<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 22 S.99</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">99</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>22 Feststellungsverfügung. Intertemporales Recht. Auswirkung früherer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Ersatzbeschaffungen auf die nach neuem Recht erfolgende Besteuerung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>von Gewinnen aus der Veräusserung von landwirtschaftlichen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Grundstücken des Geschäftsvermögens (§ 27 Abs. 4; § 106 Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Ausreichendes Interesse, um beim Übergang zum neuen Recht die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Buchwerte und kumulierten Abschreibungen der landwirtschaftli-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chen Grundstücke mittels Feststellungsverfügung verbindlich fest-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zulegen (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Kapitalgewinne, die noch unter altem Recht veranlagt wurden, deren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Besteuerung aber zufolge Ersatzbeschaffung (mit Sofortabschrei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bung auf dem Ersatzgut) hinausgeschoben wurde, unterliegen bei</b></span><br/> <span class="ft3"><b>der Veräusserung des ersatzbeschafften Grundstücks als wieder ein-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gebrachte Abschreibungen der Einkommenssteuer (Erw. 2-4).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Rückwirkung des neuen Rechts (auch die zulässige "unechte")</b></span><br/> <span class="ft3"><b>muss sich klar aus dem Gesetz ergeben (Erw. 4.4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 19. Dezember 2006 in</span><br/> <span class="ft6">Sachen A.H. gegen Steuerrekursgericht.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">1. Zu Recht bestreiten die Beschwerdeführer nicht mehr, dass</span><br/> <span class="ft8">eine Feststellungsverfügung hinsichtlich der Anlagekosten, Ab-</span><br/> <span class="ft8">schreibungen und Buchwerte per 1. Januar 2002 zulässig war. Wie</span><br/> <span class="ft8">im angefochtenen Entscheid zutreffend ausgeführt, liegt zwar kein</span><br/> <span class="ft8">Anwendungsfall von § 266 Abs. 2 StG (eine Regelung im Zusam-</span><br/> <span class="ft8">menhang mit dem Übergang von der Wertzerlegungs- zur Präpon-</span><br/> <span class="ft8">deranzmethode) vor, da alle Grundstücke der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft8">gleich wie zuvor vollumfänglich Geschäftsvermögen darstellen. In-</span><br/> <span class="ft8">dessen reicht es aus (vgl., ausserhalb des Steuerrechts, AGVE 2001,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">100</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">S. 385 f., 388), dass sich das Interesse an der Aktualisierung der An-</span><br/> <span class="ft8">lagekosten und der kumulierten Abschreibungen im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft8">mit dem im StG statuierten Wechsel der Besteuerung (siehe hinten</span><br/> <span class="ft8">Erw. 2) mit guten Gründen bejahen lässt.</span><br/> <span class="ft8">Natürliche Personen mit Einkommen aus selbstständiger Er-</span><br/> <span class="ft8">werbstätigkeit und juristische Personen müssen der Steuererklärung</span><br/> <span class="ft8">die unterzeichneten Jahresrechnungen der Steuerperiode oder, wenn</span><br/> <span class="ft8">sie nach dem Obligationenrecht nicht zur Führung von Geschäftsbü-</span><br/> <span class="ft8">chern verpflichtet sind, Aufstellungen über Aktiven und Passiven,</span><br/> <span class="ft8">Einnahmen und Ausgaben sowie Privatentnahmen und Privateinla-</span><br/> <span class="ft8">gen beilegen (§ 181 Abs. 2 StG, praktisch übereinstimmend mit</span><br/> <span class="ft8">Art. 42 Abs. 3 StHG). Unter früherem kantonalem Recht hat das</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungsgericht die den Steuerpflichtigen bis und mit Jahrgang</span><br/> <span class="ft8">1932, welche eine selbstständige landwirtschaftliche Erwerbstätig-</span><br/> <span class="ft8">keit ausüben und einen auslaufenden Betrieb bewirtschaften, zuge-</span><br/> <span class="ft8">standene Ausnahme von der Aufzeichnungspflicht (siehe Richtlinien</span><br/> <span class="ft8">Aufzeichnungspflicht Landwirte des KStA vom 20. August 1992) als</span><br/> <span class="ft8">mit § 128 Abs. 4 lit. b 2. Satzteil aStG vereinbar erklärt (VGE II/38</span><br/> <span class="ft8">vom 1. Juni 2005 [BE.2004.00132], S. 5 f.). Ob dies auch nach</span><br/> <span class="ft8">neuem, StHG-konformem Recht zutrifft, ist zweifelhaft. Umso eher</span><br/> <span class="ft8">ist es gerechtfertigt, die Anlagekosten, Abschreibungen und Buch-</span><br/> <span class="ft8">werte auf eine gesicherte Grundlage zu stellen, wenn anlässlich des</span><br/> <span class="ft8">Übergangs zum neuen Recht nicht mit der Buchführung oder mit</span><br/> <span class="ft8">Aufzeichnungen begonnen wird.</span><br/> <span class="ft8">2./2.1. Nach dem bis Ende 2000 geltenden aStG wurde bei der</span><br/> <span class="ft8">Veräusserung von landwirtschaftlichen Grundstücken die Differenz</span><br/> <span class="ft8">zwischen dem Erlös und dem Buchwert (bzw., beim Fehlen einer</span><br/> <span class="ft8">Buchhaltung, dem [Rest-] Anlagewert oder Einkommenssteuerwert)</span><br/> <span class="ft8">als Kapitalgewinn der Einkommenssteuer unterworfen, sei es als</span><br/> <span class="ft8">Teilveräusserungsgewinn zusammen mit dem übrigen Einkommen</span><br/> <span class="ft8">(§ 22 Abs. 1 lit. b aStG; Walter Koch, in: Kommentar zum Aargauer</span><br/> <span class="ft8">Steuergesetz, 1. Aufl., Muri/Bern 1991, § 22 aStG N 221, 238 ff.,</span><br/> <span class="ft8">§ 40 aStG N 1 ff.), sei es als Liquidationsgewinn mit einer Jahres-</span><br/> <span class="ft8">steuer (§ 34 Abs. 1 lit. c aStG).</span><br/> <span class="ft8">Durch Ersatzbeschaffung von Geschäftsvermögen (§ 24</span><span class="ft4">bis</span><br/> <span class="ft8">aStG) wurde die Besteuerung des Kapitalgewinns hinausgeschoben</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">101</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">(siehe dazu AGVE 1985, S. 182 ff., 187 ff.). Die bei der Veräusse-</span><br/> <span class="ft8">rung zutage getretenen stillen Reserven wurden auf das Ersatzgut</span><br/> <span class="ft8">übertragen und führten dort zu einer Sofortabschreibung (§ 24</span><span class="ft4">bis</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 Satz 2 aStG; AGVE 1985, S. 182; Koch, a.a.O., § 24</span><span class="ft4">bis</span> <span class="ft8">aStG</span><br/> <span class="ft8">N 4, 21).</span><br/> <span class="ft8">2.2. Neu wird, aufgrund der Vorgaben in Art. 8 Abs. 1 i.V.m.</span><br/> <span class="ft8">Art. 12 Abs. 1 StHG, bei Gewinnen aus der Veräusserung von land-</span><br/> <span class="ft8">und forstwirtschaftlichen Grundstücken des Geschäftsvermögens nur</span><br/> <span class="ft8">die Differenz zwischen den Anlagekosten und dem steuerlich mass-</span><br/> <span class="ft8">gebenden Buchwert den Einkünften aus selbstständiger Erwerbstä-</span><br/> <span class="ft8">tigkeit zugerechnet (§ 27 Abs. 4 StG), während der restliche Gewinn</span><br/> <span class="ft8">unter die Grundstückgewinnsteuer fällt, indem sich dort die mass-</span><br/> <span class="ft8">geblichen Anlagekosten aus "dem Buchwert zuzüglich der bisher</span><br/> <span class="ft8">vorgenommenen Abschreibungen nach § 27 Abs. 4" zusammensetzen</span><br/> <span class="ft8">(§ 106 Abs. 1 StG). Anders ausgedrückt werden nur die wieder</span><br/> <span class="ft8">eingebrachten Abschreibungen der Einkommenssteuer unterworfen</span><br/> <span class="ft8">(Jürg Altorfer/Julia von Ah, in: Kommentar zum Aargauer Steuerge-</span><br/> <span class="ft8">setz, 2. Aufl., Muri/Bern 2004, § 27 N 160; Markus Reich, in: Kom-</span><br/> <span class="ft8">mentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/1 [StHG], 2. Aufl.,</span><br/> <span class="ft8">Basel/Genf/ München 2002, Art. 8 N 45), also der Betrag, um den</span><br/> <span class="ft8">die buchhalterisch vorgenommenen oder die bei der Veranlagung</span><br/> <span class="ft8">nach dem volkswirtschaftlichen Einkommen (nach aStG) eingerech-</span><br/> <span class="ft8">neten Abschreibungen (siehe dazu AGVE 1987, S. 167 ff.; 1981,</span><br/> <span class="ft8">S. 165 ff.; 1975, S. 334 ff.; Koch, a.a.O., § 22 N 120 f.) das steuer-</span><br/> <span class="ft8">bare Einkommen reduzierten.</span><br/> <span class="ft8">3. Bei der Frage, wie sich die früher unter altem Recht vorge-</span><br/> <span class="ft8">nommenen Ersatzbeschaffungen auf die Besteuerung, d.h. auf die</span><br/> <span class="ft8">Abgrenzung der Gewinnerfassung nach § 27 Abs. 4 und § 106 StG</span><br/> <span class="ft8">auswirken, werden zwei entgegengesetzte Meinungen vertreten:</span><br/> <span class="ft8">Die Beschwerdeführer stützen sich auf die von Marianne Klöti-</span><br/> <span class="ft8">Weber (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, [2. Aufl.] § 106 N 5,</span><br/> <span class="ft8">7 f.) vertretene Ansicht, das neue Grundstückgewinnsteuerrecht, im</span><br/> <span class="ft8">Speziellen § 106 StG, sei nach § 272 StG auf Veräusserungen ab</span><br/> <span class="ft8">2001 integral anzuwenden. Obwohl bei der Kommentierung zu § 106</span><br/> <span class="ft7"><i>Abs. 3</i> StG aufgeführt, basiert das Beispiel 2 offenkundig auf der</span><br/> <span class="ft8">Umschreibung der massgeblichen Anlagekosten in § 106 <i>Abs. 1</i> StG,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">102</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">die sämtliche Wertzuwachsgewinne auf land- und forstwirtschaftli-</span><br/> <span class="ft8">chen Grundstücken - sowohl auf dem veräusserten als auch auf frü-</span><br/> <span class="ft8">heren, mittels Ersatzbeschaffung ersetzten Grundstücken - der</span><br/> <span class="ft8">Grundstückgewinnsteuer zuweise und damit die Unterwerfung unter</span><br/> <span class="ft8">die Einkommenssteuer ausschliesse.</span><br/> <span class="ft8">Demgegenüber halten die Steuerbehörden dafür, dass mit der</span><br/> <span class="ft8">noch unter altem Recht erfolgten Festlegung des Kapitalgewinns und</span><br/> <span class="ft8">der erfolgten Ersatzbeschaffung (verbunden mit entsprechender So-</span><br/> <span class="ft8">fortabschreibung) die rechtliche Qualifikation als der Einkommens-</span><br/> <span class="ft8">steuer unterworfener Kapitalgewinn unabänderlich feststehe, selbst</span><br/> <span class="ft8">wenn dessen Besteuerung als Folge der Ersatzbeschaffung aufge-</span><br/> <span class="ft8">schoben worden sei. Andernfalls komme es zu einer Rückwirkung</span><br/> <span class="ft8">des StG. Als Konsequenz hieraus sei nicht mehr zu prüfen, wie sich</span><br/> <span class="ft8">der seinerzeit erzielte und zur Ersatzbeschaffung verwendete Kapi-</span><br/> <span class="ft8">talgewinn zusammensetzte (Wertzuwachs einerseits, wieder einge-</span><br/> <span class="ft8">brachte Abschreibungen andererseits).</span><br/> <span class="ft8">4./4.1./4.1.1. § 272 Abs. 1 StG als formelle Übergangsbestim-</span><br/> <span class="ft8">mung erklärt das Datum der öffentlichen Beurkundung als intertem-</span><br/> <span class="ft8">poralrechtlich massgeblich. Damit steht zwar fest (was auch gar nicht</span><br/> <span class="ft8">streitig ist), dass bei einer Veräusserung von Grundstücken das StG</span><br/> <span class="ft8">zum Zuge kommt, doch besagt dies mangels einer konkreteren Re-</span><br/> <span class="ft8">gelung nichts darüber aus, ob bestimmte steuerlich bedeutungsvolle</span><br/> <span class="ft8">Eigenschaften (ein "steuerlicher Status"), die sich aus dem bisherigen</span><br/> <span class="ft8">Recht ergaben und den Grundstücken bzw. Grundstückwerten des-</span><br/> <span class="ft8">halb beim Inkrafttreten des neuen Rechts zukamen, durch den</span><br/> <span class="ft8">Rechtswechsel eine Änderung erfahren.</span><br/> <span class="ft8">4.1.2. Die Folgen bei früherer Ersatzbeschaffung werden in</span><br/> <span class="ft8">§ 106 Abs. 3 StG explizit nur für "Ersatzbeschaffungen nach Grund-</span><br/> <span class="ft8">stückgewinnsteuerrecht" (§ 99 StG) geregelt. Dies bezieht sich auf</span><br/> <span class="ft8">Ersatzbeschaffungen nach neuem Recht; denn im früheren Recht</span><br/> <span class="ft8">fielen sie nur für selbst bewohntes Grundeigentum im Privatvermö-</span><br/> <span class="ft8">gen - und damit grundsätzlich nicht für land- oder forstwirtschaftli-</span><br/> <span class="ft8">che Grundstücke - in Betracht (§§ 67 und 70 aStG). Über die Folgen</span><br/> <span class="ft8">von Ersatzbeschaffungen nach (altem) Einkommenssteuerrecht</span><br/> <span class="ft8">(§ 24</span><span class="ft4">bis</span> <span class="ft8">aStG) lässt sich daraus nichts ableiten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">103</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Der bei der Veräusserung eines Grundstücks erzielte Gewinn</span><br/> <span class="ft8">entspricht der Differenz zwischen den Anlagekosten und dem höhe-</span><br/> <span class="ft8">ren Erlös (§ 101 StG). Bei land- und forstwirtschaftlichen Grund-</span><br/> <span class="ft8">stücken setzen sich die Anlagekosten gemäss § 106 Abs. 1 StG aus</span><br/> <span class="ft8">dem "Buchwert zuzüglich der bisher vorgenommenen Abschreibun-</span><br/> <span class="ft8">gen nach § 27 Abs. 4" zusammen. Vom reinen Wortlaut her könnte</span><br/> <span class="ft8">dies bedeuten, dass lediglich die ab 2001 unter der Herrschaft des</span><br/> <span class="ft8">StG vorgenommenen Abschreibungen (indirekt) der Einkommens-</span><br/> <span class="ft8">steuer unterworfen werden und der gesamte restliche Gewinn mit der</span><br/> <span class="ft8">Grundstückgewinnsteuer erfasst wird. Dies kann aber nicht der Sinn</span><br/> <span class="ft8">der Norm sein; aus Art. 8 Abs. 1 Satz 1 StHG und § 27 Abs. 4 StG</span><br/> <span class="ft8">geht klar hervor, dass die gesamten wieder eingebrachten Abschrei-</span><br/> <span class="ft8">bungen der Einkommenssteuer unterstehen, also auch die vor dem</span><br/> <span class="ft8">Rechtswechsel vorgenommenen. Die Formulierung des § 106 Abs. 1</span><br/> <span class="ft8">StG bedeutet demnach einfach, dass sich die Definition der dort er-</span><br/> <span class="ft8">wähnten Abschreibungen nach § 27 Abs. 4 StG richtet, also als Dif-</span><br/> <span class="ft8">ferenz zwischen den Anlagekosten und dem steuerlich massgebenden</span><br/> <span class="ft8">Buchwert (Klöti-Weber, a.a.O., § 106 N 1). Einen intertemporalen</span><br/> <span class="ft8">Bezug weist die Bestimmung nicht auf.</span><br/> <span class="ft8">§ 106 StG regelt somit insgesamt keine intertemporalrechtli-</span><br/> <span class="ft8">chen Sachverhalte.</span><br/> <span class="ft8">4.1.3. Hieraus folgt, dass sich dem StG keine konkrete Antwort</span><br/> <span class="ft8">auf die hier gestellte Frage entnehmen lässt.</span><br/> <span class="ft8">4.2. In der Botschaft des Regierungsrats vom 21. Mai 1997 zur</span><br/> <span class="ft8">Totalrevision der aargauischen Steuergesetze ist zu § 103 des Ent-</span><br/> <span class="ft8">wurfs (mit Ausnahme einer geringfügigen stilistischen Änderung</span><br/> <span class="ft8">wörtlich dem jetzigen § 106 StG entsprechend) ausgeführt (S. 95):</span><br/> <span class="ft9">"Fand unter dem bisherigen Recht eine steueraufschiebende Er-</span><br/> <span class="ft9">satzbeschaffung statt, ist das Steuersubstrat der Einkommenssteuer tan-</span><br/> <span class="ft9">giert. Deshalb hat die Besteuerung der bisher vorgenommenen Ab-</span><br/> <span class="ft9">schreibungen systemkonform mit der Einkommenssteuer zu erfolgen.</span><br/> <span class="ft9">Hingegen ist bei den nach neuem Recht erfolgten Ersatzbeschaffungen</span><br/> <span class="ft9">zu berücksichtigen, dass der Wertzuwachs mit der Grundstückgewinn-</span><br/> <span class="ft9">steuer zu erfassen ist und somit bei Ersatzbeschaffungen auch dem</span><br/> <span class="ft9">Grundstückgewinnsteuersubstrat erhalten bleibt. Das stellt Abs. 3 si-</span><br/> <span class="ft9">cher ..."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">104</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Diesen Ausführungen entspricht das Berechnungsbeispiel 1 im</span><br/> <span class="ft8">Anhang 6 (wiedergegeben bei Klöti-Weber, a.a.O., § 106 N 7).</span><br/> <span class="ft8">In der grossrätlichen Kommission wie auch nachher im Grossen</span><br/> <span class="ft8">Rat wurde § 103 des Entwurfs weder diskutiert noch abgeändert. In-</span><br/> <span class="ft8">sofern entspricht es dem klar ausgedrückten Willen des Gesetzge-</span><br/> <span class="ft8">bers, sämtliche unter dem alten Recht vorgenommenen Abschrei-</span><br/> <span class="ft8">bungen der Einkommenssteuer zu unterwerfen, insbesondere auch</span><br/> <span class="ft8">die im Zusammenhang mit Ersatzbeschaffungen vorgenommenen</span><br/> <span class="ft8">Sofortabschreibungen auf dem neuen Gegenstand des Geschäftsver-</span><br/> <span class="ft8">mögens, wenn dieser nach Inkrafttreten des StG veräussert wird.</span><br/> <span class="ft8">4.3./4.3.1. Unter dem Steuergesetz von 1945 löste bei Landwirt-</span><br/> <span class="ft8">schaftsbetrieben die Überführung von Geschäftsvermögen ins Pri-</span><br/> <span class="ft8">vatvermögen keine Einkommensbesteuerung aus, wohl aber unter</span><br/> <span class="ft8">dem nachfolgenden Steuergesetz von 1966. Das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft8">führte dazu aus, das Steuergesetz 1966 könne nur Geltung beanspru-</span><br/> <span class="ft8">chen für die Festsetzung der Einkommenssteuern ab 1967. Aus sei-</span><br/> <span class="ft8">nen Bestimmungen lasse sich nicht ableiten, dass auch für Vorgänge</span><br/> <span class="ft8">vor seinem Inkrafttreten festgelegt werden sollte, wieweit sie einen</span><br/> <span class="ft8">Übergang vom Geschäfts- ins Privatvermögen oder umgekehrt dar-</span><br/> <span class="ft8">stellen könnten; ebenso wenig ergebe sich daraus, dass durch das In-</span><br/> <span class="ft8">krafttreten des neuen Gesetzes eine Um- oder Rückwandlung von</span><br/> <span class="ft8">Privat- in Geschäftsvermögen erfolge. Vielmehr sei der beim In-</span><br/> <span class="ft8">krafttreten bestehende Zustand bezüglich der Aufteilung Geschäfts-</span><br/> <span class="ft8">/Privatvermögen als gegeben hinzunehmen. Nur soweit in diesem</span><br/> <span class="ft8">Zeitpunkt Geschäftsvermögen bestanden habe, sei gestützt auf das</span><br/> <span class="ft8">Steuergesetz 1966 eine Besteuerung bei der Überführung ins Privat-</span><br/> <span class="ft8">vermögen zulässig (AGVE 1976, S. 174 f.).</span><br/> <span class="ft8">4.3.2. Ein Geschäftsgrundstück wurde 1982 veräussert, als noch</span><br/> <span class="ft8">das Steuergesetz 1966 in Kraft war; es wurde eine Ersatzbeschaf-</span><br/> <span class="ft8">fungsrückstellung gebildet, die 1984 aufgelöst wurde und somit beim</span><br/> <span class="ft8">Einkommen des Bemessungsjahres 1984, nun unter der Geltung des</span><br/> <span class="ft8">aStG, aufzurechnen war. Der Besitzesdauerabzug auf Kapitalgewin-</span><br/> <span class="ft8">nen, der durch das aStG neu eingeführt worden war, wurde dem</span><br/> <span class="ft8">Steuerpflichtigen verwehrt. Das Verwaltungsgericht hielt fest, der</span><br/> <span class="ft8">Kapitalgewinn sei 1982 erzielt worden und habe bei der Veranlagung</span><br/> <span class="ft8">1983/84 festgesetzt werden müssen. Auch wenn die Besteuerung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">105</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">wegen der vorgesehenen Ersatzbeschaffung hinausgeschoben worden</span><br/> <span class="ft8">sei, dürfe der Kapitalgewinn nicht neu auf Grundlage des aStG statt</span><br/> <span class="ft8">des Steuergesetzes 1966 berechnet werden (AGVE 1990, S. 201).</span><br/> <span class="ft8">4.3.3. Die Sachverhalte, über die das Verwaltungsgericht in die-</span><br/> <span class="ft8">sen früheren Entscheiden zu befinden hatte, sind zwar mit dem jetzt</span><br/> <span class="ft8">streitigen Sachverhalt nicht direkt vergleichbar, weisen aber doch er-</span><br/> <span class="ft8">hebliche Ähnlichkeiten auf. Dies gilt insbesondere für den zweiten</span><br/> <span class="ft8">Entscheid. Wie im jetzt vorliegenden Fall war dort unter altem Recht</span><br/> <span class="ft8">ein (der Einkommenssteuer unterliegender) Kapitalgewinn festge-</span><br/> <span class="ft8">setzt worden, wenn auch unter Aufschub der Besteuerung im Hin-</span><br/> <span class="ft8">blick auf die vorgesehene oder bereits erfolgte Ersatzbeschaffung.</span><br/> <span class="ft8">In beiden angeführten Fällen lehnte es das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft8">ab, dem neuen Recht - unter dem die Besteuerung erfolgte - Auswir-</span><br/> <span class="ft8">kungen auf die Beurteilung der früheren Verhältnisse, die weiterhin</span><br/> <span class="ft8">eine Rolle spielten, zuzubilligen. In der Tat besteht eine Verwandt-</span><br/> <span class="ft8">schaft zu den Tatbeständen der sog. unechten Rückwirkung (siehe</span><br/> <span class="ft8">dazu Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,</span><br/> <span class="ft8">5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 337 ff.).</span><br/> <span class="ft8">4.4. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der ge-</span><br/> <span class="ft8">setzgeberische Wille klar darauf gerichtet war, die noch unter dem</span><br/> <span class="ft8">aStG erfolgten Abschreibungen, einschliesslich derjenigen bei Er-</span><br/> <span class="ft8">satzbeschaffungen, im Rahmen der Gewinnaufteilung zwischen § 27</span><br/> <span class="ft8">Abs. 4 und § 106 Abs. 1 StG vollumfänglich der Einkommenssteuer</span><br/> <span class="ft8">zu unterwerfen. Dieser Wille fand im Gesetz keinen deutlichen Aus-</span><br/> <span class="ft8">druck. Dies schadet angesichts der Nähe zu Tatbeständen der unech-</span><br/> <span class="ft8">ten Rückwirkung jedoch nicht, da die Rückwirkung neuen Rechts -</span><br/> <span class="ft8">auch die zulässige "unechte" - und nicht deren Ausschluss im Gesetz</span><br/> <span class="ft8">angeordnet werden (oder sich zumindest klar aus dem Gesetz erge-</span><br/> <span class="ft8">ben) muss; dieser Grundsatz liegt auch der Rechtsprechung des Ver-</span><br/> <span class="ft8">waltungsgerichts zu früher beurteilten übergangsrechtlichen Proble-</span><br/> <span class="ft8">men im Steuerrecht zugrunde.</span><br/> <span class="ft8">5. Die Auslegung von § 106 StG durch die Steuerbehörden, die</span><br/> <span class="ft8">auch dem angefochtenen Entscheid zugrunde liegt, ist somit zu be-</span><br/> <span class="ft8">stätigen.</span><br/> <span class="ft8">(Hinweis: Gegen diesen Entscheid wurde beim Bundesgericht</span><br/> <span class="ft8">Beschwerde erhoben.)</span><br/></div> </div> </body> </html>