Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Dezember 2020 (720 20 226 / 304) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Das zuhanden des Krankentaggeldversicherers erstellte Gutachten sowie die gestützt da- rauf ergangene Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes bilden keine rechtsgenüg- liche Grundlage, um einen Leistungsanspruch infolge Aggravation zu verneinen. Rückwei- sung an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung in psychiatrischer Hinsicht. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advo- kat, Hediger Aeberli Oeschger, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Ba- sel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1969 geborene A.____ meldete sich erstmals mit Gesuch vom 18. August 2016 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 14. März 2017 verneinte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV -Stelle) einen Leistungsanspruch, nach- dem der Versicherte ihr am 26. Januar 2017 mitgeteilt habe, dass er seit dem 1. Januar 2017 in Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der angestammten Tätigkeit beim bisherigen Arbeitgeber im gewohnten 100% Pensum arbeite und somit keine Unterstützung beanspruche. Am 11. Januar 2018 meldete sich A.____ erneut bei der IV zum Leistungsbezug an, wobei er im entsprechenden Gesuch angab, dass seine Krankheit abgekl ärt werde. Nach Abklärung der er- werblichen und gesundheitlichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invali- denrente mit Verfügung vom 4. Mai 2020 mit der Begründung ab, dass keine mit Sicherheit diag- nostizierbaren psychiatrischen Störungen mit Krankheitswert bzw. mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit bestünden. Vielmehr sei eine massive Neigung zu Aggravation mit Rentenbegehr- lichkeit anzunehmen. B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertre ten durch Dr. Alex Hediger, Advo- kat, am 8. Juni 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 4. Mai 2020 sei ihm mit Wirkung ab 1. Oktober 2018 eine ganze Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auszurichten ; unter o/e-Kostenfolge. In verfah- rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Pro zessführung und unentgeltliche Ver- beiständung mit Advokat Dr. Hediger als Rechtsbeistand. Als Begründung brachte er im Wesent- lichen vor, dass die von der Beschwerdegegnerin eingeholt en Berichte von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), welche sich ihrerseits auf ein zuhanden der Krankentaggeldversicherung erstatte tes Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stützen würden, nicht über den erforderlichen Beweiswert verfügten. Gestützt auf die medizinische Aktenlage sei vielmehr erstellt, dass bei ihm Störungen von Krankheitswert vorliegen würden, die keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr zulassen wür- den. Eventualiter werde deshalb die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegne- rin beantragt mit der Auflage, den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit durch entspre- chende objektive fachärztliche Gutachten abklären zu lassen. C. Mit prozessleitender Verfügung vom 3. Juli 2020 bewi lligte der instruierende Präsident dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Hediger als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Juli 2020 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine I nvalidenrente. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesge- setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelrente, bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, be i einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem s trukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksi chtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ander- seits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einord- nung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer recht- lich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbr ingen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E . 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbar- keit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen wird der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfol- gerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts st ehen zahlreiche medizinische Ak- ten zur Verfügung, welche allesamt vom Gericht gewürd igt wurden. Im Zentrum der medizini- schen Beurteilung stehen indessen insbesondere die nachfolgenden medizinischen Unterlagen: 5.2 Nachdem Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychothe rapie, in seinem Gutachten vom 6. Januar 2017 beim Versicherten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hatte ausmachen können und der Versicherte – wie einga ngs dargelegt – der IV-Stelle selbst mittgeteilt hatte, dass er wieder seinem gewohnten Pensum nachgehe, führte dies zur Ablehnung eines Leistungsanspruchs mit Verfügung vom 14. März 2017. 5.3 Nach Eingang der Anmeldung vom 11. Januar 2018 zog die IV-Stelle die Akten der Kran- kentaggeldversicherung bei. In seinem am 9. März 2018 zuhanden der Krankentaggeldversiche- rung erstatteten Verlaufsgutachten diagnostizierte Dr. D.____ mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine dissoziative Störung gemischt (ICD-10 F44.7). Unte r dem Druck am Arbeitsplatz mit der Bedienung neuer Maschinen und den Anforderungen und D rohungen des Vorgesetzten sei es immer wieder zu dissoziativen Störungen mit Schwindel, Unsicherheit auf den Beinen und Kol- lapszuständen gekommen, wobei im Rahmen somatischer Abkl ärungen keine Ursache für die Beschwerden hätten ausgemacht werden können. Der beha ndelnde Psychiater, Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, habe in seinem Bericht vom Dezember 2017 rich- tig die Diagnose einer dissoziativen Störung (Konversionsneurose) gestellt. Hierbei sei es zu den geschilderten Beschwerden gekommen. Die Störung habe sich im Rahmen von Belastungen am Arbeitsplatz in den letzten Monaten entwickelt. Ferner leide der Explorand an einer prolongierten Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Störung gemischt, die sich auch im Rahmen einer belastenden Situation (Umzug seiner Abteilung in eine grosse Halle mit Einführung von neuen Maschinen) seit circa drei Jahren entwickelt habe. Die Ar beitsfähigkeit des Exploranden in der gleichen Abteilung sei erheblich und zu 100% eingeschränkt. In belastenden Situationen und bei nicht verarbeiteten innerseelischen Konflikten könne es immer wieder zu dissoziativen Störungen mit Verletzungsgefahr kommen. In einer seiner Erfahrung und Ausbildung entsprechenden Tätig- keit beim gleichen Arbeitgeber in einer anderen Abteilung in einem ruhigen Team, ohne Anforde- rungsdruck sei er zu 50% arbeitsfähig mit einer monatlichen Steigerung des Arbeitspensums um 25%. 5.4 Im Austrittsbericht der Klinik F.____ vom 24. Mai 2 018 (stationärer Aufenthalt vom 14. März - 9. Mai 2018) wurde als Hauptdiagnose eine rezidivierende depressive Störung, ge- genwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) geste llt. Als Nebendiagnosen wurden eine So- matisierungsstörung (ICD-10 F45), eine somatoforme autonome Funktionsstörung: mehrere Or- gane und Systeme (ICD-10 45.37), eine Persönlichkeitsakze ntuierung ängstlich-vermeidend, zwanghaft (ICD-10 Z73) sowie eine Migräne mit Aura (klassische Migräne) (ICD-10 G43.1) erho- ben. Der Patient leide seit 2012 im Zusammenhang mit Schwierigkeiten am Arbeitsplatz an inne- rer Unruhe, Reizbarkeit, Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen, Sensibilitätsstörungen, Schwä- chegefühlen und weiteren unspezifischen Beschwerden. Diese würden trotz psychiatrischer und medikamentöser Behandlung immer stärker und hätten zu wiederholtem Aufsuchen von Notfall- stationen, zahlreichen Abklärungen, einer stationären p sychiatrischen Behandlung (2016) und häufiger Arbeitsunfähigkeit geführt. Diagnostisch sei von einer mittelgradigen depressiven Stö- rung und einer Somatisierungsstörung auszugehen, bezügli ch welcher aktenanamnestisch ein typischer Verlauf mit Beginn 2012 mit multiplen Symptom en auszumachen sei. Zusätzlich be- stehe ein Reizdarmsyndrom und aufgrund der hierdurch notwendigen organischen Abklärungen zusätzlich entwickelte hypochondrische Ängste. Insgesamt habe ei n beginnendes Verständnis für psychosomatische Zusammenhänge erreicht werden können, welches es im nachfolgenden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ambulanten bzw. teilstationären Setting zu stabilisiere n gelte, um mittelfristig eine Teilarbeitsfä- higkeit erreichen zu können. 5.5 In seinem ebenfalls im Auftrag der Krankentaggeldve rsicherung erstellten Gutachten vom 16. Januar 2019 gelangte Dr. C.____ zum Schluss, dass keine mit Sicherheit diagnostizier- baren psychiatrischen Störungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden wegen einer massiven Neigung zu Aggravation und (bewusstseinsn aher?) Rentenbegehrlichkeit be- stehe (ICD-10 Z76.5). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine Anpassungsstörung mit gemischten Gefühlen (Ärger, Wut, Verbitterung) ( ICD-10 F43.23) bei psychosozialen Belas- tungen, eine somatoforme Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie anamnestisch eine dissoziative Störung (Konversionsstörung) (ICD-10 F44.7), ak- zentuierte Persönlichkeitszüge (ängstlich-vermeidend, histr ionisch, zwanghaft) (ICD-10 Z73.1, DD: 61.0) und eine Migräne mit Aura. Der Explorand sei laut stöhnend und klagend ins Untersu- chungszimmer gekommen und habe sich vorsichtig auf den Stuh l gesetzt, als ob er fast zerbre- chen würde. Danach habe er aber ohne irgendeine körpe rliche Einschränkung und Schmerzre- aktion sehr beweglich seine Jacke ausgezogen. Ohne Auffor derung habe er sogleich zu einem halbstündigen Monolog angesetzt, indem er seinen Zus tand massiv beklagt und sich alsdann über die Taggeldversicherung und die Ärzte beschwert hab e. Die affektive Grundstimmung sei vor allem wütend und verärgert über die erneut notwendige und aufgezwungene vertrauensärzt- liche Untersuchung gewesen. Die beklagte depressive Grundstimmung sei affektiv nicht spürbar gewesen. Im Vordergrund seien Ärger, Wut und Verbitterung gestanden. Aufgrund der Aggrava- tionsneigung sei nicht beurteilbar gewesen, inwiefern allenfalls ein (leichter) depressiv gefärbter Affekt neben dem dominierenden Wut- und Verbitterung saffekt vorhanden gewesen sei. Anam- nestisch werde von akzentuierten Persönlichkeitszügen gesprochen bzw. einer kombinierten Per- sönlichkeitsstörung (ängstlich-vermeidend, zwanghaft), was in der heutigen Untersuchung nicht eindeutig beurteilt werden könne. Die Krankengeschicht e des Exploranden sei sehr lange und beinhalte widersprüchliche Beurteilungen. Diese würden alle auf etliche Inkonsistenzen und schwer nachvollziehbare Symptome hindeuten, die unter de m Titel von dissoziativen Sympto- men, Somatisierungsstörung, somatoformer Schmerzstörung u nd somatoformer autonomer Funktionsstörung bei einer Persönlichkeit mit zumindest akzentuierten Zügen fungieren würden. Dabei sei von den Gutachtern immer wieder infrage gestellt worden, dass der Explorand psychi- atrische und neurologische Diagnosen von Krankheitswert ha be. Die gleichen Inkonsistenzen hätten sich auch in der heutigen Untersuchung gezeigt. Aufgrund der massiven Aggravationsnei- gung mit spürbarer und ostentativ geforderter Rentenb egehrlichkeit sei eine ruhige, dialogische psychiatrische Exploration nur begrenzt möglich gewesen. D ie Leistungs- und Arbeitsfähigkeit des Exploranden könne daher nicht beurteilt werden. Vielmehr stehe der Verdacht auf eine relativ bewusstseinsnahe Rentenbegehrlichkeit im Raum, auf dem Hintergrund von psychiatrischen Di- agnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, im Rahmen von psychosozialen Belastungen (Stellenverlust, Arbeitslosigkeit, ökonomischer Druck). 5.6 In der hierzu ergangenen RAD-Beurteilung vom 19 . Februar 2019 hielt Dr. B.____ nach Prüfung der bundesgerichtlichen Standardindikatoren f est, dass die Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten für ungelernte Tätigkeiten und ohne das Bedienen von mehreren Maschinen nicht einge- schränkt sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Im Rahmen des Einwandverfahrens legte der Rechtsve rtreter des Versicherten u.a. ein an ihn gerichtetes, vom 31. März 2019 datierendes Schr eiben von Dr. E.____ ins Recht. Darin führte Dr. E.____ aus, dass das Gutachten von Dr. C.____ aufgrund einer fehlenden sorgfältigen psychiatrischen Diagnosestellung nicht verwertet werden kön ne. Er würde die multiplen und wechselnden körperlichen Symptome, die beim Patienten sc hon seit Jahren bestehen würden, ignorieren und nicht zu einer entsprechenden Diagnose zusammenfassen. Hingegen unterstelle er dem Patienten Aggravationsneigung und würde auch d as Ergebnis der Testung im Rahmen der Hamilton-Skala mit insgesamt 24 Punkten unter diese m Aspekt verwerfen. Die ständige Sorge um die Symptome hätten zu einem andauernden Leiden und zum Umstand geführt, dass der Patient sich wiederholt somatischen Untersuchungen unterzogen habe, in der Überzeugung, an einer somatischen Krankheit zu leiden. Er weigere si ch zu akzeptieren, dass keine ausrei- chende körperliche Ursache für die körperlichen Symptome vo rliegen würde. Der Patient zeige mehr als sechs Symptome und dies seit mindestens zwei Jah ren, weshalb die diagnostischen Kriterien für eine Somatisierungsstörung erfüllt seien. Die zusätzlich bestehende depressive Symptomatik sei derzeit leichtgradig. Ferner zeige der Patient zunehmend die Symptomatik einer generalisierten Angststörung. 5.8 Im Zeitraum vom 16. Oktober bis 11. Dezember 2019 war der Versicherte in der Klinik G.____ hospitalisiert. Im entsprechenden Austrittsbericht vom 13. Januar 2020 wurde u.a. eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwergradige Episode (ICD-10 F33.2), eine So- matisierungsstörung (ICD-10 F45) und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61) di- agnostiziert. Der Patient sei bei Eintritt in die Kli nik deutlich niedergestimmt gewesen, mit Inte- resse- und Freudverlust, Antriebslosigkeit sowie Insuffizienz- und Schuldgefühlen gegenüber der Familie. Als sehr belastend sei die Somatisierungsstörung wahrgenommen worden mit einer Viel- zahl von körperlichen Symptomen. Zu Beginn sei der Patie nt deutlich misstrauisch gewesen. Durch geeignete Massnahmen habe indessen eine therapeut ische Arbeitsbeziehung aufgebaut werden können, in der es ihm langsam gelungen sei, sich zu öffnen und über die belastenden psychischen Faktoren zu sprechen. Eine als grosse Ungerec htigkeit empfundene Rentenableh- nung sowie der Abbruch eines Arbeitsversuches der Invalid enversicherung hätten eine starke Kränkung und Wut verursacht, was als aufrechterhalten der Faktor der Krankheit zu werten sei. Durch die Fixierung darauf sowie die als sehr einschneidend wahrgenommenen subjektiven kör- perlichen Einschränkungen erlebe der Patient wenig korrektive Erfahrungen bezüglich der Soma- tisierungsstörung. Eine leichte Stimmungsaufhellung sei zum Abschluss des Aufenthalts feststell- bar gewesen. 5.9 Mit Aktenbeurteilung vom 27. Februar 2020 führte Dr. B.____, RAD, unter Hervorhebung einzelner Passagen aus den vorstehend zitierten Berichten aus, dass es, wie schon in der Stel- lungnahme vom 19. Februar 2019, Hinweise auf maladapt ives Verhalten ohne Krankheitswert sowie auf Inkonsistenzen und Aggravation gebe. In Übere instimmung mit Dr. C.____ würde sie im Gegensatz zu Dr. E.____ von einer somatoformen St örung ausgehen. Bei dieser handle es sich indessen um eine Diagnose ohne Krankheitswert. Zum einen aufgrund der relevanten Kom- ponente der Aggravation und zum anderen aufgrund eine r geringgradigen Komorbidität der le- diglich leichten Depressivität. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 4. Mai 2020 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und der zumutbaren Arbeitsfähigkeit im We- sentlichen auf das hiervor zitierte Gutachten von Dr. C.____ vom 16. Januar 2019 sowie die hierzu ergangenen RAD-Beurteilungen vom19. Februar 2 019 bzw. 27. Februar 2020. Demzu- folge ging sie davon aus, dass keine mit Sicherheit diagnostizierbaren psychiatrischen Störungen mit Krankheitswert bzw. mit Auswirkung auf die Arbeitsfä higkeit bestünden. Vielmehr sei eine massive Neigung zu Aggravation mit Rentenbegehrlichkeit an zunehmen. Wie nachfolgend dar- zulegen sein wird, kommt diesem Gutachten – entgegen der Auffassung der Beschwerdegegne- rin – keine ausschlaggebende Beweiskraft zu, so dass nicht darauf abgestellt werden kann. 6.2 Vorab deuten Stil und Inhalt einzelner gutachter licher Äusserungen auf eine gewisse Voreingenommenheit des Gutachters hin. Dies gilt etwa f ür die Aussage, der Explorand sei "im Gegensatz zum letzten Begutachtungstermin pünktlich erschi enen", vor allem aber für die an verschiedener Stelle mit (z.T. mehreren) Fragezeichen versehenen Ausführungen des Exploran- den, wodurch der Gutachter deren Glaubhaftigkeit off ensichtlich anzweifelt, ohne jedoch deren Inhalt durch eigene Abklärungen zu verifizieren. Gleichz eitig fällt auf, dass die von Dr. C.____ beschriebenen Schwierigkeiten bei der Befunderhebung ausschliesslich bei ihm auftraten, wäh- rend bei anderen Begutachtungen oder Untersuchungen derartige Probleme offensichtlich nicht auftauchten. 6.3 Ungeachtet dieser Feststellungen fällt aber insbes ondere ins Gewicht, dass Dr. C.____ zwar die Diagnosen einer anamnestisch dissoziativen Störung (Konversionsstörung) (ICD-10 F44.7) sowie einer somatoformen Schmerzstörung mit körp erlichen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) – wenngleich auch unter dem Titel ohn e Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – stellte, er es dabei jedoch gänzlich unterliess, sich mit d en hierfür erforderlichen klassifikatori- schen Merkmalen auseinanderzusetzen. Eine solche Auseinandersetzung wäre indessen umso mehr angezeigt gewesen, als er ein psychiatrisches Störu ngsbild von Krankheitswert aufgrund aggravatorischen Verhaltens ausschliesst. Lässt sich ein anlässlich der fachärztlichen Begutach- tung erhobenes Verhalten auf Aggravation zurückführen, so kann nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts eine diagnostische Zuordnung der festgest ellten Symptomatik unterbleiben ge- nauso wie eine indikatorengeleitete Überprüfung des psychischen Leidens (Urteil des Bundesge- richts vom 3. Juni 2019, 8C_95/2019, E. 6.3.3 und vom 31. August 2018, 8C_728/2017, E. 3.2.2). Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Au sschlussgründe die Annahme einer Ge- sundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invali- denrente, selbst wenn die klassifikatorischen Merkmale einer somatoformen Schmerzstörung ge- geben sein sollten (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mär z 2019, 8C_825/2019, E. 6.2 mit Hin- weisen; ferner BGE 141 V 281 E. 2.2.2 mit Hinweis auf Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbstständigten Gesundheitsschä- digung (BGE 127 V 294 E. 5a) auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der Ag- gravation zu bereinigen (Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 8C_825/2019, E. 6.2). Ungeachtet der Tatsache, dass mangels entsprechender Aus führungen Unklarheit darüber be- steht, ob sich die behauptete Aggravation allenfalls auf eine verselbstständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückführen liesse, kann aufgrund der D arlegungen von Dr. C.____ nicht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf eine eigentliche Simulation bzw. Aggravation geschlossen werden. Zwar ist der Beschwerde- gegnerin dahingehend beizupflichten, dass sich mit Blick auf die Befunderhebung einzelne Hin- weise zu einem solchen Verhalten hin ausmachen lassen. Ob damit die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens überschritten werden, ist indessen in Zweifel zu ziehen. Diese Zwei- fel sind umso gewichtiger, als Dr. C.____ (genauso wie auch Dr. B.____ in ihrer Beurteilung vom 27. Februar 2020) seine Schlussfolgerungen im Wesentlichen mit einzelnen, isoliert hervorgeho- benen Passagen aus früheren Begutachtungen und Beurteilungen untermauert. Dabei lässt sich insbesondere die gutachterliche Aussage, wonach mit Blick auf die Krankheitsgeschichte des Exploranden immer wieder in Frage gestellt worden sei, dass derselbe an Diagnosen mit Krank- heitswert leide, anhand der Aktenlage nicht verifizie ren. So wird zwar u.a. von theatralischem Verhalten des Versicherten berichtet (vgl. z.B. IV-act. 42, S. 17), der Verdacht auf eine Aggrava- tion wurde indessen bis zu diesem Zeitpunkt nie geäussert. Genauso wenig spricht die angeführte Tatsache, dass aus somatischer Hinsicht keine Erklärung für die geklagten Beschwerden ausge- macht werden konnte, gegen das Vorliegen einer psychiat rischen Störung. Soweit sich Dr. C.____ mit pauschalen Hinweisen auf aus dem Kontext losgelöste Aussagen, u.a. auch aus dem Bericht der Klinik H.____ vom 24. Mai 2018, begnügt, verkennt er, dass sowohl dort als auch in weiteren Berichten Diagnosen mit Krankheitswert geste llt worden sind. So werden im besagten Bericht bspw. eine rezidivierende depressive Störung, geg enwärtig mittelgradige Episode (ICD- 10 F33.1) sowie eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45) erhoben, wobei für letztere ein akten- anamnestisch typischer Verlauf mit Beginn 2012 mit mult iplen Symptomen beschrieben wird. Auch in anderen Berichten wird wiederholt das einer Somatisierungsstörung inhärente Beschwer- debild beschrieben, wobei auch die Problematik hervorg ehoben wird, dass der Explorand sich weigere zu akzeptieren, dass keine ausreichende körperliche Ursache für die körperlichen Symp- tome vorliegen würde (vgl. IV-act. 107 und 96 bzw. E. 5.7 und 5.8 hiervor). Eine Auseinanderset- zung mit diesen Diagnosen unterblieb jedoch genauso wie eine solche mit abweichenden Beur- teilungen der behandelnden und vorbegutachtenden Fachärzte weitestgehend. Schliesslich fehlt es dem Gutachten, wie auch Dr. E.____ in seiner Beurteilung vom 31. März 2019 (E. 5.7 hiervor) zutreffend darlegte, an einer nachvollziehbaren Begründung, weshalb eine rezidivierende depres- sive Störung oder eine psychotische Störung nicht vorliegen. 6.4 Nach dem Gesagten erlaubt das Gutachten von Dr. C. ____ weder eine zuverlässige Beurteilung des medizinischen Sachverhalts noch bildet es eine rechtsgenügliche Grundlage, um einen Leistungsanspruch infolge Aggravation zu verneinen. Vor diesem Hintergrund wäre die Be- schwerdegegnerin gehalten gewesen, den Gesundheitszusta nd des Versicherten vor Verfü- gungserlass eingehender abklären zu lassen. Indem sie jedoch lediglich versicherungsmedizini- sche Aktenbeurteilungen bei Dr. B.____, RAD, einholte , ist sie ihrer – aus dem Untersuchungs- grundsatz resultierenden – Pflicht zur richtigen und vo llständigen Abklärung des rechtserhebli- chen Sachverhalts nur unzureichend nachgekommen. Da die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte ebenfalls keine verlässliche Entscheidungsgrundlage bilden, sind die Ab- klärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausr eichend beweiskräftig. Der rele- vante medizinische Sachverhalt bedarf deshalb weiterer Abklärung. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Hingegen kann bereits an dieser Stelle festgehalte n werden, dass gestützt auf das Gut- achten von PD Dr. med. I.____, FMH Neurologie, vom 7. Februar 2018 davon ausgegangen wer- den kann, dass beim Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine organischen Beschwerden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehen. Das Gutachten erfüllt sämtliche Voraussetzungen, die das Bundesgericht an eine beweistaugl iche Beurteilungsgrundlage stellt (vgl. E. 4.2 f. hiervor). Es lassen sich weder dem Gutachten noch weiteren medizinischen Unter- lagen Hinweise entnehmen, die geeignet wären, Zweifel an den gutachterlichen Schlussfolgerun- gen zu begründen. Der Beschwerdeführer macht denn auch zu Recht keine Einwände in soma- tischer Hinsicht geltend. 8. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist demnach festzuhalten, dass die ange- fochtene Verfügung vom 4. Mai 2020 aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen ist. Diese hat den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Versicherten im Rahmen eines psychiatrischen Gutachtens neu abklären zu lassen. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer zusätzlichen medizinischen Abkläru ngen wird die IV-Stelle anschlies- send über den Rentenanspruch des Versicherten neu zu bef inden haben. Die vorliegende Be- schwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsge- richt kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hat deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- sind der IV-Stelle aufzuerlegen. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem obsiegenden Beschwerdeführer ist demnach eine Parteientschä- digung zulasten der IV-Stelle zuzusprechen. In der Hon orarnote vom 11. August 2020 hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Aufwand von 11,5 Stunden geltend gemacht, was angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfra gen nicht zu beanstanden ist. Nicht zu beanstanden sind sodann grundsätzlich die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen. Je- doch beträgt der Auslagenersatz für Massenkopien gemäss § 15 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 ledigl ich Fr. 0.50, weshalb die Auslagenent- schädigung entsprechend zu kürzen ist. Die Beschwerdegegn erin hat dem Beschwerdeführer demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'332.35 (11,5 Stunden à Fr. 250.-- zu- züglich Spesen und Auslagen von Fr. 219.10 sowie 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbststän dig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegeh- ren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffen tlich-rechtlichen Angelegenheiten anfecht- bar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesg ericht. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 4. Mai 2020 aufgehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zu rückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'332.35 (inkl. Ausla gen und 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.