<h2>SubmittedText<h2><p>Die Schweiz hat sich im Rahmen des Pariser Klimaübereinkommens verpflichtet, bis 2030 ihren Treibhausgasausstoss gegenüber dem Stand von 1990 zu halbieren, und bis 2050 will sie unter dem Strich gar keine Treibhausgase mehr ausstossen. Das Zusammenspiel von Arbeitsmarkt und Klimawandel sowie von Berufsqualifikationen und grünen Arbeitsstellen spielt im Pariser Übereinkommen sowie in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eine wichtige Rolle.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie werden sich die Entscheide und Massnahmen, mit denen die angestrebte Klimaneutralität erreicht werden soll, bis 2030 beziehungsweise 2050 auf den Arbeitsmarkt auswirken?</p><p>2. Andere Länder, die sich zur Erreichung des Netto-Null-Ziels verpflichtet haben, verfügen über Strategien zu grünen Arbeitsstellen und Qualifikationen. Greift die Schweiz auf wichtige Erkenntnisse aus solchen Strategien zurück? Wenn ja, auf welche Erkenntnisse? Wenn nein, wieso nicht?</p><p>3. Senegal hat für seine Strategie zur Förderung grüner Arbeitsplätze 2019 einen Preis des World Future Council erhalten. Wird die Schweiz nun auch eine nationale Strategie für nachhaltige Erwerbstätigkeit nach dem Vorbild von Senegal ausarbeiten? Wenn ja, wie? Wenn nein, wieso nicht?</p><p>4. Wie gewährleistet die Schweiz, dass Ausbildung, Berufsbildung und Laufbahnentwicklung gezielt in die Prozesse auf dem Weg hin zur Klimaneutralität einbezogen werden?</p><p>5. Ist die Schweiz bereit aufzuzeigen, wie ermöglicht werden kann, dass die Anforderungsprofile für künftige Berufe sowie Berufsreformen nicht ausschliesslich von den Berufsverbänden bestimmt, sondern auch von jungen Menschen mitgestaltet werden? Wenn ja, wie? Wenn nein, wieso nicht?</p><p>6. Ist der Bundesrat bereit, ab sofort auf das Instrument von Zielvereinbarungen mit Berufsverbänden zurückzugreifen, das ihm nach dem Umweltschutzgesetz (Art. 41a) und dem Energiegesetz (Art. 4) zur Verfügung steht, und so die Arbeitswelt und den Weiterbildungssektor auf dem Weg hin zur Klimaneutralität zu stärken? Wenn ja, wie? Wenn nein, wieso nicht?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1-3) Der Strukturwandel der Schweizer Wirtschaft wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst wie beispielsweise die demografische oder technologische Entwicklung oder die Globalisierung. Auch klimapolitische Massnahmen und Anstrengungen der Schweiz können zu strukturellen Veränderungen führen.</p><p>Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Bildung in der Schweiz haben sich bis anhin stets erfolgreich an neue Bedingungen angepasst, weil sich die Akteure an den vielfältigen und sich wandelnden Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientieren. Veränderungen der Arbeitskräftenachfrage als Folge von klimapolitischen Massnahmen werden durch die Akteure berücksichtigt und wenn möglich antizipiert. So werden beispielsweise alle Berufe der beruflichen Grundbildung auf Initiative der Wirtschaft entwickelt und mindestens alle fünf Jahre auf wirtschaftliche, technologische, ökologische und didaktische Entwicklungen hin überprüft und angepasst. Auch die Abschlüsse der höheren Berufsbildung werden stetig weiterentwickelt und zeichnen sich ebenfalls dadurch aus, dass sie von der Wirtschaft getragen und auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.</p><p>Eine dieser Entwicklung vorauseilende, staatlich gelenkte Berufsentwicklung oder eine Förderung einzelner Berufsgruppen für "grüne Jobs" wäre systemfremd und nicht zielführend. Es bestünde das Risiko einer Entfernung von den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts. Um sich auch künftig erfolgreich an den Strukturwandel anpassen zu können, gilt es die bewährten Stärken der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik zu erhalten. Im Rahmen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit wird die Schweiz weiterhin an europäischen und internationalen Programmen, Initiativen und Prozessen teilnehmen, welche für die Schweizer Berufsbildung relevant sind.</p><p>4-6) Nachhaltige Entwicklung, Ökologie und Cleantech sind seit Jahren wichtige Themen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und dadurch auch längst von der Berufsbildung aufgenommen worden. Zeugnis davon sind verschiedene berufliche Grundbildungen und Angebote der höheren Berufsbildung (HBB), die neu geschaffen oder bei Revisionen um nachhaltige Aspekte ergänzt worden sind. So beispielsweise der Beruf Recyclistin/Recyclist EFZ, welcher bereits seit über 20 Jahren erlernt werden kann, oder Zimmerin/Zimmermann EFZ, welche heutzutage in der Lage sind, Solar- und Photovoltaikanlagen zu montieren. Auch in der HBB existieren längst entsprechende Bildungsangebote, beispielsweise Energieberaterin/Energieberater Gebäude mit eidgenössischem Fachausweis. Der Bundesrat hat zudem die nachhaltige Entwicklung in der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2021-2024 als ein zentrales transversales Thema hervorgehoben, dem über alle Förderbereiche hinweg besondere Beachtung geschenkt wird. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation stellt beispielsweise den Trägerschaften die "Orientierungshilfe Nachhaltige Entwicklung in der Berufsbildung" zur Verfügung. Damit können diese prüfen, inwieweit und in welcher Form sie mit ihren Abschlüssen zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können. Auch die Hochschulen bieten zahlreiche Studiengänge und Weiterbildungen in verschiedenen Disziplinen an, die sich mit Aspekten der nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen, oder passen bestehende Studiengänge entsprechend an.</p><p>Lernende sowie Absolventinnen und Absolventen werden bei Berufsrevisionen durch die Trägerschaften häufig miteinbezogen. Zudem haben sie als Nachfragerinnen und Nachfrager die Chance, sich für eine Ausbildung zu entscheiden, die am besten zu ihren persönlichen Vorstellungen und Eigenschaften passt. Der Bundesrat sieht somit auch im Bereich Aus- und Weiterbildung keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.</p>  Antwort des Bundesrates.