B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-873/2014 U r t e i l v o m 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Esther Karpathakis, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. Januar 2014 / N (…). D-873/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 23. Okto- ber 2013 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. B. Er wurde am 31. Oktober 2013 zu seiner Person und summarisch zum Reiseweg sowie de n Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). C. Am 4. November 2013 wurde er von einem Experten über sein Alltag s- wissen hinsichtlich seiner angeblichen Herkunftsregion befragt. D. Eine vertiefte Anhörung zu den Gründen des Asylgesuchs und zur Eval u- ation des Alltagswissens fand am 19. November 2013 statt. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit , dass er ethn i- scher Tibeter sei und aus Tibet stamme. Er habe eine DVD mit Aufna h- men des Dalai Lama besessen und werde daher von den chinesischen Behörden gesucht. E. Mit Verfügung vom 22. Januar 2014 (Eröffnung am 28. Januar 2014) lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an, wobei der Wegweisungsvollzug nach China explizit ausgeschlossen wurde. F. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. Fe b- ruar 2014 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht an und bea n- tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei er wegen Unzulässigkeit des We g- weisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. D-873/2014 Seite 3 G. Mit Instruktionsverfügung vom 26. Februar 2014 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Vorbehalt der Nac h- reichung einer Fürsorgebest ätigung gutgeheissen. Die Fürsorgebestät i- gung wurde am 13. März 2014 nachgereicht. H. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Juni 2014 äusserte sich die Vorinstanz zu den Ausführungen in der Beschwerdeschrift. I. Der Beschwerdeführer nahm mit Replik vom 4. Juli 2014 Stellung zur Vernehmlassung der Vorinstanz. Als Beweismittel lagen zwei Bestät i- gungsschreiben bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. D as BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteil ung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BG G). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz tei lgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zu r Einreichung der Beschwerde legitim iert (Art. 105 D-873/2014 Seite 4 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Er messens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht habe n, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er t i- betischer Ethnie sei und aus dem Dorf B._______, Gemeinde C._______, Kreis D._______, Bezirk E._______, Provinz F._______, Volksrepublik China stamme. Er sei nie zur Schule gegangen und habe als Nomade und Viehhüter gelebt. Von einem Händler habe er einen elektronischen Datenträger mit einem Video des Dalai Lama erworben. Diesen Datenträ- ger habe er anderen Personen ausg eliehen. Eine dieser Personen sei von der Polizei aufgegriffen worden, als sie sich das Video angesehen habe. In der Folge habe sie den Polizisten seinen Namen (des B e- schwerdeführers) verraten, woraufhin er zuhause gesucht worden sei, während er sich jedoch auf der Weide befunden habe. Unmittelbar nach dem Besuch sei sein Bruder zur Weide geritten, habe ihm von den Vorfäl-D-873/2014 Seite 5 len berichtet und zur sofortigen Flucht geraten. Noch am selben Tag, (…), sei er losgezogen und habe (…) die Grenze nach Nepal überquert. Dort habe er sich bis Oktober 2013 aufgehalten und sei dann mit einem g e- fälschten Pass per Flugzeug und Eise nbahn via zwei unbekannte Länder in die Schweiz gelangt. 4.2 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass der Beschwerd e- führer keine Identitätsdokumente eingereicht habe, wodurch sich das BFM dazu veranlasst gesehen habe, in drei Schritten seine behauptete Herkunft abzuklären. Anlässlich der BzP seien aufgrund der mangelhaften geografischen und länderkundlichen Kenntnisse, der Sprechweise sowie der fehlenden Chinesischkenntnisse erste Zweifel an der angeblichen Herkunft entstanden. Ein vom BFM beauftragter A lltagsspezialist habe mittels eines telefoni- schen Gesprächs das Alltagswissen des Beschwerdeführers evaluiert. Dabei habe der Experte zwar festgestellt, dass der Beschwerdeführer teilweise zutreffende Ausführungen zur landschaftlichen Gegebenheit gemacht habe und auch einige Dörfer beim Gemeindeort C._______. ha- be nennen können. Hinsichtlich anderer Ortschaften sei en seine Aussa- gen allerdings unzutreffend gewesen. Bezüglich der Gewinnung landwirt- schaftlicher Produkte und der von ihm gehaltenen Nutztiere habe er ta t- sachenwidrige, ungewöhnliche oder in einem Fall sogar gar keine Auss a- gen gemacht. Mit einer Ausnahme habe er betreffend verschiedene Le- bensmittel unzutreffende Preisangaben ge macht und habe im Zusam- menhang mit Lebensmitteln einen Begriff verwendet, welchen der Alltags- spezialist dem exiltibetischen Milieu in Indien zuordne . Die Informationen zum Geld seien falsch und die Identitätskarte habe nicht beschrieben werden können. Schliesslich sei die Klei dung unter Verwendung eines dem Alltagsspezialisten unbekannten Begriffs beschrieben worden. Im Ergebnis sei der Alltagsspezialist zum Schluss gekommen, dass der B e- schwerdeführer nur mit geringer Wahr scheinlichkeit im von ihm angeg e- benen Gebiet sozialisiert worden sei. Der Beschwerdeführer habe diesen Erkenntnissen bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs nichts Su b- stanzielles entgegensetzen können . Auch die teilweise neu angefügten Kenntnisse seien wenig überzeugend. Es komme oft vor, dass B e- schwerdeführende sich im Verlauf des Verfahrens Wissen aneignen wü r- den, welches sie bei späteren Anhörungen in Bereichen einbrächten, wo sie in früheren Befragungen noch durch Unkenntnis aufgefallen seien. Der Beschwerdeführer spreche auch kein Chinesisch, was bei tatsächlich bis vor Kurzem ausschliesslich in Tibet lebenden Personen kaum noch D-873/2014 Seite 6 vorkomme. Bei einer tatsächlichen Sozialisation in Tibet wären in das Vo- kabular chinesische Begriffe eingeflossen, zumal diese die Wortäquiva- lente im Tibetischen immer mehr ersetzen würden. Für diese Einschätzung sprächen auch die widersprüchlichen und unsub- stanziierten Aussagen zum Reiseweg. An der BzP habe er ausgeführt, mit einer alten Frau gemeinsam über die Grenze gegangen zu sein. In der Anhörung habe er dem widersprechend geltend gemacht, erst nach der Ankunft in einem Restaurant eine alte Frau getroffen zu haben, welche für ihn einen Schlepper organisiert habe. Die Erklärung, in der BzP sei er wohl missverstanden worden, vermöge nicht zu überzeugen, zumal das BzP-Protokoll rückübersetzt worden sei und er dessen Richtigkeit unte r- schriftlich bestätigt habe. Die Schilderung des mehrtä gigen Fussma r- sches sei pauschal und oberflächlich ausgefallen. Das Nichtvorliegen von Identitätspapieren habe er in der BzP damit erklärt, er habe die Identitäts- karte bei der Ausreise aus Nepal zerrissen und sein Familienbüchlein be- finde sich zuhause. In der Anhörung habe er lediglich pauschal ausg e- sagt, keine amtlichen Dokumente zu besitzen. A ufgrund strenger EDV- gestützter Kontrollen an wichtigen Grenzübergängen seien Interkontinen- talreisen per Flugzeug ohne eigene und echte Papiere jedoch kaum noch möglich. Zudem sei es realitätsfremd, dass er nicht wisse, über welche Länder er geflogen sei. Erfahrungsgemäss würden sich immer konkrete Anhaltspunkte finden lassen, welc he anschaulich beschrieben werden könnten. Somit sei anzunehmen, dass die Verschleierung der Identität sowie des Reisewegs dazu diene, eine allfällige Rückschaffung in den Heimat- oder Herkunftsstaat zu erschweren. Aufgrund dieser Ausführungen sei auszusc hliessen, dass der Beschwe r- deführer aus China stamme und dort verfolgt worden sei. Diese Annahme werde durch die offensichtlich unsubstanziierten Aussagen zu den eigent- lichen Vorfluchtgründen bestätigt. Dabei sei festzuhalten, dass der B e- schwerdeführer von der Suche nach seiner Person nur vom Hörensagen wisse. Die Vorfluchtgründe seien im Zusammenhang mit dem ländersp e- zifischen Kontext als höchst stereotyp zu bezeichnen . Die Geltendm a- chung von Problemen, deren Ursache darin liege, dass ein Beschwerd e- führer aus einem abgelegenen Dorf und ohne vorherige ausgeprägte poli- tische Interessen eher zufällig in eine Aktion gegen Chinesen gerate und aus blosser Furcht vor einer allfälligen Fes tnahme ausreise, werde von asylsuchenden Personen tibetischer Ethnie, die nie in Tibet gelebt hätten, notorisch geltend gemacht. Solch pauschale Vorbringen könnten von b e- liebigen Personen geltend gemacht werden, wohingegen sich die Wir k-D-873/2014 Seite 7 lichkeit um ein Vielfaches komplexer und differenzierter gestalte. Es sei daher zweifellos an zunehmen, dass der Beschwerdeführer das Geschil- derte nicht selbst erlebt habe. Aufgrund dieser Indizien sei anzunehmen, der Beschwerdeführer en t- stamme einer exiltibetischen Gemeinschaft in Indien oder Nepal. 4.3 In der Beschwerde wurde diesen Ausführungen en tgegnet, dass se i- ne Aussagen zu den umliegenden Dörfern zutreffend seien und das BFM wohl ungenaues Kartenmaterial besitze. Die Aussagen zu seinen Nutztie- ren seien, entgegen der Ansicht des Alltagsspezialisten, zutreffend und er habe auch seine landwirtsch aftliche Tätigkeit korrekt beschrieben. Die Preise für Lebensmittel seien sehr von deren Qualität abhängig und wü r- den daher variieren. Der von ihm verwendete und dem BFM nicht gelä u- fige Begriff sei in seiner Heimatregion verbreitet. Gleich verhalte es sich mit den Begrifflichkeiten hinsichtlich der Kleidung. Er kenne überdies sehr wohl die chinesische n Bezeichnungen für die Dinge, die er jeweils auf dem Markt kaufe. Darüber hinaus könne er aber nur sehr wenig Chin e- sisch. Insbesondere könne er es nicht schreiben. Die chinesischen Behörden würde n ihm aufgrund seiner illegalen Ausre i- se eine regimekritische Haltung vorwerfen, wodurch ihm eine asylrelevan- te Verfolgung drohe. 4.4 In der Vernehmlassung führte das BFM aus, dass die Aussagen des Beschwerdeführers hinsich tlich der Dörfer in seiner Heimatregion unz u- länglich seien, da sie ihm schlicht nicht bekannt seien, was bei einer S o- zialisation in dieser Region jedoch zu erwarten wäre. Zu seinen erst nach erfolgtem Alltagswissenstest gemachten Richtigstellungen sei zu e rwäh- nen, dass sich Asylsuchende, die über ihre Herkunft täuschende Angaben machen würden, oft im Laufe des Verfahrens Wissen in Bereichen anei g- nen würden, in denen si e bis dahin noch durch Unkenntnis aufgefallen seien. Diese Einschätzung dränge sich im Fal le des Beschwerdeführers auf. 4.5 In der Replik wurde den Ausführungen in der Vernehmlassung entg e- gengehalten, dass innerhalb der verschiedenen Gebiete in Tibet unte r- schiedliche Dialekte gesprochen würden. So unterscheide sich der Di a- lekt des Beschwerdeführers von der traditionellen und am weitesten ve r- breiteten Amtssprache aus G._______ und dem Gebiet E._______. Zu- sammen mit seiner Gewohnheit, schnell zu sprechen, sowie der Anspa n- nung anlässlich der Befragung, sei es zu Missverständnissen gekommen. D-873/2014 Seite 8 Seine tibet ische Abstammung werde durch zwei Schreiben der Tibete r- gemeinschaft bestätigt. Um seine Familie nicht zu gefährden, habe er bei seiner Flucht gezielt seinen Identitätsausweis vernichtet. Die chines i- schen Behörden würden von seinem Besitz des Datenträgers wissen und ihn daher als Staatsfeind betrachten. Der Replik lagen ein Schreiben des Tibet Büros H._______ sowie eines der Tibetergemeinschaft Schweiz und Liechtenstein bei. 5. 5.1 Das BFM hat im Ergebnis das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 5.2 Im Länderurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft vers chleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon au s- zugehen sei, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestän- den. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmöglich e ein t i- betischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich keine Drittsta atenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Ver- heimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effek- tives Heimatland verunmöglicht (vgl. Urteil des Bundesverw altungsge- richts E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.9 f. [zur Publikation vorges e- hen]). 5.3 Aufgrund der Aktenlage besteht Grund zur Annahme, dass d er Be- schwerdeführer seine wahre Herkunft zu verschleiern versucht. Dabei kann zur Hauptsache auf die Evaluation de s Alltagswissens verwiesen werden. Diese stammt von einer qualifizierten Person und vermag im E r- gebnis zu überzeugen, wohingegen es de m Beschwerdeführer im Rah- men des rechtlichen Gehörs nicht gelungen ist, die Schlussfolgerungen zu entkräften. Einerseits sind dem Beschwerdeführer Dörfer in der unmi t- telbaren Umgebung seines angeblic hen Wohnorts gänzlich unbekannt; dies selbst nach expliziter Nennung der Ortsnamen, was nur schwer ve r- ständlich ist. Andererseits erweisen sich seine Ausführungen zur Lan d- wirtschaft und zur Beschaffenheit des Geldes in wesentlichen Teilen als D-873/2014 Seite 9 unzutreffend. Zudem konnte er die Identitätskarte, die er angeblich b e- sessen habe, erst bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs beschre i- ben, nachdem er gegenüber dem Alltagsspezialisten noch keine Angaben hatte machen können. Des Weiteren weisen seine Angaben zu den Pre i- sen grosse Abweichungen zur tatsächlichen Preisstruktur auf, die sich nicht allein mit einer angeblichen Preisschwankung aufgrund der Qualität erklären l assen. Schliesslich ist zu bemerken, dass er kein Chinesisch spricht, was ebenfalls als gewichtiges Indiz zu werten ist. So ist davon auszugehen, dass er – hätte er tatsächlich in der geltend gemachten Herkunftsregion gelebt – im Rahmen seines Alltags mit anderen Leuten in Kontakt gekommen und dabei mit dem in der Umgangssprache g e- bräuchlichen Chinesisch konfrontiert worden wäre und sich mit dieser Sprache schliesslich auch vertraut gemacht haben dürfte. Jedenfalls ist festzuhalten, dass für das Fehlen von einfac hstem Chinesisch keine nachvollziehbaren Gründe angebracht wurden. D ie Erklärung en, keine Schule besucht zu haben, da er bereits als Kind bei der Arbeit habe mi t- helfen müssen und er habe sich sein ganzes Leben einzig und allein um die Tiere gekümmert, ohne anderen Tätigkeiten nachzugehen oder Fre i- zeit zu verbringen (vgl. act. A15 F29 bis F39), greifen jedenfalls zu kurz. Diese Einschätzung wird durch die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Flucht aus Tibet bestätigt. So erwähnte er in der BzP eine alte Frau, welche ihn am An fang seiner Reise begleitet und für ihn einen Schlepper organisiert habe (act. A4 S. 7). In der Anhörung gab er dem widersprechend zu Protokoll, erst nachdem er die Grenze überquert habe in einem Dorf eine alte Frau getroffen zu haben, welche ihm geholfen ha- be (vgl. act. A15 F42 f.). Der Beschwerdeführer erklärte diese Ungereim t- heit mit einem Missverständnis anlässlich der BzP und seiner Sprachge- wohnheit, wonach er von "wir" statt "ich" gesprochen habe, da es unhö f- lich sei, stets das Wort "ich" zu verwenden (vgl. act. A15 F44 f.). Diese Erklärung vermag nicht zu überzeugen . Ebenfalls auffällig ist die pau- schale und unpersönliche Schilderung der Ausreise (vgl. act. A15 F64 ff.) sowie seines zweimonatigen Aufenthalts in Nepal (vgl. a ct. A4 S. 7) . Auf die Frage, wie weit die Grenze von seinem Heimatort entfernt sei, antwor- tete er, dass die Leute sagen wür den, ein Fussmarsch dorthin dauere ei- nen bis zwei Tage. Auf Nachfrage hin, wieso er die Distanz vom Hörensa- gen angebe, obwohl er die Reise selbst unternommen habe, erklärte er sich in wenig überzeugender Weise dahingehend, dass er nur einmal zur Grenze gegangen und Nomade sei (vgl. act. A4 S. 7). Zudem variieren seine Angaben zum Verlust der Identitätskarte, indem er im vorinstanzl i- chen Verfahren zuerst angab, diese zerrissen zu haben, um nicht von D-873/2014 Seite 10 Nepal nach Tibet zurückgeschafft zu werden (vgl. act. A4 S. 6), während er in der Beschwerde ausführte, die Identitätskarte vernichtet zu haben, um seine Familie in Tibet nicht zu gefährden. In Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Ausführungen und unter Verweis auf eben diese , ist schliesslich festzuhalten, dass auch die Vorfluchtgründe wenig substanzi- iert geschildert wurden. 5.4 Gestützt auf eine Gesamtwürdigung dieser Elemente ist in Überei n- stimmung mit dem BFM festzustellen , dass der Beschwerdeführer über seine Herkunft täuschende Angaben gemacht hat. An dieser Einschä t- zung vermögen auch die ein gereichten Bestätigungsschreiben nichts zu ändern, zumal diese ohnehin nur seine tibetische Ethnie zu bezeugen vermögen und diesem Umstand mit dem Ausschluss des Wegweisung s- vollzugs nach China hinreichend Rechnung getragen wurde (vgl. dazu die nachfolgenden Ausführungen unte r E. 5.5). In Anwendung der im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Mai 2014 E. 5.10 entwickelten Rechtsprechung ist das Asylgesuch des Beschwerdeführers mithin abz u- lehnen, die Wegweisung zu bestätigen , und der Vollzug für zulässig, z u- mutbar und möglich zu erachten. 5.5 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesi sche Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und damit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wiederum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29), ist an dieser Stelle, im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 4 der angefochtenen Verfügung, (nochmals) darauf hinzuweisen, dass für alle Exil -Tibeter und somit auch für den Beschwerdeführer ein Vollzug der Wegweisung nach China au s- zuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche B e- handlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht v erletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung v om 26. Februar 2014 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. D-873/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: