<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 34 S.170</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">170</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>34 Rechtliche Zuordnung eines bahnnahen Nebenbetriebs im "übrigen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gebiet" einer Gemeinde.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Verhältnis zwischen dem bundesrechtlichen Plangenehmigungsver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fahren und dem kantonalen Bau- und Raumplanungsrecht (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Als "übriges Gebiet" bezeichnetes Areal gilt als Bauzone, wenn es</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sich mitten im Baugebiet befindet, selbst wenn die Nutzungsordnung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Subsumtion unter Art. 24 RPG vorschreibt (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Zulässigkeit eines Speisekiosks als "standortgebundener" bahnnaher</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nebenbetrieb; zu prüfende Kriterien (Erw. 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 1. März 2006 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen B. AG gegen Regierungsrat.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">171</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Streitgegenstand bildet das Aufstellen eines Speisekiosks mit</span><br/> <span class="ft1">separatem WC durch die Beschwerdegegnerin. Der Kiosk mit einer</span><br/> <span class="ft1">Grundfläche von 3.36 m x 2.26 m soll samt dem WC (Condecta-</span><br/> <span class="ft1">Einmanntoilette mit einer Grundfläche von 1.26 m x 1.11 m) neben</span><br/> <span class="ft1">dem Güterschuppen Nr. 242 der SBB auf der bestehenden Rampe er-</span><br/> <span class="ft1">richtet werden. Zu diesem Zweck hat die Beschwerdegegnerin mit</span><br/> <span class="ft1">den SBB einen entsprechenden Mietvertrag abgeschlossen; dessen</span><br/> <span class="ft1">Gültigkeit ist seitens der SBB bestätigt worden.</span><br/> <span class="ft1">2. Da die Bauparzelle Nr. 2 zum Bahnareal der SBB gehört, ist</span><br/> <span class="ft1">vorab das Verhältnis zwischen dem bundesrechtlichen Plangenehmi-</span><br/> <span class="ft1">gungsverfahren und dem kantonalen Bau- und Raumplanungsrecht</span><br/> <span class="ft1">zu klären.</span><br/> <span class="ft1">2.1. Bauten und Anlagen, die ganz oder überwiegend dem Bau</span><br/> <span class="ft1">und Betrieb einer Eisenbahn dienen (Eisenbahnanlagen), dürfen nur</span><br/> <span class="ft1">mit einer Plangenehmigung erstellt oder geändert werden (Art. 18</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 des Eisenbahngesetzes vom 20. Dezember 1957 [EBG, Fas-</span><br/> <span class="ft1">sung vom 18. Juni 1999; SR 742.101]). Kantonale Bewilligungen</span><br/> <span class="ft1">und Pläne sind für solche Anlagen nicht erforderlich (Art. 18 Abs. 4</span><br/> <span class="ft1">EBG). Die Abgrenzung zu anderen Bauten und Anlagen hat dabei</span><br/> <span class="ft1">auf Grund einer funktionellen Betrachtung zu erfolgen. Von einer</span><br/> <span class="ft1">ganz oder überwiegend dem Bahnbetrieb dienenden Anlage kann nur</span><br/> <span class="ft1">gesprochen werden, wenn sachlich und räumlich ein notwendiger,</span><br/> <span class="ft1">enger Zusammenhang derselben mit dem Bahnbetrieb besteht (BGE</span><br/> <span class="ft1">127 II 234 mit Hinweisen). Auch bei grösseren, nicht nur baulich,</span><br/> <span class="ft1">sondern auch funktionell und betrieblich zusammenhängenden Bau-</span><br/> <span class="ft1">ten und Anlagen stellt das Bundesgericht darauf ab, ob das Gesamt-</span><br/> <span class="ft1">bauwerk überwiegend dem Bahnbetrieb diene; in diesem Sinne wur-</span><br/> <span class="ft1">den die Ladenzentren im Zürcher Hauptbahnhof und im Bahnhof Zü-</span><br/> <span class="ft1">rich-Stadelhofen in das bundesrechtliche Plangenehmigungsverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren gewiesen und nicht als selbständige Teile dem kantonalen Be-</span><br/> <span class="ft1">willigungsverfahren unterstellt (BGE 122 II 272 f.; 116 Ib 407 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Dagegen wurde ein enger Zusammenhang mit einem Busbahnhof</span><br/> <span class="ft1">sowie einer Allee und Unterführung im Bereich des Bahnhofs Siss-</span><br/> <span class="ft1">ach verneint (BGE vom 23. Mai 1995 [1A.147/1994], publiziert in:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">172</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ZBl 97/1996, S. 377 f.), ebenso derjenige mit einer neu auf einem</span><br/> <span class="ft1">SBB-Grundstück zu errichtenden Lagerhalle, in welcher Alteisen ge-</span><br/> <span class="ft1">sammelt, verarbeitet, gelagert und anschliessend mittels der Eisen-</span><br/> <span class="ft1">bahn weitertransportiert werden sollte (BGE 111 Ib 42 ff.). Im Lichte</span><br/> <span class="ft1">dieser Rechtsprechung besteht offensichtlich kein enger Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang zwischen dem geplanten Speisekiosk und dem Bahnbetrieb der</span><br/> <span class="ft1">SBB, weshalb eine bundesrechtliche Plangenehmigungspflicht ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Art. 18 Abs. 1 EBG ausser Betracht fällt.</span><br/> <span class="ft1">2.2. Gemäss Art. 18m Abs. 1 EBG unterstehen die Erstellung</span><br/> <span class="ft1">und Änderung von Bauten und Anlagen, die nicht ganz oder über-</span><br/> <span class="ft1">wiegend dem Bahnbetrieb dienen (Nebenanlagen), dem kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Recht; sie dürfen nur mit Zustimmung der Bahnunternehmung be-</span><br/> <span class="ft1">willigt werden, wenn die Nebenanlage Bahngrundstücke beansprucht</span><br/> <span class="ft1">oder an solche angrenzt (lit. a) oder die Betriebssicherheit beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigen könnte (lit. b). Ob es sich beim Speisekiosk um eine Ne-</span><br/> <span class="ft1">benanlage in diesem Sinne oder um eine Baute handelt, die in keiner</span><br/> <span class="ft1">Art und Weise mit dem Eisenbahnrecht des Bundes im Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang steht, kann offen gelassen werden, da der Speisekiosk unstreitig</span><br/> <span class="ft1">einer Baubewilligung bedarf, so oder so kantonalem Recht untersteht</span><br/> <span class="ft1">und die Zustimmung der Bahnunternehmung in Form des Mietver-</span><br/> <span class="ft1">trags vom 16./19. September 2003 vorliegt.</span><br/> <span class="ft1">3. 3.1. Die Parzelle Nr. 2 ist im Bauzonenplan der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">Döttingen vom 9. Dezember 1988 / 3. November 1992 als weisse</span><br/> <span class="ft1">Fläche dargestellt, d.h. keiner besonderen Zone zugewiesen. § 26 der</span><br/> <span class="ft1">Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde Döttingen vom 11. Juni</span><br/> <span class="ft1">1999 / 29. Mai 2002 (BNO) bestimmt dazu Folgendes:</span><br/> <span class="ft1">"</span><span class="ft7"><sup>1</sup></span><span class="ft1">Das keiner Nutzungs- oder Schutzzone zugewiesene und</span><br/> <span class="ft1">nicht zum Wald oder zu den Gewässern gehörende Areal wird</span><br/> <span class="ft1">als übriges Gebiet bezeichnet.</span><br/> <span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft1">Für Bauten und Anlagen gilt Art. 24 RPG."</span><br/> <br/> <span class="ft1">Das fragliche Bahnareal liegt mitten im Baugebiet der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde Döttingen bzw. ist allseitig von Bauzonen umgeben (Kern-</span><br/> <span class="ft1">zone, Gewerbe- und Wohnzone 3, Gewerbe- und Industriezone,</span><br/> <span class="ft1">Wohnzone 3, Dorfzone). Auch die Richtplan-Gesamtkarte weist es</span><br/> <span class="ft1">vollumfänglich dem Siedlungsgebiet zu. Diese Umstände legen die</span><br/> <span class="ft1">Frage nahe, was der Verweisung auf Art. 24 RPG in § 26 Abs. 2</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">173</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">BNO für eine Bedeutung zukommt; die erwähnte Bestimmung des</span><br/> <span class="ft1">Bundesrechts regelt die Ausnahmen für Bauten und Anlagen <i>ausser-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>halb</i> der Bauzonen.</span><br/> <span class="ft1">3.2. Das Bundesgericht hat sich in zwei Fällen mit ähnlichen</span><br/> <span class="ft1">Problemstellungen auseinandergesetzt:</span><br/> <span class="ft1">3.2.1. Im einen Fall aus dem Jahre 1988 sollte auf dem "Her-</span><br/> <span class="ft1">renacker", einem Platz in der Altstadt der Stadt Schaffhausen, ein</span><br/> <span class="ft1">unterirdisches Parkhaus errichtet werden. Der "Herrenacker" war,</span><br/> <span class="ft1">wie die anderen öffentlichen Strassen und Plätze im Zonenplan der</span><br/> <span class="ft1">Stadt, weiss gelassen worden. Für die Frage, ob der mitten in der</span><br/> <span class="ft1">Altstadt liegende Platz zur Bauzone gehöre oder eine nicht überbau-</span><br/> <span class="ft1">bare Insel in der Bauzone bilde, hielt das Bundesgericht fest, es sei</span><br/> <span class="ft1">auf die kantonalen Vorschriften, die kommunalen Nutzungsbestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen und den Willen der für die Ortsplanung zuständigen Instan-</span><br/> <span class="ft1">zen abzustellen, soweit dieser sich aus dem Zonenplan selbst oder</span><br/> <span class="ft1">aus den Vorarbeiten ergebe. Es kam zum Ergebnis, dass für den</span><br/> <span class="ft1">"Herrenacker" keine nutzungsmässige Sonderregelung getroffen</span><br/> <span class="ft1">worden sei, die ihn von der Bauzone ausgeschlossen hätte; er sei</span><br/> <span class="ft1">deshalb gleich wie die anderen Erschliessungsflächen der Zone zuzu-</span><br/> <span class="ft1">rechnen, in der er liege, d.h. der Altstadtzone. Zwar sei einzuräumen,</span><br/> <span class="ft1">dass die Bauvorschriften dieser Zone nicht auf Bauten wie das um-</span><br/> <span class="ft1">strittene Parkhaus zugeschnitten seien und auch das kantonale Bau-</span><br/> <span class="ft1">gesetz keine Spezialbestimmungen für grössere unterirdische Anla-</span><br/> <span class="ft1">gen enthalte. Dieser Mangel sei jedoch durch Änderung des kanto-</span><br/> <span class="ft1">nalen und kommunalen Rechts zu beheben und nicht durch Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung von Art. 24 RPG, dessen Zweck darin bestehe, das vom Sied-</span><br/> <span class="ft1">lungsgebiet abzugrenzende Kulturland von zonenwidrigen Bauten</span><br/> <span class="ft1">möglichst freizuhalten und für Ausnahmen eine einheitliche Rege-</span><br/> <span class="ft1">lung zu schaffen (BGE 114 Ib 344 ff., insbesondere 349 f.).</span><br/> <span class="ft1">3.2.2. Im BGE vom 18. März 2004 [1A.140/2003] ging es um</span><br/> <span class="ft1">die Baubewilligung für eine Mobilfunkantenne auf dem Bahnareal</span><br/> <span class="ft1">Rothenburg Dorf. Das Bundesgericht hielt hierzu u.a. Folgendes fest</span><br/> <span class="ft1">(Erw. 2.5):</span><br/> <span class="ft1">"Im vorliegenden Fall geht es um ein Areal, das dem Bahnbe-</span><br/> <span class="ft1">trieb dient und deshalb grundsätzlich der Eisenbahnhoheit des Bun-</span><br/> <span class="ft1">des und nicht dem kommunalen und kantonalen Planungsrecht un-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">174</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">terliegt (Art. 18 EBG; BGE 115 Ib 166 E. 3 und 4 S. 172 ff.). Dieser</span><br/> <span class="ft1">Tatsache trägt der Zonenplan der Gemeinde Emmen Rechnung,</span><br/> <span class="ft1">wenn er das Bahnareal weiss darstellt und es nicht selbst einer be-</span><br/> <span class="ft1">stimmten Nutzung zuordnet. Die Nutzung dieses Grundstücks ist</span><br/> <span class="ft1">nicht unbestimmt; vielmehr ist es bereits durch eisenbahnrechtliche</span><br/> <span class="ft1">Plangenehmigung dem Eisenbahnverkehr gewidmet. Dann aber ist es</span><br/> <span class="ft1">nicht willkürlich, die Anwendbarkeit von § 56 PBG/LU im vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Fall zu verneinen. Der Verzicht auf eine eigene Planung die-</span><br/> <span class="ft1">ses Gebiets durch die Gemeinde, die ohnehin nur für allfällige be-</span><br/> <span class="ft1">triebsfremde Nutzungen des Bodens Wirkung entfalten könnte (BGE</span><br/> <span class="ft1">115 Ib 166 E. 4 S. 174), folgt aus der Zuständigkeitsordnung des</span><br/> <span class="ft1">EBG und ist nicht als bewusster Ausschluss des Bahnhofareals aus</span><br/> <span class="ft1">der umgebenden Bauzone zu verstehen.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht hat deshalb für die Frage, ob das Areal</span><br/> <span class="ft1">als Bauzone oder Nichtbauzone zu betrachten sei, zu Recht nicht al-</span><br/> <span class="ft1">lein auf die Darstellung (weisse Fläche) im Zonenplan, sondern auf</span><br/> <span class="ft1">weitere Kriterien abgestellt, namentlich die bereits erfolgte Überbau-</span><br/> <span class="ft1">ung des Gebiets zu Zwecken des Bahnbetriebs, seine Lage inmitten</span><br/> <span class="ft1">von Bauzonen und seine Zuordnung zum Siedlungsgebiet im Richt-</span><br/> <span class="ft1">plan. Es hat ferner geprüft, ob mit der Bewilligung einem be-</span><br/> <span class="ft1">schränkten Mobilfunkantennenverbot der Gemeinde im Wege der</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsplanung, insbesondere aus Gründen der Ästhetik, des Orts-</span><br/> <span class="ft1">bilds- oder Landschaftsschutzes zuvorgekommen werde, und hat dies</span><br/> <span class="ft1">verneint. Diese Erwägungen widersprechen weder den leitenden</span><br/> <span class="ft1">Prinzipien des Raumplanungsrechts, namentlich der Trennung von</span><br/> <span class="ft1">Siedlungs- und Nichtsiedlungsgebiet, noch liegt ihnen eine willkürli-</span><br/> <span class="ft1">che Auslegung und Anwendung kantonalen Planungsrechts zu-</span><br/> <span class="ft1">grunde. Zumindest in der vorliegenden Konstellation besteht, wie das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht zu Recht festgehalten hat, auch keine Gefahr der</span><br/> <span class="ft1">Nichteinhaltung der vom RPG vorgeschriebenen Entscheidfolge:</span><br/> <span class="ft1">Während bei einer Lücke in einem Nutzungsplan im allgemeinen ein</span><br/> <span class="ft1">Handlungsbedarf für die Nutzungsplanung besteht (...), ist eine</span><br/> <span class="ft1">kommunale Planung des fraglichen Bahnareals erst möglich, wenn</span><br/> <span class="ft1">der Bahnbetrieb an dieser Stelle einmal aufgegeben werden sollte</span><br/> <span class="ft1">(BGE 115 Ib 166 E. 4 S. 174). Bis dahin erscheint es aber durchaus</span><br/> <span class="ft1">sinnvoll, Bahnareale, die im Siedlungsgebiet liegen, baulich zu nut-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">175</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zen, z.B. für die Erstellung von Mobilfunkanlagen; ein Interesse an</span><br/> <span class="ft1">der Freihaltung solcher Areale besteht nicht."</span><br/> <span class="ft1">Dementsprechend ging das Bundesgericht davon aus, dass es</span><br/> <span class="ft1">sich beim fraglichen Bauvorhaben um ein solches innerhalb der Bau-</span><br/> <span class="ft1">zone handle, das keiner Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 RPG</span><br/> <span class="ft1">bedürfe (a.a.O., Erw. 2.6).</span><br/> <span class="ft1">3.2.3. In Anlehnung an diese Entscheide ist auch § 26 BNO</span><br/> <span class="ft1">auszulegen. Es ist klarerweise unlogisch, eine mitten im Baugebiet</span><br/> <span class="ft1">liegende Landfläche Nutzungsbestimmungen zu unterstellen, deren</span><br/> <span class="ft1">Hauptzweck in der Freihaltung von Bauten und Anlagen besteht. Das</span><br/> <span class="ft1">raumplanerische Ziel, in Befolgung des Gebots der haushälterischen</span><br/> <span class="ft1">Nutzung des Bodens (Art. 1 Abs. 1 Satz 1 RPG) die Siedlungstätig-</span><br/> <span class="ft1">keit in Bauzonen zusammenzufassen und die Streubauweise für nicht</span><br/> <span class="ft1">freilandgebundene Bauten zu verhindern (BGE 124 II 395 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen), wird in der zur Diskussion stehenden Situation in keiner</span><br/> <span class="ft1">Weise aufgeweicht, wenn das Areal des Bahnhofs Döttingen grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich als Bauzone betrachtet wird. Es besteht diesbezüglich weit-</span><br/> <span class="ft1">gehende Parallelität mit dem zweitgenannten BGE betreffend das</span><br/> <span class="ft1">Bahnareal Rothenburg Dorf; auch dort hat das Bundesgericht entge-</span><br/> <span class="ft1">gen dem Wortlaut des einschlägigen § 56 Abs. 2 des Planungs- und</span><br/> <span class="ft1">Baugesetzes des Kantons Luzern vom 7. März 1989 ("In dieser Zone</span><br/> <span class="ft1">gelten die Bestimmungen der Landwirtschaftszone.") dafür gehalten,</span><br/> <span class="ft1">es mache von der Sache her keinen Sinn, Land, das bereits jetzt</span><br/> <span class="ft1">durch die Bahn baulich genutzt werde sowie grossmehrheitlich von</span><br/> <span class="ft1">Bauland umgeben und gemäss Richtplan dem Siedlungsgebiet zuge-</span><br/> <span class="ft1">ordnet sei, als Nichtbauzone zu betrachten (a.a.O., Erw. 2.1, 2.5, 2.6).</span><br/> <span class="ft1">Diese Überlegungen gewinnen noch an Gewicht, wenn in Rechnung</span><br/> <span class="ft1">gestellt wird, dass das in Frage stehende "Übrige Gebiet" im Zuge</span><br/> <span class="ft1">einer unmittelbar bevorstehenden Gesamtrevision des Zonenplans</span><br/> <span class="ft1">der Bauzone zugewiesen werden soll. Damit sind die Argumente,</span><br/> <span class="ft1">welche die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit Art. 24 RPG</span><br/> <span class="ft1">vorbringt, obsolet.</span><br/> <span class="ft1">4. 4.1. Die erstinstanzlich zuständige Abteilung für Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungen des BVU verfolgt die Praxis, sog. bahnnahe Nebenbetriebe</span><br/> <span class="ft1">auf dem Areal der SBB als "standortgebunden" zuzulassen. Eine sol-</span><br/> <span class="ft1">che Nutzung diene zwar nicht ganz oder überwiegend dem Bahnbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">176</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">trieb, stehe aber dem Bahnbetrieb insofern nahe, als so die Kunden-</span><br/> <span class="ft1">bedürfnisse befriedigt werden könnten. Dazu gehörten etwa ein Le-</span><br/> <span class="ft1">bensmittelgeschäft, ein Blumenladen, Taxistandplätze, Postautoab-</span><br/> <span class="ft1">stellplätze, Reklameständer, ein Take-away-Betrieb sowie Waren-</span><br/> <span class="ft1">oder andere Automaten. An der Augenscheinsverhandlung vom 1.</span><br/> <span class="ft1">März 2006 haben die Vertreter der Abteilung für Baubewilligungen</span><br/> <span class="ft1">dem Verwaltungsgericht drei einschlägige Teilverfügungen überge-</span><br/> <span class="ft1">ben, wovon zwei (datierend vom 7. Juni 2004) die Erstellung von</span><br/> <span class="ft1">Park-and-Rail-Anlagen auf den Bahnhöfen Beinwil a.S. und Birrwil</span><br/> <span class="ft1">betreffen. Der Regierungsrat trägt diese Praxis mit.</span><br/> <span class="ft1">Das BVU vertritt weiter die Meinung, auch ein Speisekiosk</span><br/> <span class="ft1">könne im erwähnten Sinne als "standortgebunden" bezeichnet wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Ein solcher Kiosk befriedige die Bedürfnisse der Bahnreisen-</span><br/> <span class="ft1">den. Dass auch andere Kunden den Kiosk aufsuchten, könne nicht</span><br/> <span class="ft1">ganz ausgeschlossen werden. Dieser Umstand schliesse aber die</span><br/> <span class="ft1">"Standortgebundenheit" nicht aus. Der Regierungsrat argumentiert in</span><br/> <span class="ft1">der gleichen Richtung: In örtlicher Hinsicht genüge es, wenn sich ein</span><br/> <span class="ft1">Bahnnebenbetrieb an einem Bahnhof, d.h. in der Nähe der Bahn-</span><br/> <span class="ft1">steige, der Geleise oder an den Hauptverkehrswegen im Bahnhof zu</span><br/> <span class="ft1">oder von den Geleisen befinde. Mit zunehmender räumlicher Distanz</span><br/> <span class="ft1">von den genannten Bahnanlagen könne allerdings eine Baute ihre</span><br/> <span class="ft1">Qualifikation als Bahnnebenbetrieb verlieren.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin wendet sich in grundsätzlicher Hin-</span><br/> <span class="ft1">sicht nicht gegen diese Verwaltungspraxis. Sie leuchtet auch dem</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht ein, zumal sie sich an Art. 39 Abs. 1 EBG an-</span><br/> <span class="ft1">lehnt. Danach sind die Bahnunternehmungen befugt, an Bahnhöfen</span><br/> <span class="ft1">und in Zügen Nebenbetriebe einzurichten, soweit diese auf die Be-</span><br/> <span class="ft1">dürfnisse der Bahnkunden ausgerichtet sind (siehe zur einschlägigen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung BGE vom 22. März 2002 [2A.255/2001] Erw. 4.1;</span><br/> <span class="ft1">BGE vom 22. März 2002 [2A.256/2001] Erw. 6.1 und 6.2).</span><br/> <span class="ft1">4.2. Bezogen auf den konkreten Einzelfall hält der Regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rat fest, das Warenangebot der Beschwerdegegnerin umfasse Imbiss-</span><br/> <span class="ft1">Gerichte (Kebab, Bratwürste, Hot Dogs, Hamburger und gebackene</span><br/> <span class="ft1">Kartoffeln), Bier und alkoholfreie Getränke. Ein solches Angebot sei</span><br/> <span class="ft1">für einen Bahnnebenbetrieb typisch. Im Weitern befinde sich zwar</span><br/> <span class="ft1">der geplante Standort rund 150 m vom Bahnhofsgebäude entfernt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">177</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und sei für ortsunkundige Bahnreisende, die nicht aus südlicher</span><br/> <span class="ft1">Richtung zum Bahnhof gelangten, kaum wahrnehmbar. Es sei aber</span><br/> <span class="ft1">zu berücksichtigen, dass die fraglichen Bauten auf die Rampe eines</span><br/> <span class="ft1">noch in Gebrauch befindlichen Güterschuppens der SBB zu stehen</span><br/> <span class="ft1">kämen. Auch grenze der Speisekiosk an die Gleisanlagen, und er sei</span><br/> <span class="ft1">von zahlreichen Park-and-Ride-Parkplätzen der SBB umgeben. Es</span><br/> <span class="ft1">sei daher naheliegend, dass ihn vorwiegend Bahnkunden aufsuchen</span><br/> <span class="ft1">würden. Bei einer Gesamtbetrachtung sei davon auszugehen, dass</span><br/> <span class="ft1">der Speisekiosk vornehmlich den Bahnkunden diene. Dem hält die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin im Wesentlichen die Distanz bzw. den fehlenden</span><br/> <span class="ft1">Sichtkontakt zum Bahnhof entgegen. Das Schwergewicht des Bahn-</span><br/> <span class="ft1">hofs sei nach dessen Umgestaltung markant nach Norden verlegt</span><br/> <span class="ft1">worden. Der ehemalige Güterschuppen der SBB sei zum heutigen</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt an eine gemeinnützige Stiftung vermietet und habe mit</span><br/> <span class="ft1">dem Bahnbetrieb nichts mehr zu tun. Das Bauvorhaben sei vom</span><br/> <span class="ft1">Bahnhof "abgenabelt".</span><br/> <span class="ft1">Der streitbetroffene Speisekiosk erfüllt in sachlicher Hinsicht</span><br/> <span class="ft1">die Anforderungen an einen bahnnahen Nebenbetrieb; angeboten</span><br/> <span class="ft1">werden darin wie erwähnt herkömmliche Imbiss-Gerichte sowie Bier</span><br/> <span class="ft1">und alkoholfreie Getränke. In örtlicher Hinsicht befindet sich der</span><br/> <span class="ft1">Speisekiosk zwar nicht unmittelbar im Bahnhofsgebäude, sondern in</span><br/> <span class="ft1">ca. 150 m Distanz dazu. Indessen ist nach der Rechtsprechung zu den</span><br/> <span class="ft1">Bahnnebenbetrieben nicht erforderlich, dass sich diese im Bahnhof</span><br/> <span class="ft1">selbst befinden. Entscheidend ist vielmehr der funktionale Bezug des</span><br/> <span class="ft1">Betriebs zum Bahnhof, und dieser Bezug ist hier klarerweise zu be-</span><br/> <span class="ft1">jahen; der Speisekiosk grenzt unmittelbar an die Gleisanlagen an, ist</span><br/> <span class="ft1">vor einem Güterschuppen der SBB situiert und überdies von zahlrei-</span><br/> <span class="ft1">chen Park-and-Ride-Parkplätzen der SBB umgeben. Dass der Güter-</span><br/> <span class="ft1">schuppen heute nicht mehr von den SBB genutzt wird, tut nichts zur</span><br/> <span class="ft1">Sache; wesentlicher ist seine Erscheinungsweise, die immer noch</span><br/> <span class="ft1">dieselbe ist wie vorher und ihn seitens der Passanten ohne weiteres</span><br/> <span class="ft1">dem Bahnbetrieb zuordnen lässt.</span><br/> <span class="ft1">5. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde unbegründet und deshalb abzuweisen ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>