BRKE IV Nrn. 0167 und 0168/2007 vom 13. Dezember 2007 in BEZ 2008 Nr. 10 Der Stadtrat X hatte die baurechtliche Bewilligung für den Neubau eines W ohn- und Geschäftshauses erteilt. Das Baugrundstück war mit einem im Inventar der Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung ve rzeichneten ehemaligen Bauernhaus aus dem Jahre 1780 überstellt. Der Abbruch dieses Gebäudes bildete Vorausse t- zung für den Neubau. Dies veranl asste den Stadtrat X zu folgender Anordnung im baurechtlichen Entscheid: «Der projektierte Neubau wird im Sinne der Erwägungen vom Schutzziel B zum Schut zziel C a bgestuft.» Nachbarn rekurrierten gegen den baurechtlichen Entscheid einschliesslich dieser Anordnung. Aus den Erwägungen: 6. Die Rekurrierenden bringen nebst einer Vielzahl von materiellen Rügen zur Begründung ihrer R ekurse zunächst vor, die Vorinstanz habe mit der Rückstufung des Schutzzieles effektiv eine Inventarentla ssung vorgenommen, welche f ormell zu verfügen und mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen amtlich zu publizieren g e- wesen wäre. Dies sei indes nicht geschehen. Der private Rekursgegner hält dem entgegen, es habe keine Inventarentla s- sung, sondern bloss eine Abstufung des Schutzzieles stattgefunden. 7.1. Gefährdet ein Bauprojekt ein inventarisiertes Objekt, so hat das Gemei n- wesen vorab einen Schutzentscheid zu treffen, d.h. Schutzmassnahmen anzuordnen oder aber ganz oder teilweise darauf zu verzichten (VB in BEZ 2000 Nr. 22). 7.2. Der Rekursgegnerschaft ist insoweit zuzustimmen, dass die Vorinstanz ta t- sächlich keine Inventa rentlassung des Altbaus verfügt, sondern eine Abstufung des Schutzzieles von B auf C vorgenommen hat. Gemäss dem im Inventar festgehalt e- nen Schutzziel C handelt es si ch bei den dieser Kategorie zugeordneten Gebäuden um Objekte ohne bedeutenden Eigenwert, welche jedoch für das Ortsbild in Bezug auf Stellung und Kubus wichtig sind. Dies bedeutet, dass infolge der Abstufung ke i- ne Schutzmas snahmen am Altbau festgesetzt wer den und dieser folglich beseitigt werden kann; indes muss ein Neubau in der Art eines Ersat zbaus, d.h. unter W ah- rung von Stellung und K ubus des Altbaus erstellt werden, andernfalls das «Schutz- ziel» nicht erreicht würde. Dieses offensichtlich durch Eigentü mlichkeiten des Inventars der Stadt X b e-- 2 - dingte Vorgehen – Abstufung statt Inventarentlassung – ist insofern rechtsfehlerhaft, als durch die Abstufung der Abbruch des invent arisierten Gebäudes ermöglicht wird, was indes zwingend eine Inventarentlassung vora ussetzt. Eine solche wurde jedoch nicht verfügt, hätte aber vorgängig oder zusammen mit der Baubewilligung verfügt werden müssen, andernfalls es an einer Voraussetzung für die Baubewilligung fehlt. Schon deswegen erweist sich der angefochtene Beschluss als mangelhaft. Zu bemerken bleibt, dass dieses System der Stadt X der beschriebenen Abst u- fung im Planungs - und Baugesetz keine Stütze findet (vgl. dazu die einschlägigen Bestimmungen von §§ 203 ff. PBG). Im Übrigen wäre der angefochtene Beschluss auch dann als fehlerhaft einzustufen, wenn die mit der blossen Abstufung verbund e- ne Belassung im Inventar entgegen dem Gesagten als «kommunale Eigenheit» ge- schützt würde. Diesfalls hätte nämlich zusammen mit der Abstufung ein klarer, expl i- ziter Beschluss über den Ver zicht auf e ine Unterschutzstellung des bestehenden Gebäudes ergehen müssen. An einem solchen Beschluss fehlt es ebenfalls. Betreffend das System der Stadt X bleibt im Übrigen auch noch anzumerken, dass die gemäss Schutzziel C geforderte Ersatzbauweise nur durch die Bau - und Zonenordnung selbst vorgeschrieben we rden kann. Besteht eine solche Vorschrift in der Bau- und Zonenordnung, bedarf es alsdann keines solchen «Schutzziels». Fehlt hingegen eine solche Vorschrift, kann sie nicht durch ein dem Inventar zu entneh- mendes «Schutzziel» ersetzt werden. Vorliegend fehlt eine den Ersatzbau verla n- gende Vorschrift für die Kernz one B. Auch insoweit erweist sich der angefochtene Beschluss als rechtsfehlerhaft. 8.1. Hinzu kommt, dass sich zwingend aus einer Publikation ergeben muss, ob die Beseitigung eines inventarisierten Objektes geplant oder bewilligt worden ist. Denn bei einer Inventarentlassung sind namentlich Verbände legitimiert, die Entla s- sung aus dem Inventar mit der Begründung anzufechten, die Vorausse tzungen für eine Unterschutzstellung seien erfüllt (§ 338a Abs. 2 PBG; RB 1996 Nr. 13). Da die Verbände di eses Recht nur ausüben können, wenn sie Kenntnis davon erhalten, dass es sich bei einem von einem Baugesuch betroffenen Gebäude um ein invent a- risiertes Objekt handelt, ist entweder die Entlassung aus dem Inventar publik zu m a- chen oder aber die Publikation des Baugesuchs (§§ 314 ff. PBG) mit einer entspr e- chenden klaren Information zu versehen. Nicht genügend ist es, wenn das publizie r- te Baugesuch bloss einen Hin weis auf die Zonenzugehörigkeit (im vorliegenden Fall Kernzone B) enthält. Auch die Tatsache, dass das Inventar grundsätzlich öffentlich ist, vermag den fehlenden Hinweis auf die Inventarzugehörigkeit nicht zu e rsetzen. Es würde eine unzumutbare Erschwerni s des Rechtsmittelweges für die beschwe r- delegitimierten Verbände bedeuten, wenn sie alle Baugesuche daraufhin überprüfen müssten, ob damit der Abbruch eines inventarisierten Objekts verbunden ist 8.2. Erfolgt ein Entscheid betreffend Schutzmassnahmen (Ano rdnung von Schutzmassnahmen oder aber Verzicht auf Schutzmassnahmen bzw. Inventaren t- lassung) unabhängig von einem Baugesuch bzw. e iner Baubewilligung, so ist dieser Entscheid zu publizieren. Erfolgt der Entscheid betreffend Schutzmassnahmen hi n- gegen auf Gr und eines Baugesuches, so ist bereits mit der Publikation des Bauvo r- habens die Inventarzugehörigkeit bzw. die gegebenenfalls erforderliche Inventaren t- lassung kundzumachen. Dies ergibt sich daraus, dass auch Verbände den baurech t- lichen Entscheid anzufordern haben, andernfalls sie ihr Rekur srecht verwirken (§ - 3 - 316 Abs. 1 PBG). Selbstverständlich gilt dies auch dann, wenn sie im Zuge des ba u- rechtlichen Verfahrens nur die «heimatschutzrechtliche» Anordnung (also die Inve n- tarentlassung) anfechten. 8.3. Vorliegend wurde das Baugesuch einzig unter Hinweis auf die Zonenzug e- hörigkeit publiziert. Die vorstehend dargelegten Anforderungen an die Publikation sind somit klar nicht erfüllt, womit namentlich auch die Ausübung des Verbandsr e- kursrechtes in Frage gestellt ist. Dies stellt einen wesentlichen Verfahren smangel dar (zur Unterscheidung wesentlicher/nicht wesentlicher Verfahrensmangel vgl. RB 2000 Nr. 7 = BEZ 2000 Nr. 39) und bildet somit ebenfalls Grund zur Aufhebung der angefochtenen Baubewilligung.