Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juli 2020 (735 20 38 / 168) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Fehlender sachlicher Zusammenhang. Die Manifestation einer psychischen Erkrankung während des Vorsorgeverhältnisses ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus- gewiesen. Es besteht kein Leistungsanspruch. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Daniela Buser Parteien A.____, Klägerin, vertreten durch Daniela Ma thys, Fürsprecherin, Monbijoustrasse 34, Postfach, 3001 Bern gegen Valora Pensionskasse , Hofackerstrasse 40, 4132 Muttenz, Beklag- te, vertreten durch Max B. Berger, Rechtsanwalt, Advokatur Berger AG, Amthausgasse 1, 3011 Bern Betreff Invalidenrente A.a Die 1965 geborene A.____ war vom 1. Juni 2010 b is 15. August 2014 bei der B.____ AG als Verkäuferin angestellt und in dieser Eigenschaf t bei der Valora Pensionskasse mit Sitz in X.____ berufsvorsorgeversichert. Vom 16. August 2014 b is 12. September 2014 stand die Versicherte als stellvertretende Geschäftsführerin in ein em Arbeitsverhältnis beim C.____, wodurch sie ebenfalls bei der Valora Pensionskasse berufsvorsorgeversichert war. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.b Am 9. März 2015 meldete sich A.____ unter Hinweis auf ein chronisches Lumboverteb- ralsyndrom, Schulterschmerzen beidseits bei einer AC-Ar throse und einer Supraspi- natustendinopathie, eine Fibromyalgie mit Dekondition ierungssyndrom und bei psychosozialen Belastungsfaktoren, eine Hypothyreose, einen Vitamin D -Mangel und eine Adipositas bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Kanton Bern (IV-Stelle) klärte daraufhin die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse der Versicherten ab. Im Rahmen der medizinischen Abklärungen kündigte si e mit Mitteilung vom 21. März 2016 eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung bei den Dr es. med. D.____, FMH Rheuma- tologie, und E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, an. Dagegen erhob A.____ am 12. April 2016 Einwand und beantragte die vorgängig e Prüfung von Eingliederungsmassnah- men sowie eine polydisziplinäre Begutachtung in den Fach richtungen Orthopädie, Rheumatolo- gie, Endokrinologie und Psychiatrie. Die IV-Stelle hiel t daraufhin mit Verfügung vom 18. April 2016 an ihrem Vorgehen fest. Mit Eingabe vom 25. Au gust 2016 reichte die Versicherte ein psychiatrisches Parteigutachten von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein und verlangte den Verzicht auf die angekündigte bidi sziplinäre Begutachtung. Mit Schreiben vom 1. September 2016 hielt die IV-Stelle wiederum a n der anstehenden gutachterlichen Un- tersuchung fest, zumal das Parteigutachten die zu klärend en medizinischen Fragen nicht zu beantworten vermöge. Das rheumatologisch-psychiatrische Gu tachten der Dres. D.____ und E.____ erging am 24. Oktober 2016. Nach eingehender Prüfung dieses Gutachtens kam die IV- Stelle zum Schluss, dass dem psychiatrischen Teilgutachten v on Dr. E.____ kein Beweiswert zukomme. Mit Mitteilung vom 20. Januar 2017 stellte sie i n der Folge eine weitere psychiatri- sche Begutachtung in Aussicht. Daran hielt sie nach durchge führtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 15. Februar 2017 fest. A.c Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 14. März 20 17 Beschwerde ans Verwal- tungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtlich e Abteilung (Verwaltungsgericht). Mit Urteil des Einzelrichters vom 6. Juli 2017 (200 1 7 280 IV) hiess das Verwaltungsgericht die Beschwerde in dem Sinne gut, als dass es die angefocht ene Verfügung vom 15. Februar 2017 aufhob und die Angelegenheit zur Prüfung des Leistun gsanspruchs der Versicherten gestützt auf die vorliegenden medizinischen Unterlagen an die Vo rinstanz zurückwies. Es begründete diesen Entscheid damit, dass die Diagnose einer Persön lichkeitsstörung genügend gesichert sei. Demzufolge sei von einer weiteren psychiatrischen Begutachtung abzusehen, da diese eine unzulässige second opinion (Zweitmeinung) darstellen würde. A.d Mit Verfügung vom 8. August 2018 sprach die IV-Ste lle der Versicherten vom 1. September 2015 bis 31. Oktober 2017 eine halbe In validenrente gestützt auf einen Invalidi- tätsgrad (IV-Grad) von 55 %, vom 1. November 2017 bi s 31. März 2018 eine ganze Invaliden- rente gestützt auf einen IV-Grad von 100 % und ab dem 1. April 2018 eine unbefristete halbe Invalidenrente gestützt auf einen IV-Grad von 55 % zu. Diese Verfügung erwuchs unangefoch- ten in Rechtskraft. A.e Im Oktober 2018 erfolgte durch die IV eine revision sweise Überprüfung der zuletzt zu- gesprochenen Invalidenrente. Nach Vornahme der entsprechenden medizinischen Abklärungen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilte die IV-Stelle der Versicherten am 27. Mai 2019 mit, dass ihr aufgrund eines unveränderten Gesundheitszustands weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten sei. B. Am 21. Januar 2020 reichte A.____, vertreten dur ch Fürsprecherin Daniela Mathys, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsgericht), Klage gegen die Valora Pensionskasse ein. Sie beantrag te, es sei die Beklagte zu verpflichten, ihr ab dem 1. August 2015 eine Invalidenrente basieren d auf einem IV-Grad von 55 %, ab dem 1. November 2017 basierend auf einem IV-Grad von 100 % und ab dem 1. April 2018 basierend auf einem IV-Grad von 55 % auszurichten. Sie sei zudem zu verpflichten, die nachzuzahlenden Rentenleistungen ab Klageeinreichung mit 5 % zu verzinsen. Zur Begründung führte sie im We- sentlichen an, dass sich die massgebenden psychischen Beschwerd en während des Vorsorge- verhältnisses manifestiert hätten und die Beklagte folgli ch aufgrund der Bindungswirkung an den IV-Rentenanspruch gebunden sei. C. Mit Klageantwort vom 13. April 2020 schloss die Val ora Pensionskasse auf Abweisung der Klage. Sie vertrat dabei im Wesentlichen die Auff assung, dass während des Vorsorgever- hältnisses keine echtzeitlich dokumentierte Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Klägerin aufgrund einer psychischen Erkrankung ausgewiesen sei. Es fe hle damit am sachlichen Kon- nex, weshalb ihrerseits keine Leistungspflicht bestehe. D. Am 17. April 2020 zog das Kantonsgericht die Akten d er IV bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Nach Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufl iche Vorsorge (BVG) vom 25. Juni 1982 und § 54 des Gesetzes über die Verfassung s- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist für die Beurteilung d er vorliegenden Streitigkeit über An- sprüche einer versicherten Person gegenüber einer Vorsor geeinrichtung das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, sachlich zuständig. Art . 73 Abs. 3 BVG regelt die örtliche Zuständigkeit für die Entscheidung von Streitigkeiten be rufsvorsorgerechtlicher Natur. Gerichts- stand ist demnach der schweizerische Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebs, bei dem die versicherte Person angestellt worden war. Der Sitz der Beklagten befindet sich vorliegend in X.____. Damit ist das Kantonsgericht für die Beurteilung der gegen die Be- klagte erhobenen Klage auch örtlich zuständig. Auf die − im Übrigen formgerecht eingereichte − Klage vom 21. Januar 2020 ist demnach einzutreten. 2. Strittig ist der Anspruch der Klägerin auf Leistung en aus dem Vorsorgeverhältnis mit der Beklagten. 3.1 Die obligatorische Versicherung beginnt mit dem Ant ritt des Arbeitsverhältnisses (Art. 10 Abs. 1 BVG; vgl. auch Art. 5 Abs. 1 des Vorsorg ereglements der Valora Pensionskasse [Reglement] vom 1. Januar 2014). Die Versicherungspfli cht endet, wenn der Anspruch auf Al- tersleistung entsteht, das Arbeitsverhältnis aufgelöst, der Mindestlohn unterschritten oder die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausrichtung von Taggeldern der ALV eingestellt wird; vorbehalten bleibt Art. 8 Abs. 3 BVG (Art. 10 Abs. 2 BVG; vgl. auch Art. 5 Abs. 2 des Regle ments). Für die Risiken Tod und Invalidi- tät bleibt die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer während eines Monats nach Auflösung des Vorsorgeverhältnisses bei der bisherigen Vorsorgeeinricht ung versichert (Art. 10 Abs. 3 BVG; vgl. auch Art. 5 Abs. 4 des Reglements). 3.2.1 Nach Art. 23 lit. a BVG haben Personen Anspruch auf Invalidenleistungen, die im Sinne der IV zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach Art. 24 Abs. 1 BVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn sie im Si nne der IV mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zur Hälfte und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist. Auf Grund von Art. 6 BVG steht es den Vorsorgeeinrichtungen aber frei, nic ht nur im Bereich der weitergehenden Vorsorge, sondern auch im obligatorischen Bereich den Invaliditätsbegriff in ihren Statuten oder ihren Reglementen zugunsten der versicherten Personen zu erweitern oder Invalidenrenten schon bei einem IV-Grad von weniger als 40 % auszurichten. Das Reglement der Valora Pensi- onskasse geht grundsätzlich vom gleichen Invaliditätsbegriff aus wie die IV (vgl. auch Art. 24 Abs. 1-3 des Reglements). 3.2.2 Für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleist ungen der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge gelten sinngemäss die entsprechenden Bestimmung en des IVG (Art. 29 IVG; Art. 26 Abs. 1 BVG). Der Anspruch entsteht demnach grundsätzlich mit dem Beginn der Rente der In- validenversicherung nach Art. 29 Abs. 1 IVG, d.h. frühe stens sechs Monate nach der Anmel- dung bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug (BGE 140 V 470). 3.3 Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, durch welche die ansprec hende Person bei Eintritt der Ar- beitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert war. Dieser Grundsatz findet auch in der weitergehenden beruflichen Vorsorge Anwendung, wenn das Reglement oder die Statuten nichts Anderes vorsehen (BGE 136 V 65 E . 3.2). Entscheidend ist somit einzig der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhän gig davon, in welchem Zeitpunkt und in wel- chem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen en tsteht. Die Versicherteneigen- schaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gege ben sein, dagegen nicht notwendiger- weise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimm erung der Invalidität (Urteil des Bun- desgerichts vom 8. September 2017, 9C_139/2017, E. 2.1). Für die Bestimmung der Leistungs- zuständigkeit ist eine erhebliche und dauerhafte Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich massgebend. D iese muss mindestens 20 % betra- gen (BGE 134 V 20 E. 3.2.2). Es wird zwar in der Regel, aber nicht in jedem Fall zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zum rechtsgenügenden Nachweis einer be- rufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionelle m Leistungsvermögen verlangt (Urtei- le des Bundesgerichts vom 11. Juni 2008, 9C_96/2008, E. 3.2.2 und vom 11. Februar 2008, B 152/06, E. 6.3). Immerhin reichen nachträgliche An nahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine rückwirkend festgelegte medizinisch-theoreti sche Arbeitsunfähigkeit nicht aus (Urteile des Bundesgerichts vom 8. September 2017, 9C_ 139/2017, E. 4.2.2.1 und vom Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11. September 2008, 9C_368/2008, E. 2 jeweils mit H inweisen). Die gesundheitliche Beein- trächtigung muss sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben; die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen muss mit andere n Worten arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sein, etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststel- lung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch ge häufte aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143, 9C_127/2008 E. 2.3 und 2008 IV Nr. 11 S. 32, I 687/06 E. 5.1; Urteil des B undesgerichts vom 6. Juni 2012, 9C_362/2012, E. 5.2.1 mit Hinweis). 3.4 Der Anspruch auf Invalidenleistungen der (obligato rischen) beruflichen Vorsorge setzt einen engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang (Ko nnex) zwischen der während des Vorsorgeverhältnisses eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der allenfalls erst später eingetre- tenen Invalidität voraus (BGE 136 V 65 E. 3.1 mit Hin weisen). Der sachliche Konnex ist gege- ben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähi gkeit geführt hat, von der Art her im Wesentlichen derselbe ist wie derjenige, welcher der E rwerbsunfähigkeit zugrunde liegt. Der zeitliche Konnex setzt voraus, dass die versicherte Person n ach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, nicht währ end längerer Zeit wieder arbeitsfähig war. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umständ e des konkreten Einzelfalles zu be- rücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, de ssen prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versicher te Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 134 V 20 E. 3.2). 3.5 Ein Entscheid der IV-Stelle ist für eine Einrichtu ng der beruflichen Vorsorge verbindlich, sofern sie in das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen wurde, die konkrete Fragestellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung entscheidend war und die invalidenversicherungsrechtliche B etrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich u nhaltbar erscheint. Die Bindungswir- kung findet ihre positivrechtliche Grundlage in den Art . 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 BVG, wel- che an die Regelung des IVG anknüpfen oder diese überne hmen (BGE 143 V 434 E. 2.2; 133 V 67 E. 4.3.2). 4.1 Gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz ha- ben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständi ge Feststellung des Sachverhaltes zu sor- gen (Art. 73 Abs. 2 BVG; BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 1 58 E. 1a). Dabei schliesst der Untersu- chungsgrundsatz die Beweislast im Sinne einer Beweisfü hrungspflicht begriffsnotwendig aus. Im Prozess nach Art. 73 BVG tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur inso- fern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu U ngunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will. Nach der Praxis des Bundesge- richts liegt die Beweislast bei anspruchsbegründenden Ta tfragen demzufolge bei jener Partei, die den Anspruch geltend macht. Bei anspruchsaufhebend en Tatfragen liegt sie bei der Partei, die sich auf das Dahinfallen des Anspruchs beruft (RKUV 19 94 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). Diese Beweisregeln kommen allerdings erst dann zur Anwendung, wenn es sich als unmöglich er- weist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund e iner Beweiswürdigung einen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiege nde Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hin weisen). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt der Untersuchungsgrundsatz im Bereich der beruflichen Vorsorge aller- dings lediglich beschränkt (Urteil des Bundesgerichts vom 4 . September 2017, 9C_48/2017, E. 2.2.2). Vorliegend geht es um den Anspruch auf e ine Invalidenrente. Die Beweislast und da- mit die Folgen der Beweislosigkeit trägt demnach die Klägerin. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbe sondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde − die Verwaltung und im Streitfall das Gericht − auf Unter lagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.1.1 Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Die Versicherte war ab dem 1. Juni 2010 bei der B.____ AG als Verkäuferin und im weite- ren Verlauf als (stellvertretende) Geschäftsführerin ang estellt. Am 28. Mai 2014 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31. Juli 2014 u nter sofortiger Freistellung der Klägerin. Mit Vereinbarung vom 7. Juli 2014 wurde die Kündigung sfrist der Versicherten verlängert, wo- raufhin das Arbeitsverhältnis am 15. August 2014 endet e. Ab dem 16. August 2014 war die Versicherte als stellvertretende Geschäftsführerin beim C.____ angestellt. Der Arbeitgeber kün- digte dieses Arbeitsverhältnis am 5. September 2014 inne rhalb der Probezeit per 12. September 2014. 5.1.2 Betreffend die Dauer der Versicherungsdeckung bei der Beklagten geht aus den Akten hervor, dass die Beklagte die Austrittsabrechnung per 3 1. August 2014 vornahm (Klagebeilage [KB] Nr. 1). Die Lohnabrechnungen des C.____ der Mon ate August und September 2014 (KB Nr. 13) zeigen weiter, dass die Klägerin in diesem Zeitraum krankheitsbedingt Taggelder bezogen hatte. Folglich habe – entsprechend den Ausf ührungen in der Klageantwort – kein Ar- beitsantritt stattgefunden und für das Arbeitsverhältni s beim C.____ sei keine Anmeldung bei der Beklagten erfolgt. In Anbetracht der nachfolgende n Ausführungen kann jedoch offengelas- sen werden, ob die Versicherungsdeckung der Klägerin un ter Berücksichtigung einer einmona- tigen Nachdeckung nunmehr per 15. September 2014 oder per 12. Oktober 2014 endete. 5.2 Die Akten der IV enthalten zahlreiche medizinische Un terlagen, welche vom Kantonsge- richt allesamt gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen i ndessen lediglich diejenigen Berichte wiedergegeben werden, die sich für den Entscheid als relevant erweisen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.1 Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie u nd Traumatologie des Bewegungsap- parates, diagnostizierte im Bericht vom 7. April 2014 (act. 24, S. 8) eine Tendinitis calcarea beidseits sowie differentialdiagnostisch symptomatische AC -Gelenksbeschwerden (Acromiocla- viculargelenk [AC]) beidseits und eine chronische Lumbalgi e bei einem Status nach einer De- kompression im Bereich L5/S1 im Dezember 2010. Die Versicherte habe über Dauerschmerzen im Bereich der Schultern berichtet. Diese Schmerzen wü rden vor allem bei der Mobilisation et- wa bei der Arbeit, beim Greifen nach oben oder beim Heben und Tragen von Gegenständen auftreten. 5.2.2 Am 20. August 2014 wurde der Versicherten mit är ztlichem Zeugnis der behandelnden Ärztin Dr. med. H.____, FMH Allgemeine Innere Medizin , für den 19. August 2014 (act. 9, S. 7) eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 100 % attestiert. 5.2.3 Am 28. August 2014 (act. 9, S. 6) bestätigte Dr . H.____, dass die Versicherte vom 27. August 2014 bis 7. September 2014 zu 100 % arbeitsunfähig sei. 5.2.4 Der Versicherten wurde mit ärztlichem Zeugnis d es Zentrums Y.____ vom 5. September 2014 (act. 19.2, S. 19) eine vollumfängliche Arbeitsu nfähigkeit für den Zeitraum vom 8. September 2014 bis 23. September 2014 attestiert. 5.2.5 Anlässlich der Verlaufskontrolle diagnostizierte p rakt. med. I.____ mit Sprechstundenbe- richt vom 8. September 2014 (act. 19.2, S. 18 f.) chr onische Zervikozephalgien bei einem Ver- dacht auf eine Tendinitis calcarea bzw. differentiald iagnostisch einer Omarthrose links sowie einer chronischen Lumbalgie bei einem Status nach eine r Dekompression im Bereich L5/S1 sowie PLIF-Operation L5/S1 mit dorsaler Spondylodese vom 8. Dezember 2010 bei Spondylo- lyse L5 mit Anterolisthese L5/S1 im Grad I nach Meyerdin g. Die Versicherte habe über eine Zunahme der Rückenschmerzen in den letzten Wochen mit Ausstrahlung in die Beine berichtet. Eine Dermatomzuordnung sei nicht möglich, auch seien ke ine sensomotorischen Defizite der unteren Extremitäten geschildert worden. Unter Analgesie habe keine deutliche Beschwerdelin- derung erreicht werden können. 5.2.6 Im Bericht vom 18. September 2014 (act. 19.2, S . 17) erhob prakt. med. I.____ die Di- agnosen von chronischen Zervikozephalgien bei einem Verd acht auf eine Tendinitis calcarea bzw. differentialdiagnostisch einer Omarthrose links sow ie einer chronischen Lumbalgie bei einem Status nach einer Dekompression im Bereich L5/S1 sowie PLIF-Operation L5/S1 mit dorsaler Spondylodese vom 8. Dezember 2010 bei Spondylol yse L5 mit Anterolisthese L5/S1 im Grad I nach Meyerding. Anlässlich der Röntgenuntersu chung habe sich keine Anschlussde- kompensation oberhalb des operierten Segments gezeigt . Es bestehe eine beginnende Spon- dylarthrose auf der Höhe L4/5. Die Patientin sei aufg rund der starken Schmerzsymptomatik bis zum 23. September 2014 vollständig arbeitsunfähig. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.7 Mit ärztlichem Zeugnis vom 22. September 2014 (a ct. 9, S. 5) attestierte die behandeln- de Ärztin Dr. H.____ der Versicherten vom 24. September 2014 bis 22. Oktober 2014 eine voll- ständige Arbeitsunfähigkeit. 5.2.8 Dr. med. J.____, FMH Physikalische Medizin und Reha bilitation sowie Rheumatologie, erhob mit Bericht vom 6. Oktober 2014 (act. 19.2, S. 1 4 f.) eine Schulterproblematik mit ausge- prägter AC-Arthrose beidseits, eine leichte Supraspinat ustendinopathie, ein chronisches Lum- bovertebralsyndrom bei einem Status nach Stabil-PLIF-O peration L5/S1 mit dorsaler Sponylo- dese am 8. Dezember 2012 bei einer Spondylolyse L5, e ine Adipositas sowie ein Decondition- ing. Die Versicherte habe über eine wiederholt schmerzh aft eingeschränkte Schulterbeweglich- keit und ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei länge rem Stehen, insbesondere mit krampfartigen Schmerzen in der linken Flanke, geklagt. Es bestünden eine allgemeine Leis- tungsschwäche und wiederholt Blockaden in den Daumengelenken. Auch leide sie unter Nacht- schweiss und einer erheblichen Gewichtszunahme in den vergangenen vier Jahren. 5.2.9 Gemäss dem ärztlichen Zeugnis des Zentrums Y.____ vom 21. Oktober 2014 (act. 9, S. 4) war die Versicherte vom 21. Oktober 2014 bis 31. Oktober 2014 zu 100 % und vom 1. November 2014 bis 31. Dezember 2014 zu 50 % arbeits unfähig. Ab dem 1. November 2014 sei der Versicherten eine halbtägige, leichte Arbeit bei wechselnder Belastung und unter Einhal- tung einer Hebe- und Tragelimite von fünf Kilogramm zumutbar. 5.2.10 Im Bericht vom 23. Oktober 2014 (act. 19.2, S. 9 f.) erhob Dr. J.____ ein fibromyalgi- sches Beschwerdebild mit typischer Anamnese, ausgehend von einer chronischen lumbalen Problematik nach einer Stabilisationsoperation am 8. D ezember 2010. Aktuell bestehe eine Überforderungssituation bei schwerer psychosozialer Belastu ng. Die Patientin sei sehr be- drückt, weil ein Verwandter verstorben sei. Es bestünden v ermehrt Anlaufschwierigkeiten am Morgen aufgrund der Steifigkeit des Rückens und der gro ssen Gelenke. Im Bereich der Hand bzw. der Finger komme es gehäuft zu Blockierungen, jedo ch ohne Krampferscheinungen. In Ergänzung der Anamnese hielt Dr. J.____ fest, dass die V ersicherte mit 18 Jahren ein schwe- res Trauma erlitten habe, als sie von drei Männern verg ewaltigt worden sei. In der Folge habe sie sich in eine Ehe gestürzt, welche nach sechs Jahren zerb rochen sei. Auch werde sie wahr- scheinlich immer wieder von diesem Trauma eingeholt, da sie in den vergangenen Jahren keine längerdauernden Beziehungen gehabt habe. Im Jahre 20 00 seien eine Hysterektomie und eine einseitige Ovarektomie vorgenommen worden. Von 2000 bis 2002 sei sie bereits in psychiatri- scher Behandlung gewesen. Einige dieser Symptome seien n un wiederaufgetreten. Die Patien- tin solle sich in diesem Zusammenhang Gedanken zu eine r psychosozialen Hilfestellung ma- chen. 5.2.11 Im Überweisungsschreiben an Dr. med. K.____, FMH Endokrinologie und Diabetologie, vom 23. Oktober 2014 (act. 9, S. 15; act. 19.2, S. 11) wies Dr. J.____ daraufhin, dass die Pati- entin unter erheblichem psychosozialem Druck stehe. Diese Be lastung sei seiner Ansicht nach für einen wesentlichen Teil der fibromyalgischen Besc hwerden verantwortlich, respektive führe zu einer Verstärkung derselben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.12 Mit Bericht vom 13. November 2014 (act. 9, S. 13 f.) diagnostizierte Dr. J.____ ein chro- nisches Lumbovertebralsyndrom bei einem Status nach einer Dekompression und PLIF L5/S1 am 8. Dezember 2010 bei einer Spondylolyse im Bereich L 5, Schulterschmerzen beidseits bei deutlicher AC-Arthrose und einer Supraspinatustendino pathie sowie ein Deconditioning- Syndrom. Ab dem 1. November 2014 bestehe eine teilweise Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 %. Einschränkungen psychischer Art seien nicht vorhanden. 5.2.13 Über die Konsultationen der Versicherten vom 1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2019 bei der behandelnden Ärztin Dr. H.____ besteht ein Ve rlaufsbericht (KB Nr. 28). Dem Eintrag vom 20. August 2014 ist zu entnehmen, dass die Versicherte «überall Schmerzen» beklagt ha- be. Die Schmerzen würden insbesondere im Bereich des Nackens, der Schultern und der Beine auftreten. Es bestehe der Verdacht auf ein Fibromyalg iesyndrom. Mit Eintrag vom 22. September 2014 hielt die behandelnde Ärztin fest , dass die Versicherte nunmehr die Physiotherapie besuche. Sie sei noch zu sehr verspannt und unterziehe sich heute noch einer Cortison-Behandlung. Die Versicherte sei für vier Wochen arbeitsunfähig. Dr. H.____ warf zu- dem die Frage nach einer Psychosomatik auf. Im Eintrag vom 28. Oktober 2014 berichtet die behandelnde Ärztin über eine bis auf einen leicht ungenügenden Anstieg des Cortisols unauffäl- lige Laboruntersuchung. Eventuell sei eine psychische Behandlung indiziert. 5.2.14 Vom 2. Februar 2015 bis 21. Februar 2015 war die Versicherte zur muskuloskelettalen Rehabilitation im Zentrum L.____ hospitalisiert. Im A ustrittsbericht vom 4. März 2015 (act. 24, S. 3 ff.) erhob prakt. med. M.____ die Diagnose eines chronischen Lumbovertebralsyndroms bei einem Status nach einer Dekompression und PLIF L5/S1 am 8. Februar 2010 bei Spondylo- lyse L5, bei SPECT-/Szintigraphisch keinen Hinweisen für eine Implantatlockerung im Dezem- ber 2014 und bei schwerer Dekonditionierung. Weiter d iagnostizierte sie Schulterschmerzen beidseits bei einer AC-Arthrose und leichter Supraspn atustendinopathie, eine Fibromyalgie bei einem Dekonditionierungssyndrom, psychosozialen Belastungsfaktoren und Durchschlafstörun- gen seit 2010, eine Adipositas, einen Vitamin D-Mang el sowie eine Hypothyreose. Als Neben- diagnosen wurden ein Status nach einer Hysterektomie un d einseitiger Ovarektomie im Jahr 2000 sowie ein Status nach einer psychiatrischen Behandlu ng von 2000 bis 2002 nach einem schweren Psychotrauma erhoben. Die Patientin habe sich in einem reduzierten Allgemein- und adipösem Ernährungszustand befunden. Es hätten weder mo torische Ausfälle noch Sensibili- tätsstörungen bestanden. Bei Vorliegen einer chronifizi erten Schmerzsymptomatik habe die Versicherte denn auch über weitgehend unveränderte Be schwerden geklagt. Des Weiteren lei- de sie unter beidseitigen Schulterbeschwerden, welche u nter Schmerzmedikation erträglich seien. Bei der Versicherten hätten suizidale Gedanken be standen, von denen sie sich jeweils habe distanzieren können. Es bestehe ausserdem eine schwe re Selbstwertproblematik, wes- halb eine fachärztliche Weiterbetreuung indiziert sei. 5.2.15 Mit Bericht vom 28. Februar 2015 (act. 24, S. 7 ) überwies Dr. J.____ die Versicherte an die psychiatrischen Dienste Y.____ zu weiteren Abklärunge n. Seit dem 23. März 2015 befinde sich die Versicherte nunmehr in ambulanter psychiatrisch-p sychologischer Behandlung. Mit ärztlichem Bericht für die Taggeldversicherung vom 3. Mä rz 2016 (KB Nr. 17) diagnostizierte der behandelnde Arzt Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie, eine rezidivie- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht rende depressive Störung mit gegenwärtig mittelschwerer Episode, eine Agoraphobie mit Pa- nikstörungen sowie eine akzentuierte Persönlichkeit mit zw anghaften, paranoiden und schizoi- den Zügen. Die Versicherte leide seit 2003 unter inte rmittierenden Schmerzen im Lumbalbe- reich mit Ausstrahlung in die Beine, welche zunächst vor allem bei Belastung aufgetreten seien. Nach einem operativen Eingriff im Dezember 2010 habe si e eine längere schmerzfreie Phase erlebt. Ende 2012 hätten die Schmerzen jedoch wieder zugenommen, wobei zusätzlich Schul- terschmerzen aufgetreten seien. Im August 2015 seien zwei Schulteroperationen durchgeführt worden. Aktuell leide sie vor allem unter Schmerzen i m Lumbalbereich, in der rechten Schulter sowie in beiden Knien. Zur Schmerzproblematik beiget ragen hätten möglicherweise zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren. Die Versicherte habe angeg eben, unter Konzentrations- schwierigkeiten und Vergesslichkeit zu leiden. Weiter be stünden agoraphobische Ängste, eine Tendenz zum Perfektionismus und übermässigem «Beschäftigt sein» mit Details, dem Halten von Ordnung und Sauberkeit bzw. der Einhaltung von Reg eln. Die Schwingungsfähigkeit sei leicht reduziert, wohingegen der affektive Rapport gut herstellbar sei. Die Versicherte sei nie- dergeschlagen, wirke ängstlich und sei reizbar. Es bestünd en eine innere Unruhe und Sui- zidphantasien, wobei sie sich von letzteren glaubhaft habe distanzieren können. Der Antrieb sei vermindert und sie leide an schmerzbedingten Durchschlafst örungen. Die Versicherte sei seit dem 9. August 2014 zu 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund der vorstehenden psychiatrischen Diagnosen sei die Arbeitsfähigkeit insbesondere durch Ko nzentrationsschwierigkeiten, eine eingeschränkte Merkfähigkeit, eine Vergesslichkeit, eine Müdigkeit, eine rasche Erschöpfung, eine innere Unruhe, durch Ängste bezüglich der Schmerzpr oblematik sowie ein verlangsamtes Arbeitstempo reduziert. In körperlicher Hinsicht bestünd en Einschränkungen aufgrund der Rü- cken- und Schulterschmerzen. Eine Tätigkeit in der freien Marktwirtschaft sei erst nach intensi- ver Psychotherapie, einer multimodal ausgerichteten Schm erzbehandlung und mithilfe einer von der IV unterstützten Integrationsmassnahme wieder mög lich. Dabei seien sowohl Beschäf- tigungsmassnahmen als auch Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation mit der Mög- lichkeit von Aufbau- und Belastungstrainings in Betracht zu ziehen. 5.2.16 Mit Bericht vom 16. November 2016 (act. 50) erh ob der behandelnde Arzt Dr. N.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialen Belastungsfaktoren ( Kündigung, fehlende berufliche Perspektive, finanzielle Probleme, Probleme mit der In tegration, konflikthafte Beziehung zur Tochter) bestehend seit August 2014, einer Agoraphobie mit Panikstörungen bestehend seit 2002, einer akzentuierten Persönlichkeit mit zwanghaften , paranoiden und schizoiden Zügen bestehend seit der Adoleszenz, eines chronischen Lumbovert ebralsyndroms bestehend seit 2003 und von Schulterschmerzen beidseits bei einer AC-Arthrose und Supraspinatustendinopa- thie. 5.2.17 Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapi e, diagnostizierte im psychiatri- schen Parteigutachten vom 12. August 2016 (act. 91) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend selbstunsicheren, dependenten und zwangha ften Zügen, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowi e eine rezidivierende depres- sive Störung mit gegenwärtig leichter Episode. Aufgrund der vorliegenden Dokumentationen spreche einiges dafür, dass die Versicherte von 1990 bis 1 992, 2002 bis 2004, 2010 und ab Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 jeweils eine depressive Episode in unterschiedlicher Ausprägung durchlitten habe. Im Un- tersuchungszeitpunkt seien die Kriterien einer leichten depressiven Episode erfüllt. Die kombi- nierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend selbstunsich eren, dependenten und zwanghaften Zügen bestehe seit der Adoleszenz. Eine Dekompensation se i jedoch erst ab 2010 sukzessive erfolgt. Der Beginn der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto- ren sei schwer rekonstruierbar. Die Rückenprobleme bestünde n bereits seit dem 34. oder 35. Lebensjahr. Bis 2010 seien die Schmerzen jeweils durch kurzfristiges Erholen und Schonen verschwunden oder zumindest weitgehend zurückgegangen. Wa hrscheinlich habe sich die Schmerzstörung ab 2012 schleichend entwickelt und sei circa 2014 dekompensiert. Eine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten liege vo r. So sei sie in der Tätigkeit als Ge- schäftsführerin vollständig arbeitsunfähig. Zumutbar sei dagegen eine klar strukturierte, halbtä- gige Tätigkeit mit wohlwollender Unterstützung, ausrei chender Bestätigung und persönlicher Begleitung durch den Arbeitgeber. Der Betreuungsaufwa nd sei folglich relativ hoch. Diese Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe seit April 2014. 5.2.18 Im Rahmen der medizinischen Abklärungen gab die IV-Stelle die bidisziplinäre Begut- achtung vom 24. Oktober 2016 in Auftrag. Dr. D.____ erhob im rheumatologischen Teilgutach- ten (act. 103.1) nur Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Er diagnostizierte ein chronisches, generalisiertes Schmerzsyndrom, welches somatisch nicht ausreichend abstützbar und durch krankheitsfremde Faktoren mitgeprägt sei. Es bestehe ein primäres Fibromyalgie- Syndrom betont im Bereich der unteren rechten Körperh älfte, eine Panalgie, diffuse Druck- schmerzen sowie Polyarthralgien axialer und peripherer Gelenke. Weiter diagnostizierte er eine Gonarthrose rechts, eine Adipositas, ein beginnendes met abolisches Syndrom, eine gestörte Gluconeogenese, einen Nikotinkonsum und anamnestisch ein Reizmagen-Syndrom. Die von der Versicherten geschilderten Schmerzen wiesen seit spätestens 2013 auf vordergründig nicht mehr somatisch abstützbare Beschwerden hin. Eine anhalte nde Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit habe aber aus rheumatologischer Sicht auch retro spektiv nicht bestanden. Lediglich im Anschluss an die Schulteroperation rechtsseitig im April 2 015 und linksseitig im August 2015 seien zeitlich limitierte Einschränkungen der Arbeitsfäh igkeit von maximal je einem Monat aus- gewiesen. Im psychiatrischen Teilgutachten (act. 102.1) nannte Dr. E.____ mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit eine rezidivierende depressive Störung mit gege nwärtig leichter Episode, wobei der Beginn der Störung mindestens auf das Jahr 2002 zurückgehe und die aktuelle depressive Epi- sode aktenanamnestisch im Jahr 2014 begonnen habe, sowie eine kombinierte Persönlich- keitsstörung mit narzisstischen und zwanghaften Anteilen be stehend seit der Adoleszenz. Seit 2013 leide die Versicherte unter Schmerzen im Bereich der Schultern, welche sich rasch auf weitere Körperpartien (Rücken, Hände, Knie) ausgeweit et hätten und trotz zahlreicher Behand- lungen persistieren würden. Die in diesem Zusammenhan g bestehende chronische Schmerz- störung mit somatischen und psychischen Faktoren wirke sich j edoch ebenso wenig wie die Klaustrophobie und der schädliche Gebrauch von Tabak a uf die Arbeitsfähigkeit der Versicher- ten aus. Sie habe trotz ihrer kombinierten Persönlichkei tsstörung unter geeigneten Rahmenbe- dingungen über Jahre hinweg ein gutes Leistungsniveau aufrechterhalten können, welches massgeblich durch die sehr hohen Leistungsansprüche beeinf lusst worden sei. Menschen mit Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht narzisstischen Persönlichkeitsanteilen würden oft zwei Selbstkonzepte aufweisen: Das negative Selbstkonzept stamme meist aus der Kindheit und führe da zu, dass Betroffene sich als unfähig und nicht liebenswert erlebten. Daneben entstehe ein positives Selbstkonzept, das vor allem durch das kompensatorische Leistungsverhalten zustande gekomm en sei. Es entstehe vorlie- gend der Eindruck, als ob die Versicherte aufgrund eine r deutlichen Leistungseinschränkung verbunden mit einer dadurch bedingten reduzierten Aner kennung und Wertschätzung durch andere Menschen von einem positiven in ein negatives Sel bstkonzept gefallen sei. Aus psychi- atrischer Sicht bestehe aktuell eine Einschränkung der Arb eitsfähigkeit von 50 %. Aufgrund der Angaben der Versicherten, der vorliegenden Dokumentati on sowie des fluktuierenden Verlaufs der depressiven Symptomatik sei es nicht möglich, eine e xakte retrospektive Einschätzung vor- zunehmen, sodass spätestens ab dem Zeitpunkt der aktuellen Begutachtung von der vorste- hend erwähnten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. 5.3 Die IV-Stelle stützte sich in ihrer Verfügung vom 8. August 2018 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versich erten im Wesentlichen auf das bidis- ziplinäre Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 24. Oktober 2016. Sie ging demzufolge davon aus, dass seit Ablauf des gesetzlichen Wartejahres a m 9. August 2015 ununterbrochen eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % aufgrund einer kombin ierten Persönlichkeitsstörung mit nar- zisstischen und zwanghaften Anteilen sowie einer rezidiviere nden depressiven Störung mit ge- genwärtig leichtgradiger Episode bestand und sprach ih r gestützt auf einen IV-Grad von 55 % rückwirkend ab dem 1. September 2015 eine halbe Invali denrente zu. Aus den Akten ergibt sich, dass die Versicherte aufgrund einer Kniegelenksopera tion am 29. August 2017 und im postoperativen Verlauf auftretenden Komplikationen im Zusammenhang mit der Wundheilung vorübergehend vollständig arbeitsunfähig war. Die IV-St elle sprach der Versicherten in der Fol- ge vom 1. November 2017 bis 31. März 2018 aufgrund ei nes IV-Grads von 100 % eine ganze Rente zu. Nach Abheilung dieser somatischen Beschwerden bestand ab dem 1. April 2018 eine 50%-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund d er vorbestehenden psychischen Beein- trächtigungen, woraufhin ihr die IV-Stelle gestützt a uf einen IV-Grad von wiederum 55 % eine unbefristete halbe Rente zusprach. Nach Durchführung ein er Rentenrevision im Oktober 2018 bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 27. Mai 2019 den unveränderten Anspruch der Versi- cherten auf eine halbe Invalidenrente. 6.1 Die Klägerin macht vorliegend geltend, dass sowohl der sachliche als auch der zeitli- che Konnex gegeben seien, da sich die massgebenden psychischen Beschwerden bereits wäh- rend des Vorsorgeverhältnisses manifestiert hätten und d ie Klägerin seit Beginn der gesetzli- chen einjährigen Wartezeit am 9. August 2014 zu mindes tens 50 % arbeitsunfähig sei. Demzu- folge sei die Beklagte ihrer Leistungspflicht zu Unrecht nicht nachgekommen. Dagegen bringt die Beklagte vor, dass während des Vorsorgeverhältnisses ke ine echtzeitlich dokumentierte Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Klägerin aufg rund einer psychischen Erkrankung ausgewiesen sei. Es fehle damit am sachlichen Konnex, weshalb sich eine Diskussion des zeit- lichen Konnexes erübrige. Die Beklagte treffe folglich ke ine Leistungspflicht. Dieser Auffassung ist zu folgen, wie sich den nachfolgenden Ausführungen entnehmen lässt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Der Anspruch auf eine Invalidenleistung der beru flichen Vorsorge setzt – wie bereits in Erwägung 3.4 hiervor ausgeführt - einen engen sachliche n und zeitlichen Zusammenhang zwi- schen der während des Vorsorgeverhältnisses eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der allen- falls später eingetretenen Invalidität voraus. Ein sachlicher Konnex liegt demnach vor, wenn die gesundheitliche Beeinträchtigung, welche zur Arbeitsun fähigkeit geführt hat, von der Art her im Wesentlichen dieselbe ist wie diejenige, welche der Er werbsunfähigkeit und damit dem Invali- denrentenanspruch zugrunde liegt. Zum rechtsgenügenden N achweis der berufsvorsorgerecht- lich relevanten Leistungseinbusse wird dabei eine echtzei tlich ärztlich attestierte Arbeitsunfä- higkeit verlangt. Dabei gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jah ren rückwirkend festgelegte medizi- nisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit, nicht ausreichen, um den Nachweis einer berufsvorsorge- rechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsver mögen zu begründen. Ebenso muss sich die gesundheitliche Beeinträchtigung auf das Arbe itsverhältnis sinnfällig ausgewirkt haben. Wie sich aus den vorstehenden Ausführungen ergibt (vgl. Erwägung 5.3 hiervor), sprach die IV-Stelle der Klägerin eine halbe Invalidenrent e aufgrund einer kombinierten Persönlich- keitsstörung mit narzisstischen und zwanghaften Anteilen sowie einer rezidivierenden depressi- ven Störung mit gegenwärtig leichtgradiger Episode zu. Zu prüfen ist folglich, ob sich diese psy- chischen Beschwerden der Klägerin während des Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten ma- nifestiert und letztlich zur Invalidität geführt hatten. 6.3 Wie den diversen ärztlichen Zeugnissen der behandel nden Ärztin Dr. H.____ und des Zentrums Y.____ (vgl. Erwägungen 5.2.2 bis 5.2.4, 5.2. 7 und 5.2.9 hiervor) zu entnehmen ist, war die Versicherte am 19. August 2014 und ab dem 27. August 2014 bis 31. Oktober 2014 vollständig arbeitsunfähig. Ab dem 1. November 2014 bis 31. Dezember 2014 bestand dagegen eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit, wobei der Versicherten eine leichte Arbeit bei wechselnder Be- lastung und unter Einhaltung einer Hebe- und Trageli mite von fünf Kilogramm zumutbar sei. Dieses Zumutbarkeitsprofil weist auf eine bestehende soma tische Beschwerdeproblematik hin, was sich mit Blick auf die echtzeitlichen ärztlichen Berich te bestätigt. So erhob Dr. G.____ im Bericht vom 7. April 2014 die Diagnose einer Tendini tis calcarea beidseits sowie differentialdi- agnostisch symptomatische AC-Gelenksbeschwerden beidseits und e ine chronische Lumbal- gie. Die Versicherte habe über Dauerschmerzen im Bereich der Schultern berichtet, wobei die- se vor allem bei Belastung auftreten würden. Prakt. med. I.____ diagnostizierte in den Berichten vom 8. bzw. 18. September 2014 chronische Zervikozephalgie n bei einem Verdacht auf eine Tendinitis calcarea und differentialdiagnostisch einer Omarthrose links sowie eine chronische Lumbalgie. Die Versicherte habe über eine Zunahme der Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine berichtet. Letztlich erhob auch Dr. J.____ im Bericht vom 6. Oktober 2014 eine Schulterproblematik mit ausgeprägter AC-Arthrose beidse its, eine leichte Supraspi- natustendinopathie und ein chronisches Lumbovertebralsyndrom. Die Schulterbeweglichkeit sei schmerzhaft eingeschränkt. Hinweise auf ein psychisches Beschwe rdebild können diesen Be- richten jedoch nicht entnommen werden. Soweit sich die Klägerin darauf beruft, dass die be- handelnde Ärztin Dr. H.____ im Verlaufsbericht mit Ein trag vom 20. August 2014 ausführte, die Versicherte beklage «überall Schmerzen», womit ein echtz eitlicher Nachweis für eine psychi- sche Erkrankung vorliege, verkennt sie, dass sich diese Ausfü hrungen als nicht fundiert genug erweisen, um auf die Manifestation einer psychischen Erkr ankung zu schliessen. Auch der von Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht der behandelnden Ärztin geäusserte, nicht näher substant iierte Verdacht auf ein Fibromyalgie- syndrom vermag diesen Nachweis nicht zu erbringen. Darüber hinaus hätten die Schmerzen vor allem im Bereich des Nackens, der Schultern und der B eine bestanden, was wiederum mit dem vorstehend erwähnten somatischen Beschwerdebild korrespondiert. 6.4 Erste Hinweise für eine allfällige, sich entwickelnd e psychische Symptomatik sind den Einträgen vom 22. September 2014 und 28. Oktober 201 4 des Verlaufsberichts von Dr. H.____ zu entnehmen. Die behandelnde Ärztin warf darin die F ragen auf, ob allenfalls eine Psychoso- matik bestehe und demzufolge eine psychische Behandlung indiziert sei. Weiter erhob Dr. J.____ im Bericht vom 23. Oktober 2014 ein fibromya lgisches Beschwerdebild und eine be- stehende Überforderungssituation bei schwerer psychosozialer Belastung. Die Versicherte ha- be berichtet, sich in den Jahren 2000 bis 2002 in psychiat rischer Behandlung befunden zu ha- ben, wobei einige dieser Symptome nun wieder aufgetreten seien. Ferner führte er aus, die Pa- tientin solle sich Gedanken zu einer psychosozialen Hilfe stellung machen. Mit Überweisungs- schreiben vom selben Tag wies Dr. J.____ ausserdem darauf hin, dass seiner Ansicht nach der erhebliche psychosoziale Druck für einen wesentlichen Teil der fibromyalgischen Beschwerden verantwortlich sei respektive zu einer Verstärkung derselben führen würde. Diesen Berichten ist gemein, dass sie zwar Hinweise für eine psychische Beschwerdesymp tomatik liefern, diese jedoch nicht weiter begründen. So geht aus dem knapp en Verlaufsbericht nicht hervor, auf wel- che Befunde Dr. H.____ ihre Einschätzung stützte. Unklar ist weiter, welche Symptome nun- mehr wieder aufgetreten sein sollen und wie sich dies e konkret auswirkten. Im Übrigen weist Dr. J.____ in seinem Bericht vom 13. November 2014 ausdr ücklich darauf hin, dass keine Ein- schränkungen psychischer Art bestehen würden. Mit Blick auf e in aktenkundiges somatisches Beschwerdebild erweisen sich die Ausführungen der Dres. H.____ und J.____ als nicht aussa- gekräftig genug, um den Beginn einer psychischen Erkrankung mit überwiegender Wahrschein- lichkeit auszuweisen. 6.5 Betreffend die von der Klägerin angeführte Begr ündung der von der B.____ AG ausge- sprochenen Kündigung, wonach das Arbeitsverhältnis mit der Klägerin aufgrund einer «unge- nügenden Leistung/Verhalten» beendet worden sei (vgl. act. 29, S. 2), ist anzumerken, dass daraus nicht hervorgeht, worin bzw. aufgrund welcher U mstände die ungenügende Leistung bzw. das ungenügende Verhalten bestanden haben soll. B eim Schluss der Klägerin auf psychi- sche Gründe, die zu einem Einbruch des Leistungsvermögens geführt haben sollen, handelt es sich folglich lediglich um eine Annahme, die nicht echtz eitlich belegt werden kann. Somit liegt kein rechtsgenügender Nachweis einer berufsvorsorgerechtl ich relevanten Leistungseinbusse vor. Insofern kann auch aus der Freistellung vom 28. Mai 201 4 bis 16. Juli 2014 keine krank- heitsbedingte Leistungseinbusse abgeleitet werden, zumal die Klägerin ihre Arbeit nach Been- digung der Freistellung für die verbliebenen Arbeitstage wiederaufgenommen hatte. 6.6 Soweit sich die Klägerin auf das psychiatrische Parteig utachten von Dr. F.____ vom 12. August 2016 beruft, wonach der Beginn der Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50 % im April 2014 datiere, ist anzuführen, dass sich den Akten keine ech tzeitlichen ärztlichen Berichte ent- nehmen lassen, welche in diesem Zeitraum ein psychisches Leiden rechtsgenügend ausweisen (vgl. Erwägungen 6.3 und 6.4 hiervor). Auch ergibt sich aus dem Fehlzeitenkalender der Kläge- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht rin (act. 30.5) für diesen Zeitraum keine arbeitsrechtl ich in Erscheinung getretene, relevante Leistungseinbusse. Zwar bestand im Januar und Februar 201 4 jeweils eine Häufung von Fehl- zeiten. Dagegen blieb die Klägerin anschliessend ledigl ich im März und Mai 2014 jeweils nur einen Tag krankheitsbedingt der Arbeit fern. Nichts A nderes ergibt sich in Bezug auf den Be- richt von Dr. N.____ vom 16. November 2016, wonach di e diagnostizierte Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialen Belast ungsfaktoren bereits seit August 2014 bestehe. Die Klägerin war zwar ab dem 27. August 2014 arbeitsunfähig, jedoch geht aus den Akten nicht rechtsgenügend hervor, dass dieser Leistu ngseinschränkung eine psychische Störung zugrunde gelegen hatte (vgl. Erwägung 6.3 un d 6.4 hiervor). Betreffend die seit der Adoleszenz bestehende kombinierte Persönlichkeitsstörung führt Dr. E.____ im psychiatrischen Teilgutachten vom 24. Oktober 2016 aus, dass die Klägeri n über Jahre hinweg ein gutes Leis- tungsniveau habe aufrechterhalten können, was massgeblich durch ihre sehr hohen Leistungs- ansprüche beeinflusst worden sei. Aufgrund der deutli chen Leistungseinschränkung verbunden mit einer dadurch bedingten reduzierten Anerkennung un d Wertschätzung durch andere Men- schen sei sie nunmehr von einem positiven in ein negatives Selbstkonzept gefallen. Diese Ein- schätzung erweist sich insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Klägerin in ihrer beruflichen Karriere zur Geschäftsführerin aufgestiegen ist, bevor sie im August 2014 arbeitsunfähig wurde, als schlüssig. Der Zeitpunkt der Dekompensation der kombin ierten Persönlichkeitsstörung geht aus den vorliegenden medizinischen Akten jedoch nicht über wiegend wahrscheinlich hervor. Insofern ist die Aussage von Dr. F.____, wonach die Per sönlichkeitsstörung ab 2010 sukzessi- ve dekompensiert sei, nicht belegt und stellt folglich lediglich eine retrospektive Annahme einer beginnenden Leistungseinschränkung dar, was den beweisr echtlichen Anforderungen allein nicht genügt. In Bezug auf die angerufenen Ausführunge n von Dr. D.____ im rheumatologi- schen Teilgutachten vom 24. Oktober 2016, wonach die ge schilderten Schmerzen seit spätes- tens 2013 vordergründig nicht mehr auf somatisch abstütz bare Beschwerden hingewiesen hät- ten, verkennt die Klägerin, dass diese Beurteilung ohn e entsprechenden medizinischen Befund im Raum steht. Daran vermögen auch die diversen krankhe itsbedingten Absenzen gemäss dem Fehlzeitenkalender 2013 (act. 30.6) nichts zu ände rn. Hinzu kommt, dass sich die beste- hende chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychische n Faktoren gemäss den Ausführungen von Dr. E.____ im psychiatrischen Teilgutachten vom 24. Oktober 2016 nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Folglich kann sie auch n icht der Erwerbsunfähigkeit zugrunde lie- gen, welche letztlich zum Rentenanspruch der Klägerin geführt hat. Aus den vorstehenden Aus- führungen resultiert, dass der Beginn der psychischen Erkrankung der Klägerin auch retrospek- tiv nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen werden kann. Dies gilt umso mehr, als sich auch Dr. E.____ im psychiatrischen Teilgutachten vom 24. Oktober 2016 zu keiner exakten retrospektiven Einschätzung der psychisch bedingten L eistungseinschränkung in der Lage sah. Insofern kann die Klägerin auch aus dem angeführten Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2016, 9C_142/2016, E. 6.1 nichts zu ihren Gunsten ableiten. Demgemäss dürfe der sachliche Konnex bei einer fehlenden, gesicherten echtzeitlichen Diagnose zwar nicht ohne Weiteres verneint werden, wenn aufgrund einer retros pektiven Gesamtbetrachtung eine zuver- lässige Beurteilung der Entwicklung und der Tragweite e ines Gesundheitsschadens möglich sei. Eine zuverlässige retrospektive Beurteilung ist vorlieg end indessen gerade nicht möglich, wie sich aus den vorstehenden Ausführungen ergibt. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.7 Im Bericht vom 4. März 2015 stellte prakt. med. M._ ___ während des Aufenthalts im Zentrum L.____ bei der Klägerin passive suizidale Gedan ken sowie eine Selbstwertproblematik fest und schloss gestützt darauf auf eine Indikation zur fach ärztlichen Behandlung. Mit Blick auf diesen Befund sowie den effektiven Beginn der psychiatrisch en Behandlung am 23. März 2015 erweist sich der Schluss der Beklagten auf eine seit März 20 15 bestehende, rechtsgenügend ausgewiesene, psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit als na chvollziehbar. Auch wenn die Klä- gerin ab April 2014 offensichtlich unter somatischen Besc hwerden gelitten hatte und im August 2014 infolgedessen eine Arbeitsunfähigkeit eintrat, wi rkten sich diese im Zeitpunkt der bidiszip- linären Begutachtung im Oktober 2016 nicht mehr auf d ie Arbeitsfähigkeit aus. Es begann sich aber offenbar eine psychische Erkrankung herauszubilden, w elche dann im Rahmen der exter- nen Begutachtung als invalidisierend erkannt wurde und letztlich zu einem Invalidenrentenan- spruch führte. In Anbetracht der vorstehenden Ausführunge n ist die Manifestation einer psychi- schen Gesundheitsbeeinträchtigung, selbst wenn angenomm en würde, dass die Versiche- rungsdeckung bei der Beklagten – unter Berücksichtigung einer einmonatigen Nachdeckung nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses beim C.____ – bis zum 12. Oktober 2014 gedauert hätte, erst deutlich nach deren Ablauf ausgewiesen. So weit sich den medizinischen Akten be- reits davor Hinweise auf eine mögliche psychische Symptomat ik entnehmen lassen, kann dar- aus kein rechtsgenügender Nachweis derselben abgeleitet werden. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die psychischen Beschwerden der Kläge- rin in Form einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mi t narzisstischen und zwanghaften An- teilen sowie eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichtgradiger Episode nicht überwiegend wahrscheinlich während des Vorsorgever hältnisses manifestiert haben. Es fehlt diesbezüglich an einem rechtsgenügenden Nachweis derselben, weshalb zwischen der während dem Vorsorgeverhältnis eingetretenen Arbeitsu nfähigkeit und der späteren Invalidität kein sachlicher Zusammenhang besteht. Weitere Ausführungen zum zeitlichen Konnex und zur Bindungswirkung erübrigen sich infolgedessen. Damit fehlt es an den Voraussetzungen einer berufsvorsorgerechtlichen Leistungspflicht, weshalb kein Anspruch der Klägerin auf Invaliden- leistungen der beruflichen Vorsorge besteht. Die Beklag te trifft folglich keine Leistungspflicht. Die Klage ist abzuweisen. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Ge stützt auf Art. 73 Abs. 2 BVG sind für das vorliegende Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. Dem Ausgang des Verfah- rens entsprechend wird keine Parteientschädigungen zugesprochen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. Gegen dieses Urteil wurde seitens des Beschwerdeführers am 28. September 2020 Beschwer- de beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: 9C_601/2020 ) erhoben.