B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5017/2014 U r t e i l v o m 7. A p r i l 2 0 1 5 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter William Waeber, Richterin Kathrin Dietrich, Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren (…), sowie dessen Kinder B._______, geboren (…), und C._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Juli 2014 / N (…). D-5017/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführende 1 verliess eigenen Angaben zufolge seinen Hei- matstaat am 22. März 2014 zusammen mit seiner Ehefrau, D._______ , und seinen drei Kindern, E._______, der Beschwerdeführenden 2 und dem Beschwerdeführenden 3. Über ihm unbekannte Länder gelangten sie am 25. März 2014 auf dem Landweg illegal in die Schweiz. Am 28. März 2014 suchten sie in F._______ um Asyl nach. Am 8. April 2014 fand im dortigen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) eine erste Befragung des Be- schwerdeführenden 1 statt. Am 16. Mai 2014 wurde er in Be rn-Wabern durch das Bundesamt in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) angehört. Der Beschwerdeführende 1 machte im Wesentlichen geltend, er sei türki- scher Staatsangehöriger kurdischer Ethnie aus G._______. Seine Ehefrau stamme aus einer politisch oppositionell gesinnten Familie. Im Jahr (…) sei sein Schwager H._______ von den Behörden umgebracht worden. Die an- deren Brüder seiner Ehefrau seien seitens der Behörden ebenfalls verfolgt worden und deshalb in die Schweiz geflüchtet. Er selbst sei Sympathisant der Partei I._______ beziehungsweise der illegalen Partei J._______. Im (…) 2011 sei er von (…) Polizisten zuhause aufgesucht und ermahnt wor- den, der I._______ und der Zeitung K._______ fernzubleiben. Es sei ihm damit gedroht worden, wie seine Schwager zu enden, wenn er nicht ver- nünftig würde. Ausserdem sei en ihm 20 Jahre Haft und die Beeinträchti- gung des Wohlergehens seiner Familie angedroht worden. In der Folge habe ihn die Polizei ständig kontrolliert, sein Telefon abgehört und sich oft in der Nähe seines Hauses aufgehalten. Von (…) 2012 bis (…) 2013 habe er L._______, dessen richtige r Name M._______ laute und der für die J._______ tätig sei, beherbergt. Im (…) 2013 sei er erstmals festgenom- men und zum Sicherheitsposten von G._______ gebracht worden, nach- dem er im Zusammenhang mit dem 1. Mai Plakate angebracht habe. Nach- dem er (…) Stunden nackt in einer Zelle habe warten müssen, sei er ge- schlagen und verhört worden. Ihm sei vorgeworfen worden, trotz der War- nung vom (…) 2011 weiterhin für die I._______ tätig gewesen zu sein, die Zeitung K._______ gelesen und Plakate aufgehängt zu haben. Auch sei er nach verschiedenen Namen gefragt worden, die er nicht gekannt habe. Am folgenden Morgen sei er nach erneuter Androhung von Konsequenzen frei- gelassen worden. D-5017/2014 Seite 3 Am (…) 2013 sei er von zivilen Polizisten zum zweiten Mal festgenommen und an einen ihm unbekannten Ort gebracht worden. Die Behörden hätten ihm dieselben Vorwürfe w ie bei der ersten Festnahme gemacht. Zudem seien ihm Kontakte mit den Freunden seines Schwager s H._______, die Teilnahme an N._______ sowie die Tätigkeit für die J._______ vorgewor- fen worden. Wiederum sei er nach diversen Namen gefragt und seien ihm Fotos verschiedener Personen gezeigt worden, anhand welcher er letztlich L._______ beziehungsweise M._______ wiedererkannt habe. Ausserdem sei er geschlagen und mittels Hochdruckwasser gefoltert worden. Unter Androhung von 20 Jahren Haft habe man von ihm verlangt, als Spitzel Po- lizeiinformationen zu sammeln und an die Behörden weiterzugeben. Da- raufhin sei er an den Ort der Festnahme zurückgebracht und freigelassen worden. Am (…) 2013 sei er von seinem Arbeitgeber entlassen worden, weil die Behörden behauptet hätten, er sei ein Terrorist und Separatist. Am selben Tag sei seine Tochter E._______ von Polizisten in einem Auto mitgenom- men und befragt worden. Um (…) Uhr des darauffolgenden Morgens seien er und seine Ehefrau zu- hause von Polizisten aufgesucht worden. Nach erfolgter Hausdurchsu- chung seien s ie zum Polizeiposten mitgenommen worden. Dort habe er getrennt von seiner Ehefrau (…) Stunden warten müssen. Daraufhin sei er dem Vorgesetzten vorgeführt worden. Dabei sei ihm wiederholt sein Enga- gement für die I._______ und die J._______ vorgeworfen worden. Unter Schlägen und Androhung der eigenen Vergewaltigung und derjenigen sei- ner Ehefrau sei er erneut zur Spitzeltätigkeit aufgefordert worden. Schliess- lich habe er das Angebot angenommen. Gegen Mittag sei er zusammen mit seiner Ehefrau nach Hause zurückgebracht worden. Nachdem er mit dem Menschenrechtsverein O._______ Kontakt aufge- nommen und am (…) 2013 eine Presseerklärung abgegeben habe, sei er zusammen mit seiner Familie nach P._______ gereist, von wo aus sie die Reise in die Schweiz angetreten hätten. Für die weiteren Aussagen des Beschwerdeführe nden 1 wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er einen Artikel aus der Zeitung K._______ vom (…) 2013 zu den Akten. Diesem zufolge sei er aufgrund D-5017/2014 Seite 4 der Überwachung und Bedrohung durch die Polizei von seinem Arbeitge- ber entlassen worden und hätte sich die Überwachung wegen seines im Jahr (…) umgebrachten Schwagers H._______ sowie nach N._______ verstärkt. Aufgrund der Bedrohungen habe er den O._______ um Hilfe ge- beten. Zum Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden je einen Nüfus zu den Akten. B. Mit Schreiben vom 16. Juni 2014 ersuchte der damalige Rechtsvertreter der Beschwerdefüh renden das BFM um Trennung der Dossiers von D._______, E._______ und den Beschwerdeführenden, welchem Begeh- ren das BFM in der Folge entsprach. C. Mit Verfügung vom 29. Juli 2014 – eröffnet am 7. August 2014 – stellte das Bundesamt fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz an und beauf- tragte den Kanton Q._______ mit dem Vollzug. Im Weiteren hielt das BFM fest, der Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich. D. Mit Eingabe vom 8. September 2014 (Datum des Poststempels) an das Bundesverwaltungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden durch ihren vormaligen Rechtsvertreter unter Kosten- und Entschädigungsfolge, es sei die Verfügung des BFM wegen Befangenheit der BFM-Mitarbeiterin mit dem Kürzel R._______ und wegen offensichtlicher Willkür aufzuheben und die Sache an das BFM zurückzuweisen; die Verfügung des BFM sei wegen Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführenden auf das recht- liche Gehör aufzuheben und die Sache an das BFM zurückzuweisen; even- tualiter sei die Verfügung des BFM wegen Verletzung der Begründungs- pflicht aufzuheben und die Sache an das BFM zurückzuweisen; eventuali- ter sei die Verfügung des BFM aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen ; eventualiter sei die Verfü- gung des BFM aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft de r Beschwerde- führenden festzustellen und diese n in der Schweiz Asyl zu gewähren; eventualiter seien die Dispositivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfü-D-5017/2014 Seite 5 gung aufzuheben und die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hinsicht wurde die Offen- legung des Namens der BFM -Mitarbeiterin mit dem Kürzel R._______ durch das BFM und die Anweisung an das BFM zur Gewährung der Ein- sicht in die Akten betreffend den Vorfall der nicht durchgeführten Anhörung des Beschwerdeführenden 1 vom (…) 2014 beantragt (Aktenstück […]), verbunden mit der Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung. Schliesslich wurde um Mitteilung der Zusam- mensetzung des Spruchkörpers ersucht. Gleichzeitig wurde eine elfteilige, das vorinstanzliche Verfahren betreffende Korrespondenz des vormaligen Rechtsvertreters mit dem BFM eingereicht. Darauf sowie auf die Begrün- dung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen einge- gangen. E. Am 10. September 2014 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. F. Mit Schreiben vom 12. September 2014 reichte der vormalige Rechtsver- treter ein Schreiben des BFM vom 9. September 2014 betreffend Offenle- gung des Namens der vorerwähnten BFM-Mitarbeiterin ein. G. Mit Zwischenverfügung vom 23. September 2014 teilte das Bundesverwal- tungsgericht de n Beschwerdeführenden mit, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürften. Gleichzeitig wurde die voraus- sichtliche Zusammensetzung des Spruchkörpers bekanntgegeben und Frist zur Bezahlung eines Kostenvorschusses angesetzt. H. Mit Eingabe vom 8. Oktober 2014 ersuchte der vormalige Rechtsvertreter unter Beilage einer Fürsorgebestätigung um Erlass des Kostenvorschus- ses und allfälliger Verfahrenskosten. I. Mit Zwischenverfügung vom 28. Oktober 2014 verzichtete das Bundesver- waltungsgericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, verschob den Entscheid über das Gesuch um Erlass allfälliger Verfahrenskosten auf ei- nen späteren Zeitpunkt, gewährte Einsicht in das vorinstanzliche Akten- stück (…), wies den Antrag auf Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer D-5017/2014 Seite 6 Beschwerdeergänzung ab, zog die Asylakten (…) für das Beschwerdever- fahren bei, lehnte je einen Antrag auf Edition und Offenlegung der Asylak- ten von M._______ beim BFM und auf Ansetzung einer Frist zur Einrei- chung von Beweismitteln betreffend den Gesundheitszustand der Be- schwerdeführenden ab und überwies die Akten der Vorinstanz zur Ver- nehmlassung. J. Mit Schreiben vom 30. Oktober 2014 reichte der vormalige Rechtsvertreter eine Kopie seines Gesuchs vom selben Tag an das BFM um Einsicht in die Akten von M._______ ein. K. Nach gewährter Fristerstreckung beantragte das BFM mit Vernehmlassung vom 14. November 2014 die Abweisung der Beschwerde. L. L.a Mit Schreiben vom 18. November 2014 ersuchte der vormalige Rechts- vertreter unter Bezugnahme auf die Vernehmlassung des BFM um teil- weise Gewährung der Einsicht in die Akten von M._______. L.b Mit Schreiben vom 24. November 2014 reichte der vormalige Rechts- vertreter dem Bundesverwaltungsgericht eine diesbezügliche Einwilli- gungserklärung von M._______ ein. M. Am 27. November 2014 überwies das Bundesverwaltungsgericht die Akten dem BFM zum Entscheid über das Gesuch um Einsicht in die Akten von M._______. N. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2014 lehnte das BFM die beantragte Ak- teneinsicht ab, trug dem Gesuch jedoch insofern Rechnung, als es die für die Beschwerdeführenden wesentlichen Passagen der Befragungs - und Anhörungsprotokolle von M._______ offenlegte. O. Die Vernehmlassung des BFM wurde de n Beschwerdeführenden am 16. Dezember 2014 zur Kenntnis gebracht und ih nen eine Frist bis zum 31. Dezember 2014 zur Replik angesetzt. D-5017/2014 Seite 7 P. Mit Schreiben vom 23. Dezember 2014 teilte der vormalige Rechtsvertreter mit, dass er sein Mandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt habe. Gleich- zeitig ersuchte er um Erstreckung der Frist zur Replik bis zum 15. Januar 2015. Q. Mit Schreiben vom 15. Januar 2015 ersuchte der von den Beschwerdefüh- renden neu mandatierte Rechtsvertreter um Erstreckung der Frist zur Rep- lik um zwei Wochen. R. Nach gewährter Fristerstreckung nahm der Rechtsvertreter in seiner Replik vom 30. Januar 2015 unter Einreichung einer (…) Beilagen umfassende Beweisdokumentation Stellung zum Inhalt der Vernehmlassung, worin er grundsätzlich an den b isherigen Vorbringen festhielt . Gleichzeitig bean- tragte er je die Ansetzung einer angemessenen Frist zur Übersetzung von (…) Beweismitteln und zur Einreichung von Arztberichten für die Be- schwerdeführenden. S. Mit je einem Schreiben vom 2. und 13. Februar 2015 reichte der Rechts- vertreter einen Arztbericht vom 30. Januar 2015 betreffend den Beschwer- deführenden 1 sowie die Übersetzungen von (…) Beweismitteln ein. T. Auf den Inhalt der im Verlauf des Beschwerdeverfahrens von den Rechts- vertretern eingereichten Unterlagen sowie auf die Begründung der ange- fochtenen Verfügung und die Ausführungen in der Vernehmlassung des BFM wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen einge- gangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM respektive SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor - instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende D-5017/2014 Seite 8 Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und ha ben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländi sche Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimm- ten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaf- ten Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nach- teilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Vorbringen sind glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilde- rungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemei- nen Erfahrung widersprechen (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine Ge-D-5017/2014 Seite 9 samtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Richtig- keit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen, überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 [S. 142 f.]). 4. In der Beschwerde werden insbesondere eine Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör sowie eine unvollständige und unrichtige Abklä- rung des Sachverhalts gerügt. 4.1 So ergebe sich aus dem Anhörungsprotokoll (vgl. BFM-act. […]), dass der Beschwerdeführende 1 am 16. Mai 2014 von 9.05 bis 11.00, weiter von 11.20 bis 12.20 und schliesslich von 13.20 ohne Pause bis 17.25 angehört worden sei. Angesichts der überdurchschnittlichen Tiefe und Detailliertheit seiner Aussagen und dem Vorhandensein zahlreicher Realkennzeichen sei offensichtlich, dass er bis zur Mittagspause um 12.20 den Sachverhalt ge- schildert und einzelne Fragen bereits beantwortet habe. Deshalb erscheine die Fortsetzung der Anhörung ab 13.20 bis 17.25 als systematisches Kreuzverhör, mit welchem der Beschwerdeführende 1 offensichtlich habe zermürbt und durcheinandergebracht werden sollen. So habe er sich denn auch über dieses Vorgehen beklagt, indem er eingewendet habe, er könne nicht nachvollziehen, wieso das Ganze zwei - und dreimal gefragt werde (…). Weiter sei bekannt, dass gemäss internen Weisungen des BFM bei Anhörungen (inklusive Rückübersetzung) die Zeitdauer von vier Stunden nicht überschritten werden sollte, da bei einer längeren Dauer kein faires Verfahren mehr garantiert werden könne, weil infolge von Übermüdung al- ler Betroffenen Widersprüche und Ungenauigkeiten entstehen würden. Aus der Befragungsmethode und der Argumentation in der angefochtenen Ver- fügung ergebe sich, dass sich die die Anhörung leitende Mitarbeiterin des BFM, welche im Zusammenhang mit den Umständen einer vorgängig ter- minierten, am Termin selbst abgesagten Anhörung des Beschwerdeführen- den 1 befangen erscheine, zum Ziel gesetzt habe, dessen glaubhafte Aus- sagen auf den Seiten 1 bis 13 des Anhörungsprotokolls zu zerstören. Dies würde auch aus der massiven Zeitüberschreitung von drei Stunden und der Art der gestellten Fragen hervorgehen. Dadurch sei der Anspruch des Beschwerdeführenden 1 auf das rechtliche Gehör massiv verletzt worden und sei das Verfahren als un fair zu bezeichnen. Ein solches Vorgehen müsse zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführende 1 anlässlich der Anhörung auch auf seinen schlechten psychischen Gesundheitszustand hingewiesen habe. Trotzdem D-5017/2014 Seite 10 sei nicht weiter nachgefragt worden. Auch dadurch sei dem Beschwerde- führenden 1 das rechtliche Gehör nicht in ausreichender Weise gewährt worden (…). 4.2 Der Beschwerdeführende 1, dessen Ehefrau und dessen Tochter E._______, welche befragt und angehört worden seien, hätten sich zu den ihnen zugefügten Traumatisierungen und zu ihrem schlechten Gesund- heitszustand geäussert. Trotzdem seien die dazu notwendigen Sachver- haltsabklärungen unterlassen worden. Auch seien die zahlreichen Asyldos- siers der Familie der Ehefrau des Beschwerdeführenden 1 nicht beigezo- gen worden. Der Beizug solcher Dossiers wäre zwingend notwendig ge- wesen, zumal es um die Frage einer Reflexverfolgung gehe und mehreren Familienangehörigen in der Schweiz Asyl gewährt worden sei, so erst im (…) 2013 auch dem Schwager S._______ des Beschwerdeführenden 1, mithin zu einem Zeitpunkt, als die Beschwerdeführenden im Heimatstaat noch einer Verfolgung ausgesetzt gewesen seien. Ausgehend von solchen vollständigen Sachverhaltsabklärungen hätte sich die Frage der Reflexver- folgung völlig anders präsentiert. Auch diesbezüglich liege eine fehlerhafte Sachverhaltsabklärung des BFM vor, aus welcher sich die Kassation der angefochtenen Verfügung aufdränge. Schliesslich befinde sich der vom Beschwerdeführenden 1 beherbergte J._______-Aktivist M._______ in der Schweiz. In d iesem Zusammenhang notwendige und einfache Sachver- haltsabklärungen seien vom BFM ebenfalls unterlassen worden (…). 4.3 In seiner Vernehmlassung führte das BFM insbesondere aus, es könne davon ausgegangen werden, dass anlässlich der Anhörung des Beschwer- deführenden 1 am 16. Mai 2014 zwischen 13.20 und 17.25 vor der Rück- übersetzung eine Pause stattgefunden habe, welche jedoch nicht protokol- liert worden sei. Indes hätten weder die damals für den vormaligen Rechts- vertreter anwesende Person noch die Hilfswerksvertreterin die Überzie- hung der Anhörungszeit oder das Ausbleiben von Pausen moniert. Auch habe angesichts des langen freien Sachverhaltsvortrags des Beschwerde- führenden 1 die Rückübersetzung einen Grossteil des Nachmittags ausge- macht. Die Situation des Beschwerdeführenden 1 und von dessen Familie sei nicht mit jener von dessen Schwager S._______ vergleichbar. Deshalb eigne sich der Beizug des Dossiers (…) nicht, um die vom Beschwerdefüh- renden 1 geltend gemachte Verfolgung glaubhaft zu machen. Eine Re- flexverfolgung sei auch in Berücksichtigung der Dossiers der übrigen in der D-5017/2014 Seite 11 Schweiz lebenden Geschwister der Ehefrau des Beschwerdeführenden 1 und von deren Mutter (…) zu verneinen. Das Vorbringen, wonach die Beherbergung von M._______ in den Jahren 2012/2013 den Ausschlag für die verstärkte Behelligung der Beschwerde- führenden durch die Behörden gegeben habe, sei nicht glaubhaft (vgl. Ver- nehmlassung des BFM vom 14. November 2014). 4.4 In ihrer Replik hielten die Beschwerdeführenden insbesondere daran fest, dass durch die lange Anhörungsdauer des Beschwerdeführenden 1 von 9.05 bis 17.25 die Grundsätze eines fairen Verfahrens verletzt worden seien. Namentlich habe dieser am Nachmittag 149 Fragen beantworten müssen. Deshalb sei unwahrscheinlich, dass fast der gesamte Nachmittag für die Rückübersetzung verwendet worden sei. Eine Reflexverfolgung der Beschwerdeführenden aufgrund der Verfolgung von S._______ sei als erwiesen zu erachten. In diesem Zusammenhang wiege besonders schwer, dass das BFM den Beizug von dessen Asylakten für nicht notwendig erachtet habe. Deshalb sei die angefochtene Verfü- gung zwingend aufzuheben und an das SEM zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts zurückzuweisen. Im Zusammenhang mit den Dossiers der in der Schweiz lebenden Ge- schwister der Ehefrau des Beschwerdeführenden 1 und deren Mutter habe das BFM den Sachverhalt unvollständig und unzureichend abgeklärt, in- dem es davon abgesehen habe, diese für das vorliegende Verfahren zent- ralen und damit zusammenhängenden Dossiers beizuziehen. Es gehe nicht an, dass das BFM diese Versäumnisse im Rechtsmittelverfahren wettzumachen versuche und pauschal behaupte, die Vorbringen jener Ge- schwister würden lediglich die Unglaubwürdigkeit der Beschwerdeführen- den bestärken, während auf die Reflexverfolgung nicht einge gangen werde. Bereits deshalb sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts an das SEM zurückzuwei- sen. Im Übrigen sei den Beschwerdeführenden bis anhin keine Aktenein- sicht in die entsprechenden Asylakten gewährt worden und es sei ihnen somit vor Gewährung der Akteneinsicht nicht möglich, sich abschliessend dazu zu äussern. Umso stossender sei, dass sich das BFM in seiner Ver- nehmlassung so ausführlich auf diese Dossiers beziehe, ohne dass dem Rechtsvertreter die Überprüfung der Richtigkeit dieser Angaben möglich sei. Deshalb müsse den Beschwerdeführenden nach gewährter Aktenein- sicht erneut die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt werden. D-5017/2014 Seite 12 Bezüglich der angeblichen Widersprüche zu den Aussagen von M._______ sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden bis anhin keine Gelegenheit gehabt hätten, sich dazu zu äussern. Aufgrund der man- gelhaften Sachverhaltsabklärung des BFM sei dessen Dossier erst im Be- schwerdeverfahren beigezogen worden. Auch deshalb erweise sich die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zurückweisung an das SEM zur vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts als notwendig (vgl. Replik vom 30. Januar 2015 S. 3–10). 5. 5.1 Die Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes we- gen festzustellen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG ). Die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. Un- vollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz gelten- der Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abge- klärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände be- rücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in : Auer/Mül- ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal- tungsverfahren [VwVG], Rz. 28 zu Art. 49, S. 676 f.). Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 und 32 Abs. 1 VwVG) ver- langt weiter, dass die verfügende Behörde dabei die Vorbringen der be- troffenen Person tatsächlich hört, sorgfältig und ernsth aft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheid- findung niederschlagen muss ( Art. 35 Abs. 1 VwVG; vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3 S. 264). Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach den Verfahrensumständen, dem Verfügungsgegenstand und den Interes- sen der Betroffenen, wobei die bundesgerichtliche Rechtsprechung bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen der Betroffenen – was bei der Frage der Gewährung oder Verweigerung des Asyls regelmässig der Fall ist – eine sorgfältige und ausführliche Begrün- dung verlangt (vgl. BGE 112 Ia 110 ; vgl. auch EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1 S. 256). 5.2 In casu liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass das vorinstanzli- che Verfahren den Anforderungen an eine vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts nicht zu genügen vermag. So brachte der Beschwerdeführende 1 zur Begründung seines Asylgesuchs insbesondere auch vor, sowohl anlässlich der Festnahmen im (…) 2013 und (…) 2013 als auch de rjenigen vom (…) 2013, welche ihn schliesslich zur Ausreise D-5017/2014 Seite 13 aus dem Heimatstaat bewogen habe, von den Behörden nach dem J._______ M._______ gefragt worden zu sein, welchen er von (…) 2012 bis (…) 2013 bei sich zuhause beherbergt habe. Zu dem erwähnte er im Rahmen seiner Verfolgungsvorbringen seinen Schwager H._______, wel- cher im Jahr (…) von den Behörden umgebracht worden sei, und die wei- teren Brüder seiner Ehefrau, welche ebenfalls von den Behörden aus poli- tischen Gründen verfolgt worden und deshalb in die Schweiz geflüchtet seien. Unter diesen Umständen wäre die Vorinstanz klarerweise gehalten gewesen, den rechtserheblichen Sachverhalt in diese Richtung genauer abzuklären. Insofern erweist sich die in der Beschwerde erhobene Rüge der unvollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts als zu- treffend. In der Replik wird sodann zutreffend ausgeführt, dass es nicht an- gehe, diese Versäumnisse im Rechtsmittelverfahren wettzumachen zu ver- suchen. Es kommt hinzu, dass anlässlich der Anhörung des Beschwerde- führenden 1 vom 16. Mai 2014 durch deren lange Dauer die Grundsätze eines fairen Verfahrens verletzt worden sein dürften. So ist gemäss inter- nen Weisungen des SEM nach einer Anhörungsdauer von zwei Stunden eine Pause zu machen und deren Dauer im Protokoll zu vermerken. Zudem sollte die Anhörung in der Regel maximal vier Stunden betragen, wobei für den Fall, dass dabei der Sachverhalt nicht genügend erstellt werden konnte, von der zuständigen Per son die notwendigen ergänzenden In- struktionsmassnahmen anzuordnen sind. Dass die lange Anhörungsdauer weder von der Hilfswerksvertreterin noch seitens der von der vormaligen Rechtsvertretung anwesenden Person moniert wurde, vermag am diesbe- züglich unzulänglichen Vorgehen der Vorinstanz nichts zu ändern. 5.3 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung ist insbesondere dann angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Vorlie- gend ist eine Rückweisung angezeigt, zumal es nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht ist, den Sach- verhalt rechtsgenüglich zu erstellen. 5.4 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Auf- hebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 29. Juli 2014 beantragt wird, und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die vorinstanzlichen Akten sind, zusammen mit dem Beschwerdedossier, welches ebenfalls Prozessstoff des vorinstanzlichen Verfahrens bilden wird, dem SEM zuzustellen. Auf die D-5017/2014 Seite 14 weiteren formalen und inhaltlichen Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe ist bei diesem Verfahrensausgang nicht weiter einzugehen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 6.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde keine Kostennote zu den Akten ge reicht. Der notwendige Vertre- tungsaufwand lässt sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig ab- schätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–11 und 13 VGKE) ist den Beschwerdeführenden zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1500.– (inkl. Auslagen und MWSt) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-5017/2014 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanz- lichen Verfügung beantragt wird. 2. Die Verfügung vom 29. Juli 2014 wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeur- teilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: