<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2019.00788</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=220390&amp;W10_KEY=13013483&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2019.00788</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 08.07.2020</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/Einzelrichter</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Straf- und Massnahmenvollzug</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>bedingte Entlassung aus der Verwahrung Erneute Wiederaufnahme von VB.2019.216 (Wiederaufnahme von VB.2018.294)</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Bedingte Entlassung aus der Verwahrung; Verhältnismässigkeit. Bei jeder strafrechtlichen Sanktion, die in verfassungsmässig garantierte Grundrechte eingreift, bleibt zu fragen, ob sie dem Gebot der Verhältnismässigkeit entspricht (Art. 36 Abs. 2 sowie Abs. 3 BV). Dieser Grundsatz gilt im gesamten Massnahmerecht, sowohl bei der Anordnung von Massnahmen als auch bei den Folgeentscheidungen. Der mit einer Massnahme verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters darf im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig sein. Bei der erforderlichen Abwägung der sich widerstreitenden Interessen hat der Richter die vom Täter ausgehenden Gefahren zur Schwere des mit der Massnahme verbundenen Eingriffs ins Verhältnis zu setzen. Es kommt insbesondere darauf an, ob und welche Straftaten vom Massnahmeunterworfenen drohen, wie ausgeprägt das Mass der Gefährdung ist und welches Gewicht den bedrohten Rechtsgütern zukommt. Je schwerer die Delikte wiegen, die der Massnahmeunterworfene in Freiheit begehen könnte, desto geringer kann die Gefahr sein, die eine freiheitsentziehende Massnahme rechtfertigt, und umgekehrt. Das Spannungsverhältnis zwischen dem Freiheitsanspruch des Massnahmeunterworfenen und dem Sicherungsbedürfnis der Allgemeinheit vor zu erwartenden erheblichen Rechtsgutverletzungen verlangt nach einem vertretbaren Ausgleich. Was im Sinn von Art. 64 Abs. 1 StGB relevante schwere Straftaten sind, unterliegt deshalb mit zunehmender Dauer des Freiheitsentzugs einer Bewertungsanpassung. Der Einfluss des gewichtiger werdenden Freiheitsanspruchs des Massnahmeunterworfenen stösst jedoch dort an die Grenzen, wo es nach Art und Mass der drohenden Gefahren für die Rechtsgüter des Einzelnen und der Allgemeinheit unvertretbar erscheint, den Massnahmeunterworfenen bedingt in die Freiheit zu entlassen bzw. die Massnahme aufzuheben (E. 2.1). Die Verwahrung erweist sich vorliegend aufgrund der hohen, nicht unerheblich gefährdeten Rechtsgüter weiterhin als verhältnismässig (E. 2.2 - 2.3). Abweisung UP/URB. Abweisung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GEWALTDELIKT">GEWALTDELIKT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MASSNAHME">MASSNAHME</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTSGÃTERABWÃGUNG">RECHTSGÃTERABWÃGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SEXUALDELIKT">SEXUALDELIKT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT">VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERWAHRUNG">VERWAHRUNG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 36 Abs. II BV</span><br/><span class="gerade">Art. 36 Abs. III BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 56 Abs. II StGB</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>3. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=49378" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2019.00788</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>des Einzelrichters</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">8. Juli 2020</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: Verwaltungsrichter Rudolf Bodmer, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Nicole BÃ¼rgin.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA C</span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1.<b> </b>Justizvollzug Kanton ZÃ¼rich, <b><br/> <br/> </b></span></p> <p class="MsoNormal"><span>2.<b> </b>Oberstaatsanwaltschaft des Kantons ZÃ¼rich, <br/> <br/> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegnerschaft, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><b><span> </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend bedingte Entlassung aus der Verwahrung<br/> Erneute Wiederaufnahme von VB.2019.216 (Wiederaufnahme von VB.2018.294),</b></p> <b><span><br/> </span></b> <p class="MsoNormal"><b> </b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Am 7. Juli 2005 verurteilte das Bezirksgericht ZÃ¼rich A, geboren 1956, wegen versuchter Vergewaltigung sowie einfacher KÃ¶rperverletzung zu neun Monaten GefÃ¤ngnis. Zudem stellte es fest, dass A die TatbestÃ¤nde der unvollendet versuchten schweren KÃ¶rperverletzung sowie des unvollendet versuchten Verbreitens menschlicher Krankheiten im Zustand der nicht selbstverschuldeten ZurechnungsunfÃ¤higkeit erfÃ¼llt hatte, und es ordnete eine stationÃ¤re Massnahme an. Mit Beschluss vom 1. September 2008 ordnete das Bezirksgericht ZÃ¼rich die Verwahrung im Sinn von Art. 64 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB) an, nachdem das Amt fÃ¼r Justizvollzug des Kantons ZÃ¼rich mit VerfÃ¼gung vom 28. November 2007 die zuvor angeordnete stationÃ¤re Massnahme aufgehoben hatte. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Am 2. August 2017 lehnte das Amt fÃ¼r Justizvollzug die bedingte Entlassung von A aus dem Verwahrungsvollzug gemÃ¤ss Art. 64b Abs. 1 lit. a StGB ab. Weiter verzichtete es auf einen Antrag an das zustÃ¤ndige Gericht auf Anordnung einer stationÃ¤ren therapeutischen Massnahme im Sinn von Art. 59 StGB.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Dagegen rekurrierte A am 11. September 2017 an die Direktion der Justiz und des Innern und beantragte u.<span> </span>a., dass die VerfÃ¼gung vom 2. August 2017 des Amts fÃ¼r Justizvollzug aufzuheben sei und dass er unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aus dem Verwahrungsvollzug zu entlassen sei. Am 6. April 2018 wies die Direktion der Justiz und des Innern den Rekurs von A ab.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Hiergegen erhob A am 11. Mai 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, es seien Ziffern I und III der VerfÃ¼gung der Direktion der Justiz und des Innern vom 6. April 2018 aufzuheben, und er sei unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aus dem Verwahrungsvollzug zu entlassen; unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen. Zudem stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege sowie unentgeltliche RechtsverbeistÃ¤ndung durch Rechtsanwalt C. Die Direktion der Justiz und des Innern beantragte am 23. Mai 2018 die Abweisung der Beschwerde und verzichtete, unter Verweis auf ihre BegrÃ¼ndung in der VerfÃ¼gung vom 6. April 2018, auf eine Vernehmlassung. Das Amt fÃ¼r Justizvollzug schloss am 29. Mai 2018 auf Abweisung der Beschwerde, unter Verweis auf die ErwÃ¤gungen der angefochtenen VerfÃ¼gungen sowie auf die Vollzugsakten. Die Oberstaatsanwaltschaft beantragte am 28. Juni 2018 ebenfalls die Abweisung der VerfÃ¼gung. A replizierte am 21. August 2018. Die Oberstaatsanwaltschaft duplizierte am 30. August 2018.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Mit Urteil vom 26. September 2018 wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde des BeschwerdefÃ¼hrers ab und auferlegte ihm die Verfahrenskosten, unter Abweisung seines Gesuchs um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung und Rechtsvertretung (Verfahren VB.2018.00294).</p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Die vom BeschwerdefÃ¼hrer dagegen am 9. November 2018 erhobene Beschwerde hiess das Bundesgericht mit Urteil vom 25. MÃ¤rz 2019 teilweise gut, hob das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 26. September 2016 teilweise auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an das Verwaltungsgericht zurÃ¼ck, nachdem es eine ungenÃ¼gende ÃberprÃ¼fung der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit festgestellt hatte (BGr, 25. MÃ¤rz 2019, 6B_1147/2018, E. 2.4). </p> <p class="Sachverhalt2"><b>D. </b>Mit Urteil vom 28. Juni 2019 prÃ¼fte das Verwaltungsgericht die VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit der Verwahrung und wies die Beschwerde des BeschwerdefÃ¼hrers erneut ab (Verfahren VB.2019.00216). Eine dagegen am Bundesgericht erhobene Beschwerde hiess dieses am 20. November 2019 erneut gut und wies das Verwaltungsgericht an, das Gutachten vom 22. November 2017 hinsichtlich der Frage der konkret vom BeschwerdefÃ¼hrer zu erwartenden Gewalthandlungen beziehungsweise deren Schwere ergÃ¤nzen zu lassen. Ferner erscheine sinnvoll, dass die Gutachterin ihre EinschÃ¤tzung der HÃ¶he der RÃ¼ckfallgefahr hinsichtlich Gewalt- und Sexualdelikten aktualisiere. Die Gutachterin wurde mit Schreiben vom 7. Januar 2020 sowie VerfÃ¼gung vom 8. April 2020 aufgefordert, ihr Gutachten vom 22. November 2017 entsprechend der bundesgerichtlichen Anweisung zu ergÃ¤nzen. Mit Vernehmlassung vom 7. April 2020 erneuerte die Oberstaatsanwaltschaft ihren Antrag, die Beschwerde abzuweisen. Sie hielt auch mit Vernehmlassung vom 12. Mai 2020 an ihrer Stellungnahme fest. Der BeschwerdefÃ¼hrer Ã¤usserte sich am 22. Juni 2020 erneut.</p> <p class="Einzug1"><span>Der Einzelrichter</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Im Anschluss an einen RÃ¼ckweisungsentscheid des Bundesgerichts wird das kantonale Verfahren in dem Zustand wiederaufgenommen, in welchem es sich unmittelbar vor dem Erlass des aufgehobenen Entscheids befunden hat. Das Verfahren VB.2019.00216 ist entsprechend unter der neuen Nummer VB.2019.00788 wiederaufzunehmen.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>FÃ¼r die erneute Beurteilung durch die kantonalen Instanzen sind die ErwÃ¤gungen des Bundesgerichts verbindlich (Johanna Dormann, Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz [BGG], 3. A., Basel 2018, Art. 107 N. 18; VGr, 23. August 2018, VB.2018.00312, E. 1.2). </p> <p class="Urteilstext"><span>Das Bundesgericht hatte im Urteil vom 25. MÃ¤rz 2019 beanstandet, dass sich das Urteil des Verwaltungsgerichts nicht zum Mass der GefÃ¤hrdung durch den BeschwerdefÃ¼hrer Ã¤ussere. Sodann und insbesondere enthalte das angefochtene Urteil weder ErwÃ¤gungen zur Schwere der Delikte noch zu den bedrohten RechtsgÃ¼tern oder deren Gewichtung. Die mÃ¶gliche weitere Tat des BeschwerdefÃ¼hrers mÃ¼sse nicht bloss geeignet sein, die physische, psychische oder sexuelle IntegritÃ¤t einer anderen Person schwer zu beeintrÃ¤chtigen. ZusÃ¤tzlich mÃ¼sse sie das Interesse des BeschwerdefÃ¼hrers, seine ihm seit Jahren genommene Freiheit wieder zu erlangen und bedingt entlassen zu werden, vor dem Anspruch potenzieller Opfer auf Schutz zurÃ¼cktreten lassen. Ohne vorherige Wertung der bereits begangenen und der dadurch bedrohten RechtsgÃ¼ter lasse sich diese notwendige ÃberprÃ¼fung der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit im engeren Sinn nicht bundesrechtsgenÃ¼glich vornehmen. Mangels Wertung der Delikte und der durch diese bedrohten RechtsgÃ¼ter nehme das Verwaltungsgericht auch keine anschliessende InteressenabwÃ¤gung mit dem Eingriff in die PersÃ¶nlichkeitsrechte durch die am 1. September 2008 angeordnete Verwahrung vor. Das Verwaltungsgericht habe sich vielmehr damit begnÃ¼gt, die Verwahrung allein deshalb als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig zu erachten, weil momentan keine mildere Massnahme mÃ¶glich sei. Dies betreffe lediglich die Erforderlichkeit der Massnahme. Weshalb keine mildere Massnahme mÃ¶glich sei, etwa eine stationÃ¤re Massnahme, wie sie mit dem Urteil vom 7. Juli 2005 angeordnet worden war, habe es ebenso wenig begrÃ¼ndet. Damit habe es Bundesrecht verletzt, und die Sache sei deshalb an das Verwaltungsgericht zurÃ¼ckzuweisen, damit es die VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit auch unter diesen Aspekten prÃ¼fen und entsprechend seiner daraus zu gewinnenden Erkenntnisse neu entscheiden kÃ¶nne. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Mit Bezug auf die Frage der GefÃ¤hrlichkeit des BeschwerdefÃ¼hrers erkannte das Bundesgericht im Urteil vom 25. MÃ¤rz 2019 weder WillkÃ¼r noch eine ungenÃ¼gende Auseinandersetzung mit den Vorbringen des BeschwerdefÃ¼hrers. Dass ihm keine positive Entlassungsprognose gestellt werden konnte, wurde somit bestÃ¤tigt, weshalb diesbezÃ¼glich auf die BegrÃ¼ndung des Urteils des Verwaltungsgerichts vom 26. September 2018 verwiesen werden kann. Nachdem das Bundesgericht diesen Entscheid nur teilweise aufgehoben hat, ist davon auszugehen, dass er gerade im erwÃ¤hnten Umfang nach wie vor Bestand hat. Hingegen war das Bundesgericht wie erwÃ¤hnt der Meinung, die vom TÃ¤ter ausgehenden â bereits beurteilten â Gefahren seien zur Schwere des mit der Massnahme verbundenen Eingriffs ins VerhÃ¤ltnis zu setzen. Je schwerer die Delikte wÃ¶gen, die der Massnahmeunterworfene in Freiheit begehen kÃ¶nnte, umso geringer kÃ¶nne die Gefahr sein, die eine freiheitsentziehende Massnahme rechtfertigte, und umgekehrt. Insofern ist nachfolgend die im Entscheid vom 26. September 2018 enthaltene BegrÃ¼ndung nach Massgabe der bundesgerichtlichen Vorgaben zu ergÃ¤nzen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>In seinem Urteil vom 20. November 2019 hielt das Bundesgericht fest: Aus dem angefochtenen Urteil ergebe sich nicht, ob sich das Verwaltungsgericht mit der aufgeworfenen Frage, ob das Gutachten ergÃ¤nzungsbedÃ¼rftig sei, auseinandergesetzt und weshalb es gegebenenfalls von der ErgÃ¤nzung des Gutachtens abgesehen habe. Damit setze das Verwaltungsgericht einerseits die bundesgerichtlichen Vorgaben nicht um. Andererseits kÃ¶nne das Bundesgericht nicht Ã¼berprÃ¼fen, ob das Verwaltungsgericht Bundes- oder Verfassungsrecht verletzt habe, indem es das Gutachten nicht ergÃ¤nzen lasse. Um weitere LeerlÃ¤ufe zu vermeiden und angesichts der Tatsache, dass seit der Erstellung des Gutachtens zwei Jahre verstrichen seien, sei die Vorinstanz nun anzuweisen, das Gutachten vom 22. November 2017 hinsichtlich der Frage der konkret vom BeschwerdefÃ¼hrer zu erwartenden Gewalthandlungen beziehungsweise deren Schwere ergÃ¤nzen zu lassen. Ferner erscheine sinnvoll, dass die Gutachterin ihre EinschÃ¤tzung der HÃ¶he der RÃ¼ckfallgefahr hinsichtlich Gewalt- und Sexualdelikten aktualisiere.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Mit VerfÃ¼gung vom 9. Dezember 2019 verfÃ¼gte der Einzelrichter die Einholung eines ErgÃ¤nzungsgutachtens zum Gutachten von Frau Dr.<span> </span>med. D vom 22. November 2017. Diese habe die Frage der konkret vom BeschwerdefÃ¼hrer zu erwartenden Gewalthandlungen beziehungsweise deren Schwere abzuklÃ¤ren sowie eine aktualisierte EinschÃ¤tzung der HÃ¶he der RÃ¼ckfallgefahr des BeschwerdefÃ¼hrers hinsichtlich Gewalt- und Sexualdelikten abzugeben. Dem BeschwerdefÃ¼hrer wurde Gelegenheit gegeben, weitere ErgÃ¤nzungsfragen zu stellen. Nachdem der BeschwerdefÃ¼hrer von dieser MÃ¶glichkeit am 23. Dezember 2019 Gebrauch gemacht hatte, wurden der Gutachterin die Fragen mit Schreiben vom 7. Januar 2020 mitgeteilt. Das ErgÃ¤nzungsgutachten erfolgte am 22. MÃ¤rz 2020. Mit VerfÃ¼gung vom 8. April 2020 wurde die Gutachterin zusÃ¤tzlich aufgefordert, den Terminus "bisheriges Spektrum" zu klÃ¤ren. </p> <p class="Urteilstext"><b><span>2. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Bei jeder strafrechtlichen Sanktion, die in verfassungsmÃ¤ssig garantierte Grundrechte eingreift, bleibt zu fragen, ob sie dem Gebot der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit entspricht (Art. 36 Abs. 2 sowie Abs. 3 BV). Dieser Grundsatz gilt im gesamten Massnahmerecht, sowohl bei der Anordnung von Massnahmen als auch bei den Folgeentscheidungen. Er wird im StGB konkretisiert. Art. 56 Abs. 2 StGB besagt, dass der mit einer Massnahme verbundene Eingriff in die PersÃ¶nlichkeitsrechte des TÃ¤ters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig sein darf. Was das konkret bedeutet, hÃ¤ngt entscheidend von der Gewichtung der im Einzelfall einander widerstreitenden Interessen ab, d.<span> </span>h. insbesondere von der GrÃ¶sse der Gefahr, der die Massnahme begegnen soll, und der Schwere des Eingriffs in die Rechte des Betroffenen, der mit ihr verbunden ist. Eine unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Massnahme darf nicht angeordnet oder weiter vollzogen werden. Der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsgrundsatz verlangt, dass die Sicherheitsbelange der Allgemeinheit und der Freiheitsanspruch des Verwahrten als wechselseitiges Korrektiv gesehen und im Einzelfall gegeneinander abgewogen werden. Bei langandauernder Unterbringung gewinnt der Freiheitsanspruch des Eingewiesenen zunehmend an Gewicht. Dem VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsgebot kommt insofern Ã¤hnlich dem Schuldprinzip Begrenzungsfunktion zu. Bei der erforderlichen AbwÃ¤gung der sich widerstreitenden Interessen hat der Richter die vom TÃ¤ter ausgehenden Gefahren zur Schwere des mit der Massnahme verbundenen Eingriffs ins VerhÃ¤ltnis zu setzen. Es kommt insbesondere darauf an, ob und welche Straftaten vom Massnahmeunterworfenen drohen, wie ausgeprÃ¤gt das Mass der GefÃ¤hrdung ist und welches Gewicht den bedrohten RechtsgÃ¼tern zukommt. Je schwerer die Delikte wiegen, die der Massnahmeunterworfene in Freiheit begehen kÃ¶nnte, desto geringer kann die Gefahr sein, die eine freiheitsentziehende Massnahme rechtfertigt, und umgekehrt. Das SpannungsverhÃ¤ltnis zwischen dem Freiheitsanspruch des Massnahmeunterworfenen und dem SicherungsbedÃ¼rfnis der Allgemeinheit vor zu erwartenden erheblichen Rechtsgutverletzungen verlangt nach einem vertretbaren Ausgleich. Je lÃ¤nger die Massnahme und damit der Freiheitsentzug fÃ¼r den Betroffenen dauert, desto strenger werden die Anforderungen an die Wahrung der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit. Was im Sinn von Art. 64 Abs. 1 StGB relevante schwere Straftaten sind, unterliegt deshalb mit zunehmender Dauer des Freiheitsentzugs einer Bewertungsanpassung. Wohl kann sein, dass die kÃ¼nftig in Freiheit zu erwartenden Straftaten unverÃ¤ndert den Taten entsprechen, auf die sich die Gefahrenprognose bei der Massnahmeanordnung bezog. Mit zunehmender Vollzugsdauer mÃ¶gen diese Taten in ihrer Schwere aber nicht mehr ausreichen, um eine weitere Aufrechterhaltung der Massnahme zu rechtfertigen. Der Einfluss des gewichtiger werdenden Freiheitsanspruchs des Massnahmeunterworfenen stÃ¶sst jedoch dort an Grenzen, wo es nach Art und Mass der drohenden Gefahren fÃ¼r die RechtsgÃ¼ter des Einzelnen und der Allgemeinheit unvertretbar erscheint, den Massnahmeunterworfenen bedingt in die Freiheit zu entlassen bzw. die Massnahme aufzuheben (BGr, 19. Juli 2013, 6B_109/2013, E. 4.4.1 ff. mit weiteren Hinweisen). </p> <p class="Urteilstext"><b><span>2.2 </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.1 </b>Der heute 62-jÃ¤hrige BeschwerdefÃ¼hrer befindet sich dem 1. September 2008 und damit seit bald zwÃ¶lf Jahren in Verwahrung. Zuvor hatte er Untersuchungs- und Sicherheitshaft verbÃ¼sst, hatte sich im vorzeitigen Strafantritt befunden und befand sich kurzzeitig in einer angeordneten stationÃ¤ren therapeutischen Massnahme. Gesamthaft ist dem BeschwerdefÃ¼hrer seine Freiheit schon seit rund 16 Jahren entzogen. Der Eingriff in die Freiheitsrechte des BeschwerdefÃ¼hrers erreicht damit auch mit Blick auf die ausgefÃ¤llte Strafe von neun Monaten mittlerweile eine mittlere Schwere. </p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.2 </b>Vom BeschwerdefÃ¼hrer sind weitere Gewalttaten im bisherigen Spektrum zu erwarten. Ihm wird fÃ¼r solche Gewalttaten ein deutliches Risiko attestiert. Die bisherigen Gewalthandlungen bestanden u.<span> </span>a. darin, dass er im Jahr 1994 einen Polizeibeamten gewÃ¼rgt hatte. Weiter schlug er im Jahr 1995 zwei MÃ¤nner mit FaustschlÃ¤gen und einem Stuhl nieder und bedrohte sie mit einem Messer. Einer der MÃ¤nner wurde durch das Messer in der rechten BrusthÃ¤lfte verletzt. Sodann wurde dem BeschwerdefÃ¼hrer vorgeworfen, seinen Kontrahenten auf die Halsschlagader geschlagen und darÃ¼ber hinaus den wehrlos am Boden liegenden Mann mit einem Barhocker aus Metall angegriffen zu haben. Dabei war der BeschwerdefÃ¼hrer sehr aggressiv und brutal. Im Jahr 2007 wÃ¼rgte der BeschwerdefÃ¼hrer einen Mitgefangenen ohne erkennbaren Anlass kurz, drÃ¼ckte ihn zu Boden und schlug dessen Kopf dreimal gegen den Boden. Im Jahr 2012 schlug der BeschwerdefÃ¼hrer sodann einen Miteingewiesenen aufgrund einer leichten Provokation mit den FÃ¤usten. WÃ¤hrend der versuchten Vergewaltigung im Jahr 2004 war es zu einem Kampf gekommen, bei dem der BeschwerdefÃ¼hrer seiner damaligen Partnerin absichtlich mit den HÃ¤nden gegen den Kopf schlug, wodurch diese eine ca. 12 mm lange Risswunde an der Stirn erlitt und blutete. In seiner Erregung hatte der BeschwerdefÃ¼hrer ausserdem seine HÃ¤nde um den Hals seiner damaligen Partnerin gelegt. Sie erlitt sodann weitere leichte Verletzungen. Auch wenn der BeschwerdefÃ¼hrer bislang keines seiner Opfer in schwerwiegender Weise verletzte, bergen seine Gewalthandlungen (wÃ¼rgen, Messerstich in Brust, Schlag auf Halsschlagader, Kopf auf Boden schlagen) durchaus das Risiko, schwere kÃ¶rperliche SchÃ¤den mit bis zu mÃ¶glicher Todesfolge zu verursachen. So attestierte ihm auch das ErgÃ¤nzungsgutachten vom 22. MÃ¤rz 2020 ein deutliches RÃ¼ckfallrisiko fÃ¼r Gewalthandlungen bis hin zu schweren Gewaltdelikten. Bei einem Absetzen der antiretroviralen Therapie wÃ¼rde sich das Risiko fÃ¼r schwere Gewaltdelikte sogar auf deutlich bis sehr hoch erhÃ¶hen. Somit sind die hochrangigen RechtsgÃ¼ter von Leib und Leben betroffen und in nicht unbedeutendem Umfang gefÃ¤hrdet.</p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.3 </b>Weiter ist die Wahrscheinlichkeit und Schwere von Sexualdelikten in die VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsprÃ¼fung einzubeziehen. Mit psychiatrischem Gutachten vom 22. November 2017 fÃ¼hrte Dr.<span> </span>med. D aus, zum aktuellen Zeitpunkt erachte sie das Risiko eines erneuten Sexualdelikts als Ã¤usserst gering, da der BeschwerdefÃ¼hrer keinen erhÃ¶hten Sexualtrieb mehr aufweise und weiblichem Vollzugspersonal wie auch medizinischem Personal gegenÃ¼ber Ã¤usserst respektvoll und adÃ¤quat entgegentrete. Sollte der BeschwerdefÃ¼hrer jedoch in Zukunft wieder eine intime Beziehung zu einer Partnerin eingehen, mÃ¼sste diesem Umstand sorgfÃ¤ltig Rechnung getragen werden und das Verhalten des BeschwerdefÃ¼hrers engmaschig monitorisiert werden. Dr.<span> </span>med. E hatte in seinem Gutachten vom 7. Dezember 2004 dazu ausgefÃ¼hrt, die Wahrscheinlichkeit, dass es unter Lebensbedingungen, wie sie bis zum 4. MÃ¤rz 2004 bestanden (als der BeschwerdefÃ¼hrer in einer Partnerschaft lebte und keine medizinische Behandlung seiner Krankheit empfing), zu neuerlichen vergleichbaren Tathandlungen kommen kÃ¶nne, erscheine verhÃ¤ltnismÃ¤ssig hoch (hinreichende kÃ¶rperliche LeistungsfÃ¤higkeit vorausgesetzt). Auch in ihrem ErgÃ¤nzungsgutachten vom 22. MÃ¤rz 2020 sah Dr.<span> </span>med. D das Risiko fÃ¼r erneute Sexualdelikte im Sinne einer sexuellen NÃ¶tigung nur unter der Voraussetzung einer lÃ¼ckenlosen antiretroviralen Therapie und der aktuellen Unterbringung in einem hochstrukturierten und gesicherten Umfeld als sehr gering an. Dieses Risiko kÃ¶nne jedoch in Freiheit und damit ohne hochstrukturiertes Umfeld rasch auf eine deutliche AusprÃ¤gung ansteigen. Dies gelte insbesondere im Fall einer neuen Partnerschaft. Der BeschwerdefÃ¼hrer sei nicht mehr in der Lage, einen Zusammenhang zwischen der lÃ¼ckenlosen antiretroviralen Therapie und seinem aktuell stabilen psychopathologischen Zustandsbild herzustellen. Vielmehr vertrete er die Ansicht, dass er mittlerweile geheilt sei und ein Absetzen der antiretroviralen Medikation keine negativen Konsequenzen auf seine Gesundheit und sein Verhalten hÃ¤tte. Damit wÃ¤re auch die Gefahr verbunden, dass der BeschwerdefÃ¼hrer ungeschÃ¼tzten Sexualverkehr einfordern wÃ¼rde. Ferner wÃ¤re im Fall eines Absetzens der dringend notwendigen antiretroviralen Therapie rasch wieder mit einem Wiederauftreten der (sexuellen) Enthemmung zu rechnen, sodass das RÃ¼ckfallrisiko fÃ¼r eine sexuelle NÃ¶tigung zeitnah auf eine deutliche bis sehr hohe AusprÃ¤gung ansteigen wÃ¼rde. Der BeschwerdefÃ¼hrer beging im Jahre 1994 eine sexuelle NÃ¶tigung, in dem er eine ihm bekannte Frau mit einer kleinen goldigen Pistole bedrohte, um Geschlechtsverkehr zu erzwingen. Das damalige Opfer konnte dies verhindern, doch zwang sie der BeschwerdefÃ¼hrer, ihn manuell zu befriedigen. Die geschÃ¤digte Frau hatte der BeschwerdefÃ¼hrer ausserdem einige Wochen vor der Verhandlung wegen besagter sexueller NÃ¶tigung tÃ¤tlich angegriffen, bedroht und beschimpft, sodass diese vÃ¶llig verÃ¤ngstigt das Frauenhaus aufsuchte. Die GeschÃ¤digte wurde somit nicht nur wÃ¤hrend der sexuellen NÃ¶tigung, sondern auch noch im Nachgang dazu durch den BeschwerdefÃ¼hrer bedroht, wodurch die UmstÃ¤nde der Tat dieser eine weitere Schwere verleihen. Die zur Verwahrung fÃ¼hrende Tathandlung bestand sodann darin, dass der BeschwerdefÃ¼hrer am 4. MÃ¤rz 2004 versucht hatte, mit seiner damaligen Partnerin gegen ihren Willen ungeschÃ¼tzten vaginalen Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Dabei kam es zu einem Kampf, bei dem der BeschwerdefÃ¼hrer seiner Partnerin absichtlich mit den HÃ¤nden gegen den Kopf schlug, wodurch diese eine ca. 12 mm lange Risswunde an der Stirn erlitt und blutete. In seiner Erregung hatte der BeschwerdefÃ¼hrer seine HÃ¤nde um den Hals seiner damaligen Partnerin gelegt. Die Partnerin erlitt sodann weitere leichte Verletzungen. Zur versuchten Verletzung der sexuellen IntegritÃ¤t seiner damaligen Partnerin kommt erschwerend hinzu, dass der BeschwerdefÃ¼hrer dabei Gewalt anwandte und ihr mehrere leichte Verletzungen zufÃ¼gte sowie dass er dabei riskierte, sie mit dem HI-Virus anzustecken, wodurch die Partnerin zusÃ¤tzlich ein Leben lang an einer schweren Krankheit hÃ¤tte erkranken kÃ¶nnen. Ausserdem fÃ¼rchtete die ehemalige Partnerin dabei um ihr Leben. Den durch die Sexualdelikte bedrohten und verletzten RechtsgÃ¼tern kommt ein grosses Gewicht zu, zumal die begangenen Delikte durch die BegleitumstÃ¤nde eine zusÃ¤tzliche Schwere erhalten. Das Risiko in Bezug auf Sexualdelikte ist nur Ã¤usserst gering, soweit der BeschwerdefÃ¼hrer seine Medikamente einnimmt. Die lÃ¼ckenlose Einnahme seiner Medikamente ohne ein streng gefÃ¼hrtes Setting muss jedoch hinterfragt werden, sind doch keine Erkenntnisse aus Vollzugslockerungen bekannt und leidet der BeschwerdefÃ¼hrer unter anderem auch an Demenz, welche zurzeit allerdings stabil ist. Sodann ist insbesondere auch die Medikamentencompliance nicht mehr gegeben, weshalb damit gerechnet werden muss, dass der BeschwerdefÃ¼hrer sie ohne Setting nicht mehr einnehmen wÃ¼rde. Sollte er jedoch seine Medikamente nicht mehr einnehmen und wieder eine Partnerschaft eingehen, erhÃ¶ht sich das Risiko eines Sexualdelikts deutlich und auch die mÃ¶gliche Ansteckung mit dem HI-Virus. </p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.4 </b>Das fortschreitende Alter des BeschwerdefÃ¼hrers hat bislang nicht zu einer Abnahme seiner GefÃ¤hrlichkeit gefÃ¼hrt, treibt er doch regelmÃ¤ssig Sport, verneint selber kÃ¶rperliche Probleme, fÃ¼hlt sich gut und ist seine kÃ¶rperliche Gesundheit aufgrund der HIV-Erkrankung nicht beeintrÃ¤chtigt; vielmehr ist der BeschwerdefÃ¼hrer Ã¤usserst fit und sehr muskulÃ¶s. </p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.5 </b>Nach dem AusgefÃ¼hrten Ã¼berwiegen die erheblichen Ã¶ffentlichen Interessen am Schutz der bedrohten RechtsgÃ¼ter potenzieller Opfer die privaten Interessen des BeschwerdefÃ¼hrers an der Wiedererlangung seiner Freiheit.</p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.6 </b>Sind bei einem Verurteilten vor oder wÃ¤hrend des Vollzugs einer Freiheitsstrafe oder einer Verwahrung nach Art. 64 Abs. 1 StGB die Voraussetzungen einer stationÃ¤ren therapeutischen Massnahme gegeben, so kann das Gericht diese Massnahme nachtrÃ¤glich anordnen. ZustÃ¤ndig ist das Gericht, das die Strafe ausgesprochen oder die Verwahrung angeordnet hat (vorliegend das Bezirksgericht ZÃ¼rich; Art. 65 Abs. 1 StGB). Es ist festzustellen, dass der BeschwerdefÃ¼hrer vor dem Verwaltungsgericht nicht die Umwandlung der Massnahme, sondern lediglich die bedingte Entlassung aus der Verwahrung beantragt hat. Es ist jedoch im Rahmen der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsprÃ¼fung zu betonen, dass die Voraussetzungen einer stationÃ¤ren Massnahme zurzeit nicht erfÃ¼llt sind, da er aufgrund seiner psychischen und kognitiven BeeintrÃ¤chtigungen nicht in der Lage ist, Einsicht in sein Fehlverhalten und in die schÃ¤dlichen Folgen der Tat zu erlangen oder den Grund fÃ¼r seine Verwahrung zu begreifen. Dementsprechend war bisher auch keine deliktorientierte Therapie durchfÃ¼hrbar, und es konnte bisher keine vertiefte Tataufarbeitung stattfinden. Aus diesem Grund kann auch nicht damit gerechnet werden, dass sich mit einer stationÃ¤ren therapeutischen Massnahme der Gefahr weiterer mit seiner psychischen StÃ¶rung in Zusammenhang stehender Taten begegnen lÃ¤sst (vgl. Art. 59 Abs. 1 lit. b StGB). Auch andere Massnahmen erscheinen zurzeit nicht zielfÃ¼hrend, ist der BeschwerdefÃ¼hrer doch momentan nicht bereit, in einer anderen Einrichtung als der JVA B untergebracht zu sein. Insbesondere lehnt er jegliche Aufenthalte in Kliniken oder Heimen grundsÃ¤tzlich ab. Er ist auch nicht bereit, Therapien zu absolvieren, Deutsch zu lernen oder eine Schule zu besuchen. Ein intensives Training der kommunikativen Fertigkeiten des BeschwerdefÃ¼hrers konnte vor dem Hintergrund seiner fehlenden Motivation bisher nicht umgesetzt werden wodurch keine milderen Massnahmen zur Verwahrung bestehen. Zwar fÃ¼hrt die Gutachterin an, dass die Umsetzung der von ihr empfohlenen Massnahmen im Rahmen der Verwahrung scheiterten und deshalb auch eine stationÃ¤re Massnahme zu prÃ¼fen sei, allerdings seien die Erfolgsaussichten auch dort als unsicher zu bezeichnen und mÃ¼ssten vorab die kommunikativen Fertigkeiten gefÃ¶rdert und darin Erfolge erzielt worden sein. Da es dem BeschwerdefÃ¼hrer jedoch generell an Motivation zur DurchfÃ¼hrung von Therapien mangelt, erscheint auch eine stationÃ¤re Massnahme nicht als zielfÃ¼hrend.</p> <p class="Urteilstext"><b><span>2.3 </span></b><span>Die Verwahrung erweist sich somit weiterhin als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig. </span></p> <p class="Urteilstext"><b><span>3. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten, mit Ausnahme der Kosten fÃ¼r das ErgÃ¤nzungsgutachten, dem BeschwerdefÃ¼hrer aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG). Eine ParteientschÃ¤digung ist ihm nicht zuzusprechen (§ 17 Abs. 2 VRG). Die Kosten fÃ¼r das ErgÃ¤nzungsgutachten werden dem Beschwerdegegner 1 auferlegt, hÃ¤tte es grundsÃ¤tzlich an ihm gelegen, dass Gutachten vom 22. November 2017 ergÃ¤nzen zu lassen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer stellte ein Gesuch um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und RechtsverbeistÃ¤ndung. GemÃ¤ss § 16 Abs. 1 VRG haben Private, welchen die nÃ¶tigen Mittel fehlen und deren Begehren nicht offenkundig aussichtslos erscheinen, auf Ersuchen Anspruch auf unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung. Ein Anspruch auf Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung besteht, wenn die Gesuchstellenden zusÃ¤tzlich nicht in der Lage sind, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren (§ 16 Abs. 2 VRG). Offenkundig aussichtslos sind Begehren, deren Chancen auf Gutheissung um derart viel kleiner als jene auf Abweisung erscheinen, dass sie kaum als ernsthaft bezeichnet werden kÃ¶nnen (Kaspar PlÃ¼ss in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 16 N. 46). Mittellos ist, wer nicht in der Lage ist, die Gerichtskosten aus seinem Einkommen â nach Abzug der Lebenshaltungskosten â innert angemessener Frist zu bezahlen (PlÃ¼ss, § 16 N. 20). </p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Aufgrund des im Gutachten sowie ErgÃ¤nzungsgutachten festgehaltenen deutlichen RÃ¼ckfallrisikos fÃ¼r Gewalttaten sowie auch der gewichtigen gefÃ¤hrdeten RechtsgÃ¼ter erweist sich die Beschwerde als aussichtslos, weshalb das Gesuch um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und RechtsverbeistÃ¤ndung abzuweisen ist, soweit dies nochmals zu prÃ¼fen gewesen wÃ¤re (vgl. BGr, 20. November 2019, 6B_1030/2019, E. 1.4).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt der Einzelrichter</span><span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Das Verfahren VB.2019.00216 wird als Verfahren VB.2019.00788 teilweise wiederaufgenommen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 1'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen: <br/> <u>Fr.8`005.--</u> Expertise-Kosten,<br/> <u>Fr. 410.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 9'415.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Das Gesuch um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und Rechtsvertretung wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Die Gerichtskosten werden im Umfang von Fr. 1'410.- dem BeschwerdefÃ¼hrer und im Umfang von Fr. 8'005.- dem Beschwerdegegner 1 auferlegt. </span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Es wird keine ParteientschÃ¤digung zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Strafsachen nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>8. Mitteilung an: â¦</span></p> <p class="Urteilstext"> </p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>