Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 18. Juni 2014 (810 14 37) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Änderung/Aufhebung von Kindesschutzmassnahmen, Umplatzierung und Obhutsentzug Besetzung Vorsitz Stefan Schulthess, Kantonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Kantonsrichterin Helena Hess , Gerichts- schreiberin Julia Kempfert Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Susanne Ackermann , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Beschwerdege g- nerin Beigeladener C.____ Betreff Änderung/Aufhebung von Kindesschutzmassnahm en, Umplatzierung und Obhutsentzug (Wiedererwägungsentscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbe- hörde B.____ vom 27. Januar 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 20. Dezember 2013 übermittelte die Kinderschutzgr uppe des Universitäts- Kinderspitals beider Basel (UKBB) der Kindes- und Erwac hsenenschutzbehörde B.____ (KESB) eine Gefährdungsmeldung betreffend D.____, ge boren 2003. Darin wird zusammenge- fasst festgehalten, dass sich D.____ aufgrund von unklaren Bauchschmerzen seit neun Tagen stationär im UKBB befinde. Die Untersuchungen hätten k eine Hinweise auf eine organische Ursache ergeben. Nach Einschätzung der Ärzte würden die B eschwerden von D.____ zu einer ausgeprägten Stressreaktion passen und D.____ werde im Rahmen seines Spitalaufenthalts so weit wie nötig somatisch abgeklärt. Nach Ansicht der Är zte könne die Kindsmutter derzeit nicht ausreichend zum Schutz ihrer Kinder beitragen, womit i nsbesondere D.____ einem hohen Risi- ko ausgesetzt sei. Zum Schutze von D.____ sei auf die Ge fahr einzugehen, welche der Kinds- vater darstelle und welcher die Kindsmutter D.____ ausse tze sowie auf die ständige Angst von D.____, seinen Geschwistern oder seiner Mutter könne e twas zustossen. Am 8. Januar 2014 beantragte der Erziehungsbeistand bei der KESB den O bhutsentzug sowie eine Fremdplatzie- rung von D.____. Diesen Antrag begründete er damit, dass D.____ an Zerrissenheit und Loyali- tätskonflikten leide. B. Mit Entscheid vom 15. Januar 2014 verfügte die KES B unter anderem, dass D.____ und E.____, geboren 2000, per sofort in einer geeigneten Pflegefamilie platziert würden (Ziffer 1) und der Kindsmutter wie auch dem Kindsvater die Obhut über D.____ und E.____ per sofort entzogen werde (Ziffer 3). Dem Erziehungsbeistand, F.____, stehe die abschliessende Kompe- tenz und Verantwortung zu, das Besuchsrecht sowohl der Ki ndsmutter wie auch des Kindsva- ters bei D.____ und E.____ zu regeln und zu koordinieren (Ziffer 4). C. Mit Entscheid vom 27. Januar 2014 zog die KESB die Verfügung vom 15. Januar 2014 in Wiedererwägung und verfügte, dass der Kindsmutter A .____ gemäss Art. 310 Abs. 1 Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB) vom 10. Dezember 190 7 die Obhut über D.____ per sofort bis auf Weiteres entzogen werde. D.____ werde gestützt auf Art. 310 Abs. 1 ZGB im Sin- ne einer Notfall- bzw. Kurzzeitplatzierung rückwirkend ab 17. Januar 2014 bei der Familie G.____, bis zur Platzierung in einer geeigneten Institu tion, vorzugsweise in einer Pflegefamilie, platziert. Dem Erziehungsbeistand stehe die abschliessende Kompetenz und Verantwortung zu, das Besuchsrecht der Kindsmutter und des Kindsvaters bei D .____ zu regeln und zu koordinie- ren. Die Massnahmen würden zum Schutz des Kindswohls sofort in Kraft treten und einer allfäl- ligen Beschwerde werde die aufschiebende Wirkung entzo gen. Zur Begründung wurde im We- sentlichen ausgeführt, dass E.____ gemäss eigener Aussage zu sammen mit D.____ in einer Pflegefamilie untergebracht werden wolle. Zurzeit se i es jedoch schwierig, eine solche Pflege- familie zu finden, weshalb sich E.____ entschlossen habe , zu Hause zu bleiben, bis eine Pfle- gefamilie, welche zwei Kinder aufnehmen könne, zur Ve rfügung stehe. Aus diesem Grund sei ein Obhutsentzug betreffend E.____ nicht angebracht, weshalb Ziffern 1, 3 und 4 im Entscheid vom 15. Januar 2014 aufgehoben würden. Es sei jedoch da rauf hinzuweisen, dass der Erzie- hungsbeistand in regelmässigem Kontakt zu E.____ stehe u nd die KESB informieren würde, falls E.____ akut gefährdet wäre. Der vorliegende Entscheid betreffe somit nur D.____. D. Gegen diesen Entscheid der KESB erhob A.____, vert reten durch Susanne Ackermann, Advokatin, mit Eingabe vom 6. Februar 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Mit verbesserter Eingabe vom 24. Februar 2014 beantragte sie, der Wied ererwägungsentscheid der KESB vom 27. Januar 2014 sei aufzuheben und die Obhut über D._ ___ sei der Beschwerdeführerin zu- rückzuübertragen und die Fremdplatzierung sei aufzuheben. Der Beschwerdeführerin sei für die ordentlichen und ausserordentlichen Kosten des Verfahrens die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde be antragt, der Beschwerde sei die auf- schiebende Wirkung zu erteilen, D.____ sei vom Kantonsg ericht persönlich anzuhören und er sei umgehend wieder bei der Mutter unterzubringen. S chliesslich sei ein kinderpsychiatrisches Gutachten über die familiäre Situation, die Bedürfni sse des Kindes und allenfalls notwenige Kindesschutzmassnahmen in Auftrag zu geben. E. Mit Entscheid vom 18. März 2014 verfügte die KESB un ter anderem, dass D.____ rück- wirkend per 16. Februar 2014 in die Pflegefamilie H. ____ in I.____ umplatziert werde. Die Kindsmutter werde unter Androhung der Bestrafung wege n Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung im Sinne von Art. 292 des Schweizerischen St rafgesetzbuches (StGB) vom 21. De- zember 1937 angewiesen, sich vom Haus der Familie H.____ fernzuhalten. F. Die KESB beantragte in ihrer Stellungnahme vom 1 0. März 2014, die Verfahrensanträge seien abzuweisen. Der zum Verfahren beigeladene, von der Familie getrennt lebende Kindsva- ter hat sich innert Frist nicht zum Verfahrensantrag vernehmen lassen. G. Mit Präsidialverfügung vom 25. März 2014 wurden die Verfahrensanträge der Be- schwerdeführerin vom 24. Februar 2014 auf Erteilung d er aufschiebenden Wirkung und Rück- übertragung der Obhut abgewiesen. Die Beschwerdeführerin erhielt zudem eine unerstreckbare Frist zur Einreichung des Formulars "Gesuch um unentgelt liche Rechtspflege" einschliesslich der erforderlichen Belege mit dem Hinweis, dass das Gesuc h abgewiesen werde, sollte die Be- schwerdeführerin die zumutbare Mitwirkung verweigern. H. Mit Eingabe vom 8. April 2014 hat die Beschwerdefü hrerin ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege teilweise ergänzt und eine Reihe von Unterlagen eingereicht. I. Die KESB liess sich mit Eingabe vom 10. April 2014 zur Hauptsache vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolg e. Der Beigeladene hat sich innert Frist nicht zur Hauptsache vernehmen lassen. J. Mit Präsidialverfügung vom 15. April 2014 wurde das G esuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege abg ewiesen. Zur Begründung wurde im We- sentlichen ausgeführt, dass es die Beschwerdeführerin, obwohl sie gesetzlich zur Mitwirkung verpflichtet ist und trotz ausdrücklicher Aufforderung durch das Kantonsgericht unter Androhung der Säumnisfolgen, unterlassen habe, ihre wirtschaftl iche Situation vollständig darzulegen und zu dokumentieren. Wie sich diese im Einzelnen darstellt, könne weder aus den eingereichten Unterlagen noch aus den übrigen Verfahrensakten erschlo ssen werden. Nachdem die Be- schwerdeführerin die zur Beurteilung ihrer aktuellen E inkommens- und Vermögensverhältnisse erforderlichen Angaben und Belege in Verletzung ihre r Mitwirkungsobliegenheit verweigert ha- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht be, sei als Rechtsfolge ihre Mittellosigkeit ohne weite re gerichtliche Abklärungen zu verneinen und demzufolge das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege androhungsgemäss abzuweisen. K. Mit Eingabe vom 29. April 2014 beantragte die Besch werdeführerin, dass auf den Ent- scheid vom 15. April 2014 zurückzukommen und die unentgel tliche Prozessführung zu bewilli- gen sei, da die Beschwerdeführerin restlos mit der Tre nnungssituation, dem verfügten Obhuts- entzug und dem finanziellen Desaster durch die Trennun g überfordert sei, so dass es ihr schwer falle, Unterlagen zusammenzustellen und der Anw ältin zukommen zu lassen. Die Be- dürftigkeit der Beschwerdeführerin sei jedoch offenkundig. L. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 7. Mai 2014 w urde unter Hinweis auf den durch die Beschwerdeführerin einbezahlten Kostenvorschuss der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Dabei wurde unter anderem festgehalten, d ass vorgängig der Parteiverhandlung eine Anhörung von D.____ durchgeführt wird, die Pfl egefamilie H.____ dem Kantonsgericht einen kurzen schriftlichen Bericht über die aktuelle Situ ation von D.____ zu erstatten hat, die Beweisanträge der Beschwerdeführerin betreffend amtli che Erkundigung beim Strafgericht Ba- sel-Landschaft und Einholung eines kinderpsychiatrischen Gutachtens abgewiesen werden und auf das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 29. April 201 4 um Wiedererwägung der Verfü- gung vom 15. April 2014 betreffend unentgeltliche Rechtspflege nicht eingetreten wird. M. Die Beschwerdeführerin, vertreten durch Susanne Ackerm ann, erhob mit Eingabe vom 13. Mai 2014 Einsprache gegen Ziffer 8 der Verfügung vom 7. Mai 2014, wonach auf das Ge- such der Beschwerdeführerin vom 29. April 2014 um Wiede rerwägung der Verfügung vom 15. April 2014 betreffend unentgeltliche Rechtspflege nicht eingetreten wurde. Mit verfahrenslei- tender Verfügung vom 15. Mai 2014 wurde festgestellt, dass über die Einsprache der Be- schwerdeführerin vom 13. Mai 2014 im Rahmen der Parteiverhandlung entschieden werde. N. Mit Eingabe vom 13. Mai 2014 reichte die Pflegefa milie H.____ dem Kantonsgericht ei- nen kurzen schriftlichen Bericht über die aktuelle Situa tion von D.____ ein. Darin wurde im We- sentlichen festgehalten, dass sich D.____ sehr gut in der neuen Schulklasse in I.____ eingelebt habe und den verpassten Stoff schnell habe nachholen kön nen. Die Lehrerinnen seien mit den Leistungen von D.____ sehr zufrieden. Der Götti von D.____, der Vater und auch die Geschwis- ter hätten D.____ und E.____ besucht und sie in der E ingewöhnungsphase unterstützt. D.____ gehe es sehr gut in der neuen Umgebung. In einer wei teren Eingabe der Pflegefamilie vom 20. Mai 2014 wurde festgehalten, dass sich die Lage star k verändert habe. Nach dem zweiten Besuchswochenende bei der Beschwerdeführerin habe sich D .____ sehr stark verändert. Er verhalte sich verstockt, abweisend und zeige starke Stresssympt ome. D.____ würde auch wie- der sehr ausgeprägt schielen, zapple herum und vollfü hre Zwangshandlungen mit den Armen und den Händen. D.____ scheine psychisch stark belastet un d in Gedanken total abwesend zu sein. Das Zusammenleben sei seit dem Besuchswochenende se hr kompliziert und D.____ scheine wie ausgewechselt. Der Beistand sei über diese neue Situation informiert worden. O. Die Anhörung von D.____ fand am 16. Juni 2014 du rch den vorsitzenden Richter Stefan Schulthess statt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht P. Anlässlich der heutigen Verhandlung wird eine Befr agung der Beschwerdeführerin durchgeführt und sie stellt zudem den Antrag, es sei eine Begutachtung von D.____ vorzuneh- men, sofern die vorliegende Angelegenheit noch nicht s pruchreif sei. Die Beschwerdegegnerin reicht dem Gericht ein Schreiben vom Leiter der Kinder schutzgruppe des UKBB vom 5. Februar 2014 und die Beschwerdeführerin ein Schrei ben ihrer Nachbarin vom 15. Juni 2014 ein. Im Übrigen halten die Parteien vollumfänglich an ihren Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht e rhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzb uches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach A rt. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach dem Gesagten ist die Fün- ferkammer der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrech t des Kantonsgerichts zur Beurtei- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 19 93). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren b eteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffe- nen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtl ich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff . 3). Die Beschwerdeführerin ist als direkt Verfahrensbeteiligte ohne Weiteres zur Beschwerdee rhebung legitimiert. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen gegeben sind, kann a uf die Beschwerde eingetreten wer- den. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachve rhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. Allerdings au ferlegt sich das Kantonsgericht ent- sprechend der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Auslegung unbestimmter Rechts- begriffe und bei der Ermessenskontrolle eine gewisse Zurü ckhaltung. Dies insbesondere des- halb, weil die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden a ls Fachbehörden anzusehen sind (vgl. Art. 440 Abs. 1 ZGB). Verfügt eine Behörde über besonderes Fachwissen, so ist ihr bei der Bewertung von ausgesprochenen Fachfragen ein gewisser Beurteilungsspielraum zu belassen, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkt e geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat ( vgl. DANIEL STECK , in: Thomas Gei- ser/Ruth E. Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwach senenschutz, Basel 2012, Art. 450a Rz. 17 ff.; ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungs- recht, 6. Auflage, Zürich 2010, Rz. 446c f.; Urteil de s Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 8. Mai 2013 [810 13 10], E. 1.4; BGE 135 II 384 E. 2.2.2, jeweils mit weiteren Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Die Beschwerdeführerin wehrt sich gegen den Obhut sentzug mit Fremdplatzierung ihres Sohnes. Sie wirft der Vorinstanz vor, diese habe den G rundsatz der Verhältnismässigkeit ver- letzt und keine milderen Massnahmen, um einer allfälli gen Gefährdung begegnen zu können, geprüft. Naheliegend wäre im vorliegenden Fall gewes en, dass das Getrenntleben der Ehegat- ten geregelt und ein Besuchsrecht zwischen dem Vater und D.____ festgelegt worden wäre. Ein überfallartiger Obhutsentzug erscheine als merkwürd iges Mittel, einer ungeregelten Tren- nungssituation zu begegnen. Zudem führe die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen den Kindsvater und es entstehe der ungute Eindruck, dass die Kinder seitens des Vaters instrumen- talisiert würden, um die Beschwerdeführerin im Hinblick auf das Strafverfahren zu desavouie- ren. 2.2 Die Beschwerdegegnerin begründet ihren Entscheid i m Wesentlichen damit, dass sich bei D.____ aufgrund des bestehenden Loyalitätskonflikt s bzw. wegen der Äusserungen seiner Mutter über den Vater, welcher sich von der Familie getrennt habe, eine ausgeprägte Stressre- aktion gebildet habe. Diese habe schlussendlich zu starken Magenbeschwerden geführt, wes- halb D.____ Anfang Dezember 2013 zur stationären Beh andlung in das UKBB habe eintreten müssen. Der Erziehungsbeistand sei der selben Ansicht wie die Kinderschutzgruppe des UKBB und habe aus diesem Grund bei der KESB einen Antrag a uf Obhutsentzug mit Fremdplatzie- rung gestellt. Da mildere Massnahmen, welche vorgängig ergriffen worden seien, nicht ausge- reicht hätten, um das Kindswohl von D.____ zu schützen, se i eine Platzierung in einer Pflege- familie dringend angezeigt. 2.3 Vorliegend ist demzufolge zu prüfen, ob die KESB zu Recht einen Obhutsentzug mit Fremdplatzierung von D.____ angeordnet hat. In diesem Zusammenhang ist zu beurteilen, ob die Voraussetzungen für diese Kindesschutzmassnahmen, namen tlich die hier umstrittene Ver- hältnismässigkeit, gegeben sind. Dabei sind die verschieden en auf dem Spiel stehenden Inte- ressen abzuwägen. 3.1 Ist das Wohl des Kindes gefährdet und sorgen die Elt ern nicht von sich aus für Abhilfe oder sind sie dazu ausserstande, so trifft die Kindesschutzbehörde gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes. Art. 307 Abs. 1 ZGB enthält die Aufforde- rung, die im Einzelfall geeigneten, vom Gesetz vorgese henen Massnahmen (Art. 307 Abs. 3 ZGB bis Art. 312 ZGB) zu treffen. Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die KESB das Kind den Eltern oder, wenn es sich bei Dritten befindet, diesen wegzu nehmen und in angemessener Weise un- terzubringen, wenn der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann. Die KESB hat zu bestimmen, wo das Kind untergebracht wird. In Betracht kommen Familienpflege, eine betreute Wohngruppe, Heimpflege oder eine selbständi ge Unterkunft (P ETER BREITSCHMID , in: Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Thomas Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivilgesetz- buch, 4. Auflage, Basel 2010, Rz. 8 zu Art. 310 ZGB). 3.2 Kindesschutzmassnahmen bezwecken im Allgemeinen die Abw endung einer Gefähr- dung des Kindeswohls (C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, Rz. 27.09). Von einer Gefährdung des Kindeswohls wird n ach herrschender Auffassung dann Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgegangen, wenn nach den konkreten Umständen die ernstliche Möglichkeit einer gegenwär- tigen oder zumindest unmittelbar bevorstehenden Gefahr für die Kindesentwicklung abzusehen ist, die bei ihrer Fortdauer eine erhebliche Beeintr ächtigung des physischen oder psychischen Wohls des Kindes voraussehen lässt (P ETER BREITSCHMID , a.a.O., Rz. 18 zu Art. 307; A LBERT GULER , in: Jolanta Kren Kostkiewicz et al. [Hrsg.], Orell Füssli Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 2. Auflage, Zürich 2011, Rz. 5 zu Art. 307; PATRICK FASSBIND , Systematik der elterlichen Perso- nensorge in der Schweiz, Basel 2006, S. 357). Unerheb lich ist, auf welche Ursachen die Ge- fährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen od er in einem Fehlverhalten des Kin- des, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. D esgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft. Massgebend sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Entziehung. Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme a nzuordnen (Proportionalität); diese sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität vgl. Art. 389 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB, s. zum Ganzen H EGNAUER , a.a.O., Rz. 27.10 ff.; Urteil des Bundesgerichts 5A_701/2011 vom 12. März 2012 E. 4.2.1, in: FamPra.ch 2012, S. 821 mit wei- teren Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung). 4.1 Aus den vorinstanzlichen Akten geht hervor, dass die B eschwerdegegnerin in der vorlie- genden Angelegenheit verschiedene Abklärungen vorgenomme n und verschiedene Massnah- men ausprobiert hat. Im Abklärungsbericht des Erziehung sbeistands F.____, Sozialarbeiter, vom 31. Oktober 2012 wurde zusammenfassend festgehalten, dass die Familiensituation seit mehreren Jahren sehr angespannt sei. Zu einer schweren Eskalation sei es am 24. Juli 2012 gekommen, dabei habe die Beschwerdeführerin ins Spital eingeliefert werden müssen und der Beigeladene sei in Untersuchungshaft genommen worden. Die Situation zwischen den Eltern sei verfahren und wirke sich negativ auf die Kinder aus. D ie Beschwerdeführerin sei mit sich selbst überfordert und lasse keine Hilfe zu. Sie verha rre in der Opferrolle und glaube, dass alle gegen sie seien. Die Beschwerdeführerin sei nicht in d er Lage mit ihrer Überforderung adäquat umzugehen. So hätten E.____ und D.____ mit ansehen mü ssen, wie sich die Beschwerdefüh- rerin mit einer Waffe umzubringen drohte. Da in der Familie bereits grosse Defizite feststellbar seien (Unordnung zu Hause, unausgewogene Ernährung, teilüberforderte Eltern) und zukünftig grosse Veränderungen nicht auszuschliessen seien (evtl. Tr ennung der Eltern), müssten vor- mundschaftliche Massnahmen auf das Kindswohl abgestimmt we rden. Mit Verfügung der Vor- mundschaftsbehörde J.____ vom 19. November 2012 wurde für die minderjährigen Kinder der Beschwerdeführerin und des Beigeladenen F.____ als Erzi ehungsbeistand eingesetzt. Zudem wurden der Beschwerdeführerin Weisungen erteilt, wona ch sie jegliche Art von Suiziddrohun- gen vor den Kindern zu unterlassen und die Therapie be i den Externen Psychiatrischen Diens- ten in Liestal weiter zu führen habe. Am 19. Mai 2013 stellte der Erziehungsbeistand bei der KESB den Antrag, es sei den Eltern die Obhut über die Kinder E.____ und D.____ zu entziehen und die Kinder in einer Pflegefamilie zu platzieren, da sich die familiäre Situation nicht ent- spannt habe und die Kinder sehr darunter leiden würde n. Die Beschwerdeführerin würde alles negieren und an ihrem Idealbild einer heilen Famili e festhalten. Aufgrund des massiven Wider- stands der Beschwerdeführerin gegen den geplanten Obhut sentzug und die Unterbringung in einer Pflegefamilie habe der Erziehungsbeistand schliessl ich beantragt, D.____ in eine Tages- familie zu integrieren. Mit Entscheid vom 3. Juli 2013 wurde sodann von der KESB verfügt, dass Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beschwerdeführerin die Tagespflege für D.____ zu unterstützen habe und mit der Tagesfa- milie sowie mit dem Beistand zu kooperieren habe; sie h abe negative Äusserungen über eine künftige Tagesfamilie vor den Kindern und speziell vor D.____ zu unterlassen und sie dürfe sich in Anwesenheit der Kinder nicht negativ über den Kind svater äussern. In seinem Zwischenbe- richt vom 11. Oktober 2013 führte der Erziehungsbeistand unter anderem aus, dass die Be- schwerdeführerin versuche, die Kinder zu instrumentalisie ren und sie gegen ihren Vater aufzu- hetzen. Der Beschwerdeführerin sei jedoch zu Gute zuhal ten, dass sie sich bemühe, im Haus- halt Ordnung zu halten, und sich um eine ausgewogene E rnährung der Kinder bemühe. Im De- zember 2013 wurde D.____ mit diffusen Bauchschmerzen in die UKBB eingeliefert, worauf die Kinderschutzgruppe der UKBB eine Gefährdungsmeldung an die KESB erstattete und einen Obhutsentzug empfahl. In seinem Schreiben an die KES B vom 8. Januar 2014 beantragte so- dann der Erziehungsbeistand bei der KESB den Obhutsen tzug sowie eine Fremdplatzierung von D.____. Diesen Antrag begründete er damit, dass er im Rahmen der Einzelgespräche mit D.____ dessen Zerrissenheit und die Loyalitätskonflikte, in welchen sich D.____ befinde, deut- lich habe erkennen können. Einerseits liebe D.____ seine Mutter, allerdings äussere sie sich negativ über den Vater. Andererseits liebe er seinen Va ter, dieser habe sich aber von der Mut- ter getrennt, was ihm die Mutter mit Desinteresse und V erantwortungslosigkeit an den eigenen Kindern erkläre. Diese Erklärung erscheine für D.____ p lausibel und fördere dabei seine starke innere Zerrissenheit, da er sich an einen interessierten, aktiven und liebevollen Vater erinnere. Dr. med. K.____, Oberarzt der Psychiatrie Baselland, K inder- und Jugendpsychiatrie, hielt in seinem Schreiben vom 15. Januar 2014 an den Erziehungsbe istand fest, er habe an der Sit- zung der Kinderschutzgruppe der UKBB vom 18. Dezember te ilgenommen und sei ebenso der Ansicht, dass die häusliche Situation für D.____ einen er heblichen Stressfaktor darstelle und durchaus zu der jetzigen Symptomatik und dem daraus result ierenden Spitalaufenthalt von D.____ beitrage. Da die Kindsmutter nicht den ausreich enden Schutz der Kinder herstellen könne und durchaus mit ihrem Verhalten eine Gefährdung für das Kindswohl darstelle, befür- worte er eine ausserhäusliche Unterbringung. 4.2 Anlässlich der heutigen Verhandlung führt die Besc hwerdeführerin aus, dass E.____ freiwillig zu der Pflegefamilie mitgegangen sei, dami t D.____ nicht alleine wäre. Sie vermisse beide Kinder sehr. Sie verstehe nicht, warum die Kinder nicht bei ihr sein könnten. Der Beigela- dene sei im September 2013 – offiziell erst im Januar 2014 – ausgezogen. D.____ habe ihn besucht, aber erst seit Februar 2014 würde er über Nach t bei seinem Vater bleiben. Es sei nie in Betracht gezogen worden, eine Besuchsrechtsregelung zwischen D.____ und seinem Vater aufzugleisen. Seit Januar 2012 würden die administrati ven Belange der Familie, insbesondere das Bezahlen der laufenden Rechnungen, von der Gemeinde erledigt. 4.3 Der Beistand führt anlässlich der heutigen Parteive rhandlung aus, dass die Zusammen- arbeit mit der Beschwerdeführerin sehr schwierig sei. D ie Beschwerdeführerin habe das Recht, D.____ zu besuchen, es gebe dabei aber gewisse Bedingun gen, an die sie sich zum Schutz von D.____ halten müsse. So dürfe sie D.____ nicht beei nflussen oder manipulieren und wäh- rend den Besuchen bei der Beschwerdeführerin dürfe D. ____ in seinem eigenen Bett schlafen und nicht bei der Beschwerdeführerin. Es gehe schliesslich darum, dass sich D.____ altersge- recht entwickeln könne. D.____ habe schon sehr lange Tics g ehabt, diese seien aber eine ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wisse Zeit lang verschwunden gewesen und nach dem letzten Besuch bei der Mutter wieder aufgetaucht. Das Besuchsrecht mit dem Beigeladenen habe früher aufgegleist werden können, da die Zusammenarbeit mit diesem sehr gut funktioniere. 4.4 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen wird deut lich, dass die Überforderungssituati- on der Beschwerdeführerin insbesondere mit dem Auszug d es Ehemannes zusammenhängt, mit welchem sie nach wie vor grosse Schwierigkeiten zu ha ben scheint und diese neue Situati- on so nicht akzeptieren kann. Sie weigert sich, sich der n euen Situation zu stellen und sich die- ser anzupassen. In diesem Zusammenhang scheint es ihr nicht zu gelingen, ihre eigenen Inte- ressen von denjenigen ihrer Kinder zu trennen und D.__ __ in dieser ohnehin schwierigen und belastenden Situation vor einem Loyalitätskonflikt zu sch ützen. Eigene Anteile an der vorlie- genden Situation von D.____ kann sie keine erkennen. Si e bemüht sich nicht, mit dem Erzie- hungsbeistand zu kooperieren und mit diesem lösungsorie ntiert zusammenzuarbeiten und da- mit wertvolle Hilfsangebote anzunehmen (vgl. Protokoll der Verhandlung vom 4. Juni 2014, Be- richt des Erziehungsbeistands vom 14. Februar 2014 zum Antrag auf Umplatzierung von D.____). Nach einem ersten unauffälligen Besuch bei d er Beschwerdeführerin (vgl. Situations- bericht der Pflegefamilie H.____ vom 13. Mai 2014) se i D.____ nach dem zweiten Besuch bei der Beschwerdeführerin deutlich verändert zurückgekommen und habe starke Stresssymptome (Tics) gezeigt. Darauf angesprochen habe D.____ nur gesag t, dass nichts Aussergewöhnliches vorgefallen sei und er wie das Besuchswochenende zuvor b ei der Beschwerdeführerin im Bett geschlafen und mit ihr über seinen Anhörungstermin ge sprochen habe (vgl. Situationsbericht der Pflegeeltern vom 20. Mai 2014). Dies wird von der Beschwerdeführerin auch anlässlich der heutigen Parteiverhandlung nicht bestritten. Die Beschwerdeführerin hatte jedoch vom Beistand die Weisung erhalten, D.____ nicht zu beeinflussen oder zu manipulieren und ihn insbesondere in seinem Zimmer schlafen zu lassen. Von einer nachhaltig en Änderung in ihrem Verhalten D.____ gegenüber kann somit nicht ausgegangen werden. 4.5 Auf der Grundlage der vorstehenden Feststellungen gelangt das Kantonsgericht mit der Vorinstanz zum Schluss, dass im vorliegenden Fall der Obhutsentzug sowie die Platzierung von D.____ in einer Pflegefamilie zu Recht erfolgten. An dauernde Auseinandersetzungen unter den Eltern sowie eine damit einhergehende Überforderung der Beschwerdeführerin und eine Beein- flussung der Kinder, wie sie vorliegend von den Verfahre nsbeteiligten geschildert werden, kön- nen eine erhebliche Gefährdung des seelischen Wohles des K indes mit sich bringen. Die Be- schwerdeführerin vermag mit ihren Vorbringen keine falsc he Ermessensausübung der Vo- rinstanz darzutun (vgl. E. 1.2) und sie bestreitet letztl ich auch die Tatsache nicht, dass bisher sämtliche angeordneten ambulanten Massnahmen (Weisunge n, Erziehungsbeistandschaft, Tagesfamilienstruktur, Therapiestunden) keine bleibend e Verbesserung herbeiführen konnten. Es ist auch nicht ersichtlich, mit welchen milderen Massnahm en der Gefahr für D.____ hätte entgegengetreten werden können. Die von der Beschwerd eführerin genannte Massnahme, dass ein Besuchsrecht zwischen D.____ und seinem Vater festz usetzen sei, bringt keine Beru- higung der Situation zwischen D.____ und seiner Mutter mit sich. Sodann hat D.____ selbst geäussert, dass er sich einen stabilen Rahmen und Unterstü tzung wünscht; zu Hause fehle es ihm an klaren Strukturen (vgl. Protokoll der Kindsanhö rung vom 16. Juni 2014). D.____ scheint sich zudem gut in der Pflegefamilie und seiner neuen Schule eingelebt zu haben und wird dabei Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch von seinem Götti, seinem Vater und seinen Geschwist ern unterstützt. Er besucht einmal im Monat für ein Wochenende seinen Vater in Gelterkin den, was gut funktioniert. Der vo- rinstanzliche Entscheid, dass der Beschwerdeführerin die Obh ut über D.____ entzogen und D.____ bei einer Pflegefamilie platziert werde, wo m an seinen Bedürfnissen gerecht werden könne, ist demnach folgerichtig. Obschon innerhalb der Familie, insbesondere unter den Ge- schwistern, ein guter Zusammenhalt bestehen mag, kam es im Dezember 2013 trotz dieses familiären Rückhalts zu einem notfallmässigen Spitalauf enthalt von D.____ und einer Gefähr- dungsmeldung durch die UKBB. Die angeordnete Fremdpla tzierung und der damit verbundene Obhutsentzug erweist sich vor diesem Hintergrund als unu mgänglich, da mildere Massnahmen ohne nachhaltigen Erfolg geblieben sind. 4.6 Die Geeignetheit der gewählten Pflegefamilie wi rd von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt und es bestehen zudem auch keine Anzeichen dafür, dass die Familie H.____ vorliegend nicht geeignet ist, zumal auch D.____ anlässli ch seiner Anhörung ausführt, dass er sich bei seiner Pflegefamilie sehr wohl fühle (vgl. Pr otokoll der Kindsanhörung vom 16. Juni 2014). 4.7 Zusammenfassend sind die angefochtenen Massnahmen ohne Weiteres gerechtfertigt, weshalb sich die Beschwerde als unbegründet erweist. Die Interessen am Schutz von D.____ sind deutlich höher zu gewichten als die Interessen der Beschwerdeführerin, die den Kontakt mit D.____ im Rahmen ihres Besuchsrechts aufrechterhalten und dabei ihre Kooperation mit dem Erziehungsbeistand unter Beweis stellen kann. Die Be schwerde ist somit abzuweisen. Die vorliegende Angelegenheit ist spruchreif, weshalb der Antrag auf Begutachtung von D.____, sofern die Sache noch nicht spruchreif ist, gegenstandslos wird. 5.1 Im Weiteren ist die Einsprache der Beschwerdeführer in vom 13. Mai 2014 zu beurtei- len. Darin wird zusammengefasst geltend gemacht, das K antonsgericht hätte auf das Wieder- erwägungsgesuch der Beschwerdeführerin vom 29. April 201 4 eintreten müssen, da mit der Verfügung vom 15. April 2014 nicht materiell über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege entschieden worden, sondern aufgrund der fehlenden Mi twirkungspflicht nicht darauf eingetre- ten worden sei. 5.2 Die präsidierende Person des Kantonsgerichts, Abteilu ng Verfassungs- und Verwal- tungsrecht, welche gemäss § 7 Abs. 1 VPO das Verfahren leitet und die notwendigen Verfü- gungen trifft, kann ihre Zwischenverfügungen unter best immten Voraussetzungen in Wiederer- wägung ziehen. Praxisgemäss ist dies analog § 40 Abs. 1 d es Verwaltungsverfahrensgesetzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 möglich (Präsidialverfügungen des Kantonsge- richts vom 14. März 2013 [810 13 52] E. 8 und vom 31. M ai 2012 [810 11 322] E. 2.2). Nach § 40 Abs. 1 VwVG BL ist ein Grund für eine Wiedererwägung gegeben, wenn die der Verfügung zugrunde liegende Sach- und Rechtslage sich nachträglich z ugunsten einer Partei wesentlich geändert hat (lit. a) oder ein Revisionsgrund gemäss Abs. 2 vorliegt (lit. b). Ein Revisionsgrund liegt vor, wenn ein Verbrechen oder Vergehen den Erl ass der Verfügung beeinflusst hat, wenn bei Erlass der Verfügung wesentliche Verfahrensvorschrift en verletzt oder aktenkundige erheb- liche Tatsachen nicht berücksichtigt worden sind, wenn e rhebliche Tatsachen oder Beweismit- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tel aufgetaucht sind, an deren Geltendmachung die Par tei im früheren Verfahren ohne Ver- schulden verhindert gewesen ist, oder wenn die Verfüg ung mit einem schweren und offensicht- lichen Rechtsmangel behaftet ist (§ 20 Abs. 2 lit. a bi s d VwVG BL). Das Bundesgericht leitet unabhängig von dieser gesetzlichen Regelung direkt aus Art. 29 Abs. 1 BV in denjenigen Fällen einen Anspruch auf Eintreten auf ein Wiedererwägung sgesuch ab, in denen sich die tatsächli- chen oder rechtlichen Umstände seit dem ersten Entschei d wesentlich geändert haben oder wenn der Gesuchsteller erhebliche Tatsachen oder Beweism ittel namhaft macht, die im frühe- ren Verfahren nicht bekannt waren oder die schon damals geltend zu machen für ihn unmöglich war oder keine Veranlassung bestand (BGE 138 I 61 E. 4.3; BGE 136 II 177 E. 2.1). 5.3 Soweit sich die Verhältnisse seit einem abweisenden Entscheid über ein erstes Ge- such nicht geändert haben und keine neu entdeckten Beweismittel oder Tatsachen oder andere Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden, wird mit ei nem erneuten Gesuch der Sache nach lediglich eine Überprüfung des ersten Entscheids ver langt, wofür einer Partei auch der Rechtsmittelweg zur Verfügung gestanden hätte. § 40 Abs. 1 VwVG BL und Art. 29 BV gewäh- ren nach dem Gesagten nicht einen Anspruch darauf, da ss sich das Gericht voraussetzungslos mit einem neuen Gesuch befasst. Würde es den Parteien ermöglicht, jederzeit und vorausset- zungslos die umfassende Wiedererwägung von abweisenden En tscheiden über ein Armen- rechtsgesuch zu veranlassen, wäre der Prozessverschleppung Tür und Tor geöffnet. Ein neuer- liches Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege auf der Ba sis desselben Sachverhalts hat des- halb den Charakter eines Wiedererwägungsgesuches, auf dessen Beurteilung von Gesetzes und Verfassungs wegen kein Anspruch besteht und bei d em das Eintreten im Ermessen des Gerichts steht (Urteil des Bundesgerichts 4A_410/2013 vom 5. Dezember 2013 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 5A_430/2010 vom 13. August 2010 E. 2.4 ; R HINOW /K OLLER /K ISS / THURNHERR /B RÜHL -MOSER , a.a.O., Rz. 647). Dieses Ermessen ist wegen der Gefahr der Pro- zessverschleppung zurückhaltend auszuüben. Es kann daher auch n icht angehen, dass eine (zumal anwaltlich vertretene) Partei, die ihre Verhält nisse trotz konkreter Aufforderung zur Mit- wirkung im Rahmen des ersten Gesuches um unentgeltliche Rechtspflege nicht umfassend offengelegt hat, dies nach Abweisung des Gesuches mit ein em (neuen) Gesuch um rückwir- kende Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ohne Weiteres nachholen kann (vgl. auch Verfahrensleitende Verfügung des Kantonsgerichts St. Ga llen, III. Zivilkammer, vom 6. Juni 2013 [BO.2012.44/ZV.2013.49] E. 2a). 5.4 Im Wiedererwägungsgesuch vom 29. April 2014 führt e die Beschwerdeführerin als Begründung für die beantragte Gewährung der unentge ltlichen Rechtspflege an, die Bedürftig- keit sei aus ihrer Sicht offenkundig. In diesem Zusammen hang stellte sie aber den eigentlichen Grund für die Abweisung ihres Gesuchs, dass sie ihrer Mit wirkungsobliegenheit nicht nachge- kommen ist, nicht in Abrede. Weiter führte sie aus, sie sei durch die Trennungssituation zurzeit restlos überfordert und es falle ihr schwer, Unterlagen zusammenzustellen. Das erneute Ge- such erfolgte somit auf Basis desselben Sachverhalts, ohne dass geänderte Verhältnisse gel- tend gemacht wurden. Die Beschwerdeführerin rügte auch nicht, die ursprüngliche Verfügung sei mit einem schweren und offensichtlichen Rechtsmangel behaftet oder beim Entscheid seien aktenkundige erhebliche Tatsachen nicht berücksichtigt wor den. Ebenso wenig machte sie gel- tend, sie habe neue Tatsachen oder Beweismittel entdeckt , die ihr im früheren Verfahren noch Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht bekannt, aber schon vorhanden gewesen seien. Somit bestand kein Anspruch auf eine materielle Beurteilung des erneuten Gesuches um unent geltliche Rechtspflege. Zudem konnte die Beschwerdeführerin keine triftigen Gründe aufzeigen , die aus Billigkeitsgründen trotz unter- lassener Anfechtung ein ausnahmsweises Zurückkommen auf di ese Verfügung rechtfertigen könnten (vgl. hierzu Verfügung vom 7. Mai 2014). Ferner ist festzuhalten, dass wer – wie die Beschwerdeführerin – die Frist für die Einreichung von Belegen verpasst, keinen Anspruch da- rauf hat, dass die zuständige Behörde ohne qualifizierte Gründe über die gleiche Angelegenheit noch einmal materiell entscheidet und den Rechtsmitte lweg erneut öffnet. Das Institut der Wie- dererwägung dient nicht dazu, prozessuale Versäumnisse na chzuholen (Urteil des BGer 2C_102/2009 vom 11. Juni 2009 E. 3.3; Urteil des BGe r 2A.8/2004 vom 9. Januar 2004 E. 2.2.2). 5.5 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen war kein G rund für eine Wiedererwägung des Entscheids zum ersten Gesuch um Bewilligung der unent geltlichen Rechtspflege ersicht- lich, weshalb auf das Wiedererwägungsgesuch vom 29. A pril 2014 zu Recht nicht eingetreten wurde. Die Einsprache gegen Ziffer 8 der Präsidialverf ügung vom 7. Mai 2014 ist demzufolge abzuweisen. 6. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten u mfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). A ngesichts des Ausgangs des Verfahrens sind die Verfahrenskosten von Fr. 1'800.-- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die Parteikos- ten werden wettgeschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Einsprache gegen Ziffer 8 der Präsidialverfügun g vom 7. Mai 2014 wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- verrechnet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vorsitz Gerichtsschreiberin