<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 195</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>49</b></span> <span class="ft2"><b>Transportkostenersatz bei auswärtigem Schulbesuch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts rechtfertigt die Möglichkeit des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>privaten Gebrauchs eines auf einem weitreichenden Streckennetz gülti-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">196</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>gen Jahresabonnements den Ersatz der Transportkosten zu 4/5 der ent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprechenden Kosten.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 7. September 2011 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen A. gegen Einwohnergemeinde B. (WKL.2010.3).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Verfassung und das Schulgesetz schreiben den Gemeinden nicht</span><br/> <span class="ft1">vor, mit welchen Mitteln die Benachteiligung beim Schulbesuch</span><br/> <span class="ft1">aufgrund unzumutbarer Schulwege auszugleichen sind (vgl. § 53</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 SchulG). Sie können finanzielle oder reale Ausgleichsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen vorsehen. Eine Pflicht, einen separaten Schulbus zur Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung zu stellen, besteht sowenig wie eine Beschränkung der Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme auf bestimmte Abonnemente oder Fahrkarten für den öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verkehr.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Die Beklagte beteiligt sich an den Kosten des TNW-Abonne-</span><br/> <span class="ft1">ments. Die Abonnemente werden aber nicht von der Beklagten oder</span><br/> <span class="ft1">der Schule den Schülerinnen und Schülern abgegeben. Vielmehr wird</span><br/> <span class="ft1">ihnen bzw. den Eltern die Hälfte der Kosten ersetzt. Entgegen dem</span><br/> <span class="ft1">Vorbringen der Klägerin wird sie in der Ausübung der elterlichen</span><br/> <span class="ft1">Obhut (Art. 301 ZGB) nicht eingeschränkt. Sie entscheidet allein, ob</span><br/> <span class="ft1">und welches Billet ihre beiden Kinder erwerben können. Die Höhe</span><br/> <span class="ft1">des Betrages, den die Beklagte ersetzt, begründet daher keinen Ein-</span><br/> <span class="ft1">griff in das elterliche Sorgerecht der Klägerin.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">3.5.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss konstanter Praxis des Verwaltungsgerichts rechtfertigt</span><br/> <span class="ft1">die Möglichkeit des privaten Gebrauchs eines auf einem weitreichen-</span><br/> <span class="ft1">den Streckennetz gültigen Abonnements den Ersatz der Transport-</span><br/> <span class="ft1">kosten zu 4/5 der entsprechenden Kosten (vgl. VGE IV/32 vom</span><br/> <span class="ft1">23. Juni 2006 [WKL.2005.3], S. 3 ff.; VGE IV/25 vom 11. Juni 1999</span><br/> <span class="ft1">[WKL.1997.7], S. 10; AGVE 2000, S. 107 = VGE IV/32 vom 4. Juli</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2000 [WKL.1999.1], unpublizierte Erw. 9 b). Das Jahresabonnement</span><br/> <span class="ft1">kann auch während der Schulferien und an Sonn- und Feiertagen</span><br/> <span class="ft1">benutzt werden. § 53 Abs. 4 lit. c SchulG verpflichtet die Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">nur zum Ersatz der notwendigen Transportkosten. "Notwendigkeit"</span><br/> <span class="ft1">bedeutet auch, dass im konkreten Fall die preisgünstigste Lösung,</span><br/> <span class="ft1">welche den Schülerinnen und Schülern zumutbar ist, zu treffen ist</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1986, S. 148).</span><br/> <span class="ft1">Es besteht kein Anlass im vorliegenden Fall von dieser Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung abzuweichen. Die Wahl der Abonnemente ist auf die An-</span><br/> <span class="ft1">gebote des jeweiligen Trägers des öffentlichen Verkehrs beschränkt.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend sind sich die Parteien einig, dass das TNW- Abonnement</span><br/> <span class="ft1">"Umwelt" das günstigste Angebot im Tarifverbund Nordwestschweiz</span><br/> <span class="ft1">ist. Von den Parteien werden höhere bzw. tiefere Kostenanteile mit</span><br/> <span class="ft1">der Rechtsgleichheit begründet. Diese Argumente vermögen nicht zu</span><br/> <span class="ft1">überzeugen. Aus dem Umstand, dass den Oberstufenschülern der</span><br/> <span class="ft1">volle Betrag des Abonnements vergütet wird, kann die Klägerin kei-</span><br/> <span class="ft1">nen weitergehenden Anspruch ableiten. Diese Praxis wurde von der</span><br/> <span class="ft1">Kreisschulpflege, nicht vom Gemeinderat B. begründet. Sie kann</span><br/> <span class="ft1">daher den Gemeinderat B. sowenig wie die Praxis in andern (Nach-</span><br/> <span class="ft1">bar-) Gemeinden binden. Ebenso wenig vermag der Hinweis der</span><br/> <span class="ft1">Beklagten auf die Rechtsgleichheit einen hälftigen Kostenersatz zu</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigen. Falls Schüler im Ortsteil B. einen gefährlichen oder</span><br/> <span class="ft1">sonst unzumutbaren Schulweg bewältigen müssen, sind Aus-</span><br/> <span class="ft1">gleichmassnahmen für sie zu bewilligen und nicht Ansprüche von</span><br/> <span class="ft1">Schülern im Ortsteil C. zu kürzen. Ungleiches gleich zu behandeln</span><br/> <span class="ft1">hat mit Rechtsgleichheit nichts zu tun.</span><br/> <span class="ft1">Die Ausscheidung des privaten Anteils am Jahresabonnement</span><br/> <span class="ft1">muss aus Praktikabilitätsgründen schematisiert werden und kann</span><br/> <span class="ft1">nicht von der tatsächlichen privaten Benutzung abhängig sein. Eine</span><br/> <span class="ft1">Kontrolle der privaten Nutzung und der Benützung für den Schulweg</span><br/> <span class="ft1">ist auch praktisch nicht durchführbar. Der Anteil von 4/5 der Abon-</span><br/> <span class="ft1">nementskosten berücksichtigt, dass zeitlich die effektiven Schultage</span><br/> <span class="ft1">rund 40% eines Jahresabonnements beanspruchen, anderseits der</span><br/> <span class="ft1">Kauf des Abonnements für den Schulbesuch notwendig ist. Nicht</span><br/> <span class="ft1">nachvollziehbar ist das Anliegen der Klägerin, dass ihr aus erzieheri-</span><br/> <span class="ft1">schen Gründen die vollen Kosten zu ersetzen seien. Der volle Ersatz</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">198</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Transportkosten vermag eine allfällige, von ihr den Kindern nicht</span><br/> <span class="ft1">erlaubte Benutzung des Abonnements nicht zu verhindern.</span><br/> <span class="ft1">Demgemäss ist in teilweiser Gutheissung der Klage die Be-</span><br/> <span class="ft1">klagte zu verpflichten, den Klägern den Ersatz der Kosten für den</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Verkehr für die Kinder D. und E. zu je 4/5 im Betrag</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 360.00, respektive die Differenz zum bereits ausbezahlten</span><br/> <span class="ft1">Betrag, zu ersetzen.</span><br/></div> </div> </body> </html>