B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-309/2020 U r t e i l v o m 1 8 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Richter Jürg Marcel Tiefenthal (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Mehrfachgesuch); Verfügung des SEM vom 9. Dezember 2019 / N (…). D-309/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamili- scher Ethnie, stellte am 21. Juli 2014 erstmals in der Schweiz ein Asylge- such. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass er aus dem Distrikt B._______ stamme und nach der Schule für einen Abgeordneten der Tamil National Alliance (TNA) in C._______ gearbeitet habe. Bereits kurz nach Beginn seiner Arbeitstätigkeit hätten CID -Leute das TNA -Büro in C._______ durchsucht, wobei er von den Beamten derart geschlagen wor- den sei, dass er noch immer Schmerzen an der Hüfte habe. Zudem sei es insbesondere im Rahmen von Wahlkampf -Veranstaltungen im Jahr 2013 zu mehreren Vorfällen gekommen, bei denen er auf der Strasse von Leuten der Eelam People's Democratic Party (EPDP) sowie Angehörigen des Mi- litärs angehalten und bedroht worden sei. Des Weiteren habe sein Vater die Bewegung unterstützt und eine enge Beziehung zu einer Person na- mens D._______ gehabt. Er selbst habe ebenfalls Zeit mit D._______ ver- bracht und für diesen einige Aufträge ausgeführt. Am (…) 2014 sei sein Vater verschwunden. Wenige Tage später habe er aus der Zeitung erfah- ren, dass D._______ vorgeworfen werde, er wolle die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) wiederbeleben. Kurz darauf sei D._______ erschos- sen worden. Da er aufgrund seines Engagements für die TNA bereits unter Beobachtung gestanden habe und verdächtigt worden sei, die LTTE zu un- terstützen, habe er sich entschieden, ins Ausland zu gehen. A.b Mit Verfügung vom 28. März 2017 lehnte das SEM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz so- wie deren Vollzug an. A.c Eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde wies das Bundes- verwaltungsgericht mit Urteil D-2538/2017 vom 23. November 2018 ab. Dabei gelangte das Gericht zum Schluss, dass die geltend gemachte Ver- bindung zu D._______ sowie die daraus resultierende Verfolgung nicht glaubhaft seien. Die diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers erschöpften sich in pauschalen Äusserungen ohne persönliche Eindrücke oder Erlebnisse. Es se i daher nicht davon auszugehen, dass er im Zeit- punkt der Ausreise aufgrund seiner Verbindungen zu D._______ im Fokus der Behörden gestanden habe. Demgegenüber erachtete das Gericht die D-309/2020 Seite 3 Tätigkeit für die TNA sowie die damit zusammenhängenden niederschwel- ligen Behelligungen durch Angehörige der EPDP sowie staatliche Stellen zwar als überwiegend wahrscheinlich. Es teilte jedoch die Auffassung der Vorinstanz, dass diesen keine Asylrelevanz zukomme. Sodann stellte es fest, dass der Beschwerdeführer keine bedeutsamen Verbindungen zu den LTTE habe und die Tätigkeit für die TNA ebenfalls nicht zu einer flüchtlings- rechtlich relevanten Verfolgung führe. Die vorgebrachten exilpolitischen Aktivitäten seien sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht als gering zu bezeichnen und er habe sich dabei nicht exponiert. Aufgrund sei- nes Profils sei nicht davon auszugehen, dass er von den heimatlichen Be- hörden als Person wahrgenommen werde, welche bestrebt sei, den tamili- schen Separatismus wiederaufleben zu lassen. B. B.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. Januar 2019 stellte der Beschwerdeführer beim SEM ein zweites Asylgesuch und machte ver- schiedene neue Sachverhaltselemente geltend. Er brachte dabei vor, dass er auf (…) eine grossflächige und gut sichtbare Tätowierung des (…) habe, welche er sich schon vor mehreren Jahren habe stechen lassen. Er habe dies im Rahmen seines ersten Asylverfah- rens nicht erwähnt, weil er davon ausgegangen sei, die von ihm vorge- brachte Geschichte zeige bereits ausreichend auf, dass er ein überzeugter Aktivist und Unterstützer des tamilischen Separatismus sei. Das Tattoo lasse sich – angesichts des heissen Klimas in Sri Lanka – nur schlecht und auffällig mit Kleidungsstücken verbergen. Zudem würd e es bei Ganzkör- perkontrollen zweifellos entdeckt und von den Sicherheitsbehörden nicht nur als Provokation, sondern auch als Gutheissung des Terrorismus inter- pretiert. Entsprechend müsste er befürchten, festgenommen und wegen Unterstützung von Terrorismus angeklagt zu werden. Dabei hätte er mit Folter und anderen erniedrigenden und unmenschlichen Behandlungen zu rechnen. Weiter hätten maskierte unbekannte Motorradfahrer im (…) seine Mutter attackiert. Die Angreifer hätten sie derart fest gestossen, dass si e gestürzt sei und sich den Arm gebrochen habe. Sowohl er selbst als auch seine Mutter seien überzeugt, dass es sich bei den unbekannten Personen um Schergen des Sicherheitsapparates gehandelt habe. Die Familie sei nach seiner Ausreise häufig massiv behelligt und überwacht worden, was unter anderem dazu geführt habe, dass sich seine jüngste Schwester in- folge des psychischen Drucks das Leben genommen habe. Der Vorfall mit seiner Mutter zeige, dass die Familie noch immer im Visier der Sicherheits- kräfte stehe und ein anhaltendes Verfolgungsinteresse an ihm bestehe. D-309/2020 Seite 4 Sodann sei er weiterhin exilpolitisch tätig und habe am (…) 2018 teilge- nommen sowie in der Küche ausgeholfen. Zudem sei er jeweils an der Spitze von Demonstrationen mitgelaufen und habe dabei Transparente hochgehalten. Zu berücksichtigen sei auch sein fragiler psychischer Ge- sundheitszustand. Er leide insbesondere an (…), weshalb er sich seit Feb- ruar 2018 in wöchentlicher psychiatrischer Behandlung befinde. Weiter wurde geltend gemacht, dass sich die politische Situation in Sri Lanka erheblich verändert habe und die menschenrechtliche Lage für die tamilische Minderheit deutlich schlechter geworden sei. Dies führe zu einer erhöhten Gefährdung von Risikogruppen, insbesondere von Personen mit Verbindungen zu den LTTE, welche durch ihr exilpolitisches Engagement ihre andauernde Unterstützung für den tamilischen Separatismus zum Ausdruck bringen. Die veränderte Lage wirke sich auch auf den Beschwer- deführer aus und er müsse aufgrund seiner politischen Überzeu gungen und Tätigkeiten damit rechnen, bei einer Rückkehr ins Visier des sri-lanki- schen Sicherheitsapparates zu geraten und Opfer von Verfolgungsmass- nahmen zu werden . Es lägen bei ihm mehrere der vom Bundesverwal- tungsgericht definierten Risikofaktoren vor, weshalb er die Flüchtlingsei- genschaft erfülle und ihm Asyl gewährt werden müsse. Schliesslich wurde im Mehrfachgesuch der ausdrückliche Antrag gestellt, dass der Beschwerdeführer – sollte das SEM Zweifel an den neu geltend gemachten Sachverhaltselementen sowie deren Relevanz für die Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft haben – in einer ausführlichen Anhörung zu den entsprechenden Vorbringen befragt werde. Dem Gesuch lagen ein Foto der Tätowierung auf (…) des Beschwerdeführers, ein Foto seiner Mut- ter im Spital im (…) sowie zwei Fotos von ihm an Demonstrationen in E._______ (…) bei. Daneben wurden zahlreiche Medienberichte sowie weitere allgemeine Unterlagen zu Sri Lanka, darunter auch ein vom Büro des Rechtsvertreters verfasster Länderbericht (Stand 22. Oktober 2018), zu den Akten gegeben. B.b Mit Eingaben vom 27. März 2019 und vom 15. August 2019 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter ergänzende Ausführun- gen machen, insbesondere zu den exilpolitischen Aktivitäten sowie zu sei- ner gesundheitlichen Situation. Als weitere Beweismittel wurden unter an- derem Fotoaufnahmen von einer Demonstration (…) sowie ein Arztbericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. M. Yared vom 13. August 2019 eingereicht. Zudem wurde über verschiedene jüngere Ereignisse sowie die D-309/2020 Seite 5 aktuelle Lage in Sri Lanka berichtet und dargelegt, inwiefern sich dies auf die Beurteilung des Mehrfachgesuchs des Beschwerdeführers auswirke. C. Mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 – eröffnet am 17. Dezember 2019 – lehnte das SEM auch das zweite Asylgesuch ab und ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zudem erhob es gestützt auf Art. 111d Abs. 1 AsylG (SR 142.31) eine Gebühr von Fr. 600.–. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, das Vorbringen betreffend den Angriff auf seine Mutter durch unbekannte Motorradfahrer im (…) sei un- begründet verspätet vorgebracht worden. Es basiere zudem auf der gel- tend gemachten Überwachung seiner Familie, welche bereits im ersten Asylverfahren als unglaubhaft beurteilt worden sei. Eine daraus abgeleitete Reflexverfolgung der Mutter erweise sich daher ebenfalls nicht als glaub- haft. Das vorgelegte Foto einer Frau mit einem Arm im Gi ps belege zwar deren Verletzung, sei jedoch nicht geeignet, die angebliche Verfolgung des Beschwerdeführers zu beweisen. Zudem sei nicht erwiesen, dass es sich bei der Frau um die Mutter des Beschwerdeführers handle. Auch die (…)- Tätowierung stelle keinen neuen Risikofaktor im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka dar. Nicht nur sei aufgrund des eingereichten Fotos unklar, ob es sich überhaupt um eine Tätowierung handle . Es liessen sich aus dieser auch keine Rückschlüsse auf seine politischen Überzeugungen ziehen, zu- mal er bisher eine persönliche Nähe zur exilpolitis chen Szene stets ver- neint habe. Ausserdem sei es ihm zuzumuten, die Tätowierung wieder zu entfernen oder verändern zu lassen, wenn er deswegen Probleme mit den sri-lankischen Behörden befürchte. Eine drohende asylrelevante Verfol- gung lasse sich daraus jedoch nicht ableiten. Die neu geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten – eine Teilnahme am (…) sowie an drei De- monstrationen in E._______ – nähmen kein besonders grosses Ausmass an und liessen nicht darauf schliessen, dass er sich aussergewöhnlich en- gagiert und exponiert hätte. Sodann äusserte sich das SEM zur aktuellen Lage in Sri Lanka – namentlich den Anschlägen an Ostern sowie den Prä- sidentschaftswahlen im November 2019 – und hielt fest, aufgrund der Ak- tenlage sei nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rück- kehr nun in den Fokus der heimatlichen Behörden geraten und in asylrele- vanter Weise verfolgt werden sollte. Die zahlreichen eingereichten Beweis- mittel zur allgemeinen Lage vermöchten zu keiner anderen Einschätzung zu führen, zumal sich daraus kein persönlicher Bezug zu ihm ergebe. Wei- ter hielt es die Vorinstanz nicht für erforderlich, den Beschwerdeführer zu D-309/2020 Seite 6 einer Anhörung vorzuladen, da das Verfahren nach Art. 111c AsylG grund- sätzlich schriftlich geführt werde und sich eine Anhörung vorliegend nicht als angezeigt erweise. Schliesslich sei der Vollzug der Wegweisung nach wie vor als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Daran vermöge auch der eingereichte Arztbericht nichts zu ändern, gemäss welchem der Beschwerdeführer zurzeit wegen Stressbelastung und einer (…) auf eine stützende psychotherapeutische Behandlung angewiesen sei. Ausser ei- nem (…) seien ihm keine Medikamente verschrieben worden und der Be- richt halte fest, dass nach einer Stabilisierung voraussichtlich keine Verlän- gerung der psychiatrischen Behandlung notwendig sei. D. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 16. Januar 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die- sen Entscheid. Dabei beantragte er in der Hauptsache, die Verfügung des SEM sei aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen wegen der Verletzung des rechtlichen Gehörs, eventualiter wegen Verlet- zung der Begründungspflicht, eventualiter zur Feststellung des vollständi- gen und richtigen Sachverhalts und zur Neubeurteilung. Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren, eventualiter seien die Ziffern 3 und 4 der angefochtenen Verfü- gung aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hin- sicht wurde beantragt, das Bundesverwaltungsgericht habe nach Eingang der Beschwerde unverzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung der vorliegenden Sache betraut würden. Zudem habe das Gericht bekannt zu geben, ob diese Personen zufällig ausgewählt worden seien; andernfalls seien die Kriterien mitzuteilen, nach denen diese Ge- richtspersonen ausgewählt worden seien. Als Beschwerdebeilagen wur- den – neben der angefochtenen Verfügung, zwei Fotoaufnahmen der Tä- towierung des Beschwerdeführers und zwei bereits aktenkundigen sowie einer zusätzlichen Fotografie betreffend exilpolitische Aktivitäten – zahlrei- che weitere Dokumente eingereicht (gespeichert auf einer CD-Rom), wel- che sich weitestgehend auf die politische und menschenrechtliche Situa- tion in Sri Lanka beziehen (vgl. dazu das Verzeichnis auf S. 91 ff. der Be- schwerdeschrift). Auf die Begründung der Beschwerde und den Inhalt der eingereichten Be- weismittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D-309/2020 Seite 7 E. Mit Zwischenverfügung vom 23. Januar 2020 teilte das Bundesverwal- tungsgericht dem Beschwerdeführer den Spruchkörper mit und forderte ihn – unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall – auf, bis zum 7. Februar 2020 einen Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 1'500.– zu leisten. F. Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 7. Februar 2020 stellte der Be- schwerdeführer ein Gesuch um Befreiung von der Bezahlung der Verfah- renskosten sowie Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Da- bei reichte er eine Unterstützungsbestätigung vom 27. Januar 2020 sowie einen vom Büro des Rechtsvertreters erstellten Länderbericht (Stand 23. Januar 2020) mit zahlreichen Quellen (gespeichert auf einer CD-Rom) zu den Akten. G. Der Instruktionsrichter hiess mit Verfügung vom 10. Februar 2020 das Ge- such um unentgeltliche Rechtspflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt da s Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge- gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor- den sind, entscheidet das Bundesve rwaltungsgericht grundsätzlich – mit Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe- rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen – end- gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen- dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). D-309/2020 Seite 8 1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über- gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 2. Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist - und formgerecht ein- gereichte Beschwerde ist – mit nachfolgender Ausnahme – einzutreten (Art. 105 AsylG und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf den Antrag, es sei die zufällige Zusammensetzung des Spruchkörpers zu bestätigen oder andernfalls die Kriterien bekannt zu geben, nach wel- chen dieser ausgewählt worden sei, ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3). 3. In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung mit drei Richtern beziehungsweise drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schrif- tenwechsels verzichtet werden. 4. 4.1 Auf Beschwerdeebene werden verschiedene formelle Rügen erhoben. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kas- sation der angefochtenen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2). Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Ge- hörs, eine Verletzung der Begründungspflicht sowie eine unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts. 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspr uch auf rechtliches Gehör. Als Mitwirkungsrecht umfasst dies alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1). Mit dem Gehörsan- spruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hö- ren, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu be- rücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und j edes einzelne Vor- bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen D-309/2020 Seite 9 Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zü- rich/Basel/Genf 2013, Rz. 1043). 4.3 4.3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er in s einem Mehrfach- gesuch vom 29. Januar 2019 mit der Tätowierung, dem Angriff auf seine Mutter sowie dem exilpolitischen Engagement in den Jahren 2018 und 2019 neue asylrelevante Sachverhalte vorgebracht habe. Zudem sei darin die Verschlechterung der Menschenr echts- und Sicherheitslage in Sri Lanka dokumentiert worden, welche ihn bei einer Rückkehr direkt betreffen würde. Obwohl die letzte Anhörung mehr als vier Jahre zurückliege, habe es das SEM unterlassen, ihm die Gelegenheit zu geben, sich mündlich zu seinen neuen Vorbringen und zur veränderten Sicherheitslage zu äussern. Den herabgesetzten Anforderungen an das Beweismass des Glaubhaft- machens könne nur dann Rechnung getragen werden, wenn die betroffene Person zur Thematik angehört worden sei. Indem das SEM ihm nicht die Möglichkeit gebe, sich im Rahmen einer Anhörung zu den bisher unbe- kannten und neuen Sachverhaltselementen zu äussern, verletze es seinen Anspruch auf rechtliches Gehör. 4.3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV beinhaltet keinen Anspruch auf mündliche Anhörung (BGE 134 I 140 E. 5.3). Das Ge- setzesrecht kann indessen einen solchen Anspruch vorsehen. So hat der Gesetzgeber für das erste Asylverfahren eine mündliche Anhörung vorge- schrieben (Art. 29 AsylG), nicht hingegen für die ausserordentlichen Nach- folgeverfahren (vgl. Art. 111b und Art. 111c AsylG). Folglich wird bei einem Mehrfachgesuch grundsätzlich keine mündliche Anhörung durchgeführt (vgl. BVGE 2014/39 E. 5.3 f.). Aufgrund der Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG ist es die Pflicht des Beschwerdeführers, alles Zumutbare zu unternehmen, seine persönlichen Asylvorbringen bei der Einreichung ei- nes Mehrfachgesuchs umfassend sowie substanz iiert darzutun und mit entsprechenden Beweismitteln zu belegen. Er hat seine Vorbringen denn auch sowohl in seinen Eingaben bei der Vorinstanz als auch in der umfang- reichen Beschwerdeschrift ausführlich dargelegt und Beweismittel einge- reicht. Eine mündliche Anhörung erscheint vor diesem Hintergrund nicht erforderlich und die diesbezügliche Rüge erweist sich als unbegründet. D-309/2020 Seite 10 4.4 Weiter moniert der Beschwerdeführer, das SEM hätte die eingereichten Beweismittel – Fotografien seines (…)-Tattoos sowie der Verletzung seiner Mutter – zumindest als hinreichende Teilbeweise würdigen müssen. Die Ausführungen hierzu in der angefochtenen Verfügung kämen jedoch einer faktischen Verweigerung der Beweisabnahme gleich. Die Tätowierung sei selbstverständlich echt – eine gegenteilige Annahme wäre als böswillige Mutmassung anzusehen – und das SEM wäre gehalten gewesen, bei all- fälligen Zweifeln deren Echtheit spezialärztlich überprüfen zu lassen. Stelle es sich auf den Standpunkt, die Tätowierung könne entfernt werden, so hätte es dermatologisch abklären müssen, ob sich diese spurlos entfernen lasse. Dies sei stark anzuzweifeln. Indem das SEM den eingereichten Be- weismitteln den Beweiswert ab spreche, verletze es den Anspruch auf rechtliches Gehör. Der Beschwerdeführer verwechselt hier eine Verletzung des rechtli chen Gehörs mit der von der Vorinstanz vorgenommenen Beweiswürdigung. Das SEM hat die eingereichten Beweismittel in der angefochtenen Verfü- gung erwähnt und sich zu diesen geäussert, wobei es in Bezug auf deren Rechtserheblichkeit zu einem anderen Schluss gelangte als der Beschwer- deführer. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern darin eine "faktisch verweigerte Beweisabnahme" zu erblicken wäre oder weshalb die Vorinstanz verpflich- tet gewesen sein soll, in diesem Zusammenhang weitere Abklärungen zu tätigen respektive zusätzliche Beweise zu erheben. Eine diesbezügliche Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt jedenfalls nicht vor. 4.5 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, das SEM habe sich weder mit seinen Vorbringen im Zusammenhang mit der grossflächigen Tätowierung des (…) auf seinem (…) noch mit seinen exilpolitischen Tätigkeiten ernst- haft und sorgfältig auseinandergesetzt. Es sei somit seiner Begründungs- pflicht nicht nachgekommen, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle. Zudem habe es nicht nachvollziehbar begründet, weshalb die veränderte aktuelle politische und menschenrechtliche Lage in Sri Lanka nicht zu einer Gefährdung bei seiner Rückkehr führe. Hierzu ist festzuhal- ten, dass die Vorinstanz in der Begründung der angefochtenen Verfügung auf sämtliche der vom Beschwerdeführer erwähnten Umstände eingegan- gen ist. Dabei ist nicht ersichtlich, weshalb das SEM in dieser Hinsicht seine Begründungspflicht verletzt haben soll. Ob aus den entsprechenden Vorbringen eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung resultiert, ist nicht unter dem Aspekt des rechtlichen Gehörs, sondern bei der materiel- len Prüfung zu beurteilen. D-309/2020 Seite 11 4.6 Sodann wird in der Beschwerdeschrift behauptet, der rechtserhebliche Sachverhalt sei nicht vollständig abgeklärt worden, indem da s SEM nicht zumindest die unbestrittenen sowie die neuen Asylvorbringen des Be- schwerdeführers vor dem aktuellen Länderhintergrund gewürdigt habe. Die Vorinstanz habe es auch versäumt, in diesem Zusammenhang eine Ge- samtbetrachtung vorzunehmen. Vielmehr verweise sie lediglich auf frühere Entscheide und unterlasse es, sämtliche Risikofaktoren im Lichte der zur- zeit in Sri Lanka herrschenden Lage zu betrachten. Der Beschwerdeführer verkennt jedoch, dass es ebenfalls eine Frage der materiellen Würdigung der Vorbringen und nicht des rechtlichen Gehörs ist, inwiefern sich die all- gemeinen Entwicklungen in politischer und menschenrechtlicher Hinsicht in Sri Lanka auf das vorliegende Verfahren auswirken. 4.7 Weiter beantragt der Beschwerdeführer, es sei festzustellen, dass das Lagebild des SEM vom 16. August 2016 als manipuliert anzusehen sei, da es sich in wesentlichen Teilen auf nicht existierende oder auf nicht offenge- legte Quellen stütze und somit nicht als Grundlage für die Beurteilung der vorliegenden Sache dienen könne. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich bereits in zahlreichen Urteilen zur Kritik des Rechtsvertreters am Lagebild vom 16. August 2016 und den darin verwendeten Quellen geäussert und festgehalten, darin würden – neben nicht namentlich genannten Ge- sprächspartnern und anderen nicht offengelegten Referenzen – überwie- gend öffentlich zugängliche, verlässliche Quellen zitiert (vgl. statt vieler Ur- teil des BVGer D-109/2018 vom 16. Mai 2018 E. 6.3). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt auch in dieser Hinsicht nicht vor. 4.8 Zusammenfassend erweist sich die Rüge des Beschwerdeführers, sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei durch die Vorinstanz verletzt worden, als unbegründet. Des Weiteren ist der Sachverhalt als hinreichend erstellt zu erachten. Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung, die ange- fochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsb egehren sind so- mit abzuweisen. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materielle n Beurteilung seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht verschiedene Beweisanträge. So sei er erneut betreffend die neu geltend gemachten Sachverhalte sowie zur aktuellen neuen Gefährdungslage durch die Machtergreifung der Rajapaksas anzuhören. Dieser Antrag ist mit Verweis D-309/2020 Seite 12 auf die Erwägung 4.3.2 abzuweisen, da eine erneute Anhörung im vorlie- genden Verfahren weder erforderlich noch angezeigt erscheint. 5.2 Weiter wurde beantragt, das SEM sei anzuweisen, abzuklären, ob un- ter den erpressten Daten beim Vorfall der Entführung einer Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Sri Lanka auch der Name des Beschwerdefüh- rers zu finden sei . Zudem habe das SEM abzuklären, welche Daten im Allgemeinen aus dem Mobiltelefon der entführten Botschaftsmitarbeiterin erpresst worden seien. Eine Verbindung zwischen dem Beschwerdeführer und der vom Sicherheitsvorfall betroffenen lokalen Angestellten der Schweizer Botschaft wurde jedoch nicht substanziiert dargetan. Des Wei- teren kann dem Beschwerdeführer mitgeteilt werden, das s sich gemäss Auskunft der Botschaft keine Daten über sich in der Schweiz aufhaltende, asylsuchende Personen aus Sri Lanka auf dem beschlagnahmten Mobilte- lefon der Botschaftsmitarbeiterin befanden und auch anderweitig keine In- formationen in Bezug auf die erwähnten Personen an Dritte gelangten. Der entsprechende Beweisantrag ist daher ebenfalls abzuweisen. 5.3 Schliesslich wurde der Antrag gestellt, dass die Echtheit der Tätowie- rung des Beschwerdeführers mittels eines ärztlichen Gutachtens abzuklä- ren sei, sofern daran Zweifel bestehen sollten. Seitens des Gerichts sei zudem zu überprüfen, ob und in welchem Zeitrahmen die spurlose Entfer- nung der Tätowierung möglich sei. Wie untenstehend dargelegt wird, zwei- felt das Gerich t nicht an der Echtheit der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Tätowierung. Gleichzeitig kommt es zum Schluss, dass allfäl- lige Massnahmen hinsichtlich der Tätowierung – sei es diese zu entfernen, verändern oder anderweitig unkenntlich zu machen – Sache des Be- schwerdeführers sind (vgl. dazu unten E. 7.3.2). Es ist daher für das vor- liegende Verfahren nicht massgebend, ob und in welchem Zeitrahmen die spurlose Entfernung der Tätowierung möglich ist . Folglich sind auch die Beweisanträge im Zusammenhang mit der Tätowierung des Beschwerde- führers abzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re- ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus - gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von D-309/2020 Seite 13 Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings- eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seines zweiten Asylgesuchs keinerlei konkrete n persönlichen Gründe geltend machte, welche in irgendeiner Weise geeignet wären, die – nach dem Urteil D-2538/2017 vom 23. November 2018 – rechtskräftige Beurteilung seiner Vorfluchtgründe in Frage zu stellen. Es ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zwar für d ie TNA tätig und in diesem Zusammen- hang niederschwelligen Behelligungen seitens der EPDP sowie staatlicher Behörden ausgesetzt war. Nicht glaubhaft sind dagegen die Beziehung zu D._______ und die damit verbundenen (unterstellten) Verbindungen zu den LTTE. 7.2 Hinsichtlich des geltend gemachten Angriffs von Sicherheitskräften auf die Mutter des Beschwerdeführers ist festzuhalten, dass es sich dabei um unbelegte Behauptungen handelt. Das Foto einer Frau mit einem Arm im Gips beweist keineswegs, dass es sich dabei um seine verletzte Mutter handelt. Erst recht lassen sich daraus keine Rückschlüsse auf die Ursache der Verletzung ziehen. Zudem wurde vorgebracht, die Mutter sei von un- bekannten maskierten Männern auf Motorrädern heftig gestossen worden. Dass es sich dabei um Angehörige des sri -lankischen Sicherheitsappara- tes gehandelt haben soll, ist eine blosse Mutmassung. Vor diesem Hinter- grund erweist sich die Einschätzung des SEM, dass das betreffende Vor- bringen sowie das eingereichte Fo to die angebliche Verfolgung des Be- schwerdeführers in dem von ihm dargelegten Kontext nicht zu beweisen vermögen, als zutreffend. Zu Recht wies die Vorinstanz auch darauf hin, dass dieses Sachverhaltselement nachgeschoben erscheint, da nicht er- sichtlich ist, weshalb das Ereignis – das sich im (…) und damit deutlich vor dem am 23. November 2018 ergangenen Urteil im ersten Asylverfahren zugetragen haben soll – erst mit dem Mehrfachgesuch vom 29. Januar 2019 geltend gemacht werden konnte. D-309/2020 Seite 14 7.3 7.3.1 In Bezug auf die neu vorgebrachte Tätowierung des (…) auf seinem (…) führte der Beschwerdeführer aus, es lasse sich daran erkennen, dass er ein überzeugter Aktivist und Unterstützer des tamilischen Separatismus sei. Die These des SEM, wonach es unklar sei, ob es sich überhau pt um eine Tätowierung handle, erweise sich als haltlos, da eine aktuelle Auf- nahme von Anfang Januar 2020 zeige, dass er diese nach wie vor trage. Alleine diese Darstellung des (…) auf dem eigenen Körper stelle eine straf- bare Handlung dar, welche unter dem Prevention of Terrorism Act (PTA) geahndet werde. Die in der angefochtenen Verfügung vertretene Ansicht, die Tätowierung lasse keine Rückschlüsse auf seine politischen Überzeu- gungen zu, da er eine persönliche Nähe zur exilpolitischen Szene verneint habe, gehe daher völlig fehl. Weiter verletze die Aufforderung des SEM, seine Tätowierung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka zu entfernen, sein Recht auf freie Meinungsäusserung und seine körperliche Integrität. Das Tattoo stelle einen Ausdruck seiner politischen Gesinnung dar, weshalb er es nicht entfernen möchte. Zudem wäre dies mit erheblichen Schmerzen sowie finanziellem Aufwand verbunden und würde mehrere Sitzungen über eine längere Zeitdauer erfordern. Das SEM hätte ausserdem abklären müssen, ob eine Entfern ung Spuren oder Narben hinterlassen würde, da letztere in den Augen des sri-lankischen Regimes wiederum als Verdachts- momente gälten. Es sei darauf hinzuweisen, dass eine spurlose Entfer- nung von Tätowierungen gerade bei Menschen mit dunkler Pigmentierung nicht möglich sei. 7.3.2 Dem Beschwerdeführer gelang es im Rahmen des ersten Asylverfah- rens nicht, glaubhaft zu machen, dass er vor seiner Ausreise – aufgrund seiner Verbindungen zu D._______ – ins Visier der sri-lankischen Sicher- heitskräfte geriet. Er machte auch zu keinem Zeitpunkt geltend, er verfüge über Verbindungen zu den LTTE oder sympathisiere mit diesen. Nun brachte er im Rahmen eines Mehrfachgesuchs erstmals vor, er verfüge schon seit Jahren – ohne dies präziser zeitlich einzuordnen – über eine grossflächige Tätowierung von (…). Angesichts des Umstands, dass er so- wohl mit dem Mehr fachgesuch Anfang 2019 eine Fotografie des Tattoos vorlegte, als auch mit der Beschwerde rund ein Jahr später eine aktuelle Aufnahme davon einreichte, ist anzunehmen, dass es sich dabei tatsäch- lich um eine Tätowierung handelt. Seine Erklärung, er habe diese im ersten Asylverfahren nicht erwähnt, weil er davon ausgegangen sei, seine Ge- schichte zeige bereits ausreichend auf, dass er sich für ein Wiederaufflam- men des tamilischen Separatismus eingesetzt habe, ist jedoch nicht über- zeugend. Vielmehr ist anzunehmen, dass er die Tätowierung bereits im D-309/2020 Seite 15 erstinstanzlichen Verfahren erwähnt hätte, wenn er dies als wesentliches Element seiner Asylgründe erachtet hätte. Aus der Angabe, er habe das Tattoo schon seit mehreren Jahren, geht auch nicht hervor, ob er dieses bereits im Heimatstaat stechen liess. Es ist dem Beschwerdeführer jeden- falls zuzumuten, die Tätowierung verändern oder entfernen zu lassen, falls er deswegen bei einer Rückkehr eine Bestrafung oder Verfolgung befürch- ten sollte (vgl. in diesem Sinne auch Urteile des BVGer E-3816/2019 vom 7. August 2019 E. 6.3, D-5559/2017 vom 21. Februar 2018). Seinen Aus- sagen im ersten Asylverfahren lässt sich zudem keine besondere Nähe zu den LTTE entnehmen. Es ist auch nicht ersichtlich, weshalb er – sollte er deswegen Verfolgungsmassnahmen befürchten – seiner Meinung nicht auf andere Art als durch eine entsprechende Tätowierung Ausdruck verleihen könnte. Es obliegt dabei dem Beschwerdeführer, sein Tattoo nach eigenem Ermessen entfernen oder dahingehend verändern zu lassen, dass ihm da- raus bei einer Rückkehr keine Gefährdung droht. In diesem Zusammen- hang ist es auch unerheblich, ob eine spurlose Entfernung überhaupt mög- lich ist. Vielmehr bleibt es ihm überlassen, ob er die Tätowierung gegebe- nenfalls entfernen, überdecken oder anderweitig unkenntlich machen will. Selbst wenn dabei Spuren übrigbleiben sollten, ist nicht davon auszuge- hen, dass allfällige Rückstände einer Tätowierung – deren Motiv nicht mehr erkennbar ist – zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung des Be- schwerdeführers führen würden. 7.4 7.4.1 Im Zusammenhang mit den exilpolitischen Tätigkeiten machte der Beschwerdeführer geltend, diese seien durch Fotografien dokumentiert. Es werde ersichtlich, dass er mehrmals an vorderster Front bei Demonstratio- nen in E._______ mitgelaufen sei und dort Banner – unter anderem mit dem Emblem der LTTE – hochgehalten habe. Zudem sei er am (…) 2018 als Hilfskraft aktiv gewesen. Selbstverständlich handle es sich bei den ein- gereichten Dokumentationen nur um einen Bruchteil des tatsächlichen exil- politischen Engagements, beschränkt auf die Tätigkeiten zwischen Ende November 2018 und März 2019. Es w ürden daher mit der Beschwerde weitere Beweismittel eingereicht. Auf dem internationalen tamilischen TV- Sender (…) sei ein Beitrag zur Demonstration in E._______ vom (…) – an welcher der Beschwerdeführer an vorderster Front teilgenommen habe – ausgestrahlt worden. Neben diesem w urde eine Fotografie vorgelegt, die ihn angeblich anlässlich einer Demonstration vom (…) 2019 in E._______ zeige. Hierzu ist anzumerken, dass die betreffende Aufnahme (Beschwer- debeilage 5) identisch ist mit der Fotografie, welche der Beschwerdeführer bereits mit seinem Mehrfachgesuch beim SEM eingereicht hat (vgl. Beilage D-309/2020 Seite 16 3 zum Mehrfachgesuch vom 29. Januar 2019). Gemäss den dortigen Aus- führungen sei die Aufnahme im Jahr 2018 entstanden, was angesichts des Einreichungszeitpunkts als w ahrscheinlich erscheint. Weiter brachte der Beschwerdeführer vor, dass e r wieder um am (…) 2019 teilgenommen habe. 7.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellte im Urteil D-2538/2017 fest, die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers erweise sich sowohl in qua- litativer als auch in quantitativer Hinsicht als gering und führe nicht dazu, dass er von Seiten der heimatlichen Behörden zu jener Gruppe gezählt werde, welche bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen. Die neu geltend gemachten Aktivitäten vermögen an dieser Ein- schätzung nichts zu ändern. Entgegen der vom Beschwerdeführer vertre- tenen Auffassung handelt es sich bei den von ihm dokumentierten exilpoli- tischen Tätigkeiten um niederschwellige Aktivitäten, welche ihn nicht als in besonderem Masse exponiert erscheinen lassen. Vielmehr war er seit März 2018 als einfacher Teilnehmer bei einigen Demonstrationen sowie zwei (…) dabei. Bei letzteren soll er zudem in der Küche tätig gewesen sein, was jedoch als geringfügige Hilfsleistung im Hintergrund erscheint und keine massgebliche organisatorische Tätigkeit darstellt. Somit liegen keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka wegen der Beteiligung an exilpolitischen Aktivitäten einer spe- zifischen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein könnte. 7.5 7.5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge- fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergan- gene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der sogenannten „Stop-List“ und die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden dabei als stark risikobegründende Faktoren eingestuft . Demgegenüber stellen das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden Risikofaktoren er füllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-D-309/2020 Seite 17 lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wieder- aufleben zu lassen. Das Gericht hat im Einzelfall die konkret glaubhaft ge- machten Risikofaktoren in einer Gesamtschau sowie unter Berücksichti- gung der konkreten Umstände zu prüfen und zu erwägen, ob mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung vor- liegt (Urteil E-1866/2015 E. 8). 7.6 7.6.1 Im Rahmen des ersten Asylverfahrens kam das Bundesverwaltungs- gericht zum Schluss, dass keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür be- stünden, dass der Beschwerdeführer von den heimatlichen Behörden zu derjenigen Gruppe gezählt werde, welche bestrebt sei, den tamilischen Se- paratismus wiederaufleben zu lassen und so den sri -lankischen Einheits- staat gefährde. Aus den Akten sowie seinen Vorbringen ergebe sich keine massgebliche Akzentuierung seines Profils. Auch unter Berücksichtigung der neuen exilpolitischen Aktivitäten sowie der Tätowierung – welche der Beschwerdeführer gegebenenfalls entfernen oder verändern lassen kann – ergibt sich keine wesentliche Schärfung seines Risikoprofils. Es ist nach wie vor nicht davon auszugehen, dass ihm im Falle einer Rückkehr ernst- hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. An dieser Fest- stellung vermag auch das im Rahmen des Mehrfachgesuchs vorgebrachte Argument nichts zu ändern, dass die vorhandenen Risikofaktoren vor der aktuellen Situation in Sri Lanka verstärkte Geltung haben müssten und die Rückkehr aus der Schweiz an sich als Hochrisikofaktor zu würdigen sei. Vielmehr liegen unter Berücksichtigung aller wesentlichen Aspekte keine ausreichend konkreten Gründe für die Annahme vor, dass der Beschwer- deführer im Falle seiner Rückschaffung nach Sri Lanka einer asylrelevan- ten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sein könnte. 7.6.2 Zwar trifft es zu, dass die Lage in Sri Lanka seit dem ersten Asylver- fahren des Beschwerdeführers verschiedenen Veränderungen unterwor- fen war, wobei namentlich politische Spannungen, die verheerenden Ter- roranschläge an Ostern 2019 sowie zule tzt die Wahl von Gotabaya Raja- paksa zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind. Der neue Präsi- dent war unter seinem älteren Bruder Mahinda Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015 Präsident Sri Lankas war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Jour- nalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobach- tern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch [HRM]: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl D-309/2020 Seite 18 ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein. Die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilun- gen oder -institutionen (vgl. https://aninews.in/news/world/asia/sri-lanka- 35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers- of-state20191127174753/, abgerufen am 23. März 2020). Beobachter und ethnische respektive religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivis- tinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtli ngshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Par- lament auf, 03.03.2020). Diese waren ursprünglich auf den 25. April 2020 angesetzt, wurden aufgrund der Coronavirus -Pandemie jedoch verscho- ben (vgl. Daily Mirror, General Elections postponed, http://www.dailymir- ror.lk/print/front_page/General-Elections-postponed/238-185348, 20.03. 2020, abgerufen am 22.05.2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016; HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus- gesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschafts- wahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. 7.6.3 Dem Beschwerdeführer gelang es nicht, glaubhaft zu machen, dass er vor seiner Ausreise aus Sri Lanka behördlicher Verfolgung ausgesetzt gewesen wäre oder durch seine exilpolitischen Aktivitäten respektive auf- grund seines Risikoprofils befürchten müsste, zukünftig einer solchen aus- gesetzt zu werden. Es sind auch sonst keine konkreten Anhaltspunkte er- sichtlich, dass er im aktuellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus D-309/2020 Seite 19 der sri-lankischen Behörden geraten wäre und mit asylrelev anter Verfol- gung zu rechnen hätte. 7.6.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was geeignet wäre, seine Flüc htlingseigenschaft nachzuweisen oder zu- mindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Mehrfachgesuch demnach zu Recht abgelehnt. 8. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsb ewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände- rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration AIG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstan- dard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] ). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-D-309/2020 Seite 20 lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 9.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender Begründung festgestellt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin- dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegwe isungs- vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Ent- wicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Ebenso hat der EGMR wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung, sondern dass jeweils im Ein- zelfall eine Risikoeinschätzung vorzunehmen sei (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11, Ziff. 37; bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14, Ziff. 27 f.). Weder aus den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in anderweitiger Hinsicht ergeben sich konkrete und gewichtige Anhaltspunkte für die An- nahme, dass er im Falle einer Ausschaffung na ch Sri Lanka dort mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit einer gemäss der EMRK oder der FoK ver- botenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Dies gilt insbesondere auch unter Berücksichtigung der Behauptung in der Beschwerdeschrift, es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer – wie jeder nach Sri Lanka zurückgeschaffte tamilische Asylgesuchsteller ‒ jederzeit Opfer einer Verhaftung und von Verhören un- ter Folteranwendung werden könne. Für eine derartige Befürchtung be- steht vorliegend kein konkreter Anlass . Der Vollzug der Wegweisung er- scheint daher sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völker- rechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. D-309/2020 Seite 21 9.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im länderspezifischen Referenz- urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zur Frage der Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender aus Sri Lanka insbeson- dere tamilischer Ethnie eine Lageanalyse vorgenommen (a.a.O., E. 13.2– 13.4). Hinsichtlich der Nordprovinz, aus welcher der Beschwerdeführer stammt, wurde dabei zusammenfassend festgestell t, dass der Wegwei- sungsvollzug dorthin (mit Ausnahme des Vanni -Gebiets, vgl. dazu Refe- renzurteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5) zumutbar ist, sofern das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien – insbesondere die Existenz eines tragfähigen familiären oder anderweitigen sozialen Bezie- hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation – bejaht werden kann (a.a.O., E. 13.3). 9.3.3 In Bezug auf den Beschwerdeführer wurde bereits mit dem Urteil D-2538/2017 vom 23. November 2018 festgestellt, dass er nach eigenen Angaben aus F._______ (Distrikt B._______) stammt und in seiner Heimat über ein tragfähiges Beziehungsnetz sowie eine gesicherte Wohnsituation verfüge. Ebenso habe er eine gute Schulbildung und könne berufliche Er- fahrungen vorweisen. Angesichts dessen wurde der Vollzug der Wegwei- sung als zumutbar erachtet. Diese Einschätzung ist nach wie vor als zu- treffend zu erachten. 9.3.4 Während im Rahmen des ersten Asylverfahrens keine gesundheitli- chen Probleme des Beschwerdeführe rs aktenkundig waren, wurde m it dem zweiten Asylgesuch vorgebracht, dass er an psychischen Beeinträch- tigungen leide. Dem vorgelegten Arztbericht vom 13. August 2019 lässt sich entnehmen, dass bei ihm eine (…) diagnostiziert wurde sowie dass er unter mit der Immigration verbundenen Schwierigkeiten leide. Die gegen- wärtige Behandlung bestehe aus einer unterstützenden Psychotherapie mit dem Ziel, (…). Deren Weiterführung sei in der aktuellen Krisensituation erforderlich, insbesondere bis es zu einer Verbesserung der sozialen Lage komme. Zudem sei ihm ein pflanzliches Mittel gegen (…) verschrieben wor- den, welches er jedoch nur selten einnehmen müsse. Die erwähnten Prob- leme – so bedauerlich sie auch sind – erscheinen nicht besonders gravie- rend und sind vor allem der aktuellen Situation in der Schweiz geschuldet. Im Arztbericht wird denn auch ausdrücklich die Notwendigkeit einer lang- fristigen Therapie verneint, da die Symptome der vorliegenden Erkrankung mit der Zeit verschwinden würden, sobald sich die auslösende Stresssitu- ation verbessere. Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass keine schwere Erkrankung vorliegt, aufgrund derer von einer Unzumutbarkeit D-309/2020 Seite 22 des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden müsste (vgl. zum Gan- zen BVGE 2009/2, E. 9.3). 9.3.5 Zusammenfassend erweist sich, dass der Beschwerdeführer die vom Bundesverwaltungsgericht bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs nach Sri Lanka formulierten Kriterien trotz seiner gesundheitlichen Probleme erfüllt. 9.3.6 Schliesslich besteht aufgrund der Er wägungen zur asylrechtlichen Relevanz der Asylgründe des Beschwerdeführers und zur verneinten Ge- fährdung aufgrund exilpolitischer Aktivitäten auch kein konkreter Grund zur Annahme, er könnte, wie mit der Beschwerdeschrift unter dem Titel der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs behauptet, bei seiner Rückkehr der Gefahr von Behelligungen durch sri-lankische Behörden oder parami- litärische Gruppierungen ausgesetzt sein. Weder der Amtsantritt des Prä- sidenten Gotabaya Rajapaksa noch die vorgebrachte Kompetenzerw eite- rung des sri -lankischen Militärs unter dem derzeitigen Armeechef Shavendra Silva vermögen an dieser Einschätzung etwas zu ändern, zu- mal diese Ereignisse in keinem konkreten Zusammenhang mit dem Be- schwerdeführer stehen. 9.4 Weiter ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung mangels ak- tenkundiger objektiver Hindernisse auch als möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG zu bezeichnen ist. 9.5 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste- hen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufi- gen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver- fügung Bundesrecht nicht verletzt sowie de n rechtserheblichen Sachver- halt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG; Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (v gl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Indessen D-309/2020 Seite 23 ist angesichts der mit Verfügung vom 10. Februar 2020 gewährten unent- geltlichen Prozessführung auf die Auferlegung von Kosten an den Be- schwerdeführer zu verzichten. 11.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte erneut ein Rechts- begehren, über das bereits in anderen Verfahren mehrfach abschlägig be- funden worden ist (Bestätigung der Zufälligkeit bezie hungsweise Offenle- gung der objektiven Kriterien der Zusammensetzung des Spruchkörpers). Somit sind dem Rechtsvertreter – wie schon mehrfach angedroht – die dadurch unnötig verursachten Kosten persönlich aufzuerlegen (vgl. bspw. Urteil des BVGer D -4191/2018 vom 8. August 2018 E. 13.2) und auf Fr. 100.– festzusetzen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6). (Dispositiv nächste Seite) D-309/2020 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die unnötig verursachten Verfahrenskosten von Fr. 100.– werden Rechts- anwalt Gabriel Püntener auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Es werden keine weiteren Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Jürg Marcel Tiefenthal Regula Aeschimann