B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4187/2011/wif U r t e i l v o m 1 7 . D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Jean-Pierre Monnet, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 16. Juni 2011 / N (…). D-4187/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die in Colombo wohnhafte Beschwerdeführerin (Tochter eines Tami- len und einer Singhalesin) liess beim BFM durch ihren Rechtsvertreter in der Schweiz mit Eingabe vom 14. Oktober 2010 um die E rteilung einer Einreisebewilligung und die Asylgewährung ersuchen. Es wurde darauf hingewiesen, dass ihre Mutter (Beschwerdeverfahren D -4159/2011) ebenfalls ein solches Gesuch stelle und ihr in der Schweiz wohnhafter Va- ter (Beschwerdeverfahren D-4161/2011) ein neues Asylgesuch einreiche. Ihr Vater sei im Jahr 2004 in die Schweiz eingereist, um seinen hier l e- benden Bruder zu besuchen. Er sei nicht nach Sri Lanka zurückgekehrt und habe in der Schweiz und in Frankreich unter ei nem falschen Namen um Asyl nachgesucht. Gegen ihre Mutter werde in Sri Lanka ein Strafve r- fahren durchgeführt, wobei es sich um ein Komplott handle, das vom G e- richt teilweise aufgedeckt worden sei. Kürzlich sei ihre Mutter von der P o- lizei abgeholt worden, u m jemanden zu identifizieren, de n ihr Ehemann kenne. Auf dem Polizeiquartier sei sie über ihren Ehemann befragt und von Polizisten vergewaltigt worden. Man habe ihr erklärt, ihr Mann werde gesucht, er solle nach Sri Lanka zurückkehren. Die Polizisten hätte n ge- droht, dass ansonsten auch die Beschwerdeführerin vergewaltigt werde. Ihre Mutter sei freigelassen worden und habe einen Suizidversuch be- gangen, weshalb sie in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden sei. In der Folge wird auf die Vergangenheit d es Vaters (Tätigkeit für die EROS, Anstellung durch die B._______ und Unterstützung der LTTE durch Beschaffung von Informationen; vgl. dazu das Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts D-4161/2011) und die Gründe für das behördliche In- teresse an seiner Person eingegangen. Es wurde geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei aufgrund der früheren Tätigkeit ihres Vaters für die EROS und die LTTE und aufgrund der aktuellen politischen Situation in Sri Lanka – die in der Eingabe ausführlich geschildert wird – in asylre- levanter Weise gefährdet. In Sri Lanka würden immer wieder Familiena n- gehörige von LTTE -Unterstützern inhaftiert und misshandelt sowie als Geiseln verwendet, um diese aufzuspüren und zu verhaften. Ihre Mutter sei von Polizisten bedroht worden, weil nach ihrem Vater gesucht werde. Da si ch dieser in der Schweiz aufhalte, könnten ihn die sri -lankischen Behörden in nächster Zeit nicht verhaften. Damit laufe die Beschwerd e- führerin Gefahr, Opfer von (sexueller) Gewalt zu werden. Aufgrund der Tätigkeit ihres Va ters sei davon auszugehen, dass ein besonderes Int e- resse an seiner Bestrafung bestehe und sie somit Gefahr laufe, als "Ge i- sel" misshandelt zu werden. Die von Polizisten ausgesprochene Drohung D-4187/2011 Seite 3 stelle eine Verfolgung im Sinne des Flüchtlingsrechts dar. Da di e Bedro- hung aufgrund der Zugehörigkeit zur Gruppe "Familienangehörige eines ehemaligen LTTE -Mitglieds" erfolge, sei sie asylrelevant. Der Eingabe wurden 25 Beweismittel beigelegt (vgl. Beilagenverzeichnis zum Asylg e- such). A.b Das BFM bat die Schweizerische Bot schaft in Colombo (nachfolgend Botschaft) am 27. Oktober 2010, das Asylgesuch der Beschwerdeführerin in gewohnter Weise aufzunehmen und ihm die entstehenden Akten zu übermitteln. A.c Der Rechtsvertreter teilte dem BFM am 8. November 2010 mit, Zivi l- polizisten hätten am 3. November 2010 die Wohnung der Familie der B e- schwerdeführerin durchsucht. Die Beamten hätten erklärt, sie habe ihr spezielles Interesse erweckt. A.d Mit Schreiben vom 16. November 2010 übermittel te das BFM der Botschaft weitere Eingaben des Rechtsvertreters. A.e Das BFM teilte dem Rechtsvertreter am 13. Januar 2011 mit, es e r- achte den rechtserheblichen Sachverhalt aufgrund der vorliegenden A k- ten als erstellt. Es erwäge, das Asylgesuch abzulehnen und die Einreis e- bewilligung zu verweigern, da es die Besc hwerdeführerin als nicht schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes ansehe. Zur Einreichung einer Stellungnahme setzte das BFM Frist. A.f Mit Schreiben vom 3. Februar 2011 teilte das BFM dem Rechtsvertr e- ter mit, es habe die Botschaft beauftragt, die Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen anzuhören. Die Einreichung einer Stellungnahme zum Schreiben vom 13. Januar 2011 erübrige sich damit. A.g Am 11. Februar 2011 teilte der Rechtsvertreter mit, in der letzten Wo- che hätten zuerst die Polizei und danach die Armee die Wohnung der Be- schwerdeführerin durchsucht und verlangt, dass sie und ihre Mutter zur Befragung mitkommen müssten. Da ihre Mutter einen Zusammenbruch erlitten habe, sei darauf verzichtet worden. A.h Die Beschwerdeführerin wurde von der Botschaft am 16. März 2011 zu den Gründen ihrer Gesuchstellung befragt. Sie gab an, in Colombo ge- boren und dort aufgewachsen zu sein. Zurzeit unterstütze sie ihre Mutter bei der Führung des Haushalts und der Beaufsichtigung ihres jüngeren Bruders. Sie habe erst nach der Ausreise ihres Vaters von ihrer Mutter er-D-4187/2011 Seite 4 fahren, dass dieser bei den LTTE gewesen sei. Ihre Mutter leide seit dem 19. Juni 2010 unter Depressionen; damals sei sie am Abend von fünf oder sechs Personen, die zu ihnen nach Hause gekommen seien (eine zivil, die anderen in Polizeiuniformen gekleidet), mitgenommen worden. Auf Nachfrage gab sie an, die Personen seien im Verlauf des Nachmi t- tags gekommen. Ihre Mutter habe gesagt, es werde nach ihrem Vater ge- fragt und sei mitgegangen. Als sie zurückgekommen sei, habe sie g e- weint und sei in einem depressiven Zustand gewesen. Am folgenden Tag habe sie ihre Mutter bewusstlos aufgefunden; diese habe Schlaftabletten und Insektizide eingenommen. Mit der Hilfe von Nachbarn habe sie ihre Mutter in ein Spital gebracht. Es sei das erste Mal gewesen, dass sie mit der Polizei Probleme gehabt hätten, aber danach seien die Polizisten noch drei - oder viermal gekommen. Sie wolle in die Schweiz kommen, damit ihre Familie sich vereinen könne. Auch die Polizisten kämen, um sie zu befragen. Am 31. Januar 2011 habe sie den Polizisten (drei in zivil gekleidete Personen) gesagt, ihre Mutter sei krank. Man habe ihr gesagt, sie solle mitkommen, um einen Verhafteten zu identifizieren. Sie sei nicht mitgegangen, aber ihre Mutter sei mitgenommen worden. Sie sei zwei Stunden später zurückgekommen und habe gesagt, sie habe die Person nicht gekannt, die sie hätte identifizieren sollen. Die Polizisten hätten ihre Mutter zweimal mitgenommen, ansonsten würden sie immer fragen, was ihr Vater getan habe und wo er si ch aufhalte. Sie hätten bei einer Hau s- durchsuchung Fotografien und Dokumente ihres Vaters gefunden. Am 2. Februar 2011 hätten die Polizei und die Armee alle Häuser in der Nachbarschaft gecheckt. A.i Die Botschaft übermittelte dem BFM mit ihrem Bericht vom 24. März 2011 das Befragungsprotokoll. B. Das BFM bewilligte der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 16. Juni 2011 die Einreise in die Schweiz nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. C. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 25. Juli 2011 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter die Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an das BFM beantragen. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserhe blichen Sachver- halts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und ihr die Einreise in die Schweiz zu bewill i-D-4187/2011 Seite 5 gen. Das BFM sei anzuweisen, danach das Asylverfahren weiterzuführen. Vor Gutheissung der Beschwerde sei dem Rechtsvertreter eine Frist zur Einreichung einer detaillierten Kostennote anzusetzen. Der Eingabe l a- gen elf Beweismittel bei (vgl. S. 12 der Beschwerde). D. D.a Der Instruktionsrichter forderte die Beschwerdeführerin mit Zw i- schenverfügung vom 29. Juli 2 011 auf, bis zum 15. August 2011 einen Kostenvorschuss von Fr. 600. – zu leisten, unter der Androhung, bei u n- genutzter Frist werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. D.b Am 15. August 2011 wurde der Kostenvorschuss von Fr. 600. – ein- gezahlt. E. E.a Am 19. September 2011 übermittelte der Instruktionsrichter die Akten zur Vernehmlassung an das BFM. E.b Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 28. September 2011 die Abweisung der Beschwerde. E.c Das Bundesverwaltungsgericht brachte der Beschwerdeführerin die Vernehmlassung am 6. Oktober 2011 zur Kenntnis. E.d Die Beschwerdeführerin liess dem Bundesverwaltungsgericht am 1. November 2011 Kopien der Repliken in den Beschwerdeverfahren ihrer Eltern zukommen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und e ntschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s-D-4187/2011 Seite 6 lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten , zumal der Kostenvorschuss fristgerecht eingezahlt wurde. 1.3 Für Asylgesuche, die im Ausland vor Inkrafttreten der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 gestellt worden sind, gelten die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung (vgl. Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012). 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unricht ige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch bei einer schwe i- zerischen Vertretung im Ausland gestellt werden, welche dieses mit e i- nem Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). 3.2 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittst aat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). 3.3 Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugem u- tet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen (vgl. dazu: BVGE 2007/19 E. 3.2; 2011/10 E. 3). Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächt i-D-4187/2011 Seite 7 gen, Asylsuchenden die Einr eise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. Die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung sind grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehun gsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschla g- gebend ist mit anderen Worten die Schu tzbedürftigkeit der betroffenen Personen, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufen t- haltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, die Erkenntnisse der Glaubwürdigkeitsforschung lieferten ein System von Hinweisen, die für die Wahrheit sprächen (Realkennzeichen). Auss a- gen von Perso nen, die von tatsächlich Erlebtem berichteten, wie sen in der Regel eine Vielzahl solcher Kennzeichen wie eine detaillierte Schilde- rung, ein freies assoziatives Erzählen, Interaktionsschilderung sowie i n- haltliche Besonderheiten auf. Die Schilderungen der Be schwerdeführerin seien als wenig konkret zu bezeichnen. Sie habe praktisch keine detai l- lierten Angaben zu den Kontrollen und Belästigungen durch die sri - lankische Polizei machen können. Sie habe gesagt, sie sei bei der Fes t- nahme ihrer Mutter zuhause gewese n, diese sei von fünf bis sechs Mä n- nern mitgenommen worden. Ihre Mutter habe bei der ersten Befragung gesagt, von einem Polizisten in Zivil mitgenommen worden zu sein, bei der Nachbefragung habe sie angegeben, von zwei Polizisten in Zivil mi t- genommen worde n zu sein. Die Mutter habe auch die Ereignisse vom 31. Januar 2011 anders als die Beschwerdeführerin geschildert, indem sie gesagt habe, es seien zwei Männer in Zivil gekommen, die sie zum Mitkommen aufgefordert hätten. Sie habe gesagt , sie sei krank, wora uf die Männer sie befragt hätten und wieder gegangen seien. Die Mutter h a- be ausdrücklich erklärt, sie sei von der Polizei nur einmal mitgenommen worden. Des Weiteren sei festzuhalten, dass die Asylvorbringen ihres Va- ters zahlreiche Unglaubhaftigkeitselemen te enthielten, die auch die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen in Frage stellten, stünden diese doch in D-4187/2011 Seite 8 direktem Zusammenhang. Angesichts zahlreicher Unglaubhaftigkeitsel e- mente in ihren und in den Schilderungen ihrer Eltern entstehe der Ei n- druck, dass sie si ch auf eine konstruierte Asylbegründung stütze. An di e- ser Einschätzung könnten auch die eingereichten Beweismittel nichts ä n- dern, da diese nur in Kopie vorlägen und bekannt sei, dass in Sri Lanka solche Dokumente käuflich erworben werden könnten. Die von d er B e- schwerdeführerin geltend gemachten Probleme mit den sri -lankischen Behörden würden hingegen aus keinem der eingereichten Dokumente deutlich. 4.2 4.2.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, für die Beurteilung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin seien auch die Aussagen ihrer Mut- ter herangezogen worden, die Opfer einer geschlechtsspezifischen Ve r- folgung geworden sei. Gemäss Art. 17 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 6 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) seien Asylsu- chende von einer Person gl eichen Geschlechts zu befragen, wenn ko n- krete Hinweise auf geschlechtsspezifische Verfolgung vorlägen. Aus dem Anhörungsprotokoll vom 8. Dezember 2010 sei ersichtlich, dass die Be- fragung ihrer Mutter unter Beizug eines männlichen Dolmetschers durc h- geführt worden sei; nur für die "heiklen Passagen" sei eine weibliche Dolmetscherin beigezogen worden. Danach sei wieder der männliche Dolmetscher eingesetzt worden, was es ihr verunmöglicht habe, in freier und detaillierte Weise zu sprechen, da sie nachträglich k eine Ergänzun- gen habe anbringen können. Insofern sei der rechtserhebliche Sachve r- halt nur unvollständig abgeklärt und ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. 4.2.2 Das BFM habe nicht angegeben, inwiefern es die Schilderungen der Beschwerdeführerin al s wenig konkret erachte, weshalb es die B e- gründungspflicht und ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe. 4.2.3 Für die weitere Begründung der beantragten Rückweisung zur Neu- beurteilung an die Vorinstanz sei auf die Beschwerde ihres Vaters zu ver- weisen. Sämtliche Gehörsverletzungen und die unvollständige bzw. u n- richtige Feststellung des Sachverhalts rechtfertigten die Rückweisung der Sache. Im Zuge der Neubeurteilung müsse ihre Mutter zwingend durc h- gehend in einem rein weiblichen Team neu angehört werden. Des Weite- ren müsste die Abklärung des Sachverhalts mittels Beizug von aktuellen COI sichergestellt, eine Frist zur Einreichung der Originale von Bewei s-D-4187/2011 Seite 9 mitteln angesetzt und diese auf ihre Echtheit überprüft werden, sollte di e- se angezweifelt werden. 4.2.4 Für den Fall einer Beweiswürdigung durch das Bundesverwaltung s- gericht werde darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin und ihre Eltern zahlreiche Beweismittel und Länderinformationen eingereicht hä t- ten, die ihre asylrelevante Gefährdung belegten. Hinsichtlich der Tätigkeit ihres Vaters für die LTTE, von der sie keine Detailkenntnis habe, werde auf die entsprechenden Ausführungen in seiner Beschwerde hingewi e- sen. Dasselbe gelte für den Beweiswert der eingereichten Beweismittel. Sie wisse auch nichts v on den Erlebnissen ihrer Mutter anlässlich deren Vergewaltigung, weshalb in diesem Punkt auf deren Beschwerde zu ve r- weisen sei. 4.2.5 Die Beschwerdeführerin habe in den meisten Fällen "nur" mitb e- kommen, wie ihre Mutter von der Polizei aufgesucht und befragt wor den sei. Deshalb sei es nachvollziehbar, dass sie keine grossen Ausführu n- gen und Details zu den Belästigungen habe machen können. Hinsichtlich der vom BFM als zu den Aussagen der Mutter widersprüchlich gewert e- ten Angaben sei darauf hinzuweisen, dass die Mutter an einer Depression leide. Es sei bekannt, dass Personen, die unter einer Depression litten, nicht im selben Umfang in der Lage seien, über Erlebnisse zu berichten, wie das von einem gesunden Menschen verlangt werden könne. Die Tat- sache, dass ihre Mut ter nicht in der Lage gewesen sei, über die erlittene Vergewaltigung zu berichten und ihre Aussagen bezüglich der Beläst i- gungen durch die Polizei allenfalls nicht völlig widerspruchsfrei zu den Aussagen der Beschwerdeführerin seien, liege in der Natur der Sache und könne nicht für die Begründung der Unglaubhaftigkeit herangezogen werden. Vor diesem Hintergrund seien ihre Aussagen glaubhaft und unter Berücksichtigung sämtlicher eingereichter Beweise in den drei Verfahren der Familie belegt. 4.2.6 Die Würdigung der Beweislage und die Abklärung der Flüchtlingsei- genschaft müssten vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka erfolgen. Gerade vor dem Hintergrund der verbesserten Sicherheitslage und dem nicht mehr vorhandenen allgemeinen Schutzbedarf von sri -lan- kischen Asylsuchenden müsse in einer Einzelfallprüfung abgeklärt we r- den, ob und inwieweit eine Person allenfalls asylrelevanten Übergriffen ausgesetzt sei. Das UNHCR habe fünf Hauptkategorien von Personen definiert, denen unter Umständen Verfolgung drohe. D azu gehörten Pe r- sonen, die von den sri-lankischen Behörden verdächtigt würden, die LTTE D-4187/2011 Seite 10 unterstützt zu haben. Allein der Verdacht, Unterstützer der LTTE zu sein, genüge für eine Präventivhaft. Der Vater der Beschwerdeführerin sei in den 80er Jahren bei der EROS gewesen und habe später den LTTE g e- holfen. Ihre Mutter sei deshalb mehrmals von der Polizei aufgesucht, b e- fragt und schliesslich vergewaltigt worden. Es sei davon auszugehen, dass entsprechende Verfolgungsmassnahmen auch zukünftig drohten. Der sri-lankische Präsident habe nach Kriegsende im Mai 2009 angekü n- digt, jeden zur Rechenschaft zu ziehen, der Verbindungen zur LTTE g e- habt habe. Daraufhin sei der "Screening -Prozess" erfolgt, der auch der Informationsgewinnung gedient habe. Der Geheimdienst habe a ufgrund der gewonnenen Informationen "schwarze Listen" erstellt, die zu Fah n- dungszwecken dienten. Für ehemalige Unterstützer der LTTE bestehe heute ein höheres Risiko einer Festnahme als vorher. Unter diesen Vor- aussetzungen sei offensichtlich, dass ihr als Tochter eines ehemaligen LTTE-Mitglieds nach wie vor Verfolgungsmassnahmen seitens des Staats drohten. 4.2.7 Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin infolge der Tätigkeiten ihres Vaters für die LTTE ein Risikoprofil gemäss den UNHCR-Richtlinien erfülle. Die Tatsache, dass dieser als Staatsa n- gestellter Informationen an die LTTE gegeben habe, die bei der Planung und Durchführung von Attentaten verwendet worden seien, führten zu e i- nem besonders ausgeprägten Risikoprofil und damit z ur Gefahr von b e- sonders intensiven Verfolgungshandlungen. Sie sei in einreiserelevanter Weise schutzbedürftig, weshalb ihr die Einreise in die Schweiz zu bewill i- gen sei. 5. 5.1 Hinsichtlich der erhobenen Rüge bezüglich der Befragung der Mutter der Beschwerdeführ erin ist auf Erwägung 5.2.2 im heutigen Urteil D-4159/2011 zu verweisen, in dem festgestellt wurde, dass die von der Botschaft gewählte Vorgehensweise nicht zu beanstanden ist. 5.2 In der Beschwerde wird gerügt, das BFM habe seine Begründung s- pflicht verletzt, weil es nicht ausgeführt habe, inwiefern die Aussagen der Beschwerdeführerin zu wenig konkret und detailliert seien. Dazu ist fes t- zuhalten, dass diese Feststellung der Vorinstanz nur ein Element in der Begründungskette darstellt. Die Frage, ob das BFM sei ner Begründungs- pflicht nachgekommen ist oder nicht, bemisst sich indessen nicht au f- grund der Konkretisierung eines Begründungselements, sondern au f- grund der gesamten Begründung der Verfügung. Die angefochtene Verfü-D-4187/2011 Seite 11 gung nennt die wesentlichen Überlegungen, von denen sich das BFM lei- ten liess und auf welche es seinen Entscheid stützte in ausreichender Weise (vgl. Lorenz Kneubühler, in: Christoph Auer/Markus Mü l- ler/Benjamin Schindler (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen 2008, Art. 35 N 6), we s- halb eine Verletzung der Begründungspflicht zu verneinen ist. 5.3 In der Beschwerde wird für die Begründung der beantragten Rüc k- weisung der Sache an die Vorinstanz auf die Ausführungen in der B e- schwerde des Vaters der Bes chwerdeführerin verwiesen. In diesem Z u- sammenhang ist auf die Erwägungen im Urteil D-4161/2011 vom heutigen Tag zu verweisen, in dem festgestellt wird, dass die erhobenen Rügen, der rechtserhebliche Sachverhalt sei nicht richtig und vollständig festg e- stellt sowie der Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, nicht stichhaltig sind. 5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der rechtserhebliche Sac h- verhalt vom BFM hinreichend festgestellt wurde und keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör festgestellt werden kann. Es besteht deshalb kein Grund, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5.5 Insofern in der Beschwerde ausgeführt wird, die Erlebnisse der B e- schwerdeführerin in Zusammenh ang mit den "Besuchen" durch die Pol i- zei hätten sich meistens darauf beschränkt, dass sie mitbekommen habe, wie ihre Mutter von Polizisten aufgesucht und befragt worden sei, ist fes t- zuhalten, dass die Beschwerdeführerin zu den polizeilichen Vorsprachen von ihrer Mutter abweichende Angaben machte. So gab ihre Mutter bei der Anhörung an, am 19. Juni 2010 sei ein zivil gekleideter Polizist g e- kommen, der sie zum Mitkommen aufgefordert habe (act. A16/14 S. 8 BFM-Akten N (...). Bei der Nachbefragung sagte sie, da mals seien zwei Zivilpolizisten gekommen (act. A19/1 BFM-Akten N (...). Die Beschwerde- führerin hingegen schilderte im Rahmen ihrer Anhörung, am 19. Juni 2010 seien fünf bis sechs Personen gekommen, die ihre Mutter mitg e- nommen hätten; es habe sich um unifor mierte Polizisten gehandelt, nur eine Person sei in Zivil gekleidet gewesen (act. A24/9 S. 4). Die Mutter der Beschwerdeführerin sagte bei ihrer Nachbefragung aus, am 31. Januar 2011 seien zwei Polizisten in Zivil gekommen, um sie zwecks Identifizierung eines Festgenommenen mitzunehmen. Als sie gesagt h a- be, sie sei krank, habe man ihre Tochter (die Beschwerdeführerin) g e- fragt, ob diese jemanden kenne, der ihren Vater besucht habe, was diese D-4187/2011 Seite 12 verneint habe. Danach seien die Männer gegangen (act. A19/1 BFM - Akten N (...). Die Beschwerdeführerin hingegen gab an, sie habe den drei Polizisten am 31. Januar 2011 gesagt, ihre Mutter sei krank. Sie hätten gesagt, sie müsse mitkommen, um jemanden zu identifizieren. Sie sei nicht gegangen, aber sie hätten ihre Mutter mi tgenommen, welche zwei Stunden später zurückgekehrt sei (act. A24/9 S. 6). Im Gegensatz zur Mutter, die bei der Nachbefragung klar zu verstehen gab, dass sie nur einmal von der Polizei mitgenommen worden sei, machte die Beschwe r- deführerin bei der Anhörung geltend, ihre Mutter sei zweimal mitgeno m- men worden. Auch angesichts der Widersprüche zwischen den Aussagen der Beschwerdeführerin und ihrer Mutter geht das Bundesverwaltungsge- richt in Übereinstimmung mit dem BFM davon aus, die von den Eltern der Beschwerdeführerin geltend gemachte Verfolgungsgefahr sei nicht glaubhaft. 5.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts im vorliegenden Fall in das Gesamtbild, das die drei zu koordinierenden Beschwerdeverfahren geben, einfügt. Der Va- ter der Beschwerdeführerin reiste im Jahr 2004 legal in die Schweiz ein, um seinen hier lebenden Bruder zu besuchen. Da er nicht nach Sri Lanka zurückkehren wollte, suchte er sowohl in Frankreich unter seiner wirkl i- chen, als auch in der Sch weiz (am 11. Juli 2006) unter falscher Identität um Asyl nach. Das erste Asylgesuch des Vaters wurde vom Bundesve r- waltungsgericht mit Urteil D -6808/2007 vom 16. Juli 2010 rechtskräftig abgewiesen. Obwohl der Bruder des Vaters – aus Rücksicht auf ihn, will dieser sein erstes Asylgesuch nicht unter seiner wahren Identität gestellt haben – bereits im Jahr 2008 verstarb, sah sich dieser erst nach Abwe i- sung der Beschwerde im ersten Asylverfahren veranlasst, seine wahre Identität und die "wirklichen Asylgründe" o ffenzulegen. Da das Bunde s- verwaltungsgericht auch die im zweiten Asylverfahren des Vaters vorg e- brachten Asylgründe als unglaubhaft wertet und die Vorbringen der Mutter der Beschwerdeführerin, sie sei von den sri -lankischen Sicherheitsbehör- den seinetwegen behelligt worden, ebenso unglaubhaft erscheinen, lässt sich der Schluss ziehen, die Eltern der Beschwerdeführerin hätten sich eine wahre Begebenheit (gegen die Mutter geführtes, asylrechtlich irrel e- vantes Ermittlungsverfahren/Suizidversuch aufgrund der fina nziell ang e- spannten Lage und der gegen sie erhobenen Beschuldigungen) zunutze gemacht, um dem zweiten Asylgesuch des Vaters Gewicht zu verleihen und eine Familienvereinigung herbeizuführen. D-4187/2011 Seite 13 5.7 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die in der Beschwerde vertrete ne Auffassung, die Beschwerdeführerin und ihre Eltern hätten zahlreiche Beweismittel und Länderinformationen vorgelegt, die ihre asylrelevante Gefährdung belegten, nicht. Grundlage für die Annahme einer asylrech t- lich relevanten Gefährdung bildet die Glaubh aftmachung eines entspr e- chenden Sachverhalts. Vorliegend ist es den Eltern der Beschwerdefü h- rerin und ihr selbst unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen g e- rade nicht gelungen, von ihnen erlittene oder ihnen drohende asylrech t- lich relevante Übergriffe glaubhaft zu machen. Damit ist auch gesagt, dass die Beschwerdeführerin keines der vom UNHCR und vom Bunde s- verwaltungsgericht (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.5) definierten Risikoprofile erfüllt. An dieser Einschätzung vermögen auch die mit der Beschwerde eingereichten Berichte über die allgemeine Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Hinsichtlich der mit Schreiben vom 1. November 2011 eingereich- ten Repliken aus den Verfahren der Eltern der Beschwerdeführerin ist auf die Erwägungen in den Urteilen D -4159/2011 und D-4161/2011 vom heu- tigen Tag zu verweisen. 5.8 Somit ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin nicht schutzb e- dürftig im Sinne von Art. 3 AsylG ist. Aufgrund der vorstehenden Erw ä- gungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in den Beschwer- deeingaben und die eingereichten Beweismittel detailliert einzugehen, da sie an der vorgenommenen Würdigung nichts zu ändern vermögen. Das BFM hat der Beschwerdeführerin demnach zu Recht die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh- rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. F ebruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Koste n- vorschuss gedeckt und mit diesem zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-4187/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Sie sind durch den geleisteten Kosten vorschuss gedeckt und wer- den mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die schwei- zerische Botschaft in Colombo. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: