<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat - in Zusammenarbeit mit Fachfrauenorganisationen und -institutionen - ein Konzept für eine Informations- und Sensibilisierungskampagne auszuarbeiten, mit dem Ziel, partnerschaftliche Modelle (halbe-halbe) sowohl bei Familienarbeit/Kinderbetreuung als auch bei der Erwerbsarbeit zu fördern.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Wie die Motionärin hervorhebt, ist die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit ein zentraler Punkt in der Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann.</p><p>Das Bundesamt für Statistik präsentierte am 1. Juli 1999 der Öffentlichkeit zwei neue Studien, welche den Zeitaufwand von Frauen und Männern für unbezahlte Arbeit und den Wert dieser Arbeit erhoben. Frauen widmen der Haus- und Familienarbeit doppelt soviel Zeit wie die Männer (im Durchschnitt 31 Stunden pro Woche, Männer dagegen 16 Stunden). Die eine Studie zeigt auch auf, dass Frauen und Männer in einer gleichen Lebenssituation insgesamt gleichviel arbeiten: Bei einem Paar mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten beide Partner durchschnittlich 63 Stunden pro Woche. Davon widmen die Männer 41 Stunden der Erwerbsarbeit und 22 Stunden der Haus- und Familienarbeit, die Frauen dagegen leisten während 52 Stunden Haus- und Familienarbeit und sind während 11 Stunden erwerbstätig. Es besteht somit ein direkter Zusammenhang zwischen der Übernahme von unbezahlter Arbeit durch eine Person und der ihr für bezahlte Arbeit verbleibenden Zeit und umgekehrt.</p><p>Die Erwerbsquote der Frauen ist deutlich geringer, und die Hälfte der erwerbstätigen Frauen gehen einer Teilzeitarbeit nach. Teilzeitbeschäftigung bedeutet häufig ungesicherte Arbeitsverhältnisse sowie geringe Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Daraus resultieren wiederum tiefere Löhne und eine ungenügende soziale Absicherung.</p><p>Die unternommenen Bemühungen zur Förderung der Gleichstellung in der Bildung und in der Erwerbsarbeit genügen nicht, um die tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann im Erwerbsleben zu realisieren, wenn nicht auch die bezahlte und die unbezahlte Arbeit unter den Geschlechtern neu verteilt wird.</p><p>Dem Staat kommt nebst anderen Akteuren die Aufgabe zu, die tatsächliche Gleichstellung von Frau und Mann zu fördern. Im Aktionsplan der Schweiz Gleichstellung von Frau und Mann (Folgearbeiten zur 4. Uno-Weltfrauenkonferenz von Beijing) sind die Verwirklichung der beruflichen Gleichstellung von Frau und Mann und die Verbesserung der Vereinbarkeit von familialen, sozialen und beruflichen Tätigkeiten sowie die Förderung der Verbreitung eines nichtstereotypen und gleichberechtigten Frauen- und Männerbildes durch die Medien Prioritäten. Den verschiedenen Adressaten werden für die Realisierung dieser Ziele konkrete Massnahmen vorgeschlagen. Vor allem von Nichtregierungsorganisationen (NGO) wird in diesen Bereichen aber schon seit längerer Zeit bereits wertvolle Arbeit geleistet. Einige ihrer Projekte erhielten vom Bund Unterstützung durch Finanzhilfen nach dem Gleichstellungsgesetz. So wurden beispielsweise eine Videoserie und eine Werkmappe zur partnerschaftlichen Rollenteilung produziert und Bildungsangebote, Praxisberatung und Fachtagungen zur Unterstützung von Frauen und Männern bei der partnerschaftlichen Planung und Gestaltung ihrer beruflichen und familiären Laufbahn durchgeführt. In diesem Rahmen ist auch eine Informationskampagne zur Einführung einer ganztägigen familienunterstützenden Kinderbetreuung im Vorschulalter, wie es der Kanton Tessin seit Jahren praktiziert, geplant.</p><p>Eine Veränderung der Verhältnisse verlangt verschiedenste Massnahmen auf vielen Ebenen. Dazu kann auch die Durchführung einer Informations- und Sensibilisierungskampagne, wie sie die Motionärin vorschlägt, gehören.</p><p>Der Bundesrat ist bereit, das Eidgenössische Gleichstellungsbüro zu beauftragen, Ideen zu entwickeln, wie es im Rahmen seiner ordentlichen Tätigkeit Bestrebungen, welche eine adäquatere Verteilung zwischen der bezahlten und unbezahlten Arbeit unter den Geschlechtern fördern, vermehrt berücksichtigen kann. Dabei sind vor allem auch mögliche Kooperationen mit NGO und kantonalen Einrichtungen zu prüfen.</p>  Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.