Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Dezember 2019 (715 19 125 / 319) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ablehnung der Anspruchsberechtigung mangels anrechenbaren Arbeitsausfalls auf- grund zweimonatiger krankheitsbedingter Abwesenheit während der Kündigungsfrist Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberin Margi t Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff A. Der 1955 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. N ovember 2008 als Koordinator und Delegierter für die B.____ bei der C.____ AG. Dieses Arbeitsverhältnis wurde aus wirtschaftlichen Gründen per 30. Juni 2018 beendet. Am 4. Juni 2018 b eantragte A.____ bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) die Ausricht ung von Arbeitslosenentschädi- gung ab 1. Juli 2018. Die Anmeldung zur Arbeitsvermi ttlung beim zuständigen Regionalen Ar- beitsvermittlungszentrum (RAV) nahm er am 5. Juni 2018 vor. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Verfügung Nr. 1549/2018 vom 24. Juli 2018 vern einte die Arbeitslosenkasse die An- spruchsberechtigung des Versicherten für die Monate Juli und August 2018 mangels anrechen- baren Arbeitsausfalls. Sinngemäss wurde ausgeführt, dass der Versicherte vom 9. April 2018 bis 11. Juni 2018 wegen einer Knieoperation arbeitsunfä hig gewesen sei, weshalb sich die Kündi- gungsfrist bis zum 31. August 2018 verlängert habe. Da das Arbeitsverhältnis jedoch bereits per 30. Juni 2018 und damit vorzeitig aufgelöst worden sei, werde dem Versicherten so lange kein Arbeitsausfall angerechnet, wie die Leistungen des Ar beitgebers den Einkommensverlust wäh- rend dieser Zeit gedeckt hätten. Der Versicherte habe nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 30. Juni 2018 eine Abfindung in Höhe von Fr. 30'558.-- erhalten, weshalb er bis Ende August 2018 keinen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten habe. Der Anspruch des Versicherten auf Ar- beitslosenentschädigung müsse daher für die Zeit vom 2. Juni (recte: Juli) 2018 bis 31. August 2018 abgelehnt werden. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz der Ar- beitslosenkasse am 25. März 2019 ab. C.1 Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte am 22. April 2019 Beschwerde ans Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte sinngemäss, in Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids seien ih m die gesetzlichen Arbeitslosen- taggelder für die Monate Juli und August 2018 auszurichten. Zur Begründung brachte er im We- sentlichen vor, dass sein Arbeitsverhältnis mit der C.____ AG am 18. Dezember 2017 unter Be- achtung der 6-monatigen Kündigungsfrist per 30. Juni 2 018 aufgelöst worden sei. Die Auflö- sungsbedingungen seien in einer Aufhebungsvereinbarung geregelt worden. Dieser sei zu ent- nehmen, dass er für den Anschluss an eine Krankentaggel dversicherung sowie für den Einkauf in die Pensionskasse und damit zweckgebunden einen Betrag von Fr. 30'558.-- erhalte. Die zu- sätzlich ausgerichteten Fr. 30'558.--, welche er erst na ch Beendigung des Arbeitsverhältnisses erhalten habe, würden nicht den gesetzlichen Freibetr ag von Fr. 148'200.-- erreichen, weshalb sie unberücksichtigt bleiben müssten. Ausserdem sei vorliegend zu beachten, dass er Ende Juni 2018 nicht mehr an seine ursprüngliche Stelle hätte zurückkehren können. C.2 Am 10. Mai 2019 ergänzte der Versicherte seine Besc hwerde. Er führte aus, dass die ehemalige Arbeitgeberin unter Hinweis auf den von ihm unterzeichneten Aufhebungsvertrag eine Verlängerung der Kündigungsfrist um zwei Monate wegen der durch die Knieoperation verur- sachten zweimonatigen Arbeitsunfähigkeit verweigert habe . Zudem seien die von der Arbeitge- berin getätigten Zahlungen keine Abfindungen gewesen, sondern zweckgebundene Entschädi- gungen. Er habe sich damit in die Pensionskasse eingekauft. Hingegen habe er sich keiner Kran- kentaggeldversicherung anschliessen können, weil er das Gel d wegen der Ablehnung der An- spruchsberechtigung auf Arbeitslosentaggelder in den Monaten Juli und August 2018 für die Be- streitung seines Lebensunterhalts gebraucht habe. Weiter führte er aus, dass er von der Be- schwerdegegnerin widersprüchliche Angaben betreffend die Konsequenz des von ihm gezwun- genermassen unterzeichneten Aufhebungsvertrags erhalten habe. D. In der Vernehmlassung vom 20. Mai 2019 beantragte die Arbeitslosenkasse unter Hin- weis auf die Ausführungen in der Verfügung vom 24. Ju li 2018 und dem Einspracheentscheid vom 20. Mai 2019 die Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 i.V.m. den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialve rsicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus de m Bereich der Arbeitslosenversiche- rung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erho ben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versi cherte Person zur Zeit des Verfü- gungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend kommt der in D.____ wohnhafte Versicherte im Kanton Basel-Landschaft seinen Kontrollpflichten nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kant onsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Ver- sicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 22. April 2019 ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO (in der ab 1. Januar 2019 g eltenden Fassung) entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidi alentscheid. Im vorliegenden Fall ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Taggelder für die Mo nate Juli und August 2019 strittig. Ausgehend von einem monatlichen durchschnittlichen Anspr uch auf 21.7 Taggeldern à Fr. 419.35 resultiert vorliegend ein Betrag von Fr. 18'199.80 (21,7 Tage x 2 = 43.4 x Fr. 419.35). Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe r in den Monaten Juli und August 2018 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat. 3.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt u. a. voraus, dass die versicherte Per- son einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 8 Abs. 1 lit. b AVIG). Der Arbeitsausfall ist gemäss Art. 11 Abs. 1 AVIG anrechenbar, wenn er ei nen Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinanderfolgende volle Arbeitstage d auert. Ein Arbeitsausfall, für den der arbeitslosen Person Lohnansprüche oder Entschädigungsan sprüche wegen vorzeitiger Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses zustehen, ist hingegen nicht anrechenbar (Art. 11 Abs. 3 AVIG). Der Arbeitsausfall ist überdies so lange nicht anrechen bar, als freiwillige Leistungen des Arbeit- gebers den durch die Auflösung des Arbeitsverhältnisses entstehenden Verdienstausfall decken (Art. 11 a Abs. 1 AVIG) und den Höchstbetrag gemäss Art. 3 Abs. 2 AVIG von Fr. 148‘200.-- über- steigen (Art. 11 a Abs. 2 AVIG). Als freiwillige Leistungen des Arbeitgebers bei der Auflösung des privatrechtlichen oder öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnisses gelten sämtliche Leistungen, die nicht Lohn- oder Entschädigungsansprüche nach Art. 11 Ab s. 3 AVIG darstellen (Art. 10 a der Verordnung über die Arbeitslosenversicherung [AVIV] vom 31. August 1983; BGE 141 V 426 E. 3; Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2016, 8C _822/2015, E. 2.1, vgl. auch: AVIG- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco, [nachfolgend: AVIG-Praxis] Rz. B105 und B122 f.). 3.2 Gemäss Art. 10 h Abs. 1 AVIV wird bei vorzeitiger Auflösung des Arbeitsverhältnisses im gegenseitigen Einvernehmen der versicherten Person während der Zeit, die der Kündigungsfrist entspricht, solange kein Arbeitsausfall angerechnet, wie die Leistungen des Arbeitgebers den Einkommensverlust während dieser Zeit decken. Übersteigen die Leistungen des Arbeitgebers den Betrag des der versicherten Person bis zur ordentli chen Beendigung des Arbeitsverhältnis- ses geschuldeten Lohnes, so sind die Bestimmungen über die freiwilligen Leistungen des Arbeit- gebers nach Art. 11 a AVIG anwendbar (Art. 10 h Abs. 2 AVIV; vgl. auch: BGE 141 V 426 E. 3, Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2016, 8C_822/2015, E. 2.1, AVIG Praxis Rz. 131). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Ver waltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, wonach Versicherungsträger und Ge- richte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen haben (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen dann vorzunehmen sind, wenn und soweit hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder ander er sich aus den Akten ergebender An- haltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Eid genössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1b; BGE 117 V 282 E. 4a; AHI-Praxis 1994 S. 212 E. 4a; SVR-Rechtsprechung 1999, IV Nr. 10 S 28 E. 2c). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Bes chwerdefall das Gericht darf eine Tat- sache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozialversi- cherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Bew eisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt die- sen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). 5.1 Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folg t dar: Der Beschwerdeführer arbei- tete seit dem 1. November 2008 bei der C.____ AG. Dem am 31. Oktober 2008 unterzeichneten Arbeitsvertrag ist zu entnehmen, dass die Kündigungsfrist 6 Monate dauert (vgl. act. 6 Ziffer 5). Das Arbeitsverhältnis wurde am 18. Dezember 2017 aus wirtschaftlichen Gründen unter Einhal- tung der 6-monatigen Kündigungsfrist durch die Arbeitgeberin per 30. Juni 2018 gekündigt. Dem Kündigungsschreiben ist unter anderem zu entnehmen, da ss dem Beschwerdeführer per Ende Jahr (2018) eine freiwillige Abfindung von Fr. 30'558 .-- ausbezahlt werde, (vgl. act. 54). Sofern der Beschwerdeführer die Kündigung anfechte und ihm eine gerichtliche Abfindung zugespro- chen werde, so gelte der ihm im rechtsgültigen Urteil zugesprochene Betrag mit der vorliegenden freiwilligen Zahlung in dieser Höhe als abgegolten (vgl. act. 1). Die Kündigung des Arbeitsverhält- nisses wurde gleichentags durch eine Aufhebungsvereinbarung zwischen der Arbeitgeberin und dem Beschwerdeführer ersetzt (vgl. act. 43 ff.). Demnach erhalte der Beschwerdeführer per Ende Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dezember 2017 eine Abfindung von Fr. 30'558.--, um sich nach Beendigung des Arbeitsverhält- nisses einer Krankentaggeldversicherung anschliessen und sich in seine Pensionskasse einkau- fen zu können. Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Ende Juni 2018 erhalte der Beschwer- deführer eine weitere Abfindung unter der Bedingung , dass keine Anfechtung der Aufhebungs- vereinbarung erfolgt sei und er sich gegenüber der Arb eitgeberin wohl verhalten habe. Dieser Beitrag sei unter anderem für den Abschluss einer Kranke ntaggeldversicherung gedacht. Die Höhe der Abfindung bewege sich zwischen Fr. 23'560.-- und Fr. 30'558.-- (vgl. Ziffer 4 und 5 der Aufhebungsvereinbarung). Gemäss Angaben in den Lohnbl ättern beliefen sich die dem Be- schwerdeführer im Dezember 2017 und nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausbezahlten Abfindungen auf je Fr. 30'558.-- (vgl. act. 58). Den Akten ist weiter zu entnehmen, dass der Be- schwerdeführer am 28. Januar 2018 einen Betrag in Höhe von Fr. 20'000.-- an die Pensionskasse (vgl. act. 135) überwiesen hat. Gemäss eigenen Angaben war er sodann in der Zeit vom 11. April 2018 bis 8. Juni 2018, gemäss dem Krankenschein der Ba sler Versicherungen vom 12. April 2018 bis 10. Juni 2018 infolge Krankheit an der Erbri ngung der Arbeitsleistung verhindert (vgl. act. 33). Das Arbeitsverhältnis endete am 30. Juni 2018. 5.2.1 In Bezug auf die ausbezahlten Abfindungen ist z unächst festzustellen, dass dem Be- schwerdeführer unbestrittenermassen zwei Beträge in Höhe von je Fr. 30'558.--, insgesamt Fr. 61'116.--, ausbezahlt wurden. Gemäss Angaben in der Vereinbarung vom 18. Dezember 2017 hätten diese Beträge für den Einkauf in die Pensionskasse und den Abschluss einer Krankentag- geldversicherung gebraucht werden müssen. Der Beschwerdefü hrer verwendete davon Fr. 20'000.-- für den Einkauf in die Pensionskasse, wa s auch von der Beschwerdegegnerin be- rücksichtigt wurde (vgl. Art. 10 b AVIV). Beim restlichen Betrag in Höhe von Fr. 41'116.-- ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer darüber entgegen den Ausführungen in der Vereinba- rung vom 18. Dezember 2017 frei verfügen konnte, weshalb es sich um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers handelt. Dies trifft vor allem für die nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses erhaltene Abfindung zu. Gemäss Ziffer 5 (vgl. act. 44 und 45) der Aufhebungsvereinbarung vom 18. Dezember 2017 hätte der Beschwerdeführer der Arbeitgeberin nämlich bis Mai 2018 ein An- gebot einer Krankentaggeldversicherung einreichen müssen, ansonsten keine Verpflichtung für die Auszahlung dieser zweiten Abfindung bestanden hätte. Obwohl der Beschwerdeführer diese Abmachung offensichtlich nicht eingehalten hat, wurde ihm nach Beendigung des Arbeitsverhält- nisses nochmals eine maximale Abfindung von Fr. 30'558.-- ausbezahlt. Wie oben in Erwägung 3.1 ausgeführt, ist der Arbeitsausfall gemäss Art. 11 a Abs. 1 AVIG jedoch nicht anrechenbar, solange freiwillige Leistungen des Arbeitgebers den durch die Auflösung des Arbeitsverhältnisses entstehenden Verdienstausfall decken und den Höchstbetra g gemäss Art. 3 Abs. 2 AVIG von Fr. 148‘200.-- übersteigen (Art. 11 a Abs. 2 AVIG). Da die freiwillige Leistung der ehemaligen Ar- beitgeberin des Beschwerdeführers diesen Betrag nicht übersteigt, ist davon auszugehen, dass unter Annahme einer Aufhebungsvereinbarung von einem anrechenbaren Arbeitsausfall auszu- gehen ist. 5.2.2 Nun ist allerdings trotz des Abschlusses einer Aufheb ungsvereinbarung zu prüfen, ob eine Arbeitgeberkündigung vorliegt, welche im Dezember 2017 unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten 6-monatigen Kündigungsfrist per Ende Juni 2018 ausgesprochen wurde. Nachdem Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 24. Juli 2018 und im Einsprache- entscheid vom 25. März 2019 noch sinngemäss davon ausging , dass das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen aufgehoben worden war, best ätigte nunmehr auch sie zu Recht das Vorliegen einer Arbeitgeberkündigung (vgl. Vernehmlassung vom 20. Mai 2019 Ziffer 3). Dies drängt sich vor allem unter Berücksichtigung der Angaben des Beschwerdeführers in seiner An- meldung zum Leistungsbezug vom 4. Juni 2018 (vgl. act. 33) und der Arbeitgeberbescheinigung vom 9. Juli 2018 (act. 60) auf. Beiden Formularen ist ü bereinstimmend zu entnehmen, dass der Arbeitsvertrag durch die Arbeitgeberin am 18. Dezember 2017 per 30. Juni 2018 gekündigt wor- den sei. Den Akten sind auch keine Hinweise zu entnehme n, wonach der Beschwerdeführer zweieinhalb Jahre vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters von sich aus das Arbeitsverhältnis gekündigt oder durch sein Verhalten Anlass zur Beendi gung des Arbeitsverhältnisses per Ende Juni 2018 gegeben hätte. Unter diesen Umständen hat auch als erstellt zu gelten, dass der Ver- sicherte letztlich gezwungen war, sein Einverständnis zur Aufhebungsvereinbarung vom 18. De- zember 2017 zu geben. Da unter diesen Umständen entgegen der Auffassung der Beschwerde- gegnerin nicht ersichtlich ist, inwiefern es sich im vorliegenden Fall um eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses in gegenseitigem Einvernehme n handeln soll, können Art. 11 Abs. 3 AVIG und Art. 10 h Abs. 1 AVIV nicht zur Anwendung gelangen. 5.3.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich sodann wiederum unter Berücksichtigung von Art. 11 Abs. 3 AVIV auf den Standpunkt, das Arbeitsverhältnis habe bis Ende August 2018 gedauert, denn der Beschwerdeführer sei während der Kündigungs frist zwei Monate wegen Krankheit an der Erbringung der Arbeitsleistung verhindert gewesen. Es sei deshalb unter Berücksichtigung von Art. 336c Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes betref fend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR]) vom 30. März 1911 über den 30. Juni 2018 hinaus davon auszugehen, dass die von der Arbeitgebe rin erbrachten freiwilligen Leistun- gen im Umfang von Fr. 41'116.-- einen Einkommensverl ust des Beschwerdeführers bis Ende August 2018 (frühestmögliches gesetzliches Vertragsende) entschädigt hätten und er deshalb keinen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten habe. D er Beschwerdeführer bestreitet dies und macht geltend, dass die Arbeitgeberin wegen des Aufhebungsvertrags keine über das Vertrags- ende hinausgehende Verlängerung des Arbeitsverhältnisses akzeptiere. 5.3.2 Gemäss Art. 336c Abs. 1 lit. b OR darf der Arbei tgeber nach Ablauf der Probezeit das Arbeitsverhältnis nicht kündigen, wenn der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin ohne eigenes Verschulden durch Krankheit oder Unfall ganz oder teilweise an der Arbeitsleistung verhindert ist (1. Satzteil). Die Kündigung, die während dieser Sperrfrist erklärt wird, ist nichtig. Erfolgt die Kün- digung dagegen vor Beginn einer solchen Frist, ist aber die Kündigungsfrist bis dahin noch nicht abgelaufen, so wird deren Ablauf unterbrochen und er st nach Beendigung der Sperrfrist fortge- setzt (Art. 336c Abs. 2 OR). Diesfalls ruht die Kündigungsfrist während der Sperrfrist und ihr End- termin verschiebt sich (T HOMAS GEISER , Kündigungsschutz bei Krankheit, in: AJP 5/96, S. 552; vgl. auch ULLIN STREIFF /A DRIAN VON KAENEL /R OGER RUDOLPH , Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 7. Aufl., Zürich, 2012, N 2 zu Art. 336 OR). Die Dauer der Sperrfrist beträgt im ersten Dienstjahr 30 Tage, ab dem 2. bis 5. Dienstjahr 90 Tage und ab dem 6. Dienstjahr 180 Tage (vgl. Art. 336c Abs. 1 lit. b OR). Zu beachten i st ferner, dass bei einer Kündigung, welche diese gesetzlichen Fristen missachtet, kein Anwendungsfal l von Art. 11 Abs. 3 AVIG vorliegt, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondern allenfalls der Tatbestand einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit. Art. 11 Abs. 3 AVIG begründet die Nichtanrechenbarkeit eines Arbeitsausfal ls nur, wenn Lohnansprüche ausgewie- sen sind. Bestehen Zweifel über Lohnansprüche, die nur durch eine Abklärung in einem arbeits- gerichtlichen Verfahren geklärt werden können, liegt kein Fall von Art. 11 Abs. 3 AVIG vor (vgl. BARBARA KUPFER BUCHER , in: Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Zürich 2019, S. 49 ff.). Verlängert sich das Arbeitsverhältnis, weil die Kündigungsfrist durch eine Sperrfrist unterbroche n wurde, besteht jedoch nur dann ein ge- mäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG in Verbindung mit Art. 11 Abs. 3 AVIG zu behandelnder Verzicht auf einen Lohnanspruch, wenn dem Arbeitgeber nach der Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit die Dienste unmissverständlich wieder angeboten worden sind. Bietet die versicherte Person ihre Dienste in einem solchen Fall nachträglich nicht (mehr) an, liegt allenfalls ebenfalls eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit, nicht jedoch ein Lohn- bzw. Entschädigungsverzicht vor (ARV 1989 N 5 S. 86 E. 7b). 5.3.3 Im vorliegenden Fall steht fest, dass das Arbeitsve rhältnis per Ende Juni 2018 aufgelöst und beendet wurde, obwohl der Beschwerdeführer währe nd der Kündigungsfrist zwei Monate wegen einer Knieoperation ganz an der Arbeitsleistung verhindert war. Gemäss Art. 336c Abs. 2 OR verlängerte sich die gesetzliche Kündigungsfrist deshalb bis Ende August 2018. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin liegt damit aber gestützt auf die vorstehende Erwägung E. 5.3.2 nicht ohne Weiteres ein Verzicht auf einen Lo hnanspruch im Sinne von Art. 11 Abs. 3 AVIG vor. Davon wäre vorliegend auszugehen, wenn der Beschwerdeführer in Kenntnis der Ver- längerung der Kündigungsfrist der Arbeitgeberin seine Arbeitskraft unmissverständlich angebo- ten hätte, wovon aber nicht ausgegangen werden kann. De n Akten ist zu entnehmen, dass die Arbeitslosenkasse den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 11. Juni 2018 darauf hinwies, dass er in Unkenntnis der Rechtslage den Anspruch auf Weite rführung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der verlängerten Kündigungsfrist nicht geltend gemacht habe. Sie empfahl ihm des- halb, sofort schriftlich die Arbeitskraft nach Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit anzubieten (vgl. act. 36). Der Beschwerdeführer teilte der Beschwerdegegnerin am 13. Juni 2018 sodann mit (vgl. act. 38), dass die Arbeitgeberin eine Fortführung des Arbeitsverhältnisses wegen des Aufhe- bungsvertrags bereits im Februar 2018 abgelehnt habe, weshalb er entgegen der Empfehlung der Arbeitslosenkasse seine Arbeitskraft nicht mehr ange boten hat. Unter diesen Umständen kann aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davo n ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer auf seinen Lohn in den Monaten Juli und August 2018 verzichtet hat, weshalb kein Anwendungsfall von Art. 11 Abs. 3 AVIG anzunehmen ist. 5.4 Dem Dargelegten zufolge steht zusammenfassend fest , dass der Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in den Monaten Juli u nd August 2018 einen anrechenbaren Arbeitsausfall im Sinne von Art. 11 f. AVIG erlitten hat. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und der angefochtene Einspracheentscheid vom 25. März 2019 aufzuheben. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefo chtene Einspracheent- scheid vom 25. März 2019 aufgehoben und festgestellt, da ss der Be- schwerdeführer in den Monaten Juli und August 2018 ein en anrechen- baren Arbeitsausfall erlitten hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Gegen diesen Entscheid wurden von der Beschwerdegegnerin am 03.02.2020 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren Nr. 8C_94/2020 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht