<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2001.00238</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=106493&amp;W10_KEY=4467147&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2001.00238</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 23.01.2002</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Nichtverlängerung<br/><br/>Das öffentliche Interesse an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung eines mit einer Schweizerin verheirateten, zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilten Ausländers überwiegt dessen privates Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz (Berücksichtigung EGMR-Urteil i.S. Boultif vs. Schweiz).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: AuslÃ¤nderrecht ST: AUFENTHALTSBEWILLIGUNG">AUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FAMILIENANGEHÃRIGE">FAMILIENANGEHÃRIGE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INTERESSENABWÃGUNG">INTERESSENABWÃGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KLEINKIND">KLEINKIND</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: STRAF-GRENZWERT">STRAF-GRENZWERT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT">VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WEGWEISUNG">WEGWEISUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZUMUTBARKEIT">ZUMUTBARKEIT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 7 lit. I ANAG</span><br/><span class="gerade">Art. 10 lit. Ia ANAG</span><br/><span class="ungerade">Art. 11 lit. III ANAG</span><br/><span class="gerade">Art. 8 EMRK</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. M., geboren 1977, StaatsangehÃ¶riger von X., reiste im Jahr 1994 als Jugendlicher zu seiner in der Schweiz lebenden Mutter. Er erhielt die Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des fremdenpolizeilichen Er­messens zum Verbleib bei seiner Mutter (Art. 38 Verordnung Ã¼ber die Begrenzung der Zahl der AuslÃ¤nder vom 6. Oktober 1986). Die Bewilligung war letztmals verlÃ¤ngert worden bis zum 28. Februar 2000. Am 21. Januar 2000 heiratete M. die 1978 ge­borene N., welche ursprÃ¼nglich aus X. stammt und das Schwei­zer BÃ¼rgerrecht besitzt. Mit der Heirat nahm M. den Familiennamen der Ehefrau an. Am 30. Januar 2001 wurde den Eheleuten eine Tochter ge­boren.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>M. war am 6. Juni 1998 verhaftet worden. Mit Urteil des Bezirksgerichts ZÃ¼rich vom 3. November 1999 wurde er der mehrfachen Widerhandlung gegen das BetÃ¤ubungsmittelge­setz fÃ¼r schuldig gesprochen und mit zwei Jahren GefÃ¤ngnis be­straft; zudem verfÃ¼gte das Gericht eine Landesverweisung fÃ¼r die Dauer von fÃ¼nf Jahren. Auf Berufung hin bestÃ¤tigte das Obergericht am 24. MÃ¤rz 2000 den Schuldspruch und die Strafe, hob jedoch die Landes­verweisung auf. In den ErwÃ¤gungen befand das Obergericht, die vom Bezirksgericht aus­gesprochene Strafe erscheine als zu mild. Da das Urteil von der Staatsanwaltschaft nicht angefochten worden sei, sei es indessen zu bestÃ¤tigen. Von der Lan­­desver­wei­sung sah das Obergericht ab, weil es befand, M. lebe seit sechs Jahren in der Schweiz, er sei mit einer Schweizerin verheiratet und seine Mutter und Schwester lebten auch hier. Er sei hier jedenfalls "teilweise bereits verwurzelt". Am 17. Au­gust 2000 wies die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit ein Gesuch von M. um VerlÃ¤ngerung seiner Aufenthaltsbewilligung ab. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Der Regierungsrat wies am 13. Juni 2001 einen dagegen eingereichten Rekurs ab. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>III. Gegen den Beschluss des Regierungsrats liess M. durch seinen Anwalt am 20. Juli 2001 Beschwerde beim Verwaltungsgericht einreichen und beantragen, es sei ihm die Aufenthaltsbewilligung zu verlÃ¤ngern, unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfol­ge zu Las­ten der beschwerdebeklagten Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Diese verzichtete auf eine Beschwerdeantwort. Im Auftrag des Regierungsrats bean­­tragte die Staatskanzlei die Abweisung der Beschwerde.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. a) Die Beschwerde an das Verwaltungsgericht ist auf dem Gebiet der Fremdenpo­lizei zulÃ¤ssig, soweit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht offensteht (§ 43 Abs. 1 lit. h und Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]). Dies ist der Fall bei Entscheiden betreffend Aufenthalts- und Niederlassungsbewil­­ligungen, auf deren Erteilung der AuslÃ¤nder einen bundesrechtlichen Anspruch hat (vgl. Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Der BeschwerdefÃ¼hrer ist mit einer SchweizerbÃ¼rgerin verheiratet und hat demzu­folge gestÃ¼tzt auf Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes Ã¼ber Aufenthalt und Niederlassung der AuslÃ¤nder vom 26. MÃ¤rz 1931 (ANAG) einen gesetzlichen Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung. Ein Rechtsanspruch ergibt sich auch aus Art. 8 Abs. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention vom 4. November 1950 (EMRK), in­dem der Schutz des Familienlebens demjenigen AuslÃ¤nder einen Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung einrÃ¤umt, dessen Ehegatte oder Kinder ein fes­tes Anwesenheitsrecht in der Schweiz haben. Dies gilt aber nur, sofern die familiÃ¤re Be­ziehung auch tatsÃ¤chlich gelebt wird (BGE 122 II 385 E. 1c S. 389, mit Hinweisen). Aus den Akten kann davon ausgegangen werden, dass die Ehe des BeschwerdefÃ¼hrers intakt ist. Art. 8 EMRK vermittelt mithin einen grundsÃ¤tzlichen Anspruch.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. Selbst wenn im Rahmen der Eintretensfrage die MÃ¶glichkeit eines Anspruchs grundsÃ¤tzlich bejaht wird, ist in materiellrechtlicher Hinsicht zu prÃ¼fen, ob im konkreten Fall die Voraussetzungen zur Verwirklichung des Anspruchs gegeben sind (BGE 122 II 298 E. 1d S. 294).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kompetenz, Ã¼ber die OpportunitÃ¤t einer Ausweisung beziehungsweise einer Ver­lÃ¤ngerung einer Aufenthaltsbewilligung zu entscheiden und von ihr abzusehen, wiewohl die Voraussetzungen erfÃ¼llt wÃ¤ren, steht der kantonalen Fremdenpolizei und der kan­tonalen Regierung als vorgesetzter politischer BehÃ¶rde zu (vgl. Art. 15 Abs. 1 und 2 sowie Art. 19 Abs. 1 ANAG). Die kantonale richterliche BehÃ¶rde hat demgegenÃ¼ber die Aufgabe zu Ã¼berprÃ¼fen, ob der Entscheid der VerwaltungsbehÃ¶rde Recht verletzt, insbesondere ob die VerwaltungsbehÃ¶rde im Rahmen der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitskontrolle alle nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erheblichen UmstÃ¤nde berÃ¼cksichtigt und in vertretbarer Weise gewichtet hat. Im Hinblick auf diese institutionell-funktionellen Schranken, an die sich das Gericht zu halten hat, ist insbesondere zu beachten, dass die Entscheidungsbefugnis primÃ¤r der politischen BehÃ¶rde zusteht und dass die Anwendung des VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsgrundsatzes notwendigerweise Elemente enthÃ¤lt, welche sich einer strikten NachprÃ¼fung entziehen (vgl. BGE 125 II 521 E. 2a). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>a) Der bundesrechtliche Anspruch auf Erteilung oder VerlÃ¤ngerung der Aufenthalts­bewilligung erlischt, wenn ein Ausweisungsgrund vorliegt (Art. 7 Abs. 1 ANAG). Ein solcher ist unter anderem dann gegeben, wenn die auslÃ¤ndische Person wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde (Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG). Selbst dann soll die Ausweisung aber nur verfÃ¼gt werden, wenn sie nach den gesamten UmstÃ¤nden ver­hÃ¤ltnismÃ¤ssig erscheint (Art. 11 Abs. 3 ANAG). Bei der InteressenabwÃ¤gung ist insbesonde­re auf die Schwere des Verschuldens der auslÃ¤ndischen Person, auf die Dauer ihrer Anwe­senheit in der Schweiz sowie auf die ihr und ihrer Familie fÃ¼r den Fall der Aus­weisung drohenden Nachteile abzustellen (Art. 16 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung vom 1. MÃ¤rz 1949 zum ANAG).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Keinen weitergehenden Anspruch zu verschaffen vermag Art. 8 EMRK (vgl. BGE 120 Ib 129 E. 4b S. 131 mit Hinweisen). Nach Art. 8 Abs. 2 EMRK ist ein Eingriff in das Rechtsgut des Familienlebens nur statthaft, soweit er gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft fÃ¼r die nationale Sicherheit, die Ã¶ffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesundheit und Moral sowie der Rechte und Freiheiten anderer notwendig ist. Die Konvention ver­langt also eine umfassende AbwÃ¤gung der sich gegenÃ¼berstehenden privaten Interessen an der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung und den Ã¶ffentlichen Interessen an deren Ver­­weigerung (vgl. BGE 120 Ib 1 E. 3b und c S. 4 f.; BGE 120 Ib 22 E. 4a S. 25; BGE 122 II 1 E. 2 S. 6). MitzuberÃ¼cksichtigen ist dabei insbesondere auch die Zumutbarkeit fÃ¼r nahe FamilienangehÃ¶rige, dem AuslÃ¤nder ins Ausland zu folgen. Diese ist allerdings um so weni­ger zu gewichten, je unerwÃ¼nschter der Aufenthalt der auslÃ¤ndischen Person aufgrund ih­res Verhaltens in der Schweiz ist (BGE 116 Ib 353 E. 3d S. 358; BGE 120 Ib 6 E. 4c S. 15). Die Frage der Zumutbarkeit beurteilt sich dabei nicht aufgrund der persÃ¶nlichen WÃ¼n­sche der Betroffenen, sondern unter objektiver Beurteilung ihrer persÃ¶nlichen VerhÃ¤lt­nis­se und UmstÃ¤nde (BGE 110 Ib 201 E. 2a ff. S. 205 ff.; BGE 116 Ib 353 E. 3b und d S. 357 f.). Eine allfÃ¤llige Unzumutbarkeit der Ausreise ist mit abzuwÃ¤gen, fÃ¼hrt aber nicht fÃ¼r sich allein zur UnzulÃ¤ssigkeit einer Bewillligungsverweigerung (BGE 116 Ib 353 E. 3f S. 359 f.; BGE 120 Ib 129 E. 4b S. 131; BGE 122 II 1 E. 2 S. 6). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Dabei ist die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung eher zulÃ¤ssig als die Auswei­sung, weil der auslÃ¤ndischen Person nur im letzten Fall das Betreten der Schweiz vollstÃ¤n­dig untersagt wird (vgl. BGE 120 Ib 6 E. 4a S. 13).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) Ausgangspunkt und Massstab fÃ¼r die Schwere des Verschuldens und die fremden­­polizeiliche InteressenabwÃ¤gung bilden die vom Strafrichter verhÃ¤ngten Strafen. Nach der Praxis des Bundesgerichts liegt die Grenze, von der an in der Regel keine Bewilligungen mehr erteilt werden, bei zwei Jahren Freiheitsstrafe, wenn der mit einer Schweizerin ver­heiratete AuslÃ¤nder um eine erstmalige Bewilligung ersucht oder nach bloss kurzer Auf­ent­haltsdauer die VerlÃ¤ngerung seiner Bewilligung beantragt (BGE 120 Ib 6 E. 4b S. 14). Dieser Straf-Grenzwert gilt auch dann, wenn dem schweizerischen Ehegatten des AuslÃ¤nders die Ausreise aus der Schweiz nicht oder nur schwer zugemutet werden kann, so dass ein dauerndes Zusammenleben der Eheleute faktisch verhindert wird. Hat der AuslÃ¤nder in schwerer Weise gegen die geltende Rechtsordnung verstossen, wovon bei einer Verurteilung zu einer zweijÃ¤hrigen GefÃ¤ngnisstrafe oder hÃ¤rteren Bestrafung grundsÃ¤tzlich auszuge­hen ist, so wiegt das Ã¶ffentliche Interesse an seiner Fernhaltung regelmÃ¤ssig schwerer als sein privates Interesse bzw. das seiner FamilienangehÃ¶rigen, dass er in der Schweiz bleiben kann; die Erteilung oder VerlÃ¤ngerung einer Bewilligung kann mithin nur noch bei Vorliegen besonders gewichtiger privater Interessen in Frage kommen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Diese vom Bundesgericht errichtete Praxis, wonach es beim Erreichen oder Ãberschrei­ten des genannten Straf-Grenzwerts praktisch nicht darauf ankomme, ob Eheleute zu­kÃ¼nftig zusammenleben kÃ¶nnen, muss angesichts der jÃ¼ngsten Rechtsprechung des EuropÃ¤­ischen Gerichtshofs fÃ¼r Menschenrechte (EGMR) verfeinert werden. Der EGMR hat im Ur­teil Nr. 54273/00 vom 2. August 2001 (i.S. Boultif vs. Schweiz) bei der AbwÃ¤gung der privaten und der Ã¶ffentlichen Interessen im Fall von Ehepaaren folgende Kriterien berÃ¼cksich­tigt: Die UmstÃ¤nde und Schwere des Vergehens der von der Wegweisung bedrohten aus­lÃ¤ndischen Person, die Dauer ihres Aufenthalts insgesamt und seit der Tatbegehung, ihr Verhalten ("conduct") in der letzteren Periode, die StaatsangehÃ¶rigkeiten der von der Weg­weisung mitbetroffenen Personen, das familiÃ¤re Umfeld wie die Dauer der Ehe sowie die In­tensitÃ¤t des ehelichen beziehungsweise familiÃ¤ren Zusammenlebens ("effectiveness of a couple's familiy life"). Sodann wurde der Umstand berÃ¼cksichtigt, ob der Ehepartner im Zeit­punkt, in dem das Familienleben begrÃ¼ndet wurde, vom Vergehen oder Verbrechen des Partners Kenntnis hatte, wie auch, ob Kinder vorhanden sind und deren Alter. Nicht zuletzt ist der Grad der Schwierigkeiten fÃ¼r den Ehepartner, die diesen in der Heimat der weggewie­senen Person erwarten kÃ¶nnen, abzuschÃ¤tzen und in die AbwÃ¤gung einzubeziehen, wobei ein gewisses Mass an Erschwernissen ("certain difficulties") einer Aus- oder Wegweisung nicht entgegenstehen (Ziff. 48 des Urteils). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Im konkret zu beurteilenden Fall gewichtete der EGMR, dass der betroffene AuslÃ¤nder, ein Algerier, sich im Strafvollzug bewÃ¤hrt, dort eine berufliche Anlehre absol­viert hat­te, nach seiner Entlassung am Arbeitsplatz geschÃ¤tzt wurde und die MÃ¶glichkeit gehabt hÃ¤t­te, die Anstellung zu behalten. Auf Grund des Umstands, dass er zwar wegen ei­nes Raub­­­de­likts zu zwei Jahren GefÃ¤ngnisstrafe verurteilt worden sei, sich nach der Tatbe­ge­hung aber wÃ¤hrend sechs Jahren wohl verhalten habe, erscheine die EinschÃ¤tzung der schwei­­­zerischen BehÃ¶rden, er stelle nach wie vor eine GefÃ¤hrdung fÃ¼r die Ãf­fentlichkeit dar, als Ã¼bertrieben. Zwar sei das Verschulden schwer ("serious") gewesen, aber die BefÃ¼rch­­­tung, er stelle immer noch eine Ã¶ffentliche Gefahr dar, sei durch das seither bewiesene Wohlverhalten gemildert. Ausschlaggebend war schliesslich die WÃ¼rdigung des EGMR, dass der Ehefrau â einer Schweizerin, welche zwar die franzÃ¶sische Spra­che spreche und ver­stehe, nicht aber die arabische, und die im Ãbrigen keine nÃ¤heren Bezie­hungen zu Al­ge­ri­en habe â der Aufenthalt in der Heimat des Ehemanns nicht zugemutet werden kÃ¶nne. End­lich lag dem Urteil die Gegebenheit zu Grunde, dass die Heirat erfolgt war, bevor der Ehe­mann straffÃ¤llig wurde. Ein Zusammenleben der Eheleute in einem Dritt­land war nicht ge­sichert. GestÃ¼tzt auf diese UmstÃ¤nde stellte nach der Ansicht des EGMR die Ver­wei­ge­rung der VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung durch die schweizerischen Be­hÃ¶rden ein bedeutendes Hindernis, das Familienleben aufrecht zu erhalten, dar ("a serious im­pedi­ment to establish family life"). Angesichts der vergleichsweise beschrÃ¤nk­ten Gefahr fÃ¼r die Ã¶f­fentliche Ordnung ("a comparatively limited danger to public order"), war der Ein­griff in die Garantie des Familienlebens unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig und damit eine Verletzung von Art. 8 EMRK gegeben (Ziff. 51 - 56 des Urteils).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. Beim BeschwerdefÃ¼hrer steht ebenfalls eine Bestrafung im Umfang von zwei Jah­­­ren Freiheitsstrafe zur Beurteilung. Wesentlich anders stellen sich hingegen die Ã¼brigen massgeblichen UmstÃ¤nde dar. Der BeschwerdefÃ¼hrer wurde am 4. Mai 2001, somit wÃ¤hrend der Rekurs beim Regierungsrat anhÃ¤ngig war, bedingt aus dem Strafvollzug entlassen. Abgesehen davon, dass er heute noch unter BewÃ¤hrung steht und ein Wohlverhalten in sei­nem eigenen Interesse ist, kann nicht davon gesprochen werden, dass er sich seit der Begehung der Verbrechen wÃ¤hrend langer Zeit bewÃ¤hrt und ein stabiles Umfeld geschaffen habe. Sodann heiratete er in einem Zeitpunkt, als er durch das Bezirksgericht bereits zu einer Freiheitsstrafe und Landesverweisung verurteilt und die Berufung an das Obergericht anhÃ¤ngig war. Die gemeinsame Tochter wurde gezeugt in einem Zeitpunkt, als der Beschwer­defÃ¼hrer rechtskrÃ¤ftig vom Obergericht verurteilt war; sie kam wÃ¤hrend des Strafvollzugs zur Welt. Folglich konnte weder der BeschwerdefÃ¼hrer noch seine Ehefrau damit rechnen, ihr Familienleben in der Schweiz zu verbringen. Beide mussten wissen, dass der Beschwer­defÃ¼hrer mit einer Wegweisung rechnen musste. Im Ãbrigen lÃ¤sst sich der Verdacht nicht un­terdrÃ¼cken, dass der Eheschluss und die GrÃ¼ndung einer Familie gerade auch im Hinblick auf die unsichere Aufenthaltsberechtigung des BeschwerdefÃ¼hrers gewÃ¤hlt worden wa­ren. Im Gegensatz zum Sachverhalt, der vom EGMR zu beurteilen war, kann auch nicht gesagt werden, der BeschwerdefÃ¼hrer habe im beruflichen Bereich besonders Fuss gefasst; diese Beurteilung ist zulÃ¤ssig, auch wenn die in der Beschwerde aufgefÃ¼hrten Schwierigkei­­ten, angesichts von mehreren Verhaftungen stabile berufliche Bindungen einzugehen, berÃ¼cksichtigt werden. Sodann liegen die VerhÃ¤ltnisse auch mit Bezug auf die Zumutbarkeit fÃ¼r die Ehefrau, dem BeschwerdefÃ¼hrer in dessen Heimat zu folgen, wesentlich anders: Im vorliegenden Fall stammt die Ehefrau ursprÃ¼nglich ebenfalls aus X. Zwar ist sie als elf­jÃ¤h­riges MÃ¤dchen in die Schweiz gekommen und offenbar hier integriert. Indessen ist sie mit der Kultur und Sprache ihrer frÃ¼heren Heimat vertraut, wo auch mehrere AngehÃ¶rige le­ben, zu denen sie offenbar regelmÃ¤ssige Kontakte unterhÃ¤lt. Ãhn­liches gilt fÃ¼r den Beschwer­defÃ¼hrer selbst. Dass fÃ¼r beide ein Wegzug mit Unannehm­­­lichkeiten verbunden ist, liegt in der Natur der Sache und bedeutet nicht eine Unzumut­barkeit. Ebenso wenig ist fÃ¼r das Kleinkind ein Umzug im Rahmen der Familie unzumut­bar. Damit verhindert der angefochtene Entscheid das Familienleben des BeschwerdefÃ¼h­rers nicht auf unzumutbare Weise. Der Regierungsrat hat im Ãbrigen die Ã¶ffentlichen und privaten Interessen zutreffend gewÃ¼rdigt; es kann darauf verwiesen werden (§ 28 Abs. 1 in Verbindung mit § 70 VRG). Es ergibt sich, dass die durch das schwere Verschulden an­gelegte Rechtsfolge nicht durch schwerer wiegende private Interessen abgewendet wird. Der Entscheid des Regierungsrats bewegt sich im Rahmen des pflichtgemÃ¤ssen Ermessens und ist gesetzmÃ¤ssig. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>4. ...</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet die Kammer:</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. ...</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>