B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-8171/2008 U r t e i l v o m 1 9 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Afghanistan, alle vertreten durch Dr. iur. Reza Shahrdar, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl (Abweisung eines Wiedererwägungsgesuchs); Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2008 / N (…). E-8171/2008 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden verliessen ihr Heimatland eigenen Angaben zufolge im Sommer 2007 und reisten auf dem Landweg zuerst in den Iran (Aufenthalt angeblich zwei Wochen) und dann weiter in Richtung Schweiz. Von Italien herkommend reisten die Beschwerdeführerin und ih- re beiden minderjährigen Kinder (ohne den beschwerdeführenden Eh e- mann/Vater) am 1. September 2007 in die Schweiz ein und stellten gle i- chentags ein Asylgesuch. Am 31. Dezember 2007 reichten die volljährige Tochter der Beschwerd e- führenden, E._______, und deren Lebenspartner (N (…) / E-8149/2008) in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Am 19. Januar 200 8 gelangte der Ehemann/Vater (nachfolgend B e- schwerdeführer) in die Schweiz , wo er am Folgetag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in (…) ein Asylgesuch einreichte. Schliesslich reiste der damals minderjährige Sohn F._______ am 4. A u- gust 2008 in die Schweiz ein und suchte am Folgetag im EVZ (…) um Asyl nach. B. Am 7. September 2007 wurde die Beschwerdeführerin summarisch zu ih- rer Perso n und ihren Ausreisegründen befragt. Dabei gab sie an, sie stamme aus einem Dorf in der Provinz G._______ in Afghanistan. Sie sei dort geboren und habe dort mit Unterbrüchen bis vor einem Monat gelebt. Sie sei ethnische Tadschikin sunnitischen Glaubens. Als Au sreisegründe gab sie an, eine ihrer Töchter namens H._______ sei vor einem Jahr ver- schleppt worden und gelte seither als verschollen ; zudem sei ihr Mann, welcher Inhaber einer (…) im zehn Fahrstunden entfernten I._______ sei, dort vor drei Monaten von den Taliban mit dem Vorwurf, Spionage zu betreiben, während zwei er Wochen festgehalten worden. Sein Geschäft sei niedergebrannt worden. Einen Tag nach der Freilassung ihre Mannes hätten sie das Land verlassen. Zur Entführung der Tochter H._______ führte die Beschwerdeführerin weiter aus, die Regierung oder die Taliban seien im Wint er nachts ins Haus eingedrungen. Sie habe mehrere Leute gehört, aber nur eine vermummte Person gesehen. Ihr Bruder J._______ habe d ie Tochter zurückhalten wollen, sei dabei jedoch get ötet worden. Als Grund für die Entführung erwähnte die Beschwerdeführerin den Um- stand, dass das Mädchen zur Schule gegangen sei. Sie sei ein paar Mal E-8171/2008 Seite 3 ermahnt worden, nicht mehr in die Schule zu gehen. Eine Woche vor der Entführung sei in der Nacht ein Brief neben die Tür geworfen worden. Zum Verbleib des Beschwerdeführers und ihres Sohnes F._______ führte sie an, diese seien aufgrund einer Festnahme vorerst in Italien verbli e- ben. Auch eine weitere Tochter namens E._______ sei beim Ehe- mann/Vater verblieben. Die Beschwerdeführerin wies sich einzig mit einem auf den Beschwerd e- führer lautenden internationalen Führerschein aus. Sie wurde unter Hi n- weis auf die Möglichkeit eines Nichteintretensentscheides mittels Mer k- blatt aufgefordert, innert 48 Stunden gültige Identitätsdokumente zu den Akten zu reichen. C. Am 5. Oktober 2007 fand eine einlässliche Anhörung der Beschwerdefüh- rerin durch das BFM statt. Dabei führte sie aus, die Familie habe bereits zweimal während zweier Jahre im Iran gewohnt, letztmals von 2003 bis 2005. In Afghanistan habe sie mit ihren Eltern und Geschwistern in G._______ zusammengewohnt, während ihr Mann , nachdem sein G e- schäft in G._______ durch eine Bombe zerstört worden sei, im entfernten I._______ mit einem Kollegen ein Geschäft betrieben und dort gewohnt habe. Von ihrem Cousin habe sie kurz vor der Ausreise erfahren, dass ihr Mann dort von den Taliban in ein Gefängnis gebracht und der dortige Ge- schäftsladen niedergebrannt worden sei. Bis heute wisse sie nicht genau, was geschehen sei, da i hr Mann ihr kein Wort über seine Probleme e r- zählt habe. Er habe ihr nur gesagt, sie solle die Sachen packen, da sie gehen müssten. Weiter schilderte die Beschwerdeführerin, vor einem Jahr sei ihre Tochter K._______ entführt worden. Sie wisse nicht, ob di e- se noch lebe. Auch sei vor zirka drei Monaten ihr Bruder zu Hause von den Taliban getötet worden. Dies sei der Anlass gewesen, das Land s o- fort zu verlassen. Sie hätten Angst bekommen und seien via Kabul und Herat in den Iran gereist, von wo sie nach zwei Wo chen mit Hilfe eines Schleppers ausgereist seien. Nach dem Ablauf der Entführung der Toc h- ter K._______ gefragt, führte die Beschwerdefüh rerin aus, damals seien nachts drei oder vier vermummte Personen gekommen, hätten sie gefes- selt, die Augen verbunden und die Tochter mitgenommen. Wie genau die Leute ins Haus hätten eindringen können, wisse sie nicht , jedenfalls sei ein Schloss beschädigt gewesen . Sie habe Lärm (das Laden eines M a- schinengewehrs) gehört und dann die Leute um sie herumstehen sehen. Sie seien gefesselt worden und es seien ihnen die Augen verbunden E-8171/2008 Seite 4 worden. Auch ihr Bruder J._______, der sie habe verteidigen wollen, sei gefesselt worden. Als sie von den Eltern wieder von den Fesseln befreit worden sei, habe sie gesehen, dass ihr Bruder er schossen und ihr Sohn F._______ so fest geschlagen worden sei, dass er beide Beine gebr o- chen habe. F._______ habe in der Folge operiert werden müssen. Vor der Entführung hätten die Taliban übrigens mehrmals beziehungsweise zweimal Briefe ins Haus geworfen, in denen sie sich gegen das Lesen - und Schreiben -Lernen der Tochter ausgesprochen hätten, so letztmals zwei Wochen vorher. Im Verlauf der Anhörung führte die Beschwerdefüh- rerin aus, ihr Bruder sei eine Woche vor der Rückkehr ihres Mannes e r- mordet worden. Auf Vorhalt vorheriger divergierender Angaben zum Zeit- punkt des Ablebens des Bruders hin, führte die Beschwerdeführerin aus, kurz vor der Ausreise sei eben noch ein anderer Bruder namens L._______ getötet worden. Dieser sei in der Gasse, wo sie gewohnt hä t- ten, angeblich wegen eines Streites mit den Taliban, erschossen worden. D. Am 14. September 2007 erstellte das BFM aufgrund eines stündigen T e- lefongesprächs mit der Beschwerdeführerin eine Herkunftsa nalyse. D er Experte des BFM kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin ohne Zweifel dem afghanischen (tadschikischen) Milieu entstamme und den grössten Teil ihres Lebens in G._______ (Afghanistan) verbracht haben dürfte. Aufgrund des verwendeten Wortscha tzes sei jedoch von einem längeren als bloss zweijährigen Aufenthalt im Iran auszugehen. E. Am 7. Februar 2008 wurde der Beschwerdeführer vom BFM zu seiner Person und summarisch zu seinen Asylgründen befragt. Der Beschwe r- deführer gab ebenfalls an, ethnische r Tadschike sunnitischen Glaubens aus G._______ zu sein. Dort habe er, abgesehen von einem zweijährigen Aufenthalt im Iran (1997 bis 1999) bei seiner dort wohnhaften Mutter, bis im Jahre 2005 gelebt. Von 2005 bis Juni 2007 habe er dann im 1200 Ki- lometer entfernten I._______ gewohnt, wo er in der Landwirtschaft bezie- hungsweise in einem Laden (…) gearbeitet habe. Früher, vor seiner Aus- reise in den Iran, habe er während 15 Jahren einen Laden geführt, (…). Als Ausreisegrund nannte der Beschwerdeführer vorab die wirtschaftliche Situation. Es sei Krieg gewesen und wirtschaftlich sei es deshalb nicht so gut gegangen. Die Leute hätten die (…) nicht bezahlt. Es habe immer wieder Schlägereien gegeben. Er selbst sei kurz vor der Ausreise zudem von vier Unbekannten entführt und für zwei Wochen in einem Keller in I._______ festgehalten worden. Er wisse nicht, was diese von ihm gewollt E-8171/2008 Seite 5 hätten. Von dort sei ihm nachts die Flucht gelungen. Afghanistan habe er auch deshal b verlassen, weil eine minderjährige Tochter namens K._______ vor eineinhalb beziehungsweise zwei Jahren wegen einer a b- gelehnten Heirat entführt worden sei. Zudem sei sein Sohn F._______ geschlagen worden. In der Türkei habe er bei Verwandten drei Kinder zu- rückgelassen, darunter den minderjährigen Sohn namens F._______. F. Am 18. Februar 2008 fand eine einlässliche Anhörung des Beschwerd e- führers durch das BFM statt. Dabei führte dieser aus, er habe anfänglich eine eigene (…) besessen, sei dann aber vor zehn Jahren wegen der Un- ruhen in G._______ in den Iran gegangen. Nach seiner Rückkehr sei sein Geselle, welchem er die (…) überlassen habe, nicht mehr am Leben g e- wesen. Er habe dann vorerst sein eigenes Grundstück bewirtschaftet und später zusammen mit einem neuen Partner ein Geschäft in I._______ ge- führt. Zwei Jahre später sei er wiederum für zehn Monate – diesmal allei- ne – in den Iran zurückgekehrt, da er dort eine seiner Töchter bei Ve r- wandten zurückgelassen habe. Weitere Aufenthalte im Iran habe es, a b- gesehen von der Ausreise, keine gegeben. Im weiteren Verlauf der Anhö- rung datierte der Beschwerdeführer seinen zweijährigen Aufenthalt im Iran auf die Jahre 1991 bis 1993. Nach dem konkreten Ausreisegrund ge- fragt, führte der Beschwerdeführer aus, e ines Tages habe ihm ein Bote die Nachricht überbracht, dass er umgehend nach Hause zurückkehren müsse. Zu Hause angekommen, habe er erfahren, dass eine Tochter ent- führt und seinem Sohn beide Beine gebrochen worden seien. Auch sei sein Schwager namens J._______ umgebracht worden. Sein Sohn habe 40 Tage im Krankenhaus verbringen müssen. Seine entführte Tochter ha- be er während vier bis fünf Monaten überall gesucht. Zwei Wochen vor der Ausreise sei er aus (…) herausgezerrt und in einen Keller gebracht worden, wo sich zirka 18-20 Gefangene aufgehalten hätten. Die Männer hätten ihm auch gedroht, (…) anzuzünden. Ob sie dies gemacht hätten, wisse er nicht. Eines nachts seien er und weitere Gefangen e abgeholt und weggebracht worden. Unterwegs sei der Wagen mit einem Baum kol- lidiert und es sei ihnen die Flucht in Wälder gelungen. Seine Fesseln ha- be er so lange an einem Felsen gerieben, bis er sich davon habe befreien können. Ein Lieferwagen fahrer habe ihn am nächsten Morgen mitg e- nommen. Er habe die Entführer nicht gekannt. Sie hätten einen grossen Turban getragen und damit auch ihr Gesicht verdeckt. Da nur die Taliban Menschen entführten, gehe er davon aus, dass es sich bei seinen Entfüh- rern um Taliban gehandelt habe. Er sei sich sicher, dass die Entführer auch Gefolgsleute des Heirat sbewerbers gewesen seien, der ein oder E-8171/2008 Seite 6 zwei Monate vor seiner Entführung , gemäss späterer Aussage etwa ein Jahr davor, wiederholt um die Hand seiner Tochter K._______ angehalten habe. Er habe diesen Antrag mit dem Hinweis auf das junge Alter von K._______ abgewiesen. Ob er letztlich jedoch im Zusammenhang mit K._______ oder von Feinden seines Geschäftspartners entführt worden sei, wisse er nicht. Vom Erhalt von Drohbriefen wisse er übrigens nichts. G. Mit zwei separaten Entscheiden vom 23. Juli 2008 lehnte d as BFM d ie Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig verfügte es wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführen- den. Zur Begründung der negativen Asylentscheide f ührte das BFM a n, die zentralen Vorbringen, mithin die Entführung der Tochter und die Fest- nahme des Beschwerdeführers , sei en nicht glaubhaft. Die Verfügungen erwuchsen am 27. August 2008 unangefochten in Rechtskraft. Auf den weiteren Inhalt der Verfügungen wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. H. Mit Eingabe vom 29. Oktober 2008 ersuchten die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter um Wiedererwägung ihrer Entscheide vom 23. Juli 2008. Das Ersuchen um Wiedererwägung wurde damit begrü n- det, dass die Beschwerdeführenden zwischenzeitlich in den Besitz von drei Dokumenten gelangt seien, welche ihre vom BFM bezweifelten Vo r- bringen beziehungsweise die Entführung der Tochter K._______ zu b e- weisen vermöchten. Bei den Dokumenten handle es sich vermutlich um ein Schulzeugnis und zwei Schreiben inklusive Couvert an die jeweils z u- ständigen Behörden. Die Dokumente seien in Dari verfasst und aufgrund der Mittellosigkeit der Familie von Amtes wegen übersetzen zu lassen. Zu beurteilen sei erstmalig auch die psychische Situation der Familie nach Entführung der Tochter. Unter diesem Aspekt seien die Akten neu zu prü- fen und die Aussagen neu zu bewerten. Der Rechtsvertreter behielt sich eine Ergänzung des Wiede rerwägungsgesuches nach Besprechung mit seinen Mandanten vor . Der Eingabe lagen die d rei erwähnten, fremd- sprachigen Dokumente sowie ein Zustellcouvert bei. Der Rechtsvertreter ersuchte zugleich um Einsicht in die Akten des vorliegenden Verfahrens sowie um Einsicht in die Akten des Verfahrens des Sohnes F._______. I. Mit Schreiben vom 3. November 2008 gelangte das BFM an den Recht s-E-8171/2008 Seite 7 vertreter der Beschwerdeführenden mit de m Ersuchen, nähere Angaben zu den eingereichten Dokumenten zu machen , letztere zu übersetze n und das Ersuchen um Wiedererwägung mit konkreten Rechtsbegehren zu versehen. Zu diesem Zwecke retournierte es die ein gereichten Be- weismittel an den Rechtsvertreter. Hinsichtlich des Akteneinsichtsges u- ches wurde der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass die Akten bereits der vormaligen Rechtsvertretung ediert worden seien und die Ak- ten des Sohnes F._______ infolge Hängigkeit des Verfahrens noch nicht herausgegeben werden könnten. Die Original eingaben wurden dem Rechtsvertreter zusammen mit dem Schreiben retourniert. J. Mit Antwortschreiben vom 7. November 2008 ersuchte der Rechtsvertr e- ter unter Hinweis auf die Mittellosigkeit seiner Mandanten um Überse t- zung der Dokumente von Amtes wegen. Er wies darauf hin, dass die E nt- führung von K._______ auch im noch hängigen erstinstanzlichen Verfah- ren von F._______ das Hauptthema sei und die Dokumente die geltend gemachte Verfolgung zu beweisen vermöchten. K. Am 19. November 200 8 wies das BFM das Asylgesuch des Sohnes F._______ der Beschwerdeführenden ab, wies diesen aus der Schweiz weg und verfügte die vorläufige Aufnahme infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. L. Am 24. November 2008 schickte der Rechtsvertreter dem BFM die Be- weismittel zum Wiedererwägungsgesuch zurück. M. Am 3. Dezember 2008 nahm das BFM eine Ü bersetzung der eingereich- ten handschriftlichen und undatierten Dokumente vor, soweit diese lese r- lich waren. Laut dieser Übersetzung ha ndelt es sich beim einen Schre i- ben um ein e Beschwerde an eine nicht entzifferbare Behörde in G._______ im Zusammenhang mit der Entführung der Tochter, und beim zweiten Schreiben um eine Eingabe der Beschwerdeführenden an die Verwaltungsbehörde von G._______, enthaltend die Bitte, ihnen betre f- fend Entführung ihrer Tochter, die vermutlich durch einen Onkel der Toch- ter begangen worden sei, behilflich zu sein. Ersteres Schreiben trägt s o- dann Unterschriften von Dorfbewohnern, welche die Angelegenheit bestä- tigen. Das Schulzeugnis blieb unübersetzt. E-8171/2008 Seite 8 N. Mit Entscheid vom 12. Dezember 2008 wies das BFM das Wiedererw ä- gungsgesuch der Beschwerdeführenden ab und erklärte die Verfügung vom 23. Juli 2008 für rechtskräftig ; das BFM hielt fest, die Beschwerd e- führenden würden in der Schweiz vorläufig aufgenommen bleiben . Für das Verfahren wurde eine Gebühr von Fr. 600. - erhoben. Sodann hielt das BFM fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. Auf die Begründung des Entscheides wird in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. O. Mit Eingabe vom 18. Dezember 2008 erhob der Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen den ablehnenden Wiedererwägung s- entscheid vom 12. Dezember 2008 Beschwerde. Er beantragte die Au f- hebung der Verfügung vom 12. Dezember 2008 und die Gewährung von Asyl. Auf die Gesuche der Beschwerdeführenden sei einzutreten. Die Be- schwerdeführenden seien in jedem Fall vorläufig aufzunehmen. Aufgrund der Mittellosigkeit seien weder ein Kostenvorschuss noch Gerichtsgebü h- ren zu erheben. Auf die Begründung der Beschwerde wird in den nac h- folgenden Erwägungen eingegangen. P. Mit Instruktionsverfügung vom 8. Januar 2009 wurde d em sinngemässen Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung aufgrund des Zusammenhangs mit den zum Teil noch hängigen Verfahren weiterer Familienangehöriger entsprochen und auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses ver zichtet. Weiter hielt die Instruktionsrichterin fest, dass sich die formelle Anordnung einer vorsorglichen Massnahme aufgrund der vor- läufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden nicht aufdränge. Schlies s- lich wurde de n Beschwerdeführenden mitgeteilt, dass die Verfahren der weiteren Familienangehörigen von derselben Instruktionsrichterin beha n- delt würden. Q. Ebenfalls mit Verfügung vom 8. Januar 2009 wurde der Rechtsvertreter bezüglich des Verfahrens des Sohnes F._______ aufgefordert, ärztliche Berichte zur Beinoperation einerseits und zur behaupteten Traumatisie- rung andererseits einzureichen. Am 22. Januar 2009 reichte der Recht s- vertreter mehrere Verlaufsberichte bezüglich der Entfernung von Markn ä- geln den Beinen zu den Akten. E-8171/2008 Seite 9 R. Am 12. August 2011 liessen sich der Beschwerdeführer und die B e- schwerdeführerin auf der afghanischen Botschaft in Genf Pässe ausste l- len. Diese wurden vom BFM im Rahmen eines Gesuches um Bewilligung der Wiedereinreise am 5. September 2011 eingezogen. S. Mit Vernehmlassung vom 17. April 2012 b eantragte das BFM die Abwe i- sung der Beschwerde. Zu den eingereichten Beweismitteln nahm es d a- hingehend Stellung, dass diese zwar die Beinverletzung bestätigten , zu deren Ursache aber nichts aussagten. Weitere medizinische Berichte zu den übrigen Vorbringen seien sodann ausgeblieben. Die Vernehmlassung wurde dem Rechtsvertreter am 23. April 2012 zur Kenntnisnahme zug e- stellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert E-8171/2008 Seite 10 (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. In der angefochtenen Verfügung wurde erwähnt, der Wiedererwägung s- entscheid beziehe sich ebenfalls auf den Sohn F._______. Wie das Bu n- desverwaltungsgericht in seiner Verfügung vom 8. Januar 2009 festgehal- ten hat, ist die Aussage des BFM unrich tig, da zu diesem Zeitpunkt über das Asylverfahren des Sohnes erstinstanzlich noch gar nicht verfügt wo r- den war. 4. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht g e- regelter Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfügende B e- hörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Voraussetzungen e in verfassungs- mässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein Wiedererwägungsg e- such einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungswei se seit dem Urteil der mit B e- schwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz in wesentlicher Weise verä n- dert hat und mithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträ g- lich eingetretene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist. Sodann können auch Revis ionsgründe einen Anspruch auf Wiedererw ä- gung begründen, sofern sie sich auf eine in materielle Rechtskraft e r- wachsene Verfügung beziehen, die entweder unangefochten geblieben oder deren Beschwerdeverfahren mit einem formellen Prozessurteil a b- geschlossen wo rden ist. Ein solchermassen als qualifiziertes Wiedere r- wägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist grundsätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen). E-8171/2008 Seite 11 Eine Wiedererwägung fällt hingegen dann nicht in Betracht, wenn ledi g- lich eine neue Würdigung der beim früheren Entscheid bereits bekannten Tatsachen herbeigeführt werden soll oder Gründe angeführt werd en, die bereits in einem ordentlichen Beschwerdeverfahren gegen die frühere Verfügung hätten geltend gemacht werden können (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104). Allerdings ist gemäss EMARK 1998 Nr. 3 wegen des zwingenden Ch a- rakters des Non -Refoulement-Gebotes gemäss Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) auch im Wiedererwägungsverf ahren der im Revisionsverfahren (vgl. EMARK 1995 Nr. 9) geltende Grundsatz analog anzuwenden, wonach ein rechtskräftiges Urteil selbst dann in Revision zu ziehen ist, wenn die ne u- en Vorbringen zwar im revisionsrechtlichen Sinn verspätet sind, jedoch of- fensichtlich machen, dass dem Gesuchsteller bzw. der Gesuchstellerin Verfolgung oder menschenrechtswidrige Behandlung droht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis besteht. 5. 5.1 Nachdem die Vorinstanz den Anspruch der Beschwerdeführenden auf Behandlung des Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt hat und auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist, hat das Bunde s- verwaltungsgericht zu prüfen, ob die Vorinstanz das Gesuch zu Recht abgewiesen hat. Konkret ist der Frage nachzugehen, ob die im Wieder- erwägungsgesuch angeführten Gründe , mithin das Vorliegen einer Trau- matisierung und das Beschaffen neuer Beweismittel, die Anpassung der Verfügungen vom 23. Juli 2008 erfordern. 5.2 In seinen Verfügungen vom 23. Juli 2008 führte das BFM zur Begrü n- dung der Abweisung der Asylbegehren aus, die Ausführungen zur Entfüh- rung der Tochter seien nicht überzeugend ausgefallen. Die Beschwerde- führerin habe nicht genau angeben können, wann die Entführung stattg e- funden haben solle (zirka vor einem Jahr) , habe das Eindringen der Ent- führer ins Haus wenig überzeugend geschildert ( über die Wände g e- sprungen oder das Türschloss aufgebrochen ), habe sich zu den Entfüh- rern vage geäussert (einerseits habe sie gesagt, sie wisse nicht, wer die Entführer seien, andererseits habe sie angegeben, ausser den Tal iban könne niemand eine solche Tat verüben). Zweifel am Sachverhalt erweck-E-8171/2008 Seite 12 ten sodann auch die widersprüchlichen Angaben der Beschwerdeführerin zur Entführung der Tochter. So habe sie bei der ersten Befragung ang e- geben, diese heisse H._______, während sie bei der Bundesanhörung den Namen der Tochter mit K._______ angegeben habe. Auch habe sie einerseits erwähnt, bei der Entführung im Jahre 2006 sei ein Bruder zu Tode gekommen, andererseits den Zeitpunkt der Ermordung des Bruders auf kurz vor der Ausreise im Jahre 2007 datiert. Diesen Widerspruch ha- be sie auf Vorhalt damit zu erklären versucht, dass eben zwei Brüder e r- mordet worden seien. Unterschiedlich in Anzahl und Zeitpunkt seien schliesslich auch die Angaben der Beschwerdeführerin zu den Drohbrie- fen rund um die Entführung ausgefallen. Der Beschwerdeführer seinerseits habe keine überzeugenden Angaben hinsichtlich der behaupteten Festnahme von 14 Tagen zu machen ve r- mocht. Auch habe er den Ort der Festnahme nicht lokalisieren können, obwohl er gemäss der ersten Schilderung dieses Ereignisses vom fragl i- chen Ort aus geflüchtet sein wolle (gemäss einer zweiten widersprüchl i- chen Schilderung zufolge wolle er jedoch anlässlich eines Gefangene n- transports dank eines Unfalls, bei dem er habe entw ischen können, ge- flohen sein). Aufgrund der Bedeutung dieses Ereignisses hätten laut BFM präzisere Angaben erwartet werden dürfen. Auch die Ausführungen zur Brautwerbung der angeblich entführten Tochter seien substanzlos ausge- fallen. Angesichts dessen, dass die Tochter entführt worden sein soll, sei erstaunlich, dass der Beschwerdeführer kaum etwas über den Bewerber gewusst habe und bloss auf das diesbezügliche Wissen seiner Frau ve r- wiesen habe. Der Beschwerdeführer habe überdies unterschiedliche An- gaben zum Zeitpunkt der Entführung seiner Tochter gemacht. Schliesslich gebe es diverse Divergenzen in Bezug auf die Aussagen seiner Ehefrau. So habe der Beschwerdeführer die Entführung nicht wie seine Ehefrau in den Zusammenhang mit dem Schulbesuch seiner Tochter gebracht, son- dern den Brautwerber als mutmasslichen Entführer der Tochter genannt. Von den Drohbriefen, die vor der Entführung laut der Beschwerdeführerin eingegangen seien, habe der Beschwerdeführer ebenfalls nichts g e- wusst. Zusammenfassend kam das BFM zum Schluss, dass aufgrund der u n- substanziierten und widersprüchlichen Ausführungen beider Eheleute de- ren Verfolgungssituation nicht geglaubt werden könne. 6. Mit Eingabe vom 29. Oktober 2008 ersuchte der Rechtsvertreter mit fo l-E-8171/2008 Seite 13 gender Begründung um Wiedererw ägung de r Entscheide vom 23. Juli 2008: Die Beschwerdeführenden seien zwischenzeitlich in den Besitz von drei Dokumenten gelangt, welche ihre vom BFM bezweifelten Vorbringen beziehungsweise die Entführung der Tochter K._______ zu beweisen vermöchten. Bei d en Dokumenten handle es sich um ein Schulzeugnis und zwei Schreiben inklusive Couvert an Behörden. Zu beurteilen sei so- dann erstmalig auch die psychische Situation der Familie nach der Ent- führung der Tochter. Die Akten seien u nter diesem Aspekt neu zu prüf en beziehungsweise die Aussagen seien neu zu bewerten. Der Eingabe l a- gen die drei erwähnten, in Dari verfassten Dokumente bei. 7. Mit Entscheid vom 12. Dezember 2008 wies das BFM das Wiedererw ä- gungsgesuch mit folgender Begründung ab : Die Beschwerdeführenden hätten zum Nachweis der bislang als unglaubhaft qualifizierten Entfü h- rung der Tochter ein Schulzeugnis sowie zwei undatierte fremdsprachige Schreiben an Behörden zu den Akten gereicht. Es erstaune, dass sie die- se Unterlagen nicht bereits im erstinstanzlich en Verfahren eingereicht oder im Rahme n eines Beschwerdeverfahrens geltend gemacht hätten, dass sie mit der Argumentation des BFM nicht einverstanden seien. Die eingereichten Schreiben wiesen sodann bezüglich Inhalt und Form keine Echtheitsmerkmale auf. Solche Schreiben seien auf dem Schwarzmarkt sehr leicht käuflich erwerbbar. Demzufolge vermöchten die Unter lagen die Entführung der Tochter nicht glaubhaft machen. Der besonderen Situ- ation der Beschwerdeführenden sei ohnehin bereits durch die Anordnung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen worden. Zusammenfa s- send lägen somit keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung vom 23. Juli 2008 zu beseitigen vermöchten. 8. Mit Eingabe vom 18. Dezember 2008 erhob der Rechtsvertreter B e- schwerde gegen de n negativen Wiedererwägungsentscheid. Er hielt den Erwägungen des BFM entgegen, die verfügte vorläufige Aufnahme sei zwar eine teilweise Anerkennung der Zustände in Afghanistan und de s Umstandes, dass die Regierung Karsai nicht schutzfähig sei. Die vorlä u- fige Aufnahme werde jedoch der tatsächlichen Situation nicht gerecht. Die Beschwerdeführenden seien seit der Entführung der Tochter traumatisiert und in einem schlechten sowie labilen psychischen Zustand, der dazu ge- führt habe, dass sie die Beschwerdefrist verpasst hätten. Sie seien z u- dem diesbezüglich gar nicht beraten gewesen . Ohnehin hätten sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Beweismittel einreichen können. Erst später E-8171/2008 Seite 14 sei es ihnen gelungen, solche zu besorgen und die Erlebnisse zu dok u- mentieren. Bei Gewal topfern wie den Beschwerdeführern sei das einf a- che Abstellen auf vielleicht wirre Äusserungen und eine Auflistung von Scheinwidersprüchen keine schwierige Aufgabe. Im vorliegenden Fall, wo es um die Entführung einer jungen Frau und schwere Gewaltanwendung an einem Kind gehe, müsse gründlich abgeklärt werden . Den Beschwer- deführenden werde grobes Unrecht angetan, wenn man – wie dies das BFM ausnahmslos tue – die Dokumente aus Afghanistan als leicht käufli- che Dokumente qualifiziere. Die Beschwerdeführenden trü gen nicht die Schuld, dass in Afghanistan keine behördlichen Abklärungen vorgeno m- men werden könnten und zudem alles leicht käuflich erwerbbar sei. Da das BFM offenbar keine brauchbaren Quellen in Afghanistan habe, stelle sich die Frage, wie es zu seinen be leidigenden Einschätzungen ( "ge- fälscht", "käuflich erworben ") komme. Die mangelhafte Abklärung des Sachverhalts stelle eine grobe Rechtsverletzung dar, zumal die Aussagen der Beschwerdeführenden im Kern alle identisch und widerspruchsfrei seien. 9. Nach ein gehender Würdigung sämtlicher Akten kommt das Bundesve r- waltungsgericht zum Schluss, dass das BFM das Wiedererwägungsg e- such der Beschwerdeführenden zur Recht abgewiesen hat. Der letztge- nannten Behauptung des Rechtsvertreters, dass die Aussagen der B e- schwerdeführenden identisch und widerspruchsfrei ausgefallen seien, ist klar zu widersprechen. Das BFM hat in den beiden negativen Asylen t- scheiden ausführlich dargelegt, weshalb die Aussagen der Beschwerd e- führenden als überwiegend unglaubhaft zu qualifizieren seie n. Den En t- scheidbegründungen sind einerseits diverse Unsubstantiiertheiten und andererseits zahlreiche Widersprüche sowohl innerhalb der eigenen Da r- stellungen als auch im Vergleich der Aussagen de r Ehegatten zu en t- nehmen. Die Reihe der Widersprüche hätte sodann mit weiteren Unsti m- migkeiten hinsichtlich der Aufenthalte im Iran, des Ablaufs der Entführung, des Entführungsgrundes oder des Zeitpunktes der angeblichen Heirat s- anträge ergänzt werden können. Die Beschwerdeführ enden haben es bisher unterlassen, zu den im Entscheid angeführten D ivergenzen mate- riell Stellung zu nehmen . Erstmals wird nun auf Beschwerdeebene im Rahmen eines ausserordentlichen Verfahrens sinngemäss geltend g e- macht, die Un stimmigkeiten in den Aussagen seien auf die Traumatisi e- rung, die si e durch die Ereignisse im Heimatland – vorab die Entführung der Tochter – erlitten hätten, zurückzuführen. Ein ärztlicher Nachweis für diese Traumatisierung wurde jedoch trotz Fristgewährung nicht eing e-E-8171/2008 Seite 15 reicht. Auch fehlt eine Erklärung für diese Säumnis. Mit der simplen B e- hauptung einer Traumatisierung gelingt es de n Beschwerdeführenden klarerweise nicht, das Gericht davon zu überzeugen, dass beide Ehegat- ten aufgrund ihrer psychischen Verfassung nicht mehr in der Lage zu übereinstimmender Schilderung gewesen wären. In Frage zu stellen vermögen sie die rechtskräftigen Verfügungen auch nicht mit den drei eingereichten Dokumenten aus Afghanistan, bei denen es sich um zwei Hilfeersuchen an die Behörden und um ein Schulzeugnis der angeblich entführten Tochter handelt. Weder sind die Schreiben der Beschwerdeführenden, die die Entführung der Tochter zum Inhalt haben, datiert, noch wird in der Beschwerde aufgezeigt, weshalb diese Schre i- ben erst über ein Jahr nach der Ausreise beziehungsweise über zwei Jahre nach der Entführung erhältlich gemacht werden konnten. Ungeach- tet dieser formellen Unzulänglichkeiten ist in materieller Hinsicht zu di e- sen Dokumenten festzuhalten, dass sie die Zweifel am Sachverhalt nicht auszuräumen und somit kein Rückkommen auf die rechtskräft igen Verfü- gungen des BFM zu bewirken vermögen. Bezüglich der Würdigung dieser beiden Schreiben durch das BFM ist zwar zu bemerken, dass d ieses – trotz vorgenommener Übersetzung – unzutreffenderweise davon ausge- gangen ist, es handle sich dabei um zwei von den örtlichen Behörden ausgestellte Dokumente. Entsprechend hat es - ebenfalls fälschlicherwei- se - zur Argumentation gegriffen, diese Behördenschreiben liessen einen offiziellen Charakter vermissen ; zudem seien Schreiben von afghani- schen Behörden ohnehin sehr leicht käuflich erwerbbar. Bei den eing e- reichten handschriftlichen und teilweise nicht leserlichen Dokumenten handelt es sich aber laut der in den Akten befindlichen Übersetzung um Schreiben der Beschwerdeführenden zu Handen zweier Behörden (einer der Adressaten konnte nicht entziffert werden), in welchen letztere im Z u- sammenhang mit der Entführung der Tochter angeschrieben und um Hilfe gebeten wurden. Bezeichnenderweise enthält eines der Schreiben eine erneut von den bisherigen Darstellung en abweichende Aussage, die Tochter sei vermutlich durch ihren eigenen Onkel entführt worden. Für das Gericht stellen diese eigenhändig verfassten und der Darstellung im Asylverfahren hinsichtlich Täter schaft erneut widersprechenden Schrei- ben angesichts der freien Gestaltungsmöglichkeiten durch die Beschwer- deführenden von Vornherein keine für das Wiedererwägungsverfahren beweiskräftigen Dokumente dar. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass die Schreiben von weiteren Personen mitunterzeichnet worden sind. Dass auch das eingereichte Schulzeugnis der angeblich entführten Tochter nicht geeignet ist, den rechtskräftigen vorinstanzlichen E-8171/2008 Seite 16 Entscheid umzustossen, bedarf sodann keiner weiteren Argumentation. Zu den ärztlichen Berichten die Marknägelentfernung betreff end ist schliesslich anzuführen, dass diese keine ärztlichen Aussagen zur He r- kunft der Verletzung des Sohnes F._______ enthalten (vgl. dazu die Aus- führungen im gleichentags ergangenen Urteil E -8152/2008). Das Gericht kommt schliesslich nicht umhin zu bemerken, dass die Beschwerdefü h- renden nach der angeblichen Entführung der Tochter noch über ein Jahr mit der Ausreise zugewartet haben – was vor der Hintergrund der früh e- ren Reisen in den Iran zwecks Besuchs einer anderen dort wohnhaften Tochter umso erstaunlicher erscheint –, so dass hinsichtlich dieses Vo r- bringens die Frage, ob damit der Kausalzusammenhang zur Ausreise nicht als zerrissen betrachtet werden müsste, wohl ebenfalls zu bejahen gewesen wäre. Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass das BFM das Wiedere r- wägungsgesuch der Beschwerdeführenden zu Recht abgewiesen hat. Aufgrund der Aktenlage bestand und besteht keine Veranlassung zu we i- teren Abklärungen im Heimatland. Der diesbezügliche Antrag ist somit abzuweisen. Nach dem Gesagten ist die Ve rfügung vom 23. Juli 2008 , welche auch die Anordnung der Wegweisung als solche umfasst, als wei- terhin rechtskräftig zu erklären. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverha lt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diesen wu r- de jedoch mit Instruktionsverfügung vom 8. Januar 2009 die unentgeltl i- che Prozessführung gewährt. Die Besch werdeführenden gelten weiterhin als bedürftig. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten ist demnach zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-8171/2008 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand: