B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-454/2014 U r t e i l v om 11 . A u g u s t 2 0 1 6 Besetzung Richterin Esther Marti (Vorsitz), Richterin Barbara Balmelli, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiber Tobias Grasdorf. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom 27. Januar 2013 / N (…). E-454/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 15. November 2010 in der Schweiz um Asyl nach. B. Er wurde am 1. Dezember 2010 zur Person (Protokoll: SEM-Akte A7) und am 10. Dezember 2013 zu seinen Fluchtgründen (Protokoll: SEM -Akte A20) befragt. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei ethnischer Kurde, ur- sprünglich Maktumin, aber seit einigen Jahren im Besitz der syrischen Staatsangehörigkeit. Er stamme aus B._______, wo er zusammen mit sei- ner Mutter und seinen beiden Brüdern gewohnt habe. In den Jahren 2009 und 2010 sei er dreimal von den syrischen Sicherheitsdiensten vorgeladen respektive verhaftet worden. Das erste Mal habe ihn sein Onkel freikaufen können, das zweite Mal sei er mit mehreren anderen Personen zusammen verhaftet worden. Das letzte Mal, im September 2010, sei er während zwei Tagen gefangen gehalten, geschlagen und gefoltert worden. Zudem hätten ihm die Beamten gedro ht, ihm würde das gleiche passieren wie seinem älteren Bruder Q., der während den kurdischen Protesten 2004 verhaftet, sechs Monate festgehalten und gefoltert worden sei. Nach seiner Entlas- sung habe der Bruder hospitalisiert werden müssen. Nachdem er sich eine gewisse Zeit im Irak aufgehalten habe, sei er nach seiner Rückkehr nach Syrien erneut vom Sicherheitsdienst vorgeladen und geschlagen worden. Im November 2010 sei er schliesslich an Krebs gestorben. Er habe dem syrischen Regime die Behandlung seines B ruders immer vorgeworfen, auch öffentlich. Er habe mehrmals politische Parolen auf Wände geschrie- ben und politische Plakate aufgehängt. Das sei auch der Grund, weshalb er von den Sicherheitskräften vorgeladen worden sei. Anfang Oktober 2010 sei er aus Syrien ausgereist. Zudem sei er von der Schule verwiesen worden und habe die neunte Klasse nicht abschliessen können, weil er das Regime aufgrund der Probleme seines Bruders kritisiert habe. C. Mit Verfügung vom 27. Dezember 2013 stellte das BFM fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab und ordnete seine Wegweisung an. Gleichzeitig verfügte es seine vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. E-454/2014 Seite 3 D. Am 13. Januar 2014 ersuchte der Beschwerde führer beim BFM um voll- ständige Einsicht in die gesamten Akten seines Asylverfahrens, inklusive in den Antrag auf vorläufige Aufnahme. Eventualiter ersuchte er um schrift- liche Begründung betreffend die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs. Am 16. Januar 2014 gewährte das BFM Einsicht in die Asylakten, verweigerte jedoch die Einsicht in die Akten A8, A11, A12, A21 und A23. E. Mit Beschwerde an das Bundesverwal tungsgericht vom 27. Januar 2014 beantragte der Beschwerdeführer die Verfügung sei aufzuheben und zu r vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes sowie zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuwei- sen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben , dem Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft zuzusprechen und ihm Asyl zu gewähren. Even- tualiter sei er als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs festzustellen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um vollumfängliche Einsicht in sämtli- che Asylakten seines Vaters sowie in die Akten A14, A17, A18, A21 sowie in sämtliche von ihm eingereichten Beweismittel. Eventualiter ersuchte er um Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den Asylakten seines Vaters so- wie zu den genannten Akten und Beweismitteln respektive um Zustellung einer schriftlichen Begründung betreffend die Akte A21. Danach sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung an- zusetzen. Zudem sei festzustellen, dass die angefochte ne Verfügung be- treffend die Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Rechtskraft erwachsen sei. Neu macht der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene zudem geltend, er habe sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt, was seine drohende Ge- fährdung bei einer Rückkehr nach Syrien massgeblich verstärke . Als Be- weismittel reichte er die in der Beschwerde aufgeführten Beilagen 3–14 zu den Akten. F. Mit Zwischenverfügung vom 13. Februar 2014 wies das Bundesverwal- tungsgericht das BFM an, dem Beschwerdeführer Einsicht in die Akten A17 und A18, sämtliche vom Beschwerdeführer eingereichte Beweismittel und in die Akten aus dem Asyldossier des Vaters, soweit diese Grundlage der E-454/2014 Seite 4 angefochtenen Verfügung bildeten, zu gewähren. Im Übrigen wies es das Gesuch um Akteneinsicht und Gewährung des rechtlichen Gehörs ab. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit eingeräumt, innert 15 Tagen ab Ge- währung der Akteneinsicht eine Beschwerdeergänzung einzureichen. Zu- dem erhob das Bundesverwaltungsgericht einen Kostenvo rschuss und setzte zu dessen Bezahlung eine Frist bis zum 28. Februar 2014 an. G. Am 25. Februar 2014 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses. Mit Zwischenverfügung vom 27. Februar 2014 hiess das Bundesverwaltungsgericht diese Gesuche gut. H. Am 4. März 2014 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwerdeergän- zung ein und gab als Beweismittel die Beilagen 15–20 zu den Akten. I. Am 7. März 2014 lud das Bundesverwaltungsgericht das BFM zu Vernehm- lassung ein. Am 21. März 2014 nahm das BFM zur Beschwerde Stellung und am 31. März 2014 replizierte der Beschwerdeführer. J. Am 2. Juli 2014 reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel ein (Beilagen 21–23). K. Am 11. Mai 2016 machte der Beschwerdeführer unaufgefordert eine wei- tere Eingabe, in der er auf ein vor einiger Zeit ergangenes Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts verweist. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa ltungsgericht ist daher E-454/2014 Seite 5 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist vorbehältlich nachstehender Erwägung einzutreten. Da die Vorinstanz den Beschwerdeführer wegen unzumutbaren Wegwei- sungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat und die Vollzugshindernisse ge- mäss Art. 83 Abs. 1 AuG (SR 142.20) alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4), hat der Beschwerdeführer – anders als in Bezug auf die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft – kein schutzwürdiges Inte- resse an der Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs (Art. 25 Abs. 2 VwVG). Auf den entsprechenden Subeventualantrag ist da- her nicht einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-454/2014 Seite 6 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehen- den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege- ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seiner abweisenden Verfügung führte die Vorinstanz aus, der Tod des Bruders Q. des Beschwerdeführers wegen Krebs könne nicht direkt den während dessen Gefangenschaft erlittenen Misshandlun- gen zugerechnet werden. Die drei Verhaftungen des Beschwerdeführers für kurze Zeit, die keine juristische Verfolgung zur Konsequenz gehabt hät- ten, wiesen keine genügende Intensität auf, als dass sie asylrechtlich rele- vant sein könnten. Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Prob- lemen, die sein Bruder Q. gehabt habe und bezüglich seines Aufenthaltes im Irak enthielten Widersprüche. S o sei insbesondere unklar, ob der Be- schwerdeführer sich mit Q. im Irak aufgehalten habe und wie lange Q. im Irak gewesen sei. Zudem habe der Beschwerdeführer einmal ausgesagt, er sei noch am gleichen Tag aus Syrien ausgereist, an dem sein Bruder Q. wieder freigelassen worden sei und ihn zur Ausreise aufgefordert habe, einmal habe er jedoch ausgesagt, er sei nach der Freilassung von Q. noch eine Woche in Syrien geblieben. Zudem habe er sich in Widersprüche dazu verstrickt, ob er im März 2010 verhaftet oder ob er vorgeladen worden sei. Deshalb könnten die angeblich im Heimatland erlebten Probleme nicht als glaubhaft betrachtet werden. 4.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in der Beschwerdeschrift, seine Ver- folgung in Syrien stehe in Zusammenhang mit der von seinem Bruder Q. erlittenen Verfolgung durch die syrischen Behörden nach dem Aufstand im Jahr 2004. Zudem sei sein Vater am (...) 2004 in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden. Kurz vor seiner Ausreise sei er zweimal von den Behör-E-454/2014 Seite 7 den einvernommen worden: Zum ersten Mal circa eine Woche vor der Aus- reise, zum zweiten Mal unmittelbar vor der Ausreise. Seine Aussagen seien von zahlreichen Realkennzeichen geprägt, so habe er etwa in der Erstbe- fragung viele detaillierte Ausführungen in freier Rede gemacht und sei da- nach – wie im Protokoll notiert worden sei – wiederholt sehr betroffen ge- wesen. Er schildere zudem ausdrücklich, dass es sich bei einer der ihn in Gefangenschaft befragenden Personen um einen gewissen C._______ gehandelt habe, bei dem es sich um einen Kurde n aus (…) handle, der bereits seinen Bruder Q. verhaftet und verfolgt habe. Die Unterscheidung der Vorinstanz zwischen Vorladungen ("convocations") und Verhaftungen ("arrestation") sei spitzfindig, die Vorinstanz verkenne, dass sich diese Be- griffe nicht zwingend ausschlössen, so könne eine Vorladung sehr wohl eine Verhaftung mit sich bringen. Auch Q. habe man zudem mit Schlägen und Verhaftung gedroht, ihm (dem Beschwerdeführer) drohe das gleiche Schicksal, das Q. widerfahren sei. Die wiederholten Verhaftungen würden durchaus eine asylrelevante Intensität erreichen. Im Falle einer erneuten Einreise nach Syrien würde er verhaftet und nicht mehr freigelassen. Be- richte würden belegen, mit welcher systematischen Gewalt das Assad-Re- gime gegen Oppositionelle vorgehe. Er sei bis zu seiner Ausreise politisch aktiv und – ebenso wie sein Bruder Q. und sein Vater – den Behörden als Regimegegner bekannt gewesen. Neu macht der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene geltend, er habe sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt, was seine drohende Gefährdung bei einer Rückkehr nach Syrien massgeblich verstärke. Zudem sei auch sein Vater durch seine regimekritischen Aktivitäten in der Schweiz aufge- fallen und deshalb als Flüchtling anerkannt worden. Er sei Mitglied der [kur- disch-syrische Partei]. Er habe am (…) 2014 an einer Demonstration in (…) teilgenommen. Fotos davon, die ihn zeigen würden, seien zusammen mit einem Artikel über die Demonstration auf dem Internet aufgeschaltet wor- den. Zudem gebe es davon einen Bericht auf (…), in dem er zu erkennen sei. Am (…) sei es in D._______ anlässlich (…) zu einer Demonstration von Assad-Anhängern gekommen. Der Beschwerdeführer habe seiner- seits gegen diese Demonstration demonstriert und von der anderen Stras- senseite her Parolen und Beschimpfungen gegen die Pro-Assad-Demonst- ranten gerufen. Er sei derart aufgebracht gewesen, dass er von der Polizei habe beruhigt und zurückgehalten werden müssen. Anschliessend habe er gegenüber (…) Stellung zu seiner Wut genommen und ausgeführt, dass die syrische Regierung sich schämen und abtreten sollte. Dieser Fernseh- bericht sei prominent auf (…) gesendet worden und im Internet unter zahl- reichen Links abrufbar. Er sei darin wiederholt und sehr lange im Interview E-454/2014 Seite 8 zu sehen. Zudem sei es am gleichen Tag zu Übergriffen von Assad-Anhä- ngern in E._______ gekommen, die im Internet ebenfalls gut dokumentiert seien. Es sei offensichtlich, dass er durch seine exilpolitischen Tätigkeiten in der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit der syrischen Behörden auf sich gezogen habe. Es sei bekannt, dass Angehörige der syrischen Botschaften als Spione bei regimekritischen Demonstrationen im Ausland eingesetzt würden. Es sei offensichtlich, dass der syrische Staat ausländische De- monstrationen gegen das syrische Regime überwachen lasse und die Teil- nehmer identifiziere. Zudem sei zu beachten, dass bereits die Stellung als abgewiesener Asylsuchender im Falle einer Rückkehr eine asylrelevante Verfolgung auslösen könne. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe sei- nen Anspruch auf Akteneinsicht und auf rechtliches Gehör verletzt, wes- halb die Verfügung zu kassieren und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. So habe die Vorinstanz die Akten seines Vaters beigezogen, die entscheidrelevanten Akten jedoch nicht in sein Dos- sier übernommen. Sein Vater sei aufgrund seiner politischen Tätigkeiten in der Schweiz 2007 als Flüchtling anerkannt worden, was die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung jedoch weder erwähnt noch gewürdigt habe. Die Vorinstanz habe zudem die Akten in rechtswidriger Weise geführt, weil sie keinen Beweismittelumschlag erstellt habe, was insbesondere von Be- deutung sei, da sie die Beweismittel in der angefochtenen Verfügung zwar erwähnt, jedoch nicht gewürdigt habe. Zudem habe die Vorinstanz nicht erwähnt und gewürdigt, dass er illegal aus Syrien ausgereist sei ; dass er auch nach seiner letzten Verhaftung überall herumerzählt habe, die syri- schen Behörden seien für das Leid seines Bruders verantwortlich; dass er aufgrund seines Verhaltens betreffend die Beschuldigung der Behörd en wegen den Problemen seines Bruders von der Sc hule ausgeschlossen worden sei; dass er während seines Militärdienstes nicht gewagt habe, das syrische Regime zu kritisieren, dies danach aber umso stärker gemacht habe; dass er Kritik am Regime auf Papier ge bracht und auf Mauern ge- klebt habe; dass sein jüngerer Bruder 2011 verhaftet und inhaftiert worden sei, und dass er selber bei seinen Verhaftungen gefoltert worden sei. Damit habe die Vorinstanz nicht nur seinen Anspruch auf rechtliches Gehör ver- letzt, sondern auch ihre Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes. Zudem habe die Vorinstanz keine Botschaftsabklärung durchgeführt und zwischen der Befragung zur Person und der Anhörung seien drei Jahre verstrichen. E-454/2014 Seite 9 4.3 In s einer Beschwerdeergänzung bringt der Beschwerdeführer nichts Neues, Entscheidwesentliches vor. 4.4 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdefüh- rer habe auf erstinstanzlicher Ebenen nie vorgebracht, seine Probleme in Syrien würden mit dem Weggang seines Vaters zusammenhängen. Seine Probleme stammten zudem aus den Jahren 2009 und 2010, während sein Vater bereits 2007 als Flüchtling anerkannt worden sei. Er habe zudem in der Befragung nichts von seinen regimekritischen Aktivitäten (Aufklebe n von Postern und Verteilen von Flugblättern) gesagt. Kein objektives Ele- ment lasse darauf schliessen, dass die Behörden ihn als Kritiker identifiziert haben könnten. Die exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers machten nicht den Eindruck als seie n sie geeignet, ernsthaft die Aufmerksamkeit der syri- schen Behörden auf ihn zu lenken. Obwohl er Mitglied der [kurdisch-syri- sche Partei] sei, habe er nie eine Demonstration in der Schweiz organisiert und weise kein speziell exponiertes politisches Profil a uf. Auch die einge- reichten Fotos und die auf dem Internet abrufbaren Aufnahmen seien nicht geeignet, ihn in spezieller Weise zu exponieren und liessen nicht die Fest- stellung zu, dass es sich bei ihm um eine n Oppositionsführer handle. Zu- dem seien keine Belege dafür vorhanden, dass das syrische Regime auf ihn aufmerksam geworden sei oder seine Aktivitäten Konsequenzen für ihn gehabt hätten. 4.5 In seiner Replik führt der Beschwerdeführer aus, er habe von seiner Mutter erfahren, dass sie zweimal von Unbekannten kontaktiert worden sei: Einmal hätten Unbekannte sie angerufen und einmal hätten solche an die Tür geklopft und ihr mitgeteilt, sie solle den Beschwerdeführer auffordern, er solle schweigen, sonst könne ihm sogar in der Schweiz etwas passieren. Zudem dürfe sie nicht vergessen, dass sie selber noch in Syrien sei. Die Frage einer Reflexverfolgung aufgrund der Tätigkeiten des Vaters in der Schweiz sei zwingend zu prüfen. Es stelle sich die Frage, ob es den syri- schen Behörden möglich sei, die Verknüpfung zwischen dem Vater und dem Beschwerdeführer zu machen, was eindeutig zu bejahen sei. Er habe sich zudem ausführlich zu einer drohenden Reflexverfolgung aufgrund sei- nes Bruders geäussert, weshalb automatisch auch ein e Reflexverfolgung aufgrund seines Vaters hätte geprüft werden müssen. Als Beweismittel für seine Aussagen verwies der Beschwerdeführer auf Videoaufnahmen, die eine Auseinandersetzung zwischen Assad -Befürwortern und Assad-Geg- nern anlässlich der (…) vom (…) zeige und in dem der Beschwerdeführer E-454/2014 Seite 10 prominent zu erkennen sei (abrufbar auf www.youtube.com) . Zu dieser Auseinandersetzung sei es gekommen, nachdem er bei einer Demonstra- tion in D._______ Anti-Assad Parolen gerufen habe. Als er sich von der Demonstration entfernt habe, sei er von Anhängern des syrischen Regimes angegriffen worden. Wie in den Videoaufnahmen ebenfalls zu erkennen sei, habe einer der Regime -Anhänger nach den Auseinandersetzungen den Beschwerdeführer mit einem Natel fotografiert. Einer der beiden Män- ner, die aufgrund ihrer Jacken als Anhänger Assads identifiziert werden könnten, sei zudem in einem Film mit (…) zu sehen. 4.6 Am 2. Juli 2014 reicht der Beschwerdeführer Fotos einer Demonstra- tion gegen die syrische Regierung ein, an der er teilgenommen habe. Zu- dem macht er geltend, er habe (…) ein Interview gegeben, das im Internet abrufbar sei und reichte einen Ausdruck dieses Interviews ein. 5. Vorab sind die prozessrechtlichen Rügen des Beschwerdeführers auf Ver- letzung des rechtlichen Gehörs zu prüfen. 5.1 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26–33 VwVG kon- kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst das Recht, mit eige- nen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachauf- klärung und stellt andererseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs- recht der Parteien dar. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs beinhaltet die Pflicht der Behörden, die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig und ernstha ft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, sich mit den wesentlichen Vorbrin- gen des Rechtssuchenden zu befassen und Entscheide zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf die sie ihren Entscheid st ützt (BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). 5.2 Soweit die prozessrechtlichen Rügen des Beschwerdeführers die Ein- sicht in die Asylakten seines Vaters, in seine eigenen Asylakten und in die von ihm eingereichten Beweismittel betreffen, wurden sie in der Zwischen-E-454/2014 Seite 11 verfügung des Gerichts vom 13. Februar 2014 behandelt und abschlies- send beurteilt. Das SEM hat dem Beschwerdeführer in der Folge gemäss den Anordnungen des Gerichts Einsicht gewährt. Damit hatte der Be- schwerdeführer auf Beschwerdeebene angemesse n Einsicht in alle rele- vanten Akten. 5.3 Der Beschwerdeführer rügt in verschiedener Hinsicht eine Verletzung der Begründungspflicht, da die Vorinstanz es unterlassen habe, gewisse Elemente seiner Vorbringen in der angefochtenen Verfügung zu erwähnen und/oder zu würdigen. 5.3.1 Grundsätzlich ist bezüglich dieser Rügen auf Verletzung der Begrün- dungspflicht festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in seiner Be- schwerde mit zum Teil sehr weit hergeholten Argumenten versucht , der Vorinstanz eine Verletzung der Begründungspflicht vorzuwerfen. Dazu stützt er sich auch auf Elemente seiner Aussagen, die er im erstinstanzli- chen Verfahren noch nicht mit einer asylrelevanten Verfolgung in Verbin- dung brachte. Es ist diesbezüglich zu betonen, dass di e Vorinstanz nicht verpflichtet ist, jeden einzelnen Satz eines Asylsuchenden in der Verfügung zu nennen, sondern sie lediglich diejenigen Vorbringen zu erwähnen und zu behandeln hat, die ihr aufgrund der gesamten Umstände relevant er- scheinen. Auf die einzelnen Rügen ist im Folgenden einzugehen. 5.3.2 Da der Beschwerdeführer in erster Instanz keine Reflexverfolgung aufgrund seines Vaters geltend gemacht hatte, kann der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, dass sie eine solche nicht geprüft hat. Im Gegensatz zu den Ausführungen des Beschwerdeführers in seiner Replik hätte die Vorinstanz aus der geltend gemachten Reflexverfolgung aufgrund des Bru- ders Q. nicht ohne Weiteres schliessen müssen, dass auch eine Reflexver- folgung aufgrund des Vaters vertieft zu prüfen sei. Zudem macht der Be- schwerdeführer auf Beschwerdeebene nur geltend, die Verfolgungsgefahr, die aus seinen eigenen exilpolitischen Aktivitäten herrühre, verstärke sich aufgrund der Verfolgungsgefahr des Vaters. Die exilpolitischen Tätigkeiten hatte er aber im erstinstanzlichen Verfahren noch gar nicht vorgebracht. Eine bereits zuvor bestehende Reflexverfolgung aufgrund des Vaters macht er nicht geltend. 5.3.3 Der Umstand, dass die Vorinstanz keinen Beweismittelumschlag er- stellt hat, erscheint zwar verfahrenstechnisch heikel, aber in keiner Weise so gravierend, dass dies ohne Weiteres die Verletzung prozessrechtlicher E-454/2014 Seite 12 Normen begründen würde, zumal die Vorinstanz die Fotos des Beschwer- deführers in der angefochtenen Verfügung erwähnt und damit zumindest implizit als nicht weiter relevant beurteilt hat. 5.3.4 Bezüglich der illegalen Ausreise des Beschwerdeführers aus Syrien ist festzuhalten, dass er diese im erstinstanzlichen Verfahren zwar erwähnt hatte. Er machte diesbezüglich jedoch keine weiteren Ausführungen und insbesondere nicht geltend, daraus resultiere eine spezifische, flüchtlings- relevante Verfolgungsgefahr. Damit kann der Vorinstanz diesbezüglich keine Verletzung der Begründungspflicht vorgeworfen werden. Ähnlich zu beurteilen ist die Rüge, die Vorinstanz habe die Verhaftung des jüngeren Bruders S. des Beschwerdeführers nicht erwähnt. Der Beschwerdeführer hatte dessen Verhaftung lediglich im Rahmen seiner Ausführungen zu sei- ner Fluchtroute erwähnt, macht jedoch keine weiteren Ausführungen dazu und insbesondere nicht geltend, daraus folge oder dies s ei ein Indiz für eine Reflexverfolgung. 5.3.5 Bezüglich der Rüge, die Vorinstanz habe nicht erwähnt, dass der Be- schwerdeführer bei seinen Verhaftungen gefoltert worden sei, ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung aus- führt, der Beschwerdeführer sei während der Haft geschlagen worden. Da- mit hat sie dieses Vorbringen immerhin erwähnt, auch wenn dies lediglich in einem knapp genügenden Ausmass geschehen ist. 5.3.6 Betreffend die Rüge, die Vorinstanz habe nicht aufgeführt, dass er überall herumerzählt habe, die syrischen Behörden seien für das Leid sei- nes Bruders verantwortlich, ist zu erwähnen, dass diese in der angefoch- tenen Verfügung ausführt, der Beschwerdeführer habe das syrische Re- gime für das Leid seines Bruders verantwortlich gemacht , was als genü- gend zu beurteilen ist. 5.3.7 Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz erwähne nicht, dass er seine Kritik am Regime auf Papier gebracht und auf Mauern geklebt habe. Tatsächlich ist festzustellen, dass die Vorinstanz diesbezüg- lich den rechtserheblichen Sachverhalt eher kurz zusammengefasst hat. Es ist jedoch darauf zu verweisen, dass die Vorinstanz die aus diesen Vor- bringen folgenden Nachteile (die Verhaftungen des Beschwerdeführers) erwähnte und würdigte, was genügend erscheint , insbesondere , da die asylrelevante Motivation einer eventuellen Verfolgung nicht zur Diskussion stand. E-454/2014 Seite 13 5.3.8 Schliesslich ist grundsätzlich festzuhalten, dass es dem Beschwer- deführer trotz den von ihm geltend gemachten Mängeln in der Begründung der vorinstanzlichen Verfügung offensichtlich gelungen ist, eine umfangrei- che Beschwerde einzureichen, so dass in keiner Weise der Eindruck ent- steht, er sei nicht in der Lage gewesen, die Verfügung sachgerecht und umfassend anzufechten. 5.4 Die Vorinstanz hat damit das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers nicht verletzt. Zu prüfen ist deshalb im Folgenden, ob der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Syrien in asylrelevanter Weise verfolgt wäre, ob er also asylrelevante Fluchtgründe (E. 6) oder zumindest flüchtlingsrechtlich rele- vante Nachfluchtgründe glaubhaft machen kann (E. 7). 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht mit der Vorinstanz einig, dass der Beschwerdeführer keine asylrelevanten Verfolgungsgründe für seine Aus- reise a us Syrien glaubhaft machen konnte: Weder konnte er eine Re- flexverfolgung glaubhaft machen (E. 6.2) noch eine Verfolgung aufgrund seiner angeblichen politischen Aktivitäten vor seiner Ausreise aus Syrien (E. 6.3). 6.2 Bezüglich der angeblichen Reflexverfolgung aufgrund der Verhaftung seines älteren Bruders Q., ist darauf hinzuweisen, dass die Verhaftung von Q. bereits 2004 stattfand, mithin circa sechs Jahre vor der Ausreise des Beschwerdeführers aus Syrien im Oktober 2010 . Zudem macht der Be- schwerdeführer nicht geltend, er sei von den syrischen Behörden verhaftet worden, weil diese über ihn Druck auf seinen Bruder hätten ausüben wol- len, sondern, weil sie ihn, den Beschwerdeführer, im Verdacht gehabt hät- ten, regimekritische Parolen an öffentliche Wände zu kleben. Der Be- schwerdeführer macht damit nicht eine Reflexverfolgung geltend, sondern eine Verfolgung aufgrund seiner eigenen (angeblichen) politischen Aktivi- täten. Dass die syrischen Behörden (angeblich) schneller und eher bereit waren, den Beschwerdeführer poli tischer Umtriebe zu verdächtigen, weil bereits sein Bruder politisch aufgefallen war, wäre – gegebenenfalls – nicht Ausdruck einer Reflexverfolgung, sondern davon, dass die syrischen Be- hörden das regimekritische Potential des Beschwerdeführers aufgrund sei- ner familiären Herkunft (angeblich) höher einschätzen. Dies wird, falls und E-454/2014 Seite 14 soweit glaubhaft gemacht und relevant, im Rahmen der Prüfung der gel- tend gemachten Verfolgung aufgrund der politischen Aktivitäten des Be- schwerdeführers in Syrien zu berücksichtigen sein (siehe E. 6.3.4). Was die auf Beschwerdeebene geltend gemachte Reflexverfolgung des Beschwerdeführers aufgrund der politischen Aktivitäten seines Vaters an- belangt, ist festzuhalten, dass dessen Flüchtlingseigenschaft 2007 auf- grund seiner exilpolitischen Aktivitäten von den Schweizer Behörden aner- kannt worden war. Der Beschwerdeführer macht jedoch erst Verfolgungs- handlungen gegen ihn ab 2009 geltend, was gegen einen direkten Zusam- menhang mit den Aktivitäten des Vaters spricht. Dies umso mehr als der Beschwerdeführer weder im erstinstanzlichen Verfahren noch auf Be- schwerdeebene irgendwelche Hinweise darauf macht, er sei im oben defi- nierten Sinn einer Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen. Damit ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus Syrien keiner asylrelevanten Reflexverfolgung ausgesetzt war. 6.3 6.3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei vor seiner Ausreise aus Syrien dreimal von den syrischen Behörden vorgeladen respektive verhaf- tet worden, einmal 2009 und zweimal 2010. Bis im August oder September 2009 habe er seinen Militärdienst geleistet. Das erste Mal sei er nur wenige Tage nach dem Ende des Militärdienstes verhaftet und befragt worden; sein Onkel habe ihn schliesslich freigekauft. Das zweite Mal, ungefähr im März 2010, sei er zusammen mit anderen Personen verhaftet, befragt und wieder freigelassen worden. Das dritte Mal, ungefähr im September 2010 sei er während zwei Tagen festgehalten und geschlagen worden. Zudem sei ihm gedroht worden, ihm könnte das gleiche passieren wie seinem Bru- der und er würde getötet. Auch sei er gefoltert worden. Schliesslich sei er aufgrund der Intervention seines Onkels freigekommen. Diese Verhaftun- gen seien geschehen, weil er regimekritische Plakate aufgeklebt und Trak- tate verteilt habe. 6.3.2 Die drei vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verhaftungen in den Jahren 2009 und 2010, angeblich aufgrund von kleineren politischen Aktivitäten, vermögen keine asylrelevante Verfolgungsfurcht des Be- schwerdeführers glaubhaft zu machen. Erstens bleiben die Aussagen des Beschwerdeführers bezüglich seiner po- litischen Aktivitäten sehr oberflächlich und vage. So sagt er einzig aus, er E-454/2014 Seite 15 "[écrivait] des choses contre le régime sur des murs, et avec des copains, [distribuait] des tracts contre le régime" und er "[ écrivait] des choses sur des papiers et [les collait] sur des murs" ( SEM-Akte A20 F 35). Zudem führte er in der Befragung aus, er habe nicht aufgehört, überall herumzu- erzählen, dass die syrischen Behörden Schuld am Leiden seines Bruders seien (A7 S. 5). Als Begründung für seine politischen Aktivitäten gibt er an, er habe einen Hass auf die syrischen Behörden gehabt, weil diese seinen Bruder schlecht behandelt hätten. Im Übrigen macht er keinerlei Ausfüh- rungen zu seinen politischen Überzeugungen oder den darauf gestützten Aktivitäten. Zweitens wirkt d ie vom Beschwerdeführer geltend gemachte flüchtlings- rechtliche Relevanz der drei Verhaftungen wenig plausibel und aufge- bauscht. Zur angeblichen ersten Verhaftung im September 2009 führt er lediglich aus, er sei verhaftet und befragt worden ; Misshandlungen macht er keine geltend. Er nennt die Verhaftung zwar im Zusammenhang mit seinen an- geblichen politischen Aktivitäten, macht jedoch erst auf Nachfrage geltend, er habe "collé des papiers contre les murs". Das Vorbringen erscheint zu- dem insofern unplausibel, als diese erste Verhaftung gemäss den Aussa- gen des Beschwerdeführers lediglich einige Tage nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst (A20 F56) erfolgt sein soll. Da der Beschwerdeführer jedoch auch ausführte, während des Militärdienstes habe er sich mit politi- schen Aussagen zurückgehalten (A20 F35), erscheint nicht glaubhaft, dass diese erste Verhaftung aufgrund politischer Aktivitäten des Beschwerde- führers erfolgte (so sie denn überhaupt erfolgte). Die zweite Verhaftung galt offenbar nicht gezielt dem Beschwerdeführer und erfolgte zusammen mit anderen Personen, der Beschwerdeführer wurde offenbar nach kurzer Zeit wieder entlassen und er macht auch nicht geltend, diese Verhaftung habe in Zusammenhang mit seinen angeblichen politischen Aktivitäten gestanden. Die Ausführungen zur dritten Verhaftung des Beschwerdeführers erschei- nen über weite Strecken konstruiert und insgesamt nicht glaubhaft. Insbe- sondere d ie Aussagen zur angeblichen Folter wirken auswendig gelernt und enthalten teilweise Widersprüche. Es fällt zudem auf, dass er diesen wesentlichen Punkt in der Befragung nicht erwähnte, und dass die Ausfüh- rungen in ihrer steril erscheinenden Ausführlichkeit in auffälligem Kontrast zu den übrigen, vagen und oberflächlichen Aussagen stehen, was darauf E-454/2014 Seite 16 hindeutet, dass es sich dabei um erfundene und auswendig gelernte Aus- führungen handelt. In der Beschwerde und den weiteren Eingaben auf Be- schwerdeebene macht der Beschwerdeführer keinerlei weitere Angaben zur angeblich erlittenen Folter. Er äussert sich auch nicht dazu, wieso die syrischen Behörden ihn folterten und was sie von ihm wollten. Im Gegen- teil, er führt im erstinstanzlichen Verfahren aus, man habe ihm nicht gesagt, wieso er gefangen gehalten und gefoltert werde (A20 F60). Im Widerspruch dazu antwortete er später auf die Frage, wie die Behörden gewusst hätten, dass er die Plakate aufgehängt habe, diese seien bei dieser letzten Ver- haftung überzeugt gewesen, dass er derjenige gewesen sei, der die Pla- kate aufgehängt habe (A20 F70). Diese beiden Aussagen können nicht in Übereinstimmung gebracht werden. Z udem zeigen die beiden Aussagen auf, dass sich der Beschwerdeführer bei Nachfragen zu seinen Ausführun- gen in Widersprüche verstrickt, was darau fhin deutet, dass er nicht die Wahrheit sagt. Schliesslich erscheint nicht nachvollziehbar, wieso die syri- schen Sicherheitsbehörden zu diesem Zeitpunkt plötzlich ein so intensives Interesse am Beschwerdeführer hätten haben sollen, dass sie ihn foltern würden, nachdem sie ihn bei der Verhaftung wenige Monate zuvor angeb- lich ohne Weiteres wieder gehen liessen und der Beschwerdeführer nicht geltend macht, es habe sich in der Zwischenzeit etwas verändert. 6.3.3 Auch die Aussage des Beschwerdeführers, er werde politischer Akti- vitäten verdächtigt, weil sein Bruder Q. 2004 aus politischen Gründen ver- haftet worden sei, vermag unter diesen Umständen keine politische Verfol- gung glaubhaft zu machen. In diesem Zusammenhang bringt der Beschwerdeführer vor, er sei aus Sy- rien gef lüchtet, weil seinem Bruder Q. gedroht worden sei, er, der Be- schwerdeführer, solle verhaftet werden. Diese Aussage erscheint unglaub- haft. Der Beschwerdeführer machte in der Anhörung geltend, er habe noch am gleichen Tag Syrien verlassen, an dem der Bruder wieder entlassen worden sei und ihn aufgeforde rt habe, zu fliehen . Er sei sofort gef lohen, weil dem Bruder gedroht worden sei, er, der Beschwerdeführer werde noch am gleichen oder am darauffolgenden Tag verhaftet. In der Befragung zur Person sagte der Beschwerdeführer jedoch aus, er sei erst eine Woche nach der Entlassung des Bruders gefl ohen, weil er den Bruder eigentlich nicht habe verlassen wollen. Diese beiden Aussagen des Beschwerdefüh- rers bezüglich eines zentralen Punktes seiner Vorbringen sind nicht mitei- nander zu vereinbaren. Auf den Widerspruch hingewiesen, brachte der Be- schwerdeführer vor, sein Bruder sei zweimal verhaftet worden, das letzte E-454/2014 Seite 17 Mal am Tag seiner Ausreise. Diese Erklärung muss als nachgeschoben be- trachtet werden, da auch dieses neue Vorbringen sich nicht widerspruchs- los in die Ausführungen des Beschwerdeführers in der Befragung einfügen lässt. In der Beschwerde macht der Beschwerdeführer schliesslich geltend, er selber sei kurz vor seiner Ausreise zweimal einvernommen worden, wo- bei er sich dabei auf seine Aussagen in der Befragung zur Person beruft (A7 S. 15). Diese Aussage ist jedoch in keiner Weise mit seinen vorherge- henden Aussagen in Einklang zu bringen, machte der Beschwerdeführer doch im erstinstanzlichen Verfahren stets geltend, er sei insgesamt dreimal verhaftet worden, nämlich je einmal im September 2009, im März 2010 und im September 2010. Zudem ist auch der Befragung, auf die er sich beruft, nichts anderes zu entnehmen. Die Frage, ob sich der Beschwerdeführer, wie von ihm auf Beschwerde- ebene behauptet und von der Vorinstanz bestritten, mit seinem Bruder Q. im Irak aufgehalten habe, kann offen bleiben. Der Beschwerdeführer bringt nämlich nicht vor, inwiefern sich aus dieser Behauptung eine asylrelevante Gefährdung ergebe, womit das Vorbringen nicht entscheidrelevant ist, was er im Übrigen in der Beschwerdeschrift selbst ausführt (S. 14). 6.3.4 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass das Vorbringen des Be- schwerdeführers, er sei in der neunten Klasse von der Schule verwiesen worden, weil er sich gegen das Regime geäussert habe, bereits deshalb flüchtlingsrechtlich nicht relevant ist, weil es zeitlich so weit zurückliegt – wahrscheinlich 2004 oder 2005, der Beschwerdeführer äussert sich dazu nicht genau –, dass zeitlich kein Zusammenhang mit der Ausreise des Be- schwerdeführers im Oktober 2010 erkennbar ist. 6.4 Damit ist zusammenfassend davon auszugehen, dass der Beschwer- deführer vor beziehungsweise im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien kei- ner flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt war. Der diesbezügliche Sachverhalt ist, entgegen der Rüge des Beschwerde- führers, vollständig und richtig festgestellt worden respektive konnte – so- weit notwendig – auf Beschwerdeebene festgestellt werden. Der Antrag auf Kassation der angefochtenen Verfügung und Rückweisung an die Vo- rinstanz zur vollständigen und richtigen Feststellung des Sachverhaltes ist deshalb ebenso abzuweisen, wie der prozessuale Antrag auf Einholung ei- ner Botschaftsabklärung. E-454/2014 Seite 18 7. 7.1 Zu prüfen bleibt damit, ob die exilpolitischen Aktivitäten des Beschwer- deführers in der Schweiz einen subjektiven Nachfluchtgrund im Sinne von Art. 54 AsylG darstellen. 7.2 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen- schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Asylausschluss. Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen o- der glaubhaft machen können, werden deshalb als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Der am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Abs atz 4 von Art. 3 AsylG bestimmt, dass Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus- druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat be- stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht Flüchtlinge seien; diese einschränkende Formulierung wurde vom Gesetzgeber allerdings durch den Vorbehalt der Geltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) relativiert, wenn nicht gar neutralisiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). Diese neue Gesetzesbe- stimmung gilt gemäss Art. 1 der Übergangsbestimmungen des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 betreffend die Änderung vom 14. Dezember 2012 grundsätzlich für alle im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängigen Verfahren und mithin auch im vorliegenden Verfahren. Eine Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht, hat begrün- deten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und sie deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlings- rechtlich relevanter Weise im Sinne von A rt. 3 AsylG verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1, 2009/28 E. 7.1 und EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1). Die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht bleiben dabei grundsätzlich massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG). Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeind- lich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. 7.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 (als Referenzurteil publiziert) in Bezug auf die Frage der flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung von exilpolitisch aktiven syri- schen Staatsangehörigen erwogen, es sei grundsätzlich unbestritten, dass die Geheimdienste des syrischen Regimes von Bashar al-Assad in ver- schiedenen europäischen Staaten nachrichtendienstlich tätig seien mit E-454/2014 Seite 19 dem Ziel, regimekritische Personen zu identifizieren und oppositionelle Gruppierungen zu bespitzeln und zu unterwandern. Syrische Staatsange- hörige oder staatenlose Kurden syrischer Herkunft würden nach längerem Auslandaufenthalt bei der Wiedereinreise regelmässig durch syrische Si- cherheitskräfte verhört und bei Verdacht auf oppositionelle Exilaktivitäten an einen der Geheimdienste überstellt. Es sei vor diesem Hintergrund nicht auszuschliessen, dass syrische Geheimdienste von der Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz durch syrische Staatsangehörige oder staa- tenlose Kurden syrischer Herkunft erfahren würden, insbesondere wenn sich die betreffende Person im Exilland po litisch betätigt habe oder mit – aus der Sicht des syrischen Regimes – politisch missliebigen, oppositio- nellen Organisationen, Gruppierungen oder Tätigkeiten in Verbindung ge- bracht werde. Allein der Umstand, dass syrische Geheimdienste im Aus- land aktiv sei en und gezielt Informationen sammelten, vermöge jedoch nicht die Annahme zu rechtfertigen, aufgrund geheimdienstlicher Informa- tionen über exilpolitische Tätigkeiten würden regimekritische Personen im Falle der Rückkehr nach Syrien zwangsläufig in asylrecht lich relevantem Ausmass zur Rechenschaft gezogen. Damit die Furcht vor Verfolgung als begründet erscheine, müssten vielmehr über die theoretische Möglichkeit hinausgehende konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die den Schluss zulies- sen, dass die asylsuchende Person tatsächlich das Interesse der syrischen Behörden auf sich gezogen habe und als regimefeindliches Element na- mentlich identifiziert und registriert worden sei. Die Rechtsprechung geht diesbezüglich davon aus, dass sich die syrischen Geheimdienste auf d ie Erfassung von Personen konzentrieren, die über niedrigprofilierte Erschei- nungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitäten entwickelt haben, welche die betreffende Person als Individuum aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen heraushe- ben und als ernsthaften und potenziell gefährlichen Regimegegner er- scheinen lassen. Für die Annahme begründeter Furcht ist insofern nicht primär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Indi- vidualisierbarkeit massgebend; ausschlaggebend ist vielmehr eine öffent- liche Exponiertheit, die aufgrund der Persönlichkeit des Asylsuchenden, der Form des Auftritts und des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebe- nen Erklärungen den Eindruck erweckt, dieser werde vom syris chen Re- gime als potenzielle Bedrohung wahrgenommen (vgl. a.a.O., E. 6.3.1 f., m.w.H.). Im erwähnten Urteil wird sodann ausgeführt, das Regime von Bashar al - Assad sei im Verlauf des Bürgerkriegs militärisch und wirtschaftlich unter Druck geraten und habe di e Kontrolle über weite Landesteile verloren. E-454/2014 Seite 20 Gleichzeitig gehe es aber in dem ihm verbliebenen Einflussgebiet mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegen tatsächliche und ver- meintliche Regimegegner vor. Entsprechend sei anzunehmen, dass aus dem A usland zurückkehrende Personen verstärkt unter dem Gesichts- punkt möglicher exilpolitischer Tätigkeiten oder Kenntnisse solcher verhört würden und von Verhaftung, Folterung und willkürlicher Tötung betroffen wären, falls sie für Regimegegner gehalten würden . Allerdings sei unklar, ob und in welchem Umfang die syrischen Geheimdienste ihre Tätigkeit in den Ländern Europas nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien weiter be- treiben beziehungsweise inwieweit sie dazu aktuell noch in der Lage seien. Dabei sei zu be rücksichtigen, dass die Aktivitäten der syrischen Geheim- dienste im Ausland in den letzten Jahren in den Fokus der Nachrichten- dienste der betroffenen Länder gerückt seien und diese ihre Tätigkeiten aufgrund der ergriffenen Massnahmen nicht mehr ungehindert ausüben könnten. Angesichts der grossen Zahl von Personen, die seit Ausbruch des Bürgerkriegs aus Syrien geflüchtet seien, sei es wenig wahrscheinlich, dass die syrischen Geheimdienste über die logistischen Ressourcen und Möglichkeiten verfügten, um sämtliche regimekritischen exilpolitischen Tä- tigkeiten syrischer Staatsangehöriger oder staatenloser Kurden syrischer Herkunft im Ausland systematisch zu überwachen. Es könne davon aus- gegangen werden, dass sich die syrischen Geheimdienste angesichts des Überlebenskampfes des Regimes primär auf die Situation in Syrien kon- zentrierten. Das Bundesverwaltungsgericht geht deshalb weiterhin davon aus, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten der syrischen Geheimdienste im Ausland nicht bei einer grossflächigen, sondern bei einer selektiven und gezielten Überwachung der im Ausland lebenden Opposition liegt. Die An- nahme, jemand habe die Aufmerksamkeit der syrischen Geheimdienste in einer Weise auf sich gezogen, welche auf eine begründete Furcht vor Ver- folgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten schliessen lasse, rechtfertigt sich somit nur, wenn diese Person sich in besonderem Mass exponiert und aus Sicht des syrischen Regimes als po tenzielle Bedrohung wahrgenommen wird (vgl. a.a.O., E. 6.3.3 ff., m.w.H.). 7.4 Der Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, er habe am (…) anlässlich einer Demonstration von Assad-Anhängern in D._______ Paro- len und Beschimpfungen gegen die Pro-Assad-Demonstrationsteilnehmer gerufen. Er sei derart aufgebracht gewesen, dass er von der Polizei habe beruhigt und zurückgehalten werden mü ssen. Diese Vorgänge seien von (…) gefilmt worden und die Aufnahmen seien im Internet einsehbar. Zudem habe er anschliessend in einem Interview mit (…) Stellung zu seiner Wut genommen und ausgeführt, dass die syrische R egierung sich schämen E-454/2014 Seite 21 und abtreten sollte. Dieser Fernsehbericht sei auf (...) gesendet worden und im Internet abrufbar. Er sei darin wiederholt und lange im Interview zu sehen. Zudem sei er, als er sich anschliessend von der Demonstration ent- fernt habe, v on Anhängern des syrischen Regimes angegriffen worden. Auch diese Vorgänge seien gefilmt worden und auf www.youtube.com ab- rufbar. Er sei auf den Videoaufnahmen prominent zu sehen. Zudem sei auf den Aufnahmen zu erkennen, wie einer der Regime -Anhänger ihn nach den Auseinandersetzungen mit seinem Natel fotografiere. Diese Vorbringen des Beschwerdeführers sind in verschiedener Hinsicht durch Beweismittel, insbesondere die vom Beschwerdeführer g enannten im Internet verfügbaren Videoaufnahmen, belegt und deshalb grundsätz- lich als glaubhaft einzustufen. 7.5 Der Beschwerdeführer ist auf den Videoaufnahmen von (...) klar er- kennbar. Es ist darauf zu sehen, wie er mit einer anderen Person zusam- men Parolen gegen die Pro-Assad-Demonstranten auf der Strasse ruft und dazu wütende Handbewegungen macht. Der Beschwerdeführer ist nicht Teil einer organisierten Demonstration, sondern äussert sich als einzelne, sichtlich aufgebrachte Person gegen und gegenüber den P ro-Assad-De- monstranten. Der Pro-Assad-Demonstrationszug besteht – soweit erkenn- bar – aus circa 30 Personen, die Plakate haltend und Parolen rufend un- terwegs sind. Der Beschwerdeführer ist nahe genug an den Demonstrati- onsteilnehmerinnen und Demonstrationsteilnehmern , dass davon auszu- gehen ist, dass diese ihn erkennen können. Der Beschwerdeführer äussert sich im anschliessenden Interview klar gegen das Regime von Bashar a l- Assad. Damit handelt es sich bei dieser politischen Intervention des Be- schwerdeführers sowohl in der Form als auch im Inhalt um einen heraus- gehobenen Auftritt. Der Beschwerdeführer exponiert sich als Einzelperson als Assad-Gegner, was für die P ro-Assad-Demonstranten klar erkennbar ist. Auf den zweiten vom Beschwerdeführer bezeichneten im Internet verfüg- baren Videoaufnahmen ist zu sehen, wie – aufgrund ihrer Jacken klar er- kennbare – Anhänger des syrischen Regimes den Beschwerdeführer phy- sisch angreifen. Aufgrund der erkennbaren Umgebung ist klar, dass sich die Szene in D._______ abspielt, nicht überprüfbar ist jedoch die Behaup- tung des Beschwerdeführers, die Attacke habe sich im Anschluss an die Demonstration abgespielt. Es bestehen allerdings auch keine Hinweise da- rauf, diese Behauptung sei falsch. Diese Vorgänge zeigen damit klar, dass E-454/2014 Seite 22 zumindest die in den Aufnahme n sichtbaren Anhänger Assads den Be- schwerdeführer als Regimegegner wahr- und ernstgenommen haben und dass der Beschwerdeführer sich damit durch seine Aktivitäten stark expo- niert hat. Zudem ist auf den Aufnahmen tatsächlich zu sehen, wie einer der Assad-Anhänger mit seinem Natel Aufnahmen macht, wobei nicht erkenn- bar ist, ob die Person tatsächlich den Beschwerdeführer filmt oder fotogra- fiert, was jedoch aufgrund der Umstände zumindest möglich erscheint. (…) Es ist damit davon auszugehen, dass zu dieser Zeit die syrischen Geheim- dienste in der Schweiz (…) vermehrt aktiv waren, was die Gefahr für den Beschwerdeführer, als ernstzunehmender Regimegegner von den syri- schen Sicherheitsbehörden registriert zu werden, erhöhen dürfte. 7.6 Es ist damit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Syrien aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeiten in der Schweiz als Regimegegner betrachtet würde und deshalb einer flüchtlings- rechtlich relevanten Verfolgung durch die syri schen Sicherheitsbehörden ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer erfüllt damit die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 1A Flüchtlingskonvention und Art. 3 AsylG. Da seine Flüchtlingseigenschaft auf sein Verhalten nach der Ausreise zurückzuführen ist, wird ihm kein Asyl gewährt (Art. 54 AsylG). 8. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. Die Beschwerde ist soweit sie die Feststellung betrifft, der Beschwerdefüh- rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, gutzuheissen: Die Dispositivzif- fer 1 der angefochtenen Verfügung ist aufzuheben und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Soweit die Beschwerde die Dispositivziffern 2 (Abweisung des As ylgesuchs) und 3 E-454/2014 Seite 23 (Anordnung der Wegweisung) betrifft, ist sie abzuweisen. Die Dispositivzif- fern 4–7 bilden nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens (vgl. E. 1.3) und bleiben entsprechend unverändert. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die K osten von insgesamt Fr. 600.– nach dem Grad des Durchdringens praxisgemäss zur Hälfte dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG jedoch gutgeheissen wurde, werden keine Kosten auferlegt. Der Beschwerdeführer ist im Umfang seines Obsiegens – hier also hälftig – für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu be- stimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Der Aufwand für die auf Be- schwerdeebene gemachten, notwendigen Eingaben (Beschwerde schrift und Replik) ist auf 22 Stunden zu schätzen. Dieser ist aufgrund nicht not- wendiger Ausführungen um 7 Stunden zu kürzen. Bei einem Stundenan- satz von Fr. 230.– ergeben sich daraus notwendige Parteikosten von Fr. 3450.–. Die von der Vorinstanz auszurichtende, aufgrund des hälftigen Obsiegens halbierte Parteientschädigung ist damit von Amtes wegen auf Fr. 1800.– (inkl. Auslagen) festzulegen. (Dispositiv nächste Seite) E-454/2014 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird betreffend Nichtanerkennung der Flüchtlingseigen- schaft (Dispositivziffer 1 der angefochtenen Verfügung) gutgeheissen. Be- treffend Asylgewährung und Anordnung der Wegweisung wird die Be- schwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers wird anerkannt. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1800.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Esther Marti Tobias Grasdorf