2013/58 Spitaltarif 892 BVGE / ATAF / DTAF 58 Auszug aus dem Teilentscheid der Abteilung III i.S. A., Trägerschaft der B.-Klinik gegen 3 staatliche Sozialversicherungen und Eidgenössisches Departement des Innern C‒529/2012 vom 3. Dezember 2013 Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung. Hoheitliche Festsetzung eines Spitaltarifs durch das Eidgenössische Departement des Innern (EDI); Frage der Zuständigkeit. Grundsatzurteil. Art. 31‒33 VGG. Art. 5 Abs. 1 VwVG. Art. 56 Abs. 3 UVG. Art. 26 Abs. 3 MVG. Art. 27 Abs. 3 IVG. Art. 47 Abs. 6 RVOG. 1. Die hoheitliche Festsetzung eines Spitaltarifs für stationäre Be - handlungen auf dem Gebiet der Unfall -, Militär- und Invaliden- versicherungen durch das EDI ist als Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VwVG zu qualifizieren und beim Bundesverwal - tungsgericht anfechtbar (E. 2). 2. Das EDI ist im vertragslosen Zustand zur hoheitlichen Fest - setzung eines Spitaltarifs für stationäre Behandlungen auf dem Gebiet der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherungen zustän- dig (E. 5‒6). Assurances accident, invalidité et militaire. Fixation d'un tarif hospitalier par le Département fédéral de l'intérieur (DFI); question de la compétence. Arrêt de principe. Art. 31‒33 LTAF. Art. 5 al. 1 PA. Art. 56 al. 3 LAA. Art. 26 al. 3 LAM. Art. 27 al. 3 LAI. Art. 47 al. 6 LOGA. 1. La fixation par le DFI, en vertu de son pouvoir de puissance publique, d'un tarif hospitalier pour les traitements stationnaires relevant de l'assurance -accidents, de l'assurance militaire et de l'assurance-invalidité doit être qualifiée de décision au sens de l'art. 5 al. 1 PA et peut faire l'objet d'un recours devant le Tribunal administratif fédéral (consid. 2). 2. En l'absence de convention tarifaire, le DFI a compétence pour procéder, par acte de puissance publique, à la fixati on d'un tarif hospitalier pour les traitements stationnaires relevant de l'as -Spitaltarif 2013/58 BVGE / ATAF / DTAF 893 surance-accidents, de l'assurance militaire ou de l'assurance - invalidité (consid. 5‒6). Assicurazione contro gli infortuni, militare e invalidità. Fissazione di una tariffa ospedaliera da parte del Dipartimento federale dell'inter - no (DFI); questione della competenza. Sentenza di principio. Art. 31‒33 LTAF. Art. 5 cpv. 1 PA. Art. 56 cpv. 3 LAINF. Art. 26 cpv. 3 LAM. Art. 27 cpv. 3 LAI. Art. 47 cpv. 6 LOGA. 1. La fissazione da parte d el DFI, nell'ambito dell'esercizio del potere pubblico, di una tariffa ospedaliera per le cure stazionarie nell'ambito dell'assicurazione contro gli infortuni, dell'assicura - zione militare e dell'assicurazione per l'invalidità costituisce una decisione ai sensi dell'art. 5 cpv. 1 PA e può essere impugnata presso il Tribunale amministrativo federale (consid. 2). 2. In assenza di una convenzione tariffale, compete al DFI fissare una tariffa ospedaliera per le cure stazionarie nell'ambito dell'assicurazione contro gli infortuni, dell'assicurazione militare e dell'assicurazione per l'invalidità (consid. 5‒6). Die B. -Klinik in C. führt unter anderem stationäre Behandlungen von Patienten der Unfall -, Militär - und Invalidenversicherung durch und schloss zu diesem Zwe ck mit den entsprechenden Versicherern am 21. Januar 2005 einen Tarifvertrag ab, der bis 30. Juni 2009 anwendbar war. Nachdem die Verhandlungen zwischen der B. -Klinik und der Zentralstelle für Medizinaltarife zum Abschluss eines neuen Tarifvertrags infolge unterschiedlicher Ansichten über den Basispreis gescheitert wa - ren, wandte sich die B. -Klinik durch ihren Rechtsvertreter am 14. Sep- tember 2009 an den Bundesrat mit dem Ersuchen, dass dieser mit Wirkung ab 1. Juli 2009 den Tarif für stationäre Patienten der Unfall -, Militär- und Invalidenversicherung mit einer diagnosebezogenen Fall - pauschale gemäss dem Patientenklassifikationssystem All Patient Dia - gnosis Related Groups (AP -DRG) Version 5.1 und einem Basispreis von Fr. 9 481.‒ festsetze. Nachdem zunächst das Generalsekretariat des Eidgenössischen Departe - ments des Innern (nachfolgend: EDI oder V orinstanz) das Instruktions - verfahren geführt hatte, übertrug es am 12. März 2010 die Durchführung der weiteren Verfahrensschritte dem Bundesamt für Gesundheit (BA G), 2013/58 Spitaltarif 894 BVGE / ATAF / DTAF Sektion Unfallversicherung, Unfallverhütung und Militärversicherung. Im Rahmen des vom BAG durchgeführten Anhörungsverfahrens nahm die Medizinaltarif -Kommission UVG (nachfolgend: MTK) am 20. Mai 2010 Stellung und beantragte, dass der Antrag der B. -Klinik abzuweisen und ein Basispreis für die stationäre Behandlung ab 1. Juli 2009 bis 31. Dezember 2010 nach AP -DRG Version 5.1 und ab 1. Januar 2011 nach AP-DRG Version 6.0 von Amtes wegen festzusetzen sei. Den An- trägen und Ausführungen der MTK schlossen si ch das BAG am 20. Mai 2010 und die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUV A) am 2. Juni 2010 vollumfänglich an. Am 17. August 2010 reichte die B. - Klinik durch ihren Rechtsvertreter eine Stellungnahme ein und hielt am beantragten Basispreis fest. In der Folge konsultierte das BAG am 29. Oktober 2010 den Preis - überwacher, worauf dieser nach Einforderung weiterer Unterlagen am 29. April 2011 dem Bundesrat die Empfehlung unterbreitete, den strit - tigen Basispreis ab 1. Juli 2009 auf maximal Fr. 7 816.‒ festzusetzen. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2011 setzte das EDI den Basispreis für die Behandlung von stationären Patienten der obligatorischen Unfall - versicherung, der Invalidenversicherung und der Militärversicherung durch die B. -Klinik mit Wirkung ab de m 1. Juli 2009 gestützt auf die Empfehlung des Preisüberwachers auf Fr. 7 816.‒ fest. Es entschied, dass dieser Basispreis bis zum Abschluss einer neuen Vereinbarung durch die Vertragsparteien im Sinne einer diagnosebezogenen Fallpauschale gilt. Gegen die Verfügung vom 12. Dezember 2011 erhob die A. ( nach- folgend: Beschwerdeführerin) als Trägerschaft der B. -Klinik durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom 27. Januar 2012 (Poststempel) Be - schwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit dem Antrag, es sei der fü r die Versicherer gemäss Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Bun - desgesetz über die Invalidenversicherung und Bundesgesetz über die Militärversicherung mit Wirkung ab 1. Juli 2009 geltende Tarif für stationäre Patienten der B. -Klinik mit einer diagno sebezogenen Fall - pauschale gemäss AP -DRG Version 5.1 und einem Basispreis 1.0 von Fr. 9 481.‒ und ab 1. Januar 2011 in der mit der AP -DRG Version 6.0 korrespondierenden Höhe festzusetzen. Mit Vernehmlassung vom 28. März 2012 beantragte die V orinstanz die Abweisung der Beschwerde. In einer gemeinsamen Beschwerdeantwort vom 27. April 2012 bean - tragten die drei Versicherer (nachfolgend: Beschwerdegegnerinnen), alle Spitaltarif 2013/58 BVGE / ATAF / DTAF 895 vertreten durch die Rechtsabteilung der SUV A, unter anderem, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten sei, eventualiter sei sie abzuweisen. Zur Begründung des Antrags auf Nichteintreten machten die Beschwerde - gegnerinnen im Wesentlichen geltend, dass die sachliche Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Beurteilung der Beschwerde nicht gegeben sei, weil die Kompetenz in Tarifstreitigkeiten beim Bundesrat liege und dessen Entscheide nicht justiziabel seien. Der angefochtene Entscheid stelle keine Verfügung im Rechtssinne dar und die Erhebung der Beschwerde durch die Beschwerdeführerin sei aufg rund der vertrag - lichen Vereinbarungen rechtsmissbräuchlich. Zudem würden die Kompe - tenz des EDI zum Erlass der angefochtenen Verfügung und die Eröffnung des Rechtsmittelwegs vorsorglich bestritten. Aus den Erwägungen: 1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen einen Entscheid des EDI vom 12. Dezember 2011 über die Festsetzung des Tarifs für die Behandlung von stationären Patienten der Unfall -, Militär - und Invali - denversicherung in der B.-Klinik ab 1. Juli 2009. 1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungs gericht richtet sich nach den V orschriften des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das Verwaltungsgerichts - gesetz vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Im Bereich des Tarifwesens findet das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs - rechts (A TSG, SR 830.1) keine Anwendung (Art. 2 A TSG i.V .m. Art. 1 Abs. 2 Bst. a des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfall - versicherung [UVG, SR 832 .20], Art. 1 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1992 über die Militärversicherung [MVG, SR 833.1] und Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invaliden - versicherung [IVG, SR 831.20]). 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet vorlieg end im Sinne eines Teilentscheids beziehungsweise einer Zwischenverfügung zunächst über die umstrittene Eintretensfrage (vgl. Art. 9 Abs. 1 VwVG; vgl. MICHEL DAUM, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverf ahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 1 ff. zu Art. 9), über die eng damit zusammenhängende Frage der ebenfalls umstrittenen Zuständigkeit des EDI zum Erlass der ange - fochtenen Verfügung, über das Gesuch der Beschwerdegegnerinnen auf 2013/58 Spitaltarif 896 BVGE / ATAF / DTAF Entzug der aufschiebenden Wirkung sowie über die Anordnung von vorsorglichen Massnahmen von Amtes wegen. 2. Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob die Prozessvoraussetzungen vorliegen und auf die Beschwerde einzutreten ist (BVGE 2007/6 E. 1 m. H.). V on den Be - schwerdegegnerinnen wird die Zuständigkeit des Bundesverwaltungs - gerichts zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde bestritten. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 VGG Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofer n keine Aus - nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. 2.1.1 Nach Art. 5 Abs. 1 VwVG gelten als Verfügungen Anordnungen der Behörden im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stützen und die « Begründung, Änderung oder Aufhebung von Rechten oder Pflichten » (Bst. a), die « Feststellung des Bestehens, Nichtbe - stehens oder Umfanges von Rechten oder Pflichten » (Bst. b) sowie die « Abweisung von Begehren auf Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von Rechten oder Pflichten, oder Nichteintr eten auf solche Begehren » (Bst. c) zum Gegenstand haben. V orliegend hat die V or - instanz hoheitlich einen Basistarif für die stationäre Behandlung von Patienten der Unfall -, Militär - und Invalidenversicherung in der B. - Klinik festgelegt. Der angefochtene E ntscheid stützt sich auf Art. 56 Abs. 3 UVG, Art. 26 Abs. 3 MVG und Art. 27 Abs. 3 IVG und beruht damit auf öffentlich -rechtlichen Bestimmungen des Bundessozialver - sicherungsrechts. Der als Verfügung bezeichnete angefochtene Entscheid ist daher als Verfügu ng im Sinne von Art. 5 VwVG zu betrachten. Das steht im Übrigen im Einklang mit der Praxis, wonach der Bundesrat gestützt auf Art. 47 des Bundesgesetzes vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10) erlassene Tarifbeschlüsse eben- falls als Verfügungen im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VwVG qualifiziert hat (vgl. Kranken - und Unfallversicherung: Rechtsprechung und Verwal - tungspraxis [RKUV] 5/2001 S. 358) und auch Genehmigungsentscheide über Tarife Verfügungen darstellen, die beim Bundesverwaltungs gericht anfechtbar sind (vgl. RKUV 6/1997 S. 399 ff., publiziert in Ver - waltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 64.17; BVGE 2009/65 E. 1.2; vgl. auch ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 884). Spitaltarif 2013/58 BVGE / ATAF / DTAF 897 2.1.2 Die Beschwerde betrifft keine der in Art. 32 Abs. 1 VGG auf - geführten Sachbereiche , und es ist auch nicht vorgesehen, dass die angefochtene Verfügung bei einer anderen Bundesbehörde im Sinne von Art. 33 Bst. c‒f VGG oder bei einer kantonalen Behörde anfechtbar ist (Art. 32 Abs. 2 VGG). Aufgrund des V orliegens einer Verfügung des EDI ist insbesondere auch die Anrufung eines kantonalen Schiedsgerichts gemäss Art. 57 UVG beziehungsweise Art. 27 MVG oder Art. 27bis IVG ausgeschlossen. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt somit nicht vor. 2.2 Die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht ist zulässig gegen Verfügungen von den in Art. 33 VGG genannten Behörden. Hier ist eine Verfügung des EDI angefochten, bei welch em es sich zweifellos um eine Behörde gemäss Art. 33 Bst. d VGG handelt. Die Frage, ob das EDI zum Erlass der angefochtenen Verfügung zuständig war, betrifft entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerinnen nicht die Frage der Zuständigkeit des Bundesverw altungsgerichts, sondern ist im Rahmen der materiellen Prüfung zu untersuchen. Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der Beschwerde zuständig. Daran ändern auch die spezialgesetzlichen Zuständigkeitsregelungen von Art. 109 UVG und Ar t. 69 Abs. 1 IVG nichts, zumal es sich hier nicht um eine Streitsache in einem vom A TSG erfassten Bereich handelt. 2.3 Als Adressatin der angefochtenen Verfügung ist die Beschwer - deführerin durch diese besonders berührt und hat an ihrer Änderung ein schutzwürdiges Interesse, weshalb sie beschwerdelegitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wur - de, ist auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) einzutreten. Im Übri gen ist aus dem Verhalten der Beschwerdeführerin weder ein Rechtsmissbrauch noch ein verbindlicher Rechtsmittelverzicht erkennbar, da die Beschwerdeführerin wie auch die Beschwerdegegnerinnen gemäss übereinstimmenden Aus - führungen davon ausgingen, dass ein Festsetzungsentscheid durch den Bundesrat erfolge, und ein Verzicht auf ein Rechtsmittel vor Kenntnis - nahme des begründeten Entscheids ohnehin nicht verbindlich ist (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 139/02 vom 20. No- vember 2002 E. 2.3 m.H.). 3. 3.1 Mit der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann ge - rügt werden, die angefochtene Verfügung verletze Bundesrecht (ein - schliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens), beruhe auf 2013/58 Spitaltarif 898 BVGE / ATAF / DTAF einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts oder sei unangemessen (Art. 49 VwVG). Das Bundesver - waltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Parteien gebunden (Art. 62 VwVG). 3.2 Nach den allgemeinen in tertemporalrechtlichen Regeln sind in materiellrechtlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass - gebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sachver - halts Geltung haben beziehungsweise hatten (BGE 130 V 445 E. 1.2.1, BGE 130 V 329 E. 2.3). 4. Im Tarifwesen der Unfall -, Militär - und Invalidenversicherung sieht das Gesetz als Grundsatz vor, dass die Leistungserbringer mit den Versicherern Tarifverträge abschliessen und weitgehend Vertragsau - tonomie herrscht. Die Tarifautonomie gilt als Leitmotiv , und im Gegen - satz zur Krankenversicherung (vgl. Art. 46 Abs. 4 KVG) unterliegen die von den Parteien ausgehandelten Tarife nicht der Genehmi gung durch eine Behörde (vgl. auch SANDRA SCHNEIDER, Tarifbildung im schwei - zerischen Gesundheitswesen, in: Bundesamt für Sozialversicherungen [Hrsg.], Soziale Sicherheit 2/2001 S. 60). In der Unfallversicherung gilt, dass die Versicherer mit den Medizinalpersonen sowie den Heil - und Kuranstalten vertraglich die Zusammenarbeit regeln und die Tarife festlegen können. Sie können die Behandlung der Versicherten aus - schliesslich den am Vertrag Beteiligten anvertrauen. Jedermann, der die Bedingungen erf üllt, kann dem Vertrag beitreten (Art. 56 Abs. 1 UVG). Im Bereich der Militärversicherung wird in einer praktisch wortgleichen Bestimmung festgelegt, dass d ie Militärversicherung mit den Medizinal - personen, Anstalten, Institutionen für teilstationären Aufe nthalt, Ab - klärungsstellen und Laboratorien vertraglich die Zusammenarbeit regeln und die Tarife festlegen kann. Sie kann die Behandlung der Versicherten ausschliesslich den am Vertrag Beteiligten anvertrauen. Jedermann, der die Bedingungen erfüllt, kann d em Vertrag beitreten (Art. 26 Abs. 1 MVG). Die entsprechende Bestimmung im IVG legt fest, dass d er Bun- desrat befugt ist, mit der Ärzteschaft, den Berufsverbänden der Medizi - nalpersonen und der medizinischen Hilfspersonen sowie den Anstalten und Werkstätten, die Eingliederungsmassnahmen durchführen, Verträge zu schliessen, um die Zusammenarbeit mit den Organen der Versicherung zu regeln und die Tarife festzulegen (Art. 27 Abs. 1 IVG). Spitaltarif 2013/58 BVGE / ATAF / DTAF 899 5. Es ist unumstritten, dass die Tarifverhandlungen zwischen der Beschwerdeführerin und den Beschwerdegegnerinnen gescheitert sind, weshalb seit 1. Juli 2009 ein vertragsloser Zustand herrscht. 5.1 Die gesetzliche Konzeption im Bereich der Unfallversicherung sieht vor, dass der Bundesrat für die Koordination mit den Tariford - nungen an derer Sozialversicherungszweige sorgt und diese anwendbar erklären kann. Er ordnet die Vergütung für Versicherte, die sich in eine Heilanstalt ohne Tarifvereinbarung begeben (Art. 56 Abs. 2 UVG). Be - steht kein Vertrag, so erlässt der Bundesrat nach Anhören der Parteien die erforderlichen V orschriften (Art. 56 Abs. 3 UVG). Gestützt darauf hat der Bundesrat auf Verordnungsebene festgelegt, dass für den Fall, dass sich der Versicherte in eine andere als die allgemeine Abteilung oder in eine andere Heilanstalt begibt, die Versicherung die Kosten übernimmt, die ihr bei der Behandlung in der allgemeinen Abteilung dieser oder der nächstgelegenen entsprechenden Heilanstalt erwachsen wären (Art. 15 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982 [UVV , SR 832.202]). 5.2 Dieselbe Konzeption bei einem vertragslosen Zustand gilt auch in der Militärversicherung, die mit Art. 26 Abs. 2 und 3 MVG dieselben Delegationsnormen wie Art. 56 Abs. 2 und 3 UVG kennt (Botschaft vom 27. Juni 1990 zum MVG, BBl 1990 III 265) , und in der Invaliden - versicherung, für welche Art. 27 Abs. 3 IVG vorsieht, dass im vertrags - losen Zustand der Bundesrat die Höchstbeträge festsetzen kann, bis zu denen den Versicherten die Kosten der Eingliederungsmassnahmen ver - gütet werden. Die Anwendung des gleichen Systems ist auch unter dem Aspekt des Gebots der Koordination der Tarifordnungen der verschie - denen Sozialversicherungssysteme angebracht sowie aus praktischen Gründen angezeigt, da die MTK, die Militärversicherung und Invaliden - versicherung in der Regel gemeinsam die Tarifverträge mit den Spitälern und den Verbänden der Medizinalpersonen abschliessen. 5.3 Bei Fehlen einer tarifvertraglichen Regelung sieht Art. 15 Abs. 2 UVV die Anwendung eines Referenztarifs vor. Art. 56 Abs. 3 UVG ‒ wie auch Art. 26 Abs. 3 MVG und Art. 27 Abs. 3 IVG ‒ beruh t jedoch auf dem Gedanken, dass der Bundesrat dort eingreifen muss, wo das vom Gesetzgeber vorgesehene System gescheitert ist. Das ist etwa der Fall, wenn durch einen vertragslosen Zustand die flächen deckende medizi - nische Versorgung der Versicherten in einer ganzen Region gefährdet ist. In einer solchen Situation hat der Bundesrat das Recht und die Pflicht, einzugreifen und die betroffenen Heilanstalten zur Zusammenarbeit mit 2013/58 Spitaltarif 900 BVGE / ATAF / DTAF den UVG-Versicherern zu verpflichten sowie verbindliche Tarife festzu - legen, da die Anwendung der Regelung von Art. 15 Abs. 2 UVV in einem solchen Fall nicht sachgerecht wäre (vgl. Entscheid des Bundesrats vom 27. März 1985 E. 1 und 2; vgl. auch SCHNEIDER, a.a.O., S. 60). 5.4 Hier is t unbestritten, dass durch den vertragslosen Zustand die flächendeckende medizinische Versorgung der Versicherten in einer gan - zen Region grundsätzlich nicht gefährdet ist. Das wird so in der ange - fochtenen Verfügung festgehalten und wird von den Parteien nicht beanstandet. Die V orinstanz hat ihre Kompetenz zur hoheitlichen Tarif - festsetzung damit begründet, dass es sich bei der B. -Klinik um eine wichtige, regional und überregional, schweizweit bekannte und auch international anerkannte Leistungserbringerin auf dem Gebiet der ortho - pädischen Versorgung von Unfallpatienten sämtlicher Versicherungs - klassen handle. Dieses V orgehen ist sachgerecht und durch den weiten Wortlaut von Art. 56 Abs. 3 UVG und Art. 26 Abs. 3 MVG (« so erlässt der Bundesrat […] die erfo rderlichen V orschriften ») beziehungsweise Art. 27 Abs. 3 IVG gedeckt. Auch aus den Materialien ergeben sich keine Hinweise darauf, dass ein hoheitliches Einschreiten des Bundesrats ausschliesslich bei Gefährdung der flächendeckenden medizinischen Ver- sorgung in einer ganzen Region zulässig wäre. Auch wenn keine Ge - fährdung der flächendeckenden medizinischen Versorgung der Versi - cherten in einer ganzen Region vorliegt, kann es im Einzelfall bei einem für die Versorgung der Bevölkerung wichtigen Spital durchaus angezeigt sein, hoheitlich in die gescheiterte Vertragsgestaltung einzugreifen. Da nicht zuletzt auch die Parteien dafürhalten, dass im vorliegenden Fall der Problematik des vertragslosen Zustands durch die Anwendung eines Referenztarifs nicht beizukommen ist und ein Entscheid des Bundesrats ausdrücklich anerkannt beziehungsweise sogar gewünscht wurde , sieht das Bundesverwalt ungsgericht keinen Anlass, von der Einschätzung der Verfahrensbeteiligten abzuweichen. Es ist daher im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass in der angefochtenen Verfügung hoheitlich ein Tarif für stationäre Behandlungen von Patienten der Unfall -, Militär - und Invalidenversicherung in der B.-Klinik festgelegt wurde. 6. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Delegation der Kompetenz vom Bundesrat an die V orinstanz zur Festsetzung eines Tarifs zulässig war. 6.1 Das EDI stützt seine funktionelle Zuständigkeit auf Art. 47 Abs. 6 des Regierungs - und Verwaltungsorganisationsgesetzes vom 21. März 1997 (RVOG, SR 172.010), wonach Geschäfte des Bundesrats Spitaltarif 2013/58 BVGE / ATAF / DTAF 901 von Rechts wegen auf das in der Sache zuständige Departement über - gehen, soweit Verfügungen zu treffen sind, die der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht unterliegen. Die Beschwerde gegen Verfü - gungen des Bundesrats nach Artikel 33 Buchstaben a und b des Verwal - tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 bleibt vorbehalten. 6.2 Art. 47 Abs. 6 RVOG beinhaltet einen Delegationsautomatismus (vgl. THOMAS SÄGESSER, Handkommentar zum Regierungs - und Ver- waltungsorganisationsgesetz, Bern 2007, N. 46 zu Art. 47), der jedoch nur dann zum Tragen kommt, wenn die Beschwerde an das Bundesver - waltungsgericht möglich ist. Ist sie nich t möglich, bleibt die Verfügungs- kompetenz beim Bundesrat, was zur Folge hat, dass ein gerichtlicher Rechtsschutz in diesem Bereich fehlt und eine gesetzliche Ausnahme von der Rechtsweggarantie nach Art. 29a der Bundesverfassung der Schwei - zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV , SR 101) vorliegt (vgl. Botschaft vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundes - rechtspflege [nachfolgend: Botschaft zur Totalrevision der Bundes - rechtspflege, BBl 2001 4388). Dass der Bundesrat als erste und ei nzige Instanz Verfügungen trifft, kann nur für Angelegenheiten mit einer besonderen politischen Komponente in Betracht kommen. Aufgrund von Art. 29a BV besteht rechtlich nur sehr wenig Raum für Zuständigkeiten des Bundesrats als einzige Instanz. Soweit das übergeordnete Recht die Schaffung einer solchen Zuständigkeit zulässt, sollte diese auch im Aus - nahmekatalog von Art. 32 VGG enthalten sein, ansonsten der Delega - tionsautomatismus von Art. 47 Abs. 6 RVOG zum Tragen kommt (vgl. MARINO LEBER, Grundsätze für die Rechtsetzung im Bereich der Bun - desrechtspflege, in: LeGes 2012/3 S. 301). 6.3 Das Bundesverwaltungsgericht verfügt grundsätzlich über eine allgemeine Sachzuständigkeit in Bundesverwaltungssachen. Das Gesetz nimmt jedoch einige wenige Sachgebiete ‒ mit v orwiegend politischem Charakter ‒ aus (vgl. Botschaft zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4387). Das Bundesverwaltungsgericht überprüft mit Ausnahme der Fälle nach Art. 33 Bst. b VGG keine Entscheide des Bundesrats. Durch die gesetzliche Del egation von Verfügungskompetenzen des Bun - desrats an das in der Sache zuständige Departement in Geschäften, die der Überprüfung durch das Bundesverwaltungsgericht unterliegen, wird sichergestellt, dass die Rechtsweggarantie greifen kann und die Be - schwerde an das Bundesverwaltungsgericht offensteht (vgl. Botschaft zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4402 f.). Ohne Aus - nahme von der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht geht die 2013/58 Spitaltarif 902 BVGE / ATAF / DTAF Verfügungskompetenz des Bundesrats folglich von Gesetzes weg en an das in der Sache zuständige Departement über (vgl. Botschaft zur Total - revision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4388). 6.4 Wie bereits erwähnt, ist die vorliegende Tarifstreitigkeit im Be - reich der Unfall -, Militär - und Invalidenversicherung nicht im Au snah- mekatalog von Art. 32 VGG enthalten, weshalb in diesem Sachbereich eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zulässig ist. Auch spezialgesetzliche Rechtsmittelbestimmungen stehen der Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts nicht entgegen. Au s diesem Grund geht die auf Art. 56 Abs. 3 UVG, Art. 26 Abs. 3 MVG und Art. 27 Abs. 3 IVG gestützte Verfügungskompetenz des Bundesrats von Gesetzes wegen auf das in der Sache zuständige Departement, hier das EDI, über. 6.5 Der Gesetzgeber hat es unterlassen, d ie Zuständigkeit des EDI im Bereich des Tarifwesens der Unfall -, Militär - und Invalidenver - sicherung ‒ im Nachgang zum Erlass des RVOG und in Nachvollzug der Revision der Bundesrechtspflege ‒ anstelle des Bundesrats explizit im Gesetz zu verankern (vgl. da zu SÄGESSER, a.a.O., N. 46 zu Art. 47). Aus der Botschaft zur Justizreform ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass der Gesetzgeber die Tarife im Bereich der Unfall -, Militär - und Invalidenversicherung im Gegensatz zur Krankenversicherung im Streit - fall bewusst einer gerichtlichen Kontrolle entziehen wollte. Wäre es ein Anliegen des Gesetzgebers gewesen, die Tariffestsetzungen im Bereich der Unfall -, Militär - und Invalidenversicherung in die abschliessende Zuständigkeit des Bundesrats zu legen, hätte di eses Anliegen mit dem Ausschluss der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht durch Auf- nahme in den Katalog von Art. 32 VGG oder durch eine spezial - gesetzliche Regelung sichergestellt werden müssen. Die Möglichkeit der gerichtlichen Überprüfung von Tariffestsetzungen im Bereich der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung erscheint auch angesichts des Gebots der Koordination der verschiedenen Sozialversicherungszweige sachgerecht. Eine möglichst weitgehende Koordination mit den Tarif - ordnungen anderer Sozialversicherungszweige dient der Rechtssicherheit und trägt zu einer nicht unbedeutenden Verminderung des admi - nistrativen Aufwandes der Vertragspartner bei (Botschaft vom 18. August 1976 zum UVG, BBl 1976 III 205). Es ist kein sachlicher Grund ers icht- lich, weshalb Tariffestsetzungen im Bereich der Krankenversicherung gerichtlich überprüfbar sind und im Bereich der Unfall -, Militär - und Invalidenversicherung nicht. Der Entscheid des Gesetzgebers, im Bereich der Krankenversicherung bei Tarifstreitigkeiten die Beschwerde ans Bun-Spitaltarif 2013/58 BVGE / ATAF / DTAF 903 desverwaltungsgericht vorzusehen, obwohl bei der Festsetzung von Spitaltarifen aus Art. 6 Ziff. 1 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) kein Anspruch auf Zugang zu einem Gericht abgeleitet werden kann (BGE 132 V 299), macht vielmehr deutlich, dass bei Tariffest - setzungsgeschäften der politische Charakter nicht derart ausgeprägt ist, dass der Ausschluss der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht gerechtfertigt wäre. Schliesslich bleibt zu erwähnen, dass sich der Aus - schluss der Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht allerdings nach dem Wortlaut von Art. 83 Bst. r des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) a uf Ent- scheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet der Krankenver - sicherung beschränkt. 6.6 Aus dem Dargelegten folgt, dass die Zuständigkeit des EDI zum Erlass der angefochtenen Verfügung zu bejahen ist. Gegen eine Zustän - digkeit des EDI spricht auch nicht, dass die Parteien ‒ und zunächst wohl auch das EDI selbst ‒ von einem Entscheid durch den Bundesrat aus - gegangen sind. 7. (…) 8. Über die Kosten dieses Teilentscheids beziehungsweise dieser Zwischenverfügung und allfällige Parteientschädigungen ist im En t- scheid über die Hauptsache zu befinden.