B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-6241/2011 U r t e i l v o m 1 2 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richterin Salome Zimmermann, Richter Michael Beusch, Gerichtsschreiber Marc Winiger. Parteien A._______ AG, (…), vertreten durch (…), Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand MWST; Erotikleistungen (1/2006-4/2009). A-6241/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die A._______ AG (na chfolgend auch Steuerpflichtige ) ist seit dem 27. Juli 2005 im Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen. Gemäss Eintrag im Handelsregister bezweckt sie im Wesentlichen die Führung von Dienstleistungsbetrieben in den Be reichen Massage, Ph y- siotherapie und Wellness. In (…) betreibt die Gesellschaft unter der G e- schäftsbezeichnung " X._______" (nachfolgend auch Salon) einen Ma s- sagesalon. B. Am 6. und 7. Januar 2011 führte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) bei der Y._______ AG in (…) eine Mehrwertsteuerkontrolle betref- fend die Steuerpflichtige durch. Überprüft wurden die Steuerperioden 1. Quartal 2006 bis 4. Quartal 2009 (Zeitraum vom 1. Januar 2006 bis zum 31. Dezember 2009). Dabei stellte die ESTV fest, dass die Umsätze aus den Massageleistungen der im Salon tätigen Masseurinnen und – so- fern vorhanden – Masseure der Steuerpflichtigen zuzurechnen seien. Mit "Einschätzungsmitteilung [EM] Nr. … / Verfügung" vom 18. Februar 2011 erhob die ESTV für die genannten Steuerperioden eine Mehr- wertsteuernachforderung in der Höhe von Fr. 127'036.--, zuzüglich 5 % Verzugszins vom 31. August 2008 bis zum 31. Dezember 2009 bzw. 4,5 % seit dem 1. Januar 2010. Der Betrag setzt sich zusammen aus ei- ner Nachbelastung nicht versteuerter Umsätze aus Massageleistungen in der Höhe von Fr. 126'584.95 sowie zwei Vorsteuerkorrekturen in der H ö- he von insgesamt Fr. 451.40. C. Dagegen erhob die Steuerpflichtige mit Eingabe vom 30. März 2011 Ein- sprache bei der ESTV mit dem Antrag , die Verfügung vom 18. Februar 2011 sei aufzuheben. Sie machte im Wesentlichen geltend, die im Salon tätigen Masseurinnen seien mehrwertsteuerrechtlich als Selbständiger- werbende zu betrachten, weshalb die in Frage stehenden Umsätze nicht von ihr, sondern von den betreffenden Frauen zu versteuern seien. In Be- zug auf die Einkommenssteuer seien die Damen bereits als Selbständig- erwerbende anerkannt. Dasselbe gelte in zivil - und sozialversicherungs- rechtlicher Hinsicht. Bei folgerichtiger Betrachtung ergebe sich auc h bei der Mehrwertsteuer kein Grund, die entsprechenden Umsätze der Ste u- erpflichtigen zuzurechnen. Im Übrigen seien die Masseurinnen auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko tätig und auch arbeitsorganisatorisch A-6241/2011 Seite 3 völlig frei. Die Steuerpflichtige selbst trete nicht als Dienstl eistungserbrin- gerin auf, sondern ausschliesslich die einzelnen Masseurinnen . Tatsäch- lich nähmen deren Kunden den Salon lediglich als Domizil der Dienstleis- tungen wahr. Mit Einspracheentscheid vom 13. Oktober 2011 wies die ESTV (Vorin- stanz) die Einsprache in der Hauptsache mit der Begründung ab, aus o b- jektiver Sicht sei nicht die einzelne Masseurin, sondern die Steuerpflichti- ge mit dem fraglichen Massagea ngebot nach aussen am Markt aufgetr e- ten. D. Gegen diesen Entscheid reichte die Steuerpflichtige (Beschwerdeführ e- rin) mit Eingabe vom 15. November 2011 Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht ein. Sie beantragt die Aufhebung des Einspracheen t- scheids unter Kosten - und Entschädigungsfolge . Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, dass mit Ausnahme von Frau B._______, die in einem Arbeitsverhältnis mit der Beschwerdeführerin stehe, alle im Salon tätigen Masseurinnen in mehrwertsteuer licher Hinsicht als selbständig e Steuersubjekte zu qualifizieren seien. So würden nicht nur Dauer und In- halt einer Massage , sondern auch der Preis direkt zwi schen der einzel- nen Masseurin und dem Kunden vereinbart. Bei den auf der Internetseite (…) in einer Liste aufgeführten Preisen handle es sich lediglich um einen groben Rahmen zur ungefähren Orientierung für die Kunden. Wenn ein Kunde den ausgehandelten Preis nicht bezahlen wolle, sei die Masseurin weder rechtlich noch faktisch verpflichtet, ihre Dienstleistung zum Listen- preis anzubieten. Überdies seien d ie Damen im eigenen Namen, auf ei- genes Risiko und auf eigene Rechnung tätig. Sie nähmen das Inkasso für ihre Dienstleistungen selber vor, seien für ihre Einnahmen selbst verant- wortlich und würden diese auch selbständig verwalten . Tatsächlich sei je- dem Kunden bewusst, dass allein die einzelne Masseurin Geschäftspart- nerin sei. Im Weiteren könnten die Masseurinnen auch über ihre Arbeits- zeit frei entscheiden . E s bestehe keinerlei Anwesenheitspflicht. Die B e- schwerdeführerin selber stelle lediglich die Infrastruktur für die Massage- leistungen zur Verfügung und verrechne dafür eine Tagespau schale von Fr. 200.-- oder den vereinbarten Umsatzanteil von 45 %. Ausserdem biete sie den Masseurinnen Telefondienstleistungen an und stelle diesen unter (…) ein Internetportal zur Nutzung als Werbeplattform zur Verfügung . Diese "Nebenleistungen im Bereich der Administration und Werbung " könnten von den Damen jedoch freiwillig in Anspruch genommen werden. Sie unterstünden keinerlei Bindung an Tagespläne und es bestehe keiner-A-6241/2011 Seite 4 lei Weisungsbefugnis seitens der Beschwerdeführerin. Schliesslich habe die Vorinstanz in ihrem Einspracheentscheid auch die Begründungspflicht verletzt, indem sie nicht dargelegt habe, welche Umsätze von welche n Masseurinnen aufgerechnet worden seien. Die beiden Vorsteuerkorrektu- ren seien im Übrigen nicht bestritten. E. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Januar 2012 beantragt die Vorinstanz die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie insbesondere auf ihre Ausführungen im angefochtenen Einsprache- entscheid. Zusätzlich macht sie geltend, dass im Recht der Meh r- wertsteuer für die Beantwortung der Frage nach der selbständigen E r- werbstätigkeit in erster Linie die nach aussen sichtbare Selbständigkeit massgebend sei. Dabei sei – entgegen den Ausführungen der Beschwer- deführerin – nicht auf den Eindruck einiger bestehender Kunden abzustel- len, sondern allein auf die Sicht weise des objektiven Betrachters. Für e i- nen neutralen Dritten lasse das Erscheinungsbild der Homepage (…) ein- zig den Schluss zu, dass der Salon und die dort tätigen Masseurinnen ei- ne wirtschaftliche Einheit bildeten. Weiter gehe aus der Preisliste im I n- ternet in keiner Weise hervor, dass es sich dabei lediglich um Richtpreis e handle. Jedenfalls sei davon auszugehen, dass zumindest eine faktische Verpflichtung der Masseurinnen bestehe, die auf der Homepage des Sa- lons publizierten Preise einzuhalten. Schliesslich liege auch kein Verstoss gegen die Begründungspflicht vor. Die detaillierten Berechnu ngen der Umsatzdifferenzen seien aufgrund der Umsatzaufstellungen der bei "X._______" in den Jahren 2006 bis 2009 tätigen Masseurinnen erstellt worden und zufolge Verweis ein integraler Bestandteil der EM Nr. (…), die der Beschwerdeführerin unbestrittenermassen zugestellt worden sei. F. Auf die Eingaben der Parteien wird, soweit entscheidwesentlich , in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verf ü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bu ndes-A-6241/2011 Seite 5 verwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz [VGG], SR 173.32) gege- ben ist (Art. 31 VGG). Eine Ausnahme liegt nicht vor und der angefochte- ne Einspracheentscheid stellt eine Verfügung im Sinn von Art. 5 VwVG dar. Die ESTV ist zudem als Behör de im Sinn von Art. 33 VGG zu qualifi- zieren. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (ausführlich zur Frage der funktionel- len Zuständigkeit im Zusammenhang mit Einschätzungsmitteilungen : Ur- teil des Bundesverwal tungsgerichts A -4506/2011 vom 30. April 2012 E. 1.2). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 2 Abs. 4 VwVG, Art. 37 VGG). Die B e- schwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen. Sie ist durch d en angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhe bung (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen form - und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2010 ist das (neue) Bundesgeset z vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], SR 641.20) in Kraft getreten. Die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen sowie die da r- auf gestützt erlassenen Vorschriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltu ngsdauer eingetretenen Tatsachen und entsta n- denen Rechtsverhältnisse anwendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). A n- wendbar auf hängige Verfahren ist aber – unter Vorbehalt von Art. 91 MWSTG – das neue Verfahre nsrecht (Art. 113 Abs. 3 MWSTG). D iese Bestimmung ist jedoch in dem Sinn restriktiv zu verstehen, als strikte nur Verfahrensnormen sofort anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung von neuem materiellem Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen darf (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 1.4, A-6312/2010 vom 10. November 2011 E. 1.4 und A-7819/2008 vom 31. Januar 2011 E. 1.5). Der vorliegende Rechtsstreit betrifft die Jahre 2006 bis 2009 und untersteht deshalb in materieller Hi n- sicht dem Bundesgesetz über d ie Mehrwertsteuer vom 2. September 1999 (aMWSTG, AS 2000 1300) und der Verordnung vom 29. März 2000 zum aMWSTG (aMWSTGV, AS 2000 1347). 1.3 Die Beweiswürdigung endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob eine rechtserhebliche Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Beweis ist geleistet, wenn das Gericht gestützt auf die freie Bewei s- würdigung zur Überzeugung gelangt ist, dass sich der rechtserheblic he Sachumstand verwirklicht hat (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2; statt vieler: Ur- teil des Bundes verwaltungsgerichts A -5044/2011 vom 29. März 2012 A-6241/2011 Seite 6 E. 1.3.2, mit Hinweisen; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEU- BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, N 3.141). Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann das Beweisve r- fahren geschlossen werden, wenn die noch im Raum stehenden Bewei s- anträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich u n- tauglich sind, etwa weil ihnen die Beweiseignung abgeht oder umgekehrt die betreffende Tatsache aus den Akten bereits genügend e rsichtlich ist und angenommen werden kann, dass die Durchführung des Beweises im Ergebnis nichts ändern wird (sogenannte "antizipierte Beweiswürdigung"; BGE 131 I 153 E. 3, mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge- richts A-829/2011 vom 30. Dezember 2011 E. 1.4, mit Hinweisen ; Bo t- schaft zur Vereinfac hung der Mehrwertsteuer vom 25. Juni 2008, Bun- desblatt 2008 6885, 7005; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N 3.144). Das Bundesverwaltungsgericht erachtet aufgrund der ihm vorliegenden Akten den Sachverhalt für genügend geklärt. Schon deshalb wird auf die Erhebung weiterer Beweise, insbesondere auf die Befragung der von der Beschwerdeführerin angebotenen Personen – nämlich B._______ (Präsi- dentin des Verwaltungsrates der A._______ AG), C._______ (Vizepräsi- dent des Verwaltungsrates der A._______ AG) sowie D._______ (Mas- seurin bei "X._______") –, in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet. Im Übrigen wären B._______ und C._______ nicht als Zeugen, sondern als Parteien zu befragen (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER/BERNHARD WALD- MANN, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum Bu n- desgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2009 , N 5 zu Art. 14). Abgesehen davon ist nicht ersicht lich, was die zur Befragung angebotenen Personen in einer mündlichen Einvernahme geltend m a- chen könnten, das am Ergebnis des vorliegenden Verfahrens etwas ä n- dern würde bzw. sich nicht schon aus den Akten, namentlich den eing e- reichten Rechtsschriften , ergibt. Auf eine Befragung wird schliesslich auch deshalb verzichtet, weil die Beschwerdeführerin mit dem Zeu gen- beweis (bzw. mit den Parteibefragungen) sachverhaltsmässig belegen will, dass im massgeblichen Zeitraum nicht sie selbst gege n aussen als Leistungserbringerin der nachstehend fraglichen Massageleistungen au f- getreten ist. Beim vorliegend erstellten Sachverhalt ist der mehrwertste u- erliche Leistungsauftritt aber nurmehr Rechtsfrage. Dies verkennt die Beschwerdeführerin auch, wenn s ie wiederholt die an- geblich unrichtige Sachverhaltsdarstellung der Vorinstanz rügt. Von einer A-6241/2011 Seite 7 unrichtigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann jeden- falls keine Rede sein. 1.4 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV, SR 101] ) wird die Pflicht der Behörden abgeleitet, ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (BGE 129 I 236 E. 3.2; BVGE 2007/30 E. 5.6). Die Begrü n- dung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass ihn die Betroffenen gegebenenfalls sachgerecht anfechten können (BGE 134 I 88 E. 4.1). Die Anforderungen sind unter Berücksichtigung aller Umstände des Einze l- falls sowie der Interessen der Betroffenen festzulegen. Es müssen w e- nigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die B e- hörde leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt (BGE 129 I 236 E. 3.2). Die Begründung muss nicht zwingend in der Verfügung en t- halten sein; allenfalls kann auf ein anderes Schriftstück verwiesen werden (BGE 113 II 204 E. 2, mit Hinweisen; Urteile des Bundesverwaltungsge- richts A-3103/2011 vom 9 . Mai 2012 E. 7 [am Anfang] und A-2206/2007 vom 24. November 2008 E. 4.2.2). Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe insofern gegen die Be- gründungspflicht verstossen, als sie im angefochtenen Einspracheen t- scheid nicht im Einzelnen dargelegt habe, welche Umsätze von welchen Masseurinnen aufgerechnet worden seien. Die Rüge erweist sich als u n- begründet. Unbestrittenermassen hat die Beschwerdeführerin selbst dem externen Mitarbeiter der ESTV die Umsatzaufstellungen der bei "X._______" in den Jahren 2006 bis 2009 tätigen Masseurinnen überge- ben. Diese befinden sich denn auch bei den Akten (amtl. Akten [zur Ver- nehmlassung], Nr. 12). In den Aufstellungen hat die Besc hwerdeführerin die ihrer Ansicht nach selbständig tätigen Masseurinnen mit deren Vor- namen aufgeführt und dunkelgrau (Jahr 2006) bzw. orange (Jahre 2007 bis 2009) gekennzeichnet sowie deren jeweilige n Tagesumsätze angege- ben. Die auf dieser Grundlage berechneten Umsatzdifferenzen bilden gemäss Verweis auf die Beiblätter unter dem Titel "Begründung" in der EM Nr. (…), welche der Beschwerdeführe rin unbestrittenermassen zuge- stellt worden ist, einen integralen Bestandteil der Verfügung. Der Verweis auf die Beiblätter ist wie oben dargelegt rechtsprechungsgemäss nicht zu beanstanden. Ebensowenig ist zu beanstanden, dass in den Beiblättern der Verfügung die Berechnung der Umsatzdifferenz nurmehr abstrakt, das heisst insbesondere ohne namentliche Zuordnung der einzelnen auf- gerechneten Umsätze , vorgenommen wurde. Welche Umsätze konkret betroffen sind, ergibt sich ohne Weiteres aus den Umsatzaufstellungen. A-6241/2011 Seite 8 Die Verfügung mit all ihren Bestandteilen bildete wiederum das Anfec h- tungsobjekt der Einsprache vom 30. März 2011 und wurde mit Einspra- cheentscheid vom 13. Oktober 2011 bestätigt. Überhaupt ist die namentli- che Zuordnung der einzelnen Umsätze für die Begründung der Meh r- wertsteuernachforderung und die sachgerechte Anfechtung des Einspra- cheentscheids vorliegend nicht von wesentlicher Bedeutung, zumal im angefochtenen Entscheid – wie auch in der Verfügung vom 18. Februar 2011 – ohnehin sämtliche im Salon erbrachten und mehrwertsteuerlich nicht abgerechneten Umsätze aus Massageleistungen in den Jahren 2006 bis 2009 der Beschwerdeführerin nachbelastet wurden. Dieses Vor- gehen wird unter Ziff. 2.3 des Einspracheentscheids rechnerisch darg e- stellt und hauptsächlich unter den Ziff. 2.1 sowie 2.2 rechtsgenügend be- gründet. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt daher nicht vor. 2. 2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland gegen Entgelt erbrach - ten Lieferungen von Gegenständen un d Dienstleistungen (Art. 5 Bst. a und b aMWSTG). Als Dienstleistung gilt jede Leistung, die keine Lief e- rung eines Gegenstandes ist (Art. 7 Abs. 1 aMWSTG). 2.2 Mehrwertsteuerpflichtig ist, wer eine mit der Erzielung von Einnahmen verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt, auch wenn die Gewinnabsicht fehlt, sofern seine Leistungen im Inland jährlich gesamthaft Fr. 75'000.-- übersteigen (Art. 21 Abs. 1 aMWSTG). Mehrwertsteuerpflichtig sind insbesondere natürliche Personen, Pers o- nengesellschaften, juristische Personen des privaten und öffentlichen Rechts, unselbständige öffen tliche Anstalten sowie Personen gesamthei- ten ohne Rechtsfähigkeit, die unter gemeinsamer Firma Um sätze tätigen (Art. 21 Abs. 2 aMWSTG). 2.2.1 Beim Begriff der mehrwertsteuerlichen Selbständigkei t handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff. Wichtige Indizien für die selb- ständige Ausübung einer Tätigkeit sind insbesondere das Handeln und Auftreten im eigenen Namen gegenüber Dritten, das Tragen des unte r- nehmerischen Risikos (Gewinn und Verlust) sowie die Wahlfreiheit, eine Aufgabe anzunehmen oder nicht und diese selbständig organisieren zu können. Daneben können die Beschäftigung von Personal, die Vornahme erheblicher Investitionen, eigene Geschäftsräumlichkeiten, ver schiedene und wechselnde Auftraggeber sowie die betriebswirt schaftliche und a r- beitsorganisatorische Unabhängigkeit eine Rolle spielen. Ob eine Täti g- keit im mehrwertsteuerlichen Sinn als selbständig oder unselb ständig an-A-6241/2011 Seite 9 zusehen ist, bestimmt sic h stets im Einzelfall aufgrund einer umfasse n- den Würdigung sämtlicher einschlägiger Faktoren (Urteile des Bundesge- richts 2C_554/2010 vom 21. September 2011 E. 2.2, 2C_426/2008 E. 2.2, 2C_432/2008 E. 2.2 sowie 2C_430/2008 vom 18. Februar 2009 E. 2.2, 2C_518/2007 und 2C_519/2007 vom 11. März 2008, veröffentlicht in : Ar- chiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 77 S. 569 E. 2.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 2.2.1, mit Hinweisen ). Angesichts des Wesens der Mehrwertsteu er als allg e- meine Ver brauchsteuer ist der Begriff der Selbständigkeit eher weit zu verstehen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge richts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 2.2.3, mit Hinweisen; DANIEL RIEDO, Vom Wesen der Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und von den entspr e- chenden Wirkungen auf das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 115, 174 f.). 2.2.2 Die Frage, ob ein Unternehmer im eigenen Namen auftritt oder nicht, ist nicht nur für den Tatbestand der Selbständigkeit zentral, sondern nach konstanter Rechtsprechung auch dafür, ob er überhaupt als meh r- wertsteuerlicher Leistungserbringer oder -empfänger zu gelten hat. Denn das Handeln wird grundsätzlich demjenigen mehrwertsteuerlich zug e- rechnet, der nach aussen, gegenüber Dritten im eigenen Namen auftritt (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A -2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 2.2.4 und A-1989/2011 vom 4. Januar 2012 E. 2.2.4, jeweils mit Hinweisen; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1382/2006 und A -1383/2006 vom 19. Juli 2007 E. 2.2, bestätigt mit Urteilen des Bundesgerichts 2C_518/2007 und 2C_519/2007 vom 11. März 2008). 2.3 Die mehrwertsteuerliche Qualifikation von Vorgängen hat nicht in er s- ter Linie aus einer zivil -, sprich vertragsrechtlichen Sicht, sondern nach wirtschaftlichen, tatsächlichen Kriterien zu erfolgen ( vgl. Urteile des Bun- desgerichts 2C_309/2009 sowie 2C_310/2009 vom 1. Februar 2010, 2A.304/2003 vom 14. November 2003 E. 3.6.1, mit Hinweisen ; BVGE 2007/23 E. 2.3.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 2.4, mit Hinweisen; ausführlich: RIEDO, a.a.O., S. 112). Der wirtschaft lichen Betrachtung sweise kommt im Bereich der Meh r- wertsteuer nicht nur bei der rechtlichen Qualifikation von Sachverhalten, sondern auch bei der Auslegung von zivilrechtlichen und von steuerrecht- lichen Begriffen Bedeutung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.43/2002 vom 8. Januar 2003, veröffentlicht in: ASA 73 S. 565 ff. E. 3.2; BVGE 2007/23 E. 2.3.2; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 2.4 und A-5460/2008 vom 12. Mai A-6241/2011 Seite 10 2010 E. 2.4, mit weiteren Hinweisen). Nicht entscheidend ist deshalb grundsätzlich, wie die Parteien ihr Vertragsverhältnis ausgestalten (Urteil des Bundesgerichts 2A.47/2006 vom 6. Juli 2006 E. 3.2; zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4011/2010 vom 18. Januar 2011 E. 2.4). 3. Im vorliegenden Fall betrieb die Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeitraum unter der Geschäftsbezeichnung " X._______" einen Massag e- salon. Unbestritten sind die zwei mit Verfügung vom 18. Februar 2011 vorgenommenen Vorsteuerkorrekturen sowie die Qualifikation der fragli- chen Massagen als grundsätzlich mehrwertsteuerbare Leistungen. Strittig ist hingegen, ob die Masseurinnen für die Zwecke der Mehrwertsteuer als selbständig erwerbend betrachtet werden können , oder ob "X._______" als Leistungserbringerin der betreffenden Massageleistungen zu gelten hat, und in der Folge die daraus erzielten Umsätze der Beschwerdeführe- rin als Inhaberin des Salons zuzurechnen sind. 3.1 3.1.1 Für die Beurteilung der Selbständigkeit und die Bestimmung des mehrwertsteuerlichen Leistungserbringers sind im vorliegenden Fall das Handeln im eigenen Namen und der Auftritt gegen aussen entscheidend (E. 2.2.1 und 2.2.2). Massgebend ist dabei die Frage, wie das Massag e- angebot für die Allgemeinheit bzw. für einen neutralen Dritten objektiv e r- kennbar in Erscheinung trat (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 3.1.1, A-1989/2011 vom 4. Januar 2012 E. 4.1.1, mit Hinweisen). 3.1.2 Diese Frage lässt sich vorliegend in erster Linie anhand der Hom e- page (…) beurteilen, auf welcher die Massagen angeboten worden sind. In den Akten befinden sich Ausdrucke des Internetauftritts vom 17. Dezember 2006 (amtl. Akten [zur Vernehmlassung], Nr. 7–11). Ein Blick in spätere Versionen (einsehbar unter http://web.archive.org) zeigt, dass sich die Grundstruktur der Homepage ab 2006 bis heute nicht we- sentlich verändert hat. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die von der ESTV eingereichten Ausdrucke für die gesamte relevante Zeit vom 1. Januar 2006 bis zum 31. Dezember 2009 repräsentativ sind. Oh- nehin wird das Gegenteil von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. A-6241/2011 Seite 11 Auf der Homepage wurde insbesondere Folgendes ausgeführt: Die Start- seite empfing den Kunden mit einem "Herzlich willkommen bei X._______". An gleicher Stelle wurden die Adresse, die Telefonnummer (…) sowie die Öffnungszeiten des Salons bekannt gegeben . Unter der Rubrik "Philosophie" war zu lesen: "Unser Angebot umfasst (…). Vertrau- en Sie (…) auf die (…) Hände unserer (…) Masseurinnen und Masseure. […]. Damit Sie sich (…) wohlfühlen (…), sind unsere Räumlichkeiten (…) grosszügig gestaltet. Sauberkeit, (…) und (…) geniessen bei uns höchste Priorität. Wir garantieren (…)." Im Weiteren wurde unter der Rubrik "Fr a- gen & Antworten" bei der Frage , "Wie komme ich zu einem Termin?", er- klärt: "Sie haben (…) die Möglichkeit, Termine (…) per Telefon unter der Nummer (…) oder (…) per E-Mail an (…) zu reservieren – (…). Falls (…), kommen Sie (…) während unseren Öffnungszeiten (…) vorbei." In de r- selben Rubrik stand bei der Frage, "Kann ich (…) die Masseurin (…) aus- suchen?", die Antwort, "Sicherlich (…)", sowie bei der Frage , "Zählt die Zeit, welche (…), (…) zur Massagezeit?", die Antwort, "Selbstverständlich nicht. (…)". Auf die Frage, "Welche Massageöle werden verwendet?", er- hielt der Kunde u.a. die Information, "(…) neutrales, (…) Mandelöl (…)". Für den Fall, dass weitere Fragen bestehen sollten, wurde der Kunde eingeladen, auf die Nummer des Salons anzurufen oder eine E-Mail an (…) zu senden. Unter der Rubrik "Angebot" → "Massagen" → "Preise" befand sich ausserdem eine Preisliste, worin die verschiedenen Arten der angebotenen Massagen samt den entsprechenden Preisen für eine b e- stimmte Dauer in CHF und EUR aufgeführt waren. Danach kosteten bei- spielsweise 45 Mi nuten "k lassische (…) Massage" CHF 200.-- bzw. EUR 150.--. Die Liste enthielt zudem den Hinweis, dass mit " allen gängi- gen Kreditkarten" bezahlt werden könne. Zuerst fällt auf , dass auf den Internetausdrucken einzig der Na me "X._______" erscheint. Die Namen der Masseurinnen sind zumindest in den im Recht liegenden Auszügen nirgends ersichtlich. Bezeichnender- weise ist eine Kontaktaufnahme bzw. Terminvereinbarung denn auch ausschliesslich über die Telefonnummer des Salons (…), über dessen allgemeine E-Mail-Adresse (…) oder direkt vor Ort möglich. Eine unmit- telbare Kontaktaufnahme mit den Masseurinnen ohne Zuhilfenahme der Beschwerdeführerin bleibt dem Kunden verwehrt. So finden sich auf der Homepage weder die Natelnummern noch irgendwelche sonstigen pe r- sönlichen Kontaktdaten der Masseurinnen. Der Kunde wird vielmehr auf die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse des Salons verwiesen. Die Beschwerdeführerin behauptet ferner nicht bzw. erbringt jedenfalls keinen entsprechenden Nachweis, dass Werbung für die Leistungen der Ma s-A-6241/2011 Seite 12 seurinnen in ihrem Salon auch an anderer Stelle im Namen der eigentl i- chen Leistungserbringerinnen, das heisst der bei "X._______" tätigen und auch verfügbaren Masseurinnen je einzeln mit der Möglichkeit der direk- ten Kontaktaufnahme, erfolgt sei. Diese Feststellungen fallen vorliegend wesentlich ins Gewicht und sprechen deutlich gegen eine mehrwertsteu- erliche Selbständigkeit der einzelnen im Salon tätigen Masseurinnen bzw. für einen mehrwertsteuerlich selbstä ndigen Leistungsauftritt der B e- schwerdeführerin. 3.1.3 Weiter ist auf der Homepage an verschiedener Stelle von "unserem Angebot", "unseren Masseurinnen und Masseuren", "unseren Räumlic h- keiten", "unserem Team" usw. die Rede. Für den objektiven Betrachter lassen diese Formulierungen keinen anderen Schluss zu, als dass "X._______" selbst bzw. im eigenen Namen als Leistungserbringerin am Markt auftritt. Dies gilt umso mehr, als – wie soeben ausgeführt (E. 3.1.2) – nicht einmal die Namen der Masseurinnen auf der Homepage aufg e- führt sind. Der Eindruck eines einheitlichen Auftretens der Beschwerd e- führerin im eigenen Namen wird an anderer Stelle noch verstärkt. So ist insbesondere unter der Rubri k "Philosophie" zu lesen: "Sauberkeit, (…) und (…) geniessen bei uns höchste Priorität. Wir garantieren (…)". Der objektive Betrachter kann die Worte "uns" und "wir" nicht anders verst e- hen, als dass damit " X._______" gemeint sind. Darüber hinaus werden hier in gewisser Weise Versprechungen und Zusicherungen gemacht, die nur dann einen Sinn ergeben, wenn sie gewissermassen von einer über- geordneten Organisationseinheit mit dem entsprechenden Einfluss stammen. Die Sätze lassen objektiv darauf schliessen, dass "X._______" bzw. die dahinter stehende Rechtspersönlichkeit und nicht die einzelne Masseurin für bestimmte Qualitätsmerkmale ("Sauberkeit", " (…)", " (…)" usw.) der angebotenen Leistungen verantwortlich ist. Eine Einzelunte r- nehmerin kann in der vorliegenden Konstellation keine Zusicherungen über den Stellenwert von Faktoren wie "Sauberkeit, (…) und (…)" bei an- deren Einzelunternehmerinnen abgeben. In diesem Sinn lassen ferner auch verschiedene Antworten unter der Rubrik "Fragen & Antworten" ein- zig den Schluss zu, dass die Masseurinnen bei " X._______" unter einer gewissen Leitungsbefugnis der Beschwerdeführerin standen, was ebe n- falls gegen deren Selbständigkeit spricht. Beispielsweise lässt die An t- wort, "Selbstverständlich nicht. (…)", auf die Frage, "Zählt die Zeit, welche (…), (…) zur Massagezeit?", darauf schliessen, dass im Salon nicht völlig unabhängige Einzelunternehmerinnen am Werk waren, sondern Masseu- rinnen, die zumindest in einer gewissen Weisungsabhängigkeit zu "X._______" bzw. zur Beschwerdeführerin standen und dabei gewissen A-6241/2011 Seite 13 von " X._______" einheitlich formulierten Standards unterlagen. Sinng e- mäss dasselbe gilt für die Antwort, "(…) neutrales, (…) Mandelöl (…)", auf die Frage, "Welche Massageöle werden verwen det?", oder für den Hi n- weis "Wir akzeptieren alle gängigen Kreditkarten". Hier wurde einerseits der Eindruck erweckt, dass für die Dienstleistungen aller Masseurinnen dieselben Produkte verwendet werden und andererseits, dass "X._______" die Zahlungsmodalitäten einheitlich festlegt und ganz offen- sichtlich der bargeldlose Zahlungsverkehr im Namen des Salons abgew i- ckelt wird. Dies sind weitere gewichtige Indizien , die bei objektiver B e- trachtung gegen eine n mehrwertsteuerlich selbständigen Aussenauftritt der einzelnen Masseurinnen am Markt sprechen, zumal Selbständiger- werbende regelmässig selber bestimmen, welche Produkte sie für ihre Leistungserbringung verwenden und welche Zahlungsformen sie akzep- tieren. Vielmehr bestätigt sich, dass gegen aussen "X._______" und da- mit die Beschwer deführerin als Leistungserbringerin auftrat. Im Übrigen liegen ganz generell keine Hinweise bzw. Belege (namentlich auf die Masseurinnen ausgestellte Rechnungen, Geschäftspapiere mit eigenem Briefkopf, eigene Prospekte usw.) dafür bei den Akten, dass die F rauen nach aussen als selbständige Unternehmerinnen, unter eigener Firma, in Erscheinung getreten wären. 3.1.4 Gleichermassen bestätigt die auf (…) publizierte Preisliste die Rich- tigkeit der Annahme einer unselbständigen Tätigkeit der Masseurinnen. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, die fraglichen Preisangaben seien bloss als Richtpreise und nicht als rechtlich verbindliche Angebote zu würdigen. Indessen ist sie darauf hinzuweisen, dass die mehrwer t- steuerliche Qualifikation von Vorgängen nicht in erster Linie aus einer ver- tragsrechtlichen Sicht, sondern nach wirtschaftlichen, tatsächlichen Krit e- rien zu erfolgen hat (E. 2.3). Massgebend ist in erster Linie der Auftritt nach aussen, wie er sich einem neutralen Dritten objektiv präsentiert (E. 2.2.1, 2.2.2 und 3.1.1). Insofern ist mit der Vorinstanz einherzugehen: Selbst wenn es zutreffen sollte, dass – wie die Beschwerdeführerin b e- hauptet – die Masseurinnen ihre Dienstleistungen auch zu einem anderen Preis hätten anbieten könn en, so entstand für den objektiven Betrachter aufgrund der Preisliste dennoch der Eindruck, "X._______" gebe einheit- liche und verbindliche Preise (differenziert nach Art und Dauer der Lei s- tung) für alle Masseurinnen vor. Ob dieser Punkt allenfalls anders zu be- urteilen wäre, wenn die Liste einen Hinweis darauf enthalten hätte, dass die darin aufgeführten Preise lediglich als ein ungefährer Rahmen zu ver- stehen seien, kann offen bleiben. Denn ein solcher Hinweis findet sich in den vorliegenden Auszügen an keiner Stelle . Ausserdem ist angesichts A-6241/2011 Seite 14 der detaillierten Preisvorgaben objektiv nicht von blossen Rahmenpreisen auszugehen (vgl. dazu die Preisliste mit nach Art und Dauer der Mass a- geleistungen differenzierten Preisangaben in CHF und EUR). Der neutra- le Dritte ging zweifellos davon aus, dass er bei einem Besuch im Salon die entsprechenden Leistungen zu den in der Preisliste aufgeführten Konditionen erhalten würde, also beispielsweise 45 Minuten "k lassische (…) Massage" zum Preis von Fr. 200. -- (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 3.2.1). Aus demselben Grund dokumentiert d ie Preisliste (vgl. amtl. Akten [zur Vernehmlassung], Nr. 11) auch eine relativ starke Weisungsgebundenheit der Masseurinnen. Selbst wenn es sich tatsächlich bloss um unverbindli- che Richtpreise gehandelt haben sollte und allfällig davon abweichende Preisabsprachen mit den Kunden theoretisch möglich gewesen wären, wäre die (betriebs)wirtschaftliche Unabhängigkeit der Masseurinnen fa k- tisch dennoch eingeschränkt geblieben. Hätte der Kunde nämlich fest ge- stellt, dass die effektiven Preise nicht den angepriesenen entspre chen, wäre er womöglich zur Konkurrenz gegangen, was weder im Interesse der Beschwerdeführerin noch im Interesse der Masseurinnen liegen konnte (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1383/2006 vom 19. Juli 2007 E. 3.2). Es bestand daher zumindest eine faktische Bindung an die von der Beschwerdeführerin in der Liste vorgegebenen Preise. 3.2 Die mehrwertsteuerliche Selbständigkeit der einzeln en Masseurinnen ist schliesslich auch aus folgendem gewichtigen Grund zu verneinen: Es kann nämlich auch unter anderen Gesichtspunkten nicht gesagt werden, die Masseurinnen hätten in völliger betriebs- bzw. arbeitsorganisator i- scher Unabhängigkeit gehandelt . Es waren unbestrittenermassen in der Regel mehrere Frauen, welche die Infrastruktur und die weiteren B e- triebsmittel gleichzeitig oder nacheinander, innerhalb der Betriebs - und Öffnungszeiten des Salons, für ihre Massageangebote nutzten. Eine zent- rale Koo rdination, wer, wann und wo arbeitet, war allein schon deshalb zwingend erforderlich. Die Masseurinnen bekamen auf Anmeldung einen Massageraum zugewiesen und dies auch nur bei Verfügbarkeit und i n- nerhalb der Öffnungszeiten des Salons. Dementsprechend konnten sie Leistungsumfang und -zeit nur bedingt frei wählen. Diese bestimmten sich vielmehr nach Massgabe der betrieblichen Möglichkeiten und weit- gehend auch der Bedürfnisse bzw. des Willens der Beschwerdeführerin (vgl. dazu etwa Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 3.2.2, A-5460/2008 vom 10. Mai 2010 E. 3.3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2008, veröffentlicht in: ASA 77 S. 570 f. E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_806/2008 vom 1. Juli A-6241/2011 Seite 15 2009 E. 2.2.3). E s stand überdies im ureigensten Interesse der B e- schwerdeführerin, dass die Zimmer bestmöglich ausgelastet waren und dass Friktionen weitestgehend vermieden wurden, weshalb sich die D a- men zwangsläufig einer massgebenden betrieblichen Ordnung unterzi e- hen mus sten (vgl. Urteil des Bundesverwaltu ngsgerichts A -2950/2011 vom 8 . Februar 2012 E. 3.2.2, mit Hinweis). Die Behauptung der B e- schwerdeführerin, die Masseurinnen hätten alleine bestimmt, wann und in welchem Ausmass sie bei ihr arbeiten wollten, ist insoweit also zu berich- tigen. Im Übrigen vermöchten die unbelegten Behauptungen, die Damen hätten ihren Kundenstamm zumindest teilweise selbständig angeworben, ihre Einnahmen selbst verwaltet und ihre Aus- und Weiterbildungen selb- ständig finanziert, nichts an der Feststellung zu ändern, dass die Masseu- rinnen in entscheidenden Bereichen dennoch einer relevanten betriebs - und arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit unterlagen (vgl. dazu auch E. 3.1.3). 3.3 Bei alledem ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, dass die Masseurin- nen wohl ein gewisses "Geschäftsrisiko" trugen, da sie nicht mit einem f i- xen Einkommen rechnen konnten, sondern abhängig von der Nachfrage der Kunden waren. Ein ähnliches Risiko kennen indessen auch sog. "Mi t- arbeiter auf Abruf". Diese verdienen auch nur dann, wenn sie eingesetzt werden, ohne dass deshalb eine selbständige Erwerbstätigkeit gegeben wäre. Hinzu kommt, dass die vorliegend in Frage stehenden Masseuri n- nen keine erheblichen Investitionen tätigen mussten. Abgesehen davon hatten sie auch keine relevanten Fixkosten. Lediglich die Raummiete, die gemäss Angaben der Beschwerdeführerin pauschal Fr. 200.-- pro Tag oder den vereinbarten Umsatzanteil von 45 % betrug, wies allenfalls e i- nen gewissen Fixkostencharakter auf. Wie es sich damit verhält, braucht vorliegend nicht beurteilt zu werden. Das Geschäftsrisiko der betreffen- den Frauen kann jedenfalls als eher gering bzw. unter all den geschilder- ten Umständen, welche gegen ihre mehrwertsteuerliche Selbständigkei t sprechen, als irrelevant bezeichnet werden (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 3.3). 3.4 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor , die Masseurinnen seien auch bei den direkten Steuern und den Sozialve rsicherungen als sel b- ständig erwerbstätig qualifiziert worden. Die ESTV hat anlässlich ihrer Kontrolle festgestellt, dass die Masseurinnen zumindest bei der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) tatsächlich als Selbständigerwer- bende eingestuft wurden (vgl. Kontrollbericht, Beiblatt Nr. 1, Ziff. 1 ; amtl. Akten [zur Vernehmlassung], Nr. 2 ). Betreffend die direktsteuerliche Be-A-6241/2011 Seite 16 handlung bleibt die Be schwerdeführerin indessen jeglichen Nachweis schuldig. Ohnehin bilden die Art der Abrechnu ng der Sozialversich e- rungsbeiträge sowie die Qualifikation einer Person als selbständig oder unselbständig im Zusammenhang mit den direkten Steuern zwar nicht völlig unbedeutende, aber dennoch nicht allein ausschlaggebende Ind i- zien für die mehrwertsteuerli che Behandlung (vgl. Urteile des Bundesge- richts 2A.47/2006 vom 6. Juli 2006 E. 3.2, 2A.304/2003 vom 14. November 2003, veröffentlicht in: ASA 76 S. 627 E. 3.3.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 2.2.2, mit Hinweisen). Es ist – insbesondere aufgrund der voneinander abwei- chenden Zielsetzungen dieser Rechtsgebiete – durchaus möglich, dass ein und dieselbe Person in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich eingestuft wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_399/2011 vom 13. April 2012 E. 2.4.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A -2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 3.4, mit Hinweisen). Am Ausgang des vorliegenden Verfahrens vermag jedenfalls eine allfällige sozialversicherungsrechtliche oder direktsteuerliche Selbständigkeit der Damen nichts zu ändern; zu viel deutet auf die mehrwertsteuerliche Zurechnung der fraglichen Dienst- leistungen an die Beschwerdeführerin hin (E. 3.1 und 3.2). 4. Es bleibt auf die übrigen Argumente der Beschwerdeführerin einzugehen, soweit diese nicht berei ts durch die voranstehenden Erwägungen au s- drücklich oder implizit widerlegt sind. 4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, zwischen ihr und den Ma s- seurinnen hätte weder ein Arbeits - noch ein Auftragsverhältnis vor gele- gen. Die Damen hätten folglich ihre Dienstleistungen als Selbständige r- werbende erbracht. Der Beschwerdeführerin ist entgegenzuhalten, dass die Analyse der Frage nach der Selbständigkeit unter zivilrech tlichen Ge- sichtspunkten vorliegend nicht allein entscheidend ist (E. 2.3 ). Den D a- men wird die mehrwertsteuerliche Selbständigkeit jedenfalls nicht etwa aufgrund der Annahme abgesprochen, sie hätten in einem arbeits - oder auftragsrechtlichen Verhältnis zur Beschwerdeführerin gestanden, so n- dern weil für die Massageleistungen im Salon nicht sie, sondern die B e- schwerdeführerin im eigenen Namen (des Salons) nach aussen in E r- scheinung trat und jene zu ihr in wesentlichen Bereichen in einer betrieb- lichen und arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit standen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2008, veröffentlicht in : ASA 77 S. 572 E. 3.3.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A -2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 3.6.1). Aus dem gleichen Grund kommt es entgegen A-6241/2011 Seite 17 der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht darauf an, dass die Ma s- seurinnen keiner Anwesenheitspflicht unterlagen. 4.2 Auch mit dem Argument, die Masseurinnen hätten die Verträge mit den Kunden selber abgeschlossen und seien von diesen für die erbrac h- ten Leistungen direkt bezahlt worden, vermag die Beschwerdeführerin nicht durchzudringen . Selbstverständlich vereinbarte der Kunde letztlich mit der jeweiligen Dame die Einzelheiten der zu erbringenden Leistung. Dies verändert jedoch genau so wenig wie die Mög lichkeit der Frauen, eine Leistung allenfalls nicht zu erbringen, das nach aussen vermittelte Gesamtbild, wonach die Beschwerdeführerin mit der Zuhilfenahme der im Salon anwesenden Damen als L eistungserbringerin auftrat (E. 3.1 und 3.2). Unter diesen Umständen ist ferner die direkte Bezahlung der Dienst- leistung bei den Damen (soweit sie denn tatsächlich in bar erfolgt sein sollte) ebenfalls nicht entscheidend. Ein solches System ist auch in ande- ren Branchen, namentlich solchen Berufssparten verbreitet, in d enen die Leistungen ohne schriftliche Fakturierung erbracht werden und die En t- schädigung bar eingenommen wird ( vgl. Urteil des Bundesge richts vom 11. März 2008, veröffentlicht in : ASA 77 S. 572 E. 3.3.2; Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2012 E. 3.6.2). 4.3 Schliesslich hält d ie Beschwerdeführerin zumindest sinngemäss da- für, dass die Masseurinnen für jene Tätigkeit en, die sie im Salon der B e- schwerdeführerin verrichtet haben , bereits als selbständige Meh r- wertsteuersubjekte mit der ESTV abgerechnet hätten. Die Beschwerde- führerin verkennt bei dieser Argumentation , dass nur sie Adressatin des angefochtenen Einspracheentscheids ist. Einzig über ihre Steuerschuld ist vorliegend zu entscheiden. Nicht Verfahrensgegenstand kann folg lich die Frage sein, ob die betroffenen Frauen tatsächlich bereits über Umsät- ze abgerechnet haben, die der Beschwerdeführerin nach dem Ausgeführ- ten zuzurechnen sind. Anzumerken bleibt, dass die Beschwerdeführer in den Nachweis ohnehin schuldig bleibt, auch nur eine der Damen habe mit der ESTV über die im fraglichen Zeitraum im Salon erzielten Umsätze als mehrwertsteuerpflichtige Leistungserbringerin bereits abgerechnet. 5. Den vorstehenden Erwägungen zufolge ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Ausgang sind d ie Verfahrenskosten , die auf Fr. 5'500.-- festgesetzt werden, der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e-A-6241/2011 Seite 18 richt [V GKE, SR 173.320.2]). Sie sind mit dem von ihr geleisteten Ko s- tenvorschuss in gleicher Höhe zu ver rechnen. Eine Parteientschädigung an die Beschwerdeführerin ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). (Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.) A-6241/2011 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 5'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Sie werden mit dem gele isteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Riedo Marc Winiger Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 9 0 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: