B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Das BGer ist mit Entscheid vom 14.10.2020 auf die Beschwerde nicht eingetreten (2C_841/2020) Abteilung I A-5744/2019 U r t e i l v o m 2 6 . A u g u s t 2 0 2 0 Besetzung Richterin Marianne Ryter (Vorsitz), Richterin Sonja Bossart Meier, Richterin Annie Rochat Pauchard, Gerichtsschreiberin Tanja Petrik-Haltiner. Parteien A._______, (…) vertreten durch Dr. Marcel R. Jung, FRORIEP Legal AG, Bellerivestrasse 201, Postfach 3084, 8034 Zürich, Beschwerdeführer, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Dienst für Informationsaustausch in Steuersachen SEI, Eigerstrasse 65, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Amtshilfe (DBA CH-ES). A-5744/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Schreiben vom 15. Februar 2019 ersuchte die spanische Agencia Tributaria, Oficina Nacional de Investigación del Fraude, Equipo Central de Información (nachfolgend: AT) die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend: Vorinstanz) gestützt auf Art . 25bis des Abkommens vom 26. April 1966 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und Spanien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen (SR 0.672.933.21; nachfol- gend: DBA CH-ES) um Amtshilfe betreffend B._______ für die Periode vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2014 (mit den beiden Ersuchen […] und […]). Die AT führte dabei Folgendes aus: Our tax services are carrying out an examination into the tax matters of B._______ concerning Individual Income Tax from 2013 to 2014. B._______ has submitted the reporting obligation of assets and rights abroad for years 2013 ([…]) and 2014 ([…] und […]). lt has been revealed in the so -called 'Paradise Papers', where documentation has been pub- lished in the press, the possible existence of a structure in tax havens by A._______ and his wife C._______. The origin of which would be the D._______ Trust at the Caiman Islands. The son of the couple, B._______, appears as beneficiary of the Trust. Through companies registered in Caiman Islands, Panama and The Baha- mas, the trust holds shares of the entities E._______ SA and F ._______ SA. However, no entity of the trust has been listed as the owner of these shares, instead financial entities are listed as formal owners. Among the holders of shares of E._______ SA is I._______ SA. A._______, G._______ and H._______ had bank accounts at I._______ SA. Given the link to the D._______ Trust our tax auditors would like to know whether B._______ had an account at I._______ SA. In the course of the tax proceedings B._______ has provided documenta- tion concerning his bank account at J._______ AG ([…], identified as num- ber […]) during years 2013 and 2014. In the course of the inspection pro- cedure documentation has been requested to the taxpayer however, no information was provided concerning I._______ SA. We ensure that all possible sources of obtaining the information in Spain have been ex- hausted. A-5744/2019 Seite 3 We would be very grateful if you could please pro vide the following infor- mation concerning J._______ AG and I._______ SA for years 2013 and 2014: – The full name of the bank or credit institution as well as its domicile. – Identification of bank accounts in the above mentioned entities held by B._______. – Date of opening and cancellation and dates of granting and revocation of the authorisation. – Closing balance at 31 December and the average balance correspond- ing to the last quarter of the year. – Bank statements of above mentioned bank accounts. – Identification of any other bank account or fixed-term deposits held by B._______ at J._______ AG and I._______ SA as holder, signatory or beneficial owner. – Where appropriate, bank statements of the above bank accounts. The aim of this request is to confirm the documentation provided and verify the existence of other accounts held by B._______ at J._______ AG during 2013 and 2014 and of an account held by B._______ at I._______ SA and the value of assets of B._______ abroad. He must be taxed on his world- wide income and assets. The information requested is essential to estab- lish if B._______ has submitted correctly Individual Income Tax from 2013 to 2014. In addition, our tax auditors are also checking the reporting obli- gation of assets and rights ab road. According to the Spanish law, the as- sets or rights whose ownership, declaration or acquisition does not corre- spond to the income or assets declared by the taxpayer shall be considered unjustified capital gains. Unjustified pecuniary gains will be included in the general taxable base of the tax period in respect of which they are discov- ered. A.b Die ESTV behandelte die beiden Ersuchen in (…) und (…) aufgrund ihres engen sachlichen Zusammenhangs und da sie die gleiche Person betreffen in einem Verfahren ([…]). Mit Editionsverfügungen vom 28. März 2019 ersuchte sie die J._______ SA und die I._______ SA um diverse Informationen und erhielt die entspre- chenden Antworten fristgerecht. Gleichzeitig ersuchte sie darum, die im Ausland ansässigen betroffenen und b eschwerdeberechtigten Personen A-5744/2019 Seite 4 über das laufende Amtshilfeverfahren zu informieren und aufzufordern, eine zur Zustellung bevollmächtigte Person in der Schweiz zu bezeichnen. A.c Die ESTV informierte B._______ mit Notifikationsschreiben v om 14. Juni 2019, zugestellt am 7. August 2019, über das laufende Amtshilfe- verfahren und forderte ihn auf, eine zur Zustellung bevollmächtigte Person in der Schweiz zu bezeichnen . A._______ wurde von der ESTV über sei- nen Rechtsvertreter mit Schreiben vom 18. Juni 2019 über das laufende Amtshilfeverfahren informiert. A.d Mit Stellungnahme vom 19. Juli 2019 ersuchte A._______ als be- schwerdeberechtigte Person um Einsichtnahme in die Verfahrensakten, insbesondere in die Amtshilfeersuchen sowie um Zustellung der Erklärung der AT, dass das Erhältlichkeits- und Subsidiaritätsprinzip gewahrt worden seien. Die ESTV gewährte ihm mit E-Mails vom 20. und 27. August 2019 Einsicht in die Gesuche und in teilweise geschwärzte Verfahrensakten und verwies mit E -Mail vom 26. August 2019 auf die Erklärungen der AT in den Amtshilfeersuchen, deren Gültigkeit sie bestätigte. A.e Die Schlussverfügung vom 30. September 2019 im Verfahren (…), mit welcher die Vorinstanz der AT sodann Amtshilfe betreffend B._______ leis- tete, wurde A._______ mit Verwendung von Pla tzhaltern bzw. unter Nichtoffenlegung gewisser Informationen aus Geheimhaltungsgründen er- öffnet. Vorgesehen wurde die Übermittlung diverser, von der J._______ SA und I._______ SA edierter Unterlagen , in welchen auch A._______ er- wähnt wird. Informationen, welche als nicht amtshilfefähig erachtet wurden und nicht ausgesondert werden konnten, wurden von der ESTV ge- schwärzt. Weiter machte die ESTV die AT darauf aufmerksam, dass die zu übermittelnden Informationen gemäss Art. 25bis Abs. 2 DBA CH-ES nur ein- geschränkt und gemäss den entsprechenden Geheimhaltungsbestimmun- gen verwendet werden dürften. B. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2019 erhebt A._______ (nachfolgend: be- schwerdeberechtigte Person oder Beschwerdeführer) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragt unter Kostenfolgen, die ange- fochtene Schlussverfügung der ESTV (nachfolgend: Vorinstanz) sei aufzu- heben und die Amtshilfe sei dementsprechend zu verweigern. Eventualiter sei das Steueramtshilfeverfahren zu sistieren, bis der Gerichtshof der Eu- ropäischen Union (EuGH) einen Entscheid im Vertragsverletzungsverfah- ren gegen Spanien betreffend «Modelo 720» gefällt habe. A-5744/2019 Seite 5 In prozessualer Hinsicht beantragt er Einsicht in die Beilage 1 zu (…) und in sämtliche Beilagen zu (…). C. Mit Vernehmlassung vom 16. Januar 2020 beantragt die Vorinstanz, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Eventualiter sei sie, inklusive der eventualiter geforderten Sistierung der Amtshilfeverfahren, kostenpflichtig abzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragt sie, die Verfahren A-5727/2019, A -5734/2019, A -5737/2019, A -5738/2019, A -5739/2019, A-5740/2019, A -5741/2019, A -5742/2019, A -5743/2019, A -5744/2019, A-5745/2019 und A -5747/2019 aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen, da sich substantiell dieselben Rechtsfra gen stellten und die verwandten Beschwerdeführenden durch den gleichen Rechtsanwalt ver- treten seien, welcher dieselben Argumente in beinahe identischen Rechts- schriften vorbringe. Unter diesen Umständen dürften deren Interessen als gleichläufig erachtet wer den. Weiter seien keine Geheimhaltungsinteres- sen ersichtlich, die einer Prozessvereinigung entgegenstünden. Die eventualiter geforderte Verfahrenssistierung bis zum Entscheid im Ver- tragsverletzungsverfahren gegen Spanien sei mit Blick auf das Beschleu- nigungsgebot abzulehnen. D. D.a Der Beschwerdeführer stellt mit Eingabe vom 17. Januar 2020 einen Beweisergänzungsantrag bezüglich Publikation der Klage der Europäi- schen Union (EU) gegen Spanien in der Rechtssache C -788/19 im Amts- blatt der EU vom 23. Dezember 2019 (ABl C 432/30). Dieses neue Beweis- mittel sei ins Beschwerdeverfahren einzubeziehen. Die Vorinstanz als zu- ständige Behörde des ersuchten Staats sei anzuweisen, von der AT als zuständiger Behörde des ersuchenden Staats die Übermittlung einer Kopie der Klage der europäischen Kommission vom 23. Oktober 2019 sowie eine Kopie der Klageanwort Spaniens in der Rechtssache C -788/19 zu verlan- gen. Eventualiter sei die Vorinstanz in dieser Funktion anzuweisen, die vor- genannten Dokumente von der europäischen Kommission zu beantragen. D.b Mit Eingabe vom 21. Februar 2020 nimmt die Vorinstanz dazu Stel- lung. E. A-5744/2019 Seite 6 E.a Weiter nimmt die Vorinstanz mit Eingabe vom 6. März 2020 zum Ak- teneinsichtsgesuch Stellung und erklärt, dem Beschwerdeführer als be- schwerdeberechtigter Person praxisgemäss Einsicht in diejenigen Informa- tionen gewährt zu haben, welche ihn direkt beträfen. E.b Mit Zwischenverfügung vom 12. März 2020 heisst das Bundesverwal- tungsgericht das Akteneinsichtsgesuch des Beschwerdeführers teilweise gut und fordert die Vorinstanz auf, di ejenigen Aktenstücke, in welche sie dem Beschwerdeführer bislang keine Einsicht gewährt hat – soweit erfor- derlich geschwärzt oder den wesentlichen Inhalt wiedergebend – einzu- reichen. E.c Dem kam die Vorinstanz mit Schreiben vom 31. März 2020 nach. Diese Zusammenfassung wurde dem Beschwerdeführer mit Instruktions- verfügung vom 8. April 2020 zugestellt mit der Möglichkeit zur Stellung- nahme, welche nicht wahrgenommen wurde. F. Auf weitere Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten befindlichen Dokumente wird – sofern entscheidrelevant – im Rahmen der nachfolgen- den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Die Vereinigung von Verfahren mit einem engen inhaltlichen Zusam- menhang kann aus Gründen der Verfahrensökonomie geboten sein und ist in jedem Verfahrensstadium möglich, wobei seitens der instruierenden Be- hörde ein grosser Ermessensspielraum besteht (vgl. MOSER ET AL., Pro- zessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.17 m.w.H.). Die von der Vorinstanz erwähnten Verfahren (vgl. vorne Sachver- halt Bst. C) betreffen zwar zusammenhängende Rechtsfragen, jedoch sind im vorliegenden Verfahren Daten einer natürlichen Person von der Über- mittlung betroffen, die keine Beschwerde erhoben hat und es ist daher nicht auszuschliessen, dass berechtigte Geheimhaltungsinteressen bestehen. Da somit fraglich ist, ob bei einer Vereinigung alle Akten ohne Einschrä n- kungen zugänglich gemacht werden könnten, ist eine Vereinigung aus pro- zessökonomischer Sicht nicht angezeigt. A-5744/2019 Seite 7 1.2 Dem vorliegenden Verfahren liegen zwei Amtshilfeersuchen der AT ge- stützt auf Art. 25bis DBA-CH ES zugrunde. Die Durchführung der mit die- sem Abkommen vereinbarten Bestimmungen richtet sich nach dem Bun- desgesetz vom 28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersachen (StAhiG, SR 651.1). Zu den beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehören auch Schlussverfügungen der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe (Art. 31 f. des Verwaltungsge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] i.V.m. Art. 5 des Ver- waltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021] und Art. 19 Abs. 5 StAhiG). Die Zuständigkeit des Bundesver- waltungsgerichts zur Behandlung der Beschwerde ist somit gegeben. 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Schlussver- fügung und als beschwerdeberechtigte Person an der Aufhebung der an- gefochtenen Verfügung interessiert und erfüllt damit die Voraussetzungen zur Beschwerdeerhebung (vgl. Art. 19 Abs. 2 StAhiG i.V.m. Art. 48 VwVG). 1.4 Die Beschwerde wurde überdies form - und fristgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 19 Abs. 5 StAhiG). Dem- nach ist darauf einzutreten. 2. Über den prozessualen Antrag betreffend Akteneinsicht wurde bereits mit Zwischenverfügung vom 12. März 2020 entscheiden (vgl. vorne Sachver- halt Bst. E, insbesondere E.b). In materieller Hinsicht bleibt zu prüfen, ob die Vorinstanz den spanischen Amtshilfeersuchen zu Recht stattgegeben hat bzw. ob sich die angefochtene Schlussverfügung als bundesrechtskon- form erweist. D er Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, die von der AT verlangten Informationen seien nicht voraussichtlich erheblich und es liege eine unzulässige «fishing expedition» vor (vgl. E. 4). Weiter seien das Prinzip der Subsidiarität (vgl. E. 5) sowie das Erhältlichkeits- und Reziprozitätsprinzip (vgl. E. 6) nicht gewahrt. 3. 3.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steuer- sachen gegenüber Spanien ist für die fraglichen Steuerperioden 2013 und 2014 Art. 25bis DBA CH-ES sowie Ziff. IV des dazugehörigen Protokolls vom 29. Juni 2009 in den geltenden Fassungen gemäss Art. 9 bzw. Art. 10- 12 des Änderungsprotokolls vom 27. Juli 2011, von der Bundesversamm- lung genehmigt am 15. Juni 2012, in Kraft seit 24. August 2013 und im Fall von Einkommens - und Vermögenssteuern Anwendung findend auf die A-5744/2019 Seite 8 Steuerjahre seit 1. Januar 2010 (Art. 13 Abs. 2 Bst. [iii] des Änderungspro- tokolls, AS 2013 2365 2375 f.; BBl 2011 9153). Gemäss Art. 25 bis Abs.1 DBA CH-ES tauschen die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten die- jenigen Informationen aus, die zur Durchführung des Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts über Steuern jeder Art und Bezeichnung, die für Rechnung der Vertragsstaaten, ihrer po- litischen Unterabteilungen oder lokalen Körperschaften erhoben werden, voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Be- steuerung nicht dem Abkommen widerspricht. Der Informationsaustausch ist dabei durch die Art. 1 und 2 DBA CH-ES nicht eingeschränkt. 3.2 Im Rahmen der internationalen Behördenzusammenarbeit besteht grundsätzlich kein Anlass, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip). Die Vorinstanz ist deshalb an die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüchen sofort entkräftet werden kann. Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat abgegebenen Erklärungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der ersuchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen. Es liegt da- bei an der beschwerdeführenden Person, den Sac hverhalt mittels Urkun- den klarerweise und entscheidend zu widerlegen (vgl. zum Ganzen statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 4.2 mit Hinwei- sen). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, das Amtshilfeersuchen stelle eine unzulässige Beweisausforschung dar, weil die AT die ersuchten Infor- mationen nicht (ausreichend) konkretisiere. Es handle sich um ein speku- latives Ersuchen, das keinen offensichtlichen Bezug zur laufenden Steuer- untersuchung der vom Amtshilfeersuchen betroffenen Person habe. 4.2 4.2.1 Das Verbot der Beweisausforschung ist Ausdruck des Verhältnis- mässigkeitsgrundsatzes. Es sollen soweit als möglich relevante Informati- onen ausgetauscht werden können, ohne dass ein Vertragsstaat « fishing expeditions» eines anderen Staates unterstützen oder Informationen lie- fern muss, deren Relevanz unwahrscheinlich ist (BGE 144 II 206 E. 4.2 sowie statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.1 mit Hinweisen). A-5744/2019 Seite 9 Dementsprechend hält Ziff. IV Abs. 3 des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH- ES fest, dass der Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraus- sichtlich erheblich sind, darin besteht, einen möglichst weit gehenden In- formationsaustausch in Steuerbelangen zu gewährleisten, ohne den Ver- tragsstaaten zu erlauben, «fishing expeditions» zu betreiben oder um In- formationen zu ersuchen, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbe- lange einer bestimmten steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist. Abs. 2 sieht zwar wichtige verfahrenstechnische Voraussetzungen für die Vermeidung von «fishing expeditions» vor; seine Bst. a-e sind jedoch nicht so auszulegen, dass sie einen wirksamen Informationsaustausch behin- dern. Weiter besteht nach Ziff. IV Abs. 2 des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH-ES Einvernehmen darüber, dass die Steuerbehörden des ersuchenden Staa- tes bei der Stellung eines Amtshilfebegehrens nach 25bis DBA CH-ES den Steuerbehörden des ersuchten Staates die nachstehenden Angaben zu liefern haben: – a) die Identität der in eine Überprüfung oder Untersuchung einbezoge- nen Person; – b) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden; – c) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hin- sichtlich der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen vom ersuchten Staat zu erhalten wünscht; – d) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden; – e) soweit bekannt, den Namen und die Adresse des mutmasslichen In- habers der verlangten Informationen. 4.2.2 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be- steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re- gel nur der ersuchende S taat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er- suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög- licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen statt vieler BGE 144 II 29 E. 4.2.2, BGE 142 II 161 E. 2.1.1 je mit weiteren Hinweisen sowie Urteil A-5744/2019 Seite 10 des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinwei- sen). Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begründung, die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur ver- weigern, wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich erscheint (vgl. statt vieler BGE 143 II 185 E. 3.3.2, BGE 141 II 436 E. 4.4.3 mit weiteren Hinweisen und Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Kriterium der voraussicht- lichen Erheblichkeit auch Art. 26 Abs. 1 des Musterabkommens der Orga- nisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [OECD] zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen). In letzterem Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach Infor- mationen, welche voraussichtlich nicht erheblich sind, nicht übermittelt werden dürfen (statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Art. 4 Abs. 3 StAhiG). Keine Rolle spielt dagegen, wenn sich nach der Beschaffung der Informationen herausstellt, dass diese nicht relevant sind (BGE 143 II 185 E. 3.3.2 mit Hinweisen, zit. in Urteil des BGer 2C_615/2018 vom 26. März 2019 E. 3.2). 4.2.3 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist demnach erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn erheblich erweisen werden. Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Un- terlagen oder Auskünften muss sich bereits aus dem Amtshilfegesuch er- geben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und Urteil des BVGer A -5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.3, je mit Hinweisen). Soweit die Behörden des ersuchenden Staates verpflichtet sind, den massgeblichen Sachverhalt darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und Zweck der Amtshilfe nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und Unterlagen, die sich im e rsuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln ge- bliebene Punkte erst noch geklärt werden. Daher ist gemäss Rechtspre- chung von der ersuchenden Behörde nicht der strikte Beweis des Sachver- halts zu verlangen, doch muss sie hinreichende Verdachtsmomente für dessen Vorliegen dartun (statt vieler Urteil des BVGer A -5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.3 mit Hinweisen). 4.2.4 Informationen können im abkommensrechtlichen Sinne nur dann als voraussichtlich erheblich qualifiziert werden, wenn sie (unter anderem oder ausschliesslich) Personen betreffen, deren unbeschränkte oder be- schränkte Steuerpflicht im ersuchenden Staat während der massgebenden A-5744/2019 Seite 11 Zeitspanne wahrscheinlich ist. Dafür genügt bereits, dass der ersuchende Staat Anhaltspunkte nennt, die eine beschränkte oder unbeschränkte Steu- erpflicht der betroffenen Person in diesem Staat begründen könnten (vgl. Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.4 mit Hinweis). 4.3 4.3.1 Aus dem in den Ersuchen dargelegten und grundsätzlich unbestrit- tenen Sachverhalt geht hervor, dass die AT eine Steuerprüfung bei B._______ als betroffener Person für die Jahre 2013 und 2014 durchführt. Dabei sei dieser seiner Offenlegungspflicht betreffend Vermögen und Ein- nahmen im Ausland nur unzureichend nachgekommen, indem er lediglich die Nummer ein es Bankontos, jedoch keine entsprechenden Unterlagen übermittelt habe, weshalb sie die Existenz von zusätzlichen Konti bei der fraglichen Bank sowie bei einer weiteren Bank überprüfen wolle, zu denen einige andere Familienmitglieder Beziehungen hätten. Die AT erklärt, die- ses Vorgehen sei aufgrund der engen finanziellen Verbindung in der Fami- lie, u.a. zu einem Trust, gerechtfertigt. Das Ersuchen diene der Ermittlung der weltweiten Besteuerungsgrundlagen der betroffenen Person. 4.3.2 Die betroffene Person hat ihre Einkommens- und Vermögenssitua- tion im fraglichen Zeitraum nicht vollständig offengelegt bzw. nicht korrekt deklariert, indem sie lediglich die Nummer eines Bankkontos, jedoch keine entsprechenden Unterlagen übermittelt hat. Aufgrund der engen finanziel- len Verbindung in der Familie, u.a. zum fraglichen Trust, erscheint das Vor- gehen der AT, die Existenz von Geschäftsverbindungen zu einer weiteren Bank überprüfen zu wollen, zu denen einige andere Familienmitglieder Be- ziehungen haben, gerechtfertigt. Den Ersuchen liegen somit konkrete Ver- dachtsmomente zugrunde, welche die Existenz von Konti der betroffenen Person bei den fraglichen Banken nahelegen. Die AT legt sodann nachvollziehbar dar, dass die ersuchten Informationen für die steuerlich e Würdigung der finanziellen Situation der betroffenen Person, welche nach den Angaben im Ersuchen im innerstaatlichen Ver- fahren ihren Mitwirkungspflichten nicht vollständig nachgekommen ist (vgl. vorne Sachverhalt Bst. A.a), bzw. zur Ermittlung ihrer welt weiten Einkom- mens- und Vermögenssituation und zur Feststellung der Wahrung der ent- sprechenden Meldepflichten nach spanischem Recht relevant sind. Die an- geforderten Bankunterlagen sind geeignet, Aufschluss über die Aktiven und Einkünfte der betroffenen Person zu geben. Die ersuchten Informatio- nen sind demnach voraussichtlich erheblich, um sie korrekt besteuern zu A-5744/2019 Seite 12 können bzw. nachvollziehen zu können, ob sie in Verletzung ihren steuer- lichen Meldepflichten dem spanischen Fiskus gewisse Geldwerte ver- schwiegen hat. Das vom Beschwerdeführer erwähnte Beispiel aus dem Kommentar zum Musterabkommen der OECD (Ziff. 8 Bst. e zu Art. 26) ist mit vorliegender Situation, in welcher es im Rahmen einer Steueruntersuchung zur betroffe- nen Person lediglich um Konti geht, deren Inhaberin bzw. wirtschaftlich Be- rechtigte sie ist, nicht jedoch um Konti von mit ihr verwandten Personen, nicht vergleichbar. 4.3.3 Die fraglichen Ersuchen vermögen sich demnach von einer unzuläs- sigen Beweisausforschung abzugrenzen (vgl. auch vorne E. 4.2.1 und Sachverhalt Bst. A.a): Sie nennen die betroffene Person, die Zeitperiode und den Steuerzweck, für welche/n die fraglichen, in den Ersuchen be- schriebenen Informationen verlangt werden, sowie die Daten der Informa- tionsinhaberinnen und sind genügend präzise formuliert. Die ersuchten In- formationen weisen den im Rahmen der reinen Plausibilitätskontrolle zu prüfenden notwendigen Zusammenhang zum dargelegten Sachverhalt auf (vgl. vorne E. 4.2.3) und sind somit entgegen de r Ansicht des Beschwer- deführers voraussichtlich erheblich für die korrekte Bemessung der Ein- kommenssteuer der betroffenen Person in Spanien, womit sich die Amts- hilfeersuchen als grundsätzlich zulässig erweisen. Es bestehen im Übrigen keine Anzeichen dafür, dass der geschilderte Sachverhalt widersprüchlich, fehler- oder lückenhaft wäre und deshalb an ihm gezweifelt werden müsste (vgl. vorne E. 3.2). Die strittigen Ersuchen genügen sodann den Anforde- rungen von Ziff. IV Abs. 2 Bst. a-e des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH-ES (vgl. dazu vorne E. 4.2.1). Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuwei- sen. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer beanstandet zudem, es seien nicht sämtliche innerstaatlichen Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden. Damit rügt er eine Verletzung des in Ziff. IV Abs. 1 des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH-ES erwähnten Subsidiaritätsprinzips (vgl. dazu und zur vergleichbaren Regelung in Art. 6 Abs. 2 Bst. g StAhiG statt vieler Urteil des BVGer A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.6.1 mit Hinweisen). Danach be- steht Einvernehmen darüber, dass der e rsuchende Vertragsstaat ein Be- gehren um Austausch von Informationen erst dann stellt, wenn er zur Be-A-5744/2019 Seite 13 schaffung der Informationen alle in seinem innerstaatlichen Steuerverfah- ren vorgesehenen üblichen Mittel ausgeschöpft hat, sofern dies nicht mit unverhältnismässigen Schwierigkeiten verbunden ist. 5.2 Die spanischen Amtshilfeersuchen enthalten die entsprechenden Erklärungen: «We ensure that all possible sources of obtaining the infor- mation in Spain have been exhausted» (vgl. auch vorne Sachverhalt Bst. A.a) sowie «The requesting, competent authority confirms that it has exhausted all regular sources of information available under its domestic tax procedure». Aufgrund des im Völkerrecht geltenden Vertrauensprinzips ist grundsätz- lich auf die Zusage der AT, dass alle innerstaatlichen Ermittlungsmöglich- keiten ausgeschöpft sind, abzustellen. Der Beschwerdeführer kann dieses Vertrauen zwar erschüttern (vgl. vorne E. 3.2), was vorliegend mit dem blossen Hinweis, die allgemeine Aussage der AT, alle innerstaatlichen Er- mittlungsmöglichkeiten seien ausgeschöpft, genüge nicht als Nachweis der vorgenommenen innerstaatlichen Massnahmen, jedoch nicht gelingt. Ebenso wenig vermag der Beschwe rdeführer daraus, dass die AT in den Ersuchen nicht erwähnt hat, dass die Europäische Kommission mit Bezug auf die Melde- und Bussenvorschriften im «Modelo 720» ein Vertragsver- letzungsverfahren gegen Spanien in Gang gesetzt hat, diesbezüglich et- was zu seinen Gunsten ableiten (vgl. dazu im Detail hinten E. 7). Die Vorinstanz hat sich demnach zu Recht auf die vorgenannte Zusicherung gestützt. Die entsprechende Rüge des Beschwerdeführers ist somit nicht zu hören. 6. 6.1 Nach Art. 25bis Abs. 3 Bst. b DBA CH-ES ist die Schweiz als ersuchter Staat nicht verpflichtet, Informationen zu erteilen, die nach ihren sowie den spanischen Gesetzen oder auf ihrem und dem spanischen üblichen Ver- waltungsweg nicht beschafft werden können (sog. Grundsatz der Rezipro- zität; vgl. auch Art. 6 Abs. 2 Bst. f StAhiG). 6.2 Gestützt auf diesen Grundsatz macht der Beschwerdeführer geltend, die Erhältlichkeit der Informationen nach spanischen Recht fehle ebenso wie die Gegenseitigkeit. Spanien könnte nach seinen innerstaatlichen Er- mittlungsvorschriften die ersuchten Informationen für die Schweiz im um- gekehrten Fall mangels entspreche nder gesetzlicher Grundlage nicht be- schaffen. Die AT versuche über das Amtshilfeverfahren, Informationen be- treffend ausländisches Vermögen der betroffenen Person von der Schweiz A-5744/2019 Seite 14 zu erlangen, da die Beschaffung dieser Informationen nach spanischem Recht unzulässig sei und gegen EU-Recht verstosse. Zudem beabsichtige sie, unzulässige Melde - und Bussvorschriften anzuwenden. Zwar seien diese Vorschriften noch nicht durch ein Urteil des EuGH aufgehoben wor- den, sie seien jedoch rechtswidrig. 6.3 Die Erhältlichkeit v on Informationen ist Teil des Reziprozitätsprinzips und von Art. 25bis DBA CH-ES miterfasst. Die Reziprozität beschränkt sich nämlich nicht bloss auf den Fall eines Amtshilfeersuchens in einem ande- ren Staat, sondern beinhaltet auch die Erhältlichkeit der I nformationen in einem innerstaatlichen Verfahren. Zusammenfassend ist der ersuchte Staat nicht verpflichtet, über sein innerstaatliches Recht hinauszugehen, um dem ersuchenden Staat Informationen zu beschaffen oder herauszu- geben. Er ist lediglich verpflichtet, dem ersuchenden Staat diejenigen Ka- näle zur Informationsbeschaffung zur Verfügung zu stellen, die auch dem ersuchten Staat zur Durchführung seines innerstaatlichen Rechts offenste- hen (Urteil des BGer 2C_646/2017 vom 9. April 2018 E. 2.4 mit Hinweisen). In der Praxis ist es oft schwierig zu ermitteln, ob der um Amtshilfe ersu- chende Staat nach seinem Recht die fraglichen Informationen beschaffen könnte bzw. Amtshilfe leisten dürfte, weshalb das OECD-Amtshilfemuster- abkommen vorsieht, dass der ersuchende S taat mit dem Amtshilfeersu- chen eine entsprechende Bestätigung abgeben muss. Liegt eine entspre- chende Bestätigung des ersuchenden Staates vor, darf der um Amtshilfe ersuchte Staat aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips die Ge- währung von Amtshilfe wegen fehlender Reziprozität nur dann ablehnen, wenn er Gründe dafür hat, dass die abgegebene Erklärung klarerweise un- zutreffend ist (vgl. vorne E. 3.2 und Urteil des BGer 2C_646/2017 vom 9. April 2018 E. 2.1 mit Hinweis). 6.4 Spanien hat ausdrücklich bestätigt, dass das Ersuchen im Einklang mit seiner Gesetzgebung und Verwaltungspraxis steht und es in der Lage ist, die Informationen in vergleichbaren Fällen zu beschaffen und an die Schweiz weiterzuleiten («The requesting, competent authority confirms that the request is in line with the laws and administrative practices of the authority in charge and the agreement which forms the basis for this requ- est; in similar circumstances, the information would be available under the application of domestic laws and adm inistrative practices;»). Im Kontext der Amtshilfe in Steuersachen besteht grundsätzlich kein Anlass, an der Richtigkeit und Einhaltung der Sachverhaltsdarstellung und an Erklärun- gen anderer Staaten zu zweifeln (vgl. vorangehenden Absatz und vorne A-5744/2019 Seite 15 E. 3.2 z um völkerrechtlichen Vertrauensprinzip). Die vorgenannte Erklä- rung wird nicht sofort wegen offensichtlichen Fehlern, Lücken oder Wider- sprüchen entkräftet. So ist der Vorinstanz nämlich beizupflichten, dass solange das laufende Vertragsverletzungsverfahren nicht abgeschlossen und (noch) keine ent- sprechende Gesetzeswidrigkeit seitens des EuGH festgestellt worden ist, aufgrund des vorgenannten völkerrechtlichen Vertrauensprinzips weder an der Rechtskonformität des geltenden spanischen Rechts noch an der Zu- sicherung der AT betreffend Gegenseitigkeit und Erhältlichkeit der Informa- tionen zu zweifeln ist. Ausserdem lässt sich aus der Statistik des Jahres- berichts 2014 der europäischen Kommission, wonach der EuGH fünf Ur- teile gegen Spanien erlassen hat, die alle zugunsten der Kommission ent- schieden wurden, nicht mit dem Beschwerdeführer ableiten, dass auch das laufende Gerichtsverfahren entsprechend ausfallen wird. Im Übrigen ist es nicht die Aufgabe der Vorinstanz oder des Bundesverwaltungsgerichts, das materielle Recht des ersuchenden Staats im Rahmen eines Amtshilfever- fahren auf seine Rechtmässigkeit hin zu überprüfen. Allfällige Verstösse dagegen wären in Spanien vor den dortigen Behörden geltend zu machen (vgl. dazu statt vieler Urteil des BVGer A -5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.3.2 i.f. mit Hinweis). Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt und somit abzuweisen und die vorinstanzliche Verfügung damit zu bestätigen. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer beantragt eventualiter – für den Fall, dass die angefochtene Verfügung nicht aufgehoben werde –, das vorliegende Ver- fahren sei zu sistieren, bis der EuGH einen Entscheid im Vertragsverlet- zungsverfahren der europäischen Kommission gegen Spanien betreffend «Modelo 720» gefällt habe (vgl. vorne Sachverhalt Bst. B). Das spanische Abgab erecht auferlege Personen mit steuerrechtlichem Wohnsitz in Spanien eine Verpflichtung zur Meldung bestimmter im Aus- land befindlicher Güter und Rechte mittels eines Steuererklärungsformu- lars («Formblatt 720»). Bei nicht ordnungsgemässer Erfüllung dieser Ve r- pflichtung kämen spezielle Sanktionsregelungen zur Anwendung. Die eu- ropäische Kommission sei zum Schluss gekommen, dass die Qualifizie- rung dieser Vermögenswerte als Vermögensgewinne, die Unanwendbar- keit der allgemeinen Verjährungsvorschriften sowie die Ve rhängung fixer A-5744/2019 Seite 16 Geldstrafen als Sanktionen Beschränkungen der Grundfreiheiten des Ver- trags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) sowie des Ab- kommens über den europäischen Wirtschaftsraum (EWR-Abkommen) dar- stellten. Auch wenn diese Massnahmen g rundsätzlich zur Erreichung der verfolgten Ziele der Verhinderung und Bekämpfung von Abgabenumge- hung und -hinterziehung geeignet sein könnten, seien sie im Ergebnis un- verhältnismässig. 7.2 Eine Sistierung des Verfahrens muss nach bundesgerichtlicher Recht- sprechung durch zureichende Gründe gerechtfertigt sein, da bei Fehlen solcher Gründe von einer mit dem Beschleunigungsgebot von Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) nicht zu vereinbarenden Rechtsverzöge- rung auszugehen ist (vgl. statt vieler BGE 138 III 190 E. 6). Eine Verfah- renssistierung kann namentlich dann angezeigt sein, wenn ein anderes Verfahren hängig ist, dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist. Der Behörde kommt beim Entscheid darüber, ob das Verfahren zu sistieren ist, ein erheblicher Ermessensspielraum zu (vgl. BGE 119 II 386 E. 1b; MOSER ET AL., a.a.O., Rz. 3.16). Zu beachten ist dabei, dass dem erwähnten Be- schleunigungsgebot – auf welches sich auch die Vorinstanz bezieht (vgl. vorne Sachverhalt Bst. C) – in Amtshilfeverfahren eine herausragende Bedeutung zukommt (vgl. statt vieler Urteil des BVGer A -223/2019 vom 29. Oktober 2019 E. 2.3.2). 7.3 7.3.1 Die europäische Kommission hat Spanien mit Bezug auf die vom Beschwerdeführer erwähnte Angelegenheit mit Schreiben vom 20. Novem- ber 2015 zur Stellungnahme aufgefordert; dem ist Spanien mit Schreiben vom 29. Februar 2016 nachgekommen. Mit begründeter Stellungnahme vom 15. Februar 2017 kam die europäische Kommission sodann zu diesen Schlussfolgerungen: Die fragliche spanische Regelung verstosse gegen die Personenfreizügigkeit gemäss Art. 21 AEUV, gegen die Arbeitnehmer- freizügigkeit nach Art. 45 AEUV und Art. 28 EWR-Abkommen, die Nieder- lassungsfreiheit nach Art. 49 AEUV und Art. 31 EWR -Abkommen, die Dienstleistungsfreiheit (Art. 56 AEUV und Art. 36 EWR-Abkommen) sowie die Kapitalverkehrsfreiheit nach Art. 63 AEUV und Art. 40 EWR -Abkom- men, indem/soweit sie eine Steuererklärungsregelung nach dem Formular 720 einführe, die im Lichte der einschläg igen Rechtsprechung des Ge- richtshofs diskriminierend und unverhältnismäßig erscheint, insbesondere durch (la comisión europea considera que la normativa espa ñola infringe la libre circulación de personas (articulo 21 del TFUE), la libre circulación A-5744/2019 Seite 17 de trabajadores (articulo 45 del TFUE y articulo 28 del Acuerdo sobre el EEE), la libertad de establecimiento (articulo 49 del TFUE y articulo 31 del Acuerdo sobre el EEE), la libre prestación de servicios (articulo 56 del TFUE y articulo 36 del Acuerdo sobre el EEE) y la libre circulación de ca- pitales (articulo 63 del TFUE y articulo 40 del Acuerdo sobre el EEE), en la medida en que establece un régimen de declaración fiscal en el marco del Modelo 720 que parece discriminatorio y desproporcionado a la luz de la jurisprudencia pertinente del Tribunal de Justicia, en particular al imponer): – fixe Geldstrafen für die Nichteinhaltung der im Formular 720 vorgese- henen Informationspflichten in Bezug auf Güter/Vermögenswerte und Rechte, die sich im Ausland befinden, oder f ür deren verspätete Vor- lage, die höher sind als diejenigen in der allgemeinen steuergesetzli- chen Regelung für ähnliche Verstöße vorgesehenen, (multas pecunia- rias fijas por incumplimiento de las obligaciones de información del Mo- delo 720 en lo que se refier e a los bienes y derechos poseídos en el extranjero o por la presentación extemporánea de este último superio- res a la establecidas en el régimen general para infracciones similares reguladas en la Ley General Tributaria); – die Besteuerung ungerechtfertigter Kapitalgewinne infolge fehlender Informationen im Formular 720 über im Ausland gehaltene Vermögens- werte und Rechte oder der bloß nicht rechtzeitigen Vorlage dieser In- formationen in Formular 720 über solche Vermögenswerte und Rechte, zusammen mit der Verweigerung des Nachweises, dass das Eigentum an den Vermögenswerten seit einem bestimmten, verjährten Steuer- jahr gehalten wurde, (la tributación de las ganancias patrimoniales no justificadas como consecuencia de la falta de información en el Modelo 720 sobre los bienes y derechos poseídos en el extranjero o de la mera presentación extemporánea de la información que figura en el Modelo 720 sobre dichos bienes y derechos, junto con la negación de la prueba de que la propriedad de los activos se mantiene desde un determinado ejecicio fiscal que ha prescrito); – eine proportionale Geldstrafe für ungerechtfertigte Kapitalgewinne, die mit den Gütern und Rechten verbunden sind, welche im Formular 720 nicht mitgeteilt oder im Zusammenhang mit einer nicht fristgerechten Einreichung des Formular 720 kommentiert werden (una multa pecuni- aria proporcional sobre las ganancias patrimoniales no justificadas a- sociadas a los bienes y derechos que no se comuniquen en el Modelo 720 o se comuniquen en el marco de una presentación extemporánea del Modelo 720). A-5744/2019 Seite 18 Damit sei Spanien seinen Verpflichtungen nach den Art. 21, 45, 49, 56 und 63 AEUV und den Art. 28, 31, 36 und 40 des EWR-Abkommens nicht nach- gekommen (el Reino de España ha incumplido las obligaciones que les incumben en virtud de los articulos 21, 45, 49, 56 y 63 del TFUE y los articulos 28, 31, 36 y 40 del Acuerdo sobre el EEE), weshalb es gemäss Art. 258 Abs. 1 AEUV aufgefordert werde, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um dieser begründeten Stellungnahme innerhalb v on zwei Monaten nach deren Erhalt nachzukommen (en aplicación de lo dispuesto en el articulo 258, párrafo primero, del Tratado de Funcionamiento de la Uníon Europea, la Comisión invita al Reino de España a que adopte las medidas requeridas para ajustarse al presente dictamen motivado en un plazo de dos meses a partir de la recepción del mismo). 7.3.2 Diese Ausführungen zeigen, dass die europäische Kommission hauptsächlich die als unverhältnismässig hoch erachteten Geldbussen in Steuerstrafverfahren beanstandet . Aus dem entsprechenden Factsheet der Europäischen Kommission vom 15. Februar 2017 ergibt sich dement- sprechend, dass Spanien zwar aufgefordert wird, seine Vorschriften über ausländische Vermögenswerte verhältnismässig zu gestalten, jedoch das Recht habe, Steuerpflichtige aufzufordern, den Behörden Informationen über bestimmte ausländische Vermögenswerte mitzuteilen. Lediglich die Sanktionen bei Nichteinhaltung dieser Vorschriften würden als unverhält- nismässig eingestuft, da die Strafgelder viel höher als bei rein innerstaatli- chen Vorgängen und damit diskriminierend seien bzw. nicht im Einklang mit den Grundfreiheiten der Europäischen Union stünden. Nicht bemängelt wird demnach die spanische Regelung an sich, wonach gebietsansässige Personen verpflichtet sind, im Ausland gehaltene Vermö- genswerte wie Immobilien, Bankkonti und finanzielle Beteiligungen zu mel- den, sondern lediglich die Folgen bzw. die Höhe der Geldbussen bei Nicht- einhaltung der Meldepflicht. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers verfolgt die europäische Kommission mit dem Vertragsverletzungsverfah- ren gegen Spanien demnach nicht die Absicht, die Meldevorschriften des spanischen Rechts aufgrund eines Verstosses gegen das EU -Recht auf- zuheben. An dieser Beurteilung ändert auch das neu eingereich te Beweismittel nichts, die Kopie des Amtsblatts der EU vom 23. Dezember 2019, wonach die europäische Kommission am 23. Oktober 2019 Klage gegen das Kö- nigreich Spanien eingereicht hat und beantragt, es sei festzustellen, dass Letzteres gegen seine Verpflic htungen aus Art. 21, 45, 56 und 63 AEUV A-5744/2019 Seite 19 sowie aus den Art. 28, 31, 36 und 40 des EWR -Abkommens verstossen habe, indem es: – Rechtsfolgen für die Nichterfüllung der Informationspflichten hinsicht- lich der Güter und Rechte im Ausland sowie für die nicht fristge rechte Einreichung des «Formblattes 720» vorgesehen hat, welche die Quali- fikation dieser Vermögenswerte als ungerechtfertigte Vermögensge- winne nach sich ziehen und nicht verjähren; – Bei Nichterfüllung der Informationspflichten hinsichtlich der Güter und Rechte im Ausland sowie für die nicht fristgerechte Einreichung des «Formblattes 720» automatisch eine fixe Geldstrafe in Höhe von 150 % verhängt und – Bei Nichterfüllung der Informationspflichten hinsichtlich der Güter und Rechte im Ausland sowie für die nicht fristgerechte Einreichung des «Formblattes 720» fixe Geldstrafen verhängt, deren Höhe jene der Sanktionen nach den allgemeinen Regelungen für vergleichbare Zuwi- derhandlungen übersteigt. 7.4 Primär dienen die fraglichen Amtshilfeersuchen der Feststellung der vollständigen, weltweiten Einkommens - und Vermögensverhältnisse der betroffenen Person und damit ihrer Steuerveranlagung. Nicht im Amtshilfe- verfahren zu klären ist, ob diesbezügliche Meldepflichten verletzt wurden und falls ja, welche Folgen dies mit Bezu g auf die konkrete Höhe einer allfälligen Busse zeitigt. Für die vorliegend zu klärende Frage der Zulässigkeit der Übermittlung der strittigen Informationen, insbesondere deren voraussichtliche Erheblich- keit, hat das hängige Vertragsverletzungsverfahren demnach keine Bedeu- tung bzw. wird die Berechtigung Spaniens, amtshilfeweise um Informatio- nen betreffend ausländische Vermögenswerte zu ersuchen, wenn diese von der steuerpflichtigen Person selbst nicht erhältlich gemacht werden können, von der europäischen Kommission nicht thematisiert oder in Frage gestellt. Demnach hat das noch zu erlassende (rechtskräftige) Urteil des EuGH entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers keine präjudizierende Bedeutung für das vorliegende Verfahren. Folglich ist das Amtshilfeverfah- ren nicht zu sistieren und sind auch die entsprechenden Beweisergän- zungsanträge (vgl. vorne Sachverhalt Bst. D.a) in antizipierter Beweiswür- digung abzuweisen (vgl. dazu statt vieler Urteile des BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 3.4.7 und A-6589/2016 vom 6. März 2018 E. 5.5, je mit Hinweisen). A-5744/2019 Seite 20 8. Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 2'500.– festzusetzen und ausgangsge- mäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. Parteientschädigun- gen sind nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE). 9. Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer- sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h BGG innerhalb von 10 Tagen nur dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes- gericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätz- licher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet das Bundesgericht. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Beschwerdeverfahren A -5744/2019 wird nicht mit den Verfahren A-5727/2019, A -5734/2019, A -5737/2019, A -5738/2019, A -5739/2019, A-5740/2019, A-5741/2019, A-5742/2019, A-5743/2019, A-5745/2019 und A-5747/2019 vereinigt. 2. Der Sistierungsantrag und die Beweisergänzungsanträge des Beschwer- deführers werden abgewiesen. 3. Die Beschwerde wird abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 2'500.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag wird dem einbezahlten Kostenvors chuss in gleicher Höhe entnommen. A-5744/2019 Seite 21 5. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 6. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Ryter Tanja Petrik-Haltiner Rechtsmittelbelehrung: Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuersachen kann innert 10 Tagen nach Eröffnung nur dann beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzli- cher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt (Art. 82, Art. 83 Bst. h, Art. 84a, Art. 90 ff. und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schwei- zerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsulari- schen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). In der Rechtsschrift ist auszuführen, warum die jeweilige Voraussetzung erfüllt ist. Im Übrigen ist die Rechtsschrift in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismit- tel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizule- gen (Art. 42 BGG). A-5744/2019 Seite 22 Versand: