Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Mai 2015 (725 14 167) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Prüfung des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen Unfallereignis und einer Hernie / Wür- digung der vorhandenen Arztberichte Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Marco Chevalier, Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1964 geborene A.____ war seit 1. Mai 2012 du rch die Arbeitslosenkasse Basel- Landschaft bei der Schweizerischen Unfallversicheru ngsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit „Bagatell-Unfallmeldung UV G für arbeitslose Personen“ meldete die Arbeitslosenkasse, dass A.____ am 26. Oktober 2013 versucht habe, den Betonpflanzring, den er gehoben hatte und der ihm aus den Händen geglitt en war, aufzufangen, wobei er einen ste- chenden Schmerz in der Bauchgegend verspürt habe. D abei zog sich A.____ gemäss Dr. med. B.____, FMH Chirurgie und Viszeralchirurgie, eine e pigastrische Hernie zu. Nach Vornahme Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der notwendigen Abklärungen lehnte die SUVA mit Verf ügung vom 6. Februar 2014 eine Leis- tungspflicht ab. Daran hielt die SUVA auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheent- scheid vom 2. Mai 2014 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Advokat Dr. Marco Chevalier, mit Schreiben vom 4. Juni 2014 Beschwerde b eim Kantonsgericht, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, der Einspracheentscheid vom 2. Mai 2014 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verp flichten, dem Beschwerdeführer aus dem Unfall vom 26. Oktober 2013 die gesetzlichen Leistungen auszurichten. C. In ihrer Vernehmlassung vom 15. September 2014 be antragte die SUVA die Abweisung der Beschwerde. D. A.____, weiterhin vertreten durch Dr. Marco Cheval ier, hielt mit Replik vom 7. November 2014 an seinen Rechtsbegehren fest. E. Mit Duplik vom 15. Dezember 2014 beantragte die SUV A wiederum die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich der Wohnsitz des Versicherten in Fr enkendorf, weshalb die örtliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahe n ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versich erungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorlie genden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – B eschwerde vom 4. Juni 2014 ist demnach einzutreten. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Versicherte Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid ist. Der Rente nanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Be sserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und a llfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem R entenbeginn fallen die Heilbe- handlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung d er körperlichen, geistigen oder psychi- schen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG An spruch auf eine angemessene Integri- tätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente f estgesetzt oder, falls kein Rentenan- spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt vorau s, dass zwischen dem versicher- ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit , Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integri- tätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteh t (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursa- chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind al le Umstände, ohne deren Vor- handensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetr eten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer den kann. Entsprechend dieser Umschrei- bung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenh angs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesund heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingung en die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen eine m schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusamme nhang besteht, ist eine Tatfrage, wo- rüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rah- men der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu b efinden hat. Die blosse Möglichkeit ei- nes Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leist ungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Um die Leistungspflicht des Unfallversicherers bejahen zu können, muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nich t nur ein natürlicher, sondern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtspr echung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es n ach dem gewöhnlichen Lauf der Din- ge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich g eeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hi nweis). Der Voraussetzung des adäqua- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei V orliegen eines natürlichen Kausalzu- sammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eing etretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechts erhebliche Kausalzusammenhang be- steht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Ge- richt zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenha ng ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürli- chen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb). 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rec htsanwendende Behörde regel- mässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärzt innen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind ( BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherung sträger alleine nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BG E 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 3.3 Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang ist zunächst auf die Beweismaxime hinzuweisen, wonach die sogenannten spontanen "Aussa- gen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstel- lungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Ü berlegungen versicherungsrechtli- cher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie ku rz nach dem Unfall gemacht hat, meis- tens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Abl ehnungsverfügung des Versiche- rers (BGE 121 V 45 E. 2a mit Hinweisen). Dabei hande lt es sich indessen nicht um eine förmli- che Beweisregel, sondern lediglich um eine im Rahmen d er freien Beweiswürdigung zu berück- sichtigende Entscheidungshilfe. Sie kann zudem nur dann zur Anwendung gelangen, wenn von zusätzlichen Beweismassnahmen keine neuen Erkenntnisse zu e rwarten sind (RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546 E. 3.3.4 [U 236/03]). 4. Vorweg ist abzuklären, von welchem Sachverhalt im vorli egenden Verfahren auszuge- hen ist. 4.1 Erstmals schilderte der Beschwerdeführer den Unfallhe rgang vom 26. Oktober 2013 mit E-Mail vom 29. Oktober 2013 an die Arbeitslosenkasse – wobei diese Schilderung erst mit der Beschwerdeschrift vom 4. Juni 2014 zu den Verfahrensa kten gelangte – folgendermassen: „Am Samstagnachmittag gegen 15 Uhr habe ich einen Be tonpflanzring im Garten einbetoniert und bin beim Tragen des Pflanzringes auf dem nassen Gra s an der Böschung ausgerutscht. Dabei bemerkte ich einen stechenden Schmerz in der B auchgegend, welchem ich keine grös- sere Beachtung schenkte. Zwischenzeitlich stelle ich jedoch f est, dass an der besagten Stelle eine Beule entstand und ich befürchte, dass es sich um eine n Bauchdeckenriss handelt. Schmerzen im Bauchraum verspüre ich nur bei Belastung und eine Arbeitsunfähigkeit liegt nicht vor.“ Die Darstellung des Unfalls durch die Arbeitslosenkasse anl ässlich der Unfallmeldung vom 6. November 2013 basiert zwar vermutungsweise auf der er wähnten E-Mail, stellt aber eine Verkürzung des Sachverhalts dar, indem ausgeführt wurde, der Beschwerdeführer habe ver- sucht, den Betonpflanzring, den er gehoben hatte und d er ihm aus den Händen geglitten war, aufzufangen, wobei er einen stechenden Schmerz in der Bauchgegend verspürt habe. Am 1. Dezember 2013 schilderte der Beschwerdeführer in Beantwortung der Fragen der SUVA den Unfallhergang gleich wie in der erwähnten E-Mai l vom 29. Oktober 2013: Er sei an der Bö- schung auf feuchtem Gras ausgerutscht mit anschliessendem Sturz. In der Einsprache vom 12. Februar 2014 führte der Besch werdeführer aus, der Bauchdecken- riss sei durch einen Sturz beim Tragen eines schweren Pfla nzringes aus Beton (30 kg) erfolgt. Er sei auf nassem Gras an der Gartenböschung ausgerutscht . Durch die grosse Gewalteinwir- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kung auf den Bauch (Sturz auf den Betonring) sei die Bauchdecke gerissen, was sich sofort durch starke Schmerzen bemerkbar gemacht habe. Die späteren Unfalldarstellungen in Beschwerdeschrift un d Replik, welche – wie die Einspra- che – von der ursprünglichen Schilderung abweichen bzw. diese ergänzen und zusätzlich einen Aufprall mit dem Bauch auf den Pflanzring erwähnen, sind mit grösserer Zurückhaltung zu wür- digen. Sie könnten bewusst oder unbewusst von nachträglichen versicherungsrechtlichen Über- legungen beeinflusst bzw. geprägt sein, zumal sie auch er st nach der ablehnenden Verfügung vom 6. Februar 2014 erfolgten. Demnach ist dem beschrieb enen Bewegungsablauf, wonach der Beschwerdeführer auf dem nassen Gras ausgerutscht, gestürzt und mit dem Bauch auf den Betonring aufgeschlagen sei, in beweisrechtlicher Hinsi cht nicht zu folgen. Vielmehr kommt die Beweismaxime der „Aussage der ersten Stunde“ zum Tragen, welche eine im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu berücksichtigende Entscheidungsh ilfe darstellt (vgl. E. 3.3 hiervor). So fand gemäss Schilderung des Beschwerdeführers vom 29. Oktober 2013, welche er am 1. Dezember 2013 bestätigt hat, zwar ein Sturz statt; e in Aufprall des Bauches auf dem Pflanz- ring wurde jedoch nicht erwähnt, weshalb gemäss der erwähnten Beweismaxime davon auch nicht ausgegangen werden kann. 4.2 Im vorliegenden Verfahren liegen im Wesentlichen folgende Arztberichte vor: 4.2.1 Kreisarzt Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, welche r entsprechend der Schilderung in der Unfallmeldung vom 6. November 2013 noch von einem Unfallereignis ohne Sturz ausging, hielt in seiner Beurteilung vom 24. April 2014 fest, d ass das Unfallereignis typischerweise zu einer erhöhten Bauchpresse und damit auch zu temporäre n Beschwerden einer vorhandenen epigastrischen Hernie führen könne, für die Entstehung einer epigastrischen Hernie sei dieser Mechanismus ungeeignet. Die Erstvorstellung beim Hausarzt sei erst 10 Tage nach dem ange- gebenen Ereignis erfolgt. Dr. med. B.____, FMH Chir urgie, habe perakute Schmerzen bei of- fenbar schwerer Gartenarbeit im Epigastrium mit Protr usion dokumentiert. Auch diese Schilde- rung der vermuteten Ursache, nämlich schwere Gartenarbe it sei nicht geeignet, eine epigastri- sche Hernie hervorzurufen. 4.2.2 Mit Schreiben vom 2. Juni 2014 führte Dr. B.__ __ aus, dass er den Beschwerdeführer am 5. November 2013 in seiner Sprechstunde gesehen und untersucht habe. Dabei habe er eine klinisch eindeutige Herniation im Epigastrium festg estellt, welche nach dem Erleben des Beschwerdeführers unmittelbar im Anschluss an schwere Gart enarbeit entstanden sei. An die- ser Aussage habe er nie gezweifelt und er habe dements prechend auch ein Arztzeugnis zu Handen der SUVA ausgefüllt, wobei er sich darin dahing ehend geäussert habe, dass die erho- benen Befunde mit dem vom Beschwerdeführer geltend gem achten Ereignis vereinbar respek- tive plausibel seien. Er könne abermals bestätigen, dass die vom Beschwerdeführer seinerzeit geäusserten Ursachen für die Herniation für ihn plausibel erscheinen würden. 4.2.3 Mit Bericht vom 11. Juni 2014 hielt Dr. D.____, FMH Allgemein- und Unfallchirurgie, fest, im Rahmen der erstmaligen Untersuchung am 10. Ju ni 2014 habe sich eine rechts para- median gelegene, schwer zu reponierende Oberbauchhernie mit druckschmerzhaftem Invaginat Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gezeigt. Auffälligkeiten bezüglich Defäkation beschreibe der Patient keine. Die ergänzend durchgeführte Ultraschalluntersuchung habe einen für ei ne Oberbauchhernie untypischen Be- fund gezeigt. Die Hernie liege nicht in der Mediane n im Bereich der Cinea alba, sondern direkt etwas rechts paramedian unter partieller Überlappung d es M. rectus abdominis. Die übrige Bauchwand zeige sich ausgesprochen kräftig und die Wand schichtung zeige einen normalkal- liebrigen anatomischen Aufbau. Die Hernie messe aktuell 3,5 cm im Durchmesser und im Pressversuch invaginiert insbesondere Omentum, welches nur schwer zu reponieren sei. Er- gänzend würden sich bei entsprechender hochfrequenter Feinauflösung im Ultraschall Residu- en eines Muskelfaserrisses im Bereich des M. rectus abdomini s in eben dieser Stelle finden. In seiner fachärztlich-medizinischen Wertung führte Dr. D.___ _ aus, die bestehende Situation sei nicht typisch für eine Oberbauchherniation im Rahmen ei ner progredienten Bindegewebs- schwäche oder einer erworbenen Herniation im Rahmen vo n immer wiederkehrenden Über- dehnungssituationen. Ebenso wenig habe der Patient im Vorfeld viel Gewicht verloren oder zu- genommen, so dass auch hier eine Störung oder Irritati on im Rahmen des Kollagenstoffwech- sels auszuschliessen sei. Weitere Grunderkrankungen seien ni cht bekannt. Im Rahmen des zeitlichen Zusammenhangs und der paramedianen Lage der Hernie sowie der nachweisbaren Residuen des mutmasslich primär bestandenen Muskelfaserrisses m it begleitendem Hämatom lasse durchaus den Schluss zu, dass hier ein Kausalzusammenh ang mit dem Unfallereignis beziehungsweise dem sinnfälligen Ereignis vom 26. Oktober 2013 gegeben sei. Von Seiten der Genese der doch eher ungewöhnlichen Hernie sei ein p rimärer Muskelfaserriss mit begleiten- dem Hämatom und die sekundäre Schwächung der Bauchwand in diesem Bereich mit zweitzei- tigem Auftreten der Herniation im Nachgang möglich. Eine typische Oberbauchhernie liege bei diesem Patienten nicht vor. Die Operationsindikation sei auf Grund der zunehmenden Invagina- tion und Schmerzen des Patienten gegeben. 4.2.4 Im Operationsbericht vom 19. Juni 2014 von Dr. D.____ wird in Bezug auf die Indikati- on festgehalten, dass beim Patienten persistierende und progrediente Schmerzen im Bereich des Oberbauches rechtsbetont im Vordergrund stehen würden. Bestätigt sei eine Hernie in die- sem Bereich, welche direkt nach dem Heben einer schweren Last aufgetreten sei und sich aty- pischerweise eher paramedian rechts befinde und kausal mö glicherweise mit einem primär be- stehenden Muskelfaserriss im Bereich des M. rectus abdomini s dexter und eines konsekutiven Blutergusses entstanden sein könne. 4.2.5 Der Vertrauensarzt der SUVA, Dr. med. E.____, F MH Chirurgie, nahm mit Schreiben vom 12. September 2014 zu den Berichten von Dr. D.____ vom 11. und 18. Juni 2014 sowie zur Frage des Kausalzusammenhangs zwischen der Bauchwandhe rnie und dem Ereignis vom 26. Oktober 2013 Stellung. Dr. E.____ führte aus, di e Überlegungen zur natürlichen Kausalität, wie sie Dr. D.____ anstelle, würden nicht überzeugen. Den Schilderungen des Versicherten sei zu entnehmen, dass eine direkte Traumatisierung der Bauc hwand nicht erfolgt sei. Der Stein, den der Versicherte getragen habe, sei ihm nicht auf d en Bauch gefallen und ein Sturz bäuch- lings auf irgendeinen Gegenstand sei auch nicht dokum entiert. Es handle sich somit um eine indirekte Krafteinwirkung durch eine reflektorische Muskela nspannung in der Bauchdecke im Rahmen eines Sturzes. Durch eine solche Muskelkontraktion würden die Faszien in der Bauch- decke allerdings nicht unter eine Zug- oder Scherspannu ng gesetzt, sondern eher entlastet. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dass also der Riss der Bauchwandfaszie bei diesem Sturzere ignis tatsächlich aufgetreten sei, könne von der Biomechanik her ausgeschlossen werden. Ein Sze nario der direkten Verursa- chung werde notabene von Dr. D.____ nicht erwogen und er formuliere entsprechend vorsich- tig, dass nach primärem Muskelfaserriss die sekundäre Schwächung der Bauchwand mit zweit- zeitigem Auftreten der Herniation im Nachgang möglich wäre. Dr. D.____ vermute einen Mus- kelfaserriss der Bauchdeckenmuskulatur. Ein solcher Muskelfa serriss sei sowohl vom geschil- derten indirekten Mechanismus und unter Berücksichtigung der vom Versicherten geschilderten sofortigen Schmerzhaftigkeit und der wenig später beob achteten „Beule“ als wahrscheinlich zu betrachten. Muskelfaserrisse der Bauchwandmuskulatur würde n im Verlauf von 6-8 Wochen unter Zurücklassung einer stabilen Narbe an sonsten aber folgenlos ausheilen. Die Theorie von Dr. D.____, dass das Hämatom, welches obliga ter Bestandteil eines Muskelfaser- risses sei, zu einer Schwächung der darunterliegenden Faszie geführt habe, sei in höchstem Masse vage. Die Lücke in der Bauchwand könne mitnichten als eine Spätfolge eines Blutergus- ses im darüber liegenden Muskel interpretiert werden. Z um Schluss hielt Dr. E.____ fest, dass ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 26. Oktober 2013 und der am 18. Juni 2014 operierten atypischen paramedianen B auchwandhernie im rechten Ober- bauch nicht überwiegend wahrscheinlich sei. 5.1 Aus dem Sachverhalt, von welchem aufgrund der Bew eiswürdigung auszugehen ist (vgl. Ziff. 4.1 hievor), ergibt sich, dass keine direkte Traumatisierung des Bauches stattgefunden hat. Demzufolge hat eine indirekte Krafteinwirkung durch eine reflektorische Muskelanspannung in der Bauchdecke im Rahmen des Sturzes stattgefunden. D ass durch eine solche Muskelkon- traktion die Faszien in der Bauchdecke nicht unter eine Zug- oder Scherspannung gesetzt wer- den, sondern eher entlastet werden, leuchtet ebenfalls ein. Damit ist auch die Schlussfolgerung von Dr. E.____, dass der Riss der Bauchwandfaszie bei die sem Sturzereignis aus biomechani- schen Gründen nicht aufgetreten sei, verständlich und nach vollziehbar. Ebenso ist mit Dr. E.____ die Theorie, dass ein durch einen Muskelfaserriss entstandenes Hämatom zu einer Schwächung der darunterliegenden Faszie geführt habe, a ls vage zu bewerten. Selbst Dr. D.____ äusserte sich sehr vorsichtig, indem er ausgeführt hat, die nachweisbaren Residuen des mutmasslich primär bestandenen Muskelfaserrisses mit beg leitendem Hämatom liessen „durchaus den Schluss zu, dass hier ein Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis“ gege- ben sei. Von Seiten der Genese der doch eher ungewöhnlichen Hernie sei ein primärer Muskel- faserriss mit begleitendem Hämatom und die sekundäre Schw ächung der Bauchwand in die- sem Bereich mit zweitzeitigem Auftreten der Herniation im Nachgang möglich. Auch Dr. B.____ hielt in seinem Bericht vom 2. Juni 2014 sehr zurückhalte nd fest, er habe nie an der Aussage des Beschwerdeführers gezweifelt und er habe dementspre chend auch ein Arztzeugnis zu Handen der SUVA ausgefüllt. Dabei habe er sich dahinge hend geäussert, dass die erhobenen Befunde mit dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ereignis vereinbar respektive plausibel seien. Er könne abermals bestätigen, dass die v om Beschwerdeführer seinerzeit ge- äusserten Ursachen für die Herniation für ihn plausibel erscheinen würden. 5.2 Gestützt auf die Äusserungen der behandelnden Ärzte ist ein Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und der Hernie nicht mit üb erwiegender Wahrscheinlichkeit er- stellt. Die von Dr. E.____ dargelegte Begründung für die Verneinung des natürlichen Kausalzu- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sammenhangs zwischen dem Unfallereignis und der Bauchwand hernie, ist einleuchtend und nachvollziehbar, weshalb auf diese Argumentation abzust ellen ist. Demzufolge ist der Kausal- zusammenhang zwischen Unfallereignis und Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich. Daran ändert auch nichts, dass es sich bei Dr. E.____ um den Vertrauensarzt der Beschwerde- gegnerin handelt. Die Berichte versicherungsinterner Ärzt e sind soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (vgl. Ziff. 3.2 hievor). Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen von Dr. E.____ liegen nicht vor. 5.3 Die von Dr. E.____ vertretene Auffassung, dass der natürliche Kausalzusammenhang vorliegend zu verneinen sei, wird auch durch die bunde sgerichtliche Rechtsprechung zu den Bauch- und Unterleibsbrüchen gestützt. In einem Urtei l vom 10. Januar 2008 führte das Bun- desgericht aus, Bauch- und Unterleibsbrüche seien nach me dizinischer Erfahrungstatsache in der Regel krankheitsbedingte Leiden und nur in selten en Ausnahmefällen Unfallfolge. Eine Hernie könne als unfallbedingt betrachtet werden, wen n das Unfallereignis mit einer direkten, heftigen sowie bestimmten Einwirkung verbunden sei und die schwerwiegenden Symptome der Hernie unverzüglich und mit sofortiger, mindestens mehr stündiger Arbeitsunfähigkeit auftreten würden (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Januar 2008, 8C_601/2007, E. 2.1). Diese Voraus- setzungen sind vorliegend nicht erfüllt. So hat weder eine direkte Einwirkung auf den Bauch stattgefunden (vgl. E. 4.1 hievor), noch sind die erfo rderlichen und schwerwiegenden Sympto- me unverzüglich aufgetreten. Der Beschwerdeführer hat a ngegeben, er habe dem stechenden Schmerz in der Bauchgegend keine grössere Beachtung geschenkt. Schmerzen im Bauchraum verspüre er nur bei Belastung und eine Arbeitsunfähigkei t liege nicht vor. Es kann somit keine Rede davon sein, dass die schwerwiegenden Symptome unverzüglich aufgetreten sind. 6. Zusammenfassend ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht abgelehnt hat. Die gegen den betreff enden Einspracheentscheid vom 2. Mai 2014 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, we shalb sie abgewiesen werden muss. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht