B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-952/2023 U r t e i l v o m 2 1 . J u n i 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiber Michal Koebel. Parteien A._______, geboren am (…), und ihre Töchter B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), alle Burundi, vertreten durch Christopher Gabriel, Rechtsschutz für Asylsuchende - Bundesasylzentrum Region (…), Beschwerdeführerinnen 1–3, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 8. Februar 2023 / N (…). E-952/2023 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerinnen am 16. November 2022 in der Schweiz um Asyl nachsuchten, dass sie am 1. Dezember 2022 der im Bundesasylzentrum (BAZ) Region D._______ tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilten, dass die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 gemäss der Fingerabdruck-Da- tenbank (Zentraleinheit Eurodac) am (…) in Kroatien illegal in das Hoheits- gebiet der Dublin-Staaten eingereist sind, das SEM gestützt hierauf am 5. Dezember 2022 die kroatischen Behörden um Übernahme der Beschwer- deführerinnen ersuchte und die kroatischen Behörden das Ersuchen am 3. Februar 2023 guthiessen, dass der Beschwerdeführerin 1 am 1. Dezember 2022 und der Beschwer- deführerin 2 am 13. Dezember 2022 anlässlich des Dublin-Gesprächs das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Kroatiens und zum Ge- sundheitszustand gewährt wurde, dass das SEM mit Verfügung vom 8. Februar 2023 (eröffnet am 10. Feb- ruar 2023) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen nicht eintrat, deren Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien anordnete, eine Aus- reisefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegwei- sung beauftragte, die editionspflichtigen Akten aushändigte und feststellte, der Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, dass die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe vom 17. Februar 2023 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichten, dass sie beantragten, es sei die Verfügung des SEM aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf die Asylgesuche einzutreten sowie das Asylverfah- ren in der Schweiz durchzuführen, dass sie eventualiter beantragten, es sei die angefochtene Verfügung auf- zuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen, dass sie subeventualiter beantragten, das SEM sei anzuweisen, individu- elle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbringung von den kroatischen Be- hörden einzuholen, E-952/2023 Seite 3 dass sie in prozessualer Hinsicht beantragten, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es seien die Vollzugsbehörden an- zuweisen, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechtsmittel von jegli- chen Vollzugshandlungen abzusehen, dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht weiter beantragte n, es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erh ebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, dass der Instruktionsrichter mit superprovisorischer Massnahme vom 21. Februar 2023 den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus- setzte, dass der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 24. Februar 2023 die aufschiebende Wirkung der Beschwerde herstellte, d as Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung guthiess, auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses verzichtete und das SEM zur Vernehmlas- sung einlud, das der Aufforderung mit Eingabe vom 28. Februar 2023 nachkam, worauf die Beschwerdeführerinnen unter Beilage verschiedener E-Mail-Korrespondenzen, Berichten sowie zweier Arztberichte mit Eingabe vom 17. März 2023 replizierten, dass die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe vom 2. Mai 2023 einen wei- teren Arztbericht zu den Akten reichten, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen des SE M entscheidet (vgl. dazu Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Gerichts beziehungsweise die zulässigen Rü- gen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, dass die Beschwerdeführerinnen zur Einreichung der Beschwerde legiti- miert sind (Art. 48 Abs. 1 VwVG), ihre Eingabe nach dem Gesagten den formellen Anforderungen an eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 E-952/2023 Seite 4 VwVG) und sie ihre Beschwerde fristgerecht eingereicht h aben (Art. 108 Abs. 3 AsylG), womit auf diese einzutreten ist, dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, o b die Vor - instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweite n Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), dass es sich vorliegend – aufgrund des in der hier relevanten Rechtsfrage in der Zwischenzeit ergangenen Referenzurteils des Bundesverwaltungs- gerichts E-1488/2020 vom 22. März 2023 – um ein im Urteilszeitpunkt un- begründet gewordenes Rechtsmittel handelt, weshalb der Entscheid sum- marisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass die Beschwerdeführerinnen die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und Rückweisung der Sache beantrag en, weil die Vorinsta nz ihren Fall nicht ausreichend individuell geprüft und ihre Ausführungen grössten- teils pauschal gehalten habe , womit sie ihre Begründungspflicht verletzt und den Sachverhalt unzureichend festgestellt habe, dass sich jedoch weder eine Gehörsverletzung beziehungsweise eine Ver- letzung der Begründungspflicht noch eine unvollständige oder fehlerhafte Sachverhaltsfeststellung erblicken lässt, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung die Erkenntnisse aus den umfangreichen Abklärungen der Schweizerische n Botschaft in Kroa- tien zu den Push -backs und zu Dublin -Rückkehrenden in zusammenge- fasster Form wiedergegeben und nachvollziehbar aufgezeigt hat, gestützt auf welche Grundlage sie zu ihren Sachverhaltsfeststellungen gelangte, wobei sie auch die konkreten V orbringen der Beschwerdeführerinnen hat einfliessen lassen, dass sich die Vorinstanz folglich in der angefochtenen Verfügung mit der individuellen Situation der Beschwerdeführerinnen hinreichend auseinan- dergesetzt und hierbei ihre Begründungspflicht nicht verletzt hat (vgl. an- gefochtene Verfügung insb. S. 4 ff.), E-952/2023 Seite 5 dass die Würdigung der individuellen Situation im Übrigen materieller Natur ist beziehungsweise der blosse Umstand, dass d ie Beschwerdeführerin- nen die Schlussfolgerung der Vorinstanz nicht teilen, keine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts darstellt, dass überdies nicht ersichtlich ist, inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt in Bezug auf allfällige systemische Schwachstellen unvollständig abgeklärt haben sollte, stützte sie ihre Erwägungen doch insbesondere auf die fun- dierten Abklärungen der zuständigen Schweizerischen Botschaft, was vor- liegend nicht zu beanstanden ist (vgl. angefochtene Verfügung S. 6 ff.), dass im Übrigen der Vollständigkeit halber festzustellen ist, dass auch der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt wurde, dass die Vorinstanz aufgrund der vorliegenden Arztberichte davon ausge- hen durfte, der medizinische Sachverhalt sei vollständig erstellt, dass sie aufgrund der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin- nen nicht gehalten war, allfällige weitere Arzttermine abzuwarten, um de- ren Überstellungsfähigkeit zu beurteilen, dass die Vorinstanz alle damals aktenkundigen, wesentlichen medizini- schen Vorbringen sowie Unterlagen würdigte und sich mit diesen ausrei- chend auseinandersetzte (vgl. angefochtene Verfügung insb. S. 7 f.), dass die auf Beschwerdeebene eingereichten Arztberichte – entgegen den Ausführungen in der Beschwerde – weder auf einen von der Vorinstanz unvollständig festgestellten Sachverhalt noch auf ein seither wesentlich verändertes Krankheitsbild der Beschwerdeführerin 1 schliessen lässt, dass die mit Eingabe vom 2. Mai 2023 in Aussicht gestellten weiteren Arzt- berichte (insbesondere zum Beleg der geltend gemachten Langzeittrauma- tisierung der Beschwerdeführerin 1) bis heute nicht eingereicht wurden , obwohl die Beschwerdeführerinnen hierzu inzwischen ausreichend Zeit ge- habt hätten, dass schliesslich die Würdigung der medizinischen Vorbringen in Bezug auf die Anwendung der Souveränitätsklausel (Art. 29a Abs. 3 der Asylver- ordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311] i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO) ebenfalls materieller Natur ist , weshalb an entspre- chender Stelle darauf einzugehen sein wird, E-952/2023 Seite 6 dass die formellen Rügen folglich unbegründet sind, weshalb eine Rück- weisung an die Vorinstanz ausser Betracht fällt und das Eventualbegehren abzuweisen ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates die Zuständigkeitskriterien nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (Dublin-III-VO) prüft, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird, dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird; im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskri- terien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, dass, wenn eine antragstellende Person aus einem Drittstaat kommend die Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist, dass jeder Mitgliedstaat beschliessen kann, einen bei ihm von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgeleg- ten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dub- lin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu- ständigkeit Kroatiens erkannte und die kroatischen Behörden – gestützt auf E-952/2023 Seite 7 Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO – um Übernahme der Beschwerdeführerinnen ersuchte (take-charge-Verfahren), dass die kroatischen Behörden diesem Gesuch am 3. Februar 2023 explizit zustimmten, dass damit die staatsvertragliche Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich ge- geben ist, dass sich die Beschwerdeführerin 1 anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 1. Dezember 2022 mit der Begründung gegen eine Überstellung nach Kro- atien aussprach, da man dort mit einem Stock auf ihre Beine geschlagen, Hunde auf sie losgelassen, ihre Töchter intim berührt und ihr Verbrennungen mit einer Zigarette zugefügt habe, dass sie in medizinischer Hinsicht ausführte, ihre Zuckerwerte seien niedrig, sie habe einen trockenen Rachen, Augenprobleme, Schmerzen insbeson- dere bei Stress und ihre jüngste Tochter (Beschwerdeführerin 3) habe zur- zeit Husten, der älteren (Beschwerdeführerin 2) gehe es gut, dass die Beschwerdeführerin 2 anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 13. Dezember 2022 ergänzte, sie habe eine Schwester in der Schweiz, in Kroatien seien ihnen die Fingerabdrücke abgenommen und sie seien mittels eines Schreibens aufgefordert worden, innert sieben Tagen das Land zu ver- lassen, überdies gehe es ihr gesundheitlich nicht gut, da sie schlechte Erin- nerungen an das Erlebte habe, dass die Beschwerdeführerin 1 in ihrer Eingabe vom 2. Mai 2023 ergänzte, der mit dieser Eingabe ins Recht gelegte Arztbericht verdeutliche ihre Vul- nerabilität, sobald Berichte zu ihrer Langzeittraumatisierung vorliegen wür- den, würden diese nachgereicht, im Übrigen würde eine Überstellung nach Kroatien selbst im Lichte der neuen Referenzrechtsprechung vorliegend mit der konkreten Gefahr einer Verletzung von Art. 3 EMRK einhergehen, dass aufgrund der Aktenlage indess en keine Sachverhaltsumstände er- sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Überstellung der Beschwerdeführerinnen in den zuständigen Dublin -Vertragsstaat spre- chen, dass es namentlich nicht von Belang ist, wenn sich die Beschwerdeführe- rinnen in Kroatien nicht registrieren lassen wollten, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den Antrag prüfenden Staat auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), E-952/2023 Seite 8 dass, selbst wenn zutreffen würde, dass die Beschwerdeführerinnen ihre Fingerabdrücke nicht freiwillig, sondern unter Zwang abgegeben h ätten, eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO nicht gerechtfertigt wäre, da sich aus einem solchen Vorkommnis nicht ableiten liesse, dass syste- mische Schwachstellen bestehen, welche nahelegen, dass sie bei einer Rückkehr nach Kroatien mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt wären, dass in dieser Hinsicht festzuhalten ist, dass Kroatien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzproto- kolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, wobei Kroatien nach Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nachkommt, dass ungeachtet der anderslautenden Beschwerdevorbringen das Bun- desverwaltungsgericht in seiner jüngst bestätigten Rechtsprechung nicht davon ausgeht, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kro- atien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO auf (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023), dass die Vorinstanz eine Einzelfallprüfung vorgenommen hat und unter Verweis auf Abklärungen durch die Schweizerische Botschaft in Kroatien zutreffend zum Schluss gekommen ist, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Kroatien zurückgeführt werden, nicht von der problematischen Push -back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteile des BVGer E -1488/2020 E. 9.5, F -37/2023 vom 6. Januar 2023 E. 6.2, E-5787/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 7.4, D-4160/2022 vom 28. Sep- tember 2022 E. 7.3.1), dass auch unter Berücksichtigung der von den Beschwerdeführerinnen ge- schilderten Erlebnisse nicht davon auszugehen ist, Kroatien verstosse sys- tematisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen, weshalb die Anwen- dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass insbesondere vor dem Hintergrund des neu ergangenen Referenzur- teils des Bundesverwaltungsgerichts E-1488/2020 vom 22. März 2023 die Beschwerdeausführungen mit Verweisen auf die ins Recht gelegte E-Mail- Korrespondenz, die allgemeinen Berichte sowie die vor dem Referenzurteil E-952/2023 Seite 9 ergangene nationale, deutsche erstinstanzliche sowie europäische Recht- sprechung ins Leere gehen und ebenfalls keinen Anlass zur Annahme ge- ben, die Beschwerdeführerinnen seien in Kroatien persönlich ernsthaft ge- fährdet oder die kroatischen Behörden würden sich weigern, sie aufzuneh- men und ihre Anträge auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Re- geln der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer- kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrens- richtlinie) zu prüfen, dass sie zwar geltend machten, ein Schreiben mit einer siebentägigen Aus- reisefrist erhalten zu haben, im Verlauf ihres Verfahrens in der Schweiz aber weder eine Wegweisungsverfügung der kroatischen Behörden vorle- gen konnten noch ein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan ha ben, wonach sich die kroatischen Behörden weigern würden, sie aufzunehmen und ihren Antrag auf i nternationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) zu prüfen, dass den Akten sodann auch keine Gründe für die konkrete Annahme zu entnehmen sind, Kroatien werde im Fall der Beschwerdeführerin nen den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, dass schliesslich eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit ge- sundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann, dass dies insbesondere der Fall ist , wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech- nen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des EGMR), dass ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK gemäss aktueller Praxis des EGMR aber auch vorliegen kann, wenn eine schwer kranke Person durch die Überstellung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen E-952/2023 Seite 10 und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Pa- poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.), dass eine solche Situation vorliegend nicht gegeben ist, dass bei der Beschwerdeführerin 1 insbesondere eine schwere mikro- zytäre hypochrome Anämie (Blutarmut) , Streptokokken Pharyngitis (Schluckbeschwerden), (damals) COVID-19, a rterielle Hypertonie (Blut- hochdruck), Adipositas (Übergewicht) , chronische Mastitis rechts (Brust- entzündung) sowie eine PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) diag- nostiziert wurden (vgl. SEM-eAkten 27/4, 28/3, 29/3, 30/5), dass ihr insbesondere die Medikamente Amoxicillin, Paracetamol, Meta- mizol, Maltofer und Paroxetin verschrieben wurden (vgl. SEM-eAkten 27/4, 29/3, 30/5), dass sich dieses Krankheitsbild mit den weiteren aktenkundigen Arztbe- richten und dem zusammen mit der Replik eingereichten ambulanten Be- richt vom 30. Januar 2023 deckt und um Wiederholungen zu vermeiden auf die diesbezüglich zutreffenden Schlussfolgerungen der Vorinstanz zu verweisen ist (vgl. angefochtene Verfügung S. 7 ff.), dass bei der Beschwerdeführerin 2 insbesondere chronische Mastitis rechts diagnostiziert und Fucidin Salbe verschrieben wurde (vgl. SEM -e- Akten 29/3 und 30/5), dass bei der Beschwerdeführerin 3 gemäss dem mit der Replik eingereich- ten Arztbericht vom 13. März 2023 Verdacht auf Neurodermitis vorliegt, dass diese gesundheitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerinnen in- dessen kein Hindernis für eine Überstellung nach Kroatien darstellen, zu- mal Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur – auch für psychische Leiden – verfügt und es keinen Grund zur Annahme gibt, ihnen werde dort im Rahmen der Aufnahme notwendige medizinische Behand- lung beziehungsweise Weiterbehandlung verwe igert (zur medizinischen Versorgung in Kroatien vgl. statt vieler Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 10.2 und Urteil des BVGer D-735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 6.7.3), E-952/2023 Seite 11 dass die Weiterführung der begonnenen medikamentösen Behandlung so- wie – bei Bedarf – eine durch Psychiater oder Psychotherapeuten geleitete Traumatherapie mithin auch in Kroatien durchgeführt werden kann, dass sich die Beschwerdeführerinnen im Übrigen – nach Einreichung eines Asylgesuchs – bei Bedarf an die kroatisch en Behörden wenden und die ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern können (vgl. insb. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen, sog. Aufnahmerichtlinie), dass für das weitere Dublin-Verfahren im Übrigen einzig die Reisefähigkeit ausschlaggebend ist, welche – wie in der angefochtenen Verfügung zutref- fend ausgeführt (vgl. angefochtene Ve rfügung S. 8) – erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird, dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte- nen Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Umständen bei der Be- stimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Beschwerdefüh- rerinnen Rechnung zu tragen und die kroatischen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen Umstände zu informieren haben (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO), dass Kroatien sodann auch Signatarstaat des Übereinkommens über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention [KRK]; SR 0.107) ist und sei- nen daraus erwachsenen Verpflichtungen nachkommt, weshalb eine Über- stellung nach Kroatien – im Gegensatz zur Auffassung der Beschwerde- führerinnen – grundsätzlich keine Verletzung von Art. 3 KRK darstellt, dass aus der Kinderrechtskonvention kein Anspruch auf Aufenthalt im Staat mit den für ein Kind vorteilhaftesten Lebensbedingungen abgeleitet werden kann (vgl. Urteil des BVGer E -1087/2023 vom 1. März 2023 E. 8.4), dass vielmehr bei der Prüfung des Kindeswohls das grundlegende Bedürf- nis der Kinder im Vordergrund steht, in möglichst engem Kontakt mit den Eltern aufwachsen zu können, dass d ie beiden minderjährigen Töchter der Beschwerdeführerin (Be- schwerdeführerinnen 2 und 3) zusammen mit ihrer Mutter nach Kroatien E-952/2023 Seite 12 überstellt werden und den Akten keine Hinweise darauf zu entnehmen sind, wonach sie dort von ihrer Mutter getrennt würden, dass es zwar zutrifft, dass sich die Vorinstanz hierzu nicht weiter äusserte, nach dem Gesagten hierzu aber auch nicht gehalten war, dass schliesslich auch das im rechtlichen Gehör geäusserte Vorbringen der Beschwerdeführerin 2, sie habe in der Schweiz eine Schwester, keine andere Einschätzung zulässt, zumal sie zusammen mit dieser nach Kroa- tien überstellt wird und gemäss ZEMIS (Zentrales Migrationsinformations- system) keine weiteren Schwestern in der Schweiz leben, dass sich aus der Überstellung nach Kroatien mithin keine Verletzung von Art. 3 EMRK , Art. 3 KRK oder anderer völkerrechtlicher Verpflichtungen ergibt, dass demgemäss kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Dublin-III-VO besteht und keine Ermessensfehler in Bezug auf humanitäre Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 festzustellen sind, dass für das Einholen von individuellen Zusicherungen der kroatischen Be- hörden namentlich bezüglich des Zugangs der Beschwerdeführerin nen zum Asylverfahren, zu adäquater medizinischer Versorgung oder Unter- bringung nach dem Gesagten keine Ve ranlassung besteht (vgl. hierzu auch Referenzurteil des BVGer E -1488/2020 vom 22. März 2023 E. 12), weshalb der Subeventualantrag abzuweisen ist, dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist, dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach Kroatien der Sys- tematik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Bestim- mung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht, dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be- stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich de n Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass jedoch mit Zwischenverfügung vom 24. Februar 2023 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 E-952/2023 Seite 13 VwVG gutgeheissen worden ist und den Akten keine Hinweise auf eine relevante Veränderung der finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind , weshalb auf das Erheben von Verfahrenskosten zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite) E-952/2023 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu- ständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Michal Koebel Versand: