Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. September 2017 (715 17 185 / 244) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Verneinung der Vermittlungsfähigkeit wegen eines Sozialeinsatzes in Ägypten in Anwen- dung von Art. 15 Abs. 4 AVIG Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Andrea Scheidegger Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen KIGA Baselland , Postfach , 4133 Pratteln 1 , Beschwerdegegnerin Betreff Vermittlungsfähigkeit A.1 Die 1967 geborene A.____ beendete am 31. Dezemb er 2016 ihr befristetes Arbeits- verhältnis bei der B.____. Am 5. Dezember 2016 meldete sie sich zur Arbeitsvermittlung bei der Arbeitslosenversicherung Baselland (ALV) an und erh ob ab dem 1. Januar 2017 Anspruch auf Taggeldleistungen der ALV. A.2 Mit Überweisung zum Entscheid des Regionalen Ar beitsvermittlungszentrums (RAV) Laufen vom 18. Januar 2017 wurde das Amt für Indust rie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht land, Abteilung Ergänzende Massnahmen ALV, ersucht, di e Vermittlungsfähigkeit von A.____ zu überprüfen. Hintergrund bildete die von A.____ gef undene Anstellung, die in Zusammen- hang mit dem Engagement bei der Aufbautätigkeit einer logopädischen Ausbildung für Lehrkräf- te in X.____, Ägypten, steht. Die Anstellung bei der C.____ war vom 20. Januar 2017 bis 19. Februar 2017 für ein Pensum von 30 % befristet. M it Verfügung des KIGA vom 25. Januar 2017 wurde die Vermittlungsfähigkeit von A .____ ab dem 1. Januar 2017 ohne zeit- liche Begrenzung abgelehnt mit der Begründung, dass sie aufgrund ihrer anderweitigen Dispo- sition dem Arbeitsmarkt nur während relativ kurzer Zeit zur Verfügung stehe und nur sehr gerin- ge Aussichten auf eine Anstellung im verbleibenden Zeitraum habe. A.3 Am 22. Februar 2017 erhob A.____ Einsprache gegen diese Verfügung und beantragte sinngemäss deren Aufhebung sowie Ausrichtung von Taggeld leistungen. Telefonisch erteilte sie die Auskunft, für einen zweiten Aufenthalt in Ägyp ten vom 7. März 2017 bis 28. April 2017 bei der C.____ mit einem Pensum von 30 % angestellt zu sein. A.4 Mit Einspracheentscheid vom 12. Mai 2017 hiess das KI GA die Einsprache teilweise gut und korrigierte die Verfügung vom 25. Januar 2017 dahingehend, als die Vermittlungsfähig- keit lediglich vom 1. Januar 2017 bis zum 29. April 2017 als nicht gegeben zu betrachten sei, weshalb für diese Zeit kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bestehe. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 9. Juni 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei der Anspruch auf Arbeitslosenentsch ädigung ab dem 1. Januar 2017 erneut zu überprüfen. Dieser solle auch während zukünftiger Aufe nthalte im Ausland zwecks Schwei- zer Entwicklungshilfe aufrechterhalten bleiben. C. Mit Vernehmlassung vom 29. Juni 2017 schloss die Beschw erdegegnerin auf Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs.1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes ü ber die obligatorische Arbeitslo- senversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 auf die obligatori- sche Arbeitslosenversicherung anwendbar sind, kann gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich das V ersicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nicht der vor dem Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnu ng, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 AVIG ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtliche Zuständigkeit des kanto- nalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 AT SG zu regeln. Laut Art. 128 Abs. 2 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi cherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 ist für die Beurteilun g von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Ver sicherungsgericht desselben Kan- tons zuständig. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Einspracheentscheid, den das KIGA Baselland als kantonale Amtsstelle im Sinn e von Art. 85 AVIG erlassen hat, so- dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-L andschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlu ng der vorliegenden Beschwer- de zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formger echt erhobene – Beschwerde der Versi- cherten vom 9. Juni 2017 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in zu Recht den Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung resp. die Vermittlungsfähigkei t der Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 29. April 2017 abgelehnt hat. 2.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwei z wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 2.2 Die arbeitslose versicherte Person ist nach Art. 15 Abs. 1 AVIG vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Ein- gliederungsmassnahmen teilzunehmen. Die allgemeine Ver mittlungsfähigkeit setzt sich somit aus drei Elementen zusammen. Davon sind die Arbeitsfä higkeit sowie die Arbeitsberechtigung objektiver und die Vermittlungsbereitschaft subjektiver N atur. Unter Arbeitsfähigkeit als "in der Lage sein" ist primär die körperliche und geistige Leist ungsfähigkeit, aber auch die Verfügbar- keit in räumlicher sowie in zeitlicher Hinsicht zu verstehe n. Der Vollständigkeit halber kann da- rauf hingewiesen werden, dass Art. 6 ATSG Arbeitsunfähi gkeit definiert als die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten. Die Arbeitsbe- rechtigung sodann ist anhand der fremdenpolizeilichen, asylrechtlichen, arbeitsschutzrechtli- chen, gesundheits- oder gewerbepolizeilichen Vorschriften zu beurteilen. Die Vermittlungsbe- reitschaft schliesslich umfasst die Bereitschaft, die Arbeitskr aft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während der üblichen Arbeitszeit einzusetze n. Dazu genügt die Willenshaltung oder die bloss verbal erklärte Vermittlungsbereitschaft nicht; die versicherte Person ist vielmehr gehalten, sich der öffentlichen Arbeitsvermittlung zur Ve rfügung zu stellen, angebotene zumut- bare Arbeit anzunehmen und sich selbst intensiv nach eine r zumutbaren Stelle umzusehen. Inhalt der Vermittlungsbereitschaft ist sodann auch die Bereitschaft, an Eingliederungsmass- nahmen teilzunehmen und die Weisungen der Durchführung sorgane zu befolgen. Massgebend ist das gesamte Verhalten der versicherten Person (zum Ganzen vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer, Schweizerisches Bu ndesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel/Genf/München 2016, Rz. 270). Damit die Anspruchs- voraussetzungen erfüllt sind, müssen die drei Elemente kumulativ erfüllt sein (N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 261). 2.3 Hat eine versicherte Person auf einen bestimmten T ermin hin anderweitig disponiert, und steht sie deshalb nur noch während relativ kurzer Zeit für eine neue Beschäftigung zur Ver- fügung, gilt sie in der Regel als nicht vermittlungsfähi g (BARBARA KUPFER BUCHER , Rechtspre- chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bunde sgesetz über die obligatori- sche Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 4 . Auflage, Zürich 2013, S. 70 f.; SZS 1999, S. 251; Urteil des Sozialversicherungsgerichts Z ürich vom 26. November 2004, AL.2004.00457, E. 1.2). Diesfalls sind die Aussichten, zwischen der Aufgabe der alten und dem Antritt der neuen Stelle von einem dritten Arbeitge ber angestellt zu werden, verhältnismässig gering (BGE 110 V 207 E. 1 mit Hinweisen). Entscheiden d ist, ob mit einer gewissen Wahr- scheinlichkeit angenommen werden kann, dass ein Arbeitgeb er die versicherte Person für die konkret zur Verfügung stehende Zeit noch einstellen wür de (BGE 126 V 520 E. 3.a). Zu prüfen sind somit jeweils die konkreten Aussichten auf eine Anstellung auf dem für die stellensuchende Person in Betracht fallenden allgemeinen Arbeitsmarkt , unter Berücksichtigung der herrschen- den konjunkturellen Verhältnisse sowie aller übrigen Um stände (K UPFER BUCHER , a.a.O., S. 72 f.; ARV 1990, S. 84 f.; ARV 1991, S. 24). Ste ht die versicherte Person im Zeitpunkt der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung dem Arbeitsmarkt für mindestens drei Monate zur Verfügung, gilt sie grundsätzlich als vermittlungsfähig. Steht sie dem Arbeitsmarkt weniger als einen Monat zur Verfügung, gilt sie als nicht vermittlu ngsfähig. Liegt die Verfügbarkeit zwischen einem und drei Monaten, kann die Vermittlungsfähigke it dann bejaht werden, wenn aufgrund der Arbeitsmarktsituation und der Flexibilität der versich erten Person (z. B. Bereitschaft für Tä- tigkeiten auch ausserhalb des erlernten Berufes und zur Annahme von Temporärstellen) eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, von einem Arbeitgeber angestellt zu werden (AVIG-Praxis 2017, B227). 2.4 Art. 15 Abs. 4 AVIG bestimmt, dass die versicherte Pe rson, die mit der Bewilligung der kantonalen Amtsstelle eine freiwillige Tätigkeit im Rahmen von Projekten für Arbeitslose ausübt, als vermittlungsfähig gilt. Diese Bestimmung soll arbeit slosen Personen ermöglichen, während einer zeitlich befristeten Dauer eine unentgeltliche, sozial sinnvolle Tätigkeit ausüben zu kön- nen, ohne dass ihre Vermittlungsfähigkeit verneint wer den muss. Die Bewilligung wird nur auf Gesuch der versicherten Person hin erteilt und ist auf d rei Wochen zu beschränken. In begrün- deten Fällen kann sie verlängert oder wiederholt ertei lt werden. Für die Beurteilung des Ge- suchs sind folgende Kriterien massgebend: Die Ausübung e iner sozial sinnvollen Tätigkeit soll aus freien Stücken und unentgeltlich erfolgen; die Tätigkeit muss unter anderem ideellen, sozia- len, wohltätigen Zwecken oder dem Schutz der Umwelt d ienen. Die Teilnahme an solchen Pro- jekten soll auch die soziale Integration der versicherten Person erhalten und fördern; die Tätig- keit hat im Inland zu erfolgen (vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 4. Januar 2008, 8C_359/2007, E. 3.1); die Planung und Durchführung hat durch einen sachkundigen, öffentli- chen oder privaten Träger zu erfolgen (Hilfswerke, wohl tätige Institutionen usw.); die Tätigkeit darf die private Wirtschaft nicht unmittelbar konkurrenzieren; der Veranstalter soll aus der Tätig- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit keinen finanziellen Gewinn generieren und die Wie dereingliederung in den Arbeitsmarkt darf nicht beeinträchtigt werden (vgl. AVIG-Praxis ALE vo m Januar 2016, Kreisschreiben des Seco über die Arbeitslosenentschädigung, Ziff. B261). 3. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b; 125 V 193; 121 V 45 E. 2a; 204 E. 6b mit Hinweis). 4. Im vorliegenden Fall stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: 4.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführer in der Arbeitsvermittlung le- diglich für die Zeit vom 1. Januar 2017 bis 19. Januar 2017 während rund drei Wochen zur Ver- fügung stand. Am 16. Januar 2017 unterschrieb sie den Arbeitsvertrag der C.____, gemäss welchem sie vom 20. Januar 2017 bis 19. Februar 2017 al s freie Mitarbeiterin zu 30 % bei C.____ angestellt werde. Sie arbeite zum Teil als Bürokraft und helfe mit bei der Aufbautätigkeit der logopädischen Ausbildung in X.____, Ägypten. Gem äss dem Schreiben der Beschwerde- führerin an das KIGA vom 20. Januar 2017 habe sie vom D.____ den Auftrag erhalten, die lo- gopädisch, sprachtherapeutische Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer in X.____ aufzubauen. Die dreijährige Ausbildung sehe vor, zweimal jährlich e in dreiwöchiges Seminar abzuhalten, sowie zweimal jährlich sieben bis acht Wochen lang die pra ktische Ausübung mit den Kindern zu begleiten. Das erste Seminar in X.____ fände vom 25. Januar 2017 bis 14. Februar 2017 statt. Die Begleitungen der Lehrpersonen vor Ort seien vom 7. März 2017 bis 28. April 2017 und im Herbst 2017 vorgesehen. Aus den Akten geht weiter h ervor, dass die Beschwerdeführerin am 24. Februar 2017 den Arbeitsvertrag zwischen ihr und der C.____ für die Anstellung vom 6. März 2017 bis 28. April 2017 unterschrieb. Sie hiel t sich vom 23. Januar 2017 bis 16. Februar 2017 sowie vom 5. März 2017 bis 29. April 2017 in Ägypten auf. Im Einspracheent- scheid der Beschwerdegegnerin vom 12. Mai 2017 wird dar gelegt, dass die Zeit zwischen der Anmeldung bei der ALV per 1. Januar 2017 und der er sten Abreise nach Ägypten am 23. Januar 2017 zu kurz gewesen sei, um mit einer gewi ssen Wahrscheinlichkeit davon ausge- hen zu können, dass ein Arbeitgeber eine Anstellung vo n der Beschwerdeführerin in Betracht ziehen würde. Gleiches gelte für den Zeitraum zwischen d en beiden Auslandaufenthalten. So- mit habe sie dem Arbeitsmarkt vom 1. Januar 2017 bis 29 . April 2017 nicht zur Verfügung ste- hen können und sei nicht vermittlungsfähig gewesen, da sie in diesem Zeitraum weder eine Stelle antreten, noch an RAV-Terminen oder kurzfristig an einer Arbeitsmarktmassnahme hätte teilnehmen können. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 In der Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 29 . Juni 2017 wird festgehalten, dass der Betriebsinhaber der C.____ im Vorstand des D.__ __ engagiert sei. Das formell einge- gangene Anstellungsverhältnis habe nicht im Kontext des Firmenzweckes gestanden, sondern habe der Abgeltung resp. Spesenentschädigung des durcha us honorablen Engagements der Beschwerdeführerin im genannten Entwicklungshilfeproje kt in Ägypten gedient, welches von D.____ unterstützt werde. Die Beschwerdegegnerin hält f est, dass die ALV die Existenzsiche- rung arbeitsloser Personen und die Unterstützung der r aschmöglichsten arbeitsmarktlichen Wiedereingliederung bezwecke, indes keine Entwicklungshil fezusammenarbeit unterstützen könne. Die Beanspruchung von Kompensationszahlungen der ALV während der Dauer der voll- zeitlichen Auslandabwesenheit, die auf dem editierten Arbeitsvertrag im 30 %-Teilzeitpensum basiere, sei nicht möglich, da die Vermittlungsfähigke it in den Schweizer Arbeitsmarkt für die Dauer der beiden Aufenthalte in Ägypten nicht vorlie ge. Wäre die Beschwerdeführerin während des Auslandaufenthaltes mit einem Vollpensum bei einer Schweizer Firma angestellt gewesen, hätte die Tätigkeit als Zwischenverdiensttätigkeit angerechnet werden können, trotz eines damit verbundenen Auslandaufenthaltes. 4.3 Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdefüh rerin sporadisch von der E.____ als Schauspielerin eingesetzt wird. Gemäss Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 29. Juni 2017 sei sie unmittelbar nach der erstmaligen Rückkehr in die Schweiz am 17. Februar 2017 und 18. Februar 2017 einer Zwischenve rdiensttätigkeit an der E.____ nach- gegangen. Diese seien seitens der ALV jedoch nicht bele gt. Der zuständigen Kasse sei keine entsprechende Zwischenverdienstbescheinigung eingereicht worden. Ein entsprechendes En- gagement anfangs Mai 2017 hingegen sei der Kasse ordnun gsgemäss gemeldet und arbeitge- berseitig bestätigt worden. Die Beschwerdeführerin nimm t in ihrem Schreiben vom 7. Juli 2017 insofern Stellung, als der Nachweis für den Zwischenverd ienst der zwei Aufführungen im Feb- ruar nicht zur Kasse nach Solothurn geschickt worden sei, w eil das Personalbüro des E.____ der Ansicht gewesen sei, sie habe keinen Anspruch auf Arbe itslosenentschädigung für diese Zeit. Die entsprechenden Nachweise seien jedoch nach gereicht worden. In der Beschwerde- schrift vom 9. Juni 2017 führt die Versicherte aus, dass die Arbeitseinsätze bei der C.____ so- wie jene bei der E.____ sehr intensiv seien und eine dritte Anstellung ausschliessen würden, es sei denn, sie würde ihre Arbeitskraft auch noch in der Nacht einsetzen. 4.4 Die Beschwerdegegnerin macht in ihrer Verfügung vom 25. Januar 2017 geltend, dass die Beschwerdeführerin nicht alles Zumutbare unternomm en habe, um eine Anstellung für die kurze Zeit vor dem 20. Januar 2017 zu finden. Im Einsp racheentscheid vom 12. Mai 2017 er- klärt sie, dass gleiches auch in Bezug auf den Zeitraum zwisch en den beiden Ägyptenaufent- halten vom 16. Februar 2017 bis 5. März 2017 gelte. G emäss den Nachweisen der persönli- chen Arbeitsbemühungen der Versicherten für die Monate Dezember 2016 bis Januar 2017 habe sie sich fast ausschliesslich auf Festanstellungen bewo rben, statt eine temporäre Arbeits- stelle zu finden. Bezüglich der Arbeitsbemühungen für den Monat März 2017 ist dem Ein- spracheentscheid vom 12. Mai 2017 zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin diese dem RAV bereits vor der Abreise am 6. März 2017 eingereic ht habe. Jene für den Monat April 2017 habe sie anweisungsgemäss über den Monat verteilt. Weit er scheine die Aufbautätigkeit der logopädischen Ausbildung in Ägypten ein Projekt zu sein, an dem die Beschwerdeführerin mit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sehr grossem Interesse und grosser Begeisterung beteiligt sei. Daher erscheine es eher un- wahrscheinlich, dass sie bereit gewesen wäre, ihre Aufgaben bei der Entwicklungshilfe in Ägyp- ten zu Gunsten einer Anstellung in der Schweiz abzubre chen, obwohl objektiv betrachtet die Beschwerdeführerin innert kurzer Zeit zurück in der Sch weiz hätte sein können. Ferner bringt die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 29. Juni 2017 vor, ein am 7. Februar 2017 geplantes Beratungsgespräch sei vom Personalberater info lge des ihm angezeigten Ausland- aufenthalts annulliert worden. Ein geplantes Gespräch am 1. März 2017 habe seitens des Per- sonalberaters kurzfristig verschoben werden müssen. Wiederum habe der geplante Folgetermin am 8. März 2017 wegen des Auslandaufenthaltes der Beschwe rdeführerin nicht durchgeführt werden können und sei auf einen Zeitpunkt nach der R ückkehr der Beschwerdeführerin ver- schoben worden. Entgegen der Auffassung der Beschwerdege gnerin erklärt die Beschwerde- führerin in ihrer Einsprache vom 22. Februar 2017, das s sie es als Erfolg ansehe, dass sie be- reits am 16. Januar 2017 einen neuen Arbeitsvertrag un terschreiben und am 20. Januar 2017 eine neue Arbeit habe aufnehmen können. Sie verneint , dass sie sich fast ausschliesslich auf Festanstellungen beworben habe, statt eine temporäre A rbeitsstelle zu finden. Sie habe nicht wissen können, dass sie bereits Ende Januar 2017 eine Ar beit werde finden können und habe sich daher auf Festanstellungen beworben. In ihrem Schr eiben vom 20. Januar 2017 bestätigt die Beschwerdeführerin, dass sie bereits seit August 2015 mit der Gründung der Schule in X.____ verbunden sei und sie die Arbeit sehr sinnvoll un d interessant fände. Jedoch führt die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 9. Juni 2017 aus, dass sie in X.____ sowohl tele- fonisch als auch per Mail erreichbar gewesen sei. Es sei en täglich mehrmals Flüge von X.____ nach Y.____ und von Y.____ nach Zürich und Basel gegan gen. Es wäre ihr möglich gewesen, innerhalb von 24 Stunden in der Schweiz zu sein und be i arbeitsmarktrechtlichen Massnahmen teilzunehmen. Sie sei bei allen vereinbarten Terminen beim RAV erschienen. Sie sei bereit ge- wesen, den Einsatz in Ägypten abzubrechen. Sie habe mit der ägyptischen Einrichtung den Zeitraum ihres dortigen Einsatzes so eingerichtet, dass si e allen anderen Arbeitseinsätzen in der Schweiz hätte nachgehen können. 5.1 Wie in Erwägung 2.4 hiervor ausgeführt, gilt gemä ss Art. 15 Abs. 4 AVIG eine versi- cherte Person als vermittlungsfähig, wenn sie mit der Be willigung der kantonalen Amtsstelle im Rahmen von Projekten für Arbeitslose eine freiwillige , unentgeltliche Tätigkeit im Inland ausübt. Wie das Bundesgericht bestätigt, beschränkt sich Art. 15 Abs. 4 AVIG auf Einsätze im Inland (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Januar 2008, 8C_35 9/2007, E. 3.1). Vorliegend handelt es sich bei der Aufbautätigkeit der logopädischen Ausbil dung für Lehrkräfte in X.____ um eine sozial sinnvolle Tätigkeit, die aus freien Stücken erfolgt ist. Fraglich ist jedoch, ob die freiwilligen Einsätze unentgeltlich ausgeübt wurden. Den Akten ist zw ar zu entnehmen, dass das formell eingegangene Anstellungsverhältnis nicht im Kontext des F irmenzweckes gestanden, sondern der Abgeltung resp. Spesenentschädigung des namhaften Engagements der Beschwerdeführe- rin im genannten Entwicklungshilfeprojekt in Ägypten gedient haben soll. Jedoch sprechen sich die Arbeitsverträge der C.____ vom 16. Januar 2017 und 24. Februar 2017 zum Betrag des „monatlichen Gehalts“ der Beschwerdeführerin aus. Ausserd em führt die Beschwerdeführerin in ihrem Schreiben vom 20. Januar 2017 aus, dass durch di e C.____ finanzielle Unterstützung ermöglicht werde, was auf ein Entgelt und somit auf e ine entgeltliche Tätigkeit schliessen las- sen würde. Jedoch kann die Frage, ob zweifelsfrei eine entgeltliche Tätigkeit vorliegt, offen ge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lassen werden, da feststeht, dass die Einsätze in Ägypte n und nicht im Inland stattgefunden haben. Zudem ist ersichtlich, dass keine Bewilligung der ka ntonalen Amtsstelle vorliegt. Vor diesem Hintergrund kann die Vermittlungsfähigkeit gestützt auf Art. 15 Abs. 4 AVIG nicht bejaht werden. 5.2 Hinzu kommt, dass die Versicherte sowohl in der Zeit vor der ersten Abreise am 23. Januar 2017 und in der Zeit zwischen dem 16. Februa r 2017 und der zweiten Abreise am 5. März 2017 weniger als einen Monat für eine neue Be schäftigung zur Verfügung stand und die Vermittlungsfähigkeit in solchen Fällen nur ausn ahmsweise bejaht werden kann (vgl. E. 2.3). Angesichts der vorliegenden Umstände ist davon a uszugehen, dass die Versicherte in beiden Zeiträumen nicht bereit war, von einem weiter en Arbeitgeber angestellt zu werden. Sie gibt an, dass die Arbeitseinsätze bei der C.____ sowi e jene bei der E.____ sehr intensiv seien und eine dritte Anstellung ausschliessen würden. Ausserd em ist aufgrund ihrer grossen Ver- bundenheit mit dem Projekt anzunehmen, dass sie ihren E insatz zu Gunsten einer Anstellung nicht abgebrochen hätte. Des Weiteren deutet der Umsta nd, dass sie beauftragt wurde, die lo- gopädisch, sprachtherapeutische Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer in X.____ aufzubauen, darauf hin, dass sie neben der Arbeit als Bürokraft haup tsächlich als Projektleiterin vor Ort im Einsatz stand. Als Projektleiterin trägt die Versicherte Verantwortung und kann grundsätzlich nicht leichthin den Einsatzort verlassen. Vor diesem Hi ntergrund ist mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin erst ab dem 30. April 2017 dem Schweizer Arbeitsmarkt zur Verfügung stand und demzufolge ab dies em Zeitpunkt als vermittlungsfähig angesehen werden kann. Daran vermögen auch die Vorbr ingen der Beschwerdeführerin nichts zu ändern. Selbst wenn sie geltend macht, es wäre ihr ob jektiv gesehen möglich gewesen, in- nerhalb von 24 Stunden in der Schweiz zu sein und an ar beitsmarktlichen Massnahmen teilzu- nehmen, so lässt dies nicht darauf schliessen, dass sie all es stehen und liegen gelassen hätte, um für eine neue Anstellung in die Schweiz zurückzukehren . Auch aus dem weiteren Einwand, wonach sie bei allen vereinbarten Terminen beim RAV er schienen sei, kann sie nichts zu ihren Gunsten ableiten. Vielmehr ist ihr entgegenzuhalten, dass sie während ihrer Abwesenheit keine Termine beim RAV wahrnehmen konnte. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der angefochtene E inspracheentscheid des KIGA vom 12. Mai 2017 nicht zu beanstanden ist. Die Vermittlungsfähigkeit der Beschwerde- führerin vom 1. Januar 2017 bis 29. April 2017 wurde z u Recht verneint. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 7. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht