Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Februar 2017 (810 16 125) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung / Verhältnismässigkeit Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen , Markus Mattle, Niklaus Ruckstuhl, Gerichtsschreiberin i.V. Claudia Caderas Beteiligte A.B. ____ und B.B. ____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Georg Schürmann, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und der Aufenthaltsbewilligung / Wegweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 0575 vom 26. April 2016) A. Der 1989 geborene kosovarische Staatsangehörige A.B.____ reiste am 11. März 2006 im Alter von 17 Jahren gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Geschwistern im Rahmen des Familiennachzuges zu seinem Vater in die Schweiz. In der Folge erteilte ihm das Amt für Migra- tion des Kantons Basel-Landschaft (AfM) die Niederlassungsbewilligung. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 5. Oktober 2010 heiratete A.B.____ in C.____ die kosovarische Staatsangehörige B.B.____, geboren 1993. Am 27. Juli 2011 kam B.B.__ __ im Rahmen des Familiennachzuges zu ihrem Ehemann in die Schweiz, worauf ihr eine Aufen thaltsbewilligung erteilt wurde. Das Ehepaar B.____ hat mittlerweile drei Söhne (geboren 2012, 2014 und 2015). C. Seit 2011 ist A.B.____ wiederholt strafrechtlich i n Erscheinung getreten: − Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 19. Mai 2011 wegen Beschimpfung und mehrfacher Drohung, bedingt vollziehbare Geldstrafe v on 20 Tagessätzen zu Fr. 60.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren. − Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. Januar 2012 wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln, Busse von Fr. 300.--. − Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vo m 17. September 2012 wegen Nöti- gung, grober Verletzung der Verkehrsregeln, mehrfache r Verletzung der Verkehrsregeln, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, unbedingte Geld strafe von 160 Tagessätzen zu Fr. 60.-- sowie Busse von Fr. 1'100.--. D. Aufgrund dieser Verurteilungen verwarnte das AfM A.B.____ am 5. Oktober 2012. Er wurde darauf aufmerksam gemacht, dass man von ihm erwar te, dass er sich künftig an die hie- sigen Gesetze und Ordnung halte. Sollte es erneut zu ei ner Verurteilung kommen, auch im Zu- sammenhang mit Taten, welche vor der Verwarnung began gen worden seien, würden der Wi- derruf seiner Niederlassungsbewilligung sowie seine Wegweisung aus der Schweiz geprüft. E. A.B.____ wurde in der Folge erneut straffällig: − Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 26 . November 2013 wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind sowie Übertretung des Betäu bungsmittelgesetzes, unbedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 50.-- sowie Busse von Fr. 200.--. − Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 1 0. Juli 2015 wegen versuchten An- griffs, Sachbeschädigung, mehrfacher Übertretung des B etäubungsmittelgesetzes, unbe- dingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 50.-- sowie Busse von Fr. 300.--. F. Am 3. September 2015 gewährte das AfM A.B.____ un d B.B.____ das rechtliche Ge- hör zum Widerruf der Niederlassungsbewilligung von A.B .____ bzw. zur Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung von B.B.____ sowie der Wegweisung beider aus der Schweiz. G. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2015 widerrief das Af M die Niederlassungsbewilligung von A.B.____ und die Aufenthaltsbewilligung von B.B.__ __ und setzte ihnen eine Frist, die Schweiz bis spätestens am 7. Januar 2016 zu verlassen. Zur Begründung führte es im Wesent- lichen aus, A.B.____ habe gegen die öffentliche Siche rheit und Ordnung verstossen und B.B.____ teile betreffend die Aufenthaltsbewilligung das rechtliche Schicksal ihres Ehemannes, von welchem sie ihre Bewilligung ableite. Die Wegweisungen seien verhältnismässig und ergin- gen im pflichtgemässen Ermessen des AfM. Ein Härtefall sei nicht ersichtlich. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Gegen die Verfügung des AfM erhoben A.B.____ und B.B.____ mit Eingabe vom 16. Dezember 2016 Beschwerde beim Regierungsrat des Ka ntons Basel-Landschaft (Regie- rungsrat). Mit Regierungsratsbeschluss Nr. 0575 vom 26. A pril 2016 (RRB) wies der Regie- rungsrat die Beschwerde ab. Begründet wurde der Entsche id im Wesentlichen damit, dass das bisherige Verhalten von A.B.____ die Voraussetzung eine s schwerwiegenden wiederholten Verstosses gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung e rfülle. Die Wegweisung von A.B.____ tangiere im Übrigen den Anspruch auf Achtung des Familienlebens nicht, zumal auch seine Ehefrau über keinen unabhängigen gefestigten Au fenthaltsanspruch verfüge. Zudem ha- be B.B.____ bei einem Widerruf der Niederlassungsbewil ligung von A.B.____ keinen Anspruch auf Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung. Eine n Anspruch auf die Niederlassungsbewilli- gung habe sie bis zum Zeitpunkt des Widerrufs der Bewilli gung des Ehemannes nicht erwor- ben. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und di e damit verbundene Wegweisung von A.B.____ sowie der Widerruf der Aufenthaltsbewilligu ng und die damit verbundene Wegwei- sung von B.B.____ seien überdies verhältnismässig und es liege kein Härtefall vor. I. Mit Eingabe vom 4. Mai 2016 erhoben A.B.____ und B.B.____, vertreten durch Nadja Wenger, Advokatin, beim Kantonsgericht Basel-Landscha ft, Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde gegen den RR B Nr. 0575 vom 26. April 2016. Sie beantragen die Aufhebung des Entscheids des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft Nr. 0575 vom 26. April 2016 und der Verfügung des Af M vom 7. Dezember 2016. Die Be- schwerdeführer rügen die unrichtige und unvollständige Feststellung des Sachverhaltes sowie die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör. Zud em seien die Voraussetzungen des Widerrufsgrundes nicht erfüllt. Die Beschwerdeführerin habe ihrerseits einen Anspruch auf Ver- längerung ihrer Aufenthaltsbewilligung bzw. einen Ans pruch auf Erteilung der Niederlassungs- bewilligung. Der angefochtene Entscheid verletze zudem ihren Anspruch auf Familienleben. Schliesslich sei der Widerrufs- und Wegweisungsentscheid gegenüber beiden Beschwerdefüh- rern unverhältnismässig und das vorinstanzliche Ermessen sei fehlerhaft ausgeübt worden. J. Am 4. August 2016 liess sich der Regierungsrat vernehm en. Er beantragt die Abwei- sung der Beschwerde, wobei er in erster Linie auf den a ngefochtenen Beschluss vom 26. April 2016 verweist, an dessen Erwägungen vollumfänglich festgehalten werde. K. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Besch werdeführer und die Beschwer- deführerin, nunmehr vertreten durch Dr. Georg Schürm ann, Advokat, sowie als Vertreterin des Beschwerdegegners die Abteilungsleiterin Massnahmen und Recht des AfM teil. Die Parteien halten an ihren Anträgen fest und verweisen zur Begrün dung im Wesentlichen auf ihre schriftli- chen Eingaben. Auf die weiteren Ausführungen der Par teien wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Die Beschwerdeführer sind als Adressat en des angefochtenen Entscheids berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren for- mellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die damit verbundene W egweisung des Beschwerdeführers sowie der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und di e damit verbundene Wegweisung der Be- schwerdeführerin zu Recht erfolgten. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinne n und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG im Rahmen der gesetzlich en Vorschriften und Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbs- tätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf Anwesenheit hat die ausländische Person somit grundsätz- lich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände rrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 4.2 Gemäss Art. 34 Abs. 1 AuG verleiht die Niederlassung sbewilligung ihrer Inhaberin resp. ihrem Inhaber grundsätzlich einen zeitlich unbefri steten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem gese tzlichen Anspruch des Beschwerde- führers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. 4.3 Die im vorliegenden Fall ebenfalls in Frage stehen de Aufenthaltsbewilligung der Be- schwerdeführerin teilt gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG das rech tliche Schicksal der Niederlassungs- bewilligung des Beschwerdeführers. Es drängt sich folgl ich vorab eine Prüfung der Rechtmäs- sigkeit des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung und der Wegweisung des Beschwerdefüh- rers auf. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Der von der Niederlassungsbewilligung grundsätzlich eingeräumte gesetzliche An- spruch auf Anwesenheit gilt nicht absolut. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist selbst dann möglich, wenn die ausländische Person in der Schwei z geboren wurde und ihr ganzes Leben hier verbracht hat (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 139 I 16 E. 2.2.1). 5.2.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ist ein Widerru f der Niederlassungsbewilligung mög- lich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer in schwerw iegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet. Die "öffentliche Sicherheit und Ordnung" bildet den Oberbegriff der polizeilichen Schutzgüter: Die öffentliche Ordnung umfasst die Ge- samtheit der ungeschriebenen Ordnungsvorstellungen, dere n Befolgung nach der herrschen- den sozialen und ethischen Anschauung als unerlässliche Vo raussetzung eines geordneten menschlichen Zusammenlebens anzusehen ist. Die öffentlich e Sicherheit bedeutet die Unver- letzlichkeit der objektiven Rechtsordnung, der Rechtsgüter der Einzelnen (Leben, Gesundheit, Freiheit, Eigentum, usw.) sowie der Einrichtungen des Staates. Eine Verletzung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ist somit namentlich gegeben bei erheblichen oder wiederholten Verstössen gegen gesetzliche Vorschriften oder behördlich e Verfügungen sowie bei Nichterfül- lung der öffentlich-rechtlichen (z.B. Steuern, Kranke nkassenprämien) oder privatrechtlichen Verpflichtungen (z.B. Mietzinse, Prämien privater Versicherungen; vgl. Art. 80 Abs. 1 lit. a und b der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbs tätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007). 5.2.2 Im Gegensatz zum Widerruf einer Aufenthaltsbewi lligung gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG, welcher voraussetzt, dass die Ausländerin oder der Ausl änder "erheblich oder wiederholt" gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat, setzt der Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG voraus, dass ein solcher Verstoss in schwer- wiegender Weise erfolgt ist. Damit werden vergleichswei se erhöhte Anforderungen an einen Bewilligungswiderruf gestellt, was sich eindeutig aus dem französischen Wortlaut der genann- ten Bestimmungen ergibt. Während Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG von einem Verstoss "de manière grave ou répétée" spricht, wird in Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG die qualifizierte Formulierung "de ma- nière très grave" verwendet (BGE 137 II 297 E. 3.2). Zur Abgrenzung zwischen Art. 62 Abs. 1 lit. c und Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ist in erster Lini e auf den Stellenwert des beeinträchtigten Rechtsgutes abzustellen. Die Praxis geht bei Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG von der Erfüllung der qua- lifizierten Formulierung aus, wenn die ausländische Pers on mit ihrem Handeln besonders hochwertige Rechtsgüter wie namentlich die körperliche, psychische und sexuelle Integrität ei- nes Menschen verletzt oder in Gefahr gebracht hat. Inde s können auch vergleichsweise weni- ger gravierende Pflichtverletzungen als schwerwiegend im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG bezeichnet werden (BGE 137 II 237 E. 3.3). So kann au ch eine Summierung von Verstössen, die für sich genommen für einen Widerruf nicht ausreich en würden, einen Bewilligungsentzug rechtfertigen. Diesfalls ist nicht die Schwere der verhä ngten Strafen, sondern die Vielzahl der Delikte entscheidend. Ein Widerruf der Niederlassungsbe willigung soll auch dann möglich sein, wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch zukünftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten (vgl. Botschaft des Bundesrates vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz über die Aus- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht länderinnen und Ausländer, Bundesblatt [BBl] 2002 37 09, 3809 f.). Ob eine Ausländerin oder ein Ausländer willens und in der Lage ist, sich in die h ier geltende Ordnung einzufügen, ist an- hand einer Gesamtbetrachtung ihres bzw. seines Verhalte ns zu beurteilen (BGE 137 II 297 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichtes 2C_160/2013 vom 15. November 2013 E. 2.1.1; vgl. auch ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Rz. 8.29; S ILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz üb er die Aus- länderinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, Rz. 19 zu Art. 63 AuG; MARC SPESCHA , in: Spe- scha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrati onsrecht, 4. Aufl., Zürich 2015, Rz. 10 zu Art. 63 AuG). Gemäss Art. 63 Abs. 2 AuG gilt d er Widerrufsgrund auch für Niederlas- sungsbewilligungen von Ausländerinnen und Ausländern, die sich seit mehr als 15 Jahren un- unterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalt en. Der Widerruf muss zudem ver- hältnismässig sein (Art. 96 Abs. 1 AuG, BGE 139 I 145 E. 2.2). 5.3 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, d er Beschwerdeführer sei seit 2011 wiederholt strafrechtlich in Erscheinung getreten, indem er fünf Mal verurteilt worden sei. Er habe im Wesentlichen Strassenverkehrsdelikte begangen u nd das Betäubungsmittelgesetz übertreten. Darüber hinaus sei er unter anderem wegen mehrfacher Drohung, Nötigung, Wider- handlung gegen das Waffengesetz, sexuellen Handlungen mit einer Minderjährigen, versuchten Angriffs und Sachbeschädigung bestraft worden. Er sei i nsgesamt mit Geldstrafen von 450 Tagessätzen zu Fr. 50.-- bzw. Fr. 60.-- sowie Bussen in Gesamthöhe von Fr. 1'600.-- be- straft worden. Sein Verschulden in Bezug auf die einzelnen Straftaten sei zwar nicht durchwegs als schwerwiegend zu bezeichnen. Die Gesamtbetrachtung des Verhaltens des Beschwerde- führers zeige jedoch, dass sein Verschulden insgesamt recht schwer wiege und er nicht in der Lage sei, sich in die in der Schweiz geltende Ordnung einzufügen. Der Beschwerdeführer habe sich auch von Strafurteilen nicht beeindrucken lassen und sei insbesondere weder gewillt noch fähig gewesen, als Autolenker grundlegende Regeln des S trassenverkehrs zu beachten. Ver- kehrsregeln dienten nicht nur der blossen Ordnung im St rassenverkehr, sondern letztlich dem Schutz des Lebens und der Gesundheit der anderen, insbesondere auch der schwächeren Ver- kehrsteilnehmer. Der Beschwerdeführer habe somit zentra le Rechtsgüter über Jahre immer wieder aufs Spiel gesetzt und so die öffentliche Sicher heit erheblich und wiederholt gefährdet. Er habe während der Probezeit und trotz Verwarnung de s AfM unbeeindruckt weiterdelinquiert. Insgesamt erfülle sein Verhalten die Voraussetzung eine s schwerwiegenden Verstosses gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung i.S.v. Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG. 5.4 Dem entgegnet der Beschwerdeführer, dass er nicht schw erwiegend gegen die öffent- liche Ordnung verstossen und keine Gewaltdelikte verübt ha be. Er bringt im Wesentlichen vor, dass er die Lehren aus den strafrechtlichen Verurteilu ngen gezogen und sein Verhalten geän- dert habe. Er habe sich nach der fremdenpolizeilichen Ve rwarnung nicht an das Gesetz gehal- ten, weil er sich seines Handelns nicht bewusst gewesen sei, da die letzte Straftat unter star- kem Alkoholeinfluss geschehen sei. Anlässlich der heutigen P arteiverhandlung beteuert der Beschwerdeführer, dass er seine Straftaten aufrichtig be reue. Er habe eingesehen, dass das, was er getan habe, nicht gut gewesen sei und dass es so ni cht weitergehen könne, weshalb er sich für einen neuen Lebenswandel entschieden habe. Heu te führe er ein anderes Leben und verfolge andere Ziele. So arbeite er jeweils fünf Tag e die Woche bis fünf Uhr nachmittags und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht widme sich anschliessend seiner Familie. Überdies besitze er keine Waffen und trinke auch keinen Alkohol mehr. Er habe eine Anlehre als Baupraktiker Isolation erfolgreich abgeschlossen und arbeite derzeit im Rahmen eines unbefristeten Arb eitsverhältnisses in einem 100 %- Pensum bei der D.____, womit er beruflich vorbildlich integriert sei. Sein Arbeitgeber sei mit ihm sehr zufrieden und strebe eine langfristige Zusammenarbeit an. Mit seinem Einkommen bestrei- te er den Unterhalt seiner fünfköpfigen Familie. Er habe keine Schulden und weder er noch sei- ne Familie hätten je Unterstützung seitens der öffentl ichen Hand beansprucht. Des Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, dass er über ein seh r gutes soziales Netzwerk in der Schweiz verfüge und die deutsche Sprache beherrsche. Das g anze familiäre und persönliche Umfeld würde in der Schweiz leben: Seine Ehefrau, sei ne drei Söhne, seine Eltern, seine Schwestern, seine Tante und sein Cousin sowie zahlreiche Freunde. Sein Verhältnis zu seiner Ehefrau und zu seinen drei Kindern sei sehr gut. Ein Widerrufsgrund sei nicht gegeben und eine Wegweisung sei überdies unverhältnismässig. 5.5.1 Aus den Verfahrensakten sowie dem Strafregisterau szug des Beschwerdeführers wird ersichtlich, dass dieser zwischen 2011 und 2015 regelmässig delinquiert hat. Dabei hat er na- mentlich Strassenverkehrsdelikte begangen und das Betäubu ngsmittelgesetz übertreten. Dar- über hinaus ist er unter anderem wegen mehrfacher Dr ohung, Nötigung, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, sexuellen Handlungen mit einer Minderjährigen, Angriffs und Sachbeschädi- gung bestraft worden. Insbesondere delinquierte der Beschwerdeführer wiederholt während der laufenden strafrechtlichen Probezeit und liess sich von de n verhängten Strafen nicht von weite- ren Straftaten abhalten. Es ist damit unbestritten, da ss der Beschwerdeführer zwischen 2011 und 2015 Anlass zu Klagen gegeben hat. Dies offenbart zweifelsohne eine gewisse Gleichgül- tigkeit gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung. Besonderes Gewicht bei der Würdigung des Verhaltens des Beschwerdeführers spezifisch im Lichte vo n Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG muss insbesondere dem Schwereerfordernis beigemessen werden (vgl. oben E. 5.2.2). Diesbezüglich ist vor allem das gegenüber dem Beschwerdeführer verhä ngte Strafmass zu berücksichtigen, da dieses Rückschlüsse auf die Erheblichkeit der Missachtung der Rechtsordnung zulässt; re- levant ist sodann auch, ob es sich um wiederholte Delinqu enz handelt und wie sich die Progno- se betreffend Wille und Fähigkeit zu inskünftig rechtstreuem Verhalten gestaltet. 5.5.2 Bei den gegenüber dem Beschwerdeführer verhängt en Strafen handelt es sich um Bussen im Rahmen zwischen Fr. 200.-- und Fr. 1'100.-- und Geldstrafen zwischen 20 und 160 Tagessätzen. Die gewählten Strafarten (Bussen und Geldst rafen) und das jeweilige Strafmass machen insgesamt deutlich, dass es sich bei den vom Beschwer deführer begangenen Strafta- ten nicht um schwerwiegende Delikte handelt und strafrechtlich von einem zumindest nicht sehr schweren Verschulden ausgegangen wurde. Die höchste Stra fe war eine Verurteilung im Jahr 2012 zu einer unbedingten Geldstrafe von 160 Tagessätze n zu Fr. 60.-- sowie einer Busse von Fr. 1'100.-- wegen Nötigung, grober Verletzung der Verkehrsregeln, mehrfacher Verletzung der Verkehrsregeln sowie Widerhandlung gegen das Waffengese tz. Die fragliche Verurteilung liegt mittlerweile viereinhalb Jahre zurück und seit Juli 201 5, d.h. seit bald zwei Jahren, ist in straf- rechtlicher Hinsicht nichts mehr vorgefallen. Das Fehlverhal ten des Beschwerdeführers soll nicht bagatellisiert werden, doch hat er keine schwerwi egenden Gewaltdelikte begangen, son- dern mehrheitlich Strassenverkehrsdelikte und Übertretu ngen des Betäubungsmittelgesetzes. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegenstand der Strassenverkehrsdelikte bildeten dabei ü berwiegend Geschwindigkeitsüber- schreitungen, indem der Beschwerdeführer zweimal im Novem ber 2011 die signalisierte Höchstgeschwindigkeit innerorts um 16 km/h bzw. um 17 km/ h (abzüglich der Sicherheitsmar- ge) überschritt. Im Oktober 2011 wurde er mit einer Bu sse von Fr. 300.-- bestraft, da er in Prat- teln mit einer Geschwindigkeit von ca. 100 km/h auf dem m ittleren Fahrstreifen der Autobahn A2 in Fahrtrichtung Bern/Luzern fuhr und infolge mang elnder Aufmerksamkeit einen Selbstun- fall verursachte. Im Mai 2012 fuhr der Beschwerdeführe r überdies ohne das vorgeschriebene Licht des Fahrzeuges eingeschaltet zu haben und verursachte dabei durch das unnötige Hoch- drehen der Motordrehzahl in niedrigen Gängen zusätzlich unnötigen Lärm. Die grobe Verlet- zung der Verkehrsregeln und die Nötigung seitens des Besc hwerdeführers im Juni 2012 be- standen darin, dass er einem anderen Fahrzeug mutwillig die Fahrbahn abschnitt, so dass sich dessen Lenker zu einem abrupten Abbremsen genötigt sa h, um eine Kollision mit dem Be- schwerdeführer zu verhindern. Im August 2012 wurde anlä sslich einer Zollkontrolle festgestellt, dass er in der seitlichen Ablage der Fahrertüre einen Schlagring griffbereit mitführte, womit er gegen das Waffengesetz verstiess. Die Verstösse des Beschwe rdeführers gegen das Betäu- bungsmittelgesetz beschränken sich auf den Konsum von Marih uana bzw. die Abgabe dessel- ben an andere. Die sexuelle Handlung mit einer Minde rjährigen im August 2012 relativiert sich bei näherer Betrachtung der Straftat angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer als 22- Jähriger einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit einer 15-Jährigen hatte. 5.5.3 Ob nach dem Gesagten im vorliegenden Fall der W iderrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu bejahen ist, kann letztlich offen g elassen werden, da sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und die damit verbundene Wegweisung – wie nachfolgend aufgezeigt wird – jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit als unzulässig erweisen. 6.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes hat generell nicht zwingend zur Folge, dass die Niederlassungsbewilligung tatsächlich zu widerrufen ist , da der zuständigen kantonalen Behör- de durch die "Kann-Bestimmung" in Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG im Rahmen eines Ermessensent- scheids die Möglichkeit gewährt wird, den besonderen Umstä nden des Einzelfalles angemes- sen Rechnung zu tragen (vgl. HUNZIKER , a.a.O., Rz. 7 zu Art. 62 AuG). Der Widerruf der Nieder- lassungsbewilligung und die damit verbundene Wegweisu ng (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) ist nur gerechtfertigt, wenn er sich gestützt auf eine im E inzelfall vorzunehmende Interessenabwä- gung als verhältnismässig erweist (Art. 96 Abs. 1 AuG). Nach dem Grundsatz der Verhältnis- mässigkeit muss eine Verwaltungsmassnahme zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in ei- nem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 581 ff.). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegene inander abzuwägen (MARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Rz. 3 zu Art . 51; Z ÜND /ARQUINT HILL , a.a.O., Rz. 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interes- sen am Belassen der Bewilligung und der öffentlichen In teressen an deren Widerruf, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind namen tlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergange ne Zeitraum, das Verhalten des Aus- länders während diesem, der Grad seiner Integration b zw. die Dauer der bisherigen Anwesen- heit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nacht eile zu berücksichtigen (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.4; BGE 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesg erichts 2C_1033/2013 vom 4. Juli 2014 E. 4.3; ZÜND /A RQUINT HILL , a.a.O., Rz. 8.31). Die Niederlassungsbewilligung ei nes Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar nur mit besonderer Zurückhaltung widerru- fen werden, doch ist dies bei schwerer bzw. wiederholter Straffälligkeit selbst dann nicht ausge- schlossen, wenn er hier geboren ist und sein ganzes bisher iges Leben im Land verbracht hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_562/2011 vom 21. Novem ber 2011 E. 3.3). Bei schweren Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz, in sbesondere bei Gewalt- und Betäubungs- mitteldelikten, besteht ein wesentliches öffentliches Int eresse, zur Aufrechterhaltung der Ord- nung bzw. Verhütung von (weiteren) Straftaten die Anw esenheit des Ausländers zu beenden (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; BGE 137 II 233 nicht publizie rte E. 3.1). Was das Fernhalteinteresse anbetrifft, so muss gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsp rechung bei schweren Straftaten selbst ein geringes Restrisiko weiterer Delinquenz nicht i n Kauf genommen werden (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 130 II 176 E. 4.2 - 4.4 mit Hinweisen). 6.2 Demzufolge ist anhand der aufgezeigten Rechtslage zu prüfen, ob unter Berücksich- tigung der konkreten Umstände des vorliegenden Falles die öffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbewilligung die privaten Interessen de s Beschwerdeführers an einem Ver- bleib in der Schweiz überwiegen. 6.3 Ausgangspunkt für die vorzunehmende ausländerrechtl iche Interessenabwägung sind die strafrechtlichen Verurteilungen des Beschwerdeführ ers und die Schwere seines Verschul- dens. Wie vorstehend in E. 5.5.2 bereits erwähnt, erlau ben die Straftaten und das jeweilige Strafmass die Schlussfolgerung, dass es sich bei den vom Be schwerdeführer begangenen Straftaten nicht um Bagatelldelikte, aber auch nicht u m schwerwiegende Delikte handelt und strafrechtlich von einem zumindest nicht schweren Verschulden auf Seiten des Beschwerdefüh- rers ausgegangen wurde, was denn auch seitens der Vori nstanz grundsätzlich nicht in Abrede gestellt wird. Gleichzeitig ist nicht zu verkennen, dass d er Beschwerdeführer mehrfach straf- und rückfällig wurde. Obwohl er seitens des AfM am 5. Oktober 2012 ausländerrechtlich ver- warnt worden war, hielt ihn dieser Umstand nicht von w eiteren Straftaten ab. Das ausländer- rechtliche Verschulden wiegt entsprechend schwer. Eine vo rbehaltlos positive Prognose betref- fend Wille und Fähigkeit des Beschwerdeführers zu inskünf tig rechtstreuem Verhalten wäre zum heutigen Zeitpunkt verfrüht. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die vom Beschwerde- führer begangenen Rechtsgutverletzungen und die dadurch verursachte Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit und Ordnung ein gewichtiges öffentlic hes Interesse an seiner Ausreise be- gründen, zumal bei dieser Beurteilung auch generalprä ventiven Gesichtspunkten Rechnung getragen werden darf (Urteil des Bundesgerichts 2C_578/2009 vom 23. Februar 2010 E. 2.4 mit weiteren Hinweisen). 6.4 Den vorstehend genannten öffentlichen Interessen si nd die privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 Der Regierungsrat macht geltend, dass dem heute 27-jährigen Beschwerdeführer die Ausreise zusammen mit seiner Familie zuzumuten sei. Er se i im Kosovo geboren und im Alter von 17 Jahren in die Schweiz gekommen. Er sei somit seit ru nd zehn Jahren in der Schweiz. Trotz dieser 10-jährigen Anwesenheit sei ihm die Integration hier nicht gelungen und er sei trotz Verwarnung des AfM wiederholt straffällig geworden. M angels beruflicher Ausbildung stelle der Beschwerdeführer keine unentbehrliche Arbeitskraft auf dem hiesigen Arbeitsmarkt dar. Mit der Unterstützung seiner Verwandtschaft werde ihm die Reint egration im Kosovo – wo er 17 Jahre gelebt habe und den er regelmässig in den Ferien besu cht habe – nach Überwindung der übli- chen Anfangsschwierigkeiten gelingen. Den Kindern der Beschwerdeführer sei die Ausreise ins Heimatland offenkundig zumutbar. Sie seien ein Jahr b zw. drei und vier Jahre alt und damit in einem anpassungsfähigen Alter. Es seien keine vertieften Beziehungen zur Schweiz erkennbar. 6.4.2 Der Beschwerdeführer reiste am 11. März 2006 im A lter von 17 Jahren gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Geschwistern im Rahmen des Fami liennachzuges zu seinem Vater in die Schweiz ein, wo er seitens des AfM eine Niederlassungs bewilligung erhielt. Aufgrund der über zehnjährigen Aufenthaltsdauer in der Schweiz ist von einem gewichtigen privaten Interes- se des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen. Gesamthaft betrach- tet liegt denn auch – abgesehen von der Straffälligkeit – eine relativ gute Integration des Be- schwerdeführers in der Schweiz vor. So beherrscht er die d eutsche Sprache, hat eine Anlehre als Baupraktiker Isolation erfolgreich abgeschlossen und a rbeitet derzeit im Rahmen eines un- befristeten Arbeitsverhältnisses in einem 100 %-Pensum be i der D.____. Mit seinem Einkom- men bestreitet der Beschwerdeführer – zusammen mit der Beschwerdeführerin, welche seit dem 1. Januar 2017 einer 80 %-Anstellung als Küchen angestellte im Gasthaus E.____ in F.____ nachgeht – den Unterhalt seiner fünfköpfigen Fa milie. Ein Grossteil seines familiären und persönlichen Umfelds lebt in der Schweiz: Seine Eh efrau, seine drei Söhne, seine Eltern, seine Schwestern, seine Tante und sein Cousin sowie mehre re Freunde. Der Beschwerdefüh- rer ist nach eigenen Aussagen in den letzten fünf Jahre n achtmal im Kosovo gewesen, wo er jedoch nur wenige Verwandte hat. Neben dem langjähr igen Aufenthalt in der Schweiz ist zu- sätzlich zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer keine S chulden aufweist und weder er noch seine Familie Sozialhilfe bezogen hat. 6.4.3 Im vorliegenden Fall erscheinen die vom Beschwerde führer geltend gemachte Reue und der neue Lebenswandel aufgrund der genannten Umst ände als glaubwürdig. Er scheint in den vergangenen Jahren in der Tat einen Reifungsprozess durchgemacht zu haben und in sei- ner Persönlichkeit gewachsen zu sein. Es ist zu Gunsten des Beschwerdeführers zu würdigen, dass er in beruflicher Hinsicht gut aufgegleist ist und sei nen finanziellen Verpflichtungen, insbe- sondere gegenüber seiner eigenen Familie, nachkommt. Se ine Bemühungen, nunmehr ein ge- regeltes und konfliktfreies Leben zu führen, wie er es au ch anlässlich der Parteiverhandlung beteuert, sind mithin als ernsthaft zu bezeichnen. Dieser Umstand rechtfertigt es, dem Läute- rungsprozess des Beschwerdeführers im Rahmen der Interess enabwägung grösseres Gewicht beizumessen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Besch werdeführer seit zweieinhalb Jahren strafrechtlich nicht mehr negativ in Erscheinung ge treten ist, weshalb von einer nicht ungünstigen Legalbewährungsprognose auszugehen ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der privaten Int eressen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz gegenüber den öffentlichen Interessen an einer Wegweisung ge- langt das Kantonsgericht deshalb zum Schluss, dass der Wi derruf der Niederlassungsbewilli- gung und die damit verbundene Wegweisung des Beschwerde führers zum heutigen Zeitpunkt als nicht verhältnismässig zu erachten ist. Sollte der Bes chwerdeführer allerdings erneut in re- levanter Weise straffällig werden und damit das durch d as Gericht in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchen, muss er trotz seiner langen Anwesenheit und negativen Konsequenzen für seine Familie mit dem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung rechnen. 7. Die im vorliegenden Fall zusätzlich in Frage stehende Aufenthaltsbewilligung der Be- schwerdeführerin teilt das rechtliche Schicksal der Niederlassungsbewilligung des Beschwerde- führers (E. 4.3). Da Letztere nicht widerrufen wird, bleibt auch die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin, welche sich gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG aus dem Niederlassungsrecht des Beschwerdeführers ableitet, unberührt. Die Beschwerdef ührerin hat demgemäss einen An- spruch auf deren Verlängerung. Da sie mittlerweile um die Erteilung der Niederlassungsbewilli- gung ersucht hat, wird das AfM zu entscheiden haben, ob die Aufenthaltsbewilligung verlängert oder direkt die Niederlassungsbewilligung erteilt wird. 8. Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Ent- scheid aufzuheben, ohne dass auf die weiteren Rügen der Beschwerdeführer eingegangen werden muss. 9.1 Es bleibt noch über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Ver- fahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verf ahrenskosten umfassen die Gerichts- gebühren und die Beweiskosten und werden nach § 20 Ab s. 3 VPO in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Da den kantonalen Behörden gemäss § 20 Abs. 3 und Abs. 4 VPO nur Verfahrenskosten auferlegt werden können, wenn sie das Kan- tonsgericht in Anspruch nehmen, werden dem Regierung srat im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten auferlegt. 9.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. Ge stützt darauf hat der Re- gierungsrat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Kantonsgericht eine Par- teientschädigung auszurichten. Die am 6. September 201 6 eingereichte Honorarnote umfasst einen Aufwand von insgesamt 16.25 Stunden (ohne Haup tverhandlung) à Fr. 250.-- sowie Aus- lagen in der Höhe von insgesamt Fr. 101.-- (Kopien, Telefonate sowie Porti), was nicht zu be- anstanden ist. Für die heutige Parteiverhandlung und die Vorbereitung derselben werden dem Rechtsvertreter fünf weitere Stunden zugesprochen. Der Regierungsrat hat dem Beschwerde- führer demzufolge eine Parteientschädigung von Fr. 5' 846.60 (21.25 Stunden à Fr. 250.--, Fr. 101.-- Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Beschluss d es Regierungs- rates des Kantons Basel-Landschaft vom 26. April 2016 (RR B Nr. 575) aufgehoben und die Angelegenheit im Sinne der Erwäg ungen an das Amt für Migration Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.- - wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d en Beschwerde- führern für das Verfahren vor dem Kantonsgericht eine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 5'846.60 (inkl. Auslagen u nd 8 % Mehrwert- steuer) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.