Obergericht des Kantons Zürich Verwaltungskommission Geschäfts-Nr.: VW180001- O/U Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. M. Burger, Oberrichterin Dr. D. Scherrer und Oberrichterin lic. iur. F. Schorta sowie die Gerichts- schreiberin lic. iur. A. Leu Beschluss vom 27. Februar 2018 in Sachen A._____, Gesuchsteller betreffend Kostenerlass - 2 - Erwägungen: I. 1. A._____ (nachfolgend: Gesuchsteller) schuldet dem Kanton Zürich aus dem am Bezirksgericht Winterthur durchgeführten Verfahren Nr. GG170013-K e i- nen Betrag von Fr. 3'535.25 (act. 3). Mit Eingabe vom 13. Oktober 2017 stellte der Gesuchsteller bei der Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich ein Gesuch um Kostener lass, welches zuständigkeit s- halber an die Zentrale Inkassostelle der Gerichte (nachfolgend: Zentrale I n- kassostelle) weitergeleitet wurde (act. 4/3). Dieses wurde in der Folge durch den Fachspezialisten für Erlassgesuche (act. 4/5) und zu einem späteren Zeitpunkt durch den stellvertretenden Generalsekretär des Obergerichts des Kantons Zürich geprüft und mangels Erfüllung der Voraussetzungen eins t- weilen abgewiesen (act. 4/9). Die negative Einschätzung des stellvertrete n- den Generalsekretärs wurde dem Gesuchsteller mit Schreiben vom 4. Dezember 2017 mitgeteilt (act. 4/10). Gleichzeitig wurde er darüber in Kenntnis gesetzt, dass er die Überprüfung seines Gesuchs durch die Ver- waltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich beantragen kön- ne (act. 4/10). 2. In der Folge teilte der Gesuchsteller der Zentralen Inkassostelle mit, dass er an seinem Erlassgesuch festhalte (act. 2). Mit Schreiben vom 6. Februar 2018 überwies die Zentrale Inkassostelle das Erlassgesuch daher zustän- digkeitshalber an die Verwaltungskommission (act. 1). II. Gemäss § 18 Abs. 1 lit. q der Verordnung über die Organisation des Ober- gerichts (LS 212.51) entscheidet die Verwaltungskommission über nachträg- liche Gesuche um Erlass von Verfahrenskosten (vgl. auch § 5 der Veror d- nung des Obergerichts über das Rechnungswesen der Bezirksgerichte und - 3 - des Obergerichts sowie über das zentrale Inkasso vom 9. April 2003 [LS 211.14]). Sie ist daher zur Behandlung des vorliegenden Gesuchs zustän- dig. III. 1. Das Erlassgesuch begründet der Gesuchsteller zusammengefasst damit, er sei ausgesteuert und werde von der Arbeitslosenkasse finanziell nicht mehr unterstützt. Seine Ehefrau verdiene rund Fr. 1'500.- pro Monat. Nebst den hohen Krankenkassenprämien müsse er seine beiden sich in A usbildung be- findenden Kinder unterstützen. Mit Hilfe seines Pensionskassengeldes habe er versucht, sich im Autohandel selbständig zu machen. Dies sei jedoch nicht einfach. Aufgrund des Strafregistereintrags bezüglich Verfälschung des Arbeitszeugnisses sei eine Suche nach einer Anstellung schwierig. Seine f i- nanzielle Lage erlaube es ihm nicht , die ausstehende Forderung zu beglei- chen (act. 1, 4/3). 2. Als Akt der Justizverwaltung (Beschluss des Kassationsgerichts vom 9. Juni 2005, Verfahrensnummer AA050072, E. 4; Beschluss der Verwaltungskom- mission OGer ZH VU120032- O vom 24. Mai 2012, E. 8) darf der Kostener- lass nicht dazu benutzt werden, von gesetzeskonform zusammengesetzten Spruchkörpern erlassene Entscheide zu korrigieren bzw. die von diesen an- gewendeten gesetzlichen Erfordernisse zu umgehen. Zur Aufhebung oder Abänderung rechtskräftiger Entscheide haben die Gesuchstellenden viel- mehr auf die von den einschlägigen prozessualen Gesetzen vorgesehenen Rechtsmittel zurückzugreifen, zu denen ein Gesuch um Kostene rlass nicht zu zählen ist (vgl. auch Entscheide der Rekurskommission OGer ZH KD170005-O vom 2. November 2017, E. 3.2 und KD160001- O vom 18. März 2016, E. 3.3). Aus dem Umstand, dass die Organe des Inkassos nicht befugt sind, Gerichtsentscheide abzuändern, folgt, dass der Erlass rechtskräftig festgesetzter Gerichtskosten nur mit Zurückhaltung bewilligt werden kann. So kann ein Kostenerlass in aller Regel dann nicht genehmigt - 4 - werden, wenn es die gesuchstellende Partei im dem Kostenerlassgesuch vorausgehenden Gerichtsverfahren trotz bestehender Mittellosigkeit unte r- liess, um unentgeltliche Rechtspflege nachzusuchen oder wenn ein solches Gesuch wegen Aussichtslosigkeit abgewiesen wurde (Art. 117 ff. ZPO; Art. 136 f. und Art. 425 StPO; Entscheid der Rekurskommiss ion OGer ZH KD170003-O vom 17. Oktober 2017, E. 3.3). Denn sowohl im Zivil- als auch im Strafprozess ist es bereits der Sachinstanz möglich, im Rahmen der Kos- tenauflage der finanziellen Lage der kostenpflichtigen Person Rechnung zu tragen. In beiden Fällen kann sodann mit einem Rechtsmittel (oder beim Strafbefehl mittels Einsprache) gegen den Sachentscheid geltend gemacht werden, es sei dem nicht oder zu wenig Rechnung getragen worden. Eine spätere Korrektur durch die Organe des Inkassos ist grundsätzlich n icht möglich, zumal die in der Zivil - und Strafprozessordnung vorgesehenen Bestimmungen zur unentgeltlichen Rechtspflege bzw. zum Kostenerlass i h- res Sinnes entleert würden, könnte man sie ohne Weiteres mit einem nac h- träglichen Kostenerlassgesuch umgehen. D as schliesst indes nicht aus, dass einer Partei, welche mangels "Prozessarmut" keine unentgeltliche Pr o- zessführung verlangen konnte oder deshalb mit ihrem Gesuch abgewiesen wurde, wegen nachträglich eingetretener finanzieller Schwierigkeiten ein E r- lass der Kosten bewilligt wird. Eine Gutheissung des vorliegenden Kostenerlassgesuchs würde die geset z- lichen Bestimmungen zur Kostentragungspflicht umgehen und diese faktisch aufheben, zumal sie einen erst kürzlich gefällten Kostenentscheid - nämlich jenen im U rteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 10. April 2017, Verfah- rensnummer GG170013-K - ausser Kraft setzen würde. Hinweise, dass der Gesuchsteller erst nach Fällung des massgeblichen Urteils des Bezirksg e- richts Winterthur mittellos geworden wäre, bestehen keine. Vielmehr war er den eigenen Angaben zufolge bereits Ende 2016 ausgesteuert und erhielt keine Arbeitslosenunterstützung mehr (act. 4/3). Die Angaben zur Lohnhöhe seiner Ehefrau von Fr. 1'500.- bezogen sich sodann auf die Monate Januar bis März 2017 ( act. 4/4) und somit auf einen Zeitraum vor der Urteilsfällung. Auch ergeben sich aus den Akten keine Hinweise, dass sich die Verm ö-- 5 - genssituation des Gesuchstellers und seiner Ehegattin seit dem Urteil vom 10. April 2017 erheblich verschlechtert hätte (vgl. dazu act. 4/7-8). Das Be- zirksgericht Winterthur hielt denn in seiner im Rahmen eines Verfahrens be- treffend Kostenerlass erlassenen Verfügung vom 14. Juli 2017 (Verfahrens- nummer GA170008-K) auch fest, dass ihm die geschilderte Lebenssituation des Gesuchstellers am 10. April 2017, dem Zeitpunkt der Urteilsfällung, be- kannt gewesen sei und dass seither keine nachträgliche Verschlechterung der finanziellen Leistungsfähigkeit eingetreten sei (act. 4/2 S. 3). Könnte der Gesuchsteller bei diesen Gegebenheiten nur w enige Monate nach Ergehen des massgeblichen Urteils die Kostenauflage auf dem Weg des Erlasses korrigieren, so würden der Kostenentscheid und Art. 29 Abs. 3 BV sowie Art. 136 Abs. 1 StPO bzw. Art. 117 lit b ZPO bedeutungslos (vgl. dazu auch Bericht zum Vor entwurf der Expertenkommission zur ZPO vom Juni 2003, S. 54). Die Gutheissung eines Kostenerlassgesuchs wäre mit dem öffentl i- chen Interesse an einer gleichmässigen und konsequenten Durchsetzung staatlicher Ansprüche, welche aus einem neueren Entscheid resultieren, damit nicht zu vereinbaren (vgl. auch Entscheide der Rekurskommission OGer ZH KD170005- O vom 2. November 2017, E. 3.2 und KD160001 -O vom 18. März 2016, E. 3.3; Entscheid VerwGer ZH KE.2011.0001 vom 23. August 2011; Entscheid OGer BE ZK 11 72 EIC v om 13. September 2011, mit Hinweis auf OGer SH 60/1999/44 vom 29. Dezember 2000). Ein Kostenerlass kommt daher im jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage, und das G e- such ist abzuweisen. IV. 1.1. Die Kosten des Verfahrens gehen ausgangsgemäss zu Lasten des Gesuc h- stellers. Aufgrund der angespannten finanziellen Verhältnisse des Gesuc h- stellers sind sie auf Fr. 200.- anzusetzen. 1.2. Prozessentschädigungen sind keine zu entrichten. - 6 - 2. Hinzuweisen ist sodann auf das Rechtsmittel des Rekurses an die Rekur s- kommission. Es wird beschlossen: 1. Das Gesuch um Kostenerlass wird abgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 200.– festgesetzt. 3. Die Kosten des Verfahrens werden dem Gesuchsteller auferlegt. 4. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen. 5. Schriftliche Mitteilung, je gegen Empfangsschein, an: - den Gesuchsteller sowie - an die Zentrale Inkassostelle der Gerichte. 6. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an ge- rechnet, bei der Rekurskommission des Obergerichts, Hirschengraben 13/15, Postfach, 8021 Zürich, schriftlich Rekurs eingereicht werden. Die Rekursschrift muss einen Antrag und dessen Begründung enthalten. Der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Die angerufenen Beweismittel sind genau zu bezeichnen und soweit möglich beizulegen. Materielle und formel- le Entscheide der Rekursinstanz sind kostenpflichtig; die Kosten hat die im Verfahren unterliegende Partei zu tragen. - 7 - Zürich, 27. Februar 2018 Obergericht des Kantons Zürich Verwaltungskommission Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. A. Leu versandt am: