Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. März 2015 (720 12 273 / 58) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit; dem polydis- ziplinären Gerichtsgutachten kommt ausschlaggebende Beweiskraft zu Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Schmid, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1962 geborene, damals als Chemikant erwerbst ätig gewesene A.____ hatte sich im Juni 1994 wegen Kniebeschwerden, die auf einen M otorradunfall zurückzuführen waren, erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicher ung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet und dabei berufliche Massnahmen beantragt. Die IV-S telle Basel-Landschaft gewährte ihm in der Folge als berufliche Massnahme eine Umschulung zum Technischen Kaufmann. Nach de- ren Abschluss war A.____ als Personalvermittler tätig. Im Oktober 2004 gelangte der Versicher- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht te mit einem erneuten Leistungsbegehren an die IV. Nach Vornahme der erforderlichen Abklä- rungen sprach ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. November 2005 für die Zeit vom 1. Ok- tober 2004 bis 31. März 2005 eine befristete ganze Ren te zu. Diese Verfügung erwuchs unan- gefochten in Rechtskraft. Am 21. Februar 2008 meldete sich A.____ ein drittes Ma l bei der IV zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle gewährte dem Versicherten vorerst berufliche Massnahmen in Form von verschie- denen beruflichen Abklärungen und Arbeitstrainings, mi t Mitteilung vom 31. Mai 2011 schloss sie diese Massnahmen jedoch mit der Begründung ab, das Arbeitstraining habe ergeben, dass der Versicherte behinderungsbedingt nicht mehr als Techn ischer Kaufmann tätig sein könne. Man gehe deshalb zur Prüfung der Rentenfrage über. Na chdem sie weitere Abklärungen der gesundheitlichen und der erwerblichen Verhältnisse vorgenommen hatte, ermittelte die IV-Stelle beim Versicherten einen Invaliditätsgrad von 53 %. Gestü tzt auf dieses Ergebnis sprach die IV- Stelle A.____ nach durchgeführtem Vorbescheidverfahre n mit Verfügungen vom 13. Juli 2012 und 16. August 2012 für die Zeit vom 1. Januar 2008 bis 31. Juli 2009 und vom 1. Juni 2010 bis 30. November 2010 sowie mit Wirkung ab 1. Mai 2011 ei ne halbe Rente zu. Gleichzeitig wies sie den Versicherten darauf hin, dass er in den dazwischen liegenden Zeiträumen vom 1. Au- gust 2009 bis 31. Mai 2010 und vom 1. Dezember 2010 bi s 30. April 2011 das ungekürzte hö- here IV-Taggeld erhalten habe, sodass ihm für diese be iden Perioden keine Rente ausgerichtet werde. B. Gegen diese Verfügungen vom 13. Juli 2012 und 16. August 2012 erhob A.____, ver- treten durch Advokat Markus Schmid, am 10. September 201 2 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) . Darin beantragte er, es seien die angefochtenen Verfügungen der IV-Stelle aufzuheben und es sei diese zu verpflichten, ihm eine ganze IV-Rente mit Wirkung ab 1. Mai 2011 zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. Am 9. Oktober 2012 reichte der Beschwerdeführer überdies zwei in der Zwischenzeit ergangene Arztberichte des Spitals B.____, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be- wegungsapparates, vom 18. September 2012 und des Dr. m ed. C.____, Innere Medizin FMH, vom 2. Oktober 2012 nach. C. In ihrer Vernehmlassung vom 24. Oktober 2012 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, wobei sie ihrer Eingabe eine aktuelle Beurteilung des Dr. med. D.____, Psy- chiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher D ienst (RAD) beider Basel, vom 16. Oktober 2012 beilegte. D. Am 12. November 2012 äusserte sich der Beschwerdeführe r unaufgefordert zu den vorstehend erwähnten Eingaben der Beschwerdegegnerin. Diese wiederum nahm mit Eingabe vom 14. Januar 2013 hierzu Stellung, wobei sie zusammen mit ihren Ausführungen eine erneu- te, nunmehr von Dr. med. E.____, Innere Medizin FMH, verfasste Beurteilung ihres RAD vom 18. Dezember 2012 einreichte. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 7. März 2013 gela ngte das Kantonsgericht zum Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Gericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und bei der MEDAS F.____ ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, in wel- chem aus neurologischer, aus psychiatrischer, aus neuropsychol ogischer und aus orthopädi- scher Sicht eine Beurteilung des aktuellen Gesundheitszusta ndes sowie eine Einschätzung der gesamtmedizinisch bedingten Einschränkung der Arbeitsfä higkeit des Versicherten vorzuneh- men sei. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit habe da bei in der bisherigen sowie in einer nä- her zu bezeichnenden Verweistätigkeit unter Beschreibung des zu berücksichtigenden Leis- tungsprofils zu erfolgen. Zudem hätten sich die Gutachter mit den abweichenden medizinischen Beurteilungen auseinanderzusetzen. Im Anhang zu diesem Beschluss unterbreitete das Kan- tonsgericht den Parteien den vorgesehenen Fragenkatalog. Nachdem diese auf die Möglichkeit, Zusatzfragen zu stellen, verzichtet hatten, erging der e ntsprechende Auftrag am 13. Mai 2013 an die MEDAS F.____. F. Am 3. Juli 2014 erstattete die MEDAS F.____ das in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gerichtsgutachten. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutach- tens und zur Frage zu äussern, wie sich dessen Ergebnisse auf den Leistungsanspruch des Versicherten auswirken würden. Der Beschwerdeführer macht e am 22. Juli 2014 hiervon Ge- brauch, wobei er seine Rechtsbegehren dahingehend modi fizierte, dass ihm eine ganze Rente nicht erst mit Wirkung ab 1. Mai 2011, sondern bereits mit Wirkung ab 1. Januar 2008 bis Ende Juli 2009 und dann wieder ab 1. Mai 2011 auszurichten sei. Die IV-Stelle liess sich am 3. Sep- tember 2014 zum Gutachten vernehmen, wobei sie sich auf den Standpunkt stellte, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten der ME DAS F.____ nicht zu überzeugen ver- möge. Gleichzeitig legte sie ihrer Eingabe eine weite re Beurteilung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 6. August 2014 bei. In einem abschliessenden kurzen S chriftenwechsel bekräftigte die IV- Stelle am 6. Oktober 2014 ihre Auffassung, dass für d ie Invaliditätsbemessung nicht auf das Gerichtsgutachten der MEDAS F.____ vom 3. Juli 2014 a bgestellt werden könne. Der Be- schwerdeführer wiederum äusserte sich am 8. Oktober 2014 zum Schreiben der IV-Stelle vom 3. September 2014 und zu den Ausführungen des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 6. August 2014. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 10. September 2012 ist demnach einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Au fgabe es ist, seine Fachkenntnis- se der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ein en bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, we nn die Gerichtsexpertise wider- sprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Ober gutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurt eilung kann ferner gerechtfertigt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fach experten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Ober- expertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende S chlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Nachdem sich der Versicherte am 21. Februar 2008 ( erneut) bei der IV zum Leistungs- bezug angemeldet hatte, gewährte ihm die IV-Stelle vorerst berufliche Massnahmen in Form von verschiedenen beruflichen Abklärungen und Arbeitstrai nings. Mit Mitteilung vom 31. Mai 2011 schloss sie diese Massnahmen jedoch mit der Begründun g ab, das Arbeitstraining habe ergeben, dass der Versicherte behinderungsbedingt nicht mehr als Technischer Kaufmann tätig sein könne. Man gehe deshalb zur Prüfung der Rentenfrage über. In der Folge gab die IV-Stelle zur Abklärung des aktuellen medizinischen Sachverhaltes bei der MEDAS G.____ eine polydis- ziplinäre Begutachtung des Versicherten mit allgemein-m edizinischer, psychiatrischer und neu- rologischer Beteiligung in Auftrag. In ihrem umfangr eichen, am 22. September 2011 erstatteten Gutachten hielten die beteiligten Fachärzte folgende D iagnosen mit Auswirkungen auf die Ar- beitsfähigkeit fest: (1) leichte hirnorganische Funktionss törungen (ICD-10 F07.8) mit anhalten- den kognitiven Beeinträchtigungen (ICD-10 F10.74), m ultifaktoriell bedingt bei Status nach Al- kohol- und Benzodiazepinabusus, Substanzentzug mit wahr scheinlich epileptischen Anfällen und möglichen organischen Schädigungen durch Hypoxie im Rahmen operativer Eingriffe (ICD- 10 F04) sowie (2) eine Polyneuropathie (ICD-10 G63. 9), DD bei C2-Abusus, diabetische Neu- ropathie. In ihrer interdisziplinären Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelangten die Gutachter der MEDAS G.____ zur Auffassung, dass in der angestammten Tätigkeit wie auch in jeder weiteren Tätigkeit als Geschäftsführer, Filialleiter oder auch in Bürotätigkeiten mit besonderem Verant- wortungsbereich keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sei. Für einfache Bürotätigkeiten bestehe beim Exploranden eine halbtägig realisierbare Arbeits - und Leistungsfähigkeit von 50 %. Einfa- che manuelle, adaptierte Tätigkeiten könne der Versiche rte noch ganztags ausüben, im Rah- men der Polymorbidität bestehe dabei bei erhöhtem Pau senbedarf von zehn Minuten pro Stun- de und einem reduzierten Rendement wegen der vorhande nen Verlangsamung eine Leistungs- fähigkeit von 70 %. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in der Folge in den ang efochtenen Verfügungen vom 13. Juli 2012 und 16. August 2012 bei der Beurteilung des med izinischen Sachverhaltes vollumfänglich auf dieses polydisziplinäre Gutachten der MEDAS G.____ v om 22. September 2011. Sie ging demzufolge davon aus, dass beim Versicherten für einfache m anuelle, adaptierte Tätigkeiten ganztags eine zumutbare Arbeits- und Leistungsfähigke it von 70 % bestehe. Wie oben ausge- führt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen. An- lässlich der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsberatung vom 7. März 2013 gelangte das Kantonsgericht nun allerdings zur Auffassung, dass dem Gutachten der MEDAS G.____ vom 22. September 2011 - entgegen der Sichtweise der IV-Stelle - aus verschiedenen Gründen keine ausschlaggebende Beweiskraft beigemessen werden könn e. So würden die Ergebnisse des Gutachtens sowohl in Bezug auf die Diagnosestellung a ls auch in der Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit teilweise erheblich von den Einschätzungen der behandelnden Ärzte abweichen, ohne dass diese Diskrepanzen überzeugend begründet würde n. Zudem nehme das Gutachten nicht Stellung zur abweichenden Einschätzung der (Rest-) Arbeitsfähigkeit im Abschlussbericht der beruflichen Abklärungsstelle H.____, obwohl deren E inschätzungen auf einem ausgespro- chen lange dauernden Arbeitstraining des Versicherten be ruht hätten. Schliesslich gehe das Gutachten nicht oder jedenfalls nur unzureichend auf d ie Fragen ein, ob und wie sich die auf einen früheren Motorradunfall zurückzuführenden gesun dheitlichen Beeinträchtigungen im Be- reich des rechten Knies aus orthopädischer Sicht (zusätzlich) auf die Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten auswirken würden. Da die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte ebenfalls keine verlässliche Entscheidgrundlage bilden wü rden, seien die Abklärungsergebnis- se aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräftig. Das Gericht beschloss des- halb, den Fall auszustellen und zur weiteren Abklärung des massgebenden medizinischen Sachverhaltes bei der MEDAS F.____ ein polydisziplinäre s Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. 6.1 Das begutachtende Ärzteteam der MEDAS F.____ führ te beim Versicherten im Zeit- raum von September bis November 2013 internistische, p sychiatrische, orthopädische, neuro- logische und neuropsychologische Untersuchungen durch. Gestü tzt auf seine Abklärungen hält es in seinem ausführlichen Gerichtsgutachten vom 3. Juli 2014 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1) einen Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.31), (2) eine Agorapho bie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01), (3) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), (4) ein einfa- ches Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssyndrom (ICD-10 F90. 0), (5) eine mittelschwere neuropsychologische Störung multifaktorieller Aetiologie (ICD-10 F74) bei Status nach Alkohol- und nach Benzodiazepin-Abhängigkeit, im Rahmen mögli cher organischer Schädigung durch Hypoxie im Rahmen multipler operativer Eingriffe sowie im Rahmen obgenannter psychiatri- scher Diagnosen als mögliche Ursache, (6) eine sensible, d istal betonte Polyneuropathie (ICD- 10 G62.9) sowie (7) eine Knieproblematik rechts mit (7.1) deutlicher femoropatellarer und medi- al betonter Gonarthrose (ICD-10 M17.3), (7.2) Menisk opathie des Innen- und Aussenmeniskus (ICD-10 M23.30), (7.3) Kapsulitis der hinteren Gelen kskapsel (ICD-10 M24.8) bei Status nach zweimaligem Tuberositas-Versetzungseingriff Tibia rechts i m Jahr 1995, Status nach mehrfa- chen Arthroskopien mit Knorpel-Shaving sowie Meniskus-Teilresektion in den 90er Jahren, Sta- tus nach Tibia-Valganisationsosteotomie 1982, Status nach Motorradunfall 1991 mit Beinverlet- zung rechts und Status nach 15-maliger Beinoperation bis 1995. Im Weiteren listen die Gutach- ter folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf: (1) eine Alko holabhängigkeit, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21), (2) eine Benzodia- zepin-Abhängigkeit, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (ICD-10 F13.21), (3) ein metabolisches Syndrom (kardiovaskuläre Risikofaktor en: Diabetes mellitus, Dyslipidä- mie, arterielle Hypertonie, Adipositas, Nikotinabhängi gkeit), (4) ein obstruktives Schlafapnoe- syndrom, (5) einen Status nach postoperativer parazentra ler und zentraler Lungenembolie am 03.06.2010, (6) einen Status nach Sigma-Resektion bei Sigma-Divertikulitis am 07.02.2003 mit (6.1) Status nach postoperativer Peritonitis und Anasto mosen-Insuffizienz, (6.2) Status nach Hartmann-Operation mit endständiger Descendostomie 02/ 2003, (6.3) Status nach Hartmann- Inversion 05/2003, (6.4) Status nach Narbenhernien-Ope ration, (7) einen Status nach Schulter- arthroskopie bei Tendinitis calcarea an der rechten Schu lter 1996, (8) einen Status nach beid- seitiger Mittelfussfraktur, (9) einen Status nach opera tiver Sanierung einer Nasenbeinfraktur 1991 sowie (10) einen Status nach offener Magenbypassoperation am 03.06.2010. 6.2 In seiner medizinischen Beurteilung weist das Gutach terteam darauf hin, dass die Ar- beitsfähigkeit des Versicherten aktuell in erster Linie d urch die neuropsychologischen und die diversen psychiatrischen Störungen eingeschränkt werde. Die Kniebeschwerden bei Gonarth- rose und Meniskopathie des rechten Knies sowie die sensible , distal betonte Polyneuropathie führten im Gesamtkontext nicht zu einer zusätzlichen Beein trächtigung der Arbeitsfähigkeit in zeitlicher Hinsicht, sondern lediglich zu einer Einschränkung in Bezug auf die noch durchführba- ren Verweistätigkeiten und somit zu einer qualitativen Einschränkung. In Übereinstimmung mit der Beurteilung von Dr. med. I.____, Psychiatrie und Psyc hotherapie FMH, der den psychiatri- schen Fachteil des Gutachtens der MEDAS G.____ vom 22. September 2011 verfasst hatte, bestehe eine mittelschwere neuropsychologische Störung, die sich durch Defizite in den Berei- chen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses, der Exekutivfunktionen, der Gnosis und der Pra- xie zeige. Aufgrund der Verhaltensbeobachtungen erweise sich die Belastbarkeit als vermindert und die Ermüdung sei erhöht. Bei verminderter Ausda uer würden sich deutliche Leistungs- schwankungen ergeben. Die Befunde seien als valide anzuseh en. Die vom Exploranden er- wähnten Konzentrationsstörungen und seine Überforderun gsgefühle bei der Arbeit liessen sich dadurch gut erklären. Ursächlich dürfte es sich um eine mul tifaktorielle Entstehung handeln: So dürfte einerseits das seit Kindheit bestehende Aufmerks amkeits- und Hyperaktivitätssyndrom eine Rolle spielen, andererseits liege ein Status nach Alkohol- und Benzodiazepin- Abhängigkeiten vor, diese hätten zu hirnorganischen Ver änderungen führen können. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass Hypoxien im Rahmen der zahlr eichen operativen Eingriffe zereb- rale Funktionsstörungen verursacht hätten. Der Vorgutachter Dr. I.____ habe seine Beurteilung de r Arbeitsfähigkeit ausschliesslich auf die- se kognitiven Störungen, die man übereinstimmend auch heute feststellen könne, gestützt. Damit habe er aber viele weitergehende, vor allem psych ische Symptome ausser Acht gelas- sen. So seien beispielsweise die Selbstwertstörungen und das Gefühl innerer Leere völlig unbe- rücksichtigt geblieben, weswegen Dr. I.____ dann auch fest gehalten habe, die Borderline- Störung spiele keine Rolle mehr bzw. sie bestehe nicht mehr. Auch die Neigung zu Depressio- nen und Panikattacken habe Dr. I.____ bei der Bemessu ng der Arbeitsfähigkeit ausser Acht gelassen. Zudem sei zu bemerken, dass die kognitiven Symptom e des Exploranden im damali- gen Gutachten nicht durch eine neuropsychologische Untersuchung abgestützt worden seien. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Unterschied zu Dr. I.____ sei man der Auffassung, d ass die psychischen Symptome eben- falls einen bedeutenden Anteil an der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hätten. Der Explorand weise ein seit der Kindheit bestehendes, sehr komplexes psyc hisches Krankheitsbild auf. Aus- ser Frage stünden die Diagnosen einer Alkoholabhängigke it und einer Benzodiazepin- Abhängigkeit in früheren Jahren, wobei der Explorand aktuell in beschützender Umgebung ab- stinent sei. Die Diagnose eines ADHS sei ebenfalls einle uchtend, sie sei mehrfach von früher behandelnden Ärzten gestellt worden. Diskrepant sei die aktuelle Beurteilung zu derjenigen von Dr. I.____ insofern, als dieser das Bestehen einer Bord erline-Störung mit der Begründung ver- neint habe, dass hierfür keine Symptome vorlägen. In sä mtlichen Vorberichten sei aber eine Borderline-Störung diagnostiziert worden. Spezifische für diese Diagnose geforderte Symptome seien im Gutachten von Dr. I.____ nicht diskutiert worde n. Das Gefühl der inneren Leere und die Neigungen zur Impulskontrollstörung und zu Konflikt en, wie sie beim Exploranden über lan- ge Jahre vorgelegen hätten und auch aktuell bestünden, würden aber für diese Persönlichkeits- störung sprechen. Dass man in der aktuellen Diagnoseliste dennoch nur den Verdacht auf eine Borderline-Störung stelle, liege darin begründet, da ss die Diagnostik - insbesondere bei gleich- zeitigem Bestehen eines ADHS - sehr erschwert sei, würden sich doch die Symptome im All- gemeinen deutlich überschneiden. Zusammenfassend sei man der Auffassung, dass es nicht statt haft sei, die psychiatrische Be- einträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausschliesslich auf die festgestellten kognitiven Symptome abzustützen. Der Explorand habe wesentlich weitergehend e psychische Symptome, die eben- falls zu berücksichtigen seien. Dies erkläre, dass man gegenü ber dem Vorgutachter Dr. I.____ zu einer unterschiedlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelange. Was die somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen betre ffe, halte das Gutachten der MEDAS G.____ vom 22. September 2011 fest, dass das rech te Knie bis auf gelegentliche Kniegelenksergüsse praktisch beschwerdefrei sei. Dies treffe aktuell nicht mehr zu, da sich die Kniegelenkssituation in der Zwischenzeit verschlechtert hab e. Der Versicherte habe deutlich mehr Schmerzen und sowohl die zumutbare Gehstrecke als auch die mögliche Stehdauer hät- ten sich verringert. Es bestehe heute eine deutliche fe moropatellare, medial betonte Gonarthro- se rechts in Verbindung mit einer Meniskopathie des Inn en- und Aussenmeniskus sowie einer Kapsulitis der hinteren Gelenkskapsel, was im Gesamtkontext zu einer Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit vor allem qualitativer Natur führe. Sch liesslich diagnostiziere man in Überein- stimmung mit den Gutachtern der MEDAS G.____ eine Pol yneuropathie. Diese wirke sich ebenfalls in qualitativer Hinsicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. 6.3 In ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelan gen die Gutachter der MEDAS F.____ zum Ergebnis, dass aufgrund der psychischen Verhaltensauffälligkeiten sowie der objektivierten kognitiven Defizite im angestammten Beruf in der Positio n eines Personalleiters keine Arbeits- fähigkeit mehr gegeben sei. Der Explorand sei nicht i n der Lage, neues Fachwissen und neue Arbeitsprozesse mit der erforderlichen Geschwindigkeit u nd Zuverlässigkeit zu erlernen. Auf- grund der Aufmerksamkeitsdefizite sei er kaum in der La ge, dem geforderten Arbeitstakt zu genügen. Zudem sei der Explorand durch eine stark einge schränkte Durchhaltefähigkeit und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Neigung zu Depressionen unter Belastung deutlich b eeinträchtigt, wobei das rasch eintre- tende Gefühl der Überforderung und Erschöpfung sowie gelegentliche Panikattacken hierfür ausschlaggebend seien. Die Durchhaltefähigkeit sei auc h durch einen erhöhten Energieauf- wand, sich emotional im Gleichgewicht zu halten, einges chränkt. Es bestehe ein schlechtes Selbstwertgefühl, die Gruppenfähigkeit sei eingeschränkt durch die in Menschenmengen ge- triggerten Panikattacken. Der Explorand neige auch zur zu hohen Kompetenzübernahme, was für eine leitende Tätigkeit ebenfalls nicht angemessen erscheine. Für eine leichte kaufmännische Tätigkeit oder Büroarbei t ohne zusätzliche Verantwortung be- stehe unter Berücksichtigung sowohl der psychiatrischen als auch der neuropsychologischen Symptome und Beeinträchtigungen eine Arbeitsfähigkei t von 30 %. Die Einschränkung ergebe sich wiederum aus den vorstehend beschriebenen Symptomen und Störungen. Aus orthopädischer Sicht sei wegen der Knieschmerzen bei Gonarthrose rechts darauf zu ach- ten, dass eine Tätigkeit vorwiegend im Sitzen ausgeübt werden könne. Ferner sollten keine längerdauernd stehenden, kauernden oder knienden Positionen eingenommen werden müssen. Nicht durchführbar seien sodann Tätigkeiten mit signifika nter Vibrations- oder Erschütterungs- exposition. Das Tragen von Lasten bis 15 kg sei noch mög lich. Aufgrund der Polyneuropathie seien Arbeiten mit Absturzgefahr auf Leitern oder Gerü sten nicht möglich, dies wegen vermin- derter sensibler Rückmeldung der unteren Extremitäten. Was den Beginn der attestierten 70 %-igen Arbeitsunfäh igkeit betreffe, sei in Übereinstimmung mit der Beurteilung von Prof. Dr. med. J.____, Psychiat rie und Psychotherapie FMH, vom 10. Januar 2008 und den Resultaten der beruflichen Ab klärungsstelle H.____ davon auszuge- hen, dass diese seit der Arbeitsaufgabe am 15. August 20 07 bestehe, da sich in der Zwischen- zeit keine Verbesserung des Gesundheitszustandes mit Rele vanz für die Arbeitsfähigkeit erge- ben habe. 7.1 In seiner Stellungnahme vom 22. Juli 2014 zum Ge richtsgutachten der MEDAS F.____ bezeichnet der Beschwerdeführer dieses als überzeugend. Be i der Beurteilung seines Leis- tungsanspruchs könne vollumfänglich auf dessen Ergebnisse a bgestellt werden, was zu Folge habe, dass ihm nicht erst, wie noch in der Beschwerde beantragt, ab 1. Mai 2011, sondern be- reits ab 1. Januar 2008 eine ganze Rente zuzusprechen s ei. Demgegenüber erachtet die IV- Stelle in ihren Eingaben vom 3. September 2014 und 6. Oktober 2014 gestützt auf eine Beurtei- lung ihres RAD-Arztes Dr. D.____ vom 6. August 2014 di e Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Gutachter der MEDAS F.____ als nicht überzeugend. Berücksichtige man, dass auch die Ärzte der MEDAS F.____ von einer remittierten Dep ression ausgehen würden, die Diagno- se einer Borderline-Störung nur als Verdachtsdiagnose gestellt werde, die Kardinalkriterien für eine Persönlichkeitsstörung fehlen würden und die Diag nose der mittelschweren neuropsycho- logischen Störung auf eine Symptomverdeutlichung zurückzufü hren sei, erweise sich die attes- tierte Arbeitsunfähigkeit von 70 % als nicht nachvollzieh bar. Auf die entsprechende Einschät- zung der Gutachter der MEDAS F.____ könne daher nicht abgestellt werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Ein schätzung der medizinischen Exper- ten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Ger ichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend erfüllt das Gerichtsgut- achten der MEDAS F.____ vom 3. Juli 2014 die rechtsprech ungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hin sicht: Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesger icht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf a llseitigen Untersuchungen, es berücksich- tigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und es weist keinerlei Widersprüche auf. Überdies nehmen die Gutachter gestützt auf die Ergebnisse ihrer Untersuchungen auch eine schlüssig e und sorgfältig begründete Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor und si e setzen sich einlässlich und in über- zeugender Weise mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärztlichen Einschätzun- gen auseinander. So legen sie insbesondere ausführlich und schlüssig dar, dass entgegen der Beurteilung des Vorgutachters Dr. I.____ die psychiatrisch e Beeinträchtigung der Arbeitsfähig- keit nicht ausschliesslich auf die festgestellten kognitiven Beeinträchtigungen abgestützt werden darf. Wie die Gerichtsgutachter aufzeigen, bestehen be im Versicherten über die objektivierten kognitiven Störungen hinaus zusätzliche psychische Symptome, d ie ebenfalls einen bedeuten- den Anteil an der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit h aben. Dies erklärt denn auch nachvoll- ziehbar, weshalb die Gerichtsgutachter der MEDAS F.__ __ zu einer von der Einschätzung des Vorgutachters Dr. I.____ abweichenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelangt sind. Die ent- sprechenden, vorstehend (vgl. E. 6.2 hiervor) wiedergeg eben Ausführungen der Gerichtsgut- achter der MEDAS F.____ vermögen zu überzeugen, sodass an dieser Stelle vollumfänglich darauf verwiesen werden kann. 7.3 Was die Beschwerdegegnerin in ihren Stellungnahme n vom 3. September 2014 und 6. Oktober 2014 vorbringt, ist nicht geeignet, die be weisrechtliche Verwertbarkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen. So wendet sie gestützt auf die Beurteilung ihres RAD-Arztes Dr. D.____ vom 6. August 2014 ein, die Gutachter der MEDAS F.____ würden die rezidivieren- de depressive Störung - in Übereinstimmung mit dem Vorg utachter - als remittiert bezeichnen. Da das von den Gutachtern der MEDAS F.____ beschrieben e verminderte Selbstwertgefühl nicht das Vorhandensein einer depressiven Störung bewei se, sei davon auszugehen, dass der Versicherte frei sei von relevanten depressiven Symptomen. E s sei deshalb vor diesem Hinter- grund nicht plausibel, dass im Gerichtsgutachten trotzdem eine dauerhaft höhere Arbeitsunfä- higkeit (70 % versus 50 % für leichte Büroarbeiten gem äss Gutachten der MEDAS G.____ vom 22. September 2011) begründet werde. Zu diesem Einwand ist festzuhalten, dass die Gutachter der MEDAS F.____ allein gestützt auf die gegenwärtig remittierte rezidivierende depressive Störung keine Arbeitsunfähigkeit angenommen haben. Sie haben - wie bereits oben ausgeführt (vgl. E. 6.2 hiervor) - vielmehr darauf hingewiesen, d ass die Arbeitsfähigkeit des Versicherten über die übereinstimmend festgestellten kognitiven St örungen hinaus zusätzlich durch weitere psychiatrische Störungen - wie durch die Auswirkungen einer emotional instabilen Persönlich- keitsstörung vom Borderline-Typ oder durch gelegentlich a uftretende Panikattacken - beein- trächtigt werde. Im Weiteren moniert die IV-Stelle, dass die Gutachter der MEDAS F.____ die Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht de zidiert, sondern lediglich als Ver- dachtsdiagnose gestellt hätten. Die trifft zwar gemäss d er im Gutachten enthaltenen Diagnose- liste zu, die Gutachter der MEDAS F.____ erklären dies jedoch plausibel dahingehend, dass die Diagnostik - insbesondere bei gleichzeitigem Bestehen ein es ADHS - sehr erschwert sei, da sich die Symptome im Allgemeinen deutlich überschneiden würden. Damit stellen die Gutachter der MEDAS F.____ aber klar, dass die Symptome einer Per sönlichkeitsstörung vorliegen und lediglich nicht sicher ist, ob die entsprechende Symptoma tik dem ADHS oder einer Borderline- Störung zuzuordnen ist. Folglich beruht die Zumutbarkei tsbeurteilung der Gutachter der MEDAS F.____ nicht auf einer „blossen Verdachtsdiagno se“, sondern - was letztlich entschei- dend ist - auf einer ausgewiesenen, die Arbeitsfähigke it einschränkenden Symptomatik. Ergän- zend bleibt in diesem Zusammenhang sodann zu erwähnen , dass ausser im Gutachten der MEDAS G.____ vom 22. September 2011 in den meisten re levanten Vorberichten eine Border- line-Störung diagnostiziert worden ist (vgl. etwa das Gu tachten von Dr. med. K.____, Psychiat- rie und Psychotherapie FMH, vom 29.Juli 2005, die Berich te von Prof. Dr. J.____ vom 10. Ja- nuar 2008 und 8. März 2011 sowie den Bericht der Klin ik L.____ vom 3. April 2009). Nicht ge- folgt werden kann der IV-Stelle sodann, soweit sie gel tend macht, die Gerichtsgutachter hätten den Einfluss der neuropsychologischen Defizite zu stark gewic htet. So sei etwa nicht nachvoll- ziehbar begründet worden, weshalb der Versicherte zu 70 % in einer einfachen Bürotätigkeit eingeschränkt sein soll und dennoch in der Lage sei, r egelmässig und über Stunden sowie of- fensichtlich unfallfrei ein Auto im heutzutage anforde rungsreichen Agglomerationsverkehr zu lenken. Der Beschwerdeführer hält diesem Einwand in sei ner Stellungnahme vom 8. Oktober 2014 zu Recht entgegen, dass sich dem Gutachten der MEDAS F.____ eine derartige Aussage nicht entnehmen lässt. Der Versicherte hat zwar angegeben, dass er noch in der Lage sei, über längere Distanzen (1 bis 2 Stunden) zuverlässig und siche r selber Auto zu fahren. Diese Aus- sage deckt sich nun aber - darin ist dem Beschwerdeführer beizupflichten - klarerweise nicht mit der erwähnten Schilderung der IV-Stelle, wonach der Versicherte regelmässig und über Stun- den sowie offensichtlich unfallfrei im Agglomerationsverkehr Auto fahre. Im Weiteren kann auch der Auffassung der IV-Stelle, die Gutachter hätten d ie Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Symp- tomverdeutlichung zu hoch bemessen, nicht gefolgt werden . Im neuropsychologischen Teilgut- achten wird zwar eine mögliche, allerdings unbewusste Symptomverdeutlichung angesprochen, der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weist in diesem Zusammenhang in seiner Stellung- nahme vom 8. Oktober 2014 aber zu Recht darauf hin, da ss laut neuropsychologischem Gut- achter die psychiatrische Symptomatik mit emotional instabil er Persönlichkeitsstörung vom Borderlinetyp und einer einfachen Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung Ursache für die in der neuropsychologischen Untersuchung feststellbaren L eistungsschwankungen und die mögliche unbewusste Symptomverdeutlichung sein könne (S. 22 des neuropsychologischen Fachgutachtens). Zudem werde, so der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weiter, im neu- ropsychologischen Gutachten auch festgehalten, dass dieser eher eine Tendenz zur Dissimula- tion aufweise, was sich beispielsweise an der Einschätzung seiner Arbeitsleistung im Vergleich zur Beurteilung durch die berufliche Abklärungsstelle H.____ zeige (S. 22 des neuropsychologi- schen Fachgutachtens). Somit lässt sich dem Gutachten der MEDAS F.____ aber entgegen der Auffassung der IV-Stelle keine überwiegend wahrscheinliche, sondern höchstens eine mögliche - und erst noch unbewusste - Symptomverdeutlichung des B eschwerdeführers entnehmen. Die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kritik an der durch die Gerichtsgutachter der MEDAS F._ ___ vorgenommenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vermag demnach auch in diesem Punkt nicht zu überzeugen. 7.4 Abschliessend ist den Einwänden der IV-Stelle entge gen zu halten, dass die Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit durch die Gutachter der Beg utachtungsstelle F.____ im Wesentlichen mit derjenigen übereinstimmt, die Prof. Dr. J.____ in seinem Bericht vom 8. März 2011 festge- halten hat. Zudem deckt sie sich weitgehend auch mit den Einschätzungen, zu denen die beruf- liche Abklärungsstelle H.____ gestützt auf ein Arbeitst raining gelangt ist, das der Versicherte bei ihr absolviert hat und welches aufgrund seiner übe rdurchschnittlich langen Dauer entspre- chend aussagekräftig ist. 7.5 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuha lten, dass bei der Beurtei- lung des medizinischen Sachverhaltes vollumfänglich auf die Ergebnisse des Gerichtsgutach- tens der MEDAS F.____ vom 3. Juli 2014 abgestellt werde n kann. Somit ist mit den Gerichts- gutachtern davon auszugehen, dass der Versicherte in ein er adaptierten Verweistätigkeit noch zu 30 % arbeitsfähig ist. 8.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu besti mmen. In den angefochtenen Ver- fügungen vom 13. Juli 2012 und 16. August 2012 hat die IV-Stelle für den Versicherten gestützt auf die Angaben seines letzten Arbeitgebers ein massgeb endes Valideneinkommen von Fr. 88‘400.-- ermittelt. Dieser Betrag ist nicht zu beanstanden, er wird denn auch vom Be- schwerdeführer zu Recht nicht in Frage gestellt. Das Inval ideneinkommen hat die IV-Stelle ge- stützt auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstr ukturerhebung (LSE) des Bundesam- tes für Statistik ermittelt und zwar auf der Basis des Du rchschnittslohnes (Total) der Männer im privaten Sektor im Anforderungsniveau 4, wobei sie als Basis für die weiteren Berechnungen zu einem Invalideneinkommen (bei vollständiger Arbeitsfähigkeit) von Fr. 59‘979.-- gelangt ist. Die- ses Vorgehen und der errechnete Betrag erweisen sich eb enfalls als korrekt, was denn auch vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt wird. Be rücksichtigt man, dass der Versicherte laut den vorstehend geschilderten Ergebnissen des Gericht sgutachtens, auf die abzustellen ist (vgl. E. 7 hiervor), in einer adaptierten Verweistäti gkeit noch zu 30 % arbeitsfähig ist, resultiert für ihn ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 17‘ 994.-- (Fr. 59‘979.-- x 30 %). Fragen kann man sich, ob dem Versicherten auf dem auf diese We ise ermittelten Tabellenlohn nicht noch ein leidensbedingter Abzug gewährt werden müsste (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa), was eine zusätzliche Reduktion des anrechenbaren Invali- deneinkommens zur Folge hätte. Dies kann vorliegend au s folgendem Grund offen bleiben: Setzt man im Einkommensvergleich das (nicht weiter gekü rzte) Invalideneinkommen von Fr. 17‘994.-- dem oben erwähnten Valideneinkommen vo n Fr. 88‘400.-- gegenüber, so ergibt dies bereits eine Erwerbseinbusse von Fr. 70‘406.-- und somit ein Invaliditätsgrad von 79,6 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 f f.) von 80 %. Bei einem Invaliditäts- grad von 80 % hat der Versicherte aber auch ohne Gewäh rung eines zusätzlichen leidensbe- dingten Abzugs vom Tabellenlohn Anspruch auf eine ganze Rente. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Zu prüfen bleibt, ab welchem Zeitpunkt dem Beschwerd eführer die ihm zustehende ganze Rente zuzusprechen ist. 9.1 Laut den massgebenden Feststellungen der Gutachter der MEDAS F.____ ist davon auszugehen, dass die von ihnen attestierte 70 %-ige Arbe itsunfähigkeit des Versicherten seit der Arbeitsaufgabe am 15. August 2007 besteht (vgl. E . 6.3 hiervor). Dies legt den Schluss na- he, dass dem Beschwerdeführer die ganze IV-Rente somit n ach Ablauf des Wartejahres, d.h. mit Wirkung ab 1. August 2008, zuzusprechen wäre. In diesem Zusammenhang gilt es nun aber zu berücksichtigen, dass dem Versicherten - wie eingangs erw ähnt - bereits während des Zeit- raums vom 1. Oktober 2004 bis 31. März 2005 eine befristete ganze Rente ausgerichtet worden ist. Bezüglich der Frage des (erneuten) Rentenbeginns i st deshalb auf die Regelung des Art. 29 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 hinzuwei- sen. Danach werden bei der Berechnung der Wartezeit na ch Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG früher zu- rückgelegte Zeiten angerechnet, falls die Rente nach V erminderung des Invaliditätsgrades auf- gehoben wurde und dieser jedoch in den folgenden dre i Jahren wegen einer auf dasselbe Lei- den zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein re ntenbegründendes Ausmass erreicht. Eine solche Konstellation liegt hier vor, weshalb der Beginn des (erneuten) Rentenanspruchs des Versicherten bereits auf den 1. August 2007 festzusetzten ist. 9.2 Wie der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vo m 22. Juli 2014 zum Gerichts- gutachten der MEDAS F.____ selber einräumt, hatte er in seiner Beschwerde vom 10. Septem- ber 2012 ursprünglich beantragt, es seien die angefocht enen Verfügungen der IV-Stelle aufzu- heben und es sei diese zu verpflichten, ihm mit Wirkun g ab 1. Mai 2011 eine ganze Rente zu- zusprechen. Das damalige Rechtsbegehren des Beschwerdefüh rers steht dem heutigen Ent- scheid des Kantonsgerichts, diesem bereits mit Wirkung ab 1. August 2007 eine ganze Rente zuzusprechen, nicht entgegen. Gemäss den inhaltlich weit gehend übereinstimmenden Rege- lungen von Art. 61 lit. d ATSG und § 58 VPO ist das K antonsgericht als kantonales Versiche- rungsgericht an die Begehren der Parteien nicht geb unden und es kann der Beschwerde füh- renden Person mehr zusprechen, als sie verlangt hat (sog. r eformatio in melius), wobei den Parteien vorher Gelegenheit zur Stellungnahme zu ge ben ist. Vorliegend hat der Beschwerde- führer in seiner Eingabe vom 22. Juli 2014 nach Einsich tnahme in das Gerichtsgutachten der MEDAS F.____ und mit Hinweis auf dessen Ergebnisse ausdr ücklich eine solche reformatio in melius beantragt und die IV-Stelle hatte in der Folg e Gelegenheit, hierzu Stellung zu nehmen, wovon sie denn auch in ihrer abschliessenden Eingabe vom 6 . Oktober 2014 Gebrauch ge- macht hat. 9.3 Die IV-Stelle weist in den angefochtenen Verfügu ngen darauf hin, dass der Versicherte vom 1. August 2009 bis 31. Mai 2010 und vom 1. Dezember 2010 bis 30. April 2011 berufliche Abklärungsmassnahmen absolvierte hatte. Während dieser b eiden Perioden wurde dem Versi- cherten jeweils das ungekürzte höhere IV-Taggeld ausger ichtet. Wie die IV-Stelle in den ange- fochtenen Verfügungen zutreffend festgehalten hat, steh t dem Versicherten deshalb während der genannten beiden Zeiträume kein Anspruch auf Ausr ichtung der IV-Rente zu. Dieser Grundsatz wird auch vom Beschwerdeführer - zu Recht - nicht in Frage gestellt. Die ganze Ren- te ist dem Beschwerdeführer demnach jeweils befristet fü r die Zeiträume vom 1. August 2007 Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis 31. Juli 2009 und vom 1. Juni 2010 bis 30. November 2010 sowie wiederum - nunmehr un- befristet - mit Wirkung ab 1. Mai 2011 zuzusprechen. 9.4 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die vorliegende Beschwerde gutzuheissen ist, die angefochtenen Verfügungen der IV -Stelle vom 13. Juli 2012 und 16. August 2012 aufzuheben sind und festzustellen ist, da ss der Beschwerdeführer für die Zeit- räume vom 1. August 2007 bis 31. Juli 2009 und vom 1. J uni 2010 bis 30. November 2010 so- wie mit Wirkung ab 1. Mai 2011 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. 10. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist der Beschwerdeführer obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. 10.2.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstan zen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Aufgrund dieser Be- stimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterlie gens nicht für die Verfahrenskosten auf- zukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden P rozess keine Verfahrenskosten er- hoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 10.2.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungst räger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f . E. 4.4.2). Vorliegend war das Kan- tonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vo m 7. März 2013 zum Ergebnis gelangt, dass das von der IV-Stelle eingeholte Gutachten Gutach ten der MEDAS G.____ vom 22. Sep- tember 2011 für die streitigen Belange nicht umfassend war (vgl. dazu E. 5.2 hiervor) und dem- nach die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an ein beweistaugliches Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a) nicht erfüllte. Da ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war, beschloss das Ka ntonsgericht, die erforderliche zu- sätzliche Abklärung des medizinischen Sachverhaltes im Rahmen eines Gerichtsgutachtens vornehmen zu lassen. Das in der Folge eingeholte polydiszi plinäre Gerichtsgutachten der Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht MEDAS F.____ vom 3. Juli 2014 war mit anderen Worten für eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicherten unerlässlich. Zudem bil det das Gerichtsgutachten, wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, massgebliche Grundlage für die mit dem vorliegenden Entscheid erfolgte Zusprechung einer ganzen Rente an den Beschwerdefüh- rer. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Re chtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachtens, welche sich gemäss der eingereichten Hon orarrechnung der MEDAS F.____ auf insgesamt Fr. 12'804.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 10.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seinen Honorarnoten vom 12. November 2012 und 1. Dezember 2014 für das vorliegen- de Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 20,5 S tunden und Auslagen von Fr. 484.-- gel- tend gemacht. Die detaillierte Abrechnung vom 12. No vember 2012 beinhaltet nun allerdings auch Bemühungen von 6,6 Stunden und Auslagen von Fr. 5 4.--, die im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen erbracht worden bzw. angefal- len sind. Bei der Bemessung der Parteientschädigung für das versicherungsgerichtliche Verfah- ren kann aber nur der im Rahmen des eigentlichen Bes chwerdeverfahrens, d.h. der nach der Zustellung der Verfügung entstandene Aufwand berücksicht igt werden. Dies bedeutet, dass vorliegend aus den Honorarnoten vom 1. Dezember 2014 u nd 12. November 2012 lediglich der für den Zeitraum ab 16. Juli 2012 (Zustellung der er sten Verfügung) ausgewiesene Aufwand von 13,9 Stunden, der sich umfangmässig in Anbetracht d er sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen in jeder Hinsicht als angemessen erweist, un d die ab diesem Zeitpunkt entstan- denen Auslagen von Fr. 430.-- entschädigt werden können. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss zur Anwendung gelan genden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Dem Beschwerdeführer ist de shalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘217.40 (13,9 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 430.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden die ange fochtenen Verfügun- gen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 13. Juli 2012 un d 16. August 2012 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Besch werdeführer für die Zeiträume vom 1. August 2007 bis 31. Juli 2009 und vom 1. Juni 2010 bis 30. November 2010 sowie mit Wirkung ab 1. Mai 2011 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.- - wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 12‘804.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4‘217.40 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht