B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-6553/2013 U r t e i l v om 8 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Richter Ronald Flury (Vorsitz), Richterin Vera Marantelli, Richter Pascal Richard, Gerichtsschreiber Alexander Schaer. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Prüfungskommission Humanmedizin, Bundesamt für Gesundheit, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Eidgenössische Prüfung Humanmedizin 2013. B-6553/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2013 (Postaufgabe: 24. Oktober 2013) teilte die Prüfungskommission Humanmedizin (Vorinstanz) A._______ (Beschwerdeführer) unter anderem mit, dass er die Einzelprüfung 2 (strukturierte praktische Prüfung / "Clinical Skills", nachfolgend: CS) und damit auch die e idgenössische Prüfung in Humanmedizin als Ganzes nicht bestanden habe . Mit Schreiben vom 21 . Oktober 2013 orientierte (…) der Universität (…) den Beschwerdeführer zudem dahingehend, dass er in der CS -Prüfung bei einer Bestehensgrenze von 89 Punkten 88 Punkte erreicht habe. B. Mit Beschwerde vom 21. November 2013 wandte sich der Beschwerd e- führer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragt sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie die Feststellung, dass er die CS -Prüfung und damit auch die eidgenössische Prüfung in H u- manmedizin als Ganzes bestanden habe . Zur Begründung führt er dabei an, dass seine Leistung bei drei Prüfungsposten neu bewertet und in Fol- ge dessen die Benotung angepasst werden müsse. C. Mit Vernehmlassung vom 12. Februar 2014 beantragt die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Sie hält dabei insbesondere fest, dass die Prüfung korrekt durchgeführt und ausgewertet worden sei. In diesem Z u- sammenhang sei insbesondere darauf hinzuweisen, dass alleine der Um- stand, dass erwartete Fragen gestellt oder geforderte Untersuchungen durchgeführt worden seien nicht auch gleich bedeute, dass dies korrekt erfolgt sei. Der Beschwerdeführer bringe denn auch keine konkrete n An- haltspunkte bzw. Beweise vor, dass die Bewertungen der Examiniere n- den nicht den Tatsachen entsprechen würden. Schliesslich sei auch da r- auf hinzuweisen, dass in denjenigen Fällen, in denen nicht bei allen Beur- teilungskriterien eine Markierung erfolgt sei (sog. "Missing" -Kriterien), praxisgemäss zugunsten des Kandidierenden entschieden und die en t- sprechenden Kriterien als "erfüllt" gewertet worden seien. Im Rahmen ihrer Vernehmlassung reichte die Vorinstanz auch die nicht parteiöffentlichen Prüfungsunterlagen des Beschwerdeführers ein. B-6553/2013 Seite 3 D. Mit Replik vom 19. März 2014 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich an seiner Beschwerde fest. Ergänzend bringt er in diesem Zusamme n- hang vor, dass es ihm nicht möglich sei, neben den dem Bundesverwa l- tungsgericht vorliegenden, nicht parteiöffentlichen P rüfungsdokumenten ergänzende Beweismittel vorzubringen. E. Mit Duplik vom 23. April 2014 hält auch die Vorinstanz an ihren Anträgen fest. Ihrer Ansicht nach bestünden keinerlei Anhaltspunkte dahingehend, dass der Beschwerdeführer nicht korrekt oder gar unfai r beurteilt bzw. dessen Leistungen offensichtlich unterbewertet worden wären. Vielmehr müsse die Leistung eines Kandidierenden viele Mängel und Lücken au f- weisen und bei selbigem grobe Kompetenzmängel vorliegen, um eine Punktzahl im Bereich der Bestehensgre nze zu erzielen. In concreto habe der Beschwerdeführer in sechs von zwölf Posten eine ungenügende Punktzahl erreicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Die angefochtene Verfügung vom 18. Oktober 2013 stellt eine Verf ü- gung im Sinne von A rt. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwa l- tungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021) dar. Diese kann im Rahmen der allgemeinen B e- stimmungen über die Bundesverwaltungsrechtspflege mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 31 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Juni 2005 [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32] i.V.m. Art. 44 ff. VwVG). 1.2 Als Adressat der Verfügung ist der Beschwerdeführer beschwerdelegi- timiert im Sin ne von Art. 48 VwVG. Die Eingabefrist sowie die Anford e- rungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und der Kostenvorschuss wurde geleistet (vgl. Art. 63 Abs. 4 VwVG). Da a uch die übrigen Sachurteilsvo r- aussetzungen vorliegen, ist auf die Beschwerde einzutreten. B-6553/2013 Seite 4 2. 2.1 Im Bereich der universitären Medizinalberufe wird die Ausbildung mit der eidgenössischen Prüfung abgeschlossen (vgl. Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die universitären Medizinalberufe vom 23. Juni 2006 [Medizinalberufegesetz, MedBG, SR 811.11]). Dabei wird abgeklärt, ob die Studierenden über die fachlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und F ä- higkeiten sowie über die Verhaltensweisen und die soziale Kompetenz verfügen, die sie zur Ausübung des entsprechenden Medizinalberufes benötigen und ob sie die Voraus setzungen für die erforderliche Weiterbil- dung erfüllen (vgl. Art. 14 Abs. 2 MedBG). Die eidgenössische Prüfung kann aus einer oder mehreren Einzelprüfungen bestehen, wobei Einze l- prüfungen auch Teilprüfungen enthalten können (vgl. Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die eidgenössischen Prüfungen der universitären Med i- zinalberufe vom 26. November 2008 [Prüfungsverordnung MedBG, SR 811.113.3]). Jede Einzelprüfung wird mit "bestanden" oder "nicht b e- standen" bewertet; die eidgenössische Prüfung ist bestanden, wenn jede Einzelprüfung mit "bestanden" bewertet worden ist ( vgl. Art. 5 Abs. 2 und 3 Prüfungsverordnung MedBG). 2.2 Die strukturierte praktische Prüfung besteht aus mindestens zehn verschiedenen Stationen, die in Form eines Parcours angelegt sind. Eine Station kann eine oder mehrere praktische Aufgaben, beispielsweise mit echten oder standardisierten Patientinnen und Patienten oder Modellen, umfassen (vgl. Art. 12, Art. 13 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 der Verordnung des EDI über die Form der eidgenössischen Prüfu ng der universitären Medizinalberufe vom 1. Juni 2011 [Prüfungsformenverordnung, SR 811.113.32]). An jeder Station beurteilt jeweils eine andere examini e- rende Person während oder nach der Prüfung die Leistung des Kandidie- renden anhand vorgegebener Beurteilungskriterien in Form einer Chec k- liste (vgl. Art. 14 Abs. 2 Prüfungsformenverordnung). 3. Der Beschwerdeführer begründet seine Beschwerde dahingehend, dass seine Leistung bei den drei Posten (…), (…) sowie (…) neu bewertet und in Folge dessen die Benotung angepasst werden müsse. Diese Ansicht ist unzutreffend. 3.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit unei n- geschränkter Kognition (vgl. Art. 49 VwVG). Indessen auferlegt es sich bei der Bewertung von akademischen Leistungen und Fachprüfungen ei-B-6553/2013 Seite 5 ne gewisse Zurückhaltung und weicht bei Frag en, die seitens der J ustiz- behörden schwer zu überprüfen sind, nicht ohne Not von der Beurteilung der Prüfungs organe, Examinatoren und Experten ab. S ind doch der Rechtsmittelbehörde zumeist nicht alle massgeb enden Faktoren der B e- wertung bekannt und ist es ihr in der Regel nicht möglich, sich ein zuve r- lässiges Bild über die Gesamtheit der Leistungen einer beschwerdefü h- renden Person sowie der Leistungen der übrigen Kandid ierenden zu ma- chen. Zudem haben Prüfungen oftmals Spezialgebiete zum Gegenstand, in denen die Rechtsmittelbehörde in der Regel über keine eigenen Fach- kenntnisse verfügt (vgl. BVGE 2010/11 E. 4.1 m.w.H., BVGE 2010/10 E. 4.1 m.w.H., BVGE 2008/14 E. 3.1 m.w.H.). Den beurteilenden Organen kommt damit ein grosser Beurteilungsspielraum zu. An den Beweis einer behaupteten Unangemessenheit von Bewertungen sind denn auch ge- wisse Anforderungen zu stellen. So müssen die entsprechenden Rügen insbesondere auch von objektive n, substantiierten und überzeugenden Argumenten sowie den entsprechenden Beweismitteln getragen sein (vgl. BVGE 2010/21 E. 5.1 m.w.H. , BVGE 2010/11 E. 4.3, BVGE 2010/10 E. 4.1). Werden jedoch Verfahrensmängel im Prüfungsablauf gerügt oder sind die Auslegung und Anwendung von Rechts vorschriften streitig, so hat das Bundesverwaltungsgericht die erhobenen Einwendungen mit um- fassender Kognition zu prü fen (vgl. BVGE 2010/11 E. 4.2 m.w.H., BVGE 2010/10 E. 4.1 m.w.H., BVGE 2008/14 E. 3.3 m.w.H.). 3.2 Einleitend ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Praxis des Bunde s- verwaltungsgerichts die Beweislastregel von Art. 8 ZGB auch im Bereich der Humanmedizinalprüfungen Anwendung findet (vgl. Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts B-6049/2012 vom 3. Oktober 2013 E. 4.5.2). Es hat somit auch in diesem Bereich derjenige das Vorhandensein einer b e- haupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Im Weiteren ist festzuhalten, dass gemäss Art. 56 MedBG sowie ständiger, vom Bu n- desverwaltungsgericht gutgeheissener Praxis zu r Sicherstellung der Ge- heimhaltung der Prüfungs fragen in Medizinalprüfungen die Herausgabe der Prüfungsunterlagen verweigert, die Herstellung von Kopien oder A b- schriften verboten und die Dauer der Einsichtnahme beschränkt werden kann. 3.3 Hinsichtlich des Postens (…) rügt der Beschwerdeführer, dass beim Punkt (…) keine Bewertung eingetragen wurde, obwohl er die verlangte Massnahme korrekt durchgeführt habe. Er verlange daher eine Bewe r- tung zu seinen Gunsten. Unabhängig von der "Missing" -Kriterium-Praxis B-6553/2013 Seite 6 der Vorinstanz habe er zudem ein Anrecht auf eine korrekte, vollständig ausgefüllte und ausgewertete Checkliste. Die Rüge des Beschwerdeführers führt in diesem Punkt gänzlich ins Le e- re. So betont die Vorinstanz hinsichtlich d es "Missing" -Kriteriums (…), dass dem Beschwerdeführer praxisgemäss die volle Punktzahl gutg e- schrieben worden sei. Die Checkliste wurde somit letzten Endes korr ekt, vollständig und im beantragten Sinne des Beschwerdeführers ausgewer- tet; die "Missing" -Kriterium-Praxis der Vorinstanz ist, d a sie gänzlich die Kandidierenden bevorteilt, nicht zu beanstanden. Für eine nachträgliche, faktisch rein kosmetische und denn auch wenig zielführende "Nachführung" von Checklisten im Bereich der "Missing" - Kriterien bleibt kein Raum, sieht doch Art. 14 Abs. 2 Prüfungsformenver- ordnung klar vor, dass die Leistungsb eurteilung "während oder nach der Prüfung" vorzunehmen ist, wobei "nach" selbstverständlich im Sinne von "unmittelbar nach" der Prüfung zu verstehen ist. Eine Nachführung würde zudem (nicht zuletzt auch strafrechtlich) heikle Fragen im Hinblick auf al l- fällige spätere Beschwerdeverfahren aufwerfen. D er Erhalt der Checkli s- ten im Originalzustand ist aus beweisrechtlichen Gründen im ureigenen Interesse der Kandidierenden und das diesbezügliche Vorgehen der Vor- instanz daher nicht zu beanstanden. 3.4 Hinsichtlich des Postens (…) rügt der Beschwerdeführer, dass er kei- nen Punkt für (…) erhalten habe, obwohl er die (…) korrekt durchgeführt habe. Die Vorinstanz weist im Gegenzug im Rahmen ihrer Vernehmla s- sung darauf hin, dass aufgrund einer Frage zu (…) nicht gleich autom a- tisch auf die Diagnose (…) geschlossen werden dürfe. Der Beschwerdeführer hat es vorliegend unterlassen substantiiert darz u- legen, inwiefern die Begründung der Vorinstanz bzw. des Examinierenden fehlerhaft sein sollte. G emäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rech t- sprechung ist es für eine genügende Substantiierung der Rügen insbe- sondere nicht ausreichend, sich ein fach auf die Behauptung zu b e- schränken, eine Lösung sei vollständig und korrekt, ohne diese Behau p- tung näher zu begründen oder zu belegen (vgl. BVGE 2010/21 E. 5.1). Angesichts des der Vorinstanz zukommenden fachlichen Ermessens (vgl. E. 3.1) ist die Bewertung daher nicht zu beanstanden. 3.5 Hinsichtlich des Postens (…) rügt der Beschwerdeführer, dass er kei- ne (…) durchgeführt habe, da er davon ausgegangen sei, dass dies au f-B-6553/2013 Seite 7 grund der Aussagen des Examinierenden sowie (…) nicht notwendig ge- wesen sei. Die Vorinstanz bestreitet ein fehlerhaftes Verhalten des Ex a- minierenden und sieht den Gr und für das Versäumnis vielmehr beim B e- schwerdeführer. Übereinstimmend mit der Ansicht der Vorinstanz ist vorliegend nicht von einer Fehlinformation des Ex aminierenden sondern vielmehr von einem Versäumnis des Beschwerdeführers auszugehen. Ist doch der Aufgaben- stellung, welche den Kandidierenden jeweils vor und während der Pr ü- fung schriftlich zur Verfügung gestanden ist, klar zu entnehmen, dass (…), worauf (…). Auch sind vorliegend keinerlei Anzeichen ersichtlich bzw. insbesondere auch nicht durch den Besch werdeführer substantiiert dargelegt, dass es zu einer Fehlinformation seitens d es Examinierenden gekommen ist und worin ein solche zu sehen gewesen wäre . Die Bewer- tung ist daher vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Beweislastregel (vgl. E. 3.2) nicht zu beanstanden. 4. Zusammengefasst ist festzustellen, dass die Bewertungen der Vorinstanz nicht zu beanstanden und dem Beschwerdeführer daher keine zusätzl i- chen Punkte anzurechnen sind. In Folge dessen bleibt auch das Pr ü- fungsergebnis unverändert und d ie Beschwerde ist demzufolge abzuwe i- sen. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ergibt sich, dass der Beschwerde- führer als vollständig unterlegene Partei die Kosten des Verfahrens trägt (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 172.320.2]). Diese werden auf Fr. 1'000.- festge- legt; der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. Der Beschwerdeführer hat als vollständig unterlegene Partei keinen A n- spruch auf Parteientschädigung ( vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE). 6. Dieser Entscheid kann nicht mit Beschwerde an das Bundesgericht we i- tergezogen werden (vgl. Art. 83 lit. t des Bundesgesetzes ü ber das Bu n-B-6553/2013 Seite 8 desgericht vom 17. Juni 2005 [Bundesgerichtsgesetz, BGG, SR 173.110]). Er ist somit endgültig. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt; der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beschwerdebeilagen zurück) – die Vorinstanz (Einschreiben; Beilagen: Akten zurück) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Ronald Flury Alexander Schaer Versand: 9. Juli 2014