Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 28. April 2014 (715 13 260) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit; das dem Arbeitnehmer zur Last gelegte Verhalten muss mindestens eventualvorsätzlich erfolgt sein und in beweismässiger Hinsicht klar feststehen; Vorwurf der Minderleistung in casu infolge Überforderung verneint. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32 , 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1964 geborene A.____war vom 1. Juli 2011 bis 31. Dezember 2012 als Chauffeur und Servicefachmitarbeiter bei der Firma B.____ AG angestellt. Dieses Arbeitsverhältnis wurde am 30. Oktober 2012 innert der gesamtarbeitsvertrag lichen Kündigungsfrist von zwei Monaten per Ende Dezember 2012 durch die Arbeitgeberin aufg elöst. Am 20. Dezember 2012 meldete sich der Versicherte zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 16. Januar 2013 Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung ab 1. Januar 2013. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse des Kantons Basel-L andschaft (Kasse) klärte in der Folge die Umstände ab, die zur Kündigung des Arbeitsver hältnisses geführt hatten. Mit Verfü- gung vom 7. Februar 2013 stellte sie die Anspruchsberech tigung mit Wirkung ab 1. Januar 2013 für die Dauer von 28 Tagen wegen selbstverschuldet er Arbeitslosigkeit ein. Eine gegen diese Verfügung gerichtete Einsprache wies sie mit Entscheid vom 15. August 2013 ab. C. Gegen diesen Einspracheentscheid vom 15. August 201 3 erhob der Versicherte am 16. September 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sinngemäss beantragte er dessen Aufheb ung mit der Begründung, dass er seine Arbeitslosigkeit nicht selbst verschuldet habe. D. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 29. November 201 3 auf Abweisung der Beschwerde. Zusammenfassend machte sie geltend, dass der Beschwerdeführer Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben habe. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien ist, soweit notwendig, in den Erwägungen einzuge- hen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (A TSG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorisch e Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versi cherte Person zur Zeit des Verfü- gungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Nach § 54 Ab s. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Beschwerden gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Der Beschwerdeführe r erfüllt die Kontrollpflicht im Kan- ton Basel-Landschaft. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Umfang von 28 Einstelltagen zu einem Taggeld von Fr. 150.40 und somit ein Streitwert unter Fr. 10'000.-- zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe r zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit im Umfang von 28 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person, d ie Versicherungsleistungen beanspruchen will, alles Zumutbare unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Zur Durchsetzung dieses Prinzips sieht das Gesetz bei Verhaltensweisen, die sich nega- tiv auf den Eintritt oder die Dauer der Leistungspfl icht der Arbeitslosenversicherung auswirken, Sanktionen vor (vgl. dazu T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Kol- ler/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwalt ungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel/Genf/München 2007, Rz. 822). So kann b ei Verwirklichung der in Art. 30 Abs. 1 AVIG aufgezählten Tatbestände die Ausrichtung von Arbei tslosenentschädigung für eine be- stimmte Anzahl von Tagen ausgesetzt werden. 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der E intritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den per sönlichen Umständen und den per- sönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 1982 Nr. 4 S. 39). 2.3 Im Falle einer Arbeitgeberkündigung gilt die Arb eitslosigkeit gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV dann als selbstverschuldet, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesonde- re wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, de r Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat. Die Einstellung in de r Anspruchsberechtigung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Aufl ösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 Schweizerische s Obligationenrecht (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch n icht unbedingt eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, son dern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhalb und ausser halb des Betriebs berechtigten An- lass zur Kündigung gab (vgl. Urteil des Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilun gen] C 392/00 vom 8. Oktober 2002 E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Dabei müssen n icht zwingend Beanstandungen in beruf- licher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweis e, dass charakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Arbeitnehmer für den Bet rieb als untragbar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (vgl. BGE 112 V 244 f. E. 1). 2.4 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeit seinstellung ohne Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekü rzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (vgl. BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG C 53/00 vom 17. Oktober 2000). Aufgrund des grund- sätzlichen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b de s Übereinkommens Nr. 168 der IAO somit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der ver- sicherten Person, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Über einkommens Nr. 168 der IAO viel- mehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (vgl. Urteil des EVG C 371/01 vom 4. Juni 2002 E. 2b). Eventualvorsatz ist im Zusammenh ang mit Art. 44 lit. a AVIV dann anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen muss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgebe r führt (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolge n (vgl. J ACQUELINE CHOPARD , Die Ein- stellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 76 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl. Bundes- gerichtsentscheid [BGE] 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1 a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist jedoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast be- griffsnotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozial- versicherungsgerichts ist, für die Zusammentragung des Bew eismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Rege l eine Beweislast mithin nur inso- fern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu U ngunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableite n wollte. Diese Beweisregel greift al- lerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund- satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsp rechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Besch werdefall das Gericht darf eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt ist (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im So- zialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER /B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentsch ädigung, 3. Auflage, Zürich 2008, S. 146). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverh alts genügt den Beweisanforderun- gen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würd igt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG C 53/00 vom 17. Oktober 2000 E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen di eser Bestimmung zur Last ge- legte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen , ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG C 365/01 vom 7. N ovember 2002 E. 2 und C 392/00 vom 8. Oktober 2002 E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 11 2 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). 4.1 Strittig ist, ob der Beschwerdeführer Anlass zur Kün digung gegeben und deshalb die Folgen einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i. V. m. Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu tragen hat. Insbesondere ist dabei zu prüfen, ob er das ihm vorge- worfene Fehlverhalten mindestens eventualvorsätzlich begangen hat. 4.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid hat die Kasse d ie Einstellung in der An- spruchsberechtigung damit begründet, dass der Versicherte eingeräumt habe, die ihm übertra- genen Arbeiten nicht immer fachgerecht erledigt bzw. die von der Arbeitgeberin monierten Schäden an den von ihm verwendeten Fahrzeugen verursacht zu haben. Da er ausserdem nicht bestritten habe, dass die Arbeitgeberin in diesem Zusammenhang vorgängig ein ausführli- ches Gespräch mit ihm geführt habe, hätte er darum beda cht sein müssen, keinen Anlass für eine Kündigung zu geben. Dies aber habe er offensichtlich unterlassen. Stattdessen habe er zu erkennen gegeben, dass er nicht willens sei, seine Arbei tseinstellung zu überdenken und sich zu verbessern. Selbst unter der Berücksichtigung, dass der Ve rsicherte in fachlicher Hinsicht unabsichtlich eine ungenügende Leistung erbracht habe, sei klar, dass er seine Arbeitslosigkeit zumindest mitverschuldet habe. 4.3 Aus den Akten geht hervor, dass die ehemalige Arbei tgeberin des Versicherten das Arbeitsverhältnis deshalb gekündigt hatte, weil der Ve rsicherte trotz eineinhalb Jahren Berufspraxis über nur ungenügende Fachkompetenz verfügt u nd überdurchschnittlich viele Schäden an den Fahrzeugen der Arbeitgeberin verursacht habe. Die Schwächen des Versi- cherten seien ihm in einem Einzelgespräch ausführlich er läutert worden; eine Verbesserung habe jedoch leider nicht festgestellt werden können ( vgl. Kündigung vom 30. Oktober 2012, Akten der Kasse Nr. 68). Dem Arbeitszeugnis der ehemalig en Arbeitgeberin zufolge habe man den Versicherten als zuverlässigen und gewissenhaften Mita rbeiter kennengelernt, der die ihm übertragenen Arbeiten stets fachgerecht und zur Zufrie denheit ausgeführt habe. Zu den ihm anvertrauten Fahrzeugen habe er Sorge getragen. Bis zu seinem Austritt aus der Firma sei er unfallfrei gefahren. Sein Verhalten gegenüber Vorge setzen, Arbeitskollegen und Auftraggebern sei stets freundlich und korrekt gewesen (vgl. Zeugnis de r B.____ AG vom 18. Januar 2013, Akten der Kasse Nr. 22). Dem Schreiben des Versicherten v om 28. Januar 2013 an seine ehe- malige Arbeitgeberin ist zu entnehmen, dass er die Künd igungsgründe für nicht gerechtfertigt halte. Er sei der Meinung, die meisten Aufgaben fachg erecht erledigt zu haben, auch wenn es Pannen gegeben habe. Er sei fest der Meinung, dass die verursachten Schäden durchaus im Durchschnitt gelegen hätten und niemals von beträchtlich em Ausmass gewesen seien (vgl. Ak- ten der Kasse Nr. 125 f.). Entsprechend ist dem Beibl att zum rechtlichen Gehör des Versicher- ten vom 29. Januar 2013 zu entnehmen, dass er die im Kü ndigungsschreiben aufgeführten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kündigungsgründe für nicht angemessen halte. Er sei sehr wohl in der Lage gewesen, die meisten Aufträge fachgerecht zu erledigen. Die Schäden an den Fahrzeugen hätten sich im Durchschnitt gehalten (vgl. Akten der Kasse Nr. 123 f.). Im Rahmen des Einspracheverfahrens holte die Kasse schliesslich ergänzende Erkundigungen zu den Widersprüchen zwischen den Ausführungen im Arbeitszeugnis und zu den in der Kündi gung aufgeführten Gründen ein. Der telefonischen Auskunft von Herrn C.____ der B.____ AG vom 6. August 2013 zufolge liege der Grund für die Differenz darin, dass die Arbeitgeberin im Arbeitszeugnis nichts Negatives schrei- ben dürfe. Der Versicherte sei zwar unfallfrei gefahre n; indessen habe er immer wieder Schä- den am Fahrzeug verursacht, wie beispielsweise ein fehle nder Spiegel oder ein defekter Rück- spiegel. Dies sei bei den übrigen Arbeitnehmern nicht vorgekommen. Der Versicherte habe ge- nerell unsorgfältig und zu langsam gearbeitet. Er habe bei der Kundschaft Schäden z. B. an den E.____ angerichtet. Die Arbeitgeberin sei zum Schluss gekommen, dass sich die Situation nicht mehr bessern würde und habe das Arbeitsverhältnis daher beendet. Man unterstelle dem Ver- sicherten nicht, dass er absichtlich schlecht gearbeitet ha be. Er habe es wohl nicht besser ge- konnt. 4.4 Unbestritten ist der Umstand, dass es im Verlaufe des Arbeitsverhältnisses zwischen den Vertragsparteien offenbar zu Differenzen in Bezug auf die Verrichtung der vertraglichen Arbeitsleistung des Versicherten gekommen ist und die Arb eitgeberin mit der Qualität der Arbeit des Beschwerdeführers unzufrieden war. So hat der Beschwerdeführer – wie die Kasse zu Recht vorbringt – grundsätzlich zugestande n, dass es einerseits zu gewissen Schäden an den von ihm benutzten Fahrzeugen gekommen ist. Andererseits hat er anerkannt, dass es bei der Verrichtung der ihm übertrage nen Arbeiten zu Pannen gekommen ist (vgl. Schreiben des Versicherten vom 28. Januar 201 3, Akten der Kasse Nr. 125; Beiblatt zum rechtlichen Gehör des Versicherten vom 29. Januar 2013, Akten der Kasse Nr. 124; eben- so Einsprache des Versicherten vom 18. Februar 2013, Akt en der Kasse Nr. 19). Unbestritten ist im Weiteren, dass die beanstandeten Punkte noch währ end des Arbeitsverhältnisses zwi- schen dem Versicherten und seiner ehemaligen Arbeitgebe rin offensichtlich anlässlich eines Einzelgesprächs besprochen worden sind (vgl. Kündigungssch reiben vom 30. Oktober 2012, Akten der Kasse 68; rechtliches Gehör vom 29. Januar 2013 , Akten der Kasse Nr. 123 sowie Beschwerdebegründung des Versicherten vom 13. September 2013), eine eigentliche Verwar- nung hingegen nicht ausgesprochen worden ist (vgl. Ak ten der Kasse, a.a.O.). Eine solche ist weder behauptet noch geht sie aus den erwähnten Unterl agen oder aus den nachträglich ein- geholten Informationen der ehemaligen Arbeitgeberin hervor (vgl. Aktennotiz vom 6. August 2013, Akten der Kasse Nr. 18). Der Beschwerdeführer we ndet ausserdem ein, dass sich die Schäden und Pannen im Rahmen des Durchschnittlichen bewe gt hätten. Damit kann zwar fest- gestellt werden, dass der Versicherte bei der Verrichtun g seiner Tätigkeit immerhin gewisse Schäden verursacht hat. Inwieweit damit aber den gege nteiligen Aussagen seiner ehemaligen Arbeitgeberin zufolge von einer ungenügenden Leistun g auszugehen ist, weil die durch die üb- rigen Mitarbeitenden verursachten Schäden in weniger hohem Ausmass angefallen seien (vgl. Aktennotiz vom 6. August 2013, Akten der Kasse Nr. 18), kann aus nachfolgenden Überle- gungen letztlich offen bleiben. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Selbst wenn eine Minderleistung objektiviert wäre, kann alleine deshalb noch nicht von einer dem Versicherten auch subjektiv vorwerfbaren Verfe hlung ausgegangen werden. Der nachträglich eingeholten Auskunft der ehemaligen Arbe itgeberin zufolge ist vielmehr das Ge- genteil der Fall: Demnach werde dem Versicherten nicht unterstellt, absichtlich schlecht gear- beitet zu haben; dieser habe es wohl nicht besser gekonnt (vgl. Aktennotiz vom 6. August 2013, Akten der Kasse Nr. 18). Diese Auskunft lässt keinen anderen Schluss zu, als dass die Ursache der als ungenügend monierten Arbeitsleistung nicht etw a in einem mangelhaften Einsatz des Versicherten, sondern vielmehr in dessen Überforderung b ei der Verrichtung seiner Arbeit be- gründet lag. Damit aber erhellt, dass die fraglichen Verfehlungen und Minderleistungen gerade nicht auf ein nach den persönlichen Umständen oder Verh ältnissen vermeidbares Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen sind. Verfügte der Versi cherte der massgebenden Ein- schätzung seiner ehemaligen Arbeitgeberin zufolge weder über die notwendigen Kapazitäten noch über die erforderliche Qualifikation, kann nicht d avon gesprochen werden, er hätte das ihm zur Last gelegte Verhalten aus eigenen Stücke vermei den können. Dies wäre nur der Fall, wenn von einem in subjektiver Hinsicht mangelhaften Ein satz des Versicherten auszugehen wäre. Dies aber ist bei einer versicherten Person, welch e wegen geringer Qualifikation, mithin körperlicher oder geistiger Überforderung, nicht dazu in der Lage ist, überhaupt eine bessere Leistung erbringen zu können, klarerweise zu verneine n. Damit kann indessen auch nicht da- rauf geschlossen werden, der Versicherte habe die Auflö sung seines Arbeitsverhältnisses in Kauf genommen. 4.6 Dass der Versicherte gemäss Auskunft seiner ehemaligen Arbeitgeberin bei der Ver- richtung der ihm übertragenen Arbeiten überfordert w ar, geht auch aus der Tatsache hervor, dass er im Arbeitszeugnis vom 18. Januar 2013 – entgegen noch der Bezeichnung im Arbeits- vertrag vom 28. / 29. Juni 2011 (vgl. Akten der Kasse N r. 77 f.) – lediglich als Beihilfe im Be- reich E.____ bezeichnet worden ist (vgl. Akten der Kasse Nr. 22). An der soweit nachvollzieh- baren Überforderung des Versicherten vermag deshalb auch nichts zu ändern, dass die bean- standeten Punkte in einem ausführlichen Gespräch zuvor be reits erläutert worden waren. Ge- gen ein in subjektiver Hinsicht vorwerfbares Verhalten spricht ausserdem der Umstand, dass es die ehemalige Arbeitgeberin ist, welche den Versichert en und sein Verhalten am besten zu be- urteilen in der Lage ist. An deren Aussagen zu zweifeln, besteht kein Anlass. Dem Beschwerde- führer kann unter diesen Umständen kein (eventual-) vor sätzliches Verhalten zur Last gelegt werden, wie es für die Einstellung gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV in beweismässiger Hinsicht klar erstellt sein müsste. Zu seinen Gunsten zu berücksichti gen ist schliesslich der Umstand, dass ihm seine ehemalige Arbeitgeberin im Arbeitszeugnis vom 18. Januar 2013 eine durch- wegs ordentliche Arbeitsleistung attestiert hat (vgl. Akte n der Kasse Nr. 22). Entgegen deren Ansicht, dass im Arbeitszeugnis nichts Schlechtes stehen dürfe, ist von den Grundsätzen der Wahrheit und Vollständigkeit des Arbeitszeugnisses auszug ehen. Danach ist der Arbeitgeber gehalten, ein möglichst getreues Abbild von Tätigkeit, (Fehl-) Leistung und Verhalten des Ar- beitnehmers abzugeben, andernfalls die Möglichkeit beste ht, auf Verlangen des Arbeitnehmers ein auf Angaben über die Art und Dauer des Arbeitsverh ältnisses beschränktes Zeugnis auszu- stellen (vgl. U LLIN STREIFF , ADRIAN VON KAENEL , Arbeitsvertrag, 6. Aufl., Zürich / Basel/ Genf 2006, Praxiskommentar zu Art. 331a N 3 f.). Von einer eigentlichen Beschönigung der fragli- chen Arbeitsleistung des Versicherten ist deshalb nicht au szugehen. Dies gilt umso mehr, als Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Versicherten in Bezug auf den nunmehr im Zentrum stehenden Vorwurf, zu den anvertrau- ten Fahrzeugen nicht genügend Sorge getragen zu haben, explizit ein gutes Zeugnis ausge- stellt worden ist. 5. Zusammenfassend ist nicht belegt, dass der Beschwerdeführ er durch sein Verhalten zumindest eventualvorsätzlich Anlass zur Kündigung gegeben h ätte. Die Vertragsauflösung erfolgte den massgebenden Aussagen der Arbeitgeberin zufolge vielmehr aus Gründen, welche letztlich in einer unzureichenden Qualifikation des Besch werdeführers und dessen Überforde- rung begründet liegen. Die im Kündigungsschreiben vom 3 0. Oktober 2012 zur Last gelegten Verfehlungen können ihm in arbeitslosenversicherungsrech tlicher Hinsicht daher nicht zum Vorwurf gemacht werden. Kann die Arbeitslosigkeit fol glich gerade nicht auf ein nach den per- sönlichen Verhältnissen vermeidbares Verhalten zurückgeführt werden, kann dem Beschwerde- führer die Auflösung seines Arbeitsverhältnisses aber nicht vorgeworfen werden und eine Ein- stellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschul deter Arbeitslosigkeit fällt ausser Betracht. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis in Aufhe bung des angefochtenen Ein- spracheentscheids vom 15. August 2013 und der Verfügung vom 7. Februar 2012 der Kasse gutzuheissen. 6. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das Verfahren vor de m kantonalen Sozialversiche- rungsgericht für die Parteien kostenlos. Es sind deshal b keine Verfahrenskosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden der Einsp racheentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft vom 15. August 2013 und deren Verfügung Nr. 294/2013 vom 7. Februar 2012 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.