<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 3 S.34</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">34</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>3</b></span> <span class="ft1"><b>Art. 570 ZGB; Ausschlagung der Erbschaft</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Die Protokollierung der Ausschlagungserklärung verfolgt Informations-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>zwecke und entfaltet keine rechtsbegründende Wirkung. Der zuständige</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Richter ist nur ausnahmsweise befugt, die Gültigkeit der Ausschlagungs-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>erklärung zu prüfen, wenn die Verwirkung der Ausschlagungsbefugnis</b></span><br/> <span class="ft1"><b>offensichtlich oder anerkannt ist bzw. wenn sich an die Ausschlagungser-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>klärung weitere Massnahmen anschliessen. Aus der Protokollierung oder</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Nichtprotokollierung der Ausschlagungserklärung kann nicht auf deren</b></span><br/> <span class="ft1"><b>bestehende oder fehlende Rechtsbeständigkeit geschlossen werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 22. Januar 2001</span><br/> <span class="ft2">i.S. S.H. und S.H. gegen Verfügung des Gerichtspräsidiums X.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">2. Mit dem Tode des Erblassers erwerben die Erben die Erb-</span><br/> <span class="ft4">schaft als Ganzes. Forderungen, das Eigentum, die beschränkten</span><br/> <span class="ft4">dinglichen Rechte und der Besitz des Erblassers gehen unter Vorbe-</span><br/> <span class="ft4">halt der gesetzlichen Ausnahmen ohne weiteres auf sie über, und die</span><br/> <span class="ft4">Schulden des Erblassers werden zu persönlichen Schulden der Erben</span><br/> <span class="ft4">(Art. 560 ZGB). Sowohl die gesetzlichen wie auch die eingesetzten</span><br/> <span class="ft4">Erben haben jedoch die Befugnis, die Erbschaft, die ihnen zugefallen</span><br/> <span class="ft4">ist, auszuschlagen (Art. 566 Abs. 1 ZGB). Die Ausschlagung ist</span><br/> <span class="ft4">dabei innert drei Monaten seit Kenntnis des Todesfalls bzw. - bei den</span><br/> <span class="ft4">eingesetzten Erben - seit Zustellung der amtlichen Mitteilung von der</span><br/> <span class="ft4">Verfügung des Erblassers zu erklären (Art. 567 ZGB).</span><br/> <span class="ft4">Gemäss Art. 570 Abs. 3 ZGB hat die zuständige Behörde über</span><br/> <span class="ft4">die Ausschlagungen ein Protokoll zu führen. Die Protokollierung</span><br/> <span class="ft4">verfolgt Informationszwecke, ist ein Akt der freiwilligen Gerichts-</span><br/> <span class="ft4">barkeit und entfaltet keine rechtsbegründende Wirkung. Gemäss</span><br/> <span class="ft4">einhelliger Lehre hat der zuständige Richter nach Art. 570 ZGB die</span><br/> <span class="ft4">Ausschlagserklärung entgegenzunehmen und zu protokollieren, ohne</span><br/> <span class="ft4">dass er befugt wäre, die Gültigkeit - und namentlich die Rechtzeitig-</span><br/> <span class="ft4">keit - der ihm eingereichten Ausschlagserklärung zu prüfen. Nur</span><br/> <span class="ft4">ausnahmsweise, wenn die Verwirkung der Ausschlagungsbefugnis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">35</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">anerkannt oder offenkundig ist, darf er Erklärungen zurückweisen.</span><br/> <span class="ft4">Unerlässlich ist eine einstweilige Prüfung der Gültigkeit in den Fäl-</span><br/> <span class="ft4">len, wo sich an die Ausschlagungserklärung weitere Massnahmen der</span><br/> <span class="ft4">Behörde anschliessen, so etwa im Falle der konkursamtlichen</span><br/> <span class="ft4">Liquidation des Nachlasses oder der bereits beantragten Erbschein-</span><br/> <span class="ft4">ausstellung. Aus der Protokollierung oder Nichtprotokollierung der</span><br/> <span class="ft4">Ausschlagungserklärung kann aber nicht auf deren bestehende oder</span><br/> <span class="ft4">fehlende Rechtsbeständigkeit geschlossen werden (vgl. zum Ganzen:</span><br/> <span class="ft4">Peter Tuor/Vito Picenoni, Berner Kommentar, 2. A., Bern 1964, N 5</span><br/> <span class="ft4">zu ZGB 570; Arnold Escher, Zürcher Kommentar, 3. A., Zürich</span><br/> <span class="ft4">1960, N 16 zu ZGB 570; Ivo Schwander, Basler Kommentar, Basel</span><br/> <span class="ft4">1998, N 14 zu ZGB 570; Roger Weber, Gerichtliche Vorkehren bei</span><br/> <span class="ft4">der Nachlassabwicklung, in: AJP 1997 S. 558; ZR 96/1997 S. 81).</span><br/> <span class="ft4">Zudem sagt das Protokoll nichts darüber aus, ob die Erbschaft aus</span><br/> <span class="ft4">anderen Gründen, wie beispielsweise infolge offensichtlicher Über-</span><br/> <span class="ft4">schuldung der Erbschaft, von Gesetzes wegen als ausgeschlagen gilt</span><br/> <span class="ft4">(vgl. Art. 566 Abs. 2 ZGB).</span><br/></div> </div> </body> </html>