<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">187</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VII. Submissionen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>27</b></span> <span class="ft3"><b>Zuschlagskriterien; Preisgewichtung, Qualität</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Grundsätze zur Preisgewichtung; eine Gewichtung des Preises mit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>22 % für eine durchschnittlich komplexe Beschaffung ist zu tief</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 3.2 und 3.3).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Unzulässige Besserbewertung von Angeboten, die lokale Subunter-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nehmer berücksichtigen, beim Zuschlagskriterium "Qualität"</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 4.3.).</b></span><br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 11. Juni 2015 in Sachen A.</span><br/> <span class="ft6">AG gegen Einwohnergemeinde B. (WBE.2015.70).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft10">3.2.</span><br/> <span class="ft10">Dem Zuschlagskriterium "Preis" kommt zwar nicht grundsätz-</span><br/> <span class="ft10">lich ein höheres Gewicht zu als den übrigen Kriterien (P</span><span class="ft6">ETER</span><br/> <span class="ft10">G</span><span class="ft6">ALLI</span><span class="ft10">/A</span><span class="ft6">NDRÉ</span> <span class="ft10">M</span><span class="ft6">OSER</span><span class="ft10">/E</span><span class="ft6">LISABETH</span> <span class="ft10">L</span><span class="ft6">ANG</span><span class="ft10">/M</span><span class="ft6">ARC</span> <span class="ft10">S</span><span class="ft6">TEINER</span><span class="ft10">, Praxis des</span><br/> <span class="ft10">öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf</span><br/> <span class="ft10">2013, Rz. 879). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts darf</span><br/> <span class="ft10">die Gewichtung des Preises allerdings auch bei komplexen</span><br/> <span class="ft10">Beschaffungen 20 % nicht unterschreiten, ansonsten der Grundsatz,</span><br/> <span class="ft10">dass das wirtschaftlich günstigste Angebot den Zuschlag erhalten</span><br/> <span class="ft10">soll, seines Gehalts entleert werde (BGE 129 II 313 ff., 327). Das</span><br/> <span class="ft10">Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden hat in einem Urteil</span><br/> <span class="ft10">vom 14. März 2014 festgehalten, dem Preis komme bei der Mehrzahl</span><br/> <span class="ft10">der öffentlichen Arbeitsvergaben "in markanter Weise das Haupt-</span><br/> <span class="ft10">gewicht zu". Es könne dabei als allgemeine Faustregel gesagt</span><br/> <span class="ft10">werden, dass dem Preis umso höheres Gewicht zuzuerkennen sei, je</span><br/> <span class="ft10">einfacher der Schwierigkeitsgrad der Auftragserfüllung sei. Bei</span><br/> <span class="ft10">Aufgaben mittlerer Komplexität solle die Gewichtung des Preises in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">188</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">der Regel nicht weniger als 50 % betragen (Urteil des Verwal-</span><br/> <span class="ft10">tungsgerichts des Kantons Graubünden vom 18. März 2014 [U 14 9],</span><br/> <span class="ft10">Erw. 2 mit Hinweis). Auch das Verwaltungsgericht des Kantons</span><br/> <span class="ft10">Zürich hat erklärt, der Preis dürfe bei einer Vergabe, deren</span><br/> <span class="ft10">Gegenstand nicht als überdurchschnittlich komplex bezeichnet wer-</span><br/> <span class="ft10">den könne, nicht nur mit 20 % gewichtet werden (Urteil des Verwal-</span><br/> <span class="ft10">tungsgerichts des Kantons Zürich vom 12. Januar 2011</span><br/> <span class="ft10">[VB.2010.00568], Erw. 5.5; vgl. auch Urteil des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft10">des Kantons Zürich vom 8. September 2010 [VB.2009.00393],</span><br/> <span class="ft10">Erw. 4.2).</span><br/> <span class="ft10">3.3.</span><br/> <span class="ft10">Vorliegend geht es um die Vergabe eines Generalunternehmer-</span><br/> <span class="ft10">auftrags für die Erstellung eines neuen Schulhauses. Vorgesehen ist</span><br/> <span class="ft10">ein zweigeschossiger Neubau. In den Rahmenbedingungen ist unter</span><br/> <span class="ft10">Ziff. 1.3 folgender zusammenfassender Projektbeschrieb enthalten:</span><br/> <span class="ft6">"Ein exakt gesetzter neuer zweigeschossiger Neubau ersetzt das beste-</span><br/> <span class="ft6">hende Schulhaus aus den 60-er Jahren.</span><br/> <span class="ft6">Das einfach organisierte Unterstufenschulhaus mit 4 Klassenzimmern</span><br/> <span class="ft6">und Gruppenräumen wird durch eine zweigeschossige Halle erschlos-</span><br/> <span class="ft6">sen, welche auch für kleine Veranstaltungen und als Aula dienen.</span><br/> <span class="ft6">An das bestehende Untergeschoss von Gebäude 377 wird seitlich ein</span><br/> <span class="ft6">neuer UG-Bereich angefügt. Rohbau im Untergeschoss in Stahlbeton.</span><br/> <span class="ft6">Innenwände im UG in Kalksandstein. Der zweigeschossige Neubau</span><br/> <span class="ft6">wird auf die bestehende/neue UG-Decke bzw. Fundamentplatte in</span><br/> <span class="ft6">einer Holzelementbauweise erstellt."</span><br/> <span class="ft10">In Ziff. 1.4 der Rahmenbedingungen wird unter dem Titel "Ziel-</span><br/> <span class="ft10">setzungen und Aufgabenstellung" festgehalten, dass das Gebäude als</span><br/> <span class="ft10">neues und zeitgemässes Schulhaus ab Oktober 2015 genutzt werden</span><br/> <span class="ft10">soll und mit moderner, effizienter Infrastruktur und Haustechnik</span><br/> <span class="ft10">ausgerüstet sein werde. Das Bauwerk sei als Minergiegebäude ge-</span><br/> <span class="ft10">plant. Das Bauwerk werde "innert kurzer Bauzeit und unter Kosten-</span><br/> <span class="ft10">druck" erstellt. Trotzdem müsse es die funktionalen und ästhetischen</span><br/> <span class="ft10">Ansprüche des Bauherrn vollauf befriedigen. Die Innovation bestehe</span><br/> <span class="ft10">darin, durch geschickte Konzepte, Detaillierung und Materialisierung</span><br/> <span class="ft10">diese Ziele zu erreichen. Gemäss Ziff. 1.5 der Rahmenbedingungen</span><br/> <span class="ft10">haben die Angebote die komplette bezugsbereite und mängelfreie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">189</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Anlage zu beinhalten sowie die Kostenvorgaben und Termine zu be-</span><br/> <span class="ft10">stätigen.</span><br/> <span class="ft10">Der detaillierte Projektbeschrieb ergibt sich aus Teil 02 ("Pro-</span><br/> <span class="ft10">jekt") der Ausschreibungsunterlagen.</span><br/> <span class="ft10">Aufgrund der Ausschreibungsunterlagen ist beim vorliegenden</span><br/> <span class="ft10">Generalunternehmerauftrag von einer durchschnittlich komplexen</span><br/> <span class="ft10">Beschaffung auszugehen. Aus den zur Verfügung stehenden Unterla-</span><br/> <span class="ft10">gen ergeben sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Erstellung</span><br/> <span class="ft10">des Schulhausneubaus in Holzelementbauweise für den General-</span><br/> <span class="ft10">unternehmer mit ausserordentlichen Schwierigkeiten (z.B. unge-</span><br/> <span class="ft10">wöhnlich problematische Baugrundverhältnisse) verbunden wäre.</span><br/> <span class="ft10">Auch von Seiten der Vergabestelle wird nichts Derartiges vorge-</span><br/> <span class="ft10">bracht. Für eine gewisse Komplexität der Aufgabe sprechen</span><br/> <span class="ft10">höchstens der bestehende Termin- und Kostendruck, wobei sich ge-</span><br/> <span class="ft10">rade letzterer aber nicht als Argument für eine tiefe Preisgewichtung</span><br/> <span class="ft10">anführen lässt. Im Gegenteil. Vor diesem Hintergrund ist die Gewich-</span><br/> <span class="ft10">tung des bereinigten Angebotspreises mit lediglich 22 % als mit dem</span><br/> <span class="ft10">Grundsatz, dass der Zuschlag dem wirtschaftlich günstigsten Ange-</span><br/> <span class="ft10">bot zu erteilen ist, nicht zu vereinbaren. Dem bereinigten Angebots-</span><br/> <span class="ft10">preis hätte im vorliegenden Fall vielmehr ein Gewicht von min-</span><br/> <span class="ft10">destens 50 % zukommen müssen, zumal gemäss Vergabestelle die</span><br/> <span class="ft10">kostengünstige Realisierung des Vorhabens ein wesentliches Ziel der</span><br/> <span class="ft10">Vergabe des GU-Auftrags ist.</span><br/> <span class="ft10">3.4.-3.5. (...)</span><br/> <span class="ft10">4.</span><br/> <span class="ft10">4.1.-4.2. (...)</span><br/> <span class="ft10">4.3.</span><br/> <span class="ft10">Gemäss § 11 Abs. 1 SubmD muss bei der Vergabe eines Auf-</span><br/> <span class="ft10">trags an ein General- oder Totalunternehmen jedes an der Ausfüh-</span><br/> <span class="ft10">rung beteiligte Subunternehmen die Bedingungen gemäss den §§ 3</span><br/> <span class="ft10">und 10 SubmD erfüllen. Vergaben an General- oder Totalunterneh-</span><br/> <span class="ft10">men können mit der Auflage verbunden werden, sich bei der Weiter-</span><br/> <span class="ft10">vergabe an die Vorschriften des SubmD zu halten. Die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft10">kann "die Bekanntgabe der Namen und den Sitz aller an der Ausfüh-</span><br/> <span class="ft10">rung des Auftrags beteiligten Subunternehmen verlangen" (§ 11</span><br/> <span class="ft10">Abs. 2 SubmD).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">190</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">Im vorliegenden Fall hat die Vergabestelle in den Ausschrei-</span><br/> <span class="ft10">bungsunterlagen der Generalunternehmer-Submission das Teilkrite-</span><br/> <span class="ft10">rium "Aussage Subunternehmer &amp; vorgeschlagene Unternehmer" als</span><br/> <span class="ft10">Bestandteil des Zuschlagskriteriums "Qualität" definiert. Der Verga-</span><br/> <span class="ft10">bestelle ging es hier darum, "ortsansässige Unternehmen und Per-</span><br/> <span class="ft10">sonen (Steuerzahler, Gewerbe, Angestellte usw.) aus dem Dorf oder</span><br/> <span class="ft10">der näheren Umgebung im Vergabeprozess" mitberücksichtigen zu</span><br/> <span class="ft10">können. Die Ausschreibungsunterlagen enthielten entsprechend eine</span><br/> <span class="ft10">umfangreiche Liste von möglichen Subunternehmern für die ein-</span><br/> <span class="ft10">zelnen Arbeitsgattungen. Dabei handelt es sich vorwiegend um lo-</span><br/> <span class="ft10">kale bzw. regionale Unternehmungen. In der Beilage 7 zum Eingabe-</span><br/> <span class="ft10">formular hatten die Anbieter die Subunternehmer aufzulisten.</span><br/> <span class="ft10">Grundsätzlich muss es zulässig sein, dass die Auftraggeberin im</span><br/> <span class="ft10">(sachlich) begründeten Einzelfall einen vom Anbieter genannten</span><br/> <span class="ft10">Subunternehmer zurückweisen kann. Sodann kann die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft10">auch bestimmte Leistungen explizit vom Angebot für den Gesamt-</span><br/> <span class="ft10">auftrag ausnehmen und den Anbietenden diesbezüglich einen von ihr</span><br/> <span class="ft10">selbst bestimmten bzw. durch eine korrekte "Vorsubmission" er-</span><br/> <span class="ft10">mittelten Subunternehmer (und dessen Offerte) vorgeben. Dies ist</span><br/> <span class="ft10">möglich, wenn der betreffende Subunternehmerauftrag entweder</span><br/> <span class="ft10">direkt (freihändig) vergeben werden kann oder der vorgegebene Sub-</span><br/> <span class="ft10">unternehmer bereits vorgängig in einem ordentlichen Submis-</span><br/> <span class="ft10">sionsverfahren (z.B. Einladungsverfahren) ermittelt worden ist. In</span><br/> <span class="ft10">diesem engen Rahmen besteht die Möglichkeit, in der General-</span><br/> <span class="ft10">unternehmer-Submission lokale Subunternehmer vorzugeben.</span><br/> <span class="ft10">Vorliegend hat die Vergabestelle in der Ausschreibung weder</span><br/> <span class="ft10">klar verlangt, dass die Subunternehmer in der Offerte zu benennen</span><br/> <span class="ft10">sind, noch hat sie einzelne - aufgrund einer rechtmässigen Vorsub-</span><br/> <span class="ft10">mission bestimmte - Subunternehmer verbindlich vorgegeben. Sie</span><br/> <span class="ft10">hat sich vielmehr darauf beschränkt, den Anbietern in den Aus-</span><br/> <span class="ft10">schreibungsunterlagen eine Reihe möglicher (bzw. von ihr ge-</span><br/> <span class="ft10">wünschter) Subunternehmer zu benennen. Diejenigen GU-Angebote,</span><br/> <span class="ft10">welche diese Auswahl möglichst umfassend berücksichtigt haben,</span><br/> <span class="ft10">wurden beim Teilkriterium "Aussage Subunternehmer &amp; vorgeschla-</span><br/> <span class="ft10">gene Unternehmer" dann besser bewertet. Die Bewertung der As-</span><br/> <span class="ft10">pekte "benachbarte Subunternehmer" und der "Bausumme benach-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">191</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">barter Subunterunternehmer" beim Teilkriterium "Aussage Subunter-</span><br/> <span class="ft10">nehmer &amp; vorg. Unternehmer" ist klarerweise unzulässig. Zum einen</span><br/> <span class="ft10">ist ein sachlicher Zusammenhang mit dem Zuschlagskriterium</span><br/> <span class="ft10">"Qualität" nicht ersichtlich; zum anderen ist der Einbezug solcher</span><br/> <span class="ft10">Aspekte, die ausschliesslich der Förderung bzw. Bevorzugung des</span><br/> <span class="ft10">lokalen und regionalen Gewerbes dienen, in die Bewertung</span><br/> <span class="ft10">klarerweise binnenmarktgesetzwidrig. Fragwürdig erscheint es aber</span><br/> <span class="ft10">auch, unter dem Zuschlagskriterium "Qualität" zu bewerten, ob und</span><br/> <span class="ft10">in welchem Umfang im Angebot für die Arbeitsgattungen bereits</span><br/> <span class="ft10">Subunternehmer benannt (definiert) wurden. Eine solche Bewertung</span><br/> <span class="ft10">würde nur dann Sinn machen, wenn die von den vorgeschlagenen</span><br/> <span class="ft10">Subunternehmern zu erwartende Qualität (z.B. aufgrund deren Erfah-</span><br/> <span class="ft10">rung, Referenzen) auch näher geprüft und beurteilt worden wäre.</span><br/> <span class="ft10">Dies war vorliegend nicht der Fall. Bewertet wurde lediglich, ob und</span><br/> <span class="ft10">in welchem Umfang die Subunternehmer für die einzelnen Ar-</span><br/> <span class="ft10">beitsgattungen bereits bestimmt worden waren. Es scheint damit</span><br/> <span class="ft10">gerechtfertigt, das Teilkriterium "Aussage Subunternehmer &amp; vor-</span><br/> <span class="ft10">geschlagene Unternehmer" für die Bewertung ausser Acht zu lassen.</span><br/> <span class="ft10">Bei der Beschwerdeführerin sind damit 4 Punkte und bei der Zu-</span><br/> <span class="ft10">schlagsempfängerin 7.5 Punkte aus der Bewertung zu streichen.</span><br/></div> </div> </body> </html>