Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. April 2022 (810 21 268) ____________________________________________________________________ Submission Unvollständigkeit eines Angebots / Voraussetzungen der Angebotsbereinigung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Hans Furer, Daniel Ivanov, Gerichts- schreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ AG , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Lukas Pfisterer, Rechtsanwalt gegen Einwohnergemeinde B.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Christoph Meyer, Advokat Betreff Submission Server-Outsourcing (Entscheid der Einwohnergemeinde B.____ vom 24. August 2021) A. Im Amtsblatt des Kantons Basel-Landschaft vom 20. Mai 2021 schrieb die Einwohner- gemeinde B.____ das Projekt "Server-Outsourcing der Geme inde B.____" im Rahmen des of- fenen Verfahrens aus. Innert der Eingabefrist reichten unter anderem die A.____ AG und die C.____ AG ein Angebot ein. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Entscheid vom 24. August 2021 erteilte die Gemei nde der C.____ AG den Zu- schlag zum Preis von Fr. 350'313.68 (inkl. 7.7 % MWST). In der Folge gelangte die A.____ AG an die Gemeinde und ersuchte mit Schreiben vom 31. Augu st 2021 um einen erweiterten Ent- scheid. Insbesondere ersuchte sie um Erläuterung, weshal b zwischen dem Preis des Angebots der Zuschlagsempfängerin gemäss Offertöffnungsprotokoll und Zuschlagsentscheid eine Diffe- renz bestehe. C. Mit erweitertem Entscheid vom 14. September 2021 be gründete die Gemeinde den Zuschlagsentscheid, ohne auf die von der A.____ AG ange sprochene Preisveränderung des Angebots der Zuschlagsempfängerin einzugehen. D. Am 27. September 2021 erhob die A.____ AG, vertre ten durch Dr. Lukas Pfisterer, Rechtsanwalt, gegen den Zuschlagsentscheid vom 24. Augu st 2021 Beschwerde beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- u nd Verwaltungsrecht. Die Beschwerde- führerin stellt das Begehren, in Gutheissung der Besc hwerde sei der Zuschlag vom 24. August 2021 aufzuheben und der Beschwerdeführerin der Zuschlag zu erteilen (Ziff. 1). Eventualiter sei in Gutheissung der Beschwerde der Zuschlag vom 24. August 2 021 aufzuheben und die Ange- legenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen, verbunden m it der Anweisung, der Beschwerde- führerin den Zuschlag zu erteilen (Ziff. 2). Subeventu aliter sei in Gutheissung der Beschwerde der Zuschlag vom 24. August 2021 aufzuheben und die An gelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 3). In verfahrensrech tlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkun g zu erteilen und es sei der Be- schwerdeführerin Einsicht in sämtliche Akten der Vorinsta nz betreffend das Vergabeverfahren zu gewähren (Ziff. 4-5). Unter Kosten- und Entschädigu ngsfolgen zu Lasten der Vorinstanz (Ziff. 6). E. Mit Verfügung vom 29. September 2021 wurde der Be schwerde superprovisorisch die aufschiebende Wirkung erteilt. F. Am 6. Oktober 2021 erklärte die zum Verfahren beig eladene C.____ AG, dass sie nicht am Verfahren teilnehme und auf eine Parteistellung ve rzichte. Darauf wurde die Beigeladene mit Verfügung vom 21. Oktober 2021 aus dem Rubrum gestrichen. G. Mit Eingabe vom 13. Oktober 2021 teilte die Gemei nde mit, dass sie sich der Erteilung der aufschiebenden Wirkung nicht widersetze. Im Weiteren nahm sie Stellung zum Aktenein- sichtsgesuch der Beschwerdeführerin und bezeichnete diejenigen Aktenstücke, welche von der Einsicht auszunehmen seien. H. Am 10. November 2021 reichte die Gemeinde ihre Ver nehmlassung ein mit dem Be- gehren, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei diese abzuweisen. I. Mit Verfügung vom 17. November 2021 wurde das Gesu ch um Akteneinsicht teilweise gutgeheissen. Der Beschwerdeführerin wurde die Einsicht in die Bewertungstabellen betreffend die Angebote der Beschwerdeführerin und der Zuschlagsemp fängerin, den E-Mail-Verkehr zwi- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen der Vergabestelle und der Zuschlagsempfängerin bet reffend Preisbereinigung sowie die weiteren Unterlagen zur Preisbereinigung gewährt. J. Am 16. Dezember 2021 reichte die Beschwerdeführerin eine Replik ein, in welcher vollumfänglich an den gestellten Begehren festgehalten wird. K. In ihrer Duplik vom 28. Januar 2022 hält die Gemei nde ebenfalls an den gestellten Be- gehren fest. L. Mit Verfügung vom 2. Februar 2022 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen. M. Mit Eingabe vom 14. Februar 2022 reichte die Besch werdeführerin eine weitere Stel- lungnahme (Triplik) ein. N. Am 24. Februar 2022 reichte die Gemeinde ihrerse its eine weitere Eingabe ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 30 des Gesetzes über öffentliche Beschaffungen (BeG) vom 3. Juni 1999 in Verbindung mit § 31 lit. f BeG kann gegen eine Zuschl agsverfügung innerhalb von 10 Tagen nach Eröffnung des Zuschlages oder der schriftlichen Beg ründung Beschwerde beim Verwal- tungsgericht (heute: Kantonsgericht, Abteilung Verfassun gs- und Verwaltungsrecht) erhoben werden. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abteilun g Verfassungs- und Verwaltungsrecht, zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist somit ge geben (§ 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). 2.1 Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befugt , wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt is t und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Diese Voraussetzunge n müssen kumulativ erfüllt sein. Er- forderlich ist somit neben der formellen Beschwer (Teiln ahme am Verfahren vor der Vorinstanz bzw. keine Möglichkeit zur Teilnahme) zusätzlich eine mat erielle Beschwer in Form eines be- sonderen Berührtseins sowie eines aktuellen Interesses an de r Beschwerdeführung. Letzteres besteht im praktischen Nutzen, der sich ergibt, wenn ein Beschwerdeführer mit seinem Anlie- gen obsiegt und dadurch seine tatsächliche oder rechtliche Situation unmittelbar beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 18. Dezember 2013 [810 12 167] E. 1.2 ; KGE VV vom 31. März 2010 [810 09 106] E. 9.2; BGE 140 II 214 E. 2.1; A LFRED KÖLZ /ISABELLE HÄNER /M ARTIN BERTSCHI , Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Zürich 2013, N 940 ff.). Die materiel- le Beschwer der beim Vergabeverfahren nicht berücksichti gten oder vom Verfahren ausge- schlossenen Anbieter ist praxisgemäss dann gegeben, wenn d iese bei Gutheissung ihrer Be- schwerde eine realistische Chance haben, mit dem eigenen Angebot zum Zug zu kommen, oder wenn die Gutheissung der Beschwerde zu einer Wied erholung des Submissionsverfah- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rens führt, in dem sie ein neues Angebot einreichen könn en; andernfalls fehlt ihnen das schutzwürdige Interesse an der Beschwerdeführung (vgl. KGE VV vom 22. Juni 2016 [810 16 34] E. 2.2; KGE VV vom 27. April 2016 [810 15 252] E. 2.3; KGE VV vom 21. Januar 2015 [810 14 314] E. 2; BGE 141 II 14 E. 4). 2.2 Die Beschwerdeführerin hat als Anbieterin am Subm issionsverfahren teilgenommen. Sie macht geltend, das Angebot der Zuschlagsempfängerin sei unvollständig gewesen und hät- te deshalb vom Verfahren ausgeschlossen werden müssen. W ürde das Gericht dieser Argu- mentation folgen, so hätte die zweitplatzierte Beschwerdeführerin eine realistische Chance, den Zuschlag zu erhalten. Die Beschwerdeführerin hat daher ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Entscheids, weshalb ihre L egitimation zu bejahen ist. Ob sich ihre Rügen als begründet erweisen, ist entgegen der Auffassung der Gemeinde nicht im Rah- men der Legitimation, sondern der materiellen Beurteilung der Beschwerde zu prüfen. Da sämt- liche weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die vorliegende Beschwerde einzu- treten. 3. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 4. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Gemeind e zu Recht der C.____ AG im Rah- men der verfahrensgegenständlichen Ausschreibung den Zuschlag erteilte. 4.1 Die Beschwerdeführerin macht in der Beschwerdebegrü ndung zusammengefasst gel- tend, dass beim Angebot der Zuschlagsempfängerin der zwi ngend verlangte USB-Stick gefehlt habe. Das Angebot sei somit unvollständig gewesen und hätte entsprechend der unmissver- ständlichen Formulierung in den Ausschreibungsunterlagen vom Verfahren ausgeschlossen werden müssen (Beschwerdebegründung, Rz. 27 ff.). Zude m sei das Angebot der Zuschlags- empfängerin nach der Einreichung übermässig verändert worden. Die Gemeinde habe im Of- fertöffnungsprotokoll vom 29. Juni 2021 den Preis des A ngebots der Zuschlagsempfängerin auf Fr. 11'300.-- einmalig und Fr. 228'152.-- wiederkehr end beziffert. Der Zuschlag sei ihr dann je- doch zum Preis von Fr. 350'313.68 erteilt worden. Dami t seien offensichtlich nach Einreichung des Angebots erhebliche Veränderungen am Preis vorgenom men worden. Diese seien nicht transparent und die Gemeinde habe eine Auskunft dazu verweigert. Um eine Begründung für diese Preisveränderung zu erhalten, müsse die Beschwerdef ührerin die vorliegende Beschwer- de erheben (Beschwerdebegründung, Rz. 34 ff.). 4.2 Die Gemeinde führt in der Vernehmlassung zusammenge fasst aus, die Tatsache, dass die Zuschlagsempfängerin ihr inhaltlich vollständiges Angebot in Papierform, nicht aber in elekt- ronischer Form (USB-Stick) eingereicht habe, führe nicht zu einem Verfahrensausschluss. Na- mentlich wäre es überspitzt formalistisch bzw. unverhältnism ässig, eine Anbieterin nur deshalb vom Verfahren auszuschliessen, weil sie der Vergabestelle ihre inhaltlich vollständige Offerte in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Papierform und nicht zusätzlich elektronisch einreicht (V ernehmlassung, Rz. 018 ff.). Was die vorgenommene Preisbereinigung betreffe, so sei im Rah men der Angebotsevaluation festge- stellt worden, dass die Anbieterinnen offenbar ein unt erschiedliches Verständnis darüber ge- habt hätten, welche Lizenzen bei der Gemeinde bereits vorhanden seien. Offenbar hätten bei den Anbieterinnen unterschiedliche Wahrnehmungen darüb er bestanden, ob für ihre offerierte Lösung neue Lizenzen effektiv notwendig seien oder nicht. Die Beschwerdeführerin habe einer- seits Lizenzkosten für SQL Lizenzen (für die Datenbank-Se rver) und Exchange Lizenzen (für den E-Mail Server) offeriert. Dies letztlich ohne zu wi ssen, ob diese Lizenzen überhaupt not- wendig sind oder allenfalls infolge Vorbestehen übern ommen werden können. Die Zuschlags- empfängerin anderseits habe die Lizenzen nicht in ihren Angebotspreis einkalkuliert, weil sie offenbar davon ausgegangen sei, bereits vorhandene Li zenzen übernehmen zu können. Vor diesem Hintergrund seien die Offerten nicht ohne weit eres vergleichbar gewesen. Die Ver- gleichbarkeit habe stattdessen mittels Bereinigung der Angebote hergestellt werden müssen. Das sei vorliegend möglich gewesen. Aus Gleichheitsübe rlegungen und zum Zwecke der Ver- gleichbarkeit habe die Gemeinde das Angebot der Zuschl agsempfängerin deshalb um die zu- sätzlichen Kosten im Zusammenhang mit den neu abzuschlies senden Lizenzen erhöht. Des Weiteren habe die Gemeinde die von den Anbieterinnen offerierten einmaligen Kosten (Projekt- kosten) detailliert geprüft und auch hier zum Zwecke der Vergleichbarkeit und aus Gleichheits- überlegungen unwesentliche Anpassungen vorgenommen. Einer Vergabestelle sei es gestattet, Erläuterungen bei den Anbieterinnen einzuholen und die Angebote im vorgegebenen rechtli- chen Rahmen zu bereinigen, insbesondere, damit sie obje ktiv vergleichbar und für die weitere Prüfung zwecks Zuschlagserteilung bereit seien (Vernehmlassung, Rz. 031 ff.). 4.3 In ihrer Replik entgegnet die Beschwerdeführerin – nach gewährter Akteneinsicht – im Wesentlichen, dass das Angebot der Zuschlagsempfängerin bereits aufgrund des fehlenden USB-Sticks als unvollständig ausgeschlossen werden müsse. Na mentlich habe die Gemeinde im Pflichtenheft ausdrücklich angekündigt, dass nicht vol lständige Angebote ausgeschlossen werden (Replik, Rz. 35 ff.). Was die vorgenommene Verän derung des Angebotspreises anbe- lange, so gehe aus dem in den Akten befindlichen E-Mail-Verkehr zwischen der Zuschlagsemp- fängerin und der Gemeinde bzw. der in ihrem Auftrag handelnden D.____ AG hervor, dass die Zuschlagsempfängerin ihr Angebot nach dem Ablauf der E ingabefrist um fehlende Lizenzen habe ergänzen können. Die Zuschlagsempfängerin habe der D.____ AG am 19. Juli 2021 ein bereinigtes Preisblatt mit Erklärungen zugestellt, welch es neu einen jährlich wiederkehrenden Preis von Fr. 92'177.42 vorgesehen habe (Replik, Rz. 4 1 ff.). Sie habe die exakt benötigte An- zahl Lizenzen anbieten können, weil sie diese Zahl von der D.____ AG mitgeteilt erhalten habe. Demgegenüber habe die Beschwerdeführerin keine Möglich keit erhalten, ihr Angebot entspre- chend anzupassen bzw. um 12 Lizenzen, welche sie zu viel an geboten habe, zu reduzieren. Die Differenz der 12 Lizenzen mache über 4 Jahre ei nen Betrag von Fr. 11'721.60 aus (Replik, Rz. 66). In nicht nachvollziehbarer Weise sei in der Folge am Preisblatt der Zuschlagsempfän- gerin eine erneute Preisveränderung vorgenommen worde n, woraus ein Preis für jährlich wie- derkehrende Kosten von Fr. 81'783.-- resultiert habe (Replik, Rz. 69 ff.). Die Zuschlagsempfän- gerin habe unbestrittenermassen ein System ohne Lizenzen offeriert. Die Gemeinde versuche, ihr Vorgehen mit der Begründung zu beschönigen, dass be i den Anbietern ein "unterschiedli- ches Verständnis" darüber bestanden habe, welche Lizenze n bei der Gemeinde bereits vor- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht handen seien. Dieser Argumentation könne nicht gefolgt werden. Gemäss der von der Gemein- de ausgeschriebenen Server-Architektur könnten keine Lizenze n übernommen und verwendet werden, sondern der Serviceprovider müsse die entsprech enden Lizenzen beschaffen. Die Zu- schlagsempfängerin habe mit ihrem Angebot ohne Lizenze n für die Server/Storage-Umgebung somit ein technisch unvollständiges Angebot eingereicht. Ih r sei ein grober Fehler unterlaufen, welcher zum Ausschluss ihres Angebotes führen müsse. Es handle sich vorliegend nicht mehr um unwesentliche Erläuterungen, welche die Gemeinde bei der Zuschlagsempfängerin einge- holt habe, sondern um relevante Veränderungen des Ange bots nach Fristablauf (Replik, Rz. 74 ff.). 4.4 Die Gemeinde macht in der Duplik im Wesentlichen geltend, die Nichteinreichung des USB-Sticks führe nicht zur Unvollständigkeit des Angebots der Zuschlagsempfängerin. Zudem würden gemäss den Ausschreibungsunterlagen unvollständige Offerten lediglich "grundsätzlich" nicht berücksichtigt. Die Ausschreibungsunterlagen liessen somit einen Ermessensspielraum zu (Duplik, Rz. 023 f.). Im Weiteren führe die Beschwerdeführerin zwar zutreffend aus, dass Ange- bote nach ihrer Einreichung grundsätzlich unveränderbar seien. Allerdings sei dieser Grundsatz nicht als absolutes Änderungsverbot zu verstehen. Einer Vergabestelle sei es gestattet, Erläute- rungen bei den Anbieterinnen einzuholen und die Ange bote im vorgegebenen rechtlichen Rah- men zu bereinigen, insbesondere, damit sie objektiv vergl eichbar und für die weitere Prüfung zwecks Zuschlagserteilung bereit seien. Einer Vergabestelle sei es namentlich gestattet, Ange- bote zusammen mit den Anbieterinnen hinsichtlich der L eistungen sowie der Modalitäten ihrer Erbringung zu bereinigen. Eine Bereinigung sei insbeson dere dann der richtige Schritt, wenn die Form oder die Art der in der Offerte enthaltene n Erklärungen einen Vergleich mit den übri- gen Angeboten noch nicht zuliessen (Duplik, Rz. 020 f.) . Aufgrund der Kommunikation in der Fragerunde habe die Beschwerdeführerin davon ausgehen dürfen, dass bestehende Lizenzen übernommen werden könnten und es nur teilweise neue Lizenzen brauche. Betreffend die An- forderungen in der Ausschreibung habe diesbezüglich ein unterschiedliches Verständnis ent- stehen können. Es sei nicht zulässig, der Zuschlagsempfängerin daraus einen Vorwurf ("grober Fehler") konstruieren zu wollen. Das Angebot der Zuschla gsempfängerin könne entsprechend nicht einfach als unvollständig oder "nicht funktionier end" qualifiziert werden (Duplik, Rz. 040 ff.). Die Angebote der Beschwerdeführerin und der Zuschlagsempfängerin seien so- dann in transparenter Weise bereinigt worden. Die Zu schlagsempfängerin sei verpflichtet wor- den, ihr Angebot zu bereinigen und aufgrund neuer Er kenntnisse den Preis ihres Angebots (zu ihrem Nachteil) zu erhöhen. Das Angebot der Beschwerdef ührerin sei im Bereinigungsprozess ebenfalls angepasst und damit verbessert worden. Was die erforderliche Anzahl Lizenzen an- belange, so würde die Beschwerdeführerin auch mit der geltend gemachten Differenz von Fr. 11'721.60 für die 12 zu viel angebotenen Lizenzen nicht auf den ersten Platz vorrücken (Duplik, Rz. 033 ff.). Die von der Beschwerdeführerin erwähnte abschliessende Anpassung des Angebots der Zuschlagsempfängerin auf Fr. 81'783.-- j ährlich sei im Rahmen des Bereini- gungsverfahrens erfolgt. Namentlich habe die Zuschlagsem pfängerin auf Anleitung der D.____ AG im zwischenzeitlichen Angebot mit höherem Pre is noch weitere Kosten im Bereich Backupstrategie eingerechnet. Die Gemeinde habe auch in diesem Bereich (gleiche Anzahl Backups, Speicher usw.) eine Vergleichbarkeit der Angebote (Harmonisierung Backupstrategie) angestrebt. Diese Harmonisierung habe noch einmal Anpassungen am Angebot (Reduktion der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorher bereits eingerechneten Zusatzkosten) notwendig gem acht und zur abschliessenden An- passung des Preises auf Fr. 81'783.-- geführt. Von Pre isabsprachen könne keine Rede sein (Duplik, Rz. 039). 5.1.1 Gemäss § 23 Abs. 1 BeG sind Angebote schriftlich, vollständig und innert der angege- benen Frist einzureichen. Sie müssen die in der Ausschr eibung genannten Vorgaben einhalten (§ 23 Abs. 1 BeG Satz 2). Unvollständige oder verspätet eingetroffene Angebote werden aus- geschlossen (§ 23 Abs. 2 BeG). Im Rahmen der Prüfung d er Angebote sind offensichtliche Irr- tümer wie Rechnungs- und Schreibfehler zu berichtigen, wobei die Berichtigungen in einer Ak- tennotiz festzuhalten sind (§ 24 Abs. 4 der Verordnung zum Beschaffungsgesetz [BeV] vom 25. Januar 2000). Ebenfalls sind Rückfragen zur Klärung des Offertinhalts bzw. die Aufarbei- tung der Angebote auf eine einheitliche Vergleichsbasi s zulässig (§ 25 Abs. 2 BeG und § 25 Abs. 3 BeV). Verhandlungen über Preise und Preisnachlä sse sind unzulässig, soweit nicht das freihändige Verfahren durchgeführt wird (§ 25 Abs. 1 BeG). 5.1.2 Die Vollständigkeit der Angebote ist für einen ko rrekten und transparenten Vergleich der Offerten von grundlegender Bedeutung. Unvollstän digen Angeboten gegenüber ist deshalb in Nachachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes eine st renge Haltung am Platz (vgl. HERBERT LANG , Offertenbehandlung und Zuschlag im öffentlichen Bescha ffungswesen, in: ZBl 2000 S. 335; Urteil des Bundesgerichts 2D_34/201 0 vom 23. Februar 2011 E. 2.3). Eine Unvollständigkeit im Sinne von § 23 Abs. 1 BeG und damit ein Ausschlussgrund ist jedoch nur dann anzunehmen, wenn der Mangel eine gewisse Schwere aufweist. Als Folge des Verhält- nismässigkeitsprinzips darf ein Anbieter wegen unbedeutender Mängel der Offerte nicht ausge- schlossen werden (vgl. P ETER GALLI /ANDRÉ MOSER /ELISABETH LANG /MARC STEINER , Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, Zürich/Basel/Genf 2013, Rz 444). Beim Entscheid darüber, ob ein Angebot auszuschliessen ist, kommt der Vergabestelle ein erhebliches Ermessen zu. Nach der Rechtsprechung ist ein Angebot namentlich dann zwingend vom Verfahren auszuschlies- sen, wenn es sich in Bezug auf wesentliche Punkte als unvol lständig erweist. Zu einem Aus- schluss führen muss beispielsweise das Fehlen ganzer Angebot steile oder von Angaben, wel- che sich auf das Preis-/Leistungsverhältnis einer Offerte auswirken (vgl. KGE VV vom 9. März 2016 [810 15 295] E. 6.3 mit Hinweisen). 5.1.3 Eine Bereinigung der Angebote ist nach der Rec htsprechung grundsätzlich nur denk- bar als vertiefte Prüfung, in deren Rahmen technische und rechnerische Überlegungen gestat- tet sind, um die objektive Vergleichbarkeit der eingega ngenen Offerten herzustellen. Dies darf jedoch – abgesehen von der Korrektur offensichtlicher Ir rtümer – nicht zu einer Änderung der Angebote führen (vgl. KGE VV vom 21. Januar 2015 [81 0 14 272] E. 4.1). Bereinigung im vergaberechtlichen Sinne heisst mithin ausschliesslich Klarste llung und allenfalls gleichwertige Umformulierung oder Neudarstellung von bereits Vorha ndenem, nicht jedoch verhandlungswei- se Bereinigung von Differenzen zwischen den Wünschen der V ergabestelle und jenen des Bie- ters (vgl. MARTIN BEYELER , Der Geltungsanspruch des Vergaberechts, Zürich 2012, Rz . 2144). Bestehen nach Eingang der Angebote Unklarheiten über deren Inhalt, kann die Vergabeinstanz von den Anbietenden zusätzliche Erläuterungen verlangen ; diese dürfen jedoch nicht dazu die- nen, den Inhalt des Angebots nachträglich zu ändern. Rü ckfragen haben dementsprechend mit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht der nötigen Zurückhaltung zu geschehen und es dürfen d abei insbesondere keine Informatio- nen einfliessen, die sich nicht zwingend aus einer Interp retation des Angebots ergeben, son- dern die – je nach Auskunft – das Wettbewerbsergebnis n achträglich verändern könnten. Eben- so ist der Grundsatz der Gleichbehandlung zu beachten, d.h. die Anbietenden sind auch bezüg- lich solcher Abklärungen gleich zu behandeln, mindestens soweit sie eine reelle Chance auf den Zuschlag haben (vgl. H ERBERT LANG , Offertenbehandlung und Zuschlag im öffentlichen Beschaffungswesen, in: Schweizerisches Zentralblatt für S taats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 101/2000, S. 238; GALLI /MOSER /LANG /STEINER , a.a.O., Rz. 707 ff.). 5.2.1 Gegenstand der verfahrensgegenständlichen Ausschr eibung ist die Auslagerung ("Outsourcing") der Server-Infrastruktur der Gemeindeverwaltung B.____, welche aktuell vor Ort durch einen externen Dienstleister betrieben wird, in ein externes Rechenzentrum (vgl. RFP ["Request for Proposal"] Gemeinde B.____, IT-Outsourci ng Server-Infrastruktur, Pflichtenheft zur Ausschreibung eines IT-Dienstleisters für das Outsour cing der Server-Infrastruktur [nachfol- gend: Pflichtenheft], S. 6). Dem Pflichtenheft kann entnommen werden, dass der anbietende IT- Dienstleister den Betrieb der gesamten Server-Infrastr uktur inkl. dazugehörige Software sicher- stellen soll (Pflichtenheft, Ziff. 6.5). Weiter wird im Pflichtenheft festgehalten, dass die Offerte sämtliche Preiselemente (Gesamtkosten) sowie alle übrigen gemäss dieser Ausschreibung ver- langten Angaben und Bestandteile enthalten muss. Unv ollständige Offerten werden grundsätz- lich nicht berücksichtigt (Pflichtenheft, Ziff. 9.1). Di e Kosten des Angebots waren im Einzelnen im Formular "Preisblatt" auszuweisen, welches zwischen ein maligen Kosten (Projektkosten) und wiederkehrenden Kosten (Betriebskosten) unterscheide t. In der im Preisblatt aufgeführten "Anleitung" wird unter anderem folgendes festgehalte n: "Alle Kosten (einmalig und wiederkeh- rend) sind auf diesem Preisblatt gemäss Angebotsbeschrei bung im RFP und den Anforderun- gen im Anhang vollständig auszuweisen. Die Anbieter si nd dafür verantwortlich, dass alle dafür benötigten Positionen erfasst sind. Durch Verrechnung a ller vorgegebenen und selbstdeklarier- ten Positionen in diesem Preisblatt (laufend und wiede rkehrend) sollen die TCO ("Total Cost of Ownership") für 1 bzw. 4 Jahre abschliessend berechnet werden können." Zusätzlich hatten die Anbieter auf dem Formular "Erklärung" zu bestätigen, dass sie im Rahmen ihres Angebots alle massgebenden Leistungen in der Preiskalkulation berücksichtigt und auf dem Preisblatt ausge- wiesen haben (Formular "Erklärung", E1.5). 5.2.2 Anlässlich der Beantwortung der Anbieterfragen führte die Gemeinde aus, dass kein "Server-Housing/Colocation", sondern eine Lösung mit " Private Cloud" gewünscht sei (Beilage 10 der Vernehmlassung, Fragen 3 und 6). Die Frage, ob Lizenzen (SQL, Windows) einkalkuliert werden müssten, wurde von der Gemeinde wie folgt beant wortet: "Es können die bestehenden Lizenzen übernommen werden. Wo es aufgrund der offeri erten Lösung neue Lizenzen braucht, müssen die ins Angebot einkalkuliert und im Preisblatt a usgewiesen werden. Was für Lizen- zen/Versionen notwendig sind, liegt in der Verantwortu ng des Anbieters." (Frage 5). Weiter wurde auf Frage ausgeführt, dass für die Fach- und Büroapplikationen entsprechende Lizenzen vorhanden seien und nicht einkalkuliert werden müssten (Frage 9). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.3 Der von der Zuschlagsempfängerin offerierte Prei s beläuft sich gemäss dem Protokoll über die Öffnung der Angebote vom 29. Juni 2021 auf Fr. 239'352.--, bestehend aus einmaligen Kosten von Fr. 11'300.-- sowie wiederkehrenden Kosten v on Fr. 228'052.-- (bzw. Fr. 57'013.-- jährlich). Im Rahmen einer gemeinsam mit der Zuschlagse mpfängerin durchgeführten Bereini- gung des Angebots wurde dieser Preis auf insgesamt Fr. 350'313.68 erhöht. Die fragliche Be- reinigung lässt sich im Einzelnen dem E-Mail-Verkehr zw ischen der Zuschlagsempfängerin und der im Auftrag der Gemeinde handelnden D.____ AG sow ie dem in den Akten befindlichen Preisblatt "Erklärungen Bereinigung C.____" entnehmen (Beilagen 6 und 7 der Vernehmlas- sung). Danach erfolgte einerseits eine Erhöhung der Pro jektkosten von Fr. 11'300.-- auf Fr. 23'180.--, welche unter anderem auf den Einbezug der Kosten von Workshops zurückzufüh- ren ist. Anderseits wurden die wiederkehrenden jährli chen Kosten zunächst von Fr. 57'013.-- auf Fr. 92'177.42 erhöht (E-Mails vom 14. Juli 2021 un d 19. Juli 2021). In der Folge fand eine erneute Anpassung dieser Kosten auf Fr. 81'783.-- statt, welche gemäss den Ausführungen der Gemeinde zur Herstellung der Vergleichbarkeit der Ang ebote im Bereich Backup-Strategie (gleiche Anzahl Backups, Speicher etc.) erfolgt sei (Dup lik, Rz. 039). Die Erhöhung der wieder- kehrenden Kosten ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die Zuschlagsempfängerin nachträglich Kosten für Lizenzen einkalkulierte, welche im ursprünglichen Angebot nicht enthal- ten waren. 5.2.4 Nach der Offertöffnung wurde auch das Angebot der Beschwerdeführerin bereinigt bzw. angepasst. Die Bereinigung umfasste einerseits eine R eduktion der Projektkosten um Fr. 1'650.--, indem eingerechneter Aufwand für Unvor hergesehenes (Reserve) weggelassen wurde. Anderseits wurde auch der Aufwand für die Bet riebskosten um eine Reserve für Unvor- hergesehenes von Fr. 3'960.-- jährlich reduziert und es w urden Kosten betreffend "DataCenter Anbindung" von Fr. 5'940.-- gestrichen. Die Bereinigun g des Angebots der Beschwerdeführerin hatte mithin zur Folge, dass offerierte Leistungen re duziert bzw. gestrichen wurden. Eine Un- vollständigkeit des Angebots der Beschwerdeführerin steh t demnach unbestrittenermassen nicht im Raum. 5.3.1 Strittig ist, ob die Bereinigung des Angebots de r Zuschlagsempfängerin – namentlich, soweit sich diese auf nicht offerierte Lizenzen bezog – zu Recht erfolgte oder ob das Angebot zufolge Unvollständigkeit vom Verfahren hätte ausgeschlossen werden müssen. 5.3.2 Die Gemeinde macht wie dargelegt (E. 4.2 und E . 4.4 hiervor) geltend, dass die Anbie- terinnen ein unterschiedliches Verständnis darüber geh abt hätten, welche Lizenzen bei der Gemeinde bereits vorhanden seien. Es hätten zulässigerw eise unterschiedliche Wahrnehmun- gen darüber bestanden, ob für die offerierte Lösung n eue Lizenzen notwendig seien oder nicht. Vor diesem Hintergrund seien die Offerten nicht ohne weiteres miteinander vergleichbar gewe- sen und die Vergleichbarkeit habe mittels Bereinigung der Angebote hergestellt werden müs- sen. 5.3.3 Der Gemeinde kann dahingehend gefolgt werden, dass die Zuschlagsempfängerin davon ausging, für die von ihr offerierte Lösung beste hende Lizenzen übernehmen zu können. Namentlich führt sie in ihrem Angebot unter dem Titel "Anmerkungen & Vorbehalte" aus, sie sei Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der Annahme ausgegangen, dass die Lizenzen für Microso ft Office, SQL und Exchange Server sowie jegliche weitere Anwendungs-, Datenbank- u nd Client Access-Lizenzen über- nommen werden könnten (Angebot der Zuschlagsempfänger in, Ziff. 3.1.5). Wie die Beschwer- deführerin zutreffend festhält und von der Gemeinde ni cht bestritten wird, stehen bei einer "Pri- vate Cloud"-Lösung, wie sie vorliegend anzubieten war, die Server im Eigentum des Dienstleis- ters und nicht der Gemeinde (Replik, Rz. 18 ff.). Eben falls ist unbestritten, dass bei dieser Lö- sung die IT-Anbieter die notwendigen Server mit alle n zum Betrieb der Server notwendigen Li- zenzen zur Verfügung stellen müssen (Replik, Rz. 25 f.). D ie Annahme der Zuschlagsempfän- gerin, wonach bestehende Lizenzen übernommen werden k önnen, erweist sich demnach als unzutreffend, was von der Gemeinde zu Recht nicht best ritten wird. Soweit die Gemeinde gel- tend macht, die Anbieter hätten zulässigerweise von e inem unterschiedlichen Verständnis über die zu offerierenden Lizenzen ausgehen dürfen, kann ihr nicht gefolgt werden. Wie bereits aus- geführt (E. 5.2.1 hiervor), musste die Offerte sämtliche Preiselemente (Gesamtkosten) enthal- ten und waren sämtliche einmaligen und wiederkehrend en Kosten auf dem Preisblatt gemäss der Angebotsbeschreibung im RFP und den Anforderunge n im Anhang vollständig auszuwei- sen. Auch wurde explizit festgehalten, dass die Anbieter dafür verantwortlich sind, dass alle dafür benötigten Positionen erfasst sind. Entsprechend l ag es in der Verantwortung der Anbie- ter, sämtliche für den Betrieb der Server notwendigen Leistungen zu offerieren bzw. die ent- sprechenden Kosten – einschliesslich der Kosten für Lizenze n – auszuweisen. Nichts anderes ergibt sich aus der Antwort der Gemeinde zu Frage 6 i m Rahmen der Fragerunde. Darin wird ausdrücklich festgehalten, dass neue Lizenzen, welche aufgr und der offerierten Lösung benö- tigt werden, in das Angebot einkalkuliert und im Prei sblatt ausgewiesen werden müssen. Zu- dem wird explizit darauf hingewiesen, dass es in der Verantwortung des Anbieters liege, was für Lizenzen/Versionen notwendig sind (E. 5.2.2 hiervor). De mnach wirkt sich ein allfälliger Irrtum über die Notwendigkeit von (neuen) Lizenzen zulasten des jeweiligen Anbieters aus. Soweit die Zuschlagsempfängerin fälschlicherweise davon ausging, dass sie für die offerierte Lösung be- stehende Lizenzen übernehmen kann, hat sie die Folgen eines allfälligen damit verbundenen Mangels ihres Angebots zu tragen. Als unbehelflich erwei st sich der Hinweis der Gemeinde, auch die übrigen Anbieter seien hinsichtlich der anzubi etenden Lizenzen von einem jeweils un- terschiedlichen Verständnis ausgegangen. Inwiefern dies d er Fall sein soll, ist nicht ersichtlich und wird von der Gemeinde auch nicht weiter ausgeführ t. Dass die fraglichen Anbieter nicht sämtliche erforderlichen Lizenzen offeriert bzw. die entsp rechenden Kosten in ihren Angeboten einkalkuliert hätten, wird von der Gemeinde zu Recht nicht geltend gemacht. 5.3.4 Wie bereits ausgeführt (E. 5.1.3 hiervor), darf eine Angebotsbereinigung nicht dazu dienen, den Inhalt eines Angebots nachträglich zu ve rändern. Letzteres war in Bezug auf das Angebot der Zuschlagsempfängerin jedoch offenkundig der Fall. Das Angebot wurde nicht bloss zur Herstellung der Vergleichbarkeit mit den anderen Angeboten – namentlich dem Angebot der Beschwerdeführerin – auf eine einheitliche Basis gebrach t. Vielmehr wurde der Zuschlagsemp- fängerin Gelegenheit eingeräumt, die für den Betrie b der Server notwendigen Lizenzen nach- träglich zu offerieren. Das Angebot der Zuschlagsempfän gerin wurde im Rahmen der Bereini- gung um fehlende Lizenzen ergänzt, was zu einer Erhöhu ng der wiederkehrenden jährlichen Kosten von Fr. 57'013.-- auf Fr. 81'783.-- führte. Eine derartige Anpassung des Leistungsinhalts bzw. des Preises geht über das vergaberechtlich zulässige Mass einer Bereinigung im Sinne Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Klarstellung oder Neudarstellung der offerierten Leistung deutlich hinaus und die Gemein- de hat das ihr diesbezüglich zustehende Ermessen übersch ritten. Eine Bereinigung wäre vor- liegend allenfalls in Bezug auf die Anzahl der erford erlichen Lizenzen zulässig gewesen. Von einer diesbezüglichen Bereinigung hat die Gemeinde je doch gerade abgesehen, hat sie es doch unterlassen, das Angebot der Beschwerdeführerin um die 12 zu viel offerierten SQL- Lizenzen zu reduzieren. 5.4.1 Nach dem Gesagten erweist sich das Angebot der Zusch lagsempfängerin mit Blick auf die fehlenden Lizenzen als in einem wesentlichen Punkt unvollständig. Das fragliche Angebot hätte deshalb zufolge Unvollständigkeit vom Verfahren ausgeschlossen werden müssen. Der angefochtene Zuschlagsentscheid ist demnach in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Auf die Rüge, das Angebot der Zuschlagsempfängerin wäre auch mangels Einreichung in elekt- ronischer Form (USB-Stick) vom Verfahren auszuschliessen gew esen, braucht unter diesen Umständen nicht eingegangen zu werden. 5.4.2 Die Aufhebung des Vergabeentscheids hat regelmässi g eine Rückweisung an die Vergabebehörde zur Folge, da eine Zuschlagserteilung d urch das Gericht im Sinne eines re- formatorischen Entscheids praxisgemäss nur mit Zurückhaltung vorzunehmen ist (vgl. BGE 146 II 276 E. 6.2.1). Die Angelegenheit ist daher an die Gemeinde zurückzuweisen, damit diese unter Ausschluss des Angebots der Zuschlagsempfängerin ei nen neuen Entscheid über den Zuschlag trifft. Soweit die Gemeinde zum Schluss kommt, dass die übrigen Anbieterinnen kei- nerlei Chancen auf den Zuschlag haben, wird sie den Zu schlag der Beschwerdeführerin zu er- teilen haben. 6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Im vorliegenden Fall sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- der unterliegenden Gemeinde aufzuerlegen. 6.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Ausgangsgemäss ist der Beschwerdeführerin eine Partei- entschädigung zulasten der Gemeinde zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 23. Februar 2022 geltend gemachte Aufwand von 29.7 Stunden erwei st sich als angemessen. In Berück- sichtigung der Schwierigkeit und Bedeutung der Sache ist der Stundenansatz auf Fr. 280.-- und das Honorar damit auf Fr. 9'225.-- (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) festzusetzen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid der Beschwerdegeg- nerin vom 24. August 2021 aufgehoben und die Angelegenheit zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegeg nerin zu- rückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- werden der Be- schwerdegegnerin auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'500.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 9'225.-- (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) zulasten der Beschwerde- gegnerin zugesprochen. Präsidentin Gerichtsschreiber