Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Oktober 2014 (735 13 279 / 263) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Frage der Bindungswirkung an den IV-Entscheid; Prüfung der Frage, ob eine Invalidität aus psychischen Gründen vorliegt; Vorliegen eines engen sachlichen Zusammenhangs zwischen der bereits während des Vorsorgeverhältnisses attestierten Arbeitsunfähigkeit und dem zur Invalidität führenden Gesundheitsschaden bejaht Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Klägerin , vertreten durch Kathrin Bichsel , Advokatin , Blume n- rain 3, 4001 Basel gegen Persona lvorsorgestiftung der B.____ AG , Beklagte Betreff Invalidenrente A. A.____ arbeitete vom 1. September 2001 bis zur A uflösung des Arbeitsverhältnisses am 31. März 2005 bei der B.____ AG in einem 100 % P ensum. Am 19. Dezember 2001 erlitt sie einen Arbeitsunfall, bei dem sie sich den rechten Zeigefinger unter einem Palett einquetsch- te. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt ( SUVA) erbrachte daraufhin bis 30. Novem- ber 2003 Versicherungsleistungen. Sie stellte ihre Leistungen mangels eines unfallbedingten organischen Befundes ein. Allenfalls vorhandene psy chische Beschwerden erachtete sie als Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht adäquat kausal zum Unfallereignis (Einspracheentschei d vom 1. Februar 2005). Am 3. September 2003 meldete sich A.____ zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Inva- lidenversicherung (IV) an und beantragte die Ausrichtun g einer IV-Rente. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2011 sprach die IV-Stelle Basel-Landschaf t (IV-Stelle) der Versicherten rückwir- kend ab 1. August 2006 eine halbe IV-Rente gestützt au f einen IV-Grad von 52 % zu. Mit Ein- gabe vom 1. Februar 2012 erhob A.____, vertreten durch Kathrin Bichsel, Advokatin, beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht), Beschwer- de gegen diese Verfügung. Mit Urteil vom 10. Mai 201 2 hiess das Kantonsgericht die Be- schwerde gut und änderte die angefochtene Verfügung insoweit ab, als festgestellt wurde, dass die Versicherte ab dem 1. Oktober 2003 Anspruch auf ein e halbe Invalidenrente habe. Mit Ver- fügung vom 19. März 2013 sprach die IV-Stelle der Ver sicherten dem Urteil entsprechend rückwirkend ab 1. Oktober 2003 eine halbe IV-Rente und drei Kinderrenten zu. Die Versicherte gelangte mit Schreiben vom 6. Dezember 2012 und vom 5 . Juli 2013 an die Personalvorsorge- stiftung der B.____ AG und beantragte die Ausrichtung einer IV-Rente. Mit Schreiben vom 25. Juli 2013 weigerte sich diese, der Versicherten eine IV-Rente auszurichten. B. In der Folge erhob A.____, erneut vertreten durc h Advokatin Kathrin Bichsel, am 27. September 2013 beim Kantonsgericht Klage gegen die P ersonalvorsorgestiftung der B.____ AG und beantragte, es sei die Beklagte zu verpflichten, die gesetzlichen und reglementarischen Invalidenleistungen aus beruflicher Vorsorge zuzusprechen und es sei ihr unter Berücksichti- gung der Wartefrist rückwirkend ab 1. Oktober 2003 ents prechend einem IV-Grad von 52 % eine Rente von monatlich Fr. 626.15 sowie die dazugehö renden Kinderrenten von je Fr. 125.05 auszurichten zuzüglich 5 % Zins seit Klageeinreichung, wo bei eine Mehrforderung ausdrücklich vorbehalten werde. Zudem sei die Klägerin gemäss Reglement der Beklagten von der Beitrags- pflicht für die Sparbeiträge an das Altersguthaben zu b efreien; alles unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte die Klägerin d ie Bewilligung der unentgeltlichen Pro- zessführung mit Advokatin Kathrin Bichsel als unentgeltlicher Rechtsvertreterin. C. In der Klageantwort vom 12. Dezember 2013 beantra gte die Beklagte unter o/e- Kostenfolge die Abweisung der Klage. D. Da die Beklagte in der Klageantwort ein Ausstandsbeg ehren gegen Herrn Andreas Brunner, Präsident des Kantonsgerichts, Abteilung Sozial versicherungsrecht, Herrn Jgnaz Jer- mann, Kantonsrichter, Herrn Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter, und Frau Barbara Vögtli, Ge- richtsschreiberin, gestellt hatte, wurde das Ausstandsbegehren dem Kantonsgericht zur Beurtei- lung überwiesen. Dieses wurde mit Beschluss vom 27. März 2014 abgewiesen. Auf die Vorbringen der Parteien sowie die zu würdigen den Akten wird – soweit für die Ent- scheidfindung erforderlich – in den nachfolgenden Erwäg ungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Für die vorliegende Streitigkeit über Ansprüche ei ner versicherten Person gegenüber einer Vorsorgeeinrichtung ist nach Art. 73 Abs. 1 des Bun desgesetzes über die berufliche Vor- sorge (BVG) vom 25. Juni 1982 und § 54 der Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht, zur Beurteilung sachlich zuständig. Art. 73 Abs. 3 BVG regelt die örtliche Zust ändigkeit für die Entscheidung von Strei- tigkeiten berufsvorsorgerechtlicher Natur. Gerichtsstand i st demnach der schweizerische Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Bet riebes, bei dem die versicherte Person angestellt wurde. Die Klägerin war zuletzt bei der F irma B.____ AG in X.____ tätig, welche sich für die berufliche Vorsorge der Personalvorsorgestiftun g der B.____ AG mit Sitz in Y.____ an- geschlossen hatte. Damit ist das Kantonsgericht für die B eurteilung der erhobenen Klage auch örtlich zuständig. 2. Streitig ist, ob die Beklagte verpflichtet ist, der K lägerin die gesetzlichen und reglementa- rischen Invalidenleistungen aus beruflicher Vorsorge ab 1. Oktober 2003 auszurichten. 3.1 Nach Art. 23 BVG, in Kraft gestanden bis 31. Dezem ber 2004, haben Personen An- spruch auf Invalidenleistungen, die im Sinne der Invali denversicherung zu mindestens 50 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, ver- sichert waren. Laut dem am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Art. 23 lit. a BVG besteht bereits bei einer Invalidität von mindestens 40 % Anspruch auf Invalidenleistungen. 3.2 Die obligatorische Versicherung beginnt mit dem Ant ritt des Arbeitsverhältnisses (Art. 10 Abs. 1 BVG). Die Versicherungspflicht endet, wenn der A nspruch auf eine Altersleistung ent- steht, das Arbeitsverhältnis aufgelöst oder der Mindestlohn unterschritten wird (Abs. 2). Für das Risiko der Invalidität bleiben die Arbeitnehmer währen d eines Monats nach Auflösung des Vor- sorgeverhältnisses bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtu ng versichert, ausser wenn während dieser Zeit ein neues Vorsorgeverhältnis begründet wird (Abs. 3, Nachdeckungsfrist). 3.3 Vorliegend wurde der Arbeitsvertrag mit der B.___ _ AG per 31. März 2005 aufgelöst. Die Klägerin trat danach in kein neues Arbeitsverhältn is resp. Vorsorgeverhältnis mehr ein. Sie ist deshalb bis 30. April 2005 bei der Beklagten versichert. 4.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 BVG gelten für den Beginn d es Anspruchs auf Invalidenleistun- gen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bund esgesetzes über die Invaliden- versicherung (IVG) vom 19. Juni 1959. Der Eintritt des Ve rsicherungsfalles fällt in der Regel mit der Eröffnung der einjährigen Wartezeit nach Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG in der hier anwendbaren, bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung zusammen. Aus der engen Verbindung zwi- schen dem Recht auf eine Rente der IV und demjenigen a uf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorisch en Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche i st (BGE 123 V 271 E. 2a, 120 V 108 E. 3c, je mit Hinweisen). Das vorliegend anwendbare Vorsor gereglement der Beklagten geht von keinem anderen Invaliditätsbegriff aus als das Recht der IV (vgl. Art. 20 des Vorsorgeregle- ments der Beklagten, gültig ab 1. Januar 2001 [Vorsorgereglement]). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Praxisgemäss sind die Vorsorgeeinrichtungen im Berei ch der gesetzlichen Mindestvor- sorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsun- fähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Inval iditätsgrades) gebunden, soweit die Vorsorgeeinrichtung spätestens bei der Verfügungseröffnung ins IV-Verfahren einbezogen wur- de (BGE 130 V 274 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 13. August 2007, B 88/06, E. 4.2), die konkrete Fragestellung für die Beurteilung des Ren tenanspruchs gegenüber der Invaliden- versicherung entscheidend war und sich die invalidenversich erungsrechtliche Betrachtungswei- se aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erweist (BGE 133 V 67 E. 4.3.2, 126 V 310 f. E. 1). Unterbl eibt ein solches Einbeziehen der Vorsorge- einrichtung, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich, masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 273 E. 3.1, Urteil des Bundesge- richts vom 21. Februar 2012, 9C_327/2011, E. 4.1). Wenn eine versicherte Person Beschwerde gegen eine Verfügung führt, die sowohl ihr als auch d er präsumtiv leistungspflichtigen Vorsor- geeinrichtung eröffnet wurde, ist die Beiladung der Vorsorgeeinrichtung im kantonalen Prozess Voraussetzung dafür, dass der erstinstanzliche Gerichtsentsche id die vorgenannte Bindungs- wirkung entfalten kann (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juni 2006, I 89/06, E. 3.2.3). 4.3 Vorliegend hat das Kantonsgericht die im IV-Verfüg ungsverfahren als Partei aufgetre- tene Beklagte nicht zum IV-Beschwerdeverfahren beigelad en. Damit wurde versäumt, der bun- desrechtlich vorgesehenen Bindungswirkung zum Durchbruch zu verhelfen, wie die Beklagte zu Recht feststellt. Das Urteil des Kantonsgerichts vom 10. Mai 2012 entfaltet daher gegenüber der Beklagten keinerlei Bindungswirkung. Es ist nachfolg end aufgrund der vorhandenen medi- zinischen Akten frei zu prüfen, ob und allenfalls ab wann eine invalidisierende Arbeitsunfähig- keit eingetreten ist. 5.1 BVG-Invalidenleistungen werden von derjenigen Vor sorgeeinrichtung geschuldet, wel- cher die versicherte Person bei Eintritt der Arbeitsunfä higkeit, deren Ursache zur Invalidität ge- führt hat, angeschlossen war (Art. 23 lit. a BVG). Versi chertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in w elchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht ( BGE 136 V 65 E. 3.1). Die Versi- cherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfä higkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder de r Verschlimmerung der Invalidität (Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 123 V 263 E. 1a, 118 V 45 E. 5). 5.2 Eine registrierte Vorsorgeeinrichtung ist zur Erbri ngung der gesetzlichen Invaliditätsleis- tungen allerdings nur dann verpflichtet, wenn die Bee inträchtigung der versicherten Person sinnfällig, d.h. erheblich und dauerhaft war. Erhebli ch ist die Arbeitsunfähigkeit, wenn sie min- destens 20 % beträgt und arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten ist, etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung durch de n Arbeitgeber oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbei tsausfälle (BGE 136 V 65 E. 3.1; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 7. Mai 2012, 9C_876/2011, E. 4.2.2 und vom 21. Februar 2012, 9C_327/2011, E. 5.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die Klägerin stützt sich auf das Urteil des Kantonsge richts vom 10. Mai 2012 (720 12 34 / 121). Gestützt darauf geht sie davon aus, dass sie nach Lage der Akten unbestrittenermassen zu mehr als 50 % invalid sei, was ihr nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2003 gültig gewesenen Fassung) Anrecht auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung gebe und gemäss Art. 24 Abs. 1 BVG in Verbindung mit Art. 28 Abs. 1 IVG Anspruch auf eine halbe BVG- Invalidenrente begründe. Das Kantonsgericht habe in Erw ägung 6.4 des Urteils bezüglich der Beurteilung der Wartefrist auf die echtzeitlich attest ierten Arbeitsunfähigkeiten durch Dr. med. C.____, Spezialarzt für Innere Medizin FMH, abgestützt und festgehalten, dass sie ab dem 4. Oktober 2002 während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindes- tens 40 % arbeitsunfähig gewesen sei. 6.2 Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, dass keine Leistungen geschuldet seien, da kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege. Eine somatoforme Schmerzstörung ohne andere ausgewiesene, erhebliche psychische Komorbidität oder weitere Umstände, welche die Schmerzbewältigung behindern würden, sei nicht geeigne t, eine anhaltende und damit invalidi- sierende Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Vorliegend sei lediglich eine leichte bis mittelgradige depressive Symptomatik ausgewiesen. Diese genüge gemäss hö chstrichterlicher Praxis nicht, um von einer von der somatoformen Schmerzstörung verselbst ändigten psychischen Komorbi- dität auszugehen. Zudem sei nicht erstellt, dass die Arbe itsunfähigkeit, welche der allfälligen Invalidität zu Grunde liege, in der Zeit eingetreten sei, als die Klägerin zufolge ihres Arbeitsver- hältnisses mit der B.____ AG bei der Beklagten vorsorgeversichert gewesen sei. 7.1 In einem ersten Schritt ist gestützt auf die Vorbri ngen der Beklagten zu prüfen, ob über- haupt ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden vorliegt. 7.2 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperli- che Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundhe itsschadens und damit nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Lei stungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (Urteil des Bun- desgerichts vom 13. Dezember 2013, 8C_33/2013, E. 4.2, BGE 102 V 165, 127 V 294 E. 4c). 7.3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und i nsbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes ist es in diesem Zusammenhang, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in wel- chem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 ). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausge übte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach i hren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrich tet werden können (vgl. U LRICH Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in : Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialver sicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hin- weisen). 7.3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen – wi e alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie um fassend und pflichtgemäss zu würdi- gen. Dies bedeutet, dass alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen sind und danach zu entscheiden ist, ob die verfügb aren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insb esondere darf bei einander wider- sprechenden medizinischen Berichten der Prozess nicht erled igen werden, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abgestellt wird. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Bel ange umfassend ist, auf allseitigen Unter- suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksicht igt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebe nd für den Beweiswert ist grund- sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Denno ch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesgerichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdig ung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Ri chtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). 8.1 Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, erstellte im Rahmen einer bi- disziplinären Begutachtung zuhanden des Taggeldversichere rs am 5. Dezember 2004 ein psy- chiatrisches Gutachten. Darin kommt er zum Schluss, dass keine psychiatrischen Diagnosen gegeben seien. Die Versicherte täusche absichtlich und zi elgerichtet Unvermögen vor mit der Begründung, an unerträglichen Schmerzen sowie Konzentra tionsstörungen zu leiden. Die ap- pellativ-demonstrativen und teilweise grotesk anmutenden Verhaltensweisen liessen klar auf einen Wunsch nach Versicherungsleistungen schliessen. Es bestehe eine infantiloid anmutende Regressionstendenz in den völligen Invalidenstatus. Zudem bestehe der Verdacht auf einen gravierenden Medikamentenabusus. Ohne Zweifel dürfte eine hochgradig dysfunktionale famili- äre Situation vorliegen. Die Handlungsunfähigkeit der Versicherten dürfte aus psychoanalyti- scher Sicht erklärbar sein. Die Arbeitsunfähigkeit des Ehemannes sei hier ein zentraler Faktor. 8.3 Im Arztbericht für Erwachsene vom 11. November 2005 diagnostiziert Dr. med. E.____, Oberarzt der psychiatrischen Klinik F.____, eine anhalten de somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) seit 2004 und eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD- 10 F43.21) seit 2005. 8.4 Nachdem die IV-Stelle das Gutachten von Dr. D.____ in Bezug auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit als nicht aussagekräftig erachtet hatte, beauftragte sie Dr. med. G.____, Spe- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, mit der p sychiatrischen Begutachtung der Klägerin. Dr. Weber diagnostiziert in seinem Gutachte n vom 1. Mai 2006 nach zweimaliger Un- tersuchung der Versicherten mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung (F45.4) mit histrionischer Ausgestalt ung und Selbstlimitierung bei deut- lich infantiler und narzisstisch gekränkter histrionischer Pe rsönlichkeitsstörung (F60.4) mit dis- soziativen Anteilen und zunehmender Reizbarkeit. Es könn e eine Verminderung der Belastbar- keit, des Durchhaltevermögens und der Stressbelastungsfähi gkeit aufgrund der Nervosität und der chronifiziert erlebten Schmerzen ausgemacht werden. Die psychische Stabilität sei nicht mehr konstant genug, um sich auf einen Arbeitsplatz ein zulassen. Die Explorandin sei in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. E ine Arbeitsunfähigkeit mit einem Aus- mass von ca. 20 % könne ab Sommer 2005 angenommen werde n, als sich die Explorandin wegen zunehmenden Verstimmungszuständen und unspezifische n Ängsten in psychiatrische Behandlung begeben habe. Aus psychiatrischer Sicht sei di e Explorandin aufgrund der schwersten Verhaltensauffälligkeit keinem Arbeitgeber m ehr zumutbar. Sie könne nur noch im geschützten Rahmen stundenweise eingesetzt werden. Die Pr ognose sei sehr schlecht, da die Explorandin eine völlige Fixierung auf ihre Handschmerzen aufweise und eine schwerste psy- chische Fehlentwicklung eingegangen sei, die sich unterdesse n zu chronifizieren scheine und therapeutisch nicht angegangen werden könne. In eine r ergänzenden Stellungnahme vom 23. September 2006 hält Dr. G.____ fest, dass bei der Explorandin – neben der somatoformen Schmerzstörung – von einer zusätzlichen schweren psychischen F ehlentwicklung mit histrioni- scher Persönlichkeitsstörung und Tendenz zu dissoziativen Ante ilen ausgegangen werden müsse. Selbst wenn man all diesen Komorbiditäten keine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit attestieren würde, wäre die Explorandin keinem Arbeitgeber mehr zumutbar. Von einer relevan- ten Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der Verhaltensstör ung mit regressiven Anteilen nicht mehr auszugehen. Diese Verhaltensauffälligkeit werde die Exp lorandin kaum mehr korrigieren kön- nen. Die Verhaltensstörung mit Fixierung im Denken, nar zisstischer Kränkung und mangelnder Flexibilität etabliere sich nicht nur in der Explorati on, sondern gehe schon lange zurück und be- stehe auch im Privatbereich. Es bestehe natürlich eine Mi schung zwischen nicht mehr Wollen wegen Enttäuschung, Kränkung und chronischen Schmerzen und nicht mehr Können. Im Quer- vergleich mit vielen anderen ähnlichen Fehlentwicklungen sei dieser Fall bereits chronifiziert, fixiert und nicht mehr korrigierbar. 8.5 Mit Bericht vom 20. März 2007 diagnostiziert pract. med. H.____, Facharzt für Psychi- atrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher Dienst b eider Basel (RAD), nach persönlicher Untersuchung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode auf dem Boden einer ängstlich-unsicheren Persönlichkeit (ICD-10 F32.1) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.5). Aufgrund de r depressiven Symptomatik mit ein- geengter Kognition, Anhedonie, Antriebslosigkeit, sozialem Rückzug mit deutlich eingeschränk- tem Tagesablauf gehe er von einer aktuell und für ca. ein ¾ Jahr rückwirkenden 50 %-igen Ar- beitsunfähigkeit aus. Als IV-fremder Grund müsse wahrsch einlich ein anteilig kulturell bedingter sekundärer Krankheitsgewinn mit Kompensation durch das Fa miliensystem gerechnet werden. Trotzdem liege aber die beschriebene mittelgradige dep ressive Symptomatik vor. Hinweise für eine Aggravation oder Simulation hätten nicht festge stellt werden können. Die anhaltende so- matoforme Schmerzstörung könne für sich und additiv zur depressiven Symptomatik keine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit begründen. Gleich es gelte für die Persönlichkeit der ver- sicherten Person. 8.6 Dr. E.____, psychiatrische Klinik F.____, diagnostizi ert im Arztbericht für Erwachsene vom 18. Juni 2007 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) seit 2004 und eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion ( ICD-10 F43.21) seit 2005. Durch die Schmerzsymptomatik fühle sich die Patientin stark einge engt. Dadurch habe sich eine de- pressive Verstimmung entwickelt. Die Patientin beschreibe S chlafstörungen und Perspektivelo- sigkeit. Aufgrund des aktuellen Zustandsbilds werde keine Möglichkeit für eine Arbeitsreintegra- tion gesehen. Aktuell seien keine Tätigkeiten zumutba r. Die Erhöhung der antidepressiven Be- handlung habe keine Besserung des Zustandes gebracht, we shalb eine stationäre Behandlung in die Wege geleitet worden sei. 8.7 Die Klägerin hielt sich vom 17. Juli 2007 bis 7. Sep tember 2007 stationär in der psychi- atrischen Klinik I.____ auf. Dr. med. J.____, Oberarzt, und lic. phil. K.____, Psychologe FSP, diagnostizieren im Arztbericht vom 19. September 2007 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) seit 2001, rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen S ymptomen (F33.30), DD: Erkran- kung aus dem schizophrenen Formenkreis (F2). Es bestehe ein e starke psychogene Schmerz- problematik, die sich ausgehend von der rechten Hand a uf alle Extremitäten und den Kopf aus- geweitet habe. Aufgrund dieser Problematik könne die P atientin keine körperlichen Tätigkeiten mehr ausführen. Zudem bestehe eine zunehmend depressive Entwicklung mit stark reduzierter Belastungsfähigkeit. Eine Erwerbstätigkeit sei momentan nicht zumutbar. 8.8 Nachdem die IV-Stelle den medizinischen Sachverhalt erneut als ungenügend abge- klärt erachtet hatte, wurde Dr. med. L.____, Fachärzt in FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens beauf tragt. Dr. L.____ hält in ihrer Beurtei- lung vom 27. November 2008 fest, dass keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden. Ohne Auswirkung en auf die Arbeitsfähigkeit liege eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10 F68.0) vor. Ein Status nach rezidivierenden depressiven Episoden (ICD-10 F33.4, gegenwärtig remittiert) könne nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der Aktenlage und der Präsentation der Explorandin könne insgesamt keine psychische Symptomatik von Krankheitswert und keine psychiatrische Diagno- se mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. 8.9 Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hält in seinem Arztbericht vom 4. November 2009 fest, dass seit 2005 eine anhaltende affektive Störung (ICD-10 F34.8) vorlie- ge, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Es bestehe seit Dezember 2007 bis auf weiteres eine 60 %-ige Arbeitsunfähigkeit. Die psychiatrischen E inschränkungen bestünden infolge der affektiven Störung. Die Patientin sei niedergeschlagen , antriebslos, wenig belastbar, lust- und freudlos, perspektivlos. Zwischendurch sei sie auch unvermittelt gereizt und aggressiv, impulsiv. Dadurch sei sie wenig belastbar, ermüde schnell und ziehe sich sozial zurück. Die Beziehungs- fähigkeit zu Mitmenschen sei aufgrund der depressiven Sympto me und des plötzlichen impulsi- ven, aggressiven Verhaltens eingeschränkt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.10 In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine Verla ufsbegutachtung durch den RAD. Pract. med. H.____ untersuchte die Klägerin am 30. Se ptember 2009. In seinem Bericht vom 5. Mai 2010 diagnostiziert er mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende de- pressive Störung aktuell mittelgradige Ausprägung bei akzentuierter Persönlichkeit ängstlich- histrionischer Ausprägung (ICD-10 F33.1/Z73.1), im Län gsschnitt rezidivierende depressive Störung leicht bis mittelgradiger Ausprägung (ICD-10 F33.0), sowie eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Die Arbeitsfähigkeit sei schwierig zu beurteilen. Anläss- lich der Untersuchung im Jahr 2007 sei er aufgrund der mittelgradigen depressiven Störung und der somatoformen Schmerzstörung von einer 50 %-igen E inschränkung ausgegangen. Nach Aktenlage und nach der zweimaligen Untersuchung sei im L ängsschnitt aber eher von einer leicht bis mittelgradig depressiven Symptomatik auszugehen. Da komorbid auch eine anhalten- de somatoforme Schmerzstörung vorliege, deren Symptomatik mit der depressiven Symptoma- tik in Bezug auf eine Fähigkeitsstörung hochgradig int eragiere, sei aber nach wie vor von einer 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. 8.11 Dr. M.____ hält in seinem Arztbericht vom 7. Dezem ber 2010 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende affektive Störung (I CD-10 F34.8) seit 2005 fest. Der Gesund- heitszustand habe sich nicht verbessert. 9.1 Die IV-Stelle hat im IV-Verfahren zur Beurteilu ng der Frage, ob ein invalidisierender psy- chischer Gesundheitsschaden gegeben ist, auf die Beurteilung von pract. med. H.___ abgestellt und ist zur Auffassung gelangt, dass die Klägerin an ei nem psychischen Gesundheitsschaden leidet, der die Arbeitsfähigkeit dauernd um 50 % einschränkt. 9.2 RAD-Untersuchungsberichte haben einen vergleichbaren Beweiswert wie ein anderes Gutachten, wenn sie den Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen (Urteil des Bun- desgerichts vom 30 September 2008, 9C_76/2008, E. 3.4) . Pract. med. H.____ ist psychiatri- scher Facharzt. Er hat die Klägerin jeweils persönlich u ntersucht. Seine Berichte vom 20. März 2007 und vom 5. Mai 2010 sind für die streitigen Belange umfassend, sind in Kenntnis aller me- dizinischen Akten erstellt worden und berücksichtigen die g eklagten Beschwerden. Pract. med. H.____ setzt sich ausführlich mit den Beurteilungen seine r Fachkollegen und -kolleginnen aus- einander. In seinem Bericht vom 20. März 2007 legt e r – insbesondere auf Seite 6 – dar, worin sich seine Beurteilung von derjenigen von Dr. D.____ un d Dr. G.____ unterscheidet und wes- halb nicht auf deren Beurteilungen abgestellt werden kann. In seinem Bericht vom 5. Mai 2010 geht er auf die Differenzen zur Beurteilung von Dr. L .____ (insb. Seite 13) ein und zeigt auf, worin die Mängel der Beurteilung durch Dr. L.____ l iegen. Soweit er zu einer anderen diagnos- tischen Einschätzung oder einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelangt, führt er die Gründe dafür aus. Seine Berichte leuchten deshalb in d er Darlegung der medizinischen Zu- sammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situa tion ein und sind in den Schluss- folgerungen überzeugend. Konkrete Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit der Berichte spre- chen würden, liegen nicht vor und werden von der Beklag ten nicht geltend gemacht. Der Um- stand, dass andere psychiatrische Fachärzte eine andere Einsch ätzung des Gesundheitszu- stands der Klägerin abgegeben haben, vermag für sich al leine noch keine begründeten Zweifel an der Beurteilung von pract. med. H.____ zu wecken. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Soweit das Kantonsgericht in seinem Urteil vom 10. Mai 2012 nicht auf die Berichte von pract. med. H.____ abstellte, besteht darin kein Widerspruch zum soeben Ausgeführten. Damals musste lediglich der Beginn des Rentenanspruchs überprüft werden und das Kantonsgericht erachtete die Berichte von pract. med. H.____ in diesem Punkt als nicht ausschlaggebend (vgl. Urteil vom 10. Mai 2012, E. 5.4). 9.3 Somit ist gestützt auf die Beurteilungen von pract. med. H.____ vom 20. März 2007 und vom 5. Mai 2010 davon auszugehen, dass eine rezidivi erende depressive Störung, im Längsschnitt eine rezidivierende depressive Störung leicht bis mittelgradiger Ausprägung, sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vorliegen, welche die Arbeitsfähigkeit dauernd um 50 % einschränken. 10.1 Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, dass ein e leichte bis mittelgradige depressi- ve Symptomatik dem Kriterium der Erheblichkeit nicht genü ge, um von einer von der somato- formen Schmerzstörung verselbständigten psychischen Komorbidität auszugehen. 10.2 Die Annahme, dass eine mittelschwere depressive Störu ng eine invalidisierende Wir- kung hat, erfordert gemäss höchstrichterlicher Praxis, dass es sich nicht bloss um eine Begleit- erscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbstän diges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt und da ss eine konsequente Depres- sionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. April 2014, 8C_774/2014, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 10.3 Pract. med. H.____ legt in seinem Bericht vom 5. Mai 2010 auf Seite 12 den psychopa- thologischen Befund (Antriebsstörung, berichtete Konzen trations- und Gedächtnisstörung, de- pressiver Affekt, der auch in der Untersuchung authentisch u nd nachvollziehbar gewesen sei, berichtete und beobachtete Freudlosigkeit, eingeschränkt es soziales Leben, Suizidgedanken, Schuldgedanken mit Gedankenkreisen und berichtete Schlaf störung) dar und gelangt zum Schluss, dass alle drei depressiven Kernsymptome und genüge nd akzessorische Symptome vorliegen würden, um eine mittelgradige depressive Stö rung zu diagnostizieren. Gestützt auf seine Beurteilung ist daher davon auszugehen, dass es sich bei der depressiven Symptomatik nicht nur um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankh eit handelt, sondern um ein selb- ständiges Leiden. Zudem ergibt sich aus den Akten, dass d ie Klägerin eine konsequente De- pressionstherapie befolgt, was auch von pract. med. H.____ im Bericht vom 5. Mai 2010 fest- gestellt wird. Seit Dezember 2007 befindet sie sich bei Dr. M.____ in psychiatrischer Behand- lung, wobei zu Beginn zweimal pro Monat eine Gesprächst herapie stattfand, später dann alle drei bis vier Wochen eine Sitzung abgehalten wurde. Vom 17. Juli 2007 bis 17. September 2007 fand ein stationärer Aufenthalt in der psychiatri schen Klinik I.____ statt. Hinzu kommt, dass seit langer Zeit eine medikamentöse Behandlung durchgeführt wird. Somit kann die Frage, ob die psychische Störung als derart erheblich einzustufen ist, dass bereits allein gestützt da- rauf (ausnahmsweise) von einer willensmässig nicht mehr er bringbaren Leistung in einer dem körperlichen Leiden adaptierten Tätigkeit auszugehen i st, gestützt auf die medizinischen Akten bejaht werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.1 Zu prüfen ist weiter der Einwand der Beklagten, dass eine somatoforme Schmerzstö- rung ohne andere ausgewiesene, erhebliche Komorbiditä t oder weitere Umstände, welche die Schmerzbewältigung behindern würden, nicht geeignet sei, eine invalidisierende Arbeitsunfä- higkeit zu begründen. 11.2 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, so au ch einer anhaltenden so- matoformen Schmerzstörung, setzt zunächst eine fachärztli ch (psychiatrisch) gestellte Diagno- se nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Wie jede andere psychische Beeinträchtig ung begründet indes auch eine diag- nostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstöru ng oder ihre Folgen mit einer zu- mutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimm te Umstände, welche die Schmerz- bewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein so lcher Ausnahmefall vorliegt, ent- scheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriteri en. Im Vordergrund steht die Feststel- lung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Sch were, Ausprägung und Dauer. Mass- gebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symp- tomatik ohne länger dauernde Rückbildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Le- bens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewälti gung (primärer Krankheitsge- winn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz koope- rativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352) . Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde da rstellen, desto eher sind – ausnahms- weise – die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensa nstrengung zu verneinen (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Dezember 2013, 8C_33/2013, E. 4.2.1 mit Hinweis). 11.3 Pract. med. H.____ diagnostiziert, wie die meisten anderen Ärzte auch, eine somatofor- me Schmerzstörung (S. 12 des Berichts vom 5. Mai 2010). I n Bezug auf Dr. D.____ und Dr. L.____, die zu keiner psychiatrischen Diagnose gelangt sind, legt er dar, dass eine Simulation über Jahre hinweg unwahrscheinlich sei. Insgesamt müsse di e Krankheitsentwicklung über die Jahre als Ausdruck einer entlastenden Konfliktbewältigun g angesehen werden. Die versicherte Person habe als Mutter, als Berufstätige und schliesslich a ls Kranke in ihrem Leben in der Schweiz mehrere stark belastende Ereignisse hinter sich (un geklärter Aufenthaltstatus, Verlust der persönlichen Integrität, Verlust der sozialen Rolle, Verlust des „gesunden“ Ehemannes), die in der Summe sicher ausreichen würden, um einen Konflikt , der zu einer somatoformen Schmerzstörung führe, zu begründen. In Bezug auf die Auswirkungen der somatoformen Schmerzstö rung auf die Arbeitsfähigkeit der Klägerin führt er in seinem Bericht vom 5. Mai 2010 auf S. 13 aus, dass es schwierig sei, die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. Anlässlich des Berichts vo m 20. März 2007 sei er aufgrund der mittelgradigen depressiven Störung und der somatoform en Schmerzstörung von einer 50 %- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Na ch der Aktenlage und nach der zwei- ten Untersuchung gehe er davon aus, dass eine leicht bis mittelgradig depressive Symptomatik gegeben sei. Da komorbid auch eine anhaltende somatofo rme Schmerzstörung vorliege, deren Symptomatik mit der depressiven Symptomatik in Bezug auf e ine Fähigkeitsstörung hochgradig interagiere, sei nach wie vor von einer 50 %-igen Arb eitsunfähigkeit auszugehen. Auch wenn der depressive Anteil an der Arbeitsunfähigkeit aus heut iger Sicht theoretisch geringer taxiert werden müsse, sei die depressive Problematik mit der Schm erzproblematik derart verwoben, dass die Festlegung einer geringeren Arbeitsunfähigke it nicht stichhaltig wäre. Die Förster- Kriterien seien überwiegend erfüllt, sodass der anhalt enden somatoformen Schmerzstörung durchaus ein Anteil an der Gesamt-Arbeitsunfähigkeit au s psychiatrischer Sicht zugestanden werden könne. Dr. M.____ gehe zwar von einer 60 %-igen Arbeitsunfähigkeit aus, die er mit den depressiven Symptomen begründe. Aus der depressiven Symptomatik alleine sei aber eine 60 %-ige Einschränkung als zu hoch anzusehen. Auch in Kombination mit der Symptomatik der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sei keine höhere als die 50 %-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gerechtfertigt, da die Symptome , die die Fähigkeitsstörung repräsentieren und damit die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begrü nden würden, in beiden Störungen vor- handen und hochgradig überlappend (sozialer Rückzug, Aufm erksamkeits- und Konzentrati- onsstörung), aber nicht vollständig kongruent (Antriebsst örung, Freudlosigkeit, Schuldgedan- ken) seien. Somit ergebe sich eine Teiladdition der Fäh igkeitsstörungen, die mit dem Resultat und der Gesamtgrösse einer 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit am realistischsten sei. 11.4 Pract. med. H.____ hält auf Seite 13/14 seines Be richts vom 5. Mai 2010 fest, dass die Förster-Kriterien (Überwindbarkeitskriterien) überwiege nd erfüllt seien (zur Überprüfung der Erheblichkeitskriterien durch den RAD vgl. Urteil des Bu ndesgerichts vom 10. Juli 2014, 9C_75/2014, E. 4.3). Obwohl er das Vorliegen der Kri terien nicht im Einzelnen prüft, ist seiner Auffassung beizupflichten. Zum einen liegt, wie in Erw ägung 10 hiervor dargelegt, eine eigen- ständige psychische Komorbidität von genügender Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer vor. Zudem geht aus dem Tagesablauf, wie er von der Kl ägerin gegenüber pract. med. H.____ beschrieben wurde (Bericht vom 5. Mai 2010, Seite 9), klar hervor, dass – ausser zur eigenen Familie – nur noch zu den Ärzten Kontakt besteht. Die Klägerin gibt an, keine Freunde mehr zu haben. Selbst der Umgang mit ihren Enkelkindern, die im gleichen Haus leben, bereitet ihr Mü- he. Sie geht widerwillig mit der Tochter spazieren. E inkäufe in Begleitung ihres Ehemannes bereiten ihr ebenfalls Mühe, sie fühle sich von ihm dazu gezwungen. Es ist deshalb von einem erheblichen sozialen Rückzug auszugehen. Zudem liegt ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlas- tenden Konfliktbewältigung vor. Den Akten ist zu entne hmen, dass die Klägerin konsequent eine ambulante Behandlung durchführt und sich dort koo perativ verhält. Dr. M.____ hält in sei- nem Bericht vom 4. November 2009 fest, dass er seit Dezember 2007 eine Psychotherapie und eine medikamentöse Therapie durchführe bei 1 bis 2 Sit zungen pro Monat. In seinem Bericht vom 7. Dezember 2010 führt er aus, dass die Klägerin seit November 2009 alle drei bis vier Wochen in die Behandlung komme. Die Medikamentenabga be kontrolliere der Ehemann. Des- sen Medikamentenbuchhaltung stimme mit der seinen übe rein, so dass von einer guten Com- pliance ausgegangen werden könne. Die Medikamente würden zu einer gewissen Entspannung führen, aber zu keiner Remission der Krankheit. In Bezu g auf die Prognose hält Dr. M.____ Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht fest, dass die affektive Störung seit vielen Jahren beste he. Sie sei jetzt chronisch geworden, weshalb die Prognose ungünstig sei. 11.5 Die von pract. med. H.____ anerkannte (Teil-) Arb eitsunfähigkeit hält somit auch im Lichte der für eine Unüberwindlichkeit der Schmerzsympto matik massgebenden rechtlichen Kriterien stand. Die Erheblichkeitskriterien liegen geh äuft vor, weshalb der somatoformen Schmerzstörung eine rentenbegründende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zuerkannt werden kann. Zudem hat er bei seiner Einschätzung keine invalidi tätsfremde Gesichtspunkte (insbe- sondere psychosoziale und/oder soziokulturelle Belastungs faktoren) mitberücksichtigt, welche aus sozialversicherungsrechtlicher Optik regelmässig unbeachtli ch sind (Urteil des Bundesge- richts vom 13. Dezember 2013, 8C_33/2013, E. 4.2.3 mit Hinweis auf BGE 130 V 352 E. 2.2.5). Der Einwand der Klägerin, dass keine erhebliche psychisch e Komorbidität vorliege und die Auswirkungen der somatoformen Schmerzstörung auf die Arb eitsfähigkeit überwindbar seien, trifft damit nicht zu. Ein invalidisierender psychischer G esundheitsschaden liegt auch in Bezug auf die somatoforme Schmerzstörung vor. 12.1 Streitig und zu prüfen bleibt die Frage nach d em engen sachlichen Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit und der eingetretenen I nvalidität. Das Vorliegen eines engen zeitlichen Zusammenhanges wird von der Beklagten nicht be stritten. Die Beklagte stellt sich aber auf den Standpunkt, dass anhand der Akten nicht au sgewiesen sei, dass eine psychische erhebliche Komorbidität bereits während der Versicherun gsdauer aufgetreten sei. Bis ins Jahr 2005 hätten ausschliesslich die Fingerquetschung und das hi erdurch ausgelöste Schulter-Arm- Syndrom im Zentrum der medizinischen Behandlung gestand en. Daran könnten auch die drei im Jahr 2004 wahrgenommenen Gesprächstermine in der psyc hiatrischen Klinik F.____ nichts ändern. Eine fachärztliche psychiatrische Betreuung sei erst ab dem 31. August 2005 belegt. Keiner der in diesem Fall beigezogenen psychiatrischen Ex perten habe eine anhaltende, psy- chisch bedingte Arbeitsunfähigkeit schon vor dem Jahr 2005 bestätigt. Es sei nicht überzeu- gend, wenn das Kantonsgericht aufgrund der komplexen Akt enlage und mangels einer eindeu- tigen Antwort bei schleichender gesundheitlicher Fehlen twicklung auf die Arbeitsunfähig- keitseinschätzungen des Hausarztes abgestellt habe. Im Ergeb nis könne eine somatisch be- dingte Arbeitsunfähigkeit bis Oktober 2003 anerkannt we rden. Eine überlappende und daran anschliessende psychische Fehlentwicklung könne ebenfalls ane rkannt werden. Die die soma- toforme Schmerzstörung begleitende depressive Symptomatik sei aber erst ab dem 31. August 2005 fachärztlich ausgewiesen. Sofern überhaupt von eine r Invalidität auszugehen wäre, wäre diese frühestens im Jahr 2006 eingetretenen, womit der enge sachliche Zusammenhang im Sinne von Art. 23 BVG verneint werden müsste. 12.2 Die Leistungspflicht der Vorsorgeeinrichtung in Konstellationen, bei denen kein Ar- beitsverhältnis mehr gegeben ist, setzt voraus, dass ein enger sachlicher und zeitlicher Zu- sammenhang zwischen der während der Dauer des Vorsorgever hältnisses (einschliesslich der Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) entstandenen Arbeitsunfähigkeit und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsun fähigkeit geführt hat, im Wesentli- chen der gleiche ist wie derjenige, auf welchem die Erw erbsunfähigkeit beruht (BGE 134 V 20 Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3.2). Der sachliche Zusammenhang kann auch gegeben sein, wenn die bei noch bestehen- der Versicherungsdeckung eingetretene Arbeitsunfähigke it somatisch, die Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung begründende, allenfalls auch berufsvorsorgerechtliche Leis- tungen auslösende Invalidität jedoch psychisch bedingt ist. Notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung hiefür ist, dass das psychische Leiden sich schon wäh rend des Vorsorgeverhältnis- ses manifestierte und das Krankheitsgeschehen erkennbar mi tprägte (vgl. Urteile des Bundes- gerichts vom 18. März 2009, 9C_1035/2008, E. 3.3, vom 2 2. September 2006, B 37/06, E. 3.3 und vom 29. Januar 2007, B 46/06, E. 3.3). Der Zeitpu nkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgr ad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegunge n ersetzt werden. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizin ischen Einschätzung, die or- dentlicherweise echtzeitlicher Natur ist (SVR 2010 IV Nr. 17, 8C_195/2009, E. 5). 12.3 Zu prüfen ist, ob das psychische Leiden mit Auswirkung en auf das Leistungsvermögen bereits während der Versicherungsdauer erkennbar in Erscheinung getreten ist. 12.4.1 Dr. med. N.____, SUVA-Kreisarzt, weist anlässli ch seiner Untersuchung vom 29. November 2002 darauf hin, dass eine somatoforme En twicklung nicht ausgeschlossen wer- den könne. Seit dem 14. November 2002 sei die Versicher te gänzlich ruhig gestellt. Hauptdiag- nose sei jetzt eine erhebliche depressive Verarbeitung und wahrscheinliche Somatisierung. Der Verlauf sei zwar langwierig, die Fingerbeschwerden je doch kaum derart zermürbend, als dass man die aktuelle Dekompensation ohne Weiteres dem Unfall zuschreiben könnte. Vom (körper- lichen) Befund her sei die Versicherte tauglich für eine leichte, vorwiegend kontrollierende Tä- tigkeit in der Industrie mit nur gelegentlichem manuel lem unbelastendem Eingreifen. Dadurch wäre der Tagesablauf etwas besser strukturiert. Eine al lfällige Psychotherapie laufe über die Krankenkasse. In seinem Bericht vom 21. Oktober 2003 komm t Dr. N.____ erneut zum Schluss, dass die somatische Medizin ausgedient habe. Bis auf die Restschwellung sei die Zei- gefingerkontusion auskuriert. Das Ausweitungssyndrom gehe nicht weiter zu Lasten der Unfall- versicherung, ebenso wenig eine allfällige Psychiatrisierung. Anlässlich einer weiteren kreisärzt- lichen Untersuchung hält er mit Bericht vom 6. April 20 04 fest, dass die Versicherte dringend psychiatrisch behandlungsbedürftig sei. Die Bereitschaft da zu falle jedoch noch ziemlich ambi- valent aus. Er bleibe dabei, dass der Fall aus der Sicht der SUVA eingestellt bleiben müsse. Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit gehe zu Lasten der Krankenkasse. 12.4.2 Neben den Einschätzungen von Dr. N.____ finden sich weitere echtzeitliche ärztliche Berichte, die von einer schleichenden Zunahme der psychische n Beschwerden ab Oktober 2002 und ersten Behandlungsmassnahmen berichten. So hält Dr. med. O.____, Leitende Ärztin Handchirurgie des Spitals P.____, in ihrem Bericht vom 27. März 2003 fest, dass sich der Teu- felskreis der Schmerzen, Muskelverspannung und wieder noch mehr Schmerzen, psychischen Problemen etc. durch die bisherige Behandlung nicht ha be verbessern lassen. In ihrem Bericht vom 1. September 2004 führt sie in der Anamnese aus, di e Patientin habe berichtet, dass sie beim Psychiater gewesen sei, sie sei aber nicht psychisch kra nk. Anlässlich der Sprechstunde vom 10. November 2004 habe ihr die Patientin berichtet, dass sie nicht mehr zu einem Psychia- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter gehen möchte, das helfe ihr nicht. Dr. med. Q.____ , Leitende Ärztin, und Dr. med. R.____, Assistenzart, Klinik für Rheumatologie und Rehabilitatio n des Spitals S.____, halten im Bericht vom 25. März 2004 nach zweimaliger Konsultation der Klä gerin in der Diagnoseliste fest, dass neben dem "Schmerzsyndrom Zeigefinger- und radialseitiger Unterarm rechts" der Verdacht auf somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung bei depressiver Ve rstimmung und vegetativer Be- gleitsymptomatik bestehe. Die Patientin gebe an, dass di e Schmerzen von einer depressiven Verstimmung, starker Nervosität und innerer Unruhe, Schl afstörungen, Schweissausbrüchen, Herzklopfen sowie von Magenbrennen begleitet würden. Es bestehe seitens des Spitals S.____ das Angebot einer ambulanten psychologischen Betreuung zur Unterstützung der Schmerzver- arbeitung. Die Patientin lehne eine solche Behandlun g jedoch ab. Dr. med. T.____, Oberärztin der Orthopädischen Klinik des Spitals P.____, hält in i hrem Bericht vom 28. Februar 2005 fest, dass die Patientin berichtet habe, dass sie bei einem Psych iater vorstellig geworden sei. Dieser habe ihr aber mitgeteilt, dass sie nicht psychisch krank s ei und weitere Behandlungen nicht notwendig seien. Gleichzeitig berichte die Patientin aber über eine depressive Entwicklung seit 2001, ausgehend von der Schmerzsymptomatik. Dr. T.____ hält weiter fest, dass dringend eine regelmässige und längerdauernde psychotherapeutische Behandlung durchgeführt werden soll- te, um der Patientin Hilfestellung zur Schmerzverarbei tung zu leisten und Entspannungstechni- ken etc. zu vermitteln. Es bestehe weiterhin eine 50 %-i ge Arbeitsfähigkeit in der jetzigen Tätig- keit. 12.4.3 Schliesslich geht auch aus den Berichten und Stel lungnahmen von Dr. C.____ hervor, dass der psychische Gesundheitsschaden sich schon früh manifestiert und auf die Funktionsfä- higkeit der Klägerin ausgewirkt hat. Dr. C.____ hat d ie Klägerin seit März 2002 als Hausarzt betreut und regelmässig zum Verlauf der gesundheitliche n Beschwerden Stellung genommen. Anlässlich seiner ärztlichen Zwischenberichte vom 5. April 2003, 2. Juli 2003, 12. August 2003 und 3. Oktober 2003 bestätigt er in Übereinstimmung m it Dr. N.____ und den weiteren behan- delnden Ärzten, dass neben dem körperlichen Befund eine Somatisierungstendenz bestehe und die psychische Schmerzverarbeitung gestört sei. Es handle sich um eine Ausbreitungs- und Somatisierungstendenz bei ängstlich-depressiver Grundstimmu ng. In Bezug auf die Arbeitsfä- higkeit hält er fest, dass ab 4. März 2003 eine Arbeitsu nfähigkeit von 100 %, seit 12. Mai 2003 eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit mit einzelnen Tagen von 100 %-iger Arbeitsunfähigkeit, ab 11. August 2003 eine 50 % Arbeitsunfähigkeit und ab d em 10. September 2003 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Ebenfalls geht aus seinen Berichten hervor, dass er der Klägerin Surmontil verschrieben hat. Im ärztlichen Zwisch enbericht vom 1. Juli 2004 diagnosti- ziert Dr. C.____ ein Quetschtrauma rechter Zeigefinger , ein Schulter-Armsyndrom rechts und eine Somatisierung und Chronifizierung. Es handle sich um eine pathologische psychische Ver- arbeitung/Somatisierung. In den Angaben zur medikamen tösen Behandlung listet er unter an- derem Cipralex auf. Die Patientin sei für eine Schmerzg ruppe der psychiatrischen Klinik F.____ angemeldet. Ab März 2004 bestehe eine 100 %-ige Arbei tsunfähigkeit. Mit Bericht vom 21. Ok- tober 2005 führt er aus, dass das chronische Schmerzerleben zu einer depressiven Entwicklung und ungünstigen Verarbeitung geführt habe. Die Patie ntin beklage sich über Nervosität, Schlaf- losigkeit, Lustlosigkeit, fehlende Kraft sowie vegetative Symptome wie Schwitzen, Zittern etc. Er habe die Patientin aus diesem Grund während zwei Jahre n mit einem Antidepressivum behan- delt und als Notfallmedikation Lexotanil abgegeben. Im April/Mai 2004 habe er sie in die psy- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht chiatrische Klinik F.____ zu einer psychiatrischen Behandlun g und Abklärung geschickt. Dort habe man sie in eine Schmerzgruppe integrieren wollen, was sie aber abgelehnt habe. Aus der Auflistung von Dr. C.____ vom 17. September 2011 geht schliesslich hervor, dass die Schmerzproblematik von April 2005 bis August 2005 im Vo rdergrund gestanden sei. Ein de- pressiver Hintergrund habe aber schon längere Zeit bestan den, weshalb er der Patientin ab Juni 2004 Cipralex verordnet habe. Dazu habe sie noch Lexotanil nach Bedarf eingenommen. 12.4.4 Die Einschätzung von Dr. C.____, dass die Kläger in seit längerer Zeit psychisch krank ist, wird nicht zuletzt auch durch den Bericht der psychiatri schen Klinik I.____ vom 19. Septem- ber 2007 (vgl. auch Bericht vom 11. September 2007) b estätigt. Es handelt sich dabei zwar nicht um ein echtzeitliches Dokument, darin wird aber n ach einem mehrwöchigen stationären Aufenthalt mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstö- rung (F45.5) sowie eine rezidivierende depressive Störu ng, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (F33.30), DD: Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis (F2) seit 2001 diagnostiziert. 12.5 Gestützt auf diese echtzeitlichen Unterlagen ist mi t der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass bereits zum Zeitpunkt des Vorsorgeverhältnisses erste Anzeichen einer psychischen Fehlentwicklung in Form depre ssiver Verstimmungen und dem ersten Verdacht auf eine somatoforme Schmerzverarbeitung sstörung aufgetreten sind, die sich in der Folge verstärkt haben und letztlich zur IV-Rente geführt haben. Der psychische Befund ist klar dokumentiert, wurde diagnostiziert und während de s Vorsorgeverhältnisses auch behan- delt. 13.1 Zu prüfen bleibt, ob sich die psychischen Leiden bis Ende April 2005 im Sinne einer relevanten Arbeitsunfähigkeit bemerkbar gemacht haben. 13.2 Das Kantonsgericht hat bereits im Urteil vom 10. M ai 2012 in Erwägung 5.4 dargelegt, weshalb in Bezug auf den Beginn der invalidisierenden A rbeitsunfähigkeit nicht auf die Beurtei- lungen von Dr. G.____ und pract. med. H.____ abgeste llt werden kann. Die Einschätzung von Dr. G.____, dass ab Sommer 2005 eine 20 %-ige Einschrän kung in der Arbeitsfähigkeit ange- nommen werden könne, beruht offensichtlich auf einem Ir rtum. Denn die Behandlung in der psychiatrischen Klinik F.____ hat nicht erst am 31. August 2 005 begonnen, sondern bereits am 26. Mai 2004. Es gibt keinen Grund, diese beiden Behan dlungsphasen unterschiedlich zu ge- wichten, denn sowohl im Jahr 2004 als auch im Jahr 2005 wurde der Klägerin der Besuch einer Schmerzgruppe empfohlen. Hinzu kommt, dass sowohl Dr. G.____ als auch pract. med. H.____ in ihren Beurteilungen zur Auffassung gelangt sind, da ss die Klägerin seit langer Zeit psychisch krank sei. Aus diesem Grund ist nicht schlüssig nachvollziehbar, weshalb sie den Beginn der Arbeitsunfähigkeit erst per 31. August 2005 festgeleg t haben. Pract. med. H.____ hält sodann auch mit Stellungnahme vom 11. August 2011 am Begin n der Arbeitsunfähigkeit im August 2005 fest und verweist auf das Verlaufsprotokoll über d ie Behandlung in der psychiatrischen Klinik F.____ ab August 2005. Darin sei festgehalten wo rden, dass zu Beginn der Behandlung das Rentenbegehren im Vordergrund gestanden und die M itwirkung bei den Therapien durch mangelnde Motivation geprägt gewesen sei. Die Verlaufsp rotokolleinträge würden kein Bild ei- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner schwer depressiven Patientin zeichnen. Aus diesem Gr und könne der Leidensdruck auf- grund der psychischen Einschränkung nicht gross gewesen sei n und eine vorher bestehende Arbeitsunfähigkeit sei daraus nicht abzuleiten. In Anbetracht seiner eigenen Beurteilung anläss- lich der Verlaufsuntersuchung vom 5. Mai 2010, worin er selbst festhält, dass sich der Verlauf der Krankheit bei der Klägerin durch eine fluktuieren de depressive Symptomatik auszeichne und eine psychiatrische Behandlung dringend vor 2004 ber eits hätte erfolgen müssen, vermö- gen diese Ausführungen nicht zu überzeugen. 13.3 In Anbetracht dieser Umstände erscheint als sachger echt, auf die echtzeitlichen ärztli- chen Einschätzungen von Dr. C.____ abzustellen (vgl. auch seine Liste vom 17. September 2011). Die Beklagte legt nicht substantiiert dar, wesha lb diese Sachverhaltsermittlung nicht kor- rekt wäre. Insbesondere bringt die Beklagte nichts vor, w as den Beweiswert der im Urteil zitier- ten ärztlichen Unterlagen in Frage stellen würde. Die höchstrichterliche Rechtsprechung sieht nicht vor, dass zur Ermittlung des engen sachlichen Zusamm enhangs ausschliesslich auf fach- ärztliche psychiatrische Einschätzungen abgestellt werden m üsste (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 18. März 2009, 9C_1035/2008, 3.2). Das psychische Leiden hat sich bereits im Zeit- punkt des Vorsorgerechtsverhältnisses mit der Beklagten mani festiert und das Krankheitsge- schehen (sowohl die somatoforme Schmerzstörung als auch ein depressives Geschehen) er- kennbar mitgeprägt. Die somatischen Beschwerden haben ab Oktober 2003 die Arbeitsfähigkeit der Klägerin nicht mehr weiter beeinflusst. Soweit die vorgenannten Ärzte eine Arbeitsunfähig- keit ab diesem Datum bescheinigt haben, ist dies mit üb erwiegender Wahrscheinlichkeit auf die psychische Problematik zurückzuführen. Es handelt sich vorlie gend nicht um einen Fall, bei dem erst Jahre später eine psychische Symptomatik in den V ordergrund getreten wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2006, B 73/05). Die psychisch e Dekompensation ist bereits während des Vorsorgeverhältnisses eingetreten und hat si ch auf die Arbeitsfähigkeit ausge- wirkt. 14. Alles in allem führt das Gesagte zum Schluss, dass die anspruchsbegründende sachli- che Konnexität zwischen der bis April 2005 attestierten A rbeitsunfähigkeit und dem zur Invalidi- tät führenden Gesundheitsschaden gegeben ist. Im Lichte der materiellen Sach- und Rechtsla- ge ist die Beklagte leistungspflichtig. Soweit im IV-Ve rfahren ein Invaliditätsgrad von 52 % er- mittelt wurde, wird dies von der Beklagten nicht bestrit ten, weshalb darauf verwiesen wird. So- mit steht der Klägerin gestützt auf Art. 24 Abs. 1 lit. c BVG eine halbe Rente zu. Anhang C des Vorsorgereglements sieht vor, dass bei Invalidität die j ährliche Vollinvalidenrente 60 % des ver- sicherten Lohnes beträgt. Gemäss Ausweis über die Vorsorgel eistungen der Klägerin per 1. September 2001 beträgt die ganze Invalidenrente Fr. 1 5‘003.-- pro Jahr. Dies bedeutet, dass die halbe Invalidenrente Fr. 7‘501.50 beträgt, was pro Monat einen Betrag von Fr. 625.10 ergibt. In Bezug auf den Rentenbeginn verweist Art. 26 Abs. 1 B VG auf das IVG. Es gilt aber Art. 20 Abs. 4 des Vorsorgereglements zu beachten, der vorsieht, dass der Anspruch frühestens mit dem Wegfall des Lohnanspruchs bzw. nach Erlöschen eines Lo hnersatzanspruches beginnt. Somit hat die Klägerin – vorbehältlich des Lohnanspruch es und/oder der Ausrichtung des Lohnersatzes, der den Beginn der Rentenauszahlung hinau sschieben würde – Anspruch auf eine Invalidenrente ab 1. Oktober 2003. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15. Art. 14 Abs. 1 der Verordnung über die berufliche Alters, Hinterlassenen- und Invaliden- vorsorge (BVV 2) vom 18. April 1984 sieht vor, dass die Vorsorgeeinrichtung das Alterskonto einer invaliden Person, der sie eine Rente ausrichtet, für den Fall eines Wiedereintritts in das Erwerbsleben bis zum Rentenalter weiterzuführen hat. A rt. 22 des Vorsorgereglements sieht vor, dass bei Invalidität mit dem Anspruch auf eine Invali denrente die Befreiung von den Beiträ- gen eintritt. Die Befreiung wird gewährt, solange di e Invalidität besteht, längstens jedoch bis zum Rücktrittsalter. Die Beklagte ist daher verpflichtet, wie von der Klägerin beantragt, diese ab Rentenbeginn von der Beitragspflicht für die Sparbeiträge an das Altersguthaben zu befreien. 16. Art. 21 des Vorsorgereglements der Beklagten, gülti g ab 1. Januar 2001, sieht vor, dass eine versicherte Person, der eine Invalidenrente zusteht, für jedes Kind, das im Falle seines Tods eine Waisenrente beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Invalidenkinderrente hat. Die Bestimmungen über die Waisenrente gelten analog. Absa tz 2 verweist für die Höhe der jährli- chen Invaliden-Kinderrente auf Anhang C des Reglement s. Dort wird festgehalten, dass die jährliche Invaliden-Kinderrente 20 % der Invalidenrent e beträgt. Wie in Erwägung 14 hiervor dargelegt, besteht Anspruch auf eine halbe IV-Rente in der Höhe von Fr. 625.10 pro Monat. Damit beträgt die Invalidenkinderrente Fr. 125.05 pro Kind und Monat, wie von der Klägerin substantiiert darlegt (vgl. auch Ausweis über die Vorsorg eleistungen der Klägerin per 1. Sep- tember 2001). 17.1 Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG ist das Verfahren vor d en kantonalen Versicherungsgerich- ten in der Regel kostenlos. Es sind deshalb keine Verfahrenskosten zu erheben. 17.2 Die Klägerin ist mit ihrem Leistungsbegehren durch gedrungen und hat demgemäss An- spruch auf eine Parteientschädigung zulasten der Beklagte n (vgl. § 21 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung vom 16. Dezember 1993). Die Rechtsvertreterin der Klägerin hat in ihrer Honorarnote vom 26. September 2014 für das vorliegende Klageverfah- ren einen Zeitaufwand von 15.75 Stunden ausgewiesen, was umfangmässig angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstan den ist. Dasselbe gilt für die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen. Die Beklagte hat dem Kläger demnach bei einem Stun- denansatz von Fr. 250.-- eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘910.60 (inkl. Auslagen und 8 % MwSt.) zu bezahlen. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird gutgeheissen und die Beklagte ve rpflichtet, der Klägerin – vorbehältlich der Ausrichtung eines Lohnanspruchs und/od er eines Lohnersatzanspruches – rückwirkend ab 1. Oktober 2003 en tspre- chend einem Invaliditätsgrad von 52 % eine Rente von mo natlich Fr. 625.15 sowie die dazugehörenden Kinderrenten von j e Fr. 125.05 auszurichten zuzüglich Verzugszins von 5 % seit 27. September 2013. 2. Die Beklagte wird verpflichtet, die Klägerin ab R entenbeginn von der Beitragspflicht für die Sparbeiträge an das Altersguthaben zu befreien. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Beklagte hat der Klägerin eine Parteientschäd igung in der Höhe von Fr. 4‘910.60 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht