Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 6. Dezember 2017 (810 17 96) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung / Straffälligkeit und Verhält- nismässigkeit Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Yves Thommen , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Alain Joset , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 0428 vom 28. März 2017) A. Der serbische Staatsangehörige A.____ (geboren 1 991) reiste im Rahmen des Fami- liennachzugs im Alter von acht Jahren gemeinsam mit seiner Mutter und drei Geschwistern zu seinem Vater in die Schweiz ein. Heute verfügt er ü ber eine Niederlassungsbewilligung. A.____ leidet an einem angeborenen invalidisierenden geist ig-kognitiven Gesundheitsschaden mit kon- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sekutiver Lernbehinderung und Verhaltensschwierigkeiten. Seit Oktober 2013 ist er Inhaber des Einzelunternehmens "B.____". B. Mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Basel-Landscha ft vom 9. April 2009 wurde A.____ wegen Nötigung und Tätlichkeiten für schuldig e rklärt und zu einer persönlichen Leis- tung von 8.5 Tagen, bei einer Probezeit von einem Jahr, verpflichtet. C. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern vom 19. Dezember 2014 wurde A.____ wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs zu ein er Busse in der Höhe von Fr. 400.-- verurteilt. D. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 19. N ovember 2015 wurde A.____ wegen qualifizierter und einfacher Widerhandlung gege n das Betäubungsmittelgesetz sowie Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstra- fe von 16 Monaten, bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 300.-- verurteilt. E. Am 20. Januar 2016 gewährte das Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM) A.____ das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Widerruf seiner N iederlassungsbewilligung und der Wegweisung aus der Schweiz, welches er mit Eingabe vom 2. März 2016 wahrnahm. F. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons B ern, Region Berner Jura-Seeland, vom 9. Mai 2016 wurde A.____ wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse in der Höhe von Fr. 200.-- verurteilt. G. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons B asel-Landschaft vom 16. Juni 2016 wurde A.____ wegen Führens eines Motorfahrzeugs t rotz abgelaufenem Führerausweis auf Probe zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 15 Tagessätzen à Fr. 50.--, bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 500.-- verurteilt. H. Mit Verfügung vom 27. Juni 2016 widerrief das AfM die Niederlassungsbewilligung von A.____ und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an. I. Die von A.____ dagegen erhobene Beschwerde vom 11. Juli 2016 wies der Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) mi t Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 0428 vom 28. März 2017 ab und verfügte, dass A.____ die Schweiz spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des RRB zu verlassen habe. J. Mit Eingabe vom 10. April 2017 erhob A.____, vertre ten durch Alain Joset, Advokat in Liestal, Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), mit den Begehren: 1. Der RRB N r. 0428 vom 28. März 2017 sowie die Verfügung des AfM vom 27. Juni 2016 seien aufzuheben u nd das AfM sei gerichtlich anzuwei- sen, dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung zu belassen resp. diesem eine Nie- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht derlassungsbewilligung zu erteilen; 2. Eventualiter se ien der RRB Nr. 0428 vom 28. März 2017 sowie die Verfügung des AfM vom 27. Juni 2016 aufzuheb en und die vorliegende Streitsache zur Neubeurteilung ans AfM zurückzuweisen; 3. Der vorliege nden Beschwerde sei insofern die aufschiebende Wirkung zu gewähren resp. zu belassen, als ihm zu gestatten sei, den Entscheid des Kantonsgerichts in der Schweiz abzuwarten; 4. Unter o/e-Kostenfolge. Am 12. Juni 2017 reichte er seine Beschwerdebegründung ein und beantrag t namentlich die Durchführung einer mündlichen Parteiverhandlung. K. Der Beschwerdegegner liess sich am 28. Juni 2017 verne hmen und schloss auf kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde. Eventualiter be antragt er, A.____ sei gerichtlich zu ver- warnen. L. Mit Verfügung vom 11. Juli 2017 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung im Rah- men einer Parteiverhandlung überwiesen. Ferner wurde n die Akten des Strafgerichts Basel- Landschaft beigezogen und dem Beschwerdeführer Frist bi s zum 30. November 2017 zur Ein- reichung eines aktuellen Auszugs aus dem Betreibungsregiste r des Kantons Basel-Landschaft gewährt. M. Mit Eingabe vom 30. November 2017 reichte der Beschw erdeführer einen aktuellen Betreibungsregisterauszug vom 28. November 2011 ein. N. An der heutigen Parteiverhandlung halten die Par teien vollumfänglich an ihren schrift- lich gestellten Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Der Beschwe rdeführer ist Adressat des ange- fochtenen Entscheids und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die vorliegen- de Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Gemäss Art. 34 des Bundesgesetzes über die Ausländ erinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 verleiht die Niederlassungsbewilligung einen zeitlich unbefristeten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem grundsätzlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf Aufenthalt in der Schw eiz auszugehen. Dieser gilt indes nicht absolut. Bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG kann die Niederlas- sungsbewilligung entzogen werden. 4.2 Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG kann die Nieder- lassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die auslän dische Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine strafrec htliche Massnahme im Sinne der Artikel 59 - 61 oder 64 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs ( StGB) vom 21. Dezember 1937 ange- ordnet worden ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in die- sem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Freihe itsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere unterjährige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 135 II 377 E. 4.2 und BGE 137 II 297 E. 2). Ke ine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (Urt eil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerruf ist überdies mög lich, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährdet hat (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Die Praxis geht hiervon aus, wenn die ausländische Person durch ihr Handeln beson ders hochwertige Rechtsgüter ver- letzt oder in Gefahr gebracht hat, sich von strafrechtlich en Massnahmen nicht beeindrucken lässt oder sich im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten (BG E 139 I 16 E. 2.1; Urteil des Bundesge- richts 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.2). Ein auf die genannten Bestimmungen gestützter Widerruf der Niederlassungsbewilligung kann auch dann erfolgen, wenn sich ein Ausländer – wie vorliegend der Beschwerdeführer – seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufgehalten hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 2). 4.3 Mit Urteil des Strafgerichts vom 19. November 2015 (Rektifikat vom 5. Januar 2016 betreffend Unterschrift) wurde der Beschwerdeführer zu einer bedingt vollziehbaren Freiheits- strafe von 16 Monaten verurteilt. Damit ist vorliegend eine längerfristige Freiheitsstrafe ausge- sprochen worden und demzufolge der Widerrufsgrund von A rt. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG gegeben, was vom Beschwerdefü hrer nicht bestritten wird. Ob das Verhalten des Beschwerdeführers zugleich als schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten ist, bedarf keiner nähe- ren Betrachtung, weil dieser Widerrufsgrund nur dann zur Anwendung gelangt, wenn es an den Voraussetzungen für einen Widerruf aufgrund der Verurt eilung zu einer längerfristigen Frei- heitsstrafe fehlt (BGE 135 II 377 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_888/2012 vom 14. März 2013 E. 3 und 2C_1029/2011 vom 10. April 2012 E. 3.1). 5.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes ist Grundvorausse tzung für den Widerruf der Bewilligung. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligu ng ist indes nur gerechtfertigt, wenn er sich gestützt auf eine im Einzelfall vorzunehmende Interess enabwägung als verhältnismässig Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht erweist (Art. 96 Abs. 1 AuG, BGE 135 II 110 E. 2.1; v gl. auch U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER / FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, N 521 ff.; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer - recht, 2. Auflage, Basel 2009, N 8.31). Diesbezüglich rügt der Beschwerdeführer, die Mass- nahme sei unverhältnismässig und verstosse gegen Art. 96 A bs. 1 AuG, Art. 5 Abs. 2 der Bun- desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 und Art. 8 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte u nd Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 bzw. A rt. 13 BV. Seine privaten Interessen seien höher zu gewichten als die öffentlichen Interessen an seiner Wegweisung. 5.2 Vorab ist deshalb fraglich, ob sich der erwachsene, ledige und kinderlose Beschwerde- führer überhaupt auf das Recht auf Achtung des Familien - und/oder Privatlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen kann. Das Verhältnis volljähriger Kinder zu ihren Eltern fällt nur in diesen Schutzbereich, wenn eine besondere Abhängigkeit besteht , welche über die normalen affekti- ven Bindungen hinausgeht (BGE 139 II 393 E. 5.1; BGE 137 I 154 E. 3.4.2). Vorliegend ist ein solches Abhängigkeitsverhältnis jedoch weder dargetan noch ersichtlich. Eine lange Anwesen- heit und die damit verbundene normale Integration g enügen nicht, um den Schutzbereich des Privatlebens zu bejahen; erforderlich sind besonders inte nsive, über eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gese llschaftlicher Natur (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_431/2016 vom 9. Januar 2017 E. 3.1 u nd 2C_1068/2015 vom 22. Februar 2016 E. 2.2.2; 2C_536/2013 vom 30. Dezember 2013 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 140 II 129; 2C_725/2014 vom 23. Januar 2015 E. 3.2; BGE 130 II 28 1 E. 3.2.1). Die Frage des Schutzbe- reichs kann indessen offen bleiben, da – wie nachfolgend aufzuzeigen ist – ein allfälliger An- spruch des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 8 Ziff . 2 EMRK ebenso zu bejahen wäre wie in Anwendung von Art. 96 Abs. 1 AuG. 5.3 Die konventionsrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ent- spricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. März 2 013 E. 3.1 mit Hinweisen). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die ö ffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, N 3 zu Art. 51 AuG). Ver- langt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehe nden privaten Interessen an der Er- teilung bzw. Belassung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat ver gangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwe- senheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden N achteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1). Die Niederlas- sungsbewilligung einer ausländischen Person, die sich scho n seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit besonderer Zurückhaltung widerrufen werden, doch ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn sie hier geboren ist und ihr ganzes Leben im Land verbracht hat (Urteile des Bundes gerichts 2C_368/2015 vom Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15. September 2015 E. 2.2; 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.4; Entscheid des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] i.S. Trabelsi gegen Deutschland vom 13. Oktober 2011 [Nr. 41548/06] § 53 ff.). Bei schwer en Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz besteht – überwiegende private oder famili äre Bindungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein schutzwürdiges öffentliches Interesse d aran, die Anwesenheit der ausländi- schen Person zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Ver hütung von (weiteren) Straftaten zu beenden. Bei schweren Straftaten, wozu auch Drogendeli kte aus rein finanziellen Motiven ge- hören können, muss zum Schutz der Öffentlichkeit auslände rrechtlich selbst ein geringes Rest- risiko weiterer Beeinträchtigungen wesentlicher Rechts güter nicht in Kauf genommen werden (BGE 139 I 16 E. 2.2.1 m.w.H.). 6.1 Der Beschwerdegegner erwog im streitgegenständlich en Entscheid, dass der Be- schwerdeführer aufgrund seines langen Aufenthalts in der Schweiz von über 16 Jahren zwar ein gewichtiges privates Interesse aufweise. Es sei jedoc h zu berücksichtigen, dass sich eine lange Aufenthaltsdauer aufgrund einer schlechten Integration und eines negativen persönlichen Verhaltens relativiere. Das persönliche Verhalten des Besch werdeführers sei als negativ zu bezeichnen und sein Verschulden in ausländerrechtlicher H insicht wiege schwer. Es sei ihm entgegenzuhalten, dass er bereits als Jugendlicher mit d em Gesetz in Konflikt geraten und in der Folge vom Strafgericht Basel-Landschaft wegen tei lweise qualifizierter Widerhandlung ge- gen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe v on 16 Monaten verurteilt worden sei. Weiter seien zwei Widerhandlungen gegen das Strassenver kehrsgesetz erfolgt (Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Berner Jura- Seeland, vom 9. Mai 2016 und Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft vom 16. Juni 2016). Entspre- chend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei bei Drogendelikten, welche aus rein finan- ziellen Motiven begangen worden seien, von schwerwiegen den Straftaten auszugehen. Zudem würden die wiederholten strafrechtlichen Verurteilun gen aufzeigen, dass sich der Beschwerde- führer wiederholt nicht an die schweizerische Rechtsordnu ng gehalten habe und offensichtlich auch nicht gewillt sei, dies künftig zu tun. Weder die ergangenen Vorstrafen noch die von der Vorinstanz in Aussicht gestellte Wegweisung habe den Besch werdeführer von seinem Fehlver- halten abzuhalten vermocht. Unter den gegebenen Umstä nden seien keine Anzeichen ersicht- lich, die darauf hindeuten würden, dass sich der Beschwe rdeführer inskünftig wohlverhalten werde. In diesem Zusammenhang falle die Verurteilung vom Mai 2016 besonders ins Gewicht, da der Beschwerdeführer dieses Delikt während des hängigen migrationsrechtlichen Verfahrens begangen habe. Zusammenfassend sei von einer ausländer rechtlich relevanten Rückfallgefahr auszugehen. In beruflicher Hinsicht sei festzuhalten, da ss der Beschwerdeführer über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfüge und kein regelmä ssiges Einkommen aus seiner selbständigen Tätigkeit nachzuweisen vermöge. Mangels ei nes Berufsabschlusses sei er über- dies keine gesuchte Fachkraft auf dem schweizerischen Ar beitsmarkt. Schliesslich ergebe sich aus dem aktuellen Betreibungsregisterauszug, dass elf Betr eibungen im Gesamtbetrag von Fr. 25'956.05 und drei offene Verlustscheine in der H öhe von insgesamt Fr. 1'143.05 auf ihn lauten würden. Auch wenn seine persönlichen Beziehunge n in der Schweiz sehr ausgeprägt seien, müsse aufgrund der wiederholten Delinquenz von einer missglückten sozialen Integration ausgegangen werden. Eine Rückkehr in sein Heimatland erweise sich als zumutbar. Demzufol- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ge seien der Widerruf der Niederlassungsbewilligung so wie die damit einhergehende Wegwei- sung als verhältnismässig zu qualifizieren. 6.2 Demgegenüber bringt der Beschwerdeführer in sein er Beschwerdebegründung vor, er sei neben der Verurteilung zu einer bedingt vollziehba ren Freiheitsstrafe in seinem gesamten Leben und damit auch in den vergangenen siebzehn Jahre n in der Schweiz grundsätzlich nicht negativ in Erscheinung getreten. Die beiden Bagatellve rstösse im Bereich des Strassenver- kehrsgesetzes würden daran nichts ändern. Auch die Anord nung zur persönlichen Leistung, welche er gemäss Jugendstrafrecht zu leisten gehabt habe, stelle eine strafrechtliche Bagatelle eines minderintelligenten Jugendlichen dar, welche übe r acht Jahre zurückliege und keinen Eintrag ins Strafregister nach sich gezogen habe. Darauf abzustellen, sei deshalb nicht statt- haft. Ein Eingriff in den Schutzbereich des Privat- sow ie Familienlebens sei nicht gerechtfertigt und eine Wegweisung würde gegen die EMRK verstossen. D ie Verhältnismässigkeitsprüfung habe klarerweise zu seinen Gunsten auszufallen: Er lebe seit rund achtzehn Jahren in der Schweiz, habe sämtliche Schulen hier absolviert und sein e gesamte Familie lebe hier. Im Zu- sammenhang mit der strafrechtlichen Verurteilung zu eine r Freiheitsstrafe gelte es zu berück- sichtigen, dass ihm kein klassischer Betäubungsmittelhande l vorgeworfen werde, sondern eine Anschubfinanzierung für den Erwerb von Marihuana und A mphetaminen. Im Tatzeitpunkt sei er keine zwanzig Jahre alt und aufgrund seiner Minderintell igenz in seiner Entwicklung zurückge- blieben gewesen. Aufgrund seines angeborenen invalidi sierenden geistig-kognitiven Gesund- heitsschadens leide er an einer Minderintelligenz. Den noch besitze er heute eine Einzelfirma, verdiene seinen Lebensunterhalt und sei wirtschaftlich unabhängig. Sämtliche Betreibungen gegen ihn seien zwischenzeitlich zurückgezogen resp. bezahlt worden und es blieben lediglich drei Verlustscheine mit niedrigen Beträgen übrig. Er kenne sein Heimatland nicht und sei seit seiner Einreise in die Schweiz nie dorthin zurückgekeh rt. Zusammenfassend erweise sich die angefochtene Verfügung bei korrekter Würdigung der tat sächlichen Umstände weder als recht- noch verhältnismässig. 6.3 Ausgangspunkt für die vorzunehmende ausländerrechtl iche Interessenabwägung ist die strafrechtliche Verurteilung des Beschwerdeführers u nd die Schwere seines Verschuldens. Ein schriftlich begründetes Urteil des Strafgerichts Basel- Landschaft befindet sich nicht in den Akten. Der Mitschrift der mündlichen Urteilsberatung des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 19. November 2015 lässt sich jedoch zur Strafzumessung des Beschwerdeführers entnehmen, dass das "Anstalten treffen" nicht zu einer Strafmilderung führe, weil er alles für den Erwerb von Drogen gemacht habe, was er habe tun müssen. Das Moti v des Beschwerdeführers sei Geld gewesen. Als Anfänger im Geschäft habe er jedoch keine gr osse kriminelle Energie aufgewie- sen. Er habe im Zeitpunkt des Strafverfahrens Reue und Einsicht gezeigt. Sein Verschulden sei zwar nicht zu bagatellisieren, aber aufgrund der zwischenze itlich legalen Erwerbstätigkeit sei ihm eine gute Prognose zu stellen (S. 2). Das Strafger icht Basel-Landschaft hat auf einen un- bedingten Teil der Strafe verzichtet und diese vollumf änglich bedingt ausgesprochen. Dies ist gemäss Art. 42 StGB dann möglich, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Die vom Be- schwerdeführer verübten Straftaten wiegen dennoch schwe r. Insofern ist mit dem Beschwerde- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegner festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer begang ene Rechtsgutverletzung ein ge- wichtiges öffentliches Interesse an seiner Wegweisung begründet. 6.4 Dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Be schwerdeführers sind dessen private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Entscheidend ist stets das Gesamtbild eines jeden Einzelfalles, welches anhand vo n sämtlichen der massgeblichen Kriterien zu beurteilen ist (BGE 139 I 145 E. 2.4). Die begangene Rechtsgutsverletzung kann zwar nicht mehr als geringfügige Delinquenz bezeichnet w erden. Der Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt der Tatbegehung jedoch 21 Jahre alt und gilt somit als junger Erwachsener. Zu- dem liegen die Delikte inzwischen fünf Jahre zurück. Zu b eachten ist, dass sein Aufenthalt an- gesichts seiner langen Aufenthaltsdauer und Verwurzelun g in den hiesigen Verhältnissen nur mit besonderer Zurückhaltung zu beenden ist. Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerde- führer im Alter von acht Jahren in die Schweiz einrei ste und hier sämtliche obligatorischen Schulen absolviert hat. Seit seiner Einreise in die Sch weiz ist er nie zurück in sein Heimatland gereist. Bezüglich seiner gesellschaftlichen Integration ist somit festzustellen, dass der Be- schwerdeführer seit 18 Jahren ununterbrochen in der S chweiz lebt und so gut Deutsch spricht, dass die heutige Befragung zu den im Raum stehenden Ma ssnahmen im hiesigen Dialekt durchgeführt werden konnte. Der Beschwerdeführer lebt zusammen mit zwei Geschwistern bei seiner Mutter. Gemäss seiner heutigen Ausführung lebt s eine gesamte Familie hier und er un- terhält keinerlei Beziehungen zu seinem Heimatland (vgl . Protokoll S. 2). In beruflicher Hinsicht kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer aufg rund seiner geistig-kognitiven Be- einträchtigung eine Kostengutsprache der IV-Stelle fü r die erstmalige berufliche Eingliederung erhalten hat und er zunächst einen Jahreskurs im Rahmen des Jugendförderkurses des "C.____" absolvierte (Verfügung der IV-Stelle vom 27. Juli 2009, Bericht der IV-Stelle vom 27. November 2008, Bildungszeugnis D.____ Genossenschaft vom 31. Juli 2012, Beilage 1 zur Beschwerde vom 19. September 2016). In der Folge erhi elt er von der IV-Stelle eine Kosten- gutsprache für die erstmalige berufliche Ausbildung zu m Logistiker EBA ab August 2010 (Ver- fügung der IV-Stelle vom 17. Juni 2010). Den Berufsab schluss als Logistiker hat er gemäss Aktenlage knapp nicht geschafft (vgl. Notenausweis des A mtes für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen des Kantons Solothurn vom 26. Juni 2012, Beil age 3 des rechtlichen Gehörs vom 2. März 2016). Der Beschwerdeführer führt an der heut igen Parteiverhandlung zwar aus, seine Berufslehre erfolgreich abgeschlossen zu haben (vgl. Pro tokoll S. 3). Diese Behauptung belegt er jedoch nicht, weshalb gestützt auf die Verfahrensakten weiterhin davon auszugehen ist, dass dies nicht der Fall ist. Seit Oktober 2013 ist der Beschw erdeführer als Einzelunternehmer im Transportwesen tätig (vgl. Tagesregister des Handelsregist ers Kanton Basel-Landschaft vom 29. Oktober 2013). Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung erklärt er ferner, dass er als Sub- unternehmer Aufträge erhalte und er feste Touren fah re. Mit der Selbständigkeit verdiene er seinen Lebensunterhalt und habe seither keiner Unterstüt zung von seiner Familie mehr bedurft (vgl. Protokoll S. 2). Ins Gewicht fällt weiter, dass der Beschwerdeführer zu keiner Zeit Sozialhil- feleistungen oder anderweitige Leistungen von der öffentlichen Hand bezog und die auf ihn ver- zeichneten Betreibungen hat er gemäss dem aktuellen Bet reibungsregisterauszug vom 28. November 2017 zwischenzeitlich bereinigt. Es sind einzi g noch drei Verlustscheine über niedrige Beträge registriert, welche der Beschwerdefü hrer gemäss seiner heutigen Aussage ebenfalls zu tilgen beabsichtigt (vgl. Protokoll S. 3) . Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass es dem Beschwerdeführer seit Oktober 2013 offenbar g elungen ist, sich in beruflich- wirtschaftlicher Hinsicht zu integrieren und ein regelm ässiges Einkommen zu erzielen. Die In- tegration des Beschwerdeführers, dessen gesamtes familiäres, soziales und berufliches Umfeld sich in der Schweiz befindet, kann damit als gelungen beze ichnet werden. Es kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer bis anhin nie fremdenpolizeilich verwarnt worden ist. Seine Bemü- hungen, ein geregeltes und konfliktfreies Leben zu führe n, wie er es anlässlich der heutigen Parteiverhandlung beteuert, sind als ernsthaft zu bezei chnen. Zusammenfassend führen die obenstehenden Erwägungen deshalb zum Schluss, dass angesi chts der langen Anwesenheits- dauer sowie der Verwurzelung hier in der Schweiz das öf fentliche Interesse an seiner Fernhal- tung das private Interesse des Beschwerdeführers an eine m Verbleib in der Schweiz nicht zu überwiegen vermag. 6.5 Vor diesem Hintergrund erweist sich der vom Beschwerd egegner geschützte Widerruf der Niederlassungsbewilligung mit Blick auf die privaten Interessen des Beschwerdeführers als unverhältnismässig. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 7.1 Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, abe r den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). Di e Verwarnung soll als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsprinzips verhindern, dass es überhaupt zu einer aufenthaltsbeendenden Massnahme kommt, und den Betroffenen auf sein problemat isches Verhalten zu einem Zeit- punkt hinweisen, in welchem sich die Anordnung der anged rohten Massnahme gerade noch nicht rechtfertigt (Urteil des Bundesgerichts 2C_114/2012 vom 26. März 2013 E. 1.1). 7.2 Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer noch nie ver- warnt wurde. Er ist jedoch mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass er trotz langer Anwesenheit mit dem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung rechnen muss, sollte er erneut in relevanter Weise straffällig werden oder in relevanter Weise geg en die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gef ährden oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährden und damit das durch das G ericht in ihn gesetzte Vertrauen miss- brauchen. Der Beschwerdeführer wird in diesem Sinne au sdrücklich verwarnt (Art. 96 Abs. 2 AuG). 8.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowi e die Beweiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auf- erlegt. Vorinstanzen werden nur dann Verfahrenskosten auferlegt, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dementsprech end sind im vorliegenden Verfah- ren keine Verfahrenskosten zu erheben. Der geleistete Ko stenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 8.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zu Lasten der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausgan g des Verfahrens ist dem Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung zulasten des Be schwerdegegners zuzusprechen. In seiner Honorarnote vom 30. November 2017 macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Aufwand von 12.25 Stunden à Fr. 250.-- und Spe sen in der Höhe von Fr. 127.70 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Für die heutige Parteiverh andlung werden dem Rechtsvertreter weitere zwei Stunden zugesprochen. Demzufolge hat der Beschwerdegegner dem Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'985.40 (inkl. Auslagen sowie 8 % MWST) zu bezahlen. 8.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrats des Kantons Basel-Landschaft Nr. 0428 vom 28. März 2017 aufgehoben. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägunge n ausländerrechtlich verwarnt. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gele istete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- wird dem Beschwerdefü hrer zurück- erstattet. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3 '985.40 (inkl. Aus- lagen und 8 % MWST) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin