Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Februar 2014 (720 11 202) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Reduktion einer Invalidenrente aufgrund eines verbesserten Gesundheitszustandes; Be- rechnung des Invaliditätsgrades Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch N ikolaus Tamm, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1951 geborene A.____ arbeitete vom 2. Februa r 1976 bis 30. November 1995 als Maschinenzeichner in der Firma B.____. Seit 1. Februar 1999 ist er bei der C.____ in einem Teilzeitpensum (3 Tage x 4 Stunden) angestellt. Am 15. Juli 1997 meldete er sich unter Hinweis auf ein psychisches Leiden bei der IV-Stelle Basel-Landsc haft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 6. Februar 1998 sprach ihm die IV-Stelle gestützt auf einen Invaliditäts- grad von 70 % eine ganze Invalidenrente per 1. Juli 1 996 zu. In den Jahren 2000, 2005 und 2008 wurden jeweils Revisionsverfahren durchgeführt, die alle mit der Feststellung der IV-Stelle Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht endeten, dass weiterhin Anspruch auf eine volle Invalid enrente bestehe. Im Jahr 2009 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren ein. Dab ei beauftragte sie die D.____mit der Be- gutachtung des Versicherten. Gestützt auf deren Gutachte n vom 23. Februar 2010 und der er- gänzenden Stellungnahmen vom 28. April 2010 und 11. August 2010 hob sie die Invalidenrente des Versicherten mit Verfügung vom 2. Mai 2011 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 35 % per 30. Juni 2011 auf. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Nikolaus Tamm, am 31. Mai 2011 fristgerecht Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Darin beantragte er, es sei die Verfügung vom 2. Mai 2 011 aufzuheben und dem Beschwerde- führer weiterhin die Invalidenrente in der bisherigen Höhe auszurichten. Eventualiter sei ein polydisziplinäres Obergutachten einzuholen, subeventualite r sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung führte er an, dass eine Verbesserung des Gesundheitszustandes nicht nachgewie sen sei. Das Gutachten der D.____ enthalte keine schlüssige Gesamtbeurteilung und se tze sich nicht mit den abweichen- den medizinischen Beurteilungen auseinander. Es sei zude m nicht plausibel, inwiefern sich der medizinische Sachverhalt seit der letzten Rentenrevision verändert habe. Vielmehr liege eine unterschiedliche Einschätzung eines gleichgebliebenen medi zinischen Sachverhalts vor, was jedoch kein Revisionsgrund darstelle. Zudem sei nicht geprüft worden, ob eine Wiedereingliede- rung des bald 60-jährigen Versicherten in den Arbeitsmarkt möglich sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Juli 2011 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 3. November 2011 beschloss das Kantonsgericht, den Fall auszustellen, da das Gutachten der D.____ vom 23. Februar 2010 und deren Stellung- nahmen vom 28. April 2010 und 11. August 2010 nicht v ollständig überzeugten. Die Diagnose- stellung und die Darstellung des Krankheitsverlaufs seien zwar widerspruchsfrei und nachvoll- ziehbar. Die Zumutbarkeitsbeurteilung sei jedoch unklar , da die Gutachter der D.____einmal eine Arbeitsfähigkeit von aktuell 50 % attestiert hätt en und an einer anderen Stelle aber von einer Arbeitsfähigkeit von 65 % ausgegangen seien. G leichzeitig sei darauf hingewiesen wor- den, dass bei einer Steigerung auf 65 % eine erheblich e Gefahr für eine psychische Dekom- pensation bestehe. Da die übrigen medizinischen Berichte auch keine verlässliche Entscheid- grundlage bilden würden, sei ein psychiatrisches und neu ropsychologisches Gutachten bei E.____ anzuordnen. Der Versicherte erklärte sich mit S chreiben vom 7. Dezember 2011 und die IV-Stelle telefonisch am 19. Dezember 2011 mit der Begutachtung durch Prof. Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, E.____, einverstanden. E. Nach Eingang des Gutachtens von Prof. Dr. F.____ vo m 21. Juni 2012 erhielten die Par- teien Gelegenheit zur Stellungnahme. Die IV-Stelle schloss mit Eingabe vom 29. August 2012 auf Abweisung der Beschwerde. Gestützt auf das Gutachten der E.____ sei davon auszuge- hen, dass der Beschwerdeführer seine angestammte Tätigke it als Elektromechaniker und tech- nischer Leiter nicht mehr ausüben könne. Eine Verweistät igkeit im Sinne einer überschaubaren Routinearbeit ohne Verantwortung und ohne höheres Arbeitstempo sei ihm aber zu mindestens Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 50 % zumutbar. Einer 80 – 100%igen Arbeitsfähigkeit dürfte die mangelnde Anstrengungsfähig- keit bzw. der mangelnde Anstrengungswille entgegenstehen, weshalb der Gutachter der E.____ eine Arbeitsfähigkeit zwischen 50 % bis 80 % attestiere . Damit komme der Gutachter etwa zum gleichen Schluss wie die Gutachter der D.____. Es könne d eshalb von einer 65%igen Arbeits- fähigkeit ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer nah m zum Gutachten von Prof. Dr. F.____ am 29. August 2012 Stellung und hielt an seinen Rechtsbegehren gemäss Be- schwerde vom 31. Mai 2011 fest. Prof. Dr. F.____ gehe von einer gleichbleibenden Diagnose aus, weshalb anzunehmen sei, dass sich die gesundheitliche Situation in den vergangenen 15 Jahren nicht verändert habe. Wenn der Gutachter von einem zumutbaren Pensum von 50 % in einer Verweistätigkeit ausgehe, so handle es sich dab ei nur um eine Neueinschätzung einer gleichbleibenden Situation. Unter diesen Umständen sei eine revisionsweise Herabsetzung der Rente nicht zulässig. Ausserdem müssten vor einer allfäll igen Herabsetzung der Rente auf- grund des Alters und des langjährigen Rentenbezugs Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden. F. In der erneuten Urteilsberatung vom 22. November 2 012 beschloss das Gericht, den Fall erneut auszustellen, um ergänzende bzw. präzisierend e Auskünfte bei Prof. Dr. F.____ hinsichtlich seiner Zumutbarkeitsbeurteilung und der Frage der möglichen psychischen Dekom- pensation bei einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit einzuholen. Dabei gab es den Parteien Gele- genheit, Ergänzungsfragen einzureichen, welche die I V-Stelle mit Schreiben vom 10. Januar 2013 zustellte. Der Beschwerdeführer wies am 18. Janua r 2013 darauf hin, dass sich der Gut- achter bereits explizit geäussert habe, dass er keine genauere Einschätzung vornehmen könne. Ein allfälliger Meinungswechsel sei deshalb erklärungsbedürftig. G. Prof. Dr. F.____ reichte sein Ergänzungsgutachten a m 30. Juni 2013 ein, welches den Parteien am 4. Juli 2013 zugestellt wurde. Die IV-Ste lle machte in ihrer Stellungnahme vom 5. August 2013 geltend, dass aufgrund der Beurteilunge n des Gutachters der E.____ klar aus- gewiesen sei, dass der Versicherte an keiner psychischen oder kognitiven Störung leide, wel- che die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtige. Die angefochtene Verfügung müsste daher dahingehend abgeändert werden, als von einer höheren Arbeitsfähigkeit als 65 % auszugehen sei. Da selbst bei Annahme einer 65%igen Arbeitsfähigkei t kein Rentenanspruch bestehe, wer- de auf eine Korrektur verzichtet. Mit Eingabe vom 4. S eptember 2013 führte der Beschwerde- führer aus, dass der Gutachter nun plötzlich eine Verbesserung des Gesundheitszustandes des Versicherten postuliere. Wie bereits die Experten der D .____ habe auch Prof. Dr. F.____ eine solche Verbesserung nicht ausgewiesen. Er halte deshal b daran fest, dass es sich vorliegend um eine Neueinschätzung der grundsätzlich unverändert ge bliebenen gesundheitlichen Situati- on handle, was für eine revisionsweise Herabsetzung der Rente nicht ausreiche. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959). Unter Er werbsunfähigkeit ist der durch Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursachte und nach zu- mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende g anze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 1.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nich t mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 2.2.1 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer a nspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2.2 Vorliegend sprach die IV-Stelle dem Beschwerdefü hrer mit Verfügung vom 6. Februar 1998 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 70 % rückwirkend ab 1. Juni 2006 eine ganze Inva- lidenrente zu. Im Rahmen der in den Jahren 2000, 2005 und 2008 durchgeführten Revisions- verfahren ermittelte die IV-Stelle keine Änderung de s Invaliditätsgrades und hielt deshalb je- weils fest, dass der Versicherte weiterhin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Nach- dem sie im Jahr 2009 von Amtes wegen erneut eine Über prüfung des Rentenanspruchs des Versicherten eingeleitet und die erforderlichen Abkläru ngen vorgenommen hatte, hob die IV- Stelle die laufende ganze Rente des Versicherten mit Ve rfügung vom 2. Mai 2011 mit Wirkung ab 1. Juli 2011 auf. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Ver- hältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Herab setzung der bis anhin ausgerichteten Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, w ie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom 6. Februar 1998 bestand, mit dem jenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 2. Mai 2011. 3. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundh eitszustand und - damit einher- gehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit des Versicherte n tatsächlich, wie von der IV-Stelle gel- tend gemacht, seit der Rentenzusprache in einer anspr uchserheblichen Weise verbessert hat. Ob eine derartige tatsächliche Änderung oder aber eine revisionsrechtlich unbeachtliche abwei- chende ärztliche Einschätzung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Gesundheitszustands vorliegt, bedarf - auch mit Blick auf die mitunter ein schneidenden Folgen für die versicherte Person - einer sorgfältigen Prüfung (vgl. auch U LRICH MEYER , Rechtsprechung des Bundesge- richts zum IVG, Zürich 1997, S. 259). Dabei gilt der i m Sozialversicherecht geltende Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse M öglichkeit einer Verbesserung tat- sächlicher Art genügt nicht (vgl. Urteil des Bundesgerich ts vom 2. November 2009, 8C_458/2009 E. 3.2). 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experti n oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung au fzustellen. So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zw ingende Gründe" von den Ein- schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufga be es ist, seine Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ei nen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn e in vom Gericht eingeholtes Ober- gutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolge rungen gelangt. Abweichende Beur- teilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensät zliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, d ie Schlüssigkeit des Gerichtsgutach- tens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für ange- zeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexpertise vom Ergeb nis des Gerichtsgutachtens abwei- chende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinweisen). 4.1. In der ursprünglichen Verfügung vom 6. Februar 1 998, mit welcher dem Versicher- ten eine ganze Rente zugesprochen wurde, stützte sich di e IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit im Wesent lichen auf den Bericht von Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13. Dezember 1997. Darin führte der Fach- arzt als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähi gkeit eine schwere bipolare affektive Störung im Sinne einer schweren manisch-depressiven Kran kheit (endogene bipolare Psycho- se) und eine ausgeprägte Persönlichkeitsveränderung (nach psychischer Krankheit) an. Anam- nestisch habe der Versicherte vor gut zwei Jahren eine schwere manische Krise durchgemacht, weswegen er in der H.____ knapp zwei Wochen stationär b ehandelt worden sei. Die Schwere der manischen Krise lasse sich mit der starken Selbstgefähr dung im sozialen Bereich belegen, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht indem er drei unnötige, sehr teure Anschaffungen im U mfang von insgesamt Fr. 360'000.-- ge- tätigt habe. Zum Zeitpunkt der Untersuchung habe sich der Versicherte in einer deutlich de- pressiven Phase seiner manisch-depressiven Krankheit befunde n. Die Persönlichkeitsverände- rung beeinträchtige ihn in seinen sozialen Fähigkeiten stark und erschwere es ihm, sich auf Beziehungen einzulassen und sich in eine Tagesstruktur ei nzuordnen. Aus psychiatrischer Sicht sei von einer deutlich eingeschränkten psychischen Belastbarkeit auszugehen, welche seine Arbeitsfähigkeit um 70 % einschränke. 4.2 Bei den damaligen medizinischen Unterlagen befand sich sodann ein Bericht der I.____ vom 29. August 1997, wo der Versicherte seit 20. Juni 1995 in Behandlung stand. Als Diagnose hielt die behandelnde Oberärztin eine bipola re, affektive, remittierende Störung fest, die den Versicherten in seiner Arbeitsfähigkeit als technischer Leiter zu 100 % einschränke. Der Versicherte klage über starke Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme. Er traue sich nicht mehr zu, eine verantwortungsvolle Arbeit ausz uführen. Er habe Insuffizienzgefühle sowie berufliche und persönliche Zukunftsängste. Eine aku te Suizidalität sei grundsätzlich zu verneinen. Bei Zuspitzung der prekären Lebenssituation bestehe jedoch Suizidgefahr. 4.3 Nach Verfügungserlass vom 6. Februar 1998 berichtet en die behandelnden Ärzte der I.____ am 17. April 2000 und Dr. med. J.____, FMH Al lgemeine Medizin, am 22. Februar 2005, 25. August 2005, 28. August 2009 und 28. September 20 09 über den Gesundheitszustand des Versicherten. Im Bericht der I.____ vom 17. April 2000 wurde als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nebst der bipolaren affekti ven Störung ein Verdacht auf eine sonstige spezifische Persönlichkeitsstörung festgehalten. Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähig- keit. Der Versicherte sei zum zweiten Mal verheiratet. Diese Beziehung gebe ihm sehr viel Halt. Er leide jedoch weiterhin an Konzentrationsschwierigkei ten und Gedächtnisproblemen. Ende 1999 habe er aufgehört, in seiner Musikband zu spielen, da er sich der Belastung nicht mehr gewachsen fühle und schnell erschöpft sei. Insgesamt habe sich die Situation stabilisiert, je- doch auf einem tiefen Niveau. Die körperliche und psychisc he Belastbarkeit sei deutlich redu- ziert. Eine Wiedereingliederung in den normalen Arbe itsprozess sei unrealistisch. Dr. J.____ hielt in seinen Berichten als Diagnose eine (chronisch rezidivierende) Depression fest. Auch er kam zum Schluss, dass sich die gesundheitlichen Verhältnisse se it der Rentenzusprechung bei weiterhin erheblich eingeschränkter Lebensqualität stabilisiert hätten. Der Versicherte könne nur stundenweise einer leichten Tätigkeit nachgehen. Zur zeit arbeite er in einem kleinen Teilzeit- pensum. Zudem beschäftige er sich je nach Möglichkeit in s einem eigenen Tonstudio, was je- doch vorwiegend therapeutische Wirkung habe. Er wirke n ur unregelmässig in einer Jazz-Band mit. Immerhin gelinge es ihm, sich dadurch teilweise au s der Depression „zu heben". Solche Stimmungsverbesserungen seien jedoch jeweils von kurzer Dauer. Es bestehe für die Tätigkeit als Maschinenzeichner/technischer Leiter eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (vgl. Berichte vom 22. Februar 2005 und 28. August 2009), bzw. 80 % (vgl. Berichte vom 25. August 2008 und 28. August 2009). In seinem Schreiben vom 28. September 2009 wies Dr. J.____ darauf hin, dass der Beschwerdeführer Begutachtungen als belastend u nd ungewiss erlebe. Bereits die Erhebung anamnestischer Daten führe beim Versicherten zu grossen Ängsten, da er aufgrund seiner eingeschränkten Erinnerungsfähigkeit die gewünsc hten Angaben nicht korrekt oder voll- ständig vornehmen könne. Seine ausgeprägte Gewissenhaft igkeit kollidiere mit den schwer Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fassbaren Beeinträchtigungen in Erinnerung, Auffassung u nd Reproduktion des Wissens. We- gen der psychischen Problematik, insbesondere der stark wechselnden intellektuellen und emo- tionalen Stabilität, sei er nur ihm Rahmen seiner bisherigen Teilzeittätigkeit arbeitsfähig. 4.4.1 Im Rahmen des von der IV-Stelle im Jahr 2009 von Amtes wegen eingeleiteten Ren- tenrevisionsverfahrens gab die IV-Stelle zur Abklärung de s aktuellen medizinischen Sachver- halts bei der D.____ ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag. In ihrem Gutachten, welches sie am 23. Februar 2010 erstatteten, hielten die beteiligten Fachärztinnen und -ärzte als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte bis mittelschwere neuropsychische Stö- rung und ein chronisches lumbo- sowie ein chronisches zerviko vertebrales Schmerzsyndrom fest. In der Beurteilung führten die Gutachter der D .____ aus, dass der Versicherte aufgrund des lumbo- und zervikovertebralen Schmerzsyndroms keine körperlich schweren und anhaltend mittelschweren Tätigkeiten mehr ausüben könne. Für körpe rlich leichte Arbeiten bestehe aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung in der Arbe itsfähigkeit. In psychosomatischer Hinsicht sei eine bipolare affektive Störung zu diagnosti zieren, die gegenwärtig remittiert sei. Die aktuellen klinischen Befunde und die gute Alltagsta uglichkeit, die gute Beziehungssituation und soziale Integration, die Teilnahme an Freizeitaktivi täten wie z.B. Banjo spielen, die Fähig- keit, wochenlange Ferien „durchzustehen“ etc. deuteten darauf hin, dass keine psychischen Beeinträchtigungen mehr vorlägen. Allerdings beständen aufgrund der jahrelangen Berentung und deren Folgen bei Erhöhung der aktuell ausgeübten Tätigkeit zu Beginn eine rund 30%ige verminderte Leistungsfähigkeit und eine erhebliche Gefahr einer psychischen Dekompensation. Bei dem aktuell vorhandenen kognitiven Leistungsvermöge n sei der Versicherte in der zurzeit ausgeübten Arbeit oder in einer Verweistätigkeit zu 6 5 % arbeitsfähig, sofern die Arbeit klar strukturiert sei und die Arbeitszeiten flexibel seien. Zu dem müsste die Möglichkeit bestehen, den Arbeitstakt selbst zu bestimmen. Eine 65%ige Arbeits fähigkeit könne jedoch nicht sofort umgesetzt werden, da eine psychische Dekompensation inf olge subjektiver Überforderung in Bezug auf die Erwirtschaftung eines eigenen Einkommens zu erwarten sei. Aktuell sei deshalb nur eine 50%ige Arbeitstätigkeit zu attestieren. 4.4.2 In ihrer Stellungnahme vom 28. April 2010 führ ten die Gutachter der D.____ zu ihrer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit präzisierend aus, dass ef fektiv eine 65%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Es werde jedoch vermutet, dass eine plötzliche Ste igerung des bisherigen Pensums von 50 % auf 65 % nach 12 Jahren Berentung eine erneut e psychische Krise auslösen könne. Nachdem die IV-Stelle der D.____ die von ihr noch nicht eingesehenen Akten aus den Jahren vor 2000 zugestellt hatte, nahm das Ärzteteam der D.____ am 11. August 2010 dazu Stellung. Danach sei aufgrund der Berichte von Dr. G.____ und der I.____ davon auszugehen, dass es dem Versicherten gelungen sei, seine im 1997 bestehende n psychischen Defizite teilweise zu überwinden. So sei er seit 2000 verheiratet, besuche r egelmässig die Familie seiner Ehefrau in X.____, arbeite seit Jahren in einem Teilzeitpensum be im gleichen Arbeitgeber, verfüge über stabile soziale Beziehungen und benötige seit längerem k eine störungsspezifische Therapie mehr. Es sei auch nicht mehr zu schweren Depressionen un d manischen Phasen gekommen, so dass insgesamt von einer Verbesserung des psychischen Gesu ndheitszustandes auszuge- hen sei. Die Gutachter der D.____ hielten deshalb an ihrer Einschätzung fest, wonach der Ver- sicherte in einer leichten Tätigkeit zu 65 % arbeitsfähig sei. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Zur Beurteilung der D.____ äusserte sich Dr. J.____ am 9. September 2010 und 5. November 2010. Er stellte fest, dass eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszu- standes nicht eingetreten und dem Versicherten ein Arbei tseinsatz im Umfang von 65 % auf- grund der psychischen Problematik nicht zumutbar sei. Dass a ktuell keine psychotherapeuti- sche Behandlung durchgeführt werde, bedeute nicht, er leide nicht stark unter seiner Krankheit. Ein wesentlicher Faktor seiner Stabilisierung sei darin zu begründen, dass der Versicherte dank seines Rentenanspruchs seine Grundexistenz gesichert wisse und sich dadurch im Alltag weni- ger belastet fühle. Dr. J.____ kritisierte weiter, dass die psychiatrische Beurteilung von einem Internisten vorgenommen worden sei und verschiedene Akte n über den Vorzustand anlässlich der Untersuchung nicht zur Verfügung gestanden hätten. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die kognitiven Fähigkeiten des Versicherten bei der Arbeit und beim Musikspielen beeinträchtigt und inkonstant seien. Die von Dr. G.____ attestierte d eutlich eingeschränkte psychische Be- lastbarkeit sei heute noch gut erkennbar, auch wenn der Versicherte diese durch verschiedene Anpassungs- und Kompensationsmechanismen zu verdecken versuch e. Die 1997 diagnosti- zierte ausgeprägte Persönlichkeitsveränderung nach psychisch er Krankheit bestehe weiterhin, weshalb dem Versicherten eine Steigerung seines bisherige n Arbeitspensums nicht zumutbar sei. 4.6 Da das Kantonsgericht die Zumutbarkeitsbeurteilung der Experten der D.____ nicht in allen Belangen als schlüssig betrachtete, beauftragte es das E.____ mit der Begutachtung des Versicherten. Der damit beauftragte Prof. Dr. F.____ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 21. Juni 2012 eine Dysthymie (differentialdiagnostisch: A ngst und eine depressive Störung ge- mischt) sowie einen Verdacht auf eine Persönlichkeitsstöru ng. In der neuropsychologischen Untersuchung sei eine deutliche Verlangsamung festzuste llen. Die mentale Kontrolle sei leicht verlangsamt, aber fehlerfrei. Eine schwerwiegende Beei nträchtigung bestehe nicht. Die Auf- merksamkeit sei leicht bis deutlich eingeschränkt. Die in Test ungen erfassten Leistungen stän- den jedoch in Diskrepanz zum klinischen Befund, bei welchem keine schwerwiegende Beein- trächtigung in der Informationsaufnahme festzustellen gewesen sei. Es falle eine gute Leistung beim Kopfrechnen auf, was aber nur möglich sei, wenn Au fmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis funktionierten. Der Versicherte neige dazu, sich mit rel ativ geringen Leistungen zu begnügen und gebe schnell auf, was auf eine mangelnde Anstrengu ngsfähigkeit allenfalls Anstrengungs- bereitschaft hindeute. Daneben seien Diskrepanzen in d er Funktion des Gedächtnisses festzu- stellen. Sie könnten jedoch nicht als hirnorganische Bee inträchtigungen interpretiert werden. In der Gefühlssphäre zeige sich eine gewisse affektive Nivel lierung. Der Beschwerdeführer impo- niere allerdings nicht depressiv. Gelegentlich zeigten sich auch positive Affekte, indem er zeit- weise lachen könne und insgesamt in der Affektivität nic ht aspontan wirke. Klare Hinweise auf eine depressive Stimmungslage (deutliche Deprimiertheit , Hoffnungslosigkeit, Hilfs- und Ratlo- sigkeit) seien nicht vorhanden. Er bewerte Situationen als bedrohlich und reagiere darauf ängst- lich. Es bestehe daher ein Verdacht auf eine persönlich keitsinhärente Angstbereitschaft. In Be- zug auf den Antrieb lasse sich eine gewisse Verminderung postulieren, wobei unklar sei, ob diese auf den Habitus des Versicherten zurückzuführen sei . Die Psychomotorik sei in Gestik und Mimik verlangsamt, der sprachliche Ausdruck sei dagege n nicht beeinträchtigt. Aufgrund der Anamnese könne eine Störung aus dem Formenkreis der phobischen Störungen ange- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nommen werden. Da ein manisch angetriebenes Verhalten nur einmalig aufgetreten sei und andere zur Manie gehörigen Symptome später nicht beschri eben worden seien, sei diagnos- tisch höchstens von einer Bipolar I Disorder auszugehen. D as konsequente Ablehnen der Ein- nahme von Psychopharmaka deute darauf hin, dass der Lei densdruck nicht sehr hoch sei, an- sonsten der Versicherte eine Therapie mit Antidepressiva su bjektiv als notwendig erachten würde. Aufgrund der erhobenen Befunde kam der Gutachter zum Schluss, dass sich im kognitiven Be- reich keine konsistente Beeinträchtigung nachweisen lasse, welche die Arbeitsfähigkeit mehr als 20 % einschränke. Das Ausmass der psychischen Störung sei nicht so hoch, als dass sie die Arbeitsfähigkeit relevant beeinträchtige. Es sei davon auszugehen, dass der Versicherte seine seit 1. Februar 1999 ausgeübte Bürotätigkeit i m Umfang von mindestens 50 % ausführen könne. Einer 80 - 100%igen Arbeitsfähigkeit dürfte di e mangelnde Anstrengungsfähigkeit bzw. der mangelnde Anstrengungswille im Wege stehen. Im Be ruf des Konstrukteurs und des tech- nischen Leiters bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. 4.7 In seinem Beschluss vom 22. November 2012 stellte das Kantonsgericht fest, dass die Zumutbarkeitsbeurteilung von Prof. Dr. F.____ zu unge nau sei, um den Rentenanspruch des Versicherten überprüfen zu können. Es gelangte deshalb mit Ergänzungsfragen an den Gutach- ter. Dieser führte am 30. Juni 2013 auf die Frage, in welchem genauen Umfang der Versicherte in seiner heutigen Tätigkeit als Bürokraft oder in eine r entsprechenden Verweistätigkeit arbeits- fähig sei, aus, dass er keine präzise Antwort geben könne. Bei seiner Einschätzung der Zumut- barkeit stütze er sich unter anderem auf die Angaben de s Arbeitgebers, der den Beschwerde- führer seit 10 Jahren kenne und angegeben habe, dass i hm keine körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen aufgefallen seien. Der Arbeitgeber erachte den Versicherten zwischen 80 % und 100 % arbeitsfähig. Die mangelnde Konsistenz der n europsychologischen Befunde könne durch die mangelnde Anstrengungsfähigkeit und –berei tschaft erklärt werden. Die Gründe dafür seien vielfältig. Als mögliche Erklärung für die mangelnde Anstrengungsbereitschaft sei die sub- jektive, problematische Existenzperspektive angesichts der d rohenden Rentenkürzung zu nen- nen. Weitere invaliditätsfremde Faktoren wie Arbeitsmarktsituation, Motivation, Aggravation und das fortgeschrittene Alter könnten in diesem Zusammenh ang eine Rolle spielen. Der Gutachter verwies sodann auf sein Hauptgutachten, in welchem er hervorgehoben habe, dass beim Versi- cherten seit Jahren keine anhaltende und kognitive Störu ng mehr nachzuweisen gewesen sei, welche die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinflusse. Der Versicherte übe seit längerem eine 50%ige Bürotätigkeit aus. Der Arbeitgeber, der ihn über Jahre kenne, gehe sogar von einer weit höheren Arbeitsfähigkeit aus. So nähmen auch die Expert en der D.____ an, dass der Be- schwerdeführer seit Jahren mehr als zu 50 % arbeitsfähig sei. Bei einer Erhöhung des bisheri- gen Arbeitspensums seien in erster Linie demonstrative V erhaltensweisen zu erwarten, deren Spektrum nicht genau eingegrenzt werden könne. Erfahru ngsgemäss sei am ehesten mit einer Verdeutlichung der Beeinträchtigungen oder einer uns pezifischen psychischen Dekompensati- on im Sinne einer Anpassungsstörung zu rechnen. Medizinisc he Massnahmen könne er nicht empfehlen, nachdem nie in erkennbarer Weise eine konsequ ente Behandlung durchgeführt worden sei. Auf die Frage, ob eine wesentliche Verbesser ung des Gesundheitszustandes seit Rentenzusprache eingetreten sei, führte er aus, dass die in 1997 diagnostizierte bipolare Stö- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung und die ausgeprägte Persönlichkeitsveränderung im Z eitpunkt der Untersuchung im Feb- ruar 2010 remittiert sei. Die damaligen gesundheitlichen Störungen, welche Grundlage der Ren- tenverfügung gewesen seien, beständen somit nicht mehr . Es sei deshalb eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten. 5.1.1 In Würdigung der vorliegenden Arztberichte ist festzuste llen, dass sowohl die Gutach- ter der D.____ als auch der Experte der E.____ von ein er Verbesserung des Gesundheitszu- standes ausgehen. Es gibt keine begründeten, erheblichen Zweifel, von den Feststellungen dieser beiden Gutachterstellen abzuweichen. Die Gutacht en enthalten eine ausführliche Darle- gung und eingehende Würdigung der medizinischen Akten lage. Die Experten kamen überein- stimmend zum Schluss, dass die bipolare affektive Störung und die Persönlichkeitsverände- rung, welche im Jahr 1998 zur Rentenzusprache führten , inzwischen remittiert seien und die Arbeitsfähigkeit nicht mehr beeinflussten. Heute kann Prof. Dr. F.____ nur noch eine Dysthymie (differentialdiagnostisch: eine Angst- und depressive St örung gemischt) sowie einen Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren. Beide G utachterstellen begründen ihre Schlussfolgerungen zur Verbesserung des Gesundheitszusta ndes nachvollziehbar, indem sie darauf hinweisen, dass seit Jahren keine anhaltenden, w esentlichen psychischen oder kogniti- ven Störungen mehr hätten festgestellt werden können. So übe der Versicherte über Jahre eine 50%ige Arbeitstätigkeit aus, sei sozial integriert, leb e in einer guten Beziehung und könne teil- weise seiner Freizeitaktivität nachgehen. 5.1.2 Die Beurteilung von Dr. J.____ vermag die überzeu genden Ausführungen von Prof. Dr. F.____ und der Experten der D.____ nicht in Zweifel zu ziehen. Dr. J.____ attestierte eine deut- lich eingeschränkte psychische Belastbarkeit, die seit 1997 bestehe. Dabei übersieht er, dass die damalige diagnostizierte bipolare affektive Störu ng inzwischen remittiert ist und eine Per- sönlichkeitsveränderung nicht mehr festzustellen ist. Dazu kommt, dass eine psychiatrische Beurteilung der psychischen Einschränkungen des Versichert en nicht in sein Fachgebiet fällt, weshalb seiner Beurteilung diesbezüglich keine massgeben de Beweiskraft zugemessen wer- den kann. 5.1.3 Dem Einwand des Versicherten, dass es bei den Aus führungen von Prof. Dr. F.____ lediglich um eine Neueinschätzung eines im Wesentlichen gleichbleibenden gesundheitlichen Zustandes handle, kann nicht gefolgt werden. Der Versiche rte bringt zur Begründung vor, dass der Gutachter am Vorliegen der Mitte der 90er Jahre gestellten Diagnose einer bipolaren affek- tiven Störung zweifle und davon ausgehe, dass bereits damals lediglich eine Angststörung bzw. eine Dysthymie vorgelegen habe. Es trifft zu, dass der Gut achter in seinem Gutachten vom 21. Juni 2012 beschrieb, dass die im Januar/Februar 1995 aufgetretenen psychischen Beein- trächtigungen wohl eher eine Angststörung darstellten . Gleichzeitig wies er aber darauf hin, dass wenige Monate später im Zusammenhang mit der Kündigung für eine kurze Zeit eine reak- tive psychische Störung im Sinne einer Depression eingesetzt habe. Diese sei im Verlauf derart stark ausgeprägt gewesen, dass sie die Arbeitsfähigkeit de s Versicherten eingeschränkt habe. In der folgenden Zeit sei der psychische Gesundheitszustand schwankend gewesen. Seit län- gerem bestehe aber keine nachweisbare anhaltende psychi sche oder kognitive Störung mehr. Damit bringt Prof. Dr. F.____ zum Ausdruck, dass der Versicherte zu Beginn des Auftretens der Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychischen Störungen deutlich höher in seiner Arbeitsfä higkeit eingeschränkt war als heute. Von einem gleichbleibenden Gesundheitszustand kann desh alb nicht gesprochen werden. Ge- stützt auf die Beurteilungen der D.____ und der E.___ _ ist somit davon auszugehen, dass sich die gesundheitliche Situation des Versicherten seit der Rentenzusprache wesentlich verbesser- te, womit ein Revisionsgrund vorliegt. 5.2 Während die Diagnosen und die Beschreibung des Kr ankheitsverlaufes aufgrund der beiden Gutachten und der Ergänzungsgutachten der D.____ und der E.____ klar sind, bleibt die Frage des genauen Umfangs der Arbeitsfähigkeit in eine r Verweistätigkeit – auch nach Vorlie- gen des Gerichtsgutachtens der E.____ - offen. Der Gut achter der E.____ Prof. Dr. F.____ at- testierte dem Versicherten in seinem Gutachten vom 21. Juni 2012 eine mindestens 50%ige bis 80%ige Arbeitsfähigkeit in der derzeitigen Bürotätig keit. Eine höhere Arbeitsfähigkeit als 80 % sei aufgrund der kognitiven Leistungsfähigkeit, der mangelnden Anstrengungsfähigkeit bzw. des mangelnden Anstrengungswillen nicht möglich. In seinem präzisierenden Gutachten vom 30. Juni 2013 wies er darauf hin, dass sich der genaue Umfang der zumutbaren Arbeitsfähigkeit nicht bestimmen lasse. Gemäss den Ausführungen von Prof. Dr. F.____ liegt die Arbeitsfähig- keit des Versicherten somit zwischen 50 % – 80 %. Die Frage , ob bei einer Erhöhung der bishe- rigen Arbeitsfähigkeit von 50 % mit einer massgeblich en Verschlimmerung des Gesundheitszu- standes zu rechnen ist, beantwortete er nur vage; aussag ekräftige Prognosen konnte er jeden- falls nicht machen. Aufgrund dieser Ausführungen ist fe stzustellen, dass sich offenbar das Ausmass der Arbeitsfähigkeit nicht genau festlegen lässt und über die Auswirkungen einer Pensumsteigerung auf den psychischen Gesundheitszustand des Versicherten nur Vermutun- gen angestellt werden können. In Anbetracht der Tatsach e, dass zwei Gutachterstellen in die- ser Hinsicht zum gleichen Ergebnis gelangten, sind von weit eren Abklärungen keine neuen Er- kenntnisse zu erwarten. Es wird deshalb auf die Durchführ ung weiterer Sachverhaltsabklärun- gen verzichtet (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 5.3 Ausgehend von der Zumutbarkeitsbeurteilung von Pr of. Dr. F.____, mit welcher dieser die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer Bürotät igkeit zwischen 50 – 80 % festlegt, ist da- von auszugehen, dass der Versicherte ohne Zweifel ein 50%-Pensum als Büroangestellter aus- üben kann. Gemäss den Ausführungen des Gutachters ist es zwar möglich, dass der Versicher- te ein höheres Arbeitspensum bewältigen könnte. Da ab er bei einer Pensumsteigerung eine Dekompensation mit erheblichen Auswirkungen auf den Ge sundheitszustand des Versicherten im Raum steht, erscheint eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 50 % nicht als überwiegend wahr- scheinlich. Diese Schlussfolgerung entspricht auch der Beur teilung der Experten der D.____. Auch sie gehen von einer Arbeitsfähigkeit von mindesten s 50 % aus. Eine Steigerung auf 65 % erachteten sie zwar als zumutbar, wiesen aber auf die Ge fahr einer psychischen Dekompensa- tion hin. Da die blosse Möglichkeit eines bestimmten S achverhalts den Beweisanforderungen an den im sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit nicht genügt (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b), hat das Gericht auf eine Arbeitsfähigkeit von 50 % abzustellen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Ab s. 1 IVG ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wi rd das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen d urch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkom mensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 104 V 136). 6.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entsche idend, was die versicherte Per- son im Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad d er überwiegenden Wahrschein- lichkeit als gesunde tatsächlich verdient hätte und nicht w as sie bestenfalls verdienen könnte. Massgebend ist, was sie aufgrund ihrer beruflichen Fähig keiten und persönlichen Umstände sowie unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterent wicklung, soweit dafür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten gehabt hätte (AHI 1998 S. 171 E. 5a mit Hinwei- sen). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Dabei wird in der Re- gel am zuletzt erzielten, der Teuerung und der reale n Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müsse n mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322). 6.3.1 Vorliegend bezifferte die IV-Stelle das Valide neinkommen in ihrer Verfügung vom 2. Mai 2011 mit jährlich Fr. 80‘640.--. Sie stützte si ch dabei auf die Angaben der heutigen Ar- beitgeberin C.____, bei welcher er als Bürokraft tätig ist. Diesem Vorgehen kann nicht zuge- stimmt werden. Aus den Akten ergibt sich, dass der Versiche rte von 1976 bis 1995 bei der Fir- ma B.____, welche seinem damaligen Schwiegervater ge hörte, angestellt war. Aus der Arbeit- geberbescheinigung der B.____ vom 30. Juli 1997 geht hervor, dass dem Versicherten „wegen Umstrukturierung“ gekündigt wurde. Der Kündigungsgrun d „Umstrukturierung“ wird wohl nicht ganz zutreffend sein. Vielmehr ist gestützt auf die Akte n anzunehmen, dass die ehelichen Schwierigkeiten des Versicherten mit seiner damaligen F rau der wirkliche Grund für die Entlas- sung aus dem Betrieb seines Schwiegervaters gewesen wa ren. In jedem Fall steht fest, dass der Versicherte als gesunde Person nicht mehr in dieser Fi rma arbeiten würde. Wenn die versi- cherte Person im Gesundheitsfall nicht mehr bei der b isherigen Arbeitgeberin angestellt wäre, rechtfertigt es sich gemäss Rechtsprechung auf die Tabell enlöhne der Schweizerischen Lohn- strukturerhebung (LSE) abzustellen (vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 14. April 2010, 9C_130/2010, E. 3.3.1 mit Hinweisen). Da davon auszugeh en ist, dass der Versicherte ohne Erkrankung in seinem angestammten Beruf als gelernter Maschinenzeichner und in seiner letz- ten Funktion als technischer Leiter tätig wäre, ist au f das Valideneinkommen unter Beizug der Tabellenlöhne TA1 Nr. 28 (Maschinenbau) abzustellen. B eim massgebenden Anforderungsni- veau ist zu berücksichtigen, dass die angestammte Tätigkeit de s Versicherten sowohl dem An- forderungsniveau 1+2 (= Verrichtung höchst anspruchsvoll er und schwierigster Arbeiten bzw. die Ausübung selbstständiger und qualifizierter Arbeit en) als auch dem Anforderungsniveau 3 Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) entspricht. Es r echtfertigt sich daher, bei der Be- messung des Valideneinkommens vom Durchschnitt der Löhne d er Anforderungsniveaus 1+2 sowie 3 auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2010, 8C_667/2010, E. 4.1). 6.3.2 Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2010 belief sich für d ie im Anforderungsniveau 1+2 und 3 beschäftigten Männer der Durchschnittslohn des Sektors Maschinenbau Nr. 28 im Jahre 2010 auf Fr. 7‘186.--. Nach Umrechnung auf die betriebsüb liche wöchentliche Arbeitszeit von 41 Stunden und Anpassung an die Nominallohnentwicklung von 1,1 % (vgl. TA1.10 Nominal- + Reallohnindex 2011-2012) resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 89‘360.--. 6.4 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwer bstätigkeit aus, bei der - kumulativ - beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzune hmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der Arbeits- leistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint , gilt grundsätzlich der von ihr tat- sächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 126 V 75 E. 3b, 117 V 18 E. 2c/aa; RKUV 1991, Nr. U 130, S. 272 E. 4a; AHI-Praxis 1998, S. 179). Hat sie nach Eintritt des Gesundheits- schadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare n eue Erwerbstätigkeit aufgenom- men, so können statistische Werte, insbesondere Tabell enlöhne der LSE herangezogen wer- den (BGE 135 V 297 E. 5.2). Vorliegend stellte die IV-Stelle bei der Ermittlung des Invalidenein- kommens auf den tatsächlich erzielten Jahresverdienst des V ersicherten bei der jetzigen Ar- beitgeberin ab. Dieses beträgt bei einem Vollzeitpensu m Fr. 81‘528.-- im Jahr (vgl. Schreiben der C.____ vom 8. Juni 2010 + Teuerungsanpassung). Dieses Vorgehen erweist sich als richtig und wird vom Versicherten auch nicht beanstandet. Aller dings rechnete die IV-Stelle das tat- sächlich erwirtschaftete Einkommen auf eine zumutbare Resta rbeitsfähigkeit von 65 % hoch. Da hier von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen ist, beträgt das massgebende Invali- deneinkommen Fr. 40‘764.-- (Fr. 81‘528.-- : 2). 6.5 Wenn nun dieses Invalideneinkommen von Fr. 40‘764 .-- dem Valideneinkommen von Fr. 89‘360.-- gegenübergestellt wird, ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 54 % und somit ein An- spruch auf eine halbe Invalidenrente. 7.1 Eine Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG setzt auch im Revisionsfall (Art. 17 ATSG) voraus, dass angezeigte Eingliederungsmassnahmen d urchgeführt wurden. In der Re- gel zieht der anspruchserhebliche Zugewinn an Leistungsfähigkeit kaum zusätzlichen Eingliede- rungsbedarf nach sich (SVR 2011 IV Nr. 30 S. 86, 9C_16 3/2009 E. 4.1 und 4.2.2; SZS 2011 S. 71, 9C_768/2009 E. 4.1, je mit zahlreichen Hinwe isen). Hingegen ist der Ausnahmetatbe- stand der Notwendigkeit (vorgängiger) befähigender be ruflicher Massnahmen als erfüllt zu be- trachten, wenn die Herabsetzung oder Aufhebung der In validenrente eine versicherte Person betrifft, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die R ente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (SVR 2011 IV Nr. 73 S. 220, 9C_228/2010 E. 3.3-3.5; Urteil des Bundesgerichts vom 4. No- vember 2013, 9C_128/2013, E. 4.1). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Die Übernahme dieser beiden Abgrenzungskriterien b edeutet nun allerdings nicht, dass die darunter fallenden Rentner/innen in dem revi sions- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) bzw. gege- benenfalls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 A TSG) Kontext einen Besitzstandsan- spruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass - von Ausnahmen abgesehen - aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die Selbst- eingliederung nicht mehr zumutbar ist (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.5). 7.3 Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt der vorliegen d strittigen Rentenherabsetzung rund 60 Jahre alt. Sein Anspruch auf eine ganze Inval idenrente bestand zwar während 16 Jah- ren; den Status als IV-Rentner erhielt er erst mit der erstmaligen Rentenzusprache, d.h. mit Ver- fügungserlass vom 6. Februar 1998. Damit liegt noch ke in langjähriger Rentenbezug im Sinne der genannten Rechtsprechung vor (vgl. SZS 2011 S. 71 , 9C_768/2009 E. 4.1.2). Trotz des fortgeschrittenen Alters des Versicherten und trotz der medizinisch ausgewiesenen, gesundheit- lichen Einschränkungen ergriff die IV-Stelle vorliegen d keinerlei beruflichen Abklärungsmass- nahmen und/oder Eingliederungsversuche. Daraus kann der Versicherte nun allerdings nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die IV-Stelle hält dazu in ihrer Vernehmlassung vom 22. Juli 2011 fest, es seien vorliegend keine Eingliederungsmassnahmen d urchgeführt worden, weil der Be- schwerdeführer trotz Erreichen der Altersgrenze von über 55 Jahren seine verbleibende Rest- arbeitsfähigkeit bereits verwerte. Diese Ausführunge n erweisen sich als zutreffend, weshalb darauf verwiesen wird. Somit ist es aber nicht zu beanst anden, dass die IV-Stelle von der Pla- nung und Durchführung allfälliger beruflicher Eingliederungsmassnahmen absah. 7.4 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die IV-Stelle zu U nrecht die laufende ganze Inva- lidenrente per 30. Juni 2011 aufhob. Die angefochte ne Verfügung vom 2. Mai 2011 ist deshalb aufzuheben und es ist festzustellen, dass der Versicherte a b 1. Juli 2011 Anspruch auf eine unbefristete halbe Invalidenrente hat. Die Beschwerde wird in diesem Sinne teilweise gutge- heissen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt, gegen über der Vorinstanz bzw. den kanto- nalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erho ben (vgl. § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO). Da vorliegend die Vorinstanz unterlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskos- ten zu verzichten. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird dem Be- schwerdeführer zurückerstattet. 8.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschied, si nd in den Fällen, in denen zur Durch- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht führung der vom Gericht als notwendig erachteten Bewe ismassnahme an sich eine Rückwei- sung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf di e Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4. 4.2). Vorliegend gelangte das Kan- tonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 3. November 2011 zum Ergebnis, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Aus Gründen der Verfahrensfairness erachtete das K antonsgericht eine Rückweisung der Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle als nicht opportun, sondern es entschied sich stattdessen, die erforderliche zusätzliche Abklärung d es medizinischen Sachverhaltes im Rahmen eines Gerichtsgutachtens vornehmen zu lassen. Wie sich anlässlich der heutigen Ur- teilsberatung zeigte, war das in der Folge eingeholte Gerichtsgutachten der E.____ vom 21. Juni 2012 im Hinblick auf eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs des Versi- cherten unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesg erichtlichen Rechtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachtens, welche sich gemäss eing ereichter Honorarrechnung auf Fr. 14‘120.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Rechtsvertreter des Versicher ten wies in seiner Honorarnote vom 21. Oktober 2013 einen Stundenaufwand von insgesamt 2 0 Stunden und 50 Minuten sowie Auslagen von Fr. 89.-- aus, was sich umfangmässig in Anbet racht der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bem ühungen sind zu dem in Sozialversi- cherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Dem Beschwer deführer ist deshalb eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 5‘721.15 (20 Stunde n und 50 Minuten à Fr. 250.- + Ausla- gen von Fr. 89.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver- fügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 2. Mai 2011 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juli 2011 Anspruch auf eine unbefristete halbe Invalidenrente hat; im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung durch die E.____ in Höhe von Fr. 14‘120.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 5‘721.15 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht