B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3342/2013 U r t e i l v o m 2 6 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, Russland, alle vertreten durch lic. iur. Johan Göttl, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 30. Mai 2013 / N (…). E-3342/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin, eine Tschetschenin aus B._______, und ih- re (...) Kinder gemäss ihren Angaben am 14. April 2013 illegal in die Schweiz einreisten und gleichentags um Asyl nachsuchten, dass die Beschwerdeführerin am 22. April 2013 anlässlich der Befragung zur Person ausführte, sie sei mit ihren Kindern unter Verwendung ihres Reisepasses am (…) März 2013 aus Russland ausgereist, dass der Pass anlässlich einer Personenkontrolle in einem unbekannt en Land eingezogen worden sei, dass sie im Besitz (...) Geburtsscheine ihrer Kinder und eine r Kopie des Inlandpasses sei und bereits in einem Drittstaat ein Asylgesuch eing e- reicht habe, dass ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der "Eurodac"-Datenbank ergab, dass sie am (…) März 2013 in Polen ein erstes Asylgesuch und am (…) März 2013 in Deutschland ein weiteres Asylgesuch gestellt hatte, dass sie anlässlich derselbe n Befragung, in welcher ihr das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Wegweisungsvollzug nach Deutschland oder nach Polen gewährt wurde, vorbrachte, sie könne in keines der beiden Länder gehen, da dort viele Tschetschenen leben würden und sie sich vor diesen fürchte, dass das BFM am 26. April 2013 die polnischen Behörden um Überna h- me der Beschwerdeführenden ersuchte, dass die polnischen Behörden am 5. Mai 2013 der Aufnahme der B e- schwerdeführenden gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. d der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (nachfolgend: Dublin-II-VO) zustimm- ten, dass das BFM mit Verfügung vom 30. Mai 2013 – eröffnet am 6. Juni 2013 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht eintrat, die E-3342/2013 Seite 3 Wegweisung aus der Schweiz nach Polen sowie den Wegweisungsvol l- zug anordnete, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerdeführenden verfügte, dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 12. Juni 2013 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen liessen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, sich – in Ausübung des Selbsteintritt s- rechts – als für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig zu erklä- ren, dass sie in prozessualer Hinsicht um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, den Erlass der Erhebung des Kostenvorschusses, die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschw erde sowie um einen zwischenzeitlichen Vollzugsstopp bis zum definitiven Entscheid über den Suspensiv-Effekt der eingereichten Beschwerde ersuchten, dass insbesondere geltend gemacht wurde, die Beschwerdeführerin habe psychische Probleme und sei deshalb in regelmässiger psychologischer Behandlung, dass ein ärztlicher Bericht nachgereicht werden könne, doch sei diesfalls eine angemessene Frist anzusetzen, dass das Bundesverwaltungsgericht am 13. Juni 2013 mit Telefaxverf ü- gung den Vollzug der Wegweisung aussetzte, dass am 14. Juni 2013 beim Bundesverwaltungsgericht ein Schreiben von Drittpersonen aus der Wohngemeinde (...) vom 11. Juni 2013 einging, in dem im Wesentlichen geltend gemacht wurde, der negative Entscheid des BFM werde von vielen Bewohnern der Gemeinde bedauert und die Beschwerdeführenden seien bereits sehr gut in der Schweiz integriert, dass mit dieser Eingabe fünf Formulare mit Unterschriften von Privatpe r- sonen gegen die Wegweisung der Familie nach Polen zu den Akten g e- reicht wurden, E-3342/2013 Seite 4 dass der Instruktionsrichter die Beschwerdeführenden mit verfahrenslei- tender Verfügung vom 18. Juni 2013 aufforderte, bis zum 28. Juni 2013 einen aussagekräftigen Arztbericht einzureichen, dass die Beschwerdeführenden am 28. Juni 2013 einen Arztbericht des Ambulatoriums (...) betreffend die ambulante Behandlung der Beschwer- deführerin vom 17. Mai 2013 bis 7. Juni 2013 einreichen liessen, dass die Beschwerdeführerin laut dieses Berichts an einer depressiven Symptomatik mit Angst und Schlafstörungen leide, die im Kontext mit der Gesamtsituation (Flucht, ungewisser Status und ungewisse Zukunft) ste- he und gegenwärtig die Kriterien einer posttraumatischen Belast ungsstö- rung nach ICD -10 nicht erfülle, und eine fortgesetzte psychiatrische B e- handlung angezeigt sei, dass der Instruktionsrichter am 3. Juli 2013 die Vorinstanz zur Verneh m- lassung einlud, dass am 15. Juli 2013 das BFM in seiner Vernehmlassung die Abweisung der Beschwerde beantragte und ausführte, es liege ihm eine an das UNHCR-Verbindungsbüro Schweiz /Liechtenstein adressierte Stellun g- nahme Polens vom Mai 2013 zur psychologischen/medizinischen Betreu- ung von Asylsuchenden vor, aus der hervorgehe, dass in Polen allen an posttraumatischer Belastungsstörung oder anderen psychischen Erkra n- kungen leiden den Asy lsuchenden der Zugang zu psychologischer Betreuung ohne Formalitäten offen stehe, in allen Empfangszentren Ps y- chologen vor Ort seien, und der Zugang zu Therapiegruppen gewährlei s- tet sei, dass das BFM in Bezug auf die geltend gemachte Familienzusamme n- führung auf Art. 2 Bst. i Dublin -II-Verordnung verwies und ausführte, die Mutter und der Bruder der Beschwerdeführerin würden nicht unter den engen Familienbegriff der Dublin -II-VO fallen, und der V ater der B e- schwerdeführerin befinde sich ihren Angaben zufolge in Polen, dass am 18. Juli 2013 der Instruktionsrichter den Beschwerdeführenden die Gelegenheit zur Replik bot, dass die Beschwerdeführenden die ihnen gesetzte Frist ungenutzt ver- streichen liessen, E-3342/2013 Seite 5 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgerich t auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V. m. Art. 31–33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes - gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass – soweit die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerdeschrift die Eröffnungspraxis des BFM rügen, wonach der Entscheid gleichzeitig mit dem Vollzug der Wegweisung eröffnet werde, und beim sofortigen Vollzug der Wegweisung kein Zugang zum Gericht bestehe – dem BFM die Miss- achtung des Gebots des effektiven Rechtschutzes vorgeworfen wird, dass die Rüge einer Verletzung des Gebots des effektiven Rechtsschu t- zes im vorliegenden Verfahren offensichtlich unbegründet ist und die Be- schwerdeführenden denn auch problemlos von der Möglichkeit einer B e- schwerdeerhebung rechtzeitig und wirksam Gebrauch machen konnten, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen kön nen, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass diesbezüglich das Dublin-Assoziierungsabkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäi- schen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung E-3342/2013 Seite 6 des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) zur Anwendung gelangt, dass gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 DAA i.V.m. Art. 29a Abs. 1 der Asylverordnung 1 über Verfahren sfragen vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) die Prüfung der staatsvertrag li- chen Zuständigkeit zur (materiellen) Behandlung eines Asylgesuches nach den Kriterien der Dublin-II-VO zu erfolgen hat, dass Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG im Weiteren voraussetzt, dass der staats- vertraglich zuständige Staat einer Übernahme der asylsuchenden Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1), dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin -II-VO die Mitgliedstaaten jeden Asyl - antrag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird, dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat ge - stellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO), dass dabei – im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) – die Kriterien der in Kapit el III der Dublin -II-VO genannten Rangfolge anzuwenden sind (vgl. Art. 5–14 Dublin -II-VO) und von der Situation zum Zeitpunkt, in dem der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, aus zugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-VO), dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) demgegenüber keine neuerliche Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-II-VO stattfindet, sondern ein solches insbesondere auf den materiellen Zuständigkeitsbestimmungen von Art. 16 Bs t. c, d und e Dublin-II-VO gründet (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER / ANDREA SPRUNG, Dub- lin II -Verordnung: Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien/Graz 2012, Art. 16 K5 S. 129), dass das BFM aufgrund des im Sachverhalt erwähnten Abgleichs der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der "Eurodac"-Datenbank (Asylgesuche vom 1 2. März 2013 in P olen und vom 20. März 2013 in E-3342/2013 Seite 7 Deutschland) und der diesbezüglichen Aussagen der Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz sowie der expliziten Zustimmung für die Wiederau f- nahme der Beschwerdeführenden zu Recht von der Zuständigkeit Polens für die Durchführung des Asylverfahrens ausging (vgl. A3, A4 S. 4), was von den Beschwerdeführenden denn auch nicht bestritten wird, dass die Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO in Abweichung von den erwähnten Zuständigkeitskriterien respektive Zuständigkeitsbesti m- mungen ein Asylgesuch materiell prüfen kann, auch wenn nach den in der Verordnung vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht), wobei diese Bestimmung nicht direkt anwen d- bar ist, sondern nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden kann (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 S. 635 f.), dass Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 konkretisierend vorsieht, dass das BFM aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin-II-VO ein anderer Staat zuständig ist, wobei diese Be- stimmung den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 4.1 S. 114 f., BVGE 2010/45 E. 8.2.2 S. 643 f.), dass hingegen bei drohendem Verstoss gegen Normen des Völkerrechts, wie insbesondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), den Internationalen Pakt über bürgerliche und politi sche Rechte (UNO-Pakt II, SR 0.103.2) oder das Übereinkommen vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts besteht (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2 S. 636 f.; FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K8 K11 S. 74), dass im zu beurteilenden Fall nach Ansicht der Beschwerdeführenden in Abweichung der Zuständigkeitskriterien ei n Selbsteintritt aus mehreren Gründen angezeigt sei, dass einerseits eine Familienzusammenführung aus humanitären Grü n- den (Art. 15 Dublin -II-VO) angebracht sei , weil die alleinerziehende psy-E-3342/2013 Seite 8 chisch angeschlagene Beschwerdeführerin mit ihren (...) kleinen Kindern auf die Hilfe ihrer in der Schweiz wohnhaften Mutter und ihres Bruders angewiesen sei, zu denen sie eine enge Beziehung habe, dass andererseits eine Überstellung der Beschwerdeführerin nach Polen eine Verletzung ihres Rechts auf körperliche und gei stige Unversehrtheit bedeute, da die Lebensbedingungen für Asylsuchende in Polen prekär seien, insbesondere die Gesundheitsversorgung für psychisch erkrankte Asylsuchende, was zudem eine r menschenrechtswidrigen erniedrigen Behandlung im Sinn des Art. 3 EMRK gleichkomme, dass den Beschwerdeführenden schliesslich in Polen auch eine me n- schenrechtswidrige Abschiebung nach Tschetschenien drohe, dass bezogen auf die Familienzusammenführung im Sinn von Art. 15 Dublin-II-VO den Beschwerdeführenden insoweit beizupflichten ist, als dass unter de n Begriff "Familienangehörige" auch Verwandte zu zählen sind, die nicht zur Kernfamilie im Sinn von Art. 2 Bst. i Dublin-II-VO gehö- ren, namentlich der Bruder der Beschwerdeführerin sowie ihre Mutter (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K8 zu Art. 15 S. 122), dass zur Bewertung der Hilfsbedürftigkeit von Familienangehörigen g e- mäss Art. 15 Abs. 2 Dublin-II-VO objektive Schriftstücke, wie bspw. ärztli- che Atteste heranzuziehen s eien, (vgl. Art. 11 der "Verordnung EG 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 zur Verordnung EG 343/2003 des Rates zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur B e- stimmung des Mitgliedstaats [...]"; nachfolgend: Durchführungsveror d- nung), dass im vorgelegten Arztbericht bei der Beschwerdeführerin eine depres- sive Symptomatik mit Angst und Schlafstörungen diagnostiziert wurde, die in direktem Zusammenhang mit der unsicher en Aufenthaltssituation stehe, dass eine allfällige Hilfsbedürftigkeit der Be schwerdeführerin demnach vorübergehender Natur sein dürfte, und nicht von einem besonderen Ab- hängigkeitsverhältnis auszugehen ist (vgl. FILZWIESER/ SPRUNG, a.a.O., K14 zu Art. 15 S. 124), dass sich zudem gemäss Angaben der Beschwerdeführerin (vgl. B e- schwerde S. 5) ihr Vater – mit dem sie offenbar aus Russland ausgereist ist, während die in der Schweiz vorläufig aufgenommene Mutter und der E-3342/2013 Seite 9 Bruder das Heimatland schon vor mindestens neun Jahren verlassen h a- ben müssen – in Polen aufhält, und die Beschwerdeführenden dort somit jedenfalls nicht "auf sich alleine gestellt" wären (vgl. Beschwerde S. 4), dass unter diesen Umständen die Voraussetzungen für die Anwendung der humanitären Klausel im Sinn von Art. 15 Abs. 2 Dublin -II-VO (Famili- enzusammenführung) nicht gegeben sind, dass es angesichts der Vermutung, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens zuständige Staat respektiere seine aus dem internationalen Recht fliessenden Verpflichtungen, den Beschwerdefü h- renden obliegt darzutun, gestützt auf welche ernsthaften Hinweise die Annahme naheliegt, dass die polnischen Behörden in ihrem Fall die staatsvertraglichen Verpflichtungen nicht respektieren und ihnen den not - wendigen Schutz nicht gewähren oder sie menschenunwürdigen Leben s- umständen aussetzen werden (vgl. Europäischer Gerichtshof für Me n- schenrechte [EGMR], M.S.S. gegen Belgien und Griechenland [Appl. No. 30696/09], Urteil vom 21. Januar 2011, § 84 –85 und 250; ebenso Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Union [EuGH] vom 21. Dezember 2011 in der Rechtssache C-411/10 und C-493/10), dass die Beschwerdeführenden im vorliegenden Fall keine ausreichend konkreten Anhaltspunkte dafür geltend machen, dass Polen, bei welchem es sich um einen Signatarstaat der EMRK, des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und des Protokolls über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) handelt, seine staatsvertraglichen Verpflichtungen mis s- achten und die Beschwerdeführenden unter Missachtung des Gebots des Non-Refoulement in ihren Heimatstaat zurückschaffen würde oder sie menschenunwürdigen Bedingungen im Sinn von Art. 3 EMRK aussetzen würde, dass Polen an die Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestno rmen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten ( so genannte "Aufnahmerichtlinie") gebunden ist und demnach auch dafür besorgt sein muss, dass den Asylsuchenden die medizinische Grundversorgung zur Verfügung steht, dass die Beschwerdeführer in gemäss dem eingereichten Arztbericht an psychischen Beschwerden leidet, die im Zusammenhang mit ihrer uns i- cheren Aufenthaltssituation steht, E-3342/2013 Seite 10 dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner konstanten Praxis davon ausgeht, Polen halte sich auch mit Bezug au f Dublin-Verfahren an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen und stelle Asylsuchenden die erforderli- che medizinische Infrastruktur zur Behandlung von psychischen und ph y- sischen Beschwerden zur Verfügung (vgl. etwa Urteile D-2984/2013 vom 7. Juni 2013 S. 8 ff., E -2812/2013 vom 29. Mai 2013 S. 5 ff., D-1982/2013 vom 2 . Mai 2013 S. 6 ff., D -6337/2012 vom 17. Dezember 2012 S. 8 f., E -6398/2012 vom 14. Dezember 2012 S. 6, D -2891/2011 vom 30. Mai 2011 S. 8 f.), und die Notwendigkeit eines Selbsteintritts bis- her nur in ganz aussergewöhnlichen Lebenssituationen – die mit derjeni- gen der Beschwerdeführenden nicht vergleichbar sind – bejaht hat (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 und 8) dass die einlässlichen entsprechenden Ausführungen des BFM in seiner Vernehmlassung von den Beschwerdeführenden denn auch nicht bestri t- ten worden sind und auch vorliegend davon auszugehen ist, dass die psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin in Polen behandelt werden können, dass die Beschwerdeführenden Mitte April 2013 in die Schweiz eingereist sind und ihre Integration (vgl. Eingabe vom 11. Juni 2013 S. 1) noch nicht derart fortgeschritten sein kann, dass von einer Wegweisung in den für die Behandlung des Asylgesuchs zuständigen Staat abzusehen wäre, dass den Akten nach dem Gesagten keine Hindernisse für eine Unzuläs- sigkeit der Überstellung der Beschwerdeführenden nach Polen zu en t- nehmen sind und auch keine humanitären Gründe im Sinn von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 gegeben sind, dass der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin bei der Aus- gestaltung der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist und die mit dem Vollzug beauftragten Behörden entsprechend anzuweisen sind, dass es demnach keinen Grund für die Anwendung der Souveränitäts- klausel (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin-II-Verordnung) gibt, dass das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist und , da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung sind, in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Polen angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), E-3342/2013 Seite 11 dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nicht mehr zu prü- fen sind, da das Fehlen von Wegweisungsvollzugshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45, E. 10 S. 645), dass die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des BFM zu bestä- tigen ist, dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheis- sen ist, nachdem die Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden sich aus den Akten ergibt und ihre Begehren nicht aussichtslos waren, weshalb keine Kosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) E-3342/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragten Behörden werden a n- gewiesen, der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin durch die Wahl geeigneter Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen und die polnischen Asylbehörden von den Gesundheitsb eschwerden in Kenntnis zu setzen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutheissen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kant o- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Stella Boleki Versand: