<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 45 S.170</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">170</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>45</b></span> <span class="ft2"><b>Strassenbaubeiträge. Wirtschaftlicher Sondervorteil.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Wirtschaftlicher Sondervorteil verneint, wo der Strassenausbau nichts</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zur Erschliessung beiträgt und den Anstössern auch sonst keine greif-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>baren Vorteile bringt.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">171</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 22. August 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Einwohnergemeinde R. gegen Entscheid des Baudepartements.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Baubeiträge (sog. Vorzugslasten) wie die hier zur Diskussion</span><br/> <span class="ft1">stehenden sind Abgaben, die als Ausgleich jenen Personen auferlegt</span><br/> <span class="ft1">werden, denen aus einer öffentlichen Einrichtung - wie vorliegend</span><br/> <span class="ft1">dem Bau einer Strasse - ein wirtschaftlicher Sondervorteil erwächst</span><br/> <span class="ft1">(Ulrich</span> <span class="ft1">Häfelin/Georg</span> <span class="ft1">Müller,</span> <span class="ft1">Grundriss</span> <span class="ft1">des</span> <span class="ft1">Allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998, Rz. 2059 f.). So wird</span><br/> <span class="ft1">denn auch in Art. 15 des Strassenreglements der Gemeinde festge-</span><br/> <span class="ft1">legt, die Erhebung eines Anstösserbeitrages setze voraus, dass den</span><br/> <span class="ft1">Beitragspflichtigen durch den Strassenbau gemäss Überbauungsplan</span><br/> <span class="ft1">ein besonderer Vorteil erwächst, der nur bestimmten Grundeigentü-</span><br/> <span class="ft1">mern zukommt. Der Beitrag soll in einem angemessenen Verhältnis</span><br/> <span class="ft1">zum besonderen Vorteil stehen.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Die Gemeinde stellt sich auf den Standpunkt, dass es ent-</span><br/> <span class="ft1">gegen der Auffassung der Vorinstanz nicht wesentlich sein könne, ob</span><br/> <span class="ft1">es sich um eine blosse Erneuerung handle oder nicht. Im vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Fall handle es sich aber um eine eigentliche Änderung der Stras-</span><br/> <span class="ft1">se, nicht lediglich um eine Erneuerung. Die Strasse sei zwar bereits</span><br/> <span class="ft1">weitgehend 6 m breit ausgemarcht gewesen, effektiv sei sie aber auf</span><br/> <span class="ft1">höchstens 5 m Breite ausgebaut worden. Dazu bestehe beidseits ein</span><br/> <span class="ft1">ca. 50 cm breiter Streifen, der von Zeit zu Zeit mit einem notdürfti-</span><br/> <span class="ft1">gen Belag versehen worden sei, dem indessen eine ordentliche Kof-</span><br/> <span class="ft1">ferung fehle. Die Strasse sei nicht nur erneuert, sondern im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von § 34 Abs. 1 BauG ausgebaut worden. Aus diesem Ausbau ent-</span><br/> <span class="ft1">stünden den Anstössern die folgenden wirtschaftlichen Sondervor-</span><br/> <span class="ft1">teile:</span><br/> <span class="ft3">- Durch die vollständige neue Einkofferung werde der alte holprige Belag ersetzt</span><br/> <span class="ft3">und eine Heissmischtragschicht (HMT) mit Verschleissschicht eingebaut. Mit</span><br/> <span class="ft3">dieser neuen Strassenkofferung und der neuen Verschleissschicht werde den An-</span><br/> <span class="ft3">wohnern eine spürbare Entlastung in Bezug auf den Strassenlärm entstehen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">172</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">- Zur Entwässerung der Strassenoberfläche sei ein Quergefälle von 3 % gewählt</span><br/> <span class="ft3">worden. Die Entwässerung im Längsgefälle erfolge über einen Wasserstein, der</span><br/> <span class="ft3">das ungehinderte Abfliessen zu den insgesamt 20 neuen Einlaufschächten ermög-</span><br/> <span class="ft3">liche. Dies werde dazu führen, dass das Oberflächenwasser nicht mehr auf die Pri-</span><br/> <span class="ft3">vatgrundstücke laufe.</span><br/> <span class="ft3">- Entlang der Ausbaustrecke würden Randabschlüsse angebracht, wodurch eine</span><br/> <span class="ft3">saubere Abgrenzung zwischen der Strasse und den Privatgrundstücken entstehe.</span><br/> <span class="ft3">- Das ganze Ausbauprojekt Strassen- und Trottoirbau sei gesamthaft zu betrachten.</span><br/> <span class="ft3">Es hätte keinen Sinn gemacht, ein Trottoir zu erstellen, die Strasse aber nicht aus-</span><br/> <span class="ft3">zubauen. Die Trennung durch das Baudepartement in Ausbau der Strasse und</span><br/> <span class="ft3">Ausbau des Trottoirs sei künstlich und nicht zulässig. Die Trennung habe nur des-</span><br/> <span class="ft3">halb vorgenommen werden müssen, um die unterschiedlichen Kostenbeiträge</span><br/> <span class="ft3">sauber zu erfassen.</span><br/> <span class="ft1">b) Wirtschaftliche Sondervorteile entstehen in erster Linie bei</span><br/> <span class="ft1">der <i>Erstellung</i> von Strassen bzw. Erschliessungsanlagen, sie sind</span><br/> <span class="ft1">aber auch bei deren Änderung und Erneuerung denkbar (vgl. § 34</span><br/> <span class="ft1">BauG). Ein derartiger Sondervorteil ist regelmässig und unproblema-</span><br/> <span class="ft1">tisch erkennbar, wo ein Grundstück durch den Strassenbau überhaupt</span><br/> <span class="ft1">erst genügend erschlossen wird; er kann aber auch in einer objektiv</span><br/> <span class="ft1">verbesserten und komfortableren Erschliessung bestehen (AGVE</span><br/> <span class="ft1">1992 S. 197). Es ist deshalb nicht wesentlich, ob es sich beim vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Ausbau um eine Änderung oder Erneuerung handelt; ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidend ist einzig und allein, ob den Anstössern durch die bauli-</span><br/> <span class="ft1">chen Massnahmen ein wirtschaftlicher Sondervorteil entsteht (was</span><br/> <span class="ft1">allerdings bei einer blossen Erneuerung in der Regel kaum der Fall</span><br/> <span class="ft1">sein wird).</span><br/> <span class="ft1">Der massgebliche Sondervorteil muss wirtschaftlicher Art sein,</span><br/> <span class="ft1">er muss grundsätzlich als Vermögenszuwachs in Erscheinung treten</span><br/> <span class="ft1">und in Form von Geld realisiert werden können (René A.</span><br/> <span class="ft1">Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrechtspre-</span><br/> <span class="ft1">chung, Ergänzungsband, Basel/Frankfurt 1990, Nr. 111 B II b). Uner-</span><br/> <span class="ft1">heblich ist allerdings, ob der Vorteil tatsächlich realisiert wird. Der</span><br/> <span class="ft1">Kreis der möglichen Abgabepflichtigen ist auf die Grundeigentümer</span><br/> <span class="ft1">und das Ausmass des zu berücksichtigenden Vorteils auf die Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsvorteile begrenzt (Alexander Ruch, Die Bedeutung des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">173</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sondervorteils im Recht der Erschliessungsbeiträge, in: ZBl 97/1996,</span><br/> <span class="ft1">S. 532 f.)</span><br/> <span class="ft1">c) Ob die Erstellung des Trottoirs für die Anstösser wegen der</span><br/> <span class="ft1">Verbesserung der Verkehrssicherheit einen Sondervorteil bewirkte,</span><br/> <span class="ft1">ist im vorliegenden Fall nicht mehr streitig, da die Anstösserbeiträge</span><br/> <span class="ft1">bezüglich des Trottoirs rechtskräftig entschieden worden sind. Die</span><br/> <span class="ft1">Auffassung der Gemeinde, das Trottoir habe zwingend auch den</span><br/> <span class="ft1">Ausbau der Strasse erfordert und infolge dessen seien die Anstösser</span><br/> <span class="ft1">untrennbar auch durch den eigentlichen Strassenausbau in den Ge-</span><br/> <span class="ft1">nuss eines wirtschaftlichen Sondervorteils gekommen, geht jedoch</span><br/> <span class="ft1">fehl. Selbstverständlich war es wirtschaftlich sinnvoll, die Sanierung</span><br/> <span class="ft1">der Strasse zur gleichen Zeit durchzuführen, doch hat dies mit der</span><br/> <span class="ft1">Frage des wirtschaftlichen Sondervorteils für die Anstösser nichts zu</span><br/> <span class="ft1">tun. Im vorliegenden Fall war die Aufteilung in einen Perimeterplan</span><br/> <span class="ft1">Trottoir und einen Perimeterplan Strasse schon im Ansatz richtig und</span><br/> <span class="ft1">zwingend, weil Trottoir und Strasse unterschiedliche wirtschaftliche</span><br/> <span class="ft1">Sondervorteile auslösen.</span><br/> <span class="ft1">d) Die übrigen von der Gemeinde geltend gemachten Gründe</span><br/> <span class="ft1">vermögen nach Auffassung des Verwaltungsgerichts keinen wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Sondervorteil der Anstösser zu bewirken. Es steht fest,</span><br/> <span class="ft1">dass die Strasse bereits vor dem Ausbau eine nutzbare Breite von 6 m</span><br/> <span class="ft1">aufwies. Die Gemeinde behauptet denn auch nicht, die bisherige</span><br/> <span class="ft1">strassenmässige Erschliessung sei ungenügend gewesen. Sie führt</span><br/> <span class="ft1">aus, dass sich die Strasse erstaunlich gut gehalten habe, dies obwohl</span><br/> <span class="ft1">in den letzten 50 Jahren ausser einem neuen Rollsplitt und verein-</span><br/> <span class="ft1">zelten Entwässerungsschächten nichts daran gemacht worden sei.</span><br/> <span class="ft1">Die Strasse entsprach also bei ihrer seinerzeitigen Erstellung den</span><br/> <span class="ft1">technischen Anforderungen und ebenso den bisherigen Erschlies-</span><br/> <span class="ft1">sungsbedürfnissen. Soweit sich ihr Zustand im Laufe der Zeit ver-</span><br/> <span class="ft1">schlechterte, handelt es sich beim jetzigen Ausbau quasi um aufge-</span><br/> <span class="ft1">schobenen Unterhalt, der zu Lasten der Beschwerdeführerin als</span><br/> <span class="ft1">Strasseneigentümerin geht (vgl. AGVE 1992, S. 199; § 99 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BauG). In diesem Sinne besteht gegenüber dem in der Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">zitierten VGE II/66 vom 13. Juni 1991 in Sachen W.H. und Mitbe-</span><br/> <span class="ft1">teiligte, wo erst durch den Ausbau des G.-Wegs eine genügende</span><br/> <span class="ft1">strassenmässige Erschliessung erstellt wurde, ein entscheidender</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">174</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Unterschied. Der Umstand, dass jeweils die äussersten 50 cm der</span><br/> <span class="ft1">Strasse nicht unterkoffert waren, sondern nur einen Oberflächenbelag</span><br/> <span class="ft1">aufwiesen, war für die Erfordernisse der Wohnerschliessung nicht</span><br/> <span class="ft1">von wesentlicher Bedeutung.</span><br/> <span class="ft1">Dass eine neue Strassenkofferung nach heutigen technischen</span><br/> <span class="ft1">Grundsätzen erstellt wird, ist im vorliegenden Verfahren ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">nicht entscheidend. Die Kofferung verbessert zwar die Lebensdauer</span><br/> <span class="ft1">der Strasse, sie ermöglicht auch die Wartung und den Ersatz der alten</span><br/> <span class="ft1">Werkleitungen und bildet eigentliche Basis für den von der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde zu tragenden Strassenunterhalt. Sie bedeutet indessen weder</span><br/> <span class="ft1">eine erstmalige genügende Erschliessung noch eine namhafte Ver-</span><br/> <span class="ft1">besserung der Erschliessung (eine Erhöhung der Verkehrssicherheit</span><br/> <span class="ft1">kann lediglich dem Trottoir, nicht dem Strassenausbau zugeschrieben</span><br/> <span class="ft1">werden). Die Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Strasse wurde</span><br/> <span class="ft1">in erster Linie auf Grund des nahe gelegenen Industriegebiets mit</span><br/> <span class="ft1">gegen 1'000 Arbeitsplätzen, das ein höheres Verkehrsaufkommen</span><br/> <span class="ft1">verursachte, notwendig. Die neu entstandenen Arbeitsplätze haben</span><br/> <span class="ft1">den Anwohnern Verschlechterungen bezüglich der Lärmbelastung</span><br/> <span class="ft1">gebracht, die sie entschädigungslos hinzunehmen hatten. Wenn der</span><br/> <span class="ft1">Lärm durch die Verbesserung der Strassenoberfläche wieder etwas</span><br/> <span class="ft1">vermindert wird, bewirkt dies eine gewisse Kompensation der vorher</span><br/> <span class="ft1">durch die Verkehrssteigerung, deren Ursache im Industriegebiet liegt,</span><br/> <span class="ft1">kontinuierlich verschlechterten Lärmsituation. Der Bezug zu einem</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftlichen Sondervorteil für die Anstösser ist nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">Die Entwässerung der Strasse in ihrem bisherigen Zustand</span><br/> <span class="ft1">brachte keine nennenswerte Probleme mit sich. (...). Die neu geplante</span><br/> <span class="ft1">Entwässerung der Strasse bewirkt keinen wirtschaftlichen Sonder-</span><br/> <span class="ft1">vorteil. Das Gleiche gilt für die vorgesehenen Randabschlüsse. Es</span><br/> <span class="ft1">mag zwar zutreffen, dass durch diese saubere Abgrenzung die An-</span><br/> <span class="ft1">wohner an dieser Stelle nicht jäten müssen und es im Winter dort</span><br/> <span class="ft1">kein "Gepflotsch" gibt, doch dies ist ein minimer Vorteil.</span><br/> <span class="ft1">e) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Gemeinde den</span><br/> <span class="ft1">Nachweis für das Vorliegen eines wirtschaftlichen Sondervorteils</span><br/> <span class="ft1">durch den Strassenausbau nicht zu erbringen vermag.</span><br/></div> </div> </body> </html>