Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. September 2017 (750 17 177 / 247) ____________________________________________________________________ Erwerbsersatz Beurteilung der Bemessungsgrundlage der Erwerbsersatz-Entschädigung unmittelbar nach einem Bachelorabschluss in Wirtschaftswissenschaften Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Nadja Wenger Parteien A.____, vertreten durch Michael Blattner, Advokat, Advokatur Sissach, Postgasse 9, Postfach 182, 4450 Sissach gegen Ausgleichskasse Handel Schweiz, Schönmattstrasse 4, Postfach, 4153 Reinach BL, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1993 geborene A.____ schloss per 31. Juli 2016 sein Bachelorstudium in Wir t- schaftswissenschaften an der Universität X.____ ab. Nebst dem Studium arbeitete er ab dem 1. Oktober 2015 als Aushilfe im Verkauf bei der B.____ AG. Nach seinem Bachelorabschluss leistete A.____ vom 22. August 2016 bis 24. Februar 2017 Zivildienst. Mit Verfügung vom 9. Dezember 2016 wurde sein Zi vildiensteinsatz bis zum 26. Mai 2017 verlängert. Die Au s- gleichskasse Handel Schweiz (Ausgleichskasse) berechnete in ihrer Verfügung vom 6. Februar Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2017 die Erwerbsersatz-Entschädigung für die Dienstperiode vom 22. August 2016 bis 26. Mai 2017 gestützt auf den Lohn von A.____ bei der B.____ AG. Dies führte im Ergebnis zu einer Entschädigung in Höhe von Fr. 62. -- pro Tag. Eine hiergegen erhobene Einsprache des Vers i- cherten wurde mit Einspracheentscheid vom 2. Mai 2017 abgewiesen. B. Gegen den Einspracheents cheid vom 2. Mai 2017 erhob A.____, vertreten durch Michael Blattner, Advokat, am 6. Juni 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefoc h- tene Einspracheentscheid aufzuheben und es sei die Ausgleichskasse anzuweisen, ihm für die Dauer der Zivildienstleistung eine Erwerbsersatz -Entschädigung auf Basis des ortsüblichen Anfangslohns eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften, somit auf Grundlage eines Monatssalärs von Fr. 8‘285. --, auszurichten. Unter o/e -Kostenfolge zulasten der Au s- gleichskasse, wobei ihm im Unterliegensfall die unentgeltliche Rechtsverbeiständung mit Adv o- kat Blattner zu gewähren sei. In seiner Begründung führte er im Wesentlichen au s, dass er un- mittelbar vor dem Dienstantritt den Bachelorabschluss in Wirtschaftswissenschaften erlangt habe und ohne Zivildiensteinsatz im Raum Y.____ eine Erwerbstätigkeit als Ökonom aufg e- nommen hätte. Bei dieser Ausgangslage gelte die gesetzliche Vermutung, dass nach dem Aus- bildungsabschluss eine Erwerbstätigkeit im erlernten Beruf aufgenommen werde. Diese gesetz- liche Vermutung könne von Seiten der Beschwerdegegnerin nicht mittels Gegenbeweis umge s- tossen werden. Es sei insbesondere ohne Relevanz, d ass das Arbeitsverhältnis mit der B.____ AG formell auch während des Zivildienstes Bestand gehabt habe. Der Arbeitsvertrag stelle einen blossen Einsatzvertrag dar und er habe seit Mai 2016 von der B.____ AG keinen Lohn mehr erhalten. Überdies dürfe es als notorisch gelten, dass ein Bachelorabsolvent in Wirtschaftswissenschaften sein Studium nicht absolviere, um danach wieder als Aushilfskraft an der Kasse zu arbeiten. C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 7. Juli 2017 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Blattner als Rechtsvertreter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Juni 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf A b- weisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft (Erwerbsersatzgesetz; EOG) vom 25. September 1952 auf die Erwerbse r- satzordnung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Soweit sich die Beschwerde – wie im vorliegenden Fall – nicht gegen einen Einspracheentscheid einer kant o- nalen Ausgleichskasse richtet, ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kan- tons zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat. Vorliegend befindet sich dieser in Y.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kanton s- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa s- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden g e- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegende n Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist - und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 6. Juni 2017 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist die Höhe der Erwerbsersatz -Entschädigung für den Zivildienst- einsatz des Versicherten. Insbesondere ist die Frage zu klären, ob für die Bemessung der En t- schädigung auf das vordienstliche Einkommen bei der B.____ AG oder auf den ortsüblichen Anfangslohn eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften abzustellen ist. 3.1 Nach Art. 1a Abs. 2 EOG haben Personen, die Zivildienst leisten, für jeden anrechenb a- ren Diensttag gemäss dem Bundesgesetz über den zivilen Ersatzdienst (Zivildienstgesetz, ZDG) vom 6. Oktober 1995 Anspruch auf eine Entschädigung. Art. 4 EOG normiert den Grun d- satz, dass alle Dienstleistenden Anspruch auf die Grundentschädigung haben. Bezüglich der Bemessung dieser Entschädigung unterscheidet der Gesetzgeber zwischen der "Grunden t- schädigung während der Rekrutenschule und gleichgestellten Dienstzeiten" (so die Überschrift des Art. 9 EOG) und der "Grundentschädigung während der anderen Dienste" (so die Übe r- schrift des Art. 10 EOG). 3.2 Gemäss der genannten Bestimmung von Art. 10 Abs. 1 EOG beträgt die tägliche Gru n- dentschädigung während Diensten, die nicht unter Art. 9 EOG fallen, 80% des durchschnittl i- chen vordienstlichen Erwerbseinkommens. Vorbehalten bleibt Art. 16 Abs. 1 -3 EOG. War die dienstleistende Person vor Beginn des Dienstes nicht erwerbstätig, so entspricht die tägliche Grundentschädigung den Mindestbeträgen gemäss Art. 16 Abs. 1-3 EOG (Art. 10 Abs. 2 EOG). Gemäss Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG darf die tägliche Gesamtentschädigung für Dienstleistende ohne Kinder während der anderen Dienste 25% des Höchstbetrages gemäss Art. 16a EOG nicht unterschreiten. Laut Art. 16a Abs. 1 EOG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 der Verordnung 15 über Anpassungen an die Lohn - und Preisentwicklung bei der AHV/IV/EO vom 15. Oktober 2014 beläuft sich der Höchstbetrag der Gesamtentschädigung in den hier massgebenden Ja h- ren 2016 und 2017 auf Fr. 245. -- pro Tag. Daraus folgt, dass die Grundentschädigung von Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG Fr. 62. -- pro Tag beträgt (25% von Fr. 245. --, aufgerundet auf den nächsten runden Frankenbetrag). 3.3 Gemäss Art. 1 Abs. 1 der Verordnung zum Erwerbsersatzgesetz (EOV) vom 24. N o- vember 2004 gelten als Erwerbstätige Personen, die in den letzten zwölf Monaten vor dem Ei n- rücken während mindestens vier Wochen erwerbstätig waren. Wurde die Mindesterwerbsdauer gemäss Rz. 5060 der Wegleitung zur Erwerbsersatzordnung für D ienstleistende und Mutte r- schaft (WEO) in mehreren unzusammenhängenden Perioden (z.B. wochen - oder tageweise) erfüllt, so wird das massgebende Tageseinkommen ermittelt, indem das zuletzt während insg e- samt 4 Wochen erzielte Einkommen durch 28 geteilt wird. L ässt sich auf diese Weise kein a n- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemessenes Durchschnittseinkommen ermitteln, so ist das auf den Tag umgerechnete E r- werbseinkommen einer längeren Zeitperiode zu berücksichtigen (Rz. 5033 ff. und 5064 WEO). 3.4 Den Erwerbstätigen gleichgestellt sind unter a nderem Personen, die glaubhaft machen, dass sie eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätten, wenn sie nicht eing e- rückt wären (Art. 1 Abs. 2 lit. b EOV). Dieses Erfordernis gilt als erfüllt, wenn eine unbefristete Erwerbstätigkeit aufgenomme n worden wäre oder diese mindestens ein Jahr gedauert hätte (Rz. 5004 WEO; BGE 136 V 231). Für Personen, die glaubhaft machen, dass sie während des Dienstes eine unselbstständige Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätten oder der Verdienst min destens um 25% gestiegen wäre, wird die Entschädigung auf Grund des Lohns berechnet, der ihnen entgangen ist bzw. den sie verdient hätten (Art. 4 Abs. 2 erster Satz EOV; Rz. 5041 und 5065 WEO). 3.5 Ebenfalls den Erwerbstätigen gleichgestellt sind Personen , die unmittelbar vor dem Ei n- rücken ihre Ausbildung abgeschlossen haben oder diese während des Dienstes beendet hätten (Art. 1 Abs. 2 lit. c EOV). Die Entschädigung wird dann auf Grund des ortsüblichen Anfang s- lohns im betreffenden Beruf berechnet (Art. 4 A bs. 2 zweiter Satz EOV; Rz. 5042 WEO). Es wird von Gesetzes wegen vermutet, dass sie eine Erwerbstätigkeit im betreffenden Beruf au f- genommen hätten. Als unmittelbar gilt dabei eine Zeitspanne von maximal drei Wochen (Rz. 5006 WEO mit Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 9C_57/2013 vom 12. August 2013 E. 2.1.1). Die gesetzliche Vermutung kann hingegen durch den Beweis des Gegenteils umgesto s- sen werden. Dies ist der Fall, wenn die Ausgleichskasse Umstände geltend macht, die darauf schliessen lassen, dass der Versicherte ohne Dienstabsolvierung keine Erwerbstätigkeit aufg e- nommen hätte (BGE 137 V 410 E. 4.2.1; Rz. 5006 WEO). 3.6 Für Personen, die kein regelmässiges Einkommen im Sinne von Art. 5 EOV haben, wird für die Ermittlung des vordienstlichen Durchs chnittseinkommens auf das während der drei let z- ten Monate vor Dienstbeginn erzielte und auf den Tag umgerechnete Erwerbseinkommen a b- gestellt (Art. 6 Abs. 1 EOV). Ist auf diese Weise die Ermittlung eines angemessenen Durc h- schnittseinkommens nicht möglich, so wird das Einkommen einer längeren Zeitspanne – höchs- tens jedoch zwölf Monate – berücksichtigt (Art. 6 Abs. 2 EOV; Rz. 5032 WEO). Die Wahl der massgebenden Periode obliegt der Ausgleichskasse. Die Periode muss so gewählt werden, dass die Ermittlung eines den Verhältnissen angemessenen Durchschnittslohnes ermöglicht wird (Rz. 5033 WEO). Als Arbeitnehmende mit unregelmässigem Einkommen gelten Dienst leistende Personen, die wöchentlich nur einige Tage oder monatlich weniger als vier Wochen arbeiten, wie z.B. Taglöhner, die wöchentlich durchschnittlich weniger als fünf Tage arbeiten. Dagegen gelten sowohl Dienst leistende Personen, welche teilzeitbeschäftigt sind als auch j e- ne, die in einem Arbeitsmodell mit Jahresarbeitszeit beschäftigt sind, als Arbeitnehmen de mit regelmässigem Einkommen (Rz. 5028 WEO). 4. Die Beschwerdegegnerin stellt sich im angefochtenen Einspracheentscheid auf den Standpunkt, dass der Beschwerdeführer als Erwerbstätiger gelte. Er habe während des Stud i- ums bei der B.____ AG gearbeitet. Fü r die Bemessung der Erwerbsersatzentschädigung sei das erzielte Einkommen vor dem Einrücken, welches er bei der B.____ AG erzielt habe, mass- gebend. Der vom Beschwerdeführer angerufene Art. 1 Abs. 2 lit. c EOV in Verbindung mit Art. 4 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 2 zweiter Satz EO V komme nicht zur Anwendung. Eine höhere Erwerbsersatzentschäd i- gung als die Mindestentschädigung von Fr. 62. -- pro Tag würde nur bezahlt, wenn der B e- schwerdeführer glaubhaft darlegen könne, dass er sich um eine Stelle mit einem um minde s- tens 25% höheren Ei nkommen bemüht habe. Ein entsprechender Nachweis könne beispiel s- weise mit einem Bewerbungsschreiben (inklusive Absage) oder mit einem Arbeitsvertrag, der unmittelbar nach dem Zivildienst beginnt, erfolgen. Insgesamt sei die Berechnung korrekt erfolgt und müsse rückwirkend nicht korrigiert werden. 5. Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei während seiner Studienzeit bei der B.____ AG als Aushilfsmitarbeiter tätig gewesen. Arbeitsvertraglich habe eine Art Rahmenvertrag besta n- den. Die Arbeitseinsätze seien je weils in Absprache mit der Arbeitgeberin festgelegt worden. Per 30. April 2017 sei das Arbeitsverhältnis formell ausser Kraft gesetzt worden. Effektive Arbeitseinsätze hätten aber bereits seit Mai 2016 nicht mehr stattgefunden. Eine frühere Aufh e- bung des Arbeitsvertrages sei nur deshalb nicht erfolgt, weil die B.____ AG auf die Aufrechte r- haltung des Rahmenarbeitsvertrages bestanden habe. Andernfalls hätte sie ihm bei späteren Arbeitseinsätzen den Einstiegskurs als Kassier erneut finanzieren müssen. Im Weit eren führt der Beschwerdeführer unter Verweis auf die Rechtslage von Erwerbstätigen, welche vor dem Dienstantritt sowohl in selbständiger als auch in unselbständiger Position arbeitstätig waren, aus, die Berechnung der Entschädigung habe sich an den effekt iven, unmittelbar vor dem Dienstantritt bestehenden Verhältnissen zu orientieren. Nach seinem Bachelorabschluss per 31. Juli 2016 hätte er ohne den Zivildiensteinsatz im Raum X.____ als Ökonom beruflich Fuss gefasst und somit kein weiterführendes Studium, insbesondere keinen Masterstudiengang, a b- solviert. Nach seiner Auffassung sei die Erwerbsentschädigung deshalb nach Art. 4 Abs. 2 zweiter Satz EOV auf Grundlage des ortsüblichen Anfangslohns eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften vorzunehmen. Gemäss dem individuellen Lohnrechner des Bunde s- amtes für Statistik (Salarium) liege der durchschnittliche Monatslohn bei seinem Lohnprofil in der Nordwestschweiz bei Fr. 8‘285.-- bzw. in Zürich bei Fr. 8‘188.--. Es erweise sich sodann als unzutreffend, dass er glaubhaft zu machen habe, dass er ohne Zivildienst ein höheres Einko m- men erzielen würde. Das Erfordernis der Glaubhaftmachung komme nur bei einer Konstellation nach Art. 4 Abs. 2 erster Satz EOV zur Anwendung; vorliegend sei jedoch der zweite Satz des erwähnten Absatzes einschlägig. Es habe daher die gesetzliche Vermutung zu gelten, wonach er ohne Dienstantritt eine Tätigkeit im erlernten Beruf als Ökonom aufgenommen hätte. Die B e- schwerdegegnerin könne den Gegenweis für die Umstossung der gesetzlichen Vermutung nicht erbringen. Es sei insbesondere ohne Relevanz, dass das Arbeitsverhältnis zur B.____ AG for- mell auch während des Zivildienstes Bestand hatte. Überdies dürfe es als notorisch gelten, dass er nach seinem Bachelorabschluss in Wirtschaftswis senschaften nicht weiter als Aushilf s- kraft an der Kasse arbeiten würde. 6.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der zivildienstleistenden Person für die Anzahl Tage, die der Dauer einer Rekrutenschule entsprechen, 25% des Höchstbetrages der Gesamten t- schädigung zustehen gemäss Art. 9 Abs. 3 EOG (vgl. Erwägung 3.1 hiervor). Der Erwerbse r- satz-Entschädigungsanspruch beschränkt sich folglich auf die Grundentschädigung von Fr. 62.- pro Tag während der ersten 145 Zivildiensttage ( https://www.zivi.admin.ch/zivi/de/home/zivi- sein/waehrend-eines-einsatzes/erwerbsersatz-eo.html, besucht am 14. September 2017). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach entspricht der Erwerbsersatz -Entschädigungsanspruch des Beschwerdeführers für die ersten rund fünf Monate dem Mindestbetrag von Fr. 62. -- pro Tag. Zu beurteilen ist de m- nach nachfolgend der Entschädigungsanspruch nach der Grundausbildung, wobei zu klären ist, ob dabei das durchschnittliche vordien stliche Erwerbseinkommen bei der B.____ AG oder der ortsübliche Anfangslohn eines Bachelorabsolventen in Wirtschaftswissenschaften als Beme s- sungsgrundlage massgebend ist. 6.2 Der Beschwerdeführer hat sein Bachelorstudium per 31. Juli 2016 abgeschlossen. Zwischen dem Bachelorabschluss und dem Dienstbeginn am 22. August 2016 lagen drei W o- chen. Damit hat der Beschwerdeführer sein Bachelor -Diplom unmittelbar vor dem Dienstbeginn erworben. Es stellt sich indessen die Frage, ob ein universitärer Bachelorabschl uss in Wir t- schaftswissenschaften einem Ausbildungsabschluss gleichkommt. Auf diese Frage wird nac h- folgend in der Erwägung 6.5 näher eingegangen. Wird im vorliegenden Fall davon ausgega n- gen, dass der Beschwerdeführer sein Wirtschaftsstudium tatsächlich abge schlossen hat, käme die gesetzliche Vermutung zum Tragen, wonach der Versicherte eine Erwerbstätigkeit in se i- nem erlernten Beruf aufgenommen hätte, gemäss Art. 4 Abs. 2 zweiter Satz EOV (vgl. Erw ä- gung 3.5 hiervor). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegeg nerin muss der Beschwerd e- führer bei einer solchen Ausgangslage nicht glaubhaft machen, dass er einen höheren Ve r- dienst erzielt hätte. Vielmehr obliegt es in diesem Fall der Ausgleichskasse, die gesetzliche Vermutung durch den Beweis des Gegenteils umzustossen. 6.3 Es gilt daher im Weiteren zu beurteilen, ob die gesetzliche Vermutung durch den Beweis des Gegenteils umgestossen werden könnte, indem die Ausgleichskasse Umstände darlegt, die darauf schliessen lassen, dass der Beschwerdeführer ohne Zivildienst leistung keine Erwerbstä- tigkeit als Ökonom aufgenommen hätte. Dies wäre unter anderem der Fall, wenn er nach dem Zivildienst längerfristig verreist wäre (BGE 137 V 410 E. 4.3), wenn er sein Studium durch Au f- nahme des Masterstudiengangs fortgesetzt hätte od er wenn er eine Arbeitsstelle, die keinen Bachelorabschluss in Wirtschaftswissenschaften voraussetzt, angenommen hätte. 6.4 Mit dem Beschwerdeführer ist davon auszugehen, dass er nach dem Bachelorabschluss in Wirtschaftswissenschaften nicht mehr an der K asse der B.____ AG gearbeitet hätte. Aus dem Umstand, dass er sein Arbeitsverhältnis auf Wunsch der Arbeitgeberin vor Antritt des Zivi l- dienstes nicht gekündigt hatte, kann nicht geschlossen werden, dass er die Stelle nach Beend i- gung des Zivildienstes wiede r angetreten hätte. Da seine Arbeitseinsätze ohnehin nur mit se i- nem Einverständnis verbindlich wurden, trafen den Beschwerdeführer gestützt auf den Arbeit s- vertrag keine Verpflichtungen. Es spielte für ihn daher keine Rolle, ob der Arbeitsvertrag gekü n- digt wurde oder nicht. Fakt ist, dass er seit Mai 2016 nicht mehr bei der B.____ AG gearbeitet hatte. Zudem ist es nachvollziehbar, dass er nicht beabsichtigt hatte, nach Beendigung des Zivildienstes erneut als Aushilfe -Verkäufer zu arbeiten. Der im Zeitpunkt des Zivildienstes b e- stehende Arbeitsvertrag mit der B.____ AG vermag demnach die gesetzliche Vermutung, w o- nach der Beschwerdeführer ohne Zivildienst in seinem erlernten Beruf erwerbstätig gewesen wäre, nicht umzustossen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Unklar ist hingegen, was der Beschwerdeführer seit der Beendigung des Zivildienstes am 26. Mai 2017 gemacht hat. Es stellt sich insbesondere die Frage, ob er sein Studium im Juli 2016 tatsächlich abgeschlossen hatte. In seiner Eingabe vom 6. Juni 2017 behauptet der B e- schwerdeführer, e r beabsichtige kein weiterführendes Studium, insbesondere keinen Maste r- studiengang, zu absolvieren. Ein Universitätsstudium ist jedoch in der Regel mit dem Bachelor - Diplom noch nicht endgültig abgeschlossen. Üblicherweise setzen Bachelor -Absolventen ihr Studium fort und schliessen mit dem Master ab. Der Sachverhalt ist in Bezug auf die Frage, ob der Beschwerdeführer den Masterstudiengang tatsächlich nicht aufgenommen hat und stat t- dessen in den Berufsalltag eingestiegen ist, ungenügend abgeklärt. Gestützt au f die vorliegen- de Aktenlage kann daher die Frage, ob die gesetzliche Vermutung widerlegt werden kann, nicht abschliessend beurteilt werden. Aus diesem Grund ist die Angelegenheit zur ergänzenden A b- klärung des Sachverhaltes an die Beschwerdegegnerin zurückz uweisen. Diese wird die Frage, ob der Beschwerdeführer zwischenzeitlich den Masterstudiengang aufgenommen oder eine Arbeitsstelle angetreten hat, zu prüfen haben. Anschliessend wird sie gestützt auf die Ergebnis- se der Aktenergänzung über den Leistungsanspr uch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheis sen und der angefochtene Ei n- spracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 2. Mai 2017 aufzuheben. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu e r- heben. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht einen bei ihm angefochtenen Entscheid auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vol l- ständig) obsiegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 2 15 E. 6.2, je mit Hi n- weisen). De m Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der B e- schwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 21. Juli 2017 für das vorliegende Verf ahren einen Zeitaufwand von 11 Stun- den und 24 Minuten geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts - und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialver - sicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind die in der Honora r- note ausgewiesenen Aus lagen von Fr. 95 .10. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parte i- entschädigung in Hö he von Fr. 3‘180.70 (11 Stunden und 24 Minuten à Fr. 250. -- zuzüglich Auslagen von Fr. 95.10 + 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspr e- chen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. J uni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsb e- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten a n- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwer de sofort einen Endentscheid herbeifüh- ren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisve r- fahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspr e- chung handelt es sich bei einem Rückwei sungsentscheid an den Versicherungsträger zur A k- tenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwe i- sungsentscheid, mit dem eine mate rielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwische n- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist geg en ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten V o- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehe n- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefocht e- ne Einspracheentscheid der Ausgleichskasse Handel Schweiz vom 2. Mai 2017 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Ausgleichskasse Handel Schweiz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Ausgleichskasse Handel Schweiz hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘180.70 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht