Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. August 2017 (720 16 360 / 205) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision aufgrund veränderter bzw. verbesserter erwerblicher Situation Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Michael Blattner, Advo- kat, Advokatur Sissach, Postgasse 9, Postfach 182, 4450 Sissach gegen IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1989 geborene A.____ durchlief die obligatorische Schulausbildung. Aufgrund eines frühkindlichen Psycho -Organischen Syndroms (POS) sowie einer leichten Minderintelli genz zeigte sich bereits früh, dass der Versicherte schulische Defizite aufwies. Mit Gesuch vom 11. Oktober 2005 (Eingang) meldete sich A.____, damals noch vertreten durch seine Mutter, bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von IV -Leistungen für Vers i- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherte vor dem 20. Altersjahr an. Die IV -Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) erteilte A.____ da- raufhin eine Kostengutsprache für seine erstmalige berufliche Ausbildung als Mechanikprakt i- ker. Im Rahmen dieser Ausbildung zeichnete sich aber ab, dass diese Eingliederung nicht re n- tenausschliessend sein würde, da der Versicherte klarer Arbeitsstrukturen, individueller enger Betreuung und Anleitung bedurfte. Nach Abschluss der Ausbildung erhielt A.____ die Möglich- keit, bei der Stiftung B.____ an einem geschützten Arbeitsplatz tätig zu sein. Nach Abschluss der beruflichen Eingliederung sprach die IV -Stelle dem Versicherten mit Verfü- gung vom 26. Mai 2010 eine ganze IV -Rente bei einem IV -Grad von 80% zu. Unter Beibeha l- tung der zugesprochenen Rente absolvierte A.____ ab 2013 eine zweijährige Lehre zum M e- tallbauer. Ab August 2015 begann er ein neues Arbeitsverhältnis bei der C.____ AG. Nachdem der Versicherte die IV -Stelle darüber in Kenntnis gesetzt hatte, leitete diese per Oktober 2015 ein Revisionsverfahren ein und tätigte sowohl medizinische Abklärungen als auch Abklärungen beim neuen Arbeitgeber des Versicherten. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens setzte die IV -Stelle mit Verfügung vom 28. September 2016 die ganze Rente auf eine halbe Rente herab. B. Gegen die Verfügung vom 28. September 2016 erhob A.____ mit Schreiben vom 26. Oktober 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialvers i- cherungsrecht (Kantonsgericht) . Zur Begründung der Beschwerde führte er im Wesent lichen aus, dass er sich schweren Herzens eingestehen müsse, dass er seine Behinderung trotz stä n- diger Therapie nicht überlisten oder heilen könne. Es sei ihm nicht möglich, die Arbeit ohne U n- terstützung oder unter Zeitdruck zufriedenstellend auszuüben. De r effektive Lohn eines Metal l- baupraktikers EBA bewege sich zwischen Fr. 3‘750. -- und Fr. 4‘000. --. Zuletzt sei er zu 60% angestellt gewesen bei einem Lohn von Fr. 2‘400. --. Die IV -Stelle hingegen gehe beim Loh n- vergleich von einem Jahreseinkommen ohne Behin derung von Fr. 68‘078. -- und mit Behind e- rung von Fr. 30‘113.-- aus. Das würde ein Einkommen von Fr. 2‘500.-- pro Monat ergeben. Die- se Lohnzahlen würden nicht den tatsächlichen Löhnen in der Branche entsprechen. Kein A r- beitgeber würde solch hohe Löhne ausbezahlen. Am 28. November 2016 reichte der Beschwerdeführer, nun vertreten durch Michael Blattner, Advokat, eine ergänzende Stellungnahme ein. Darin beantragte er, in Aufhebung der angefoc h- tenen Verfügung sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die gese tzlichen Leistungen zu erbringen, namentlich ihm weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten; alles unter o/e - Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung mit dem Unterzeichnenden zu gewähren sei. In verfahrensmäss iger Hinsicht beantragte der Beschwe r- deführer, es seien dem Unterzeichnenden die vollständigen Verfahrensakten zur Einsichtnahme zuzustellen. Es sei nach Zustellung der Akten ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen und ihm eine angemessene Frist zur Einrei chung einer ausführlichen Beschwerdebegründung zu g e- währen. Zur Begründung wurde vorerst geltend gemacht, dass die IV -Stelle fälschlicherweise von einer Arbeitsfähigkeit von 50% ausgehe. Aus dem ärztlichen Bericht der behandelnden Psychologin bzw. des mitu nterzeichnenden Facharztes vom 9. November 2016 sei ersichtlich, dass seine Leistungsfähigkeit auf lediglich maximal 40% festzusetzen sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Verfügung vom 1. Dezember 2016 bewilligte das Kantonsgericht dem Beschwerd e- führer für das vorliegende Verfahr en die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Blattner als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Januar 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. E. Am 3. April 2017 reichte d er Beschwerdeführer seine Replik ein und hielt an seinen Rechtsbegehren fest. Auch die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 10. Mai 2017 an ihren Rechtsbegehren fest. Auf die Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einz u- gehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versich e- rungsgericht am Ort der IV -Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beu r- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Ka ntons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV -Stelle. Es ist somit auch sachlich zur B e- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist - und formgerecht erhobene Be- schwerde des Versicherten ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist im Folgenden, ob die IV -Stelle die bisherige ganze Rente des Versicherten mit Verfügung vom 28. September 2016 zu Recht auf eine halbe Rente herabg e- setzt hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwer bs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ei n- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherung s- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähi gkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unf ä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbar e Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV -Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit veru r- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekt i- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt a bge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG a n- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das E r- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfü h- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinko m- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkomm en, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander ge genübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsf ä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf U n- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszust and zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitslei stungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherung s- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs g e- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gr ünde anzu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruh t, auch die geklagten Beschwe r- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darl e- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Ex pertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medi zinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusa m- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender B e- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Erg ebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV -Renten für die Zukunft zu erhöhen, hera b- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beei n- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesundheitsz u- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erhe b- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 5.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätzung von im Wesentlichen u n- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu einer materiellen Revision. Ausschlies s- lich auf einer anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhebliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, di e von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitsz u- stand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizin i- schen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urteil J. des Bunde s- gerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung des I n- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalt s- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes ) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV -Stelle dem Versicherten ursprünglich mit Verfügung vom 26. Mai 2010 bei einem Invaliditätsgrad von Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 80 % eine ganze IV -Rente zu. Seither leitete die IV -Stelle erstmals wieder im Jahr 2013 eine Revision ein, wobei sie dem Versicherten mit Mitteilung vom 28. Juni 2013 eröffnete, dass seine Invalidenrente unverändert ausgerichtet werde. Im Jahr 2015 leitete die IV-Stelle das vorliegen- de Rentenrevisionsverfahren ein. D ie letzte einlässliche materielle Prüfung des Rentena n- spruchs mit einer vertieften Abklärung des medizinischen Sachverhalts erfolgte im Rahmen der ursprünglichen Rentenzusprechung, wobei sich die IV -Stelle vor allem auf die Arztberichte der behandelnden Ps ychiaterin Dr. med. D.____, FMH Kinder - und Jugendpsychiatrie und - psychotherapie, sowie auf die Ergebnisse der beruflichen Eingliederung stützte. Zeitliche Ve r- gleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 28. September 2016 eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eing e- treten ist, die eine revisionsweise Herabsetzung der bis anhin ausgerichteten ganzen IV -Rente rechtfertigt, bildet demnach die Situation, wie sie im Zeitpunkt der ursprünglic hen Rentenverfü- gung vom 26. Mai 2010 bestanden hat (Urteil K. des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hinweis). 6. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand und – damit einher- gehend – der Grad der Arbeitsfähigkeit des Versicherten bzw. seine beruflich erwerbliche Situa- tion tatsächlich, wie von der IV-Stelle geltend gemacht, seit 2010 in einer anspruchserheblichen Weise verbessert haben. 6.1 Im Rahmen der ursprünglichen Rentenzusprechung stützte sich die IV -Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf die behandelnde Psychiaterin des Beschwerdeführers. Am 27. November 2007 diagnostizierte Dr. D.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine hyperkinetische Störung des Sozial verhaltens (ICD -10 F90.0), eine POS sowie eine leichte Intelligenzminderung (ICD -10 F70). Dr. D.____ hielt in ihrem Bericht fest, dass beim Versicherten grosse Konzentrationsprobleme bestünden, er schnell ablenkbar und durch zu viele Reize überfordert sei. Es bestehe eine Intelligenzminderung. Er benötige einfache und klare Anweisungen. Physisch bestünden keine Einschränkungen. Für die aktuelle Beschäftigung in der Stiftung B.____ gebe es keine Einschränkung, sofern die enge Betreuung bestehen bleibe. Weite r führte Dr. D.____ aus, dass das Absolvieren einer Anlehre die E r- werbsfähigkeit verbessere. Eine angepasste Betreuung mit engmaschiger Führung und einf a- chen, klaren Anweisungen sei notwendig. Schliesslich hielt die Psychiaterin fest, dass sie einen weiteren Ritalinversuch unternehmen würde. Die Prognose sei eher günstig. 6.2 Ausserdem stützte sich die IV -Stelle auf die Ergebnisse der beruflichen Eingliederung. Im Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 14. Juli 2009 wurde unter anderem fes t- gehalten, dass sich im Verlauf der Ausbildung klar abgezeichnet habe, dass eine Eingliederung nicht rentenausschliessend sein werde. Der Beschwerdeführer benötige weiterhin klare Arbeits- strukturen, individuelle enge Betreuung und Anleitung. Gegen Ende der Ausbil dung habe der Versicherte noch Interesse an einer Ausbildung zum Forstwart bekundet. Die Suche nach einer Anlehrstelle habe sich aber schwierig gestaltet, da es strenge Vorschriften für diese Ausbildung und in diesem Rahmen kaum Lehrstellen dafür gebe. Mit der Stiftung B.____ habe bei A b- schluss der Ausbildung eine Anschlusslösung erarbeitet werden können. Der Beschwerdeführer Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht könne weiterhin dort im Rahmen eines geschützten Arbeitsplatzes ab dem 13. August 2009 tätig sein und vorläufig auch weiterhin dort in der Wohngruppe wohnen. 6.3 Am 7. September 2009 diagnostizierte Dr. D.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähi g- keit eine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ICD -10 F98.8) seit mindestens 1998, eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70) sowie einen schädlichen Gebrauch von Canna- bis (ICD-10 F12.1) seit mindestens 2008. Dr. D.____ hielt fest, dass der mindestens schädliche Gebrauch von Cannabis ihres Erachtens Folge eines sehr ausgeprägten und auf vielen Ebenen ungenügend behandelten POS sei. Sie sehe es als eine Art „Selbstmedikation“ gegen die äussere und innere Unruhe. Die Konzentrations - und Aufmerksamkeitsprobleme bestünden schon seit der Kindheit, die ausgeprägte Antriebshemmung und affektive Verflachung könnten Folgen des übermässigen, rege lmässigen Cannabiskonsums sein. Wichtig sei, dass der B e- schwerdeführer nach Abschluss seiner Ausbildung zum Mechanikpraktiker eine Arbeitsstelle finde, die seinen Bedürfnissen entspreche und die Wohnsituation geregelt werde. Die Prognose sei eher ungünstig. 7.1 Medizinische Grundlage der im vorliegenden Verfahren angefochtenen Verfügung bilden insbesondere die Berichte der Psychiatrie E.____. Im Bericht vom 23. Dezember 2015 diagnos- tizierten der Oberarzt und die Assistenzpsychologin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte Intelligenzminderung mit Verhaltensstörung (ICD -10 F70.1). Als Diagnose ohne Auswi r- kung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein Status nach Anpassungsstörung mit Schmerzsympt o- matik sowie Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD -10 F43.28) aufgeführt. Im Bericht der Psychiatrie E.____ wurde festgehalten, dass, da sich eine Intelligenzminderung nicht u r- sächlich behandeln lasse, die kognitiven Einschränkungen des Versicherten nur sehr begrenzt beeinflusst werden könnten. Auch unterliege die Leistungsfähigkeit über die Zeit hinweg gewi s- sen Schwankungen. Diesbezüglich seien psychosoziale Belastungen wichtige Einflussfaktoren. Unter der Gewährung eines stabilen Umfeldes und einer angemessenen Unterstützung könne der Beschwerdeführer je doch seine Leistungsfähigkeit sehr wahrscheinlich mehr oder weniger konstant aufrecht erhalten und über den Alltag hinweg mit einigen Hilfestellungen gut funktionie- ren. Aktuell bewege sich der Versicherte auf einem verhältnismässig hohen Funktionsniveau und zeige durchaus Potential bei entsprechender Begleitung und Förderung. Der Beschwerd e- führer wurde vom 1. Juni 2015 bis 14. August 2015 krankgeschrieben. Ausserdem wurde festgehalten, dass der Versicherte Schwierigkeiten in der Planung und Struk- turierung von Aufgaben zeige. Er habe teilweise Mühe, den Tag zu strukturieren. Anstehende Aufgaben würden nicht immer in zweckmässiger Folge erledigt, nicht zu Ende geführt oder es werde regelhaft mehr Zeit dafür a ufgewendet als eingeplant. Die Anpassungsfähigkeit in neuen Situationen sei ebenfalls beeinträchtigt. Seine Fähigkeit, sich in Bezug auf spontan wechselnde Anforderungen der Umwelt flexibel und angemessen zu verhalten, sei leicht eingeschränkt. In der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit würden sich ebenso einige Defizite zeigen. So habe der Versicherte manchmal Mühe, sachliche Schlussfolgerungen zu ziehen und Entscheidungen zu treffen. Die gegebenen Fakten könnten oftmals aufgrund der kognitiven Einschränkungen nicht in ihrer Gesamtheit zur Kenntnis genomm en werden und so in eine Entscheidung einfliessen. Anspruchsvolle Situationen führten teilweise zu Denkblockaden und Überforderung oder zur Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beeinflussung durch sachfremde, äussere Bedingungen oder innerpsychische Zustände. Die Durchhaltefähigkeit des Besch werdeführers scheine ebenso leicht beeinträchtigt. Er scheine nicht immer die volle Leistungsfähigkeit über die gesamte Zeit hinweg erbringen zu können, wobei sich dies durch eine Abnahme der Leistung gegen Ende der Zeitspanne bemerkbar m a- chen könne. Ausse rdem habe der Patient Schwierigkeiten, sich in sozialen Situationen durc h- zusetzen und zu behaupten. Er lasse sich schnell einschüchtern, sei unsicher und könne nur wenig überzeugend für seine Interessen einstehen. Damit zusammenhängend sei eine leichte Beeinträchtigung der Kontaktfähigkeit zu Dritten; der Versicherte ziehe sich in problematischen Interaktionen tendenziell eher zurück und wirke abweisend. Laut Angaben seines aktuellen A r- beitgebers leiste der Versicherte verhältnismässig gute Arbeit. Das Arbe itstempo sei jedoch gering und er brauche vermehrt Anweisungen, Erinnerungen und Überwachung. Selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten sei nur begrenzt möglich. Schliesslich wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Intelligenzm inde- rung gewisse Einschränkungen aufweise, welche an der Arbeitsstelle berücksichtigt werden sollten. Dennoch könne er vollumfänglich weiterhin seiner aktuell ausgeübten Arbeitstätigkeit nachgehen. Weiter führten die Ärzte der Psychiatrie aus, dass der Ver sicherte aktuell zu 100% auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeite. Diese Arbeitsstelle habe er sich selbständig beschafft, was beeindruckend und als sehr positiv zu bewerten sei. Eine längerfristige Anstellung bzw. ein Sich Bewähren auf dem ersten Arbeitsmarkt hänge gemäss ihrer Beurteilung jedoch unter anderem sehr vom Wohlwollen und von einer dem Leistungsniveau des Versicherten entsprechenden Begleitung durch den Arbeitgeber ab. Diese Bedingungen scheinen am aktuellen Arbeitsplatz erfüllt zu sein. Der Vorgese tzte des Versicherten habe berichtet, dass der Versicherte grun d- sätzlich qualitativ gute Arbeit leiste. Auch sei er zuverlässig und passe gut ins Team. Dennoch seien einige Einschränkungen offensichtlich; das Arbeitstempo sei gering, er brauche vermehrt Anweisungen, Erinnerungen und Überwachung. Aus diesem Grund sei seine Beschäftigung aus wirtschaftlichen Gründen mittelfristig gefährdet. Eine Anstellung mit Unterstützung der IV wäre grundsätzlich denkbar und erwünscht. 7.2 Die IV -Stelle stützte sich in d er angefochtenen Verfügung nicht nur auf den Gesun d- heitszustand des Versicherten, sondern auch auf dessen berufliche Entwicklung seit der u r- sprünglichen Rentenzusprache. Am 13. Januar 2016 berichtete die C.____ AG im Fragebogen für Arbeitgebende über das A rbeitsverhältnis mit dem Versicherten. Es wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer einen Monatslohn von Fr. 4‘050. -- erhalte, seine Leistungen jedoch einem Lohn von Fr. 2‘000.-- entsprächen. Der Vorgesetzte hielt des Weiteren fest, dass der Versicherte beim Vorstellungsgespräch nicht erwähnt habe, dass er eine IV -Rente beziehe. Da keine Defizite ersichtlich gewesen seien, hätten sie ihn eingestellt. Da sie sehr viel Arbeit g e- habt hätten, sei das Problem im Getümmel untergegangen. Sie seien bereit, vora usgesetzt die wirtschaftliche Lage verändere sich nicht negativ, dem Beschwerdeführer den „Vorschuss“ bis zur Beendigung der Abklärungen zu bezahlen. 7.3 Am 24. Mai 2016 reichte die Psychiatrie E.____ eine Stellungnahme aufgrund der Ei n- sprache gegen die Rentenkürzung ein. Es wurde ausgeführt, dass die durch sie erfolgte, im Rahmen der letztjährigen Rentenrevision verfasste Einschätzung der beruflichen Leistungsf ä- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit zu hoch ausgefallen zu sein scheine. Der bisherige Verlauf habe gezeigt, dass die ps y- chischen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers nach wie vor als schwerwiegend zu e r- achten seien. In den Bereichen der Sozialkompetenz, der Emotionsregulation sowie der beruf s- bezogenen Einsatzfähigkeit habe der Versicherte nicht die ursprünglich erwartete als auch not- wendige Leistung und Stabilität erreichen können. 7.4 Am 17. August 2016 verfasste die behandelnde Psychologin des Versicherten, welche nicht mehr in der Psychiatrie E.____, sondern neu in der Praxisgemeinschaft F.____ tätig ist, erneut einen Bericht. M. Sc. G.____ hielt unter anderem fest, dass sich im Verlauf gezeigt habe, dass die erstmalig im Bericht vom 23. Dezember 2015 getroffene Einschätzung des Leistung s- niveaus des Beschwerdeführers zu optimistisch ausgefallen sei. Der Versicherte ha be sich sei- ne letzte Arbeitsstelle selbst organisiert und es habe anfänglich nach einer positiven Zusa m- menarbeit ausgesehen. Kurz darauf hätten sich jedoch beim Auftreten verschiedener Schwi e- rigkeiten im Arbeitskontext wieder die bekannten, dysfunktionalen Verarbeitungsmuster des Patienten im Sinne der Entwicklung psychosomatischer Beschwerden, Rückzug und Verme i- dungsverhalten und Defiziten in der Anwendung adäquater sozialer Kompetenzen gezeigt. Es zeige sich, dass der Versicherte nicht das Stabilitätsniveau erreicht habe, welches für die Arbeit unter den gegebenen Bedingungen und Anforderungen nötig gewesen wäre. Die Erfahrungen mit dem letzten Arbeitgeber hätten gezeigt, dass der Versicherte eine etwas tiefer sowie instabi- ler ausgeprägte Leistungsfähigkeit zu haben scheine, als ursprünglich angenommen. Mit weit e- ren, psychosozialen Einbrüchen in der Zukunft müsse gerechnet werden. In Bezug auf die A r- beitsfähigkeit wurde ausgeführt, dass aktuell keine Krankschreibung bestehe. Bezüglich einer Arbeitstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt mit den gängigen Anforderungen und Bedingungen könne die Arbeitsfähigkeit auf ca. 50 -70% geschätzt werden. Bei einem wohlwollenden Arbei t- geber sowie entsprechender Betreuung und Flexibilität könne das Leistungsniveau etwas h ö- her, auf ca. 80%, geschätzt werden. Die exakte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Patienten sei sehr schwierig und müsse sich am besten in der Praxis zeigen. Sie unterliege ausserdem, wie oben beschrieben, zweitweise auch Schwankungen. 7.5 Am 9. Novembe r 2016 berichteten die behandelnde Psychologin und der Facharzt der Praxisgemeinschaft F.____ erneut über den Versicherten. Unter dem Titel „Abschliessende Einschätzung“ hielten sie fest, dass nach Rücksprache mit dem Arbeitgeber und unter Berüc k- sichtigung der relevanten Faktoren die Leistungsfähigkeit des Patienten im Vergleich zu einem Mitarbeiter gleicher Stufe ohne physische und psychische Beeinträchtigungen als maximal 40% eingeschätzt werden könne. 8.1 Vergleicht man den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei der ursprünglichen Rentenzusprache von 2010 mit den aktuellen Erhebungen , so erhellt, dass sich die medizin i- sche Situation nicht erheblich geändert bzw. verbessert hat. Mit der Beschwerdegegnerin kann zwar festgehalten werden, dass sich immerhin das POS des Versicherten zwischenzeitlich g e- legt hat. Trotzdem kann nicht gesagt werden, dass beim Beschwerdeführer nur noch die leichte Intelligenzminderung vorliegt. Mit der leichten Intelligenzminderung geht eine Verhaltensstörung einher und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein Status nach Anpassungsstörung mit Schmerzsymptomatik sowie Angst und depressiver Reaktion gemischt diagnostiziert. Eine Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Revision kann jedoch nicht nur bei einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes, sondern auch bei einer wesentlichen Veränderung der Arbe itsfähigkeit bzw. der beruflich - erwerblichen Situation des Versicherten durchgeführt werden. 8.2 Dazu ist vorab festzuhalten, dass die konkrete Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht einfach zu sein scheint. Der Beschwerdeführer macht den Eindruck, hoch motiviert und engagiert zu sein, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen und nicht von der IV abhä n- gig zu sein. Gleichwohl hat dies bislang nicht im vom Versicherten gewünschten Ausmass funk- tioniert. Der Versicherte hatte bisher zwar sehr verständnisvolle Arbeitgeber, im Endeffekt wu r- de ihm jedoch trotzdem immer wieder gekündigt. Diesbezüglich ist aber bereits an dieser Stelle festzuhalten, dass der Versicherte beispielsweise bei der C.____ AG in einem 100%igen Pe n- sum angestellt war und damit von ihm auch eine dementsprechende Leistung erwartet wurde. Gemäss Arbeitgeberfragebogen entsprach seine Leistung ungefähr einem 50%igen Pensum. Wäre der Beschwerdeführer in einem 50%igen Pensum anges tellt gewesen, hätte er die von ihm verlangte Leistung erbringen können und nicht gekündigt werden müssen. D er Umstand, dass der Versicherte jeweils mehr zu leisten versuchte, als ihm möglich war, führte immer wie- der zu ärztlichen Fehleinschätzungen seiner Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Die Mediziner stützten sich jeweils auf die Praxis bzw. die aktuelle berufliche Situation des Beschwerdefü h- rers. 8.3 Hinsichtlich des Berichts der Psychiatrie E.____ vom 23. Dezember 2015 ist festzuha l- ten, dass dieser in sich widersprüchlich erscheint. Es wurde zwar beschrieben, dass der Vers i- cherte vollumfänglich arbeitsfähig sein soll. Die Aussage, dass der Versicherte zu 100% arbeits- fähig sei, wurde jedoch bereits im gleichen Bericht wieder relativiert. Die Schlussfolg erung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit stützte sich wohl auf die Tatsache, dass der Versicherte zu jener Zeit in einem 100%igen Pensum arbeitete. Zum einen wurde aber die 100%ige Arbeitstätigkeit nur aufgenommen, weil der Versicherte beim Vorstellungsgespräch seine gesundheitlichen Ein- schränkungen bzw. seine IV -Berentung verschwieg. Zum anderen machte sich bereits bald nach dem Stellenantritt bemerkbar, dass der Beschwerdeführer keine 100%ige Leistung erbri n- gen kann. 8.4 Der Bericht der Psychiatrie E.____ vom 17. August 2016 ist zwar grundsätzlich nac h- vollziehbar. Bei den Angaben der Arbeitsfähigkeit besteht jedoch eine sehr grosse Bandbreite (zwischen 50 und 80%). In diesem Sinne erscheint es schwierig, die Schlussfolgerungen dieses Berichts als Entscheid grundlage zu nehmen. Die IV -Stelle ist in der angefochtenen Verfügung von der angegebenen Untergrenze der Arbeitsfähigkeit (50%) ausgegangen. Dies steht in Übereinstimmung mit den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers. Im Ergebnis ist das auch nachvollziehbar und schlüssig. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass im Bericht selber ausgeführt wurde, dass die exakte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Patienten sehr schwierig sei und sich am besten in der Praxis zeigen müsse (vgl. E. 7.4 hie r- vor). 8.5 Der Bericht vom 9. November 2016 hingegen ist schwer nachvollziehbar. Die beha n- delnde Psychologin und der Facharzt reduzieren die verbleibende Arbeitsfähigkeit des Vers i- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten aufgrund der Rückmeldung des Arbeitgebers auf maximal 40%. Aus den Ausführungen im Bericht gehen jedoch dieselben Schwierigkeiten und Probleme hervor wie bisher. Lediglich die Angaben betreffend die Arbeitsfähigkeit haben sich verändert. Es erfolgt auch keinerlei B e- gründung, weshalb eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit vorgenommen wird. Entgegen der Au f- fassung des Beschwerdeführers kann auf diesen Bericht nicht abgestellt werden. 8.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass, s elbst wenn keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands des Versicherten seit der ursprünglichen Rentenzusprache gegeben sein sollte, sich immerhin seine erwerbliche Situation erheblich verbessert hat. Gestützt auf das Zusammenspiel zwischen den praktischen Erfahrungen des Versicherten auf dem Arbeitsmarkt und den medizinischen Berichten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zu 50% in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist. Deshalb ist nicht zu beanstanden, dass die IV - Stelle die Revisionsvoraussetzungen gemäss Art. 17 ATSG bejaht hat. 9. Gestützt auf dieses Zwischenergebnis ist zu prüfen, wie sich die geschilderte Entwic k- lung auf den künftigen Rentenanspruch des Beschwerdeführers auswirkt. Es gilt mit anderen Worten, auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts den Invalidi- tätsgrad bei Erlass der streitigen Revisionsverfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspruch s- berechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs ergeben (Urteile S. des Bundesgerichts vom 14. April 2009, 9C_1014/2008, E. 3.3, und C. vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.3, je mit Hinweisen). Ausgangspunkt der Beurteilung des (heutigen) Rentenanspruchs bi l- det dabei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. 10.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ve r- sicherten grundsätzlich aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die IV -Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 28. September 2016 den erforderlichen Einkommensve r- gleich vorgenommen. Da beim Versicherten aktuell keine besonders stabilen Arbeitsve rhältnis- se vorliegen und keine hinreichend verlässlichen und verwertbaren Lohnangaben zu den bisher ausgeübten Tätigkeiten vorliegen, hat die IV -Stelle sowohl das Invaliden - als auch Validenei n- kommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerisc hen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 68‘078. -- und des zumutbaren Invalidenei nkommens in Höhe von Fr. 30‘113.-- einen Invaliditätsgrad von 56 % ermittelt. 10.2 Der Versicherte beanstandet unter anderem die von der IV -Stelle für den Einkommen s- vergleich herangezogenen Lohnzahlen. Er bringt vor, dass die tatsächlichen Löhne in der Br an- che als Metallbaupraktiker EBA viel tiefer ausfallen würden. In diesem Zusammenhang ist j e- doch mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass die herangezogenen Tabellenlöhne im Anforderungsniveau 1 viele leichte und einfache Hilfsarbeitertätigkeiten umfa ssen. Beim Invali- deneinkommen hat sich die IV -Stelle sodann auf den Sektor „Total“ gestützt, worin nicht nur Arbeitsstellen in der Metallbaubranche zu finden sind. Dem Versicherten sind grundsätzlich auch Hilfsarbeitertätigkeiten in anderen, allenfalls besser bezahlten, Branchen zuzumuten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.3 Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, dass ihm die IV -Stelle bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens einen Abzug von 25 % vom Tabellenlohn hätte gewä h- ren müssen. Es sei schlicht nicht vorstellb ar, dass er auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ta t- sächlich eine Anstellung als Mechanikpraktiker finden und vor allem über längere Zeit behalten könne. 10.4 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statist i- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Pe r- sonen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten u nd nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur noch beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erre i- chen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelas sene Abzug entwickelte sich in der Fo l- ge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem U m- stand Rechnung trägt, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür b e- stehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesun d- heitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurc h- schnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25% des Tabe l- lenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2; vgl. zum Ganzen auch BGE 126 V 80 E. 5b/bb und cc). 10.5 Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung einen Abzug vom Tabellenlohn von 10% für eine invaliditätsbedingte Beeinträchtigung vorgenommen. Demgegenüber erachtet der Beschwerdeführer in seinem Fall die Gewährung eines 25% -igen Abzugs vom Tabellenlohn als angezeigt. Mit der Beschwerdegegnerin ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in seinen Ausführungen Sinn und Zweck des leidensbedingten Abzugs verkannt hat. Die IV -Stelle hat dem Versicherten einen angemessenen Abzug für die leidensbedingte Beeinträchtigung g e- währt. Weitere Anhaltspunkte, dass der Versicherte wegen eines oder mehrerer der oben e r- wähnten Merkmale (Alter, Nationalität etc.) seine gesundheitlich bedingte (Rest -) Arbeitsfähig- keit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann, sind im vorliegenden Fall nicht ersichtlich. 10.6 Der vorinstanzliche Einkommensvergleich erweist sich insgesamt als rechtens. Damit resultiert, dass die IV-Stelle die bisher ausgerichtete ganze Rente zu Recht auf eine halbe Ren- te herabgesetzt hat, wobei die Herabsetzung gestützt auf Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 korrekterweise auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfü gung folgenden Monats erfolg te. Die angefochtene Verfü- gung der IV-Stelle vom 28. September 2016 ist insgesamt somit nicht zu beanstanden, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abgewiesen werden muss. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.7 Anzumerken bleibt, dass im vorliegenden Fall allenfalls die Anwendung von Art. 26 Abs. 1 IVV in Betracht gezogen werden könnte. Art. 26 Abs. 1 IVV hält Folgendes fest: „Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwe r- ben, so entspricht das Erwerbsein kommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, den fo l- genden nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik.“ Die Frage nach der Anwendbarkeit dieser Bestimmung kann an dieser Stelle offen gelassen werden, da sie vorliegend ohnehin nicht zu einem anderen Ergebnis führen würde. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die B e- willigung oder die Verweigerung von IV -Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Strei t- wert im Rahmen von Fr. 200. -- bis Fr. 1'000. -- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher V erfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfa h- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Pa r- tei in ange messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihm ist allerdings mit verfahren s- leitender Verfügung vom 1. Dezember 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 11.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschl a- gen. Da dem Beschwerdeführer mit prozessleitender Verfügung vom 1. Dezember 2016 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, hat dessen Entschädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 12. Juni 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 19 Stu n- den und 48 Minuten sowie Spesen und Auslagen von insgesamt Fr. 249.90 geltend gemacht, was umfangmässig nicht zu beanstanden ist. Ihm ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 4‘546.70 (19 Stunden und 48 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Spesen und Auslagen von Fr. 249.90 sowie 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 11.3 Der Beschwerdeführer wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800. -- werden dem B e- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdefüh rers ein Honorar in der Höhe von Fr. 4‘546.70 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der G e- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht