Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 30. Juli 2019 (410 19 137) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil i.S.v. Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO kann unter anderem darin erblickt werden, d ass die Anordnung der psychiatrischen Begutachtung unwiderruflich in das Grundrecht der persönlichen Freiheit eingreift oder, dass durch die Verfahrensverlängerung die Gefahr einer irreparablen Schädigung der Beziehung zw i- schen dem Kind und den Kindseltern entsteht. Passivlegitimation der Vorinstanz Besetzung Präsident Roland Hofmann; Gerichtsschreiber i.V. Luzius Sidler Parteien A.____, vertreten durch Advokatin Sabrina Stoll, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal, Beschwerdeführerin gegen Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost, Hauptstrasse 108/110, 4450 Sissach, Beschwerdegegner Gegenstand Vorsorgliche Massnahmen / Obhut und Unterhalt Kind Beschwerde gegen Ziffer 1 und Ziffer 2 Abs. 2 sowie 3 der Verfügung des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 21. Mai 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Verfügung vom 21. Mai 2019 verfügte der Gerichtspräsident des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost (nachfolgend: Zivilkreisgericht), dass die KESB Gelterkinden -Sissach (nachfolgend: KESB) ersucht werde, raschmöglichst eine Fachperson oder Institutio n zu beauf- tragen, welche aus pädagogischer (recte: pädagogischer Sicht) einen Bericht über die aktuelle Mutter-Kind- resp. Vater -Kindbeziehung erstatten könne. Weiter solle die genannte Fachpe r- son/Institution die Kindeseltern in einem altersgerechten Umgan g mit ihrer T ochter B.____ un- terstützen (Ziff. 1). Zudem wurde verfügt, dass die Forensische Klinik der Universitären Klinik für Psychiatrie Basel unter der Leitung von Dr. C.____ beauftragt werde, ein empfehlungsorientier- tes Gutachten in Bezug auf die Erz iehungskompetenz der Kindseltern zu erstellen und zur Fr a- ge nach einer Rückplatzierung des Kindes ins familiäre Umfeld der Kindsmutter und/oder des Kindsvaters Stellung zu beziehen (Ziff. 2 Abs. 1). Ferner werde bei der Universitären Klinik für Psychiatrie Basel ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Aussagen über eine allfällige psych i- sche Erkrankung und/oder Suchterkrankung der Kindseltern machen könne. Es solle dabei in s- besondere die Frage beantwortet werden, wie sich eine allfällige diagnostizierte Erkrankung auf die Erziehungsfähigkeit auswirken könnte (Ziff. 2 Abs. 2). Die Gutachter/Gutachterinnen sollen sich austauschen dürfen und das Gutachten der UPK Basel solle zur Zusammenführung beider Gutachten, an die Klinik für Kinder und Jugendliche weitergeleitet werden (Ziff. 2 Abs. 3). B. Gegen diese Verfügung des Zivilkreisgerichts vom 21. Mai 2019 reichte A.____ (nachfol- gend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Advokatin Sabrina Stoll, am 3. Juni 2019 B e- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht (nachfolgend: Kantonsge- richt), ein. Als Rechtsbegehren wurde beantragt, es seien Ziff. 1 sowie Abs. 2 und 3 von Ziff. 2 der Verfügung des Zivilkreisgerichts vom 21. Mai 2019 aufzuheben, eventualiter seien diese aufzuheben und die Angelegenheit zur neuen Beurteilung an das Zivilkreisgericht zurückzuwe i- sen. Ferner seien der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung durch Advokatin Sabrina Stoll im Beschwerdeverfahren zu bewilligen, unter o/e -Kostenfolge. Als Verfahrensanträge seien der Beschwerde im Sinne einer superprovisorischen, eventualiter provisorischen Massnahme die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die vorinstanzlichen Akten sowie die Akten des hängigen Beschwerdeverfahrens vor dem Kantonsgericht Basel - Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, beizuziehen. Auf die jeweiligen B e- gründungen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen weiter eingegangen. C. Mit Verfügung vom 4. Juni 2019 hielt das Kantonsgericht fest, dass auf die Einforderung eines Kostenvorschusses vorläufig verzichtet wird, und setzte dem Zivilkreisgericht als B e- schwerdegegner sowie B.____ (Klägerin 1) und D.____ (Beklagter) eine 10 -tägige Frist seit Zustellung zur Beschwerdeantwort bzw. zur fakultativen Stellungnahme durch die Klä gerin 1 und den Beklagten. Des Weiteren werde über den Verfahrensantrag 1 (Provisorium) sowie den Verfahrensantrag 2 (Beizug der Verfahrensakten der Abteilung Verfassungs - und Verwaltungs- recht des Kantonsgerichts) nach Eingang der Beschwerdeantwort und der allfälligen Stellung- nahmen entschieden. Die Akten der Vorinstanz wurden beigezogen. D. Mit Schreiben vom 12. Juni 2019 teilte das Zivilkreisgericht mit, dass auf die Einreichung einer Beschwerdevernehmlassung verzichtet werde. Mit faku ltativer Stellungnahme vom Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. Juni 2019 stellte Advokat Dieter Roth namens von D.____ die Anträge, es sei die B e- schwerde vom 3. Juni 2019 vollumfänglich gutzuheissen und dem Beklagten D.____ die unent- geltliche Rechtspflege und Verbeiständung mit Advokat Dieter Roth zu bewillige n, unter o/e - Kostenfolge. Mit fakultativer Stellungnahme vom 17. Juni 2019 verzichtete Advokat Michael Blattner als Kindsvertreter auf die Einreichung einer Stellungnahme, wies jedoch darauf hin, dass das verfügte Vorgehen durch das Zivilkreisgericht zu Doppelspurigkeiten führen würde, da die Eltern-Kindbeziehung im Rahmen der unangefochtenen Begutachtung ohnehin zu beurte i- len sei. E. Mit Verfügung vom 21. Juni 2019 ordnete das Kantonsgericht an, dass die Beschwerd e- vernehmlassung des Zivilkreisgerichts sowie d ie Stellungnahmen von D.____ und des Kind s- vertreters unter den direkt involvierten Beteiligten ausgetauscht werden. Des Weiteren wurde der Beschwerde die aufschiebende Wirkung erteilt und folglich die Vollstreckung von Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 und 3 der Verfügung des Zivilkreisgerichts vom 21. Mai 2019 aufgeschoben. Als Folge davon wurde der Auftrag an die KESB bzw. der von der KESB mit Rektifikat des En t- scheids vom 27. Mai 2019 erteilte Auftrag an die „familea“ per sofort vorläufig gestoppt. Die „familea“ wurde angewiesen, per sofort bis auf weitere Mitteilung des Gerichts keine weiteren Arbeiten aus dem Auftrag gemäss Rektifikat des Entscheids vom 27. Mai 2019 der KESB vo r- zunehmen. Als weitere Folge wurde der Auftrag an die Universitäre Klinik für Psychi atrie Basel UPK gemäss Ziff. 2 Abs. 2 der Verfügung des Zivilkreisgerichts vom 21. Mai 2019 per sofort vorläufig gestoppt. Die UPK wurde angewiesen, per sofort bis auf weitere Mitteilung des G e- richts keine weiteren Arbeiten aus dem Auftrag gemäss Ziff. 2 A bs. 2 der Verfügung des Zivi l- kreisgerichts vom 21. Mai 2019 vorzunehmen. Nicht betroffen sei der Auftrag an Dr. C.____ gemäss Ziff. 2 Abs. 1 der Verfügung des Zivilkreisgerichts vom 21. Mai 2019. Die relevanten Akten des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, A bteilung Verfassungs - und Verwaltungsrecht, wurden beigezogen und der Schriftenwechsel geschlossen. Die Anträge auf unentgeltliche Rechtspflege der Beschwerdeführerin und von D.____ wurden dem Beschwerdeentscheid vor- behalten und der Entscheid des Präsidiums aufgrund der Akten in Aussicht gestellt. Erwägungen I. Formelles 1. Die Beschwerde ist gemäss Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO gegen prozessleitende Verfügungen möglich, sofern durch sie ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht. Unter prozess- leitenden Verfügungen sind Anordnungen zu verstehen, welche vom Richter zum formalen A b- lauf und zur konkreten Verfahrensgestaltung getroffen werden (Botschaft zur Vereinheitlichung des Zivilprozessrechts, BBl 2006 7376). Nach Art. 321 Abs. 1 Z PO ist die Beschwer de innert 10 Tagen seit Zustellung des begründete n Entscheids schriftlich und be gründet einzureichen. Mit Beschwerde kann nach Art. 320 ZPO die unrichtige Rechtsa nwendung oder offensichtlich unrichtige Sachverhaltsfeststellung geltend gemacht werden. Gemäss § 5 Abs. 1 lit. b EG ZPO Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht BL ist das Präsidium der Abt eilung Zivilrecht des Kantonsge richts für die Beurteilung von B e- schwerden gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreisgerichte sachlich zuständig. 2. Zur Einhaltung der Rechtsmittelfrist wird in der B eschwerdebegründung ausgeführt, dass die angefochtene Verfügung der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am 23. Mai 2019 per Post zugestellt worden sei. Gemäss den beigezogenen zivilkreisgerichtlichen Prozessakten wurde die fragliche Verfügung am 22. M ai 2019 spediert. Der behauptete Zustel lungszeitpunkt am Folgetag hat demnach als erstellt zu gelten, wenn auch aus den Akten der Vorinstanz die Versandart wie vorliegend nicht ersichtlich ist. Mit Versandaufgabe der Beschwerde bei der Schweizerischen Post am 3. Juni 2019 ist die gesetzliche Beschwerdefrist somit eingehal ten. Die Beschwerde ist schriftlich und begründet eingereicht worden und gerügt wird insbesondere eine unrichtige Rechtsanwendung, was einer beschwerdeweisen Überprüfung zugänglich ist. 3.1 Wie einleitend dargelegt, ist die Beschwerde gegen eine verfahrensleitende Verfügung nur unter der Voraussetzung möglich, dass der Rechtsmittelkläger darzulegen vermag, durch die angefochtene Verfügung drohe ihm ein nicht leicht wiedergutzumachender Nacht eil (Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO). Beim Begriff des nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteils im Sinne von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, der vom Gericht unter Berücksichtigung der konkreten Umstände und in pflichtgemässer Ausübung des Ermessens konkretisiert werden muss ( FREIBURGHAUS/AFHELDT, in: Z PO Komm., Sutter - Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Zürich/Basel/Genf 2016, 3. Aufl. Art. 319 ZPO N 13). Gemäss kantonsgerichtlicher Rechtsprechung, welche s ich an der mehrheitlich in der Lehre vertretenen Meinung orientiert, kann ein Nachteil im Sinne von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO rechtl i- cher oder auch tatsächlicher Art sein . Ein rechtlicher, nicht leicht wiedergutzumachender Nach- teil liegt vor, wenn er sic h auch mit einem späteren günstigen Endentscheid nicht oder nicht mehr gänzlich beseitigen lässt. Da es Sinn und Zweck von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO entspricht, die Anfechtungsmöglichkeiten für prozessleitende Verfügungen zu erschweren und dadurch unnötige Verzögerungen des Verfahrens zu verhindern (vgl. Botschaft ZPO, S. 7377), kann ein tatsächlicher Nachteil nur dann einen nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO darstellen, wenn er eine gewisse Intensität aufw eist. Dies ist dann der Fall, wenn die Lage der betroffenen Person durch den angefochtenen Entscheid erheblich e r- schwert oder irreversibel beeinträchtigt wird. Der Begriff des nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteils ist daher restriktiv auszulegen, umso mehr, als die beschwerdeführende Partei grund- sätzlich immer die Möglichkeit hat, die streitige Verfügung zusammen mit der Hauptsache anzu- fechten (Entscheid des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Zivilrecht, 410 16 19 E. 1.1 mit Hinweis auf FREIBURGHAUS/AFHELDT, a.a.O. N 14 und 15; STAEHELIN/STAEHELIN/ GROLIMUND, Zivilprozessrecht, 2. Aufl. 2013, § 26 N 31a; HOFFMANN-NOWOTNY, in: ZPO Rechtsmittel, Art. 319 ZPO N 27 und KUKO ZPO -BRUNNER, 2. Aufl. 2014, Art. 319 ZPO N 13; zustimmend auch: BLICKENSTORFER, in: DIKE-Komm. ZPO, Brunner/Gasser/Schwander (Hrsg.), 2. Aufl. Zürich/St. Gallen 2016, Art. 319 ZPO N 40 und STEINER, Die Beschwerde nach der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Diss., 2019, Rz. 347 f., 351). Die Beweislast für das B e- stehen der Gefa hr eines solchen Nachteils trägt dabei die beschwerdeführende Partei, soweit die Gefahr nicht von vornherein offenkundig ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde vom 3. Juni 2019 zur Frage des dr o- henden, nicht leicht wiedergutzumachenden N achteils geltend, dass die angefochtenen Anor d- nungen des Gerichts zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr korrigiert resp. rückgängig g e- macht und die daraus entstandenen Nachteile nicht mehr geheilt werden könnten. Dies würde gemäss der Beschwerdeführerin i) die Verletzung der Verfahrensgarantien, ii) den ungerechtfer- tigten, schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Beschwerdeführerin, namentlich durch die Begutachtung durch die UPK sowie die Belastung der Beschwerdeführerin und der Tochter durch die parallel laufenden Abklärungen, und iii) die Kosten für die Erstellung des Gutachtens sowie den Bericht der externen Institution betreffen. 3.3 Bezüglich des Arguments der unnötigen Kostenverursachung der Gutachten ist Folge n- des festzuhalten: Eine möglic he Verzögerung des Verfahrens von einigen Monaten berechtigt nicht zur Anfechtung einer Beweisverfügung, da eine solche keinen erheblichen Nachteil da r- stellt. Ebenfalls der kantonsgerichtlichen Praxis entsprechend ist eine Verteuerung des Verfa h- rens kein ausreichender Grund für eine Anfechtung der Beweisverfügung. Vorliegend kann aus diesen Gründen in den Kosten und in der Verzögerung alleine kein nicht leicht wiedergutzum a- chender Nachteil erblickt werden. 3.4 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass die Bew eisverfügung die Verfahrensgarantien resp. ihre Verfahrensrechte, insbesondere ihr Recht auf Gehör verletze und ihr dadurch ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil entstehe. Ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil ist hierbei aber ebenfalls n icht zu erblicken. Die Verletzung von Verfahrensgarantien stellt nicht per se einen nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil dar. Denn die Rüge der Gehörsverletzung kann auch im Rechtsmittel gegen den Endentscheid angebracht werden. Da vorliegend gegen d en Endentscheid die unrichtige Rechtsanwendung und die unrichtige Fes t- stellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden können (Art. 310 lit. a und b ZPO), steht ein vollkommenes Rechtsmittel zur Verfügung, mit welchem auch prozessuale Fehler gerügt werden können (vgl. BGer 5A_307/2011 vom 13. Juli 2011, E. 2). 3.5 Die Beschwerdeführerin macht des Weiteren geltend, dass ein nicht leicht wiedergutz u- machender Nachteil darin bestehe, dass namentlich durch das zu erstellende Gutachten über eine allfällige psych ische Erkrankung und/oder Suchterkrankung erheblich in ihre Persönlic h- keitsrechte eingegriffen werde und die parallel durchzuführenden Gutachten eine Belastung für die Kindsmutter und die Tochter darstelle. Der Beschwerdeführerin ist dahingehend zu folgen, dass der Beweisentscheid ihre Lage erschwert und ihr ein Nachteil entsteht. Es stellt sich j e- doch die Frage, ob dieser Nachteil nicht leicht wiedergutzumachen ist. Denn das blosse Vorli e- gen eines Nachteils genügt indes nicht. Bei einem Beweisentschied, wi e dies vorliegend der Fall ist, kann ein Nachteil, der durch einen unrichtigen Beweisentscheid entsteht, meistens mit dem Rechtsmittel gegen den Endentscheid korrigiert werden. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz bildet die Anordnung einer psychiatrischen B egutachtung. Der bundesgerichtlichen Rechtsprechung folgend, stellt die Anordnung, sich einer psychiatrischen Begutachtung zu u n- terziehen, einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil dar, da in das Grundrecht der persönl i- chen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) unw iderruflich eingegriffen wird (vgl. BGer 5A_211/2014 vom 14. Juli 2014, E. 3). Bei einer unverhältnismässigen Persönlichkeitsverletzung, ist der entsta n- dene Nachteil irreversibel und als nicht leicht wiedergutzumachend zu werten. Im vorliegenden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fall ist d er nicht leicht wiedergutzumachende Nachteil durch die Anordnung einer psychiatr i- schen Begutachtung gegeben. Hinzu kommen als weiterer nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil die Folgen der Gutachten im Sinne einer Verlängerung resp. Intensivierung des Ver- fahrens. Wie vorstehend ausgeführt, stellt die blosse Verlängerung des Verfahrens durch eine Gutachtenerstellung für sich alleine keinen nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteil dar. Entscheidend sind allerdings die Folgen dieser Verlängerung. Vorliegend ist bereits ein empfeh- lungsorientiertes Gutachten in Bezug auf die Erziehungskompetenz der Kindseltern zu erste l- len, welches nicht angefochten wurde und sich zur Frage nach einer Rückplatzierung des Ki n- des ins familiäre Umfeld der Kindsmutter und/oder des Kindsvaters zu äussern hat. Die beiden weiteren Gutachten verfolgen im Prinzip denselben Zweck. Die parallele Durchführung der be i- den anderen Gutachten würde jedoch entweder das Verfahren verlängern oder eine stärkere Involvierung der Parteien bedingen , da sie insbesondere beim Gutachten über ihre Suchte r- krankung mitzuwirken hätten. Des Weiteren würde die Begleitung der Kindseltern und die B e- obachtung des Umgangs der Ki ndseltern mit ihrer Tochter B.____ durch Fachpersonen die Er- möglichung einer natürlic hen Mutter -Kind- resp. Vater -Kindbeziehung behindern. Hierbei b e- steht die Gefahr, dass durch eine solche Verzögerung resp. Intensivierung des Verfahrens eine Entfremdung stattfände und die Beziehung zwischen den Kindseltern und dem Kind Schaden nehmen könnte. Bei dieser Sachlage ist zu berücksichtigen, dass insbesondere bei der Beteil i- gung kleiner Kinder eine Verfahrensverlängerung schwerer wiegt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil einerseits darin er- blickt werden kann, dass die Anordnung der psychiatrischen Begutachtung unwiderruflich in das Grundrecht der persönlichen Freiheit eingreift und andererseits, dass durch die Verfahrensve r- längerung die Gefahr einer irreparablen Schädigung der Beziehung zw ischen dem Kind und den Kindseltern entsteht. Auf die Beschwerde ist somit aufgrund gegebener Voraussetzungen einzutreten. II. Materielles 4. Nachdem auf die Beschwerde eingetreten werden kann, ist zunächst auf die Passivlegit i- mation des Beschwerdegegners einzugehen. Vorliegend wird als Beschwerdegegner das Zivi l- kreisgericht aufgeführt, welchem nur in Ausnahmefällen die Passivlegitimation zukommt. Pr a- xisgemäss ist dies bei Beschwerden betreffend die unentgeltliche Rechtspflege und Beschwe r- den betreffend den Kostenentscheid der Fall. In der zu behandelnden Beschwerde wird bei Gel- tung der Offizialmaxime im Zusammenhang mit einer Anordnung der Vorinstanz von der B e- schwerdeführerin die Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügt. Es wäre in einem solchen F all folgewidrig, wenn nicht jene Vorinstanz als Beschwerdegegner passivlegitimiert wäre, welcher ja gerade die Verletzung des rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführerin bzw. wie vorliegend aller Parteien des vorinstanzlichen Verfahrens vorgeworfen wird. Zudem haben sich die Partei- en ausdrücklich resp. implizit der Beschwerde angeschlossen. So beantragt der Kindsvater die vollumfängliche Gutheissung der Beschwerde und der Kindsvertreter verweist auf die Doppe l- spurigkeit der angeordneten Gutachten. Verfügt die Vorinst anz von sich aus aufgrund der Off i- zial- und Untersuchungsmaxime und wird ihr vorgeworfen, dabei die Parteien vorgängig nicht oder nicht ausreichend angehört zu haben, dann kann gegen die Vorinstanz Beschwerde erh o- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben werden. Die Passivlegitimation des Zivi lkreisgerichts ist nach dem Gesagten vorliegend gegeben. 5.1 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde insbesondere die Verletzung ihres rechtlichen Gehörs geltend, da sie vor dem Erlass der Beweisverfügung nicht zu den konkreten Gutachteraufträgen angehört worden sei. Art. 53 ZPO regelt den Anspruch auf rech tliches Gehör. Rechtliches Gehör ist auch bei prozessleitenden Verfügungen zu gewähren und beinhaltet das Recht auf Anhörung (Orientierungs - und Äusserungsrecht) vor dem Entscheid resp. vor Erlass der prozessleitenden Verfügung (vgl. SUTTER-SOMM/CHEVALIER, in: Z PO Komm., Sutter -Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Zürich /Basel/Genf 2016, 3. Aufl. Art. 53 ZPO N 6 u. 24). Dazu zählt auch, dass der Zivilrichter die Parteien aufgrund des Anspruchs auf rechtliches Gehör darauf ansprechen muss, wenn er beabsicht igt, eine für die Parteien nicht vorhersehbare rechtliche Lösung zu wählen (B Ger 4A_35/2013 vom 15. März, E. 4; vgl. SUTTER-SOMM/CHEVALIER, a.a.O. N 7). Gemäss Art. 183 Abs. 1 Satz 2 ZPO hat das Gericht vor der Einholung eines Gutachtens die Parteien vorgä ngig anzuhören. Es besteht ein gesetzliches Anhörungsrecht, wenn das Gericht von Amtes wegen ein Gutachte n einzuholen beabsichtigt (vgl. DOLGE, in: BSK-Komm ZPO, Spühler/Tenchio/Infanger (Hrsg.), Basel 2018, 3. Aufl. Art. 183 ZPO N 38), woran auch die Gelt ung der Offizialmaxime nichts ändert. Mit vorgängig ist gemeint, dass eine Anhörung der Parteien erfolgen sollte, bevor die sachverständige Person durch eine Beweisverfügung gemäss Art. 154 ZPO ernannt wird (MÜLLER, in: DIKE-Komm. ZPO, Brunner/Gasser/Schwander (Hrsg.), Zürich/St. Gallen 2016, 2. Aufl. Art. 183 ZPO N 13). Das rechtliche Gehör der Parteien, konkretisiert in Art. 183 Abs. 1 und Art. 185 Abs. 2 ZPO, ist auch dahingehend zu wahren, indem ihnen die Gelegenheit geboten wird, sich zur vorgesehenen sachverständigen Person und zum Gutachtensauftrag zu äussern resp. Änderungs - und Ergänzungsanträge zu stellen (vgl. WEIBEL, in: Z PO Komm., Sutter - Somm/ Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Zürich/Basel/Genf 2016, 3. Aufl. Art. 183 ZPO N 13 u. Art. 185 ZPO N 6). 5.2 Dem Protokoll der Gerichtsverhandlung am Zivilkreisgericht vom 8. Mai 2019 ist nicht zu entnehmen, dass eine Beweisverfügung mit den in der Verfügung vom 21. Mai 2019 angeor d- neten Gutachten erstellt werden soll. Die Anordnung spezifischer Gutachten ist nicht konkret i- siert und deren Anordnung lediglich vage in Erwägung gezogen worden. Vom Präsidenten des Zivilkreisgerichts lediglich erwähnt wird die Einsetzung einer sozialpädagogischen Familienb e- gleitung mit monatlichen Berichten. Insbesondere die An ordnung eines Gutachtens über eine allfällige psychische Erkrankung der Kindseltern wird nicht spezifiziert. Der angefochtenen Ve r- fügung vom 21. Mai 2019 ist zu entnehmen, dass der Zivilkreisgerichtspräsident erst nach der Verhandlung zur Auffassung gelangt ist, dass eine Begutachtung Platz greifen soll. Die Parteien haben sich demnach vor dem Erlass der Beweisverfügung am 21. Mai 2019 nicht zur Einholung eines konkreten Gutachtens äussern, geschweige denn zur sachverständigen Person oder den Gutachtensfragen vernehmen lassen können. Dies betrifft insbesondere das Gutachten zu einer allfälligen psychischen Erkrankung. Den Parteien ebenfalls verwehrt ist das Stellen von Änd e- rungs- und Ergänzungsanträgen geblieben. Nach dem Gesagten ist der Anspruch der Partei en auf rechtliches Gehör klarerweise verletzt worden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich auch ein Anspruch auf Begründung des Entscheids. Eine sachgerechte Begründung soll es dem Betroffenen ermöglichen zu prüfen, dass sich die Behörde nicht hat von unsachlichen Motiven leiten lassen und die Begründung soll ihm die Möglichkeit geben, den Entscheid anzufechten. Die Behörde hat die Überlegungen darzulegen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt (vgl. WALDMANN, in: BSK -Komm BV, Waldmann/Belser /Epiney (Hrsg.), Basel 2017, 1. Aufl. Art. 29 BV N 57; STEINMANN, in: St. Galler -Komm BV, Ehrenzeller/Schindler/ Schweizer/Vallender (Hrsg.), Zürich 2014, 3. Aufl. Art. 29 BV N 49). 6.2 Die Verfügung der Vorinstanz vom 21. Mai 2019 spricht von „Bedenken“, die im Nac h- gang der Verhandlung dazu geführt haben, die angefochtenen Gutachten anzuordnen. Das Zivilkreisgericht unterlässt es jedoch, diese Bedenken weitergehend zu konkretisieren, so dass aus der Verfügung nicht abgeleitet werden kann, von welchen Überlegungen sich das Zivi l- kreisgericht hat leiten lassen und welche Überlegungen für die Verfügung massgebend gew e- sen waren. Auch werden die angeordneten Gutachten nicht weiter begründet. Die Begrü n- dungstiefe der Verfügung ist als nicht genügend zu erachten. 7. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das rechtliche Gehör der Beschwe r- deführerin im vorinstanzlichen Verfahren mehrfach verletzt worden ist. Zum einen, weil die Vor - instanz vor der Anordnung der Gutacht en die Parteien nicht dazu angehört hat. Zum anderen, weil die angefochtene Verfügung eine ungenügende Begründungstiefe aufweist. 8. Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass die Beschwerde gutzuheissen ist. Da die Verletzung des rechtlichen Gehörs im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht geheilt werden kann, ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückz u- weisen (vgl. SUTTER-SOMM/CHEVALIER, a.a.O. N 26). Die Vorinstanz hat nach Gewährung des rechtlichen Gehörs zu eru ieren, ob das Ergebnis des nicht angefochtenen Gutachtens die be i- den anderen Gutachtensaufträge obsolet macht, da allen drei Gutachten die Frage der Rüc k- platzierung zu Grunde liegt. Diesbezüglich ist zu klären, ob das Ergebnis des nicht angefocht e- nen Gutachtens zuerst abgewartet werden sollte, bevor weitere Guta chten in Auftrag gegeben werden; dies auch im Lichte der Verhältnismässigkeit. Im Weiteren hat die Neubeurteilung, ob weitere Gutachten erforderlich sind, gestützt auf die dannzumalige Situation zu erfolgen. 9. Abschliessend ist noch über die Verlegung der Prozesskosten zu befinden. Massgebend für die Regelung der Kostenfolgen sind die Bestimmungen der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Rechtsmittelverfahren gelten. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Pr ozesskosten der u n- terliegenden Partei auferlegt. Entsprechend dem vorliegenden Verfahrensausgang hat der B e- schwerdegegner somit für die Prozesskosten aufzukommen resp. haben die Kosten zu Lasten des Staates zu gehen. Eine Anwendung von Art. 107 ZPO, der ei n Abweichen von den Verte i- lungsgrundsätzen und die Verteilung der Prozesskosten nach Ermessen erlaubt, ist nicht ang e- bracht. Die Entscheidgebühr wird in Anwendung von § 9 Abs. 2 lit. a der Verordnung vom 15. November 2010 über die Gebühren der Gerichte auf pauschal CHF 2‘000.00 festgesetzt. Der Beschwerdegegner bzw. der Staat hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten, zumal ein diesbezüglicher Antrag gestellt worden ist. Die Beschwerdeführerin hat eine Honorarnote in der Höhe von CHF 3‘247.60 eingereicht, bestehend aus einem Zeitau f- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wand von 11.59 Stunden à CHF 250.00 und Auslagen von CHF 117.90 zuzüglich Mehrwer t- steuer von CHF 232.20. Unter Berücksichtigung der Schwierigkeit und Bedeutung der Sache sowie der damit verbundenen Verantwor tung erscheint dies als angemessen. Auch vom Rechtsvertreter des Kindsvaters ist ein Antrag auf Entschädigung gestellt worden. Eine Hono- rarnote ist nicht eingereicht worden, so dass die entsprechende Entschädigung von Amtes w e- gen nach Ermessen festzusetzen ist (vgl. § 18 Abs. 1 Tarifordnung für die Anwältinnen und A n- wälte). Unter Berücksichtigung der Schwierigkeit und Bedeutung der Sache sowie der damit verbundenen Verantwortung erscheint ein Zeitaufwand von drei Stunden zu einem Ansatz von CHF 250.00 pro S tunde zuzüglich geschätzten Auslagen von CHF 20.00 und Mehrwertsteuer als angemessen. Der Beschwerdegegner bzw. der Staat hat dem Kindsvater somit eine En t- schädigung in der Höhe von CHF 829.30 zu bezahlen. Infolge Verzichts auf eine fakultative Stellungnahme wird dem Kindsvertreter keine Entschädigung zugesprochen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Ziff. 1 sowie Abs. 2 und 3 von Ziff. 2 der Verfügung des Zivilkreisgerichts Basel -Landschaft Ost vom 21. Mai 2019 werden aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Abs. 1 von Ziff. 2 der genannten Verfügung bleibt bestehen. 2. Die Entscheidgebühr des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Zivilrecht, in der Höhe von CHF 2‘000.00 wird dem Kanton auferlegt. 3. Der Kanton Basel -Landschaft hat der Beschwerdeführerin und dem Kindsvater eine Parteientschädigung zu entrichten, welche nicht zurüc k- zuerstatten sind. Demgemäss wird der Rechtsvertreterin der Beschwe r- deführerin, Advokatin Sabrina Stoll, ein Honorar von CHF 3‘247.60 (i n- klusive Auslagen und Mehrwertsteuer) und dem Rechtsvertreter des Kindsvaters, Advokat Dieter Roth, ein Honorar von CHF 829.30 (inklus i- ve Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse bezahlt. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber i.V. Luzius Sidler