B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-690/2018 U r t e i l v o m 1 7 . A u g u s t 2 0 1 8 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Yannick Antoniazza-Hafner, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien A._______, vertreten durch Rechtsanwalt Bruno Kaufmann, Rue de Lausanne 18, Case postale 890, 1701 Fribourg, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot. F-690/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine kosovarische Staatsangehörige, geboren 1985, und ihre zwei Kinder, geboren 2010 und 2012, reisten am 1. Februar 2015 in die Schweiz ein. B. Am 5. bzw. 9. Januar 2017 reichte der Ehemann der Beschwerdeführerin und Vater der Kinder beim Amt für Bevölkerung und Migration des Kantons Freiburg eine Ankunftserklärung und ein Gesuch um Aufenthaltsbewilli- gung für die ganze Familie ein (kantonale Akten [kant.-pag.] 1 - 13). Das Gesuch wurde mit Verfügung vom 13. März 2017 abgelehnt und die Weg- weisung der Familie angeordnet (Akten der Vorinstanz [SEM-pag.] 21 - 24). C. Die Staatsanwaltschaft Freiburg verurteilte die Beschwerdeführerin am 4. April 2017 wegen des Vergehens gegen das AuG (SR 142.20) zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen, bedingt auf eine Probezeit von zwei Jah- ren, und zu einer Busse von Fr. 1‘000.- (SEM-pag. 1 - 3). D. Eine Beschwerde gegen die Abweisung des Gesuchs um Aufenthaltsbe- willigung wies der I. Verwaltungsgerichtshof des Kantonsgerichts Freiburg mit Urteil vom 16. Juni 2017 ab (SEM-pag. 25 - 32). Mit formloser Wegwei- sung/Ausreiseaufforderung wies das Amt für Bevölkerung und Migration des Kantons Freiburg die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann am 19. Oktober 2017 an, die Schweiz bis zum 30. Dezember 2017 selbständig zu verlassen. E. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2017 verhängte die Vorinstanz gegen die Beschwerdeführerin ein dreijähriges Einreiseverbot für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. In ihrer Begründung führte sie aus, die Be- schwerdeführerin habe sich mit der ganzen Familie in der Schweiz aufge- halten, ohne im Besitz der dafür notwendigen Bewilligung zu sein. Es werde davon ausgegangen, dass sie sich dem Wegweisungsvollzug ent- ziehen werde. Demzufolge sei ein Einreiseverbot gestützt auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a i.V. m. Art. 64 d Abs. 2 Bst. b AuG und Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG angezeigt. Das SEM entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschie- bende Wirkung (SEM-pag. 35 - 36). F-690/2018 Seite 3 F. Am 12. Januar 2018 wurden die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann von Grenzbeamten in Chiasso daran gehindert, erneut in die Schweiz einzurei- sen. G. Mit Rechtsmitteleingabe vom 1. Februar 2018 liess die Beschwerdeführe- rin beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragen. Subsidiär sei die Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhaltes und neuer Entscheidung an das SEM zurückzuweisen. Sie liess ausführen, sie habe sich nie zusammen mit der ganzen Familie in der Schweiz niedergelassen, sondern nur mit ihren Kindern. Ihr Ehemann sei lediglich auf Besuch gekommen. Er führe zusammen mit einem Onkel eine Firma in Slowenien, habe dort eine g ültige Bewilligung und sei in X._______ angemeldet. In knapp einem Jahr werde er die slow enische Staatsangehörigkeit erhalten. Ihre Tochter und ihr Sohn seien in der Schweiz ohne Aufenthaltsbewilligung eingeschult worden . Sie hätten in Y .________ gelebt, weil es ihr Ziel gewesen sei, die Kinder in eine deutsch- sprachige Schule zu schicken. Anschliessend seien sie problemlos aus der Schweiz nach Slowenien ausgereist. Ihre Verwandtschaft wohne im Kan- ton Neuenburg und Bern. Sie habe ein privates Interesse, ihre Verwandten in der Schweiz besuchen zu können (BVGer-act. 1). H. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 20. März 2018 die Abweisung der Beschwerde . Sie führte im Wesentlichen ergänzend aus, die Beschwerdeführerin und ihre zwei Kinder hätten sich seit dem 1. Feb- ruar 2015 in der Schweiz aufgehalten, ohne im Besitz der dafür erforderli- chen Bewilligung zu sein. Am 5. Januar 2017 hätten sie ein Gesuch für eine Aufenthaltsbewilligung gestellt. Das Gesuch sei abgewiesen worden und die Beschwerdeführerin angewiesen worden, die Schweiz innerhalb von 30 Tagen zu verlassen. Ein en Rekus dagegen habe da s Kantonsgericht des Kantons Freiburg abgewiesen. Eine Person aus einem Drittstaat, wel- che im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung eines EU Staates sei, sei ledig- lich von der Einholung eines Visums befreit, nicht jedoch von der Maximal- dauer eines Aufenthalts von 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen. Überdies habe die Bes chwerdeführerin am 12. Januar 2018 am Grenzposten in Chiasso in Begleitung ihres Ehemannes erneut versuc ht, in die Schweiz einzureisen, obwohl ihr erst 20 Tage zuvor das Einreiseverbot eröffnet wor- den sei (BVGer-act. 7). F-690/2018 Seite 4 I. Am 24. Mai 2018 liess die Beschwerdeführerin replikweise an den gestell- ten Begehren festhalten. Ergänzend liess sie ausführen, es sei eine Tatsa- che, dass sie mit ihren zwei Kindern in Y ._______ gelebt habe. Dies werde nicht bestritten. Ihr Ehemann hab e aber davon ausgehen dürfen, dass seine Familie dort leben dürfe, weil er seinen Wohnsitz in Slowenien, also in einem EU-Land, habe. Sie würden derzeit in Deutschland leben und ihr Ehemann besuche sie regelmässig. Weil die Wohnsitznahme in Deutsch- land problemlos gewesen sei, hätten sie davon ausgehen dürfen, dass dies auch für die Schweiz gelte. Es stimme nicht, dass sie am 12. Januar 2018 versucht habe, illegal in die Schwei z einzureisen. Sie habe lediglich ihre Kinder bis zum Wohnsitz ihrer Verwandten nach Z._______ begleiten wol- len. Dieser „Zwischenwohnsitz“ sei für die Kinder organisiert worden, damit das eine Kind das Schulsemester in einer deutschsprachigen Schule habe beenden können. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde sei infor- miert worden. Die Kinder hätten dann auch problemlos mit ihrem Onkel in die Schweiz einreisen können (BVGer-act. 12). J. Am 2. Juli 2018 gingen beim Bundesverwaltungsgericht die Akten des Amts für Bevölkerung und Migration des Kantons Freiburg ein (BVGer-act. 15). K. Auf den übrigen Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einreiseverbote sind mit Beschwerde beim BVGer anfechtbar (vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG als Verfü- gungsadressatin zur Beschwerde legitimiert. Auf die im Übrigen frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). F-690/2018 Seite 5 1.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange- legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde ans BVGer kann vorliegend die Verletzung von Bundes- recht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständig e Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das BVGer wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Grün- den gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 3. Der Rechtsvertreter beantragte, ohne nähere Erläuterungen, eine Partei- befragung seiner Mandantin . Über diesen Beweisantrag wurde bislang nicht befunden. Bei nicht anfechtbaren Entscheiden bzw. Verfügungen kann der Entscheid über die Beweisanträge aber ohnehin im Endurteil er- folgen (vgl. WALDMANN/BICKEL, in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 33 N. 38). 3.1 Im Verwaltungsverfahren gilt das Untersuchungsprinzip (Art. 12 ff. VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). Die Behörden sorgen – unter Vorbehalt der Mit- wirkungspflichten der Parteien – hierbei für die richtige und vollstän dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (BGE 140 I 285 E. 6.3.1). Das Verwaltungsrechtspflegeverfahren ist vom Grundsatz der Schriftlich- keit geprägt (MOSER ET AL., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge- richt, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.86 S. 183 m.H.) und ein Anspruch auf eine münd- liche Anhörung besteht nicht (BGE 134 I 140 E. 5.3). Sodann gilt in der Bundesverwaltungsrechtspflege der Grundsatz der freien Beweiswürdi- gung (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 BZP [SR 273]). Die Beweiswürdigung ist vor allem darin frei, dass sie nicht an bestimmte starre Beweisregeln ge- bunden ist, die dem Richter genau vorschreiben, wie ein gültiger Beweis zustande komme und welchen Beweiswert die einzelnen Beweismittel im Verhältnis zueinander haben (BGE 130 II 482 E. 3.2 m.H.). 3.2 Von den Parteien angebotene Beweise sind abzunehmen, sofern diese geeignet sind, den rechtserheblichen Sachverhalt zu erhellen (Art. 33 VwVG). Kommt die Behörde indes zur Überzeugung, die Akten erlaubten F-690/2018 Seite 6 die richtige und vollständige Feststellung des rec htserheblichen Sachver- halts oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der Streitsa- che nicht von Bedeutung, kann sie auf die Erhebung weiterer Beweise ver- zichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdigung den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV zu verletzen (vgl. zum Ganzen BGE 141 I 60 E. 3.3 m.H.). 3.3 Im vorliegenden Fall erschliesst sich der entscheidswesentliche Sach- verhalt in hinreichender Weise aus den Akten. Was die Befragung der Be- schwerdeführerin anbelangt, so erhielt diese vor Erlass der angefochtenen Verfügung und auch während des Rechtsmittelverfahrens (BVGer act. 1 bzw. act. 12 ) Gelegenheit, sich zur Angelegenheit schriftlich zu äussern. Wesentlich Neues wäre bei einem Parteiverhör nicht zu erwarten. Von der beantragten Beweisvorkehr kann deshalb in antizipierter Beweiswürdigung ohne Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör abgesehen werden (BGE 141 I 60 E. 3.3 m.H.). 3.4 Da der Beschwerdeführer mit den kantonalen Behörden in französi- scher Sprache kommuniziert hatte, durfte das SEM die angefochtene Ver- fügung in französischer Sprache abfassen. 4. Der Rechtsvertreter beantragte des Weiteren, ohne nähere Begründung, die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Gemäss Art. 40 Abs. 1 VGG ordnet der Instruktionsrichter eine öffentliche Parteiverhandlung an, wenn es eine Partei verlangt oder gewichtige öffent- liche Interessen es rechtfertigen, soweit zivilrechtliche Ansprüche oder strafrechtliche Anklagen im Sinne vo n Art. 6 Abs. 1 EMRK zu beurteilen sind. Die vorliegende Sache fällt jedoch nicht in den sachlichen Geltungs- bereich von Art. 6 Abs. 1 EMRK (vgl. Urteil des EGMR van Marle und an- dere gegen die Niederlande vom 26. Juni 1986, Serie A Band 101, §27 - 38), weshalb die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine mündliche öffentliche Verhandlung hat. Dem Antrag ist somit nicht stattzugeben. 5. 5.1 Gemäss Art. 67 Abs. 1 AuG verfügt das SEM – unter Vorbehalt von Abs. 5 – ein Einreiseverbot gegenüber weggewiesenen Auslä nderinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64 d Abs. 2 Bst. a – c sofort vollstreckt wird (Bst. a) oder die betroffene Person der Ausreisever- pflichtung nicht innert angesetzter Frist nachgekommen ist (Bst. b). Ge -F-690/2018 Seite 7 mäss Art. 67 Abs. 2 AuG kann das SEM ein Einreiseverbot gegenüber aus- ländischen Personen erlassen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese ge- fährden (Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Bst. b) oder in Vorbe- reitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genommen worden sind (Bst. c). 5.2 Das Einreiseverbot wird gemäss Art. 67 Abs. 3 AuG für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt, kann aber für eine längere Dauer angeord- net werden, wenn von der auslä ndischen Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht (vgl. BVGE 2014/20 E. 5). Aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen kann von der Verhängung eines Einreiseverbots ausnahmsweise abgesehen oder ein Einreiseve rbot vollständig oder vorübergehend aufgehoben werden (Art. 67 Abs. 5 AuG). 5.3 Das Einreiseverbot ist keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten, sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf- fentlichen Sicherheit und Ordnung (sie he Botschaft zum AuG [im Folgen- den: Botschaft] BBl 2002 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamt- heit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die Unver - letzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3809). In diesem Sinne liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor, wenn ge- setzliche Vorschriften oder behördliche Ver fügungen missachtet werden (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zu- lassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Demgegen- über müssen bei Annahme einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen wird (Art. 80 Abs. 2 VZAE). Bestand ein solches Verhalten i n der Vergan- genheit, so wird die Gefahr entsprechender künftiger Störungen von Ge - setzes wegen vermutet (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3760 sowie Urteil des BVGer F-4347/2016 vom 6. Juni 2018 E. 3.2 m.H.). 5.4 Einen Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG begeht demnach auch, wer Normen des Aus- länderrechts zuwiderhandelt. Dabei genügt es, wenn der ausländischen F-690/2018 Seite 8 Person eine Sorgfaltspflichtverletzung zugerechnet werden kann. Un- kenntnis oder Fehlinterpretation der Einreise- und Aufenthaltsvorschriften stellen in der Regel keinen hinreichenden Grund für ein Absehen von einer Fernhaltemassnahme dar. Es obliegt jeder Ausländerin und jedem Auslän- der, sich über die bestehenden Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit ausländerrechtlichen Vorschriften ins Bild zu setzten und sich im Falle von Unklarheiten bei der zuständigen Behörde zu erkundigen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer F-3494/2017 vom 2. Mai 2018 E. 3.3 m.H.). 6. 6.1 Mit Strafbefehl vom 4. April 2017 de r Staatsanwaltschaft Freiburg wurde die Beschwerdeführerin des rechtswidrigen Aufenthalts für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen (bedingt, Probezeit von zwei Jahren) und zu einer Busse von Fr. 1‘000.- bestraft. 6.2 Es besteht kein Anlass, von der Erkenntnis der Strafbehörde abzuwei- chen (zur Bindungswirkung strafrechtlicher Erkenntnisse auf das auslän- derrechtliche Administrativverfahren vgl. statt vieler Urteil des BVGer C-5190/2014 vom 25. 09.2015 E. 5.3.1 m.H.). 6.3 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen (vgl. Art. 6 Abs. 1 der Ver- ordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77 vom 23.03.2016]). Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der EU-Visa-Verordnung erforderlich ist ([EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 [ABl. L 81 vom 21.03.2001] zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aus- sengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen (Kosovo), sowie der Liste der Dritt länder, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind; vgl. dazu und zu den weiteren Voraussetzungen Art. 6 Abs. 1 Bst. a bis e SGK). Die Beschwerdeführerin ist nicht wie ihr Ehemann im Besitz einer Nieder- lassungsbewilligung in Slowenien. Das für die Einreise in die Schweiz not- wendige Visum und eine Bewilligung hatte die Beschwerdeführerin weder für sich selbst, noch für ihre Kinder. Ihr Aufenthalt in der Schweiz war daher F-690/2018 Seite 9 rechtswidrig. Dabei kann sie sich auch nicht auf Unkenntnis oder eine Fehl- interpretation der Einreise - und Aufenthaltsvorschriften berufen (vgl. E. 5.4). 6.4 Aus den vorerwähnten Gr ünden ist festzuhalten, dass die Beschwer- deführerin den Fernhaltegrund eines Verstosses gegen die öffentliche Si- cherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG gesetzt hat. 7. 7.1 Den Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es innerhalb des zulässigen zeitlichen Rahmens zu befristen ist, legen Art. 67 Abs. 2 und Abs. 3 AuG in das pflichtgemässe Ermessen der Behörde. Da- bei steht der Grundsatz der Verhältnismässigkeit im Vordergrund. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine wertende Abwägung zwischen dem öffentli- chen Interesse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme beeinträchtigten privaten Interessen des Betroffenen andererseits vorzu- nehmen. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Be- sonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Ver- hältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen (vgl. statt vieler: BVGE 2014/20 E. 8.1 m. H.). 7.2 An der Einhaltung der Rechtsordnung im Allgemeinen und den Vor- schriften über Einreise und Aufenthalt im Besonderen besteht ein gewich- tiges öffentliches Interesse. Angesichts des illegalen Aufenthalts von fast zwei Jahren in der Schweiz besteht bereits aus generalpräventiven Grün- den ein öffentliches Interesse an der Fernhaltung der Beschwerdeführerin. Zum anderen liegt eine spezialpräventive Zielsetzung der Massnahme da- rin, die Beschwerdeführerin zu ermahnen, bei einer allfälligen künftigen Wiedereinreise nach dem Ablauf des Einreiseverbots die für sie geltenden Regeln einzuhalten. Dies umso mehr, weil die Beschwerdefüh rerin trotz bestehendem Einreiseverbot im Januar 2018 versuchte, erneut in die Schweiz einzureisen. Das öffentliche Interesse an einer zeitweiligen Fern- haltung der Beschwerdeführerin ist demnach als gewichtig anzusehen (vgl. Urteil des BVGer F-954/2016 vom 3. August 2016 E. 8.2 m.H.). 7.3 Dem öffentlichen Interesse sind die privaten Interessen der Beschwer- deführerin an persönlichen Kontakten zu in der Schweiz lebendenden Ver- wandten gegenüber zu stellen. Solche Beziehungen fallen nicht in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK, da die diesbezüglichen Anforderungen sehr hoch sind (vgl. BGE 130 II 281 F-690/2018 Seite 10 E. 3.2.1; JENS MEYER-LADEWIG, EMRK, Handkommentar, 3. Aufl. 2011, N 67 zu Art. 8). Die Beschwerdeführerin kann jedoch gestützt auf Art. 67 Abs. 5 AuG von der zuständigen Schweizer Behörde eine Suspension des Einreiseverbots einholen. Eine solche Suspension kann im Sinne einer Ausnahme auf Gesuch hin für kurze, klar begrenzte Zeit gewährt werden, wenn wichtige Gründe vorliegen. In dies em – wenn auch stark einge- schränkten – Rahmen hat die Beschwerdeführe rin weiterhin die Möglich- keit, Beziehungen zu Personen in der Schweiz auf schweizerischem Ho- heitsgebiet zu pflegen. Kontakte ausserhalb der Schweiz und des Fürsten- tums Liechtenstein bzw. auf andere Weise als durch persönliche Treffen sind von der Massnahme nicht betroffen (vgl. BVGE 2013/4 E. 7.4.3 m.H.). 7.4 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das Einreiseve r- bot dem Grundsatz nach zu bestätigen ist. In Anbetracht des lange dau- ernden unrechtmässigen Aufenthalts sowie im Vergleich mit ähnlich gela- gerten Fällen ist es auch als angemessen zu erachten. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist so- mit abzuweisen. 9. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer die Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-690/2018 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Sie sind durch den einbezahlten Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Ref-Nr.[…]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Versand: