<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2020-01-20-1B_618-2019.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1B_618/2019</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 20. Januar 2020</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. öffentlich-rechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Fonjallaz, präsidierendes Mitglied, </div> <div class="para">Bundesrichter Haag, Müller, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Forster. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para">vertreten durch Fürsprecher Daniel Küng, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Regionales Zwangsmassnahmengericht, </div> <div class="para">Kreisgericht Rheintal, Rabengasse 2a, 9450 Altstätten, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, </div> <div class="para">Untersuchungsamt Altstätten, Luchsstrasse 11, </div> <div class="para">9450 Altstätten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Untersuchungshaft, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Entscheid der Anklagekammer </div> <div class="para">des Kantons St. Gallen vom 18. Dezember 2019 </div> <div class="para">(AK.2019.464-AK). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Altstätten, führt eine Strafuntersuchung gegen A.________. Der Beschuldigten werden sexuelle Handlungen mit einem Kind vorgeworfen. Nach ihrer Wiedereinreise (aus Brasilien) in die Schweiz wurde die Beschuldigte am 21. November 2019 verhaftet und am 23. November 2019 (gemäss dem Antrag der Staatsanwaltschaft vom 22. November 2019) in Untersuchungshaft versetzt. Eine von der Beschuldigten gegen die Haftanordnung des Regionalen Zwangsmassnahmengerichtes, Kreisgericht Rheintal (ZMG), erhobene Beschwerde wies die Anklagekammer des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 18. Dezember 2019 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Gegen den Haftprüfungsentscheid der Anklagekammer gelangte die Beschuldigte mit Beschwerde vom 30. Dezember 2019 an das Bundesgericht. Sie beantragt im Hauptstandpunkt die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und ihre umgehende Haftentlassung. </div> <div class="para">Das ZMG und die Anklagekammer liessen sich am 7. bzw. 9. Januar 2020 vernehmen. Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Eingabe vom 9. Januar 2020 die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin verzichtete am 14. Januar 2020 auf eine Replik. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Beim angefochtenen Beschwerdeentscheid handelt es sich um einen letztinstanzlichen kantonalen Entscheid (im Sinne von <span class="artref">Art. 80 BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 222 StPO</span>). Dessen Prüfungsgegenstand bildet der Haftanordnungsentscheid des ZMG vom 23. November 2019. </div> <div class="para">Soweit die Beschwerde sich auch noch (förmlich und beiläufig) gegen den Haftantrag der Staatsanwaltschaft vom 22. November 2019 richtet, ist darauf nicht einzutreten. Ebenso wenig zulässig ist das Rechtsbegehren auf Zusprechung einer Haftentschädigung (für angeblich zu Unrecht erstandene Haft). Über solche Begehren ist nicht bereits (akzessorisch) im Haftprüfungsverfahren zu entscheiden, sondern erst - im Falle der gerichtlichen Feststellung einer ungesetzlichen (oder sich nachträglich als ungerechtfertigt erweisenden) Haft - in einem separat einzuleitenden Haftentschädigungsverfahren (vgl. <span class="artref"><artref id="CH/312.0/429" type="start"></artref>Art. 429-431 StPO</span><artref id="CH/312.0/431" type="end"></artref>; Urteile des Bundesgerichtes 1B_204/2018 vom 15. Mai 2018 E. 4.8; 1B_270/2017 vom 28. Juli 2017 E. 7; 1B_351/2012 vom 20. September 2012 E. 2.3.2 = Pra 2012 Nr. 134 S. 964; PKG 2012 Nr. 16; Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085 ff., 1325 Ziff. 2.10.1). </div> <div class="para">Ansonsten sind die Sachurteilsvoraussetzungen von <span class="artref">Art. 78 ff. BGG</span> grundsätzlich erfüllt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin macht geltend, die angeblichen sexuellen Handlungen an dem damals 14½-jährigen Kind ihres Freundes seien unbestrittenermassen ausschliesslich auf französischem Staatsgebiet erfolgt. Etwas anderes sei ihr bisher nicht vorgeworfen worden. Im vorliegenden Fall bestehe keine Strafrechtshoheit der Schweiz für die Verfolgung einer Auslandtat. Insbesondere seien weder die gesetzlichen Voraussetzungen von <span class="artref">Art. 5 Abs. 1 lit. a oder lit. b StGB</span> erfüllt, noch diejenigen von <span class="artref"><artref id="CH/311.0/6" type="start"></artref>Art. 6-7 StGB</span><artref id="CH/311.0/7" type="end"></artref>. </div> <div class="para">Die Republik Frankreich stehe auch "nicht im Verdacht, ein sicherer Zufluchtsort für Straftäter zu sein, die sexuelle Handlungen an Minderjährigen begehen". Die kantonalen Strafbehörden hätten bisher weder ein "Auslieferungsgesuch" an die französischen Behörden gestellt, noch in Frankreich "Abklärungen getätigt". Den französischen Behörden stehe es frei, eine Auslieferung zu verlangen. <span class="artref"><artref id="CH/311.0/5" type="start"></artref>Art. 5-7 StGB</span><artref id="CH/311.0/7" type="end"></artref> müssten restriktiv ausgelegt werden. Der vom ZMG zitierte <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=43&amp;from_date=17.01.2020&amp;to_date=05.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-IV-145%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page145">BGE 121 IV 145</a> sei nicht einschlägig. Sie sei brasilianische Staatsangehörige und habe, abgesehen von ihrem in der Schweiz lebenden Freund, keine enge Beziehung zur Schweiz. Nach Europa sei sie jeweils mit einem Touristenvisum eingereist. </div> <div class="para">Daraus, dass das "mutmassliche Opfer" und die einzuvernehmenden Personen sich in der Schweiz befänden, ergebe sich noch keine Strafrechtshoheit für die untersuchte Auslandtat. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die betreffenden Befragungen nicht durch die französischen Behörden "vor Ort oder rechtshilfeweise" erfolgen könnten. Die Voraussetzungen von <span class="artref">Art. 7 StGB</span> seien "offensichtlich nicht gegeben". Mangels Strafrechtshoheit und schweizerischen Gerichtsstands für Auslandtaten seien die kantonalen Strafbehörden auch nicht befugt, strafprozessuale Zwangsmassnahmen gegen die Beschuldigte zu ergreifen, weshalb sie umgehend aus der Untersuchungshaft zu entlassen sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Das ZMG erwägt, die Beschuldigte habe im vorinstanzlichen Haftbeschwerdeverfahren das Vorliegen von strafprozessualen Haftgründen (<span class="artref">Art. 221 StPO</span>) nicht bestritten. Es bestehe der dringende Tatverdacht von sexuellen Handlungen mit einem Kind (<span class="artref">Art. 187 StGB</span>). Ausserdem sei derzeit von Flucht- und Kollusionsgefahr auszugehen (angefochtener Entscheid, S. 6, E. 3b-c). Die schweizerische Strafrechtshoheit sei grundsätzlich vom erkennenden Sachrichter zu prüfen und nicht vom ZMG im Haftbeschwerdeverfahren. Eine Ausnahme könne nur bei "evidenter Absenz" eines gesetzlichen Anknüpfungskriteriums gegeben sein. Im vorliegenden Fall "bestünde" eine Anknüpfung nach <span class="artref">Art. 5 Abs. 1 lit. a StGB</span> wegen sexueller Nötigung einer minderjährigen Person. "Allenfalls" komme auch <span class="artref">Art. 7 StGB</span> in Frage. Die französischen Behörden hätten bisher kein Auslieferungsgesuch gestellt. Allerdings habe die Staatsanwaltschaft bisher auch noch nicht förmlich angefragt, ob Frankreich mit der Strafverfolgung durch die Schweiz einverstanden sei. Von einer entsprechenden Anfrage beim Tatortstaat könne (laut <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=43&amp;from_date=17.01.2020&amp;to_date=05.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-IV-145%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page145">BGE 121 IV 145</a>) aber ausnahmsweise abgesehen werden, wenn nicht nur das Opfer schweizerische Staatsangehörigkeit habe, sondern zudem sowohl die Tat als auch "der Täter oder die Täterin in enger Beziehung zur Schweiz stehen". Es fehle insofern "nicht eindeutig" an einer Zuständigkeit der kantonalen Strafbehörden (angefochtener Entscheid, S. 4 f., E. 2b-d). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Die Anordnung von Untersuchungshaft ist nur zulässig, wenn ausreichende Haftgründe bestehen. Neben dem dringenden Tatverdacht eines Verbrechens oder Vergehens (Art. 221 Abs. 1 Ingress StPO) verlangt das Gesetz einen besonderen Haftgrund, etwa Fluchtgefahr (<span class="artref">Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO</span>). Strafprozessuale Haftgründe werden von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. </div> <div class="para">Zwar setzen Zwangsmassnahmen (gestützt auf die schweizerische StPO) grundsätzlich auch voraus, dass die wesentlichen Prozessvoraussetzungen des Strafverfahrens erfüllt erscheinen. Deren abschliessende Prüfung bleibt jedoch der Strafbehörde vorbehalten, welche den Endentscheid in der Strafsache zu fällen haben wird. Wenn die Untersuchungsleitung die schweizerische Strafrechtshoheit (und ihre örtliche und sachliche Zuständigkeit) vorläufig bejaht und gestützt darauf Zwangsmassnahmen verfügt hat, haben die mit der Prüfung dieser Massnahmen befassten Instanzen dem sachrichterlichen Entscheid über die Strafrechtshoheit in der Regel nicht vorzugreifen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> Die Untersuchungsbehörde, die eine Strafuntersuchung eröffnet, prüft zunächst selber von Amtes wegen, ob die schweizerische Strafrechtshoheit gegeben ist und ob kantonale Gerichtsbarkeit oder Bundesgerichtsbarkeit besteht bzw. welcher Gerichtsstand in Frage kommt (vgl. <span class="artref"><artref id="CH/311.0/3" type="start"></artref>Art. 3-8 StGB</span><artref id="CH/311.0/8" type="end"></artref>; Art. 22-28, Art. 32-34 und <span class="artref">Art. 39 Abs. 1 StPO</span>). Im Streitfall sind Fragen der Strafrechtshoheit grundsätzlich von der Strafbehörde zu prüfen, welche den Endentscheid fällt. Nach der Praxis des Bundesgerichtes können sie nur dann - ausnahmsweise - als Zwangsmassnahmenhindernis in Frage kommen, wenn <i>offensichtlich</i> keine schweizerische Strafrechtshoheit bestünde (Urteile des Bundesgerichtes 1B_118/2019 vom 13. Mai 2019 E. 3.1; 1B_407/2018 vom 13. Dezember 2018 E. 3.2). Dies muss im Rahmen einer Anfechtung von nicht verfahrensabschliessenden strafprozessualen Entscheiden beim Bundesgericht umso mehr gelten, als die blosse Eröffnung einer Strafuntersuchung grundsätzlich nicht anfechtbar ist (Art. 309 Abs. 3 Satz 3 i.V.m. <span class="artref">Art. 300 Abs. 2 StPO</span>) und die beschuldigte Person ihren Rechtsstandpunkt betreffend Strafrechtshoheit im Untersuchungs- und Abschlussverfahren (und nötigenfalls auch noch vor dem erkennenden Strafgericht, s. <span class="artref"><artref id="CH/312.0/339/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/339/2/c" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/339/2/b" type="start"></artref>Art. 339 Abs. 2 lit. b-c StPO</span><artref id="CH/312.0/339/2/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/339/c" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/c" type="end"></artref>) vortragen kann (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=43&amp;from_date=17.01.2020&amp;to_date=05.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-139%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page139">BGE 133 IV 139</a> E. 4 S. 141; Urteile 1B_118/2019 E. 3.1; 1B_407/2018 E. 1.4; 1B_318/2017 vom 30. November 2017 E. 3; je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.</b> Der räumliche Geltungsbereich des StGB erstreckt sich auf gewisse im Ausland verübte Sexualverbrechen an Minderjährigen, darunter sexuelle Handlungen mit Abhängigen (Art. 5 Abs. 1 lit. a bis i.V.m. <span class="artref">Art. 188 StGB</span>) oder sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 5 Abs. 1 lit. b i.V.m. <span class="artref">Art. 187 StGB</span>). Eine verfolgbare Auslandtat nach <span class="artref">Art. 187 StGB</span> (sexuelle Handlungen mit Kindern) setzt allerdings voraus, dass das Opfer weniger als 14 Jahre alt war (<span class="artref">Art. 5 Abs. 1 lit. b StGB</span>). Ist eine entsprechende Straftat im Ausland verübt worden, so sind für die Verfolgung und Beurteilung die schweizerischen Strafbehörden des Ortes zuständig, an dem die beschuldigte Person ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat (<span class="artref">Art. 32 Abs. 1 StPO</span>). Hat die beschuldigte Person weder Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz (und fehlt auch ein Heimatort), so sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem die beschuldigte Person angetroffen worden ist (<span class="artref">Art. 32 Abs. 2 StPO</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.5.</b> Nach der oben (E. 2.3) dargelegten Rechtsprechung käme ein selbstständiges strafprozessuales Hafthindernis im Untersuchungsverfahren nur in Frage, falls bereits offensichtlich wäre, dass die schweizerische Strafrechtshoheit auszuschliessen ist. <span class="artref">Art. 98 BGG</span> gelangt bei strafprozessualen Zwangsmassnahmen nicht zur Anwendung (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=43&amp;from_date=17.01.2020&amp;to_date=05.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-316%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page316">BGE 143 IV 316</a> E. 3.3 S. 319; 330 E. 2.1 S. 334; je mit Hinweisen). Soweit jedoch reine Sachverhaltsfragen und damit Fragen der Beweiswürdigung zu beurteilen sind, greift das Bundesgericht nur ein, wenn die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz offensichtlich unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von <span class="artref">Art. 95 BGG</span> beruhen (Art. 97 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=43&amp;from_date=17.01.2020&amp;to_date=05.02.2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-316%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page316">BGE 143 IV 316</a> E. 3.3 S. 319; 330 E. 2.1 S. 334; je mit Hinweis). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.6.</b> Im vorliegenden Fall geht die Untersuchungsbehörde (beim jetzigen Ermittlungsstand) davon aus, dass ein im Tatzeitpunkt ca. 14½-jähriges Kind Opfer von strafbaren sexuellen Handlungen (<span class="artref">Art. 187 StGB</span>) wurde. Dabei handelt es sich um ein mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedrohtes Verbrechen (vgl. Art. 187 Ziff. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 10 Abs. 2 StGB</span>). Wäre die untersuchte Straftat etwa ein halbes Jahr früher verübt worden, läge die schweizerische Strafrechtshoheit ohne Weiteres vor (<span class="artref">Art. 5 Abs. 1 lit. b StGB</span>). Hinzu kommt aber, dass eine Auslandtat grundsätzlich auch bei sexueller Ausnützung von <i>Minderjährigen</i> durch <i>Erziehungs</i> - oder <i>Betreuungspersonen</i> verfolgbar ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 lit. a bis StGB). Die kantonalen Strafbehörden legen dar, dass es sich bei der Beschuldigten um die aktuelle Lebenspartnerin (bzw. Freundin) des Vaters des Kindes gehandelt habe. Die Beschuldigte habe im Tatzeitpunkt mit dem Vater und dessen Kind gemeinsame Familienferien verbracht. Der Beschwerdeführerin wird erschwerend vorgeworfen, sie habe als Mitverantwortliche für die Betreuung des 14-jährigen Mädchens das betreffende Vertrauensverhältnis sexuell ausgebeutet. </div> <div class="para">Zwar erfasst die Strafnorm von <span class="artref">Art. 188 StGB</span> - aufgrund des schon durch <span class="artref">Art. 187 StGB</span> (ohne qualifiziertes "Ausnützungserfordernis") gewährleisteten Schutzes von Kindern <i>unter</i> 16 Jahren - die Ausnützung von "minderjährigen Personen von <i>mehr</i> als 16 Jahren". Nach dem Sinn und Zweck der hier auszulegenden kollisionsrechtlichen Bestimmung von Art. 5 Abs. 1 lit. a bis StGB wäre jedoch schlechterdings nicht einzusehen, weshalb die sexuelle Ausnützung durch Betreuungs- und Erziehungspersonen ausschliesslich bei minderjährigen Opfern <i>über</i> 16 Jahren als Auslandtat verfolgt werden dürfte, nicht aber bei <i>erst 14-jährigen</i> ausgenützten Opfern. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.7.</b> Zu berücksichtigen ist sodann, dass auch eine Anknüpfung aufgrund von <span class="artref">Art. 7 Abs. 1 StGB</span> ("andere Auslandtaten") derzeit nicht ausgeschlossen werden kann: Sexuelle Handlungen mit Kindern unter 15 Jahren durch verantwortliche Betreuungspersonen sind grundsätzlich auch in Frankreich strafbar (vgl. <span class="artref">Art. 7 Abs. 1 lit. a StGB</span>). Die Beschuldigte befindet sich zudem in der Schweiz (<span class="artref">Art. 7 Abs. 1 lit. b StGB</span>), die Straftat ist auslieferungsfähig (vgl. <span class="artref">Art. 35 Abs. 1 lit. a IRSG</span>), und im Falle der Strafverfolgung in der Schweiz erfolgt voraussichtlich keine Auslieferung mehr an Frankreich (<span class="artref">Art. 7 Abs. 1 lit. c StGB</span>). Entsprechende förmliche Abklärungen hat die Staatsanwaltschaft (gemäss den Feststellungen der Vorinstanz) bisher noch nicht getroffen. Da die mutmasslich Geschädigte Schweizerin ist, greift hier auch der Teilvorbehalt von <span class="artref">Art. 7 Abs. 2 StGB</span> nicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.8.</b> Schliesslich sprechen auch noch erhebliche prozessuale und rechtshilferechtliche Sachgründe ergänzend für eine Schweizer Strafverfolgung: Die mutmasslich geschädigte Minderjährige ist Schweizerin; sie hat auch ihren Wohnsitz in der Schweiz. Ausserdem halten sich alle massgeblichen Beteiligten (nämlich die Beschuldigte, die befragte Gewährsperson und die Geschädigte) derzeit in der Schweiz auf. Auch der Gerichtsstand bei Auslandtaten ist somit grundsätzlich erfüllt (vgl. <span class="artref"><artref id="CH/312.0/32/2" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/32/1" type="start"></artref>Art. 32 Abs. 1-2 StPO</span><artref id="CH/312.0/32/2" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/2" type="end"></artref>). Die befragte Gewährsperson wohnt (wie die Geschädigte) in der Schweiz und hat ebenso die schweizerische Nationalität. Auch die (aus Brasilien stammende) Beschuldigte verfügt weder über einen Wohnsitz in Frankreich, noch über die französische Staatsbürgerschaft. Nach Europa reiste sie jeweils als Touristin. Die untersuchten Straftaten ereigneten sich während eines Ferienaufenthaltes der drei Beteiligten in Südfrankreich. Als relevante Beweismittel erscheinen im Übrigen die Aussagen der drei (im untersuchten Tatzeitpunkt persönlich anwesenden) Direktbeteiligten von erstrangiger Bedeutung. Welche wesentlichen Beweise am Tatort in Frankreich noch zu erheben wären, ist demgegenüber weder dargetan noch ersichtlich. </div> <div class="para">Im Falle einer Übertragung der Strafverfolgung an die französischen Strafbehörden würde somit eine deutliche Komplizierung des Verfahrens drohen. Insbesondere ergäbe sich die Notwendigkeit diverser Reisen (zu Einvernahmen und Verhandlungen) bzw. rogatorischer Befragungen auf dem beschwerlichen Rechtshilfeweg. Auch der Sinn und Zweck des internationalen Strafrechts spricht insofern für eine Strafverfolgung in der Schweiz. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.9.</b> Da die strafprozessualen Haftgründe unbestritten sind, die schweizerische Strafrechtshoheit derzeit nicht offensichtlich ausgeschlossen erscheint und auch der kantonale Gerichtsstand für Auslandtaten grundsätzlich gegeben ist, liegt weder ein Prozess- noch ein Hafthindernis vor. Über das bereits Dargelegte hinausgehende internationalstrafrechtliche Fragen, etwa solche des Auslierungshaftrechts, sind hier nicht zu prüfen. Dies gilt insbesondere für die Frage, ob und wann in Fällen einer (ausschliesslichen) ausländischen Strafrechtshoheit überhaupt eine sofortige Haftentlassung der verfolgten Person anzuordnen wäre. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin stellt (sinngemäss) ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Die finanzielle Bedürftigkeit der amtlich verteidigten Gesuchstellerin erscheint ausreichend glaubhaft gemacht. Da auch die übrigen gesetzlichen Voraussetzungen grundsätzlich erfüllt erscheinen, ist das Gesuch zu bewilligen (<span class="artref">Art. 64 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf sie einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Der Beschwerdeführerin wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Dem amtlichen Verteidiger, Fürsprecher Daniel Küng, wird für das bundesgerichtliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 1'500.-- (pauschal, inkl. MWST) aus der Bundesgerichtskasse entrichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten und der Anklagekammer des Kantons St. Gallen schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 20. Januar 2020 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das präsidierende Mitglied: Fonjallaz </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Forster </div> </div></body></html>