Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 30. Oktober 2023 (460 23 52) ____________________________________________________________________ Strafrecht Fahren in fahrunfähigem Zustand etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Allgemeine Delikte, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin A.____ , Privatkläger B.____ , Privatkläger gegen C.____ , vertreten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Mehrfache versuchte Anstiftung zum falschen Zeugnis etc. (Berufung und Anschlussberufung gegen das Urteil des Strafge- richtspräsidiums Basel-Landschaft vom 17. Januar 2023) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.a Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vo m 17. Januar 2023 wurde C.____ des Fahrens in fahrunfähigem Zustand, der mehr fachen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeug führer, der Hinderung einer Amts- handlung, der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, der Drohung, der Nötigung, der Tätlichkeiten, der Sachbeschädigung, der üblen Nac hrede sowie des Missachtens des Fahrverbots für Motorfahrzeuge auf Rad- und Fusswegen sc huldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Monaten, bei einer Probezeit von vier Jahren, zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 15 Tagess ätzen zu je CHF 660.--, ebenfalls bei einer Probezeit von vier Jahren, sowie zu einer Busse von C HF 500.-- (bzw. zu einer Ersatz- freiheitstrafe von fünf Tagen bei schuldhaftem Nichtbezah len der Busse) verurteilt; dies in An- wendung von Art. 126 Abs. 1 StGB, Art. 144 Abs. 1 St GB, Art. 173 Ziff. 1 StGB, Art. 180 Abs. 1 StGB, Art. 181 StGB, Art. 285 Ziff. 1 StGB, Art. 286 StGB, Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG, Art. 91a Abs. 1 SVG, Art. 34 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, A rt. 49 Abs. 1 StGB, Art. 106 StGB sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Von den Vorwürfen der mehrfache n einfachen Verletzung der Verkehrsre- geln in Bezug auf die Anklageziffer 1.1 und der Drohu ng in Bezug auf die Anklageziffern 1.2 und 2 (gemäss Zusatzanklageschrift 1 vom 15. Juni 2022) so wie der mehrfachen versuchten Anstiftung zum falschen Zeugnis (gemäss Zusatzanklageschrift 2 vom 15. Juni 2022) wurde der Beschuldigte freigesprochen. Ferner wurde das gegen C .____ geführte Strafverfahren wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Ziffer 1 .2, pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall gemäss Ziffer 1.3 sowie Nichtmitführens des Führerausweises nach Ziffer 2.1 (gemäss Anklageschrift vom 21. Juli 2020) zufolge Eint ritts der Strafverfolgungsverjährung ein- gestellt. Ausserdem wurde vom Widerruf des mit Urteil de s Strafgerichts Basel-Landschaft vom 18. Oktober 2017 gewährten bedingten Strafvollzugs ges tützt auf Art. 46 Abs. 5 StGB abgese- hen (Dispositiv-Ziffer 1.1). Weiter wurde die nicht bezifferte Zivilklage von B.____ gegen C.____ auf den Zivilweg verwiesen (Dispositiv-Ziffer 3). Sodann wurde dem Beschuldigten eine redu- zierte Parteientschädigung zulasten des Staates in de r Höhe von CHF 8'541.45 (berechnet zu einem Stundenansatz von CHF 250.--) entrichtet (Disposi tiv-Ziffer 4.1). Schliesslich gingen die C.____ betreffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 17'144.70 und der Gerichtsgebühr von CHF 2'000.--, im Umfang von zwei Dritteln zulasten des Beschuldigten und zu einem Drittel zulasten des Staa tes (Dispositiv-Ziffer 5.1). Auf die Be- gründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Einga ben der Parteien wird, soweit erforder- lich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Entscheids eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.b Mit nämlichem Urteil wurde Advokat D.____ von den Vo rwürfen der mehrfachen versuch- ten Anstiftung zum falschen Zeugnis sowie der versuchten Begünstigung freigesprochen (Dis- positiv-Ziffer 1.2). Zudem wurde Advokat D.____ eine P arteientschädigung in der Höhe von CHF 6'868.80 zulasten des Staates zugesprochen (Dispositi v-Ziffer 4.2). Die ihn betreffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'490.-- und der Ge- richtsgebühr von CHF 1'000.--, gingen gesamtheitlich zu lasten des Staates (Dispositiv- Ziffer 5.2). Dieser Teil des Urteils erwuchs unangefochten in Rechtskraft. B. Gegen das genannte Urteil meldete C.____ mit Schreib en vom 27. Januar 2023 die Beru- fung an. In seiner Berufungserklärung an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Straf- recht, vom 17. März 2023 brachte der Beschuldigte soda nn folgende Rechtsbegehren vor: Es sei der Berufungskläger in Abänderung des angefochtene n Urteils von sämtlichen Vorwürfen der Anklageschrift kostenlos freizusprechen (Ziff. 1). Ausserdem seien in Gutheissung der Beru- fung und in Abänderung des angefochtenen Urteils die g esamten Verfahrenskosten zulasten des Staates zu verlegen (Ziff. 2). Auch sei dem Berufu ngskläger in Gutheissung der Berufung und in Abänderung des angefochtenen Urteils eine volle Parteientschädigung für die im erstin- stanzlichen Verfahren entstandenen Anwaltskosten zuzusprech en (Ziff. 3). Zudem seien die Kosten des Berufungsverfahrens vollumfänglich zulasten des Staates zu verlegen (Ziff. 4); dies alles unter o/e Kostenfolge (Ziff. 5). C. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Allgemeine Delikte, erklärte mit Eingabe vom 4. April 2023 die Anschlussberufung und stel lte dabei folgende Anträge: Es sei der Beschuldigte C.____ in teilweiser Abänderung von Ziffer 1.1 des angefochtenen Urteils zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von achtein halb Monaten, zu einer unbedingt voll- ziehbaren Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu jeweils CHF 660.-- sowie zu einer Busse von CHF 500.-- zu verurteilen (Ziff. 1). Im Übrigen sei d as erstinstanzliche Urteil zu bestätigen (Ziff. 2). D. Mit Schreiben vom 17. Mai 2023 teilte die Staatsanwal tschaft ihren Verzicht auf eine schriftliche Begründung der Anschlussberufung mit. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. In seiner Berufungsbegründung vom 3. Juli 2023 bracht e der Beschuldigte die folgenden, gegenüber der Berufungserklärung leicht modifizierten Rechtsbegehren vor: Es sei der Beru- fungskläger in Abänderung des angefochtenen Urteils von s ämtlichen Vorwürfen der Anklage- schrift ‒ mit Ausnahme der Vorwürfe gemäss der Zusatzanklageschrift 1 ‒ kostenlos freizuspre- chen (Ziff. 1). Ausserdem seien in Gutheissung der Berufung und in Abänderung des angefoch- tenen Urteils die gesamten Verfahrenskosten ‒ ausser diejenigen gemäss der Zusatzanklage- schrift 1 ‒ zulasten des Staates zu verlegen (Ziff. 2). Auch sei de m Berufungskläger in Gutheis- sung der Berufung und in Abänderung des angefochtenen Urteils eine Parteientschädigung von neun Zehnteln für die im erstinstanzlichen Verfahren en tstandenen Anwaltskosten zuzuspre- chen (Ziff. 3). Sodann sei dem Berufungskläger für das zweitinstanzliche Verfahren eine ange- messene Entschädigung für die Kosten seiner Verteidigung zu entrichten (Ziff. 4). Zudem seien die Kosten des Berufungsverfahrens vollumfänglich zulasten des Staates zu verlegen (Ziff. 5); dies alles unter o/e Kostenfolge (Ziff. 6). Im Sinne v on Verfahrensanträgen wurde schliesslich begehrt, es sei festzustellen, dass sämtliche Aussagen vo n E.____ im Vorverfahren unverwert- bar seien (Ziff. 1), und es seien diese ausnahmslos a us den Akten zu entfernen und bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens unter Verschluss zu halten (Ziff. 2). F. Die Staatsanwaltschaft reichte mit Datum vom 4. August 2023 ihre Berufungsantwort ein und begehrte darin die vollumfängliche Abweisung sowohl der Berufung als auch der Verfah- rensanträge. G. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts vom 14. April 2023 wurde festge- stellt, dass die Privatkläger weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben. Mit weite- rer Verfügung vom 11. August 2023 wurde zudem erkannt , dass die Privatkläger auch auf die Einreichung einer Berufungsantwort verzichtet haben. Mit nämlicher Verfügung wurde ausser- dem entschieden, dass über die Verfahrensanträge des Besc huldigten der sachlich zuständige Spruchkörper anlässlich der mündlichen Berufungsverhandl ung entscheidet sowie dass der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft zur kantonsgerich tlichen Hauptverhandlung geladen werden, während der Privatklägerschaft das persönliche Er scheinen vor dem Berufungsgericht in deren freies Ermessen gestellt wird. H. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung sind der Be schuldigte mit seinem Rechtsver- treter, Advokat Dr. Christian von Wartburg, sowie San dra Altherr als Vertreterin der Staatsan- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht waltschaft anwesend. Auf die von den Anwesenden getät igten Vorbringen wird wiederum, so- weit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen 1. Formalien, Verfahrensgegenstand und Verfahrensanträge 1.1 Formalien Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungs- instanz zur Beurteilung der vorliegenden Rechtsmittel ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Nach Art. 398 Ab s. 1 StPO ist die Berufung zulässig ge- gen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Ver fahren ganz oder teilweise abge- schlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO könne n mit der Berufung gerügt wer- den: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung un d Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststel- lung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Laut Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufun g dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder m ündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung d es begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die Anschlussberufung ist Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO folgend innerhalb von 20 Tagen seit Empfang der Berufungser klärung schriftlich zu erklären. Schliess- lich wird die Legitimation der Staatsanwaltschaft zur Ergreifung des Rechtsmittels in Art. 381 Abs. 1 StPO und diejenige des Beschuldigten in Art. 38 2 Abs. 1 StPO normiert. Nachdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobj ekt darstellt, sowohl der Beschul- digte als auch die Staatsanwaltschaft berufungs- bzw. an schlussberufungslegitimiert sind, zu- lässige Rügen erheben und die Rechtsmittelfristen gewah rt haben sowie der Erklärungspflicht nachgekommen sind, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die Berufung des Beschuldigten und die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft einzutreten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Verfahrensgegenstand a) Gegen das erstinstanzliche Urteil haben sowohl der Besc huldigte wie auch die Staatsan- waltschaft ein Rechtsmittel ergriffen. Der Beschuldigte h at zunächst in seiner Berufungserklä- rung einen kostenlosen Freispruch von sämtlichen Vorwürf en der Anklageschrift(en) und die Zusprechung einer vollen Parteientschädigung für seine Anwaltskosten begehrt, im Rahmen der Berufungsbegründung dann allerdings sein Rechtsmi ttel auf die Anfechtung der Schuldsprüche gestützt auf die ursprüngliche Anklageschrift vom 21. Juli 2020 ‒ mithin die Ver- urteilung wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und wegen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeu gführer gemäss deren Ziffer 1 sowie wegen mehrfacher Vereitelung von Massnahmen zur Festste llung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeugführer, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und wegen Hinderung einer Amtshandlung gemäss deren Ziffer 2 inklusive der d arauf basierenden Strafzumessung sowie der daraus resultierenden ordentlichen und ausseror dentlichen Kostenfolgen ‒ be- schränkt. Die Staatsanwaltschaft hat ihrerseits lediglich d ie erstinstanzliche Strafzumessung hinsichtlich der Strafhöhe und der Gewährung des beding ten Vollzugs beanstandet. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO bilden damit im vorliegende n Berufungsverfahren nur noch die vor- gängig genannten Punkte Gegenstand der richterlichen Ü berprüfung (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO sowie Art. 399 Abs. 4 StPO). b) Namentlich nicht mehr zu prüfen sind hingegen die ane rkannten Schuldsprüche wegen Drohung, Nötigung, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung, üb ler Nachrede und Missachtens des Fahrverbotes für Motorfahrzeuge auf Rad- und Fusswegen gemäss der Zusatzanklageschrift 1 vom 15. Juni 2022. Gleiches gilt für die nicht angefochtenen Freisprüche von den Vorwürfen der mehrfachen einfachen Verletzung der Verkehrsregeln un d der Drohung gemäss der Zusatz- anklageschrift 1 vom 15. Juni 2022 sowie der mehrfachen versuchten Anstiftung zum falschen Zeugnis gemäss der Zusatzanklageschrift 2 vom 15. Juni 2022 . Ebenso nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Einstellung des gege n den Beschuldigten geführten Verfah- rens zufolge Eintritts der Strafverfolgungsverjährung hi nsichtlich der Vorwürfe der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln, des pflichtwidrigen Ve rhaltens nach einem Unfall sowie des Nichtmitführens des Führerausweises gemäss der Anklageschrif t vom 21. Juli 2020. Ebenfalls nicht Teil des Berufungsverfahrens sind schliesslich der Ve rzicht des Vorderrichters auf einen Widerruf des mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landsch aft vom 18. Oktober 2017 gewährten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bedingten Strafvollzugs gestützt auf Art. 46 Abs. 5 StG B sowie die Verweisung der nicht bezif- ferten Zivilklage von B.____ auf den Zivilweg. 1.3 Verfahrensanträge a) aa) In seiner schriftlichen Berufungsbegründung wie auch anlässlich der mündlichen Partei- verhandlung vor dem Kantonsgericht hat der Beschuldigte begehrt, es sei (erstens) festzustel- len, dass sämtliche Aussagen von E.____ im Vorverfahren u nverwertbar seien, und es seien (zweitens) diese Beweismittel ausnahmslos aus den Akten zu entfernen und bis zum rechtskräf- tigen Abschluss des Verfahrens unter Verschluss zu halten. Zur Begründung hierzu wird zu- sammengefasst ausgeführt, es sei unbestritten, dass E.__ __ in der Einvernahme vom 10. Ja- nuar 2022 (recte: 7. Januar 2022) nicht bereit gewesen sei, in Gegenwart von C.____ seine Aussagen zu bestätigen sowie dessen Fragen zu beantworte n. Fraglos sei auch, dass nach ständiger Rechtsprechung belastende Aussagen eines Zeugen nur dann verwertbar seien, wenn sie im Rahmen einer späteren Konfrontation auf N achfrage ausdrücklich wiederholt wür- den. Im vorliegenden Verfahren sei eine solche Wieder holung unterblieben, und der Zeuge ha- be auf Frage der Verteidigung erklärt, er würde keine Aussagen machen. Ausgewiesen sei aus- serdem, dass dem Berufungskläger bei der (ersten) Einvern ahme (von E.____) vom 8. Sep- tember 2018 keine Teilnahmerechte gewährt worden seien . Bei der zweiten Einvernahme am 14. Juli 2020 sei er sodann nicht anwesend gewesen. Sow eit die Aussagen (von E.____) in diesen ersten beiden Einvernahmen zu Lasten des Beschuldi gten verwertet werden sollen, ha- be dieser ein absolutes Recht auf eine direkte Konfron tation mit dem Belastungszeugen. Dies sei ihm zwar gewährt worden, allerdings habe der Zeuge seine Erstaussagen nicht wiederholt. Bereits aus diesem Grund seien die Aussagen von E.____ a bsolut unverwertbar. Daran ändere auch der Verzicht auf eine Teilnahme an der Einvernahm e vom 14. Juli 2020 nichts. Ein vor- gängiger Verzicht auf eine Teilnahme an einer Untersu chungshandlung bedeute nämlich nicht, dass zu einem späteren Zeitpunkt kein materieller Konfro ntationsanspruch mehr bestehe. Aus- serdem hänge, soweit dem Begehren auf Konfrontation stattgegeben werde, die Verwertbarkeit der Erstaussagen vom Resultat der Konfrontationseinvernahm e ab. Hinzu komme, dass sich der damalige Rechtsvertreter des Berufungsklägers anlässli ch der Einvernahme vom 14. Juli 2020 unverhofft ebenfalls mit strafrechtlichen Vorwürf en konfrontiert gesehen habe, und die Einvernahme in der Folge nicht abgebrochen, sondern zu Ende geführt worden sei. Tatsache Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei, dass ein Anwalt von dem Moment an, in welchem er si ch im Zuge einer Verteidigung mit strafrechtlich relevanten Vorwürfen konfrontiert sehe, nicht mehr in der Lage sei, die Interessen seines Klienten gehörig wahrzunehmen. Ein Mandat sei in einer solchen Situation unverzüglich niederzulegen, womit der damalige Verteidiger ab die sem Zeitpunkt auch keine Fragen mehr hätte stellen dürfen. Ein Verteidigungseinsatz bei e iner Einvernahme beginne mit dem Beginn der mündlichen Befragung und ende mit der Unterzeichnu ng des Protokolls. Zum Zeitpunkt, in welchem Advokat D.____ mit seiner Unterschrift das Proto koll genehmigt habe, sei er gar nicht mehr in der Lage gewesen, dies zu tun, weshalb die Ei nvernahme als nicht unterzeichnet zu erachten und auch aus diesem Grund aus den Akten zu entfernen sei. bb) Im Sinne eines weiteren Verfahrensantrags hat der Beschuldigte anlässlich der mündli- chen Berufungsverhandlung vorgebracht, es sei in Anwend ung von Art. 345 StPO E.____ als Zeuge vor dem Kantonsgericht zu befragen. b) aa) Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist anlässlich der po lizeilichen Befragung von E.____ und F.____ unmittelbar nach dem Ereigniszeitpunkt am 8. September 2018 noch kein Verfah- ren gegen den Beschuldigten eröffnet und dieser überdies für die Polizei nicht erreichbar gewe- sen. Zu diesem Zeitpunkt habe demnach kein Anspruch des Beschuldigten auf Teilnahme im Sinne von Art. 147 StPO bestanden, womit grundsätzlich von einer Verwertbarkeit der Aussa- gen auszugehen sei. E.____ habe sodann seine Belastun gen anlässlich der Zeugeneinver- nahme vom 14. Juli 2020 bestätigt. Diese Einvernahme se i dem Beschuldigten ordnungsge- mäss angezeigt worden, welcher sich jedoch aus freien St ücken entschieden habe, ihr unter Verweis auf seinen Hund fernzubleiben. Der Beschuldigte habe eine persönliche Anwesenheit offensichtlich als nicht notwendig erachtet, obwohl i hm bekannt gewesen sei, dass E.____ für ihn nachteilig ausgesagt habe, und er die Möglichkeit gehabt hätte, das Zeugnis kontradikto- risch in Frage zu stellen. Darin sei offensichtlich ein gültiger Verzicht auf das Teilnahme- und Konfrontationsrecht zu erblicken. Anders zu entscheiden h ätte zur Folge, dass es der ord- nungsgemäss über den Einvernahmetermin in Kenntnis gesetzte Beschuldigte in der Hand hät- te, durch sein Nichterscheinen Wiederholungen von Zeuge neinvernahmen zu erzwingen und das Verfahren entsprechend zu behindern. An der Verw ertbarkeit der Aussagen von E.____ ändere auch die Tatsache nichts, dass sich der damalige Ve rteidiger des Beschuldigten zu ei- nem späteren Zeitpunkt mit strafrechtlichen Vorwürfen im Zusammenhang mit einer versuchten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anstiftung zum falschen Zeugnis konfrontiert gesehen habe. Gegenstand der Einvernahme vom 14. Juli 2020 seien allein die Widerhandlungen des B eschuldigten gegen das Strassenver- kehrsgesetz vom 8. September 2018 gewesen, welche letztli ch auch Eingang in die Anklage- schrift gefunden hätten. Hieraus folge, dass sämtliche Au ssagen von E.____ im Vorverfahren voll zu Lasten des Beschuldigten verwertbar seien, womit der entsprechende Verfahrensantrag abzuweisen sei. bb) Gleichermassen abzuweisen sei der Antrag des Beschuldigten auf Befragung von E.____ vor Kantonsgericht. c) aa) Nach Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht , bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu se in und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Die Partei oder ihr Rechtsbeistand können die Wiederholung der Beweiser- hebung verlangen, wenn der Rechtsbeistand oder die P artei ohne Rechtsbeistand aus zwin- genden Gründen an der Teilnahme verhindert waren (Ar t. 147 Abs. 3 StPO). Aus der Subjekt- stellung der beschuldigten Person ergibt sich, dass sie üb er ihre eigenen prozessualen Rechte verfügen kann. Die Teilnahme an Beweiserhebungen ist f reiwillig. Bleibt ein Anwesenheitsbe- rechtigter der Beweiserhebung trotz ordnungsgemässer Bena chrichtigung und ohne zwingen- den Grund fern, ist ein stillschweigender Verzicht anzunehmen. Ein Verzicht auf das Teilnahme- recht lässt weder einen Anspruch auf Wiederholung im Sin ne von Art. 147 Abs. 3 StPO entste- hen, noch führt er zur Unverwertbarkeit des Beweisergebnisses (DORRIT SCHLEIMINGER / DANIEL SCHAFFNER , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnu ng, 3. Auflage, Basel 2023, N 18 ff. zu Art. 147 StPO; BGer 6B_960/2019 v om 4. Februar 2020 E. 3.2; 6B_135/2018 vom 22. März 2019 E. 2.2; BGE 143 IV 397 E. 3.3.1). Die Teilnahmerechte stehen den Parteien selbst wie (kumulativ) auch deren Rechtsbeiständen zu. Auf die Teilnahme kann vorgängig oder nachträglich ausdrücklich oder stillschweigend verzichtet w erden, wobei der Verzicht vom Be- schuldigten oder vom Verteidiger ausgehen kann. Bei ver beiständeten Parteien genügt ohne gegenteiligen Parteiantrag die Anwesenheit des Rechts beistandes (DANIEL JOSITSCH / NIKLAUS SCHMID , Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 4. Auflage, Zürich / St. Gallen 2023, N 5 zu Art. 147 StPO; BGE 143 IV 397 E. 3.3.1; BGer 6B_542/2016 vom 5. Mai 2017 E. 2.3; 6B_295/2012 vom 24. Oktober 2012 E. 1.2.1). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO), wozu unter ande- rem das Recht zählt, Belastungszeugen zu befragen (Art. 1 47 Abs. 1 StPO; Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK). Dieser Anspruch bildet einen besonderen Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Eine belastende Zeugenauss age ist grundsätzlich nur verwertbar, wenn die beschuldigte Person wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweife l zu ziehen und Fragen an den Belas- tungszeugen zu stellen. Damit der Anspruch auf Konfront ation gewahrt ist, muss die beschul- digte Person namentlich in der Lage sein, die Glaubha ftigkeit einer Aussage prüfen und den Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe un d infrage stellen zu können. Die Aus- übung des Fragerechts setzt voraus, dass sich die befragte P erson an der Konfrontationsein- vernahme inhaltlich nochmals zur Sache äussert. Dem Anspruch gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK kommt grundsätzlich absoluter Charakter zu (BGE 140 IV 172 E. 1.3 und E. 1.5; 133 I 33 E. 3.1; 131 I 476 E. 2.2; BGer 6B_315/2020 vom 18. Mai 2022 E. 3.3; 6B_570/2019 vom 23. September 2019 E. 3.3; je mit Hinweisen). Nach de r Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kann ein streitiges Zeugn is von ausschlaggebender Bedeu- tung auch ohne Konfrontation mit Belastungszeugen verwe rtbar sein, wenn ausreichend kom- pensierende Faktoren gegeben sind, die den Anspruch der angeschuldigten Person auf ein faires Verfahren und die Überprüfung der Verlässlichkei t des Beweismittels gewährleisten (vgl. zum Ganzen BGer 6B_517/2022 vom 7. Dezember 2022 E. 2.1.1). bb) Im vorliegenden Fall ist zu konstatieren, dass bereits di e Vorinstanz das nämliche Begeh- ren des Beschuldigten abgewiesen und diesbezüglich als F azit dargelegt hat, C.____ sei an- lässlich der Einvernahme von E.____ vom 14. Juli 2020 durch D.____ gehörig anwaltlich vertre- ten gewesen und habe selbst rechtsgültig auf die Te ilnahme an derselben verzichtet, womit diese Einvernahme gegen ihn verwendet werden könne. Das Kantonsgericht kommt zu keinem anderen Ergebnis. Im Einzelnen ist Folgendes zu erwä gen: Zutreffend ist zunächst, dass der Beschuldigte anlässlich der polizeilichen Befragung von E.____ als Auskunftsperson vom 8. September 2018 (act. 481 ff.) ‒ mithin unmittelbar nach dem Unfallzeitpunkt ‒ kein Teilnah- merecht ausgeübt hat. Die Begründung hierfür ist dari n zu finden, dass er erstens zu diesem Zeitpunkt noch nicht als beschuldigte Person gegolten hat, er zweitens vom Unfallort geflüchtet ist und drittens sämtliche zeitnahen telefonischen Konta ktversuche seitens der Polizei ignoriert hat. In der Folge ist E.____ mit Datum vom 14. Juli 2 020 durch die Staatsanwaltschaft als Zeu- ge einvernommen worden (act. 562.19 ff.). Zu dieser Ei nvernahme ist der Beschuldigte mit Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Terminanzeige vom 10. Juni 2020 unbestrittenermassen ei ngeladen worden. Anlässlich dieser Einvernahme hätte er die Gelegenheit gehabt, die Gla ubhaftigkeit der Aussagen von E.____ zu prüfen und den Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe und infrage zu stellen. E.____ hat sich denn auch in der genannten Einvernahme inhaltlich nochmals einlässlich zur Sache geäussert und ebenso dezidiert zu Protokoll gegeb en, dass er an seinen Aussagen vom 8. September 2018 festhalte. Der Beschuldigte hat es hingegen ohne zwingenden Grund vor- gezogen, auf die Teilnahme an der genannten Einverna hme trotz ordnungsgemässer Benach- richtigung zu verzichten. Ein solcher Verzicht auf das T eilnahmerecht lässt weder einen An- spruch auf Wiederholung im Sinne von Art. 147 Abs. 3 S tPO entstehen, noch führt er zur Un- verwertbarkeit des Beweisergebnisses, zumal der Beschuldigte anlässlich der besagten Einver- nahme durch seinen Wahlverteidiger rechtsgültig vertrete n worden ist. Wie sich aus dem fragli- chen Protokoll ergibt, hat dieser denn auch zahlreiche Ergänzungsfragen an den Zeugen ge- stellt und das betreffende Protokoll vorbehaltlos unt erschrieben. An diesem Ergebnis ändert nichts, dass dem Beschuldigten mit Datum vom 7. Januar 2022 eine weitere Möglichkeit zur Konfrontation eingeräumt worden ist (act. 681 ff.). D ie Tatsache, dass der Belastungszeuge anlässlich der Einvernahme vom 7. Januar 2022 nicht mehr bereit gewesen ist, seine Aussagen zum zweiten Mal zu bestätigen, bedeutet nicht, dass seine f rüheren Depositionen vom 8. Sep- tember 2018 sowie anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 14. Juli 2020, auf deren Teilnahme der Beschuldigte aus freien Stücken verzichtet hat, nicht mehr gültig sein sollen. Eine belasten- de Zeugenaussage ist zwar grundsätzlich ‒ d.h. unter Vorbehalt ausreichend kompensierender Faktoren, die den Anspruch der beschuldigten Person auf ein faires Verfahren und die Überprü- fung der Verlässlichkeit des Beweismittels gewährleisten, deren Vorliegen in casu ebenfalls zu bejahen ist (vgl. unten E. 4.3) ‒ nur verwertbar, wenn der Beschuldigte wenigstens einmal wäh- rend des Verfahrens angemessene und hinreichende Geleg enheit gehabt hat, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen z u stellen. Dies führt aber nicht dazu, dass der Beschuldigte das Recht hätte, beliebig häufi g Anträge auf eine Konfrontation zu stel- len, um dann im Nachhinein bloss jene Einvernahmen in d as Verfahren einfliessen zu lassen, an welchen er nach eigenem Gutdünken teilgenommen hat und die ein Resultat hervorgebracht haben, welches offensichtlich in seinem Sinne ist. Entsch eidend ist, dass der Beschuldigte die Gelegenheit gehabt hätte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeu- gen zu stellen. Soweit er jedoch ‒ wie in casu geschehen ‒ die ihm konkret eingeräumte Gele- genheit zur Konfrontation freiwillig nicht nutzt, kann er hieraus nichts zu seinen Gunsten ablei- ten. Demnach sind die Aussagen von E.____ als Auskunftspe rson vom 8. September 2018 so- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie als Zeuge vom 14. Juli 2020 ohne Weiteres verwertba r. Dies gilt im Übrigen selbstredend für sämtliche Depositionen von E.____ im Verlaufe des V erfahrens, also auch für seine Aussa- gen anlässlich der Einvernahme vom 7. Januar 2022 sowie seine zahlreichen schriftlichen Wi- derrufe. Keinen Einfluss auf diese Bewertung hat der Einwand de s Beschuldigten, wonach sich sein damaliger Rechtsvertreter in einem Interessenskonflikt befunden habe, weil er sich plötzlich selbst mit strafrechtlichen Anschuldigungen konfrontiert gesehen habe. Anlässlich der Einver- nahme vom 14. Juli 2020 ist Advokat D.____ mitnichten mit strafrechtlichen Anschuldigungen konfrontiert worden. Vielmehr hat der Zeuge bloss nach erfolgter Einvernahme zu den straf- rechtlichen Vorwürfen betreffend den Beschuldigten im Z usammenhang mit dessen mutmassli- chen Zuwiderhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz au f die Frage, ob er noch etwas anfügen möchte, dargelegt, es sei ihm Geld für Falscha ussagen angeboten worden (vgl. zum Ganzen unten E. 4.3). Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch v öllig offen gewesen, ob sich Advokat D.____ je formell als Beschuldigter wird rechtfertigen müssen, und falls ja, in Bezug auf welche Vorwürfe. Gestützt auf Art. 12 lit. c BGFA meiden Anw älte jeden Konflikt zwischen den Interes- sen ihrer Klientschaft und den Personen, mit denen sie geschäftlich oder privat in Beziehung stehen. In ähnlicher Form bestimmt Art. 11 der Standesr egeln des Schweizerischen Anwalts- verbandes, dass Rechtsanwälte jeden Konflikt zwischen den Interessen ihrer Mandanten, den eigenen und den Interessen von anderen Personen, mit de nen sie geschäftlich oder privat in Beziehung stehen, zu vermeiden haben. Einen solchen Int eressenskonflikt vermag das Kan- tonsgericht nicht zu erkennen, nachdem Gegenstand der Zeugenbefragung ausschliesslich den Beschuldigten betreffende Vorwürfe hinsichtlich dessen mutmassliche Zuwiderhandlungen ge- gen das Strassenverkehrsgesetz gewesen sind, es sich bei den Vorbringen seitens des Zeugen lediglich um zu diesem Zeitpunkt noch nicht substantiiert e und im Verlaufe der Einvernahme auch nicht weiter thematisierte Verdächtigungen gehan delt hat und diese überdies erst nach Abschluss der eigentlichen Befragung durch die Staatsan waltschaft erhoben worden sind. Selbst wenn es zutreffend wäre, dass die Einvernahme nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Advokat D.____ hätte abgebrochen werden sollen, könnte aus dem Umstand, wonach dies nicht getan worden ist, keine Unverwertbarkeit der gesamten Befragung abgeleitet werden, da diese bis zu diesem Zeitpunkt fraglos rechtskonform d urchgeführt worden ist und die ent- sprechenden Vorwürfe von vornherein keinerlei Einflus s auf die zu diesem Augenblick bereits abgeschlossene Befragung gehabt haben können. Gestützt auf diese Darlegungen sind die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anträge des Beschuldigten, wie bereits eingangs erwähnt, abzuweisen, womit einer Verwertung sämtlicher Aussagen von E.____ nichts im Wege steht. d) aa) In Bezug auf den weiteren Verfahrensantrag des Beschul digten, es sei E.____ als Zeuge vor dem Kantonsgericht zu befragen, ist dieses zu konstati eren: Art. 29 BV umfasst das Recht, Beweisanträge zu stellen sowie an der Erhebung wesent licher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn di eses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 142 I 86 E. 2.2, mit Hinweisen). Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) ist das Recht auf Abnahme der rec htzeitig und formrichtig angebotenen rechtserheblichen Beweismittel (vgl. zum Ganzen BGer 1B_ 254/2020 vom 14. Dezember 2022 E. 5.1). Hierzu gehört, dass die Behörde alle erhebli chen und rechtzeitigen Vorbringen der Par- teien würdigt und die ihr angebotenen Beweise abnim mt, wenn diese zur Abklärung des Sach- verhalts tauglich erscheinen (BGE 141 I 60 E. 3.3). Sie muss sich demgegenüber nicht mit je- dem sachverhaltsdienlichen oder rechtlichen Einwand ause inandersetzen (BGer 6B_627/2012 vom 18. Juli 2013 E. 2.5). Die Parteien besitzen kein uneingeschränktes Recht auf Gutheissung ihrer Beweisanträge. Gestützt auf Art. 6 EMRK besteht nur ein Anspruch auf Berücksichtigung solcher Beweise, welche nach dem pflichtgemässen richterl ichen Ermessen entscheidungser- heblich bzw. für die Wahrheitsfindung beachtlich sein kö nnten (STEFAN WIPRÄCHTIGER , in: Bas- ler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Auflage, Basel 2023, N 33 zu Art. 343 StPO, mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Strafverfolgungsbehörden von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tat- sachen abklären (Art. 6 Abs. 1 StPO), gilt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch für die Gerichte (BGE 147 IV 409 E. 5.3.1; BGer 6B_288/2 015 vom 15. Oktober 2015 E.1.3.2, mit Hinweisen). Das Rechtsmittelverfahren beruht indessen ge stützt auf Art. 389 Abs. 1 StPO ge- nerell auf denjenigen Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Gemäss Abs. 2 von Art. 389 StPO w erden Beweisabnahmen des erstin- stanzlichen Gerichts nur wiederholt, wenn: Beweisvorschrift en verletzt worden sind (lit. a), die Beweiserhebungen unvollständig gewesen sind (lit. b) b zw. die Akten über die Beweiserhebun- gen unzuverlässig erscheinen (lit. c). In Anwendung von Art. 389 Abs. 3 StPO erhebt die Rechtsmittelinstanz von Amtes wegen oder auf Antrag ei ner Partei die erforderlichen zusätzli- chen Beweise. Dem Wortlaut nach beschränkt sich die zusätzlic he Beweiserhebung somit le- diglich auf Beweise, die erforderlich sind. Beweise sin d notwendig, wenn sie den Ausgang des Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrens beeinflussen könnten (BGE 147 IV 409 E. 5.3 .2; BGer 6B_288/2015 vom 15. Oktober 2015 E. 1.3.1, mit Hinweisen). Über Tats achen, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwi esen sind, wird nicht Beweis geführt (Art. 139 Abs. 2 StPO). Das zweitinstanzliche Verfahren dient nicht der Wiederholung des Be- weisverfahrens; die Berufungsinstanz erhebt zusätzliche Beweise grundsätzlich nur mit Zurück- haltung (V IKTOR LIEBER , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessor dnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 1 ff. zu Art. 389 StPO, mit Hinweisen). bb) In casu ist festzustellen, dass sich E.____ im Verlaufe des Verfahrens bereits fünfmal hat vernehmen lassen, so anlässlich der polizeilichen Befragung als Auskunftsperson vom 8. Sep- tember 2018, anlässlich der Zeugeneinvernahmen durch die Staatsanwaltschaft vom 14. Juli 2020 und vom 7. Januar 2022 sowie im Rahmen zweier id entischer undatierter Schreiben (adressiert an Advokat D.____ sowie die Polizei Basel-L andschaft) und eines weiteren Schrei- bens vom 24. Oktober 2023 an das Kantonsgericht. Angesich ts der Tatsache, wonach er ers- tens anlässlich der letzten Einvernahme durch die Staats anwaltschaft vom 7. Januar 2022 sämtliche Aussagen verweigert hat sowie zweitens sowohl in seinen beiden undatierten Schrei- ben als auch in demjenigen vom 24. Oktober 2023 an da s Kantonsgericht seine bisherigen Aussagen zurückgezogen hat mit dem Hinweis, dass er sich nicht mehr erinnern könne, ist nicht zu erwarten, dass eine nochmalige Befragung von E. ____ in irgendeiner Weise hinsicht- lich der Urteilsfindung bedeutsam sein könnte. Wie im Übrigen die bereits vorliegenden Deposi- tionen des Zeugen materiell zu würdigen sind, steht n icht im Zusammenhang mit der Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts, sondern bildet eine vom Spruchkörper des hiesigen Ge- richts von Amtes wegen zu beantwortende Rechtsfrage, welche keiner weiteren Ausforschung bedarf (vgl. nachfolgend unten E. 4.3). Infolgedessen i st der Beweisantrag auf Befragung von E.____ als Zeuge vor dem Kantonsgericht zufolge fehlen der Erheblichkeit im Hinblick auf den Verfahrensausgang abzuweisen. 2. Parteistandpunkte 2.1 Ausführungen des Beschuldigten (...) Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Darlegungen der Staatsanwaltschaft (...) 3. Verfahrensgrundsätze, Beweiswürdigung und Sachver halt 3.1 Verfahrensgrundsätze (...) 3.2 Beweiswürdigung (...) 3.3 Sachverhalt (...) 4. Fahren in fahrunfähigem Zustand (Ziff. 1.1 der A nklageschrift) 4.1 a) Die Vorinstanz hat zur Begründung ihres Schuldspruchs i n rubrizierter Angelegenheit zu- sammengefasst Folgendes erwogen: Sämtliche Indizien spräch en für eine Täterschaft des Be- schuldigten. So habe E.____ entsprechende Aussagen gema cht, der Beschuldigte sei der Hal- ter des verunfallten Fahrzeuges gewesen und habe wider sprüchliche Depositionen zu seiner Anwesenheit beim Unfall getätigt, er habe nicht bene nnen können, wer an seiner Stelle gefah- ren sei, die beiden vom Unfallfahrzeug entfernten Nummernschilder hätten Blutanhaftungen des Beschuldigten aufgewiesen und dieser habe sich einer polizeilichen Kontrolle entzogen. So- dann ergebe sich aus den Schilderungen von E.____, den Aufzeichnungen einer Überwa- chungskamera betreffend die kantonale Autobahn A22, den Aussagen des Beschuldigten sowie Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht dessen Angaben in der Schadensmeldung gegenüber seiner Versicherung, dass er anlässlich der Fahrt vom Bahnhof G.____ bis zur Unfallstelle nicht mehr fahrfähig gewesen sei. b) Nach Ansicht des Beschuldigten sind die Aussagen von E.____ nicht verwertbar, es exis- tiere keine natürliche Vermutung, wonach der Halter eines Fahrzeuges dieses im Ausgang tat- sächlich lenke, er sei gestützt auf sein Aussageverweigeru ngsrecht nicht verpflichtet, einen Dritttäter zu benennen, mit dem angeblichen Nachweis, wonach er das Nummernschild entfernt habe, werde nichts gewonnen hinsichtlich der Frage, wer gefahren sei, und aus der versuchten Vertuschung der Geschehnisse lasse sich ebenfalls nichts abl eiten bezüglich des Fahrers. Überdies vermöchten die Überwachungskameras zwar eine ri skante Fahrweise aufzuzeigen, hieraus könne jedoch nicht direkt auf die Fahrfähigkeit des betreffenden Fahrers geschlossen werden (vgl. oben E. 2.1). c) Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft würden sämtliche vorhandenen Indizien (Fund des Kontrollschilds mit blutigen Anhaftungen und DNA- Spuren des Beschuldigten, Bilder der Überwachungskamera der S-Bahn, Aussagen von E.____ und weiteren Personen, Haltereigen- schaft des Beschuldigten sowie dessen nachweislich falsche Au ssagen zu den Ereignissen im Unfallzeitpunkt) auf den Beschuldigten als Lenker des U nfallfahrzeuges hinweisen (vgl. oben E. 2.2). 4.2 Gemäss Art. 91 Abs. 2 SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer in angetrunkenem Zustand mit qualifizierter Atemalkohol- oder Blutalkoholkonzent- ration ein Motorfahrzeug führt (lit. a), oder aus an deren Gründen fahrunfähig ist und ein Motor- fahrzeug führt (lit. b). Entscheidend für die Subsumpt ion unter Art. 91 SVG sind nicht die mögli- chen Ursachen (Trunkenheit, Drogenkonsum, Medikamentenmi ssbrauch, Übermüdung), son- dern die im Vorliegen eines "fahrunfähigen Zustandes" bestehende Folge. Den Tatbestand er- füllt derjenige, der ein Fahrzeug führt, auch wenn e s sich lediglich um eine Fahrt von wenigen Zentimetern handelt; Voraussetzung bildet bloss, dass di e Fahrt auf einer öffentlichen Strasse im Sinne von Art. 1 SVG stattfindet. Gestützt auf Art . 55 Abs. 4 Satz 2 SVG bleiben andere Be- weismittel (als die Blutprobe) für die Feststellung de r Fahrunfähigkeit vorbehalten; dies geht allerdings bereits aus dem Grundsatz der freien Bewei swürdigung nach Art. 10 Abs. 2 StPO hervor. Nach Art. 17 SKV kann die Angetrunkenheit auc h aufgrund von Zustand und Verhalten der verdächtigten Person oder durch Ermittlungen über den Konsum festgestellt werden, na- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht mentlich wenn die Atemalkohol- oder die Blutprobe nich t hat vorgenommen werden können (HANS GIGER , Kommentar SVG, 9. Auflage, Zürich 2022, N 3 ff. zu Art. 91 SVG, mit Hinweisen). 4.3 Im Hinblick auf die Ermittlung des rechtserheblichen S achverhalts ist Folgendes zu erwä- gen: a) aa) E.____ hat anlässlich seiner Einvernahme als Auskunftsperso n durch die Polizei, Mobile Polizei Ost, vom 8. September 2018 (act. 481 ff.) zu Protokoll gegeben, er sei vorne neben dem Fahrer gesessen; der Fahrer sei ein "C.____" gewesen. F.____, "C.____", eine vierte Person und er hätten sich spontan am Bahnhof G.____ getroffen . Auf der Fahrt habe er eigentlich frü- her aussteigen wollen, der Fahrer sei aber einfach we iter gefahren. Er habe gemerkt, dass die- ser nicht mehr fahren könne. "C.____" sei der Fahrer ge wesen und er Beifahrer. Der Fahrer habe schon früh die Spur nicht mehr halten können und sei fast in einen weissen Seat hineinge- fahren. Auf ihn habe es den Eindruck gemacht, dass "C.____" schwer betrunken gewesen sei. bb) Anlässlich der Zeugeneinvernahme durch die Staatsanwa ltschaft vom 14. Juli 2020 (act. 562.19 ff.) hat E.____ ‒ in (freiwilliger) Abwesenheit des Beschuldigten ‒ zusammenge- fasst deponiert, an jenem Abend habe er sich vor dem U nfall zum Bahnhof G.____ begeben, um mit dem Zug nach Hause zu fahren. Beim Bahnhof habe er F.____ angetroffen. Dieser habe ihm gesagt, dass Herr C.____ ihn nach Hause fahren würde . Er habe dieses Angebot ange- nommen, weil er ziemlich angetrunken gewesen sei. Als er Herrn C.____ gesehen habe, habe dieser beim Gehen geschwankt, vermutlich sei er schon ziem lich "besoffen" gewesen bzw. ha- be ca. 2 Promille intus gehabt. Zunächst habe ihn Her r C.____ gefragt, ob er mit dessen Auto nach Hause fahren möchte, was er verneint habe. In der Folge sei er auf der Beifahrerseite ein- gestiegen. Bereits zu Beginn der Fahrt habe Herr C.___ _ die Spur nicht halten können und sei teilweise auf der anderen Fahrspur gefahren. Bei der Ausfahrt H.____ sei Herr C.____ fast in das Heck des vor ihm befindlichen weissen Kleinwagens gef ahren. Nachdem dieser weggefah- ren sei, habe Herr C.____ beim dortigen Stoppsignal nach links abgebogen. Er habe aber zu wenig eingelenkt, weshalb er die vier bis fünf Pfosten überfahren habe. Der Beschuldigte sei vermutlich gut "besoffen" gewesen, sein schwankender Gang sei ihm aufgefallen. Er sei sicher nicht in der Lage gewesen, Auto zu fahren. Nach dem Unfall sei er zu Fuss in Richtung seines Wohnortes in H.____ gegangen. Dabei habe er zurückgebl ickt und gesehen, wie Herr C.____ zurück zum Auto gegangen sei und etwas von seinen Kontrollschildern erwähnt habe. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die Frage, ob er noch etwas anfügen möchte, hat E.____ geantwortet, kurz nach dem Un- fall, ca. Anfang 2019, sei er von F.____ telefonisch kon taktiert worden. Dieser habe ihn aufge- fordert, wegen Herrn C.____ eine Lösung zu suchen. F.____ habe Angst vor Herrn C.____ ge- habt. Dementsprechend habe er ihn gebeten, zusammen den Anwalt von Herrn C.____, D.____, in dessen Kanzlei in I.____ aufzusuchen, um dort eine Lösung zu finden. Dort sei ihnen von Herrn C.____ Geld angeboten worden, damit sie anl ässlich der Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft Falschaussagen machen. Sie hätten mitt els Schreiben bestätigen sollen, dass sie gar nicht mehr genau wüssten, wer in der besagte n Nacht das Unfallfahrzeug gelenkt habe. Dafür sei ihnen Geld offeriert worden. Anfängl ich seien dies CHF 10'000.--, danach CHF 5'000.-- und schliesslich CHF 1'000.-- gewesen. Sie hätten ein Schreiben unterzeichnen sollen, welches ihre Unsicherheit bezüglich des Unfallf ahrers hätte bestätigen sollen. Diese Schreiben habe ihnen Rechtsanwalt D.____ bei einem zweiten Treffen in dessen Kanzlei vorge- legt. Er und F.____ hätten die Schreiben an die Poli zei sowie an Herrn D.____ schicken sollen. F.____ habe dies getan und dafür CHF 1'000.-- bekom men. Er hingegen habe es nicht getan. Herr C.____ sei bekannt dafür, dass er seine Probleme m it Geld aus der Welt schaffe. Im Rah- men dieser Einvernahme hat E.____ sodann zwei identi sche, undatierte Schreiben (adressiert an Advokat D.____ sowie die Polizei Basel-Landschaft) zu den Akten gegeben (act. 562.39 ff.), in welchen er seine Aussagen ‒ in der Art, wie es von ihm verlangt worden sei ‒ widerrufen hat. Gemäss diesen Schreiben könne er nicht bestätigen, dass C .____ gefahren sei, er sei sich diesbezüglich nicht sicher. cc) Mit Datum vom 7. Januar 2022 hat eine weitere Einver nahme von E.____ als Zeuge durch die Staatsanwaltschaft stattgefunden (act. 681 ff.), anlässlich welcher dieser ‒ dieses Mal in Anwesenheit des Beschuldigten ‒ sämtliche Aussagen verweigert hat. dd) Im Rahmen der Einvernahme vom 14. Juli 2020, in wel cher er seine Depositionen vom 8. September 2018 vollumfänglich bestätigt hat, hat E .____ zwei identische, undatierte Schrei- ben (adressiert an Advokat D.____ sowie die Polizei Base l-Landschaft) zu den Akten gegeben (act. 562.39 ff., act. 701 f.; vgl. oben lit. bb), in welchen er darlegt, dass er seine Aussagen wi- derrufen möchte. Er sei sich nicht mehr sicher und könne nicht bestätigen, dass C.____ gefah- ren sei. Diesbezüglich erscheint nicht klar, ob der Zeug e mit diesen zwei Schreiben tatsächlich seine bisherigen Aussagen hat zurücknehmen wollen ‒ was unlogisch erschiene, da er anläss- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich der fraglichen Einvernahme seine Belastungen ausdrücklich wiederholt hat ‒, oder ob diese nicht vielmehr den Beweis haben erbringen sollen für se ine Behauptung, dass ihm Geld ange- boten worden sei, damit er vorgefertigte Widerrufe unterzeichne. ee) Mit Schreiben vom 24. Oktober 2023 an die Berufungsin stanz (eingegangen beim Kan- tonsgericht am 27. Oktober 2023, d.h. einen Werktag vo r der heutigen Hauptverhandlung) hat E.____ sodann kundgetan, dass er seine Aussage, wonach C._ ___ beim Unfall in H.____ im Jahr 2018 gefahren sei, zurückziehe. Er sei zu jenem Zeitp unkt ziemlich betrunken und durch den Schock sowie die Polizei sehr verwirrt gewesen. Er ha be einfach so schnell wie möglich nach Hause gewollt. Er habe den Beschuldigten belaste t, weil es dessen Auto gewesen sei, aber er könne nicht sagen, wer effektiv gefahren sei. Er habe seine Aussagen schon länger korrigieren wollen, aber die Staatsanwaltschaft habe ih m gedroht und ihn unter Druck gesetzt, dass er bestraft werde, wenn er falsch aussage, was ihn verunsichert habe. Dieses Schreiben ist als absolut unglaubhaft einzustufen. Zunächst ist zu erwägen, dass nur schon der Zeitpunkt des Eingangs beim Kantonsgericht ‒ am letzten Werktag vor der Hauptverhandlung ‒ keinen Zufall darstellen kann, vielmehr muss die schreibende Person offensichtlich Kenntnis von der Berufungsverhandlung gehabt haben. Des Weiteren vermag der Inhalt des Schreibens, wonach der Zeuge angeblich durch die Polizei verwirrt und von der Staatsanwaltschaft unter Druck ge- setzt worden sein soll, in keiner Weise zu überzeugen. A bgesehen davon erklärt es auch nicht, weshalb er seine Erstaussagen vom 8. September 2018 anlässl ich der Einvernahme vom 14. Juli 2020 vollumfänglich und vorbehaltlos bestätigt hat. Im Resultat erscheint dieses Schrei- ben somit als blosse Gefälligkeit zu Gunsten des Beschuldigten, und zwar genau in der Art, wie sie vom Zeugen im Rahmen der Einvernahme vom 14. Juli 2020 im Sinne eines Musters glaub- haft beschrieben sowie mittels entsprechenden Schreiben belegt worden ist. b) aa) F.____ hat anlässlich seiner Befragung als Auskunftsperson durch die Polizei, Poli- zeihauptposten Sissach, vom 8. September 2018 (act. 457 ff.) zu Protokoll gegeben, dass der Beschuldigte der Fahrer des Unfallfahrzeuges gewesen sei und reichlich Alkohol konsumiert gehabt habe. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht bb) Anlässlich der Zeugeneinvernahme durch die Staatsanwa ltschaft vom 14. Juli 2020 (act. 562.7 ff.) hat F.____ ‒ in Anwesenheit des Beschuldigten ‒ sodann sämtliche Aussagen verweigert. c) aa) J.____ hat sich gemäss dem Protokoll der Polizei, Mobil e Polizei Ost, vom 25. Oktober 2018 auf eine Pressemitteilung der Polizei betreffend den Unfall in H.____ selbstständig bei der Alarmzentrale in Liestal gemeldet und als Auskunftsperso n deponiert, dass der Beschuldigte der Fahrer des Unfallfahrzeuges gewesen sei und schon b eim Gang zu seinem Land Rover leicht geschwankt habe (act. 343 ff.). bb) Anlässlich der Zeugeneinvernahme durch die Staatsanwalt schaft vom 9. September 2019 (act. 519 ff.) hat sich J.____ ‒ in Anwesenheit des Beschuldigten ‒ an nichts mehr erinnern können. d) Mit Eingabe vom 4. Juni 2020 hat der Beschuldigte eine Erklärung von K.____ und L.____ zu den Akten gegeben, in welcher die Beiden ausgeführt haben, sie hätten am fraglichen Abend den Wagen von C.____ gesehen, welcher sehr zügig vom Bahnhof davongefahren sei. Es sei ihnen ein wenig komisch vorgekommen, weil sie der Ansicht gewesen seien, dass C.____ nicht am Steuer gesessen habe. Die vier Personen, welche im Auto gewesen seien, hätten alle ziem- lich jung ausgesehen. Es sei spät am Abend und dunkel g ewesen und sie hätten getrunken gehabt. Sie seien aber der Ansicht, dass sie den markanten Körperbau von C.____ erkannt hätten, wenn er im Auto gewesen wäre (act. 789). e) aa) C.____ hat anlässlich seiner Einvernahme als beschuldigte Person durch die Polizei, Mo- bile Polizei Ost, vom 12. September 2018 (act. 495 ff. ) bestritten, am fraglichen Abend nach dem Ausgang noch gefahren zu sein. Er habe zuerst in G.____ in der M.____ etwas getrunken und sei dann mit einem N.____ nach I.____ mitgefahren, wo sie in die O.____ gegangen seien. Danach habe ihn P.____ abgeholt und sie seien zurück nach G.____ in die M.____ gegangen, wo sie nochmals eine Flasche Wein getrunken hätten. Im Anschluss daran habe er seiner Mut- ter geschrieben, sie solle ihn abholen, was diese nach M itternacht auch getan habe. Auf die entsprechenden Vorhalte, am 8. September 2018 um 00 :35 Uhr als Lenker des Personenwa- Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht gens Land Rover den Selbstunfall in H.____ verursacht zu haben, hat der Beschuldigte keine Ausführungen getätigt. Auf die Frage, weshalb er auf die Telefonanrufe der Polizei nach dem Unfall nicht reagiert habe, hat der Beschuldigte geantwortet, er habe die Nummer nicht gekannt und gedacht, es sei ein Call Center oder ähnliches. Auf die Frage, ob Personen, welche mit ihm im Ausgang gewesen seien, schon einmal eines seiner Fa hrzeuge gelenkt hätten, hat der Be- schuldigte entgegnet: "Nein, keines der Fahrzeuge, nicht einmal P.____!" bb) Vor dem Strafgericht (act. S 377 ff.) hat der Beschu ldigte erstmals zugegeben, im Unfall- auto gewesen zu sein, allerdings bloss als Beifahrer. Er wisse nicht mehr, weshalb er dies vor- her anders ausgesagt habe, allenfalls um den Fahrer zu sc hützen. Das mit seiner Mutter habe am Schluss gestimmt, aber die erste Aussage sei ganz klar falsch gewesen. Er habe im ersten Moment nicht viel überlegt. Er habe mit der Polizei n icht kooperieren wollen, deshalb habe er einfach etwas gesagt. cc) Vor dem Kantonsgericht hat der Beschuldigte hierzu de poniert, bezüglich des Unfalls stimme es, dass er bei der ersten Aussage gelogen habe, er sei aber trotzdem nicht gefahren. Im Übrigen hat der Beschuldigte jegliche Aussagen zur S ache verweigert (KG Protokoll S. 6 und 11). dd) In der Schadenmeldung für Motorfahrzeuge an die Q._ ___ Versicherungs-Gesellschaft AG vom 21. September 2018 (act. 701) hat der Beschuld igte in der Rubrik "Beschreibung des Schadenereignisses bzw. des Unfallhergangs" ausgeführt, er habe ca. um Mitternacht die Bar in G.____ verlassen und sei von seiner Mutter dort abgeholt worden. Die Autoschlüssel und das Portemonnaie habe er auf dem Tisch vergessen. Er habe in seinem Zustand den Wagen nicht mehr fahren können. f) Im Sinne von objektiven Beweisen ist erstellt, dass es am 8. September 2018, um ca. 00:35 Uhr, in H.____, R.____weg auf der Überführung über die kantonale Autobahn A22 Rich- tung Dorf, zu einem Selbstunfall mit einem Personenwa gen der Marke Land Rover gekommen ist, bei welchem rechtsseitig fünf Metallpfosten frontal umgefahren worden sind (Protokoll der Polizei, Mobile Polizei Ost, vom 25. Oktober 2018 [act. 327 ff.]). Halter des fraglichen Fahrzeu- ges mit dem Kennzeichen LU 1.____ war die Firma S.___ _ AG, geführt durch den Beschuldig- ten (act. 335 ff.). Auf zwei Videoaufzeichnungen aus der Zugkomposition S3 haben zwei Perso- Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen erkannt werden können, welche um 00:52 Uhr am Bahnhof in H.____ eingestiegen und um 00:54 Uhr in G.____ wieder ausgestiegen sind; hierbei hat es sich eindeutig um den Beschul- digten und P.____ gehandelt (act. 351 ff.). In der N ähe der Unfallörtlichkeit, in der T.____strasse in H.____, konnte das hintere Kennzeiche n des Unfallfahrzeuges mit Blutanhaf- tungen auf der Vorderseite aufgefunden werden (act. 3 49 f.). Die dabei sichergestellte DNA hat dem Beschuldigten zugeordnet werden können (act. 447 f .). Ferner hat die Videoüberwachung der kantonalen Autobahn A22 beim Kreisel U.____ in R ichtung H.____ um 00:31 Uhr aufge- zeichnet, dass der fragliche Personenwagen in rasanter un d sichtlich unsicherer Fahrweise in den Kreisel fährt, die dritte Ausfahrt zur kantonale n Autobahn A22 nimmt und bei der Ausfahrt aus dem Kreisel rechtsseitig beinahe mit dem Bordstein kollidiert (act. 353). g) aa) In Würdigung der genannten Beweise und Indizien beste hen für das Kantonsgericht keine Zweifel, dass der Sachverhalt gemäss Anklageschrift als erst ellt zu gelten hat. So steht ohne Frage fest, dass es sich beim Unfallfahrzeug um den Per sonenwagen des Beschuldigten ge- handelt hat und dieser zum Zeitpunkt des Unfalles darin gesessen ist. Dies wird vom Beschul- digten ‒ allerdings erst nach anfänglichem Leugnen und nachdem mittels Videoaufnahmen aus der Zugkomposition S3 hat bewiesen werden können, dass e r eine Viertelstunde nach dem Unfall in H.____ vom Bahnhof H.____ mit dem Zug nac h G.____ gefahren ist ‒ nunmehr aus- drücklich eingestanden. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte zw ar bestreitet, der Fahrer gewe- sen zu sein, er aber nicht sagt, wer es denn sonst gewe sen sein soll, was insofern erstaunt, als er nicht geltend macht, einen besonderen Grund zu haben , den angeblichen Fahrer ‒ bei wel- chem es sich ja ausschliesslich entweder um E.____, F.____ oder P.____ handeln kann, wobei die ersteren Beiden ihn ihrerseits in ihren ersten Ein vernahmen belastet und als (betrunkenen) Fahrer identifiziert haben ‒ zu schützen. Unter diesen Umständen wäre zu erwarten, dass sich der Beschuldigte nicht nur auf sein Aussageverweigerungsr echt beruft, sondern den anderen Fahrer, mithin den Verursacher für seinen zivilrechtlich en Schaden und den strafrechtlichen Ärger, benennt, sofern es denn einen solchen gibt, a nsonsten tatsächlich die Vermutung be- steht, dass er das ihm gehörende Fahrzeug zum Unfallzeitp unkt selbst gelenkt hat. Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte auf die im Rahmen des U ntersuchungsverfahrens gestellte Frage, ob Personen, welche mit ihm im Ausgang gewesen seien, schon einmal eines seiner Fahrzeuge gelenkt hätten, im Widerspruch zu seiner Behau ptung in der Berufung, wonach es üblich sei, dass man im Ausgang je nach Verlauf des Aben ds abmache, wer heimfahre, mit Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachdruck entgegnet hat: "Nein, keines der Fahrzeuge, ni cht einmal P.____!" Bestärkt wird diese Vermutung sodann durch die Tatsache, wonach die b eiden Nummernschilder des Unfall- fahrzeuges nach dem Unfall von Hand entfernt worden sind, wobei auf dem einen Schild blutige Anhaftungen mit der DNA des Beschuldigten aufgefunden worden sind. Es widerspricht jegli- cher Logik, dass ein alternativer Fahrer ohne Bezug zum Unfallfahrzeug ein Interesse haben könnte, die (unmittelbare) Identifizierung des Wagens durch Entfernen der Nummernschilder zu erschweren. Zudem erscheint es höchst unwahrscheinlich, da ss zwar ein anderer Fahrer die Nummernschilder nach dem Unfall entfernt hat, dann a ber ausgerechnet blutige Anhaftungen des Beschuldigten darauf zu finden sind. Im Übrigen hä tte es für den Beschuldigten, falls er tatsächlich nur Mitfahrer gewesen sein sollte, von vornh erein keinen Grund gegeben, sich vom Unfallort zu entfernen und die telefonischen Kontaktv ersuche durch die Polizei zu ignorieren. Seine in diesem Zusammenhang vorgebrachte Rechtfertig ung, er habe gedacht, dass es sich um ein Call Center gehandelt habe, ist angesichts des Z eitpunktes der Kontaktversuche um weit nach Mitternacht offensichtlich als Schutzbehauptu ng zu werten. Nicht dienlich im Hinblick auf die generelle Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und die Glaubhaftigkeit dessen Vorbringen im Speziellen ist des Weiteren, dass dieser sowohl anlässli ch der Einvernahme vom 12. Sep- tember 2018 wie auch in seiner Schadenmeldung an die Versicherung vom 21. September 2018 hinsichtlich der Frage, ob er im Unfallwagen gesess en sei bzw. seiner Behauptung, seine Mutter habe ihn vom Ausgang in G.____ abgeholt, offe nsichtlich und im Nachhinein von ihm zugestanden gelogen hat. Zu dieser bereits hinreichend kl aren Beweislage kommen nun noch die Aussagen von E.____ hinzu, welcher im Rahmen der Ei nvernahmen vom 8. September 2018 sowie vom 14. Juli 2020 in stringenter und konsist enter ‒ sowie in mit objektivierten Er- eignissen, wie beispielsweise den Bildern aus der Über wachungskamera betreffend die Zug- komposition S3 und die Autobahneinfahrt A22 sowie der Tatsache, dass am Unfallfahrzeug die Nummernschilder entfernt worden sind, übereinstimmend er ‒ Weise ausgesagt hat, dass der Beschuldigte zum Unfallzeitpunkt der Fahrer des Personen wagens und überdies betrunken gewesen ist. Dass der Zeuge anlässlich der Einvernahme vom 7. Januar 2022 sowie in seinen zwei im Rahmen der Befragung vom 14. Juli 2020 zu den A kten gegebenen Schreiben wie auch in demjenigen vom 24. Oktober 2023 seine Aussage n relativiert bzw. gänzlich verweigert hat, hat keinen Einfluss auf die Glaubhaftigkeit sein er zeitnah zum Ereignis liegenden Depositi- onen, sondern bestärkt lediglich den naheliegenden Ver dacht, wonach der Beschuldigte Ein- fluss auf die Zeugenaussagen genommen hat, wie dies E._ ___ bereits anlässlich der Einver- nahme vom 14. Juli 2020 als Teil eines gängigen Vorgehensmusters seitens des Beschuldigten Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht beschrieben und mittels den zwei genannten Schreiben b elegt hat. Hierzu passt denn auch, dass E.____ nicht der einzige Zeuge ist, welcher im Ver laufe des Verfahrens seine Aussagen widerrufen bzw. gar keine Aussagen mehr gemacht hat. So ergibt sich aus den Akten, dass sich J.____ zunächst selbstständig auf die Medienmitteilung der Polizei gemeldet und erklärt hat, er sei sich sicher, dass der Beschuldigte der Fahrer gewesen s ei, dann aber in der Konfrontati- onseinvernahme vom 9. September 2019 vorgegeben hat, sich an nichts mehr erinnern zu kön- nen. Ebenso hat F.____ zuerst am 8. September 2018 zu Protokoll gegeben, der Beschuldigte habe den Wagen gefahren und reichlich Alkohol konsumie rt, dann aber anlässlich der Konfron- tationseinvernahme vom 14. Juli 2020 keine Aussagen meh r getätigt. Eine derartige Häufung von Widerrufen ist als ausserordentlich auffällig zu beze ichnen und entspricht nicht dem dies- bezüglichen Erfahrungswert des Kantonsgerichts, sondern nährt den von E.____ vorgebrachten Verdacht, dass seitens des Beschuldigten in der einen oder anderen Weise auf die Zeugen ak- tiv eingewirkt worden ist. bb) Betreffend die Fahrfähigkeit des Beschuldigten ist zu erwägen, dass dieser in seiner Ein- vernahme vom 12. September 2018 den Ablauf des Abends vom 7. auf den 8. September 2018 dahingehend geschildert hat, dass er zuerst in G.____, dann in I.____ und schliesslich wieder in G.____ Alkohol konsumiert habe und aufgrund seines Zustandes nicht mehr selber Auto gefah- ren sei, sondern von einem N.____, von P.____ und am Ende von seiner Mutter abgeholt wor- den sei. Weiter hat er in der Schadenmeldung an seine Versicherung vom 21. September 2018 wortwörtlich festgehalten, er habe in seinem Zustand d en Wagen nicht mehr fahren können. Diese Selbsteinschätzung wird bestätigt durch den Zeugen E.____, welcher den Beschuldigten wiederholt als schwer betrunken bzw. "gut besoffen" besch rieben hat, dieser habe beim Gehen geschwankt und beim Fahren die Spur nicht mehr halten können. Letzteres wird wiederum be- stärkt durch die Aufzeichnung der Überwachungskamera ein gangs der kantonalen Autobahn A22 beim Kreisel U.____ in Richtung H.____, welche um 00:31 Uhr dokumentiert hat, wie der fragliche Personenwagen in rasanter und sichtlich unsicherer Fahrweise in den Kreisel fährt, die dritte Ausfahrt nimmt und bei der Ausfahrt aus dem Kreisel rechtsseitig beinahe mit dem Bord- stein kollidiert. Gestützt hierauf bestehen keine vernünft igen Zweifel, dass der Beschuldigte zum Unfallzeitpunkt zufolge übermässigen Alkoholkonsums (ev . zusätzlich auch aufgrund von Drogenkonsum [vgl. unten E. 6.3] oder Müdigkeit) nicht mehr fahrfähig gewesen ist. Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht cc) An diesem Ergebnis vermögen die Einwände des Beschuld igten nichts zu ändern. Diesen ist ‒ soweit sich deren Entkräftung nicht bereits aus den vor stehenden Erwägungen ergibt ‒ vielmehr zu entgegnen, dass selbst wenn auf die Aussagen v on E.____ vom 8. September 2018 und vom 14. Juli 2020 nicht abzustellen wäre, sich immer noch eine Beweislage präsen- tieren würde, welche auch unter Beachtung der Maxime "in dubio pro reo" keine massgeblichen Zweifel an einer Täterschaft des Beschuldigten bzw. an dem zur Anklage gebrachten Sachver- halt zuliessen. Die schriftliche Erklärung von K.____ un d L.____ vom 4. Juni 2020 ist per se nicht geeignet, die Beweislage zu relativieren, nachdem sie auf der Hypothese basiert, dass die Beiden der Ansicht sind, dass sie den markanten Körperbau von C.____ erkannt hätten, wenn er im Auto gewesen wäre, dieser aber nach anfänglich em Leugnen nunmehr ausdrücklich zu- gibt, im Unfallfahrzeug mitgefahren zu sein. Dass bei m Airbag keine DNA-Spuren des Beschul- digten haben gesichert werden können ist insofern irrele vant, als nichts über die Heftigkeit des Aufpralls bekannt ist, wobei es sich beim Unfallwagen der Marke Land Rover bekanntermassen um ein sehr robustes Fahrzeug gehandelt hat. Überdies steht keineswegs fest, ob der Fahrer überhaupt mit dem Airbag in Berührung gekommen ist bzw. hätte kommen müssen. 4.4 In Berücksichtigung des nachgewiesenen inkriminierten Sa chverhalts ist im Rahmen der rechtlichen Subsumption dieses zu erwägen: Gestützt auf d en erstellten Sachverhalt ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte in fahrunfähigem Zustand ‒ höchstwahrscheinlich aufgrund übermässigen Alkoholkonsums, allenfalls begünstigt durch weitere Faktoren wie beispielsweise Übermüdung oder Drogenkonsum ‒ am 8. September 2018 in der Zeit zwischen ca. 00:20 U hr und 00:35 Uhr sein Fahrzeug der Marke Land Rover von der V.____strasse in G.____ via kan- tonale Autobahn A22 Richtung I.____ bis zur Ausfahrt i n H.____ gelenkt und bei der Überfüh- rung über die Autobahn einen Unfall verursacht hat, i ndem er dort rechtsseitig mit fünf Metall- pfosten kollidiert ist, wodurch er den Tatbestand von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG erfüllt. Nach diesen Erwägungen ist der Beschuldigte in Abweisun g seiner diesbezüglichen Berufung und demnach in Bestätigung des angefochtenen Urteils d es Fahrens in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG schuldig zu erklären. Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der F ahrunfähigkeit durch Motor- fahrzeugführer (Ziff. 1.4 der Anklageschrift) 5.1 a) Der Vorderrichter hat in diesem Zusammenhang dieses er wogen: Der Beschuldigte habe nach Mitternacht einen Unfall mit erheblichem Sachschaden, gemäss Polizeirapport im Umfang von CHF 8'500.--, verursacht. Angesichts dessen habe er offensichtlich mit der Anordnung einer Kontrolle bezüglich Fahrfähigkeit rechnen müssen. Das s er dies auch tatsächlich getan habe, zeige sein Verhalten nach dem Verkehrsunfall deutlich. So habe er den Unfallplatz verlassen, ohne die Ankunft der Polizei abzuwarten, und überdies habe er deren Telefonanruf nicht entge- gengenommen. Auch wenn er die Behördennummer nicht er kannt haben sollte, so habe er zu- mindest damit gerechnet, dass ihn in den frühen Morgenstunden nach einem Verkehrsunfall die Polizei zu erreichen versucht habe. Der Beschuldigte hab e somit vorsätzlich eine Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit vereitelt. b) Der Beschuldigte bestreitet grundsätzlich, der Fahrer des verunfallten Fahrzeuges gewe- sen zu sein, worin implizit auch das Bestreiten, gegen di e fragliche Norm verstossen zu haben, beinhaltet ist (vgl. oben E. 2.1). c) Die Staatsanwaltschaft beantragt in genereller Weis e die Bestätigung aller erstinstanzli- chen Schuldsprüche (vgl. oben E. 2.3). 5.2 In Anwendung von Art. 91a Abs. 1 SVG wird mit Freihe itsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer sich als Motorfahrzeugführer vor sätzlich einer Blutprobe, einer Atem- alkoholprobe oder einer anderen vom Bundesrat geregelt en Voruntersuchung, die angeordnet wurde oder mit deren Anordnung gerechnet werden musste , oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt oder entzogen hat oder den Zw eck dieser Massnahme vereitelt hat. Das Gesetz umfasst drei Tatvarianten: den aktiven Widersta nd gegen die Untersuchung, das Ausweichen vor einer solchen (z.B. durch Flucht von der Unf allstelle) und die Vereitelung des Untersuchungserfolgs durch geeignete Massnahmen (z.B. dur ch Nachtrunk). Das Bundesge- richt hat in ständiger Rechtsprechung zu aArt. 91 Abs. 3 SVG klargestellt, dass der Tatbestand der Vereitelung einer Blutprobe nicht nur in Fällen gegeben ist, in denen vorgängig eine Blut- probe amtlich angeordnet worden ist, sondern auch schon dann, wenn der Täter nach den Um- Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständen des Falles mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Anordnung einer Blutprobe hat rech- nen müssen (BGE 120 IV 75; vgl. auch 114 IV 148; 109 I V 137; 106 IV 397; 102 IV 332; 100 IV 262; 95 IV 144; 90 IV 94; vgl. vorab BGE 124 IV 175 ; 126 IV 53; 131 IV 36). Dies trifft insbe- sondere dann zu, wenn ein Fahrzeuglenker zur Nachtzeit in eine den Rahmen einer Bagatelle sprengende Kollision verwickelt wird (BGE 106 IV 396; 1 05 IV 64; 100 IV 258) oder einen nicht ganz unbedeutenden Selbstunfall erleidet (BGE 102 IV 41). Vollendet ist das Delikt, sobald die unverzügliche Entnahme der Blutprobe oder Durchführu ng der ärztlichen Untersuchung verhin- dert wird. Diese Gesetzesbestimmung will verhindern, dass ein Fahrzeuglenker, der flüchtet oder sich anderweitig der Alkoholkontrolle entzieht, be sser gestellt ist, als wenn er die Untersu- chung durch die Polizei und den Arzt über sich ergehen lässt (GIGER , a.a.O., N 6 ff. zu Art. 91a SVG, mit Hinweisen; BGer 6B_796/2014 vom 13. November 2014; 6B_756/2015 vom 3. Juni 2016; 6B_1325/2016 vom 5. April 2017; 6B_441/2019 vo m 12. September 2019; BGE 142 IV 324). 5.3 Angesichts des bereits vorstehend eruierten Sachverhaltes (vgl. oben E. 4.3) steht ohne jeden vernünftigen Zweifel fest, dass der Beschuldigte am 8. September 2018, zwischen 00:20 Uhr und 00:35 Uhr, als Lenker des Fahrzeugs der Marke Lan d Rover infolge seiner Fahrunfä- higkeit, allenfalls auch aufgrund nicht angepasster Gesch windigkeit sowie anderer Faktoren, nach der Ausfahrt von der kantonalen Autobahn A22 a uf der Überführung, R.____weg in Rich- tung H.____, nach dem Überfahren von fünf Metallpfost en am Fahrbahnrand einen Unfall mit einem Schaden von rund CHF 8'500.-- (act. 343) verursacht und im Anschluss daran die Unfall- stelle ohne Benachrichtigung der Polizei verlassen hat. 5.4 Gestützt auf den erstellten Sachverhalt ist zu konstati eren, dass der Beschuldigte in fahr- unfähigem Zustand am 8. September 2018 kurz nach Mitte rnacht ‒ nachdem er unbestrittener- massen im Ausgang Alkohol konsumiert hat ‒ einen Selbstunfall mit einem nicht unbedeuten- den Sachschaden an einer öffentlichen Einrichtung bewi rkt hat, weshalb er zweifellos mit einer polizeilichen Untersuchung sowie in deren Folge mit ho her Wahrscheinlichkeit mit der Anord- nung einer Blutprobe hat rechnen müssen. Ungeachtet d essen hat er sich ‒ nach Entfernung der Nummernschilder sowie unter Zurücklassens seines Fahrzeuges ‒ vor Eintreffen der Polizei durch Flucht unerlaubterweise von der Unfallstelle entf ernt. Hinzu kommt, dass er sich weder zeitnah bei der Polizei gemeldet noch deren telefonisch e Kontaktversuche beantwortet hat. Damit hat er vorsätzlich und erfolgreich die unverzüglich e Entnahme der Blutprobe verhindert Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. sich sogar dauerhaft einer Alkoholkontrolle entzogen, womit sowohl der objektive wie auch der subjektive Tatbestand der in Frage stehenden Norm erfüllt sind. Demnach ist der Berufungskläger in Abweisung seiner diesbezüglichen Berufung und folglich in Bestätigung des angefochtenen Urteils der Vereitelung v on Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeugführer nach Art. 91a Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen. 6. Mehrfache Vereitelung von Massnahmen zur Feststel lung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeugführer (Ziff. 2.2 und Ziff. 2.3 der Anklageschrift) 6.1 a) Diesbezüglich hat das Strafgericht erwogen, indem d er Beschuldigte erstens die von der Polizei angeordnete Atemalkoholkontrolle verweigert un d sich anschliessend auch der von der Staatsanwaltschaft mündlich verfügten Blut- und Urinp robe durch Flucht entzogen habe, habe er den Tatbestand von Art. 91a Abs. 1 SVG gleich mehrfach erfüllt. b) Der Beschuldigte hat in diesem Zusammenhang vorgebrac ht, es sei weder erwiesen, dass er das fragliche Fahrzeug gefahren sei, noch, das s es sich um dasselbe gehandelt habe, welches die Polizisten verfolgt hätten, zumal diese selbst ausgesagt hätten, dass sie den Smart kurz aus den Augen verloren hätten. Infolgedessen habe ein Freispruch zu erfolgen (vgl. oben E. 2.1). c) Demgegenüber beantragt die Staatsanwaltschaft in gene reller Weise die Bestätigung aller erstinstanzlichen Schuldsprüche (vgl. oben E. 2.3). 6.2 In Bezug auf die entsprechenden dogmatischen Erwägung en ist an dieser Stelle zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die nämlichen Ausführungen in vorstehender Ziffer 5.2 zu verweisen. 6.3 a) Hinsichtlich des rechtserheblichen Sachverhalts ist zu kons tatieren, dass der Beschuldigte nicht bestreitet, von der Polizei neben seinem parkierte n Fahrzeug angetroffen worden zu sein Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie die von ihr angeordnete Atemalkoholkontrolle wie auch den Drogenschnelltest verweigert und sich anschliessend auch der von der Staatsanwaltschaft mündlich verfügten Blut- und Urin- probe durch Flucht entzogen zu haben. Geltend gemacht wird von ihm lediglich, unmittelbar vor der Polizeikontrolle nicht mit seinem Fahrzeug gefahr en zu sein bzw. nicht der Fahrer des von der Polizei verfolgten Fahrzeuges der gleichen Marke gewe sen zu sein. Ob diese Einreden an- gesichts des unbestrittenen Verhaltens des Beschuldigten ‒ nämlich die Kontrollen verweigert zu haben ‒ sowie der verdachtsfrei ausgestalteten Kontrollmöglich keit durch die Polizei nach Art. 55 Abs. 1 SVG überhaupt geeignet sind, einen Ein fluss auf die nachfolgende rechtliche Würdigung zu haben, kann an dieser Stelle offengelas sen werden, da das Kantonsgericht einig geht mit den Schlussfolgerungen des Vorderrichters, wonach keine vernünftigen Zweifel an den Darstellungen der beiden Polizisten bestehen und gestützt hierauf der Sachverhalt gemäss An- klageschrift erstellt ist. Im Einzelnen ist Folgendes zu erwägen: b) aa) Anlässlich der Einvernahme als beschuldigte Person durch die Polizei, Verkehrsaufsicht, vom 5. August 2019 (act. 601 ff.) hat C.____ bestätigt , am 27. Juli 2019 zwischen 14:00 Uhr und 22:00 Uhr im Nachtclub "W.____" gewesen zu sein u nd dort Alkohol konsumiert zu haben. Der Polizeikontrolle habe er sich entzogen, weil ihm Ge walt angedroht worden sei. Seinen Wa- gen habe er beim "X.____"-Parkplatz abgestellt. Er hab e seinen Wagen umparkiert, bevor er zuviel getrunken habe. Er wisse nicht mehr, was er aus seinem Fahrzeug habe nehmen wollen, vielleicht das Portemonnaie. Er habe nicht beabsichtigt, ein Fahrzeug zu führen, er habe den Alkohol ein bisschen gespürt. Während der Polizeikontrolle vom 27. Juli 2019 sei er leicht ange- trunken gewesen. bb) Vor dem Strafgericht hat der Beschuldigte jegliche Aussa gen zur Sache verweigert (act. S 383). cc) Vor dem Kantonsgericht hat der Beschuldigte ebenfall s jegliche Aussagen zur Sache verweigert (Protokoll KG S. 8). c) aa) Anlässlich der Einvernahme als Auskunftsperson durch di e Staatsanwaltschaft vom 18. Dezember 2019 (act. 625 ff.) hat der Polizist A.__ __ ausgeführt, als er und sein Kollege ein Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fahrzeug mit rumänischen Kennzeichen hätten abklären wol len, hätten sie bemerkt, wie eine Person aus dem "W.____" gekommen sei und sich in einen Personenwagen gesetzt habe, wel- cher vor dem "W.____" parkiert gewesen sei. ln der Folge sei diese Person zügig davongefah- ren. Y.____ habe diese Person als C.____ erkannt und g esagt, dass er diesen kontrollieren möchte. Dementsprechend habe er mit seinem Kollegen di e Verfolgung des Wagens aufge- nommen. Während sie ihm hinterhergefahren seien, hät ten sie das Auto in einer leichten Rechtskurve für ca. drei Sekunden aus den Augen verloren. Als sie dann beim Parkplatz des "X.____" vorbeigefahren seien, habe er den Personenwa gen rechts von ihm sehen können, als dieser gerade auf dem genannten Parkplatz angehalten h abe. Dabei habe er noch das Brems- licht des Wagens erkennen können. Dementsprechend habe er angehalten und sei zurückge- fahren, um danach ebenfalls auf diesen Parkplatz zu fahr en. Als sie mit dem Auto zurückge- setzt hätten, hätten sie erkennen können, dass C.____ aus dem Wagen gestiegen sei und habe davongehen wollen. Aus diesem Grund seien sie ebenfal ls ausgestiegen und hätten dem Be- schuldigten "Halt, Polizei!" zugerufen. Daraufhin sei e r stehengeblieben und habe sogleich ge- sagt, dass er nicht gefahren sei. Auf ihn habe der Beschu ldigte damals einen sehr verladenen Eindruck gemacht, da er geschwankt und gelallt habe. Zudem habe man bei ihm einen Alkohol- geruch feststellen können. Dementsprechend hätten sie entschieden, einen Atemalkoholtest bei ihm durchzuführen, den der Beschuldigte allerdings verw eigert habe. Aus diesem Grund habe sein Kollege mit der Staatsanwaltschaft telefonisch Ko ntakt aufgenommen, um die Abnahme einer Blut- sowie Urinprobe beim Beschuldigten verfügt zu bekommen. Auch hätten sie einen Drogenschnelltest bei ihm durchführen wollen, da er sehr nervös gewesen sei, geschwitzt habe und die Pupillen weit geöffnet gewesen seien. Der B eschuldigte habe diesen Drogenschnelltest wie auch den Atemalkoholtest und die Abnahme einer B lut- sowie einer Urinprobe verweigert. Weil der Beschuldigte mit seinem Anwalt habe telefoni eren wollen und ihn bedroht habe, habe er ihm mehr Abstand gewährt. Dies habe der Beschuldig te ausgenutzt und plötzlich die Flucht ergriffen. bb) Vor dem Strafgericht hat der Polizeibeamte A.____ al s Zeuge deponiert, er sei mit Y.____ auf Patrouille gewesen, als ihnen der Smart aufgefall en sei. Er wisse nicht mehr, weshalb es zur Kontrolle gekommen sei. Der Fahrer sei zügig unterwegs gewesen und es habe sonst keine anderen Autos gehabt. Weil es kurvig gewesen sei, hätten sie ihn kurz aus den Augen verloren. Dann habe er ihn aus den Augenwinkeln auf dem Parkplatz gesehen. Weil sie einen Alkoholge- ruch festgestellt hätten, hätten sie einen Alkoholtest machen wollen. Dieser sei vom Beschuldig- Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten, welcher aggressiv und aufbrausend gewesen sei, ver weigert worden. Wegen des Verhal- tens des Beschuldigten hätte sie eine zweite Patrouille angefordert, in der Zwischenzeit sei die- ser davongerannt (act. S 383 ff.). d) Der Polizist Y.____ hat anlässlich seiner Zeugeneinvernahme durch d ie Staatsanwalt- schaft vom 31. Januar 2020 (act. 647 ff.) zu Protokoll gegeben, er und A.____ hätten sich ent- schlossen, ein Fahrzeug mit rumänischen Kennzeichen gegenüber dem Club "W.____" zu kon- trollieren, weil der Verdacht bestanden habe, dass die ses mit einem Einbruch in Verbindung stehen könnte. Bei dieser Kontrolle hätten sie dann fe stgestellt, wie C.____ aus dem "W.____" herausgekommen und danach in einen vor diesem Club pa rkierten Personenwagen gestiegen sei. Bevor er in das Fahrzeug gestiegen sei, habe er si ch verdächtig umhergeschaut, als wolle er sichergehen, dass er nicht beobachtet werde. Danach se i er rasch in seinen Wagen gestie- gen und davongefahren. Da C.____ polizeilich bekannt se i und sich verdächtig benommen ha- be, hätten sie sich entschlossen, ihn einer Kontrolle zu unterziehen. Da sie für die Kontrolle des rumänischen Fahrzeuges draussen gestanden seien, hätten si e zuerst in ihr Auto steigen müs- sen, worauf sie dann die Nachfahrt gestartet hätten. Be i dieser Nachfahrt hätten sie C.____ bei einer leichten Rechtskurve für einen kurzen Moment aus den Augen verloren. Als sie bei der Einbuchtung zum Parkplatz des "X.____" vorbeigefahren seien, hätten sie das Auto von C.____ auf diesem Parkplatz stehen gesehen. Deshalb hätten sie angehalten und ihren Wagen zurück- gesetzt, da sie bei dieser Einfahrt schon vorbeigefahren seien. Als sie ihr Auto zurückgesetzt hätten, habe er erkennen können, dass C.____ fluchtartig aus dem Auto ausgestiegen und da- bei fast auf den Boden gestürzt sei. ln der Folge hab e er sich von seinem Auto entfernt. Als sie auf diesen Parkplatz gefahren seien, habe er als Beifahrer aus dem geöffneten Beifahrerfenster laut "Halt, Polizei!" gerufen. Dieser Aufforderung sei C.____ nachgekommen und torkelnd auf sie zugegangen. ln der Folge hätten sie routinemässig eine Verkehrskontrolle mit ihm durchfüh- ren wollen. Dabei hätten sie zunächst den Führer- sowie den Fahrzeugausweis von C.____ verlangt, welche dieser allerdings nicht habe vorweisen können. Stattdessen habe er ihnen eine Kreditkarte überreicht, welche auf seinen Namen ausgestellt gewesen sei. Da er C.____ bereits aus früheren Polizeieinsätzen gekannt habe, habe er ihn auch ohne Ausweis als C.____ identi- fiziert. Bei dieser Kontrolle habe er die Befragung und A.____ die Sicherung übernommen. An- lässlich der Befragung habe er sodann einen deutlichen Alkoholgeruch bei C.____ bemerkt, weshalb er ihn entsprechend gefragt habe, ob er Alkohol konsumiert habe. In der Folge habe er mit ihm einen Atemalkoholtest durchführen wollen, den dieser allerdings verweigert habe. Dies- Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht bezüglich habe er ausgesagt, dass er den Test deshalb verweigere, weil er nicht gefahren sei und er zu viel Alkohol konsumiert habe. Aufgrund diese r Situation habe er C.____ die Rechte gemäss Art. 158 StPO eröffnet. Dabei habe er festgest ellt, dass C.____ einen verladenen Ein- druck auf ihn gemacht habe, da er geschwitzt und stark gezittert habe. Zudem sei ein Auge von ihm nicht normal gewesen, sein Augenlid habe heruntergehängt. Auch habe er rote und wässe- rige Augen gehabt und seine Pupillen hätten nicht auf den Taschenlampenlichttest reagiert. Aus diesem Grund habe er bei C.____ zusätzlich einen Drogen schnelltest durchführen wollen, was dieser ebenfalls verweigert habe. Nachdem C.____ sämtli che vorgenannten Tests verweigert habe, hätten sie mit der Staatsanwaltschaft Kontakt aufg enommen. Während er mit der Staats- anwaltschaft in Kontakt gestanden sei, habe C.____ mehrm als versucht, seinen Anwalt telefo- nisch zu erreichen. Da durch die Staatsanwaltschaft die Ab nahme einer Blut- sowie einer Urin- probe verfügt worden sei, habe er eine weitere Polizeipatrouille aufgeboten. Als Begründung für die Verweigerung des Atemalkohol- sowie des Drogenschnelltests habe C.____ gesagt, dass er gar nicht selber gefahren sei. Zudem habe er zugegeben, zu viel Alkohol konsumiert zu haben. e) Im Weiteren hat eine polizeiliche Abklärung bei der G eschäftsführerin des Nachtclubs "W.____" ergeben, dass der Beschuldigte diesen während seines Aufenthalts zwischen 16:30 Uhr und 21:59 Uhr nicht verlassen hat, um sein Fahrzeu g umzuparkieren. Gäste dürften den Club ohne Bezahlung nur verlassen, um beispielsweise etwa s aus dem Fahrzeug zu holen. Sobald jedoch das Gelände mit dem Fahrzeug verlassen w erde, müsse der Kunde seine offe- nen Rechnungen begleichen. Der Beschuldigte habe seine letzte Rechnung betreffend Geträn- ke um 21:59 Uhr beglichen (act. 577 f.). f) Wie bereits vorstehend erwähnt (E. 6.3.a), verbleibe n im Rahmen der Beweiswürdigung keinerlei Zweifel am angeklagten Sachverhalt, nachdem d ie zahlreiche Realkennzeichen auf- weisenden Aussagen der beiden Polizisten jeweils als detailliert, stringent und zudem sowohl in sich selbst als auch in Bezug zueinander als konsistent und damit im Ergebnis als glaubhaft zu qualifizieren sind, zumal weder eine Motivation für ei ne Falschbeschuldigung noch ein Grund für eine Verkehrskontrolle bei einer angeblich bloss zu F uss gehenden Person ersichtlich ist. Demgegenüber erweisen sich die Depositionen des Beschuld igten als sehr dürftig, unbelegt und teilweise als widersprüchlich, womit sie nicht geeignet sind, die genannten Aussagen anzu- zweifeln. So hat dieser geltend gemacht, bereits ab 14 :00 Uhr im Nachtclub gewesen zu sein, wohl um die Menge der konsumierten alkoholischen Geträ nke zu relativieren; aus den Rech- Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht nungsquittungen ergibt sich jedoch eine Ankunftszeit u m 16:30 Uhr. Weiter hat er behauptet, sein Fahrzeug vom Gelände des Nachtclubs zum Standort " X.____ " umparkiert zu haben, be- vor er alkoholische Getränke konsumiert habe. Diesbezügl ich ist allerdings davon auszugehen, dass gemäss der Firmenpolitik des "W.____" ein Verlassen des Geländes mit dem Fahrzeug erst möglich ist, wenn sämtliche Rechnungen bezahlt sind , wobei in casu der Beschuldigte sei- ne letzte offene Rechnung um 21:59 Uhr beglichen hat, also unmittelbar bevor er von den bei- den Polizisten beim Wegfahren beobachtet worden ist. Sodann ist auch kein vernünftiger Grund ersichtlich, weshalb er sich ‒ gemäss den Aussagen der beiden Polizisten offensichtlich un ter der Wirkung von Alkohol und mutmasslich weiterer Substan zen ‒ bei seinem Auto rund 240 Meter vom Nachtclub entfernt aufhalten sollte, wenn er nicht entweder dorthin gefahren ist oder von dort hat wegfahren wollen. Diesbezüglich hat der Beschuldigte angegeben, er habe bei seinem Fahrzeug nur etwas herausnehmen wollen, wobei er auf die Frage, was dies denn ge- wesen sei, wenig überzeugend geantwortet hat, er wisse es nicht mehr, vielleicht das Porte- monnaie. Dass jemand seine Brieftasche in seinem über 200 Meter entfernt parkierten Fahr- zeug beim Besuch eines Nachtclubs zurücklässt, erscheint alle rdings als wenig wahrscheinlich; nachgewiesenermassen hatte er immerhin seine Kreditkarte dabei. Wenn es nicht um das kon- krete Verweigern der Alkohol- und Drogenkontrolle (na ch dem Lenken eines Motorfahrzeuges) gegangen wäre, hätte sodann per se keine Veranlassung bestanden, wegzurennen, zumal sei- ne Personalien schon aufgenommen waren und die Polizei wusste, um wen es sich handelt. Zutreffend ist zwar der Einwand des Beschuldigten, die beiden Polizisten hätten sein Fahrzeug nicht auf eine allfällige Motorwärme überprüft. Ein solcher Kontrollakt wäre aber wohl nur schon angesichts der kurzen Fahrstrecke von rund 240 Metern sinnlos gewesen. Abgesehen davon ist sich der Zeuge Y.____ absolut sicher gewesen, gesehen zu haben, wie der Beschuldigte in das Fahrzeug eingestiegen, gefahren und dann wieder ausge stiegen ist, weshalb er zu Recht von einer Überprüfung abgesehen hat und der Beschuldigte hieraus nichts ableiten kann. 6.4 In Anbetracht des nachgewiesenen Sachverhalts gemäss Ankl ageschrift ist der Beschul- digte am 27. Juli 2019 um ca. 22:00 Uhr mit seinem F ahrzeug der Marke Smart ‒ nach dem Besuch des Lokals "W.____" und vermutungsweise nach dem Ko nsum von Alkohol ‒ von der Z.____strasse 24 in Z1.____ zur Z.____strasse 5 in Z2.____ gefahren, wo er sein Fahrzeug auf dem Parkplatz des "X.____" abgestellt hat. Vor Ort habe n die beiden Polizeibeamten A.____ und Y.____ den Beschuldigten einer Personen- und Verke hrskontrolle unterziehen wollen, in deren Zuge sie eine Atemalkoholprobe sowie einen Droge nschnelltest angeordnet haben. Die- Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht ser Anordnung hat der Beschuldigte unter wahrheitswidr iger Behauptung, sein Fahrzeug nicht gelenkt zu haben, keine Folge geleistet, wodurch er sich vorsätzlich den entsprechenden Mass- nahmen widersetzt hat, womit sowohl der objektive wie a uch der subjektive Tatbestand der in Frage stehenden Norm erfüllt sind. Im Anschluss hieran hat sich der Beschuldigte ausserdem der durch die Staatsanwaltschaft mündlich verfügten Blu t- und Urinprobe durch Flucht entzo- gen, wodurch er vorsätzlich und erfolgreich deren unverzü gliche Entnahmen verhindert bzw. sogar dauerhaft eine Alkoholkontrolle verunmöglich hat, womit auch diesbezüglich der objektive und der subjektive Tatbestand von Art. 91a Abs. 1 SVG erfüllt sind. Infolgedessen ist der Beschuldigte in Abweisung seiner di esbezüglichen Berufung und dem- nach in Bestätigung des angefochtenen Urteils in Bezug auf die Ziffern 2.2 und 2.3 der Ankla- geschrift der mehrfachen Vereitelung von Massnahmen zu r Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeugführer gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG schuldig zu erklären. 7. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Zi ff. 2.3 der Anklageschrift) 7.1 a) Die Vorinstanz hat im rubrizierten Anklagepunkt ihren Schuldspruch wie folgt begründet: Für die rechtliche Würdigung sei nicht von Bedeutung, o b der Beschuldigte dem Polizisten A.____ gesagt habe, er mache ihn mit einem Schlag kaput t, oder er könnte ihn mit einem Schlag kaputt machen. Beide Aussagen seien als Androhun g von körperlicher Gewalt zu ver- stehen. A.____ habe denn auch zu Protokoll gegeben, dass er aufgrund des Auftretens des Beschuldigten extrem erschrocken sei. Ob lediglich die Ä usserung des Beschuldigten diese Wirkung entfaltet, oder ob sie dies in Kombination mi t dessen resolutem Auftreten getan habe, sei nicht entscheidend. Massgebend sei vielmehr, dass sich A .____ aufgrund der Drohung ver- anlasst gesehen habe, dem Beschuldigten mehr Abstand zu gewähren, womit er seiner Aufga- be, diesen zu bewachen, nicht mehr habe vollumfängli ch nachkommen können, wie sich in der Folge eindrücklich gezeigt habe. Der Beschuldigte habe den Polizisten A.____ somit durch die Drohung, diesen kaputt zu machen respektive kaputt mach en zu können, an einer Handlung gehindert, welche innerhalb dessen Amtsbefugnis gelegen habe. Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Nach Auffassung des Beschuldigten ist eine Drohung sein erseits gegenüber A.____ nicht nachgewiesen. Er habe dies konstant bestritten und damal s lediglich gesagt, dieser solle Ab- stand zu ihm halten, damit er ein vertrauliches Telefo nat mit seinem Anwalt führen könne (vgl. oben E. 2.1). c) Die Staatsanwaltschaft beantragt auch hier in generel ler Weise die Bestätigung aller erst- instanzlichen Schuldsprüche unter Verweis auf die entspr echenden Erwägungen (vgl. oben E. 2.3). 7.2 a) Gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer eine Behörde, ein Mitglied einer Behör de oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, die innerhalb ihrer Amtsb efugnisse liegt, hindert, zu einer Amts- handlung nötigt oder während einer Amtshandlung tätl ich angreift. Geschütztes Rechtsgut ist das Funktionieren staatlicher Organe. Angriffsobjekt i st nicht der handelnde Beamte, sondern die Amtshandlung als solche. Träger der Amtsgewalt, gege n deren Amtshandlungen sich die Tat richten muss, sind Beamte und Behörden sämtlicher Gem einwesen. Zur Bestimmung der Personen, die als Beamte gelten, ist die strafrechtliche Legaldefinition von Art. 110 Abs. 3 StGB massgebend. Praxisgemäss fallen sämtliche Personen darunter , die öffentlich-rechtliche Funk- tionen ausüben. Eine Amtshandlung ist grundsätzlich jed e Betätigung in öffentlich-rechtlicher Funktion. Für die Anwendbarkeit von Rechtfertigungsgr ünden bleibt kaum Raum. Sind Amts- handlungen gemäss Art. 14 StGB rechtmässig, kann ihnen au ch keine Notwehr entgegenge- setzt werden (S TEFAN HEIMGARTNER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Ba sel 2019, N 2 ff. vor Art. 285 StGB, mit Hinweisen). b) Die Hinderung einer Amtshandlung liegt bereits vor, w enn diese in einer Art und Weise beeinträchtigt wird, dass sie nicht reibungslos durchgefü hrt werden kann. Eine Behinderung ist somit ausreichend und eine Verhinderung der Amtshandlun g nicht vorausgesetzt. In diesem Sinne muss die Handlung auch nicht notwendigerweise auf die Verhinderung der Amtshandlung abzielen. Der tatbestandsmässige Erfolg liegt in der Bee inträchtigung der Amtshandlung durch die genannten qualifizierten Mittel. Das Tatbestandsmer kmal der Drohung ist gemäss herr- schender Lehre im gleichen Sinne wie bei der Nötigung auszulegen. Dieser Praxis folgend muss die Androhung geeignet sein, einen besonnenen Bea mten in der Lage des Betroffenen Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht gefügig zu machen. Zu beachten ist dabei, dass exponierte Amtsträger wie z.B. Polizeibeamte besonders geschult sind im Umgang mit renitenten Person en, weshalb die Anforderungen hin- sichtlich der Intensität der Drohung relativ hoch anzuset zen sind. Die Handlung muss mit Vor- satz erfolgen, wobei Eventualvorsatz ausreicht. Bei der er sten Tatbestandsvariante muss die Handlung des Täters mit Wissen und Willen um die möglich erweise hindernde Wirkung sowie die gewaltsame oder drohende Handlungsweise erfolgen (HEIMGARTNER , a.a.O., N 5 ff. zu Art. 285 StGB, mit Hinweisen; GÜNTER STRATENWERTH / FELIX BOMMER , Schweizerisches Straf- recht, Besonderer Teil II, 7. Auflage, Bern 2013, § 5 2 Rz. 15 ff., mit Hinweisen). Gegenüber Art. 286 StGB (Hinderung einer Amtshandlung) hat Ar t. 285 StGB Vorrang (H EIMGARTNER , a.a.O., N 17 zu Art. 286 StGB, mit Hinweisen). 7.3 Im Rahmen der Eruierung des massgeblichen Sachverhaltes ist Folgendes zu erwägen: a) aa) Anlässlich der Einvernahme als beschuldigte Person durch die Polizei, Verkehrsaufsicht, vom 5. August 2019 (act. 601 ff.) hat C.____ auf den V orhalt, er habe gegenüber dem Polizis- ten A.____ gesagt, dieser soll aufhören, ihm nachzulau fen, ansonsten er ihn mit einem Schlag kaputt machen könne, geantwortet, wenn er das gesagt h abe, tue es ihm leid. Er hätte das si- cher nie gemacht, er sei nicht gewalttätig. Er habe Panik gehabt und etwas komisch reagiert. bb) Vor dem Strafgericht hat der Beschuldigte zu Protoko ll gegeben, er habe sich bedroht gefühlt, als die Polizisten Verstärkung angefordert hätten. Er habe Panik gehabt, deshalb sei er weggegangen (act. S 387). cc) Vor dem Kantonsgericht hat der Beschuldigte in grund sätzlicher Weise von seinem Aus- sageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, im Hinblick auf d en vorliegenden Anklagepunkt aber eingeräumt, es möge sein, dass er im Affekt gege nüber dem Polizisten eine Beleidigung oder eine Drohung ausgesprochen habe. Er wisse es nicht mehr genau. Er wisse bloss noch, dass er ihn weggeschickt habe, was aber seinen Grund geh abt habe (Protokoll KG S. 8 und 11). b) aa) Anlässlich der Einvernahme als Auskunftsperson durch di e Staatsanwaltschaft vom 18. Dezember 2019 (act. 625 ff.) hat Polizist A.____ Folgendes deponiert: Während des Telefo- Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht nats des Beschuldigten mit seinem Anwalt sei es seine Aufgabe gewesen, diesen im Auge zu behalten bzw. für die Sicherung der Situation zu sor gen. Dabei sei der Beschuldigte immer hin- und hergegangen, wobei er wiederholt vom Parkplatz zu r dortigen Z.____strasse gelaufen sei. Er habe ihn daraufhin mehrmals aufgefordert, dass er auf dem Parkplatz bleiben solle, weil Au- tos auf der Z.____strasse vorbeifahren würden und ihn g efährden könnten. Als der Beschuldig- te nochmals auf die Strasse und er ihm hinterhergegan gen sei, habe sich dieser plötzlich zu ihm umgedreht und sei bis ca. einen Meter auf ihn zugetreten. Dann sei er stehengeblieben und habe zu ihm gesagt: "Halt mol Abstand, sunnscht mach ic h di kaputt." Um die Situation zu be- ruhigen und ihm mehr Privatsphäre zu geben, hätten er und Y.____ entschieden, ihm noch mehr Abstand zu gewähren. Der Beschuldigte sei aggressiv und sehr zügig auf ihn zugegan- gen. Als er vor ihm stehengeblieben sei, habe er ihm gegenüber mit lauter, aber nicht schreien- der Stimme gesagt, dass er Abstand nehmen solle, ansonste n er ihn kaputt machen würde. Als er ihm dies gesagt habe, habe er seine Hand oder ein en Finger vor sich gehalten. Er habe sich bedroht gefühlt und seine Aussage ernst genommen. C.____ sei sehr muskulös und auch grös- ser als er. Er habe sich in jener Situation nicht mehr w ohl gefühlt, weshalb er in Absprache mit seinem Kollegen mehr Abstand vom Beschuldigten genomme n habe. ln der Folge habe der Beschuldigte weiter telefoniert, wobei er nach wie vo r unruhig hin- und hergegangen sei. Als er schliesslich etwas weiter weg gewesen sei, habe er plötzlich die Flucht ergriffen. bb) Vor dem Strafgericht hat der Polizeibeamte A.____ a ls Zeuge deponiert, während der Kontrolle sei der Beschuldigte am Telefon gewesen, an geblich mit seinem Anwalt. Dabei sei er ständig herumgetigert. Daraufhin habe er ihm mehrmal s gesagt, er solle stehenbleiben. Zu ei- nem Zeitpunkt sei dieser sehr nahe zu ihm hingekommen und habe sinngemäss gesagt, er sol- le Abstand halten, sonst mache er ihn kaputt. Er sei extrem erschrocken, da er noch nie in einer solchen Situation gewesen sei. Er habe entschieden, dem Beschuldigten mehr Abstand zu ge- währen, um deeskalierend zu wirken. Bei ihm sei es klar als Drohung angekommen, deshalb habe er auch den Abstand vergrössert, weil es ihm nicht mehr wohl gewesen sei (act. S 383 ff.). c) Der Polizist Y.____ hat anlässlich seiner Zeugeneinver nahme durch die Staatsanwalt- schaft vom 31. Januar 2020 (act. 647 ff.) deponiert, wäh rend der Wartezeit habe C.____ erneut ein Telefonat geführt, wobei A.____ die Sicherung üb ernommen und dementsprechend in einer Distanz von ca. fünf Metern bei diesem gestanden habe. Demgegenüber habe er die Schreib- aufgaben bzw. das Ausfüllen von Formularen in Angriff genommen. Er habe dann bemerkt, Seite 38 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass es zu einem Disput zwischen C.____ und seinem Kolleg en gekommen sei, wobei der Be- schuldigte auf A.____ zugegangen und dabei sehr nahe a n ihn herangetreten sei. Was damals genau zwischen den Beiden beredet worden sei, habe er nicht hören können, da er ein wenig abseits gestanden habe und mit den Schreibarbeiten be schäftigt gewesen sei. lm Nachhinein habe ihm A.____ mitgeteilt, dass C.____ zu ihm gesagt habe, dass er ihm nicht so nahe folgen solle, andernfalls er dies mit einem Faustschlag beenden könne. C.____ sei anlässlich der Kon- trolle ständig nervös hin- und hergegangen, wobei er von A.____ dazu aufgefordert worden sei, dies endlich zu unterlassen und an einem Ort stehen zu b leiben. A.____ sei relativ neu bei der Polizei und habe wahrscheinlich noch keine solche Situ ation wie mit C.____ erlebt, weshalb er durch dessen vorherige Aussage eingeschüchtert gewesen sei. A us diesem Grund habe er noch ein bisschen mehr Abstand vom Beschuldigten genommen, um die Situation zu beruhi- gen. Dies habe C.____ ausgenutzt, indem er letztlich die Flucht zu Fuss ergriffen habe. Er habe nur visuell erkennen können, dass C.____ auf A.____ zug egangen und dabei sehr nahe an diesen herangetreten sei. C.____ habe auf ihn aggressi v gewirkt. Dieser sei muskulös und gross, allein deshalb wirke er schon aggressiv. Was C.____ A.____ damals genau gesagt ha- be, habe er nicht gehört. Erst nach dem Vorfall habe A.____ ihm mitgeteilt, was der Beschuldig- te zu ihm gesagt habe. Aus diesem Grund hätten sie sich e ntschlossen, das Geschehene zu rapportieren. d) Nach Dafürhalten des Kantonsgerichts verbleiben auch hi er keine Zweifel am inkriminier- ten Sachverhalt, nachdem die zahlreiche Realkennzeichen aufweisenden Aussagen der beiden Polizisten jeweils als detailliert, stringent und zudem sowohl in sich selbst als auch in Bezug zueinander als konsistent und damit im Ergebnis als glaubhaft zu qualifizieren sind, zumal keine Motivation für eine Falschbeschuldigung ersichtlich ist (vgl. oben E. 6.3.f). Die unsubstantiierten Einwände des Beschuldigten vermögen hieran wiederum ni chts zu ändern. Dies gilt in casu umso mehr, als der Beschuldigte zwar im Rahmen seiner B erufung in pauschaler Weise gel- tend macht, er habe konstant bestritten, A.____ bedroh t zu haben und damals lediglich ver- langt, dieser solle Abstand zu ihm halten, im Widerspruch hierzu jedoch sowohl in der Vorunter- suchung wie auch vor Kantonsgericht eingeräumt hat, es se i möglich, dass er (im Affekt) ge- genüber dem Polizisten (eine Beleidigung oder) eine Drohung ausgesprochen habe. 7.4 Dem nachgewiesenen Sachverhalt folgend ist im Hinbli ck auf die rechtliche Würdigung was folgt zu erwägen: Zunächst steht ohne Weiteres fest, dass es sich bei A.____ um einen Seite 39 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beamten im Sinne des Gesetzes sowie bei der Personenkon trolle von C.____ am 27. Juli 2019 um eine Amtshandlung gehandelt hat. Fraglos ist sodann , dass der Beschuldigte durch sein renitentes Verhalten und namentlich die Androhung von Gewalt (ihn "kaputt zu machen") ‒ wel- che geeignet gewesen ist, einen besonnenen Beamten in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen ‒ A.____ dazu genötigt hat, einen nicht den polizeili chen Vorschriften entsprechenden Abstand zu ihm einzunehmen, wodurch dieser nicht mehr in der Lage gewesen ist, seinen Si- cherungsauftrag pflichtgemäss wahrzunehmen, was sich in off ensichtlicher Weise in der erfolg- reichen Flucht des Beschuldigten manifestiert hat. Dami t hat der Beschuldigte die reibungslose Durchführung der im Raume stehenden Amtshandlung erhe blich beeinträchtigt und diese in tatbestandsmässig relevanter Weise behindert bzw. sogar verhindert. Infolgedessen ist der ob- jektive Tatbestand von Art. 285 Ziff. 1 StGB im Hinbli ck auf die Hinderung einer Amtshandlung erfüllt. Dass der Beschuldigte dabei direktvorsätzlich ge handelt hat, steht ausser Frage. Recht- fertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind schliesslich keine ersichtlich. Nach diesen Erwägungen ist der Beschuldigte in Abweisun g seiner diesbezüglichen Berufung und demnach in Bestätigung des angefochtenen Urteils d er Gewalt und Drohung gegen Behör- den und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig zu erklären. 8. Hinderung einer Amtshandlung (Ziff. 2.3 der Ankl ageschrift) 8.1 a) Nach Ansicht der Vorinstanz hat der Beschuldigte, indem er sich durch Flucht der stattfin- denden Polizeikontrolle entzogen habe, den objektiven w ie auch subjektiven Tatbestand der Hinderung einer Amtshandlung erfüllt, weshalb er entsprechend schuldig zu sprechen sei. b) Demgegenüber ist der Beschuldigte der Auffassung, dass Wegrennen vor einer Polizei- kontrolle bloss eine straflose Selbstbegünstigung darstelle (vgl. oben E. 2.1). c) Die Staatsanwaltschaft beantragt wiederum in generel ler Weise die Bestätigung aller erst- instanzlichen Schuldsprüche (vgl. oben E. 2.3). Seite 40 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Gemäss Art. 286 StGB wird mit Geldstrafe bis zu 30 T agessätzen bestraft, wer eine Be- hörde, ein Mitglied einer Behörde oder einen Beamte n an einer Handlung hindert, die innerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt. Als Hinderung einer Amtshandlung gilt grundsätzlich jede Handlung, welche diese derart beeinträchtigt, dass sie nicht reibun gslos durchgeführt werden kann. Bei der Hinderung einer Amtshandlung handelt es sich um ei n Erfolgsdelikt. Das Ergebnis der in- kriminierten Verhaltensweise besteht demgemäss in einer Erschwerung der Amtshandlung, die regelmässig zu einer Verzögerung derselben führt. Eine Verhinderung im Sinne des Verunmög- lichens wird nicht vorausgesetzt. Art. 286 StGB kommt einerseits bei aktivem Widerstand ohne Gewalt und Drohung oder Tätlichkeiten gegen den Amtsträger sowie andererseits bei passivem Widerstand zur Anwendung. Nach bundesgerichtlicher und bundesstrafgerichtlicher Rechtspre- chung ist Flucht vor einer Amtshandlung ‒ auch unter dem Aspekt der Selbstbegünstigung ‒ als Hinderung einer Amtshandlung zu betrachten, wenn die verhinderte Handlung (Kontrolle oder Anhaltung) konkret bevorsteht. Die Tat muss vorsätzlich be gangen werden, wobei Eventualvor- satz ausreicht (S TEFAN HEIMGARTNER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, B asel 2019, N 4 ff. zu Art. 286 StGB, mit Hinweisen; BGer 6 B_115/2008 vom 4. September 2008 E. 4.3.1; BStGer SK.2015.27 vom 22. September 2015 E. 3.3). 8.3 Nach erstelltem und in diesem Zusammenhang auch nich t bestrittenem Sachverhalt hat sich der Beschuldigte am 27. Juli 2019, um ca. 22:30 Uh r, auf dem Parkplatz des "X.____" an der Z.____strasse 5 in Z2.____ der bereits stattfinden den Personen- und Verkehrskontrolle durch die Polizei durch Flucht entzogen. 8.4 Indem der Beschuldigte vor einer laufenden Kontroll e der Polizei weggerannt ist, hat er nicht bloss die reibungslose Durchführung weiterer anste hender Kontrollen bzw. anderer poli- zeilicher Massnahmen, wie namentlich den Vollzug der ang eordneten Blut- und Urinprobe so- wie die ordnungsgemässe Durchführung der Personenkontr olle, vorsätzlich erschwert, was be- reits tatbestandsmässig wäre, sondern diese sogar dauerhaft verhindert. Dass die Handlungen der beiden involvierten Polizisten innerhalb ihrer Amt sbefugnisse gelegen haben, wird sodann nicht in Frage gestellt. Praxisgemäss ist damit das Verhal ten des Beschuldigten nicht bloss als straflose Selbstbegünstigung, sondern als Hinderung ein er Amtshandlung im Sinne des Geset- zes zu werten. Seite 41 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demzufolge ist der Beschuldigte in Abweisung seiner diesb ezüglichen Berufung und in Bestäti- gung des angefochtenen Urteils der Hinderung einer Amt shandlung gemäss Art. 286 StGB schuldig zu erklären. 9. Strafzumessung 9.1 Dogmatische Erwägungen a) Das Berufungsgericht fällt ‒ soweit es auf das Rechtsmittel eintritt ‒ ein neues Urteil, wel- ches das erstinstanzliche ersetzt (Art. 408 StPO; BGE 143 IV 408 E. 6.1; 142 IV 89 E. 2.1; BGer 6B_848/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 2.2). Ange sichts der Natur der Berufung als re- formatorisches Rechtsmittel hat das Kantonsgericht eine eigene Strafe festzusetzen und nach- vollziehbar zu begründen. Nach der Praxis des Bundesgerich ts kann es sich nicht mit einer Überprüfung der erstinstanzlichen Strafzumessungserwägu ngen anhand der Einwände des Beschwerdeführers begnügen (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3). Die Möglichkeit, im Rechtsmittelver- fahren auf die Begründung der Erstinstanz zu verweisen, ändert daran nichts (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; BGer 6B_848/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 2. 2; 6B_502/2019 vom 27. Februar 2020 E. 3.3.1 und 3.4; 6B_798/2020 vom 16. September 2020 E. 2; je mit Hinweisen). b) Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe innerha lb des massgebenden Strafrah- mens nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönli- chen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Le ben des Täters (Abs. 1). Das Ver- schulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefäh rdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründe n und Zielen des Täters sowie da- nach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage ge- wesen ist, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). c) Das Gericht bewertet das Verschulden ausgehend von der objektiven Tatschwere. Diese ist zunächst danach zu bestimmen, wie stark das betroffen e Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Dabei sind das Ausmass des Erfolgs, die Gefährdung, d as Risiko sowie die Art und Weise des Tatvorgehens zu berücksichtigen. Von Bedeutung sind auch die Intensität der durch die Tat und Tatausführung offenbarten kriminellen Energie sow ie die Grösse des Tatbeitrags bei meh- Seite 42 http://www.bl.ch/kantonsgericht reren Tätern und die hierarchische Stellung (H ANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 91 ff. zu Art 47 StGB). Bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere bilden namentlich die Bewegg ründe und Ziele des Täters, der bei der Tat aufgewendete Wille, das Motiv sowie das Mass an E ntscheidungsfreiheit massgebende Strafzumessungskriterien (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 115 ff. zu Art. 47 StGB). Das Ge- richt hat die objektive Tatschwere zu bewerten und in den Urteilserwägungen anzugeben, ob diese aufgrund der Beurteilung der subjektiven Tatschwere reduziert, bestätigt oder erhöht wer- den soll. Dabei muss es gemäss Art. 50 StGB festhalten , welche die für die Strafzumessung erheblichen Umstände sind und wie es diese gewichtet. Hi erzu muss das Gericht in seinem Urteil darlegen, welche verschuldensmindernden und wel che verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteins chätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 144 IV 313 E. 1.2; 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich eingehen, die es – ohne dass die s ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von ge ringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 144 IV 313 E. 1.2; 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings muss das Gericht das Gesamtverschulden qua- lifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschuldens im Urteil ausdrücklich benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schwe regrad auszugehen ist (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, mittelschwer, schwer, sehr schw er). Im Übrigen betont das Bundesge- richt in seiner Rechtsprechung, dass die Formulierung des Verschuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen müsse n (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.1; 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). d) In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe , die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu b estimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufg rund wesentlicher Täterkomponenten, d.h. tatunabhängiger Strafzumessungsfaktoren, erhöht oder reduziert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7; 134 IV 132 E. 6.1). e) Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen di e Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zu der Stra- Seite 43 http://www.bl.ch/kantonsgericht fe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhö hen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden. Die Vorschrift von Art. 49 Abs. 1 StGB legt somit die Rechtsfolgen fest, die einen Täter treffen, der denselben Straftatbestand mehrfach oder mehre- re verschiedene Straftatbestände verletzt hat. Die Vorschr ift regelt das methodische Vorgehen der Strafzumessung im Konkurrenzfall aber nur rudiment är; ihr selbst lässt sich nicht entneh- men, wann die Voraussetzungen gleichartiger Strafen erfüllt sind, was die schwerste Straftat ist und wie diese zu ermitteln und erhöhen ist (BGE 144 IV 217 E. 3.2). f) Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Geldstrafe und Freiheitstrafe sind kei ne gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Ungleichartige Strafen sind kumul ativ zu verhängen. Das Gericht kann auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkre ten Fall für jeden einzelnen Norm- verstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (sogenannt e konkrete Methode). Dass die anzu- wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Stra fen vorsehen, genügt nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 2.2; 142 IV 265 E. 2 .3.2; 138 IV 120 E. 5.2; BGer 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 3.2). g) Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist in einem ersten Schritt anhand der abstrakten Strafdrohung des Gesetzes der Str afrahmen für die schwerste Straftat zu ermitteln. Sind mehrere Straftatbestände mit gleich em Strafrahmen zu beurteilen, ist von derjenigen Straftat auszugehen, die im konkreten Fall die höchste Strafe nach sich zieht (H ANS MATHYS , Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, N 485). Die tat- und täterange- messene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlich en Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Dieser Rahme n ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten U mständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffass ung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üb lichen Zumessungskriterien festzuset- zen wäre. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, wen n aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Seite 44 http://www.bl.ch/kantonsgericht h) In einem zweiten Schritt hat das Gericht die Einsatzstr afe für die schwerste Tat innerhalb des betreffenden gesetzlichen Strafrahmens nach der ob jektiven und subjektiven Tatschwere bzw. den Tatkomponenten festzusetzen (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2; 127 IV 101 E. 2b). Dabei hat das Gericht eine vorläufige Gesamteinschätzung im Sinne einer hypothetischen Einsatzstrafe vorzunehmen, wobei das Verschulden im Rahmen einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, m ittelschwer, schwer, sehr schwer) zu be- stimmen und in der Begründung des Urteils zu nennen ist (BGE 136 IV 55 E. 5.7). i) In einem dritten Schritt sind die übrigen Delikte – w iederum anhand der Tatschwere bzw. den Tatkomponenten entsprechend den vorstehenden Ausfü hrungen – zu beurteilen, wobei für jede zusätzliche Straftat, derentwegen der Beschuldigte verurteilt wird, unter Berücksichtigung des jeweiligen Verschuldens eine hypothetische Einzelstrafe zu ermitteln ist. Mithin sind für jede (zusätzliche) konkrete Tat die angemessene Strafhöhe sowi e die passende Strafart zu bestim- men (BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E 1.1.1 und E. 1.4; BGer 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4; 6B_1071/2019 vom 5. Novemb er 2020 E. 3.3.2). Anschliessend ist zu prüfen, aus welchen der festgelegten Einzelstrafen e ine Gesamtstrafe zu bilden ist bzw. Ge- samtstrafen zu bilden sind. Soweit für mehrere zu beurte ilende Straftaten jeweils gleichartige Strafen als angemessen erscheinen, ist unter Berücksichtigu ng des Asperationsprinzips eine hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche dieser Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E. 1.4; BG er 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4). Bei der Bemessung der Gesamtstrafe müssen die e inzelnen Straftaten innerhalb des (allenfalls erweiterten) Strafrahmens gesamthaft gewü rdigt werden. Dabei sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbstständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenh eit der verletzten Rechtsgüter und die Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Deliktes wird dabei geringer zu veranschlagen sein, wenn die Delikte z eitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4; B Ger 6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2). j) Die einzelnen Tathandlungen müssen vor der Bildung ein er allfälligen Gesamtstrafe in einem selbstständigen Schritt vorab gewürdigt werden ( BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). Die enge Verknüpfung der einzelnen D elikte entbindet nicht von dieser Vorge- hensweise (BGer 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.4). Wenngleich bei der Bemessung der Seite 45 http://www.bl.ch/kantonsgericht hypothetischen Gesamtstrafe die einzelnen Straftaten in einem selbstständigen Schritt gewür- digt werden müssen, ist bei Vorliegen einer Tatserie eine punktuelle Kategorisierung gleichge- lagerter Delikte (z.B. nach Schadenshöhe oder Tatvorgeh en) nicht ausgeschlossen. Sie hat sich aber immer am Mass des der konkreten Tat immanenten Verschuldens zu orientieren. Eine gemeinsame Bewertung unterschiedlicher Taten widersprich t der Gesamtstrafenbildung nach dem Asperationsprinzip (BGer 6B_998/2019 vom 20. Novemb er 2020 E. 4.2.4). Auch nach der neuesten Rechtsprechung darf eine Gesamtfreiheitsstrafe au sgesprochen werden, wenn viele Einzeltaten zeitlich sowie sachlich eng miteinander verk nüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der in einem engen Zusammenhang stehenden Delikte geeignet ist, in genügendem Masse präventiv auf den Täter einzuwirken (BGer 6B_93/ 2022 vom 24. November 2022 E. 1.3.5). k) Gelangt das Gericht nach der sogenannten konkreten M ethode im Rahmen der Strafzu- messung bei der Festsetzung selbstständiger Einzelstrafen für den einzelnen Gesetzesverstoss auf 180 Strafeinheiten oder weniger, ist ausser einer Freiheitsstrafe auch die Ausfällung einer Geldstrafe möglich (Art. 34 Abs. 1 StGB). Mit der Be stimmung von Art. 41 StGB hat der Ge- setzgeber für Strafen unter sechs Monaten eine gesetzlich e Prioritätsordnung zu Gunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen eingeführt (G ORAN MAZZUCCHELLI , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 36a zu Art. 4 1 StGB, mit Hinweisen; BGE 137 IV 312 E. 2.4; 134 IV 97 E. 4.2.2; 134 IV 82 E. 4.1). So ka nn das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe nur erkennen, wenn eine solche geb oten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten , oder wenn eine Geldstrafe voraus- sichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 lit. a und lit. b StGB). Mithin ist die Wahl der Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe näher zu begründen (Art. 41 Abs. 2 StGB). Vorbe- halten bleibt die Freiheitsstrafe anstelle einer nicht bezahlten Geldstrafe (Art. 41 Abs. 3 StGB). Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtigstes Kriteri um die Zweckmässigkeit einer bestimm- ten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2; 134 IV 82 E. 4.1). l) Nach der Festlegung der hypothetischen Gesamtstrafe(n) für sämtliche Delikte sind schliesslich die Täterkomponenten zu berücksichtigen. Bei de r Bestimmung der Täterkompo- nenten kann es sich rechtfertigen, die einzelnen Aspekte g esamthaft für sämtliche begangenen Taten zu würdigen, sofern diese für alle Delikte in gl eicher oder vergleichbarer Weise Geltung Seite 46 http://www.bl.ch/kantonsgericht beanspruchen (BGer 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1; 6B_496/2011 vom 19. November 2021 E. 4.2). Die Täterkomponenten umfa ssen die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren, insbesondere Reue und Einsicht oder ein Geständnis (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 92 ff. zu Art. 47 StGB). m) Laut Art. 106 StGB ist der Höchstbetrag der Busse CH F 10'000.-- (Abs. 1). Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, spricht das Ge richt im Urteil eine Ersatzfreiheits- strafe von mindestens einem Tag und höchstens drei Mona ten aus (Abs. 2). Das Gericht be- misst Busse und Ersatzfreiheitsstrafe je nach den Verhäl tnissen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Abs. 3). 9.2 Konkrete Erwägungen a) Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung bringt der Beschu ldigte vor, er sei für die von ihm zugestandenen Delikte mit einer bedingten Geldstra fe (in nicht definierter Höhe) zu sankti- onieren. Demgegenüber begehrt die Staatsanwaltschaft d ie Verhängung einer unbedingten Freiheitsstrafe von achteinhalb Monaten sowie die Ano rdnung einer ebenfalls unbedingten Geldstrafe (im vom Vorderrichter festgelegten Umfang). b) In casu ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte in Berücksichtigung der nicht angefoch- tenen Schuldsprüche gemäss dem Urteil des Strafgerichtspr äsidiums vom 17. Januar 2023 so- wie gestützt auf die mit vorliegendem Urteil bestätigt en Verurteilungen wegen Fahrens in fahr- unfähigem Zustand, mehrfacher Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfä- higkeit durch Motorfahrzeugführer, Hinderung einer Amtshandlung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Drohung, Nötigung, Tätlichkeiten , Sachbeschädigung, übler Nachrede sowie Missachtens des Fahrverbots für Motorfahrzeuge auf Ra d- und Fusswegen schuldig zu sprechen und entsprechend zu bestrafen ist. Die Deliktsme hrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmens, ist aber innerhalb des ordentlichen Rah- mens strafschärfend zu gewichten. c) Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kanton sgericht zunächst den Straf- rahmen nach der abstrakt schwerwiegendsten Straftat zu bestimmen. Vorliegend weisen die Seite 47 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tatbestände des Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG), der (mehrfa- chen) Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahr unfähigkeit durch Motorfahrzeug- führer (Art. 91a Abs. 1 SVG), der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), der Drohung (Art. 180 Abs. 1 StGB), d er Nötigung (Art. 181 StGB) sowie der Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) den nämlichen a bstrakten Strafrahmen ‒ Freiheits- strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe (von mindestens drei und höchstens 180 Tagessätzen [Art. 34 Abs. 1 StGB]) ‒ auf. Demgegenüber ist für den Tatbestand der üblen Nachrede (Art. 173 Ziff. 1 StGB) bloss die Verhängung einer Ge ldstrafe möglich, für denjenigen der Hin- derung einer Amtshandlung (Art. 286 StGB) kommt nur eine Geldstrafe bis maximal 30 Ta- gessätze in Frage, und die Tatbestände der Tätlichkeite n (Art. 126 Abs. 1 StGB) sowie des Missachtens des Fahrverbots für Motorfahrzeuge auf Rad- und Fusswegen (Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG) sehen als Sanktionsrahmen led iglich eine Busse in der Höhe von maximal CHF 10'000.-- (Art. 106 Abs. 1 StGB) vor. Unter Berücksichtigung aller relevanten Fak- toren ist, wie dies bereits die Vorinstanz festgestellt h at, in concreto das Fahren in fahrunfähi- gem Zustand als das schwerwiegendste Delikt zu erachten, we shalb für diese Straftat eine Ein- satzstrafe festzusetzen ist. d) Bei der Festlegung der Einsatzstrafe für den Tatbestan d des Fahrens in fahrunfähigem Zustand ist auf der Seite der objektiven Tatkomponente n zu Ungunsten des Beschuldigten zu würdigen, dass dieser mehrere Kilometer und damit eine relativ lange Strecke, davon einen nicht unbeachtlichen Teil auf der kantonalen Autobahn A22, auf welcher entsprechend hohe Geschwindigkeiten vorherrschen, gefahren ist, womit eine erhöhte Gefährdung anderer Ver- kehrsteilnehmer einhergegangen ist. Hinzu kommt, dass es anlässlich dieser Fahrt erwiese- nermassen zunächst zu einer gefährlichen Annäherung an e in anderes Fahrzeug gekommen ist, bevor der Beschuldigte einen Unfall verursacht hat . Dass es bei diesem Unfall ausschliess- lich bei Sachschaden geblieben ist, ist lediglich dem Zuf all zu verdanken und nicht dem Be- schuldigten positiv anzurechnen. Vielmehr ist diesem ersc hwerend anzulasten, dass er durch sein Verhalten drei Mitfahrer erheblich an deren Gesu ndheit gefährdet hat. In Anbetracht hier- von ist die objektive Tatschwere nach Dafürhalten des Kanto nsgerichts als nicht mehr leicht einzustufen. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten vorzuwerfen, dass er zumindest eventualvorsätzlich gehandelt hat, was allerdings in concre to neutral zu gewichten ist, weshalb die subjektive Schwere der Tat das objektive Tatverschulden nicht relativiert. Infolgedessen ist das Tatverschulden bezüglich des vorliegenden Anklagep unktes als nicht mehr leicht zu wer- Seite 48 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten, was unter Beachtung des abstrakten Strafrahmens zu einer Einsatzstrafe von 120 Strafein- heiten führt. In Bezug auf die Wahl der Sanktionsart ist festzustellen, dass bei diesem Straf- mass theoretisch die Verhängung einer Geldstrafe möglich wäre. Angesichts der zahlreichen und in Bezug auf Strassenverkehrsdelikte teilweise einsch lägigen Vorstrafen sowie des Um- standes, dass der Beschuldigte bereits eine teilbedingt vollziehbare Freiheitsstrafe von zweiein- halb Jahren ‒ mit einem unbedingten Anteil von sechs Monaten und einer ausgestandenen Un- tersuchungshaft von 101 Tagen ‒ zu gewärtigen hatte, dies ihn aber offensichtlich nicht vor wei- terer mehrfacher Delinquenz bewahrt hat (vgl. hierzu u nten lit. l/bb), was als eigentliche Mani- festation der Unbelehrbarkeit des Beschuldigten zu betra chten ist, kommt allerdings in casu, nachdem bei der Wahl der Sanktionsart als wichtigstes ( aber nicht ausschliessliches) Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirku ngen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berück sichtigen ist, bei der vorliegend zu beurteilenden Tathandlung als schuldangemessene Sanktion fraglos nur eine Freiheitsstrafe in Betracht. Im Resultat ist damit für das Fahren in fahru nfähigem Zustand eine hypothetische Einsatzstrafe von vier Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. e) Bei der Ermittlung der Einzelstrafe für den Tatbesta nd der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte ist in Bezug auf die objektive Tatsc hwere zu erwägen, dass der Be- schuldigte das ihm vorwerfbare Verhalten im Rahmen eine r Personen- und Verkehrskontrolle am 27. Juli 2019 in Z2.____ gegenüber einem Polizeib eamten, mithin einem besonders expo- nierten Amtsträger, begangen hat, welcher im Umgang m it schwierigen Klienten geschult ist und sich notfalls auch mit der Anwendung von verhältnismä ssiger Gewalt zur Wehr setzen könnte. Ausserdem hat der Beschuldigte den Betroffenen lediglich einmal verbal bedroht und das Ziel seiner Aggression ist gewesen, dass dieser einen gr össeren räumlichen Abstand zu ihm einnimmt. Gestützt hierauf ist die objektive Tatschw ere noch als leicht zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten ein direktvorsätzli ches Vorgehen anzulasten, was aber neutral zu gewichten ist, womit die subjektive Schwe re der Tat keinen Einfluss auf das objektive Tatverschulden zeitigt. In Gewichtung aller ve rschuldensrelevanten Faktoren resultiert für diesen Anklagepunkt eine Einzelstrafe von 45 Strafe inheiten. Angesichts der Höhe dieser Einzelstrafe wäre als Strafart wiederum eine Geldstraf e möglich. Allerdings steht unter Berück- sichtigung der vorstehend definierten präventiven Effizien z abermals ohne Zweifel fest, dass in concreto ebenfalls eine schuldangemessene Freiheitsstrafe zu verhängen ist. Demnach ist für den Tatbestand der Gewalt und Drohung gegen Behörde n und Beamte eine hypothetische Ein- Seite 49 http://www.bl.ch/kantonsgericht zelstrafe von eineinhalb Monaten Freiheitsstrafe anzuordnen. Angesichts der Gleichartigkeit der beiden Strafen sowie unter Beachtung des engen zeitliche n, sachlichen und situativen Zusam- menhangs der einzelnen Delikte untereinander ist die hypothetische Einsatzstrafe von vier Mo- naten Freiheitsstrafe um einen Monat Freiheitsstrafe zu asperieren. f) Bei der Festsetzung der Einzelstrafen für den Vorwur f der mehrfachen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die zu bewertenden Tathandlungen teilweise in einem äusserst engen Konnex zueinander stehen, sind doch zwei der drei strafbaren Handlungen zum näml ichen Zeitpunkt begangen worden. In Bewertung der jeweiligen objektiven Tatschwere ist zu ve ranschlagen, dass sich der Beschul- digte erstens nach dem Unfall in H.____ am 8. Septemb er 2018 einer zu erwartenden Mass- nahme durch Flucht entzogen und zweitens anlässlich einer Personen- und Verkehrskontrolle in Z2.____ am 27. Juli 2019 zweimal einer tatsächlich an geordneten und ihm kommunizierten Massnahme widersetzt bzw. ebenfalls durch Flucht entzogen hat, wobei letztere beiden Fälle einen leicht höheren Unrechtsgehalt beinhalten. Trotz d es leicht unterschiedlichen Unrechtsge- halts ist die objektive Tatschwere in allen Fällen als leicht einzustufen. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten jeweils ein direktvorsätzliches Vorgeh en vorzuwerfen, was aber neutral zu gewichten ist, womit die subjektive Schwere der Tat jewe ils keinen Einfluss auf das objektive Tatverschulden hat. Als Strafart kommt unter Berücksichtig ung der vorstehend definierten prä- ventiven Effizienz wiederum nur eine Freiheitsstrafe i n Betracht. In Anwendung des Asperati- onsprinzips ergibt dies ‒ bei hypothetischen Einzelstrafen von 15 Strafeinheiten für den ersten Fall sowie 30 und 20 Strafeinheiten für die beiden a nderen Fälle ‒ für die mehrfache Tatbege- hung im Ergebnis eine weitere Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe um 45 Strafeinheiten bzw. eineinhalb Monate Freiheitsstrafe. g) Bei der Bestimmung der Einzelstrafen für die Vorwür fe der Nötigung, Drohung und Sach- beschädigung zum Nachteil von B.____ ist wiederum zu konstatieren, dass die zu bewertenden Tathandlungen in einem äusserst engen Konnex zueinande r stehen, nachdem die strafbaren Handlungen zum nämlichen Zeitpunkt im Verlaufe einer einzelnen Auseinandersetzung began- gen worden sind. In Bewertung der jeweiligen objektiven Tatschwere ist zu veranschlagen, dass der Beschuldigte am 8. April 2020 zuerst durch Blockieren der den Fussgängern und Radfah- rern vorbehaltenen Strasse mittels seines Motorfahrzeug es den mit seinem Fahrrad unterwegs gewesenen Betroffenen zum Anhalten genötigt hat, ihn danach durch äusserst aggressives Seite 50 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auftreten im dem Sinne bedroht hat, als er ihm angekündigt hat, im Falle der Anzeigeerstattung dessen Wohnadresse zu erfahren, wodurch er ihm ein künf tiges Übel in Aussicht gestellt hat, sowie dass er zu guter Letzt dessen Fahrrad durch den Wurf in ein angrenzendes Feld beschä- digt hat, wobei der entstandene Schaden von rund CHF 1 20.-- relativ geringfügig ausgefallen ist. Gestützt hierauf ist die objektive Tatschwere in all en Fällen als leicht einzustufen. In subjek- tiver Hinsicht ist dem Beschuldigten jeweils ein direktvors ätzliches Vorgehen vorzuwerfen, was aber neutral zu gewichten ist, womit die subjektive Sch were der Tat jeweils keinen Einfluss auf das objektive Tatverschulden hat. Als Strafart kommt un ter Berücksichtigung der vorstehend definierten präventiven Effizienz wiederum nur eine Fr eiheitsstrafe in Betracht. In Anwendung des Asperationsprinzips ergibt dies ‒ bei hypothetischen Einzelstrafen von zwölf Strafeinheit en für die Nötigung, 15 Strafeinheiten für die Drohung sowie 13 Strafeinheiten für die Sachbeschä- digung ‒ im Ergebnis eine weitere Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe um 30 Strafein- heiten bzw. einen Monat Freiheitsstrafe. Hieraus folgt im Resultat für alle mit einer Freiheitsstra- fe zu sanktionierenden Delikte zusammen eine tatbezogene hypothetische Gesamtfreiheitsstra- fe von siebeneinhalb Monaten. h) Im Rahmen der Bestimmung der Einzelstrafe für den Vor wurf der üblen Nachrede ist zu erwägen, dass dem Beschuldigten zur Last zu legen ist, in einem Schreiben vom 18. April 2020 an die Polizei Basel-Landschaft dem Betroffenen unterst ellt zu haben, kein erfüllendes Sexual- leben mehr zu haben und den daraus resultierenden Fru st an seinen Mitmenschen abzureagie- ren. So verletzend eine solche Unterstellung für den Betroffenen sein mag, beinhaltet sie objek- tiv betrachtet doch nur einen relativ geringfügigen An griff auf die Ehre, weshalb die objektive Tatschwere als leicht zu qualifizieren ist. Subjektiv ist dem Beschuldigten ein direktvorsätzliches Handeln anzulasten, was allerdings wiederum keine Auswi rkung auf das objektive Tatverschul- den hat. Dies führt ‒ nachdem als Sanktion bloss die Verhängung einer Geldstrafe möglich ist ‒ zu einer bei den Geldstrafen als Einsatzstrafe zu definierende hypothetische Sanktion von zehn Tagessätzen. i) Bei der Ermittlung der Einzelstrafe für den Vorwurf der Hinderung einer Amtshandlung ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte anlässlich der Per sonen- und Verkehrskontrolle am 27. Juli 2019 in Z2.____ nicht bloss den Tatbestand d er Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie denjenigen der (mehrfachen) Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit erfüllt hat, sondern aufgrund seiner Flucht vor der Polizei auch noch wegen Seite 51 http://www.bl.ch/kantonsgericht des eingangs erwähnten Vorwurfs zu verurteilen ist. Al lerdings wird der Unrechtsgehalt des vorliegend zu beurteilenden Delikts massgeblich bereits du rch die gestützt auf den Tatbestand der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte erfolgende Strafe abgegolten, womit die objektive Tatschwere ‒ zumal das fragliche Delikt nahe bei einer straflosen Sel bstbegünstigung zu verorten ist ‒ als sehr leicht zu werten ist, worauf auch die direktvor sätzliche Begehungswei- se, mithin das subjektive Tatverschulden, keinen Einfluss h at. Dies ergibt eine hypothetische Einzelstrafe von vier Tagessätzen Geldstrafe bzw. unter B erücksichtigung des Asperationsprin- zips eine Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe um d rei Tagessätze Geldstrafe, was im Ergebnis für alle Delikte, welche mit einer Geldstrafe zu sanktionieren sind, zu einer tatbezoge- nen hypothetischen Gesamtgeldstrafe von 13 Tagessätzen führt. j) Zu sanktionieren sind sodann die Tätlichkeiten und das Missachten des Fahrverbotes für Motorfahrzeuge auf Rad- und Fusswegen, welche jeweils Übertretungen darstellen und als Fol- ge davon nur mit einer Busse bestraft werden können. H iervon stellt der Tatbestand der Tät- lichkeiten das schwerwiegendere Delikt dar, weshalb hier für eine Einsatzstrafe festzulegen ist. Diesbezüglich steht fest, dass der Beschuldigte den Bet roffenen anlässlich des Vorfalls vom 8. April 2020 nicht nur genötigt, bedroht und dessen Fahrrad beschädigt hat, sondern diesen darüber hinaus geschubst und dadurch zu Fall gebracht h at, ohne dass sich jedoch hierdurch Verletzungsfolgen ergeben hätten. In Anbetracht hie rvon ist die objektive Tatschwere als leicht zu werten, worauf die subjektive Schwere der Tat keinen Einfluss hat. Gestützt hierauf ist unter Beachtung des abstrakten Strafrahmens sowie der ebenfalls in die Bemessung einfliessenden finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten (Art. 106 Ab s. 3 StGB) eine hypothetische Einsatz- strafe in Form der Busse in der Höhe von CHF 350.-- festzulegen. k) Diese hypothetische Einsatzstrafe ist für das Missachten des Fahrverbotes für Motorfahr- zeuge auf Rad- und Fusswegen in Anwendung von Ziffer 3 04 der Ordnungsbussenverordnung um den Betrag von CHF 100.-- zu erhöhen, woraus eine tatbezogene hypothetische Gesamt- busse von CHF 450.-- resultiert. l) aa) In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob diese tat bezogenen hypothetischen Gesamt- strafen aufgrund der besonderen Täterkomponenten ‒ umfassend die Faktoren Vorleben, per- sönliche Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren ‒ anzupassen sind. In Seite 52 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesem Zusammenhang ist zu erwägen, dass der Beschuldigt e am 1.____ in Z1.____ geboren und zusammen mit seinem Bruder bei seiner Familie auf gewachsen ist. Nach der obligatori- schen Schule hat er eine kaufmännische Ausbildung absolvi ert und arbeitet heute im Bereich der Immobilienvermittlung bzw. -verwaltung. Der Beschuldigte ist nicht verheiratet und hat keine Kinder, lebt aber nach seinen Darlegungen in einer f esten Beziehung. Gemäss seinen Aussa- gen hat er im Jahre 2022 aus Mieteinnahmen gesamthaft rund CHF 300'000.-- verdient. Schul- den sind zwar ausgewiesen, stehen aber offenbar in Form von Hypotheken überwiegend im Zusammenhang mit den dem Beschuldigten gehörenden Lie genschaften. Hinsichtlich des Ge- sundheitszustandes des Beschuldigten liegen keine gesichert en Umstände vor, welche Anlass zu besonderen Bemerkungen geben würden. Eine erhöhte S trafempfindlichkeit ist ebenfalls nicht zu erkennen. Dies alles ist soweit neutral zu werten. bb) Was hingegen, neben den wiederholten Entzügen des Füh rerausweises, negativ ins Ge- wicht fällt, ist die Tatsache, dass der Beschuldigte mehr fach vorbestraft ist. So ist er mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 29. Oktober 2013 w egen einfacher und qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfa cher falscher Anschuldigung, Verei- telung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigke it durch Motorfahrzeugführer, gro- ber Verletzung der Verkehrsregeln sowie pflichtwidrig em Verhalten bei Unfall zu einer teilbe- dingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahr en ‒ mit einem unbedingten Anteil von sechs Monaten, einer Probezeit von zwei Jahren für den b edingten Anteil sowie unter Anrech- nung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 101 Tage n ‒ und einer Busse von CHF 500.-- verurteilt worden. Ausserdem ist er mit Urt eil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 18. Oktober 2017 wegen Beschimpfung zu einer bedin gt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu jeweils CHF 30.--, bei einer Probezeit v on zwei Jahren, verurteilt worden. Die Tatsachen, dass der Beschuldigte mehrfach und teilweise einschlägig vorbestraft ist sowie dass er die in casu zu beurteilenden Delikte (teilweise) inn erhalb der Probezeit der Verurteilung vom 18. Oktober 2017 begangen hat, sind ‒ zumal ihm überdies anzulasten ist, während des bereits laufenden Strafverfahrens (wegen der am 8. September 2018 in H.____ und am 27. Juli 2019 in Z2.____ verübten Taten) mit Datum vom 8. April 2020 (Vorfall in Z3.____) sowie vom 18. April 2020 (schriftliche Stellungnahme) weiter delinquiert zu haben ‒ als Ausdruck einer offensichtli- chen Unbelehrbarkeit und Gleichgültigkeit gegenüber fremden Rechtsgütern straferhöhend zu berücksichtigen. Seite 53 http://www.bl.ch/kantonsgericht cc) In Anbetracht dieser Erwägungen erweisen sich aufgrun d der besonderen Täterkompo- nenten die folgenden Erhöhungen der jeweiligen tatb ezogenen hypothetischen Gesamtstrafen als angezeigt: bei der Freiheitsstrafe um einen Monat auf insgesamt achteinhalb Monate, bei der Geldstrafe um zwei Tagessätze auf total 15 Tagessätze u nd bei der Busse um CHF 50.-- auf nunmehr CHF 500.--. m) aa) Zu prüfen ist sodann, ob tat- und täterunabhängige Strafzumessungsfaktoren (Zeitablauf gemäss Art. 48 lit. e StGB; Verletzung des Beschleunig ungsgebotes nach Art. 5 StPO) zu be- rücksichtigen sind. Gemäss der Strafzumessungsregel von Art. 48 lit. e StGB mildert das Ge- richt die Strafe, wenn das Strafbedürfnis in Anbetrach t der seit der Tat verstrichenen Zeit deut- lich vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit woh l verhalten hat. Der Strafmilderungs- grund infolge langen Zeitablaufs im Sinne von Art. 48 lit. e StGB ist in jedem Fall zu berücksich- tigen, wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrich en sind (BGE 140 IV 145 E. 3.1; BGer 6B_56/2017 vom 19. April 2017 E. 3.1). Für die Bere chnung ist der Zeitpunkt des Sachurteils massgebend (BGE 140 IV 145 E. 3.1; 132 IV 1 E. 6.2.1; BGer 6B_1074/2020 vom 3. Februar 2021 E. 3.2). Nach Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB verjähr t die Strafverfolgung in zehn Jahren, wenn die für die Tat angedrohte Höchststrafe eine Freiheit sstrafe von drei Jahren ist. Gestützt auf Art. 97 Abs. 1 lit. d StGB beträgt die Strafverfolgu ngsverjährungsfrist bei den übrigen Delikten sieben Jahre. Nachdem sich die im vorliegenden Verfahren zu sanktionierenden Delikte am 8. September 2018 (Fahren in fahrunfähigem Zustand u nd Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeugführer), am 27. Juli 2019 (mehrfache Ver- eitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähi gkeit durch Motorfahrzeugführer, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie H inderung einer Amtshandlung), am 8. April 2020 (Nötigung, Drohung, Sachbeschädigung, T ätlichkeiten und Missachten des Fahr- verbots für Motorfahrzeuge auf Rad- und Fusswegen) sowie am 18. April 2020 (üble Nachrede) zugetragen haben, steht fest, dass der Strafmilderungsgru nd von Art. 48 lit. e StGB nicht an- wendbar ist. Unter diesem Titel ist daher keine Redukti on der tat- und täterbezogenen hypothe- tischen Gesamtstrafen angezeigt. bb) Das Beschleunigungsgebot (Art. 5 StPO, Art. 29 Abs. 1 B V und Art. 6 Ziff. 1 EMRK) ver- pflichtet die Behörden, das Strafverfahren voranzutre iben, um die beschuldigte Person nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Es gilt für das ganze Seite 54 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahren. Welche Verfahrensdauer angemessen ist, häng t praxisgemäss (vgl. zum Ganzen BGer 6B_1168/2020 vom 11. Oktober 2022 E. 2.4.2) von den konkreten Umständen ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Kriterien bilden etwa die Schwere des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die gebotenen Untersuchungshandlungen, die Schwierigkeit und Dringlichkeit der Sache, das Verhalten der Behörden un d dasjenige der beschuldigten Person sowie die Zumutbarkeit für diese. Es ist im Sinne eine r Gesamtbetrachtung zu prüfen, ob die Strafbehörden das Verfahren innert angemessener Frist g eführt haben. Als krasse Zeitlücke, welche eine Sanktion aufdrängt, gilt etwa eine Untäti gkeit von 13 oder 14 Monaten im Stadium der Untersuchung, eine Frist von vier Jahren für den Ent scheid über eine Beschwerde gegen eine Anklagehandlung oder eine Frist von zehn oder elfe inhalb Monaten für die Weiterleitung eines Falles an die Beschwerdeinstanz (BGE 143 IV 49 E. 1.8.2; 143 IV 373 E. 1.3.1; 133 IV 158 E. 8; BGer 6B_441/2019 vom 12. September 2019 E. 3.1; 6B_175/2018 vom 23. November 2018 E. 2.2; je mit Hinweisen). Eine Verletzung des B eschleunigungsgebots führt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu einer Strafreduktion, zu einer Strafbefreiung bei gleich- zeitiger Schuldigsprechung oder in extremen Fällen ‒ als ultima ratio ‒ zur Einstellung des Ver- fahrens (BGE 143 IV 49 E. 1.8.2; 133 IV 158 E. 8, mit Hinweisen). In casu ist festzustellen, dass in Bezug auf die vorzunehmende Gesamtbetrachtung in Beachtung der Schwere der Tatvorwür- fe sowie der Komplexität und der Erheblichkeit des Sachverhaltes namentlich unter Berücksich- tigung der Tatsache, wonach die Staatsanwaltschaft aufgrund der fortgesetzten Delinquenz des Beschuldigten insgesamt drei sich ergänzende Anklageschrif ten hat verfassen müssen, welche alle im gleichen Verfahren zu behandeln gewesen sind, keine unangemessene Verfahrensver- zögerung zu erkennen ist. Gleichermassen sind auch betref fend die einzelnen Verfahrensab- schnitte keine krassen, eine Sanktion rechtfertigende Zeit lücken ersichtlich (erste Delikte am 8. September 2018 und am 27. Juli 2019, enthalten i n der Anklageschrift vom 21. Juli 2020; Delikte vom 8. April 2020 und 18. April 2020, aufgef ührt in der Zusatzanklageschrift 1 vom 15. Juni 2022; weitere Vorwürfe aus dem Zeitraum zwisch en dem 8. September 2018 und dem 4. Juni 2020, Gegenstand der Zusatzanklageschrift 2 vom 15. Juni 2022; Mandatsniederlegung des Wahlverteidigers am 4. September 2020; Mandatsnie derlegung des neuen Wahlverteidi- gers am 14. Mai 2021; Abbietung der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht vom 19. Mai 2021 mittels Verfügung vom 17. Mai 2021; Verfügung der Sta atsanwaltschaft betreffend Verfah- renstrennung vom 26. Juli 2021; neuerliche Abbietung d er Hauptverhandlung vor dem Strafge- richt vom 6. September 2021 mittels Verfügung vom 26. A ugust 2021; Aufhebung der Verfü- gung der Staatsanwaltschaft betreffend Verfahrenstrenn ung vom 26. Juli 2021 mittels Be- Seite 55 http://www.bl.ch/kantonsgericht schluss des Kantonsgerichts vom 11. Januar 2022; neuerlich e Vorladung vom 24. August 2022 zur Parteiverhandlung am 16. Januar 2023; Verhandlung vor dem Strafgerichtspräsidium am 16. und 17. Januar 2023 sowie schliesslich Hauptverhandl ung vor dem Kantonsgericht am 30. Oktober 2023). Demnach liegt kein Verstoss gegen da s Beschleunigungsgebot und folglich auch keine Verletzung des Rechts des Beschuldigten auf ein faires Verfahren nach Art. 6 Abs. 1 EMRK vor. Infolgedessen führt auch dieser Aspekt ni cht zu einer Reduktion der tat- und täterbezogenen hypothetischen Gesamtstrafen. n) Gemäss den vorstehenden Erwägungen erweisen sich in Würd igung sämtlicher Tat- und Täterkomponenten sowie der tat- und täterunabhängige n Strafzumessungsfaktoren eine Ge- samtfreiheitsstrafe von achteinhalb Monaten, eine Gesamtgeldstrafe von 15 Tagessätzen sowie eine Gesamtbusse in der Höhe von CHF 500.-- als angemesse n. Die Höhe des einzelnen Ta- gessatzes ist gestützt auf das vom Beschuldigten im vorliegenden Verfahren ausgewiesene und nicht bestrittene Einkommen von rund CHF 300'000.-- pro Jahr auf einen Betrag von CHF 660.-- festzusetzen. o) Bei diesem Strafmass ist ‒ abgesehen von der Busse (vgl. Art. 105 Abs. 1 StGB) ‒ der bedingte Strafvollzug nach Art. 42 Abs. 1 StGB grund sätzlich möglich. Diesbezüglich bestimmt die entsprechende Norm, dass das Gericht den Vollzug ein er Geldstrafe oder einer Freiheits- strafe von höchstens zwei Jahren in der Regel aufschiebt, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung we iterer Verbrechen oder Vergehen ab- zuhalten. Bei Kumulation von ungleichartigen Strafen ist jede Strafe für sich zu betrachten. Für die Vollzugsfrage ist damit nicht auf die sich aus Fre iheitsstrafe und Geldstrafe zusammenset- zende Gesamtdauer abzustellen. Zu beachten ist in casu allerdings auch Abs. 2 von Art. 42 StGB. Danach ist der Aufschub, wenn der Täter innerha lb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von m ehr als sechs Monaten verurteilt wurde, nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen. Die Prüfung der Bewährungsaus- sichten des Täters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzuneh- men. In die Beurteilung einzufliessen haben neben de n Tatumständen das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Sc hlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Die persönli chen Verhältnisse sind bis zum Zeitpunkt des Entscheids, also bis zum Urteilsdatum, mit einzubeziehen (ROLAND M. SCHNEIDER / ROY GARRÉ , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Ba sel 2019, N 1 und N 46 zu Seite 56 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 42 StGB, mit zahlreichen Hinweisen). In casu ist zun ächst festzustellen, dass der Beschul- digte mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 29. Oktober 2013 wegen einfacher und qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmitte lgesetz, mehrfacher falscher Anschul- digung, Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahr- zeugführer, grober Verletzung der Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigem Verhalten bei Unfall zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von zwe ieinhalb Jahren ‒ mit einem unbedingten Anteil von sechs Monaten, einer Probezeit von zwei Jahren für den bedingten Anteil sowie unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 10 1 Tagen ‒ und einer Busse von CHF 500.-- verurteilt worden ist. Innerhalb der Fünfjahresfrist bis zum 29. Oktober 2018 ‒ konk- ret am 8. September 2018 ‒ hat der Beschuldigte wiederum delinquiert, indem er mit seinem strafbaren Verhalten die Tatbestände des Fahrens in fahrunfähigem Zustand sowie der Vereite- lung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkei t durch Motorfahrzeugführer gemäss Ziffer 1 der Anklageschrift vom 21. Juli 2020 erfüllt hat. Gestützt auf diesen Fakt müssen in casu besonders günstige Umstände vorliegen, damit ein be dingter Vollzug möglich ist. Dies ist nach Dafürhalten des Kantonsgerichts in Würdigung aller relevanten Faktoren im Sinne des Gesetzes zu bejahen. So ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte zwar (teilweise einschlägig) vorbestraft ist, sich der massgebliche Teil der Vorstrafe aber auf einen Begehungszeitraum zwi- schen Juli 2006 und Januar 2008 und somit auf einen Zei tpunkt bezieht, welcher über 15 Jahre in der Vergangenheit liegt. Selbst das zeitlich am wen igsten zurückliegende Delikt hat im Okto- ber 2011 stattgefunden und datiert damit vor zwölf Ja hren. In dieser Zeit hat sich der Beschul- digte, abgesehen von einer im September 2016 erfolgt en Beschimpfung, welche allerdings als Bagatelle zu bezeichnen ist, nichts mehr zu Schulde komme n lassen. Entscheidend ist sodann, dass der Beschuldigte mittlerweile eine gefestigte Lebe ns- bzw. Familienplanung präsentiert und durch seine berufliche Tätigkeit ein überdurchschni ttlich hohes Einkommen generiert, wel- che beide zusammen auf ein zukünftiges Wohlverhalten sc hliessen lassen. Ausserdem ist dem Beschuldigten in dem Sinne eine gewisse Einsicht in sei n Fehlverhalten anzurechnen, als er in Bezug auf die strafbaren Handlungen zum Nachteil von B .____ ein Geständnis abgelegt hat. Demnach ist dem Beschuldigten gestützt auf die im Erge bnis gute Legalprognose (berücksich- tigend auch das Damoklesschwert der im Raume stehenden F reiheitsstrafe) der bedingte Voll- zug sowohl der Freiheits- als auch der Geldstrafe zu ge währen. Aus spezialpräventiven Ge- sichtspunkten ist allerdings die Probezeit auf jeweils vier Jahre zu erhöhen. Ausserdem ist dem Beschuldigten klar zu machen, dass im Falle einer erneut en Deliktsverübung eine weitere be- dingte Strafe kaum mehr zu rechtfertigen wäre. Seite 57 http://www.bl.ch/kantonsgericht p) Zusammenfassend ist somit der Beschuldigte des Fahrens i n fahrunfähigem Zustand, der mehrfachen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung de r Fahrunfähigkeit durch Motor- fahrzeugführer, der Hinderung einer Amtshandlung, d er Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, der Drohung, der Nötigung, der Tätlichkei ten, der Sachbeschädigung, der üblen Nachrede sowie des Missachtens des Fahrverbots für Motorfah rzeuge auf Rad- und Fusswe- gen schuldig zu erklären und zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von achteinhalb Mo- naten, bei einer Probezeit von vier Jahren, zu einer be dingt vollziehbaren Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu jeweils CHF 660.--, bei einer Probezeit vo n vier Jahren, sowie zu einer Busse in der Höhe von CHF 500.-- zu verurteilen. Im Falle der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist gestützt auf Art. 106 Abs. 2 StGB eine Ersatzfreiheitsstrafe von fünf Tagen festzulegen. 10. Kostenfolge 10.1 Kantonsgericht a) Nach Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Ko sten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Bei vorli egendem Verfahrensausgang ‒ indem die Berufung des Beschuldigten vollumfänglich ab zuweisen und die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft insofern teilweise gutzuheissen i st, als der Beschuldigte neu zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von achteinhalb Monaten zu verurteilen ist ‒ rechtfertigt es sich, die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in d er Höhe von CHF 9'250.-- (beinhal- tend eine Gebühr von CHF 9'000.-- [sechs Stunden Verha ndlung zu jeweils CHF 1'500.--/h] sowie pauschale Auslagen von CHF 250.--) im Umfang von neun Zehnteln (= CHF 8'325.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umfang von einem Zehnte l (= CHF 925.--) zu Lasten des Staates zu verteilen. b) In Bezug auf die ausserordentlichen Kosten ist zu erkenn en, dass dem Beschuldigten für die Aufwendungen seines Wahlverteidigers im Umfang von 1 0 % eine reduzierte Parteient- schädigung zu Lasten des Staates auszurichten ist, basierend auf der Honorarnote vom 29. Oktober 2023 und berücksichtigend einen Stundenansat z von CHF 230.--, woraus ein Be- Seite 58 http://www.bl.ch/kantonsgericht trag in der Höhe von CHF 525.70 (inklusive Hauptverhand lung, Weg, Nachbesprechung, Aus- lagen und Mehrwertsteuer) resultiert. 10.2 Strafgericht Nachdem die Berufung des Beschuldigten im kantonsgerichtlichen Verfahren im Hinblick auf die zur Anklage gebrachten Sachverhalte und die daraus resultierenden Verurteilungen vollumfäng- lich abgewiesen wird, besteht schliesslich keine Veranlassung, an der erstinstanzlichen Kosten- verteilung eine Änderung vorzunehmen. Namentlich hat d er Beschuldigte keinen Anspruch auf Entschädigung seiner Aufwendungen für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte für das vorinstanzliche Verfahren im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO, wie er dies in seiner Berufung hinsichtlich der von ihm begehrten Parteient schädigung im Umfang von neun Zehn- teln beantragt hat. Seite 59 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Land schaft vom 17. Januar 2023, auszugsweise lautend: "1.1 1. C.____ wird schuldig erklärt des Fahrens in fahrunfäh igem Zustand, der mehrfachen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeugführer, der Hinderung einer Amtshandlung, der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, der Drohung, der Nötigung, der Tätlich- keiten, der Sachbeschädigung, der üblen Nachrede sowie des Missachtens des Fahrverbots für Motorfahrzeuge auf Rad- u nd Fusswegen und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 7 ½ Mon aten (ohne Verletzung des Beschleunigungsgebots würde die Fr ei- heitsstrafe 8 ½ Monate betragen), bei einer Probezeit von 4 Jahren, einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 15 Tagessätze n zu Fr. 660.--, bei einer Probezeit von 4 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 500.--, bei schuldhaftem Nichtbezahlen tritt an deren Stelle eine Ersatz- freiheitsstrafe von 5 Tagen, in Anwendung von Art. 126 Abs. 1 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 173 Ziff. 1 StGB, Art. 180 Abs. 1 StGB, Art. 1 81 StGB, Art. 285 Ziff. 1 StGB, Art. 286 StGB, Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG, Art. 91a Abs. 1 SVG, Art. 34 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art . 106 StGB sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK. 2. C.____ wird von den Vorwürfen der mehrfachen einfac hen Verletzung der Verkehrsregeln in Bezug auf die Anklag eziffer 1.1, der Drohung in Bezug auf die Anklageziffern 1.2 und 2 (gemäss Zusatzanklageschrift 1 vom 15. Juni 2022) sowie der Seite 60 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehrfachen versuchten Anstiftung zum falschen Zeugnis (ge - mäss Zusatzanklageschrift 2 vom 15. Juni 2022) freigespro - chen. 3. Das gegen C.____ geführte Strafverfahren wegen einf acher Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Ziffer 1.2, pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall gemäss Ziffer 1.3 sowie N ichtmit- führens des Führerausweises gemäss Ziffer 2.1 (gemäss An- klageschrift vom 21. Juli 2020) wird zufolge Eintritts d er Straf- verfolgungsverjährung eingestellt. 4. Vom Widerruf des mit Urteil des Strafgerichts Basel-Lan dschaft vom 18. Oktober 2017 gewährten bedingten Strafvollzugs wird gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB abgesehen. 1.2 (...). 2. Die beschlagnahmten Schreiben sowie die Visitenkarte (vgl. Zusatzanklageschrift vom 15. Juni 2022) bleiben als Akt enbe- standteil bei den Akten. 3. Die nicht bezifferte Zivilklage von B.____ gegen C.__ __ wird auf den Zivilweg verwiesen. 4.1 C.____ wird eine reduzierte Parteientschädigung zul asten des Staates von Fr. 8'541.45 entrichtet (berechnet zu eine m Stun- denansatz von Fr. 250.--). 4.2 (...). 5.1 Die C.____ betreffenden Verfahrenskosten, bestehend a us den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 17'144.70 und der Geri chts- gebühr von Fr. 2'000.--, gehen im Umfang von 2/3 zulasten von C.____ und zu 1/3 zulasten des Staates. (...). 5.2 (...)." wird in teilweiser Gutheissung der Anschlussberufung der Staat san- waltschaft und in Abweisung der Berufung des Beschuldigten in Seite 61 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dispositiv-Ziffer 1 wie folgt neu gefasst : 1. C.____ wird schuldig erklärt des Fahrens in fahrunfäh igem Zustand, der mehrfachen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch Motorfahrzeugführer, der Hinderung einer Amtshandlung, der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, der Drohung, der Nötigung, der Tätlich- keiten, der Sachbeschädigung, der üblen Nachrede sowie des Missachtens des Fahrverbots für Motorfahrzeuge auf Rad- un d Fusswegen und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 8 ½ Monaten , bei einer Probezeit von 4 Jahren, einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu CHF 660.--, bei einer Probezeit von 4 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 500.--, bei schuldhaftem Nichtbezahlen tritt an deren Stelle eine Ersatz- freiheitsstrafe von 5 Tagen, in Anwendung von Art. 126 Abs. 1 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 173 Ziff. 1 StGB, Art. 180 Abs. 1 StGB, Art. 1 81 StGB, Art. 285 Ziff. 1 StGB, Art. 286 StGB, Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG, Art. 91a Abs. 1 SVG, Art. 34 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 106 StGB. Im Übrigen wird das vorinstanzliche Urteil in den re stlichen Dispositiv-Ziffern unverändert zum Bestandteil diese s Urteils erklärt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 9'250.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 9'000. -- sowie Auslagen von CHF 250.--) gehen im Umfang von neun Zeh nteln (= CHF 8'325.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umfa ng von Seite 62 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem Zehntel (= CHF 925.--) zu Lasten des Staates. III. Dem Beschuldigten wird eine reduzierte Parteientsch ädigung in der Höhe von CHF 525.70 (inklusive Hauptverhandlung, Weg, Auslagen und Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist rechtskräftig.