Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 23. Mai 2023 (460 22 154) ____________________________________________________________________ Strafrecht Drohung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Daniel Häring (Ref.), Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Allgemeine Delikte, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ , Privatkläger B.____ , Privatkläger C.____ , Privatkläger gegen D.____ , vertreten durch Advokat Sandro Horlacher, Bäumleingasse 2, Postfach 1544, 4051 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Drohung etc. (Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 9. August 2022) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vo m 9. August 2022 wurde D.____ der Drohung schuldig erklärt und zu einer beding t vollziehbaren Geldstrafe von 20 Ta- gessätzen zu je CHF 110.--, bei einer Probezeit von zw ei Jahren, verurteilt; dies in Anwendung von Art. 180 Abs. 1 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 47 StGB und Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Dispositiv-Ziff. 1). Demgegen über wurde das Verfahren betreffend Wi- derhandlung gegen das Waffengesetz aufgrund des Eintrit ts der Verjährung eingestellt (Dispo- sitiv-Ziff. 2). (...). Ferner wurden die unbezifferten Zivilforderungen der Privatkläger A.____, B.____ und C.____ in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 S tPO auf den Zivilweg verwiesen (Dis- positiv-Ziff. 4). Sodann wurde D.____ gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO für die vorläufige Festnahme sowie die ausgestandene Untersuchungshaft ein e Genugtuung im Umfang von CHF 1’200.-- (6 x CHF 200.--) zuzüglich 5 % Zins ab de m 10. September 2018 zugesprochen (Dispositiv-Ziff. 5). Ausserdem wurde D.____ in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine pauschale Entschädigung für den beigezogenen Wahlverteid iger in der Höhe von insgesamt CHF 430.80 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zuer kannt (Dispositiv-Ziff. 6). Die Verfah- renskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von CHF 14'850.45, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von CHF 500.-- und der Gerichtsgebühr von CHF 2’000.--, gingen gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO zu Lasten des Beschuldigten. Schliesslich wurde erkannt, dass die nach Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zugesprochene Entschädigung ge- stützt auf Art. 442 Abs. 4 StPO in Verbindung mit Art. 268 StPO mit den von D.____ geschulde- ten Verfahrenskosten verrechnet wird (Dispositiv-Ziff. 7) . Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, so weit erforderlich, im Rahmen der Er- wägungen des vorliegenden Entscheids eingegangen. B. Gegen das zitierte Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 9. August 2022 meldete D.____ mit Schreiben vom 11. August 2022 die Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 22. September 2022 an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, brachte der Beschuldigte sodann folgende Rechtsbegehren vor: Es sei Ziffer 1 des angefochtenen Urteils aufzuheben, und er sei vom Vorwurf der Drohung kostenlos freizusprechen (Ziff. 1). Zufolge des begehrten Freispruchs seien ausserdem die Ziffern 4 bis 7 des angefochtenen Urteils wie folgt zu ändern: Es seien die Zivilforderungen der Privatkläger abzuweisen (Ziff. 2.1). Zudem sei ihm für die ausgestandene Haft von 26 Tagen eine Entschäd igung von CHF 200.-- pro Hafttag so- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie zusätzlich CHF 2'000.-- zufolge Verletzung des Beschl eunigungsgebots, somit total ein Be- trag von CHF 7'200.-- zuzüglich 5 % Zins seit dem 24. September 2018, zuzusprechen (Ziff. 2.2). Auch sei ihm ein Schadenersatz in der Höh e von CHF 34'412.60 zuzüglich 5 % Zins seit dem 24. September 2018 zuzuerkennen (Ziff. 2.3). Ausserdem sei ihm für den beigezoge- nen Wahlverteidiger eine ungekürzte Parteientschädigun g gemäss der erstinstanzlich einge- reichten Honorarnote zuzüglich des Aufwands für die Hau ptverhandlung zuzusprechen (Ziff. 2.4). Ferner seien die Verfahrenskosten der Staatskasse zu entnehmen (Ziff. 2.5). Eventu- aliter, für den Fall der Bestätigung der Verurteilun g wegen Drohung, sei Ziffer 7 des angefoch- tenen Urteils aufzuheben, und es seien die Verfahren skosten der Staatskasse zu entnehmen (Ziff. 3); dies alles unter o/e Kostenfolge zulasten des Staates (Ziff. 4). In seiner Berufungsbe- gründung vom 23. Dezember 2022 hielt der Beschuldigte vollumfänglich an seinen bereits vor- gebrachten Begehren fest. C. Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrer Berufungsan twort vom 9. März 2023 die um- fassende Abweisung der Berufung. D. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts vom 13. März 2023 wurde die Durchführung des mündlichen Verfahrens angeordnet, de r Beschuldigte zum persönlichen Er- scheinen an der Berufungsverhandlung verpflichtet und de r Staatsanwaltschaft sowie den Pri- vatklägern die diesbezügliche Teilnahme ins freie Ermessen gestellt. Gleichzeitig wurde E.____ als Auskunftsperson zur Berufungsverhandlung geladen. E. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kant onsgericht sind der Beschuldigte und sein Rechtsvertreter, Advokat Sandro Horlacher, anwe send. Die Staatsanwaltschaft sowie die Privatklägerschaft haben auf eine Teilnahme an de r Verhandlung verzichtet. In Bezug auf E.____ ist zu bemerken, dass gegen ihn zur Zeit ein vom Beschuldigten angestrengtes separa- tes Verfahren wegen falscher Anschuldigung bei der Sta atsanwaltschaft hängig ist, weshalb dieser vorliegend nicht als Zeuge, sondern bloss als Ausku nftsperson einzuvernehmen ist. Auf die von den Anwesenden getätigten Ausführungen wird wiederum, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 Formalien Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungs- instanz zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmittels ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Nach Art. 398 Ab s. 1 StPO ist die Berufung zulässig ge- gen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Ver fahren ganz oder teilweise abge- schlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO könne n mit der Berufung gerügt wer- den: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung un d Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststel- lung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Laut Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufun g dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder m ündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung d es begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die Legitimation des B eschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Na chdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, der Beschuldig te berufungslegitimiert ist, zulässige Rügen erhebt und die Rechtsmittelfristen gewahrt hat s owie der Erklärungspflicht nachgekom- men ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf dessen Berufung einzutreten. 1.2 Verfahrensgegenstand Gegen das erstinstanzliche Urteil hat lediglich der Beschuldigte ein Rechtsmittel ergriffen, wobei er dieses im Rahmen seiner Berufungserklärung auf die Anfechtung der Dispositiv-Ziffern 1 sowie 4 bis 7, mithin den Schuldspruch wegen Drohung m itsamt dem entsprechenden Straf- mass, die Verweisung der unbezifferten Zivilforderungen der Privatkläger auf den Zivilweg, die Höhe der ihm zugesprochenen Genugtuung und Entschädigu ng sowie die Kostenverteilung, beschränkt hat. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO bilden damit im vorliegenden Berufungsver- fahren nur noch die vorgängig genannten Punkte Gegen stand der richterlichen Überprüfung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO sowie Art. 399 Abs. 4 S tPO). Nicht mehr zu beurteilen sind da- mit die Dispositiv-Ziffern 2 (Einstellung des Verfahrens betreffend Widerhandlung gegen das Waffengesetz) und 3 (Erkenntnisse bezüglich der strafrechtl ichen Beschlagnahme diverser Waffen und Waffenbestandteile bzw. deren Rückgabe) des erstinstanzlichen Urteils. 2. Darlegungen der Parteien 2.1 Ausführungen des Beschuldigten (...) 2.2 Ausführungen der Staatsanwaltschaft (...) 3. Verfahrensgrundsätze, Beweiswürdigung und Sachver halt 3.1 Verfahrensgrundsätze (...) 3.2 Beweiswürdigung (...) 3.3 Sachverhalt (...) Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Tatbestand der Drohung 4.1 a) Die Vorinstanz hat zur Begründung ihres diesbezügliche n Schuldspruchs im Wesentlichen was folgt dargelegt: Gemäss dem erstellten Sachverhalt ha be der Beschuldigte gegenüber E.____ eine Äusserung gemacht, in welcher er A.____, C.____ und B.____ die Zufügung von Schaden mittels Waffengewalt in Form einer Schusswaffe in Aussicht gestellt habe. Konkret habe der Beschuldigte vorgebracht, auf die drei Gena nnten zu schiessen, was einer Todesdro- hung und damit einer schweren Drohung im Sinne von Art . 180 Abs. 1 StGB gleichkomme. Aus den Angaben der drei Geschädigten müsse sodann geschloss en werden, dass diese sich auf- grund der ihnen von E.____ zugetragenen Äusserung auch tatsächlich geängstigt hätten. Dabei sei davon auszugehen, dass sich auch andere, vernünftige Personen anstelle der Geschädig- ten über eine solche Äusserung geängstigt hätten. Dass d er Beschuldigte die Äusserung nicht direkt an die drei Geschädigten gerichtet habe, sondern an E.____, spiele dabei keine Rolle. Denn der Beschuldigte habe damit rechnen müssen, dass sein e an die Geschädigten adres- sierten Äusserungen von E.____ an diese weitergetragen würden. In einer Situation wie der vorliegenden, mit einem schwelenden und sich zuspitzenden Arbeitskonflikt, habe der Beschul- digte nicht darauf vertrauen können, dass E.____ einfac h schweigen würde. Dies gelte umso mehr, als es sich bei E.____ nicht um einen privaten Kol legen oder Freund des Beschuldigten und somit um eine nahe Vertrauensperson, sondern um se inen direkten Vorgesetzten gehan- delt habe, der im Übrigen – wie der Beschuldigte gew usst habe – auch von dessen Waffenbe- sitz und den privaten Problemen bzw. Frustrationen Kennt nis gehabt habe. Auch sei der Be- schuldigte zum interessierenden Zeitpunkt nach einer ruhi gen Phase von knapp zwei Wochen gegenüber E.____ aggressiv aufgetreten, nachdem er sich von diesem und der Geschäftslei- tung bzw. den Geschädigten ungerecht behandelt gefühlt habe. Wer in einer solchen Verfas- sung gegenüber seinem direkten Vorgesetzten Äusserungen mache, in denen klar benannten Personen der Geschäftsleitung das Zufügen eines Schadens durch Schusswaffen und damit implizit der Tod durch Erschiessen angedroht werde, müsse ohne Weiteres damit rechnen, dass die genannten Personen durch den Vorgesetzten info rmiert würden. Auch müsse der dro- henden Person klar sein, dass die Drohungsadressaten durch die Äusserung in Angst und Schrecken geraten könnten, was sie vorliegend denn auch getan hätten. Der Beschuldigte hätte sich deshalb bereits in der Vergangenheit nicht darauf verlassen können und dürfen, dass seine Äusserungen von E.____ nicht weitergetragen würden. F estzuhalten sei überdies, dass der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschuldigte gemäss den glaubhaften Angaben von E.____ im Unterschied zu seinen früheren Äusserungen am 29. August 2018 erstmals explizit Person en als Ziele benannt und gegenüber seinem Vorgesetzten einen aggressiven und ernsten Tonfall angeschlagen habe, womit ihm restlos hätte klar sein müssen, dass E.____ sich nun an die Geschäftsleitung wenden könnte. Entsprechend sei das Verhalten des Beschuldigten ‒ unabhängig davon, ob von diesem frühere Äusserungen mit bedrohlichem Inhalt stattgefunden hätt en oder nicht ‒ als eine Inkaufnahme zu qualifizieren, womit (neben dem objektiven auch) der subjektive Tatbestand im Sinne des Eventualvorsatzes gegeben sei. Rechtfertigungs- oder Sc huldausschlussgründe würden schliesslich keine vorliegen (vgl. E. II.2. S. 15 f. des angefochtenen Urteils). b) Hiergegen wendet der Beschuldigte zusammengefasst ein, es sei davon auszugehen, dass seitens E.____ ein akustisches Missverständnis oder eine Missinterpretation der von ihm geäusserten, relativ harmlosen Worte vorgelegen habe. So habe er konstant ausgesagt, dass er bloss arbeitsrechtliche Konsequenzen aufgrund des ihm g egenüber betriebenen, systemati- schen Mobbings angedroht habe. Zu beachten sei hierbei, dass ihm das forensisch- psychiatrische Gutachten vom 21. September 2018 eine völlig e Harmlosigkeit attestiere. Selbst wenn aber davon auszugehen wäre, er habe jene Worte verwendet, welche E.____ zu Protokoll gegeben habe, habe er darauf vertrauen können, dass ein Gespräch unter vier Augen nicht den vorgesetzten Stellen gemeldet werde, zumal er nie gewollt habe, dass E.____ etwas weitersage (vgl. oben E. 2.1). c) Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft finde ein akusti sches Missverständnis keine Stütze in den Akten. Ebenso sei eine falsche Interpreta tion der Aussagen des Beschuldigten angesichts des klaren Wortlautes kaum denkbar, und eine u nabsichtlich falsche Wiedergabe durch E.____ entbehre ebenfalls jeder Grundlage. Die konstant wiedergegebene Aussage des Beschuldigten, wonach er seine Waffe durchladen und "hi nuntergehen" werde, lasse sich so- dann mit den von ihm angeblich angestrebten arbeitsre chtlichen Konsequenzen nicht vereinba- ren. Soweit im forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 21. September 2018 von einem ge- ringen Konkretisierungsgrad der Drohungen die Rede sei , betreffe dies nicht die sprachliche Klarheit der Aussage, sondern die Unmittelbarkeit der Gefahr. Ferner sei das Gespräch zwi- schen dem Beschuldigten und E.____ nicht privater Natur gewesen, weshalb Ersterer auf jeden Fall damit habe rechnen müssen, dass sein direkter Vor gesetzter die ernsthafte Todesdrohung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht betreffend die drei übergeordneten Vorgesetzten inne rhalb desselben Unternehmens weiterlei- ten werde (vgl. oben E. 2.2). 4.2 Gestützt auf Art. 180 Abs. 1 StGB wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden durch schwere D rohung in Schrecken oder Angst ver- setzt. Der Angriff der Täterschaft zielt auf die Beeint rächtigung der Psyche einer Person. Sie verletzt den inneren Frieden bzw. das Sicherheitsgefühl ihres Opfers durch die Erzeugung von Schrecken oder Angst, indem sie ihm ein künftiges Übel a nkündigt oder in Aussicht stellt, des- sen Zufügung sie direkt oder indirekt als von sich abhängi g hinstellt. Der Tatbestand verlangt keine Willensbeeinträchtigung des Opfers. Das Gesetz versteht unter einer Drohung nicht bloss eine ausdrückliche Erklärung des Drohenden, sondern jegli ches Verhalten, durch welches das Opfer vom Drohenden bewusst in Schrecken oder Angst ver setzt wird. Unwesentlich ist, ob der Drohende seine Drohung ernst meint, ob er zur Verwirkl ichung des angedrohten Übels über- haupt in der Lage wäre oder ob er sich zur Drohung so nstwie einer Täuschung bedient. Der Tatbestand ist vollendet, wenn das Opfer in seinem Siche rheitsgefühl tatsächlich schwer beein- trächtigt wird. Die Verfolgung eines weiteren Ziels wi rd nicht vorausgesetzt. Auf der subjektiven Seite erforderlich ist Vorsatz bzw. Eventualvorsatz. Wird die schwere Drohung erfolglos geäus- sert, weil das Opfer wider Erwarten nicht in Schrecken oder Angst verfällt, so handelt es sich um einen strafbaren Versuch (V ERA DELNON / BERNHARD RÜDY , in: Basler Kommentar, Straf- recht II, 4. Auflage, Basel 2019, N 10 ff. zu Art. 180 StGB, mit Hinweisen). 4.3 Bei der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts si nd in concreto folgende Indizien und Beweise zu würdigen: a) Aktenmässig objektiv erstellt ist, dass bei der Polizei Basel -Landschaft, Polizeiposten Waldenburg, am 29. August 2018 um 08:39 Uhr von C.___ _ telefonisch die Meldung gemacht worden ist, dass der Beschuldigte gemäss dessen Vorgeset zten, E.____, an jenem Morgen an seinem Arbeitsplatz in F.____ geäussert haben soll, dass er die gesamte Geschäftsleitung der G.____ auslöschen wolle, da er ja nichts mehr zu verlier en habe, zumal er eine Scheidung hin- ter sich und Schulden habe. Es sei dabei die Rede von Waffengewalt gewesen. Der Beschul- digte habe gedroht, dass er seine Waffe laden, "hinunt ergehen und aufräumen" werde (act. 521 ff.). Ebenfalls nachgewiesen ist gemäss dem S icherstellungs- und Beschlagnahme- protokoll vom 30. August 2018, dass anlässlich einer Hausdu rchsuchung am Wohnort des Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldigten ein Revolver, Kaliber 22, ein Kaninchentöt er, Flobert, ein Kleinkalibergewehr mit- samt einem Zielfernrohr und einem Schalldämpfer, ein e Pistole, Kaliber 7.65, sowie diverse Munition aufgefunden worden sind (act. 465 ff.). b) Weiter ist über den Beschuldigten mit Datum vom 21. Se ptember 2018 von der Psychiat- rie Baselland ein forensisch-psychiatrisches Gutachten erste llt worden (act. 9 ff.). In diesem wird zusammenfassend dargelegt, der Beschuldigte leide w eder an einer schizophrenieformen, organischen oder affektiven Psychose. Allerdings leide e r unter einer ab Geburt bestehenden schweren körperlichen Behinderung im Sinne einer extre men Kurzsichtigkeit, einer sogenann- ten Myopia maligna, welche er aber in beeindruckender Weise gemeistert habe. Es könne sein, dass eine Beeinträchtigung von Sinnesorganen zu einer Be einträchtigung der Persönlichkeits- entwicklung führe. Derartige Beeinträchtigungen der P ersönlichkeitsentwicklung könnten sich im Erwachsenenalter in Form einer Persönlichkeitsstörung äussern. Im vorliegenden Fall könne man aber nicht von derart umfassenden Auffälligkeiten der Persönlichkeit sprechen, dass die Diagnose Persönlichkeitsstörung gerechtfertigt wäre. Au ch wenn der Beschuldigte offenbar mit den Anforderungen des täglichen Lebens zuweilen überfor dert scheine, zeige er Persönlich- keitsmerkmale wie eine intakte Mentalisation und Empath ie. Für die Diagnose einer anderen psychischen Störung, etwa einer sogenannten Anpassungsstör ung, fehlten Symptome wie ge- störter Schlaf, depressive Verstimmung oder Anspannung. S ollte er die ihm zugeschriebenen Drohungen tatsächlich ausgesprochen haben, handle es sich hierbei um eine direkte Drohung, welche auf einen hohen Zornaffekt, aber nicht auf eine psychische Störung im engeren Sinne schliessen lasse. Drohungen wie im vorliegenden Fall sei en weder eine hinreichende noch not- wendige Bedingung für schwere Gewaltdelikte. Es existiere kein Prognoseinstrument, anhand dessen sich eine Risikoabschätzung im Sinne einer prozent ualen Schätzung der Ausführungs- gefahr durchführen liesse. In casu könne, obschon von ei ner gewissen Verärgerung des Be- schuldigten gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber au szugehen sei, aus forensisch- psychiatrischer Sicht keine erhöhte Ausführungsgefahr fest gestellt werden. Grundsätzlich wä- ren fortgesetzte Drohungen und Beschimpfungen denkbar, die Gefahr einer direkten Konfronta- tion werde als denkbar gering erachtet (act. 155 ff.). c) Depositionen von E.____: aa) Anlässlich seiner Befragung durch die Polizei, Polizeipo sten Waldenburg, hat sich E.____ am 29. August 2018 (act. 527 f.) als Auskunftsperson wie folgt geäussert: An jenem Morgen, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ca. um 07:00 Uhr, habe ihn der Beschuldigte im Magazin der G.____ in F.____ auf eine Ausbil- dung angesprochen, welche die G.____ ihm aufgrund seine r gesundheitlichen Probleme nicht bewilligt habe. Die besagte Ausbildung habe an dessen Stelle ein anderer Mitarbeiter der G.____ besuchen können. In diesem Zusammenhang habe er davon gesprochen, dass er sei- ne Waffe laden, "hinuntergehen und aufräumen" werde . ln Bezug auf diese Drohung habe er die Namen mehrerer Personen erwähnt. Namentlich habe er C.____ (Personalabteilung G.____), B.____ (Geschäftsleitung G.____) und A.____ ( direkter Vorgesetzter von E.____ und Mitglied der Geschäftsleitung der G.____) genannt. Er habe dann versucht, den Beschuldigten zu beruhigen. In der Folge habe er ihm die Rufnummer von A.____ gegeben und ihn aufgefor- dert, sich mit diesem in Verbindung zu setzen und mit ih m die Sache zu klären. Dann habe der Beschuldigte das Magazin verlassen. Er sei seit vier Jahren der direkte Vorgesetzte des Be- schuldigten. Er kenne ihn gut. Bis anhin habe er ihn i n schwierigen Situation immer beruhigen und besänftigen können. Der Beschuldigte sei eine sehr impulsive Person. Er könne von "null auf hundert" explodieren. Und dann brauche er gewöhn lich 30 Minuten bis zu einer Stunde, um sich wieder zu beruhigen. Der Beschuldigte habe wiederh olt gegenüber C.____, B.____ und A.____ Drohungen ausgesprochen. Er habe ihm gegenübe r wiederholt gesagt, dass er eine Flinte zuhause habe und "dort unten aufräumen" werde . Der Geschäftssitz der G.____ und so- mit die Arbeitsplätze der genannten Personen befinde sich in H.____, daher die Aussage, dass er "dort unten aufräumen" werde. C.____, B.____ und A.____ seien bereits aufgrund anderer Vorkommnisse für ihn ein "rotes Tuch" gewesen. Diesen Morgen sei aber alles anders gewe- sen. Der Beschuldigte habe in einer anderen Tonlage ge sprochen als früher. Seine Tonlage, seine Ernsthaftigkeit, seine aggressive Art und Weise hätten ihm an diesem Tag Angst gemacht und ihn in Schrecken versetzt. Aufgrund dessen habe er sich entschieden, die Geschäftsleitung der G.____ über die Drohungen zu informieren. Er ha be dem Beschuldigten eine solche Tat zugetraut. Dieser habe nichts mehr zu verlieren gehabt. Er sei geschieden, seine Freundin be- finde sich aufgrund von Alkoholproblemen in einer Entzug sklinik und er sei verschuldet. Auch soll er ein "Messie" sein. Zudem wisse er, dass der Beschuldigte im Besitz einer Waffe sei. Die- ser habe wiederholt davon gesprochen, eine Waffe zu besitzen, welche er von seinem Grossva- ter geerbt habe. Er habe dabei von einer Langwaffe gesprochen. bb) Im Rahmen seiner Einvernahme als Auskunftsperson durch die Polizei, Polizeihauptpos- ten Pratteln, vom 29. August 2018 (act. 599 ff.) hat E.____ zu Protokoll gegeben, nach jedem Brief seitens der G.____ im Zusammenhang mit gesundhei tlichen Untersuchungen und den Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht entsprechenden Kosten habe sich die Aggressivität beim Be schuldigten gesteigert. Es habe sich bei ihm eine enorme Wut aufgebaut. Er werde dann jeweils sehr laut. Es habe sein kön- nen, dass er in der Öffentlichkeit explodiert sei und la utstark gegen die Personen geschimpft habe. Zu diesem Zeitpunkt seien auf normalem Level Äu sserungen gekommen, dass er seine Waffen lade und sich "Zug wiederhole". Er habe damit das Attentat von Leibacher gemeint, den Namen aber nie erwähnt. Das sei aber auf einem norma len Niveau gewesen, nicht in der Wut. Bis zu diesem Zeitpunkt habe er die Äusserungen nicht wir klich ernst genommen. Aufgrund der Reklamationen der Kundschaft habe es eine Aussprache zwischen dem Leiter Infrastruktur, ihm und dem Beschuldigten gegeben. Seitens des Leiters lnfr astruktur seien dabei auch gewisse Fehler eingestanden worden. lm Wesentlichen sei es daru m gegangen, dass die Kommunikati- on verbessert werde bezüglich der gesundheitlichen Untersuchungen. Daraufhin sei es ein paar Tage gut gegangen. An jenem Morgen habe der Beschuld igte herausgefunden, dass ein ande- rer Mitarbeiter eine Schulung als Sicherheitsleiter m achen dürfe, woraufhin er sich diskriminiert gefühlt habe. Er habe versucht, dem Beschuldigten das no chmals zu erklären und habe ihn an den Leiter lnfrastruktur verwiesen. Daraufhin sei der Beschuldigte ziemlich aggressiv geworden. Er habe lautstark geflucht und gesagt, dass jetzt "durchg eladen werde" und dann "kämen C.____, B.____ und A.____ weg". Diese seien "keinen Schuss Pulver wert". Das Ganze sei in einer solchen Tonlage erfolgt, dass er es ernst genom men habe. Es sei nicht wie die vorherge- henden Male gewesen. Bis dato habe er immer abgewogen , ob der Beschuldigte das könnte oder nicht. Jetzt sei er sich sicher, dass dieser dazu fähi g sei. Er traue dem Beschuldigten zu, die Drohung in die Tat umzusetzen. cc) Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit dem Besc huldigten durch die Staatsan- waltschaft vom 24. April 2019 (act. 727 ff.) hat E.___ _ als beschuldigte Person ausgesagt, an jenem Morgen habe ihn der Beschuldigte angesprochen i n Bezug auf eine Ausbildung, welche er nicht habe besuchen dürfen. Danach sei dieser rela tiv laut geworden und habe gesagt, dass er "durchladen und aufräumen" werde, dass C.____, B._ ___ und A.____ "gehen" würden. Die- se Aussage habe er nicht mehr ignorieren können; er ha be sie sehr ernst genommen und des- halb seinen Vorgesetzten, A.____, informiert. Er und der Beschuldigte hätten eine sehr gute Beziehung gehabt. Dieser sei eine sehr impulsive Persönli chkeit, welche recht schnell laut wer- den könne. Er wiederum habe ihn sehr gut wieder auf den Boden zurückholen können. Die Fra- ge, ob der Beschuldigte genau diese Worte, "ich lad dure und gang abe" benützt habe, hat E.____ mit "richtig" beantwortet. Auf die Frage, wel che Worte der Beschuldigte am 29. August Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2019 (recte: 29. August 2018) verwendet habe, hat E._ ___ geantwortet: "lch lad dure und dann fehlen die dort unten. C.____, A.____ und B.____. Die sind keinen Schuss Pulver wert." Auf die Frage, was für ihn die Äusserung "jetzt wird durchgelad en und dann kommen B.____, A.____ und C.____ weg" bedeute, hat E.____ ausgeführt, er s ei erschrocken und habe sich im ersten Moment nicht zu helfen gewusst. Dann habe er versucht, den Beschuldigten zu beruhigen. Er habe ihm Aufgaben aufgetragen und ihn möglich rasch hi nausgeschickt. Die Drohung habe er nicht einordnen können, weshalb er die Geschäftsleitun g informiert habe. Bezüglich der Frage, was für ihn die Äusserung "diese sind keinen Schuss Pulver wert" bedeute, hat E.____ darge- legt, diese habe ihn in Angst versetzt. Diese Aussagen habe er sehr ernst genommen und des- halb weitergeleitet. Er habe Angst gehabt, dass der Beschuldigte nicht auf die Arbeitsstelle fah- re, sondern nach Hause und dann direkt nach H.____ un d das dann dort durchziehe. Dass er durchlade und schiesse. Er habe diese Äusserungen sehr ernst genommen. Auf die Frage, weshalb er diese Äusserungen ernst genommen habe und di e früheren nicht, hat E.____ depo- niert, die Äusserungen vom 29. August 2018 seien sehr ag gressiv und namensbezogen gewe- sen. Sie seien definitiv anders gewesen als die vorangegangenen. Die Tonlage des Beschuldig- ten sei sehr aggressiv und sehr laut gewesen. Dieser sei zu diesem Zeitpunkt nicht zu beruhi- gen gewesen. Seiner Meinung nach sei der Beschuldigte f ähig gewesen, seine Äusserungen in die Tat umzusetzen. Auf die Frage, weshalb er dieser M einung sei, hat E.____ zu Protokoll ge- geben, der Beschuldigte sei so aggressiv und laut aufgetr eten und habe die Personen beim Namen genannt, dass er überzeugt gewesen sei, dieser würd e es umsetzen. Als der Beschul- digte die Äusserungen getätigt habe, habe er sich unsich er und verängstigt gefühlt. lm Normal- fall könne man den Beschuldigten mit einem ablenkenden Gespräch ziemlich rasch in einem Zeitraum von ca. 30 Minuten bis zu einer Stunde beruh igen. An diesem 29. August 2018 sei dies nicht möglich gewesen. dd) Im Rahmen der Befragung als Auskunftsperson vor dem K antonsgericht (Protokoll KG S. 4 ff.) hat E.____ vorgebracht, es habe schon früher Vorfälle mit dem Beschuldigten gegeben, welche sie aber ohne grösseres Aufsehen hätten erledige n können. An diesem Tag sei es aber anders gewesen, es habe massive Drohungen gegenüber bestim mten Personen gegeben. Er habe Angst um diese Leute gehabt, weil er die Situat ion nicht mehr habe einschätzen können. Beim fraglichen Gespräch sei der Beschuldigte von "null auf hundert gegangen". Er könne es zwar nicht mehr wörtlich wiederholen, aber es sei darum gegangen, dass der Beschuldigte zum Hauptsitz gehe und die drei namentlich genannten Perso nen erschiesse. Der Beschuldigte sei Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht immer sehr impulsiv gewesen. An jenem Tag sei er jedoch noch impulsiver gewesen. Er habe ihn nicht mehr einschätzen können, ob es passiere oder nicht. Er habe ihn nicht mehr herunter- holen können, der Beschuldigte sei sehr aggressiv und se hr bestimmend gewesen. Er habe Angst gehabt, dass dieser es wirklich mache. Er habe ihn dann auf die Baustelle geschickt, um ihn zu beruhigen und um mehr Zeit zum Reagieren zu haben. Er habe sich hilflos gefühlt. Er habe nicht gewusst, ob der Beschuldigte tatsächlich auf di e Baustelle gehe, oder ob er statt- dessen seine Waffe hole. Es sei ausgeschlossen, dass er zu m fraglichen Zeitpunkt des Ge- sprächs übermüdet gewesen sei oder durch einen vorbeifah renden Zug allenfalls etwas falsch verstanden haben könnte. Der Beschuldigte habe gesagt, er "lade durch", und danach, dass sie "keinen Schuss Pulver wert" seien. Er habe es sicher nicht f alsch verstanden; er habe ihn eng begleitet und gut gekannt, sie seien ein kleines Team g ewesen. Der Beschuldigte sei so ag- gressiv und so ernst gewesen, dass jeder eingeschüchtert ge wesen wäre. Dieser habe nicht davon ausgehen können, dass er es für sich behalte. Der Beschuldigte sei so aggressiv und ernst gewesen, dass dieser habe damit rechnen müssen, dass er es melde. d) Aussagen des Beschuldigten: aa) Anlässlich seiner Einvernahme durch die Polizei, Polize iposten Waldenburg, vom 29. August 2018 (act. 617 ff.) hat der Beschuldigte be stritten, am Morgen des nämlichen Tages lautstark geflucht und gesagt zu haben, dass jetzt "durchge laden werde" und dann B.____, A.____ und C.____ "wegkämen". Vielmehr habe er ledig lich eine Stellungnahme von E.____ gewollt, weshalb man ihm die Sicherheitsleitung wegge nommen habe. Danach habe er von E.____ die Telefonnummer von A.____ verlangt, um mit diesem die Sache zu klären. Es stim- me, dass er geflucht und gesagt habe, dass er es langsam satt habe. Auch habe er sich "ver- arscht" gefühlt. Er habe sehr impulsiv reagiert, sei abe r nicht aggressiv aufgetreten. Er habe ebenso nicht gesagt, dass B.____, A.____ und C.____ " keinen Schuss Pulver wert" seien. Er könne nicht erklären, weshalb E.____ dies gegenüber der Polizei ausgesagt habe. Bis zu die- sem Zeitpunkt habe er mit diesem ein sehr gutes Verhäl tnis gehabt. Er gehe davon aus, dass sein Arbeitskollege I.____ mitbekommen habe, dass er lau t geworden sei. Auf die Frage, ob es zutreffe, dass er eine impulsive Person sei, hat der Besch uldigte ausgeführt, das stimme, er arbeite daran. Sodann hat der Beschuldigte bestritten, gesagt zu haben, "ich lad dure und gang abe". Auf die weiterführende Frage, wie er es denn f ormuliert habe, hat der Beschuldigte ge- antwortet, er mache von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Gleichermassen hat er bezüglich des Vorhaltes, gesagt zu haben, dass ihm die drei Personen "gestohlen bleiben" Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht könnten und wenn er gehen müsse, diese Drei "mitkämen", von seinem Aussageverweige- rungsrecht Gebrauch gemacht. Schliesslich hat der Beschul digte wiederum bestritten, die Äusserung getätigt zu haben, dass er seine Waffen laden und dass sich der Vorfall in Zug wie- derholen werde. bb) Im Rahmen der Hafteröffnungseinvernahme vom 30. Au gust 2018 (act. 237 ff.) hat der Beschuldigte ebenfalls bestritten, Ausführungen bezügl ich des Ladens einer Waffe getätigt zu haben. Vielmehr habe er eine Stellungnahme verlangt , weil er sich "verarscht" gefühlt habe; gesagt habe er bloss, dass er den Rechtsweg wegen Mobbings einschlagen werde. cc) Vor dem Zwangsmassnahmengericht hat der Beschuldigte am 31. August 2018 (act. 269 ff.) ausgeführt, er habe keine schwere Drohu ng ausgesprochen, sondern lediglich E.____ um eine Aussprache bezüglich der Sicherheitsleitung gebeten. Es sei nur laut gewor- den, weil er die Nummer von A.____ habe bekommen woll en. E.____ habe damals gewusst, dass er vor das Arbeitsgericht gehe wegen Diskriminierung eines Sehbehinderten und Mobbing. Er sei impulsiv und laut geworden, habe aber keine Drohungen ausgesprochen. dd) Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit E.____ du rch die Staatsanwaltschaft vom 24. April 2019 (act. 727 ff.) hat der Beschuldigte wie derum und mehrfach die ihm zur Last ge- legten Äusserungen bestritten und diesbezüglich vorgebrac ht, er habe lediglich gesagt, dass ihm seine Arbeitsstelle nicht mehr so wichtig sei und er gesetzlich gegen die G.____ vorgehen werde. Er habe ein gutes Arbeitsverhältnis zu E.____ ge habt. Mit zunehmendem Alter sei er überdies immer ruhiger geworden. Allenfalls habe er anlässlich eines besonderen Anlasses seine Missgunst gegenüber der G.____ kundgetan. Mit der Formulierung, er habe "es satt", habe er lediglich zum Ausdruck bringen wollen, dass ihm die Arbeitsstelle nicht mehr wichtig sei, er es als Mobbing ansehe und zu seinem Recht kommen wolle. Die von E.____ vorge- brachten Vorwürfe seien allesamt unzutreffend. Als er g esagt habe, er habe impulsiv reagiert, habe er gemeint, dass er laut geredet habe. Er rede laut, wenn er sich über etwas aufrege. Das habe wahrscheinlich damit zu tun, dass er mit lauten Ge räten arbeite. Seine Familie sage ihm auch, dass er laut rede. Als möglichen Grund für allfäl lige falsche Angaben seitens von E.____ hat der Beschuldigte angegeben, dass dieser vermutlich Angst habe vor einer Mobbinganzeige, weil ihn dies den Job kosten würde. Auf die Frage, wel che arbeitsrechtlichen Schritte der Be- schuldigte tatsächlich unternommen habe, hat dieser keine Antwort gegeben. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht ee) Anlässlich der Verhandlung vor dem Strafgericht (act. S 75 ff.) hat der Beschuldigte depo- niert, er habe keine Drohungen ausgesprochen, sonder n E.____ bloss zur Rede stellen wollen. Er habe mit diesem "ein Hühnchen rupfen wollen", weil er sich "verarscht" vorgekommen sei. Er sei recht aufgebracht gewesen und habe gesagt, dass er rechtliche Schritte einleiten werde. Er wisse nicht, weshalb E.____ zu Unrecht eine Todesdrohung weiterleiten sollte, aber er habe zu ihm gesagt, dass dieser Mobbing betreibe, was ihn die Stelle kosten werde. Er sei eine impulsi- ve Person, wenn er sich ungerecht behandelt fühle, dan n reagiere er. Am 29. August 2018 sei nichts vorgefallen, weil er sehr sachlich geblieben sei. Er habe gemerkt, dass E.____ hinter der ganzen Situation mit seinen Augen stecke. Er sei zwar au fgebracht gewesen, aber dennoch sachlich geblieben. Ansonsten hätte er ihm nicht den Rechtsweg angedroht. Er habe auch nicht gesagt, dass er zur Zentrale hinuntergehe. ff) Im Rahmen der Verhandlung vor dem Kantonsgericht (Pro tokoll KG S. 3 ff.) hat der Be- schuldigte ebenfalls bestritten, die ihm zur Last gelegten Sätze ausgesprochen zu haben. Statt- dessen habe er von E.____ eigentlich nur die Telefonnu mmer von A.____ gewollt, um sich per- sönlich bei diesem beschweren zu können. Er habe gegen die drei Herren bloss rechtlich vor- gehen wollen mit Hilfe der Gewerkschaft. Er schliesse es aus, das ihm Vorgeworfene gesagt zu haben und sich nicht mehr daran erinnern zu können. Al lerdings sei er tatsächlich angesäuert gewesen, weil er sich "verarscht" vorgekommen sei. Er wi sse nicht, weshalb E.____ lügen soll- te, er könne das Ganze nicht nachvollziehen. Aus seiner Sicht sei E.____ damals zum Zeit- punkt des Vorfalls übermüdet und gestresst gewesen, weil e r Nachtdienst und Pikett gehabt habe. Ferner habe er nicht damit gerechnet, dass E.____ den drei Betroffenen etwas sagen würde, weil er ja selber die Telefonnummer von A.___ _ gewollt habe, um mit ihm dies persön- lich zu besprechen. e) I.____ hat anlässlich seiner Einvernahme durch die Staa tsanwaltschaft vom 15. Januar 2019 (act. 715 ff.) als Zeuge ausgesagt, er habe dam als nicht verstanden, was gesprochen worden sei, weil er der deutschen Sprache nicht mächt ig sei, er verstehe nur die Baustellen- sprache. Allerdings sei der Beschuldigte am 29. August 2018 nervös und aufgebracht gewesen, wobei ihm der Grund nicht bekannt sei. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht f) In Bezug auf die Depositionen von A.____ (act. 647 ff .), C.____ (act. 669 ff.) sowie B.____ (act. 693 ff.), allesamt getätigt anlässlich de ren jeweiligen Einvernahme als Auskunfts- person durch die Staatsanwaltschaft vom 12. September 2 018, ist in genereller Weise zu kon- statieren, dass die drei Betroffenen bei der zu beurteilenden verbalen Konfrontation nicht anwe- send gewesen sind und demnach bloss das wiedergeben können , was ihnen von E.____ direkt oder indirekt zugetragen worden ist. Aufgrund des daraus folgenden geringen Beweiswertes der einzelnen Aussagen erübrigt sich per se eine diesbezügli che vertiefte Auseinandersetzung. Relevant ist hingegen, was die in Frage stehenden Äusser ungen bei allen drei Einvernomme- nen ausgelöst haben. So hat A.____ deponiert, er habe sich verunsichert gefühlt, als er von den Drohungen gehört habe. Er habe das ernst genommen; e r habe nicht das Gefühl gehabt, dass das einfach ein Spruch gewesen sei. Es habe eine gewiss e Angst bei ihm ausgelöst. Er habe die Drohungen sehr, sehr ernst genommen. Sie hätten n icht nur ihn, sondern auch seine Fami- lie verunsichert. Er habe sich durch die Drohungen in An gst und Schrecken versetzt gefühlt (act. 657 f.). C.____ hat ausgesagt, er habe die Droh ungen ernst nehmen müssen. Auch habe er sich durch diese in Angst und Schrecken versetzt gefüh lt und sich sofort überlegt, ob er sich seinen privaten Telefonanschluss im Verzeichnis löschen lassen solle. Er fühle sich seit dem Vorfall persönlich verunsichert. Auch stelle sich die Frage, was passiere, wenn der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft komme (act. 681 f.). B.____ ha t diesbezüglich ausgeführt, er sei überrascht gewesen. Er habe bislang immer gute Begegnungen mit dem Beschuldigten gehabt. Aber man könne nicht in einen Menschen hineinsehen, weshalb diese Drohung Angst ausgelöst habe, vor allem bei seiner Familie. Er habe die Drohu ngen sehr ernst genommen und sich in Angst und Schrecken versetzt gefühlt (act. 695 f., 703). g) aa) Vorliegend massgeblich sind insbesondere die Depositione n von E.____ und diejenigen des Beschuldigten. In Würdigung hiervon ist in einem ersten Schritt festzustellen, dass die Aus- sagen von E.____ sowohl in Einzelbetrachtung als auch im Vergleich zueinander als konsistent und stringent zu bezeichnen und damit im Ergebnis als se hr glaubhaft zu qualifizieren sind. E.____ hat die von ihm beschriebenen Ereignisse seit sei ner ersten Einvernahme unmittelbar nach den angeklagten Vorkommnissen im Kernbereich konst ant geschildert und diese nach- vollziehbar in die relevierten Arbeitsvorgänge eingebett et. Dabei hat er darauf verzichtet, den Beschuldigten übermässig zu belasten. Weiter hat E.____ eindrücklich zu Protokoll gegeben, dass die fraglichen Äusserungen bei ihm dergestalt Gefü hle ausgelöst haben, dass er Hilflosig- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit verspürt und die reale Angst gehabt hat, der Besch uldigte könnte seine Worte in die Tat umsetzen. Ausserdem hat er in überzeugender Weise dar gelegt, dass er aufgrund des Um- standes, wonach der Beschuldigte in einer anderen Tonl age als üblich gesprochen hat, sehr aggressiv und nicht mehr zu beruhigen gewesen ist und zud em seine drohenden Worte erst- mals spezifisch namensbezogen vorgebracht hat, die inkriminierten Äusserungen im Gegensatz zu früheren Bekundungen ernst genommen hat. Sodann ent spricht es der allgemeinen Le- benserfahrung, dass eine Person, welche mit solcherlei Äusse rungen konfrontiert wird, wie sie dem Beschuldigten vorgeworfen werden, zunächst einige Zeit braucht, um diese einordnen und das weitere zweckmässige Vorgehen reflektieren zu können. In casu hat E.____ im Sinne einer Deeskalation den Beschuldigten zur Verrichtung eines kon kreten Arbeitsauftrages geschickt, das Vorgefallene analysiert und danach innerhalb einige r Minuten ‒ der in der Anklageschrift genannte Zeitraum liegt zwischen dem Arbeitsbeginn um 07:00 Uhr und 08:39 Uhr, als die Mel- dung bei der Polizei eingegangen ist ‒ seine Vorgesetzten informiert. Diese Vorgehensweise ist in Anbetracht der dem Beschuldigten zur Last gelegten massiven Drohungen sowie deren Aus- wirkungen auf E.____ als überaus adäquat zu bezeichnen. A ngesichts der zahlreichen Realkri- terien besteht für das Kantonsgericht kein Zweifel, dass die Aussagen von E.____ einen erleb- nisbasierten Hintergrund haben. Zudem ist kein vernünfti ger Grund ersichtlich, warum E.____ den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte, zumal Be ide ausgesagt haben, dass sie bis zum fraglichen Zeitpunkt ein (sehr) gutes Arbeitsverhältnis gehabt haben. Die anlässlich der Kon- frontationseinvernahme vom Beschuldigten als möglichen G rund für allfällige falsche Angaben seitens von E.____ erstmalig vorgebrachte Vermutung, won ach dieser Angst vor einer Mob- binganzeige durch den Berufungskläger gehabt habe, wir d durch nichts gestützt. Hinzu kommt ausserdem, dass die Aussagen von E.____ ohne Weiteres mi t den im definierten Zeitraum ob- jektivierten Ereignissen ‒ wie beispielsweise der eingestandenen Unzufriedenheit des Beschul- digten, nachdem dieser festgestellt hat, dass die Stell e des Sicherheitsleiters entgegen angeb- lich anderweitiger Versicherungen seitens der vorgesetz ten Personen einem Arbeitskollegen übertragen worden ist, der Benachrichtigung der Gesch äftsleitung der G.____ durch E.____ kurze Zeit nach dem Vorfall mitsamt der unmittelbar hie rauf folgenden Anzeige bei der Polizei, dem auch vom Zeugen I.____ beobachteten nervösen und auf gebrachten Verhalten des Be- schuldigten sowie der Tatsache, dass bei diesem wie von E. ____ beschrieben diverse Waffen inklusive Waffenbestandsteile und Munition aufgefunden w orden sind ‒ in Einklang zu bringen sind. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht bb) In Bezug auf die Depositionen des Beschuldigten ist soda nn zu erwägen, dass dieser zwar ebenfalls grundsätzlich gleichbleibend ausgesagt und in diesem Zusammenhang die ihm zur Last gelegten Äusserungen in genereller Weise bestri tten hat. Allerdings erscheinen die Aussagen des Beschuldigten sowohl in ihrer Gesamtheit al s auch insbesondere im Verhältnis zu den vorstehend aufgeführten objektivierten Tatsachen nicht widerspruchsfrei. Nicht nachvoll- ziehbar bzw. gar lebensfremd ist vor allem dessen Behaupt ung, wonach er trotz seiner grossen Verärgerung ‒ nach den Worten des Beschuldigten ist dieser aufgebrac ht gewesen, er hat sich "verarscht" gefühlt, wollte "ein Hühnchen rupfen" und hat das Ganze "satt gehabt" ‒ und der von ihm eingestandenen (sehr) impulsiven Reaktion in sa chlicher Weise bloss eine Stellung- nahme bzw. die Telefonnummer von A.____ verlangt und die Beschreitung des Rechtswegs angedroht haben will. Letzteres ist umso weniger glaub haft, als diese Behauptung im Rahmen der den inkriminierten Ereignissen gleichentags nachfolg enden ersten Befragung nicht vorge- bracht worden ist. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte au f die implizite Frage, was er denn konkret gesagt habe, wiederholt ausdrücklich von seinem A ussageverweigerungsrecht Ge- brauch gemacht hat. Dies ist zwar in Beachtung des Pri nzips der Unschuldsvermutung zweifel- los zulässig, allerdings kann der Beschuldigte auf der anderen Seite hieraus auch nichts zu sei- nen Gunsten ableiten. Nachdem der Beschuldigte weder das Bestreben offenbart hat, möglichst frühzeitig alle seiner Entlastung dienenden Angaben zu machen und in diesem Zusammenhang die im Raume stehenden, ihm zugerechneten belastenden Äusserungen sofort substantiiert zu entkräften, noch er zu irgendeinem Zeitpunkt erläutert hat, welche von ihm angeblich tatsächlich verwendeten Worte E.____ allenfalls falsch verstanden h aben könnte, ist eine diesbezügliche Auseinandersetzung im Rahmen der Inhaltsanalyse von vorn herein nicht möglich. Im Ergebnis kommt den Depositionen des Beschuldigten nicht die glei che Glaubhaftigkeit zu, wie sie den Aussagen von E.____ zu attestieren ist, weshalb sie n icht geeignet sind, diese in Zweifel zu ziehen. cc) Gemäss diesen Erwägungen ist bei der Eruierung des re chtserheblichen Sachverhaltes auf die sehr glaubhaften Darlegungen von E.____ abz ustellen. An diesem Ergebnis vermögen weder das forensisch-psychiatrische Gutachten vom 21. Sept ember 2018, welches sich selbst- redend nach dem ihm inhärenten Zweck wohl zur Ausführu ngsgefahr sowie zu allfälligen psy- chischen Störungen des Beschuldigten, nicht jedoch zur Glau bhaftigkeit der jeweiligen Aussa- gen äussert, noch die Rügen des Beschuldigten, wonach ei n akustisches Missverständnis oder eine Missinterpretation der von ihm geäusserten, relativ harmlosen Worte vorgelegen haben Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht könnte, etwas zu ändern. Letzteren ist in Übereinstimmung mit den Vorbringen der Staatsan- waltschaft zu entgegnen, dass keinerlei Hinweise auf ein akustisches Missverständnis vorliegen ‒ insbesondere nachdem der Beschuldigte mehrfach vorgeb racht hat, generell sehr laut zu re- den und namentlich zum fraglichen Zeitpunkt sehr la ut geworden zu sein (vgl. oben E. 4.3.d) ‒, eine falsche Interpretation der Äusserungen des Beschuld igten angesichts deren klaren Wort- lautes kaum denkbar ist ‒ zumal der Beschuldigte diese bloss generell bestritten, aber zu kei- nem Zeitpunkt eine von ihm angeblich verwendete altern ative Wortwahl behauptet hat ‒ sowie dass eine unabsichtlich falsche Wiedergabe durch E.____ jeder Grundlage entbehrt. dd) Demnach bestehen nach Auffassung des Kantonsgerichts auc h unter Berücksichtigung der Maxime "in dubio pro reo" keine vernünftigen Zwei fel, dass der Sachverhalt gemäss Ankla- geschrift erstellt ist. Somit steht fest, dass der Beschuldi gte am 29. August 2018 im Zeitraum zwischen 07:00 Uhr und 08:39 Uhr im Werkhof der G.____ in F.____ gegenüber seinem dama- ligen Vorgesetzten E.____, nachdem er erfahren hat, d ass anstelle von ihm ein Arbeitskollege die Funktion der Sicherheitsleitung übernimmt, in agg ressivem und ernstem Tonfall unter ande- rem gesagt hat, er lade jetzt seine Waffe durch, gehe hinunter (nach H.____), und dann kämen B.____, A.____ und C.____ "weg" bzw. er "räume" dort auf; diese seien "keinen Schuss Pulver" wert. Im Anschluss an diese Äusserungen hat E.____ zunäch st dem Beschuldigten zwecks Deeskalation einen konkreten Arbeitsauftrag gegeben un d sodann die Geschäftsleitung der G.____ über die Drohungen informiert, welche in der Folge in der Person von C.____ um 08:39 Uhr die Polizei avisiert hat. 4.4 Gestützt auf den inkriminierten Sachverhalt ist im Rahm en der rechtlichen Subsumption zu erwägen, dass der Beschuldigte gegenüber E.____ in A ussicht gestellt hat, B.____, A.____ und C.____ mittels Waffengewalt einen Schaden an Lei b und Leben zuzufügen, oder mit ande- ren Worten, diese zu töten bzw. "wegzutun". Hierbei ha ndelt es sich fraglos um die Ankündi- gung eines künftigen Übels, dessen Zufügung er direkt a ls von sich abhängig hingestellt hat, womit das Tatbestandsmerkmal der schweren Drohung im Sinn e von Art. 180 Abs. 1 StGB oh- ne Zweifel gegeben ist. Gleichermassen fraglos ist, dass B .____, A.____ und C.____ gemäss ihren vorgängig wiedergegebenen Aussagen (vgl. oben E. 4.3.f) durch diese Äusserungen tat- sächlich in Schrecken oder Angst versetzt und demzufolge in ihrem Sicherheitsgefühl schwer beeinträchtigt worden sind. Demnach ist der objektive Ta tbestand ohne Weiteres erfüllt. In sub- jektiver Hinsicht ist zu konstatieren, dass der Beschuldigt e die inkriminierten Äusserungen nicht Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht direkt an die drei Betroffenen gerichtet, sondern die se lediglich im Rahmen eines Disputes im kleinen Kreis gegenüber E.____ vorgebracht hat. Da der Beschuldigte gemäss den Aussagen von E.____ in der Vergangenheit diesem gegenüber in B ezug auf den Wortlaut sowie den Ad- ressatenkreis bereits ähnliche Aussagen gemacht hat ‒ allerdings nicht in derselben Ernsthaf- tigkeit ‒, welche nicht weitergetragen worden sind, kann ihm nicht unterstellt werden, er habe in casu direktvorsätzlich die Betroffenen bedrohen wollen. A llerdings hat es sich bei E.____ nicht bloss um einen Arbeitskollegen oder gar einen persönli chen Freund des Beschuldigten, son- dern um dessen direkten Vorgesetzten gehandelt, und die drei von den Drohungen betroffenen, namentlich genannten Personen sind wiederum Vorgesetzte von E.____ im gleichen Betrieb gewesen, womit es auf der Hand liegt, dass der Beschuldi gte angesichts der im Raume ste- henden massiven Drohungen, der von E.____ glaubhaft be schriebenen eindringlichen Begleit- umstände sowie des hohen Konkretisierungsgrades der Äusseru ngen damit hat rechnen müs- sen, dass seine Aussagen an die Adressaten weitergeleitet werden. Gleichermassen hat ihm klar gewesen sein müssen, dass die Betroffenen durch seine Todesdrohungen in Schrecken oder Angst versetzt werden können. Infolgedessen ist der subjektive Tatbestand in der Variante des Eventualvorsatzes ebenfalls erfüllt. Rechtfertigungs - oder Schuldausschlussgründe liegen schliesslich keine vor. Nach diesen Erwägungen ist der Beschuldigte in Abweisun g seiner diesbezüglichen Berufung und demzufolge in Bestätigung des angefochtenen Urtei ls der Drohung nach Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig zu erklären. 5. Strafzumessung 5.1 Dogmatische Erwägungen (...) 5.2 Konkrete Erwägungen a) Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung ist zu konstatie ren, dass der Beschuldigte hierzu keine spezifischen Ausführungen getätigt, sondern ausschliesslich einen vollumfängli- Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Freispruch von allen Vorwürfen verlangt hat. Demge genüber begehrt die Staatsanwalt- schaft die umfassende Abweisung der Berufung und demnac h eine Bestätigung des erstin- stanzlichen Strafmasses. b) Gestützt auf das vorliegende, das Urteil des Strafgeri chtspräsidiums vom 9. August 2022 bestätigende Berufungsurteil ist der Beschuldigte wegen Drohung nach Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig zu erklären. Dieses Delikt beinhaltet einen ord entlichen Strafrahmen zwischen einer Geldstrafe von mindestens drei Tagessätzen und einer Frei heitsstrafe von höchstens drei Jah- ren. c) Auf der Seite der objektiven Tatkomponenten ist negati v zu würdigen, dass der Beschul- digte, weil er sich aufgrund seiner Sehbehinderung beruflich benachteiligt gefühlt hat, betreffend insgesamt drei Personen aus der Führungsetage seiner Arbe itgeberin ganz massive Drohun- gen in Form von Todesdrohungen ausgestossen und damit nicht nur diese selbst in Schrecken oder Angst versetzt, sondern zumindest teilweise auch das Sicherheitsgefühl deren Familien schwer beeinträchtigt hat. Zu seinen Gunsten spricht hing egen, dass er die inkriminierten Äusserungen lediglich einmal ‒ allfällige frühere Bekundungen sind nicht Gegenstand der An- klage ‒ vorgebracht hat, und dies auch nur im Rahmen eines D isputes gegenüber seinem nicht von den Drohungen betroffenen direkten Vorgesetzten. A usserdem ist aufgrund der Aktenlage nicht auszuschliessen, dass eine wiederholt mangelhafte Ko mmunikation seitens der Verant- wortlichen bei der G.____ zur Eskalation beigetragen ha ben könnte. In Anbetracht hiervon ist die objektive Tatschwere nach Dafürhalten des Kantonsgerichts noch als leicht einzustufen. d) In subjektiver Hinsicht ist zu erwägen, dass dem Beschuld igten nur ein eventualvorsätzli- ches Handeln anzulasten ist. So hat er die inkriminiert en Äusserungen nicht direkt an die drei Betroffenen gerichtet, sondern diese lediglich im Rahme n einer verbalen Auseinandersetzung im kleinen Kreis gegenüber E.____ vorgebracht. Ausserd em hat er in der Vergangenheit E.____ gegenüber sowohl in Bezug auf den Wortlaut wie auch den Adressatenkreis bereits ähnliche Aussagen gemacht, welche von diesem nicht weiterg etragen worden sind. Da es sich allerdings bei E.____ nicht bloss um einen Arbeitskolle gen oder gar einen persönlichen Freund des Beschuldigten, sondern um dessen direkten Vorgesetzten gehandelt hat, und die drei von den Drohungen betroffenen, namentlich genannten Perso nen wiederum Vorgesetzte von E.____ im gleichen Betrieb gewesen sind, besteht kein Zweifel, dass der Beschuldigte ange- Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichts der im Raume stehenden massiven Drohungen, der von E.____ glaubhaft beschriebenen eindringlichen Begleitumstände sowie des hohen Konkreti sierungsgrades der Äusserungen zumindest damit hat rechnen müssen, dass seine Aussagen a n die Adressaten weitergeleitet werden. Diese Umstände sind leicht entlastend zu werten. e) Im Resultat ist das Tatverschulden von D.____ als sehr le icht zu qualifizieren, was unter Beachtung des abstrakten Strafrahmens zu einer schuldangem essenen tatbezogenen Strafe von 40 Strafeinheiten führt. In Bezug auf die Wahl de r Sanktionsart ist festzuhalten, dass be- züglich der vorliegend zu beurteilenden Tathandlung un ter Berücksichtigung der Zweckmässig- keiten von Freiheits- und Geldstrafe sowie der damit verbundenen präventiven Effizienz auf den Täter unter Einbezug aller relevanten Umstände und n amentlich angesichts dessen Vorstrafen- losigkeit kein Grund ersichtlich ist, von der prioritär anzuordnenden Geldstrafe abzuweichen. Somit ist im Resultat eine hypothetische Strafe von 40 Tagessätzen Geldstrafe festzusetzen. f) In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob diese tat bezogene hypothetische Strafe auf- grund der besonderen Täterkomponenten ‒ umfassend die Faktoren Vorleben, persönliche Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Straf verfahren ‒ anzupassen ist. In diesem Zusammenhang ist zu erwägen, dass der Beschuldigte am 1.__ __ in J.____ geboren und zu- sammen mit vier Geschwistern bei seiner Familie hauptsächl ich in K.____ aufgewachsen ist. Nach der obligatorischen Schulzeit hat der Beschuldigt e eine Lehre als Maurer abgeschlossen und rund drei Jahre auf dem Beruf gearbeitet, bevor er seine Stelle bei der L.____ (später G.____) angetreten hat. Diese Stelle ist ihm aufgrund der vorliegend zu beurteilenden Vorwürfe fristlos gekündigt worden. Zum heutigen Zeitpunkt arbe itet der Beschuldigte in Bern bei einer Firma für Kabelschutz und erzielt dabei ein steuerbares Einkommen von ca. CHF 55'000.-- pro Jahr (Protokoll KG S. 2). Schulden oder Betreibungen sind keine mehr ausgewiesen. In familiä- rer Hinsicht ist zu bemerken, dass der Beschuldigte geschied en ist, keine Kinder, aber eine Freundin hat. Eine besondere Strafempfindlichkeit ist n icht zu erkennen. Hinsichtlich des Ge- sundheitszustandes des Beschuldigten ist zu erwähnen, dass dieser seit seiner Geburt an einer extremen Kurzsichtigkeit leidet. Vorstrafen liegen kein e vor. Zu berücksichtigende Reue oder Einsicht werden nicht vorgebracht. Dies alles ist soweit neutral zu werten. Infolgedessen erweist sich aufgrund der besonderen Täterkomponenten keine Anpa ssung der tatbezogenen hypothe- tischen Strafe als angezeigt. Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht g) Im Hinblick auf tat- und täterunabhängige Strafzumess ungsfaktoren (Verletzung des Be- schleunigungsgebotes nach Art. 5 StPO; Zeitablauf gemä ss Art. 48 lit. e StGB) ist Folgendes festzustellen: Das Beschleunigungsgebot (Art. 5 StPO, A rt. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK) verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren vor anzutreiben, um die beschuldigte Per- son nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwür fe im Ungewissen zu lassen. Es gilt für das ganze Verfahren. Welche Verfahrensdauer angemessen ist, hängt praxisgemäss (vgl. zum Ganzen BGer 6B_1168/2020 vom 11. Oktober 2022 E. 2. 4.2) von den konkreten Umständen ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Kriteri en sind etwa die Schwere des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die gebotenen Untersuch ungshandlungen, die Schwierigkeit und Dringlichkeit der Sache, das Verhalten der Behörd en und dasjenige der beschuldigten Per- son sowie die Zumutbarkeit für diese. Es ist im Sinne ei ner Gesamtbetrachtung zu prüfen, ob die Strafbehörden das Verfahren innert angemessener Frist geführt haben. Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots führt nach der bundesgerichtlichen R echtsprechung zu einer Strafre- duktion, zu einer Strafbefreiung bei gleichzeitiger Sch uldigsprechung oder in extremen Fällen ‒ als ultima ratio ‒ zur Einstellung des Verfahrens (BGE 143 IV 49 E. 1.8. 2; 133 IV 158 E. 8, mit Hinweisen). In casu hat bereits die Vorinstanz ‒ was seitens der Staatsanwaltschaft nicht be- stritten wird ‒ zu Recht darauf hingewiesen, dass das Verfahren im Umfang von annähernd vier Jahren bis zum erstinstanzlichen Urteil angesichts des abzu klärenden, relativ simplen Sachver- haltes, der überschaubaren Anzahl an Verfahrenshandlungen sowie unter Berücksichtigung der aus dem Verfahren fliessenden psychischen und beruflichen Auswirkungen auf den Beschuldig- ten insgesamt deutlich zu lange gedauert hat. Namentli ch ist nicht nachvollziehbar, weshalb es rund sieben Monate gebraucht hat seit der Rückweisung der Anklage durch das Strafgericht an die Staatsanwaltschaft am 6. Mai 2021 bis zur Einreichu ng der nachgebesserten Anklage am 1. Dezember 2021. Dies gilt umso mehr, als in dieser Zei t als erkennbare Verfahrenshandlung lediglich die vierseitige Anklageschrift im gleichbleiben den Umfang neu redigiert worden ist. Hinzu kommt, dass die Strafuntersuchung bereits per Ende April 2019 weitgehend abgeschlos- sen gewesen ist und danach mit der Ausnahme einer ein zelnen Zeugeneinvernahme am 27. November 2019 kaum mehr Verfahrenshandlungen statt gefunden haben. Dieser Verstoss gegen das Beschleunigungsgebot stellt eine klare Verletzung des Rechts des Beschuldigten auf ein faires Verfahren nach Art. 6 Abs. 1 EMRK dar und ist entsprechend den Erwägungen des Vorderrichters mit einer Reduktion der tat- und täter bezogenen hypothetischen Strafe um 50 % Rechnung zu tragen. Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht h) Damit erscheint in Würdigung sämtlicher Tat- und Täte rkomponenten sowie der tat- und täterunabhängigen Strafzumessungsfaktoren eine Geldstra fe von 20 Tagessätzen als ange- messen. Bezüglich der Höhe des einzelnen Tagessatzes ist in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 StGB gestützt auf die aktuellen persönlichen und wirtsch aftlichen Verhältnisse des Beschuldig- ten ein Ansatz von CHF 110.-- festzulegen, wie dies bereits die Vorinstanz getan hat, zumal von Seiten des Berufungsklägers hiergegen keine substantiier ten Einwendungen vorgebracht wor- den sind. Bei diesem Strafmass ist der bedingte Strafv ollzug nach Art. 42 Abs. 1 StGB möglich und vorliegend zwingend zu gewähren. Die Probezeit ist auf das gesetzliche Minimum von zwei Jahren festzulegen (Art. 44 Abs. 1 StGB). Diese Strafe hat der Beschuldigte durch die von ihm ausgestandene Untersuchungshaft von 26 Tagen bereits vollständig verbüsst (Art. 51 StGB). i) Zusammenfassend ist damit der Beschuldigte in Abweisung seiner entsprechenden Beru- fung und folglich in Bestätigung des angefochtenen Urt eils der Drohung nach Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig zu erklären und ‒ bei einer Probezeit von zwei Jahren ‒ zu einer bedingt voll- ziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu jeweils CHF 110.-- zu verurteilen. 6. Zivilforderungen 6.1 Privatklägerschaft Im Hinblick auf die vom Beschuldigten als Folge des von ihm beantragten Freispruchs begehrte Abweisung der unbezifferten Zivilforderungen der Priva tklägerschaft ‒ anstelle deren Verwei- sung auf den Zivilweg ‒ ist zu konstatieren, dass angesichts der mit vorliegendem Entscheid zu bestätigenden Verurteilung keine Veranlassung besteht, die diesbezüglichen vorderrichterlichen Erkenntnisse aufzuheben oder abzuändern. Demnach ist in Abweisung der Berufung des Be- schuldigten Dispositiv-Ziffer 4 des angefochtenen Urteil s, wonach die unbezifferten Zivilforde- rungen der Privatkläger A.____, B.____ und C.____ in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 StPO auf den Zivilweg zu verweisen sind, ohne Weiteres zu bestätigen. Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Beschuldigter Gleichermassen besteht gestützt auf den vorliegenden Ver fahrensausgang keine Veranlas- sung, die dem Beschuldigten erstinstanzlich zugesprochene Ge nugtuung für die ausgestande- ne und nicht mit der verhängten Strafe verrechenbare , mithin ungerechtfertigte Haft im Umfang von sechs Tagen zu jeweils CHF 200.--, d.h. insgesamt CHF 1'200.--, plus 5 % Zins seit dem 10. September 2018 zu erhöhen. Aus dem gleichen Grund erübrigen sich ausserdem weiterge- hende Ausführungen zu dem vom Beschuldigten aufgrund der erlittenen Lohn- und Erwerbs- einbussen geforderten Schadenersatz in der Höhe von CH F 34'412.60 zuzüglich 5 % Zins seit dem 24. September 2018. Demzufolge ist in Abweisung d er Berufung des Beschuldigten auch Dispositiv-Ziffer 5 des angefochtenen Urteils, wonach ih m lediglich unter dem Titel der Genug- tuung nach Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO, nicht aber un ter demjenigen der Entschädigung für wirt- schaftliche Einbussen gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO, e in Betrag in der Höhe von total CHF 1'200.-- zuzüglich Zins zu 5 % ab dem 10. September 2018 zuerkannt worden ist, zu be- stätigen. 7. Kostenfolge 7.1 Strafgericht a) Nach Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Perso n die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Gestützt auf Art. 426 Abs. 3 lit. a St PO trägt die beschuldigte Person die Verfah- renskosten nicht, die der Bund oder der Kanton durch un nötige oder fehlerhafte Verfahrens- handlungen verursacht hat. Dies ist praxisgemäss etwa dann der Fall, wenn ein Gericht ein ma- terielles oder formelles Recht verletzt hat, wenn wegen Formfehlern Verfahrenshandlungen wiederholt werden müssen oder aufgrund einer Verletzun g des rechtlichen Gehörs zusätzlicher Aufwand entsteht. Zu denken ist dabei an Fälle, in de nen Zeugenbefragungen oder Gutachten unverwertbar sind, weil die Behörde die erforderliche Ermahnung unterlassen hat. Entstehen aufgrund behördlichen Verhaltens unverhältnismässig hohe Kosten, liegt ebenfalls ein Anwen- dungsfall vor. Als unverhältnismässig wären etwa Gutacht erkosten zu werten, wenn sie den Rahmen des Üblichen krass übersteigen bzw. wenn zur Abklärung eines Bagatellfalles ein sehr kostspieliges Gutachten erstellt wurde (YVONA GRIESSER , in: Zürcher Kommentar zur Schweize- Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht rischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 18 zu Art. 426 StPO, mit Hinweisen). Angesichts der mit vorliegendem Urteil zu bestätigenden verurteilenden Erkennt- nisse des Vorderrichters besteht grundsätzlich keine Veranl assung, an der erstinstanzlichen Kostenverteilung eine Änderung vorzunehmen, zumal wede r eine nicht durch das kausale Ver- halten des Beschuldigten verursachte und mittels unnötig er Verfahrenshandlungen aufgeblähte Verfahrensführung noch eine Verletzung des Äquivalenzprinzips ersichtlich wäre. Namentlich in Bezug auf die Kosten des forensisch-psychiatrischen Gutacht ens vom 21. September 2018 ‒ welches betragsmässig den höchsten Anteil an den vorinstan zlichen Kosten ausmacht ‒ ist festzustellen, dass es vorliegend angesichts der sich akzentui erenden Todesdrohungen kei- neswegs um die Beurteilung eines Bagatelldeliktes gega ngen ist und sich die entsprechenden Kosten (CHF 9'044.--) zudem im üblichen Rahmen bewegen , zumindest aber nicht übermässig hoch ausgefallen sind. Hieran ändert auch nichts, dass das fragliche Gutachten bei der Verur- teilung schlussendlich keine namhafte Rolle gespielt ha t. Entscheidend ist vielmehr, dass es zum Zeitpunkt seiner Erstellung fraglos zweckmässig gewesen ist und überdies hinsichtlich der Risikoeinschätzung sowie bezüglich der Ausführungsgefahr im Zusammenhang mit der Weiter- führung der Untersuchungshaft eine entscheidrelevante F unktion (zu Gunsten des Beschuldig- ten) gehabt hat. Einzig in Bezug auf die Rechnung de s Institutes für Rechtsmedizin der Univer- sität Basel vom 6. September 2018 im Umfang von CHF 560.-- (act. 917 f.) für das gleichentags erstellte forensisch-toxikologische Gutachten (act. 589 ff.) ist festzuhalten, dass dieses Gutach- ten auf der Grundlage eines offensichtlich falschen posi tiven Resultats eines Drogenschnell- tests in Auftrag gegeben worden ist (act. 551). Folgli ch handelt es sich hierbei ohne Zweifel um eine unnötige Verfahrenshandlung, deren Kosten nicht vom Beschuldigten zu übernehmen sind. Im Ergebnis sind damit die erstinstanzlichen Verfahr enskosten im Umfang von insgesamt CHF 17'350.45, bestehend aus den Kosten des Vorverfahre ns von CHF 14'850.45, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von CHF 500.-- und der Geri chtsgebühr von CHF 2’000.--, vom Beschuldigten gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO in der Hö he von CHF 16'790.45 zu tragen. Die restlichen Verfahrenskosten im Betrag von CHF 560. -- gehen hingegen gestützt auf Art. 426 Abs. 3 lit. a StPO zu Lasten des Staates. b) Im Hinblick auf die erstinstanzlichen Parteikosten ist zu er wägen, dass der Beschuldigte aufgrund der zu bestätigenden Verurteilung keinen Ansp ruch auf Entschädigung seiner Auf- wendungen für die angemessene Ausübung seiner Verfah rensrechte im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat, wie er dies in seiner Berufung im Umfang der von ihm begehrten unge- Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht kürzten Parteientschädigung für den beigezogenen Wahlvert eidiger gemäss der vor der Erstin- stanz eingereichten Honorarnote beantragt hat. 7.2 Kantonsgericht a) Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Gestützt auf den vorliegenden Verfahrens- ausgang ‒ indem die Berufung des Beschuldigten lediglich insofe rn teilweise gutzuheissen ist, als die von ihm zu bezahlenden Kosten des Vorverfahrens um den Betrag von CHF 560.-- re- duziert werden, im Übrigen jedoch dessen Rechtsmittel a bgewiesen wird ‒ rechtfertigt es sich, die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der H öhe von CHF 2'500.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 2'400.-- sowie Auslagen von CHF 10 0.--) im Umfang von neun Zehntel (= CHF 2'250.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umf ang von einem Zehntel (= CHF 250.--) zu Lasten des Staates zu verteilen. Der Beschuldigte wird darauf hingewiesen, dass es ihm g estützt auf Art. 425 StPO in Verbin- dung mit § 5 Abs. 1 bis Abs. 3 GebT unbenommen bleibt , im Hinblick auf die auferlegten (erst- und zweitinstanzlichen) Verfahrenskosten beim zuständigen Kantonsgerichtspräsidium ein be- gründetes Gesuch um nachträglichen (Teil-)Erlass dieser Kosten zu stellen. b) In Bezug auf die ausserordentlichen Kosten des Rechtsmi ttelverfahrens ist zu erkennen, dass dem Beschuldigten angesichts seines teilweise Obsiege ns in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine pauschale Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt CHF 323.10 (CHF 300.-- pauschaler Aufwand inklusive Hauptverhandlun g, Weg, Auslagen und CHF 23.10 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet wird. Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Land schaft vom 9. August 2022, lautend: "1. D.____ wird der Drohung schuldig erklärt und veru rteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätz en zu je CHF 110.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 47 StG B und Art. 6 Ziff. 1 EMRK. 2. Das Verfahren betreffend Widerhandlung gegen das Waffen- gesetz wird aufgrund des Eintritts der Verjährung eingestellt. 3. (...) 4. Die unbezifferten Zivilforderungen der Privatkläge r A.____, B.____ und C.____ werden in Anwendung von Art. 126 A bs. 2 StPO auf den Zivilweg verwiesen. 5. D.____ wird in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit . c StPO für die vorläufige Festnahme und ausgestandene Untersuchungs- haft eine Genugtuung im Umfang von CHF 1’200.-- (6 x 200.--) zuzüglich 5% Zins ab dem 10. September 2018 zugesprochen. 6. D.____ wird in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit . a StPO eine pauschale Entschädigung für den beigezogenen Wahlvertei di- ger in Höhe von CHF 400.-- (inklusive Auslagen) zuzügli ch 7.7 % Mehrwertsteuer, total CHF 430.80, zugesprochen. 7. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vor ver- fahrens von CHF 14'850.45, den Kosten des Zwangsmass- nahmengerichts von CHF 500.-- und der Gerichtsgebühr von CHF 2’000.--. Der Beurteilte trägt die Verfahrenskost en in An- wendung von Art. 426 Abs. 1 StPO. Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründet es Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtli che Ge- bühr auf CHF 1'000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). Die gemäss Ziff. 6 vorstehend zugesprochene Entschädigun g nach Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO wird gemäss Art. 442 Abs. 4 in Verbindung mit Art. 268 StPO mit den vom Beurteilte n ge- schuldeten Verfahrenskosten verrechnet." wird von Amtes wegen in Ziffer 1 ergänzt sowie in teilweiser Gut- heissung der Berufung des Beschuldigten in Ziffer 7 wie folgt neu gefasst : 1. D.____ wird der Drohung schuldig erklärt und verurteil t zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätze n zu je CHF 110.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, unter Anrechnung der vom 29. August 2018 bis zum 24. September 2018 ausgestandenen Untersuchungshaft im Umfang von 26 Tagen , in Anwendung von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 47 StGB, Art. 51 StGB und Art. 6 Ziff. 1 EMRK. 7. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vor ver- fahrens von CHF 14'850.45, den Kosten des Zwangsmass- nahmengerichts von CHF 500.-- und der Gerichtsgebühr von CHF 2’000.--. Der Beschuldigte trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten im Umfang von CHF 16'790.45. Die restlichen Verfahrenskosten im B etrag von CHF 560.-- gehen gestützt auf Art. 426 Abs. 3 li t. a StPO zu Lasten des Staates. (...) Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Übrigen wird das vorinstanzliche Urteil unverändert zum Bestandteil dieses Urteils erklärt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 2'500.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 2'400. -- sowie Auslagen von CHF 100.--) gehen im Umfang von neun Zehn tel (= CHF 2'250.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umfa ng von einem Zehntel (= CHF 250.--) zu Lasten des Staates. III. Dem Beschuldigten wird für das Berufungsverfahre n eine pauschale Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt CHF 323.1 0 (inklu- sive Hauptverhandlung, Weg, Auslagen und CHF 23.10 Mehr wert- steuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann Gegen diesen Entscheid hat der Beschuldigte beim Bunde sgericht Beschwerde in Strafsa- chen erhoben (Verfahren 6B_1355/2023)