B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6731/2017 U r t e i l v o m 2 2 . S e p t e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richter Lorenz Noli (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Constance Leisinger, Gerichtsschreiber Kevin Schori. Parteien A._______, geboren am (…), Beschwerdeführer, B._______, geboren am (…), Beschwerdeführerin, und ihre Kinder, C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), Syrien, alle vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 27. Oktober 2017 / N (…). E-6731/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden suchten am 23. November 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragungen zur Person (BzP ) vom 2. De- zember 2015 und den Anhörungen vom 29. September 2017 machten sie im Wesentlichen Folgendes geltend: Der Beschwerdeführer stamme aus F._______. Vom (…) 2003 bis (…) 2005 habe er den regulären Wehrdienst für die syrische Armee absolviert. Am (…) 2011 habe er die Beschwerdeführerin geheiratet und danach mit ihr in G._______ und in H._______ (Gouvernement Hasaka) gelebt. Mit seinem Bruder habe er in einer [Firma] gearbeitet. Es sei zu Kämpfen zwi- schen Kurmanci-Leuten und der Regierung gekommen. Als die Regierung begonnen habe, Männer zum Wehrdienst mitzunehmen, habe er sich stets von den Checkpoints entfernt gehalten. Im Jahr 2014 sei der sogenannte Islamische Staat (IS) in das Gebiet gekommen und die Lage habe sich verschlimmert. Als die Regierung H._______ bombardiert habe, sei sein Cousin getötet worden. Im Jahr 2015 seien beim Neujahrsfest viele Kurmanci-Personen durch einen Anschlag des IS getötet worden. Seine Schwester sei von IS-Mitgliedern auf offener Strasse entführt und während 15 Tagen festgehalten worden. Über einen Freund bei der [Firma] habe er den Kontakt zu einem Araber herstellen können, welcher vier oder fünf Tage später den Aufenthaltsort seiner Schwester in Erfahrung habe brin- gen können. Er habe ihm einen Geldbetrag bezahlt, worauf er über einen Mittelsmann die Schwester habe befreien können. Nach der Rückkehr der Schwester seien sie nach I._______ gegangen, wo sie ihre Ausreise orga- nisiert hätten. Sie seien nicht mehr ins Dorf zurückgekehrt, da die dortigen Araber mit dem IS zusammenarbeiten würden. Er selber habe keine eige- nen Probleme oder Kontakte mit Mitgliedern des IS oder der Regierung gehabt. In seiner Familie gebe es ausserdem die (…)-Krankheit; viele Ver- wandte (Vater, Geschwister) seien bereits daran verstorben. Die Beschwerdeführerin stamme aus I._______ (Gouvernement Hasaka), wo sie bis zu ihrer Heirat mit dem Beschwerdeführer gelebt habe. Danach sei sie nach J._______ und weiter nach G._______ gezogen, wobei sie auch in H._______ gelebt hätten. Es habe Kämpfe zwischen der Regierung und den Kurmanci-Leuten gegeben. Die Regierung habe Granaten abge- worfen und man habe nicht nach draussen geh en können. Die Lage sei sehr schlecht gewesen, es habe weder Frieden noch Sicherheit gegeben. Am Neujahrsfest im Jahr 2015 sei ein Auto explodiert und es habe viele E-6731/2017 Seite 3 Todesopfer gegeben. Die Schwester des Beschwerdeführers sei vom IS entführt worden. Durch eine Geldübergabe habe er die Freilassung seiner Schwester erwirken können. Es hätte sein können, dass er durch den IS oder von der Regierung getötet worden wäre; deshalb seien sie geflüchtet. Es sei auch so, dass die Leute in Syrien reden würden. Wenn ein Mädchen entführt werde, würden die Leute über das Mädchen sprechen und entge- gen den wahren Gegebenheiten sagen, dass sie vergewaltigt worden sei. Sie selber habe keine direkten Probleme mit Mitgliedern des IS oder der Regierung gehabt. Die Beschwerdeführenden reichten ihre syrischen Identitätskarten sowie den Führerschein und das Militärbüchlein des Beschwerdeführers zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 27. Oktober 2017 – eröffnet am 31. Oktober 2017 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerd eführenden und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung aus der Schweiz, deren Vollzug es aufgrund der Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs jedoch aufschob. C. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 28. November 2017 beantragten die Beschwerdeführenden in der Hauptsache die Ge- währung der vollumfänglichen Einsicht in die Akten A3 /8, A4/8 und A29/1 (Rechtsbegehren 1). Eventualiter sei ihnen zu diesen Akten das rechtliche Gehör zu gewähren (Rechtsbegehren 2) und ihnen e ine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen (Rechtsbe- gehren 3). Weiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sa- che dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurückzuwei- sen (Rechtsbegehren 4), eventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft fest- zustellen und ihnen Asyl zu gewähren (Rechtsbegehren 5), respektive seien sie eventualiter als Flüchtling e anzuerkennen (Rechtsbegehren 6). In prozessualer Hinsicht beantragte n sie die Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung inklusive Kostenvorschussverzicht (Rechtsbegehren 7 und 8) sowie eventualiter die Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung der Sozialhilfebestätigung beziehungsw eise zur Bezahlung des Kostenvorschusses (Rechtsbegehren 9). E-6731/2017 Seite 4 Auf die Begründung wird – soweit relevant – in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. D. Mit Zwischenverfügung vom 14. Dezember 2017 hiess die vormalig zu- ständige Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Gleichzeitig hielt sie fest, dass über weitere Anträge bezie- hungsweise Instruktionsmassnahmen zu einem späteren Zeitpunkt befun- den werde. E. Mit ergänzender Beweismitteleingabe vom 19. Februar 2018 reichten die Beschwerdeführenden die deutsche Übersetzung eines angeblichen Such- befehls des Polizeikommandos K._______ vom (…) 2017 zu den Akten. Hierzu hielten sie fest, dass daraus hervorgehe, dass der Beschwerdefüh- rer wegen Versäumnisses der Einrückung in den Reservedienst von den syrischen Behörden gesucht werde. F. Mit weiterer Beweismitteleingabe vom 28. März 2018 reichten die Be- schwerdeführenden den angeblichen Suchbefehl im Original zu den Akten. G. Mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2020 wies der Instruktionsrichter die Vorinstanz an, den Beschwerdeführenden im Sinne der Erwägungen Ein- sicht in die Akten A3/8 und A4/8 zu gewähren. Gleichzeitig lud er die Vor - instanz zur Vernehmlassung ein. H. In seiner Vernehmlassung vom 10. Juli 2020 äusserte sich die Vorinstanz zum auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel und zu einzelnen Punkten der Beschwerdeschrift und hielt im Wesentlichen fest, dass diese keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel ent halte, welche eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen könnten. I. Mit Replik vom 29. Juli 2020 hielten die Beschwerdeführenden an ihren Anträgen fest. E-6731/2017 Seite 5 J. Im vorliegenden Verfahren zog das Bundesverwaltungsgericht die Akten der Schwester des Beschwerdeführers (N […]) bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-6731/2017 Seite 6 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigens chaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge- richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.), soweit nicht in den nachfolgenden Erwägungen noch spezifisch darauf Bezug zu nehmen ist. 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid mit der fehlenden Asylrele- vanz der Vorbringen der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 3 AsylG. Ihre Vorbringen seien nicht geeignet, eine Furcht vor asylrelevanter Verfol- gung zu begründen und würden den Anforderungen an die Intensität nicht zu genügen vermögen. Aus der Entführung der Schwester des Beschwer- deführers könne er für sich selber keine Asylrelevanz ableiten. Es sei nicht davon auszugehen, dass er vonseiten jener Mitglieder des IS Repressions- massnahmen zu befürchten hätte, da er selber bis zu seiner Ausreise keine E-6731/2017 Seite 7 Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlitten habe. Er habe selber keinen direkten Kontakt mit Mitgliedern des IS gehabt und daher keine direkten oder sich konkret manifestierenden Nachteile erlitten. Aufgrund der fehlen- den Intensität vermöge auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass wegen der Entführung die Leute im Dorf schlecht über sie reden würden, keine asylrelevante Furcht vor Verfolgung zu begründen. Sie selber sei auf- grund der Entführung der Schwägerin keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen und habe keinen direkten Kontakt mit Mitgliedern des IS gehabt. Im Weiteren ergäben sich keine konkreten Hinweise darauf, dass der Be- schwerdeführer gezielt in den ak tiven Reservedienst aufgeboten worden wäre. Das Militärbüchlein bestätige, dass er den militärischen Grundwehr- dienst bei der syrischen Armee im Jahr 2005 abgeschlossen habe. Seinen Ausführungen mangle es aber an substanziierten Hinweisen auf eine tat- sächlich erfolgte erneute Einberufung. Er habe diesbezüglich keinen Kon- takt mit den syrischen Behörden gehabt und keine gezielte Aufforderung, in den Militärdienst einzurücken, erhalten. Dies gelte umso mehr, als er auch nicht geltend gemacht habe, in der Vergan genheit als Gegner des syrischen Regimes aufgefallen zu sein. Er weise damit klarerweise auch nicht das in BVGE 2015/3 aufgezeigte Risikoprofil auf. Alleine der Um- stand, dass er sich vor einem erneuten Einzug in den Militärdienst in Zu- kunft fürchte, vermöge gemäss ständiger Praxis keine Furch vor asylrele- vanter Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen. Ihre Vorbringen, Syrien aufgrund der derzeitigen schwierigen Lage und we- gen fehlender medizinischer Versorgung verlassen zu haben, erfüllten die Kriterien der Asylrelevanz ebenfalls nicht. 4.2 4.2.1 Zur Begründung ihrer Beschwerde brachten die Beschwerdeführen- den zunächst formelle Rügen vor. Ihrer Rechtsauffassung zufolge erfüllten d iejenigen Personen direkt die Flüchtlingseigenschaft, welche illegal aus Syrien ausgereist seien und be- reits vor ihrer Flucht über ein spezifisches Profil verfügt hätten, aufgrund dessen sie mit der Ausreise aus Syrien asylrelevant verfolgt würden. Dies wäre im vorliegenden Fall ebenfalls einschlägig gewesen, zumal der Be- schwerdeführer über ein spezifisches Profil verfüge und illegal ausgereist sei. Das SEM hätte sich näher hiermit auseinanderzusetzten gehabt, was E-6731/2017 Seite 8 dieses aber nicht getan habe, weshalb die Verfügung aufzuheben und dem SEM zurückzuweisen sei. Überdies sei der Anspruch auf Akteneinsicht und rechtliches Gehör durch das SEM verletzt worden, indem es mit seiner Verfügung vom 21. Novem- ber 2017 die Einsicht in zahlreiche Akten verweigert habe. Die Akten A3/8 und A4/8 (Grenzkontrollrapporte) enthielten möglicherweise Informationen von entscheidrelevanter Bedeutung. Es hätte ihnen zwingend Einsicht in diese Akten gewährt werden müssen. Das SEM habe die Einsicht in diese Akten mit der Begründung, es handle sich dabei um Akten anderer Behör- den, zu Unrecht verweigert. Weiter g ehe aus der Bezeichnung der Akte A29/1 als «interne Aktennotiz» nicht hervor, worum es sich dabei handle und ob dieses Dokument zu Recht als intern bezeichnet worden sei. Mit dieser pauschalen Bezeichnung sei das SEM seiner Paginierungs- und Ak- tenführungspflicht nicht ausreichend nachgekommen. Weiter sei der Anspruch auf rechtliches Gehör sowie das Willkürverbot durch die vom SEM unterlassene Würdigung der eingereichten Beweismit- tel verletzt worden. Das SEM sei überhaupt nicht auf den Umstand einge- gangen, dass der Beschwerdeführer gemäss Militärbüchlein den regulären Militärdienst in Syrien absolviert habe und in den Reservistendienst einge- treten sei. Das SEM hätte diese aus seiner Sicht damit bewiesenen Tatsa- chen im Zusammenhang mit den nicht bewiesenen Vorbringen der Be- schwerdeführenden in einer Gesamtbetrachtung würdigen müssen. Im Weiteren wiege schwer, dass das SEM es unterlassen habe, das Dos- sier der Schwester des Beschwerdeführers beizuziehen, zumal die Be- schwerdeführenden ausdrücklich und glaubhaf t eine asylrelevante Re- flexverfolgung vorgebracht hätten. Ein Aktenbeizug gehe weder aus der Verfügung noch aus dem Aktenverzeichnis noch aus den übrigen Akten hervor. Damit sei das rechtliche Gehör verletzt und der Sachverhalt unzu- reichend abgeklärt und festgestellt worden. Im Weiteren sei der Sachver- halt nicht vollständig abgeklärt worden, indem das SEM die Gefahr, welche für die Beschwerdeführenden ausgehend von ihren Bekannten und weite- ren Personen bestehe, weil sie die Schwester des Beschwerdeführers vom IS befreit hätten, nicht richtig eingeschätzt und abgeklärt habe. Dem SEM sei das Ausmass der Problematik der Ehrverletzung nicht bewusst, obwohl die Beschwerdeführenden dies ausführlich erläutert hätten. Die Abk lä- rungspflicht sei ebenfalls dadurch verl etzt, indem das SEM beinahe zwei Jahre ungenutzt habe verstreichen lassen zwischen der Einreichung des Asylgesuchs bis zur Durchführung der Anhörung. E-6731/2017 Seite 9 4.2.2 Zur Begründung der Asylrelevanz ihrer Vorbringen führten die Be- schwerdeführenden aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Hil- feleistungen für die Schwester beim IS bekannt sei und von d iesem asyl- relevant verfolgt werde. Das SEM verkenne die akute Verfolgung der Be- schwerdeführenden durch den IS. Der Beschwerdeführer habe sowohl in der BzP als auch der Anhörung ausführlich dargelegt, dass er aufgrund seines Engagement für die Befreiung der Schwester vom IS wohl gesucht werde. Das Gebiet, in dem sie gelebt hätten, werde überwiegend von Ara- bern besiedelt, wovon viele den IS unterstützen würden und konservativ eingestellt seien. Dass es nicht zu Repressionsmassnahmen seitens des IS gekommen sei, sei dem Umstand geschuldet, dass sie nach Befreiung der Schwester umgehend nach I._______ geflüchtet seien. An sonsten wäre die gesamte Familie der Gefahr ausgesetzt gewesen, wiederholt in die Fänge des IS zu geraten. Zudem würden die Beschwerdeführenden deswegen von weiteren, konservativ eingestellten Personen asylrelevant verfolgt; sie würden als Unterstützer ein er Person betrachtet, welche «Schande über die Familie » gebracht habe. Sie müssten daher in Angst leben, von konservativ eingestellten Personen aufgesucht zu werden. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer vorgebracht, in den Reservisten- dienst der syrischen Armee einrücken zu müssen. Angesichts des Krieges habe sich die Rekrutierung von Dienstpflichtigen und Reservisten intensi- viert, zudem sei die Vorgehensweise der Behörden oft willkürlich, unbere- chenbar und menschenrechtswidrig. Hätte man den Beschwerdeführer an einem Kontrollposten der syrischen Regierung angehalten, hätte er umge- hend den Reservistendienst antreten müssen. Dass er direkt im Anschluss an den regulären Dienst in den Reservistendienst eingetreten sei, entspre- che dem Reglement des syrischen Mi litärs und lasse sich dem Militär- dienstbüchlein entnehmen. Er habe sich bewusst nicht in Gebiete bege- ben, welche unter der Kontrolle der syrischen Regierung gestanden seien. Bei einer Rückkehr nach Syrien würde er als Dienstverweigerer identifiziert werden und asylrelevant verfolgt werden. Diesbezüglich müsse das SEM das Urteil D -5553/2013 des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2015/3) und die aktuelle Berichterstattung der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) berücksichtigen. Hinzu komme, dass sich Kurden mit der syrischen Regierung bekämpft hätten, wobei der Cousin des Beschwerdeführers ums Leben gekommen sei. Auch der IS sei gezielt gegen die kurdische Bevölkerung vorgegangen und habe bei einem Anschlag während des Newroz -Festes zahlreiche E-6731/2017 Seite 10 Menschen getötet. Die Beschwerdeführenden seien nach der Befreiung der Schwester des Beschwerdeführers wohl ins Blickfeld des IS geraten. 4.2.3 Ferner machten die Beschwerdeführenden geltend, dass der Be- schwerdeführer durch seine illegale Ausreise aus Syrien gegen Ausreise- bestimmungen verstossen habe. Die illegale Ausreise werde als regime- feindliche Handlung aufgefasst, weshalb ihm im Falle einer Rückkehr eine Verhaftung aus politischen Gründen sowie Folter oder gar die Hinrichtung drohten. Deshalb sei er als Flüchtling anzuerkennen und wegen Unzuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. Bei einer Rückkehr hätten die Beschwerdeführenden zudem mit einem Verhör durch die Behörden zu rechnen, was für sie eine ausserordentliche Gefahr darstelle. Das Profil des Beschwerdeführers als kurdischer Dienst- verweigerer verschärfe sich durch das Einreichen eines Asylgesuchs in der Schweiz. Es bestehe die Gefahr, dass er einem willkürlichen Verhör und asylrelevanten Massnahmen ausgesetzt wäre. Im Übrigen äusserten sich die Beschwerdeführenden ausführlich zur Lage und Entwicklung in Syrien. 4.3 In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juli 2020 hielt die Vorinstanz an ih- rem Standpunkt fest. Zur Rüge betreffend die Praxis zur illegalen Ausreise aus Syrien hielt das SEM fest, dass diese keine Verfolgungsgefahr begründe. Der Hinweis in der Beschwerdeschrift auf eine angeblich anderweitige Praxis sei unzutref- fend. Verfüge eine Person im Einzelfall über Risikofaktoren und reise illegal aus Syrien aus, könne dies zu f lüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung führen. Der Beschwerdeführer weise jedoch keine entsprechenden Risiko- faktoren auf. Zum nachträglich eingereichten Beweismittel führte das SEM aus, dass der Stempel auf dem Dokument kein Nassstempel sei, womit die O riginalität des Dokuments in Zweifel gezogen werde. Es weise keinerlei fälschungs- sichere Merkmale auf. Es sei allgemein bekannt, dass in Syrien praktisch jegliche Art von Dokumenten käuflich erworben werden könne, womit die Beweiskraft solcher Dokumente entsprechend gering sei. Es erstaune zu- dem, dass die Jahresangaben auf dem Dokument – so sei die Jahreszahl 2017 beim Ausstellungsdatum sowie bei der Angabe des Polizeiberichts bei der Angabe Jahr – bereits in der «Vorlage» hereingeschrieben worden und nicht wie alle anderen Angaben von Hand eingetragen worden seien. E-6731/2017 Seite 11 In dem Dokument sei nicht – wie fälschlicherweise von den Beschwerde- führern betitelt – von einer behördlichen Suche die Rede. Gemäss Über- setzung sei das Polizeikommando in K._______ durch einen Polizeibericht in Kenntnis gesetzt worden, dass der Beschwerdeführer zwei Straftaten – «Versäumnis vom Reservedienst» und «Einrückungsversäumnis» – be- gangen habe. Selbst wenn von der Authentizität des Dokuments ausge- gangen werde, sei unerklärlich, wie der B eschwerdeführer in den Besitz eines internen Dokuments der Polizei gekommen sein soll, zumal in der Eingabe unterlassen worden sei, die Umstände des Erhalts dieses Doku- ments darzulegen. Es sei den Beschwerdeführenden daher nicht gelun- gen, mittels des einge reichten Beweismittels die Einberufung des Be- schwerdeführers in den aktiven Reservedienst im Sinne von Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen. Im Weiteren sei der Vorwurf der unterlassenen Wür- digung der eingereichten Beweismittel haltlos. Hierzu verwies das SEM auf die entsprechenden Ausführungen im Asylentscheid. Hinsichtlich der beigezogenen Akten führte das SEM aus, dass die Akten der Geschwister des Beschwerdeführers (N […] und N […]) beigezogen worden seien. Es sei jedoch versäumt worden, dies im Entscheid kenntlich zu machen. Der Beizug der Akten vermöge jedoch nichts an der Einschät- zung zu ändern. Der IS spiele in Syrien als Territorialmacht seit dem Jahr 2017 keine Rolle mehr, womit sich die geltend gemachten Befürchtungen vor einer Reflexverfolgung durch den IS im Gebiet um Hasaka als unbe- gründet erweisen würden. Von einer begründeten Furcht vor Verfolgung durch «konservative Personen» sei ebenfalls nicht auszugehen, zumal auch die Mutter des Beschwerdeführers und zwei Brüder sowie weitere Familienangehörige gemäss den Angaben des Beschwerdeführers ausser der allgemeinen Lage keine diesbezüglichen Probleme oder Nachteile durch Dritte erlitten hätten. Der Beschwerdeführer habe zudem selbst aus- gesagt, später, wenn alles ruhig sei, wieder nach Syrien zurückkeh ren zu können. Die zweijährige Dauer bis zur Durchführung der Anhörung sei nicht ideal, jedoch Folge der damaligen Arbeitsbelastung und stelle keinen Nachteil für die Beschwerdeführenden dar. Der Beschwerdeführer verfüge auch nicht über ein Risikoprofil, zumal er nicht aus einer oppositionell akti- ven Familie stamme und bis zur Ausreise aus Syrien nicht die Aufmerk- samkeit der syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe. Die blosse Ausreise aus Syrien und die Einreichung eines Asylgesuchs im Ausland sowie eine allfällige Befragung bei einer allfälligen Rückkehr führten daher nicht zur Annahme asylrelevanter Nachteil bei einer hypothetischen Rück- kehr nach Syrien. Angehörige der kurdischen Ethnie seien in Syrien auch keiner Kollektivverfolgung ausgesetzt. E-6731/2017 Seite 12 Im Übrigen sei auf die Erwägungen zu verweisen, an denen vollumfänglich festgehalten werde. 4.4 In ihrer Replik hielten die Beschwerdeführenden zunächst fest, dass das SEM die Einsicht in die Akten A3 und A4 zu Unrecht verweigert habe. Weiter bedeute die illegale Ausreise des Beschwerdeführers trotz Einzug in den Militärdienst eine gezielte asylrelevante Verfolgung. Zum Suchbe- fehl habe das SEM sinngemäss ausgeführt, eine Dokume ntenanalyse durchgeführt zu haben. Es sei zwingend Einsicht in diese zu gewähren. Insbesondere behaupte das SEM, auf dem entsprechenden Dokument be- finde sich kein Nassstempel. Es beschränke sich darauf, pauschal zu be- haupten, die entsprechenden Dokumente seien irrelevant, da sie nicht fäl- schungssicher seien. Damit habe das SEM zusätzlich zur Abklärungspflicht (Unterlassen der Dokumentanalyse) den Anspruch auf rechtliches Gehör sowie Art. 7 AsylG schwerwiegend verletzt. Insbesondere habe es den Grundsatz des Vorrangs von Beweismitteln verletzt. Im Weiteren gehe aus dem eingereichten Dokument eindeutig hervor, dass der Beschwerdefüh- rer wegen des Versäumnisses, in den Reservedienst einzurücken, gesucht werde. Es sei schlicht nicht ersichtlich, weshalb das SEM davon ausgehe, eine entsprechende Suche ergebe sich nicht aus dem Dokument. Es sei sodann allgemein bekannt – werde aber vom SEM hartnäckig ignoriert – dass derartige Dokumente in Syrien im Original den entsprechenden Per- sonen beziehungsweise Verwandten auf der Suche nach den Verfolgten ausgehändigt würden. Sie erfüllten die Funktion offizieller Dokumente. Das SEM habe es zudem auch unterlassen, das Dienstbüchlein einer Doku- mentanalyse zu unterziehen oder sich anderweitig über dessen Echtheit zu äussern. Im Weiteren handle es sich bei den Ausführungen des SEM betreffend den Beizug der Akten der Geschwister des Beschwerdeführers lediglich um eine Behauptung, womit das SEM die Abklärungspflicht sowie insbesondere die Begründungspflicht und somit den Anspruch au f rechtli- ches Gehör schwerwiegend verletzt habe. Im Übrigen sei auf die Ausführungen in der Beschwerde zu verweisen. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs im Sinne einer Verletzung des Anspruchs auf Aktenein- sicht, der Aktenführungspflicht sowie der Untersuchungs - beziehungs- weise Begründungspflicht (vgl. obige Wiedergabe der Rügen in E. 4.2.1 und 4.4). Diese Rügen sind vorab zu behandeln, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken. E-6731/2017 Seite 13 5.2 5.2.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen Gehörs fordert, dass die verfügende Behörde die Vorbringen der Betroffe- nen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfin- dung berücksichtigt, was sich entsprechend in einer sachgerecht anfecht- baren Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3 m.w.H.). Dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss Art. 49 Bst. b VwVG (bzw. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG) eine um fassende Sach- verhaltskontrolle (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.188). Ermittelt das Bun- desverwaltungsgericht eine fehler - oder lückenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und weist die Sache an die Vorin- stanz zurück, damit diese den rechtserheblichen Sachverhalt neu und voll- ständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1155). Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungs - beziehungs- weise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu f ühren. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts prüfte, etwa weil sie die Rechts erheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneinte. Unvoll- ständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/ HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). 5.2.2 Die vom SEM unterlassene Einsichtsgewährung in die – im Übrigen nicht entscheidrelevanten – Akten A3 und A4 kann mit der nachträglich ge- währten Einsicht als geheilt betrachtet werden. Betreffend die Akte A29 wurde bereits in der Zwischenverfügung vom 29. Juni 2020 festgehalten, dass es sich dabei um eine einfache Aktennotiz ohne Entscheidrelevanz oder Beweischarakter für das Verfahren der Beschwerdeführenden han- delt, welche zu Recht als internes Aktenstück klassifiziert wurde. Eine Ver- letzung des Rechts auf Akteneinsicht respektiv e des rechtlichen Gehörs liegt diesbezüglich nicht vor. E-6731/2017 Seite 14 5.2.3 Da die Beschwerdeführenden bei der Begründung ihres Asylgesuchs ausdrücklich einen Zusammenhang mit der Verfolgung der als Flüchtling anerkannten Schwester des Beschwerdeführers geltend machten, drängte sich ein Beizug zumindest dieses Dossiers auf. Es trifft zu, dass in der an- gefochtenen Verfügung keine expliziten Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, dass das SEM insbesondere das Dossier der Schwester des Be- schwerdeführers vor dem Entscheid über die Asylgesuche beigezogen hat. Ein Hinweis auf den Beizug der Dossiers der Schwester sowie des Bruders des Beschwerdeführers (N […] und N […]) findet sich mit den entsprechen- den Abklärungsergebnissen einzig im – nicht zur Edition freigegebenen – internen Antrag betreffend die vorläufige Aufnahme der Beschwerdefüh- renden (vgl. A30). Wenn die Vorinstanz ein Dossier eines Verwandten bei- gezogen und berücksichtigt hat, wäre es indes angezeigt, dass ein solcher Beizug und die Begründung des Beizugsergebnisses auch ih ren Nieder- schlag im Asylentscheid finden (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E - 4122/2016 vom 16. August 2016 E. 6.2.4). Indes hat das SEM sodann im Rahmen der Vernehmlassung den Beizug der genannten Verfahrensakten klar ausgewiesen und deren Berücksichti- gung für den Asylentscheid begründet respektive erläutert, weshalb sich aus den beigezogenen Akten keine asylrelevante Verfolgung der Be- schwerdeführenden ableiten lasse. Da die Konsultation der Verweisdos- siers zudem zumindest aus dem internen Antrag betreffend die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden (vgl. A30) hervorgeht, handelt es sich bei den Erläuterungen in der Vernehmlassung mitnichten um eine Be- hauptung, wie von den Beschwerdeführenden auf Replikebene gerügt wurde. Im Übrigen ist auch nicht zu erkennen, inwiefern der Sachverhalt bezüglich der Ehrverletzungs-Problematik vom SEM nicht richtig abgeklärt worden sein soll, zumal das SEM wie erwähnt die relevanten Beizugsdos- siers konsultierte und sich aus den Befragungen – wie nachfolgend aufzu- zeigen sein wird (vgl. E 6.3) – keine Anzeichen für darauf begründende ernsthafte Nachteile ergaben . Bei der Einschätzung dieses Sachverhalts handelt es sich sodann nicht um eine formelle Frage, sondern um eine Frage der rechtlichen Würdigung der Vorbringen der B eschwerdeführen- den mit Blick auf ihre Flüchtlingseigenschaft (vgl. hierzu nachfolgend E. 6). Nach dem Ausgeführten liegt bezüglich des Beizugs von Dossiers von Ver- wandten nach erfolgter Vernehmlassung weder eine Gehörsverletzung, noch eine Verletzung der Abklärungs- und Begründungspflicht vor. Nichts- destotrotz ist das SEM mit Nachdruck an die Erwägungen im Urteil des BVGer E-4122/2016 vom 16. August 2016 (insb. E. 6.2.4) zu erinnern und E-6731/2017 Seite 15 aufzufordern, den darin enthaltenen Empfehlungen betreffend den Beizug von Dossiers zu folgen. 5.2.4 Im Weiteren ergeben sich entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh- renden aus den Akten auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die einge- reichten Beweismittel von der Vorinstanz nicht gewürdigt wurden. Im Asyl- entscheid wurden sämtliche eingereichten Beweismittel aufgeführt und – soweit relevant – gewürdigt (vgl. a.a.O. E. I Ziff. 4 und E II Ziff. 3). Der auf Beschwerdeebene eingereichte angebliche Suchbefehl wurde in der Ver- nehmlassung vom SEM ebenfalls einer ausführlichen Würdigung unterzo- gen (vgl. a.a.O. S. 2). Das SEM stellte im Asylentscheid die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich seines Militärdienstes nicht in Frage, weshalb es sich verständlicherweise nicht zusätzlich auch noch zur Echtheit des Militärbüchleins hätte äussern oder gar eine Doku- mentanalyse hätte durchführen müssen. Betreffend den angeblichen Suchbefehl gilt festzuhalten, dass das SEM – aufgrund fehlender Sicher- heitsmerkmalen, indes aufgrund von blossem Auge erkennbaren Auffällig- keiten der Urkunde – nicht veranlasst war eine Dokumentenanalyse vorzu- nehmen. Eine Verletzung von Verfahrensvorschriften ist auch in dieser Hin- sicht nicht ersichtlich. 5.2.5 Ferner habe die Vorinstanz seine Abklärungspflicht und damit das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden verletzt, indem es die Anhö- rungen erst rund zwei Jahre nach Gesuchseinreichung durchgeführt habe. Hierzu ist festzuhalten, dass es zwar durchaus wünschenswert ist, wenn zwischen der Einreichung des Asylgesuchs respektive der Befragung und der Anhörung ein relativ kurzer Zeitraum liegt. Jedoch gibt es keine zwin- gende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung des SEM, die Anhörungen innerhalb eines gewissen Zeitraums durchzuführen. Der Länge des zwischen den einzelnen Anhörunge n verstrichenen Zeitraums ist indes bei der Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers Rech- nung zu tragen. Eine Gehörsverletzung ist nicht ersichtlich. 5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweisen sich die formellen Rügen insgesamt als unbegründet, wesh alb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben. 6. 6.1 In materieller Hinsicht ist im Folgenden zu prüfen, ob die Beschwerde- führenden aufgrund der vorgebrachten Reservedienstverweigerung des E-6731/2017 Seite 16 Beschwerdeführers sowie der Befreiung seine r Schwester aus den Hän- den des IS eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG durch die Regierung respektive den IS oder «konservative Personen» zu befürchten hätten. 6.2 6.2.1 An der geltend gemachten Reservedienstverweigerung des Be- schwerdeführers sind eingangs erhebliche Zweifel anzubringen. So ver- neinte der Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen klar und deutlich, diesbezüglich irgendwie gearteten Kontakt mit den Behörden gehabt ge- schweige denn ein Aufgebot erhalten zu haben (vgl. A25, F54). Auf diese unzweideutigen Aussagen, deren Richtigkeit er im Anhang des Protokolls unterschriftlich bestätigt hat, ist er zu behaften. Auch für eine angebliche Suche nach seiner Person ergeben sich keine Hinweise. Stattdessen äus- serten die Beschwerdeführenden lediglich pauschale allgemeine Befürch- tung, man hätte den Beschwerdeführer allenfalls künftig einmal in den Mi- litärdienst einziehen können (vgl. a.a.O. ; A27, F43, F56 ; A6, Ziff. 7.01 ). Weiter kommt hinzu, dass auch an der Authentizität des erst im Beschwer- deverfahren zu den Akten nachgereichten angeblichen Suchbefehls doch Zweifel anzubringen sind. Ungesehen des Umstandes, dass dieses Doku- ment in offenem Widerspruch zu den obgenannten klaren Angaben des Beschwerdeführers steht, haben sich die Beschwerdeführenden an keiner Stelle zu den genauen Umständen geäussert, wie sie dieses wohlbemerkt interne Polizeidokument überhaupt erhalten haben wollen; dies nicht ein- mal in ihrer Replik, nachdem das SEM in seiner Vernehmlassung das Feh- len entsprechender Ausführungen gar ausdrücklich bemängelte. Die pau- schale Entgegnung der Beschwerdeführenden, solche Dokumente würden halt einfach ausgehändigt, vermag nicht zu überzeugen. Zum anderen ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass das Dokument keinerlei fäls chungssi- chere Merkmale aufweist und entsprechende Dokumente problemlos käuf- lich erworben werden können. Weiter kommt hinzu, dass das Dokument auch augenfällige Besonderheiten aufweist. Hierbei sticht ins Auge, dass der (Nass-)Stempel sowie die handschriftliche Unterschrift – von blossem Auge erkennbar – lediglich kopiert sind, während die übrigen Stellen des Dokuments handschriftlich ausgefüllt wurden. Um dies mit Sicherheit fest- zustellen, bedarf es keiner umfassenden Dokumentanalyse. Insgesamt ist der Beweiswert dieses Dokuments als sehr gering einzustufen. Aufgrund der Aktenlage ist daher nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer sei in den aktiven Reservedienst eingezogen oder hierzu einberufen wor- den. Die entsprechende Frage kann aber im Hinblick auf die nachstehen- den Ausführungen ohnehin im Resultat offen gelassen werden. E-6731/2017 Seite 17 6.2.2 Die Tatsache alleine, dass eine Person im Status eines Reservisten – der mit überwiegender Wahrscheinlichkeit jedoch nicht zum aktiven Re- servedienst einberufen worden ist – aus Syrien ausgereist ist, kann nicht als Fahnenflucht im Sinne einer Dienstverweigerung oder Desertion erach- tet werden. Auch kommt dem Umstand, dass die syrische Armee im Verlauf des Bürgerkr iegs auch Reservisten einberufen hat bezüglich des Be- schwerdeführers mangels konkretem Aufgebot keine Bedeutung zu (vgl. Urteil des BVGer D-120/2020 vom 2. Juli 2020, E. 7.3.) 6.2.3 Nach geltender Rechtsprechung (vgl. das Grundsatzurteil BVGE 2015/3, insb. E. 5) vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht allein, sondern nur verbunden mit einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Mit anderen Wor- ten muss die betroffene Person aus einem in dieser Norm ge nannten Grund (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörig keit zu einer bestimm ten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienst- verweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien erwog das Gericht, die genannten Voraussetzungen seien im Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie angehöre, einer op positionell aktiven Familie ent- stamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatli- chen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen hatte (BVGE 2015/3 E. 6.7.3; kürzlich u.a. bestätigt im Urteil des BVGer E-5457/2018 vom 29. April 2020 E. 9.5.2). Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Praxis da- von aus, dass bei Wehrdienstverweigerung und Desertion im syrischen Kontext nur dann eine asylrelevante Strafe zu befürchten ist, wenn zusätz- liche exponierende Faktoren gegeben sind. Hingegen droht Wehrdienst- verweigerern und Deserteuren, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind, nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit eine Strafe, welche die Schwelle der Asylrelevanz erreichen würde (vgl. statt vieler Urteile des BVGer D - 3914/2018 vom 19. August 2019 E. 4.2.4; E-234/2019 vom 25. November 2019 E. 7.3.1; E-4648/2019 vom 2. Dezember 2019 S. 9; E-194/2020 vom 4. Februar 2020 E. 8.2). 6.2.4 Im vorliegenden Fall liegt entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh- renden keine Konstellation vor, die mit jener im Urteil BVGE 2015/3 ver- gleichbar wäre. Der Beschwerdeführer ist zwar kurdischer Ethnie, stammt jedoch weder aus einer oppositionell tätigen, regimekritischen Familie noch verfügt er über ein eigenes politisches Profil. Er hat auch nicht geltend ge- macht, je an Demonstrationen teilgenommen zu haben und dabei von den E-6731/2017 Seite 18 Behörden identifiziert worden zu sein. Es ergeben sich aus den Akten keine Hinweise, dass er vor der Ausreise den syrischen Behörden bereits negativ aufgefallen wäre; er hatte bis zur Ausreise keine Nachteile seitens der Be- hörden zu gewärtigen. Dass seine in Syrien verbliebenen Angehörigen auf- grund seiner Ausreise irgendwelche Nachteile durch die Behörden erfah- ren hätten oder aufgesucht worden seien, ergibt sich weder aus den Akten noch aus den Eingaben der Beschwerdeführenden auf Beschwerdeebene (vgl. A25, F21 f.; für die Beschwerdeführerin: A27, F14). Im Weiteren gab der Beschwerdeführer anlässlich der BzP gar ausdrücklich zu Protokoll, in Syrien «überhaupt keine Probleme mit den Behörden» gehabt zu haben oder je aufgegriffen oder verhaftet worden zu sein (vgl. A6, Ziff. 7.02) . Er verneinte ebenfalls, politisch aktiv gewesen zu sein (vgl. a.a.O.). Nach dem Ausgeführten liegen beim Beschwerdeführer keine zusätzlichen exponierenden Faktoren vor. Mit Blick auf die oben dargestellte Rechtspre- chung ist selbst bei Wahrunterstellung der Suche nach ihm aufgrund eines versäumten Reservedienstes nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, er würde bei einer Rückkehr nach Syrien durch die staatlichen syrischen Sicherhei tsbehörden als Regimegegner betrachtet und hätte als solcher eine politisch motivierte Bestrafung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten. 6.3 Hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgung respektive Reflexverfol- gung der Beschwerdeführenden durch den IS und «konservative» Drittper- sonen aufgrund der Befreiung der Schwester des Beschwerdeführers aus den Fängen des IS kann mit den nachfolgenden Ausführungen auf die zu- treffenden Erwägungen der Vorinstanz gemäss angefochtener Verfügung (dort E. II Ziff. 1) und der Vernehmlassung (S. 2) verwiesen werden. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführenden ergibt sich aus den Akten keine akute und konkrete Verfolgung durch den IS aufgrund der Befreiung der Schwester des Beschwerdeführers. Diese sei mit Hilfe eines Freundes als Mittelsmann durchgeführt worden, welcher wiederum eine weitere Person – ein IS-Mitglied – beauftragt habe, die Schwester zu ihm zu bringen (vgl. A25, F40, insb. F47 f., F58; A27, F33, F42, F47). Der Be- schwerdeführer hatte somit selber nie Kontakt zu Angehörigen des IS. Sämtliche diesbezüglichen Ausführungen anlässlich der Befragungen sind sehr vage ausgefallen; die Beschwerdeführenden beschränkten sich auf die Wiedergabe bloss hypothetischer Szenarien ohne jedoch ersichtliche Anhaltspunkte für das Vorhandensein einer konkreten Verfolgungsgefahr (vgl. A25, F52 f.; A27, F43, F60; A7, Ziff. 7.01 f.). Für die an der BzP vom E-6731/2017 Seite 19 Beschwerdeführer noch erwähnte Suche des IS nach ihm sind dem Anhö- rungsprotokoll sowie den weiteren Akten keine konkreten Hinweise zu ent- nehmen, obwohl der Beschwerdeführer vom SEM explizit hierauf ange- sprochen wurde (vgl. a.a.O.; insb. A25, F52). Die entsprechenden Ausfüh- rungen in der Beschwerdeeingabe führen zu keiner anderen Einschätzung. Dasselbe gilt auch für die vorgebrachte angebliche Verfolgung durch Dritt- personen, wofür sich ihren Aussagen keinerlei konkrete Anhaltspunkte ent- nehmen lassen. Diesbezüglich beschränkten sie sich an der Anhörung ebenfalls auf die Wiedergabe von bloss vagen Befürchtungen und führten weiter aus, dass die Leute über einen sprechen würden (vgl. A25, F58 ; A27, F45, F48, F59 ). Die Beschwerdeführenden erwähnten dies zudem erst an der Anhörung und verneinte n in der BzP gar ausdrücklich, jemals Probleme mit Privatpersonen gehabt zu haben (vgl. A6, Ziff. 7.02; A7, Ziff. 7.01 f.). Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gar ausführte, in Syrien vor nichts Angst zu haben, aber dahin einfach nicht mehr zurückkehren möchte. Später allerdings, wenn alles ruhig sei, könne er wieder zurück (vgl. A25, F60). Dies lässt offensichtlich nicht darauf schliessen, dass die Beschwerdeführenden konkrete Probleme mit Dritten gehabt und eine begründete Furcht vor Verfolgung hätten. Nach dem Ausgeführten sind keine konkreten Anhaltspunkte für eine Ver- folgung respektive Reflexverfolgung ersichtlich. 6.4 Schliesslich führen weder eine illegale Ausreise aus Syrien noch die blosse Tatsache der Asylgesuchstellung in der Schweiz zur Annahme, dass einer syrischen Person bei einer Rückkehr in ihr H eimatland mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung droht. Zwar ist aufgrund der illegalen Ausreise und der längeren Landes- abwesenheit davon auszugehen, dass bei einer Wiedereinreise nach Sy- rien eine Befragung durch die heimatlichen Behörden stattfindet. Da die Beschwerdeführenden aber keine Vorverfolgung erlitten haben und nicht davon auszugehen ist, dass sie vor dem Verlassen Syriens als regime- feindliche Person en ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten sind, kann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass sie als staatsgefährdend eingestuft würde n. Ferner ist auch nicht akten- kundig, dass sie sich seit ihrer Ausreise exilpolitisch betätigt hätten. Somit ist nicht davon auszugehen, sie könnten nach einer (hypothetischen) Rück- kehr als regimefeindliche Person en ins Blickfeld der syrischen Behörden E-6731/2017 Seite 20 geraten (vgl. Urteil des BVGer D‑3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil publiziert]). 6.5 Den Akten der Schwester des Beschwerdeführers sind keine Hinweise auf eine asylrelevante Verfolgung der Beschwerdeführenden zu entneh- men. Im Übrigen ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass die in Syrien verbliebenen Familienangehörigen der Beschwerdeführenden aufgrund ihrer Flucht irgendwelche Nachteile seitens der Behörden, dem IS oder von Drittpersonen zu gewärtigen (gehabt) hätten (vgl. A25, F17 ff.; A27, F13 f.). 6.6 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge- bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Es bestehen insgesamt keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt waren. Gleichzeitig ist auch nicht da- von auszugehen, dass sie im Falle einer Wiedereinreise nach Syrien eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten hätte n. Die Vorinstanz hat daher ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 6.7 Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der anerkannten kon- kreten Gefährdung aufgrund des in Syrien herrschenden Bürgerkrieges mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz Rechnung getragen worden ist. 7. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richti g so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-6731/2017 Seite 21 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem mit Zwischen- verfügung vom 14. Dezember 2017 das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung gutgeheissen worden ist und keine Verände- rung ihrer finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, sind keine Kosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-6731/2017 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Kevin Schori Versand: