingen eine schwerwiegende Verletzung der öff entlichen Ordnung im Sinne von Art. 65 AsylG angenommen bei einer Vergewaltigung (Ur teil des BGer 2A.139/1994 vom 25. August 1994 E. 3a), im Falle einer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (qua- lifizierter Fall; Verurteilung zu 18 Monaten Gefängn is), der zahlreiche weitere Delikte vorausge- gangen waren (Urteil des BGer 2A.88/1995 vom 25. Aug ust 1995 E. 3; vgl. auch den Sachver- halt von BGE 116 IV 105 ff.), bei einer Brandstiftung mit einem Molotowcocktail Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 123 IV 107 E. 2) und bei einer versuchten vorsät zlichen Tötung (vgl. Urteil des BGer 2A.313/2005 vom 25. August 2005 E. 3.1.2). In seinem Urteil vom 31. Oktober 2019 (Urteil 2C_108/2018 E. 4.3.2. ff.) hat das Bundesgericht die Anforderungen von Art. 32 FK bejaht bei einem Mann, der vier Mal zu einer unbedingten Freihe itsstrafe verurteilt worden war, nament- lich: zu 20 Tagen wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs; zu drei Monaten wegen Betrugs und Nötigung; zu 80 Tagen wegen Drohung, Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren, Sachbeschädigung sowie Widerhandlung g egen das Personenbeförde- rungsgesetz; zu 30 Monaten wegen mehrfachen Raubs, Die bstahls, mehrfachen Hausfriedens- bruchs sowie Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge setz und das Personenbeförde- rungsgesetz, und der insgesamt in einer Zeitspanne von 6 Jahren 17 Mal wegen verschiedener Straftaten rechtskräftig verurteilt worden war. Das Bundesgericht hat sich der Meinung der Vor- instanz angeschlossen, dass der Mann hochrangige Rechtsgüte r wie die körperliche und psy- chische Integrität verletzt habe sowie die Höhe der zuletz t verhängten Strafe von 30 Monaten Freiheitsentzug auf die Beeinträchtigung wesentlicher R echtsgüter schliessen lasse und ein erhebliches migrationsrechtliches Verschulden indiziere. 5.5. Die Weg- oder Ausweisung steht schliesslich unter de m Vorbehalt des Non- Refoulement-Prinzips (Art. 5 AsylG; Art. 25 Abs. 2 und 3 BV; Art. 33 FK). Danach darf kein Flüchtling in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Lan d gezwungen werden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Reli gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner pol itischen Anschauung gefährdet ist oder in dem er Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solche s Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG bzw. Art. 33 Ziff. 1 FK). Dieser Grundsatz en tfällt, wenn erhebliche Gründe für die Annahme bestehen, dass der Betroffene die Sicherheit der Schweiz gefährdet, oder wenn er als "gemeingefährlich" zu gelten hat, weil er wegen eine s besonders schweren Verbrechens oder Vergehens rechtskräftig verurteilt worden ist (Art. 5 Abs. 2 AsylG bzw. Art. 33 Ziff. 2 FK; vgl. auch BGE 135 II 110 E. 2.2.2; 139 II 65 E. 5.4; 135 II 110 E. 2.2.2; Urteile des BGer 2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 3.2; 2A.313/2005 vom 25. August 2005 E. 2.2). 5.6. Wenn kein Rückschiebungsverbot gemäss Art. 33 Abs. 1 FK bzw. Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht, ist weiter zu prüfen, ob der Person bei der R ückschiebung eine Behandlung droht, die gegen eines der menschenrechtlichen Rückschiebungsverbote ver stösst. So verbietet Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens gegen die Folter und andere g rausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK) vom 10. Dez ember 1984 ausdrücklich die Auswei- sung, Abschiebung sowie Auslieferung einer Person in eine n anderen Staat, wenn stichhaltige Gründe für die Annahme bestehen, dass sie dort Gefahr l iefe, gefoltert zu werden. Das Non- Refoulement-Prinzip in Art. 3 FoK gilt absolut, es d arf unter keinen Umständen davon abgewi- chen werden (vgl. Art. 2 FoK). Für die Feststellung der Foltergefahr müssen "stichhaltige Grün- de" vorgebracht werden (Art. 3 FoK). Das Risiko muss dabei voraussehbar, persönlich und ak- tuell sein. Nach Art. 3 EMRK darf niemand der Folter, unmenschlicher oder erniedrigender Be- handlung unterworfen werden. Auch bei dieser Bestimm ung handelt es sich um ein absolutes, dem zwingenden Völkerrecht zuzurechnendes Verbot, das kei ne Einschränkung kennt (Hand- buch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, a.a.O., S. 244 ff.). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7. Des Weiteren hat die Wegweisung dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit standzu- halten. 6.1. Zu prüfen ist damit, ob der Beschwerdeführer im S inne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG und Art. 32 FK die innere oder äussere Sicherheit der Sc hweiz oder die öffentliche Ordnung schwerwiegend gefährdet (siehe E. 5.3 und v.a. E. 5.4 hiervor). 6.2.1. Der Beschwerdeführer geriet bereits als Jugendli cher immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz und wurde jugendstrafrechtlich mehrfach verurteilt. Mit Urteil vom 16. September 2010 wurde er zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, mit Urteil vom 2. Dezember 2016 unter anderem des qualifizierten Raubes durch Mitführen einer gefährlich en Waffe (Messer) und zu einer Gesamt- strafe von sechs Jahren verurteilt (vgl. S. 109 bis 115 d es Urteils des Strafgerichts Basel- Landschaft vom 2. Dezember 2016). Die mit Urteil vom 2. Dezember 2016 zu beurteilende Tat hatte er während der Probezeit begangen. Das Strafge richt kam in seinem Urteil zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer auf eine ausserordentlich gro sse Rechtsfeindlichkeit und Unbe- lehrbarkeit sowie auf einen kriminellen Lebensstil zu schliessen sei (S. 112). 6.2.2. Mit Verfügung der Sicherheitsdirektion, Straf- und Massnahmenvollzug, vom 23. Oktober 2018 wurde der Beschwerdeführer wegen Unregelmässigkeit en im Vollzugsverlauf, insbeson- dere wegen des Verlusts der Arbeitsstelle, wegen Suchtm ittelkonsums sowie mangelnder Transparenz gegenüber dem Vollzugszentrum I.____, und nachdem er bereits anlässlich eines Standortgesprächs ermahnt worden war, von der Progressio nsstufe des Wohn- und Arbeitsex- ternats in die Progressionsstufe des Arbeitsexternats rü ckversetzt. Aus der Verfügung der Si- cherheitsdirektion, Straf- und Massnahmenvollzug, vom 27. November 2019 geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt am 26. Juni 2019 ei n neues Strafverfahren gegen den Be- schwerdeführer wegen Betrugs eröffnete. Der Beschwerdefü hrer wurde mit der Verfügung vom 27. November 2019 von der Progressionsstufe des Arbeitsexternats in den Normalvollzug rück- versetzt, weil er wiederholt gegen die Vereinbarungen mit der Vollzugsanstalt verstossen habe, indem er weder das neue Strafverfahren noch die Verfügung des AFMB betreffend Ausweisung offen gelegt habe, indem er seine mehrfach gerügte u nd deliktrelevante mangelnde Offenheit dadurch fortgesetzt habe, dass er das zusätzliche Mobiltel efon sowie die weiteren persönlichen Schulden trotz Deliktrelevanz nicht gemeldet habe, wiede rholt Drogen und nicht verordnetes Dormicum konsumiert habe, ohne dies zu melden, sowie ei ne Penisvorrichtung besorgt habe, um die Urinproben entsprechend zu manipulieren und so den Konsum von Betäubungsmitteln und nicht verschriebenen Medikamenten zu verheimlichen, und die Sicherheitsdirektion erst durch die Einholung eines aktuellen Strafregisters von de r neuen Strafuntersuchung erfahren habe. 6.3. Hinsichtlich der Schwere von Straftaten hat das Bu ndesgericht festgehalten, dass Raubdelikte als Gewaltdelikte regelmässig schwere Straft aten darstellen. Ebenfalls als schwer- wiegend beurteilte das Bundesgericht eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten wegen Raubs, versuchten Diebstahls und Hausfriedensbruch s (vgl. Urteil des BGer 2C_126/2017 vom 7. September 2017 E. 6.2). Raub stel lt zudem ein Delikt dar, welches seit dem 1. Oktober 2016 eine Anlasstat für eine obligator ische Landesverweisung bildet (Art. 121 Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 3 lit. a BV; Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB). Auch w enn diese Regelung nicht rückwirkend auf den Beschwerdeführer Anwendung findet, darf bei eine r Interessenabwägung berücksichtigt werden, dass der Verfassungs- und Gesetzgeber Gewaltdel ikte als besonders verwerflich er- achtet (vgl. Urteile des BGer 2C_393/2017 vom 5. April 2018 E. 3.3.1; 2C_172/2017 vom 12. September 2017 E. 3.3). Wie in E. 5.4 hiervor au sgeführt, hat das Bundesgericht die schwerwiegende Gefährdung der öffentlichen Ordnung im Sinne von Art. 32 FK in einem Fall bejaht, in welchem ein Mann zu 30 Monaten wegen mehr fachen Raubs, Diebstahls, mehrfa- chen Hausfriedensbruchs sowie Widerhandlung gegen das Be täubungsmittelgesetz und das Personenbeförderungsgesetz und überdies mehrmals wegen we iterer Delikte verurteilt worden war, welche zu geringeren Strafen geführt hatten. Vo rliegend wurde der Beschwerdeführer, nachdem er bereits mehrfach jugendstrafrechtlich verurte ilt worden war, im Jahr 2010 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und im Jahr 2016 unter anderem wegen qualifizierten Raubes zu einer Strafe von sechs Jahren verurteilt. Hervorzuhebe n ist insbesondere, dass der Be- schwerdeführer während laufenden Verfahren und Probez eiten delinquiert hat und auch nach der Ermahnung des AFMB vom 26. Oktober 2011 wegen diver ser Verurteilungen und ausste- hender Verlustscheine weiter delinquierte. Die Delikte wurden mit der Zeit schwerer und er hat u.a. beim Raub hochrangige Rechtsgüter wie die körper liche und psychische Integrität der Op- fer verletzt. Aus der Verfügung vom 27. November 2019 geht hervor, dass der Beschwerdefüh- rer sich nicht an Vereinbarungen gehalten und die mehr fach gerügte und deliktrelevante man- gelnde Offenheit fortgesetzt hat. Die Vielzahl der Ver urteilungen, die Schwere und die mit der Zeit zunehmende Schwere der begangenen Delikte, von denen ein Delikt zu einer Freiheitsstra- fe von zwei und ein Delikt zu einer von sechs Jahren führ te, und zuletzt auch das in der Verfü- gung vom 27. November 2019 beschriebene Verhalten des Beschwerdeführers legen den Schluss nahe, dass dieser weder gewillt noch fähig ist, si ch an die Rechtsordnung zu halten (vgl. Urteil des BGer 2C_588/2019 vom 30. Januar 2020 E. 4.1). Gerade auch in Anbetracht des in der Verfügung vom 27. November 2019 beschriebe nen jüngsten Verhaltens des Be- schwerdeführers vermag die Aussage im ausführlichen Verl aufsbericht des Vollzugszentrums I.____ vom 12. Juni 2019, wonach der Beschwerdeführer durch die begonnene Traumabearbei- tung etwas zugänglicher und weniger häufig angespannt als zuvor sei, was legalprognostisch als günstig gewertet werde, nichts am Schluss zu ändern, d ass der Beschwerdeführer weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die Rechtsordnung zu halten. 6.4. Angesichts der Vielzahl der begangenen Straftaten, deren Schwere sowie der wieder- holten unverbesserlichen Delinquenz ist im Ergebnis festzu halten, dass das Verhalten des Be- schwerdeführers einen schweren Verstoss gegen die öffentl iche Sicherheit und Ordnung und der Beschwerdeführer eine schwerwiegende Gefährdung der öffentlichen Ordnung sowohl im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG wie auch von Art. 32 FK darstellt. 7.1. Zu prüfen ist, ob der Rückkehr das flüchtlingsrechtl iche Rückschiebeverbot entgegen- steht. 7.2.1. Das SEM hat in seinem Bericht vom 21. Oktober 201 7 ausgeführt, dass im Falle des Beschwerdeführers folgende Risikofaktoren, welche die W achsamkeit der Behörden bei einer Rückkehr nach Sri Lanka verschärfen könnten, festgestellt we rden: mehrjährige Landesabwe- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht senheit, tamilische Herkunft und relevantes Alter. Diese Risikofaktoren würden jedoch für die Bejahung eines Risikoprofils, aufgrund dessen dem Betrof fenen im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohen würde, nicht ausreichen. Der Umstand, dass der Vater des Beschwerdefüh- rers ein Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Elan (LTTE) gewesen sei, vermöge keine andere Beurteilung herbeizuführen. Überdies bilde die Tatsa che, dass ein Bruder des Beschwerdefüh- rers auf die Flüchtlingseigenschaft verzichtet habe, um nach Sri Lanka reisen zu können, ein Indiz, dass ihm bei einer Rückkehr keine Gefahr drohe. N ach dem Gesagten sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer keiner Risikogruppe zugehörig sei, die in Sri Lanka einer relevanten Gefährdung ausgesetzt sei. In diesem Sinne sei nicht davon auszugehen, dass er in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehörden als Person erschei ne, die eine besonders enge Bezie- hung zu den LTTE gepflegt habe und die heute noch be strebt sei, den tamilischen Separatis- mus wiederaufleben zu lassen. Der Vollzug der Wegweisun g des Beschwerdeführers nach Sri Lanka stelle demnach keine Verletzung des Non-Refouleme nt-Prinzips nach Art. 5 Abs. 1 AsylG beziehungsweise Art. 33 Abs. 1 FK dar. Des Weiteren ergäben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass dem Beschwerdeführer in Sri Lank a eine unmenschliche oder erniedri- gende Strafe oder Behandlung nach Art. 3 EMRK drohe. Eine Wegweisung verletzte auch nicht das menschenrechtliche Rückschiebungsverbot gemäss Art. 3 E MRK oder gemäss Art. 3 Abs. 1 FoK. 7.2.2. In seinem Bericht vom 5. Juni 2019 führte das S EM aus, dass es bereits in seinem Bericht vom 21. Oktober 2017 zum damaligen Zeitpunkt z ur Einschätzung gelangt sei, dass aufgrund der bestehenden Aktenlage nicht von einer aktuellen flüchtlingsrelevanten Gefährdung des Beschwerdeführers in Sri Lanka auszugehen sei. Bezüglich der persönlichen Lage des Be- schwerdeführers hätten sich flüchtlingsrechtlich in der Zwi schenzeit keine neuen Hinweise er- geben, die zu einer anderen Einschätzung führen würden . Daran würden auch die jüngsten Terroranschläge in Sri Lanka vom 21. April 2019 nichts zu ändern vermögen. In der Folge der Terroranschläge hätten die sri-lankischen Behörden Massn ahmen ergriffen, um Personen hab- haft zu werden, die im Zusammenhang mit den Anschlägen stünden. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass der Beschwerdeführer, welcher im Übrigen hi nduistischen Glaubens sei, einen Bezug zu den Anschlägen aufweise. Die Einschätzung vom ersten Bericht, dass der Beschwer- deführer kein Risikoprofil aufweise, welches anlässlich se iner Rückkehr nach Sri Lanka mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit zu einer asylrelevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG füh- ren würde, sei immer noch zutreffend. Es bestünden au ch keine Anhaltspunkte, dass ihm bei der Rückkehr eine menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK drohe. Unter diesen Umständen stünden weder das Non-Refoulement-Prin zip noch eine andere völkerrecht- liche Verpflichtung der Rückkehr des Beschwerdeführers na ch Sri Lanka entgegen. Da im vor- liegenden Fall das Rückschiebeverbot in der Sache selbe r nicht verletzt würde, brauche nicht geprüft zu werden, ob sich der Beschwerdeführer im Hin blick auf seine Straftaten überhaupt darauf berufen könne. Dementsprechend könne die Frag e, ob die Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 2 AsylG erfüllt seien, offengelassen werden. Der Vol lzug der Wegweisung sei sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Be stimmungen weiterhin als zulässig einzustufen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.1. Der Beschwerdeführer geht in seiner Beschwerdebe gründung auf die einzelnen Aus- sagen in den beiden Berichten des SEM ein und erklärt, es bestünden Widersprüche zwischen den Berichten. 7.3.2. Fest steht, dass das SEM in beiden Berichten davon ausgeht, dass der Beschwerde- führer keiner Risikogruppe zugehörig sei, die in Sri L anka einer relevanten Gefährdung ausge- setzt sei (Bericht vom 21. Oktober 2017, S. 4, 2. Absatz) und der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka keine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips nach Art. 5 Abs. 1 AsylG bzw. Art. 33 Abs. 1 FK darstelle (Bericht vo m 21. Oktober 2017, S. 4, 3. Absatz). In seinem Bericht vom 5. Juni 2019 erklärt das SEM, dass d ie Einschätzung im Bericht vom 21. Oktober 2017, wonach der Beschwerdeführer trotz sei ner tamilischen Herkunft, seiner mehrjährigen Landesabwesenheit und seines Alters gestützt auf die geltende Praxis noch kein Risikoprofil aufweise, das anlässlich seiner allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zu einer asylrelevanten Verfolgung im S inne von Art. 3 AsylG führe, immer noch zutreffend sei (S. 2, 2. Absatz). In beiden Beri chten wird damit klar der Schluss gezogen, dass der Vollzug der Wegweisung aufgrund der aktuellen Aktenlage sowohl im Sinne der asyl- gesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen weiterhin als zulässig einzustufen sei. 7.4.1. Der Beschwerdeführer moniert in seiner Stellu ngnahme vom 11. Juni 2020 nochmals, dass das SEM im ersten Bericht ausführe, dass es fraglich sei, ob er die Flüchtlingseigenschaft noch erfülle oder nicht, und es im zweiten Bericht erkläre, es hätten sich seit dem ersten Bericht vom Oktober 2017 bezüglich der persönlichen Lage des Besch werdeführers flüchtlingsrechtlich keine neuen Hinweise ergeben. Es könne demzufolge nich t gesagt werden, dass das SEM in seiner jüngeren Stellungnahme "eindeutig zum Schluss gekommen sei ", der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. 7.4.2. Dem Beschwerdeführer ist insofern beizupflichten , als das SEM in seinem Bericht vom 21. Oktober 2017 ausführt, der Beschwerdeführer sei zwar formell Flüchtling, es sei jedoch fraglich, ob er die Flüchtlingseigenschaft zum jetzigen Zeitpunkt materiell erfülle. Im zweiten Bericht erklärt es, flüchtlingsrechtlich hätten sich in de r Zwischenzeit keine neuen Hinweise er- geben. Massgeblich ist, dass das SEM in beiden Berichten zum Schluss gekommen ist, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zuge- hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wege n seinen politischen Anschauungen nicht ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sei oder begründet e Furcht habe, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, und keine Hinweise auf eine flüch tlingsrelevante Gefährdung des Be- schwerdeführer in Sri Lanka bestünden, weshalb der Wegw eisungsvollzug zulässig sei. Damit hat das SEM zum materiellen Aspekt der Flüchtlingseigensch aft in beiden Berichten Stellung genommen und ist in beiden Berichten zum Schluss gekommen, dass keine flüchtlingsrelevante Gefährdung vorliege. 7.5.1. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber gelte nd, dass ihm in Sri Lanka Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG drohen würden. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5.2. Der Beschwerdeführer beruft sich in der Beschwerd e auf die Urteile des Bundesver- waltungsgerichts D-6245/2018 vom 26. November 2019, E-4354/2018 vom 25. November 2019 und E-4716/2018 vom 12. November 2019. Der Regierungsr at geht in seiner Vernehmlassung vom 23. März 2020 eingehend auf diese Urteile ein und zeigt auf, weshalb sie mit dem Fall des Beschwerdeführers nicht vergleichbar sind. In allen d rei Fällen waren die betroffenen Personen als Erwachsene in die Schweiz eingereist und waren selber vor der Ausreise ins Visier der loka- len Behörden geraten und zum Teil auch selber politi sch aktiv gewesen, weshalb der Regie- rungsrat zu Recht zum Schluss kommt, dass der vorliegende Fa ll nicht mit den genannten Ur- teilen des Bundesverwaltungsgerichts verglichen werden kann, da der Beschwerdeführer schon als Kind in die Schweiz einreiste, hier nie politisch aktiv war und auch sein Vater schon seit lan- ger Zeit in der Schweiz lebt und seit 20 Jahren nicht mehr für die LTTE tätig ist. 7.5.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass sich di e politische Lage in Sri Lanka nach den Wahlen am 16. November 2019 grundlegend verändert habe. Der Regierungsrat hält dem entgegen, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 25. November 2019 auch unter Berücksichtigung der aktuellen allgemeinen politischen La ge in Sri Lanka keinen Anlass gese- hen habe, seine Rechtsprechung zu Sri Lanka, welche e s seit dem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 verfolge, anzupassen (Urteil des BVGer E-4354/2018 vom 25. November 2019 E. 5.2.2). In seiner Eingabe vom 11. Juni 2020 we ist der Beschwerdeführer darauf hin, dass das Urteil vom 25. November 2019 keine zehn Tage na ch den Wahlen, welche zu einer gravierenden politischen Veränderung geführt hätten, erlassen worden sei. 7.5.4. Bezugnehmend auf den Vorwurf des Beschwerdefüh rers ist darauf hinzuweisen, dass sich das Bundesverwaltungsgericht auch in jüngeren Urtei len, nämlich aus dem Jahr 2020, an das Referenzurteil E-1866/2015 hält. Zusätzlich prüft es, ob ein persönlicher Bezug der asylsu- chenden Personen bzw. des Wegzuweisenden zur Präsidentschaft swahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. So führt das Bunde sverwaltungsgericht z.B. in seinem Urteil vom 19. Mai 2020 (E-1575/2020; vgl. auch Urtei le des Bundesverwaltungsgerichts E-2001/2020 vom 12. Mai 2020 E. 7. ff.; E-2548/2020 vom 3. Juni 2020 E. 8.3) Folgendes aus: "7.3.2. Als neue Tatsache macht der Beschwerdeführer g eltend, seit der Wahl von Gotabaya Rajapa- ksa als sri-lankischer Präsident im November 2019 sei eine zukünftige Verfolgung und eine Steigerung der Repressalien gegenüber der muslimischen Bevölkerung zu befürchten. Seit der Präsidentschaftswahl habe sich die Sicherheitslage weiterhin negativ entwickelt. Ende November 2019 sei eine Angestellte der Schweizerischen Botschaft in Colombo von Unbekannten gew altsam festgehalten worden. Es sei dabei um Informationen über einen in die Schweiz geflüchtete n sri-lankischen Polizeioffizier gegangen. Es sei damit zu rechnen, dass der neue Präsident eine konserv ative politische Richtung einschlagen und bud- dhistische Institutionen bewahren sowie stärken werde. Leidtragende dieser Entwicklungen seien Tamile und Tamilinnen sowie Muslime und Musliminnen. … Aus der in der Zwischenzeit eingetretenen Tatsache, da ss der frühere Militärchef Gotabaya Rajapaksa die Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 gew onnen hat, kann der Beschwerdeführer keine individuelle Gefahr vor einer Verfolgung ableiten ( …). Zwar befürchten Beobachter/innen und ethnische sowie religiöse Minderheiten insbesondere mehr Repr ession und die vermehrte Überwachung von Men- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht schenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und sonstigen regierungskritischen Personen (…). Anfang März 2020 lös te Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzei- tig auf und kündigte Neuwahlen an (…). Das Bundesverw altungsgericht ist sich der genannten Verände- rungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Ke nntnisstand durchaus von einer möglichen Akzen- tuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Persone n mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren ( vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsge- richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016; …). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol- gungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht (vgl. Urteil des BVGer D-6268/2019 vom 24. März 2020 E. 5.1). Ein solcher Bezug ist, wie sich aus den obenstehenden Erwägungen ergibt, vorliegend nicht gegeben. 7.4 Soweit der Beschwerdeführer eine allgemeine Gefä hrdungslage für nach Sri Lanka zurückkeh- rende tamilische Asylsuchende geltend macht, kann unter Berücksichtigung des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgehalten werden, d ass der Beschwerdeführer keine asylrelevante Verfolgungssituation glaubhaft machen konnte und dass er, ausser seiner tamilischen Ethnie, einer Nar- be an der Stirn und der viereinhalbjährigen Landesa bwesenheit, keine der Risikofaktoren erfüllt. Es be- stehen keine Hinweise dafür, er würde aus Sicht der s ri-lankischen zuständigen Sicherheitsbehörden dahin eingeschätzt, er sei bestrebt, den tamilischen S eparatismus in Sri Lanka wieder aufflammen zu lassen (vgl. Urteil des BVGer E-6427/2017 vom 29. J uli 2019 E. 5.2.2). Der Beschwerdeführer bringt im vorliegenden Verfahren nichts vor, was an dieser Einschätzung etwas zu ändern vermag." 7.5.5. Wie der Regierungsrat in E. 4.3 seines Beschlus ses ausführt, sind gemäss dem Bun- desverwaltungsgericht aus Europa respektive der Schweiz zur ückkehrende tamilische Asylsu- chende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr vo n Verhaftung und Folter ausgesetzt. Als Risikofaktoren identifiziert das Gericht das Vorhanden sein einer tatsächlichen oder ver- meintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, die Teilnahme an exilpoliti- schen regimekritischen Handlungen sowie frühere Verhaftun gen durch die sri-lankischen Be- hörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsäc hlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren). Eine m gesteigerten Risiko, genau be- fragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, di e zwangsweise nach Sri Lanka zurückge- führt werden oder die über die lnternationale Organ isation für Migration (lOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (so genannte schwach risikobegrün- dende Faktoren). Gemäss dem Bundesverwaltungsgericht hab en insbesondere jene Rückkeh- rer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen, denen seitens der sri-lankischen Behör- den zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen. Diese Analyse hat gemäss einem Urteil des Bunde sverwaltungsgerichts vom 3. Ok- tober 2019 nach wie vor Gültigkeit (Urteil D-4224/201 9, E. 9.4.1 mit Verweis auf das Referenz- urteil E-186612015 vom 15. Juli 2016). Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5.6. Der Beschwerdeführer ist noch als Kind in die S chweiz gekommen und war nie Mitglied der LTTE. Er war gemäss den Akten nie politisch aktiv im Zusammenhang mit seinem Heimat- land und hat insbesondere nie offen den tamilischen Se paratismus unterstützt. Auch sein Vater lebt seit sehr langer Zeit in der Schweiz und ist seit 20 Jahren nicht mehr für die LTTE tätig. Der Beschwerdeführer wäre im Falle einer zwangsweisen Rückfü hrung nach Sri Lanka allenfalls dem Risiko ausgesetzt, durch die lokalen Behörden besond ers befragt zu werden. Wie das SEM ausführt, stellen diese Befragung allein und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise keine asylrelevante Verfolgungsm assnahme dar. Das SEM ist in sei- nem Bericht zum Schluss gekommen, dass beim Beschwerdefüh rer trotz der lange zurücklie- genden politischen Aktivitäten seines Vaters keine Hinwei se für eine asylrelevante Verfolgung im Herkunftsland vorliegen würden, insbesondere auch n icht Hinweise auf einen Verstoss ge- gen Art. 3 EMRK. Vorliegend hat der Beschwerdeführer nicht hinreichend darlegen können, dass ihm in Sri Lanka Nachteile im Sinne von Art. 3 A bs. 1 AsylG und Art. 3 EMRK drohen, auch liegen keine Hinweise auf einen persönlichen Bezu g des Beschwerdeführers zur Präsi- dentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol gen vor. Demzufolge ist nicht ersichtlich, inwiefern ein neuer aktueller Bericht des S EM hinsichtlich der Gefährdungssituation des Beschwerdeführers in Sri Lanka bzw. seiner materiel len Flüchtlingseigenschaft neue Er- kenntnisse ergeben sollte, weshalb der entsprechende Antrag des Beschwerdeführers (Rechts- begehren 3) auch abgelehnt wird. 8.1. Der Regierungsrat und das SEM vertreten die Ansich t, dass wenn keine flüchtlingsre- levante Gefährdung im Heimatland vorliege, sich der Be schwerdeführer nicht auf das Rück- schiebeverbot gemäss Art. 5 Abs. 2 AsylG berufen könne und somit auch nicht geprüft werden müsse, ob vom Beschwerdeführer im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AsylG eine Gefahr ausgehe. 8.2. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpun kt, dass er sich als Flüchtling auf das Rückschiebungsverbot berufen könne und damit eine Rücksc hiebung u.a. nur zulässig sei, wenn er gemeingefährlich im Sinne von Art. 5 Abs. 2 As ylG sei. Diesbezüglich kann festgehal- ten werden, dass das Bundesgericht in Fällen, in dene n es zum Schluss kam, dass der Be- troffene in seinem Herkunftsland keinen Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG ausgesetzt war, die Wegweisung als zumutbar erklärt hat und keine Überp rüfung der Gemeingefährlichkeit im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AsylG vorgenommen hat (Urteile des BGer 2C-108/2018 vom 28. Sep- tember 2018 E. 5.4.4 und 2C_488/2019 vom 30. Januar 2 020 E. 5.5.2). Damit geht das Bun- desgericht davon aus, dass sich ein Betroffener nicht auf das Rückschiebungsverbot berufen kann, wenn ihm in seinem Heimatland keine Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG drohen. 8.3. Das SEM hat festgehalten, dass dem Beschwerdeführe r im Heimatland keine flücht- lingsrelevante Gefahr drohe. Daran ändert vorliegend enfalls, wie oben aufgezeigt, auch die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten nichts. In A nlehnung an die bundesgerichtli- chen Urteile und in Übereinstimmung mit der von der V orinstanz und dem SEM vertretenen Meinung kann sich der Beschwerdeführer demzufolge nicht auf das Rückschiebeverbot im Sin- ne von Art. 5 Abs. 2 AsylG berufen und es ist somit irre levant, ob die Voraussetzungen nach Art. 5 Abs. 2 AsylG und damit u.a. auch die Gemeingefä hrlichkeit vorliegen, damit eine Weg- weisung zulässig ist. Auch liegen vorliegendenfalls keine rechtsgenüglichen Hinweise dafür vor, Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr Nachteile im Sinne von Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK drohen würden. 8.4. Hier kann noch ergänzend festgehalten werden, dass auch für den Fall, dass sich der Beschwerdeführer auf das Rückschiebeverbot von Art. 5 A bs. 2 AsylG berufen könnte und für die Wegweisung die Voraussetzungen nach Art. 5 Abs. 2 AsylG erfüllt sein müssten, diese Vo- raussetzungen - wie das AFMB auf S. 8 und 9 seiner Verf ügung eingehend erörtert - als erfüllt erachtet werden. 9.1. Zu prüfen ist, ob die Wegweisung verhältnismässig ist. 9.2. Wie im Regierungsratsbeschluss ausgeführt wird, ist das private Interesse des Be- schwerdeführers am Verbleib in der Schweiz gross. Der B eschwerdeführer kam mit 13 Jahren in die Schweiz und lebt seit nunmehr über 18 Jahren in der Schweiz. Hier leben sein Vater, sei- ne Geschwister und seine Tochter. Mit der Mutter der To chter ist er nicht liiert und mit seiner langjährigen Partnerin ist er gemäss Akten nicht mehr liiert. Der Beschwerdeführer spricht Deutsch und hat eine Attestausbildung als Küchenangeste llter, beruflich konnte er jedoch nie Fuss fassen, aktuell wird er durch die Sozialhilfe unterst ützt. Gegen eine erfolgreiche Integrati- on spricht ausserdem sein katastrophales Legalverhalten. 9.3. Der Beschwerdeführer hat die ersten 13 Jahre sein es Lebens in Sri Lanka verbracht und dort von 1994 bis 1999 die Primarschule besucht. G emäss seinem Lebenslauf (Akte 2757) ist Singhalesisch seine Muttersprache, in Tamilisch und Englisch hat er Grundkenntnisse. Die Behauptung des Beschwerdeführers in seiner Beschwerde an das Kantonsgericht, er beherr- sche - anders als im Regierungsratsbeschluss geltend gemach t - die singhalesische Sprache nicht, erscheint in Anbetracht, dass er in seinem im Rahme n des rechtlichen Gehörs (Eingabe vom 4. August 2017) eingereichten Lebenslauf die singha lesische Sprache als Muttersprache bezeichnet, wenig glaubhaft. Er ist seit seiner Einre ise in die Schweiz nicht mehr nach Sri Lan- ka gereist und er scheint dort auch nicht mehr über ein soziales Auffangnetz zu verfügen. Dies ist sicherlich als sehr erschwerend für eine Reintegration in seinem Heimatland zu werten. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer Deutsch spricht, überdi es Grundkenntnisse in Englisch hat und über eine Attestausbildung als Küchenangestell ter verfügt, können ihm aber helfen, in seinem Heimatland Fuss zu fassen. Wie der Regierungsrat zu Recht ausführt, wäre bei einer Rückkehr nach Sri Lanka zu befürchten, dass sich seine psychische Verfassung verschlechtert, da er in seiner Heimat traumatisiert worden ist. Er le idet an einer posttraumatischen Belas- tungsstörung mit komplexer Symptomatik, er hatte eine m ittelgradige depressive Episode und es wurde eine kombinierte Persönlichkeitsstruktur mit n arzisstischen und dissozialen Anteilen diagnostiziert. Die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten sind in Sri Lanka nicht mit jenen in der Schweiz vergleichbar, auch wenn grundlegende Str ukturen vorhanden sind. Medizinische Gründe sprechen gegen die Zumutbarkeit des Wegweisung svollzugs (vgl. Art. 83 Abs. 4 AuG), wenn bei einer Rückkehr eine überlebensnotwendige Beh andlung nicht erhältlich gemacht wer- den kann (medizinische Notlage); die fehlende Möglichkei t der (Weiter-) Behandlung mit ande- ren Worten eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich ziehen würde. Diesbezüglich gelten im Zusamm enhang mit Art. 3 EMRK (unmensch- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht liche Behandlung) relativ hohe Schwellen, da es dabei nicht unmittelbar um Handlungen oder Unterlassungen staatlicher oder privater Akteure geht, sondern ein natürlicher Prozess (Krank- heit) zu den entsprechenden Konsequenzen (Tod, Verschlechte rung des Gesundheitszustands usw.) führt (Urteil des BGer 2C_573/2014 vom 4. Dezemb er 2014 E. 4.3.1; vgl. auch Urteil des BVGer D-6268/2019 vom 24. März 2020 E. 5.2). Vorlieg endenfalls würde - wie das AFMB in seiner Verfügung vom 23. Oktober 2019 eingehend ausführt - auch das Fehlen der begonnenen Behandlung in Sri Lanka keine drastische und lebensbed rohliche Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes nach sich ziehen. Die Wegweisung würde au ch zur Trennung des Be- schwerdeführers von seiner am 5. Dezember 2018 geboren en Schweizer Tochter führen. Dies- bezüglich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nich t mit der Mutter des Kindes liiert ist und das Kind somit nur im Rahmen des Besuchsrechts sehen kann, er sich nicht klaglos verhal- ten hat, er für das Kind keine Alimente bezahlt, di e Tochter nach seinen Verurteilungen und nach Einleitung des Wegweisungsverfahrens gezeugt wurde, weshalb er nicht damit rechnen konnte, sein Kind in der Schweiz aufwachsen zu sehen, und der Beschwerdeführer auch seit der Geburt des Kindes noch im Strafvollzug war. Ausser dem kann der Beschwerdeführer mit- tels moderner Kommunikationsmittel den Kontakt zum Kind aufrechterhalten. 10. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdefüh rer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung ver stossen hat und er ein katastrophales Legalverhalten aufweist. Die verschiedenen Verurteilung en und Verfahren haben ihn nicht da- von abgehalten, auch während den Probezeiten weiter zu delinquieren, zudem ist die Entwick- lung im Straf- und Massnahmenvollzug als ungünstig zu bewerten. Obwohl im vorliegenden Fall die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz als sehr hoch zu werten sind, sind die öffentlichen Interessen an der Wegweisung als höher zu gewichten. Die Wegweisung stellt keine Verletzung des Rückschiebungsverbots nach Art. 5 Abs. 1 AsylG bzw. Art. 33 Abs. 1 FK dar. Seiner Wegweisung stehen auch k eine weiteren völkerrechtlichen Ver- pflichtungen der Schweiz entgegen und die Wegweisung erweist sich als verhältnismässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. Damit ist auch d er Antrag des Beschwerdeführers, es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzul ässig sei, und das AFMB sei anzu- weisen, beim SEM seine vorläufige Aufnahme zu beantragen, obsolet. 11.1. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht koste npflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Ab s. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem unter legenen Beschwerdeführer aufzuerle- gen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessfü hrung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 11.2. Die Parteikosten sind gemäss § 21 VPO wettzuschla gen. Der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 11. Juni 2020 einen Aufwand von 18.75 Stunden und Auslagen in der Höhe von Fr. 78.90 gelten d, was nicht zu beanstanden ist. Bei unentgeltlicher Verbeiständung beträgt der Stundenansatz gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte des Kantons Basel-La ndschaft vom 17. November 2003 Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 200.--, woraus ein Betrag von Fr. 4'123.70 (18.75 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 78.90 und 7.7 % Mehrwertsteuer) resultiert. Zufolge Bewilligung der unentgelt- lichen Verbeiständung ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 4'123.70 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrw ertsteuer) aus der Gerichtskasse aus- zurichten. 11.3. Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hing ewiesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz bis spätestens 30 Tage nach Rechtskraft dieses Urteils zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in d er Höhe von Fr. 4'123.70 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin