<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 35 S.110</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">110</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>35</b></span> <span class="ft1"><b>§ 32 KZG, Art. 84 Abs. 1 AHVG</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Beschwerdelegitimation der Ehefrau (Erw. 1)</b></span><br/> <span class="ft1"><b>§ 4 Abs. 2 KZG, Art. 5 Abs. 2 AHVG</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Die Bezugsberechtigung für Kinderzulagen beschränkt sich auf die Ar-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>beitnehmer der dem Gesetz unterstellten Arbeitgeber. Der Arbeitneh-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>merbegriff beurteilt sich nach den ahv-rechtlichen Regelungen (Erw.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>2a und c).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Qualifikation als selbständigerwerbende Personen im Falle von Perso-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nengesamtheiten (Erw. 2b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 4. Kammer, vom 18. De-</span><br/> <span class="ft2">zember 2001 in Sachen I. und B.M. gegen Sozialversicherungsanstalt</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. a) Gemäss § 32 Abs. 1 und § 35 des aargauischen Gesetzes</span><br/> <span class="ft4">über Kinderzulagen für Arbeitnehmer vom 23. Dezember 1963</span><br/> <span class="ft4">i.V.m. Art. 84 Abs. 1 AHVG sind die von einer Verfügung Betroffe-</span><br/> <span class="ft4">nen sowie Blutsverwandte in auf- und absteigender Linie (und Ge-</span><br/> <span class="ft4">schwister des Rentenansprechers) zur Beschwerde legitimiert (vgl.</span><br/> <span class="ft4">dazu auch Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft4">rechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 535 ff. und 576).</span><br/> <span class="ft4">b) Weil grundsätzlich ein enger sachlicher Zusammenhang zwi-</span><br/> <span class="ft4">schen den für beide Ehegatten verlangten Kinderzulagen (für den</span><br/> <span class="ft4">gleichen Zeitraum) besteht, in casu Arbeitsverhältnisse beim gleichen</span><br/> <span class="ft4">Arbeitgeber reklamiert werden und die Ehefrau auch unter dem</span><br/> <span class="ft4">Aspekt der Vertretungsbefugnis zur Beschwerde legitimiert wäre,</span><br/> <span class="ft4">wird die Beschwerdelegitimation beider Ehegatten angenommen.</span><br/> <span class="ft4">Auf die Beschwerde ist somit auch bezüglich der Ehefrau einzutre-</span><br/> <span class="ft4">ten.</span><br/> <span class="ft4">2. a) Gemäss § 4 Abs. 2 i.V.m. § 1 Abs. 1 KZG haben Arbeit-</span><br/> <span class="ft4">nehmer, deren Arbeitgeber im Kanton Aargau einen Wohn- oder Ge-</span><br/> <span class="ft4">schäftssitz haben oder eine Zweigniederlassung oder eine Betriebs-</span><br/> <span class="ft4">stätte unterhalten, Anspruch auf Kinderzulagen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Kinderzulagen</span> <span class="page_no">111</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Der Anspruch auf Kinderzulagen entsteht und erlischt mit dem</span><br/> <span class="ft4">Lohnanspruch (§ 5 Abs. 1 KZG). Die Kinderzulage beträgt min-</span><br/> <span class="ft4">destens Fr. 150.-- im Monat für jedes Kind, welches das 16. Al-</span><br/> <span class="ft4">tersjahr noch nicht vollendet hat (§ 7 Abs. 1 und 3 KZG). Kinderzu-</span><br/> <span class="ft4">lagen sind durch Einreichen einer Anmeldung bei der zuständigen</span><br/> <span class="ft4">Familienausgleichskasse geltend zu machen. Nicht bezogene Zula-</span><br/> <span class="ft4">gen können für die letzten fünf Jahre vor Geltendmachung des An-</span><br/> <span class="ft4">spruchs nachgefordert werden (§ 12 Abs. 1 Sätze 1 und 2 KZG).</span><br/> <span class="ft4">Gegen die aufgrund des KZG erlassenen Verfügungen der Fa-</span><br/> <span class="ft4">milienausgleichskasse kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim</span><br/> <span class="ft4">Obergericht des Kantons Aargau Beschwerde geführt werden (§ 32</span><br/> <span class="ft4">KZG). Zuständig ist das Versicherungsgericht (§§ 52 und 42 Abs. 3</span><br/> <span class="ft4">GOD).</span><br/> <span class="ft4">b) Gemäss § 35 KZG i.V.m. Art. 20 Abs. 1 und 3 AHVV beur-</span><br/> <span class="ft4">teilt sich der Status selbständigerwerbender Personen nach den ahv-</span><br/> <span class="ft4">rechtlichen Regelungen. Nach diesen sind für die Alters- und Hinter-</span><br/> <span class="ft4">lassenenversicherung beitragspflichtig: Eigentümer, Nutzniesser und</span><br/> <span class="ft4">Pächter gemäss Art. 20 Abs. 1 AHVV sowie die Teilhaber von Kol-</span><br/> <span class="ft4">lektiv- und Kommanditgesellschaften sowie von anderen auf einen</span><br/> <span class="ft4">Erwerbszweck gerichteten Personengesamtheiten ohne juristische</span><br/> <span class="ft4">Persönlichkeit (Art. 20 Abs. 3 AHVV). Während bei Kollektiv- und</span><br/> <span class="ft4">Kommanditgesellschaften ein wirtschaftlicher Zweck vermutet wird,</span><br/> <span class="ft4">somit alle Teilhaber unabhängig von ihrer tatsächlichen persönlichen</span><br/> <span class="ft4">Mitarbeit und Mitverantwortung beitragspflichtig sind, gelten Teil-</span><br/> <span class="ft4">haber anderer Personengesamtheiten ohne juristische Persönlichkeit</span><br/> <span class="ft4">nur soweit als beitragspflichtig, als diese einen Erwerbszweck ver-</span><br/> <span class="ft4">folgen (vgl. zum Ganzen: Hanspeter Käser, Unterstellung und Bei-</span><br/> <span class="ft4">tragswesen in der obligatorischen AHV, 2. Aufl. 1996, Rz. 7.5 mit</span><br/> <span class="ft4">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft4">c) In den kantonalen Zulagenordnungen wird nur die Unter-</span><br/> <span class="ft4">haltspflicht gegenüber Kindern als Familienlast anerkannt. Diese gibt</span><br/> <span class="ft4">in allen Kantonen Anspruch auf Kinderzulagen, sofern die Eltern</span><br/> <span class="ft4">Arbeitnehmer/-innen sind; bei selbständigerwerbenden Eltern in</span><br/> <span class="ft4">nichtlandwirtschaftlichen Berufen wird - meist mit Einkommens-</span><br/> <span class="ft4">grenzen bei den Eltern - die Unterhaltspflicht als anspruchsauslösen-</span><br/> <span class="ft4">der Tatbestand nur in neun Kantonen anerkannt (Luzern, Uri,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">112</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Schwyz, Zug, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrho-</span><br/> <span class="ft4">den, St. Gallen, Graubünden und Genf). Schliesslich wird in drei</span><br/> <span class="ft4">Kantonen (Freiburg, Wallis und Jura) unter bestimmten Vorausset-</span><br/> <span class="ft4">zungen auch bei nichterwerbstätigen Eltern die Unterhaltspflicht</span><br/> <span class="ft4">gegenüber Kindern berücksichtigt. Die Arten und Ansätze dieser</span><br/> <span class="ft4">kantonalrechtlichen Familienzulagen werden vom Bundesamt für</span><br/> <span class="ft4">Sozialversicherung (BSV) regelmässig veröffentlicht, letztmals mit</span><br/> <span class="ft4">Stand vom 1. Januar 2001 in AHI 2001/1, insbes. S. 6 (vgl. auch</span><br/> <span class="ft4">Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 2. Aufl.,</span><br/> <span class="ft4">S. 100; Gertrud Bollier, Leitfaden Schweizerische Sozialversiche-</span><br/> <span class="ft4">rung, 1997, S. 169 ff.).</span><br/> <span class="ft4">Der Kanton Aargau hat - wie oben in Ziff. 2a festgehalten - in</span><br/> <span class="ft4">§ 4 Abs. 2 KZG nur die Arbeitnehmer (der dem Gesetz unterstellten</span><br/> <span class="ft4">Arbeitgeber) als kinderzulagenberechtigt erklärt. Für den vom Gesetz</span><br/> <span class="ft4">selber nicht definierten Arbeitnehmerbegriff wird zwar nicht aus-</span><br/> <span class="ft4">drücklich auf das AHVG verwiesen, doch wird in § 35 KZG - wie</span><br/> <span class="ft4">schon mehrfach erwähnt - das AHVG für alle Fragen sinngemäss als</span><br/> <span class="ft4">anwendbar erklärt, für die das KZG keine Regelung enthält. Es ist</span><br/> <span class="ft4">daher auch beim aargauischen KZG für den Arbeitnehmerbegriff auf</span><br/> <span class="ft4">denjenigen des AHVG abzustellen. Auch nach aargauischem KZG</span><br/> <span class="ft4">kann daher nur anspruchsberechtigt sein, wer massgebenden Lohn</span><br/> <span class="ft4">im Sinne der AHV-Gesetzgebung erzielt (Art. 5 Abs. 2 AHVG; vgl.</span><br/> <span class="ft4">auch Urteil des Versicherungsgerichts i.S. N.C. vom 18. August 1998</span><br/> <span class="ft4">[BE.98.00101], Erw. 2d). Auf welche Gründe sich schliesslich der</span><br/> <span class="ft4">aargauische Gesetzgeber bezüglich der Beschränkung des Kinderzu-</span><br/> <span class="ft4">lagenanspruchs auf Arbeitnehmer gestützt hat, ist den Materialien</span><br/> <span class="ft4">zum KZG nicht zu entnehmen (Sitzungsprotokoll der Grossratssit-</span><br/> <span class="ft4">zung vom 19. Februar und 30. April 1963); doch ist die Regelung in</span><br/> <span class="ft4">jedem Fall klar und kommt der Einbezug von Selbständigerwerben-</span><br/> <span class="ft4">den nicht in Frage, da eben gerade keine gesetzliche Grundlage vor-</span><br/> <span class="ft4">liegt.</span><br/> <span class="ft4">Anzumerken ist, dass nach dem aargauischen KZG auch keine</span><br/> <span class="ft4">freiwillige Unterstellung der Selbständigerwerbenden mit entspre-</span><br/> <span class="ft4">chender Beitragszahlungspflicht besteht.</span><br/></div> </div> </body> </html>