<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 33 S.120</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">120</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>33</b></span> <span class="ft2"><b>Anordnung einer neuen Führerprüfung gemäss Art. 24 VZV.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Anordnung einer neuen Führerprüfung ist eine Administrativ-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>massnahme und kein Mittel der Sachverhaltsfeststellung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Eine Entzugsdauer von zwei Jahren rechtfertigt die Anordnung einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>neuen Prüfung nicht von vornherein.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Bestehen Zweifel über die Fahrbefähigung eines Fahrzeuglenkers und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ist der Sachverhalt auf Grund der Akten und den - dem Betroffenen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>anzulastenden - Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht ausreichend feststellbar, so ist nicht eine neue Führerprüfung,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sondern nach Art. 24a Abs. 1 VZV eine Kontrollfahrt anzuordnen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 21. März 2000 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen V.S. gegen Entscheid des Departements des Innern.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Zu prüfen ist im Folgenden, ob die Anordnung einer neuen</span><br/> <span class="ft1">Führerprüfung - entweder als Sachverhaltsabklärung oder als defini-</span><br/> <span class="ft1">tiver Entscheid über den Sicherungsentzug - rechtmässig ist.</span><br/> <span class="ft1">a) Gemäss Art. 14 Abs. 3 SVG kann ein Fahrzeuglenker, bei</span><br/> <span class="ft1">dem Bedenken über seine Eignung als Fahrzeugführer bestehen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">121</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einer neuen Führerprüfung unterworfen werden. Art. 24 Abs. 1 VZV</span><br/> <span class="ft1">umschreibt die Voraussetzungen für die Anordnung: Eine neue Füh-</span><br/> <span class="ft1">rerprüfung ist dann anzuordnen, wenn der Fahrzeugführer Wider-</span><br/> <span class="ft1">handlungen begangen hat, die an der Kenntnis der Verkehrsregeln, an</span><br/> <span class="ft1">ihrer Anwendung in der Praxis, oder am fahrtechnischen Können</span><br/> <span class="ft1">zweifeln lassen. Bedenken können sich demnach aus Widerhandlun-</span><br/> <span class="ft1">gen (Art. 24 Abs. 1 VZV), aus ungenügenden Leistungen anlässlich</span><br/> <span class="ft1">einer Kontrollfahrt (Art. 24a VZV) oder aus einem längeren Unter-</span><br/> <span class="ft1">bruch der Fahrpraxis ergeben.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Vorinstanz verweist zur Begründung der Anordnung</span><br/> <span class="ft1">einer neuen Führerprüfung auf die Rechtsprechung des Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richtes in BGE 108 Ib 62 ff. und vertritt die Auffassung, dass sich</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf Art. 14 Abs. 3 SVG auch auf Grund einer längeren Fahr-</span><br/> <span class="ft1">abstinenz das Prüfungserfordernis rechtfertigen lasse. Dabei spiele es</span><br/> <span class="ft1">keine Rolle, weshalb der Unterbruch der Fahrpraxis erfolgte; auch</span><br/> <span class="ft1">wer freiwillig für längere Zeit auf das Motorfahrzeug verzichtet,</span><br/> <span class="ft1">müsse eine erneute Führerprüfung ablegen, sobald die Behörde da-</span><br/> <span class="ft1">von Kenntnis habe und Bedenken über die Eignung des Motorfahr-</span><br/> <span class="ft1">zeugführers bestünden. Diese Rechtsprechung ist auch in AGVE</span><br/> <span class="ft1">1993, S. 587 (unter Hinweis auf die Richtlinien über die Administra-</span><br/> <span class="ft1">tivmassnahmen im Strassenverkehr der Interkantonalen Kommission</span><br/> <span class="ft1">für den Strassenverkehr vom 25. Februar 1993 [Richtlinien]) publi-</span><br/> <span class="ft1">ziert. Die Vorinstanz hat indessen übersehen, dass mit der Revision</span><br/> <span class="ft1">der VZV vom 7. März 1994 (in Kraft getreten am 1. April 1994)</span><br/> <span class="ft1">Art. 24 II b (alt)VZV aufgehoben und ein neuer Artikel, Art. 24a</span><br/> <span class="ft1">VZV, geschaffen wurde. Mit dieser Revision wurde das früher gel-</span><br/> <span class="ft1">tende "Mehrzweckinstrument neue Führerprüfung" (vgl. René</span><br/> <span class="ft1">Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts,</span><br/> <span class="ft1">Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz. 2662 f.)</span><br/> <span class="ft1">entflochten und zwei Verfahren mit unterschiedlicher Zwecksetzung</span><br/> <span class="ft1">und Rechtsfolgen begründet. Die Rechtsprechung zur VZV vor der</span><br/> <span class="ft1">Revision von 1994 kann daher nicht unbesehen übernommen wer-</span><br/> <span class="ft1">den.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">122</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Eine neue Führerprüfung kann (neu) nur angeordnet werden,</span><br/> <span class="ft1">wenn der Fahrzeugführer Widerhandlungen begangen hat, die daran</span><br/> <span class="ft1">zweifeln lassen, dass er noch über die Kenntnisse und Fähigkeiten</span><br/> <span class="ft1">verfügt, die an der theoretischen und/oder praktischen Führerprüfung</span><br/> <span class="ft1">nachgewiesen werden müssen (Art. 20 VZV und 21 VZV, René</span><br/> <span class="ft1">Schaffhauser, a.a.O., Band III, Rz. 2663 und derselbe, in: Grundriss</span><br/> <span class="ft1">des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I: Verkehrszulas-</span><br/> <span class="ft1">sung und Verkehrsregeln, Bern 1984, Rz. 239 f.). Die Anordnung</span><br/> <span class="ft1">einer neuen Führerprüfung ist eine Administrativmassnahme und</span><br/> <span class="ft1">kein Mittel der Sachverhaltsfeststellung, in jenen Fällen, wo Zweifel</span><br/> <span class="ft1">über die erforderlichen Kenntnisse und notwendigen Fähigkeiten</span><br/> <span class="ft1">eines Fahrzeuglenkers bestehen. Bestehen Zweifel über die Fahrbe-</span><br/> <span class="ft1">fähigung eines Fahrzeuglenkers und ist der Sachverhalt auf Grund</span><br/> <span class="ft1">der Akten und den - dem Betroffenen anzulastenden - Widerhand-</span><br/> <span class="ft1">lungen gegen das Strassenverkehrsgesetz nicht ausreichend feststell-</span><br/> <span class="ft1">bar, so ist nicht eine neue Führerprüfung, sondern nach Art. 24a</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 VZV eine Kontrollfahrt anzuordnen. Dies gilt insbesondere</span><br/> <span class="ft1">bei der Eignungsprüfung älterer Fahrzeuglenker (vgl. auch Richt-</span><br/> <span class="ft1">linien, Ziff. 2.2.1).</span><br/> <span class="ft1">c) Im vorliegenden Fall ergibt sich auf Grund des Gutachtens II,</span><br/> <span class="ft1">dass die Fahrtauglichkeit des Beschwerdeführers aus medizinischer</span><br/> <span class="ft1">Sicht grundsätzlich zu bejahen ist. Der Beschwerdeführer besitzt den</span><br/> <span class="ft1">Führerausweis der Kategorie B seit dem Jahre 1957. Aus den Akten</span><br/> <span class="ft1">ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass er Widerhandlungen</span><br/> <span class="ft1">begangen hätte, die an seinen Fähigkeiten und Kenntnissen ein Fahr-</span><br/> <span class="ft1">zeug sicher zu führen, zweifeln lassen. Das Bezirksgericht B. hat im</span><br/> <span class="ft1">Urteil vom 20. Mai 1998 den Beschwerdeführer vom Vorwurf des</span><br/> <span class="ft1">Führens eines Motorfahrzeuges trotz Entzugs freigesprochen. Im</span><br/> <span class="ft1">Urteil des Obergerichts vom 19. Februar 1999 wurde u. a. die Verur-</span><br/> <span class="ft1">teilung wegen Führens eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem</span><br/> <span class="ft1">Zustand bestätigt. Die Überwindung der im Jahre 1997 bestehenden</span><br/> <span class="ft1">Alkoholabhängigkeit des Beschwerdeführers bedarf nicht eines</span><br/> <span class="ft1">Nachweises mittels einer neuerlichen Führerprüfung. Abgesehen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">123</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">davon, dass diese Massnahme für einen solchen Nachweis wenig</span><br/> <span class="ft1">geeignet erscheint, ist - wie auch die Vorinstanz zu Recht annimmt -</span><br/> <span class="ft1">mit dem Gutachten II der Nachweis der Alkoholabstinenz und der</span><br/> <span class="ft1">Überwindung der Sucht erbracht. Die Vorfälle vom 7. November</span><br/> <span class="ft1">1995 und vom 7. September 1988 standen im Zusammenhang mit</span><br/> <span class="ft1">der damaligen Alkoholproblematik des Beschwerdeführers und wur-</span><br/> <span class="ft1">den jeweils mit praxisgemässen Warnungsentzügen für solche Wi-</span><br/> <span class="ft1">derhandlungen gegen das SVG geahndet; Bedenken, dass diese ad-</span><br/> <span class="ft1">ministrativen Massnahmen aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht</span><br/> <span class="ft1">ausreichend waren, werden von den Verwaltungsbehörden nicht gel-</span><br/> <span class="ft1">tend gemacht und sind auch aus den Akten nicht ersichtlich. Sie kön-</span><br/> <span class="ft1">nen daher auch retrospektiv im aktuellen Verfahren keine Wider-</span><br/> <span class="ft1">handlungen im Sinne von Art. 24 Abs. 1 VZV darstellen oder Zwei-</span><br/> <span class="ft1">fel an den praktischen und theoretischen Fahrfähigkeiten des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers im Jahre 1999 begründen.</span><br/> <span class="ft1">d) aa) Die Vorinstanzen gehen davon aus, dass der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer die für die Bedienung eines Motorfahrzeuges notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Automatismen nicht gänzlich verloren hat. Die Anordnung einer</span><br/> <span class="ft1">neuen Führerprüfung stützen sie auf die Praxis des Strassenverkehrs-</span><br/> <span class="ft1">amts, wonach eine solche Massnahme u. a. dann geboten ist, wenn</span><br/> <span class="ft1">ein Fahrzeugführer während mehr als zwei Jahren kein Motorfahr-</span><br/> <span class="ft1">zeug mehr geführt hat.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die im Zeitpunkt des Verfügungserlasses fehlende Fahrpra-</span><br/> <span class="ft1">xis des Beschwerdeführers von insgesamt rund 26,5 Monaten ist</span><br/> <span class="ft1">zwar unbestreitbar lang, weshalb die Fähigkeiten des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers einer Abklärung bedürfen. Die blosse Vermutung aus dem</span><br/> <span class="ft1">Zeitablauf und der Hinweis auf die Anforderungen des Kreiselver-</span><br/> <span class="ft1">kehrs und der Verkehrsberuhigungsmassnahmen innerorts und/oder</span><br/> <span class="ft1">die zunehmende Komplexität der Anforderungen des Strassenver-</span><br/> <span class="ft1">kehrs im Allgemeinen genügen zur Anordnung einer neuen Führer-</span><br/> <span class="ft1">prüfung indessen nicht. Die Anordnung einer solchen Massnahme</span><br/> <span class="ft1">setzt voraus, dass der Beschwerdeführer die erforderlichen Kennt-</span><br/> <span class="ft1">nisse und Fähigkeiten nicht besitzt. Sie bedarf einer Würdigung aller</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">124</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">- nicht nur der automobilistisch relevanten - Umstände, die im kon-</span><br/> <span class="ft1">kreten Einzelfall für die Eignung massgebend sind (vgl. BGE 118 Ib</span><br/> <span class="ft1">520, Erw. 2b).</span><br/> <span class="ft1">cc) Der Beschwerdeführer besitzt den Führerausweis der Kate-</span><br/> <span class="ft1">gorien A1, B, E, F und G seit 1957, jenen der Kategorien D1 (Taxi)</span><br/> <span class="ft1">seit 1993. Er verfügt mithin über eine langjährige Fahrpraxis und</span><br/> <span class="ft1">durch mehrere Prüfungen ausgewiesene Fahreignung. Den Entzügen</span><br/> <span class="ft1">von 3 Monaten (1988) und von (faktisch) rund 7 Monaten</span><br/> <span class="ft1">(1995/1996) stehen 6 Jahre und 11 Monate (1988 bis 1995) sowie</span><br/> <span class="ft1">12 Monate (Bedingte Wiedererteilung am 30. Mai 1996) bis zum</span><br/> <span class="ft1">vorläufigen Entzug am 28. Mai 1997 gegenüber. Der Vorinstanz ist</span><br/> <span class="ft1">zuzustimmen, dass bei einer solchen langjährigen Fahrpraxis der</span><br/> <span class="ft1">Verlust der erworbenen Automatismen auch nach einem Entzug von</span><br/> <span class="ft1">26,5 Monaten nicht ohne weiteres anzunehmen ist. Hinzu kommt,</span><br/> <span class="ft1">dass der automobilistische und allgemeine Leumund des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers - von der Alkoholproblematik abgesehen - einwandfrei</span><br/> <span class="ft1">sind und dem Beschwerdeführer insbesondere keine Unkenntnis von</span><br/> <span class="ft1">Verkehrsregeln oder falsches Verhalten im Strassenverkehr vorge-</span><br/> <span class="ft1">halten werden kann. Steht die im Gutachten I eindeutig festgestellte</span><br/> <span class="ft1">Alkoholsucht des Beschwerdeführers heute einer Wiedererteilung</span><br/> <span class="ft1">des Führerausweises nicht mehr entgegen und ist ein (definitiver)</span><br/> <span class="ft1">Sicherungsentzug medizinisch und verkehrpsychologisch nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">erforderlich, kann die Behörde eine neue Führerprüfung nur anord-</span><br/> <span class="ft1">nen, wenn die Bedenken an der Fahreignung und den praktischen</span><br/> <span class="ft1">Fähigkeiten im konkreten Fall des Beschwerdeführers ausgewiesen</span><br/> <span class="ft1">sind. Die Anordnung einer neuen Führprüfung setzt voraus, dass über</span><br/> <span class="ft1">die Vorbehalte hinsichtlich der Fahreignung nicht nur "Zweifel"</span><br/> <span class="ft1">bestehen, sondern die Bedenken begründet sind. Der Wortlaut von</span><br/> <span class="ft1">Art. 24 Abs. 1 VZV ist insoweit auf Grund der Entstehungsge-</span><br/> <span class="ft1">schichte irreführend (René Schaffhauser, a.a.O., Band III, Rz. 2663).</span><br/> <span class="ft1">Wohl bestehen beim Beschwerdeführer auf Grund seines Alters und</span><br/> <span class="ft1">auf Grund des Unterbruchs der Fahrpraxis von 26,5 Monaten (bis</span><br/> <span class="ft1">zum Erlass der Verfügung), beziehungsweise insgesamt 36,5 Mona-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">125</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ten seit 1988, Anhaltspunkte für berechtigte Zweifel an seiner Eig-</span><br/> <span class="ft1">nung. In dieser Zeit führte der Beschwerdeführer jedoch fast 8 Jahre</span><br/> <span class="ft1">lang (8. Dezember 1988 bis 8. November 1996 und 30. Mai 1996 bis</span><br/> <span class="ft1">28. Mai 1997) ohne jede Beanstandung ein Fahrzeug. Dafür, dass er</span><br/> <span class="ft1">die über die notwendigen Verkehrsregelkenntnisse nicht mehr ver-</span><br/> <span class="ft1">fügt, fehlen konkrete Anhaltspunkte in den Akten. Dem Gutachten II</span><br/> <span class="ft1">lässt sich diesbezüglich nichts entnehmen. Unter diesen Umständen</span><br/> <span class="ft1">bedürfen, vor Erlass der Anordnung einer neuen Führerprüfung, die</span><br/> <span class="ft1">konkreten Kenntnisse und die praktischen Fähigkeiten des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers einer näheren Abklärung. Nur zur Feststellung der</span><br/> <span class="ft1">Fähigkeiten des Beschwerdeführers darf die neue Führerprüfung</span><br/> <span class="ft1">sowohl als Anordnung einer selbstständigen Massnahme, wie auch</span><br/> <span class="ft1">im Sinne einer vorsorglichen Massnahme im Sicherungsentzugver-</span><br/> <span class="ft1">fahren nicht angeordnet werden. Zur Abklärung der praktischen und</span><br/> <span class="ft1">theoretischen Fähigkeiten dient vielmehr die Kontrollfahrt gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 24a VZV. Besteht der Beschwerdeführer die Kontrollfahrt nicht,</span><br/> <span class="ft1">ist der Führerausweis zu entziehen und der Beschwerdeführer kann</span><br/> <span class="ft1">sich einer neuen Führerprüfung unterziehen (Art. 24a Abs. 2 VZV).</span><br/> <span class="ft1">Die Kontrollfahrt soll und kann auch darüber Auskunft geben, ob der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer die gesamte Führerprüfung, oder nur den theoreti-</span><br/> <span class="ft1">schen, oder nur den praktischen Teil zu bestehen hat (Art. 24 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">VZV), damit er wieder zur Führung eines Motorfahrzeuges zugelas-</span><br/> <span class="ft1">sen wird. Die Kontrollfahrt kann auch für eine oder mehrere Katego-</span><br/> <span class="ft1">rien angeordnet werden, wobei der Beschwerdeführer auf die Zulas-</span><br/> <span class="ft1">sung für einzelne Kategorien verzichten kann (Richtlinien,</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 2.2.3).</span><br/> <span class="ft1">e) Im Übrigen gilt bei der Anordnung einer neuen Führerprü-</span><br/> <span class="ft1">fung als selbständige Administrativmassnahme der Grundsatz der</span><br/> <span class="ft1">Verhältnismässigkeit. Vorliegend wird im Wesentlichen nicht ein</span><br/> <span class="ft1">Verlust von Automatismen, sondern eine nicht unerhebliche Verände-</span><br/> <span class="ft1">rung der Verkehrssituation zur Begründung der Massnahme ange-</span><br/> <span class="ft1">führt. Das Verwaltungsgericht kann sich angesichts der langjährigen</span><br/> <span class="ft1">Fahrpraxis des Beschwerdeführers und seines Verhaltens im Verkehr</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">126</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bis Ende 1995 diesem Argument nicht vorbehaltlos anschliessen.</span><br/> <span class="ft1">Zweifel bezüglich praktischer und theoretischer Fähigkeiten erschei-</span><br/> <span class="ft1">nen vielmehr auf Grund des fortgeschrittenen Alters und der durch-</span><br/> <span class="ft1">gestandenen Alkoholsucht angebracht. Diese Bedenken und die Fä-</span><br/> <span class="ft1">higkeit des Beschwerdeführers, sich in der seit 1996 veränderten</span><br/> <span class="ft1">Verkehrssituation zurecht zu finden, lassen sich mit einer Kontroll-</span><br/> <span class="ft1">fahrt ausreichend überprüfen. Die Anordnung der Führerprüfung</span><br/> <span class="ft1">erweist sich unter diesen Umständen auch als unverhältnismässig.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>