Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Mai 2015 (710 15 34) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung AHV-Beiträge von Selbstständigerwerbenden: Die Form el zur Berechnung der persönlichen AHV-Beiträge gemäss Weisung des Bundes amtes für Sozialversi- cherungen ohne Berücksichtigung der Zinsen auf dem in Betrieb eingesetzten Eigenkapital ist nicht gesetzeskonform und führt zu übermässig hohen persönli- chen AHV-Beiträgen. Aus der Gesetzessystematik ergi bt sich, dass der Zins des im Betrieb eingesetzten eigenen Kapitals vor der Be itragsaufrechnung abzuzie- hen ist (Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG). Erst nach Abzu g dieses Zinses ergibt sich das AHV-pflichtige Einkommen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Milena Grob Parteien A.___ als Willensvollstrecker im Nachlass von B.___ Beschwerd e- führer gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Beiträge i. S. Nachlass B.___ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Ausgleichskasse Basel-Landschaft (Ausgleichskasse) hat mit Verfügung vom 22. September 2014 die AHV-Beiträge der am 9. Juni 2014 verstorbenen B.___ festgesetzt. Die Berechnung der Beiträge in der Verfügung stützte sich a uf eine Meldung der Steuerverwaltung vom 16. September 2014 über die Veranlagung der dire kten Bundessteuer in Bezug auf das Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit. Die AHV- Beiträge belaufen sich gemäss Ver- fügung für das Beitragsjahr 2012 inklusive der Verwaltun gskosten auf Fr. 721'216.80. Dabei ist die Ausgleichskasse von einem beitragspflichtigen Einkom men von B.___ von Fr. 7'343'600.-- ausgegangen. Die Verwaltungskosten betragen gemäss Verfügung Fr. 7‘123.20. B. Mit E-Mail vom 25. September 2014 hat der Willensv ollstrecker der verstorbenen B.___, der Ausgleichskasse mitgeteilt, dass die Steuerver anlagung nicht nachvollziehbar sei, worauf die Ausgleichskasse bei der Steuerverwaltung am 14. Oktober 2014 eine rektifizierte AHV-Meldung für da s Jahr 2012 erwirkt hat. Gestützt darauf hat die Ausgleichskasse ihre Verfügung vom 22. Septemb er 2014 in Wiedererwägung gezogen und mit Verfügung vom 30. Oktober 2014 die AHV-Beit räge von B.___ für das Jahr 2012 neu auf Fr. 693‘423.60 und die Verwaltungskosten auf Fr. 6‘934.20 festgelegt sowie einen Verzugs- zins von Fr. 1'260.55 verlangt. Dabei ging die Kasse neu von einem beitragspflichtigen Ein- kommen von Fr. 7'148'700.-- aus. C. Die gegen diese Verfügung am 28. November 2014 e rhobene Einsprache hat die Aus- gleichskasse mit Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2014 teilweise gutgeheissen und den Verzugszins auf Fr. 195.05 herabgesetzt. Zur Begründung fügte sie im Wesentlichen an, dass der Verzugszins aufgrund eines Missverständnisses zu hoch angeset zt worden sei. An der ebenfalls angefochtenen Berechnung des beitragspflichtige n Einkommens hielt die Ausgleichs- kasse dagegen fest. D. Gegen diesen Einspracheentscheid hat der Willensvollst recker A.___ mit Eingabe vom 24. Januar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kant ons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) erhoben. Er be antragte, das beitragspflichtige Ein- kommen auf Fr. 7'121'965.-- und die darauf geschuldet en AHV-Beiträge auf Fr. 690'831.-- her- abzusetzen; ferner seien die Verwaltungskosten auf Fr. 6 '908.30 herabzusetzen, unter o/e- Kostenfolge. Die Festlegung des Verzugszinses und der FAK- Beiträge wurden nicht angefoch- ten. Zur Begründung führte A.___ im Wesentlichen an , dass die Berechnung der Beiträge ge- mäss den Randziffern 1166 bis 1176 der Wegleitung des Bu ndesamtes für Sozialversicherun- gen (BSV) einen Denkfehler enthalte und gemäss Entsch eid des Verwaltungsgerichts des Kan- tons Schwyz vom 14. Februar 2014 gesetzeswidrig sei. Gemä ss der Wegleitung sei der Zins vom im Betrieb investierten Eigenkapital erst nach Auf rechnung der AHV-Beiträge abzuziehen. Aus der Systematik ergebe sich, dass das von den Steuerbe hörden gemeldete Einkommen nicht dem beitragspflichtigen Einkommen entspreche und daher auch nicht Basis für eine Bei- tragsaufrechnung sein könne. Das gemeldete Einkommen e ntspreche vielmehr dem Produkt von Arbeit und Kapital. Erst nach Abzug der Eigenkapita lverzinsung ergebe sich das Produkt Arbeit, welches Grundlage für die Erhebung von AHV-Be iträgen sei. B.___ verfüge im Ge- schäftsvermögen über beträchtliche Eigenmittel, folglich sei das gemäss Steuermeldung aus- gewiesene Einkommen zunächst um den Rentenfreibetrag zu kürzen und in einem zweiten Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schritt sei der Zins auf dem geschäftlichen Eigenkapital abzuziehen. Erst nach Abzug dieses Zinsbetrags könne von einem AHV-pflichtigen Einkommen ge sprochen werden, so dass auf diesen Betrag die Beitragsaufrechnung vorzunehmen sei. E. Mit Vernehmlassung vom 26. Februar 2015 beantragte die Ausgleichskasse Basel- Landschaft die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründun g führt sie aus, dass keine Begrün- dung für eine Ausnahmeregelung vorliege und eine gän zliche Praxisänderung für die Kasse nicht möglich sei, da sie an die Weisungen des BSV gebunden bleibe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 84 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 entscheidet über Beschwerde n gegen Einspracheentscheide kantonaler Ausgleichskassen das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse. Anfech- tungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Ein spracheentscheid der Ausgleichskasse Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einsprache entscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 des Bundesgesetzes über den Allgemei nen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Es ist somit auch sa chlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Die prozessuale Rechtstellung des Willensvollstreckers r egelt das Gesetz nur indirekt durch die Verweisung auf den amtlichen Erbschaftverwalt er (Art. 518 Abs. 1 des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907). Gemäss Art. 596 Abs. 1 ZGB hat dieser unter anderem die Aufgabe, die Rechte und Pfli chten des Erblassers soweit nötig ge- richtlich festzustellen. Die Prozesslegitimation des Willensvollstreckers für Aktiv- und Passivpro- zesse ergibt sich auch aus seiner Aufgabe und selbstständige n Stellung und wird allgemein anerkannt. Nach der Rechtsprechung ist der Willensvollstreck er in Prozessen um Aktiven oder Passiven der Erbschaft Partei, soweit ihm gemäss Art. 51 8 ZGB die Verwaltung der betreffen- den Erbschaftwerte zusteht. Aufgrund seiner gesetzlichen Stellung (Art. 518 in Verbindung mit Art. 596 Abs. 1 ZGB) hat er in eigenem Namen die Nach lassrechte zu wahren. Er führt den Prozess an der Stelle des materiell Berechtigten oder Verpflichteten in eigenem Namen und als Partei, wobei er auf seine gesetzliche Ermächtigung hinzuweisen hat. Es handelt sich dabei um eine Prozessstandschaft oder Befugnis der Prozessführung a ls Partei (BGE 129 V 113, E. 4.2 m.w.H.). A.___ ist als Willensvollstrecker somit legitimiert, Beschwerde zu erheben. 1.3 Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhob ene – Beschwerde des Willensvoll- streckers vom 24. Januar 2015 ist demnach einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Ausgleichskass e das beitragspflichtige Einkommen mit korrekt aufgerechneten Beiträgen ermittelt hat. 2.2 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsat z gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten d er Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 2.3 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen eine vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vgl . § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung al s verfügende Instanz und im Beschwerde- fall das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1, 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen). 3.1 Gemäss Art. 4 Abs. 1 AHVG schuldet ein erwerbstätige r Versicherter Beiträge auf sei- nem Einkommen aus selbstständiger oder unselbstständige r Tätigkeit. Nach Art. 9 Abs. 1 AHVG ist Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete Ar beit darstellt. Als selbstständiges Einkom- men gelten laut Art. 17 der Verordnung über die Alt ers- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 alle in selbstständiger Stellung erzielten Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaf tsbetrieb, aus einem freien Beruf, so- wie aus jeder anderen selbstständigen Erwerbstätigkei t, einschliesslich der Kapital- und Über- führungsgewinne nach Art. 18 Abs. 2 des Bundesgesetze s über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 und der Gewinne aus der Ve räusserung von land- und forst- wirtschaftlichen Grundstücken nach Art. 18 Abs. 4 DBG, mi t Ausnahme der Einkünfte aus zu Geschäftsvermögen erklärten Beteiligungen nach Art. 18 Abs. 2 DBG. Mithin gleicht Art. 17 AHVV die AHV-beitragsrechtliche Umschreibung des Einkomm ens aus selbstständiger Er- werbstätigkeit derjenigen des Steuerrechts an. Soweit das AHVG und die AHVV keine abwei- chende Regelung enthalten, unterliegen grundsätzlich a lle steuerbaren Einkünfte aus selbst- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständiger Erwerbstätigkeit deshalb auch der Beitragspf licht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. August 2012, 9C_803/2011, E. 3 mit Hinweis auf BGE 134 V 250 E. 3.1; BGE 125 V 383 E. 2a). 3.2 Gemäss Abs. 3 von Art. 9 AHVG haben die kantonalen Steuerbehörden den Aus- gleichskassen das Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit sowie das im Betrieb eingesetzte Eigenkapital zu melden. Bei selbstständiger Tätigkeit wir d das beitragspflichtige Einkommen sodann ermittelt, indem gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. f AH VG vom erzielten rohen Einkommen unter anderem der Zins des im Betrieb eingesetzten Eigenkapit als abgezogen wird. Der Zinssatz der jährlichen Durchschnittsrendite entspricht dabei der jäh rlichen Durchschnittsrendite der Anlei- hen der nicht öffentlichen inländischen Schuldner in Schweizer Franken (Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG). 3.3 Gemäss Art. 23 Abs. 4 AHVV sind die Mitteilungen de r kantonalen Steuerbehörden zum Einkommen und zum investierten Eigenkapital verbindl ich. Die Ausgleichskassen verlan- gen für die ihnen angeschlossenen Selbstständigerwerbe nden von den kantonalen Steuerbe- hörden die für die Berechnung der Beiträge erforder lichen Angaben. Das Bundesamt erlässt Weisungen über die erforderlichen Angaben und das Meldeverfahren (Art. 27 Abs. 1 AHVV). 3.4 Frauen, die das 64. und Männer, die das 65. Alter jahr vollendet haben, entrichten vom Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gemäss Art. 6 quater AHVV nur für den Teil Bei- träge, der Fr. 16'800.-- im Jahr übersteigt (sog. Ren tnerfreibetrag). B.___ hat Jahrgang 1927 und fällt unbestrittenermassen unter diese Bestimmung. 3.5 Aufgrund der Änderung des AHVG (Verbesserung der D urchführung) vom 17. Juni 2011 (AS 2011 4745; BBl 2011 543) trat am 1. Januar 2012 Art. 9 Abs. 4 AHVG in Kraft, wel- cher regelt, dass die steuerrechtlich zulässigen Abzüge der Beiträge nach Art. 8 AHVG von den Ausgleichskassen zum von den Steuerbehörden gemeldeten Einkommen hinzuzurechnen sind. Das gemeldete Einkommen ist dabei nach Massgabe der gelte nden Beitragssätze auf 100 Pro- zent aufzurechnen. Unter dem Titel "Aufrechnung steuer rechtlich zulässiger Abzüge" sieht die diesbezügliche Übergangsbestimmung des AHVG vor, dass Art. 9 Abs. 4 AHVG für alle Ein- kommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gilt, die n ach dem Inkrafttreten dieser Änderung von den Steuerbehörden gemeldet werden. 3.6. Das BSV hat die Ausgleichskassen in Randziffer (Rz.) 1095 der Wegleitung über die Beiträge der Selbstständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO (WSN; gültig ab 1. Januar 2012) angewiesen, die für die Best immung des steuerbaren Einkommens in Abzug gebrachten persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge aufzu rechnen. Sie haben gemäss Rz. 1169 WSN die von den Steuerbehörden gemeldeten Ei nkommen als Nettoeinkommen zu betrachten, von denen die AHV-Beiträge bereits abgezo gen worden sind. Entsprechend wie- derholt Rz. 1170 WSN, dass die Kassen die AHV/IV/EO-Bei träge zum gemeldeten Einkommen hinzuzurechnen haben. Die Ausgleichskassen haben die Beitr äge wieder hinzuzurechnen, in- dem sie in Beachtung des Beitragssatzes den gemeldeten Einkommensbetrag auf 100% auf- rechnen (Formel: gemeldetes Einkommen multipliziert mit 100, dividiert durch (100 - anwendba- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren Beitragssatz AHV). Gemäss Rz. 1172 WSN ist nach Vornah me dieser Aufrechnung auf 100% vom so errechneten Einkommen der Zins vom im Betr ieb investierten Eigenkapital abzu- ziehen. Nach Vornahme dieses Abzuges ergibt sich gemäss Randziffer 1175 WSN das mass- gebliche Erwerbseikommen, gestützt auf dieses die AHV-B eiträge zu berechnen seien. Der Kapitalbetrag ist auf die nächsten Fr. 1‘000.-- zu runden (vgl. Art. 18 Abs. 2 AHVV). 4. Streitig und zu prüfen ist vorliegend einzig die Fr age, ob die Ausgleichskasse bei der Bemessung der AHV-Beiträge der verstorbenen B.___ den Zins des im Betrieb investierten Ei- genkapitals zu Recht – wie in der Weisung vorgesehen – e rst nach Aufrechnung der Beiträge abgezogen hat. 5.1 Vorliegend ist die Ausgleichskasse gemäss den erwähn ten Randziffern der WSN vor- gegangen und hat in der angefochtenen Verfügung vom E inkommen im Umfang von Fr. 6'696'824.--, welches die Steuerverwaltung gemelde t hat, zunächst den Rentnerfreibetrag von Fr. 16'800.-- abgezogen (vgl. E. 3.4) und so einen Betrag von Fr. 6'680'024.-- ermittelt. Von diesem Betrag hat sie die abgezogenen AHV-Beiträge ent sprechend dem vorliegend anwend- baren Beitragssatz von 9,7% (vgl. Art. 9 bis AHVG) wieder auf 100% hochgerechnet, was einen Betrag von Fr. 7'397'590.-- ergibt. Erst von diesem hochgerechneten Betrag hat die Kasse dann den Zins des im Betrieb investierten Eigenkapitals von Fr . 248'890.-- abgezogen, so dass als beitragspflichtiges Einkommen ein Betrag von Fr. 7'148'700.-- resultierte. 5.2 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen gelten d, die Formellösung der Weglei- tung widerspreche dem Sinn und Zweck des Gesetzes und dem Willen des Gesetzgebers. Er führt aus, dass – wie der Rentnerfreibetrag – auch de r Zins des investierten Eigenkapitals vom Nettoeinkommen abzuziehen sei und erst dann von einem A HV-pflichtigen Einkommen gespro- chen werden könne. Erst dann sei auf 100% hochzurechnen. Nur so werde erreicht, dass das Kapital, welches nicht durch Arbeit generiert worden sei und darum nicht AHV-pflichtig sei, auch nicht mit Beiträgen belastet werde. Die Berechnung, w ie sie vom BSV vorgesehen sei, führe zu einer fiktiven Beitragsaufrechnung und würde zu einer systematischen und wiederkehrenden Aufrechnung von fiktiven AHV-Beiträgen führen, die ein Abgabepflichtiger nie geleistet habe und demzufolge auch nie als Abzug vom Erwerbseinkommen habe geltend machen können. 6.1 Wegleitungen dienen der einheitlichen Gesetzesan wendung in der Verwaltung. Sie haben aber selbst nicht Gesetzescharakter. Das Gericht sol l eine solche Wegleitung bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Ein zelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestim mungen zulässt. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltung sweisungen ab, wenn diese eine über- zeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstel len. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgl eiche Gesetzesanwendung zu gewähr- leisten, Rechnung getragen (vgl. BGE 133 V 257 ff. E. 3.2 mit Hinweisen). Eine Wegleitung, die dem Wortlaut oder dem Sinn eines Gesetzes zuwiderläuft, ist somit aber für das Kantonsgericht nicht verbindlich. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Es ist somit zu ermitteln, ob die in der Wegleitu ng vorgesehene rechnerische Formel mit den anwendbaren Gesetzesbestimmungen zu vereinbare n ist. Ein Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem Wortlaut, S inn und Zweck und den ihm zu- grunde liegenden Wertungen auf der Basis einer teleologischen Verständnismethode ausgelegt werden. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachve rhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Die Auslegung einer Gesetzes- bzw. Verordnungsbesti mmung ist auf die Regelungs- absicht des Gesetzgebers und die von ihm erkennbar getro ffenen Wertentscheidungen auszu- richten (BGE 135 V 319, E. 2.4, 128 I 34 E. 3b S. 41 ). Ausgangspunkt jeder Auslegung einer Norm bildet ihr Wortlaut. Vom daraus abgeleiteten Si nne ist jedoch abzuweichen, wenn triftige Gründe dafür bestehen, dass der Gesetzgeber diesen nicht gewollt haben kann. Solche Gründe können sich insbesondere aus der Entstehungsgeschichte der Norm, aus ihrem Zweck oder aus dem Zusammenhang mit anderen Vorschriften ergeben. Insoweit wird vom historischen, teleologischen und systematischen Auslegungselement gespr ochen. Bei der Auslegung einer Norm sind daher neben dem Wortlaut diese herkömmlichen Auslegungselemente zu berück- sichtigen (BGE 134 III 277 E. 4, 133 III 265 E. 2.4 mit Hinweisen). 6.3 Auszurichten ist die Auslegung auf die ratio legis, die das Gericht allerdings nicht nach seinen eigenen, subjektiven Wertvorstellungen, sondern nach den Vorgaben des Gesetzgebers vorzunehmen hat. Bei der teleologischen Auslegung handel t es sich nach zeitgemässem Me- thodenverständnis um einen zulässigen Akt richterlicher Re chtsschöpfung und nicht um einen unzulässigen Eingriff in die rechtspolitische Kompetenz d es Gesetzgebers. Unstreitig weist zwar das Gesetzbindungspostulat das Gericht an, seine Rechtsschöpfung nach den Intentionen des Gesetzes auszurichten. Es schliesst aber für sich allein ri chterliche Entscheidungsspiel- räume nicht grundsätzlich aus, sondern markiert bloss der en gesetzliche Grenzen. Die Geset- zesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nich t schon der Wortlaut die Rechtsnorm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Ge- setz. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im n ormativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis aus der ratio legis. Das Bundesgericht lässt sich daher bei der Aus- legung von Erlassen stets von einem Methodenpluralismus leiten und stellt nur dann allein auf das grammatische Element ab, wenn sich daraus zweifelsfrei die sachlich richtige Lösung ergibt (BGE 135 II 81 E. 2.2, 135 V 157 E. 4.1, 135 V 252 E. 4.1, 134 I 193 E. 5.1, 134 II 252 E. 2.3); ULRICH HÄFELIN /W ALTER HALLER , Schweizerisches Bundesstaatsrecht, Zürich 2001, Rz. 127 ff., insbesondere 129). 7.1 Das Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit w ird gemäss Art. 9 Abs. 2 AHVG ermittelt, indem vom hierdurch erzielten rohen Einkomme n die in Art. 9 Abs. 2 lit. a - f AHVG genannten Abzüge vorgenommen werden. Dies betrifft un ter anderem den Zins für das in Be- trieb gesetzte Eigenkapital (Art. 9 Abs. 2 lit. f). D ieser Gesetzeswortlaut ist somit so zu verste- hen, als dass die Zinsen für das im Betrieb eingesetzte Eigenkapital vor der Berechnung der AHV-Beiträge bei der Ermittlung des beitragspflichtig en Einkommens zu berücksichtigen sind. Daraus folgt, dass auf dem Eigenkapitalzins weder gänzlich noch teilweise AHV-Beiträge erho- ben werden dürfen. Dies wäre aber der Fall, wenn die Aufrechnung der AHV-Beiträge vor der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berücksichtigung bzw. vor dem Abzug der Eigenkapitalzinsen vom rohen Einkommen vorge- nommen wird. 7.2.1 Mit dem vom rohen Einkommen abzuziehenden Zins d es im Betrieb eingesetzten ei- genen Kapitals wird dem Umstand Rechnung getragen, da ss Selbstständigerwerbende ge- mischtes Einkommen aus dem Einsatz von Arbeit und Kapit al erzielen (vgl. KIESER , Rechtspre- chung zur AHV, Art. 9, Rz. 73). Gemäss ausdrücklicher Rege lung in Art. 4 Abs. 1 AHVG unter- liegt jedoch nur das Erwerbseinkommen der Beitragspfli cht. Mit dem Zinsabzug werden somit pauschal jene Einkommensbestandteile ausgeschieden, die auf dem Einsatz von Kapital beru- hen. Damit wird sichergestellt, dass im Ertrag eines Gesch äftsbetriebs, bei welchem ein Eigen- kapital investiert ist, der Vermögensertrag nicht mite rfasst wird (K IESER , a.a.O.). Der Norm- zweck von Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG besteht somit darin, die Gleichbehandlung von Unselbst- ständig- und Selbstständigerwerbenden bei der Beitragse rhebung zu gewährleisten. Dieser gesetzgeberischen Absicht läuft es zuwider, wenn die Aufr echnung der AHV-Beiträge erfolgt, bevor beim (rohen) Einkommen die Eigenkapitalzinsen berücksichtigt wurden. 7.2.2 Der Bundesrat hat in der Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 3. Dezember 2 010 (BBl 2010 S. 544 ff.) betref- fend Art. 9 Abs. 2 AHVG erläutert, dass mit dem Zinsabzu g auf dem im Betrieb investierten Ei- genkapital jener Vermögensertrag ausgeschieden werden soll, der im Unterschied zum Er- werbseinkommen in der AHV nicht beitragspflichtig sei. Die Höhe des Zinssatzes sei früher vom Bundesrat auf Antrag der Eidgenössischen AHV/IV-Kommission festgesetzt worden. Der Satz habe einen Einfluss auf die Höhe der Beiträge, welche die Selbstständigerwerbenden bezahlen müssten. Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung müssten d ie Grundzüge einer Rege- lung in einem Gesetz im formellen Sinne enthalten sei n. Die massgebenden Kriterien zur Be- stimmung des Zinssatzes seien deshalb neu auf Gesetzesstufe in Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG um- schrieben worden, wobei die bisher verwendeten Kriteri en beibehalten worden seien. Aus diesen Erläuterungen lässt sich somit kein anderer Schluss ableiten, als dass auf dem Zins auf dem im Betrieb investierten Eigenkapitals nicht u nd auch nicht teilweise Beiträge erhoben werden dürfen. Dies ist indes der Fall, wenn die AHV-B eiträge auf dem rohen Einkommen auf- gerechnet werden, bevor der Eigenkapitalzins berücksichtigt wurde. 7.3 Grundsätzlich sind die Angaben von Steuerbehörden fü r die Ausgleichskasse verbind- lich (vgl. vorstehend E. 3.3). Art. 18 Abs. 1 AHVV beze ichnet die Vorschriften über die direkte Bundessteuer als massgebend für die Ausscheidung und das Au smass der nach Art. 9 Abs. 2 lit. a - e AHVG zulässigen Abzüge. Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG wird somit in Art. 18 Abs. 1 AHVV nicht erwähnt. Dies erklärt sich jedoch damit, dass ein so lcher Zinsabzug dem DBG nicht be- kannt ist. Die Verbindlichkeit der Angaben der Steuerb ehörden für die Ausgleichskasse hin- sichtlich des Einkommens kann sich somit zwangsläufig nur auf die Abzüge gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. a bis e AHVG beziehen. Auch wenn der Bundesrat i n der Botschaft (vgl. nachstehend) kei- ne konkreten Aussagen zu der Konstellation des vorliege nd zu beurteilenden Sachverhalts macht, besteht kein Grund zur Annahme, dass die Zinsen au f dem im Betrieb gesetzten Kapital gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. f AHVG anders als die Abzüge in den lit. a bis e zu behandeln sind. Diese anderen Abzüge werden indes ebenfalls nicht erst in Abzug gebracht, wenn zuvor die Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht AHV-Beiträge aufgerechnet worden sind. Somit besteht a uch aufgrund dieses gesetzessyste- matischen Arguments kein Grund, den Eigenkapitalzins nicht vor der Aufrechnung der AHV- Beiträge zu berücksichtigen. 7.4.1 In der erwähnten Botschaft zur Änderung des AHV G hat der Bundesrat die Entste- hungsgeschichte ausführlich dargelegt (S. 552 ff.). Di e Beitragsaufrechnung sei früher primär Aufgabe der Ausgleichskassen gewesen, sei aber – nach ein gehenden Vorarbeiten, in welche auch die kantonalen Steuerbehörden miteinbezogen wor den seien, – an die Steuerbehörden übertragen worden. Der Bundesrat habe diese am 1. Mär z 2000 mit einer Änderung von Artikel 27 Absatz 1 AHVV (AS 2000 1441) zur Aufrechnung der ste uerseitig abgezogenen persönli- chen Beiträge verpflichtet. Entsprechend seien auch die Vergütungen der Ausgleichskassen an die kantonalen Steuerbehörden pro Steuermeldung substa nziell erhöht worden. Diese Lösung sei sachgerecht erschienen: Was auf Steuerseite abgezogen werde, sei auch auf Steuerseite wieder aufzurechnen. Nach der Einführungsphase hätten sich in der Folge rasch Durchfüh- rungsschwierigkeiten gezeigt. Die Ausgleichskassen hätten daher in vielen Fällen die Beitrags- aufrechnung gestützt auf ihre eigenen Daten vornehmen m üssen. Die Schweizerische Steuer- konferenz habe den Bundesbehörden mehrfach beantragt, sie von der Pflicht zur Beitragsauf- rechnung wieder zu entbinden. Im Interesse der Rechtsg leichheit und der Praxistauglichkeit seien die kantonalen Steuerbehörden von der Beitragsau frechnung und vom entsprechenden Meldeverkehr zu entlasten. Übertrage man die Aufrechnung jedoch (wieder) den Ausgleichs- kassen, müsse man sich bewusst sein, dass die auf Steuerseite tatsächlich abgezogenen Bei- träge nicht zwingend mit den auf AHV-Seite aufgerechne ten übereinstimmten. Denn die AHV- Ausgleichskassen würden den steuerlichen Abzug nicht kenn en und er werde ihnen auch nicht mehr gemeldet. Um Diskussionen bezüglich der nicht überei nstimmenden Beträge auf Steuer- und AHV-Seite im Einzelfall vorzubeugen, sei die neue Lösung auf Gesetzesstufe zu verankern, was ihr im Übrigen auch eine erhöhte Transparenz verschaffe. 7.4.2 In der Botschaft wird weiter ausgeführt, dass d ie in Art. 9 Abs. 4 AHVG vorgeschlagene prozentuale Beitragsaufrechnung davon ausgehe, dass es sich bei dem von der Steuerbehör- den gemeldeten Einkommen um ein Nettoeinkommen handl e, die AHV-Beiträge also bereits in Abzug gebracht worden seien. Es werde daher im Sinne einer Prozentaufrechnung auf 100% aufgerechnet. Eine solche Aufrechnung erlaube gemäss B otschaft auch die Berücksichtigung der für die Selbstständigerwerbenden gültigen sinkende n Beitragsskala. Die vorgeschlagene prozentuale Beitragsaufrechnung habe gemäss Botschaft de n Vorteil der Einfachheit und er- leichtere die Durchführung. 7.4.3 In seinem Entscheid 9C_189/2013 vom 13. Dezember 2013 hat das Bundesgericht ausgeführt, der Wortlaut von Art. 9 Abs. 4 AHVG sei i nsofern „klar, als es sich bei dem von der Steuerbehörde zu meldenden Einkommen um das um die ste uerrechtlich zulässigen AHV/IV/EO-Beitragsabzüge gekürzte Nettoeinkommen hande ln soll“ (E. 5.3). In E. 5.4 des er- wähnten Urteils führte das Bundesgericht weiter aus, dass Sinn und Zweck der erwähnten Neu- regelung darin bestehe, im Sinne einer administrative n Vereinfachung und einheitlichen Geset- zesanwendung die Steuerbehörden von der Beitragsaufrechn ung und vom entsprechenden Meldeverkehr zu entlasten. Diese Gesetz gewordene legislat orische Absicht nehme bewusst in Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kauf, dass die auf Steuerseite abgezogenen Beiträge ni cht zwingend mit den auf AHV-Seite aufgerechneten übereinstimmten, da der steuerliche Abzug der Ausgleichskasse nicht gemeldet werde. Die Ausgleichskasse müsse und solle sich in Abweichu ng zur alten Praxis gerade nicht mehr darum kümmern, ob und was die Steuerbehörde vom gemeldeten Einkommen abgezogen habe. Sie habe davon auszugehen, dass das gemeldete Eink ommen beitragsrechtlich ein Net- toeinkommen sei, und habe die AHV-Beiträge auf dieses aufzurechnen. In diesem Sinne treffe die Umschreibung des BSV, Abs. 4 von Art. 9 AHVG stelle e ine nicht zu widerlegende gesetzli- che Fiktion auf, den Rechtssinn der Neuregelung. Es sei da rin nicht eine stossende Beitragser- hebung zu erblicken. Davon sei indes abzuweichen, wenn durch die Steuermeldung klar, aus- drücklich und vorbehaltlos bestätigt werde, dass kein Abzug vorgenommen worden sei. Wenn bei der Steuerveranlagung erklärtermassen keine Abzüge gemacht worden seien und für die Ausgleichskasse unmissverständlich ein Bruttoeinkommen gemel det werde, so habe eine pro- zentuale Aufrechnung im Sinne von Art. 9 Abs. 4 AHVG n icht zu erfolgen. Denn gemäss Bot- schaft zur Verbesserung der Durchführung der AHV habe der Gesetzgeber klarerweise das Bild vor Augen gehabt, dass auf der Steuerseite tatsächlich Beiträge abgezogen würden (E. 6). 7.4.4 Aus der Botschaft zur Änderung des AHVG sowie aus d em zitierten Urteil ergibt sich somit, dass man aus einer unterschiedlichen Betragshöhe der bei der (direkten Bundes-)Steuer zum Abzug zugelassenen und bei der AHV aufgerechneten Beiträgen nichts ableiten kann. Der Botschaft zur Änderung des AHVG und der bundesgerichtli chen Rechtsprechung lassen sich jedoch auch keine Hinweise entnehmen, dass die Zinsen auf dem investierten Eigenkapital nicht bereits bei der Ermittlung des beitragspflichtig en Einkommens – und somit vor der Auf- rechnung der AHV-Beiträge – zu berücksichtigen sind. 7.5 Das BSV, Geschäftsfeld Alters- und Hinterlassenenvorso rge, führt in der Mitteilung Nr. 324 an die AHV-Ausgleichskassen und EL-Durchführungsst ellen aus, dass der vom Ein- kommen abzuziehende Zins des im Betrieb investierten Eig enkapitals von Selbstständigerwer- benden für das Jahr 2012 1,0% betrage. Gemäss Merkblatt 2.02 über die Beiträge der Selbst- ständigerwerbenden an die AHV, die IV und die EO (St and 1. Januar 2015) des BSV werde die Höhe der Beiträge an die AHV, die IV und die EO auf der Basis des aktuellen Einkommens des Beitragsjahres berechnet. Für die Berechnung der Beitr äge ziehe die Ausgleichskasse vom Erwerbseinkommen einen Prozentsatz des im Betrieb investi erten Eigenkapitals ab. Auch die- sen beiden Informationsquellen des BSV lassen sich keine Anhaltspunkte entnehmen, dass der Abzug des Zinses erst nach der Aufrechnung zu erfolgen hat. 7.6 Es ist im Weiteren grundsätzlich davon auszugehen, da ss die selbstständigerwerbende beitragspflichtige Person ihre steuerlich abzugsfähigen AHV-Beiträge (vgl. Art. 33 Abs. 1 lit. d DBG) korrekt ermittelt und deklariert (vgl. Art. 123 A bs. 1 DBG). Die Ermittlung der AHV- Beiträge hat dabei gemäss den gesetzlichen Bestimmunge n des AHVG unter Ausklammerung der Zinsen auf dem investierten Eigenkapital (wie auch des Freibetrages von Fr. 16‘800.-- bei Rentnern) zu erfolgen. Andernfalls würden die steuerli ch zum Abzug gebrachten AHV-Beiträge zu hoch und somit das steuerbare Einkommen entsprechend zu tief ausfallen, womit die Steu- erbehörden gehalten wären, bei der Prüfung der Steuererklärung die erforderlichen Korrekturen vorzunehmen (vgl. Art. 130 Abs. 1 DBG). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Die Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen ergibt somit, dass das von den Steuer- behörden gemeldete AHV-pflichtige Nettoeinkommen von den AHV-Behörden nur dann direkt ins Hundert gerechnet werden kann, wenn kein Eigenkapi tal vorhanden ist, für welches AHV- beitragsfreie Zinsen zu berücksichtigen sind. Ist Eigenkapi tal vorhanden, sind die AHV- beitragsbefreiten Zinsen auf dem Eigenkapital vorab von dem von den Steuerbehörden gemel- deten Nettoeinkommen in Abzug zu bringen. 8.2 Hinzu kommt die Tatsache, dass die gesetzeskonforme E rmittlung der AHV-Beiträge weder komplizierter noch zeitlich aufwändiger ist, als d iejenige gemäss WSN. Somit lässt sich auch unter dem Aspekt von allfälligen Durchführungsschwie rigkeiten das Vorgehen gemäss WSN nicht rechtfertigen. Hingegen wird die Differen z zwischen den AHV-Beiträgen gemäss gesetzeskonformer Ermittlung und derjenigen gemäss WSN m it zunehmendem Eigenkapital immer grösser. 8.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das AHVG klar und unm issverständlich vorgibt, dass nur auf Einkommen aufgrund von selbstständiger ode r unselbstständiger Arbeit AHV- Beiträge geschuldet sind. Keine Beiträge sind folglich a uf Vermögenserträge geschuldet. Wenn aber getreu der Wegleitung der Abzug der Zinsen aus d em investierten Eigenkapital nicht vor der Aufrechnung der AHV-Beiträge zugelassen wird, so w erden auch auf Kapitalerträge AHV- Beiträge hochgerechnet, die gar nie geleistet und abge zogen wurden. Im Ergebnis werden da- mit Erträge mit AHV-Beiträgen belastet, die nicht a uf Arbeitstätigkeit gründen, was gesetzlich nicht zulässig ist. Folglich erweist sich die Wegleitung n amentlich in der Randziffer 1172 als gesetzeswidrig. Bereits mit Entscheid vom 12. Februar 20 14 hat das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz diese Problematik sehr ausführlich gewürdi gt und mit anschaulichen Beispie- len aufgezeigt, wie gross die Beitragsdifferenz ist, j e nachdem, ob die Zinsen des im Betrieb investierten Eigenkapitals vor der Aufrechnung der AHV- Beiträge oder danach in Abzug ge- bracht werden. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Di e vorinstanzliche Beitragsbemes- sung, wie sie in der angefochtenen Verfügung in Anwend ung der Wegleitung vorgenommen wurde, kann daher nicht geschützt werden. 8.4 Vorliegend ist von einem Einkommen in der Höhe von Fr. 6‘696‘824.-- somit zunächst der Rentnerfreibetrag in der Höhe von Fr. 16‘800.-- abzuziehen und sodann der Zins auf dem Eigenkapital (1% von 24‘888‘919.--). Dies ergibt ein m assgebliches Einkommen von Fr. 6‘431‘135.--, welches für die Aufrechnung der AH V-beiträge relevant ist. Im vorliegenden Fall führt deshalb die korrekte Berechnung nach Aufre chnung der AHV-Beiträge von 9,7% zu einem aufgerechneten Bruttoeinkommen von Fr. 7'121'9 64.50 und damit zu AHV-Beiträgen für das Jahr 2012 von 690'830.55. Die Verwaltungskosten vo n einem Prozent sind entsprechend auf Fr. 6'908.30 zu reduzieren. Eine andere Berechnun g ist mit den klaren gesetzlichen Best- immungen nicht zu vereinbaren. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Ausgleichsk asse hat dem Beschwerdefüh- rer gemäss konstanter Praxis eine Parteientschädigung in d er Höhe von Fr. 1‘877.15 (inkl. 3% Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Der gelten d gemachte Aufwand von 6,75 Stunden und die Auslagen in der Höhe von Fr. 50.65 erweisen sich als angemessen. Demgemäss wird e r k a n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als das AHV- beitragspflichtige Einkommen für das Jahr 2012 auf Fr. 7 ‘121‘965.-- und der darauf geschuldete persönliche Beitrag auf Fr. 690‘831.-- sowie die Verwaltungskosten auf Fr. 6‘908.30 festgesetzt werden. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Ausgleichskasse Basel-Landschaft hat dem Beschwerde führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘877.15 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.