Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. März 2020 (810 20 18) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts und Unterbringung eines Jugendlichen in einem Kinder- und Jugendheim Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichts- schreiberin i.V. Noëmie Schär Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Kindes - und E rwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft mit be sonderen Befugnissen / Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 20. Dezember 2019) A. Der mit einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung und mit d em Asperger-Syndrom diagnos- tizierte C.____ (geb. […] 2002) ist das Kind von A.___ _ und D.____. Zusammen mit seiner Mut- ter und seinem Stiefvater, E.____ (nachfolgend: Kinds eltern), sowie seinen Halbgeschwistern Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht F.____ und G.____ (beide geboren […] 2015) lebt er i n H.____, wohingegen sein leiblicher Va- ter in I.____ wohnhaft ist. B. Am 9. August 2016 veranlasste die Polizei des Kanton s Basel-Landschaft (Polizei) eine Meldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B. ____ (KESB) betreffend Abklärung der Notwendigkeit von Kindes- und Erwachsenenschutzmassn ahmen. Anlass für die Meldung gab eine Auseinandersetzung zwischen den Kindseltern, in deren Rahmen nicht nur verbale Angriffe, sondern auch Tätlichkeiten verübt worden se ien. Aus Angst habe C.____ die Polizei gerufen. C. Mit Entscheid vom 24. November 2016 verzichtete die KE SB auf die Anordnung von Kindesschutzmassnahmen für C.____. Begründet wurde diese r Entscheid damit, dass die Kindseltern Verständnis für die Ängste von C.____ gez eigt hätten und auf die Möglichkeit, die Familien- und Erziehungsberatung zur Unterstützung aufzusuchen, hingewiesen worden seien. D. Mit Entscheid vom 14. Juni 2018 prüfte die KESB Kin desschutzmassnahmen für die beiden Halbschwestern von C.____, verzichtete aber auf deren Anordnung. Die KESB verpflich- tete E.____, weiterhin das Lernprogramm zur Verhinder ung häuslicher Gewalt zu besuchen, und empfahl den Kindseltern, nach Abschluss dieses Gewaltp räventionskurses eine Familien- und Erziehungsberatung zu absolvieren. E. Am 13. November 2018 rief A.____ die Polizei und berichtete, dass es zwischen ihrem Ehemann und dem Sohn zu einer tätlichen Auseinanderse tzung gekommen sei. Die Polizei veranlasste daraufhin eine Meldung an die KESB zur Abklä rung der Notwendigkeit von Kindes- schutzmassnahmen. F. Am 19. März 2019 erstattete A.____ gegen ihren Ehe mann Anzeige wegen Tätlichkei- ten. Dieser habe mehrmals mit den Händen bzw. Fäusten auf sie eingeschlagen und ihr damit Prellungen und Quetschungen zugefügt. Der Streit sei im Verlauf des Abends weiter eskaliert und A.____ habe ihrem Ehemann eine Ohrfeige gegeben. G. Am 7. Oktober 2019 setzte C.____ einen Notruf ab, w onach seine Mutter von E.____ geschlagen werde. Gemäss Polizeirapport hätten die Kin dseltern zugegeben, sich verbal ge- stritten zu haben, zu Tätlichkeiten sei es aber nicht g ekommen. C.____ habe ausgeführt, dass sich die Kindseltern täglich streiten würden und er gr osse Mühe damit habe. Der Aussage von A.____ zufolge werde E.____ ihr gegenüber regelmässig gewalttätig. H. Am 4. November 2019 wandte sich C.____ über seine S chulsozialarbeiterin, J.____, hilfesuchend an die KESB, da er sehr unter der Gewal t des Stiefvaters leide. Er müsse zwin- gend mit jemandem von der KESB sprechen. I. Am 6. November 2019 fand zwischen K.____, Präsident in der KESB, und C.____ im Beisein von J.____ ein Gespräch statt. Dabei schilderte C. ____, dass das Zusammenleben mit E.____ während den letzten sieben Jahren "Psychoterror" gewesen sei und er vor seinem Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stiefvater Angst habe. Auch habe er kein eigenes Kon to und seine Mutter verweigere ihm zu- dem die Herausgabe seines Ausweises. Er sei sehr verzweifelt und bitte die KESB um Hilfe. J. Am 15. November 2019 rief C.____ erneut die Polize i und berichtete, dass er von E.____ mehrfach, insbesondere auf das Kinn, geschlagen worden sei. In der Folge wurde der Stiefvater wegen häuslicher Gewalt für die Dauer von 1 2 Tagen polizeilich der Wohnung ver- wiesen. Auch wurde die KESB über diesen erneuten Vorf all zwecks Abklärung der Notwendig- keit von Kindes- und Erwachsenenschutzmassnahmen in Kenntnis gesetzt. K. In der Nacht vom 26. auf den 27. November 2019 rie f C.____ aus Verzweiflung das Sorgentelefon 147 der Pro Juventute an und versuchte erfolglos, sich in die Kriseninterventi- onsstation der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel einzuliefern. Grund hierfür sei ein nächtlicher Streit mit seiner Mutter gewesen. L. Am 27. November 2019 fand ein Gespräch zwischen den Kindseltern und der KESB statt, anlässlich dessen die KESB erläuterte, dass C.____ aufgrund der häuslichen Gewalt nicht mehr zuhause wohnen könne. Gleichentags stimmte A.___ _ einer notfallmässigen Unterbrin- gung ihres Sohnes zu, worauf dieser in das Kinder- und Jugendheim L.____ (Heim) eintrat. M. Im Eintrittsgespräch vom 4. Dezember 2019 gab C.__ __ zu Protokoll, er wolle langfris- tig im Heim bleiben und eine Rückkehr nach Hause könne er sich momentan nicht vorstellen. In einem an ihren Sohn adressierten und gleichentags datie rten Brief schrieb A.____, sie habe sich mit E.____ den falschen Mann ausgesucht. N. In einer E-Mail an seine Schulsozialarbeiterin vom 17 . Dezember 2019 berichtete C.____, dass er sich um seine Geschwister sorge und nicht wo lle, dass diese weiterhin miss- handelt und vernachlässigt würden. Konkret sagte er aus, dass auch seine beiden Schwestern geschlagen würden. O. Am 18. Dezember 2019 wurde die Kindsmutter bezügli ch potentiell anzuordnender Kindesschutzmassnahmen von der KESB angehört. Sie zeigte sich grundsätzlich mit der Errich- tung einer Erziehungsbeistandschaft mit besonderen Befu gnissen einverstanden. Gleichentags ersuchte der Rechtsvertreter von A.____, Peter Epple, R echtsanwalt in Reinach, um Aktenein- sicht bei der KESB. Diese wurde in der Folge gewährt. P. Auch D.____ zeigte sich in seiner E-Mail vom 19. Dez ember 2019 mit der Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft mit besonderen Befugnissen für seinen Sohn einverstanden. Q. Mit Entscheid vom 20. Dezember 2019 ordnete die KE SB für C.____ per sofort die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft mit besondere n Befugnissen nach Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 sowie eine Einkommens- und Vermögensverwaltung nach Art. 324 i.V.m. Art. 325 ZGB an. Zudem ernann- te die KESB M.____ zur Beiständin. Die KESB verfügte im Weiteren, dass A.____ mit sofortiger Wirkung das Aufenthaltsbestimmungsrecht gemäss Art. 310 Ab s. 1 ZGB über ihren Sohn ent- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zogen werde, und bestätigte die Platzierung von C.____ im Heim. Zudem wurde verfügt, dass die Platzierung nur aufgrund eines entsprechenden Entsch eids der zuständigen KESB aufge- hoben werden könne. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. R. Am 22. Dezember 2019 informierte A.____ die KESB via E-Mail darüber, dass sie per sofort nicht mehr mit der Fremdplatzierung von C.____ einverstanden sei. Auch wies sie die KESB darauf hin, dass ihr Ehemann ausziehen werde, sobal d ihr Sohn nach Hause zurückkeh- re. Vor diesem Hintergrund sei für sie nicht ersichtlich, worin die Gefährdung ihres Sohnes zu- künftig bestehen solle. Einen Tag später, am 23. Dezembe r 2019, liess sie der KESB ihre als "Einsprache" bezeichnete Eingabe zusätzlich auf postalischem Weg zukommen. S. Gegen den Entscheid der KESB vom 20. Dezember 2019 erhob A.____ mit Eingabe vom 19. Januar 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abt eilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht), mit den Begehren, es sei der Entscheid der KESB vom 20. De- zember 2019 aufzuheben, der Kindsmutter das Aufenthaltsb estimmungsrecht über ihren Sohn wiederzuerteilen und die Platzierung ihres Sohnes im H eim aufzuheben. Im Weiteren beantragt die Beschwerdeführerin die Wiederherstellung der aufsc hiebenden Wirkung sowie eine Partei- anhörung. Alles unter o-/e-Kostenfolge. T. Am 13. Februar 2020 erstattete die Beiständin von C.____ zuhanden der KESB einen Zwischenbericht über seine Entwicklung im Heim. U. Am 24. Februar 2020 liess sich die KESB vernehmen u nd beantragt die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. V. Mit Präsidialverfügung vom 27. Februar 2020 wurde d er Fall der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen und verfügt, dass das Urteil schriftli ch eröffnet werde. Auch entschied das Kantonsgericht, dass von weiteren Beweismassnahmen abgeseh en werde und die entspre- chenden Beweisanträge der Beschwerdeführerin abgewiesen würden. W. Am 8. März 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme zur Vernehmlas- sung der KESB ein. X. Am 9. März 2020 führte der Vizepräsident der Abtei lung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht eine Kindesanhörung von C.____ durch. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezembe r 1993 ist das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, zustä ndig für die Beurteilung von Be- schwerden gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenensch utzbehörde (Art. 450 Abs. 1 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ZGB). Gemäss Art. 314b Abs. 1 ZGB sind die Bestimmunge n des Erwachsenenschutzes über die fürsorgerische Unterbringung sinngemäss anwendbar, we nn ein Kind in einer geschlosse- nen Einrichtung untergebracht wird. Dies ist vorliegen d der Fall. Neben dem betroffenen Kind sind auch die Eltern zur Beschwerde legitimiert (K URT AFFOLTER -FRINGELI /URS VOGEL , in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweizer ischen Privatrecht, Bern 2016, N 158 zu Art. 310/314b ZGB). Die Beschwerdeführerin i st somit zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde berechtigt und ihre Beschwerdelegitimation ist zu bejahen. Da auch sämtliche wei- teren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwer de Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststell ung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Strittig ist, ob der Entzug des Aufenthaltsbestimmu ngsrechts der Beschwerdeführerin über C.____ und dessen Platzierung in einem Heim zu Re cht erfolgten. Die im angefochtenen Entscheid angeordnete Erziehungsbeistandschaft mit besonde ren Befugnissen wird von der Beschwerdeführerin nicht substantiiert in Frage gestellt, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. 3.1 Was den gesetzlichen Rahmen der Unterbringung eine s Kindes in einer geschlosse- nen Einrichtung anbelangt, sind die Bestimmungen des E rwachsenenschutzrechts über die für- sorgerische Unterbringung sinngemäss anwendbar (vgl. E. 1.1 hiervor). Die materiellen Vo- raussetzungen für die Unterbringung Minderjähriger rich ten sich nach Art. 310 Abs. 1 ZGB (vgl. Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung des ZGB [Botschaft Erwachsenenschutz], Bun- desblatt [BBI] 2006, S. 7102). 3.2 Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Kindes- und Erwach senenschutzbehörde das Kind den Eltern oder Dritten, wenn es sich bei diesen befi ndet, wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen, wenn der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann. Die Gefährdung muss darin liegen, dass das Kind in der e lterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, gei stige oder sittliche Entfaltung nötig wäre. Unerheblich ist, auf welche Ursachen die Gefährdung zur ückzuführen ist. Desgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefä hrdung trifft. Massgebend sind die Ver- hältnisse im Zeitpunkt der Entziehung. Alle Kindesschutzmass nahmen müssen geeignet, erfor- derlich und verhältnismässig im engeren Sinn sein (U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich 2016, Rz. 517 ff.). Es ist immer die mildeste erfolgversprechende Massnahme anzuordnen (Prop ortionalität und Subsidiarität); die- se soll elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern e rgänzen (Komplementarität). Die Ent- ziehung der elterlichen Obhut ist daher nur zulässig, w enn andere Massnahmen ohne Erfolg geblieben sind oder von vornherein als ungenügend ersch einen (Urteile des Bundesgerichts 5A_371/2019 vom 24. Juli 2019 E. 2.2; 5A_401/2015 vom 7. September 2015 E. 5.2; 5A_188/2013 vom 17. Mai 2013 E. 3; vgl. hierzu auch U rteil des Kantonsgerichts, Abteilung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 25. Oktober 2017 [810 17 265, 810 17 266] E. 2.3). 3.3 Bei der Anordnung von Kindesschutzmassnahmen gilt d as Wohl des Kindes als obers- te Maxime (KGE VV vom 3. April 2019 [810 19 58] E. 3.2). Diese Maxime weist Behörden an, in der jeweiligen Situation alles zu unternehmen, was die gedeihliche Entwicklung des Kindes am ehesten zu fördern verspricht (vgl. C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Auflage, Bern 1999, N. 26.04a). Verändern sich die Verhältnisse, so sind die Massnahmen zum Schutze des Kindes der neuen Lage anzupassen (Art. 313 Abs. 1 Z GB). Erweist sich eine Massnahme in der bisherigen Form als nicht mehr nötig, ist sie au fzuheben oder durch eine mildere zu er- setzen (vgl. HEGNAUER , a.a.O., Rz. 27.50). Jede Anordnung oder Änderung von Kindesschutz- massnahmen setzt eine Prognose über die zukünftige Entwi cklung der massgebenden Um- stände voraus. Diese wird durch das bisherige Verhalten der betroffenen Person wesentlich mitbestimmt. Die Veränderung der Verhältnisse kann üb erdies nur unter Einbezug der seiner- zeitigen Umstände beurteilt werden (BGE 120 II 384 E. 4). 3.4 Die Eignung der Institution beurteilt sich unter dem Blickwinkel der spezifisch kindes- rechtlichen Gefährdungslage und ist zu bejahen, wenn die betreffende Anstalt dem betroffenen Kind Hilfe bei der Lösung seiner Probleme zu leisten vermag, sodass die Aussicht besteht, sei- ne Entwicklung in geordnete Bahnen lenken zu können (Urt eile des Bundesgerichts 5A_401/2015 vom 7. September 2015 E. 5.2 und 5A_188 /2013 vom 17. Mai 2013 E. 5.1; KGE VV vom 25. Oktober 2017 [810 17 265] E. 2.2; KGE VV vom 10. Mai 2017 [810 17 103] E. 5.1; AFFOLTER -FRINGELI /VOGEL , a.a.O., N 98 zu Art. 310/314b ZGB). 4.1 Die KESB begründet den Entzug des Aufenthaltsbestim mungsrechts und die Platzie- rung von C.____ in ihrem Entscheid vom 20. Dezember 2 019 damit, dass die Beschwerdefüh- rerin bis heute nicht einsehe, dass sie mit ihrem Verhal ten das Wohl ihres Sohnes massiv ge- fährde. Die Beschwerdeführerin sei nicht kooperationswil lig und von ihr gemachte Zusicherun- gen erschienen vor dem Hintergrund früheren Verhalte ns als wenig glaubhaft. Auch sei die Be- schwerdeführerin – wie sie selbst ausführe – nicht in de r Lage, administrative Aufgaben selbst- ständig wahrzunehmen, weshalb sie entsprechende Unterstützung benötige. Beispielsweise sei ihr Sohn 17 Jahre alt und verfüge noch immer über kei n eigenes Bankkonto. Die Platzierung von C.____ im Heim sei dringend notwendig, da er dor t die notwendige Stabilität erfahre. Die Beschwerdeführerin habe sich bezüglich einer Fremdpla tzierung zunehmend ambivalent ge- äussert, weshalb ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht ha be entzogen werden müssen. Nur so habe der Verbleib von C.____ im Heim gesichert werden können. 4.2 Die Beschwerdeführerin führt aus, dass sich C.____ ni cht gut mit seinem Stiefvater verstehe, da dieser ein gewisses, aber nicht sehr grosses G ewaltpotential besitze. Den Vor- bringen der KESB hält die Beschwerdeführerin entgege n, dass die Erziehung von C.____ den Eltern grundsätzlich sehr gut gelinge. Selten sei es zu Handgreiflichkeiten zwischen ihrem Sohn und ihrem Ehemann gekommen. Ansonsten sei ihr Sohn ab er keinen familiären Belastungen ausgesetzt gewesen. Im Sommer 2019 habe die Beschwerdeführerin bei ihrem Sohn indes eine Verhaltensänderung bemerkt, die offenkundig auf den E influss der Schulsozialarbeiterin zu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rückgehe. C.____ habe sich immer egozentrischer und respekt loser verhalten; etwa habe er von der Beschwerdeführerin gefordert, sie solle ihm eine n Computer kaufen, ansonsten werde er ausziehen. Die Beschwerdeführerin habe ihrem Sohn in der Folge diesen Wunsch erfüllt, doch habe sich später herausgestellt, dass es sich hierbe i um einen "Gaming-Computer" ge- handelt habe, der für schulische Zwecke ungeeignet sei. D ie Beschwerdeführerin habe ihren Sohn daher aufgefordert, ihr den Computer zurückzugeben ; dieser Aufforderung sei er nicht nachgekommen, sondern habe die Fassung verloren. Die Beschwerdeführerin habe mit ihrem Sohn deshalb erneut das Gespräch gesucht. Aufgrund desse n habe sie sich am nächsten Tag damit konfrontiert gesehen, der Heimunterbringung von C.____ unverzüglich zuzustimmen, andernfalls diese hoheitlich angeordnet worden wäre. A ll dies sei für die Beschwerdeführerin "hochtraumatisch" gewesen. Insgesamt versuche die KESB, vo n der Beschwerdeführerin ein möglichst schlechtes Bild zu zeichnen, und habe bereits vo r dem Heimeintritt dafür gesorgt, dass C.____ möglichst lange im Heim platziert bleibe. Auch der Heimleiter verhalte sich intrigie- rend, indem er der Beschwerdeführerin die Anwendung psychischer Gewalt zu unterstellen ver- suche. Zusammengefasst sei nicht die Gewalt des Stiefvaters, sondern der Streit um den Com- puter der Grund gewesen, weshalb C.____ ausgezogen sei. Dies verkenne die KESB ebenso wie den Umstand, dass ihr Sohn selbst dann zuhause woh nen bleiben bzw. dorthin zurückkeh- ren wolle, wenn sein Stiefvater nicht ausziehe. Ohnehin sei von den Kindseltern bereits mehr- fach versichert worden, dass der Stiefvater ausziehen werd e, sollte C.____ dies wünschen. Damit sei das "Problem", welches laut der KESB zur Fremd platzierung geführt habe, leicht zu lösen. Gesamthaft gefährde der vorinstanzliche Entscheid die schulische und seelische Ent- wicklung von C.____ schwer, da er insbesondere die elterl iche Liebe und Fürsorge dringend benötige und der Schulabbruch – der ohne die täglich e Unterstützung der Beschwerdeführerin zu erwarten sei – ihn "für Jahre bis Jahrzehnte" schwer traumatisieren werde. 4.3 Gemäss dem Entwicklungsbericht der Beiständin vom 13 . Februar 2020 gefällt es C.____ im Heim sehr gut. Er mache positive Erfahrung en, lerne neue Umgangsformen kennen und stelle fest, wie er früher seine Aggressionen unter drückt habe. Auch erfahre er Unterstüt- zung, könne über seine Emotionen sprechen und es verursache bei ihm keine Angst mehr, die- se zu zeigen. Zudem fänden seine Bedürfnisse und Intere ssen Berücksichtigung und er werde nach seiner Meinung gefragt, was bisher nicht vorge kommen sei. Im Heim gefalle es ihm viel besser als in seinem Zuhause; denke er dorthin zurück, d urchlebe er Albträume. Derzeit wün- sche er sich keinen Kontakt zu seiner Mutter; dies könne sich nach einem Auszug des Stiefva- ters allenfalls ändern. Sein grösster Wunsch sei es indes, seine beiden Geschwister in Sicher- heit zu bringen. 4.4 In ihrer Vernehmlassung vom 24. Februar 2020 wei st die KESB ergänzend darauf hin, dass die Beschwerdeführerin die Gewaltanwendung ihres Ehemannes gegenüber ihrem Sohn mehrfach selbst bestätigt habe. Auch sei zu erwähnen, dass die Mutter-Kind-Beziehung infolge der jahrelangen Untätigkeit und Emotionslosigkeit der B eschwerdeführerin massiv gelitten ha- be, namentlich weil sie es unterlassen habe, etwas gegen die häusliche Gewalt zu unterneh- men. Bis heute sei die Beschwerdeführerin sodann nich t in der Lage, die grundlegende Prob- lematik bzw. ein eigenes Fehlverhalten zu erkennen. So s ei die Beschwerdeführerin irriger- weise der Überzeugung, dass der Streit um den Computer Anlass für den Auszug ihres Sohnes Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegeben habe. Der Beschwerdeführerin fehle jegliches Bewusstsein, dass sie mit ihrem Verhal- ten das Kindeswohl schwer gefährde. 4.5 Anlässlich der Anhörung am 9. März 2020 führte C._ ___ aus, dass es ihm im Heim jeden Tag etwas besser gehe und er weniger "Angstwelle n" durchlebe. Auch würden sich die Mitarbeitenden des Heims besser um ihn und seine Bedürfnisse kümmern, als dies seine Eltern getan hätten. Im Allgemeinen empfinde er die Stimmu ng im Heim als friedlicher und weniger aggressiv. Betreffend seine schulische Situation bringt C.____ vor, dass er angesichts der posi- tiven Entwicklungen die Motivation wiedergewonnen habe und vorerst das nicht bestandene gymnasiale Schuljahr wiederholen werde. Je mehr Abstand er gewinne, desto eher erkenne er, dass seine Mutter und nicht sein Stiefvater das "Hauptp roblem" gewesen sei. Deshalb ändere die Zusicherung, dass sein Stiefvater aus dem gemeinsamen Haushalt ausziehen werde, so- bald er zurückkehre, nichts an seinem Entschluss, nicht nac h Hause zurückkehren zu wollen. Für seine Schwestern wünsche er sich, dass diese baldmögli chst nicht mehr im elterlichen Haushalt leben müssten. 4.6.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Sohn der B eschwerdeführerin von sich aus die Hilfe der KESB gesucht hat und in das Heim eingetreten ist. Grund hierfür war gemäss den Ver- fahrensakten primär die Gewaltausübung des Stiefvaters gegenüber ihm und anderen Famili- enmitgliedern, aber auch, dass er sich von den Kindselte rn vernachlässigt und nicht unterstützt fühlte. In ihrer Eingabe vom 8. März 2020 führt die Beschwerdeführerin hierzu aus, dass es zwar zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen ihrem Sohn und dem Ehemann gekommen sei. Allerdings habe ihre Verzeigung vom 19. März 2019 insofern eine Veränderung herbeige- führt, als es in der Folge zu keinem vergleichbaren G ewaltausbruch ihres Ehemanns mehr ge- kommen sei und auch seine verbalen Provokationen abgenommen hätten. Daraus erhelle, dass das Aggressionsbewältigungsprogramm, welches ihr Ehema nn besuchen müsse, Erfolg zeige, wenn auch nicht im gewünschten Ausmass. Entscheidend sei jedoch, dass die Beschwerdefüh- rerin ihrem Sohn nie geschadet habe, weshalb sie nicht als "komplett erziehungsunfähig" gelten könne und eine Rückplatzierung durchaus möglich sei. 4.6.2 Es ist anerkannt, dass das Kindeswohl sowohl gefährde t ist, wenn das Kind selbst physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt ist, als auch, wenn es die Ausübung von Macht, Gewalt und Drohung gegen einen Elternteil dir ekt oder indirekt miterlebt (A NDREA BÜCHLER /M ARGOT MICHEL , Besuchsrecht und häusliche Gewalt, in: Die Praxis des Fam ilien- rechts [FamPra.ch], 2011, S. 525 ff., 539 f.). Vorlieg end ist der Vorinstanz beizupflichten, dass die Hinweise für eine Gefährdung des Kindeswohls gewichtig und zahlreich sind. Aus den Akten geht hervor, dass die bisherigen Massnahmen, namentlich das Aggressionsbewältigungspro- gramm des Stiefvaters, keine nachhaltige und ausreichende Verbesserung der familiären Situa- tion herbeizuführen vermochten. Vielmehr wurde diese f ür C.____ immer untragbarer, bis er sich schliesslich verzweifelt und hilfesuchend mit dem gefest igten und nachvollziehbaren Ent- schluss an die KESB wandte, aus dem elterlichen Zuhause a usziehen zu wollen. Die Be- schwerdeführerin verkennt bis heute, dass nicht der bana le Streit um den Computer, sondern die gesamte familiäre Situation für ihren Sohn eine zu grosse Belastung bedeutete. Auch scheint ihr das Bewusstsein zu fehlen, dass insbesondere ihr Verhalten bzw. ihre Untätigkeit, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der häuslichen Gewalt etwa durch einen Auszug ein Ende zu setzen, die Mutter-Kind- Beziehung schwer zerrüttete. An dieser Stelle ist zu bet onen, dass häusliche Gewalt – unab- hängig von ihrer Häufigkeit – für Kinder ernst zu ne hmende und langfristig wirkende traumati- sche Folgen hat. Das Bundesgericht stellte bereits fest, d ass es für Jugendliche eines erhebli- chen Leidensdrucks bedarf, bis sie von sich aus die Platzierung in einem Heim dem Verbleib im eigenen familiären Umfeld vorziehen (Urteil des Bunde sgerichts 5C.117/2002 vom 1. Juli 2002 E. 3.3). Der gereifte Entschluss und das dringende Bedü rfnis des beinahe volljährigen Sohnes der Beschwerdeführerin, nicht in den elterlichen Hausha lt zurückzukehren, ist im vorliegenden Fall zu schützen. Dies gilt umso mehr, als sich die Situation von C.____ seit seinem Heimeintritt massgeblich verbessert hat. Die Platzierung des Sohnes der Beschwerdeführerin in einem Kin- der- und Jugendheim – unter Entzug des Aufenthaltsbest immungsrechts gemäss Art. 310 Abs. 1 ZGB – erweist sich nach dem Gesagten als geboten und verhältnismässig. 5. Im Weiteren ist die Eignung der Institution zu beu rteilen (vgl. E. 3.4 hiervor). Das ge- wählte Heim gewährleistet die sozialpädagogische Dauer betreuung in Wohngruppen für 18 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren ( vgl. Kinder- und Jugendheim L.____, Leistungen, abrufbar unter: […]). Daraus erhellt, dass dieses Heim grundsätzlich geeignet ist, den beabsichtigten Zweck, nämlich die Gewährleistung eine r stabilen und der prosperierenden Entwicklung von C.____ dienenden Umgebung, zu erfüllen . Im Übrigen lässt sich weder den vorliegenden Akten etwas entnehmen, was gegen die Gee ignetheit der Institution sprechen würde, noch bringen die Parteien diesbezüglich ausdrückl ich etwas vor. Vor diesem Hinter- grund ist die Geeignetheit der Institution zu bejahen. 6. Nach dem Gesagten erweisen sich die strittigen Massnah men unter sämtlichen Ge- sichtspunkten als rechtmässig. Die Beschwerde ist demzufolg e vollumfänglich abzuweisen. Ebenfalls abzuweisen ist der Beweisantrag der Beschwerdef ührerin auf eine (mündliche) Par- teianhörung, zumal nicht ersichtlich ist, welche entschei drelevanten zusätzlichen Erkenntnisse eine solche zeitigen könnte. Der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung wird mit dem Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Entsprechend dem Au sgang des vorliegenden Verfahrens sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die Parteikosten sind gestützt auf § 21 Abs. 1 und 2 VPO wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 9. Mai 2020 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahrens- nummer 5A_349/2020) erhoben.