Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Januar 2014 (720 13 163 / 13) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anordnung einer psychiatrischen Begutachtung nach einer Rückweisung an die IV-Stelle zur weiteren medizinischen Abklärung (Zwischenverfügung). Im vorliegenden Fall ist es nicht möglich, beim gleichen psychiatrischen Gutachter die neue Begutachtung in Auf- trag zu geben, da dessen erstes Gutachten vom Gericht als nicht beweistauglich erachtet wurde. Es handelt sich um ein Zweitgutachten. Diese Konstellation der Vorbefassung erweckt den Anschein der Vorbestimmtheit, weshalb ein Ausstandsgrund gegenüber dem von der IV-Stelle ernannten Gutachter gegeben ist. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- terin Eva Meuli, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach 1 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ meldete sich am 5. Mai 2008 bei der Schweize rischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge führte die IV-Stell e des Kantons Basel-Landschaft (IV- Stelle) Abklärungen durch. Im Rahmen der Rentenprüfun g wies sie mit Verfügung vom 31. Au- gust 2011 das Leistungsbegehren aufgrund eines IV-Grades von 6 % ab Dezember 2008 und von 16 % ab Oktober 2009 ab. Dagegen erhob A.____, ve rtreten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), Beschwerde. Das Kantonsgericht hiess die Besc hwerde mit Urteil vom 21. Juni 2012 (720 11 350/169) gut und wies die Angelegenheit an die IV-Stelle zurück, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge. In der Folge teilte die IV-Stelle Rechtsanwalt Daniel Altermatt mit Schreiben vom 20. März 2013 mit, dass Dr. med. B.____, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, und Dr. med. C.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der bidisziplinären Be gutachtung beauftragt würden. Da- gegen wehrte sich die Versicherte mit Schreiben vom 16. A pril 2013 unter Hinweis auf das Ur- teil des Kantonsgerichts vom 21. Juni 2012. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb Dr. C.____ erneut mit der Begutachtung beauftragt werde, obwohl das Kantonsgericht sein Gutachten kriti- siert habe, da er sich nicht mit den Diagnosen des behan delnden Psychiaters auseinander ge- setzt habe. Insofern sei bei Dr. C.____ die notwendige Objektivität nicht mehr gegeben und es könne kein neues Gutachten mehr bei ihm eingeholt werd en. Entsprechend werde beantragt, einen anderen Psychiater mit der Begutachtung zu beauftr agen. Mit Zwischenverfügung vom 19. April 2013 hielt die IV-Stelle an ihrer Auffassun g fest und ordnete eine bidisziplinäre Begut- achtung bei Dr. B.____ und Dr. C.____ an. In der Begründung wurde ausgeführt, dass das Kan- tonsgericht vor allem zum Schluss gekommen sei, dass bei der Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts weder auf die Einschätzung der Gutachter noch auf die der behan- delnden Ärzte abgestellt werden könne, da diese allesa mt keine abschliessende Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit zulassen würden. Die gerichtliche Beurtei- lung, dass alle Berichte nicht ausreichen würden, dürfe nicht als Begründung einer ausschliess- lich bei Dr. C.____ vorliegenden fehlenden Objektivität herangezogen werden. Es würden keine formellen Ausstandsgründe gegen eine Ernennung von Dr. C.____ zum Gutachter sprechen. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 23. Mai 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin lie ss sie unter o/e-Kostenfolge die Auf- hebung der Verfügung vom 19. April 2013 beantragen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuch- te sie um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfleg e mit Rechtsanwalt Daniel Altermatt als unentgeltlichem Rechtsbeistand. C. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Juli 2013 schloss die I V-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. D. Mit Verfügung vom 18. September 2013 wies der inst ruierende Präsident das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung aufgrund feh- lender prozessualer Bedürftigkeit ab. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist nicht umstritten, dass der rh eumatologische Teil des bidiszip- linären Gutachtens durch Dr. B.____ erstellt werden so ll. Streitig ist hingegen, ob sich die Be- schwerdeführerin erneut einer psychiatrischen Begutachtun g durch Dr. C.____ zu unterziehen hat. 3.1 Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) statuiert die Sachverhaltsabklärung von Am tes wegen, wobei es grundsätzlich im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla ge. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei nlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_957/2010, E. 6.1). 3.2 Wird die Sachverhaltsabklärung des Versicherungsträger s von der betroffenen Person als ungenügend kritisiert, so ergeben sich gemäss Bundesgericht im gerichtlichen Beschwerde- verfahren die materiellen (inhaltlichen) Anforderunge n an die zu erstattende ärztliche Expertise aus dem im Einzelfall zur Diskussion stehenden Beweisgege nstand in Verbindung mit den da- rauf bezogenen Fragestellungen. Erscheint dem zuständige n Justizorgan die Schlüssigkeit ei- ner Expertise in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Dafür können sich na mentlich eine Ergänzung des beste- henden Gutachtens oder die Anordnung eines neuen Gutachtens, allenfalls einer Oberexpertise anbieten. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise im Rahmen der Beweiswürdigung kann Verstösse gegen das Willkürverbot oder gegen die Ve rfahrensrechte der Parteien nach sich ziehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Septem ber 2009, 9C_273/2009, E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 130 I 337 E. 5.4.2; 129 I 49 E. 4; 118 Ia 144 E. 1c). Welche Art von Gutachten anzuordnen ist (Zweitgutachten [Obergutachten] oder Ergänzungsgutachten), ist gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung eine Ermessensfrage (U rteil des Bundesgerichts vom 5. Oktober 2007, 6B_283/2007, E. 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Ergänzende Gutachten sind einzuholen, wenn die Wü rdigung des bereits erstatteten Gutachtens ergeben hat, dass einzelne der behandelten P unkte einer erneuten sachverständi- gen Stellungnahme bedürfen oder wenn bestimmte Fragen ausserhalb des gutachterlich bereits abgehandelten Bereichs abzuklären sind (Urteile des Bundesgerichts vom 14. September 2009, 9C_273/2009, E. 3.2 und vom 20. August 2008, 8C_89/20 07, E. 5.2 mit Hinweis auf U ELI KIESER , Die rechtliche Würdigung von medizinischen Gutachten, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinischen Begutach tung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 157 f.). Nach der höchstrichterlichen R echtsprechung ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, dass ein Gutachter seine Feststellungen im späteren Verfahren ergänzt oder im Lichte neuer Tatsachen oder erhobener Einwendu ngen prüft, soweit dabei das bereits erstattete Gutachten zum Ausgangspunkt der weiteren Unt ersuchungen und Ausführungen ge- macht wird (RKUV 1985 Nr. K 646 S. 235, E. 5b). 3.4 Ein Zweitgutachten steht im Vordergrund, wenn das Gericht ein bestehendes Gutachten für klar unzureichend und kaum verwertbar erachtet (Urt eil des Bundesgerichts vom 14. Sep- tember 2009, 9C_273/2009, E. 3.2 mit Hinweis auf Urt eil des Bundesgerichts vom 5. Oktober 2007, 6B_283/2007, E. 2) oder wenn es die Würdigung der vorhandenen, gegensätzlich lauten- den gutachterlichen Stellungnahmen nicht erlaubt, auf eine derselben abzustellen, weil die Kenntnis fehlt, eine der beiden vertretenen Auffassung en als schlüssig und nachvollziehbar zu bezeichnen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2008, 8C_89/2007 mit Hinweis auf UELI KIESER , a.a.O., S. 158 f.; SVR IV Nr. 16 S. 41, 8C_89/2007). 3.5 Ärztliche Gutachter, die zur Abklärung eines medizinisc hen Sachverhalts beigezogen werden, haben verschiedenen Anforderungen zu genügen. In Bezug auf ihre Unabhängigkeit und Objektivität gelten für sie grundsätzlich die gleich en Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Da sie nicht Mitglied des Gerichts sind, richten sich die An- forderungen nicht nach Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassun g der Schweizerischen Eidgenos- senschaft (BV) vom 18. April 1999, sondern nach Art. 29 Abs. 1 BV. Hinsichtlich der Unpartei- lichkeit und Unbefangenheit kommt Art. 29 Abs. 1 BV ind essen ein mit Art. 30 Abs. 1 BV weit- gehend übereinstimmender Gehalt zu (Urteil des Bunde sgerichts vom 15. September 2008, 8C_615/2008). Danach ist Befangenheit anzunehmen, wen n Umstände vorliegen, die in objek- tiver Weise und nicht bloss aufgrund des subjektiven Empfin dens der Partei geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person zu erwecken (BGE 132 V 109 E. 7.1 mit Hinweis). Im Hinbli ck auf die erhebliche Bedeutung, wel- che medizinischen Gutachten im Sozialversicherungsrecht zukom mt, ist an die Unparteilichkeit der begutachtenden Ärzte ein strenger Massstab anzulege n (BGE 132 V 110 E. 7.1; 120 V 367). 3.6 Vorbefassung begründet nicht zwingend den Anschein d er Befangenheit. Nach der Rechtsprechung kann ein Sachverständiger nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil er die Explorandin bzw. den Exploranden schon früher einmal b egutachtet hat (BGE 132 V 110 E. 7.2.2). Als massgebendes Kriterium für die Beurtei lung dieser Frage im Einzelfall hielt das Bundesgericht fest, es sei generell zu fordern, dass das Ver fahren in Bezug auf den konkreten Sachverhalt und die konkret zu entscheidenden Rechtsfrag en trotz der Vorbefassung als offen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht erscheine und nicht der Anschein der Vorbestimmtheit er weckt werde (BGE 117 Ia 184 E. 3b mit Hinweis). Es ist somit danach zu fragen, ob das Ergeb nis der Begutachtung nach wie vor als offen und nicht vorbestimmt erscheint. Kann die Offe nheit bejaht werden, ist die Besorgnis der Voreingenommenheit trotz Vorbefassung unbegründet (REGINA KIENER /M ELANIE KRÜSI , Die Unabhängigkeit von Gerichtssachverständigen, in: ZSR 2006 S. 506). Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Experte andere Fragen zu beantwor ten oder sein erstes Gutachten lediglich zu erklären, zu erläutern oder zu ergänzen hat, nicht ab er, wenn er die Schlüssigkeit seiner früheren Expertise zu überprüfen oder objektiv zu kontro llieren hat (Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 1998, 2A.259/1998, und vom 20. August 2008, 8C_89/2007). 4.1 Die Beschwerdeführerin bringt gegen die nochmali ge Begutachtung durch Dr. C.____ vor, dass sie keine vertrauensvolle Beziehung zum Gutachter mehr aufbauen und ihm Auskunft über alle relevanten Fakten geben könne. Es bestehe de shalb die Gefahr, dass das Gutachten fehlerhaft ausfallen könnte. Andererseits sei festzustell en, dass das Kantonsgericht das Gut- achten von Dr. C.____ kritisiert und ihm den Beweiswert abgesprochen habe, weil er nicht be- gründet habe, warum er zu einer anderen Diagnosestel lung als der behandelnde Psychiater gelangt sei. Dr. C.____ stehe somit unter dem Druck, die se abweichende Meinung bzw. die fehlende Begründung nachliefern zu müssen. Er wäre in einer neuerlichen Beurteilung nicht mehr frei und unbefangen. Es könne daher nicht davon a usgegangen werden, dass das Resul- tat offen und nicht vorbestimmt sei. 4.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt in der Vernehmlassu ng die Auffassung, dass das Kan- tonsgericht die Zuverlässigkeit aller medizinischen Unter lagen bemängelt habe. Anhaltspunkte für eine Befangenheit der involvierten Fachärzte seien n icht festgestellt worden. Eine Befan- genheit könne jedenfalls nicht darin erblickt werden, dass Dr. C.____ im zweiten Gutachten eine leichte Verschlechterung des Gesundheitszustands attest iert habe. Die Unterstellung der Beschwerdeführerin, Dr. C.____ befinde sich in einer Drucksituation, treffe angesichts seiner langjährigen Erfahrung als Gutachter nicht zu. 5.1 Dr. C.____ hat die Beschwerdeführerin bereits zwe imal begutachtet. Anlässlich der erstmaligen Begutachtung gelangte er zum Schluss, dass e ine Schmerzverarbeitungsstörung vorliege, die keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigk eit habe (Gutachten vom 10. Mai 2010). Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, beh andelnder Psychiater der Be- schwerdeführerin, diagnostizierte in seiner Stellungnahme vom 11. November 2010 eine rezidi- vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit ausgeprägten somatischen Symptomen. In der darauffolgenden Verlaufs begutachtung diagnostizierte Dr. C.____ eine leichte depressive Episode und eine som atoforme Schmerzstörung und stellte fest, dass die Arbeitsfähigkeit 80 % betrage (Verlaufsg utachten vom 27. April 2011). Eine er- neute Konsensbesprechung mit Dr. E.____ im Rahmen des bi disziplinären Gutachtens fand nicht mehr statt. 5.2 In Anbetracht der in Erwägung 3.6 hiervor dargel egten rechtlichen Grundsätze kann Dr. C.____ nicht einzig deshalb als befangen betrachtet werden, weil er die Beschwerdeführerin bereits zweimal im Auftrag der Beschwerdegegnerin begut achtet hat. Ebenfalls kann nicht Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zwingend auf den Anschein seiner Voreingenommenheit gesc hlossen werden, weil sich seine medizinische Beurteilung von derjenigen von Dr. D.___ _ unterscheidet. Für den Anschein der Voreingenommenheit müssen weitere Umstände hinzukommen, die das Resultat der Expertise nicht mehr als offen erscheinen lassen und somit bei obje ktiver Betrachtung den Schluss auf eine Befangenheit von Dr. C.____ zulassen. 5.3.1 Das Kantonsgericht stellte anlässlich seines Urteil s vom 21. Juni 2012 in Erwägung 6.2.2 fest, dass dem Gutachten von Dr. C.____ kein voll er Beweiswert zugesprochen werden könne, da er und Dr. D.____ unterschiedliche Diagnosen stellen und Dr. C.____ nicht erklärt habe, woraus sich die Differenzen ergeben würden. In E rwägung 7.2 hielt das Kantonsgericht sodann fest, dass die vorhandenen medizinischen Unterlagen keine abschliessende Beurtei- lung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zulassen wür- den. Daher werde die Angelegenheit an die Beschwerde gegnerin zurückgewiesen, um den Ge- sundheitszustand sowie die Frage der Arbeitsunfähigkeit d urch ein neues bidisziplinäres Gut- achten abzuklären. Im Rahmen dieser Abklärung sei die Entwicklung des psychischen und phy- sischen Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Be schwerdeführerin seit dem Zeit- punkt ihrer Anmeldung sowohl aus psychiatrischer als auch aus rheumatologischer Sicht noch- mals zu untersuchen und aufgrund einer interdisziplinär en Konsensbesprechung der beteiligten Fachärzte zu beurteilen. Dabei hätten die Spezialisten den Wechselwirkungen zwischen psy- chischen und somatischen Beschwerden im Rahmen einer geme insam erarbeiteten Arbeitsfä- higkeitseinschätzung Rechnung zu tragen. Weiter hätten die Gutachter darzulegen, inwiefern sich die bei der Beschwerdeführerin seit August 2007 dur chgeführten Therapiemassnahmen und die starken Nebenwirkungen der dabei eingesetzten Medikamente auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt hätten. 5.3.2 Aus den Erwägungen des Rückweisungsentscheids vom 21. Juni 2012 geht klar hervor, dass es im Rahmen der angeordneten Begutachtung nicht um eine Klärung von neu aufgetre- tenen Fragen geht. Ebenfalls geht es nicht darum, inn erhalb des Gutachtens offen gebliebene Fragen nachträglich abzuklären und das Gutachten diesbe züglich zu ergänzen. Das Kantons- gericht hielt zwar nicht explizit fest, dass die nochmalig e psychiatrische und rheumatologische Begutachtung nicht durch die bisherigen Gutachter erfo lgen dürfe. Das Urteil bringt aber klar zum Ausdruck, dass das bisherige verwaltungsexterne Gutachte n von Dr. E.____ und Dr. C.____ die beweisrechtlichen Anforderungen nicht er füllt hat, weshalb nicht darauf abge- stellt hat werden können. Die Wortwahl „neues bidiszipli näres Gutachten“ macht deutlich, dass es sich nicht um die Ergänzung eines Gutachtens handelt, das in beweisrechtlicher Hinsicht überzeugt hat. Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin a ngewiesen wurde, den Gesund- heitszustand und die Arbeitsfähigkeit von Anfang an nochmals zu untersuchen, macht ebenfalls deutlich, dass es sich nicht um ein Ergänzungsgutachten od er um ein Verlaufsgutachten han- delt (vgl. Erwägung 7.2 des Urteils). Angeordnet wurde eine originär neue psychiatrische Be- gutachtung, die alle bisherigen Einschätzungen überprü ft und sich kritisch damit auseinander setzt. Dies ergibt sich im Weiteren auch aus dem Umstand, dass es dem Kantonsgericht nicht möglich war, eine der beiden aus psychiatrischer Sicht vert retenen Auffassungen als schlüssig und nachvollziehbar zu bezeichnen. Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich somit um ein Zweitgutachten, da das Gericht das be stehende Gutachten für klar unzu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht reichend erachtet hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2 0. August 2008, 8C_89/2007, E. 5.1). Das bereits erstattete Gutachten von Dr. E.____ und Dr. C.____ wurde vom Kantonsge- richt nicht zum Ausgangspunkt der zusätzlichen Abklärungen erklärt. 5.3.3 Nach dem Gesagten geht es also nicht darum, dass D r. C.____ sein Gutachten nur er- gänzen oder erläutern müsste. Seine Aufgabe würde nicht darin bestehen, dieses im Sinne von festgestellten Unvollständigkeiten zu überarbeiten und sich insbesondere mit der Auffassung des behandelnden Psychiaters Dr. D.____ auseinander zu setzen, sondern er müsste seine bisherige Beurteilung aus einer objektiven Sicht heraus – quasi als Obergutachter – auf ihre Schlüssigkeit hin überprüfen. Wie in Erwägung 3.6 hier vor dargelegt, erweckt diese Konstellati- on der Vorbefassung den Anschein der Vorbestimmtheit. Das Verfahren erscheint in Bezug auf die Ermittlung des medizinischen Sachverhalts nicht mehr als offen und nicht vorbestimmt. 6. Auch wenn es nach einem gerichtlichen Rückweisungsentsc heid in erster Linie Sache der zuständigen Behörde ist, nach dem Untersuchungsgrun dsatz die materielle Wahrheit zu ermitteln, ist vorliegend zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin Dr. C.____ mit der psy- chiatrischen Begutachtung der Beschwerdeführerin betraut hat, obwohl gegen ihn in der vorlie- genden Angelegenheit ein Ausstandsgrund besteht. Somit kommt die Beschwerdegegnerin nicht umhin, die Beschwerdeführerin durch eine bisher ni cht involvierte psychiatrische Fachper- son umfassend begutachten zu lassen. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen, als die Zwischenverfügung vom 19. April 2013 aufgehoben und die Beschwerdegegnerin angewiesen wird, für die bidisziplinäre Begutachtung einen bisher nicht involvierten Facharzt bzw. eine Fachärztin der Psychiatrie mit der Begutachtung der Beschwerdeführerin zu beauftragen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeit en um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetze s über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 we rden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV- Stelle unterliegende Partei, weshalb sie grundsätzlich d ie Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass lau t § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vo- rinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrens- kosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Un- terliegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen . Es werden deshalb keine Verfahrens- kosten erhoben und der von der Beschwerdeführerin gelei stete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird ihr zurückerstattet. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist der Beschwerde- führerin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten de r IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorar note vom 26. November 2013 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 7.5 Stunden und Auslagen von ins- gesamt Fr. 58.50 ausgewiesen, was angesichts der sich stell enden Sachverhalts- und Rechts- fragen sowie des Aktenumfangs nicht zu beanstanden ist. Die Bemühungen sind zu dem in So- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anw endung gelangenden Stunden- ansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Der Beschwerdeführerin ist demnach ein Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 2'088.10 (7.5 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 58.50 und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 8. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn e ine Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur un ter den in Art. 93 Abs. 1 BGG ge- nannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht n unmehr im Grundsatzurteil 138 V 271 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide ü ber Beschwerden gegen Verfügungen der Verwaltung betreffend die Einholung von medizini schen Gutachten nicht an das Bundesge- richt weiterziehbar, sofern nicht Ausstandsgründe beurteilt worden sind. Der Entscheid darüber, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegende n Fall erfüllt sind, obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung e rfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Zwischen- verfügung vom 19. April 2013 aufgehoben und die Beschw erdegegne- rin angewiesen wird, für die bidisziplinäre Begutachtu ng einen bisher nicht involvierten Facharzt bzw. eine Fachärztin der Psychiatrie mit der Begutachtung der Beschwerdeführerin zu beauftragen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2'088.10 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht