BRKE II Nrn. 130 und131/2001 vom 12. Juni 2001 in BEZ 2001 Nr. 33 9. a) Die Immissionsgrenzwerte gelten überall d ort, wo sich Menschen normale r- weise aufhalten können (Art. 13 Abs. 1 NISV). Massgebend ist dabei die gesamte Stra h- lung, welche an einem bestimmten Ort von allen vorhandenen Strahlungsquellen insg e- samt verursacht wird (Art. 5 Abs. 1 NISV). Damit wird der Be stimmung von Art. 8 USG Nachachtung verschafft, wonach Einwirkungen s owohl einzeln als auch gesamthaft und nach ihrem Z usammenwirken beurteilt werden müssen. Ist also nicht auszuschliessen, dass bestehende Mobilfunk- Basisstationen oder andere Antennen die Immissionsbilanz einer neu zu beurte ilenden Anlage in rechtlich relevanter W eise beeinflussen können, so ist eine G esamtberechnung vorzunehmen. Unabdingbar für einen solchen Einbezug ist aufgrund des U mstands, dass die von einer Antennenanlage ausgehenden elektro- magnetischen Auswirku ngen mit wachsendem Abstand nicht linear, sondern expone n- tiell abnehmen, vor allem eine relativ geringe Distanz zwischen den betre ffenden Statio- nen. Bis zu welcher Distanz best ehende Telekommunikationsanlagen bei der Immiss i- onsgrenzwertberechnung zu berücksic htigen sind, hängt im Einzelfall vornehmlich von deren Leistungsstärke ab. Gemäss ständiger Praxis der Baurekurskommissionen sind aber bestehende Mobilfunkantennen, welche we iter als 100 m von der zu beurteilenden Neuanlage entfernt sind, für die Eruierung e iner rechtsgenügenden Immissionsbilanz in aller Regel nicht notwendig (BEZ 2000 Nr. 48). Dass im vorliegenden Fall bestehende Mobilfunk -Basisstationen im Sinne von Art. 8 USG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 NISV in die Immi ssionsgrenzwerteruierung einbezogen werden müssten, macht die Vorinstanz zwar nicht geltend. Hingegen ve r- langt sie den Ei nbezug der von den Fahrleitungen der SBB verursachten elektromagn e- tischen Immissionen. Diese Leitungen werden mit 15 kV -Einphasenwechselstrom im Niederfrequenzbereich von 16 2/3 Hz gespiesen. Gemäss Art. 13 NISV wird die für die Immissionsgrenzwertbestimmung massgebende elektromagnetische Gesamtstrahlung nach den Summierungsvorschriften in Ziffer 222 Anhang 2 der Verordnung ermittelt. Die dortigen Vorschriften gelten jedoch nur für Hochfrequenzfelder im Bereich zwischen 100 - 2 - kHz und 300 GHz. Für ni ederfrequente Felder bis 100 kHz, wie sie von den Bahnfahrle i- tungen der SBB verursacht werden, wurden andere Summierungskriterien festgelegt (vgl. Ziffer 221 Anhang 2 NISV). Bei der Eruierung der Immissionsgrenzwerte von Mobi l- funk-Basisstationen im Sinne von Art. 5 Abs. 1 NISV sind deshalb Felder von niederfr e- quenten Strahlungsfeldern nicht aufz usummieren (BUW AL, Schriftenreihe Umwelt Nr. 302, Nichtionisierende Strahlung, Bern 1998, S. 21, Ziffer 2.3.6 Abs. 2; BUW AL, Erläu- terungen zum Entwurf eines neuen Standor tdatenblattes vom 20. März 2001, S. A -1;). Folglich sind die Fahrleitungen auf dem Areal des Bahnhofs X. entgegen der vorinstan z- lichen Auffassung immissionsrechtlich ohne Bedeutung. b) W ie in Art. 11 NISV vorgeschrieben, hat die Rekurrentin die elektromagnet i- schen Auswirkungen der von ihr geplanten Basisstation auf die Umgebung mittels sog e- nannter Standortdatenblätter (durch das BUW AL konzipi erte Prüfungsblätter) eruiert, welche Bestandteile der jeweiligen Baugesuche waren. Ein solches Standortdatenblatt muss folgende Angaben enthalten: Die aktuellen und/oder geplanten technischen und betrieblichen Daten der Anlage, soweit sie für die Erzeugun g von Strahlung massg e- bend sind (Art. 11 Abs. 2 lit. a NISV); den massgebenden Betriebszustand nach Anhang 1 der Verordnung (Art. 11 Abs. 2 lit. b NISV); ferner die Angaben über die von der Anl a- ge erzeugte Strahlung an dem für Menschen zugänglichen Ort mit der stärksten Stra h- lung, an den drei Orten mit empfindlicher Nutzung, an denen diese Strahlung am stärk s- ten ist, und an allen Orten, an denen der Anl agegrenzwert nach Anhang 1 der Veror d- nung überschritten ist (Art. 11 Abs. 2 lit. c NISV); schliesslich ein en Situationsplan, der die Angaben nach lit. c darstellt (Art. 11 Abs. 2 lit. d NISV). Ohne diese Angaben kann in der Regel keine gesetzeskonforme Ermittlung der I mmissionen und deren Beurte ilung durch die zuständigen Behörden erfolgen. Die Rekurrentin hat die elektromagnetischen Auswirkungen ihrer auf dem Bah n- hofsgebäude geplanten Basisstation im wesentlichen aufgrund der bestehenden Übe r- bauungsstruktur ermittelt und ist dabei zum Schluss gekommen, dass die Immissions - und Anlagegrenzwerte eingehalten seie n. Ziffer 65 Anhang 1 NISV schreibt die Einha l- tung des Anlag egrenzwertes an allen Orten mit empfindlicher Nutzung vor. Zu diesen gehören u.a. Räume, in denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit aufha l- ten (Art. 3 Abs. 3 lit. a NISV). Gemäss Art. 3 Ziffer 3 lit. c NISV ist diese Regelung nicht nur auf bestehende Bauten anwendbar, sondern auch auf noch unüberbaute Flächen, auf welchen solche Rä ume mit empfindlicher Nutzung künftig realisiert werden können. Massgebend für die Bestimmung möglicher kü nftiger Orte mit empfindlicher Nutzung sind im wesentlichen die Überbauung smöglichkeiten aufgrund der im Zeitpunkt der I m- missionsbeurteilung geltenden Bauvorschri ften (BEZ 2000 Nr. 61). Vorliegend sind im Bereich des Bahnhofsareals zwei Überbauungen geplan t, näm- lich "Bahnhof -Süd" und "Bahnhof -Nord". Für die Überbauung "Bahnhof -Süd" wurde im Jahre 2000 ein W ettbewerb durchgeführt; das Siegerprojekt ist in der Zwischenzeit zur Weiterbearbeitung empfohlen worden. Das Baugesuch für die W ohnüberbauung "Bahn- hof-Nord" wurde im Frühjahr 2000 bei der kommun alen Baubehörde eingereicht. W egen diverser baurechtlicher Mängel verweigerte die Vorinstanz jedoch die Baubewilligung. Das Projekt wird zur Zeit überarbeitet. Im Rahmen dieser beiden Überbauungen werden zahlreiche Räume realisiert werden, die Orte mit empfindlicher Nutzung im genannten Sinn darstellen. Sie werden teilweise erheblich näher beim Antennenstandort liegen als bestehende, dem regelmässigen Aufenthalt von Personen dienende Räume und so mit Bestimmtheit zu jenen drei Orten mit empfindlicher Nutzung im Sinne von Art. 11 Abs. 2 lit. c Ziffer 2 NISV gehören, an denen die Strahlung am stärksten sein wird und wofür - 3 - von Gesetzes wegen der Anlagegrenzwert eruiert werden muss. Im Standortdatenblatt für das erste Ba ugesuch fehlt der Einbezug künftiger Orte mit empfindlicher Nutzung völlig. Im Standortdatenblatt für das abgeänderte zweite Baug e- such wurden zwar zwei Berechnungspunkte (Punkte 7 und 8) bestimmt, die gemäss den Ausfü hrungen der privaten Rekursgegnerin im Bereich der geplanten Überbauu n- gen rund 25 m bzw. 43 m vom Antennenstandort entfernt liegen sollen. Ein Vergleich mit den Katasterpl änen der vorgesehenen Übe rbauungen "Bahnhof -Süd" und "Bahnhof - Nord" zeigt jedoch, dass mit Bestimmtheit näher beim Antennen standort situierte Orte mit empfindlicher Nu tzung realisiert werden können. W o und wie diese im Detail zu li e- gen kommen könnten, geht a llerdings aus den Baugesuchsunterlagen nicht hervor. Erst recht wurde im Rahmen des Baugesuchs nicht abgeklärt, ob aufgru nd der geltenden Bauvorschriften "theoretisch" noch näher bei der Basisstation gelegene Räume mit em p- findlicher Nutzung erstellt werden kö nnen. Dies wäre nach den voranstehenden Darl e- gungen für eine gesetzeskonforme Immissionsabklärung unabdingbar. Die Sta ndortdatenblätter der strittigen Baugesuche genügen damit den Anford e- rungen von Art. 11 Abs. 2 lit. c NISV nicht; eine rechtsgenügende Eruierung des Anl a- gegrenzwertes aufgrund der eingereichten Standortdatenblätter ist unter diesen Umständen nicht möglich. Es ist nicht Aufgabe der Rekursinstanz, Vergleichsprojekte für die Überbauung des streitb etroffenen Areals zu erstellen und alsdann die massgebenden Orte mit empfindlicher Nutzung für die Anlag egrenzwertberechnung zu bestimmen. Dies würde den Rahmen der Offizial- und Untersuchungsmaxime bei weitem sprengen. De mzufolge hat die Vorinstanz die nac hgesuchten Bewilligungen zu Recht verweigert; die Rekurse sind abzuweisen.