JAAC67.47 Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 9. Oktober 2002 [ZRK 2002-065] Redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations (RPLP). Décision relative à la fourniture de sûretés en cas de mise en péril des redevances et changement de détenteur. Obligation de motiver. Droit d’être entendu. Art. 5 LRPL. Art. 36 et art. 48 ORPL. - Dans une décision relative à la fourniture de sûretés l’administration doit motiver de manière au moins sommaire les raisons pour lesquelles elle exige des sûretés. Si la motivation ressort de la réponse à un recours et que le recourant se voit offrir la possibilité, dans le cadre du deuxième échange d’écritures, de se prononcer de manière complète au sujet des motifs de l’administration, une éventuelle violation du droit d’être entendu peut ainsi être considérée comme réparée (consid. 1b). - Essence et conditions nécessaires pour rendre une décision relative à la fourniture de sûretés. Il est loisible à l’autorité d’exiger une garantie même pour des redevances futures lorsqu’il est vraisemblable que celles-ci vont être exigibles (consid. 2c). - Si un détenteur actuel met en péril les redevances, l’administration ne peut, en cas de changement de détenteur, exiger des sûretés de la part du nouveau détenteur que si ce dernier peut lui-même être rendu responsable du comportement qui met en péril les redevances dont le paiement paraît compromis aux yeux de l’administration. Des exceptions sont possibles lorsque l’ancien détenteur, dont le comportement avait en son temps mis en péril les redevances, remplit par exemple la fonction d’unique membre du conseil d’administration du nouveau détenteur et que, par son comportement passé, il représente un réel danger pour des redevances futures (consid. 3 et 4b). 1Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Sicherstellungsverfügung bei Gefährdung der Abgabe und Halterwechsel. Begründungspflicht. Anspruch auf rechtliches Gehör. Art. 5 SVAG. Art. 36 und Art. 48 SVAV . - In der Sicherstellungsverfügung hat die Verwaltung mit einer zumindest minimalen Begründung darzulegen, weshalb sie Sicherheiten verlangt. Geht die Begründung aus der Vernehmlassung zu einer Beschwerde hervor und wird der Beschwerdeführerin im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels Gelegenheit geboten, zu diesen Beweggründen der Verwaltung umfassend Stellung zu nehmen, kann damit eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten (E. 1b). - Wesen und Voraussetzung für den Erlass einer Sicherstellungsverfügung. Es ist zulässig, dass die Verwaltung auch für künftige Abgaben eine Sicherheit verlangt, wenn diese wahrscheinlich anfallen (E. 2c). - Erfüllt ein bisheriger Halter den Gefährdungstatbestand, so darf die Verwaltung bei einem Halterwechsel eine Sicherstellungsverfügung gegen den neuen Halter nur dann erlassen, wenn dieser selbst für das Gefährdungsverhalten verantwortlich gemacht werden kann mit Bezug auf die Abgaben, deren Bezahlung die Verwaltung als gefährdet erachtet. Ausnahmen sind denkbar, wenn der für das seinerzeitige Gefährdungsverhalten verantwortliche alte Halter zum Beispiel als einziges Mitglied des Verwaltungsrates des neuen Halters amtet und durch sein vergangenes Verhalten eine wirkliche Gefahr für künftige Abgaben darstellt (E. 3 und 4b). Tassa sul traffico pesante commisurata alle prestazioni (TTPCP). Decisione relativa alla prestazione di garanzie in caso di pericolo per la riscossione della tassa e di cambiamento del detentore. Obbligo di motivazione. Diritto di essere sentito. Art. 5 LTTP . Art. 36 e art. 48 OTTP . - Nella decisione relativa alla prestazione di garanzie, l’amministrazione deve spiegare almeno con una minima motivazione perché richiede le garanzie. Se la motivazione risulta dalle osservazioni relative a un ricorso e se alla ricorrente, durante il secondo scambio di scritti, viene data la possibilità di esprimersi sui motivi indicati dall’amministrazione, un’eventuale violazione del diritto di essere sentito può essere considerata riparata (consid. 1b). - Aspetti essenziali e condizioni per il rilascio di una decisione relativa alla prestazione di garanzie. È ammissibile che l’amministrazione richieda una garanzia anche per tasse future, se è probabile che queste saranno esigibili (consid. 2c). - Se l’attuale detentore mette in pericolo la possibilità di riscossione delle tasse, in caso di cambiamento del detentore l’amministrazione può emanare una decisione relativa alla prestazione di garanzie 2nei confronti del nuovo detentore, a condizione che quest’ultimo possa essere ritenuto responsabile della messa in pericolo della riscossione delle tasse che l’amministrazione ritiene possano non essere pagate. Sono comunque possibili eccezioni, se ad es. il precedente detentore, a suo tempo responsabile della messa in pericolo della riscossione delle tasse, agisce quale amministratore unico del consiglio d’amministrazione del nuovo detentore e attraverso il suo precedente comportamento rappresenta un reale pericolo per le tasse future (consid. 3 e 4b). ZusammenfassungdesSachverhalts: A. DieXAGbezwecktgemässHandelsregistereintragdieVermittlung vonVerträgenüberFinanzierungenundVersicherungensowiedie DurchführungundErbringungweitererdamitzusammenhängender Kanzlei-Dienstleistungen,insbesonderediewirtschaftlicheBeratungund diedamitzusammenhängendeZurverfügungstellungvonInfrastrukturenund Logistik,dieVerwaltungvoneigenemundfremdemVermögenallerArt,sie kannsichananderenUnternehmengleicheroderähnlicherArtbeteiligen. B. DiefürdasFahrzeugLUXXXXXXindenAbgabeperiodenJanuar2001bis Februar2001inRechnunggestellteSchwerverkehrsabgabeimGesamtbetrag vonFr.24’917.80bezahltederdamaligeHalterAtrotzMahnungoffenbarim UmfangevonFr.8’228.10nicht. MitDatumvom13.März2002vermerktedasStrassenverkehrsamtdes KantonsLuzerndenHalterwechseldesFahrzeugsLUXXXXXXvonAandieX AGvor. C. Am27.März2002verfügtedieOberzolldirektion(OZD)gegenüberderXAG wasfolgt: «1. Siewerdenaufgefordert,biszum25.April2002denBetragvonFr.12’000.- beiderOZD[…]alsSicherheitzuhinterlegen. 2. DieSicherheitistineinerderdreifolgendenFormenzuleisten: a)Generalbürgschaft,durchBankenoderVersicherungsgesellschaften mitSitzinderSchweiz,dieunterAufsichtderEidg. Bankenkommission stehenbzw. imVerzeichnisderunterBundesaufsichtstehendenprivaten Versicherungseinrichtungenaufgeführtsind,aufbeiliegendemFormular 22.10ausgestellt. SolcheBürgschaftensindvomverbürgendenInstitutdirekt andieOZD[…]zusenden. FürdieAnnahmederBürgschaftwirdvonder ZollverwaltungeineGebührerhoben. b)HinterlagenvonWertpapieren(=guteschweiz. Anleihenoder Kassenobligationen,aufdenInhaberlautend),ineinemzugunstender Zollverwaltunggesperrten,gebührenpflichtigenKautionsdepot,bei derSchweizerischenNationalbankinBern. SofernSiedieseArtvon SicherheitsleistunginBetrachtziehen,habenSiesichzuerstmitderSektion FIREderOZD[…]inVerbindungzusetzen,welcheüberdieAnnahmevon Wertpapierenentscheidet. c)Bardepot(zinslos),durchEinzahlungaufdas 3-PostkontoderOZD[…]oder -dasentsprechendeKontoderSchweizerischenNationalbankinBern,oder -mittelsBankscheckandieOZD[…] 3. EinerallfälligenBeschwerdewirddieaufschiebendeWirkungentzogen. 4. VerstreichtdieFristungenutzt,wirddieOZDdenArrestvollzugdurchdas Betreibungsamteinleiten.» D. MitEingabevom6.Mai2002bzw. Verbesserungvom24.Mai2002führt dieXAG(Beschwerdeführerin)gegendieVerfügungderOZDvom27.März 2002BeschwerdeandieEidgenössischeZollrekurskommission(ZRK),mit demBegehren,dieangefochteneVerfügungbetreffendSicherheitsleistung seiaufzuheben;dervorliegendenBeschwerdeseiaufschiebendeWirkungzu erteilen. InderVernehmlassungvom25.Juni2002schliesstdieOZDauf kostenpflichtigeAbweisungderBeschwerde. E. MitSchreibenvom10.Juli2002räumtedieZRKderBeschwerdeführerin dieMöglichkeitein,derRekurskommissioneineReplikeinzureichen. Die ZRKordnetediesenzweitenSchriftenwechselmitderBegründungan, dieVerwaltungführeinderVernehmlassungzahlreicheneueArgumente an,dieinderangefochtenenSicherstellungsverfügungfehlten. Der BeschwerdeführerinseideshalbGelegenheitzurStellungnahmezugeben. MitReplikvom19.August2002bzw. Duplikvom28.August2002nahmen dieVerfahrensbeteiligtenaufforderungsgemässStellungundhieltenanihren Standpunktenfest. AusdenErwägungen: 1. EntscheidederOZDbetreffenddenVollzugderBestimmungenüberdie leistungsabhängigeSchwerverkehrsabgabeunterliegengemässArt.23Abs.3 desBundesgesetzesübereineleistungsabhängigeSchwerverkehrsabgabe vom19.Dezember1997(Schwerverkehrsabgabegesetz[SVAG],SR 641.81)inVerbindungmitArt.71aAbs.1desBundesgesetzesüberdas Verwaltungsverfahrenvom20.Dezember1968[VwVG],SR172.021)der BeschwerdeandieZRK.(…) b. DieBeschwerdeführerinhältdafür,dieOZDverletzemitderangefochtenen SicherstellungsverfügungdieBegründungspflichtunddamitsinngemässihr rechtlichesGehör. DieVerwaltunghabenichteinmaldargelegt,geschweige dennglaubhaftgemachtoderbewiesen,dassimvorliegendenFalldie VoraussetzungenfüreineSicherstellungimSinnevonArt.48derVerordnung vom6.März2000übereineleistungsabhängigeSchwerverkehrsabgabe (Schwerverkehrsabgabeverordnung[SVAV],SR641.811)erfülltwären. DieBegründungspflichtumfasseinsbesondereauchdieOffenlegungder Entscheidungsgründe. DieVerwaltunghabeabermitkeinemWortdargetan, inwieferndieVoraussetzungenfürdieLeistungeinerSicherheitgegebenseien. VerfügungenmitmangelhaftenBegründungenseiengemässArt.35Abs.1 VwVGaufzuheben. GemässArt.48Abs.2SVAVhatdieSicherstellungsverfügungauchden RechtsgrundderSicherstellungzuenthalten. Esreichtdabeinichtaus,einzig denSicherstellungsgrundanzugeben. VielmehrhatdieZollverwaltungin 4tatsächlicherundrechtlicherHinsichtdarzulegen,weshalbsieSicherheiten verlangt(vgl. UrsKehrli,SicherstellungsverfügungundArrestbefehl, veröffentlichtinArchivfürSchweizerischesAbgaberecht[ASA]55251, Ziff.242). DieseForderungnacheinerzumindestminimalenBegründungvon SicherstellungsverfügungenistauchimBereichderSchwerverkehrsabgabe gerechtfertigt,zumalschriftlicheVerfügungenimVerwaltungsverfahren gemässArt.35Abs.1VwVGgrundsätzlichzubegründensind. Deshalbmüssen dieUmstände,welchedieVerwaltungzueinerSicherstellungsverfügung bewegen,zusätzlichzuranwendbarenNormaufgeführtwerden. Der AbgabenpflichtigemusssichüberdieTragweitederVerfügungRechenschaft gebenundsieinvollerKenntnisderSachlageweiterziehenkönnen. Die sachgerechteÜberprüfungeinerVerfügungsetztvoraus,dasssichauch dieBeschwerdeinstanzüberdieBegründetheiteinBildmachenkann. In diesemSinnemüssenwenigstenskurzdieÜberlegungengenanntwerden, vondenensichdieVerwaltungleitenliessundaufwelchesichihrEntscheid stützt. DabeikannsichdieBegründungaufdiewesentlichenGesichtspunkte beschränken(BGE122IV14 E.2c, BGE119Ia269 ). DassdasHandelnder ZollverwaltungfürdenBetroffenenundauchallenfallsfüreineangerufene Rechtsmittelinstanznachvollziehbarseinsoll,rechtfertigtsichumsomehr,als BeschwerdenimZusammenhangmitSicherstellungsverfügungenaufgrund ihrergegebenenfallseinschneidendenFolgen(VollzugalsArrestbefehl, fehlendeaufschiebendeWirkung)nachMöglichkeitbeförderlichzubehandeln sindunddeshalbdaraufgeachtetwerdensollte,dassnichteinzweiter SchriftenwechselinfolgestarkdivergierenderBegründungsdichtezwischen SicherstellungsverfügungundVernehmlassungdurchgeführtwerdenmuss (siehezumGanzen: EntscheidderEidgenössischenSteuerrekurskommission [SRK]vom19.August1998,veröffentlichtin VPB63.30 S.287f.,mitHinweis; vgl. auchAndréMoser,inMoser/Uebersax,Prozessierenvoreidgenössischen Rekurskommissionen,BaselundFrankfurtamMain1998,S.103f. Rz.3.33ff.). Incasu führtedieOZDinderBegründungderSicherstellungsverfügungeinzig dieangewendeteNorm(Art.48SVAV)auf. NachdemhievorErwähntenist dieangefochteneVerfügungalsnurungenügendbegründetzubezeichnen. Fernergehtausihrauchnichthervor,fürwelchesFahrzeugundfür welcheAbgabeperiodedieVerwaltungüberhauptSicherheitverlangt. Die Umstände,welchedieOZDzumErlassderSicherstellungsverfügungbewegt haben,warendannerstderVernehmlassungzuentnehmen. Dortstelltdie Verwaltungklar,fürwelcheAbgabeperiodenundfürwelchesFahrzeugvon derBeschwerdeführerinSicherheitzuleistenist. DerBeschwerdeführerin wurdeimRahmendeszweitenSchriftenwechselsGelegenheitgeboten,zu diesenBeweggründenderVerwaltungumfassendStellungzunehmen. Eine allfälligeVerletzungdesrechtlichenGehörskanndamitalsgeheiltgelten (vgl. BGEvom12.März1998,veröffentlichtinASA67727,E.3c;sieheauch EntscheidderSRKvom19.August1998,veröffentlichtin VPB63.30 E.5bS.288 mitHinweis). 2.a. GemässArt.85Abs.1derBundesverfassungderSchweizerischen Eidgenossenschaftvom18.April1999(BV,SR101)kannderBundaufdem Schwerverkehreineleistungs-oderverbrauchsabhängigeAbgabeerheben, soweitdieseVerkehrsartderAllgemeinheitKostenverursacht,dienicht durchandereLeistungenoderAbgabengedecktsind. Dieleistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe(LSVA)wirdseitdem1.Januar2001aufdenimIn-und 5Auslandimmatrikulierten(in-undausländischen)schwerenMotorfahrzeugen undAnhängernfürdenGüter-oderdenPersonentransporterhoben(Art.3 SVAG).AbgabenpflichtigistderHalter,beiausländischenFahrzeugen zusätzlichderFahrzeugführer(Art.5Abs.1SVAG).DerBundesratregelt denVollzugderSchwerverkehrsabgabe(Art.10Abs.1SVAG).Erkann Vorauszahlungen,Sicherheitsleistungen,Sicherungsmassnahmenund vereinfachteVerfahrenvorsehen. DieBestimmungenvonArt.123und Art.124desZollgesetzesvom1.Oktober1925(ZG,SR631.0)betreffend Sicherungsmassnahmensindsinngemässanwendbar(Art.14Abs.1und 2SVAG). b. VonseinerKompetenzGebrauchmachendhatderBundesratverordnet, dassdieVollzugsbehördenAbgaben,ZinsenundKosten,auchsolche,die wederrechtskräftigfestgesetztnochfälligsind,sicherstellenlassenkönnen, wennderenBezahlungalsgefährdeterscheintoderdieabgabenpflichtige PersonmitderZahlungderAbgabeinVerzugist(Art.48Abs.1SVAV).Die BeschwerdegegenSicherstellungsverfügungenrichtetsichnachArt.23SVAG. SiehatkeineaufschiebendeWirkung(Art.48Abs.3SVAV). c. DieSicherstellungsverfügungbestehtineinerbehördlichenMassnahme mitdemZweck,demGemeinwesenSicherheitfüreinenabgaberechtlichen Anspruchzuverschaffen,dessenVerwirklichungausbestimmtenäusseren Gründenalsgefährdeterscheint. DergefährdeteAnspruchbrauchtweder fällignochrechtskräftigzusein,dochmusssichdessenBegründetheit immerhinalswahrscheinlicherweisenunddarfsichderBetragnicht alsübertriebenherausstellen. BeiderPrüfung,obdasBesteheneiner sicherzustellendenForderungwahrscheinlichist,brauchtdieBegründetheit nichtmateriellgeprüftzuwerden;eine primafacie-Prüfungreichtaus. DurchdieSicherstellungsverfügungsolldafürgesorgtwerden,dassder AbgabeanspruchbeiEintrittderFälligkeitbzw. nachVorliegeneines rechtskräftigenEntscheidstatsächlichrealisiertwerdenkann(Entscheid derSRKvom12.Oktober1998,veröffentlichtin VPB63.29 E.2bS.269). EsmusseineGefährdungderAbgabeforderungbestehen. Einesolche Gefährdungbrauchtallerdingsnichtineinemnachaussensichtbaren VerhaltendesAbgabepflichtigenzuliegen. BereitseineobjektiveGefährdung- ohnedassdemAbgabepflichtigeneineentsprechendeAbsichtnachgewiesen wird-kanneineSicherstellungsverfügungrechtfertigen. Dagegenreichteine GefährdungausschliesslichzufolgeschlechterwirtschaftlicherVerhältnisse desSchuldnersnichtaus. Notwendigsindvielmehrbestimmtegefährdende Handlungen,derenEffektdemStaatswesendaszurDeckungseinerAnsprüche nötigeVermögenentzieht(vgl. KurtAmonn,SicherungundVollstreckung vonSteuerforderungen,in: BeiträgezumSchKG,Banken-undSteuerrecht, Festschrift,Bern1997,S.251f.,mitHinweis; ErnstBlumenstein/Peter Locher,SystemdesSteuerrechts,6. Aufl.,Zürich2002,S.332f.). Eineweite AuslegungdesGefährdungstatbestandesentsprichtgrundsätzlichder NaturderSchwerverkehrsabgabe. DenndiesebasiertaufdemPrinzipder Selbstdeklaration(Art.11Abs.1SVAG;Art.22f. SVAV): Art.48SVAVstellteinesogenannte«Kann-Vorschrift»dar. DerVerwaltung kommtalsobeiderenHandhabungeinrelativweiterErmessensspielraum imSinneeinesEntschliessungsermessenszu(vgl. UlrichHäfelin/Georg Müller,GrundrissdesallgemeinenVerwaltungsrechts,3. Aufl.,Zürich 61998,S.85f. Rz.348). AllerdingsmussdiegegeneinenAbgabepflichtigen erlasseneSicherstellungsverfügungauchverhältnismässigsein. DieBehörde sollsichkeinesstrengerenZwangsmittelsbedienen,alsesdieUmstände verlangen(vgl. BGE124I44 f. E.3e; BGE123I121 E.4e; AlfredKölz/Isabelle Häner,VerwaltungsverfahrenundVerwaltungsrechtspflegedesBundes, 2. Aufl.,Zürich1998,S.140Rz.391). DiesgiltvorabeinmalfürdieHöhe derverlangtenSicherheit. Sicherstellungsverfügungenmüsseninjedem FallihrenprovisorischenCharakterbehaltenunddenvoraussichtlich geschuldetenAbgabenRechnungtragen(EntscheidderZRKvom13.Februar 2001,veröffentlichtinASA70610,E.2a). UnterdengenanntenVoraussetzungenistesgrundsätzlichzulässig,auch künftigeAbgabensicherzustellen,wennsiesehrwahrscheinlichanfallen (vgl. EntscheidderSRKvom12.Oktober1998,veröffentlichtin VPB63.29 E.2bS.269f. ,sowievom11.Januar1999,veröffentlichtin VPB63.77 E.3a/cc S.727). 3. Art.5Abs.1SVAGbezeichnetmitBezugaufinländischeFahrzeugeden Halterabschliessendalsabgabepflichtig. DerBundesratkannweitere Personenalssolidarischhaftbarerklären(Art.5Abs.2SVAG).Sosind nebendemHalterfürdieAbgabesolidarischhaftbar: a)derHaltereines ZugfahrzeugesfüreinenmitgeführtenfremdenAnhänger;b)derHaltereines Anhängers,wennderHalterdesZugfahrzeugeszahlungsunfähigist;c)die TeilhabereinereinfachenGesellschaft,Kollektiv-oderKommanditgesellschaft imRahmenihrerzivilrechtlichenHaftbarkeit;d)fürdieAbgabeeiner aufgelöstenodersichimKonkurs-oderNachlassverfahrenbefindenden juristischenPersonoderGesellschaftohneRechtspersönlichkeit: diemitder LiquidationbetrautenPersonenbiszumBetragdesLiquidationsergebnisses;e) fürdieAbgabeeinerjuristischenPerson,dieihrenSitzohneLiquidationins Auslandverlegt: dieOrganepersönlichbiszumBetragdesreinenVermögens derjuristischenPerson(Art.36Abs.1SVAV).AuchdieseAufzählungder fürdieSchwerverkehrsabgabemithaftendenPersonenistabschliessend. EineSteuernachfolgeetwaimSinneandererAbgabegesetzedesBundes siehtdieGesetzgebungüberdieSchwerverkehrsabgabenichtvor(vgl. Art.30desBundesgesetzesüberdieMehrwertsteuervom2.September1999 [MWSTG],SR641.20;Art.12desBundesgesetzesüberdiedirekteBundessteuer vom14.Dezember1990[DBG],SR642.11;Art.7desBundesgesetzes überdieTabakbesteuerungvom21.März1969,SR641.31;Art.10des Automobilsteuergesetzesvom21.Juni1996[AStG],SR641.51;Art.10des Mineralölsteuergesetzesvom21.Juni1996[MinöStG],SR641.61). Unter diesenUmständenistaufgrunddesstrengenGesetzmässigkeitsprinzips imBereichdesAbgaberechtsmitBezugaufdieAbgabepflichtigen(vgl. Blumenstein/Locher,a.a.O.,S.14)derKreisjenerPersonen,vondenen Sicherheitsleistungverlangtwerdendarf,aufdievomGesetzvorgesehenen HalterunddieMithaftendenzubeschränken. ErfüllteinHalterdenGefährdungstatbestandimSinnevonArt.48Abs.1 Bst.aSVAV,darfdieVerwaltungfolglichnacherfolgtemHalterwechsel grundsätzlichnichtbeimneuenHalterfürnachdemWechselzuerwartende AbgabenSicherheitverlangen,wennessichbeidiesemnichtumeinen MithaftendenimhievorbeschriebenenSinnfürdieAbgabenvordem Halterwechselhandelt. EineSicherstellungsverfügunggegendenneuen Halterwärevielmehrnurdanngerechtfertigt,wenndieserselbstfürdas 7GefährdungsverhaltenverantwortlichgemachtwerdenkönntemitBezugauf dieAbgaben,derenBezahlungdieVerwaltungalsgefährdeterachtet. Eskann ohneentsprechendegesetzlicheGrundlagenichtangehen,dassdemvomalten HalterverschiedenenneuenHalterdasgefährdendeVerhaltendesVorgängers angerechnetwird. AusnahmenvondiesenGrundsätzensinddenkbar,wennderfürdas seinerzeitigeGefährdungsverhaltenverantwortlichealteHalterbeispielsweise alseinzigesMitglieddesVerwaltungsratesdesneuenHaltersamtetund durchseinvergangenesVerhalteneinewirklicheGefahrfürkünftige Abgabendarstellt. InsofernistdasfrühereVerhalteneinesnunmehrin verantwortlicherStellungtätigenOrgansmitzuberücksichtigen(siehe EntscheidderSRKvom12.Oktober1998,veröffentlichtin VPB63.29 E.3a/aa, 3bundcS.270ff.). 4.a. ImvorliegendenFallhatdenaltenHalter,A,wederdie InrechnungstellungnochdieMahnungdurchdieOZDbewogen,die SchwerverkehrsabgabefürdiePeriodenJanuar2001bisFebruar2002 inGesamthöhevonFr.24’917.80vollumfänglichzubezahlen. Die VerwaltungbeziffertdenfürdiesePeriodennochgeschuldetenBetragnicht ausdrücklich,begnügtsichinderVernehmlassungdaraufzuerwähnen, einTeildiesesBetragesseierfolglosgemahntworden. ImAntragandas StrassenverkehrsamtdesKantonLuzernaufEntzugdesKontrollschildesdes FahrzeugesLUXXXXXXbeziffertedieVerwaltungdieoffenenRechnungen fürdieleistungsabhängigeSchwerverkehrsabgabeschliesslichmit Fr.8’228.10. DerbeantragteEntzugderKontrollschilderkonnteaufgrund desHalterwechselsvom13.März2002vonAandieBeschwerdeführerinnicht realisiertwerden. DieseUmständeveranlasstendieOZD,künftigeAbgabenfür dasnämlicheFahrzeuginHöhevonFr.12’000.-beiderBeschwerdeführerin sicherzustellen. DieVerwaltungführtaus,fürsieseizwischendemalten unddemneuenFahrzeughaltereindirekterZusammenhanggegeben,was sichdarinzeige,dassdieBeschwerdeführerindieselbenKontrollschilder benutzewiederalteHalter. Somitseigerechtfertigt,dieAbgabebeider Beschwerdeführerinsicherzustellen. DieOZDgibtan,nachMassgabedes DurchschnittsderdurchdenaltenHalterindenvergangenenMonaten geschuldetenSchwerverkehrsabgabe(Fr.1’840.-)SicherheitinHöhevon sechszuerwartendenMonatsrechnungenverlangtzuhaben. b. DieOZDstützteihreSicherstellungsverfügunggegendie BeschwerdeführerinaufdendurchdasVerhaltendesaltenHaltersangeblich erfülltenGefährdungstatbestandvonArt.48Abs.1Bst.aSVAV.DenNachweis dafür,dassfürdiesesGefährdungsverhaltendieBeschwerdeführerin zumindestmitverantwortlichgemachtwerdenkonnte,bleibtdieVorinstanz jedochschuldig. EinzigesVerwaltungsratsmitgliedderBeschwerdeführerinist B.AusdenAktenergebensichkeinerleiAnhaltspunkte,welchedieVermutung nahelegen,dassBmitverantwortlichwardafür,dassderalteHaltertrotz MahnungundangedrohtemKontrollschildentzugseinenZahlungspflichten nichtnachkam. UnterdiesemBlickwinkelkannnichtgesagtwerden,esseivon derBeschwerdeführerinbzw. vonBeineobjektiveGefährdungvonkünftigen andieGesellschaftgerichtetenAbgabeforderungenauszugehen. DieOZD warnichtzurAnnahmeberechtigt,dassaufgrunddesVerhaltensdesalten HaltersdieBeschwerdeführerininZukunftihrenPflichtennichtnachkommen wird. FernerwarderalteHalter,A,wederMitglieddesVerwaltungsrates 8derBeschwerdeführerinnochfürdiesezeichnungsberechtigt. Somitkann auchnichtgesagtwerden,dieserhabeaufgrundseinesVerhaltensin derVergangenheiteineGefahrfürkünftigeAbgabeforderungenandie Beschwerdeführerinbedeutet. SchliesslichfieldieBeschwerdeführerin auchnichtindenKreisderMithaftendenfürdienichtbezahltenAbgaben desaltenHalters. UnterdiesenUmständenkonntederBeschwerdeführerin dasgesetzwidrigeVerhaltendesaltenHaltersnichtzurLastgelegtwerden, undeskonntedarausauchnichtaufeinvoraussichtlichesgesetzwidriges VerhalteninihrerEigenschaftalsAbgabenpflichtigegeschlossenwerden. Die SicherstellungsverfügunggegendieBeschwerdeführerin erweistsichdemnach alsungerechtfertigt. c. AndiesemErgebnisändertdieVermutungderVerwaltung,deralte HalterhabemittelsHalterwechseldenKontrollschildentzugzuumgehen versucht,nichts. ZunächstkannauchhiereineunzulässigeUmgehungsabsicht desaltenHaltersnichtderBeschwerdeführerinangelastetwerden. Dass dieBeschwerdeführerineinerallfälligenUmgehungGehilfenschaft geleistethätte,behauptetdieOZDjedenfallsnicht. Hiefürsindden AktenauchkeinerleiAnhaltspunktezuentnehmen. Selbstwennder BeschwerdeführerineineGehilfenschaftandenaltenHalterzur«Umgehung desKontrollschildentzuges»anzulastenwäre,rechtfertigtediesnochnichtdie Annahme,siegefährdedamitden«Bezugdereigenen,künftigenAbgaben». IhremVerhaltenwäreallenfallsmitdenentsprechendenverwaltungs-und strafrechtlichenMassnahmenzubegegnen. FüreineSicherstellungsverfügung bleibtabermangelsgesetzlicherGrundlagekeinRaum. AusdengleichenÜberlegungenistunmassgeblich,dassdie BeschwerdeführerinimKantonNidwaldendomiziliert,imAusweisdes fraglichenFahrzeugesaberweiterhinderStandortdesaltenHaltersim KantonLuzernvermerktist. EbensowenigkannentgegenderAuffassung derVerwaltungausdemUmstand,dassB«anderselbenAdresseansässigist wieA»geschlossenwerden,dieBeschwerdeführerinbzw. Bgefährdedadurch künftigeansiegerichteteAbgabeforderungen. SchliesslichbringtdieOZDinihrerDuplikvom28.August2002ohne entsprechendenNachweisvor,dieersteAbgaberechnungandie Beschwerdeführerinseiam12.Juli2002zurZahlungfälliggewesen,bisheute abernichtbeglichenworden. Sieschliesstdaraus,dieBezahlungderAbgabe seinichtnurgefährdet,sondernmittlerweileseidieBeschwerdeführerinmit derBezahlungauchinVerzug,weshalbebenfallsdieVoraussetzungenvon Art.48Abs.1Bst.bSVAVerfülltseien. ZunächstistderOZDentgegenzuhalten, dasssichdieangefochteneSicherstellungsverfügungaufdenGefährdungs- undnichtaufdenVerzugstatbestandgestützthat. DieSacheistnach MassgabederVerhältnissezuentscheidenwiesiesichimZeitpunktder Sicherstellungsverfügungpräsentierthat(sieheEntscheidderSRKvom 7.August1997,veröffentlichtin VPB62.47 E.2bS.415f.). Fernerwäreohnehin eineSicherstellungsverfügunggegendieneueHalterinimUmfangevonsechs zuerwartendenMonatsrechnungeninfolgeZahlungsverzugsmitBezugauf eineMonatsperiodealsoffensichtlichunverhältnismässigzubezeichnen. d. ImÜbrigenhatdieVerwaltungnachMassgabedesDurchschnittsdervom altenHaltermonatlichgeschuldetenSchwerverkehrsabgabe(Fr.1’840.-) SicherheitinHöhevonübersechszuerwartendenMonatsrechnungen 9(Fr.12’000.-: Fr.1’840.-=ungefähr6.5)verlangt. DeralteHalterhataber innerhalbderZeitspannevon14MonateneineAbgabevonoffenbarlediglich Fr.8’228.10nichtbeglichen. Insofernerscheintzumindestzweifelhaft,ob sichdersichergestellteBetraginderHöhevonFr.12’000.-überhauptmit demGrundsatzderVerhältnismässigkeitvereinbarenliesse. DieseFrage brauchtabernichtabschliessendbeurteiltzuwerden,dadievorliegende Sicherstellungsverfügung-wiegesehen-ausgrundsätzlichenÜberlegungen nichtandieBeschwerdeführeringerichtetwerdendarf. 5. FolglichistdieBeschwerdegutzuheissen. BeidiesemVerfahrensausgang kanndieFragenachderaufschiebendenWirkungdervorliegenden Beschwerdeoffenbleiben. DerobsiegendenBeschwerdeführerinundder OZDsindkeineVerfahrenskostenaufzuerlegen. DieBeschwerdeinstanzhatim DispositivdenKostenvorschuss(Fr.1’200.-)mitdenVerfahrenskosten(Fr.0.-) zuverrechnenundeinenallfälligenÜberschuss(Fr.1’200.-)zurückzuerstatten (Art.63Abs.1VwVG;Art.1ff.,insbesondereArt.5Abs.3derVerordnungüber KostenundEntschädigungenimVerwaltungsverfahrenvom10.September 1969[VwKV],SR172.041.0). DerBeschwerdeführerinistzuLastenderOZD eineParteientschädigungvonFr.1’800.-zuzusprechen. 10Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 67.47 - Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 9. Oktober 2002 [ZRK 2002-065] In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2003 Année Anno Band 67 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 014 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.