BRGE IV Nr. 0001/2019 vom 10. Januar 2019 in BEZ 2019 Nr. 7 Das Baugrundstück ist nach der geltenden Bau - und Zonenordnung der Landwirtschaftszone zugeteilt. Die Bauges uchsteller bewirtschaften einen Landwirtschaftsbetrieb mit 46,87 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Sie planen die Errichtung einer Unterflur-Fahrzeugwaage. Diese soll in einem Abstand von 50 cm zur Flurwegparzelle Kat. -Nr. 1 erstellt werden. Für die Zufa hrt zur geplanten Waage und Weiterfahrt ist vorgesehen, den Weg zulasten der Bauparzelle auf einer Länge von je 30 m um rund 4 m zu verbreitern. Die verkehrsmässige Erschliessung erfolgt von der F -Strasse her über die im Eigentum der Politischen Gemeinde s tehenden Flurwegparzellen Kat. -Nrn. 2 und 1. Da die Vorinstanz die Benutzung der Flurwege als gesteigerten Gemeingebrauch einstuft, verlangt sie nebenbestimmungsweise von der Bauherrschaft eine Kostenbeteiligung von 50 Prozent an die Sanierung der Flurwege. Aus den Erwägungen: 3. Die Rekurrierenden sind zusammengefasst der Auffassung, es bestehe für die verfügte Kostenbeteiligung keine Rechtsgrundlage, da die Flurwege im Privateigentum der Gemeinde stehen würden. Demgegenüber hält die Vorinstanz dafür, da ss die streitbetroffenen Flurwege in den Anwendungsbereich des Strassengesetzes (StrG) fielen und sich die Kostentragungspflicht aus § 32 (recte: § 33) StrG ableite. Im Weiteren finde sich auch in der Unterhaltsordnung für Meliorationsanlagen der Gemeinde aus dem Jahre 1976 eine gesetzliche Grundlage für die teilweise Kostenüber - wälzung auf die Bauherrschaft. 4. Der Gemeinderat statuiert die Pflicht der Bauherrschaft zur Übernahme von Kosten an die Sanierung der Erschliessungsanlagen in einer Neben - bestimmung zur angefochtenen Baubewilligung. Es stellt sich die Frage, ob dies zulässig ist. Nebenbestimmungen zu einer Baubewilligung sollen vorab Projektmängel korrigieren, die sich «ohne besondere Schwierigkeiten » beheben lassen (§ 321 Abs. 1 PBG). Daraus fol gt, dass zwischen Nebenbestimmung und Baube - willigung ein Sachzusammenhang bestehen muss (Christian Mäder, Das Baubewilligungsverfahren, 1991, Rz. 467). In der Praxis kommt es nicht selten vor, dass eine Behörde mit dem Institut der Nebenbestimmung sachfre mde Ziele verfolgt. Im vorliegenden Fall steht die angefochtene Auflage in keinem engen sachlichen Zusammenhang mit der Bauerlaubnis. Strittig ist nicht die hinreichende verkehrsmässige Erschliessung des Bauvorhabens, sondern vielmehr die Frage, ob sich d ie Bauherrschaft an der Sanierung der im Eigentum der Gemeinde stehenden Flurwege finanziell zu beteiligen hat oder nicht. Die Erteilung einer Baubewilligung kann grundsätzlich nicht davon abhängig gemacht werden, dass der Gesuchsteller Gebühren oder Beitr äge übernimmt, sofern dafür keine ausdrückliche gesetzliche Grundlage besteht - 2- (Mäder, Rz. 467). Das gilt auch für die Übernahme der Kosten von Erschliessungsanlagen (RB 1992 Nr. 73). Im Kanton Zürich fehlt eine gesetzliche Grundlage, die es der Gemeinde erlauben würde, im baurechtlichen Entscheid über eine strittige Kostentragung für Erschliessungsanlagen zu befinden, bzw. diese Kosten mittels Auflage dem Baugesuchsteller zu über - binden (RB 1993 Nr. 47). Aus den dargelegten Gründen ist der Streit über die Kostenbeteiligung nicht im vorliegenden Baubewilligungsverfahren auszutragen. Damit stellt sich die Frage, in welchem Verfahren hierüber zu urteilen ist. Insbesondere gilt es zu klären, ob als Rekursinstanz der Bezirksrat oder das Baurekursgericht zuständig ist. 5. Das Baurekursgericht ist grundsätzlich zuständig für Anordnungen, die in Anwendung des Raumplanungsgesetzes, des Umweltschutzgesetzes sowie des Planungs - und Baugesetzes ergehen (§ 329 Abs. 1 PBG). Hinzu kommt eine Vielzahl von spezialgesetzlich geregelten Zuständigkeiten wie beispielsweise die Zuständigkeit für Rekurse, die in Anwendung des Strassengesetzes vom 27. September 1981 (StrG) oder des Landwirtschafts - gesetzes vom 2. September 1979 (LG) ergehen (§ 41 Abs. 1 StrG; § 70 Abs. 4 LG). Wie d ie Vorinstanz in ihrer Rekursantwort festhält, übernahm die Gemeinde mit Beschluss der Gemeindeversammlung vom 21. Juni 1976 von der damaligen Meliorationsgenossenschaft (unter anderem) die Wegparzellen Kat.-Nrn. 2 und 1 und beschloss gleichentags eine neu e Unterhaltsordnung für die Meliorationsanlagen der Gemeinde. Übernimmt eine Gemeinde Genossenschafts- oder Flurwege in ihr Privateigentum, werden diese gemäss § 109 LG nicht zu Sachen im Gemeingebrauch; sie unterstehen in jeder Hinsicht dem Recht über Gen ossenschaftswege. Solche Wege dienen auch weiterhin hauptsächlich der Erschliessung land - und forstwirtschaftlicher Grundstücke und die rekursbetroffenen Flurwege fallen folglich nicht in den Anwendungs - bereich des Strassengesetzes. § 2 StrG hält denn auch ausdrücklich fest, dass die Gesetzgebung über die Flur - und Genossenschaftswege vorbehalten bleibt. Es wird damit zu beurteilen sein, ob sich eine finanzielle Beitragspflicht aus der Unterhaltsordnung bzw. dem Landwirtschaftsgesetz ergibt. Die Beantwortun g dieser Frage fällt nicht in den sachlichen Zuständigkeitsbereich des Baurekursgerichts. Solche Streitigkeiten unterliegen gemäss Art. 22 Abs. 1 der Unterhaltsordnung dem Rekurs an den Bezirksrat als hierarchisch übergeordnete Behörde der Gemeinde. Sollte sich die Vorinstanz – wie in der Rekursvernehmlassung angedeutet – gar auf den Standpunkt stellen, dass es sich um eine grössere Instandstellungsarbeit und somit um die Durchführung eines «neuen Unternehmens» handelt, richtete sich das Verfahren nach Art . 14 –21 der Unterhaltsordnung, und es wäre im Streitfall beim Gemeinderat schriftlich Einsprache zu erheben (Art. 22 Abs. 2 der Unterhaltsordnung). Bei fehlender Verständigung wäre die Einsprache durch Klage an das kantonale Landwirtschaftsgericht zu überw eisen (Art. 22 der Unterhaltsordnung verweist auf § 138 des Gesetzes über die Förderung der Landwirtschaft vom 22. - 3- September 1963, welches durch das kantonale Landwirtschaftsgesetz vom 2. September 1979 abgelöst wurde). Gemäss § 70 Abs. 2 LG übt das Baurek urs- gericht seit dem 1. Januar 2012 die Funktion des ehemaligen kantonalen Landwirtschaftsgerichts aus.