B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5901/2010 U r t e i l v o m 2 5 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiberin Tu-Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Juli 2010 / N (…). E-5901/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein eritreischer Staatsangehöriger aus B._______ – verliess eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat ers t- mals im Jahre [Zahl] und liess sich in C._______ (Sudan) nieder. Nach einer Haft in Eritrea im Jahr [Zahl] sei ihm die Flucht aus der Gefange n- schaft gelungen. Gleichentags habe er seinen Heimatstaat erneut Ric h- tung C._______ und sodann am 1. November 2006 den Sudan Richtung Tripolis (Libyen) verlassen. Fast z wei Jahre später – am 27. Oktober 2008 – sei er von Libyen mit dem Boot Richtung Italien weitergereist. Am 7. November 2008 sei er illegal in die Schweiz eingereist, wo er gleichen- tags ein Asylgesuch stellte (vgl. A1/10 S. 6 f.). Er wurde am 14. November 2008 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) summa- risch befragt und am 5. Februar 2010 vom BFM eingehend zu seinen Asylgründen angehört. B. Zu den Beweggründen seiner Ausreise machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes geltend: Er habe sich im Jahre [Zahl] der Wider- standsorganisation Jebha bzw. ELF ("Eritrean Liberation Front") ang e- schlossen. Er habe für die [Organisationseinheit] gearbeitet und [weitere Tätigkeiten]. Im Jahre [Zahl] habe er sich in C._______ (Sudan) niederge- lassen, wo er in der Landwirtschaft gearbeitet habe. Nach der Unabhä n- gigkeitserklärung von Eritrea sei er nicht mehr aktiv für die ELF tätig g e- wesen und habe lediglich in den Jahren [Zahl] und [Zahl] jeweils eine Versammlung besucht. Seine letzte Lebenspartnerin, welche ih m in den Jahren [Zahl] und [Zahl] je eine Tochter geboren habe, sei im Jahre [Zahl] von D._______ aus nach Eritrea zurückgekehrt, da ihre Mutter dort ver- storben sei. Als er i m Mai [Zahl] bzw. [Zahl] seine Kinder in Eritrea habe besuchen wollen, sei er mit der Anschuldigung, ein ELF-Kämpfer zu sein, verhaftet, verhört und misshandelt worden. Zuletzt sei er in E._______ (Eritrea) in Haft gewesen, von wo aus er am [Datum] habe flüchten kön- nen; anschliessend sei er nach C._______ zurückgekehrt. Weil er vom Gefängnis in Eritrea entflohen sei und im Oktober 2006 der Sudan mit Eritrea ein Friedensabkommen abgeschlossen habe, habe er aus Furcht vor einer Festnahme den Sudan Richtung Libyen verlassen (vgl. A1/10 S. 5 f.; A11/25 S. 15 ff.). E-5901/2010 Seite 3 Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Identitätskarten (in Kopie) von Familienangehörigen und eine gescannte Kopie seines Jebha- Ausweises ("Eritrean Liprtion Front") zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 19. Juli 2010 – eröffnet am 20. Juli 2010 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete dessen Wegweisung an. Gleic h- zeitig verfügte es, dass die Wegweisung zur Zeit wegen Unzumutbarkeit nicht vollzogen werden könne, weshalb de r Wegweisungsvollzug zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf geschoben werde. Auf die B e- gründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eing e- gangen. D. Dagegen liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 19. August 2 010 (Poststempel) Beschwerde erheben und beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm sei Asyl zu g e- währen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um den Verzicht auf die Erh e- bung des Kostenvorschusses. Auf die Begründung sowie die eingereic h- ten Beweismittel wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. E. Mit Verfügung vom 3. September 2010 hi ess das Bundesverwaltungsge- richt das Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. F. Mit Eingabe vom 27. April 2011 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter einen Arztbericht vom 18. April 2011 einreichen, wonach er an psychischen Problemen, extremer Anspannung und Schlafstöru n- gen leide. Zudem würden der seit rund zweieinhalb Jahren andauernde ungewisse Aufenthaltsstatus in der Schweiz, die Trennung von seinen Töchtern und die Traumatisierung durch Verfolgun g und Flucht ihn sehr belasten. E-5901/2010 Seite 4 G. Auf Einladung des Bundesverwaltungsgerichts liess sich das BFM am 22. Oktober 2012 dahingehend vernehmen, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblic hen Tatsachen oder Beweismitte l enthalte, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Die auf B e- schwerdeebene eingereichten Beweismittel würden indes zu Bemerku n- gen Anlass geben, auf welche, soweit sie sich als entscheidwesentlich erweisen, in den Erwägungen eingegangen wird. H. Mit Replik vom 21. November 2012 nahm der Beschwerdeführer dazu Stellung. Auf diese Ausführungen und zusätzlich eingereichte Beweismi t- tel wird, soweit sie sich als entscheidwesentlich erweisen, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist E-5901/2010 Seite 5 durch die angefochtene Verfügung besonders berüh rt und hat – unter Vorbehalt der Ausführungen in nachfolgender Erwägung 3 – ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung 19. Juli 2010 in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläuf ig aufgeno m- men (vgl. Dispositivziffern 4 -7). In der Beschwerde vom 19. August 2011 wird unter anderem die vollumfängliche Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt (vgl. Beschwerde S. 2 und S. 10). Zudem wird in der Beschwerdebegründung die vorläu fige Aufnahme wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs begehrt (vgl. Beschwerde S. 10 f.). Diesbezüg- lich gilt zu berücksichtigen, dass die Wegweisungsvollzugshindernisse gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) alternativer Natur sind und gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme der (ab - und weggewiesenen) Asyl suchenden Person wiederum die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht o f- fen steht (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 44 Abs. 2 AsylG), wobei in jenem Verfahren sämtliche Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse von Neuem zu pr ü- fen sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilun- gen der [ehemaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f., EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.). Das Rechts- schutzinteresse des Beschwerdebegehrens hinsichtlich der Prüfung ind i- vidueller Vollzugshindernisse ist folglich im vorliegenden Fall als dahinge- fallen zu betrachten . Die Verfügung vom 19. August 2011 ist, soweit sie sich auf den Wegweisungsvollzugspunkt bezieht (Dispositivziffern 4 -7), somit in Rechtskraft erwachsen. Auf entsprechende Ausführungen zur Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in der Beschwerdeschrift wird deshalb nicht eingegangen. E-5901/2010 Seite 6 Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit lediglich die Überprüfung der Asylgewährung und der Wegweisung (Dispositivziffern 1-3). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Mass nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers im We- sentlichen mit der Begründung ab, er habe im Laufe des Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht, weshalb seine Vorbringen den Anfo rderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden. So habe er in der Befragung ausgesagt, dass er am [Datum] verhaftet worden sei ( vgl. A1/10 S. 2). In der Anh ö- rung hingegen habe er angegeben, die Verhaftung habe am [Datum] stattgefunden (A11/25 S. 4 [F 21] und S. 19 [F 153]). Anlässlich der B e- fragung habe er geltend gemacht, weil die Zelle provisorisch aus Holz gewesen sei, habe er das Dach beschädigen und deshalb fliehen können (vgl. A1/10 S. 6). In der Anhörung habe er dag egen ausgesagt, dass er wie durch ein Wunder das Fenster des Lagergebäudes ohne weiteres habe öffnen können, und danach aus dem Fenster gesprungen sei (A11/25 S. 16 [F 139]). Anlässlich der Anhörung sei dem Beschwerdefü h- rer das rechtliche Gehör zu diesen b eiden Widersprüchen gewährt wo r- den. Er sei nicht in der Lage gewesen , diese aufzulösen ( vgl. A11/25 S. 23 [F 201 f.]). Ferner habe der Beschwerdeführer in der Befragung zu E-5901/2010 Seite 7 Protokoll gegeben, dass ihm die Fesselung in E._______ abgenommen worden sei ( vgl. A1/10 S. 6). In der Anhörung habe er dies gänzlich a n- ders geschildert: Eine Hand des Beschwerdeführers und eine Hand des Mitgefangenen seien mittels einer Handschelle zusammen gefesselt g e- wesen. Der Mithäftling habe sich ohne weiteres von der Handschelle b e- freien können; der Beschwerdeführer hingegen habe die Handschelle bis in den Sudan am Körper getragen, weil diese immer noch an seinem U n- terarm gebunden gewesen sei (vgl. A11/25 S. 16 f. [F 139]). In der Befr a- gung habe er behauptet, er sei ein Haili -Führer der ELF gewesen (A1/ 10 S. 6). In der Anhörung habe er hingegen ausgesagt, er habe keinen Grad gehabt, sondern man habe ihn einmal zum Haili -Führer befördern wollen, er habe dies jedoch nicht gewollt, da er keine Schulbildung besässe (vgl. A11/25 S. 12 [F 107]). Auf die Aufzählung weiterer gravierende r Wider- sprüche und Ungereimtheiten werde verzichtet. D er Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft darlegen können, dass er aufgrund exilpolitischer Tätigkeit nach Eritrea verschleppt worden sei. Folglich müssten d ie Vor- bringen nicht auf ihre Asylrelevanz überprüft werden. 5.2 Dem hielt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde im Wesentl i- chen entgegen, er habe seine Asylvorbringen äusserst detailliert und l e- bensnah geschil dert; insbesondere seine freien Schilderungen und die Detaildichte – beispielsweise die Beschreibung von scheinbaren Nebe n- sächlichkeiten wie das Wetter sowie seiner Empfindungen oder der Hi n- weis auf seine Begegnung mit Hirten – würden unverkennbar den Ein- druck hinterlassen, er gebe tatsächlich Erlebte s wieder. Auch seien seine Angaben zum politischen Hintergrund der geltend gemachten Verfolgung, insbesondere seine Kritik am Status sei ner Heimatstadt B._______, i n- formiert und nachvollziehbar. Folglich seien – abgesehen von den angeb- lichen Widersprüchen, welche auf ein Versehen oder eine Ungenauigkeit in der Übersetzung zurückzuführen seien – keine gravierende n Wider- sprüche und Ungereimtheiten aufgetreten, welche seine Glaubwürdigkeit insgesamt in Zweifel ziehen könnten. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er das Original seines ELF- Ausweises sowie eine Bestätigung der ELF-Vertretung in D._______ vom 3. August 2010 zu den Akten. Diese Beweismittel würden nicht nur zur Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen beitragen, sondern auch seine heutige Verbindung zur ELF aufzeigen. Da d ie Vorinstanz zu Unrecht die As ylrel- vanz seiner Vorbringen nicht prüfte, sei der Umstand, dass er ein langjäh- riges ELF-Mitglied gewesen sei, von der Vorinstanz nicht hinreichend b e- rücksichtigt worden. Da er sich im Sudan exilpolit isch betätigt habe und E-5901/2010 Seite 8 die eritreischen Behörden keine Regimekritik tolerieren würden, werde er bei einer Rückkehr nach Eritrea ohne Zweifel inhaftiert und bestraft. Di e- se Vorbringen würden insgesamt eine begründete Furcht begründen, dass er bei einer Rück kehr nach Eritrea ernsthafte, asylrechtlich releva n- te Nachteile zu erleiden habe. 5.3 Zu diesen eingereichten Beweismitteln bemerkte das BFM in seiner Vernehmlassung vom 22. Oktober 2012, dass gemäss seiner Einschät- zung weder dem ELF-Ausweis noch dem ELF-Bestätigungsschreiben ein Beweiswert beigemessen werden könne. Beim ELF -Ausweis seien deu t- liche Fälschungsmerkmale auszumachen, die an der Echtheit des Dok u- ments zweifeln lassen würden. Namentlich sei der Stempel auf dem Passfoto nicht zu sehen, was ein Hinweis auf ein nachträgliches Einfügen dieses Fotos sein könne. Auch das eingereichte Schreiben der ELF weise keine eindeutigen Echtheitsmerkmale auf und sei nicht fälschungssicher. Es sei allgemein bekannt, dass solche Dokumente einfach gefälscht we r- den könnten, weshalb ihr Beweiswert als äusserst gering eingestuft we r- den müsse. Aus diesem Grund und angesichts der im Entscheid darg e- legten Unglaubhaftigkeit der Vorbringen vermöchten diese Beweismittel die vorinstanzlichen Erwägungen nicht umzustossen. 5.4 In der Replik vom 21. November 2012 brachte der Beschwerdeführer vor, er habe sich aufgrund der Fälschungsvorwürfe des BFM mit dem Bü- ro der ELF im Sudan in Verbindung gesetzt, welches mit Schreiben vom 13. November 2012 (eingereicht wurde eine Faxkopie dieses Schreib ens und eine deutsche Übersetzung davon) bestätige, dass der vorgelegte ELF-Ausweis am 25. September 2006 in D._______ ausgestellt worden sei. Damit sei es ihm gelungen, die Fälschungsvorwürfe des BFM zu w i- derlegen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass er ELF-Mitglied gewe- sen und noch immer sei. Zudem reichte er eine Reihe von Fotos, welche ihn bei einer Demonstration der Eritreischen Opposition am [Datum] vor dem (Gebäude) in (Stadt) zeige. Die Teilnehmer würden gegen das R e- gime in Eritrea demonstrieren. Er sei als Demonstrationsteilnehmer gut erkennbar. Es sei davon auszugehen, dass der eritreische Geheimdienst die Aktion vor dem (Gebäude) scharf beobachtet habe und er den Behör- den bekannt sei. 6. 6.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Be weismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen E-5901/2010 Seite 9 des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richti g- keit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdars tellung sprechen, überwi e- gen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. EMARK 2004 Nr. 1 E. 5a). Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen E r- lebnisse betreffende, substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheit s- gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist geken n- zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftm a- chung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elem ente (Übereinstim- mung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsda r- stellung, wenn die positive n Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftm a- chung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarste l- lung sprechen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3). 6.2 Nach einer Gesamtwürdigung der Aktenlage bestätigt d as Bunde s- verwaltungsgericht im Ergebnis die vorinstanzliche Verfügung, da es dem Beschwerdeführer nicht gelingt glaubhaft darzulegen, dass er im Jahre [Zahl] nach Eritrea verschleppt und dort in Haft genommen wurde. So hat die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 19. Juli 2010 zurecht eine Reihe von Widersprüchen in den Aussagen des Beschwerdeführers festgestellt, die nicht als unwesentlich bezeichnet werden könn en (vgl. in E. 5.1 oben). Diese wiegen deshalb schwer, weil sie sich auf Einzelheiten des fluchtauslösenden Ereignisses (Haft in Eritrea und Flucht aus dieser) be- ziehen. Weder anlässlich des ihm dazu gewährten rechtlichen Gehörs noch auf Beschwerdeeben e vermochte der Beschwerdeführer diese W i- dersprüche aufzulösen. Mit dem Widerspruch konfrontiert, dass er – ent- gegen seiner Aussage anlässlich der Anhörung, wonach ihm in Eritrea die Flucht aus dem Fenster gelungen sei – im EVZ ausgesagt habe, er habe das Dach der Lagerhalle beschädigt und sei danach über das Dach in s Freie geflüchtet, gab er lediglich zu Protokoll "ich habe dies im EVZ sicher nicht so gesagt" (vgl. A11/25 S. 23). Den unterschiedlich angegebenen Jahreszahlen ( [Zahl] [EVZ] bzw. ([Zahl] [Anhörung]) hinsichtlich s einer Verschleppung nach Eritrea hielt er entgegen, dass "er sich früher geirrt E-5901/2010 Seite 10 haben müsse, da es wirklich am [Datum] geschehen sei" (vgl. A11/25 S. 23). Dem auf Beschwerdeebene vorgebrachten Argument, die Aussagen des Beschwerdeführers würden eine grosse Detaildichte aufweisen, kann durchaus gefolgt werden. Seine Aussagen vermögen aber gesamthaft be- trachtet nicht mit überwiegen der Wahrscheinlichkeit für die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung zu sprechen, zumal weder Klarheit herrscht über den Zeitpunkt der Inhaftnahme noch über die Umstände der Flucht. So nimmt der Beschwerdeführer in der Beschwerde lediglich auf einzelne Widersprüche Bezug (Zeitpunkt der Festnahme und der Fesselabnahme) und macht dabei in pauschaler Weise geltend, diese seien angesichts der sprachlichen Unterschiede zwischen Tigrinya und Deutsch keinesfalls un- vereinbar. Seine diesbezüglichen Ausführungen überz eugen in keiner Weise. Die festgestellten Widersprüchen können nicht lediglich auf ein Versehen bzw. eine Ungenauigkeit in der Übersetzung zurückgeführt werden, zumal das Protokoll vom 14. November 2008 dem Beschwerd e- führer in einer ihm gut verständlichen Sprache rückübersetzt worden war, was er unterschriftlich bestätigte. Ferner gilt zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung zum fluchtauslösenden E r- eignis noch weitere Abweichungen zu seinen anlässlich der Befragung gemachten Schilderungen zu Protokoll gab. So führte er in der Befragung im EVZ aus, dass er seine Tochter in Eritrea im Mai ([Zahl] habe besu- chen wollen, weshalb er deshalb nach F._______ zurückgegangen und dort an der Grenze verhaftet worden sei ( vgl. A1/10 S. 2). In der Anhö- rung brachte er dagegen vor, er sei in C._______ nachts auf einem Feld von drei Personen überraschend kontrolliert und danach von diesen nach F._______ gebracht worden (vgl. A11/21 S. 15). Zwar kommt den Aussa- gen im Empfangs- und Verfahrenszentrum angesichts des summarischen Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der vo r- gebrachten Asylgründe nur ein beschränkter Beweiswert zu. Widerspr ü- che dürfen indessen für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit herangez o- gen werden, wenn dort gemachte klare Aussagen in wesentlichen Pun k- ten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Befragung beim Kanton oder beim BFM diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtung en, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. EMARK 1993 Nr. 3). Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall offensichtlich gegeben, handelt es sich doch bei den festgestellten Ungereimtheiten um eindeutige Widersprüche in wesentlic hen Punkten der Asylbegründung. E-5901/2010 Seite 11 6.3 Im Weiteren bringt der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene vor, er habe begründete Furcht , aufgrund seiner ELF-Mitgliedschaft bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea ernsthaften, aslyrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden. Die Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen ist dann im Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevant, wenn glaubhaft ge macht wird, dass begründeter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung wer- de sich mit beachtlicher Wahrsch einlichkeit und in absehba rer Zukunft verwirklichen. Ob in casu eine solche Wahrscheinlichkeit besteht, ist au f- grund einer objektivierten und subjektiven Betrachtungsweise zu beur - teilen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Diese ist zusätzlich durch das vom B e- troffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleic h- baren Fällen zu ergänzen (vgl. BVGE 2010/9 E. 5.2). Dazu ist festzustellen, dass die Authentizität der diesbezüglich eing e- reichten Beweismittel zurecht von der Vorinstanz in Zweifel gezogen wur- de und deren Beweiswert aus folgenden Gründen äusserst gering ist: Ei- nerseits sind die Schreiben vom 3. August 2010 bzw. 13. November 2012 offensichtlich vom Beschwerdeführer nach Erhalt der abschlägigen Verfü- gung vom 19. Juli 2010 "in Auftrag gege ben" wo rden, weshalb sie das ELF-Büro in D._______ aus Gefälligkeit au sgestellt haben dürfte. Ande- rerseits entspricht der im Schreiben vom 3. August 2010 angegebene Name des Beschwerdeführers ( [G._______]) nicht jenem des vorliege n- den Verfahrens. Das zweite a uf Replikebene eingereichte Bestätigung s- schreiben ist sodann nicht geeignet, den von der Vorinstanz als Fä l- schungsmerkmal gewerteten fehlenden Stempel auf dem Foto des ELF- Ausweises zu erklären. Im Übrigen ist die Schreibweise der Partei nä m- lich "Eritrean Liprtion Front" derart falsch, dass die Fälschung offensich t- lich ist. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anh ö- rung zu Protokoll gegeben hat, dass er im Sudan nach der Unabhängi g- keit von Eritrea (1993) nicht mehr aktiv für die ELF tätig ge wesen sei und lediglich in den Jahren [Zahl] und [Zahl] eine Versammlung besucht habe (vgl. A11/25 S. 12 [F 103]); S. 14 [F132, 133]; S. 192 [F192])). Aus diesem Grund bestehen keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerd e- führer bei einer allfällige n Rückkehr wegen einer vor Jahren aktiven Mi t- gliedschaft bei der ELF heute mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu kunft einer Verfol gung im Sinne von Art. 3 AsylG ausg e- setzt wäre. 6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdefüh rer angesichts der obigen Ausführungen zur Unglaubhaftigkeit seiner Vo r- bringen zum fluchtauslösenden Ereignis und zur fehlenden begründeten E-5901/2010 Seite 12 Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen nicht gelungen ist, eine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 i.V.m. Art. 7 AsylG nachzu- weisen oder glaubhaft zu machen. 7. 7.1 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch seine angebl i- chen exilpolitischen Aktivitäten i m Sudan oder in der Schweiz bei einer Rückkehr nach Eritrea – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe – be- fürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG au s- gesetzt zu werden. Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vo r- läufig aufgenommen (vgl. EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10, mit weiteren Hinweisen). 7.2 Angesichts mangelnder exilpolitischer Tätigkeiten im Sudan seit dem Jahre 1993 kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausg e- gangen werden, dass de r Beschwerdeführer zum jetzigen Zeitpunkt bei einer Rückkehr nach Eritrea deshalb keine asylrelevanten Nachteile be- fürchten müsste. Die geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz betreffend bestehen keine Hinweise darauf , dass die eritre i- schen Behörden den Beschwerdeführer anlässlich der Demo nstration vor dem UNO-Hauptgebäude registriert hätten. Ferner zeigen die eingereich- ten Fotos auch kein weitergehendes Engagement des Beschwerdefü h- rers in der Schweiz auf. So ist den Bildern weder zu entnehmen, dass er sich anlässlich dieser Veranstaltung besonders und über das Mass der anderen Kundgebungsteilnehmer hinaus exponiert oder eine Führung s- position bekleidet hätte – einzig der Zweck der Kundgebung, nämlich die Kritik am Regime in Eritrea, ist aus den Fotos ersichtlich – noch dass er weitere exilpolitische Tätigkeiten ausübt. Es ist somit nicht von einer qu a- lifizierten politischen Betätigung des Beschwerdeführers auszugehen, welche dazu führen würde, dass die eritreischen Behörden von ihm eine Bedrohung des Regimes erwarten. 7.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass auch die geltend gemac h- ten subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtling s- rechtlich relevante Verfolgungsfurcht zu begründen, weshalb die Vori n- stanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgewiesen hat. 8. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den E-5901/2010 Seite 13 Vollzug an: es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht a n- geordnet 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die a ngefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da dem Gesuch des Beschwerdeführers um entgeltliche Prozessführung mit Verfügung vom 3. September 2010 indes entspro- chen worden ist , und aufgrund der Aktenlage davon ausgegangen we r- den kann, dass er nach wie vor bedürftig ist, sind ihm die Verfahrenskos- ten zu erlassen. (Dispositiv nächste Seite) E-5901/2010 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu-Binh Truong Versand: