<h2>SubmittedText<h2><p>Die Architektur des heutigen Schweizer Übertragungs- und Verteilnetzes ist auf eine zentralisierte Stromproduktion (grosse Kernkraftwerke und Wasserkraftanlagen) und auf den Stromaustausch mit dem Ausland (grenzüberschreitende Leitungen) ausgelegt.</p><p>Auf der Grundlage der Energiestrategie des Bundes, die von einer starken Zunahme der dezentralisierten Produktion mittels Windkraftparks und insbesondere Photovoltaikanlagen ausgeht, wird die Netzarchitektur bzw. die Netzdimensionierung im grossen Mass angepasst werden müssen.</p><p>Bei der heutigen Schätzung der Investitionen in die erneuerbaren Energien werden die Kosten und die Investitionen für die Anpassung der Stromübertragungs- und verteilnetze nicht thematisiert.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen: </p><p>1. Wurde auf der Grundlage der in der heutigen Energiestrategie des Bundes vorgesehenen dezentralisierten Produktion ein neues Fachkonzept entwickelt?</p><p>2. Wie hoch werden die gesamten Investitionen und Kosten ausfallen für die Anpassung und die Änderung des Übertragungsnetzes (Höchst- und Hochspannung) und des Verteilnetzes (Mittel- und Niederspannung), einschliesslich der Transformatorenstationen?</p><p>3. Wie hoch wird der durchschnittliche Netztarif pro kWh künftig sein und wie hoch wird die Erhöhung in Prozent im Vergleich zum heute geltenden durchschnittlichen Tarif ausfallen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid untersucht die Auswirkungen eines grösseren Winterstromzubaus auf das Übertragungsnetz in der laufenden Aktualisierung ihres Mehrjahresplans für die langfristige Netzplanung (Strategisches Netz 2040). Sie stützt sich dabei auf den Szenariorahmen, welchen der Bundesrat am 23. November 2022 genehmigt hat. Die Ergebnisse des Mehrjahresplans sollen gegen Ende 2024 veröffentlicht werden. Zum Verteilnetz hat das Bundesamt für Energie (BFE) am 30. November 2022 eine Studie veröffentlicht. Diese schätzt in verschiedenen Szenarien und Variationen ab, wie sich die Elektrifizierung im Wärme- und Verkehrsbereich und der starke Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Verteilnetze auswirken.</p><p>2. Im Szenario "Weiter wie bisher; WWB" der BFE-Studie sind bis 2050 auch ohne weitergehende energiepolitische Ziele Investitionen von rund 45 Milliarden Franken (real, zu Preisen von 2020) für den Erhalt und den Ausbau der Verteilnetzinfrastruktur notwendig. Im Szenario "Zero Basis", mit dem das Netto-Null-Ziel erreicht wird, fallen gegenüber "WWB" zusätzlich 30 Milliarden Franken an. Gemäss einer Variation, das den Zubau-Pfad der Photovoltaik (PV) berücksichtigt, wie ihn National- und Ständerat im Rahmen des Bundesgesetzes über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien beschlossen haben ("PV-Variation"), ist gegenüber "WWB" mit zusätzlichen 37 Milliarden Franken an Investitionen zu rechnen. Die Aufteilung auf die verschiedenen Verteilnetzebenen sieht dabei wie folgt aus: 25 Mrd. auf der Hochspannungsebene, 27 Mrd. auf der Mittelspannungsebene und 19 Mrd. auf Niederspannungsebene. Auf Transformatorenebene belaufen sich die Kosten auf eine, vier und sechs Mrd. (Transformation zwischen Hoch-, Mittel- und Niederspannung).</p><p>Ein erheblicher Anteil der Gesamtinvestitionen fällt in allen Szenarien für altersbedingte Ersatzinvestitionen und Erneuerung von Bestandsanlagen an; weitere Kosten kommen hinzu durch Verkabelungen auf den unteren Netzebenen und den Ausbau der Stromverteilnetze. Der Eigenverbrauch kann den Investitionsbedarf senken, weil er Verbrauchsspitzen glättet. Die Möglichkeit von Einspeisemanagement (Steuerung der Einspeisung) und netz- bzw. marktdienliche Verbrauchssteuerung (Flexibilität) können sich senkend auswirken; die Studie sieht hier ein Einsparpotenzial von rund einem Viertel. Im Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien haben National- und Ständerat denn auch verschiedene Massnahmen beschlossen, um die Netzkosten zu reduzieren.</p><p>3. Durch die oben beschriebenen Investitionen steigen auch die durchschnittlichen Netznutzungstarife bis 2050 an: Gemäss BFE-Studie (und ohne kostensenkende Flexibilitätsmassnahmen) steigen sie im Szenario "WWB" für Haushalte und KMU um 27 Prozent, in "Zero Basis" um 63 Prozent und in der PV-Variation gemäss National- und Ständerat um 70 Prozent. In der PV Variation bedeutet dies beim heutigen Wälzungsmechanismus einen Anstieg auf Niederspannungsebene von heute durchschnittlich 9.8 Rp/kWh auf 16.6 Rp/kWh im Jahr 2050. Dabei handelt es sich um schweizweite Mittelwerte. Auch heute bestehen unterschiedliche Netzkosten aufgrund von topografischen Gegebenheiten des Versorgungsgebiets, unterschiedlichem Konsumverhalten der Endverbraucherinnen und Endverbraucher oder Effizienzunterschieden der Netzbetreiber. Des Weiteren werden Endverbraucher mit Solaranlagen im Umfang ihres Eigenverbrauchs von den steigenden Netzgebühren befreit und somit die Netzkosten auf weniger Endverbraucher verteilt. Beim Einsatz kostensenkender Flexibilitätsmassnahmen ist der Anstieg der Netznutzungstarife allerdings generell deutlich geringer: So beträgt der durchschnittliche Anstieg etwa bei der PV-Variation lediglich rund 40 Prozent.</p>  Antwort des Bundesrates.