B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3902/2011/was U r t e i l v o m 2 3 . N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Hans Peter Roth, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Juni 2011 / N (…). D-3902/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerde führer Sri Lanka Ende März 2008 und gelangte nach einem längeren Aufenthalt in B._______ von Italien her kommend am 24. September 2008 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nach suchte. Am 25. September 2008 führte das BFM eine Sum marbefragung durch. Die An hörung fand am 19. August 2009 statt. A.b Der Beschwerdeführer – ein Tamile – machte geltend, aus C._______ (D._______) zu stammen. Nach Aufenthalten an verschied e- nen Orten habe er seit 1997 in E._______ (D._______) gelebt. Dort habe er einen Le bensmittelladen geführt. Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) hätten im Laden bisweilen Pakete deponiert und sie später wieder behändigt. Im Februar 2007 habe ein Bekannter ein Paket bei ihm gelagert und sei danach vom Militär festgenommen worden. Beim Verhör habe dieser gestanden, das Paket bei m Beschwerdeführer depo- niert zu haben. Einige Tage später habe die Armee auch bei ihm vorg e- sprochen, ihn mitgenommen , ge schlagen und für den Folgetag wieder vorgeladen. Er habe die Vorla dung befolgt und sei beschuldigt worden, Waffen aufbewahrt zu haben. Er habe dies verneint und sei freigeko m- men. Anschliessend sei er durch ein ehemaliges LTTE-Mitglied, welches die Militärbehörden unterstützt habe, drangsalier t worden. Dieses habe ihn bedroht und gesagt, es wisse, dass er bei Anlässen d er LTTE mit De- korationen und anderen Hilfsar beiten zur Seite gestanden sei. Er sei durch besagte Person bezie hungsweise Personen aus dessen Umfeld wiederholt mitgenommen und ge schlagen worden. In Anbetracht dieser Sachlage sei er nach F._______ geflohen. In E._______ sei das Militär zuhause aber nach wie vor seinetwegen vorstellig geworden. In F._______ sei er im März 2008 durch Unbekannte entführt und gefoltert worden. Sie hätten ihn beschuldigt, die LTTE zu unterstützen. Ausserdem hätten sie Geld von ihm verlangt. Aus d en genannten Gründen sei er nach G._______ weitergeflohen, wo ihn ein Onkel bei der Ausreise unter- stützt habe. Nach der Flucht habe er erfah ren, dass sich Un bekannte an seiner vormaligen Adresse in F._______ wiederholt nach ihm erkundigt hätten. Der Hausbesitzer und dessen Frau seien erschossen worden. Letztere habe ihm bereits während seines Aufent halts bei ihnen in F._______ gesagt, dass sie seinetwegen Probleme hätten. Wegen erlitte- ner Folter leide er an gesundheitlichen Beschwerden. D-3902/2011 Seite 3 A.c Für die bereits damals eingereichten Beweismittel ist auf die Akten zu verweisen (vgl. die Auflistung gemäss vorinstanzlichem Beweismittelum - schlag A 17/1 und A 10/16 S. 3). B. Am 31. August 2009 gab der Beschwerdeführer ein Arztzeugnis zu den Akten. Darin wurde ein medikamentös behandelbares Asthma -Leiden er- wähnt. C. Im Rahmen einer Befragung durch die kantonale Behörde vom 30. Okto - ber 2009 räumte der Beschwerdeführer ein, am 25. April 2008 in H._______ ein Asylgesuch eingereicht zu haben. Das Gesuch sei abg e- lehnt worden. D. D.a Mit Verfügung vom 8. Juni 2011 – eröffnet am 11. Juni 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei genschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei- sung aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug. Zur Begründung führte das BFM im Wesent lichen aus, die geltend gemach ten Verfo l- gungsvorbringen genügten den Anforderungen an die Flüchtlingsei - genschaft aus heutiger Sicht nicht. Die angeblichen Schikanen und B e- helligungen im Dorf und in F._______ seien auf die damalige Situation vor Ort zurückzuführen. Seit Kriegsende habe indes auch der Einfluss be - waffneter Gruppen stark abgenommen. Zudem wü rden Übergriffe auf die Zivilbevölkerung durch kriminelle Einzeltäter oder bewaffnete Gruppen mittlerweile behördlich geahndet. Der Beschwerdeführer habe angege - ben, nach den Festnahmen im Dorf und in F._______ nach kurzer Zeit wieder freigelassen worde n zu sein. Zudem sei er auf der Fahrt von F._______ nach G._______ im Jahr 2008 kontrolliert worden und habe Sri Lanka legal mit dem eigenen Pass über den Flughafen von G._______ verlassen. Dies verdeutliche, dass er bereits zu diesem Zei t- punkt von den sri lankischen Be hörden nicht mehr ernsthaft verdächtigt worden sei, die LTTE aktiv zu unterstützen oder die Sicherheit des Sta a- tes zu gefährden. Weder in seinen Schilderungen noch den eingereichten Beweismitteln fänden sich Hin weise dafür, dass die srilank ischen Behör- den im aktuellen Zeitpunkt ein ernsthaftes Interesse daran haben kön n- ten, ihn zielgerichtet zu verfol gen. Angesichts seines geringen bezi e- hungsweise inexistenten politi schen Profils sei nicht davon auszugehen, D-3902/2011 Seite 4 dass er im Heimatland mit erheb licher Wahrscheinlichkeit eine asylrel e- vante Verfolgung zu gewärtigen habe. D.b Den Vollzug der Wegweisung erachtete das BFM für zulässig, zumut- bar und möglich. Im Hinblick auf die Zumutbarkeit erwog die Vorin stanz, in Gebie ten, die seit längerer Zeit un ter Regierungskontrolle stün den, herrsche weit gehend ein normales Alltagsleben. Der Beschwerdefüh rer stamme aus I._______/E._______ im D._______. Er habe eine gute Schulbildung genossen und verfüge über Berufserfahrung als Ladenbesit- zer. Im Heimatlan d bestehe ein soziale s und familiäres Beziehungsnetz . Das Asthma-Leiden könne auch in Sri Lanka behandelt werden. Zudem stehe ihm offen, medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen. Es sprächen demnach weder die vor Ort herrschende Sicherheitslage noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs. E. Am 17. Juni 2011 stellte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beim BFM ein Akteneinsichtsgesuch. Dabei beantragte er auch Einsicht in di e- jenigen Quellen zur Situation vor Ort, welche offenbar zu einer Praxisä n- derung des BFM geführt hätten. Das BFM beantwortete das Ge such am 20. Juni 2012. F. F.a Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 11. Juli 2011 (Datum des Post- stempels) beantragte der Beschwerdeführer beim B undesverwaltungsge- richt die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids im Wegweisungs- re- spektive Vollzugspunkt (Dispositivziffern 3, 4 und 5), die Rückweisung der Sache an das BFM zur Neubeurteilung sowie eventuali ter die Feststel - lung der Unzulässi gkeit und Unzumutbarkeit des Wegwei sungsvollzugs verbunden mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. Zur Begründung legte er dar, seine Familie und die Verwandtschaft seien als den LTTE nahe stehend bekannt. Bereits sein Vater sei durch regie- rungsfreundliche Milizen umgebracht worden. Etliche Verwandte seien aus Sri Lanka geflüchtet und hätten in anderen Ländern Asyl erhalten. Die Situation im Norden des Landes habe sich entgegen der Sichtweise des BFM nicht verbessert. Die regierungsfre undlichen Milizen seien nach wie vor nicht entmachtet. Gewisse Vertreter dieser Milizen hätten wichtige Staatsämter inne. Weder dem UNHCR-Bericht vom 5. Juli 2010 noch wei- teren Quellen könne entnommen werden, dass d ie vom BFM er wähnte Verbesserung der Situation tatsächlich in einem Ausmass, welches gegen D-3902/2011 Seite 5 eine Gefährdung für Rückkehrer spreche, erfolgt sei. Vielmehr sei Berich- ten aus dem Jahr 2011 eine Verschärfung der staatlichen Repression zu entnehmen. Nach dem Gesagten sei der Wegweisungsvoll zug von Tami- len in den Norden und Osten des Landes nach wie vor unzumutbar, we s- halb die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. F.b Zur Begründung des Hauptantrages machte der Beschwerdeführer sodann insbesondere geltend, die Rekursinstanz gehe in ihrer Praxis nach wie vor von einer Gefährdungslage in seinem Herkunftsgebiet aus. Die Vorinstanz habe es unterlassen, ihre abweichende Haltung rechtsge- nüglich zu begründen. Zudem habe sie die relevanten Herkunftsländerin- formationen, auf welche sie ihren Entscheid stütze, ni cht offen gelegt. Insbesondere habe sie es versäumt, nähere Angaben zur ihrer Dienstre i- se nach Sri Lanka zu machen. Das BFM sei deshalb an zuweisen, sämtli- che Herkunftsländerinformationen, auf welche es sei nen Entscheid stü t- ze, mittels Quellenangaben offe nzulegen. So habe es auch nicht präz i- siert, welche Passagen im zitierten UNHCR-Bericht zu welchen Einschät- zungen im angefochtenen Entscheid geführt hät ten. Das am 17. Juni 2011 gestellte Gesuch um erweiterte Aktenein sicht habe das BFM igno- riert. F.c Der Eingabe lag ein Referenzschreiben des Arbeitgebers des B e- schwerdeführers bei. G. Mit Zwischenverfügung vom 1 4. Juli 2011 verzichtete das Bundesverwal- tungsgericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. H. Mit Vernehmlassung vom 20. Juli 2011 beantragte das BFM die Ab wei- sung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Be- schwerdeführer am 26. Juli 2011 zur Kenntnis gebracht. I. Am 12. Juni 2012 gab der Beschwerdef ührer einen Arztbericht vom 30. Mai 2012 zu den Akten. Darin wurden eine post traumatische Belas- tungsstörung, Asthma bronchiale und Psoriasis vulgaris diagnostiziert. J. Mit Zwischenverfügung vom 14. September 2012 übermittelte das Bu n- desverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer das BFM -Dokument "Sri Lanka, Erkenntnisse Dienstreise 5. bis 17. September 2010" vom 22. D e-D-3902/2011 Seite 6 zember 2011 und gab ihm Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Gleichzei - tig wurde er auf BVGE 2011/24 aufmerksam gemacht. K. In seiner Stellungnahme vom 1. Oktober 2012 hielt der Beschwerdeführer an den bisherigen Vorbringe n grundsätzlich fest und machte – teilweise unter Hinweis auf aktuellere Quellen – kritische Anmerkungen zum BFM- Dokument sowie zu BVGE 2011/24. Ferner stellte er die Nachreichung ei- nes Arztberichts in Aussicht. L. Am 11. Oktober 2012 gab der Beschwerde führer einen Arztbericht vom 4. Oktober 2012 zu den Akten. Nebst der ambulanten p sychiatrisch- psychotherapeutischen Behandlung wurde darin ein schwerwiegendes dermatologisches Leiden verbunden mit einer Hospitalisierung erwähnt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver - waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Aus- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist D-3902/2011 Seite 7 durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Beschwerde richtet sich gemäss den Rech tsbegehren – unter B e- rücksichtigung der Begründung – allein gegen den Vollzug der angeord - neten Wegweisung. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bil det somit einzig die Frage, ob das BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht a n- geordnet hat oder ob anstelle des Vollzugs die vorläufige Auf nahme an- zuordnen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht geltend, dass eine Verletzung der Begründungspflicht vorliege, da es die Vorinstanz unter- lassen habe, die relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ihren Entscheid stütze, offenzulegen. Zudem sei sie in der angefochtenen Verfügung ohne ausreichende Begrü ndung von der langjähri gen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts abgewichen. Daher sei die angefochtene Verfügung im Ausmass der Anfechtung zur Neubeurteilung der Sache an das BFM zurückzuweisen. 4.2 Der Anspruch der Beschwerdepartei auf rechtliches Gehör (Ar t. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 VwVG) umfasst verschiedene Teilgehalte, die als Mitwirkungsrechte und Informationsansprüche au s- gestaltet sind. Zu nennen ist unter anderem da s Recht auf Einsicht in die Verfahrensakten (Art. 26 - 28 VwVG), das der betroffenen Person ermög - lichen soll, die Grundlagen eines sie betreffenden Entscheids zu kon - trollieren und gegebenenfalls wirksam und sachbezogen Stellung zu be - ziehen (vgl. etwa MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, D-3902/2011 Seite 8 Bern 2000, S. 255, m.w.N.; STEPHAN C. BRUNNER, in: A u- er/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 26, N 2; BERNHARD WALDMANN/MAGNUS OESCHGER, in: Wal d- mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 26, N 4 ff., 32 f.). Demnach ist den Par teien grundsätzlich Ein- sicht in die Akten zu gewähren, und dieses Recht darf nur ausnahmswe i- se verweigert werden. Unter die als Beweismit tel dienenden Aktenstücke im Sinne von Art. 26 Abs. 1 Bst. b VwVG fallen insbesondere die im ko n- kreten Fall tatsächlich als Beweismit tel herangezogenen Aktenstücke so- wie ausserdem alle Unterla gen, welche grun dsätzlich geeignet sind, in einem konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen (dazu BGE 132 V 387 E. 3.2 S. 389, 121 I 225 E. 2a S. 227, 119 Ib 12 E. 6b S. 20; EMARK 1994 Nr. 1 E. 3a; vgl. zudem WALDMANN/OESCHGER, a.a.O., Art. 26, N 58). Des Weiteren ist im vorliegenden Zusammenhang auf die Begrü n- dungspflicht hinzuweisen. Die Begründung eines Entscheids soll der b e- troffenen Person die Tatsachen und Rechtsnormen zur Kenntnis bringen, die für die entscheidende Behörde massgeblich waren. Damit soll der Ad- ressat des Ent scheids ausserdem in die Lage versetzt werden, den En t- scheid sachge recht anzufechten (vgl. FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHWANK, in: Wald mann/WEISSENBERGER [Hrsg.], a.a.O., Art. 35, N 10, 17). 4.3 4.3.1 Das BFM hat dem Bundesverwaltungsgericht am 22. Dezember 2011 die verlangte Zusammenfassung der Ergebnisse der Dienstreise nach Sri Lanka vom September 2010 übermittelt. Davon wurde dem Be - schwerdeführer unter Fristansetzung zur Beschwerdeergänzung mit Zwi - schenverfügung vom 14. September 2012 eine Kopie übermittelt. Mit Ein- gabe seines Rechtsvertreters vom 1. Oktober 2012 nahm der Beschwe r- deführer zum Dienstreisebericht des BFM Stellung. Demnach ist dem An- spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör, soweit die ser als verletzt zu erkennen war, im Rahmen des Instruktionsverfah rens in au s- reichender Weise Genüge getan worden . Der genannte Ver fahrens- mangel ist demnach als geheilt zu erachten. 4.3.2 Bezüglich des Antrags des Beschwerdeführers, es seien ihm – über die Ergebnisse der erwähnten Dienstreise hinaus – auch die anderen r e- levanten Herkunftsländerinformationen, auf welche die Vorinstanz ihren Entscheid stütze, offenzulegen, ist festzuhalten, dass sich nach Sinn und Zweck des verfassungsmässigen Gehörsanspruchs die entsprechenden Informationsrechte auf jene Erkenntnisquellen der entscheidenden Be -D-3902/2011 Seite 9 hörde richten, die tatsächlich argumentativ herbeigezogen werden bezie - hungsweise als Grundlage für den Entscheid genannt werden. Unter B e- rufung auf das Akteneinsichtsrecht kann es somit nicht darum geh en, Zu- gang zu irgendwelchen nicht konkret benannten Dokumenten zu erlan - gen. Hinsichtlich der UNHCR -Richtlinien vom 5. Juli 2010 ist im Übrigen festzustellen, dass diese öffentlich zugänglich sind – so auch im Inter net –, weshalb diesbezüglich keine Verl etzung des Akteneinsichtsrechts b e- ziehungsweise der Begründungspflicht vorliegt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass in der angefochtenen Verfügung darauf verzichtet wurde, bezüglich dieses Dokumentes die relevanten Passagen an - zugeben. 4.3.3 Bezüglich der Rüge in der Rechtsmittelschrift, wonach eine Verlet - zung der Begründungspflicht und des Anspruchs der Beschwerdeführen - den auf rechtliches Gehör vorliege, da das BFM in der angefochtenen Verfügung ohne Begründung von der langjährigen Praxis des Bundesv er- waltungsgerichts abgewichen sei, ist Folgendes festzuhalten: Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, weshalb es zum Schluss gelangt, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in S ri Lanka nach Ende des be - waffneten Konfliktes zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE im Mai 2009 deutlich entspannt habe und sich die Lebensbedingun- gen insoweit verbessert hätten, dass eine Rückkehr auch in den Norden und Osten Sri Lankas gru ndsätzlich wieder zumutbar sei, während im ehemals von den LTTE kontrollierten Vanni -Gebiet die Lebensbedingun - gen nach wie vor als sehr schwierig einzustufen seien. Das BFM muss sich als Vorinstanz zwar auch hinsichtlich der Frage der generellen Z u- mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in Herkunftsländer abgewiese - ner Asylsuchender an die Praxis des Bundesverwaltungsge richts halten, es ist aber sehr wohl befugt, mit einlässlicher Begründung von einer b e- stehenden Praxis abzuweichen, wenn es diese als anp assungsbedürftig erachtet (vgl. BVGE 2010/54 E. 9.2.1 S. 801 f.). Dass das BFM den Vol l- zug der Wegweisung in die Nord- und Ostprovinz Sri Lankas aufgrund der jüngsten Entwicklungen in Sri Lanka aus den in der Verfügung dargele g- ten Gründen als zumutbar ein schätzt, ist daher nicht zu be anstanden. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Übrigen rela tiv kurz nach E r- lass der angefochtenen Verfügung in seinem Urteil E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 (vgl. BVGE 2011/24) zur aktuellen Situation in Sri Lanka geäussert und eine Anpassung seiner in BVGE 2008/2 publizierten Praxis vorgenommen, welche mit derjenigen des BFM im Ergebnis weitgehend übereinstimmt (vgl. E. 7.2 nachstehend). Inwiefern das BFM mit seinem D-3902/2011 Seite 10 Vorgehen die Begründungspflicht verletzt haben soll, ist in Anbetracht der insgesamt ausgewogenen und differenzier ten Erwägungen in der ang e- fochtenen Verfügung ohnehin nicht ersichtlich. 4.4 Bei dieser Sachlage besteht somit keine Veranlassung, die angefoch - tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, wes halb das Begeh- ren de s Beschwerdeführers, der Entscheid vom 8. Juni 2011 sei in den Dispositivpunkten 3, 4 und 5 (recte: 4 und 5) aufzuheben und zur Neub e- urteilung der Sache an das BFM zurückzuweisen, abzuweisen ist. Der festgestellte Verfahrensmangel wir d indessen im Kosten - und Entschä - digungspunkt zu berücksichtigen sein (vgl. nachfolgend E. 11.). 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 5.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vor - gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], A us- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148); BVGE 2011/24 E.10.2.). 6. 6.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Dritt staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge - zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein -D-3902/2011 Seite 11 kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konventio n vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutre ffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr - dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfah ren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.3 6.3.1 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerd e- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europ äischen Ge richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschli - che Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kam mer], Saadi ge - gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, B eschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). 6.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht nahm in BVGE 2011/24 zur Frage der Gefährdung von Beschwerdeführenden aus Sri Lanka eine Lageana - lyse vor. Es gebe Personenkreise, die immer noch einer erhöhten Ver fol- gungsgefahr ausgesetzt sein könnten. Dazu gehörten unter anderem Per- sonen, die auch nach Be endigung des Bürgerkriegs verdächtigt wür den, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex -Generals Sarath Fonsek a, Journalisten und an dere in der Medienbranche tätige Personen, international und lokal tätige Vertre - ter von NGOs, die sich für die Menschenrechte einsetzten oder Verstösse kritisierten, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen so wie Personen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigten, abgewie -D-3902/2011 Seite 12 sene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE -Kader oder Personen, die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügten (E. 8). 6.3.3 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblic k auf ei- ne EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem e u- ropäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt be - fasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Ent - scheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011; vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Der Gerichtshof unterst reicht, dass nicht in genereller Weise davon au s- zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behand - lung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr ver - schiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Ein- zelfall s chliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befra - gung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrierun g als verdäch - tigtes oder tatsächliches LTTE -Mitglied, das Bestehen einer Vor strafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kau - tionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnli cher Dokumente, die Anwerbung als Inf ormant der Sicherheitskräfte, die Exi s- tenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungs- zentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE - Mitglied. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dass dem Umstand gebüh - rende Beachtung geschenkt werden müsse, dass diese einzelnen Fakto - ren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" dars tellen, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, namentlich unter der weiteren Berücksichtigung der aktuellen, gegebenenfalls erhöhten, Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im La n- de herrschenden allgemeinen Lage (vgl. T .N. v. Denmark, a.a.O., § 93,° S. 28). 6.3.4 Eine entsprechende konkrete Gefahr, die dem Beschwerdeführer drohen könnte, ist jedoch nicht ersichtlich. So wurde bereits rechtskräftig festgestellt, dass die angeblichen Kontrollen durch die Sicherheitskräfte und die Drohungen sowie Misshandlungen durch Drittpersonen im Zeit - punkt des vorinstanzlichen Entscheids nicht auf begründete Furcht vor D-3902/2011 Seite 13 ernsthaften Nachteilen im Falle der Rückkehr ins Heimatland schliessen lassen würden. Vielmehr erwog die Vorinstanz in i hrer Verfügung vom 8. Juni 2011, die Asylvorbrin gen des Beschwerdeführers hielten den A n- forderungen an die Flüchtlingsei genschaft gemäss Ar t. 3 AsylG nicht stand, da die Behörden kriminelle Akte mittlerweile ahnden würden. Diese Qualifikation blieb – bezogen auf den Asylpunkt – unangefochten. Ferner lässt sich den Akten d ie vom Beschwerdeführer gel tend gemachte Nähe von Angehörigen zur LTTE nicht konkret entneh men. Namhafte eigene diesbezügliche Aktivitäten macht er nicht gelten d, und das Schreiben ei- nes Friedensrichters vom 28. März 2008 im Hinblick auf den offenbar am (…) erfolgten Tod des Vaters lässt in kei ner Weise schlüssig eine LTTE - Nähe der Familie erkennen. Den weiteren Beweismitteln ist ebenfalls kein allfälliges Risikoprofil zu entnehmen; sie belegen allenfalls Ereignisse wie namentlich gewisse V erfolgungshandlungen, vermögen aber keine rel e- vante Gefährdung im ak tuellen Zeitpunkt im Hinblick auf die Zulässigkeit des Vollzugs glaubhaft zu machen. Auch im Übrigen lassen sich den A k- ten keine konkreten Hinweise auf eine drohende menschenrechtswid rige Behandlung des Be schwerdeführers wegen ihm unterstellter LTTE -Nähe entnehmen. Dass bei abgewiesenen Asylsuchen den bei der Wiederei n- reise eine gewisse Ge fährdung im Sinne der Be schwerdevorbringen be- steht, ist aufgrund der skizzierten Rechtsprechung des EGMR und and e- rer Quellen zwar nicht von der Hand zu weisen. Hinreichend konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Pe r- sönlichkeitsprofils bei der Wiedereinreise eine unzulässige Behandlung gewärtigen muss, be stehen nach dem Gesagten indes nicht. So leben auch die Familienangehörigen weiter hin in Sri Lanka, ohne dass der B e- schwerdeführer hätte glaubhaft ma chen können, sie seien aktuell ernst- haft gefährdet. Zudem hat er sein Heimatland offenbar mit dem eigenen Pass verlassen können. 6.3.5 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt entgegen den wenig stich - haltigen Beschwerdevorbringen ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7. 7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr-D-3902/2011 Seite 14 dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. 7.2 Im erwähnten Urteil BVGE 2011/24 aktualisierte das Bundesverwal - tungsgericht die letztmals in BVGE 2008/2 definierte Lage analyse Sri Lankas und passte die Wegweisungspraxis an. Hinsichtlich des Wegwei - sungsvollzugs hält das Geri cht fest, dass dieser in das ge samte Gebiet der Ostprovinz grundsätzlich zumutbar sei (a.a.O. E. 13.1). Auch der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz – mit Ausnahme des Vanni -Ge- biets – sei grundsätzlich zumutbar, wobei sich eine zurückhal tende Beur- teilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien sowie eine Be rücksichti- gung des zeitlichen Elementes aufdränge (a.a.O. E. 13.2.1). Weiterhin als unzumutbar müsse der Wegweisungsvollzug, übereinstim mend mit dem BFM, für das Vanni -Gebiet gelten, welches z u Beginn des Jahres 2008 noch von den LTTE kontrolliert worden sei und in welchem sich in der Folge bis zum endgültigen Sieg über die LTTE die Kriegshand lungen ab- gespielt hätten (a.a.O. E. 13.2.2). Für Personen, die aus dem übri gen Staatsgebiet von Sri Lanka (d.h. die Provinzen North Central, North We s- tern, Central, Western [namentlich der Grossraum Colombo], Southern, Sabarugamuwa und die Uva -Provinz) stammten und dorthin zu rückkehr- ten, sei der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar (a.a.O. E.13.3). 7.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, aus C._______ beziehungs- weise E._______ (D._______) zu stammen. Eine Rück kehr dorthin ist nach neuer Rechtsprechung grundsätzlich als zu mutbar zu betrachten, wobei aber eine sorgfältige, zu rückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien vorzunehmen ist. Das bedeutet, dass den sozio - ökonomischen und den me dizinischen Aspek ten, dem Kindeswohl und auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tragen sind. 7.4 Gemäss Aktenlage wohnen die Mutter und ein Bruder des Beschwe r- deführers nach wie vor in E._______. Er arbeitete in einem Laden lokal und besuchte vorher längere Zeit die Schule. Der verstorbene Vater ve r- fügte offenbar über einen gewissen Wohlstand , und auch ein On kel aus J._______ soll geholfen haben (A 1/9 S. 2 f.; A 10/16 Antworten 19 ff.). In der Schweiz war der Beschwerdeführer erwerbstätig. Er verfügt in seinem Heimatstaat über ein familiäres Beziehungsnetz, wel ches ihm eine sozi - ale und wirtschaftliche Wiedereingliederung ermöglichen kann. Medizini - sche Leiden wie Asthma und Hauterkrankungen können vor Ort im B e- darfsfall weiterbehandelt werden. Auch die Fortsetzung der ambulan ten psychiatrischen Behandlung ist in Sri Lanka möglich. Zudem kann er al -D-3902/2011 Seite 15 lenfalls medizinische Rückkehrhilfe beantragen. Insgesamt ist demnach nicht davon auszugehen, er könnte vor Ort in eine existenzgefährdende Situation geraten. 7.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi gen Reise- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt e i- ne Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). Es erübrigt sich, auf weitere Beschwerdevorbringen hin sichtlich der allgemeinen Situation in Sri Lanka detaillierter einzugehen. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. 11.1 Die Kosten des Verfahrens sind grundsätzlich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indessen wurde ihm erst im Rahmen des Instruktionsverfahrens Einsicht in die E r- gebnisse der Dienstreise des BFM nach Sri Lanka vom September 2010 gewährt. Insofern wurde in der Beschwerde zu Recht ein Verfahrens - mangel gerügt, dieser jedoch durch die Rechtsmittelinstanz ge heilt (vgl. E. 4.4 vorstehend). Es erscheint daher gerechtfertig t, die Verfah - renskosten in Anwendung von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu ermässigen (vgl. dazu ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Pr ozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 212, Rz. 4.60). Eine Re - duktion der Verfahrenskosten auf Fr. 400.– erscheint angemessen. D-3902/2011 Seite 16 11.2 Angesichts des soeben Gesagten ist dem Beschwerdeführer schliesslich trotz des Umstandes, wonach er im vor liegenden Beschwer- deverfahren mit seinen Rechtsbegehren letztlich nicht durchge drungen ist, eine angemessene (reduzierte) Parteientschädigung für die ihm aus der Beschwerdeführung im Rahmen des festgestellten Verfahrens - mangels erwachsenen notwendigen Ko sten zuzusprechen. Der B e- schwerdeführer hat keine Kostennote einreichen lassen. Die Partei - entschädigung ist jedoch aufgrund des zuverlässig abschätzbaren Zei t- aufwandes ihres Rechtsvertreters und der praxisgemässen Bemes - sungsfaktoren (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 8, Art. 10 Abs. 2 und Art. 14 Abs. 2 VGKE) auf insgesamt Fr. 400.– (inklusive Auslagen und all- fällige Mehrwertsteuer) festzusetzen und vom BFM auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3902/2011 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 400.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi - gung von Fr. 400.– auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: