B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6469/2018 U r t e i l v o m 2 . S e p t e m b e r 2 0 1 9 Besetzung Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), sowie deren Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), Sri Lanka, alle vertreten durch Christian Wyss, Advokaturbüro, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 12. Oktober 2018. D-6469/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 8. Januar 2001 reichte A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie – auf der Schweizer Botschaft in Colombo ein Asylgesuch ein. Das Asylgesuch wurde durch das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute: SEM) mit Verfügung vom 5. September 2001 abgelehnt. B. Am 9. November 2010 suchte der Beschwerdeführer auf der Schweizer Botschaft in Colombo erneut um Asyl nach. Am 9. April 2015 wurde der Beschwerdeführer und am 28. Mai 2015 seine Ehefrau B._______ (nach- folgend: Beschwerdeführerin) auf der Botschaft zu den Asylgründen ange- hört. Am 29. Juni 2015 wurde den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz bewilligt. C. Am Tag vor der geplanten Abreise, dem (…) Juli 2015, wurde der Be- schwerdeführer am Flughafen Colombo vom Terrorist Investigation Depar- tement (TID) festgenommen. D. Am (…) August 2015 reiste die Beschwerdeführerin mit den drei gemein- samen Kindern mit dem von der Schweizer Botschaft in Colombo ausge- stellten Visum in die Schweiz ein. Das für den Beschwerdeführer ausge- stellte Visum lief ungenutzt ab. E. Am (…) Oktober 2016 reiste der Beschwerdeführer mit einem von der Schweizer Botschaft in Colombo ausgestellten Visum in die Schweiz ein. F. Am 11. August 2015 (Beschwerdeführerin sowie die drei Kinder) bezie- hungsweise am 24. Oktober 2016 (Beschwerdeführer) suchten die Be- schwerdeführenden im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in F._______ um Asyl nach. Dort wurden sie am 17. Au- gust 2015 (Bes chwerdeführerin) respektive am 8. November 2016 (Be- schwerdeführer) zu ihrer Person, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am 12. Ja-D-6469/2018 Seite 3 nuar 2016 (Beschwerdeführerin) beziehungsweise am 3. März 2017 (Be- schwerdeführer) wurden sie eingehend zu ihren Asylgründen angehört (Anhörung). G. Der Beschwerdeführer brachte anlässlich seiner Befragungen im Wesent- lichen vor, dass er in der Vergangenheit Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen sei. Er habe sich schliesslich aber der sri- lankischen Armee ergeben. Zudem habe er sich mit der Familie vier Jahre in einem Flüchtlingscamp in Indien aufgehalten und sei nach seiner Rück- kehr 2010 mehrere Male vom TID befragt worden, weshalb er sich vor einer Verschleppung gefürchtet habe. Als er und seine Familie am 29. Juni 2015 die Einreisebewilligung von der Schweiz erhalten hätten, hätten sie Sri Lanka sogleich am (...) Juli 2015 verlassen wollen. Er sei jedoch am Flug- hafen festgenommen worden und danach in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert gewesen. Am (…) Oktober 2015 sei er vom TID vor Gericht ge- bracht worden, wo man versucht habe, ihn in ein Rehabilitationszentrum zu schicken. Er sei schliesslich nicht verurteilt, sondern am (…) Novem- ber 2015 gegen Auflagen freigelassen worden. Am (…) Juni 2016 sei er offiziell entlassen worden. Am (…) September 2016 sei er aufgrund eines noch bestehenden Ausreiseverbotes erneut an der Ausreise gehindert wor- den. Nach dessen Aufhebung sei ihm am (…) Oktober 2016 die Ausreise geglückt. Die Beschwerdeführerin machte ihrerseits im Wesentlichen geltend, dass sie nach der Rückkehr aus Indien im Jahr 2010 oft von den Sicherheitsbe- hörden aufgesucht und ständig beobachtet worden seien. Die Dorfbewoh- ner hätten begonnen, über sie zu sprechen. Sie sei nie politisch aktiv ge- wesen. Als ihr Ehemann beim Ausreiseversuch am (…) Juli 2015 festge- nommen worden sei, habe das Criminal Investigation Departement (CID) im Dorf begonnen nach ihr zu fragen. Es sei ihr nie etwas zugestossen und es habe auch nie sexuelle Übergriffe gegeben, obschon sie sich davor ge- fürchtet habe. Am (…) Juli 2015 habe sie den Ehemann auf dem Haupt- quartier des TID besuchen können und sei schliesslich am (…) Au- gust 2015 mit den drei gemeinsamen Kindern in die Schweiz gereist. Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden die Pässe der gesam- ten Familie, die Identitäts karten und Geburtsurkunden des Beschwerde- führers und der Beschwerdeführer in, einen Haftbefehl des TID vom (…) Juli 2015, eine Haftbestätigung des Internationalen Komitees des Ro- ten Kreuzes (IKRK) vom 13. Juli 2016, ein Schreiben des Anwaltes des D-6469/2018 Seite 4 Beschwerdeführers vom 1. August 2016, einen Haftbefehl des TID vom (…) Juli 2015, Gerichtsdokumente vom (…) Dezember 2015 und (…) Sep- tember 2016, diverse Zeitungsartikel aus den Jahren 1999 (bereits im Rah- men des ersten Asylgesuchs eingereicht) sowie einen Medical Report (…) ein. H. Am 8. Juni 2018 wurde bei der Schweizer Botschaft in Colombo eine Ab- klärung in Auftrag gegeben. Aus der Botschaftsabklärung ging folgender Sachverhalt hervor: Gemäss de m Gerichtsdokument (…) sei der Be- schwerdeführer wegen des Verdachts auf Verbindungen zu den LTTE fest- genommen worden. Er sei aufgrund von Vergehen gemäss (…) des Pre- vention of Terrorism Act No. 48 von 1979 in Untersuchungshaft genommen worden. Nach mehreren Gerichtsanhörungen, die erste am (…) Okto- ber 2015, sei er am (…) November 2015 mit Einverständnis des Staatsan- waltes unter Kaution und Auflagen (…) aus der Haft entlassen worden. Bei der nächsten Anhörung vom (…) Januar 2016 habe der Staatsanwalt vor- geschlagen, dass er statt einer Anklage ein Jahr in Rehabilitation geschickt werden könne. Diesen Vorschlag hab er am selben Tag, wie auch an den darauffolgenden Terminen vom (…) Februar 2016 und am (…) Juni 2016 abgelehnt. Auf Anraten des Staatsanwaltes vom (…) Mai 2016 (…) sei er trotzdem am (…). Juni 2016 vom Gericht entlassen und der Fall sei abge- schlossen worden. Ebenfalls mit seiner Haftentlassung sei am Amtsgericht G._______ der Fall unter der Nummer (…) abgeschlossen worden. Ob wei- tere Gerichtsverfahren gegen ihn hängig seien, sei nicht bekannt. Aus den Gerichtsakten gehe weiter hervor, dass sein Anwalt am (…) Juli 2016 eine Motion beim Gericht eingereicht habe, um die Ausreisesperre aufzuheben. Am (…) September 2016 habe das Gericht entschieden, die Sperre aufzu- heben und den Registrator angeordnet, den „Controller General“ der Im- migrations- und Emigrationsbehörden dementsprechend zu informieren. Am (…) Oktober 2016 habe sein Anwalt erneut eine Motion beim Gericht eingereicht, woraufhin dieses nochmal a ngeordnet habe, dass ihm der Pass auszuhändigen sei. I. Die komplette Botschaftsanfrage sowie der an zwei Stellen anonymisierte Botschaftsbericht wurden den Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 22. August 2018 zur Stellungnahme offengelegt, welche am 21. Septem-D-6469/2018 Seite 5 ber 2018 erfolgte. Die Beschwerdeführenden führten darin im Wesentli- chen aus, dass die Durchführung einer Botschaftsabklärung zwar zu be- grüssen sei, allerdings viele Fragen offengeblieben seien. Zudem könnten die Einschätzung der Botschaft sowie die d arauf basierenden Schlussfol- gerungen des SEM nicht nachvollzogen werden. J. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2018 – eröffnet am 15. Oktober 2018 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingsei- genschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. K. Mit Eingabe vom 14. November 2018 erhoben die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung. Sie beantragten dabei in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei ihre Flücht- lingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs festzuste llen und ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Subeventualiter sei die Sache zwecks Befragung des Beschwerdeführers durch ein reines Männerteam an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro- zessualer Hinsicht ersuchten die Beschwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Verzicht auf einen Kostenvor- schuss sowie um Beiordnung des im Rubrum aufgeführten Rechtsvertre- ters als unentgeltlichen Rechtsbeistand. Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden ein Schreiben des Va- ters des Beschwerdeführers vom 29. Oktober 2018, ein Schreiben des Nachbarn H._______ vom 26. Oktober 2018, zwei Erklärungen des Vaters (I._______ und […]) vom 27. August 2018 sowie ein Schreiben des Anwal- tes J._______ vom 1. September 2018 ein. L. Mit Schreiben vom 19. November 2018 bestätigte das Bundesverwal- tungsgericht den Eingang der Beschwerde. M. Mit Zwischenverfügung vom 4. Februar 2019 stellte der Instruktionsrichter fest, dass die Beschwerdeführenden den Abschluss des Beschwerdever-D-6469/2018 Seite 6 fahrens in der Schweiz abwar ten dürften, hiess die Gesuche um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege (inklusive Verzicht auf Erhebung ei- nes Kostenvorschusses) und Rechtsverbeiständung unter Vorbehalt der fristgemässen Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut und forderte die Beschwerdeführenden dementsprechend auf, entweder einen entspre- chenden Bedürftigkeitsbeleg nachzureichen oder einen Kostenvorschuss zu bezahlen. N. Mit Eingabe vom 7. Februar 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine Fürsorgebestätigung des (…) ein. O. Mit Instruktionsverfügung vom 8. Februar 2019 wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. P. Mit Vernehmlassung vom 25. Februar 2019 äusserte sich die Vorinstanz in einigen Punkten zur Beschwerdeschrift und verwies im Übrigen auf ihre Erwägungen in der angefochtenen Verfügung, an welchen sie vollumfäng- lich festhielt. Q. Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am 26. Feb- ruar 2019 zur Kenntnis gebracht und ihnen wurde eine Frist bis zum 13. März 2019 zur Replik angesetzt. R. In ihrer Replik vom 13. März 2019 nahmen die Beschwerdeführenden zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung, wobei sie vollumfänglich an ihren bisherigen Vorbringen festhielten. Gleichzeitig reichten sie weitere Beweis- mittel zu den Akten: ein Video, welches den Umgang mit Häftlingen im Ge- fängnisalltag zeige, einen Artikel von (…) vom 8. Februar 2019 sowie das Foto eines ehemaligen Untergebenen des Beschwerdeführers bei de n LTTE, der ebenfalls im Februar 2019 angegriffen worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. D-6469/2018 Seite 7 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Am 1. Januar 2019 wurde zudem das Ausländergesetz vom 16. De- zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän- der- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwen- dende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Geset- zesbezeichnung verwenden wird. 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Beschwerdeführenden erheben formelle Rügen, die vorab zu be- handeln sind, da deren Gutheissung geeignet wäre, eine Kassation der vo- rinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 3.2 Die Beschwerdeführenden rügen zunächst, dass bei den Befragungen des Beschwerdeführers in der Schweiz jeweils Frauen anwesend gewesen seien. Der Beschwerdeführer habe sich geschämt in der Anwesenheit von D-6469/2018 Seite 8 Frauen über die erlittene Folter und die ihm zugefügten Demütigungen zu sprechen, und diese deshalb nicht erwähnt. Die Anordnung der Zweitbe- fragung durch ein Frauenteam sei eine Fehlanordnung gewesen, welche verhindert habe, dass der Sachverhalt vollständig habe ermittelt werden können. Gemäss Art. 17 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) wird die asylsuchende Person von einer Person gleichen Geschlechts befragt, wenn konkrete Hinweise auf ge- schlechtsspezifische Verfolgung vorliegen. Geschlechtsspezifisch ist d ie Verfolgung, wenn sie in der Form sexueller Gewalt stattfindet oder die se- xuelle Identität des Opfers treffen soll. Vorliegend bestanden aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers anlässlich der BzP keine genügend konkreten Indizi en, welche als „kon- krete Hinweise auf geschlechtsspezifische Verfolgung “ im soeben um- schriebenen Sinne zu beachten gewesen wären und daher der Vorinstanz zu entsprechende Vorkehren für die Anhörung hätten Anlass geben müs- sen. Die Aussage des Beschwerdeführers „Ich kann mir nic ht vorstellen, nochmals in Haft zu gehen. “ lässt entgegen der Beschwerde nicht per se auf erlittene Folter beziehungsweise Misshandlungen schliessen, da eine Inhaftierung an sich schon keine angenehme Erfahrung ist. Umso weniger stellt diese Aussage einen konkreten Hinweis auf eine geschlechtsspezifi- sche Verfolgung dar. Auch in den Aussagen des Beschwerdeführers an- lässlich der Anhörung finden sich keine solchen konkreten Hinweise, zumal der Beschwerdeführer verneinte, dass ihm während der Inhaftierung je Ge- walt angetan worden sei (…) und er auch nicht den Eindruck machte, er habe Mühe, über irgendetw as zu sprechen . Mithin liegt keine Verletzung von Art. 17 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 6 AsylV 1 vor. 3.3 Insofern die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde weiter vorbrin- gen, dass die Vorinstanz das rechtliche Gehör (Art. 29 VwVG) beziehungs- weise die Begründungspflicht als Teilaspekt des rechtlichen Gehörs ver- letzt habe, ist festzustellen, dass sich diese Rügen als unbegründet erwei- sen. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid alle wesentlichen Vor- bringen berücksichtigt und diese sodann einer Würdigung unterzogen. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass sich die verfügende Be- hörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die we- sentlichen Gesichtspunkte beschränken darf (BGE III 65 E. 5.2). Alleine der Umstand, dass die Vorinstanz nach Würdigung der Parteivorbringen D-6469/2018 Seite 9 respektive der aktuellen Situation in der Heimat der Beschwerdeführenden zu einem anderen Schluss als diesem kam, stellt keine Gehörsverletzung dar, sondern beschlägt die Frage der materiellen Würdigung. Schliesslich hat die Vorinstanz in ihrer Verfügung die wesentlichen Überlegungen ge- nannt, von denen sie sich hat leiten lassen, so dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war, wie die vorliegende Beschwerde zeigt. Mithin liegt auch keine Verletzung der Begründungspflicht vor. 3.4 Nach dem Gesagten haben sich die formellen Rügen als unbegründet erwiesen. Bei dieser Sach- und Aktenlage besteht insgesamt keine Veran- lassung, die vorinstanzliche Verfügung aus formellen Gründen aufzuhe- ben. 4. Insofern die Beschwerdeführenden in ihrer Rechtsmitteleingabe um die An- setzung einer Nachfrist von dreissig Tagen zur Einreichung von Original- dokumenten und weiteren Beweismitteln ersucht haben und über diesen Antrag bis anhin noch nicht befunden worden ist, ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden bis zum Urteilszeitpunkt hinreichend Gelegenheit und ihm Rahmen der ihnen obliegend en Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) auch die Obliegenheit gehabt hatten, weitere Beweismittel einzureichen. Dies haben sie offensichtlich nicht getan. Es besteht demnach keine Ver- anlassung, eine Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel anzusetzen. Der entsprechende Beweisantrag ist abzulehnen. Ebenso abzuweisen ist angesichts der vorliegenden Akten und Umstände (vgl. auch Erwägung 7.2.2) der sinngemäss gestellte Beweisantrag, die Haftbedingungen des Beschwerdeführers abklären zu lassen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe ode r wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-6469/2018 Seite 10 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege- ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte o der verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer , dessen Vorbringen für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zent- ral sind, aus, dass er als junger Mann Ende Dezember 1989 den LTTE beigetreten sei, wo er zunächst einen medizinischen Kurs absolviert und später in einem Selbstschutztraining gelernt habe, sich während Bomben- angriffen richtig zu verhalten. Im Jahr 1993 habe er bei der Explosion einer Landmine ein (…) verloren. Danach habe er in einem Lager für behinderte Personen gearbeitet. Seit 1996 sei er im politischen Flügel der LTTE tätig gewesen und habe direkt an K._______ rapportiert. Er habe während die- ser Zeit (…) Leute unter sich gehabt und sei im Rahmen dieser Tätig keit für den Leichentransport zuständig gewesen. Die Leichen habe er den be- troffenen Familien beziehungsweise dem Internationalen Komitee vom Ro- ten Kreuz (IKRK) übergeben müssen. Für ihn sei diese Arbeit sehr belas- tend gewesen. Infolgedessen sei er an (…) erkrankt und habe, während er sich von der Krankheit erholt habe, begonnen, die Tätigkeit der LTTE zu hinterfragen. Er habe austreten wollen, was grundsätzlich möglich gewe- sen wäre, da er bereits seit zehn Jahren dabei gewesen sei. Den Austritt habe man au fgrund seines Gesundheitszustands jedoch nicht bewilligt, ihm aber stattdessen eine Auszeit zugestanden. Er sei dann zu seinem Schwiegervater gegangen und dort in die Kampfhandlung namens „Ope- ration (…)“ geraten. Obwohl die LTTE ihm eine Fluchtmöglichkeit geboten habe, habe er sich in der Folge der sri-lankischen Armee ergeben. Er und andere Behinderte hätten eine „Generalamnestie“ erhalten. Er sei von der Armee an Pressekonferenzen zu Propagandazwecken benutzt und in etli- chen Zeitungsartikeln namentlich ge nannt worden. Infolgedessen sei er von den LTTE bedroht worden, weshalb er im Jahr 2001 sein erstes Asyl- gesuch eingereicht habe. Als im Jahr 2006 die Situation in Sri Lanka wieder schlimmer geworden sei, hätten die LTTE ihn aufgefordert, erneut beizutreten. Deshalb sei er zu- sammen mit seiner Familie nach Indien geflohen. Da der Krieg schliesslich zu Ende gegangen sei und sie Probleme in Indien hätten vermeiden wollen, D-6469/2018 Seite 11 seien sie 2010 nach Sri Lanka zurückgekehrt. Etwa zehn Tage später sei er vom TID zu Hause aufgesucht worden, man habe seine Fingerabdrücke genommen und er habe diverse Formulare unterzeichnen müssen, deren Inhalt er nicht gekannt habe. Überdies habe man ihn beschuldigt, sich an der letzten Kriegsphase in L._______ (M._______ Distrikt, Nordprovinz) beteiligt zu haben. Er habe danach keine Ruhe mehr gehabt, sich stets vor einer Verschleppung gefürchtet und sich während dieser Zeit oft versteckt gehalten. Um Probleme zu vermeiden , habe er auf der Schweizer Bot- schaft am 9. November 2010 erneut um Asyl nachgesucht. Er sei immer wieder für Befragungen aufgesucht worden. Er und seine Familie seien zu- dem von den Dorfbewohnern angefeindet worden, da sich viele ehemalige LTTE-Mitglieder und nicht rehabilitierte Personen im Dorf aufgehalten hät- ten. Seine Ehefrau sei aufgrund des regelmässigen Auftauchens der Si- cherheitskräfte von den Dorfbewohnern als Prostituierte beschimpft wor- den. Als sie nach dem Erhalt der Einreisebewilligung von der Schweiz am (…) Juli 2015 Sri Lanka hätten verlassen wollen, seien si e am Flughafen angehalten worden. Er habe die Verhaftung zunächst verweigert, später aber zugestimmt. Das TID habe ihn mitgenommen und seine Schwieger- eltern über die Festnahme informiert. Er sei danach in verschiedenen Ge- fängnissen inhaftiert gewesen. Währ end der Zeit im (…) Gefängnis in G._______ (Südprovinz) hätten seine Eltern und später auch Personen des sri -lankischen Roten Kreuzes ihn besuchen können. Am 4. Okto- ber 2015 sei er erneut in den „vierten Stock“ transferiert worden, wo man ihn fünfzehn Tage befragt habe. Am (…) Oktober 2015 sei er vom TID vor Gericht gebracht worden, wobei er keinen Anwal t gehabt habe. Am Ge- richtstermin sei versucht worden, ihn in ein Rehabilitationszentrum zu schi- cken. Danach sei er ins (…) gebracht worden, wo er einen Anwalt habe sehen dürfen, in dessen Begleitung er danach weitere Termine wahrge- nommen habe. Er sei schliesslich nicht verurteilt, sondern am (…) Novem- ber 2015 gegen eine Bürgschaft entlassen worden. Trotz seiner Entlas- sung habe er zweimal pro Monat beim TID in N._______ unterschreiben müssen. Im Januar 2016 sei er erneut vor Gericht geladen worden, wo ihm mitgeteilt worden sei, dass er zusammen mit vierzehn weiteren Personen nach O._______ (N._______) zur Rehabilitation geschickt werden würde. Dagegen habe sein Anwalt Beschwerde erhoben. Schliesslich sei er am (…) Juni 2016 offiziell entlassen worden. Zwar sei er am (…) Septem- ber 2016 erneut an der Ausreise gehindert worden, da noch ein Ausreise- verbot bestanden habe . Davon habe er vorab allerdings nichts gewusst. Sein Anwalt habe dagegen Rekurs eingelegt und eine Woche später habe D-6469/2018 Seite 12 ihm der Immigration-Officer mitgeteilt, dass kein Ausreiseverbot mehr be- stehe. Mit wenigen Komplikationen sei ihm dann schlussendlich am (…) Oktober 2016 die Ausreise gelungen. 6.2 In ihrer abweisenden Verfügung ging die Vorinstanz zunächst auf die Vorbringen des Beschwerdeführers ein, welche sie getrennt von jenen der Beschwerdeführerin und der drei gemeinsamen Kinder abhandelte. 6.2.1 Die Vorinstanz zweifelte s eine LTTE-Vergangenheit, den Aufenthalt in Indien sowie seine Inhaftierung am Flughafen und d ie darauffolgenden Verfahren im Jahr 2015 beziehungsweise 2016 nicht an. Ebenfalls aner- kannte sie, dass er nie ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen habe. Um seine Befürchtung, erneut durch das TID inhaftiert und/oder eliminiert zu werden, objektiv zu beurteilen, habe sie die Botschaftsabklärung in Auftrag gegeben (vgl. Sachverhalt H.). Aus dieser gehe hervor, dass das Gerichts- verfahren gegen ihn abgeschlossen sei und soweit bekannt seien keine weiteren Verfahren offen. Aufgrund der Aufhebung der Ausreisesperre könne davon ausgegangen werden, dass nichts mehr gegen ihn vorliege. Die Tatsache, dass der Staatsanwalt sogar auf die Rehabilitation verzichtet habe, könne ebenfalls als Zeichen dafür gewertet werden. Er habe selbst erklärt, dass das Verfahren gegen ihn abgeschlossen sei und die Behörden darüber informiert gewesen seien, dass er habe ausreisen wollen. Über- dies habe er angegeben, dass er nach der Entlassung aus der Haft im No- vember 2015 bis zur Ausreise im Oktober 2016 weder mit den Behörden noch mit Drittpersonen weitere Schwierigkeiten gehabt habe. Anerkannter- massen könne das Leben als ehemaliges LTTE -Mitglied schwierig sein. Ebenfalls seien die von ihm gena nnten Unannehmlichkeiten seitens der Behörden sowie der Gesellschaft, welche er über die Jahre habe erfahren müssen, zu bedauern. Nichtsdestotrotz sei aus objektiver Sicht zum Zeit- punkt seiner Ausreise die Vorverfolgung abgeschlossen gewesen und es bestünden keine Hinweise dafür, dass er mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Demzufolge sei davon auszugehen, dass er und seine Familie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nichts zu befürchten hät- ten. An dieser Einschätzung vermöge auch seine Stellungnahme vom 21. Sep- tember 2018 zur Botschaftsabklärung nichts zu ändern. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass in dem ihm zugestellten Abklärungsbericht das SEM jene Textstellen abgedeckt habe, deren Geheimhaltung zum Schutz we- sentlicher öffentlicher Interessen des Bundes sowie wesentlicher privater D-6469/2018 Seite 13 Interessen erforderlich seien (Art. 27 Abs. 1 Bst. a und b VwVG). Was im Botschaftsbericht alles veröffentlicht werden dürfe, werde vorab von der Botschaft entschieden. Somit sei ihm weitestgehend beziehungsweise vom wesentlichen Inhalt Kenntnis gegebe n worden (Art. 28 VwVG). Der Botschaftsbericht zeige ausführlich auf, auf welche Art und Weise dessen Erkenntnisse gewonnen worden seien. In diesem Zusammenhang sei an- zumerken, dass sich auch das Bundesverwaltungsbericht auf Abklärungs- berichte von Vertrauenspersonen stütze . An dieser Stelle sei anzufügen, dass nach seiner Stellungnahme um erneute Prüfung des Botschaftsbe- richts ersucht worden se i. Das Ergebnis der Prüfung decke sich mit den Erkenntnissen, die ihm bereits im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Kenntnis gebracht worden seien, weshalb kein Anlass bestehe, an den Abklärungsmethoden und –ergebnissen zu zweifeln. Nichtsdestotrotz sei auf einige Punkte vertieft einzugehen. So habe er zu- nächst gerügt, dass die Botschaft Mühe gehabt zu haben scheine, die ver- schiedenen Gerichtsverfahren auseinanderzuhalten. Wie bereits in der Botschaftsabklärung festgehalten, sei er aufgrund de r Untersuchung be- treffend das Vergehen gemäss (…) des Prevention of Terrorism Act No. 48 von 1979 in Untersuchungshaft genommen worden. Im Rahmen dieses Verfahrens sei er auf Kaution und mit diversen Auflagen, unter anderem der Auferlegung eines Ausreiseverbots (travelban) entlassen worden. Das Ausreiseverbot sei eine Massnahme zur Gewährleistung der Untersu- chung. Ein Staatsanwalt (attorney general) sei mit der Untersuchung be- auftragt worden und habe mit Schreiben von (…) Mai 2015 empfohlen, dass der Beschw erdeführer vom Gericht entlassen und der Fall abge- schlossen werden solle. Dasselbe Schreiben werde auch im Gerichtsurteil vom (…) September 2016 aufgeführt. Mit diesem Urteil seien folglich auch die Auflagen (z.B. Ausreiseverbot) hinfällig geworden, welche zur Sicher- stellung der Untersuchung auferlegt worden seien. Obwohl das Ausreise- verbot mit dem Abschluss des Verfahrens hinfällig werde, sei kein Automa- tismus vorhanden, sondern müsse vom Anwalt zwingend eine Motion ein- gereicht werden, um eine Verfügung des Gerichts zur Aufhebung der Aus- reisesperre zu erwirken. Die Verfügung des Gerichts komme nicht zwin- gend am Tag der Motion zustande, weshalb diese erst am (…) Septem- ber 2016 erlassen worden sei. In seinem Fall sei es offensichtlich zu einem Fehler gekommen und die Immigrationsbehörden seien nicht entspre- chend informiert worden, weshalb sein Anwalt am (…) Oktober 2016 eine zweite Motion habe einreichen müssen, woraufhin das Gericht nochmals die Aufhebung der Sperre angeordnet habe und dem Beschwerdeführer der Pass dann tatsächlich ausgehändigt worden sei. Es habe sich dabei D-6469/2018 Seite 14 aber um eine rein "formalistische" Angelegenheit gehandelt. Dieser man- gelhafte Kommunikationsfluss sei vermutlich ebenfalls der Grund, weshalb er bei seiner Ausreise in die Schweiz erneut am Flughafen angehalten wor- den sei. Insofern er in seiner Stellungnahme zum Botschaftsbericht bemängelt habe, dass ungeklärt geblieben sei, weshalb das Verfahren (…) abge- schlossen worden sei, sei festzuhalten, dass er keines Delikts angeklagt worden se i, sondern sich lediglich in Untersuchung befunden habe. Da keine weiteren juristischen Schritte gegen ihn unternommen worden seien, sei er ohne Rehabilitation entlassen worden. Insoweit er rüge, es habe nicht abschliessend geklärt werden können, ob noch weitere Verfahren gegen ihn offen seien, sei zu entgegen, dass er sich vorliegend materiell mit den Abklärungsergebnissen habe auseinan- dersetzen können. In Anbetracht dessen und seiner Erfahrung mit Gerich- ten respektive juristischen Verfahren in Sri Lanka, sei davon auszugehen, dass er wisse, dass jedes Verfahren mit einer entsprechenden Nummer gekennzeichnet werde. Auch sei davon auszugehen, dass er wisse, dass nur mit dieser Nummer Einsicht in die Akten gegeben werden könne. Somit sei er spätestens mit Gew ährung des rechtlichen Gehörs vom 22. Au- gust 2018 aufgefordert worden im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht zur Erstellung des Sachverhalts beizutragen. Die Vorinstanz habe mit der Ab- klärung bei der Botschaft betreffend allfällige offene Verfahren die Abklä- rungsmöglichkeiten vollumfänglich ausgeschöpft. Da er weder anlässlich seines Befragungen noch anlässlich der Stellungnahme zu den Ergebnis- sen der Abklärung ein offenes Verfahren geltend gemacht habe, sei anzu- nehmen, dass kein solches bestünde. Der Bericht beziehungsweise Brief des Anwalts J._______ weise den Cha- rakter eines Gefälligkeitsschreibens auf und vermöge in keiner Weise, die einzelfallspezifische Einschätzung der Botschaft zu entkräften. Schliesslich sei zum humanitären Visum anzumerken, dass desse n Bewilligung nicht zwingend einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG bedürfe. Eine solche vertiefte Prüfung finde erst im Asylverfahren in der Schweiz statt. Zu berücksichtigen sei auch, dass in seinem Fall keine illegale Ausreise vorliege und er auch nicht über ungültige Identitätsdokumente verfüge. Vielmehr sei ihm der Pass, nachdem seine Familie ausgereist sei, wie von der Staatsanwaltschaft angeordnet, zurückgegeben worden. Demnach D-6469/2018 Seite 15 hätten die Behörden Kenntnis davon gehabt, dass er habe ausreisen wol- len. Er sei am (…) September 2016 erneut an der Ausreise gehindert wor- den, womit die Behörden abermals Kenntnis von seinem Ausreisewillen er- halten hätten. Schliesslich sei er am (…) Oktober 2016 legal ausgereist. Aufgrund der Aktenlage sei nicht auszuschliessen, dass er bei einer Rück- kehr befragt werde, jedoch sei nicht ersichtlich, dass er nunmehr in den Fokus der sri -lankischen Behörden geraten und verfolgt werden würde, wenn das bisherige Verhalten der Behörden ihm gegenüber berücksichtigt werde. Beispielsweise habe er erklärt, dass er bereits nach achtzehn Tage wieder entlassen worden sei, als er sich im Jahr 1999 ergeben habe , und habe von einer „Generalamnestie“ für ihn und andere behinderte ehema- lige LTTE-Mitglieder gesprochen. Ebenfalls sei er nach der Rückkehr aus Indien lediglich vier bis fünf Mal für etwa zwei Stunden zu Befragungen mitgenommen worden. Ausserdem sei er vor Gericht von einem Anwalt vertreten worden und habe im Gefängnis Besuch empfangen dürfen. Von einer Rehabilitation sei abgesehe n worden. Ferner übe der grössere Teil seiner Familie staatliche Tätigkeiten aus. Aufgrund dieser Argumente und wie die Behörden ihn und seine Familie bis anhin behandelt hätten, gebe es somit objektiv betrachtet keine Hinweise dafür, dass sich jene bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bei allfälligen Befragungen am Flughafen in asyl- relevanter Art und Weise unverhältnismässig verhalten würden. Somit be- stehe auch kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Was die von ihm erwähnten Unannehmlichkeiten seit ens der Dorfbewoh- ner gegenüber ihm und seiner Ehefrau beträfen, so würden diese nicht die Kriterien erfüllen, um einen unerträglichen psychischen Druck zu bewirken. Mithin seien diese Unannehmlichkeiten nicht asylrelevant. Zwar sei anzu- erkennen, dass sich eine Reintegration in die Gesellschaft als schwierig erweisen könne. Ebenfalls sei bekannt, dass Personen mit seinem Hinter- grund ein gewisses Stigma angelastet werden könne. Dennoch hätten die erwähnten Unannehmlichkeiten ihn und seine Familie nicht daran gehin- dert, seit der Rückkehr von Indien im Jahr 2010 beziehungsweise 2011 bis zur Ausreise im Jahr 2015 beziehungsweise 2016 an derselben Adresse zu wohnen. Auch hätten Verwandte in der Nähe gelebt. Zwar habe er er- klärt, dass er aus Furcht nicht immer zu Hause geschlafen habe, gleichzei- tig aber ausgeführt, er habe immer mit der Familie zusammengewohnt. Ebenfalls seien er und seine Ehefrau einer geregelten Arbeit nachgegan- gen, im Rahmen derer sie zu einem gewissen Grad integriert seien. Diese Einschätzung habe er überdies anlässlich der Botschaftsbefragung vom 9. D-6469/2018 Seite 16 April 2015 bestätigt, an welcher er erwähnt habe, dass er lediglich mit eini- gen im Dorf nicht habe reden können, weil sich diese vor ihm gefürchtet hätten. Ferner seien aus den Akten keine Hinweise e rsichtlich, dass ihm oder seinem Eigentum seitens der Dorfbewohner beziehungsweise der Be- völkerung jemals Schaden zugefügt worden sei. Folglich bestünde kein be- gründeter Anlass zur Annahme, dass er seitens der Dorfbewohner bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab- sehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Insofern er geltend gemacht habe, dass die LTTE ihn im Jahr 2006 erneut zu rekrutieren versucht und er nebst den staatlichen Behörden die EPDP (Eelam People's Democratic Party) und die TSO erwähnt habe, welche re- gelmässige Kontrollen durchgeführt beziehungsweise ihn bedroht hätten, erreiche die Verfolgung – ungeachtet von der Glaubhaftigkeit – keine asyl- relevante Intensität. 6.2.2 Betreffend die Beschwerdeführerin führte die Vorinstanz aus, dass ihre Vorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten würden. Aufgefordert, einen Besuch der Sicherheitsbehörden zu schildern, habe sie lediglich eine Befragung, anlässlich derer ihr Ehe- mann befragt worden sei, erwähnt. Die Frage, ob sie jemals persönlich be- fragt worden sei, habe sie verneint. Sie habe ausgeführt, dass sie das CID nicht hereingelassen und draussen mit ihm gesprochen habe, wenn es während der Abwese nheit ihres Ehemannes gekommen sei . Auch habe das CID sich jeweils verabschiedet, sobald sie erklärt habe, dass ihr Ehe- mann nicht anwesend sei. Sie habe trotzdem Angst gehabt, dass man sie in der Nacht besuchen und ihr etwas antun könne. Daher h ätten sie und ihr Ehemann seit dem Jahr 2011 bis zur Ausreise bei Verwandten über- nachtet. Weiter habe sich das CID nach ihr erkundigt, nachdem ihr Ehe- mann verhaftet worden sei. Nichtsdestotrotz sei sie legal und zusammen mit ihren Kindern während der Inhaftierung des Mannes ausgereist. Die Furcht vor Übergriffen nach einer Rückkehr nach Sri Lanka sei unbegrün- det, einerseits da bereits im Fall ihres Ehemannes keine asylrelevanten Konsequenzen zu erwarten seien und sie lediglich wegen seiner Probleme ausgereist sei. Andererseits sei ihr nie etwas zugestossen. Ebenfalls habe sie ihren Ehemann während der Inhaftierung besuchen dürfen und sei so- mit kurz vor ihrer Ausreise mit den Sicherheitsbehörden in Kontakt gekom- men. Ihre Furcht vor den Behörden sei alleine mit ihrem subjektiven Emp- finden zu erklären, denn so, wie sie das Verhalten der Behörden ihr gegen- über geschildert habe, seien keine Hinweise dafür zu erkennen, dass jene D-6469/2018 Seite 17 sich in ihrem Fall respektlos gezeigt hätten. Auch habe sich ihre Furcht, dass der Ehemann während der Inhaftierung im Jahr 2015 hätte umge- bracht werden können, keinesfalls bewahrheitet. Objektiv betrachtet weise nichts darauf hin, dass sie seitens der Behörden etwas zu befürchten habe. Was das von ihr vorgetragene Gerede der Dorfbewohner angehe, so seien zwar die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten anzuerkennen, aller- dings entfalte das von ihr Geschilderte keine asylrelevante Intensität, so dass ihr ein Leben im Dorf verunmöglicht worden wäre. Auch sei sie mit ihrem Ehemann vom Jahr 2010 bis zur Ausreise immer an derselben Ad- resse wohnhaft gewesen. Sowohl sie als auch ihr Mann seien einer Arbeit nachgegangen, im Rahmen derer sie zu einem gewissen Grad integriert gewesen seien. Hierzu habe sie überdies erwähnt, dass ihre Arbeitskolle- gen ihre Mutter über die Besuche der Sicherheitsbehörden informiert hät- ten, was eine gewisse Sorge um sie erkennen lasse. Ferner seien aus den Akten keine Hinweise ersichtlich, dass ihr oder ihrem Eigentum seitens der Dorfbewohner beziehungsweise der Bevölkerung jemals Sc haden zuge- fügt worden sei. Überdies hätte sie jederzeit die Möglichkeit gehabt, eine Wohnsitzalternative zu suchen, wären der psychische Druck oder die Schi- kanen durch die Dorfbewohner unerträglich geworden. 6.3 In der Beschwerde wird dagegen vorgebracht, dass der Beschwerde- führer zu Hause immer noch vom CID gesucht werde, was Schreiben des Vaters und eines Nachbarn, Herr H._______, bestätigen würden. In einem weiteren Schreiben warne der Rechtsanwalt J._______ vor der Illusion, Leute wie der Beschwerdeführer w ürden unbehelligt nach Sri Lanka zu- rückkehren können. Er kenne den Fall aus seine r Arbeit für das (…) und halte die Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr für massiv. Die Einschätzung der Vorinstanz, die Verfolgung des Beschwerde- führers habe durch die gerichtliche Haftentlassung von 2016 ein Ende ge- funden, sei falsch. Die Begründung der Vorinstanz diesbezüglich sei asyl- rechtlich völlig unhaltbar und willkürlich. Sie verkenne einerseits die realen Haftbedingungen, welchen der Beschwerdeführer im „vierten Stock“ und in (…) habe erleben müssen. Andererseits ignoriere sie den Umstand, dass der vom Beschwerdeführer beziehungsweise seinem Anwalt erstrittene Prozessausgang nur möglich gewesen sei, weil der Prozess unter Be- obachtung des IKRK gestanden habe und weil die Behörden gewusst hät- ten, dass die Schweizer Botschaft mit Erteilung des Visums 2015 eine Art Beobachtungsfunktion übernehmen würde. Ohne diese internationale „Schaufensterfunktion“ wäre es dem Anwalt kaum gelungen, eine Freilas- sung zu erwirken, die Einweisung in ein Rehabilitationscamp zu verhindern D-6469/2018 Seite 18 und Beschwerde gegen das Ausreiseverbot zu führen. Dass diese gut do- kumentierte Verfolgungsgeschichte eines LTTE -Exponenten mit Kader- funktion nicht zu einer Asylgewährung führe, sei im Lich te der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zu Sri Lanka unverständlich. Der Beschwerde- führer sei sowohl im „vierten Stock“ als auch in (…) bei den Befragungen gefoltert worden. Er habe sich jeweils nackt ausziehen müssen und sei bei Befragungen an verschiedenen Körperteilen mit Zangen geklemmt und ge- schlagen worden. Wenn er auf den Kopf geschlagen worden sei, habe man ein Buch auf den Kopf gelegt und dann hart auf das Buch geschlagen, da- mit keine bleibenden Folterwunden entstehen würden. Auch bei Schlägen auf den Körper seien tiefe Verletzungen vermieden worden. Kleinere Ver- letzungen seien anschliessend vom Gefängnisarzt behandelt worden, der jeden dritten Tag eine Kontrolle durchgeführt habe. In der ersten Phase im Flughafengefängnis sei der Beschwerdeführer jeden Tag geschlagen wor- den. Der Beschwerdeführer sei zehn Jahre bei de n LTTE gewesen, habe dem Kader angehört und bei seiner Tätigkeit in der politischen Abteilung sehr viele Kenntnisse erworben. Aufgrund seiner Verletzung sei er dann von der Armee als „Vorzeigeüberläufer“ zu Propagandazwecken benutzt worden, was ihm zu Kontakten in der Öffentlichkeit verholfen habe, die auch einen gewissen Schutz gegen völlig willkürliche Gewaltübergriffe ge- boten hätten. Der Beschwerdeführer habe während fünf Jahren na ch der Rückkehr aus Indien überleben können, weil er die häufigen Befragungen durch die Sicherheitsbehörden geduldet habe, sei damit aber nicht aus de- ren Visier geraten. Bei der Vorprüfung der Asylvorbringen durch die Schweizer Botschaft sei die Gefährdungslage deutlich erkannt worden, an- sonsten kein Visum ausgestellt worden wäre . Wie gross die Gefährdung wirklich gewesen sei, habe sich dann anlässlich der von der "Schweiz be- willigten Ausreise" gezeigt. Die Festnahme und die bis zum (…) November 2015 erfolgte Haft seien brutal gewesen . Die Ansicht der Vorinstanz, mit der vorläufigen Entlassung des Beschwerdeführers und der anwaltlich er- strittenen Aufhebung des Ausreiseverbots sei seine Verfolgung endgültig beseitigt, sei naiv. Der Einschätzung der Schweizer Botschaft, es sei kein hängiges Verfahrens vorhanden, weshalb auch keine Gefährdung beste- hen könne, sei in der Stellungnahme vom 21. September 2018 umfang- reich entgegnet worden, weshalb weiterhin von einer grosse n Gefahr für Freiheit, Leib und Gesundheit auszugehen sei. Auf diese Argumente sei die Vorinstanz nicht eingegangen. Gerade die Tatsache, dass die Ausreise des Beschwerdeführers beim ersten Versuch nicht möglich gewesen sei und erneut vom Anwalt habe erstri tten werden müssen, belege, dass nur das Gerichtsverfahren, nicht aber die Verfolgung abgeschlossen se i. Die LTTE-Vergangenheit des Beschwerdeführers sei den Sicherheitskräften D-6469/2018 Seite 19 bekannt, ebenso hätten diese registriert, dass er über ein immenses Wis- sen über die Organisationsstrukturen und ehemalige Aktivisten der LTTE habe. Damit sei offensichtlich, dass er bei einer Rückkehr erneut unter ste- tiger Beobachtung stehen und bei geringem Anlass festgenommen und un- ter Gewaltanwendung befragt werden würde. 6.4 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass hinsichtlich der eingereichten Schreiben des Vaters anzumerken sei, dass diese den Charakter von Gefälligkeitsschreiben aufweisen würden. Zudem enthielten sie keine neuen Tatsachen, worauf nicht bereits in de r Verfügung einge- gangen worden sei. Daran vermöchten auch die angegebenen Besuche der Polizei, des CID oder der Armee beim Vater nichts zu ändern. Hinsicht- lich des Schreibens des Anwalts sei kein direkter Bezug zum Beschwerde- führer zu erkennen. Vielmehr sei es allgemeingültig verfasst und vermöge zu keiner anderen Einschätzung zu führen. 6.5 In ihrer Replik bringen die Beschwerdeführenden vor, dass unbestritten sei, dass der Beschwerdeführer im berüchtigten „vierten Stock“ und vor allem in (…) inhaftiert gewesen sei. Die Vorinstanz habe ungenügend ab- geklärt, dass der Beschwerdeführer dort gefoltert worden sei. Es sei offen- sichtlich, dass das Verfahren gegen ihn nur eingestellt worden sei, weil er vom IKRK einen Anwalt beigeordnet bekommen habe und weil dem Ge- richt bekannt gewesen sei, dass der Fall indirekt auch von der Schweizer Botschaft begleitet werden würde. Die Einstellung des „offiziellen“ Strafver- fahrens bedeute aber keineswegs, dass die Überwachung durch den TID damit gegenstandslos geworden wäre. Die Gefährdung bestehe weiterhin. Die Tatsache, dass er nach Erteilung des Visums inhaftiert und gefoltert worden sei, müsse zur Anerkennung als Flüchtling durch die Schweiz füh- ren. Die Annahme der Vorinstanz, dass er in (…) nicht gefoltert worden sei, sei nicht nachvollziehbar. Sämtliche internationalen Berichte wiesen darauf hin, dass in dieser Anstalt massiv und teilweis e auch grundlos gefoltert werde. Im Übrigen zeige ein Video den U mgang der Sicherheitskräfte im normalen Gefängnisalltag . Die Vorinstanz schät ze die Situation in Sri Lanka falsch ein. Im Bezirk P ._______ seien in letzter Zeit rund dreihundert Personen verschwunden. Zwei dem Beschwerdeführer persönlich be- kannte Personen, welche bei den LTTE gewesen seien, seien kürzlich von Sicherheitsleuten ange griffen und verletzt worden , so insbesondere am 8. Februar 2019 Q._______, der bei den LTTE ihm direkt untergeben ge- wesen sei. Auch R._______ sei im Februar 2019 auf ähnliche Weise an- gegriffen und verletzt worden. Auch dadurch sei seine Angst, nach einer D-6469/2018 Seite 20 Rückkehr Opfer des CID oder einer von den Sicherheitskräften protegier- ten Schlägerbande zu werden, begründet. 7. 7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das SEM zu Recht die Flüchtlingseigen- schaft der Beschwerdeführenden verneint und ihnen die Gewährung von Asyl verweigert hat. 7.2 Zunächst ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer eine asylrelevante Vorverfolgung in Sri Lanka nachweisen oder zumindest glaubhaft machen konnte. 7.2.1 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM aus, dass es in kei- ner Weise an der LTTE-Vergangenheit des Beschwerdeführers, dem Auf- enthalt der Beschwerdeführenden in Indien sowie der Festnahme am Flug- hafen sowie der darauffolgenden Inhaftierung und den Verfahren gegen ihn im Jahr 2015 beziehungsweise 2016 zweifle und auch anerkenne, dass er nie ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen habe. 7.2.2 Nach Prüfung der Akten sieht sich das Bundesverwaltungsgericht ebenso wenig veranlasst, diese Vorbringen in Frage zu stellen. Hingegen ist das von den Beschwerdeführenden erstmals in der Rechtsmitteleingabe geltend gemachte Vorbringen, der Beschwerdeführer sei während seiner Inhaftierung massiv gefoltert und misshandelt worden, als nachgeschoben und somit unglaubhaft zu erachten, zumal den Vorakten keine diesbezüg- lichen Hinweise zu entnehmen sind. Als der Beschwerdeführer in der An- hörung gefragt wurde, wie er während seiner Haftzeit in den verschiedenen Gefängnissen behandelt worden sei, antwortete er dahingehend, dass er befragt und ihm unter anderem Gewalt angedroht worden sei (…). Die Nachfrage, ob ihm diese angedrohte Gewalt jemals angetan worden sei, verneinte der Beschwerdeführer hingegen explizit ( …). Der Beschwerde- führer gab sodann an, dass er seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis im November 2015 bis zur Ausreise im Oktober 2016 w eder mit den Be- hörden noch mit Drittpersonen Schwierigkeiten gehabt habe ( …). Am (…) Juni 2016 wurde er offiziell vom Gericht entlassen. Nachdem sein An- walt die Aushändigung des Passes und die Aufhebung der Ausreisesperre erwirkt hat – die Vorinstanz hat diesbezüglich in ihrer Verfügung nachvoll- ziehbar aufgezeigt, warum der Beschwerdeführer bei seinem ersten Aus- reiseversuch im September 2016 Probleme hatte (a.a.O. S. 9) – konnte er legal mit seinem eigenen Pass am (…) Oktober 2016 ausreisen. Es ist folg-D-6469/2018 Seite 21 lich nicht davon auszugehen, dass er zum Zeitpunkt seiner Ausreise ernst- haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war respektive sol- che mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft zu be- fürchten hatte. 7.3 Im Folgenden ist aufgrund der aktuellen Situation in Sri Lanka zu prü- fen, ob der Beschwerdeführer aufgrund des vorgängig dargelegten Sach- verhaltes im Falle der Rückreise einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt sein könnte. 7.3.1 Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind in Sri Lanka unter anderem Personen, die verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung gestanden zu haben, einer erhöhten Verfolgungsge- fahr ausgesetzt (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.1). Im Urteil D -1470/2014 vom 5. Juni 2014 hat das Bundesverwaltungsgericht m it Verweis auf Berichte internationaler Organisationen festgestellt, die Lage in Sri Lanka habe sich seit dem Ende des Krieges im Jahre 2009 in menschenrechtlicher Hinsicht nicht verbessert. Ebenso sei keinesfalls von einem abnehmenden Verfol- gungsinteresse des Staates gegenüber Personen mit vermeintlichen oder tatsächlichen LTTE-Verbindungen auszugehen (vgl. a.a.O., E. 6.4.4). Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwal- tungsgericht schliesslich festgehalten, es scheine auch heute noch – mithin sieben Jahre nach Ende des Bürgerkrieges und nach dem Machtwechsel vom Januar 2015 in Sri Lanka – ein wichtiges Ziel des sri-lankischen Staa- tes zu sein, jegliches Aufflammen des tamilischen Separatismus im Keim zu ersticken. So sei der drakonische Prevention of Terror Act – mit welchem Verhaftungen und Inhaftierungen von Personen legitimiert werden, welche im Verdacht stehen, Verbindungen zu den LTTE zu haben – weiterhin in Kraft, obwohl die neue Regierung nach Angaben von Amnesty International (AI) im September 2015 versprochen habe, den PTA zu widerrufen und durch ein Anti -Terrorismusgesetz zu ersetzen, das mit internationalen Standards vereinbar sei. Auch die Präsenz der Sicherheitskräfte und die damit einhergehende Überwachung der Bevölkerung im Norden und Osten des Landes seien nach wie vor sehr hoch (vgl. a.a.O. E. 8.5.1). Mit Blick auf diese Umstände wurde sodann festgehalten, eine geltend gemachte Verbindung zu den LTTE vermöge dann eine relevante Furcht vor ernst- haften Nachteilen im asylrechtlichen Sinn zu begründen, wenn der betroffe- nen Person aus Sicht der sri -lankischen Behörden aufgrund der Verbin- dung eine Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus in Sri Lanka zugeschrieben und die Person von daher als Gefahr für die nach dem Krieg wiedergewonnene Einheit des Landes wahrgenommen D-6469/2018 Seite 22 werde. Davon seine keineswegs nur in besonderem Masse exponierte Per- sonen betroffen, zumal die sri -lankische Regierung auch sieben Jahre nach Ende des Bürgerkrieges noch über ein Wiederaufleben respektive Wiedererstarken der LTTE besorgt sei und jeglichen Verdacht entspre- chender Bestrebungen mit grösster Aufmerksamkeit verfolge. Es seien je- doch nicht alle Personen, die eine irgendwie geartete tatsächliche oder ver- meintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE aufwiesen, einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefahr von Verfolgung ausgesetzt, sondern nur jene, die aus Sicht der sri -lankischen Regierung bestrebt seien, den ethnischen Konflikt im Land wieder aufflammen zu lassen. Ob dies zu bejahen und einer Person mithin die Flüchtlingseigenschaft zuzu- erkennen sei, sei daher im Einzelfall zu erörtern, wobei eine asylsuchende Person die für diese Beurteilung relevanten Umstände glaubhaft machen müsse (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.3). 7.3.2 Wie oben unter E. 7.3.1 festgehalten wurde, wurden im Referenzur- teil E-1866/2015 vom 14. Juli 2016 in Bezug auf Rückkehrende aus der Schweiz nach Sri Lanka verschiedene Kriterien aufgestellt, welche ein Ver- folgungsrisiko begründen. Vor dem Hintergrund der vorstehenden Erwägungen ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ein relevantes Risikoprofil erkennen lässt. Er war während 10 Jahren Mitglied der LTTE, wobei er nach seiner Grundausbil- dung in verschiedenen Abteilungen tätig war. 1993 verlor er bei einer Land- minenexplosion sein (…) und arbeitete a b dem Jahr 19 96 im politischen Flügel der LTTE, wo er direkt an K._______ rapportiert und (…) Personen unter sich gehabt hat (…). Während dieser Zeit oblag es ihm als Haupttä- tigkeit auch, die Leichen von LTTE -Kämpfern den jeweiligen Familien zu übergeben und die Leichen von Soldaten an der Grenze dem IKRK zu übergeben (…) Es ist davon auszugehen, dass er sich in dieser Funktion in gewisser Weise exponierte und auch mit vielen Mitgliedern der Bewe- gung beziehungsweise dere n Familien in Kontakt gekommen ist . 1999 ergab sich der Beschwerdeführer der sri -lankischen Armee, wobei dieser Umstand augenscheinlich in verschiedenen Medien erwähnt und der Be- schwerdeführer als LTTE-Mitglied, welches sich ergeben habe, namentlich genannt wurde und auch auf Fotos zu sehen war. Zwar wurde der Be- schwerdeführer damals bloss für kurze Zeit festgehalten , wobei ihm die Behörden eine Prothese zur Verfügung stellten. Allerdings ist er offensicht- lich in der Folge von den Behörden auch zu Propagandazwecken instru- mentalisiert worden (…). Auch wurde er mehrere Male vom militärischen Geheimdienst zwecks Befragung aufgesucht und aufgefordert, er solle den D-6469/2018 Seite 23 Behörden mitteilen, wenn er LTTE-Mitglieder treffe (…). Nach seiner Rück- kehr aus Indie n im Jahr 2010 wurde der Beschwerdeführer sodann mut- masslich weit engmaschiger überwacht beziehungsweise befragt, als die Vorinstanz in ihrer Verfügung dargelegt hat (…). Schliesslich wurde der Be- schwerdeführer bei der versuchten Ausreise 2015 vom TID wegen des Ver- dachts auf Verbindungen zu den LTTE festgenommen und inhaftiert. Ge- gen ihn wurde in der Folge ein Untersuchungsverfahren geführt. Laut Bot- schaftsabklärung ist die LTTE -Vergangenheit des Beschwerdeführers in den Gerichtsakten detailliert wiedergegeben. Er ist mithin bei den Behör- den als langjähriges LTTE -Mitglied registriert. Es ist unbestritten, dass seine Festnahme und Inhaftierung im Zusammenhang mit seiner LTTE - Mitgliedschaft stand, was gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts bereits genügt, um von einer begründeten Furcht vor ernst- haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen (vgl. Referenzur- teil E-1866/2015 E. 8.5.2). Alleine aus dem Umstand, dass das Untersu- chungsverfahren gegen den Beschwerdeführer beendet wurde, ohne dass dieser angeklagt oder zur Rehabilitation geschickt worden ist und ihm der Pass ausgehändigt beziehungsweise die Ausreisesperre aufgehoben wor- den ist, kann entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht darauf geschlossen werden, dass nichts mehr gegen ihn vor liege respektive dass keine Ge- fährdung mehr bestehe, zumal nicht ersichtlich ist, warum der Staatsanwalt diesen Verfahrensausgang beantragt hat beziehungsweise aus welchem Grund das Verfahren abgeschlossen wurde. Zuletzt ist auch zu berücksich- tigen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Prothese umgehend als Kriegsteilnehmer auffällt und sich seit beinahe drei Jahren in der Schweiz aufhält. Der Beschwerdeführer verfügt kumuliert über Merkmale, aufgrund derer er gemäss Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 erhöht Ge- fahr läuft, bei einer Rückkehr in die Heimat von den sri -lankischen Behör- den misshandelt zu werden (E. 8 .1 und 8.3 m.w.H.; vgl. auch BVGE 2011/24). Ihm steht schliesslich keine innerstaatliche Fluchtalterna- tive offen, da er vom sri -lankischen Staat verfolgt wird, welcher seit Ende des Krieges Zugriff auf das gesamte Staatsgebiet hat. 7.3.3 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr objektiv begründete Furcht hat, Ziel behördlicher Verfol- gungsmassnahmen in asylrelevantem Ausmass zu werden, die auf einem asylrelevanten Verfolgungsmotiv beruhen. Er erfüllt nach dem Gesagten die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG. 7.4 Eine (Reflex -)Verfolgungsgefahr der Beschwerdeführerin (und ihrer Kinder) ist indessen zu verneinen. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, D-6469/2018 Seite 24 dass die sri-lankischen Behörden offenbar ausschliesslich am Beschwer- deführer ein Verfolgungsinteresse h ätten und keine objektiven Hinweise bestünden, dass die Beschwerdeführerin etwas zu befü rchten hätte. Es kann diesbezüglich auf die entsprechenden Erwägungen in der angefoch- tenen Verfügung verwiesen werden, denen sich das Gericht anschliesst (a.a.O. Ziff. II.2.1, S. 13). Schliesslich hat die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, dass es den Unannehmlichkeiten seitens der Dorfbewohner an asylrelevanter Intensität mangelt. Andere Risikofaktoren, welche eine Verfolgungsgefahr der Beschwerdeführerin und der gemeinsamen Kinder zu begründen vermöchten, sind nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin wie auch die drei gemeinsamen Kinder sind je- doch in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers einzubeziehen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Asylausschlussgründe im Sinne von Art. 53 AsylG sind keine ersichtlich. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und , diese ist anzu- weisen, die Beschwerdeführenden als Flüchtlinge anzuerkennen un d ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 9.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Re glements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechtsvertreter hat mit Eingabe vom 18. März 2019 eine aktualisierte Kos- tennote eingereicht. Darin beziffert er den Zeitaufwand auf 11.5 Stunden à Fr. 200.–. Zusätzlich werden ein Dolmetscheraufwand von 2.25 Stunden à Fr. 80.– sowie Auslagen von Fr. 63.20 ausgewiesen. Der Gesamtaufwand, inklusive Mehrwertsteuer, beläuft sich auf Fr. 2'725.15. Der veranschlagte Zeitaufwand erscheint dem Gericht angesichts des weitgehend unbestrit- tenen Sachverhaltes sowie des Umfangs der eingereichten Eingaben als unverhältnismässig hoch, als angemessen ist ein Aufwand von 8 Stunden D-6469/2018 Seite 25 anzusehen. Die von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung ist somit auf Fr. 1'972.– festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-6469/2018 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung vom 12. Oktober 2018 wird aufgehoben. Das SEM wird an- gewiesen, die Beschwerdeführenden als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'972.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Andrea Beeler Versand: