A bteilung III C -74/2006 {T 0/2} U rteil vom 7. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterin Beutler; R ichter Vuille; G erichtsschreiber Longauer. X._______, Beschw erdeführer, vertreten durch R echtsanw alt G ert W iedersheim , gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisesperre. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer, ein deutscher Staatsangehöriger, erhielt im Juli 2000 im Kanton U ri eine Jahresaufenthaltsbew illigung. N ach Bekanntw er- den um fangreicher Vorstrafen in D eutschland – unter anderem w egen 15- fachem Betrug, U rkundenfälschung, Konkursvergehen und Bankrott in zw ei Fällen – w urde die Aufenthaltsbew illigung im Jahr 2002 nicht verlän- gert. B. Im Frühjahr 2005 stellten die U rner Behörden fest, dass sich der Be- schw erdeführer auch nach dem Verlust seiner Aufenthaltsbew illigung m ehrheitlich in der Schw eiz aufgehalten und nam entlich im Kanton U ri zw eifelhafte w irtschaftliche Aktivitäten entfaltet hatte. W eitere Abklärungen ergaben, dass der Beschw erdeführer hoch verschuldet w ar, in der Schw eiz Betreibungen und Verlustscheine in beträchtlichem U m fang erw irkt hatte, w egen zahlreichen SVG -D elikten negativ aufgefallen w ar und – nam entlich in G eldangelegenheiten – von verschiedenen Am tsstellen gesucht w urde. G estützt auf diese Erkenntnisse w ies die zuständige M igrationsbehörde des Kantons U ri den Beschw erdeführer am 31. M ärz 2005 aus der Schw eiz w eg. D er Beschw erdeführer kam dieser Aufforderung am 6. April 2005 nach. C . M it Verfügung vom 30. M ärz 2005 verhängte die Vorinstanz gegen den Be- schw erdeführer eine dreijährige Einreisesperre. Zur Begründung führte sie aus, er habe in verschiedener H insicht zu Klagen Anlass gegeben und sei deshalb unerw ünscht. Im Einzelnen nennt sie "m ehrfache W iderhandlung gegen das SVG und AN AG , grobe Vernachlässigung der finanziellen Ver- pflichtungen, Scheinfirm a in der Schw eiz, schw ere Vorstrafen im Ausland". D ie Verfügung w urde dem Beschw erdeführer am 4. April 2005 eröffnet; sie blieb unangefochten und erw uchs in R echtskraft. D . Am 16. Septem ber 2005 gelangte der Beschw erdeführer m it einem W ie- dererw ägungsgesuch an die Vorinstanz und beantragte die Aufhebung der M assnahm e. Er berief sich auf eine im Som m er 2005 erfolgte Bestellung zum Konsul der Baltischen H andelsm ission m it Sitz in R iga, Lettland, und die dam it seiner Auffassung nach verbundenen Privilegien, die Einsitznah- m e in der G eschäftsleitung einer im Som m er 2005 gegründeten Firm a X._______ G m bH m it Sitz in Schw ende/AI sow ie auf ein U nter- stützungsschreiben des Volksw irtschaftsdepartem ents des Kantons Ap- penzell Innerrhoden vom 26. August 2005. E. M it Verfügung vom 20. Septem ber 2005 trat die Vorinstanz auf das W ie- dererw ägungsgesuch des Beschw erdeführers m angels Erheblichkeit der Vorbringen nicht ein. F. M it Verw altungsbeschw erde an das Eidgenössische Justiz- und Polizeide- partem ent (EJPD ) vom 21. O ktober 2005 beantragt der Beschw erdeführer das Eintreten auf das W iedererw ägungsgesuch und die Aufhebung der Einreisesperre.3 G . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 29. D ezem ber 2005 die Abw eisung der Beschw erde. H . D er Beschw erdeführer hält in replicando an den gestellten R echtsbegeh- ren fest. I. Auf den w eiteren Akteninhalt w ird, sow eit rechtserheblich, in den Erw ägun- gen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. Verfügungen des BFM betr. Einreisesperre unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer (SR 142.20) i.V.m . Art. 31 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [VG G , SR 173.32]). Kraft Einheit des Verfahrens gilt derselbe R echtsm ittelw eg für Verfügungen, m it denen das BFM auf ein G esuch um W iedererw ägung einer Einreisesperre nicht eintritt (vgl. VPB 67.109 E. 1d m it H inw eis). Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm it- telverfahren w erden vom Bundesverw altungsgericht übernom m en. D ie Be- urteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). Art. 37 VG G erklärt das Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) subsidiär für anw endbar. 2. D er Beschw erdeführer ist als Adressat der angefochtenen M assnahm e zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 3. Anfechtungsobjekt der Beschw erde bildet eine Verfügung, m it der die Vor- instanz auf das G esuch des Beschw erdführers um W iedererw ägung der Einreisesperre nicht eingetreten ist. Im R ahm en des vorliegenden Verfah- rens kann deshalb nur geprüft w erden, ob der Beschw erdeführer nach rechtlichen G rundsätzen einen Anspruch auf Eintreten und m aterielle Prü- fung des W iedererw ägungsgesuchs geltend m achen kann. Ist dies der Fall, w ird der N ichteintretensentscheid aufgehoben und die Vorinstanz ver- pflichtet, sich m ateriell m it dem W iedererw ägungsgesuch zu befassen (ALFR E D KÖ LZ / ISABELLE H ÄN E R , Verw altungsverfahren und Verw altungs- rechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, R z. 449 m it H inw eisen, FR ITZ G YG i, Bundesverw altungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 144 f.). 4. M it dem W iedererw ägungsgesuch w ird die Verw altungsbehörde ersucht, auf eine rechtskräftige Verfügung zurückzukom m en und sie aufzuheben oder abzuändern. Im G egenstanz zur R evision regelt das Vw VG die W ie- dererw ägung nicht ausdrücklich. Lehre und R echtsprechung schliessen diese Lücke, indem sie in zw ei Konstellationen unm ittelbar aus den verfas- sungsm ässigen Verfahrensgarantien (Art. 4 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 29. M ai 1874 [BS 1 3] bzw . neu Art. 29 Abs. 1 und 2 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [SR 101]) einen Anspruch auf Eintreten und Prüfung ableiten und ansonsten einen R echtsbehelf ohne 4 Behandlungsanspruch annehm en. G eht es um die Korrektur einer ursprünglich fehlerhaften Verfügung, w ird ein Anspruch auf Eintreten und Prüfung anerkannt, w enn einer der in Art. 66 Vw VG abschliessend genannten R evisionsgründe geltend gem acht w erden kann. 5. Bei Verfügungen, die ein D auerrechtsverhältnis regeln, besteht ein An- spruch auf W iedererw ägung ferner dann, w enn sich die U m stände nach Erlass der Verfügung w esentlich geändert haben. Bei dieser zw eiten Kon- stellation steht die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an nachträgliche Änderungen der Sach- oder R echtslage zur D iskussion (vgl. eingehend VPB 60.37 E. 1b m it H inw eisen; ferner ALFR ED KÖ LZ / ISABELLE H ÄN E R , a.a.O ., R z. 428 und 438 m it H inw eisen). 6. D ie w eiter oben genannten G rundsätze gelten auch dann, w enn die in W iedererw ägung zu ziehende Verfügung eine M assnahm e darstellt, w elche die Ausübung der Freizügigkeitsrechte gem äss dem Abkom m en vom 21. Juni 1999 zw ischen der Schw eizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen G em einschaft und ihren M itgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkom m en, FZA, SR 0.142.112.681) erschw ert. D enn schon das G em einschaftsrecht kennt keinen Anspruch auf jederzeitige und voraussetzungslose Ü berprüfung derartiger M assnahm en (vgl. U rteil des EuG H vom 18. M ai 1982 in den verbundenen R echtssachen 115 und 116/81, Adoui und C ornuaille, Slg. 1982 1665, N . 12). N och w eniger kann ein Anspruch aus dem Freizügig- keitsabkom m en abgeleitet w erden. 7. D er Beschw erdeführer stellt die anfängliche R echtm ässigkeit der Einreise- sperre in Frage, indem er ein öffentliches Fernhalteinteresse gegen sich nicht gelten lässt und argum entiert, die M assnahm e liesse sich m it dem Freizügigkeitsabkom m en nicht vereinbaren, auf das er sich als Staatsan- gehöriger der Bundesrepublik D eutschland berufen könne. D am it bringt er keinen der in Art. 66 Vw VG abschliessend aufgezählten R evisionsgründe vor, sondern beanstandet in allgem einer W eise die R echtsanw endung, w ie dies im R ahm en eines ordentlichen, der ursprünglichen Verfügung nachfol- genden R echtsm ittelverfahren getan w erden kann. Solche "appellatori- sche" Kritik ist grundsätzlich nicht geeignet, einen Anspruch auf m aterielle Beurteilung eines W iedererw ägungsgesuchs zu verm itteln. U nabhängig von diesen Erw ägungen scheitert das Vorgehen des Beschw erdeführers auch daran, dass nichts ersichtlich ist und auch nichts geltend gem acht w ird, w as ihn daran hätte hindern können, seine Einw ände im R ahm en ei- ner Beschw erde gegen die Einreisesperre vorzubringen (vgl. den entspre- chenden Ausschlussgrund von Art. 66 Abs. 3 Vw VG ). 8. W eiter m acht der Beschw erdeführer geltend, der m assgebliche Sachver- halt habe sich seit dem Erlass der Einreisesperre w esentlich geändert. 8.1 In diesem Zusam m enhang beruft sich der Beschw erdeführer auf seine am 20. Juli 2005 erfolgte Ernennung zum Konsul der Baltischen H andelsm is- sion m it Am tssitz in R iga, R epublik Lettland, und auf die dam it zusam m en- hängende Ausstellung eines C C -Ausw eises. D ieser U m stand verm ittle ihm ein w eltw eites R echt auf "Laissez-passer". R echtsgrundlagen, auf die er 5 seine Auffassung stützt, nennt der Beschw erdeführer keine. Tatsache ist, dass die Zugehörigkeit zum konsularischen oder diplom atischen Korps w eder ohne w eiteres ein R echt auf Einreise verm ittelt noch vor einem Einreiseverbot schützt. 8.2 Als w eiteres Argum ent bringt der Beschw erdeführer vor, in seiner Eigen- schaft als M itglied der G eschäftsleitung der nach Erlass der M assnahm e gegründeten Firm a X._______ G m bH m it Sitz in Schw ende, AI, sei seine persönliche Anw esenheit in der Schw eiz erforderlich. D as Volksw irtschaftsdepartem ent des Kantons Appenzell Innerrhoden unter- stütze deshalb in einem Schreiben vom 26. August 2005 die Aufhebung der Einreisesperre. D iese Vorbringen sind unerheblich. D ie von den kanto- nalen Behörden als dubios qualifizierten geschäftlichen Aktivitäten des w e- gen W irtschaftsdelikten einschlägig vorbestraften Beschw erdeführers bil- deten einen der G ründe für den Erlass der Einreisesperre. Schon deshalb kann der Beschw erdeführer nichts aus dem Ausbau seiner w irtschaftlichen Interessen in der Schw eiz ableiten. Es tritt hinzu, dass die zur Begründung des W iedererw ägungsgesuchs angeführten w irtschaftlichen Interessen im Kanton Appenzell Innerrhoden nicht als reell betrachtet w erden konnten. D enn nach den Erkenntnissen der dortigen Behörden handelte es sich beim fraglichen U nternehm en in Schw ende um eine Briefkastenfirm a ohne G eschäftsräum lichkeiten, deren Post an eine Adresse im Kanton U ri w ei- tergeleitet w urde. D em entsprechend unverbindlich fällt das Schreiben der W irtschaftsförderung des Kantons Appenzell Innerrhoden vom 26. August 2005 aus, das nach Auskunft der dortigen Behörden auf blosse telefoni- sche Anfrage hin ausgestellt w urde und ganz offensichtlich nur auf den In- form ationen beruht, die dem Verfasser von Seiten des Beschw erdeführers zur Verfügung gestellt w orden w aren. D ass im genannten Schreiben die Aufhebung der Einreisesperre befürw ortet w ürde, entspricht ohnehin einer Ü berinterpretation durch den Beschw erdeführer. 8.3 D er Beschw erdeführer bringt schliesslich vor, die m it U rteil vom 21. M ärz 2002 durch das Am tsgericht Schönau im Schw arzw ald ausgesprochene Bew ährungszeit sei am 15. August 2005 ohne w eitere Vorkom m nisse ab- gelaufen. Auch dieses Argum ent ist unerheblich, denn die Einreisesperre beruht auf einem erheblich breiter abgestützten Fernhalteinteresse. Sie ist in Kenntnis und unabhängig von der vier M onate später ablaufenden Be- w ährungszeit verhängt w orden, sodass der Beschw erdeführer daraus nichts für sich abzuleiten verm ag. 9. Aus den vorstehenden Erw ägungen ergibt sich, dass die Vorinstanz m it ih- rer W eigerung, auf das W iedererw ägungsgesuch des Beschw erdeführers einzutreten, Bundesrecht nicht verletzt hat (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw er- de ist dem zufolge abzuw eisen. 10. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht [SR 173.320.2]).6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 700.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt. Sie sind durch den am 21. N ovem ber 2005 geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. M itteilung an: - den Beschw erdeführer - die Vorinstanz D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er J. Longauer R echtsm ittelbelehrung D ieses U rteil kann innert 30 Tagen ab Zustellung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten w erden (vgl. Art. 42, 48, 54, 100 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [SR 173.110]). Versand am :