Beschluss vom 12. Juni 2014 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Andreas J. Keller, Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja Parteien A. S.A., vertreten durch Fürsprecher Gerrit Straub, Beschwerdeführerin gegen BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin Gegenstand Akteneinsicht (Art. 101 f. i.V.m. Art. 107 Abs. 1 lit. a StPO); Rechtsverweigerung (Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: BB.2014.16 - 2 - Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: - sowohl die Bundesanwaltschaft (Verfahrensnummer SV.09.0185-OCH) wie auch die Staatsanwaltschaft Wien ein Strafverfahren gegen Unterne h- mensverantwortliche der B. GmbH führen und die österreichischen Behö r- den in diesem Zusammenhang mit diversen Rechtshilfeersuchen an die Schweiz gelangt sind (act. 1.4); - die Bundesanwaltschaft am 26. Juni 2012 rechtshilfeweise die Konten der A. S.A. bei der Bank C. AG sperrte (act. 1.6); - die A. S.A. unter anderem am 17. Dezember 2013 um Akteneinsicht in das Schweizer Strafverfahren SV.09.0185 -OCH ersuchte bzw. andernfalls den Erlass einer anfechtbaren Verfügung beantragte (act. 1.17); - die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 19. Dezember 2013 das A k- teneinsichtsgesuch der A. S.A. wie folgt beantwortete (act. 1.2): "Auch die Frage von Gegenstand u nd Umfang des Akteneinsichtsrechts betreffend der von Ihnen vertretenen A. SA, wird […] zufolge der von Ihnen gegen die Schlussverfügung vom 8. August 2013 im Rechtshilfeverfahren (RH.12.0004) erhobenen Beschwerde durch das Bundesstrafgericht en t- schieden. Im Rahmen der Beschwerde haben Sie bekanntlich diesbezü g- lich eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügt. […] Um unnötige Weiterung zu vermeiden, werden wir den Entscheid der B e- schwerdekammer i.S. A. SA abwarten und Ihnen danach Gelegenheit g e- ben zu entscheiden, ob Sie an den Gesuchen festhalten." - die A. S.A. mit Beschwerde vom 22. Januar 2014 an die Beschwerdeka m- mer des Bundesstrafgerichts gelangte, Rechtsverweigerung geltend mac h- te und Einsicht in sämtliche bei der Bundesanwaltschaft liegenden Akten und Daten im Verfahren SV.09.0185-OCH, insbesondere in die gemäss Ak- tenübersicht der Staatsanwaltschaft Wien betreffend D. erwähnten Akten, beantragte (act. 1); - die Bundesanwaltschaft in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. Februar 2014 beantragte, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten; eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen (act. 3); - 3 - - die A. S.A. in ihrer Replik vom 17. Februar 2014 sinngemäss an ihren A n- trägen in der Beschwerde festhält (act. 5), was der Bundesanwaltschaft am 18. Februar 2014 zur Kenntnis gebracht worden ist (act. 6); die Bundesan- waltschaft unaufgefordert eine Duplik vom 20. Februar 2014 einreichte (act. 7), die der A. S.A. am 25. Februar 2014 zur Kenntnis zugestellt wo r- den ist (act.8); - gegen Verfügungen und V erfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden kann (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG), wobei zur Beschwerde jede Pa r- tei oder jeder andere Verfahrensbeteiligte berechtigt ist, welche oder we l- cher ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides haben (Art. 382 Abs. 1 StPO); - die Bundesanwaltschaft mangelnde Zuständigkeit der Beschwerdekammer geltend macht mit der Begründung, das Strafverfahren sei abgetreten, weshalb die schweizerischen Behörden keine Massnahmen im Rahmen der Strafverfolgung mehr ergreifen könnten (Art. 89 IRSG); - die Frage der Zuständigkeit für die Beha ndlung von Beschwerden nach Art. 397 ff. StPO bei an einen anderen Staat angetretenem und damit erst vorläufig eingestellten Strafverfahren (vgl. act. 3, Ziff. 2.2.1) in Anbetracht des Wortlauts von Art. 89 Abs. 1 IRSG ("gegen den Verfolgten") und des Umstands, dass das Strafverfahren gerade nicht rechtskräftig abgeschlo s- sen ist, offen bleiben kann, da – wie nachfolgend zu zeigen ist – auf die Beschwerde ohnehin nicht einzutreten ist; - die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO); - die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Rechtzeitigkeit der B e- schwerde ausführt, sie mache Rechtsverweigerung und Rechtsverzög e- rung durch die von der Bundesanwaltschaft erlassene Verfügung geltend, und Beschwerden wegen Rechtsverweigerung seien an keine Frist gebu n- den (act. 1 S. 3); - Rechtsverzögerung durch Untätigkeit und damit formelle Rechtsverweig e- rung dann vorliegt, wenn die Behörde sich weigert, eine ihr n ach Gesetz obliegende Amtshandlung vorzunehmen, wenn sie untätig bleibt, be i- spielsweise auf einen Antrag zur Vornahme einer bestimmten Handlung - 4 - einfach nicht reagiert oder das gebotene Handeln über Gebühr hinausz ö- gert, obschon sie zum Tätigwerden verpflichtet wäre; bei einer ausdrücklich erklärten Weigerung, tätig zu werden oder in eine bestimmte Richtung hin zu verfügen, hingegen eine Negativverfügung vorliegt und diesfalls die B e- schwerdefrist von 10 Tagen ab Kenntnisnahme dieser Mitteilung vorliegt (KELLER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Z ü- rich/Basel/Genf 2010, N 9 zu Art. 396, mit Hinweisen auf die Rech t- sprechung); - die Bundesanwaltschaft in ihrer angefochtenen Verfügung vom 19. D e- zember 2013 ausdrücklich erklärte, einstweilen ni cht tätig zu werden und zunächst den Entscheid der Beschwerdekammer im Rechtshilfeverfahren abzuwarten, weshalb die Bundesanwaltschaft eine Negativverfügung erlas- sen hat; - eine Rechtsverzögerung damit nicht vorliegt, und die Beschwerdefrist somit zehn Tage beträgt; - die Beschwerde vom 22. Januar 2014 als verspätet eingereicht zu gelten hat, weshalb darauf nicht einzutreten ist; - bei diesem Ausgang des Verfahrens die Beschwerdeführerin die Gericht s- kosten zu tragen hat (Art. 428 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 418 Abs. 2 StPO), wobei die Gerichtsgebühr auf Fr. 1'000. -- festzusetzen ist (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bu n- desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). - 5 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt. Bellinzona, 13. Juni 2014 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Fürsprecher Gerrit Straub - Bundesanwaltschaft Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.