Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. August 2020 (725 20 104 / 197) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Invalidenrente; Integritätsentschädigung; Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Jan Herrmann, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Die 1965 geborene A.____ war als Angestellte der B .____ AG obligatorisch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtbe- rufsunfällen versichert, als sie sich am 29. September 201 5 beim Versuch, einen Treppensturz zu vermeiden, eine Schulterdistorsion rechts zuzog. In der Unfallmeldung hatte die Beschwerde- führerin das Unfallereignis wie folgt geschildert: "Beim Treppensteigen (abwärts) auf Treppe aus- gerutscht und beim Versuch sich am Geländer festzuhalten die Schulter verletzt." Die Suva an- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht erkannte in der Folge ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistun- gen. Im weiteren Verlauf persistierten Schulterbeschwer den rechts. Am 19. Januar 2016 wurde unter anderem eine arthroskopische Supraspinatussehnenrekonstruktion rechts vorgenommen, wobei sich postoperativ eine frozen Shoulder entwickelte . Am 5. September 2016 wurde eine Rearthroskopie durchgeführt. Ein Verlaufs-MRI der recht en Schulter vom 27. Juni 2018 zeigte keine Reruptur der Rotatorenmanschette. Mit Verfügung vom 4. März 2019 gewährte die Suva der Versicherten eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 21 % bei einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 63'391.- - sowie eine Integritätsentschädigung in der Höhe von F r. 18'900.-- basierend auf einer Integri- tätseinbusse von 15 %. Eine dagegen erhobene Einsprach e wies die Suva mit Entscheid vom 6. Februar 2020 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Jan Herrmann, mit Schreiben vom 6. März 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landsc haft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei der Einspracheentscheid aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die ge setzlichen Leistungen zurückgehend auf das Unfallereignis vom 29. September 2015 zuzusprechen und auszurichten. Weiter wurde aus- geführt, es sei ihr ab 1. April 2019 eine Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von mindestens 29 % sowie eine Integritätsentschädigung auf Basis eines Integritätsschadens von mindestens 20 % zuzusprechen und auszurichten; eventualiter sei eine gerichtliche medizinische Expertise einzuholen. Des Weiteren wurde sinngemäss die Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und Verbeiständung beantragt. Mit Schreiben vom 11. März 2020 reichte die Be- schwerdeführerin einen Bericht von Dr. med. C.____ vom 28. Februar 2020 zu den Akten. C. Die Suva beantragte mit Vernehmlassung vom 8. Apr il 2020, es sei die Beschwerde ab- zuweisen. D. Mit Verfügung vom 15. Mai 2020 wurde der Beschwer deführerin die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Jan Herrmann als Rechtsvertre- ter bewilligt und die Angelegenheit dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. E. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten d ie Parteien an ihren Anträgen und wesentlichen Begründungen fest. Auf ihre Ausführungen wird – soweit erforderlich – in den Er- wägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde ist dem- nach einzutreten. 2.1 Die Beschwerdegegnerin teilte der Beschwerdeführe rin mit Schreiben vom 13. Dezem- ber 2018 bzw. 3. Januar 2019 mit, dass von einer weite ren Behandlung keine wesentliche Ver- besserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes mehr zu erwarten sei, weshalb die Heil- kosten- und Taggeldleistungen per 31. März 2019 eingestellt würden. Es werde nun geprüft, ob weitere Versicherungsleistungen ausgerichtet werden könnten. Mit Verfügung vom 4. März 2019 bzw. mit Einspracheentscheid vom 6. Februar 2020 sprach die Beschwerdegegnerin der Be- schwerdeführerin eine Invalidenrente ab 1. April 2019 auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 21 % bei einem versicherten Verdienst von Fr. 63'391.-- sowie eine Integritätsentschädigung auf- grund einer Integritätseinbusse von 15% zu. Mit der vorliegenden Beschwerde beantragt die Be- schwerdeführerin die Ausrichtung einer Invalidenrente ab 1. April 2019 auf Basis eines Invalidi- tätsgrades von mindestens 29 % sowie eine Integritätsentschädigung auf Basis eines Integritäts- schadens von mindestens 20 %. Der von der Beschwerdegegneri n angeordnete Fallabschluss wird seitens der Beschwerdeführerin nicht beanstandet und ist somit nicht streitig. Auch aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, die gegen die Rechtmässigkeit dieses Vorgehens sprechen würden. Damit beschränkt sich die nachfolgende Prüfung auf die Höhe der Invalidenrente und der Integritätsentschädigung. 2.2 Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten. Zu den geänd erten Normen gehört auch die Bestim- mung von Art. 18 Abs. 1 UVG, welche den Anspruch auf ei ne Invalidenrente regelt. Laut Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des UVG vom 25 . September 2015 werden jedoch Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmun- gen zugetragen haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfol- gend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsun- fällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilwe iser Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedere rlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu min- destens 10 Prozent invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärzt- lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Per- son mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversiche- rung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeld- leistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleide t die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angem essene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, fa lls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt als erstes voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähig- keit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlich er Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürl ichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene E rfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre- chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natü rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmi ttelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper- liche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Stö- rung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Ka usalzusammenhang besteht, ist eine Tat- frage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach d em im Sozialversicherungsrecht übli- chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines L eistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus, die aus dem unbewiesen gebl iebenen natürlichen Kausalzusam- menhang als anspruchsbegründender Tatsache Rechte ablei ten wollte (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 3.3 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im W eiteren voraus, dass zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen S chaden ein adäquater Kausalzusam- menhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lau f der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis all gemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem ver- sicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheitliche n Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusammenhang best eht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (Urteil des Bundes- gerichts vom 24. August 2007, U 56/06, E. 6.2.2 am Ende; BGE 112 V 33 E. 1b). Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Ein- grenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfall- versicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kau- salität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/bb). Stehen hingegen psychische Unfallfol- geschäden zur Beurteilung, so hat eine besondere Adäquanzprüfung zu erfolgen. Danach ist für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufw eist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 133 E. 7). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wich- tige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle ande- ren Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeich- nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen St ellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). In Bezug auf Berich te von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, da ss diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfas- senden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die pote ntiellen Stärken der Berichte behan- delnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behan- delnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustu- fen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfa ssende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Weiter wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbar keit der Berichte und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf man gelnde Objektivität und Befangen- heit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Berichten kommt allerdings nicht der- selbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 A TSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5. Zunächst ist zu prüfen, in welchem Ausmass die Beschwer deführerin unfallbedingt ar- beitsunfähig ist. Unbestrittenermassen handelt es sich beim vorliegenden Unfallereignis um einen leichten Unfall, weshalb gemäss bundesgerichtlicher Rechtsp rechung grundsätzlich der adä- quate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen ohne wei- teres zu verneinen ist (BGE 115 V 133). Selbst wenn ab er – wie die Beschwerdeführerin dies unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2014, 8C_51/2014, geltend macht – eine Adäquanzprüfung analog zu den mittelschweren U nfällen vorzunehmen wäre, so wäre höchstens das Kriterium der langen Behandlungsdauer zu bejahen. Dies reicht zur Bejahung der adäquaten Kausalität nicht aus, weshalb die psychischen Leiden der Beschwerdeführerin für das vorliegende unfallversicherungsrechtliche Verfahren nicht von Relevanz sind. Demzufolge sind nachfolgend zur Beurteilung der Leistungspflicht der Suva einzig die organisch objektiv ausge- wiesenen Beschwerden zu berücksichtigen. 6. Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes st ehen im Wesentlichen folgende medizinischen Berichte zur Verfügung: 6.1 Anlässlich der Erstbehandlung im Spital D.____ vom 29. September 2015 wird ein Ver- dacht auf Supraspinatussehnenläsion rechts diagnostiziert , welche sich im MRI der rechten Schulter vom 2. Oktober 2015 bestätigt. Gemäss Operation sbericht des Spitals D.____ vom 19. Januar 2016 wird gleichentags eine arthroskopische Supraspinatussehnenrekonstruktion rechts vorgenommen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Gemäss Operationsbericht der Klinik E.____ wird am 5. September 2016 auf Wunsch der Patientin eine Rearthroskopie durchgeführt. 6.3 Mit Arztbericht von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik H.____, vom 8. Mai 2018 werden folgende Diagnosen fest gehalten: Eine chronische Schmerz- störung mit psychischen und somatischen Faktoren, eine mitt elgradig bis schwergradig depres- sive Episode sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (zwanghaft und ängstlich vermei- dend). Die Patientin leide unter persistierenden Geda nkenkreisen, Grübeln, Ein- und Durch- schlafstörungen, Libidoverlust, Suizidgedanken, sozialem Rückzug und beständigen Sorgen um ihre Gesundheit und anhaltende Limitation der Bewegung und der Schmerzen. 6.4 Ein Verlaufs-MRI des Schultergelenks rechts vom 27. Juni 2018 zeigt keine Reruptur der Rotatorenmanschette. 6.5 Anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vo m 30. Juli 2018 stellt Dr. med. G.____, FMH Allgemeinchirurgie und Traumatologie, ei ne eingeschränkte Beweglichkeit der rechten Schulter fest. Als Diagnosen hält sie persistier ende Ruhe- und Belastungsschmerzen sowie eine Bewegungseinschränkung rechte Schulter bei/mit - St. n. Schulterarthroskopie mit zirkulärer Capsuloto mie, partieller Synovektomie sowie crani- aler Labrumresektion, Subscapularistenolyse, subacromialer Bursektomie, Acromioplastik sowie AC-Gelenkresektion rechts und Bakteriologie mit N achweis von Staphylococcus epi- dermidis am 05.09.2016 - St. n. Schulter-Arthroskopie, ventraler und dorsaler juxta-glenoidaler Arthrolyse, Supraspi- natussehnenrekonstruktion am 19.01.2016 bei posttraumatisc her postoperativer frozen shoulder mit AC-Arthralgie nach Stolpersturz am 29.09.2015 - St. n. forcierter physiotherapeutischer Behandlung un ter Interscalenusblock-Anlage rechts vom 30.04.2018 und Infiltration laterales Arthroskopie-Portal fest. Dr. G.____ führt aus, bei der Versicherten würde trotz stationärer antalgischer Massnahmen eine chronische therapierefrektäre Omalgie rechts mit deutlicher Bewegungseinschränkung persistie- ren. Im letzten MRI der rechten Schulter habe sich die F ixation der Rotatorenmanschette als regelrecht dargestellt. Es zeige sich eine Bursitis subacro mialis, so dass anamnestisch am 20.07.2018 eine subacromiale Infiltration erfolgt sei. Die Patientin berichte nun zehn Tage nach Infiltration über eine leichte Schmerzreduktion. Zusätzlich zur Infiltration sei eine Wassertherapie vorgeschlagen worden. Im Gespräch sei vereinbart worden, dass diese Massnahmen noch über einen Zeitraum von sechs Monaten durchzuführen seien, danach sei von einem medizinischen Endzustand auszugehen. Die Versicherte bleibe in dieser Zeit zu 100 % arbeitsunfähig, auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. In ihrer angestammten Tätigkeit werde die Versicherte nicht mehr arbeitsfähig sein. Die Behandlungsphase werde noch über einen Zeitraum von ca. sechs Mona- ten fortgesetzt, danach sei aber mit keiner namhaften Besserung zu rechnen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Mit Verlaufsbericht vom 28. November 2018 gibt Dr . F.____ bei gleichen Diagnosen wie im Arztbericht vom 8. Mai 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 5. Juli 2017 bis aktuell und von 70-80 % ab Mitte Januar 2019 an. 6.7 Im Austrittsbericht der Klinik H.____ von Dr. med. I.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 28. N ovember 2018 – nach Hospitalisation vom 1.-27.10.2018 – werden eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine rezidivierende, depressive Episode, mittel- bis schwergradig diagnostiziert. Erfreulicherweise hätten die Schmerzen der Patientin im Rahmen des vierwöchigen Aufenthalts positiv beeinflusst werden können. Bei Eintritt habe d ie Patientin einen Schmerzscore von NRS 7 angegeben. Bei Austritt habe dieser nur noch NRS 4 betragen. Auch die Beweglichkeit des rechten Schultergelenkes habe verbessert werden können. Die Abduktion habe von initial 45° auf 90° erhöht werden können, die Flexion aktiv auf 100° (initial 60°) und die Aussenrotation auf 40° (initial 20°). 6.8 In Beantwortung der Fragen der Suva hält Dr. G. ____ mit Bericht vom 3. Dezember 2018 fest, eine Verbesserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes sei nicht mehr zu erwarten, die vorgeschlagenen Therapien seien im Sinne von Erhaltungstherapien zu bewerten. Aufgrund der organischen Unfallfolgen sei der Versicherten die angestammte Tätigkeit als Betriebsmitar- beiterin nicht mehr zuzumuten. In einer angepassten Tätigkeit gemäss folgendem Zumutbarkeits- profil wäre sie wieder zu 100 % arbeitsfähig: Ganztägi ge, leichte Arbeit. Dabei sollten keine Tä- tigkeiten über der Horizontalen ausgeführt werden müss en. Zusätzlich sollten auch Tätigkeiten vermieden werden, die ein körperfernes Hantieren mit dem rechten Arm notwendig machen wür- den. Zusätzlich sollten Vibrationsbelastungen für den rechten Arm vermieden werden. Sie emp- fehle die Weiterführung der Physiotherapie einmal pro Woche für die nächsten drei Monate. Die Neuraltherapie sollte ebenfalls über einen Zeitraum vo n drei Monaten weitergeführt werden. Diese Massnahmen würden alle nicht einer Verbesserung, so ndern einer Festigung und Erhal- tung des erreichten Zustandes nach stationärer Behandlung in der Klinik H.____ dienen. Mit separatem Bericht vom 4. Dezember 2018 hält Dr. G. ____ fest, die Versicherte bewege die Schulter noch in einem Ausmass von 90° Abduktion, 100° F lexion und 40° Aussenrotation. Der Integritätsschaden werde auf 15 % geschätzt. Zur Begründu ng führt Dr. G.____ aus, gemäss Suva-Tabelle 1.2 betreffend Funktionsstörung an der oberen Extremität sei bei einer Schulter, die nur noch bis zur Horizontalen beweglich sei, eine Integritätsentschädigung in Höhe von 15% ge- schuldet. 6.9 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reicht die Besch werdeführerin einen Bericht von Dr. med. C.____, FMH Anästhesiologie, Klinik H.____, vom 28. Februar 2020 zu den Akten. Darin führt Dr. C.____ aus, der Versicherten sei aufgrund ih res chronischen posttraumatischen Schmerzsyndroms des rechten Schultergürtels definitiv kein 100%-Arbeitspensum, auch bei an- gepasstem Tätigkeitsprofil, zuzumuten. Aufgrund der bisherigen Entwicklung der Schmerzprob- lematik sehe sie eine Heilung als sehr unwahrscheinlich an. Die Versicherte werde weiterhin starke Schmerzen im Bereich des rechten Schultergürtels, ziehend bis in die rechte Hand, haben. Vorstellbar sei ein Arbeitspensum von 40 % täglich, jedoch müsse eine entsprechende Tätigkeit Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht angepasst an die Funktionalität des rechten Armes und des rechten Schultergürtels sein. Leichte, nicht belastende Tätigkeiten für die rechte Schulter, den rechten Arm und die rechte Hand seien möglich. Diese Tätigkeiten sollten abwechselnd sitzend, stehend und gehend ausgeführt werden. Die Versicherte müsse auch die Möglichkeit haben, immer w ieder Pausen am Arbeitsplatz ma- chen zu können. Die Funktionalität des rechten Arms und des rechten Schultergürtels sei deutlich eingeschränkt, sodass der rechte Arm kaum für Tätigkeiten sämtlicher Art einsetzbar sein werde. 7.1 Vorweg bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die S uva ihren Entscheid gestützt auf eine lückenhafte Aktenlage gefällt habe, da die Bericht e der Klinik H.____ vom 8. Mai und vom 28. November 2018 der Suva und dem kreisärztlichen Die nst nicht vorgelegen hätten. Diesbe- züglich ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass d ie genannten Berichte – es handelt sich um psychiatrische Berichte – nicht geeignet sind, die somatische Beurteilung der Kreisärztin in Frage zu stellen. Dies deshalb, weil der adäquate K ausalzusammenhang zwischen dem Un- fallereignis und den psychischen Leiden der Beschwerdefüh rerin – wie oben in Ziff. 5 dargelegt – verneint werden muss. 7.2 Die Beschwerdegegnerin hat ihren Entscheid gestützt auf den Bericht der Kreisärztin Dr. G.____ gefällt und ist davon ausgegangen, dass die Besch werdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig wäre. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Dr. G.____ ist die einzige Ärztin, die bei der Beurteilung der Arbei tsfähigkeit ausschliesslich die somatischen Unfallfolgen berücksichtigt. Zudem hat sie die Versicherte anlässlich der Abschlussuntersuchung im Juli 2018 persönlich untersucht. Ihrem Bericht vom 4. Dezember 2018 lag sodann der Aus- trittsbericht der Klinik H.____ vom 28. November 2018 zugrunde. Die Beurteilung von Dr. G.____ erscheint nachvollziehbar und schlüssig, weshalb darauf abg estellt werden kann. Dass Dr. C.____ in ihrem zu Handen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin erstellten Bericht vom 28. Februar 2020 zu einer viel höheren Arbeitsunfähigke itseinschätzung gelangt, ist darauf zu- rückzuführen, dass sie sowohl die somatischen als auch die psych ischen Einschränkungen ("chronisches Schmerzsyndrom") in ihre Beurteilung der Arb eitsfähigkeit miteinbezieht. Zudem darf auch berücksichtigt werden, dass Dr. C.____ als behandelnde Ärztin die Sachlage wohl eher zu Gunsten der Beschwerdeführerin beurteilt (vgl. dazu oben Ziff. 4.3). Damit kann festgehalten werden, dass davon auszugehen ist , dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. 8.1 Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des In validitätsgrades das Erwerbsein-kom- men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invali dität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Inva lideneinkommen), in Beziehung ge- setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei- nander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdi fferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Per- son im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesund-heitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 325 E. 4.1). 8.2.2 Vorliegend ist unbestritten, dass das Validenei nkommen gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin zu berechnen ist. Die Beschwerdegegnerin ist folglich gestützt auf die Angaben der Arbeitgeberin zu Recht von einem Valideneinkommen von Fr. 66'164.-- ausgegan- gen. 8.3 Die Höhe des Invalideneinkommens blieb zwischen den Parteien grundsätzlich unum- stritten. Die Beschwerdegegnerin berechnete im Einspracheentscheid gestützt auf die Schweize- rische Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016, Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen, um- gerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und angepasst an die Nominallohnentwicklung (0,4 % für 2017; 0,5 % für 2018; 0,5 % für 2018) ein Invalidenein- kommen von Fr. 55'349.--. 8.4.1 Von diesem Betrag nahm die Beschwerdegegnerin einen leidensbedingten Abzug in der Höhe von 5 % vor. Die Beschwerdeführerin ihrerseits erachtete diesen Abzug als zu tief und ver- langte einen Abzug von 15 %. 8.4.2 Praxisgemäss kann von dem anhand der LSE Tabellenl öhne ermittelten Invalidenein- kommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedingter Abzug vorgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltska- tegorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Aus- prägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem aus- geglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht a utomatisch erfolgen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfun g kann es nicht darum gehen, dass das Gericht sein Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Verwaltung nach dem i hr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässi- gerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz einge- griffen werden, muss sich das Gericht demnach auf Gegebenh eiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näherliegend erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 8.4.3 Mit der Beschwerdegegnerin ist davon auszugehen, dass ein Abzug von 5 % unter Be- rücksichtigung lediglich der organischen Beschwerden angemessen ist, sind doch der Versicher- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten mit dem rechten Arm leichte Tätigkeiten ohne Arbe iten über der Horizontalen, ohne körper- fernes Hantieren sowie ohne Vibrationsbelastungen ganztags weiterhin zumutbar. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann unter diesen Umständen nicht von einer faktischen Ein- armigkeit ausgegangen werden. Zu Recht verweist die B eschwerdegegnerin in diesem Zusam- menhang auf das Urteil des Bundesgerichts vom 17. Mai 20 16, 8C_173/2016, in welchem das Bundesgericht einen Abzug von 5 % bei deutlich eingeschränktem Bewegungsumfang im rechten Schultergelenk, jedoch vollständig intakter Gebrauchsfähigkeit der rechten Hand, als angemes- sen erachtet hat. Unter Annahme eines Abzugs von 5 % resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 52'582.--. 8.5 Aus der Gegenüberstellung der beiden Vergleichsein kommen (Valideneinkommen von Fr. 66'164.-- und Invalideneinkommen von Fr. 52'582.--) resultiert eine erwerbliche Einbusse von 20,53 % bzw. gerundet 21 %. Demzufolge hat die Beschwerdeführerin ab dem 1. April 2019 An- spruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 21 %. 9. Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin die Festset zung der Integritätseinbusse auf 15 %. 9.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall ein e dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 gilt ein Integritätsschaden als dau- ernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang be- steht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperliche , geistige oder psychische Integrität, unab- hängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). 9.2 Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentsch ädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Inte gritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Beme ssung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 218 E. 2a; Kran- ken- und Unfallversicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. 9.3 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrität sschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höc hstbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgelei tet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In diesem Zusammenhang hat die SUVA in Weiterentwicklung der bun desrätlichen Skala zusätzliche Be- messungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. D iese in den Mitteilungen der Medizini- schen Abteilung der SUVA Nr. 57 bis 59 herausgegebenen Tabellen (teilweise geändert und er- gänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, so weit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a mit Hinweis). 9.4 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesundh eitlichen Beeinträchtigung han- delt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztliche Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht möglic h, die Beurteilung aufgrund der akten- kundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelas- senen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse vora ussetzt und von einem me- dizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht erwartet werden kann. Die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ärztlichen Sachverständigen (Urteil des Bundes- gerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 9.5 Die Suva sprach der Beschwerdeführerin eine Integr itätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 15 % zu. Sie stützte sich dabei auf die entsprechende Beurteilung der Kreisärztin Dr. G.____ vom 4. Dezember 2018, wonach die Beschwerdeführerin die Schulter noch in einem Ausmass von 90° Abduktion, 100° Flexion und 40° Aussenrotation bewege. Diese Beurteilung stimmt mit den Angaben im Austrittsbericht der Klinik H.____ vom 28. November 2018 überein. Anderslautende ärztliche Beurteilungen, insbesondere solche die lediglich die so- matischen Unfallfolgen berücksichtigen, liegen nicht vor. Dr. G.____ nimmt ihre Integritätsschät- zung sodann korrekterweise gestützt auf die Suva-Tabelle 1.2 vor. Damit ist die Festsetzung der Integritätsentschädigung durch die Suva basierend auf einer Integritätseinbusse von 15 % nach- vollziehbar und begründet. 10. Gestützt auf die obigen Ausführungen ist nicht zu b eanstanden, dass die Suva der Be- schwerdeführerin eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbunfähigkeit von 21 % bei einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 63'391.-- sowie eine Integritätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinbusse von 15 % zugesprochen hat. Die vorliegende Beschwerde ist folglich abzuweisen. 11.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. 11.2 Dem Prozessausgang entsprechend wird der Beschwerdef ührerin keine Parteientschä- digung zugesprochen. Da der Beschwerdeführerin jedoch mit Verfügung vom 15. Mai 2020 die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 b eträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 29. Mai 2020 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 16,16 Stun- den geltend gemacht. Davon abzuziehen sind die für die u rsprünglich vorgesehene, aber nicht durchgeführte Parteiverhandlung geltend gemachten zwei Stunden. Der verbleibende Aufwand von 14,16 Stunden erweist sich angesichts der sich stellend en Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind auch die gelten d gemachten Auslagen von Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 177.90 (nach Abzug der für die Parteiverhandlung geltend gemachten Spesen). Dem Rechts- vertreter ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'241.65 (14,16 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 177.90 + 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 11.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 3'241.65 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht