Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. März 2012 (720 11 374 / 82) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ermittlung des hypothetischen Valideneinkommens; Anforderungsprofil Besetzung Präsidentin Eva Meuli Ziegler, Kantonsrichter Michael Guex, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Axel Delvoigt, Advo- kat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1961 geborene A.____ verfügt über eine jewei ls ohne Diplom abgeschlossene Aus- bildung als Elektromonteur und Servicemonteur für Schwei ssmaschinen. Seit 2004 war er bei der B.____ AG in Sissach als Servicetechniker für Schwei ssanlagen tätig, wo ihm per 30. Sep- tember 2009 aus wirtschaftlichen Gründen wegen Rückgangs d er Auftragslage gekündigt wur- de. Bereits zuvor war er von Oktober 2000 bis September 2004 bei deren Vorgängerin C.____ AG in derselben Funktion tätig gewesen. Am 17. Dezemb er 2009 meldete er sich bei der IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug a n, nachdem er wegen eines Band- scheibenvorfalls seit 31. März 2009 teilweise arbeitsunfäh ig gewesen war. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sprach ihm die IV-Stelle nach Durchführung Seite 2 des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 15. Septemb er 2011 mit Wirkung ab 1. Juli 2010 eine bis Ende Dezember 2010 befristete Dreiviertelrente der IV zu. B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertr eten durch Dr. Axel Delvoigt, Advo- kat, am 17. Oktober 2011 Beschwerde beim Kantonsgeric ht Basel-Landschaft, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei ihm in Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung mit Wirkung ab 1. Juli 2010 eine ganze und ab 1. Januar 2011 eine halbe IV- Rente zuzusprechen, unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm di e unentgeltliche Rechtspflege zu ge- währen sei. Zur Begründung liess er im Wesentlichen vorb ringen, dass für die Bemessung des Valideneinkommens auf sein zuvor tatsächlich erzieltes Einkommen und nicht auf die Tabellen- löhne abzustellen sei. Im Zeitraum zwischen 2001 und 2 008 habe er einen durchschnittlichen, auf den Indexstand per 2009 aufgeteuerten Verdienst von Fr. 86'082.-- erzielt. Dieser Verdienst liege mit 25% deutlich über der Annahme der IV-Stell e, welche gestützt auf die Lohnstrukturer- hebung (LSE) davon ausgehe, dass er als Valider ein Einko mmen von lediglich Fr. 68'799.-- erzielen könne. Wenn auf die Tabellenlöhne abgestellt würde, so sei dem Valideneinkommen gemäss LSE 2008, TA 1, Sektor Handel Reparatur, das An forderungsniveau 1+2 zu Grunde zu legen. Die Einstufung im Anforderungsniveau 1+2 ergebe sich daher, weil er die gesamte Repa- ratur- und Serviceabteilung und -werkstatt alleine gefü hrt habe und über ausserordentliche Qualifikationen verfüge. Schliesslich sei der beim Inva lideneinkommen vorgenommene leidens- bedingte Abzug im Umfang von 10% zu tief ausgefallen. Dieser sei mit 15% zu bemessen. C. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 11. Januar 2012 auf Abweisung der Beschwerde. Da dem Beschwerdeführer aus wirtschaftlichen G ründen gekündet worden sei, müsse für die Festsetzung des Valideneinkommens rechtsprech ungsgemäss auf die LSE ab- gestellt werden. Es könne nicht davon ausgegangen werden , dass der Versicherte wieder eine Arbeitsstelle mit leitender Funktion gefunden und dab ei auch ein vergleichbar hohes Einkom- men wie zuvor erzielt hätte. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer über kei- ne abgeschlossene Ausbildung verfüge, was für sich genommen gar eine Einstufung im Anfor- derungsprofil 4 rechtfertigen würde. In Anrechnung s einer Berufserfahrung sei er deshalb zu Recht im Anforderungsniveau 3 eingestuft worden. Gestüt zt auf die Schlussfolgerungen des neurologischen Gutachters sei bei der Ermittlung des Inval ideneinkommens für die Zeit ab Juli 2010 entgegen der angefochtenen Verfügung ein leide nsbedingter Abzug von 25% zuzugeste- hen. Im Ergebnis ändere dies aber nichts daran, dass für den Zeitraum vom 1. Juli 2010 bis 31. Dezember 2010 ein Anspruch auf eine Dreiviertelrente bestehe. Für die Zeit ab 1. Oktober 2010 sei der vorgenommene leidensbedingte Abzug im Umfang von 10% angemessen. Im Übrigen würde auch bei Gewährung eines leidensbedingten Abz ugs von 15% kein Rentenanspruch re- sultieren. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- Seite 3 teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. 2.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). 3.2 Gestützt auf das neurologische Gutachten von Dr. D.___ _ vom 7. Mai 2011 ist davon auszugehen, dass der Versicherte seit seiner Operation am 8. Februar 2010 in einer ihm noch zumutbaren Verweistätigkeit ab April 2010 für eine wechselbelastende, körperlich nur noch sehr leichte Arbeit im Umfang von 50% arbeitsfähig ist. Seit Oktober 2010 war er hingegen wieder in der Lage, wechselbelastende, körperlich leichte bis te ilweise mittelschwere und ebenerdige Arbeiten vorwiegend im Sitzen mit vermehrten Pausen g anztags mit einer Leistungseffizienz von 80% zu absolvieren. Hinsichtlich dieser Beurteilung der gesundheitlichen Verhältnisse be- steht zwischen den Parteien Einigkeit. 4. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden hingegen die erwerblichen Aus- wirkungen des Gesundheitsschadens. Die IV-Stelle hat in dieser Hinsicht erwogen, dass das im Rahmen des Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG zu ermit telnde Einkommen ohne Ge- sundheitsschaden (Valideneinkommen) nicht aufgrund des beim letzten Arbeitgeber tatsächlich erzielten Verdienstes, sondern gestützt auf die vom Bun desamt für Statistik herausgegebenen Seite 4 LSE zu ermitteln sei. Der Beschwerdeführer rügt zunächst die Bemessung des Validenlohns mittels Heranziehung der lohnstatistischen Angaben der LSE. Dabei führt er an, Ausgangspunkt für die Ermittlung des hypothetischen Einkommens müsse sei n zwischen 2001 bis 2008 tat- sächlich erzielter Lohn bilden. 4.1 Bei der Ermittlung des für die Bestimmung des Inval iditätsgrades massgebenden hypo- thetischen Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem im Sozialversicherungsrecht anzuwendenden Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdi enen würde (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Die Einkom mensermittlung hat so konkret wie mög- lich zu erfolgen; daher ist in der Regel vom letzten Loh n, den die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt hat, auszugehen (vgl. BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen). Verliert jedoch eine versicherte Person die frühere Arb eitstelle aus invaliditätsfremden Gründen und ist anzunehmen, dass sie im Gesundheitsfall überwiege nd wahrscheinlich nicht mehr an der bisherigen Arbeitsstelle tätig wäre, ist das Valideneinkommen rechtsprechungsgemäss nicht aufgrund der Lohnangaben des letzten Arbeitgebers, sond ern gestützt auf die LSE zu ermitteln (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2010, 9C_130/2010, mit Hinweisen). 4.2 Vorliegend wurde das Arbeitsverhältnis des Versichert en auf Ende Februar 2010 auf- gelöst. Nach den glaubwürdigen Angaben im Fragebogen für Arbeitgebende der B.____ AG in E.____ erfolgte die Kündigung aus wirtschaftlichen Grün den infolge Rückgangs der Auftragsla- ge. Nichts anderes ergibt sich auch aus dem Arbeitszeugn is des ehemaligen Arbeitgebers vom 28. Februar 2010, demzufolge der Betrieb und die Anza hl Arbeitsstellen aus wirtschaftlichen Gründen verkleinert werden müsse. Da die Stelle im Se rvice am wenigsten flexibel einsetzbar sei, führe die fehlende Auftragslage dazu, die Stelle des Versicherten per Ende Februar 2010 aufzulösen. Davon ist auszugehen und es erhellt, dass nich t die gesundheitlichen Beeinträchti- gungen des Versicherten ursächlich für dessen Kündigung wa ren, sondern er seine Stelle aus betrieblichen Gründen verloren hat, was auch vom Beschwer deführer nicht bestritten wird. Es ist deshalb anzunehmen, dass er im Gesundheitsfall nicht m ehr bei der bisherigen Arbeitgebe- rin tätig wäre, sodass rechtsprechungsgemäss auf die Ta bellenlöhne der LSE abzustellen ist. Soweit in der Beschwerde der Standpunkt vertreten wird, der Beschwerdeführer hätte in gesun- dem Zustand vermutlich wieder eine vergleichbare Arbe itsstelle gefunden und dabei in etwa den gleichen Lohn wie zuvor bei der B.____ AG erzielt, kann ihm nicht gefolgt werden. Nach- dem er seinen Ausführungen zufolge an seiner letzten Ar beitsstelle überdurchschnittlich ver- dient hat, ist vorliegend gerade nicht mit überwiegen der Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass er nach der Entlassung weiterhin jenes konkrete Lohnniv eau erreicht hätte. Hinweise, die für eine solche Vermutung sprechen würden, liegen jedenfalls keine vor. Weil es für die Festlegung des Valideneinkommens aber nicht auf den effektiven Lohn , sondern auf die hypothetischen Einkünfte ankommt, welche die versicherte Person ohne Ges undheitsschaden mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit erzielen würde (Art. 16 ATSG; vgl. SVR 2009 IV Nr. 6 S. 11), ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle das Valideneinkommen mit Blick auf den Rentenbeginn im Jah- re 2010 aufgrund der Tabellenlöhne der LSE des Jahres 2008 bestimmt hat. 4.3 Der Beschwerdeführer lässt im Weiteren vorbringen, dass die IV-Stelle, wenn sie schon das Valideneinkommen mittels Tabellenlöhnen berechne, bei der LSE 2008, TA 1, Sektor Handel Reparatur, das Anforderungsniveau 1+2 hätte heranziehen müssen. Das derart berech- Seite 5 nete Valideneinkommen liege bereits 8,7% unter jenem Einkommen, welches er im Jahre 2008 tatsächlich verdient habe. Andererseits ergebe sich die Einstufung in das Anforderungsniveau 1+2, weil er die gesamte Reparatur- und Serviceabteil ung seines früheren Arbeitgebers alleine geführt habe und über ausserordentliche Qualifikation en verfüge. Die Leitung der Reparatur- werkstatt habe er überdies bereits in den Jahren zuvor be i der Vorgängerin seines letzten Ar- beitgebers innegehabt. Es trete hinzu, dass ähnliche Umst ände vorliegen würden, bei welchen das Bundesgericht im Urteil 9C_130/2010 vom 14. April 2010 das Valideneinkommen eines Werkstattchefs ebenfalls nach dem Anforderungsniveau 1+2 bemessen habe. Die IV-Stelle stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, es könne nich t davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer wieder eine Arbeitsstelle mit leitender Funktion finden und dabei ein vergleichbar hohes Einkommen generieren würde. Auch se i zu berücksichtigen, dass dieser über keinerlei abgeschlossene Ausbildung verfüge. In An rechnung seiner Berufserfahrung sei der Beschwerdeführer daher zu Recht im Anforderungsniveau 3 eingestuft worden. 4.4 Aktenkundig und zwischen den Parteien unbestritten ist , dass der Beschwerdeführer über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt. Diese r hat seine Ausbildung zum Servi- cemonteur einerseits und zum Elektromonteur andererseits jeweils ohne Diplom beendet (vgl. neurologisches Gutachten von Dr. R. D.____ vom 7. M ai 2011, S. 4, ad Sozialanamnese). Wie auch die Beschwerdegegnerin vernehmlassungsweise letztlich anerkennt, kann damit aber nicht gesagt werden, der Versicherte verfüge über keine B erufs- und Fachkenntnisse, wie sie für die Heranziehung des Anforderungsprofils 3 des LSE vorausgesetzt werden. Dem Be- schwerdeführer sind vielmehr auch die im Verlaufe seiner beruflichen Laufbahn angeeigneten Fachkenntnisse und die einhergehende Berufserfahrung anzurechnen. So besitzt er mittlerweile fundierte Kenntnisse und eine langjährige Erfahrung im Bereich der Servicetechnik von Schweissgeräten. Damit verfügt er über fachspezifische Qua litäten, die seine fehlende Be- rufsausbildung mit Diplomabschluss ohne Weiteres kompensieren. Diese spezifischen Fachkenntnisse rechtfertigen jedoch nich t, bei der Bemessung des Invali- deneinkommens auf das Anforderungsprofil 1+2 abzustell en. Dieses setzt die Verrichtung ent- weder höchst anspruchsvoller und schwierigster Arbeiten ode r die Verrichtung zumindest selb- ständiger und qualifizierter Arbeiten voraus. Die Vorbr ingen des Beschwerdeführers lassen hin- gegen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vermute n, dass er nach seiner Kündigung eine Arbeitsstelle im Anforderungsprofil 1+2 gefunden und dabei ein vergleichbar hohes Ein- kommen wie zuvor bei seinem ehemaligen Arbeitgeber erzi elt hätte. Das von ihm über Jahre hinweg wahr genommene Stellenprofil vermag einem sol chen Anforderungsprofil nicht gerecht zu werden. Daran vermag zunächst nichts zu ändern, dass de r Versicherte alle Reparatur- und Servicearbeiten selbständig vorgenommen hat. So ist notorisch, dass selbst einfache und repe- titive Arbeiten stets eine gewisse Selbständigkeit erfo rdern, demgegenüber eine Arbeit unter Anleitung letztlich nur an geschützten Arbeitsplätzen vor zufinden ist. Das Element der Selb- ständigkeit alleine kann die besonders hoch anzusetzende Qualifikation, wie sie für die Heran- ziehung des Anforderungsprofils 1+2 von Nöten ist, deshal b nicht rechtfertigen. Mit Blick auf den Stellenbeschrieb (vgl. Stellenbeschreibung der C.___ _ AG vom 8. Mai 2006 sowie Arbeits- zeugnis vom 28. Februar 2010, Beschwerdebeilagen 3 und 4) ist davon auszugehen, dass die Arbeit des Versicherten nicht über die Tätigkeit hinausging, wie sie ein - allenfalls auch in einem spezialisierten Bereich - fachlich qualifizierter Handwer ker ebenso ausübt. So umfasste etwa die Reparatur der Schweissgeräte den Kernbereich der Tä tigkeit des Versicherten, wie er letzt- Seite 6 lich jedem Servicetechniker in diesem Bereich obliegt. Insofern können auch der damit zusam- menhängende Einkauf und die Verwaltung von Ersatzteilen keine überdurchschnittlich qualifi- zierenden Kompetenzen begründen. Nicht anderes verhält es sich mit der Prüfung von Leihma- schinen, dem Bewirtschaften von Manuals und Schaltschemas o der der Bewirtschaftung von Occasionswerkmaschinen. Diese Bereiche sind der alltäglichen Verrichtung von - wenn auch fachspezifischen - Servicearbeiten inhärent und gehören e benso zu den angestammten Arbei- ten, wie sie auch bei sonstigen Handwerksberufen stets vor ausgesetzt werden. Dies gilt schliesslich ebenso für die telefonisch erteilte Supportunt erstützung, wie sie von IT-Mitarbeitern und Servicemonteuren von Kopiergeräten erbracht werden. Daran ändert auch das im Verlaufe der beruflichen Laufbahn zusätzlich angeeignete Fachwiss en nichts. Zu Ungunsten des Be- schwerdeführers zu berücksichtigen ist sodann der Umstand, da ss dieser der einzige Mitarbei- ter der Serviceabteilung war und somit keine zusätzliche Personalführungskompetenz nachwei- sen kann (vgl. Beschwerdebegründung, S. 7). Damit abe r unterscheidet sich die Situation des Versicherten wesentlich von jener Konstellation, wie si e dem vom Beschwerdeführer herange- zogenen Fall eines Werkstattchefs einer Garage zu Grunde lag, der nebst einer Grundausbil- dung zum Automechaniker sowohl über eine langjährige Berufserfahrung als auch über eine langjährige Erfahrung in der Funktion eines Werkstattc hefs mit Leitungsaufgaben verfügt hatte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_130/2010 vom 14. April 2010, E. 3.3.1). Zusammenfassend erhellt, dass die IV-Stelle bei der Beme ssung des Valideneinkommens des- halb zu Recht die LSE 2008, TA 1, Sektor Handel Repa ratur, Anforderungsniveau 3, herange- zogen hat. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen, wöchentlichen Arbeitszeit in diesem Sektor von 41,9 Stunden und nach Anpassung der Nominal lohnentwicklung von 2% resultiert demnach ein massgebendes Valideneinkommen von Fr. 68'799. --. Diesem steht ein gestützt auf die LSE 2008, TA 1, Privater Sektor, Anforderung sniveau 4, Spalte Männer, bemessenes Invalideneinkommen gegenüber. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die von der IV-Stelle vorgenommene Berechnung verwiesen werden. 4.5 Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob bzw. in welcher Höhe beim Invalidenein- kommen der gesundheitlichen Einschränkung mit einem leidensbedingten Abzug vom Tabellen- lohn Rechnung zu tragen ist. Was zunächst die Periode vo n April bis Ende September 2010 betrifft, resultiert bei einer verbleibenden Arbeitsf ähigkeit von 50% selbst bei einem maximal zulässigen Abzug vom Tabellenlohn im Umfang von 25% ein Invaliditätsgrad unter 70% und mithin lediglich eine Dreiviertelrente der IV. Auch w as die Zeit ab Oktober 2010 betrifft, braucht das Begehren des Beschwerdeführers, wonach ein angemessene r leidensbedingter Abzug von 15% statt nur 10% vorzunehmen sei, nicht abschliessend ge prüft zu werden. Zum einen führt ein Abzug von 15% - wenn auch mit 39% nur knapp - zu ke inem Renten begründenden IV- Grad. Zum anderen ist ein darüber hinaus gehender Abz ug über 15% für die Periode ab Okto- ber 2010 so oder anders unzulässig. Zu berücksichtigen is t dabei insbesondere, dass allfällige, bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfä higkeit enthaltene gesundheitliche Ein- schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung eines leidensbe dingten Abzugs einfliessen dürfen. Mit einer ausgewiesenen Leistungseinschränkung im Umfang von 20% sind die Leis- tungseinbussen des Beschwerdeführers aufgrund seiner somat ischen Leiden grundsätzlich jedoch bereits berücksichtigt. So ist insbesondere der dem Versicherten attestierte Pausenbe- darf bei einer noch zumutbaren Leistungsfähigkeit von insgesamt 80% bereits mitberücksichtigt. Da eine körperlich leichte bis intermittierend mittelsch were Verweistätigkeit ganztags zumutbar Seite 7 ist, rechtfertigt sich auch kein Abzug für eine Teilzeit verrichtung. Allenfalls verbleibende Nachteile des medizinischen Leistungsprofils rechtfertigen daher jedenfalls keinen leidensbe- dingten Abzug vom Invalideneinkommen über 15%. Es hat deshalb sein Bewenden damit zu haben, dass der Versicherte für die Zeit von April bis Dezember 2010 Anspruch auf eine Drei- viertelrente der IV besitzt. Seine Beschwerde ist folglich abzuweisen. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihm ist allerdings mit Verfügung vom 4. November 2011 die unentgeltliche Prozessführung be willigt worden, weshalb die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 5.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer mit prozessleitender Verf ügung vom 4. November 2011 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvert reter bewilligt worden ist, hat dessen Entschädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 180.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwe rdeführers hat in seiner Honorarnote vom 24. Januar 2012 einen Zeitaufwand von 14.35 Stunden sowie Spesen von Fr. 202.40 geltend gemacht, was umfangmässig nicht zu be anstanden ist. Nicht entgolten wer- den können jedoch die unter dem Titel "Reserve" zusätzli ch in Rechnung gestellten Bemühun- gen für nachprozessuale Bemühungen. Ihm ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'008.25 (14,35 Stunden à Fr. 180.-- zuzüglich A uslagen von Fr. 202.40 sowie 8% Mehr- wertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 8 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'008.25 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht