<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">137</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>29</b></span> <span class="ft1"><b>Feststellungsverfügungen im Steuerrecht (Praxisverschärfung)</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>In Veranlagungen sind über die Festlegung der Steuerfaktoren</b></span><br/> <span class="ft1"><b>hinausgehende rechtskraftfähige Feststellungen ausgeschlossen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Selbstständige Feststellungsverfügungen sind im Steuerrecht, abge-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sehen vom Fall der Feststellung der Steuerpflicht, grundsätzlich aus-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>geschlossen (Erw. 2 f.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 17. Juni 2009 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen R.M. (WBE.2008.328).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">II.</span><br/> <span class="ft6">1.</span><br/> <span class="ft6">Es fragt sich zunächst, ob und allenfalls wie weit Feststellungen</span><br/> <span class="ft6">wie die hier streitigen mit Bezug auf bestimmte für die Besteuerung</span><br/> <span class="ft6">wesentliche Rechtsfragen neben der Festlegung der Steuerfaktoren in</span><br/> <span class="ft6">einer Veranlagungsverfügung möglich sind.</span><br/> <span class="ft6">1.1.</span><br/> <span class="ft6">Nach ständiger bundesgerichtlicher Praxis kommt einer Veran-</span><br/> <span class="ft6">lagung bei periodischen Steuern nur für die betreffende Periode</span><br/> <span class="ft6">Rechtskraft zu; sowohl die tatsächlichen als auch die rechtlichen</span><br/> <span class="ft6">Verhältnisse können in einem späteren Veranlagungszeitraum anders</span><br/> <span class="ft6">gewürdigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Mai 2001</span><br/> <span class="ft6">[2A.192/2000], Erw. 1b/bb mit Rechtsprechungshinweisen, vgl. auch</span><br/> <span class="ft6">Entscheide vom 18. Juni 2007 [2A.775/2006] und vom 23. Juni 2008</span><br/> <span class="ft6">[2C_761/2007]). Das Bundesgericht anerkennt somit neben der</span><br/> <span class="ft6">Festsetzung der Steuerfaktoren keine Festlegung unanfechtbarer Be-</span><br/> <span class="ft6">rechnungsgrundlagen in Veranlagungsverfügungen.</span><br/> <span class="ft6">1.2.</span><br/> <span class="ft6">1.2.1.</span><br/> <span class="ft6">Das Verwaltungsgericht hat in seiner Praxis wiederholt festge-</span><br/> <span class="ft6">stellt, es bestehe im Steuerrecht - und zwar obwohl die blosse An-</span><br/> <span class="ft6">fechtung der Begründung einer Verfügung, ohne dass die Abände-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">138</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">rung des Dispositivs verlangt wird, unzulässig ist (VGE II/113 vom</span><br/> <span class="ft6">16. Dezember 2004 [BE.2004.374], Erw. 3a) - für gewisse grundle-</span><br/> <span class="ft6">gende Werte das Bedürfnis, sie so festzulegen, dass sie auch für zu-</span><br/> <span class="ft6">künftige Steuerperioden unanfechtbare Berechnungsgrundlagen bil-</span><br/> <span class="ft6">den (zum Beispiel Buchwerte; vgl. AGVE 1988, S. 231 ff. = StE</span><br/> <span class="ft6">1989, B 96.22 Nr. 1; VGE II/15 vom 4. März 2004 [BE.2002.00294],</span><br/> <span class="ft6">Erw. 1a; vgl. auch den Überblick bei C</span><span class="ft4">ONRAD</span> <span class="ft6">W</span><span class="ft4">ALTHER</span><span class="ft6">, Kommen-</span><br/> <span class="ft6">tar zum Aargauer Steuergesetz, 3. Aufl., Muri-Bern 2009, § 164</span><br/> <span class="ft6">N 3 ff.). Im Ergebnis anerkennt das Verwaltungsgericht damit, dass</span><br/> <span class="ft6">neben den Steuerfaktoren in der Veranlagung bestimmte andere</span><br/> <span class="ft6">Werte festgelegt werden können.</span><br/> <span class="ft6">1.2.2.</span><br/> <span class="ft6">Da die Rechtskraft einer Veranlagung sich nach der massgeben-</span><br/> <span class="ft6">den bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf die Festlegung der</span><br/> <span class="ft6">Steuerfaktoren beschränkt, drängt es sich auf, die verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft6">richtliche Praxis insoweit zu präzisieren, als derartige Festlegungen</span><br/> <span class="ft6">jedenfalls nicht in der Veranlagungsverfügung selbst erfolgen kön-</span><br/> <span class="ft6">nen.</span><br/> <span class="ft6">2.</span><br/> <span class="ft6">Es kann sich damit höchstens fragen, ob die Feststellungen des</span><br/> <span class="ft6">Landwirtschaftsexperten, die keinen Einfluss auf die Festlegung der</span><br/> <span class="ft6">Steuerfaktoren für die Kantons- und Gemeindesteuern 2005 hatten,</span><br/> <span class="ft6">als eigene, selbstständig neben der Veranlagungsverfügung stehende</span><br/> <span class="ft6">Verfügung erlassen werden konnten. Einem Recht der Steuerbehörde</span><br/> <span class="ft6">zur Vornahme eigenständiger Feststellungsverfügungen müsste dabei</span><br/> <span class="ft6">ein entsprechender Anspruch des Steuerpflichtigen auf Erlass</span><br/> <span class="ft6">derartiger Feststellungsverfügungen korrespondieren.</span><br/> <span class="ft6">2.1.</span><br/> <span class="ft6">Im DBG ist nicht ausdrücklich vorgesehen, dass die für die Vor-</span><br/> <span class="ft6">nahme der Veranlagung zuständigen Behörden über die Veranla-</span><br/> <span class="ft6">gungsverfügungen hinaus, abgesehen von der Feststellung der Steu-</span><br/> <span class="ft6">erpflicht und der Festlegung des Veranlagungsorts, Feststellungsver-</span><br/> <span class="ft6">fügungen treffen können (BGE 126 II 514 Erw. 3c, S. 517 f. mit</span><br/> <span class="ft6">Ausführungen dazu, dass es sich bei der Stempelsteuer, der Verrech-</span><br/> <span class="ft6">nungssteuer und der Mehrwertsteuer anders verhält). Dies hat das</span><br/> <span class="ft6">Bundesgericht als Indiz dafür gewertet, dass die Steuerbehörden über</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">139</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">die gesetzlich vorgesehenen Feststellungsverfügungen hinaus</span><br/> <span class="ft6">grundsätzlich nicht zum Erlass von Feststellungsverfügungen befugt</span><br/> <span class="ft6">sind.</span><br/> <span class="ft6">2.2.</span><br/> <span class="ft6">Ein Blick in das aargauische Steuergesetz zeigt das gleiche Er-</span><br/> <span class="ft6">gebnis wie das Recht der direkten Bundessteuer: Gemäss § 191</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 StG legt die Veranlagungsbehörde in der Veranlagungsver-</span><br/> <span class="ft6">fügung die Steuerfaktoren (steuerbares Einkommen und Vermögen,</span><br/> <span class="ft6">steuerbarer Reingewinn und steuerbares Kapital), die Steuersätze und</span><br/> <span class="ft6">Steuerbeträge fest. § 164 Abs. 1 StG bestimmt sodann, dass in jeder</span><br/> <span class="ft6">Einwohnergemeinde zur Beurteilung der Steuerpflicht und zur Ver-</span><br/> <span class="ft6">anlagung der Einkommens-, Vermögens- und Grundstückgewinn-</span><br/> <span class="ft6">steuer eine Steuerkommission zu bestellen ist. Insbesondere der</span><br/> <span class="ft6">Wortlaut der zuletzt genannten Norm deutet darauf hin, dass die</span><br/> <span class="ft6">Steuerkommission als Veranlagungsbehörde jenseits der Vornahme</span><br/> <span class="ft6">von Veranlagungen grundsätzlich lediglich Verfügungen über die</span><br/> <span class="ft6">Feststellung der Steuerpflicht treffen kann.</span><br/> <span class="ft6">Für einen gleichen Umfang der Verfügungszuständigkeit der</span><br/> <span class="ft6">Steuerbehörden gemäss dem DBG und dem StG spricht auch das</span><br/> <span class="ft6">Interesse an der Vermeidung eines Auseinanderfallens des Umfangs</span><br/> <span class="ft6">der Verfügungszuständigkeit im Bereich der kantonalen Steuern und</span><br/> <span class="ft6">der vom Kanton administrierten direkten Bundessteuer. Es würde</span><br/> <span class="ft6">hinsichtlich der Einkommen- und Gewinnsteuer eine unzumutbare</span><br/> <span class="ft6">prozessuale Komplizierung bedeuten, wenn die Zuständigkeit der</span><br/> <span class="ft6">Steuerbehörden zum Erlass gesonderter, neben die Veranlagung tre-</span><br/> <span class="ft6">tender Verfügungen bei den kantonalen Steuern weiter wäre als bei</span><br/> <span class="ft6">der direkten Bundessteuer.</span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1.</span><br/> <span class="ft6">Der Erlass einer Feststellungsverfügung setzt ein schutzwürdi-</span><br/> <span class="ft6">ges Feststellungsinteresse voraus. Es muss ein berechtigtes Bedürfnis</span><br/> <span class="ft6">an der unmittelbaren Klärung eines konkreten Rechtszustands</span><br/> <span class="ft6">bestehen. Dabei genügt auch ein tatsächliches Interesse, das in der</span><br/> <span class="ft6">Praxis etwa dann bejaht wird, wenn private Dispositionen vernünf-</span><br/> <span class="ft6">tigerweise erst vor dem Hintergrund eines amtlichen Bescheids in die</span><br/> <span class="ft6">Wege geleitet werden können (BGE 125 V 21 Erw. 1b; vgl. zum</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">140</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Ganzen P</span><span class="ft4">IERRE</span> <span class="ft6">T</span><span class="ft4">SCHANNEN</span><span class="ft6">/U</span><span class="ft4">LRICH</span> <span class="ft6">Z</span><span class="ft4">IMMERLI</span><span class="ft6">, Allgemeines Ver-</span><br/> <span class="ft6">waltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, § 28 N 61 S. 226).</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">Die bundesgerichtliche Praxis ist hinsichtlich des Rechts bzw.</span><br/> <span class="ft6">der Pflicht der Steuerbehörden zum Erlass von Feststellungsverfü-</span><br/> <span class="ft6">gungen im Bereich der direkten Bundessteuer äusserst zurückhal-</span><br/> <span class="ft6">tend. Das Bundesgericht hat bislang grundsätzlich nur Feststellungs-</span><br/> <span class="ft6">entscheide zur Abklärung der subjektiven Steuerpflicht und des Ver-</span><br/> <span class="ft6">anlagungsorts als zulässig erachtet (BGE 126 II 514 sowie BGE 124</span><br/> <span class="ft6">II 383, in dem ein Feststellungsanspruch nur bejaht wurde, weil ge-</span><br/> <span class="ft6">setzlich ausdrücklich ein Anerkennungsverfahren für Produkte aus</span><br/> <span class="ft6">dem Bereich der Säule 3A vorgesehen war). Insbesondere hat das</span><br/> <span class="ft6">Bundesgericht in ständiger Praxis ein Feststellungsinteresse hin-</span><br/> <span class="ft6">sichtlich der Festlegung des Verlustvortrags verneint, solange der in-</span><br/> <span class="ft6">frage stehende Verlust nicht in einer Steuerperiode zur Verrechnung</span><br/> <span class="ft6">gebracht wird, d.h. sich die Höhe des Verlustvortrags nicht unmit-</span><br/> <span class="ft6">telbar auf die infrage stehende Veranlagung auswirkt (Urteil des</span><br/> <span class="ft6">Bundesgerichts vom 23. Juni 2008 [2C_761/2007], Urteil vom</span><br/> <span class="ft6">18.</span> <span class="ft6">Juni 2007 [2A.775/2006], Urteil vom 9.</span> <span class="ft6">Mai 2001</span><br/> <span class="ft6">[2A.192/2000]).</span><br/> <span class="ft6">3.3.</span><br/> <span class="ft6">3.3.1.</span><br/> <span class="ft6">Das Verwaltungsgericht ist in seiner bisherigen Praxis bei der</span><br/> <span class="ft6">Annahme eines ausreichenden Interesses am Erlass einer Feststel-</span><br/> <span class="ft6">lungsverfügung im Steuerrecht weniger zurückhaltend gewesen. So</span><br/> <span class="ft6">hat es, wie bereits dargelegt, etwa ein Bedürfnis zur Festlegung be-</span><br/> <span class="ft6">stimmter grundlegender Werte anerkannt, damit sie auch für zukünf-</span><br/> <span class="ft6">tige Steuerperioden unanfechtbare Berechnungsgrundlagen bilden.</span><br/> <span class="ft6">Ebenso hat es als möglich erachtet, dass ein Steuerpflichtiger einen</span><br/> <span class="ft6">Feststellungsentscheid zur Frage, ob Gewinne aus der Veräusserung</span><br/> <span class="ft6">von Grundstücken mit der Grundstückgewinnsteuer zu erfassen sind</span><br/> <span class="ft6">oder als Einkünfte aus gewerbsmässigem Liegenschaftenhandel der</span><br/> <span class="ft6">Einkommensteuer unterliegen, erwirkt (AGVE 1988, S. 235 ff.).</span><br/> <span class="ft6">Hingegen hat es ein Feststellungsinteresse hinsichtlich der Auftei-</span><br/> <span class="ft6">lung von wertvermehrenden gegenüber werterhaltenden Aufwen-</span><br/> <span class="ft6">dungen beim Liegenschaftenunterhalt, mit Bezug auf die Zugehö-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">141</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">rigkeit eines Vermögensgegenstands zum Privat- oder Geschäfts-</span><br/> <span class="ft6">vermögen sowie hinsichtlich der Festlegung der Höhe des Verlust-</span><br/> <span class="ft6">vortrags verneint (vgl. W</span><span class="ft4">ALTHER</span><span class="ft6">, a.a.O., § 164 N 4 und 6).</span><br/> <span class="ft6">Bereits mit Urteil vom 19. Dezember 2006 (VGE II/102</span><br/> <span class="ft6">[WBE.2006.307] publ. in: AGVE 2006, S. 99 ff.) hat das Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgericht diese Praxis eingeschränkt, indem es ein besonders</span><br/> <span class="ft6">schutzwürdiges Interesse am Erlass eines Feststellungsentscheids</span><br/> <span class="ft6">verlangt hat. Das besonders schutzwürdige Interesse sah es damals</span><br/> <span class="ft6">mit Bezug auf die übergangsrechtliche Problematik für die Festle-</span><br/> <span class="ft6">gung der künftig zu berücksichtigenden Anlagekosten und Ab-</span><br/> <span class="ft6">schreibungen als gegeben an (Frage der Anwendbarkeit des alten</span><br/> <span class="ft6">oder neuen Rechts für Ermittlung eines allfälligen späteren Veräu-</span><br/> <span class="ft6">sserungsgewinns bei Ersatzbeschaffung eines landwirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft6">Grundstücks). Aufgrund dieser Konstellation bejahte auch das Bun-</span><br/> <span class="ft6">desgericht ein schutzwürdiges Interesse (Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft6">vom 13. Juni 2008 [2A.116/2007]). Es fragt sich jedoch, insbeson-</span><br/> <span class="ft6">dere vor dem Hintergrund der strengeren Praxis des Bundesgerichts,</span><br/> <span class="ft6">ob die bisherige Praxis des Verwaltungsgerichts, welche bereits mit</span><br/> <span class="ft6">dem Urteil vom 19. Dezember 2006 eingeschränkt wurde nicht wei-</span><br/> <span class="ft6">ter präzisiert werden muss.</span><br/> <span class="ft6">3.3.2.</span><br/> <span class="ft6">Für eine Präzisierung spricht zunächst der bereits erwähnte</span><br/> <span class="ft6">Umstand, dass für Bundes- und kantonale Steuern, welche das glei-</span><br/> <span class="ft6">che Steuerobjekt erfassen (Einkommen- und Gewinnsteuer), auch</span><br/> <span class="ft6">verfahrensmässig ein möglichst weitgehender Gleichlauf erreicht</span><br/> <span class="ft6">werden sollte. Es ist nur schwer vorstellbar, bestimmte Werte (z.B.</span><br/> <span class="ft6">kumulierte Abschreibungen auf einer landwirtschaftlichen Liegen-</span><br/> <span class="ft6">schaft, Buchwerte bestimmter Anlagegütern o.ä.) für die Zwecke der</span><br/> <span class="ft6">kantonalen Einkommensteuer in einer gesonderten Feststellungsver-</span><br/> <span class="ft6">fügung festzulegen, währenddem eine solche Festlegung für die di-</span><br/> <span class="ft6">rekte Bundessteuer von Bundesrechts wegen ausgeschlossen ist.</span><br/> <span class="ft6">3.3.3.</span><br/> <span class="ft6">Ein Interesse am Erlass gesonderter Feststellungsverfügungen</span><br/> <span class="ft6">im Steuerrecht ist, abgesehen vom Fall der Feststellung der Steuer-</span><br/> <span class="ft6">pflicht, aber auch aus anderen Gründen jedenfalls grundsätzlich zu</span><br/> <span class="ft6">verneinen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">142</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">3.3.3.1.</span><br/> <span class="ft6">Dem Interesse des Steuerpflichtigen an Rechtssicherheit im</span><br/> <span class="ft6">Hinblick auf von ihm in Aussicht genommene Dispositionen, die</span><br/> <span class="ft6">möglicherweise Steuerfolgen nach sich ziehen, ist regelmässig mit</span><br/> <span class="ft6">der Einholung von Auskünften bei der zuständigen Behörde aus-</span><br/> <span class="ft6">reichend gedient. Darauf hat auch das Bundesgericht schon mehrfach</span><br/> <span class="ft6">aufmerksam gemacht. Auskünfte der Steuerbehörden führen, sofern</span><br/> <span class="ft6">die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, dazu, dass der</span><br/> <span class="ft6">Steuerpflichtige in seinem Vertrauen darauf geschützt wird (vgl. dazu</span><br/> <span class="ft6">ausführlich BGE 126 II 514 Erw. 3e). Ein Interesse am Erlass eigen-</span><br/> <span class="ft6">ständiger Feststellungsverfügungen besteht daher in solchen Fällen</span><br/> <span class="ft6">regelmässig nicht. Dementsprechend fällt auch für die Steuerbehör-</span><br/> <span class="ft6">den ausser Betracht, aus eigener Initiative derartige Verfügungen zu</span><br/> <span class="ft6">treffen.</span><br/> <span class="ft6">Dabei ist nicht zu übersehen, dass der Steuerpflichtige biswei-</span><br/> <span class="ft6">len auch nach Vollzug eines Rechtsgeschäftes (insbesondere etwa bei</span><br/> <span class="ft6">Ersatzbeschaffungen, Betriebsübertragungen oder sonstigen Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäften, bei denen die steuerrechtlichen Normen im Ergebnis einen</span><br/> <span class="ft6">Steueraufschub vorsehen) Sicherheit darüber möchte, welche Steu-</span><br/> <span class="ft6">erfolgen sich allenfalls bei einem späteren Geschäft (wenn der Steu-</span><br/> <span class="ft6">eraufschub infolge Realisation endet) ergeben. Ein solches Interesse</span><br/> <span class="ft6">ist indes nicht aktuell und kann damit höchstens Anlass für die Er-</span><br/> <span class="ft6">teilung einer Auskunft der Steuerbehörden, nicht hingegen für den</span><br/> <span class="ft6">Erlass einer Feststellungsverfügung bilden.</span><br/> <span class="ft6">3.3.3.2.</span><br/> <span class="ft6">Im Hinblick auf Sachverhalte, die sich bereits verwirklicht ha-</span><br/> <span class="ft6">ben, ist ein Interesse am Erlass eigenständiger Feststellungsverfü-</span><br/> <span class="ft6">gungen noch weniger erkennbar.</span><br/> <span class="ft6">- Auch wenn die Durchführung eines Veranlagungsverfahrens</span><br/> <span class="ft6">für den Steuerpflichtigen in Einzelfällen mit grösserem Aufwand</span><br/> <span class="ft6">verbunden ist als wenn er vorgängig einen Grundsatzentscheid über</span><br/> <span class="ft6">bestimmte für die Besteuerung wesentliche Fragen erwirken könnte</span><br/> <span class="ft6">(vgl. z.B. die Konstellation in AGVE 1988, S. 235, wo es um die</span><br/> <span class="ft6">Frage ging, ob ein Gewinn aus der Veräusserung von Liegenschaften</span><br/> <span class="ft6">der Grundstückgewinn- oder der Einkommensteuer unterliegt), so</span><br/> <span class="ft6">vermag doch dieser grössere Aufwand des Steuerpflichtigen allein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">143</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">noch kein ausreichendes Interesse an einer Feststellungsverfügung zu</span><br/> <span class="ft6">begründen.</span><br/> <span class="ft6">- Eine Festlegung gewisser grundlegender Werte, insbesondere</span><br/> <span class="ft6">von Buchwerten, ist, wie bereits dargelegt, nach der Praxis des</span><br/> <span class="ft6">Bundesgerichts im Rahmen von Veranlagungsverfügungen generell,</span><br/> <span class="ft6">d.h. nicht nur beschränkt auf die direkte Bundessteuer, nicht möglich,</span><br/> <span class="ft6">da entsprechende Festlegungen nicht an der Rechtskraft der Veran-</span><br/> <span class="ft6">lagung teilnehmen und die Werte damit zu einem späteren Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft6">immer wieder infrage gestellt werden können. Festlegungen (z.B.</span><br/> <span class="ft6">kumulierte Abschreibungen) können aber auch dann, wenn sie in</span><br/> <span class="ft6">separaten Feststellungsverfügungen getroffen werden, jedenfalls im</span><br/> <span class="ft6">Bereich der direkten Bundessteuer nicht verbindlich sein, würde</span><br/> <span class="ft6">doch ansonsten durch eine entsprechende Praxis die restriktive bun-</span><br/> <span class="ft6">desgerichtliche Rechtsprechung hinsichtlich der Zulässigkeit von</span><br/> <span class="ft6">Feststellungsverfügungen im Bereich der direkten Bundessteuer un-</span><br/> <span class="ft6">terlaufen. Liesse die Praxis separate Feststellungsverfügungen für</span><br/> <span class="ft6">bestimmte Werte zu, so könnten diese somit nur den Bereich der</span><br/> <span class="ft6">kantonalen Steuern beschlagen. Eine solche Lösung ist bereits aus</span><br/> <span class="ft6">Gründen eines einheitlichen Vollzugs des Steuerrechts abzulehnen.</span><br/> <span class="ft6">- Für die Annahme eines ausreichenden Interesses an einer</span><br/> <span class="ft6">Feststellungsverfügung werden bisweilen Beweisschwierigkeiten</span><br/> <span class="ft6">(aufwändige Abklärungen über weit zurückliegende Sachverhalte;</span><br/> <span class="ft6">vgl. W</span><span class="ft4">ALTHER</span><span class="ft6">, a.a.O., § 164 N 6) angeführt. Allfällige spätere Be-</span><br/> <span class="ft6">weisschwierigkeiten vermögen indessen für sich allein genommen</span><br/> <span class="ft6">nicht den Erlass einer Feststellungsverfügung zu rechtfertigen. Zum</span><br/> <span class="ft6">einen lassen sich diese Beweisschwierigkeiten im Bereich der direk-</span><br/> <span class="ft6">ten Bundessteuer, wie dargelegt, nicht mittels Feststellungsverfügun-</span><br/> <span class="ft6">gen beseitigen. Aber auch in kantonalrechtlich geregelten Materien</span><br/> <span class="ft6">wie etwa im Grundstückgewinnsteuerrecht ist nicht erkennbar, wel-</span><br/> <span class="ft6">che besonderen Vorteile die Möglichkeit des Erlasses von Feststel-</span><br/> <span class="ft6">lungsverfügungen mit sich bringen soll, die nicht auch auf andere</span><br/> <span class="ft6">Weise erreicht werden könnten. Im Hinblick auf die Beweissicherung</span><br/> <span class="ft6">steht nichts entgegen, dass die Steuerbehörde dem Pflichtigen für</span><br/> <span class="ft6">spätere Steuerperioden wichtige Werte mitteilt und sie damit be-</span><br/> <span class="ft6">weiskräftig festhält. Auch der Steuerpflichtige selbst kann gegenüber</span><br/> <span class="ft6">der Steuerbehörde vergleichbare Erklärungen abgeben bzw. Beweis-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">144</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">mittel zu den Akten geben (bzw. bei sich selbst aufbewahren). Den</span><br/> <span class="ft6">Erlass einer gesonderten Feststellungsverfügung braucht es dafür</span><br/> <span class="ft6">nicht.</span><br/> <span class="ft6">3.3.4.</span><br/> <span class="ft6">Zusammenfassend ist damit festzuhalten: Das Fehlen einer ge-</span><br/> <span class="ft6">setzlichen Regelung für den Erlass gesonderter Feststellungsverfü-</span><br/> <span class="ft6">gungen (1), das Interesse an einer Verfahrenseinheit beim Vollzug der</span><br/> <span class="ft6">Rechts der direkten Steuern des Bundes und jener des Kantons</span><br/> <span class="ft6">Aargau (2) sowie das Fehlen zwingender Gründe für eine liberalere</span><br/> <span class="ft6">Praxis beim Erlass von Feststellungsverfügungen als der vom Bun-</span><br/> <span class="ft6">desgericht für die direkte Bundessteuer vorgegebenen (3) gebieten</span><br/> <span class="ft6">folgende Präzisierung der bisherigen Rechtsprechung des Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsgerichts mit Bezug auf die Zulässigkeit von Feststellungsverfü-</span><br/> <span class="ft6">gungen im Steuerrecht:</span><br/> <span class="ft6">In Veranlagungen sind über die Festlegung der Steuerfaktoren</span><br/> <span class="ft6">hinausgehende rechtskraftfähige Feststellungen ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft6">Ebenso sind selbstständige Feststellungsverfügungen im Steuerrecht,</span><br/> <span class="ft6">abgesehen vom Fall der Feststellung der Steuerpflicht, grundsätzlich</span><br/> <span class="ft6">ausgeschlossen. Nur aus zwingenden praktischen Gründen kann in</span><br/> <span class="ft6">besonderen Einzelsituationen die Vorwegnahme eines Entscheids</span><br/> <span class="ft6">über eine Rechtsfrage geboten sein, obwohl es mangels Verwirkli-</span><br/> <span class="ft6">chung eines Steuertatbestands noch nicht zu einer Veranlagung</span><br/> <span class="ft6">kommt. Für solche Sonderfälle ist ausnahmsweise das Recht auf</span><br/> <span class="ft6">bzw. die Pflicht zum Erlass einer selbstständigen Feststellungsverfü-</span><br/> <span class="ft6">gung vorzubehalten (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft6">13. Juni 2008 [2A.116/2007]).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>