A bteilung IV D -6140/2006 sch/bah {T 0/2} U rteil vom 11. A pril 2007 M itw irkung:R ichter H ans Schürch, Vito Valenti, Thom as W espi G erichtsschreiber C hristoph Basler A ._______, geboren _______, Afghanistan, vertreten durch B._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 14. Septem ber 2006 i.S. A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer, ein ethnischer H azara m it letztem W ohnsitz in _______ (Provinz U ruzgan), verliess sein H eim atland eigenen Angaben gem äss am 17. M ai 2006 und gelangte am 2. August 2006 in die Schw eiz, w o er gleichentags um Asyl nachsuchte. Anlässlich der Em pfangszentrenbefragung, w elche am 11. August 2006 in _______ stattfand, m achte er geltend, sein Vater habe für die Am erikaner als C hauffeur gearbeitet. Seine Fam ilie sei von den Taliban überfallen w orden, w obei seine Eltern von diesen erm ordet w orden seien. Eine seiner Schw estern sei verw undet w orden; ein N achbar habe sie zu einem O nkel nach _______ gebracht. Er habe sich zum Zeitpunkt des Ü berfalls m it seiner anderen Schw ester in seinem Zim m er befunden. Einen M onat vor diesem Vorfall sei er von den Taliban entführt w orden. M an habe ihn nach _______ gebracht und von ihm w issen w ollen, für w en sein Vater arbeite. Er sei fünf Tage lang festgehalten und dreim al m it einem H olz- stock geschlagen w orden, anschliessend habe m an ihn nach _______ gebracht und freigelassen. D er N achbar, der seine Schw ester zum O nkel gebracht habe, habe ihm m itteilen lassen, dass sein Leben in G efahr sei. D ie Taliban hätten ihn bei seinem O nkel aufspüren können. Ein vom BFM beauftragter Experte führte am 28. August 2006 ein Telefonge- spräch m it dem Beschw erdeführer, aufgrund dessen er eine H erkunftsbestim m ung vornahm (LIN G U A-Analyse). D er Experte kam zum Schluss, der Beschw erdefüh- rer sei ohne Zw eifel hauptsächlich in Afghanistan sozialisiert w orden und gehöre der Ethnie der H azara an. Am 7. Septem ber 2006 führte das BFM eine direkte Anhörung des Beschw erde- führers durch. Er sagte aus, sein Vater habe für eine am erikanische Firm a gear- beitet. Aufgrund der Tätigkeit seines Vaters für die Am erikaner sei er von den Tali- ban entführt w orden. Er sei gefragt w orden, w as sein Vater transportiere und für w en er arbeite. Jeden Tag sei jem and gekom m en, der ihm die gleichen Fragen ge- stellt und ihn geschlagen habe. Am Tag des Ü berfalls auf seine Fam ilie habe er sich in seinem Zim m er aufgehalten. Er habe durch das Fenster gesehen, w ie sein Vater blutüberström t ins H aus gekom m en sei. O bw ohl sein Vater hingefallen sei, hätten ihn die Taliban geschlagen und getreten. Anschliessend seien auch seine M utter und seine Schw ester geschlagen w orden. D anach seien N achbarn in den Innenhof gekom m en, w eshalb er aus seinem Versteck herausgekom m en sei. Sei- ne Schw estern und er seien von einem N achbarn und dem D orfältesten nach _______ gebracht w orden. D er D orfälteste habe zehn Tage nach dem Ü berfall je- m anden zu seinem O nkel geschickt, der berichtet habe, dass drei Tage nach dem Ü berfall das H aus seiner Fam ilie angezündet und säm tliches G ut m itgenom m en w orden sei. D er Bote habe auch gesagt, der O nkel solle den Beschw erdeführer und dessen Schw estern aus dem Land bringen. Für den Inhalt der w eiteren Aussagen w ird auf die Akten verw iesen. B. M it Verfügung vom 14. Septem ber 2006 lehnte das BFM das Asylgesuch des Be- schw erdeführers ab, und verfügte dessen W egw eisung aus der Schw eiz, deren Vollzug es als durchführbar erachtete. Es begründete seinen Entscheid dam it, 3 dass seine Schilderung der fünftägigen H aft von Stereotypien geprägt sei. Es m angle ihr an D etailreichtum , an Konkretisierung und D ifferenziertheit, w eshalb das Vorbringen nicht glaubhaft sei. D er Beschw erdeführer habe den Ü berfall, bei dem seine Eltern getötet w orden seien, in unterschiedlichen Versionen geschildert, w oraus zu schliessen sei, dass die Vorbringen hinsichtlich der geltend gem achten Tötung seiner Eltern nicht glaubhaft seien. Er habe ausgesagt, dass seine Schw ester S. durch Schüsse der Taliban verletzt w orden sei. In der Folge sei sie zur m edizinischen Behandlung ins Spital von _______ begleitet w orden. Er habe sich aber bei beiden Befragungen nicht zum Ergehen seiner Schw ester geäussert. W äre er in der Lage gew esen, sich auf tatsächlich Erlebtes zu stützen, so hätte er w eiterführende Aussagen über den gesundheitlichen Zustand seiner Schw ester gem acht. Auf Vorhalt hin habe er gesagt, die D olm etscherin habe ihn bei der Erstbefragung daran gehindert, w eitere Angaben zu seiner Schw ester zu m achen, w as offensichtlich eine Schutzbehauptung sei, zum al er bei der Bundesbefragung explizit gefragt w orden sei, ob er noch etw as vorbringen m öchte, w oraufhin er von der gebotenen G elegenheit keinen G ebrauch gem acht habe. D ie aufgezeigten U ngereim theiten zeigten, dass es sich bei seinen Vorbringen, er und seine Fam ilie seien von den Taliban verfolgt w orden, um ein Konstrukt handle. C . M it Eingabe an die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) vom 12. O ktober 2006 liess der Beschw erdeführer durch seinen Vertreter Beschw erde gegen die vorinstanzliche Verfügung erheben, in der beantragt w urde, diese sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gew ähren. Von einer W egw eisung sei abzusehen. Es sei ihm die vollum fängliche unentgeltliche R echtspflege zu gew ähren und auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses zu verzichten. D . D ie AR K w ies das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen Verbeiständung m it Zw ischenverfügung vom 18. O ktober 2006 ab. H insichtlich des Entscheids über das G esuch um Erlass von Verfahrenskosten w urde auf einen späteren Zeitpunkt verw iesen. D em Beschw erdeführer w urde Frist zu Einreichung eines ärztlichen Be- richts angesetzt E. M it Schreiben vom 17. N ovem ber 2006 (Poststem pel) w urde der AR K ein ärzt- licher Bericht von D r. R . S. vom 2. N ovem ber 2006 überm ittelt. F. D as BFM schloss in seiner Vernehm lassung vom 11. D ezem ber 2006 auf Abw ei- sung der Beschw erde. G . D er Beschw erdeführer hielt in seiner Stellungnahm e vom 13. Januar 2007 an sei- nen Anträgen fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G ; SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs-4 verfahren (Vw VG ; SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehö- ren Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG ; SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgül- tig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G ; SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfah- rensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist ein- zutreten. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer poli- tischen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 4. 4.1 D er Beschw erdeführer m acht in seiner R echtsm itteleingabe geltend, die Ableh- nung von Asylgesuchen von Personen aus Afghanistan erstaune sehr, sei doch Länder- und M edienberichten zu entnehm en, dass die Taliban nach Afghanistan zurückkehrten, um die M acht zu ergreifen. D ie am erikanische Protektion und die Ü berw achung durch die U N O sei m ehr oder w eniger gescheitert. Er sei in Afgha- nistan aus den von ihm geschilderten G ründen verfolgt und m üsse ernsthafte N achteile und unerträglichen D ruck befürchten. Er w eise konkrete physische und psychische Schäden als Folge von Folter auf. Er sei derzeit in ärztlicher Behand- lung in der Klinik _______. D er afghanische Staat könne ihm keinen Schutz ge-5 w ähren. Seine Aussagen seien eindrücklich und im Kern übereinstim m end ausge- fallen, in der Verfügung des BFM w erde spitzfindig argum entiert. D ie Behauptung, seine Aussagen zur Inhaftierung seien stereotyp, sei aktenw idrig. Bei objektiver Betrachtung seien seine Aussagen zum Ü berfall auf seine Fam ilie nicht als w ider- sprüchlich zu w erten. Er habe überzeugend geschildert, dass seine Eltern er- schossen w orden seien. D ass die Begriffe "Erschiessen" und "Erschlagen" in sei- ner M uttersprache die gleichen W örter seien, habe der Ü bersetzer bestätigt. D er D olm etscher beim Em pfangszentrum sei Iraner gew esen, w as erkläre, dass dieser die M uttersprache des Beschw erdeführers nicht à fond kenne. Zudem bezeichne der einfache M ann in seiner Sprache erschlagen und erschiessen m it dem W ort "zadan". Entgegen den Ausführungen in der Verfügung habe ihn die D olm etsche- rin bei der Em pfangszentrenbefragung nicht daran gehindert, über das Schicksal seiner Schw ester zu sprechen, sie habe ihm aber gesagt, dass er an der zw eiten Anhörung G elegenheit erhalten w erde, darüber auszusagen. Zudem sei er von den Befragern nicht über den G esundheitszustand seiner Schw ester befragt w orden. Aussagen darüber seien auch kaum m öglich gew esen, sei er doch rasch nach dem Ü berfall ausser Landes geflohen. 4.2 D as BFM führt in seiner Vernehm lassung aus, D r. R . S. habe in seinem Bericht vom 2. N ovem ber 2006 darauf hingew iesen, seine Feststellungen w ürden lediglich dann G eltung haben, w enn die Aussagen des Beschw erdeführers w ahrheitsgetreu seien. Letzteres sei im Entscheid des BFM indessen verneint w orden. Es sei fest- zuhalten, dass der Beschw erdeführer sich die N arben beziehungsw eise Verlet- zungen unter anderen als von ihm geschilderten U m ständen zugezogen haben könne. 4.3 D er Beschw erdeführer entgegnet in seiner Stellungnahm e, die Bestreitung, dass er ein Folteropfer sei, sei nicht nachvollziehbar. W oher sonst sollten die eindeu- tigen Folterspuren stam m en. D ie fachkundigen Feststellungen von D r. R . S. seien eindeutig und liessen keine Zw eifel offen. Er habe sich zw ischenzeitlich beim Zen- trum für Folteropfer des R oten Kreuzes beziehungsw eise der _______ angem eldet. Eine R ückkehr nach Afghanistan w äre für ihn tödlich. 5. 5.1 5.1.1 D as BFM äusserte in seiner Verfügung zu R echt Zw eifel an der G laubhaftigkeit der Vorbringen des Beschw erdeführers. So w ies die Vorinstanz zutreffenderw eise darauf hin, dass dessen Schilderung der angeblichen Entführung und Festnahm e durch die Taliban w enig überzeugend ausfiel. Abgesehen davon, dass er die Zeit seiner Inhaftierung und die Vorgänge w ährend derselben w enig differenziert schilderte, sagte er bei der Erstbefragung aus, er sei m it einem dünnen H olzstock überallhin geschlagen w orden. Auf die Frage, w ie oft er geschlagen w orden sei, antw ortete er, dies sei w ährend der fünftägigen H aft dreim al geschehen. Anläss- lich der Bundesbefragung gab er indessen an, er sei täglich geschlagen w orden. G egenüber D r. R . S. behauptete der Beschw erdeführer jedoch, er sei von den Ta- liban an den Füssen aufgehängt, m it Kabeln, Zw eigen, H änden und Füssen ge- schlagen w orden; anschliessend habe m an ihn m it Salzw asser übergossen. Bei 6 der Erstbefragung sagte er aus, m an habe ihn nach der H aft nach _______ gebracht und dort freigelassen, w ährend er gegenüber D r. R . S. äusserte, m an habe ihn in der Landschaft abgesetzt. O bw ohl D r. R . S. beim Beschw erdeführer auf Brust und R ücken zahlreiche feine Strichnarben feststellte, erscheinen dessen Aussagen hinsichtlich der geltend gem achten Entführung durch die Taliban als überw iegend unglaubhaft. D er in der Stellungnahm e geäusserten Auffassung, die fachkundigen Feststellungen von D r. R . S. liessen keine Zw eifel offen, kann nicht beigepflichtet w erden. D r. R . S. hielt in seinem Bericht im plizit fest, er könne sich nicht zum W ahrheitsgehalt der Aussagen des Beschw erdeführers äussern. D ie von ihm festgestellten Strichnarben an Brust und R ücken des Beschw erdeführers m üssen keinesw egs zw ingend von den Taliban herstam m en. Schliesslich verm ag auch die Aussage des Beschw erdeführers, die Taliban seien auf der Suche nach ihm und trachteten ihm nach dem Leben, nicht zu überzeugen. Es ist nicht ersichtlich, w eshalb die Taliban den Beschw erdeführer hätten suchen sollen, falls sie ihn vorgängig w irklich in ihren H änden gehabt und freigelassen hät- ten. D as Bundesverw altungsgericht gelangt deshalb zum Schluss, dass die Aussagen des Beschw erdeführers zu seiner Festnahm e durch die Taliban überw iegend un- w ahrscheinlich und deshalb unglaubhaft sind. 5.1.2 D ie Vorinstanz äusserte in ihrer Verfügung zudem Zw eifel an der vom Beschw er- deführer geschilderten Erm ordung seiner Eltern. D er Vorinstanz ist zw ar bei- zupflichten, dass sich in den Ausführungen des Beschw erdeführers gew isse U nge- reim theiten finden, die jedoch nicht zw ingend auf die U nglaubhaftigkeit dieses Sachverhaltselem ents schliessen lassen. D er Beschw erdeführer schilderte die Er- eignisse, die sich am Tag des geltend gem achten Ü berfalls zugetragen hätten, in w esentlichen Teilen übereinstim m end. Auch der U m stand, dass er sich nicht ein- lässlicher zum Ergehen seiner verletzten Schw ester äusserte, m uss nicht als ge- gen die G laubhaftigkeit des Vorfalls sprechendes Argum ent gesehen w erden. W ie nachfolgend aufgezeigt w ird, kann die G laubhaftigkeit des Ü berfalls auf das elter- liche H aus indessen offen gelassen w erden. 5.2 D as Bundesverw altungsgericht geht gem äss den vorstehenden Erw ägungen nicht davon aus, dass dem Beschw erdeführer zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afgha- nistan seitens der Taliban N achstellungen drohten. U nbesehen der Frage der G laubhaftigkeit der Vorbringen des Beschw erdeführers ist darauf hinzuw eisen, dass die Taliban in Afghanistan trotz ihres in den letzten M onaten in einigen G e- bieten erstarkten Einflusses zurzeit keine quasi-staatliche H errschaft ausüben, so dass von diesen ausgehenden Benachteiligungen und Ü bergriffen grundsätzlich keine asylrechtliche R elevanz zukom m t. In diesem Zusam m enhang ist darauf hin- zuw eisen, dass Personen, die aus einem G ebiet stam m en, in w elchem die Taliban Anschläge und Ü berfälle verüben sow ie m ilitärisch vorgehen, eine innerstaatliche Zufluchtsm öglichkeit in ein G ebiet Afghanistans offen steht, in dem die Taliban nicht oder kaum aktiv sind. Sow ohl die afghanische R egierung als auch die ISAF- Truppen sind in diesen G ebieten im R ahm en ihrer M öglichkeiten bem üht, die Be- völkerung vor Ü bergriffen durch die Taliban zu schützen. 5.3 D ie vom Beschw erdeführer geäusserte Furcht vor einer R ückkehr in sein H eim at- land erw eist sich aus den oben genannten G ründen als nicht begründet im Sinne 7 des Asylgesetzes, da ihm dort keine asylrechtlich relevante Verfolgung droht. Ab- schliessend ist festzustellen, dass auch die Zugehörigkeit des Beschw erdeführers zur Ethnie der H azara und seine schiitische G laubenszugehörigkeit für sich alleine nicht zur Zuerkennung einer begründeten Furcht vor Verfolgung führen können. 5.4 Aufgrund der vorstehenden Erw ägungen erübrigt es sich, auf die w eiteren Ausfüh- rungen in der Beschw erde im Einzelnen einzugehen, w eil sie am Ergebnis nichts zu ändern verm ögen. U nter Berücksichtigung der gesam ten U m stände folgt, dass der Beschw erdeführer keine G ründe nach Art. 3 AsylG nachw eisen oder glaubhaft m achen konnte. D ie Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu R echt abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetz- lichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG ; SR 142.20]). 6.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 6.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 6.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K; SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernied- rigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 7. D er Beschw erdeführer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthaltsbe- w illigung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ; vgl. EM AR K 2001 N r. 21). 8. 8.1 D as BFM führt in seiner Verfügung aus, in Afghanistan herrsche keine Situation 8 allgem einer G ew alt. D ie Sicherheitslage sei allerdings nicht in allen Provinzen hin- reichend stabil, dennoch könne nicht von einer konkreten G efährdung der Bevölke- rung ausgegangen w erden. D ie R egierung habe die Situation insgesam t stabilisie- ren und durch Einbindung lokaler M achthaber ihren Einflussbereich ausdehnen können. H insichtlich der G ew ährung von Sicherheit w erde sie von der internationa- len Schutztruppe ISAF unterstützt. D em Beschw erdeführer sei es nicht gelungen, seine Vorbringen glaubhaft zu m achen; es w erde als unglaubhaft erachtet, dass seine Eltern um s Leben gekom m en seien. Es sei ihm daher zuzum uten, zu seinen Fam ilien- und Stam m esangehörigen zurückzukehren. D a er die R eise in die Schw eiz habe bezahlen können, sei davon auszugehen, dass seine Verw andt- schaft über erhebliche finanzielle M ittel verfüge. Er sei jung und gesund, w eshalb er über nicht ungünstige existenzielle Perspektiven verfüge. 8.2 In der R echtsm itteleingabe w ird ausgeführt, die R ückkehr des Beschw erdeführers in sein H erkunftsland sei objektiv unm öglich. Alle m assgeblichen O rganisationen verneinten die Zum utbarkeit einer R ückkehr. In Afghanistan sei ein Klim a des Schreckens und der G ew alt w ieder erw acht. Eine R ückkehr sei für ihn auch des- halb unm öglich, w eil er als R ückkehrer aus dem W esten erheblicher Verfolgungs- gefahr ausgesetzt sei. 9. 9.1 D ie oben unter 6. genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den W egw ei- sungsvollzug (U nzulässigkeit, U nzum utbarkeit, U nm öglichkeit) sind alternativer N atur; sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar zu be- trachten und die w eitere Anw esenheit in der Schw eiz gem äss den Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln (vgl. EM AR K 2006 N r. 6; 2001 N r. 1). 9.2 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung einer völkerrechtlichen Verpflichtung der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung dar- stellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Si- tuation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm o- m ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behandlung, ange- nom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 9.3 W ie vorstehend erw ähnt, ist der Beschw erdeführer Angehöriger der Ethnie der H azara und stam m t aus _______, das in der Provinz U ruzgan liegt, w o er bis zu der von ihm geltend gem achten Flucht gelebt haben w ill. U nm ittelbar vor seiner Ausreise habe er sich kurze Zeit bei seinem in der Provinz G hazni lebenden O nkel aufgehalten. D er m it dem Erstellen der LIN G U A-Analyse beauftragte Experte ge- langte zum Schluss, dass die Angaben des Beschw erdeführers zu seiner H er- kunftsregion und dem D orf _______ überzeugend ausgefallen seien, w eshalb an seinen diesbezüglichen Aussagen keine ernsthaften Zw eifel bestehen. G em äss der auf einer eingehenden Lageanalyse fussenden Praxis der AR K galt eine R ück- kehr in die Provinzen G hazni und U ruzgan als existenzbedrohend und dam it als unzum utbar (vgl. EM AR K 2006 N r. 9, 2003 N r. 30); diese Lageanalyse kann heute 9 nach w ie vor als gültig angesehen w erden. 9.4 Es stellt sich daher die Frage, ob dem Beschw erdeführer allenfalls eine Aufent- haltsalternative in einem anderen Landesteil Afghanistans zur Verfügung steht. D ie Bejahung einer zum utbaren innerstaatlichen Aufenthaltsalternative eines aus dem H azarajat stam m enden Asylsuchenden in Kabul - w o die allgem eine Situation als relativ stabil zu bezeichnen ist (vgl. EM AR K 2003 N r. 10 S. 67) - oder in einer an- deren Provinz, in der die allgem eine Situation eine R ückkehr unter bestim m ten U m ständen als zum utbar erscheinen liesse (vgl. EM AR K 2006 N r. 9), setzt insbe- sondere die Existenz eines tragfähigen fam iliären oder anderw eitigen Beziehungs- netzes sow ie eine gesicherte W ohnsituation voraus; m ithin ist bei der Beurteilung der individuellen Zum utbarkeitskriterien eine differenzierte Beurteilung angezeigt (vgl. EM AR K 2003 N r. 30 Erw . 7b S. 193 f.). G em äss den anlässlich der Befragungen gem achten Angaben hat der Beschw er- deführer drei Jahre lang die Schule besucht. Er habe als H ändler gearbeitet und einen kleinen Laden geführt. Indessen verfügt der aus der Provinz U ruzgan stam - m ende Beschw erdeführer in Kabul oder in einer anderen Provinz seines H eim at- landes (m it Ausnahm e der Provinz G hazni) w eder über eine gesicherte W ohnsitua- tion noch über ein tragfähiges fam iliäres oder anderw eitiges Beziehungsnetz. M it- hin fehlen die entscheidenden Zum utbarkeitsfaktoren für die Annahm e, er könne sich im G rossraum Kabul oder einer anderen Provinz eine Existenzgrundlage auf- bauen beziehungsw eise sichern. 9.5 Angesichts der gesam ten U m stände ist der Vollzug der W egw eisung als unzum ut- bar zu bezeichnen. D ie Voraussetzungen für die G ew ährung der vorläufigen Auf- nahm e sind dem nach erfüllt. 10. D ie Beschw erde ist dem nach bezüglich der Ziffern 1 bis 3 des D ispositivs der an- gefochtenen Verfügung abzuw eisen. H insichtlich der Ziffern 4 und 5 des D isposi- tivs der Verfügung ist sie gutzuheissen und das Bundesam t ist anzuw eisen, den Beschw erdeführer vorläufig aufzunehm en (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 14a Abs. 1 bis 4 AN AG ). Einer vorläufigen Aufnahm e stehen keine einschränkenden gesetzlichen Tatbestände (Art. 14 Abs. 6 AN AG ) entgegen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens w ären die reduzierten Kosten dem Beschw er- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D a aufgrund der Aktenlage von sei- ner Fürsorgeabhängigkeit auszugehen ist und sich die Beschw erde nicht als zum Vornherein aussichtslos darstellte, sind in G utheissung des G esuchs um G ew äh- rung der unentgeltlichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG keine Verfah- renskosten aufzuerlegen. 11.2 Angesichts des teilw eisen O bsiegens - w elches rechnerisch als hälftiges O bsiegen beurteilt w ird - ist dem Beschw erdeführer eine reduzierte Parteientschädigung zu- zusprechen (Art. 64 Abs. 1 Vw VG ). D a der R echtsvertreter keine Kostennote ein- reichte, ist die Parteientschädigung von Am tes w egen festzulegen. D as Bundes- verw altungsgericht erachtet eine Pauschale von Fr. 600.-- (inkl. Auslagen und 10 M ehrw ertsteuer) als angem essen. (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen, sow eit sie die Feststellung der Flüchtlingsei- genschaft, die Asylgew ährung und die angeordnete W egw eisung betrifft. 2. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, sow eit sie den Vollzug der W egw eisung be- trifft. 3. D ie Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der Verfügung vom 14. Septem ber 2006 w er- den aufgehoben. D as BFM w ird angew iesen, die vorläufige Aufnahm e des Be- schw erdeführers zu verfügen. 4. Es w erden keine Verfahrenkosten auferlegt. 5. D as BFM hat dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 600.-- aus- zurichten. 6. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben; Beilage: vorinstanzliche Verfügung im O riginal) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (R ef.-N r. N _______) - das _______ D er R ichter: D er G erichtsschreiber: H ans Schürch C hristoph Basler Versand am :