<h2>SubmittedText<h2><p>Die Schweiz wird nicht nur für ihre diplomatische Erfahrung auf internationaler Ebene geschätzt, sondern ist auch im wissenschaftlichen Bereich ein Standort ersten Ranges. Wenn die Schweiz diese beiden Kompetenzen vereint, könnte sie zum Champion der Wissenschaftsdiplomatie werden und so ihr politisches Gewicht auf internationaler Ebene, ihre Attraktivität als Top-Standort für die Wissenschaft und die Wissenschaft als Wirtschaftszweig stärken.</p><p>Die Schweiz zeichnet sich durch eine lange diplomatische Tradition mit dem Schwerpunkt humanitäre Diplomatie aus: Konfliktprävention, Mediation, Nothilfe.</p><p>Der hervorragende Ruf der Schweiz beruht hauptsächlich auf den Spitzenprodukten der Industrie sowie ihrer Forschungs- und Innovationskompetenz. Unser Land ist auch führend in Bezug auf Patente und Forschungs- und Entwicklungsausgaben pro Einwohnerin und Einwohner. Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen und die Universitäten sind international immer sehr gut klassiert. Das Ausmass des Beitrags der Wissenschaften zu unserem hervorragenden Image wird aber noch nicht von allen Seiten entsprechend wahrgenommen.</p><p>Die Verknüpfung unserer diplomatischen und wissenschaftlichen Kompetenzen war schon der rote Faden der Ambassadorenkonferenz vor einem Jahr. Ein solcher Schritt erfordert starke Forschungsprojekte.</p><p>Ein Projekt könnte sich mit Gletschern und extremen Klimasituationen befassen: Hier gibt es eine direkte Verbindung zur geografischen Identität der Schweiz. Auch die Klimaerwärmung gehört dazu: Seit dem COP21 hat dieses Thema weltweit Priorität. Wahrscheinlich werden sich die USA aber nach der Wahl von Donald Trump von diesen Bestrebungen distanzieren. </p><p>Ein spezieller Aspekt dieses Projekts könnte der Ansatz des Unternehmers Frederik Paulsen sein. In den Gletschern sind zahlreiche Informationen über die Geschichte unseres Planeten gespeichert. Mithilfe heutiger Technologien können Informationen über Begebenheiten, die bis zu 800 000 Jahre alt sind, entschlüsselt werden. Das Schmelzen der Gletscher bedroht aber dieses Erbe. Die Idee besteht darin, die Erforschung von Bohrproben voranzutreiben und Muster zu konservieren, die mit künftigen Technologien untersucht werden könnten. Die so gewonnenen Erkenntnisse könnten zum Erhalt des Planeten beitragen.</p><p>1. Ist die Schweiz daran interessiert, die Wissenschaftsdiplomatie zusätzlich zu fördern?</p><p>2. Gletscher und extreme Klimasituationen: Könnte die Schweiz in diesem Bereich eine führende Rolle einnehmen?</p><p>3. Bohrproben bei Gletschern: Könnte die Schweiz solche Studien und Konservierungsbemühungen unterstützen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Schweiz betreibt bereits seit vielen Jahren Wissenschaftsdiplomatie ("Diplomacy for Science"). Sie macht dies insbesondere im Rahmen der bestehenden bilateralen Abkommen mit zahlreichen Staaten und in internationalen Forschungsorganisationen, denen sie als Mitglied angehört. Sie setzt sich in Verhandlungen ein, die sie im und für den Wissenschaftsbereich führt. Hierfür nutzt die Schweiz spezifisch auch ihr Netzwerk von Swissnex und Wissenschaftsräten, welche an zahlreichen Schweizer Vertretungen im Ausland arbeiten. So nutzt die Schweiz ihre Diplomatie aktiv für die Förderung der Schweizer Forschung und Innovation.</p><p>Zudem stellt die Schweiz die Wissenschaft in den Dienst der Diplomatie ("Science for Diplomacy"), denn die wissenschaftliche Zusammenarbeit öffnet der Schweiz Türen auf internationaler Ebene und erlaubt es ihr, ihre internationalen Beziehungen zu festigen. Die internationale Zusammenarbeit in der Polarforschung, an der sich die Schweiz aktiv beteiligt, und die Kandidatur der Schweiz für den Beobachterstatus im Arktischen Rat, über die im Mai 2017 entschieden wird, sind nur zwei Beispiele dafür. Das wissenschaftliche Fachwissen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Diplomatie, da es einen bedeutenden oder gar entscheidenden Beitrag zur Beilegung von Streitigkeiten oder zum Abschluss von Verhandlungen leisten kann. Es kann beispielsweise zur Lösung globaler Herausforderungen wie des Klimawandels und der Nutzung von globalen natürlichen Ressourcen beitragen. Angesichts des ausgezeichneten Rufs unseres Forschungsplatzes hat die Schweiz durchaus ein Interesse daran, diesen zweiten Aspekt der Wissenschaftsdiplomatie zu stärken. Der vom Departement für auswärtige Angelegenheiten initiierte und geplante Swiss Science Hub Geneva, der die akademischen Institutionen und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Schweiz mit dem internationalen Genf vernetzen soll, ist auch vor diesem Hintergrund zu sehen.</p><p>2. Schweizer Forscherinnen und Forscher gehören in der Polar- und Klimaforschung zur Weltspitze. Die Gletscherforschung hat in der Schweiz eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung des Klimawandels. Dabei sind die Alpen, die manchmal der "dritte Pol" genannt werden, von offensichtlichem wissenschaftlichem Interesse.</p><p>Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) betreibt erstklassige Forschung in den Bereichen Schnee, Atmosphäre, Naturgefahren, Permafrost und Bergökosysteme. Weitere Kompetenzzentren in der Schweiz sind die Hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch, das Paul-Scherrer-Institut, die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen und verschiedene andere Hochschulinstitute, vor allem der World Glacier Monitoring Service der Universität Zürich und das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern. Das 2016 gegründete Swiss Polar Institute (SPI) wird die Dynamik in der Schweizer Polarforschung weiter verstärken. Dieses interdisziplinäre Zentrum wird von der ETH Lausanne, der WSL, der ETH Zürich, der Universität Bern und von privater Seite getragen.</p><p>Das SPI hat vor Kurzem einen neuen Lehrstuhl "Extreme Environments" geschaffen, der am ETH-Lausanne-Standort in Sitten angesiedelt wird. Das neue Team hat den Auftrag, den wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und diplomatischen Beitrag der Schweiz zur Bewältigung von Umweltproblemen wie Klimawandel oder Bewirtschaftung der weltweiten Ressourcen zu stärken.</p><p>3. Im Rahmen des internationalen Projekts "Ice Memory", das 2015 lanciert wurde, werden Eisbohrkerne aus der ganzen Welt in der Antarktis gelagert. Das Paul-Scherrer-Institut wirkt bei diesem Projekt mit. Es ist für die Bohrkerne aus den Alpen zuständig. Im Herbst 2015 wurde ein Eisbohrkern am Colle Gnifetti im Monte-Rosa-Massiv entnommen, wo das älteste Eis der Schweiz vermutet wird (mehrere Hundert bis einige Tausend Jahre alt). An der Aufbewahrung dieser Bohrkerne ist auch das SPI interessiert, das die Lagerung der alpinen Bohrkerne in der Antarktis fördern und noch dieses Jahr das Patronat dafür übernehmen möchte. Die Schweizer Forschungsinstitute wirken also bereits heute bei der Konservierung der Eisbohrkerne mit.</p>  Antwort des Bundesrates.