B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5122/2009/sed U r t e i l v o m 2 9 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________ geboren am (…) Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Juli 2009 / N_______ D-5122/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Nach eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer – ein srilankischer Staatsangehöriger aus Jaffna mit letztem Wohnsitz in Colombo – Sri Lan- ka am 3. Juli 2008 und gelangte über Kairo und Italien am 29. Juli 2008 in die Schweiz, wo er gleichentags im B.______ ein Asylgesuch stellte. Anlässlich der Erstbefragung vom 6. August 2008 und der Anhörung der zuständigen kantonalen Behörde vom 6. Juli 2009 machte der Be - schwerdeführer im Wesentlichen geltend, im Jahre 2000 sei er mit seiner Familie von seinem bisherigen Wohnsitz C._______ (Jaffna) nach D._______ geflohen. Durch die Unruhen habe er den Kontakt zu seinen Eltern und Geschwistern verloren und sei mit seiner Grossmutter wieder nach C.______ zurückgekehrt, wo e r sich bis am 18. August 2007 auf- gehalten habe. Am 10. Oktober 2005 seien er und sein Freund E.______ von den LTTE zur Absolvierung eines Trainings zwangsrekrutiert und nach zehn Tagen wieder freigelassen worden. Das Militär habe ihn und seinen Freund als mutmassliche Angehörige der LTTE gesucht und se i- nen Freund am 12. August 2007 in C._______ erschossen. In der Folge habe er mit der EPDP Kontakt aufgenommen, um gegen Bezahlung einer Geldsumme nach Colombo reisen zu können. Im Colombo seien er und sein Freund E._______ am 18. Dezember 2007 von den S icherheitsbe- hörden festgenommen, misshandelt und am 21. Dezember 2007 dem Gericht vorgeführt worden, welches ein Verfahren gegen sie wegen mu t- masslicher Angehörigkeit zur LTTE eröffnet habe. Nach einer Kaution s- leistung von 50'000 Rupien und unter der Auflage, sich alle vierzehn Tage auf dem Polizeiposten zu melden, seien sie wieder freigelassen worden. Anlässlich einer späteren P olizeikontrolle in Colombo sei sein Freund festgenommen und auch nach dem Beschwerdeführer sei gesucht wor- den, weshalb er mit Unterstützung eines Schleppers seinen Heimatstaat am 3. Juli 2008 in Richtung Kairo verlassen habe. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens Kopien eines Zeitungsartikels, eines Ge- richtsbeschlusses sowie einer Todesbescheinigung und im Weiteren se i- ner Identitätskarte, seines Führerausweises und seines Geburtsscheins ein. D-5122/2009 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 10. Juli 2009 lehnte das BFM das Asylge such des Beschwerdeführers wegen Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ab, ordnete dessen Wegweisung an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 13. August 2009 beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anordnung der vorläufigen Au f- nahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bun- desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf das Erheben eines Koste n- vorschusses. D. Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2009 hiess der zuständige I n- struktionsrichter das Gesuch um Gewährung der u nentgeltlichen Rechts- pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf das E r- heben eines Kostenvorschusses. Im Weiteren erhielt der Beschwerdefüh- rer Gelegenheit zur Einreichung des in der Beschwerdeschrift in Aussicht gestellten Beweismittels (Todesurkunde betreffend den Bruder des B e- schwerdeführers) innert dreissig Tagen. E. Nach Ablauf der genannten Frist reichte der Rechtsvertreter mit Eingaben vom 2. Oktober 2009 Bestätigungsschreiben des Dorfvorstehers von C._______ vom 1. September 2009, des F._______ vom 2. September 2009, und der Polizeistation G._______ vom 10. Juli 2009 im Original ein. F. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Dezember 2011 beantragte die Vori n- stanz die Abweisung der Beschwerde. G. Mit Replik vom 18. Januar 2012 reichte der Rechtsvertreter ein weiteres Bestätigungsschreiben des Dorfvorstehers vom C.______ vom 15. D e- zember 2011 und des F._______ vom 9. Dezember 2011, beide in Kopie, ein. D-5122/2009 Seite 4 H. Mit Eingabe vom 5. Februar 2012 wurden die obengenannten Beweismit- tel im Original eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behö r- den nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwa l- tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsg e- suches des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist form - und fristgerecht eingereicht. Der Be - schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner - kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt woh n- te, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer po litischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten D-5122/2009 Seite 5 namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den fra u- enspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach - weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behö rde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr - scheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor - bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich w i- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz erachtete in der angefochtenen Verfügung die Vo r- bringen des Beschwerdeführers , von der LTTE zur Absolvierung eines Trainingscamps zwangsrekrutiert und von den srilankischen Sicherheits- behörden in der Folge festgenommen und der Zugehörigkeit zur LTTE angeklagt worden zu sein, zutreffend als teils wider sprüchlich, teils u n- substanziert und realitätsfremd und damit nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG. Das BFM führte aus, zum Einen habe der Beschwerdeführer geltend g e- macht, seit dem Jahre 2000 keinerlei Kontakte mehr zu seiner Familie gehabt zu haben; indessen habe er im Weiter en angegeben, sein Bruder habe in einem Flüchtlingscamp – fast zehn Jahre später – zwei Personen aus ihrem Herkunftsort , welche das Flüchtlingscamp hätten verlassen können, darum gebeten, ihm mitzuteilen, "ihn illegal rauszuholen" , was nicht gelungen sei, worauf man seinen Bruder festgenommen habe. Da der Bruder des Beschw erdeführers Kenntnis vom Aufenthaltsort des Be- schwerdeführers gehabt haben musste und der Beschwerdeführer se i- nerseits nun Kenntnis von der jetzigen Haft seines Bruders habe, müsse entgegen der gegenteiligen Angabe des Beschwerdeführers ein Kontakt zwischen den Brü dern bestanden haben und bestehen. Auch erscheine die Art und Weise, wie der Beschwerdeführer vom Tod seiner Eltern und dem Aufenthaltsort seines Bruders habe erfahren haben wollen, wenig glaubhaft. Zum Anderen habe der Beschwerdeführer zu seinen Verwand- ten sehr unterschiedliche An gaben gemacht. Einmal habe er jegliche Verwandtschaft ausserhalb der Nordprovinz Jaffna verneint (vgl. BFM - Protokoll A13 S. 5), ein anderes Mal angegeben, einen Onkel in G.________ zu haben (vgl. A1 S. 3, 5). Im Weiteren habe er zue rst an-D-5122/2009 Seite 6 gegeben, in G._______ einen Verwandten (vgl. A1 S. 5), später dagegen, einen Freund besucht zu haben (vgl. A13 S. 5 und 10). Die Dauer des Trainings bei der LTTE habe er einmal mit zehn, ein anderes Mal mit fünf Tagen angegeben (vgl. A1 S. 5; A13, S. 7). Auch die zeitlichen Angaben hinsichtlich seiner beruflichen Tätigkeit als Schneider seien widersprüc h- lich ausgefallen (vgl. A1 S. 2; A13 S. 6). Im Weiteren habe er einmal a n- gegeben, der Besitzer der Lo dge in Colombo habe die Kaution bezahlt, ein anderes Mal, der Anwalt. Mit diesem Widerspruch konfrontiert , habe er entgegnet, der Onkel des Freundes habe d en Anwalt organisiert und dieser sei der Lodgebesitzer (vgl. A1 S. 6; A13 S. 11). Schliesslich habe er in Widerspruch zu der Aussage, sich bei der Verhaftung auf seinem Zimmer aufgehalten zu haben, angegeben, an diesem Tag gar nicht in der Lodge gewesen zu sein (vgl. A1 S. 6; A13, S. 11). Im Weiteren sei die Schilderung der Verhaftung in G._______ auffallend rudimentär ausg e- fallen. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer, o b- wohl er die EDPD verdächtigt habe, seinen Freund am 12. August 20 07 erschossen zu haben, diese gegen Geldzahlung um Unterstützung für die Reise nach Colombo gebeten habe (vgl. A13 S. 8 und 9). Im Weiteren habe der Beschwerdeführer die Fesselung der Hände auf offener Strasse unter den Blicken der Leute als sein schlimmstes Erlebnis auf der Polizei- station im Novemb er 2007 bezeichnet, indessen wäre aufgrund seiner Flucht aus dem Norden und den geschilderten schwierigen Lebensu m- ständen eine begründete Angst um sein Leben nachvollziehbarer gew e- sen (vgl. A13 S. 7). Auch erscheine es unwahrscheinlich, dass die LTTE, wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht, Personen einem Training unterziehe und sie nach ein paar Tagen wieder nach Hause schicke und nicht weiter behellige (vgl. A13 S. 7). Aus den genannten Gründen seien die Vorbr ingen des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft zu erachten. An dieser Einschätzung würden die lediglich in Kopie eingereichten D o- kumente mangels Beweiskraft nichts ändern. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die vom Beschwerdeführer mit Schreiben vom 16. Oktober 2008 eingereichten Beweismittel seien zuerst beim BFM in Verstoss geraten und erst am Ende der Anhörung vom 6. Juli 2009 zu den Akten genommen und im angefochtenen Ent - scheid zwar erwähnt, aber mit "keinem Wort angesprochen oder gar be - handelt worden", womit eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und der Begründungspflicht vorliege. Daher sei die Sache an die Vorin - stanz zurückzuweisen mit der Auflage, die Beweismittel zu berücksichti - gen und allenfalls den Beschwerdeführer hierzu ergänzend zu befragen. D-5122/2009 Seite 7 Das teils unpräzise Aussageverhalten des Beschwerdeführers sei auf dessen mangelnde Bildung und seine unbeholfene Ausdrucksweise zu - rückzuführen. Der Beschwerdeführer habe seit dem Jahre 2000 tatsäch - lich keinen unmittelbaren Kontakt me hr mit seinen Verwandten, indessen habe es indirekten gegenseitigen Kontakt über Bekannte, Freunde und Verwandte gegeben. Im Weiteren seien die Eltern des Beschwerdefüh - rers nicht gestorben, wie es dem Beschwerdeführer berichtet worden sei; indessen sei ab er sein Bruder bei Kampfhandlungen dieses Jahres tat - sächlich umgekommen. Der Beschwerdeführer versuche, die entspre - chenden Beweismittel (so die Todesurkunde) zu beschaffen. Sein ande - rer Bruder befinde sich auch nach heutigem Kenntnisstand immer noch in Gefangenschaft. Im Weiteren sei bei der Befragung zu den Verwandten und Bekannten "einiges durcheinander gebracht worden". Der Freund A. des Beschwerdeführers habe einen Verwandten in G.______ , während der Beschwerdeführer lediglich die Adresse eines Koll egen habe vorwei- sen können. Aus den eingereichten Gerichtsunterlagen seien die familiä - ren Verhältnisse des Beschwerdeführers ersichtlich und sie deckten sich mit dessen Angaben. Im Weiteren habe der Onkel des Freundes des Be - schwerdeführers einen Anwalt benachrichtigt und über den Logenbesitzer auch die Kaution bezahlt. Schliesslich sei der Beschwerdeführer gezwun- gen gewesen, Kontakt zur EPDP zu knüpfen, ansonsten ihm die Flucht nach Colombo nicht gelungen wäre; auf seine Unbeholfenheit sei im Wei- teren zurückzuführen, dass er die Fesselung als prägendes Ereignis b e- zeichnet habe; und schliesslich sei festzuhalten, dass die LTTE zum d a- maligen Zeitpunkt die Bevölkerung zu solchen "Schnellbleichen -Trai- nings" rekrutiert habe, um ihren Machtanspruch zu bestärken und den Tamilen für den Kampf Mindestkenntnisse beizubringen. Das BFM habe den Sachverhalt nicht hinreichend aufgenommen und nicht in seiner Ge - samtheit gewürdigt, sondern lediglich einzelne Vorbringen des Beschwer- deführers "herausgepickt" und b ei deren Würdigung dessen Bildungs - stand zu wenig berücksichtigt. Die Sache sei an die Vorinstanz zurück - zuweisen und der Beschwerdeführer nochmals ergänzend anzuhören. 4.3 Hierzu ist festzuhalten, dass die Entgegnungen in der Beschwerde nicht zu überzeugen vermögen. Hinsichtlich der Rüge, die Vorinstanz habe die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel nicht oder – wie in der Replik nachträglich gel- tend gemacht – nur ungenügend gewürdigt, ist festzuhalten, dass das BFM in der angefochtenen Verfügung die einzelnen Beweismittel erwähnt und deren Beweiskraft verneint hat mit der Begründung, diese würden D-5122/2009 Seite 8 nur in Kopie vorliegen. Zwar kommt Beweismitteln in Form von Kopien nicht zum Vornherein keine B eweiskraft zu, indessen ist diese aufgrund ihrer fragli chen Authentizität und wegen möglichen Manipulationen her- abgesetzt. Im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung hat das BFM vor dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen die bloss in Kopie eingereichten Beweismittel zutreffend als nicht beweis tauglich er- achtet. Somit liegt , entgegen der Behauptung in der Beschwerde, weder eine Rechtsverweigerung noch eine Verletzung der Untersuchungspflicht oder der Begründungspflicht vor. Das BFM hat im Weiteren zutreffend aufgezeigt, weshalb das Vorbringen des Beschwerdeführers, seit dem Jahr 2000 keinerlei Kontakt mehr mit seiner Familie gehabt zu haben, im Widerspruch zur Tatsache steht, dass der Bruder des Beschwerdeführers offenbar Kenntnis vom Aufenthaltsort des Beschwerdeführers gehabt haben musste. Mit der Erklärung in der Beschwerde, wonach es einen indirekten gegenseitigen Kontakt über Be - kannte, Freunde und Verwandte gegeben habe, vermag der genannte Widerspruch nicht beseitigt zu werden, hatte der Beschwerdeführer doch angegeben, keinerlei Kontakt mehr zu seiner Familie gehabt zu haben. Im Weiteren ist mit dem BFM festzuhalten, dass der B eschwerdeführer unter Abweichung von seiner Angabe im Rahmen der Erstanhörung, wo - nach er und sein Freund in G._______ einen Verwandten besucht hätten (vgl. A1 S. 5), anlässlich der Anhörung geltend machte, einen Freund be - sucht zu haben (vgl. A13 S. 10). Mit der Entgegnung, wonach der Freund E.________ des Beschwerdeführers einen Verwandten und der B e- schwerdeführer selber lediglich einen Kollegen in G.______ habe, wer- den die unter schiedlichen Angaben des Beschwerdeführers nicht plaus i- bel erklärt. Ebenso w enig vermag die weitere Entgegnung, wonach der Onkel des Freundes des Beschwerdeführers einen Anwalt benachrichtigt und über den Logenbesitzer auch die Kaution bezahlt habe, den festg e- stellten Widerspruch zu erklären, dass der Beschwerdeführer einmal a n- gab, der Besitzer der Lodge habe die Kaution bezahlt (vgl. A1 S. 6), und ein anderes Mal geltend machte, der Anwalt habe die Kaution geleistet (vgl. A13 S. 10). Im Weiteren ist nicht, wie in der Beschwerde behauptet, davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh rer zwingend mit der EDPD hätte in Kontakt treten müssen, um nach Colombo gelangen zu können. Ebenso wenig überzeugt der pauschale Erklärungsversuch, wonach das teils un präzise Aussageverhalten des Beschwerdeführers auf dessen mangelnde Bildung und seine unbeholfene Ausdrucksweise zurückzufüh- ren sei. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass das BFM entg e- gen der blossen Behauptung in der Beschwerde den Sachverhalt vol l-D-5122/2009 Seite 9 ständig festgestellt und hinreichend gewürdigt hat. Der Beschwerdeführer hatte im Ra hmen der Befragungen hinreichend Gelegenheit, seine Vo r- bringen geltend zu machen, weshalb kein Anlass besteht, wie in der B e- schwerde beantragt, eine ergänzende Anhörung des Beschwerdeführers durchzuführen. Im Ü brigen kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die weiteren zutreffenden Argumente in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, welche auf Beschwerdeebene nicht entkräftet werden können. An der Einschätzung der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen vermögen die im Original eingereichten Bestätigu ngsschreiben der G.________ vom 10. Juli 2009, des Dorfvorstehers von C._______ vom 1. Sep tember 2009 und 9. Dezember 2011 und des F._______ vom 2. September 2009 und 9. Dezember 2011 nichts zu ändern. An der Echt heit des Bestäti- gungsschreibens der G.________ vom 10. Juli 2009, worin die Verha f- tung des Beschwerdeführers bestätigt wird, sind erhebliche Zweifel ange- bracht. Dies zum einen deshalb, weil nicht er sichtlich ist, zu welchem Zweck – wenn nicht auf "Bestellung" – die Polizei überhaupt ein Interesse daran haben sollte, die zwei Jahre zuvor erfolgte Verhaftung einer inzw i- schen landesabwesenden Person zu bestätigen. Zum anderen ersche i- nen auch der unbeholfen und fehlerhaft formulierte Inhalt sowie die B e- schaffenheit des Dokuments zweifelhaft. Aus diesen Gründen sowie vor dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerd e- führers ist das Bestätigungsschreiben als nicht beweistaug lich zu erac h- ten. Aus den gleichen Überlegungen , insbesondere wegen der naheli e- genden Mögli chkeit, dass es sich um reine Gefälligkeitsschreiben ha n- delt, ist auch den übrigen Bestätigungsschreiben die Beweistauglichkeit abzusprechen. 4.4 Aus den obenstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vor in- stanz die Vorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als nicht glaubhaft erachtet hat. Der Beschwerdeführer erfüllt somit die Voraussetzungen zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb die Vorinstanz das Asylbegehren zu Recht abgelehnt hat. 5. 5.1 In der Regel hat die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichtein- treten auf ein Asylgesuch die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge. (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend hat der Kanton keine Aufenthaltsbewilli- gung erteilt und es besteht zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol - chen (BVGE 2009/50 E.9), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang D-5122/2009 Seite 10 mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde. 5.2 Das Bundesamt regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den geset z- lichen Bestimmungen über die vorl äufige Aufnahme von Auslän dern, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 5.3 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in den Hei- mat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Es darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausre ise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei - nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Der Vollzug der Wegweisung ist vorliegend in Betrachtung dieser mas s- geblichen völker - und landesrechtl ichen Bestimmungen zulässig, weil – wie vorstehend dargelegt – der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei - genschaft nicht erfüllt und keine Anhaltspunkte für eine dem Beschwerde- führer in Sri Lanka drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sin- ne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) vorliegen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 5.4 Der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer erweist sich als unzu- mutbar, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situatio - nen wie Krieg , Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Not - lage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung die Rückkehr des B e- schwerdeführers an seinen in Jaffna gelegenen Herkunfts ort als nicht zu- mutbar erachtet , indessen das Vorliegen einer Aufenthaltsalternative in Colombo bejaht. Das Bundesverwaltungsgericht hat im zur Publikation vorgesehenen Ur - teil E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 eine aktuelle Einschätzung vorge- nommen, gemäss welcher unter anderem der W egweisungsvollzug in D-5122/2009 Seite 11 den Distrikt Jaffna nicht als grundsätzlich unzu mutbar zu erachten ist, i n- dessen angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückha ltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeits - kriterien als unabdingbare Notwendigkeit vorzunehmen ist. Der Beschwerdeführer ist vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 ausgereist, weshalb die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhält- nisse sorgfältig abzuklären wären (vgl. E -6220/2006 E.13.2.1.2). Indes- sen kann eine solche abschliessende Abklärung angesichts der best e- henden innerstaatlichen Aufenthaltsalternative in Colombo unterbleiben. Für die Beurteilung des Vorliegens einer Aufenthalt salternative in Co - lombo gelten, wie im obengenannten Urteil hingewiesen, weiterhin die in BVGE 2008/2 festgestellten Kriterien (vgl. BVG E 2008/2 E. 7.6.1. S. 20 ff.). Der Beschwerdeführer gab an, in G.________ einen Verwandten zu haben (vgl. A1 S. 3). I m Weiteren hat sich der Beschwerdeführer bereits einmal in Colombo registriert und lebte vor seiner Ausreise fast ein Jahr dort. Im Weiteren verfügt der Beschwerdeführer über berufliche Erfahrung als Schneider. Es ist daher davon auszugehen, dass der jung e, gesunde Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Colombo mit verwandtschaf t- licher Unterstützung rechnen und aufgrund seiner beruflichen Erfahrung eine berufliche Existenz aufbauen kann, zumal der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise auch von im Auslan d lebenden Verwandten finanzielle Unterstützung erfuhr, auf welche der Beschwerdeführer bei einer Rück - kehr zur Überwindung anfä nglicher Schwierigkeiten zurückgreifen kann. Aus den genannten Gründen erweist sich der Wegweisungsvollzug als zumutbar. 5.5 Schliesslich ist der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Heimatstaat auch möglich, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG) und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Be - schaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG), 5.6 Somit hat das BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zuläs- sig, zu mutbar und möglich erachtet und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 6. Demnach ist es dem Beschwerdeführer ni cht gelungen, darzutun, inwie - fern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletz e, den rechtserheb-D-5122/2009 Seite 12 lichen Sachverhalt unricht ig oder unvollständig feststelle oder unang e- messen sei (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 7. Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2009 wurde das Gesuch um G e- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) D-5122/2009 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: