Abteilung V E-4808/2006 E-7667/2006/frk {T 0/2} U r t e i l v o m 9 . N o v e m b e r 2 0 0 7 Richter Markus König (Vorsitz), Richter Jean-Pierre Monnet, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. X._______, Äthiopien, vertreten durch Linda Keller, Y._______, Beschwerdeführer/Gesuchsteller, gegen Bundesamt für Migration (BFM) , vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Verfügung vom 21. Juni 2006 i.S. Vollzug der Wegwei- sung (Wiedererwägung) / N _______ Revision des Urteils der Schweizerischen Asylrekurs- kommission (ARK) vom 10. Februar 2000 i.S. Asyl und Wegwei sung B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandE-4808/2006 E-7667/2006 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste mit seinem eigenen Reisepass und Vi- sum für die Schweiz am 22. Oktober 1995 in die Schweiz ein, wo er am 26. Februar 1996 ein Asylgesuch stellte. Mit Verfügung vom 2. April 1997 stellte das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) fest, die Vorbringen genügten weder den Anforderungen an die Flüchtlings- eigenschaft noch denjenigen an das Glaubhaftmachen eines asylrele- vanten Sachverhalts, und lehnte das Asylgesuch ab. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 2. Mai 1997 lehnte die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit Urteil vom 10. Februar 2000 ab. Die Vorinstanz legte in der Folge eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz auf den 17. Mai 2000 fest. B. Mit Eingabe vom 19. Oktober 2005 an das Bundesamt beantragte der Beschwerdeführer die wiedererwägungsweise Anordnung der vorläufi- gen Aufnahme. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer sei seit neuneinhalb Jahren in der Schweiz und habe sich sowohl beruflich als auch sozial bestens integriert. Zudem könne es bei Personen, die nach rechtskräftigem Entscheid noch län- gere Zeit in der Schweiz verbleiben würden und deren Wegweisungs- vollzug nicht durchführbar sei, Gründe geben, die zu einer Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs führen könnten. C. Die Vorinstanz nahm die Eingabe vom 19. Oktober 2005 als "einfaches Wiedererwägungsgesuch" entgegen und wies dieses mit Verfügung vom 21. Juni 2006 ab. D. Mit Beschwerde vom 21. Juli 2006 an die ARK beantragte der Be- schwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin die Aufhebung der vor- instanzlichen Verfügung, die Gutheissung des Wiedererwägungsge- suchs und seine wiedererwägungsweise vorläufige Aufnahme in der Schweiz. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, und von der Leistung eines Kostenvorschusses sei abzusehen. Seite 2E-4808/2006 E-7667/2006 Mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer verschiedene Beweismittel ins Recht: A._______ E. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 28. Juli 2006 setzte der damals zuständige Instruktionsrichter den Vollzug der Wegweisung aus und forderte den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses innert Frist auf. Der Kostenvorschuss wurde in der Folge fristgerecht geleistet. F. Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 1. September 2006 auf Abweisung der Beschwerde. Diese Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am 4. September 2006 unter Ansetzen einer Frist zu allfälligen Gegenäusserungen zur Kenntnis gebracht. Der Beschwerdeführer liess innert Frist seine Stellungnahme zu den Akten reichen und legte weitere Beweismittel ins Recht: B._______. G. Mit Zwischenverfügung vom 4. Dezember 2006 stellte der vormals zu- ständige Instruktionsrichter fest, dass mit dem Einreichen des unda- tierten Dokumentes C._______ sinngemäss Revisionsgründe geltend gemacht würden, und forderte den Beschwerdeführer auf, die Beschwerdeeingabe vom 21. Juli 2006 im Hinblick auf eine Behandlung als Revisionsgesuch entsprechend zu ergänzen und zu begründen. H. Mit Eingabe vom 19. Dezember 2006 beantragte der Gesuchsteller in revisionsrechtlicher Hinsicht, das Urteil der ARK vom 10. Februar 2000 beziehungsweise die Verfügung des BFM vom 2. April 1997 sei aufzu- heben und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. Zur Begründung liess der Gesuchsteller ausführen, er habe das be- sagte Dokument (vgl. Bst. G) nicht zu einem früheren Zeitpunkt einrei- chen können, weil es ihm nicht bekannt gewesen sei. Aufgrund dieses Beweismittels sei erstellt, dass er aktives Mitglied der ETA und als sol- ches bereits mehrmals inhaftiert gewesen sei, er mithin der äthiopi- schen Regierung entsprechend bekannt sein dürfte. Es müsse daher Seite 3E-4808/2006 E-7667/2006 davon ausgegangen werden, dass der Gesuchsteller im Falle einer Rückkehr nach Äthiopien mit schweren Repressalien seitens der Re- gierung rechnen müsste. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: I. 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsge- richt Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Bun- desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine Ausnahme, was das Sachgebiet an- geht, wäre nicht gegeben (Art. 32 VGG). Gemäss Art. 105 Abs. 1 Bstn. a und c des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) entscheidet das Bundes verwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen Entscheide des BFM betreffend Verweigerung von Asyl und Wegweisung (vgl. auch Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Zwar geht aus dieser Bestimmung die Behandlungszuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts für Beschwerden gegen die Abweisung von Wiedererwägungsgesuchen durch das BFM nicht ausdrücklich hervor; sie ergibt sich aber aus dem Umstand, dass Wiedererwägungsentscheide nach Lehre und Praxis grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können (vgl. hierzu auch Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 7 E 2.a S. 43 mit weiteren Hinweisen. Die Beurteilung der Beschwerde erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). Seite 4E-4808/2006 E-7667/2006 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; der Beschwer- deführer ist legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48, 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. 3. 3.1 Die Wiedererwägung wird im Gegensatz zur Revision im VwVG nicht explizit geregelt. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Pra- xis des Bundesgerichts wird jedoch gestützt auf Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ein Anspruch auf Wiedererwägung aner- kannt, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt nach einem rechts- kräftigen Verwaltungs- oder Verwaltungsgerichtsentscheid in ent- scheidwesentlicher Art und Weise verändert hat (vgl. BGE 109 Ib 251 f.; U RSINA BEERLI -BONORAND , Die ausserordentlichen Rechtsmittel in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 178). Nach ständiger, vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführ- ter Praxis der ARK (vgl. EMARK 1995 Nr. 21 S. 202 f.) wird der Begriff der Wiedererwägung in mehrdeutigem Sinn verwendet, wobei im We - sentlichen drei Konstellationen erfasst werden: 3.1.1In seiner ersten Bedeutung stellt ein Wiedererwägungsgesuch ein blosser Rechtsbehelf dar, auf dessen Behandlung durch die verfü- gende Behörde kein Anspruch besteht. 3.1.2In der zweiten Bedeutung meint der Begriff der Wiedererwägung den Widerruf einer unangefochten gebliebenen, formell rechtskräftigen Verfügung, die sich als ursprünglich fehlerhaft erweist (vgl. Praxis der ARK in EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f.). Analog zur gesetzlichen Regelung von Art. 66 VwVG leitet die Praxis dabei unmittelbar aus Art. 29 Abs. 1 BV einen Anspruch auf Wiedererwägung ab, sofern Re- visionsgründe geltend gemacht werden können (sog. "qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch"). 3.1.3In seiner letzten Bedeutung bezeichnet der Begriff der Wiederer- wägung ("einfaches Wiedererwägungsgesuch") die Anpassung einer Seite 5E-4808/2006 E-7667/2006 ursprünglich fehlerfreien Verfügung an nachträglich eingetretene Ver- änderungen der Sachlage, demnach die Neuregelung eines Rechts- verhältnisses, welche der neu eingetretenen Sachlage Rechnung trägt (vgl. Praxis der ARK in EMARK 2003 Nr. 7 E. 1 S. 42 f.). Dabei ist un- bedeutend, ob die ursprüngliche Verfügung unangefochten geblieben ist oder in einem ordentlichen Rechtsmittelverfahren angefochten wor- den ist. 3.1.4Eine Wiedererwägung fällt hingegen dann nicht in Betracht, wenn lediglich eine neue Würdigung der beim früheren Entscheid be- reits bekannten Tatsachen herbeigeführt werden soll oder Gründe an- geführt werden, die bereits in einem ordentlichen Beschwerdeverfah- ren gegen die frühere Verfügung hätten geltend gemacht werden kön- nen (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104). 4. 4.1 Den Anspruch auf Behandlung als Wiedererwägungsgesuch hat die Vorinstanz vorliegend nicht in Abrede gestellt, und sie ist materiell auf das Gesuch eingetreten. Damit hat das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen, ob die Vorinstanz das Gesuch zu Recht abgewiesen hat. 4.2 Die Rechtsbegehren sowohl im Wiedererwägungsgesuch als auch in der Beschwerde beschränken sich ausdrücklich auf die Frage des Vollzugs der Wegweisung, weshalb die Beschwerde nur unter diesem Blickwinkel geprüft werden kann. 5. 5.1 Das Bundesamt führte in seiner Verfügung im Wesentlichen aus, gemäss Rechtsprechung der ARK stehe eine mögliche freiwillige Heim reise des Betroffenen einer vorläufigen Aufnahme zufolge Un- möglichkeit des Wegweisungsvollzugs von vornherein entgegen. Abge- wiesene äthiopische Staatsangehörige seien grundsätzlich in der Lage und verpflichtet, bei der Vertretung ihres Landes in der Schweiz das Notwendige zum Erlangen der Reisepapiere zu unternehmen. Die äthiopische Botschaft stelle inzwischen bei Fehlen gültiger Reisepa- piere entsprechende Laissez-Passer sowohl für freiwillig als auch für nicht freiwillig Ausreisende aus. Soweit auf die langjährige Anwesen- heit des Beschwerdeführers und dessen gute Integration hingewiesen werde, sei festzuhalten, dass nach rechtskräftig abgeschlossenem Verfahren gemäss Rechtsprechung kein Anspruch auf eine Prüfung ei- Seite 6E-4808/2006 E-7667/2006 ner schwerwiegenden persönlichen Notlage im Sinne des Gesetzes bestehe. 5.2 In der Beschwerde wird unter Hinweis auf mittlerweile beibringba- re Unterlagen ausgeführt, im Verfahren des Beschwerdeführers lägen qualifizierte Wiedererwägungsgründe vor. So sei der Beschwerdefüh- rer Mitglied einerseits der CUDP/KINJIT, andererseits der D._______, wobei er an jedem Sonntag Nachmittag die E._______betreibe. Es müsse folglich davon ausgegangen werden, dass der Beschwerde- führer auf der "schwarzen" Liste der äthiopischen Botschaft aufgeführt sei, weil er in jenen Organisationen tätig sei, welche gegen das Re- gime des derzeitigen Präsidenten aktiv seien. Zudem könne durch die weiteren Dokumente  F._______ - belegt werden, dass die äthiopische Regierung offenbar im Ausland die äthiopischen Staatsangehörigen suche und die regimekritischen Parteien registrie- re, besonders diejenigen, welche die "Coalition for Unitiy and Demo- cracy" (CUD) unterstützten. Die hiervon betroffenen Personen hätten bei einer Rückkehr mit Repressalien wie Folter, schlechter Behand- lung, Verhaftung ohne rechtsstaatliche Verfahren zu rechnen. Damit sei für den Beschwerdeführer eine Rückkehr in den Heimatstaat nicht zumutbar, zumal damit gerechnet werden müsste, dass er als Äthiopi- er, der im Ausland nachweislich eine regimekritische Regierung unter- stützt habe, bei der Einreise in Äthiopien verhaftet würde und seine körperliche und seelische Integrität schwer gefährdet wäre. Vor diesem Hintergrund und weil der Beschwerdeführer sich seit nunmehr zehn Jahren in der Schweiz aufhalte und nie zu Klagen Anlass gegeben habe, sei ihm in der Schweiz mindestens die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.3 Nach Durchsicht der Akten stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die Vorinstanz das Gesuch vom 19. Oktober 2005 grund- sätzlich zu Recht als (einfaches) Wiedererwägungsgesuch entgegen- genommen hat, nachdem das Begehren auf wiedererwägungsweise Anordnung der vorläufigen Aufnahme damals ausschliesslich mit der langjährigen Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz, sei- ner guten Integration und der offensichtlichen Undurchführbarkeit des Wegwei sungsvollzugs nach Abschluss des ordentlichen Asylverfah- rens begründet worden war. 5.3.1Das Vorbringen der exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerde- führers ist demgegenüber  im Sinne einer Ausweitung der Begrün- Seite 7E-4808/2006 E-7667/2006 dung des ursprünglichen Wiedererwägungsgesuchs an die Vorinstanz  erstmals auf Beschwerdeebene geltend gemacht worden. Diese neu ins Feld geführten angeblichen Aktivitäten des Beschwerde- führers in der Schweiz betreffen die Frage nach dem Vorliegen allfälli- ger subjektiver Nachfluchtgründe und damit die Frage nach dem Be- stehen der Flüchtlingseigenschaft. Gemäss der vom Bundesverwal- tungsgericht fortgeführten Rechtsprechung der ARK sind im Nachgang zu einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren eingereichte Gesuche um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  auch wenn dies, wie vor- liegend, auf Beschwerdeebene geschieht  , in denen keine Revisions- gründe geltend gemacht werden, im Rahmen eines zweiten Asylge- suchs und unter Berücksichtigung der Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu behandeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E. 2 S. 213 f., 1998 Nr. 1 E. 6 S. 10 ff.). 5.3.2Die erstmals auf Beschwerdeebene geltend gemachten (Nach-) Fluchtgründe können vom Bundesverwaltungsgericht aus Zuständig- keitsgründen nicht  gleichsam in erster und zugleich letzter Instanz  beurteilt werden. Vielmehr wären sie allenfalls durch das BFM im Rah- men eines zweiten Asylverfahrens zu prüfen. Auf eine Überweisung der Sache an die Vorinstanz ist indessen  im Interesse des Beschwerdeführers  aus mehreren Gründen zu ver- zichten: Einerseits kann das Stellen zweiter Asylgesuche seit der dies- bezüglich am 1. Januar 2007 (mithin nach Eingang der Beschwerde- schrift) in Kraft getretenen letzten Gesetzesrevision gemäss Art. 17b Abs. 4 AsylG grundsätzlich Kostenfolgen auslösen; andererseits ergibt sich aus den Akten, dass beim BFM offenbar seit Kurzem ein von der zuständigen kantonalen Ausländerbehörde eingeleitetes Verfahren auf Prüfung eines Härtefalls im Sinne von Art. 13f der Verordnung vom 6. Oktober 1986 über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (BVO, SR 823.21)  recte wohl ein Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltsbe- willigung gemäss Art. 14 Abs. 2 und 3 AsylG  vorliegt, dessen Aus- gang der Beschwerdeführer vor dem allfälligen Stellen einen zweiten Asylgesuchs möglicherweise abwarten möchte. Es wird Sache des durch eine Rechtsanwältin vertretenen Beschwer- deführers sein, über die Einleitung entsprechender rechtlicher Schritte im oben erwähnten Sinn zu entscheiden. Seite 8E-4808/2006 E-7667/2006 Auf die Frage subjektiver Nachfluchtgründe betreffenden Ausfüh- rungen in der Beschwerde vom 21. Juli 2006 ist im Rahmen des vorlie- genden Beschwerdeverfahren nach dem Gesagten nicht weiter einzu- gehen. 5.3.3Soweit der Beschwerdeführer auf seine langjährige Anwesenheit und seine gute Integration in der Schweiz hinweist, ist Folgendes fest- zustellen: Im Wiedererwägungsgesuch vom 19. Oktober 2005 wurde  die dama- lige Rechtslage korrekt wiedergebend  darauf hingewiesen, dass nach Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens grundsätzlich kein Raum mehr für ein fremdenpolizeiliches Verfahren, namentlich betref- fend die Feststellung einer schwerwiegenden persönlichen Notlage be- stand. In der Zwischenzeit wurden diese bisherigen Bestimmungen betref- fend vorläufige Aufnahme infolge Vorliegens einer schwerwiegenden persönlichen Notlage mit Änderung des Asylgesetzes vom 16. Dezem - ber 2005 aufgehoben (vgl. Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De - zember 2005 mit Wirkung seit 1. Januar 2007 [AS 2006 4745]). Gleich- zeitig trat per 1. Januar 2007 eine neue Härtefallregelung in Kraft: Ge- mäss Art. 14 Abs. 2 des revidierten AsylG haben neu die Kantone, so- fern das Asylgesuch vor mehr als fünf Jahren gestellt worden ist, die Möglichkeit, unter bestimmten weiteren Voraussetzungen eine Aufent- haltsbewilligung zu erteilen und müssen dies dem BFM unverzüglich anzeigen, wobei die Frage der Hängigkeit des ordentlichen Asylverfah- rens keine Rolle spielt. Ein solches Verfahren ist offenbar zurzeit beim BFM hängig (vgl. oben E. 5.3.2). Vor diesem Hintergrund erübrigen sich auch in diesem Zusammen- hang weitere Ausführungen. 5.3.4Soweit schliesslich auf die aktuelle Situation in Äthiopien hinge- wiesen wird, ist festzuhalten, dass diesbezüglich gemäss Erkenntnis- sen und konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. bereits EMARK 1998 Nr. 22) nicht von einer wesentlich geänderten Sachlage seit Abschluss des ordentlichen Asyl- und Wegweisungsverfahrens des Beschwerdeführers auszugehen ist. So wurde der zweieinhalb Jahre dauernde Grenzkonflikt zwischen Äthiopien und Eritrea im Juni 2000 mit einem von der Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) ver- Seite 9E-4808/2006 E-7667/2006 mittelten Waffenstillstand und einem von beiden Staaten am 12. De- zember 2000 unter zeichneten Friedensabkommen beendet. 4'500 Blauhelm-Soldaten der UNO kontrollierten seither die Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea, wobei diese aber ein sporadisches Wiederaufflackern des Grenzkonfliktes nicht verhindern konnten. Im- merhin scheinen jedoch sowohl Äthiopien als auch Eritrea den Schiedsspruch der hierfür eingesetzten internationalen Kommission, welche am 13. April 2002 ergangen ist, grundsätzlich zu akzeptieren. Insgesamt ist diesbezüglich vorliegend nicht von einer wiedererwä- gungsrechtlich relevanten Veränderung der allgemeinen Lage in Äthio- pien auszugehen. 5.4 In Würdigung aller Umstände bleibt nach dem Gesagten festzuhal- ten, dass aus wiedererwägungsrechtlicher Sicht keine Gründe vorlie- gen, welche es rechtfertigen würden, die Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs im Sinne von Art. 14a Abs. 4 ANAG festzustellen. Die Beschwerde gegen die durch das Bundesamt verfügte Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs vom 19. Oktober 2005 ist daher abzu- weisen, soweit darauf einzutreten war. II. 6. Der Gesuchsteller reichte in seiner Replik vom 1. September 2006 un- ter anderem den Internetausdruck einer C._______ (Case Nr. 1888) zu den Akten und nannte damit sinngemäss Revisionsgründe, die ausserhalb des anhängig gemachten Wiedererwägungsverfahrens geprüft werden müssen. Aus diesem Grund hat der vormalige Instruktionsrichter den Gesuchsteller mit Verfügung vom 4. Dezember 2006 dazu aufgefordert, seine Eingabe im Hinblick auf die Behandlung als Revisionsgesuch mit den entsprechenden Anträgen und einer Begründung zu ergänzen (vgl. Sachverhaltsdarstellung, Bstn. F, G und H). 7. 7.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Gesu- chen um Revision seiner Urteile zuständig (vgl. Art. 45 des Verwal- Seite 10E-4808/2006 E-7667/2006 tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Es ent- scheidet auch über Gesuche um Revision von Urteilen seiner Vorgän- gerorganisationen, darunter  wie vorliegend  solche der ARK (vgl. BVGE 2007/11 E. 3). Dabei entscheidet es in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG), sofern das Revisi- onsgesuch nicht in die Zuständigkeit des Einzelrichters beziehungs- weise der Einzelrichterin fällt (vgl. Art. 23 VGG; Art. 111 Abs. 2 AsylG). 7.2 Gemäss Art. 45 VGG sind für die Revision von Entscheiden des Bundesverwaltungsgerichts die Art. 121 bis 128 BGG anwendbar. Ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts sind Revisionsgesuche, welche vor dem 31. Dezember 2006 bei den Vorgängerorganisationen des Bundesverwaltungsgerichts anhängig gemacht wurden, auch wei- terhin nach den Massstäben des VwVG zu beurteilen werden (vgl. BVGE 2007/11 E. 4). 7.3 Der Gesuchsteller hat ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhe- bung oder Änderung des Beschwerdeurteils (vom 10. Februar 2000) und ist daher zur Einreichung eines Revisionsgesuches legitimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG in analogiam; vgl. BEERLI -BONORAND , a.a.O., S. 65 ff.). 7.4 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Un- abänderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwer- deentscheides angefochten, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. FRITZ G YGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 229 f.). Gemäss Art. 66 Abs. 2 VwVG zieht die Beschwerdeinstanz ihren Beschwerdeentscheid auf Begehren einer Partei in Revision, wenn neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel vorgebracht wer- den (Bst. a), wenn nachgewiesen wird, dass sie aktenkundige erhebli- che Tatsachen oder bestimmte Begehren übersehen (Bst. b) oder ge- wisse verfahrensrechtliche Bestimmungen verletzt hat (Bst. c). Nach Art. 66 Abs. 3 VwVG gelten diese Gründe nicht als Revisions- gründe, wenn die Partei sie im Rahmen des Verfahrens, das dem Be- schwerdeentscheid voranging, oder auf dem Wege einer Beschwerde, die ihr gegen den Beschwerdeentscheid zustand, geltend machen konnte. Seite 11E-4808/2006 E-7667/2006 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte Anforderungen gestellt (vgl. Art. 66 Abs. 3 und 67 Abs. 3 VwVG). In der Rechtsschrift ist die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens darzutun; zudem ist anzugeben, welcher gesetzliche Revisionstatbestand ange- rufen wird und inwiefern Anlass besteht, gerade diesen Grund geltend zu machen. Sind dem Gesuch nicht genügend substanziierte, wirkliche Rechtsmittelgründe zu entnehmen, so ist darauf überhaupt nicht ein- zutreten (vgl. G YGI, a.a.O., S. 198 f.). Demgegenüber ist nicht erforder- lich, dass die angerufenen Revisionsgründe wirklich bestehen, son- dern es genügt, wenn der Gesuchsteller deren Vorliegen behauptet (BGE 96 I 279; BEERLI -BONORAND , a.a.O., S. 148 f.). Der Gesuchsteller ruft den Revisionsgrund des Vorliegens neuer erheblicher Tatsachen respektive Beweismittel (Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG) an und führt an, er habe von der Existenz derselben bis anhin keine Kenntnis gehabt, weshalb er diese erst jetzt habe vorbringen können. 7.5 Auf das frist- und (seit der Eingabe vom 19. Dezember 2006) form- gerecht eingereichte Revisionsgesuch ist einzutreten. 8. 8.1 Gemäss Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG müssen die zur Stützung ei- nes Revisionsgesuches eingereichten Beweismittel neu und erheblich sein. Sie sind nur dann als neu zu qualifizieren, wenn sie entweder neue erhebliche Tatsachen erhärten oder dem Beweis von Tatsachen dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt waren und vorge- bracht wurden, aber zum Nachteil der gesuchstellenden Person unbe- wiesen geblieben sind beziehungsweise nicht glaubhaft gemacht wer- den konnten. Der im Beschwerdeverfahren misslungene Beweis kann im Revisionsverfahren  jedenfalls bei Beachtung der revisonsrechtli- chen Bestimmungen des VwVG  auch mit Beweismitteln geführt wer- den, welche erst nach dem Beschwerdeentscheid entstanden sind (vgl. ALFRED K ÖLZ /ISABELLE H ÄNER , Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 260, Rn 741; EMARK 1994 Nr. 27 S. 199 E. 5c). "Neu" im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG bedeutet somit "neu entdeckt" beziehungsweise "neu zugänglich", muss sich jedoch auf Tatsachen beziehen, die zur Zeit der Erstbeurteilung bereits bestan- den haben (vgl. G YGI, a.a.O., S. 262). Erheblich im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG sind neue Tatsachen und Beweismittel dann, wenn im Lichte der veränderten tatbeständlichen Grundlage die rechtliche Seite 12E-4808/2006 E-7667/2006 Würdigung voraussichtlich anders ausfallen würde als im früheren Ent- scheid, respektive wenn die Beweismittel geeignet sind, von der Rich- tigkeit eines neuen erheblichen Tatsachenvorbringens zu überzeugen (G YGI, a.a.O., S. 263 f.). Sowohl neue erhebliche Tatsachen als auch neue erhebliche Beweis- mittel bilden, wie bereits erwähnt, nur dann einen Revisionsgrund, wenn sie der gesuchstellenden Person damals trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt sein konnten oder ihr das Geltendmachen res- pektive Beibringen aus entschuldbaren Gründen nicht möglich war (vgl. Art. 66 Abs. 3 VwVG, EMARK 1994 Nr. 27 S. 198 f. E. 5a und b). 9. 9.1 In der ergänzenden Revisionsbegründung vom 19. Dezember 2006 wurde ausgeführt, bei der nunmehr erhältlich gemachten C._______ handle es sich um ein älteres Dokument, welches der Gesuchsteller jedoch nicht früher gekannt habe, weshalb er es nicht zu einem früheren Zeitpunkt habe einreichen können. Im Dokument sei der Gesuchsteller namentlich aufgeführt. Damit sei nunmehr erstellt, dass er aktives Mitglied der "Ethiopian Teachers Association" (ETA) gewesen sei und zu jenem Personenkreis gehöre, der aufgrund seiner Aktivitäten für die ETA bereits mehrmals inhaftiert worden sei. Damit müsse davon ausgegangen werden, dass der Gesuchsteller bei einer Rückkehr nach Äthiopien mit schweren Repressalien seitens der äthiopischen Regierung rechnen müsse, zumal dieser seine aktive ETA-Mitgliedschaft bekannt sei. Das Urteil der ARK vom 10. Februar 2000 sei folglich aufzuheben, und dem Be- schwerdeführer sei Asyl zu gewähren. 9.2 Das Vorbringen, der Gesuchsteller habe von dem besagten Doku- ment, das seit G._______ existiert, erst kürzlich erfahren, hat der poli- tisch angeblich sehr aktive Gesuchsteller nicht weiter substanziiert. Aus den folgenden Gründen kann die nahe liegende Frage nach der Entschuldbarkeit des nachträglichen Beibringens dieses Beweismittels indessen letztlich offen bleiben: 9.2.1Der Gesuchsteller hatte zur Begründung seines Asylgesuchs un- ter anderem angegeben, er sei H._______ der ETA im I._______ gewesen. Diese Aussage wurde durch die von der Vorinstanz im Rah- men des ordentlichen Asylverfahrens vorgenommene Abklärung über die J._______ bestätigt. Hinsichtlich den in diesem Zusammenhang Seite 13E-4808/2006 E-7667/2006 geltend gemachten Inhaftierungen hielt die Vorinstanz in der Verfügung vom 2. April 1997 fest, der Gesuchsteller habe nach der Entlassung aus der letzten Festnahme im August/September K._______ noch bis Oktober L._______, mithin über ein Jahr, mit der Ausreise zugewartet. Folglich sei der Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht nicht mehr gegeben, weshalb ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen die Flüchtlingsgeigen- schaft nicht bejaht werden könne. Im Urteil vom 10. Februar 2000 be- stätigte die ARK diese Ausführungen ausdrücklich (vgl. Urteilserwä- gung 2.c). 9.2.2Mit dem auf Revisionsebene eingereichten Beweismittel sollen nunmehr die Mitgliedschaft des Gesuchstellers bei der ETA sowie die daraus resultierenden Festnahmen  mithin im ordentlichen Asylver- fahren nicht grundsätzlich bestrittene Tatsachen  belegt werden. Da- mit erweist sich der nunmehr eingereichte Internetausdruck jedenfalls nicht als erheblich, respektive sind diese Sachverhaltselemente im vor- angegangenen ordentlichen Verfahren bekannt gewesen und gewür- digt worden. Diese Vorbringen wären selbst dann kein Revisionsgrund, wenn diese bekannten Tatsachen im ordentlichen Verfahren möglicher- weise falsch gewürdigt worden wären, vermögen doch die Bewertung und Würdigung tatsächlichen Materials keine revisionsbegründenden Tatsachen darzustellen (vgl. BEERLI -BONORAND , a.a.O., S. 97, 131). 9.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auch kein revisionsrecht- lich relevanter Sachverhalt dargetan ist. Das Gesuch um Revision des Urteils der ARK vom 10. Februar 2000 ist demzufolge ebenfalls abzu- weisen. III. 10. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens in Sachen Wie- dererwägung betreffend Vollzug der Wegweisung sowie in Sachen Re- vision des Urteils vom 10. Februar 2000 betreffend Asyl und Wegwei- sung sind die Kosten von insgesamt Fr. 1'200.-- dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen. Sie sind durch den am 14. August 2006 geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt und damit bereits begli- chen. Seite 14E-4808/2006 E-7667/2006 (Dispositiv nächste Seite) Seite 15E-4808/2006 E-7667/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. Oktober 2005 betref- fend Wiedererwägungsgesuch wird abgewiesen, soweit darauf einzu- treten war. 2. Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 3. Die Kosten der beiden Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwal- tungsgericht von Fr.1'200.-- werden dem Beschwerdeführer/Gesuch- steller auferlegt. Dieser Betrag ist durch den geleisteten Kostenvor- schuss in gleicher Höhe gedeckt. 4. Dieses Urteil geht an: - die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers/Gesuchstellers (ein- geschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Akten (Ref.-Nr. N _______), zur Behandlung des Antrags des Kantons M._______ (vgl. Dossierbestellung MAR/AFA2) - M._______ Der vorsitzender Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand: Seite 16