<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 114 S.496</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">496</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>114 Familiennachzug des Kindes durch einen Elternteil.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ist ein Elternteil verstorben, so ist das Familiennachzugsgesuch nach den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kriterien des Familiennachzugs einer Gesamtfamilie zu beurteilen (Erw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>II/2d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 20. Juli</span><br/> <span class="ft3">2001 in Sachen A.C.B.-D.S. und A.R.D.S. gegen einen Entscheid der Frem-</span><br/> <span class="ft3">denpolizei (BE.2001.00022).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Die Beschwerdeführerin ist seit ihrer Heirat mit einem</span><br/> <span class="ft1">Schweizer Bürger 1983 im Besitze des Schweizer Bürgerrechts. Aus</span><br/> <span class="ft1">der Ehe ging eine Tochter hervor. Die Ehe wurde im Jahre 1991 ge-</span><br/> <span class="ft1">schieden, wobei das Sorgerecht über die Tochter offenbar der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin übertragen wurde. 1996 verheiratete sich die Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">497</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin erneut mit einem Schweizer Bürger. Aus dieser</span><br/> <span class="ft1">Ehe ging ein Sohn hervor. Am 7. Juli 2000 reiste ihr vorehelicher</span><br/> <span class="ft1">Sohn A.R.D.S. (Beschwerdeführer), geboren am 28. Juli 1982, in die</span><br/> <span class="ft1">Schweiz ein, worauf die Beschwerdeführerin am 13. Juli 2000 ein</span><br/> <span class="ft1">Familiennachzugsgesuch einreichte. Der Vater des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers verstarb noch vor dessen Geburt. Nach der Übersiedlung der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin in die Schweiz wuchs der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">beim Bruder der Beschwerdeführerin in Brasilien auf. Ausser dem</span><br/> <span class="ft1">nachzuziehenden Sohn hat die Beschwerdeführerin keine weiteren</span><br/> <span class="ft1">Kinder in Brasilien.</span><br/> <span class="ft1">Mit Schreiben vom 17. August 2000 teilte die Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin mit, sie erwäge, ihr Familiennachzugsge-</span><br/> <span class="ft1">such abzulehnen und gewährte ihr das rechtliche Gehör. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin liess sich mit Eingabe vom 4. September 2000 zu</span><br/> <span class="ft1">den Vorbehalten der Fremdenpolizei vernehmen. Am 5. Oktober</span><br/> <span class="ft1">2000 verfügte die Fremdenpolizei die Abweisung des Familiennach-</span><br/> <span class="ft1">zugsgesuchs.</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführer am</span><br/> <span class="ft1">13. Oktober 2000 Einsprache. Am 23. Februar 2001 wies der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsdienst der Fremdenpolizei (Vorinstanz) die Einsprache ab.</span><br/> <span class="ft1">C. Gegen den Einspracheentscheid der Vorinstanz erhoben die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer am 18. März 2001 Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 2. d) Im vorliegenden Fall ist der Vater des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers bereits vor dessen Geburt gestorben. Es stellt sich somit die</span><br/> <span class="ft1">Frage, ob das Familiennachzugsgesuch nach den Kriterien des</span><br/> <span class="ft1">Einelternnachzuges zu prüfen ist, oder ob ein vorbehaltsloser An-</span><br/> <span class="ft1">spruch auf Familiennachzug besteht. Richtig ist, dass Art. 17 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">ANAG gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Ermögli-</span><br/> <span class="ft1">chung des Zusammenlebens der Gesamtfamilie (Vater, Mutter und</span><br/> <span class="ft1">Kind) bezweckt. Bei einer Familie, bei der ein Elternteil verstorben</span><br/> <span class="ft1">ist, kann die (Gesamt)familie jedoch nur noch aus dem Rest der Fa-</span><br/> <span class="ft1">milie, d.h. aus einem Elternteil und dem Kind, bestehen. Dement-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">498</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sprechend hat das Bundesgericht in BGE 118 Ib 153, E. 2b, S. 159</span><br/> <span class="ft1">ausgeführt, diese Idealvorstellung einer Familie stehe unter dem</span><br/> <span class="ft1">Vorbehalt, dass beide Elternteile überhaupt noch leben. Wörtlich</span><br/> <span class="ft1">schreibt das Bundesgericht: "das Gesetz verlangt nun ausdrücklich,</span><br/> <span class="ft1">dass die Kinder mit ihren Eltern (Plural) zusammen wohnen werden.</span><br/> <span class="ft1">Nach der Systematik - vgl. die beiden ersten Sätze der Bestimmung -</span><br/> <span class="ft1">geht Art. 17 Abs. 2 ANAG vom Zusammenleben von Vater und</span><br/> <span class="ft1">Mutter aus, wobei dies natürlich unter dem Vorbehalt steht, dass</span><br/> <span class="ft1">beide Eltern überhaupt noch leben." Entgegen der Auffassung der</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz besteht damit - innerhalb der allgemeinen Schranken von</span><br/> <span class="ft1">Art. 17 Abs. 2 ANAG - ein vorbehaltloser Anspruch auf Familien-</span><br/> <span class="ft1">nachzug. (...). Stellen die allgemeinen Schranken von Art. 17 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">ANAG kein Hindernis für den Familiennachzug dar, ist dieser nur</span><br/> <span class="ft1">dann zu verweigern, wenn sich das Gesuch als rechtsmissbräuchlich</span><br/> <span class="ft1">erweist.</span><br/></div> </div> </body> </html>