B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-3066/2017 U r t e i l v o m 3 . M a i 2 0 1 8 Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richter Pascal Mollard, Gerichtsschreiberin Monique Schnell Luchsinger. Parteien A._______, vertreten durch lic. iur. Livio D. Zanetti, Rechtsanwalt, und lic. iur. Benjamin Dori, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, Eigerstrasse 65, 3003 Bern, Vorinstanz, B._______ AG, vertreten durch Andrea B. Bolliger, Rechtsanwalt, Verfahrensbeteiligte, Gegenstand Verrechnungssteuer. A-3066/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die B._______ AG (vormals […], nachfolgend Privatbank) ist seit dem (…) im Handelsregister des Kantons (…) eingetragen. Der Zweck der Privatbank besteht im Wesentlichen im Betreiben von Bank- und Finanzgeschäften aller Art im In- und Ausland (vgl. Online-Auszug aus dem Handelsregister des Kantons […] vom 22. November 2016). Sie verfügt über eine Bankenbewi lligung der Eidgenössischen Finanz- marktaufsicht FINMA (Liste der bewilligten Banken und Effektenhändler vom 28. März 2018; https://www.finma.ch/de/finma-public/bewilligte-insti- tute-personen-und-produkte/, eingesehen am 28. März 2018). B. Seit dem Jahre 1994 gewährte der in den USA wohnhafte C._______ (nachfolgend C._______) seinem in der Schweiz wohnhaften Bruder A._______ (nachfolgend A._______) ein Darlehen in der Höhe von ur- sprünglich Fr. 5‘000‘000.-. Das Darlehen wurde zivilrechtlich als Treuhand- darlehen ausgestaltet, indem C._______ der Privatbank als Treuhänderin im Juni 1994 den Auftrag erteilte, in ihrem Namen aber auf seine Rechnung gegenüber A._______ ein Darlehen gemäss den vorgängig zwischen C._______ und A._______ ausgehandelten Bedingungen zu gewähren. Der entsprechende Darlehensvertr ag zwischen der Privatbank und A._______ datiert vom 16./28. Juni 1994 . Die ursprünglich vereinbarte Laufzeit bis 31. Dezember 1999 wurde mehrmals verlängert. Auch der Dar- lehensbetrag wurde verschiedentlich zurückbezahlt und wieder neu bege- ben, wobei die Darlehenssumme variierte. Ba sierend auf diesem Darle- hensvertrag zahlte A._______ der Privatbank Darlehenszinsen, die diese nach Abzug ein er Treuhandkommission an dessen Bruder, C._______, weiterleitete. Weil die Privatbank von einem Treuhandverhältnis ausging , führte sie auf den Darlehenszinsen keine Verrechnungssteuern ab. C. Mit Schreiben vom 9. Januar 2015 reichte A._______ beim Kantonalen Steueramt (…) eine straflose Selbstanzeige für die Steuerjahre 2005 bis 2009 sowie rektifizierte Steuererklärungen für die Steuerjahre 2010 und 2011 ein. Im Rahmen der Selbstanzeige legte er unter anderem offen, dass es sich beim von der Privatbank gewährten Darlehen lediglich um ein fikti- ves Darlehen gehandelt und das Geld für dieses vom ihm selber gestammt A-3066/2017 Seite 3 habe. Auch die bezahlten Schuldzinsen seien simuliert gewesen. Effektiv habe er die Schuldzinsen an sich selber bezahlt. Im Rahmen des am 21. Januar 2015 eingeleiteten Nachsteuerverfahrens für die Steuerperioden 2005 bis 2 009 wurden die fiktiven Bank schulden und die fiktiven Schuldzinsen nachveranlagt. Für die nachfolgenden Steu- erperioden erfolgte die Korrektur im ordentlichen Veranlagungsverfahren. D. Mit Schreiben vom 5. Oktober 2015 gelangten die Vertreter von A._______, C._______ und der Privatbank an die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend ESTV) und ersuchten um Feststellung, dass auf den simu- lierten Darlehenszinsen, welche im Rahmen der als Treuhanddarlehen be- zeichneten Geschäftsbeziehung v on der Privatbank an C._______ bzw. A._______ weitergeleitet worden seien, keine Verrechnung ssteuer ge- schuldet sei. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, der abgeschlossene Treuhandvertrag zwischen C._______ und der Privatbank sowie der Darlehensvertrag zwischen der Privatbank und A._______ seien simuliert gewesen. Nach den weiteren Ausführungen im Schreiben vom 5. Oktober 2015 habe der in den USA wohnende Bruder die vereinnahmten Zinserträge dort nicht versteuert, da er weder am Darlehen noch an den Darlehenszinsen selber wirtschaftlich berechtigt gewesen sei. C._______ habe sich für das Volun- tary Disclosure Program in den Vereinigten Staaten registriert, wo er die Geldströme aus der betroffenen Kontobeziehung offengelegt habe, um zu beweisen, dass sämtliche Gelder von A._______ gekommen und an die- sen zurückgeflossen seien. E. Mit Schreiben vom 25. November 2015 teilte die ESTV mit, dass sie das Treuhandverhältnis bzw. das Treuhanddarlehen nicht anerkenne und von einem „normalen“ Kundengeld bei der Privatbank ausgehe. Dies führe dazu, dass die Zinsen auf der Treuhandanlage für die Jahre 2010 bis 2015 mit der Verrechnungssteuer belastet und diese auf den schweizerischen Kunden überwälzt werden müssten. Gleichzeitig forderte sie die betroffe- nen Parteien auf, ihr eine Aufstellung über die Erträgnisse einzureichen. F. Am 22. Dezember 2015 re ichte der Vertreter der Privatbank eine Aufstel-A-3066/2017 Seite 4 lung der bezahlten beziehungsweise – abzüglich einer Kommission – ver- einnahmten Zinsen ein und beantragte den Erlass einer anfechtbaren Ver- fügung. G. Die ESTV gelangte sodann mit Schreiben vom 25. Januar 2016 an die Pri- vatbank und forderte auf den ausbezahlte n Zinsen in der Höhe von Fr. 1‘074‘087.10 Verrechnungssteuern im Betrag von Fr. 375‘930.50 nach. H. Am 8. Februar 2016 und am 18. Februar 2016 ersuchten die Privatbank sowie A._______ erneut um Erlass einer anfechtbaren Verfügung. I. Mit Schreiben vom 4. März 2016 teilte der Vertreter der Privatbank der ESTV mit, dass die Privatbank die Verrechnungssteuerforderung in der Höhe von Fr. 375‘930.50 gleichentags bezahlt habe, wobei sie die Forde- rung weiterhin bestreite. J. Mit Entscheid Nr. 2322 vom 20. April 2016 an die Privatbank sowie an A._______ hielt die ESTV fest, dass ihr die Privatbank für die Periode vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2015 Verrechnungssteuern in der Höhe von total Fr. 375‘930.50 schulde. Dieser Betrag setze sich wie folgt zusammen: Jahr % Leistung VSt Entrichtung 2010 35% von Fr. 281‘151.40 = Fr. 98‘403.00 31.12.2010 2011 35% von Fr. 281‘151.40 = Fr. 98‘403.00 31.12.2011 2012 35% von Fr. 281‘921.65 = Fr. 98‘672.60 31.12.2012 2013 35% von Fr. 109‘601.40 = Fr. 38‘360.50 31.12.2013 2014 35% von Fr. 98‘641.25 = Fr. 34‘524.40 31.12.2014 2015 35% von Fr. 21‘620.00 = Fr. 7‘567.00 31.03.2015 A-3066/2017 Seite 5 Ferner schulde die Privatbank der ESTV jeweils ab Fälligkeit der einzelnen Beträge bis zur tatsächlichen Entrichtung einen Verzugszins von 5%. Schliesslich sei die Verrechnungssteuer auf den Leistungsempfänger zu überwälzen. K. Gegen diesen Entscheid erhob A._______ mit Eingabe vom 13. Mai 2016 Einsprache bei der ESTV mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben bzw. die ohne Anerkennung einer Rechtspflicht bereits geleis- teten Verrechnungssteuern in der Höhe von Fr. 375‘930.50 (Valuta 4. März 2016) seien der Privatbank bzw. A._______, der den Betrag vorfinanziert habe, zurückzuerstatten. L. Mit Einspracheentscheid vom 27. April 2017 zuhanden von A._______ und der Privatbank wies die ESTV die Einsprache ab, soweit sie darauf eintrat. Sie bestätigte, dass die Privatbank der ESTV die Verrechnungssteuer in der Höhe von total Fr. 375‘930.50 zu Recht entrichtet habe und dass der Betrag auf den Einsprecher zu überwälzen sei. Ferner verpflichtete sie die Privatbank zur Zahlung von Verzugszinsen von insgesamt Fr. 66‘703.55, welcher Betrag der ESTV unverzüglich zu entrichten sei. Aus dem Einspracheentscheid ergibt sich zur Hauptsache was folgt: Be- haupte eine Bank, sie habe ein Darlehen aus Treugut gewährt, seien aber Treugeber und Empfänger der Darlehensvaluta dieselbe Person, so liege kein echtes Treuhandverhältnis vor, selbst wenn die Re chtsbeziehungen zwischen dem Auftraggeber und der Bank an sich einer echten Treuhand gleichen würden; denn mit der Rückgabe des Treuguts ende die Treuhand. M. Am 30. Mai 2017 liess A._______ (nachfolgend auch Beschwerdeführer) beim Bundesverwaltungsgericht B eschwerde gegen den Einspracheent- scheid vom 27. April 2017 erheben und er beantragt dessen Aufhebung wie auch die Aufhebung des vorgängigen Entscheides vom 20. April 2016. Ferner ersucht er darum, die Verrechnungssteuer von Fr. 375‘930.50 samt Vergütungszinsen an die Privatbank zurückzuerstatten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ESTV. Der Beschwerdeführer begründet seine Beschwerde im Wesentlichen mit dem Argument, dass es sich beim umstrittenen Darlehen um ein fiktives Treuhanddarlehen gehandelt habe, denn er sei sowohl Darlehensgeber als A-3066/2017 Seite 6 auch Darlehensnehmer gewesen. Tatsächlich habe ein sog. „Insichge- schäft“ vorgelegen und habe er sich die Schuldzinsen effektiv selber be- zahlt. Entsprechend könne es sich bei diesen Zahlungen resp. Zahlungs- eingängen auch nicht um Zinsen ein es Kundenguthabens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. d des Verrechnungssteuergesetzes vom 13. Oktober 1965 (VStG, SR 642.21) handeln, denn ein solches bestehe lediglich aus durch Einlage begründeten Forderungen, die in der Bilanz der Privatbank als Verbindlichkeiten („Passiven“) ausgewiesen würden. Weil die Privat- bank weder das fiktive Treuhanddarlehen in ihrer Bilanz als Verbindlichkeit verbucht habe noch selber hierfür je Passivzinsen entrichtet habe, könnten aus der Sicht des Beschwerdeführers die fiktiven Zinszahlungen im vorlie- genden Fall nicht der Verrechnungssteuer unterliegen. Steuerobjekt im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG seien lediglich die „Passivzinsen“, d.h. die Zinsen für die Einlage bei der Bank. Auch seien die im Merkblatt Treu- handkonto der ESTV vom 31. Mai 1965 (Auflage 1993 ; nachfolgend MB 1965) aufgeführten Voraussetzungen aus der Sicht der Privatbank erfüllt gewesen. Daran ändere nichts, dass das Darlehen von C._______ in der Form eines Treuhanddarlehens via die Privatbank an A._______ zwischen den beiden Brüdern fiktiv bzw. simuliert gewesen sei. Selbst wenn im frag- lichen Merkblatt festgehalten werde , dass von Treuhand dort keine Rede sein k önne, wo der angebliche Treugeber und der Darlehensschuldner identisch seien, könne dies selbstredend nur dort gelten, wo der Treuhän- der selbst böswillig gewesen sei. Dies sei mit Bezug auf die Privatbank jedoch nicht der Fall, denn sie habe vom wahren Sachverhalt erst im Jahre 2015 erfahren. Aber selbst wenn man den Bestand des Treuhanddarlehens aus der Sicht der Privatbank verneinen würde, werde daraus nicht automa- tisch ein Kundenguthaben im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG. Weder der Bruder noch der Beschwerdeführer hätten die Absicht gehabt, der Pri- vatbank den Betrag gegen Zins zu überlassen. Auch gemäss dem Treu- handvertrag sei die Privatb ank keine Zinszahlungspflicht eingegangen, sondern habe nur Zinszahlungen weitergeleitet. Andernfalls läge ein unzu- lässiger Vertrag zu Lasten eines Dritten vor. Zwischen der Privatbank und dem Beschwerdeführer sei demnach kein Schuldverhältnis begründet wor- den, aufgrund dessen die Privatbank gegenüber dem Beschwerdeführer Kapital- und Zinsschuldnerin geworden wäre. N. Am 26. Juli 2017 liess die Privatbank (nachfolgend auch Verfahrensbetei- ligte) auf eine Stellungnahme verzichten. A-3066/2017 Seite 7 O. Mit Vernehmlassung vom 27. Juli 2017 beantragte die ESTV (nachfolgend auch Vorinstanz) die Abweisung der Beschwerde, unter Kostenfolge zulas- ten des Beschwerdeführers. Sie argumentiert hierbei, dass kein steuerlich anzuerkennendes Treuhand- verhältnis vorgelegen habe. Daher habe der Beschwerdeführer bei der Pri- vatbank ein Kundenguthaben begründet. Wie die Privatb ank dies verbu- che, sei verrechnungssteuerlich irrelevant, ebenso die zivilrechtliche Qua- lifikation. Als Ertrag gelte jede auf dem Kundenguthaben beruhende geld- werte Leistung an den Gläubiger, die sich nicht als Rückzahlung der Kapi- talschuld darstelle. Massgeblich sei das Bruttobetreffnis. Eine Verrechnung zwischen Aktiv- und Passivzinsen werde praxisgemäss einzig bei Zahlun- gen auf dem gleichen Konto und für die gleiche Zinsperiode zugelassen. Verrechnungssteuerlich gelte sodann eine wirtschaftliche Betrachtungs- weise. Zu beurteilen sei hier einzig das fiktive Treuhandverhältnis, dessen verrechnungssteuerliche Konsequenzen zwischen dem Beschwerdeführer und der Privatbank strittig sei. P. Mit unaufgeforderter Replik vom 10. August 2017 nahm der Beschwerde- führer zur Vernehmlassung vom 27. Juli 2017 erneut Stellung. Ergänzend bringt er vor, dass er als Treugeber und Darlehensschuldner die Summe des simulierten Treuhanddarlehens an die Privatbank überwiesen und so- gleich wieder bezogen und für Investitionen verwendet habe. Er habe da- her bei der Privatbank im Umfang dieser Summe über kein Guthaben ver- fügt. Ein Kundenguthaben habe seinerseits nur soweit bestanden , als er die Schuldzinsen gemäss dem Darlehensvertrag vom 16./28. Juni 1994 an die Privatbank bezahlt habe und diese die Zinsen dem ve rmeintlichen Konto des Bruders – in Wirklichkeit: seinem Konto – gutgeschrieben habe. Bei den überwiesenen Schuldzinsen handle es sich nicht um Er trag, son- dern um eine Einla ge. Neben dieser Einlage und dem Kontokorrent, auf welches die Zinszahlungen aus dem Darlehensvertrag überwiesen worden seien, habe er über ein GBP-Kontokorrentkonto sowie ein – hier nicht inte- ressierendes – Depot verfügt. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten ist nachfolgend einzugehen, soweit sie für den vorliegenden Entscheid we- sentlich sind. A-3066/2017 Seite 8 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be - schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Als anfechtbare Verfü- gungen gelten auch Einspracheentscheide der ESTV betreffend die Erhe- bung und Überwälzung von Verrechnungssteuern (Art. 5 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 33 Bst. d VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beur- teilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Der Beschwerdeführer hat als Einsprecher am vorinstanzlichen Verfah- ren te ilgenommen und hat als namentlich genannte Person, auf die die Verrechnungssteuer zu überwälzen ist (sog. Überwälzungsschuldner), ein Interesse an der Aufhebung oder Abänderung des angefochtenen Ent- scheids (Art. 48 VwVG ; vgl. auch BVGE 2010/12; Urteil des BVGer A-4696/2014 vom 1. April 2015 E. 2.2; HANS PETER HOCHREUTENER, in: Martin Zweifel/Michael Beusch/Maja Bauer-Balmelli [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Verrechnungs- steuer, 2. Aufl. 2012 [nachfolgend VStG-Kommentar], Art. 41 N 4a m.Hw. zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung). 1.3 Der Verfahrensbeteiligten kommt als im angefochtenen Einspracheent- scheid aufgeführte Adressatin sowie als ins Recht gefasste Steuerpflichtige im Sinne von Art. 10 VStG im vorliegenden Verfahren von Amtes wegen Parteistellung zu (Art. 6 VwVG), obschon sie selber keine Beschwerde und auch sonst keine weiteren Anträge eingereicht oder sich zum vorliegenden Verfahren geäussert hat. Dies ergibt sich daraus, dass im vorliegenden Fall auch die Rechtmässigkeit der Verrechnungssteuer forderung zur Diskus- sion steht und diesbezüglich keine widersprüchlichen Entscheide ergehen können (VERA MARANTELLI/SAID HUBER, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Ver waltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 6 N. 7 ff.). 1.4 Anfechtungsobjekt im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid; dieser ersetzt allfällige Ent - scheide unterer Instanzen (sog. Devolutiveffekt; vgl. BGE 134 II 142 E. 1.4; Urteile des BVGer A-2932/2017 vom 18. Januar 2018 E. 1.4 angefochten vor BGer, A-2177/2016 vom 19. Juli 2016 E. 1.2, A-2771/2015 vom 27. Ok- tober 2015 E. 1.2; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, A-3066/2017 Seite 9 Prozessieren vor dem B undesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, N. 2.7). Soweit der Beschwerdeführer die Aufhebung des Erstentsch eides vom 20. April 2016 beantragt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. 1.5 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – vorbehältlich E. 1.4 – einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht – einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens (Art. 49 Bst. a VwVG) – die unrichtige bzw. unvollständige Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) wie auch die Unangemessenheit der vorinstanzlichen Verfügung (Art. 49 Bst. c VwVG) gerügt werden. 2.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Das Bundesver- waltungsgericht ist demzufolge verpflichtet, auf den – unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten – festgestellten Sachverhalt die richtige Rechtsnorm, d.h. jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. MOSER/ BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 1.54, unter Verweis auf BGE 119 V 347 E. 1a). Aus der Rechtsanwendung von Amtes wegen folgt, dass das Bun- desverwaltungsgericht als Beschwerdeinstanz nicht an die rechtliche Be- gründung der Begehren gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann eine Beschwerde auch aus anderen als de n geltend gemachten Gründen (allenfalls auch nur teilweise) gutheissen oder den angefochtenen Ent- scheid im Ergebnis mit einer von derjenigen der Vorinstanz abweichenden Begründung bestätigen (sog. Motivsubstitut ion; vgl. BVGE 2007/41 E. 2; Urteil des BVGer A-5765/2016 vom 19. März 2018 E. 2.3). 3. 3.1 Der Bund erhebt eine Verrechnungssteuer auf dem Ertrag beweglichen Kapitalvermögens (Art. 1 Abs. 1 VStG). Die Steuer auf Kapitalerträgen be- trägt 35% der s teuerbaren Leistung (Art. 4 i.V.m. Art. 13 Abs. 1 Bst. a VStG). Die Verrechnungssteuer wird – ihrem Charakter als Sicherungs- steuer entsprechend – an der Quelle erhoben. Dabei ist die ausschüttende inländische Ge sellschaft nicht nur Steuerschuldner in (Steuerpflichtige), sondern auch Steuersubjekt (Art. 10 Abs. 1 VStG; THOMAS JAUSSI, Art. 10 A-3066/2017 Seite 10 N. 1 ff.). Der Sicherungs- und der Fiskalzweck der Verrechnungssteuer ver- langen in der Folge deren Überwälzung auf den Empfänger, wozu der Steuerpflichtige unter Strafandrohung (Art. 63 VStG) öffentlich -rechtlich verpflichtet ist (BGE 131 III 546 E. 2.1; MARKUS REICH/MAJA BAUER-BAL- MELLI, VStG-Kommentar, Art. 14 N. 9). Schliesslich wird die Verrechnungs- steuer dem Empfänger der um die Steuer gekürzten Leistung nach Mass- gabe des Verrechnungssteuergesetzes oder im internationalen Verhältnis aufgrund eines Staatsvertrages (teilweise) zurückerstattet (Art. 1 Abs. 2 VStG; Urteil des BVGer A -5361/2013 vom 17 . Dezember 2015 E. 2.3; BVGE 2010/61 E. 3.2; MAJA BAUER-BALMELLI/MARKUS REICH, VStG-Kom- mentar, Vorbemerkungen N. 71). Diese Aufteilung in die Phase der Steuererhebung (Art. 1 Abs. 1 VStG) und diejenige der Steuerrückerstattung (Art. 1 Abs. 2 VStG) ist wesentlich für die Funktion der Verrechnungssteuer (Urteil des BVGer A-5361/2013 vom 17. Dezember 2015 E. 3.2; vgl. MAJA BAUER-BALMELLI, Der Sicherungs- zweck der Verrechnungssteuer unter besonderer Berücksichtigung der Er- träge aus Beteiligungen, 2001, S. 46 ff.). 3.2 Gegenstand der Steuer ist unter anderem der Ertrag aus beweglichem Kapitalvermögen, insbesondere Zinsen und sonstige Erträge aus Kunden- guthaben bei inländischen Banken und Sparkassen (Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG). Von der Steuer ausgenommen sind die Zinsen aus Kundengutha- ben, wenn der Zinsbetrag für ein Kalender jahr Fr. 200. - nicht übersteigt (Art. 5 Abs. 1 Bst. c VStG in der seit 1. Januar 2010 geltenden Fassung; vgl. auch Art. 16 der Verordnung vom 19. Dezember 1966 über die Ver- rechnungssteuer [Verrechnungssteuerverordnung, VStV, SR 642.211, in der seit 1. Januar 2010 geltenden Fassung]). 3.3 Inländer ist, wer seinen statutarischen Sitz im Inland hat oder als Un- ternehmen im inländischen Handelsregister eingetragen ist (Art. 9 Abs. 1 VStG). 3.4 Als Bank oder Sparkasse gilt, wer sich öffentlich zur Annahme verzins- licher Gelder empfiehlt oder fortgesetzt Gelder gegen Zins entgegen nimmt (Art. 9 Abs. 2 VStG). Der Begriff umfasst vorab Banken im Sinne des Ban- kengesetzes geht aber noch weiter ( vgl. Art. 1 Abs. 1 und 4 sowie Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 8. November 1934 über die Banken und Sparkassen [Bankengesetz, BankG, SR 952.0] i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 30. April 2014 [Bankenverordnung, BankV, SR 952.02, in Kraft seit 1. Januar 2015] bzw. Art. 2a Bst. a der Verordnung A-3066/2017 Seite 11 vom 17. Mai 1972 über die Banken und Sparkassen [aBankenverordnung, aBankV, AS 1972 821, gültig gewesen bis 31. Dezember 2014]; HANS PE- TER HOCHREUTENER, Die Eidgenössischen Stempelabgaben und die Ve r- rechnungssteuer, 2013 [ nachfolgend VSt -2013], Teil II N. 443; KURT ARNOLD, VStG-Kommentar, Art. 9 N. 77 und 80). 3.5 3.5.1 Grundvoraussetzung für die Besteuerung von Erträgen gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG ist das Bestehen eines Kundenguthabens. Bei Kundenguthaben handelt es sich um Einlagen bei einer inländischen Bank oder Sparkasse begründeten Forderungen. Kundenguthaben können bei- spielsweise sein: Spar-, Einlage-, Depositen- und Kontokorrentguthaben, Festgelder, Callgelder, Lohnkonti, Aktionärsdarlehen usw. (Kreisschreiben Nr. 34 vom 26. Juli 2011 betreffend Kundenguthaben Ziff. 1, welches das Merkblatt S-02.122.2 der ESTV vom April 1999 ersetzt). Wesentlich ist der Depositen-Charakter (vgl. W. ROBERT PFUND, Verrechnungssteuer I. Teil, 1971 [nachfolgend VSt-1971], Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG N. 5.12). Grund- sätzlich erweist sich jede Einlage von Geld bei einem klassischen Ban- kinstitut als Kundenguthaben, mithin sind Fremdgelder von Bankinstituten grundsätzlich Kundengelder (vgl. ARNOLD, VStG-Kommentar, Art. 4 N. 294; HOCHREUTENER, VSt-2013, Teil II N. 472; PFUND, VSt-1971, Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG N. 5.18). Deren Erträge kö nnen indes von der Besteu erung ausgenommen sein (Art. 5 VStG; ARNOLD, VStG -Kommentar, Art. 4 N. 294; HOCHREUTENER, VSt-2013, Teil II N. 476 und 551 ff.). Davon abzu- grenzen sind jedoch Gelder, die schon vom Begriff her keine K undengut- haben sein können ( HOCHREUTENER, VSt-2013, Teil II N. 476 ; vgl. dazu nachfolgend). 3.5.2 Gelder, die eine Bank treuhänderisch entgegennimmt, um sie aus- schliesslich auf Rechnung und Gefahr des Ku nden an Dritte auszuleihen (als Treuhandkonti oder auch als Treuhandanlagen), stellen keine Kunden- guthaben dar (vgl. HOCHREUTENER, VSt-2013, Teil II N. 485 ff.; PFUND, VSt- 1971, Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG N 5.33). Die ESTV anerkennt indessen Treuhandkonti bei Bankinstituten gemäss ständiger Praxis nur dann als solche, wenn die im MB 1965 genannten Nachweise erbracht werden. Sie verweigert alsdann die steuerliche Anerkennung des Treuhandverhältnis- ses, wo der angebliche Treugeber und der Darlehensschuldner identisch sind (MB 1965). Das Bundesgericht hat diese Rechtsauffassung in seinem Entscheid A 15/75 vom 16. Mai 1975 i.S . Dr. V. als gesetzeskonform be- stätigt (daselbst E. 3a, publiziert in: ASA 45 121 ff., auch erwähnt in: MAJA BAUER-BALMELLI/THOMAS M. FISLER [Hrsg.], Die Praxis der Bundessteuern, A-3066/2017 Seite 12 II. Teil, Stempelabgaben und Verrechnungssteuer, laufende Sammlung, Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG Nr. 11). Das Bundesgericht hat im erwähnten Entscheid auch den damals erhobe- nen Einwand verworfen, wonach wirtschaftlich betrachtet kein Kundengut- haben des Treugebers im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG vorliege, da die Bank tatsächlich bloss „Durchlaufstelle“ sei. Es hat ferner ausgeführt, dass die damals zu beurteilende Überweisung eigener Mittel in Form eines Bankdarlehens keinen Anlass bilde, eine über die e chten Treuhandge- schäfte hinausgehende Ausnahme von der Verrechnungssteuerpflicht vor- zusehen (Urteil des BGer A 15/75 vom 16. Mai 1975 i.S. Dr. V. E. 4 in: ASA 45 121 S. 127). Ebenso hat es den damals erhobenen Einwand verworfen, wonach die ge- setzliche Regelung auf mannigfaltige Weise umgangen werden könne, bei- spielsweise dadurch, dass als Treugeber oder Darlehensnehmer ein Stroh- mann eingeschaltet werde. Es hat hierzu festgestellt, dass eine solche Si- tuation steuerlich ebenfalls nicht anerkannt würde (Urteil des BGer A 15/75 vom 16. Mai 1975 i.S. Dr. V. E. 5 in: ASA 45 121 S. 127 f.). 3.6 Steuerpflichtig ist – wie erwähnt – der Schuldner der steuerbaren Leis- tung (Art. 10 Abs. 1 VStG). Hinsichtlich der Erträge aus Kundenguthaben im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG ist dies die inländische Bank, bei der das Guthaben begründet worden ist (JAUSSI, VStG-Kommentar, Art. 10 N. 15). 3.7 Das Verrechnungssteuergesetz definiert den Begriff des Kapitalertrags nicht ( MARCO DUSS/ANDREAS HELBLING/FABIAN DUSS, VStG -Kommentar, Art. 4 N. 5). Gemäss Art. 14 Abs. VStV ist Ertrag aus Kundenguthaben jede auf dem Schuldverhältnis beruhende geldwerte Leistung an den Gläubiger, die sich nicht als Rückzahlung der Kapitalschuld darstellt. 3.8 Grundlage für die Bemessung des der Verrechnungssteuer unterlie- genden Ertrages ist das Bruttobetreffnis (vgl. KURT ARNOLD, VStG-Kom- mentar, Art. 4 N. 313 mit Hinweis auf Pfund). Die ESTV toleriert indessen die Verrechnung von Soll- und Habenzinsen nicht nur beim kaufmännischen Konto korrentverhältnis, sondern bei sämtlichen Kundenguthaben . Voraussetzung ist, dass es sich um das gleiche Konto und die gleiche Zinsperiode handelt. Umgekehrt verweigert sie die Saldierung von Soll- und Habenzinsen zwischen mehreren Konti bei der gleichen Bank, selbst wenn sie auf den gleichen Namen lauten, oder A-3066/2017 Seite 13 zwischen verschiedenen Zinsperioden, welche Regelung auch bei viertel- oder halbjährlichen Fälligkeiten Anwendung findet (ARNOLD, VStG - Kommentar, Art. 4 N. 313 ; vgl. auch HOCHREUTENER, VSt -2013, Teil II N. 563 ff.). 3.9 Die Verrechnungssteuerforderung entsteht bei Kapitalerträgen im Zeit- punkt, in dem die steuerbare Leistung fällig wird (Art. 12. Abs. 1 VStG), in jedem Fall aber, wenn sie tatsächlich erbracht wird (Art. 12 Abs. 3 VStG). 3.10 Bei Kundenguthaben bei inländischen Banken wird die Verrechnungs- steuer 30 Tage nach Ablauf jedes Geschäftsvierteljahres für die in diesem Zeitraum fällig gewordenen Zinsen fällig (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VStG; Art. 19 Abs. 1 VStV). 3.11 Auf Steuerbeträgen, die nach Ablauf dieses Fälligkeitstermins ausste- hen, ist gemäss Art. 16 Abs. 2 VStG ohne Mahnu ng ein Verzugszins ge - schuldet. Der Zinssatz für den Verzugszins wird vom Eidgenössischen Fi- nanzdepartement bestimmt und beträgt seit 1. Januar 1997 5% (Art. 16 Abs. 2 VStG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 der Verordnung vom 29. November 1996 über die Verzinsung ausstehender Verrechnungssteuern, [VO VStG Zins, SR 642.212]). 3.12 3.12.1 Die steuerbare Leistung ist sodann bei der Auszahlung, Überwei- sung, Gutschrift oder Verrechnung ohne Rücksicht auf die Person des Gläubigers um den Steuerbetrag zu kürzen. Vereinbarungen, die dieser Verpflichtung widersprechen, sind nichtig (Art. 14 Abs. 1 VStG; sog. Über- wälzungspflicht vgl. Titel von Art. 14 Abs. 1 VStG). Die Überwälzungspflicht ist ein wesentliches Element des Verrechnungssteuerrechts, ohne das der Zweck der Steuer nicht erreicht werden kann. Der Leistungsempfänger soll dadurch veranlasst werden, die steuerbare Leistung und den ihr allenfalls zugrundeliegenden Vermögenswert korrekt zu deklarieren bzw. in den Bü- chern auszuweisen. Der Gesetzgeber verschafft der Überwälzungspflicht Nachdruck, indem er Vereinbarungen, die dieser Verpflichtung widerspre- chen, als nichtig (Art. 14 Abs. 1 VStG) und die Unterlassung der Überwäl- zung als strafbar erklärt (Art. 63 VStG ; Urteil des BGer 2C_188/2010 und 2C_194/2010 vom 24. Januar 2011 E. 4.2; REICH/BAUER-BALMELLI, VStG- Kommentar, Art.14 N. 2). A-3066/2017 Seite 14 3.12.2 Die Pflicht zur Überwälzung der Verrechnungssteuer gilt auch (und insbesondere) für zurückliegende Leistungen, die von den zuständigen Be- hörden erst im Kontrollverfahren als steuerbar erklärt werden (Urteil des BGer 2C_188/2010 und 2C_194/2010 vom 24. Januar 2011 E. 4.4). Des Weiteren gilt, dass sobald brutto geleistet wird, eine entsprechende öffent- lich-rechtliche Regressforderung des Steuerpflichtigen gegenüber dem Leistungsempfänger entsteht (BGE 136 II 525 E. 3.3.1 m.w.Hw.; Urteile des BGer 2C_1071/2012 vom 7. Mai 2013 E. 3.2, 2C_188/2010, 2C_194/2010 vom 24. Januar 2011 E. 4.4, Urteil des BVGer A-1571/2006 vom 21. Januar 2010 E. 2.1; REICH/BAUER-BALMELLI, VStG -Kommentar, Art. 14 N. 5). 3.12.3 Der Pflicht zur Überwälzung wird in der Praxis auch dadurch nach- gekommen, dass die erbrachte Leistung als Nettoleistung betrachtet wird. Dies bedeutet für die Berechnung der geschuldeten Verrechnungssteuer, dass die Leistung auf die Bruttoleistung hochgerechnet wird (sog. Aufrech- nung ins Hundert; vgl. REICH/BAUER-BALMELLI, VStG-Kommentar Art. 14 N. 19). 3.13 3.13.1 Leistungsempfänger ist derjenige, der den ste uerbaren Ertrag ver- einnahmt und darüber verfügen darf ( REICH/BAUER-BALMELLI, VStG-Kom- mentar, Art. 14 N. 22). Die Gesellschaft hat indessen die steuerbare Leis- tung ohne Rücksicht auf die Person des Gläubigers zu kürzen. An wen die Leistung ausgerichtet wird und welches der Rechtsgrund ist, braucht somit nicht abgeklärt zu werden (sog. Grundsatz der Anonymität). Vom Grundsatz der Anonymität kann indes bei der nachträglichen Erhe- bung der Verrechnungssteuer und der damit einhergehenden nachträgli- chen Überwälzung auf den Leistungsempfänger abgewichen werden, in- dem die ESTV in einem Feststellungsentscheid über die Regressforderung und die Regresspflicht befindet, sofern ein schutzwürdiges Interesse nach- gewiesen ist (vgl. hierzu Urteil des BGer 2C_188/2010 und 2C_1 94/2010 vom 24. Januar 2011 E. 4.4). 3.13.2 Aus dem Wortlaut und dem Titel von Art. 14 Abs. 1 VStG ist sodann zu schliessen, dass die Verrechnungssteuer vorab auf den tatsächlichen Empfänger der steuerbaren Leistung zu überwälzen ist. Darauf gründet auch die in Art. 14 Abs. 1 VStG verankerte sog. Direktbegünstigungstheo- rie (vgl. REICH/BAUER-BALMELLI, VStG-Kommentar, Art. 14 N. 22). A-3066/2017 Seite 15 Insoweit ist Leistungsempfänger, wer den steuerbaren Ertrag tatsächlich vereinnahmt. Bei Erträgen aus Kundenguthaben ist dies regelmäs sig der Kontoinhaber, dem die Erträge gutgeschrieben werden (vgl. REICH/BAUER- BALMELLI, VStG-Kommentar, Art. 14 N 27 m.w.Hw.). Der Leistungsschuldner ist auch Regressschuldner (vgl. REICH/BAUER- BALMELLLI, VStG-Kommentar, Art. 14 N. 34). Abweichungen von diesem Grundsatz können sich nur ausnahmsweise er- geben, z.B. im Falle eines Treuhandverhältnisses, wo der tatsächliche Leistungsempfänger nicht mit dem verrechnungssteuerlichen Leistungs- empfänger identisch ist. Insoweit ist wohl der im Urteil des BGer 2C_188/2010 und 194/2010 vom 24. Januar 2011 E. 4.4. erwähnte Hinweis auf die Verfügungsberechtigung (vgl. auch REICH/BAUER-BALMELLI, VStG- Kommentar, Art. 14 N. 22 und vorne E. 3.13.1) des Empfängers zu verste- hen. Die in der Literatur kritisierte Praxis gemäss dem Merkblatt der ESTV S-02.141 vom Februar 20 01 (Bestimmung des Leistungsempfängers bei der Verrechnungssteuer) ist für den vorliegend zu beurteilenden Fall aller- dings nicht einschlägig, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. 3.13.3 Davon abzugrenzen ist die Frage nach der Verfügungsberechtigung im Zusammenhang mit der sog. Nutzungsberechtigung im Rückerstat- tungsverfahren (vgl. Art. 21 Abs. 1 Bst. a VStG). In der Re gel ist der tat- sächliche Leistungsempfänger auch als Nutzungsberechtigter zu betrach- ten. Die umfangreiche Rechtsprechung zu den sog. Rückerstattungsfällen hat jedoch gezeigt, dass dem nicht immer so ist. Die Frage der Nutzungs- berechtigung ist indes erst im Rückerstattungsverfahren zu klären (vgl. E. 3.1). Ebenfalls nicht im Rahmen der Leistungsüberwälzung zu klären sind Strei- tigkeiten im Zusammenhang mit der Regressforderung, die dem Zivilge- richt vorbehalten sind (vgl. Urteil des BGer 2C_188/2010 und 2C_194/2010 vom 24. Januar 2011 E. 4.4). 3.13.4 Die Regressforderung entsteht normalerweise im gleichen Zeit- punkt wie die Steuerforderung. Bei Kapitalerträgen entsteht sie mit der Fäl- ligkeit der steuerbaren Leistung, wenn nach der Natur der steuerbaren Leistung eine Kürzung ausgeschlossen ist (vgl. PFUND, VSt-1971, Art. 14 Abs. 1 N. 2.11). Wo eine Kürzung möglich ist, entsteht die R egressforde- rung mit der ungekürzten Ausrichtung der steuerbaren Leistung (Urteil des BVGer A-1571/2016 vom 21. Januar 2010 E. 2.3). A-3066/2017 Seite 16 4. 4.1 Im vorliegenden Fall ist ein Dreiparteienverhältnis gegeben. Einerseits bestand zwischen dem in den USA wohnhaften Bruder des Beschwerde- führers und der Privatbank eine Treuhandvereinbarung aus dem Jahre 1994, wonach die Privatbank dem Beschwerdeführer zu bestimmten Kon- ditionen im eigenen Namen, aber auf Rechnung des in den USA lebenden Bruders, ein Darlehen zu gewähren hatte. Des Weiteren bestand zwischen der Privatbank und dem Beschwerdeführer ein Darlehensvertrag aus dem gleichen Zeitraum, wonach die Privatbank dem Beschwerdeführer ein Dar- lehen einräumte und der Beschwerdeführer ihr hierfür Schuldzinsen ent- richtete. Die Privatbank erhielt für ihre Dienste eine Kommission. Gestützt auf diese Verträge führte die Privatbank ein sog. Treuhanddarlehen, wel- ches auf den in den USA lebenden Bruder lautete. Aktenkundig sind so- dann weitere Kontokorrentkonti sowie einige Wertpapiere, die zusammen mit dem Treuhanddarlehen allesamt im gleichen Depot geführt wurden, das wiederum auf den in den USA lebenden Bruder des Beschwerdefüh- rers lautete. Ebenfalls aktenkundig ist ein Kontokorrent „Treuhandkredit“ (mit separater IBAN-Nummer), welches auf den in den USA lebenden C._______ lautete. Nach der Sachdarstellung des Beschwerdeführers, war sein Bruder ledig- lich vorgeschoben. De facto gewährte der Beschwerdeführer sich selber ein Darlehen und entschädigte sich hierfür selber mit Schuldzinsen. Das dannzumalige Darlehen wurde per Ende 2013 durch ein neues Darlehen abgelöst. Gleiches geschah per Ende 2014. Per März 2015 wurde die Dar- lehensbeziehung durch Rückzahlung der Darlehen sschuld beendet. Die Privatbank hat die vom Beschwerdeführer bezahlten Schuldzinsen jeweils – nach Abzug der Kommission – dem auf den Bruder lautenden Kontokor- rentkonto gutgeschrieben. Der Sachverhalt ist unbestritten. Strittig ist demgegenüber , ob das auf C._______ lautende Treuhanddarlehen (Guthaben von C._______) als Kundenguthaben im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG zu qualifizieren ist. Des Weiteren ist strittig, ob die für das Treuhanddarlehen (Schuld von A._______) bezahlten Darlehenszinsen auf Seiten des Empfängers einen verrechnungssteuerlichen Ertrag oder einen irrelevanten Durchlaufposten darstellen. Schliesslich ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer von der Vo- rinstanz zu Recht als Überwälzungsschuldner ins Recht gefasst wird. A-3066/2017 Seite 17 4.2 Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang im Wesentli- chen geltend, dass er der Privatbank das Geld zur Verfügung gestellt, die- ses im Rahmen des Darlehens jedoch von ihr sogleich wieder bezogen habe. Es bestehe demzufolge kein Kundenguthaben bei der Bank. Infolge- dessen habe er auch keine Zinserträge erwirtschaftet. Die als Zinsgut- schriften ausgewiesenen Zahlungen seien ihrerseits als stehengelassene Bankeinlagen zu betrachten. 4.3 Vorab gilt es festzuhalten, dass die Privatbank zufolge der Zulassung durch die FINMA als Bank im Sinne des Bankengesetzes und infolgedes- sen als Bank im Sinne von Art. 9 Abs. 2 VStG zu betrachten ist (vgl. E. 3.4). Die Inländereigenschaft der Privatbank ist unbestritten und ergibt sich aus dem Handelsregisterauszug (vgl. E. 3.3). Aufgrund dieser Prämissen sind grundsätzlich sämtliche Fremdgelder, die die Privatbank entgegen nimmt, als Kundengelder im Sinne des VStG zu betrachten, soweit sie nicht schon vom Begriff her oder aufgrund einer Ausnahmebestimmung nicht als sol- che gelten (E. 3.5). Aus dem aktenkundigen Treuhanddarlehensvertrag vom 23./26. Juni 1994 Ziff. 2 und dem Darlehensvertrag vom 16./28. Juni 1994 ist zu schliessen, dass C._______ der Privatbank Treuhandgut zur Verfügung gestellt hat. Sodann werden in den Vermögensausw eisen per 31. Dezember 2010 bis per 31. Dezember 2014, die alle auf C._______ lauten, Treuhanddarlehen – neben Kontokorrentkonti und Wertschriftenpo- sitionen – als Treuhandg uthaben ausgew iesen. Unbestritten ist ferner, dass hinsichtlich der von C._______ der Privatbank zur Verfügung gestell- ten Darlehensgelder die formellen Voraussetzungen gemäss MB 1965 er- füllt sind (E. 3.5.2). Damit wäre zwischen C._______ und der Privatbank grundsätzlich ein Treuhandverhältnis anzunehmen und wäre das Treu- handguthaben von C._______ nicht als K undenguthaben im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. d VStG zu qualifizieren. Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt weist jedoch die Besonderheit auf, dass der Bruder für den Beschwerdeführer als Strohmann wirkte. Die- ser Umstand wurde gegenüber der Privatbank erst nachträglich offenge- legt. Insoweit unterscheidet sich der Sacherhalt von der vom Bundesge- richt im Jahre 1975 zu beurteilen Konstellation (E. 3.5.2), als der damalige Kontoinhaber und vermeintlicher Treugeber gegenüber der Bank den am Treugut tatsächlich Berechtigten nicht offenlegte. Allerdings hatte das Bun- desgericht schon damals festgehalten, dass auch im Falle eines zwischen- geschalteten Strohmannes kein echte s Treuhandverhältnis angenommen werden könne, wenn der tatsächliche Treugeber mit dem Darlehensneh- mer identisch sei (E. 3.5.2). Infolgedessen kann das Treuhandverhältnis A-3066/2017 Seite 18 zwischen C._______ und der Privatbank steuerlich nicht anerkannt werden und sind die über C._______ der Privatbank treuhänderisch überlassenen Darlehensmittel als Kundenguthaben zu betrachten (E. 3.5.2). Daran ver- mag auch der Einwand des Beschwerdeführers nichts zu ändern, dass er das Geld von der Privatbank abgezogen habe, denn im Depot von C._______ wird eine Treuhandposition (als „Aktivum“) ausgewiesen. Diese wurde in den Büchern der Bank lediglich deshalb nicht entsprechend aus- gewiesen, weil die Bank damals von den tatsächlichen Begebenheiten keine Kenntnis hatte, weshalb im vorliegenden Fall die zivilrechtliche Be- trachtungsweise nicht massgeblich sein kann. 4.4 Zu prüfen bleibt demzufolge, ob die durch C._______ vereinnahmten Darlehenszinsen als verrechnungssteuerpflichtige Erträge zu qualifizieren sind. Das Bundegericht hat bereits im vorerwähnten Entscheid aus dem Jahre 1975 „Zinserträge“ aus einem vermeintlichen Treuhanddarlehen, bei dem Darlehensgeber und Darlehensnehmer letztlich identisch gewesen sind , als sonstige Erträge aus Kundenguthaben der Verrechnungssteuer unter- stellt (E. 3.5.2). Es hat hierbei auch den Einwand verworfen, dass es sich lediglich um einen Durchlaufposten handle (E. 3.5.2). Insoweit erweisen sich die entsprechenden Einwände des Beschwerdeführers als nicht stich- haltig. Zweifelsohne handelt es sich bei den vorliegend als Zinsgutschriften aus Treuhand ausgewiesenen Zahlungen nicht um Rückzahlungen des ver- meintlichen Treuhanddarlehens, denn solche Rückzahlungen wurden je- weils separat ausgewiesen , so beispielsweise bei der endgültigen Rück- zahlung vom 31. März 2015 (vgl. auch Gutschriftenanzeigen vom 23. De- zember 2013 und vom 31. März 2015). Damit liegt ein verrechnungssteu- erpflichtiger sonstiger Ertrag vor (E. 3.7). Damit ist auch das Argument des Beschwerdeführers irrelevant, dass die Privatbank – im Falle der Qualifi- kation der Zahlungen als verrechnungssteuerpflichtiger Zins – aufgrund ei- nes unzulässigen Vertrags zu Lasten eines Dritten zur Zahlung von Zinsen verpflichtet werden würde. Selbst wenn vorliegend die Kontobeziehungen von C._______ allesamt dem Beschwerdeführer zugerechnet werden, erfolgte der Zahlungsfluss über verschiedene Konti. Eine Verrechnung der von A._______ an die Pri- vatbank bezahlten Schuldzinsen mit den auf dem Kontokorrent gutge- schriebenen Darlehenszinserträgen ist daher bereits im Einklang mit der A-3066/2017 Seite 19 Praxis ausgeschlossen, weshalb vorliegend darauf nicht mehr weiter ein- zugehen ist (E. 3.8). 4.5 In quantitativer Hinsicht sind die Zinszahlungen bzw. E rträge und die jeweiligen Fälligkeiten per Jahresende zu Recht unbestritten und durch den Darlehensvertrag bzw. die Kontoauszüge belegt (E. 3.8 bis 3.11). 4.6 Vorliegend erfolgten die strittigen „Zinsauszahlungen“ ohne Abzug der Verrechnungssteuer. Diese ist somit nachzuerheben bzw. von der Vorinstanz zu Recht nacherhoben worden (E. 3.7). Das strittige Treuhand- bzw. Kundenguthaben wurde bei der Privatbank begründet. Demzufolge kommt ihr die Stellung der Steuerpflichtigen zu (E. 3.6). Dies wird vorliegend seitens der Parteien denn auch nicht in Frage gestellt. 4.7 Zu prüfen ist schliesslich, wer als Leistungsempfänger bzw. als Über- wälzungsschuldner zu betrachten ist. Formeller Inhaber des Treuhandgutes ist der Bruder des Beschwerdefüh- rers. Damit wäre der Bru der grundsätzlich als Leistungsempfänger im Sinne von Art. 14 Abs. 1 VStG zu betrachten. Indessen ist unter den Par- teien unbestritten, dass der Bruder lediglich als Strohmann agierte und die Vermögenswerte dem Beschwerdeführer eigen waren. Unter den gegebe- nen Umständen ist das Strohmannverhältnis verrechnungssteuerlich zu Recht unberücksichtigt geblieben (E. 3.5.2). Demzufolge ist der Beschwer- deführer als Leistungsempfänger zu betrachten (E. 3.13.2). Infolgedessen ist er auch Überwälzungsschuldner (E. 3.13.2). 4.8 Zusammenfassend ergibt sich, das s die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist. 5. 5.1 Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschwerdeführer die Ver- fahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 12‘500.- festzusetzen (vgl. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungs-gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der vom Beschwerdeführer in glei- cher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrens - kosten zu verwenden. Eine Parteientschädigung ist d em Beschwerdefüh- rer nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 V wVG e c ontrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE). A-3066/2017 Seite 20 5.2 Der Vorinstanz ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 7 Abs. 3 VGKE). 5.3 Die Verfahrensbeteiligte hat keine Anträge gestellt und auf die Einrei- chung einer Stellungnahme verzichtet, weshalb ihr keine Parteientschädi- gung zuzusprechen ist (vgl. Art. 7 Abs. 4 VGKE). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 12‘500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Der e inbezahlte Kostenvorschuss wird für die Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Verfahrensbeteiligte (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde) (Die Rechtsmittelbelehrung befindet sich auf der nächsten Seite.) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Michael Beusch Monique Schnell Luchsinger A-3066/2017 Seite 21 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden ( Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Rechts- schrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Be- weismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizule- gen (Art. 42 BGG). Versand: