Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 3. Dezember 2020 (720 20 147 / 302) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung eines bidisziplinären Gutachtens; Eingliederungsmassnahmen Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin i.V. Lena Eichenberger Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advo- kat, Hediger Aeberli Oeschger, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Ba- sel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ war seit 1990 als Staplerfahrer bei der B.____ in W.____ tätig. Am 7. Juli 2016 meldete er sich unter Hinweis auf eine mittelgradige bis schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome und ein lumbo-radikulär es Reizsyndrom bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheit- lichen und erwerblichen Verhältnisse, namentlich nach Ei nholung eines bidisziplinären Gutach- tens in den Disziplinen Psychiatrie und Rheumatologie b ei den Dres. med. C.____, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und D.____, FMH Rheumatologie, und nach durchgeführ- tem Vorbescheidverfahren wurde dem Versicherten mit Ver fügung vom 13. März 2020 eine ganze Invalidenrente vom 1. Mai 2017 bis 31. August 2017 und wiederum ab 1. Dezember 2018 zugesprochen. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Alex Hediger, am 16. April 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte unter o/e-Kostenfolge, die angefochtene Ve rfügung vom 13. März 2020 sei teilweise aufzuheben und es sei ihm auch für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis 30. Novem- ber 2018 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Nicht im Rechtsbegehren, aber in der Begrün- dung beantragte er weiter, eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdebeklagte zurück- zuweisen, damit sie eine erneute bidisziplinäre Begutach tung im Sinne eines Obergutachtens vornehmen lasse und danach bezüglich des umstrittenen Zei traums neu entscheide. In verfah- rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und un- entgeltlichen Verbeiständung. Zur Begründung seiner Beschwerde brachte er im Wesentlichen vor, es sei unzutreffend, dass sich sein Gesundheitszustand ab 1. Juni 2017 bis Ende Au- gust 2018 derart verbessert habe, dass die Ausübung der früheren Tätigkeit mit einem Arbeits- pensum von 90 % zumutbar gewesen sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 27. Mai 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. D. Mit Verfügung vom 30. Juli 2020 wurde dem Beschwe rdeführer für das vorliegende Ver- fahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Alex Hediger bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, so dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und fo rmgerecht erhobene Beschwerde vom 16. April 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführe rs im Zeitraum vom 1. Septem- ber 2017 bis 30. November 2018. Massgebend ist der Sachv erhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 13. März 2020 entwick elt hat. Dieser Zeitpunkt bildet recht- sprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Über prüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 1.2). Spätere Arztberichte (und andere einschlägige Dokumente) sind allerdings in die Beur- teilung mit einzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf di e im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situation erlauben (Urteil des Bundesgerichts vom 10. August 2009, 9C_136/2009, E. 2.5, BGE 131 V 242 E. 2.1). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbsfä- higkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Einglie- derungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu min- destens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu min destens 40 % invalid ist. Für die Be- messung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten i st Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterla- gen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stel- len haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen d er versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, un- abhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die ver- fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begr ündet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich we- der die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Der strittigen Angelegenheit liegen diverse medizi nische Unterlagen zu Grunde. Im Fol- genden werden indessen lediglich diejenigen Berichte wiedergegeben, welche sich für den Ent- scheid als relevant erweisen. 5.2 Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in der psychiatrischen Kurzbeurteilung vom 10. August 2016 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen ei- nes depressiven Zustandsbilds, a.e. als Ausdruck einer mit telgradigen depressiven Episode (ICD-10: F32.1) sowie Probleme am Arbeitsplatz, Kündi gung (ICD-10: Z56). Die Kündigung der Arbeitsstelle habe als psychosozialer Belastungsfaktor zum Entstehen einer krankheitswertigen, überwiegend depressiv-orientierten Störung beigetragen. Der Versicherte befinde sich seit weni- gen Monaten erstmalig in ambulanter psychiatrischer Behandlung, es bestehe eine umfassende Pharmakotherapie. Neben den psychischen Beschwerden (vor allem depressiv-orientiert) be- finde er sich auch körperlich in einem merklich beeinträc htigten Zustand. Aufgrund des komple- xen Beschwerdebildes, dem bisher fehlenden Ansprechen auf die Behandlungen und zur Neu- ordnung der umfassenden Medikation empfehle er eine stationäre Behandlung. Es bestehe der- zeit keine Arbeitsfähigkeit in der bisher ausgeübten T ätigkeit als Staplerfahrer bzw. Lagermitar- beiter. 5.3 Der Versicherte befand sich vom 13. Januar 2017 bis 10. März 2017 und vom 2. Mai 2017 bis 24. Mai 2017 in stationärer Behandlung in der Klinik F.____. Vom 13. März 2017 bis 27. März 2017 sowie vom 18. April 2017 bis 27. April 2017 erfolgte ein tagesstationärer Aufenthalt in dieser Klinik. Anlässlich der Beendigung der stationären Behandlung erhob Dr. med. G.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, im Austrittsbericht vom 31. Mai 2017 die Diagnosen einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome, eine chronische Schmerzstörung mit soma- tischen und psychischen Faktoren, Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben, andere Kon- taktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis, eine sonstige Spondylose mit Radikulopa- thie und eine Zystitis nicht näher bezeichnet. Der Versicherte sei laut eigenen Angaben aufgrund seiner Schmerzen depressiv und fühle sich überflüssig, weil er nicht mehr arbeite. Seine Ehefrau habe berichtet, dass er häufig sehr nervös, gereizt und zeitweilig auch aggressiv gewesen sei. Er Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie weniger Appetit. Die Tagesstruktur sei weitest- gehend erhalten. Er helfe im Haushalt, habe allerdi ngs eine starke Rückzugstendenz und habe kaum soziale Kontakte nach aussen. Er gehe mit dem Hund spazieren, halte sich ansonsten aber überwiegend zuhause auf und schlafe viel. Er habe eine Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, ausge- prägte Selbstwertproblematik sowie eine starke Grübelneigung beschrieben. Hinzu kämen fami- liäre Belastungen durch die Karzinomerkrankung der Mutt er und Konflikte mit dem Sohn sowie dem dominanten Vater. Er habe berichtet, dass er seit vielen Jahren Rückenschmerzen habe und seit vier Jahren immer wieder im Spital H.____ behand elt worden sei. Seit ca. drei Jahren be- merke er eine depressive Entwicklung. Gemäss Dr. G.____ hätten als Störungen der Affektivität eine Ratlosigkeit, eine Störung der Vitalgefühle, depressive Grundstimmung, ausgeprägte Anhe- donie, eine Ängstlichkeit bezogen auf Alleingelassen werden, eine Gereiztheit, eine innerliche Unruhe, Insuffizienz- und Schuldgefühle vorgelegen und sei eine Affektinkontinenz beobachtbar gewesen. Der Patient habe regelmässig und aktiv am multi modalen Therapieprogramm teilge- nommen und habe sich schnell und gut in die Patientengruppe integrieren können. Während des ersten stationären Aufenthaltes sei eine Umstellung der antidepressiven Therapie auf Wellbutrin erfolgt; danach habe sich rasch eine Abnahme der depressiven Beschwerden bei unveränderter Schmerzsymptomatik gezeigt. Im Anschluss an den stationären A ufenthalt (13. Januar 2017- 10. März 2017) sei der Patient am 13. März 2017 in die tagesstationäre Behandlung eingetreten, wo mit ihm weiter an der Entwicklung neuer Problemlösestrategien und lösungsorientiertem Den- ken gearbeitet worden sei. Aufgrund des plötzlichen Todes seiner Mutter sei er am 27. März 2017 aus der tagesstationären Behandlung ausgetreten, um die Beerdigung seiner Mutter und die wei- tere Versorgung des pflegebedürftigen Vaters organisier en zu können. Danach sei der Wieder- eintritt in die tagesstationäre Abteilung am 18. Apri l 2017 erfolgt. Dort habe sich eine akute Zu- standsverschlechterung mit Schmerzexazerbation, Antriebsmin derung, Antriebshemmung und depressiver Stimmungslage sowie erneut verstärktem Rückzug ge zeigt. Am 2. Mai 2017 seien der Übertritt in die stationäre Behandlung zur Krisenintervention und eine erneute Umstellung der antidepressiven Therapie erfolgt. Diese hätte jedoch n ach drei Tagen aufgrund von Nebenwir- kungen abgebrochen werden müssen. Der Patient sei in le icht stimmungsaufgehelltem Zustand bei unveränderter Schmerzsymptomatik ausgetreten. 5.4 Die Klinik F.____ hielt mit Arztbericht vom 14. Jun i 2017 fest, dass das Erlangen einer zumindest niedrigprozentigen – ca. 20-40 % – Arbeitsf ähigkeit stark von einer Besserung der Schmerzsymptomatik abhängig zu sein scheine, da die vorübergehende Besserung der depres- siven Symptomatik zu keiner anhaltenden Erhöhung der Belastbarkeit geführt habe. 5.5 Mit Bericht vom 26. September 2017 diagnostizierte Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, seit dem Austritt aus der Klinik F.____ am 24. Mai 2017 ein mittelgradiges de- pressives Syndrom. Zudem habe das lumboradikuläre Schme rzsyndrom eher zugenommen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. I.____ fes t, dass der Patient aufgrund des depressiven Syndroms und des lumbospondylogenen Reizsyndroms seit 11. Mai 2016 bis auf weiteres wegen allgemein verminderter psychophysischer Leistungsfähigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 Die IV-Stelle gab im Hinblick auf die Beurteilung des Gesundheitszustands und der Ar- beitsfähigkeit des Versicherten bei den Dres. D.____ u nd C.____ ein bidisziplinäres (rheumato- logisches/psychiatrisches) Gutachten in Auftrag, das am 22. M ai 2018 respektive am 31. Mai 2018 erstattet wurde. 5.6.1 Im rheumatologischen Fachteil erhob Dr. D.____ beim Versicherten als Diagnose mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbove rtebralsyndrom mit spondylogener Schmerzausstrahlung links. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er deut- liche Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung mit positiven Waddell-Zeichen, Fibromyalgie-Druck- punkten und Kontrollpunkten sowie pseudoneurologischen motorischen und sensiblen Ausfällen, nicht einem rheumatologischen Krankheitsbild entsprech end, einen Hallux valgus, Spreizfüsse und einen Status nach Schulterkontusion links vor Jahren anamnestisch. Aufgrund der sympto- matischen degenerativen Lendenwirbelsäule (LWS)-Beschwerden sei es immer nur vorüberge- hend zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit währ end Schmerzexazerbation, zeitweise mit Hospitalisation, gekommen. Der Explorand habe dank der regelmässigen Einnahme von Schmerzmitteln und auch aufgrund der Wirkung der wiederholt durchgeführten Infiltrationen sei- ner langjährigen Arbeit als Staplerfahrer nachgehen können. Aus rein rheumatologischer Sicht seien ihm ohne Berücksichtigung der Zeichen der Schmerzfehlverarbeitung, jedoch unter Berück- sichtigung der symptomatischen Veränderungen an der LWS a lle körperlich leichten bis selten intermittierend mittelschweren und rückenadaptierten Tä tigkeiten zumutbar. Zwischenzeitliche Schmerzexazerbationen mit zeitweise mehrwöchigen Phasen der Arbeitsunfähigkeit seien dabei nachvollziehbar, jedoch keine länger andauernde Arbeitsu nfähigkeit. Je nach Schmerzsituation sei auch eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit in de r Grössenordnung von 10 % aus rein rheumatologischer Sicht begründet. Dies gelte sowohl aktuell als auch retrospektiv. 5.6.2 Im psychiatrischen Fachteil des Gutachtens gelangte Dr. C.____ zur Auffassung, dass sich keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei t stellen lasse. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhob der Gutachter eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichtgradiger Episode sowie den Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Anteilen. Anlässlich der aktuellen Untersuchung lasse sich ein Schmerzsyndrom mit andauernden Schmerzen erheblichster Intensität im Bereich der lumbo-sa- cralen Wirbelsäule mit Ausstrahlung in beide Oberschenkel nachweisen. Aus psychiatrischer Sicht würden sich gemäss Dr. C.____ Belastungen nachweise n lassen, die schwerwiegend ge- nug wären, um in einem ursächlichen Zusammenhang mit den Schmerzen zu stehen. Diesbe- züglich sei einerseits die Kündigung des Arbeitsplatzes nach 26-jähriger Tätigkeit als Staplerfah- rer per Ende Mai 2016 zu nennen. Diese Kündigung sei vom Exploranden als völlig ungerecht- fertigt erlebt worden. Als weitere Belastung sei der Tod der Mutter im März 2017 zu nennen, aber auch der Kontaktabbruch mit dem 33-jährigen Sohn. Aktuell beurteile der Explorand die Rücken- schmerzen als sein Hauptproblem. In einer VAS-Skala gebe er eine andauernde Schmerzinten- sität zwischen 8 bis 10 an. Während der aktuellen Unters uchung hinterlasse er allerdings nicht den Eindruck, unter andauernden schweren und quälenden Schmerzen zu leiden. Zwar sei die Stimmung beim Gespräch über die Beschwerden bedrückt-traurig, zum Teil weinerlich. Beim Ge- spräch über Themen ausserhalb des Beschwerdebereichs helle die Stimmung jedoch auf. Am Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ende der Untersuchung hinterlasse der Explorand einen deutlich vitaleren Eindruck als zu Be- ginn. Ermüdungserscheinungen würden sich klinisch nicht feststellen lassen. Die affektive Modu- lationsfähigkeit sei insgesamt jedoch als leichtgradig eingeschränkt zu beurteilen. Den Angaben des Exploranden zufolge bestünden die depressiven Beschwer den seit der Kündigung des Ar- beitsplatzes per Mai 2016. Bis heute sei es zu einer st etig progredienten Verschlechterung so- wohl der Rückenschmerzen als auch der depressiven Beschwerd en gekommen. Die Angaben des Exploranden bezüglich des Verlaufs der depressiven Beschwerden seien als inkonsistent zu betrachten. Einerseits berichte der Explorand darüber, dass die depressiven Beschwerden seit der Kündigung stetig progredient bis heute zugenommen hätten, andererseits erwähne er, dass es bis heute unter anderem dank der Klinikaufenthalte zu einer Verbesserung gekommen sei, da er ruhiger geworden sei und seine Aggression besser un ter Kontrolle halten könne. Unter Be- rücksichtigung all dieser Faktoren sei in diagnostischer Hi nsicht von einer rezidivierenden de- pressiven Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig leichtgradiger Episode auszugehen. Für einen leichtgradigen Schweregrad der Depression spreche die Tatsache, dass die Stimmung während der aktuellen Untersuchung beim Gespräch über T hemen ausserhalb des Beschwer- debereichs aufhelle und der Explorand insgesamt einen vitalen Eindruck hinterlasse. Er berichte zudem über einen Tagesablauf, dem zu entnehmen sei, dass er die anfallenden Alltagsarbeiten erledigen könne. Die heute durchgeführte Blutkonzentr ationsbestimmung der verordneten Psychopharmaka zeige unterschiedliche Werte. Es müsse davon ausgegangen werden, dass der Explorand nicht sämtliche ihm verordneten Psychopharmaka regelmässig einnehme. Dies dürfe als weiterer Ausdruck für die Tatsache gewertet werden, dass kein mittelgradiger oder schwerer Schweregrad einer Depression vorliege, da davon auszugehen sei, dass der Explorand alle ihm verordneten Psychopharmaka bei einem ausgeprägteren Leidensdruck regelmässig einnehmen würde. Aufgrund der Tatsache, dass sich seit Klinikaustritt von Mai 2017 bis heute eine leichtgra- dige depressive Episode auf dem Hintergrund einer rezid ivierenden depressiven Störung nach- weisen lasse, könne aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit oder Ver- minderung der Leistungsfähigkeit weder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Staplerfahrer noch in einer alternativen Tätigkeit begründet werde n. Von Anfang 2017 bis Ende Mai 2017 sei während der stationären und teilstationären Behandlun gen selbstredend von einer 100 %-igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Seit Ende Mai 2016 habe eine 50 %-ige Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden. 5.6.3 Im Rahmen ihrer bidisziplinären Gesamtbeurteilun g hielten die Dres. D.____ und C.____ fest, dass aus psychiatrischer Sicht von Ende Mai 2016 bis Dezember 2016 eine Arbeitsunfähig- keit von 50 % und von Januar 2017 bis Ende Mai 2017 ein e Arbeitsunfähigkeit von 100 % be- standen habe. Zuvor und danach würden die rheumatologischen Angaben zur Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit gelten. 5.7 Dr. med. J.____, FMH Rheumatologie und Allgemein e Innere Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 21. August 2018 ein chronifiziertes lumbospondylogenes Syndrom mit links- seitiger Betonung sowie ventrale Knieschmerzen links. Er kam zum Schluss, dass die Prognose ungünstig und eine berufliche Reintegration sehr unwahrscheinlich sei, auch wenn die radiologi- sche Bildgebung und die klinischen Befunde an sich eine berufliche Tätigkeit ohne wesentliche Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rückenbelastungen zulassen würden. Die Arbeitsfähigkeit w erde er nach Erhalt der frischen MRT-LWS Bilder nochmals diskutieren. 5.8 Mit Schreiben vom 7. September 2018 berichtete Dr. J.____, dass die klinische Untersu- chung des linken Kniegelenkes und die konventionellen R öntgenbilder bis auf eine wahrschein- lich minimale Verschmälerung des medialen Gelenkspaltes unauffällig gewesen seien. Aus rheu- matologischer Sicht sollten seiner Ansicht nach leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Tragarbeiten oder Überkopfarbeiten während insgesamt vier Stunden pro Tag, verteilt auf den Vormittag und Nachmittag, zumutbar sein. Angesichts de r zentralen Schmerzchronifizierung werde der Patient aber weder vermittelbar noch beruflich reintegrierbar sein. 5.9 Mit Bericht vom 13. November 2018 hielt Dr. med. K .____, FMH Allgemeine Innere Medi- zin, fest, dass der Patient im Laufe der Zeit zunehmend depressiv geworden sei. Diese Depres- sion habe sich nach der Kündigung und dem Tod der Mutte r massiv verstärkt. Im Rahmen der Depression sei es wahrscheinlich auch zur Schmerzfehlverar beitung gekommen, was erklären würde, warum die vielen Injektionen und Schmerzmittel ke ine wesentliche Besserung gebracht hätten. Da der Patient im Moment immer noch schmerzge plagt sei, könne er als Hausarzt der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 10 % des begutachtenden Rheumatologen nicht folgen. Seiner Ansicht nach sollte aus rheumatologischer Sicht eine lei chte wechselbelastende Tätigkeit ohne Tragarbeiten oder Überkopfarbeiten von insgesamt vie r Stunden pro Tag, verteilt auf Vor- und Nachmittag, zumutbar sein. 5.10 Der behandelnde Psychiater Dr. I.____ hielt in se iner Stellungnahme vom 16. Novem- ber 2018 zum psychiatrischen Gutachten von Dr. C.____ vom 31. Mai 2018 fest, dass seit Beginn der Behandlung am 27. April 2016 ein mindestens mitte lgradiges depressives Syndrom bestan- den habe. Nach dem Aufenthalt in der Klinik F.____ habe der Versicherte trotz leichter Besserung weiter unter starken Stimmungsschwankungen gelitten, sei unkonzentriert gewesen und habe stetig über den Tod der Mutter und den Verlust des Arbeitsplatzes gegrübelt. Im September 2017 habe er unter Angstgefühlen und unter Appetitlosigkeit gelitten, habe ein stetiges Gedankenkrei- sen um den Arbeitsplatz und die Rückenbeschwerden gezeigt. Im Oktober 2017 habe er Schwin- del und Schweissausbrüche und im Dezember 2017 verstärkte sc hmerzbedingte Durchschlaf- probleme gehabt. Im Januar 2018 habe er unter vermehrter Lustlosigkeit gelitten, habe sich trau- rig gefühlt, sich in sich selbst verschlossen und nur in Begleitung seiner Ehefrau nach draussen gekonnt. Im Februar 2018 habe er über eine seit ca. e inem Jahr bestehende fehlende Libido geklagt, er habe zudem keine Lust gehabt, sich zu pflege n. Im Mai 2018 sei er immer noch in sich gekehrt gewesen, habe nur noch Negatives sehen kön nen und wieder unter verstärkten Schlafstörungen gelitten. Er habe von Panikzuständen und nächtlicher Atemnot berichtet. Im Juli 2018 habe er darüber geklagt, dass er immer Selbstgespräche führe und Gesprächen von ande- ren nicht folgen könne, zudem habe er von gehäuften Angstgefühlen mit Herzrasen berichtet. Im August 2018 habe er ein unverändertes Grübeln über di e verstorbene Mutter und den Arbeits- platzverlust gezeigt und zudem unter Stimmungseinbrüchen mit Nervosität und Aggressivität, ge- folgt von Angstgefühlen, berichtet. Gemäss Dr. I.____ müsse die psychiatrische Befunderhebung durch Dr. C.____ als dürftig bezeichnet werden. So erwähne Dr. C.____ das rezidivierende Grü- beln und Gedankenkreisen, die Schuldgefühle des Exploranden, die Nervosität und Anspannung, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Durchschlafprobleme mit nächtlicher Atemnot und Pan ikattacken, die stundenweise auftre- tenden Angstgefühle des Patienten, wenn er alleine se i, den sozialen Rückzug, die allgemeine Freud- und Lustlosigkeit und die immer wieder auftretenden Suizidgedanken nicht. Eine Untersu- chung gemäss Hamilton-Depressionsskala habe 39 Punkte entsp rechend einer schweren De- pression ergeben. Die Symptomatik entspreche zusammengefasst mindestens einem mittelgra- digen depressiven Syndrom. Die Diagnose von Dr. C.____ könne nicht nachvollzogen werden. 5.11 Die Klinik X.____ stellte in ihrem Abklärungsberi cht vom 29. November 2018 fest, dass es sich diagnostisch um eine seit zwei Jahren anhaltende schwere depressive Episode mit depres- siver Stimmung, vermindertem Antrieb, Anhedonie, Verlust des Selbstwerts, Schlafstörung, ver- mehrtem Appetit, Ganzkörperschmerzen und phobischen Ängsten im Sinne einer Klaustrophobie handle. Zusätzlich bestehe eine langjährige chronische S chmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nach lumboradikulärem Schmerzsyndrom, Spondylarthrose und schwerer Kränkung durch den Arbeitsplatzverlust. Der Versicherte sei aufgrund des ausgeprägten schwe- ren Krankheitsbildes zu 100 % arbeitsunfähig. Es werde eine Medikamentenumstellung unter stationären Bedingungen empfohlen. 5.12 Der Versicherte befand sich vom 22. Januar 2019 bi s 16. April 2019 in der Klinik X.____ in stationärer Behandlung. Dr. med. L.____, Fachärzti n Psychiatrie und Psychotherapie, erhob im Austrittsbericht vom 31. Mai 2019 die Diagnosen ei ner rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, eine n Vitamin B- und D-Mangel sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa ode r Hypnotika. Weiter diagnosti- zierte sie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen u nd psychischen Faktoren, psychi- sche und Verhaltensstörungen durch Tabak, eine Anpassungsst örung mit unabgeschlossenem Trauerprozess, ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom und eine essentielle Hypertonie. Psycho- therapeutisch habe ein gemeinsames Krankheitsverständnis erarbeitet werden können. Der Pa- tient habe berichtet, wie wichtig ihm immer der Zusammenhalt in der Familie gewesen sei, er sich eine eigene Grossfamilie gewünscht habe und nun sowohl unter dem Konflikt mit dem Sohn leide als auch darunter, dass er nicht der Versorger der Familie sein könne. Verschärft habe sich dieses Erleben durch den Verlust der eigenen Mutter. In den therapeutischen Gesprächen werde die Not des Patienten spürbar, gleichzeitig auch die fehlende n Möglichkeiten zur Verbalisierung seiner Wünsche und Perspektivenübernahme des Gegenübers. Aus Sc ham und Hilflosigkeit habe er sich dann nur mit Rückzug aus der jeweiligen Situation behelfen können. Der Patient sei am 16. April 2019 in teilweise gebessertem, jedoch nicht stabilem psychischen Befinden aus der Psychi- atrie ausgetreten. 5.13 Der Versicherte war vom 25. Juni 2019 bis 20. Augu st 2019 zum dritten Mal in stationärer Behandlung in der Klinik F.____. Er sei von seinem behandelnden Psychiater aufgrund verstärk- ter depressiver Verstimmung im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung zugewiesen worden. Anlässlich der Beendigung der stationären Beha ndlung in der Klinik erhob Dr. med. M.____, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, die Diagnosen einer rezidivierenden depres- siven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, psych ische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, einer essentiellen Hypertonie, nicht näher bezeichnet, einer sonstigen Spondylose mit Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Radikulopathie, Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben sowie andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis. Gemeinsam mit dem Versicherten sei ein störungsspezi- fisches Krankheitsmodell mit möglichen prädisponierenden (Lerngeschichte, Gewalterfahrungen in der Kindheit), auslösenden (in den letzten zwei Jahren Verlust von prägenden Bezugspersonen durch den Tod der Mutter und des Vaters) und aufrechterhaltenden Faktoren (mangelnde Tages- struktur, wenig soziale Kontakte neben Familie, Konflikt e zuhause durch Familiendynamik und Passivität des Patienten) erarbeitet worden. In den wei teren Gesprächen sei eine Ressourcen- Aktivierung und Psychoedukation bezüglich der Depression und der Schmerzen erfolgt. Im Ver- lauf seien im Affekt und im Verhalten des Patienten in kleinen Schritten Veränderungen wahrge- nommen worden. Der Patient habe subjektiv von verbesser ter Stimmung berichtet. Am 20. Au- gust 2019 sei er in leicht aufgehellter Stimmungslage aus der Klinik ausgetreten. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 13. März 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähi gkeit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse des bidisziplinären Gutachtens der Dre s. D.____ und C.____ ab. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte von Ende Mai 2016 bis Dezember 2016 zu 50 % arbeitsunfähig und von Januar 2017 bis Ende Mai 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei. Ab Juni 2017 sei er – je nach Schmerzsituation – in der Grössenordnung von 10 % arbeitsunfähig gewesen. Dies wird vom Beschwerdeführer bestritten. In B ezug auf die Zeitspanne ab 3. Sep- tember 2018 gehen die Parteien übereinstimmend davon aus, dass eine andauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit besteht. Zu prüfen sind somit der Gesundheitszustand und die damit verbun- dene Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der Ze it ab Ende Mai 2017 bis und mit August 2018 bzw. der Rentenanspruch vom 1. September 2017 bis 30. November 2018. 6.2 Der Beschwerdeführer bestreitet den Beweiswert des G utachtens von Dr. C.____ in ver- schiedener Hinsicht. Der Gutachter stellt die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig leichtgradiger Episode und begründet dies unter ande- rem damit, dass die Angaben bezüglich des Verlaufs der depressiven Beschwerden als inkonsis- tent zu betrachten seien. Einerseits spreche der Versich erte davon, dass die depressiven Be- schwerden seit der Kündigung der Arbeitsstelle im Mai 2 016 stetig progredient bis heute zuge- nommen hätten. Andererseits erwähne er, dass es unter anderem dank der Klinikaufenthalte zu einer Verbesserung gekommen sei insofern, als dass er h eute ruhiger geworden sei und seine Aggression besser unter Kontrolle halten könne. Diese Schilderung entspricht nicht den Angaben, die der Beschwerdeführer gemäss Gutachten anlässlich der A namnese gemacht hat. Vielmehr hat er ausgesagt, dass seine depressiven Beschwerden, seine Nervosität, Gereiztheit und Ag- gressivität mit der Kündigung zugenommen und sich seither ständig verschlechtert hätten. Seine Gereiztheit und Nervosität würden sich intensivieren, we nn er am alten Arbeitsort vorbeigehe. Manchmal passiere dies auch in einer anderen Situation. Der Aufenthalt in der Klinik F.____ habe insofern geholfen, als dass sich seine Stimmung etwas gebessert und er sich nach dem Austritt ruhiger gefühlt habe. Damit sagt der Beschwerdeführer aber nichts über sein Befinden fast ein Jahr danach aus. Jedenfalls ist keine Inkonsistenz erkennbar. Des Weiteren wirft der Gutachter dem Beschwerdeführer Inkonsistenz unter anderem deswegen vor, weil er darüber berichte, dass er unter absoluter Freudlosigkeit leide und gleichzeitig die Beziehung mit seiner 22-jährigen Toch- ter als sehr gut beschreibe und an ihr Freude habe. Ei ne weitere Diskrepanz ergebe sich auch Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer während der Untersuchung nicht unter einem Zittern der Hände gelitten habe, obwohl er gemäss sei ner Schilderung darunter leide. Es er- scheint fragwürdig, aus diesen Ausführungen Inkonsistenz en abzuleiten. Auch nicht nachvoll- ziehbar ist angesichts der Schilderungen des Beschwerdeführers weiter, dass der Gutachter da- von spricht, der Beschwerdeführer sei sozial einigermassen gut eingebettet in der Beziehung zu seiner Ehefrau, seiner Tochter, seinen drei in Y.____ lebenden Geschwistern und dem in der Provinz Z.____ lebenden Vater. Er geht dabei nicht a uf den vom Beschwerdeführer und seiner Ehefrau beschriebenen sozialen Rückzug und darauf ein, dass der Beschwerdeführer kaum Kon- takte nach aussen hat, obwohl dies aus den Schilderungen in der Untersuchung deutlich wird. Auch die Vermutung von Dr. C.____, wonach die von de r Klinik F.____ im Austrittsbericht vom 31. Mai 2017 diagnostizierte schwere depressive Episode als Eintrittsdiagnose zu betrachten sein dürfte, kann nicht geteilt werden, denn die Diagnose wird von der Klinik F.____ aus den durch- geführten Untersuchungen hergeleitet. Es ist daher ni cht nachvollziehbar, weshalb es sich um eine Eintrittsdiagnose handeln soll. Zudem wird in d iesem Bericht beschrieben, dass sich nach dem Tod der Mutter und der Problematik, die Versorgung des pflegebedürftigen Vaters zu orga- nisieren, beim Wiedereintritt in die Klinik nach der B eerdigung der Mutter eine akute Zustands- verschlechterung gezeigt habe. Somit war die Verbesserun g der Beschwerden – entgegen der von Dr. C.____ vertretenen Ansicht – nur vorübergehender Natur. Zusätzlich hält auch der Bericht der Klinik F.____ vom 14. Juni 2017 fest, dass der Aust rittszustand des Beschwerdeführers bis auf eine leichte Stimmungsaufhellung und eine leichte Verbesserung des Antriebs unverändert zum Eintrittsbefund sei. Auch habe die vorübergehende Besserung der depressiven Symptomatik zu keiner anhaltenden Erhöhung der Belastbarkeit geführt. Dr. C.____ befasst sich nicht mit die- sem Bericht, der im Gutachten nicht einmal erwähnt wir d. Somit setzt sich der Gutachter unge- nügend mit den Vorakten auseinander. Zudem kann seine r Auffassung, wonach die Angaben bezüglich des Verlaufs der depressiven Beschwerden als inkonsistent zu betrachten seien, nicht gefolgt werden. 6.3 Im Folgenden ist die retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. C.____ für den Zeitraum von Juni 2017 bis zum Begutachtungszeitpunkt im April 2018 zu prüfen. Aus dem Austrittsbericht der Klinik F.____ vom 31. Mai 2017 erg ibt sich, dass damals eine schwere de- pressive Episode ohne psychotische Symptome sowie eine chronische Schmerzstörung mit so- matischen und psychischen Faktoren diagnostiziert wurden. Der Beschwerdeführer befand sich während ca. 2,5 Monaten in stationärer und während r und drei Wochen in tagesstationärer Be- handlung. Aufgrund des plötzlichen Todes seiner Mutter musste er am 27. März 2017 aus der tagesstationären Behandlung austreten, um die Beerdigu ng seiner Mutter und die weitere Ver- sorgung des pflegebedürftigen Vaters zu organisieren. Anschliessend erfolgte am 18. April 2017 der Wiedereintritt in die tagesstationäre Abteilung, wobei sich dort eine akute Zustandsver- schlechterung mit Schmerzexazerbationen, Antriebsminderung, Antriebshemmung und depres- siver Stimmungslage sowie verstärktem Rückzug zeigte, was zu einem Übertritt in die stationäre Behandlung führte. Der Austritt am 24. Mai 2017 erfo lgte in leicht stimmungsaufgehelltem Zu- stand bei jedoch unveränderter Schmerzsymptomatik. Auch im Arztbericht der Klinik F.____ vom 14. Juni 2017 wird – bis auf eine leichte Stimmungsaufhellung und eine leichte Verbesserung des Antriebs – eine im Vergleich zum Eintrittsbefund unve ränderte Situation beschrieben. Des Wei- teren ergibt sich aus diesem Bericht, dass die Arbeitsfähigkeit zum damaligen Zeitpunkt auf 0 % Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingestuft wurde. Bezüglich der künftigen Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, dass das Erlangen einer zumindest niedrigprozentigen – ca. 20-40 % – Arb eitsfähigkeit stark von einer Besserung der Schmerzsymptomatik abhängig zu sein scheine, da die vo rübergehende Besserung der de- pressiven Symptomatik zu keiner anhaltenden Erhöhung der Belastbarkeit geführt habe. Sodann diagnostizierte Dr. I.____ mit Bericht vom 26. Septem ber 2017 seit dem Austritt aus der Klinik F.____ ein mittelgradiges depressives Syndrom und hielt fest, dass der Beschwerdeführer seit 11. Mai 2016 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig sei. Wie aus der Stellungnahme von Dr. I.____ vom 16. November 2018 hervorgeht, litt der Beschwerdeführer nach dem Aufenthalt in der Klinik F.____ unter starken Stimmungsschwankungen, war un konzentriert und grübelte ständig über den Tod der Mutter und den Verlust des Arbeitsplatzes nach. Zusätzlich litt er in den Folge- monaten (September 2017 bis August 2018) unter zahlr eichen weiteren Beschwerden (vgl. E. 5.10). Zusammengefasst entspreche die Symptomatik mindestens einem mittelgradigen depres- siven Syndrom. Auch die Klinik X.____ ging in ihrer Beurteilung vom 29. November 2018 davon aus, dass es sich diagnostisch um eine seit zwei Jahren anhaltende schwere depressive Episode handle und der Beschwerdeführer aufgrund dieses ausgeprägten Krankheitsbildes zu 100 % ar- beitsunfähig sei. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass auf die retrospektive V erlaufsbeurteilung von Dr. C.____ nicht abgestellt werden kann. Wie bereits in Erwägung 6.2 erwähnt, setzt sich Dr. C.____ mit dem Arztbericht der Klinik F.____ vom 14. Juni 2017 und der dortigen Einschätzung der Arbeitsunfä- higkeit nicht auseinander. Nachdem aber echtzeitlich ei ne 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit bis am 23. Juni 2017 bescheinigt wurde, kann das psychiatrische Gutachten keine ausreichende Grund- lage für die Annahme bilden, dass bereits im Austritt szeitpunkt aus der Klinik F.____ Ende Mai 2017 überwiegend wahrscheinlich eine nur leichtgradig e depressive Episode vorgelegen habe und der Beschwerdeführer zu 90 % arbeitsfähig gewesen sei. Auch gibt es keine Anzeichen da- für, dass sich die gesundheitliche Situation des Beschwerd eführers und mithin seine Arbeitsfä- higkeit ab Juli 2017 rasch und derart verbessert haben soll, dass er zu 90 % arbeitsfähig gewesen sein soll. Vielmehr ergibt sich aus den Berichten von Dr. I.____ vom 26. September 2017 und 16. November 2018 sowie aus der Beurteilung der Klinik X.____ vom 29. November 2018, dass von einem schwankenden Verlauf und einem instabilen Zustand nach Klinikaustritt im Mai 2017 und zugleich von einer erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. 6.4 Im Zeitpunkt der Begutachtung Ende April 2018 gib t es Hinweise auf eine gewisse Ver- besserung der Situation wie beispielsweise den Umstand, dass sich während der gutachterlichen Untersuchung keine Verminderung der Auffassungs- oder Konzentrationsfähigkeit und keine deutlich niedergeschlagene oder ratlose Grundstimmung f eststellen liessen. Letztendlich kann jedoch das Ausmass dieser Verbesserung aufgrund von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 offen bleiben. Demgemäss ist eine Verbesse- rung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbre- chung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weite rhin andauern wird. Im vorliegenden Fall wäre also eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung bzw. Aufhebung der Leistung ab August 2018 zu berücksichtigen, sofern davon ausgegangen werden kann, dass die Verbesserung weiterhin andauern wird. Eine derartig w eiterhin andauernde Verbesserung kann Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegend jedoch nicht angenommen werden. So führte Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie und FMH Allgemeine Innere Medizin, mit RAD-Stellungnahme vom 17. Juni 2019 aus, dass angesichts der wiederholten schweren depressiven Phasen, der langen Dauer der Hospitalisation und des nur mässigen Ansprechens auf die a ntidepressive Therapie sowie nicht auszuschliessender kognitiver Defizite überwiegend wahrschei nlich von einer längerdauernden Verschlechterung ausgegangen werden müsse und empfahl, de n Entscheid auf die Akten von Dr. I.____ und der Klinik X.____ abzustützen. Diese führten bekanntlich zur Annahme einer vollen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ab 3. September 2018 (vgl. dazu insbesondere auch Stellungnahme des RAD, Dr. med. O.____, FMH Physikalische und Rehabilitative Medizin, vom 17. Juni 2019). Gestützt auf diese Sachlage fehlte es an der dauerhaften Verbesserung ab dem Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens durch Dr. C.____ Ende April 2018. 6.5 Des Weiteren bestreitet der Beschwerdeführer, dass d ie rheumatologische Beurteilung durch Dr. D.____ zutreffend sei. Es könne keineswegs da von ausgegangen werden, dass die Arbeitsfähigkeit aus rein rheumatologischer Sicht nur um 10 % eingeschränkt sei. Auch wenn die psychiatrische Problematik gänzlich ausgeblendet würde, müsst e ihm für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis 30. November 2018 zumindest eine halbe Rente ausgerichtet werden. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. D.____, wonach zwischenzeitliche Schmerzexazerba- tionen mit zeitweise mehrwöchigen Phasen der Arbeitsunfähigkeit – jedoch keine länger andau- ernde Arbeitsunfähigkeit – nachvollziehbar seien, erscheint tatsächlich fraglich. So gehen sowohl Dr. J.____ wie auch Dr. K.____ davon aus, dass aus rhe umatologischer Sicht höchstens eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Tragarbeiten oder Überkopfarbeiten von insgesamt vier Stunden pro Tag verteilt auf Vor- und Nachmittag zumutbar seien. Da jedoch entgegen dem psychiatrischen Gutachten von einer 100 %-igen Arbeitsunfä higkeit aus psychischen Gründen ausgegangen wird, kann das Ausmass der rheumatologisch be dingten Arbeitsunfähigkeit offen bleiben. 6.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass nach dem A ustritt aus der Klinik F.____ Ende Mai 2017 zumindest bis 23. Juni 2017 von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % auszugehen ist. Aus den Berichten von Dr. I.____ vom 26. September 2017 und 16. November 2018 sowie aus der Beurteilung der Klinik X.____ vom 29. November 2018 ergibt sich, dass der weitere Ver- lauf schwankend und der gesundheitliche Zustand instabi l war, bis dann jedenfalls auch nach Einschätzung der Beschwerdegegnerin ab September 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestand. Aufgrund dieser instabilen Verhältnissen ist von einer schwankenden und deshalb nicht verwertbaren Arbeitsfähigkeit auszugehen. Es gibt zwar H inweise auf eine gewisse Verbesse- rung der Situation im Zeitpunkt der Begutachtung im April 2018, jedoch war diese Verbesserung nachweislich nicht dauerhaft, weshalb sie aufgrund von Art. 88a Abs. 1 IVV unberücksichtigt blei- ben muss. 7.1 Schliesslich ist die Frage zu klären, ob Eingliederu ngsmassnahmen angezeigt gewesen wären. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 In der Invalidenversicherung gilt allgemein der Gr undsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidi- tät bestmöglich zu mildern. Von den Versicherten können jedoch nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzel- falls zumutbar sind (BGE 113 V 28 E. 4a; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2018, 8C_117/2018, E. 2.2.2). Nach der Rechtsprechung sind bei Personen, deren Rente revisi- ons- oder wiedererwägungsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, nach mindestens 15 Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zu rückgelegt haben, in der Regel vor- gängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch- theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotential mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 211 E. 5.1, 1 41 V 7 E. 4.1; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2019, 8C_759/2018, E. 9.2.1 , in: SVR 2020 IV Nr. 5, S. 21 f., mit zahlreichen Hinweisen). Dies gilt auch, wenn zeitgleich mit der Rentenzusprache über deren Be- fristung und/oder Abstufung befunden wird (BGE 145 V 214 E. 5.4; vgl. auch die Urteile des Bun- desgerichts vom 9. Juli 2020, 9C_50/2020, E. 3.2, vom 4. Juni 2020, 8C_648/2019, E. 4.2, vom 16. Oktober 2019, 9C_574/2019, E. 3.2 und vom 6. Juni 2019, 8C_494/2018, E. 5.4, in: SVR 2019 IV Nr. 73 S. 235). Ausnahmen vom Grundsatz der U nzumutbarkeit einer Selbsteingliede- rung liegen namentlich vor, wenn die langjährige Absti nenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditäts- fremde Gründe zurückzuführen ist, die versicherte Person besonders agil, gewandt und im ge- sellschaftlichen Leben integriert ist oder über besonder s breite Ausbildungen und Berufserfah- rungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die ver- sicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Al ters und/oder der langen Rentenbe- zugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Er- werbsleben integrieren (BGE 145 V 211 E. 5.1; vgl. au ch das Urteil des Bundesgerichts vom 20. Januar 2020, 8C_235/2019, E. 3.2.1, in: SVR 2020 IV Nr. 39 S. 138). Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizi- nisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotential auf dem Weg der Selbsteingliede- rung erwerblich zu verwerten (vgl. Urteile des Bundesge richts vom 4. Juni 2020, 8C_648/2019, E. 4.1 und vom 8. April 2020, 9C_685/2019, E. 3.1, in: SVR 2020 IV Nr. 47 S. 161). Entzieht oder widersetzt sich die versicherte Person Eingliederungsmassna hmen, können ihr die Leistungen gekürzt oder verweigert werden. Vorausgesetzt ist immerhin, dass die IV-Stelle zuvor ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt hat (Art. 21 Abs. 4 ATSG i.V.m. Art. 7b IVG; vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 9. Juli 2020, 9C_50/2020, E. 3.1 und vom 16. Oktober 2019, 9C_574/2019, E. 3.1). Ein Begehren auf Weiterausricht ung der Invalidenrente schliesst einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen vor der Rentenaufhebung jedoch nicht aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. Januar 2020, 8C_235/2019, E . 3.2.3, in: SVR 2020 IV Nr. 39 S. 138). 7.3 Am 18. Oktober 2016 fand zwischen dem Beschwerdeführe r und der Beschwerdegegne- rin ein Gespräch bezüglich möglicher Eingliederungsmassnahmen statt. Dabei wurde festgehal- ten, dass der Beschwerdeführer keine berufliche Zukunftsperspektive stellen könne, da sich sein Gesundheitszustand zusehends verschlechtere. Er fühle sich sub jektiv nicht in der Lage, zu ar- beiten. Die Beschwerdegegnerin kam zum Schluss, dass ein Eingliederungspotential nicht gege- ben sei. Mit Mitteilung vom 2. November 2016 erklärte sie dem Beschwerdeführer, dass aufgrund Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht seines Gesundheitszustands derzeit keine Eingliederungsmass nahmen möglich seien und die Prüfung eines Rentenanspruchs durchgeführt werde. Am 1 3. März 2020 wurde die vorliegend angefochtene Verfügung erlassen, die auch eine zwischenzeitliche Einstellung der ganzen Rente für die Dauer vom 1. September 2017 bis 30. November 2018 beinhaltet. Der Beschwerdeführer war bereits im Zeitpunkt der Anmeldung zum Leistungsbezu g älter als 55 Jahre, womit er die zeitliche Schwelle längstens überschritten hat. Des Weiteren sind keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, welche den Schluss zuliessen, er könne sich trotz seines fortgeschrittenen Alters ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrier en. Eine Äusserung vierzig Monate vor der eigentlichen rentenabstufenden Verfügung reicht nicht, um von erfolglos durchgeführten berufli- chen Massnahmen oder fehlender subjektiver Eingliederungsfähigkeit zu sprechen. Der Abbruch der Abklärung von Eingliederungsmassnahmen erfolgte ni cht aufgrund einer grundsätzlich ab- lehnenden Haltung des Beschwerdeführers, sondern in erster Linie aus medizinischen Gründen. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass zu einem späteren Zeitpunkt erneut Eingliederungsmass- nahmen durchgeführt worden wären. Es fehlt damit an der durch das Bundesgericht verlangten Durchführung von Massnahmen zur Eingliederung, welche dem Beschwerdeführer ermöglichen sollen, sein Leistungspotential mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu ver- werten. Damit kann die erfolgreiche Integration in das Erwerbsleben von der Beschwerdegegne- rin nicht mehr bewiesen werden, weshalb dem Beschwerdef ührer auch unter diesem Gesichts- punkt ab 1. Mai 2017 durchgehend eine volle Rente zustehen würde. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass in Gutheissung der B eschwerde die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 13. Mär z 2020 aufgehoben und dem Beschwer- deführer ab 1. Mai 2017 eine ganze Rente zuzusprechen ist. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend hat die IV-Stelle a ls unterliegende Partei die Verfahrens- kosten in der Höhe von Fr. 800.-- zu tragen. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als ob siegende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. D er Rechtsvertreter des Beschwerde- führers hat in seiner Honorarnote vom 5. August 2020 einen Zeitaufwand von 10,93 Stunden geltend gemacht. Dieser Aufwand ist in Anbetracht des A ktenumfangs und der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen im Quervergleich mit ähn lich gelagerten Fällen nicht zu bean- standen. Hinzu kommen die in der Honorarnote ausgewies enen Auslagen von insgesamt Fr. 118.50. Somit ist dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'070.55 (10,93 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 118.50 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 13. März 2020 aufgehob en und dem Beschwerdeführer ab 1. Mai 2017 eine ganze Rente zugesprochen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'070.55 (inkl. Ausl agen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht