<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 129 S.545</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">545</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Waffenrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>129 Beschlagnahmung</b></span> <span class="ft3"><b>von</b></span> <span class="ft3"><b>Waffen.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Grundsätze für die Waffenbeschlagnahmung und Wiederaushändi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gung der Waffen; Prüfung einer Selbst- oder Drittgefährdung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Regierungsrates vom 3. September 2003 in Sachen H.M. ge-</span><br/> <span class="ft6">gen Polizeikommando.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2. (...)</span><br/> <span class="ft8">Art. 31 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Waffen, Waffenzubehör</span><br/> <span class="ft8">und Munition (Waffengesetz, WG) vom 20. Juni 1997 sieht vor, dass</span><br/> <span class="ft8">die zuständige Behörde Waffen aus dem Besitz von jenen Personen</span><br/> <span class="ft8">beschlagnahmt, die diese entweder ohne Berechtigung tragen (lit. a)</span><br/> <span class="ft8">oder bei denen ein Hinderungsgrund nach Art. 8 Abs. 2 WG vorliegt</span><br/> <span class="ft8">(lit. b). Hinsichtlich der zweitgenannten Gruppe bedeutet dies, dass</span><br/> <span class="ft8">abgesehen von den in Art. 8 Abs. 2 lit. a und b WG enthaltenen Tat-</span><br/> <span class="ft8">beständen (un- bzw. entmündigte Personen), auch jene Personen</span><br/> <span class="ft8">nicht länger eine Waffe besitzen dürfen, die entweder zur Annahme</span><br/> <span class="ft8">Anlass geben, dass sie sich selbst oder Dritte mit der Waffe gefähr-</span><br/> <span class="ft8">den, oder die wegen einer Handlung, welche eine gewalttätige oder</span><br/> <span class="ft8">gemeingefährliche Gesinnung bekundet, oder wegen wiederholt be-</span><br/> <span class="ft8">gangener Verbrechen oder Vergehen im Strafregister eingetragen</span><br/> <span class="ft8">sind, solange der betreffende Eintrag nicht gelöscht ist (Art. 8 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">lit. c und d WG).</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">3. a) Prüfungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft8">rens bildet nur die durch das Polizeikommando mit Verfügung vom</span><br/> <span class="ft8">27. Januar 2003 angeordnete Waffenbeschlagnahmung sowie die</span><br/> <span class="ft8">verlangte Einreichung eines formellen Nachweises, dass einer Wie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">546</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">deraushändigung der Waffen keine Hinderungsgründe entgegenste-</span><br/> <span class="ft8">hen. Demgegenüber ist über die Frage der Wiederaushändigung der</span><br/> <span class="ft8">Waffen als solche (und damit über das Weiterbestehen diesbezüg-</span><br/> <span class="ft8">licher Hinderungsgründe) vorliegend nicht zu befinden, da hierüber</span><br/> <span class="ft8">das erstinstanzlich zuständige Polizeikommando formell noch gar</span><br/> <span class="ft8">nicht entschieden hat. Sofern die Beschwerde die eigentliche Wie-</span><br/> <span class="ft8">deraushändigung der Waffen beantragt, ist demzufolge auf diese</span><br/> <span class="ft8">nicht einzutreten. (...)</span><br/> <span class="ft8">b) Im Rahmen der Prüfung einer Selbst- oder Fremdgefährdung</span><br/> <span class="ft8">im Sinne von Art. 8 Abs. 2 lit. c WG hat sich die zuständige Behörde</span><br/> <span class="ft8">darüber zu vergewissern, ob zumindest die ernsthafte Möglichkeit</span><br/> <span class="ft8">("Anlass zur Annahme") besteht, die fragliche Person könnte mit der</span><br/> <span class="ft8">in ihrem Besitz befindlichen Waffe sich oder Dritte gefährden. Dabei</span><br/> <span class="ft8">sind für die Beschlagnahmung an die von dieser Person ausgehenden</span><br/> <span class="ft8">Gefahren für sich selber oder für Dritte allerdings keine allzu hohen</span><br/> <span class="ft8">Anforderungen zu stellen, weil der Beschlagnahmung ja gerade prä-</span><br/> <span class="ft8">ventiver Charakter zukommen soll. Immerhin muss ein ausreichen-</span><br/> <span class="ft8">des Mass an Wahrscheinlichkeit bestehen, dass ohne Beschlagnah-</span><br/> <span class="ft8">mung die Sicherheit von Personen oder die öffentliche Ordnung ge-</span><br/> <span class="ft8">fährdet wären. Abgesehen von den unproblematischen Fällen (das</span><br/> <span class="ft8">Gesetz stellt für Trägerinnen und Träger verbotener Waffen sowie für</span><br/> <span class="ft8">Waffen im Besitz von Un- und Entmündigten eine unumstossbare</span><br/> <span class="ft8">Vermutung auf) wird man demzufolge eine Selbst- oder Fremdge-</span><br/> <span class="ft8">fährdung bzw. Anhaltspunkte dafür etwa bei Betrunkenen, Geistes-</span><br/> <span class="ft8">kranken sowie suizidgeneigten Personen regelmässig bejahen müs-</span><br/> <span class="ft8">sen. Gleiches muss auch für diejenigen Personen gelten, welche ei-</span><br/> <span class="ft8">nen Dritten mit einer Waffe bedrohen, einen Waffeneinsatz in Aus-</span><br/> <span class="ft8">sicht stellen, oder mit einer Schusswaffe unkontrolliert in die Luft</span><br/> <span class="ft8">schiessen. Waffen dürfen sodann auch bei einer einmaligen Entglei-</span><br/> <span class="ft8">sung beschlagnahmt werden, weil den Polizeibehörden im ersten</span><br/> <span class="ft8">Moment eine nähere Abklärung, ob die Gefahr für einen Waffen-</span><br/> <span class="ft8">missbrauch fortbesteht, gerade nicht zugemutet werden kann (vgl.</span><br/> <span class="ft8">Philippe Weissenberger, Die Strafbestimmungen des Waffengesetzes,</span><br/> <span class="ft8">in: AJP 2/2000 S. 163).</span><br/> <span class="ft8">c) Nach der Aktenlage ergibt sich, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft8">seine Ehefrau am 13. Oktober 2002 dazu gedrängt hat, ihre beim Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">547</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">zirksgericht B. am 9. Oktober 2002 eingereichte Eheschutzklage</span><br/> <span class="ft8">wieder zurückzuziehen und ihrem Rechtsanwalt das betreffende</span><br/> <span class="ft8">Mandat zu entziehen. Gemäss Angaben seiner Ehefrau soll er ihr da-</span><br/> <span class="ft8">bei zur Verdeutlichung seiner Forderung eine "Pump-Action"-</span><br/> <span class="ft8">Schrotpatrone mit der Bemerkung in die Hand gedrückt haben, diese</span><br/> <span class="ft8">Munition sei tödlich. Aufgrund der damit ausgesprochenen Drohun-</span><br/> <span class="ft8">gen gegen ihren Rechtsanwalt, bzw. allenfalls dessen Familie, habe</span><br/> <span class="ft8">sie dann in direkter Folge ihre Eheschutzklage zurückgezogen (vgl.</span><br/> <span class="ft8">Polizeirapport).</span><br/> <span class="ft8">Bei dieser Ausgangslage kommt der Regierungsrat in Überein-</span><br/> <span class="ft8">stimmung mit dem Polizeikommando zum Schluss, dass dieses zu</span><br/> <span class="ft8">Recht die im Eigentum des Beschwerdeführers befindlichen Waffen</span><br/> <span class="ft8">beschlagnahmte, um so einen allfälligen Waffenmissbrauch bzw. eine</span><br/> <span class="ft8">Selbst- oder Fremdgefährdung zu verhindern. Das Verhalten des Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführers ist nämlich unzweifelhaft als das "in Aussicht stel-</span><br/> <span class="ft8">len eines Waffeneinsatzes" einzustufen. Dabei lässt sich den Akten</span><br/> <span class="ft8">auch nichts entnehmen, das von vornherein darauf schliessen liesse,</span><br/> <span class="ft8">der Beschwerdeführer habe in der von ihm selber als "extreme</span><br/> <span class="ft8">Stresssituation" bezeichneten Zeit gar nie die Absicht gezeigt bzw.</span><br/> <span class="ft8">gehabt, tatsächlich (Waffen-)Gewalt anzuwenden. Entsprechend er-</span><br/> <span class="ft8">achtete das Bezirksamt B. vorliegend den Straftatbestand der Nöti-</span><br/> <span class="ft8">gung als erfüllt und verurteilte den Beschwerdeführer mit dem in-</span><br/> <span class="ft8">zwischen rechtskräftigen Strafbefehl vom 30. Januar 2003 zu einer</span><br/> <span class="ft8">Busse von Fr. 800.--. Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft8">ist unter diesen Umständen sicherlich nicht von einer blossen Baga-</span><br/> <span class="ft8">telle auszugehen.</span><br/> <span class="ft8">An der dargelegten Einschätzung vermag zudem auch nichts zu</span><br/> <span class="ft8">ändern, dass dem Beschwerdeführer - nach eigenem Bekunden - stets</span><br/> <span class="ft8">ein guter Leumund zugekommen ist und ihm auch keine Verstösse</span><br/> <span class="ft8">gegen das Waffenrecht vorzuwerfen sind. Mit Blick auf den Sicher-</span><br/> <span class="ft8">heitsaspekt der angeordneten Beschlagnahmung erweist es sich so-</span><br/> <span class="ft8">dann auch als grundsätzlich unmassgeblich, dass sich der Beschwer-</span><br/> <span class="ft8">deführer in der Zwischenzeit wieder mit seiner Ehefrau versöhnt ha-</span><br/> <span class="ft8">ben soll und infolge der Wiederaufnahme der ehelichen Gemein-</span><br/> <span class="ft8">schaft seine Einsprache gegen den Strafbefehl vom 30. Januar 2003</span><br/> <span class="ft8">zurückgezogen hat. Somit ist für das vorliegende Verfahren auch der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">548</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">vom Beschwerdeführer beantragte Beizug der Eheschutzakten nicht</span><br/> <span class="ft8">erforderlich. Wie nachfolgend noch darzulegen ist, muss die Bedeu-</span><br/> <span class="ft8">tung dieser veränderten Situation, und damit die Frage des Fortbeste-</span><br/> <span class="ft8">hens einer Selbst- oder Drittgefährdung, nämlich erst im Rahmen des</span><br/> <span class="ft8">nachfolgenden Verfahrens betreffend Wiederaushändigung der zu</span><br/> <span class="ft8">Recht beschlagnahmten Waffen geklärt werden.</span><br/> <span class="ft8">4. Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht ge-</span><br/> <span class="ft8">lungen, überzeugend darzulegen, weshalb die Beschlagnahmung sei-</span><br/> <span class="ft8">ner Waffen zu Unrecht erfolgt sei. Das Polizeikommando hat die</span><br/> <span class="ft8">Waffenbeschlagnahmung demgemäss im Sinne einer durch den Bun-</span><br/> <span class="ft8">desgesetzgeber grundsätzlich angestrebten, einheitlich strengen Pra-</span><br/> <span class="ft8">xis beim Vollzug des Waffenrechts zu Recht verfügt. Ebenso hat das</span><br/> <span class="ft8">Polizeikommando für die Wiederaushändigung der Waffen richti-</span><br/> <span class="ft8">gerweise den Nachweis nicht bestehender Hinderungsgründe gemäss</span><br/> <span class="ft8">Art. 8 Abs. 2 lit. c und d WG angeordnet. Durch die verlangte Bei-</span><br/> <span class="ft8">bringung von zumindest formellen Nachweisen (u.a. durch einen</span><br/> <span class="ft8">aktuellen Strafregisterauszug) wird nämlich im Hinblick auf eine all-</span><br/> <span class="ft8">fällige Wiederaushändigung der Waffen gerade erst die Möglichkeit</span><br/> <span class="ft8">geschaffen, das Fortbestehen von diesbezüglichen Hinderungsgrün-</span><br/> <span class="ft8">den fundiert zu prüfen.</span><br/> <br/> <span class="ft8">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>