<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="WordSection1"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable"> <tr> <td valign="top" width="79"> <p class="aaArabisch1Unterziffer"><img alt="" height="60" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,7000&amp;Parametername=WEB&amp;Schema=BS_FI_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=124093" width="39"/></p> </td> <td valign="top" width="535"> <p class="MsoNormal"><span>Sozialversicherungsgericht</span></p> <div> <p class="MsoNormal"><span>des Kantons Basel-Stadt</span></p> </div> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>URTEIL</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a name="VF_DAT_ENTSCHEID">4. Oktober 2021</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span>Mitwirkende</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Dr. G. Thomi (Vorsitz), lic. iur. M. Prack Hoenen, Dr. med. F. W. Eymann<span> </span> <a name="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><span> </span><span> </span> </p> <p class="MsoNormal"><a name="TN_AUTOTEXT_GS"></a>und Gerichtsschreiberin MLaw N. Marbot </p> <div> <p class="MsoNormal"> </p> </div> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span>Parteien</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">A____</p> <p class="MsoNormal">[...] </p> <p class="MsoNormal">vertreten durch lic. iur. B____, Advokat und Notar, [...] </p> <p class="MsoNormal"> Beschwerdeführer </p> <p class="MsoNormal"><a name="RU_AUTOTEXT_KL%C3%84GER_X__B"> </a></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>IV-Stelle Basel-Stadt</b></p> <p class="MsoNormal">Rechtsdienst, Aeschengraben 9, Postfach, 4002 Basel <a name="BT_AUTOTEXT_VRTR__B"></a> </p> <p class="MsoNormal"> Beschwerdegegnerin <a name="BT_AUTOTEXT_2VRTR__B"></a></p> <p class="MsoNormal"><a name="RU_AUTOTEXT_BEKLAGTE_X__B"> </a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span>Gegenstand</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>IV.2021.64</b></p> <p class="MsoNormal">Verfügung vom 5. März 2021</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Beschwerde gutgeheissen. Psychiatrisches Teilgutachten nicht beweiskräftig. Rückweisung zur erneuten Begutachtung mit bislang nicht involvierter Fachperson. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <b><span><br/> </span></b> <p class="aaTatsachen">Tatsachen</p> <p class="aaRmisch1">I.<span> </span> </p> <p class="aaText">a)<span> </span>Der im Jahr 1980 geborene Beschwerdeführer ist gelernter Elektroinstallateur. Seit dem 10. Oktober 2016 arbeitete er bei der Firma C____ AG in einem Vollzeitpensum (Fragebogen für Arbeitgebende vom 30. Oktober 2018, IV-Akte 17). Das Arbeitsverhältnis wurde seitens der Arbeitgeberin aufgrund der seit dem 29. September 2017 bestehenden Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers per 31. Dezember 2018 aufgelöst. </p> <p class="aaText">b)<span> </span>Mit Anmeldung vom 8. August 2018 (IV-Akte 1) meldete sich der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug. </p> <p class="aaText">c)<span> </span>In der Folge klärte die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt in erwerblicher und medizinischer Hinsicht. Unter anderem veranlasste sie eine bidisziplinäre Begutachtung in den Fachdisziplinen Rheumatologie und Psychiatrie (IV-Akte 58, 59). Gemäss bidisziplinärer Gesamtbeurteilung vom 18. Mai 2020 (IV-Akte 89, S. 22 ff.) gelangten die Experten zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei.</p> <p class="aaText">d)<span> </span>Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (IV-Akten 64, 71, 77, 87, 93) verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 5. März 2021 (IV-Akte 95) im Wesentlichen gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten vom 18. Mai 2020 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers. </p> <p class="aaRmischfortlaufend">II.<span> </span> </p> <p class="aaText">a)<span> </span>Mit Beschwerde vom 26. April 2021 beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung vom 5. März 2021 und die Zusprache von mindestens einer Viertelsrente. Eventualiter sei die Sache zur ergänzenden Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht verlangt der Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit lic. iur. B____, Advokat und Notar, als unentgeltlichem Rechtsbeistand. </p> <p class="aaText">b)<span> </span>Mit Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2021 schliesst die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. </p> <p class="aaText">c)<span> </span>Mit Replik vom 16. August 2021 hält der Beschwerdeführer an seinen eingangs gestellten Begehren vollumfänglich fest. </p> <p class="aaText"> </p> <p class="aaRmischfortlaufend">III.<span> </span> </p> <p class="aaRmischfortlaufendCxSpMiddle"><span>Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 29. April 2021 wird dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit lic. iur. B____, Advokat und Notar, als unentgeltlichem Rechtsbeistand bewilligt. </span></p> <p class="aaRmischfortlaufend">IV.<span> </span><span> </span></p> <p class="aaRmischfortlaufendCxSpLast"><span>Da innert der angesetzten Frist keine der Parteien die Durchführung einer mündlichen Parteiverhandlung beantragte, findet die Beratung durch die Kammer des Sozialversicherungsgerichts Basel-Stadt am 4. Oktober 2021 statt. </span></p> <p class="aaEntscheidungsgrnde">Entscheidungsgründe</p> <p class="aaArabisch1"><b>1.<span> </span></b> </p> <p class="aaArabisch1Unterziffer"><b>1.1.<span> </span></b>Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist als einzige kantonale Instanz zuständig zum Entscheid über die vorliegende Streitigkeit (§ 82 Abs. 1 des Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die Organisation der Gerichte und der Staatsanwaltschaft [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG]; SG 154.100). Die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt sich aus Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20). </p> <p class="aaArabisch1Unterziffer"><b>1.2.<span> </span></b>Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind und die Beschwerde zudem rechtzeitig (Art. 60 Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]) erfolgte, ist auf die Beschwerde einzutreten</p> <h1><b>2.<span> </span></b> </h1> <h2><b>2.1.<span> </span></b>Die Beschwerdegegnerin ist der Auffassung, gestützt auf das beweiskräftige bidisziplinäre Gutachten der Dres. med. D____ und E____ sei zwar die angestammte Tätigkeit als Elektroinstallateur nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Verweistätigkeit sei jedoch von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Der Rentenanspruch des Beschwerdeführers sei daher zu Recht verneint worden. </h2> <h2><b>2.2.<span> </span></b>Der Beschwerdegegner bringt dagegen zur Hauptsache vor, auf das psychiatrische Teilgutachten könne nicht abgestellt werden. Zum einen bestehe hinsichtlich des Ursprungs der vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen ein unauflösbarer Widerspruch zur rheumatologischen Begutachtung. Zum anderen sei die gutachterliche Einschätzung von Dr. med. E____ in diagnostischer Hinsicht und in Bezug auf die Höhe der Arbeitsfähigkeit mit Blick auf die Ausführungen des behandelnden Therapeuten, Dr. med. F____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 11. Februar 2021 (IV-Akte 87) nicht schlüssig. Gestützt auf den behandelnden Psychiater sei dem Beschwerdeführer daher mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen, die Sache eventualiter zwecks ergänzender Abklärungen zurückzuweisen. </h2> <h2><b>2.3.<span> </span></b>Streitig und zu prüfen ist demnach, ob dem bidisziplinären Gutachten vom 18. Mai 2020 Beweiskraft anzuerkennen ist und die Beschwerdegegnerin gestützt darauf mit Verfügung vom 5. März 2021 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneinte. </h2> <h1><b>3.<span> </span></b> </h1> <h2><b><span>3.1.<span> </span></span></b>Im Rahmen der Invaliditätsbemessung ist es Aufgabe der ärztlichen Fachperson, den Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit diese arbeitsunfähig ist. Des Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93, 99 f. E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231, 232 mit Hinweis auf BGE 125 V 351, 352 E. 3a). </h2> <h2><b>3.2.<span> </span></b>Im Sinne einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten oder Spezialärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465, 470 E. 4.4. und BGE 125 V 351, 353 E. 3b/bb). Solche Indizien können sich aus dem Gutachten selber ergeben (z.B. innere Widersprüche, mangelnde Nachvollziehbarkeit) oder auch aus Unvereinbarkeiten mit anderen ärztlichen Stellungnahmen (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 4.1.). </h2> <h2><b>3.3.<span> </span></b>Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt ferner, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351, 352 E. 3a). </h2> <h1><b>4.<span> </span></b> </h1> <h2><b>4.1.<span> </span></b>In medizinischer Hinsicht stützt die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 5. März 2021 auf das bidisziplinäre Gutachten vom 18. Mai 2020 (IV-Akten 58 und 59). </h2> <h2><b>4.2.<span> </span></b>4.2.1. Dr. med. D____, Facharzt für Innere Medizin, FMH, Facharzt für Rheumatologe, FMH, diagnostizierte beim Beschwerdeführer mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches therapieresistentes cervicovertebrales Schmerzsyndrom mit cervicocephalem Schmerzsyndrom (ICD-10 M.53.9) mit/bei medio-linkslateraler Discusprotrusion, Uncovertebralarthrosen und konsekutiver Recessusstenose C5/C6 links, mediane Discusprotrusion und Uncovertebralarthrosen C4/C5 ohne Myelon- und/oder Neurokompression (insgesamt im Verlauf regredient; MRI HWS 19.11.2019/10.04.2018/23.10.2017); unspezifische Begleitsymptomatik mit Kribbelparästhesien in den Armen und Händen; Hyperästhesie Kopfhaut; muskuläre Dysbalance vom Schulter-/Nackengürteltyp; begleitendes thoracovertebrales Schmerzsyndrom bei Wirbelsäulenfehlform und Fehlhaltung mit deutlicher BWS-Hyperkyphose; Chronifizierungsproblematik mit Schmerzfixation, Behinderungsüberzeugung und Selbstlimitierung (IV-Akte 59, S. 14). </h2> <p class="aaText"><span>Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hält der Experte fest, die bisherige Tätigkeit als Elektroinstallateur in der Art und Weise wie der Beschwerdeführer sie ausübte mit hierbei notwendiger Überkopftätigkeit, Zwangshaltungen mit vermehrter HWS-Rekli­nation sowie auch schweren körperlichen Belastungen der linken oberen Extremität, ist dem Beschwerdeführer überwiegend nicht mehr möglich und zumutbar, indem hierfür eine mindestens 70%ige anhaltende Arbeitsunfähigkeit bestehend seit der gemäss vorliegenden Akten ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit ab dem 29. September 2017 und gelte auch langfristig für die Zukunft. </span>In einer leidensangepassten leichten bis mittelschwer körperlich belastenden Tätigkeit ohne Durchführung von Überkopftätigkeiten, Zwangshaltungen mit insbesondere Überbelastung der cervicothoracalen Wirbelsäule und Tätigkeiten verbunden mit vermehrter HWS-Reklination bestünden keine fassbaren Leistungseinschränkungen. Diese Beurteilung gelte medizinisch-theoretisch seit Beginn der primären Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, entsprechend ab dem 29. September 2017 (IV-Akte 59, S. 19 f.). </p> <p class="aaText">4.2.2. Dr. med. E____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, FMH, stellte keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er eine mögliche Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) fest (IV-Akte 58, S. 6). Aufgrund des psychischen Zustandes sei der Beschwerdeführer in der Lage, jegliche Tätigkeiten in vollem Umfang durchzuführen. Eine Einschränkung lasse sich nicht begründen. </p> <p class="aaText">4.2.3. Im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (IV-Akte 59, S. 22) hielten die Gutachter fest, die rheumatologische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei für die Gesamtbeurteilung massgebend. </p> <h2><b>4.3.<span> </span></b>Das rheumatologische Gutachten von Dr. med. D____ erfüllt die Anforderungen an beweiskräftige medizinische Erhebungen im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (E. 3.1. hiervor). Etwas Anderes wird vom Beschwerdeführer auch nicht substantiiert geltend gemacht. Das Gutachten wurde in Kenntnis der Vorakten erstellt. Die gutachterlichen Feststellungen beruhen auf eigenen Untersuchungen. Die geklagten Beschwerden des Beschwerdeführers wurden berücksichtigt und bilden die Grundlage einer sorgfältigen Anamnese. Die erhobenen Befunde werden im Kontext gewürdigt und der Gutachter setzt sich mit den Vorbefunden eingehend auseinander. Schliesslich sind die Ausführungen und Beurteilungen der medizinischen Zusammenhänge einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet.</h2> <h2><b>4.4.<span> </span></b>4.4.1. Auf das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. E____ sowie seine Stellungnahme vom 1. März 2021 (IV-Akte 93) kann hingegen nicht ohne Weiteres abgestellt werden. </h2> <p class="aaText">4.4.2.<span> </span>Aus den Akten ergibt sich eine im Urteilszeitpunkt bereits vierjährige Schmerzproblematik beim Beschwerdeführer. So hält der Bericht des G____ vom 18. Dezember 2017 (IV-Akte 2, S. 18) «bei Kopfbewegungen in allen Richtungen pulsierende Schmerzen im Kopf» und schlimme Schmerzen beim Lachen fest. Aufgrund der persistierenden Schmerzen begab sich der Beschwerdeführer in der Folge in die H____klinik [...]. Hier wurde zur Hauptsache ein zervikogener Kopfschmerz bei breitbasiger Diskusprotrusion C4/5, 5 und 6 diagnostiziert. Nebenbefundlich wurde von einem sehr ängstlichen Patienten, mit erneuter Sorge um ein pathologisches zentrales Geschehen berichtet (vgl. Bericht vom 16. August 2018, IV-Akte 11, S. 8). Nach einer Schmerzausweitung (Gelenke, generalisierte Knochenschmerzen) wurde der Beschwerdeführer erneut in der H____klinik vorstellig, wo er medikamentös behandelt wurde (IV-Akte 36, S. 21 f.). Mit Bericht vom 8. Juli 2019 (IV-Akte 36, S. 2) geht die Hausärztin des Beschwerdeführers, Dr. med. I____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, FMH, aufgrund der unveränderten Beschwerden von einer psychischen Belastungssituation aus. Gemäss Bericht vom 9. Januar 2019 von Dr. med. J____, Facharzt für orthopädische Chirurgie im K____spital seien die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden jedoch aus somatischer Sicht nicht objektivierbar (IV-Akte 19).</p> <p class="aaText">4.4.3.<span> </span>In Kongruenz mit der bestehenden Aktenlage und insbesondere mit der Auffassung von Dr. med. J____ stellte Dr. med. D____ anlässlich der rheumatologischen Begutachtung fest, dass deutliche Inkonsistenzen zwischen den geltend gemachten Schmerzen, den geltend gemachten Behinderungen und den fassbaren objektivierbaren Befunden bestünden, indem die teils diffusen Beschwerdeschilderungen sowohl durch klinische Untersuchung wie auch die zur Verfügung stehenden neuroradiologischen Abklärungen nicht plausibel erklärt werden könnten. Vor allem die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, auch keiner leidensadaptierten Berufstätigkeit mehr nachgehen zu können, stehe in deutlichem Gegensatz zu den Beobachtungen sowohl des Verhaltens wie auch des sich präsentierenden Motilitätsbildes der rheumatologischen Begutachtung. </p> <p class="aaText">4.4.4.<span> </span>Dr. med. E____ gelangt in seinem Gutachten diametral zur geschilderten Aktenlage zum Schluss, die vom Beschwerdeführer geschilderte Körperproblematik könne aus somatischer Sicht nachvollzogen werden (vgl. IV-Akte 58, S. 5). Eine vertiefte fachpsychiatrische Auseinandersetzung mit der Schmerzproblematik des Beschwerdeführers, eine (hinreichende) Diskussion allfälliger entsprechender Diagnosen und damit einhergehender Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit sucht man im anamnestisch ohnehin als knapp zu bezeichnenden Gutachten vergebens. Die Ausführungen von Dr. med. E____ sind mit Blick auf die gesamten Akten und die Einschätzung von Dr. med. D____ nicht nachvollziehbar. Dies muss unter Berücksichtigung des Berichts des behandelnden Psychiaters vom 11. Februar 2021 (IV-Akte 87) umso mehr gelten. </p> <p class="aaText">4.4.5.<span> </span>Dr. med. F____ diagnostizierte dem Beschwerdeführer im vorgenannten Bericht eine chronische Schmerzstörung mit psychischen Faktoren mit Ausstrahlung in beide Arme bei Veränderungen der HWS, bestehend seit etwa 2017 (ICD-10 F.45.41) und eine zunehmend ängstlich gefärbte depressive Entwicklung. Der behandelnde Psychiater berichtete von massiven, durch die Schmerzen bedingten Schlafstörungen, Gereiztheit, Freudverlust, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung. Der behandelnde Psychiater geht aufgrund der Schmerzen von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aus. Die von Dr. med. F____ angestellten Beobachtungen decken sich grundsätzlich mit der sich aus den Akten ergebenden Schmerzproblematik, der von der Hausärztin festgestellten psychischen Belastungssituation (E. 4.4.2. hiervor) und den gutachterlichen Ausführungen von Dr. med. D____. In der Gesamtschau vermögen somit die Berichte des behandelnden Psychiaters, die Darstellungen von Dr. med. D____ und die unter E. 4.4.2. hiervor geschilderte Aktenlage zumindest geringe Zweifel an der Schlüssigkeit der psychiatrischen Beurteilung durch Dr. med. E____ zu wecken (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 8C_800/2011 vom 31. Januar 2012 E. 3.3). </p> <p class="aaText">4.4.6.<span> </span>Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass sich Dr. med. E____ seinerseits mit Stellungnahme vom 1. März 2021 (IV-Akte 93) zum Bericht vom 11. Februar 2021 von Dr. med. F____ äusserte. Der Gutachter verkennt in seiner Stellungnahme, dass eine Beurteilung der somatischen Beschwerde nicht in sein Fachgebiet fällt. Vielmehr wäre von ihm zu erwarten gewesen, die Beschwerden nicht organischer Ursache in einen psychiatrischen Kontext zu setzen. Weshalb er die aktenanamnestische Schmerzproblematik nicht vertiefter explorierte, ja beinahe gänzlich ausser Acht liess, erschliesst sich aus der Stellungnahme nicht. Immerhin gibt Dr. med. E____ zu, dass eine wie vom Behandler diagnostizierte chronische Schmerzstörung zu diskutieren sei. Weshalb diese Diskussion allerdings nicht bereits im Rahmen des Gutachtens erfolgte, ist nicht plausibel dargestellt. Die vom behandelnden Therapeuten erwähnte affektive Störung wird vom Gutachter schliesslich ohne schlüssige Begründung unter Verweis auf die allenfalls vorliegende Anpassungsstörung verworfen. </p> <h2><b>4.5.<span> </span></b>Damit entspricht die Expertise insgesamt den beweisrechtlichen Anforderungen des Bundesgerichts nicht. Das Gutachten von Dr. med. E____ weist gemäss obigen Erwägungen erhebliche Mängel auf. Die im Gutachten bzw. der Stellungnahme von Dr. med. E____ abweichenden fachärztliche Beurteilung und die Diskrepanz zur Aktenlage ist nicht hinreichend nachvollziehbar, so dass seine anderslautende Einschätzung nicht nachvollzogen werden kann. Das Gutachten erfüllt damit die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise nicht. Jedoch kann vorliegend auch nicht unbesehen auf die Beurteilungen des behandelnden Psychiaters abgestellt werden, da dieser den sich aus der von ihm angestellten Diagnostik ergebenden Umfang der Arbeitsfähigkeit nicht weiter begründet. So gilt es hinsichtlich seiner Ausführungen auf die auftragsrechtliche Vertrauensstellung hinzuweisen, weshalb eine gewisse Zurückhaltung bei der Würdigung der Berichte angebracht ist (vgl. dazu BGE 135 V 465, 470 f. E. 4.5; 125 V 351, 353 E. 3b/cc). Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass gesamthaft betrachtet auf das rheumatologische Gutachten von Dr. med. D____ abgestellt werden kann. Dagegen kann das psychiatrische Gutachten von Dr. med. E____ zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht beigezogen werden. Vor diesem Hintergrund sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465, 468 E. 4.2 und 469 f. E. 4.4). Es erscheint daher angezeigt, dass die Beschwerdegegnerin ein neues psychiatrisches Gutachten mit einer bisher nicht involvierten Fachperson und anschliessender Konsensbeurteilung veranlasst und hernach nochmals über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers entscheidet.</h2> <h1><b>5.<span> </span></b> </h1> <h2><b>5.1.<span> </span></b>Gemäss obigen Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung vom 5. März 2021 ist aufzuheben und die Sache zur erneuten psychiatrischen Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. </h2> <h2><b>5.2.<span> </span></b>Entsprechend dem Verfahrensausgang hat die Beschwerdegegnerin die ordentlichen Kosten, bestehend aus einer Gebühr von CHF 800.00 zu tragen (Art. 69 Abs. 1<sup>bis</sup> IVG). </h2> <h2><b>5.3.<span> </span></b>Die Beschwerdegegnerin hat dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine angemessene Parteientschädigung auszurichten. Das Sozialversicherungsgericht spricht im Sinne einer Richtlinie – in durchschnittlichen IV-Fällen bei doppeltem Schriftenwechsel – eine Parteientschädigung von CHF 3'750.00 (inklusive Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer zu. In vorliegendem Fall ist in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen von einem durchschnittlichen Fall auszugehen. Eine Parteientschädigung von CHF 3'750.00 erschient daher angemessen. </h2> <b><span><br/> </span></b> <p class="aaText"><b>Demgemäss erkennt das Sozialversicherungsgericht</b>:</p> <p class="aaDispositiv">://: Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung vom 5. März 2021 wird aufgehoben und es wird die Sache zur erneuten psychiatrischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. </p> <p class="aaDispositiv"> Die Beschwerdegegnerin trägt eine Gerichtsgebühr von CHF 800.00. </p> <p class="aaDispositiv"> Die Beschwerdegegnerin bezahlt dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 3'750.00 (inkl. Auslagen) zuzüglich CHF 288.75 Mehrwertsteuer. </p> <p class="aaDispositiv"> </p> <p class="aaDispositiv"> </p> <p class="aaDispositiv"> </p> <p class="aaDispositiv"><b><span>Sozialversicherungsgericht</span> BASEL-STADT</b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Der Präsident Die Gerichtsschreiberin</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Dr. G. Thomi<span lang="EN-GB"> </span>MLaw N. Marbot</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <b><span><br/> </span></b> <p class="MsoBodyText"><b><span>Rechtsmittelbelehrung</span></b></p> <p class="MsoNormal"><span>Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die Beschwerdefrist kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdegründe sind in Art. 95 ff. BGG geregelt.</span></p> <p class="MsoNormal"><span>Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:</span></p> <p class="MsoNormal"><span>a) Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;</span></p> <p class="MsoNormal"><span>b) in der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt;</span></p> <p class="MsoNormal"><span>c) die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Geht an:</p> <p class="gehtan"><span>– </span><span>Beschwerdeführer</span><span><br/> – </span><span>Beschwerdegegnerin</span></p> <p class="gehtan"><span>– Bundesamt für Sozialversicherungen</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Versandt am: <a name="Text4"></a> </p> </div></body></html></html>