B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5972/2014 U r t e i l v o m 2 4 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, Durchgangsheim für Asylsuchende, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin- Verfahren); Verfügung des BFM vom 8. Oktober 2014 N (…). E-5972/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland nach eigenen Anga- ben im Juli 2013. Sie liess dort ihr Kind zurück. Sie reiste im Juni 2014 von Khartum, wo sich ihr eritreischer Ehemann noch aufhalte, nach Liby- en wei ter. Über das Meer gelangte sie anschliessend nach Italien. Sie blieb etwa zehn Tage lang dort, bevor sie von Italien herkommend in die Schweiz einreiste, wo sie am 25. Juli 2014 ein Asylgesuch stellte. A.b In der Befragung zur Person vom 30. Juli 2014 machte sie geltend, in Eritrea ein schwieriges Leben zu haben, denn jedermann, der arbeiten wolle, müsse unabhängig von seinem Alter zuerst Militärdienst leisten. Gleichentags wurde ihr das rechtliche Gehör zur Möglichkeit eines Nicht - eintretensentscheids und einer Überstellung nach Italien gewährt. Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens zur Behandlung des Asylgesuchs wurde von ihr nicht bestritten. Jedoch erklärte sie, dorthin auf keinen Fall zurückzukehren. In gesundheitlicher Hinsicht gehe es ihr gut. Sie sei in Italien wegen (…) in einem Spital behandelt worden. Sie reichte zwei Personalausweise, darunter ihre eritreische Identitätskarte, ihr Eise n- bahnbillett (Mailand-Locarno) vom 24. Juli 2014 sowie diverse Unterlagen über ihren Spitalaufenthalt vom 17. Juli 2014 in Italien ein. A.c Das vom BFM am 4. August 2014 in Anwendung von Art. 13 Abs. 1 der sog. Dublin -III-VO (Verordnung [EG] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Pr ü- fung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat g e- stellten Asylantrags zuständig ist) an die italienischen Behörden gestellte Ersuchen um Rücknahme des Beschwerdeführers (sog. take charge - Verfahren) blieb un beantwortet. Ausgehend von der stillschweigenden Zustimmung Italiens zur Behandlung des Asylgesuchs ersuchte das BFM Italien am 9. Oktober 2014 um Mittei lung der gewünschten Rückfü h- rungsmodalitäten. B. Mit Verfügung vom 8. Oktober 2014 – eröffnet am 13. Oktober 2014 – trat das BFM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie nach Italien weg, forderte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und beauftragte den zuständ i- gen Kanton B._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. Das Bunde s-E-5972/2014 Seite 3 amt stellte zudem f est, einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu, und händigte der Beschwerd e- führerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. Das BFM stellte fest, dass die Zuständigkeit zur Durchführung des Asy l- und Wegweisungsverfahrens an Italien übergegangen ist. Aus dem U m- stand, dass die Beschwerdeführerin ein Aufenthalt in der Schweiz vorzie- he und verlauten lasse, nicht nach Italien zurückkehren zu wollen , könne sie nichts zu ihren Gunsten ableiten. Es wür den keine konkreten Anhalts- punkte dafür vorliegen, dass Italien sich nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und das Asyl - und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde. C. Die Beschwerdeführerin erhob gegen diese Verfügung des BF M mit Ei n- gabe vom 15. Oktober 2014 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsge- richt Beschwerde unter Verwendung eines (für Beschwerden gegen Asyl- gesuchsabweisungen konzipierten) fremdsprachigen Beschwerdeformu- lars, das in deutscher Sprache auf Seite 3 und 4 der Beschwerde ergänzt wurde. Mit der Beschwerde wurde die angefochtene Verfügung und die Kopie eines Asylbewerberausweises eingereicht. D. Der Instruktionsrichter stellte mit Zwischenverfügung vom 17. Oktober 2014 – eröffnet am 20. Oktober 2014 – fest, die Be schwerde sei zwar frist- aber nicht formgerecht eingereicht worden, weil von der siebenseit i- gen Eingabe der grösste Teil - nämlich alles Vorgedruckte und somit auch die Anträge – in einer dem Gericht nicht verständlichen Sprache und Schrift verfasst worden sei. Da das Gericht von entsprechenden Formula- ren in ihm verständlichen Amtssprachen w isse, dass der vorgedruckte Text ohnehin ungeeignet sei für die Anfechtung eines Nichteintretensen t- scheides, namentlich in einem Dublin-Verfahren, genüge die Beschwerde den gesetzlichen Anforderungen nicht, weshalb der Beschwerdeführerin die Eingabe inklusive eingereichte Beweismittel in Kopie zurückzusenden seien und ihr eine Frist zur Einreichung einer den erwähnten Anforderu n- gen genügenden Beschwerdeschrift anzusetzen sei. Ohne einen Gegen- bericht innert drei Tagen ab Erhalt dieser Zwischenverfügung sei davon auszugehen, dass das Dispositiv der angefochtenen Verfügung (soweit die Beschwerdeführerin dadurch beschwert sei) von ih r angefochten wer- den wolle und dass es sich beim in Deutsch gehaltenen Text auf Seite 3 und 4 der Beschwerde um die vollständige Beschwerdebegründung E-5972/2014 Seite 4 handle. Weiter sei aufgrund einer ersten summarischen Beurteilung der Aktenlage kein überwiegendes privates Interesse der Beschwerdeführerin an einer Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung erkennbar, weil die in einer Amtssprache gehaltenen Ausführungen der Beschwerdeschrift ke i- ne Vollzugsaussetzung rechtfertigen würden. Mithin werde der B e- schwerde keine aufsc hiebende Wirkung zu kommen. Weiter könnten fremdsprachige Eingaben und Beweismittel, die nicht in einer Amtsspr a- che des Bundes übersetzt seien, keine Beachtung finden. E. Die Beschwerdeführerin nahm mit Eingabe vom 21. Oktober 2014 unter Verwendung eines (für Beschwerden gegen Asylgesuchsabweisungen konzipierten) deutschsprachigen Beschwerdeformulars Stellung. Die (im Formular vorgedruckten) Rechtsbegehren in deutscher Sprache lauten: Aufhebung der angefochtenen Verfügung, Anerkennung der Flüchtling s- eigenschaft und Asylgewährung, Feststellung der Undurchführbarkeit der Wegweisung, Anordnung der vorläufigen Aufnahme, Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf Kostenvorschusserh e- bung, eventualiter Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung, vor- sorgliche Anweisung der Behörde betreffend Kontaktaufnahme mit den und Datenweitergabe an die Behörden des Heimat - und Herkunftsstaats beziehungsweise Information bei erfolgter Datenweitergabe. Auf Seite 7 der Beschwerde wurde, wiederum im vorgedruckten Teil des Formulars zusätzlich die Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung verlangt, a l- lerdings ohne das Gesuch zu begründen und die beizuordnende Person zu bezeichnen. Handschriftlich liess die Beschwerdeführerin folgende E r- gänzungen zur Eingabe vom 1 5. Oktober 2014 anfügen: Sie könne nicht nach Italien zurückkehren, weil die Situation dort sehr schlecht sei. Es existierten über die Situation in Italien genügend Berichte, beispielsweise solche von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Sie erhalte dort nicht genügend medizinische Hilfe, keine Arbeit und keine Wohnung. Sie müss- te dort auf der Strasse leben. Sie ersuche daher sinngemäss um Anwen- dung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO, was zum Selbsteintritt der Schweiz und zur materielle n Beurteilung ihres Antrags auf internationalen Schutz durch dieses Land führe. E-5972/2014 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Beschwe r- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 31 VGG, Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist unter Beachtung der Ergänzung vom 21. Oktober 2014 frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einre i- chung der Beschwerde legitimiert (Art . 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist unter nachst e- henden Vorbehalten einzutreten. Nicht einzutreten mangels Anfechtungsgegenstand ist auf die Anträge auf Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung. Soweit die Beschwerdeführerin Anträge zum Verfahren stellt – Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, vorsorgliche Anweisung der zuständigen Behörde, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des He i- mat- und Herkunftsstaats so wie jegliche Datenweitergabe an dieselben zu unterlassen oder, bei bereits erfolgter Datenweitergabe, die B e- schwerdeführerin darüber in einer separaten Verfügung zu informieren –, ist die Beschwerde mangelhaft, weil es an einer (individualisierten) B e- gründung fehlt (Art. 52 Abs. 1 VwVG). Eine erneute Aufforderung zur Ver- besserung der weiterhin bestehenden Mängel (Art. 52 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG; Art. 110 Abs. 1 AsylG) kann allerdings unterbleiben, weil diese Anträge mit dem vorliegenden Endentscheid gegenstandslos werden beziehungsweise aus prozessökonomischen Gründen, da die handschriftlich in die Beschwerdeformulare vom 15. und 21. Oktober 2014 eingefügten Begründungen hinsichtlich der Wegweisung nach It a- lien genügend verständlich sind. 1.3 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu b e- handeln, weil sie sich als offensichtlich unbegründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG). Es handelt sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu b e-E-5972/2014 Seite 6 gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwe r- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Vorliegend gelangt das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) zur Anwendung. Darauf basierend ist seit dem 1. Januar 2014 in allen Staaten der Europäischen Union die Dublin -III-VO anwendbar (Art. 49 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen der Schweiz und der Europäischen Union betreffend die Übernahme der Dublin-III-VO (Wei terentwicklung des Dublin/Eurodac -Besitzstands) hat der Bundesrat der Europäischen Union mitgeteilt, dass die Schweiz den Inhalt dieses Rechtsakts akzeptiere und in ihre innerstaatliche Recht s- ordnung umsetzen werde. Mit Bundesratsbeschluss vom 18. Dezember 2013 wurde festgehalten, die Dublin-III-VO werde ab dem 1. Januar 2014 vorläufig angewendet, mit Ausnahme deren Art. 18 Abs. 2, Art. 27 Abs. 3 und Art. 28. Folglich kommt, gestützt auf das DAA, in der Schweiz ab dem 1. Januar 2014 die Dublin -III-VO zur Anwendung, soweit gemäss Art. 49 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht die Bestimmung des zuständigen Mi t- gliedstaats nach den Kriterien der Dublin-II-VO vorbehalten bleibt. E-5972/2014 Seite 7 3.2 Das Asylgesuch in der Schweiz datiert vom 25. Juli 2014. Mithin ist neues Dublin-Recht anzuwenden. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO oder Dublin-III-VO haben die Mitglie d- staaten jeden Asylantrag zu prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der A n- trag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien der Dublin-VO als zuständiger Staat bestimmt wird. Das erste (in der sog. Eurodac -Datenbank) registrierte Asylgesuch im sog. Schengen-Raum wurde am 25. Juli 2014 zwar in der Schweiz g e- stellt. Indessen erklärte die Beschwerdeführerin, sich vor ihrer Einreise in die Schweiz in Italien aufgehalten zu haben. Sie habe dort ihre Persona l- angaben verweigert und ihre Fingerabdrücke nicht angegeben, weil It a- lien nicht ihren Wunschvorstellungen entspreche und sie dort kein Asyl- gesuch habe stellen wollen. Sie gedenke nicht, dorthin zurück zukehren, weil die Schweiz ihr Wunschziel sei und das einzige Land, wo sie in Frei- heit leben könne (vgl. Beschwerde S. 3; Vorakten A6 S. 11 Ziff. 8.01). Sie habe sich gewiss insgesamt etwa zehn Tage lang in Italien aufgehalten und dort einen Spitalaufenthalt gehabt, bevor sie am 25. Juli 2014 in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt habe. Aufgrund des nachweislichen erstmaligen Aufenthalts der Beschwerd e- führerin im sog. Schengen -Raum in Italien im Juli 2014 hat das BFM am 4. August 2014 die italienischen Behörden gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO zu Recht um Rü cknahme der Beschwerdeführerin ersucht. Mit der Nichtbeantwortung des Übernahmeersuchens innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist `(sog. Verfristung) haben sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannt (Art. 18 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 22 Abs. 7 Dublin -III-VO). D amit ist die grundsätzliche Zuständigkeit It a- liens für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens geg e- ben. 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin ersucht um Anwendung der Ermessenskla u- sel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, was zum Selbsteintritt der Schweiz und zur materiellen Beurteilung des Antrags auf internationalen Schutz durch dieses Land führe. Sie machte geltend, die Situation von Flüchtli n- gen in Italien sei "sehr schlecht". Sie wolle dorthin nicht zurückkehren. Ita- lien sei nicht ihr gewünschtes Land. Sie wolle in Freiheit leben und eine Zukunft haben. Es existierten über die schlechten Zustände in Italien viele Berichte, beispielsweise diejenigen der Flüchtlingshilfe. Es gebe nicht g e-E-5972/2014 Seite 8 nügend medizinische Hilfe für sie, ke ine Arbeit und keine Wohnung. Sie müsste auf der Strasse leben (vgl. Beschwerdebegründungen vom 15. und 21. Oktober 2014). 4.2 Nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen, auch wenn nach den in der Dublin -III-VO vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig wäre (sog. Selbsteintrittsrecht). Diese Bestimmung ist indessen nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden (analog zu A rt. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO: BVGE 2010/45 E. 5). Droht ein Verstoss gegen übergeordnetes Recht, zum Bei- spiel gegen eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer A n- spruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts. In Frage kommen insb e- sondere das flüch tlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie menschenrechtliche Garantien der EMRK, des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105). Die ins nationale Recht aufgenommene Norm Art. 29a Abs. 3 der Asy l- verordnung 1 vom 1. Februar 2014 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) sieht vor, dass das BFM aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin -VO ein ande- rer Staat zuständig wäre. Es handelt sich dabei um eine Kann -Be- stimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (BVGE 2010/45 E. 8.2.2 und BVGE 2011/9 E. 8.1 f.). 4.3 Mithin ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Übe r- stellung nach Italien Gefahr laufen würde, weg en der dortigen Gegebe n- heiten des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen in Schwieri g- keiten zu geraten respektive eine Verletzung ihrer Grundrechte zu e r- leiden. Es obliegt ihr dabei, dem Gericht darzulegen, gestützt auf welche ernsthaften konkreten Hin weise anzunehmen sei, die italienischen B e- hörden würden in ihrem Fall ihre staatsvertraglichen Verpflichtungen nicht respektieren und ihr den notwendigen Schutz verweigern. 4.3.1. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin vermögen nicht zu überzeugen. Zur Situation in Italien brachte sie lediglich die pauschale Behauptung einer "sehr schwierigen" Situation in Italien vor. Darüber hin-E-5972/2014 Seite 9 aus behauptete sie unter Hinweis auf nicht näher bezeichnete Berichte, darunter der Flüchtlingshilfe, bloss in globaler Weise, Arbeit u nd Wo h- nung fehlten sowie die medizinische Versorgung genüge ihr nicht. Indes- sen genügt die Unterbringung von Asylsuchenden in Italien den Minima l- standards des internationalen Rechts und es besteht kein Grund zur A n- nahme, die Beschwerdeführerin werde wegen ungenügender Aufen t- haltsbedingungen in Italien oder wegen einer mangelnden medizinischen Versorgung in existenzielle Schwierigkeiten geraten. 4.3.2. Auch ist in Weiterführung der bisherigen Praxis des Bundesverwa l- tungsgerichts nach wie vor von der Vermutung ausz ugehen, dass Italien die Gebote des flüchtlingsrechtlichen und des menschenrechtlichen Rückschiebeverbots beachtet. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge- richtshofs für Menschenrechte (EGMR) sieht Italien wirksame verfahrens- rechtliche Garantien (inkl. Rekursmöglichkeiten) vor, die eine beschwe r- deführende Person vor einer unmittelbaren Zurückweisung in ihren He r- kunftsstaat, in dem diese riskiert, Folter oder unmenschlicher Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden, schützen. Bei einer Überstellung wird davon ausgegangen, Italien komme kraft seiner Mi t- gliedschaft den Verpflichtungen aus der Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mi t- gliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüchtli ngseigen- schaft (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie jenen aus der Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 (sog. Aufnahmerichtlinie), darunter auch dem Refoulement -Verbot, nach (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2). Eine allfällige Verletzung der erwähnten Richtlinien durch den zuständigen Mitgliedstaat in der Vergangenheit begründet kein selbstä n- diges Recht einer beschwerdeführenden Person auf Anrufung zur Au s- übung des Selbsteintrittsrechts, sondern es bedarf hierzu grundsätzlich des Nachweises eines "real risk" im Sinne der EGMR -Rechtsprechung (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II -Verordnung, 3., überarb. Aufl., Wien/Graz 2010 , Art. 3 K11 S. 75), den die Beschwe r- deführer nicht erbracht hat. Sie kann denn auch nicht einmal von persön- lichen Erfahrungen mit dem Asylverfahren in Italien berichten. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass ihr bei einer Überstellung nach Ita- lien der Zugang zu einem fairen Asylverfahren möglich sein wird und sie weder unmenschlicher Behandlung ausgesetzt noch durch die italien i- schen Behörden ohne Prüfung ihrer Asylgründe und unter Missachtung des flüchtlings - oder menschenrechtlichen Non -Refoulement-Gebotes in den Heimat- oder Herkunftsstaat zurückgeschafft würde. E-5972/2014 Seite 10 4.3.3. Auch kann nicht erkannt werden, dass Italien in völkerrechtswidr i- ger Weise gegen die Aufnahmerichtlinie verstösst. Der EGMR hat diesbe- züglich festgehalten, dass in Italien kein systematischer Mangel an U n- terstützung und Einrichtungen für Asylsuchende (als e ine besonders ver- letzliche Personengruppe) bestehe, dies obwohl die allgemeine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen wür den (vgl. Urteil des EGMR vom 2. April 2013, Mohammed Hussein et al. gegen Niederlande und Italien [B e- schwerde Nr. 27725/10], Unzulässigkeitsentscheidung wegen offensichtli- cher Unbegründetheit gemäss Art. 35 Abs. 3 EMRK). Die vom Gerichts- hof zitierten Berichte zeigten detailliert eine Struk tur von Einrichtungen und Versorgung auf, und in letzter Zeit seien zudem gewisse Verbess e- rungen festzustellen. Der Gerichtshof kam zum Schluss, dass die asyls u- chende Person – es handelte sich um eine alleinstehende Frau mit zwei kleinen Kindern – bei einer Rückkehr nach Italien nicht einer ernsthaften und unmittelbar drohenden Gefahr ausgesetzt wäre, in materieller, phys i- scher oder psychischer Hinsicht in eine Notlage zu geraten, die in den Schutzbereich von Art. 3 EMRK fallen würde. Diese Feststellungen l as- sen für das vorliegende Verfahren ableiten, dass Rückkehrende, die noch nicht in einer entsprechenden Einrichtung aufgenommen wurden, in e i- nem Aufnahmezentrum untergebracht werden können. Überdies steht es der Beschwerdeführerin offen, allfällige Problem e bei der Unterbringung , bei der Aufnahme einer legalen Erwerbstätigkeit, bei der medizinischen Versorgung oder beim Zugang zum Asylverfahren bei den zuständigen italienischen Stellen oder Justizbehörden zu rügen. 4.3.4. Mithin sind keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, die darauf hindeuteten, dass der Beschwerdeführer in im Falle einer Rückkehr nach Italien aus individuellen Gründen in eine existenzielle Notlage geraten könnte. Aus den Akten geht hervor, dass sie sich im Moment für gesund halte (Vorakten A6 S. 11). So hat sie ihren Angaben zufolge in Italien b e- reits die notwend igen Hilfeleistungen seitens eines Spitals erhalten, als es gegolten habe, sie wegen (…) und der Strapazen einer Anreise übers Mittelmeer (Bewusstlosigkeit) fachgerecht zu behandeln . Es liegen zu- dem bei ihr namentlich keine Hinweise auf Traumatisierungen oder ande- re schwere Beeinträchtigungen psychischer oder physischer Art vor, we l- che eine besondere Verletzlichkeit oder einen besonderen Bedarf an ausserordentlichen medizinischen Verso rgungsleistungen begründen könnten. Aufgrund ihrer gezeigten Selbständigkeit ist jedenfalls nicht d a- von auszugehen, dass sie mit den gegebenen aktuellen Möglichkeiten in E-5972/2014 Seite 11 Italien überfordert sein könnte oder sich nicht auch in Italien für die ihr zu- stehenden Rechte einsetzen könnte. 4.4 Zusammenfassend besteht damit kein konkretes und ernsthaftes R i- siko, die Überstellung de r Beschwerdeführerin nach Italien würde gegen völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz oder Landesrecht versto s- sen. Damit besteht keine V erpflichtung der Schweiz zum Selbsteintritt. Italien ist zur Übernahme de r Beschwerdeführerin und zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig. 5. Das BFM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten. Es hat, da d ie Beschwerde- führerin nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungs- bewilligung ist, in Anwendung von Art. 44 AsylG zutreffend die Überstel- lung nach Italien angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV1). Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht zu prüfen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10). 6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen , soweit darauf ei n- zutreten ist. Das Beschwerdeverfahren wird mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, weshalb sich d ie Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung und Verzicht eines Kostenvorschusses als gegenstandslos erweisen. 7. Die Beschwerde ist als aussichtslos zu qualifizieren, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Prozessführung und Rechtsbeistand) ungeachtet der allfälligen, im Rahmen der Beschwerde nicht belegten Bedürftigkeit d er Beschwerdeführerin abzuweisen ist. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten von Fr. 600. – der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bunde s- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] und Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-5972/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kanton a- le Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: