B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4294/2020 U r t e i l v o m 8 . O k t o b e r 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch MLaw Sara Garcia, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 30. Juli 2020 / N (…). E-4294/2020 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 2. März 2020 in der Schweiz um Asyl nach- suchte und ihm am 6. März 2020 eine unentgeltliche Rechtsvertretung ge- mäss Art. 102f ff. AsylG (SR 142.31) mandatiert wurde, dass er am 9. März 2020 zu seiner Person und zu seinem Reiseweg be- fragt wurde, dass er am 11. Mai 2020 im Rahmen von Art. 26 Abs. 3 AsylG und am 8. Juni 2020 vertieft zu seinem Asylgesuch angehört wurde, dass er zu seinem persönlichen Hintergrund angab, er sei alevitisch er Kurde und stamme aus einem Dorf, das zu B._______ gehöre, und habe dort mit seinen Eltern und (…) Schwestern gelebt, dass er im Jahr e (…) die Matura abgeschlossen habe und in der Folge immer wieder nach Istanbul zu seiner Tante väterlicherseits gegangen sei, um dort zu arbeiten, wobei er in der (…) Arbeit gefunden habe und teilweise auch als (…) tätig gewesen sei, dass er aber immer wieder nach B._______ zurückgekehrt sei, dass er als Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen vorbrachte, ab dem Jahre 2015 habe er B._______ nicht mehr verlassen und geholfen, die Tiere zu sömmern, wobei er auf den Weiden immer wieder Angehörigen der Guerilla begegnet sei, dass diese auch in seinem Zelt zu Besuch gekommen seien und er diese auf deren Wunsch mit Nahrungsmitteln und Material versorgt habe, dass er Ende November 2019 auf einem Spaziergang von vier Zivilpolizis- ten angehalten und aufgefordert worden sei, in ihr Auto einzusteigen, dass die Zivilpolizisten mit ihm weggefahren seien und von ihm verlangt hätten, für sie Spitzeltätigkeiten auszuführen, dass er das Angebot abgelehnt habe und zirka 20 Minuten später freige- lassen worden sei, worauf er nach Hause gegangen sei, dass die Zivilpolizisten keine physische Gewalt angewendet hätten, dieses Ereignis ihm jedoch Angst gemacht habe, weshalb er ein paar Tage später zu einem Onkel gegangen sei, wo er sicher gewesen sei, E-4294/2020 Seite 3 dass er von dort aus Anfang Februar 2020 dennoch nach Istanbul weiter- gereist, in einem Lastwagen illegal aus der Türkei ausgereist und über ihm unbekannte Länder in die Schweiz gelangt sei, dass ihn das SEM am 15. Juni 2020 dem erweiterten Verfahren zugewie- sen hat, dass das SEM mit Verfügung vom 30. Juli 2020 feststellte, der Beschwer- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, sein Asylgesuch ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz und aus dem Schengen -Raum so- wie den Vollzug der Wegweisung anordnete, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. August 2020 durch seine Rechtsvertreterin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und beantragt, die Verfügung des SEM vom 30. Juli 2020 sei im Wegweisungspunkt (recte: im Punkt des Vollzuges der Weg- weisung) aufzuheben, dass seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen sei, dass eventualiter festzustellen sei, dass seine Wegweisung nach Eritrea (recte: Türkei) unzulässig beziehungsweise unzumutbar sei, dass subeventualiter der Sachverhalt zur Neuabklärung (recte: die ange- fochtene Verfügung zur Neuabklär ung des Sachverhaltes) an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, dass die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG (recte: Art. 102 m AsylG) zu gewähren und ihm der Unterzeichnete (recte: die Unterz eichnete) als amtlicher Rechts- beistand beizuordnen sei, dass die Rechtsvertreterin in einem Nachtragsschreiben vom 28. August 2020 mitteilte, es werde ein Arztbericht bezüglich des Beschwerdeführers eingefordert und nachträglich eingereicht werden, dass die Instruktionsrichterin mit Schreiben vom 1. September 2020 den Eingang der Beschwerde bestätigte und festhielt, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten (Art. 42 AsylG), dass die Instruktionsrichterin mit Zwischenverfügung vom 10. September 2020 feststellte, in antizipierter Würdigung der gesamten Aktenlage dürfte E-4294/2020 Seite 4 nicht auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung des Beschwerdeführers in einem derart gelagerten Schweregrad geschlossen werden, als in diesem Zusammenhang ein Vollzugshindernis gegeben sein könnte, weshalb da- rauf verzichtet werden könne, eine Frist zur Einreichung des in Aussicht gestellten Arztberichtes anzusetzen, dass mit derselben Zwischenverfügung die Gesuch e um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Beigabe einer amtlichen Rechtsbei- ständin und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht abgewiesen wurden und dem Beschwerdeführer Frist zur Bezahlung eines Kostenvor- schusses angesetzt wurde, dass der Beschwerdeführer mit persönlich unterzeichnetem Schreiben vom 25. September 2020 mitteilte, er habe den Kostenvorschuss einbe- zahlt, und erneut darum ersucht e, ihm sei eine angemessene Frist zur Nachreichung eines aktuellen Arztberichtes anzusetzen, dass er dabei geltend machte, er leide psychisch extrem und eine Rück- kehr in die Türkei sei für ihn nicht zumutbar, dass der eingeforderte Kostenvorschuss innert Frist geleistet wurde, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht unter anderem für di e Behandlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM zuständig ist, wobei das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig entscheidet, ausser – was vor- liegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die bes chwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht worden ist und der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und da- her zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG), E-4294/2020 Seite 5 dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Auslän- derrechts nach Art. 49 VwVG richten (vgl. BVGE 2014/26 E. 5), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, dass auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Beschwerdeent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass das mit der Beschwerde erhobene Eventualbegehren, die angefoch- tene Verfügung sei zur Neuabklärung des Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückzuweisen, in der Beschwerdeschrift nicht begründet wird, dass vorliegend aufgrund der Aktenlage und der Anhörun gen des Be- schwerdeführers auch nicht ersichtlich ist, inwiefern der rechtserhebliche Sachverhalt nicht hinreichend erstellt sein soll, dass demzufolge das Eventualbegehren auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist und das Ge- richt in der Sache zu entscheiden hat (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG), dass gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt und Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Natio- nalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ih- rer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), wobei als ernsthafte Nachteile namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken, gelten (Art. 3 Abs. 2 AsylG), dass gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtli ngseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen ist und diese glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält, dass Vorbringen grundsätzlich dann glaubhaft gemacht sind, wenn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind und entschei- dend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstel-E-4294/2020 Seite 6 lung sprechen, überwiegen oder nicht, wobei auf eine objektivierte Sicht- weise abzustellen ist (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.), dass unglaubhaft insbesondere Vorbringen sind, die in wesentlichen Punk- ten zu wenig begrün det oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Be- weismittel abgestützt werden, dass mit der vorliegenden Beschwerde kein Begehren auf Gewährung des Asyls gestellt und nicht geltend g emacht wird, der Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatland bereits ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt gewesen, dass er vielmehr vorbringt, er sei bei einer allfälligen Rückkehr in die Türkei einem erhöhten Gefährdungsmoment ausgesetzt, da er sich durch die Aus- reise aus der Türkei den behördlichen Anwerbungen zur Spitzeltätigkeit entzogen habe, dass der Beschwerdeführer demnach im Sinne subjektiver Nachflucht- gründe die Flüchtlingseigenschaft erfülle und gemäss Art. 54 AsylG vorläu- fig aufzunehmen sei, dass somit zu prüfen ist, ob aufgrund des vom Beschwerdeführer vorge- brachten Sachverhalt glaubhaft ist, er müsse in Berücksichtigung des län- derspezifischen Kontextes begründeterweise befürchten, bei einer Rück- kehr in die Türkei namentlich durch die türkischen Behörden ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt zu werden, dass die Feststellung der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung, wo- nach die Schilderungen des Beschwerdeführers in Bezug auf die Entfüh- rung durch zivile Polizisten vage und oberflächlich ausgefallen und nicht von Details geprägt seien, die den Eindruck erwecken würden, dass er die Ereignisse tatsächlich erlebt hätte, zu bestätigen ist, dass dem SEM beizupflichten ist, dass angesichts der ausserordentlichen Situation, in der er sich in diesem Zeitpunkt angeblich befunden habe, zu erwarten gewesen wäre, dass er seine Darstellungen nachvollziehbarer und erlebnisgeprägter hätte darlegen können, dass mit der Beschwerde dieser Einschätzung nichts Stichhaltiges entge- gengesetzt wird, E-4294/2020 Seite 7 dass demnach aufgrund der Aktenlage und des Aussageverhaltens des Beschwerdeführers im Sinne der zu bestätigenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung namentlich nicht glaubhaft gemacht ist, der Be- schwerdeführer wäre in der von ihm geltend gemachten Form von Zivilpo- lizisten angehalten, für zirka 20 Minuten entführt und zur verräterischen Tätigkeit gegenüber Angehörigen von Guerilla -Kampftruppen als Spitzel angeworben worden, dass im Weiteren die Feststellung der Vorinstanz nicht zu beanstanden ist, aufgrund der eigenen Angaben des Beschwerdeführers sei davon auszu- gehen, dass die Polizei von seinen jeweils im Sommer über vier bis fünf Jahre dauernden Tätigkeiten in den Bergen zugunsten der Guerilla hätte wissen müssen, dass die Polizei ihn dennoch in all diesen Jahren hat gewähren lassen, kein Verfahren gegen ihn eingeleitet und auch keinen Haftbefehl gegen ihn aus- gestellt hat, jedenfalls zu Recht gegen ein ernsthaftes Interesse der türki- schen Sicherheitsbehörden an seiner Person spricht, dass die Argumentationslinie in der vorinstanzlichen Verfügung ausgewo- gen und deren rechtliche Folgerungen sachgerecht erscheinen und auf die entsprechenden Ausführungen im Einzelnen zu verweisen ist, dass das SEM in seiner Verfügung mit überzeugender Begründung zur Er- kenntnis gelangt ist, die diesbezüglichen Vorbringen würden den Anforde- rungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen nicht genügen, dass das SEM im Weiteren zutreffend ausführte, insoweit der Beschwer- deführer geltend mache, die kurdisch -alevitische Bevölkerung werde von den Behörden schikaniert und benachteiligt, ihre Religion würde als unre- ligiös bezeichnet und die Leute würden ins Elend getrieben, wovon er als Angehöriger der kurdisch-alevitischen Bevölkerung ebenfalls betroffen sei, handle es sich nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes, dass die allgemeine Situation, in der sich die kurdische Bevölkerung in der Türkei befindet, gemäss gefestigter Praxis für sich allein nicht zur Anerken- nung der Flüchtlingseigenschaft führt, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Aktenlage auch aus der geltend gemachten Verwandtschaft zu Mitgliedern der HDP (Demokratische Partei der Völker; Halklarrn Demokratik Partisi) keine begründete Furcht abzulei-E-4294/2020 Seite 8 ten vermag, bei einer Rückkehr in sein Heimatland mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt zu werden, dass auch keine hinreichenden Anhalt spunkte ersichtlich sind, die ander- weitige Gründe zur Annahme bieten könnten, der Beschwerdeführer würde in flüchtlingsrechtlich relevanter Hinsicht in den Fokus der türkischen Be- hörden geraten und von diesen aus den vom Gesetz genannten Beweg- gründen und mit vom Gesetz verlangten ernsthaften Nachteilen überzo- gen, dass nach Prüfung der Akten die Einwände in der Beschwerde nicht taug- lich erscheinen, die Einschätzungen des SEM in der angefochtenen Verfü- gung in entscheidwesentlicher Hinsicht als n icht rechtskonform zu erken- nen, dass aus diesen Erwägungen folgt, dass die Vorinstanz die Flüchtlingsei- genschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom SEM zu Recht angeordnet wurde, dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim- mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg- weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]), dass bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernis- sen gemäss Praxis des Bunde sverwaltungsgerichts der gleiche Beweis- standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft gilt; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.), dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des E-4294/2020 Seite 9 Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AIG), dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden ( Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung dieser mass- geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da der Beschwerdeführer keine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachweisen oder glaubhaft machen kann, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prin- zip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet, dass das SEM zu Recht davon ausgehen durfte, dass keine hinreichenden Anhaltspunkte gegeben sind, der Beschwerdeführer müsste begründeter- weise befürchten, im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit einer nach Art . 3 EMRK respektive Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt zu werden, dass demnach keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine im Heimat- oder Herkunftsstaat drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 FoK und der Praxis zu Art. 3 EMRK er- sichtlich sind, dass sich weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigk eit des Weg- weisungsvollzugs weder aus den Akten noch aus der Beschwerdeschrift ergeben und der Wegweisungsvollzug auch unter dem Aspekt der gesund- heitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers im Einklang mit der geltenden völkerrechtlichen Rechtsprechung offenkundig zulässig ist, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon- kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG), E-4294/2020 Seite 10 dass gemäss akt ueller Rechtsprechung in der Türkei nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs- weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge- gangen werden kann, dass der Beschwerdeführer nicht aus einer Provinz stammt und nicht in eine Provinz zurückzukehren hätte, bei der die geltende Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts von der generellen Unzumutbarkeit des Vollzugs von Wegweisungen ausgeht (vgl. BVGE 2013/2 E. 9.6), dass das SEM im Weiteren in Berücksichtigung aller wesentlichen Aspekte zu Recht darauf geschlossen hat, es sprächen insgesamt keine individuel- len Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung in das Heimatland des Beschwerdeführers, dass, wie das SEM zu Recht ausführte, der Beschwerdeführer über eine Matura (und somit über eine solide Schulausbildung), über langjährige Be- rufserfahrung in (…), der (…) und der (…) sowie in der Türkei über ein funktionierendes Beziehungsnetz verfügt, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung die Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzuges im Einklang mit der geltenden landesrechtlichen Recht- sprechung und in Mitberücksichtigung der persön lichen Verhältnisse des Beschwerdeführers und des von ihm geltend gemachten psychischen Be- lastungsbildes geprüft und bejaht hat, dass keine ernsthaften Hinweise ersichtlich sind, der Beschwerdeführer könnte bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten, weshalb aufgrund der persönlichen Verhältnisse nicht von einer konkreten Gefähr- dung des Beschwerdeführers im Sinne des Gesetzes und der Rechtspre- chung bei einer Rückkehr in den Heimatstaat auszugehen ist, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend feststellte, der Beschwerdeführer gebe an, dass es seiner Psyche zur Zeit nicht gut gehe, und er d ies auf die hiesigen Unterkünfte zurück führe, die sich im Unter- grund befinden würden, und ihm auch seine instabile Situation hier in der Schweiz zu schaffen mache (vgl. Akten SEM 16/17 F56-F59), dass aufgrund dieser Umstände nicht auf eine gesundheitliche Beeinträch- tigung des Beschwerdeführers in einem derart gelagerten Schweregrad geschlossen werden kann, als in diesem Zusammenhang ein Vollzugshin-E-4294/2020 Seite 11 dernis gegeben sein könnte, weshalb – wie bereits in der Zwischenverfü- gung vom 10. Se ptember 2020 festgehalten – in antizipierter Würdigung der gesamten Aktenlage darauf verzichtet werden kann, eine Frist zur Ein- reichung des in Aussicht gestellten Arztberichtes anzusetzen und der ent- sprechende Antrag abgewiesen wird, dass das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat, weshalb eine Anordnung der vorläufigen Auf- nahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1–4 AIG), dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts- erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, und die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 6 3 Abs. 1 VwVG) und der in diesem Betrag geleistete Kostenvorschuss zur Begleichung der Verfah- renskosten zu verwenden ist. (Dispositiv nächste Seite) E-4294/2020 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Vorschuss wird zur Begleichung der Kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Christoph Berger Versand: