Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Juni 2019 (745 19 58 / 149) ____________________________________________________________________ Ergänzungsleistungen Bestimmung des Verkehrswertes einer Liegenschaft im Ausland; vorliegend ist vorweg abzuklären, wie es um die angebliche Verpfändung der Liegenschaft steht, wovon auch die Verfügungsmacht über die Liegenschaft abhängig ist Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Silvan Ulrich, Advokat, Postgasse 3, Postfach 619, 4147 Aesch gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Bin- ningen, Beschwerdegegnerin Betreff Ergänzungsleistungen A. Der 1939 geborene A.____ bezieht seit mehreren Jahr en bei der Ausgleichskasse des Kantons Basel-Landschaft (Ausgleichskasse) monatliche Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hin- terlassenen- und Invalidenversicherung (Ergänzungsleistungen). Am 14. Februar 2018 leitete die Ausgleichskasse eine periodische Überprüfung des Ergänzungsleistungsanspruchs von A.____ ein. Aufgrund der Angaben des Versicherten im Revisionsformular vom 13. März 2018 erhielt die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausgleichskasse Kenntnis davon, dass er eine Liegenschaft in B.____, Italien, besitzt, welche bis anhin von ihm nicht gemeldet worden war. Den Wert der Liegenschaft bezifferte er im Revisions- formular mit € 76‘352.--, so wie bereits in der Selbstanzeige an die Steuerverwaltung vom 10. Dezember 2017. Weiter gab A.____ an, die Liegenschaft sei mit einer Schuld von € 92‘094.-- plus Zins in der Höhe von € 55‘692.-- belegt. In der Folge nahm die Ausgleichskasse eine Neuberech- nung der Ergänzungsleistungen vor. Mit Verfügung vom 8. Juni 2018 hielt sie fest, dass A.____ ab Juni 2013 bis Juni 2018 keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen habe. Zudem forderte sie die ab Juni 2013 zu viel bezahlten Leistungen im Betrag von Fr. 52‘866.-- zurück. Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache hiess die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 24. Januar 2019 teilweise gut. Die Ausgleichskasse korrigierte den Eigenmietwert indem sie einen Pauschalbetrag für den Gebäudeunterhalt berücksicht igte, sodass sich der Rückforde- rungsbetrag auf Fr. 29‘724.-- reduzierte. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Silvan Ulrich, am 20. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, der Einspracheentscheid sei insow eit aufzuheben, als bei der Berechnung seines Anspruchs auf Ergänzungsleistungen die ausländische Liegenschaft, insbesondere der Eigenmietwert, nicht anzurechnen sei, und die Sache zur neuen Berechnung des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen ab Juni 2013 sowie einer allfälligen Rückerstattungsforderung an die Vo- rinstanz zurückzuweisen sei. Ausserdem sei ihm die unent geltliche Rechtspflege zu gewähren. Zur Begründung bringt der Beschwerdeführer im Wesent lichen vor, die Liegenschaft sei durch seine Ex-Frau gepfändet worden und die darauf lastende Schuld in der Höhe von insgesamt € 242‘094.68 sei höher als deren Wert. Er könne die Lie genschaft deshalb nicht verkaufen. Die Liegenschaft befinde sich zudem in einem schlechten Zustan d, werde vom Beschwerdeführer nicht genutzt und könne insbesondere aufgrund der mangelhaften sanitären Einrichtungen auch nicht vermietet werden. Entsprechend könne kein Eigenmi etwert angerechnet werden. Auch könne nicht nachvollzogen werden, weshalb die Hypothekarschuld von € 150‘000.-- nicht berück- sichtigt worden sei, wobei dies allerdings auf die Höhe der Ergänzungsleistungen keinen Einfluss habe. C. Mit Verfügung vom 22. Februar 2019 wurde dem Besch werdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Verbeiständung m it Advokat Silvan Ulrich als Rechts- vertreter bewilligt. D. Mit Vernehmlassung vom 30. April 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei- sung der Beschwerde. Sie führte im Wesentlichen aus, Einkü nfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden sei, seien bei der Berechnung der Er gänzungsleistungen als Einnahmen zu berücksichtigen. Der Beschwerdeführer habe ein Schreiben der „Società Le Pasade s.r.l.“ vom 24. August 2018 eingereicht, wonach die Liegenschaft in einer für die Gegend typisch ökonomi- schen Bauweise mit durchschnittlichem Ausbaustand gefertig t sei, womit sie gemäss Kataster- anzeige (Visura per soggetto) in die Kategorie A2, C l4 (bürgerlich) falle. Das Haus mit Zentral- heizung und üblicher sanitärer Einrichtung verfüge über acht Zimmer sowie eine Garage. Im Wei- teren werde im Bericht auf Schäden an der Fassade sowi e am Balkon, ein undichtes Dach, Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Feuchtigkeitsschäden im Erdgeschoss sowie sanitäre Mängel in einem Badzimmer hingewiesen. Die Ausgleichskasse sei der Auffassung, dass der Wohnkomfort der Liegenschaft mit vertretba- rem finanziellem Aufwand verbessert und danach vermiete t werden könnte. Auch die auf der Liegenschaft lastenden Schulden würden kein Hindernis darstellen, diese zu vermieten. Was die beanstandete Anrechnung eines Eigenmietwertes anbelange, wäre zu erwägen, den Eigenmiet- wert auf 5 % des Verkehrswertes, welcher gemäss Angabe d es Beschwerdeführers gegenüber der Steuerbehörde € 76‘352.-- betrage, festzusetzen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mi t Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) vom 6. Oktober 2006 sind die Bestimmungen des ATSG auf die Ergänzungsleistungen anwendbar. Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 ATSG legen fest, dass gegen Verfügungen und Einspracheentscheide eines Sozialversicherungsträgers beim zuständigen Versicherungsgericht innerhalb von 30 Tagen Verwaltungsgerichtsbeschwerde er hoben werden kann. Zuständig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsgericht desje nigen Kantons, in dem die versi- cherte Person zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung Wohnsi tz hat. Der Beschwerdeführer wohnt im Kanton Basel-Landschaft. Vorliegend ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts sowohl örtlich wie gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 auch sachlich geg eben. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 16. August 2018 ist einzutreten. 2.1 Ausländerinnen und Ausländer mit Wohnsitz und gewö hnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben nur Anspruch auf Ergänzungsleistungen, wenn sie die Vorausset- zungen von Art. 4 und Art. 5 ELG erfüllen. Der 1939 geborene, seit 1965 in der Schweiz wohn- hafte Beschwerdeführer erfüllt die versicherungsmässigen Voraussetzungen und hat daher bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen Anspruch auf Ergänzungsleistungen, was im vorliegen- den Verfahren auch nicht in Frage gestellt wird. 2.2 Gemäss Art. 9 ELG entspricht die jährliche Ergänzu ngsleistung dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Als Einnahmen werden un- ter anderem Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem Vermögen sowie bei Altersrentne- rinnen und -rentnern ein Zehntel des Reinvermögens, s oweit es bei alleinstehenden Personen Fr. 37‘500.-- übersteigt, angerechnet (Art. 11 Abs. 1 lit. b und c ELG). In zeitlicher Hinsicht mas- sgebend sind gemäss Art. 9 Abs. 5 lit. d ELG in Verbind ung mit Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) vom 15. Januar 1971 in der Regel die während des vorangegangenen Kalenderjahres erzielten anre- chenbaren Einnahmen sowie das am 1. Januar des Bezugsjahres vorhandene Vermögen. 2.3 Gestützt auf Art. 9 Abs. 5 lit. b ELG hat der Bun desrat in Art. 17 ELV nähere Bestimmun- gen zur Vermögensbewertung erlassen. Gemäss Art. 17 Abs. 4 ELV sind Grundstücke, die dem Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezüger bzw. der Bezügerin oder einer Person, die in die Berechnung der Ergänzungsleistungen miteingeschlossen ist, nicht zu eigenen Wohnzwecken dienen, zum Verkehrswert einzusetzen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2009, 8C_849/200 8, E. 6.3.1; Urteil des EVG vom 20. September 2002, P 23/02, E. 3.2; vgl. E RWIN CARIGIET /U WE KOCH , Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Aufl., Zürich 2009, S. 167 ff.; URS MÜLLER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 11 Rz. 359 ff.; R ALPH JÖHL /P ATRICIA URSINGER -EGGER , Ergän- zungsleistungen zur AHV/IV, in: Ulrich Meyer, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel 2016, S. 1851 f., Rz. 170). Damit weicht Art. 17 Abs. 4 ELV in Bezug auf nicht selbstbewohnte Liegenschaft en vom Grundsatz, wonach Vermö- gen gemäss den kantonalen steuerrechtlichen Grundsätzen zu bewerten ist, ab. Dieser Regelung liegt die Überlegung zu Grunde, dass bei der Bewertung von nicht selbstbewohnten Liegenschaf- ten der Steuerwert eines Grundstücks in der Regel nicht dem effektiven Wert entspricht, welchen das Grundstück auf dem freien Markt bei einem Verkauf erzielen könnte. Durch die Anrechnung des Verkehrswertes soll auf der anderen Seite aber zugl eich auch verhindert werden, dass ein fiktives, auf dem Liegenschaftsmarkt kaum realisierbares Vermögen angerechnet wird, was sich mit Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung nicht vereinb aren liesse (Urteil des Sozialversi- cherungsgerichts des Kantons Zürich vom 19. September 2017, ZL.2015.00115, E. 1.2 mit wei- teren Hinweisen). In Bezug auf ausländische Liegenschaften hielt das Bunde sgericht im Urteil vom 22. November 2007, 8C_187/2007, in Erwägung 6.3.1 fest, dass der gewöhnliche Aufenthalt in der Schweiz nicht unterbrochen wird, wenn sich der Leistungsanspreche r nur kurzfristig (beispielsweise feri- enhalber) in einer eigenen Liegenschaft im Ausland aufhält, und damit nicht von einer selbst be- wohnten Liegenschaft gesprochen werden kann, die gemäss Ar t. 17 Abs. 1 ELV zu bewerten wäre. Damit sind auch Liegenschaften im Ausland zum Verkehrswert in die Berechnung der Er- gänzungsleistungen einzusetzen (Art. 17 Abs. 4 ELV). 2.4 Die Bewertung ausländischer Liegenschaften ist schwi erig. In einem eine Liegenschaft in Tunesien betreffenden Entscheid erkannte das Bundesgericht, der – von der Ausgleichskasse zu ermittelnde – relevante Verkehrswert der Liegenschaf t könne durch Vergleich mit ähnlichen Objekten hinreichend genau geschätzt werden. Massgebende Kriterien seien neben der Grösse des Grundstücks und der Anzahl Zimmer, die Lage (verkehrsmässi ge Erschliessung, Distanz zum Meer) und die Wohnqualität (ruhiges oder lärmiges, vornehmes oder ärmliches Quartier). Von Bedeutung sei auch, ob es ein Objekt für Touristen sei oder aber von Einheimischen bewohnt werde und einen entsprechend tieferen Ausbaustandard a ufweise. Als fraglich erachtete das Bundesgericht, ob Verkaufsangebote im Internet eine zuv erlässige Grundlage bildeten. Eine im Ausland erstellte Verkehrswertschätzung, die auf Geheiss ei nes lokalen Architekten gemacht worden war, erklärte es für den Fall, dass eine andere Schätzung durch die Verwaltung nicht mit vernünftigem Aufwand einholbar sei, als massgeblich (U rteil des Bundesgerichts vom 17. Sep- tember 2009, 9C_540/2009, E. 5.3; vgl. auch URS MÜLLER , a.a.O., Art. 11 Rz. 379). 2.5 Neben der Berücksichtigung von nicht selbst bewohnte n Liegenschaften im Ausland zum Verkehrswert im Rahmen des Vermögens auf der Einnahmenseite, werden bei nicht selbst bewohnten Liegenschaften zudem die Mietzinse als Liegenschaftsertrag auf der Einnahmenseite Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht berücksichtigt (vgl. ERWIN CARIGIET /U WE KOCH , a.a.O., S. 172 sowie Rz. 3433.03 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, Stand 1. Januar 2018 [WEL]). Wird die Liegenschaft nicht vermietet und steht leer, ist derjenige Liegen- schaftsertrag massgeblich, der bei Vermietung der Liegen schaft tatsächlich erzielt werden könnte, also ein (hypothetischer) marktkonformer Mietzins (Urteil des Bundesgerichts vom 16. April 2019, 9C_751/2018, E. 7.2). Im Hinblick auf di e Schwierigkeiten, mit welchen EL- Durchführungsstellen bei der Beurteilung ausländischer Wohnungsmarktverhältnisse konfrontiert sind, hat das Bundesgericht zwei Bemessungsmethoden als im Einzelfall geeignet bezeichnet, um einen hinreichenden Erfahrungs- und Annährungswert zu liefern, der dem tatsächlich erziel- baren Marktwert im Ausland nahekommt (Urteil des EVG vom 8. November 2005, P 33/05, E. 3- 4). Nach der einen Methode ist als fiktiver Mietzins ein durchschnittlicher Ertrag anzurechnen, welcher während der ganzen Lebensdauer der auf dem Gru ndstück stehenden Baute einer an- gemessenen Rendite entspricht. Als durchschnittlicher Ert rag für die ganze Lebensdauer einer Liegenschaft kann von einem Mittelwert von 5 % des Verkehrswerts ausgegangen werden. Von diesem hypothetischen Ertrag sind eine Pauschale für die Gebäudeunterhaltskosten (gemäss Art. 16 ELV gilt der für die direkte kantonale Steuer im Wohnsitzkanton anwendbare Pauschalab- zug) und der Hypothekarzins abzuziehen (vgl. auch ERWIN CARIGIET /U WE KOCH , a.a.O., S. 172). Nach der anderen Vorgehensweise sind dieselben Grundsätz e wie im Falle eines Vermögens- verzichts anzuwenden und deshalb zur Bestimmung des hypothe tischen Liegenschaftsertrages vom durchschnittlichen Zinssatz für Spareinlagen im Vorjahr des Bezugsjahres auszugehen (vgl. auch Rz. 3482.10-11 der WEL). Laut Bundesgericht kann nicht zum Vornherein gesagt werden, welche Methode jeweils im konkreten Fall zu einem realistischeren Ergebnis führt. Vielmehr hat die EL-Durchführungsstelle und im Streitfall das Sozialv ersicherungsgericht denjenigen fiktiven Mietzins zu eruieren, welcher am ehesten die relevanten Marktverhältnisse widerspiegelt (Urteil des Bundesgerichts vom 16. April 2019, 9C_751/2018, E. 7.2; Urteil des EVG vom 8. November 2005, P 33/05, E. 4, vgl. auch Urteil des Kantonsgerichts vom 3. Mai 2018, 745 17 243 / 112, E. 5). 2.6 Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräf tige Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berich tigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Zudem sind gemäss Art. 25 ATSG unrechtmässig bezogene Ergänzungs- leistungen zurückzuerstatten (Abs. 1 Satz 1). Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ab- lauf eines Jahres, nachdem die Durchführungsstelle davon K enntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25 Abs. 2 ATSG). 2.7 Schliesslich bleibt in verfahrensrechtlicher Hinsicht d arauf hinzuweisen, dass das sozi- alversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht ist. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Am- tes wegen für die richtige und vollständige Feststellu ng des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 133 V 196 E. 1.4 mit Hinweis auf 125 V 1 93 E. 2 und 122 V 157 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts vom 9. April 2018, 9C_273/2017, E. 3.1; vgl. dazu auch U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 61 N 97 und A rt. 43 N 13). Der Untersuchungsgrundsatz gilt aber nicht uneingeschränkt, sondern wird durch d ie Mitwirkungspflicht der Parteien ergänzt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 122 V 157 E. 1a mit Hinweisen). Danach sind die Betroffenen gehalten, die für die Beur- teilung des streitigen Rechtsverhältnisses notwendigen Au skünfte zu erteilen und zur Beschaf- fung der erforderlichen Unterlagen Hand zu bieten (BGE 119 V 208 mit Hinweisen; vgl. auch Art. 28 ATSG). Der Untersuchungsgrundsatz wird ergänzt durch den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 und Art. 42 Satz 1 ATSG. Demgemäss darf im Verwaltungsverfahren bei der Ent- scheidung nicht auf ein Beweismittel abgestellt werden , ohne dem Betroffenen Gelegenheit zu geben, an der Beweisabnahme mitzuwirken oder wenigste ns nachträglich zum Beweisergebnis Stellung zu nehmen (BGE 117 V 282 E. 4c). 3.1 Gemäss den Ausführungen der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheent- scheid seien die Neuberechnung der Ergänzungsleistungen und die Festlegung einer Rücker- stattungsforderung notwendig geworden, weil der Beschw erdeführer die Liegenschaft in Italien nicht gemeldet habe. Zwischen den Parteien ist nun umstritten, wie die Liegenschaft zu bewerten und der Liegenschaftsertrag zu bemessen ist. Die übrigen Positionen in der Berechnung der Er- gänzungsleistungen sind zu Recht unbestritten geblieben, weshalb von weiteren Ausführungen hierzu abgesehen werden kann. 3.2. Dem angefochtenen Einspracheentscheid kann nicht e ntnommen werden, wie die Be- schwerdegegnerin zum Wert der Liegenschaft von Fr. 152‘ 308.-- bzw. zum Liegenschaftsertrag von Fr. 8‘650.-- für das Jahr 2018 gelangte. Auch in i hrer Vernehmlassung vom 30. April 2019 finden sich keine diesbezüglichen Angaben. In den Akte n befindet sich lediglich das Dokument „Visura per soggetto“, welches eine „Rendita“ von € 661.06 angibt. Es ist zu vermuten, dass die Beschwerdegegnerin diesen Betrag als monatlichen Miet zins angenommen und wohl auch als Grundlage zur Berechnung des Verkehrswertes der Liegenschaft herangezogen hat. 3.3 Der Beschwerdeführer lässt beschwerdeweise geltend machen, dass er die Liegen- schaft nicht nutze und diese auch nicht vermietbar sei. Deshalb könne kein Eigenmietwert oder Mietzins angerechnet werden. Zudem sei die Liegenschaft verpfändet und mit einer Schuld in der Höhe von rund € 242‘000.-- belastet, weshalb er nicht über die Liegenschaft verfügen könne. 4. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers benutzt er die fra gliche Liegenschaft nicht, weshalb davon auszugehen ist, dass es sich nicht um eine selbstbewohnte Liegenschaft handelt. Dies hat zur Folge, dass die Liegenschaft mit ihrem Verkehrswert in die Berechnung der Ergän- zungsleistungen einzusetzen ist. Auch der Liegenschaftsertrag ist folglich nicht unter Berücksich- tigung des Eigenmietwerts, sondern des marktüblichen Mietzinses zu ermitteln, falls die Liegen- schaft als vermietbar zu betrachten ist. 4.1 Weiter ist festzustellen, dass der Verkehrswert der L iegenschaft nicht ohne Weiteres gestützt auf die sich bei den Akten befindende „Visura p er soggetto“ vom 24. August 2018 bzw. die dort ausgewiesene „Rendita“ ermittelt werden kann. Unklar ist nämlich, was dieser Wert „Ren- dita“ überhaupt bedeutet und ob dieser Betrag mit dem marktüblichen Mietzins der Liegenschaft im relevanten Zeitraum von 2013 bis 2018 in etwa übereinstimmt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin, einzig auf d ie „Visura per soggetto“ abzustellen und ohne weitere Abklärungen den dort angegebenen Wert „Rendita“ als marktüblichen Mietzins und allenfalls als Grundlage zur Ermittlung des Verkehrswertes der Liegenschaft heranzuziehen, steht zudem nicht in Einklang mit der oben dargestellten höchstrichterlichen Rechtsprechung zur Bewertung ausländischer Liegenschaften (E. 2.4 und 2.5 ). Die Vorgehensweise ist zu schema- tisch und wird der tatsächlichen Beschaffenheit der Liegenschaft nicht gerecht. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin Abklärungen vorgenommen hätte, um den mas- sgeblichen Verkehrswert der Liegenschaft und den marktüblichen Mietzins zu ermitteln. 4.2 Vorweg ist im vorliegenden Fall abzuklären, wie es um die angebliche Verpfändung der Liegenschaft steht bzw. in welchem Stadium sich eine allfällige Verwertung der Liegenschaft be- findet. Abhängig davon ist die Verfügungsmacht über die Liegenschaft, insbesondere auch über deren Erträge, zu beurteilen. Abzuklären ist sodann unter Berücksichtigung der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung im Besonderen der Verkehrswert der Liegenschaft, welcher namentlich mit Hilfe von Fotografien des Hauses und des Grundstücks, allfälligen Bau- und Grundstückplänen, Versicherungs- und Steuerunterlagen, des Kaufvertrags, Belegen über allfällige Investitionen in die Liegenschaft, Bankunterlagen im Zusammenhang mit d er gewährten Hypothek über € 150‘000.-- etc. bestimmt werden könnte. Eine zusätzliche Möglichkeit den Verkehrswert der fraglichen Liegenschaft zu bestimmen, wäre, den Verkehrswert vergleichbarer Objekte hinsicht- lich der Grundstücksgrösse, Anzahl Zimmer, Lage und Woh nqualität zu eruieren, wobei hierfür Informationen über Kaufpreise vergleichbarer Liegenschaften bei den lokalen Behörden eingeholt werden könnten. Auch eine direkte Verkehrswertschätzung durch eine geeignete unabhängige Person, Firma oder Behörde vor Ort könnte in Betracht gezogen werden. 5. Nach dem Gesagten steht fest, dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 19. Juni 2018 auf unzureichenden Abklärungsergebnissen be ruht und deshalb aufzuheben ist. Die Beschwerdegegnerin wird angehalten, die notwendigen Abklärungen im Sinne der Erwägun- gen vorzunehmen. In diesem Zusammenhang ist ausdrücklich auf die Mitwirkungspflicht des Be- schwerdeführers hinzuweisen (vgl. E. 2.7). Die Vorinstan z wird den Verkehrswert der Liegen- schaft in Italien, den hypothetischen Ertrag sowie die Gebäudeunterhaltskosten neu zu ermitteln und die Berechnung des Vermögens und des Liegenschaftsert rags nachvollziehbar darzulegen haben. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird die Beschwerdegegnerin über den Anspruch auf Ergänzungsleistungen des Beschwerdeführers und eine allfällige Rückforderung neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Dem Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers wurde mit Verfügung vom 2. Mai 2019 Frist zur Einreichung seiner Honorarnote Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis 23. Mai 2019 gewährt. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist keine Honorarnote eingegangen, wes- halb das Gericht das Honorar nach Ermessen festzusetzen ha t. Für das vorliegende Verfahren erscheint ein Aufwand von 5 Stunden sowie Auslagen von Fr . 50.-- in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘400.10 (5 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 50.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil b ewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid vom 24. Januar 2019 aufgehoben wird und die Angelegenheit zur Neuberechnung der Ergänzungsleistungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Be- schwerdegegnerin zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1‘400.10 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht