l B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5735/2010/wif U r t e i l v o m 1 4 . N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiberin Corinne Krüger. Parteien A._______, geboren (…), Bangladesch, alias B._______, geboren (…), Myanmar, vertreten durch Dr. Reza Shahrdar, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Juli 2010 / N (…). D-5735/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess Bangladesch nach eigenen Anga ben am 20. August 2008 auf dem Seeweg und reiste via ihm unbekannte Länder am 11. November 2008 illegal in die Schweiz ein. Am gleichen Tag stellte er im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein Asylge- such. Dort wurde er am 17 . November 2008 zu seinen Personalien und summarisch zu seinen Ausreisegründen sowie zu seinem Reiseweg b e- fragt. Mit Verfü gung vom 21 . No vember 2008 wies das BFM den B e- schwerdeführer für den weiteren Verlauf des Verfahrens dem Kanton D._______ zu. Am 4. Juni 2010 führte das BFM mit dem Beschwerdefü h- rer eine einlässliche Anhörung zu seinen Asylgründen durch. B. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer gel- tend, er sei in Myanmar in E._______ (Distrikt F._______ bzw. G._______ / Provinz (…) geboren. Er sei Muslim und gehöre der Volk s- gruppe der Rohingya an. Er sei nie zur Schule gegangen, könne nicht l e- sen und nicht schreiben. Seine Muttersprache sei Bengalisch. Als er noch sehr klein gewesen sei, sei sein Vater , ein Landwirt, vom Militär verhaftet worden. Seit diesem Tag habe er nie wieder von ihm gehört; er vermute, dass sein Vater getötet worden sei. Etwa ein Jahr später sei auch seine Mutter vor seinen Augen vergewaltigt, verschleppt und vermutlich eben- falls getötet worden. Geschwister habe er keine. Nach dem Tod seiner Mutter habe er etwa ein Jahr lang (bis 1992) alleine zuhause ge lebt, zu essen habe er von einem Nachbar n namens H._______ bekommen. Im Jahr 1992, als Tausende Rohingya von Myanmar nach Bangladesch g e- flohen seien, habe ihn H._______ nach Bangladesch mitgenommen. Dort habe er bis zu seiner Ausreise im August 2008 im offiziellen Flüchtlingsla- ger des UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees ; Hochkommissär der Vereinten Nationen für Flüchtlinge ) von Kutupalong gelebt. Im Camp habe er nicht genug zu essen bekommen und sei von den Sicherheitsleuten geschlagen worden. Die Verantwortlichen hätten ihn zum Arbeiten ausserhalb des Camps geschickt. Seit 1995 habe er deshalb in Restaurants in I._______ und in J._______ gearbeitet. Er ha- be putzen und waschen müssen, dafür habe er zu essen bekommen aber keinen Lohn. Seit 2006 habe er in einer Eisenfabrik in K._______ gear- beitet. Auch dort habe er keinen Lohn bekommen. Ein oder zwei Mal pro Monat sei er ins Camp zu rückgebracht worden, sonst sei er im Resta u- rant oder in der Fabrik geblieben. Manchmal, wenn das Restaurant oder D-5735/2010 Seite 3 die Fabrik geschlossen gewesen seien, habe er ein oder zwei Monate im Camp verbringen dürfen. Während all der Jahre habe er ins gesamt nur etwa vier Jahre im Camp gelebt, den Rest habe er ausserhalb verbracht. Ein Bengale namens L._______, der ausserhalb des Camps lebe und den er "Vater" nenne, habe ihm helfen wollen. Er habe ihm gesagt, er sol- le in die Schweiz oder nach Kanada gehen, weil dort die Menschenrechte respektiert würden und er da in Ruhe leben könne. Deshalb habe ihm L._______ die Reise in die Schweiz bezahlt. C. Bei der Einreichung seines Asylgesuchs gab der Beschwerdeführer einen Flüchtlingsausweis des UNHCR aus Bangladesch zu d en Akten (Nr. (…), lautend auf M._______, Geburtsjahr (…), ausgestellt im Jahr (…) in N._______). D. Mit Verfügung vom 12. Juli 2010 stellte das BFM fest , der Beschwerd e- führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordn e- te deren Vollzug an. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im W e- sentlichen damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anfor- derungen an die Glaubhaftmachung nach Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhielten, weshalb ihre Asylre- levanz nicht geprüft werden müsse. Bezüglich des eingereichten UNHCR-Flüchtlingsausweises hielt das BFM fest, dass diesem wesentl i- che Angaben fehlten, die eine Identifizierung des Inhabers des Ausweises erlauben würden. Somit sei der fragliche Ausweis aufgrund formaler Krite- rien als Fälschung zu qualifizieren. Das BFM kam z um Schluss, dass die Identität und insbesondere die Nationalität des Beschwerdeführers nicht festständen. Es stellte fest, dass aufgrund der Erwägungen davon ausz u- gehen sei, der Beschwerdeführer sei kein Staatsangehöriger von Mya n- mar sondern von Bangladesch. Den Vollzug der Wegweisung nach Bang- ladesch erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. E. Mit Eingabe vom 12. August 2010 liess der Beschwerdeführer durch sei- nen Rechtsvertreter gegen diese Verfügung Beschwerde erheben und beantragen, die Verfü gung des BFM vom 12. Juli 2010 sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventuell sei er vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er zudem beantragen, die aufschie-D-5735/2010 Seite 4 bende Wirkung sei zu ge währleisten und es sei en kein Kostenvorschuss und keine Gerichtsgebühr zu erheben. F. Am 18. August 2010 bestätigte der Instruktionsrichter den Eingang der Beschwerde. G. Mit Verfügung vom 26. August 2010 bestätigte der Instruktionsrichter das dem Beschwerdeführer von Gesetzes wegen zustehende Rec ht auf Auf- enthalt in der Schweiz bis zum Abschluss des Verfahrens und trat auf das Gesuch, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren, nicht ein. Gleichzeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass über das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde einstweilen verzichtet. H. Am 26. August 2010 übermittelte das Bundesverwaltungsgericht die B e- schwerdeakten zur Stellungnahme an das BFM. Am 30. A ugust 2010 reichte das BFM eine Vernehmlassung ein und beantragte darin die A b- weisung der Beschwerde. Diese wurde dem Beschwerdeführer am 8. September 2010 zur Kenntnisnahme zugestellt. I. Mit Schreiben vom 3. Mai 2011 reichte der Rechtsvertreter des Beschwer- deführers zur Stützung seiner Vorbringen eine (Wohnsitz -) Bestätigung aus Myanmar und zwei Bestätigungen aus Bangladesch betreffend seine Identität zu den Akten. J. Am 25. Juli 2012 ersuchte das Bundesverwaltungsgericht das UNHCR um Abklärung der Au thentizität des eingereichten Flüchtlingsausweises. Am 10. Oktober 2012 teilte das UNHCR dem Bundesverwaltungsgericht mit, dass es sich nach Abklärungen der UNHCR -Vertretung vor Ort bei der eingereichten Karte auf Basis einer Prüfung mehrere Erkennung s- merkmale nicht um einen UNHCR-Flüchtlingsausweis (Refugee Card) handelt. Dazu gewährte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 17. Oktober 2012 das rechtliche Gehör. D-5735/2010 Seite 5 K. Mit Schreiben vom 1. November 2012 nahm der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers zum Abklärungsergebnis des UNHCR Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-5735/2010 Seite 6 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, d en Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 4.1.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der Begründung ab, seine Vorbringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass ihre Asylrel e- vanz nicht geprüft werden müsse. 4.1.2 Im Einzelnen führte das BFM aus, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Flüchtlingslager Kutupalong tatsache nwidrige Aussagen gemacht habe. So habe er anlässlich der ergänzenden Anh ö- rung vor dem BFM auf entsprechende Nachfrage beispiels weise ausge- sagt, bis heute würden Flüchtlinge, die im Kutupalong -Camp ankämen, registriert und von Bangladesch offiziell als Flü chtlinge anerkannt; es g ä- be neben dem offiziellen Flüchtlingscamp – dessen Häuser aus Holz und Wellblech gebaut seien – kein weiteres Auffanglager für Flüchtlinge; die Schüler würden keine Schuluniformen tragen; er habe die Strecke von Kutupalong nach J._______ mit dem Bus jeweils in fünf Stunden zurüc k- gelegt. Das BFM erklärte hierzu, dass der Beschwerdeführer durch seine Aussagen enthülle, keine Ahnung davon zu haben, dass sich die Situat i- on für neu von Myanmar nach Bangladesch geflohene Rohingya geä n- dert habe. So würden Flüchtlinge, die nach 1993 nach Kutupalong g e-D-5735/2010 Seite 7 kommen seien, nicht mehr registriert. Es gebe somit in und um Kutup a- long registrierte und nicht registrierte Flüchtlinge, wobei nur die erste Gruppe Unterstützung erhalte. Die auf sich alleine gestellten nicht regist- rierten Personen würden unter den einfachsten Bedingungen direkt n e- ben dem offiziellen Camp leben. Das BFM führte weiter aus, dass es nicht den Tatsachen entspreche, dass eine Busreise vom Camp bis J._______ in fünf Stunden zu bewältig en sei. Die modernsten Touriste n- busse würden die Strecke von Cox's Bazar nach J._______ in zehn Stunden zurück legen. Somit müsse zwingend damit gerechnet werden, dass öffentliche, von der einheimischen Bevölkerung und Flüchtlingen genutzte Busse noch länger unterwegs seien. Aufgrund der eindeutig u n- zutreffenden Zeitangaben des Beschwerdeführers könne ihm nicht g e- glaubt werden, die erwähnte Strecke öfters zurückgelegt zu haben. Das BFM hielt fest, dass der angebliche Aufenthalt des Beschwerdeführers im Kutupalong-Camp aufgrund dieser Tatsachenwidrigkeiten nicht glaubhaft sei. 4.1.3 Das BFM stellte im Weiteren fest, dass der Beschwerdeführer nicht wisse, wie das Kutupalong -Camp eingeteilt sei. Daher könne ihm auch aus diesem Grunde nicht geglaubt werden, sich zwischen 1992 und 2007 immerhin während vier Jahren dort aufgehalten zu haben. 4.1.4 Weiter erklärte das BFM, dass Vorbringen dann unglaubhaft seien, wenn sie in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns widersprächen. Der Beschwerdeführer habe behaup- tet, von seinem Gönner aufgefordert worden zu sein, das Geld zurückz u- zahlen, welches er ihm für die Ausreise geliehen habe. Diese Forderung könne aber nicht geglaubt werden, da der Beschwerdeführer weder den genauen Wohnort, noch den vollständigen Namen, noch den Beruf seines Gönners kenne und zudem nicht einmal wisse, welchen Betrag er zurück- erstatten müsste. Deshalb sei seine Flucht aus dem Kutupalong -Camp auch vor diesem Hintergrund nicht glaubhaft. Im Weiteren lege der B e- schwerdeführer dar, Rohingya zu sein und im Alter von rund drei Jahren von einem Nachbarn ins Kutupalong -Camp – einem im District Cox's B a- zar in Bangladesch gelegenen Camp für Rohingya-Flüchtlinge – gebracht worden zu sein, wo er insgesamt rund vier Jahre gelebt habe. Da neben habe er acht Jahre in I._______ und vier Jahre in J._______ verbracht. Der Beschwerdeführer spreche jedoch ausschliesslich B engalisch. Die Anhörung vor dem BFM habe in Bengalisch durchgeführt werden mü s- sen, und der im Verlaufe der Anhörung unternomme ne Versuch, den Be- schwerdeführer einzelne Sätze in Rohingya oder im Dialekt des D-5735/2010 Seite 8 I._______ sprechen zu lassen, hätten ergeben, dass er diese nicht b e- herrsche. Er habe auch eingestanden, sich in Bengalisch am sichersten zu fühlen. Es sei zwingend davon auszu gehen, dass Personen die Spr a- che am besten beherrschten, in der sie sozialisiert worden seien und in deren Anwendungsraum sie sich am häufigsten aufgehalten hätten. D a- her müsste der Beschwerdeführer in der Lage sein, den I._______- Dialekt zu sprechen, der grosse Ähnlichkeit mit dem Rohingya besitze, der Sprache der in s einem Camp lebenden Flüchtlinge. Da dies nicht der Fall sei, könnten dem Gesuchsteller sein angeblicher langjähriger Aufent- halt in I._______ und seine ethnische Zugehörigkeit nicht geglaubt w er- den. 4.1.5 Schliesslich erklärte das BFM, dass der Beschwerdeführer einen UNHCR-Ausweis mit seinem Foto eingereicht habe, um zu belegen, dass er ein Flüchtling aus Myanmar sei. In diesem Ausweis würden jedoch we- sentliche Angaben fehlen, die eine Identifizierun g des Inhabers des Au s- weises erlauben würden. Somit sei der fragliche Ausweis aufgrund forma- ler Kriterien als Fälschung zu qualifizieren. 4.1.6 Zusammenfassend hielt das BFM fest, dass die Identität und insbe- sondere die Nationalität des Beschwerdeführers nicht f estständen. Da er in Anbetracht seiner Aussagen betreffend das Kutupalong -Camp offe n- sichtlich nie dort gelebt habe und weder I._______ noch Rohingya spr e- che – was jedoch von einem hauptsächlich in I._______ lebenden Rohin- gya-Flüchtling zu erwarten wäre – könne ihm seine ethnische Herkunft nicht geglaubt werden. Es s ei davon auszugehen, dass der Be schwerde- führer kein Staatsangehöriger von Myanmar , sondern von Bangladesch sei. 4.2 4.2.1 In seiner Beschwerde hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdefüh- rers daran fest, dass dieser aus Myanmar stamme. Den vom BFM festge- stellten Tatsachenwidrigkeiten hielt er Folgendes entgegen: Die neu a n- gekommenen Flüchtlinge würden wohl ihre Personalien bekanntgeben müssen und dürften bleiben, was der Beschwerdeführer auch gesagt h a- be. Wie die Behörde dies verwaltungstechnisch handhabe, organisiere etc. müsse er nicht wissen. Der Begriff "Auffanglager" sei mehrdeutig, die Antwort entsprechend unklar, zumal der Beschwerdeführer Analphabet sei. Der Beschwerdeführer sei gar nie, geschweige denn uniformiert, zur Schule gegangen. Die Kinder, die er in Erinnerung habe, seien auch nicht uniformiert gewesen. Die Frage nach der Dauer der Fahrt nach D-5735/2010 Seite 9 J._______ habe er falsch verst anden. Der Rechtsvertreter brach te vor, dass der Beschwerdeführer a bgesehen davon auch unzählige richtige Auskünfte gegeben habe, die unberücksichtigt geblieben seien. Insg e- samt sei er also glaubhaft (recte: glaubwürdig). Dasselbe gelte auch für den Vorwurf be treffend mangelnder Kenntnis über die Aufteilung des Camps. Hier solle man sich selb st fragen, ob die Aufteilung des Gebäu- dekomplexes am "Quellenweg 3" allen Mitarbeitern dort genau bekannt sei. Vielen Dingen des täglichen Lebens schenke man wenig Bedeutung bei. 4.2.2 Bezüglich der vom BFM als gefälscht beurteilten Flücht lingskarte des UNHCR beantragte der Rechtsvertreter um Abklärung deren Echtheit beim UNHCR selbst. 4.2.3 Schliesslich erklärte der Rechtsvertreter, dass der Beschwerdefü h- rer seine Muttersprache nicht beherrsche, weil er bereits als Kind auf der Flucht gewesen sei. Ebenfalls habe er bereits als Kind angefangen zu a r- beiten, weshalb er sich viel besser in Bengalisch ausdrücken könne. Der "Gönner" des Beschwerdeführers habe ihm die genau investierte Summe nicht bekanntgegeben. Dieser Freundschaftsdienst sei auch ein Teil der Kultur dieser Region. Deshalb werde er seine Schulden auch eines Tages begleichen. 4.3 4.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zur Auffassung, dass das Bundesamt die vom Beschwerdeführer zur Begrün- dung seines Asylgesuches gelten d gemachten Vorbringen zu Recht als unglaubhaft beurteilt hat. 4.3.2 Grundsätzlich sind die Vorbringen eines Beschwerdeführers dann glaubhaft, wenn si e genügend substantiiert, in sich schlüssig und plaus i- bel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in we- sentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik en t- behren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Beschwerdeführer persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe sondere dann nicht der Fall ist , wenn er seine Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner D-5735/2010 Seite 10 – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Z weifel an den Vorbri n- gen des Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechenden Gründe überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; Entscheidungen un d Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekursko m- mission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5a S. 4 f.). 4.3.3 Vorliegend ergibt sich aufgrund der Akten, dass die Vorinstanz das Beweismass des Glaubhaftmachens in Bezug auf den vorliegenden Fall korrekt zur Anwendung gebracht hat. Die angefochtene Verfügung b e- gründet einlässlich und überzeugend, weshalb die Flüchtlingseigenschaft nicht glaubhaft dargetan ist. Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist – wie nachstehend aufgezeigt – nicht geeignet, die Beweiswürdigung des BFM in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. 4.3.4 Am 25. Juli 2012 liess das Bundesverwaltungsgericht das UNHCR den vom Beschwerdeführer eingereichten Flüchtlingsausweis auf dessen Echtheit hin überprüfen. Gemäss Mitteilung vom 10. Oktober 2012 han- delt es sich nach Abklärungen der UNHCR-Vertretung vor Ort dabei nicht um eine (echte) "Refugee Card" des UNHCR. 4.3.5 In seiner Eingabe vom 1. November 2012 nahm der Rechtsvertreter zu dieser Abklärung Stellung. Er erklärte, der Beschwerdeführer sei von den Leitern des Flüchtli ngscamps als Hilfskraft an umliegende Resta u- rants ausgeliehen worden, wobei diese seinen Lohn vermutlich selbst ein- kassiert hätten. Die Flüchtlingskarte habe er auch von den Mitarbeitern des Camps erhalten. Weshalb es dabei zu Diskrepanzen gekommen sei, könne er sich nicht erklären, vermutlich handle es sich um kriminelle Ma- chenschaften dieser Camp -Mitarbeiter. Der Rechtsvertreter führte weiter aus, dass er nicht davon ausgehe, der Beschwerdeführer hätte eine de r- art einfach zu überprüfende Karte abgegeben, wenn er von der Fä l- schung gewusst hätte. Wahrscheinlich habe dies mit organisiertem Me n- schenhandel oder sonst einer kriminellen Aktivität der Lagermitarbeiter zu tun. 4.3.6 Der Beschwerdeführer hat das Ergebnis der Ausweisprüfung an sich nicht bestritten. Bei s einer dürftigen Erklärung, wie er zu der unec h- ten Flüchtlingskarte gekommen sei, handelt es sich lediglich um Anschul- digungen von Drittpersonen , die jeglicher Substanz entbehren und nicht geeignet sind, das Ergebnis der Abklärung in Frage zu s tellen. In Über-D-5735/2010 Seite 11 einstimmung mit den Ausführungen des Bundesamtes ist somit festz u- stellen, dass das zu den Akten gegebene Dokument (UNHCR -Flücht- lingsausweis) gefälscht ist und die behauptete burmesische Staatsang e- hörigkeit des Beschwerdeführers nicht zu belegen vermag . Da sich die Vorbringen des Beschwerdeführers aber auf seine behauptete Staatsa n- gehörigkeit und den gefälschten Ausweis abstützen, erscheint seine pe r- sönliche Glaubwürdigkeit nicht gegeben. 4.3.7 Gemäss Art. 10 Abs. 4 AsylG können verfälschte und gefälschte Do- kumente sowie echte Dokumente, die missbräuchlich verwendet wurden, vom Bundesamt oder von der Beschwerdeinstanz eingezogen werden. Das als gefälscht erkannte Dokument (Flüchtlingsausweis des UNHCR) ist daher einzuziehen. 4.3.8 Darüber hinaus hat das BFM ausführlich und zu Recht begründet, weshalb dem Beschwerdeführer sein Aufenthalt im Flüchtlingslager in Ku- tupalong nicht geglaubt werden kann. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vorweg auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung verwie- sen werden. Die dagegen erhobenen Einwendungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, zu einem anderen Ergebnis zu gelangen. So konnte vom Beschwerdeführer erwartet werden, dass er die räumliche Anor d- nung des Camps und die Bauweise der Unterkünfte beschreiben kann. Den entsp rechenden Fragen ist der Beschwerdeführer jedoch ausgewi- chen oder hat tatsachenwidrige Antworten gegeben. Dass er – wie in der Beschwerde erklärt – Analphabet sei, ist keine hinreichende Erklärung dafür, dass er das Ca mp Kutupalong, obwohl er dort mehrere Jahre ge- lebt haben will, nicht den Tatsachen entsprechend beschreiben konnte. Auch der Einwand, dass man vielen Dingen des täglichen Lebens keine Beachtung schenke, kann so nicht gehört werden, da er nach wesentl i- chen Merkmalen des Camps und nicht nach Det ailbeschreibungen g e- fragt wurde. Der Beschwerdeführer konnte jedoch nicht einmal die grund- sätzlichen Strukturen des Camps oder die Bauweise der Unterbringungen beschreiben. Deshalb kann dem Beschwerdeführer nicht geglaubt we r- den, dass er als burmesischer Flüchtling im Camp Kutupalong gelebt hat. 4.3.9 Der Einwand, der Beschwerdeführer habe anlässlich der Anhörung die Frage nach der Da uer der Fahrt von Kutupalong nach J._______ falsch verstanden, kann ebenfalls nicht gehört werden. Das Anhörung s- protokoll wurde dem Beschwerdeführer übersetzt und Satz für Satz noch einmal vorgelesen. Er hätte die Möglichkeit gehabt, diesen Einwand bei der Rückübersetzung des Protokolls anzubringen. Anstelle dessen erklär-D-5735/2010 Seite 12 te er, dass er den Dolmetscher gut verstanden habe, das Protoko ll voll- ständig sei und seinen freien Äusserungen entspreche, was er mit seiner Unterschrift bestätigte. 4.3.10 In der Rechtsmitteleingabe wurde weiter vorgebracht, dass der Be- schwerdeführer bereits als Kind auf der Flucht gewesen sein, weshalb er seine Muttersprache nicht beherrsche. Da er bereits als Kind angefangen habe zu arbeiten, könne er sich viel besser in Bengalisch ausdrücken. Dem ist entgegenzuhalten, dass der Beschwerdeführer – auch wenn er bereits als Kleinkind aus Myanmar geflo hen sein soll – dennoch seine Muttersprache beherrschen müsste, da er nach seiner Flucht nach Bang- ladesch im Flüchtlingslager aufgewachsen und sozialisiert sein soll , wo fast ausschliesslich ethnische Rohingya leben, er also von Menschen mit dieser Sprache umgeben war. Zudem gab der Beschwerdeführer an, b e- reits als Fünfjähriger nach I._______ zum Arbeiten geschickt worden und dort etwa acht Jahre geblieben zu sein. Dies spräche dafür, dass er den dort gesprochenen Dialekt I._______ und nicht Bengalisch angenommen hätte. Demnach vermag auch der entsprechende Einwand in der B e- schwerde nicht zu überzeugen. Der Beschwerdeführer konnte somit auch hinsichtlich seiner Muttersprache seine behauptete Herkunft aus Mya n- mar nicht glaubhaft machen. 4.3.11 Darüber hinaus bestehen in den Vorbringen des Beschwerdefü h- rers weitere Unglaubhaftigkeitselemente . So erklärte er, nach dem Tod seines Vaters und seiner Mutter noch ungefähr ein Jahr lang alleine zu- hause geblieben zu sein, bevor ihn sein Nachbar H._______ nach Bang- ladesch mitgenommen habe. Auf Nachfrage des BFM erklärte er, wä h- rend der Zeit bis zu seiner Flucht habe ihn H._______ mit Essen versorgt. Es ist jedoch realitätsfremd, dass ein ein - bis zweijähriges Kind so lange für sich selber sorgen kann. Aufgrund dieser Aussagen bestehen weitere Zweifel an der angegebenen Identität des Beschwerdeführers. 4.3.12 Am 3. Mai 2011 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdefüh- rers als Beweismittel für seine Vorbrin gen eine Wohnsitzbestätigung aus Myanmar sowie zwei andere Bestätigungen aus Bangladesch zu den Ak- ten. Dazu erklärte der Rechtsvertre ter, er gehe davon aus, dass mit Ei n- reichung dieser Bestätigungen die Vorbringen des Beschwerdeführers bewiesen seien. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts han- delt es sich bei den eingereichten Bestätigungen um reine Gefälligkeit s- schreiben, zumal solche Bestätigungen leicht fälschbar und damit nur sehr beschränkt beweistauglich sind. Durch diese Schreiben ist die Identi-D-5735/2010 Seite 13 tät des Beschw erdeführers noch immer nicht belegt. Ausserdem best e- hen durch diese Dokumente nun auch Ungereimtheiten in Bezug zu den bisherigen Vorbringen des Beschwerdeführers. So soll es sich bei dem äl- teren Herrn, der eine der beiden Bestätigungen aus Bang ladesch unter- zeichnet hat, um den von ihm sogenannten "Vater" handeln, der auch sei- ne Ausreise finanziert haben soll. Der Unterzeichnende heisst jedoch O._______. Bislang gab der Beschwerdeführer immer an, sein "Vater " und "Gönner " heisse L._______. In der Bestätigung schreibt O._______, dass er den Beschwerdeführer wie seinen eigenen Sohn ansehe und ihn dieser manchmal zu Hause besucht habe. Anlässlich der Anhörun g nach dessen Wohnadresse gefragt, konnte der Beschwerdeführer diese jedoch nicht nennen. Um wen es sich bei dem Herrn handelt, der die zweite Bes- tätigung unterzeichnet hat, gab der Beschwerdeführer nicht an. Schlies s- lich ist das dritte Schreiben, eine Wohnsitzbestätigung aus Myanmar, ebenfalls nicht geeignet, seine Vorbringen zu belegen. Einerseits ist die Bestätigung lückenhaft, da die Nationalitätennummer nicht angegeben wurde. Andererseits widerspricht der Inhalt der Bestätigung vom 7. D e- zember 2010 den bisherigen Vorbringen des Beschwerdeführers, indem darin erklärt wird, der Beschwerdeführer habe seine n dauerhaften Wohn- sitz in G._______ / Myanmar. Aufgrund dieser Unstimmigkeiten sind die eingereichten Bestätigungen als Beweismittel untauglich, da sie Vorbri n- gen des Beschwerdeführers bezüglich seiner Herkunft und seiner Staats- angehörigkeit nicht glaubhaft machen können. 4.3.13 Der Beschwerdeführer stammt somit auch nach Meinung des Bun- desverwaltungsgerichts nicht aus Myanmar sondern aus Bangladesch und kann mangels asylrelevanter Verfolgungsmassnahmen grundsätzlich dorthin zurückkehren. 4.4 Zusammenfassend ist f estzustellen, dass der Beschwerdeführer ke i- ne Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). D-5735/2010 Seite 14 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 6. 6.1 6.1.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.1.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen , wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 6.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 2 8. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 6.2.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, D-5735/2010 Seite 15 SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.4 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenscha ft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefäh r- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Bangladesch ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmä s- sig. 6.2.5 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung nach Bangladesch dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen G e- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folter- ausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rüc k- schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation i n Bangladesch lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unz u- lässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.2 Angesichts der heutigen Lage in Bangladesch kann nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkrieg s- ähnlichen Verhältnissen gesprochen werden, welche für den Beschwe r-D-5735/2010 Seite 16 deführer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefähr dung darstellen würden (vgl. BVGE 2010/8 E.9.5). 6.3.3 Grundsätzlich sind die Behörden von Amtes wegen verpflichtet, den Sachverhalt hinsichtlich des Bestehens allfälliger Wegweisungsvollzug s- hindernisse abzuklären. Solche Abklärungen sind im vorliegenden Fall in- dessen nicht mög lich, da die Identität des Beschwerdeführers nicht fes t- steht und seine Vorbringen im Asylpunkt unglaubhaft sind (vgl. die vorste- henden Erwä gungen). Somit kann es bei dieser Sachlage nicht Sache der Asylbe hörden sein , nach allfälligen Wegwe isungsvollzugshindernis- sen zu forschen, zumal die Untersuchungspflicht der Behörden nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person findet (vgl. Art. 8 AsylG), welche im Übrigen auch die Substanziie- rungslast trägt (vgl . Art. 7 AsylG). Vorliegend wäre es dem Beschwerde- führer oh ne Weiteres zumutbar und möglich gewesen , bei der Festste l- lung des rechtserheblichen Sach verhaltes mitzuwirken. Er hat die Behö r- den allerdings mit einem gefälschten Ausweis über seine Identität g e- täuscht. Angesichts dieser Sachlage hat der Beschwerdeführer die Fo l- gen seiner mangelhaften Mitwirkung respektive Verheimlichung seiner wahren persönlichen Verhältnisse zu tragen, indem vermutungsweise da- von auszugehen ist, er habe bei einer Rückkehr nach Bangladesch keine individuell begründete, konkrete Gefährdung zu gewärtigen (vgl. EMA RK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2 S. 4 f.). 6.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Au fnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und D-5735/2010 Seite 17 vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. In seiner Beschwerde vom 12. August 2010 beantragte der Beschwerd e- führer, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. In der I n- struktionsverfügung vom 26. August 2010 wurde der Entscheid über di e- ses Gesuch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Darauf ist nun z u- rückzukommen. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, wenn ihr Begehren i m Zeitpunkt der G e- suchseinreichung nicht aussichtslos erscheint. Vorliegend ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen, da die B e- schwerde, hätten die Erkenntnisse aus den Abklärungen vor Ort schon zu Beginn des Beschwerdeverfahrens vorgelegen, als aussichtslos zu b e- zeichnen gewesen wäre. Somit sind die Kosten des Verfahrens dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insg e- samt Fr. 900.– festzusetzen, da er mit unglaubhaften Angaben und einem gefälschten Dokument zusätzliche Abklärungen vor Ort verursach te (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGK E, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5735/2010 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Das als gefälscht erkannte Dokument ( UNHCR-Flüchtlingsausweis) wird eingezogen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Corinne Krüger Versand: