Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. August 2022 (715 22 73 / 180) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen ungenügender Arbeitsbemühungen vor Stellenlosigkeit Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen KIGA Baselland , Arbeitsvermittlung , Bahnhofstrasse 32 , 4133 Prat- teln, Beschwerdegegner Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1980 geborene A.____ war seit dem 1. August 2003 bei der B.____ AG als Chemie- fachmann angestellt. Aufgrund interner Restrukturierungen wurde dieses Arbeitsverhältnis am 1. September 2019 per 31. März 2020 gekündigt. Während der Kündigungsfrist erlitt der Versicherte am 5. Dezember 2019 einen Unfall und zog sich dabei eine Knieverletzung zu. Infolge dieses Unfallereignisses verlängerte sich die Kündigungsfrist bis 30. September 2020. Der behandelnde Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arzt, Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa- rates, schrieb den Versicherten aufgrund eines operativen Eingriffs am Knie vom 16. Februar 2020 bis 11. Oktober 2020 zu 100 % und ab 12. Oktober 2020 zu 50 % arbeitsunfähig. Da eine weitere Knieoperation notwendig war, bestand ab 20. November 2020 wieder eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Eintragungen auf der Unfallmeldung UVG). B. Am 12. Oktober 2020 meldete sich A.____ in seiner W ohnsitzgemeinde erstmals zur Arbeitsvermittlung an und beantragte die Ausrichtung von Arbeitslosentschädigung ab 12. Okto- ber 2020 . Mit Verfügung vom 14. Dezember 2020 stellte das Regionale Arbeitsvermittlungszent- rum (RAV) X.____ den Versicherten wegen fehlender Arb eitsbemühungen für 3 Tage ab 1. De- zember 2020 in seiner Anspruchsberechtigung ein. Zur B egründung führte sie an, dass es dem Versicherte während der 50%igen Arbeitsunfähigkeit vom 1. November bis 20. November 2020 möglich gewesen wäre, mindestens 3 Arbeitsbemühungen zu tätigen. Da er keine vorgelegt habe, habe sie die Einstellungsverfügung erlassen. Mit Verfügung vom 27. Januar 2021 lehnte die Öf- fentliche Arbeitslosenkasse (Arbeitslosenkasse) sodann ein en Anspruch auf Arbeitslosenent- schädigung wegen Nichterfüllung der Beitragszeit ab 12 . Oktober 2020 ab. Da der Versicherte innert Frist die angeforderten Unterlagen nicht einge reicht habe, habe sie die Beitragszeit nicht ermitteln können. Auf Wunsch des Versicherten erfolgte per 3. Februar 2021 die Abmeldung von der Arbeitsvermittlung. C. A.____ meldete sich am 2. Juni 2021 erneut beim zust ändigen RAV zur Arbeitsvermitt- lung an. Da der Versicherte im massgebenden Beobachtungsz eitraum vom 1. März 2021 bis 1. Juni 2021 nicht genügend Arbeitsbemühungen nachgewiesen hatte, stellt das RAV X.____ den Versicherten mit Verfügung vom 18. August 2021 wegen fehlender Arbeitsbemühungen vor Stel- lenlosigkeit für 11 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) Baselland mit Entscheid vom 3. Februar 2022 ab. D. Gegen diesen Entscheid reichte der Versicherte am 1 . März 2022 Beschwerde ans Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanto nsgericht), ein. Er be- antragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Ein spracheentscheides und damit der Einstelltage. Zur Begründung wies er darauf hin, dass e r infolge des Unfalls im Dezember 2019 unter anderem am Meniskus habe operiert werden müssen. Er sei deswegen nach einer anfäng- lichen vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab dem 16. Februar 2021 (recte: 25. Februar 2021) zu 20 % arbeitsfähig geschrieben worden. Ab diesem Zeitpun kt habe er begonnen, sich um eine Ar- beitsstelle zu bemühen, jedoch ohne Erfolg. Einerseit s sei die Stellensuche wegen der Coronakrise erschwert gewesen und andererseits habe er Absagen erhalten mit der Begründung, dass es keine Teilzeitstellen unter 50 % gebe. Dies habe sich auch nicht geändert als er ab 31. März 2021 (recte: 1. April 2021) zu 40 % arbeitsfähig gewesen sei. Als ihm ab 2. Juni 2021 (recte: 1. Juni 2021) eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt worden sei, habe er sich sofort beim RAV in X.____ gemeldet. Seit er nur noch teilweise arbeitsunfähig gewesen sei, habe er versucht, eine Arbeitsstelle zu finden. Da er damals noch nicht beim R AV angemeldet gewesen sei, habe er nicht gewusst, wie viele Bewerbungen er pro Monat schreiben müsse. Er habe auch keine Kennt- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nis davon gehabt, dass Bewerbungen auf Stellenausschreibungen von temporären Personalver- mittlungsbüros als Arbeitsbemühungen gelten würden. Ei nen Nachweis hierfür könne er nicht erbringen, da er die entsprechenden Daten gelöscht habe. E. Das KIGA beantragte in seiner Vernehmlassung vom 23. März 2022 die Abweisung der Beschwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art . 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 kann der Bundesrat die ört- liche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicher ungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 regeln. Gemäss Art. 128 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31 . August 1983 richtet sich die Beurteilung der Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts nach Art. 119 AVIV. Laut Art. 128 Abs. 2 AVIV ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Versicherungsgericht desselben Kantons zuständig. Anfechtungsob- jekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Einsprach eentscheid, den das KIGA als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art . 85 AVIG erlassen hat, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig . Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 1. März 2022 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Per son der Abteilung So-zial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob das KIGA den Beschwerdeführer zu Recht wegen ungenügender Arbeitsbemühungen für die Dauer von 11 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. Vorliegend beträgt der Streitwert bei einer Einstelldauer von 11 Tagen Fr. 3'519.45 (11 Ta ge x Fr. 319.95). Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Art. 17 Abs . 1 Satz 1 AVIG enthält die Schadenminderungspflicht, wonach die versi- cherte Person mit Unterstützung des Arbeitsamtes alles Zumutbare zu unternehmen hat, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (BGE 124 V 225 E. 2a) . Im Rahmen dieser Schadenminderungspflicht ist die versicherte Person insbesondere verpflichtet, Arbeit (wenn nö- tig auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes) zu suchen und ihre diesbezüglichen Bemühungen nachzuweisen (Art. 17 Abs. 1 Satz 2 AVIG und Art. 26 A bs. 2 bis AVIV; T HOMAS NUSSBAUMER , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, in: Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Basel 2016, Rz. 828). Die persönlichen Arbeitsbemü- hungen der versicherten Person werden in der Regel streng beurteilt (BGE 133 V 89 E. 6.1.1). 2.2 Aus der Pflicht, den Eintritt der Arbeitslosigkeit zu verhindern, fliesst für die versicherte Person die Last, sich bereits vom Zeitpunkt der Kündigung des früheren Arbeitsverhältnisses an und damit vor Eintritt der Arbeitslosigkeit intensiv um eine neue Arbeit zu bemühen (BGE 141 V 365 E. 2.2 und 139 V 524 E. 2.1.2 mit Hinweisen). Liegt der Zeitpunkt, ab dem die Person Kennt- nis davon hat, dass sie objektiv von Arbeitslosigkeit bedr oht ist, mehr als 3 Monate vor der An- meldung bei der Arbeitslosenversicherung, werden nur die 3 letzten Monate vor der Anmeldung daraufhin überprüft, ob die Person sich um eine Stelle bemüht hat (vgl. AVIG-Praxis ALE B314). Die versicherte Person hat sich dementsprechend während der Zeit vor der Anmeldung unaufge- fordert um Stellen zu bemühen. Sie kann sich insbesond ere nicht damit exkulpieren, nicht ge- wusst zu haben, dass sie schon vor der Anmeldung zum Leistungsbezug zur ernsthaften Arbeits- suche verpflichtet gewesen und nicht darauf aufmerksam gemacht worden sei (ARV 2006 S. 295, C 138/05 E. 2.1; ARV 1982 S. 37, C 50/81). Bei der Anmeldung hat die arbeitslos gewordene Person den Nachweis ihrer Bemühungen um Arbeit vorzulegen (Art. 20 Abs. 1 lit. d AVIV). 2.3 Vorliegend wurde das Arbeitsverhältnis des Versicher ten mit der B.____ AG am 1. Sep- tember 2019 per 31. März 2020 bzw. nach Verlängerung der Kündigungsfrist infolge Unfalls per 30. September 2020 gekündigt. Da die Kündigung mehr als 3 Monate vor der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung zurückliegt, beschränkt sich der zu berücksichtigende Zeitraum im Zusammen- hang mit der Prüfung genügender Arbeitsbemühungen a uf die letzten 3 Monate vor der Anmel- dung vom 2. Juni 2021, d.h. von März 2021 bis Mai 2021. 3.1 Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versich erte Person genügend um zumutbare Arbeit im Sinne von Art. 17 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 AVIV bemüht hat, sind sowohl die Quantität wie auch die Qualität ihrer Bewe rbungen von Bedeutung (BGE 112 V 215 E. 1b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2006, C 90/06, E. 1 mit Hinweisen). Das Quantitativ der Bewerbungen beurteilt sich nach d en konkreten Umständen, wobei in der Praxis durchschnittlich 10 bis 12 Stellenbewerbungen pro Monat als genügend erachtet werden (nach der Praxis des Kantonsgerichts Basel-Landschaft mindestens 8: Urteil der Präsidentin des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, vom 25. März 2015, 715 14 316 / 66, E. 2.3; BGE 139 V 524 E. 2.1.4; Urteil des Bundesgerichts vom 14. November 2018, 8C_209/2018, E.3.3; BARBARA KUPFER BUCHER , in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, Zürich 2019, S. 132). Das Bundesgericht betont aber, dass eine allgemein gültige Aussage über die erforderliche Mindestzahl an Bewerbungen nicht möglich sei (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 22. Dezember 2009, 8C_583/2009, E. 5.2 und vom 6. Feb- ruar 2007, C 258/2006, E. 2.2). Insofern handelt es sich bei den genannten Zahlen um Richtwerte, die für den Regelfall gelten. 3.2 Der zuständigen Amtsstelle steht bei der Prüfung der Frage, ob die Arbeitsbemühungen qualitativ und quantitativ genügend sind, ein gewisser Ermessensspielraum zu. Es sind die ge- samten Umstände des Einzelfalls heranzuziehen (vgl. AVIG-Pr axis ALE B316; Urteil des Bun- desgerichts vom 25. April 2005, C 10/05, E. 2.3.1; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 140). So können beispielsweise von einer spezialisierten Arbeitskraft wesensgemäss weniger Bewerbungen verlangt w erden als von einer Hilfsarbeits- kraft. Zu beachten sind dabei insbesondere die persönli chen Umstände und Möglichkeiten der versicherten Person, namentlich Alter, Schul- und Beru fsausbildung sowie die Usanzen des für sie in Betracht fallenden Arbeitsmarktes (BGE 120 V 74 E. 4a). 3.3 Die versicherte Person hat sich in der Regel in Fo rm einer ordentlichen Bewerbung ge- zielt um Arbeit zu bemühen (vgl. Art. 26 Abs. 1 AVIV). Anfragen bei Arbeitgebern, die keine Stelle ausgeschrieben haben, können zwar nicht zum vornherein als sinnlos betrachtet werden, vermö- gen jedoch für sich alleine dem Erfordernis einer gezielten und intensiven Arbeitssuche nicht ge- recht zu werden (vgl. CHOPARD , a.a.O., S. 138). Daraus resultiert die Pflicht der arbeitslosen Per- son, sich in erster Linie um ausgeschriebene und damit offene Arbeitsgelegenheiten zu bemühen, bei denen die Aussichten auf einen Arbeitsvertragsabschluss erheblich grösser sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1. März 2006, C 257/05, E. 3.2; K UPFER BUCHER , a.a.O., S. 133 f. mit Hinweis). Bewerbungen auf nicht ausgeschriebenen Stel len werden grundsätzlich als nicht ge- nügend beurteilt (vgl. CHOPARD , a.a.O., S. 138). Gemäss AVIG-Praxis ALE B315 stellt der aus- schliessliche Beizug einer Vermittlungsfirma keine genügende persönliche Arbeitsbemühung dar. Mit dem monatlichen Nachweis der getätigten Arbeitsbemühungen gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 2 bis AVIV soll die Verwaltung in die Lage versetzt werden, Quantität und Qualität der Anstrengungen zur Überwindung der Arbeitslosigkeit umfassend abklären und würdigen zu können (BGE 120 V 74 E. 3c; vgl. weiter NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 837). 3.4 Kommt die versicherte Person der Verpflichtung, sich persönlich genügend um zumut- bare Arbeit zu bemühen, nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse, respektive die kan- tonale Amtsstelle gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung verfügen. Diese Bestimmung sanktioniert die Verletzung der in Art. 17 Abs. 1 AVIG statuierten und bereits erwähnten Schadenminderungspflicht. Auf de n Erfolg der Bemühungen kommt es dabei nicht an, sondern nur auf deren Intensität. Die Sanktion soll arbeitslose versicherte Perso- nen zur Stellensuche anspornen und vor allem eine missbräuchliche Beanspruchung der Arbeits- losenversicherung verhindern. Die Einstellung in der An spruchsberechtigung bezweckt mithin eine angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person an jenem Schaden, den sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung natürlich und adäquat kausal zugefügt hat (BGE 124 V 225 E. 2b; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juni 2011, 8C_271/2011, E. 2.2). Die Einstellung hat folglich die Funktion eine r Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die versicherte Person hätte vermeiden o der vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigke its- und Verschuldensprinzip beherrscht (vgl. NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 822). 3.5 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten er gebender Anhaltspunkte hinreichender Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Verweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Zu beachten ist, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig ausschli esst. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insoweit, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei auszufallen hat, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirk- lichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). 4.1 Aufgrund der Akten steht fest, dass die Vorinstanz vom Versicherten für den Zeitraum vom 1. März 2021 bis 31. Mai 2021 aufgrund der damals bestehenden teilweisen Arbeitsunfähig- keiten insgesamt 16 Bewerbungen erwartete. Gemäss den Eintragungen von Dr. C.____ auf dem Unfallschein UVG bestand 3 Monate vor der Anmeldung zum Leistungsbezug per 2. Juni 2021 vom 1. März 2021 bis 31. März 2021 eine 80%ige Arbeitsun fähigkeit. Vom 1. April 2021 bis 31. Mai 2021 attestierte Dr. C.____ eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit und ab 1. Juni 2021 war der Versicherte wieder voll arbeitsfähig. Die Vorinstanz ist der Ansicht, dass der Versicherte während der Dauer der 20%igen Arbeitsfähigkeit vier und während der Dauer der 40%igen Arbeitsfähigkeit sechs Stellenbewerbungen pro Monat hätte tätigen müsse n (vgl. interne Mitteilung vom 8. Sep- tember 2021). 4.2 Gemäss AVIG-Praxis ALE B320 ist während einer krankh eits- oder unfallbedingten Ar- beitsunfähigkeit auf den Nachweis von Arbeitsbemühungen zu verzichten. Ob es sich dabei um eine volle Arbeitsunfähigkeit handeln muss, wird in dieser Ziffer nicht ausgeführt. Aus der Recht- sprechung, wonach das Bundesgericht selbst eine 100 % ar beitsunfähige Person als nicht zwangsläufig von der Pflicht zur Stellensuche befreit erachtet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. September 2006, C 164/05, E. 7), ist der Schluss zu ziehen, dass eine teilweise Arbeitsunfä- higkeit nicht vom Nachweis von Arbeitsbemühungen befreit. Der teilweisen Arbeitsunfähigkeit ist jedoch bei der Quantität der Stellenbewerbungen Rec hnung zu tragen, was die Vorinstanz insofern berücksichtigt hat, dass sie entsprechend den bescheinigten Arbeitsunfähig- keiten die Anzahl der nachzuweisenden Arbeitsbemühunge n von acht auf vier bzw. auf sechs reduziert hat. 4.3 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass der Ve rsicherte in den letzten drei Monaten vor Eintritt der Arbeitslosigkeit von März 2021 bis Mai 2 021 insgesamt lediglich 6 persönliche Arbeitsbemühungen nachwies (1 Arbeitsbemühung im März 2021, 2 Arbeitsbemühungen im April 2021 und 3 Arbeitsbemühungen im Mai 2021). Auf Auff orderung der Vorinstanz hin ergänzte er seine bisherigen Arbeitsbemühungen am 14. August 2021 mit 4 weiteren Stellenbemühungen bei Personalvermittlungsbüros (1 im März 2021, 2 im April 2021 und 1 im Mai 2021). Die vom Versi- cherten eingereichten E-Mails vom 9. September 2021 bestätigen, dass er mit den Personalver- mittlungsfirmen D.____, E.____ GmbH und F.____ AG i n Kontakt stand. Dabei bescheinigte le- diglich die E.____ GmbH, dass sich der Versicherte Ende Ap ril 2021 auf eine ausgeschriebene Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle als Chemikant beworben habe. Bei den anderen beiden E-Mails werden keine Angaben zu den einzelnen Arbeitsbemühungen gemacht. Es wird led iglich darauf hingewiesen, dass er bei der Stellensuche erfolglos geblieben bzw. dass er mit einem Personalvermittlungsbüro in Kontakt gestanden sei. Mit den über die Personalvermittlungsbüros geltend gemachten Arbeitsbemühun- gen gelingt es dem Versicherten nicht, konkrete persönliche Arbeitsbemühungen bzw. qualitativ genügende Bewerbungen nachzuweisen. Da er aus dem beh aupteten, jedoch unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten möchte, hat er die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_701/2013, E. 4.1; BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinwei- sen). Damit ist festzustellen, dass von den bei den Personalvermittlungsbüros getätigten Stellen- bemühungen lediglich eine einzige Bewerbung als qualitativ genügend betrachtet werden kann. Ohne die Qualität der zuerst eingereichten 6 Bewerbun gen näher zu überprüfen, ist davon aus- zugehen, dass der Versicherte in der hier massgebenden Ze itperiode insgesamt höchstens 7 rechtsgenügliche Arbeitsbemühungen vorlegen konnte. 5. Es ist weiter zu prüfen, ob die von der Vorinstanz ver langte Anzahl von 16 Bewerbungen unter Berücksichtigung, dass der Versicherte in dem hier massgebenden Beobachtungszeitraum vom 1. März 2021 bis 31. März 2021 zu 20 % und vom 1. A pril 2021 bis 31. Mai 2021 zu 40 % arbeitsfähig war, angemessen ist. In diesem Zusammenha ng ist zu beachten, dass der Versi- cherte im Rahmen der ersten Anmeldung zum Leistungsbezug mit Verfügung vom 14. Dezember 2020 wegen fehlender Arbeitsbemühungen im November 20 20 für 3 Tage in der Anspruchsbe- rechtigung eingestellt wurde. Aus den Akten geht hervor, dass er vom 1. bis zum 19. November 2020 aufgrund der Folgen aus dem Unfallereignis von De zember 2019 zu 50 % arbeitsunfähig war. Ab dem 21. November 2020 war er infolge einer Folgeoperation bis 24. Februar 2021 voll- ständig arbeitsunfähig. Für die im November 2020 knapp 3 Wochen bestehende 50%ige Arbeits- fähigkeit forderte die Vorinstanz vom Versicherten 3 Arbeitsbemühungen. Da er diese nicht bei- brachte, stellte sie den Versicherten mit Verfügung vom 14. Dezember 2020 für 3 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Diese Verfügung blieb unan gefochten. Aufgrund dieser Sachlage erscheinen die verlangten 4 Bewerbungen in Anbetracht der 80%igen Arbeitsunfähigkeit im März 2021 im Vergleich zur 50%igen Arbeitsunfähigkeit im N ovember 2020 als zu hoch, waren doch beide Arbeitsunfähigkeiten auf die anlässlich des Unfalls im Dezember 2019 erlittene Knieverlet- zung zurückzuführen. Das Gleiche gilt für die Zeit vom 1. April 2021 bis 31. Mai 2021, für welche die Vorinstanz bei einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit pro Monat je 6 Bewerbungen forderte. Es ist nicht ersichtlich, dass sich die persönlichen Umstände oder Fähigkeiten des Versicherten geän- dert hätten, welche gegebenenfalls eine andere Beurteilung betreffend Anzahl der Stellenbemü- hungen rechtfertigen würden. Unter diesen Umständen d urfte der Versicherte vielmehr davon ausgehen, dass er bei einer erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug entsprechend der jewei- ligen Arbeitsunfähigkeitsgrade nicht mehr Stellenbemühungen nachweisen müsse als im Novem- ber 2020. Bei dieser Ausgangslage ist es angemessen, vom V ersicherten für den März 2021 2 bis 3 Bewerbungen und für die Monate April 2021 und Mai 2021 3 bis 4 Bewerbungen zu verlan- gen. Damit hätte der Versicherte für die Zeit vom 1. März 2021 bis 31. Mai 2021 insgesamt 8 – 11 rechtsgenügliche Arbeitsbemühungen nachweisen müssen. N achdem der Versicherte wäh- rend des Beobachtungszeitraumes höchstens 7 qualitativ g enügende Arbeitsbemühungen im Sinne von Art. 17 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 AVIV vorlegte (vgl. E. 4.3), ist Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht festzustellen, dass er dadurch seiner Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen ist. Dem- zufolge hat die Vorinstanz den Versicherten zu Recht in s einer Anspruchsberechtigung einge- stellt. 6.1 Die vom Versicherten angeführten entschuldbaren Grü nde erweisen sich als nicht stich- haltig. Er bringt vor, dass er die Stellensuche aufgenommen habe, sobald er wieder eine Teilar- beitsfähigkeit erlangt habe. Aufgrund seiner damals b estehenden geringen Arbeitsfähigkeit von 20 % bzw. 40 % habe er stets Absagen erhalten. Selbst die Personalvermittlungsagenturen hät- ten darauf hingewiesen, dass er erst vermittlungsfähig wäre, wenn er wieder zu 100 % arbeitsfä- hig sei. Zwar kann eine sehr geringe Restarbeitsfähigkeit und nicht zuletzt auch die Coronakrise das Finden einer neuen Arbeitsstelle erschweren. Es ist da her verständlich, dass er Stellenbe- mühungen als nicht sehr sinnvoll erachtete. Von Bedeut ung ist aber nicht der Erfolg, sondern einzig die Intensität der Bemühungen, eine Arbeitslosigkeit abzuwenden, weshalb er aus seinem Vorbringen nichts zu seinen Gunsten ableiten kann (BGE 124 V 225 E. 6; ARV 1980 N 45 S. 112 E. 2). 6.2 Mit dem Einwand, er habe nicht gewusst, wie viele A rbeitsbemühungen er vor der An- meldung vorweisen müsse, kann der Versicherte sich nicht exkulpieren. Da er bereits im Dezem- ber 2020 wegen ungenügender Arbeitsbemühungen in seiner Anspruchsberechtigung eingestellt worden war, wusste er, dass er auch bei einer Teilarbei tsfähigkeit eine bestimmte Anzahl von Arbeitsbemühungen nachzuweisen hat. Um sein Möglichstes zur Schadensminderung vorzukeh- ren, hätte er sich auch ab Beginn der Stellensuche im März 2021 bei der zuständigen Amtsstelle über die erforderliche Anzahl der Bewerbungen erkundi gen können, was er aber nicht getan hatte. 6.3 Weiter macht der Versicherte geltend, dass er weita us mehr Bewerbungen hätte vorwei- sen können, wenn er vorher gewusst hätte, dass Stellena nfragen bei privaten Personalvermitt- lungsbüros ebenfalls als Arbeitsbemühungen zählten. Da er sämtliche Daten gelöscht habe, könne er nicht mehr nachweisen, wie viele Bewerbungen e r bei diesen Büros eingereicht habe. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Versicherte im Rahmen seiner Mit- wirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung zweckdienlich e Beweismittel beizubringen hat (BGE 124 V 239 E. 4 b/bb). Auch wenn seine Vorbringen für den fehlenden Nachweis von Ar- beitsbemühungen glaubwürdig sind, durfte sich die Vorinstanz aus Gründen der Rechtssicherheit nicht mit dieser unbewiesenen Sachverhaltsdarstellung begnügen. 7.1 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem Verschulden, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Bei der Festlegung der Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung besteht für die anwendenden Behörden ein relativ grosser Ermessensspielraum. Bei der Beurteilung di eses Ermessens im Einzelfall ist der vom Staatssekretariat für Wirtschaft ( SECO) als Aufsichtsbehörde der Durchführungsorgane der Arbeitslosenversicherung herausgegebene Einstellraster zu berücksichtigen, welcher die Gewäh- rung einer möglichst einheitlichen Rechtsanwendung i n den Kantonen zum Ziel hat (vgl. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 862). Der Raster entbindet aber die Durchführungsstellen der Arbeits- losenversicherung nicht von einer konkreten Einzelfallprüfu ng, sondern verpflichtet diese viel- mehr dazu, von den Angaben des Rasters abzuweichen, wenn Umstände vorliegen, welche dies verlangen. Eine Einstellung ist jeweils für jeden Mona t mit ungenügenden Arbeitsbemühungen vorzunehmen (vgl. NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 844). 7.2 Der Einstellraster sieht für die ungenügende Bem ühung um Arbeit während einer Kün- digungsfrist von 3 Monaten eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 9 bis 12 Tagen vor (vgl. AVIG-Praxis ALE Rz. D72 "Einstellraster" unter 1.A; vgl. auch BGE 141 V 365 E. 2.3). Die Verwaltungsweisungen sind für das Gericht grundsätzli ch nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzliche n Bestimmunen zulassen. Das Ge- richt weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine über- zeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 141 V 365 E. 2.4). 7.3 Die Vorinstanz setzte die Einstelldauer innerhalb des für ein leichtes Verschulden vor- geschriebenen Rahmens von 1 bis 15 Tagen auf 11 Tage f est. Dabei ist sie als Ausgangspunkt für die individuelle Verschuldensbeurteilung von einem Mittelwert von 10 Tagen (= Mittelwert von 9 bis 12 Einstelltagen bei einem dreimonatigen Beurteilungszeitraum) ausgegangen, was gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zu bemängeln ist (BGE 123 V 150 E. 3c). Da der Ver- sicherte bereits einmal wegen ungenügender Arbeitsbemühungen sanktioniert wurde (vgl. Verfü- gung vom 14. Dezember 2020), erhöhte sie die Einstelldauer um einen zusätzlichen Tag auf 11 Einstelltage, was angemessen ist. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Versicherte in den letzten drei Monaten vor der Anmeldung bei der Arbeitsvermittlung vom 2. Juni 2021 keine genügenden Arbeitsbemühun- gen im Sinne von Art. 17 Abs. 1 AVIG in Verbindung m it Art. 26 Abs. 1 AVIV tätigte und folglich seine Schadenminderungspflicht verletzte. Die verfügte Einstellung in der Anspruchsberechti- gung von 11 Tagen ist nicht zu beanstanden, weshalb di e dagegen gerichtete Beschwerde ab- zuweisen ist. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.