B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3831/2014 U r t e i l v o m 1 6 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone; Verfügung des BFM vom 2. Juli 2014 / N (…). D-3831/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 1 0. Juni 2014 unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz einreiste und am folgenden Tag um Asyl nachsuchte, dass das BFM nach der Erstbefragung im Empfangs - und Verfahrens- zentrum (EVZ) B._______, welche am 30. Juni 2014 stattfand, den Be- schwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2014 für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._______ zuteilte, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Erstanhörung ausführte, in der Schweiz eine im Kanton D._______ lebende Schwester zu haben (vgl. BFM-act. A3/12 S. 5, Ziff. 3.02), während er über den Verbleib seiner Mutter nichts wisse (vgl. BFM-act. A3/12 S. 4, Ziff. 2.01), dass das BFM seinen Zuweisungsentscheid vom 2. Juli 2014 im Wesent- lichen damit begründete, aus den Abklärungen im EVZ und nach erfolgter Rechtsbelehrung seien keine Anhaltspunkte für spezifisch schützenswe r- te Interessen des Beschwerdeführers ersichtlich, die für eine Zuweisung in einen bestimmten Kanton sprechen würden, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. Juli 2014 beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde erhob, worin er um Aufhebung de s vor- instanzlichen Zuweisungsentscheides vom 2. Juli 2014 und um Zuwe i- sung an den Kanton D._______ ersuchte, dass er zur Begründung seiner Beschwerde im Wesentlichen ausführte, seine Mutter E._______ (N (…)) sowie seine Schwester F._______ (N (…)) würden seit Februar 2012 in der Schweiz leben und seien dem Ka n- ton D._______ zugeteilt worden, dass zwei weitere Schwestern – eine davon minderjährig, die andere psychisch stark angeschlagen – am 1. Juli 2014 eine Einreisebewilligung in die Schweiz erhalten hätten (N (…)) und binnen kurzer Zeit hier eintref- fen sollten, dass seine Mutter unter den Strapazen der Flucht und wegen der Sorgen um ihre Kinder sehr gelitten, seit einem Unfall Schmerzen im rechten Arm und nicht genug Kraft habe, um schwerere Gegenstände zu tragen, dass sie überdies an beiden Augen habe operiert werden müssen, D-3831/2014 Seite 3 dass seine Mutter nach der (zu erwartenden baldigen) Einreise seiner zwei weiteren Sc hwestern seine Unterstützung noch mehr als jetzt nötig haben werde, dass er deshalb darum ersuche, mit seine n übrigen Familienangehörigen im Kanton D._______ leben zu dürfen, zumal die Reise von Buchs nach Gelterkinden lang und umständlich und auch nicht ganz billig sei, dass der Beschwerdeführer seiner Rechtsmitteleingabe ein Arztzeugnis von Dr. med. G._______, Facharzt für (…) FMH, vom 7. August 2013 bei- fügte, dass dem besagten Arztzeugnis zu entnehmen ist, dass die Mutter des Beschwerdeführers seit dem 16. März 2012 wegen psychischer Probleme und Schmerzen des Bewegungsapparates in dessen Behandlung stehe, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei- det, ausser – was in casu nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass es sic h beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden Person an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine selbstä n- dig beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbare Zwischenverfügung han- delt (Art. 107 Abs. 1 AsylG), dass d er Beschwerdeführer durch die angefochtene Zwischenverfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung ha t und daher zur Einreichung der B e- schwerde legitimiert ist, weshalb auf die frist- und formgerecht eingereich- te Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht , einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), wobei vorliegend gemäss Art. 106 D-3831/2014 Seite 4 Abs. 2 AsylG die lex specialis von Art. 27 Abs. 3 AsylG vorbehalten bleibt (vgl. hierzu die nachstehenden Ausführungen), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerde n in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufg e- zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ve r- zichtet wurde, dass das BFM die Asylsuchenden gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG den Kan- tonen zuweist und dabei den schützenswerten Interessen der Kantone und der Asylsuchenden Rechnung trägt, dass die Verteilung nach einem Schlüssel gemäss Art. 21 der Asylverord- nung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) erfolgt, wobei das BFM bei der Ver teilung bereits in der Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit der Asy l- suchenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksichtigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1), dass ein Zuweisungsentscheid des Bundesamts gemäss Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG , der als lex specialis der allgemeinen Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht (vgl. Art. 106 Abs. 2 AsylG), in materieller Hinsicht nur mit der Begründung angefochten werden kann, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie, dass sich der Begriff der Familieneinheit gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne von Art. 1 Bst. e AsylV 1 orientiert und mithin die Kernfamilie (Ehegatten und minderjährige Kinder) umfasst, dass über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande – wie vorliegend die Beziehung unter Geschwistern beziehungs weise die Beziehung volljähriger Kinder zu ihren Eltern – demgegenüber nur dann unter den Schutz der Einheit der Familie fallen, sofern zwischen die sen Personen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis besteht (vgl. BVGE 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.), dass die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ein derartiges Abhängigkeitsverhältnis unter Verwandten beispielsweise angenommen D-3831/2014 Seite 5 hat, wenn die einzubeziehenden Angehörigen behindert sind oder aus ei- nem anderen Grund auf die Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, angewiesen sind (vgl. BVGE 2008/47, a.a.O.), dass im vorliegenden Fall indessen ein derartiges Abhängigkeitsverhäl t- nis zwischen der Mutter und dem Beschwerdeführer zu verneinen ist, da weder die Mutter noch der Beschwerdeführer zufolge einer gravierenden Erkrankung des dauerhaften Beistandes eines Verwandten bedürfen, dass ferner anzumerken ist, dass die 23 Jahre alte Schwester F._______ des Beschwerdeführer s mit ihrem Ehemann und ihrem gemeinsamen Kind i m Kanton D._______ lebt, weshalb sie ihre im selben Kanton l e- bende Mutter unterstützen kann, falls diese im Zuge der zu gewärtige n- den Ankunft zweier weiterer Kinder in der Schweiz tats ächlich in erhö h- tem Masse familiäre Unterstützung benötigen sollte, dass es dem Beschwerdeführer zudem auch ohne Kantonswechsel mög- lich ist, mittels Besuchen oder via Kommunikationsmittel (Telefon usw.) Kontakt zu seiner im Nachbarkanton lebenden Mutter respektive Schwes- ter zu pflegen, dass damit festzustellen ist, dass die Kantonszuweisung de s Beschwer- deführers den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht verletzt , und die Beschwerde demnach abzu weisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens de ssen Kosten von Fr. 600.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-3831/2014 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand: