<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 90 S.409</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Umlegungsrecht</span> <span class="page_no">409</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Umlegungsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>90</b></span> <span class="ft3"><b>Ausstandsvorschriften und Zusammensetzung der Ausführungskommis-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sion</b></span><br/> <span class="ft3"><b>-</b></span> <span class="ft3"><b>Anschein der Befangenheit, wenn ein Mitglied der Ausführungskom-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mission Arbeitnehmer oder Verwaltungsrat des projektverantwortli-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chen Ingenieurbüros ist.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Vorschriftswidrige</b></span> <span class="ft3"><b>Konstituierung</b></span> <span class="ft3"><b>der</b></span> <span class="ft3"><b>Ausführungskommission,</b></span> <span class="ft3"><b>falls</b></span><br/> <span class="ft3"><b>drei Mitglieder ein persönliches Interesse an der Landumlegung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>haben (§ 5 Abs. 1 LEV).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft4">29. März 2005 in Sachen W. gegen Landumlegung M.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">4.4.3.</span> <span class="ft6">Im vorliegenden Fall ist das persönliche Interesse im</span><br/> <span class="ft6">Sinne von § 3 lit. c ZPO in Verbindung mit § 5 Abs. 2 VRPG zu</span><br/> <span class="ft6">bejahen, da X. als Verwaltungsrat der I. AG eine gewisse Be-</span><br/> <span class="ft6">ziehungsnähe zum Streitgegenstand hat. Ein objektiver Anhaltspunkt</span><br/> <span class="ft6">für die Befangenheit ist gegeben, da anzunehmen oder zumindest</span><br/> <span class="ft6">nicht von der Hand zu weisen ist, dass ein Arbeitnehmer bzw. ein</span><br/> <span class="ft6">Verwaltungsratsmitglied bei der Auswahl verschiedener Varianten -</span><br/> <span class="ft6">eine begründete Einsprache stellt immer eine Variante zum auf-</span><br/> <span class="ft6">gelegten Umlegungsplan dar - die Interessen des eigenen Arbeitge-</span><br/> <span class="ft6">bers unterstützt, um letztlich von dessen Wohlergehen auch zu</span><br/> <span class="ft6">profitieren (in diesem Sinne auch ein Entscheid des Regierungsrates</span><br/> <span class="ft6">vom 23. Oktober 2002 [Art. Nr. 2002-001625] in Sachen O., S. 4, wo</span><br/> <span class="ft6">eine Gemeinderätin im Zusammenhang mit der Bewilligung einer</span><br/> <span class="ft6">von ihrem Arbeitgeber verfassten Projektvariante für befangen</span><br/> <span class="ft6">befunden wurde). Ob im Ergebnis tatsächlich ein Vorteil für den Ar-</span><br/> <span class="ft6">beitgeber resultiert, weil beispielsweise eine nicht nach effektivem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">410</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Aufwand abrechenbare Überarbeitung des Planes vermieden wird</span><br/> <span class="ft6">(...) oder eine Anfechtung des Kostenbetreffnisses des Ingenieurbü-</span><br/> <span class="ft6">ros abgewiesen wird, muss nicht dargetan werden. Es genügt der ob-</span><br/> <span class="ft6">jektive Umstand, dass sich das Behördenmitglied bewusst oder unbe-</span><br/> <span class="ft6">wusst an das Arbeitsergebnis seiner Arbeitgeberin gebunden fühlen</span><br/> <span class="ft6">könnte (...). Der Nachweis eines objektiv begründeten Anscheins</span><br/> <span class="ft6">von Befangenheit ist daher erbracht.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">6.3.</span> <span class="ft6">Die Vorschrift in § 5 Abs. 1 LEV verdeutlicht, dass</span><br/> <span class="ft6">es zulässig ist, dass die Ausführungskommission aus Mitgliedern be-</span><br/> <span class="ft6">steht, die ein persönliches Interesse an der Landumlegung haben. Al-</span><br/> <span class="ft6">lerdings darf die Mehrheit, d.h. bei einer fünfköpfigen Ausführungs-</span><br/> <span class="ft6">kommission drei Mitglieder, kein persönliches Interesse an der Land-</span><br/> <span class="ft6">umlegung haben. Zu dieser Mehrheit ohne persönliches Interesse</span><br/> <span class="ft6">muss auch der Präsident oder die Präsidentin gehören.</span><br/> <span class="ft6">6.4.1.</span> <span class="ft6">Es stellt sich somit die Frage, unter welchen Umstän-</span><br/> <span class="ft6">den ein "persönliches Interesse an der Landumlegung" zu bejahen ist.</span><br/> <span class="ft6">Zweifellos liegt ein persönliches Interesse bei unmittelbarer (direk-</span><br/> <span class="ft6">ter) Betroffenheit vor. Eine solche unmittelbare Betroffenheit besteht</span><br/> <span class="ft6">für alle Grundeigentümer im Umlegungsperimeter (...). Sind sie von</span><br/> <span class="ft6">einem Einspracheentscheid unmittelbar selbst betroffen, so haben sie</span><br/> <span class="ft6">im konkreten Einzelfall in den Ausstand zu treten. Es haben die Aus-</span><br/> <span class="ft6">standsbestimmungen in § 5 VRPG in Verbindung mit §§ 2 und 3</span><br/> <span class="ft6">ZPO grundsätzlich auch für Mitglieder der Ausführungskommission</span><br/> <span class="ft6">mit persönlichem Interesse an der Landumlegung zu gelten (vgl.</span><br/> <span class="ft6">dazu auch den Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommis-</span><br/> <span class="ft6">sion GR.2002.50006 vom 25. März 2004 in Sachen P.S. gegen BVG</span><br/> <span class="ft6">U., S. 11 ff.).</span><br/> <span class="ft6">6.4.2.</span> <span class="ft6">Weniger klar ist, ob persönliche Interessiertheit auch</span><br/> <span class="ft6">dann anzunehmen ist, wenn eine mittelbare Betroffenheit infolge</span><br/> <span class="ft6">anderer Umstände gegeben ist. Es ist nahe liegend, den Begriff des</span><br/> <span class="ft6">"persönlichen Interesses" hier gleich auszulegen wie im Zusammen-</span><br/> <span class="ft6">hang mit dem allgemeinen Tatbestand der Befangenheit. (...)</span><br/> <span class="ft6">6.4.3.</span> <span class="ft6">Sachgerecht erscheint dieser Gleichlauf von</span><br/> <span class="ft6">Konstituierungsvoraussetzungen in § 5 Abs. 2 LEV und Ausstands-</span><br/> <span class="ft6">gründen gemäss §§ 2 und 3 ZPO auch im Ergebnis. Wird der Ableh-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Umlegungsrecht</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">nungsgrund der Befangenheit infolge des Arbeitsverhältnisses zwi-</span><br/> <span class="ft6">schen X. und dem projektverantwortlichen Ingenieurbüro bejaht, so</span><br/> <span class="ft6">muss er in allen Fragen, in denen Planungsunterlagen seines</span><br/> <span class="ft6">Arbeitgebers zu beurteilen sind, in den Ausstand treten. Unter diesen</span><br/> <span class="ft6">Umständen ist der Einsitz in der Ausführungskommission wenig</span><br/> <span class="ft6">zweckmässig. Vor allem aber ist zu beachten, dass er nicht die Funk-</span><br/> <span class="ft6">tion des Präsidenten der Ausführungskommission übernehmen darf.</span><br/> <span class="ft6">Der Wortlaut von § 5 Abs. 2 LEV ist diesbezüglich eindeutig: Eine</span><br/> <span class="ft6">Mehrheit, <i>mit Einschluss</i> des Präsidenten, darf kein persönliches</span><br/> <span class="ft6">Interesse an der Landumlegung haben.</span><br/></div> </div> </body> </html>