Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer II II 2021 118 Entscheid vom 21. Februar 2022 Besetzung Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident Dr.oec. Andreas Risi, Richter Dr.iur. Frank Lampert, Richter MLaw Milena Pesic, a.o. Gerichtsschreiberin Parteien A.________, Beschwerdeführerin, gegen Amt für Arbeit, Lückenstrasse 8, Postfach 1181, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Arbeitslosenversicherung (Einstellung in der Anspruchs- berechtigung; Ablehnung eines Programms zur vorüber- gehenden Beschäftigung)2 Sachverhalt: A.A.________ (Jg. 1972) war seit August 2017 bei der B.________, C.________ (Standort), als Aussendienstmitarbeiterin angestellt. Am 19. Juni 2020 hat ihr die Arbeitgeberin per 31. August 2020 gekündigt, wobei sich die Kündigungsfrist unfallbedingt bis 30. September 2020 verlängerte. Am 6. Oktober 2020 stellte A.________ Antrag auf Arbeitslosenentschädigung per 1. Oktober 2020. Bereits am 9. Juli 2020 wurde sie durch das RAV D.________ zur Arbeits- vermittlung angemeldet (Vi-act. 1 und 2). B.Anlässlich des RAV-Beratungsgesprächs vom 27. August 2021 (Vi-act. 12) und gleichentags schriftlich (Vi-act. 3) wurde A.________ aufgefordert, sich zwecks Programm zur vorübergehenden Beschäftigung innert 2 Arbeitstagen beim Verein E.________ in F.________ zu melden. Vorgesehen sei ein 100%- Einsatz ab 4. Oktober 2021 mit allgemeinen Dienstleistungsarbeiten am Stand- ort G.________ in F.________ sowie einem persönlichkeitsorientierten Schu- lungsteil. Die Aufforderung erging unter der Androhung, dass sie zur Teilnahme verpflichtet sei und eine Missachtung zu einer Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung führen könne. C.Am 31. August 2021 informierte der Verein E.________ das RAV D.________, er sei von A.________ kontaktiert worden; sie sehe von einer Teil- nahme ab (Vi-act. 4). Am 8. September 2021 konfrontierte das Amt für Arbeit A.________ mit dem Sachverhalt und der Absicht, sie wegen der Nichtteilnahme in der Anspruchsberechtigung einzustellen (Vi-act. 5). Hierzu nahm A.________ am 10. September 2021 Stellung (Vi-act. 6). D.Mit Verfügung vom 14. September 2021 stellte das Amt für Arbeit A.________ ab dem 1. September 2021 für die Dauer von 21 Tagen in der An- spruchsberechtigung ein (Vi-act. 7). Eine am 29. September 2021 dagegen er- hobene Einsprache (Vi-act. 8) wies das Amt für Arbeit mit Entscheid Nr. 354/21 vom 2. November 2021 ab (Vi-act. 10). E.Am 12. November 2021 erhebt A.________ beim Amt für Arbeit "Einspra- che gegen den Einsprache Entscheid Nr. 354/21" mit dem sinngemässen Antrag, ihr die Einstelltage zu erlassen. Die Eingabe überweist das Amt für Arbeit am 15. November 2021 zuständigkeitshalber ans Verwaltungsgericht. F.Mit Vernehmlassung vom 13. Dezember 2021 beantragt das Amt für Arbeit die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. 3 G.Nachdem der Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Vernehmlassung am 15. Dezember 2021 zugestellt wurde, erhebt sie am 12. Januar 2022 "Einsprache gegen den Entscheid vom 15. Dezember 2022". Die Eingabe wurde als Replik entgegengenommen und der Vorinstanz zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.Die Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin und ihr Anspruch auf Arbeits- losentaggelder sind unbestritten. Unbestritten ist ebenso, dass sie am 27. August 2021 aufgefordert wurde, am Programm zur vorübergehenden Beschäftigung (PvB) beim Verein E.________ in F.________ teilzunehmen und dass sie von einer Teilnahme absah. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die Beschwerdeführerin zu Recht wegen der Nichtteilnahme mit 21 Einstelltagen sanktioniert hat. 2.1 Die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, muss mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unter- nehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [Arbeitslosenversicherungsgesetz, AVIG; SR 837.0] vom 25.6.1982). Die versicherte Person ist in der Anspruchsberechtigung einzu- stellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, ab- bricht oder deren Durchführung oder Zweck durch ihr Verhalten beeinträchtigt oder verunmöglicht (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG). 2.2 Arbeitsmarktliche Massnahmen (AMM) sind Bildungsmassnahmen, Be- schäftigungsmassnahmen und spezielle Massnahmen (Art. 59 Abs. 1 bis AVIG). Mit einer AMM soll die Eingliederung von Versicherten, die aus Gründen des Ar- beitsmarktes erschwert vermittelbar sind, gefördert werden. Solche Massnahmen sollen gemäss Art. 59 Abs. 2 AVIG insbesondere die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten verbessern, damit diese rasch und dauerhaft wieder eingegliedert werden können (lit. a), die beruflichen Qualifikationen entsprechend den Bedürf- nissen des Arbeitsmarkts fördern (lit. b), die Gefahr von Langzeitarbeitslosigkeit vermindern (lit. c) oder die Möglichkeit bieten, Berufserfahrungen zu sammeln (lit. d). Zu den AMM zählen insbesondere auch Bildungsmassnahmen wie individuelle oder kollektive Kurse zur Umschulung, Weiterbildung oder Eingliederung sowie Übungsfirmen und Ausbildungspraktika (Art. 60 Abs. 1 AVIG). Weist die zustän-4 dige Stelle einen Versicherten an, einen Kurs zu besuchen, so muss sie neben der Arbeitsmarktlage auch seine Fähigkeiten und Neigungen angemessen berücksichtigen (Art. 83 Satz 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslo- senversicherung und die Insolvenzentschädigung [Arbeitslosenversicherungs- verordnung, AVIV; SR 837.02] vom 31.8.1983). Auch die sogenannten Beschäftigungsmassnahmen stellen AMM dar (Art. 64a AVIG). Als solche gelten unter anderem vorübergehende Beschäftigungen im Rahmen von Programmen öffentlicher und privater, nicht gewinnorientierter Insti- tutionen (Art. 64a Abs. 1 lit. a AVIG). Die vorübergehende Beschäftigung nach Art. 64a Abs. 1 lit. a AVIG ist dabei entsprechend ihrem Zweck im Verhältnis zu den anderen AMM und insbesondere zu einer Zwischenverdiensttätigkeit subsi- diärer Natur (BGE 125 V 362 Erw. 4b). 2.3 Im Sinne der Schadenminderungspflicht ist die versicherte Person gehal- ten, analog zur grundsätzlich unverzüglichen Annahme einer jeden Tätigkeit auch eine zugewiesene AMM unverzüglich anzutreten (SBVR-Soziale Sicherheit, Nussbaumer, ALV, Rz. 685). Zu beachten ist, dass für die Beurteilung der Zu- mutbarkeit einer Arbeit, für die Zuweisung von zumutbarer Arbeit sowie die Ertei- lung von Weisungen nach Art. 17 Abs. 3 AVIG das regionale Arbeitsvermitt- lungszentrum (RAV) zuständig ist (vgl. § 2 lit. b Vollzugsverordnung zur AVIV, SRSZ 364.111). 2.4 Die Anforderungen an die Zumutbarkeit des Besuches einer Bildungs- massnahme dürfen nicht hoch gesteckt werden (Urteil EVGer C 127/06 vom 14.9.2006 Erw. 4.1). Betreffend die Zumutbarkeit der Teilnahme an einem Programm vorübergehen- der Beschäftigung in Programmen öffentlicher oder privater, nicht gewinnorien- tierter Institutionen (Art. 64 Abs. 1 lit. a AVIG) hält das Gesetz ausdrücklich fest, diese sei nach Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG zu beurteilen (vgl. Art. 64a Abs. 2 AVIG). Demgemäss ist eine Teilnahme dann unzumutbar - und soweit von der grundsätzlich geltenden Annahmepflicht (Art. 16 Abs. 1 AVIG) ausgenommen - wenn eine Arbeit resp. ein Beschäftigungsprogramm dem Alter, den persönlichen Verhältnissen oder dem Gesundheitszustand des Versicherten nicht angemes- sen ist (vgl. auch Urteil BGer 8C_128/2016 vom 13.4.2016 Erw. 2). Das Vorlie- gen der weiteren Kriterien von Art. 16 Abs. 2 lit. a, b sowie d - i AVIG ist unbe- achtlich (Urteil EVGer C 97/00 vom 4.8.2000 Erw. 2b). Insbesondere ist nicht zu prüfen, ob der Einsatz am Beschäftigungsprogramm im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG angemessen auf die Fähigkeiten oder die bisherige Tätigkeit des Be- schwerdeführers Rücksicht nimmt. Angesichts von Sinn und Zweck der vorüber-5 gehenden Beschäftigung ist eine Unzumutbarkeit nur mit Zurückhaltung anzu- nehmen (SBVR-Soziale Sicherheit, Nussbaumer, ALV, Rz. 724; VGE II 2018 31 vom 19.4.2018 Erw. 2.3; VGE II 2018 81 vom 16.1.2019 Erw. 1.8.2). 2.5 Die Rechtmässigkeit einer Zuweisung ist nicht selbständig anfechtbar. Die Überprüfung erfolgt im Beschwerdeverfahren gegen die damit zusammenhän- gende Einstellungsverfügung (vgl. VGE 352/03 vom 21.10.2003 Erw. 3a f. mit Hinweisen, u.a. auf EVGE C 82/97 vom 10.9.1997, publ. in SVR 1998, ALV Nr. 12; EVGE C 286/01 vom 7.12.2001 Erw. 1, mit Verweis auf SVR 1998 ALV Nr. 12, S. 37 Erw. 3). 3.1Die Beschwerdeführerin beantragte per 1. Oktober 2020 Arbeitslosentag- gelder. Seither war sie arbeitslos und stellensuchend. Dass das RAV bei ent- sprechend bereits langandauernder Arbeitslosigkeit eine AMM in Betracht zog, ist keinesfalls zu beanstanden, sondern war angezeigt (vgl. auch VGE II 2019 62 vom 18.11.2019 Erw. 4.3). Die Tatsache, dass sie seit dem 1. Januar 2021 einen Zwischenverdienst auf Stundenbasis (im Schnitt 16 h/Mt, vgl. Vi-act. 12, S. 3) zu erzielen vermochte, ändert hieran nichts. Nach dem Gesagten besteht für die versicherte Person grundsätzlich eine Pflicht, am AMM/PvB teilzunehmen, soweit dies nicht unzumutbar ist. Zudem ist zu be- achten, dass ein AMM/PvB entsprechend seinem Zweck im Verhältnis zu einer Zwischenverdiensttätigkeit subsidiärer Natur ist. 3.2.1Das AMM/PvB wurde der Beschwerdeführerin anlässlich des Beratungsge- spräches vom 27. August 2021 eröffnet. Gleichzeitig wurde sie schriftlich zur Teilnahme aufgefordert (vgl. oben Ingress Bst. B). Dem RAV-Protokoll ist zu ent- nehmen, dass sich die Beschwerdeführerin bereits anlässlich des Gesprächs nach der Möglichkeit einer Ablehnung erkundigt hat, worauf sie orientiert wurde, dass unter Umständen mit 21 Einstelltagen zu rechnen sei, danach 30 Tage ge- wartet werde und eine erneute Zuweisung erfolge (vgl. Vi-act. 12). 3.2.2Am 31. August 2021 informierte E.________ das RAV, die Beschwerdefüh- rerin werde am AMM/PvB nicht teilnehmen (Vi-act. 4). Sie habe ihrem RAV- Berater mitgeteilt, die Teilnahme ab 4. Oktober 2021 sei für sie zu kompliziert, da sie bereits in einem 40%-Pensum im Zwischenverdienst arbeite und auf 70% aufstocken werde. Der Anfahrtsweg (von H.________ nach F.________) mit un- regelmässigen Arbeitszeiten sei ihr auch zu kompliziert. Zusätzlich habe sie grossen Respekt gegenüber der vierten Corona-Welle, da sie und die Tochter mit ihrer Mutter zusammenleben würden; das Risiko, sich anzustecken sei hoch. Ak- tuell arbeite sie zu Hause im Homeoffice. 6 3.2.3Nach der Konfrontation mit dem Vorwurf der Nichtteilnahme am AMM/PvB ohne entschuldbaren Grund äusserte die Beschwerdeführerin am 10. September 2021, sie könne ihren Zwischenverdienst auf 40% erhöhen. Es sei dies ein Job, welchen sie im Homeoffice erbringen könne. Die Stunden würden auf 5 Tage verteilt. Wenn sie bis 12 Uhr arbeite, anschliessend Mittagspause mache und dann mit dem öV nach F.________ fahre, sei sie 1¼ h oder länger unterwegs und komme frühestens um 14.35 Uhr bei E.________ an. Dasselbe gelte, wenn sie am Morgen hinfahren müsste. Über ein Auto verfüge sie nicht. Zudem lebe sie mit Mutter und Tochter in einem Haushalt. Die Mutter und sie seien Risikopa- tienten, weshalb sie nichts riskieren wolle. Die vierte Corona-Welle sei bereits da. Sie bitte, die Sanktionierung zu überdenken, sie könne sich keine 60 Einstelltage leisten. Zudem teilte sie mit, vom 13. bis 22. September 2021 ferienabwesend zu sein (Vi-act 6). 3.2.4Nachdem die Vorinstanz 21 Einstelltage verfügt hatte (Vi-act. 7), erhob die Beschwerdeführerin am 29. September 2021 Einsprache (Vi-act. 8). Sie arbeite seit dem 1. Januar 2021 im Zwischenverdienst. Bei der Arbeitgeberin habe sie sich nach einer Pensenerhöhung erkundigt. Diese habe ihr eine Erhöhung auf 40% per 1. Oktober 2021 bestätigt. Die 40% seien auf die ganze Woche verteilt, sie arbeite also täglich. Am 31. August 2021 habe sie sich beim RAV und beim Amt für Arbeit erkundigt, ob sie die Stelle trotz reduziertem Lohn annehmen solle und beide Stellen hätten dies bejaht, da sie Ende Monat im Endeffekt dennoch mehr verdiene. Die Vorinstanz solle nun entscheiden, ob sie den 40%-Job täglich weiterhin ausüben solle bis sie eine Vollzeitstelle finde, oder das AMM/PvB bei E.________ besuchen solle. 3.3.1Im angefochtenen Einspracheentscheid anerkennt die Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin der Weisung, sich beim Verein E.________ innert zwei Ta- gen zu melden, nachgekommen sei (Vi-act. 10). Einen Einsatz habe sie aller- dings abgelehnt. Gegenüber E.________ habe sie ausgeführt, 40% zu arbeiten mit Aussicht auf ein 70%-Pensum. Den Zwischenverdienstabrechnungen könne indes entnom- men werden, dass sie seit Januar 2021 jeweils weniger als 20% beschäftigt ge- wesen sei, weshalb ihre Aussage nicht nachvollziehbar sei und der Realität wi- derspreche. In der Einsprache mache sie dann geltend, das Pensum per 1. Ok- tober 2021 auf 40% erhöhen zu können. Warum es nicht möglich sei, zum 40%- Pensum, d.h. neben 3h 22' Arbeit/Tag zusätzlich halbtags ein AMM/PvB zu be- suchen, sei nicht einsichtig und erkläre die Beschwerdeführerin auch nicht. In ca- su würden sich Zwischenverdienst und AMM/PvB nicht ausschliessen, da beides problemlos umsetzbar sei. Gemäss Fahrplan könne sie etwa 6.29 Uhr den Zug 7 nehmen und erreiche 7.09 Uhr die Haltestelle G.________ F.________. Retour gehe es 11.38 Uhr und sie erreiche H.________ um 12.28 Uhr. Die Teilnahme am AMM/PvB wäre damit sehr wohl möglich. Die in der Stellungnahme vom 10. September 2021 noch geäusserten Bedenken wegen Covid bringe sie in der Einsprache nicht mehr vor. Es sei daher davon auszugehen, dass die Erklärung in der Verfügung, wonach bei E.________ die Corona-Massnahmen strengstens eingehalten würden, ausreichend gewesen seien. Zusammenfassend vermöge die Beschwerdeführerin keine überzeugenden Gründe vorzubringen, warum sie die Weisung für das AMM/PvB nicht befolgt ha- be. Entsprechend bestätigte die Vorinstanz die Sanktionierung mit 21 Einstellta- gen. 3.3.2Vor Verwaltungsgericht trägt die Beschwerdeführerin vor, sie arbeite seit dem 1. Januar 2021 im Zwischenverdienst im Homeoffice. Seit dem 1. Oktober 2021 40% täglich, jeweils Morgen und Nachmittag zu den Spitzenzeiten. Die im Einspracheentscheid erwähnten Zugsverbindungen könne sie nicht einhalten; wenn sie am Morgen und Nachmittag arbeite, könne sie das Programm nicht be- suchen. Am 8. November 2021 habe sie einen neuen 40%-Job angenommen; 40% arbei- te sie noch beim alten Arbeitgeber, um die Kündigungsfrist einzuhalten. Ab De- zember 2021 sei sie im neuen Job voll angestellt und beim RAV abgemeldet. 3.3.3Die Vorinstanz hält vernehmlassend fest, ein Zwischenverdienst entbinde nicht von der Pflicht, an einem vom RAV zugewiesenen AMM/PvB teilzunehmen. Der Programmanbieter nehme auf den Zwischenverdienst Rücksicht. Trotz des Zwischenverdienstes wäre es der Beschwerdeführerin daher möglich gewesen, den Einsatz bei E.________ zu beginnen und bei allfälligen Terminkollisionen mit dem Programmleiter eine Lösung zu finden. 3.3.4In der Stellungnahme vom 12. Januar 2022 betont die Beschwerdeführerin noch einmal, sie arbeite für ihren 40%-Job täglich morgens und nachmittags zu den Spitzenzeiten. Sie besitze kein Auto. In der ihr zur Verfügung stehenden Zeit könne sie mit dem öV unmöglich zu E.________ nach F.________ und wieder zurück. Sie habe mit ihrem RAV-Berater die Aufstockung des Zwischenverdiens- tes auf 40% besprochen und dieser sei mit den Bedingungen einverstanden ge- wesen. Dies sei kurz nach der Anmeldung zum AMM/PvB gewesen. Auch mit dem Amt für Arbeit habe sie dies besprochen. Deshalb sei sie über die Einstell- tage überrascht gewesen.8 3.4.1Ein AMM/PvB ist zu einem Zwischenverdienst subsidiär. Bei der Ausübung einer ausgleichsberechtigenden Zwischenverdienstarbeit kommt dieser Priorität vor einer vorübergehenden Beschäftigung zu (BGE 125 V 362 Erw. 4b). Lässt sich aber der Einsatz in einem Programm zur vorübergehenden Beschäftigung hinsichtlich der zeitlichen Beanspruchung mit einem ausgeübten Zwischenver- dienst vereinbaren und bleibt eine versicherte Person dennoch unentschuldigt der zumutbaren Massnahme fern, besteht die Möglichkeit der Sanktionierung mittels Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Urteil BGer 8C_114/2009 vom 1.7.2009 Erw. 4.2.2). 3.4.2Den Zwischenverdienstabrechnungen der Monate Juli und August 2021 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nur an vereinzelten Tagen (im Juli an 6 Tagen, im August an 8 Tagen in der Regel je 4 Stunden) arbeitete (vgl. Vi- act. 14). Es ist der Vorinstanz beizupflichten wenn sie festhält, eine Zwischen- verdiensttätigkeit diesen Ausmasses hindere nicht, an einem AMM/PvB teilzu- nehmen. Etwaige absehbare Kollisionen können mit den Programmverantwortli- chen besprochen werden. Vorliegend fällt sodann auf, dass sich die Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Zuweisung ins AMM/PvB am 27. August 2021 ablehnend geäussert hatte. Zu diesem Zeitpunkt stand die Erhöhung ihrer Zwischenverdiensttätigkeit auf 40% noch nicht einmal im Raum. Die Möglichkeit einer Pensenerhöhung ergab sich erst später, weshalb sie dies gemäss eigener Darstellung auch erst später mit dem RAV-Berater besprach. Die Zuweisung ins AMM/PvB im August 2021 ist daher nicht zu beanstanden. 3.4.3Die Vorinstanz hält sodann zu Recht fest, die von der Beschwerdeführerin gegenüber E.________ gegebene Auskunft, wonach sie 40% arbeite und auf 70% erhöhen könne, sei falsch gewesen. Zu jener Zeit arbeitete sie nachweislich viel weniger (vgl. oben Erw. 3.4.2). Auch im September 2021 arbeitete sie nur an sechs Tagen zu je 4h, mithin weit weniger als 40%. Ob Ende August effektiv Aussicht auf eine Anstellung mit 40%-Pensum bestand, ist nicht ausgewiesen. Fest steht einzig, dass der Arbeitsvertrag per 1. Oktober 2021 am 29. September 2021, mithin lange nach der Verweigerung der Teilnahme am AMM/PvB ausge- stellt wurde. Damit aber steht fest, dass die Beschwerdeführerin die Teilnahme am AMM/PvB zu einem Zeitpunkt abgesagt hatte, als sie weder durch eine Zwi- schenverdiensttätigkeit gehindert gewesen wäre, noch eine entsprechende Tätigkeit verbindlich zugesichert war. Mithin bestand kein Grund für eine Nicht- teilnahme. Beizufügen ist, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Subsidia- rität des AMM/PvB daran hätte teilnehmen müssen, das Programm aber jederzeit hätte abbrechen können, sobald eine Zwischenverdiensttätigkeit die Teilnahme 9 nicht mehr zugelassen hätte. Ohne verbindlich zugesicherte Zwischenverdienst- tätigkeit aber bestand kein Grund, das AMM/PvB abzulehnen. 3.4.4Aus dem Gesagten erhellt, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Ablehnung des AMM/PvB (31.8.2021) keiner Zwischenverdiensttätigkeit nach- ging, welche eine Nichtteilnahme gerechtfertigt hätte, und auch noch keine ver- bindlich in Aussicht hatte. Dass das AMM/PvB der Beschwerdeführerin aufgrund ihres Alters, den persönlichen Verhältnissen oder ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen gewesen wäre (vgl. Art. 64a Abs. 2 i.V.m. Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG), ist weder ersichtlich, noch behauptet dies die Beschwerdeführerin (auch das Argument betreffend Covid-Risiko bringt die Beschwerdeführerin vor Verwal- tungsgericht wie schon in der Einsprache nicht mehr vor). Dass eine Teilnahme in F.________ auch für Personen mit Wohnort H.________ per öV machbar und zumutbar ist, hat die Vorinstanz nachgewiesen. Mithin hatte die Beschwerdefüh- rerin die Teilnahme am AMM/PvB am 31. August 2021 ohne entschuldbaren Grund abgesagt (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG). 3.4.5Hieran ändert weder die effektive Pensenerhöhung gemäss Arbeitsvertrag vom 29. September 2021 per 1. Oktober 2021, noch die weitere 40%-Stelle ab November 2021, noch die Beendigung der Arbeitslosigkeit im Dezember 2021 etwas. All dies erfolgte erst einige Zeit nachdem die Beschwerdeführerin die Teilnahme am AMM/PvB ohne entschuldbaren Grund abgesagt hatte. Bleibt immerhin anzuführen, dass sich die Behauptung der Beschwerdeführerin, ihr 40%-Pensum ab Oktober hätte eine Teilnahme verunmöglicht, da sie gemäss Vertrag täglich am Morgen und am Nachmittag zu Spitzenzeiten habe arbeiten müssen, aus den Akten nicht bestätigen lässt. Zur Arbeitszeit hält der Vertrag fest, sie werde mit einem Pensum von 40% beschäftigt, die wöchentliche Ar- beitszeit betrage bei einem Vollzeitpensum 42h, verteilt auf fünf Werktage; werde ein geringeres Pensum vereinbart, so entspreche die wöchentliche Arbeitszeit dem Äquivalent des vereinbarten Pensums (vgl. Vi-act. 8). Dass sie verpflichtet war, täglich morgens und nachmittags zu Spitzenzeiten zu arbeiten, ergibt sich aus dem Vertrag nicht. Im Recht liegt ebenso die Zwischenverdienstabrechnung Oktober 2021, ausgefüllt durch die Arbeitgeberin (Vi-act. 14). Dergemäss arbeite- te die Beschwerdeführerin nicht täglich, sondern Mittwoch bis Freitag, am Mitt- woch 3.25h, an den andern beiden Tagen 6.5h. Damit aber sind ihre Ausführun- gen widerlegt. 3.5Zusammenfassend hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, die Beschwer- deführerin habe am 31. August 2021 die Teilnahme am AMM/PvB ohne ent-10 schuldbaren Grund abgesagt und damit eine Weisung des RAV zu Unrecht nicht befolgt. 4.Die Nichtbefolgung einer Weisung der zuständigen Amtsstelle stellt ein zu sanktionierendes Verhalten dar (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG), womit nicht zu bean- standen ist, dass die Vorinstanz die Beschwerdeführerin in der Anspruchsbe- rechtigung eingestellt hat. 4.1Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad, der Schwere des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädi- gung [AVIG; SR 837.0]). Die Einstellung dauert 1 - 15 Tage bei leichtem Ver- schulden, 16 - 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden und 31 - 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV). 4.2Bei der Bemessung der Einstellungsdauer sind alle Umstände des konkre- ten Einzelfalls wie Beweggründe, persönliche Verhältnisse (z.B. Alter, Zivilstand, Gesundheit, soziales Umfeld, Bildungsgrad) und Begleitumstände zu berücksich- tigen (vgl. VGE I 2008 85 vom 25.6.2008 Erw. 4.1 mit Verweisen auf VGE 324/02 vom 17.7.2002 Erw. 5b, Chopard, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 167 ff.; AVIG-Praxis ALE, Januar 2016, D 64). Massgebend ist das Gesamtverhalten der versicherten Person, das unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände des Einzelfalls, d.h. der objektiven und subjektiven Ge- gebenheiten zu würdigen ist (BGE 130 V 125 Erw. 3.5). Es ist dabei vom Mittel- wert des jeweils definierten Rahmens für leichtes, mittelschweres und schweres Verschulden auszugehen, welcher bei qualifiziertem Verhalten entsprechend verschärft und bei privilegiertem Verhalten gemindert werden kann (BGE 123 V 153 Erw. 3b; Urteil BGer 8C_24/2021 vom 10.6.2021 Erw. 6). 4.3Das Seco hält in der AVIG-Praxis ALE, Rz. D72 ff. ein Einstellraster für verschiedene Einstellungs-Tatbestände bereit. Dieses Einstellraster soll eine wei- testmögliche Gleichbehandlung der Versicherten auf nationaler Ebene gewähr- leisten und den Vollzugsstellen als Entscheidungshilfe dienen. Die Verwaltungsweisungen sind für das Gericht grundsätzlich nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne trifti- gen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Kon- kretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen-11 dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 141 V 362 Erw. 2.3; BGE 138 V 346 Erw. 6.2; BGE 137 V 1 Erw. 5.2.3). 4.4Die Festlegung der Einstellungsdauer stellt schliesslich eine typische Er- messensfrage dar; mithin steht der Vorinstanz ein Ermessen zu, das sie pflicht- gemäss auszuüben hat. Die Kognition des Verwaltungsgerichtes ist in diesem Zusammenhang zwar nicht auf Rechtsverletzung beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf die Beurteilung der Angemessenheit der Verwaltungsverfügung. Bei der Angemessenheit geht es dabei um die Frage, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Vorinstanz nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechts- prinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise an- ders hätte ausfallen sollen. Allerdings darf das Verwaltungsgericht sein Ermes- sen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, die seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 Erw. 5.2; Urteil BGer 8C_331/2019 vom 18.9.2019 Erw. 3.3; VGE II 2016 6 vom 22.3.2016 Erw. 4.1; VGE II 2015 20 vom 22.7.2015 Erw. 4.1). 4.5.1Die Vorinstanz qualifizierte das Verhalten der Beschwerdeführerin als mit- telschweres Verschulden und sanktionierte dieses mit 21 Einstelltagen (Vi-act. 7). Mit dem angefochtenen Einspracheentscheid hat sie dies bestätigt. 4.5.2Das Seco qualifiziert den erstmaligen Nichtantritt eines AMM/PvB als mit- telschweres Verschulden, das mit 21 bis 25 Tagen zu sanktionieren ist (vgl. AVIG-Praxis ALE D79 Ziff. 3.C Pt. 1). 4.5.3Für das Verwaltungsgericht besteht keine Veranlassung, die von der Vor- instanz bestätigte Sanktionierung zu korrigieren. Weder gibt die Qualifikation als mittelschweres Verschulden Grund zur Beanstandung, noch erfolgte die Verfü- gung von 21 Tagen, und damit in der unteren Hälfte für mittelschweres Verschul- den und im untersten Bereich gemäss Seco-Raster, pflichtwidrig. 5.Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. Mit der Verfügung von 21 Einstelltagen für den Nichtantritt des Programms zur vorübergehenden Beschäftigung beim Verein E.________ gegenüber der Beschwerdeführerin hat die Vorinstanz Bundesrecht nicht verletzt. 6.Es werden keine Verfahrenskosten erhoben (Art. 61 lit. f bis ATSG).12 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). Soweit die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nicht zulässig ist, kann in derselben Rechtsschrift subsidiäre Verfassungsbe- schwerde* erhoben und die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden (Art. 113ff. BGG). 4. Zustellung an: -die Beschwerdeführerin (R) -die Vorinstanz (EB) -und das Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO, 3003 Bern (A). Schwyz, 21. Februar 2022 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die a.o. Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 21. März 2022