B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3527/2013 spn/kna U r t e i l v o m 2 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Mai 2013 / N (…). D-3527/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger – ersuchte am 1. Juli 2007 zum ersten Mal in der Schweiz um Asyl. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, sein Vater – ein in der Provinz Z._______ stati- onierter Offizier der afghanischen Armee – sei am 5. Juni 2007 von Tali- bankämpfern entführt und getötet worden , woraufhin d ie Mutter Anzeige erstattet habe. Später, als der Beschwerdeführer bei der Arbeit gewe sen sei, seien die Taliban ein zweites Mal gekommen und hätten nach ihm gesucht. Daraufhin habe er sich versteckt gehalten, während seine Mutter seine Ausreise organisiert habe. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2008 lehnte das BFM dieses Asylgesuch des Besch werdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbringen de s Beschwerdeführers vermöchten den Anforderungen von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an das Glaubhaftmachen nicht zu genügen. Die Beschwerde des Beschwerdeführers vom 27. November 2008 gegen diese Verfügung wurde mit Urteil D-7593/2008 des Bundesverwaltungs- gerichts vom 3. August 2011 abgewiesen. Der Beschwerdeführer verli ess die Schweiz am 21. November 2011 per Flugzeug in Richtung Kabul (Afghanistan). B. Am 14. Oktober 2012 wurde der Beschwerdeführer anlässlich einer pol i- zeilichen Personenkontrolle im Zug von Y ._______ nach X._______ an- gehalten. Er gab dabei zunächst an, i n W._______ zu wohnen und über ein gültiges Aufenthaltsrecht zu verfügen. Nach seiner Identifikation führte er aus, am Tag zuvor von Italien kommend in die Schweiz gereist zu sein, um hier um Asyl zu ersuchen. C. Am 16. Oktober 2012 reichte der Beschwerdeführer das Asylgesuch beim Empfangszentrum V._______ ein und gab an , Afghanistan am 8. Juli 2012 verlassen zu haben und über die Türkei, Griechenland und Italien am 13. Oktober 2012 in die Schweiz eingereist zu sein . Er wurde vom BFM am 16. November 2012 summarisch befragt und am 14. Mai 2013 einlässlich zu seinen Asylgründen angehört. D-3527/2013 Seite 3 Zur Begründung dieses Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, im November 2012 sei sein Bruder von den Tal i- ban entführt worden. Seine Mutter und se ine Schwester hätten nach die- sem Vorfall das Land verlassen. Er sei nach seiner Ankunft in Kabul zwei Wochen inhaftiert und befragt worden. Danach sei er von einem Ko m- mandanten des Flugha fens zu seinem Onkel nach U._______ gebracht worden, da der Kommandant und sein Onkel schon lange befreundet sei- en. In U._______ habe er dank seinem Onkel nach rund einem Monat ei- ne Arbeit als Fahrer bei der amerikanischen Armee gefunden. Dabei habe er auch Angriffe der Taliban auf Konvois der Amerikaner miterlebt. Die Ta- liban hätten ihm am 7. Mai 2012 ein Schreiben zukommen lassen und ihm mitgeteilt, dass er von ihnen zum Tode verurteilt worden sei. Drei T a- ge später seien Talibankämpfer ins Haus seines Onkels eingedrungen und hätten ihn bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen. Sie hätten nur von ihm abgelassen, da sie gedacht hätten, er sei tot. Als er zu sich gekommen sei, habe er sich in einem Spital in Kabul befunden, in we l- ches ihn sein Onkel gebracht habe. Er sei zwei Wochen im Spital gebli e- ben. Nach seiner Entlassu ng aus dem Spital habe er bis zu seiner Au s- reise beim Kommandanten des Flughafens gewohnt, welcher ihm ein V i- sum für die Türkei beschafft habe. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer ein Schre i- ben der Polizei bezüglich der Entführung seines Bruders sowie ein Schreiben des Spitals in Kabul zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 21. Mai 2013 – eröffnet am 22. Mai 2013 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug nach Afghanistan an. E. Mit Eingabe vom 20. Juni 2013 erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bunde s- verwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung, eventuell die Anordnung der vorläufigen Aufnahme z u- folge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. In formeller Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf Erhebung eines K osten- vorschusses. D-3527/2013 Seite 4 Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen Au s- weis sowie eine Arbeitsbestätigung der B._______ und drei Artikel aus dem Internet zur allgemeinen Lage in Afghanistan zu den Akten. F. Mit Verfügung vom 5. Juli 2013 stellte die zuständige Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und Verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, innert Frist eine Vernehmlassung einzureichen. G. In seiner Vernehmlassung vom 9. Juli 2013 hielt das BFM an seinen E r- wägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. H. Mit Eingabe vom 10. Juli 2013 reichte der Beschwerdeführer seinen Fü h- rerschein im Original (inklusive Übersetzung) und drei Fotos von sich selbst zu den Akten. I. In seiner Replik vom 2. August 2013 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung des BFM Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl G; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bu n- desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche D-3527/2013 Seite 5 Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de ren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solc hen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das BFM im Wesentlichen aus, die A ngaben des Beschwerdeführers müssten als vage und u n-D-3527/2013 Seite 6 substanziiert qualifiziert werden, weshalb der Eindruck entstehe, es hand- le sich beim geschilderten Sachverhalt um eine konstruierte Geschichte. So sei der Beschwerdeführer unter anderem nicht in der Lage gewesen, die Zusammenarbeit mit den Amerikanern genau zu schildern. Er habe ebenfalls angegeben, er sei im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit mehrmals in Angriffe der Taliban auf den Transportkonvoi verwickelt g e- wesen. Die diesbezüglichen Ausführungen de s Beschwerdeführers en t- behrten jedoch auch auf Nachfrage jeglicher Realitätskennzeichen. Seine Angaben, wie er reagiert habe, als es zu Anschlägen gekommen sei, sei- en oberflächlich und allgemein geblieben. So habe der Beschwerdeführer keine Angaben zu etwaigen Interaktionen mit den Taliban gemacht, seine eigenen psychischen Vorgänge nur auf Nachfrage und auch dann nur sehr knapp und habe keine Details zu Problemen oder Schwierigkeiten, mit denen er oder seine Kameraden im Rahmen dieser Angriffe konfro n- tiert gewesen seien, gegeben. Auch die Angaben des Beschwerdeführers zum angeblichen Übergriff auf seine Person seitens der Taliban seien durchwegs stereotyp und wenig detailliert geblieben. So sei er nicht in der Lage gewesen, den geltend gemachten Vorfall fre i zu erzählen. Seine Angaben hätten zudem keine Details aufgewiesen, weshalb seine Schi l- derungen weder wirklichkeitsnah noch lebendig erschienen seien. In di e- sem Zusammenhang sei auch festzuhalten, dass das geschilderte Ve r- halten des Beschwerdeführers als unglaubhaft eingestuft werden müsse. So habe er angegeben, er habe nichts unternommen, nachdem er von den Taliban die schriftliche Morddrohung erhalten habe, dies obschon er gewusst habe, dass Afghanen, die für die amerikanische und afghanische Armee arbei teten, regelmässig Opfer von Angriffen seitens der Taliban würden. Wäre der Beschwerdeführer tatsächlich von den Taliban bedroht worden, hätte er versucht, sich vor Übergriffen zu schützen. Es sei auch festzuhalten, dass er zu Protokoll gegeben habe, der F lughafenkomman- dant von Kabul und sein Onkel seien Freunde. Der Beschwerdeführer habe jedoch nicht gewusst, wie sich die zwei kennengelernt hätten, dies obschon er angeblich über längere Zeit beim Kommandanten und bei seinem Onkel gelebt habe. Hinsichtlich der Behauptung des Beschwerde- führers, sein Bruder sei seitens der Taliban noch vor seiner Rückkehr ent- führt worden, sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer dieses Erei g- nis in der Befragung mit keinem Wort erwähnt habe. Der Beschwerdefü h- rer habe ebenfalls angegeben, er habe zuletzt vor zirka ein bis eineinhalb Jahren mit seiner Mutter telefonisch Kontakt gehabt. Er habe mit seiner Mutter bei dieser Gelegenheit über Allgemeines gesprochen. Gemäss dem eingereichten Schreiben der afghanischen Behörden datie rt auf den 15. November 2011 sei der Bruder des Beschwerdeführers bereits im D-3527/2013 Seite 7 September 2011 entführt worden. Seine Mutter hätte also den Beschwer- deführer beim letzten Telefongespräch über die Entführung seines Br u- ders informieren müssen. Es sei somit davon auszugehen, dass – entge- gen der Behauptung des Beschwerdeführers – seine Familie in Kabul gar nicht seitens der Taliban behelligt worden sei. In diesem Zusammenhang sei auch auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. August 2011 zu verweisen, gem äss dem der Beschwerdeführer seine Probleme mit den Taliban in Kabul im Rahmen seines ersten Asylgesuches nicht glaubhaft habe darlegen können. Auch die Vorbringen des Beschwerd e- führers hinsichtlich seines Spitalaufenthaltes in Kabul würden diverse Ungereimtheiten aufweisen. So habe der Beschwerdeführer bei der B e- fragung angegeben, er sei nach zwei Tagen im Spital von Beamten des Innenministeriums besucht worden und habe bei diesen Anzeige eing e- reicht. Entgegen dieser Angabe habe der Beschwerdeführer anläss lich der Anhörung gelten gemacht, er habe betreffend des Überfalls auf seine Person seitens der Taliban keine Anzeige erstattet. Im Lichte dieser E r- wägungen seien die Vorbringen als unglaubhaft zu qualifizieren. An di e- sen Einschätzungen vermöchten auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern. Diese würden keine Beweiskraft entfalten, da es sich um Dokumente handle, die erfahrungsgemäss leicht unrechtmässig e r- hältlich seien. Angesichts der dargelegten Unglaubhaftigkeit der Vorbri n- gen könne auf eine eingehende Würdigung der eingereichten Dokumente verzichtet werden. Ferner müsse die geltend gemachte Haft anlässlich der Rückkehr als asylunbeachtlich qualifiziert werden. Die Behörden hä t- ten den Beschwerdeführer nach zwei Wochen ohne Auflagen entlassen, weshalb davon auszugehen sei, dass sie kein anhaltendes Verfolgungsin- teresse gegen den Beschwerdeführer hätten. Der Beschwerdeführer m a- che nach seiner Freilassung keine Probleme mit den Behörden geltend, weshalb angenommen werden dürfe, dass es sich bei der geschilderten Haft um ein einmaliges, isoliertes Ereignis handle, das die Flüchtlingse i- genschaft nicht zu begründen vermöge. Abschliessend könne festgeha l- ten werden, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den A n- forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhielten. Da her sei das Asylgesuch abzulehnen. 4.2 In seiner Beschwerde vom 20. Juli 2013 wiederholte der Beschwerde- führer in erster Linie den Sachverhalt und hielt den Erwägungen des BFM im Wesentlichen entgegen, seine Familie sei eine (…) Familie und gehöre zu jenen afghanischen Familien, die nicht bereit seien , mit den Taliban zusammenzuarbeiten. Daher sei seine Familie den Taliban gut bekannt. D-3527/2013 Seite 8 Sein Vater sei im Juli 2007 ermordet worden. Ein Bruder von ihm sei b e- reits im September 2011 von Taliban entführt worden. Danach habe seine Mutter Kabul verlassen. Seither habe er keinen Kontakt mehr zu ihr. Die Familie existiere nicht mehr . Es treffe nicht zu, dass seine Angaben u n- substanziiert und vage seien. Er habe nach seiner Rückkehr nach Afgha- nistan durch Beziehungen seines Onkels eine Stelle bei der Trans portfir- ma B._______ erhalten. Er habe als Fahrer die Soldaten beziehungswe i- se Waren ins Camp der amerikanischen Armee transportieren müssen. Dann seien die Taliban auf ihn aufmerksam geworden und hätten ihn auf- grund seiner Zusammenarbeit mit den Amerikanern mit dem Tod bedroht. Die Beweismittel und seine Ausführungen in der Anhörung ( der B e- schwerdeführer verweist auf die Akten des BFM B13 F60) würden ohne Zweifel deutlich machen, dass er tatsächlich als Fahrer für die Amerik a- ner tätig gewesen sei. Der Drohbrief, der darauffolgende Angriff auf ihn sowie die Einlieferung ins Spital in Kabul sei en alle innert kurzer Zeit – nämlich innerhalb von drei Tagen – passiert, so dass er sich vor den Tali- ban nicht mehr habe schützen können. Die Behauptung der Vorinstanz, wonach er sich vor den Taliban rechtzeitig geschützt hätte, wenn der Vor- fall tatsächlich geschehen wäre, bleibe somit unbegründet. Er sei nicht einer staatlichen , sondern einer nichtstaatlichen Verfolgung ausgesetzt gewesen. Somit sei die im Grundsatzurteil vom 8. Juni 2006 bestimmte Schutztheorie anzuwenden. Diese Ausführungen zeigten, dass seine A n- gaben stimmten. Er habe die Sache weder dramatisiert noch übertrieben. Er habe das angegeben, was er tatsächlich erlebt habe. Zudem habe er mit den eingereichten Beweismitteln seine Asylvorbringen untermauern können. Vor dem Hintergrund dieser Tatsache blieben die Behauptungen der Vorinstanz unbegründet. Die Vorinstanz bringe vor, dass er nach se i- ner Freilassung keine Probleme mit den Behörden geltend mache. Es treffe zu, dass es sich um ein einmaliges Ereignis gehandelt habe. Er h a- be kein Problem mit den afghanischen Behörden gehabt. Deshalb habe er die zweiwöchige Haft nicht als Asylgrund angegeben. Der Grund für seine erneute Flucht in die Schweiz sei die Todesdrohung durch die Tal i- ban. 4.3 In seiner Vernehmlassung vom 9. Juli 2013 hob das BFM zusätzlich hervor, dass gemäss Prax is des Bundesverwaltungsgerichts die afghan i- schen Behörden in Kabul grundsätzlich schutzwillig wie auch schutzfähig seien. Dabei wies es auf die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-1867/2011 vom 3. Mai 2013 sowie D -3307/2011 vom 17. Januar 2013 hin. D-3527/2013 Seite 9 4.4 In seiner Replik vom 2. August 2013 entgegnete der Beschwerdefü h- rer im Wesentlichen, er habe übereinstimmend und glaubhaft darlegen können, dass er als Fahrer im Dienste der amerikanischen Armee gew e- sen sei. Er habe ebenfalls glaubhaft dargelegt, dass die Taliban ihn des- halb hätten bestrafen wollen. Diesbezüglich seien auch Beweismittel ei n- gereicht worden, die seine Asylvorbringen untermauern würden. Was sol- le er noch machen, damit die Vorinstanz seine Asylvorbringen als glau b- haft betrachten würden. Die afg hanischen Sicherheitskräfte seien zwar schutzwillig, nicht jedoch schutzfähig. Sie seien nicht einmal in der Lage, sich selber vor den Taliban und anderen radikal -islamischen Gruppierun- gen zu schützen, geschweige denn sie würden die Zivilisten schützen. Es sei eine bekannte Tatsache, dass die Taliban Personen wie ihn als Helfer beziehungsweise Handlanger des Feindes ansehen würden. Sie würden für die Taliban al s Verräter gelten. Es ge be unzählige solche Fälle, bei denen den "Verrätern" durch die Taliban die Kehle durchgeschnitten wor- den sei. Sollte er irgendwann in die Hände der Taliban fallen, würden sie mit ihm ebenfalls einen kurzen Prozess machen. Sie hätten seinen Vater bereits im Jahr 2007 getötet und den Bruder im Jahr 2011 entführt. Auch das zeige, dass er und eine Familie den Taliban als Verräter gut bekannt sei. Die Familie sei auseinandergerissen beziehungsweise zerstört wo r- den. Zudem habe er niemanden in Kabul. Der Rest seiner Familie sei aus Angst vor den Taliban sehr wahrscheinlich in den Iran oder nach Pakistan geflohen. Er habe immer noch keinen Kontakt. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüch- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist , wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert od er un- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zwe ifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber D-3527/2013 Seite 10 überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalt s- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 5.2 Vorauszuschicken ist, dass die Aussagen des Beschwerdeführers all- gemein als oberflächlich und substanzlos bezeichnet werden müssen. Den Vorbringen fehlt es an Detailreichtum, so dass insgesamt nicht der Eindruck von tatsächlich Erlebtem entsteht. Der Beschwerdeführer ver- mag so auch auf Rückfragen die Situationen nicht eingehender zu s chil- dern. So erzählt er nie von sich aus Nebensächlichkeiten, die nur jemand erzählen könnte, der das Vorgebrachte erlebt hatte (vgl. B13 F61, F70 oder auch F89). Bezeichnend ist zudem, dass e r die Entführung seines Bruders – was ein zentrales Element sei ner Verfolgung darstellen wü r- de – nicht in der Befragung erwähnt und erst in der einlässlichen Anh ö- rung vorbringt. Die Erklärung des Beschwerdeführers, man habe ihm in der Befragung keine Zeit zur Verfügung gestellt, vermag dieses Verhalten nicht zu begründen (vgl. B13 F15). 5.3 Zweifel an den Aussagen de s Beschwerdeführers entstehen sodann im Zusammenhang mit seiner Einreise in Afghanistan, respektive bezü g- lich seiner Bekanntschaft mit dem Kommandanten des Flughafens. Es erscheint zum einen unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer au s- gerechnet von einem Freund seines Onkels am Flughafen in Kabul b e- fragt wurde, dieser dann auch noch seine schwierige Situation erkannt und ihn zu seinem Onke l gefahren hätte. Zum anderen vermag der B e- schwerdeführer dann jedoch nichts über das Verhältnis zwischen seinem Onkel und dem Kommandanten zu erzählen, obschon er mehrere W o- chen beim Kommandanten und mehrere Monate beim Onkel gewohnt habe. Innerhalb diese r Zeitspannen kann erwartet werden, dass der B e- schwerdeführer zumindest gefragt hätte, von wo sich die beiden kennen (vgl. B13 F33) . Zudem erstaunt es, dass sein Onkel, welcher gemäss Aussagen des Beschwerdeführers im ersten Asylverfahren "geistig ang e- schlagen" sei und in Kabul gewohnt habe (vgl. A1 S. 3) innerhalb weniger Jahre genesen, in die Provinz U._______ umgezogen und dort zusa m- men mit seinem Sohn einen Laden führen soll (vgl. B7 S. 9). Darüber D-3527/2013 Seite 11 hinaus gibt der Beschwerdeführer zu Beginn der Befragun g ausdrücklich zu Protokoll, sein Onkel habe schon immer in der Provinz U._______ und niemals in Kabul gewohnt (vgl. B7 S. 5). 5.4 Gewichtige Zweifel entstehen weiter im Zusammenhang mit seiner angeblichen Arbeit bei der amerikanischen Armee. Seine Aussagen zu seiner Tätigkeit bleiben auch nach mehrmaligem Nachfragen unsubsta n- ziiert und oberflächlich. So betonte der Beschwerdeführer mehrmals, dass er lediglich als Fahrer gearbeitet habe (vgl. B13 F61). Jedoch fehlen konkrete Angaben zu seiner Tätigkeit sowie Sc hilderungen einzelner E r- eignisse. Beispielsweise antwortete er auf die Frage, wie er habe vorg e- hen müssen, wenn er das amerikani sche Lager habe betreten wollen: "Wir kamen an den Schalter und haben unsere Karten abgegeben und haben unser Fahrzeug dort park iert und haben dort essen können." (vgl. B13 F83). Hätte er tatsächlich ein halbes Jahr als Fahrer gearbeitet, hätte er diese alltägliche Situation wesentlich persönlicher und differenzierter schildern können. Gänzlich unglaubhaft erscheinen seine Vorbring en be- züglich den Angriffen der Taliban. Der Beschwerdeführer spricht ohne jeg- liche Gefühle von einem Anschlag, bei welchem das erste Fahrzeug se i- nes Konvois, das direkt vor seinem fuhr, auf eine Mine fuhr und explodier- te und fügt an : "Es ist weiter nichts passiert." (vgl. B13 F66). Zudem e r- zählt er : "Als das Fahrzeug explodierte, sind drei bis vier Soldaten, die sich in dem Fahrzeug befanden, ums Leben gekommen. Wenn solche Vorfälle stattfanden, dann hat man die Amerikaner benachrichtigt. Sie sind dann gekommen und haben das aufgeräumt und wieder in Ordnung gebracht." (vgl. B13 F70). Der Beschwerdeführer würde über den Tod seiner Kammeraden, welcher vor seinen Augen passierte und genauso gut ihn hätte treffen können, mit mehr Emotionen und Angst sprechen. Zudem könnte er mehr Einzelheiten und Details – wie beispielsweise wer in dem vorderen Wagen sass, wie die Umgebung ausgesehen hat und zu welcher Zeit dieser Anschlag geschah – wiedergeben. Auch als der B e- schwerdeführer vom Schreiben der Taliban bezüglich seines Todesurteils erzählt, erscheinen seine Handlungen nicht logisch und lebensnah. Eine Person, deren Vater von den Taliban ermordet und dessen Bruder von ih- nen entführt wurde, würde ein solches Schreiben wohl im Gegensatz zu den Aussagen des Beschwerdeführers sehr ernst nehmen (vgl. B13 F96) und versuchen, sich sofort in Sicherheit zu bringen . Dem auf Beschwe r- deebene vorgebrachten Argument, er habe keine Zeit gehabt sich inne r- halb von drei Tagen zu schützen, kann nicht gefolgt werden, zumal der Beschwerdeführer weiterhin zur Arbeit gegangen sei und auch sonst nicht die geringste Vorsichtsmassnahme ergriff. A uch die Schilderungen , wie D-3527/2013 Seite 12 die Taliban zu seinem Onkel ins Haus gekommen seien und ihn zusa m- mengeschlagen hätten, vermögen den Anforderungen an die G laubhaf- tigkeit nicht standzuhalten. Es fehlen auch hier Realkennzeichen und De- tails, welche vermuten lie ssen, dass der Beschwerdeführer das Erzählte selber erlebt hat. So konnte er nicht beschreiben, wie die Taliban in das Haus eingedrungen seien, was sie gesagt oder wie sie ausg esehen hät- ten oder was er in diesem Moment gedacht habe (vgl. B13 F98 , F120). Seine Aussagen verbleiben auch nach Nachfragen des Befragers ober- flächlich. Somit muss die Tätigkeit bei der amerikanischen Armee als Fah- rer sowie auch der Angriff der Taliban auf den Beschwerdeführer als kon- struiert und daher unglaubhaft beurteilt werden. 5.5 Weitere Zweifel entstehen sodann auch im Zusammenhang mit der Suche nach seiner Mutter. Der Beschwerdeführer konnte nicht sagen, welche Personen er nach dem Verbleib seiner Mutter gefragt habe und wie er bei der angeblichen Suche nach ihr vorgegangen sei. Seine die s- bezüglichen Aussagen bleiben unsubstanziiert und vage. Es bleibt bei- spielsweise unklar, ob er selber im Quartier in Kabul her umgefragt hatte oder ob er über andere Kommunikationsmittel versucht hat, seine Mutter ausfindig zu machen (vgl. B13 F25 ff., F113 ff.). Es erscheint zudem nicht glaubhaft, dass seine Mutter und seine Schwester das Land verlassen und nicht beim Onkel auf den Beschwerdeführ er gewartet hätten, zumal die Mutter von der Rückkehr ihres Sohnes aus der Schweiz gewusst h a- ben musste. Somit wäre um so mehr zu erwarten gewesen, d ass diese den Onkel zumindest darüber informiert hätte, wohin sie flüchten wollte, zumal ja auch der jüngste Bruder beim Onkel verblieben sei (vgl. B13 F16). Ferner erscheint es realitätsfremd, dass der Beschwerdeführer aus dem Gefängnis des Kabuler Flughafens direkt nach U._______ ging, oh- ne seine Familie in Kabul zu suchen oder zumindest bei seiner früheren bekannten Wohnung vorbeizugehen, wo er zwölf Jahre seines Lebens verbracht hatte. Die Erklärung des Beschwerdeführers, es sei zu gefäh r- lich gewesen, in dieses Quartier zurück zu gehen, erscheint auch im Hin- blick auf die Sicherheitslage in der Provinz U._______ nicht schlüssig (vgl. B13 F116 f.) . Es erstaunt zudem, dass der Beschwerdeführer die genauen Umstände der Entführung seines Bruders nicht wiedergeben konnte, obschon sein Onkel oder sein kleiner Bruder darüber informiert gewesen sein müssten. Weder aus dem Protokoll der Befragung, noch im Protokoll der Anhörung kann daher die genaue Situation und die Gründe für die Entführung entnommen werden. Auch wenn der Befrager nie e x- plizit danach gefragt hatte, wäre es vom Beschwerdeführer zu erwarten gewesen, dass er diesen Vorfall im Rahmen der freien Erzählung genau D-3527/2013 Seite 13 erläutern würde und nicht lediglich zu Beginn der Anhörung im Zusa m- menhang mit der Einreichung des Beweismittels erwähnt. Für weitere Unglaubhaftigkeitselemente kann ferner auf die Verfügung des BFM vom 21. Mai 2013 verwiesen werden. 5.6 Weder die Ausführungen auf Beschwerdeebene noch die eingereich- ten Beweismittel vermögen an dem Gesagten etwas zu ändern . So ist anzumerken, dass den eingereichten Beweismitte ln lediglich ein geringer Beweiswert zugesprochen werden kann: Bezüglich des Polizeirapportes zum Verschwinden des Bruders bleibt nicht nachvollziehbar, weshalb die Mutter ein solches Dokument habe anfertigen lassen, um es dann wenige Tage später beim Onkel zu lassen. Solche Dokumente sind de nn auch, wie auch die Bestätigung des Spitalaufenthaltes, leicht unrechtmässig zu erhalten. Die Fotos, auf welchen der Beschwerdeführer immer in der glei- chen makellosen Freizeitkleidung mal mit kugelsicherer Weste, mal mit Funkgerät oder neben einem Jeep a bgebildet ist, vermögen eine Arbeit für die amerikanische Armee nicht glaubhaft zu machen. Dies gilt ebenso für den eingereichten Arbeitsausweis oder die schriftliche Bestätigung, zumal diese den Angaben des Beschwerdeführers in zeitlicher Hinsicht widersprechen. Gemäss den Beweismitteln habe der Beschwerdeführer seine Arbeit am 22. Dezember 2011 aufgenommen, also bereits einen Monat nach seiner Rückkehr. Gemäss eigenen Angaben habe er aber zunächst zwei Wochen im Gefängnis in Kabul verbracht und sich darau f- hin ein bis eineinhalb Monate ohne Arbeit in U._______ bei seinem Onkel aufgehalten. Solange habe es gedauert, bis ihm sein Onkel diese Arbeit bei der Armee habe beschaffen können (vgl. B13 F58 und 78). Ferner ist es nicht nachvollziehbar, dass der Beschw erdeführer zwar seinen Fahr- ausweis aus der Wohnung seines Onkels einreichen konnte, jedoch nicht das Schreiben der Taliban mit seinem Todesurteil, obschon beide Dok u- mente gemäss seinen Aussagen in C._______ gewesen seien (vgl. B13 F92). Der Beschwerdeführer hätte zudem durch seine Erfahrungen aus dem ersten Asylverfahren in der Schweiz wissen müssen, welche B e- weismittel eine gewisse Relevanz auf zuweisen vermögen und diese vor seiner Flucht beschaffen müssen. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorbringen des Beschwe r- deführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit von Art. 7 AsylG nicht genügen. Der Beschwerdeführer konnte daher keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen und kann nicht als Flüchtling anerkannt werden. D-3527/2013 Seite 14 Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des B e- schwerdeführers verneint und sein Asylgesuche abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Re gel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Ab s. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau same, D-3527/2013 Seite 15 unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder e rniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nicht rückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EG MR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl . EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerwei se nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Grundsatzurteil BVGE 2011/7 eine umfassende Analyse der Sicherheitslage in Afghanistan vorgeno m-D-3527/2013 Seite 16 men und diese über sämtliche Landesteile hinweg als äusserst prekär bezeichnet (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.7.4). Von dieser allgemeinen Feststel- lung sei die Situation in der Hauptstadt Kabul zu unterscheiden. Dazu trägt massgeblich bei, dass die afghanischen Sicherheitskräfte dort be s- ser in der Lage sind, die Verantwortung, die ihnen für das Stadtgebiet von den internationalen Kräften bereits formell übergeben worden ist, zu übernehmen. Angesichts des Umstandes, dass sich die Sicherheitslage in Kabul im Verlauf des vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre Situation im V ergleich zu den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter Umständen als zumutbar qualifiziert werden. Solche U m- stände könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden Mann handle. Aller- dings müssen die Bedingungen in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft wer- den. Unabdingbar sei in erster Linie ein soziales Netz, das sich im Hi n- blick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers als tragfähig erweise. Ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte wü r- den die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in e i- ne existenzielle beziehungsweise lebensbedrohende Situation führen. Für einen Rückkehrer aus Europa bestehe aufgrund der Vermutung, dass er Devisen auf sich trage, gleich nach seiner Ankunft in Kabul ein erhöhtes Risiko, entführt oder überfallen zu werden. Verfüge er auf der anderen Seite über keine genügenden finanziellen Mittel, hätte er ohne soziale Vernetzung kaum Aussic ht auf eine zumutbare – das heisst winterfeste und mit minimaler sanitärer Einrichtung ausgestattete – Unterkunft. Auch bei der Arbeitssuche sei die Einstellung, selbst von unqualifizierten A r- beitskräften, regelmässig von persönlichen Beziehungen abhängig. Eine die Gesundheit nur einigermassen garantierende Ernährung wäre ohne die Hilfe von nahestehenden Personen ebenfalls kaum möglich und der Zugang zu sauberem Trinkwasser schwierig; Unterstützungsmassna h- men der Regierung oder internationaler Organisatione n könnten laut z u- verlässigen Quellen daran nichts ändern. Kämen in einer solchen Situat i- on noch gesundheitliche Umstellungsschwierigkeiten hinzu, geriete auch ein junger Mann ohne soziale Vernetzung unweigerlich innert absehbarer Zeit in eine existenzbedrohende Situation (vgl. E. 9.3 ff.). 8.4.2 Gemäss eigenen Angaben lebte der junge, soweit aktenkundig g e- sunde und ledige Beschwerdeführer seit seiner Geburt bis zu seiner Au s- reise im Jahr 2007 in Kabul. Daher kann davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer zumindest über ein soziales Beziehungsnetz verfügt, auf welches er sich nach seiner Rückkehr stützen kann. Wie da r-D-3527/2013 Seite 17 gelegt, können seine Ausführungen bezüglich der angeblichen Flucht sei- ner Mutter und seines Onkels nicht geglaubt werden. Die genauen famili- ären Verhältnisse im Herkunftsland bleiben daher aus dem Beschwerd e- führer anzulastenden Gründen im Dunkeln und sind vom Gericht nicht näher zu eruieren. Der Beschwerdeführer verfügt über eine gute Schu l- bildung und Englischkenntnisse. Zudem k onnte er, wie aus dem ersten Asylverfahren bekannt ist, bereits dank Unterstützung von Bekannten während seiner Schulzeit einer Arbeit nachgehen und Berufserfahrungen sammeln. Daher ist davon auszugehen, dass er sich nach seiner Rüc k- kehr wieder beruflich integrieren kann. Jedenfalls darf gestützt auf die be- stehenden Akten der Schluss gezogen werden, dass er in Kabul nicht in eine existenzbedrohende Lage geraten wird. Nachdem seine konkreten Lebensumstände in Kabul wegen seines Aussageverhaltens nicht vol l- ständig geklärt sind, erübrigen sich an dieser Stelle weitere Ausführu n- gen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Ver fahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). D-3527/2013 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Anne Kneer Versand: