Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Dezember 2016 (720 16 209) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Es ist nicht zu beanstanden, dass sich die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Arbeits- fähigkeit des Beschwerdeführers auf den Bericht des RAD stützte. In der angefochtenen Verfügung hätte sie jedoch berücksichtigen müssen, dass der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten kann. Der Beschwerdeführer hat somit An- spruch auf eine ganze IV-Rente. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Robin Eschbach Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Markus Schmid, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ arbeitete zuletzt bis am 30. November 201 4 als Koch im Wohn- und Pflege- heim B.____. Mit Gesuch vom 25. Januar 2015 meldete sich der Versicherte zur Früherfassung bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) an. Mit Schreiben vom 3. März 2015 beantragte er, mit Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall, Leistungen bei der IV-Stelle. Nach Abklärung der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse und nach durchgeführtem Vorbescheidverfah- ren lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. Juni 2016 einen Anspruch auf eine Invalidenren- te gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 21 % ab. B. Hiergegen erhob A.____ mit Eingabe vom 26. Juli 2 016 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte im Wesentlichen die Aufhebung der Verfügung vom 15. Juni 2016. C. Innert erstreckter Frist beantragte der vom Beschwerdef ührer zwischenzeitlich manda- tierte Vertreter, Markus Schmid, Rechtsanwalt, mit Eing abe vom 22. August 2016, es sei in Aufhebung der Verfügung vom 15. Juni 2016 ein gericht liches Gutachten zur Abklärung der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers einzuholen. E ventualiter sei die Verfügung aufzuhe- ben und die Sache zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens an die Beschwerdebe- klagte zurückzuweisen; unter o/e Kostenfolge. D. In ihrer Vernehmlassung vom 21. Oktober 2016 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 3. November 2016 nahm der Beschwer deführer erneut zum Verfah- ren Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde des Versicherten vom 26. Juli 2016 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der ge sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die Versicherten haben Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid sind. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach alleine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum V ersicherungsträger nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Aufgrund der umfangreichen Krankheitsgeschich te des Beschwerdeführers werden nachfolgend nur ausgewählte medizinische Unterlagen z usammengefasst. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers sind im Wesentliche n die folgenden medizini- schen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Im Bericht von Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, Spital D.____, vom 17. Oktober 2014, stellte diese fol gende Hauptdiagnosen: Subakute lum- bosakrale Schmerzen; bei L5/S1 Chondrose und eine medi ane mediorechtslaterale Diskusher- nie mit Kontakt zur rechten S1-Wurzel vor Eintritt i n den Rezessus, jedoch ohne Kompression. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Des Weiteren bestehe ein Verdacht auf ein Enchondrom proximale Femur rechts und ein Pros- tatakarzinom mit Status nach radialer Prostatektomie und Lymphadenektomie. Der Versicherte berichte über seit mehr als zwei Wochen bestehende Stei ss-Schmerzen mit diffuser Ausstrah- lung. Die Schmerzen seien so unerträglich, dass er kaum ruhig stehen könne. Stehen und Sit- zen sei schlimm. Nachtschmerzen bestünden keine, er könne a ber nicht auf dem Rücken lie- gen. Die Schmerzen seien relativ rasch vor acht Wochen aufgetreten und würden bei Belastung zunehmen. Ob die Beschwerden tatsächlich im Zusammenhang mit der recht kleinen, aber me- diolateral rechts gelegenen Diskushernie zu sehen sind, könne Dr. C.____ nicht abschliessend beurteilen. 5.2 Mit Bericht von Prof. Dr. med. E.____, FMH Neuro chirurgie, vom 10. Dezember 2014, diagnostizierte dieser eine symptomatische mediolaterale Diskushernie L5/S1 rechts. Der Pati- ent leide seit September 2014 an persistierenden starken Rückenschmerzen auf Höhe des Os sacrum. Dazu klage er über starke Krämpfe in den Waden s owie auch seit Mitte November 2014 über eine Schwäche der Fusshebung links. Die Schme rzen würden nicht auf die konser- vative Therapie ansprechen, so dass sich der Patient nicht m ehr frei bewegen könne. Elektro- physiologisch sei keine klare Nervenwurzelschädigung nachge wiesen worden. Das MRI der LWS vom 16. September 2014 zeige eine mediolaterale Diskushernie L5/S1 rechts, die in der Verlaufsuntersuchung vom 20. November 2014 leicht progre dient scheine, jedoch keine Ner- venwurzel beeinträchtige. Diese Hernie könnte die lokale n sakralen Schmerzen und auch die pseudoradikulären Ausstrahlungen durch die erhöhte Spannung der Bandscheibenkapsel erklä- ren. Als gezielte Therapie biete sich in dieser Situatio n eine Nukletomie/Diskektomie zur Redu- zierung des intradiskalen Druckes an. 5.3 Im Austrittsbericht vom 22. Dezember 2014 hielt Pr of. Dr. E.____ fest, dass die geplan- te mikrochirurgische Fenestration L5/S1 rechts mit einer Sequesterentfernung und Diskektomie am 12. Dezember 2014 durchgeführt worden sei. Die Ope ration sei komplikationslos verlaufen. In den folgenden Tagen hätten sich die lumbosakralen Schmerzen deutlich zurückgebildet und der Patient habe mit Hilfe der Physiotherapie problem los mobilisiert werden können. Im Laufe des Spitalaufenthaltes habe er eine depressive Dekompen sation mit Panikattacken erlitten, die psychiatrisch beurteilt und mit Temesta behandelt worden seien. Am 19. Dezember 2014 sei der Versicherte mit trockenen Wundverhältnissen und ein em unauffälligen Neurostatus nach Hause entlassen worden. Bis zur Nachkontrolle sei er zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. 5.4 Mit Bericht vom 28. Februar 2015 wies Prof. Dr. E .____ auf residuale Schmerzen des Versicherten im Rücken und der Hüftregion rechts nach ein er falschen Bewegung hin. Die 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit verlängerte er bis 31. M ärz 2015. Die neurochirurgische Therapie sei abgeschlossen. 5.5 Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem Be- richt vom 20. April 2015 eine mittelgradige depressive E pisode seit Ende 2014. Die psychische Belastung durch somatische Erkrankungen habe zu einem chr onischen Schmerzsyndrom und einer Depression geführt. Das Krankheitsbild sei primär somatischen Ursprungs, die Angst und die depressive Symptomatik seien eindeutig eine Folge de r Schmerzen. Therapeutisch stehe Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Schmerzmanagement im Zentrum. Es sei eine antidepre ssive Therapie begonnen worden, deren Wirkung noch nicht beurteilt werden könne. Ein e Arbeitstätigkeit sei dem Versicherten nicht zumutbar. 5.6 Im Bericht von Dr. med. G.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. H.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Spital D.____, vom 17. Juni 2015, wur- de die Diagnose eines Verdachts auf ein lumboradikulä res Schmerzsyndrom L5 linkseitig ge- stellt. Es sei irritierend, dass in der letzten MRI-Unter suchung vom 15. April 2015 kein passen- des Korrelat gefunden worden sei. Als Hauptbefund liege eine Diskushernie L5/S1 vor, die zwar auf den Bildern nicht komprimierend wirke, rezessal aber je nach Körperposition zu einer Kom- pression der Wurzel S1 führen könnte. 5.7 Mit Bericht von PD Dr. med. I.____, FMH Neurologi e, Spital D.____, vom 6. Juli 2015, führte dieser aus, dass es sich bei der nachgewiesenen EM G-Veränderung wahrscheinlich um eine kompressionsbedingte alte Schädigung der Wurzel L5 auf der linken Seite handle, die durch die Operation im Dezember 2014 behoben worden s ei. Distal würden aufgrund der ent- sprechenden Vorschädigung der Wurzel L5 sensible Ausfalle rscheinungen bei längerer Druck- belastung bestehen. Neurographisch würden sich keine Hin weise für eine post-radikuläre Schädigung ergeben. 5.8 Im Bericht von Dr. F.____ vom 31. August 2015 dia gnostizierte dieser eine depressive Episode, gegenwärtig leicht (F 32.0). Nach diversen so matischen Erkrankungen, insbesondere nach lumbalem Schmerzsyndrom habe der Versicherte ein mittelgradiges depressives Syndrom entwickelt. Anschliessend sei es zu Besserungstendenzen der Depression und des Schmerzes gekommen. Der Schlaf habe sich normalisiert. Seit Aug ust 2014 bestehe somatischerseits eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Der Schmerz limitiere di e beruflichen Möglichkeiten. Die depres- siven Einschränkungen seien leichtgradiger. Stehen, sitzen und gehen sei schwer einge- schränkt. 5.9 Dr. F.____ führte in seinem Bericht vom 25. Dezemb er 2015 aus, über Schlafstörun- gen werde nicht mehr berichtet. Im September 2015 seie n dem Versicherten neue schmerzthe- rapeutische Optionen angeboten worden. Nach den ersten Versuchen sei er tagelang fast schmerzfrei gewesen. An weiteren psychiatrischen Konsultationen habe deshalb kein Interesse bestanden. Die Stimmung sei nur noch leicht niedergedrü ckt. Psychiatrisch seien keine weite- ren Massnahmen geplant. 5.10 Gestützt auf die medizinischen Unterlagen nahm Dr. med. J.____, Regionaler ärztli- cher Dienst beider Basel (RAD), am 22. Februar 2016 eine Aktenbeurteilung vor. Aufgrund ei- nes lumbospondylogenen Schmerzsyndroms bestehe seit 19. Au gust 2014 eine Arbeitsunfä- higkeit von 100 % in der angestammten Tätigkeit des Ve rsicherten als Koch. Die Arbeitsfähig- keit belaufe sich in einer Verweistätigkeit (leicht sitzen de Tätigkeit, keine Rumpfzwangshaltun- gen oder Verdrehung der Lendenwirbelsäule, kein daue rndes oder repetitives Bücken, keine ständige Nässe, Kälte oder Zugluft und keine Stösse ode r Vibrationen auf die Wirbelsäule) seit dem 1. Juli 2015 auf 100 % mit vermehrten Pausen. Be rufliche Massnahmen seien theoretisch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht möglich, der Versicherte halte sich aber nicht mehr für arbeitsfähig. Aufgrund des Alters des Versicherten von 62 Jahren würden erschwerte Erfolgsaussi chten bestehen, eine Anstellung in einem geeigneten Job zu finden. Nach der Dekompression soperation einer Diskushernie am 12. Dezember 2014 habe die Untersuchung bei Prof. Dr . E.____ vom 3. Februar 2015 eine er- hebliche Besserung der Rückenproblematik dokumentiert. Ab diesem Zeitpunkt sei der Versi- cherte von somatischer Seite in Verweisarbeiten einsetzba r gewesen. Eine vorübergehende depressive Entwicklung habe den Beginn der Einsatzfähigkei t dann bis Ende Juni 2015 verzö- gert. Die Tatsache, dass am 10. August 2015 eine zusätzli che stationäre Aufnahme zur Schmerzkomplexbehandlung bei zunehmendem Circulus vitiosu s und psychischer Dekompen- sation vom Versicherten abgelehnt worden sei, spreche nic ht für einen ausgeprägten Leidens- druck bezüglich der Schmerzen. Das rein sensible Ausfallsyn drom S1/L5 sei alt und bestehe unabhängig von der OP Ende 2014 rechtsseitig seit Jahr en ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit. Der behandelnde Psychiater Dr. F.____ nenne kein e somatoforme Komponente. Der Schmerz habe sich assoziiert mit der Depression ab Juli 2015 erheblich gebessert, so dass ab diesem Zeitpunkt psychiatrisch keine Einschränkung mehr be gründet sei. Der Gesundheitszu- stand des Versicherten sei stabil. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht erforderlich. 5.11 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nahm Dr. J.____ mit Bericht vom 1. September 2016 Stellung zu den Vorbringen des Besch werdeführers. Der Versicherte stütze sich auf den Bericht von Prof. Dr. E.____ vom 14. Sept ember 2015, wonach er seit einigen Mo- naten erneut an persistierenden lumbosakralen Rückenschmer zen ohne radikuläre Ausstrah- lung in die unteren Extremitäten leide. Die auf Höhe des Os sacrum gut lokalisierbaren Schmerzen hätten einen mechanischen Charakter und nähm en typischerweise bei den Bewe- gungen und Belastungen des Rückens zu. Der Beschwerdeführer erwähne jedoch hierbei nicht, dass er zum letzten Mal am 10. September 2015 zu einer K onsultation bei seinem Psychothe- rapeuten Dr. F.____ erschienen sei und berichtet habe, dass es inzwischen durch gezielte schmerztherapeutische Interventionen gelungen sei, die Pa rästhesien und Schmerzen deutlich zu reduzieren. Er habe nun erstmals seit Monaten Hoffnun g auf eine durchgreifende Besse- rung. Dieser Widerspruch werde vom Beschwerdeführer nicht aufgelöst. Aus der medizinischen Aktenlage gehe ausserdem keineswegs hervor, dass sich die Be schwerdesituation seit Juli 2015 verschlechtert habe. Es sei mehrfach dokumentiert, d ass keine invalidisierenden Rücken- schmerzen bestanden hätten, sondern Restbeschwerden, die zudem nur intermittierend aufge- treten seien und durchaus schmerzmedizinischer Therapie zugänglich gewesen seien. Wenn dem Versicherten aufgrund der belastungsabhängigen Rü ckenbeschwerden und der leichten alten radikulären Schädigung L5 die Wiederaufnahme se iner angestammten Tätigkeit auch nicht zumutbar gewesen sei, so habe doch nichts dageg en gesprochen, ihn nach Besserung der depressiven Episoden ab Juni 2015 für rein sitzende Ve rweisarbeiten als arbeitsfähig anzu- sehen, zumal ihm mit RAD-Stellungnahme vom 22. Februa r 2016 rückwirkend ab diesem Zeit- punkt auch vermehrte Pausen zugestanden worden seien. Dadurch könne der Versicherte etwa alle 30 Minuten aufstehen, etwas umhergehen oder sich ein paar Minuten hinlegen. Vermehrte Pausen würden in der Regel ein Rendement von 80 % be gründen. Der RAD habe die Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit nach Aktenlage vorgenommen , weil die Aktenlage dafür ausreichend sei. Es lägen die bildgebenden Befundbeschreibungen vor , die klinischen Untersuchungen der behandelnden Orthopäden, schmerzmedizinische Therapiever läufe, sowie psychiatrische Be- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht richte. Nachdem sich der Versicherte 2016 erneut einer Operation unterzogen habe, liege heute möglicherweise ein neuer Zustand vor. Das bedeute, die Arbeitsfähigkeit könnte rückwirkend heute ebenfalls nur nach Aktenlage beurteilt werden. Eine allfällige Veränderung des Gesund- heitszustandes durch die kürzliche Operation sei ohnehin erst nach dem Erlass der Verfügung eingetreten. 6.1 In pflichtgemässer Würdigung der medizinischen Aktenl age ist – entgegen der Auffas- sung des Beschwerdeführers – festzuhalten, dass sich die IV -Stelle für die Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherte n zu Recht auf die Berichte der behandelnden Ärzte sowie auf die Stellungnahmen des R AD-Arztes stützte. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist insofern nicht zu beanstanden. Nach d er Rechtsprechung kommt zwar dem Bericht eines versicherungsinternen Arztes nicht dersel be Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten e xterner Fachpersonen oder gar wie ei- nem Gerichtsgutachten. Ein solcher Bericht ist aber, wi e oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), soweit zu berücksichtigen, als keine – auch nur geringe – Z weifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7 ). Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen von Dr. J.____ zu zweif eln. Seine ärztliche Beurteilung ist, wie es vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hie rvor), für die streitigen Belange umfas- send, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtig t auch die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der m edizinischen Situation ein und seine Schlussfolgerungen sind begründet. Insbesondere weisen a uch die Beurteilungen der behan- delnden Ärzte keine unauflösbaren Widersprüche auf und stehen im Einklang mit den bildge- benden Nachweisen. So sind sich die Ärzte auch einig, dass die nachweisbaren Schädigungen die geklagten Schmerzen nicht zu erklären vermögen. Anzeichen für das Vorliegen einer soma- toformen Schmerzstörung bestehen gemäss den vorliegenden medizinischen Berichten nicht. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, seiner Oper ation am 29. Juni 2016 sei eine Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes vorangegangen, die noch vor Erlass der Verfügung eingetreten sei, weshalb diesbezüglich weitere Abkläru ngen indiziert seien, ist ihm nicht zu fol- gen. Eine Operation alleine indiziert entgegen dem D afürhalten des Beschwerdeführers nicht bereits eine vorangegangene Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Im Übrigen wurden vom Beschwerdeführer diesbezüglich auch keinerlei medizi nische Unterlagen eingereicht, wel- che Anhaltspunkte für die behauptete Verschlechterung bi eten würden. Es ist demzufolge nicht davon auszugehen, dass eine Verschlechterung eingetreten ist, weshalb insofern auch kein Abklärungsdefizit besteht. Die auf die Berichte der beh andelnden Ärzte gestützte Zumutbar- keitsbeurteilung von Dr. J.____ erscheint insgesamt nachvo llziehbar und schlüssig, weshalb darauf abgestellt werden kann. 6.2 Daran vermögen auch die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers nichts zu än- dern. Dieser macht im Wesentlichen geltend, die Besch werdegegnerin habe den Sachverhalt nicht korrekt abgeklärt, da gemäss bundesgerichtlicher Rech tsprechung (BGE 139 V 349 E. 3.2) gelte, dass die umfassende administrative Erstbe gutachtung regelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sei. Eine direkte A uftragserteilung solle die Ausnahme blei- ben. Eine polydisziplinäre Expertise sei auch dann einzuh olen, wenn der Gesundheitsschaden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht zwar bloss auf eine oder zwei medizinische Disziplinen fokussiert erscheine, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht vollends gesich ert sei. In begründeten Fällen kön- ne von einer polydisziplinären Begutachtung abgesehen we rden und eine mono- oder bidiszip- linäre durchgeführt werden, sofern die medizinische Si tuation offenkundig oder ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlage; weder dürften in terdisziplinäre Bezüge notwendig sein, noch dürfe ein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. ein gliederungsbezogener Klärungsbedarf bestehen. Im vorliegenden Fall habe die Beschwerdegegne rin für die administrative Erstabklä- rung nicht nur auf eine polydisziplinäre Begutachtung , sondern auf jegliche Begutachtung des Beschwerdeführers verzichtet. Sie habe einzig auf die Au sführungen des RAD abgestellt, wel- che insbesondere in Bezug auf allfällige zumutbare Verw eistätigkeiten sowie die Leistungsfä- higkeit des Beschwerdeführers kein Korrelat in den medizi nischen Akten aufweisen würden. Dies widerspreche der gemäss Bundesgericht zu beachtenden Praxis. 6.3 Dem Beschwerdeführer ist diesbezüglich entgegenzu halten, dass aus der Wendung “regelmässig“ folgt, dass nicht in jedem Fall ein polydiszi plinäres Gutachten einzuholen ist. Der vom Beschwerdeführer zitierte Entscheid schliesst namentli ch nicht aus, dass auch allein auf- grund von Berichten behandelnder Ärzte ein Leistungsgesuch beurteilt wird, solange die Berich- te den bundesgerichtlichen Anforderungen genügen. Wi e vorstehend dargelegt wurde (vgl. E. 6.1 hiervor), sind die medizinischen Berichte – i nsbesondere die Beurteilung von Dr. J.____ – nicht zu beanstanden, weshalb darauf abg estellt werden kann. 6.4 Nach dem Ausgeführten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als Koch zu 100 % arbeitsunfähig i st. Dagegen ist er seit dem 1. Juli 2015 in einer angepasste Verweistätigkeit (leicht sitzen de Tätigkeit, keine Rumpfzwangshaltun- gen oder Verdrehung der Lendenwirbelsäule, kein daue rndes oder repetitives Bücken, keine ständige Nässe, Kälte oder Zugluft und keine Stösse oder Vibrationen auf die Wirbelsäule) zu 100 % arbeitsfähig mit vermehrten Pausen. Durch die vermehrten Pausen könne der Versicher- te etwa alle 30 Minuten aufstehen, etwas umhergehen oder sich ein paar Minuten hinlegen. Diesbezüglich ist jedoch zu berücksichtigen, dass vermehr te Pausen gemäss dem Bericht von Dr. J.____ vom 1. September 2016 in der Regel ein Ren dement von 80 % begründen. Folglich verbleibt beim Beschwerdeführer auch in einer Verweist ätigkeit eine Einschränkung der Leis- tungsfähigkeit von 20 %, welche in der angefochtenen V erfügung fälschlicherweise nicht be- rücksichtigt worden ist. 7.1 Zu prüfen ist schliesslich, wie sich die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit auf die Erwerbs- fähigkeit auswirkt. Fraglich ist, ob die Restarbeitsfähig keit des Beschwerdeführers in einer Ver- weistätigkeit überhaupt zu verwerten ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustel- len, ob ein Invalider unter den konkreten Arbeitsmarktve rhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob er die ihm verbliebene Arbe itskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an A rbeitskräften entsprechen würden (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4; Urteil des EVG vom 16. Juni 2004, I 824/02, E. 2.2.1 zu Art. 28 Abs. 2 aIVG). Gem äss der oben (vgl. E. 3.5 hiervor) zitierten Bestimmung von Art. 16 ATSG ist bei der Bestimmung des Invaliditätsgrades deshalb von einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage auszugehen. Der Begriff umfasst einerseits ein gewisses Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen; andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten ber uflichen und intellektuellen Vorausset- zungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten be- stimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die M öglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfä- higkeit zu verwerten (BGE 110 V 276 E. 4b; Zeitschrift für die Ausgleichskassen [ZAK] 1991 S. 318 E. 3b). Das restliche erwerbliche Leistungsvermöge n hat sich somit in einem fiktiven Arbeitsmarkt zu bewähren, der definitionsgemäss unter an derem konjunkturell ausgeglichen ist (Urteil des EVG vom 17. Dezember 2002, I 601/01, E. 4 .3; RUDOLF RÜEDI , Im Spannungsfeld zwischen Schadenminderungspflicht und Zumutbarkeitsgrunds atz bei der Invaliditätsbemes- sung nach einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, in: Schaffh auser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 35). Bei der Prüfung der wirtschaft- lichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf al lerdings nicht von realitätsfremden Ein- satzmöglichkeiten ausgegangen und insbesondere dort nicht von einer Arbeitsgelegenheit ge- sprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realisti- schem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgeber s möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4.1 mit Hinweisen). 7.2 Wie die medizinische Beurteilung (vgl. E. 5.1 ff. h iervor) ergeben hat, ist der Be- schwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Koch zu 100 % arbeitsunfähig. In einer Ver- weistätigkeit (leicht sitzende Tätigkeit, keine Rumpfzwangshaltungen oder Verdrehung der Len- denwirbelsäule, kein dauerndes oder repetitives Bücken, keine ständige Nässe, Kälte oder Zug- luft und keine Stösse oder Vibrationen auf die Wirbelsäule) besteht aufgrund des erhöhten Pau- senbedarfs gemäss Dr. J.____ eine Leistungseinschränkung von 20 %. Eine neue Tätigkeit, wäre demnach in jedem Fall mit einer gewissen Einarbeitungszeit verbunden. Der Beschwerde- führer verfügt jedoch über keine beruflichen Ausbildung en oder Qualifikationen, die ihm ein schnelles Auffinden einer zumutbaren Verweistätigkeit ermöglichen würden. Aufgrund des deut- lich eingeschränkten Profils einer zumutbaren Verweistät igkeit und der reduzierten Restarbeits- fähigkeit von 80 % kann nicht davon ausgegangen werde n, dass ein (durchschnittlicher) Arbeit- geber auf diese Einschränkungen des Beschwerdeführers R ücksicht nehmen würde, zumal dem inzwischen 63-jährigen Beschwerdeführer bloss noch eine relativ kurze Aktivitätsdauer von 2 Jahren bis zum Erreichen des AHV-Alters verbleibt. Diesb ezüglich ist insbesondere auch die Tatsache zu beachten, dass behindertengerechte Arbeitspl ätze von gesundheitlich Beeinträch- tigten im jungen und mittleren Alter ebenfalls stark n achgefragt werden. Damit ist es dem Be- schwerdeführer weder möglich noch zumutbar, eine geeigne te Stelle zu finden, um seine Rest- arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit im er sten Arbeitsmarkt wirtschaftlich zu verwer- ten. 8. Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass sich die Be schwerdegegnerin in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf den Bericht des RAD vom 22. Feb- ruar 2016 stützte. In der angefochtenen Verfügung vom 15. Juni 2016 hätte sie jedoch berück- sichtigen müssen, dass der Beschwerdeführer seine Restarbe itsfähigkeit nicht mehr verwerten Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann. Daraus ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung vom 15. Juni 2016 aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer ab 1. August 2015 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Ve rfahrenskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 9.2 Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer d em Prozessausgang entspre- chend eine Parteientschädigung zu bezahlen. Für das vorliegende Beschwerdeverfahren macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in seiner Honor arnote einen Zeitaufwand von 8 Stunden und 18 Minuten geltend, was sich in Anbetrach t der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversiche- rungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zu r Anwendung gelangenden Stun- denansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Die Auslagen in der Höhe von Fr. 623.-- sind nicht zu beanstanden. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwer deführer somit eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘913.85 (inkl. Auslagen Fr. 623.-- und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 15. Juni 2016 aufgehoben und festgestell t wird, dass der Beschwerdeführer ab 1. August 2015 Anspruch auf ein e ganze Rente der Invalidenversicherung hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘913.85 (inklusive Auslag en und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht