Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 31. Oktober 2024 ZK2 2023 25 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsident Stefan Weber, Kantonsrichterin Veronika Bürgler Trutmann und Kantonsrichter Pius Kistler, Gerichtsschreiberin Julia Lüönd. In Sachen A.________, Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin B.________, gegen C.________, Gesuchsgegner und Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwältin D.________, betreffend Sistierung (Beschwerde gegen die Verfügung der Einzelrichterin am Bezirksgericht Ein- siedeln vom 16. März 2023, ZES 2022 159);- hat die 2. Zivilkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. a) A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin), libanesische Staats- angehörige, und C.________ (nachfolgend: Beschwerdegegner), schweizeri- scher und libanesischer Staatangehöriger, heirateten gemäss übereinstim- menden Vorbringen im November 2021 im Libanon (KG-act. 1, N 9; KG-act. 6, N 7). Die Parteien reisten Ende Oktober 2022 vorübergehend in den Libanon, wo am 17. November 2022 ihre Scheidung nach libanesischem Recht vollzo- gen wurde (KG-act. 1, N 10 ff.; KG-act. 6, N 8, 15 und 18). Gemäss der von der Beschwerdeführerin eingereichten E-Mail-Korrespondenz mit dem Amt für Gemeinden und Bürgerrecht des Kantons St. Gallen teilte ihr dieses am 1. Dezember 2022 auf Anfrage betreffend den Verfahrensstand eines allfälli- gen Gesuchs um Anerkennung des ausländischen Scheidungsurteils mit, bei ihm sei kein solches Verfahren pendent (KG-act. 1/4). b) Am 1. Dezember 2022 reichte die Beschwerdeführerin bei der Einzel- richterin am Bezirksgericht Einsiedeln ein Eheschutzgesuch ein und beantrag- te u.a. die Bewilligung zum Getrenntleben, persönlichen Unterhalt von monat- lich mind. Fr. 2’650.00 sowie die Zusprechung eines Prozesskostenvorschus- ses von Fr. 5’000.00 zulasten des Beschwerdegegners, eventualiter die Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege (Vi-act. A1, S. 2). Der Beschwer- degegner stellte mit Eingabe vom 30. Januar 2023 den Antrag, es sei festzu- stellen, dass die Parteien mit Urteil vom 17. November 2022 rechtskräftig ge- schieden und güterrechtlich sowie unterhaltsrechtlich per Saldo aller gegen- seitigen Ansprüche auseinandergesetzt seien (Vi-act. A2, Ziff. I.1 f.). Zudem ersuchte er um Sistierung des Eheschutzverfahrens inklusive der Vorfrage betreffend die Anerkennung des libanesischen Scheidungsurteils einstweilen bis mindestens Mitte März 2023 (Vi-act. A2, Ziff. II.3). Die Einzelrichterin am Bezirksgericht Einsiedeln eröffnete für die Frage der Zusprechung eines Pro- zesskostenvorschusses ein vom Hauptverfahren (ZES 2022 159) abgetrenn- tes neues Verfahren mit der Verfahrensnummer ZES 2022 160 (Vi-act. D4). Mit Verfügung vom 20. Februar 2023 gewährte sie der Beschwerdeführerin Kantonsgericht Schwyz 3 sodann einstweilen die unentgeltliche Rechtspflege unter dem Vorbehalt des Widerrufs bzw. der Bezahlung eines Prozesskostenvorschusses und setzte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin als deren unentgeltliche Rechtsvertreterin ein (Vi-act. A3). Mit prozessleitender Verfügung vom 16. März 2023 sistierte die Einzelrichterin das Verfahren betreffend Ehe- schutzmassnahmen bis zum Entscheid des Amts für Gemeinden und Bürger- recht St. Gallen über die Anerkennung des libanesischen Scheidungsurteils (KG-act. 1/2 / Vi-act. D16). c) Gegen die erwähnte Sistierungsverfügung erhob die Beschwerdeführe- rin am 30. März 2023 Beschwerde beim Kantonsgericht mit den folgenden Anträgen (KG-act. 1): 1. Die Verfügung des Bezirksgerichts Einsiedeln vom 16. März 2023 (ZES 2022 159) sei aufzuheben. 2. Es sei die Sache zur Durchführung des gesetzmässigen Verfah- rens an die Vorinstanz zurückzuweisen. 3. Es sei die Einzelrichterin am Bezirksgericht Einsiedeln anzuwei- sen, das Verfahren ZES 2022 159 unverzüglich wieder an die Hand zu nehmen und vorfrageweise über die Anerkennungsfähig- keit des am 17. November 2022 im Libanon ergangenen Schei- dungsurteils zu entscheiden. 4. Der Beschwerdegegner sei zu verpflichten, der Beschwerdeführe- rin einen angemessenen Anwalts- und Prozesskostenvorschuss von Fr. 3’000.00 (zzgl. MWST und Spesen) zu bezahlen und unter Vorbehalt eines allfälligen Nachforderungsrechts. 5. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin für das vorliegende Be- schwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege sowie die un- entgeltliche Prozessverbeiständung in der Person der Unterzeich- neten zu gewähren. 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen vor erster und vor zwei- ter Instanz zulasten des Beschwerdegegners, jeweils zuzüglich MWST von 7.7 %. Mit Beschwerdeantwort vom 14. April 2023 stellte der Beschwerdegegner fol- gende Rechtsbegehren (KG-act. 6):Kantonsgericht Schwyz 4 1. Es sei die Beschwerde vom 30. März 2023 vollumfänglich abzu- weisen und die erstinstanzliche Verfügung zu bestätigen. 2. Es sei das Gesuch der Beschwerdeführerin um Prozesskostenbe- vorschussung abzuweisen. 3. Es sei das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen. 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zulas- ten der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin reichte am 27., 28. April, 20., 23. Juni, 7. Juli sowie 13. Dezember 2023 (KG-act. 8, 10, 16, 18, 22 und 26) und der Beschwerde- gegner am 17. Mai, 8. und 28. Juni sowie 11. Dezember 2023 (KG-act. 12, 14, 20 und 24) weitere Eingaben beim Kantonsgericht ein. 2. a) Der Sistierungsentscheid der Einzelrichterin am Bezirksgericht Ein- siedeln ist als prozessleitende Verfügung gemäss Art. 319 lit. b Ziff. 1 i.V.m. Art. 126 Abs. 2 ZPO mit Beschwerde anfechtbar (vgl. Sutter-Somm/Seiler, Handkommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2021, Art. 126 ZPO N 11, m.w.H.). b) Die Vorinstanz begründete die Sistierungsverfügung vom 16. März 2023 damit, dass das Amt für Gemeinden und Bürgerrecht mitgeteilt habe, am 24. Februar 2023 seien die Unterlagen betreffend Scheidung bei der Schwei- zer Vertretung im Libanon eingetroffen und diese würden ihm dann weiterge- leitet werden. Die involvierten Zivilstandsbehörden müssten nun die Gültigkeit der im Libanon ergangenen Scheidung prüfen. Eine solche Prüfung der vor- frageweisen Gültigkeit könne durch das angerufene Gericht nicht zügiger er- folgen. Aus diesem Grund erscheine es zweckmässiger, dass die Zivilstands- behörde dies kläre. Es sei sinnvoll, koordiniert vorzugehen, um Widersprüch- lichkeiten zu vermeiden. Zudem habe das Obergericht Zürich in einem ähnlich gelagerten Fall diese Vorgehensweise des Bezirksgerichts Zürich nicht Kantonsgericht Schwyz 5 bemängelt (angefochtene Verfügung, m.H.a. Urteil OGer ZH RE180012-O/U vom 15. Januar 2019). c) Die Beschwerdeführerin macht zusammengefasst geltend, die Sistie- rung des Eheschutzverfahrens sei nicht zweckmässig. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die Zivilstandsbehörde zügiger oder mit mehr Fachwissen entschei- den könne, zumal die Vorinstanz seit Dezember 2022 die Gelegenheit gehabt habe, eine Prüfung vorzunehmen (KG-act. 1, N 27 ff.). Die Vorinstanz habe als zuerst angerufene Behörde über die Anerkennungsfähigkeit des Schei- dungsurteils vorfrageweise zu entscheiden, weshalb ihr gewähltes Vorgehen willkürlich sei. Hierfür sei eine Parteibefragung zwingend erforderlich, die seit Dezember 2022 hätte erfolgen können. Das Zuwarten der Vorinstanz, bis bei einer anderen Behörde ein Verfahren eingereicht werde, erscheine unter kei- nem Gesichtspunkt zweckmässig. Sie hätte über die Anerkennung des Schei- dungsurteils vorfrageweise entscheiden müssen (KG-act. 1, N 30 ff.). Zudem liege mit der Sistierung des Eheschutzverfahrens eine Verletzung des Be- schleunigungsgebots vor, da zwischen Rechtshängigkeit und Sistierung be- reits drei Monate verstrichen seien, ohne dass über die Vorfrage entschieden oder Abklärungen getroffen worden seien. Dies sei umso bedenklicher, als es sich beim Eheschutzverfahren um ein summarisches Verfahren handle (KG- act. 1, N 37 ff.). d) Der Beschwerdegegner beantragt die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der erstinstanzlichen Verfügung (KG-act. 6, S. 2). Er macht geltend, dass das libanesische Scheidungsurteil erst seit dem 20. Februar 2023 rechtskräftig sei und die Prüfung der Anerkennung somit zum Zeitpunkt der Einreichung des Eheschutzgesuchs unnötige Kosten verursacht hätte (KG-act. 6, N 20 f.). Die Sistierung sei zweckmässig, da dadurch der Zeitauf- wand und die Verfahrenskosten vermindert werden könnten (KG-act. 6, N 25). Zudem verstosse das Urteil nicht gegen den schweizerischen Ordre public (KG-act. 6, N 23). Das Beschleunigungsgebot sei insofern gewahrt, als dass Kantonsgericht Schwyz 6 von einem Gericht nicht erwartet werden könne, dass es sich mit der Aner- kennung eines noch nicht rechtskräftigen Urteils befasse (KG-act. 6, N 31). Die Beschwerdeführerin führe das Eheschutzverfahren einzig deshalb, um das Verfahren zu verzögern und sich so einen Aufenthaltstitel in der Schweiz zu sichern (KG-act. 6, N 103). 3. a) Angesichts der Scheidung im Libanon gemäss libanesischem Recht und dem Eheschutzgesuch der libanesischen Beschwerdeführerin gegen den in der Schweiz wohnhaften Beschwerdegegner liegt ein internationales Ver- hältnis im Sinne von Art. 1 Abs. 1 IPRG vor. Die Zuständigkeit der schweizeri- schen Gerichte und Behörden richtet sich nach dem IPRG, da hierfür kein dem Bundesgesetz vorgehender Staatsvertrag zwischen der Schweiz und dem Libanon besteht (Art. 1 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 IPRG). Für Massnahmen betreffend die ehelichen Rechte und Pflichten – worunter die von der Be- schwerdeführerin anbegehrten Eheschutzmassnahmen gemäss Art. 172 ff. ZGB fallen – sind die Gerichte in der Schweiz als Wohnsitzstaat eines der Ehegatten zuständig (Art. 46 IPRG). Der Rechtsprechung zufolge können nach Eintritt der Rechtshängigkeit der Scheidungsklage auch in internationa- len Verhältnissen keine Eheschutzmassnahmen mehr, sondern nur noch vor- sorgliche Massnahmen während des Scheidungsverfahrens angeordnet wer- den (BGE 134 III 326, E. 3.2 m.w.H.). Somit entfällt die Zuständigkeit der schweizerischen Gerichte zum Erlass von Eheschutzmassnahmen, sobald im Ausland eine Scheidungsklage hängig ist (OG ZH Beschluss und Urteil LE220042-O vom 8. Mai 2023, E. C.1.1; vgl. BGE 134 III 326, E. 3.2). Die Zu- ständigkeit des schweizerischen Eheschutzrichters bleibt jedoch erhalten, wenn von vornherein, d.h. bereits bei Einleitung des Eheschutzverfahrens offensichtlich ist, dass ein im Ausland ergangenes Scheidungsurteil in der Schweiz nicht anerkannt werden kann (BGE 134 III 326, E. 3.2). Ob ein aner- kennungsfähiges ausländisches Scheidungsurteil vorliegt, ist für das vor- instanzliche Eheschutzverfahren also relevant. Kantonsgericht Schwyz 7 b) Das Gericht kann das Verfahren gemäss Art. 126 Abs. 1 ZPO sistieren, wenn die Zweckmässigkeit dies verlangt, namentlich, wenn der Entscheid vom Ausgang eines anderen Verfahrens abhängig ist. Der Sistierungsentscheid liegt im Ermessen des Gerichts bzw. der Verfahrensleitung (Gschwend, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivil- prozessordnung, 3. A., 2017, Art. 126 ZPO N 2; Kaufmann, in: Brun- ner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kom- mentar, Bd. I, 2. A., 2016, Art. 126 ZPO N 8). Eine Sistierung soll nicht leicht- hin angeordnet werden, weil sie immer eine Verzögerung des Verfahrens zur Folge hat, was grundsätzlich dem Beschleunigungsgebot widerspricht (Art. 124 ZPO, Art. 29 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Es müssen objektive Gründe vorliegen, welche die Fortsetzung des Verfahrens unmöglich oder unzweck- mässig machen (Frei, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Bd. I, 2012, Art. 126 ZPO N 1; Gschwend, a.a.O., Art. 126 ZPO N 2). Die Zweckmässigkeit einer Sistierung ist insbesondere dann gegeben, wenn der Entscheid von einem anderen Ver- fahren abhängt, dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist. Dadurch sollen widersprüchliche Urteile mit sich allenfalls ausschliessenden Rechtsfol- gen vermieden werden (Frei, a.a.O., Art. 126 ZPO N 3; Gschwend, a.a.O., Art. 126 ZPO N 1; Staehelin, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. A., 2016, Art. 126 ZPO N 3 f.). Im Einzelfall ist genau zu prüfen, ob das Ergebnis eines anderen Verfahrens tatsächlich präjudizielle Wirkung auf das zu sistierende Verfahren hat (Frei, a.a.O., Art. 126 ZPO N 4). Darüber hinaus erfordert die Sistierung eine Abwägung der Interessen an der Sistierung gegenüber dem Beschleunigungsgebot. Dabei bleibt die Sistierung die Ausnahme. In Zweifels- fällen geht das Beschleunigungsgebot vor (Staehelin, a.a.O., Art. 126 ZPO N 4; Frei, a.a.O., Art. 126 ZPO N 1 und 6; vgl. BGer, Urteil 4A_608/2023 vom 8. März 2024, E. 3.2 m.w.H.; KGer SZ, Beschluss ZK2 2018 69, E. 3.a). Kein Sistierungsgrund ist eine erhoffte Klärung von Rechtsfragen in einem anderen Kantonsgericht Schwyz 8 Verfahren (Weber, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. A. 2021, Art. 126 ZPO N 7). c) Im Bereich der Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Entschei- dungen bestehen zwischen dem Libanon und der Schweiz keine einschlägi- gen Staatsverträge. Die Voraussetzungen der Anerkennung und Vollstreckung solcher Entscheidungen richten sich folglich nach dem IPRG (Art. 1 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 IPRG). Gemäss Art. 32 Abs. 1 IPRG sind ausländische Ent- scheidungen, die den Personen- oder Familienstand einer Person betreffen, wie etwa Ehescheidungen (Schramm/Buhr, in: Furrer/Girsberger/Müller-Chen [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 3. A. 2016, Art. 32 IPRG N 1), aufgrund einer Verfügung der kantonalen Aufsichtsbehörde in die Zivil- standsregister einzutragen (vgl. auch Art. 23 ZStV). Die Anerkennung durch die zuständige Aufsichtsbehörde erfolgt in der Regel vorfrageweise und der Entscheid über die Anerkennung ist unselbstständiger Natur, d.h. er entfaltet nur innerhalb des jeweiligen Verfahrens Rechtskraft (Däppen/Mabillard, in: Grolimund/Loacker/Schnyder [Hrsg.], Basler Kommentar, Internationales Pri- vatrecht, 4. A. 2021, Art. 32 IPRG N 4 und Art. 29 IPRG N 20, m.w.H.; VG ZH VB.2013.00613 vom 22. Januar 2014, E. 5). Ist der Eintrag noch nicht erfolgt – wie vorliegend (Vi-act. B7; vgl. KG-act. 6, N 32, 52 und 54) –, kann es zur vor- fraglichen Geltendmachung des ausländischen Scheidungsurteils nach Art. 29 Abs. 3 IPRG kommen, wie etwa, wenn in einem später in der Schweiz hängig gemachten Eheschutzverfahren die beklagte Partei die Einrede der abgeurteil- ten Sache erhebt. Diesfalls muss das mit der Hauptsache befasste Gericht vorfraglich über die Anerkennung des ausländischen Scheidungsurteils befin- den (Schwander, Anerkennung und Vollstreckbarerklärung ausländischer Scheidungsurteile, in: FamPra.ch 4/2009, S. 840). Selbst wenn die Eintragung im Zivilstandsregister aber bereits erfolgt wäre, gälte es zu beachten, dass die von den Registerbehörden vorgenommenen Eintragungen den richterlichen Entscheid in der Hauptsache nicht zu präjudizieren vermögen, dass die Ein- tragungen nötigenfalls berichtigt werden können und dass die Zivilstandsregis-Kantonsgericht Schwyz 9 ter keinen unumstösslichen Beweis schaffen (BGE 126 III 257, E. 4b). Inso- fern wäre das mit der Hauptsache befasste Gericht an die Eintragung im Zivil- standsregister nicht gebunden (vgl. BGE 126 III 257, Regeste und E. 4b; vgl. BGE 117 II 11, E. 4 = Pra 80 [1991] Nr. 227) und es besteht folglich keine Abhängigkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 ZPO zwischen dem Eintragungs- verfahren beim Amt für Gemeinden und Bürgerrecht des Kantons St. Gallen sowie dem Eheschutzverfahren bei der Vorinstanz. Eine Sistierung des Ehe- schutzverfahrens bis zum Vorliegen eines Entscheids des Amts für Gemein- den und Bürgerrecht des Kantons St. Gallen über die Anerkennung des liba- nesischen Scheidungsurteils erscheint somit nicht zweckmässig. Abgesehen davon drängt sich eine vorfrageweise Überprüfung der Anerken- nungsfrage auf, wenn aufgrund eines ausländischen Urteils die Einrede der res iudicata erhoben wird oder wenn ausländische Statusentscheidungen in einem schweizerischen Verfahren vorgelegt werden (Däppen/Mabillard, a.a.O., Art. 29 IPRG N 20). Letzteres war mit dem vom Beschwerdegegner im erstinstanzlichen Verfahren vorgelegten libanesischen Scheidungsurteil vom 17. November 2022 (Vi-act. A2, Ziff. I.1 und Ziff. II.4 ff.; Vi-act. C2–4) der Fall. Somit ist die Frage der Anerkennungsfähigkeit des erwähnten Scheidungsur- teils im vorinstanzlichen Eheschutzverfahren vorfrageweise zu überprüfen. Der Umstand allein, dass die Vorinstanz laut der angefochtenen Verfügung die vorfrageweise Prüfung der Gültigkeit der im Libanon ergangenen Ehe- scheidung nicht zügiger vornehmen könne als das Amt für Gemeinden und Bürgerrecht des Kantons St. Gallen, rechtfertigt keine Sistierung. Angesichts dessen, dass das Eintragungsverfahren beim Amt für Gemeinden und Bürger- recht des Kantons St. Gallen erst nach dem Eheschutzverfahren eingeleitet wurde (Vi-act. B7 und Vi-act. D15; Vi-act. A1) und zum Zeitpunkt der Sistie- rung durch die Vorinstanz wohl noch nicht weit fortgeschritten gewesen sein dürfte (vgl. Vi-act. D15), ist die Sistierung des Eheschutzverfahrens mit dem Beschleunigungsverbot nicht vereinbar (vgl. hierzu Frei, a.a.O., Art. 126 ZPO N 5). Nicht ausschlaggebend ist weiter, dass das Scheidungsurteil zum Zeit-Kantonsgericht Schwyz 10 punkt der Einreichung des Eheschutzgesuchs laut Vorbringen des Beschwer- degegners mangels Rechtskraft nicht anerkennungsfähig gewesen sei (KG- act. 6, N 20), weil er selbst vorbringt, dass das Scheidungsurteil seit dem 20. Februar 2023 rechtskräftig sei (KG-act. 6, N 20), und somit keine Gründe ersichtlich sind, die eine Sistierung des Eheschutzverfahrens über diesen Zeitpunkt hinaus rechtfertigen würden. Angesichts dessen, dass dem Be- schleunigungsgebot ein hoher Stellenwert zukommt und die Beschwerdefüh- rerin aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Opferhilfe (KG-act. 1/7 und 1/8) ein grosses Interesse an der Regelung der Frage der Unterhaltszahlungen hat, ist eine Sistierung auch aus diesen Gründen nicht zweckmässig. Im Übrigen geht das Vorbringen des Beschwerdegegners, die Beschwerdeführerin verzögere das Verfahren nur, damit sie ihren Aufenthaltstitel in der Schweiz länger be- halten könne (KG-act. 6, N 103), fehl, weil die Beschwerdeführerin selbst ge- gen die Sistierung des Verfahrens vorgeht und so eine möglichst rasche Klärung wünscht. 4. a) Zusammengefasst besteht kein ausreichender Grund nach Art. 126 Abs. 1 ZPO, das vorinstanzliche Eheschutzverfahren zu sistieren. Die Be- schwerde ist somit gutzuheissen und die angefochtene Sistierungsverfügung ersatzlos aufzuheben. Die Sache ist zur Fortführung des Verfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen, die vorfrageweise über die Anerkennungsfähig- keit des libanesischen Scheidungsurteils vom 17. November 2022 zu befinden haben wird. b) Die Beschwerdeführerin verlangt die Zusprechung eines Prozesskos- tenvorschusses von Fr. 3’000.00, eventualiter die Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege und -verbeiständung (KG-act. 1, N 47 ff.). Weil die Kosten des Beschwerdeverfahrens aber ausgangsgemäss vollumfänglich dem unter- liegenden Beschwerdegegner aufzuerlegen sind (Art. 106 Abs. 1 ZPO) und dieser der Beschwerdeführerin zudem eine volle Parteientschädigung zu ent- richten hat (Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 Abs. 1 lit. b und Abs. 3 lit. b Kantonsgericht Schwyz 11 ZPO), die mangels gegenteiliger Anhaltspunkte (vgl. insbesondere Vi-act. C9) nicht als uneinbringlich erscheint (vgl. Art. 122 Abs. 2 ZPO), werden die Ge- suche um Prozesskostenbevorschussung sowie um unentgeltlichen Rechts- pflege und -verbeiständung gegenstandslos. Grundlage für die Entschädigung der Rechtsvertreterin bildet der Gebührenta- rif für Rechtsanwälte (GebTRA; Art. 105 Abs. 2 ZPO i.V.m. Art. 96 ZPO). Im Beschwerdeverfahren beläuft sich das Honorar auf Fr. 180.00 bis Fr. 2’400.00 (§ 12 GebTRA). Innerhalb dieses Tarifrahmens bestimmt sich die Höhe des Honorars nach der Wichtigkeit der Streitsache, ihrer Schwierigkeit, dem Um- fang und der Art der Arbeitsleistung sowie dem notwendigen Zeitaufwand (§ 2 GebTRA). Die Beschwerdeführerin reichte keine spezifizierte Kostennote ins Recht, weshalb die Vergütung nach pflichtgemässem Ermessen festzusetzen ist (§ 6 Abs. 1 GebTRA). Der Aufwand der Rechtsvertreterin der Beschwerde- führerin lag in der Ausarbeitung der 17-seitigen Beschwerdeschrift sowie der weiteren Eingaben und Stellungnahmen vom 27., 28. April, 20., 23. Juni, 7. Juli und 13. Dezember 2023 (KG-act. 8, 10, 16, 18, 22 und 26). Angesichts dessen sowie in Würdigung der Bemessungskriterien nach § 2 Abs. 1 Geb- TRA erscheint eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2’400.00 (in- kl. Auslagen und MWST) für das Beschwerdeverfahren angemessen;- beschlossen: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Sistierungsverfügung der Ein- zelrichterin am Bezirksgericht Einsiedeln vom 16. März 2023 (ZES 2022 159) aufgehoben und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an die Vorinstanz zurückgewiesen.Kantonsgericht Schwyz 12 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 2’000.00 werden dem Beschwerdegegner auferlegt. 3. Der Beschwerdegegner hat die Beschwerdeführerin für das Beschwer- deverfahren mit Fr. 2’400.00 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädi- gen. 4. Die Gesuche der Beschwerdeführerin um Prozesskostenbevorschus- sung, eventualiter um unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung, werden als gegenstandslos geworden abgeschrieben. 5. Gegen diesen Zwischenentscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung unter den Voraussetzungen von Art. 93 des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Zivilsachen beim Bundesgericht in Lausanne ein- gereicht werden; die Beschwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streitwert übersteigt Fr. 30’000.00. 6. Zufertigung an Rechtsanwältin B.________ (2/R), Rechtsanwältin D.________ (2/R), die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R, unter Rückgabe der Akten) und an die Kantons- gerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der 2. Zivilkammer Der Kantonsgerichtsvizepräsident Die Gerichtsschreiberin Versand 4. November 2024 amu