Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juni 2016 (725 16 23) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Abweisung der Beschwerde. Die SUVA hat die Invalidenrente des Beschwerdeführers zu Recht aufgehoben. Bei allen vorgenommenen Berechnungen (Valideneinkommen ge- mäss LMV, LSE 2010 oder Lohnauskünften) erreicht der Versicherte keinen Invaliditäts- grad von mindestens 10%. Die Sachverhaltsänderung ist auch erheblich im Sinne der Rechtsprechung, da sich der Invaliditätsgrad seit der ursprünglichen Rentenzusprache um mehr als 5 Prozentpunkte verringert hat. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dominik Zehntner, Advo- kat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.1 Der 1967 geborene A.____ war seit 24. Mai 1988 bei der B.____ als Maschinenschlos- ser angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweize rischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen un d Berufskrankheiten versichert. Am 5. Juli 1995 war er mit der Endmontage des Werkhofkran s beschäftigt. Beim Einfädeln des Hubseils zwischen einer Strebe des Auslegers und der Laufkatze machte der Versicherte einen Fehltritt und klemmte sich das linke Bein ein. Gemäss der kreisärztlichen Untersuchung vom 6. September 1995 zog sich A.____ am linken Unterschenkel eine grosse Risswunde und ein Décollement semizirkulär zu. In der Folge gewährte die SUVA A.____ mit Verfügung vom 19. Juli 1997 ab dem 1. Juli 1997 eine Invalidenrente gestützt auf eine Erwerbsunfähigkeit von 15%. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. A.2 Mit Verfügung vom 28. Oktober 2015 teilte die SUV A A.____ mit, dass die Invalidität aufgrund von Art. 22 UVG bzw. Art. 17 ATSG überprüft worden sei. Die Überprüfung der Ar- beits- und Verdienstverhältnisse habe ergeben, dass die Erwerbsfähigkeit heute – obwohl noch Unfallfolgen vorliegen würden – nicht mehr beeinträch tigt sei. Ohne Unfall hätte A.____ im Jahr 2006 bei der B.____ AG einen Verdienst von Fr. 75‘41 3.-- (Fr. 5‘801.-- x 13) erzielen können. Würde man diesen Verdienst auf das Jahr 2015 indexier en, ergäbe sich ein mutmasslicher Verdienst von Fr. 83‘504.--. Vergleiche man diesen V erdienst mit dem effektiven Verdienst von Fr. 77‘155.-- (Fr. 5‘935.-- x 13), so resultiere ein e nicht erhebliche Erwerbseinbusse von 7,6%. Alternativ sei für die Berechnung des Valideneinkomme ns auf den Gesamtarbeitsvertrag abzu- stellen. Danach würde der Versicherte heute als Kranfüh rer mit Berufsausweis einen Verdienst von Fr. 73‘668.-- erzielen können (2014 = Fr. 73‘229. -- + 0,6% Teuerungszulage für das Jahr 2015). Aufgrund dieser Verdienstvergleiche hob die SUVA die Rente ab 1. November 2015 auf. A.3 Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache w urde mit Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2015 abgewiesen. Zur Begründung führte die SUVA aus, die B.____ AG existie- re nicht mehr. Gemäss Rechtsprechung sei demnach auf Tabellenlöhne abzustellen. Die SUVA errechnete den Validenlohn in der Höhe von Fr. 83‘040 .05 gestützt auf den Landesmantelver- trag für das schweizerische Bauhauptgewerbe (LMV) 2012- 2015 und auf die Lohnklasse V (Vorarbeiter). Verglichen mit dem nicht bestrittenen Invalidenlohn von Fr. 77‘155.-- resultiere ein Invaliditätsgrad von 7,1%. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dom inik Zehntner, am 26. Januar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 22. Dezember 2015 aufzuheben und die Beschwerdege gnerin zu verpflichten, die per 1. November 2015 aufgehobene Invalidenrente weiterhin auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, hauptsächlich die Tatsache, dass lediglich die Mindestlöhne im Baugewerbe für die Bemessung seines Val ideneinkommens beigezogen wor- den seien, sei als offensichtlich unrichtig zu bezeichnen und die übrigen Feststellungen führten ebenfalls dazu, dass sein Valideneinkommen ohne Unfalle reignis wesentlich höher ausgefallen wäre, als dies durch den Beizug des reinen Lohnindexes der Fall gewesen wäre. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. In ihrer Vernehmlassung vom 13. April 2016 schloss die SUVA auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1, Art. 57 und 60 Abs. 1 des Bu ndesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktob er 2000 kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer über Versicherungsleistun gen beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Ka ntons, in dem die betroffene ver- sicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren W ohnsitz hatte. Befindet sich der Wohnsitz der versicherten Person oder des Beschwerde führe nden Dritten im Ausland, so ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz befand oder in dem ihr letzter schweizerischer Arb eitgeber Wohnsitz hat (Art. 58 Abs. 2 ATSG, 1. Satzteil). Gemäss § 54 Abs. 1 lit. b des Gese tzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht des Kan- tons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherer. Zur Zeit der Beschwerde- erhebung wohnte der Versicherte zwar in Deutschland. Z um Zeitpunkt des Unfallereignisses war er jedoch bei der B.____ AG angestellt, welche ihren Sitz in X.____ (BL) hatte. Auch aktuell ist der Versicherte bei einem schweizerischen Arbeitgeber tätig, denn er ist bei der C.____ AG in Y.____ beschäftigt. Demnach ist das Kantonsgericht sach lich und örtlich für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2. Zwischen den Parteien streitig und im Folgenden zu p rüfen ist, ob die SUVA die Rente des Versicherten zu Recht aufgehoben hat. Umstritten ist insbesondere die Berechnung des Valideneinkommens. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfal lversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortse tzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Inval idenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Invalidenren ten der Unfallversicherung für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Ände- rung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet i st, den Invaliditätsgrad und damit den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Ände- rung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darü ber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Ge- sundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 34 9 E. 3.5 mit Hinweisen). Zu be- achten ist im Bereich des obligatorischen Unfallversicherung srechts, dass das Bundesgericht die Erheblichkeit der Sachverhaltsänderung bejaht, wenn sich der Invaliditätsgrad um 5 Pro- zentpunkte ändert (BGE 140 V 87 E. 4.3,133 V 547 E. 6.2). 4.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). 4.3 Vorliegend sprach die SUVA dem Versicherten mit V erfügung vom 19. Juli 1997 eine Invalidenrente der Unfallversicherung auf der Basis eines Validenlohns in der Höhe von Fr. 70‘200.-- entsprechend den damaligen Angaben der B.____ AG und eines Invaliditätsgrades von 15% ab 1. Juli 1997 zu. Im Rahmen des vorliegend st rittigen Revisionsverfahrens überprüf- te die SUVA insbesondere die erwerblichen Verhältnisse des Versicherten und berechnete neu einen Validenlohn aufgrund des LMV 2012-2015 in der Höhe von Fr. 83‘040.05 und einen Inva- liditätsgrad von 7,1%. Aufgrund der vorgenommenen Ve rdienstvergleiche hob die SUVA die Rente mit Verfügung vom 28. Oktober 2015 per 1. Novemb er 2015 auf. Zeitliche Vergleichsba- sis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass des vorliegend angefochtenen Einsprache- entscheides vom 22. Dezember 2015 allenfalls eine Ände rung in den tatsächlichen Verhältnis- sen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung d er bis anhin ausgerichteten Rente rechtfertigt, bildet im Lichte der vorstehenden bunde sgerichtlichen Rechtsprechung demnach die Situation, wie sie gemäss Verfügung vom 19. Juli 1997 bestand. 5.1 Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Inva liditätsgrades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In validität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie- hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffe rnmässig möglichst genau ermit- telt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der In- validitätsgrad bestimmen lässt (BGE 104 V 136). 5.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Der Beschwerdeführer arbeitet seit 15. August 201 1 bei der C.____ AG als Speditions- mitarbeiter, wo er gemäss eigenen Angaben im Jahre 201 5 einen Monatslohn von Fr. 5‘935.-- erzielte. Das von der Beschwerdegegnerin gestützt darauf b erechnete Invalideneinkommen in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Höhe von Fr. 77‘155.-- (5‘935 x 13) wurde vom V ersicherten nicht bestritten, weshalb auf das in der Verfügung vom 28. Oktober 2015 sowie im Ein spracheentscheid vom 22. Dezember 2015 berechnete Einkommen abgestellt werden kann. 5.3 Nach der Rechtsprechung ist bei der Ermittlung de s hypothetischen Einkommens ohne Gesundheitsschaden (Valideneinkommen) entscheidend, was di e versicherte Person im mass- gebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigk eiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit verdient hätte. Die Einkommensermitt- lung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzie lt hat, auszugehen ist (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; sei t 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hin- weisen). Da die Invaliditätsbemessung der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit dau- ernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG), ist auch die berufliche Weiterentwicklung zu berücksichtigen, die eine versicherte P erson normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anha ltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufst ieg und ein entsprechend höheres Ein- kommen tatsächlich realisiert worden wären. Blosse Absicht serklärungen genügen nicht. Viel- mehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbe- suche, Aufnahme eines Studiums etc. kundgetan worden sei n. Im Revisionsverfahren besteht insoweit ein Unterschied zur ursprünglichen Rentenfestset zung, als der in der Zwischenzeit tatsächlich durchlaufene beruflich-erwerbliche Werdegang als invalide Person bekannt ist. Eine trotz Invalidität erlangte besondere berufliche Qualif izierung erlaubt allenfalls (weitere) Rück- schlüsse auf die mutmassliche Entwicklung, zu der es ohne Ein tritt des (unfallbedingten) Ge- sundheitsschadens bis zum Revisionszeitpunkt gekommen wäre. Al lerdings darf aus einer er- folgreichen Invalidenkarriere in einem neuen Tätigkei tsbereich nicht ohne Weiteres abgeleitet werden, die versicherte Person hätte ohne Invalidität eine vergleichbare Position auch im ange- stammten Tätigkeitsgebiet erreicht (Urteil des Bundesge richts vom 26. Oktober 2015, 8C_502/2015, E. 3.1.2; vgl. auch BGE 139 V 28 E. 3.3. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 12. November 2009, 8C_550/2009, E. 4.2 sowie Urteil des Bundesgerichts vom 8. August 2011, 8C_90/2011, E 5.3.2). 6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die SUVA hab e seine Invalidenkarriere nicht abgeklärt. Dass er bereits vor der Rentenzusprache Weiter bildungen im Hinblick auf eine Be- förderung absolviert habe, sei nicht berücksichtigt worden . Es handle sich um einen Kurs „Schulung für Chefmonteure und Elektromeister“. Weite re Ausbildungen, die er in der Invaliden- karriere durchgeführt habe, befänden sich in den Akten. So sei er unter anderem Fahrer für Flurförderfahrzeuge geworden und habe spezielle Schwei sstechniken erlernt, nachdem er be- reits in der Schweiz und in Deutschland als Kranführer li zenziert gewesen sei. Zudem sei auch aus dem Auszug seines individuellen Kontos seine aufsteigen de Tendenz gestützt auf die zu- sätzlichen Ausbildungen ersichtlich. 6.2.1 In den Akten liegt eine Bestätigung der D.____ AG vom 11. Januar 1996, wonach der Versicherte im Dezember 1995 eine Schulung für Kundendienst-Monteure absolviert hat. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.2 Herr E.____, der damalige Werkhofchef der B.__ __ AG, der ehemaligen Arbeitgeberin des Versicherten, gab am 13. November 1996 an, dass diese r zum Zeitpunkt des Unfalles von 1995 in Ausbildung zum Kranchef-Führer gestanden habe . Er habe wohl zwischenzeitlich die Prüfung absolviert, doch eine Funktion als Kranchef lasse sich mit der Einschränkung im linken Bein nicht verantworten. Er arbeite deshalb weiterhin in der Schlosserei. 6.2.3 In der kreisärztlichen Untersuchung vom 10. April 19 97 hielt Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, fest, dass die Arbeit in der Schlosserwerkstatt vollschichtig zumut- bar sei. Bei Montagearbeiten würden gewisse Schwierigke iten auftreten. Mittelfristig könne der Beschwerdeführer wahrscheinlich auch wieder als Kranführ er arbeiten, nicht jedoch als Kran- monteur. 6.2.4 Am 20. Mai 1997 berichtete Herr E.____, dass der Versicherte weiterhin als Maschi- nenschlosser tätig sei. Hätte er den Unfall nicht erlit ten, dann wäre er heute als Kranchefführer tätig. Als Kranchef hätte er heute einen bedeutend höheren Lohn (Lohnklasse Vorarbeiter). Die Beförderung wäre auf den 1. Januar 1996 erfolgt. Zu dem gab Herr G.____, damaliger Perso- nalchef, Auskunft darüber, dass der Beschwerdeführer als Maschinenschlosser einen Lohn von Fr. 5‘100.-- (x 13) erziele. Als Kranchefführer könnte er heute mit einem Salär von Fr. 5‘400.-- (x 13) rechnen. 6.3 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer bei der B.____ AG ab Anfang 1996 in der Position als Kranführer vorgesehen gewesen wäre. Aufgrun d des Unfallereignisses war er je- doch weiterhin als Maschinenschlosser tätig. Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers lässt sich den Akten jedoch nicht entnehmen, dass er von der damaligen Arbeitgeberin eben- falls zum Chef der Schlosserei befördert worden wäre. Au sserdem liefern weder das individuel- le Konto des Beschwerdeführers noch seine verschiedenen A nstellungsverhältnisse seit dem Unfallereignis Indizien dafür, dass er ohne Gesundheit sschaden eine berufliche Entwicklung über die Tätigkeit als Kranführer hinaus gemacht hätte . Einerseits zeigt das individuelle Konto keine erheblichen Lohnsteigerungen, die auf eine etwa durch Weiterbildung, hohen leistungs- mässigen Einsatz oder eine ausserordentliche berufliche Bewährung besondere Qualifikation hindeuten würden. Andererseits ist den Akten auch nicht zu entnehmen, dass der Versicherte im Verlauf seiner Invalidenkarriere bei der H.____ A G, bei der I.____ AG oder bei der C.____ AG je eine höhere Position bzw. einen Chefposten inneg ehabt hätte. Die vom Versicherten ab- solvierte Schulung für Chefmonteure und Elektromeister bzw. Kundendienst-Monteure wurde im Hinblick auf die geplante Tätigkeit als Kranführer bei der B.____ AG absolviert. Weitere Bestäti- gungen, namentlich für den Fahrausweis für Flurförderf ahrzeuge oder das Erlernen spezieller Schweisstechniken, liegen – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – nicht in den Akten. Unter diesen Umständen ist mit der Beschwerdegeg nerin festzuhalten, dass zu wenig konkrete Anhaltspunkte (vgl. E. 5.3 hiervor) vorhanden sind, um über die Qualifikation als Kran- chef bzw. Kranführer hinaus ein höheres Einkommen annehm en zu können. Folglich ist bei der Berechnung des Valideneinkommens auf den Tätigkeitsber eich eines Kranführers abzustellen. Damit wird eine gewisse berufliche Weiterentwicklung des Beschwerdeführers auch berücksich- tigt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Wurde über die Firma, bei der die versicherte Per son vor dem Unfallereignis ihren letz- ten Lohn erzielt hatte, der Konkurs eröffnet, kann für die Bemessung des Valideneinkommens nicht mehr am letzten Verdienst angeknüpft werden. Da s Bundesgericht hielt in einem Ent- scheid fest, es sei evident, dass das Anstellungsverhältnis bei der konkursiten Firma nicht hätte weitergeführt werden können (Urteil des Bundesgerichts vo m 23. Juli 2010, 8C_90/2010, E. 6.2.1.1). Vielmehr ist in solchen Fällen auf die Ta bellenlöhne zurückzugreifen (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2007, U 493/2005, E. 3.3). 7.2 Im vorliegenden Fall wurde die damalige Arbeitge berin des Beschwerdeführers, die B.____ AG, ab 2006 schrittweise aufgelöst. Sie besteht demnach nicht mehr und der Versicher- te wäre auch ohne Gesundheitsschaden aktuell nicht mehr b ei ihr beschäftigt. Vor diesem Hin- tergrund kann für die Berechnung des Valideneinkommens nicht auf die von der B.____ AG angegebenen Lohnauskünfte abgestellt werden. Weder das Einkommen gemäss der ursprüng- lichen Rentenzusprache (Fr. 5‘400.--) noch dasjenige gem äss der Lohnbestätigung aus dem Jahre 2006 (Fr. 5‘801.--) kann als Basis verwendet und per 2015 aufindexiert werden. Anzumerken bleibt, dass die Berechnung des Valideneinkom mens durch die Beschwerdegeg- nerin gestützt auf die Lohnauskünfte der ehemaligen – nun konkursiten – Arbeitgeberin nicht nachvollzogen werden kann. Die SUVA geht von einem Vali deneinkommen von Fr. 83‘504.-- aus. Dies ausgehend von einer Lohnbestätigung der B.__ __ AG vom 10. Mai 2006 von Fr. 5‘801.-- (x 13). Daraus ergibt sich ein Valideneink ommen von Fr. 75‘413.-. Wie die SUVA dieses Einkommen aufindexiert per 2015 auf Fr. 83‘504. --, wird im Einzelnen nicht begründet. Dieses Valideneinkommen von Fr. 83‘504.-- steht sodann im Widerspruch zur Bestätigung der B.____ AG vom 23. Juni 2011 und den darin mitgeteilt en Lohnerhöhungen. Denn ausgehend vom Ausgangseinkommen von Fr. 5‘400.-- gemäss der urspr ünglichen Rentenzusprache 1997 errechnet sich gestützt auf diese Lohnerhöhungsbestätigun g per 2006 ein Einkommen von Fr. 6‘101.-- und nicht ein solches von Fr. 5‘801.--. I m vorliegenden Fall muss dies jedoch nicht abschliessend geklärt werden, da ohnehin auf Tabellenwerte abzustellen ist. 8.1 Alternativ hat die Beschwerdegegnerin zur Berechnun g des Valideneinkommens den Versicherten bzw. die massgebende Tätigkeit als Kranführe r in die Lohnklasse V (Vorarbeiter) des LMV 2012-2015 eingereiht. Dies entspricht einerseit s der Lohnauskunft des damaligen Werkhofchefs der B.____ AG (vgl. E. 6.2.4 hiervor) un d ist andererseits die für den Beschwer- deführer beste Lohnklasse innerhalb des LMV 2012-2015. Zudem ist festzuhalten, dass an ver- schiedenen Stellen des LMV die Arbeit eines Kranführers auch in tieferen Lohnklassen erwähnt wird. Gemäss Anhang 15 zum LMV (Katalog über die Einr eihungskriterien für die Lohnklassen A und Q) hat ein Arbeitnehmer mit einer erfolgreich abgeschlossenen Kranführerausbildung Anspruch auf die Lohnklasse A (Bau-Facharbeiter). Insgesa mt erscheint die Einordnung des Beschwerdeführers in die Lohnklasse V als angemessen. Gem äss Art. 41 des LMV beträgt der monatliche Basislohn in der Lohnklasse V per 1. Januar 20 14 Fr. 6‘337.--. Dies entspricht ei- nem jährlichen Verdienst von Fr. 82‘381.--. Wenn man d iesen Verdienst auf das Jahr 2015 be- rechnet (+ 0,8% Nominallohnentwicklung), ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 83‘040.05. Setzt man im Einkommensvergleich das Invalideneinkommen von Fr. 77‘155.-- dem oben ermit- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht telten Valideneinkommen gemäss LMV von Fr. 83‘040.05.-- gegenüber, so resultiert daraus ein IV-Grad von 7,1%. Mit dem Beschwerdeführer ist zwar festzu halten, dass die Löhne in Ge- samtarbeitsverträgen oftmals Mindestlöhne darstellen. D as Bundesgericht hat aber im Ent- scheid vom 23. Juli 2010, 8C_90/2010, ein Abstellen auf die Zahlen des LMV als zulässig er- achtet, sofern diese Zahlen mit denjenigen der LSE kon form sind bzw. nicht tiefer sind als die- se. 8.2.1 Nach ständiger Rechtsprechung war und ist die Verw endung der LSE im Rahmen der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG ultima ratio . Der Griff zur Lohnstatistik ist demnach subsidiär, d.h. deren Beizug erfolgt nur, wenn eine E rmittlung des Validen- und/oder Invaliden- einkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist. Unter Beibehaltung dieser subsidiären Funkti on ist die grundsätzliche Beweiseig- nung der LSE 2012 zwecks Festlegung der Vergleichseinkom men nach Art. 16 ATSG im Rah- men einer erstmaligen Invaliditätsbemessung (Art. 28 f f. IVG) und im Neuanmeldungsverfahren nach vorausgegangener rechtskräftiger Ablehnung oder n ach Aufhebung der Invalidenrente sowie grundsätzlich auch im Revisionsverfahren ohne Weiteres zu bejahen. Für die Invaliditäts- bemessung dürfen jedoch – zumindest bis auf Weiteres – nur die (u.a.) nach dem Kompetenz- niveau differenzierten TA1-Tabellen verwendet werden, hingegen nicht die TA1_b-Tabellen, welche sich in einem erheblich weitergehenden Masse inkong ruent zu den bisherigen statisti- schen Entscheidungsgrundlagen erweisen (Urteil des Bund esgerichts vom 4. April 2016, 9C_632, E. 2.5.7). 8.2.2 Der Beschwerdeführer macht gestützt auf die LSE 2 012 (Kompetenzstufe 4, Männer, Baugewerbe) einen Lohn von Fr. 6‘485.-- monatlich gel tend. Dieser Betrag kann anhand der anwendbaren Tabelle TA1 (vgl. E. 8.2.1 hiervor) nicht nachvollzogen werden. Gemäss der TA1- Tabelle der LSE 2012 ergibt sich beim Kompetenzniveau 4 ein Wert von Fr. 8‘694.--, was im vorliegenden Fall seitens beider Parteien ausserhalb je glicher Diskussion liegt. Das gleiche gilt auch für denjenigen des Kompetenzniveaus 3 in der Höhe von Fr. 7‘204.--. Zieht man zur Be- rechnung die LSE 2010 heran, so liegt der Wert bei F r. 6‘500.-- (Tabelle TA1, Anforderungsni- veau 1+2, Männer, Baugewerbe). Daraus resultiert ein Jahreseinkommen 2015 von Fr. 80‘106.- (Fr. 6‘500 x 12 + 2,7% Nominallohnentwicklung). Setzt man im Einkommensvergleich das Inva- lideneinkommen von Fr. 77‘155.-- dem oben ermittelt en Valideneinkommen gemäss LSE 2010 von Fr. 80‘106.-- gegenüber, so resultiert daraus ein IV-Grad von 3,7%. Es ist festzustellen, dass diese Zahlen im Vergleich mit denjenigen des LMV t iefer und somit für den Beschwerde- führender ungünstiger sind. Aus diesem Grund ist es im Sinne der bundesgerichtlichen Recht- sprechung nicht zu beanstanden, dass die SUVA auf die Be rechnung gemäss LMV abgestellt hat (vgl. E. 8.1 hiervor). 8.3 Die Beschwerdegegnerin hat sich schliesslich im Rahmen des Beschwerdeverfahrens bei fünf im Raum Nordwestschweiz tätigen Baubetrieben ü ber den Lohn für einen Kranchef bzw. Kranführer mit 20-jähriger Berufserfahrung erkund igt. Daraus ergab sich ein Durch- schnittswert von Fr. 82‘355.-- jährlich. Dies liegt leicht unter dem Validenlohn gemäss LMV, den die Beschwerdegegnerin dem Versicherten im Einsprache entscheid angerechnet hat. Die J.____ AG gab den höchsten Verdienst an; nämlich einen Ja hreslohn für das Jahr 2015 von Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 84‘890.--. Selbst wenn man den Invaliditätsgrad zugunsten des Beschwerdeführers mit dem höchsten Jahreslohn der J.____ AG berechnet, resultiert k ein anspruchsbegründender Minder- verdienst. Setzt man im Einkommensvergleich das Invalidenei nkommen von Fr. 77‘155.-- dem oben ermittelten Valideneinkommen gemäss der Lohnauskunft der J.____ AG von Fr. 84‘890.-- gegenüber, so resultiert daraus ein IV-Grad von 9,1%. Auch unter Anwendung dieser Lohnaus- künfte für die Berechnung des Valideneinkommens wäre also eine Aufhebung der Rente im Ergebnis gerechtfertigt. 8.4 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann n icht auf die Zahlen des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) abgestellt werd en. Gemäss dem Merkblatt des SBV „Hinweise zur Interpretation der SBV-Lohnstatistik“ sind die Löhne der SBV-Lohnstatistik immer Durchschnittswerte (=arithmetisches Mittel). Diese kö nnen durch Extremwerte stark be- einflusst werden. Der Median (50% der Werte liegen da rüber, 50% darunter) wäre für Lohnver- gleiche aussagekräftiger. Er wird deshalb von öffentlich en statistischen Ämtern bei Lohnstatisti- ken verwendet. Bei Löhnen liegt der Median meistens unter dem Durchschnittswert, da die An- zahl tieferer Werte häufiger ist (schiefe Verteilung). Ausserdem ist festzuhalten, dass rechtspre- chungsgemäss nur in Ausnahmefällen auf solche unverbindl iche Lohnempfehlungen von Bran- chenverbänden zurückgegriffen werden sollte. 9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die SUVA die Inval idenrente des Beschwer- deführers zu Recht per 1. November 2015 aufgehoben ha t. Bei allen vorgenommenen Berech- nungen (Valideneinkommen gemäss LMV, LSE 2010 oder Loh nauskünften) erreicht der Versi- cherte keinen Invaliditätsgrad von mindestens 10%. Die S achverhaltsänderung ist auch erheb- lich im Sinne der Rechtsprechung (vgl. E. 4.1 hiervor), da sich der Invaliditätsgrad seit der ur- sprünglichen Rentenzusprache um mehr als 5 Prozentpunkte verringert hat. Die SUVA hat so- dann korrekterweise den Wert des LMV angewendet und i hn mit den Auskünften der verschie- denen Baufirmen verglichen. Der angefochtene Einsprach eentscheid vom 22. Dezember 2015 ist daher nicht zu beanstanden. Unter diesen Umständen i st die Beschwerde des Versicherten unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 10. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 7. November 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_741/2016 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht