<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">71</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>13</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 25 und 53 Abs. 2 ATSG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rückforderung von Leistungen:</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bei der Einstellung einer Zusatzrente zur Invalidenrente und auch im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rahmen der ordentlichen Rentenrevisionen besteht für die IV-Stelle kein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anlass, sämtliche Berechnungsfaktoren zu überprüfen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 1. Kammer, vom 3. März</span><br/> <span class="ft3">2009 in Sachen N.G. gegen SVA Aargau (VBE.2008.111/VBE.2008.208).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.5. Rückforderung</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leis-</span><br/> <span class="ft1">tungen grundsätzlich zurückzuerstatten. Die Rückforderung zu Un-</span><br/> <span class="ft1">recht ausbezahlter Leistungen ist nur zulässig, wenn die Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zungen der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision der</span><br/> <span class="ft1">ursprünglichen Verfügung (oder der formlosen Leistungszuspre-</span><br/> <span class="ft1">chung) erfüllt sind (BGE 129 V 110 Erw. 1.1. mit Hinweisen). Dies</span><br/> <span class="ft1">gilt auch unter der Herrschaft des Art. 25 ATSG, der an die Stelle der</span><br/> <span class="ft1">spezialgesetzlichen Rückerstattungsnormen getreten ist (vgl. BGE</span><br/> <span class="ft1">130 V 319 Erw. 5.2 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">2.5.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf</span><br/> <span class="ft1">formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zu-</span><br/> <span class="ft1">rückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre</span><br/> <span class="ft1">Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Wiedererwägung). Dass</span><br/> <span class="ft1">die Leistungsausrichtung zweifellos unrichtig war, ist aufgrund der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">72</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">obigen Erwägungen offensichtlich. Zur Thematik der Erheblichkeit</span><br/> <span class="ft1">der Berichtigung der zweifellos unrichtigen Leistungsausrichtung</span><br/> <span class="ft1">lässt sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts eine allge-</span><br/> <span class="ft1">mein gültige betragliche Grenze nicht festlegen. Vielmehr sind die</span><br/> <span class="ft1">gesamten Umstände des Einzelfalles massgebend, wozu auch die</span><br/> <span class="ft1">Zeitspanne gehört, welche seit der zu Unrecht erfolgten Leistungsge-</span><br/> <span class="ft1">währung verstrichen ist. Weiter ist die Höhe des unrechtmässig</span><br/> <span class="ft1">ausbezahlten Betrages insofern von Bedeutung, als das Interesse der</span><br/> <span class="ft1">Verwaltung an der richtigen Durchführung des objektiven Rechts in</span><br/> <span class="ft1">der Regel umso weniger ins Gewicht fällt, je geringer die zu Unrecht</span><br/> <span class="ft1">ausgerichteten Leistungen sind (ZAK 1989 S. 518). Da in der Praxis</span><br/> <span class="ft1">bereits Beträge von Fr. 4'812.30 (Urteil des Bundesgericht vom</span><br/> <span class="ft1">25. Januar 2006, C 264/05), von 3'160.30 (Urteil vom 25. März 2008</span><br/> <span class="ft1">des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen, AVI 2007/99)</span><br/> <span class="ft1">sowie von Fr. 2'313.50 (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons</span><br/> <span class="ft1">Graubünden vom 9. Januar 2007, S 06/98) als erheblich betrachtet</span><br/> <span class="ft1">wurden, ist der vorliegende Betrag von Fr. 50'622.-- offensichtlich</span><br/> <span class="ft1">als erheblich zu betrachten, womit die Voraussetzungen für eine Wie-</span><br/> <span class="ft1">dererwägung erfüllt sind.</span><br/> <span class="ft1">2.5.2.</span><br/> <span class="ft1">Art. 25 Abs. 2 ATSG sieht vor, dass der Rückforderungsan-</span><br/> <span class="ft1">spruch mit Ablauf eines Jahres nachdem die Versicherungseinrich-</span><br/> <span class="ft1">tung davon Kenntnis erhalten hat, erlischt. Bei der einjährigen Frist</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG handelt es sich um eine Verwirkungs-</span><br/> <span class="ft1">frist. Gemäss Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsge-</span><br/> <span class="ft1">richts gilt dabei nicht der Zeitpunkt in dem der Fehler gemacht wird</span><br/> <span class="ft1">als fristauslösend, sondern der Zeitpunkt in dem die Verwaltung un-</span><br/> <span class="ft1">ter Anrechnung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit den Fehler hätte</span><br/> <span class="ft1">erkennen müssen; wobei das EVG nicht das erstmalige unrichtige</span><br/> <span class="ft1">Handeln der Verwaltung als fristauslösend hat genügen lassen. Viel-</span><br/> <span class="ft1">mehr stellte es auf jenen Tag ab, an dem sich die Amtsstelle später</span><br/> <span class="ft1">unter Anwendung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit über ihren</span><br/> <span class="ft1">Fehler hätte Rechenschaft ablegen müssen (vgl. Urteil des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichts des Kantons Graubünden vom 16. Januar 2007,</span><br/> <span class="ft1">S 06/126 Erw. 3a mit Hinweisen).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">73</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Beschwerdegegne-</span><br/> <span class="ft1">rin hätte den Fehler spätestens bemerken müssen, als die Kinderrente</span><br/> <span class="ft1">wegfiel, da sie sich mit dem Dossier habe auseinandersetzen müssen,</span><br/> <span class="ft1">womit die Rückforderung verspätet sei. Wie schon ausgeführt beträgt</span><br/> <span class="ft1">die Kinderrente nach Art. 35</span><span class="ft5"><sup>ter</sup></span> <span class="ft1">AHVG 40 Prozent der dem mass-</span><br/> <span class="ft1">gebenden durchschnittlichen Jahreseinkommen entsprechenden Al-</span><br/> <span class="ft1">tersrente. So besteht bei Einstellen dieser Rente für die Verwaltung</span><br/> <span class="ft1">kein Anlass die Rentenberechnung zu überprüfen oder sich mit dem</span><br/> <span class="ft1">Dossier der versicherten Person auseinanderzusetzen. Der Einwand</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin geht daher fehl. Anlässlich der 4. IV-Revi-</span><br/> <span class="ft1">sion waren alle ganzen Renten bei einem Invaliditätsgrad unter 70%</span><br/> <span class="ft1">innerhalb eines Jahres nach dem Inkrafttreten dieser Gesetzesände-</span><br/> <span class="ft1">rung einer Revision zu unterziehen. Da der Invaliditätsgrad der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin jedoch bei 100% liegt, bestand dazu keine Ver-</span><br/> <span class="ft1">anlassung. Schliesslich wendet die Beschwerdeführerin ein, die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegnerin hätte den Fehler bei zumutbarer Aufmerksamkeit</span><br/> <span class="ft1">bei der ersten ordentlichen Rentenrevision im Jahre 2005/2006 er-</span><br/> <span class="ft1">kennen können. Bei der Rentenrevision wird lediglich überprüft, ob</span><br/> <span class="ft1">sich der Gesundheitszustand oder die Einkommensverhältnisse ver-</span><br/> <span class="ft1">ändert haben. Werden keine derartigen Veränderungen festgestellt, so</span><br/> <span class="ft1">besteht keine Veranlassung die Invaliditätsgradberechnung zu über-</span><br/> <span class="ft1">prüfen und ebenso wenig die Berechnung der Renten. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegnerin musste sich erst wieder bei Eintritt des AHV-Al-</span><br/> <span class="ft1">ters des Ehemannes der Beschwerdeführerin mit der Rentenberech-</span><br/> <span class="ft1">nung auseinandersetzten. Dabei hat sie dann auch den begangenen</span><br/> <span class="ft1">Fehler bemerkt und korrigiert, was zur Rückforderung führte. Diese</span><br/> <span class="ft1">erfolgte innert Jahresfrist, womit die Rückforderung nicht verspätet</span><br/> <span class="ft1">war.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>