<h2>SubmittedText<h2><p>Die Luftschadstoffsituation in den Kantonen Uri und Tessin (zwischen Flüelen und Biasca) gibt im Zusammenhang mit Staus und Verkehrszunahme immer wieder zu Diskussionen Anlass. Ich stelle dem Bundesrat deshalb folgende Fragen:</p><p>1. Wie haben sich der Personenwagen- und Schwerverkehr auf der A2 in den Kantonen Uri und Tessin (Flüelen bis Biasca) seit 1995 entwickelt (DTV)?</p><p>2. Wie haben sich in den Kantonen Uri und Tessin (Flüelen bis Biasca) in der gleichen Zeitperiode die Messwerte von Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM10) in Autobahnnähe (Einflussbereich der Autobahn) und im Tal abseits der Autobahn entwickelt?</p><p>3. Welche Immissionsunterschiede können bei den Luftschadstoffen Stickstoffdioxid (NO2), Kohlenwasserstoffe (VOC), Kohlenmonoxid (CO) und Feinstaub (PM10) zwischen Perioden mit und ohne Staus festgestellt werden?</p><p>4. Welche Unterschiede pro gefahrenen Kilometer ergeben sich bei den Emissionen von Stickoxiden (NOx), Kohlenwasserstoffen (VOC) und Kohlenmonoxid (CO) sowie beim Treibstoffverbrauch zwischen einer normalen Fahrt und einer Fahrt mit Stau bei einem Personenwagen und einem Lastwagen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Luftschadstoffbelastung in den Kantonen Uri und Tessin ist - wie auch an anderen Orten in der Schweiz - zu hoch. Die Hauptursache dafür ist das hohe Verkehrsaufkommen und nicht der Stau. Der Einfluss des Verkehrsaufkommens - insbesondere des Schwerverkehrs - auf die Luftqualität entlang den Transitachsen wird in einer kürzlich veröffentlichten Studie eindrücklich dokumentiert. Daraus geht hervor, dass die Luftschadstoffbelastung im Urner Reusstal und in der Leventina während der Gotthardsperrung aufgrund des Tunnelbrandes massiv zurückging. Gleichzeitig stieg die Luftverschmutzung entlang der A13 wegen des Umwegverkehrs über den San Bernardino stark an.</p><p>Die Verkehrsemissionen führen zu hohen Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastungen und tragen zur Ozonbelastung sowie zum übermässigen Säure- und Stickstoffeintrag in die Umwelt bei. Sie schädigen auf mannigfache Weise die sensiblen Ökosysteme wie Moore, Schutzwälder und artenreiche Wiesen und die menschliche Gesundheit. Ausserdem ist Dieselruss Krebs erregend. Die Schadstoffemissionen müssen deshalb reduziert werden.</p><p>Der Verkehr am Gotthard nimmt seit Jahren zu. Die Verkehrszunahme macht den Erfolg strengerer Abgasvorschriften teilweise zunichte. Das Schwerverkehrsaufkommen betrug allein am Gotthard im Jahr 2000 etwa 1 187 000 Fahrten. Es lag damit weit über dem Ziel des Verkehrsverlagerungsgesetzes von 650 000 Fahrten für den gesamten alpenquerenden Güterschwerverkehr auf der Strasse.</p><p>Das erklärte Ziel der schweizerischen nachhaltigen Verkehrspolitik ist die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene. Volle Wirkung kann die mit der EU vereinbarte und vom Volk gutgeheissene Verlagerungspolitik aber erst mit der Erhöhung der LSVA und der Eröffnung der Neat entfalten. Der Bundesrat will die heikle Übergangsphase mit zusätzlichen Massnahmen meistern. Dazu gehören die Verbesserung der Qualität im internationalen Schienengüterverkehr, die Intensivierung der Schwerverkehrskontrollen sowie eine Erhöhung der Bestellungen im kombinierten Verkehr und der Bundesbeiträge an Terminals und Anschlussgeleise. Schliesslich sollen die internationalen Kontakte intensiviert werden, um einen integrierten Nord-Süd-Güterverkehrskorridor zu schaffen. Demgegenüber würde der Ausbau des Strassennetzes die Verkehrsnachfrage verstärken, was wiederum höhere Emissionen und lediglich die Verlagerung der Staus zu den nächsten "Flaschenhälsen" zur Folge hätte.</p><p>Zu den einzelnen Fragen:</p><p>1. Gemäss den vergleichbaren Ergebnissen der schweizerischen Strassenverkehrszählungen von 1995 und 2000 hat der Gesamtverkehr durch den Gotthard-Strassentunnel innert fünf Jahren um rund 7 Prozent von 17 497 auf 18 681 Fahrzeuge pro Tag zugenommen. Die gleiche Zuwachsrate war für den Personenverkehr zu verzeichnen. Hingegen hat der schwere Güterverkehr stark zugelegt. So stieg der durchschnittliche Werktagsverkehr von 3329 schweren Güterfahrzeugen im Jahr 1995 auf 4578 im Jahr 2000. Im Jahr 2001 lag der durchschnittliche Tagesverkehr bezüglich Gesamtverkehr wegen der zweimonatigen Tunnelschliessung tiefer, bei 16 497 Fahrzeugen.</p><p>2. Die Luftbelastung im Kanton Uri wird in der Nähe von Altdorf/Flüelen im Abstand von 100 Metern von der A2 gemessen. In den letzten Jahren lagen die Jahresmittelwerte für die Stickstoffdioxidbelastung zwischen 27 und 33 Mikrogramm pro Kubikmeter und für die Feinstaubbelastung zwischen 20 und 22 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die von Jahr zu Jahr beobachteten Schwankungen sind auf meteorologische Gegebenheiten zurückzuführen. Im Kanton Tessin wird die Schadstoffbelastung in Bodio im Abstand von 300 Metern von der A2 erfasst. Die Stickstoffdioxidbelastung lag zwischen 28 und 37, die Feinstaubbelastung zwischen 28 und 32 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die Immissionsgrenzwerte von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter für Stickstoffdioxid und von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter für Feinstaub werden nicht eingehalten.</p><p>3. Derartige Analysen wurden bisher nicht durchgeführt. Mit dem umfassenden Messprogramm, das im Rahmen des "Monitoring flankierende Massnahmen - Bereich Umwelt" unter der Federführung des Buwal im Jahr 2002 gestartet wird, werden sie aber in Zukunft möglich sein. Das Dosierungssystem, das aus Sicherheitsgründen am Gotthard eingeführt wurde, hat ebenfalls lufthygienisch positive Auswirkungen.</p><p>4. Der Einfluss der Geschwindigkeit auf die Emissionen ist je nach Fahrzeugkategorie, -alter und Treibstoffart verschieden. Für neuere Personenwagen mit Katalysator sind die Kohlenmonoxid- und Stickoxidemissionen pro Kilometer bis zu einer Geschwindigkeit von 80 Kilometer pro Stunde mehr oder weniger konstant, bei höheren Geschwindigkeiten steigen sie an. Bei den Kohlenwasserstoffen haben die Emissionen ein Minimum bei 80 Kilometer pro Stunde und steigen bei höheren und tieferen Geschwindigkeiten an. Bei schweren Nutzfahrzeugen steigen die Emissionen aller Schadstoffe und der Treibstoffverbrauch bei Geschwindigkeiten unter 30 bis 40 Kilometer pro Stunde an. Bei höheren Geschwindigkeiten sind sie mehr oder weniger konstant. Wenn die Fahrzeuglenker die Motoren im Stau abstellen, entstehen keine Emissionen.</p>  Antwort des Bundesrates.