<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 56 S.230</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">230</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>56 Anstaltseinweisung;</b></span> <span class="ft1"><b>Beschwerdelegitimation.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Der Ehemann ist als nahestehende Person gemäss Art. 397d ZGB zur</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Beschwerde legitimiert (Erw. 2/a).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Fehlendes Rechtsschutzinteresse nach Übertritt in eine andere Klinik</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 2/b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 12. Juni 2001 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen H.U. gegen Verfügung des Bezirksarzts Z.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">2. Verfügungen und Entscheide kann jedermann durch Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde anfechten, der ein schutzwürdiges eigenes Interesse gel-</span><br/> <span class="ft4">tend macht (§ 38 Abs. 1 VRPG).</span><br/> <span class="ft4">a) Zunächst muss der Beschwerdeführer in seinem eigenen In-</span><br/> <span class="ft4">teresse "berührt", d.h. durch die falsche Rechtsanwendung irgendwie</span><br/> <span class="ft4">in seiner Interessensphäre in höherem Masse als jedermann bzw. die</span><br/> <span class="ft4">Allgemeinheit beeinträchtigt sein, weil er eine besondere, beach-</span><br/> <span class="ft4">tenswerte, nahe Beziehung zur Streitsache aufweist. Dies ist vorlie-</span><br/> <span class="ft4">gend zweifellos der Fall: Der Beschwerdeführer als Ehemann gilt als</span><br/> <span class="ft4">nahestehende Person im Sinne von Art. 397d ZGB und ist deshalb</span><br/> <span class="ft4">zur Beschwerdeführung berechtigt (Thomas Geiser, in: Basler Kom-</span><br/> <span class="ft4">mentar zum Schweizerischen Privatrecht, Basel/Genf/München</span><br/> <span class="ft4">1999, Art. 397d ZGB N 13).</span><br/> <span class="ft4">b) aa) Zweite Voraussetzung der Legitimation ist die Schutz-</span><br/> <span class="ft4">würdigkeit des Interesses. "Schutzwürdig" ist das Interesse, wenn der</span><br/> <span class="ft4">Ausgang des Rechtsmittelverfahrens dem Beschwerdeführer einen</span><br/> <span class="ft4">naheliegenden, praktischen Nutzen bringt; dazu gehört im Allgemei-</span><br/> <span class="ft4">nen, dass das Rechtsschutzinteresse <i>aktuell</i> oder in einem qualifi-</span><br/> <span class="ft4">zierten Sinne künftig ist. Der Beschwerdeführer muss nicht bloss</span><br/> <span class="ft4">beim Einreichen der Beschwerde, sondern auch noch im Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft4">der Urteilsfällung ein aktuelles, praktisches Interesse an der Aufhe-</span><br/> <span class="ft4">bung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben. Damit</span><br/> <span class="ft4">soll sichergestellt werden, dass die rechtsanwendende Behörde kon-</span><br/> <span class="ft4">krete und nicht bloss theoretische Fragen entscheidet. Fehlt es am</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">aktuellen Interesse im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung, ist auf</span><br/> <span class="ft4">das Rechtsmittel nicht einzutreten. Fällt das aktuelle Interesse nach</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeeinreichung aber vor der Urteilsfällung weg, ist die Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde als gegenstandslos von der Kontrolle abzuschreiben AGVE</span><br/> <span class="ft4">1996, S. 329; Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normen-</span><br/> <span class="ft4">kontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwal-</span><br/> <span class="ft4">tungsrechtspflege vom 9. Juli 1968, Diss. Zürich 1998, § 38 N 139</span><br/> <span class="ft4">ff. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft4">bb) Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts fällt das</span><br/> <span class="ft4">Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung einer Verfügung betreffend</span><br/> <span class="ft4">fürsorgerische Freiheitsentziehung bei Entlassung oder Entweichung</span><br/> <span class="ft4">aus der Klinik dahin. Dafür sind folgende Erwägungen massgebend</span><br/> <span class="ft4">(AGVE 1997, S. 247 f.; AGVE 1987, S. 217 f., mit Verweisungen;</span><br/> <span class="ft4">AGVE 1983, S. 124 f.):</span><br/> <span class="ft4">aaa) Das Verwaltungsgericht ist bei der fürsorgerischen Frei-</span><br/> <span class="ft4">heitsentziehung eingesetzt, um im Rechtmittelverfahren darüber zu</span><br/> <span class="ft4">befinden, dass niemand ohne ausreichenden Grund in einer Anstalt</span><br/> <span class="ft4">bleiben muss. Dagegen ist es nicht Sinn des Beschwerdeverfahrens</span><br/> <span class="ft4">gegen eine Einweisung, die Voraussetzungen für eine allfällige</span><br/> <span class="ft4">Schadenersatzklage nach Art. 429a ZGB zu prüfen. Für die Beurtei-</span><br/> <span class="ft4">lung entsprechender Ansprüche ist der Zivilrichter zuständig (§ 67s</span><br/> <span class="ft4">EG ZGB). Allenfalls ist die Rechtmässigkeit der fürsorgerischen</span><br/> <span class="ft4">Freiheitsentziehung in einem späteren Haftungsprozess vorfrage-</span><br/> <span class="ft4">weise zu überprüfen. Nach Aufhebung der fürsorgerischen Freiheits-</span><br/> <span class="ft4">entziehung bzw. nach Entlassung oder Entweichung aus der Klinik</span><br/> <span class="ft4">besteht deshalb kein rechtliches Interesse des Betroffenen mehr, die</span><br/> <span class="ft4">Nichtigkeit oder die Unrichtigkeit des Einweisungsentscheids fest-</span><br/> <span class="ft4">stellen zu lassen.</span><br/> <span class="ft4">bbb) Ohne materielle Prüfung der Beschwerde erwächst dem</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführer kein erheblicher und deshalb unzumutbarer</span><br/> <span class="ft4">Nachteil. Wenn die entlassene oder entwichene Person in die Anstalt</span><br/> <span class="ft4">zurückgebracht wird, kann eine allfällige neue Einweisungsverfü-</span><br/> <span class="ft4">gung oder die Abweisung eines jederzeit möglichen Entlassungsge-</span><br/> <span class="ft4">suchs erneut mit Beschwerde angefochten werden; in diesem Fall</span><br/> <span class="ft4">wird ohnehin aufgrund des dannzumaligen Sachverhalts zu entschei-</span><br/> <span class="ft4">den sein.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">232</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">ccc) Im Falle einer Entweichung wäre die gemäss Art. 397f</span><br/> <span class="ft4">Abs. 3 ZGB erforderliche mündliche Einvernahme der von der für-</span><br/> <span class="ft4">sorgerischen Freiheitsentziehung betroffenen Person in der Regel gar</span><br/> <span class="ft4">nicht durchführbar.</span><br/> <span class="ft4">cc) Im vorliegenden Fall war die Ehefrau des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">rers bereits im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung aus der PKK</span><br/> <span class="ft4">entlassen und in die Klinik Littenheid verlegt worden. Eine zwangs-</span><br/> <span class="ft4">weise Rückversetzung in die Klinik Königsfelden ist gestützt auf die</span><br/> <span class="ft4">angefochtene bezirksärztliche Verfügung vom 26. Mai 2001 nicht</span><br/> <span class="ft4">möglich. Deshalb besteht kein aktuelles Rechtsschutzinteresse an der</span><br/> <span class="ft4">materiellen Prüfung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung (Erw.</span><br/> <span class="ft4">2/b/bb vorstehend). Auf die Beschwerde kann deshalb nicht einge-</span><br/> <span class="ft4">treten werden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>