200 22 46 IV LOU/ZID/WSI Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 3. August 2022 Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichterin Wiedmer Gerichtsschreiber Zimmermann A.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 10. Dezember 2021 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1979 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer), gelernter ... und zuletzt als ... tätig, meldete sich im Februar 2019 unter Hinweis auf einen am 21. August 2018 erlittenen Arbeitsunfall mit dem ... und seither bestehender voller Arbeitsunfähigkeit bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV, Antwort- beilage [AB] 1; vgl. auch AB 45/2). Im Rahmen erwerblicher und medizini- scher Abklärungen holte die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) insbesondere die Akten der B.________ ein (AB 13, 32, 35, 37, 42, 52, 58, 60, 65, 81, 107) und liess den Versicherten wegen dabei festgestellter In- konsistenzen auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; AB 56 f., 62) durch die MEDAS C.________ (MEDAS) polydisziplinär (in- ternistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch) begutachten (Exper- tise vom 21. April 2021 [AB 85.2 ff.] mitsamt Zusatzdiagnostik [Tests, EKG, Labor, MRI; AB 85.7]). Mit Vorbescheid vom 22. Juni 2021 stellte sie bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 7 % die Abweisung des Leistungsbe- gehrens in Aussicht (AB 92). Auf Einwand des Versicherten hin (unter Mit- hilfe der D.________; AB 95, 99 ff.) und nach Stellungnahme der MEDAS vom 6. Dezember 2021 (AB 109) verfügte sie am 10. Dezember 2021 wie im Vorbescheid in Aussicht gestellt (AB 110). B. Hiergegen erhob der Versicherte mit vom 14. Januar 2022 datierter und am 18. Januar 2022 der Schweizerischen Post übergebener Eingabe Be- schwerde und beantragte (sinngemäss), unter Aufhebung der angefochte- nen Verfügung seien ihm nach interdisziplinärer Abklärung seiner chroni- schen Schmerzen die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Mit Beschwerdeantwort vom 22. Februar 2022 schloss die Beschwerde- gegnerin auf Abweisung der Beschwerde.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 3 Am 16. März 2022 reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht nach. Hierzu nahm die Beschwerdegegnerin am 4. April 2022 Stellung. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver- waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok- tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 10. Dezember 2021 (AB 110). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerde- führers und in diesem Zusammenhang unter anderem die Vollständigkeit der Sachverhaltsabklärung. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 4 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG (Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) in Kraft getreten (AS 2021 705). Weil in zeitlicher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ord- nenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213) und die ange- fochtene Verfügung vor dem Inkrafttreten der Gesetzesänderungen vom 19. Juni 2020 datiert, ist der Rentenanspruch nach den bis 31. Dezember 2021 geltenden Normen (fortan aArt.) zu prüfen. 2.2Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 S. 221). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesundheitsschaden Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 5 auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsan- wender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prü- fung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine – länger dauernde (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) – Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweis- wertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise ver- neint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztli- cher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemes- sen werden kann (BGE 145 V 215 E. 7 S. 228). 2.4Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Ren- te, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 6 2.5Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird bei einer erwerbs- tätigen versicherten Person das Erwerbseinkommen, das sie nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 2.6Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV Nr. 54 S. 181 E. 2.3). 3. 3.1Bezüglich des Gesundheitszustandes sowie der Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit ist den medizinischen Akten im Wesentlichen das Folgende zu entnehmen: 3.1.1Anlässlich des Unfalls vom 21. August 2018 hat sich der Beschwer- deführer gemäss den damals behandelnden Ärzten eine distale Radiusfrak- tur rechts, eine Calcaneusfraktur rechts sowie eine Malleolus medialis- Fraktur links, weiter diverse Prellungen und ein Schädel-Hirn-Trauma zu- gezogen (AB 13.61/1 = 13.48/1, 13.45/1, 13.40/1, 13.24/1 = 17/6 = 31/8, 13.20/1 = 15/2). Nach operativer Versorgung der Frakturen (AB 13.58 f. = 13.46 f.) zeigte sich zwar in allen betroffenen Gelenken eine vollständige Konsolidation und eine regelrechte Lage des Osteosynthesematerials (AB 13.24/2 = 17/7 = 31/9, 13.14/2 = 17/3 = 31/5, 31/2 = 32.37/2 = 32.10/7, 32.15/2, 32.10/5, 37.18/1 f.), doch wurde eine erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungs- und Belastungsfähigkeit geltend gemacht sowie bleibende Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 7 starke Schmerzen (AB 13.14/1 = 17/2 = 31/4, 31/1 = 32.37/1 = 32.10/6, 32.15, 32.10/5, 32.10/1, 35.20 = 35.17/2, 37.18/2). Sowohl der behandeln- de Dr. med. E.________ als auch der B.________-Kreisarzt Dr. med. F.________, beides Fachärzte für Orthopädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates, erachteten die geklagten Schmerzen als nicht mit der Klinik korrelierend und diskrepant zur radiologischen Diagnos- tik (AB 32.23, 32.15, 35.9/2). Dr. med. G.________, Fachärztin für Psychia- trie und Psychotherapie, Spital H.________, diagnostizierte im Bericht vom 16. Mai 2019 eine chronische Schmerzstörung auf dem Boden eines Poly- traumas nach Unfall mit hochgradigem Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung und depressive Entwicklung sowie einen Status nach tonisch-klonischen Krampfanfällen am 26. Oktober 2018 (AB 32.10/1; vgl. auch AB 35.18/1 f. = 35.17/3 f., 35.5/1 ff.). Dr. med. F.________ formulierte am 11. Juni 2019 ein Zumutbarkeitsprofil dahingehend, dass mittelschwere Arbeiten mit einer Gewichtsbelastung bis 20 kg unter Vermeidung von Ar- beiten in unebenem oder abschüssigem Gelände, des häufigen Besteigens von Leitern sowie von Zwangsarbeiten für den Fuss (z.B. Kauern, Knien) ganztätig zumutbar seien (AB 32.5). Mit Bericht vom 21. Juni 2019 folgerte der B.________-Arzt Dr. med. I.________, Facharzt für Neurologie, weder der Unfall vom 21. August 2018 noch das Ereignis vom 26. Oktober 2018 seien in der Lage gewesen, posttraumatische epileptische Anfälle zu verur- sachen, falls solche tatsächlich vorgelegen haben sollten (AB 32.3/5). 3.1.2Anlässlich eines Aufenthalts in der Rehaklinik J.________ vom 17. Juli bis 14. August 2019 wurden nebst dem Schädel-Hirn-Trauma, den Frakturen und Kontusionen (vgl. bereits E. 3.1.1 hiervor) der Verdacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40), eine Opia- tabhängigkeit (ICD-10 F11) und der Verdacht auf einen leichten Opiatent- zug (ICD-10 F11.3) diagnostiziert (AB 37.18/1 f.). In psychosomatischer Hinsicht hätte die Ausprägung der subjektiv geschil- derten Schmerzen und Limitierungen aus ärztlicher Sicht nicht nachvollzo- gen werden können. Eine anfallsartig auftretende Müdigkeit und Übelkeit scheine nicht epileptischer Art und somit somatisch nicht erklärbar zu sein. Eine psychologische Erklärung für den subjektiv empfundenen psychosozi- alen (Leidens-)Druck habe nicht gefunden werden können. Es habe Hin-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 8 weise auf histrionische Persönlichkeitszüge gegeben. Der fortschreitende Opiatentzug und begleitende Symptome könnten eine solche Symptomatik teilweise erklären. Aufgrund mehrerer verpasster Therapien sei der Ein- druck eines Mangels an Compliance entstanden (AB 37.18/4 oben). Aus somatischer Sicht liessen sich das Ausmass der demonstrierten Ein- schränkungen mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klini- schen Untersuchung sowie die Diagnosen nicht erklären. Die letzten Rönt- gen vom 29. April 2019 zeigten konsolidierte Frakturen und intaktes Osteo- synthesematerial in situ. Die Vollbelastung sei spätestens seit diesem Da- tum erlaubt, doch sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, dies um- zusetzen (AB 37.18/4 unten). 3.1.3Der B.________-Kreisarzt Dr. med. K.________, Facharzt für Chir- urgie, untersuchte den Beschwerdeführer am 16. Oktober 2019 und dia- gnostizierte eine erhebliche Bewegungs- und Belastungsstörung bei Status nach Osteosynthese einer Calcaneusfraktur rechts, einer Malleolus media- lis-Fraktur links sowie einer Radiusfraktur rechts bei Status nach Sturz vom 21. August 2018 (AB 37.3/8). Es zeigten sich weitgehend unauffällige Be- wegungs- und Umfangmasse im Bereich sowohl der oberen als auch der unteren Extremität (AB 37.3/6 ff.). Insgesamt sei das radiologisch nachvoll- ziehbare Ausheilungsergebnis der erlittenen Frakturen exzellent. Es beste- he eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem demonstrierten Leidensbild mit der muskulären Situation im Bereich der unteren und oberen Extremität und dem zu erwartenden Bewegungsausmass. Es könne anhand der Un- tersuchung nicht sicher festgestellt werden, ob der demonstrierte Schmerz bei Belastung des rechten Fusses mit Notwendigkeit der Benutzung von Achselgehstützen gegebenenfalls aufgrund der Schraubenlage im Calca- neus entstanden sei oder nicht; dies gelte es nach der geplanten Entfer- nung des Osteosynthesematerials zu überprüfen (AB 37.3/9). 3.1.4Anlässlich eines erneuten Aufenthalts in der Rehaklinik J.________ vom 16. Dezember 2019 bis 23. Januar 2020 wurden nach erfolgter Metal- lentfernung (vgl. AB 42.13 f.) neu (und zusätzlich [vgl. bereits E. 3.1.2 hier- vor]) insbesondere eine mögliche leichte traumatische Hirnverletzung im Zusammenhang mit dem Unfall vom 21. August 2018 und ein Status nach tonisch-klonischen Krampfanfällen am 26. Oktober 2018 nach Sturz aus Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 9 dem Rollstuhl mit Schädelkontusion diagnostiziert (AB 41/1 f. = 42.17/1 f.). Aus rein somatischer Sicht wäre eine deutlich raschere Mobilitätssteige- rung zu erwarten. Durch die regelmässige und engmaschige psycholo- gisch-psychiatrische sowie psychotherapeutische Begleitung sei eine pha- senweise Distanzierung vom Schmerz gelungen. Eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychosozialen Anteilen scheine sehr wahrscheinlich (AB 41/5 f. = 42.17/5 f.). Zur weiteren Begleitung sei eine psychotherapeutische Weiterbetreuung sinnvoll; empfohlen werde ausserdem ein vollständiges Ausschleichen der opiathaltigen Schmerzmit- tel, da durch die Opiatabgabe eine Schmerzchronifizierung weiter verstärkt werde (AB 41/4 = 42.17/4). 3.1.5Dr. med. K.________ folgerte im Bericht vom 26. März 2020, dass der Beschwerdeführer von der Entfernung des Osteosynthesematerials im Bereich des Fusses und der anschliessenden Durchführung eines intensi- ven Trainingsprogramms zur Rehabilitation nicht profitiert habe. Die de- monstrierte Belastungsunfähigkeit unter Notwendigkeit der Benutzung von Unterarmstützen sei medizinisch nicht nachvollziehbar. Die Frakturen seien fest verheilt und die Bewegungs- und Umfangmasse seien regelrecht, so- dass eine Fortführung einer teilentlastenden Behandlung medizinisch nicht indiziert erscheine. Die im Rahmen der Reha-Massnahme durchgeführte psychologische Betreuung habe sicherlich zu einer Verbesserung der Ge- samtsituation beigetragen. Aus unfallchirurgischer Sicht sei ein Endzustand erreicht. Auch wenn in den Berichten immer wieder über ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (complex regional pain syndrome [CRPS]) geschrieben worden sei, habe sich im Behandlungsverlauf niemals das klassische Bild eines CRPS gezeigt; die Budapest-Kriterien seien zu kei- nem Zeitpunkt erfüllt gewesen. Der Beschwerdeführer könne Tätigkeiten im Wechsel von Stehen, Gehen und Sitzen durchführen. Das Heben und Tra- gen von Gegenständen bis 15 kg sei möglich. Zwangshaltungen der unte- ren Extremitäten sollten vermieden werden. Arbeiten auf unebenem Unter- grund und auf Leitern und Gerüsten seien aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Hockende oder kniende Tätigkeiten sollten auf ein Minimum redu- ziert werden. Vibrations- und Stossbelastungen sollten unterbleiben. Bei Einhaltung dieser Kriterien sei eine zeitlich und leistungsmässig uneinge- schränkte Einsetzbarkeit des Beschwerdeführers gegeben. Dieses Zumut-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 10 barkeitsprofil beziehe sich ausschliesslich auf die somatischen Folgen des Unfalls vom 21. August 2018. Die Erkrankungen des psychiatrischen For- menkreises seien unfallunabhängig. Die Einschätzung der Rehaklinik J.________, dass sich der Beschwerdeführer Ende Januar 2020 noch in der medizinischen Phase befunden habe, könne nicht nachvollzogen wer- den: Zu diesem Zeitpunkt sei das Osteosynthesematerial mehr als sechs Wochen entfernt gewesen; die Wunden seien reizlos verheilt und die Frak- turen seien stabil ausgeheilt (AB 42.3/3 f. = 58/6 f. = 60/2 f.). Gestützt auf diese ärztliche Beurteilung nahm die B.________ mit Verfü- gung vom 10. August 2020 bzw. Einspracheentscheid vom 14. Dezember 2020 den Fallabschluss per 30. Juni 2020 vor, indem sie die vorüberge- henden Versicherungsleistungen (Heilkosten, Taggeld) mit diesem Zeit- punkt einstellte und mangels einer erheblichen unfallbedingten Beeinträch- tigung der Erwerbsfähigkeit eine Invalidenrente sowie mangels einer erheb- lichen Schädigung der körperlichen Integrität eine Integritätsentschädigung verneinte (AB 65, 81; vgl. auch AB 52 und 107). 3.1.6Der den Beschwerdeführer seit September 2019 als Hausarzt be- handelnde Dr. med. L.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte (aufgrund der Anamnese) im Bericht vom 9. Mai 2020 eine somatische Belastungsstörung mit/bei chronischem Schmerzsyndrom nach Unfall mit Verletzungen des rechten Handgelenks und des rechten Fusses (hochgradige Funktionseinschränkungen), chronischen Schlafstörungen, Erschöpfungssyndrom und depressivem Zustandsbild (AB 48/3 Ziff. 2.5 = 59/3 Ziff. 2.5; vgl. auch AB 48/3 Ziff. 2.2 und 2.4 = 59/3 Ziff. 2.2 und 2.4) und attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit als ... seit August 2018 (AB 48/2 Ziff. 1.3 = 59/2 Ziff. 1.3) mit schlechter Prognose (allenfalls Leis- tungsfähigkeit von ein bis zwei Stunden pro Tag im geschützten Rahmen; AB 48/3 Ziff. 2.7 = 59/3 Ziff. 2.7, 48/6 Ziff. 4.2 = 59/6 Ziff. 4.2). 3.1.7In dem aufgrund der diskrepanten Einschätzungen der involvierten Fachärzte (vgl. AB 56/1 unten) und zur Evaluierung der Belastbarkeit für eine angepasste Tätigkeit (vgl. AB 62/15 oben) in Auftrag gegebenen (po- lydisziplinären) Gutachten der MEDAS vom 21. April 2021 wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine geringe Funktionseinschränkung des rechten Handgelenks bei Status nach osteosynthetisch versorgter dis-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 11 taler Radiusfraktur mit nur geringen degenerativen Veränderungen am dis- talen Radioulnargelenk sowie je eine osteosynthetisch versorgte Innen- knöchelfraktur links und Calcaneusfraktur rechts mit gutem operativem Er- gebnis und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine arterielle Hyper- tonie, aktuell unzureichend kontrolliert, eine Adipositas Grad I sowie eine mögliche Gastritis diagnostiziert (AB 85.2/6 Ziff. 4.2). Eine erhebliche und konsistente psychiatrische Störung mit Einfluss auf die Belastbarkeit liess sich nicht feststellen. Die Plausibilitätsprüfung zeige im Labor keine wirk- same Spiegel mehrerer im Blut geprüfter Medikamente, was den Angaben zur Schmerzbeeinträchtigung und psychischen Belastung widerspreche. Soweit der Hausarzt Dr. med. L.________ eine weitgehend psychiatrisch begründete (vgl. AB 48/3 Ziff. 2.5 = 59/3 Ziff. 2.5) Arbeitsunfähigkeit attes- tiere (vgl. AB 48/2 Ziff. 1.3 = 59/2 Ziff. 1.3), fehle es im Bericht indessen an einer Plausibilitätsprüfung anhand einer Laborkontrolle hinsichtlich der Me- dikation, weshalb sich auf diese Bewertung nicht ausreichend abstellen lasse (AB 85.2/5 f.). Das leichtgradige posttraumatische Defektbild rechtfertige – aus somati- scher Sicht – lediglich eine qualitative Einschränkung der Belastbarkeit (Vermeidung körperlich überwiegend schwerer Arbeit; AB 85.1/7 Ziff. 4.3). Entsprechend bestehe in der bisherigen Tätigkeit seit dem Unfall im August 2018 und auf Dauer keine Arbeitsfähigkeit mehr (AB 85.2/7 Ziff. 4.7). Eine Minderung der Belastbarkeit in angepassten Tätigkeiten lasse sich aus den hiesigen sowie den objektiven aktenkundigen Befunden jedoch nicht hinrei- chend ableiten. Der Beschwerdeführer selbst sehe sich aufgrund seiner Beschwerden als nicht arbeitsfähig an, was mit der (weitgehend psychia- trisch begründeten) hausärztlichen Bewertung unterstützt werde. Aus den hiesigen psychiatrischen Befunden lasse sich jedoch keine Bestätigung ableiten (AB 85.2/9 ff. Ziff. 4.8 f.). 3.1.8Der Hausarzt Dr. med. L.________ bezeichnete im Bericht vom 5. Juli 2021 das MEDAS-Gutachten insbesondere deshalb als ungenü- gend, weil auf die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung nicht ein- gegangen werde. Die entsprechenden pathophysiologischen Grundlagen würden im klinischen Alltag nicht erfasst, weshalb sie für die Gutachter ein-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 12 fach nicht existierten. Es müsste deshalb ein psychosomatisches Gutach- ten erfolgen (AB 99/4 = 100/3 = 101/3). 3.1.9In Bezug auf diesen Bericht des Hausarztes führten die Gutachter am 6. Dezember 2021 aus, dass dieser weder einen klinischen Befund noch nähere Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit anhand eigener klinischer Befunde unter Berücksichtigung der Indikatoren enthalte, sondern vielmehr allgemeine Ausführungen zu einer Krankheitstheorie (AB 109). 3.1.10Anlässlich einer stationären Abklärung im Spital H.________ vom 10. bis 31. Dezember 2021 wurden eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen, eine depressive Störung, gegen- wärtig mittelgradig, ein Status nach tonisch-klinischen Krampfanfällen, erstmalig am 26. Oktober 2018, eine arterielle Hypertonie und der Verdacht auf ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom diagnostiziert. Für eine rele- vante zentral nervös vermittelte Komponente sprächen Hyperalgesie, Mei- den von Menschenmengen, emotionale Reizbarkeit sowie chronische Schlafstörungen mit nicht erholsamem Schlaf. Als Risikofaktoren für eine Chronifizierung des Schmerzes habe eine deutliche Action- und Painpro- neness erhoben werden können (Akten des Beschwerdeführers, Be- schwerdebeilage [BB] 1). 3.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 13 tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.2.1Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2). Eine von anderen mit der versicherten Per- son befassten Ärzten abweichende Beurteilung vermag die Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten ei- nes Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine eigenständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abgestellt werden kann, ist eine im Verwaltungs- und allenfalls Ge- richtsverfahren zu klärende Frage der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110). Nach der Rechtsprechung kommt den Gutachtern, was die Wahl der Un- tersuchungsmethoden betrifft, ein weiter Ermessensspielraum zu. Das be- inhaltet auch die Auswahl der vorzunehmenden fachärztlichen Abklärun- gen. Es liegt demnach im Ermessen der Gutachter, ob der Beizug weiterer Experten notwendig ist oder nicht (SVR 2021 UV Nr. 19 S. 96 E. 6.4; Ent- scheid des Bundesgerichts [BGer] vom 30. Januar 2015, 8C_277/2014, E. 5.2). 3.2.2Solange keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich sind, welche die Glaubwürdigkeit der Atteste eines Hausarztes oder einer Hausärztin zu erschüttern vermöchten, ist es unzulässig, deren Angaben bei der Beweis- würdigung unter Hinweis auf ihre Stellung und unter Berufung auf die fach- liche Kompetenz der Ärzte und Ärztinnen einer Universitätsklinik ausser Acht zu lassen (Entscheid des BGer vom 26. Juli 2011, 8C_278/2011, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 14 E. 5.3). In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll jedoch das Ge- richt der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3). Dies gilt nicht nur für den allgemein praktizierenden Hausarzt, sondern ebenso für den behandelnden Spezial- arzt und erst recht für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz zunächst bedingungslos zu akzeptieren (Entscheid des Eid- genössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute BGer] vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch täti- gen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestell- ten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein medizini- sches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die be- handelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpreta- tion entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2021 IV Nr. 10 S. 29 E. 5.7, 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3). 3.3Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der vorliegend angefochte- nen Verfügung im Wesentlichen auf das MEDAS-Gutachten vom 21. April 2021 (AB 85.2), welches sie in Auftrag gegeben hatte, nachdem die B.________ den Fallabschluss vorgenommen, ein Zumutbarkeitsprofil defi- niert und auf eine demonstrative Belastungsunfähigkeit sowie psychiatri- sche Problematik verwiesen hatte (AB 42.3/3 f. = 58/6 f. = 60/2 ff.). 3.3.1Dem internistischen Teilgutachten zufolge ergaben sich keine rele- vanten medizinischen und funktionellen Einschränkungen; vielmehr wird auf eine fehlende Compliance in der Medikation (mehrheitlich keine wirk- samen Spiegel der genannten Medikation) sowie Differenzen zwischen den anamnestischen Angaben und der Gesamtpräsentation an der Begutach- tung (der Beschwerdeführer habe während der Begutachtung nicht relevant Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 15 schmerzgeplagt gewirkt und sei in der Lage gewesen, über einen längeren Zeitraum still zu sitzen) hingewiesen (AB 85.3/19 f. Ziff. 7.2 ff.). 3.3.2Auf neurologischem Gebiet würden keine Diagnosen mit Auswir- kung auf die Belastbarkeit in einer Arbeitstätigkeit vorliegen; der klinisch neurologische Untersuchungsbefund zeige einen normalen Hirnnervenbe- fund und die neurophysiologische Zusatzdiagnostik ergebe keine Ein- schränkungen (AB 85.4/17 f. Ziff. 6). Es bestehe eine ausgeprägte Diskre- panz zwischen der subjektiven Angabe starker Schmerzen einerseits sowie dem Fehlen einer entsprechenden "Schmerzentäusserung" (richtig wohl: Schmerzäusserung) während der Untersuchung andererseits und dem Vor- liegen eines regelrechten klinisch neurologischen Untersuchungsbefundes. Das Labor weise mehrheitlich keine wirksamen Spiegel der bestimmten Pharmaka aus, was die Angaben zur benötigten Medikation und mithin auch die Angaben zur Schmerzbeeinträchtigung in Zweifel ziehe (AB 85.4/19 Ziff. 7.3). 3.3.3Orthopädisch ergab sich nach umfassender klinischer Prüfung (AB 85.5/12 ff. Ziff. 4.3) und beigezogenen MRI (vgl. AB 85.5/18 Ziff. 4.3.2) die Diagnose einer geringen Funktionseinschränkung des rechten Handge- lenks bei Status nach osteosynthetisch versorgter distaler Radiusfraktur sowie je eine gleich versorgte Innenknöchelfraktur links bzw. Calaneusfrak- tur rechts mit gutem operativem Ergebnis. Für die beklagten Beschwerden finde sich kein Befundkorrelat (AB 85/5/18 f. Ziff. 6). Die demonstrierte Be- lastungsunfähigkeit und Notwendigkeit der Benutzung von Achselgehstüt- zen sei orthopädisch nicht nachvollziehbar bei unter therapeutisch zu er- wartendem Wirkstoffspiegel für Paracetamol (AB 85.5/20 f. Ziff. 7.3). Infol- ge der bildgebend nachgewiesenen und leicht einschränkenden degenera- tiven Veränderungen im rechten Handgelenk und linken Sprunggelenk sei- en keine körperlich schweren Arbeiten (so auch die angestammte Tätigkeit als ...) mehr zumutbar, hingegen bestehe für angepasste, leichte bis mittel- schwere Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit, was sich im Wesentlichen mit dem Zumutbarkeitsprofil der B.________ decke (AB 85.5/21 Ziff. 7.4). 3.3.4Auf psychiatrischem Fachgebiet wurden zunächst verschiedene Testungen durchgeführt, deren Ergebnisse teilweise formal unterdurch- schnittlich ausfielen, wobei aufgrund des TOMM-Tests mit hoher Wahr-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 16 scheinlichkeit von einem verzerrenden Antwortverhalten auszugehen sei. Entsprechend zeige sich in Zusammenschau der Ergebnisse der kognitiven Testung kein ausreichender Anhalt für eine behinderungsrelevante kogniti- ve Störung (AB 85.6/17 ff. Ziff. 4.3.2). Das Labor ergab im Wesentlichen keine wirksame Medikamenteneinnahme bzw. lag diese im untersten noch wirksamen Bereich (AB 85.6//24 Ziff. 4.3.3). Entsprechend konnte die Gut- achterin keine Diagnose stellen. So liege auch eine somatoforme Schmerzstörung nicht vor; ein den Schmerzen zugrundeliegender erhebli- cher und unbewältigter seelischer oder psychosozialer Konflikt sei ana- mnestisch nicht herauszuarbeiten und es bestehe auch kein namhaft schmerzgeplagter klinischer Eindruck (bei Angabe von VAS 7 - 8; AB 85.6/24 f.). In Bezug auf die entsprechende Verdachtsdiagnose der Rehaklinik J.________ (AB 37.18/2, 41/2. = 42.17/2; vgl. E. 3.1.2 und 3.1.4 hiervor) liege weder ein AMDP-konformer psychiatrischer Befund vor noch würden zur Auslösung einer Schmerzstörung führende unbewältigte Kon- flikte benannt; auch aus gutachterlicher Sicht könne zumindest ein Teil der Symptomatik auf einen möglichen Opiatentzug zurückgeführt werden. Eine Persönlichkeitsakzentuierung mit histrionischen und auch narzisstischen Anteilen sei allenfalls möglich, da Hinweise auf erhebliche Inkonsistenzen bestünden, doch resultiere hieraus kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (AB 85.6/28 f.). Die von Dr. med. G.________ gemachte Einschätzung ei- ner anhaltenden Schmerzstörung auf dem Boden eines Polytraumas nach Unfall mit hochgradigem Verdacht auf eine posttraumatische Belastungs- störung und depressive Entwicklung (AB 32.10/1; vgl. E. 3.1.1 hiervor) sei aus gutachterlicher Sicht nicht plausibel; einerseits sei selbst unter der hy- pothetischen Annahme, dass das Unfallereignis von August 2018 geeignet gewesen sei, das notwendige A-Kriterium zu erfüllen, würden weitere Sym- ptome in der Folge nicht beschrieben, und andererseits wäre auch das Zeitkriterium fast ein Jahr nach dem auslösenden Ereignis nicht erfüllt. Auch für eine posttraumatische Belastungsstörung und mögliche dissoziati- ve Anfälle gebe es nicht genügend Hinweise; eine weitere Abklärung scheine nicht erfolgt zu sein und sei offensichtlich auch nicht für erforderlich gehalten worden (AB 85.6/27 f.). Auch der Bericht des Dr. med. L.________ (AB 48 = 59; vgl. E. 3.1.6 hiervor) enthalte keinen AMDP- konformen psychiatrischen Befund und keine ICD-10-konforme Diagnose. Die beschriebenen ausgeprägten Konzentrations- und Gedächtnisstörun-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 17 gen hätten aktuell klinisch und im Rahmen der testpsychologischen Unter- suchung nicht objektiviert werden können. Die rasche Erschöpfung sei möglicherweise auf einen weiteren Opiatgebrauch zurückzuführen, ebenso die rasche Ermüdbarkeit. Letztlich resultiere allein ein (zumindest) schädli- cher Gebrauch von Opiaten (DD: Abhängigkeit), allerdings ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (AB 85.6/30). 3.4Das MEDAS-Gutachten vom 21. April 2021 (AB 85.2) mitsamt Teil- gutachten (AB 85.3 ff.) erfüllt sämtliche der in E. 3.2 hiervor genannten, von der Rechtsprechung an medizinische Expertisen gestellten Anforderungen, weshalb darauf anzustellen ist. Es ist im Hinblick auf die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die ge- klagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und es ist in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Be- urteilung der medizinischen Situation einleuchtend und die getätigten Schlussfolgerungen sind begründet: 3.4.1In somatischer Hinsicht verneinten die behandelnden Ärzte (AB 32.15, 35.9/2, 37.18/4 unten, 41/4 = 42.17/4), die B.________- Kreisärzte (AB 32.23, 32.5, 37.3/9, 42.3/3 f. = 58/6 f. = 60/2 ff.) als auch die Gutachter (AB 85/5/18 f. Ziff. 6) ein objektivierbares Befundkorrelat für die beklagten Schmerzen. Die gutachterliche Folgerung, wonach das leicht- gradige posttraumatische Defektbild lediglich eine qualitative Einschrän- kung der Belastbarkeit in Form von Vermeidung körperlich überwiegend schwerer Arbeit rechtfertigt (AB 85.1/7 Ziff. 4.3), deckt sich damit im We- sentlichen mit den weiteren Akten. 3.4.2Die namentlich durch den Hausarzt attestierte (weitestgehend) volle Arbeitsunfähigkeit (AB 48/3 Ziff. 2.7 = 59/3 Ziff. 2.7, 48/6 Ziff. 4.2 = 59/6 Ziff. 4.2) wird von diesem nach Ansicht der Gutachter überwiegend als psy- chisch bedingt (vgl. AB 48/3 Ziff. 2.5 = 59/3 Ziff. 2.5) geschildert (AB 85.2/5 Mitte). Die Gutachter konnten indessen keine erhebliche und konsistente psychische Störung mit Einfluss auf die Belastbarkeit bzw. das funktionelle Leistungsvermögen feststellen (AB 85.2/5 oben i.V.m. AB 85.6/24 Ziff. 6), dies bei unauffälligem psychiatrischem Befund (AB 85.6/16 f. Ziff. 4.3.1) und nicht authentischem Antwortverhalten anlässlich der testpsychologi- schen Zusatzuntersuchung (AB 85.6/17 ff. Ziff. 4.3.2).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 18 3.4.2.1Die vom Hausarzt – und damit von einem Allgemeinmediziner und nicht von einem psychiatrischen Facharzt – gestellte Diagnose einer soma- tischen Belastungsstörung mit/bei chronischem Schmerzsyndrom nach Unfall mit Verletzungen des rechten Handgelenks und des rechten Fusses (nach dessen Einschätzung mit hochgradigen Funktionseinschränkungen), chronischen Schlafstörungen, Erschöpfungssyndrom und depressivem Zustandsbild (AB 48/3 Ziff. 2.5 = 59/3 Ziff. 2.5) widerlegte die psychiatri- sche Gutachterin nachvollziehbar (AB 85.6/30; vgl. E. 3.3.4 hiervor). Damit liegt denn auch keine entsprechende fachärztlich einwandfrei diagnostizierte Gesundheitsbeeinträchtigung vor (vgl. E. 2.3 hiervor), zumal die hausärztliche Diagnosestellung eigenen Angaben zufolge ohnehin einzig aufgrund der Anamnese und damit ohne eingehende Testung erfolgt ist (AB 48/3 Ziff. 2.4 = 59/3 Ziff. 2.4). 3.4.2.2Entgegen den Vorbringen des Hausarztes (AB 99/4 = 100/3 = 101/3) ist im MEDAS-Gutachten sehr wohl auf die Diagnose einer chroni- schen Schmerzstörung eingegangen worden. Einerseits widerlegte die psychiatrische Gutachterin, wie bereits in E. 3.4.2 hiervor ausgeführt, des- sen entsprechende Diagnose, andererseits nahm sie hierauf auch im Rah- men der nachvollziehbaren Verneinung der im Spital H.________ diagnos- tizierten chronischen Schmerzstörung auf dem Boden eines Polytraumas nach Unfall mit hochgradigem Verdacht auf eine posttraumatische Belas- tungsstörung und depressive Entwicklung (AB 32.10/1) bzw. einer solchen mit somatischen und psychischen Anteilen (AB 35.18/1 = 35.17/3, 35.5/1) sowie des in der Rehaklinik J.________ diagnostizierten Verdachts auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (AB 37.18/2, 41/2 = 42.17/2) Bezug. Diese letztgenannten Diagnosen, wobei es sich teilweise ohnehin um blosse Verdachtsdiagnosen handelt, erfolgten zwar unter fach- psychiatrischer Mitwirkung, jedoch ohne Angabe eines AMDP-konformen psychiatrischen Befundes (AB 85.6/27 ff.; vgl. E. 3.3.4 hiervor). In dem erst nach Verfügungserlass und damit nach der zeitlich massgebenden Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) ergangenen Bericht des Spitals H.________ vom 18. Januar 2022 (BB 1; vgl. E. 3.1.10 hiervor) werden im Wesentlichen die von dieser Institution schon früher gestellten Diagnosen (AB 35.18/1 = 35.17/3, 35.5/1) wiederholt, ohne dass sich dieser Bericht zu allfälligen Ein-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 19 schränkungen in der Arbeitsfähigkeit äussert, sondern allein die eingeleite- ten Behandlungen umschreibt. Insoweit handelt es sich nicht um neue und wesentliche Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären (vgl. E. 3.2.2 hiervor). 3.4.2.3Soweit der Hausarzt (AB 99/4 = 100/3 = 101/3) und gestützt darauf der Beschwerdeführer (Beschwerde, S. 2) nunmehr ein psychosomatisches Gutachten fordern, gilt es festzuhalten, dass einerseits der Hausarzt weder einen klinischen Befund noch nähere Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit anhand eigener klinischer Befunde gemacht hat (vgl. AB 109) und es ande- rerseits im Ermessen der Gutachter liegt, inwieweit weitere fachärztliche Abklärungen vorzunehmen bzw. ob weitere Experten beizuziehen sind (vgl. E. 3.2.1 hiervor). 3.4.2.4Der beschwerdeweise geltend gemachten vorschriftsmässigen Me- dikamenteneinnahme steht die gutachterliche Plausibilitätsprüfung entge- gen, wonach sich im Labor keine wirksamen Spiegel mehrerer im Blut ge- prüfter Medikamente zeigten (AB 85.2/5 f.). Ein Mangel an Compliance wurde bereits in der Rehaklinik J.________ festgestellt (AB 37.18/4 oben) und ein empfohlener Aufenthalt in der Klinik M.________ wurde vom Be- schwerdeführer abgelehnt (vgl. AB 85.6/28). In dieses Bild passt die gut- achterliche Folgerung, wonach der Beschwerdeführer geneigt sei, sämtli- che Verantwortung dem Behandlungsteam abzugeben, sich passiv und gleichzeitig fordernd, aber auch ablehnend und verbal fordernd zu verhal- ten (AB 85.6/27 unten). 3.4.2.5Nach dem Gesagten lassen die Ausführungen des Beschwerdefüh- rers keine Zweifel an den gutachterlichen Schlussfolgerungen aufkommen, so dass kein Bedarf an weiteren medizinischen Abklärungen bzw. Bewei- serhebungen (insbesondere einem psychosomatischen Gutachten) besteht (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2017 ALV Nr. 6 S. 18 E. 4.2). Letztlich resultiert in psychiatrischer Hinsicht allein ein schädlicher Ge- brauch von Opiaten (DD: Abhängigkeit), dies allerdings ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (AB 85.6/30; vgl. E. 3.3.4 hiervor). Mangels einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten und zu einer Einschränkung der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 20 Leistungsfähigkeit führenden Gesundheitsbeeinträchtigung erübrigt sich die Indikatorenprüfung von vornherein (vgl. E. 2.3 hiervor). 3.5Dem voll beweiskräftigen MEDAS-Gutachten vom 21. April 2021 (AB 85.2) zufolge bestehen keine relevanten gesundheitlichen Beeinträch- tigungen (AB 85.2/6 f. Ziff. 4.2) und keine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten (AB 85.2/9 Ziff. 4.8; vgl. auch AB 42.3/3 f. = 58/6 f. = 60/2 f.). Darauf ist nach dem Dargelegten abzustellen und auf die- ser medizinischen Grundlage ist nachfolgend die Invaliditätsbemessung vorzunehmen. 4. 4.1Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1). 4.2Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne der LSE herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2021 Nr. 51 S. 168 E. 3.2). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch- schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei- nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 21 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein- schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be- schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein- kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wo- bei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 3.3). 4.3Die Invaliditätsbemessung (AB 110/1) wird durch den Beschwerde- führer nicht in Frage gestellt und ist nur punktuell zu relativieren: 4.3.1Da davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer ohne ge- sundheitliche Beeinträchtigungen die seit 2013 ausgeübte Tätigkeit als ... (vgl. AB 1/6 Ziff. 5.4) weitergeführt hätte, ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung des Valideneinkommens auf die Anga- ben des letzten Arbeitgebers abgestellt hat (Jahresverdienst 2017: Fr. 65'007.-- [AB 22/4 Ziff. 2.12]). Entgegen der angefochtenen Verfügung ist dieses Einkommen indessen nicht auf das Jahr 2020, sondern auf das Jahr 2019 zu indexieren, denn sowohl unter Berücksichtigung des Warte- jahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG (vorübergehende volle Arbeitsun- fähigkeit ab 21. August 2018 [vgl. AB 22/5 Ziff. 2.14) als auch der sechs- monatigen Karenzfrist gemäss Art. 29 Abs. IVG (Anmeldung zum Leis- tungsbezug im Februar 2019 [vgl. AB 1]) liegt der frühestmögliche Renten- beginn im August 2019 (vgl. BGE 143 V 295 E. 4.1.3 S. 300, 129 V 222). Aufindexiert auf das Jahr 2019 (Tabelle T1.1.10, Nominallohnindex, Män- ner, 2011 - 2021, Ziff. 41 - 43 [Baugewerbe/Bau], 2017: 103.2 Punkte, 2019: 104.8 Punkte) resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 66'014.85. 4.3.2Da der Beschwerdeführer keine Verweistätigkeit im zumutbaren Rahmen aufgenommen hat, bestimmte die Beschwerdegegnerin das Inva- lideneinkommen zu Recht aufgrund des Tabellenlohnes der LSE, Tabelle TA1, Männer, Total, Kompetenzniveau 1. Mit Blick auf den frühestmöglichen Rentenbeginn im Jahr 2019 (vgl. E. 4.3.1 hiervor) ist indessen auf die LSE 2018 abzustellen (Fr. 5'417.--) und dieser Wert auf ein Jahr aufzurechnen (Fr. 5'417.-- x 12 = Fr. 65'004.--), auf das Jahr 2019 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 22 zu indexieren (Fr. 65'004.-- : 105.1 x 106.0 = Fr. 65'560.65; Tabelle T1.1.10, Nominallohnindex, Männer, 2011 - 2021, Total, 2018: 105.1 Punk- te, 2019: 106.0 Punkte) sowie auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche (Fr. 65'560.65 : 40 x 41.7 = Fr. 68'345.95) umzurechnen. Ob der von der Beschwerdegegnerin aufgrund des gesund- heitlich eingeschränkten Tätigkeitsspektrums vorgenommene Abzug vom Tabellenlohn von 10 % (vgl. AB 110/1 unten) zu Recht erfolgte, kann vor- liegend offengelassen werden, da selbst so kein Rentenanspruch resultiert. Es ist demnach von einem Invalideneinkommen von mindestens Fr. 61'512.30 (Fr. 68'345.95 x 0.90) auszugehen. 4.3.3Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen resultiert eine Erwerbseinbusse von höchstens Fr. 4'502.55 (Fr. 66'014.85 - Fr. 61'512.30), entsprechend einem rentenausschliessenden (vgl. aArt. 28 Abs. 2 IVG) Invaliditätsgrad von rund 7 % (zur Rundungspraxis siehe BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123). 5. Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 10. Dezember 2021 (AB 110) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Be- schwerde ist abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 23 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab- hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule- gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Bezah- lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent- nommen. 6.2Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par- teientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Aug. 2022, IV/22/46, Seite 24 4. Zu eröffnen (R): - A.________ (samt Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 4. April 2022) - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.