Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 11. Dezember 2018 (430 17 304) ____________________________________________________________________ Immaterialgüterrecht Urheberrecht: Prüfung der Frage, ob eine Miturheberschaft vorliegt Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richterin Barbara Jermann Richter- ich (Ref.), Richter Dieter Freiburghaus; Gerichtsschreiberin Karin Arber Parteien A. ____ vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Ruedi Lang, Ottostrasse 17, 8005 Zürich, Klägerin gegen B. ____ vertreten durch Advokat Roger Wirz, Advokatur am Fischmarkt, Fisch- markt 12, 4410 Liestal, Beklagter 1 C. ____ vertreten durch Advokat Roger Wirz, Advokatur am Fischmarkt, Fisch- markt 12, 4410 Liestal, Beklagter 2 Gegenstand Urheberrecht Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. B.____ gestaltete handliche Sachbücher mit Kurzporträt s von Vögeln in zwei Bänden (Singvögel und Nichtsingvögel), welche für den einfachen Gebrauch im Feld bestimmt waren. In den Jahren 2001 bis 2004 erschienen die ersten drei Auflagen. An der 4. Auflage vom Mai 2010 und der 5. Auflage vom April 2014 arbeitete A.____ mit. In der Folge entstand ein Streit über die Qualifizierung von deren Mitarbeit. Während sich A.____ als Miturheberin der 4. und 5. Auflage mit dem Titel „Ornithologische Steckbriefe“ sieht, erachtet B.____ ihren Beitrag als Lektorat. B. Mit Klage vom 13. September 2017 betreffend Urheberrecht an das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, stellte A.____, vert reten durch Rechtsanwalt Ruedi Lang, ge- gen B.____ (Beklagter 1) und gegen den C.____ (Beklagter 2) folgende Rechtsbegehren: 1. Es sei festzustellen, dass die Klägerin A.____ Miturh eberin der Buchausgaben „Ornitholo- gische Steckbriefe“ Auflage 5 vom April 2014 (2 Bände: Singvögel und Nichtsingvögel) Auf- lage 4 vom Mai 2010 (2 Bände: Singvögel und Nichtsingvögel) ist, dies zusammen mit dem Beklagten 1. 2. Es sei dem Beklagten 1 und der Beklagten 2 unter And rohung der Bestrafung im Ungehor- sams-Falle zu verbieten, ohne Zustimmung der Klägerin eine neue Auflage der Ornithologi- schen Steckbriefe zu erstellen. Im Weiteren sei dem Beklagten 1 und der Beklagten 2 unter Androhung der Bestrafung im Ungehorsams-Falle zu verb ieten, die genannten Auflagen 4 und 5 der Ornithologischen Steckbriefe ohne Zustimmung der Klägerin in irgendeiner an- dern medialen Form als die bisher herausgegebenen Han dbücher zukünftig weiterzuver- breiten und zu veröffentlichen. Darüber hinaus seien d er Beklagte 1 und die Beklagte 2 zu verpflichten, die Klägerin zusammen mit dem Beklagten 1 als Miturheber der 4. und 5. Auf- lage der Ornithologischen Steckbriefe ausdrücklich zu nennen. 3. Es sei dem Beklagten 1 und der Beklagten 2 unter And rohung der Bestrafung im Ungehor- sams-Falle zu verbieten, gegenüber Dritten kundzutun, die Klägerin sei nicht Mitautorin der obgenannten Auflagen 4 und 5 der Ornithologischen Steckbriefe. Zudem sei die Beklagte 2 zu verpflichten, im D.____ und im C.____ Shop die Ste llung der Klägerin als Mitautorin zu- sammen mit B.____ wieder ausdrücklich zu benennen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich M ehrwertsteuer) zu Lasten der Beklagten1 und 2. C. Nachdem die Beklagtenparteien, vertreten durch Advokat R oger Wirz, mit Klagantwort vom 4. Dezember 2017 die Abweisung der Klage beantragt en, wurde am 5. März 2018 eine Instruktionsverhandlung vor der Präsidentin der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts durch- geführt, an welcher die Parteien übereinkamen, dass d as Verfahren zum Führen von weiteren Vergleichsgesprächen sistiert werden soll. In der Folg e wurde das Verfahren sistiert. Nachdem sich die Parteien aussergerichtlich nicht einigen konnten, wurde das Verfahren fortgeführt und der zweite Schriftenwechsel angeordnet. Mit Replik vom 14. August 2018 und Duplik vom 19. September 2018 hielten die Parteien je an ihren Rechtsbegehren fest. Mit Verfügung vom 25. September 2018 schloss die Abteilungspräsidentin de n Schriftenwechsel und lud die Par- teien zur Hauptverhandlung vor die Dreierkammer vor. Weiter forderte sie von den Parteien noch verschiedene Unterlagen ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Am 11. Dezember 2018 fand die Hauptverhandlung vor de r Dreierkammer des Kantons- gerichts, Abteilung Zivilrecht, statt. Eingangs wurden noch einmal erfolglos Vergleichsbemü- hungen getätigt. Anschliessend wurden die Parteien befragt, wobei die Befragung nach Art. 191 ZPO mit Tonaufnahme erfolgte. Danach hielten die Re chtsvertreter ihre Plädoyers. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit wurde die Parteiverhandlu ng nach den mündlichen Ausführungen geschlossen und der Entscheid von der Dreierkammer in Bedacht genommen. Erwägungen 1. Der Beklagte 1 hat Wohnsitz in Münchenstein BL. Der Be klagte 2 ist ein im Handelsregis- ter nicht eingetragener Verein mit Sitz in Liestal BL . Vorliegend geht es um die Frage der Mitur- heberschaft nach dem Bundesgesetz über das Urheberrecht un d verwandte Schutzrechte (Ur- heberrechtsgesetz, URG) und somit um eine Streitigkei t im Zusammenhang mit geistigem Ei- gentum. Für solche sieht Art. 5 Abs. 1 lit. a ZPO eine einzige kantonale Instanz vor und das Schlichtungsverfahren entfällt (Art. 198 lit. f ZPO). Die sachliche Zuständigkeit der Dreierkam- mer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts ergibt sich aus § 6 Abs. 1 lit. a des Einfüh- rungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG Z PO). Es kommt das ordentliche Verfahren gemäss Art. 219 ff. ZPO zur Anwendung. 2. Die Klägerin offerierte an der Hauptverhandlung Unte rlagen zu weiteren Beispielen ihrer Mitarbeit an den Ornithologischen Steckbriefen. Die Beklagten beantragten, diese Beweisanträ- ge aus dem Recht zu weisen. Die Beklagtenparteien ihrerse its reichten an der Hauptverhand- lung zwei Bücher ein, für welche die Klägerin beantra gte, diese Bücher nicht zu den Akten zu nehmen. 2.1 Im vorliegenden Verfahren wurden ein doppelter Schri ftenwechsel sowie eine Instrukti- onsverhandlung durchgeführt. Folglich können in Anwendu ng von Art. 229 Abs. 1 ZPO die an der Hauptverhandlung eingereichten Beweismittel nur n och berücksichtigt werden, wenn sie ohne Verzug vorgebracht wurden und erst nach Abschluss de s Schriftenwechsels oder nach der letzten Instruktionsverhandlung entstanden oder gefunden worden sind (lit. a, echte Noven), oder bereits vor Abschluss des Schriftenwechsels oder vor der letzten Instruktionsverhandlung vorhanden waren, aber trotz zumutbarer Sorgfalt nicht v orher vorgebracht werden konnten (lit. b, unechte Noven). 2.2 Die Unterlagen, welche die Klägerin an der Hauptve rhandlung offerierte (Beispiele der Mitarbeit der Klägerin bei weiteren Vogelarten), ste llen unechte Noven dar. Die Klägerin be- gründet die Zulässigkeit dieser Noven damit, dass die Ge genseite Listen mit falschen Angaben unterbreitet habe. Die Qualifikation der Klägerin al s Urheberin war von Anfang an umstritten und die Beklagten reichten bereits mit der Klagantwo rtbeilage 9 Listen zu Seitenumfang, Kapi- tel, Wörter, Zeichen, Glossar und Lektorats-Auswertung ein, welche den Umfang der Mitarbeit der Klägerin aufzeigen sollen. Die Klägerin war dahe r gehalten, ihre Mitarbeit bereits in den Rechtsschriften umfassend darzulegen. Die erst an der Hau ptverhandlung offerierten Beweis- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht unterlagen zu weiteren Beispielen der Mitarbeit der Klägerin erfolgten somit zu spät und hätten spätestens mit der Duplik vorgebracht werden können und müssen. Diese Beweisofferten der Klägerin sind daher abzuweisen. 2.3 Die Beklagtenparteien reichten an der Hauptverhandlu ng zwei Bücher ein. Beim einen Buch handelt es sich um den „Schweizer Brutvogelatlas 2 013-2016“ der Schweizerischen Vo- gelwarte. Dazu führten die Beklagen aus, dieser Atlas s ei erst im November 2018 und somit nach dem Schriftenwechsel erschienen. Die Klägerin best reitet dies nicht, macht jedoch gel- tend, dieses Buch habe nichts mit dem vorliegenden Fall zu tun. Da der Brutvogelatlas unbe- strittenermassen nach dem Schriftenwechsel herausgegebe n wurde, handelt es sich um ein echtes Novum. Ob es sich beim anderen Buch „Die Vögel Mit teleuropas im Porträt“ auch um ein echtes Novum handelt, erschliesst sich dem Gericht ni cht. Zwar ist als Erscheinungsjahr ebenfalls 2018 angegeben, es wurde jedoch nicht ausgefü hrt, in welchem Monat dieses Buch erschienen sein soll. Unabhängig davon, ob es sich bei bei den Büchern um echte Noven han- delt oder nicht, haben diese Bücher allerdings mit dem vorliegenden Fall nichts zu tun und sind für die in casu zu beurteilenden Sachverhalts- und Rech tsfragen nicht von Bedeutung, so dass sie bei den weiteren Erwägungen ohnehin keine Beachtun g finden werden. Insofern stellen die beiden von den Beklagtenparteien eingereichten Bücher untaugliche Beweismittel dar und sind gestützt auf Art. 152 Abs. 1 ZPO aus dem Recht zu weisen. 3. Vorliegend ist die Gewichtung der Mitarbeit der Kläg erin an den Sprachwerken „Ornitho- logische Steckbriefe“ in der 4. Auflage vom Mai 2010 u nd in der 5. Auflage vom April 2014 strit- tig. Nicht bestritten ist, dass der Beklagte 1 die ersten drei Auflagen mit dem Titel „Vogelpor- traits“ (1. und 2. Auflage) bzw. „Kurzportraits“ (3. Au flage) alleine erarbeitete, welche jeweils in zwei Bänden herausgegeben wurden: ein Band mit dem Untertitel „Passeres“ (= Singvögel) und ein Band mit dem Untertitel „Nonpasseriformes“ (= Nicht singvögel). In der 4. und 5. Auflage dieser Handbücher arbeitete die Klägerin mit. Die Büch er erschienen in diesen Auflagen neu mit dem Titel „Ornithologische Steckbriefe“ und es erschi enen jeweils ebenfalls zwei Bände mit den Untertiteln „Passeriformes – Singvögel“ und „Nonpa sseriformes – Nichtsingvögel“. Umstrit- ten ist, wie die Mitarbeit der Klägerin zu qualifizier en ist bzw. ob es sich um eine Miturheber- schaft (Auffassung der Klägerin) oder um ein Lektorat (Meinung der Beklagtenparteien) handelt. 4. Vorab ist darauf einzugehen, was mit dem URG überhaupt geschützt wird. 4.1 Entsprechend der Definition gemäss Art. 2 Abs. 1 URG si nd Werke, unabhängig von ih- rem Wert oder Zweck, geistige Schöpfungen der Literatu r und Kunst, die individuellen Charak- ter haben. Dazu gehören nach Art. 2 Abs. 2 lit. a UR G insbesondere auch literarische, wissen- schaftliche und andere Sprachwerke. Massgebend ist, dass sä mtliche drei Elemente, nämlich das Vorliegen einer „geistigen Schöpfung“ und die Kriterien der „Literatur oder Kunst“ sowie des „individuellen Charakters“ kumulativ erfüllt sind (R EHBINDER /V IGANÒ , URG-Kommentar, 3. Aufl. 2008, Art. 2 N 1). Als geistige Schöpfung muss das Werk auf menschlichem Willen beruhen; es muss Ausdruck einer Gedankenäusserung sein (BGE 130 III 1 68 E. 4.5). Das entscheidende Kriterium liegt in der Individualität, die im Werk se lber zum Ausdruck kommen muss. Gemäss der neueren Rechtsprechung sind an das Mass der geisti gen Leistung, an den Grad der Indivi- dualität oder Originalität nicht stets gleich hohe An forderungen zu stellen, sondern diese hän- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen vom Grad der schöpferischen Freiheit ab. Wo dem Wesen des Objekts nach nur wenig Spielraum besteht, beispielsweise bei wissenschaftlichen W erken, ist der urheberrechtliche Schutz schon gewährt, wenn bloss ein geringer Grad schöpf erischer Tätigkeit vorliegt (BGE 136 III 225 E. 4.2 = Pra 11/2010 Nr. 130). Es muss stets beurteilt werden, ob ein schöpferischer Spielraum besteht und ob dieser in einem Masse genutzt wird, dass von Individualität und Ori- ginalität überhaupt noch die Rede sein kann. Bei wissen schaftlichen Werken drückt sich die Individualität nur in der Form aus, da der Inhalt gru ndsätzlich durch die Sachlogik vorgegeben ist (BGE 113 II 306; REHBINDER /V IGANÒ , a.a.O., Art. 2 N 1 lit. c). 4.2 Vorliegend hatte der Beklagte 1 im Jahr 1997 die Idee , ein kompaktes Kompendium über die in der Schweiz beobachtbaren Vogelarten zu schaffen, das die Informationen aus der Litera- tur und anderen Quellen systematisch auswertet und nach e inem klaren und durch das ganze Werk hindurch geltenden Ordnungssystem zusammenführt. Die B ücher waren als Handbuch zur bequemen Mitführung auf Exkursionen im Feld ausgelegt, mit dem Ziel, sich gezielt, schnell und umfassend im Feld orientieren zu können. Entspreche nd wurden die Bücher in einem klei- nen, handlichen Format mit Ringbindung herausgegeben. Die Beschreibungen der Vögel erfolg- ten in kompakter Form, mit viel Text und kleiner Schrift , um möglichst viele Informationen (Zah- len, Daten, Fakten) aufzuführen. Fotos der Vögel waren in diesen Büchern nicht enthalten. Zum Konzept gehörte auch, dass jedes Vogelportrait auf einer Doppelseite dargestellt wurde, und dass die Vögel aufgeteilt sind in Sing- und Nichtsingvö gel, welche je in einem Band zusam- mengefasst wurden. Jede beschriebene Vogelart wurde in identischen Kapiteln dargestellt. Das Werk bietet in einem Anhang zudem kompakte zusätzliche Info rmationen aus verschiedenen Quellen sowie ein Glossar, in welchem die in den Bände n verwendeten Fachausdrücke be- schrieben werden. Dieses Gesamtkonzept macht den individu ellen Charakter und damit die Werkeigenschaft dieser Bücher aus. 5. Die Parteien haben über ihre Zusammenarbeit keinen Ve rtrag geschlossen, aus welchem hervorgehen würde, welches die Aufgaben der Klägerin i m Zusammenhang mit den 4. und 5. Auflagen der Ornithologischen Steckbriefe waren bzw. ob sie als Lektorin oder allenfalls als Miturheberin mitwirkte. Es gilt daher zu prüfen, ob di e konkrete Mitarbeit der Klägerin Miturhe- berschaft begründet hat. 6. Das Gesetz umschreibt in Art. 6 URG den Urheber oder die Urheberin als natürliche Per- son, die das Werk geschaffen hat. Urheber ist derjenige, der eine geistige Schöpfung erbracht hat. Der Schöpfungsakt ist kein Rechtsgeschäft, sondern ein faktischer Vorgang, ein Realakt (REHBINDER /V IGANÒ , a.a.O., Art. 6 N 1 ff.). In Fällen, in denen die Einflussnahme durch einen Dritten für die Individualität des Werkes bestimmend i st, dürfte allenfalls Miturheberschaft vor- liegen. Die Miturheberschaft ist in Art. 7 URG gerege lt. Haben mehrere Personen als Urheber oder Urheberinnen an der Schaffung eines Werks mitgewi rkt, so steht ihnen das Urheberrecht gemeinschaftlich zu (Art. 7 Abs. 1 URG). Miturheber ist nur, wer durch eigene schöpferische Leistung bei der Entstehung eines Werks beteiligt war u nd auf tatkräftige Weise an der endgül- tigen Bestimmung des Werks oder an seiner Ausführung mitwirkte. Der Beitrag des Miturhebers kann in der Form oder in der Struktur des Inhalts liege n, wobei die Leistung das erforderliche individuelle Gepräge aufweisen muss (BGE 136 III 230 E. 4.3 = Pra 11/2010 Nr. 130). Die Mi- turheberschaft setzt eine schöpferische Zusammenarbeit a m Gesamtwerk voraus, die Verstän- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht digung über eine gemeinsame Aufgabe, eine gegenseit ige Unterordnung unter eine Ge- samtidee und ein gemeinsames Ziel. Massgeblich ist, dass die Schöpfung der einzelnen Beiträ- ge im Hinblick auf ein Kollektivwerk im wechselseitigen Zusammenwirken erfolgt, wobei der Urheber des Beitrags sein Schaffen diesem gemeinsamen Z iel unterordnet (Bger 2A.288/2002 vom 24. März 2003, E. 3.4.2). Diese Art und Weise der Werkschöpfung und nicht das Kriterium der Trennbarkeit der einzelnen Beiträge ist für die Subsumierung unter Art. 7 URG entschei- dend. Die Miturheberschaft ist von der blossen Anregung (z.B. Beratung, Lektorat, Drehbuchbe- ratung) oder Gehilfenschaft zu unterscheiden. Wer das We rk nach den Weisungen eines ande- ren derart erstellt oder so bearbeitet, dass seine Ausführung eine untergeordnete Leistung ohne eigene Individualität darstellt, ist lediglich Gehilfe des Urhebers. Die Abgrenzung kann im Ein- zelfall allerdings schwierig sein, insbesondere wenn si ch im arbeitsteiligen Umfeld die zunächst vorgesehene Aufgabenverteilung verändert, so beispielsweise wenn sich der ursprüngliche Ge- hilfe verstärkt in den Schöpfungsprozess einschaltet und so zum Miturheber wird (REHBINDER /V IGANÒ , a.a.O., Art. 7 N 3 f.). 7. Der Beklagte 1 hatte das Konzept, den Umfang und die T exte für die ersten drei Auflagen alleine gestaltet und diese laufend erweitert und verbessert. In der 3. Auflage wurden insgesamt 222 Vogelarten beschrieben und das Glossar umfasste 94 S tichworte. Nach der 3. Auflage 2004 hat der Beklagte 1 entsprechend seinen Ausführungen (siehe Klagantwort S. 6) nochmals fünf Jahre Material gesammelt: er erweiterte den Umfa ng des Werkes auf 227 Arten und das Glossar auf 214 Stichworte. Diese Zahlen hat die Kläge rin nicht bestritten bzw. nicht mit ande- ren Angaben widerlegt. Mitte des Jahres 2009 lag die vom Beklagten 1 überarbeitete Version für die 4. Auflage vor. Die Klägerin reichte Auszüge aus dieser Version für einzelne Vogelarten verteilt über die ganze Replik beispielhaft ins Recht, so etwa für die Gartengrasmücke, den Rothalstaucher, die Sturmmöwe, die Schleiereule, den Silberreiher, den Schwarzhalstaucher, den Gelbspötter und die Schnatterente (siehe insbeson dere die Replikbeilagen 14a) bis 14d), 20, 21, 24 und 25). Sie bezeichnete die Version des Kl ägers jeweils handschriftlich als „Text- entwurf B.____“ (dass die angegebenen Daten dieser Te xtentwürfe variieren zwischen dem 14. – 21.8.2009 ist nicht entscheidrelevant). Der Verg leich mit der 3. Auflage zeigt, dass die vom Beklagten 1 per August 2009 vorgelegte Version ber eits erheblich überarbeitet und stark erweitert war. Die einzelnen Vogelarten waren mit be deutend mehr Text beschrieben und es waren bereits zusätzliche Vogelarten porträtiert. Hinsichtlich der Gestaltung zeigt sich, dass der Beklagte 1 bereits in der Version per August 2009 ein grösseres Format (die 4. Auflage ist im Format höher als die 3. Auflage) und einen anderen, kleineren Schrifttyp verwendete, so dass auf die Doppelseiten pro Vogelbeschreibung mehr Textumfang passte. Bei den Kapiteln ersetz- te der Beklagte 1 die Buchstaben durch Titel mit ganze n Wörtern. So war in der 3. Auflage z.B. nur „K“ als Randnote aufgeführt, in seiner Textversion für die 4. Auflage jedoch „Kennzeichen“ ausgeschrieben. Auch die Anzahl der Kapitel erweiter te er. Die Version des Beklagten 1 per August 2009 stellt bereits eine umfangreiche Überarbei tung der 3. Auflage dar. Diese beschrie- bene neue Gestaltung fand denn auch Einzug in die 4. A uflage. Der Ausführung der Klägerin, wonach im August 2009 noch keineswegs fertige Produkte vor lagen und diese Version nicht hätte publiziert werden können, kann nicht gefolgt we rden, zumal bereits drei Auflagen des Werks existierten und die neue Version des Beklagten 1 ein e Erweiterung derselben darstellte. Diese Version hätte auch ohne die Änderungen/Ergänzungen der Klägerin veröffentlicht werden Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht können. Die veröffentlichte 4. Auflage entsprach im K onzept und in der Gestaltung der Version des Beklagten 1 per August 2009. Es sind wiederum dieses Konzept und die nunmehr etwas abgeänderte Gestaltung, welche den gestalterischen Wer t und die Individualität des Werks ausmachen, so wie bereits für die ersten drei Auflagen (siehe vorstehende Erwägung Ziffer 4.2). Dies alles hatte der Beklagte 1 in seiner Version per August 2009 alleine gestaltet und bereits so vorgegeben, bevor die Klägerin ihre Mitarb eit begann. Es handelt sich um Bücher über Vögel bzw. um einen Zusammenzug von fachlichen Info rmationen und somit um wissen- schaftliche Werke. Bei diesen ist der Inhalt durch die fachlichen Fakten weitgehend vorgege- ben, weshalb sich die Individualität in der Gestaltung des Werks ausdrückt, welches eben der Beklagte 1 vorgab. 8. Es wird nachfolgend auf die allgemeinen Aufgaben und Tätigkeiten der Klägerin für die 4. und 5. Auflage der ornithologischen Steckbriefe eingegangen. 8.1 Die Klägerin beschrieb ihre Tätigkeit in der Klage a uf S. 6, Rz 3.6, als Überarbeitung der einzelnen Vogel-Beschreibungen, sei dies gestützt auf zusät zliche Erkenntnisse, die sich aus der Fachliteratur ergeben, sei dies aus eigenen Beoba chtungen; diese Arbeiten würden die Auseinandersetzung mit den Inhalten und Ergänzungen d azu beinhalten und letztlich eine For- schungstätigkeit darstellen. Auf S. 13 der Replik brachte sie vor, für die 4. und 5. Auflage habe ihre zentrale Aufgabe darin bestanden, möglichst viele Informationen und Details sowie fachlich bedeutende Kernpunkte aufzuführen, dies mit kurzen, kna ppen Sätzen, damit die Benut- zer/innen auch ohne Bilder einen Vogel bestimmen können. Dieses verständliche Darstellen sei ihre Hauptaufgabe gewesen und das Kreative dieser Arbe it liege darin, auf engstem Raum die- se individuellen Beschreibungen sprachlich darzustellen. 8.2 Die inhaltliche Überprüfung aller Vogelbeschreibungen war zweifelsohne äusserst auf- wändig, zumal sich eine sehr grosse Anzahl Informationen darin befinden (nach Angaben der Beklagtenparteien sollen es insgesamt 30‘700 Informati onseinheiten sein, siehe Klagantwort S. 10). Der Beklagte 1 stellt auch nicht in Abrede, da ss die Klägerin zeitintensiv, hochmotiviert und gewissenhaft arbeitete und er ihre Mitarbeit sehr schätzte. Das Überprüfen der Version des Beklagten 1 per August 2009 und das Vorschlagen von Änder ungen stellt allerdings keinen schöpferischen Akt dar, sondern kommt einem wissenschaftliche n Lektorat gleich, welches eben auch die Prüfung der Richtigkeit von Fakten und d ie Überprüfung der Richtigkeit und Voll- ständigkeit von Quellennachweisen beinhalten kann und gerade deshalb von entsprechenden Fachleuten vorgenommen wird. Die Klägerin hat genau d as getan, sie hat die vom Beklagten 1 im August 2009 vorgegebenen Vogelbeschreibungen inhal tlich überprüft und mit zusätzlichen Erkenntnissen aus der Fachliteratur, aus Internetdatenbanken und aus Kursbesuchen (z.B. aus den Skripten der Ala-Kurse) ergänzt, was den Tätigkeit en eines wissenschaftlichen Lektorats entspricht. Soweit die Klägerin eigene Beobachtungen oder Besonderes (z.B. bei der Schleier- eule das Wort „Schirken“ bei der Stimme der Nestjunge n) einfliessen liess, stellt dies zwar eine gewisse Kreativität dar, jedoch keine eigentliche geistige Schöpfung des Werks, weil es sich um Ergänzungen von Informationen handelt, welche nicht di e geistige Schöpfung des Werks als solche ausmachen. Denn die geistige Schöpfung und Individ ualität liegt im Konzept und in der Gestaltung der Bücher als kompaktes Nachschlagwerk im Feld m it möglichst vielen Informatio- nen auf kleinem Format, was eben der Kläger erschuf und vorgab. Er gab durch sein Konzept Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor, dass die individuellen Beschreibungen kurz und knapp zu halten sind, damit möglichst viele Informationen auf kleinem Raum Platz finden. Auch das E inholen von Informationen bei Fach- leuten und das Einbauen dieser Informationen in den Text ist gleich wie das Ergänzen mit In- formationen aus anderen Fachbüchern kein gestalterische r Akt, sondern wissenschaftliches Lektorieren. Insofern kann die Klägerin auch aus ihren fachlichen Anfragen bei den Fachleuten der Vogelwarte Sempach keine Miturheberschaft ableite n. Dies gilt auch für die von ihr vorge- brachten Kursbesuche. Diese betreffend sagte sie an der Hauptverhandlung ohnehin aus, sie gehe immer an Symposien und Kurse und ihre Teilnahme a n diesen sei nicht spezifisch für die hier im Streit liegenden Ornithologischen Steckbriefe gewesen, sie habe die an den Kursen er- halten Informationen jedoch eingebracht. Folglich war ihre Teilnahme an den Kursen nicht spe- zifisch für ihre Mitarbeit an den Büchern. 8.3 Im Hinblick auf die 5. Auflage bedankte sich der Beklagte in seinem Schreiben vom 12. Januar 2013 an die Klägerin (Klagantwortbeilage 7) dafür, dass er für die 5. Auflage wieder auf ihrer Mithilfe zählen dürfe. Weiter führte er au s, wie er sich die bewährte freundschaftliche Zusammenarbeit vorstelle. Unter dem Titel „Organisator isches“ gab er an, in welchem Zeitrah- men die beiden Bände je kontrolliert werden sollen, u nd dass das Glossar und die Info-Texte (wenn überhaupt) nur nach Abmachung zu kontrollieren se ien. Der Beklagte 1 führte in seinem genannten Schreiben aus, Unklarheiten/Fragen würden j ederzeit telefonisch oder per E-Mail diskutiert. Weiter forderte er die Klägerin auf, ihre Bemerkungen auf der CD zusammenzustel- len und sich nicht vor Kritik oder unüblichen Vorschlägen zu scheuen. Vielmehr seien ihm diese willkommen und er versuche, Hinweise und Ideen zu überne hmen. Der Beklagte listete sodann auf, worauf die Klägerin beim Durchlesen der Ornithol ogischen Steckbriefe achten soll, nämlich ob die einzelnen Porträts stimmig, logisch und ohne sachl iche Wiederholungen seien, ob es eindeutige fachliche Fehler gebe, ob wichtige neue Da ten fehlen würden, ob es Überholtes ge- be, das zugunsten neuerer Erkenntnisse weggelassen werden könnte und ob es Tippfehler und sprachliche Fehler habe. Schliesslich gab er die konzeption ellen Grundsätze durch, so etwa, dass nur in zwei bestimmten Kapiteln auf globale Zusammenhänge verwiesen werde, dass eine Erweiterung der Anzahl der Porträts auf technische Hindernisse stosse, auf welchen Publikatio- nen die Daten basieren müssen und dass persönliche Beobac htungen Ausnahmen bleiben sol- len. Die vom Beklagten 1 beschriebene Aufgabenliste zeig t, dass der Beklagte 1 das Manu- skript machte und es die Aufgabe der Klägerin war, dies es durchzulesen und Inhalte wie auch Sprachliches zu prüfen. Dies stellt keine schöpferische Tätig keit dar, sondern es handelt sich bei den vom Beklagten 1 definierten Aufgaben für die 5. Auflage um ein wissenschaftliches Lek- torat, welches besondere fachliche Kenntnisse erfordert, die es erlauben, auch den Inhalt zu prüfen. Der Beklagte 1 sagte an der Hauptverhandlung ( siehe Protokoll der Hauptverhandlung S. 5) zudem aus, dass die Zusammenarbeit für die 4. und die 5. Auflage gleich gewesen sei. Weder hat die Klägerin das bestritten noch hat sie be treffend die Art ihrer Arbeit zwischen die- sen beiden Auflagen unterschieden. Die Klägerin legte auch nicht dar, dass sie sich auf das Schreiben vom 12. Januar 2013 hin beim Beklagten 1 ge meldet hätte, um die Darstellung der Zusammenarbeit zu bereinigen und die Aufgaben nach ih rer Sicht zu definieren. Folglich ist davon auszugehen, dass ihre Mitarbeit in beiden Aufla gen gleich war, so dass für die beiden Auflagen nicht zu differenzieren ist. Sowohl das genann te Schreiben vom 12. Januar 2013 als auch die Ausführungen der Klägerin zu ihren allgemei nen Aufgaben innerhalb der Ornithologi- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Steckbriefe lassen auf ein wissenschaftliches Lektorat b ei der 4. und 5. Auflage schlies- sen. 9. Es stellt sich die Frage, ob die konkrete Mitarbeit der K lägerin von so grossem Umfang war und sie sich mit der Zeit auch in den Schöpfungspro zess einbrachte bzw. in diesen mitein- bezogen wurde, so dass sie zur Miturheberin wurde. Die Klägerin brachte verschiedene Bei- spiele vor, mit welchen sie ihre Mitarbeit aufzeigte. Es kann nicht auf jede einzelne von der Klä- gerin vorgebrachte Änderung/Ergänzung innerhalb der Ornithologischen Steckbriefe umfassend eingegangen werden, sondern der Umfang ihrer Mitarbe it wird im Folgenden anhand einzelner Beispiele erläutert und geprüft. 9.1 Die Beklagten führen aus, das Werk umfasse rund 30‘700 I nformationseinheiten und da- von würden 212 auf Hinweise der Klägerin zurückgehen, was lediglich 0,69% aller Informatio- nen entspreche (siehe Klagantwort S. 10; in der Duplik S. 14 wird sodann von 52‘000 Info- Einheiten gesprochen wovon 0.4% auf die Klägerin fall en sollen). Der Beitrag der Klägerin ge- messen am Umfang des Werks sei letztlich marginal gewesen. 9.2 Die Klägerin bestritt diese Ausführungen in ihrer Re plik, S. 40. Sie macht geltend, ihre Beiträge würden sich über das ganze Buch ziehen und nich t nur 212 Hinweise betreffen. Zah- lenmässig führt die Klägerin in der Klage auf S. 7 au s, sie habe bei 184 Arten Beiträge, Ergän- zungen und Korrekturen bei den Kennzeichen gemacht. Die Jugendkleider habe sie bei 55 Ar- ten beschrieben und bei 52 Arten habe sie Ergänzungen d azu gemacht. Weiter habe sie bei 21 Arten wichtige Verwechslungshinweise vorgebracht. Ü ber das Verhalten habe sie bei 57 Arten Details erweitert und bezüglich der Nahrung b ei 42 Arten. Unter der Rubrik Wissens- wertes habe sie bei 5 Arten den Text verfasst und bei 2 A rten den Text ergänzt. Zudem habe sie wichtige Beiträge über Stimmen (bei 35 Arten), Zu gstrategie (bei 22 Arten), Habitat (20 Ar- ten), Fortpflanzung/Brutbiologie (16 Arten), Gefährd ung (9 Arten), Bestand (28 Arten) und Ver- breitung (35 Arten) geliefert. Weiter habe sie Angaben beim Titel (13 Arten), bei der Taxonomie (1 Art), bei der Terminologie (8 Arten), beim Statu s (2 Arten) und bei Mass/Grösse (3 Arten) erstellt. 9.3 Wie sich aus der Parteibefragung an der Hauptverhandlu ng ergibt, arbeitete die Klägerin die vom Beklagten 1 per August 2009 erstellte Version mi ttels der CD (Replikbeilage 14) durch. Vorschläge für Änderungen oder Ergänzungen meldete sie dem Beklagten 1 per E-Mail. Die Klägerin legte für den Beweis ihrer Mitarbeit eine Vielzahl von Beispielen, insbesondere zahlrei- che E-Mail-Auszüge, vor. Ihre vorgeschlagenen Änderungen sind in den Replikbeilagen 14a bis 14c für die Vogelarten Gartengrasmücke, Rothalstaucher und Sturmmöwe, in der Replikbei- lage 16 für die Schleiereule und in den Replikbeilagen 23 bis 25 für das Sommergoldhähnchen, den Schwarzhalstaucher und den Gelbspötter besonders gut ersichtlich. In diesen Replikbeila- gen zeigte sie konkret auf, welcher Textentwurf des Beklagten 1 vorlag und welche Änderungen sie vorschlug, indem sie in der Version des Beklagten 1 ( bezeichnet als „Textentwurf B.____“) mit roten Kreuzen die Stellen markierte, an welchen si e Änderungen vorschlug und in der Ver- sion „Text rot A.____“ die von ihr vorgeschlagenen Änder ungen rot markiert einfügte und so- dann ihre jeweilige E-Mail an den Beklagten 1 mit de r Anzeige der Änderung anfügte oder in- dem sie in den publizierten Auflagen den Text rot mark ierte, welcher von ihr stammt. Der Ver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gleich des jeweiligen Textentwurfs des Beklagten 1 mit den rot markierten Änderungen der Klä- gerin zeigt, dass innerhalb der beispielhaft aufgeführ ten Vogelarten die von der Klägerin vorge- schlagenen Änderungen jeweils nur einen kleinen Teil in nerhalb des jeweiligen Vogelporträts darstellten und es sich um inhaltliche Ergänzungen oder Änderungen handelte. Der Vergleich mit der veröffentlichten 4. Auflage zeigt, dass auch nich t alle von der Klägerin vorgeschlagenen Änderungen Eingang in das Werk fanden. So schlug sie be ispielsweis bei der Gartengrasmü- cke im Kapitel „Zugstrategie“ folgende Ergänzung vor: „G artengrasmücken aus dem Tiefland und jene von oberhalb der Baumgrenze unterscheiden sich g enetisch und zeigen unterschiedli- ches Zugverhalten“ (siehe Replikbeilage 14a). Dieser Vor schlag wurde nicht genauso über- nommen, sondern lautete in den veröffentlichten 4. und 5. Auflagen „genetisch bedingtes unter- schiedliches Zugverhalten zw Indiv des Tieflands und Indiv , die oberhalb der Waldgrenze brü- ten und später heimkehren“ (siehe die sich in den Akten befindlichen Bücher der 4. und 5. Auf- lage, Band Passeriformes). 9.4 Die Klägerin brachte Änderungen/Ergänzungen bei einze lnen Vogelarten und dort auch nur in einzelnen Kapiteln ein. Innerhalb einer einze lnen Vogelart stellen die Änderun- gen/Ergänzungen, welche von der Klägerin kamen, einen geringen Teil dar. Wird der Beitrag der Klägerin im Gesamtwerk betrachtet, wird dieser noch geringer. So beschreibt die 4. Auflage 227 Vogelarten und die 5. Auflage 234 Vogelarten jeweils in mindestens 15 Kapiteln pro Porträt (Terminologie, Taxonomie, Kennzeichen, Masse, Status, Ve rbreitung, Bestand, Habitat, Zugstrategie, Gefährdung, Jagd, Nahrung, Stimme, Verh alten, Fortpflanzung/Brutbiologie, Sterblichkeit/Alter; gewisse Vogelarten haben die zusät zlichen Kapitel Mauser und/oder Wis- senswertes). Angesichts dieses Umfangs des Gesamtwerks stellen die Beiträge der Klägerin in vereinzelten Kapiteln von gewissen Vogelarten einen geringen Anteil dar. 9.5 Die Klägerin führt aus, sie habe das Jugendkleid bei 55 Arten (Angabe in der Klage auf S. 7) bzw. 48 Arten (Angabe in der Replik S. 9) vollstä ndig alleine beschrieben. Das Jugend- kleid ist im Kapitel „Kennzeichen“ unter der Abkürzung J K beschrieben und lautet in der 4. Auflage beispielsweise bei der Gartengrasmücke „JK Schi rm-/SF mit hellen Spitzen“, basie- rend auf dem Vorschlag der Klägerin „JK mit hellen Spi tzen der Schirm- und Schwungfedern“. Beim Rothalstaucher lautet die Jugendkleidbeschreibung in der 4. Auflage „JK Kopfseiten weis- slich, dunkel gestreift, Halsseiten rostfarbig“ entsprech end dem Vorschlag der Klägerin. Beim Knutt findet sich schliesslich die Beschreibung „JK ähnlich ad, jedoch OS deutlich geschuppt“. Die Beschreibungen des Jugendkleids beinhalten jeweils im Kapitel Kennzeichen nur wenige Worte und sind innerhalb der einzelnen Porträts verschwi ndend klein. In Anbetracht dessen, dass das Werk rund 230 Vogelarten beinhaltet und die Klägerin lediglich bei rund 50 Vogelarten diese äusserst kurzen Beschreibungen einbrachte, sind ihr e Beiträge zum Jugendkleid gemes- sen am Gesamtwerk marginal. 9.6 Die Klägerin beruft sich sodann auch auf ihre Mitarbei t beim Glossar. Im Glossar werden die in den Bänden verwendeten Fachausdrücke aufgeführt und beschrieben. Was in das Glossar kommt, ist somit durch den Text der Vogelporträts vorgegeben und die Beschreibungen sind angesichts der Tatsache, dass es sich um Fachausdrücke h andelt, bereits definiert und wurden von den Parteien nicht neu erfunden. Insofern ko mmt dem Glossar keine geistige Schöpfung mit individuellem Charakter zu, so dass eine allfällige Mitarbeit am Glossar oder die Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufnahme einzelner Stichworte in das Glossar aufgrund der Anregung der Klägerin (z.B. „Schir- ken“) für sich keine Miturheberschaft begründen können. Dies gilt ebenso für den Vorschlag der Klägerin, gewisse Stichworte aus dem Glossar zu streichen, um mehr Platz zu schaffen. 9.7 Die Klägerin arbeitete schliesslich auch betreffend Tite l und Titelblattgestaltung mit (siehe Replikbeilagen 20). Dies begründet jedoch keine Miturheberschaft. So gehört es beispielsweise bei Verlagslektoren zu deren Aufgaben, den Titel und d as Cover so zu gestalten, dass das Buch gut vermarktet werden kann. 9.8 Alles in allem sind die von der Klägerin vorgeschlagene n Änderungen/Ergänzungen in- nerhalb des Gesamtwerks von untergeordneter Bedeutung. Zudem liegt die Individualität des Werks in dessen Konzept und Gestaltung, was alles der Beklag te 1 erschuf und vorgab, bevor die Klägerin ihre Mitarbeit begann (siehe vorstehende Ziffer 8.2). Folglich führen weder der Um- fang der von der Klägerin vorgeschlagenen Änderungen/E rgänzungen noch die Arbeiten der Klägerin an sich – mangels der erforderlichen geistigen Schöpfung – zu einer Miturheberschaft. 10. Es gilt zu prüfen, ob sich die Miturheberschaft aus dem E-Mail-Verkehr ableiten lässt. 10.1 Die Klägerin macht geltend, der Beklagte 1 habe in zahlreichen E-Mails bestätigt, dass ein Gemeinschaftswerk vorliege und auch der Beklagte 1 von ein er Miturheberschaft ausgegangen sei. Aus dem E-Mail-Verkehr gehe hervor, dass die Klägeri n auch ein Mitsprache- und Mitent- scheidungsrecht ihrerseits bei den Ornithologischen Steckbr iefen gehabt habe. Sie habe nicht bloss auf Anweisung des Beklagten 1 mitgewirkt, sondern sie habe mitkreiert, geplant, bespro- chen und mitentschieden. Sie legte diesbezüglich verschiedene E-Mails des Beklagten 1 an die Klägerin ins Recht. 10.2 Der Beklagte entgegnet, er habe die Arbeit der Kläge rin immer sehr geschätzt. Es sei die Arbeit einer überaus engagierten und sachkundigen Lekt orin. Seine Wertschätzung – und nichts anderes – habe er immer wieder zum Ausdru ck gebracht. Sie hätten sich beide ausgezeichnet verstanden und sich gegenseitig gelobt. S ie seien freundschaftlich verbunden gewesen und da sei es normal, dass man höflich miteinand er umgehe. Er habe sich damals auch noch vorstellen können, das Werk dereinst durch die Beklagte 1 weiterführen zu lassen. Mit den verwendeten Worten „uns“ oder „unser“ habe er oftmals auch das ganze Team, ein- schliesslich der Herausgeberin, gemeint. Eine Anerkennung einer Miturheberschaft sei mit all seinen Äusserungen nie verbunden gewesen und die Kläger in reisse die einzeln zitierten Sätze aus dem Zusammenhang. 10.3 Die Frage, wer letztlich bei verschiedenen Meinungen di e Entscheidkompetenz hatte, konnte anlässlich der Hauptverhandlung nicht geklärt we rden. Die Klägerin führte aus, man ha- be sich immer ausgetauscht, sei sich immer einig geworden und habe gemeinsam entschieden. Der Beklagte 1 sagte aus, sie hätten immer alles zusammen besprochen. Den letzten Entscheid habe jedoch er selber gehabt. Die Manuskripte seien imm er auf seinem PC gewesen, er habe entschieden, was dort reinkomme und er habe alle Änder ungen eigenhändig eingetippt. Dass sich die Parteien austauschten und gemeinsam besprachen, geht nicht nur aus der Parteibefra- gung, sondern auch aus zahlreichen E-Mails hervor (sieh e beispielsweise Replikbeilage 19). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Beklagte 1 überliess den Entscheid in wenigen Ausna hmen alleine der Klägerin, so z.B. den Entscheid, welche zwei von den drei Arten Bergente/Moorente/Strandläufer man neu in das Buch aufnehmen wolle. An der Hauptverhandlung sagte er dazu, es sei ihm egal gewesen, wel- che zwei Arten aufgenommen werden sollen, weshalb er di esen Entscheid der Klägerin über- lassen habe. Die Parteien sprachen sich über Änderungen ab und kamen offenbar immer über- ein, so dass es zu keinen Differenzen kam, welche einen alleinigen Endentscheid durch nur eine Person gegen die Meinung der anderen Person erfo rderlich gemacht hätte, zumindest konnte keine Partei ein entsprechendes konkretes Beispiel nennen. Insofern kann aus einer allfälligen Entscheidungsbefugnis nichts zu Gunsten ein er Person abgeleitet werden. Wer die Änderungen schliesslich in das Manuskript eintippte, ist nicht von Bedeutung. 10.4 Der Beklagte 1 lobte in zahlreichen Mails an die Kläger in deren Arbeit. So schrieb er in seiner E-Mail vom 22. Januar 2010 (Klagebeilage 14) be ispielsweise, „dass wir nach Deiner immensen Arbeit auf ein Gemeinschaftswerk blicken und das auch optisch so auf dem Titelblatt dokumentieren sollen“ oder in der E-Mail vom 25. Aug ust 2009 (Klagbeilage 18), dass er hell begeistert sei von der Zusammenarbeit und dass es ihm ä usserst wichtig sei, dass sie sich in allen Punkten einig seien, oder in der E-Mail vom 10 . September 2009 (ebenfalls Klagbeilage 18), dass die Ergänzungen der Klägerin die Portraits i n allen wesentlichen Punkten bereichern würden und er ihr so dankbar sei. Aus den E-Mails geh t nicht explizit hervor, welche Rolle der Beklagte 1 der Klägerin zugestand bzw. dass er sie als M iturheberin betrachtete. Insbesondere die Tatsache, dass die Klägerin auf dem Schmutztitel nie in der gleichen Stellung wie der Be- klagte 1 aufgeführt ist (in der 4. Auflage ist ihr Nam e unter dem Titel „Redaktion“ und in der 5. Auflage „unter Mitwirkung von“ aufgeführt), zeigt, dass die Beklagtenparteien die Klägerin eben nicht gleichrangig in der gleichen Position wie d en Beklagten 1 betrachteten. Ob die Klä- gerin Miturheberin ist, hängt jedoch nicht von den verwendeten Bezeichnungen und den ausge- sprochenen Wertschätzungen in den E-Mails ab, sondern von ihrer konkreten Mitarbeit. Auf diese wurde bereits vorstehend ausführlich eingegangen u nd es wurde dargelegt, dass die schöpferische Arbeit im Konzept und der Gestaltung der Ornithologischen Steckbriefe liegt, welche der Beklagte 1 erstellte und vorgab, so dass er a ls Urheber gilt, und dass die Mitarbeit der Klägerin einem wissenschaftlichen Lektorat gleichko mmt. Die Klage auf Feststellung der Miturheberschaft der Klägerin ist daher abzuweisen un d folglich auch die von der Klägerin be- antragten weiteren Rechtsbegehren. 11.1 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind der Klägerin in Anwendung von Art. 106 Abs. 1 i.V. mit Art. 95 Abs. 1 ZPO die Kosten des vorli egenden Verfahrens aufzuerlegen. Die Gerichtsgebühr ist gestützt auf § 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 A bs. 1 lit. g der Verordnung über die Ge- bühren der Gerichte (Gebührentarif, GebT; SGS 170.31 ) auf pauschal CHF 7‘500.00 festzule- gen und der Klägerin aufzuerlegen. 11.2 Überdies hat die Klägerin den Beklagten eine Parteien tschädigung zu entrichten. Beide Rechtsvertreter reichten Honorarnoten nach Zeitaufwan d ein. Die Klägerin führte in der Klage auf S. 14 aus, es seien für ihre Arbeit kein Honorar un d keine Tantiemen aus den verkauften Exemplaren vereinbart worden, weshalb der vorliegenden Streitigkeit kein materieller Streitwert, sondern ein ideeller zugrunde liege. Die Beklagten füh rten auf S. 17 der Klageantwort aus, die Klägerin und der Beklagte 1 hätten beim Projekt Orni thologische Steckbriefe im Rahmen ihres Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hobbies vielstündige ehrenamtliche Arbeit geleistet. De r Beklagte 1 habe den bescheidenen Unkostenbeitrag freiwillig mit der Klägerin geteilt u nd er habe sein Autorenhonorar von CHF 3.00 pro verkauftem Exemplar (insgesamt rund CHF 4‘000.00) zugunsten eines Natur- schutzprojekts gespendet. Den Ornithologischen Steckbriefen w ürden keine finanziellen Inte- ressen zugrunde liegen. Aufgrund dieser Ausführungen b eider Parteien ist davon auszugehen, dass es sich bei der vorliegenden Streitigkeit um rein id eelle Interessen handelt, zumal der ge- tätigte Aufwand für diese Werke in keinem Verhältnis zu den ausgerichteten Entschädigungen und Unkostenbeiträgen steht und es sich daher um ehrenam tliche Arbeit handelt. Es ist somit von einem Prozess ohne Streitwert bzw. mit unbestimmtem S treitwert auszugehen und in An- wendung von § 2 Abs. 1 der kantonalen Tarifordnung f ür die Anwältinnen und Anwälte (TO, SGS 178.112) die Berechnung des Honorars nach Zeitaufwand vorzunehmen. 11.3 Der Rechtsvertreter der Beklagtenparteien macht mit sein er Honorarnote vom 11. De- zember 2018 einen Zeitaufwand von 49,5 Stunden à CHF 250.00 (= CHF 12‘375.00) sowie Auslagen von CHF 526.20 geltend bzw. den Gesamtbetrag von CHF 13‘909.05 inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer. Diese Honorarnote ist angemessen u nd hält auch einem Vergleich mit dem vom Rechtsvertreter der Klägerin geltend gemachten A ufwand von 72 Std. 55 Min. stand. Die Honorarnote des Rechtsvertreters der Beklagtenparteien ist vollumfänglich zu genehmigen, zumal diese auch bei der Mehrwertsteuer die unterschi edlichen Sätze für die Aufwendungen vor dem 1. Januar 2018 und danach berücksichtigt. Folglich hat die Klägerin den Beklagten eine Parteientschädigung im Betrag von CHF 13‘909.05 inklusive Auslagen von CHF 526.20 und Mehrwertsteuer von CHF 1‘007.87 zu bezahlen. Selbst wenn von einer vermögensrechtlichen Angelegenhe it ausgegangen würde, wäre von einem Streitwert von CHF 50‘000.00 bis 100‘000.00 auszugehen (siehe BGE 133 III 490 E. 3.3) und folglich das Grundhonorar auf CHF 6‘000.00 bis 10‘500.00 (§ 7 Abs. 1 lit. f TO) festzulegen und gemäss § 8 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 und 2 TO Zuschläge von 30% für die Duplik und von 30% für die Instruktionsverhandlung zu gewähren, sodass ohne weite res ein Grundhonorar von CHF 12‘375.00 zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer re sultieren würde und das Honorar nicht geringer ausfiele, als vom Parteivertreter der Be klagtenparteien nach Zeitaufwand geltend gemacht wird. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Die Entscheidgebühr von CHF 7‘500.00 wird der Kläg erin auferlegt. Die Klägerin hat den Beklagten eine Parteientschädigun g von CHF 13‘909.05 (inkl. Auslagen von CHF 526.20 und MWSt von CHF 1‘007.87) zu bezahlen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin Karin Arber