<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp353632"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>113 V 327<br/><br/><br/><div class="paraatf">53. Urteil vom 12. November 1987 i.S. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt gegen D. AG und Bundesamt für Sozialversicherung</div> <div class="paraatf"></div> <a name="idp354928"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref"><artref id="CH/832.20/68/1" type="start"></artref>Art. 66 und 68 Abs. 1 UVG</span><artref id="CH/832.20/66" type="end"></artref>, <span class="artref">Art. 88 UVV</span>: Unterstellung eines gemischten Betriebes. <div class="paratf">- Zu der mit dem UVG gewandelten Funktion des Unterstellungsrechts (Erw. 2). </div> <div class="paratf">- Grundsatz der Einheit der Versicherung (Erw. 2c) und der Attraktion (<span class="artref">Art. 88 Abs. 1 UVV</span>; Erw. 3c) bzw. der Detraktion (<span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span>; Erw. 3c). </div> <div class="paratf">- Begriff des Betriebs (Erw. 4), des ungegliederten bzw. gegliederten Betriebs (Erw. 5), des gemischten Betriebs (Erw. 6a), des Hauptbetriebs (Erw. 6b) und des Hilfs- bzw. Nebenbetriebs (Erw. 6c). </div> <div class="paratf">- Dezentralisierter Betriebsteil (Erw. 7b). </div> <div class="paratf">- Die Zuständigkeit der SUVA gemäss <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> beurteilt sich im allgemeinen aufgrund der Branchenzugehörigkeit bzw. des Betriebscharakters (Erw. 5a), ausnahmsweise aufgrund des rein formalen Kriteriums des Gleisanschlusses (<span class="artref">Art. 78 lit. b UVV</span>; Erw. 8). </div> <div class="paratf">- In casu Qualifizierung als gemischter Betrieb. Weder die Betriebseinheit Spedition (mit dem Nebenbetrieb Transport) noch jene der Reisebüroorganisation wird der SUVA unterstellt (Erw. 10). </div> </div> </div> <a name="idp370848"></a> <a name="idp387184"></a> <br/><div> <a name="idp403024"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 328</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page328"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 328</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp404688"></a><span class="bold">A.- </span>Die Firma D. AG betreibt laut Handelsregistereintrag das Speditions- und Transportgeschäft, führt Reisebüros und betätigt sich in weiteren Bereichen des Güter- und Reiseverkehrs. Die Gesellschaft kann sich an anderen Unternehmungen beteiligen. Vom schweizerischen Hauptsitz aus werden die zahlreichen Zweigniederlassungen in der Schweiz und im Ausland geführt und die Tochter- und Beteiligungsgesellschaften der D.-Gruppe betreut. Zum Bereich Schweiz Transporte gehören neben dem Hauptsitz 22 Zweigniederlassungen, und der Bereich Schweiz Reisen umfasst eine Reisebüroorganisation mit 27 Agenturen. Die übrigen Arbeitnehmer sind in den Landesgruppen Frankreich und Italien beschäftigt.</div> <div class="paraatf">Vor dem Inkrafttreten des UVG am 1. Januar 1984 waren die Versicherungsverhältnisse zur Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) für jede Geschäftsstelle der D. AG mit separater Verfügung geregelt. Der obligatorischen Versicherung waren jeweils der Lagerhausbetrieb, die Umschlags- und Verladerarbeiten, der Camionnagedienst, Transporte und der Zolldeklarantendienst mit manueller und kaufmännischer Tätigkeit sowie die zugehörigen Büros unterstellt. Von der Unterstellung ausgenommen waren das Speditionsgeschäft mit Büros und die Reisebüroorganisation. Die bis Ende 1983 der SUVA unterstellten Betriebsteile der D. AG umfassten ca. 400 Arbeitnehmer mit einer Lohnsumme von rund 13 Millionen Franken, während die übrigen Arbeitnehmer mit einer Lohnsumme von rund 65 Millionen Franken nicht bei der SUVA versichert waren.</div> <div class="paraatf">Mit Verfügung der Prämienabteilung der SUVA vom 29. März 1984 wurde gestützt auf die Betriebsbeschreibung vom 23. Januar 1984 die gesamte Unternehmung der D. AG rückwirkend auf den <a name="page329"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 329</div>1. Januar 1984 ihrem Tätigkeitsbereich unterstellt. Die unterstellten Betriebsteile wurden wie folgt umschrieben:</div> <div class="paraatf">Betriebsteil A: Lagerhausbetrieb, Camionnagedienst, Transporte, Zolldeklarantendienst mit manueller Tätigkeit, in der ganzen Schweiz.</div> <div class="paraatf">Betriebsteil Z: Büros, Zolldeklarantendienst mit kaufmännischer Tätigkeit, Reisebüro, in der ganzen Schweiz.</div> <div class="paraatf">Auf die hiegegen erhobene Einsprache hin erklärte sich die Direktion der SUVA mit Entscheid vom 13. September 1984 bereit, die Reisebüros von der Unterstellung auszunehmen und die angefochtene Verfügung entsprechend abzuändern; im übrigen wies sie die Einsprache ab.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp412768"></a><span class="bold">B.- </span>Die Firma D. AG beschwerte sich gegen diesen Einspracheentscheid beim Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) und beantragte, dass der ganze Betrieb nicht der SUVA zu unterstellen sei. Die SUVA beantragte Abweisung der Beschwerde.</div> <div class="paraatf">Das Bundesamt hiess die Beschwerde mit Entscheid vom 16. Januar 1986 gut und hob den Einspracheentscheid sowie die Unterstellungsverfügung auf.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp414976"></a><span class="bold">C.- </span>Die SUVA erhebt Verwaltungsgerichtsbeschwerde und beantragt Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides.</div> <div class="paraatf">Die D. AG lässt auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen.</div> <br/><div> <a name="idp420624"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp421632"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span>Gegen Entscheide des BSV nach <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 UVG</span> über die Zuständigkeit eines Versicherers kann innert 30 Tagen beim Eidg. Versicherungsgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben werden (<span class="artref">Art. 110 Abs. 1 UVG</span>). Da der Unterstellungsentscheid weder von einer Rekurskommission noch von einem kantonalen Gericht als Vorinstanz erlassen worden ist und es zudem nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, richtet sich die Kognition nach Art. 132 in Verbindung mit Art. 104 lit. a und b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 1 OG</span>. Demnach kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden, und das Eidg. Versicherungsgericht ist befugt, die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung frei zu überprüfen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1987&amp;to_year=1987&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F100-V-11%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page12">BGE 100 V 12</a> Erw. 1 mit Hinweis).</div> <div class="paraatf"> <a name="page330"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 330</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp431824"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>a) Gemäss den bis Ende 1983 in Kraft stehenden <span class="artref">Art. 60 ff. KUVG</span> waren nur gewisse Arbeitnehmer gegen Unfall obligatorisch versichert. Das Gesetz und die Verordnung I über die Unfallversicherung enthielten einen Katalog von Unternehmenszweigen, deren Arbeitnehmer erhöhten betrieblichen Gefahren ausgesetzt waren und deshalb gegen Unfall obligatorisch bei der SUVA versichert werden mussten. Für die übrigen Arbeitnehmer bestand kein bundesrechtliches Versicherungsobligatorium. Da die Privatversicherer die obligatorische Versicherung nicht durchführen durften, entschied das Unterstellungsrecht des KUVG nicht darüber, ob ein Arbeitnehmer durch die SUVA oder durch einen Privatversicherer versichert werde. Vielmehr ging es einzig um die Frage, welche Arbeitnehmer im Interesse der sozialen Sicherheit obligatorisch versichert seien. Nach diesem System versicherte die SUVA bis Ende 1983 rund zwei Drittel der Arbeitnehmer in der Schweiz.</div> <div class="paraatf">b) Seit dem Inkrafttreten des UVG am 1. Januar 1984 sind grundsätzlich alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer obligatorisch gegen Unfall versichert. Die obligatorische Unfallversicherung wird jedoch nicht mehr durch die SUVA allein, sondern auch durch andere Unfallversicherer im Sinne von <span class="artref">Art. 68 UVG</span> durchgeführt. Der Zuständigkeitsbereich der SUVA wird durch Gesetz und Verordnung (<span class="artref">Art. 66 UVG</span>, <span class="artref"><artref id="CH/832.202/73" type="start"></artref>Art. 73-89 UVV</span><artref id="CH/832.202/89" type="end"></artref>) zwingend und abschliessend umschrieben. Die übrigen, nicht der SUVA unterstellten Betriebe müssen ihre Arbeitnehmer durch Vertrag bei den in <span class="artref">Art. 59 Abs. 2 UVG</span> genannten andern Versicherern im Sinne von <span class="artref">Art. 68 UVG</span> versichern. Das Unterstellungsrecht hat somit nach UVG eine wesentlich andere Funktion als nach KUVG, indem es nun darüber entscheidet, ob die SUVA oder ein anderer Versicherungsträger die Versicherung durchführt. Das Unterstellungsrecht nach UVG hat damit nicht mehr eine soziale, sondern eine rein wirtschaftliche Funktion.</div> <div class="paraatf">c) Der Gesetzgeber hat die Unterstellungskriterien des KUVG trotz dieses erheblichen Funktionswandels im neuen Recht ohne grosse Änderungen übernommen. Er verfolgte damit insbesondere ein wirtschaftliches Ziel: Der Bestand der bei der SUVA versicherten Arbeitnehmer hatte ungefähr gleich zu bleiben. Hingegen sollte die Durchführung der erweiterten Versicherung an die übrigen Versicherungsträger gehen. Immerhin war keine strikte Besitzstandswahrung beabsichtigt, sondern man wollte berechtigten Begehren auf Zuteilung bestimmter Berufs- oder <a name="page331"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 331</div>Betriebsgruppen zur SUVA oder von dieser zur Privatversicherung Rechnung tragen. Sodann hat sich der Gesetzgeber deutlich vom Bestreben leiten lassen, den gesamten Betrieb einheitlich zu versichern (Grundsatz der Einheit der Versicherung; vgl. im übrigen Botschaft des Bundesrates zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 18. August 1976, BBl 1976 III 176 f. Ziff. 351; Bericht der Expertenkommission über die Revision der Unfallversicherung vom 14. September 1973, S. 121; Amtl.Bull. 1979 N 138).</div> <div class="paraatf">d) Obwohl der Gesetzgeber die Unterstellungskriterien weitgehend unverändert übernommen hat, können die altrechtliche Verwaltungspraxis und Rechtsprechung angesichts der veränderten Funktion der Unterstellungskriterien im neuen Recht nicht unbesehen angewendet werden. Unter dem nunmehr massgebenden Aspekt der Aufteilung des Versicherungsgeschäfts zwischen der SUVA einerseits und den Versicherern gemäss <span class="artref">Art. 68 UVG</span> anderseits kommt dem Gebot der Rechtssicherheit und der administrativen Einfachheit erhöhtes Gewicht zu. Die Verwaltungspraxis und die Rechtsprechung haben im Rahmen von Gesetz und Verordnung sachgerechte und klare Kriterien für die Entscheidung der Unterstellungsfrage zu erarbeiten. Diese Kriterien müssen im Rahmen von <span class="artref">Art. 76 UVG</span> (Wechsel des Versicherers) möglichst dauerhafte Unterstellungen gewährleisten und verhindern, dass normale organisatorische Umdispositionen zu einer Neuzuteilung führen.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp456560"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>a) <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> enthält eine Aufzählung von Betrieben bzw. Betriebszweigen, deren Arbeitnehmer bei der SUVA obligatorisch versichert sind. Personen, für deren Versicherung nicht die SUVA zuständig ist, werden bei andern Unfallversicherern im Sinne von <span class="artref">Art. 68 UVG</span> angeschlossen. In <span class="artref">Art. 66 Abs. 2 1</span>. Halbsatz UVG wird der Bundesrat ermächtigt, die Betriebe im Sinne von <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> näher zu bezeichnen. Er hat von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht und diese Gesetzesbestimmung in den <span class="artref">Art. 73 ff. UVV</span> konkretisiert.</div> <div class="paraatf">b) Sodann wird der Bundesrat in <span class="artref">Art. 66 Abs. 2 2</span>. Halbsatz UVG u.a. beauftragt, namentlich den Tätigkeitsbereich der SUVA zu umschreiben für Arbeitnehmer:</div> <div class="paraatf">a. von Hilfs- und Nebenbetrieben der unterstellten Betriebe;</div> <div class="paraatf">b. von Betrieben, bei denen nur die Hilfs- und Nebenbetriebe unter Absatz 1 fallen;</div> <div class="paraatf">c. von gemischten Betrieben.</div> <div class="paraatf"> <a name="page332"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 332</div> </div> <div class="paraatf">Der vom Bundesrat kraft dieser gesetzlichen Ermächtigung erlassene <span class="artref">Art. 88 UVV</span> mit dem Randtitel "Hilfs-, Neben- und gemischte Betriebe" lautet wie folgt:</div> <div class="paraatf">Mit einem Betrieb nach Artikel 66 Absatz 1 des Gesetzes fallen auch</div> <div class="paraatf">Hilfs- und Nebenbetriebe, die mit dem Hauptbetrieb in sachlichem</div> <div class="paraatf">Zusammenhang stehen, in den Tätigkeitsbereich der SUVA. Fällt der</div> <div class="paraatf">Hauptbetrieb nicht in den Tätigkeitsbereich der SUVA, so sind auch die</div> <div class="paraatf">Arbeitnehmer der Hilfs- und Nebenbetriebe bei einem Versicherer nach</div> <div class="paraatf">Artikel 68 des Gesetzes zu versichern (Abs. 1).</div> <div class="paraatf">Als gemischter Betrieb gilt eine Mehrzahl von Betriebseinheiten</div> <div class="paraatf">desselben Arbeitgebers, die untereinander in keinem sachlichen</div> <div class="paraatf">Zusammenhang stehen. Von solchen Betrieben fallen diejenigen</div> <div class="paraatf">Betriebseinheiten in den Tätigkeitsbereich der SUVA, welche die</div> <div class="paraatf">Voraussetzungen von Artikel 66 Absatz 1 des Gesetzes erfüllen (Abs. 2).</div> <div class="paraatf">c) Gemäss <span class="artref">Art. 88 Abs. 1 UVV</span> gilt für die in Haupt- und Neben- bzw. Hilfsbetriebe gegliederten Unternehmungen der Grundsatz der Attraktion (zum Begriff siehe SCHAETTI, Die Unterstellung der versicherungspflichtigen Unternehmen nach der schweizerischen obligatorischen Unfallgesetzgebung, Diss. Zürich 1941, S. 162). Alle Arbeitnehmer des Betriebs sollen einheitlich entweder bei der SUVA oder bei einem andern Versicherer im Sinne von <span class="artref">Art. 68 UVG</span> versichert sein. Für die Unterstellung entscheidend ist nur der Hauptbetrieb. Der Hilfs- bzw. Nebenbetrieb ist diesbezüglich nicht massgeblich, weil er dem Hauptbetrieb folgt.</div> <div class="paraatf">Weist indessen ein Betrieb mehrere Betriebseinheiten auf, die untereinander in keinem sachlichen Zusammenhang stehen, so gilt der Grundsatz der Detraktion (vgl. auch hiezu SCHAETTI, a.a.O.). Die verschiedenen Betriebseinheiten desselben Arbeitgebers können gemäss <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span> verschiedenen Versicherungsträgern unterstellt sein.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp486272"></a><span class="bold" id="consideration_4.">4. </span>a) Der Begriff des Betriebs ist weder im Gesetz noch in der Verordnung näher umschrieben. In Übereinstimmung mit dem angefochtenen Entscheid des BSV ist unter dem Begriff "Betrieb" im Sinne des Unfallversicherungsrechts die juristische Person, die Personengesellschaft oder die Einzelfirma usw. zu verstehen, die als Arbeitgeber auftritt. So gelten z.B. eine Zweigniederlassung (Filiale) oder sonst ein Betriebsteil nie als Betrieb im Sinne von <span class="artref">Art. 66 UVG</span> und damit nicht als Unterstellungsobjekt.</div> <div class="paraatf">b) Diese Umschreibung des Betriebsbegriffs ergibt sich insbesondere aus Gründen der Praktikabilität. Es ist durch eine Konsultation des Handelsregisters in der Regel einfach, die verschiedenen <a name="page333"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 333</div>"Betriebe" festzustellen. Dies macht die nähere Abklärung von Unternehmungszusammenschlüssen und von internen Betriebsstrukturen entbehrlich. Durch die erwähnte Anknüpfung wird der "Betrieb" dem "Arbeitgeber" gleichgesetzt, was dem Wortlaut von <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span> entspricht und im übrigen durchaus systemgerecht ist. Grundlage des Versicherungsverhältnisses ist ein Arbeitsvertrag zu einem Arbeitgeber (vgl. <span class="artref"><artref id="CH/832.20/1" type="start"></artref>Art. 1 und 3 UVG</span><artref id="CH/832.20/3" type="end"></artref>), welchem bei der Durchführung der Versicherung gewisse Aufgaben obliegen (vgl. z.B. Art. 69, 91 Abs. 3 und 93 Abs. 1 UVG). Damit wird der Betrieb als Unterstellungsobjekt nach der rechtlichen Ausgestaltung des Wirtschaftssubjekts (d.h. der Unternehmung) definiert. Nicht mehr festgehalten wird somit an dem unter der Herrschaft des KUVG verwendeten Begriff des Betriebs als "organisatorisch-technische(r) Einheit, in welcher Arbeitnehmer beschäftigt sind" (MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 50).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp497360"></a><span class="bold" id="consideration_5.">5. </span>a) Nach dem System von Gesetz und Verordnung ist unterstellungsrechtlich entscheidend, ob eine Unternehmung als ungegliederter oder als gegliederter Betrieb qualifiziert werden muss. Für die Unterstellung des ungegliederten Betriebs sind die <span class="artref"><artref id="CH/1/66/2" type="start"></artref><artref id="CH/1/66/1" type="start"></artref>Art. 66 Abs. 1 und 2 1</span><artref id="CH/1/66/2" type="end"></artref><artref id="CH/1/2" type="end"></artref>. Halbsatz UVG in Verbindung mit <span class="artref"><artref id="CH/832.202/73" type="start"></artref>Art. 73-87 UVV</span><artref id="CH/832.202/87" type="end"></artref> und für jene des gegliederten Betriebs zusätzlich <span class="artref">Art. 66 Abs. 2 2</span>. Halbsatz lit. a-c UVG in Verbindung mit <span class="artref">Art. 88 UVV</span> anwendbar.</div> <div class="paraatf"><span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> zählt die Betriebe, die in den Zuständigkeitsbereich der SUVA fallen, im allgemeinen aufgrund der Branchenzugehörigkeit und damit nach dem Tätigkeitsbereich oder mit andern Worten nach dem Betriebscharakter auf (zur Ausnahme des rein formalen Kriteriums des Gleisanschlusses gemäss <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 lit. g UVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 78 lit. b UVV</span> siehe Erw. 8). Folglich muss auch die Frage nach der Gliederung der Betriebe nach dem gleichen Kriterium entschieden werden.</div> <div class="paraatf">b) Ein ungegliederter Betrieb im unterstellungsrechtlichen Sinne liegt vor, wenn sich die Unternehmung im wesentlichen auf einen einzigen, zusammenhängenden Tätigkeitsbereich beschränkt. Sie weist somit einen einheitlichen oder im Sinne der Botschaft (BBl 1976 III 209) vorwiegenden Betriebscharakter (z.B. als Bauunternehmung, als Handelsbetrieb oder als Treuhandgesellschaft) auf und führt im wesentlichen nur Arbeiten aus, die in den üblichen Tätigkeitsbereich eines Betriebes dieser Art fallen.</div> <div class="paraatf"> <a name="page334"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 334</div> </div> <div class="paraatf">Nicht entscheidend für die Gliederung im unterstellungsrechtlichen Sinne ist indessen die organisatorische Gliederung einer Unternehmung in - zentral oder dezentral geführte - Betriebsteile (vgl. dazu Erw. 7b), wenn die verschiedenen Teile dem gleichen Betriebszweck dienen und somit zu dessen üblichem Tätigkeitsbereich gehören. Auch die Diversifikation der Produkte oder Dienstleistungen macht eine Unternehmung nicht zum gegliederten Betrieb, sofern dies innerhalb des angestammten Tätigkeitsbereichs geschieht.</div> <div class="paraatf">c) Ein gegliederter Betrieb liegt vor, wenn eine Unternehmung sich nicht auf einen einzigen, zusammenhängenden Tätigkeitsbereich beschränkt. Dies trifft zunächst dann zu, wenn bei einer Unternehmung zwei oder mehrere, klar unterscheidbare Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit bestehen, die nicht in den gleichen Tätigkeitsbereich im oben umschriebenen Sinne fallen. Unter diesen Voraussetzungen fehlt es an der Einheitlichkeit des Betriebscharakters. Ein einheitlicher oder vorwiegender Betriebscharakter liegt aber auch dann nicht vor, wenn die Unternehmung neben dem eigentlichen Schwerpunkt ihrer Geschäftstätigkeit dauernd noch Arbeiten ausführt, die nicht zum normalen Tätigkeitsbereich eines Betriebs mit diesem Charakter (z.B. Bauunternehmung) gehören. Wesentlich ist, dass sich diese Arbeiten vom hauptsächlichen Tätigkeitsbereich der Unternehmung deutlich abheben.</div> <div class="paraatf">Ist ein Betrieb im erwähnten Sinne gegliedert, so stellt sich die Frage, ob ein Haupt- oder ein Hilfs- bzw. Nebenbetrieb im Sinne von <span class="artref">Art. 88 Abs. 1 UVV</span> oder ein gemischter Betrieb mit mehreren Betriebseinheiten im Sinne von <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span> vorliegt.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp525216"></a><span class="bold" id="consideration_6.">6. </span>a) Ein gemischter Betrieb ist anzunehmen, wenn mehrere Betriebseinheiten desselben Arbeitgebers "untereinander in keinem sachlichen Zusammenhang stehen" (<span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span>). Die französische und die italienische Fassung dieser Verordnungsbestimmung sprechen von "lien technique" und "legamo tecnico" und bringen damit besser zum Ausdruck, was mit dem Begriff des sachlichen Zusammenhangs gemeint ist. Es erscheint undenkbar, dass innerhalb ein und desselben Betriebes zwei oder mehrere Betriebseinheiten bestehen, die untereinander in überhaupt keinem sachlichen Zusammenhang stehen. Denn immerhin gehören sie der gleichen Unternehmung an, unterstehen der gleichen obersten Leitung und dienen den gleichen wirtschaftlichen Interessen. Der "sachliche Zusammenhang" ist somit im unterstellungsrechtlichen <a name="page335"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 335</div>Sinne zu verstehen. Dabei ist zu beachten, dass verschiedene Betriebseinheiten je verschiedenen Versicherungsträgern unterstellt werden können und dass der zu definierende Begriff des gemischten Betriebes der einfachen und klaren Entscheidung der Unterstellungsfrage dient.</div> <div class="paraatf">Für die Annahme einer Betriebseinheit gemäss <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span> ist daher - neben der unterstellungsrechtlichen Gliederung in verschiedene Tätigkeitsbereiche - zusätzlich vorauszusetzen, dass eine praktisch vollständige räumliche und personelle Verselbständigung der einzelnen Betriebsteile vorliegt. Unerheblich ist in diesem Zusammenhang, ob die Betriebsteile an einem oder an verschiedenen Orten geführt werden. Die Zweigniederlassungen (Filialen) gelten demnach in der Regel nicht als Betriebseinheiten im Sinne von <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span>, es sei denn, sie arbeiteten ausnahmsweise nicht im gleichen Tätigkeitsbereich und hätten insofern keinen sachlichen Zusammenhang untereinander (vgl. dazu wiederum Erw. 7b hernach).</div> <div class="paraatf">b) Qualifiziert sich eine Unternehmung als gegliederter Betrieb, jedoch nicht als gemischter Betrieb nach <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span>, so stehen seine Teile zueinander im Verhältnis von Haupt- und Hilfs- bzw. Nebenbetrieb (<span class="artref">Art. 88 Abs. 1 UVV</span>). Dies ergibt sich aufgrund der in Gesetz und Verordnung verwendeten Begriffe. Der Hauptbetrieb ist jener Betriebsteil, der die Produktion oder Dienstleistung erbringt, die für die Unternehmung charakteristisch ist und daher den vorwiegenden Betriebscharakter bestimmt. Dies ist im Zweifelsfall der Betriebsteil mit dem grössten Anteil des Umsatzes oder - wenn jener nicht festgestellt werden kann - an der Lohnsumme.</div> <div class="paraatf">c) Prof. Tschudi vertritt in einem zuhanden der Direktion der SUVA erstellten Gutachten vom 6. Mai 1985 die Auffassung, dass ein Hilfs- bzw. Nebenbetrieb nur ein unbedeutendes Anhängsel eines Hauptbetriebes sein könne, das in absoluten Zahlen klein sei (d.h. nicht über 5 Arbeitnehmer) und als selbständiger Betrieb wirtschaftlich kaum existenzfähig wäre. Eine solche Begriffsumschreibung würde bedeuten, dass alle grösseren Betriebsteile eines gegliederten Betriebes als Betriebseinheiten im Sinne von <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span> qualifiziert werden müssten. Eine solche Auslegung ist jedoch weder mit dem Wortlaut noch mit dem Sinn dieser Bestimmung vereinbar und würde zu einer grossen, vom Gesetzgeber nicht gewollten Zersplitterung der Versicherungsträgerschaft führen.</div> <div class="paraatf"> <a name="page336"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 336</div> </div> <div class="paraatf">Die Unterscheidung innerhalb des Begriffspaares "Hilfs-/Nebenbetrieb" ist von untergeordneter Bedeutung, weil beide Betriebsteile unterstellungsrechtlich gleich behandelt werden. Als Hilfsbetrieb kann man einen Betriebsteil bezeichnen, der ausschliesslich der Unternehmung dient, während ein Nebenbetrieb seine Produkte oder Dienstleistungen auch Dritten anbietet.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp546048"></a><span class="bold" id="consideration_7.">7. </span>a) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass bei der Unterstellungsfrage zunächst geprüft werden muss, ob überhaupt ein "Betrieb" im Sinne des Unfallversicherungsrechts vorliegt. Wird dies bejaht, so ist zwischen ungegliederten und gegliederten Betrieben zu unterscheiden. Bei einem ungegliederten Betrieb erfolgt die Unterstellung direkt aufgrund des einheitlichen oder vorwiegenden Betriebscharakters. Bei einem gegliederten Betrieb ist dagegen vorerst zu prüfen, ob die Betriebsteile zueinander im Verhältnis von Haupt- und Hilfs- bzw. Nebenbetrieb stehen oder ob eine Mehrzahl von Betriebseinheiten ohne sachlichen Zusammenhang untereinander vorliegt (gemischte Betriebe). Im erstgenannten Fall erfolgt die Bestimmung des Hauptbetriebes; dieser wird grundsätzlich - unter Vorbehalt des in Erw. 8 zum rein formalen Kriterium "Gleisanschluss" Gesagten - je nach dessen Betriebscharakter der SUVA oder den andern Versicherern nach <span class="artref">Art. 68 UVG</span> zugewiesen. Der Hilfs- bzw. Nebenbetrieb spielt bei dieser Entscheidung keine Rolle. Er wird auch dann dem Versicherungsträger des Hauptbetriebes unterstellt, wenn er als solcher anders zu unterstellen wäre (Grundsatz der Attraktion). Liegt dagegen mangels relevanter Verflechtungen ein gemischter Betrieb vor, so ist die Unterstellung für jede Betriebseinheit gesondert zu prüfen. Die Unterstellung erfolgt nach dem vorwiegenden Betriebscharakter jeder Betriebseinheit, was zu verschiedenen Unterstellungen im gleichen Betrieb führen kann (Grundsatz der Detraktion).</div> <div class="paraatf">b) Unterstellungsrechtliche Probleme können sich bei Betrieben mit dezentralisierten Betriebsteilen ergeben, welche räumlich getrennt geführt werden wie Zweigniederlassungen (Filialen), Zweigwerke, Agenturen, Geschäftsstellen usw. Dabei ist, wie in Erw. 6a gesagt, die räumliche Gliederung (wie die damit regelmässig verbundene personelle Verselbständigung) bezüglich der Frage, ob ein Betrieb im unterstellungsrechtlichen Sinne eine Gliederung aufweist, für sich allein ohne Bedeutung. Vielmehr muss - wie bei einem zentralisierten Betrieb - geprüft werden, ob sich die <a name="page337"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 337</div>Unternehmung im wesentlichen auf einen einzigen, zusammenhängenden Tätigkeitsbereich beschränkt und ob dementsprechend ein einheitlicher oder vorwiegender Betriebscharakter besteht. Ist dies zu bejahen, so liegt - trotz der räumlichen Gliederung (und personellen Verselbständigung) - ein ungegliederter Betrieb vor. Ein dezentralisierter Betriebsteil kann demgegenüber ein unterstellungsrechtlich eigenes Schicksal haben, wenn auch bei einem zentral geführten Betrieb eine Gliederung anzunehmen wäre. Ist bei räumlich gegliederten (und personell verselbständigten) Unternehmungen eine solche unterstellungsrechtliche Gliederung erkennbar, weisen die dezentralisierten Betriebsteile häufig eine identische Gliederung auf; die Frage, was Hauptbetrieb und Hilfs- bzw. Nebenbetrieb ist (<span class="artref">Art. 88 Abs. 1 UVV</span>), entscheidet sich in diesem Fall für die ganze Unternehmung einheitlich. Ob allenfalls ausnahmsweise selbständige Betriebseinheiten (<span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span>) vorliegen, beurteilt sich nach den hiefür in Erw. 6a dargelegten Kriterien.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp558848"></a><span class="bold" id="consideration_8.">8. </span>a) Im vorliegenden Fall sind Inhalt und Tragweite von <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 lit. g UVG</span> umstritten. Diese Bestimmung lautet wie folgt:</div> <div class="paraatf">"Bei der SUVA sind die Arbeitnehmer folgender Betriebe ...</div> <div class="paraatf">obligatorisch versichert:</div> <div class="paraatf">g. Verkehrs- und Transportbetriebe sowie Betriebe mit unmittelbarem</div> <div class="paraatf">Anschluss an das Transportgewerbe."</div> <div class="paraatf">Gestützt auf die Delegationsnorm von <span class="artref">Art. 66 Abs. 2 1</span>. Halbsatz UVG hat der Bundesrat in <span class="artref">Art. 78 lit. b UVV</span> bestimmt:</div> <div class="paraatf">"Als Verkehrs- und Transportbetriebe sowie Betriebe mit unmittelbarem</div> <div class="paraatf">Anschluss an das Transportgewerbe im Sinne von Artikel 66 Absatz 1</div> <div class="paraatf">Buchstabe g des Gesetzes gelten:</div> <div class="paraatf">b. Betriebe, die an ein Gleis einer konzessionierten Eisenbahn oder</div> <div class="paraatf">an einen Schiffanlegeplatz angeschlossen sind und Güter direkt oder über</div> <div class="paraatf">Gleisewagen oder Rohrleitungen ein- und ausladen."</div> <div class="paraatf">Damit erfolgt die Zuweisung zum Tätigkeitsbereich der SUVA nicht - wie in den meisten übrigen Bestimmungen von <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> - nach dem Betriebscharakter (z.B. Baugewerbe), sondern aufgrund eines rein formalen Kriteriums (Gleisanschluss).</div> <div class="paraatf">b) Die SUVA folgert aus dem Wortlaut der zitierten Bestimmungen, dass jeder Betrieb in ihren Tätigkeitsbereich falle, sofern irgendein Betriebsteil - also auch ein Nebenbetrieb - über einen Gleisanschluss verfüge. Diese Auslegung vermag sich scheinbar auf den Wortlaut von <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 lit. g UVG</span> und von <span class="artref">Art. 78 <a name="page338"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 338</div>lit. b UVV</span> zu stützen, wird doch in den beiden Bestimmungen der Begriff "Betrieb" und nicht jener des Hauptbetriebs oder der Betriebseinheit verwendet. Indessen ist zu beachten, dass das Gesetz in <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> von ungegliederten Betrieben ausgeht - so auch bei den in lit. g genannten Betrieben, welche der Bundesrat nach <span class="artref">Art. 66 Abs. 2 1</span>. Halbsatz UVG in <span class="artref">Art. 78 UVV</span> näher bezeichnete. Gemäss <span class="artref">Art. 66 Abs. 2 2</span>. Halbsatz UVG ist es ja Aufgabe des Bundesrates, die Unterstellung der gegliederten Betriebe zu regeln, was er in <span class="artref">Art. 88 UVV</span> getan hat. Danach gelten die Hilfs- bzw. Nebenbetriebe unterstellungsrechtlich als unerheblich; nach dem Grundsatz der Attraktion ist somit bei der Unterstellungsfrage nie an den Hilfs- bzw. Nebenbetrieb anzuknüpfen. Im übrigen hat der Bundesrat in <span class="artref"><artref id="CH/832.202/88/2" type="start"></artref><artref id="CH/832.202/88/1" type="start"></artref>Art. 88 Abs. 1 und 2 UVV</span><artref id="CH/832.202/88/2" type="end"></artref><artref id="CH/832.202/2" type="end"></artref> für die gegliederten Betriebe auf die Regelung von <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> zurückverwiesen. Diese Rückverweisung kann jedoch nur den Sinn haben, dass der in <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> verwendete Begriff "Betrieb" für die gegliederten Betriebe sinngemäss angewendet werden muss. In diesem Zusammenhang bedeutet er Hauptbetrieb (<span class="artref">Art. 88 Abs. 1 UVV</span>) oder Betriebseinheit (<span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span>). Die von der SUVA vertretene wörtliche Auslegung würde für die gegliederten Betriebe zu einer mit Gesetz und Verordnung unvereinbaren Lösung führen. Damit wird der Anwendungsbereich von <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 lit. g UVG</span> für die gegliederten Betriebe klar: Besitzt der Hauptbetrieb einen Gleisanschluss, so wird er zusammen mit dem Hilfs- bzw. Nebenbetrieb dem Zuständigkeitsbereich der SUVA zugewiesen. Auch eine Betriebseinheit untersteht - unabhängig vom vorwiegenden Betriebscharakter - dem Tätigkeitsbereich der SUVA, wenn sie direkt an ein Gleis angeschlossen ist. Verfügt indessen nur der Hilfs- bzw. Nebenbetrieb über einen Anschluss, so ist dieser Umstand unterstellungsrechtlich irrelevant.</div> <div class="paraatf">c) Die SUVA vertritt den Eventualstandpunkt, als Betrieb mit unmittelbarem Anschluss an das Transportgewerbe im Sinne von <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 lit. g UVG</span> sollten nur Unternehmungen betrachtet werden, die "ihrer gesamten wirtschaftlichen Betätigung nach sehr eng mit dem Verkehrs- und Transportgewerbe zusammenhängen". Eine solche Interpretation ist jedoch nach dem soeben Gesagten mit dem Sinn der vom Bundesrat in <span class="artref">Art. 78 UVV</span> konkretisierten Gesetzesbestimmung nicht vereinbar.</div> <div class="paraatf">d) Die Ausführungen zur Unterstellung von Betrieben mit Gleisanschlüssen im Sinne von Erw. 8b gelten auch für <a name="page339"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 339</div>dezentralisiert geführte Unternehmungen. Dabei spielt es unterstellungsrechtlich keine Rolle, an welchem Ort bzw. in welchem Betriebsteil der oder die Gleisanschlüsse bestehen. Die Erfüllung des formalen Kriteriums (Gleisanschluss) bezüglich eines unterstellungsrechtlich relevanten Anknüpfungspunktes (ungegliederter Betrieb; gegliederter Betrieb: Hauptbetrieb oder Betriebseinheit) genügt nach der Anordnung von Gesetz und Verordnung für die Unterstellung des gesamten Betriebes bzw. der betreffenden Betriebseinheit unter die SUVA.</div> <div class="paraatf">Insbesondere liesse es sich nicht begründen, nur jene dezentralisierten Betriebsteile der SUVA zu unterstellen, die einen Gleisanschluss besitzen. Eine solche Unterstellung wäre nur unter der Voraussetzung möglich, dass die dezentralisierten Betriebsteile als Betriebe oder - unabhängig von den übrigen Erfordernissen - als Betriebseinheiten gemäss <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span> qualifiziert würden. Beides widerspräche indessen dem Sinn des Gesetzes. Überdies würde dadurch auch der Grundsatz der Einheit der Versicherung ausgehöhlt.</div> <div class="paraatf">Ferner kann die Auffassung nicht begründet werden, ein Gleisanschluss sei unbeachtlich, wenn er lediglich mit Bezug auf eine Filiale oder mehrere Filialen bestehe. Dazu wäre erforderlich, dass die Filialen - ungeachtet der weiteren Voraussetzungen - immer als Hilfs- bzw. Nebenbetriebe qualifiziert würden. Eine solche Betrachtungsweise stände im Widerspruch zum System des Gesetzes und der Verordnung, weil die Zuweisung zu den Zuständigkeitsbereichen der SUVA und der andern Versicherer im Sinne von <span class="artref">Art. 68 UVG</span> grundsätzlich nach sachlichen und lediglich im Rahmen von <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span> auch nach einem räumlichen Kriterium erfolgt.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp614544"></a><span class="bold" id="consideration_9.">9. </span>Prof. Tschudi in seinem Gutachten und die SUVA in ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde weisen auf das Postulat der Unfallverhütung hin und halten eine Trennung des zuständigen Versicherers vom massgebenden Unfallverhütungsorgan nicht für wünschbar. Durch einen Vergleich zwischen <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> und Art. 49 der Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV), in welcher Bestimmung die von der SUVA zu beaufsichtigenden Betriebe aufgezählt sind, wird in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde dargelegt, dass "in einem sehr weitgehenden Bereich die SUVA da als Durchführungsorgan in der Arbeitssicherheit zuständig ist, wo sie auch als Versicherer tätig wird".</div> <div class="paraatf"> <a name="page340"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 340</div> </div> <div class="paraatf">Die SUVA war unter der Herrschaft des KUVG für Betriebe zuständig, in denen erhöhte Betriebsgefahren auftraten. Da die Zuständigkeitskriterien als solche unter neuem Recht nicht wesentlich geändert wurden und sich lediglich ihre Funktion gewandelt hat (vgl. Erw. 2b und c), trifft dies im wesentlichen auch heute noch zu. Dass zwischen <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> und <span class="artref">Art. 49 VUV</span> gewisse Gemeinsamkeiten bestehen, ist nicht überraschend, denn die Zuständigkeit der SUVA richtet sich auch im Bereich der Unfallverhütung (<span class="artref">Art. 49 VUV</span>) nach dem Kriterium der Betriebsgefahren. Daraus kann jedoch nicht gefolgert werden, dass eine Trennung des zuständigen Versicherers vom massgebenden Unfallverhütungsorgan nicht dem Sinn der genannten Bestimmungen entspreche. Hätte der Gesetz- bzw. Verordnungsgeber gewollt, dass die SUVA als Unfallversicherer für die Betriebe zuständig sei, für die sie auch das massgebliche Unfallverhütungsorgan ist, so wäre in <span class="artref">Art. 49 VUV</span> auf <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> verwiesen worden. Dies wurde jedoch nicht getan, was darauf hinweist, dass ein teilweises Auseinanderfallen zumindest in Kauf genommen wurde.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp630112"></a><span class="bold" id="consideration_10.">10. </span>Die Firma D. AG widmet sich dem Speditions- und Transportgeschäft und unterhält zudem eine Reisebüroorganisation. Als juristische Person ist sie ein Betrieb im Sinne des Unfallversicherungsrechts. Da sie sich nicht auf einen einzigen, zusammenhängenden Tätigkeitsbereich beschränkt, sondern zwei klar unterscheidbare Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit in den Bereichen Spedition/Transport einerseits und Reisebüroorganisation anderseits bestehen, fehlt es an einem einheitlichen oder vorwiegenden Betriebscharakter. Die D. AG stellt somit unterstellungsrechtlich einen gegliederten Betrieb dar. Die beiden Betriebseinheiten Spedition/Transport und Reisebüroorganisation stehen untereinander in keinem sachlichen Zusammenhang im Sinne von <span class="artref">Art. 88 Abs. 2 UVV</span>, weil die verschiedenen Tätigkeitsbereiche auch räumlich und personell praktisch vollständig getrennt sind. Es liegt daher ein gemischter Betrieb vor. Bei der Betriebseinheit Spedition/Transport bildet die Spedition (d.h. die kaufmännische Organisation von Transporten) den Hauptbetrieb, welcher auch den grössten Anteil am Umsatz erzielt, während der Transport als Nebenbetrieb zu qualifizieren ist.</div> <div class="paraatf">Gemäss <span class="artref">Art. 66 Abs. 1 UVG</span> sind die Spedition und die Reisebüroorganisation nicht der SUVA zu unterstellen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die D. AG über mehrere Gleisanschlüsse verfügt. Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, <a name="page341"></a><div class="center pagebreak">BGE 113 V 327 S. 341</div>dienen die Gleisanschlüsse nicht dem Hauptbetrieb (Spedition), sondern dem Nebenbetrieb (Transport). Gleisanschlüsse, die dem Nebenbetrieb dienen, sind aber unterstellungsrechtlich ohne Bedeutung. Der vorinstanzliche Entscheid erweist sich somit als richtig. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der SUVA ist demzufolge abzuweisen.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp638976"></a><span class="bold" id="consideration_11.">11. </span>(Kostenpunkt.)</div> <br/><div> <a name="idp639968"></a><span class="big bold" id="dispositiv">Dispositiv</span> </div> <br/><div class="paraatf">Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht:</div> <div class="paraatf">Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.</div> </div></body></html>