2020 Anwaltsrecht 523 66 Art. 13 BGFA Die Aufsichtsbehörde hat bei einem Gesuch um Entbindung vom Berufsgeheimnis sämtliche auf dem Spiel stehenden Interessen gegeneinander abzuwägen. Ein zwecks Eintreibung einer offenen Honorarforderung um Entbindung ersuchender Anwalt hat darzulegen, weshalb ihm eine Kostendeckung über die Erhebung eines Kostenvorschusses nicht möglich war. Der Gesuch steller war während rund vier Monaten ohne finanzielle Sicherheit für sei nen Klienten tätig. Er hat damit während seiner Mandatsführung nur un zureichende Bemühungen getätigt, um sein Honorar einzutreiben. Das Gesuch um Entbindung vom Berufsgeheimnis zur Geltendmachung seiner Honorarforderung wird abgewiesen. Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 30. Juni 2020 (A VV .2020.25), i.S. Entbindung vom Berufsgeheimnis Aus den Erwägungen 2. 2.1. (…) 2.2. Ob eine Entbindung vom Anwaltsgeheimnis vorzunehmen ist, beurteilt sich auf Grund einer Abwägung sämtlicher auf dem Spiel stehender Interessen. Während die Anwältin oder der Anw alt regelmässig übe r ein schutzwürdi ges Interesse an der Entbindung zwecks Honorarinkasso verfügt, steht dem ein institutionell begründetes und grundsätzlich auch ein individuell -rechtliches Interesse des Kliente n auf Geheimhaltung der Mandatsbezie hung gegenüber. An die Subs tanziierung des Geheimhaltungsinteres ses dürfen im Verfahren auf Entbindung keine zu hohen Anforderungen 524 Anwaltskommission 2020 gestellt werden, weil der in Art. 321 Ziff. 1 StGB verankerte Schu tz des Berufsgeheimnisses andernfalls unterlaufen würde (BGE 142 II 307 E. 4.3.3; Urt eil des Bundesgerichts 2C_439/2017 vom 16. Mai 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). 2.3. Bei der Abwägung der sich entgegenstehenden Interessen im Zusammenhang mit einer offenen Honorarforderung ist auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass eine Anwältin oder ein A nwalt vom Klienten grundsätzlich einen V orschuss verlangen kann, welcher die voraussicht lichen Kosten ihrer oder seiner Tätigkeit deckt, und, sofern das Mandat für sie oder ihn eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung hat, zur Erhebung eines solchen V orschusses unter d em Gesichtspunkt des Unabhängigkeitserfordernisses von Art. 12 lit. b BGFA sogar gehalten sein kann. Abgesehen von Konstellationen, in welchen dem Anwalt die Erhe bung eines Kostenvorschusses von vornherein verwehrt ist – wie etwa, wenn und sowe it die Anwältin oder de r Anwalt dem Klienten als unent geltlicher Rechtsbeistand beigegeben worden ist – hat ein zwecks Ei ntreibung einer offenen Honorarforderung um En tbindung ersuchender Anwalt darzulegen, weshalb ihm eine Kosten deckung über die Erhebung eines Kostenvorschusses nicht möglich war (vgl. BGE 142 II 307 E. 4.3.3 und Urteil des Bundesgerichts 2C_704 /2016 vom 6. Januar 2017 E. 3.2). 3. 3.1. - 3.2. (…) 3.3. Der Gesuchsteller hat grundsätzlich ein schutzwürdiges Interesse an der Ent bindung zwec ks Eintreibung einer offenen Honorarforderung. Im Rahmen der Interessenabwägung ist aber, wie oben dargelegt (E. 2.3), von der Anwaltskommission auch zu prüfen, ob d ie Anwältin oder der Anwalt wäh rend der Mandatserledigung Bemühungen unternommen hat, um das Honorar einzutreiben oder gänzlich untätig geblieben ist. V orliegend hat der Gesuchsteller von seinem Klienten keinen Kostenvorschuss verlangt. Der Gesuchsteller weist darauf hin, dass er wegen der Abzahlungsvereinba rung vom 22./23. August 2017 auf einen s olchen verzichtet hat. Darin wurde vereinbart, dass der Klient das ausstehende Honorar von pauschal Fr. 2020 Anwaltsrecht 525 2'600.00 in monatlichen Raten von Fr. 450.00 zahlt, beginnend ab 10. September 2017 (vgl. GB 3). Es ist unbestritten, dass zwei Zahlungen in der Höhe von total Fr. 750.00 erfolgten (vgl. GB 2) und damit ein (kleiner) Teil des Honorars abgegol ten wurde. Diese (Raten-)Zahlungen wurden in dessen – dies im Unterschied zu Kostenvorschüssen oder Akonto -Zahlungen (vgl. zu deren Gleichbehandlung Urteil des Bundesg erichts 2C_439/2017 vom 16. Mai 2018 E. 3.5) – erst nach der Leistung des Ge suchstellers (vom 19. April 2017 – 23. August 2017) eingefordert und er bracht. Sie können daher in Bezug auf die Entbindung vom Anwaltsgeheim nis nicht gleich behandelt werden wie e in Kostenvorschuss. Der Gesuchsteller war während rund vier Monaten ohne finanzielle Sicherheit für sei nen Klienten tätig. Er hat damit während seiner Mandatsführung nur unzu reichende Bemühungen getätigt, um sein Honorar einzutreiben. Diese Hal tung verdient keinen Schutz. Das konkrete Interesse des Gesuchstellers an der Einforderung seines Honorars ist in Würdigung dieser Umstände als geringer einzustufen als das institutionell begründete Interesse an der Wahrung der Vertraulichkeit. 67 Art. 12 lit. i BGFA Verletzung der Berufspflichten; der Anwalt hat es trotz mehrmaliger Aufforderung unterlassen, der Klientin detaillierte Honorarabrechnungen zuzustellen. Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 22. Juli 2020 (A VV .2019.45), i.S. Aufsichtsanzeige