<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 104 S.420</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>104</b></span> <span class="ft2"><b>Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts. Rechtliches Gehör. Begründungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>pflicht.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Im Steuererlassverfahren ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mäss § 53 VRPG zulässig (Erw. I).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Umfang der Pflicht zur Begründung von Verfügungen und Entschei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den (Erw. II/1/b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Kein stillschweigender Verzicht und keine stillschweigende Abweisung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Antrags auf Durchführung einer beweistauglichen Verhandlung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 6. Mai 2002 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">E.P. gegen Entscheid des Regierungsrats.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I/1. Im vorliegenden Fall geht es um den Erlass von Steuern aus</span><br/> <span class="ft1">dem Steuerjahr 1989. Eine Sachzuständigkeit des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richts gestützt auf § 52 VRPG oder auf eine andere Vorschrift ist</span><br/> <span class="ft1">nicht gegeben. Im Gegenteil bestimmt § 169 Abs. 5 StG ausdrück-</span><br/> <span class="ft1">lich, dass der Beschwerdeentscheid des Finanzdepartements endgül-</span><br/> <span class="ft1">tig sei. Das StG ist hier noch massgebend; das neue Steuergesetz</span><br/> <span class="ft1">vom 15. Dezember 1998 kommt nach seinen §§ 261 und 263 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">erst für die Steuerjahre ab 2001 zur Anwendung.</span><br/> <span class="ft1">2. Wegen Rechtsverweigerung, Rechtsverzögerung oder Verlet-</span><br/> <span class="ft1">zung der Vorschriften über die Zuständigkeit, den Ausstand, das</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Gehör und die Akteneinsicht kann gegen letztinstanzlich</span><br/> <span class="ft1">zuständige Verwaltungsbehörden beim Verwaltungsgericht</span> <span class="ft1">Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde geführt werden, auch wenn dessen Zuständigkeit in der</span><br/> <span class="ft1">Sache selbst nicht gegeben ist (§ 53 VRPG). Die Beschwerde nach</span><br/> <span class="ft1">§ 53 VRPG ist, ungeachtet des Wortlauts von § 169 Abs. 5 StG, zu-</span><br/> <span class="ft1">lässig; zur Begründung wurde im VGE II/71 vom 23. September</span><br/> <span class="ft1">1997 in Sachen R.K., S. 4 f., ausgeführt:</span><br/> <span class="ft3">"Vom Wortlaut des § 169 Abs. 5 StG in Verbindung mit § 1 Abs. 2 VRPG</span><br/> <span class="ft3">erschiene es möglich, dass damit selbst die Beschwerde nach § 53 VRPG</span><br/> <span class="ft3">ausgeschlossen werden sollte. Nun besteht aber eine weitgehende Analogie</span><br/> <span class="ft3">zur Regelung in § 170 Abs. 1 StG ("Über den Erlass der vom Kantonalen</span><br/> <span class="ft3">Steueramt bezogenen Steuern entscheidet das Finanzdepartement erst- und</span><br/> <span class="ft3">letztinstanzlich."), wo der Wortlaut die Beschwerde nach § 53 VRPG klarer-</span><br/> <span class="ft3">weise zulässt. Es ist kein sachlicher Grund ersichtlich, das Rechtsmittelver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">422</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">fahren in den beiden Fällen unterschiedlich zu regeln. § 169 Abs. 5 StG ist</span><br/> <span class="ft3">daher zutreffenderweise so auszulegen, dass damit einzig weitere ordentliche</span><br/> <span class="ft3">Rechtsmittel ausgeschlossen werden sollten, nicht aber die Beschwerde nach</span><br/> <span class="ft3">§ 53 VRPG. Dies gilt um so mehr, als das Verwaltungsgericht auch im Zu-</span><br/> <span class="ft3">sammenhang mit anderen Bestimmungen "endgültige" Entscheide als "letzt-</span><br/> <span class="ft3">instanzlich" im Sinne von § 53 VRPG beurteilte (vgl. bezüglich § 77 Abs. 3</span><br/> <span class="ft3">VRPG [Vollstreckungsverfügungen] AGVE 1988, S. 422 und bezüglich</span><br/> <span class="ft3">§ 59b Abs. 1 VRPG [landeskirchliche Entscheide] VGE I/151 vom</span><br/> <span class="ft3">5. September 1997 in Sachen H. G., S. 8)."</span><br/> <span class="ft1">II/1. b) Soweit den Begehren der Beteiligten nicht entsprochen</span><br/> <span class="ft1">wird, hat die Eröffnung einer Verfügung oder eines Entscheides eine</span><br/> <span class="ft1">Begründung zu enthalten. Dies bestimmte § 23 Abs. 3 Satz 1 VRPG</span><br/> <span class="ft1">in der ursprünglichen Version. Als Folge der Änderung (im Gesetz</span><br/> <span class="ft1">über Massnahmen des Finanzpakets 1998 vom 9. März 1999), mit</span><br/> <span class="ft1">welcher den Verwaltungsbehörden ermöglicht wurde, Entscheide im</span><br/> <span class="ft1">Dispositiv zu eröffnen und eine schriftlich begründete Ausfertigung</span><br/> <span class="ft1">nur auf Verlangen auszustellen (§ 23 Abs. 4 VRPG), wird die Be-</span><br/> <span class="ft1">gründungspflicht nicht mehr explizit statuiert. Da diese sich aus dem</span><br/> <span class="ft1">Bundesrecht ergibt (siehe dazu den folgenden Absatz) und nicht</span><br/> <span class="ft1">anzunehmen ist, der kantonale Gesetzgeber habe diesen Anspruch</span><br/> <span class="ft1">aufheben wollen, kann die bisherige Rechtsprechung zur Begrün-</span><br/> <span class="ft1">dungspflicht nach wie vor herangezogen werden (VGE II/16 vom</span><br/> <span class="ft1">27. März 2001 in Sachen M.B. und Mitbeteiligte, S. 9 ff.; VGE II/66</span><br/> <span class="ft1">vom 29. August 2001 in Sachen U.O., S. 6 ff., beide auch zum Fol-</span><br/> <span class="ft1">genden).</span><br/> <span class="ft1">Das VRPG präzisiert nicht, welche Anforderungen an eine Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung zu stellen sind. Diese Aufgabe obliegt der Rechtsanwen-</span><br/> <span class="ft1">dung, wobei sie die Mindestgarantie, wie sie aus Art. 29 Abs. 2 BV</span><br/> <span class="ft1">(bzw. Art. 4 Abs. 1 der alten Bundesverfassung [aBV] vom 29. Mai</span><br/> <span class="ft1">1874) abgeleitet wird, zu beachten hat. Danach genügt eine Behörde</span><br/> <span class="ft1">ihrer Begründungspflicht dann, wenn der Betroffene in die Lage</span><br/> <span class="ft1">versetzt wird, sich über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft</span><br/> <span class="ft1">zu geben und ein allfälliges Rechtsmittel in voller Kenntnis der Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidgründe zu verfassen. Er hat insbesondere Anspruch nicht nur</span><br/> <span class="ft1">auf Bekanntgabe der tatsächlichen Gründe, die zum Entscheid ge-</span><br/> <span class="ft1">führt haben, sondern auch auf Behandlung seiner Argumente. Das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">423</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rechtliche Gehör als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht</span><br/> <span class="ft1">verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid Be-</span><br/> <span class="ft1">troffenen auch tatsächlich zur Kenntnis nimmt, sorgfältig und ernst-</span><br/> <span class="ft1">haft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl. AGVE</span><br/> <span class="ft1">1999, S. 365 ff.; 1998, S. 426; 1994, S. 456, je mit Hinweisen; Georg</span><br/> <span class="ft1">Müller, in: Kommentar zur Bundesverfassung vom 29. Mai 1874,</span><br/> <span class="ft1">Art. 4 N 112 mit Hinweisen [Stand Mai 1995]). Die Begründungs-</span><br/> <span class="ft1">dichte richtet sich nach den Umständen des Einzelfalles. Je grösser</span><br/> <span class="ft1">der Ermessensspielraum einer Behörde ist, desto ausführlicher muss</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich auch die Begründung sein. Hat die Behörde keinen</span><br/> <span class="ft1">Beurteilungsspielraum oder kein Ermessen, so kann schon der Hin-</span><br/> <span class="ft1">weis auf die massgebende Gesetzesbestimmung und das fehlende</span><br/> <span class="ft1">Ermessen genügen. Dabei ist der Anspruch auf Begründung nicht be-</span><br/> <span class="ft1">reits verletzt, wenn sich die urteilende Instanz nicht mit allen Partei-</span><br/> <span class="ft1">standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-</span><br/> <span class="ft1">bringen ausdrücklich widerlegt (BGE 121 I 57; 117 Ib 86, je mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen). Es genügt, wenn die <i>wesentlichen</i> Gesichtspunkte berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigt werden (AGVE 1998, S. 427). Aus der Begründung des Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheides muss allerdings ersichtlich sein, wieso die Behörde weitere</span><br/> <span class="ft1">vorgebrachte Äusserungen und Einwendungen für unerheblich, un-</span><br/> <span class="ft1">richtig oder allenfalls unzulässig hält. Wenn erhebliche Vorbringen</span><br/> <span class="ft1">völlig übersehen werden - wofür die Nichterwähnung in der Begrün-</span><br/> <span class="ft1">dung ein Indiz bildet -, ist der Gehörsanspruch verletzt. Wann ein</span><br/> <span class="ft1">Aspekt bedeutsam bzw. rechtserheblich ist, muss anhand der konkre-</span><br/> <span class="ft1">ten Gegebenheiten des Einzelfalls bestimmt werden (Michele Alber-</span><br/> <span class="ft1">tini, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsverfahren des modernen Staates, Diss. Bern 2000, S. 368 f.,</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">c) Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst die Pflicht der</span><br/> <span class="ft1">Behörde zur Abnahme beantragter oder angebotener Beweismittel</span><br/> <span class="ft1">bzw. zu deren Kenntnisnahme. Der Anspruch auf Beweisabnahme</span><br/> <span class="ft1">gilt jedoch nicht absolut. Auf die Abnahme der beantragten Beweis-</span><br/> <span class="ft1">mittel kann verzichtet werden, wenn der Sachverhalt, den eine Partei</span><br/> <span class="ft1">beweisen will, nicht rechtserheblich ist (Unerheblichkeit des Be-</span><br/> <span class="ft1">weismittels), wenn durch den angebotenen Beweis bereits Festste-</span><br/> <span class="ft1">hendes bewiesen werden soll (Überflüssigkeit des Beweismittels)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">424</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">oder wenn von vornherein gewiss ist, dass der angebotene Beweis</span><br/> <span class="ft1">keine Klärung herbeizuführen vermag (mangelnde Tauglichkeit des</span><br/> <span class="ft1">Beweismittels, die auch mittels antizipierter Beweiswürdigung [vgl.</span><br/> <span class="ft1">dazu Albertini, a.a.O., S. 375, mit Hinweisen] festgestellt werden</span><br/> <span class="ft1">kann).</span><br/> <span class="ft1">2. a) aa) In ihrer Beschwerde an das Finanzdepartement bean-</span><br/> <span class="ft1">tragten die Beschwerdeführer den vollständigen Erlass der Steuer-</span><br/> <span class="ft1">schulden, worin auch der Antrag auf einen blossen Teilerlass enthal-</span><br/> <span class="ft1">ten ist. Die Begründung befasste sich hauptsächlich mit der Frage, ob</span><br/> <span class="ft1">die anderen Gläubiger ebenfalls (ausreichende) Schuldverzichte ein-</span><br/> <span class="ft1">gegangen seien, wobei auf die mit den beiden Banken geschlossenen</span><br/> <span class="ft1">Stillhaltevereinbarungen und die Bemühungen um Verwertung der</span><br/> <span class="ft1">vorhandenen Liegenschaften hingewiesen wurde. Es wurde eine</span><br/> <span class="ft1">Verhandlung beantragt, damit die Beschwerdeführer über den aktu-</span><br/> <span class="ft1">ellen Stand der Verwertungsbemühungen und ihrer finanziellen Si-</span><br/> <span class="ft1">tuation Auskunft erteilen könnten, da sich die Verhältnisse kurzfristig</span><br/> <span class="ft1">änderten.</span><br/> <span class="ft1">bb) Das Finanzdepartement stellte im angefochtenen Entscheid</span><br/> <span class="ft1">zunächst fest, dass die Beschwerdeführer überschuldet seien. In sol-</span><br/> <span class="ft1">chen Fällen werde ein Erlass nur gewährt, wenn sämtliche Gläubiger</span><br/> <span class="ft1">ein gleichwertiges Opfer erbrächten. Es hätten nicht alle Gläubiger</span><br/> <span class="ft1">auf ihre Guthaben oder einen Teil davon verzichtet. Ein Verzicht der</span><br/> <span class="ft1">Banken sei nur erfolgt, soweit der Erlös aus dem Verkauf der Lie-</span><br/> <span class="ft1">genschaften zur Schuldendeckung nicht ausgereicht habe. Auf Grund</span><br/> <span class="ft1">der vorliegenden Unterlagen sei weder dargetan noch wahrschein-</span><br/> <span class="ft1">lich, dass im Zusammenhang mit den Liegenschaftsverkäufen ein</span><br/> <span class="ft1">gleichwertiges Opfer der übrigen Gläubiger erfolge. Weiter wurde</span><br/> <span class="ft1">auf Indizien hingewiesen, wonach die Beschwerdeführer Einnahmen</span><br/> <span class="ft1">(namentlich eine erhebliche Kapitalabfindung) zur Schuldentilgung</span><br/> <span class="ft1">benützt und auf der Eigentumswohnung in A. eine Hypothek von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 95'000.-- amortisiert hätten. Schliesslich sei zu befürchten, dass</span><br/> <span class="ft1">auch der Steuererlass nicht zur definitiven Beseitigung der Zahlungs-</span><br/> <span class="ft1">schwierigkeiten führe. Die Beschwerdeführer könnten selber mehr</span><br/> <span class="ft1">zur nachhaltigen Sanierung beitragen, indem sie diese Wohnung mit</span><br/> <span class="ft1">Gewinn veräusserten und ihre Lebenshaltungskosten senkten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">425</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) aa) Der Beweisantrag auf Durchführung einer Verhandlung</span><br/> <span class="ft1">wurde im angefochtenen Entscheid mit keinem Wort erwähnt. Das</span><br/> <span class="ft1">Finanzdepartement behauptet sinngemäss, da die Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">zu verschiedenen Nachfragen schriftlich hätten Stellung nehmen</span><br/> <span class="ft1">können, sei nach durchgeführtem Instruktionsverfahren davon aus-</span><br/> <span class="ft1">zugehen gewesen, die Beschwerdeführer hätten auf ihren Beweis-</span><br/> <span class="ft1">antrag stillschweigend verzichtet; sie hätten diesen denn auch nie</span><br/> <span class="ft1">wiederholt. Diese nachträgliche Begründung überzeugt in keiner</span><br/> <span class="ft1">Weise. Die Annahme eines stillschweigenden Verzichts auf einen</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich gestellten Beweisantrag ist von vornherein fragwürdig;</span><br/> <span class="ft1">vielmehr wäre dazu eine ausdrückliche Erklärung einzuholen. So-</span><br/> <span class="ft1">dann nannten die Aufforderungen des KStA die weiteren einzurei-</span><br/> <span class="ft1">chenden Unterlagen jeweils konkret (10. August 2001: Lebenshal-</span><br/> <span class="ft1">tungskosten; 24. September 2001: Lebenshaltungskosten mit Unter-</span><br/> <span class="ft1">lagen, Herkunft von Fr. 50'000.--, die auf ein bestimmtes Konto ein-</span><br/> <span class="ft1">bezahlt wurden). Der Punkt, zu dem der Beweisantrag gestellt wor-</span><br/> <span class="ft1">den war (aktueller Stand der Verwertung der Liegenschaften und der</span><br/> <span class="ft1">Abkommen mit den Banken), war nie Gegenstand der Rückfragen,</span><br/> <span class="ft1">sodass die Beschwerdeführer keinen Anlass hatten, anzunehmen, das</span><br/> <span class="ft1">Finanzdepartement verlange auch diesbezüglich eine schriftliche</span><br/> <span class="ft1">statt, wie angeboten, mündliche Darlegung. Nach überzeugender</span><br/> <span class="ft1">bundesgerichtlicher Rechtsprechung verstösst es gegen Treu und</span><br/> <span class="ft1">Glauben, wenn eine Behörde auf eine mangelhafte Eingabe hin be-</span><br/> <span class="ft1">stimmte zusätzliche Angaben verlangt und dann das Gesuch ablehnt,</span><br/> <span class="ft1">weil andere, nicht verlangte Angaben fehlen (BGE 126 II 104 f.).</span><br/> <span class="ft1">Diese Rechtsprechung lässt sich auf den vorliegenden Sachverhalt</span><br/> <span class="ft1">analog übertragen.</span><br/> <span class="ft1">Eine nähere Abklärung der Forderungsverzichte der übrigen</span><br/> <span class="ft1">Gläubiger war unerlässlich, da sich die Hauptbegründung der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde und des Entscheides auf diesen Punkt stützte und der</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt nicht ausreichend geklärt war. Im angefochtenen Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid wird ausgeführt, es hätten nicht alle Gläubiger auf ihre Gut-</span><br/> <span class="ft1">haben ganz oder teilweise verzichtet. Da nur zwei solcher Gläubiger</span><br/> <span class="ft1">genannt sind (CS, ZKB) und ein Forderungsverzicht der CS aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich erwähnt ist, müsste es sich beim nicht verzichtenden Gläu-</span><br/> <span class="ft1">biger um die ZKB handeln. Der Inhalt der Stillhaltevereinbarung mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">426</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dieser war bekannt; er sah den Verkauf der meisten Liegenschaften</span><br/> <span class="ft1">vor, ohne dass damit die Deckung sämtlicher Forderungen sicherge-</span><br/> <span class="ft1">stellt gewesen wäre. Für ihren Schluss, die ZKB habe im Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">des angefochtenen Entscheids keinen Forderungsverzicht geleistet,</span><br/> <span class="ft1">fehlten der Vorinstanz irgendwelche zuverlässigen Anhaltspunkte.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Vorinstanz hätte somit die beantragte, zur Klärung des</span><br/> <span class="ft1">massgeblichen Sachverhalts taugliche Verhandlung durchführen</span><br/> <span class="ft1">(oder sie allenfalls durch andere sachbezügliche Untersuchungen</span><br/> <span class="ft1">ersetzen und dies den Beschwerdeführern mitteilen) müssen. Dies</span><br/> <span class="ft1">gilt umso mehr, als klare Anhaltspunkte vorhanden waren, dass die</span><br/> <span class="ft1">Banken substanzielle Verluste erlitten hatten und ein gegebenenfalls</span><br/> <span class="ft1">ungenügend hoher Forderungsverzicht wohl gegen einen vollständi-</span><br/> <span class="ft1">gen, aber keineswegs zwingend gegen einen in § 168 StG ausdrück-</span><br/> <span class="ft1">lich ebenfalls vorgesehenen teilweisen Steuererlass (der sinnvoller-</span><br/> <span class="ft1">weise mit der Zahlung oder Sicherstellung der verbleibenden Steuer-</span><br/> <span class="ft1">schuld verbunden sein müsste) sprach.</span><br/> <span class="ft1">3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den</span><br/> <span class="ft1">Beweisantrag der Beschwerdeführer unzulässigerweise unbeachtet</span><br/> <span class="ft1">gelassen und ihnen damit das rechtliche Gehör verweigert hat. Der</span><br/> <span class="ft1">angefochtene Entscheid ist deshalb aufzuheben und die Sache an die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz zurückzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>