Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2018 (720 17 205 / 204) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Nichteintreten auf Leistungsgesuch: Bestehen von Anhaltspunkten für eine mögliche Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der versicherten Person Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Elisabeth Maier , Advok a- tin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A. Der 1974 geborene A.____ war vom 1. April 1999 b is 30. September 2000 als Office- Mitarbeiter bei der B.____ AG tätig. Am 23. Mai 200 1 meldete er sich erstmals bei der Invali- denversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Ver fügung vom 5. Juni 2003 lehnte die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) einen Rentenans pruch gestützt auf einen Invaliditätsgrad Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 30 % ab. Mit Gesuch vom 14. März 2005 meldete er sich erneut bei der IV-Stelle zum Leis- tungsbezug an. Mangels Glaubhaftmachung eines verschlecht erten Gesundheitszustandes trat die IV-Stelle mit Schreiben vom 10. Mai 2005 auf da s Gesuch nicht ein. Eine weitere Anmel- dung zum Leistungsbezug erfolgte am 28. November 201 1. Die IV-Stelle verneinte mit Verfü- gung vom 5. September 2013 aufgrund eines Invaliditätsgrades von 0 % einen Rentenanspruch des Versicherten. Die gegen diese Verfügung erhobene Be schwerde wies das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kant onsgericht), mit Urteil vom 6. Feb- ruar 2014 (Verfahrens-Nr. 720 13 290 / 41) ab. Nach e iner erneuten Anmeldung zum Leis- tungsbezug vom 28. Mai 2014 lehnte die IV-Stelle nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse mit Verfügung vom 11. Novembe r 2015 einen Rentenanspruch ab. Sie ging davon aus, dass der Versicherte gestützt auf di e medizinische Aktenlage – bis auf den stationären Aufenthalt in der C.____ vom 24. Februar 2014 bis 7. März 2014 – zu 100 % ar- beitsfähig sei. Diese Verfügung bestätigte das Kantonsge richt mit Urteil vom 10. März 2016 (Verfahrens-Nr. 720 15 383 / 65). B. Am 1. Dezember 2016 (Eingang) meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine posttrau- matische Belastungsstörung und einer somatoformen Schmer zstörung abermals bei der IV- Stelle zum Leistungsbezug an. Nach durchgeführtem Vorb escheidverfahren trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. Mai 2017 auf dieses neue Leistungsbegehren nicht ein. Zur Begründung machte sie geltend, dass der Versicherte eine Verschlechter ung seines Gesundheitszustandes nicht glaubhaft habe darlegen können, weshalb weiter hin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokatin Elisabeth Maier, am 28. Juni 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht. D arin beantragte er, es seien ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventuali- ter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an d ie Beschwerdegegnerin zurückzuwei- sen; unter o/e-Kostenfolge. Ausserdem sei ihm die unen tgeltliche Prozessführung und Verbei- ständung zu bewilligen. Zur Begründung wurde im Wesen tlichen vorgebracht, dass die letzte materielle Beurteilung mit Verfügung vom 11. November 2015 erfolgt sei. Dabei habe sich die IV-Stelle auf die Gutachten von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, aus den Jahren 2012 und 2015 gestützt. Dieser habe damals keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen können. Die Berichte von Dr . rer. nat. E.____, Psychologin, vom 21. Dezember 2016 und die diversen Berichte von Dr. m ed. F.____, FMH Chirurgie, zeigten nun auf, dass zwischenzeitlich eine wesentliche Verschlechteru ng des somatischen und psy- chischen Gesundheitszustandes des Versicherten eingetreten sei. Insbesondere der Beurtei- lung von Dr. E.____ sei zu entnehmen, dass es beim Versic herten im Frühjahr 2016 aufgrund einer Interaktion von somatischen und psychischen Problemen zu einer psychischen Dekom- pensation gekommen sei. Seit Ende Februar 2016 befinde er sich in Behandlung in der C.____. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass der Versicherte seit Mi tte Oktober 2016 im Rahmen eines geschützten Arbeitsplatzes als Reinigungskraft bei der Fir ma G.____ in der C.____ arbeite. Insofern zeige der Versicherte, dass er für eine Reintegration in die Arbeitswelt motiviert sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit Verfügung vom 29. Juni 2017 bewilligte das Kan tonsgericht die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung. E. In ihrer Vernehmlassung vom 31. August 2017 beantra gte die IV-Stelle mit Verweis auf die Stellungnahme von Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärzt- licher Dienst (RAD), vom 11. Mai 2017 die Abweisung der Beschwerde. F. Am 1. Dezember 2017 liess der Versicherte durch seine Rechtsvertreterin den zwischen dem Versicherten und der C.____ abgeschlossenen Arbeitsv ertrag vom 10. Oktober 2017 ein- reichen. Daraus sei ersichtlich, dass der Einsatz im Integ rationsbetrieb bis 31. Dezember 2017 verlängert worden sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2.1 Im versicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind g rundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen der zuständige Sozialversicherer vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung geno mmen hat. Insoweit bestimmt die Verfü- gung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgeg enstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurte ilsvoraussetzung, wenn keine Ver- fügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hinweisen). 2.2 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens b ildet die Verfügung vom 24. Mai 2017, mit welcher die IV-Stelle auf das Leistu ngsgesuch des Versicherten vom 1. De- zember 2016 nicht eintrat. Damit hat das Gericht einzig die Frage zu prüfen, ob die IV-Stelle auf das erneute Leistungsbegehren zu Recht nicht eingetre ten ist. Das Kantonsgericht darf daher weder eine inhaltliche Prüfung eines allfälligen Leistungsanspruchs vornehmen, noch selbst auf das Leistungsbegehren eintreten und in diesem Rahmen w eitere Abklärungen des medizini- schen Sachverhalts anordnen. Bei einer allfälligen Gutheissung der Beschwerde kann das Kan- tonsgericht die IV-Stelle daher lediglich anweisen, a uf das Leistungsbegehren einzutreten. Das Hauptbegehren des Versicherten, mit welchem die Ausricht ung der gesetzlichen Leistungen und das Eventualbegehren, mit welchem die Rückweisung de r Angelegenheit zu weiteren me- dizinischen Abklärungen an die Vorinstanz beantragt werd en, erfordern eine materielle Prüfung des Leistungsanspruchs. Mangels Anfechtungsgegenstand kann de mzufolge nicht darauf ein- getreten werden. Demgegenüber ist der Subeventualant rag, es sei die Sache an die IV-Stelle Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zurückzuweisen, damit diese auf das Leistungsbegehren ein trete und weitere Abklärungen vor- nehme (vgl. Ziffer 8.3 der Beschwerde vom 28. Juni 20 17), einer richterlichen Überprüfung zu- gänglich. 3.1 Die IV-Stelle hat die Neuanmeldung eines Rentena nspruchs materiell zu prüfen, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen Entscheidung in einem für den Rentenans pruch erheblichen Mass verändert haben (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 der V erordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinwei- sen). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV soll verhin- dern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1 und 130 V 71 E. 3.2.3, je mit Hi nweisen). Die Rechtskraft der früheren Ver- fügung steht einer neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). 3.2 Die Verwaltung verfügt bei der Beurteilung der Eintretensvoraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So hat sie insbesondere zu berücksicht igen, ob eine frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt und ob an die Glaubhaftmachung dementspre- chend mehr oder weniger hohe Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hi nweisen). Ohnehin sind mit dem Beweis- mass des Glaubhaftmachens grundsätzlich herabgesetzte Anfo rderungen an den Beweis ver- bunden. Eine Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt vielmehr, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (Urteile des Bundesgerichts vom 19. November 2014, 9C_523/2014, E. 5 und vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 3.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substanzielle Anhaltspunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darzu legen (vgl. auch bezüglich Nach- fristansetzung zur Einreichung ergänzender, in der Neu anmeldung lediglich in Aussicht gestell- ter Beweismittel: BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Wenn die d er Neuanmeldung beigelegten ärztlichen Berichte so wenig substanziiert sind, dass sich eine neue P rüfung nur aufgrund weiterer Er- kenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV-St elle unter Umständen zur Nachforderung weiterer Angaben gehalten. Dies ist nur, aber immerhin dann der Fall, wenn den - für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden - Arztberi chten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserheb- liche Änderung vorliegt (Urteil des Bundesgerichts vom 2 1. Juni 2016, 8C_244/2016, E. 2.1 mit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinweisen). Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch kein materielles Eintreten auf die Neuanmeldung (Ur- teil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 3.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht. Vorliegend erfolgte die letzte materielle Prüfung d es Rentenanspruchs des Beschwerdeführers im Rahmen des Verfahrens, das zur rentenablehnenden Ve rfügung vom 11. November 2015 führte. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Än derung in den tatsächlichen Verhältnis- sen erfolgt ist, die ein Eintreten auf die Neuanmeldu ng rechtfertigt, durch Vergleich des Sach- verhalts, wie er im Zeitpunkt der Verfügung vom 11. No vember 2015 bestand, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2017. 4.1.1 In ihrer rentenablehnenden Verfügung vom 11. November 2015 stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im We sentlichen auf die Gutachten von Dr. D.____ vom 2. November 2012 und vom 5. Februar 2015. Im Gutachten vom 2. November 2012 gelangte Dr. D.____ zur Auffassung, dass aus psychiat rischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könnten. Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie die unreifen, kindlichen Persönlichke itszüge beeinflussten die Arbeitsfä- higkeit nicht. Das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeu- gung, nicht mehr arbeiten zu können, seien durch die somatischen Befunde nicht hinreichend zu objektivieren, weshalb eine psychische Überlagerung an genommen werden müsse. Diese könne auch auf dem Hintergrund psychosozialer Belastungen (fehlende Integration, ungenü- gende Deutschkenntnisse und wirtschaftliche Schwierigkeit en) gesehen werden. Es sei dem Versicherten aus psychiatrischer Sicht zuzumuten, trotz d er geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer ber uflichen Tätigkeit nachzugehen. Die diagnostischen Voraussetzungen für eine posttraumatische B elastungsstörung seien nicht er- füllt. Eine solche Diagnose könne nur dann gestellt we rden, wenn sich seit Beginn des Erwach- senenalters bei der betroffenen Person deutliche psychopa thologische Auffälligkeiten zeigten, was hier aber nicht der Fall sei. Der Versicherte sei wäh rend des Militärdienstes in der X.____ zwar einige Monate im Gefängnis gewesen, er sei dabei aber nicht gefoltert worden. Er leide nicht unter angstbesetzten Träumen, nicht unter Flashbacks u nd habe eine sehr liebevolle Be- ziehung zu seiner Familie. Es komme nie zu gewalttätig en Auseinandersetzungen. Er habe auch langjährige Beziehungen mit drei Kollegen, mit denen es nie zu aggressiven oder gewalt- tägigen Auseinandersetzungen gekommen sei. Die früheren tätlichen Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern seien nur deshalb erfolgt, weil sich d iese wegen ungenügender Arbeitsleistun- gen des Versicherten beschwert hätten. Desgleichen könne d ie Diagnose einer emotional in- stabilen Persönlichkeitsstörung nicht bestätigt werden. V or allem die Tatsache, dass es in der Familie des Versicherten kaum zu verbalen und nie zu han dgreiflichen Auseinandersetzungen komme, er sich sehr um seine Familie sorge und sehr konst ante Objektbeziehungen pflege, spräche gegen eine solche Diagnose. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.2 Im Verlaufsgutachten vom 5. Februar 2015 hiel t Dr. D.____ daran fest, dass die Diagno- sen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und der unreifen, kindlichen Persönlich- keitszüge keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätte n. Dass alle therapeutischen Bemü- hungen scheiterten, hänge wesentlich mit der subjektiven Krankheitsüberzeugung zusammen, aufgrund welcher der Versicherte wenig Motivation zeige, trotz allfälliger Restbeschwerden sich aktiv um seine Gesundheit zu bemühen und sich den Belastu ngen der Arbeitswelt wiederaus- zusetzen. Wie bereits im Erstgutachten verneinte er mit gleicher Begründung das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der Versicherte leide auch nicht an einer depressi- ven Störung. Die Suiziddrohungen und die depressiven Ver stimmungen, die bei den psychiatri- schen Aufenthalten festgestellt worden seien, seien im Zu sammenhang mit der angespannten wirtschaftlichen Situation, der fehlenden Hoffnung, d iese Situation verändern zu können, und vor allem mit dem abgelehnten Rentenantrag zu sehen. D ie depressiven Symptome seien des- halb im Rahmen der anhaltend somatoformen Schmerzstörun g einzuordnen. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit war Dr. D.____ nach wie vor der Ansicht, dass der Versicherte trotz der geklag- ten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufbring en könne, um ganztags einer berufli- chen Tätigkeit nachzugehen. In den bisherigen verschiedene n Tätigkeiten als Hilfsarbeiter so- wie in jeder anderen beruflichen Tätigkeit bestehe au s psychiatrischer Sicht eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit habe lediglich während der Aufenthalte in C.____ vom 6. Februar 2013 bis 19. März 2013 und vo m 24. Februar 2014 bis 7. März 2014 bestanden. 4.1.3 Das Kantonsgericht kam in seinem Urteil vom 10. März 2016 zum Schluss, dass dem Gutachten von Dr. D.____ vom 5. Dezember 2015 volle Bew eiskraft zukomme. Es sei deshalb davon auszugehen, dass der Versicherte in jeder beruflic hen Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Auch die Würdigung des medizinischen Sachverhalts im Lich te von der mit BGE 141 V 294 be- gründeten neuen Schmerzrechtsprechung ergebe keine er heblichen funktionellen Auswirkun- gen der festgestellten Diagnosen der anhaltenden somat oformen Schmerzstörung und den un- reifen, kindlichen Persönlichkeitszüge. 4.2.1 Im Rahmen der Neuanmeldung ging der Bericht von Dr. E.____ vom 21. Dezember 2016 bei der IV-Stelle ein. Diese hielt als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine somatoforme Schmerzstörung und eine damit zusa mmenhängende rezidivierende depressive Symptomatik, aktuell teilremittiert, fest. Sei t 2000 befinde sich der Versicherte auf- grund seiner psychischen Beeinträchtigungen bei verschiedenen Fachpersonen in Behandlung. In den Jahren 2013 und 2014 habe er sich aufgrund ein er depressiven Dekompensation mit Suizidalität stationär in der C.____ aufgehalten. Im Februar/März 2016 habe sich seine somati- sche Problematik verschlechtert; es habe deswegen ein oper ativer Eingriff durch Dr. F.____ stattgefunden. In der Folge sei eine Überlappung der somatischen und psychischen Problema- tik zu beobachten gewesen. Bei Behandlungsbeginn am 29 . Februar 2016 habe sie ein psychi- atrisch auffälliges Zustandsbild vorgefunden. In den er sten Wochen sei aufgrund der Unruhe und der Affektlabilität des Versicherten kaum ein geordn etes Gespräch möglich gewesen. Im weiteren Verlauf habe er über Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, nächtliche Alpträume, verminderten Schlaf, sozialen Rückzug, emotionale Durchbr üche in Form von überwältigender Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Trauer, Angst, Schuld und Aggressionen berichtet. Bei Ko nfrontation mit traumabezogenen Reizen zeige der Versicherte eine Übererregung mit schne ller Atmung, körperlicher Unruhe, Schweissausbrüchen, Übelkeit und Herzklopfen. Dabei schilde re er Intrusionen und Flash- backs, was in Sitzungen auch habe objektiviert werden kö nnen. Dazu käme eine ausgeprägte Vermeidungssymptomatik. Er vermeide sämtliche Aktivitäten, die mit den Traumata in seiner Heimat (Erdbeben mit zahlreichen Toten, häusliche Gewa lt mit Morddrohungen, Leben auf der Strasse über mehrere Monate, Verhaftungen und Gefäng nisaufenthalte mit Folterungen, mehr- jähriger Kampfeinsatz gegen das eigene Volk) verbunden seien. Er zeige aber auch eine deutli- che Motivation, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen . Aufgrund des körperlichen und psy- chischen Gesundheitszustandes sowie der langjährigen Abwe senheit vom Arbeitsprozess sei ein direkter Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt jedoch nicht realistisch. Zurzeit arbeite er an einem geschützten Arbeitsplatz in der C.____ (= Integrationsprogramm G.____) im Umfang von 60 %, was ihm aktuell möglich sei. Bei der derzeitige n Arbeitstätigkeit zeige er sich kompetent, flexibel und sehr engagiert. Er behalte den Überblick u nd habe sich gut im Team eingefunden. Er habe ein schnelles Arbeitstempo und lege wenig Paus en ein. Er verstehe die Arbeitsabläufe schnell und könne diese gut eigenständig umsetzen. Wenn er jedoch gebremst oder unterbro- chen werde, vergesse er zu arbeiten; er käme also "völlig aus der Ordnung". In der Kommunika- tion entständen oft Unklarheiten. Er schildere in diese m Zusammenhang, dass er Angst habe, nicht zu genügen und den Arbeitsplatz zu verlieren. Er habe auch Schwierigkeiten, eigene Be- dürfnisse und Anliegen zu formulieren. Mit einer Stab ilisierung des psychischen Gesundheits- zustandes in der tagesklinischen Behandlung, dem Fortführ en der Arbeit am geschützten Ar- beitsplatz und der Tatsache, dass sich Haltung und Motivat ion des Versicherten verändert hät- ten, sei eine Rückkehr in eine teilweise Erwerbstätigkeit realistisch. 4.2.2 Im Vorbescheidverfahren gab der Versicherte die Berichte von Dr. E.____ vom 22. März 2017 und des Leiters des Integrationsprogramms G .____ vom 10. April 2017 zu den Akten. Dr. E.____ berichtete, dass der Versicherte bei d er Arbeit in der Küche der C.____ zu- verlässig, motiviert, pflichtbewusst, pünktlich, kompetent, f lexibel und sehr engagiert sei. Im Alltag sei aber auch zu beobachten, dass er bei Unruhe oder Lärm am Arbeitsplatz schnell überbelastet und reizüberflutet sei. Er reagiere dan n mit hoher Muskelanspannung, Schweiss- ausbrüchen, Zittern und Konzentrationsproblemen. Darau f ziehe er sich an einen ruhigen Ort zurück und klage vermehrt über Schmerzen. Im Deutschkurs habe er sich bei kleinsten Anfor- derungen überfordert gefühlt. Aufgrund der intensiven psychischen und physischen Reaktionen sei das entsprechende Programm sistiert worden. Dem Ber icht des Leiters des Integrationspro- grammes G.____ vom 10. April 2017 ist zu entnehmen, dass der Versicherte beim Arbeiten kaum Pausen mache. Es sei der Eindruck entstanden, dass er n icht fähig sei wahrzunehmen, wann er körperliche Erholung und Konzentrationspause b enötige. Er lege erst auf Anweisung hin Pausen ein. Nach Wiederaufnahme der Arbeit könne e r sich nicht mehr konzentrieren und er verliere an Arbeitsfluss. Häufig klage er dann über Rücken- und Beinschmerzen. 4.3 Nach Erlass der Verfügung vom 11. November 2015 ä usserten sich Dr. F.____ und die behandelnde Ärzteschaft des I.____ zum somatischen Gesundhe itszustand des Versicherten. Demnach habe sich der Versicherte wegen rezidivierender A bdominalschmerzen und einem harten Bauch im Februar 2016 in ärztliche Behandlung g egeben (vgl. Bericht von Dr. F.____ Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 25. Februar 2016). Eine Kolonoskopie und Rektoskopie ergaben keine auffälligen Befunde (vgl. Bericht des I.____ vom 16. März 2016). Am 29. März 2016 führte Dr. F.____ aufgrund ei- ner Läsion eine Abdeckelung perianal (= Abszessentfernun g) durch. Seit Ende April 2016 sei der Versicherte diesbezüglich beschwerdefrei (vgl. Beri chte von Dr. med. J.____, FMH Chirur- gie, vom 8. Mai 2016 und Dr. F.____ vom 26. Mai 2016 ). In den Akten befindet sich weiter ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis des Hausarztes, Dr. med. K.___ _, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 28. März 2017, mit welchem eine 100%ige Arbeitsunf ähigkeit für die Zeit vom 28. März 2017 bis 30. Juni 2017 bescheinigt wird. 5.1 In ihrer angefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2015 verwies die IV-Stelle auf die Beur- teilungen von Dr. H.____ vom 18. Januar 2017 und 5. Mai 2017. Dr. H.____ führte in seiner Stellungnahme vom 18. Januar 2017 zum Bericht von Dr. E.____ vom 21. Dezember 2016 aus, dass die von ihr gestellten Diagnosen einer somatofor men Schmerzstörung und einer rezidivie- renden Symptomatik, aktuell teilremittiert, nicht wese ntlich von den von Dr. D.____ diagnosti- zierten Leiden abweichen würden. Ihre Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung sei nicht nachvollziehbar. Die von Dr. E.____ geschildert e ausgeprägte Vermeidungssympto- matik stehe im Widerspruch zu den Ferienreisen des Versicherten an Orte in der X.____, wo er gemäss seiner Schilderung traumatisiert worden sei. Die emotionalen Durchbrüche in Form von Aggressionen hätten schon anlässlich der Begutachtung durch Dr. D.____ bestanden und seien von ihm als unreife, mitunter instabile Persönlichkeitszü ge klassifiziert worden. Auch im Aus- trittsbericht der C.____ vom 9. Mai 2014 sei dieses Ver halten des Versicherten einer emotional instabilen Persönlichkeit zugeordnet worden. Dr. E.___ _ beschreibe im Krankheitsverlauf keine Zäsur oder massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Vielmehr habe gemäss ihren Ausführungen seit Wiederaufnahme der Therapie in der C.____ im Februar 2016 eine Verbesserung der psychischen Symptomatik beobachtet werden können. Insgesamt liege damit mehrheitlich ein seit der Begutachtung durch Dr. D.___ _ unveränderter Gesundheitszustand vor. In somatischer Hinsicht beständen keine Hinweise auf einen langdauernden oder erhebli- chen Gesundheitsschaden. In der Stellungnahme vom 5. Ma i 2017 führte Dr. H.____ zum Be- richt von Dr. E.____ vom 22. März 2017 aus, es sei zwar na chvollziehbar, dass sich der Versi- cherte aufgrund seiner knappen Deutschkenntnisse im Arb eitsalltag verunsichert fühle und auf- grund der somatoformen Schmerzstörung mit Muskelverspannun gen und vermehrten Schmer- zen reagiere. Die Überforderung, der Rückzug und das verm ehrte Reagieren mit Schmerzen sei eine Folge der gestellten Diagnosen von akzentuiert en unreifen, kindlichen Persönlichkeits- zügen und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung . Diese beiden Diagnosen be- gründeten jedoch keine erhebliche und dauerhafte Arbei tsunfähigkeit. Desgleichen gebe es keine Hinweise auf eine Verschlechterung des somatischen G esundheitszustandes. Mangels Begründung ändere auch die von Dr. K.____ attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit nichts daran. 5.2 In Würdigung der vorliegenden Aktenlage ist als Erstes zu beachten, dass seit der letz- ten Anspruchsüberprüfung im November 2015 und der vorl iegend angefochtenen Verfügung im Mai 2017 rund 1 1/2 Jahre vergangen sind. In Anbetrac ht der eher kurzen Zeitspanne ist das Beweismass der Glaubhaftmachung relativ hoch anzusetzen (vgl. Erwägung 3.2). Es ist mit Dr. H.____ einig zu gehen, dass in somatischer Hinsicht sich aus den Berichten von Dr. F.____, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der behandelnden Ärzteschaft des L.____ und Dr. J.____ k eine Anhaltspunkte auf eine dauer- hafte Verschlechterung des Gesundheitszustandes ergeben , besteht doch wenige Wochen nach dem operativen Eingriff vom 29. März 2017 Beschwe rdefreiheit. Andere Anhaltspunkte, wonach der Versicherte aus anderen somatischen Gründen in seiner Arbeitsfähigkeit einge- schränkt ist, ergeben sich nicht aus den Akten und werden auch nicht geltend gemacht. Da sich aus dem Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. K.____ vom 28. April 2017 nicht entnehmen lässt, aus welchen Gründen der Versicherte 100 % arbeitsunfähi g ist, kann daraus nichts zu Gunsten des Versicherten abgeleitet werden. Demgegenüber kann d er Auffassung von Dr. H.____ und damit auch der IV-Stelle, wonach der Versicherte ein e Verschlechterung des psychischen Ge- sundheitszustandes nicht habe glaubhaft machen können, ni cht ohne weiteres beigepflichtet werden. Wie oben (Erwägung 3.2) ausgeführt, genügt es für das Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV, dass für den geltend gemachten r echtserheblichen Sachumstand we- nigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchau s noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Solche Anhaltspunkte für eine mögliche Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes des Versicherten sind vorliegend aufgrund des neu aufgelegten Berichts von Dr. E.____ vom 21. Dezember 2016 zu bejahen. Zwar stellte Dr. H.____ richtig fest, dass die Diagnosen von Dr. E.____ – bis auf die posttrau matische Belastungsstörung - nicht wesent- lich von denjenigen von Dr. D.____ (anhaltende somatof orme Schmerzstörung sowie unreife, kindliche Persönlichkeitszüge) abweicht. Dass die Kriterien für die Diagnose einer posttraumati- schen Belastungsstörung – entgegen der früheren Beurteil ung von Dr. D.____ – im heutigen Zeitpunkt nun erfüllt sein sollten, ist trotz der von Dr. E.____ festgehaltenen Symptomen und des beschriebenen Vermeidungsverhaltens zweifelhaft. In dieser Hinsicht weist Dr. H.____ zu- treffend darauf hin, dass das Vermeidungsverhalten im Zusammenhang mit den vom Versicher- ten in seiner Heimat erlittenen Traumata in Widerspru ch zu den Ferienreisen in die X.____ ste- he. Auf eine weitere Auseinandersetzung mit der die Diagnose der posttraumatischen Belas- tungsstörung ist jedoch zu verzichten. Denn die nachfolgen den Erwägungen zeigen auf, dass für die hier zu beurteilende Frage des Eintretens auf das Leistungsgesuch des Versicherten nicht die Diagnosen ausschlaggebend sind, sondern die unte rschiedlichen Beurteilungen von Dr. D.____ und Dr. E.____ bezüglich der Auswirkungen der psychischen Leiden auf die Arbeits- fähigkeit. Während Dr. D.____ den Versicherten anlässlich seiner letzten Begutachtung im Jahr 2015 als voll arbeits- und erwerbsfähig erachtet, geh t Dr. E.____ von einer aktuell fehlenden Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem freien A rbeitsmarkt aus. Der Begründung von Dr. E.____ ist zu entnehmen, dass der Versicherte ein Ja hr nach der Begutachtung bei Dr. D.____ psychisch dekompensiert habe. Sie beobachtete, dass der Versicherte bei Konfron- tationen mit traumabezogenen Reizen mit Unruhe, Schwe issausbrüchen, Übelkeit und Herz- klopfen reagiert. Sie berichtete auch über nächtliche Al pträume sowie Intrusionen und Flash- backs, wobei die Intrusionen und die Flashbacks an den S itzungen hätten objektiviert werden können. Aufgrund ihrer Feststellung geht Dr. E.____ d avon aus, dass der Versicherte seine Arbeitsfähigkeit zurzeit nicht auf dem ersten Arbeitsma rkt verwerten könne. Die von Dr. E.____ in ihrer Beurteilung vom 21. Dezember 2016 beschrieben en Reaktionen und Symptome des Versicherten erwähnte Dr. D.____ in seinen Gutachten no ch nicht. Zudem verneinte er das Vorhandensein von Alpträumen und Flashbacks. Mit dem Be richt von Dr. E.____ liegt nun eine Einschätzung vor, welche darauf hindeutet, dass sich das psy chische Leiden des Versicherten Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verschlechtert hat. Auch wenn hier die Schwelle für die Glaubhaftmachung relativ hoch anzusetzen ist, si nd der Beurteilung von Dr. E.____ ge- nügend erhebliche Anhaltspunkte zu entnehmen, die geeig net sind, die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in relevanter Weise beeinflussen zu können. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Dr. E.____ keine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist. Gemäss bun- desgerichtlicher Rechtsprechung genügen die von der beha ndelnden Psychologin attestierten Einschränkungen den reduzierten Anforderungen an die Glaubhaftmachung einer Verschlechte- rung der gesundheitlichen Verhältnisse (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 19. November 2014, 9C_523/2014, E. 5). Entgegen der Ansicht von Dr. H.____ ist die von Dr. E.____ be- schriebene Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes des Versicherten nicht so zu verstehen, dass von einem gleichbleibenden Gesundheitszusta nd gesprochen werden kann. Dr. H.____ übersieht, dass Dr. E.____ – im Gegensatz zu Dr. D.____ - von einer aktuell nicht verwertbaren Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsma rkt ausgeht. Es ist somit festzuhalten, dass der Versicherte eine allfällige Verschlechterung seiner psychischen Situation in einer Wei- se glaubhaft gemacht hat, welche ein Eintreten der IV -Stelle auf sein Leistungsbegehren erfor- dert. 5.4 Bei dieser Ausgangslage kann es die IV-Stelle nicht dabei bewenden lassen, den neu vorgelegten Arztbericht lediglich einer internen Prüfun g durch den RAD zu unterziehen. Auf- grund des in Art. 43 ATSG statuierten Untersuchungsgru ndsatzes ist die IV-Stelle vielmehr ver- pflichtet, weitere Abklärungen von Amtes wegen anzuordne n. Die Angelegenheit ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese über den Leistungsanspruch des Versicherten (beruf- liche Eingliederungsmassnahmen, Invalidenrente) materie ll befindet. Obwohl die Frage, ob der Versicherte weiter medizinisch zu begutachten ist, nicht G egenstand des vorliegenden Be- schwerdeverfahrens bildet (vgl. E. 2.2 hiervor), ist ergän zend darauf hinzuweisen, dass es sich im Rahmen der materiellen Prüfung aus Gründen einer allfälligen Voreingenommenheit recht- fertigt, die Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes von einer unabhängigen, bisher im Verfahren nicht involvierten psychiatrischen Fachperson v orzunehmen. Demzufolge ist die Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden kann, g utzuheissen und es ist die IV-Stelle an- zuweisen, auf das Leistungsbegehren des Versicherten vom 1. Dezember 2016 einzutreten. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 ist das Beschwerdeverfahren bei S treitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanton alen Versicherungsgericht kosten- pflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt; gegenüber der Vorinstanz bzw. den kan tonalen Behörden werden indessen keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vori nstanz unterlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Versicherte vorliegend obsi egt, ist ihm eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsve rtreterin des Versicherten machte in ihrer Honorarnote vom 26. September 2017 für das vorli egende Beschwerdeverfahren einen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeitaufwand von 12 Stunden und 40 Minuten geltend, was umfangmässig angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstande n ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zu r Anwendung gelangenden Stun- denansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstan den sind sodann die in der Hono- rarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 16 7.70. Dem Versicherten ist demnach eine Parteientschädigung von Fr. 3'600.95 (12 Stunden und 40 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 167.70 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifüh- ren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit ode r Kosten für ein weitläufiges Beweisver- fahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). 7.2 Beim vorliegenden Entscheid, durch welchen die Besch werdegegnerin verpflichtet wird, auf das Leistungsbegehren einzutreten, handelt es sich somi t um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesge richt. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit darauf eingetreten werden kann, wir d die Beschwerde gutg e- heissen und die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel - Landschaft vom 24. Mai 2017 aufgehoben. Die IV-Stell e Basel - Landschaft wird angewiesen, auf das Leistungsbegehren d es B e- schwerdeführers vom 1. Dezember 2016 einzutreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Parte i- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'600.95 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.