<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 31" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 31</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Vollstreckung</span> <span class="page_no">209</span> </div> <div class="page" id="S209"> <div role="main"> <span class="text"><b>XI. Vollstreckung </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>31 </b> <b>Vollstreckung; Vollzugsverschiebung des Führerausweisentzugs</b></span><br/> <span class="text">Der Vollzugstermin des Führerausweisentzugs ist unverhältnismässig,</span><br/> <span class="text">wenn er den Betroffenen aufgrund einer beruflichen Angewiesenheit be-</span><br/> <span class="text">sonders hart trifft. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 23. Juli</span><br/> <span class="text">2019, in Sachen A. gegen Strassenverkehrsamt (WBE.2019.180).</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">2.1.</span><br/> <span class="text">Bei der Festsetzung des Vollzugsbeginns eines Warnungsentzu-</span><br/> <span class="text">ges ist - wie im Verwaltungsrecht allgemein - der Grundsatz der</span><br/> <span class="text">Verhältnismässigkeit (vgl. § 3 VRPG; Art. 5 Abs. 2 BV) zu beachten.</span><br/> <span class="text">Dieses Prinzip fordert, dass die Vollstreckungsmassnahmen zur Ver-</span><br/> <span class="text">wirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet</span><br/> <span class="text">und notwendig sind. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in</span><br/> <span class="text">einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die den</span><br/> <span class="text">Privaten auferlegt werden, d.h. zumutbar sein (vgl. ULRICH</span><br/> <span class="text">HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwal-</span><br/> <span class="text">tungsrecht, 7. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 514; TOBIAS</span><br/> <span class="text">JAAG, in: ALAIN GRIFFEL [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungs-</span><br/> <span class="text">rechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Auflage,</span><br/> <span class="text">Zürich/Basel/Genf 2014, § 30 N 68). Aufgrund des Legali-</span><br/> <span class="text">tätsprinzips, der Rechtsgleichheit und der Rechtssicherheit sind die</span><br/> <span class="text">Behörden verpflichtet, Sachentscheide zu vollstrecken. Sie haben</span><br/> <span class="text">daher im Rahmen der Vollstreckung lediglich einen gewissen Ermes-</span><br/> <span class="text">sensspielraum bei der Bestimmung der Modalitäten. Beim Vollzug</span><br/> <span class="text">eines Warnungsentzugs geht es ausschliesslich um die Ansetzung des</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">210</span> </div> <div class="page" id="S210"> <div role="main"> <span class="text">Entzugsbeginns (vgl. AGVE 2013, S. 351; VGE vom 20. September</span><br/> <span class="text">2012 [WBE.2012.331], S. 5).</span><br/> <span class="text">2.2.</span><br/> <span class="text">Beim Entscheid über die Aufschiebung eines Warnungsentzugs</span><br/> <span class="text">sind das öffentliche Interesse am Vollzug der Administrativmass-</span><br/> <span class="text">nahme und das private Interesse des betroffenen Fahrzeuglenkers am</span><br/> <span class="text">Aufschub gegeneinander abzuwägen. Es besteht ein öffentliches In-</span><br/> <span class="text">teresse an einem möglichst zügigen Vollzug; damit wird der erzie-</span><br/> <span class="text">herische Zweck der Massnahme am ehesten erreicht. Der Zeitpunkt</span><br/> <span class="text">des Entzugs kann nicht weitgehend nach den Wünschen des betrof-</span><br/> <span class="text">fenen Fahrzeuglenkers festgelegt werden. Zu vermeiden ist auf der</span><br/> <span class="text">anderen Seite, dass die Massnahme über den damit bezweckten er-</span><br/> <span class="text">zieherischen Zweck hinaus den betroffenen Fahrzeuglenker aus in</span><br/> <span class="text">seiner Person liegenden Gründen besonders schwer trifft oder schi-</span><br/> <span class="text">kanös wird (vgl. VGE vom 20. September 2012 [WBE.2012.331],</span><br/> <span class="text">S. 5; RENÉ SCHAFFHAUSER, Grundriss des schweizerischen Stras-</span><br/> <span class="text">senverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern</span><br/> <span class="text">1995, Rz. 2729, 2731; AGVE 1989, S. 494).</span><br/> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">3.1.</span><br/> <span class="text">Berufliche Gründe, mit welchen ein betroffener Fahrzeuglenker</span><br/> <span class="text">vor Erlass der Vollstreckungsverfügung um Verschiebung nachsucht,</span><br/> <span class="text">sind bei der Festsetzung des Entzugsbeginns zu berücksichtigen (vgl.</span><br/> <span class="text">AGVE 2013, S. 351; VGE vom 26. Juni 2013 [WBE.2013.144],</span><br/> <span class="text">S. 6 f.). Die Praxis stellt hohe Anforderungen an den Nachweis der</span><br/> <span class="text">beruflichen Angewiesenheit, zumal zu verhindern ist, dass ein be-</span><br/> <span class="text">rufstätiger Automobilist gegenüber einem nicht Erwerbstätigen bes-</span><br/> <span class="text">sergestellt ist (VGE vom 20. September 2012 [WBE.2012.331], S. 6</span><br/> <span class="text">mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">3.2.</span><br/> <span class="text">Im Gesuch um Vollzugsverschiebung verwies der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer im Wesentlichen auf seine Tätigkeit als selbständiger</span><br/> <span class="text">Lohnunternehmer. Vom Mai bis November müssten folgende Arbei-</span><br/> <span class="text">ten erledigt werden: Getreideernte Gerste, Getreideernte Weizen und</span><br/> <span class="text">Raps, Gülletransporte, Kartoffeltransporte sowie Maisernte. In der</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Vollstreckung</span> <span class="page_no">211</span> </div> <div class="page" id="S211"> <div role="main"> <span class="text">Stellungnahme konkretisierte der Beschwerdeführer sein Vorbringen</span><br/> <span class="text">wie folgt:</span><br/> <span class="text">Das verstehe ich nicht. Der Beginn einen Monat [richtig: zwei Monate] später</span><br/> <span class="text">hat doch nichts mit der Erziehungswirkung zu tun. Ich führe zusammen mit einigen</span><br/> <span class="text">Familienmitgliedern und Angestellten unter anderem ein Lohnunternehmen. Bis</span><br/> <span class="text">Ende Oktober ist jeweils Erntehochsaison. Jedermann wird gebraucht, um in den</span><br/> <span class="text">jeweils sehr engen, nicht voraussehbaren Zeitfenstern die Erntearbeiten bzw. Aufträ-</span><br/> <span class="text">ge zu erledigen (Tag u. Nacht!).</span><br/> <span class="text">Ich führe das Lohnunternehmen schon unzählige Jahre und habe absolut am</span><br/> <span class="text">meisten Erfahrung und Fertigkeiten u. Kontakte. Fast alles läuft bei mir zusammen.</span><br/> <span class="text">Falls ich zu dieser Zeit keine Fahrzeuge (alle Kategorien) führen kann, können wir</span><br/> <span class="text">unsere Aufträge und allfällige Notfälle nicht erledigen. Der Verlust wäre enorm, da</span><br/> <span class="text">regelmässig sehr teure Maschinen zum Einsatz kommen. Ich muss jeweils Feldbe-</span><br/> <span class="text">sichtigungen machen, Material- und Erntetransporte durchführen, Reparaturen erle-</span><br/> <span class="text">digen, Ernten, je nach aktueller Situation.</span><br/> <span class="text">3.3.</span><br/> <span class="text">Das Strassenverkehrsamt hatte anlässlich der Gewährung des</span><br/> <span class="text">rechtlichen Gehörs am 25. Januar 2019 mitgeteilt, der Abgabetermin</span><br/> <span class="text">müsse innerhalb von 7 Monaten festgelegt werden (d.h. spätestens</span><br/> <span class="text">am 25. August 2019). Um dem erzieherischen Zweck der Massnah-</span><br/> <span class="text">me gerecht zu werden, ist seines Erachtens eine Verschiebung auf</span><br/> <span class="text">den 1. November 2019 ausgeschlossen. Verwiesen wird zudem auf</span><br/> <span class="text">einen früheren Warnungsentzug aus dem Jahre 2012.</span><br/> <span class="text">3.4.</span><br/> <span class="text">Nach den Ausführungen des Strassenverkehrsamts hätte für den</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführer die Möglichkeit bestanden, den Führerausweis be-</span><br/> <span class="text">reits zu Beginn dieses Jahres abzugeben. Tatsächlich wurde dem Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs</span><br/> <span class="text">vom 25. Januar 2019 nicht nur die Administrativmassnahme in Aus-</span><br/> <span class="text">sicht gestellt; sondern er wurde gleichzeitig darauf hingewiesen, dass</span><br/> <span class="text">er den Abgabetermin innerhalb der nächsten 7 Monate frei wählen</span><br/> <span class="text">könne. Der Sachentscheid, mit welchem die Entzugsdauer auf</span><br/> <span class="text">3 Monate festgesetzt wurde, datiert indessen erst vom 28. März</span><br/> <span class="text">2019. Er enthielt den Hinweis, dass ein sofortiger Vollzug möglich</span><br/> <span class="text">sei, wenn ein Gesuch um Vollzugsverschiebung gestellt und der Füh-</span><br/> <span class="text">rerausweis beigelegt werde. Ein sofortiger Ausweisentzug konnte in-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">212</span> </div> <div class="page" id="S212"> <div role="main"> <span class="text">dessen zu diesem Zeitpunkt den geltend gemachten beruflichen Be-</span><br/> <span class="text">dürfnissen des Beschwerdeführers (vgl. vorne Erw. 3.2) nicht genü-</span><br/> <span class="text">gend Rechnung tragen. Damit kein Konflikt mit den im Mai begin-</span><br/> <span class="text">nenden Erntearbeiten entstanden wäre, hätte eine Abgabe in den Mo-</span><br/> <span class="text">naten Februar/März/April erfolgen müssen. Das Strassenverkehrsamt</span><br/> <span class="text">bezieht sich in seinen Ausführungen zu den Dispositionsmöglich-</span><br/> <span class="text">keiten des Beschwerdeführers somit auf einen Zeitpunkt, in welchem</span><br/> <span class="text">noch gar keine Administrativmassnahme verfügt war. Auch unter Be-</span><br/> <span class="text">rücksichtigung, dass dem Beschwerdeführer der Ausweis bereits</span><br/> <span class="text">einmal entzogen werden musste, ist nachvollziehbar, dass er zuerst</span><br/> <span class="text">Kenntnis von der definitiven Entzugsdauer haben wollte, bevor er</span><br/> <span class="text">sich um deren konkrete zeitliche Festlegung kümmern konnte.</span><br/> <span class="text">Die Praxis des Strassenverkehrsamts, wonach dreimonatige</span><br/> <span class="text">Führerausweisentzüge, welche nicht angefochten werden, innert</span><br/> <span class="text">7 Monaten ab Gewährung des rechtlichen Gehörs zu vollziehen sind,</span><br/> <span class="text">dient als Richtwert der rechtsgleichen Anordnung der Vollstreckung.</span><br/> <span class="text">Massgebend ist aber stets der Einzelfall, so dass berufliche Gründe,</span><br/> <span class="text">mit welchen ein betroffener Fahrzeuglenker um eine Verschiebung</span><br/> <span class="text">nachsucht, bei der individuellen Festsetzung des Entzugsbeginns zu</span><br/> <span class="text">berücksichtigen sind (AGVE 2013, S. 351 mit Hinweis).</span><br/> <span class="text">3.5.</span><br/> <span class="text">Das Verwaltungsgericht hat in seiner bisherigen Praxis nicht be-</span><br/> <span class="text">anstandet, dass bei einem selbständigen Maler der Entzugstermin be-</span><br/> <span class="text">reits Mitte Juni angesetzt wurde und nicht erst - wie ersucht - Mitte</span><br/> <span class="text">Dezember. Dieser Beschwerdeführer nahm keinen Bezug auf allfälli-</span><br/> <span class="text">ge saisonale oder zyklische Geschäftsentwicklungen und beschränkte</span><br/> <span class="text">sich darauf darzulegen, dass ihn der Führerausweisentzug als solcher</span><br/> <span class="text">besonders hart treffe. Nicht ersichtlich war, dass ihn der Ausweisent-</span><br/> <span class="text">zug mit späterem Entzugsbeginn weniger empfindlich beeinträchti-</span><br/> <span class="text">gen würde als der angeordnete (vgl. VGE vom 23. Mai 2018</span><br/> <span class="text">[WBE.2018.140], S. 6). Bei einem angestellten Aussen-</span><br/> <span class="text">dienstmitarbeiter hat das Verwaltungsgericht nicht beanstandet, dass</span><br/> <span class="text">die Verschiebung des Vollzugsbeginns nicht - wie beantragt - auf</span><br/> <span class="text">den 18. Februar, sondern lediglich auf den 11. Januar gewährt wurde.</span><br/> <span class="text">Zur Begründung erwog es, dass dem Beschwerdeführer nach durch-</span><br/> <span class="text">geführtem Rechtsmittelverfahren ausreichend Zeit für Dispositionen</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Vollstreckung</span> <span class="page_no">213</span> </div> <div class="page" id="S213"> <div role="main"> <span class="text">zur Verfügung gestanden habe. Die Argumentation des Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führers (Stellensuche, prekäre finanzielle Verhältnisse, bestehende</span><br/> <span class="text">Unterhaltspflichten sowie Hinweis auf die Karenzfrist für den Bezug</span><br/> <span class="text">von Arbeitslosentaggeldern) legte nahe, dass lediglich ein möglichst</span><br/> <span class="text">langer Aufschub des Führerausweisentzugs bezweckt wurde (vgl.</span><br/> <span class="text">VGE vom 9. Januar 2019 [WBE.2018.445], S. 6 ff.). Schliesslich hat</span><br/> <span class="text">das Verwaltungsgericht bei einem Arzt, welcher an zwei Spitälern tä-</span><br/> <span class="text">tig war und das Auto im Wesentlichen für den Arbeitsweg einsetzte,</span><br/> <span class="text">nicht beanstandet, dass kein Vollzugsaufschub um weitere zwei Mo-</span><br/> <span class="text">nate gewährt worden war. Entsprechende Erschwernisse, Unan-</span><br/> <span class="text">nehmlichkeiten oder Kosten seien unausweichlich Folge der Wider-</span><br/> <span class="text">handlung gegen das Strassenverkehrsgesetz. Für Notfallsituationen</span><br/> <span class="text">seien Vorkehren und Dispositionen innerhalb der Arbeitsorganisation</span><br/> <span class="text">zu treffen; diese Problematik bestehe auch bei der Festlegung eines</span><br/> <span class="text">späteren Entzugstermins (VGE vom 20. September 2012</span><br/> <span class="text">[WBE.2012.331], S. 6 f.).</span><br/> <span class="text">3.6.</span><br/> <span class="text">Als selbständiger Lohnunternehmer ist der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="text">saisonalen Schwankungen besonders ausgesetzt. Typischerweise füh-</span><br/> <span class="text">ren Lohnunternehmen für Landwirtschaftsbetriebe insbesondere Ern-</span><br/> <span class="text">tearbeiten aus, bei welchen bestimmte (kostenintensive) Landma-</span><br/> <span class="text">schinen wie beispielsweise Mähdrescher zum Einsatz gelangen. Der</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführer legt dar, dass er jeweils von Mai bis Ende Oktober</span><br/> <span class="text">insbesondere für die Ernte von Gersten, Weizen, Raps und Mais so-</span><br/> <span class="text">wie für Kartoffel- und Gülletransporte äusserst stark beansprucht</span><br/> <span class="text">wird. Dabei verweist er auf zu erwartende finanzielle Einbussen,</span><br/> <span class="text">falls die Landmaschinen nicht planmässig eingesetzt werden können.</span><br/> <span class="text">In diesem Zusammenhang betont er seine Funktion als Ge-</span><br/> <span class="text">schäftsführer, welche neben dem Ernten insbesondere Feldbesichti-</span><br/> <span class="text">gungen, Material- und Erntetransporte sowie Reparaturen umfasse.</span><br/> <span class="text">Unter zusätzlicher Berücksichtigung der wetterabhängigen Arbeiten,</span><br/> <span class="text">welche unter Zeitdruck erfolgen, ist davon auszugehen, dass ein mo-</span><br/> <span class="text">bilitätsbedingter Ausfall des Beschwerdeführers während der Ern-</span><br/> <span class="text">tesaison kaum durch den Einsatz von Familienmitgliedern und Ange-</span><br/> <span class="text">stellten aufgefangen werden könnte. Bei dieser Ausgangslage ist</span><br/> <span class="text">darauf zu schliessen, dass den Beschwerdeführer der angeordnete</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">214</span> </div> <div class="page" id="S214"> <div role="main"> <span class="text">Entzug des Führerausweises ab dem 25. August 2019 besonders hart</span><br/> <span class="text">trifft. Die ungünstigen Wirkungen des Entzugs entsprechen aufgrund</span><br/> <span class="text">besonderer Umstände nicht mehr dem üblichen Ausmass (vgl.</span><br/> <span class="text">SCHAFFHAUSER, a.a.O., Rz. 2731). Damit erfüllt der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer die Anforderungen der (vorübergehenden) berufli-</span><br/> <span class="text">chen Angewiesenheit auf den Führerausweis, welche eine Verschie-</span><br/> <span class="text">bung des Vollzugs rechtfertigen, zumal im Herbst/Winter keine ver-</span><br/> <span class="text">gleichbare Abhängigkeit vom Führerausweis besteht. Dem erzieheri-</span><br/> <span class="text">schen Zweck der Massnahme kann auch entsprochen werden, wenn</span><br/> <span class="text">er den Führerausweis nach der Erntesaison (mithin gut 2 Monate spä-</span><br/> <span class="text">ter als vom Strassenverkehrsamt angeordnet) abgibt. Auch diesfalls</span><br/> <span class="text">wird er Beeinträchtigungen in Kauf nehmen müssen; diese dürften</span><br/> <span class="text">jedoch deutlich weniger einschneidend sein als bei einem Entzug</span><br/> <span class="text">während der Erntearbeiten. Hinzu kommt, dass zwischen der Zustel-</span><br/> <span class="text">lung der Administrativmassnahme und dem Entzugsbeginn gut</span><br/> <span class="text">7 Monate liegen werden. Die erzieherische Wirkung des Entzugs ist</span><br/> <span class="text">damit nicht infrage gestellt.</span><br/> <span class="text">Der vom Strassenverkehrsamt angeordnete Führerausweisent-</span><br/> <span class="text">zug vom 25. August 2019 bis und mit 24. November 2019 erweist</span><br/> <span class="text">sich somit als unverhältnismässig und ist zu korrigieren.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>