Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Februar 2018 (715 17 237 / 46) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit bestätigt, jedoch Reduktion der Einstelldauer um zusätzlich fünf Tage aufgrund persönli- cher Umstände der versicherten Person, die die Selbstkündigung entschuldbar machen Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____ war zuletzt vom 1. November 2011 bis 30. April 2017 bei der B.____ AG in einem 100 % Arbeitspensum angestellt. Am 2. Mai 201 7 meldete sie sich beim Regionalen Ar- beitsvermittlungszentrum Liestal (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) Anspruch auf Ar beitslosenentschädigung ab dem 2. Mai 2017. Mit Verfügung Nr. 1209/2017 vom 22. Juni 2017 stellte die Kasse A.____ wegen selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Mai 2017 f ür 36 Tage in der Anspruchsberechtigung ein, da die Versicherte ihre Arbeitsstelle gekündigt habe, ohne dass ihr eine neue Stelle vertrag- lich zugesichert gewesen sei. Aus den eingereichten ärztlichen Zeugnissen gehe der Grund für Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Gesundheitsgefährdung nicht hervor. Es wäre ihr dah er zuzumuten gewesen, bis zur ver- traglichen Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle mit der Kündigung zuzuwarten. Mit Entscheid vom 12. Juli 2017 hiess die Einspracheinstanz des Kantonal en Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft, die gegen die Verfügung vom 22. Juni 2017 von der Ver sicherten erhobene Einsprache teilwei- se gut und reduzierte die Einstelldauer auf 31 Tage. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der Beschwerdeführerin der Verbleib an ihrer bisherigen Arbeitsstelle weiter- hin zuzumuten gewesen wäre. Die medizinischen Unterlage n würden eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht rechtsgenüglich belegen. Auch der Wohnortswechsel habe nicht dazu geführt, dass der Verbleib an der ehemalige n Arbeitsstelle unzumutbar geworden wäre, da der Arbeitsweg weniger als zwei Stunden betra gen hätte. Aufgrund der gesundheitli- chen Probleme, die als verschuldensmindernd zu berücksichtigen seien, sei eine Reduktion der Einstelldauer um fünf Tage von 36 auf 31 Tage angezeigt. B. Gegen den Einspracheentscheid vom 12. Juli 2017 erho b A.____ am 11. August 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversiche rungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 12. Juli 2017. In der Begründung trug die Beschwerdeführerin zusammenfassend vor, dass sie ihre A rbeitsstelle erhalten habe, nach- dem sie von einer ihrem Ehemann bekannten Person bei der B.____ AG empfohlen worden sei. Im Jahr 2016 seien die Konflikte mit dem Ehemann ents tanden und es sei zur Trennung ge- kommen. Der Ehemann habe kriminelle Aktionen durchgefü hrt. Sie habe dies entdeckt, was ihr zum Verhängnis geworden sei. Die dem Ehemann bekannte Person sei ebenfalls an diesen Aktionen mitbeteiligt gewesen. Sie sei von dieser Perso n und auch von anderen Personen mehrmals verbal bedroht und auch verfolgt worden. Sie habe grosse Angst gehabt. Nach eini- gen Wochen habe sie es ihrem Hausarzt erzählt, der geme int habe, dass sie unbedingt weg- ziehen solle. Er habe ihr die Kündigung empfohlen, da sie gegen diese Person nichts in der Hand gehabt habe. Ihre gesundheitliche Lage habe sich verschlechtert. Am Tag des Umzugs sei sie zusammengebrochen. Sie sei dann krankgeschrieben wo rden und habe während der restlichen Dauer der Kündigungsfrist nicht mehr arbeiten können. Heute gehe es ihr wieder gut. Sie könne keine weiteren Arztzeugnisse einreichen, da sie keine habe. Es sei ihr von den Ärz- ten ausdrücklich empfohlen worden, die Region zu verlasse n und somit auch die Arbeitsstelle bei der B.____ AG zu kündigen. Der weitere Verbleib i n der Firma und der Region wäre für die Gesundheit schädlich gewesen. Daher sei die Einstellung der Taggeldleistungen zu Unrecht erfolgt. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 25. Oktober 2017 auf Abweisung der Beschwerde. Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien in den S chriften und die Unterlagen wird – soweit notwendig – in den Erwägungen eingegangen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentsche ide aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend kommt die Beschwerdeführerin ihren Kontrollpflich ten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu b ejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsg ericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Ver sicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des K antonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall sind eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Umfang von 31 Tagen bei einem Taggeld von Fr. 180.30 und damit ein Streitwert von Fr. 5‘589.30 zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerd eführerin infolge selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 31 Ta gen in der Anspruchsberechtigung ein- stellte. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und so weit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in e inem nach den persönlichen Umstän- den und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 3.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzul egen ist. Die Zumutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/ bb mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Umstände vorlieg en, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu ve rbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zür ich 1998, S. 116). 3.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von A rt. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 2 1. Juni 1988 über Beschäftigungsförde- rung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinko mmen; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige („volontairement“) Aufgeben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans mo tif légitime“) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30 . April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 3.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt di e Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundheitsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Un zumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachver halts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). 3.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mein ungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsverhältnisses zu begründen (Urteil des Bundesgerich ts vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 2). Bei Schwierigkeiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und dergleichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stel le nicht ohne Zusicherung einer neuen Anschlussstelle aufzugeben. Das Bundesgericht hat fest gehalten, dass belastende Ver- hältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des A rbeitsverhältnisses nicht rechtfertigen. Sie können aber allenfalls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstell ungen der versicherten Person nicht ent- sprechendes Betriebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 4.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf fo lgende Grundsätze hinzuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltun gsgerichtsbeschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versi cherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Festste llung des rechtserheblichen Sachver- haltes zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinw eisen). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten erg ebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinweisen). 5.1 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin ein Verschu lden an ihrer Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung m it Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV anzulasten ist. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folgt dar: 5.2 Dr. med. C.____, Facharzt FMH für Allgemeine Med izin, hielt im ärztlichen Attest vom 16. Februar 2017 fest, dass die Versicherte zur Zeit weg en schwerwiegenden Gesundheits- problemen bei ihm in Behandlung stehe. Die Versichert e habe auf sein Anraten hin die aktuelle Anstellung bei der B.____ AG gekündigt, da ihr die Ar beit am jetzigen Arbeitsplatz aus gesund- heitlichen Gründen nicht mehr zugemutet werden könne (oeka act. 21). Dem Auszug aus der Krankengeschichte vom 15. Juni 2016 bis zum 27. Februar 2017 von Dr. C.____ kann folgen- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht des entnommen werden: Anlässlich der Konsultation vom 3. Januar 2017 hielt Dr. C.____ fest, dass sich die Patientin vom Ehemann trennen müsse, da diese r kriminell sei. Sie suche einen neuen Job in der Region X.____. Man müsse bestätigen, d ass aus gesundheitlichen Gründen gekündigt worden sei. Am 17. Januar 2017 suchte die Ve rsicherte ihren Hausarzt aufgrund ei- ner Grippe auf (oeka act. 86f.). Am 27. Februar 2017 attestierte ihr Dr. C.____ eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres. 5.3 Weiter liegen den Akten die Arbeitsunfähigkeitsme ldungen an die Krankentaggeldver- sicherung vor. Darin wurde festgehalten, dass die Arbei t zufolge Krankheit ab dem 27. Februar 2017 ausgesetzt worden sei (oeka act. 22). Dr. med. D. ____, Fachärztin Allgemeine Medizin und Psychosomatik, attestierte der Beschwerdeführerin a b dem 21. März 2017 bis Ende April 2017 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Im Arztzeugni s betreffend Auflösung des Arbeitsver- hältnisses aus gesundheitlichen Gründen zuhanden der Beschw erdegegnerin vom 15. Mai 2017 hielt Dr. D.____ fest, dass die Beschwerdeführeri n seit dem 21. März 2017 bei ihr in Be- handlung stehe (oeka act. 33). Die Frage, ob die Pa tientin gesundheitliche Probleme geschil- dert habe, die aufgrund der Tätigkeit beim Arbeitgeb er entstanden seien oder die sie bei der Arbeit beeinträchtigt hätten, beantwortete Dr. D.__ __ mit „ja“. Weiter hielt Dr. D.____ fest, dass die Patientin bei einem anderen Hausarzt gewesen sei , der nun pensioniert sei. Die Patientin habe aufgrund der privaten und der beruflichen Situa tion eine Depression mit Schlafstörungen erlitten. Der Zustand habe sich gebessert und sie könne wi eder arbeiten. Sie sei bis zum 30. April 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Ab dem 1. Mai 2017 habe wieder eine 100 %- ige Arbeitsfähigkeit bestanden. In einem weiteren Arz tzeugnis vom 22. Mai 2017 hielt Dr. D.____ erneut fest, dass die Versicherte vom 27. Februa r 2017 bis zum 30. April 2017 krank- heitshalber zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei. 5.4 Anlässlich der Anmeldung bei der Beschwerdegegneri n gab die Beschwerdeführerin an, dass sie das Arbeitsverhältnis am 25. Januar 2017 per 30. April 2017 selbst gekündigt ha- be. Als Grund für die Kündigung nannte sie gesundheit liche Gründe und verwies auf ein ärztli- ches Zeugnis. Im Zeitpunkt der Kündigung sei sie aus gesu ndheitlichen Gründen an der Ar- beitsleistung verhindert gewesen (27. Februar 2017 bis 30. November 2017; oeka act. 17). Das Kündigungsschreiben vom 25. Januar 2017 begründete die Beschwerdeführerin mit dem Um- zug in einen anderen Kanton (oeka act. 56). Im Rahmen des rechtlichen Gehörs gab die Be- schwerdeführerin am 20. Juni 2017 zur Auskunft (oeka act. 9 0), dass sie aus gesundheitlichen Gründen gekündigt habe. 6.1 Die Beschwerdeführerin löste das Arbeitsverhältnis mit der B.____ AG selber am 25. Januar 2017 per 30. April 2017 auf, ohne dass ihr zum damaligen Zeitpunkt von anderer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gew esen wäre. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss d anach, ob der Beschwerdeführerin ein Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewe- sen wäre (vgl. Erwägung 3.3 hiervor). 6.2 Gestützt auf die Akten und die Angaben der Beschwer deführerin ist davon auszuge- hen, dass sie dem Arbeitsplatz ab dem 27. Februar 2017 aus Krankheitsgründen fernblieb. Die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berichte von Dr. C.____ und von Dr. D.____ vermögen abe r nicht in rechtsgenüglicher Weise darzulegen, dass die Verrichtung der bisherigen Arbeit an der bisherigen Arbeitsstelle für die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin veran twortlich gewesen wäre. Dr. C.____ liefert in seinem ärztlichen Attest vom 16. Februar 201 7 keinerlei Angaben zur Diagnose. Er nimmt auch keinen Bezug auf die von der Beschwerdefüh rerin konkret ausgeübte Tätigkeit. Die Beschwerdegegnerin weist in der Vernehmlassung zudem zu Recht darauf hin, dass kein echt- zeitliches Arztzeugnis von Dr. C.____ vorliegt, aus dem h ervorgeht, dass er die Beschwerde- führerin vor der Kündigung krankschrieb. Anlässlich der Konsultationen vom 3. Januar und vom 17. Januar 2017 sah Dr. C.____ keinen Anlass, die Besch werdeführerin aufgrund ihrer Schilde- rungen per sofort krankzuschreiben bzw. ihr die umgehende Kündigung nahezulegen. Der Zu- sammenbruch der Beschwerdeführerin fand erst anlässlich des Umzugs statt, der zeitlich nach der Kündigung erfolgte. Das Attest von Dr. C.____ erfü llt damit die strengen Vorgaben des Bundesgerichts nicht, weshalb gestützt darauf eine gesund heitsgefährdende Situation am Ar- beitsplatz nicht rechtsgenüglich nachgewiesen ist. Auch die Angaben von Dr. D.____ genügen nicht, um r etrospektiv eine konkrete Gefährdung am Arbeitsplatz anzunehmen. Dr. D.____ nennt zwar gesu ndheitliche Probleme („Depression und Schlafstörungen“) und führt diese auf die beruf liche und private Situation zurück. Da Dr. D.____ mit der Behandlung der Beschwerdeführerin erst begann, nachdem diese den Woh- nort bereits gewechselt hatte, weshalb ihre Einschätzu ng letztlich einzig auf den Angaben der Beschwerdeführerin basiert, vermag auch diese Beurteilu ng die strengen Vorgaben des Bun- desgerichts nicht zu erfüllen. 6.3 Es ist somit festzuhalten, dass es an einer eindeut igen ärztlich bescheinigten Unzu- mutbarkeit der Weiterführung des bisherigen Arbeitsverhä ltnisses bei der B.____ AG bis zum Auffinden einer neuen Arbeitsstelle im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG fehlt. Ein Kausalzu- sammenhang zwischen der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin und der Arbeitsstelle im Sinne einer Gesundheitsgefährdung ist nicht erstellt. Es ist davon auszuge- hen, dass die gesundheitlichen Probleme der Beschwerde führerin vor allem die Folge der schwierigen ehelichen Situation und des privaten Umfelds waren. Soweit die Beschwerdeführe- rin anführt, dass sie vom Bekannten ihres Ehemannes bedro ht worden sei, erweist sich dieses Vorbringen als nicht ausreichend, denn es bleibt letzt lich unklar, ob diese Drohungen auch am Arbeitsplatz stattfanden. Der Hauptgrund für die Künd igung ist somit im Wohnortswechsel zu sehen. Wie die Beschwerdegegnerin diesbezüglich zu Recht ausführt, ist ein Arbeitsweg von bis zu zwei Stunden pro Weg zumutbar, was vorliegend der Fall gewesen wäre. In Anbetracht dieser Sachlage kann der Wunsch nach einem Stellenwechse l zwar nachvollzogen werden, eine sofortige Kündigung mit der Folge des Bezugs von A rbeitslosenentschädigung zu Lasten der Allgemeinheit rechtfertigt sich vorliegend aber ni cht, weshalb der Tatbestand der selbstver- schuldeten Arbeitslosigkeit gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a A VIG als erfüllt zu betrachten ist. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung ist demnach im Grundsatz nicht zu beanstanden 7.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltag e korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 – 15 Tage bei lei chtem Verschulden, 16 – 30 Tage bei mit- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht telschwerem Verschulden und 31 – 60 Tage bei schwerem Ve rschulden. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemäss em Ermessen. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das der Arbeitslosenka sse zustehende Ermessen ein. Es setzt nicht sein Ermessen anstelle desjenigen der Arbeitslose nkasse, solange diese von ihrem Er- messen pflichtgemäss Gebrauch gemacht hat, also allen einsc hlägigen Gesichtspunkten ge- bührend Rechnung getragen hat. 7.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist im vorlie genden Fall von einer solchen selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit auszugehen. Demnach lä ge der grundsätzliche Rahmen für die Bemessung der Einstelltage zwischen 31 und 60 Tagen. Die Beschwerdegegnerin setzte die Dauer der Einstellung auf 31 Tage fest. Dabei gin g sie ihrer Praxis gemäss von 36 Einstell- tagen aus und berücksichtigte den Umstand als verschuldensmin dernd, dass die Beschwerde- führerin an gesundheitlichen Problemen litt. Von den praxisgemässen 36 Einstelltagen zog sie fünf ab. 7.3 Bei der Festlegung der Dauer der Einstellung ist von der Beschwerdegegnerin zu Gunsten der Beschwerdeführerin zu Recht berücksichtigt word en, dass sie gesundheitliche Probleme hatte. Daneben lagen im Zeitpunkt der Kündi gung aber auch noch spezielle persönli- che Umstände bei der Beschwerdeführerin vor, die zum unf reiwilligen Umzug in einen anderen Kanton führten. Die Beschwerdeführerin trennte sich vo n ihrem – gemäss ihren eigenen Anga- ben – kriminellen Ehemann, der daraufhin die Schweiz u nd seine erst drei Jahre alte Tochter verliess. Darüber hinaus war das Arbeitsverhältnis aufgru nd der Mitarbeit des Bekannten des Ehemannes offensichtlich erheblich belastet. Die Kündigu ng des Arbeitsverhältnisses erfolgte daher aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht zwar übe reilt, sie ist aber zweifellos er- heblich in den persönlichen Umständen der Beschwerdefü hrerin begründet. Mit der Kündigung wollte sie dieser Belastung ausweichen, was aufgrund der Umstände entschuldbar erscheint. Diesen Aspekt liess die Beschwerdegegnerin vorliegend unbe achtet, weshalb eine Einstellung im Umfang von 31 Tagen in dieser Situation unangemesse n erscheint. Vielmehr muss den ver- schuldensmindernd zu berücksichtigenden schwierigen persönlichen und gesundheitlichen Um- ständen durch eine Einstufung im mittleren Bereich des m ittelschweren Verschuldens Rech- nung getragen werden. Die Einstelldauer ist deshalb vo n 31 Tagen auf 26 Tage zu reduzieren. Die Unterschreitung des grundsätzlichen Sanktionsrahmens für ein schweres Verschulden kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung dann angezeigt sein, wenn besondere Umstände im Einzelfall vorliegen, die das Verschulden leichter al s schwer erscheinen lassen. Diese kön- nen sich auf die subjektive Situation der betroffenen Person oder auf eine objektive Begeben- heit beziehen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. August 2017, 8C_342/2017, E. 4.3 mit Hin- weis auf BGE 130 V 125 E. 3.5). 7.4 Die Beschwerde ist demnach insofern teilweise gutzu heissen, als in Abänderung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 12. Juli 2017 di e Einstellungsdauer von 31 Tagen auf 26 Tage herabgesetzt wird. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird d er Einspracheentscheid vom 12. Juli 2017 dahingehend abgeändert, dass die Da uer der Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung auf 26 Tage festgesetzt wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht