B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3776/2013 U r t e i l v o m 2 9 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher; Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Mai 2013 / N (…). E-3776/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Tamile aus B._______, suchte am 16. Februar 2012 im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel um Asyl nach. Er wu r- de am 1. März 2012 zur Person, zu den Gesuchsgründen sowie zum Reiseweg befragt und am 5. März 2013 zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung brachte er vor, er sei im (…) von der Armee mitgenom- men und in das Camp von C._______ gebracht worden. Dort sei er (…) lang festgehalten, verhört und dann freigelassen worden. Am folgenden Tag habe er sich im Camp melden müssen , wo man ihn geschlagen h a- be. In der Folge sei er mehrmals von Leuten der (EPDP) (Eelam People's Democratic Party) gesucht worden. Für die weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. B. Das BFM stellte mit am 21 . Juni 2013 eröffneter Verfügung vom 30. Mai 2013 fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. C. Mit Beschwerde vom 1. Juli 2013 beantragte der Beschwerdeführer unter Beilage von zahlreichen Beweismitteln in materieller Hinsicht, die ang e- fochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei die Flüchtlin gseigenschaft festzustellen und es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren , eventualiter sei die Un- zulässigkeit oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festz u- stellen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Akteneinsicht und um anschliessende Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerd e- ergänzung. Sodann sei ihm mitzuteilen, welche Bundesverwaltungsrichter oder welche Bundesverwaltungsrichterinnen und welcher Gerichtsschre i- ber oder welche Gerichtsschreiberin mit der Instruktion betraut seien und an einem Entscheid mitwirken würden. D. Mit Zwischenverfügung vom 9. Juli 2013 hielt der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Er forderte ihn auf, innert Frist einen Kostenvorschus s von Fr. 600.– zu leisten; die Zahlung erfolgte fristgerecht. Weiter erhielt der Beschwerdeführer die Gelegenheit, innert Frist eine Beschwerdeergä n-E-3776/2013 Seite 3 zung einzureichen, und es wurde ihm das Spruchgremium mitsamt dem beteiligten Gerichtsschreiber bekanntgegeben. E. Der Beschwerdeführer nutzte die ihm eingeräumte Möglichkeit zur Einre i- chung einer Beschwerdeergänzung mit seiner Eingabe vom 24. Juli 2012. F. Mit Vernehmlassung vom 21. August 2013 beantragte das BFM die Ab- weisung der Beschwerde. G. In seiner Eingabe vom 28 . August 2013 hielt der Beschwerdeführer an seinen Vorbringen fest und stellte dem Gericht weitere Beweismittel zu. H. Mit Eingabe vom 29. August 2013 reichte er einen ärztlichen Bericht vom 26. August 2013 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfa h- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 ( VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (As ylG, SR 142.31). Der Beschwerdeführer ist als Verf ü- gungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, unrichtige und unvollständige Festste l- lung des rechtserheblichen Sachverhalts und Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-3776/2013 Seite 4 2.2 Die Begründung der Begehren bindet die Beschwe rdeinstanz in ke i- nem Fall (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Diese kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den ang e- fochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die von derjenigen der Vorinstanz abweich t (vgl. BVGE 2007/41 E. 2 S. 529 f.). 2.3 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Rich- terin zu behandeln, weil sie sich im Ergeb nis als offensichtlich begründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG). 3. 3.1 Die Vorinstanz ist in Verfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas tami- lischer Ethnie betreffen, systematisch dazu übergegangen, keine Ausre i- sefristen mehr zu verhängen und bereits angeordnete Ausreisefristen auf- zuheben. Faktisch zieht sie damit alle Verfahren (auch solche im Vol l- zugsstadium) in Wiedererwägung, dies unbesehen der konkreten U m- stände im Einzelfall. Das vorinstanzliche Vorgehen geht auf zwei bekannt gewordene Vorfälle zurück: Die sri-lankischen Behörden hatten tamilische Rückkehrer bei der Wiedereinreise in Haft genommen. Daraufhin stellte das BFM in Aussicht, nicht nur diese beiden Vorfälle, sondern auch eine allfällige Veränderung der allgemeinen Situation in Sri Lanka vertieft a b- zuklären. Das Bundesamt geht damit selbst davon aus, dass der Sac h- verhalt, wie er der angefochtenen Verfügung vom 30. Mai 2013 zugrunde liegt, offensichtlich nicht vollständig festgestellt ist. Es besteht kein Zwe i- fel, dass eine neue Lagebeurteilung vor Ort sich auf die konkrete Fes t- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts auswirken kann, sei es im Flüchtlings- und Asylpunkt, sei es im Wegweisungsvollzugspunkt (vgl. zu den Risikogruppen BVGE 2011/24 E. 8). 3.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindl i- chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückwe i- sung ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisve rfahren durch zuführen ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht e r- scheint; sie muss dies abe r nicht tun (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). In casu liegt der Mangel in einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung, wobei E-3776/2013 Seite 5 die unterbliebenen notwendigen Abklärungen eine relativ aufwändige und umfangreiche Beweiserhebung darstellen, weshalb sich eine Kassat ion rechtfertigt. Im Übrigen bleibt auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet. 3.3 Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die angefochtene Verfügung ist aufzuheben. Die Sache ist zur vollständigen Sachverhalt s- feststellung sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen und die vorinstanzlichen Akten sowie das Beschwerde dossier, wel- ches ebenfalls Prozessstoff des vorinstanzlichen Verfahrens bilden wird, werden dem BFM zugestellt. Auf die weiteren Vorbringen in der Recht s- mitteleingabe ist aufgrund dieser Sachlage zum heutigen Zeit punkt nicht einzugehen. 4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.– ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 4.2 Der Rechtsvertreter hat zwar keine Kostennote eingereicht, doch lässt sich der vorstehend erwähnte Aufwand zuverlässig abschätzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) hat das BFM dem Beschwerdeführer eine Parteient schädigung in der Höhe von Fr. 2000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) E-3776/2013 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 30 . Mai 2013 wird aufgehoben und die S a- che wird zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuer En t- scheidung an das BFM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 20 00.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer , das BFM und an das D._______. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan