<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">256</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>45</b></span> <span class="ft3"><b>Zustellung; A-Post Plus</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Im Anwendungsbereich des VRPG ist A-Post Plus eine zulässige Zu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stellart.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Beginn des Fristenlaufs bei Zustellung mittels A-Post Plus</b></span><br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 3. Juli 2017,</span><br/> <span class="ft5">i.S. A. gegen Gemeinderat B. sowie Regierungsrat (WBE.2017.249)</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Zu beurteilen ist vorab, ob die Verwaltungsgerichtsbeschwerde</span><br/> <span class="ft1">rechtzeitig erhoben wurde.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">3.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach § 44 Abs. 1 VRPG sind Beschwerden innert 30 Tagen seit</span><br/> <span class="ft1">Eröffnung des anzufechtenden Entscheids einzureichen. Vorbehalten</span><br/> <span class="ft1">bleiben Sonderbestimmungen in anderen Erlassen (§ 44 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">VRPG). Auf das vorliegende Verfahren sind jedoch keine in § 44</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 VRPG vorbehaltenen Sonderbestimmungen anwendbar, wes-</span><br/> <span class="ft1">halb die Beurteilung nach Massgabe der 30-tägigen Beschwerdefrist</span><br/> <span class="ft1">vorzunehmen ist. Ob die Rechtsmittelfrist eingehalten wurde, ist von</span><br/> <span class="ft1">Amtes wegen zu prüfen (sog. Prozess- bzw. Sachurteilsvoraus-</span><br/> <span class="ft1">setzung). Wird die (Rechtsmittel-)Frist nicht gewahrt, ist auf das</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittel nicht einzutreten (vgl. M</span><span class="ft5">ICHAEL</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft5">ERKER</span><span class="ft1">, Rechtsmittel,</span><br/> <span class="ft1">Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz</span><br/> <span class="ft1">über die Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38 - 72</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">257</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[a]VRPG, Vorbem. zu § 38 N 1 ff.; § 40 N 6; siehe auch M</span><span class="ft5">ARTIN</span><br/> <span class="ft1">B</span><span class="ft5">ERTSCHI</span><span class="ft1">, in: A</span><span class="ft5">LAIN</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft5">RIFFEL</span> <span class="ft1">[Hrsg.], Kommentar zum Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Zürich/Basel/Genf 2014, Vorbem. zu §§ 19 - 28a N 50 ff.).</span><br/> <span class="ft1">3.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 26 Abs. 1 VRPG sind Entscheide als solche zu be-</span><br/> <span class="ft1">zeichnen und den Parteien mit Rechtsmittelbelehrung schriftlich zu</span><br/> <span class="ft1">eröffnen; die Eröffnung an betroffene Dritte ist möglich; eine vor-</span><br/> <span class="ft1">gängige mündliche Entscheideröffnung ist zulässig. Der Botschaft</span><br/> <span class="ft1">zum VRPG (Botschaft des Regierungsrats des Kantons Aargau an</span><br/> <span class="ft1">den Grossen Rat vom 14. Februar 2007, Gesetz über die Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrechtspflege, Bericht und Entwurf zur 1. Beratung, Ges.-</span><br/> <span class="ft1">Nr. 07.27 [nachfolgend: Botschaft]) lässt sich in diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang namentlich entnehmen (Botschaft, S. 37):</span><br/> <span class="ft7">"Dass die Zustellung in der Regel gegen Empfangsbescheinigung zu</span><br/> <span class="ft7">erfolgen hat, ist richtig, letztlich aber bloss (ausser bei Massensen-</span><br/> <span class="ft7">dungen) eine Frage der Vernunft (und im Übrigen blosse Ordnungs-</span><br/> <span class="ft7">vorschrift, nicht Gültigkeitsvoraussetzung). Für die korrekte Berech-</span><br/> <span class="ft7">nung der Rechtsmittelfrist muss die Behörde wissen, wann ein Ver-</span><br/> <span class="ft7">fügungsadressat bzw. eine Verfügungsadressatin den Entscheid erhal-</span><br/> <span class="ft7">ten hat. Um dies sicherzustellen, wird sie den Entscheid gegen</span><br/> <span class="ft7">Empfangsbestätigung (GU) zustellen. Dies machen aber betroffene</span><br/> <span class="ft7">Private ohne entsprechende Vorschrift mittels eingeschriebener Sen-</span><br/> <span class="ft7">dungen auch, wenn sie sicher sein wollen, dass sie die Einhaltung</span><br/> <span class="ft7">einer Rechtsmittelfrist beweisen können. Es ist deshalb unnötig, dieses</span><br/> <span class="ft7">Verhalten gesetzlich vorzuschreiben. Dies auch deshalb, weil damit zu</span><br/> <span class="ft7">rechnen ist, dass andere Instrumente in Zukunft den Rückschein er-</span><br/> <span class="ft7">setzen werden.</span><br/> <span class="ft7">Eine interne Weisung, wie bei der Zustellung von Verfügungen und</span><br/> <span class="ft7">Entscheiden zu verfahren ist, genügt somit vollauf."</span><br/> <span class="ft1">Dies untermauert, dass der Gesetzgeber bewusst darauf verzich-</span><br/> <span class="ft1">tete, im VRPG eine bestimmte Zustellungsart (wie z.B. eingeschrie-</span><br/> <span class="ft1">bene Postsendung oder auf andere Weise gegen Empfangsbestäti-</span><br/> <span class="ft1">gung; so ausdrücklich Art. 138 Abs. 1 ZPO oder Art. 85 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">StPO) vorzuschreiben. Ob die Verwaltungsbehörde ihre Entscheide</span><br/> <span class="ft1">mit gewöhnlicher (A- oder B-) Post, mit eingeschriebenem Brief</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">258</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">oder mit der hier gewählten Zustellungsart A-Post Plus zustellen will,</span><br/> <span class="ft1">bleibt somit ihr überlassen. Die Eröffnung muss bloss so erfolgen,</span><br/> <span class="ft1">dass sie dem Adressaten ermöglicht, vom Entscheid Kenntnis zu</span><br/> <span class="ft1">erlangen, um diesen gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu kön-</span><br/> <span class="ft1">nen. Bei uneingeschriebenem Brief erfolgt die Zustellung bereits</span><br/> <span class="ft1">dadurch, dass er in den Briefkasten oder ins Postfach des Adressaten</span><br/> <span class="ft1">gelegt wird, und damit in den Macht- bzw. Verfügungsbereich des</span><br/> <span class="ft1">Empfängers gelangt. Dass der Empfänger von der Verfügung tatsäch-</span><br/> <span class="ft1">lich Kenntnis nimmt, ist nicht erforderlich (vgl. BGE 142 III 603;</span><br/> <span class="ft1">Urteil des Bundesgerichts vom 2. März 2017 [8C_53/2017],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 4.1).</span><br/> <span class="ft1">Bei der Versandmethode A-Post Plus wird der Brief mit einer</span><br/> <span class="ft1">Nummer versehen und ähnlich wie ein eingeschriebener Brief mit A-</span><br/> <span class="ft1">Post spediert. Im Unterschied zu den eingeschriebenen Briefpostsen-</span><br/> <span class="ft1">dungen wird aber der Empfang durch den Empfänger nicht quittiert.</span><br/> <span class="ft1">Entsprechend wird der Adressat im Falle seiner Abwesenheit auch</span><br/> <span class="ft1">nicht durch Hinterlegung einer Abholungseinladung avisiert. Die Zu-</span><br/> <span class="ft1">stellung wird vielmehr elektronisch erfasst, wenn die Sendung in das</span><br/> <span class="ft1">Postfach oder in den Briefkasten des Empfängers gelegt wird. Auf</span><br/> <span class="ft1">diese Weise ist es möglich, mit Hilfe des von der Post zur Verfügung</span><br/> <span class="ft1">gestellten elektronischen Suchsystems "Track &amp; Trace" die Sendung</span><br/> <span class="ft1">bis zum Empfangsbereich des Empfängers zu verfolgen. Direkt</span><br/> <span class="ft1">bewiesen wird mit einem "Track &amp; Trace"-Auszug allerdings nicht,</span><br/> <span class="ft1">dass die Sendung tatsächlich in den Empfangsbereich des Empfän-</span><br/> <span class="ft1">gers gelangt ist, sondern bloss, dass durch die Post ein entsprechen-</span><br/> <span class="ft1">der Eintrag in ihrem Erfassungssystem gemacht wurde. Einzig im</span><br/> <span class="ft1">Sinne eines Indizes lässt sich aus diesem Eintrag darauf schliessen,</span><br/> <span class="ft1">dass die Sendung in den Briefkasten oder in das Postfach des</span><br/> <span class="ft1">Adressaten gelegt wurde. Mangels Quittierung lässt sich dem "Track</span><br/> <span class="ft1">&amp; Trace"-Auszug sodann nicht entnehmen, ob tatsächlich jemand die</span><br/> <span class="ft1">Sendung behändigt hat und um wen es sich dabei handelt, ge-</span><br/> <span class="ft1">schweige denn, dass sie tatsächlich zur Kenntnis genommen worden</span><br/> <span class="ft1">ist (BGE 142 III 601 f.).</span><br/> <span class="ft1">Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die sich auch</span><br/> <span class="ft1">auf die Zustellungsart A-Post Plus bezieht, liegt ein Fehler bei der</span><br/> <span class="ft1">Postzustellung nicht ausserhalb jeder Wahrscheinlichkeit. Eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">259</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fehlerhafte Postzustellung ist allerdings nicht zu vermuten, sondern</span><br/> <span class="ft1">nur anzunehmen, wenn sie aufgrund der Umstände plausibel er-</span><br/> <span class="ft1">scheint. Auf die Darstellung des Adressaten, dass eine fehlerhafte</span><br/> <span class="ft1">Postzustellung vorliegt, ist daher abzustellen, wenn seine Darlegung</span><br/> <span class="ft1">der Umstände nachvollziehbar ist und einer gewissen Wahrschein-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit entspricht, wobei sein guter Glaube zu vermuten ist</span><br/> <span class="ft1">(BGE 142 III 604; Urteil des Bundesgerichts vom 8. September 2016</span><br/> <span class="ft1">[4A_10/2016], Erw. 2.2.1). Rein hypothetische Überlegungen des</span><br/> <span class="ft1">Empfängers genügen dabei nicht (Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">8. September 2016 [4A_10/2016], Erw. 2.2.1).</span><br/> <span class="ft1">3.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Entscheid des Regierungsrats vom 26. April 2017 wurde</span><br/> <span class="ft1">am Freitag, 28. April 2017 als A-Post Plus-Sendung verschickt und</span><br/> <span class="ft1">am Samstag, 29. April 2017, ins Postfach des Rechtsvertreters des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers gelegt. Dieser hat sein Postfach erst am folgen-</span><br/> <span class="ft1">den Montag, dem 1. Mai 2017, geleert und die 30-tägige Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">defrist (§ 44 Abs. 1 VRPG) ab dem Folgetag, dem 2. Mai 2017, be-</span><br/> <span class="ft1">rechnet.</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgericht stufte bereits in verschiedenen Urteilen das</span><br/> <span class="ft1">mittels des elektronischen Suchsystems "Track &amp; Trace" der Post</span><br/> <span class="ft1">festgelegte Datum der Einlage einer A-Post Plus-Sendung in einen</span><br/> <span class="ft1">Briefkasten (bzw. ein Postfach) als für die Auslösung einer</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelfrist verbindlich ein. Dies gilt namentlich auch für Sen-</span><br/> <span class="ft1">dungen, die an einem Samstag in den Briefkasten (bzw. das Postfach)</span><br/> <span class="ft1">gelegt werden (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">20. Februar 2017 [2C_191/2017], Erw. 2.2; Urteil des Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richts vom 2. Juni 2015 [9C_90/2015], Erw. 3; Urteil des Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richts vom 30. April 2015 [8C_198/2015], Erw. 3; Urteil des Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgerichts vom 26. November 2014 [8C_573/2014], Erw. 3.1).</span><br/> <span class="ft1">Demgemäss hat der Entscheid des Regierungsrats vom 26. April</span><br/> <span class="ft1">2017 am 29. April 2017 (Samstag) als zugestellt zu gelten, was durch</span><br/> <span class="ft1">den "Track &amp; Trace"-Auszug der Post ausgewiesen ist (siehe Vorak-</span><br/> <span class="ft1">ten). Die Beschwerdefrist begann damit am folgenden 30. April 2017</span><br/> <span class="ft1">(Sonntag) zu laufen und endete am 29. Mai 2017 (Montag). Die erst</span><br/> <span class="ft1">am 31. Mai 2017 der Post übergebene Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">260</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schwerde erfolgte damit verspätet, weshalb darauf nicht einzutreten</span><br/> <span class="ft1">ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>