Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. April 2015 (7201 14 317 / 82) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Aufhebung der ganzen IV-Rente aufgrund eines wesentlich verbesserten Gesund- heitszustands bei einer versicherten Person, die über 15 Jahre lang eine Rente der IV bezog, erfolgte zu Recht; Abbruch der Eingliederungsmassnahmen, da es der versicher- ten Person am Eingliederungswillen fehlte; Durchführung des Mahn- und Bedenkzeitver- fahrens nach Art. 21 ATSG Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ arbeitete vom 1. Juli 1 994 bis zur Auflösung des Arbeits- verhältnisses per 30. November 1995 als Hilfsarbeit er bei der B.____ AG. Mit Gesuch vom 16. Juli 1997 meldete er sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zug an und beantragte berufliche Massnahmen sowie eine Rente. Nach Abklärung der erwerb- lichen und gesundheitlichen Verhältnisse sprach ihm die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 21. April 1998 rückwirkend ab 1. August 1996 eine ganze IV-Rente zu. Nach Durchführung einer Revision von Amtes wegen im Jahr 1999 hielt die IV-Stelle mit Mitteilung vom 16. September 1999 fest, dass keine rentenbeeinflussen de Veränderung habe festgestellt werden können. Am 1. April 2002 verunfallte A.____ im Rahmen einer versuchsweise aufge- nommenen Teilzeitarbeit als Kundenbelieferer. Dabei verletzte er sich am rechten Bein. Ab dem 1. September 2009 arbeitete er als Hilfsarbeiter auf Abruf. Diese Tätigkeit musste er aufgrund einer Zunahme der Beschwerden im rechten Bein nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Im Rahmen einer im Jahr 2005 eingeleiteten Revision v on Amtes wegen hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Oktober 2012 nach durchgeführtem Vo rbescheidverfahren die ganze Rente auf. Gemäss medizinischen Abklärungen habe sich der Gesundheitszustand gebessert, sodass spätestens ab dem 2. Juni 2011 aus gesamtmedizinischer Sicht eine körperlich leichte, über- wiegend sitzend auszuübende Tätigkeit mit kürzeren stehe nden oder ebenerdig gehenden Ab- schnitten ohne Kauern, wiederholtem Treppensteigen und Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüs- ten ganztags zumutbar sei. Die dagegen von A.____ mit Ei ngabe vom 16. November 2012 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsgericht), erhobene Beschwerde hiess dieses mit Urteil vom 21. März 2013 gut und hob die angefochtene Verfügung auf. Zusammenfassend führte das Kantonsgericht in Erwägung 8 aus, dass sich der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Versiche rten seit der erstmaligen Rentenzu- sprechung im Jahr 1998 in anspruchserheblicher Weise ver bessert hätten, weshalb eine Ren- tenrevision grundsätzlich zulässig wäre. Indem die IV-Ste lle aber ohne weiteres davon ausge- gangen sei, dass sich der Versicherte auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt selbst eingliedern könne, habe sie übersehen, dass dieser zur Gr uppe der Versicherten zähle, denen die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar sei. Vor einer Rentenherabsetzung hätten deshalb eine erwerbsbezogene Abklärung erfolgen und anschliessend die als zweckmässig erachteten beruflichen Eingliederungsmassnahmen durchgeführt wer den müssen. Die ohne vorherige Durchführung von Eingliederungsschritten angeordnete R entenherabsetzung erweise sich als unzulässig. Der IV-Stelle bleibe es allerdings unbenomm en, nunmehr die erforderlichen Abklä- rungs- und Eingliederungsschritte in die Wege zu leiten. Solange sie aber solche Schritte nicht umsetze, habe der Versicherte weiterhin Anspruch auf d ie bisherige ganze Rente. Im Rahmen der Eingliederung müsse die IV-Stelle einem allfälli gen Widerstand des Versicherten mit dem Prozedere gemäss Art. 21 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 begegnen. Nach Rechtskraft dieses Urteils leitete die IV-Stelle Massna hmen zur beruflichen Wiederein- gliederung ein und nahm die Ausrichtung der ganzen Ren te wieder auf (Arbeitsvermittlung, vgl. Mitteilung vom 21. Juni 2013, IV-Akt. 139 und Verfüg ung vom 18. Oktober 2013, IV-Akt. 153). Nach Durchführung der Eingliederungsmassnahmen sowie des Vorbescheidverfahrens hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. September 2014 fest, dass die Durchführung des Einkom- mensvergleichs einen IV-Grad von 11 % ergeben habe, w eshalb kein Rentenanspruch mehr bestehe. Man gehe von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer angepassten Tätigkeit aus. Sofern eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend gemacht werde, habe der Ver- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherte die Möglichkeit, ein erneutes Gesuch an die IV- Stelle zu richten und unter Beifügung entsprechender medizinischer Unterlagen eine allfällige Verschlechterung geltend zu machen. B. Dagegen erhob A.____ am 8. Oktober 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte sinngemäss die Weiterausrichtung der ganzen Re nte sowie die Bewilligung der un- entgeltlichen Prozessführung. In der Begründung führ te er aus, dass es nicht sein könne, dass er nach so vielen Jahren plötzlich wieder gesund sei un d voll arbeiten könne. Ausserdem habe er die Eingliederungsmassnahmen nicht in der ihm vorge worfenen Art behindert. Er sei aus gesundheitlichen Gründen nicht imstande gewesen, diese durchzuführen. Er habe sich nicht in der ihm vorgeworfenen Weise gegenüber Dr. med. C.__ __, Allg. Medizin FMH, geäussert. Übersehen worden sei auch, dass er allein aus psychischen Gründen nicht arbeiten könne. Seine Psychiater hätten anlässlich eines längeren Aufenth alts in der Klinik eine Depression festgestellt. Daher habe er weiterhin Anspruch auf eine Rente. C. Mit Verfügung vom 18. Dezember 2014 bewilligte die instruierende Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts dem B eschwerdeführer die unentgelt- liche Prozessführung. D. Mit Vernehmlassung vom 15. Dezember 2014 beantragt e die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 8. Oktober 2014 ist demnach ei nzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob der Beschwer deführer weiterhin Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine I nvalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Die Anna hme einer allenfalls invalidisierenden psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssyste m voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 E. 5.3 und E. 6). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinwei sen; zum Ganzen auch: U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, S. 228 ff.). 5.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Unter dieser Voraussetzung gilt dies auch für eine blosse Mitteilung, mit welcher die V erwaltung feststellt, es sei keine leis- tungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse eingetreten; denn laut Art. 74 ter lit. f IVV bedarf es keiner Verfügung, wenn die Invalidenrente nach eine r von Amtes wegen durchgeführten Re- vision weiter ausgerichtet wird. Eine solche Mitteilung ist, wenn keine Verfügung verlangt wor- den ist (Art. 74 quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskr äftigen Verfügung gleichzustellen (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2010, 9C_586/2010, E. 2.2). 5.3.1 Dem Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 21 . April 1998 ab 1. August 1996 eine ganze Rente zugesprochen. Anlässlich des Urteils vom 21 . März 2013 hielt das Kantons- gericht nach umfassender Würdigung der medizinischen Unte rlagen fest, dass die von der Be- schwerdegegnerin im Verwaltungsverfahren eingeholten ME DAS-Gutachten vom 8. Juli 2009 und vom 21. Juni 2012 voll beweistauglich seien. Daher sei mit der Beschwerdegegnerin ge- stützt auf das MEDAS-Gutachten vom 21. Juni 2012 davon a uszugehen, dass aus medizini- scher Sicht eine anspruchswesentliche Verbesserung des Ge sundheitszustands und der Ar- beitsfähigkeit im Vergleich zum Jahr 1998 eingetreten s ei. Die Arbeitsfähigkeit in einer Ver- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht weistätigkeit habe sich um 100 % erhöht, weil die früh er aufgetretene rezidivierende depressive Erkrankung nicht mehr bestehe (Urteil des Kantonsgerichts vom 21. März 2013, E. 7.1). Dieses Urteil trat unangefochten in Rechtskraft. 5.3.2 Der Beschwerdeführer vermag im vorliegenden Verf ahren nicht darzutun, dass sich der Gesundheitszustand seit dem 21. März 2013 erheblich verschl echtert hat. Weder Dr. C.____ in seinem Überweisungsschreiben vom 12. März 2014 an die psychiatrische Klinik D.____ (IV-Akt. 169) noch die psychiatrische Klinik D.____ selbst in ihre m Bericht vom 9. September 2014 (IV- Akt. 184) legen eine wesentliche Verschlechterung des Gesu ndheitszustands dar. Der Bericht der psychiatrischen Klinik D.____ ist in seiner Aussagekraft zu wenig konkret, als dass gestützt darauf von einer dauerhaften erheblichen Verschlechterun g ausgegangen werden müsste. Aus dem Bericht geht hervor, dass aufgrund der kurzen Aufent haltsdauer keine zuverlässige Aus- sage betreffend Schweregrad und Prognose der depressive n Episode getroffen werden könne. Es hätten nur zwei Gespräche stattgefunden und der Pat ient habe sich nicht bereit gezeigt, am Programm teilzunehmen. Es sei ihm in erster Linie darum gegangen, eine Stellungnahme zu erhalten, in der bestätigt werde, dass er nach wie vor a n einer Depression leide. Dem Überwei- sungsschreiben vom 12. März 2014 von Dr. C.____ kann ledi glich entnommen werden, dass er den Versicherten aufgrund einer chronischen depressiven Symptomatik zur psychiatrischen Beurteilung aufbieten lassen möchte. Er bezeichnet aber das Aufgebot als nicht dringend. Wei- ter weist Dr. C.____ darauf hin, dass zurzeit Eingliede rungsversuche in die Arbeitswelt laufen würden, die der Patient aber als lächerlich, stupid un d nicht zumutbar erachte. Das Venlafaxin, das gegen die Depressionen verschrieben worden sei, nehme er nur unregelmässig ein. 5.3.3 Gestützt auf das Verlaufsgutachten der MEDAS vom 21. Juni 2012 (IV-Akte 114) ist daher weiterhin davon auszugehen, dass mit Einfluss au f die Arbeitsfähigkeit lediglich noch eine persistierende schmerzhafte Funktionsstörung des re chten Sprunggelenks vorliegt. In Be- zug auf die Arbeitsfähigkeit ist erstellt, dass dem Beschwerdeführer sämtliche körperlich schwe- ren und mittelschweren Tätigkeiten bleibend nicht mehr zuzumuten sind. Hingegen besteht für körperlich leichte, überwiegend sitzende Tätigkeiten mit kürzeren stehenden oder ebenerdig gehenden Abschnitten ganztags eine voll zumutbare Arbeitsfähigkeit, soweit dabei kein repetiti- ves Treppensteigen und keine Tätigkeit auf Leitern oder Gerüsten und keine Hocke notwendig ist. Damit ist eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem Jahr 1998 klar erstellt. 6.1 Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdege gnerin in der Zwischenzeit die Eingliederungsmassnahmen durchgeführt hat. 6.2.1 In der Zielvereinbarung, die sich auf ein Gesprä ch zwischen Beschwerdegegnerin und Beschwerdeführer vom 24. Juli 2013 stützt, wurde festgeh alten, dass sich der Versicherte nicht in der Lage sehe, 50 % zu arbeiten. Er traue sich nicht zu, eine Stelle zu behalten. Der Versi- cherte habe das Protokoll nicht unterschreiben wollen ( IV-Akt. 142). Mit Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahmen vom 11. November 2013 hielt di e zuständige Fachperson der Be- schwerdegegnerin fest, dass zwei Beratungsgespräche durchgef ührt worden seien. In deren Verlauf habe sich gezeigt, dass sich der Versicherte subjekt iv nicht in der Lage sehe, in einem 50 %-igen Pensum zu arbeiten. Das Dossier werde daher g eschlossen, da Eingliederungs- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht massnahmen derzeit nicht möglich seien. Auflage für ein neues Gesuch sei, dass sich der Ver- sicherte subjektiv in der Lage sehe, mindestens 50 % zu arbeiten (IV-Akt. 154). Mit Schreiben „Ermahnung mit Bedenkzeit“ vom 26. November 2013 mach te die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer auf seine Mitwirkungspflicht aufmerksam (Art. 7 IVG). Zudem forderte sie ihn auf, bis zum 13. Dezember 2013 schriftlich die Bereitscha ft zu erklären, an Eingliederungs- massnahmen teilzunehmen. Sollte er bis zu diesem Zeitpun kt der Aufforderung nicht nachge- kommen sein, müsse er damit rechnen, dass die Rente her abgesetzt oder aufgehoben werde (Art. 21 Abs. 4 ATSG). 6.2.2 In der Folge teilte der Beschwerdeführer am 13 . Dezember 2013 mit, dass er an den Eingliederungsmassnahmen teilnehmen werde. Anlässlich d es Gesprächs vom 16. Januar 2014 wurde zwischen dem Beschwerdeführer und der Beschwer degegnerin vereinbart, dass die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt mit tels eines Einsatzes bei der Stiftung X.____ unterstützt werde (IV-Akt. 160). Aus dem Email d er Stiftung X.____ vom 6. Februar 2014 an die Beschwerdegegnerin (IV-Akt. 162) geht hervo r, dass der Versicherte das Vorstel- lungsgespräch wahrgenommen und den Einsatz am 6. Febru ar 2014 begonnen habe. Die Massnahme dauere vorerst drei Monate. Gestartet werde m it zwei Stunden täglich. Während des Vorstellungsgesprächs habe der Versicherte sehr intensiv a uf seine Depressionen hinge- wiesen. Er habe nicht garantieren können, dass er den E insatz antreten werde. Das habe er dann aber wie vereinbart gemacht. Mit Mitteilung vom 20. Februar 2014 teilte die Beschwerde- gegnerin die Kostengutsprache für ein Arbeitstrainin g vom 6. Februar 2014 bis 5. Mai 2014 mit (IV-Akt. 163). Mit einem weiteren Ermahnungsschreiben mit Bedenkzeit gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG vom 5. März 2014 machte die Beschwerdegegnerin de n Beschwerdeführer erneut auf seine Mitwirkungspflichten aufmerksam. Er habe die beru fliche Eingliederungsmassnahme in der Zwischenzeit abgebrochen. Daher müsse er bis 21. März 2 014 mitteilen, ob er weiterhin an den Eingliederungsmassnahmen teilnehmen werde. Sollte er dieser Aufforderung nicht nach- kommen, müsse er damit rechnen, dass die Eingliederungsma ssnahmen abgebrochen und die Rente herabgesetzt oder aufgehoben würden. 6.2.3 Mit Schreiben vom 21. März 2014 liess der Beschwer deführer wiederum mitteilen, dass er bereit sei, an den Eingliederungsmassnahmen teilzune hmen. Allerdings seien die letzten Arbeitsversuche seiner Gesundheit eher abträglich gewese n (IV-Akt. 169). Daraufhin lud die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer erneut zu ein em Abklärungsgespräch ein (Schrei- ben vom 15. April 2014, IV-Akt. 171). Mit Zielvereinba rung vom 28. Mai 2014 (IV-Akt. 172) wur- de festgehalten, dass die neue Massnahme vom 2. Juni 201 4 bis 1. September 2014 dauern werde. Unentschuldigte Absenzen würden sofort zum Abbruch der Massnahme führen. Zudem müsse er ab dem ersten Krankheitstag ein Arztzeugnis beibringen (vgl. auch die Mitteilung vom 29. Mai 2014, IV-Akt. 174). Begonnen werde dabei mit Präsenzzeiten von ein bis zwei Stunden pro Tag, ab dem zweiten Monat von zwei bis drei Stunden pro Tag und am Ende des Belast- barkeitstrainings konstant von drei bis vier Stunden pro Tag. Mit Schreiben vom 11. Juni 2014 (IV-Akt. 176) hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass de r Versicherte die Massnahmen am 2. Juni 2014 abgebrochen habe und unentschuldigt ferngeblieben sei. Er habe kein Arztzeugnis gemäss den Vorgaben der Zielvereinbarung eingereicht. Nach dem Start am 1. Juni 2014 habe er sich am 2. Juni 2014 nochmals kurz blicken lassen, habe aber nur die Stempelkarte abgege- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben und erklärt, dass er nach Hause gehen und die Massnah me sofort abbrechen werde. Da- her machte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer erneut auf seine Mitwirkungspflich- ten aufmerksam und räumte ihm eine weitere Bedenkzeit ein. Nachdem die Bedenkfrist unbe- nutzt abgelaufen war, schloss die Beschwerdegegnerin die Eingliederungsmassnahmen ab (Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahmen vom 26. Juni 2014, IV-Akt. 178). 6.3 Die Würdigung der Akten zeigt, dass die Beschwerdeg egnerin die notwendigen Ein- gliederungsmassnahmen durchführte. Zudem lassen die Akten klar darauf schliessen, dass dem Beschwerdeführer der Eingliederungswillen fehlt. D em Bericht von Dr. C.____ vom 12. März 2014 ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführe r gegenüber seinem Hausarzt da- hin gehend äusserte, dass er die laufenden Einglieder ungsmassnahmen als lächerlich, stupid und nicht zumutbar erachte. Darüber hinaus reichte der Beschwerdeführer während der Ein- gliederungsversuche kein Arztzeugnis ein, wonach es ihm a us gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar gewesen wäre, an den beruflichen Massnahmen te ilzunehmen. Mit der Beschwerde- gegnerin ist deshalb davon auszugehen, dass die Durchführung der zugesprochenen Eingliede- rungsmassnahmen an der mangelnden Motivation und an der subjektiven Krankheitsüberzeu- gung des Beschwerdeführers scheiterte. 7. Somit kann die Rentenfrage erneut geprüft werden. Der Einkommensvergleich, wie ihn die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 11. September 2014 vorge- nommen hat, ist korrekt. Da eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands eingetre- ten ist, die neu zu einem IV-Grad von unter 40 % führ t, und die Beschwerdegegnerin die not- wendigen Eingliederungsmassnahmen in der Zwischenzeit du rchgeführt hat, ist die Einstellung der laufenden ganzen IV-Rente zu Recht erfolgt. Die Beschwerde ist abzuweisen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmen s einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun aller- dings mit Verfügung vom 18. Dezember 2014 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorlä ufig auf die Gerichtskasse genom- men. Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organi- sation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksa m gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht