Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. März 2013 (720 12 369) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision; erhebliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ist gestützt auf die versi- cherungsinternen Gutachten ausgewiesen; Gutheissung der Beschwerde, weil die Selbsteingliederung nach über 16-jährigem Bezug einer ganzen IV-Rente verneint wurde und die IV-Stelle vor Rentenaufhebung keine Integrations- und Eingliederungsmassnah- men geprüft hat Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Micha el Guex, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advo- kat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1962 geborene A.____ arbeitete als Hilfskraft in der Landwirtschaft. Im Juli 1995 musste er seine Erwerbstätigkeit aufgrund seiner epilep tischen Anfälle aufgeben. Am 4. Februar 1997 meldete er sich bei der Eidgenössischen I nvalidenversicherung (IV) zum Be- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zug von Leistungen an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Lan dschaft (IV-Stelle) die gesundheitli- chen und die erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte sie einen Invaliditätsgrad von 100 %. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ mit Verfügungen vom 16. Oktober 1998 und vom 30. November 1998 mit Wirkung ab 1. Juli 1996 eine ganze Rente zu. Im Juli 2000 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen eine Überprüfu ng des laufenden Rentenanspruchs des Versicherten ein. Dieses Verfahren endete mit der Mitt eilung an den Versicherten vom 22. Ja- nuar 2002, in der festgehalten wurde, dass keine renten beeinflussende Änderung des Invalidi- tätsgrades habe festgestellt werden können. Eine weite re Revision wurde im Januar 2007 ein- geleitet und mit Mitteilung vom 3. August 2007 bei eb enfalls unverändertem Gesundheitszu- stand abgeschlossen. Eine nächste Rentenrevision von Amte s wegen leitete die IV-Stelle im Juli 2009 ein. Aufgrund ihrer Abklärungen gelangte sie zur Auffassung, dass sich der Gesund- heitszustand von A.____ verbessert habe. Der aus diesem Gr und neu vorzunehmende Ein- kommensvergleich ergebe lediglich noch einen Invalidität sgrad von 8 %. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens stellte die IV-Stelle deshalb die laufende ganze Rente mit Verfü- gung vom 26. Oktober 2012 auf das Ende des der Zustellu ng der Verfügung folgenden Monats ein. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokat Dr. Alex Hedige r namens und im Auftrag von A.____ am 26. November 2012 Beschwerde beim Kantonsg ericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuhe- ben und es sei dem Beschwerdeführer ab 1. Dezember 201 2 weiterhin eine ganze Rente, ba- sierend auf einem mindestens 70 %-igen Invaliditätsgrad, auszurichten; unter o/e-Kostenfolge, wobei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessfü hrung und die unentgeltliche Ver- beiständung mit seinem Rechtsvertreter zu bewilligen sei . Zur Begründung wurde im Wesentli- chen geltend gemacht, dass nicht von einer revisionsrecht lich relevanten Verbesserung des Gesundheitszustands ausgegangen werden könne. Es ergebe sich aus den medizinischen Ak- ten, dass keine grundlegende Veränderung seit 1997 ein getreten sei. Das Gegenteil sei der Fall. Epileptische Anfälle würden nach wie vor und mit eindrücklicher Regelmässigkeit auftreten. Diese würden den Beschwerdeführer daran hindern, eine Arbeitsleistung in der freien Wirtschaft zu erbringen. Es sei davon auszugehen, dass die Ärzte, welche sich im Jahr 1997/98 zur Zu- mutbarkeitsbeurteilung geäussert hätten, auch im heuti gen Zeitpunkt keine andere Zumutbar- keitsbeurteilung vornehmen würden, wenn sie sich den jet zigen Gesundheitszustand des Be- schwerdeführers vor Augen führen würden. C. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2012 wurde dem Bes chwerdeführer für das vorlie- gende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspf lege mit seinem Rechtsvertreter bewil- ligt. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. D. In ihrer Vernehmlassung vom 7. Januar 2013 beantrag te die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 26. November 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung d es Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti- gen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1). Die bis zum 31. Dezember 2002 er gangene diesbezügliche Rechtspre- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht chung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts ( EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleibt folglich weitestgeh end anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen). So hat die Rechtsprechung bezüglich Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche die Ver- sicherungsträger im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeh olt haben und die den von der Recht- sprechung verlangten Anforderungen genügen, festgehalte n, das Gericht dürfe diesen Gutach- ten vollen Beweiswert zuerkennen, solange "nicht konkre te Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 4.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Unter dieser Voraussetzung gilt dies auch für eine blosse Mitteilung, mit welcher die V erwaltung feststellt, es sei keine leis- tungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse eingetreten; denn laut Art. 74 ter lit. f IVV bedarf es keiner Verfügung, wenn die Invalidenrente nach eine r von Amtes wegen durchgeführten Re- vision weiter ausgerichtet wird. Eine solche Mitteilung ist, wenn keine Verfügung verlangt wor- den ist (Art. 74 quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskr äftigen Verfügung gleichzustellen (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2010, 9C_586/2010, E. 2.2). 4.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwe rdeführer mit Verfügungen vom 16. Oktober 1998 und vom 30. November 1998 rückwirkend ab 1. Juli 1996 eine ganze IV- Rente zugesprochen. Diese Rente wurde im Jahr 2002 in Revision gezogen, jedoch unverän- dert belassen. Im Januar 2007 leitete die Beschwerdegeg nerin erneut von Amtes wegen eine Überprüfung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers ei n (vgl. IV-Akte 30). Im Zuge die- ser Abklärung holte sie einen IK-Auszug sowie Verlaufsber ichte von Dr. med. B.____, Allge- meine Medizin FMH (Bericht vom 12. April 2007, IV-Akt e 30), und vom Epilepsie-Zentrum Z.____ (Bericht vom 2. Juli 2007, IV-Akte 36), ein. Gest ützt auf den Bericht des Epilepsie- Zentrums Z.____ stellte der Regionale ärztliche Dienst beider Basel (RAD) einen unveränderten Gesundheitszustand fest (Stellungnahme von Dr. med. C. ____ vom 9. Juli 2007, IV-Akte 37). Schliesslich ist die Beschwerdegegnerin gestützt auf dies e Abklärungen zur Auffassung ge- langt, dass bei der Überprüfung des Invaliditätsgrads kei ne Änderungen hätten festgestellt wer- den können. Es bestehe daher weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente bei einem IV-Grad von 100 % (vgl. Mitteilung vom 3. August 2007, IV-Akte 39). Gleichzeitig forderte sie den Beschwer- deführer gestützt auf Art. 21 ATSG auf, eine angemesse ne Heilbehandlung aufzunehmen (IV- Akte 38). 4.4 Massgebender zeitlicher Ausgangspunkt ist daher im Li chte von BGE 133 V 108 be- trachtet die gesundheitliche und erwerbliche Situatio n im Zeitpunkt der rentenbestätigenden Mitteilung vom 3. August 2007, denn dieser Mitteilung ist eine materielle Rentenüberprüfung vorausgegangen. Die Frage, ob eine Änderung in den t atsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Herabsetzung der bis anhin aus gerichteten Rente rechtfertigt, beur- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt sich deshalb durch den Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Mitteilung vom 3. August 2007 bestanden hat, mit demjenigen im Zeit punkt der vorliegend angefochtenen Ver- fügungen vom 26. Oktober 2012. 5.1 Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesun dheitszustand und – damit einher- gehend – der Grad der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdef ührers tatsächlich, wie von der Be- schwerdegegnerin geltend gemacht, seit dem Revisionsverfah ren im Jahre 2007 in einer an- spruchserheblichen Weise verbessert hat. 5.2 Anlässlich der Rentenbestätigung im Jahr 2007 stützte sich die Beschwerdegegnerin auf den Arztbericht des Epilepsie-Zentrums Z.____ vom 2. Juli 2007 (IV-Akte 36). Darin diag- nostizieren die behandelnden Ärzte Prof. Dr. med. D.__ __ und Dr. med. E.____ mit Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit eine symptomatische Epilepsie mit komplex-partiellen und sekundär generalisierten Anfällen seit 1992. Der Gesundheitszust and sei stationär. In den Jahren 2005 und 2006 seien keine Konsultationen erfolgt. Die letzt e Untersuchung habe im Juni 2007 statt- gefunden. Aktuell bestehe unter einer Kombinationsbe handlung mit Carbamazepin und La- motrigin keine Anfallsfreiheit. Es würden vier bis sieben Anfälle pro Monat auftreten. 5.3.1 Im Rahmen des von ihr im Juli 2009 von Amtes weg en eingeleiteten Rentenrevisions- verfahrens holte die Beschwerdegegnerin erneut medizinische Verlaufsberichte ein: 5.3.2 Mit Bericht vom 28. September 2009 halten Prof. Dr. D.____ und Dr. med. F.____, Epilepsie-Zentrum Z.____, als Diagnosen eine symptomati sche Epilepsie mit komplex-fokalen und sekundär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen (ICD-10 G40.2) bei MR-tomografisch Hippokampusatrophie links, eine lageabhängige obstrukti ve Schlafapnoe (ICD-10 G47, Erstdi- agnose 2004), eine Dysthymie (ICD-10 F34.1) sowie Spa nnungskopfschmerzen und den Ver- dacht auf zusätzlich vorliegenden Analgetica-induzierten Kopfschmerz fest. Der Patient sei of- fenbar im Juni 2009 in stationärer Behandlung gewesen. Aktuell bestehe immer noch keine An- fallsfreiheit. Es würde etwa zu einem bis drei Anfall sereignissen pro Monat kommen. Der Pati- ent klage sodann über seit Jahren bestehende, drückende Kopfschmerzen, Tagesmüdigkeit und Schnarchen. Epileptologischerseits bestehe eine Einsch ränkung der Arbeitsfähigkeit in qualitativer Hinsicht mit Unfähigkeit für das Arbeiten in der Höhe und an offenen und gefährli- chen Maschinen. Der Patient sei fahruntauglich und dürf e nicht im Schichtdienst arbeiten. Für alle weiteren möglichen Einschränkungen insbesondere bezü glich der Dysthymie seien die Fachkollegen zu befragen. Nach Anfallsereignissen kön ne eine gewisse Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für Stunden bis 1-2 Tage (wenn es sich um generalisierte tonisch-klonische Ereignisse handle) möglich sein. 5.3.3 Dr. med. G.____, Neurologie FMH, diagnostizier t in seinem im Auftrag der Beschwer- degegnerin verfassten neurologischen Gutachten vom 7. F ebruar 2011 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine pharmakotherapie-resistente symptomatische partielle Epilepsie mit komplex-partiellen und z.T. sekundär generalisierten An fällen (ICD-20 G40.2) bei Hippokampu- satrophie links (MRI April 2004). Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien ein obstruk- tives Schlaf-Apnoe-Syndrom laut Angabe, Übergewicht, St atus nach Nikotinabusus und nach Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Exstirpation einer Pseudozyste im rechten Lungenmittella ppen im April 1987. Aus neurologi- scher Sicht bestehe klar eine qualitative Einschränkung d er Arbeitsfähigkeit aufgrund der Hauptdiagnose. Tätigkeiten mit Selbst- und Fremdgefä hrdung seien nicht zumutbar. Dazu wür- den Arbeiten in der Höhe oder an gefährlichen offene n Maschinen wie auch das Führen von Fahrzeugen gehören. Schichtdienst sei aufgrund des pote nziell negativen Einflusses auf die Epilepsie auch nicht zumutbar. Eine prinzipielle quanti tative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne nicht durch objektive Befunde belegt werden. Dem E xploranden könne, nebst der quali- tativen Einschränkungen, quantitativ unter Berücksichtigun g der Zweierkombination Antiepilep- tika wegen der dadurch plausibel erklärbaren Müdigkeit und auch unter Berücksichtigung der Erholungsnotwendigkeit nach Anfällen eine 20 %-ige Ei nschränkung der Arbeitsfähigkeit attes- tiert werden. Die Leistungsfähigkeit sei dabei nicht ve rmindert. Unter Berücksichtigung der letz- ten vier Jahre seit der Revision könne gesagt werden, dass sich die Anfallsfrequenz halbiert habe. Daraus könne eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden. 5.3.4 In der Folge beauftragte die Beschwerdegegneri n das Gutachterinstitut H.____ mit der polydisziplinären Begutachtung (Innere Medizin, Neurolog ie und Psychiatrie) der Beschwerde- führers. Das Gutachterteam (Dr. med. I.____, Innere M edizin, Dr. med. G.____, Neurologie, und Dr. med. J.____, Psychiatrie) diagnostiziert im Guta chten vom 23. August 2011 nach einer Konsensbesprechung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigk eit eine pharmakotherapiere- sistente symptomatische partielle Epilepsie mit komplex-p artiellen und z.T. sekundär generali- sierten Anfällen bei Hippokampusatrophie. Die angegeb ene Müdigkeit schränke die Arbeitsfä- higkeit nicht ein. Ein psychisches Leiden mit Einfluss auf d ie Arbeitsfähigkeit sei nicht gegeben. Eine Einschränkung ergebe sich nur durch die Epilepsie. Diese sei qualitativer Art. Prinzipiell seien Tätigkeiten mit Selbst- und Fremdgefährdung nich t zumutbar und auch Schichtarbeit komme nicht in Frage. Abgesehen davon bestehe theoret isch keine Einschränkung. Festzuhal- ten gelte es aber, dass jeweils nach Anfällen, vor allem nach den grösseren, kurzfristig und in unvorhersehbarer Weise während ein bis zwei Tagen die Arbeitsfähigkeit aufgehoben sein kön- ne resp. sei. Zusammenfassend komme man zum Schluss, dass a uch unter Berücksichtigung einer allenfalls medikamentös bedingten Müdigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % resultiere. Allenfalls im Zusammenhang mit der bekannten linksseitige n Hippokampusatrophie mögliche neurokognitive Defizite würden sich nur bei intellektuel l anspruchsvolleren Tätigkeiten manifes- tieren. Im Zusammenhang mit der bisherigen Krankengesch ichte hält das Gutachterteam fest, dass es gemäss dem vom Exploranden minutiös geführten Anfa llskalender im Jahr 2007 zu insgesamt 54 Ereignissen gekommen sei und im Jahre 2010 zu 25 Ereignissen. Die aktuelle Frequenz liege zwischen null und vier komplex-partiellen Anfällen pro Monat und etwa einem Grand mal-Anfall alle drei Monate. 5.4 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteilu ng des aktuellen medizinischen Sachverhaltes und bei ihrem Entscheid über die Frage, o b seit der ursprünglichen Rentenzu- sprechung eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszusta ndes des Beschwerdeführers eingetreten ist, auf das interdisziplinäre Gutachten der Gutachterinsitut H.____ vom 23. August 2011 und das neurologische Gutachten von Dr. G.____ vom 7. Februar 2011. Wie oben ausge- führt (vgl. Erwägung 3.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuve rlässigkeit der Expertisen spre- chen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das neurolo gische Gutachten von Dr. G.____ vom 7. Februar 2011 und das Gutachten des Gutachterinsituts H.____ vom 23. August 2011 weisen weder formale noch inhaltliche Mängel auf. Sie sind – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. Erwägung 3.3 hiervor) – für die streitigen Belan ge umfassend, beruhen auf allseitigen Un- tersuchungen, berücksichtigen die geklagten Beschwerden, sind in Kenntnis der Vorakten ab- gegeben worden, leuchten in der Darlegung der medizin ischen Zusammenhänge bzw. der Be- urteilung der medizinischen Situation ein und setzen sic h mit den vorhandenen ärztlichen Ein- schätzungen auseinander und sind in den Schlussfolgerungen überzeugend. 5.5.1 Der Beschwerdeführer stellt die ausschlaggebende B eweiskraft der im Verwaltungsver- fahren eingeholten Gutachten von Dr. G.___ und des Gut achterinstituts H.____ in Frage, da es nicht nachvollziehbar sei, wie die Gutachter zur Auffassung gelangen würden, die Anfälle hätten sich seit 2007 wesentlich verbessert. Es sei in verschiedenen Berichten festgehalten worden, dass die Epilepsie therapierefraktär sei. 5.5.2 Im vorliegend relevanten Vergleichszeitpunkt 2007 kam es beim Beschwerdeführer zu vier bis sieben Epilepsieanfällen pro Monat (vgl. Bericht des Epilepsie-Zentrums Z.____ vom 2. Juli 2007; vgl. auch Gutachten von Dr. G.____, S. 8, der von insgesamt 54 Ereignissen aus- geht). Gemäss Dr. G.____ ist es sodann im Jahr 2010 zu 2 5 Anfällen und im Februar 2011 zu einer Anfallshäufigkeit von null bis vier Anfällen pr o Monat gekommen (Gutachten Dr. G.____, S. 8). Im Gutachten des Gutachterinstituts H.____ wird sodann auf S. 17 festgehalten, dass im Januar 2011 drei, im Februar zwei, im März drei, im Ap ril zwei, im Mai ein und im Juni bisher vier Ereignisse stattgefunden haben. Aus den vom Beschwe rdeführer eingereichten Anfallska- lender (Beilagen 10 und 11) geht hervor, dass er im Ja hr 2011 insgesamt 40 Anfälle (d.h. im Durchschnitt zwischen zwei bis vier pro Monat) und in den e rsten zehn Monaten des Jahres 2012 insgesamt 37 Anfälle erlitten hat (d.h. im Durchsc hnitt ebenfalls zwei bis vier pro Monat). Ein Vergleich der Anfallshäufigkeit der letzten Jahre zum Jahr 2007 zeigt, dass deutlich weniger Anfälle aufgetreten sind. Wenn Dr. G.____ daraus eine anspruchserhebliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ableitet, so ersc heint diese Beurteilung als nachvoll- ziehbar und schlüssig. 5.6.1 Weiter rügt der Beschwerdeführer, dass eine allfä llig geringfügige Reduktion der An- fallsereignisse, die auf eine verstärkte Medikamentendo sis zurückzuführen sei, nicht dazu füh- ren könne, dass von einer Verbesserung der erwerblichen Situation ausgegangen werden kön- ne. Denn mit der verstärkten Medikamentendosis gehe eine verstärkte Tagesmüdigkeit einher, die sich ebenfalls auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. 5.6.2 Dr. G.____ geht davon aus, dass die Arbeitsfähi gkeit aufgrund dieser Müdigkeit und des Umstands, dass nach Anfällen die Notwendigkeit der Erholung besteht, zeitlich reduziert sei und nur noch 80 % betrage (Fragen 6.1.1, S. 9 sowie 7 .5, S. 10 des Gutachtens von Dr. G.____). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers w urde die Tagesmüdigkeit somit Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht von den Gutachtern berücksichtigt und es wurde ihr sogar einen Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit attestiert. 5.7.1 Der Beschwerdeführer stellt sich zudem auf den Sta ndpunkt, dass sich die neurokogni- tiven Defizite – entgegen der Auffassung von Dr. G.____ im Gutachten vom 7. Februar 2011 – auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Der Einflu ss der neurokognitiven Defizite werde durch den Abschlussbericht des Werkstätten- und Wohnzentrums K.____ vom 6. Juli 1998 ver- deutlicht (IV-Akte 54.5, S. 9/11). 5.7.2 In der Tat spricht die bundesgerichtliche Praxis de n Ergebnissen leistungsorientierter beruflicher Abklärungen eine gewisse Aussagekraft für di e Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit zu. Wenn eine medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erhebli- cher Diskrepanz zu einer Leistung steht, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklä- rung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der v ersicherten Person effektiv realisiert worden ist und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute ob jektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begrü nden. Das Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme ist diesfalls unabdingbar (Urteile des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2012, 9C_737/2011, E. 3.3 und vom 4. Juli 2008, 9C_833/2007, E. 3.3.2). Eine solche Konstellation ist im vorliegenden Fall jedoch nich t gegeben. Dr. G.____ hatte bei der Untersuchung des Beschwerdeführers Kenntnis vom Bericht de s Werkstätten- und Wohnzent- rums K.____ vom 6. Juli 1998 und damit auch vom Ergebn is der beruflichen Abklärung (Gut- achten, S. 3). Dennoch ist er aus medizinisch-theoretisch er Sicht zur Auffassung gelangt, dass sich allfällige aufgrund der Hippokampusatrophie vorlie gende neurokognitive Defizite bei der Ausübung einer intellektuell einfachen Tätigkeit, wie sie der Explorand bisher ausgeübt habe, nicht einschränkend auswirken würden. Zum gleichen Schluss ist auch das Gutachterteam an- lässlich der Konsensbesprechung gekommen (Frage 6, S. 2 7). Die Einholung einer klärenden Stellungnahme erübrigt sich somit. 5.8 Insgesamt liegen somit keine hinreichenden Indizien vor, die gegen den Beweiswert des Gutachtens von Dr. G.____ vom 7. Februar 2011 und des Gutachtens des Gutachtensinsti- tuts H.____ vom 23. August 2011 sprechen würden. Auf die in sich schlüssige und überzeu- gende Beurteilung der Gutachter kann abgestellt werde n. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist daher nicht zu beanstanden. Weitere medizinische Abklär ungen erweisen sich nicht als not- wendig. 6.1 Es ist daher mit der Vorinstanz davon auszugehen, da ss aus medizinischer Sicht eine anspruchswesentliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit im Vergleich zum Jahr 2007 eingetre- ten ist. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Besch werdeführers wird wesentlich durch die Zahl seiner epileptischen Anfälle bedingt. Die Anf allsfrequenz hat sich in den letzten vier Jahren halbiert, weshalb deutlich weniger Phasen beste hen, in denen eine Erholung notwendig wird. Eine erhebliche Steigerung der Arbeitsfähigkei t des Beschwerdeführers in quantitativer Hinsicht ist daher aufgrund der Halbierung der Anfälle ausgewiesen. Es handelt sich somit nicht um eine lediglich andere Beurteilung eines an sich g leich gebliebenen medizinischen Sachver- halts. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Im Rahmen der strittigen Revision stellt sich dah er die Frage, ob die Beschwerdegeg- nerin die seit Juli 1996 laufende ganze Invalidenrente zu Recht mit Wirkung per 30. November 2012 eingestellt hat. Die Beschwerdegegnerin ist in de r angefochtenen Verfügung davon aus- gegangen, dass das Erwerbseinkommen, das der Beschwerde führer auf Grund der aktuellen gesundheitlichen Verhältnisse erzielen könnte, dem zur E rmittlung des Invaliditätsgrades anzu- stellenden Einkommensvergleich unverzüglich zu Grunde zu l egen ist. Auf die sich in diesem Zusammenhang stellende Problematik der Wiedereingliede rung des im Zeitpunkt des Verfü- gungserlasses bereits seit mehr als 16 Jahren eine ganze IV-Rente beziehenden Beschwerde- führer ist sie hingegen nicht eingegangen. 6.2.2 Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz a llgemein der Grundsatz, dass die invali- de Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumu tbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern. Von den Versicherten können jedoch nur Vor- kehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 28 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung). Die Wiedereingliederung von Ver sicherten im fortgeschrittenen Alter oder nach invaliditätsbedingt langjährigem Fernbleibe n von der Arbeitswelt ist oftmals schwie- rig. Laut ständiger Rechtsprechung ist zwar im Regelfa ll eine medizinisch attestierte Verbesse- rung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg de r Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem Rentenbezug und/oder auf Grund des fortgeschrittenen Alters des Versi- cherten können jedoch ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeit smarktes der Anrechnung ei- ner medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizin isch möglichen Leistungsentfal- tung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei h ervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchfüh rung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Per son nicht möglich ist (Urteil des Bun- desgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis auf Urteil vom 10. September 2010, 9C_163/2009, E. 4.1 und 4.2.2). Die Verwaltung muss sich vor der Her- absetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente vergewi ssern, ob sich ein medizinisch- theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tiefe- ren Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür – aus nahmsweise – im Einzelfall eine erwerbs- bezogene Abklärung (der Eignung, Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im Rechtssinne vorausgesetzt ist (Ur teil des Bundesgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis a uf Urteil vom 10. September 2010, 9C_768/2009, E. 4.1.2). 6.2.3 Im Urteil vom 26. April 2011 (9C_228/2010, pu bliziert in: Sozialversicherungsrecht – Rechtsprechung [SVR] 2011 IV Nr. 73) hat das Bundesger icht sodann festgehalten, dass aus Gründen der Rechtssicherheit diejenigen Fälle, in wel chen der Ausnahmetatbestand der Not- wendigkeit (vorgängiger) befähigender beruflicher Massna hmen trotz wiedergewonnener Ar- beitsfähigkeit als erfüllt zu betrachten ist, vom Regelf all der Fälle einer sofortigen erwerblichen Verwertbarkeit abzugrenzen sind. Es hat deshalb die vorst ehend geschilderte Rechtsprechung (vgl. E. 6.2.1 hiervor) dahingehend präzisiert, dass sie grundsätzlich auf Sachverhalte zu be- schränken ist, in denen die revisions- oder wiedererwägung sweise Herabsetzung oder Aufhe- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht bung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft , die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.3). 6.2.4 Die beiden Abgrenzungskriterien Alter 55 und R entenbezug 15 Jahre lehnen sich an die von den Eidgenössischen Räten am 18. März 2011 beschl ossenen und am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen zur 6. IVG-R evision an. Anders als im vorliegenden Kontext geht es dort um die generelle Überprüfung vo n Renten, die bei pathogenetisch- ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundla- ge gesprochen worden waren. Dies soll innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten der Ände- rung geschehen. Dabei sollen Renten auch gekürzt oder a ufgehoben werden, wenn sich der Invaliditätsgrad der versicherten Person nicht erheblich geändert hat. Hierfür regelt die erwähn- te Schlussbestimmung in Abs. 4, dass die erwähnte Überprüf ung auf Personen (mit dem obge- nannten Beschwerdebild) keine Anwendung findet, die i m Zeitpunkt des Inkrafttretens der Än- derung das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung einge- leitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen. Nach der Botschaft werden mit einer solchen Besitzstandgarantie di e Gesichtspunkte der Rechtssicher- heit und des Vertrauensschutzes berücksichtigt, weil eine W iedereingliederung in diesen Fällen faktisch ausgeschlossen sein dürfte (Bundesblatt [BBl] 2 010, S. 1912; SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.4). 6.2.5 Die Übernahme der beiden Abgrenzungskriterien bedeutet nun allerdings nicht, dass die darunter fallenden Rentner/innen in dem revision s- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) bzw. gegebenen- falls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass – von Ausnahmen abgese- hen – aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die Selbsteingliede- rung nicht mehr zumutbar ist (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.5). 6.3.1 Der Beschwerdeführer bezieht seit mehr als 16 Ja hren eine ganze IV-Rente. Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin vor der Re ntenaufhebung weder Eingliede- rungsmassnahmen durchgeführt noch den Beschwerdeführer auf die Möglichkeit der Durchfüh- rung von solchen Massnahmen hingewiesen hat. In der ang efochtenen Verfügung vertrat sie die Auffassung, dass berufliche Massnahmen für die Umset zung der attestierten Arbeitsfähig- keit gar keine notwendige Bedingung seien. Gestützt auf die gerade aufgezeigte Praxis des Bundesgerichts kann dieser Auffassung der Beschwerdegegne rin nicht zugestimmt werden, da der Beschwerdeführer mehr als 15 Jahre lang eine volle IV-Rente bezogen hat und ihm daher eine Selbsteingliederung nicht zumutbar ist. Er hat daher grundsätzlich Anspruch auf die Durch- führung von Eingliederungsmassnahmen vor Leistungseinstellung. 6.3.2 Zu klären gilt allerdings, ob der Eingliederun gswille des Beschwerdeführers in Frage zu stellen ist. Wenn dem so wäre, so wäre die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen nicht erfolgsversprechend und diese wären von vornherei n nicht angezeigt gewesen. Der RAD hat sich zu dieser Frage nicht geäussert. Ebenfalls ist n icht aktenkundig, dass die Beschwerde- gegnerin im Rahmen des Revisionsverfahrens die Frage nach der Notwendigkeit von Eingliede- rungsmassnahmen (vgl. Art. 14a und Art. 15 ff. IVG) be handelt und damit nach der subjektiven Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eingliederungsfähigkeit gefragt hätte. In der angefo chtenen Verfügung wurde dazu ausgeführt, dass der Beschwerdeführer gegenüber den ärztlichen Gutachtern zum Thema der eigenen Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit angegeben habe, dass für i hn eine berufliche Abklärung nicht in Frage komme, solange er von den Ärzten keine Garantie für eine Anfallsfreiheit erhalte. 6.3.3 Das Bundesgericht hat im Urteil vom 28. Dezember 2012, 9C_368/2012, in Erwägung 3 festgehalten, dass, wenn wie im vorliegenden Fall gr undsätzlich Anspruch auf Eingliede- rungsmassnahmen besteht, nur dann von einem nachhaltig f ehlenden Eingliederungswillen auszugehen ist, wenn er mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit feststeht. Der Beschwerdeführer gab gegenüber Dr. G.____ an, dass er mehr Probleme mit seiner Krank- heit gehabt habe, als er noch gearbeitet habe. Weiter gab er an, dass er sich arbeitsunfähig fühle und dass er, wenn er gesund wäre und keine Medik amente und keine medizinische Hilfe mehr in Anspruch nehmen müsste, sofort wieder arbeiten gehen würde (Gutachten vom 7. Februar 2011, S. 7). Dr. G.____ hielt sodann auf die Frage der Vorinstanz, ob berufliche Massnahmen indiziert seien, fest, dass solche insofern indi ziert seien, als der Explorand beim Finden einer geeigneten Arbeitsstelle sicherlich Hilfe brauche und erwähnte ausserdem, dass dieser nach 15 Jahren Arbeitsuntätigkeit jeglicher Aktivi tät entwöhnt sei. Auch die Motivation, wieder eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen, sei minimal bis nicht vorhanden. Dementsprechend sei die diesbezügliche Prognose einzuordnen (Gutachten, S . 10). Der internistische Gutachter Dr. I.____ hält in seinem Teilgutachten fest, dass aus seiner Sicht eine berufliche Abklärung sinnvoll sei (Gutachten des Gutachtensinstituts H.____, S . 15). Das Gutachterteam hat die Ein- gliederungsfähigkeit und den Eingliederungswillen anl ässlich der Konsensbesprechung nicht beurteilt. 6.3.4 Sowohl Dr. G.____ als auch Dr. I.____ sind zur Auffassung gelangt, dass Eingliede- rungsmassnahmen sinnvoll sind. Dass der Beschwerdeführer in gesundheitlicher Hinsicht ge- genüber Dr. G.____ angegeben hat, dass er sich arbeitsunfähig fühle und er damit eine von der ärztlichen Einschätzung abweichende Auffassung vertreten hat, genügt gemäss bundesgericht- licher Rechtsprechung (vgl. Erwägung 6.3.3 hiervor) fü r sich alleine nicht, mit Blick auf später durchzuführende Massnahmen die subjektive Eingliederung sfähigkeit in Abrede zu stellen. An- gesichts des langjährigen Status als Vollinvalider ist es verständlich, dass der Beschwerdefüh- rer von seiner Krankheit und seiner Behinderung über zeugt war. Es besteht somit keine genü- gende Grundlage für die Annahme, dass es ihm im Rahmen seiner mittlerweile verbindlich fest- gelegten Arbeitsfähigkeit bei resp. nach Durchführung von grundsätzlich angezeigten Mass- nahmen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit am Einglie derungswillen gefehlt hätte. Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer in seinem Einwand vom 25. Januar 2012 gegen den Vorbescheid die vorgängige Durchführung von Eingliederu ngsmassnahmen explizit gefordert hatte. 7. Zusammenfassend ergibt sich aus dem Gesagten, dass der Beschwerdeführer wäh- rend mehr als 16 Jahren eine ganze IV-Rente bezogen ha t. Trotz dieser ausserordentlich lan- gen Dauer des Rentenbezugs und der damit verbundenen l angjährigen gänzlichen Abwesen- heit vom Arbeitsmarkt und trotz der medizinisch klar ausg ewiesenen gesundheitlichen Ein- schränkungen hat die Beschwerdegegnerin vorliegend keine rlei berufliche Abklärungsmass- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahmen und/oder Eingliederungsversuche ergriffen. Indem die Beschwerdegegnerin ohne Wei- teres davon ausgegangen ist, dass sich der Beschwerdeführe r auf dem allgemeinen ausgegli- chenen Arbeitsmarkt selbst eingliedern könne, hat sie o ffenbar übersehen, dass dieser zur Gruppe der Versicherten zählt, denen nach dem vorstehen d Gesagten die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist. Vor einer Rentenherabsetzung h ätten deshalb eine erwerbsbezogene Abklärung erfolgen und anschliessend die als zweckmässig er achteten beruflichen Eingliede- rungsmassnahmen durchgeführt werden müssen. Die vorliege nd ohne vorherige Durchführung von Eingliederungsschritten angeordnete Rentenherabsetzung erweist sich demnach als unzu- lässig, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben ist. Der Beschwerdegegnerin bleibt es allerdings unbenommen, nunmehr die erforderlichen Abkl ärungs- und Eingliederungsschritte in die Wege zu leiten. Solange sie aber solche Schritte ni cht trifft und umsetzt, hat der Beschwer- deführer weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Ren te. Im Rahmen der Eingliederung wird die Beschwerdegegnerin einem allfälligen Widerstand d es Beschwerdeführers mit dem Proze- dere gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG begegnen. Zusammenfasse nd ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerde im Sinne der vorstehenden Erwägunge n gutzuheissen und die angefoch- tene Verfügung vom 26. Oktober 2012 aufzuheben ist. 8.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . Beim Entscheid über die Verle- gung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsät zlich auf den Prozessausgang abzustel- len. Vorliegend ist der Beschwerdeführer obsiegende und die Beschwerdegegnerin unterlie- gende Partei. 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegeg- nerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. In diesem Zusam- menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vor- behältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VP O – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die Beschwerde gegnerin als Vorinstanz trotz Unter- liegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Di es hat zur Folge, dass für den vorlie- genden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. De r Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 17. Janu ar 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 10,75 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu ent schädigen. Nicht zu beanstan- den sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen A uslagen von Fr. 288.--. Dem Be- schwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'213.55 Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht (10,75 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 288.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen und die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 26. Oktober 2012 wird aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'213.55 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht