© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/12 Publikationsplattform Kanton St.Gallen und St.Galler Gemeinden Fall-Nr.: RDRM.2021.9 Stelle: Generalsekretariat Sicherheits- und Justizdepartement Instanz: Sicherheits- und Justizdepartement Publikationsdatum: 30.09.2021 Entscheiddatum: 02.08.2021 SJD RDRM.2021.9 Art.91 StGB, Art. 63 EG-StPO, Art. 47bis GefV, Art. 56 Abs. 2 VRP. Die Strafanstalt warf dem Rekurrenten vor, nicht die von der Gefängnisleitung abgegebene Hygienemaske getragen zu haben und erliess eine Disziplinarverfügung. Es gibt im Sachverhalt einige Unklarheiten und es bestehen offene Fragen im Zusammenhang mit der Verhältnismässigkeit sowie der rechtsgleichen Behandlung. Dies ist vertiefter abzuklären. Gutheissung und Rückweisung zur Abklärung des Sachverhalts sowie allfälliger neuer Entscheidung. Den Entscheid SJD RDRM.2021.9 finden Sie im angehängten PDF-Dokument.Kanton St.Gallen Sicherheits- und Justizdepartement Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 1/11 Entscheid vom 2. August 2021 Rekurrent A.___ vertreten durch lic.iur. Fatih Aslantas, Rechtsanwalt, Bahnhofstrasse 7, 8570 Weinfelden gegen Vorinstanz Strafanstalt Saxerriet Verfügung vom 19. Januar 2021 Betreff Disziplinarverfügung der Strafanstalt Saxerriet Geschäftsnummer RDRM.2021.9 Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 2/11 Sachverhalt A. A.___, geboren 3. September 1977, befindet sich auf Anordnung des Amtes für Justizvollzug des Kantons Y.___ seit 25. Juni 2020 im Straf- vollzug in der Strafanstalt Saxerriet in Salez. Mit Disziplinarverfügung vom 19. Januar 2021 verfügte die Strafanstalt Saxerriet, dass A.___ in der Zeit von 19. Januar 2021 bis und mit 26. Ja- nuar 2021 jeweils ab 19.00 Uhr während seiner Freizeit in seiner Zelle eingeschlossen werde. Während dieser Zeit werde ihm auch das TV-Ge- rät und der Computer entzogen. Zur Begründung führte die Anstalt im Wesentlichen an, A.___ werde erstmals sanktioniert. Gemäss dem Schreiben des Direktors der Strafanstalt vom 20. Oktober 2020 dürften nur die von der Strafanstalt abgegebenen, zertifizierten Masken getragen werden. A.___ habe am 17. Januar 2021 nicht eine von der Strafanstalt abgegebene Maske getragen, sondern eine schwarze Gesichtsmaske. Mit der Widerhandlung gegen die Weisung des Direktors vom 20. Okto- ber 2020 habe A.___ gegen das Einführungsgesetz zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafp rozessordnung, die Verordnung über Gefäng- nisse und Vollzugsanstalten und die Hausordnung der Strafanstalt Saxer- riet verstossen. Es erscheine angezeigt, eine Disziplinarmassnahme mit frühzeitigem Zelleneinschluss anzuordnen. B. Gegen die Disziplinarverfügu ng vom 19. Januar 2021 erhob A.___, vertreten durch lic.iur. Fatih Aslantas, Rechtsanwalt, Weinfelden, mit Ein- gabe vom 28. Januar 2021 Rekurs beim Sicherheits- und Justizdeparte- ment und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und keine Disziplinarmassnahme zu verfügen. Eventualiter sei eine Verwar- nung auszusprechen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, A.___ sei am 16. Januar 2021 aus seinem U rlaub zurückge- kehrt und habe keine von der Strafanstalt ausgegebene Maske mehr zur Hand gehabt. Er habe ersatzweise eine schwarze Maske, die ein Kollege von ihm zuvor in der Migros erworben hatte , benutzt. Die Maske werde als medizinische Gesichtsmaske verkauft, sei nachweislich vom Typ IIR und enthalte ein CE-Prüfzeichen. Weder als A.___ von Mitarbeitern der Strafanstalt am Bahnhof nach Beendigung seines Urlaubs abgeholt wor- Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 3/11 den sei noch später sei er auf seine Maske angesprochen oder gar auf- gefordert worden, eine andere zu tragen. Erst während des Mittagessens am 17. Januar 2021 habe ein Mitarbeiter der Strafanstalt ihn darauf hin- gewiesen, dass die schwarze Maske nicht regelkon form sei. Dieser Mit- arbeiter habe dies dann rapportiert. A.___ bestreite, das Schreiben des Direktors vom 20. Oktober 2021 er- halten zu haben. Er habe zuvor stets die Hygienemasken der Strafanstalt getragen, da nur die für ihn erhältlich gewesen seien. Die Strafanstalt habe die Disziplinarverfügung ohne umfassende Würdigung der Gefähr- dung und der objektiven Schwere des Disziplinarfehlers sowie des bishe- rigen Verhaltens und der Beweggründe von A.___ erlassen. Sie erwähne einzig, dass A.___ seit seinem Eintritt in die Strafanstalt bis anhin noch nie wegen eines Fehlverhaltens habe sanktioniert werden müssen. Wei- tere Würdigungen unterlasse die Strafanstalt gänzlich. Korrekt sei, dass sich A.___ bis anhin keine einzige Verfehlung in der Strafanstalt habe zu Schulden kommen lassen. Er habe sich ausserdem der in der Strafanstalt geltenden Maskenpflicht zu keinem Zeitpunkt verweigert, sondern habe lediglich nach Rückkehr aus seinem Urlaub eine extern erworbene Hygi- enemaske genutzt, die den gleichen Hygienestandard aufgewiesen habe wie diejenigen in der Strafanstalt ausgegebenen Masken. Weiter habe ihn das Personal d er Strafanstalt während rund 1.5 Tagen mit s einer schwarzen Maske in der Anstalt verweilen lassen, ohne ihn hierauf anzu- sprechen. Die Disziplinierung eines siebentätigen Zelleneinschlusses un- ter zusätzlichem Entzug des TV-Geräts sowie des Computers sei unver- hältnismässig. Eine Verwarnung sei bei erstmaligem Tragen einer nicht vorgesehenen Maske ausreichend. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass das Schreiben vom 20. Oktober 2020 an die Insassen nicht klar formuliert sei. Zwar sei die Rede davon, dass nur die abgegebenen Hygienemas ken zu tragen seien. Jedoch werde im nächsten Satz lediglich festgehalten, dass eigene Stoffmasken nicht erlaubt seien. Die Strafanstalt habe somit in ihrem Schreiben nicht klar kommuniziert und eben gerade nicht ausdrücklich festgehalten, dass eigene zertifizierte Masken nicht erlaubt seien. Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 4/11 C. In seiner Vernehmlassung vom 11. Februar 2021 hielt der (damalige) Direktor der Strafanstalt Saxerriet fest, am 17. Januar 2021 sei festge- stellt worden, dass A.___ im Speisesaal eine nicht erlaubte Gesichts- Stoffmaske trage. Er sei auf diese Abweichung zu den Vorgaben hinge- wiesen worden. Un einsichtig habe er erwidert , die getragene Maske weise dieselben Schutzkriterien auf, wie jene von der Anstalt abgegebene und vorgeschriebene Hygienemaske. Zusätzlich sei er darauf hingewie- sen worden, dass gemäss Schreiben der Direktion vom 20. Oktober 2020 eigene Stoffmasken nicht erlaubt seien. Die Anordnung der Tragpflicht von an staltseigenen Schutzmasken sei von der Insassengemeinschaft in den letzten drei Monaten anstandslos und mit disziplinierter Regeleinhaltung bestens akzeptiert und umgesetzt worden. Ein klarer Indikator, dass die Vorgaben im Schreiben der Direk- tion verständlich und eindeutig formuliert gewesen seien. Sämtliche 120 Insassen hätten das Schreiben am Abend des 20. Oktober 2020 in ihrem eigenen Postfach vorgefunden. Die Covid -19-Situation würde verschie- dene Erschwernisse und Belastungen mit sich bringen. Zwingend seien die vorgegebenen «Hausregeln» präzise einzuhalten, denn nur so sei das Ziel, das Virus bestmöglich der St rafanstalt fernzuhalten, zu erreichen. Aus diesem Grunde sei die generelle Maskentragpflicht in der Strafanstalt Saxerriet im ganzen Areal angeordnet worden. Mit Schreiben der Direk- tion vom 20. Oktober 2020 sei die Tragpflicht weiter spezifiziert worden, indem nur von der Anstalt abgegebene Schutzmasken zugelassen wor- den seien. Für A.___ bedeute der verfügte Zelleneinschluss lediglich während einer Woche, dass er, statt um 21.00 Uhr, bereits um 19.00 Uhr in der Zelle eingeschlossen zu werde. Die Rekursschr ift spreche von einem einwö- chigen Zelleneinschluss und assoziiere somit eine Woche Abschottung von der Insassengemeinschaft, was in keiner Weise zutreffe. Als Alterna- tivsanktion wäre tatsächlich der Verweis als mildeste Sanktion oder eine Geldbusse für ein leichtes Vergehen möglich gewesen. Aufgrund der Er- fahrungswerte der letzten Jahre seien beides Disziplinarsanktionen ohne Wirkung und somit ohne Änderungseffekt beim Insassen. A.___ sei aus einer Vollzugsöffnung mit dem Tragen der nicht zugelassenen Stoff- maske in die Anstalt zurückgekehrt. Somit habe er die Vollzugsöffnung Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 5/11 nicht vollumfänglich nach Vorgaben durchgeführt und eine Sperrung oder eine Kürzung der nächsten Öffnung (Ausgang oder Urlaub) sei eine Op- tion gewesen. Die Anstalt habe sich in der Disziplinarsanktion auf die Ver- hinderung weitere Verfehlungen im Hause konzentriert und so die geeig- nete Sanktion verfügt, ohne eine nächste Öffnung zu kürzen, was ebenso vertretbar gewesen wäre. Die Sanktion fokussiere auf das Ziel, künftige Verstösse gegen di e Ordnung zu verhindern. Dazu sei die ausgespro- chene Disziplinarmassnahme geeignet und absolut verhältnismässig. D. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Februar 2021 beantragte die (dama- lige) Leiterin des Amtes für Justizvollzug, der Rekurs sei abzuweisen. Zur Begründung führte s ie im Wesentlichen an, aufgrund der eing ereichten Unterlagen würde dem Rekurs keine Erfolgsaussichten ein geräumt. Es werde dazu im Wesentlichen auf die Rekursvernehmlassung der Strafan- stalt Saxerriet vom 11. Februar 2021 verwiesen. Die ausserordentlichen Anordnungen der Strafanstalt Saxerriet im Zusammenhang mit der epi- demiologischen Lage seien nachvollziehbar und würden der (praktikab- len) Vermeidung einer Verbreitung des Coronavirus in der Strafanstalt und somit auch dem Schutz der Gesu ndheit der Insassengemeinschaft dienen. A.___ sei – wie sämtliche Insassen – mit Schreiben des Direktors vom 20. Oktober 2020 über die geltenden ausserordentlichen Massnah- men informiert worden. Die entsprechende Passage sei sogar grafisch hervorgehoben worden. Mit dem Tragen einer privaten Maske habe er eine ausdrückliche Anordnung missachtet. Es sei im Übrigen auch nicht bedeutsam, zu welchem Zeitpunkt die fehlerhafte Maske vom A nstalts- personal entdeckt worden sei, zumal sich A.___ ohnehin an die geltenden Regeln zu halten habe . Das Disziplinarmass – es handele sich nur um einen frühzeitigen Zimmereinschluss – sei nicht zu beanstanden. E. Mit Verfügung vom 17. März 2021 wies das Sicherheits- und Justizde- partement das Gesuch von A.___ um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung für das Rekursverfahren betreffend die Diszipli- narverfügung der Strafanstalt Saxerriet vom 19. Januar 2021 ab. Das Verwaltungsgericht hiess m it Entscheid vom 27. April 2021 die Be- schwerde von A.___ gegen die Verfügung des Sicherheits- und Justizde- partementes vom 17. März 2021 gut, soweit es darauf eintrat und hob die Verfügung auf. Das Gesuch vom A.___ um unentgeltliche Rechtspflege Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 6/11 und Rechtsverbeiständung im Rekursverfahren betreffend die Disziplinar- verfügung bewilligte das Gericht. Erwägungen 1. Die von Amtes wegen zu prüfenden Rekursvoraussetzungen, nämlich Zuständigkeit, Rekursberechtigung sowie Form - und Fristerfordernisse sind erfüllt (Art. 55 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung [sGS 962.1; abgekürzt EG-StPO] in Verbindung mit Art. 43bis, Art. 45 Abs. 1, Art. 47 und Art. 48 des Geset- zes über die Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1; abgekürzt VRP]). Auf den Rekurs ist einzutreten. 2.a) Disziplinarfehler sind gemäss Art. 91 des Schweizerischen Strafge- setzbuches (SR 311 ), Art. 63 EG -StPO und Art. 47bis der Verordnung über die Gefängnisse und Vollzugsanstalten (sGS 962.14) vorsätzliche oder grobfahrlässige Verletzungen der Vollzugsvorschriften, der Haus- ordnung oder anderer Regelungen der Vollzugseinrichtung sowie Verstösse gegen den Vollzugsplan. Als Disziplinarfehler gilt insbesondere auch die Missachtung ausdrücklicher Anordnungen. Der Insasse hat nach Art. 6 der Hausordnung für die Strafanstalt Saxer- riet die Vollzugsvorschriften einzuhalten und den Anordnungen der Mitar- beitenden Folge zu leisten. Er hat alles zu unterlassen, was die geordnete Durchführung des Vollzugs sowie die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung in der Anstalt gefährdet. b) Am 17. Januar 2021 trug A.___ im Speisesaal nicht die von der An- staltsleitung abgegebene Hygienemaske, sondern eine schwarze Ge- sichtsmaske. Mit Disziplinarverfügung vom 19. Januar 2021 verfügte die Strafanstalt Saxerriet, dass A.___ in der Zeit von 19. Januar 2021 bis und mit 26. Januar 2021 jeweils ab 19.00 Uhr während seiner Freizeit in sei- ner Zelle eingeschlossen werde. Während dieser Zeit werde ihm auch das TV-Gerät und der Computer entzogen. Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 7/11 c) Im Entscheid vom 27. April 2021 führte das Verwaltungsgericht in Be- zug auf die Disziplinarverfügung vom 19. Januar 2021 aus, im Sachver- halt gebe es einige Unklarheiten. Gemäss Disziplinarverfügung sei einem Mitarbeiter der Strafanstalt am 17. Januar 2021 kurz vor Mittag im Spei- sesaal aufgefallen, dass A.___ sich zu einem Mitinsassen an den Tisch gesetzt und dabei nicht die von der Strafanstalt abgegebene, s ondern eine schwarze Gesichtsmaske getragen habe. A.___ habe behauptet, die getragene Maske sei eine schwarze, medizinische Wegwerf -Hygiene- maske gewesen. Der Direktor der Strafanstalt hingeben habe in seiner Stellungnahme vom 11. Febr uar 2021 ausgeführt, A.___ habe eine schwarze, nach dem Waschen wiederverwendbare Stoffmaske verwen- det. Im Rapport des betreffenden Mitarbeiters und in der Disziplinarverfü- gung sei ohne nähere Spezifikation von einer schwarzen Gesichtsmaske die Rede. Da in der Anordnung des Direktors vom 20. Oktober 2020 er- wähnt werde, dass eigene Stoffmasken nicht erlaubt seien, spiele die Art der von A.___ verwendeten Maske (Hygiene- oder Stoffmaske) eine Rolle für die Einschätzung des Fehlverhaltens. Gleich verhalte es sich mit der Behauptung von A.___, er habe bereits am Tag zuvor bei der Rückkehr aus dem Urlaub die schwarze Maske getragen und es habe seitens meh- rerer Mitarbeiter keine Rügen gegeben. Auch dieser Umstand, sofern er denn zutreffe, sei in die Beurteilung des Fehlverhaltens einfliessen zu las- sen. Sodann gehe aus den vorliegenden Akten nicht hervor, ob die ent- sprechende Anordnung vom 20. Oktober 2020 auch im Januar 2021 noch gegolten habe. Sie enthalte nämlich den Hinweis, dass die getroff enen Massnahmen vorerst bis 31.Dezember 2020 gelten würden und je nach Entwicklung aufgehoben, abgeändert oder verlängert werden könn ten. Der verfügte Zelleneinschluss während der Freizeit und de r Entzug des Fernsehers und Com puters seien im Vergleich zu anderen möglichen Disziplinarmassnahmen eher milde Sanktionen . Mit dem Verweis, der Busse oder dem gänzlichen Verzicht auf eine Disziplinarmassnahme wür- den indessen noch mildere Massnahm en zur Sanktionierung zur Verfü- gung stehen. Es sei ferner zu berücksichtigen, dass es sich gemäss über- einstimmenden Angaben der Gefängnisl eitung und von A.___ um die erste Beanstandung im Rahmen des bis dahin knapp siebenmonatigen Aufenthalts in der Strafanstalt hand le. Der Direktor der Strafanstalt er- wähne in seiner Stellungnahme vom 11. Februar 2021 selber, dass als Alternativsanktion der Verweis oder eine Busse möglich gewesen wären. Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 8/11 Er führe aus, aufgrund der Erfahrungswerte der letzten Jahre hätten sich beide Massnahmen jedoch als wirkungs los und ohne Änderungseffekt auf die Insa ssen erwiesen. Falls der vom Direktor erwähnte Effekt tat- sächlich zu beobachten sei, erscheine es aber trotzdem nicht zulässig, gestützt darauf, die zwei mildesten Disziplinarmassnahmen generell nicht mehr anzuwenden, insbesondere bei einem erst mals zu sanktionieren- den Insassen wie A.___ und einer vergleichsweise leichten Verfehlung. Nicht entscheidend für die Verfügung einer Disziplinarmassnahme dürfe sodann sein, dass A.___ die Maskenregelung kritisch hinterfrage und in seiner Stellungnahme vom 18. Januar 2021 eine anfechtbare Verfügung zwecks Weiterzugs verlangt habe . Es wäre nicht zulässig, wenn die Wahrnehmung gesetzlich vorgesehener Rekurs - und Beschwerdemög- lichkeiten zu einer Verschärfung der Sanktionen führen würde. Gegen- über einem anderen Insassen der Strafanstalt sei ausserdem die gleiche Disziplinarmassnahme verfügt worden. Aus dem Sachverhalt und den Er- wägungen jener Verfügung gehe hervor, dass der fragliche Insasse sich erst seit kurzer Zeit in der Strafanstal t aufhalten würde. Anlass für die Sanktion sei gewesen, dass er einmal gar keine Maske getragen und die Maske einmal nur umgehängt gehabt habe. Zudem habe er sich darauf angesprochen, sehr unanständig verhalten und sei im Vorfeld betreffend Maskenpflicht bereits mehr mals verw arnt worden . Im Vergleich dazu habe A.___ eine Gesichtsmaske getragen, aber eine andere als die von der Strafanstalt abgegebene Maske. Es habe sich um seine erste Verfeh- lung innerhalb von mehreren Monaten gehandelt und nicht von wenigen Wochen. V orgängige E rmahnungen oder Verwarnungen habe es ge- mäss den Akten nicht gegeben. In diesem Zusammenhang würde sich daher nebst der Frage der Verhältnismässigkeit der Massna hme auch jene nach der Gleichbehandlung der Insassen stellen. 3. Unter Hinweis auf die Ausführungen im Entscheid des Verwaltungsge- richtes vom 27. April 2021 ist d ie Verfügung der Strafanstalt Saxerriet vom 19. Januar 2021 aufzuheben und die Streitsache zu weiteren Abklä- rungen im Sinn der Erwägungen sowie zur allfälligen neuen Entscheidung an die Strafanstalt Saxerriet zurückzuweisen (Art. 56 Abs. 2 VRP). 4.a) Für das Rekursverfahren wurde A.___ die unentgeltliche Rechts- pflege und Rechtsverbeiständung gewährt. Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 9/11 b) In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die amtlichen Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Im Fall einer Rückweisung an die Vorinstanz zu erneutem Ent- scheid bei noch offenem Ausgang ist nach Praxis des Verwaltungsgerich- tes sowohl für die Frage der Auferlegung der amtlichen Kosten wie auch der Parteientschädigung von einem vollständigen Obsiegen des Rekur- renten auszugehen, un abhängig der gestellten Anträge (VerwGE B 2017/76 vom 16. August 2018 E. 5). c) In Anwen dung von Nr. 20.13.01 des Gebührentarifs für die Kantons - und Gemeindever waltung (sGS 821.5) ist die Ent scheidgebühr auf Fr. 300.– festzusetzen. Der obsiegende A.___ hat keine Verfahrenskos- ten zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Von der un terliegenden Vorinstanz werden keine Kosten erhoben (Art. 95 Abs. 3 VRP). d)aa) A.___ hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine aus- seramtliche Entschädigung (Art. 98bis VRP). Er ist bei diesem Verfahren- sausgang nicht gestützt auf Art. 99 VRP (une ntgeltliche Rechtsverbei- ständung) zu entschädigen, sondern aufgrund des in Art. 98bis VRP ver- ankerten Erfolgsprinzips. Der öffentlich -rechtliche Entschädigungsan- spruch auf der Grundlage der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung hat subsidiären Charakter und bleibt ohne Einfluss auf die Prozessentschä- digung des unterliegenden Gegners. Er kommt dann zum Tragen, wenn keine Prozessentschädigung geschuldet oder diese uneinbringlich ist. Die Unterscheidung der Anspruchsgrundlagen ist auch dann von Belang, wenn an einem Verfahren ausschliesslich kantonale Behörden beteiligt sind (VerwGE B 2014/74 vom 8. Juli 2014 E. 3.1. mit Hinweisen). bb) Der Vertreter von A.___ reichte eine (gekürzte) Kostennote in der Höhe von Fr. 1'179.95 (inkl. Barauslagen) zuzüglich 7.7 Prozent Mehr- wertsteuer (MWST) ein. Im Rekursverfahren beträgt das Honorar pau- schal Fr. 500.‒ bis Fr. 6'000.‒. Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirt- schaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 22 Abs. 1 Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 10/11 Bst. a und Art. 19 der Honorarordnung [sGS 963.75 ]). Das geltend ge- machte Honorar erscheint vorliegend angemessen und ausgewiesen. Die vorliegende Rechtssache ist zwar nicht eindeutig, weist aber auch keine Komplexität auf. Da die ausseramtliche Entschädigung aber nicht ge- stützt auf Art. 99 VRP (unentgeltliche Rechtsverbeiständung) zu ent- schädigen ist, sondern aufgrund des in Art. 98bis VRP verankerten Er- folgsprinzips, hat der Rechtsvertreter Anspruch auf ein ungekürztes Honorar (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [sGS 963.70]). Entspre- chend erscheint vorliegend eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 1'250.– (einschliesslich Barauslagen, zuzüglich 7.7 Prozent MWST) angemessen. Demgemäss erlässt das Sicherheits- und Justizdepartement als Entscheid 1. a) Der Rekurs von A.___, Z.___, wird gutgeheissen. b) Die Disziplinarverfügung der Strafanstalt Saxerriet vom 19. Januar 2021 wird aufgehoben und die Streitsache zur Abklärung des Sachverhalts im Sinn der Erwägungen und allfälliger neuer Ent- scheidung an die Strafanstalt Saxerriet zurückgewiesen. 2. Auf die Erhebung einer Entscheidgebühr von Fr. 300.– bei der Straf- anstalt Saxerriet wird verzichtet. 3. Der Kanton (Strafanstalt Saxerriet) entschädigt A.___ ausseramtlich mit Fr. 1'250.– zuzüglich MWST. Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes SG 11/11 Der Vorsteher: Fredy Fässler, lic.iur. Regierungsrat