B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1059/2020 U r t e i l v o m 1 5 . A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), Pakistan, vertreten durch Shahryar Hemmaty, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des SEM vom 23. Januar 2020. D-1059/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 17. Oktober 2015 um Asyl in der Schweiz nach. A.b Mit Verfügung vom 16. März 2018 stellte das SEM fest, die Beschwer- deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Zur Begründung führte das SEM an, die Beschwerdeführerin habe sich anlässlich ihrer BzP und der Anhörung zu ihren zentralen Ausreisegründen diametral widersprochen. In der BzP habe sie noch geltend gemacht, sie habe Pakistan verlassen, weil sie in ihrem Heimatland als Frau nicht res- pektiert werde, dort nicht in Würde leben könne und zudem Opfer eines Übergriffs durch (Nennung Person) geworden sei. In der Anhörung habe sie demgegenüber ausgeführt, sie habe Pakistan verlassen, weil ein ein- flussreicher Mann sie habe heiraten wollen. Dieser respektive dessen Leute hätten dabei sie und ihren Vater bedroht. Die Äusserung, bei der BzP sei sie von der Dolmetscherin unterbrochen worden, vermöge diese ge- gensätzliche Sachverhaltsdarstellung nicht zu erklären. Weiter würden die Ausführungen zur geltend gemachten Bedrohungslage mehrere chronolo- gische Unstimmigkeiten aufweisen. Sodann sei grundsätzlich nicht in Ab- rede zu stellen, dass sich der Vorfall mit (Nennung Person) tatsächlich ge- mäss der Darlegung der Beschwerdeführerin ereignet habe. Es sei aber nicht ersichtlich, inwiefern dieser mit der von ihr geltend gemachten Bedro- hungslage zusammenhängen solle. An der BzP habe sie denn auch noch explizit erklärt, das Ereignis sei im Kontext der allgemein schlechten Si- cherheitslage sowie der religiös motivierten Gewal tbereitschaft in ihrem Heimatland zu verstehen. Somit habe sie nicht glaubhaft machen können, dass sie aufgrund ihrer verweigerten Heirat mit einem (Nennung Person) in Pakistan ernsthaften Nachteilen ausgesetzt gewesen sei oder begrün- dete Furcht hätte, bei einer Rückkehr solche zu erleiden. Die geltend ge- machte generell schlechte Sicherheitslage in Pakistan sowie die sozialen Lebensbedingungen für Frauen seien nicht als flüchtlingsrechtlich relevant anzusehen. Von diesen Umständen sei die gesamte Zivilbevölkerung Pa- kistans gleichermassen betroffen, womit es diesen an der erforderlichen Gezieltheit fehle. Abgesehen von dem Vorfall mit (Nennung Person) habe sie denn auch keine konkreten Nachteile geltend gemacht. Bei diesem Vor- fall könne nicht zweifelsfrei beu rteilt werden, auf welches Motiv der ver- suchte Übergriff zurückzuführen sei. Es sei aber davon auszugehen, dass D-1059/2020 Seite 3 (Nennung Person) sie rein zufällig aufgrund einer sich ihm bietenden Ge- legenheit als Opfer ausgesucht habe; konkrete Hinweise für eine Wieder- holung der Tat seien nicht ersichtlich. Ein aktuelles Schutzbedürfnis sei folglich zu verneinen und das Vorbringen sei nicht asylrelevant. Weiter müsse die Beschwerdeführerin allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Eth- nie der Hazara bei einer Rückkehr nach Pakistan keine Verfolgungsmass- nahmen im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten. Zwar gebe es in Pakistan ein hohes Mass an religiös motivierter Gewalt gegenüber Hazara. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2014/32) würden die Angriffe aber in Relation zur Grösse dieser Gruppe nicht eine derart grosse Dimension erreichen, dass die hohen Anforderungen an eine Kollektivverfolgung von Hazara in Pakistan als erfüllt zu betrachten wären. Sodann erachtete das SEM den Vollzug der Wegweisung als zulässig, zu- mutbar und möglich. A.c Mit Urteil D-2282/2018 vom 5. April 2019 wurde die gegen diese Ver- fügung am 19. April 2018 erhobene Beschwerde abgewiesen. Zur Begrün- dung führte das Gericht aus, auch wenn die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP bezüglich des Vorfalls mit (Nennung Person) offensichtlich frauen- spezifische Motive für ihre Flucht vorgebracht habe, habe sie dort mit kei- nem Wort erwähnt, dass sie ausgereist sei, weil ein (Nennung Person) B._______ sie habe heiraten wollen und ihre Familie deshalb unter Druck gesetzt habe. In der Anhörung habe sie dagegen bei der Nennung der Aus- reisegründe zuerst die Drohungen von B._______ und dessen Leuten im Zusammenhang mit der verweigerten Heirat an geführt. Danach habe sie erwähnt, dass sie sich stets bedroht gefühlt hab e, wobei es schliesslich auch einen Vorfall mit (Nennung Person) gegeben habe. Es sei die angeb- liche akute Bedrohungslage im Zusammenhang mit dem Heiratsbegehren von B._______ der unmittelbare Grund für das Verlassen ihrer Heimat ge- wesen, weshalb nicht nachvollziehbar sei, dass sie von diesen Umständen bei der BzP nichts erzählt ha be. Das Vorbringen stelle auch keine blosse Präzisierung der bereits bei der BzP dargelegten frauenspezifischen Fluchtgründe dar. Wenn die Beschwerdeführerin ihren Angaben nach nur wenige Tage, nachdem ihr Vater erneut dazu gedrängt worden sei, einer Heirat mit B._______ zuzustimmen, abgereist sei, so wäre zu erwarten, dass sie dies auch im Rahmen einer summarischen Darlegung ihrer Flucht- gründe erwähnt. Vor diesem Hintergrund sei auch die Angabe, die Dolmet- scherin habe sie bei der BzP unterbrochen, als blosse Schutzbehauptung zu werten. Die anlässlich der Anhörung genannten Hauptgründe für das Verlassen der Heimat seien bei der ersten Befragung nicht e inmal in den Ansätzen erwähnt worden. Somit müsse die geltend gemachte Bedrohung D-1059/2020 Seite 4 durch B._______ und dessen Gefolgsleute als nachgeschoben und damit als unglaubhaft eingestuft werden. Sodann wäre – selbst wenn man den Vorfall mit (Nennung Person) trotz der unterschiedlichen Schilderungen als glaubhaft ansehen sollte – dieses Ereignis als nicht asylrelevant einzustu- fen. Aus den Anhörungsprotokollen gehe nicht hervor, dass zwischen der angeblichen Bedrohungslage durch die verweigerte Heirat mit B._______ und diesem Ereignis aus objektiver Sicht ein Zusammenhang bestehen könnte. Die entsprechenden Einwände der Beschwerdeführerin vermöch- ten angesichts ihrer protokollierten Aussagen nicht zu überzeugen. Es be- stünden auch keine Anhaltspunkte dafür, dass dieses Ere ignis von der Gruppierung um B._______ ausgegangen sein könnte. Das konkrete Motiv hinter diesem Ereignis lasse sich zwar nicht eruieren. Es müsse aber da- von ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin als zufälliges Op- fer einer möglichen Straftat ausg esucht worden sei. Unabhängig des da- hinterstehenden Motivs handle es sich somit nicht um eine gezielt gegen sie gerichtete Verfolgungsmassnahme, womit der Vorfall nicht als asylrele- vant zu qualifizieren sei. Den Akten würden sich auch keine Hinweise da- rauf entnehmen lassen, dass der Beschwerdeführerin konkret drohen würde, erneut einem solchen Übergriff zum Opfer zu fallen. Auch bei den telefonischen Drohungen sowie den allgemein schlechten Bedingungen für Frauen in Pakistan und im Besonderen für Hazara -Frauen handle es sich nicht um eine gezielt gegen die Beschwerdeführerin gerichtete Verfolgung. Die Beschwerdeführerin habe denn auch nicht dargelegt, inwiefern sie von letzteren Umständen mehr oder in einem besonderen Ausmass betroffen gewesen wäre als ander e pakistanische (Hazara -)Frauen. Laut BVGE 2014/32 sei sodann – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – nicht von einer Kollektivverfolgung von in Quetta lebenden Hazara aus- zugehen. Die in der Beschwerdeschrift zitierten Berichte zur schwierigen Lage von Hazara in Quetta vermöchten an der Einschätzung, dass die Übergriffe auf Hazara in Quetta zahlenmässig nach wie vor nicht eine der- art grosse Dimension erreichen würden, um die hohen Anforderungen der Rechtsprechung an eine Kollektivverfolgung zu erfüllen (vgl. zum Ganzen BVGE 2014/32 E. 7.2 sowie in jüngerer Zeit Urteil des BVGer D-6993/2015 vom 6. Februar 2019 E. 6), nichts zu ändern. Die Beschwerdeführerin lege nicht dar, inwiefern sich die Lage von weiblichen Hazara erheblich schlech- ter präsentieren sollte respektive dass sie – im Vergleich zu männlichen Hazara – vermehrt Opfer von gewalttätigen Angriffen würden. Sodann er- achtete das Gericht die Ausführungen des SEM zur Zulässigkeit, Zumut- barkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs als zutreffend. D-1059/2020 Seite 5 B. Mit Eingabe vom 4. Dezember 2019 reichte die Beschwerdeführerin unter Beilage diverser Unterlagen (Aufzählung Beweismittel) beim SEM ein Wie- dererwägungsgesuch ein. Darin ersuchte sie, es sei wiedererwägungs- weise festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar sei. Als Folge davon sei die Verfügung des SEM vom 11. August 2017 (recte: 16. März 2018) aufzuheben und wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Sie machte geltend, die Sicherheitslage in Quetta – so insbesondere für Angehörige der Ethnie der Hazara – sei bedenklich und habe sich weiter verschlechtert. Es komme zu willkürlichen Übergriffen, was die eingereich- ten Unterlagen belegten. So sei auch ihr Vater auf dem Heimweg von Un- bekannten auf Motorrädern mit Pistolen beschossen worden und dem An- griff wie durch ein Wunder entkommen. Da sie sich neben ihrer (Nennung Ausbildung) bei (Nennung Tätigkeit) eingesetzt habe, mache sie diese Tä- tigkeit zu einer weiteren Zielscheibe für Angriffe. Ferner würden ihre (Nen- nung Angehörige) mittlerweile im C._______ leben und seit dem (...) eine Wohnung in der Stadt D._______ mieten, da die Situation in Quetta uner- träglich geworden sei. Die diesbezüglich eingereichten Fotos würden bele- gen, dass sie nun in Pakistan nicht mehr auf ein Beziehungsnetz zurück- greifen könne. Ausserdem seien ihre Eltern krank (Nennung Leiden und beabsichtigte Behandlung). Diese könnten sie daher kaum unterstützen. Ausserdem seien ihre Aussichten auf eine Arbeitsste lle sehr schlecht be- ziehungsweise es bestehe in der für sie sicheren Zone keine Möglichkeit, eine Stelle zu finden. Es sei ihr daher insgesamt nicht möglich, sich in ihrer Heimat eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Ein Wegweisungsvollzug sei als unzulässig sowie als unzumutbar zu qualifizieren. C. Mit Schreiben vom 18. Dezember 2019 teilte die Beschwerdeführerin dem SEM mit, dass sie mit ihren beiden (Nennung Verwandte) zusammen auf der Flucht gewesen war, von diesen getrennt worden war und den Kontakt zu diesen verloren gehabt habe. Nun habe sie durch ihre derzeit im C._______ lebenden (Nennung Angehörige) erfahren, dass sich beide (Nennung Verwandte) in der Schweiz aufhalten würden. E._______ (N_______) sei hierzulande als Flüchtling anerkannt und (Nennung Ver- wandte) F._______ (N_______) sei vorläufig aufgenommen worden . Da sich nun beide (Nennung Verwandte) in der Schweiz und ihre (Nennung Angehörige) im C._______ aufhielten, bedeute dies, dass sie in Pakistan D-1059/2020 Seite 6 über keine Familienangehörigen mehr verfüge, auf welche sie zählen könne. D. Mit Verfügung vom 23. Januar 2020 lehnte das SEM das Wiedererwä- gungsgesuch ab und stellte die Rechtskraft und Vollstreckbarkeit der Ver- fügung vom 16. März 2018 fest. Ferner wies es das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten ab, erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und führte an, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. E. Mit Eingabe vom 24. Februar 2020 erhob die Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid Beschwerde und beantragte, es sei die ange fochtene Verfügung aufzuheben und eventuell sei die Sache zwecks Ergänzung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. In formeller Hinsicht er- suchte sie um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Anweisung an die Vollzugsbehörden, von einer Überstellung ihrer Person nach Pakis- tan abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über den Suspensivef- fekt der Beschwerde entschieden habe. Ferner sei das SEM anzuweisen, auf die in Rechnung gestellte Gebühr von Fr. 600.– zu verzichten. Sodann sei die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zu ge- währen und von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzus ehen. Der Beschwerde lagen (Nennung Beweismittel) bei. F. Am 25. Februar 2020 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Weg- weisung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie- dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung D-1059/2020 Seite 7 auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vo rliegenden Be- schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde- führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. Auf einen Schriftenwechsel wird gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG verzichtet. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs- gesuch die Änderung einer ursprünglich fe hlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange- fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit Prozess- entscheid abgeschloss en wurde – können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (zum sogenannten "qualifizier- ten Wiedererwägungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Darüber hinaus sind Revisionsgründe, welche sich auf Tatsachen und Beweismittel abstützen, die erst nach Abschluss eines Beschwerdeverfahrens entstan- den sind, stets unter dem Titel der Wiedererwägung bei der Vorinstanz ein- zubringen, da solche neu entstandenen Beweismittel keine Grundlage für ein Revisionsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht darstellen kön- nen (vgl. Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a [letzter Satz] BGG; BVGE 2013/22 E. 12.3). Gemäss Art. 111b Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG hat die Partei diesfalls neue erhebliche Tatsa- chen oder Beweismittel beizubringen. Analog zur Revision wird dabei vo- rausgesetzt, dass die entsprechenden Beweismittel auch bei zumutbarer D-1059/2020 Seite 8 Sorgfalt nicht im Rahmen des ordentlichen Verfahren hätten eingereicht werden können. Die Erheblichkeit ist zu bejahen, wenn die neu angerufe- nen Tatsachen und Beweismittel geeignet sind, die beurteilten Asylvorbrin- gen in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. 4. 4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältn is nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 4.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 4.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). D-1059/2020 Seite 9 5. 5.1 Zur Begründung der Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs führte das SEM im Wesentlichen aus, hinsichtlich der hohen Anforderungen, wel- che an den Nachweis drohender unmenschlicher Strafe oder Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK gestellt würden, genüge es nach der Rechtspre- chung des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nicht, eine allgemeine Gefahr vorzubringen. Vielmehr müsse sich diese Gefahr gerade auf die betroffene Person beziehen. Es werde auf die allgemeine Situation und die Erfahrungen im Zielland abgestellt, wobei allein der Um- stand, dass dort ernsthafte Verletzungen der Menschenrechte stattfinden, im Allgemeinen für die Bejahung eines "real risk" für eine bestimmte Person nicht genügten. Vielmehr seien spezifische Gründe darzulegen, die die Ge- fahr für den Betroffenen, einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt zu werden, als real erscheinen lassen würden. Solche Gründe lege die Beschwerdeführerin in ihrem Wiedererwägungsgesuch nicht dar. Sie führe lediglich in genereller Weise aus, dass die Lage in Quetta – ins- besondere für Hazara – äusserst prekär sei und sie jederzeit mit willkürli- chen Übergriffen rechnen müsse. Dabei verweise sie auf (Nennung Be- weismittel) und einen Vorfall vom (...), bei dem ihr Vater Opfer eines will- kürlichen Angriffs geworden sei. Weder der (Nennung Beweismittel) noch der besagte Vorfall würden allerdings einen konkreten Bezug zu ihrer Per- son aufweisen. Damit sei nicht ersichtlich, inwiefern sich daraus für sie das Risiko, Opfer einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung zu werden, seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -2282/2018 vom 5. April 2019 erhöht habe. Aus den Beweismitteln lasse sich überdies nicht ablei- ten, dass sich die Lage in Quetta seit dem besagten Urteil des Bundesver- waltungsgerichts derart verschlechtert hätte, dass von einer objektiv ver- änderten Sachlage auszugehen und der Wegweisungsvollzug neu in ge- nereller Weise als unzulässig oder als unzumutbar einzustufen sei. Im Üb- rigen hätte (Nennung Beweismittel) ohne Weiteres bereits im ersten B e- schwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eingereicht wer- den können und müssen, weshalb er im vorliegenden Verfahren nicht wei- ter zu berücksichtigen sei. Im Ergebnis seien die hohen Anforderungen an ein "real risk" daher nicht erfüllt. Sodann sei auch unter den in der Eingabe vom 4. Dezember 2019 vorge- brachten Umständen für die Beschwerdeführerin weiterhin von einem trag- fähigen Beziehungsnetz in Pakistan auszugehen. So verfüge sie beispiels- weise in G._______ über einen (Nennung Verwandter), in dessen Organi- sation sie bereits vor ihrer Ausreise gearbeitet habe. Auch die Mutter die- ses (Nennung Verwandter) , mithin ihre (Nennung Verwandte) , lebe in D-1059/2020 Seite 10 G._______. Des Weiteres würden die meisten ihrer Verwandten in Quetta leben. Besagte Verwandte dürften, anstelle ihrer (Nennung Verwandte), sodann in der Lage sein, sie zumindest in der Anfangsphase finanziell zu unterstützen. Dies gelte auch für die im Ausland lebenden Geschwister. Die Beschwerdeführerin habe nahezu ihr ganzes Leben in Pakistan verbracht, dort (Nennung Ausbildung und Arbeitserfahrungen). Es sei davon auszu- gehen, dass sie bei der Wiedereingliederung auch auf ein Netz von Freun- den und Bekannten zurückgreifen könne. Was die geäusserten Schwierig- keiten hinsichtlich der beruflichen Integration betreffe, so hätte dieses Vor- bringen bereits im Beschwerdeverfahren geltend gemacht werden müs- sen, weshalb nicht weiter darauf einzugehen sei. Im Übrigen habe sich das Bundesverwaltungsgericht im erwähnten Urteil eingehend mit der individu- ellen Zumutbarkei t ihres Wegweisungsvollzugs auseinandergesetzt und diese bejaht. Der Vollständigkeit halber sei anzufügen, dass es der Be- schwerdeführerin auch nicht gelungen sei, den Wegzug ihrer (Nennung Angehörige) aus Pakistan glaubhaft zu machen. Die diesbezüglich einge- reichten Beweismittel seien für den Nachweis einer Niederlassung im C._______ als nicht beweiskräftig zu erachten. Beim (Nennung Beweismit- tel) handle es sich um ein Dokument ohne jegliche Sicherheitsmerkmale, dem aufgrund seiner leichten Fälschbarkeit ka um Beweiswert zukomme. Die eingereichten Fotos könnten sodann ohne Weiteres auch anlässlich einer (vorübergehenden) Reise in den C._______ aufgenommen worden sein, was auch für die Briefumschläge gelte. Im Weiteren liefere die Be- schwerdeführerin in ihrem Wiedererwägungsgesuch keine Erklärung dafür, weshalb die gemäss den (Nennung Beweismittel) offenbar noch in Quetta in laufender Behandlung stehenden (Nennung Verwandte) gerade im (...) hätten in den C._______ ziehen sollen, nachdem sie – trotz der prekären Sicherheitslage – ihr ganzes bisheriges Leben in Quetta verbracht hätten. Zusammenfassend lägen keine Gründe vor, die die Rechtskraft der Verfü- gung vom 16. März 2018 beseitigen könnten. 5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe bekräftigte die Beschwerdeführerin die im Wiedererwägungsgesuch dargelegten Vollzugshindernisse und verw ies dabei auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -4269/2013 vom 25. November 2014 (publiziert in: BVGE 2014/32; Anmerkung Bundesver- waltungsgericht), das sich zur Sicherheitslage der Hazara in Pakistan und insbesondere in der Stadt Quetta geäussert habe. Darin habe das Gericht festgehalten, dass die Zugehörigkeit zur Minderheit der Hazara ein starkes Indiz für eine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs darstelle. Sofern sich aus der persönlichen Situation ein zusätzliches Gefährdungsindiz er-D-1059/2020 Seite 11 gebe, das über die schwierige generelle Lage hinausgehe, sei der Weg- weisungsvollzug als unzumutbar zu bezeichnen. Als ein solch zusätzliches Gefährdungsindiz sei unter anderem die Situation mit B._______ aufge- führt worden. Die Vorinstanz habe jedoch darauf verzichtet, auf dieses Ar- gument einzugehen, obwohl von dieser Person eine enorme Gefährdung für die Beschwerdeführerin ausgehe. Da B._______ über einen weit rei- chenden Einfluss verfügen dürfte, würde dieser sofort über ihre Rückkehr nach Pakistan informiert, und sie wäre einer direkt gegen sie gerichteten Gefährdung ausgesetzt. Sodann belege der eingereichte (Nennung Be- weismittel), dass täglich gezielte Angriffe auf Angehörige der Hazara ge- schehen würden und es auch sie hätte treffen können, wenn sie vor Ort gewesen wäre. Sie wäre demnach im Falle einer Wegweisung tagtäglich dem Risiko solcher Angriffe und einer Art. 3 EMRK zuwiderlaufenden Be- handlung ausgesetzt. Ferner sei dem Argument eines bestehenden tragfä- higen Beziehungsnetzes entgegenzuhalten, dass dieses Beziehungsnetz eine angemessene Unterkunft, die Grundversorgung sowie die Hilfe zur sozialen und wirtschaftlichen Integration gewährleisten müsste. Diese Vo- raussetzungen würden jedoch nicht einfach durch das Vorhandensein ent- fernter Verwandter in Pakistan erfüllt. Diese Verwandten hätten sich in kei- nerlei Hinsicht bereit erklärt, sie in irgendeiner Form zu unterstützen. Auch ihre in der Schweiz lebenden (Nennung Verwandte) seien nicht in der Lage, ihr Unterstützung zu geben, zumal diese erst kürzlich in der Schweiz ein Bleiberecht erhalten hätten und selbst von der Sozialfürsorge leben wür- den. Weiter habe sie ihre Ausbildung nicht beenden können und ihre Arbeit in einer (Nennung Arbeitsort) sei bekanntlich nicht gerne gesehen. Ausser- dem sei der Arbeitsmarkt in Quetta aufgrund der prekären Sicherheitslage, der Abwanderung von Geschäftsleuten, der eingeschränkten Mobilität kaum existent. Daher werde sie kaum Chancen haben, auf dem dortigen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen und sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ferner erscheine es stossend, die zum Nachweis einer Niederlassung ihrer Familienangehörigen im C._______ eingereichten Dokumente derart pau- schal zu bagatellisieren und in keiner Weise zu würdigen. Die Beweismittel müssten entsprechend gewürdigt werden. Sie verfüge in der Tat in ihrer Heimat über keine Kernfamilie mehr und wäre dort ohne finanzielle Mittel auf sich alleine gestellt. Schliesslich führte die Beschwerdeführer in unter Hinweis auf verschiedene öffentliche Berichte an, die allgemeine Lage der Hazara habe sich – entgegen der vom SEM vertretenen Ansicht – durch- aus weiter verschlechtert. Die Regierung sei nicht in der Lage, die gegen die Hazara ausgeübte Gewalt einzudämmen. D-1059/2020 Seite 12 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt vorliegend in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es der Beschwerdeführerin mit ihren Vorbringen im Wiedererwägungsgesuch nicht gelingt, eine veränderte Sachlage darzutun, welche der Zulässigke it oder der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung entgegenstehen würde. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe sowie die auf Beschwerdeebene eingereichten Be- weismittel vermögen daran nichts zu ändern. 6.2 Vorweg ist anzuführen, dass die Ausführungen zu den Schwierigkeiten einer beruflichen Reintegration am Herkunftsort der Beschwerdeführerin und das aus dem Jahr (...) stammende Beweismittel, das sich zur Sicher- heitslage in Quetta und zu den verübten Übergriffen auf Hazara äussert, als im wiedererwägungsrechtlichen Sinne verspätet vorgebracht zu erach- ten sind (Art. 111b Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Solche verspäteten Vorbringen können jedoch ungeachtet der 30-tägigen Frist zur Revision eines rechtskräftigen Entscheids führen, wenn aufgr und dieser Vorbringen offensichtlich wird, dass de r Beschwerdeführerin Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behandlung droht und damit ein völkerrecht- liches Wegweisungshindernis besteht (vgl. Entscheidungen und Mitteilun- gen der Schweizerischen Asylrekurs kommission [EMARK] 1995 Nr. 9 E. 7). Dabei muss die beachtliche Wahrscheinlichkeit einer aktuellen, ernsthaften Gefahr schlüssig nachgewiesen werden, selbst wenn dabei ein herabgesetzter Beweismassstab des Glaubhaftmachens genügt. Diesbe- züglich ist jedoch keine drohende Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behandlung ersichtlich, zumal ein individueller Bezug der (Nennung Be- weismittel), welche eine Gefährdung de r Beschwerdeführerin aufzeigen würde, zu verneinen ist. Ebenso vermögen Schwierigkeiten bei der beruf- lichen Reintegration klarerweise kein völkerrechtliches Wegweisungshin- dernis darzustellen. Weiter vermag der im Wiedererwägungsgesuch angeführte Übergriff auf den Vater der Beschwerdeführerin in Ermangelung eines konkreten Zu- sammenhangs mit ihrer Person kein Indiz darzustellen, dass für sie des- wegen die Gefahr einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung im Fall einer Rückkehr mittlerweile als real bezeichnet werden müsste. Daran vermag auch der wiederholte Hinweis auf die allgemein prekäre Lage der Hazaras in Quetta nichts zu ändern. 6.3 Die Beschwerdeführerin beruft sich sodann auf das in BVGE 2014/32 publizierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, worin die Zugehörigkeit D-1059/2020 Seite 13 zur Minderheit der Hazara als starkes Indiz für eine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu werten sei und beim Vorliegen eines zusätzli- chen, persönlichen Gefährdungsindizes der Wegweisungsvollzug als un- zumutbar zu bezeichnen sei. Vorliegend liege aufgrund der Bedrohung durch B._______, auf welche die Vorinstanz in ihrem Wiedererwägungs- entscheid gar nicht eingegangen sei, laut der Beschwerdeführerin ein sol- ches Gefährdungsindiz vor. Dieser Ansicht kann nicht beigepflichtet wer- den. So wurde bereits im Urteil des Bundesverwa ltungsgerichts D-2282/2018 vom 5. April 2019 in E. 7.5 festgehalten, dass bei der Be- schwerdeführerin keine zusätzlichen Gefährdungsindizien ersichtlich seien, da sie eine konkrete Bedrohungssituation im Zusammenhang mit B._______ nicht habe glaubhaft machen können. Ebenso wenig habe sie darlegen können, dass sie als Frau in einem besonderen Ausmass gefähr- det gewesen wäre und überdies liessen sich den Akten auch keine anderen Anhaltspunkte für eine individuelle Gefährdung der Beschwerdeführerin entnehmen (vgl. E. 7.5). Da die Beschwerdeführerin lediglich pauschal an der angeblichen Bedrohung durch B._______ festhält, ohne irgendwelche Argumente vorzubringen, welche an der rechtskräftig festgestellten Un- glaubhaftigkeit dieser Bedrohung irgendwelche Zweifel aufkommen lassen könnten, ist an der bisherigen Einschätzung festzuhalten. Ein zusätzliches Gefährdungsindiz, welches den Wegweisungsvollzug als unzumutbar er- scheinen liesse, ist nicht ersichtlich. Ferner vermögen die Einwände der Beschwerdeführerin hinsichtlich eines fehlenden respektive nicht mehr existenten tragfähigen Beziehungsnetzes nicht zu überzeugen. Das SEM hat im angefochtenen Entscheid in einläss- licher und überzeugender Weise ausgeführt, weshalb die eingereichten Unterlagen nicht geeignet sind, den Nachweis einer effektiven Niederlas- sung ihrer (Nennung Angehörige) im C._______ zu erbringen. Von einer bagatellisierenden oder gar fehlenden Würdigung dieser Beweismittel kann – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – demnach keine Rede s ein. Da die Beschwerdeführerin dieser Einschätzung nichts Substanzielles entgegenzusetzen vermag, kann zur Vermeidung von Wie- derholungen im Wesentlichen auf die Darlegungen im Entscheid des SEM verwiesen werden. Insbesondere finden sich im Wiedererwägungsgesuch keine Erklärungen zum Umstand, weshalb die (Nennung Verwandte) der Beschwerdeführerin – welche stets in Quetta gelebt hätten und deren Be- wegungsfreiheit dort schon immer und insbesondere nach der Ausreise der Beschwerdeführerin noch in grösserem Ausmass eingeschränkt gewesen sei (vgl. act. A16/17, S. 4, F26 f.) – angesichts deren Gesundheitszustan- des und einer laufenden medizinischen Behandlung in Quetta nun plötzlich D-1059/2020 Seite 14 in den C._______ umziehen und dafür eine (...) lange Reise nach D._______ hätten auf sich nehmen sollen. Sie macht bezeichnenderweise denn auch nicht geltend, dass ein solcher Umzug aus gesundheitlichen Gründen geboten gewesen wäre. Im Weiteren verfügt die Beschwerdefüh- rerin entgegen ihrer pauschalen Behauptung – selbst bei Wahrunterstel- lung einer Wohnsitzverlegung ihrer (Nennung Verwandte) in den C._______ – über weitere Verwandte, die imstande sind, ihr eine ange- messene Unterkunft, die Grundversorgung sowie die Hilfe zur sozialen und wirtschaftlichen Integration zukommen zu lassen. So hat die Beschwerde- führerin eigenen Angaben zufolge während einiger Zeit in G._______ bei ihrem (Nennung Verwandter) gewohnt und war in (Nennung Arbeitsort) tä- tig (vgl. act. A16/17, S. 5 f., F39 f. und S. 11, F76). Zudem verfügt sie über eine (Nennung Verwandte), die ihr bei der Reintegration zweifellos auch behilflich sein dürfte. Das Vorbringen, dass diese Verwandten in keiner Weise bereit seien, sie in irgendeiner Form zu unterstützen, ist in Anbe- tracht der offensichtlich schon vor der Ausreise gewährte n Unterstützung und in Ermangelung konkreter Belege als blosse Sch utzbehauptung zu qualifizieren. 6.4 Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass keine Aspekte wieder- erwägungsrechtlicher Natur gegeben sind, die ein Zurückkommen auf die Verfügung des SEM vom 16. März 2018 rechtfertigen könnten. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. 8.1 Der am 25. Februar 2020 verfügte Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil dahin. 8.2 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist der Antrag, es sei auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses zu verzichte n, gegenstandslos gewor- den. 8.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-D-1059/2020 Seite 15 desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die Rechtsbegehren je- doch nicht als aussichtslos zu betrachten waren und aufgrund der Akten von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen ist, ist das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. (Dispositiv nächste Seite) D-1059/2020 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber Versand: