Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer I I 2020 82 Entscheid vom 11. Dezember 2020 Besetzung lic.iur. Gion Tomaschett, Vizepräsident Dr.med. Bernhard Zumsteg, Richter Dr.med. Urs Gössi, Richter MLaw Christina Zehnder, a.o. Gerichtsschreiberin Parteien A.________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin lic.iur. B.________, c/o C.________ gegen IV-Stelle Schwyz, Rechtsdienst, Postfach 53, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Invalidenversicherung (Leistungen)2 Sachverhalt: A.A.________ (geb. ________1993, Bürgerin von E.________ UR) ist die leibliche Tochter von F.________ (geboren am ________1954, gestorben am ________2016) und von G.________. Die ursprünglich verheirateten Eltern (bei- de Lehrkräfte an der Primarschule H.________) waren lange kinderlos gewesen, worauf sie sich entschlossen, zwei Mädchen aus I.________ zu adoptieren. Nach der Zusage wurde F.________ schwanger. Bei der Geburt von A.________ war ihre Mutter 38-jährig. Nachdem die adoptierten Zwillinge, welche nach der Aktenlage teilweise behindert sind, rund einen Monat jünger als A.________ sind, umfasste die nunmehr 5-köpfige Familie quasi drei gleichaltrige Mädchen (vgl. IV-act. 102-19/42). Am ________2004, als die Mädchen 11-jährig waren, er- folgte die Scheidung der Eltern. B.Nach der Primarschule und Oberstufe in H.________ absolvierte A.________ von August 2008 bis Juli 2012 am D.________ (in J.________) das Gymnasium mit Maturaabschluss. In der Folge begann sie zunächst an der ETH Zürich Informatik zu studieren (August 2012 bis Juli 2013), um dann an die Uni- versität Zürich zu wechseln, wo sie ab August 2013 während eines Semesters für ein Germanistik-Studium und dann während drei Semestern für ein Psychologie- Studium immatrikuliert war (März 2014 bis Juli 2015, siehe IV-act. 74-11/11). Von April 2013 bis Oktober 2013 war sie in Behandlung beim Psychiater K.________ (L.________, IV-act. 121-26/27) sowie vom 30. April 2015 bis 19. September 2015 in Behandlung beim Psychiater Dr.med. M.________ (N.________, IV-act. 11). C.Am 18. Januar 2016 ging bei der IV-Stelle eine Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen ein. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen wurden mit "Panik und Angstattacken, Depression" umschrieben (IV-act. 1). Vom 21. Januar 2016 bis 17. März 2016 war A.________ in der Psychiatrischen Klinik O.________ hospitalisiert (IV-act. 11-9/18). Ihre Mutter, welche an einer unheilbaren Magenkrebs-Erkrankung schwer zu leiden hatte, entschied sich für einen begleiteten Suizid (per 20.5.2016, IV-act. 102-19/42 oben i.V.m. dem Ge- res-Ausdruck). Vom 11. Mai 2016 bis 6. Juli 2016 hatte sich A.________ zum zweiten Mal in der Klinik O.________ aufgehalten (IV-act. 13). Ab 22. Juli 2016 wurde A.________ vom P.________ N.________ unterstützt. Im P.________-Bericht vom 14. Oktober 2016 an die IV-Stelle wurde ein Belas- tungstraining mit zu Beginn 40 Stellenprozenten im Bereich Informatik oder Büro empfohlen (IV-act. 18). Mit Schreiben vom 7. Februar 2017 gewährte die IV-3 Stelle Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die Arbeitsvermitt- lung der SVA Aargau (IV-act. 23). In der Folge übernahm die IV-Stelle die Kosten für ein Belastbarkeitstraining vom 18. Juli 2017 bis 17. Oktober 2017 in der Q.________ Stiftung in R.________ (IV-act. 37). Die zuständige Berufsberaterin beantragte mit Bericht vom 28. No- vember 2017 ein Arbeitstraining für eine Ausbildung zur Informatikerin EFZ bis 16. April 2018 (IV-act. 48). Diesbezüglich erteilte die IV-Stelle am 7. März 2018 eine entsprechende Kostengutsprache (IV-act. 58). D.Am 12. April 2018 teilte die zuständige IV-Berufsberaterin der IV-Stelle mit, dass die Berufsberatung demnächst abgeschlossen werde, da keine Steigerung möglich sei; es werde um eine Prüfung des Rentenanspruchs ersucht (IV-act. 76). Diese Vorgehensweise wurde erneut im Abschlussbericht Integration vom 21. September 2018 empfohlen (IV-act. 78). Mit Schreiben vom 13. November 2018 eröffnete die IV-Stelle ein Mahn- und Be- denkzeitverfahren und forderte A.________ auf, zur Klärung eines allfälligen Suchtmittelkonsums eine Haaranalyse vornehmen zu lassen (IV-act. 87). Dieser Auflage kam A.________ nach. Mit Berichten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM Zürich) vom 3. und 7. Januar 2019 wurde festgehalten, dass keine Anhalts- punkte für Alkohol- oder Drogenkonsum feststellbar waren (IV-act. 95). Am 29. Januar 2019 teilte die IV-Stelle mit, dass eine medizinische Abklärung bzw. ein psychiatrisches Gutachten nötig sei (IV-act. 96). Die von der IV-Stelle beauftragte Psychiaterin med.pract. S.________ (T.________) erstattete am 6. Juni 2019 ihr Gutachten (IV-act. 102). Gestützt darauf kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 12. September 2019 an, das Leistungsbegehren abzuweisen (IV-act. 106). Daran hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. Oktober 2019 fest (IV-act. 107). Am 19. November 2019 hat die IV-Stelle die Verfügung vom 24. Oktober 2019 widerrufen (IV-act. 111) und gleichentags in einem neuen Vorbe- scheid angekündigt, das Leistungsbegehren abzuweisen (IV-act. 112). Dagegen liess A.________ am 9. Dezember 2019 sowie am 16. April 2020 Ein- wände erheben (IV-act. 115 und 121). In seiner Stellungnahme vom 8. Juni 2020 empfahl der RAD-Psychiater Dr.med. U.________, die vorgebrachten Einwände der Gutachterin zu unterbreiten (IV-act. 123), welche sich in ihrer Antwort vom 13. Juli 2020 äusserte (IV-act. 125). Daraufhin gelangte der RAD-Psychiater Dr.med. U.________ am 20. August 2020 zum Ergebnis, dass auf die Beurtei- lung im erwähnten Gutachten abgestellt werden könne (IV-act. 127).4 E.Am 25. August 2020 verfügte die IV-Stelle, dass das Leistungsbegehren abgewiesen werde. Gegen diese am 28. August 2020 eingegangene Verfügung liess A.________ rechtzeitig am 28. September 2020 (Montag) beim Verwal- tungsgericht Beschwerde einreichen mit den folgenden Anträgen: 1. Die Verfügung der IV-Stelle Schwyz vom 25. August 2020 sei aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin eine ganze Rente zuzusprechen. 2. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten in die Wege zu leiten. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. F.Mit Vernehmlassung vom 25. November 2020 beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführe- rin. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1Nach Art. 4 Abs. 1 des Invalidenversicherungsgesetzes (IVG; SR 831.20) in Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) gilt als Invalidität die durch ei- nen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden verursachte, voraussicht- lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig- keit. Gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti- gung zu berücksichtigen; eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Die versicherte Person hat nach Art. 28 Abs. 2 IVG - Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, - Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 Prozent, - Anspruch auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Prozent, - und Anspruch auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid ist. 1.2Der Invaliditätsgrad bestimmt sich nach Art. 16 ATSG, wonach zur Ermitt- lung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behand- lung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätig- keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (= sog. hypothetisches Invalideneinkommen), zum Erwerbseinkommen in Beziehung gesetzt wird, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (= sog. hypothetisches Valideneinkommen). Es ist für die Invaliditätsbemessung nicht entscheidend, ob 5 die versicherte Person ihre (Rest-)Arbeitsfähigkeit erwerblich verwertet, d.h. von der verbliebenen Erwerbsfähigkeit Gebrauch macht. Vielmehr ist die Invalidität stets auf der Grundlage desjenigen Erwerbseinkommens zu bemessen, das die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit erzielen könnte (Meyer/ Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. A., Art. 28a N 27). 1.3Die Invalidität bemisst sich somit nicht nach medizinischen, sondern nach wirtschaftlichen, erwerblichen Kriterien, nach der Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsun- fähigkeit ist das Unvermögen, auf dem gesamten für die versicherte Person in Frage kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt die verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise wirtschaftlich zu verwerten (BGE 109 V 25 Erw. 3d). Wer nicht mindestens teilweise arbeitsunfähig ist, kann auch nicht erwerbsunfähig und mithin nicht invalid sein (vgl. BGE 105 V 139 Erw. 1b). 1.4Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts- beschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (vgl. Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungs- gericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 157 Erw. 1a). Mit dem Untersuchungsgrundsatz korrelie- ren die Mitwirkungspflichten der versicherten Person, indem diese zur Abklärung des Sachverhaltes beitragen muss (vgl. Meyer/Reichmuth, a.a.O., Art. 53-57 IVG N 10 mit Verweis auf BGE 122 V 157 Erw. 1a). 1.5.1Die Verwaltung und im Beschwerdefall der Richter sind bei der Bemessung des IV-Grades auf Unterlagen angewiesen, die der Arzt und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand des Versicherten zu beurteilen. Der Arzt hat auch dazu Stel- lung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit der Versi- cherte arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen dem Versi- cherten noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 Erw. 4). 1.5.2 In der Würdigung der Beweise ist der Sozialversicherungsrichter frei (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Er hat die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Er hat alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be- urteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten (BGE 125 V 351 Erw. 3a; 122 V 157 Erw. 1c). Im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten von externen Spezialisten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei 6 der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist regelmäs- sig volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 Erw. 1.3.4 mit Hinweis). 1.5.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist mithin entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizini- schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gege- benen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 Erw. 3a). 1.5.4 In der Rechtsprechung sind die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung seit jeher wie folgt verteilt worden: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es erstens, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür die Verwaltung und im Streitfall Gerichte nicht kompetent sind (z.B. Bundesgerichtsurteil 9C_437/2012 vom 6.11.2012 Erw. 3.2). Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeits-fähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Die ärztlichen Angaben sind eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (so die mit BGE 105 V 156 Erw. 1 S. 158 f. begründete und in zahllosen Urteilen bestätigte Rechtsprechung, z.B. BGE 132 V 93 Erw. 4). 1.5.5 Die psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (vgl. Bundesgerichtsurteil I 676/05 vom 13.3.2006 Erw. 2.4 mit Verweis auf die 7 Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen, in: SAeZ 2004 S. 1050 f.). 1.6Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung an den normativen Vorgaben zu orientieren, die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 Erw. 5.2 S. 306f.). Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei, insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 Erw. 6 S. 426f.). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in concreto ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 Erw. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Eine rentenbegründende Invalidität ist nur dann anzunehmen, wenn funktionelle Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt sind und somit den versicherungsmedizinischen Vorgaben Rechnung getragen wurde (vgl. Bundesgerichtsurteile 8C_821/2018 vom 18.6.2019 Erw. 3.2 mit Verweis auf BGE 141 V 281 Erw. 6 S. 307f.; 8C_260/2017 vom 1.12.2017 Erw. 4.2.4). Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (vgl. zit. Urteil 8C_821/2018 vom 18.6.2019 Erw. 3.2 mit Verweis auf BGE 143 V 418 Erw. 6 S. 427 und auch BGE 144 V 50 Erw. 4.3 S. 53f.). 1.7Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Verwal- tung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten 8 (antizipierte Beweiswürdigung; Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 3. A. Rz. 153; Bundesgerichtsurteil 8C_424/2010 vom 19.7.2010 Erw. 3.2.3 mit Verweis auf BGE 134 I 140 Erw. 5.3). 2.Aus den vorliegenden Unterlagen sind u.a. die nachfolgend aufgeführten Angaben zu entnehmen. 2.1Im Rahmen der Anamnese anlässlich der ersten Hospitalisation in der Psychiatrischen Klinik O.________ (21.1.16 - 17.3.16) wurde u.a. was folgt fest- gehalten (IV-act. 11-10/18): Psychiatrische Anamnese: Frau … leide seit dem Jugendalter unter gravierenden Stimmungsproblemen. Als Kind habe sie sich manchmal den ganzen Körper zer- kratzt, später habe sie mit selbstverletzendem Verhalten in Form von Schnittverlet- zungen (Arme, Bauch) begonnen zur Selbstberuhigung und Spannungsregulation. Auch das Sehen des eigenen Blutes bei den selbstzugefügten Verletzungen habe einen beruhigenden Effekt auf sie. Auch Suizidgedanken kenne sie seit der Kind- heit. Im Alter von 6 Jahren habe sie sich 1.-mals umbringen wollen, Auslöser sei Mobbing in der Schule gewesen. Bisher kein Suizidversuch in der Anamnese. 2013 1.-mals ambulante Psychotherapie. 04/2015 Zuweisung zur ambulanten Kri- seninterventionsstelle der PUK V.________ (…) Familienanamnese: Es seien keine psychiatrischen Erkrankungen in der Familie bekannt. Der Vater sei gewalttätig gewesen, er habe eine Therapie gemacht. Die Mutter habe im Sommer 2015 die Diagnose Magenkrebs erhalten. Eine Tante ms habe die Diagnose MS. Eine andere Tante ms habe unter einer vorübergehenden schizophrenen Psychose gelitten, die durch eine Stoffwechselstörung ausgelöst worden sei. Sie sei vollständig remittiert. Biographische Anamnese: Frau … sei das einzige leibliche Kind ihrer Eltern. Sie habe 2 gleichaltrige Adoptivschwestern, die beide eine Behinderung hätten. Beide Eltern seien Lehrpersonen von Beruf. Die Beziehung zum Vater sei durch körperli- che Gewalt geprägt gewesen. Er habe eine Therapie gemacht, um seine Aggres- sionen besser kontrollieren zu können. Die Beziehung zur Mutter scheint massiv konflikthaft und verstrickt. Im Alter von 11 Jahren Trennung der Eltern. Sie habe die Hälfte der Woche bei der Mutter, die andere Hälfte beim Vater gewohnt. Sie habe nicht zum Vater wollen dies sei aber so bestimmt worden. Es sei eine Famili- enberatung durchgeführt worden. Die Schulzeit sei durch Mobbingerfahrung ge- prägt gewesen. Sie sei wiederholt Opfer von gewalttätigen Übergriffen und massi- ven Demütigungen durch Mitschüler geworden. Sie habe Suizidgedanken entwi- ckelt, habe sich aber irgendwann gesagt: "meine Existenz nervt sie, also strafe ich sie, indem ich weiterlebe". (…) 2.2Nach der Matura im Sommer 2012 begann die Versicherte im Herbst 2012 an der ETH Zürich ein Informatikstudium. Von ihrer Hausärztin Dr.med. W.________ (FMH Allgem. Medizin, X.________) wurde sie dem Psychiater K.________ (Facharzt für Psychiatrie/ Psychotherapie FMH, L.________) zuge- wiesen, welcher die Versicherte von April 2013 bis Oktober 2013 behandelte. Den Verlauf umschrieb dieser Psychiater in einem Bericht vom 2. Mai 2014 an die Hausärztin u.a. wie folgt (IV-act. 121-26/27):9 Bereits im Erstgespräch zeigte sich bei der damals 20-jährigen Patientin ein skurril anmutendes Denkmuster und ein auffälliges Verhalten. Differenzialdiagnostisch mussten eine beginnende Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie und Depression abgeklärt werden. In der psychologischen Testung zeigte sich eine mittelgradig ausgeprägte depressive Symptomatik. Insgesamt waren die Testergebnisse etwas widersprüchlich. Einerseits konnte eine depressive Psychopathologie identifiziert werden, andererseits verneinte die Patientin einen signifikanten Leidensdruck. Ei- ne floride wahnhafte Symptomatik konnte aktuell ausgeschlossen werden. Im Hin- blick auf die Testergebnisse wurde der Patientin eine antidepressive Behandlung empfohlen. Synthetische Antidepressiva lehnte sie ab, war jedoch mit einer Johan- niskrautmedikation (Deprivita) einverstanden. Während der Behandlungssitzungen blieb sie sehr verschlossen bei ausgeprägten dysfunktionalen Kognitionen (…). Im Verhalten zeigte sie sich misstrauisch und vermeidend. Geplante Therapiesitzungen wurden häufig ohne Abmeldung ver- passt. Trotz Äusserungen während der Behandlungssitzungen, sich auf das Be- handlungsangebot einlassen zu wollen, zeigte ihr Verhalten genau das Gegenteil. Obwohl reichlich kognitive Ressourcen bestehen, zeigen sich deutliche Schwierig- keiten in der Bewältigung alltäglicher und altersentsprechende Situationen (soziale Interaktion, persönliche und berufliche Perspektive…). Ein Prodromalstadium einer beginnenden Schizophrenie kann zurzeit nicht mit Sicherheit ausgeschlossen wer- den. Nach einer erneuten verpassten Sitzung Ende 2013 wurden unsere Kontakt- versuche nicht mehr erwidert. Diagnose: ICD 10 F32.1 Depressive Störung, mittelgradige depressive Episode DD. Prodromalstadium beginnende Schizophrenie ICD10 F61.0 V.a. beginnende kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und paranoiden Anteilen Medikation Deprivita 1-0-0-0 Procedere Behandlungsabbruch von Seiten der Patientin (Gründe unklar), trotz aus psychia- trischer Sicht bestehender Behandlungsbedürftigkeit. (…) 2.3.1 Nachdem die Versicherte am 14. April 2015 die Hausärztin Dr.med. W.________ wegen Schlafstörungen aufsuchte, sah sich letztere veranlasst, die Versicherte dem ambulanten Kriseninterventionszentrum der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zuzuweisen. Im Zuweisungsschreiben vom 15. April 2015 stellte die Hausärztin folgende Diagnosen (IV-act. 11-18/18): -Insomnie seit 07.04.15 bei vermehrter Stressbelastung (Psychologiestudium mit Prüfungen in 2 Monaten); -V.a. Prodromalstadium einer beginnenden Schizophrenie DD: beginnende kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und paranoiden Anteilen; -Depressive Störung. Hinsichtlich Befunde erwähnte die Hausärztin, dass die Versicherte sehr introver- tiert und depressiv wirke, sowie verunsichert (IV-act. 11-18/18). 2.3.2 Die zuständige Assistenzärztin Y.________ (PUK) fasste in einem Bericht vom 21. April 2015, welcher als Zuweisungsschreiben an einen weiterbehan-10 delnden Psychiater (Dr.med. D. M.________, N.________) verfasst war, den psychopathologischen Befund und die Beurteilung/ Diagnose wie folgt zusam- men (IV-act. 11-16f./18): Bewusstseinsklare und allseits orientierte Patientin. Im Kontakt zurückhaltend und introvertiert. Formalgedanklich kohärent. Keine mnestische Störungen eruierbar. Prüfungsängste. Keine AP für psychotisches Erleben. Im Affekt leicht starr, Stimmung niedergeschlagen, parathym. Selbstwert reduziert. Pessimismus. Anhe- donie. Antrieb vermindert. Sozialer Rückzug. Gedankenkreisen mit Ein- und Durchschlafstörung. Die Patientin hat passive Suizidgedanken, distanzierte sich aber klar und glaubhaft von Suizidabsichten. Absprachefähig. Keine AP für FG. Beurteilung F32.2 Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome. DD Persönlich- keitsstörung mit schizoiden und anankastischen Anteilen. 2.4Ab dem 30. April 2015 war die Versicherte in Behandlung bei Dr.med. M.________ (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, N.________), welcher in einem Bericht vom 2. Juni 2016 hinsichtlich des Verlaufs folgende Diagnosen stellte (IV-act. 11-2/18 Ziff. 1.1): -Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) -Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich (vermeidenden), depressiven und emotional instabilen Anteilen (ICD-10: F61) -V.a. posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) Die psychischen Einschränkungen der Versicherten umschrieb Dr.med. M.________ mit "emotionale und affektive Instabilität, Antriebslosigkeit, fehlende Initiative, fehlende Flexibilität und Kontaktfähigkeit, Rückzug, Antriebslosigkeit etc." (IV-act. 11-3/18). Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit veranschlagte dieser Psychiater ab 30. April 2015 (IV-act. 11-3/18 Ziff. 1.6 mit dem Hinweis, dass die Arbeitsfähigkeit nach dem Abschluss der stationären Behandlung neu zu beurtei- len sei). 2.5Der behandelnde Psychiater Dr.med. M.________ wies - nachdem er das ambulante Setting als unzureichend beurteilte - die Versicherte der Psychiatri- schen Klinik O.________ zu, wo sie sich vom 21. Januar 2016 bis 17. März 2016 aufhielt. Im Austrittsbericht wurden die vom behandelnden Arzt unter Erwägung 2.4 aufgeführten Diagnosen gestellt und der Behandlungsverlauf u.a. wie folgt zusammengefasst (IV-act. 11-11f./18): Zu Beginn der Behandlung standen Niedergeschlagenheit, Rückzugsverhalten, Suizidale Gedanken (ohne konkreten Handlungsdruck) sowie eine massive Über- forderung mit der Pflege der krebskranken Mutter im Vordergrund. Die letzte Selbstverletzung hatte ca. 1 Monat vor dem Eintritt stattgefunden. Frau .. wirkte im Kontakt anfangs irritiert, misstrauisch und kaum schwingungsfähig, worin sich ein starker Schutz eigenen verletzlichen Gefühlen gegenüber zeigte. Folgende Ziele wurden vereinbart: Vertrauen aufbauen in Beziehungen und adäquate Abgren- zung/ Einforderung von Bedürfnissen; Planung der weiteren Behandlung, Tages-11 struktur und gegebenenfalls berufliche Perspektive. Ein 1. Störungsmodell wurde gemeinsam entwickelt. Frau … bemühte sich trotz Misstrauen um grosse Offenheit und berichtete über ein massiv invalidisierendes Familienklima. Die Mutter habe sie sehr vernachlässigt, da sie mit den beiden behinderten Adoptivschwestern sehr beansprucht gewesen sei. Frustrationen hätte sie jedoch stets an ihrer leiblichen Tochter ausgelassen. Der Vater sei gewalttätig gewesen, habe nach aussen aber das Bild eines liebenden Familienvaters vorgespielt. Als sie 11 Jahre alt gewesen sei, hätten sich die Eltern getrennt. Identifiziert wurde die "vernachlässigte und misshandelte kleine D…", die Schemata von Misstrauen/ Missbrauch, emotionaler Entbehrung, Verlassenheit und Instabilität entwickelte. Auf der Ebene dysfunktio- naler strafender Anteile entwickelte sich vor allem Selbsthass. Frau … habe von jeher versucht, sich durchzukämpfen und zu ertragen. (…) Durch einen starken "distanzierten Beschützer"-Modus entwickelten sich jedoch starke psychosomatische Beschwerden (Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen) und depressive Symptome. (…) Frau … integrierte sich im weiteren Verlauf zunehmend auf Station und profitierte von der Integration in die Patientengemeinschaft. Es gelang ihr, schrittweise Ver- trauen aufzubauen. Insgesamt zeichneten sich ein verbesserter Zugang zu ihren Gefühlen sowie eine verbesserte Emotionsregulation ab. Sie selbst verspürte mehr Antrieb und Motivation. Bei Austritt bestanden noch Intrusionen, Emotionsphobie, erhöhte Schreckhaftigkeit, eine Tendenz zu Aufschiebe- und Vermeidungsverhal- ten, jedoch keine Anhaltspunkte für akute Selbst- und Fremdgefährdung. 2.6Vom 11. Mai 2016 bis 6. Juli 2016 folgte der zweite stationäre Aufenthalt in der Klinik O.________. Neben den Diagnosen (mittelgradige depressive Episode und kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, ängstlich ver- meidenden und depressiven Anteilen) sind dem Austrittsbericht zum damaligen Verlauf u.a. folgende Angaben zu entnehmen (IV-act. 13-2ff./4): Im Vordergrund standen morgendliche Panikattacken, einschiessende Erinnerung an belastende Erfahrungen (Mobbingsituationen in der Schule, Verlassenheit zu- hause), dissoziative Symptome, ein insgesamt reduzierter zielgerichteter Antrieb und Vermeidungsverhalten. Des Weiteren bestanden bei Eintritt eine massiv belas- tende psychosoziale Situation mit der terminal erkrankten Mutter. Folgende Behandlungsziele wurden vereinbart: Aktive Auseinandersetzung mit dem Tod der Mutter und den konkreten Anforderungen, die sich dadurch stellen; Auseinandersetzung mit der Beziehung zum Vater; Planung der poststationären Perspektive mit Aufgleisen einer Tagesstruktur. In den Einzelgesprächen wurde oft die Beziehung zur Mutter und deren Erkran- kung sowie der Umgang damit thematisiert. Während des Aufenthalts entschied sich die Mutter zum assistierten Suizid, der von Frau … und anderen Familienmit- gliedern begleitet wurde. In dieser Zeit wirkte Frau … tendenziell distanziert und zeigte nur in wenigen Momenten Gefühle von Trauer. Eine erhebliche Überforde- rung mit der Situation wurde spürbar. In einem Angehörigengespräch mit dem Vater nach dem Tod der Mutter fand eine 1. Annäherung statt. (…) Insgesamt zeigte sich Frau … im therapeutischen Kontakt teilweise passiv und gab nur 1-silbige Antworten. Es mussten ihr viele Ideen und Struktur vorgegeben wer- den. Sie wurde damit konfrontiert und gemeinsam wurden Strategien zur Verbes- serung der Selbststrukturierung und das Überwinden von Vermeidungsverhalten entwickelt. Im Verlauf konnte sie dann auch mehr Verantwortung für den therapeu- tischen Prozess übernehmen und gestaltete die Therapiestunden aktiver mit.12 1-malig kam es aufgrund eines Konfliktes mit einer Kollegin zu einer suizidalen Kri- se. Dabei fiel es Frau … extrem schwer, sich damit an das Behandlungsteam zu wenden. (…) Von psychopharmakologischer Seite wurde die antidepressive Medikation bei gu- ter Verträglichkeit unverändert fortgesetzt. Durch unseren Sozialdienst wurde Frau … darin unterstützt, Bewerbungsunterla- gen für ihre Jobsuche zu überarbeiten. Diagnostisch zeigten sich neben einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und depressiven Symptomen posttraumatische Symptome in Form von dissoziativem Erleben, emotionaler Taubheit und leicht erhöhter Schreckhaftigkeit, die aktuelle jedoch insgesamt nicht die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung vollumfänglich erfüllen. (…) Bei Austritt bestanden weiterhin eine Tendenz zum Aufschieben, jedoch keine Zu- kunftsängste oder Anhaltspunkte für akute Selbst- oder Fremdgefährdung. Beurteilung Aufgrund der insgesamt reduzierten Belastbarkeit, Frustrationstoleranz und Kon- zentrationsfähigkeit sowie eingeschränktem Durchhaltevermögen sind momentan berufliche Integrationsmassnahmen vorerst im geschützten Bereich vorstellbar (ca. 4 Stunden pro Tag). Insbesondere scheint Frau … im Moment Prüfungsdruck kaum gewachsen zu sein. Perspektivisch erscheint die Arbeitsfähigkeit steige- rungs- und ausbaufähig im Hinblick auf eine berufliche Erstausbildung. Sie würde sicherlich von einer Tätigkeit mit klarer Struktur, klarem Aufgabenbereich und ge- regelten Arbeitszeiten profitieren. Von zu intensivem Kundenkontakt möchte sie selbst aufgrund ihrer zwischenmenschlichen Schwierigkeiten Abstand nehmen. Sie selbst könne sich eine Beschäftigung/ Erstausbildung im IT-Bereich gut vorstellen. 2.7Seit dem 22. Juli 2016 war die Versicherte in ambulanter Behandlung beim P.________ (N.________). In einem Bericht vom 14. Oktober 2016 an die IV- Stelle berichteten die behandelnde Psychologin M.Sc. Z.________ sowie Dr.med. AA.________ von einem seit dem Klinikaustritt weitgehend stabil geblie- benen Zustand. Das selbstverletzende Verhalten (Kratzen am ganzen Körper) habe sich seit Aufnahme der Psycho-therapie reduziert. Am Schluss des Berichts wurde ein über die IV laufendes Belastungstraining mit zu Beginn 40 Stellenpro- zenten (wenn möglich verteilt auf zwei ganze Tage) im Bereich Informatik oder Büro empfohlen (IV-act. 18). 2.8Dr.med.univ. Dr.phil. AB.________ (FMH Psychiatrie/Psychotherapie; dipl. Neuro-psychologie; RAD AC.________) konnte in der Würdigung der medizini- schen Akten vom 16. Dezember 2016 die Diagnose einer depressiven Episode nicht nachvollziehen, gleichwohl könne die psychische Kondition der Versicher- ten als Anpassungsstörung mit längerdauernder depressiven Reaktion verstan- den werden. Auch die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei gemäss ICD-10 Guidelines ebenfalls nicht evident ausgewiesen. Zudem mache diese Diagnose aus neuromedizinischer Sicht in diesem Fall wenig Sinn, da im Alter von 23 Jah- ren die Hirnreifung noch nicht abgeschlossen sei. In diesem Alter könne bezogen auf die Hirnentwicklung nicht von einer fertig entwickelten Persönlichkeit ausge-13 gangen, geschweige denn deren Gestörtheit diagnostiziert werden. Zweifellos seien - im Zuge der Beziehung zur Mutter - zeitweise krisenhafte reaktive Zustands- bilder zu konstatieren. Die reaktiven psychischen Instabilitäten und innerpsychi- schen Turbulenzen seien aktuell sicher für eine Partizipation am Arbeitsleben hinderlich, ein invalidisierender Gesundheitsschaden bestehe (noch) nicht. Unter ungünstigen Bedingungen könnte es aber irgendwann dazu kommen (drohende Invalidität). Eine Integrationsmassnahme (mit einem ruhigen Arbeits- und Be- triebsklima, ohne ausgeprägte Stressorenbeanspruchung) sei sicher angezeigt. An sich sei die Arbeitsfähigkeit auf 100% zu veranschlagen, allerdings solle an- gesichts der beträchtlichen Dekonditionierung mit einem 50% Pensum begonnen werden (IV-act. 19-4/4). 2.9Nachdem die IV-Stelle am 7. Februar 2017 Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die Arbeitsvermittlung der SVA Aargau gewährt hatte (IV- act. 23), forderte die behandelnde Psychologin M.Sc. Z.________ (P.________) die zuständige IV-Berufsberaterin Stelle am 3. April 2017 auf, möglichst bald die Versicherte beim Finden einer Tätigkeit/ Arbeitstraining (im Büro- oder Informa- tikbereich) zu unterstützen (IV-act. 29). Diese Berufsberaterin (AD.________) fasste den Eingliederungsplan in einem Bericht vom 29. Juli 2017 u.a. wie folgt zusammen (IV-act. 30): Aufgrund der andauernden Selbstunsicherheit und der eingeschränkten Belastbar- keit ist die Aussicht auf eine Bewältigung eines Studiums trotz erfreulicher Stabili- sierung bei Abnahme der depressiven Symptome derzeit sicher nicht gegeben. Im Gegenteil müssen nun die Arbeits- und Leistungsfähigkeit institutionell durch die IV überprüft und weiter gefördert werden. Ein Einstieg mit einer IM-Massnahme ist geeignet, da die Versicherte sich noch nicht in der Lage sieht, 50% durchgehend anwesend sein zu können (Voraussetzungen durch die lange AUF erfüllt). Es er- folgt daher die Aufnahme eines Belastbarkeitstrainings mit Anwesenheit beim Ein- stieg von 4h an 4 Tagen (Mittwoch vorerst frei) und einer Steigerung von 1h pro Tag pro Monat bei guter Reisefähigkeit und stabiler selbstgeführter Tagesstruktur, aber erwähnter eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Bei guter Entwicklung unter fortgesetzter Therapie und stützenden, strukturieren- den Massnahmen kann die von Frau … gewünschte Ausbildung in Informatik auf Niveau EFZ (Applikationsentwicklung) evtl. in einem Jahr angegangen werden. Aufgrund der Schwere der Diagnose ist allerdings von einem weiteren höheren Begleitbedarf auszugehen. (…) Der Eingliederungsplan endete mit dem Antrag an die IV-Stelle, als Integrations- massnahme ein Belastbarkeitstraining vom 18. Juli 2017 bis 17. Oktober 2017 in der Einrichtung Q.________ in R.________ zu gewähren (IV-act. 30-2/2). Am 15. September 2017 ging bei der IV-Stelle die Meldung der Berufsberaterin ein, dass die Versicherte aktuell ein Belastbarkeitstraining absolviere, welches in 14 ein Aufbautraining münden solle. Die Versicherte sei aktuell noch nicht in der La- ge, in eine Ausbildung einzusteigen (IV-act. 32). 2.10Der Job-Coach der Einrichtung Q.________ (AE.________) informierte am 27. September 2017 die Berufsberaterin, dass das Pensum aktuell bei 50% be- lassen werde, weil die Versicherte "die Belastung schon spürte". Eine Erhöhung des Pensums auf 60% sei ab 16. Oktober 2017 vorgesehen (IV-act. 36-1/3). Die weitere Entwicklung wurde im Bericht der Berufsberaterin vom 28. November 2017 dahingehend umschrieben, dass die Versicherte "leider nur langsame Ent- wicklungsschritte" mache. Aktuell sei das Niveau von 60% - 70% erreicht, nach- dem die Versicherte nochmals eine krisenhafte psychische Entwicklung im Zu- sammenhang mit dem Todestag der Mutter [eventuell Geburtstag der Mutter: ________] gezeigt habe (vgl. IV-act. 48). Am 12. April 2018 teilte die Berufsberaterin mit, dass die Berufsberatung dem- nächst abgeschlossen werde, da keine Steigerung mehr möglich sei; anschlies- send sei der Rentenanspruch zu prüfen (IV-act. 70). Der Job-Coach führte in seinem Bericht vom 18. April 2018 u.a. aus, dass die im Herbst 2017 geplante Pensensteigerung nicht möglich gewesen sei. Ab Oktober 2017 sei sie vermehrt krankheitshalber abwesend gewesen. Sie hatte Albträume und starke Kopfschmerzen und konnte sich dann nicht mehr konzentrieren. Die Gründe für die überdurchschnittlich vielen Krankheitsabsenzen im Dezember 2017 wurden mit Albträume und Unwohlsein umschrieben (IV-act. 74-3/11). Ihre Ausfälle infolge psychischer Instabilität seien überdurchschnittlich gewesen (zum Teil wochenweise). Ihre Belastbarkeit werde als niedrig beurteilt. In Standortge- sprächen präsentierte sie sich schwach. Insgesamt beurteilte die Durchführungs- stelle (Q.________) die Versicherte als psychisch instabil, welche in den vergan- genen Monaten nicht in der Lage gewesen sei, ihr Anwesenheitspensum zu er- höhen. Aufgrund der überdurchschnittlichen Fehlzeiten sei die Anwesenheit der Versicherten sehr niedrig gewesen bzw. sei immer mehr zurückgegangen (zuletzt eine Präsenz von 13%). Mehrfach habe sie sich am Morgen per Email abgemel- det mit der Begründung, dass sie Albträume und Angstzustände habe. Am Schluss des Berichts wurde die Beendigung der Massnahme empfohlen, da die Versicherte wenig psychische Stabilität zeige, überdurchschnittliche Ausfälle aufweise und nicht in der Lage sei, einen für sie geeigneten Ausbildungsberuf zu suchen. Bei genügender Stabilität empfehle die Durchführungsstelle einen ge- schützten Arbeitsplatz im administrativen Bereich (IV-act. 74-4/11). Dem vom Job-Coach ausgefüllten Beurteilungsformular ist u.a. zu entnehmen, -dass die Leistungsbeurteilung insgesamt ungenügend ausfiel (IV-act. 74-5/11 un- ten);15 -dass die psychische Belastbarkeit weder allgemein, noch unter Druck/ Stress ge- geben war (IV-act. 74-6/11, unterhalb der Mitte); -dass die emotionale Stabilität nicht vorhanden war (IV-act. 74-6/11); -dass hinsichtlich der kognitiven Beurteilung das Abstraktionsvermögen, das In- struktionsverständnis, die Lernfähigkeit und Sorgfalt vorhanden waren, nicht aber Konzentration und Aufmerksamkeit (IV-act. 74-6/11 unten); -dass hinsichtlich Umstellungsfähigkeit die Versicherte nicht in der Lage war, sich in angemessener Zeit an ständig wechselnde Arbeitsaufgaben anzupassen, son- dern vielmehr einen konstanten Tagesablauf benötigte (IV-act. 74-9/11 unten); -dass die Versicherte ein mässiges Arbeitstempo aufwies und eine niedrige Aus- dauer hatte, insgesamt nicht in der Lage war, sich mehr als vier Stunden einer Arbeit zu widmen (IV-act. 74-9/11 unten); -dass die Durchführungsstelle die psychische Verfassung der Versicherten als sehr instabil beurteilte; im Verlaufe der Massnahme habe sie immer öfters gefehlt und sich per Email abgemeldet (mit Gründen wie Albträume, Schwindel, Kopf- schmerzen, vgl. IV-act. 74-9/11 unten); -dass die Versicherte hinsichtlich Kommunikation Mühe hatte, sobald in Standort- gesprächen von verschiedenen Themen gesprochen wurde und sie sich dann unsicher zeigte (IV-act. 74-9/11 unten). 2.11Die behandelnde Psychologin M.Sc. Z.________ führte in ihrem Bericht vom 11. Juni 2018 an die IV-Stelle, visiert von Dr.med. AA.________, zum Ge- sundheitszustand aus, dass seit Dezember 2017 eine deutliche Exazerbation des psychischen Zustands, der depressiven Symptomatik (v.a. Schlafstörungen) so- wie eine Zunahme von Angst- und Panikattacken aufgetreten seien. Im Jahre 2017 habe sich der psychische Zustand langsam aber stetig verbessert bis zum Dezember 2017 (IV-act. 72): Diese erfreuliche Entwicklung wurde jäh unterbrochen, als ihre Mitbewohnerin 12/2017 den Auszug aus der gemeinsamen Wohnung ankündigte. Der Wegfall dieses unterstützenden psychosozialen Faktors schien die Pat. aus der Bahn ge- worfen zu haben. Seit diesem Zeitpunkt leidet sie vermehrt unter massiven Ein- und Durchschlafstörungen bis hin zu einer Tag-Nacht-Umkehr. Morgens bekäme sie Angst- und Panikattacken, die soweit führen würden, dass ihr ganzer Körper wie gelähmt sei und sie bis zu einer Stunde regungslos im Bett liegen bleiben müsse. In der Folge kam es zu vielen Ausfällen, so dass Frau … das Minimalziel von 50 Prozent Anwesenheit bei der Q.________ deutlich unterschritten hatte. In diesem Bericht wurde die Versicherte als weiterhin zu 100% arbeitsunfähig beurteilt. Aufgrund des chronischen Verlaufs werde die Versicherte sicher eine jahrelange psychotherapeutische Begleitung benötigen. Eine berufliche Wieder- eingliederung (Erstausbildung/ Lehre) werde sehr wahrscheinlich nur in einem geschützten Rahmen möglich sein, was auch erklärtes Ziel der Versicherten sei. Bis eine anhaltende Stabilisierung erreicht sei, werde eine Berentung zu 100% empfohlen (IV-act. 72-2/2). 2.12Im Abschlussbericht Integration vom 21. September 2018 beurteilte der zu- ständige Berufsberater den Verlauf dahingehend, dass aktuell die therapeuti-16 schen Interventionen im Vordergrund stünden, derweil berufliche Massnahmen aufgrund der fehlenden psychischen Stabilität bis auf weiteres nicht angezeigt seien. Es falle auf, dass die psychischen Krisen teilweise ohne erkennbare äus- sere Einwirkungen/ Ereignisse auftreten würden. Allein der jährliche Todestag der Mutter führe dazu, dass über mehrere Monate hinweg die Absenzen zuge- nommen hätten und auch eine intensivere Betreuung durch die behandelnde Psychologin nötig geworden sei (IV-act. 78). 2.13Die Abklärungen beim IRM V.________ (mit Haaranalysen) ergaben gemäss Berichten vom 3. und 7. Januar 2019, dass hinsichtlich Alkoholkonsum und der am 11. Dezember 2018 sichergestellten Haare weder Ethylglucuronid (als Alkohol-Marker), noch hinsichtlich Drogenkonsum Anhaltspunkte für den Konsum von Opiaten, Substitutionsmedikamenten, Stimulanzien und Cannabino- iden (THC) festgestellt werden konnten (IV-act. 95). 2.14.1 In der Folge wurde die Versicherte im Auftrage der IV-Stelle von med. pract. S.________ (Psychiatrie/ Psychotherapie FMH, zertifizierte med. Gut- achterin SIM, T.________) begutachtet. Das Gutachten vom 6. Juni 2019 basiert auf einem Explorationsgespräch vom 10. April 2019 (10.00 bis 13.50 Uhr), dem IV-Aktendossier, einer ausführlichen Anamnese (gegliedert in vegetative Ana- mnese, Behandlungsanamnese, Suchtanamnese, Familienanamnese, Somato- anamnese, soziale Anamnese sowie schulische/ berufliche Anamnese). Im Ab- schnitt Befunde wurden Verhaltensbeobachtungen, die sprachliche Verständi- gung und die Untersuchungsbefunde (gegliedert in psychopathologischer Befund und Laboruntersuchungen) aufgelistet. Daraus konnte die Gutachterin keine Dia- gnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen, derweil als Diagnosen oh- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der ersten Fassung des Gutachtens was folgt aufgeführt wurde (IV-act. 102-26/42): -Rezidivierende depressive Störung, ggw. remittiert (ICD-10: F33.4) -Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, narzisstischen und emotio- nal abhängigen Zügen (ICD-10: F61). Zwei Tage nach Erstattung des Gutachtens schrieb die Gutachterin der IV-Stelle, dass ihr ein Fehler unterlaufen sei, welcher dahingehend zu korrigieren sei, dass eine andere Gewichtung der Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorzunehmen sei, indem die kombinierte Persönlichkeitsstörung an die erste Stelle zu setzen sei (IV-act. 103-1/2 i.V.m. 103-2/2). 2.14.2 In ihrer Beurteilung warf die Gutachterin der Versicherten vor, dass sie im Verlauf unterschiedliche bzw. inkonsistente Angaben zu den drei Studienab- brüchen gemacht habe. Aktuell habe sie die Aufgabe des Informatik-Studiums 17 mit einer Stirnhöhlenentzündung begründet, welche es ihr damals verunmöglich habe, eine schriftliche Arbeit abzugeben, was sie zu einer Wiederholung des Semesters (bzw. Studienjahres) gezwungen hätte, wozu sie "keine Lust gehabt habe". Das Germanistik-Studium habe ihr "überhaupt nicht gefallen". Das Psy- chologie-Studium, welches ihr gefallen habe, sei von ihr deshalb abgebrochen worden, weil sie die in der terminalen Erkrankungsphase befindliche Mutter habe unterstützen müssen (IV-act. 102-28/42 unten). Demgegenüber habe die Versi- cherte den Abbruch des Psychologie-Studiums gegenüber Dr. M.________ im Oktober 2015 mit "schleifen lassen" begründet, während sie im Januar 2016 ge- genüber den Ärzten der Klinik O.________ den Studienabbruch mit "krankheits- bedingt" begründet habe (IV-act. 102-29/42 oben). Des Weiteren führte die Gutachterin in ihrer Beurteilung u.a. aus (IV-act. 102- 29ff./42): Gesamthaft betrachtet lassen sich bei der Explorandin im Längsschnittverlauf deut- liche persönlichkeitsstrukturelle Auffälligkeiten/ Defizite in Bezug auf die Selbst- wahrnehmung und die Objektwahrnehmung, die Kommunikation (von Emotionen) sowie auch die Fähigkeit zur Bindung und zur Selbststeuerung feststellen. Es handelt sich hierbei um ein eher niedriges Niveau der Persönlichkeitsorganisa- tion. Bei der aktuellen Untersuchung und anhand der Angaben der Explorandin zu ihrer sozialen, beruflichen und privaten Anamnese konnten bei der Explorandin vor allem narzisstische, aber auch schizoide und emotional instabile Persönlichkeits- merkmale festgestellt werden. Auf narzisstische Persönlichkeitsstörung weisen bei Frau … klinische Merkmale in Bezug auf das Selbstkonzept, die interpersonellen Beziehungen, die soziale An- passung, ethische Grundsätze, Liebe und Sexualität sowie der kognitive Stil (sämt- liche Kriterien nach Kernberg sind bei ihr erfüllt). Darüber hinaus lassen sich bei Frau … auch einzelne schizoide und auch emotio- nal instabile Persönlichkeitsmerkmale gemäss der ICD-10 identifizieren, wobei hier Überschneidungen zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung bestehen. (…) Insgesamt lässt sich bei ihr im Längsschnittverlauf eine kombinierte Persönlich- keitsstörung mit narzisstischen, schizoiden und emotional instabilen Zügen fest- stellen. Die Persönlichkeitsstörung stellt aktuell - aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht - den psychiatrischen Hauptbefund dar. Sodann warf die Gutachterin der Versicherten in der Beurteilung vor, dass sie nur wenige und auch wenig aussagekräftige Angaben zum Verlauf ihrer psychischen und psychosomatischen Beschwerden und den Ergebnissen ihrer bisherigen ambulanten und stationären Behandlungen gemacht habe (IV-act. 102-30/42 Mit- te). Die inkonsistenten Angaben zu den Studienabbrüchen könnten aus gutach- terlich-psychiatrischen Sicht keinem psychischen Krankheitsbild zugeordnet wer- den (IV-act. 102-31/42 oben). In der Folge kritisierte die Gutachterin die diagnostische Einschätzung und Vor- gehensweise der betreffenden Assistenzärztin am Kriseninterventionszentrum 18 (PUK) im April 2015. Denn der damals erhobene psychopathologische Befund lasse sich mit einer schweren depressiven Episode gemäss ICD-10 nicht verein- baren. Und selbst wenn es sich damals tatsächlich um eine schwere depressive Episode gehandelt hätte, wäre eine stationäre und nicht eine ambulante Behand- lung geboten gewesen (IV-act. 102-31/42 oben). Hinsichtlich der ersten Hospitalisation in der Klinik O.________ bemängelte die Gutachterin einerseits, dass sich eine Verifizierung der berichteten subjektiven Beschwerden nicht erkennen lasse. Andererseits sei es aus gutachterlich- psychiatrischer Sicht nicht nachvollziehbar, dass eine diagnostische Klarheit in Bezug auf die Verdachtsdiagnose einer PTBS während der fast zweimonatigen stationären Klinikbehandlung nicht habe gewonnen werden können (IV-act. 102- 31/42 unten). Was den zweiten Klinikaufenthalt in O.________ anbelangt, kritisierte die Gut- achterin, für sie sei nicht nachvollziehbar, was die Fachpersonen der Klinik mit dem wiederholt präsentierten Begriff "Vermeidungsverhalten" gemeint haben könnten. Aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht sei dieser Begriff sehr unspezi- fisch. Sodann war für die Gutachterin auch nicht (bzw. zumindest nicht ganz) nachvollziehbar, dass beim Klinikaustritt eine berufliche Wiedereingliederung im geschützten Bereich mit einem Pensum von 50% empfohlen wurde (da sinn- gemäss mit dieser Empfehlung das bei der Versicherten beschriebene "Auf- schiebe- und Vermeidungsverhalten" eher gefördert wurde (IV-act. 102-32/42 oben). Für die Gutachterin war aber auch nicht nachvollziehbar, weshalb die Versicherte beim Belastbarkeitstraining angesichts einer beschriebenen guten und stabilen psychischen Verfassung im geschützten Rahmen nur ein deutlich reduziertes Pensum absolvierte (IV-act. 102-32/42 unten). Die Annahme des Job-Coachs zu psychischen Einschränkungen der Versicher- ten (gemäss Bericht v. 04/2018) relativierte die Gutachterin damit, dass der Job- Coach auf die subjektiven Beschwerden der Versicherten abstellte. Anhand des Abschlussberichts des Arbeitstrainings sei vor allem eine deutliche Abnahme der Motivation der Versicherten festzustellen (IV-act. 102-33/42 oberhalb der Mitte). Hinsichtlich des Verlaufsberichts der behandelnden Psychologin (Z.________) bemängelte die Gutachterin, es lass sich nicht nachvollziehen, was die Thera- peutin mit einer deutlichen Exazerbation des psychischen Zustands seit 12/2017 meine (IV-act. 102-33/42 Mitte). Hinsichtlich der damals angegebenen massiven Schlaf-störungen kritisierte die Gutachterin, dass keine medikamentöse Anpas- sung der schlafanstossenden Medikation (Trittico) vorgenommen worden sei. In- zwischen sei Trittico ganz abgesetzt worden, weshalb davon auszugehen sei, 19 dass die Versicherte selber ihre Schlafprobleme bei weitem nicht so belastend erlebt habe (IV-act. 102-33/42 unterhalb der Mitte). Hinsichtlich der angegebenen Angst- und Panikattacken bezweifelte die Gutach- terin die Existenz solcher Vorkommnisse mit dem sinngemässen Argument, dass die Versicherte nie eine medizinische Notfallbehandlung benötigt bzw. keine not- fallmässige Bedarfsmedikation in Anspruch genommen habe (IV-act. 102-33/42 unterhalb der Mitte). Aus diesen Ausführungen (mit Inkonsistenzen und Widersprüchen) leitete die Gutachterin retrospektiv ab, dass massive Verdeutlichungs- und darüber hinaus auch Aggravationstendenzen vorlägen (IV-act. 102-33/42 unten). Aus den Angaben der Versicherten, wonach sie keine explizite Tagesstruktur ha- be und ihre Freizeit mit Lesen, Zeichnen, "Gamen" (PC-Spiele, "stundenlang") und Kommunikation mit Freunden via Internet verbringe, folgerte die Gutachterin, dass sich diesbezüglich keine psychischen Einschränkungen eruieren liessen. Insgesamt imponiere die inzwischen 26-jährige Frau aus gutachterlich-psy- chiatrischer Sicht mit einem "Leben nach dem Lustprinzip", zumal ein adäquates Korrektiv ihres Verhalten fehle und zudem bei ihr aktuell keine Notwendigkeit zum Geldverdienen bestehe, da sie vom Erbe lebe (IV-act. 102-34/42 oben). 2.14.3 Schliesslich hielt die Gutachterin in ihrer Beurteilung u.a. fest: -dass bei der Versicherten seit Sommer 2016 keine stationäre psychiatrisch-psycho- therapeutische Behandlung mehr erforderlich gewesen sei, was auf eine wesentliche Besserung und Stabilisierung (seit Sommer 2016) hinweise bzw. die damals begon- nene ambulante Therapie ausreiche (IV-act. 102-34/42 oberhalb der Mitte); -dass die behandelnde Psychologin und die zuständigen Berufsberater beim absol- vierten Belastbarkeits- und Arbeitstraining vor allem auf subjektive Beschwerden und Wünsche der Versicherten abgestellt hätten (IV-act. 102-34/42 Mitte); -dass keine medizinischen Befunde oder Diagnosen vorlägen, mit welchen sich eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen liesse bzw. eine Arbeitsun- fähigkeit von 100% einzig bei den Hospitalisationen in O.________ bestanden habe (IV-act. 102-34/42 unterhalb der Mitte); -dass die Versicherte hinsichtlich aktueller Beschwerden lediglich Kopfschmerzen (einmal pro Woche) und Schwindel (alle zwei Wochen) angegeben habe, was als Be- findlichkeitsstörungen ohne Krankheitswert und ohne Einschränkung der Arbeits- fähigkeit zu beurteilen sei (IV-act. 102-34/42 unten); -dass es sich bei den Äusserungen der Versicherten zur Ausbildungs- oder Arbeits- fähigkeit um ein eigenwilliges subjektives Krankheitskonzept und eines daraus resul- tierenden maladaptiven Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten mit Verdeut- lichungstendenzen der Beschwerden, Aggravationstendenzen bei einem hohen se- kundären Krankheitsgewinn handle (IV-act. 102-35/42 oben); -dass bei der Versicherten psychosoziale Belastungsfaktoren vorlägen (u.a. mangeln- de Motivation für berufliche Massnahmen und für eine Erwerbstätigkeit bei Bezug ei-20 ner Erbschaft, Fokussierung auf zeitlich ausgedehnte Freizeitaktivitäten, Alleinleben seit dem Auszug der Mitbewohnerin aus bisheriger Wohngemeinschaft, körperliche und psychische Dekonditionierung bezüglich Ausbildung/ Erwerbsarbeit; vgl. IV-act. 102-35/42 oben); -dass für wiederholt inkonsistente Angaben der Versicherten (zum Abbruch des Psy- chologie-Studiums, zum Todestag der Mutter) keine medizinische Begründung er- sichtlich sei (IV-act. 102-35/42 Mitte); -dass die frühere diagnostische Einschätzung einer schweren depressiven Episode retrospektiv nicht nachvollziehbar sei (IV-act. 102-35/42 unten); -dass hingegen die diagnostische Einschätzung einer kombinierten Persönlichkeitss- törung mit schizoiden und emotional instabilen Persönlichkeitszügen nachvollziehbar und zu bestätigen sei, analog auch deutliche narzisstische Persönlichkeitszüge (vgl. IV-act. 102-35/42 unten); -dass hingegen das Vorliegen von anankastischen, ängstlich unsicheren und depres- siven Persönlichkeitszügen sich nicht bestätigen lasse (IV-act. 102-36/42 oben, bei der depressiven Symptomatik 2015 und 2016 sei es unter adäquater Behandlung zu einer Remission gekommen); -dass - nachdem die Versicherte die Klinik in O.________ in stabilisiertem Zustand verlassen habe - die Empfehlung der Klinikärzte "Eingliederung im geschützten Rahmen mit reduziertem Pensum von 50%" retrospektiv nicht nachvollziehbar sei (IV-act. 102-36/42 oben); -dass hinsichtlich der Angaben zum Belastbarkeitstraining ebenfalls Diskrepanzen festzustellen seien, weshalb die von der Berufsberatung angenommenen Einschrän- kungen hinsichtlich der beabsichtigten Erhöhung des Arbeitspensums beim Belast- barkeitstraining nicht nachvollziehbar seien (IV-act. 102-36/42 Mitte); -dass die Annahme von krankheitsbedingten Abwesenheiten der Versicherten ab Ok- tober 2017 retrospektiv nicht nachvollziehbar seien (IV-act. 102-36/42 unten); -dass die Annahmen der zuständigen Berufsberater bezüglich "psychische Instabilität bzw. geringe psychische Belastbarkeit" weder nachvollziehbar, noch sich anhand der aktuellen Untersuchungsergebnisse bestätigen lasse; wohl liege bei der Versicherten in diesen Bereichen eine gewisse Einschränkung vor, indes sei diese "nur sehr leicht bis leicht ausgeprägt" (IV-act. 102-36/42 unten); -dass bei der Versicherten weder eine krankheitsrelevante depressive Problematik, noch eine krankheitsrelevante Angstproblematik oder somatoforme Problematik, noch eine länger dauernde Einschränkung der Lernfähigkeit vorliege (die depressive Symptomatik 2015-2016 sei vollständig abgeklungen); daraus und hinsichtlich der Befindlichkeitsschwankungen lasse sich keine Arbeitsunfähigkeit begründen (IV-act. 102-37/42 Mitte); -dass die Versicherte viele Ressourcen aufweise in Form von guten kognitiven und in- tellektuellen Fähigkeiten (wie Konzentrationsfähigkeit, Auffassung, Gedächtnis, Lern- fähigkeit, kreative Fähigkeiten, Ideenvielfalt, vgl. IV-act. 102-37/42 unten); -dass die Prüfung des psychischen Aktivitätsniveaus wegen mangelnder Auskunfts- und Kooperationsbereitschaft erschwert gewesen sei (IV-act. 102-37/42 unten); -dass hinsichtlich Anpassung an Regeln und Routinen/ Kompetenz und Wissensan- wendung/ Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit/ Proaktivität und Spontanaktivitäten/ Selbstbehauptungsfähigkeit/ Konversations- und Kontaktfähigkeit/ Selbstpflege und 21 Selbstversorgung/ Mobilität und Verkehrstauglichkeit keine Einschränkungen fest- stellbar gewesen seien (IV-act. 102-37/42 unten und 102-38/42 oben); -dass hingegen leichte Einschränkungen in der Planung und Strukturierung von Auf- gaben/ hinsichtlich Widerstands- und Durchhaltefähigkeit/ Fähigkeit zu dyadischen Beziehungen bestünden bzw. anzunehmen seien sowie bei Flexibilität und Umstel- lungsfähigkeit leichte Einschränkungen nicht ausgeschlossen werden könnten (IV- act. 102-37/42 unten, IV-act. 102-38/42 oben); -dass insgesamt aus psychiatrischer Sicht nur leichte qualitative Einschränkungen ausgewiesen seien (bedingt durch eine leichtgradig eingeschränkte Stress- und Frus- trationstoleranz, eine leichtgradig eingeschränkte emotionale Belastbarkeit sowie durch leicht eingeschränkte soziale Kompetenzen), welche bei einer angepassten Tätigkeit keine quantitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten (vgl. IV-act. 102-38/42 oben); -dass die 26-jährige Versicherte in einer angelernten, angepassten Hilfstätigkeit des freien Arbeitsmarktes zu 100% arbeitsfähig sei (IV-act. 102-38/42); -und dass als angepasste Tätigkeiten alle Arbeiten in Frage kämen, welche keine er- höhten Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, keine erhöhten Anfor- derungen an die emotionale Belastbarkeit sowie auch keine besonderen Anforderun- gen an die sozialen Kompetenzen stellen würden (IV-act. 102-38/42 unten). 2.15Der RAD-Psychiater Dr.med. U.________ beurteilte das psychiatrische Gutachten vom 6. Juni 2019 in der Stellungnahme vom 3. September 2019 als schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei, weshalb darauf abgestellt wer- den könne (IV-act. 104-6/6). 2.16Nach dem Vorbescheid vom 19. November 2019, wonach das Leistungs- begehren abzuweisen sei, reichte die Versicherte innert erstreckter Frist (unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes aufgrund der Corona-Situation) Einwän- de sowie eine kurze Stellungnahme des Mitarbeiters der ambulanten psychiatri- schen Pflege vom 20. März 2020 (welcher offenbar die Versicherte seit dem 30.9.2019 1x wöchentlich betreut) sowie eine Stellungnahme der die Versicherte regelmässig seit dem 22. Juli 2016 behandelnden Fachpersonen des P.________ N.________ (Dr.med. AA.________ und M.Sc. Z.________) vom 2. April 2020 ein. Im erwähnten P.________-Bericht wurden folgende Diagnosen gestellt (vgl. IV-act. 121-17/27): -Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, ängstlich vermeidenden und emotional-instabilen Zügen (F61.0); -Rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig mittelgradige Episode mit ausge- prägtem somatischem Syndrom (F33.11); -Sonstige näher bezeichnete Verhaltensstörung: exzessive Mediennutzung bzw. Onli- nesucht (F68.8). -St.n. Trichotillomanie (F63.3); -St.n. Mutismus in der Kindheit (F98.5); -Emotionale Vernachlässigung in der Kindheit durch beide Elternteile (Z62.4);22 -Probleme bei körperliche Misshandlung in der Kindheit durch den Vater (Z61.6). Auf die Herleitung/ Begründung dieser Diagnosen sowie der allfälligen Auswir- kungen auf die Frage der Arbeitsfähigkeit wird nachfolgend näher eingegangen, ebenso auf die Stellungnahme der Gutachterin vom 13. Juli 2020, welche aus den Einwänden der Versicherten (inkl. P.________-Bericht vom 2.4.2020 und Stellungnahme des Mitarbeiters der ambulanten psychiatrischen Pflege) keine neuen Aspekte oder Sachverhalte erkennen konnte, welche eine Änderung ihrer gutachtlichen Einschätzung zur Folge hätten (IV-act. 125-4/7). 3.1.1 Bei der gerichtlichen Würdigung der vorliegenden Unterlagen fällt zunächst auf, dass sowohl die Gutachterin, als auch die ambulant behandelnden P.________-Fachpersonen die gleiche Hauptdiagnose nach ICD-10 stellen, und zwar eine kombinierte Persönlichkeitsstörung im Sinne von F61. Diese Kategorie ist vorgesehen für Persönlichkeitsstörungen und Persönlichkeitsanomalien, die häufig zu Beeinträchtigungen führen, aber nicht die spezifischen Symptombilder der in F60 beschriebenen Störungen aufweisen. Daher sind sie häufig schwerer als die Störungen in F60 zu diagnostizieren (siehe Horst Dilling/Werner Mom- bour/Martin H. Schmidt, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD- 10 Kapitel V (F), 10. überarbeitete Auflage, Nachdruck 2020, S. 284 F61). Hinsichtlich der diagnostischen Kriterien für eine F61-Diagnose verhält es sich so, dass kein Versuch unternommen wurde, standardisierte Kriterien für diese gemischten Störungen zusammenzustellen (vgl. Horst Dilling/Harald J. Freyber- ger, Taschenführer zur ICD-10 Klassifikation psychischer Störungen, 9. Aktuali- sierte Auflage, 2019, S. 248). 3.1.2 Die Gutachterin präzisierte die Diagnose der kombinierten Persönlich- keitsstörung mit schizoiden, narzisstischen und emotional abhängigen Zügen (IV- act. 102-26/42), während die P.________-Behandler diese Persönlichkeitss- törung mit schizoiden, ängstlich vermeidenden und emotional-instabilen Zügen ergänzten (siehe vorstehend Erw. 2.16). Einigkeit besteht somit hinsichtlich der schizoiden Anteile und dass die Versicherte hinsichtlich Emotionalität eine auffäl- lige Verhaltensweise aufweist, welche als "emotional abhängig" (gemäss Gutach- terin) bzw. "emotional-instabil" (gemäss P.________-Behandler) beurteilt wird. Dass diesbezüglich die Standpunkte nicht weit auseinanderliegen, dokumentie- ren die Aussagen der Gutachterin (Gutachten S. 26, S. 29, S. 30 und S. 35), wo- nach auch "emotional instabile Persönlichkeitsmerkmale festgestellt werden" (IV- act. 102-26/42 unterhalb der Mitte,102-29/42 unten; 102-30/42 oben; 102-35/42 unten).23 Eine Divergenz besteht hinsichtlich der Fragestellung, ob der Versicherten (gemäss Gutachterin) narzisstische Züge oder (gemäss P.________-Behandler) ängstlich vermeidende Züge zuzuordnen sind (darauf ist noch zurückzukom- men). 3.2.1 Eine weitere, stärker ins Gewicht fallende Divergenz ist darin zu erblicken, dass die Gutachterin davon ausgeht, dass die 2015 und 2016 aufgetretene de- pressive Symptomatik unter adäquater Behandlung zwischenzeitlich remittiert sei (vgl. IV-act. 102-26/42, 102-36/42 oben, 102-37/42 oberhalb der Mitte). 3.2.2 Demgegenüber wird im P.________-Bericht vom 2. April 2020 eine in den letzten Monaten aufgetretene Exazerbation der depressiven Symptomatik vorge- bracht, wonach die Versicherte u.a. zunehmend bedrückt wirke, von Dauerer- schöpfung, erhöhter Ermüdbarkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Tag-Nacht- Umkehr, exzessivem Grübeln, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen sowie Interessenverlust auch für sonst angenehme Tätigkeiten berichte (zit. Bericht, S. 3 oben). 3.2.3 Diesen Vorbringen der P.________-Behandler wird von der Gutachterin in ihrer Stellungnahme vom 13. Juli 2020 hauptsächlich entgegengehalten, dass im genannten Bericht kein psychopathologischer Befund enthalten sei und die gel- tend gemachte Dauererschöpfung/ erhöhte Ermüdbarkeit zu den ebenfalls be- richteten stundenlangen Aktivitäten am Computer nicht passe (IV-act. 125-3/7 oben). 3.2.4 Dieser Einwand der Gutachterin bezüglich Erschöpfung/ Ermüdung ist be- zogen auf die Beschäftigungen mit dem Computer an sich nachvollziehbar, aller- dings verkennt die Gutachterin, dass die P.________-Behandler zusätzlich als nicht näher bezeichnete Verhaltens- bzw. Persönlichkeitsstörung im Sinne von ICD-10 F68.8 eine exzessive Mediennutzung bzw. Onlinesucht kodiert haben, was offenkundig mit den umfangreichen Computer-Aktivitäten vereinbar ist. Sodann begründen die P.________-Behandler die aktuelle (in Verbindung mit ei- nem somatischen Syndrom aufgetretene) mittelgradige depressive Episode mit weiteren Aspekten (siehe oben), zu welchen die Gutachterin in ihrer Stellung- nahme vom 13. Juli 2020 nicht substantiiert Stellung genommen hat. Dies war bzw. ist ihr grundsätzlich gar nicht möglich, nachdem sie die Versicherte letzt- mals beim Explorationsgespräch vom 10. April 2019 (siehe IV-act. 102-2/42) ge- sehen und seither - nach der Aktenlage - keinen Kontakt mit der Versicherten hatte. Damit kann sie zum weiteren Verlauf nach dem erwähnten Explorations- gespräch höchstens nach der Aktenlage Stellung nehmen, wozu namentlich auch gehört, dass die Versicherte wöchentlich seit Herbst 2019 von einem Mit-24 glied der ambulanten psychiatrischen Spitex zuhause besucht wird (was eine Verschlechterung dokumentiert, nachdem zuvor keine solche wöchentliche Be- gleitung nötig war). Diese Fachperson hat - unabhängig von den P.________- Behandlern - in einem Kurzbericht vom 20. März 2020 auf klare Verwahrlosungs- tendenzen und innere Blockaden der Versicherten hingewiesen, welche die Haushaltführung bzw. die Erfüllung von einfachen Aufträgen massgeblich er- schweren (IV-act. 121-16/27). Bei dieser Sachlage kann die Gutachterin die zeitlich nach der Erstattung des Gutachtens vorgebrachte bzw. (gemäss der Aktenlage) aufgetretene Verschlech- terung im Sinne einer erneut aufgetretenen depressiven Symptomatik weder da- mit wegdiskutieren, dass sie bei der Untersuchung vom 10. April 2019 keine de- pressiven Symptome feststellen konnte, noch damit, dass sie den Akten keine Veränderung der Behandlung/ Medikation entnehmen konnte (IV-act. 125-3/7), zumal sie die nach der Begutachtung eingerichtete wöchentliche Betreuung durch eine ambulante psychiatrische Spitex ausblendet. Aus dem Umstand, wo- nach die Gutachterin im April 2019 keine Notwendigkeit einer ambulanten psych- iatrischen Spitex erkennen konnte (IV-act. 125-4/7 oben), kann nicht schlüssig abgeleitet werden, dass dies im Folgejahr (vor dem Erlass der Verfügung vom 25.8.2020) weiterhin gleichermassen der Fall sei (und in diesem Sinne aus der Sicht der Gutachterin eine solche psychiatrische Betreuung - entgegen der Auf- fassung der mit der Behandlung betrauten Personen - nicht indiziert sei). Viel- mehr ist in dieser Konstellation den aktuelleren Angaben der P.________- Behandlern sowie der Fachperson der ambulanten psychiatrischen Spitex mehr Gewicht beizumessen (als einer rund 1 Jahr früher verfassten gutachtlichen Ein- schätzung). Für dieses Ergebnis sprechen zudem auch die nachfolgend dargelegten Erwä- gungen. 3.3Die Hauptdivergenz zwischen der Gutachterin und den ambulanten Be- handlern ist darin zu erblicken, dass letztere den erwähnten Diagnosen eine (massiv einschränkende) Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugestehen, der- weil die Gutachterin den Standpunkt vertritt, dass die diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung völlig ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei. 3.3.1 Angelpunkt für diese Einschätzung der Gutachterin bildet ihre Argumenta- tion, wonach sinngemäss die Versicherte im zeitlichen Verlauf und bei der Be- gutachtung nicht jeweils die genau gleichen Gründe erwähnt habe, welche dazu geführt hätten, dass sie drei verschiedene Hochschulausbildungen nach kurzer Zeit abgebrochen hat. Nach ihrer Einschätzung könnten solche Inkonsistenzen 25 zu den Gründen für diese drei Studienabbrüche keinem psychischen Krankheits- bild zugeordnet werden (IV-act. 102-28/42 unten; 102-31/42 oben). 3.3.2 Indessen verkennt die Gutachterin in diesem Zusammenhang, -dass nach dem 1. Semester des Informatik-Studiums die Hausärztin sich veran- lasst sah, die Versicherte für eine psychotherapeutische Behandlung dem Psychia- ter K.________ zuzuweisen (IV-act. 121-26/27); -dass dieser Psychiater bei der damals 20-jährigen Versicherten eine depressive Symptomatik sowie (u.a. aufgrund eines skurril anmutenden Denkmusters) den Verdacht auf eine beginnende kombinierte Persönlichkeitsstörung diagnostizierte sowie einen psychotherapeutischen Behandlungsbedarf feststelle, allerdings die Versicherte sich misstrauisch und vermeidend verhielt und im Ergebnis sich nicht hinreichend (sondern nur kurz) auf das Behandlungsangebot einlassen konnte (IV- act. 121-26/27); -dass - nachdem die Versicherte ein Psychologie-Studium aufgenommen hatte und sich wegen Schlafproblemen gemeldet hatte - sich die Hausärztin veranlasst sah, die Versicherte der ambulanten Kriseninterventionsstation der Psychiatrischen Universitätsklinik V.________ zuzuweisen (IV-act. 11-18/18); -dass dieses Kriseninterventionszentrum einen psychotherapeutischen Behand- lungsbedarf (inkl. medikamentöse Einstellung) feststellte und die Versicherte einer Fachperson in der Nähe des Ortes, wo sich die Versicherte als Wochenaufenthal- terin lebte, zugewiesen hat (IV-act. 11-16f./18); -dass dieser beauftragte Psychiater zum Ergebnis kam, dass die Versicherte das Studium "wegen psychischen Problemen" abbrechen musste (IV-act. 11-7/18, Ziff. 1.1); -dass dieser Psychiater das ambulante Setting als unzureichend beurteilte und ver- anlasste, dass die Versicherte sich noch während der Immatrikulation stationär in der Klinik O.________ behandeln liess (IV-act. 10); -dass im Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik O.________ vom 5. Juli 2016 explizit festgehalten wurde, dass die Versicherte das Psychologie-Studium "krank- heitsbedingt" unterbrochen habe (IV-act. 13-1/4); -dass auch der Regionale Ärztliche Dienst (RAD AC.________) die Auffassung ver- trat, dass "die Versicherte aus behinderungsbedingten Gründen das Studium habe abbrechen müssen" (IV-act. 28 oben und IV-act. 82-2/4 unten); -und dass im Bericht der zuständigen IV-Berufsberaterin vom 29. Juli 2017 die Stu- dienabbrüche der andauernden psychischen Instabilität zugeschrieben wurden (IV- act. 30-1/2). Im Lichte all dieser Angaben kann der Auffassung der Gutachterin, wonach sinn- gemäss der psychische Gesundheitszustand der Versicherten für die Studien- abbrüche irrelevant sei, nicht beigepflichtet werden. Dies gilt erst recht, als der RAD-Psychiater Dr.med.univ. Dr.phil. AB.________ in einer Stellungnahme vom 16. Dezember 2016 den psychischen Zustand der Versicherten "als Anpas-26 sungsstörung mit längerdauernder depressiver Reaktion" beurteilte und - auch wenn er eine Persönlichkeitsstörungsdiagnose als verfrüht erachtete (weil die Hirn- bzw. Persönlichkeitsentwicklung bei der damals 23-jährigen bzw. bald 24.- jährigen Versicherten noch nicht abgeschlossen sei) - von "reaktiven psychi- schen Instabilitäten und innerpsychischen Turbulenzen" sprach, welche "aktuell sicher für eine Partizipation am Arbeitsleben hinderlich" seien (IV-act. 19-4/4). Im Einklang damit steht auch die Beurteilung im Austrittsbericht vom 5. Juli 2016 nach der zweiten Hospitalisation in der Klinik in O.________ (11.5.16 - 6.7.16), wo ausgeführt wurde, dass die Versicherte aufgrund der reduzierten Belastbar- keit, Frustrationstoleranz und Konzentrationsfähigkeit sowie infolge des einge- schränkten Durchhaltevermögens aktuell (einer Ausbildung mit) Prüfungsdruck kaum gewachsen sei; vielmehr wurde eine berufliche Integrationsmassnahme vorerst im geschützten Rah-men im Umfange von ca. 4 Stunden pro Tag emp- fohlen (IV-act. 13-4/4 oben). 3.4.1 In diesem Zusammenhang überzeugt die Argumentation in der Beschwer- de (S.8f. i.V.m. dem P.________-Bericht vom 2.4.2020), wonach die manifeste depressive Symptomatik als stressbedingt ausgelöst zu beurteilen sei, während für das Scheitern der Versicherten beim Hochschulstudium die "darunterliegen- de" pathologische Persönlichkeitsstruktur ursächlich gewesen sei dürfte. Die Versicherte habe aus Angst vor den Massen an Studierenden keinerlei Vorle- sungen, Seminare oder Tutorate besucht und stattdessen gemeint, das Studium über Podcasts und Skripts bewältigen zu können. Dass gerade der Austausch und das Lernen mit anderen Studierenden für die selektierenden Zwischenprü- fungen sehr hilfreich gewesen wäre, habe sie selber nicht einschätzen können. Hinsichtlich der gescheiterten Ausbildungen (Informatik/ Psychologie) bestehe folgende Diskrepanz, mit welcher die Versicherte leben müsse: Einerseits verfü- ge sie über eine solide Intelligenz und gute Sprachbegabung (womit sie ihr Stu- dium hätte bewältigen können), andererseits sei sie bei diesen Studienrichtun- gen, wo eigene Planung, Strukturierung und soziale Vernetzung gefordert gewe- sen wären, innert kurzer Zeit gescheitert. Um diese Diskrepanz aushaltbar zu machen und sich nicht mit dem eigenen Kranksein auseinandersetzen zu müs- sen, externalisiere die Versicherte und mache andere Gründe für ihre Studienab- brüche geltend (verpasste Fristen wegen Stirnhöhlenentzündung, Erkrankung der Mutter, psychosomatische Symptome). Letztlich sei das Scheitern nicht auf Faulheit oder mangelnde Motivation zurückzuführen, sondern auf die Schwierig- keit oder Unfähigkeit der Versicherten, sich selbst und das Umfeld richtig einzu- schätzen, zu verstehen und darauf adäquat zu reagieren (IV-act. 121-20f./27).27 3.4.2 Eine solche nach den konkreten Umständen einleuchtende Externalisie- rung (betreffend die erwähnten Studienabbrüchen) hat die Gutachterin weder in ihrem Gutachten erwogen, noch sich in ihrer Stellungnahme vom 13. Juli 2020 (nach Kenntnisnahme des P.________-Berichts vom 2.4.2020) damit substanti- iert befasst (vgl. IV-act. 125-4f./7 betreffend Ziff. 3). 3.4.3 Mit diesem dargelegten Verhalten der Versicherten (betr. Externalisierung) geht letztlich aber auch eine eingeschränkte Einsicht der Versicherten hinsicht- lich der kombinierten Persönlichkeitsstörung mit schizoiden Anteilen (etc.) einher. Wie im P.________-Bericht vom 2.4.2020 nachvollziehbar dargelegt wurde, weist die Versicherte eine schwere Störung der Affektivität auf; es imponieren Affekt- verflachung zusammen mit Affektarmut, welche subjektiv von der Versicherten als anhaltendes Gefühl der Gefühllosigkeit erlebt wird. Als Gründe dafür werden die massive emotionale Vernachlässigung in der Primärfamilie und regelmässige Misshandlung durch den Vater vermutet, welche innerpsychisch eine Abspaltung der Gefühlsempfindungen bewirkten, dies um den Preis der Lebendigkeit sowie der Reifung und Entwicklung. (…) Die Versicherte habe wiederholt berichtet, ihre Gefühle kaum zu spüren und oft nur erahnen zu können. Stattdessen würde sie auf psychischen Stress vorwiegend psychosomatisch reagieren. Die Versicherte erlebe ihre schizoiden Anteile als ihrer Persönlichkeit zugehörig (ich-synton), wo- durch ihr weitgehend eine Krankheitseinsicht fehle (IV-act. 121-18/27). Dieser überzeugenden Einschätzung ist beizupflichten, weshalb den von der Gutachterin thematisierten Inkonsistenzen hinsichtlich der Studienabbrüchen keine relevante Bedeutung beigemessen werden kann. Damit entfällt ein wesent- liches Element, auf welchem die Gutachterin ungeachtet der von ihr gestellten Diagnosen eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 100% (für angepasste Tätigkeiten) herleitet. Anzufügen ist, dass die Gutachterin immerhin anerkannt hat, dass Tätigkeiten, welche erhöhte Anforderungen an die Stress- und Frustra- tionstoleranz, an die emotionale Belastbarkeit sowie an soziale Kompetenzen stellen, für die Versicherte nicht in Frage kommen (IV-act. 102-38/42 unten). 3.5Soweit die Gutachterin aus den nachfolgend aufgeführten Aspekten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit postuliert, sind dazu die folgenden Argumente entgegenzuhalten. 3.5.1 Soweit die Gutachterin das Interaktionsverhalten der Versicherten als sehr auffällig beurteilte und der Versicherten anlastete, wenig kooperativ gewesen zu sein und Fragen (zur Krankheitsgeschichte und zum Verlauf der psychischen Beschwerden) nur kurz und teilweise einsilbig beantwortet zu haben, demge- genüber aber sich zur Lebensgeschichte und Darstellung konflikthafter Bezie-28 hungen spontan (ausführlicher) geäussert zu haben (vgl. IV-act. 102-23/42; siehe auch IV-act. 102-30/42 oben, zur Krankheitsanamnese), verkennt sie, dass ein solches passives Verhalten mit einsilbigen Antworten bereits während der Hospi- talisation in der Klinik O.________ thematisiert und dort grundsätzlich als Be- standteil des Störungsbildes verstanden wurde (vgl. IV-act. 13-3/4). Wenn die Versicherte gegenüber der Gutachterin auf Fragen zum bisherigen Verlauf der psychischen oder psychosomatischen Beschwerden sowie zum Belastbarkeits- training - trotz wiederholtem Nachfragen - wenig konkret, vage und wenig aussa- gekräftig antwortete (IV-act. 102-24/42) kann daraus nicht schlüssig auf Aggrava- tionstendenzen gefolgert werden (IV-act. 102-24/42 unten), wenn das oben er- läuterte Externalisierungsverhalten der Versicherten weder thematisiert noch ge- prüft wurde. Dass die Versicherte offenbar höchst ungern über den Verlauf der psychischen Probleme und Behandlungen spricht (und deswegen knapp und einsilbig antwortet), hängt mutmasslich auch damit zusammen, dass es ihr schwerfällt, um Hilfe zu suchen und anzunehmen, wie bereits während des stati- onären Aufenthalts in der Klinik O.________ darauf hingewiesen wurde (IV-act. 13-3/4 Mitte). Analog notierte auch die Assistenzärztin des ambulanten Krisenin- terventionszentrums (PUK) am 21. April 2015, dass sich die Versicherte im Kon- takt zurückhaltend und introvertiert präsentierte (IV-act. 11-16/18 unten). 3.5.2 Soweit die Gutachterin hinsichtlich der Diagnose der kombinierten Persön- lichkeitsstörung die von den P.________-Behandlern vorgebrachten und thema- tisierten "ängstlich-vermeidenden Anteile" in Abrede stellt und namentlich im Gutachten ausdrücklich ausführte, aus gutachterlicher Sicht sei nicht nachvoll- ziehbar, was die Behandler der O.________ mit dem wiederholt präsentierten Begriff "Vermeidungsverhalten" gemeint hätten bzw. worauf sich dieses Vermei- dungsverhalten bezog (vgl. IV-act. 102-32/42), ist der Gutachterin vorzuhalten, dass sie selber in ihren Untersuchungsbefunden (Abschnitt: Psychopathologi- scher Befund) festgehalten hat (IV-act. 102-25/42, Fettdruck nicht im Original): Im inhaltlichen Denken präsentierte die Explorandin ein eigenwillig anmutendes subjektives Krankheitskonzept, aus dem ein inadäquates Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten (vor allem in Bezug auf eine Erwerbstätigkeit) resultierte. Analog erwähnte die Gutachterin unter Ziffer 7.2 ihres Gutachtens (Beurteilung des bisherigen Verlaufs) ein maladaptives Krankheits-, Schon- und Vermei- dungsverhalten (vgl. IV-act. 102-35/42 oben). Demgegenüber führte die Gutachterin in ihrer Stellungnahme vom 13. Juli 2020 aus, dass sie bei der Explorandin ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitszüge nicht habe identifizieren können (siehe IV-act. 125-4/7 oben). Diese Schlussfol- gerung vermag in Anbetracht der vorstehenden Ausführungen der Gutachterin nicht zu überzeugen.29 3.5.3 Soweit im Gutachten (S. 32 unten) ausgeführt wurde, es sei nicht nach- vollziehbar, weshalb nach der stationären Behandlung in O.________ die Versi- cherte das Belastbarkeitstraining (angesichts der beschriebenen stabilen Verfas- sung) nur in einem reduzierten Pensum absolviert habe (IV-act. 102-32/42), übersieht die Gutachterin, dass der RAD-Psychiater Dr.med. univ. Dr.phil. AB.________ selber empfahl, angesichts der beträchtlichen Dekonditionierung mit einem 50%igen Pensum zu beginnen (IV-act. 19-4/4 in fine). 3.5.4 Dass in der Folge im Rahmen des Belastbarkeitstrainings keine anhalten- de Verbesserung/ Erhöhung des Pensums gelang, kann verschiedene Gründe haben, wobei die von der Gutachterin postulierten Erklärungen ("manipulative Tendenzen in Bezug auf die Begründung der Ausfälle im Arbeitstraining", IV-act. 102-33/42, oder "motivationale Faktoren", vgl. IV-act. 125-5/7 Ziff. 4 in fine) der Aktenlage nicht gerecht werden. Denn zum einen wurde im P.________-Bericht vom 11. Juni 2018 nachvollziehbar dargelegt, dass die zunächst im Arbeitstrai- ning konstatierte erfreuliche Entwicklung jäh unterbrochen wurde, als die Mitbe- wohnerin der Versicherten ihren Auszug aus der gemeinsamen Wohnung ankündigte und dadurch ein unterstützender psychosozialer Faktor wegfiel (IV- act. 72-1/2 unten). Zum andern beurteilte der die Versicherte begleitende Job- Coach die psychische Belastbarkeit als niedrig (IV-act. 74-4/11 Mitte; analog IV- act. 78), was nicht mit fehlender Motivation zu verwechseln ist. In den Akten wird darauf verwiesen, dass sinngemäss die Versicherte im Zu- sammenhang mit der regelmässigen Erinnerung an den Tod ihrer Mutter immer wieder in eine Krise geraten sei bzw. deswegen weniger oft am Arbeitstraining teilgenommen bzw. gefehlt habe (vgl. IV-act. 48 oben; 74-3/11 unten; 78 unten). Daran bzw. an den Bericht der Berufsberaterin vom 28. November 2017 anknüp- fend (wonach die Versicherte "nochmals eine krisenhafte psychische Entwicklung im Zusammenhang mit dem Todestag der Mutter zeigte", vgl. IV-act. 48), machte die Gutachterin geltend, dass diese Begründung nicht nachvollziehbar sei, zumal die Mutter der Explorandin im ________ 2016 verstorben sei (IV-act. 102-33/42 oben). Daraus (und aus weiteren Berichten mit unzutreffenden Angaben zum Todestag der Mutter) leitete die Gutachterin weitere Inkonstistenzen bzw. mani- pulative Tendenzen der Versicherten ab (IV-act. 102-33/42 oben). Einmal abge- sehen davon, dass die betreffenden Berichte, auf welche sich die Gutachterin in diesem Zusammenhang abstützt, nicht von der Versicherten stammen und des- halb nicht ausgeschlossen ist, dass die Berichtverfasser den betreffenden Sach- verhalt verkürzt oder ungenau wiedergegeben haben, übersieht die Gutachterin vor allem, dass die Mutter der Versicherten an einem ________ (1954) geboren wurde. Dass die Versicherte im Umfeld des Datums vom ________ (als Geburts-30 tag ihrer verstorbenen Mutter) regelmässig an die Mutter und die belastenden Umstände des Todes (begleiteter Suizid am ________2016) erinnert wurde bzw. wird und deswegen (auch im November/Dezember) in eine (nicht schnell vorü- bergehende) Krise gerät, erweist sich ohne weiteres als nachvollziehbar. In die- sem Sinne kann die Gutachterin aus teilweise ungenauen Angaben zum Todes- tag grundsätzlich nichts für ihr Begutachtungsergebnis ableiten, zumal es weitere Vorkommnisse (nicht nur Todes- oder Geburtstag der Verstorbenen) geben kann, welche die (schmerzliche) Erinnerung an den begleiteten Suizid der Mutter hervorrufen können. Dies gilt erst recht, als die Versicherte nach der Aktenlage - einmal abgesehen von den Klinikaufenthalten - an der Pflege der terminal er- krankten Mutter beteiligt war, was für die damals 23-jährige Versicherte offen- kundig massiv belastend war. 3.5.5 Ferner kann aus dem Umstand, wonach keine medikamentöse Anpassung der schlafanstossenden Medikation (Trittico) vorgenommen wurde (IV-act. 102- 33/42), nicht schlüssig abgeleitet werden, dass keine massiven Schlafstörungen aufgetreten seien. Dies würde (e contrario) grundsätzlich auf eine unzulässige "post hoc ergo propter hoc"-Argumentation hinauslaufen (in dem Sinne, dass weil keine Medikamentenanpassung vorgenommen wurde deswegen die Schlaf- störungen nicht zugenommen hätten; vgl. zu dieser Thematik BGE 119 V 335 Erw. 2b/bb S. 341). Analog geht es grundsätzlich auch nicht an, aus dem Umstand, wonach seit dem Austritt aus der Klinik O.________ kein weiterer Aufenthalt in einer psychiatri- schen Klinik mehr folgte, abzuleiten, dass eine wesentliche Besserung und Stabi- lisierung des psychischen Zustandes der Versicherten eingetreten sei (vgl. IV- act. 102-34/42 Ziff. 7.2, 2. Abs.). Im Gegenteil erwecken die Angaben in den vor- liegenden Akten den Eindruck, dass sich die Situation verschlechtert hat (Unter- stützungsbedarf durch die psychiatrische Spitex, zunehmende Absenzen/ Ausfäl- le beim Belastungstraining), was grundsätzlich für eine erneute stationäre Be- handlung spricht (siehe dazu auch noch nachfolgend). 4.1Aus all diesen Gründen kann dem Ergebnis des vorliegenden Gutachtens vom 6. Juni 2019, wonach sinngemäss die Versicherte ungeachtet der dargeleg- ten Einschränkungen ihres psychischen Gesundheitszustandes dennoch als zu 100% arbeitsfähig zu betrachten sei, nicht beigepflichtet werden. Mit anderen Worten hat sich die Vorinstanz zu Unrecht (ausschliesslich) auf das hinsichtlich der Festlegung des massgebenden Arbeitsfähigkeitsgrads nicht überzeugende Gutachten abgestützt. Dies gilt erst recht, als die Ausführungen in der Beschwer- de zum strukturierten Beweisverfahren (S. 14ff. Ziff. 4) weitgehend einleuchten, namentlich sinngemäss:31 -dass aufgrund des P.________-Berichts vom 2. April 2020 von einem relevanten Gesundheitsschaden mit einem hohen funktionellen Schweregrad auszugehen ist; -dass eine beschränkte Krankheitseinsicht der Versicherten besteht; -und dass (anstelle von Aggravation) vielmehr der Einschätzung der Behandler zu folgen ist, dass die Versicherte (pathologisch) versucht, "eine Fassade aufrecht- zuerhalten, was ihr jedoch nicht bewusst" ist. 4.2Bevor aber ein neues Gutachten zur Evaluierung des massgebenden Ar- beitsfähigkeitsgrades der Versicherten in die Wege geleitet wird, drängt es sich nach der konkreten Aktenlage auf, bei dieser jungen Versicherten (mit Jahrgang 1993 und noch ohne Berufsabschluss) zunächst noch eine geeignete stationäre Behandlung für eine anhaltende Stabilisierung durchzuführen. Die letzte Hospita- lisation endete am 6. Juli 2016 und damit wenige Wochen nach dem begleiteten Suizid der Mutter. Die seither durchgeführten ambulanten Behandlungen reichten nach der Aktenlage offenkundig nicht aus, um die oben angesprochene Ver- schlechterung bzw. die zunehmenden Ausfälle/Absenzen beim Belastungstrai- ning aufzufangen. Bei dieser Sachlage wäre es - retrospektiv gesehen - schon viel früher geboten gewesen, die Versicherte erneut stationär zu behandeln (was notabene auch von der Gutachterin kurz erwogen wurde [vgl. IV-act. 102-31/42 oberhalb der Mitte sowie IV-act. 102-34/42 Ziff. 7.2, 2. Abs.], allerdings dann aber nicht weiterverfolgt wurde). Eine erneute stationäre Behandlung hätte sich nach der Aktenlage im Rahmen der eingetretenen Verschlechterung im Zusammen- hang mit dem Auszug der Mitbewohnerin aus der gemeinsamen Wohnung auf- gedrängt, spätestens aber dann, als Probleme durch die fehlende Tagesstruktur, stundenlanges Verweilen am Computer, Tag-Nacht-Umkehr, Blockaden der Ver- sicherten durch Ängste und Panikattacken etc. erkennbar wurden. In Anbetracht des Alters und der belastenden Vorgeschichte erachtet das Gericht eine längere stationäre Behandlung, welche auf eine anhaltende Stabilisierung und eine an- gepasste berufliche Eingliederung (mit hinreichender Tagesstruktur) ausgerichtet ist, als unerlässlich, zumal die Chancen für eine solche anhaltende Stabilisierung (im Vergleich zur letzten Hospitalisation) deshalb grundsätzlich als besser beur- teilt werden, weil nunmehr der begleitete Suizid der Mutter mehr als 4 ½ Jahre zurückliegt und die Versicherte entsprechend auch älter geworden ist. Dieses Ergebnis ist auch mit dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" vereinbar, wel- cher besagt, dass vor der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen eine Rente nur gewährt werden darf, wenn die versicherte Person wegen ihres Ge- sundheitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist (vgl. Urteil des Bundes- gerichts 9C_108/2012 vom 5.6.2012 Erw. 2.2 mit Hinweisen, u.a. auf BGE 121 V 190 Erw. 4a).32 Im Übrigen ist anzufügen, dass das Ergebnis der angefochtenen Verfügung, ge- stützt auf das erwähnte Gutachten [mit der Schlussfolgerung einer 100%igen Ar- beitsfähigkeit] die Versicherte "sich selbst zu überlassen", einer gerichtlichen Überprüfung in IV-Sachen nicht standhält. 4.3Zusammenfassend ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die an- gefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückge- wiesen wird. Mit dieser Rückweisung wird von der Versicherten gefordert, dass sie sich einer längeren stationären Behandlung in einer geeigneten psychiatri- schen Klinik für eine anhaltende Stabilisierung sowie im Hinblick auf eine ange- passte berufliche Eingliederung (mit hinreichender Tagesstruktur) unterzieht. Da- zu hat die IV-Stelle nötigenfalls ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren einzuleiten. Mit dieser Rückweisung wird auch ein befristeter Rentenanspruch als geboten erachtet, wobei hinsichtlich des derzeit massgebenden Arbeitsfähigkeitsgrades für die Versicherte, welche eine persönlichkeitsstrukturelle Vulnerabilität aufweist (IV-act. 102-30/42 oben, IV-act. 102-37/42 Mitte), vorderhand von der Einschät- zung gemäss dem P.________-Bericht vom 2. April 2020 (S. 5, Ziff. 5) auszuge- hen ist, wonach aktuell für eine angepasste Tätigkeit im 1. Arbeitsmarkt maximal 30% anzunehmen sind (IV-act. 171-21/27). Wie sich die Situation nach der hier geforderten längeren stationären Behand- lung präsentieren wird, wird dannzumal neu zu beurteilen sein, wobei gegebe- nenfalls dann noch ein neues Gutachten (bei einer anderen Fachperson) einzu- holen sein wird. 4.4Diesem Ergebnis entsprechend werden die Verfahrenskosten der IV-Stelle auferlegt. Zudem hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschä- digung. Für die Höhe des Honorars ist auf den kantonalen Gebührentarif für Rechtsanwälte (GebTRA, SRSZ 280.411) abzustellen, welcher für das Honorar in Verfahren vor dem Verwaltungsgericht in § 14 einen Rahmen von Fr. 300.-- bis Fr. 8'400.-- vorsieht. Nach § 2 GebTRA ist die Vergütung nach der Wichtigkeit der Streitsache, ihrer Schwierigkeit, dem Umfang und der Art der Arbeitsleistung sowie dem notwendigen Zeitaufwand zu bemessen. Unter Berücksichtigung all dieser Aspekte ist die von der Vorinstanz zu bezahlende Parteientschädigung ermessensweise auf Fr. 2'300.-- festzulegen. 5.Was die Rechtsmittelbelehrung anbelangt, drängen sich folgende Bemer- kungen auf. Nachdem es sich vorliegend nicht um einen kantonalen Endent- scheid, sondern um einen Rückweisungsentscheid handelt, welcher grundsätz- lich nur unter den Voraussetzungen von Art. 93 BGG anfechtbar ist, erscheint es fraglich, ob der vorliegende Entscheid direkt mit einer Beschwerde ans Bundes-33 gericht anfechtbar wäre. Um allen Eventualitäten gerecht zu werden, wird der vorliegende Entscheid dennoch mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen, wobei daraus bei einem allfälligen Weiterzug nichts abgeleitet werden kann.34 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung aufge- hoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen, damit sie im Sin- ne der Erwägungen vorgehen und vorderhand einen befristeten Rentenan- spruch festlegen kann. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- werden der Vorinstanz auferlegt. Dies wird zahlungsverkehrsmässig so umgesetzt, dass das Gericht den von der Beschwerdeführerin bezahlten Kostenvorschuss von Fr. 500.-- einbehält und die Vorinstanz der Beschwerdeführerin bzw. ihrer Rechtsvertreterin noch Fr. 500.-- zu bezahlen hat. 3. Der beanwalteten Beschwerdeführerin wird zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 2'300.-- zugesprochen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht, BGG, SR 173.110; siehe aber auch Er- wägung 5). 5. Zustellung an: -die Vertreterin der Beschwerdeführerin (2/R) -die Vorinstanz (R) -und das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV, 3003 Bern (A). Schwyz, 11. Dezember 2020 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die a.o. Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 22. Dezember 2020