B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1586/2014 U r t e i l v o m 7 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Esther Karpathakis, Gerichtsschreiberin Martina Stark. Parteien A._______, und ihre Kinder B._______, C._______, Sri Lanka, vertreten durch D._______, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 7. Februar 2014 / N (…). E-1586/2014 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Mit Eingaben vom 19. Dezember 2006 und 1. sowie 27. September 2007 suchte der Ehemann der Beschwerde führerin bei der s chweizerischen Vertretung in Colombo um Asyl nach. Er machte geltend, er erhalte stän- dig Morddrohungen und viele seiner Kollegen seien entführt worden. Z u- dem sei er befragt und angegriffen worden, weshalb er seither unter schweren Schmerzen leide, die ihm eine Flucht verunmöglichen würden. Am 10. September 2007 sei er von ihm unbekannten Personen zu Hause aufgesucht worden, er sei aber nicht vor Ort gewesen. Aus diesen Grü n- den fürchte er um sein Leben und bitte um Gutheissung seines Gesuchs. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er unter anderem Kopien eines Drohbriefs der Karuna -Gruppe samt Übersetzung und von Anze i- gebestätigungen der Polizei sowie der Human Rights Commis sion of Sri Lanka (HRC) zu den Akten. B. Die schweizerische Vertretung in Colombo stellte in ihrem Übermittlungs- schreiben an das BFM vom 16. Oktober 2007 fest, eine Anhörung könne aus ihrer Sicht unterbleiben, da der Gesuchsteller die erfragten Informat i- onen nicht genügend klar habe liefern können. Aus diesem Grund würden die Verfahrensakten dem BFM zur Entscheidfällung zugestellt. C. Mit Schreiben vom 17. Mai 2009 informierte die Beschwerdeführerin über das Verschwinden ihres Ehegatten seit dem (…) 2009 und suchte gleich- zeitig selbst um Asyl nach. Ihr Ehemann habe seine Transporttätigkeit aufgegeben und ein (...) geführt, nachdem Unbekannte versucht hätten, ihn zu entführen. Er sei von diesen allerdings weiterhin um Geld erpresst worden, und sie hätten ihm auch gedroht, ihn umzubringen. Daraufhin habe er auch das (...) geschlossen, nicht mehr gearbeitet und sich ganz unauffällig verhalten. Ih re Recherchen über das Verschwinden ihres Ehemannes hätten nichts ergeben, sie fürchte sich jedoch vor einer A n- zeigeerstattung bei der Polizei, weshalb sie eine solche bislang unterlas- sen habe. Sie reichte indes eine Kopie der Anzeigebestätigung der HRC vom Jahr 2009 ein. E-1586/2014 Seite 3 D. In ihrer Eingabe vom 21. Juni 2009 beantwortete die Beschwerdeführerin die Fragen der schweizerischen Vertretung in Colombo vom 8. Juni 2009. Sie führte aus, i hr Ehemann halte sich aus Angst versteckt, wes halb sie ohne Einkommen leben müs se und ihre Kinder nur ungern zur Schu le gehen lasse. Ihre Ehemann werde vermutlich verfolgt, weil er verdächtigt werde, Verbindungen zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu haben. Er sei aber nie politisch aktiv gewesen und habe auch keine a n- derweitigen Kontakte zu irgendwelchen Gruppierungen unterhalten. In- nerhalb ihres Heimatstaats könnten sie aktuell keinen Schutz finden, weil eine Wohnsitzverlegung für Tamilen durch die Sicherheitsbehörden und die Polizei nicht erlaubt werde. E. Am 18. Oktober 2009 teilte die Beschwerdeführerin schriftlich mit, ihr Ehemann halte sich nach wie vor versteckt auf. Anlässlich eines Bes u- ches bei ihr am (…) 2009 sei er von unbekannten Personen angegriffen worden, woraufhin sie diesen Vorfall beim Intern ationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), bei der HRC sowie der Polizei gemeldet habe. F. Das BFM gab der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 15. März 2010 Gelegenheit, zu einem voraussichtlich negativen Asylentscheid aufgrund ihrer fehlender Schutzbedürftigkeit eine Stellungnahme einzureichen. G. In ihrer Eingabe vom 1. Mai 2010 führte die Beschwerdeführerin aus, ihr Ehemann werde weiterhin von unb ekannten Personen gesucht, weshalb die gesamte Familie Schutz benötige. H. Mit Verfügung vom 6. August 2010 lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin und ihrer Familie ab und verweigerte ihnen die Ei n- reise in die Schweiz. Das Bundesamt führte aus, Sri Lanka gelte als schutzfähig und es lägen keine Hinweise vor, die auf eine Schutzunwilli g- keit hindeuten würden. Hinsichtlich der geltend gemachten Übergriffe sei- tens Dritter, könnten sie sich somit an die heimatlichen Behörden we n- den. Auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente brauche wegen der offe n- sichtlich fehlenden Schutzbedürftigkeit der Beschwerdeführenden n icht eingegangen zu werden. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. E-1586/2014 Seite 4 II. I. Die Beschwerdeführerin wandte sich mit Eingabe vom 5. Mai (…) erneut an die s chweizerische Vertretung in Colombo , informierte über den Tod ihres Ehemannes und stellte ein neues Asylgesuch. J. Auf Aufforderung der s chweizerischen Vertretung hin , schilderte die B e- schwerdeführerin in ihrem Schreiben vom 20. Juni 2011 erneut ihre akt u- elle Situation. Sie legte hierzu eine Heiratsurkunde sowie drei Geburtsu r- kunden von sich und ihren Kindern samt Übersetzungen ins Recht. K. Anlässlich ihrer Befragung auf der Botschaft vom (…) reichte die B e- schwerdeführerin die Todesurkunde ihres Ehemannes samt Überset zung ein. L. Mit Eingabe vom 5. September 2011 informierte die Beschwerdeführerin über die Adresse ihrer in der Schweiz lebenden Schwester und in weit e- ren Schreiben vom 17. Oktober 2011 und 4. Mai 2012 gab sie ihre flucht- bedingten Adressänderungen bekannt. M. Das BFM lehnte auch das zweite Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. Februar 2014 ab und verweigerte ihr erneut die Einrei- se in die Schweiz. N. Die in der Schweiz lebende Schwester und Vertreterin der Beschwerd e- führerin ersuchte mit Schreiben vom 11. März 2013 um Akteneinsicht, welche ihr am 19. März 2014 gewährt wurde. O. Gegen den negativen Asylentscheid des BFM erhob die Beschwerdefü h- rerin mit Eingabe vom 24. März 2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Gutheissung ihres Asylgesuchs. In Ergänzung zu den zwei bei- gelegten Berichten zur Situation in Sri Lanka stellte sie die Nachreichung von weiteren Beweismitteln in Aussicht. E-1586/2014 Seite 5 P. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte der Beschwerdeführerin am 3. April 2014 den Eingang ihrer Beschwerde und gab dem BFM mit Ve r- fügung vom 9. April 2014 die Gelegenheit, eine Vernehmlassung einz u- reichen. Q. In ihrer Stellungnahme vom 15. April 2014 verwies das BFM auf die ange- fochtene Verfügung, an deren Erwägungen es vollumfänglich festhalte. R. Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 23. April 2014 ein Be s- tätigungsschreiben eines Priesters aus E._______ ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, d em VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 1.3.1 Die vorinstanzliche Verfügung bezieht sich formell lediglich auf die Beschwerdeführerin, nicht aber auf ihre Kinder mit den Jahrgängen (…). Im Asylverfahren – wie in übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der Unte r- suchungsgrundsatz, das heisst, die Asylbehörde hat den rechtserhebl i- chen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). E-1586/2014 Seite 6 Die Einreichung eines Asylgesuchs gilt nach langjähriger asylrechtlicher Praxis als sogenannt "relativ höchstpersönliches Recht", welches eine Vertretung insofern zu lässt, als für eine urteils unfähige unmündige Per- son ein Asylgesuch auch du rch ihren gesetzlichen Vertreter eingereicht werden kann (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/39 E. 4.3.2 m.w.H.). 1.3.2 Bei den Eingaben der Beschwe rdeführerin handelt es sich um Laieneingaben, an die keine hohen formellen Anforderungen zu stellen sind. Das ergibt sich aus dem Grundsatz der Rechtsanwendung von A m- tes wegen, wonach das nicht präzise Erwähnen eines rechtlichen Ei n- wands nicht zum Nachteil der Parteien ausgelegt werden darf (vgl. CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], 2008, Art. 12 N 12 f.; ANDRÉ MOSER, a.a.O., Art. 52 N 1). Aus den Schreiben, datiert vom 5. Mai 2011 und vom 20. Juni 2011, geht klar hervor, dass die Beschwerdeführerin für sich und ihre beiden Kinder die Schweiz um Asyl ersuchte. Zudem wies sie anlässlich ihrer Anhörung sowie ihrer weiteren Eingaben wiederholt auf die Angst in Bezug auf ihre Kinder hin. Der fehlende Einbezug der Kinder in das Asylverfahren der Mutter ist mit dem Kindeswohl somit offenkundig nicht zu vereinbaren. Die Kinder der Beschwerdeführerin sind somit in de ren Asylverfahren mit einzubeziehen. 1.4 Gemäss Rückschein wurde d ie angefochtene Verfügung des BFM vom 7. Februar 2014 bei der schweizerischen Vertretung in Colombo am 20. Februar 2014 registriert. Das Datum, wann die Verfügung der B e- schwerdeführerin zugestellt wurde und sie somit davon Kenntnis nehmen konnte, ist dem Rückschein nicht zu entnehmen, wohl aber das Ei n- gangsdatum beim BFM vom 7. März 2014. Folglich wurde die vorinstan z- liche Verfügung zwischen dem 20. Februar 2014 und dem 6. März 2014 zugestellt, womit die Beschwerdefrist frühestens am 21. Februar 2014 zu laufen begann und mit Eingabe vom 24. März 2014 gewahrt ist (vgl. Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 21 VwVG). 1.5 Die Beschwerde wurde in englischer Sprache und somit nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zu Be- schwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann indessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss verzichtet werden, da der Eingabe der Beschwerdeführerin genügend klare, sin n- gemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind. E-1586/2014 Seite 7 1.6 Die Beschwerde ist demnach frist- und (nach dem Gesagten) formge- recht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vo r- instanz teilgenommen und ihre Kinder hätte n bereits vom BFM in das Verfahren einbezogen werden müssen. Die Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.7 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch, und Über- sowie Unterschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sac h- verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Das vorliegende Urteil ergeht gestützt auf die Übergangsbestimmung zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (von der Bunde s- versammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft getreten), wonach für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Art . 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung des Asylgesetzes Geltung haben. 4. 4.1 4.1.1 In ihrem zweiten Asylgesuch aus dem Ausland führte die B e- schwerdeführerin aus, ihr Ehemann habe früher als (...) gearbeitet und sei gezwungen worden, sich einem LTTE-Training zu unter ziehen. Nach dem Jahr 2005 seien viele (...) entführt oder getötet worden oder schlicht verschwunden. Wegen stetiger Bedrohungen ihres Ehemannes, sei die Familie zunächst nach F._______ und von dort nach G._______ geflo- hen. Am (…) sei der Ehemann von unbekannten Personen – die vermut- lich in Verbindung zu den Sicherheitsbehörden gestanden seien – zwecks einer Untersuchung mitgenommen worden ; bei seiner Rückkehr am (…) sei er ums Leben gekommen. Die genauen Umstände, die zu seinem Tod geführt hätten, seien zwar unklar; sie werde seither aber ständig bedroht und ihre Fluchtmöglichkeiten seien wegen ihrer beiden Kinder massiv eingeschränkt. E-1586/2014 Seite 8 4.1.2 In ihrer Eingabe vom 20. Juni 2011 machte die Beschwerdeführerin geltend, sie werde nun ebenfalls verdächtigt, mit den LTTE in Verbindung gestanden zu haben. Sie könne sich an niemanden wenden , um Hilfe zu erhalten, und habe auch nicht die Möglichkeit in einem anderen Teil ihres Heimatstaats Schutz zu erhalten. Sie legte hierzu eine Heiratsurkunde sowie drei Geburtsurkunden von sich und ihren Kindern samt Überse t- zungen ins Recht. 4.1.3 An ihrer Befragung informierte die Beschwerdeführerin darüber, dass ihre Mutter und zwei Geschwister in der Schwei z leben würden. Einer ihrer (...) habe als (...) für die LTTE gearbeitet, ein anderer sei ledig- lich Mitglied gewesen und ein Dritter sei in Gefechten der LTTE getötet worden. Sie selbst habe die LTTE mit Hilfe (...) im Alter von (…) Jahren nach zwei Monat en verlassen können, weil ihre (...) Mitglieder gewesen seien. Obschon auf der Todesurkunde ihres Ehemannes vermerkt sei, dass er bei einem (...) sein Leben verloren habe, sei sie davon überzeugt, dass er getötet worden sei. Jedenfalls werde sie wegen seiner Tätigkeiten und derjenigen (...) behelligt. Einige Monate vor dem Tod ihres Ehema n- nes seien sie mit einem Visum nach H._______ gereist, hätten sich dort aber nicht registrieren können, weil sie auf dem Luftweg eingereist seien. 4.2 Das BFM stellte in seiner ablehnenden Verfügung zwar die Glaubhaf- tigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht in Frage, wies jedoch darauf hin, dass die Beobachtungsmassnahmen der sri -lankischen B e- hörden nach Ende des Bürgerkriegs in der Verhinderung eines Wieder - erstarkens der LTTE begründet seien . Diese seien zwar nachvollzieh - barerweise unangenehm und einschränkend, doch fehle es ihnen auf- grund mangelnder Intensität am Verfolgungscharakter im Sinn von Art. 3 AsylG. Die Sicherheits - und Menschenrechtslage habe sich zudem er- heblich verbessert, und weil die Behelli gungen von unb ekannten Perso- nen als lokal oder regional beschränkte Verfolgungsmassnahmen zu b e- trachten seien, könne sie sich diesen durch einen Wegzug innerhalb ihres Heimatstaats entziehen. Schliesslich sei davon auszugehen, dass es seit März 2011 zu keinen einreiserelevanten Übergriffen gegen die Beschwer- deführerin mehr gekommen sei, weil anderweitige Hinweise den Verfah- rensakten nicht zu entnehmen seien und die Beschwerdeführerin die schweizerische Vertretung in Colombo seit Mai 2012 nicht mehr konta k- tiert habe. 4.3 In ihrer Beschwerde führte die Beschwerdeführerin aus, sie werde nach wie vor von unbekannten Personen bedroht, weshalb sie und ihre E-1586/2014 Seite 9 Kinder in grosser Angst leben würden. Ihr Ehemann sei zunächst mehr- mals vom Terrorism Investigation Department (TID) verhört und miss - handelt worden. Im (…) sei er schliesslich durch das Militär festgeno m- men, in ein Militärcamp gebracht und dort gefoltert und getötet worden; gemäss den offiziellen Dokumenten sei er jedoch bei einem (...) ums Le- ben gekommen. Die politische Lage in Sri Lanka sei weiterhin instabil und gefährlich, weswegen sie keinen festen Wohnsitz mehr habe n könne. Es gebe keinen Grund an der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen zu zweifeln , weshalb die Vorinstanz von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen sei und diesen im Ergebnis falsch beurteilt habe. Sie erfülle demnach die Voraussetzungen von Art. 3 AsylG. 5. 5.1 Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die Einreise in die Schweiz zu b ewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird (aArt. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Aufenthalt im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und damit die Einreise in die Schweiz – ist zu verweigern, wenn keine Hinwei- se auf eine aktuelle Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 5.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Beurteilungsspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG n a- mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu an deren Staaten, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die prakt i- sche Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schut z- suche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmög- lichkeiten in Betracht zu zi ehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthalt s- ort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3. S. 126). E-1586/2014 Seite 10 5.3 Verfolgt im Sinn von Art. 3 AsylG ist, wer aus den in Abs. 1 der g e- nannten Norm aufgezählten Gründen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Dabei umfasst die Furcht vor künftiger Verfolgung allgemein ein auf ta t- sächlichen Gegebenheiten beruhendes objektives Element einerseits s o- wie die persönliche Furchtempfindung der betroffenen Person als subjek- tives Element andererseits. Begründete Furcht vor Verfolgung nach Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – das heisst von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vo r- weist, mit gewisser Wahrscheinlichk eit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E.6.2). Flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile gemäss Art. 3 AsylG können auch in einer Situation der Reflexverfolgung begründet sein, bei der sich Ver- folgungsmassnahmen abgesehen von der primär betroffenen Person auch auf Familienangehörige erstrecken. Dies ist insbesondere hinsich t- lich begründeter Furcht vor Verfolgung relevant (vgl. Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts E-2710/2014 vom 13. Juni 201 4 E. 5.1 m.w.H.) . Um vorliegend beurteilen zu können, ob die Beschwerdeführerin einer G e- fährdung im Sinn von Art. 3 AsylG ausgesetzt ist, muss angesichts der vorgebrachten Gesuchsgründe auch der Frage nachgegangen werden, ob aufgrund der verdächtigten Verbindungen des Ehemannes sowie der (...) der Beschwerdeführerin zur LTTE die Gefahr einer Reflexverfolgung bestand beziehungsweise zum aktuellen Zeitpunkt besteht. 6. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn der Sachverhalt u n- vollständig festgestellt wurde, indem nicht alle für den Entscheid recht s- erheblichen Sachumstände berücksichtigt wurden. Als unrichtig festg e- stellt gilt der Sachverhalt, wenn dem Entscheid ein falscher und aktenwid- riger Sachverhalt zu Grunde gelegt wurde, wie dies de r Fall ist, wenn die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint und diese gar nicht erst zum Gegenstand eines Beweisverfahrens gemacht wurden. In solchen Fällen ist die Sache zur Feststellung weiterer Tatsachen und Durchführung eines umfassende n Beweisverfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. KÖLZ / HÄNER / BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1153 ff.; E-1586/2014 Seite 11 PHILIPPE WEISSENBERGER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxi s- kommentar VwVG, 2009, Art. 61 N 15 ff.). 7. 7.1 7.1.1 Die Vorinstanz zweifelte die Glaubhaftigkeit der Vorbringen der B e- schwerdeführerin nicht an. Vielmehr erachtete sie diese als nicht einreise- relevant, weil den Massnahmen der sri -lankischen Behörden mangels In- tensität kein Verfolgungscharakter im Sinn von Art. 3 AsylG zukomme (vgl. Verfügung vom 7. Februar 2014 S. 3 und S. 4). 7.1.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht einig mit der Vorinstanz, soweit sie die geltend gemachten Massnahmen seitens d er sri -lankischen B e- hörden als grundsätzlich glaubhaft erachtet. Einerseits erscheinen insbe- sondere die Schilderungen der Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Anhö- rung vom 23. August 2011 als nachvollziehbar und von Realitätskennzei- chen geprägt. Andererseits decken sich die Aussagen der Beschwerde- führerin hinsichtlich der Tätigkeit ihrer (...) für die LTTE sowie der Behelli- gungen seitens der sri -lankischen Behörden zum Nachteil ihres versto r- benen Ehemannes mit denjenigen ihrer Familienangehörigen im Rahmen ihrer Asylverfahren in der Schweiz (vgl. die beigezogenen Dossiers N […] Aktenstücke A17 F158 ff. und F166 sowie A8 F106 ; N […] Aktenstück A13 S. 12). 7.2 In Bezug auf die nach Ansicht der Vorinstanz fehlenden Asylrelevanz ist folgendes anzumerken: 7.2.1 Zunächst ist festzustellen, dass es sich v orliegend um ein zweites Asylgesuch handelt. Das erste Asylverfahren wurde durch den inzw i- schen verstorbenen Ehemann der Beschwerdeführerin im Jahr (…) ein- geleitet. Er hatte dabei geltend gemacht, er fürchte um sein Leben, weil er Morddrohungen erhalte, st ändig behelligt und einige Male sogar fes t- genommen sowie misshandelt worden sei. Nach knapp zwei Jahre n i n- formierte die Beschwerdeführerin darüber, dass ihr Ehemann seine Arbeit aufgegeben habe und untergetaucht sei, da er um sein Leben fürchte. Daraufhin lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes mit der Begründung ab, die Verfolgungsmassna h- men seien nicht einreiserelevant, weil der Staat Sri Lanka schutzfähig sei. Wenige Wochen nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verf ügung, am (…), verstarb der Ehemann der Beschwerdeführerin , nachdem er von Unb e- kannten mitgenommen worden war. E-1586/2014 Seite 12 7.2.2 In der angefochtenen Verfügung erwähnt das BFM zwar den Tod des Ehemannes der Beschwerdeführerin und deren Vermutung, dass die heimatlichen Sicherheitsbehörden für den Tod ihres Ehemannes verant- wortlich seien. Eine konkrete Auseinandersetzung mit den – vom BFM als glaubhaft erachteten – Behelligungen zum Nachteil ihres Ehemannes und mit den tatsächlichen Umstän den im Zusammenhang mit dessen To d ist dem angefochtenen Asylentscheid nicht zu entnehmen . Die Argumentati- on der Vorinstanz, die von den Beschwerdeführenden erlittenen Nachteile seien nicht genügend intensiv gewesen, wird der besonderen Aktenlage angesichts der behaupteten Ermordung des E hemannes/Vaters offe n- sichtlich nicht gerecht. Die Tatsache, dass das BFM mit der Behandlung des zweiten Asylgesuchs fast drei Jahre lang zuwartete, legt ebenfalls nicht den Schluss nahe, dass die Vorinstanz sich der Brisanz der vorli e- genden Verfahrenskonstellation hinreichend bewusst war. 7.2.3 Demnach hat die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt betreffend diesen wesentlichen Tatsachen unvollständig abgeklärt und in ihrer Verfügung entsprechend unberücksichtigt gelassen. 7.2.4 Im Übrigen führt die Vorinstanz mit einer textbausteinartigen B e- gründung aus, bei den Problemen mit den unbekannten Personen handle es sich um lokal oder regional beschränkte Verfolgungsmassnahmen, denen sich die Beschwerdeführerin durch einen Wegzug in einen and e- ren Teil des Heimatlande s entziehen könnten. Diese Argumentation ist angesichts der zahlreichen Adressänderungen der Beschwerdeführerin nicht überzeugend: In ihrer Eingabe vom 5. Mai 2011 wies sie darauf hin, dass sie aufgrund stetiger Bedrohungen zunächst von I._______ nach F._______ und von dort nach G._______ geflohen seien. An der Anh ö- rung vom (…) führte sie aus , dass sie zum Schutz des Ehemannes im (…) mit einem Visum nach H._______ geflogen seien, sie sich dort aber nicht hätten registrieren können, weil sie auf dem Luft weg eingereist sei- en (vgl. Anhörungsprotokoll vom […] S. 4). Schliesslich informierte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 5. Mai (…) wiederum über eine Adressänderung, weil sei weiterhin bedroht worden sei . Auch mit Bezug auf diese wiederholten Wohnsitzverlegungen hat das BFM in seine r Ver- fügung den Sachverhalt nicht korrekt festgestellt. 7.2.5 Schliesslich ist auch der durch die Vorinstanz gezogene Schluss , die Beschwerdeführerin sei im aktuellen Zeitpunkt nicht gefährdet, weil der letzte dokumentierte Übergriff im März (…) stattgefunden habe und die Beschwerdeführerin sich ausserdem se it Mai (…) nicht mehr bei der E-1586/2014 Seite 13 Botschaft in Colombo gemeldet habe , nicht nachvollziehbar. Bereits das erste Auslandverfahren dauerte rund dreieinhalb Jahre lang, in welchen die Beschwerdeführerin beziehungsweise ihr inzwischen verstorbener Ehemann diverse Eingaben zu den Akten reichte, bis eine Verfügung des BFM erging. Die Beschwerdeführerin brachte in ihren Schreiben vom 17. Oktober (…) und vom 5. Mai (…) zudem zum Ausdruck, dass sie nun, da ihre Anhörung stattgefunden habe, dringend auf einen Entscheid war- te; die zweitgenannte Eingabe enthält die folgenden Formulierungen: "I am unable to write to you often as I am staying in a place where I could not approach anyone to tra nslate my letters. I hope that you will u n- derstand. I am afraid to ask anybody to help me translate my letters due to security reasons". 7.3 Zusammenfassend wird somit ersichtlich, dass die Vorinstanz in B e- zug auf die Todesumstände des Ehemannes der Beschwerdeführerin den Sachverhalt unvollständig festgestellt und diese wesentliche Tatsache folglich im angefochtenen Entscheid unberücksichtigt gelassen hat, womit sie auch ihre Begründungspflicht verletzt hat. 8. 8.1 Es bleibt demnach zu prüfen, ob Hinweise auf eine ak tuelle Gefähr- dung im Sinn von Art. 3 AsylG vorliegen oder der Beschwerdeführerin zu- zumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (vgl. aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 8.2 Die Einschätzung der Gefährdungssituation der Beschwerdeführe n- den hängt massgebli ch von den Umständen ab, unter denen der Ehe- mann/Vater zu Tode gekommen ist . Der zu den Akten gereichte Auszug aus dem Todesregister weist die Formulierung "Accident Death caused, due to injuries caused by a Vehicle accident" auf. Die Beschwerdeführerin hatte bei ihrer Befragung vom (…) hingegen angegeben, unmittelbar nach der Tötung des Gatten von einem Unbekannten mit Nachdruck a n- gewiesen worden zu sein, auf eine Bestreitung der Todesurkunde zu ve r- zichten. Einer nach Eingan g der Vernehmlassung zu den Akten gereic h- ten Bestätigung eines Priesters vom 16. April 2014 zufolge habe die am (…) aufgefundene Leiche des Ehemannes Schussverletzungen aufg e- wiesen. Mangels einer Aufklärung der Sachlage, beispielsweise durch die Schweizer Botschaft in Colombo, lassen sich die Todesumstände bei der vorliegenden Aktenlage nicht beurteilen. E-1586/2014 Seite 14 8.3 Die lange Dauer des Verfahrens verlangt zwar nach einem umgehen- den Entscheid. Das Bundesverwaltungsgericht sieht sich dazu jedoch angesichts der unvollständigen Aktenlage nicht in der Lage. Unter diesen Umständen ist die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz angezeigt ; dies umso mehr als der Beschwerdeführerin auf diese Weise der Insta n- zenzug erhalten bleibt und das Bundesverwaltungsgericht erste und letz- te Instanz ist. 8.4 Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Die Sache ist im Sinn von Art. 61 Abs. 1 VwVG zur raschen und vollständigen Sachverhaltsermitt- lung sowie zur unverzüglichen Neubeurteilung an die Vorinstanz zurüc k- zuweisen. Bei dieser Sachlage ist auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe nicht näher einzugehen. 8.5 In Anbetracht der Verfahrensdauer ist die Vorinstanz aufzufordern, der Beschwerdeführerin gestützt auf aArt. 52 Abs. 2 AsylG die Einreise zu bewilligen, s ollte eine Neubeurteilung nicht innert kurzer Frist möglich sein. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheb en (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 9.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Entschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) . Die Beschwerdeführerin war durch ihre in der Schweiz lebende Schwester vertreten, weshalb nicht von so l- chen Kosten auszugehen und keine Parteientschädigung zuzusprechen ist. E-1586/2014 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefoc h- tenen Verfügung beantragt worden ist. 2. Die Verfügung des BFM vom 7. Februar 2014 wird aufgehoben. Die Akten werden zur raschen und vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und neuer Entscheidung an das BFM überwiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die schwei- zerische Vertretung in Colombo. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Martina Stark Versand: