Handelsgericht des Kantons Zürich Geschäfts-Nr.: HG180220-O U/ei Mitwirkend: Oberrichter Roland Schmid, Präsident, und Ersatzoberrichterin Franziska Egloff, die Handelsrichter Dr. Thomas Lörtscher, Thomas Klein und Dr. Felix Graber sowie der Gerichtsschreiber Dr. Benjamin Büchler Urteil vom 16. Mai 2019 in Sachen A._____, Kläger gegen B._____ C._____ D._____ AG, Beklagte vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____ betreffend Herausgabe - 2 - Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2) "Lic. iur. X1._____ habe das bei B._____ C._____ D._____ AG hinter- legte Rücktrittsschreiben von E._____, unrechtmässiger Komplementär der Kommanditgesellschaft F.________, E'._____ & C., … [Adresse], an A._____, Kommanditär der oben genannten Kommanditgesell- schaft, herauszugeben, zwecks Löschung von E._____ und Neueintra- gung von A._____ als Komplementär im Handelsregisteramt Zürich, al- les unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten." Sachverhalt und Verfahren A. Sachverhaltsübersicht a. Parteien und ihre Stellung Der Kläger ist Komman ditär der Kommanditgesellschaft F.________, E'._____ & Co. (fortan Kommanditgesellschaft), deren Zweck in der Verwaltung und Nutzung eigener Liegenschaften, insbesondere der Liegenschaft F.________ am … [Adresse] in Zürich, besteht. Die Beklagte ist eine i m 2008 im Handelsr e- gister als Aktiengesellschaft eingetragene Anwaltskanzlei (act. 10/1). b. Prozessgegenstand Der Kläger klagt auf Herausgabe eines im Jahre 2004 bei Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, Partner der nachmaligen Beklagten, hinterlegten undatierten Rück- trittsschreibens von E._____, seit 2004 Komplementär der Kommanditgesel l- schaft. B. Prozessverlauf Am 21. November 2018 reichte der Kläger die Klage hierorts ein (act. 1). Nach fristgerechtem Eingang des ihm mit Verfügung vom 2 3. November 2018 (act. 3) auferlegten Kostenvorschuss es wurde der Beklagten mit Verfügung vom 28. November 2018 (act. 6) Frist zur Erstattung der Klageantwort angesetzt , wel- che am 10. Dezember 2018 (act. 9) einging. Am 21. Januar 2019 reichte der Kl ä-- 3 - ger unaufgefordert ei ne als Beweisantrag bezeichnete Eingabe (act. 13) ein, die der Beklagten mit Verfügung vom 28. Januar 2019 (act. 14) zugestellt wurde. Mit Eingabe vom 30. Januar 2019 (act. 17) ersuchte die Beklagte um Durchführung des zweiten Schriftenwechsels , welcher mi t Verfügung vom 18. Februar 2019 (act. 18) angeordnet wurde. Die Replik datiert vom 22. Februar 2019 (act. 22). Mit Eingabe vom 24. Februar 2019 (act. 24) verzichtete die Beklagte auf Erstattung der Duplik und hielt an ihren Ausführungen in der Klageantwor t fest. Zugleich ver- zichtete sie – unter Vorbehalt eines Beweisverfahrens – auf Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung. Desgleichen verzichtete der Kläger mit Eingabe vom 11. März 2019 (act. 27) fristgerecht auf Durchführung der Hauptverhandlung. Das Verfahren erweist sich als spruchreif, weshalb ein Urteil zu ergehen hat (Art. 236 Abs. 1 ZPO). Erwägungen 1. Formelles Die örtliche Zuständigkeit ist unbestritten. Die sachliche Zuständigkeit ( Art. 6 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG) setzt einen CHF 30'000 übersteigenden Streitwert vo- raus. Die Beklagte stellt vorsorglich einen Nichteintretensantrag mit der Begrün- dung, der Kläger habe den Streitwert im Schli chtungsverfahren als "unter CHF 30'000" bezeichnet (act. 9 Rz. 5). Lautet das Rechtsbegehren, wie vorli e- gend, nicht auf eine bestimmte Geldsumme, so setzt das Gericht den Streitwert fest, sofern sich die Parteien nicht darüber einigen oder ihre Angaben offensicht- lich unrichtig sind (Art. 91 Abs. 2 ZPO). Der Kläger führt mit Replik aus, dass er mit der Klage auf Herausgabe des Rücktrittschreibens seine Einsetzung als Kom- plementär der Kommanditgesellschaft bezwecke. Da jedem Komplementär für dessen Bemühungen während der maximal zwölf Jahre dauernden Amtszeit eine jährliche Entschädigung von CHF 15'000 zu stehe (act. 21/2), belaufe sich das I n- teresse des Klägers nach Abzug von Steuern und Ausgaben netto auf ca. CHF 100'000 (act. 20 S. 3). Dem widersprach die Beklagte mit Eingabe vom 6. März 2019 (act. 24) unter Verweis auf ihre Ausführungen mit Klageantwort - 4 - nicht. Die vom Kläger angeführten Kriterien der Amtsdauer und jährlichen Ent- schädigung werden durch die Akten gestützt (act. 2/2 Ziff. 12, act. 21/2) . Der Streitwert ist daher anhand der genannten Kriterien ermessensweise auf CHF 100'000 festzusetzen. Nachdem auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten (Art. 59 Abs. 1 ZPO). 2. Anspruch auf Herausgabe des Rücktrittsschreibens 2.1. Unbestrittener Sachverhalt Der Kläger ist Mitglied der Personengruppe E'._____, die zusammen mit der Personengruppe G.________ die eingangs erwähnte Kommanditgesellschaft bil- det. Die rund 20 Mitglieder der beiden Personengruppen (E'._____ und G.________) sind die Gesellschafter der Kommanditgesellschaft und die Eigen- tümer der von dieser verwalteten Liegenschaften. Die beiden Personengruppen stellen je einen Komplementär (Art. 5 des Gesellschaftsvertrags der Kommandit- gesellschaft von 1991, act. 2/3). Bis Ende Mai 2004 war H._____, wie der Kläger Mitglied der Personengru p- pe E'._____, Komplementärin (act. 2/4). Ihr Nachfolger als Komplementär aus den Reihen der Gesellschafter der Personengruppe E'._____ ist E._____, der dementsprechend seit Ende Mai 2004 als Komplementär der Kommanditgesel l- schaft im Handelsregister eingetragen (act. 2/4). H._____ übersandte mit Schreiben vom 17. März 2004 (act. 10/4) ein unda- tiertes Rücktrittsschreiben von E._____ zur Aufbewahrung an Rechtsanwalt X1._____, Partner der zum damaligen Zeitpunkt noch nicht als AG auftretenden Anwaltskanzlei B._____ C._____ (&) D._____. Es ist unbestritten, dass zwischen H._____ und Rechtsanwalt X1._____ in den Jahren 2002 bis 2008 ein Mandatsverhältnis bestand und H._____ ihm ge- genüber folglich weisungsbefugt ist (act. 20 S. 7 letzter Absatz). Ebenso ist unbe- stritten, dass zwischen Rechtsanwalt X1._____ resp. der Beklagten und dem Kl ä- ger kein Mandatsverhältnis bestand oder besteht (act. 20 S. 5 zu Nr. 11). Recht s- anwalt X1._____ ist gemäss übereinstimmender Darstellung der Parteien sodann - 5 - nicht Mitglied der Kommanditgesellschaft und dementsprechend nicht Vertrags- partei der internen Vereinbarung der Gruppe E '._____ von 1976 (act. 2/2), der "neuen" internen Vereinbarung der Gruppe E'._____ von 2004 (act. 2/6) oder des Gesellschaftsvertrags der Kommanditgesellschaft von 1991 (act. 2/3 ; act. 9 Rz 17; act. 20 S. 8 zu Nr. 17). Ziff. 11 der internen Vereinbarung der Gruppe E '._____ von 1976 ( "Verein- barung von 1976", act. 2/2 S. 4) sieht vor, dass der Komplementär der Gruppe j e- derzeit durch Mehrheitsbeschluss der stimmberechtigten Personen (Stämme) ab- berufen werden könne und dass der Komplementär zwecks Erleichterung der mit einem Rücktritt verbundenen Formalitäten eine blanko unterzeichnete Rücktritt s- erklärung an das zuständige Handelsregisteramt bei einem unabhängigen Dritten deponiere. Eine analoge Bestimmung betreffend Hinterlegung eines undatierten Rücktrittsschreibens durch den Komplementär der Gruppe E '._____ findet sich auch in der Vereinbarung von 2004 (act. 2/6 S. 5). 2.2. Parteistandpunkte a) Der Kläger leitet einen vertraglichen Anspruch auf Herausgabe des von H._____ hinterlegten Rücktrittsschreibens aus seiner Mitgliedschaft in der " einfa- chen Gesellschaft Gruppe E'._____" ab, der, wie erwogen, auch die Hinterlegerin H._____ angehört (act. 1 S. 3 und 5). Vertragsparteien des im März 2004 erteilten Auftrags zur Aufbewahrung des Rücktrittschreibens seien auf der einen Seite die einfache Gesellschaft Gruppe E'._____ gemäss Vereinbarung 1976 (act. 20 S. 8 , resp. die "Erben I._____ ", act. 20 S. 5 und 7), und auf der anderen Seite die Beklagte, vertreten durch die Rechtsanwälte X2._____ und X1._____ (act. 20 S. 2, S. 8 zu Nr. 17; act. 2/2). Es sei zu unterscheiden zwischen dem Auftrag von H._____ an RA X1._____ be- treffend Aufbewahrung des Rücktrittsschreibens einerseits und deren Auftrag an RA X1._____ zur Ausarbeitung der internen Vereinbarung von 2004 andererseits (act. 20 S. 9). - 6 - Daraus, dass die scheidende Komplementärin der Personengruppe E'._____, H._____ – resp. an anderer Stelle: E._____ (act. 1 S.3, act. 20 S. 2) – das Rücktrittschreiben hinterlegt habe, folge, dass auch der Kläger als Mitglied der gleichen Personengruppe E'._____ weisungs- und herausgabeberechtigt g e- genüber Rechtsanwalt X1._____ sei, "real seit 2016" (act. 20 S. 2 Mitte, S. 8 zu Nr. 17). Insofern sei dieser ihm gegenüber verpflichtet (act. 20 S. 8, erster A b- satz). Weiter führt der Kläger aus, dass er als einziger Gesellschafter aus den Rei- hen der Gruppe E '._____ die Anforderungen an einen Komplementär gemäss Gesellschaftsvertrag der Kommanditgesellschaft von 1991 und Vereinbarung der Gruppe E'._____ von 1976 erfül le, E._____ sich indes trotz Ablaufs der auf m a- ximal zwölf Jahre begrenzten Amtszeit als Komplementär ( Art. 12 der Vereinba- rung von 1976) weigere, zurückzutreten (act. 1 S. 3, act. 20 S. 2, S. 6 ). Daher ha- be er Anspruch auf das Rücktrittsschreiben, solange seitens der Beklagten nicht nachgewiesen sei, dass die Vereinbarung von 1976 nicht mehr gelte (act. 2 0 S. 2 sowie S. 8 zu Nr. 17: Anspruch auf Herausgabe "real seit 2016"). b) Die Beklagte hält dem entgegen, dass Rechtsanwalt X1._____, Partner der erst seit 2008 als AG auftretenden Kanzlei B._____ C._____ (&) D._____ , in den Jahren 2002 bis 2008 H._____ beraten habe (act. 9 Rz. 9). Zwar richte der Kläger die Klage gegen die Beklagte, doch ergebe sich aus dem eingangs wiedergege- benen Rechtsbegehren, dass der Kläger eine Handlung von RA X1._____ verlan- ge. Der Beklagten mangle es daher von vornherein an der Passivlegitimation. RA X1._____ habe das streitgegenständliche Rücktrittsschreiben als Anwalt (einzig) von H._____, mithin nicht als Anwalt (auch) des Klägers oder des Famil i- enstamms, dem der Kläger angehör e, erhalten. Weisungs- und herausgabebe- rechtigt gegenüber RA X1._____ sei daher allein H._____ (act. 9 Rz. 11 ff.). RA X1._____ habe die Rücktrittserklärung nicht im Rahmen der Vereinbarung von 1976 oder des Gesellschaftsvertrags von 1991 erhalten. Er habe vor dem Schrei- ben von H._____ vom 17. Mär z 2004 keine Rücktrittserklärung beses sen (act. 9 Rz. 16), noch habe er das Rücktrittsschreiben von E._____ direkt erhalten (act. 9 Rz. 20). - 7 - 2.3. Passivlegitimation a) Nach den allgemeinen Beweislastregeln ist der Kläger für den Bestand eines vertraglichen Anspruchs auf Herausgabe des Rücktrittsschreibens an ihn behaup- tungs- und beweisbelastet. Der Kläger richtet seine Klage klarerweise gegen die beklagtische Anwalts-Aktiengesellschaft (act. 1; act. 13, act. 20) . Das Rechtsbe- gehren gemäss Klageschrift lautet demgegenüber auf Verpflichtung von Recht s- anwalt X1._____ zu einem Tun. Zum Widerspruch zwischen beklagter Person einserseits und Verpflichtung von Rechtsanwalt X1._____ zu einem Tun gemäss Formulierung im Rechtsbe- gehren andererseits hält der Kläger mit Replik fest (act. 20 S. 8 zu Nr. 17): "Herr X1._____ ist nicht Vertragspartei irgendwelcher Verträge, sondern wie bereits geschrieben, sind die Vertragsparteien die Gruppe Erben I._____ und B._____ C._____ D._____ AG, vertreten von X2._____ und X1._____ bez. des 2004 ange- nommenen Auftrags, das Rücktrittscheiben zeitlich aufzubewahren." Sowie in Stellungnahme zum Einwand der fehlenden Passivlegitimation der Beklagten (act. 20 S. 5 zu Nr. 10): "Dazu ist zu sagen, dass offensichtlich dazu gemeint war Herr X1._____ als Vertreter von damals noch B._____ C._____ & D._____ , jetzt B._____ C._____ D._____ AG. Die angebliche Passivlegitimation ergibt sich daraus nicht, […]. " Der Kläger änderte das Rechtsbegehren – ungeachtet seiner obigen Au s- führungen – mit zweiter Rechtsschrift (act. 20) nicht. Im Rahmen der Dispositionsmaxime (Art. 58 Abs. 1 ZPO) obliegt es aus- schliesslich den Parteien, ihre Rechtsbegehren zu formulieren. Diese Rechtsbe- gehren sind für das Gericht grundsätzlich bindend. Ein Rechtsbegehren muss so bestimmt sein, dass es bei Gutheissung der Klage zum Dispositiv gemacht wer- den kann. Ist ein Rechtsbegehren unklar, widersprüchlich, unbestimmt oder of- fensichtlich unvollständig, ist e s nach dem Grundsatz von Treu und Glauben und dem Verbot des überspitzten Formalismus im Lichte der Klagebegründung auszu- legen. Dabei ist nicht nur auf den Wortlaut des Begehrens, sondern auch auf die - 8 - Klagebegründung abzustellen (Art. 52 ZPO; L EUENBERGER in: SUTTER- SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER, Kommentar zur Schweizerischen Zivilpr o- zessordnung, 3. Aufl., Zürich 2016, N 38 f. zu Art. 221 ZPO; BGE 137 III 617 E. 6.2; Urteile des Bundesgerichts 4A_618/2017 vom 11. Januar 2018 E. 4 m.w.H. und 4A_265/2017 vom 13. Februar 2018 E. 6 sowie 4A_375/ 2015 E. 7.1.). Eine Auslegung des Rechtsbegehrens im Lichte der Klagebegründung resp. der zitierten Ausführungen des anwaltlich nicht vertretenen Klägers ergibt, dass der Kläger mit vorliegender Klage die Verpflichtung der Beklagten, vertreten durch Rechtsanwalt X1._____, zu einem Tun verlangt. b) Die Zustellung des Rücktrittsschreibens E._____ an Rechtsanwalt X1._____ zur sicheren Aufbewahrung erfolgte, wie erwogen, mit Schreiben von H._____ vom 17. März 2004 (act. 10/4), mithin zu einem Zeitpunkt rund vier Jahre vor der Eintragung der Beklagten ins Handelsregister (act. 10/1). Daraus erhellt ohne Weiteres, dass die Beklagte nicht die ursprüngliche Vertragspartei des Auftrags (oder Hinterlegungsvertrags) betreffend die sichere Aufbewahrung des Rücktritt s- schreibens sein kann. Aus dem Umstand, dass Rechtsanwalt X1._____ nach Eintragung der B e- klagten i m Handelsregister im Jahre 2008 kollektivzeichnungsberechtigtes Mi t- glied des Verwaltungsrats der Anwalts-Aktiengesellschaft wurde, ergibt sich kein Wechsel der Vertragspartei resp. kein Übergang allfälliger vo n Rechtsanwalt X1._____ im Jahre 2004 gegenüber Dritten eingegangenen vertraglichen Pflic h- ten auf die Beklagte. Für den Wechsel der Vertragspartei von Rechtsanwalt X1._____ zur Beklagten fehlen vorliegend jegliche Anhaltspunkte resp. Vorbri n- gen des Klägers, der nach den allgemeinen Beweisregeln hierfür behauptungs- und beweisbelastet ist, zumal er Rechte aus der Änderung der Parteistellung be- hauptet. Damit fehlt es der Beklagten an der Passivlegitimation, was zur Klageabwei- sung führt. - 9 - 2.4. Aktivlegitimation Im Übrigen wäre der Kläger auch nicht aktivlegitimiert, die Herausgabe des Rücktrittsschreibens an ihn allein zu verlangen. Wie eingangs erwogen, bestand und besteht unstreitig kein Mandatsverhältnis zwischen dem Kläger und der B e- klagten. Der Kläger begründet das Bestehen eines vertraglichen Anspruchs auf Herausgabe an ihn ausschliesslich mit seine r Mitgliedschaft in derselben Perso- nengruppe E'._____, der auch die das Rücktrittsschreiben hinterlegende Gesel l- schafterin H._____ angehört. Die der Personengruppe E '._____ angehörenden Gesellschafter der Kom- manditgesellschaft haben mittels "interner Vereinbarung" von 1976 (ebenso von 2004, act. 2/6 S. 3) u.a. die Ausübung ihrer Stimmrechte und ihre Vertretung zwecks eines effektiven Auftretens gegenüber den Gesellschaftern der Pers o- nengruppe G.________ vertraglich geregelt. Der Schwerpunkt des gemeinsam verfolgten Zwecks besteht darin, das von den Gesellschaftern im Rahmen der Kommanditgesellschaft gehaltene Vermögen möglichst wirkungsvoll zu verwalten. Es ist vom Vorliegen einer einfachen Gesellschaft auszugehen (Art. 530 Abs. 1 OR). Eine Berechtigung Dritter aus dem Handeln von H._____ gegenüber Rechtsanwalt X1._____ würde voraussetzen, dass diese das Rücktrittsschreiben als direkte Stellver treterin in fremdem Namen, d.h. im Namen der Gesellschaft (Gruppe E'._____) bzw. sämtlicher Gesellschafter, an Rechtsanwalt X1._____ übergeben hätte. Diesfalls würden die Vertretenen dem Dritten gegenüber ins o- weit berechtigt und verpflichtet, als es die Bestimmungen über die Stellvertretung mit sich bringen (Art. 543 Abs. 2 OR). Ob durch das Handeln von H._____ nur diese selbst (Art. 543 Abs. 1 OR) oder die Gesellschaftergesamtheit – oder ein Teil der Gesellschafter – berechtigt (und verpflichtet) wurde, ist durch Auslegung ihres Erklärungsverhaltens zu ermitteln. Das Schreiben von H._____ vom 17. März 2004, mit welchem sie das Rück- trittsschreiben zur Aufbewahrung übersandte, lautet wie folgt (act. 10/4): "KG F.________, Group "Erben I._____" - 10 - Dear Mr X1._____ Please find enclosed an undated letter of resignation signed by E._____ for safe kee- ping. To comply with our internal agreement this document may only be handed out when petitioned for by more than 50% of the vote. […] To date, the following persons have signed the new agreement: [….]" Gemäss Wortlaut des Schreibens ("to comply with our internal agreement"; "the following persons have signed the new agreement") stand die Hinterlegung des Rücktrittsschreibens in direktem Zusammenhang mit dem Mandatsverhältnis zwischen H._____ und Rechtsanwalt X1._____, im Rahmen dessen H._____ eine neue interne Vereinbarung der Personengruppe E'._____ (Vereinbarung von 2004, act. 2/6) ausarbeiten liess, wie auch der Kläger ausführt (act. 20 S. 9). Dies spricht für ein Handeln der Verfasserin des Schreibens in eigenem Namen im Rahmen ihres Mandatsverhältnisses mit Rechtsanwalt X1._____. Die von H._____ erteilte Instruktion, wonach Rechtsanwalt X1._____ das Rücktrittsschrei- ben nur bei Aufforderung durch eine Stimmenmehrheit der Gesellschafter ausz u- händigen ermächtigt sei, steht dem nicht entgegen. Wollte man - mit dem Kläger - davon ausgehen, dass H._____ das Rück- trittsschreiben im Rahmen eines gesonder t zu betrachtenden (Hinterlegungs- )Vertrags, unabhängig von ihrem seit 2002 bestehenden Mandatsverhältnis mit Rechtsanwalt X1._____, in direkter Vertretung der Personengruppe E'._____ an Rechtsanwalt X1._____ zur sicheren Aufbewahrung übergab, so würden die übr i- gen Gesellschafter dem Dritten (RA X1._____) gegenüber, wie dargelegt, nur in- soweit berechtigt, als es die Bestimmungen über die Stellvertretung mit sich bri n- gen (Art. 543 Abs. 2 OR). In Vertretung der Gruppe E '._____ ermächtigte sie Rechtsanwalt X1._____ gemäss klarem Wortlaut ihres Instruktionsschreibens vom 17. März 2004 (act. 10/4) zur Herausgabe des Rücktrittsschreibens des Komplementärs E._____ auf Verlangen einer Stimmenmehrheit der Gruppe E'._____, nicht aber zur jederzeitigen Herausgabe an ein einzelnes Mitglied. Dies steht im Übrigen im Einklang mit der vom Kläger als nach wie vor gültig eracht e- ten Vereinbarung 1976, wonach der Komplementär der Gruppe E '._____ durch - 11 - Mehrheitsbeschluss jederzeit abberufen werden könne und das hinterlegte Rüc k- trittsschreiben einzig der Erleichterung der Formalitäten in Zusammenhang mit dem Rücktritt diene (vgl. act. 2/2 Ziff. 11). Eine andere Instruktion, die Rechtsan- walt X1._____ von der Personengruppe E '._____ - vertreten durch H._____ - bei der Hinterlegung erteilt worden wäre, ist nicht ersichtlich und wird nicht behauptet. Damit würde es vorliegend - auch unter Zugrundelegung einer Hinterlegung des Schreibens durch H._____ als direkte Stellvertreterin der Gesellschafter der Personengruppe E'._____ – an der Berechtigung des Klägers fehlen, die Heraus- gabe des Rücktrittsschreibens zu verlangen. Soweit der Kläger einen Anspruch auf Herausgabe aus der internen Verein- barung der Personengruppe E '._____ von 1976 (act. 2/2) , insbesondere Ziff. 12, ableiten wollte resp. daraus , das s er nach seinem Dafürhalten als einziges Mi t- glied der Personengruppe E'._____ die Anforderungen als neuer Komplementär erfülle (act. 2/2), verkennt er, dass Rechtsanwalt X1._____ resp. die Beklagte un- streitig nicht Mitglied der Vereinbarung oder des Gesellschaftsvertrags sind und sich aus den genannten Gesellschaftsverträgen kein Anspruch auf Herausgabe des Rücktrittsschreibens gegenüber Rechtsanwalt X1._____ oder aber der B e- klagten ableiten lässt. 2.5. Fazit Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sowohl ein Anspruch des Klägers auf Herausgabe des bei Rechtsanwalt X1._____ hinterlegten Rücktrittsschreibens E._____ an den Kläger als auch die Passivlegitimation der Beklagten zu vernei- nen sind. Dies führt zur Abweisung der Klage. 3. Kosten- und Entschädigungsfolgen 3.1. Gerichtskosten Ausgangsgemäss wird der Kläger kosten- und entschädigungspflichtig. Die Festsetzung der Gerichtsgebühr richtet sich in erst er Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Ausgehend von einem solchen von CHF 100'000 re-- 12 - sultiert eine ordentliche Gerichtsgebühr von CHF 8'750, die ausgangsgemäss dem Kläger aufzuerlegen ist (Art. 106 Abs. 1 ZPO). 3.2. Umtriebsentschädigung Vertritt ein Anwalt als Organ oder Angestellter eine juristische Person, so vorliegend die beklagte Anwalts-Aktiengesellschaft, so wird dieser nicht der nor- male Anwaltstarif gemäss Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO zugesprochen, sondern eine Umtriebsentschädigung ex aequo et bono. Entsprechend der bisherigen und wei- terhin einschlägigen Praxis ist die Entschädigung nach Anwaltstarif zu berechnen, jedoch um etwa einen Drittel zu reduzieren, da Instruktion und Verkehr mit dem Rechtsvertreter entfallen (vgl. SUTER/VON HOLZEN, in: S UTTER-SOMM/HASEN- BÖHLER/LEUENBERGER [HRSG.], Kommentar ZPO, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 95 N. 42; RÜEGG, Basler Komm. ZPO, 2. A. 2013, Art. 95 N 22) . Eine Au s- nahme hiervon (komplizierte Angelegenheit mit hohem Streitwert und hohem A r- beitsaufwand, BGE 110 V 134 E. 4c), welche die Zuspr echung einer vollen Par- teientschädigung rechtfertigen würde, liegt nicht vor. Da vorliegend keine Eini- gungsverhandlung stattfand und die Beklagte mit Eingabe vom 6. März 2019 (act. 24) auf Duplik verzichtet e, ist der Kläger in Anwendung von § 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV und der geschilderten Praxis zu verpflichten, der Beklagten eine U m- triebsentschädigung von CHF 7'300 zu bezahlen. Eine Entschädigung für das Schlichtungsverfahren vor Friedensrichter ist nicht zuzusprechen, zumal ein zum Aufwand für das vorliegende Verfahren hinzutretender zeitlicher Aufwand für Vor- bereitung und Teilnahme nicht substantiiert dargelegt wurde und eine Teilnahme beider Rechtsvertreter nicht erforderlich war. Das Handelsgericht erkennt: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 8'750.–. 3. Die Kosten werden dem Kläger auferlegt und aus dem von ihm geleisteten Kostenvorschuss bezogen. - 13 - 4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Umtriebsentschädigung in der Höhe von CHF 7'300.– zu bezahlen. 5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien. 6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit- wert beträgt CHF 100'000.–. Zürich, 16. Mai 2019 Handelsgericht des Kantons Zürich Der Präsident Roland Schmid Der Gerichtsschreiber: Dr. Benjamin Büchler