<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 22 S.91</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">91</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>22</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 41 Abs. 1, 60 Abs. 1 ATSG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zwecks Wiederherstellung der Rechtsmittelfrist ist binnen 10 Tagen nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Wegfall des Hindernisses um Fristwiederherstellung zu ersuchen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Eine Beinverletzung des Rechtsvertreters stellt keinen Wiederherstel-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lungsgrund dar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 4. Kammer, vom 20. Sep-</span><br/> <span class="ft3">tember 2005 in Sachen A.Z. gegen Arbeitslosenkasse.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Die 30-tägige Beschwerdefrist (Art. 60 Abs. 1 ATSG) ist -</span><br/> <span class="ft1">der Einspracheentscheid war dem Versicherten bzw. seinem Rechts-</span><br/> <span class="ft1">vertreter am 10. November 2004 zugestellt worden - am 10. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2004 abgelaufen. Die Beschwerde vom 20. Dezember 2004 ist</span><br/> <span class="ft1">daher grundsätzlich verspätet, sofern nicht die Voraussetzungen der</span><br/> <span class="ft1">Fristwiederherstellung gegeben sind (vgl. Art. 41 ATSG).</span><br/> <span class="ft1">2.1. Gemäss Art. 41 Abs. 1 ATSG wird einer gesuchstellenden</span><br/> <span class="ft1">Person oder ihrer Vertretung, die unverschuldeterweise abgehalten</span><br/> <span class="ft1">worden ist, binnen Frist zu handeln, diese wiederhergestellt, sofern</span><br/> <span class="ft1">sie unter Angabe des Grundes binnen 10 Tagen nach Wegfall des</span><br/> <span class="ft1">Hindernisses darum ersucht, wobei gemäss Art. 41 Abs. 2 ATSG die</span><br/> <span class="ft1">versäumte Handlung erst nachzuholen ist, wenn die Fristwiederher-</span><br/> <span class="ft1">stellung bewilligt ist. Die ursprünglich angesetzte Frist für die</span><br/> <span class="ft1">entsprechende Vornahme beginnt dabei ab Zustellung des positiven</span><br/> <span class="ft1">Entscheides über die Fristwiederherstellung ,,neu zu laufen" (Ueli</span><br/> <span class="ft1">Kieser, Kommentar zum ATSG, Zürich 2003, N 7 zu Art. 41 ATSG).</span><br/> <span class="ft1">2.2. Die Fristversäumnis gilt dabei als verschuldet, wenn sie un-</span><br/> <span class="ft1">ter den gegebenen Umständen bei der vom Säumigen zu erwartenden</span><br/> <span class="ft1">Sorgfalt hätte abgewendet werden können, wobei von einem Anwalt</span><br/> <span class="ft1">grössere Sorgfalt erwartet werden darf als von einem juristischen</span><br/> <span class="ft1">Laien (vgl. Bühler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargauischen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">92</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Zivilprozessordnung, Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg 1998,</span><br/> <span class="ft1">2. Aufl., N 7 zu § 98 ZPO). Bei schweren Krankheiten (was auch bei</span><br/> <span class="ft1">gravierenden Unfällen gelten muss) wird eine Fristwiederherstellung</span><br/> <span class="ft1">nur zugelassen, sofern die Krankheit (bzw. der Unfall) derart ist, dass</span><br/> <span class="ft1">der Säumige krankheits- (bzw. unfall-)bedingt davon abgehalten</span><br/> <span class="ft1">wurde, selber innert Frist zu handeln oder eine Drittperson mit der</span><br/> <span class="ft1">Vornahme der Prozesshandlung zu betrauen (BGE 119 II 87 Erw. 2a,</span><br/> <span class="ft1">112 V 255 f. Erw. 2a).</span><br/> <span class="ft1">2.3. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers brachte im</span><br/> <span class="ft1">Schreiben vom 24. Januar 2005, in welchem er sich zum Vorwurf der</span><br/> <span class="ft1">Fristversäumnis äusserte, vor, er habe am 3. Dezember 2004 beim</span><br/> <span class="ft1">Sturz vom Pferd einen Bänderriss erlitten, der ihn für eine Woche</span><br/> <span class="ft1">(bis am 12. Dezember 2004) zur ,,Inaktivität" bzw. ,,Bettlägerigkeit"</span><br/> <span class="ft1">verurteilt und gezwungen habe, vom 13. Dezember 2004 bis Weih-</span><br/> <span class="ft1">nachten mit dem linken Fuss auf dem Schreibtisch zu arbeiten und</span><br/> <span class="ft1">sich an Krücken fortzubewegen. Nichtsdestotrotz habe er mit seiner</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde vom 20. Dezember 2004, welche er ,,rechtsprechungs-</span><br/> <span class="ft1">gemäss" innerhalb der 30-tägigen Frist nach Wegfall des Hinde-</span><br/> <span class="ft1">rungsgrundes eingereicht habe, die Beschwerdefrist gewahrt.</span><br/> <span class="ft1">2.4. (...) Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat weder</span><br/> <span class="ft1">in der Beschwerde vom 20. Dezember 2004 noch im Schreiben vom</span><br/> <span class="ft1">24. Januar 2005 - in welchem er lediglich die Feststellung der Frist-</span><br/> <span class="ft1">wahrung beantragte - um Fristwiederherstellung i.S.v. Art. 41 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">ATSG ersucht. Auf ein allfälliges Fristwiederherstellungsbegehren</span><br/> <span class="ft1">vom 24. Januar 2005 könnte infolge Nichtwahrung der 10-tägigen</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsfrist seit Wegfall des Hinderungsgrundes (gemäss Angaben</span><br/> <span class="ft1">des Rechtsvertreters am 12. Dezember 2004) ohnehin nicht eingetre-</span><br/> <span class="ft1">ten werden. Im Übrigen wäre selbst ein rechtzeitiges Fristwiederher-</span><br/> <span class="ft1">stellungsbegehren wegen Verschuldens an der Fristversäumnis abzu-</span><br/> <span class="ft1">weisen, hätte doch der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bei</span><br/> <span class="ft1">Anwendung der von ihm als Rechtsanwalt zu erwartenden Sorgfalt</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdefrist wahren können: Gemäss eigenen Angaben zog</span><br/> <span class="ft1">er sich beim Sturz vom Pferd (lediglich) einen Bänderriss am linken</span><br/> <span class="ft1">Bein zu. Weitere Verletzungen, die seine manuellen oder geistigen</span><br/> <span class="ft1">Fähigkeiten im fraglichen Zeitraum beeinträchtigt hätten, wurden</span><br/> <span class="ft1">weder geltend gemacht noch ergeben sich solche aus dem ,,Arbeits-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">93</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">unfähigkeitszeugnis". Selbst wenn ihm das Verfassen bzw. das Diktat</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeschrift - notfalls von zu hause aus - effektiv nicht</span><br/> <span class="ft1">möglich gewesen wäre, wäre ihm noch ausreichend Zeit verblieben</span><br/> <span class="ft1">(zwischen Unfallereignis [3. Dezember 2004] und Ende der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdefrist [10. Dezember 2004] lagen immerhin sieben Tage), ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf das in der Anwaltsvollmacht vereinbarte Substitutionsrecht</span><br/> <span class="ft1">einen seiner in der Advokatur tätigen Kanzleipartner mit dem - we-</span><br/> <span class="ft1">der komplizierten noch zeitaufwändigen - Mandat zu betrauen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>