B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-242/2014 U r t e i l v o m 7 . J a n u a r 2 0 1 5 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiberin Tu-Binh Tschan. Parteien A._______ (bzw. B.________), geboren (…), Guinea-Bissau, vertreten durch Monique Bremi, Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2013 / N (…). E-242/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer ist nach eigenen Angaben am 20 . April 2012 aus seine m Heimatstaat Guinea -Bissau ausgereist und mit dem Schiff nach Lissabon gelangt. Von dort ist er am 1. August 2012 weiter in die Schweiz gereist, wo er am 3. August 2012 um Asyl nachsuchte. A.b Er wurde am 23. August 2012 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ befragt und am 15. November 2013 vom BFM zu seinen Asylgründen angehört (EVZ-Protokoll: BFM-Akten A9/10, Anhörungsproto- koll: BFM-Akten A45/15). Dabei brachte er im Wesentlichen vor, er sei nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 2010 und insbesondere nach demjenigen des Vater Ende 2011 von seinen Halbbrüdern schikaniert und gar mit dem Tod bedroht worden, weshalb er am 1. April 2012 von seinem Heimatdorf D._______ in der Provinz E._______ zu seinem [Verwandter] mütterlicher- seits in die Hauptstadt Bissau gezogen sei. Dort habe am 12. April 2012 ein Militärputsch stattgefunden. Dagegen habe er mit einer Gruppe junger Männer am 13. und 14. April 2012 demonstriert. Das Militär habe die De- monstrationen gewaltsam aufgelöst, wobei es viele Verletzte gegeben habe und viele Personen in Haft genommen worden seien. Dem Beschwer- deführer sei es zwar gelungen zu fliehen, er sei aber nachher wegen der Teilnahme an den Demonstrationen gesucht worden. Sein [Verwandter] habe danach die Ausreise für ihn organisiert und bezahlt. A.c Das BFM wies das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 12. Dezember 2013 – am 17. Dezember 2013 eröffnet – ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete de n Vollzug an. Es be- gründete seinen Entscheid im Wesentlichen mit der Unglaubhaftigkeit sei- ner Vorbringen. B. Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer durch seine Rechts - vertreterin mit Eingabe vom 16. Januar 2014 (Poststempel) beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Anerkennung der Flüchtlingseigen- schaft sowie die Asylgewährung. Eventualiter sei er wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig au fzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er unter anderem um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. E-242/2014 Seite 3 C. Mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2014 wurde auf Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet, das Gesuch um Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und der Beschwerdeführer aufgefordert, seine Fürsorgeabhängigkeit zu belegen, welcher Aufforderung er mit Eingabe vom 5. Februar 2014 fristgerecht nachkam. D. Die Vorinstanz liess sich am 17. Februar 2014 vernehmen. Der Beschwer- deführer nahm mit Eingabe vom 10. März 2014 dazu Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffend e Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutre- ten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-242/2014 Seite 4 3. Die zum Zeitpunkt der Asylantragstellung geltend gemachte Minderjährig- keit des Beschwerdeführers wurde vom BFM anerkannt, weshalb ihm für die Dauer des Verfahrens eine rechtskundige Vertrauensperson zur Seite gestellt worden war. Den entsprechenden verfahrensrechtlichen Anforde- rungen wurde somit Genüge getan (vgl. BVGE 2011/23 E. 5.3.1, Art. 17 Abs. 2 und 3 Bst. c AsylG i.V.m. Art. 7 Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR142.311]). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten soziale n Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich au f gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Grundsätzlich sind Vorbrin- gen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Die asylsuchende Person muss persönlich glaubwürdig er- scheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbrin- gen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, wenn sie wich- tige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver- fahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangeln- des Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung impliziert ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asylsuchenden Person. Eine Behau ptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit E-242/2014 Seite 5 nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält. Demgegen- über reicht es nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Darstellung des Sachverhalts spre- chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die für die Richtigkeit des dargelegten Sachverhalts sprechenden Gründe überwie- gen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 m.w.H.). 5. 5.1 Die Vorinstanz erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers im Zu- sammenhang mit dem Ableben seiner Eltern und anschliessenden Schwie- rigkeiten mit seinen Halbbrüdern als in wesentlichen Punkten nicht konkret, detailliert und differenziert dargelegt, weshalb der Eindruck entstehe, der Beschwerdeführer habe das Vorgetragene nicht selbst erlebt. So habe er zu den angeblich tödlich verlaufenden Krankheiten der Mutter und des Va- ter keine substantiierten Angaben machen können, auch nicht zu den ein- genommenen Medikamenten und den jeweiligen Untersuchungsergebnissen. Auch hätten seine Ausführungen zur Art und zum Beweggrund der Dro- hung der Halbbrüder sich in der wiederholenden Aussage erschöpft, er sei der Lieblingssohn des Vaters gewesen, weshalb die Halbbrüder nach des- sen Tod mit den Drohungen begonnen hätten. In Bezug auf den eigentlichen Asylgrund – die Teilnahme an den Demon- strationen gegen den Militärputsch vom 12. April 2012 in Bissau – führte das BFM aus, dass diese Vorbringen des Beschwerdeführers einerseits tatsachenwidrig seien, da sie in wesentlichen Punkten den gesicherten Er- kenntnissen des BFM widersprechen würden: Am 12. April 2012 hätten be- waffnete Armeeangehörige den Wohnsitz des Präsidentschaftskandidaten Carlos Gomes Junior gestürmt und diesen zusammen mit Interimspräsi- denten Raimundo Pereira festgenommen. In derselben Nacht habe das Militär dann sämtliche Strassen bloc kiert, die Stromversorgung der Stadt gekappt und die Kontrolle über das staatliche Fernsehen und Radio über- nommen. Berichten zufolge sei es in den zwei folgenden Tagen aufgrund der verordneten Ausgangssperre in der ganzen Stadt ungewöhnlich ruhig gewesen. Die Mehrheit der Stadtbewohner habe Angst gehabt, ihre Häuser überhaupt zu verlassen. Zu einem ersten kleinen Protest sei es erst am Sonntag 15. April 2012 gekommen, als rund 30 Befürworter des Präsident- schaftskandidaten Carlos Gomes Junior vor dem Nationa lparlament de- monstriert hätten. Die Protestaktion sei jedoch sogleich vom Militär aufge- löst worden. Für den darauffolgenden Tag, den 16. April 2012, habe eine E-242/2014 Seite 6 der grössten Gewerkschaften des Landes, die National Union of Workers of Guinea-Bissau (UNTG) ihren Protest angekündigt (vgl. Al Jazeera: "Con- cern over Guinea -Bissau 'coup'", 13.4.2012, und "Guinea-Bissau moves towards transition deal", 16.4.2012). Also hätten entgegen den Aussagen des Beschwerdeführers am 13. und 14. April 2012 auf den Strassen Biss- aus keine grossen Proteste gegen den Putsch stattgefunden; die diesbe- züglichen Vorbringen seien tatsachenwidrig. Die Angaben des Beschwer- deführers zu den Geschehnissen seien zudem widersprüchlich und unkon- kret. Während er gemäss Befragung an zwei Demonstrationen teilgenom- men haben will, seien es in der Anhörung bereits drei gewesen. Sie hätten manchmal morgens, manchmal nachmittags stattgefunden. Zudem habe er weder überzeugend schildern können, mit wem er demonstriert habe, noch was ihm und seinen Kollegen widerfahren sei. Bezeichnenderweise habe er nicht nachvollziehbar darlegen können, weshalb er vom Militär ge- sucht werde. Insgesamt würden die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nach Art. 7 AsylG nicht standhalten, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei. Der Wegweisungsvollzug sei zudem zulässig, möglich und zumutbar, letz- teres nicht zuletzt angesichts seiner Verwandten im Heimatland. 5.2 Diesen Erkenntnissen wird in der Beschwerde im Wesentlichen entge- gengehalten, das BFM habe einerseits die familiären Probleme und das soziale Netz, welches ungenügend sei, unvollständig geprüft un d damit den Sachverhalt im Zusammenhang mit den Wegweisungsvollzugshinder- nisse nicht vollständig erhoben. Ander seits seien die Grund sätze zur Glaubhaftigkeit von Asylvorbringen vom BFM nicht gebührend beachtet worden, zumal es sich um einen Minderjährigen handle (m.H.a. Urteil BVGer D-4243/2009 vom 3. März 2010). 5.3 Die Vorinstanz wies in ihrer Vernehmlassung darauf hin, dass die Be- schwerde keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Die in der Beschwerde geäusserten Rügen würden sich nur auf den Vollzug der Weg- weisung beziehen. Im vorinstanzlichen Entscheid seien dagegen die Tat- sachenwidrigkeit und die Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten politi- schen Verfolgung festgestellt worden. Zur Zumutbarkeit der Wegweisung sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in Bissau einen [Verwandten] habe, bei dem er bereits vor seiner Ausreise gelebt habe und der ihn auch künftig unterstützen und beherbergen könne. E-242/2014 Seite 7 5.4 In der Replik folgten vorab Ausführungen zur familiären und ökonomi- schen Situation in Guinea-Bissau. So sei der [Verwandte] des Beschwer- deführers seit dem Putsch vom April 2012 arbeitslos und leide an gesund- heitlichen Problemen. Er lebe mit rund zwanzig weiteren Fami lienmitglie- dern in einem Haus: Neben zwei Ehefrauen und den eigenen fünf Kindern habe er nach dem Putsch noch zwölf weitere Verwandte bei sich aufge- nommen; die Familienmitglieder würden sich jeweils zu viert ein Zimmer teilen. Die finanzielle Situation der ganzen Verwandtschaft sei prekär, zu- mal der [Verwandte] bedingt durch seine Arbeitslosigkeit und auch durch die Auslagen für die Flucht des Beschwerdeführers, über keine Erspar- nisse mehr verfüge. Der [Verwandte] erinnere den Beschwerdeführer bei jedem Telefonat daran, dass er viel Geld bezahlt habe, damit dieser nach Europa habe gehen können, weshalb sich dieser nun erkenntlich zeigen und sich um ihn kümmern solle. Zudem könne der [Verwandte] ihn auch aus Sicherheitsgründen nicht aufnehmen könne, würde er doch als erstes im Haus seines [Verwandten] gesucht, womit die Gefahr beste he, dass seine Verwandtschaft behelligt werde. Aufgrund der weitverbreiteten Kor- ruption aller Behörden, insbesondere auch der Grenzpolizei, bestehe für den Beschwerdeführer ein konkretes Gefährdungsr isiko im Falle einer Wegweisung. Auch di e desolate Mensch enrechts- und Sicherheitslage stelle, unter Hinweis auf diverse Berichte, ein Wegweisungsvollzugshinder- nis dar. 6. 6.1 Entgegen der Betrachtungsweise der Vorinstanz in ihrer Vernehmlas- sung ist vorab festzustellen, dass nicht nur der Wegweisungsvollzug, son- dern formell auch die Nichtanerkennung als Flüchtling und die Asylverwei- gerung angefochten worden ist. Allerdings beschränkt sich die Begründung weitgehend auf die Wegweisungsvollzugshindernisse. 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht erkennt die Aussagen des Beschwer- deführers ebenfalls als unsubstanziiert, unkonkret und undetailliert . Dies trifft sowohl auf die Umstände seines Wegzuges aus seinem Heimatdorf (Tod der Eltern und Bedrohung durch Halbbrüder) als auch die eigentlichen Fluchtgründe, namentlich die Teilnahme an Demonstrationen gegen den Militärputsch zu. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird auf die entspre- chenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen, welche zu bestätigen sind. Hervorzuheben ist zudem, dass der Beschwerdeführer weder zu kon- kretisieren noch zu belegen vermochte, warum das Militär gerade ihn ge- sucht habe und immer noch suche und wie diese Suche konkret aussehe. E-242/2014 Seite 8 Die quasi vollständige Absenz von Realkennzeichen in all seinen Vorbrin- gen rechtfertigt erste Zweifel am angeblich Vorgefallenen. 6.3 Gegen die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers spricht weiter, dass er sich tatsachenwidrig zu den Geschehnissen rund um den Militär- putsch vom 12. April 2012 äusserte. Die von der Vorinstanz angegebenen Texte des Nachrichtensenders Aljazeera (welche auf dem Internet einseh- bar sind) bestätigen, dass die Hauptstadt Bissau am Tag nach dem Putsch ruhiger war als sonst, und dass die Leute im Allgemeinen zu Hause blie- ben. Die grösste nationale Gewerkschaft mit rund 8000 Mitgliedern habe zwar zu einer Grossdemonstration für Montag, 16. April 2012, aufgerufen, und am Sonntag, 15. April 2012, sei eine kleine Demonstration von 30 Per- sonen vom Militär aufgelöst worden. Dagegen gab der Beschwerdeführer an, er habe an diesen beiden Tagen mit "vielen Leuten" an Demonstratio- nen teilgenommen, welche das Militär aufgelöst habe, wobei es massen- haft Verletzte gegeben habe (vgl. A9 S. 7, A45 F58-62). Der von der Vo- rinstanz festgestellte Widerspruch (Teilnahme an zwei oder an drei De- monstrationen, vgl. A45 F67 u. 70 ff.) betrifft nach Einschätzung des Bun- desverwaltungsgerichtes den wesentlichen Punkt der asylbeachtlichen Verfolgung, und obwohl er allein betrachtet nicht als gravierend bezeichnet werden kann, so fügt er sich doch ins Bild der insgesamt persönlichen Un- glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. Im Übrigen lässt die Formulie- rung, die Demonstrationen hätten manchmal morgens und manchmal nachmittags stattgefunden, aus sprachlogischen Gründen auf mindestens vier schliessen; nach Darstellung des Beschwerdef ührers hat es aber bis zu seiner Ausreise nur deren drei gegeben.. 6.4 In der Beschwerde wird den vorinstanzlichen Erwägungen zur Un- glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers sinngemäss entge- gengehalten, dass in Anbetracht seiner Minderjährigkeit bei der Glaubhaf- tigkeitsprüfung ein anderer Massstab zu gelten habe . Dabei wird auf d as Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4243/2009 vom 3. März 2010 an- geführt. In diesem wird indes lediglich auf die nach wie vor geltende bun- desverwaltungsgerichtliche Rechtsprechung gemäss EMARK 2006 Nr. 24 zur Pflicht der Vorinstanz, die persönliche Situation von unbegleiteten Min- derjährigen vor Ort bei der Prüfung der Wegweisungsvollzugshindernisse spezifisch unter dem Blickwinkel des Kindeswohl abzuklären, verwiesen. Die Vorinstanz hat somit zu Recht in der Vernehmlassung darauf hingewie- sen, dass die beschwerdeweise erhobenen Rügen sich lediglich auf den Vollzug der Wegweisung beziehen würden. Auch in der Replik versäumt es der Beschwerdeführer zu konkretisieren, inwiefern seine allfällige kindliche E-242/2014 Seite 9 Unreife gegen die vorinstanzlichen, die Glaubhaftigkeit der Vorbringen ver- neinenden Erwägungen spricht. Details zu einer konkreten, politisch-moti- vierten und aktuellen Gefährdung fehlen; seine Ausführungen erschöpfen sich auch hier in unsubstanziierten und unbelegten Behauptungen. Mit dem blossen Anrufen seiner Minderjährigkeit können objektiv betrachtet weder die Tatsachenwidrigkeit noch die Widersprüche noch die mangelnde Substantiiertheit der Vorbringen erklärt werden, so dass keine für die Rich- tigkeit des dargelegten Sachverhalts sprechenden Gründe erkannt werden können. 6.5 Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts die geschilderten Erlebnisse zudem nicht von einer Eingriffsintensität sind, die sie als ernsthafte Nachteile im asylrechtli- chen Sinne erscheinen lassen. Dem Beschwerdeführer ist es gemäss ei- genen Angaben anlässlich der Demonstrationen gelungen zu fliehen. Mit- hin hat er keine wesentlichen Verfolgungsmassnahmen erli tten. Dass der Beschwerdeführer in der Folge wegen der angeblichen Suche durch das Militär einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt gewesen wäre (vgl. BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1 m.w.H.), ist ebenfalls zu verneinen. 6.6 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat, da die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Voraussetzungen von Art. 7 AsylG noch denjenigen von Art. 3 AsylG genügen. Der Beschwerde- führer erfüllt die Flüchtlingseigenschaft nicht. Die entsprechenden Ausfüh- rungen des Beschwerdeführers erweisen sich somit als unbeachtlich. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel d ie Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. E-242/2014 Seite 10 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der ausländischen Person in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.1.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung find en. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.1.2 Sodann ergeben sich weder keine Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Rückkehr nach Guinea-Bissau dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) und jener des UN-Anti-Folteraus- schusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") E-242/2014 Seite 11 nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 ff., m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssi- tuation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit- punkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völ- kerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.2.1 Hinsichtlich der allgemeinen Lage ist festzustellen, dass in Guinea- Bissau keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht, die den Wegweisungs- vollzug generell als unzumutbar ersc heinen liesse (vgl. etwa Urteil D- 5260/2013 vom 11. April 2014 E. 8.5 m.w.H.). An dieser Feststellung ver- mögen auch die mit der Replik vom 10. März 2014 eingereichten Berichte nichts zu ändern. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen weite Teile der ansässigen Bevölkeru ng betroffen sind, genügen praxisgemäss nicht, um eine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6). 8.2.2 Im Weiteren sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu- mutbarkeit des Vollzugs. Der Beschwerdeführer ist in der Zwischenzeit voll- jährig geworden, womit die Vereinbarkeit des Vollzuges der Wegweisung mit den Bestimmungen der Konvention vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) nicht mehr geprüft zu werden braucht. Namentlich erübrigt es sich, die gerügte Verletzung der Abklärungspflicht der Vorinstanz im Sinne von EMARK 2006 Nr. 24 zu prüfen und die dies- bezüglichen vorinstanzlichen Erwägungen im Lichte der in BVGE 2012/31 E. 7.3.2.3 stipulierten Anforderungen (Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art der Beziehungen, Eigenschaften d er Bezugspersonen, Stand und Prognose bezüglich Entwicklung und Ausbildung sowie Grad der Integration bei län- gerem Aufenthalt in der Schweiz) zu analysieren. Nichtsdestotrotz unter- zieht das Gericht angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer erst vor Kurzem volljährig geworden ist, die im Zusammenhang mit einer E-242/2014 Seite 12 Gefährdung des Kindeswohls vorgebrachten Rügen einer genaueren Be- trachtung. 8.2.3 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung zur Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzuges festgestellt, der Beschwerdeführer sei 17 Jahre alt und bei guter Gesundheit. Die angeblichen Probleme mit den Halbbrüdern seien nicht glaubhaft gemacht, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass er bei einer Rückkehr in die Heimat mit Problemen konfrontiert wäre, die er nicht bewältigen könne und die eine Rückkehr als unzumutbar erscheinen lies- sen. Überdies habe er zu Protokoll gegeben, dass er in seiner Heimat über weitere Verwandte verfüge – nämlich einerseits die [Verwandten] väterli- cherseits, die in seinem Heimatdorf leben würden, und anderseits der in Bissau lebende [Verwandte], bei welchem er bis vor seiner Ausreise gelebt und welcher für ihn gesorgt und die Ausreise organisiert habe. Gemäss eigenen Angaben pflege er regelmässig telefonischen Kontakt mit diesem [Verwandten], der sich auch immer nach seinem Wohl erkundige. Somit könne davon ausgegangen werden, dass er in der Heimat über eine Be- zugsperson verfüge, die in der Lage sei, ihn zu beherbergen, aufzunehmen und zu unterstützen. Da in Bissau zahlreiche Bildungsinstitutionen vorhan- den seien, sei damit auch die Möglichkeit auf Schul- und Weiterbildung ge- geben. Ferner sei seit seiner Einreise in die Schweiz im August 2012 keine überdurchschnittliche Integration in die schweizerischen Verhältnisse er- folgt, die den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen lasse. Aufgrund der relativ kurzen Landesabwesenheit von seinem Heimatstaat könne zudem davon ausgegangen werden, dass die Reinte gration rasch gelingen werde. 8.2.4 In der Beschwerde bzw. Replik wurde nicht konkret ausgeführt, i n- wiefern die Vorinstanz mit diesen Erwägungen den Anforderungen ihrer speziellen Abklärungspflicht gemäss EMARK 2006 Nr. 24 nicht nachge- kommen ist beziehungsweise inwiefern sie damit den Kriterien bezüglich der Beachtung des Kindeswohl s bei der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nicht (genügend) Rechnung getragen hat. Das Bundesverwaltungsgericht stellt vielmehr fest, dass die Vorinstanz verschiedene Angehörige, insbesondere den [Verwandten] mütterlicher- seits, angeführt hat, zu denen der Beschwerdeführer zurück kehren kann, zumal der [Verwandte] ihn schon früher bei sich aufgenommen, seine Aus- reise bezahlt und sich auch danach stets um sein Wohlergehe n gesorgt habe (vgl. A 45 F90 ff. S. 10 und 11). Damit würdigte das BFM insbeson- dere die Art der Beziehungen und die Eigenschaften seiner angegebenen E-242/2014 Seite 13 Bezugspersonen. Dass dieser [Verwandte] seit dem Militärputsch arbeits- los und gesundheitlich angeschlagen sei und dass er für die Bezahlung seiner Ausreise alle seine Ersparnisse aufgebraucht habe, bringt der Be- schwerdeführer erstmals in der Replik vor. Diese neuen Tatsachen werden in keiner Weise belegt, weshalb sie als nachgeschoben zu qualifizieren sind und damit unbeachtlich bleiben. Die Vorinstanz würdigte zudem so- wohl das Alter als auch den Stand und die Prognose bezüglich Entwick- lung/Ausbildung. Es verneint auch zu Recht eine (überdurchschnittliche) Integration in der Schweiz. Insgesamt ist mithin davon auszugehen, dass der junge, gesunde Beschwerdeführer, bei der Rückkehr einen sozialen Rückhalt in der Familie finden wird. Selbst wenn seine Eltern tatsächlich verstorben sein sollten, wäre ihm zuzumuten, sich mit Hilfe des [Verwand- ten] mütterlicherseits, welcher ihm damals zur Flucht verholfen hat, oder der anderen [Verwandten] väterlicherseits, vor Ort wieder einzuleben. 8.2.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung im vorliegenden Fall auch in Berücksichtigung der individuellen Situation des Beschwerdeführers als zumutbar. 8.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich- nen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.4 Zusammenfassend hat d as BFM den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor- läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverh alt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären de m Beschwerdeführer die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600. – festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). E-242/2014 Seite 14 Nach dem Gesagten erweist sich die vor Erreichung der Volljährigkeit ein- gereichte Beschwerde indes nicht als von vornherein aussichtslos, wes- halb in Anbetracht der nach wie vor bestehenden Bedürftigkeit dem Ge- such um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG stattzugeben ist und keine Kosten aufzuerlegen sind. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird gutgeheissen und von einer Kostenauflage abgesehen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Tu-Binh Tschan Versand: