Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 11. Oktober 2016 (470 16 154) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Widerruf der amtlichen Verteidigung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien A.____, vertreten durch Advokat Alain Joset, substituiert durch Advokat Silvio Bürgi, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal, Beschwerdeführer und Beschuldigter gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin Gegenstand Widerruf der amtlichen Verteidigung Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft vom 28. Juni 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. In dem gegen A.____ geführten Strafverfahren wegen versuchter schwerer Körperve r- letzung, Drohung, Angriff (eventualiter Raufhandel), Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Hinderung einer Amtshandlung widerrief die Staatsanwaltschaft Basel - Landschaft mit Verfügung vom 28. Juni 2016 die am 4. Mai 2016 angeordnete amtliche Verte i- digung und entliess Advokat Alain Joset aus der amtlichen Verteidigung. Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. B. Gegen obgenannte Verfügung erhob der Beschuldigte, vertreten durch Advokat Alain Joset, seinerseits substituiert durch Advokat Silvio Bürgi, mit Eingabe vom 5. Juli 2016 B e- schwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, und beantragte, es sei die Verfügung vom 2 8. Juni 2016 aufzuheben und die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft anzuweisen, dem Beschuldigten im vorliegenden Strafverfahren weiterhin die amtliche Verteid i- gung mit Advokat Alain Joset zu bewilligen. Ferner sei der Beschwerde die aufschiebende Wi r- kung zu gewähren resp. die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft im Sinne einer vorsorglichen Massnahme gerichtlich anzuweisen, bis zum Eintritt der Rechtskraft der angefochtenen Verf ü- gung keine Ermittlungshandlungen vorzunehmen, welche Teilnahme - und Mitwirkungs rechte der Verteidigung des Beschuldigten tangieren würden, unter o/e -Kostenfolge zu Lasten der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft. Im Fall eines Unterliegens sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Advokat Alain Joset zu bewilligen. C. Die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft stellte mit Stellungnahme vom 13. Juli 2016 den Antrag, die Beschwerde sei unter Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdeführers abzuwe i- sen. D. Mit Eingabe vom 25. Juli 2016 nahm der Beschwerde führer replizierend Stellung zur Vernehmlassung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 13. Juli 2016. E. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft liess sich mit Eingabe vom 29. Juli 2016 dup- lizierend zur Replik des Beschwerdeführers vom 25. Juli 2016 vernehmen. F. Mit Verfügung vom 8. August 2016 erteilte der Präsident der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Basel -Landschaft der Beschwerde vom 5. Juli 2016 die aufschiebende Wirkung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formelles 1.1 Die Beschwerde ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Strafprozes s- ordnung (StPO, SR 312.0) zulässig gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechtsverletzungen, die fa lsche Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit g e- rügt werden. Da mit der Beschwerde alle Mängel des angefochtenen Entscheids geltend g e- macht werden können, verfügt die Rechtsmittelinstanz über volle Kognition ( PATRICK GUIDON, Basler Kommentar S tPO, 2. Aufl. 2014, Art. 393 N 15). Die Beschwerdefrist gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide beträgt zehn Tage, wobei die Beschwerde schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder A b- änderung der angefochtenen Verfügung hat, zur Beschwerde legitimiert. 1.2 Mit der vorliegenden Beschwerde wird die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel - Landschaft vom 28. Juni 2016 angefochten, welche ein taugliches Beschwerdeobjekt darstellt. Mit Eingabe vom 5. Juli 2016 wurde die Rechtsmittelfrist gewahrt sowie die Begründungspflicht wahrgenommen. Als Adressat der Verfügung ist der Beschwerdeführer unmittelba r in seinen Rechten betroffen und somit beschwert. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsg e- richts Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz ist gemäss § 15 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung ( EG StPO, SGS 250) ebenfalls gegeben, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Materielles 2.1 Die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft führt in ihrer Verfügung vom 28. Juni 2016 zur Begründung aus, der Beschwerdeführer sei am 20. Juni 2016 aus der Untersuchungshaft entlassen worden, womit der Grund für die amtliche Verteidigung nach Art. 132 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 130 Abs. 1 lit. a und b StPO weggefallen sei. Somit sei die amtliche Verteidigung zu widerrufen. 2.2 In seiner Beschwerde vom 5. Juli 2016 bringt der Beschwerdeführer vor, entgegen der Staatsanwaltschaft sei die notwendige Verteidigung nach wie vor gegeben. Auch nach der En t- lassung aus der Untersuchungshaft liege weiterhin ein Anwendungsfall von Art. 130 lit. a StPO vor, da die beinahe zweimonatige Haftdauer eine besondere Schutzbedürftigkeit begründet h a- be. Überdies sei ein Fall von Art. 130 lit. b StPO gegeben, zumal das Zwangsmassnahmeng e- richt einen dringenden Tatverdacht bezüglich versuchter schwerer Kör perverletzung, Drohung sowie Angriff, eventualiter Rauhandel, bejaht habe. Dem Beschwerdeführer drohe daher kon k- ret eine Strafe, welche eine notwendige Verteidigung begründe. Ferner sei er der deutschen Sprache nicht mächtig und halte sich jeweils nur vorü bergehend zu Erwerbszwecken in der Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweiz auf. Daher liege auch eine notwendige Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. c StPO vor. Zufolge notwendiger Verteidigung sei der Widerruf der amtlichen Verteidigung im Sinne von Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO zu Unrecht erfolgt. Ausserdem sei die amtliche Verteidigung gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO zu bejahen, zumal er mittellos sei. Mit replizierender Stellungnahme vom 25. Juli 2016 macht der Beschwerdeführer ergänzend geltend, in Bezug auf die notwendi ge Verteidigung gemäss Art. 130 lit. a StPO sei zu berüc k- sichtigen, dass er lediglich aufgrund der Hinterlegung einer Kaution aus der Haft entlassen wor- den sei. Ergänzend sei die notwendige Verteidigung nach Art. 130 lit. d StPO gegeben, da die Staatsanwaltschaft angesichts der Beweislage die Anklage wohl persönlich vor Gericht zu ve r- treten habe. Im Weiteren wäre es Aufgabe der Staatsanwaltschaft gewesen, der Verteidigung den beabsichtigten Widerruf der amtlichen Verteidigung unter Ansetzung einer Frist zum Nach- weis der finanziellen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers anzuzeigen. 2.3 Die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft legt mit Stellungnahme vom 13. Juli 2016 dar, aufgrund der Haftentlassung seien die Voraussetzungen der notwendigen Verteidigung nach Art. 130 lit. a StPO nicht mehr gegeben. Des Weiteren schliesse die Staatsanwaltschaft aufgrund des Sachverhalts eine Anklage beim Dreiergericht aus, womit dem Beschwerdeführer keine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr drohe und die notwendige Verteidig ung gemäss Art. 130 lit. b StPO zu verneinen sei. Da dem Beschwerdeführer im ganzen Verfahren ein Do l- metscher zur Verfügung stehe und er aufgrund seiner B-Aufenthaltsbewilligung jederzeit Wohn- sitz in der Schweiz nehmen könne, sei auch keine notwendige Vert eidigung nach Art. 130 lit. c StPO angezeigt. Schliesslich habe die Staatsanwaltschaft nicht prüfen können, ob der B e- schwerdeführer über die erforderlichen Mittel verfüge, zumal dieser seine Bedürftigkeit bis anhin nicht dargelegt habe. Mit duplizierende r Stellungnahme vom 29. Juli 2016 führt die Staatsanwaltschaft Basel - Landschaft ergänzend aus, die Voraussetzungen der notwendigen Verteidigung nach Art. 130 lit. c StPO seien vorliegend nicht erfüllt, da die Anklage beim Strafgerichtspräsidium erhoben werde, was ein persönliches Auftreten der Staatsanwaltschaft nicht notwendig mache. 2.4 In den Fällen der notwendigen Verteidigung (Art. 130 StPO) ordnet die Verfahrensle i- tung eine amtliche Verteidigung an, wenn die beschuldigte Person trotz Aufforderung de r Ver- fahrensleitung keine Wahlverteidigung bestimmt (Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StPO) oder wenn der Wahlverteidigung das Mandat entzogen wurde oder sie es niedergelegt hat und die b e- schuldigte Person nicht innert Frist eine neue Wahlverteidigung bestim mt (Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StPO). Über diese Fälle (der notwendigen Verteidigung) hinaus wird eine amtliche Ve r- teidigung verfügt, wenn die beschuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO). Gemäss Art. 134 Abs. 1 StPO widerruft die Verfahrensleitung das Mandat, wenn der Grund für die amtl i- che Verteidigung dahinfällt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Vorliegend bestellte die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft mit Verfügun g vom 4. Mai 2016 gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StPO i.V.m. Art. 130 lit. a und b StPO eine notwendige amtliche Verteidigung. Mit Verfügung vom 28. Juni 2016 widerrief sie dieses Ma n- dat zufolge Dahinfallens der Gründe der notwendigen amtlichen Verteidigung. Zunächst zu prü- fen ist demnach, ob nach wie vor eine notwendige Verteidigung gegeben ist. 2.6 Gemäss Art. 130 lit. a StPO liegt ein Fall der notwendigen Verteidigung vor, wenn die Untersuchungshaft (einschliesslich einer vorläufigen Festn ahme) mehr als 10 Tage gedauert hat. In casu wurde der Beschwerdeführer am 20. April 2016 festgenommen (Bericht der Polizei Basel-Landschaft vom 30. April 2016 betreffend die vorläufige Festnahme des Beschwerdefü h- rers) und mit Entscheid des Zwangsmassnahme ngerichts Basel-Landschaft vom 4. Mai 2016 die Untersuchungshaft vorläufig für die Dauer von 6 Wochen bis zum 11. Juni 2016 angeordnet. Sodann verfügte das Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft mit Entscheid vom 15. Juni 2016 die Ersatzmassnahme der Lei stung einer Kaution in der Höhe von Fr. 5'000.--. Im A n- schluss an die Hinterlegung der entsprechenden Sicherheitsleistung wurde der Beschwerdefüh- rer am 20. Juni 2016 aus der Untersuchungshaft entlassen. Auch wenn die Untersuchungshaft in casu länger als ze hn Tage gedauert hat, entfällt die notwendige Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. a StPO mit der Entlassung des Besch werdeführers aus der Haft (BGer 1B_313/2014 vom 4. Februar 2015, E. 5; VIKTOR LIEBER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 130 N 14a; NIKLAUS RUCKSTUHL, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 130 N 15; NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 130 N 5; NIKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2012, N 437). Mithin vermag der blosse Umstand, dass sich der Beschwerdeführer zu einem früheren Zeitpunkt des Strafverfa h- rens in Untersuchungshaft befunden hat, keine über die Untersuchungshaft hinaus fortdauernde notwendige Verteidigung zu begründen. Die notwendige Verteidigung wird bei der Unters u- chungshaft nicht deswegen als geboten erachtet, weil durch die Dauer der Untersuchungshaft ausgedrückt wird, dass es sich um eine schwerwiegende Angelegenheit handelt. Vielmehr wird die Notwendigkeit der Vert eidigung damit begründet, dass durch die Untersuchungshaft die Verteidigungsmöglichkeiten der angeschuldigten Person eingeschränkt werden, was bei z u- nehmender Dauer durch die notwendige Verteidigung gemildert werden soll ( NIKLAUS RUCKSTUHL, a.a.O., Art. 130 N 15). In dieser Hinsicht besteht im vorliegenden Fall daher kein Grund für die Fortdauer der notwendigen amtlichen Verteidigung des Beschwerdeführers. 2.7 Im Weiteren ist ein Fall der notwendigen Verteidigung gegeben, wenn der beschuldi g- ten Person eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheitsentziehende Mas s- nahme droht (Art. 130 lit. b StPO). Dabei genügt entsprechend dem expliziten Wortlaut der B e- stimmung, dass eine entsprechende Sanktion droht. Dies bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft während des Vorverfahrens gestützt auf die vorhandene Aktenlage eine solche Sanktion als im Bereich der Möglichkeiten liegend betrachtet. Massgebend ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht die abstrakte Strafdrohung der anwendbaren Straf norm, sondern die konkret drohende Strafe ( NIKLAUS SCHMID, a.a.O., Art. 130 N 7; NIKLAUS RUCKSTUHL, a.a.O., Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 130 N 18; VIKTOR LIEBER, a.a.O., Art. 130 N 16). In casu macht die Staatsanwaltschaft ge l- tend, sie schliesse eine Anklage bei der Dreierkammer des Strafgerichts aus, mithin werde sie die Anklage beim Strafgerichtspräsidium erheben. Gemäss § 14 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 EG StPO beurteilt das Präsidium des Strafgerichts unter anderem Straftaten, für welche die Staatsa n- waltschaft eine Freiheitsstrafe bi s zu einem Jahr beantragt. Somit erhellt, dass eine Freiheit s- strafe von mehr als einem Jahr seitens der Staatsanwaltschaft ausgeschlossen wird. Entspr e- chend führt die Staatsanwaltschaft bereits in der angefochtenen Verfügung vom 28. Juni 2016 aus, der Grund der notwendigen amtlichen Verteidigung nach Art. 130 lit. b StPO sei weggefal- len. Folglich droht dem Beschwerdeführer weder eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr noch eine freiheitsentziehende Massnahme, weshalb der Anwendungsfall der notwendigen amtlichen Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. b StPO vorliegend nicht gegeben ist. 2.8 Gemäss Art. 130 lit. c StPO liegt eine notwendige Verteidigung ferner vor, wenn die beschuldigte Person wegen ihres körperlichen oder geistigen Zustands oder aus an deren Gründen ihre Verfahrensinteressen nicht ausreichend wahren kann und die gesetzliche Vertr e- tung dazu nicht in der Lage ist. Massgebend für die Frage der notwendigen Verteidigung ist, ob sich eine allfällige Behinderung auf die Wahrnehmung der Verteidi gungsrechte bzw. die Fähig- keit zur Selbstverteidigung auswirkt. Mithin muss es sich um Gründe handeln, welche die Ve r- teidigungsfähigkeit in gleichem Masse einschränken wie körperliche oder geistige Defizite. Fraglich erscheint daher, ob als anderweitiger G rund Fremdsprachigkeit in Betracht fällt. Zu Recht wird darauf hingewiesen, dass diesem Umstand primär durch Beizug von Übersetzern und Dolmetschern Rechnung getragen werden kann ( VIKTOR LIEBER, a.a.O., Art. 130 N 18, 21; NIKLAUS SCHMID, a.a.O., Art. 130 N 10; NIKLAUS RUCKSTUHL, a.a.O., Art. 130 N 32; BGer 1B_555/2012 vom 6. Dezember 2012, E. 3.2). In casu führt der Umstand, dass der B e- schwerdeführer der Verhandlungssprache offenbar nicht genügend mächtig ist, nicht zum Schluss, er sei auf sich allein gestellt den Schwierigkeiten des Falls nicht gewachsen, sodass er einer notwendigen Verteidigung bedarf. Vielmehr ist zu konstatieren, dass der Beschwerdefü h- rer bereits vor zwei bis drei Jahren in die Schweiz eingereist ist (vgl. Einvernahme des Beschu l- digten v om 1. Mai 2016, S. 4) und allfällige Sprachprobleme mit dem Beizug eines Dolme t- schers ohne Weiteres überwunden werden konnten (vgl. die Einvernahmen des Beschuldigten vom 1. und 30. Mai 2016 sowie die Hafteröffnungseinvernahme des Beschuldigten vom 2. Mai 2016). Folglich schränkt die Fremdsprachigkeit des Beschwerdeführers dessen Verteidigung s- fähigkeit nicht substanziell ein und schon gar nicht in gleichem Masse wie körperliche oder geis- tige Defizite. Soweit der Beschwerdeführer überdies vorbringt, er halte sich jeweils nur vorüber- gehend zu Erwerbszwecken in der Schweiz auf, weshalb er sein Teilnahmerecht an Beweise r- hebungen aus dem Ausland nur erschwert wahrnehmen könne, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Diesbezüglich hat das Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft mit Entscheid vom 15. Juni 2016 im Sinne einer Ersatzmassnahme eine Kaution von Fr. 5'000.-- ausgespro- chen, um die Anwesenheit des Beschwerdeführers im weiteren Verlauf des Verfahrens siche r- zustellen. Schliesslich führte der Beschwerdeführ er anlässlich der Hafteröffnungseinvernahme vom 2. Mai 2016 selbst aus, er hege nicht die Absicht, die Schweiz zu verlassen, zumal er in Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Polen über keine Arbeitsstelle verfüge (Hafteröffnungseinvernahme des Beschuldigten vom 2. Mai 2016, S. 3). Folgerichtig besteht auch in Bezug auf Art. 130 lit. c StPO kein Grund für die Fortdauer der notwendigen amtlichen Verteidigung des Beschwerdeführers. 2.9 Im Weiteren liegt ein Fall der notwendigen Verteidigung vor, wenn die Staatsanwal t- schaft vor dem erstinstanzlichen Gericht oder dem Berufungsgericht persönlich auftritt (Art. 130 lit. d StPO). Gemäss Art. 337 Abs. 3 StPO hat die Staatsanwaltschaft die Anklage persönlich vor Gericht zu vertreten, wenn sie eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine fre i- heitsentziehende Massnahme beantragt. Wie bereits vorstehend (Ziffer 2.7 des vorliegenden Beschlusses) dargelegt wurde, droht dem Beschwerdeführer in casu weder eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr noch eine freiheitsentziehende Massnahme, weshalb in sofern ein ob- ligatorisches Auftreten der Staatsanwaltschaft vor dem Strafgerichtspräsidium ausgeschlossen ist. Ausserdem legte die Staatsanwaltschaft in ihrer duplizierenden Stellungnahme vom 29. Juli 2016 ausdrücklich dar, sie werde um Dispensation von de r erstinstanzlichen Hauptverhandlung ersuchen. Angesichts des gerichtsnotorischen Umstands, dass einem entsprechenden Dispe n- sationsgesuch in der Regel entsprochen wird, ist vorliegend nicht davon auszugehen, dass das Strafgerichtspräsidium die Staatsanwalt schaft zur persönlichen Vertretung der Anklage ve r- pflichten wird. Folglich liegt kein Fall des persönlichen Auftretens der Staatsanwaltschaft an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung im Sinne von Art. 130 lit. d StPO vor, womit auch insofern kein Grund für die notwendige amtliche Verteidigung gegeben ist. 2.10 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen erhellt, dass kein Anwendungsfall einer no t- wendigen Verteidigung nach Art. 130 StPO gegeben ist, weshalb eine notwendige amtliche Ver- teidigung gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO ausgeschlossen ist. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen der amtlichen Verteidigung zufolge Mittellosigkeit erfüllt sind. Gemäss Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO ist die amtliche Verteidigung anzuordnen, wenn die beschuldi gte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die Verteidigung zur Wahrung ihrer Int e- ressen geboten ist. Dabei obliegt es der Antrag stellenden Partei, ihre aktuellen Einkommens - und Vermögensverhältnisse umfassend aufzuzeigen und ihre finanz iellen Verpflichtungen zu belegen. Kommt sie dieser Obliegenheit nicht nach, ist der Antrag abzuweisen (BGer 1B_332/2012 vom 15. August 2012, E. 2.5). Der Beschwerdeführer ist dieser Obliegenheit w e- der mit Gesuch um amtliche Verteidigung vom 2. Mai 2016 no ch zu einem anderen Zeitpunkt nachgekommen. Hinzu kommt, dass aus den Verfahrensakten ebenso keine Dokumentation der wirtschaftlichen Situation des Beschwerdeführers ersichtlich ist, weshalb die Vor - aussetzungen der amtlichen Verteidigung nach Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO klarerweise nicht e r- füllt sind. Im Übrigen ergibt sich aus dem Umstand, wonach es dem Beschwerdeführer obliegt, seine wirtschaftliche Situation von sich aus darzulegen, dass es nicht Aufgabe der Staatsa n- waltschaft sein kann, dem Beschwerdef ührer Frist zum Nachweis seiner finanziellen Bedürfti g- keit zu setzen. Somit erhellt, dass auch Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO nicht als Grundlage für die Fortdauer der amtlichen Verteidigung herangezogen werden kann. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.11 Es zeigt sich folglich, dass nach de r Entlassung des Beschwerdeführers aus der U n- tersuchungshaft keine Gründe mehr für eine notwendige amtliche Verteidigung bzw. eine amtl i- che Verteidigung zufolge Mittellosigkeit gegeben sind. Demzufolge hat die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft die amtlic he Verteidigung zu Recht in Anwendung von Art. 134 Abs. 1 StPO widerrufen. Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 3. Kosten 3.1 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die Verfahrenskosten in Anwe n- dung von Art. 428 Abs. 1 StPO zu Lasten des unterliegenden Beschwerdeführers. Die dem B e- schwerdeführer aufzuerlegende Gerichtsgebühr wird gestützt auf § 13 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte (GebT, SGS 170.31) auf Fr. 1'000.-- festgesetzt. Hinzu k om- men Auslagen in der Höhe von Fr. 50.--, welche ebenfalls durch den Beschwerdeführer zu tr a- gen sind. 3.2 Mit Beschwerde vom 5. Juli 2016 begehrt der Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung. Die Zuständigkeit zur Bestellung d er amtlichen Verteid i- gung liegt beim Präsidenten der Dreierkammer der Abteilung Strafrecht des Kantonsgerichts (Art. 133 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 61 lit. c StPO). Angesichts der Gegebenheit, wonach die B e- schwerde nicht als offensichtlich aussichtslos zu wer ten ist, erscheint es gerechtfertigt, dem Beschwerdeführer für das vorliegende Rechtsmittelverfahren die amtliche Verteidigung una b- hängig vom Nachweis seiner Bedürftigkeit zu bewilligen, zumal andernfalls die Überprüfung des Widerrufs der amtlichen Verteidigung erschwert oder verunmöglicht wäre. Dem Beschwerdefüh- rer ist daher für das vorliegende Beschwerdeverfahren die amtliche Verteidigung mit Advokat Alain Joset als seinem Rechtsvertreter zu bewilligen. 3.3 Mit Honorarnote vom 25. Juli 2016 weist der Rec htsvertreter des Beschwerdeführers einen Aufwand von 5 Stunden und 25 Minuten zu einem Stundenansatz von Fr. 200.-- aus. Un- ter Berücksichtigung der konkreten Gegebenheiten erachtet die Beschwerdeinstanz diesen Aufwand für angemessen. Demzufolge ist dem Bes chwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'113.20 (inklusive Auslagen von Fr. 30.20) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer von Fr. 89.05, insgesamt somit Fr. 1'202.25, aus der Gerichtskasse zu entrichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von Fr. 1'050.--, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- sowie Auslagen von Fr. 50.--, gehen zu Lasten des Beschwerdeführers. 3. Der Antrag des Beschwerdeführers um Gewährung der amtlichen Verteidigung für das vorliegende Beschwerdeverfahren mit Advokat Alain Joset als sein Rechtsvertreter wird präsidialiter gutgeheissen. 4. Zufolge Gutheissung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver- treter des Beschwerdeführers, Advokat Alain Joset , für seine Bem ü- hungen im Rechtsmittelverfahren ein Honorar von Fr. 1'113.20 (inklu- sive Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer von Fr. 89.05, insg e- samt somit Fr. 1'202.25, aus der Gerichtskasse entrichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Dominik Haffter