200 23 339 SH JAP/IMD/LEA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 5. Juli 2023 Verwaltungsrichter Jakob Gerichtsschreiber Imhasly A.________ vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. B.________ Beschwerdeführerin gegen Einwohnergemeinde C.________ Beschwerdegegnerin Regierungsstatthalterin des Verwaltungskreises Biel/Bienne Hauptstrasse 6, Postfach 304, 2560 Nidau Vorinstanz betreffend Entscheid der Regierungsstatthalterin-Stv. des Verwaltungskrei- ses Biel/Bienne vom 1. Mai 2023 (vbv 20/2023) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1988 geborene A.________ wird zusammen mit ihren beiden Söhnen (Jg. ... und ...) seit November 2022 von der Einwohnergemeinde (EG) C.________ (EG C.________ bzw. Beschwerdegegnerin), wirtschaftlich unterstützt (Beschwerdebeilage [act. I] 3; Akten der EG C.________ [act. IIA] 3 f.). Am 20. Februar bzw. am 8. März 2023 erstellte die EG C.________ die Budgets für die Monate Januar bis März 2023 (Beschwer- debeilage 1 im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren [Akten der Regie- rungsstatthalterin von Biel/Bienne {Vorinstanz; act. II}]). B. Gegen diese Verfügungen erhob A.________, vertreten durch Rechtsan- walt Dr. iur. B.________, am 15. März 2023 Beschwerde bei der Regie- rungsstatthalterin von Biel/Bienne (act. II 1 - 10). Sie stellte die folgenden Rechtsbegehren: "1. Die Leistungs-Verfügungen der C.________ vom 08.03.2023 betref- fend die Sozialhilfebudgets der Monate Januar, Februar und März 2023 seien aufzuheben und der Anspruch der Beschwerdeführenden auf Sozialhilfe sei für die genannte Periode: A) unter Berücksichtigung einer verhältnismässigen Rückerstattungsrate, maximal allerdings 15 % des Grundbedarfs für den Lebensunterhalt betreffend Frau A.________ in Höhe von CHF 606.00 d.h. maximal ausmachend CHF 90.90; B) nach Übernahme der Nebenkostenabrechnung in Höhe von CHF 496.90 gemäss HNK-Abrechnung 2022; C) nach Übernahme der monatlichen KITA-Kosten für das Kind D.________ in Höhe von monatlich CHF 547.75 und D) nach Streichung des ungerechtfertigten Abzugs für Mahlzeiten (Tagesschule) in Höhe von CHF 33.55; neu festzusetzen. 2. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. 3. Für das vorliegende Verfahren sei ebenfalls der Beschwerdeführerin unter Beiordnung von Herrn Rechtsanwalt B.________ als ihr amtli- cher Verteidiger die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. - Unter Kosten und Entschädigungsfolge -"Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 3 Mit Verfügung vom 21. März 2023 (act. II 11 f.) forderte die Regierungs- statthalterin-Stv. von Biel/Bienne den Rechtsvertreter von A.________ zur Verbesserung der Beschwerde (eigenhändige Unterschrift) auf. Zudem wies sie darauf hin, dass hinsichtlich der Übernahme der Nebenkosten in Höhe von Fr. 496.90 gemäss HNK-Abrechnung 2022 und der Übernahme der KITA-Kosten für das Kind D.________ keine Verfügungen der EG C.________ eingereicht worden seien. Die Regierungsstatthalterin-Stv. von Biel/Bienne forderte die Beschwerdeführerin auf, diesbezüglich bei der EG C.________ anfechtbare Verfügungen zu verlangen und diese einzurei- chen. Der Rechtsvertreter reichte mit Eingabe vom 22. März 2023 (act. II 13) ein eigenhändig unterschriebenes Exemplar der Seiten sieben und acht der Beschwerde ein (act. II 14 f.) und führte aus, dass die Rechtsbegehren bezüglich Neben- und KITA-Kosten wohl als Rechtsverweigerungsbe- schwerde anzunehmen gewesen wären. Die EG C.________ beantragte mit Eingabe vom 5. April 2023 (act. II 21 ff.) die Abschreibung des Beschwerdeverfahrens, da den Rechtsbegehren zwischenzeitlich vollumfänglich entsprochen worden sei. Mit Prozesserklärung vom 13. April 2023 (act. II 27 f.) zeigte sich A.________ mit der Abschreibung des Beschwerdeverfahrens einverstan- den. Mit Verfügung vom 1. Mai 2023 (act. II 35 - 39) schrieb die Regierungs- statthalterin-Stv. von Biel/Bienne das Verfahren vbv 20/2023 als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab (Dispositiv Ziff. 1). Daneben verurteilte sie die EG C.________, A.________ die Parteikosten im Betrag von Fr. 1'101.-- (inkl. MWST und Auslagen) zu ersetzen (Dispositiv Ziff. 3). C. Hiergegen erhob A.________, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. B.________, am 3. Mai 2023 Beschwerde mit den folgenden Rechts- begehren: Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 4 "1. Die vorliegende Beschwerde sei im Sinne der nachstehenden Erwä- gungen gutzuheissen. 2. Ziff. 3 des Verfügungsdispositivs des RSTA Biel/Bienne, Hauptstrasse 6, Postfach 304, 2560 Nidau, vom 01.05.2023 sei dahingehend ab- zuändern, dass der Beschwerdeführerin voller Ersatz ihrer Parteikos- ten, d.h. CHF 4'549.25 (inkl. MWST und Auslagen), von der Be- schwerdegegnerin ersetzt werden. 3. Für das vorliegende Verfahren sei der Beschwerdeführerin unter Bei- ordnung von Herrn Rechtsanwalt B.________ als ihr amtlicher Vertei- diger die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. 4. Unter Kosten und Entschädigungsfolge." Die Vorinstanz schliesst mit Vernehmlassung vom 9. Mai 2023 auf Abwei- sung der Beschwerde. Mit Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2023 beantragt die Beschwerdegegne- rin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Erwägungen: 1. 1.1Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsge- richts ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) und Art. 54 Abs. 2 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) i.V.m. Art. 18 Abs. 2a des Organi- sationsreglements vom 22. September 2010 des Verwaltungsgerichts (OrR VG; BSG 162.621) zuständig (vgl. auch Art. 52 Abs. 3 des Gesetzes vom 11. Juni 2001 über die öffentliche Sozialhilfe [Sozialhilfegesetz, SHG; BSG 860.1]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind einge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 5 halten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 VRPG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Abschreibungsverfügung der Vorinstanz vom 1. Mai 2023 (act. II 35 - 39). Streitig und zu prüfen ist die Höhe des Parteikostenersatzes. 1.3Der Streitwert liegt unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzung hin (Art. 80 VRPG). 2. 2.1Rechtsgrundlage für das Zusprechen von Parteikostenersatz (aus- serhalb des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege) bildet im kantonal- rechtlich geregelten Sozialhilfeverfahren mangels Sondervorschrift im SHG abschliessend Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG (BVR 2020 S. 476 E. 2.4-2.6, 2012 S. 424 E. 5.2.1). 2.2Im Beschwerdeverfahren sind die Parteikosten grundsätzlich nach dem Unterliegerprinzip zu verlegen (Art. 108 Abs. 3 VRPG; RUTH HERZOG, in: HERZOG/DAUM [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 108 N. 3). Das Obsiegen bzw. das Unterliegen richtet sich nach Massgabe der in den Rechtsschriften gestellten Anträge. Bei einem teilwei- sen Obsiegen hat die anwaltlich vertretene Partei nur nach Massgabe ihres Obsiegens einen Ersatzanspruch für ihren Parteiaufwand (Parteikostenbei- trag). Nur teilweise obsiegt namentlich, wer nicht mit allen Hauptrechtsbe- gehren oder nur mit einem Eventualbegehren durchdringt (vgl. HERZOG, a.a.O., Art. 108 N. 4). 2.3Im Umfang ihres Obsiegens hat die anwaltlich vertretene be- schwerdeführende Person Anspruch auf vollen Ersatz ihrer Parteikosten (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Bemessung des Partei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 6 kostenersatzes richtet sich nach den Vorschriften der Anwaltsgesetzge- bung (Art. 104 Abs. 1 VRPG). 2.4Wer ein Gesuch, eine Klage oder ein Rechtsmittel zurückzieht, den Abstand erklärt oder auf andere Weise dafür sorgt, dass das Verfahren gegenstandslos wird, gilt als unterliegende Partei (Art. 110 Abs. 1 VRPG). Wird ein Verfahren ohne Zutun einer Partei gegenstandslos, so sind die Parteikosten nach den abgeschätzten Prozessaussichten zu verlegen; sie können aus Billigkeitsgründen dem Gemeinwesen auferlegt werden (Art. 110 Abs. 2 VRPG). Es ist somit gestützt auf eine summarische Prü- fung ohne weitere Beweismassnahmen zu entscheiden, ob die Beschwer- de hätte gutgeheissen werden müssen (BVR 2019 S. 128 E. 3, 2013 S. 566 E. 4.3 und 4.8, 2001 S. 236 E. 2; HERZOG, a.a.O., Art. 110 N. 15). 2.5Bei der Bestimmung und Verlegung von Verfahrens- und Partei- kosten auferlegt sich das Verwaltungsgericht in ständiger Praxis Zurückhal- tung und respektiert den der vorinstanzlichen Behörde in dieser Hinsicht zustehenden Beurteilungs- und Ermessensspielraum (BVR 2014 S. 508 nicht publ. E. 3.6; HERZOG, a.a.O., Art. 80 N. 19). 3. 3.1Mit dem hier angefochtenen Prozessentscheid vom 1. Mai 2023 (act. II 35 - 39) schrieb die Vorinstanz das Beschwerdeverfahren betreffend die Budgets für die Monate Januar bis März 2023 als gegenstandslos ab. Sie sprach der Beschwerdeführerin vollen Parteikostenersatz für den objek- tiv gerechtfertigten Aufwand des Rechtsvertreters (vier Stunden [act. II 38 E. 9]) zu (Fr. 1'101.-- anstatt der geltend gemachten Fr. 4'549.25 [act. II 29]) und betrachtete das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung des Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt als gegenstandslos (act. II 38 E. 10). Die Beschwerdeführerin bringt dagegen sinngemäss vor, sie sei als vollständig obsiegend zu betrachten, womit die Beschwerdegeg- nerin ihr die Parteikosten in Anwendung des Unterliegerprinzips vollum- fänglich zu ersetzen habe. Die Höhe des in Rechnung gestellten Aufwan- des sei gerechtfertigt (Beschwerde, S. 4 f.).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 7 3.2Mit der vorinstanzlichen Abschreibung des Beschwerdeverfahrens vom Geschäftsverzeichnis waren die Parteikosten im Verhältnis von Ob- siegen und Unterliegen der Parteien bzw. – soweit das Verfahren ohne Zutun einer Partei gegenstandslos wurde – nach den abgeschätzten Pro- zessaussichten zu verlegen (vgl. E. 2.4 hiervor). Hierzu ergibt sich das Fol- gende: 3.2.1In Bezug auf die gerügte Höhe der Rückerstattungsraten (Fr. 272.70; vgl. Beschwerdebeilage 1 im vorinstanzlichen Beschwerdever- fahren [act. II]) hob die Beschwerdegegnerin die Monatsbudgets für die Monate Januar bis März 2023 in Anwendung von Art. 71 Abs. 1 VRPG auf und erliess während des laufenden Beschwerdeverfahrens drei neue Ver- fügungen vom 30. März 2023 (act. I 3; vgl. auch act. II 21 ff.), in welchen sie dem diesbezüglichen Rechtsbegehren lit. A (vgl. Sachverhalt lit. B hier- vor) der Beschwerdeführerin vollumfänglich entsprach und den Rückerstat- tungsbetrag auf monatlich Fr. 90.90 festsetzte. Das Beschwerdeverfahren wurde insoweit gegenstandslos und die Beschwerdeführerin galt in diesem Punkt unbestrittenermassen als obsiegend. 3.2.2Die Rechtsbegehren lit. B und C (vgl. Sachverhalt lit. B hiervor), wonach die Nebenkostenabrechnung vom 6. März 2023 (Beschwerdebei- lage 4 im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren [act. II]) in der Höhe von Fr. 496.60 zu bezahlen sowie die monatlichen Kosten für die Kindertages- stätte im Betrag von Fr. 547.75 zu übernehmen seien, bewegten sich aus- serhalb des Anfechtungsgegenstandes, hatte doch die Beschwerdegegne- rin darüber nicht verfügt. Insoweit hätte auf die Beschwerde nicht eingetre- ten werden können (vgl. BVR 2020 S. 59 E. 2.2; HERZOG, a.a.O., Art. 72 N. 4 ff.). Nachdem die Beschwerdeführerin seitens der Vorinstanz mit Ver- fügung vom 21. März 2023 (act. II 11 f.) auf diesen Umstand aufmerksam gemacht und gleichzeitig aufgefordert worden war, die Beschwerde hin- sichtlich der fehlenden Originalunterschrift zu verbessern, machte Erstere mit Eingabe vom 22. März 2023 (act. II 13) geltend, die entsprechenden Rechtsbegehren wären "wohl als Rechtsverweigerungsbeschwerde anzu- nehmen gewesen". Mit der Eingabe reichte sie lediglich die Seiten sieben und acht der ursprünglichen Beschwerdeschrift (nunmehr mit eigenhändi- ger Unterschrift des Rechtsvertreters) ein (act. II 14 f.), eine förmliche Än-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 8 derung der Rechtsbegehren im Sinne von Art. 26 VRPG nahm sie jedoch nicht vor. Die Beschwerdegegnerin bezahlte die monierten Nebenkosten per 24. März 2023 und vergütete aufgrund der zwischenzeitlich eingereichten Rechnungen inkl. Quittungen die KITA-Kosten für die Monate Januar und März 2023 am 30. März 2023 bzw. stellte die Vergütung der KITA-Kosten für die Monate Dezember 2022, Februar 2023 und April 2023 nach weite- ren Abklärungen in Aussicht (act. II 22; Antwortbeilagen 5, 7 ff. an die Vor- instanz). Dadurch sowie angesichts der beschwerdeführerischen Prozes- serklärung vom 13. April 2023 (act. Il 27 f.) war das vorinstanzliche Verfah- ren auch in Bezug auf die (sinngemässe) Rechtsverweigerungsbeschwerde gegenstandslos geworden und vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben. Diese Gegenstandslosigkeit ist als ohne Zutun der Beschwerdegegnerin zu betrachten, da der Entscheid in der Sache und der damit zusammenhän- gende Erlass des Verwaltungsaktes, der zur Gegenstandslosigkeit geführt hat, zu den Obliegenheiten der Beschwerdegegnerin gehört (vgl. HERZOG, a.a.O., Art. 110 N. 14). Dementsprechend hatte die Vorinstanz mit Blick auf die Parteikostenentschädigung die diesbezüglichen Prozessaussichten zu prüfen (Art. 110 Abs. 2 VRPG; vgl. E. 2.4 hiervor). Dabei gelangte sie zu Recht zum Schluss, dass keine Anzeichen einer Rechtsverweigerung sei- tens der Beschwerdegegnerin erkennbar waren (act. Il 37 f. E. 7.3 f.) und die Rechtsverweigerungsbeschwerde ohne Weiteres hätte abgewiesen werden müssen: Zum Zeitpunkt der Rechtshängigkeit der Beschwerde vom 15. März 2023 war die dreissigtägige Zahlungsfrist der Rechnung vom 6. März 2023 betreffend Nebenkosten für das Jahr 2022 im Betrag von Fr. 496.90 (Beschwerdebeilage 4 im vorinstanzlichen Beschwerdeverfah- ren [act. II]) noch gar nicht abgelaufen. Die Übernahme der KITA-Kosten war unter Vorbehalt der Einreichung der Rechnungen stets zugesichert (Antwortbeilage 6 an die Vorinstanz [Gespräch vom 8. März 2023]) und erfolgte jeweils nach Vorlage der entsprechenden Rechnungen zeitnah (act. IIA 2; Antwortbeilage 7 an die Vorinstanz). Demnach wären die Rechtsbegehren lit. B und C (vgl. Sachverhalt lit. B hiervor), soweit auf sie überhaupt hätte eingetreten werden können, abzu-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 9 weisen gewesen. So oder anders ist die Beschwerdeführerin insoweit im vorinstanzlichen Verfahren als unterliegend zu qualifizieren. 3.2.3Das Rechtsbegehren lit. D, wonach die Sozialhilfe für die Monate Januar bis März 2023 "unter Streichung des ungerechtfertigten Abzugs für Mahlzeiten (Tagesschule) in Höhe von Fr. 33.55" neu festzusetzen sei (vgl. Sachverhalt lit. B hiervor), betraf lediglich eine unpräzise Bezeichnung der entsprechenden Position in den jeweiligen Monatsbudgets (vgl. Be- schwerdebeilage 1 im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren [act. II]). Die Beschwerdegegnerin ergänzte die entsprechende Position in den drei Ver- fügungen vom 30. März 2023 (act. I 3; vgl. auch act. II 21 ff.) mit dem Zu- satz "Kita D.________", um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass der Sohn der Beschwerdeführerin nicht eine Tagesschule, sondern eine Kin- dertagesstätte besucht. Der Abzug per se war zu keinem Zeitpunkt strittig, vielmehr anerkannte die Beschwerdeführerin die Rechtmässigkeit des Ab- zuges bei Übernahme der Kosten für die Kindertagesstätte durch die Be- schwerdegegnerin explizit (act. II 6 Art. 5). Der Beschwerdeführerin ging von vornherein ein Rechtschutzinteresse an der Korrektur dieses blossen Redaktionsfehlers ab bzw. sie hätte ein Beschwerdeverfahren mittels in- formellem Gespräch mit der Beschwerdegegnerin vermeiden können. 3.3Nach dem Dargelegten wäre die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren allein hinsichtlich der Höhe der Rückerstattungsrate (Rechtsbegehren lit. A) als obsiegend zu qualifizieren gewesen. Vor diesem Hintergrund wäre die von der Vorinstanz festgelegte Höhe des Parteikostenersatzes (unter Substitution der Motive; vgl. HERZOG, a.a.O., Art. 80 N. 19; BVR 2021 S. 530 E. 3.1, 2021 S. 285 E. 4.2) im Ergebnis nicht rechtsfehlerhaft. Allerdings sprach die Vorinstanz der Beschwerdeführerin vollen Parteikostenersatz für den objektiv gerechtfer- tigten Aufwand der Rechtsvertretung zu und betrachtete das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos (act. II 38 E. 10). Sie ging damit von einem vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin aus, was nach dem hiervor Dargelegten nicht zutrifft. Wie nachfolgend aufzuzei- gen sein wird, ist der in der angefochtenen Abschreibungsverfügung vom 1. Mai 2023 (act. II 35 - 39) zugesprochene Parteikostenersatz jedoch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 10 selbst unter der Prämisse eines vollständigen Obsiegens der Beschwerde- führerin nicht zu beanstanden. 4. 4.1Gemäss Art. 41 Abs. 1 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) i.V.m. Art. 11 Abs. 1 der Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (PKV; BSG 168.811) beträgt das Honorar in Beschwerdeverfahren Fr. 400.-- bis Fr. 11'800.-- pro Instanz. Innerhalb dieses Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG). 4.2Die Bedeutung der Streitsache im vorinstanzlichen Verfahren war gering und der Prozess bot keinerlei Schwierigkeiten. Die Vorinstanz erach- tete einen Zeitaufwand von vier Stunden als objektiv angemessen (act. II 38 E. 9), was einer Rechtskontrolle (vgl. E. 1.4 hiervor) standhält. Vorab ist richtigerweise der geltend gemachte Aufwand von 40 Minuten für die Be- schwerdeverbesserung auszuklammern, da dieser auf eine Nachlässigkeit des rechtskundigen Rechtsvertreters zurückzuführen und insofern nicht objektiv gerechtfertigt ist (act. Il 13 f., 29, 37 E. 6). Sodann begründet die Beschwerdeführerin einen angeblichen überdurchschnittlichen Zeitaufwand unter anderem mit dem vorprozessualen Verhalten der Beschwerdegegne- rin, welche eine Korrektur der Sozialhilfebudgets vom November und De- zember 2022 verweigert haben soll (Beschwerde, S. 5 Ziff. 2 Lemma 4). Indes erfolgte die Mandatierung des Rechtsanwalts gemäss Vollmacht (Beschwerdebeilage 2 im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren) erst am 6. März 2023 und waren die besagten Monatsbudgets gar nicht Gegen- stand des vorinstanzlichen Beschwerdeverfahrens. Des Weiteren finden die unspezifisch und pauschal vorgetragenen weiteren Gründe, die angeb- lich zu einem überdurchschnittlichen Zeitaufwand geführt haben sollen (Beschwerde, S. 4 f.), in den Akten keinerlei Rückhalt. Weder enthielten die angefochtenen Verfügungen "zahlreiche fehlerhafte Positionen", die nur mit "einem grossen detektivartigen Aufwand" aufzudecken waren, noch waren Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 11 für die Prüfung der Verfügungen mehrere stundenlange Klientengespräche geboten. Worin die gerügten Verfahrensfehler (mehrfache Verletzungen des rechtlichen Gehörs, falsche Eröffnung der neuen Verfügungen), Rechtsverletzungen und falsche Sachverhaltsdarstellung bestehen sollen und inwiefern sich dies auf den Beschwerdeaufwand ausgewirkt haben soll, erschliesst sich aus den Ausführungen in der Beschwerde nicht. Schliess- lich ist auch darauf hinzuweisen, dass die vorinstanzliche Beschwerde Aus- führungen enthielt, die sich offensichtlich auf ein Beschwerdeverfahren anderer Mandanten des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin beziehen (act. II 6 S. 6 letzter Absatz). Nur am Rande sei im Übrigen darauf hinge- wiesen, dass der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in seiner Kos- tennote vom 13. April 2023 (act. II 29 f.) die Mehrwertsteuer von Fr. 325.25 geltend machte, jedoch im UID-Register (<www.uid.admin.ch>) ohne Mehrwertsteuerpflicht figuriert und ihm diese nicht zu ersetzen wäre. In der Gesamtbetrachtung ist der Vorinstanz mit Blick auf die zu beachtende Zurückhaltung bei der Überprüfung der Bestimmung und Verlegung von Verfahrens- und Parteikosten (vgl. E. 2.5 hiervor) nicht vorzuwerfen, sie habe ihr Ermessen oder den Beurteilungsspielraum rechtsfehlerhaft aus- geübt. Der angefochtene Prozessentscheid vom 1. Mai 2023 (act. II 35 - 39) hält insgesamt einer Rechtskontrolle ohne weiteres stand. Die Be- schwerde ist unbegründet und abzuweisen. 5. 5.1Gemäss Art. 102 VRPG i.V.m. Art. 53 SHG werden in Verfahren vor den Sozialdiensten und den Beschwerdeinstanzen vorbehältlich (hier nicht erfüllter) mutwilliger oder leichtfertiger Prozessführung keine Verfah- renskosten erhoben. 5.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). 5.3Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. 5.3.1Nach Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG kann die Verwaltungs- oder die Verwaltungsjustizbehörde auf Gesuch hin einer Partei eine Anwältin oder Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 12 einen Anwalt beiordnen, wenn sie ihre Prozessbedürftigkeit nachweist, das Verfahren nicht von vornherein aussichtslos ist und die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse eine anwaltliche Vertretung rechtfertigen. Ein Prozess ist nicht aussichtslos, wenn berechtigte Hoffnung besteht, ihn zu gewinnen, d.h. wenn Gewinnaussichten und Verlustgefahren sich unge- fähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Als aus- sichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Praxis demgegenüber Pro- zessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Massgebend ist dabei, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Pro- zess entschliessen oder aber davon absehen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb austragen können, weil er sie nichts kostet (BGE 142 III 138 E. 5.1 S. 140; BVR 2019 S. 128 E. 4.1). 5.3.2Mit Blick auf das vorstehend Dargelegte sowie angesichts der ein- geschränkten Kognition des angerufenen Gerichts (vgl. E. 1.4 hiervor) und der Zurückhaltung, welche sich dieses bei der Überprüfung vorinstanzlicher Parteikostensprüche auferlegt (vgl. E. 2.5 hiervor), war das Beschwerde- verfahren von vornherein aussichtslos. Damit ist das Gesuch um unentgelt- liche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt Dr. iur. B.________ als amtlicher Anwalt abzuweisen, ohne dass die kumulativen Anspruchs- voraussetzungen der Prozessarmut bzw. die Notwendigkeit der anwaltli- chen Verbeiständung geprüft werden müssten. Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Juli 2023, SH/23/339, Seite 13 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Rechtsanwalt Dr. iur. B.________ als amtlicher Anwalt wird abgewie- sen. 3. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt Dr. iur. B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - Einwohnergemeinde C.________ - Regierungsstatthalterin des Verwaltungskreises Biel/Bienne Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.