Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Dezember 2019 (725 19 251 / 326) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen den noch geklagten Be- schwerden und den beiden Auffahrunfällen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Beat Her sberger, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Stefan Suter , Advo- kat, Clarastrasse 51, 4005 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Advokatur am Bahnhof GmbH, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1978, war als Gruppenleiter bei der Firma B.____ AG tätig und bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versic hert, als er am 4. April 2016 einen Auf- fahrunfall erlitt. Gleichentags suchte er die Notfall praxis des Spitals C.____ auf, wo eine leichte Distorsion der Halswirbelsäule diagnostiziert wurde. Eine Arbeitsunfähigkeit resultierte nicht. Am Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 26. April 2017 erlitt der Versicherte einen weiteren Auffahrunfall. Die von ihm aufgesuchte Haus- ärztin diagnostizierte eine Distorsion der Brustwirbelsäule sowie eine Zervikalgie, zudem wurde eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Suva erbrachte für die Folgen beider Unfallereignisse die gesetzlichen Versicherungsleistungen. Mit Verfügung vom 1. März 2019 stellte die Suva die Versicherungsleistungen per 31. März 2019 ein und lehnte einen Anspruch auf weitere Geldleis- tungen in Form einer Invalidenrente und einer Integr itätsentschädigung mit der Begründung ab, die noch geklagten Beschwerden seien organisch nicht hinr eichend nachweisbar und die Adä- quanz sei nach Prüfung der massgebenden Kriterien zu verneinen. Die vom Versicherten am 8. März 2019 fristgerecht erhobene Einsprache wies die Suva mit Entscheid vom 25. Juni 2019 ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Stefan Suter, mit Eingabe vom 8. August 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaf t, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht. Er beantragte unter o/e-Kostenfolge die Au fhebung des angefochtenen Entscheids und die Anweisung der Beschwerdegegnerin, ihm auch nach dem 31. März 2019 eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % und eine Integritätsentschädigung auszurichten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter als unentgeltlichem Rechtsbeistand. In der Begründung stellte er sich zusammenfassend auf den Standpunkt, dass die Beschwerdegeg nerin den Kausalzusammen- hang zu Unrecht verneine. C. Mit Verfügung vom 9. September 2019 bewilligte da s instruierende Präsidium der Abtei- lung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts dem B eschwerdeführer die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Stefan Suter als unentgeltlichem Rechtsbeistand. D. Mit Vernehmlassung vom 22. Oktober 2019 beantragte d ie Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser im Kanton Baselland, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer über den 31. März 2019 hinaus An- spruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat. 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsun- fällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Ar t. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versi- cherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine nam- hafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ä rztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.2.1 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversicherer grundsätzlich nur unter der Vor- aussetzung aufzukommen, dass zwischen dem versicherten Ereign is und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein Kausalzusammen- hang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalz usammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei- chen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis- tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.2.2 Bei der Beurteilung der natürlichen Kausalität von Unfällen mit Beeinträchtigungen der HWS oder einem Schädel-Hirn-Trauma ist zu unterscheide n, ob der Unfall zu organisch nach- weisbaren Funktionsausfällen geführt hat oder nicht. Solange organische Befunde klar nachweis- bar sind, ist der natürliche Kausalzusammenhang zu bejahe n (BGE 117 V 365). Bei einem Schleudertrauma ohne organisch nachweisbare Funktionsau sfälle ist der natürliche Kausalzu- sammenhang zwischen dem Unfall und den bestehenden Beschwerden sowie der damit verbun- denen Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit in der Regel dann zu bejahen, wenn ein solches Trauma diagnostiziert ist und innert der Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht seit dem Unfall (RKUV 2000 Nr. U 359, S. 29 E. 5e) die für diese Verletzung typische Beschwer- desymptomatik zumindest teilweise aufgetreten ist (BGE 117 V 382 E. 4a und E. 4b [diffuse Kopf- schmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörung en, Übelkeit, Depression, We- sensveränderung usw.]). Dasselbe gilt bei Verletzungen im Bereich der HWS, die auf einem dem Schleudertrauma äquivalenten Verletzungsmechanismus (Kopfanprall mit Abknickung der HWS, Distorsionstrauma der HWS mit Kopfanprall, vgl. dazu RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 E. 3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67) oder einem Schädel-Hirn-Trauma (BGE 117 V 382 E. 4a) beruhen. An diesem Grundsatz hat sich auch gemäss neuester Rechtsprec hung des Bundesgerichts nichts geändert (BGE 134 V 109). 3.2.3 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und eine r gesundheitlichen Störung ein na- türlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrag e, worüber die rechtsanwendende Be- hörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweis- würdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen B eweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellungen zu folgen, die von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahr- scheinlichste gewürdigt wird (BGE 126 V 360 E. 5b). 3.3.1 Um eine Leistungspflicht des Unfallversicherers begr ünden zu können, muss zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nur ein natürlicher, son- dern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtsprechung hat ein Er- eignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gel ten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintrit t dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3 .2). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftu ngsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwi- schen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen g esundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzu sammenhang besteht, ist eine Rechts- frage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht und der Verwaltung zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 3.3.2 Die Adäquanz spielt als rechtliche Eingrenzung d er sich aus dem natürlichen Kausalzu- sammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausge- wiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natür- lichen Kausalität deckt (BGE 127 V 103 E. 5b/bb). Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar sind und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unf allfolgen kann somit erst dann ge- sprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen be- stätigt wurden und die hierbei angewendeten Untersuch ungsmethoden wissenschaftlich aner- kannt sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2007, U 186/06, E. 5.3). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.3 Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch ni cht objektiv ausgewiesenen Unfall- folgeschäden ist wie folgt zu differenzieren (Urteil des EVG vom 7. November 2002, U 377/01, E. 4.3): Zunächst ist festzustellen, ob die versicherte Perso n beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS, einen äquivalenten Verletzungsmechanismus oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (erste Fallgruppe), o- der ob es sich um einen Unfall mit anderen somatischen Verletzungen und gesundheitlichen Fol- gen handelt (zweite Fallgruppe). Bei der zweiten Fallgruppe erfolgt die Adäquanzbeurteilung nach den in BGE 115 V 133 entwickelten Kriterien. Bei Unfällen der ersten Fallgruppe ist hingegen die Adäquanz gemäss BGE 117 V 359 zu beurteilen. Der Unterschied besteht darin, dass bei diesen Unfällen auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird, da nicht entscheidend ist, ob die Beschwerden medizinisch eher als organisch oder psychi- scher Natur zu bezeichnen sind (BGE 117 V 367 E. 6a). Bei den Unfällen der zweiten Fallgruppe sind für die Beurteilung der Adäquanz von psychischen Fehlentwicklungen lediglich das Unfaller- eignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objek- tive Folgen massgebend (BGE 115 V 140 E. 6c/aa). 3.3.4 Nach der Rechtsprechung des BGE 117 V 133 setzt die Bejahung des adäquaten Kau- salzusammenhangs im Einzelfall voraus, dass dem Unfalle reignis für die Entstehung der psy- chisch bedingten Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung der Unfälle in drei Grup- pen zweckmässig erscheint: banale bzw. leichte Unfälle einer seits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischenliegende mittlere Bereich. Während bei leichten bzw. banalen Unfällen der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel ohne weiteres verneint werden kann, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solche r Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen, ist der ad äquate Kausalzusammenhang zwi- schen Unfall und Folgen bei schweren Unfällen in der Re gel zu bejahen. Denn nach dem ge- wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle ge- eignet, invalidisierende psychische Gesundheitsschäden zu bewirken. Bei Unfällen aus dem mitt- leren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusam- menhang besteht, nicht auf Grund des Unfalls allein schl üssig beantworten. Es sind daher wei- tere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folge davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen ("adäquanzrelevante Kriterien"). 3.3.5 Das Bundesgericht hat in BGE 134 V 109 die Praxi s zur Kausalitätsprüfung bei Unfall mit Schleudertrauma, äquivalenter Verletzung der HWS oder Schädel-Hirntrauma ohne orga- nisch objektiv ausgewiesene Beschwerden in mehrfacher Hinsicht präzisiert. Am Erfordernis ei- ner besonderen Adäquanzprüfung bei Unfällen mit solch en Verletzungen hat es festgehalten, jedoch die Anforderungen an den Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bei solchen Verletzungen erhöht (E. 7-9 des erwähnten Urteils). Die bewährten Grundsätze über die bei die- ser Prüfung vorzunehmende Einteilung der Unfälle nach deren Schweregrad und den abhängig Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der Unfallschwere gegebenenfalls erforderlichen Einb ezug weiterer Kriterien in die Adä- quanzbeurteilung hat es ebenfalls beibehalten (E. 10. 1). Das Bundesgericht hat aber die adä- quanzrelevanten Kriterien teilweise modifiziert. Dies be trifft zunächst das Kriterium der "unge- wöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung", das nur dann vorliegt, wenn nach dem Unfall fortgesetzt spezifische und die versicherte Person belastende ärztliche Behandlung im Zeitraum bis zum Fallabschluss notwendig gewesen war (E. 10.2.3). Weiter wird für die Erfüllung des Kri- teriums "Dauerbeschwerden" vorausgesetzt, dass diese erheblich sind, was aufgrund glaubhaft geltend gemachter Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person im Lebensalltag erfährt, zu beurteilen ist (E. 10.2.4). Hinsichtlich des Kriteriums "Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit" ist nicht die Dauer an sich, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche massgeblich, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unter- nimmt (E. 10.2.7). Zusammenfassend hat das Bundesgericht den Katalog der bisherigen adä- quanzrelevanten Kriterien wie folgt neu gefasst: beson ders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzun- gen; fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche Beschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich v erschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; erhebliche Arbeitsunfä higkeit trotz ausgewiesener Anstrengun- gen. 3.3.6 Weiterhin gilt, dass nicht in jedem Fall der Ein bezug sämtlicher Kriterien in die Gesamt- würdigung erforderlich ist. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adä- quaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen . Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonde res bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere, das heisst mindestens vier der sieben unfallbezogenen Kriterien bejaht werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2018, 8C_414/2017, E. 3.4). Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Vernei- nung des adäquaten Kausalzusammenhangs (BGE 117 V 367 E. 6b). 3.3.7 Falls im Anschluss an zwei oder mehrere Unfälle e ine psychische Fehlentwicklung ein- tritt, hat die Adäquanzprüfung grundsätzlich für jeden Unfall gesondert gemäss der Rechtspre- chung zu den psychischen Unfallfolgen zu erfolgen (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Dezem- ber 2008, 8C_477/2008, E. 6.2.2 mit weiteren Hinweisen). Gleiches gilt prinzipiell auch bei einer Mehrzahl von Unfällen mit Schleudertrauma der HWS oder gleichgestellter Verletzung. In diesem Rahmen ist es rechtsprechungsgemäss jedoch nicht generell ausgeschlossen, die wiederholte Betroffenheit desselben Körperteils bei der Adäquanzpr üfung zu berücksichtigen. Letzteres ist insbesondere dann denkbar, wenn die Auswirkungen der verschiedenen Ereignisse auf gewisse Beschwerden und/oder die Arbeitsfähigkeit nicht vonein ander abgegrenzt werden können. Der hinreichend nachgewiesenen, durch einen früheren versicherten Unfall verursachten dauerhaften Vorschädigung der HWS kann diesfalls bei der Beurteilun g der einzelnen Kriterien – beispiels- weise der besonderen Art der Verletzung, der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anstrengungen oder der fortgesetzt spezifischen, belaste nden ärztlichen Behandlung – Rech- nung getragen werden. 3.4 Im Zusammenhang mit der Adäquanzprüfung ist sodann auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Krankheitsbild des Tinnitusleiden hinzuweisen. Das Bundesgericht nahm in seiner Rechtsprechung (BGE 138 V 248 ff.) gestützt auf die medizinische Literatur eine Unter- scheidung zwischen objektivem und subjektivem Tinnitus vor. Der objektive Tinnitus bezeichnet ein Ohrgeräusch, welches aufgrund pathologisch-anatomisch er Veränderungen entsteht und grundsätzlich auch für Aussenstehende – allenfalls mit tech nischen Hilfsmitteln – hörbar wird. Meist handelt es sich um gefässreiche Missbildungen, Tumor e oder um muskulär bedingte Schallgeräusche. Der subjektive Tinnitus wird einzig durch die betroffene Person gehört und stellt die weitaus häufigste Form dar. Eine weitere Umschreibung geht dahin, dass dieser eine audito- rische Empfindung ist, die ohne äussere akustische oder e lektrische Reizung entsteht und die keinen subjektiven Informationsgehalt hat. Die genannten Definitionen unterscheiden sich bei ge- nauer Betrachtung lediglich in begrifflicher, nicht aber in inhaltlicher Hinsicht. Gestützt auf diese medizinischen Lehrmeinungen gelangte das Bundesgericht in BGE 138 V 256 E. 5.8.3 zum Schluss, dass an der Annahme, der Tinnitus sei ein körper liches Leiden oder zumindest (zwin- gend) auf eine körperliche Ursache zurückzuführen, nicht festgehalten werden könne. Es wies darauf hin, dass in der medizinischen Lehre Einigkeit da rüber bestehe, dass jedenfalls ein sub- jektiver Tinnitus nicht objektiv gemessen werden könne. Alle Untersuchungen würden nur auf eine "Vergleichbarkeit" abzielen. Dabei stünden die Kooperation des Patienten oder der Patientin und dessen bzw. deren volle Subjektivität im Mittelpunkt. Die Einstufung eines Tinnitus innerhalb gebräuchlicher Raster mit drei bis vier Schweregraden e rfolge nicht aufgrund audiometrischer oder anderer Messungen, sondern nach der subjektiv empfundenen Beeinträchtigung. Dement- sprechend würden die Schweregrade des Tinnitus den subje ktiven Leidensdruck wiedergeben und müssten nicht mit irgendwelchen Tinnitusparametern wie der subjektiven Lautheit oder mit audiologischen Messungen korrelieren. Der nur so bestimmb are Schweregrad könne demge- mäss keine verlässlichen Rückschlüsse auf eine organische Unfallfolge als Ursache des Tinnitus bieten. Zusammenfassend kam das Bundesgericht zum Schluss, dass keine medizinisch gesi- cherte Grundlage bestehe, um einen Tinnitus als körperl iches Leiden zu betrachten oder ihn (zwingend) einer organischen Ursache zuzuordnen. Auch lasse sich nicht vom Schweregrad ei- nes Tinnitus auf eine organische Unfallfolge als Ursache schliessen. Das schliesse zwar nicht aus, dass ein Tinnitus in einer organischen Unfallfolge begründet sein könne. Es bestehe aber keine Rechtfertigung, bei einem Tinnitus, welcher im Einzelfall nicht nachgewiesenermassen auf eine solche (organische) Unfallfolge zurückzuführen ist, auf das Erfordernis einer besonderen Adäquanzprüfung zu verzichten. Anders zu verfahren würde kausalrechtlich einer sachlich und rechtlich nicht begründbaren Bevorteilung des Tinnitus g egenüber anderen organisch nicht ob- jektiv ausgewiesenen Beschwerdebildern entsprechen. In diesem Sinne sei die Rechtsprechung zu bereinigen. 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Pers on, der von weiteren Behandlungen zu erwartenden Besserung sowie der Feststellung natürliche r Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsanwendende Behörde regelmässi g auf Unterlagen angewiesen, die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stell en sind (vgl. BGE 122 V 158 f. E. 1b). Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Be- weismittel – ohne Bindung an förmliche Beweisregeln so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsger icht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbeson- dere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledi- gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und d ie Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These a bstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol- gerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge- reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.2 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). Stützt sich der angefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne me- dizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen für die richtige und voll- ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa- chen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesge richts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Beurteilung der Unfallkausalität der Beschwer- den des Beschwerdeführers in ihrem Einspracheentscheid ins besondere auf die Einschätzung ihres Kreisarztes Dr. med. D.____, Arzt für Allgemeinmed izin, vom 8. März 2019, wonach die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden nicht mit übe rwiegender Wahrscheinlichkeit Folge oder Teilfolge der beiden geltend gemachten Er eignisse seien und unfallbedingte Be- schwerden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkei t ausgeschlossen werden könnten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufgrund der initialen Erstuntersuchungsbefunde und rad iologischen Abklärungen sei eine vo- rübergehende Beschwerdeauslösung für einige Tage bis längstens drei Monate nach dem jewei- ligen Ereignis anzunehmen. In sämtlichen Abklärungen hätten sich keine unfallspezifischen Be- funde gefunden. In den MRI-Untersuchungen vom 10. Mai 2016 und vom 8. Mai 2017 fänden sich jeweils ein unauffälliges Knochenmarksignal und auch unauffälliges Weichteilsignal ohne jeden Hinweis auf eine bis zum rechten Foramen reichen den, kleinen Diskushernie mit Kontakt zur Wurzel L5, ohne diese jedoch zu verlagern. Auch sämt liche erhobenen klinischen Befunde würden gegen unfallbedingte Verletzungen sprechen un d insbesondere gegen Beschwerden, welche unfallbedingt länger als drei Monate zu erkläre n wären. Die gesamte Beschwerdesymp- tomatik sei unspezifisch und durch die vorliegenden Ereignisse nicht zu erklären. 5.2 Wie in Erwägung 4.1 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfügbaren Un- terlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen R echtsanspruchs gestatten. Rechtspre- chungsgemäss sind an versicherungsinterne Beurteilungen, wie der vorliegende Bericht von Dr. D.____, strenge Anforderungen zu stellen und bereits bei geringen Zweifeln an deren Zuverläs- sigkeit und Schlüssigkeit ergänzende Abklärungen vorzunehm en (vgl. Erwägung 4.2 hiervor). Solche Zweifel liegen indessen nicht vor. Sein Bericht erweist sich als überzeugend und deckt sich mit der übrigen Aktenlage. Dr. D.____ setzte sich hinreichend mit den bei den Akten liegen- den medizinischen Unterlagen auseinander, ging in sein em Bericht auf die Beschwerden des Versicherten ein und vermittelte so ein umfassendes Bild über dessen Gesundheitszustand. Es wird deutlich, dass keine organisch (hinreichend im Sinn e von apparativ bildgebend) nachweis- baren Unfallfolgeschäden vorliegen. Weder Dr. med. E. ____, Neurologie FMH, noch Prof. Dr. med. F.____, FMH Oto-Rhino-Laryngologie, konnten ein unfallbedingtes strukturelles Substrat für die vom Beschwerdeführer angegebenen Symptomatik i dentifizieren (Bericht vom 9. März 2018 bzw. vom 9. Februar 2018). Auch Dr. med. G.____, FMH Rheumatologie, argumentierte in ihrem Bericht vom 20. März 2019 lediglich mit der un zulässigen Beweisformel "post hoc ergo propter hoc", wenn sie festhält, dass die Beschwerden vor dem zweiten Unfall nicht vorhanden gewesen seien und daher unfallkausal sein müssten. Ein un fallbedingtes strukturelles Substrat für die Beschwerden führte auch sie nicht an. Somit kann der Auffassung des Beschwerdeführers, wonach zwei Verletzungen der HWS gegeben seien, nicht gefolgt werden. Solche sind gestützt auf die medizinischen Berichte nicht mit apparativen M assnahmen und damit objektiviert nach- gewiesen worden. 5.3 Der Beschwerdeführer leidet zudem unter einem sehr schweren, dekompensierten Tin- nitus (vgl. Bericht von Prof. F.____ vom 26. Juni 2018 ). Dr. med. H.____, Fachärztin für Oto- Rhino-Laryngologie und Arbeitsmedizin, nahm in ihrer B eurteilung vom 26. Februar 2019 dazu Stellung, ob es sich dabei um einen objektivierbaren resp . organisch nachweisbaren oder um einen subjektiven Tinnitus handelt und ob dieser auf den Unfall zurückzuführen ist. Sie führte aus, dass die von der HWS ausgehenden Beschwerden und Befunde isoliert durch die Kollisionsein- wirkung des Ereignisses vom 4. April 2016 nicht erklärbar seien. Strukturelle Läsionen seien nicht bekannt. Otoneurologische Auffälligkeiten als Hinweis für eine Gleichgewichtsfunktionsstörung seien nicht nachgewiesen worden. Auch wenn die externen ORL-fachärztlichen Abklärungen ei- nen sehr schweren dekompensierten Tinnitus gemäss Fragebog en ausweisen würden, so sei Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht dieser bei Nichtvorhandensein eines stumpfen Ohrtraumas bzw. Fehlen von strukturellen Unfall- folgen am Schädel und insbesondere bei nur leichter Hörschwäche beidseits nicht plausibel. Vor- liegend sei kein objektiver Tinnitus gegeben, bei dem zum Beispiel eine Gefässanomalie nach- gewiesen worden wäre, sondern ein subjektiver Tinnitus, bei dem nur der Betroffene die Ohrge- räusche wahrnehmen könne, da es keine innere Schallquelle gebe. Dieser subjektive Tinnitus korreliere jedoch nicht mit einer unfallbedingten Hörminderung, denn es sei davon auszugehen, dass der vorbestehenden endogenen Hörminderung degene rative Ursachen zugrunde liegen würden. Unter normalen Umständen würde eine unfallbe dingte Funktionsstörung der HWS ein einseitiges Ohrgeräusch auslösen, das als tiefes Brummen oder Rauschen zu hören sei, das mit einer Kopfdrehung ausgelöst werden könne. Vorliegend werde aber über einen hohen Pfeifton in beiden Ohren berichtet. Ein Tinnitus sei mit Wahrschein lichkeit nur dann auf ein HWS- Schleudertrauma zurückzuführen, wenn gleichzeitig mehrere pathologische Befunde am Hör- o- der Gleichgewichtsorgan aufgetreten seien, also ein Or ganschaden nachweisbar sei, um einen Zusammenhang zwischen Unfall und Ohrgeräusch herzustelle n. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Es handle sich ihrer Auffassung nach um einen somatoformen, psychogenen Tinnitus nach einer Schreck- bzw. Schockreaktion, der Teilsymptom einer Somatisierungsstörung bzw. reakti- ven Depression geworden sei. Die subjektiven Beschwerden st ünden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem unfallkausalen Zusammenhang m it den Ereignissen vom 4. April 2016 und vom 26. April 2017. Aus ORL-fachärztlicher Sic ht sei die Arbeitsfähigkeit/Leistungsfä- higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht eingeschrä nkt. Es bestehe keine unfallbedingte Integritätseinbusse. Von weiteren medizinischen Massnahmen sei nach Aktenlage nicht mit einer nachhaltigen Verbesserung des Gesundheitszustands zu rechnen. Konkrete Indizien, die Zweifel an der Einschätzung von D r. H.____ aufkommen lassen würden, sind nicht ersichtlich und werden vom Beschwerdeführer auch nicht aufgezeigt. Soweit er sich auf die Beurteilung von Dr. phil. I.____ vom 28. März 2019 beruft, kann deren Beurteilung keine Zweifel an der Einschätzung von Dr. H.____ wecken. Die behandelnde Psychologin vertritt die Auffassung, wonach die psychischen und physischen Leiden auf das Ereignis vom 26. April 2017 zurückzuführen seien. Sie argumentierte dabei aber eben falls lediglich mit der beweisrechtlich unzulässigen Formel "post hoc ergo propter hoc"; konkrete Angaben zum Kausalzusammenhang, die die Schlussfolgerungen von Dr. D.____ und Dr. H.____ in Frage stellen würden, machte sie hingegen nicht. Insoweit der Beschwerdeführer behaup tet, dass die HWS-Distorsion direkt für den Tinnitus verantwortlich sein dürfte, kann ihm daher unter unfallversicherungsrechtlicher Optik nicht gefolgt werden. Der medizinischen Aktenlage folgend ist klar erstellt, dass der Tinnitus auf keine organisch-strukturelle Läsion des Gehörs zurückzuführen ist. 5.4 Insgesamt ergibt sich aus den vorliegenden medizinisch en Akten nichts, was geeignet wäre, den Beweiswert der ärztlichen Beurteilungen von Dr. D.____ und Dr. H.____ in Zweifel zu ziehen. Soweit der Beschwerdeführer rügt, dass die Beschwerdegegnerin den Beweis für unfall- fremde Ursachen zu erbringen habe, kann ihm nicht gefo lgt werden. Praxisgemäss muss der Beweis des Wegfalls des natürlichen Kausalzusammenhang s nicht durch den Nachweis unfall- fremder Gründe erbracht werden. Entscheidend ist allein , ob unfallbedingte Ursachen des Ge- sundheitsschadens dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2017, 8C_58/2017, E. 6.2 mit weiteren Hinweisen), was vorliegend der Fall ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Vorliegend sind nach den Unfallereignissen organisch nicht hinreichend nachweisbare Beschwerden aufgetreten, weshalb die Adäquanz besonde rs und gemäss den in Erwägungen 3.3.3 ff. hiervor dargelegten Grundsätzen zu prüfen ist. 6.2 Wie den Akten entnommen werden kann, zog sich der Beschwerdeführer anlässlich des ersten Auffahrunfalls vom 4. April 2016 eine leichte H WS-Distorsion zu (vgl. Bericht des Spitals C.____, hausärztliche Notfallpraxis, vom 4. April 2016). Im gleichentags ausgefüllten Dokumen- tationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma wird das Auf- treten von Kopf- und Nackenschmerzen zwei Stunden nach dem Unfall bejaht. Im Rahmen des zweiten Unfallereignisses vom 26. April 2017 berichtete der Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin im Rahmen der Besprechung vom 31. Juli 2017, dass sofort nach dem Unfall Kopf- und Nackenschmerzen aufgetreten seien und si ch innert drei Tagen ein Tinnitus beidseits sowie ein Kribbelgefühl in den Armen eingestellt hätten. 6.3 Die Ausführungen des Beschwerdeführers in Bezug auf den Beschwerdeverlauf sind in allen Teilen gleichlautend, weshalb unbestritten ist , dass er anlässlich von beiden Unfällen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Symptomatik aufwies, die dem sog. bunten Beschwerde- bild einer HWS-Distorsion entsprach. Die Adäquanzprüfu ng hat deshalb nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. dargelegten, mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten Grundsätze zu erfolgen. 7.1 Im Rahmen der erforderlichen besonderen Adäquanzp rüfung bei einem HWS- Schleudertrauma bzw. einem subjektiven Tinnitus ist als erstes auf die Frage der Unfallschwere einzugehen. Massgebend für deren Beurteilung ist der au genfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (vgl. Kranken- und Unfa llversicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1999 Nr. U 335 S. 207 E. bb), nicht jedoch die Folgen des Unfalles oder die Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Der- artigen Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die – ein eigenes Kriterium bildenden – Verletzun gen, welche sich die versicherte Person zuzieht, aber auch für – unter dem Gesichtspunkt der be sonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfende – äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall für andere Personen nach sich zieht. Dieser Grundsatz gilt sowohl in Bezug auf die Adäquanzbeurteilung bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall (Sozialversich erungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2008 UV Nr. 8 S. 27 E. 5.3.1) als auch bei Anwendung der Schleudertrauma-Praxis (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni 2008, 8C_536/2007, E. 6.1). 7.2 In Bezug auf die Schwere der Unfallereignisse ergib t sich Folgendes: Gemäss Polizei- rapport vom 20. April 2016 sass der Beschwerdeführer beim Unfallereignis vom 4. April 2016 im letzten durch eine Reihenauffahrkollision in Mitleidensch aft gezogenen Personenwagen. Dabei prallte ein Audi A3 auf das Heck eines VW Polo 1.4, wod urch der VW Polo auf das Heck eines VW Golf geschoben wurde. Dieser wurde anschliessend gegen das Heck des Jaguars XF S des Beschwerdeführers geschoben. Der Jaguar des Beschwerdefü hrers wies nur eine leichte Be- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigung im Heckbereich auf. Der Beschwerdeführer war e igenen Angaben gemäss ange- schnallt. Die Geschwindigkeitsänderung lag dabei unterhalb eines Bereiches von 10 bis 15 km/h (vgl. biomechanische Kurzbeurteilung vom 18. Mai 2017). Am 26. April 2017 hielt der Beschwer- deführer seinen Lieferwagen vor einem Fussgängerstreifen an, worauf ein Personenwagen von hinten auffuhr. Dabei erfuhr das Fahrzeug des Beschwerde führers eine Geschwindigkeitsände- rung von rund 5 bis 9 km/h (vgl. Unfallanalyse der Zürich Versicherungs-Gesellschaft-AG vom 6. Februar 2018). Bei beiden Unfällen bewegte sich der Beschwerdeführer parallel zur Achse nach hinten. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass es sich beim zweit en Unfall um einen mittleren bis schweren Unfall gehandelt habe. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden, wie der Vergleich mit anderen Unfallereignissen zeigt. Als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Unfällen wurden beispielsweise folgende Ereignisse qualifiziert: Kollision eines Lastwagens mit einem Per- sonenwagen auf der Autobahn, worauf dieser zuerst mit der rechten, anschliessend mit der linken Tunnelwand kollidierte und die Windschutzscheibe durch he ftigen Kopfanprall barst (Urteil des Bundesgerichts vom 4. September 2008, 8C_257/2008, E. 3.3.3). Der Unfall, bei dem der Versi- cherte mit einem Personenwagen auf der Überholspur der Autobahn fuhr und bei einer Geschwin- digkeit von etwa 130 km/h plötzlich ins Schleudern geriet, die Normalspur und den Pannenstreifen überquerte und mit der Böschung kollidierte, wobei si ch das Fahrzeug überschlug. Der Perso- nenwagen wurde auf die Überholspur zurückgeschleudert und kam auf den Rädern stehend zum Stillstand. Beim Überschlagen wurde der Beifahrer aus d em Dachfenster auf die Böschung ge- schleudert. Der Versicherte konnte das Fahrzeug nicht mehr eigenständig verlassen (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2009, 8C_799/2008, E. 3.2.2). Vor dem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die beiden Ereignisse als mittelschwere Unfälle mit Tendenz zu einem leichten Unfall qualifizierte. Damit die Adäquanz bejaht werden könnte, müsste von den in die Beurteilung einzubeziehenden sieben Adä quanzkriterien somit entweder ein ein- zelnes in besonders ausgeprägter Weise vorliegen oder mindestens vier der sieben Kriterien er- füllt sein (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Februar 2014, 8C_682/2013, E. 10). 7.3.1 Das Kriterium der besonders dramatischen Beglei tumstände oder der besonderen Ein- drücklichkeit des Unfalles ist objektiv zu beurteilen und n icht aufgrund des subjektiven Empfin- dens bzw. des Angstgefühls der versicherten Person (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2008, U 56/07, E. 6.1). Die vorliegend zu beurteilen den Unfälle waren objektiv betrachtet und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass jeder Unfall eine gewisse Bedeutung hat, weder von besonderer Eindrücklichkeit noch liegen besonders dramat ische Begleitumstände vor. Für die Erfüllung des Kriteriums liegen keine Anhaltspunkte vor. 7.3.2 In Bezug auf die Schwere oder die besondere Ar t der erlittenen Verletzungen ist festzu- stellen, dass das Bundesgericht in BGE 134 V 127 E. 10.2.2 präzisierend festgehalten hat, dass allein die Diagnose eines Schleudertraumas der HWS dieses Kriterium nicht begründen kann. Es bedarf hierzu einer besonderen Schwere der für das Verletzungsbild typischen Beschwerden o- der besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können. Dabei kann es sich beispielsweise um eine beim Unfall eingenommene spezielle Körperhaltung und die dadurch be- wirkten Komplikationen handeln (vgl. RKUV 2005 Nr. U 5 49 S. 236 E. 5.2.3). Auch erhebliche Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma zugezogen hat, können bedeutsam sein. Solche Umstände liegen gemäss den Akten nicht vor. In der Notfallpra- xis des Spitals C.____ wurde lediglich eine leichte Di storsion der HWS diagnostiziert. Auch im Rahmen des zweiten Unfallereignisses fand med. pract. J.____, Fachärztin für Allgemeinmedizin, bei ihrer Untersuchung vom 27. April 2017 keine wesentlichen Verletzungen vor, sondern ledig- lich einen Muskelhartspann sowie Schmerzen beim tiefen Ei n- und Ausatmen, einen Tinnitus in beiden Ohren sowie nuchale Kopfschmerzen. Auch beim zweiten Unfall lag keine ungewöhnliche Sitzposition oder eine ungewöhnliche Kopfhaltung vor. D er Beschwerdeführer gab an, dass er eine aufrechte Sitzposition eingenommen und mit gera der Kopfstellung den Kopfanprall an der Kopfstütze erlitten habe (vgl. Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma vom 12. September 2017). Gemäss Bundesgericht spricht es zwar der allgemeinen Erfahrung, dass pathologische Zustände nach HWS-Verletzungen bei erneuter Traumatisierung stark exazerbieren können (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Dezember 2008, 8C_477/2008, E. 6.3.2.2). Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits durch einen früheren versi- cherten Unfall erheblich vorgeschädigte HWS trifft, ist demnach speziell geeignet, die charakte- ristischen Symptome hervorzurufen und deshalb als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren. Vorliegend geht aus dem Bericht des den Beschwerdeführer nach dem ersten Unfallereignis be- handelnden Neurologen Dr. med. K.____, Spezialarzt für Neurologie FMH, vom 3. August 2016 hervor, dass nicht die HWS-Beschwerden, sondern ein Schu lterschmerz rechts, Schmerzen in- terscapulär (BWK 5), Schmerzen im rechten Beckenkamm und in den lateralen Oberschenkel rechts im Vordergrund gestanden seien. Insbesondere die mittelstarken Schmerzen der mittleren BWS schränkten den Beschwerdeführer somit nach dem erst en Unfallereignis ein. Die HWS- Beweglichkeit erwies sich dagegen als normal. Damit kann auch unter Berücksichtigung des Um- stands, dass der Schadenfall vom 4. April 2016 beim zweit en Unfall noch nicht abgeschlossen gewesen war, dieses Kriterium nicht als erfüllt betrachtet werden. 7.3.3 Für das Kriterium der ärztlichen Behandlung ist wesentlich, ob nach dem Unfall eine fortgesetzte spezifische, die versicherte Person belastende ärztliche Behandlung bis zum Fallab- schluss notwendig war (BGE 134 V 128 E. 10.2.3). Dieses K riterium ist nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen. Von Bedeutung sind vielmehr auch Art und Intensität der Be- handlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besser ung des Gesundheitszustands resp. der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist. Es muss, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit ei- ner gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztli- che Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer vorliegen. Manualtherapeutische Massnahmen, die nur der Erhaltung des Zustandes dienen und ärztliche Verlaufskontrollen sowie eine medika- mentöse Schmerzbekämpfung allein genügen diesen Anforderungen nicht (Urteil des Bundesge- richts vom 11. Juli 2007, U 365/05, E. 5.2 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend dienten viele der ärztlich angeordneten Massnahmen der Abklärung des Gesund heitszustandes. Ansonsten be- schränkte sich die ärztliche Behandlung auf ambulante Manualtherapien und die Verordnung von Medikamenten. Zudem bestand bzw. besteht noch immer ein e Psychotherapie zur Behandlung des dekompensierten Tinnitus und seit Februar 2019 auch zur Behandlung des Kopfschmerzes (vgl. Bericht von Dr. I.____ vom 28. März 2019). Insgesam t betrachtet ist damit eine fortgesetzt spezifische, nicht aber eine belastende ärztliche Behandlung anzunehmen. Das Kriterium ist da- mit nicht erfüllt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.4 Was das Kriterium der erheblichen Beschwerden be trifft, ist vorab festzuhalten, dass nur diejenigen erheblichen Beschwerden adäquanzrelevant se in können, die in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UV G ohne wesentlichen Unterbruch be- standen haben. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach Massgabe der glaubhaften Schmerzen und der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag er- fährt (BGE 134 V 128 E. 10.2.4). Der Beschwerdeführe r leidet gemäss Dr. I.____ unter einem Tinnitus und Schmerzen am Hinterkopf, wodurch der Schlaf beeinträchtigt werde. Durch den feh- lenden Schlaf sei er erschöpft und habe Symptome einer mittelgradigen depressiven Episode entwickelt. Es handle sich dabei um eine posttraumatisch e Reaktion, die mit einer Depression, Angst und Somatisierung einhergehe (Bericht vom 28. Mä rz 2019). An der Glaubwürdigkeit der geschilderten Beschwerden ist vorliegend nicht zu zweifeln, weshalb das Kriterium – wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Weise – zu bejahen ist. 7.3.5 Das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, wel che die Unfallfolgen erheblich ver- schlimmert hat (BGE 134 V 129 E. 10.2.5), ist unbestrittenermassen nicht erfüllt. 7.3.6 Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden – welche im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien (fortgesetzt spezifische, belastende ärzt- liche Behandlung; erhebliche Beschwerden) zu berücksichtige n sind – darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikatio nen geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Genesung beeinträchtigt oder verzögert haben (vgl. Urteil U 479/05 vom 6. Februar 2007 E. 8.5 mit Hinweis, pub l. in: SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81). Solche Umstände liegen hier nicht vor. 7.3.7 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsunfähigke it anbelangt, ist nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung nicht mehr die Dauer der Ar beitsunfähigkeit massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu üb erwinden die versicherte Person ernst- hafte Anstrengungen unternimmt. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mit- wirkung raschmöglichst wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengun- gen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz all- fälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren . Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksic htigen. Sodann können Be- mühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschrän kung besser Rechnung tragende Tä- tigkeiten ins Gewicht fallen (BGE 134 V 129 E. 10.2.7 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2008, 8C_252/2007, E. 7.7.1 mit Hinweis). Der Beschwerdeführer arbeitete nach dem ersten Unfall voll weiter. Erst nach dem zweiten Un fall wurde ihm eine Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. Bericht von med. pract. J.____ vom 16. Mai 2017). Ab dem 23. April 2018 wurde dem Beschwerdeführer wieder eine Arbeitsfähigkeit vo n 50 % attestiert (Bericht von Dr. med. G.____ vom 25. April 2018). Der Beschwerdeführer unternahm Bestrebungen, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dabei ist hervorzuheben, dass er ab Oktober 2019 eine neue Anstel- lung gefunden hat (vgl. Arbeitsvertrag zwischen dem Beschwerdeführer und der Römisch-Katho- lischen Kirchgemeinde Z.____ vom 22. Oktober 2019). Dami t ist dieses Kriterium als erfüllt zu betrachten. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Zusammenfassend können lediglich zwei der sieben Krite rien als erfüllt betrachtet wer- den. Die Beschwerdegegnerin hat demnach den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den Unfallereignissen vom 4. April 2016 und dem 26. April 2017 und den vom Beschwerdeführer über den 31. März 2019 hinaus geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu Recht verneint und ihre Leistungen eingestellt. Die gegen den betref fenden Einspracheentscheid vom 25. Juni 2019 erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Eine Parteientschädigung wird dem Ausgang de s Prozesses entsprechend nicht aus- gerichtet. 9.2 Dem Beschwerdeführer ist mit Verfügung vom 9. Sep tember 2019 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden, weshalb dieser für seine Bemühun- gen aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist. Gemäss § 3 A bs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Ho- norarnote vom 21. Oktober 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 12.5 Stun- den ausgewiesen. Dieser Aufwand erscheint im Hinblick auf die sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Keinen Anlass zur Bean standung geben zudem die ausge- wiesenen Auslagen im Umfang von Fr. 57.60. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'754.50 (12.5 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 57.60 zuzüglich 7,7% Mehr- wertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'754.50 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht