Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. April 2015 (720 14 269 / 105) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Erfüllung der Beitragszeit eines aus dem Ausland zugezogenen Versicherten: Die Bei- tragszeit muss bei Eintritt des Versicherungsfalls erfüllt sein. Wird im Rahmen einer ers- ten Anmeldung die Erwerbsunfähigkeit und damit eine Invalidität rechtskräftig verneint, ist der (rentenspezifische) Versicherungsfall in diesem Zeitpunkt (noch) nicht eingetre- ten. Einer Neuanmeldung steht die bei der Erstanmeldung noch fehlende Erfüllung der Beitragszeit nicht per se entgegen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.6721.9288.54) A.1 Der 1981 geborene pakistanische Staatsbürger A. ____ reiste am 18. Juni 2006 als Asylsuchender in die Schweiz ein und wurde vorläufi g aufgenommen. Von Mai 2007 bis Ende Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Januar 2009 war A.____ im Restaurant B.____ in C.____ angestellt. Wegen eines Rückenlei- dens war er vom 12. August 2008 bis zum 3. November 2008 zu 100%, vom 4. November 2008 bis 22. Dezember 2008 zu 50% und ab dem 23. Dezember 20 08 erneut zu 100% arbeitsunfä- hig. A.2 Am 20. Mai 2009 meldete sich A.____ bei der Eidg enössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Mit Verfügung vom 1. Februar 2010 stellte die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) fest, dass A.____ in einer le idensangepassten Tätigkeit zu 100% ar- beitsfähig sei und dabei ein gleichwertiges Einkommen wie in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit erzielen könne. Es könne folglich keine Kostengutsprache f ür berufliche Massnahmen erteilt werden. Das Leistungsbegehren werde abgewiesen. A.3 In der Folge bezog A.____ für den Zeitraum von No vember 2009 bis März 2011 Arbeits- losenentschädigung. Von April 2011 bis Ende Mai 2011 ar beitete er in der Autobahnraststätte D.____. Ab 1. Juni 2011 war er im Restaurant E.____ in F.____ als Küchenhilfe angestellt. Ab 16. Juni 2011 war A.____ erneut wegen eines Rückenleide ns zu 100% arbeitsunfähig. Am 26. Juli 2011 meldete er sich zur Früherfassung, am 16. August 2011 wiederum zum Bezug von Leistungen bei der IV an. Nach Abklärung der gesundhei tlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte d ie IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Juli 2014 einen Rentenanspruch ab. Zur Begründung führte sie aus, dass A.____ seit dem 12. August 2008 ganz bzw. teilweise in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei und zu diesem Zeitpunkt bloss 22 der notwendigen 36 Beitragsmonate e rfüllt habe. Selbst bei einer vollständi- gen Schliessung der Beitragslücken – rückwirkend für die letzten fünf Jahre – sei es nicht mög- lich, die gesamte Beitragsdauer zu erfüllen. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Daniel Altermatt, am 10. September 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzu heben und eine gerichtliche psychiatri- sche Begutachtung des Beschwerdeführers anzuordnen. Ferner sei ihm auf den frühestmögli- chen Zeitpunkt eine ganze Rente der IV zuzusprechen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die unentgeltliche Rechtspflege mit dem unterzeichneten Anwalt als unentgeltlicher Vertreter beantragt; alles unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 12. September 2014 wurde dem B eschwerdeführer die unentgeltli- che Rechtspflege mit Advokat Altermatt als unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. D. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 17. November 2014 auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Replik vom 16. Januar 2015 und Duplik vom 6. Febr uar 2015 hielten die Parteien an ihren Anträgen und Standpunkten fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 10. September 2014 ist somit einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Inva- lidenversicherung hat und in diesem Zusammenhang konkret, ob er die dafür erforderliche Bei- tragszeit erfüllt hat. 3.1 Schweizerische und ausländische Staatsangehörige sowi e Staatenlose haben gemäss Art. 6 Abs. 1 IVG Anspruch auf Leistungen der Invalidenve rsicherung. Massgebend für den An- spruch auf eine ordentliche Rente der Invalidenversicher ung ist gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG, ob bei Eintritt der Invalidität (Versicherungsfall) wäh rend mindestens drei vollen Jahren Beiträge geleistet worden sind. Für diese Frage ist wiederum entscheidend, wann die Invalidität eingetre- ten ist. 3.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Be- gründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erfo rderliche Art und Schwere erreicht hat. Das IVG kennt gemäss ständiger Rechtsprechung nicht einen einheitlichen Versicherungsfall, sondern folgt dem System des leistungsspezifischen Versicherung sfalles. Ein Gesundheits- schaden kann somit bezüglich verschiedener Leistungen der I nvalidenversicherung mehrere Invaliditätseintritte auslösen, weshalb der Versicherungsfall im Rahmen jeder gesetzlichen Leis- tungsnorm autonom bestimmt werden muss (Sozialversicherung srecht – Rechtsprechung [SVR] 2007 IV Nr. 7 E. 1.1 mit Hinweisen; vgl. auch U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bun- desgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl., Zürich 2014, Rz. 135 ff. zu Art. 4). Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zei tpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach Art. 8 Abs. 1 ATSG und Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 28 ff. IVG entsteht, das heisst, frühestens wenn die versicherte Person während eines Jahre s ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 A TSG) gewesen und nach Ablauf die- ses Jahres zu mindestens 40 % bleibend oder für längere Z eit erwerbsunfähig (Art. 7 und 8 ATSG) ist (Art. 28 Abs. 1 IVG; vgl. Urteil des Bundes gerichts vom 5. November 2011, 8C_610/2014, E. 3 mit Hinweis). Das Konzept des leistung sspezifischen Eintritts des Versiche- rungsfalls schliesst aus, dass ein vorbestandener Anspruch a uf Leistungen der Invalidenversi- cherung, wie z.B. berufliche Eingliederungsmassnahmen, konstitutiv für den Eintritt des geltend Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemachten Anspruchs auf eine Rente sein kann (Urteil des Bundesgerichts vom 30. September 2013, 8C_115/2013, E. 4.2 mit Hinweisen). 3.3 Ist eine Person bei der erstmaligen Einreise in di e Schweiz im Sinne des Gesetzes invalid, ist der Versicherungsfall eingetreten, bevor d ie Anspruchsvoraussetzungen, namentlich die Mindestbeitragszeit, erfüllt sein konnten. Die Per son ist folglich nicht anspruchsberechtigt. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt kein neuer Versicherungsfall vor, wenn die bei Übergang auf eine höhere Invalidenrente rechtfertigen de Zunahme des Invaliditätsgrades die Folge einer Verschlechterung der ursprünglichen Gesundhe itsbeeinträchtigung ist (SVR 2007 IV Nr. 7 E. 2; Urteile des Bundesgerichts vom 4. März 20 14, 8C_721/2013, E. 4.2 und vom 25. Mai 2010, 8C_1057/2009, E. 2.2). Indessen entsteh t bei materieller Verschiedenheit der Invaliditätsursachen ein neuer Versicherungsfall mit der Folge, dass die der ersten Ablehnungs- verfügung zugrunde liegende fehlende Versicherteneigensch aft das neue Leistungsgesuch nicht präjudiziert (M EYER /R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 138 zu Art. 4). Das Bundesgericht hat bis her offen gelassen, ob ein neuer Versicherungsfall auch dann anzuerkennen wäre, wenn gestützt auf dieselbe gesundheitliche Beeinträchtigung eine ern eute Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgt, nachdem zwischenzeitlich wiederum eine volle z umutbare Arbeitsfähigkeit erreicht wur- de (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2014, 8C_721/2013, E. 4.2). 4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass der Eintri tt des Versicherungsfalles auf- grund des neuen Leistungsgesuchs vom 16. August 2011 zu b estimmen sei. Nach Auffassung der Beschwerdegegnerin ist der Beschwerdeführer hingege n seit dem 12. August 2008 – und damit zu einem Zeitpunkt, in dem er die Mindestbeit ragszeit noch nicht erfüllt hatte – in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Dabei stützt sie sich im W esentlichen auf ein bei Dr. med. G.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologi e, eingeholtes rheumatologisch- somatisches Gutachten vom 23. Dezember 2013. Darin führ t dieser aus, dass gemäss frühen medizinischen Unterlagen seit 2007 lumbale Rückenschmerze n und seit 2008 linksseitige Na- cken-Schulterschmerzen bestünden. Bezüglich des Beginns eine r Arbeitsunfähigkeit in der an- gestammten und in einer leidensangepassten Tätigkeit we rde auf die Einschätzungen der be- handelnden Ärzte verwiesen. Die Beschwerdegegnerin stell t sich diesbezüglich auf den Stand- punkt, dass die behandelnden Ärzte mehrfach den 12. Aug ust 2008 als Beginn der gesundheit- lichen Einschränkungen beschreiben würden. Auch der Beschw erdeführer selbst habe sowohl in seiner Anmeldung vom 20. Mai 2009 als auch im aktue llen Gesuch vom 16. August 2011 dieses Datum als Zeitpunkt des Beginns der gesundheitlichen Beschwerden genannt. 4.2 Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht feststellt, kan n der Beginn der gesundheitlichen Beschwerden des Versicherten auf das Jahr 2008 datiert w erden. Dieser Zeitpunkt sagt indes- sen für sich nichts über den Eintritt des (rentenspezifisch en) Versicherungsfalles aus. Der ren- tenspezifische Versicherungsfall ist nämlich nach dem unt er Erwägung 3.2 hiervor Ausgeführ- ten nicht bereits mit dem Eintritt einer gesundheitli chen Problematik, sondern vielmehr erst dann gegeben, wenn der Versicherte während eines Jahre s ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen war und weiterhin zumindest in diesem Umfang erwerbsunfähig ist. Fraglich und zu prüfen ist somit, ob dieser Zeitpunkt bereits am 12. August 2008 respektive nach Ablauf des Warteja hres im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht IVG am 12. August 2009 eingetreten ist. Würde dies bej aht, so könnte eine Verschlechterung der bestehenden Invalidität keinen neuen Versicherungs fall begründen (vgl. E 3.3 hiervor und die da zitierte Rechtsprechung). 4.3 Mit Verfügung vom 1. Februar 2010 lehnte die Be schwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen ab. Zur B egründung führte sie aus, dass dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht die Ausübung einer überwiegend leichten, wechselbelastenden, gelegentlich mittelschweren Tätigkei t ohne Einnahme von Zwangshaltun- gen im Rahmen eines Arbeitspensum von 100% zumutbar sei. Dabei könne ein gleichwertiges Einkommen wie in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Gastgewerbe erzielt werden. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kommt damit der Verfügung vom 1. Februar 2010 trotz der thematischen Einschränkung auf berufliche Massnahmen massgebende Bedeutung für den vorliegend zu prüfenden Rentenanspruch zu, denn die Beschwerdegegnerin stellt darin rechtskräftig fest, dass nach Ablauf des Wartejahres keine E rwerbsunfähigkeit bestand. Fehlte es indessen in diesem Zeitpunkt an einer Erwerbsunfähig keit, so konnte auch keine Invalidität entstanden sein. Der Versicherungsfall, namentlich der in Art. 28 Abs. 1 IVG festgehaltene ren- tenspezifische Versicherungsfall, war damit am 12. Augu st 2009 (noch) nicht eingetreten. Im Übrigen wiesen auch die behandelnden Ärzte in der Zei t des ersten Leistungsgesuchs nicht einheitlich eine andauernde Arbeitsunfähigkeit in sämt lichen Tätigkeiten aus. So attestierte die behandelnde Hausärztin Dr. med. H.____, FMH Allgemei ne Innere Medizin, mit Bericht vom 30. Oktober 2009 lediglich bis Ende Oktober 2009 eine vo llständige Arbeitsunfähigkeit; für die Zeit danach sei auf die Einschätzung des behandelnden W irbelsäulenspezialisten Dr. med. I.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa- rates, abzustellen. Dieser hielt mit Bericht vom 12. Nov ember 2009 fest, dass der Beschwerde- führer nach einer intensiven Therapiephase im Anschluss an die Operation vom 5. August 2009 wieder zu 100% arbeitsfähig sein werde. Dr. med. J._ ___ des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin stimmte dieser Einschätzun g in seiner Beurteilung vom 2. Dezember 2009 zu. Dafür, dass die Erwerbsfähigkeit de s Beschwerdeführers am 12. August 2009 (noch) nicht (dauerhaft) eingeschränkt war, spricht auch, dass der Beschwerdeführer ge- mäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) der Au sgleichskasse Basel-Landschaft für den Zeitraum von November 2009 bis März 2011 – aug enscheinlich bei voller Arbeits- und Vermittlungsfähigkeit – Arbeitslosenentschädigung bezo g. Nach dem Ausgeführten kann zu- sammenfassend festgehalten werden, dass am 12. August 2 009 beim Beschwerdeführer keine dauerhafte Beeinträchtigung der Erwerbsunfähigkeit und damit keine Invalidität vorlag. Der Ver- sicherungsfall ist damit in diesem Zeitpunkt nicht einge treten. Damit kommt auch die in Erwä- gung 3.3 hiervor erwähnte Rechtsprechung nicht zur Anw endung, da diese lediglich festhält, dass mit der Verschlechterung des Gesundheitszustandes kein neuer Versicherungsfall eintre- ten kann. Dies setzt aber voraus, dass ein früherer, „alter “ Versicherungsfall existiert, was nach dem Ausgeführten vorliegend gerade zu verneinen ist. 4.4 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob und g egebenenfalls wann der Versiche- rungsfall später eingetreten sein könnte. Der Beschwerd eführer ist seit 16. Juni 2011 zu 100% arbeitsunfähig. Wie bereits ausgeführt, bezog der Besc hwerdeführer ab November 2009 Ar- beitslosenentschädigung. Vom April 2011 bis Juni 2011 wa r er wiederum als Küchenhilfe tätig Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Autobahnraststätte D.____ und im Restaurant E. ____ in F.____. Längere Perioden von Arbeitsunfähigkeit sind vom November 2009 bis Juni 2011 aus den Akten nicht ersichtlich. Es ist folglich anzunehmen, dass eine allfällige, den Versich erungsfall im Sinne von Art. 28 Abs. 1 IVG begründende Arbeitsunfähigkeit frühestens am 16. Juni 2011 eingetreten wäre. Das Warte- jahr im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG wäre de mnach am 16. Juni 2012 abgelaufen. Ob in diesem Zeitpunkt eine Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 7 und 8 Abs. 1 ATSG vorlag und damit der Versicherungsfall eingetreten ist, kann vorlie gend offen gelassen werden. In der an- gefochtenen Verfügung setzte sich die Beschwerdegegnerin e inzig mit der Frage auseinander, ob der Beschwerdeführer beim Eintritt der Invalidität die Mindestbeitragszeit erfüllt hat. Wird davon ausgegangen, dass eine allfällige Invalidität f rühestens 16. Juni 2012 eingetreten sein könnte, ist diese Frage ohne weiteres zu bejahen. Per 1 6. Juni 2011 hatte der Beschwerdefüh- rer während 42 vollen Monaten Beiträge geleistet. Damit hat er die Mindestbeitragszeit von drei Jahren erfüllt, da die Beitragsdauer nicht zusammenhäng en muss und einzelne Beitragsperio- den zusammengerechnet werden (MEYER /R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 2 f. zu Art. 36 mit Hinweisen). 4.5 Nach dem Ausgeführten ist festzustellen, dass der vor liegend strittige rentenspezifi- sche Versicherungsfall nicht bereits am 12. August 2009 eingetreten ist, da zu diesem Zeitpunkt keine Invalidität vorlag. Vielmehr ist der frühestmögli che Eintritt des Versicherungsfalls auf den 16. Juni 2012 zu datieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte d er Beschwerdeführer die Mindestbei- tragszeit gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG erfüllt. Die Beschwe rde ist in diesem Sinne gutzuheissen. Die weiteren vom Beschwerdeführer gestellten Anträge, namentlich denjenigen auf eine IV- Rente, sind vom Gericht nicht im vorliegenden Verfahren zu prüfen, da sich die Beschwerde- gegnerin bisher entweder nicht oder nicht eingehend z u den übrigen Anspruchsvoraussetzun- gen geäussert hat Die Angelegenheit ist folglich zur P rüfung dieser Anspruchsvoraussetzungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 5.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 5.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auf erlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r in der Honorarnote vom 18. März 2015 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Z eitaufwand von 9 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rech tsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewie senen Auslagen in der Höhe von Fr. 51.50. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Partei entschädigung in der geltend ge- machten Höhe von Fr. 2‘485.60 (9 Stunden à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 51.50 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 6. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der B eschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 30. Juli 2014 aufgehoben und festgestell t wird, dass der Beschwerdeführer die Mindestbeitragszeit gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG erfüllt hat. Die Angelegenheit wird zur Prüfung der weiteren An- spruchsvoraussetzungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘485.60 (inklusive Auslag en und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegnerin am 28. August 2015 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren Nr. 9C_592/2015 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht