B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-2812/2010 U r t e i l v o m 11 . F e b r u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Kathrin Dietrich (Vorsitz), Richterin Claudia Pasqualetto Péquignot, Richter Christoph Bandli, Gerichtsschreiberin Tanja Haltiner. Parteien Nord Energia SpA, piazzale Cadorna 14, 9999 IT-20123 Milano, vertreten durch Dr. iur. Massimo Ferracin, Rechtsanwalt, Via San Salvatore 2, 6900 Lugano, Beschwerdeführerin, gegen swissgrid ag, Dammstrasse 3, Postfach 22, 5070 Frick, Beschwerdegegnerin, und Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Kosten und Tarife 2010 für die Netznutzung Netzebene 1 und Systemdienstleistungen. A-2812/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) hat der Nord Ene r- gia SpA auf Gesuch hin mit Verfügung vom 16. April 2009 eine Ausnahme vom Netzzugang und von den anrechenbaren Netzkosten im grenzübe r- schreitenden Übertragungsnetz gewährt und zwar ab dem Zeit punkt der kommerziellen Inbetriebnahme der Verbindungsleitung für 13 Jahre (Dispositiv-Ziffern 1 und 2). Eine künftige Belastung mit Kosten für Blin d- energie wurde gemäss Dispositiv-Ziffer 7 vorbehalten. B. Mit Datum vom 19. Mai 2009 veröffentlichte die nationale Netzgesel l- schaft swissgrid ag (swissgrid) als Betreiberin des schweizerischen Übe r- tragungsnetzes für elektrische Energie (Netzebene 1) die Kosten und T a- rife 2010 für die Netzebene 1. Sie erhöhte den Tarif für die Netznutzung der Netzebene 1 um 26 Prozent. C. Am 28. Mai 2009 gab die El Com bekannt, sie überprüfe die Tarife des Übertragungsnetzes von Amtes wegen. D. In der Folge legte die ElCom mit Verfügung vom 4. März 2010 insbeso n- dere die Tarife 2010 für die Netznutzung der Netzebene 1 (Dispositiv - Ziffer 1), für allgemeine Systemdienstleistungen (SDL) für Netzbetreiber und direkt am Übertragungsnetz angeschlossene Endverbraucher (Dispositiv-Ziffer 4), für SDL für Kraftwerke mit einer elektrischen Leistung von mindestens 50 MW (Dispositiv -Ziffer 5), für die Lieferung von Blin d- energie (Dispositiv-Ziffer 7) und für Wirkverluste (Dispositiv -Ziffer 8) neu fest. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung en t- zogen (Dispositiv-Ziffer 14). Die Verfügung wurde der swissgrid und den übrigen beteiligten Parteien (Übertragungsnetzeigentümer, Netzbetreiber und Endverbraucher mit Ausspeisepunkten vom Übertragungsnetz sowie Betreiber von Kraftwerken mit einer elektrischen Leistung von mindestens 50 MW) eröffnet. E. Mit Eingabe vom 2 1. April 2010 erhebt d ie Nord Energia SpA (nachfol- gend: Beschwerdeführerin) gegen die Verfügung der ElCom ( nachfol- gend: Vorinstanz) vom 4. März 2010 Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht und beantragt die Aufhebung von Ziffer 7 des Dispositivs. A-2812/2010 Seite 3 F. Das Beschwerdeverfahren wird mit Zwischenverfügung vom 30. Juli 2010 bis zum Vorliegen eines letztinstanzlichen Entscheids des Bundesgerichts bzw. rechtskräftigen Entscheids des Bundesverwaltungsgerichts über die Anordnungen gemäss Dispositiv-Ziffern 1, 2 und 3 der Verfügung der Vor- instanz vom 6. März 2009 sistiert. G. Mit Verfügung vom 11. September 2012 hebt das Bundesverwaltungsg e- richt die Sistierung auf und nimmt das Beschwerdeverfahren wieder a n- hand. H. Die Beschwerdegegnerin stellt mit Beschwerdeantwort vom 5. Oktober 2012 den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene Dispositiv -Ziffer 7 in Bezug auf die Beschwerdeführerin aufzuheben und dabei sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin zur Bezahlung der Kosten für Spannungshaltung bzw. Blindenergie v erpflich- tet sei. Die Sache sei hierfür zu einer Neufestsetzung der von der B e- schwerdeführerin zu bezahlenden Kosten an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. I. Mit Vernehmlassung vom 5. Oktober 2012 beantragt die Vorinstanz, die Beschwerde sei abzuweisen. J. Weiter b eantragt d ie Vorinstanz mit Stellungnahme vom 8. November 2012 die Abweisung des Eventualantrags der Beschwerdegegnerin vom 5. Oktober 2012. K. Am 14. Januar 2013 nimmt die Bes chwerdeführerin zur Beschwerdeant- wort der Beschwerdegegnerin, zur Vernehmlassung sowie zur Stellun g- nahme der Vorinstanz vom 8. November 2012 Stellung und hält am A n- trag und an der Begründung gemäss Beschwerdeschrift fest. L. Auf die Ausführungen der Beteiligten und sich bei den Akten befindliche Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – im Rahmen der nachfo l- genden Erwägungen eingegangen. A-2812/2010 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Die ElCom gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 Bst. f VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG, was das Sachgebiet angeht, ist nicht gegeben. Demnach ist das Bundesverwa l- tungsgericht für die Beurteilung der erhobenen Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 23 des Stromversorgungsgesetzes vom 23. März 2007 [StromVG, SR 734.7]). 1.2 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer vor der V orinstanz am Verfahren teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin ha t als beteiligte Par- tei am vorinstanzliche n Verfahren teilgenommen und ist von der Verf ü- gung durch die mögliche Auferlegung von Kosten für Blindenergie beson- ders betroffen. Sie ist damit zur Beschwerde legitimiert. 1.3 Auf die im Übrigen form - und fristgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 und Art. 52 VwVG) ist demnach einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die bei ihm angefochtenen Ve r- fügungen und Entscheide grundsätzlich mit uneingeschränkter Kognition, das heisst auch auf eine allfällig unrichtige oder unvollständige Festste l- lung des Sachverhalts hin, ebenso auf Angemessenheit (Art. 49 VwVG). Die Vorinstanz ist keine gewöhnliche Vollzugsbehörde, sondern eine ve r- waltungsunabhängige Kollegialbehörde mit besonderen Kompetenzen. Als Fachorgan ist sie Regulierungsinstanz mit besonderer Verantwortung. Dies rechtfertigt eine gewisse Zurückhaltung des Bundesverwaltungsg e- richts bei der Überprüfung des vorinstanzlichen Entscheides. Es befreit das Bundesverwaltungsgericht aber nicht davon, die Rechtsanwendung auf ihre Vereinbarkeit mit Bundesre cht zu überprüfen. Sodann amtet die Vorinstanz in einem höchst technischen Bereich, in dem Fachfragen s o- wohl im Bereich der Stromversorgung als auch ökonomischer Ausric h- tung zu beantworten sind. Ihr steht dabei – wie anderen Behördenko m-A-2812/2010 Seite 5 missionen auch – ein eigentliches "technisches Ermessen" zu. In diesem Rahmen darf der verfügenden Behörde bei der Beurteilung von ausg e- sprochenen Fachfragen ein gewisser Ermessens - und Beurteilungsspiel- raum belassen werden, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat (vgl. BGE 13 3 II 35 E. 3, BGE 132 II 257 E. 3.2, BGE 131 II 13 E. 3.4, BGE 131 II 680 E. 2.3.2 mit Hinweisen; BVGE 2009/35 E. 4; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜH- LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.155). 3. 3.1 Die Beschwerdegegnerin weist mit Beschwerdeantwort vom 5. Okt o- ber 2012 darauf hin, die tatsächlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend die mit einem Phasenschiebertransformator ausgerüstete Mer- chant Line seien nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Da es sich dabei um Fragen technischer Natur handle, stellt die Beschwerdegegnerin für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht wider Erwarten die Bela s- tung der Beschwerdeführerin mit dem individuellen Tarif 2010 für Blin d- energie als unrechtmässig qualifizieren sollte, den Antrag, die Sache an die Vorinstanz zur Neufestsetzung der von der Beschwerdeführerin zu bezahlenden Kosten für Spannungshaltung bzw. Blindener gie zurückzu- weisen. 3.2 Diesbezüglich hält die Vorinstanz mit Eingabe vom 8. November 2012 fest, die Beschwerdeführerin stelle lediglich die Anwendbarkeit der Blindenergiekosten in ihrem Fall in Frage, nicht jedoch die ökonomische Quantifizierung der Kosten. Daher sei nicht ersichtlich, inwiefern und g e- stützt auf welche Grundlagen sie in Bezug auf die Beschwerdeführerin einen neuen Tarif festlegen solle. 3.3 Die Beschwerdeführerin bestätigt mit Stellungnahme vom 14. Januar 2013 übereinstimmend mit ihrer Begründu ng gemäss Beschwerdeschrift vom 21. April 2010 , nur die Anwendbarkeit des individuellen Tarifs für Blindenergie bzw. die Überwälzung der entsprechenden Kosten auf sie zu beanstanden, nicht jedoch die Tarifhöhe an sich. 3.4 Im Beschwerdeverfahren vor Bundesver waltungsgericht bestimmt sich der Streitgegenstand im Rahmen des Anfechtungsobjekts grundsätz- lich nach den Begehren und der dazugehörigen Sachverhaltsdarstellung A-2812/2010 Seite 6 der beschwerdeführenden Partei. Letztere legt mit ihrem Begehren fest, in welche Richtung und inwieweit sie das streitige Rechtsverhältnis übe r- prüfen lassen will. Sofern das Beschwerdebegehren lediglich auf Aufh e- bung oder Änderung der angefochtenen Verfügung lautet, muss auf die Beschwerdebegründung zurückgegriffen werden, um zu ermitteln, was nach dem massgeblichen Willen der beschwerdeführenden Partei Strei t- gegenstand ist. Demnach gehört dasjenige Rechtsverhältnis zur Streitsa- che, welches Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet und zwar in dem Ausmass, als die Regelung dieses Rechtsverhältnisses noch strei- tig ist. Der Streitgegenstand darf im Laufe des Beschwerdeverfahrens weder erweitert noch qualitativ verändert werden und kann sich höch s- tens verengen und um nicht mehr streitige Punkte reduzieren, nicht aber ausweiten. In der angefochtenen Verfügung festgelegte, jedoch in der Beschwerde nicht beanstandete Elemente dürfen auch von der Recht s- mittelbehörde nicht bzw. nur ausnahmsweise bei engem Sachzusa m- menhang aus prozessökonomischen Gründen mit dem Streitgegenstand überprüft werden. Auf entsprechende Parteibegehren kann nicht eingetre- ten werden (vgl. zum Ganzen BGE 136 II 457 E. 4.2, BGE 136 II 165 E. 5 mit Hinweisen, BGE 133 II 30 E. 2; Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts A -567/2012 vom 20. Dezember 2012 E. 1.3.1, A-667/2010 vom 1. März 2012, E. 1.4 und A-1344/2011 vom 26. September 2011 E. 1.4.1 mit Hinweisen; FRANK SEETHALER/FABIA BOCHSLER, in: Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [Praxiskommentar VwVG], Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 52 Rz. 40 f. , Rz. 43 und Rz. 45 mit Hinweisen ; ANDRÉ MOSER in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [Ko m- mentar VwVG], Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Zürich/St. Gallen 2008, Art. 52 Rz. 3 mit Hinweisen; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.7 f.). 3.5 Angefochten und daher Streitgegenstand im vorliegenden Verfahren ist einzig die Anwendbarkeit des individuellen Tarifs für Blindenergie bzw. die Überwälzung der entsprechenden Kosten auf die Beschwerdeführ e- rin, nicht jedoch die Höhe des Tarifs an sich. Der Eventualantrag der B e- schwerdegegnerin, wonach die Sache zur Neufestsetzung der von der Beschwerdeführerin zu bezahlenden Kosten für Spannungshaltung bzw. Blindenergie an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, stellt eine unzuläss i- ge Erweiterung des Streitgegenstands dar. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb im vorliegenden Verfahren eine Neufestsetzung des individuellen Tarifs 2010 für Blindenergie zu behandeln wäre. Dies drängt sich weder aus prozessökonomischen Gründen auf noch besteht e in enger Sachzu-A-2812/2010 Seite 7 sammenhang zwischen der Frage der umstrittenen Anwendbarkeit des Tarifs auf die Beschwerdeführerin bzw. der durch diese gestützt darauf zu tragenden Kosten und der Tarifhöhe bzw. deren Festlegung an sich. So bemerkt denn auch die Beschwerdegegnerin selbst in ihrer Beschwerde- antwort, von der grundsätzlichen Kostentragungspflicht der Beschwerd e- führerin für Spannungshaltung bzw. Blindenergie sei die Frage der B e- messungsgrundlage dieses Tarifs zu unterscheiden. Mit der a ngefochte- nen Verfügung hat die Vorinstanz die Bemessungsgrundlage des Blin d- energietarifs geregelt. Demgemäss ergeben sich die von der Beschwe r- deführerin zu tragenden Kosten aus dem festgelegten Tarif multipliziert mit der von der Beschwerdeführerin verursa chten Blindenergiemenge. Betreffend die Festlegung der Höhe des individuellen Tarifs 2010 für Blindenergie bzw. mit Bezug auf die Höhe der von der Beschwerdeführe- rin allenfalls in diesem Zusammenhang zu tragenden Kosten ist der v o- rinstanzliche Entscheid – im Unterschied zur Frage der Kostentragung s- pflicht – in formelle Rechtskraft erwachsen und einer Überprüfung durch das Bundesverwaltungsgericht entzogen (vgl. auch BGE 117 V 294 E. 2). Auf den Eventualantrag der Beschwerdegegnerin ist demgemäss nicht einzutreten. Die Beschwerdeführerin folgert mit Stellungnahme vom 14. Januar 2013 gestützt auf den Eventualantrag der Beschwerdegegnerin , die Dispositiv- Ziffer 7 des Entscheids der Vorinstanz vom 16. April 2009 sei aufzuheben. Diese Verfügung bildet vorliegend nicht Anfechtungsobjekt und deren Dispositiv-Ziffer 7 kann somit auch nicht Streitgegenstand in diesem B e- schwerdeverfahren sein, sondern sprengt vielmehr den Rahmen der vor- liegenden Beschwerde. Daher ist auf diese Ausführungen der Beschwe r- deführerin nicht weiter einzugehen . Im Üb rigen ist die Verfügung vom 16. April 2009 mittlerweile längst in Rechtskraft erwachsen. 4. Fraglich ist vorliegend zum einen, ob der Beschwerdeführerin aufgrund der ihr mit vorinstanzlicher Verfügung vom 16. April 2009 gewährten Aus- nahmebewilligung vom Netzzugang und von den anrechenbaren Net z- kosten keine Kosten für die Lieferung von Blindenergie auferlegt werden dürfen (vgl. hinten E. 5 .4). Weiter ist umstritten, ob Art. 15 Abs. 1 Bst. a StromVV auf die Beschwerdeführerin, die im relevanten Zeitraum Eige n- tümerin der internationalen Verbindungsleitung Mendrisio -Cagno war, anwendbar ist. Insbesondere zu klären ist in diesem Zusammenhang, ob die Beschwerdeführerin als Netzbetreiberin i.S.v. Art. 15 Abs. 1 Bst. a StromVV zu qualifizieren ist (vgl. hinten E. 5.5). A-2812/2010 Seite 8 4.1 4.1.1 Die Beschwerdeführerin beantragte im vorinstanzlichen Verfahren, die Vorinstanz solle feststellen, dass der von der Beschwerdegegnerin geltend gemachte Tarif für die Lieferung von Blindenergie nicht auf die Verbindungsleitung Mendrisio-Cagno anwendbar sei. Der vorinstanzliche Entscheid vom 16. April 2009 sei nicht begründet, insbesondere sei sie aus technischer Sicht nicht für die Steuerung der Blindenergieflüsse ve r- antwortlich. 4.1.2 Im Beschw erdeverfahren erklärt die Beschwerdeführerin, v orlie- gende Merchant Line bzw. allgemein Verbindungsleitungen hätten nicht die Möglichkeit, ihre Anlagen und damit ihren Verbrauch so zu verändern, dass die vorgegebenen Grenzwerte betreffend Blindenergie einge halten würden: Der Leistungsfaktor der Entnahmen bzw. das Verhältnis zw i- schen Blind- und Wirkenergie sei nicht an eine von der Beschwerdeführe- rin betriebene Anlage gebunden und werde nur von den Systembetre i- bern kontrolliert. Konkret werde diese Kontrolle und Steuerung der Wirk - und Blindströme in der strittigen Leitung über den Phasenverschieber ausgeübt, der von der Beschwerdeführerin als Eigentümerin aufgestellt und der Beschwerdegegnerin zur automatischen oder manuellen Kontro l- le überlassen worden sei. Die entstehende Blindenergie beruhe nicht auf dem Betrieb der Verbindungsleitung, sondern auf der Verwendung des Phasenschiebertransformators durch die Systembetreiber. Demnach könne sie selbst die Erzeugung von Blindenergie nicht kontrollieren. Der Individualtarif für Blindenergie sei deshalb nicht auf sie anwendbar; a n- sonsten wäre sie für allfällige Kontroll - und Regelungsfehler der B e- schwerdegegnerin oder anderer Netzbetreiber, die in der Lage seien, das Spannungsprofil im angrenzenden Netz zu verändern, verantwortlich, oh- ne selber über eine entsprechende Kontrollvorrichtung betreffend Blin d- leistungsströme zu verfügen. Zusammenfassend existiere das von der Vorinstanz mit Entscheid vom 16. April 2009 gewährte finanzielle Nutzungsrecht unabhängig von der ef- fektiv über die strittige Merchant Line laufenden Energieflüsse; allfällige durch die Erzeugung von Blindenergie entstehende Kosten sowie die Blindenergie selbst seien in keiner Weise an die von der Vorinstanz erteil- te Ausnahmebewilligung gebunden. Der Tar if für Blindenergie sei nicht anwendbar auf Unternehmen, die Eigentümer der Merchant Line seien und weder zur Kategorie der Netzbetreiber noch zu jener der am Übe r- tragungsnetz angeschlossenen Endverbraucher zählten. A-2812/2010 Seite 9 4.2 Die Vorinstanz weist in der angefochtenen Verfügung darauf hin, be- reits mit Entscheid vom 16. April 2009 festgehalten zu haben, dass die strittige Verbindungsleitung einen Nutzen aus der Systemstabilität und aus den SDL ziehe, die von der Beschwerdegegnerin im Übertragungs- netz zur Verfügung gestellt würden. Daher sei die Beschwe rdeführerin – auch wenn sie eine Leitung betreibe, für welche sie anders als andere Netzbetreiberinnen keinen Netzzugang gewähren müsse – i.S.v. Art. 15 Abs. 1 StromVV analog den Netzbetreibern und den direkt am Übertr a- gungsnetz angeschlossenen Endverbrauchern zu behandeln und somit sei der Tarif für Blindenergie ebenfalls auf sie anwendbar. Die weiteren Vorbringen zur Blindenergie habe sie bereits in vorgenannter Verfügung behandelt und rechtskräftig entschieden (vgl. E. 5.1.1 Rz. 327 f. der a n- gefochtenen Verfügung und vorinstanzliche Verfügung vom 16. April 2009 E. 11). Unter Hinweis auf den entsprechenden erläuternden Bericht erklärt die Vorinstanz weiter, Hintergrund von Art. 3 der Verordnung des Eidgenössi- schen Depa rtements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK vom 3. Dezember 2008 über Ausnahmen beim Netzzugang und bei den anrechenbaren Netzkosten im grenzüberschreitenden Übertr a- gungsnetz (VAN, SR 734.713.3) sei der Gedanke, dass das Netznu t- zungsentgelt von demjenigen zu entrichten sei, welcher Elektrizität aus dem Netz beziehe. Eine Betreiberin von Verbindungsleitungen, die wie die Beschwerdeführerin über eine Ausnahme vom Netzzugang verfüge, müsse niemandem Netzzugang gewähren. Dementsprechend könn e sie auch keine anrechenbaren Kosten bei der Beschwerdegegnerin gel tend machen. Art. 3 VAN regle somit, inwiefern die Betreiberin einer Merchant Line bei der Beschwerdegegnerin anrechenbare Kosten geltend machen könne, welche Letztere danach auf die Verteiln etzbetreiber bzw. auf die Endverbraucherinnen überwälzen könne. Vorliegend gehe es hingegen um die Frage, inwieweit die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin individuell Kosten in Rechnung stellen könne. Mithin handle es sich also um einen anderen Sach verhalt als bei der Regelung gemäss Art. 3 VAN, weshalb diese Bestimmung für die Frage, inwieweit die Beschwerdefü h- rerin verpflichtet sei, Kosten für die Lieferung von Blindenergie zu tragen, nicht einschlägig sei. Hinzu komme, dass der Verordnungsgeber in Art. 9 Abs. 2 VAN nicht geregelt hätte, die Beschwerdegegnerin und die Betre i- ber von Verbindungsleitungen hätten eine Entschädigung für die Berei t- stellung von SDL zu vereinbaren, wenn er davon ausgegangen wäre, durch Art. 3 VAN werde eine Kostentragung für SDL ausgeschlossen. Die vorgenannte Bestimmung unterscheide dabei nicht zwischen allgemeinen A-2812/2010 Seite 10 und individuellen SDL. Im Vernehmlassungsentwurf zur VAN seien die je- nigen SDL aufgezählt, welche für eine Verbindungsleitungsbetreiberin kostenrelevant seien. Vo n den in Art. 15 Abs. 1 StromVV aufgelisteten SDL habe sich die Beschwerdeführerin auch an den Kosten für die Lief e- rung von Blindenergie zu beteiligen. Dementsprechend habe sie mit i n- zwischen rechtskräftiger Verfügung vom 16. April 2009, welche ergangen sei, nachdem sich die Beschwerdegegnerin und Beschwerdeführerin nicht hätten über die Entschädigung betreffend SDL einigen können, eine Belastung der Beschwerdeführerin mit Kosten für Blindenergie vorbeha l- ten. Im Übrigen lasse sich aus Art. 17 Abs. 6 StromVG ableiten, dass der Ge- setzgeber der Ansicht sei, die Berechnung der anrechenbaren Netzko s- ten würde sich grundsätzlich nach dem Stromversorgungsgesetz richten; allfällige Ausnahmen hätte der Bundesrat vorzusehen. In der VAN sei kei- ne Ausnahme betreffend Kos tentragung für Systemdienstleistungen vo r- gesehen, woraus sich ebenfalls ableiten liesse, dass die Beschwerdefü h- rerin verpflichtet sei, sich an den Kosten für die SDL zu beteiligen. 4.3 Die Beschwerdegegnerin teilt die Auffassung der Vorinstanz und fügt an, di e Kostenbelastung der Beschwerdeführerin für die Lieferung von Blindenergie entspreche dem Verursacherprinzip und dem Gleichbehand- lungsgebot. Grundsätzlich habe die Beschwerdeführerin daher für die Kosten der Verbindungsleitung Mendrisio -Cagno aufzukommen, welche diese Leitung durch ihren Anschluss ans schweizerische Übertragung s- netz verursache. Fehl gehe der Hinweis der Beschwerdefüh rerin auf Art. 3 VAN. Diese Bestimmung beziehe sich auf sie selbst als nationale Netzgesellschaft und nicht auf die Beschwerd eführerin. Darin werde l e- diglich wiederholt, was bereits in Art. 16 Abs. 1 StromVG gesagt werde. Die ihr durch den Betrieb der strittigen Merchant Line im relevanten Zeit- raum entstehenden Kosten seien durch die Beschwerdeführerin als da- malige Eigentümerin zu tragen. 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin ist eine seinerzeit für die Projektierung und den Bau der grenzüberschreitenden 380 kV -Verbindungsleitung Mendri- sio-Cagno gegründete Aktiengesellschaft nach italienischem Recht. 40 % der Anteile werden gehalten von der Azienda Elettrica Ticinese (AET) und 60 % von der Ferrovie Nord SA. Im Dezember 2008 stellte die Beschwe r- deführerin ein Gesuch um Genehmigung des Zugangs zum schweizer i-A-2812/2010 Seite 11 schen Stromnetz (max.150 MW im Sommer bei Lastspitzen, 200 MW in den übrigen Jahreszeite n) für einen Zeitraum von 13 Jahren. Die Vori n- stanz hiess das Gesuch mit Entscheid vom 16. April 2009 gut und gestat- tete der Beschwerdeführerin damit unter Anwendung von Art. 2 VAN eine Ausnahme vom Netzzugang und von den anrechenbaren Netzkosten im grenzüberschreitenden Übertragungsnetz ab dem Zeitpunkt der komme r- ziellen Inbetriebnahme der Verbindungsleitung für 13 Jahre. Eine künftige Belastung mit Kosten für Blindenergie wurde gemäss Dispositiv -Ziffer 7 vorbehalten (vgl. Sachverhalt A.). 5.2 Merchant Lines sind Hochspannungsleitungen, die den Stromtransit zwischen Nachbarländern unterstützen und nicht reguliert sind. Das heisst, im Unterschied zu herkömmlichen Leitungen ist der Betreiber nicht dazu verpflichtet, Stromversorgern den diskriminierungsfreien Ne tzzu- gang gemäss Art. 13 Abs. 1 StromVG zu gewähren . Diese grenzübe r- schreitenden Übertragungsleitungen im temporären privaten Eigentum mit einer speziellen Betriebs - und Nutzungsbewilligung sind Teil des Übertragungsnetzes (vgl. www.bfe.admin.ch > Dokumentation > energeia > energeia 2005 > energeia Nr. 2/Mai 2005, Newsletter des Bundesamts für Energie BFE, "Stromtransit: Die Zukunft wird eingeläutet", S. 3, b e- sucht am 24. Januar 2013 und Netznutzungsmodell für das schwei zeri- sche Übertragungsnetz, Branchenempfehlung Strommarkt Schweiz, [Hrsg.: Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE], NNMÜ- CH Ausgabe 2013, Ziff. 5.4, abrufbar unter www.strom.ch > Dossiers > Strommarkt > Branch endokumente > Netznutzungsmodell für das schweizerische Übertragungsnetz, Ausgabe 2013, besucht am 4. Februar 2013). 5.3 Zunächst gilt es festzustellen, welche Kosten unter die anrechenb a- ren Netzkosten zu subsumieren sind, für welche d er Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 16. April 2009 eine Ausnahme gewährt wurde. Ausgangspunkt jeder Gesetzesauslegung ist der Wortlaut einer Besti m- mung (vgl. zu diesem auch im Verwaltungsrecht geltenden Grundsatz Art. 1 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilge setzbuches vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210]; HEINZ HAUSHEER/MANUEL JAUN, Die Einleitungstitel des ZGB, Bern 2003, N. 6 zu Art. 1). Ist der Text nicht ohne Weiteres klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss unter Berüc k- sichtigung aller Auslegungsmethoden (grammatikalische, systematische, historische und teleologische) nach seiner wahren Tragweite gesucht werden; dabei kommt es namentlich auf den Zweck der Regelung, die A-2812/2010 Seite 12 dem Text zu Grunde liegenden Wertungen sowie auf den Sinnzusa m- menhang an, in dem die Norm steht. Im Sinne eines pragmatischen M e- thodenpluralismus ist es abzulehnen, einzelne Auslegungsmethoden e i- ner hierarchischen Prioritätenordnung zu unterstellen (vgl. BGE 131 III 33 E. 2 und BGE 130 II 202 E. 5.1). Die grammatikalische Auslegung stellt auf Wortlaut, Wortsinn und Sprachgebrauch ab. Bei der systematischen Auslegung wird der Sinn e i- ner Rechtsnorm bestimmt durch ihr Verhältnis zu andern Rechtsnormen und durch den systematischen Zusammenhang, in dem sie sich in einem Gesetz p räsentiert. Die historische Auslegung stellt auf den Sinn und Zweck ab, den man einer Norm zur Zeit ihrer Entstehung gab. Insbeso n- dere bei jungen Erlassen – wie dem vorliegenden – muss dem Willen des Gesetzgebers ein grosses Gewicht beigemessen werden. Dab ei ist eine Abgrenzung zur teleologischen Auslegung, die auf den Regelungszweck abstellt, wegen des erst vor kurzer Zeit in Kraft getretenen Stromverso r- gungsgesetzgebung kaum möglich. Es gilt somit insgesamt, die mit den Normen verbundenen Zweckvorstellung en (ratio legis) zu ermitteln (vgl. Urteil A -2607/2009 des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. Juli 2010 E. 9.3.1). 5.4 Ausgehend vom Wortlaut der relevanten Bestimmungen unter Beizug der Materialien werden nachfolgend die für die vorliegende Fragestellung relevanten Zweckvorstellungen ermittelt. 5.4.1 Der Bundesrat kann für Netzkapazitäten im grenzüberschreitenden Übertragungsnetz, die nach dem 1. Januar 2005 in Betrieb genommen wurden, Ausnahmen beim Netzzugang (Art. 13 StromVG) und bei der Be- rechnung der anrechenbar en Netzkosten (Art. 15 StromVG) vorsehen (Art. 17 Abs. 6 StromVG). Gestützt darauf i.V.m. Art. 30 Abs. 3 StromVG i.V.m. Art. 21 Abs. 1 StromVV hat das UVEK die VAN erlassen. Die natio- nale Netzgesellschaft kann gemäss Art. 3 VAN für die vom Netzzugang ausgenommene Kapazität für die Dauer der Ausnahme keine anreche n- baren Kosten im Sinne von Artikel 15 StromVG 4 geltend machen. Es ist mit der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin einig zu gehen, dass die vorgenannte Bestimmung mit Bezug auf die Frage, inwieweit die Beschwerdeführerin verpflichtet sei, Kosten für die Lieferung von Blin d- energie zu tragen, nicht einschlägig ist bzw. sich auf ei nen anderen Sachverhalt bezieht. Der erläuternde Bericht zur VAN hält diesbezüglich Folgendes fest: Die Gewährung des Netz zugangs ist im Rahmen der r e-A-2812/2010 Seite 13 gulierten Netznutzung kostendeckend zu entschädigen. Die Netzkosten werden in Form eines Netznutzungsentgelts von denjenigen getragen, die den Netzzugang beanspruchen. Eine Betreiberin von Verbindungsleitu n- gen, welcher wie der Beschwerdeführerin eine Ausnahme im Sinne der VAN gewährt wurde, muss niemandem Netzzugang gewähren und kann dementsprechend keine Netznutzungsentgelte in Rechnung stellen. An- rechenbare Kosten kann die Betreiberin daher bei der Beschwerdegegne- rin nicht geltend machen (vgl. Erläuternder Bericht zum Entwurf der VAN vom 20. August 2008 zu Art. 3). Art. 3 VAN reg elt somit, inwiefern die Betreiberin einer Merchant Line bei der Beschwerdegegnerin anreche n- bare Kosten geltend machen k ann, welche Letztere danach auf die Ver- teilnetzbetreiber bzw. auf die Endverbraucherinnen überwälz t. Vorliegend geht es hingegen um die Frage, inwieweit die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin individuell Kosten in Rechnung stellen darf. 5.4.2 Die Vorinstanz verweist weiter auf Art. 9 Abs. 2 VAN, wonach d ie nationale Netzgesellschaft und der Betreiber der Verbindungsleitung u.a. die Entschädigung für die Bereitstellung von Systemdienstleistungen und die technischen und betrieblichen Mindestanfo rderungen für den Netzb e- trieb vereinbaren. Diese Bestimmung sehe eine Kostentragung für SDL vor und unterscheide dabei nicht zwischen allgemeinen und individuellen SDL. In diesem Zusammenhang lässt sich dem erläuternden Bericht en t- nehmen, dass auch Leitung en, für welche eine Ausnahme gewährt we r- de, nicht losgelöst vom restlichen Netz betrachtet werden könnten. Auch sie profitieren von den SDL, die von der nationalen Netzgesellschaft zur Verfügung gestellt werden. Da jedoch nicht alle SDL beansprucht würden, sei der entsprechende Tarif zu reduzieren (Erläuternder Bericht VAN zu Art. 8). 5.4.2.1 Das Netznutzungsentgelt ist die Vergütung für die Netznutzung durch Dritte (Botschaft StromVG, BBl 2005 1651). Als Grundsatz wird in Art. 14 Abs. 2 StromVG festgehalten, dass das Netznutzungsentgelt von den Endverbrauchern je Ausspeisepunkt zu entrichten ist (vgl. auch BBl 2005 1652; Art. 9 StromVV; Marktmodell für die elektrische Energie – Schweiz, Branchenempfehlung Strommarkt Schweiz [Hrsg: VSE], MMEE- CH, Ausgabe 2011, Ziff. 4.1.1 und 4.2.3.3, abrufbar unter www.strom.ch > Dossiers > Strommarkt > Branchendokumente > Marktmodell für die elektrische Energie – Schweiz, besucht am 4. Februar 2013 ). Die Kosten für SDL bilden Teil des Netznutzungsentgelts (Art. 14 Abs. 1 i.V.m. Art. 15 Abs. 2 StromVG). Zahlungspflichtiger des Netznutzungsentgelts und d a- mit auch der Kosten für SDL ist somit grundsätzlich der Endverbraucher. A-2812/2010 Seite 14 Vorbehalten bleiben jedoch die individuell in Rechnung gestellten Kosten gemäss Art. 14 Abs. 3 Bst. d StromVG . Solche individuell angerechnete Kosten sind zum Beispiel die Kosten für den Netzanschluss und die Netzverstärkungen von Liegenschaftseigentümern sowie unabhängigen Produzenten und Kosten für bestimmte SDL, welche von den Netzbetrei- bern für unabhängige Erzeuger bzw. Einspeiser erbracht werden (vgl. BBl 2005 1652). Aufgrund des Wortlauts der Bestimmung und der Ausführu n- gen in der Botschaft ("Kosten für bestimmte SDL") ist davon auszugehen, dass es sich bei den individuell in Rechnung gestellten Kosten im Sinne von Art. 14 Abs. 3 Bst. d StromVG nur um solche Kosten handeln kann, die einem bestimmten Akteur eindeutig zugeordnet werden können. Die individuellen Kosten sollen somit demjenigen Akteur, der sie verursacht hat, jeweils direkt in Rechnung gestellt werden. Dies entspricht dem Ve r- ursacherprinzip, auf das Art. 15 Abs. 4 Bst. b StromVG ausdrücklich B e- zug nimmt. Der Zweck von Art. 14 Abs. 3 Bst. d StromVG liegt darin, zu verhindern, dass die Kosten zweimal – einmal individuell und einmal pau- schal über das Netznutzungsentgelt – berechnet werden (BBl 2005 1652; ROLF H. WEBER/BRIGITTA KRATZ, Stromversorgungsrecht, Ergänzung s- band, Elektrizitätswirtschaftsrecht, Bern 2009 , § 4 Rz. 62; Erläuternder Bericht des BFE zum Vernehmlassungsentwurf der StromVV vom 27. Ju- ni 2007 [Erläuternder Bericht StromVV] zu Art. 8; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2607/2009 vom 8. Juli 2010 E. 9.2). 5.4.2.2 Die Anlastung von Kosten des Übertragungsnetzes ist in Art. 15 StromVV geregelt. Grundsätzlich werden die Kosten gemäss Abs. 1 bis 3 auf drei Arten überwälzt (vgl. Erläuternder Bericht StromVV zu Art. 14): Abs. 1 regelt die individuell in Rechnung gestellten Kosten (individueller SDL-Tarif) und Abs. 2 die von allen Netzbetreibern in der Schweiz getr a- genen Kosten für die SDL (allgemeiner SDL-Tarif). Abs. 3 bildet Grundla- ge für die Überwälzung der Kosten an die direkt am Übertragungsnetz angeschlossenen Verteilnetzbetreiber und an die Endverbraucher. Von Interesse ist im vorliegenden Fall die Überwälzung der Kosten für i n- dividuelle SDL gemäss Art. 15 Abs. 1 Bst. a StromVV (vgl. Ziff. 7 des Dispositivs sowie E. 5.1.1 der angefochtenen Verfügung) – im Gegensatz zur Überwälzung der Kosten für allgemeine SDL gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. a StromVV. Die in diesem Zusammenhang einschlägigen Bestim- mungen lauten wie folgt: In diesem Gesetz bedeuten Systemdienstleistungen: Die für den sicheren B e- trieb der Netze notwendigen Hilfsdienste. Diese umfassen insbesondere Sy s-A-2812/2010 Seite 15 temkoordination, Bilanzmanagement, Primärregelung, Schwarzstart - und Insel- betriebsfähigkeit von Erzeugern, Spannungshaltung (inkl. Anteil Blindenergie ), betriebliche Messungen und Ausgleich der Wirkverluste (Art. 4 Abs. 1 Bst. g StromVG). Als anrechenbare Kosten gelten die Betriebs u nd Kapitalkosten eines sicheren, leistungsfähigen und effizienten Netzes (Art. 15 Abs. 1 Satz 1 StromVG). Als Betriebskosten gelten die Kosten für die mit dem Betrieb der Netze direkt zusammenhängenden Leistun gen. Dazu zählen insbesondere die Kosten für Systemdienstleistungen sowie für den Unterhalt der Netze (Art. 15 Abs. 2 StromVG). Art. 15 StromVV (Anlastung von Kosten des Übertragungsnetzes) 1 Die nationale Netzgesellschaft stellt individuell in Rechnung: a. den Netzbetreibern und den direkt am Übert ragungsnetz angeschlossenen Endverbrauchern die Kosten für den Ausgleich von Wirkverlusten und die Lief e- rung von Blindenergie, die sie verursacht haben. (…). 2 Sie stellt den Netzbetreibern und den am Übertragungsnetz direkt ang e- schlossenen Endverbrauchern entsprechend der bezogenen elektrischen Energie der Endverbraucher folgende Kosten in Rechnung: a. die Kosten für Systemmanagement, Messdatenmana gement, Schwarzstart - und Insel betriebsfähigkeit von Erzeugern, Spannungshaltung, Primärregelung und die Anteile der Leistungsvorhaltung für die Sekundär - und Tertiärregelung, welche nicht einer Bilanzgruppe zugeordnet werden können. (…) (…). 5.4.2.3 Aus Art. 15 Abs. 1 Bst. a StromVV geht hervor, was bezüglich der SDL als individuell anzulastende Kosten zu gelten hat. D emnach werden den Netzbetreibern und den direkt am Übertragungsnetz angeschloss e- nen Endverbrauchern u.a. auch die Kosten für die Lieferung von Blin d- energie, die sie verursacht haben, individuell in Rechnung gestellt. G e- mäss Branchenempfehlung des VSE wird die Blindenergie aufgrund der über das tolerierte im Voraus festgelegte Mass bezogenen Menge pro Ausspeisepunkt direkt verrechnet. Die Referenzgrösse für die Verrec h-A-2812/2010 Seite 16 nung dieser individuellen Kosten ist also die gemessene Blindenergie. Aufgrund der ang estrebten verursachergerechten Weiterverrechnung der Kosten (vgl. Art. 15 Abs. 4 Bst. b StromVG) werden die Kosten der Blin d- energie gesondert zu den übrigen SDL behandelt und verrechnet (vgl. Netznutzungsmodell für das schweizerische Übertragungsnetz, Bra n- chenempfehlung Strommarkt Schweiz, [Hrsg.: VSE], NNMÜ -CH Ausgabe 2007, [NNMÜ -CH 2007], abrufbar unter www.strom.ch > Dossiers > Strommarkt > Branchendokumente > Netznutzungsmodell für das schweizerische Übertragungsnetz, Ausgabe 2007, Ziff. 3.1, 3.3 und 4, be- sucht am 4. Februar 2013, sowie Leitfaden zu Preisstrukturen im geöffne- ten Strommarkt, 2009, [Hrsg.: VSE], abrufbar unter www.strom.ch > Dos- siers> Strommarkt > Branchendokumente > Leitfaden zu Preisstrukturen im geöffne ten Strommarkt, Ziff. 4.6.2.5 S. 15, besucht am 5. Februar 2013; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A –2607/2009 vom 8. Juli 2010 E. 9.2 ). Somit wird der Tarif für Blindleistung individuell ve r- rechnet, sobald die festgelegte Grenze unterschr itten wird . Das heisst, solange der entsprechende Bezug der Netzbetreiber oder Endverbra u- cher über dieser Grenze bleibt, fliessen die nicht gedeckten Kosten in die Tarifermittlung der allgemeinen SDL (Anteil Blindenergie) ein. Wird die Bezugsgrenze unterschritten, erfolgt die Verrechnung nach dem individ u- ellen Tarif. Obwohl die Lieferung von Blindenergie eigentlich Teil der Spannungsha l- tung ist (Art. 4 Abs. 1 Bst. g StromVG) und s omit nach dem Wortlaut von Art. 15 Abs. 2 Bst. a StromVV Bestandteil der allgemeinen SDL wäre, ist bei der Auslegung von Art. 15 Abs. 1 Bst. a und Abs. 2 Bst. a StromVV mit der Vorinstanz dem Ansatz des NNMÜ -CH 2007 zu folgen (vgl. E. 5.1.1, Rz. 318 ff. der angefochtenen Verfügung). Demnach müssen die Erträge, welche über die verursachergerechte Zuordnung der Kosten von Blin d- energie erwirtschaftet werden, von den Kosten für die Spannungshaltung in Abzug gebracht und die verbleibenden Kosten für die Spannungsha l- tung über die allgemeinen SDL in Rechnung gestellt w erden (NNMÜ-CH 2007, Ziff. 3.1 und 4). Nicht den Verursachern individuell in Rechnung ge- stellt werden die allgemeinen SDL gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. a StromVV. Sie werden den Netzbetreibern und den am Übertragungsnetz direkt a n- geschlossenen Endverbrauchern entsprechend der bezogenen elektr i- schen Energie der Endverbraucher (Bruttoenergie) in Rechnung gestellt (vgl. auch NNMÜ-CH 2007, Ziff. 3.1, 3.3 und 4). Die allgemeinen SDL bi l- den mit andern Worten keine indiv iduell in Rechnung zu stellenden Kos- ten im Sinn e von Art. 14 Abs. 3 Bst. d StromVG (vgl. zum ganzen A b-A-2812/2010 Seite 17 schnitt auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A –2607/2009 vom 8. Juli 2010 E. 9.2). 5.4.3 Es ist somit zwischen dem Netznutzungsentgelt, worunter auch die allgemeinen SDL fallen, und den individuell in Rechnung gestellten Ko s- ten, worunter die individuellen SDL fallen, zu unterscheiden. Die allg e- meinen SDL sind als Betriebskosten Teil des Netznutzungsentgelts (Art. 14 Abs. 1 i.V.m. Art. 15 Abs. 1 und 2 StromVG). Die von der Vori n- stanz angeführten individu ell in Rechnung gestellten Kosten gemäss Art. 14 Abs. 3 Bst. d StromVG sind dagegen gerade nicht Bestandteil des Netznutzungsentgelts (vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2605/2009 vom 14. Juli 2011 E. 6.3; A-2617/2009 vom 14. Ju li 2011 E. 6.3; A-2628/2009, A-2649/2009 und A-2658/2009 je vom 24. August 2011 E. 7.3). Kosten für die Lieferung von Blindenergie sind wie dargelegt grundsätzlich unter die individuellen SDL zu subsumieren. Allenfalls kann im allgemeinen SDL-Tarif u.U. auch ein Anteil Blindenergie enthalten sein, welcher nicht bereits durch den Blindenergietarif gedeckt und individuell verrechnet worden ist (vgl. Art. 4 Abs. 1 Bst. g StromVG und NNMÜ-CH 2013 Abb. 1 S. 14 und Kosten für die Netznutzung im Schweizer Übertra- gungsnetz [Hrsg.: Swissgrid], publiziert auf www.swissgrid.ch > Fachpo r- tal> Themensuche > Netznutzung und Tarife > Fact sheet Netznutzung Schema S. 3, besucht am 5. Februar 2013). Zusammenfassend kann daher als Ergebnis der erfolgten Auslegung festgehalten werden, dass die Lieferung von Blindenergie als individuelle SDL zu qualifizieren ist und die in diesem Zusammenhang anfallenden Kosten daher nicht unter die anrechenbaren Netzkosten, für welche der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 16. April 2009 eine Ausnahme gewährt wurde, fallen. Demnach steht die erwähnte Ausnahmebewilli- gung beim Netzzugang und bei den anrechenbaren Netzkosten einer Kostenanlastung für individuelle SDL, insbesondere für die Lieferung von Blindenergie, grundsätzlich nicht entgegen. 5.5 In einem zweiten Schritt stellt sich nun die Frage, was unter einer Netzbetreiberin i.S.v. Art. 15 Abs. 1 Bst. a StromVV zu verstehen ist und ob die Beschwerdeführerin unter diesen Begriff fällt, so dass ihr Kosten für die Lieferung von Blindenergie individuell in Rechnung gestellt werden könnten. 5.5.1 Der Begriff der Netzbetreiberin wird im StromVG zwar verwendet, im Unterschied zu demjenigen des Endverbrauchers jedoch nicht gesetz-A-2812/2010 Seite 18 lich definiert (vgl. Art. 4 Abs. 1 StromVG). Der Bundesrat kann gemäss Art. 4 A bs. 2 StromVG die Begriffe nach Absatz 1 sowie weitere im StromVG verwendeten Begriffe näher ausführen und veränderten techn i- schen Voraussetzungen anpassen. Es lässt sich aber auch der StromVV keine Definition des strittigen Begriffs entnehmen. Diese ist d aher durch Auslegung zu ermitteln (vgl. zu den Auslegungsmethoden vorne E. 5.3). Ausgehend vom Wortlaut wird unter einem Betreiber allgemein ein Unte r- nehmen verstanden, das eine technische Einrichtung, z.B. ein Netzwerk, unterhält, wobei mit Unterhalt in diesem Sinn die Instandhaltung der A n- lage gemeint ist (WAHRIG, Deutsches Wörte rbuch, 9. Aufl ., Güter s- loh/München 2011, Einträge: "Betreiber" und "Unterhalt"). Damit überein- stimmend werden Netzbetreiber als Unternehmen, die für den Betrieb (Systemdienstleistungen, Instandhaltung, Abrechnung) eines Netzes ver- antwortlich sind , definiert (vgl. Energielexikon www.enercity.de > Mark t- partner > Online Services > Lexikon > Netzbetreiber, besucht am 5. Fe b- ruar 2013). Gemäss Glossar der Beschwerdegegnerin ist ein Netzbetreiber ein privat- oder öffentlichrechtlich organisiertes Unternehmen, das die Netzdiens t- leistungen zum Betr ieb des Elektrizitätsnetzes erbringt. Als Übertr a- gungsnetzbetreiberin wird eine juristische Person betrachtet, die für die Gewährleistung des sicheren, zuverlässigen und leistungsfähigen Betri e- bes des Übertragungsnetzes und der Regelzone verantwortlich ist . Ein Übertragungsnetzbetreiber ist nicht notwendigerweise mit dem Eigent ü- mer des Übertragungsnetzes identisch (Swissgrid Glossar für die Regeln des Schweizer Strommarkts, 1. Aufl. 2010, publiziert auf der Seite des VSE: www.strom.ch > Dossiers > Strommarkt > Branchendokumente> Swissgrid Glossar 2010, Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), besucht am 28. Januar 2013; vgl. auch MMEE -CH 2011, Ziff. 5.2.1 bis Ziff. 5.2.4, wo zwischen Übertragungs- bzw. Verteilnetzbetreibern und -eigentümern un- terschieden wird und NNMÜ -CH 2013, Ziff. 2.1.1, wo in Bezug auf das Übertragungsnetz ebenfalls zwischen Eigentümerin und Betreiberin u n- terschieden wird). Übertragungsnetzbetreiber (engl. Transmission System Operator, kurz TSO) sind laut Definition auf Wikipedia Dienstleistungsun- ternehmen, die die Infrastruktur der überregionalen Stromnetze zur elekt- rischen Energieübertragung operativ betreibe n, für bedarfsgerechte I n- standhaltung und Dimensionierung sorgen und Stromhändlern/ - lieferanten diskriminierungsfrei Zugang zu diesen Netzen gewähren. D a- rüber hinaus haben sie die Aufgabe, bei Bedarf Regelenergie zu beschaf- fen und dem System zur Verfügung zu stellen, um Netzschwankungen, A-2812/2010 Seite 19 die sich durch ein Missverhältnis zwischen zu einem Zeitpunkt erzeugter und verbrauchter elektrischer Energie ergeben, möglichst gering zu ha l- ten ( www.wikipedia.org > Suchbegriff "Übertragungsnetzbetreiber", b e- sucht am 28. Januar 2013). Demnach gilt als Netzbetreiber, wer für d en bedarfsgerechten Unterhalt und den sicheren, zuverlässigen und leistungsfähigen Betrieb einer Le i- tung verantwortlich ist. Eigentum und Betrieb des Netzes können dabei auseinanderfallen. 5.5.2 Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, die Beschwerdefü h- rerin betreibe eine Leitung, für welche sie – im Unterschied zu anderen Netzbetreibern – zwar aufgrund der verfügten Ausnahmebewilligung ke i- nen Netzzugang gewähren müsse; dennoch ziehe sie für den Betrieb der strittigen Verbindungsleitung ihren Nutzen aus der Systemstabiliät und aus den SDL, die im Übertragungsnetz von der Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestellt würden. Demnach könne sie i.S.v. Art. 15 StromVV als Netzbetreiberin oder direkt am Übertragungsnetz angeschlossene En d- verbraucherin betrachtet werden bzw. sei analog als Netzbetreiberin oder Endverbraucherin zu behandeln. Indem die Vorinstanz der Beschwerd e- führerin mit Verfügung vom 16. April 2009 eine Ausnahmebewilligung er- teilte, hat sie sie zudem implizit als Betreiberin einer Gleichstrom - Verbindungsleitung i.S.v. Art. 2 Abs. 1 VAN angesehen. 5.5.3 Die Beschwerdeführerin ist unbestrittenermassen Eigentümerin der Verbindungsleitung Mendrisio-Cagno. Damit steht jedoch noch nicht fest, dass sie auch für den Unterhalt und den sicheren, zuverlässigen und leis- tungsfähigen technischen Betrieb der Leitung verantwortlich und daher als Netzbetreiberin zu qualifzieren ist (vgl. vorne E. 5.5.1). Betreffend die Netzführung der Achse Cagno/Cislago -Mendrisio-Manno- Magadino unterzeichneten die Beschwerdegegnerin und die AET am 27. Juni 2008 bzw. am 1. Juli 2008 eine Vereinbarung, wonach die AET gemeinsam mit dem Vertreter der nationalen Leitstelle Übertragungsnetz u.a. für die Behandlung des Leitungsabschnitts Cagno -Cislago/Mendrisio im Betriebsführungshandbuch veran twortlich ist (vgl. Ziff. 2 der entspr e- chenden Vereinbarung). Die Beschwerdeführerin ist an dieser Vereinb a- rung nicht beteiligt. Sie, die Terna SpA und die AET signierten jedoch am 27. Juni 2008 ein internationales Betriebsreglement für die strittige 380 kV-Verbindungsleitung, wobei einleitend festgehalten wird, dass die Beschwerdeführerin das Betriebsreglement als Inhaberin der grenzübe r-A-2812/2010 Seite 20 schreitenden Verbindungsleitung unterzeichne t, die AET hingegen als beauftragte und verantwortliche technische Betreiberin der internation a- len Leitung. Ferner wird festgehalten, diese Vereinbarung zwischen der Terna SpA und der AET regle die Betriebsabläufe im normalen und g e- störten Betrieb (vgl. Einleitung Betriebsreglement S. 4). Im gesamten Do- kument wird die Beschwerdeführerin denn auch nicht weiter erwähnt. Die Verbindungsleitung Mendrisio-Cagno besteht u.a. aus einem Kabel, welches die Stationen zwischen der Schweiz und Italien verbindet und e i- nem Phasenschiebertransformator, welcher auf dem Staatsgebiet der Schweiz in M endrisio steht und die Regulierung des Leistungsflusses vornimmt (vgl. Schema Ziff. 2.1, S. 6 Betriebsreglement). Wenn zwischen zwei Schaltanlagen oder Umspannwerken mehrere Leitungen auf unte r- schiedlichen Wegen geführt sind, kann mittels Phasenschiebertra nsfor- mator festgelegt werden, wie die Leistung aufgeteilt wird. Dies ist insb e- sondere dann von Bedeutung, wenn die vorhandenen Leitungen wie vo r- liegend unterschiedlichen Spannungsebenen zugeordnet sind (vgl. www.wikipedia.org > Suchbegriff " Phasenschiebertransformator", Allg e- meines, besucht am 28. Januar 2013). Für die Bestimmung, Wartung und Einstellung der Eichwerte der Net z- schutzvorrichtungen gegen interne Störungen im Phasenschiebertran s- formator und gegen Störungen des schweizerischen Übertragungsnetzes ist die AET zuständig (Ziff. 2.2 , S.13 Betriebsreglement). Änderungen im Verbundbetrieb sowie Änderungen der Transitleistung werden gemäss Betriebsreglement jeweils von der AET, von Vertretern der Terna SpA oder von Vertretern der Beschwerdegegneri n beantragt (vgl. Ziff. 3.1, S. 17 Betriebsreglement). Verantwortlich für die Netzsteuerung und Wa r- tung der Netzelemente der Verbindungsleitung Mendrisio -Cagno sind auf der schweizeri schen Seite die AET und auf der italienis chen Seite die Terna SpA (vgl. Ziffer 3.2, S. 18 Betriebsreglement). Diese beiden Unte r- nehmen sind auch Eigentümerinnen der Messeinrichtungen zur Abrec h- nung der ausgetauschten Blindenergie und zur Kontrolle der Blindene r- gieleistung (Ziff. 2.4, S. 14 Betriebsreglement). 5.5.4 Die Beschwerdeführerin ist demnach weder für den bedarfsgerech- ten Unterhalt noch für die Netzsteuerung oder den Betrieb der Verbin- dungsleitung, die in ihrem Eigentum steht , verantwortlich. Ebenso wenig betreibt sie die Infrastruktur operati v und hat daher keine Kontrolle über die Leistungsflüsse, insbesondere nicht über die Blindenergieleistung. Die Kosten für die Lieferung von Blindenergie werden durch diejenigen veru r-A-2812/2010 Seite 21 sacht, welche die Kontrolle über die Energieflüsse via die strittige Verb in- dungsleitung haben. Die Beschwerdeführerin kann somit nicht als Net z- betreiberin im Sinne der vorerwähnten Definitionen oder als Verursach e- rin allfälliger Kosten für die Lieferung von Blindenergie angesehen wer- den. Eine entsprechende Kostenanla stung fällt daher ausser Betracht, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und Dispositiv -Ziffer 7 in Bezug auf die Beschwerdeführerin aufzuheben ist. Anzumerken bleibt Folgendes: Bereits i m erläuternden Bericht zur StromVV wird betreffend Art. 15 Abs. 1 StromVV festgehalten, dass die Blindenergie den nachgelagerten Netzbetreibern und den mit Blindene r- giezählern ausgestatteten Endverbrauchern direkt in Rechnung gestellt wird (Erläuternden Bericht StromVV zu Art. 14). Zusätzliche Zahlungs- pflichtige werden nicht erwähnt. Demnach zählt Art. 15 StromVV die mög- lichen Kostenträger abschliessend auf und lässt keinen Raum für die ana- loge Einführung weiterer Zahlungspflichtiger bzw. für die Bildung neuer Kostenträgerkategorien. Die Beschwerdeführerin analog als Netzbetre i- berin zu betrachten, ist daher unzulässig. Unter Endverbrauchern sind gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. b StromVG Kunden, welche Elektrizität für den eigenen Verbrauch kaufen, zu verstehen. Ausgehend von dieser Definit i- on kann nicht nachvollzogen werden , weshalb die Vorinstanz die B e- schwerdeführerin (analog) als Endverbraucherin qualifiziert. 5.6 Inwieweit die Anlastung von Kosten gemäss Art. 15 Abs. 1 StromVV für SDL an "Verursacher", die nicht als Endverbraucher zu qualifizieren sind, sich auf Art. 14 Abs. 3 Bst. d StromVG oder Art. 15 Abs. 4 Bst. b StromVG als genügende gesetzliche Grundlage stützen kann bzw. unter gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten zulässig ist, kann vorliegend – da die Beschwerdeführerin ohnehin nicht als Netzbe t- reiberin zu qu alifizieren ist – offen gelassen werden (vgl. dazu aber kri- tisch MARIELLA ORELLI/NADINE MAYHALL, Die Anlastung von Kosten des Übertragungsnetzes – Rückblick und Vorschau in: Jusletter vom 23. April 2012, S. 9 ff.). 6. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin zwar grundsätzlich durch die mit Verfügung vom 16. April 2009 erteilte Au s- nahmebewilligung gemäss Art. 2 VAN nicht von der Kostenauflage für die Lieferung von Blindenergie befreit worden ist, jedoch mangels Veran t- wortlichkeit für den Betrieb und Unterhalt der Verbindungsleitung Mendr i- sio-Cagno nicht als Netzbetreiberin i.S.v. Art. 15 Abs. 1 Bst. a StromVV zu A-2812/2010 Seite 22 qualifzieren ist. Demnach sind ihr keine Kosten für die Lieferung von Blindenergie aufzuerlegen bzw. ist der individuelle Tarif für Blindenergie 2010 auf sie nicht anwendbar. Dementsprechend ist die Beschwerde gut- zuheissen und die Dispositiv-Ziffer 7 in Bezug auf die Beschwerdeführerin aufzuheben. 7. Bei diesem Verfahrensausgang wird – im Rahmen ihres Unterliegens – die sich mit eigenen Anträgen am Verfahren beteiligende Beschwerd e- gegnerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, vgl. auch MICHAEL BEUSCH, VwVG-Kommentar, a.a.O., Art. 63 Rz. 12). Keine Verfahrenskos- ten werden hingegen der unterliegenden Vorinstanz auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Die Verfahrenskosten sind nach dem Reglement vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) festzulegen und werden vorliegend auf Fr. 2'000.– festgesetzt. Da die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin keine Kostennote einge- reicht hat, ist ihr aufgrund der Akten eine Parteientschädigung von Fr. 6'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen ( Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE , insbesondere Art. 14 VGKE ). Diese Ent- schädigung ist ihr in Anwendung von Art. 64 Abs. 2 und 3 VwVG nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils durch die Beschwerd e- gegnerin zu entrichten. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Auf den Eventualantrag der Beschwerdegegnerin wird nicht eingetreten. 2. Die Beschwerde wird gutgeheissen und Dispositiv-Ziffer 7 der vorinstanz- lichen Verfügung vom 4. März 2010 wird in Bezug auf die Beschwerd e- führerin aufgehoben. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000.– werden der Beschwer- degegnerin auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils A-2812/2010 Seite 23 zurückerstattet. Hierzu hat sie dem Bundesver waltungsgericht ihre Post - oder Bankverbindung anzugeben. 4. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils eine Parteientschädigung von Fr. 6'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 5. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. 952-09-131; Gerichtsurkunde) – das Generalsekretariat UVEK (Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Kathrin Dietrich Tanja Haltiner Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rech tsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthal ten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: