Seite 1 Entscheid vom 11. September 2015 (530 15 13) __________________________________________________ ___________________ Direkte Bundesstuer 2013 (Revisions-Entscheid) Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter R. Richner, Steuer- richter Dr. L. Schneider, Gerichtsschreiberin I. Wissler Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin betreffend Direkte Bundesstuer 2013 (Revisions -Entscheid) Seite 2 In E r w ä g u n g : - dass die Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. April 2015 gegen diesen Revisions- Entscheid der Steuerverwaltung vom 8. April 2015 mit dem Begehren, 1. die Aufrechnung der Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit in Hö he von Fr. 18‘000.-- aus der Veranla- gungsverfügung der direkten Bundessteuer sei zu annullier en, 2. Alles unter Kostenfolge, unter Wahrung von Frist und Form Beschwerde erhoben haben, - dass das Steuergericht gemäss Art. 140 des Bundesgesetze s über die direkte Bundessteu- er (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorl iegenden Streitsache zustän- dig ist, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vo m 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindes teuern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 Beschwerden, deren umstrittener Steue rbetrag wie im vorliegenden Fr. 8’000.-- nicht übersteigt, vom Präsidenten und zwei Rich terinnen und Richtern des Steuer- gerichts beurteilt werden, und dass die in formeller Hi nsicht an eine Beschwerde zu stellen- den Anforderungen erfüllt sind, weshalb ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten ist, - dass gemäss Art. 132 Abs. 1 DBG der Steuerpflichtige innert 30 Tagen nach Zustellung der Veranlagungsverfügung bei der Veranlagungsbehörde schriftlich Einsprache erheben kann, - dass nach Lehre und Rechtsprechung die 30-tägige Fr ist zur Anhebung des Rechtsmittels eine Verwirkungsfrist darstellt, die nicht erstreckbar i st; nach deren Ablauf Klarheit darüber bestehen soll, ob der ergangene Entscheid angefochten oder anerkannt worden ist (vgl. Richner/Frei/Kaufmann, Handkommentar zum DBG, 2. Auflage Zürich 2009, Art. 133 N 18), - dass die Pflichtigen gegen die Veranlagungsverfügung vom 22. Januar 2015 erst mit Schreiben vom 17. März 2015 Einsprache erhoben haben, w as deutlich nach Ablauf der Rechtsmittelfrist von 30 Tagen erfolgt ist und die Ver anlagungsverfügung somit bereits rechtskräftig ist, - dass die Steuerverwaltung die Einsprache der Pflichtig en als Revisionsbegehren entgegen nahm und diese mit Revisions-Entscheid vom 8. April 2015 hauptsächlich mit der Begrün- dung abwies, eine Revision sei ausgeschlossen, wenn der A ntragsteller als Revisionsgrund vorbringe, was er bei der ihm zumutbaren Sorgfalt scho n im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können; eine fristgerechte Rüge ohne w eiteres möglich gewesen wäre, Seite 3 wobei die Revision verpasste Fristen des Einspracheverfahre ns nicht ersetzen könne und solle, womit die Veranlagung der direkten Bundessteuer für das Steuerjahr 2013 nicht mehr abänderbar sei, - dass die Steuerverwaltung mit Vernehmlassung vom 27. M ai 2015 die Abweisung der Be- schwerde beantragte und zur Begründung ausführte, dass die Beschwerdeführer selbst ein- gestehen würden, dass die Einsprache leider verspätet sei, wobei ein „echter“ Revisions- grund gemäss Art. 147 Abs. 1 DBG nicht vorgebracht werde, weshalb vollumfänglich auf die ausführliche Begründung im Revisionsentscheid vom 8. April 2015 zu verweisen sei, - dass die Pflichtigen in der Beschwerde wie auch an der heutigen Verhandlung ausführten, die Veranlagungsverfügung sei irrtümlicherweise aufgr und eines Fehlers der Post im Post- fach der Ehefrau gelandet, obwohl die korrekte Anschrif t auch auf den Namen des Ehe- mannes gelautet habe; das Postfach nur alle paar Wochen gelehrt werde, weil selten Post darin enthalten sei, wobei er nicht mehr nachvollzieh en könne, ab wann der Umschlag im Postfach gelegen habe und er lediglich aufgrund des Datums auf der Veranlagungsverfü- gung davon ausgehe, dass die Einsprache nicht innerhalb der Einsprachefrist und damit zu spät erfolgt sei, - dass der Versand von Veranlagungsverfügungen durch di e Steuerverwaltung regelmässig mit nicht eingeschriebener Post erfolgt und die Steuerverwaltung in diesem Fall jeweils nicht in der Lage ist, den Nachweis zu erbringen, dass und wann eine Verfügung dem Adressaten zugestellt worden ist und im Zweifel auf die Darstellu ng des Empfängers abgestellt werden muss (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 122 I 97 vo m 15. Mai 1996, E. 3b; BGE C 36/02 vom 15. Oktober 2002, E. 5.1; StGE vom 20. Feb ruar 2009, 510 08 78, E. 3a; vgl. auch Ziegler in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel- Landschaft, 122 N 20), - dass die Steuerverwaltung in casu den Nachweis des Zust elldatums der Veranlagungsver- fügung betreffend die direkte Bundessteuer 2013 vom 22 . Januar 2015 nicht hat erbringen können und somit die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat, - dass falls sich überdies eine Behörde für amtliche Verri chtungen wie die Zustellung von Entscheiden einer Hilfsperson - wie hier der Post bedi ent -, sie sich deren Handlung grund- sätzlich anrechnen lassen muss; so wie aus einer unrichtigen Rechtsmittelbelehrung den Seite 4 Parteien keine Nachteile erwachsen dürfen, einer Partei durch falsche Angaben oder Hand- lungen der Hilfsperson, der sich die Behörde bedient, kein Nachteil erwachsen darf, es sei denn, der Fehler sei offenkundig bzw. für die Partei erkennbar (vgl. BGE 1C_85/2010, a.a.O., E. 1.4.3, mit weiteren Hinweisen; vgl. auch StGE vom 24. Juni 2011, 510 2010 83), - dass der Beschwerdeführer aufgrund der Adressierung au f der Veranlagungsverfügung nicht davon ausgehen musste, dass diese in das Postfach der Ehefrau zugestellt würde, er aufgrund der Zustellung in das Postfach, nicht rechtzeit ig von dieser Kenntnis nehmen und in Folge dessen auch die Einsprache nicht rechtzeitig einreichen konnte, - dass aufgrund dieser Ausführungen nicht mehr nachvoll ziehbar ist, wann die Veranlagungs- verfügung bei den Pflichtigen eingetroffen ist und dam it auf die Darstellung des Beschwer- deführers abzustellen ist, wonach das Zustelldatum der V eranlagungsverfügung unbekannt ist und demzufolge von der Rechtzeitigkeit der Einsprache auszugehen ist, - dass die vorliegende Beschwerde aus all diesen Gründen g utzuheissen und der Fall der Steuerverwaltung zur materiellen Beurteilung zurückzuweisen ist, Seite 5 w i r d e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen g utgeheissen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Der bereits bezahlt e Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 3. Mitteilung an die Beschwerdeführer (1), die Eidg enössische Steuerverwaltung, Bern (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3).