Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. November 2016 (725 16 219 / 297) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beweiswürdigung: Die Voraussetzungen, die es erlauben, auf eine versicherungsinterne reine Aktenbeurteilung abzustellen, sind nicht gegeben; es sind deshalb ergänzende Ab- klärungen vorzunehmen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Roman Felix, Advokat, Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer-Münch, Advokat, Gü- terstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Der 1967 geborene A.____ war seit 1. März 2002 a ls Aussendienst-Mitarbeiter bei B.____ angestellt und durch die Arbeitgeberin bei d er Schweizerischen Unfallversicherungsan- stalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unf ällen und Berufskrankheiten versichert. Mit Unfallmeldung vom 6. August 2014 liess A.____ der S UVA durch seine Arbeitgeberin einen Unfall melden. Gemäss den Angaben im genannten Form ular habe sich der Versicherte am Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Juli 2014 bei einem Treppensturz am linken Fuss verletzt. Am 4. August 2014 suchte A.____ deswegen Dr. med. C.____, Allgemeine Medizin FMH, auf, der ihm eine volle Arbeitsunfähigkeit bis 31. August 2014 und anschliessend eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestierte. Nachdem die SUVA die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten, Taggelder) für die Folgen dieses Unfalls erbracht hatte, teilte sie dem Versicherten mit Schreiben vom 24. November 2015 mit, dass der Fall per 1. Dezember 2015 abgeschlossen werde. Aufgrund der vom Versicherten hiergegen erhobenen Einwände nahm die SUVA eine Neubeurteilung ihrer Leistungspflicht vor. Mit Verfügung vom 3. Mai 2016 entschied sie jedoch, da ss man am Fallabschluss per 1. De- zember 2015 festhalte und einen Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen ablehne. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, laut krei särztlicher Beurteilung seien die be- stehenden Beschwerden am linken Fussgelenk/Fuss spätestens se it April 2015 nicht mehr un- fallbedingt, sondern ausschliesslich krankhafter Natur. Da ran hielt die SUVA auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 6. Juni 2016 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertre ten durch Advokat Roman Felix, am 4. Juli 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der ange fochtene Einspracheentscheid aufzuhe- ben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ih m die gesetzlichen Leistungen über den 1. Dezember 2015 hinaus auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 22. August 2016 beantr agte die SUVA, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in D.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsge- richts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 4. Juli 2016 ist demnach einzu- treten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Be schwerdegegnerin ihre Versiche- rungsleistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 8. Juli 2014 zu Recht per 1. Dezem- ber 2015 eingestellt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt - unter anderem - vor- aus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetre tenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Ze it eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, li egt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (S ozialversicherungsrecht - Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Bewe is des Wegfalls des Kausalzusammen- hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Bewei s zu verlangen, dass kein Gesund- heitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nu n bei voller Gesundheit sei. Ent- scheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu- tung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil P . des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der Feststellung natürlicher Kausalzu- sammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsanwen dende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinw eisen). Das Gericht hat diese medizini- schen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsproz ess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bin- dung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeu- tet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatt en. Insbesondere darf es bei einan- der widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Be weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belan ge umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4.1 Die Beschwerdegegnerin legte die medizinischen Akte n im November 2015 dem Kreisarzt Dr. med. E.____, Facharzt für Chirurgie, vor und ersuchte ihn um Beurteilung der Fra- ge, ob die vom Versicherten geltend gemachten Beschwerd en am linken Fuss mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 8. Juli 2014 zurückzuführen seien. In seiner Beur- teilung vom 23. November 2015 wies Dr. E.____ darauf hin, dass der Versicherte am 8. Juli 2014 ein Verdrehungs-/Verstauchungstrauma des linken Fusse s erlitten habe. Kernspintomo- graphisch seien erste Untersuchungen im August 2014 durch geführt worden. Hier hätten sich lediglich ödematöse Veränderungen im Bereich einiger M uskeln finden lassen. Eine eindeutige Diagnose einer Partialruptur sei nicht gestellt worden; festgehalten habe man lediglich, dass der Befund vereinbar mit Zerrungen oder diskreten Partialr upturen sein könnte. In den Berichten der nachfolgenden Konsultationen werde des Öfteren da rauf hingewiesen, dass bildgebend keine Erklärung für die geklagten Beschwerden gefunden werden könne. Die Diagnosen wür- den zwischen einer Partialruptur der Plantarissehne über eine Kontusion am lateralen Fussrand links bis hin zu einer Plantarfasziitis links mit der Differ enzialdiagnose einer Tendinitis/Tendino- pathie schwanken. Es sei also letztlich nie eine wirklich greifbare Diagnose gestellt worden, was wahrscheinlich auch der Tatsache geschuldet sei, dass bildg ebend kein direktes Korrelat zu den Beschwerden gefunden worden sei. Sollte es sich, wi e von PD Dr. med. F.____, Spital G.____, im Oktober 2015 diagnostiziert, tatsächlich um e ine Plantarfasziitis links handeln, sei festzuhalten, dass es sich dabei um keine unfallbedingte D iagnose handle, ebenso wenig wie bei einer Tendinopathie der Peronaealsehne. Dies sei d amit zu begründen, dass diese Diagno- sen mehr als ein Jahr und drei Monate nach dem Ereigni s gestellt worden seien. Die Plantar- fasziitis sei ein selbstlimitierendes Krankheitsbild, hie r könne es durch das Ereignis am 8. Juli 2014 allenfalls zu einer vorübergehenden Verschlimmerun g gekommen sein. Die Verlaufsbe- richte seit dem Ereignis würden darlegen, dass es zumindest zu einer Verdrehung oder Kontu- sion des linken Fusses gekommen sei. Beschwerden durch Disto rsionen oder Kontusion könn- ten erfahrungsgemäss durchaus mehrere Monate bestehen, allerdings sei davon auszugehen, dass spätestens acht Monate nach dem Unfallereignis (ent sprechend März 2015) Unfallfolgen nicht mehr überwiegend wahrscheinlich eine Rolle spielen würden. Die vom PD Dr. F.____ di- agnostizierte Plantarfasziitis sei jedenfalls nicht als Unfallfolge zu werten. 4.2 Am 23. März 2016 reichte der Versicherte der Beschwer degegnerin einen Bericht des behandelnden Chiropraktikers Dr. H.____ vom selben Tag 2016 ein. Darin vertrat dieser die Auffassung, dass die aktuellen Beschwerden des Versicherten „mit dem Unfall zusammen hän- gen“ würden. Die Beschwerdegegnerin legte deshalb den Bericht von Dr. H.____ dem Kreisarzt Dr. E.____ zur Stellungnahme vor. In seiner ergänzenden Beurteilung vom 14. April 2016 äus- serte sich Dr. E.____ dahingehend, dass das Schreiben des Chiropraktikers nicht wirklich neue, relevante medizinische Erkenntnisse enthalte. Im Bericht w erde ein aktueller Befund beschrie- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben, zudem schildere der Chiropraktiker die Einschätzung der Situation aus seiner Sicht. Die Ausführungen von Dr. H.____ würden aber nichts an der Tatsache ändern, dass sich anlässlich der durchgeführten bildgebenden Untersuchungen keine Erklärung für die geklagten Beschwer- den habe finden lassen. 4.3 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen E inspracheentscheid vom 6. Juni 2016 bei der Beurteilung der Unfallkausalitä t der vom Versicherten am linken Fuss gel- tend gemachten Beschwerden vollumfänglich auf die erw ähnten Stellungnahmen des SUVA- Kreisarztes Dr. E.____ vom 23. November 2015 und 14. Ap ril 2016. Demnach sei, so das Fazit der Beschwerdegegnerin, mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge- hen, dass die über Ende November 2015 weiterbestehend en Beschwerden im Bereich des lin- ken Fusses nicht mehr auf das Ereignis vom 8. Juli 2014 zurückgeführt werden könnten. 5.1 Im Gegensatz zur Beschwerdegegnerin ist der Versichert e der Auffassung, dass den erwähnten Berichten von Dr. E.____ kein ausschlaggebender Beweiswert beigemessen werden kann. So beanstandet er, dass es sich bei den betreffenden kreisärztlichen Berichten um reine Aktenbeurteilungen handle. Zu diesem Einwand ist festzu halten, dass nach der bundesgericht- lichen Rechtsprechung eine reine Aktenbeurteilung bzw. ein reines Aktengutachten nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen ist. Dem reinen Akteng utachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Aktengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind, aber die Zuo rdnung zu einer Diagnose oder der Kausalzusammenhang und das Ausmass der Behinderung verschiede n bewertet werden. In diesen Fällen kann sehr wohl in einem Aktengutachten da s Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die überwiegende Wahrscheinlich keit für eine bestimmte Beurteilung deutlich gemacht werden (Urteil G. des Bundesgerichts vo m 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Wie der Beschwerdeführer zutref fend geltend macht, liegt hier nun aller- dings keine solche Konstellation vor. So erweist sich bere its die Diagnosestellung in den vor- handenen medizinischen Akten alles andere als klar und ü bereinstimmend. Während Dr. E.____ festhält, dass letztlich nie eine wirklich grei fbare Diagnose gestellt worden sei, ha- ben der erstbehandelnde Arzt Dr. C.____ in seinem Beri cht vom 30. September 2014 und Dr. med. I.____, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, in ihrem Bericht vom 3. Oktober 2014 eine Plantarfaszienpartialläsion am lateralen Fussr and links nach Treppensturz am 8. Juli 2014 diagnostiziert und im Bericht von PD Dr. F.____ vom 16. Oktober 2015 wird als Diagnose eine Plantarfaziitis links, DD: Tendinitis/Tendinopathie der Peronaealsehne genannt. Im Gegen- satz zu Dr. E.____ sehen zudem die behandelnden Ärzte u nd Chiropraktiker - soweit sie sich dazu äussern - einen Zusammenhang zwischen der über Ende November 2015 hinaus andau- ernden Beschwerdesymptomatik und dem Unfallereignis vom 8. Juli 2014. Somit kann aber nicht davon gesprochen werden, dass im Fall des Beschwerdefü hrers die relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind und es im Wesent- lichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Nur unter diesen Voraussetzungen könnte aber nac h dem oben Gesagten einer reinen Aktenbeurteilung, wie sie Dr. E.____ vorgenommen hat, voller Beweiswert zukommen. Auf die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aktenbeurteilung des Kreisarztes Dr. E.____ vom 23. Novemb er 2015 und 14. April 2016 kann deshalb nicht abgestellt werden. Zu berücksichtigen gilt es darüber hinaus auch, dass an die Beweiswürdigung ohnehin strenge Anforderungen zu stell en sind, wenn ein Versicherungsfall wie hier ohne Einholung eines externen Gutachtens entsc hieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig keit der versicherungsinternen ärztli- chen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. E. 3.2 hiervor und die dortigen Rechtsprechungshinweise). Vorliegend ergeben si ch aus einzelnen Berichten der be- handelnden Ärzte und Chiropraktiker doch zumindest ger inge Zweifel an der Schlüssigkeit der kreisärztlichen Kausalitätsbeurteilung, zumal sich Dr. E. ____ mit etlichen der medizinischen Vorakten nur ungenügend auseinandersetzt. Weitere, von unabhängiger Seite vorzunehmende Abklärungen des massgebenden medizinischen Sachverhalts sind deshalb auch aus diesen Überlegungen angezeigt. 5.2 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass vorliegen d bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts nicht auf die versicherungsintern e Aktenbeurteilung des Kreisarz- tes Dr. E.____ abgestellt werden kann. Stattdessen sind ergänzende Abklärungen vorzuneh- men. Der angefochtene Einspracheentscheid ist deshalb aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird die F rage, ob die beim Versicherten über Ende November 2015 hinaus bestehenden Beschwerden i m Bereich des linken Fusses auf das Unfallereignis vom 8. Juli 2014 zurückgeführt werd en können, durch einen versiche- rungs externen Facharzt gutachterlich abklären zu lassen haben. Anschl iessend wird sie ge- stützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung über den L eistungsanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Hebt das Kantonsgericht einen b ei ihm angefochtenen Entscheid auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärun g und neuer Beurteilung an die Ver- waltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, B GE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegne- rin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführe rs hat in seiner Honorarnote vom 18. September 2016 für das vorliegende Verfahren ein en Zeitaufwand von 6,25 Stunden gel- tend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozia lversicherungsprozessen praxis- gemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelan genden Stundenansatz von 250 Fran- ken zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die i n der Honorarnote ausgewiese- nen Auslagen von Fr. 32.--. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘722.05 (6,25 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 32.-- + 8 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der SUVA vom 6. Juni 2016 aufge hoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die SUVA zurü ckgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die SUVA hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 1‘722.05 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwert steuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht