A bteilung V E -6829/2006 {T 0/2} U rteil vom 2. Juli 2007 M itw irkung: R ichter W eber, Schm id, Lang G erichtsschreiberin Jorns M orgenegg X._______, geboren (...), dessen Ehefrau Y._______, geboren (...), sow ie die Kinder W ._______, geboren (...), und Z._______, geboren (...), Bosnien und H erzegow ina, w ohnhaft (...), vertreten durch lic. iur. M ichael G uidon, Berner Beratungsstelle für Asylsuchende, Schw arztorstrasse 124, 3007 Bern, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), vorm als Bundesam t für Flüchtlinge (BFF), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 12. Septem ber 2003 i.S. Vollzug der W egw eisung / (...) B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie Beschw erdeführer verliessen den H eim atstaat nach eigenen Angaben am 23. April 2003 und gelangten am 24. April 2003 in die Schw eiz, w o sie gleichentags um Asyl nachsuchten. N ach einer Kurzbefragung im Em pfangszentrum Basel (vor- m als Em pfangsstelle) am 28. April 2003 w urden die Beschw erdeführer für die D au- er des Verfahrens dem Kanton Bern zugew iesen Am 4. und 5. Septem ber 2003 er- folgte die Anhörung zu den Asylgründen durch die zuständige kantonale Behörde. Im W esentlichen m achten die Beschw erdeführer bei den Befragungen geltend, er (der Beschw erdeführer) habe w ährend des Krieges als Zugführer der bosnischen Arm ee an Kam pfhandlungen teilgenom m en. Bei der Eroberung eines D orfes sei ein kroatischer Soldat erschossen w orden. Ausserdem habe seine Einheit m ehrere Leute gefangen genom m en, w elche er gekannt habe. N ach dem Krieg, im O ktober 2002, sei der Beschw erdeführer in einem Einkaufszentrum von einem seiner ehe- m aligen G efangenen beschim pft und beleidigt w orden. Seit N ovem ber 2002 seien die Beschw erdeführer telefonisch m it dem Tode bedroht w orden. D ie D rohungen seien alle auf die Kriegsteilnahm e des Beschw erdeführers zurückzuführen. Auch die Kinder der Beschw erdeführer seien desw egen in der Schule schikaniert und beschim pft w orden. Sie (die Beschw erdeführerin) habe nach jeder telefonischen D rohung vor Angst gezittert. Seit dem Krieg sei sie traum atisiert. Ihre Tochter, die w ahrscheinlich ebenfalls traum atisiert sei, sei zur Bettnässerin gew orden und w er- de derzeit in der Schw eiz ärztlich behandelt. Zudem leide der Beschw erdeführer unter Bluthochdruck. Für den Inhalt der w eiteren Aussagen w ird auf die Akten verw iesen. D as Bundes- am t verzichtete auf w eitere Abklärungen. B. D as Bundesam t lehnte m it Verfügung vom 12. Septem ber 2003 - eröffnet am 15. Septem ber 2003 - die Asylgesuche ab, verfügte gleichzeitig die W egw eisung der Beschw erdeführer aus der Schw eiz und ordnete den W egw eisungsvollzug an. Zur Begründung w urde ausgeführt, die Vorbringen der Beschw erdeführer genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gem äss Art. 3 AsylG nicht. D er Vollzug der W egw eisung sei durchführbar und zum utbar; ihm stünden keine trifti- gen G ründe entgegen. D ie Behandlung der gesundheitlichen Beschw erden psychi- scher N atur der Beschw erdeführer sei im H eim atland gew ährleistet. Falls erforder- lich, könnten die Beschw erdeführer die entsprechende m edizinische Infrastruktur ihres H eim atlandes in Anspruch nehm en. C . M it Beschw erde bei der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) vom 15. O ktober 2003 beantragten die Beschw erdeführer durch ihren R echtsvertreter die Aufhebung der den W egw eisungsvollzug betreffenden Punkte der angefochtenen Verfügung. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der W egw eisung unzum utbar im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG sei und es sei das BFF anzuw eisen, den Be- schw erdeführern von Am tes w egen die vorläufige Aufnahm e zu erteilen. D em W egw eisungsvollzug stünden vor allem gesundheitliche Problem e psychischer N a- tur entgegen. In diesem Zusam m enhang reichten die Beschw erdeführer ein ärztli- ches Zeugnis vom 7. O ktober 2003, die Beschw erdeführerin betreffend, ein. D en 3 Beschw erdeführern sei die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG zu gew ähren und von der Erhebung eines Kostenvorschusses sei abzusehen. Auf die Begründung der Beschw erde sow ie auf die eingereichten Bew eism ittel w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. D . M it Zw ischenverfügung vom 22. O ktober 2003 stellte die dam als zuständige Inst- ruktionsrichterin der AR K fest, dass die Beschw erdeführer lediglich den angeord- neten Vollzug der W egw eisung anfechten liessen, w eshalb die Ziffern 1 bis 3 des D ispositivs der Verfügung des Bundesam tes vom 12. Septem ber 2003 m it Ablauf der Beschw erdefrist rechtskräftig seien. G leichzeitig w urde das G esuch um G e- w ährung der unentgeltlichen R echtspflege (Art. 65 Abs. 1 Vw VG ) gutgeheissen und antragsgem äss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Zur N achreichung der ärztlichen U nterlagen, w elche sich im Besitz ihres R echtsvertre- ters befänden, sow ie zur Einreichung einer Erklärung über die Entbindung von der ärztlichen Schw eigepflicht gegenüber den Asylbehörden w urde den Beschw erde- führern Frist bis zum 6. N ovem ber 2003 angesetzt. E. M it Eingabe vom 29. O ktober 2003 fanden die ärztlichen U nterlagen sow ie drei Er- klärungen über die Entbindung von der ärztlichen Schw eigepflicht gegenüber den Asylbehörden Eingang in die Akten. F. M it Vernehm lassung vom 7. N ovem ber 2003 beantragte das Bundesam t die Ab- w eisung der Beschw erde. Auf die Ausführungen w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. G . M it Zw ischenverfügung vom 11. N ovem ber 2003 w urde die Vernehm lassung des Bundesam tes den Beschw erdeführern unter Fristansetzung zur R eplik zugestellt. Auf die entsprechende Stellungnahm e vom 25. N ovem ber 2003 sow ie die beige- legten D okum ente (ärztliches Zeugnis vom 24. N ovem ber 2003; Erklärung über die Entbindung von der ärztlichen Schw eigepflicht gegenüber den Asylbehörden vom 24. N ovem ber 2003) w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den Erw ägungen einge- gangen. H . M it Fax-Eingabe vom 27. Juli 2005 teilte der R echtsvertreter der Beschw erdefüh- rer m it, die zuständige Psychologin der Beschw erdeführerin habe ein aktuelles ärztliches Zeugnis in Aussicht gestellt. I. M it Eingabe vom 11. August 2005 (Poststem pel 17. August 2005) fand der in Aus- sicht gestellte ärztliche Zw ischenbericht Eingang in die Akten. J. Auf Aufforderung des Instruktionsrichters des nunm ehr zuständigen Bundesver- w altungsgerichts vom 7. M ai 2007 hin reichten die Beschw erdeführer am 24. M ai 2007 ein w eiteres Arztzeugnis zu den Akten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G ; SR 4 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG ; SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehö- ren Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG ; SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgül- tig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G ; SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfah- rensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführer sind legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw er- de ist m ithin einzutreten. 3. In der Beschw erde w ird ausschliesslich der Vollzug der W egw eisung angefochten. W ie bereits in der Zw ischenverfügung vom 22. O ktober 2003 festgehalten w urde, ist die Verfügung des Bundesam tes vom 12. Septem ber 2003 m it Ablauf der Be- schw erdefrist, sow eit sie die Frage des Asyls, der Flüchtlingseigenschaft und der W egw eisung betrifft, in R echtskraft erw achsen. G egenstand des vorliegenden Be- schw erdeverfahrens bildet som it lediglich die Frage, ob die W egw eisung zu voll- ziehen oder ob an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahm e anzuordnen ist. 4. 4.1 G em äss Art. 44 Abs. 2 AsylG regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Auslän- dern, w enn der Vollzug nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar ist. D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat ausreisen oder dorthin gebracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen oder landesrechtliche Bestim m ungen der Schw eiz einer W eiterreise des Ausländers in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. N icht zum utbar kann der Vollzug der W egw eisung insbesondere sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G e- fährdung darstellt (vgl. Art. 14a Abs. 2 - 4 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG ; SR 142.20]. 4.2 4.2.1 D er Vollzug kann gem äss Art. 14a Abs. 4 AN AG insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt. Art. 14a Abs. 4 AN AG ist als "Kann"-Bestim m ung form uliert, um deutlich zu m achen, dass die Schw eiz hier nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Ansprüche von G esuchstellern, 5 sondern aus hum anitären G ründen handelt (Botschaft zur R evision des Asylgeset- zes vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II S. 668). Konkret gefährdet sind unter anderem G ew altflüchtlinge, d. h. Personen, w elche ohne individuell verfolgt zu sein, den Folgen von Bürgerkrieg, U nruhen, U nterdrückung oder verbreiteter schw erer M en- schenrechtsverletzungen zu entfliehen suchen (vgl. W ALTER KÄLIN , G rundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M . 1990, S. 26 und 203). Art. 14a Abs. 4 AN AG findet insbesondere Anw endung auf Personen, die nach ihrer R ückkehr einer kon- kreten G efahr ausgesetzt w ären, w eil sie absolut notw endige m edizinische Versor- gung nicht erhalten können oder - aus objektiver Sicht - w egen der vorherrschen- den Verhältnisse m it grosser W ahrscheinlichkeit unw iederbringlich in völlige Arm ut gestossen w ürden, dem H unger und som it einer ernsthaften Verschlechterung ih- res G esundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert w ären (vgl. die nach w ie vor zutreffende R echtsprechung der AR K in Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2003 N r. 24 E. 5a S. 157; 1995 N r. 5 E. 6e S. 47; 1994 N r. 18 S. 139 ff. und N r. 19 S. 145 ff.). 4.2.2 D as Bundesam t führte in der angefochtenen Verfügung aus, die Beschw erdefüh- rer w ürden gesundheitliche Problem e physischer N atur geltend m achen. D ie Be- handlung solcher Krankheiten sei in Bosnien und H erzegow ina grundsätzlich ge- w ährleistet. Bei einer R ückkehr hätten die Beschw erdeführer die M öglichkeit, die entsprechenden m edizinischen Infrastrukturen ihres H eim atlandes in Anspruch zu nehm en, sollte sich dies als notw endig erw eisen. 4.2.3 In der R echtsm itteleingabe bestreiten die Beschw erdeführer den vorinstanzlichen Schluss. D ie offensichtlich grosse Verzw eiflung der Beschw erdeführerin anlässlich der kantonalen Befragung habe die dort anw esende H ilfsw erksvertretung zur Anre- gung veranlasst, ein verm utetes Kriegstraum a durch eine Fachperson abklären zu lassen. D as Bundesam t habe dies jedoch unterlassen und stattdessen pauschal auf die grundsätzliche Behandlungsm öglichkeit im H eim atland der Beschw erdefüh- rer verw iesen. G em äss dem beiliegenden ärztlichen Bericht der Sprechstunde für M igrantInnen der U niversitären Psychiatrischen D ienste Bern (U PD ) vom 7. O kto- ber 2003 leide die Beschw erdeführerin an einer D epression schw eren G rades m it Verdacht auf eine posttraum atische Belastungsstörung, deren U rsachen nam ent- lich in den Kriegserlebnissen, dem plötzlichen Tod der Eltern sow ie den m assiven D rohungen, w elchen die Fam ilie seit dem Jahre 2002 ausgesetzt gew esen sei, zu suchen seien. D er psychische Zustand der Beschw erdeführerin sei sehr instabil und lasse eine R ückkehr der Fam ilie aus m edizinischer Sicht als nicht verantw ort- bar erscheinen. Eine psychiatrische W eiterbehandlung w erde als dringend notw en- dig erachtet und sei bereits organisiert w orden. D ie Beschw erdeführerin brauche Zeit und R uhe sow ie einen sicheren R ahm en, dam it sich ihr Zustand stabilisieren könne. D ie geschilderte Situation belastete verständlicherw eise aber auch die übri- ge Fam ilie. D er Beschw erdeführer leide unter chronischen Spannungskopfschm er- zen und die (...) Tochter W ._______ nässe jede N acht ein, w eshalb ihr eine langfristige m edikam entöse Behandlung verordnet w orden sei. M it Eingabe vom 29. O ktober 2003 reichten die Beschw erdeführer ärztliche U nterlagen vom 8. Juli 2003, vom 30. Juli 2003, vom 22. August 2003 sow ie vom 6. O ktober 2003 den G esundheitszustand der Tochter W .._______ betreffend ein. D em nach leidet diese an einer Trom m elfellperforation sow ie an Enuresis nocturna prim aria (Bettnässen). G em äss den Arztberichten vom 18. Juli 2003 sow ie vom 22. Septem ber 2003 lei-6 det der Beschw erdeführer an Spannungskopfschm erzen, w elche m edikam entös behandelt w erden können. 4.2.4 In der Vernehm lassung vom 7. N ovem ber 2003 hält die Vorinstanz an ihren Erw ä- gungen fest und führt aus, die geltend gem achten gesundheitlichen und psychi- schen Problem e der Beschw erdeführer seien gem äss gesicherten und aktuellen Erkenntnissen des Bundesam tes in der H eim atregion der Beschw erdeführer voll- um fänglich behandelbar. Ausserdem reiche die U rsache der psychischen Proble- m e der Beschw erdeführerin in das Jahr 1992 zurück, und es sei ihr seither m öglich gew esen, in Bosnien und H erzegow ina ein norm ales Leben, inklusive der G eburt zw eier Kinder in den Jahren 1994 und 1998 und deren Betreuung, zu führen. Fer- ner liege es in der Verantw ortlichkeit der Beschw erdeführerin, sich m it H ilfe der behandelnden Ärzte auf eine R ückkehr in ihr H eim atland vorzubereiten. Auch sei sie im April 2003 durchaus in der Lage gew esen, die R eise von Bosnien und H erzegow ina in die Schw eiz zu bew ältigen. 4.2.5 M it R eplik vom 25. N ovem ber 2003 bestreiten die Beschw erdeführer den vorins- tanzlichen Schluss und verw eisen auf das beigelegte Arztzeugnis des Psychiatri- schen D ienstes R egion Em m ental vom 24. N ovem ber 2003. D ie Beschw erdeführe- rin befinde sich in einer akuten psychischen Krise m it Erschöpfungssym ptom en, m assiver N iedergeschlagenheit, G efühlen der Verzw eiflung und H offnungslosig- keit. Ihr Beschw erdebild verlange eine psychiatrische Behandlung, w elche vorläu- fig in einem am bulanten Setting m it m indestens w öchentlichen Konsultationen durchgeführt w erde. Aufgrund des instabilen Zustandes der Patientin sei sie zur- zeit nicht reisefähig. Aus m edizinischer Sicht sei unabdingbar, dass sich die Be- schw erdeführerin vorläufig in einer stabilen, angstfreien, nicht-bedrohlichen U m ge- bung aufhalten könne und ihr die dringend indizierte psychiatrische und psycho- pharm akologische Behandlung ohne U nterbruch gew ährleistet bleibe. M it Eingabe vom 17. August 2005 legten die Beschw erdeführer einen ärztlichen Bericht vom 11. August 2005 der zuständigen Psychologin sow ie eine Erklärung über die Entbindung von der ärztlichen Schw eigepflicht ins R echt. In diesem Be- richt hält die Psychologin fest, dass sich bei der Beschw erdeführerin eindeutig das Beschw erdebild einer posttraum atischen Belastungsstörung (PTSD ) zeige. D ie entsprechenden Beschw erden äusserten sich bei der Beschw erdeführerin vor al- lem in Form von anhaltenden Schlafstörungen m it Albträum en, Konzentrationsstö- rungen, Lärm em pfindlichkeiten, Kopfschm erzen, Angst, Intrusionen und sehr auf- fälliger em otionaler Erregtheit bei aufkom m ender Erinnerung an die traum atisie- renden Erfahrungen, über die die Beschw erdeführerin auch im R ahm en des thera- peutischen Setting nur andeutungsw eise sprechen könne. D ie in diesem Zusam - m enhang jew eils gezeigte, starke R eaktion der Beschw erdeführerin sow ie ihr auf- fälliges Verm eidungsverhalten (nach IC D -10 und D SM IV eine der H auptsym ptom - gruppen der PTSD ) seien deutliche H inw eise für das Vorliegen von schw eren trau- m atischen Erfahrungen. Aufgrund des anhaltenden und kom plexen Beschw erdebil- des, insbesondere dem Vorliegen der posttraum atischen Belastungsstörung (IC D - 10; F 43.1) m it depressiver Sym ptom atik, sow ie der w eiterhin bestehenden gross- en psychischen Labilität sei bei der Beschw erdeführerin die Fortsetzung der am bu- lanten psychiatrisch-psychologischen, auch psychopharm akologischen Behand- lung dringend indiziert. Zudem sei es w ichtig, dass die Behandlung in dem der Be- schw erdeführerin seit drei Jahren bekannten R ahm en und w enn m öglich von der 7 Therapeutin geführt w erden könne, zu der sie ein Vertrauensverhältnis habe auf- bauen können. D ie Konsultationen sollten im dreiw öchigen Abstand, bei einer R etraum atisierung jedoch unbedingt in w öchentlichen Abständen, allenfalls sogar im stationären R ahm en durchgeführt w erden. Für die Beschw erdeführerin w erde eine stabile angstfreie U m gebung als unbedingt notw endig erachtet, um eine w eitere Verbesserung ihres psychischen Zustandes zu erzielen, beziehungsw eise um eine R etraum atisierung verm eiden zu können. Eine G enesung sei bei der Beschw erdeführerin im W esentlichen auch davon abhängig, dass sich ihre Fam ilie in einer sicheren, nichtbedrohlichen Situation befinde und keinen w eiteren Belastungen ausgesetzt sei. D em aktualisierten Arztbericht des R egionalspitals Em m ental vom 18. M ai 2007, ausgestellt durch die zuständige O berärztin und die Psychologin des psychiatri- schen D ienstes, lässt sich entnehm en, dass die Beschw erdeführerin in dreiw ö- chentlichen Abständen in am bulant psychiatrisch-psychotherapeutischer Behand- lung ist und die psychopharm akologische Therapie fortgesetzt w ird. Zudem w ird darin bestätigt, dass sie nach w ie vor - in w echselnder Intensität - an erw ähnten Sym ptom en der posttraum atischen Belastungsstörung, die nunm ehr durch die Fachärzte als chronifizierte kom plexe posttraum atische Belastungsstörung (IC D -10 F 43.1) nach Kriegserlebnissen und Kriegsgefangenschaft bezeichnet w ird, leidet. D er Beschw erdeführerin w ird ausserdem eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrem belastung (IC D F 62.0) attestiert. In Er- gänzung zum ärztlichen Bericht vom 11. August 2005 w ird insbesondere ausge- führt, die Beschw erdeführerin gebe an, im m er w ieder unter Ängsten m it vegetati- ver Ü bererregtheit (N ervosität, erhöhte Anspannung, Trem or, M undtrockenheit, Palpitationen, leichte Schreckhaftigkeit) zu leiden. W enn sie alleine zu H ause sei, m üsse sie kontrollieren, ob nicht noch jem and anders da sei. Sie leide m anchm al an Spannungen im Kopf, ertrage dann den Lärm ihrer Kinder nicht und sei reizbar und aggressiv. Zuw eilen verspüre sie seltsam e Körperem pfindungen w ie ein tau- bes G efühl im Arm oder ein kaltes G efühl an der linken Kopfhälfte. Ausserdem be- richte sie, Schw ierigkeiten zu haben, anderen M enschen zu vertrauen, w esw egen sie w enig sozialen Kontakt pflege. O ffenbar w ürden bei der Beschw erdeführerin akustische R eize als Trigger für Flashbacks fungieren, da sie erkläre, Lärm - etw a in Form von lauten M ännerstim m en oder M usik - w ürden ein Sum m en in ihrem Kopf verursachen. Sie gebe auch an, w ieder Stim m en und Schreie w ie w ährend ihrer G efangenschaft zu hören und nachts Angstträum e zu haben, w obei sie Kriegsbilder sehe und ebenfalls Stim m en sow ie Schreie höre. N ach w ie vor könne die Beschw erdeführerin nur andeutungsw eise über ihre traum atischen Erfahrun- gen sprechen und zeige diesbezüglich w eiterhin ein ausgeprägtes Verm eidungs- verhalten und starke em otionale R eaktionen, w eshalb bis anhin eine Traum abear- beitung nicht m öglich gew esen sei. Aufgrund dieses anhaltenden und w echselhaf- ten Beschw erdebildes und der fortan bestehenden grossen psychischen Labilität sei die Fortsetzung der am bulant-psychiatrisch-psychologischen Behandlung in dreiw öchentlichen - bei Verschlechterung des G esundheitszustandes in kürzeren - Abständen angezeigt. Bestehend bleibe zudem eine grosse Vulnerabilität für R e- aktualisierungen des Traum as in Belastungssituationen und R etraum atisierungen. Eine sichere U m gebung und eine positive Zukunftsperspektive seien daher unab- dingbar. Eine - bevorstehende - R ückkehr in die H eim at w ürde die Prognose deut-8 lich verschlechtern und berge zudem ein hohes R isiko für die Beschw erdeführerin von akuter und anhaltender Verschlechterung des G esundheitszustandes. 4.2.6 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen steht fest, dass die Beschw erdeführerin an einer chronifizierten kom plexen posttraum atischen Belastungsstörung leidet. D ie Beschw erdeführerin ist offensichtlich aufgrund des Erlebten und der Erinne- rungen daran sehr belastet. Eine w eitere engm aschige psychiatrische sow ie psy- chotherapeutische Behandlung erscheint - w ie von den behandelnden Ärzten an- gezeigt - notw endig. N ach den Erkenntnissen des Bundesverw altungsgerichtes besteht für die Be- schw erdeführerin in Bosnien und H erzegow ina zw ar grundsätzlich die M öglichkeit, sich entsprechend fachärztlich behandeln zu lassen und eine Therapie zu besu- chen. Jedoch w eist die G esundheitsversorgung in Bosnien und H erzegow ina im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie nach den dem Bundesverw altungsge- richt vorliegenden Inform ationen auch heute noch erhebliche M ängel auf. Seit Be- endigung des Krieges sind zw ar in Bosnien und H erzegow ina teilw eise m it interna- tionaler H ilfe zahlreiche Kliniken und Spezialeinrichtungen für die Behandlung traum atisierter M enschen aufgebaut und institutionalisiert w orden, in denen neben der m edizinischen G rundversorgung auch verschiedene Therapien angeboten w er- den. D as m edizinische Fachpersonal verfügt heute auch über eine grosse Erfah- rung in der Behandlung traum atisierter Personen. Jedoch sind die Behandlungs- strukturen m eist überlastet und ist der Zugang zu einer raschen und adäquaten Behandlung schw erer Traum ata ohne grössere finanzielle M ittel nur eingeschränkt gew ährleistet. Aufgrund der Ausführungen der behandelnden Ärzte ist davon aus- zugehen, dass eine R ückkehr der Beschw erdeführerin in ihren H eim atstaat eine D ekom pensation bew irken w ürde. Solche R etraum atisierungen können nach den Erkenntnissen des Bundesverw altungsgerichts ohne direkte w illentliche Beeinflus- sung auftreten. H inzu kom m t, dass eine R ückkehr in den H eim atstaat und die In- anspruchnahm e einer psychiatrischen Behandlung voraussetzen, dass die betrof- fene Person auf ein bestehendes soziales Beziehungsnetz zurückgreifen kann, w elches ihr bei der R eintegration und der psychiatrischen Behandlung hilfreich zur Seite stehen kann. Aufgrund der Akten ergibt sich, dass die Beschw erdeführer vor ihrer Ausreise in C ._______ gelebt haben. G em äss den Ausführungen in der R eplik vom 25. N ovem ber 2003 liegt der H erkunftsort der Beschw erdeführer 120 km von der nächstgelegenen Zentrum sstadt m it adäquater Behandlungsm ög- lichkeit (D ._______) entfernt. D em nach m üssten die Beschw erdeführer zw ischen ihrem H erkunftsort und D ._______ pendeln, oder sich in D ._______ niederlassen. D ie Beschw erdeführer verfügen in D ._______ über kein soziales N etz, das sie bei der W ohnungssuche, der R egistrierung bei den Behörden, der Arbeitssuche, der regelm ässigen m edizinischen Behandlung und bei finanziellen Engpässen unterstützen könnte. Bedingt durch die geographische Lage ihres H erkunftsortes ist eine regelm ässige Anreise von C ._______nach D ._______ zw ecks Behandlung der psychischen Erkrankung auch nicht als zum utbar zu erachten. H inzu kom m t, dass nach den Erkenntnissen des Bundesverw altungsgerichtes die Inanspruch- nahm e des G esundheitsw esens beziehungsw eise der Bezug von M edikam enten oftm als von den Betroffenen selbst getragen w erden m uss. D enn zunächst setzt die Inanspruchnahm e von Leistungen des öffentlichen G esundheitssystem s die R egistrierung am W ohnort voraus. Sodann begegnen insbesondere Arbeitslose, 9 deren Krankenversicherungspräm ien von der Arbeitslosenkasse bezahlt w erden, regelm ässig grossen Schw ierigkeiten, w enn sie ihr R echt auf Versicherungsschutz geltend m achen. Laut den Erkenntnissen des Bundesverw altungsgerichts sind im m er m ehr m edizinische Institutionen dazu übergegangen, Vorauszahlungen zu verlangen, da sie Schw ierigkeiten haben, das G eld bei den Versicherungen einzutreiben (vgl. zum G anzen die nach w ie vor zutreffende Beurteilung durch die AR K betreffend die allgem eine Situation des G esundheitsw esens in der kroatisch- m uslim ischen Föderation in EM AR K 2002 N r. 12 S. 102 ff.; JO ËLLE SC AC C H I, Bosnien-H erzegow ina, Behandlungsm öglichkeiten für schw er traum atisierte Personen, Schw eizerische Flüchtlingshilfe [SFH ], Bern, im O ktober 2004, S. 6 ff.; U nited N ations H igh C om m issioner for R efugees [U N H C R ], U pdate on C onditions for R eturn to Bosnia and H erzegow ina, Januar 2005; KATJA W ALSE R , Bosnien- H erzegow ina, R ückkehr in den Kanton Tuzla [R egistrierung, Sozialhilfe, Krankenversicherung], SFH -Länderanalyse, Bern, 17. M ai 2006; dieselbe, Bosnien-H erzegow ina, Aktuelle Situation, insbesondere die Situation verletzlicher G ruppen, SFH -Länderanalyse, Bern, Juli 2006). Selbst w enn sich die Beschw erdeführer in Bosnien und H erzegow ina registrieren lassen könnten, ist som it nicht auszuschliessen, dass sie einen Teil oder gar die G esam theit der M edikam ents- und Behandlungskosten der Beschw erdeführerin selbst übernehm en m üssen. H inzu kom m en die Kosten für eine allfällige Behandlung der Tochter W ._______ und des Beschw erdeführers. D a D ._______ einem anderen Kanton als C ._______ angehört, w ürden sich bezüglich der m edizinischen Versorgung zusätzliche H indernisse beim Zugang beziehungsw eise bei der Finanzierung der m edizinischen Behandlung ergeben. M it H inw eis auf EM AR K 2002 N r. 12 E. 10.d m achen die Beschw erdeführer denn auch geltend, dass die Krankenversicherung bei einem Kantonsw echsel keine D eckung übernehm e. 4.3 In W ürdigung der gesam ten U m stände des vorliegenden Falles gelangt das Bundesverw altungsgericht zum Schluss, dass der Vollzug der W egw eisung der Beschw erdeführer zum jetzigen Zeitpunkt als insgesam t unzum utbar im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG zu qualifizieren ist. D en Akten sind auch keine H inw eise auf Ausschlussgründe gem äss Art. 14a Abs. 6 AN AG zu entnehm en. 4.4 D ie zuvor genannten drei Vollzugshindernisse (U nzulässigkeit, U nzum utbarkeit, U nm öglichkeit) sind alternativer N atur (vgl. die diesbezüglich nach w ie vor zutref- fende R echtsprechung der AR K in EM AR K 2006 N r. 6 E. 4.2. S. 54f.). D a das Bundesverw altungsgericht den Vollzug der W egw eisung der Beschw erdeführer als unzum utbar erachtet, kann daher vorliegend auf eine Prüfung der beiden anderen Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG verzichtet w erden. 5. N ach dem G esagten ist die Beschw erde gutzuheissen. D ie Ziffern 4 und 5 des D is- positivs der Verfügung des BFF vom 12. Septem ber 2003 sind aufzuheben und die Beschw erdeführer in der Schw eiz vorläufig aufzunehm en.10 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ). O hnehin w ären die Beschw erdeführer von der Pflicht zur Bezahlung von Verfahrenskosten befreit gew esen, nachdem ihnen m it Zw ischenverfügung vom 22. O ktober 2003 die unentgeltliche R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 Vw VG gew ährt w orden ist (vgl. Bst. D hiervor) und keine H inw eise auf eine Verän- derung ihrer Einkom m ens- und Verm ögensverhältnisse vorliegen. 6.2 D en Beschw erdeführern ist - als vollständig obsiegender Partei - für die ihnen im Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht entstandenen Kosten eine Partei- entschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 Vw VG sow ie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE]). D er R echtsvertreter der Beschw erde- führer hat eine vom 15. O ktober 2003 datierende Kostennote eingereicht. Er bezif- fert darin den zeitlichen Aufw and für das Beschw erdeverfahren auf 4.75 Stunden, w as angem essen erscheint. Auch die in R echnung gestellten Spesen können als verhältnism ässig bezeichnet w erden. H inzu kom m en w eitere Aufw endungen für spätere Eingaben (Eingabe vom 29. O ktober 2003, R eplik vom 25. N ovem ber 2003, Faxeingabe vom 27. Juli 2005, Eingabe vom 24. M ai 2007, Spesen) in der H öhe von geschätzten Fr. 300.--. D as BFM ist dem nach anzuw eisen, den Be- schw erdeführern für das Verfahren vor der AR K respektive dem Bundes- verw altungsgericht eine Parteientschädigung (inkl. Auslagen und M W ST) von ins- gesam t Fr. 800.-- zu entrichten. (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie Verfügung des BFF vom 12. Septem ber 2003 w ird betreffend die Ziffern 4 und 5 des D ispositivs aufgehoben. 3. D as BFM w ird angew iesen, die Beschw erdeführer vorläufig aufzunehm en. 4. Es w erden keine Verfahrenskosten gesprochen. 5. D as BFM hat den Beschw erdeführern eine Parteientschädigung von Fr. 800.-- zu entrichten. 6. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter der Beschw erdeführer, 2 Expl. - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. [...]) - den (...) ad (...) (Beilagen: zw ei G eburtsscheine, ein Eheschein) D er R ichter: D ie G erichtsschreiberin: Beat W eber C laudia Jorns M orgenegg Versand am :