Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Dezember 2018 (720 18 250 / 336 und 720 18 318 / 337) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Sind die Voraussetzungen für eine Rentenrevision erfüllt und wird das Invalideneinkom- men gestützt auf das effektiv erzielte Einkommen ermittelt, so ist bei dessen Bemessung die Revisionsschwelle des Art. 31 Abs. 1 IVG von Fr.1’500.-- unter der seit 1. Januar 2012 geltenden Rechtslage nicht mehr zusätzlich in Abzug zu bringen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Claudia Pascali- Armanaschi, Inclusion Handicap, Rechtsdienst, Mühlematt- strasse 14a, 3007 Bern gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1961 geborene A.____ war seit 1991 bei der B .____ angestellt und zuletzt als “Lei- ter Rohstoffaufbereitung“ tätig, als er sich am 20. Juli 2013 unter Hinweis auf einen Morbus Bechterew bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug anmeldete. Nachdem sie die erwerblichen und die gesundheitlich en Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Versicherten einen Invaliditätsgrad von 11 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte sie mit Verfügung vom 26. Oktober 2015 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. Die vom Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) mit Urteil vom 1. März 2017 (Verfahren-Nr. 720 15 365/61) gut. Es ho b die angefochtene Verfügung auf und sprach dem Versicherten gestützt auf einen Invaliditätsgr ad von 63 % rückwirkend ab 1. Juni 2014 eine Dreiviertelsrente zu. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Im September 2017 leitete die IV-Stelle von Amtes we gen ein Rentenrevisionsverfahren ein. Gestützt auf ihre Abklärungen gelangte sie zur Auffassung, es sei zwar von einem unveränder- ten Gesundheitszustand auszugehen, die Einkommensverhältni sse hätten sich aber insofern verändert, als der Versicherte mittlerweilen ein höher es Invalideneinkommen erziele. Aus dem Einkommensvergleich resultiere nunmehr noch ein Invali ditätsgrad von 56 %. Gestützt auf die- ses Ergebnis setzte die IV-Stelle - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 12. Juni 2018 die dem Versicherten bisher ausgericht ete Dreiviertelsrente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf eine halbe Rente herab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Claudia Pascali-Armanaschi, Integration Handicap, am 13. August 2018 Beschwerde b eim Kantonsgericht. Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung insofern aufzuhe ben, als die IV-Stelle das Validen- und das Invalideneinkommen unrichtig ermittelt habe. Die E inkommen seien zu berichtigen und es sei ihm weiterhin eine Dreiviertelsrente zuzusprechen; unter Entschädigungsfolge. C. Mit einer weiteren Verfügung vom 5. September 20 18 setzte die IV-Stelle den Betrag der dem Versicherten ab 1. August 2018 zustehenden halb en Rente frankenmässig fest. Auch gegen diese Verfügung erhob A.____, wiederum vertret en durch Claudia Pascali-Armanaschi, Integration Handicap, am 25. September 2018 Beschwerd e beim Kantonsgericht, wobei er die Aufhebung dieser Verfügung beantragte und ansonsten das in der Beschwerde vom 13. August 2018 gestellte Rechtsbegehren erneuerte. D. Da den beiden Beschwerden vom 13. August 2018 und 2 5. September 2018 derselbe Sachverhalt zu Grunde lag, vereinigte das Kantonsgerich t mit prozessleitender Verfügung vom 26. September 2018 die beiden Beschwerdeverfahren. E. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Oktober 2018 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekte der vorliegenden Verfahren bilden zwei Verfügungen der IV-Stelle Base l-Landschaft, sodass die örtliche Zustän- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht digkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-S telle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Au f die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobenen - Beschwerden des Versicherten vom 13. August 2018 und 5. September 2018 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle in de n angefochtenen Verfügungen vom 12. Juni 2018 und 5. September 2018 die laufende Dre iviertelsrente des Versicherten zu Recht per 1. August 2018 auf eine halbe Rente herabgesetzt hat. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Ans pruchs (Viertelsrente, halbe Rente, Dreiviertelsrente, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2 IVG) ausw irkt (BGE 134 V 131 E. 3). Ein Revisi- onsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicher- ten Person, wozu namentlich der Gesundheitszustand gehört. Sodann kann - bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand - auch eine Angewöhnung oder Anpassung an die Behinde- rung, welche zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führt, revisionsrechtlich von Bedeutung sein (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C _170/2017, E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen). Ebenso ist die Rente revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich veränd ert haben. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn ei ne andere Art der Bemessung der In- validität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung de s Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). 3.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3). 4.1 Vorliegend wird weder vom Versicherten noch von de r Beschwerdegegnerin in Frage gestellt, dass der medizinische Sachverhalt seit der ursprü nglichen Rentenzusprache unverän- dert geblieben ist. Die Parteien sind sich denn auch zu R echt einig, dass eine revisionsweise Herabsetzung der laufenden Dreiviertelsrente wegen ei ner erheblichen Verbesserung des Ge- sundheitszustands bzw. der Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht in Betracht fällt. 4.2 Rechtsprechungsgemäss ist, wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.1 hiervor), die Invaliden- rente nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Ge- sundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 3 43 E. 5.3 mit Hinweis). So kann insbesondere eine effektive und andauernde erhebliche V erbesserung des Einkommens einen Revisionsgrund darstellen. Zu beachten ist allerdings, da ss nach Art. 31 Abs. 1 IVG bei einer Veränderung in erwerblicher Hinsicht (Erzielung oder Erhöhung eines Erwerbseinkommens) die Rente nur dann im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG revid iert wird, wenn die Einkommensverbes- serung jährlich mehr als Fr. 1‘500.-- beträgt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Nach Eintritt der Invalidität war der Versicherte i n einem Pensum von 50 % weiterhin bei seiner bisherigen Arbeitgeberin, der B.____, täti g. Dabei erzielte er gemäss Arbeitgeberfra- gebogen vom 30. Juni 2014 ein Jahresgehalt von Fr. 36‘000.--. Dieser Betrag wurde denn auch - zu Recht - dem Einkommensvergleich, welcher die Basis de r Zusprache einer Dreiviertelsren- te ab 1. Juni 2014 bildete, als Invalideneinkommen zu Gr unde gelegt. Im Juni 2017 reichte der Versicherte der IV-Stelle einen neuen Arbeitsvertrag zwischen ihm und der B.____ ein. Diesem ist zu entnehmen, dass er ab 1. März 2017 neu ein Monat sgehalt von Fr. 3‘266.50 erzielte, was - bei dreizehn Monatslöhnen - einem Jahresgehalt von Fr . 42’464.50 entsprach. Eine Gegen- überstellung dieser Zahlen zeigt, dass sich das Invalideneinkommen des Beschwerdeführers im Vergleich zur Rentenzusprache um knapp Fr. 6‘500.-- pro Jahr erhöht hat. Somit haben sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert, was nach dem oben Gesagten (vgl. E. 4.2 hie rvor) einen Revisionsgrund darstellt. Die in Art. 31 Abs. 1 IVG statuierte Erheblichkeitsgren ze einer Einkommensverbesserung von Fr. 1‘500.-- pro Jahr (vgl. E. 4.2 hiervor) ist ebenfal ls erreicht. Die IV-Stelle hat deshalb in der Verfügung vom 12. Juni 2018 - zu Recht - das Vorliegen eines rechtsgenüglichen Revisions- grunds bejaht. Dies wird denn auch vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt. 5.1 Gestützt auf dieses Zwischenergebnis ist in einem nächs ten Schritt zu prüfen, wie sich diese Veränderung der Einkommenssituation auf den Rent enanspruch des Beschwerdeführers auswirkt. Zur Beantwortung dieser Frage sind die Anspru chsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs pro futuro zu prüfen. Es gilt mit anderen Worten, auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts den Invaliditätsgrad bei Erlass der strei- tigen Revisionsverfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspr uchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs ergeben (Urteile des Bundesgerich ts vom 3. April 2017, 9C_766/2016, E. 1.2, und vom 29. Juni 2015, 9C_173/2015, E. 2.2, je mit Hinweisen). 5.2 Ausgangspunkt der Beurteilung des (heutigen) Ren tenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass der Versicherte aufgrund seiner gesundhe itlichen Beeinträchtigungen ar- beitsunfähig ist. Wie bereits weiter oben festgehalten (vgl. E. 4.1 hiervor), ist der medizinische Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache unver ändert geblieben. Es ist deshalb auch im vorliegenden Revisionsverfahren davon auszugehen , dass der Beschwerdeführer in einer seinen Leiden angepassten Tätigkeit nach wie vor im Umfang von 50 % arbeitsfähig ist und dass die aktuell bei der B.____ ausgeübte Tätigkeit aufgrund der dort angepassten Rah- menbedingungen eine ideale Verweistätigkeit darstellt (vgl. das zwischen den Parteien ergan- gene Urteil des Kantonsgericht vom 1. März 2017, Nr. 720 15 365/61, E. 6). 6. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. 6.1.1 Bei der Bemessung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in we lcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwer bstätigkeit aus, bei der - kumulativ - beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzune hmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziall ohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 143 V 295 E. 2.2). Eine solche Konstellation liegt hier vor. Bei der Anstellung des Versicherten bei der B .____ handelt es sich zweifellos um ein stabiles Arbeitsverhältnis, der Versicherte ist aus medizi nischer Sicht optimal eingegliedert und er schöpft seine Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll aus. Ebenso sind keine Anhaltspunk- te ersichtlich, wonach es sich beim Gehalt, welches der Versicherte im Rahmen dieser Tätigkeit erzielt, um einen Soziallohn handeln könnte. Gemäss den Angaben der B.____ vom Dezember 2017 beläuft sich das Gehalt des Beschwerdeführers ab Janua r 2018 monatlich auf Fr. 3‘285.-- bzw. - bei dreizehn Monatslöhnen - auf Fr. 42‘705.-- pro Jahr. Die IV-Stelle hat deshalb in der angefochtenen Verfügung vom 12. Juni 2018 dem Einkomm ensvergleich diesen Betrag als In- valideneinkommen zu Grunde gelegt. 6.1.2 Der Beschwerdeführer erachtet dieses Ergebnis als nicht korrekt. Er vertritt die Auffas- sung, dass vom genannten Invalideneinkommen von Fr. 42‘7 05.-- ein Betrag von Fr. 1‘500.-- abgezogen werden müsse. Zur Begründung verweist er auf die Regelung von Art. 31 Abs. 1 IVG, wonach die Rente nur dann im Sinne von Art. 17 A bs. 1 ATSG revidiert werde, wenn sich die Einkommensverbesserung jährlich auf mehr als Fr. 1‘5 00.-- belaufe. Dieser Betrag müsse demnach vom effektiv erzielten Invalideneinkommen in Abz ug gebracht werden. Dieser Be- trachtungsweise, mit welcher bei der Bemessung des Invalideneinkommens jeweils die Gewäh- rung eines “Freibetrags“ von Fr. 1‘500.-- postuliert wi rd, kann jedoch nicht gefolgt werden. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrecht liche Abteilung, hat sich in ei- nem Urteil vom 19. August 2013 (publiziert in: Bernisc he Verwaltungsrechtsprechung [BVR] 2013 S. 579 ff.) ausführlich mit der Bestimmung von Ar t. 31 Abs. 1 IVG auseinandergesetzt. Dabei hat es festgehalten, dass diese Norm allein die Fr age beschlage, ob eine Revision durchzuführen sei oder nicht; über die Art und Weise der Revision sei damit nichts gesagt. Der bis Ende 2011 in Kraft gestandene Art. 31 Abs. 2 IVG habe vorgesehen, dass in einem zweiten Schritt (d.h. nach Überschreiten der Revisionsschwelle in Höhe von Fr. 1’500.--) vom Betrag der Einkommensverbesserung, der Fr.1’500.-- übersteige, nur zwei Drittel berücksichtigt würden. Dieser Absatz sei auf Ende Dezember 2011 hin ersatzlos au fgehoben worden, weil er als dem übergeordneten Ziel einer eingliederungsorientierte n Rentenrevision zuwiderlaufend und in der vorliegenden Form als kaum umsetzbar betrachtet worde n sei. Dagegen sei Art. 31 Abs. 1 IVG unverändert geblieben. Mit der Revisionsschwelle von Fr. 1’500.-- als spezieller Voraussetzung der Rentenrevision habe ein minimaler finanzieller Anr eiz bestehen bleiben sollen. Die Rege- lung des Art. 31 IVG enthalte damit seit Januar 2012 nur noch eine Voraussetzung zur Durch- führung der Revision, stelle jedoch selber keine gesetzli che Grundlage dar, um vom effektiven Einkommen einen Abzug zu machen; die früher bestehende Abzugsmöglichkeit sei vielmehr vom Gesetzgeber aufgehoben worden. Nach dem Willen de s Gesetzgebers sei bei der Invalidi- tätsbemessung demnach auf die tatsächlichen Einkommens zahlen abzustellen (BVR 2013 S. 580 f. E. 5.2.2 mit Hinweis auf die Botschaft des Bundesrates vom 24. Februar 2010 zur Än- derung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicheru ng [6. IV-Revision, erstes Massnah- menpaket] in: Bundesblatt [BBl] 2010 S. 1896). Diesen überzeugenden Erwägungen des Ver- waltungsgerichts des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtl iche Abteilung, ist in jeder Hin- sicht beizupflichten und es kann an dieser Stelle vollumfä nglich darauf verwiesen werden. Zu- sammenfassend ergibt sich daraus, dass in einem Fall, in w elchem die Voraussetzungen für Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Rentenrevision erfüllt sind und das Invalideneinkom men gestützt auf das effektiv erzielte Einkommen ermittelt wird, die Revisionsschwelle von Fr. 1 ’500.-- unter der seit 1. Januar 2012 geltenden Rechtslage - entgegen der Auffassung des Beschw erdeführers - nicht mehr zusätz- lich in Abzug zu bringen ist (vgl. dazu auch das Kreisschr eiben des Bundesamtes für Sozialver- sicherungen über Invalidität und Hilflosigkeit in der I nvalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2015, wo dieses in einem Berechnungsbeispie l in Rz. 5015 zum selben Ergebnis ge- langt). Folglich hat die IV-Stelle in der angefochten en Verfügung vom 12. Juni 2018 das mass- gebende Invalideneinkommen des Versicherten - dem tatsächlich erzielten Lohn entsprechend - zu Recht auf Fr. 42‘705.-- festgesetzt. 6.2.1 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entsch eidend, was die versicherte Per- son im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns ode r, wenn es wie vorliegend um eine Rentenrevision geht, im Zeitpunkt der Revisionsverfügung nach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die Ermittlung des im Gesundheitsfall von der versicherten Person erzielbar en Einkommens hat so konkret wie möglich zu geschehen (U LRICH MEYER / MARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesge- richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die In validenversicherung, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a N. 48 ff.). In der R egel wird am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange passten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheit sschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1). Ausnahmen von diesem Erfahru ngssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V 59 E. 3.1; vgl. auch BGE 135 V 300 E. 5.1). 6.2.2 Während die IV-Stelle in der angefochtenen Ve rfügung noch von einem Validenein- kommen des Versicherten von Fr. 98‘019.-- ausgegangen ist, hält sie in ihrer Vernehmlassung - zu Recht - fest, dass dieser Betrag unzutreffend sei und neu ermittelt werden müsse. Die IV- Stelle stützte sich in der Folge bei ihrer Neuberechnung auf die Einkommenszahlen im Indivi- duellen Konto des Versicherten. Danach habe dieser im Jahr 2011, also im letzten Jahr vor Ein- tritt der Invalidität, als “Leiter Rohstoffaufbereitun g“ bei der B.____ ein Jahreseinkommen von Fr. 100‘629.-- erzielt. Passe man diesen Betrag der bis in Jahr 2018 eingetretenen Teuerung von + 2,8 % im Sektor Handel an, so resultiere daraus ein massgebendes Valideneinkommen des Versicherten von Fr. 103‘446.60. Demgegenüber ist der Beschwerdeführer der Auffassung, dass er heute, wenn er keine gesundheitlichen Einschränkun gen erlitten hätte, in seiner ur- sprünglichen Funktion ein Jahresgehalt im Bereich zwischen F r. 108‘000.-- und Fr. 115’000.-- erzielen würde. Er stützt sich dabei auf eine Nachricht d es Sozialdienstes der B.____ vom 8. August 2018. Darin wird festgehalten, dass der Versi cherte heute ohne gesundheitliche Ein- schränkungen, je nach Geschäftsgang der Unternehmung und eventueller Übernahme neuer Aufgaben, ein Gehalt in der genannten Grössenordnung verdienen würde. 6.2.3 Dem Auszug aus dem Individuellen Konto des Beschwer deführers ist zu entnehmen, dass dieser seit 2006 in seiner Tätigkeit bei der B.___ _ jedes Jahr ein - zum Teil - deutlich hö- heres Einkommen als im jeweiligen Vorjahr erzielen konn te (2006: Fr. 83‘047.--, 2007: Fr. 90‘194.--, 2008: Fr. 93‘160.--, 2009: Fr. 95‘40 5.--, 2010: Fr. 98‘328.--, 2011: Fr. 100‘629.--). Diese Zahlen machen deutlich, dass das Gehalt des Versich erten in den Jahren 2006 bis 2011 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht um rund 21 % und somit erheblich stärker anstieg, als wenn es bloss der jährlichen Teuerung, die sich im Sektor Handel im genannten Zeitraum auf + 7 % belief, angepasst worden wäre. Diese Lohnentwicklung spricht nun aber klar dafür, dass es beim Versicherten, wenn er gesund geblieben wäre, auch in den Jahren 2012 bis 2018 zu Lo hnerhöhungen gekommen wäre, die über eine reine Teuerungsanpassung hinausgegangen wären. In diesem Lichte erweist sich die Lohnangabe der B.____ vom 8. August 2018, jedenfalls w as den genannten Mindestbetrag be- trifft, als realistisch. Es darf deshalb durchaus davon au sgegangen werden, dass der Be- schwerdeführer im Jahr 2018 als Gesunder mit überwiege nder Wahrscheinlichkeit zumindest den untersten Betrag der von der B.____ im Schreiben vom 8. August 2018 genannten Lohn- spanne (Fr. 108‘000.-- bis Fr. 115’000.--), also ein j ährliches Einkommen von Fr. 108’000.--, erzielt hätte. 6.3 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Valideneinkom men von Fr. 108’000.-- dem Invalideneinkommen von Fr. 42‘705.-- (vgl. E. 6.1 hier vor) gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 65'295.--, was einen Invaliditätsg rad des Versicherten von 60,46 % bzw. gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 f f.) von 60 % ergibt. Bei einem Invali- ditätsgrad von 60 % hat der Versicherte Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. In Gutheissung der Beschwerde sind deshalb die angefochtenen Verfügungen vo m 12. Juni 2018 und 5. Septem- ber 2018, mit denen die IV-Stelle die laufende Drei viertelsrente des Versicherten ab 1. August 2018 auf eine halbe Rente herabgesetzt hat, aufzuhebe n und es ist festzustellen, dass der Be- schwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat. 7. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist der Beschwerdeführer obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstan zen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten auf erlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Dem Beschwerde- führer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiege nde Partei ist, hat er Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Kostennote vom 13. November 2018 für beide Beschwerdeverfahren zusammen ein Honorar von insgesamt Fr. 848.70 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der genannten Höhe zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerden werden die ange fochtenen Verfü- gungen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 12. Juni 201 8 und 5. Sep- tember 2018 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwer- deführer weiterhin Anspruch auf eine IV-Dreiviertelsrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 848.70 (inkl. Auslage n und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht