B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5837/2015 U r t e i l v o m 1 2 . J u l i 2 0 1 6 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richterin Barbara Balmelli, Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. Parteien A._______, geboren am (…), und ihre Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle Syrien, alle wohnhaft (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM vormals: Bundesamt für Migration; BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 27. August 2015 / N (…). E-5837/2015 Seite 2 Sachverhalt: I A. Der Ehemann respektive Vater der Beschwerdeführenden (E._______, ebenfalls Verfahren N [...]) verliess eigenen Angaben zufolge seinen Hei- matstaat Syrien im April 2012 und gelangte am 30. April 2012 in die Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Er wurde in der Folge am 8. Mai 2012 summarisch und am 9. Juli 2013 einlässlich zu seinen Asylgründen befragt. B. Mit Verfügung vom 16. Juli 2014 stellte das BFM fest, dass der Ehemann und Vater der Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht er- fülle. Sein Asylgesuch wurde abgewiesen und die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet. Der Vollzug der Wegweisung wurde wegen Unzumut- barkeit aufgeschoben und eine vorläufige Aufnahme von E._______ in der Schweiz angeordnet. C. Am 11. August 2014 erhob E._______ beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde gegen den BFM-Entscheid vom 16. Juli 2014. D. Nachdem die Beschwerdeführenden (Ehefrau und Kinder von E._______) ihrem Ehemann und Vater am 30. Januar 2015 in die Schweiz nachreisten und ein Asylgesuch stellten (vgl. Sachverhalt unten, Bst. F), sistierte das Bundesverwaltungsgericht mit Instruktionsverfüg ung vom 10. März 2015 das hängige Asylbeschwerdeverfahren von E._______ (E-4764/2014), bis das SEM über d ie Asylgesuche der Beschwerdeführenden (Ehefrau und Kinder) befunden hat. E. Mit Verfügung vom 23. September 2015 hob das Bundesverwaltungsge- richt die am 10. März 2015 verfügte Sistierung des Beschwerdeverfahrens von E._______ wieder auf, nachdem das SEM die Asylgesuche der Be- schwerdeführenden mit Verfügung vom 27. August 2015 abgelehnt und die Beschwerdeführenden in der Folge beim Bundesverwaltungsgerich t Be- schwerde erhoben hatten (vgl. Sachverhalt unten, Bst. H und I). Gleichzei- tig koordinierte das Gericht aufgrund des engen, persönlichen und sachli- chen Zusammenhanges das Beschwerdeverfahren von E._______ und E-5837/2015 Seite 3 das ebenfalls hängige Beschwerdeverfahren der Ehefrau und Kinder (E - 5837/2015) insoweit, als beide Beschwerdeverfahren – soweit möglich – parallel geführt und beide Verfahren gleichzeitig entschieden werden sol- len. II F. Die Beschwerdeführenden (A._______ und die drei minderjährigen Kinder: D._______, C._______ und B._______ [Jahrgänge (…), (…) und (…)]), alle syrische Staatsangehörige, reisten ihrem Ehemann respektive Vater am 30. Januar 2015 in die Schweiz nach. Am 4. Februar 2015 ersuchten sie um Asyl. Am 10. Februar 2015 fand eine Befragung der Be schwerde- führerin A._______ zur Person (BzP) im Empfangs - und Verfahrenszent- rum Basel statt. Dabei führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie sei ethni- sche Araberin, in Aleppo geboren und habe bis zu ihrer Ausreise aus Syrien dort gelebt. Bis vor rund 10 Monaten sei die Familie im Quartier (...) in Al- eppo registriert gewesen. Ihre noch lebenden Verwandten (Mutter und zwei Geschwister) lebten in Aleppo , zwei Brüder seien als Flüchtlinge in Bei- rut/Libanon. Sie sei seit 13 Jahren mit E._______, ebenfalls Syrer, verhei- ratet. Die Beschwerdeführenden hätten Syrien in Februar 2014 verlassen und seien in die Türkei gereist, wo sie sich bis zum 30. Januar 2015 aufgehalten hätten. Am 30. Januar 2015 seien sie auf dem Luftweg in die Schweiz ge- langt, wo sie am 4. Februar 2015 ein Asylgesuch stellten. Sie hätten Syrien wegen des Bürgerkriegs verlassen. Die Beschwerdeführerin selbst sei po- litisch nicht aktiv gewesen und habe mit den heimatlichen Behörden oder Gruppierungen keine Probleme gehabt. Sie habe im Jahr 2012 bis 2014 in Aleppo persönlich miterlebt, wie Kampfflugzeuge der syrischen Regierung zivile Wohnhäuser bombardiert hätten, in welchen sich Menschen aufge- halten hätten. Viele Verwandte von ihr (beispielsweise mehrere Cousins und ein Neffe) seien bei diesen Bombardierungen ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden . Der jüngste Sohn D._______ sei von Bom- bensplittern getroffen worden und sehe seither schlecht. Er habe in Syrien nicht ärztlich versorgt werden können, weil dort keine Ärzte mehr vorhan- den seien. E-5837/2015 Seite 4 Der Ehemann und Vater E._______ habe mit den syrischen Behörden Probleme gehabt und sei deshalb bereits früher und alleine aus Syrien aus- gereist. Die Reisepässe der Beschwerdeführenden habe E._______ bei ihrer Ein- reise am Flughafen zerrissen, weil er nichts mehr mit Syrien zu tun haben wolle. Die Identitätskarte der Beschwerdeführerin sowie das Familienbüch- lein seien zerstört worden, als ihr Haus in Syrien im Jahr 2012 in die Luft gesprengt worden sei. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten di e Beschwerdeführenden ein en Bericht des (…)spitals (…) betreffend den Sohn C._______ (geboren am […]) zu den Akten. Aus diesem geht hervor, dass beim Jungen ein Zahn- abszess respektive eine Zahnabszessabspaltung diagnostizier t wurde , welche durch einen chirurgischen Eingriff sowie medikamentös behandelt worden sei. G. Am 6. Juli 2015 wurde die Beschwerdeführerin vom SEM einlässlich zu ihren Asylgründen angehört. Dabei gab sie im Wesentlichen zu Protokoll, sie habe für sich und die drei Kinder beim Amt für Sicherheit in Fateh Al Kair in Istanbul je Ausweise für ausländische Personen ("Foreigners Identification Card: Yabanci Tanitma Belgesi") ausstellen lassen. Zu ihren in Aleppo verbliebenen Verwandten (Mutter und zwei Geschwister) könne sie keinen Kontakt mehr aufnehmen, da das ganze Kommunikationsnetz in Aleppo seit Herbst 2015 nicht mehr funktioniere. Aleppo sei eine geteilte Stadt. In einem Teil herrsche das sy- rische Regime, im anderen die "Al Hurr" -Armee, die gegen die Regierung positioniert sei und von der türkischen Regierung mit Waffen unterstützt werde. Die Bevölkerung von Aleppo habe die aus Homs flüchtenden Men- schen unterstützt. Auch die Familie der Beschwerdeführenden habe sol- chen aus Homs flüchtenden Menschen Unterschlupf gewährt. Die Beschwerdeführenden hätten Syrien verlassen wegen des syrischen Bürgerkrieges, unter dessen Folgen sie persönlich gelitten hätten. Zwei Söhne hätten gesundheitliche Probleme erlitten (Augenleiden respektive psychische Probleme). Die Beschwerdeführerin leide zudem an ein er Schwindelkrankheit namens "Shakika" sowie an Rückenproblemen, weil sie ihre Kinder nach den Detonationen in ihrer Wohngegend habe tragen und Wasser für die Familie nach Hause habe schleppen müssen. Weil sie E-5837/2015 Seite 5 die Flüchtlinge aus Homs unterstützt hätten, seien sie seitens des Regimes bedroht worden. Der Bruder der Beschwerdeführerin sei in diesem Zusam- menhang beim Militär-Sicherheitsdienst einen Monat lang inhaftiert und da- bei gequält worden. Während des Krieges seien die Ersparnisse der Fami- lie aufgebraucht worden. Im August 2013 seien ihr Haus, welches an der Kampfgrenze zwischen dem Gebiet des Regimes und der Al -Hurr-Armee gelegen habe, sowie die Geschäftsgebäude des Ehemannes und Vaters zerstört worden. Verwandte ihrer Mutter seien Kaufleute gewesen und hät- ten im Jahr 2011 den Flüchtlingen aus Homs im Geheimen finanzielle Un- terstützung zukommen lassen. Die Beschwerdeführerin habe persönlich mitgeholfen, die Kontakte zwischen den Flüchtlingen aus Homs und den unterstützenden Verwandten herzuste llen. Die syrische Regierung habe 2012 hievon Kenntnisse erhalten und das Hab und Gut (Häuser, Fabriken, Fahrzeuge) dieser Kaufleute konfisziert. Anschliessend seien die Kaufleute in die Türkei respektive nach Beirut geflohen. Im Weiteren sei ihr Sohn auf dem Weg zur Schule entführt worden, bevor ihr Ehemann Syrien verlassen habe und in die Schweiz gereist sei. Sie hätten nicht gewusst, wer ihren Sohn entführt habe; die Entführer hätten mit dem Vater ihres Ehemannes (Grossvater des entführten Kindes) Verhandlungen geführt. Der Grossva- ter habe auch das Lösegeld bezahlt. Die Entführung habe stattgefunden, weil das syrische Regime ihren Ehemann habe fassen wollen. Ihr Ehe- mann sei im Weiteren von einem gewissen F._______ bedroht worden, welcher beim syrischen Geheimdienst gewesen sei. Nach der Flucht ihres Ehemannes habe dieser F._______ einen Chauffeur zu ihnen nach Hause geschickt, um den Ehemann lebendig oder tot zu fassen. Hierauf habe die Beschwerdeführerin das Haus verlassen und sei in die Schweiz gereist. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden vier Aus- weise für ausländische Personen in der Türkei ("Foreigners Identification Card: Yabanci Tanitma Belgesi") als Farbkopien zu den Akten. H. Mit Verfügung vom 27. August 2015 – der Beschwerdeführerin am 31. Au- gust 2015 eröffnet – stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen würden. Ihre Asylgesuche wurden abgewiesen und die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet. Der Voll- zug der Wegweisung wur de wegen Unzumutbarkeit aufgeschoben und eine vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer drei Kinder in der Schweiz angeordnet. E-5837/2015 Seite 6 Zur Begründung führte das Staatssekretariat im Wesentlichen aus, die Vor- bringen der Beschwerdeführerin vermöchten den Anforderungen an die Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG nicht zu genügen. So seien die geltend gemachten Benachteiligungen und die tragischen Ereignisse im Rahmen des syrischen Bürgerkriegs (Kriegssituation, Bombardierung der Zivilhäuser, Zerstörung des Familienhauses, Entführung des Sohnes wäh- rend dreier Tage; Tod von Verwandten, Erkrankung der Kinder) nicht asyl- relevant, weil diese nicht auf der Absicht beruhten, die Beschwerdeführen- den aus einem der in Art. 3 AsylG erwähnten Gründen zu treffen. Soweit die Beschwerdeführerin geltend gemacht habe, im Jahr 2011 Flüchtlinge aus Homs unterstützt zu haben, sei festzuhalten, dass dieser Darstellung vom genannten Zeitpunkt bis zur Ausreise aus Syrien rund drei Jahre später jegliche Anhaltspunkte dafür fehle n würden, dass die Be- schwerdeführenden in diesem Zusammenhang ins Visier der syrischen Be- hörden gelangt wären. Vielmehr habe die Beschwerdeführerin ausdrück- lich verneint, jemals einen Nachteil seitens des syrischen Regimes erlitten zu haben, welcher sie persönlich getroffen hätte. Zudem habe sie verneint, jemals konkrete Probleme mit den syrischen Behörden gehabt zu haben respektive politisch aktiv gewesen zu sein. Es bestehe keinerlei Anlass zu Befürchtungen, dass die Beschwerdeführenden im vorgebrachten Zusam- menhang künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt werden sollten. I. Mit Eingabe vom 18. September 2015 (Poststempel) richtete sich die Be- schwerdeführerin an das Bundesverwaltungsgericht und erhob für sich und im Namen ihrer Kinder Beschwerde gegen die SEM -Verfügung vom 27. August 2015. Sinngemäss brachte die Beschwerdeführerin zur Be- gründung vor, sie wolle wegen des Krieges in Syrien und dessen Folgen nicht ins Heimatland zurückkehren. J. Mit Zwischenverfügung vom 23. September 2015 wurde die Eingabe der Beschwerdeführenden vom 18. September 2015 als frist - und formge- rechte Beschwerde gegen die SEM -Verfügung vom 27. August 2015 ent- gegengenommen. Ferner wurde den Beschwerdeführenden Gelegenh eit eingeräumt, ihre Rechtsmitteleingabe zu ergänzen und insbesondere ge- nauer zu konkretisieren, weshalb sie mit dem SEM-Entscheid vom 27. Au- gust 2015 nicht einverstanden seien. Weiter wurde festgehalten, die Be-E-5837/2015 Seite 7 schwerde müsse als offensichtlich unbegründet beurteilt werden, wenn in- nerhalb der angesetzten Frist nicht eine zusätzliche Begründung der Be- schwerde nachgeliefert werde. Zudem wurden die Beschwerdeführenden darauf hingewiesen, dass es ihnen frei stehe, die unentgeltliche Rechts- pflege (gegebenenfalls mit unentgeltlicher Rechtsverbeiständung) zu be- antragen, sofern sie bedürftig seien und ihre Beschwerdebegehren nicht aussichtslos seien. Gleichzeitig wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren E-5837/2015 mit dem Verfahren des Ehemannes und Vaters E._______ insofern koordiniert, als beide Verfahren – soweit möglich – parallel geführt und beide Verfahren gleichzeitig entschieden werden sollen (vgl. Sachverhalt oben, Bst. E). K. Mit Postsendung vom 7. Oktober 2015 (Poststempel) reichte n die Be- schwerdeführerin und ihr Ehemann E._______ ein eigenhändig verfasstes und unterzeichnetes, fremdsprachiges Schreiben nach. Dieses Dokument wurde im vorliegenden Verfahren und im koordinierten Beschwerdeverfahren des Ehemannes zu den Akten genommen. Das Gericht liess d as Dokument amtlich (gerichtsintern) übersetzen. Ge- mäss dieser Übersetzung führt e die Beschwerdeführerin respektive ihr Ehemann E._______ aus, es sei nicht möglich gewesen, einen Übersetzer zu finden oder einen Anwalt zu konsultieren. Die Situation im Heimat land Syrien sei bekannt; es herrsche nur noch Krieg, Zerstörung und Schutzlo- sigkeit. Das gesamte Hab und Gut der Familie sei durch eine Explosion in ihrem Wohnviertel zerstört worden. Zunächst sei der Beschwerdeführer aus Syrien geflohen, nachdem der Sohn B._______ entführt worden sei. F._______ habe den Beschwerdeführer mit dem Tod bedroht, nachdem er die Flüchtlinge, die aus Homs geflohen seien, in Aleppo unterstützt habe. Nachdem die Familie in der Schweiz eine Aufenthaltserlaubnis erhalten habe, fühlten sich die Familienmitglieder wie Staatsgefangene und sie hät- ten keine Rechte mehr. Deshalb würden sie um nochmalige Prüfung ihrer Asylgesuche ersuchen. L. Mit Instruktionsverfügung vom 4. November 2015 wurde die gerichtsin- terne Übersetzung des am 7. Oktober 2015 fremdsprachigen Dokumentes den Beschwerdeführenden zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurde ihnen letztmals Gelegenheit eingeräumt, ihre Beschwerdeeingabe vom E-5837/2015 Seite 8 18. September 2015 zu ergänzen. Es wurde dabei nochmals festgehalten, dass die Beschwerdeeingabe als offensichtlich unbegründet zu beurteilen sei, wenn die Beschwerdeführenden nicht eine zusätzliche Begründung ih- rer Beschwerde nachliefern würden. Die Beschwerdeführenden haben auf eine weitere Stellungnahme respek- tive Beschwerdebegründung verzichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG . Das BFM respektive SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vo- rinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal- tungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zu- ständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 1.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Instruktionsverfügung vom 23. September 2015 das vorliegende Beschwerdeverfahren mit dem eben- falls am Gericht hängigen Beschwerdeverfahren des Ehemannes und Va- ters E._______ (E-4764/2014) koordiniert (vgl. Sachverhalt, oben Bst. E). E-5837/2015 Seite 9 Daher ergeht das vorliegende Urteil gleichzeitig mit dem Urteil im Verfahren E-4764/2014. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu- gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi- schen Anschauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün- dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernst- hafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychi- schen Druck bewirken. 4. Die Beschwerdeführerin bringt im eigenen und im Namen ihrer Kinder zur Begründung ihres Asylgesuches im Wesentlichen vor, sie habe Syrien auf- grund der dort herrschenden Bürgerkriegssituation verlassen. In diesem Bürgerkrieg seien ihr Wohnhaus und die Geschäftshäuser ihres Eheman- nes in Aleppo zerstört worden. Zudem seien mehrere Verwandte durch Bombardements ums Leben gekommen. Ihr Sohn B._______ sei zudem entführt worden und ihre Familie habe Lösegeldzahlungen für dessen Frei- lassung leisten müssen. 4.1 Für das Bundesverwaltungsgericht steht ausser Frage, dass die Ereig- nisse, welche die Beschwerdeführerin und ihre Kinder im Zuge des syri- schen Bürgerkrieges persönlich miterleben mussten – namentlich die Bom- bardierungen ihrer Heimatstadt Aleppo, wo sie ihr ganzes Leben von Ge- burt bis zur Ausreise aus Syrien Februar 2014 verbracht ha ben; vgl. Akte B4, S. 4, Frage 2.01) – schrecklich und traumatisierend waren und in Al- eppo im Zeitpunkt ihrer Ausreise eine Situation verbreiteter Gewalt, Zerstö- rung und Elend vorherrschte. Es kann hierzu auf die Erwägung 5.5 im Be- schwerdeurteil E-4764/2014 ihres Ehemannes verwiesen werden, in wel- cher näher auf die im Zeitpunkt der Ausreise des Ehemannes im Jahr 2012 in Aleppo herrschende Bürgerkriegssituation und die heutige, aktuelle Lage eingegangen wird. E-5837/2015 Seite 10 4.2 Selbst wenn ein weiterer Verbleib der Beschwerdeführenden in Aleppo nach dem Gesagten unzumutbar war, fehlt es den von ihnen vorgetrage- nen Ereignissen an der für die Bejahung der Flüchtlingseigenschaft gefor- derten Gezieltheit der Verfolgung. Von Gezieltheit in diesem Sinne ist dann auszugehen, wenn eine Person nicht lediglich den gleichen Risiken und Einschränkungen wie die gesamte Bevölkerung ihres Heimatstaates res- pektive ihrer Heimatregion ausgesetzt ist, und somit von den Ereignissen nicht nur "reflexartig" im Sinne ungezielter Nebenfolgen des Krieges oder Bürgerkrieges, sondern als individuelle Person in der Regel aufgrund einer asylrelevanten Verfolgungsmotivation betroffen ist (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, S. 530 Rz. 11.16; vgl. auch Entschei- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 37 E. 7 c). Bei den von der Beschwerdeführerin geschil- derten Ereignissen (Zerstörung des Wohnhauses der Familie und der Plün- derung der Geschäftslokalitäten des Ehemannes respektive Vaters der Be- schwerdeführenden) handelt es sich zweifelsohne um schreckliche Erleb- nisse, sie stellen jedoch primär ungezielte Nebenfolgen des Krieg es dar, von denen der Grossteil der Bevölkerung in Aleppo – unabhängig von de- ren ethnischer Zugehörigkeit – betroffen war. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für die Bombardierungen der Stadt, welche zu zahlreichen Todesop- fern auch unter der Zivilbevölkerung – auch innerhalb der Familie der Be- schwerdeführenden – führten. Überdies scheinen die Zerstörungen der Häuser und Geschäftslokalitäten der Beschwerdeführerin, ihres Ehegatten und ihrer Verwandten nicht von einer asylrelevanten Verfolgungsmotivation getragen zu sein . Die Be- schwerdeführerin selbst hat diese Ereignisse nicht auf einen entsprechen- den asylbeachtlichen Hintergrund zurückgeführt. 4.3 Soweit d ie Beschwerdeführerin die Entführung en ihres Sohnes B._______ vorträgt, ist festzustellen, dass die Urh eberschaft dieser Ent- führungen im Dunkeln bleibt, nachdem die Beschwerdeführerin im Rah- men ihrer Anhörungen selbst zu Protokoll gegeben hat, sie (die Familie) hätten selbst nicht gewusst, wer für die Entführung des Sohnes verantwort- lich gewesen sei (vgl. A kte B15, S. 17, Frage 168). In der am 7. Oktober 2015 nachgereichten fremdsprachigen Eingabe führen die Beschwerde- führerin und ihr Ehemann die Entführungen des Sohnes B._______ zwar auf einen F._______ zurück. Diese Vermutungen wurden jedoch im Ver- laufe des weiteren Beschwerdeverfahrens nicht mit entsprechenden Be- weismitteln untermauert oder gar belegt, obwohl der Beschwerdeführerin E-5837/2015 Seite 11 hinreichend Gelegenheit eingeräumt worden ist, ihre Asylvorbringen ergän- zend zu begründen. Zusammenfassend ist daher festzust ellen, dass es den Beschwerdefüh- renden nicht gelungen ist, die Hintergründe der beiden Entführungen auf eine konkrete und detaillierte Weise zu schildern. Es kann daher nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass diese Entführungen einen gezielten und auf einem flüchtlingsbeachtlichen Verfolgungsmotiv beruhenden Hintergrund gehabt haben, weshalb deren Asylrelevanz abgesprochen werden muss. 4.4 Die Beschwerdeführerin verneinte in der Summarbefragung vom 10. Februar 2015 explizit, konkrete Probleme mit den heimatlichen Behör- den, mit der oppositionellen kurdischen Partei in Syrien (PYD; Partiya Ye- kitîya Demokrat, Partei der Demokratischen Union), den Rebe llen, der Freien Syrischen Armee (FSA) oder anderen Gruppierungen gehabt zu ha- ben. Zudem gab sie an, politisch nicht aktiv und niemals in Haft oder vor Gericht gewesen zu sein. Sie sagte zudem aus, nicht in irgendeiner Weise vom syrischen Bürgerkrieg direkt betroffen worden zu sein (vgl. Akte B4, S. 9 und 10, Frage 7.02,). Im Rahmen der einlässlichen Anhörung vom 6. Juli 2015 trug sie zwar vor, sie fürchte sich vor dem syrischen Regime, weil sie respektive verwandte Kaufleute Flüchtlingen aus Homs Unterstützung hätten zukommen lassen (vgl. Akte B15, Antworten 64 und 66). Als sie zu ihrer eigenen Beteiligung an dieser Unterstützung gefragt wurde, gab sie zu Protokoll, sie habe per- sönlich nichts weiter getan, als dem Chauffeur den Aufenthaltsort der Flüchtlinge zu zeigen (Antwort 91). Im weiteren Verlauf derselben Befra- gung gab sie zu Protokoll, sie habe keine Nachteile seitens des syrischen Regimes erlebt, die sie persönlich getroffen hätten (Antwort 130). Sie habe Syrien aus Angst vor dem Krieg, wegen der Kinder und weil sie wieder mit ihrem Ehemann habe zusammenkommen wollen, verlassen (Antwort 187). Bei dieser Sachlage ist nicht davon auszugehen, dass ein behördlicher Verdacht der Entfaltung politisch missliebiger Aktivitäten gegen die Be- schwerdeführerin oder ihre Kinder besteht oder diese aus einem derartigen Grund ins Visier der syrischen Sicherheitskräfte geraten sein könnten. 4.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass d ie Beschwerdeführenden im Zeitpunkt ihrer Ausreise keiner asylbeachtlichen Verfolgungssituation ausgesetzt waren und keine begründete Furcht vor Nachteilen im Sinne E-5837/2015 Seite 12 von Art. 3 Abs. 2 AsylG gehabt haben. Die Vorinstanz hat die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 4.6 Nachdem mit heutigem Urteilsdatum auch das Beschwerdeverfahren des Ehemannes und Vaters der Beschwerdeführenden abgewiesen und die vorinstanzliche Verfügung betre ffend Nichterfüllung der Flüchtlingsei- genschaft und Verweigerung des Asyls bestätigt wird, liegt auch kein Sach- verhalt vor, welcher eine Prüfung des Einbezugs in die Flüchtlingseigen- schaft von E._______ im Sinne von Art. 51 AsylG nach sich ziehen würde. 5. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 5.1 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 5.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 27. August 2015 die Beschwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Weg - weisungsvollzuges vorläufig aufgenommen. Praxisgemäss stellen sich in diesem Zusammenhang keine weiteren Fragen mehr, zumal die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind und bei Vorliegen eines dieser Hindernisse der Vollzug als nicht durchführbar gilt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens, und nachdem nicht um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ersu cht worden ist, sind die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 600.- den Beschwerdeführenden aufzuer- legen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). E-5837/2015 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: