Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Dezember 2015 (710 14 283 / 326) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG; Haftung d er Geschäftsführerin einer GmbH grundsätzlich zu Recht bejaht; Genügend substanziierte Schadenersatzforderung; Quali- fiziertes Verschulden ausschliesslich für den Schad en verneint, der aufgrund des nicht bezahlten Akontobeitrags im letzten Monat vor der Konkurseröffnung entstandenen ist Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Robert Karrer, Rechts- anwalt, Angensteinerstrasse 6, 4153 Reinach BL 1 gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Schadenersatz A. A.____ war in der 2001 gegründeten B.____ GmbH m it Sitz in Basel Gesellschafterin und Geschäftsführerin. Gestützt auf eine Statutenän derung verlegte die B.____ GmbH ihren Sitz per 5. März 2009 von X.____ nach Y.____ und wa r ab dem 1. April 2009 als beitragspflich- tige Arbeitgeberin der Ausgleichskasse Basel-Landsc haft (Ausgleichskasse) angeschlossen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 16. Februar 2011 wurde über die B.____ GmbH der Konkurs eröffnet. Das Konkursverfah- ren wurde mit Verfügung des Konkursrichters des Bezirksgeri chts Arlesheim (heute: Zivilkreis- gericht Basel-Landschaft West) vom 23. Februar 2012 als g eschlossen erklärt und die Gesell- schaft von Amtes wegen gelöscht. Mit Verfügung vom 26. Juni 2012 forderte die Ausgleichs kasse von A.____ in ihrer Eigenschaft als Gesellschafterin und Geschäftsführerin Schadenersatz in der Höhe von Fr. 36‘384.30 für entgangene Sozialversicherungsbeiträge einschliesslich Verwa ltungskosten, Mahngebühren, Betreibungskosten und Verzugszinsen betreffend das Jahr 2 010 und den Monat Januar 2011. Daran hielt sie auch auf Einsprache der Versicherten hi n mit Entscheid vom 11. August 2014 fest. Begründet wurde diese Forderung im Wesentlichen m it einer Verletzung der dem Arbeit- geberorgan obliegenden Meldepflicht nach Art. 35 Abs. 2 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Robert Karrer, am 15. September 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Base l-Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie d ie vollumfängliche Aufhebung des an- gefochtenen Einspracheentscheides vom 11. August 2014; unt er o/e-Kostenfolge. Zur Begrün- dung brachte sie im Wesentlichen vor, dass die Schadener satzforderung aufgrund einer fal- schen Berechnung bzw. falschen Festlegung der Akontobeitr äge durch die Ausgleichskasse entstanden sei, weshalb ihr keine Missachtung von Vorschr iften und entsprechend auch kein grob fahrlässiges für den entstandenen Schaden kausales V erhalten vorgeworfen werden kön- ne. C. Mit Vernehmlassung vom 3. Dezember 2014 hielt die Ausgleichskasse an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Sie führte aus, dass si e bei der Angabe der voraussichtli- chen Lohnsumme für das Jahr 2009 im Anmeldeformular übe rsehen habe, dass diese lediglich die Summe ab 1. April 2009 umfasst habe und die Akonto beiträge für das Jahr 2009 folglich zu tief festgelegt worden seien. Dies habe aber insofern keinen Einfluss auf die Meldepflicht, als für sie keine Verpflichtung bestanden habe, die mit L ohnmeldung 2009 deklarierte Lohnsumme für das Jahr 2010 auf 12 Monate hochzurechnen. Vielme hr hätte die Beschwerdeführerin auf- grund der Jahresrechnung den Fehler der Ausgleichskasse be merken und diese im Rahmen ihrer Meldepflicht darauf hinweisen müssen. D. In ihrer Replik vom 9. April 2015 stellte sich die Beschwerdeführerin weiterhin auf den Standpunkt, dass keine Schadenersatzforderung geschuldet se i. Ergänzend brachte sie unter Hinweis auf einzelne Konkursgläubiger vor, dass das Konk ursamt im Rahmen des Kollokati- onsplans nicht gerechtfertigte Arbeitnehmerforderunge n berücksichtigt habe. Entsprechend sei die von der Beschwerdegegnerin gestützt darauf ermitt elte Schadenersatzforderung sowohl für das Jahr 2010 als auch für den Monat Januar 2011 nicht korrekt und genügend substanziiert. E. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 16. April 2015 wurde die auf den 30. April 2015 angesetzte Urteilsberatung abgeboten, da die Beschw erdegegnerin sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht zur Replik vom 9. April 2015 äussern konnte. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. In ihrer Duplik vom 23. Juli 2015 führte die Beschwe rdegegnerin aus, dass ihre Scha- denersatzforderung nicht auf den Angaben des Konkursamte s, sondern auf der von der Be- schwerdeführerin eingereichten Rekapitulation der Lohnmeldung 2010 beruhe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechtes (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ein spracheentscheide der Versi- cherungsträger Beschwerde erhoben werden. Jeder Kanton bestellt ein Versicherungsgericht als einzige Instanz zur Beurteilung von Beschwerden aus de m Bereich der Sozialversicherung (Art. 57 ATSG). Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonal en Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons zur Beurteilung von Beschw erden gegen Einspracheentschei- de der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG sachlich zuständig. 1.2 Nach Art. 52 Abs. 5 AHVG ist in Abweichung von Art. 58 Abs. 1 ATSG für Beschwer- den betreffend Schadenersatzansprüche der Ausgleichskass en das Versicherungsgericht des- jenigen Kantons zuständig, in dem der Arbeitgeber sei nen Wohnsitz hat, beziehungsweise die als Arbeitgeberin auftretende juristische Person ihr stat utarisches Domizil hat, ungeachtet des jeweiligen Wohnsitzes der in Anspruch genommenen Organe. Da die B.____ GmbH ihren statu- tarischen Sitz in Y.____ BL hatte, ist auch die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts ge- geben. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht er hobene Beschwerde ist demnach einzutre- ten. 2.1 Nach Art. 52 Abs. 3 AHVG verjährt der Schadenersatz anspruch zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Wird die Forderung aus eine r strafbaren Handlung hergeleitet, für die das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsch reibt, so galt bzw. gilt nach altem wie nach neuem Recht diese Frist (Art. 82 Abs. 2 aAHVV bzw. Art. 52 Abs. 4 AHVG). 2.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Ken ntnis des Schadens im Sinne der genannten Bestimmung von dem Zeitpunkt an gegeben , in welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit und un ter Berücksichtigung der Praxis erkennen muss, dass die tatsächlichen Gegebenheiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzu- fordern, wohl aber eine Schadenersatzpflicht begründe n können (BGE 131 V 427 E. 3.1; 119 V 92 E. 3). Im Falle eines Konkurses besteht praxi sgemäss bereits dann ausreichend Kenntnis des Schadens, wenn die Kollokation der Forderun gen eröffnet bzw. der Kollokations- plan (und das Inventar) zur Einsicht aufgelegt wird (BGE 121 V 234; BGE 119 V 92 E. 3; BGE 118 V 196 E. 3a, je mit Hinweisen). Wird der Konkurs w eder im ordentlichen noch im summari- schen Verfahren durchgeführt, fallen die zumutbare Ken ntnis des Schadens und der Eintritt desselben in der Regel mit der Einstellung des Konkurse s mangels Aktiven zusammen, wobei Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Publikationszeitpunkt der Konkurseinstellung im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) massgeblich ist (BGE 126 V 445 E. 3c). 2.3 Der Konkurs über die B.____ GmbH wurde am 16. Fe bruar 2011 eröffnet. Am 23. Feb- ruar 2012 wurde das Verfahren mangels Aktiven eingestel lt. Die Ausgleichskasse erliess am 26. Juni 2012 gegenüber der Beschwerdeführerin eine S chadenersatzverfügung, womit sie die zweijährige Frist des hier anwendbaren Art. 52 Abs. 3 AHVG gewahrt hat. 3.1. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 f f. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 sch reibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit seinen eigenen Beiträgen der Ausgleichskasse periodisch zu entr ichten hat. Diese werden von der Ausgleichskasse aufgrund der voraussichtlichen Lohnsumme f estgesetzt. Nach Ablauf einer Abrechnungsperiode, welche jeweils das Kalenderjahr umf asst, nimmt die Ausgleichskasse aufgrund der Abrechnung der Arbeitgeber den Ausgleic h zwischen den geleisteten Akontobei- trägen und den tatsächlich geschuldeten Beiträgen vor , wobei ausstehende Beiträge innert 30 Tagen ab Rechnungsstellung zu bezahlen sind (Art. 3 6 Abs. 3 und 4 AHVV). Diese Bei- tragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Dazu erklärte das Bundesg ericht wiederholt, dass die Nichterfül- lung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine Missachtu ng von Vorschriften im Sinne von Art. 52 AHVG bedeute und die volle Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 111 V 173 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2006, H 26/06, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch MARCO REICHMUTH , Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Diss. Freiburg 2008, Rz. 268 und 504). 3.2 Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang, dass der Arbeitgeber für die Diffe- renz zwischen geleisteten Akontozahlungen und den genaue n Beiträgen grundsätzlich nicht haftbar gemacht werden kann. Während aber nach der fr üheren Rechtsprechung aus dem Um- stand, dass sich der Schaden aus einer Differenz zwischen den Pauschalzahlungen und der Schlussabrechnung ergab und die Anpassung der Pauschalzah lungen unter dem Jahr unter- lassen wurde, kein grobfahrlässiges Verhalten abgeleitet wurde, ist unter der seit 1. Januar 2001 geltenden Rechtslage zu beachten, dass der Arbeitg eber gemäss Art. 35 Abs. 2 AHVV verpflichtet wird, der Ausgleichskasse wesentliche Änder ungen der Lohnsumme während des laufenden Jahres zu melden. Laut Rz. 2048 der Wegleitung über den Bezug der Beit räge (WBB) in der AHV, IV und EO des Bundesamtes für Sozia lversicherungen BSV (gleichlautend in den ab 1. Januar 2008 und 1. Januar 2016 gültigen Versionen) gilt eine Abweichung der jähr- lichen Lohnsumme von mindestens 10 Prozent von der urs prünglichen voraussichtlichen Lohn- summe als wesentlich im Sinne von Art. 35 Abs. 2 AHVV . Darauf stellt auch die bundesgericht- liche Rechtsprechung ab (Urteil des Bundesgerichts vom 17. August 201 0, 9C_355/2010, E. 5.1 ). 3.3 Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpfl icht besteht nach dem Wort- laut des Art. 52 Abs. 1 AHVG darin, dass die Missachtung von Vorschriften in absichtlicher oder grobfahrlässiger Weise erfolgt ist und dass durch diese M issachtung ein Schaden verursacht worden ist. Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene For men des Verschuldens. Art. 52 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 1 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Sowohl den Arbeitgeber wie auch das allfällige Arbeitgeberorgan muss ein Verschulden treffen; verlangt wird somit ein doppeltes oder zweistufiges Verschulden (R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 535). Das Bundesgericht geht in seiner Praxis allerdings davon aus, d ass bei Verletzung der Beitragszah- lungs- und Abrechnungspflicht ein Verschulden des Arbeit gebers grundsätzlich gegeben ist. Lediglich wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung de r einschlägigen Vorschriften als er- laubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen, entfällt eine Haftung (THOMAS NUSSBAUMER , Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG, in: Ak tuelle Juristische Praxis [AJP] 1996 S. 1077 f. mit Hinweisen auf BGE 108 V 186 E. 1b und ZAK 1985 S. 576 E. 2). In diesem Zu- sammenhang ist zu betonen, dass fehlende finanzielle Mit tel der Gesellschaft für sich allein selbstverständlich keinen Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgrund darstellen, da ansonsten die Haftungsvorschrift von Art. 52 Abs. 1 AHVG weitgehend ihres Gehaltes entleert würde. 3.4 Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art . 52 Abs. 1 AHVG setzt ausserdem voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässig en Missachtung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4). Nach der Rechtsprechung hat ein Er- eignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gel ten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahr ung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eint ritt dieses Erfolges also durch das Ereig- nis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119 Ib 334 E. 3c). 4.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Schadenersatz forderung für das Jahr 2010 ihre Ursache darin hat, dass die Pauschallohnsumme, auf der di e Akontobeiträge für das Jahr 2010 erhoben wurden, viel zu tief war. Aus den vorliegenden Akten lässt sich hierzu entnehmen, dass der Ausgleichskasse mit Anmeldung vom 27. März 2009 ein e mutmassliche AHV- Jahreslohnsumme von Fr 585‘000.-- gemeldet wurde. Gestü tzt darauf hat diese mit Mitteilung der Akontobeiträge vom 4. Juni 2009 eine Lohnsumme v on Fr. 438‘750.-- für die Zeit vom 1. April 2009 bis 31. Dezember 2009 berechnet. Mangel s Mitteilung der voraussichtlichen Jah- reslohnsumme in der Rekapitulation der Lohnmeldung 20 09 legte die Ausgleichskasse für die monatlichen Akontobeiträge im Jahr 2010 erneut die gem eldete Lohnsumme von Fr. 585‘000.-- zugrunde. Der gestützt auf die Rekapitulation der Lohn meldung 2010 von der Ausgleichskasse erstellten Jahresabrechnung vom 24. Februar 2011 ist ab er eine Lohnsumme von Fr 833‘990.-- zu entnehmen, was einer Abweichung von rund 30% entsp richt und damit eine wesentliche Än- derung im Sinne von Art. 35 Abs. 2 AHVV darstellt. 4.2.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet eine Verletzu ng der Meldepflicht. Sie macht geltend, dass die B.____ GmbH die mutmassliche Lohnsumme mit Anmeldeformular vom 27. März 2009 für den beitragspflichtigen Zeitraum vom 1. April 200 9 bis 31. Dezember 2009 korrekt gemeldet habe. Addiere man nämlich die für das Jahr 2009 gegen über der Ausgleichskasse C.____ und gegenüber der Beschwerdegegnerin deklarierten Lohnsumm en, ergebe dies einen Betrag von Fr. 864‘494.--, welcher - verglichen mit der der Scha denersatzverfügung zugrunde gelegten Lohnsumme für das Jahr 2010 im Umfang von Fr. 833‘990. 80 - keine wesentliche Abweichung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 10% ausgemacht habe. Damit habe für sie gar keine M eldepflicht bestanden und es fehle demnach an einer Missachtung der gesetzlichen Vorschriften. Die Falschberechnung der Akon- tobeiträge für die Jahre 2009 und 2010 sei vielmehr du rch die Beschwerdegegnerin verursacht und (selbst) verschuldet worden. Nachdem die B.____ GmbH die Lohnsumme für den Zeitraum April bis Dezember 2009 korrekt gemeldet habe, habe die Ausgleichskasse diese bereits für das Jahr 2009 falsch festgelegt und damit den Schaden adäquat kausal verschuldet. 4.2.2 Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werde n. Die Beschwerdeführerin verkennt bei ihrer Argumentation, dass der B.____ GmbH vorliege nd insofern eine Missachtung der Mel- depflicht vorgeworfen werden muss, als sie die Ausgleichsk asse nicht über ihren Irrtum aufge- klärt hat. Bereits zum Zeitpunkt der Mitteilung der Akontobeiträge am 4. Juni 2009 wäre aus der entsprechenden Abrechnung nämlich ersichtlich gewesen, dass die Ausgleichskasse, ungeach- tet der Beitragspflicht ab 1. April 2009, die unter dem Titel „mutmassliche Jahreslohnsumme“ gemeldete Lohnsumme auch als solche verstanden hat. Spätestens aber mit Mitteilung der Akontobeiträge vom 25. Februar 2010, mit welcher die A usgleichskasse die mutmassliche Lohnsumme, mangels fehlender Mitteilung in der Rekapitulation der Lohnmeldung 2009, für das gesamte Jahr 2010 erneut auf Fr. 585‘000.-- festsetzte , hätte die B.____ GmbH ohne Weiteres erkennen müssen, dass die Jahreslohnsumme für das Jahr 2010 d eutlich höher ausfallen wer- de. Dies gilt umso mehr, als sie im Rahmen dieser Mitt eilung ausdrücklich auf die Meldepflicht im Sinne von Art. 35 Abs. 2 AHVV hingewiesen worden w ar. Unterlässt die Arbeitgeberin die Korrektur einer irrtümlich erfolgten, zu tief festgeset zten Lohnsumme, obschon der Irrtum, wie im vorliegenden Fall, ohne Weiteres erkennbar war, i st dies grundsätzlich – wenn nicht durch besondere Umstände gerechtfertigt (vgl. E. 5 hiernach) – als grobfahrlässiges Verhalten zu qualifizieren (vgl. SVR 2003 AHV Nr. 1 S. 4 E. 7.b; U rteil des Bundesgerichts vom 21. April 2006, H157/05, E. 4.1 mit Hinweisen). 4.2.3 Die Unterlassung der bereits im Februar 2010 an gezeigten Meldung nach Art. 35 Abs. 2 AHVV führte in der Folge adäquat kausal zum Scha den der Beschwerdegegnerin. Wäre die B.____ GmbH ihrer Meldepflicht nachgekommen, hätte die Ausgleichkasse von der höheren Lohnsumme gewusst und die Akontorechnungen bereits währe nd des Jahres 2010 angepasst, womit der Schaden nicht eingetreten wäre. Ferner ist offensichtlich, dass ein derartiges Verhal- ten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der all gemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken. Nach dem Gesagt en steht fest, dass die unterlassene Meldung der B.____ GmbH den Schaden adäquat kausal ver ursacht hat. Entgegen der Auffas- sung der Beschwerdeführerin, vermag ein allfälligen Mi t- bzw. Selbstverschuldens der Aus- gleichskasse damit den Kausalzusammenhang zwischen dem pfl ichtwidrigen Verhalten des Arbeitgebers und dem eingetretenen Schaden nicht zu u nterbrechen (vgl. R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 748). 5.1 Zu prüfen ist weiter, ob der Normverstoss als qualif iziert schuldhaftes Verhalten der Arbeitgeberin zu werten ist. 5.2 Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die die u nterlassene Meldung der B.____ GmbH bezüglich der zu tief festgesetzten Pauschallohnsumm e als gerechtfertigt erscheinen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht liessen bzw. ein Verschulden im Sinne von grober Fahrlässigkeit ausschliessen würden. Soweit sich die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang auf d en Vertrauensschutz nach Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (B V) vom 18. April 1999 beruft und namentlich die Frage in den Raum stellt, ob vorlie gend nicht das Vertrauen der B.____ GmbH in die von der Beschwerdegegnerin festgesetzten A kontobeiträge zu schützen sei, ist darauf hinzuweisen, dass es diesbezüglich bereits an de r erforderlichen Vertrauensgrundlage mangelt. Die Beschwerdegegnerin ist nämlich ihrerseits b ei der Vornahme des Ausgleichs zwi- schen den geleisteten Akontobeiträgen und den tatsächli ch geschuldeten Beiträgen gemäss Art. 36 Abs. 4 AHVV auf die Angaben der Arbeitgeber angewiesen, welche auch die Löhne ausbezahlen und Kenntnis über ihre Personalplanung ha ben. Darüber hinaus steht aufgrund des hiervor Dargelegten fest, dass der Irrtum der Ausgl eichskasse über die zu tief festgesetzte Lohnsumme spätestens mit Schreiben vom 25. Februar 2010 erkennbar gewesen ist, womit eine Berufung auf den Vertrauensschutz auch aus diesem Grund ausser Betracht fällt. 5.3 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die S chadenersatzforderung für das Jahr 2010 ihre Ursache in einer Verletzung der Meldepf licht hat. Da keine Anhaltspunkte er- sichtlich sind, die die unterlassene Meldung als gerecht fertigt bzw. entschuldbar erscheinen lassen, ist die Haftbarkeit der B.____ GmbH als Arbeitgeberin zu bejahen. 6.1 Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, die im Zeitpunkt der Geltendmachung der Haftung nicht mehr besteht oder infolge Konkurseröffnu ng nicht mehr belangbar ist, so können gegebenenfalls subsidiär die verantwortlichen Organe i n Anspruch genommen werden (BGE 123 V 15 E. 5b, 122 V 66 E. 4a, 119 V 405 E. 2 , 114 V 219 ff. E. 3). Nicht zwingend vo- rausgesetzt ist, dass sich die Arbeitgeberfirma in Konkurs be findet. Ein Verwaltungsrat kann bereits belangt werden, wenn in einer Betreibung für Beiträge gegen eine Gesellschaft ein Pfändungsverlustschein resultiert (BGE 113 V 258 E. 3c; THOMAS NUSSBAUMER , Haftung des Verwaltungsrates, S. 1075). In der Lehre ist verschieden tlich eingewendet worden, die Ausdeh- nung der Haftpflicht auf Organe sei nicht unbedenklich, da weder die Gesetzesmaterialien noch der Wortlaut von Art. 52 AHVG eine solche als begründet erscheinen liessen (ALFRED MAURER , Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Band II, Bern 198 1, S. 67; vgl. auch P ETER FORSTMOSER , Die aktienrechtliche Verantwortlichkeit, Zürich 1987, S. 305 f., N 1071). Das Bun- desgericht hat jedoch trotz dieser Kritik an der subsidiären solidarischen Haftbarkeit der Organe eines Arbeitgebers festgehalten (vgl. die grundsätzlichen Ausführungen in BGE 114 V 219 ff., insbes. E. 3b und c). In BGE 129 V 11 ff. hat sich das B undesgericht nochmals ausführlich mit der erwähnten Kritik auseinandergesetzt und vor allem un ter Hinweis auf die aktuelle Gesetz- gebung, welche sich im Rahmen des Erlasses des ATSG und im Zusammenhang mit der 11. AHV-Revision mit der Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG befasst hat, entschieden, dass kein Anlass bestehe, von der konstanten Rechtsprechung zur Arbeitgeber-Organhaftung abzuweichen (BGE 129 V 11 ff. E. 3 mit zahlreichen Hin weisen; vgl. zum Ganzen auch NUSSBAUMER , Haftung des Verwaltungsrates, S. 1071 ff., insbesondere S. 1075 f.). 6.2 Bei der Prüfung der Organhaftung bei der Gesellsch aft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist zu beachten, dass diese grundsätzlich eine drei teilige Organisation aufweist: Von Gesetzes wegen sind als Organe die Gesellschafterversammlun g (Art. 804 ff. OR), die Ge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schäftsführung und Vertretung (Art. 809 ff. OR) sowie die Revisionsstelle (vgl. Art. 818 OR) vor- gesehen. Grundsätzlich sieht das Gesetz in Art. 809 Abs. 1 OR die sogenannte Selbstorgan- schaft vor, d.h. die Geschäftsführung und Vertretung e rfolgt durch alle Gesellschafter. In dieser Konstellation ist dann auch jeder Gesellschafter zugleich Organ der Gesellschaft (E RIC L. DREIFUSS /A NDRÉ E. LEBRECHT , Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Obligationenrecht II, Basel/Frankfurt am Main 1994, N 1 und 4 zu Art. 808). 6.3 Gemäss Art. 827 OR gelten für die Verantwortlic hkeit der bei der Gesellschaftsgrün- dung beteiligten und der mit der Geschäftsführung un d der Kontrolle einer GmbH betrauten Personen sowie der Liquidatoren die Bestimmungen über die Aktiengesellschaft analog. Die Kriterien, welche die Rechtsprechung für die Organhaft ung bei der Aktiengesellschaft gebildet hat, lassen sich daher auf die Organe einer GmbH übert ragen (vgl. THOMAS NUSSBAUMER , Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in: Schaffhau ser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 10 4). Ist demnach eine GmbH als Selbst- organschaft organisiert, herrscht in Bezug auf Art. 52 AHVG Klarheit über die haftbaren Organe. Alle Gesellschafter sind in analoger Anwendung von Art. 754 OR in Verbindung mit Art. 759 Abs. 1 OR sowohl der Gesellschaft als auch den Gesellschaf tsgläubigern für den Schaden ver- antwortlich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Ve rletzung der ihnen obliegenden Pflichten verursachen, wobei sie solidarisch dafür haft en, wenn sie für den gleichen Schaden verantwortlich sind (BGE 114 V 214 E. 3). 6.4 Dem Handelsregisterauszug vom 15. September 2014 ka nn entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin seit der Gesellschaftsgründung bis zur Löschung der Gesellschaft im Februar 2012 als Gesellschafterin – bis März 2009 mit ei ner Stammeinlage von Fr. 8‘000.-- und danach mit 80 Stammanteilen von je Fr. 100.-- – und als Geschäftsführerin eingetragen war. Die Beschwerdeführerin unterstand somit während des ge samten Bestehens der Gesellschaft unstreitig der formellen Organhaftung und kann somit g rundsätzlich für die Handlungen und Unterlassungen der konkursiten Gesellschaft belangt werden. 7.1 Zu beachten ist jedoch, dass nicht jedes der Gesellscha ft anzulastende Verschulden auch ein solches ihrer Organe ist. Vielmehr ist abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der juristischen Person einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche respektive fakti- sche Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Das Bu ndesgericht hat in seiner – zur Or- ganhaftung bei der Aktiengesellschaft entwickelten – Rechtsprechung regelmässig betont, dass an die Sorgfaltspflicht der Organe grundsätzlich streng e Anforderungen zu stellen sind (ZAK 1985 S. 620). Im Übrigen ist vom Leitsatz des Bundesgeri chts auszugehen, welches grobe Fahrlässigkeit dann annimmt, „wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verstän- digen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Um ständen als beachtlich hätte einleuch- ten müssen.“ Für das Organ einer Firma ist das Mass der zu verlangenden Sorgfalt abzustufen, entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen derjenigen Arbeitgeber- kategorie, welcher der Betreffende angehört, üblicherw eise erwartet werden kann und muss (ZAK 1985 S. 260 mit Hinweisen). Ob ein Organ schuldha ft gehandelt hat, hängt demnach ent- scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm übertragen wurden. Dabei kann vereinfachend gesagt werden, dass je kleiner und übe rschaubarer die Tätigkeit einer Fir- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ma ist, desto eher davon ausgegangen werden kann, dass die Organe über sämtliche Geschäf- te Bescheid wissen und daher auch Kenntnis davon haben, w enn in Einzelfällen die Abrech- nung über Lohnbeiträge nicht erfolgt ist oder ausstehen de Beitragszahlungen nicht geleistet werden (BGE 108 V 202 E. 3a; Urteil des EVG vom 19. Juli 1996, H 308/95, E. 5a). In diesem Fall wird die Grobfahrlässigkeit regelmässig gegeben sein (BGE 103 V 125; N USSBAUMER , Haf- tung des Verwaltungsrates, a.a.O., S. 1078). 7.2 Zumal sie namentlich über eine einfache Verwaltung sstruktur verfügte, kann bei der B.____ GmbH, die einen Personalbestand von rund 30 Pe rsonen aufwies, vorliegend noch von einer Gesellschaft mit überschaubaren Verhältnissen ausg egangen werden. In Anbetracht die- ser Tatsache musste von der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Funktion als Gesellschafterin und Geschäftsführerin der GmbH die Übersicht über alle Belange sowie über sämtliche Ge- schäfte der Unternehmung verlangt werden. Demzufolge h ätte sie bei Aufwendung der gehöri- gen Sorgfalt den der Ausgleichskasse im Zusammenhang mi t der Festsetzung der Akontobei- träge unterlaufenen Irrtum erkennen und melden müssen. 7.3 Ausser den weiter oben ausführlich behandelten Ei nwänden (vgl. E. 5.2) bringt die Be- schwerdeführerin keine zusätzlichen, ihre Organstellung oder ihr persönliches Verhalten betref- fende Gründe vor, die geeignet wären, die Missachtung der Meldepflicht als gerechtfertigt oder zumindest als entschuldbar erscheinen zu lassen. Die Akten ent halten ebenfalls keine zusätzli- chen Anhaltspunkte, die gegen eine Schadenersatzpflicht der Beschwerdeführerin sprechen würden. Somit ist deren Haftung in Bezug auf die Scha denersatzforderung für das Jahr 2010 nach Art. 52 AHVG grundsätzlich zu bejahen. 8.1 Es bleibt über die Höhe der Schadenersatzforderun g zu befinden. 8.2 Vorliegend hat die Ausgleichskasse in ihrer Verfügu ng vom 26. Juni 2012 bzw. ihrem Einspracheentscheid vom 11. August 2014 für das Jahr 2010 gegenüber der Beschwerdeführe- rin eine Schadenersatzforderung in der Höhe von Fr 29 ‘597.65 und für den Monat Januar 2011 eine solche in der Höhe von Fr. 6‘786.65 geltend gemacht (vgl. E. 9 hiernach), womit insgesamt eine Schadenersatzforderung in der Höhe von Fr. 36‘384 .30 resultiert. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus dem unbezahlt gebliebenen Ausgleichungsbet rag für das Jahr 2010, dem nicht bezahlten Akontobeitrag für den Januar 2011, Verzugszinsen, Mahngebühren und Betreibungs- kosten 8.3 Wie in Erwägung 4.2.2 ausgeführt, vermag eine all fälliges Mit- bzw. Selbstverschulden der Ausgleichskasse den Kausalzusammenhang zwischen dem pfli chtwidrigen Verhalten des Arbeitgebers und dem eingetretenen Schaden nicht zu unt erbrechen. Hingegen kann eine gro- be Pflichtverletzung seitens der Ausgleichskasse dazu führen , dass die Ersatzpflicht in sinnge- mässer Anwendung von Art. 44 Abs. 1 OR ermessensweise herabgesetzt wird, ohne sie jedoch ganz wegzudenken (BGE 122 V 185 E. 3c ). Nach der Rech tsprechung ist ein Mitverschulden der Ausgleichskasse gegeben, wenn sich die Verwaltung ei ner groben Pflichtverletzung schul- dig gemacht hat, was namentlich dann der Fall ist, wen n sie elementare Vorschriften der Bei- tragsveranlagung und des Beitragsbezugs missachtet hat, u nd wenn zwischen dem rechtswid- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht rigen Verhalten und dem Schaden ein adäquater Kausa lzusammenhang besteht (Urteil des EVG vom 2. März 2004, H 235/03, E. 7 mit Hinweis). Vo rliegend steht fest, dass es die Be- schwerdeführerin in Verletzung der Meldepflicht nach A rt. 35 Abs. 2 AHVV unterlassen hat, die Ausgleichskasse über ihren Irrtum aufzuklären, obwohl di eser für sie ohne Weiteres erkennbar gewesen war. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ve rträgt sich die Auffassung, dass eine fehlende Anpassung von Akontozahlungen für das fol gende Jahr von Amtes wegen eine grobe Pflichtverletzung darstelle, nicht mit Art. 35 Abs. 2 AHVV (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 11. April 2008, 9C_778/2007, E. 4.1 und vom 20. Dezember 2007, 9C_465/2007, E. 9.2.2). Der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach die Ausgl eichskasse die Akontozahlungen für das Jahr 2010 nach Eingang der Jahresabrechnung 2009 au f das gesamte nächste Jahr hätte aufrechnen sollen, erweist sich somit als unbegründet un d kann keine Herabsetzung der Scha- denminderungspflicht wegen Mitverschuldens derselben rechtfertigen. Wie die Ausgleichskasse sodann zutreffend ausführt, würde eine Anpassung der Ako ntobeiträge von Amtes wegen bei fehlenden Angaben zur voraussichtlichen Lohnsumme des Folgejahres auch dem in Art. 36 AHVV verankerten Grundsatz widersprechen, wonach sowohl die Akontobeiträge als auch die Jahresabrechnung aufgrund der Angaben des Arbeitgebers erstellt werden. Entgegen der Auf- fassung der Beschwerdeführerin geht aus der Anmeldung vo m 27. März 2009 denn auch nicht eindeutig hervor, dass sich die gemeldete Lohnsumme aussch liesslich auf die Zeit vom 1. April 2009 bis 31. Dezember 2009 bezog, da der Betrag von Fr . 585‘000.-- unter dem Titel „mut- massliche Jahreslohnsumme“ angegeben worden war. Der Aus gleichskasse kann vorliegend zwar insofern ein Vorwurf gemacht werden, als sie angesi chts der bei ihr erst ab 1. April 2009 beitragspflichtigen Arbeitgeberin hätte in Betracht zi ehen können, dass sich die gemeldete Lohnsumme ausschliesslich auf diesen Zeitraum bezieht. Se lbst wenn man darin aber ein Mit- verschulden erkennen wollte, kann dieses mit Blick auf die zitierte Rechtsprechung nicht als derart schwerwiegend betrachtet werden, dass es eine Her absetzung der Schadenersatzpflicht rechtfertigen würde. 8.4 Zu prüfen ist ferner der Einwand der Beschwerdefü hrerin, die geltend gemachte Scha- denersatzforderung sei nicht korrekt und genügend substa nziiert, da verschiedene Arbeitneh- merforderungen zu Unrecht im Kollokationsplan des Konku rsamtes berücksichtigt worden sei- en. 8.4.1 Wie das Bundesgericht präzisiert hat, muss das (kanto nale) Gericht die von der Aus- gleichskasse ermittelte Schadenersatzforderung betragsmässi g nicht überprüfen, wenn es die schadenersatzpflichtige Person unterlässt, den eingeklagte n Schadensbetrag substanziiert zu bestreiten. Der Verwaltungsprozess ist zwar vom Untersuchun gsgrundsatz beherrscht, dies entbindet jedoch die rechtsuchende Partei nicht davon, selber die Beanstandungen vorzubrin- gen, die sie anzubringen hat (Rügepflicht), und ihrerse its zur Feststellung des Sachverhaltes beizutragen (Mitwirkungspflicht; Urteil des EVG vom 19. Juli 1996, H 313/95, E. 4; ZAK 1991 S. 126 E. II/1b; vgl. auch T HOMAS NUSSBAUMER , Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG [Schadenersatzverfahren], in: Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 119). Die ser höchstrichterlichen Auffassung ist je- denfalls dann ohne weiteres beizupflichten, wenn den Akten – anhand einer summarischen Prü- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht fung – keine Anhaltspunkte für eine offensichtliche Unr ichtigkeit der geltend gemachten Beiträ- ge entnommen werden können. 8.4.2 In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass d ie Beschwerdegegnerin, wie sich anhand der Akten belegen lässt, bei der Festlegung ihrer Schadenersatzforderung nicht den Kollokationsplan des Konkursamtes, sondern, wie in A rt. 36 Abs. 4 AHVV vorgeschrieben, die durch die Arbeitgeberin eingereichte Rekapitulatio n der Lohnmeldung 2010 und deren Bei- lagen zugrunde gelegt hat. Damit erweisen sich aber di e gegen den Kollokationsplan vorge- brachten Einwände der Beschwerdeführerin als unerheblich , zumal sie die Möglichkeit gehabt hätte, den Kollokationsplan anzufechten. Ferner lassen si ch den Akten keinerlei Hinweise ent- nehmen, die im Rahmen einer summarischen Prüfung von Amtes wegen für eine offensichtliche Unrichtigkeit der gestützt auf die Lohnrekapitulation vom 28. Januar 2011 berechneten Bei- tragsforderungen sprechen würden. Die Beschwerdeführerin bringt denn auch weder gegen die gestützt auf die Lohnrekapitulation vom 28. Januar 20 11 berechneten Beiträge noch gegen die darin berücksichtigten beitragspflichtigen Löhne Einwänd e vor. Unter den gegebenen Umstän- den kann somit im Sinne der dargelegten Rechtsprechung eine detaillierte Auseinandersetzung mit diesem Teil der Schadenersatzforderung unterbleiben. Der Schaden, für den die Beschwer- deführerin aufzukommen hat, beläuft sich für das Jahr 2 010 somit auf Fr 29‘597.65, wie er dem Einspracheentscheid vom 11. August 2014 zugrunde liegt. 9.1 Schliesslich ist die Haftung der Beschwerdeführerin b etreffend den Schaden aufgrund des nicht bezahlten Akontobeitrags im Januar 2011 zu prüfen. 9.2 Wie bereits dargelegt (vgl. E. 7.1) , ist nach ständiger Rechtsprechung nicht jede Ver- letzung der öffentlichrechtlichen Aufgaben der Arbeitg eberin als Institution der Versicherungs- durchführung ohne weiteres als qualifiziertes Verschulden ihrer Organe im Sinne von Art. 52 AHVG zu werten (BGE 121 V 243 E. 4b, 108 V 186 E. 1b und 193 E. 2b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und 619 f. E. 3a). Das absichtliche oder grobfahrlässig e Missachten von Vorschriften verlangt vielmehr einen Normverstoss von einer gewissen Schwere. Dage gen kann beispielsweise die relativ kurze Dauer des Beitragsausstandes sprechen. Je kürzer dieser ist, desto leichter dürfte der Normverstoss zu taxieren sein (vgl. BGE 121 V 244 E. 4b ). Dabei hat aber immer eine Würdigung sämtlicher konkreten Umstände des Einzelfalles Platz zu greifen Die Frage der Dauer des Normverstosses ist somit ein Beurteilungskriteri um, welches im Rahmen der Ge- samtwürdigung zu berücksichtigen ist und im Sinne der Rech tsprechung zu den Entlastungs- gründen zur Verneinung der Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 243 E. 4b). 9.3 Am 16. Februar 2011 wurde über die B.____ GmbH der Konkurs eröffnet. Der offen gebliebene Akontobeitrag für Januar 2011 in der Höh e von Fr. 6‘786.65 wurde aufgrund von Art. 34 Abs. 3 AHVV am 10. Februar 2011 fällig, womit die Zahlungsfrist noch vor Konkurseröff- nung am 16. Februar 2011 abgelaufen ist. Dabei hande lt es sich aber um eine nur kurze Dauer des Beitragsausstandes. So blieb die B.____ GmbH ledigl ich diesen letzten Monatsbeitrag vor der Konkurseröffnung schuldig. Auch wenn der Beschwerde führerin gestützt auf die vorstehen- den Ausführungen für das Jahr 2010 eine Verletzung de r Meldepflicht vorgeworfen werden muss, steht aufgrund der vorliegenden Akten fest, dass die der B.____ gestellten Akontorech- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht nungen – wenn auch im Jahre 2010 nicht vollständig – bis und mit Dezember 2010 alle begli- chen worden sind. Daran ändert nichts, dass, wie sich anha nd des Kontokorrentauszuges der Ausgleichskasse entnehmen lässt, die Arbeitgeberin im Jah re 2010 hin und wieder gemahnt werden und die Ausgleichskasse teils den Betreibungsweg einschlagen musste. Der der Aus- gleichskasse durch die Mahnungen und die Betreibungsschr itte entstandene administrative Mehraufwand stellt als solches keinen schadenersatzrechtlich bedeutsamen Schadensbestand- teil dar, da sie sich mit der Erhebung von Mahngebühr en und der Bezahlung der Betreibungs- kosten bis zu einem gewissen Grade schadlos halten konnte. Jedenfalls kann unter Würdigung der gesamten Umstände, namentlich angesichts des sehr kurzen Beitragsausstandes – welcher im Rahmen der Verschuldensbeurteilung als entscheidendes Element gewürdigt werden kann – sowie unter Berücksichtigung des sonstigen Verhaltens der B.____ GmbH, nicht von einem im Sinne der obgenannten Ausführungen besonders schweren Normverstoss gesprochen werden, wenn die Beschwerdeführerin im Monat Februar des endgültigen Zusammenbruchs sechs Tage vor Konkurseröffnug die unbestrittenermassen geschuldete n Sozialversicherungsbeiträge nicht mehr abgeliefert ha. Damit aber fällt ein qualifizie rt haftungsbegründendes Verschulden, wie es Art. 52 AHVG für die Schadenersatzverpflichtung verlangt, für den Monat Ja nuar 2011 ausser Betracht. 10. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ergibt sich , dass die Ausgleichskasse die Beschwerdeführerin im angefochtenen Einspracheentscheid vom 11. August 2014 für die im Jahr 2010 entgangenen Sozialversicherungsbeiträge zu Rech t zur Bezahlung von Schadener- satz verpflichtet hat. Für den aufgrund des nicht bezahlt en Akontobeitrags im Januar 2011 ent- standenen Schaden ist eine Haftung der Beschwerdeführe rin mangels qualifizierten Verschul- dens zu verneinen und der Haftungsbetrag somit um Fr. 6‘786.65 zu reduzieren. In diesem Sin- ne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Unter Berü cksichtigung eines Abzugs von Fr. 43.55 für die seit dem Einspracheentscheid verbuchte Rückverteilung der Co 2-Abgabe resul- tiert insgesamt ein noch zu zahlender Schadensbetrag in der Höhe von Fr. 29‘554.10. 11.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 11.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerde nur teilweise gutgeheissen wurde, kann der Be- schwerdeführerin nur eine reduzierte Parteientschädigung ausgerichtet werden (vgl. § 21 Abs. 1 VPO, wonach der ganz oder teilweise obsiegenden Partei eine angemessene Parteientschädi- gung zugesprochen werden kann). Der Rechtsvertreter d er Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 30. Oktober 2015 für das vorliegende B eschwerdeverfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 5‘624.-- bei einem Zeitaufwand von 19.5 Stunden in Rechnung gestellt. Aufgrund der nur teilweisen Gutheissung der vorliegenden Beschwer de im Umfang von rund einem Sechstel ist die Zusprechung einer Parteientschädigung von einem Sechstel des geltend ge- machten Honorars gerechtfertigt. Demnach hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführe- rin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 937.3 0 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwert- steuer) zu bezahlen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern teilweise gutgehe issen, als in Abände- rung des angefochtenen Einspracheentscheides vom 11. Augu st 2014 die Schadenersatzforderung der Ausgleichskasse Basel-La ndschaft in der Höhe von Fr. 36‘384.30 auf Fr. 29‘554.10 reduziert wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Ausgleichskasse Basel-Landschaft hat der Beschwer deführerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 937.30 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen Vizepräsident Gerichtsschreiberin