<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 35 S.119</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">119</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>35 Beweismittelausschluss.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Der Beweismittelausschluss (§ 147 Abs. 2 aStG) setzt die entspre-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chende Androhung <i>im Einspracheverfahren</i> voraus.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 26. Februar 2003 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen R.W. gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">3. a) Nach pflichtgemässem Ermessen veranlagte Steuerpflich-</span><br/> <span class="ft7">tige haben im Einspracheverfahren die Unrichtigkeit der Veranla-</span><br/> <span class="ft7">gung nachzuweisen (§ 147 Abs. 2 Satz 1 aStG), sofern sie im Ver-</span><br/> <span class="ft7">anlagungsverfahren auf diese Rechtsfolge ausdrücklich aufmerksam</span><br/> <span class="ft7">gemacht wurden (AGVE 1996, S. 235 = StE 1996, B 93.3 Nr. 5;</span><br/> <span class="ft7">AGVE 1987, S. 156; VGE II/52 vom 18. Mai 1998 [BE.1995.00213]</span><br/> <span class="ft7">in Sachen V.U., S. 5 f.; Jürg Baur, in: Kommentar zum Aargauer</span><br/> <span class="ft7">Steuergesetz, Muri/BE 1991, § 144 N 29). Unterlagen und Beweis-</span><br/> <span class="ft7">mittel, die im Einspracheverfahren trotz Aufforderung und Hinweis</span><br/> <span class="ft7">auf die Säumnisfolgen fahrlässig oder vorsätzlich nicht vorgelegt</span><br/> <span class="ft7">werden, können im Rekurs- und Beschwerdeverfahren nicht mehr</span><br/> <span class="ft7">berücksichtigt werden (§ 147 Abs. 2 Satz 2 aStG). Damit der Be-</span><br/> <span class="ft7">weismittelausschluss zum Tragen kommt, müssen nach der Recht-</span><br/> <span class="ft7">sprechung folgende formelle Voraussetzungen erfüllt sein</span><br/> <span class="ft7">(vgl. AGVE 1989, S. 177 f. mit Hinweisen):</span><br/> <span class="ft7">- Die verlangten Beweismittel müssen zur Sachverhaltsabklä-</span><br/> <span class="ft7">rung tauglich und voraussichtlich erheblich sein.</span><br/> <span class="ft7">- Die vom Steuerpflichtigen beizubringenden Unterlagen sind</span><br/> <span class="ft7">klar und verständlich zu umschreiben, soweit dies der Steuerbehörde</span><br/> <span class="ft7">möglich ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">120</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">- Auf die Folgen des Beweismittelausschlusses muss rechtzei-</span><br/> <span class="ft7">tig, d.h. im Einspracheverfahren, hingewiesen worden sein.</span><br/> <span class="ft7">Unterlässt es die Steuerkommission, im Einspracheverfahren</span><br/> <span class="ft7">auf den Beweismittelausschluss für das Rekursverfahren hinzuwei-</span><br/> <span class="ft7">sen, so wird er für die nächsten Instanzen nicht wirksam, selbst wenn</span><br/> <span class="ft7">er im Veranlagungsverfahren angekündigt worden war (AGVE 1980,</span><br/> <span class="ft7">S. 435 f.). Der Steuerpflichtige soll zusammen mit der Einforderung</span><br/> <span class="ft7">der Beweismittel auf die Folgen der Nichterfüllung hingewiesen</span><br/> <span class="ft7">werden; ein schon im Veranlagungsverfahren, also gegebenenfalls</span><br/> <span class="ft7">lange vorher erfolgter Hinweis allein hält ihm diese Folgen nicht</span><br/> <span class="ft7">genügend eindrücklich vor Augen.</span><br/> <span class="ft7">b) Es ist unbestreitbar, dass die vom Beschwerdeführer erst im</span><br/> <span class="ft7">Rekursverfahren mit Eingabe vom 9. April 2002 eingereichte um-</span><br/> <span class="ft7">fangreiche Dokumentation zum Nachweis seines Lebensaufwandes</span><br/> <span class="ft7">schon im Einspracheverfahren hätte ins Recht gelegt werden können.</span><br/> <span class="ft7">Es handelt sich ausnahmslos um Belege der Jahre 1997 und 1998,</span><br/> <span class="ft7">welche bereits seit Jahren vorhanden waren. Indessen wurde der</span><br/> <span class="ft7">Beweismittelausschlusses nur einmalig im Veranlagungsverfahren</span><br/> <span class="ft7">(2. Mahnung vom 12. Juli 2000), nicht aber im Einspracheverfahren</span><br/> <span class="ft7">angedroht. Über die Besprechung vom 28. Februar 2001 wurde le-</span><br/> <span class="ft7">diglich eine interne Aktennotiz des Steuerkommissärs angefertigt;</span><br/> <span class="ft7">die damals mündlich erwähnten Unterlagen wurden nicht formell</span><br/> <span class="ft7">und mit Hinweis auf den Beweismittelausschluss einverlangt. Nach</span><br/> <span class="ft7">der vorne dargestellten Rechtsprechung, von der abzuweichen kein</span><br/> <span class="ft7">Anlass besteht, ist der Beweismittelausschluss nicht eingetreten und</span><br/> <span class="ft7">die im Rekursverfahren nachgereichten Unterlangen müssen berück-</span><br/> <span class="ft7">sichtigt werden. Das Steuerrekursgericht hat sie zu Unrecht unbe-</span><br/> <span class="ft7">rücksichtigt gelassen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>