Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Dezember 2021 (725 20 413 / 318) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Fallabschluss ist nicht zu beanstanden; Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Zweifel an der versicherungsinternen Zumutbarkeitsbeurteilung; Rückweisung an Suva zur weiteren Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D aniel Tschopp, Advokat, Baur Laubscher Tschopp Manera Brodbeck Advokaturbüro, Greifen- gasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A.1 Der 1972 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. Juni 2014 als Gerüstmonteur bei der B.____ AG und war aufgrund dieses Anstellungsverhältni sses bei der Schweizerischen Unfall- versicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 27. Juni 2014 verletzte er sich an der rechten Schulte r, am rechten Unterarm sowie am Rü- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cken, als er von einem Gerüst fiel (vgl. Schadenmeldung d er Arbeitgeberin vom 2. Juli 2014). Nach einer Erstversorgung im Kantonsspital C.____, wurde A._____ ins Spital D.____ ge- bracht, wo er bis zum 3. Juli 2014 behandelt und am re chten Handgelenk operiert worden war. Dem Bericht des Spitals D.____ vom 7. Juli 2014 sind als unfallbedingte Diagnosen eine distale intraartikulare, nach volar abgekippte Radiusfraktur rechts, eine laterale undislozierte Claviculaf- raktur rechts und eine Contusio capitis mit undislozierter Nasenbeinfraktur zu entnehmen. Nach einem schwierigen Heilungsprozess musste sich der Versicherte mehrfach operativen Eingriffen an der rechten Hand unterziehen, die jeweils im Spit al D.____ durchgeführt wurden (Arthrosko- pie am 11. Mai 2015, langstreckige Neurolyse des Nervus me dianus am 12. November 2015, radioskapholunäre Arthrodese am 17. Mai 2016, radiome tacarpale Arthrodese am 14. August 2017 und Entfernung des Osteosynthesematerials [OSME] sow ie Rearthrodese am 16. Juli 2018). A.2 Nach Eingang der Schadenmeldung der Arbeitgeberin vom 2. Juli 2014 anerkannte die Suva ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzliche n Leistungen (Taggelder und Heilbe- handlungskosten). Mit Schreiben vom 21. Januar 2020 teilte sie dem Versicherten mit, dass ein Endzustand eingetreten sei und die laufenden Leistungen per 29. Februar 2020 eingestellt wür- den. In ihrer Verfügung vom 28. Januar 2021 sprach die Suva dem Versicherten sodann für die verbleibenden Beeinträchtigungen aus dem Unfall vom 27. Juni 2014 eine 13%ige Invalidenren- te und eine Integritätsentschädigung aufgrund einer Einbusse in der Integrität von 20 % zu. Zu- sätzlich übernahm sie noch bis Ende August 2020 die Kost en für die zweimal wöchentlich statt- findende Ergotherapie. Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 24. September 2020 fest. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dani el Tschopp, am 23. Oktober 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte unter o/e-Kostenfolge, es sei der Einspr acheentscheid vom 24. September 2021 teilweise aufzuheben und es seien hinsichtlich der den Invaliditätsgrad von 13 % übersteigen- den Invalidität weitere Abklärungen vorzunehmen und üb er die unfallversicherungsrechtlichen Ansprüche (Rente/Integritätsentschädigung) neu zu verfüg en. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei bezüglich der Unfallfolgen ein bidisziplinäres Gerich tsgutachten (Handchirurgie/Psychiatrie) einzuholen. Eventualiter sei der Einspracheentscheid vom 24. September 2020 teilweise aufzu- heben und es sei die Suva hinsichtlich der den Invalidi tätsgrad von 13 % übersteigenden Invali- dität anzuweisen, weitere Abklärungen vorzunehmen und über die unfallversicherungsrechtli- chen Ansprüche neu zu entscheiden. Weiter sei ihm das Rep likrecht einzuräumen und es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege für das vorliegen de Beschwerdeverfahren zu gewähren. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, die Suva habe ihren Entscheid auf unzu- reichende medizinische Unterlagen abgestützt. C. Mit Beschwerdeantwort vom 20. November 2020 beantrag te die Suva unter Hinweis auf die Ausführungen im Einspracheentscheid vom 24. S eptember 2020 die Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit Verfügung vom 25. November 2020 bewilligte da s Kantonsgericht dem Versicher- ten die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Daniel Tschopp als Rechtsvertreter. E. In der Replik vom 26. Januar 2021 hielt der Beschwe rdeführer, weiterhin vertreten durch Advokat Tschopp, an seinen beschwerdeweise erhobenen Anträgen fest. Er bestritt die Ausführungen der Suva in der Beschwerdeantwort vom 25. November 2020 und wiederholte im Wesentlichen seinen Standpunkt, wonach der angefochten e Entscheid sich auf einen ungenü- gend abgeklärten medizinischen Sachverhalt stütze. F. Die Suva reichte am 25. Februar 2021 ihre Duplik ein und beantragte unter Hinweis auf die Darlegungen in der Beschwerdeantwort, an welchen sie vollumfänglich festhalte, die Abwei- sung der Beschwerde. G. Das Kantonsgericht zog in der Folge am 10. März 2021 bei der IV-Stelle Basel- Landschaft die Akten bei und stellte einzelne Aktenstücke der Suva zu, damit diese sich dazu äussern könne. Nachdem die Suva mit Eingabe vom 17. März 2021 ihren Verzicht auf eine wei- tere Stellungnahme mitgeteilt hatte, wurde der Fall mit Verfügung vom 18. März 2021 dem Ge- richt zur Beurteilung überwiesen. H. Am 25. März 2021 reichte der Beschwerdeführer eine K opie der kreisärztlichen Unter- suchung vom 9. März 2021 ein. Die Suva hielt dazu am 31 . März 2021 unter anderem fest, dass im Zeitpunkt des Fallabschlusses das Zusprechen einer zusätzlichen Integritätsentschädi- gung betreffend die Beschwerden an der rechten Schulter wohl vergessen worden sei. Aus die- sem Grund sei dem Beschwerdeführer eine Integritätsentsch ädigung entsprechend einer Integ- ritätseinbusse von gesamthaft 35 % zuzusprechen. Im Übri gen sei die Beschwerde abzuwei- sen. I. Anlässlich der Urteilsberatung vom 2. September 202 1 stellte das Kantonsgericht den Fall aus und räumte dem Versicherten Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zum Beschwerde- rückzug ein. Im Ausstellungsbeschluss wurde im Wesentlichen festgehalten, dass das Kan- tonsgericht im Falle eines Urteils beabsichtige, die A ngelegenheit an die Suva zurückzuweisen, damit diese den medizinischen Sachverhalt weiter abkläre und neu verfüge, was möglicher- weise zu einer reformatio in peius führen könne. Glei chzeitig wies es darauf hin, dass ein allfäl- liges Urteil gemäss § 1 Abs. 4 des kantonalen Gesetzes üb er die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 im Zirkularverfahren ergehen würde. K. Am 23. September 2021 liess der Beschwerdeführer de m Kantonsgericht durch seinen Rechtsvertreter mitteilen, dass er an seiner Beschwerde vom 23. Oktober 2020 festhalte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bun desgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a VPO beu rteilt das Kantonsgericht als Versiche- rungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanton s Beschwerden gegen Einspracheent- scheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behand- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobe- ne Beschwerde ist einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist die Höhe des Leistungsan spruchs des Beschwerdeführers aus dem Unfallereignis vom 27. Juni 2014. Massgebend ist dab ei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids vom 24. Se ptember 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitli che Grenze der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, w enn sie infolge des Unfalls zu mindes- tens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wen n von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustan ds der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederu ngsmassnahmen der Invalidenversiche- rung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fal len die Heilbehandlung und die Tag- geldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers gemäss UVG se tzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Kr ankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ursache n im Sinne des natürlichen Kau- salzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhand ensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen W eise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetre- ten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibun g ist für die Bejahung des natürli- chen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unf all die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (vgl. BGE 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage , worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegend en Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruches nicht (vgl. BGE 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unter lagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BG E 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ä rztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätig- keiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (vgl. U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozent- genauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Scha ffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechts- fragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversi cherungsgericht alle relevanten Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf di e andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI- Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.4.1 Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen ausschliesslich auf versicherungsin- terne medizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 14. Mai 2019, 9C_143/2019, E. 4.1 mit Hinweisen). 4.4.2 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Be gutachtungsauftrag des amtlich be- stellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, so zialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Ad ministrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbeh alten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die beh andelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – A spekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sin d (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren wie auch der kantonale S ozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht von Amtes wege n für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- u nd Rechtslage. Gestützt auf den Un- tersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermit teln, dass über den Leistungsan- spruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und des natürlichen Kausalzu- sammenhangs sind vorliegend im Wesentlichen folgende Berichte zu berücksichtigen: Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Nach einer Erstbehandlung am 27. Juni 2014 im Kant onsspital C.____ war der Be- schwerdeführer bis zum 3. Juli 2014 im Spital D.____, C hirurgische Klinik, hospitalisiert. Dr. med. E.____, FMH Chirurgie und Handchirurgie, diagn ostizierte im Austrittsbericht vom 7. Juli 2014 (1) eine distale intraartikuläre, nach volar abgekippte Radiusfraktur rechts, Spannungsbla- sen am distalen Unterarm rechts ulnar und radial sowie Parästhesien im Medianus-Dermatom, (2) eine laterale undislozierte Claviculafraktur rechts, (3) eine Contusio capitis mit nicht dislo- zierter Nasenbeinfraktur, (3) eine Hypertonie und (4) einen Nikotinabusus. Der Versicherte sei vom Kantonsspital C.____, überwiesen worden, wo er nach einem Sturz von einem Gerüst aus 4 Metern Höhe eingewiesen worden sei. Bei Eintritt h ätten im Lokalstatus ein Druckschmerz über der Halswirbelsäule (HWS) von HWK3 bis HWK7, an d er oberen Brustwirbelsäule (BWS) sowie an der rechten Schulter und über dem rechten Han dgelenk mit einer ausgeprägten Schwellung von der Handwurzel bis zur Ellenbeuge reichend imponiert. Im Verlauf des stationä- ren Aufenthalts hätten sich über der Fraktur Spannung sblasen radial sowie ulnar, eine Schürf- wunde über der rechten Schulter und der Nase sowie Pa rästhesien in den Dig. II - V der rech- ten Hand mit Stauchungsschmerz des rechten Daumens im Sin ne eines Carpaltunnelsyndroms gezeigt. Das restliche Bodycheck sei unauffällig, die Pup illen isocor und prompt direkt sowie indirekt lichtreagibel gewesen. Ein Schnelltest am Kant onspital Baden habe keine intraabdomi- nale freie Flüssigkeit gezeigt. Mittels CT-Untersuchung de s Schädels seien eine intrakranielle Blutung und frische ossäre Läsionen an der HWS ausgeschlo ssen worden. Es bestehe eine nicht dislozierte Nasenbeinfraktur. Weitere konventionel l radiologische Untersuchungen hätten bis auf vorgenannte Frakturen keine Befunde ergeben. Z ur Frakturbilanzierung sei am 30. Juni 2014 eine CT-Untersuchung des rechten Handgelenks dur chgeführt worden, worauf am 1. Juli 2014 ein operativer Eingriff (Open reduction and inte rnal fixation der distalen Radiusfraktur rechts mit Variax-Platte breit und Spaltung des Carpal tunnels) durchgeführt worden sei. Der postoperative Verlauf habe sich komplikationslos bei stet s trockenen Wundverhältnissen und deutlichem Rückgang der Medianus-Symptomatik gestaltet. Di e leicht protrahierte Schmerzsymptomatik sei unter Optimierung der Analgesie ra sch regrediert. Der Versicherte habe am 3. Juli 2014 in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden können. 6.3 Nach einem protrahiertem Heilungsverlauf mit Schm erzen und motorischen Einschrän- kungen der rechten Hand unterzog sich der Beschwerdeführ er am 7. Mai 2015 einem weiteren operativen Eingriff im Spital D.____, Chirurgische Kli nik, wobei eine Arthroskopie am rechten Handgelenk, eine Synovektomie des radiocarpalen Kompartiments und eine OSME am distalen rechten Radius durchgeführt worden seien. Dem Austritts bericht vom 11. Mai 2015 sind als Di- agnosen ein radiocarpales Impingement am rechten Han dgelenk mit/bei Zustand nach Osteo- synthese einer Radiusfraktur rechts am 1. Juli 2014 mit/bei Zertrümmerung des Radius-Styloids und Impression der radiocarpalen Gelenkfläche, im Verla ufs-CT kein Nachweis einer überste- henden Schraube, ein Status nach lateraler undislozier ter Claviculafraktur rechts am 27. Juni 2014, eine Hypertonie und ein Nikotinabusus zu entnehmen. 6.4 Der Suva-Kreisarzt Dr. med. F.____, FMH Orthopäd ische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, nannte in seiner kreisärztlichen B eurteilung vom 12. August 2015 (1) einen Status nach Gerüststurz am 27. Juni 2014 mit dista ler intraarticulärer dislozierter Radius- fraktur rechts, lateraler Claviculafraktur rechts und Nas enbeinfraktur, (2) einen Status nach of- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fener Reposition und Plattenosteosynthese des rechten di stalen Radius und (3) einen Status nach Arthroskopie des rechten Handgelenks mit Synovektomie d es radiocarpalen Komparti- ments und OSME am 7. Mai 2015. Aktuell bestünden eine Funktionseinschränkung und Be- schwerden vor allem bei Belastung des rechten Handgelenks , eine Sensibilitätsstörung und eine Schmerzausstrahlung Dig. I bis III der rechten Hand . In seiner Beurteilung führte Dr. F.____ aus, dass sich ein Jahr nach der Fraktur und d rei Monate nach der Metallentfernung die Residuen im radiocarpalen Gelenk und am distalen R adius bildgebend noch gut nachvoll- ziehen lassen würden. Eine gewisse Restsymptomatik werde sic h langfristig nicht vermeiden lassen. Das Problem sei, dass der Versicherte keinen Beruf gelernt und bisher nur schwere Arbeiten verrichtet habe. Dabei sei er auf eine voll funktionierende Physis inklusiv Handgelenke angewiesen. Dies sei zukünftig nicht mehr möglich. Auch wenn im CT noch keine sehr ausge- prägte Arthrose im Radiocarpalgelenk vorhanden sei, sei damit zu rechnen, dass sich eine sol- che entwickeln werde und der Versicherte nicht mehr beschwerdefrei sein werde. 6.5 Auf Ersuchen des Kreisarztes Dr. F.____ wurde der Beschwerdeführer am 28. September 2015 durch Dr. med. G.____, FMH Orthop ädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates und Handchirurgie, untersucht. I n seinem gleichentags verfassten Bericht diagnostizierte Dr. G.____ Restbeschwerde im rech ten Handgelenk und eine depressi- ve Störung. Er führte aus, dass im Rahmen der ursprüngli ch erlittenen Fraktur zweifellos ein Knorpelschaden an der distalen Radiusgelenkfläche in de r Fossa scaphoidea vorliege. Eine wesentliche Arthrose bestehe jedoch nicht. Aus seiner Sich t müsse mit konservativen Mass- nahmen versucht werden, den Schmerzzustand weiter zu reduzieren und die Belastung zu stei- gern. Schwere manuelle Arbeiten, wie im Gerüstbau übl ich, würden allerdings auch in Zukunft kaum mehr möglich sein. Allenfalls wäre in dieser Situation bei gut erhaltener Gelenkfläche und lokalen Schmerzen eine Handgelenksdenervierung denkbar, um wenigstens die Schmerzen zu reduzieren. 6.6 Der Beschwerdeführer wurde am 12. November 2015 im Spital D.____ operiert. Dr. E.____ nahm bei der Diagnose einer schweren radi ocarpalen Arthrose mit radiocarpalem Impingement am rechten Handgelenk eine langstreckige N eurolyse des Nervus medianus vor (vgl. Operationsbericht vom 16. November 2015). 6.7 Im Bericht vom 17. Februar 2016 hielt Dr. med. H. ____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats und Handchirurgie, welcher den Beschwerdeführer im Auftrag von Dr. E.____ untersucht hatte (vgl. act. 15 7), fest, dass der Versicherte an ausge- prägten, belastungsabhängigen Beschwerden radiocarpal l eide. Aufgrund der bildgebenden Befunde stelle sich die Fraktur vollständig konsolidiert d ar mit kleinen Stufen im Gelenk. Es be- stehe eine beginnende radiocarpale Arthrose. In den e rgänzenden Funktionsaufnahmen lasse sich der SL-Intervall unauffällig darstellen und gehe i m Kraftschluss nicht auf. Die beklagten Beschwerden seien plausibel, würden aber nicht ganz mi t dem radiologischen Bild zusammen- passen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.8 Am 17. Mai 2016 führte Dr. E.____ bei Vorliegen einer schwerstausgeprägten radio- carpalen Arthrose rechts eine radioskapholunäre Arthrod ese durch (vgl. Bericht vom 20. Mai 2016). 6.9 Da im Nachgang zum vorgenannten Eingriff vom 17. Ma i 2016 kein befriedigender Zu- stand erzielt werden konnte, unterzog sich der Beschwerdef ührer am 14. August 2017 erneut einer Operation am rechten Handgelenk. Dem Operation sbericht von Dr. E.____ vom 14. August 2017 ist zu entnehmen, dass eine radiometacar pale Arthrodese mittels Arthrodese- platte durchgeführt worden sei. 6.10 Im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung vom 9. Mä rz 2018 wies Dr. F.____ da- rauf hin, dass der Versicherte unter Beschwerden und eine r Funktionseinschränkung der rech- ten Schulter, einem arthrodesierten bzw. steifen rechten Handgelenk, einer erheblichen Kraft- minderung der rechten Hand und an ruhe- und belastungsinduzierten Beschwerden am rechten Unterarm und am rechten Handgelenk sowie an der rec hten Hand leide. Der Kreisarzt bezeich- nete den Verlauf insgesamt als unglücklich. Die Einschränkungen im Bereich des rechten Arms und der rechten Hand seien erheblich und es sei nur n och eine Restfunktion möglich. Die deut- liche Beschwerdesymptomatik aufgrund der multiplen Oper ationen und der Arthrodese sei nachvollziehbar. Entsprechend schlecht sei die aktuelle Zu mutbarkeit, denn es sei dem Versi- cherten nur noch möglich, mit der rechten Hand leichte Zuarbeiten auszuführen. Zudem seien aufgrund der Verletzungsfolgen am rechten Schultereckgelenk Überkopfarbeiten ebenfalls nicht mehr ausführbar. Speziell bei Tätigkeiten mit der rech ten Hand sei darauf zu achten, dass hier im Handgelenk- und Handwurzelbereich eine Arthrodese vo rliege und somit das Handgelenk funktionslos sei. Abstützbewegungen etc. seien nicht mög lich und Drehbewegungen mit den Fingern nur rudimentär ausführbar. Zudem resultiere ein deutlicher Kraftverlust an den Fingern. Eine Tätigkeit, welche diese genannten Einschränkungen berücksichtigte, sei aber vollschichtig ausführbar. 6.11 Der Beschwerdeführer wurde am 25. April 2018 in der Universitätsklinik I.____ unter- sucht. Im Sprechstundenbericht vom 9. Mai 2018 wurde ihm eine Rearthrodese im Sinne einer Platten- und einer Knorpelentfernung mediocarpal sowie die Anlage einer Spongiosaplastik vom Beckenkamm und ein erneutes Einbringen einer Synthesarthodeseplatte empfohlen. 6.12 Am 22. Mai 2018 wurde der Versicherte aufgrund vo n Schmerzen in der rechten Schul- ter durch Dr. med. J.____, FMH Orthopädische Chirurgie, untersucht. Dieser diagnostizierte am 25. Mai 2018 einen Verdacht auf eine Partialläsion d er Rotatorenmanschette und eine Kom- plexverletzung am rechten Arm. Dr. J.____ initiierte in der Folge eine MRT-Untersuchung, wel- che am 30. Mai 2018 durchgeführt wurde. Gemäss dem glei chentags verfassten Bericht ergab die Untersuchung eine regelrechte Darstellung der Rotatorenmanschette ohne auffälliges Ödem oder abgrenzbare Partialruptur, eine schlanke Bursa su bdeltoidea, einen Verdacht auf ein sub- labrales Foramen an der Basis des Bizepssehnenankers, scha rf begrenzt, eine leicht plattenar- tig ausgedünnte lange Bizepssehne, ohne auffälliges Ö dem sowie ein AC-Gelenk und eine dis- tale Clavicula ohne Knochenmarködem oder auffällige degenerative Veränderungen. Dr. J.____ hielt dazu am 21. Juni 2018 fest, dass sich keine eindeu tig strukturelle Pathologie im Bereich Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Rotatorenmanschette fände. Es liege ein leichtgrad iges Ödem im Teres minor vor. Die Bi- zepssehne zeige eine Tendinopathie, möglicherweise nach einer Zerrung. Die Indikation für eine operative Intervention habe nicht bestanden. Im Vo rdergrund lägen gelegentliche Weich- teilmassnahmen zur Lockerung der Muskulatur. Diese Auffassun g bestätigte er in seinem Be- richt vom 16. Oktober 2018, nachdem der Versicherte ihn ein weiteres Mal wegen anhaltenden Schulterbeschwerden aufgesucht hatte (vgl. act. 388). 6.13 Vom 12. Juni 2019 bis 17. Juli 2019 befand sich de r Beschwerdeführer in der Rehakli- nik K.____. Dem Austrittsbericht vom 25. Juli 2019 sind als Diagnosen eine distale intraartikulä- re, dislozierte Radiusfraktur rechts, eine laterale Cla viculafraktur rechts und eine Nasenbein- fraktur sowie ein neuropathisches Schmerzsyndrom mit Schme rzen ulnarseitig dorsal und palmar mit Ausstrahlung in den Ellenbogen aufgeführt . Weiter leide der Beschwerdeführer an einer Hypothyreose (medikamentös eingestellt), anamnes tisch an einem Status nach Stentim- plantation, an einer arteriellen Hypertonie, an eine r Hypercholesterinämie sowie an einer post- traumatischen Belastungsstörung (PTBS) in weitgehender R emission (ICD-10: F43.1; differen- tialdiagnostisch eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode [ICD-10: F33.0] und eine Akrophobie ([ICD-10: F40.2]). Beim A ustritt des Versicherten hätten Bewe- gungs- und Belastungseinschränkungen an der rechten Schul ter und Probleme an der arthro- desierten rechten Hand sowie deren Kraftminderung best anden. Im Rahmen der somatischen Beurteilung wurde festgehalten, dass sich das Ausmass der ph ysischen Einschränkungen mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinisch en Untersuchung und den bildge- benden Abklärungen sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht vollumfänglich erklären lies- sen. Das heutige funktionelle Ergebnis nach 5-jährigem Heilverlauf sei subjektiv und objektiv als sehr schlecht zu bezeichnen. Die praktisch gebrauchsunfähig e Hand sei nicht nur funktionell hochgradig eingeschränkt, sondern auch extrem schmerzhaft. Im Zusammenhang mit den bis- her vorgenommenen Operationen und Behandlungen ist de m Bericht zu entnehmen, dass die Schrauben- und Implantatanlage wohl nicht immer korre kt, teilweise intraartikulär und damit schmerzverursachend gewesen sei. Ob die zuletzt durchgeführ te Rearthrodese mit langer Plat- te die bestmögliche Option in dieser Situation gewes en sei, könne nicht beurteilt werden. Es müsse aber festgehalten werden, dass das Ziel eines schmerz freien Handgelenks mitnichten erreicht worden sei. Anlässlich eines handchirurgischen Konsi ls in der Rehaklinik sei dem Pati- enten die Möglichkeit einer Reoperation aufgezeigt w orden (vgl. nachfolgend E. 6.14). In der Zumutbarkeitsbeurteilung wurde ausgeführt, dass dem Besc hwerdeführer die berufliche Tätig- keit als Gerüstbauer nicht mehr zumutbar sei. In einer l eichten Verweistätigkeit bestehe hinge- gen eine volle Arbeitsfähigkeit. Die Tätigkeit müsse au fgrund des arthrodesierten rechten Handgelenks folgendes Profil erfüllen: kein Heben, Tra gen und Festhalten von Lasten sowie keine Schläge und Vibrationen. Wahrscheinlich sei die rechte Hand nur noch als Hilfshand ein- setzbar und durch eine weitere operative Massnahme werde sich das Zumutbarkeitsprofil wahr- scheinlich nicht signifikant verändern. Die festgestellte p sychische Störung (vgl. dazu unten E. 6.18.3) begründe eine leichte arbeitsrelevante Leist ungsminderung (zusätzlich zu den mus- kuloskelettal bedingten Einschränkungen). Generell würd en sich tagesstrukturierende Mass- nahmen sicherlich günstig auf das Krankheitsbild auswirken. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.14 Während des Aufenthalts in der Rehaklinik K.____ w urde der Versicherte am 11. Juli 2019 konsiliarisch durch PD Dr. med. L.____, FMH Plasti sche, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie, untersucht. In seinem Be richt vom 30. Juli 2019 diagnostizierte Dr. L._____ diffuse Handgelenksschmerzen bei Zustand na ch mehrmaligen Operationen, letzt- mals im Juli 2018, mit Re-Arthrodese des Handgelenks b ei Zustand nach intraartikulärer dista- ler Radiusfraktur von 2014. In der Beurteilung wies er auf verschiedene Probleme hin. Einer- seits würden die Platte und die Arthrose stören. Zudem habe vor allem die vorherige SL- Arthrodese einen Überdruck im Bereich der radialen Säu le produziert, so dass nun eine Arthro- se zwischen Scaphoid und Trapezoid vorhanden sei. Auf ul narer Seite bestünden degenerative Veränderungen zwischen Hamatum und Capitatum und teilw eise zwischen Triquetrum und Hamatum. Palmarseitig lägen ein Neurom der Ramus superficialis nervi medianis sowie Verkle- bungen des Hauptstamms des Nervus medianus, eventuell au ch der Beugesehne vor. Man könne versuchen, die Situation zu verbessern, indem man die Platte entferne und eine Resekti- on distal 3 mm des Scaphoids vornehme, um die radiale S äule des Handgelenks zu entlasten. Eventuell könne man auch eine Vervollständigung der Art hrodese zwischen Capitatum und Hamatum durchführen. Palmar wären eine Neurolyse und e ine Tenolyse mit Deckung mittels lokaler Lappenplastik vorzunehmen. Die Strategie könne auch stufenweise entwickelt werden, indem man mit der Entfernung der Platte und der Rese ktion des distalen Scaphoids beginne, um dann eventuell weitere Schritte vorzunehmen. 6.15 Dr. F.____ diagnostizierte in seinem Bericht vom 15. August 2019 einen Status nach Gerüststurz am 27. Juni 2014 und nannte die bereits mehr fach zitierten Diagnosen. Seiner Be- urteilung ist zu entnehmen, dass sich letztlich alles um di e Frage drehe, ob der von Dr. L.____ im Rahmen des stationären Aufenthalts in der Rehaklini k K.____ empfohlene nochmalige ope- rative Eingriff durchgeführt werde. Er sehe zumindest mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch die geplante Operation keine namhafte Verbesseru ng der Arbeitsfähigkeit. Die Situation an der Schulter würde ohnehin nicht beeinflusst und da s rechte Handgelenk bliebe steif. Es scheine auch fraglich, ob die Vielzahl der Schmerzpunkt e rund um das rechte Handgelenk durch die Operation so beeinflusst werden könnten, dass sie nicht mehr vorhanden seien. Den- noch würden die Vorschläge von Dr. L.____ rein medizinisch durchaus Sinn machen und es sei zumindest die Chance auf Verbesserung eines Teils der Be schwerden gegeben. Ohne noch- malige Operation liege ein medizinischer Endzustand vor, denn es könne von einer weiteren Behandlung keine namhafte Verbesserung des unfallbeding ten Zustands mehr erwartet wer- den. Es gelte vollumfänglich die Zumutbarkeitsbeurteilu ng der Rehaklinik K.____ und es sei eine Integritätsentschädigung geschuldet. Sollte sich de r Versicherte für den nochmaligen Ein- griff entscheiden, dann dauere die medizinische Phase an und eine abschliessende Beurtei- lung, vor allem des Integritätsschadens, müsse zurückgestellt werden. 6.16 Der behandelnde Arzt Dr. E.____ teilte am 30. O ktober 2019 der Suva mit, dass sich der Beschwerdeführer gegen die von Dr. L.____ vorgeschl agene Operation entschieden habe und somit auch aus seiner Sicht der Endzustand erreicht sei. In der Folge bestätigte Dr. F.____ am 15. November 2019, dass von einer weiteren Behandlu ng nach 5-jährigem Verlauf keine namhafte Verbesserung mehr erreicht werden könne. Bezüg lich der Zumutbarkeitsbeurteilung wies er wiederum auf den Austrittsbericht der Rehaklini k K.____ von Ende Juli 2019 hin. Diese Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zumutbarkeitsbeurteilung sei nach einem mehrwöchigen Be handlungs- und Beobachtungszeit- raum abgegeben worden. Seither liege ein stabiler Zu stand vor, der auch als dauerhaft zu be- trachten sei. Es sei deshalb vollumfänglich auf diese Be urteilung der Rehaklinik K.____ abzu- stellen. Ein Integritätsschaden liege in Abgleich mit d en Tabellen der Suva vor und werde ge- sondert begründet. 6.17 Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens reichte d ie Suva einen Bericht ihre Kreisarz- tes Dr. med. M.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa- rats, vom 9. März 2021 ein. Dr. M.____ bestätigte grund sätzlich die Angaben in den Berichten von Dr. F.____ vom 15. August 2019 und 15. November 20 19. Er betonte, dass in Bezug auf die Beschwerden an der rechten Hand und an der rechten Schulter von einem Endzustand auszugehen sei. 6.18.1 Neben den Berichten betreffend die beim Unfa ll vom 27. Juni 2017 erlittenen Verlet- zungen an der rechten Hand und an der rechten Schulter finden sich auch Ausführungen zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in den Akten. Der behandelnde Psy- chiater Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, berichtete am 22. März 2015, dass der Beschwerdeführer ihn am 7. Januar 2015 notfall mässig aufgesucht habe. Er habe ihn in der Vergangenheit (2002) wegen einer depressiven S törung betreut; seit 2009 habe er ihn nicht mehr gesehen. Er leide unter Schlafstörungen, Kon zentrationsschwierigkeiten, innere Un- ruhe und besonders an Alpträumen und Flash Backs. Er hab e enorme Angst, wieder zu arbei- ten – besonders als Bauarbeiter. Der Beschwerdeführer komme regelmässig 1 Mal pro Monat in die Sprechstunde. Er profitiere von der integrative n Psychotherapie und zeige eine positive Tendenz. 6.18.2 Am 14. Oktober 2017 diagnostizierte Dr. N.____ eine PTBS mit mittelgradiger depres- siver Störung. Trotz der Gesprächs- und der Psychopharmaka therapie habe immer noch keine psychische Stabilisation erreicht werden können. Der Ver sicherte leide immer noch an Alpträu- men, Flash Backs, Konzentrationsschwierigkeiten, Zukunftsängs ten, teilweise an Schlafstörun- gen, innerer Unruhe, Lust- und Interessenverlust sowie sozialer Isolation. Er erlebe schnelle Reizbarkeit mit Impulshandlungen. Diese Angaben bestätigte Dr. N.____ in seinem Bericht vom 12. Juli 2018. 6.18.3 Im psychosomatischen Konsilium der Rehaklinik K.___ _ vom 19. Juli 2019 (vgl. act. 440, Seite 711 ff.) wurden eine PTBS in weitgehende r Remission (ICD-10: F43.1) und differen- tialdiagnostisch eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0), und eine Akrophobie (ICD-10: F40.2) genannt. Diese Befunde würden eine leichte ar- beitsrelevante Leistungsminderung zusätzlich zu den muskulo skelettal bedingten Einschrän- kungen verursachen. In der Beurteilung wurde ausgeführ t, der Versicherte sei durch den Sturz und durch Erlebnisse in seiner Kindheit und Jugend meh rfach posttraumatisch belastet. Die Belastungsreaktionen seien aber in weitgehender Remissi on und der Leidensdruck aktuell auf einem subjektiv erträglichen Niveau. Die Akrophobie sei reaktiv durch den Sturz entstanden. Zwar könne ein Einfluss der belastenden Lebenssituation und die damit verbundenen sowie als realistisch zu betrachtenden Zukunftssorgen auf die Sch merzverarbeitung nicht ausgeschlos- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen werden. Der Versicherte vermittle aber einen psychisch weitgehend adäquaten Eindruck und im Rahmen der Situation sei die Reaktion im nachvollziehbaren Rahmen. 7.1 In Würdigung der vorstehend geschilderten medizinisch en Unterlagen ging die Suva im angefochtenen Einspracheentscheid davon aus, dass beim Versicherten der medizinische End- zustand hinsichtlich der von ihr anerkannten Unfallfolgen am rechten Handgelenk und der rech- ten Schulter per Ende Februar 2020 erreicht gewesen sei. Es sei nicht ersichtlich, dass im ge- nannten Zeitpunkt von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besse- rung des Gesundheitszustands zu erwarten gewesen wäre. Der Beschwerdeführer bringt dage- gen in seiner Eingabe vom 25. März 2021 vor, dass er sich i m November 2020 einer OSME- Operation habe unterziehen müssen, weshalb der Endzust and per Ende Februar 2020 zu früh erfolgt sei. 7.2 Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter E instellung der vorübergehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden rente und eine Integritätsentschädi- gung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztl ichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversiche rung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 137 V 199 E. 2.1, 134 V 109 E. 4.1). Die verunfallte Person hat dem- gemäss Anspruch auf Heilbehandlung, solange von der F ortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet werden kann. Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkei t, soweit diese unfallbedingt beeinträch- tigt ist. Die Verwendung des Begriffes "namhaft" in Ar t. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im S inne von Art. 10 Abs. 1 UVG er- hoffte Besserung ins Gewicht fallen muss (vgl. BGE 134 V 109 E. 4.3). Weder eine weit entfern- te Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu e rwartender geringfügiger therapeu- tischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospekti- ver Feststellungen beurteilt werden (vgl. RKUV 2005 Nr. U 557 S. 388, U 244/04 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts vom 22. Juli 2016, 8C_285/2016, E. 7.1 und vom 31. Juli 2013, 8C_970/2012, E. 2.3). 7.3 Das Kantonsgericht hat bereits in Erwägung 3.1.2 d es Beschlusses vom 2. September 2021 zum Ausdruck gebracht, dass der Fallabschluss durch die Suva per Ende Februar 2020 mit Blick auf die Ausführungen im Austrittsbericht der R ehaklinik K.____ vom 25. Juli 2019 und den Berichten des Kreisarztes Dr. F.____ vom 15. August 2019 sowie 15. November 2019 nicht zu beanstanden sei. Diesen Berichten ist einleuchtend zu entnehmen, dass von einem medizi- nischen Endzustand auszugehen sei, ausser es werde die im Rahmen des stationären Aufent- halts in der Rehaklinik K.____ durch Dr. L.____ empfo hlene Operation durchgeführt. Nachdem der Beschwerdeführer auf diese Operation verzichtete, führte der behandelnde Arzt des Spitals D.____ in seinem Bericht vom 30. Oktober 2019 aus, dass hiermit der Endzustand erreicht sei. Diese Auffassung wurde durch den Kreisarzt Dr. F.____ i m Bericht vom 15. November 2019 Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestätigt. Dieses Vorgehen ist nachvollziehbar, weshalb ke ine Zweifel an der Zuverlässigkeit der kreisärztlichen Beurteilung bestehen. Die vom Beschw erdeführer dagegen vorgebrachte Argumentation, wonach er sich im November 2020 einer OS ME-Operation habe unterziehen müssen, ändert an dieser Einschätzung nichts. Wie die B eschwerdegegnerin dazu in ihrer Stel- lungnahme vom 31. März 2021 unter Hinweis auf die Rech tsprechung des Bundesgerichts ein- leuchtend ausführte, zögern Operationen zur Entfernun g des Ostheosynthesematerials den Fallabschluss nicht hinaus. Darauf kann verwiesen werden. Unter diesen Umständen geht das Kantonsgericht mit der Beschwerdegegnerin einig, dass vo n einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung über den 29. Februar 2020 hinaus keine im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG namhafte Besserung des Gesundheitszustands mehr zu erwarten ist. 8.1 Die Suva prüfte in der Folge den Anspruch des Besch werdeführers auf eine Rente im Sinne von Art. 18 UVG und eine Integritätsentschädig ung (vgl. Art. 24 UVG). Dabei stützte sie sich bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und der zumutbaren Arbeitsfähigkeit auf die Ergebnisse, zu denen die Rehaklinik K.____ am 2 5. Juli 2019 und der Kreisarzt Dr. F.____ am 15. August 2019 und 15. November 2019 gelangten. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Gerüstbauer nicht mehr verrich- ten könne. Es sei ihm aber auf dem allgemeinen Arbeitsm arkt aufgrund der Einschränkungen an der rechten Hand eine leichte Verweistätigkeit ga nztags zumutbar. Eine solche Tätigkeit müsse aufgrund des arthrodesierten rechten Handgelenks folgendes Profil erfüllen: kein Heben, Tragen und Festhalten von Lasten sowie keine Schläge und Vibrationen, wobei die rechte Hand wahrscheinlich nur noch als Hilfshand einsetzbar sei. Die ser Einschätzung kann – wie bereits im Beschluss vom 2. September 2021 angedeutet – aus na chfolgenden Gründen nicht gefolgt worden: 8.2.1 Zunächst ist daran zu erinnern, dass an die Bewei swürdigung strenge Anforderungen zu stellen sind, wenn ein Versicherungsfall gestützt auf versicherungsinterne Berichte entschie- den werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel a n der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sin d ergänzende Abklärungen vorzu- nehmen (vgl. E. 4.4.1 f.). Solche Zweifel sind vorliegend nicht von der Hand zu weisen. So wur- den die Berichte zwar aufgrund von persönlichen Untersuc hungen erhoben und sind für die streitigen Belange umfassend. Weiter wurden sie in Ken ntnis der Vorakten abgegeben. Hinge- gen überzeugen sie in der Darlegung der medizinischen Zu sammenhänge und in der Beurtei- lung der medizinischen Situation nicht. Auch leuchtet die quantitative Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik K.____ und des Kreisarztes Dr. F.____ in den Berichten vom 25. Juli 2919, 15. August 2019 und 15. November 2019, wonach die traumatischen Gesundheitsprobleme des Beschwerdeführers keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigke it in einer adaptierten Verweistätigkeit hätten, nicht ein. Obwohl das Hauptziel des Aufentha lts in der Rehaklinik K.____ die Verbesse- rung der Beweglichkeit der rechten Schulter in Flexion und Abduktion war, berücksichtigt die vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit – entge gen der Auffassung der Beschwerde- gegnerin in ihrer Eingabe vom 31. März 2021 – offensi chtlich nur die ausgewiesenen Ein- schränkungen in der rechten Hand, aber nicht jene an d er rechten Schulter. Die Beurteilung, wonach die nach 5-jährigem Heilungsverlauf praktisch geb rauchsunfähige Hand nicht nur funk- tionell hochgradig eingeschränkt und wahrscheinlich nur noch als Hilfshand einsetzbar sei, steht Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht sodann in Diskrepanz zur attestierten 100%igen Arbeitsfä higkeit in einer adaptierten leichten Tätigkeit. Diese lässt sich auch unter Berücksichtigung der w eiteren Angaben in den Berichten der Rehaklinik und des Kreisarztes nicht nachvollziehbar lösen. So wird im Rahmen der Zumut- barkeitsbeurteilung unter anderem nicht berücksichtigt, d ass der Beschwerdeführer an "extre- men Schmerzen" leidet (vgl. Bericht der Rehaklinik K.___ _). Dass er bei dieser Schmerzsituati- on in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeit sfähigkeit ohne Einschränkung des Ren- dements aufweisen soll, erscheint nicht plausibel, weshal b in dieser Hinsicht weitere Abklärun- gen angezeigt sind. Weiterer Untersuchungsbedarf besteht auch unter dem Blickwinkel, dass – wie bereits erwähnt – die Beschwerden an der rechten Sch ulter keinen Eingang in die Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tät igkeit durch die Rehaklinik K.____und den Kreisarzt Dr. F.____ gefunden haben. Dies erstaunt umso mehr, als auch diesbezüglich nicht ohne weiteres von einer uneingeschränkten Arbeitsfä higkeit ausgegangen werden kann, ging doch der Kreisarzt aufgrund der Schulterbeschwerde n davon aus, dass eine Tätigkeit mit Überkopfarbeiten nicht mehr zumutbar sei (vgl. Bericht vom 9. März 2018, vorstehend E. 6.10). Diese Einschränkung wurde bei der vorgenommenen Zumutbarkeitsbeurteilung weder beachtet noch wurde begründet dargelegt, weshalb sie im Zeitp unkt des Fallabschlusses nicht mehr be- rücksichtigt werden sollte. Daran ändern die Ausführungen der Beschwerdegegnerin nichts, wonach die Bewegungs- und Belastungseinschränkung der rechten Schulter deshalb keinen Eingang in die Zumutbarkeitsbeurteilung gefunden hät ten, weil die rechte Hand ohnehin nur noch als Hilfshand eingeschätzt worden sei. Bei dieser Arg umentation wird ausser Acht gelas- sen, dass die Prüfung des Rentenanspruchs grundsätzlich au f einer umfassenden Würdigung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung sämtlicher Beschwerden beruhen muss. Dies drängt sich vorliegend umso mehr auf, als im unfallversicherungsr echtlichen Bereich der Anspruch auf eine Rente prozentgenau zu berechnen ist und dadurch j ede Einschränkung in der Arbeitsfä- higkeit – über einen allfälligen leidensbedingten Abz ug hinaus – Einfluss auf die Höhe des An- spruchs haben kann (vgl. Art. 18 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 16 ATSG). 8.2.2 Schliesslich ist auch die Abklärung der psychischen B eschwerden des Versicherten durch die Beschwerdegegnerin unzureichend. Wie vorstehe nd in Erwägung 6.18.1 ff. aufge- führt, stand der Beschwerdeführer nach dem Unfall in r egelmässiger psychiatrischer Behand- lung bei Dr. N.____, weil er an Schlafstörungen, Ko nzentrationsschwierigkeiten, innerer Unru- he, Alpträumen, Flash Backs und an einer enormen Angst l itt, wieder arbeiten zu müssen. Dr. N.____ diagnostizierte eine PTBS mit mittelgradig er depressiver Störung. Im Rahmen des Aufenthalts in der Rehaklinik K.____ wurde diese Diagn ose insofern bestätigt, als im psycho- somatischen Konsilium unter anderem festgestellt wurde, dass beim Beschwerdeführer eine PTBS in weitgehender Remission vorliege. Weiter fällt auf, dass die untersuchende Ärzteschaft der Rehaklinik K.____ nebst der remittierten PTBS dif ferentialdiagnostisch eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0), und eine Akrophobie (ICD- 10: F40.2), welche reaktiv durch den Sturz entstanden sei, bestätigte. Die psychischen Befunde würden – so die Rehaklinik weiter – eine leichte arbeit srelevante Leistungsminderung zusätzlich zu den muskeloskelettal bedingten Einschränkungen verursa chen. Die Beschwerdegegnerin selbst anerkannte in ihrer Verfügung zwar, dass neben d en somatischen Beschwerden auch psychogen bedingte Störungen die Erwerbsfähigkeit beein trächtigen würden. In der Folge un- terliess sie es jedoch, die psychischen Beschwerden des Beschw erdeführers zum Zeitpunkt Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Fallabschlusses konkret medizinisch abklären zu lassen und eine nachvollziehbare Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit vorzunehmen. Auch unter die sem Gesichtspunkt bestehen daher er- hebliche Zweifel an der Beurteilung der Beschwerdegegn erin. Wenn sie weiter zur Begründung anführt, dass die psychischen Beeinträchtigungen nicht in einem adäquaten Kausalzusammen- hang mit dem Unfallereignis vom 27. Juni 2014 stünden, kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden Dies umso weniger, als sie auf eine konkrete Prüfung der Adäquanz im Sinne von BGE 115 V 351 ff. verzichtete. So erscheint das Unfallereignis unte r Berücksichtigung der Tatsache, dass der Beschwerdeführer aus 4 Metern Höhe von einem Bauge rüst gestürzt ist, und des schwieri- gen und jahrelangen Heilungsprozesses und der ausgeprä gten Schmerzsituation nicht als der- art banal, dass ihm von vorneweg eine massgebende Bedeut ung an der Entstehung einer psy- chisch bedingten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit abgespr ochen werden müsste. Unter diesen Umständen besteht auch in Bezug auf die psychischen Beschwe rden weiterer Abklärungsbe- darf durch die Beschwerdegegnerin. 8.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass vorliegend erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdeg egnerin als massgeblich erachteten versicherungsinternen Beurteilungen der Rehaklinik K.____ und des Kreisarztes Dr. F.____ bestehen. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 4.3 hiervor) kann bei diesem Beweisergebnis nicht auf die versicherungsinternen Beurteilungen abgestellt werden. Hält man sich zum einen die Komplexität des Beschwerdebilds des Versicherten und zum andern die sich aus dem Untersu- chungsgrundsatz ergebende Pflicht des Versicherungsträge rs, den rechtserheblichen (medizi- nischen) Sachverhalt vollständig festzustellen (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG), vor Augen, so müs- sen die von der Suva im Verwaltungsverfahren getroffene n Abklärungen letztlich als nicht aus- reichend bezeichnet werden. Es sind deshalb weitere Abkl ärungen vorzunehmen. Dabei ist zu beachten, dass gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts die Sozialversicherungsgerichte nicht mehr frei entscheiden können, ob sie eine Streitsa che zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielme hr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist (vgl. BGE 137 V 263 ff. E. 4.4.1 ff). Da die Beschwerdegegnerin nicht alle erforderlichen Abklärungen vorgenommen hat und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwa ltungsverfahren versäumte medizini- sche Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz auch unter Berück- sichtigung der Rechtsprechung des Bundesgerichts nichts entgegen. Die Suva hat deshalb den somatischen medizinischen Sachverhalt in Bezug auf die A uswirkungen der Beschwerden im rechten Handgelenk und der rechten Schulter unter Berü cksichtigung der ausgeprägten Schmerzproblematik extern orthopädisch abklären zu lassen. Weiter muss sie den Beschwer- deführer psychiatrisch begutachten lassen, wobei im Rahm en eines strukturierten Beweisver- fahrens im Sinne von BGE 141 V 281 ff. festzustellen sein wird, ob und in welchem Ausmass die erhobenen Befunde Einfluss auf die Erwerbsfähigkeit haben. Schliesslich muss der Umfang der unfallbedingten Beeinträchtigung der Arbeitsfähi gkeit insgesamt neu beurteilt werden. An- schliessend wird die Suva gestützt auf die Ergebnisse ih rer Aktenergänzung über den Leis- tungsanspruch des Versicherten (Invalidenrente und Integr itätsentschädigung) neu zu befinden haben. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung des angefochtenen Einspracheent- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheids vom 24. September 2020 zur weiteren Abklärung d es medizinischen Sachverhaltes an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 9.1 Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende Dezembe r 2020 in Kraft gewesenen und vorliegend anwendbaren Fassung ist das Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten zu erheben sind. 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Ger icht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsach e und nach der Schwierigkeit des Prozes- ses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genü gt für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formell es Obsiegen in dem Sinne, dass der Beschwerde führenden Person durch die Aufhebung der a ngefochtenen Verfügung und der Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abkl ärung und neuen Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewa hrt bleiben (vgl. BGE 132 V 215 E. 6.2). Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sa che zur erneuten Abklärung im Sin- ne der Erwägungen an die Suva zurückzuweisen ist, hat diese dem Versicherten eine Partei- entschädigung auszurichten. Sein Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 19. März 2021 einen Zeitaufwand von 12.5 Stunden geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellen- den Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstande n ist. Für den nach dem 19. März 2021 entstandenen Aufwand rechtfertigt es sich, den Rec htsvertreter mit einer weiteren Stunde zu entschädigen, weshalb ihm Bemühungen von insgesamt 13.5 Stunden zu entschädigen sind. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialversicherungsre cht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnu ng für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind die in der Honorarnote ausgewiesenen Ausla- gen von Fr. 10.10. Dem Beschwerdeführer ist somit eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'645.75 (13.5 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Ausl agen von Fr. 10.10 plus 7,7 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der Suva zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bstständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzuma chenden Nachteil bewirken können vgl. (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (vgl. Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgericht- lichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisu ngsentscheid an den Versiche- rungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuver fügung nicht um einen Endent- scheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von A rt. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück-weisungsentscheid, mit dem eine materiell e Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwor tet wird (vgl. BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid der Suva vom 24. September 2020 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'645.75 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht