<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 77 S.363</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">363</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XIII. Verwaltungsrechtspflege</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>77 Teilurteil im Beschwerdeverfahren nach § 28 BauG und § 6 Abs. 2</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ABauV.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Voraussetzungen für den Erlass eines Teilentscheids (Erw. 2a und b)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Der Entscheid über die Höhe der Parteikosten in einem Verwaltungs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>oder verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren über einen Nut-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zungsplan kann nicht Gegenstand eines Teilurteils sein ( Erw. 2c)</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 3. Juli 2001 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">V. gegen Entscheide des Regierungsrats</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. a) Der Beschwerdeführer beschränkt sich in seiner Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde vom 11. Dezember 2000 zunächst auf den Entschädi-</span><br/> <span class="ft6">gungspunkt des Beschwerdeverfahrens und stellt bedingte Anträge</span><br/> <span class="ft6">mit denen er den Genehmigungsentscheid rügt. In der Eingabe vom</span><br/> <span class="ft6">20. Januar 2001 stellt er den Verfahrensantrag, wonach das verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgerichtliche Beschwerdeverfahren zunächst auf die Rechtsfra-</span><br/> <span class="ft6">gen im Zusammenhang mit der Festsetzung der Parteikosten im Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeverfahren zu beschränken sei. Diese Fragen seien "im Sinne</span><br/> <span class="ft6">einer Vorfrage vorab zu behandeln und mit einem Teilentscheid zu</span><br/> <span class="ft6">beantworten". Der Beschwerdeführer verlangt sodann, dass ihm nach</span><br/> <span class="ft6">der Eröffnung des Teilentscheides Gelegenheit gegeben werde, zu</span><br/> <span class="ft6">entscheiden, ob er die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den</span><br/> <span class="ft6">Genehmigungsentscheid des Regierungsrates aufrecht erhalten wolle</span><br/> <span class="ft6">oder nicht.</span><br/> <span class="ft6">b) Der Regierungsrat schliesst sich in seiner Vernehmlassung</span><br/> <span class="ft6">vom 9. Februar 2001 dem Antrag auf einen Teilentscheid an, im</span><br/> <span class="ft6">wesentlichen mit der Begründung, die Anwendung des Anwaltstarifs</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">364</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">könne bei hohen Streitwerten zu stossenden Parteientschädigungen</span><br/> <span class="ft6">führen.</span><br/> <span class="ft6">Als grundsätzlich unzweckmässig erachtet der Gemeinderat Of-</span><br/> <span class="ft6">tringen in seiner Stellungnahme vom 30. Januar 2001 den bean-</span><br/> <span class="ft6">tragten Teilentscheid, da er zu Verfahrensverzögerungen führe. Er</span><br/> <span class="ft6">glaubt aber, dass vorliegend ein Teilentscheid der Vereinfachung und</span><br/> <span class="ft6">Beschleunigung des Verfahrens diene.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdegegner vertreten in ihrer Eingabe vom</span><br/> <span class="ft6">12. Februar 2001 die Auffassung, ein Teilentscheid sei unzulässig, da</span><br/> <span class="ft6">die Voraussetzungen nach der Praxis nicht erfüllt seien.</span><br/> <span class="ft6">2. a) Teilentscheide sind Urteile, mit denen über eine Vorfrage,</span><br/> <span class="ft6">eine Grundsatzfrage oder einen Teilaspekt des Streitgegenstandes</span><br/> <span class="ft6">vorab selbständig, materiell entschieden wird (vgl. Alfred Koelz/Isa-</span><br/> <span class="ft6">belle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des</span><br/> <span class="ft6">Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, Rz. 896; BGE 121 II 119;</span><br/> <span class="ft6">Bernische Verwaltungsrechtsprechung [BVR] 1996, S. 468). Das</span><br/> <span class="ft6">VRPG enthält über den Erlass eines Teilentscheides, mit dem über</span><br/> <span class="ft6">einen Teil des Entscheidgegenstandes endgültig entschieden wird,</span><br/> <span class="ft6">keine Bestimmungen (Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Nor-</span><br/> <span class="ft6">menkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Ver-</span><br/> <span class="ft6">waltungsrechtspflege vom 9. Juli 1968, Diss. Zürich 1998, § 38</span><br/> <span class="ft6">N 50; AGVE 1994, S. 232 unten). Grundsätzlich setzt ein Teilent-</span><br/> <span class="ft6">scheid voraus, dass eine Abspaltung der Teilfrage vom Endurteil zu-</span><br/> <span class="ft6">lässig, aus prozessökonomischen Gründen zweckmässig und im Inte-</span><br/> <span class="ft6">resse der Verfahrensbeteiligten geboten ist. Die Praxis lässt daher</span><br/> <span class="ft6">Teilentscheide ausnahmsweise zu, wenn sie zu einer erheblichen</span><br/> <span class="ft6">Vereinfachung des Verfahrens führen, oder wenn sie durch ein hin-</span><br/> <span class="ft6">reichendes Interesse insbesondere der Verfahrensbeteiligten gefordert</span><br/> <span class="ft6">werden (AGVE 1994, S. 232 f.; Entscheid des Verwaltungsgerichtes</span><br/> <span class="ft6">[VGE] III/30 vom 2. März 2000 in Sachen K. und J. gegen W. und</span><br/> <span class="ft6">W.; VGE III/50 vom 27. April 2000 in Sachen Z. R. und W. gegen</span><br/> <span class="ft6">Baudepartement). Besteht aber die Gefahr, dass der Entscheid über</span><br/> <span class="ft6">den verbleibenden Entscheidgegenstand in Wechselwirkung mit dem</span><br/> <span class="ft6">Teilentscheid steht, ist ein Teilentscheid unzulässig (Merker, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">§ 30 N 47).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">365</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">b) Zu unterscheiden ist der Teilentscheid vom Zwischenent-</span><br/> <span class="ft6">scheid. Zwischenentscheide sind prozessleitende Entscheide, die das</span><br/> <span class="ft6">Verfahren nicht abschliessen, sondern zum Endentscheid führen</span><br/> <span class="ft6">(Merker, a.a.O., § 38 N 53; AGVE 1992, S. 454; Attilio Gadola, Das</span><br/> <span class="ft6">verwaltungsinterne Beschwerdeverfahren, Diss. Zürich 1991,</span><br/> <span class="ft6">S. 298). Der Beschwerdeführer möchte die Höhe der Parteientschä-</span><br/> <span class="ft6">digung im regierungsrätlichen Beschwerdeverfahren vorab entgültig</span><br/> <span class="ft6">entschieden haben. Soweit der Beschwerdeführer in der verbesserten</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdefrist die Höhe der Parteikosten formell als "Vorfrage"</span><br/> <span class="ft6">behandelt haben will und damit einen Zwischenentscheid meint, ist</span><br/> <span class="ft6">dieser Antrag demnach als ein Begehren um einen Teilentscheid ent-</span><br/> <span class="ft6">gegen zu nehmen.</span><br/> <span class="ft6">c) Zu prüfen bleibt damit, ob ein Entscheid über die Höhe der</span><br/> <span class="ft6">im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren vom Regierungsrat zuge-</span><br/> <span class="ft6">sprochenen Parteientschädigung Gegenstand eines Teilurteils sein</span><br/> <span class="ft6">kann.</span><br/> <span class="ft6">aa) Der Kostenentscheid im Beschwerdeverfahren allgemein</span><br/> <span class="ft6">und der Entscheid über die Parteientschädigung im Besonderen un-</span><br/> <span class="ft6">terstehen gemäss § 28 BauG und § 6 Abs. 2 ABauV der selbständi-</span><br/> <span class="ft6">gen Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Anfechtungsobjekt einer sol-</span><br/> <span class="ft6">chen Beschwerde bilden jene Punkte die nicht Bestandteil des Ge-</span><br/> <span class="ft6">nehmigungsentscheides im Sinne von § 27 Abs. 1 BauG sind, vorlie-</span><br/> <span class="ft6">gend der Kosten- bzw. Entschädigungsentscheid des Regierungsrats.</span><br/> <span class="ft6">Da der Beschwerdeführer nur die Höhe der verlegten Parteientschä-</span><br/> <span class="ft6">digung gerügt hat, ist die Parteientschädigung der einzige Streitge-</span><br/> <span class="ft6">genstand im gesonderten Beschwerdeverfahren. Der vom Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">degegner anbegehrte Teilentscheid über die Parteientschädigung</span><br/> <span class="ft6">beinhaltet somit die Beurteilung des gesamten Streitgegenstandes des</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeverfahrens. Wird aber der ganze Streitgegenstand auf</span><br/> <span class="ft6">einmal beurteilt, ist in diesem Beschwerdeverfahren ein Teilurteil</span><br/> <span class="ft6">ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft6">bb) Im Beschwerdeverfahren gegen den Genehmigungsent-</span><br/> <span class="ft6">scheid des Regierungsrates setzt ein Teilentscheid primär voraus,</span><br/> <span class="ft6">dass eine Abtrennung von Rechtsfragen zulässig und möglich ist. Die</span><br/> <span class="ft6">im Teilentscheid beurteilten Fragen müssen einen sachlichen Konnex</span><br/> <span class="ft6">zu den Entscheidgegenständen im Endentscheid aufweisen. Dieser</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">366</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">verlangte sachliche Konnex zwischen dem Teil- und dem Endent-</span><br/> <span class="ft6">scheid fehlt aber vorliegend. Der Entscheid des Regierungsrats über</span><br/> <span class="ft6">die Anwendung des Anwaltstarifs und die Höhe der im Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">verfahren zugesprochenen Parteientschädigung ist nicht Gegenstand</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerde gegen den Genehmigungsentscheid. Eine Auf- bzw.</span><br/> <span class="ft6">Abspaltung dieser Frage von der Beurteilung des materiellen Ge-</span><br/> <span class="ft6">nehmigungsentscheids ist daher prozessual nicht möglich.</span><br/> <span class="ft6">Im Verfahren betreffend Anfechtung von Nutzungsplanungen</span><br/> <span class="ft6">gemäss § 28 BauG ist das Anfechtungsobjekt der materiellen Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde gegen den Genehmigungsentscheid vom Anfechtungsob-</span><br/> <span class="ft6">jekt, welches der gesonderten Beschwerde gemäss § 6 Abs. 2 ABauV</span><br/> <span class="ft6">unterliegt, verschieden. Anfechtungsobjekt der Verwaltungsgerichts-</span><br/> <span class="ft6">beschwerde gemäss § 28 BauG i.V.m. § 6 Abs. 2 ABauV ist nur der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeentscheid, soweit er nicht durch den Genehmigungsent-</span><br/> <span class="ft6">scheid abgelöst wurde. Im Beschwerdeverfahren gegen den (materi-</span><br/> <span class="ft6">ellen) Genehmigungsentscheid ist hingegen dieser das Anfechtungs-</span><br/> <span class="ft6">objekt und die materiellen Erwägungen des Beschwerdeentscheides</span><br/> <span class="ft6">sind nur insoweit zu prüfen, als sie im Genehmigungsentscheid be-</span><br/> <span class="ft6">stätigt wurden. Die Entscheidung der Beschwerdeinstanz über die</span><br/> <span class="ft6">Parteientschädigung des Verwaltungsverfahrens gehört nicht dazu.</span><br/> <span class="ft6">Der Entscheid über die zulässige Höhe der Parteientschädigung im</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeverfahren gemäss § 26 BauG vor dem Regierungsrat ist</span><br/> <span class="ft6">demnach ohne rechtlichen oder sachlichen Zusammenhang mit dem</span><br/> <span class="ft6">Anfechtungsobjekt und dem Streitgegenstand des verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft6">richtlichen Beschwerdeverfahrens gegen den Genehmigungsent-</span><br/> <span class="ft6">scheid. Der Beschwerdeführer übersieht in seiner Argumentation,</span><br/> <span class="ft6">dass es sich um zwei unterschiedliche Anfechtungsobjekte handelt</span><br/> <span class="ft6">und auch der Streitgegenstand der Verwaltungsgerichtsbeschwerde</span><br/> <span class="ft6">gegen den Genehmigungsentscheid sich von jenem der verwaltungs-</span><br/> <span class="ft6">gerichtlichen Beschwerde gegen den Beschwerdeentscheid unter-</span><br/> <span class="ft6">scheidet. Ein Teilentscheid über die Höhe der Parteientschädigung</span><br/> <span class="ft6">des regierungsrätlichen Beschwerdeentscheids ist auch im verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren unzulässig.</span><br/> <span class="ft6">Über die Kosten des verwaltungsgerichtlichen Beschwerdever-</span><br/> <span class="ft6">fahrens hat das Verwaltungsgericht von Amtes wegen zu entscheiden</span><br/> <span class="ft6">(§ 33 Abs. 2 - 4 VRPG) und gemäss § 36 Abs. 1 VRPG ist dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">367</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Obsiegenden eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.</span><br/> <span class="ft6">Der Entscheid über die Parteientschädigung ist vom Ausgang des</span><br/> <span class="ft6">Hauptverfahrens abhängig und mit dem Endurteil zu fällen. Auch die</span><br/> <span class="ft6">Angemessenheit einer Parteientschädigung ist vor Abschluss des</span><br/> <span class="ft6">Urteils nicht beurteilbar. Die Kostennote des Parteivertreters der</span><br/> <span class="ft6">obsiegenden Partei kann von der Sache her erst nach Beendigung des</span><br/> <span class="ft6">Verfahrens geprüft werden. Der Entscheid über die Parteientschädi-</span><br/> <span class="ft6">gung im verwaltungsgerichtlichen Verfahren kann deshalb grund-</span><br/> <span class="ft6">sätzlich nicht Gegenstand eines Teilentscheides im Beschwerdever-</span><br/> <span class="ft6">fahren nach § 28 BauG sein.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>