<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 7 S.43</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">43</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Zivilprozessrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Zivilprozessordnung</b></span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>7</b></span> <span class="ft3"><b>§ 125 ZPO. § 132 ZPO. Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Wiedererwägung der Verfügung.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Der Entscheid über die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege, mit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>welchem in einem Administrativverfahren in Begründung eines öffent-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lichrechtlichen Rechtsverhältnisses über eine staatliche Leistung ent-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schieden wird, erwächst nicht in materielle Rechtskraft und kann deshalb</b></span><br/> <span class="ft3"><b>wegen ursprünglicher Unrichtigkeit oder nachträglicher Änderung des</b></span><br/> <span class="ft3"><b>massgeblichen Sachverhalts vom Richter, der den Entscheid gefällt hat,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>von Amtes wegen oder auf entsprechenden Antrag jederzeit bis zum</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Endentscheid in Wiedererwägung gezogen und abgeändert werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 29. Juli 2005 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen G.J. H.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft6">1. Der Gesuchsteller reichte gegen den sein Gesuch um unent-</span><br/> <span class="ft6">geltliche Rechtspflege für die Gerichtskosten vom 4. Februar 2005</span><br/> <span class="ft6">abweisenden Entscheid der Präsidentin des Bezirksgerichts R. vom</span><br/> <span class="ft6">15. April 2005 keine Beschwerde ein, obwohl er in der Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft6">belehrung dieses Entscheids über das ihm zustehende Rechtsmittel</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerde belehrt worden war. Er stellte stattdessen bei der</span><br/> <span class="ft6">Vorinstanz am 9. Mai 2005 ein Wiedererwägungsgesuch, auf welches</span><br/> <span class="ft6">diese mit Entscheid vom 17. Mai 2005 mit der Begründung nicht ein-</span><br/> <span class="ft6">trat, der Entscheid über die Bewilligung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft6">Rechtpflege gelte als unabänderlicher Entscheid, welcher selbständig</span><br/> <span class="ft6">weiterziehbar und deshalb der Wiedererwägung nicht zugänglich sei.</span><br/> <span class="ft6">Gegen diesen Nichteintretensentscheid erhob der Gesuchsteller Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">44</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">2. Gemäss § 134 Abs. 1 ZPO kann gegen einen Entscheid des</span><br/> <span class="ft6">Gerichtspräsidenten, durch welchen die unentgeltliche Rechtspflege</span><br/> <span class="ft6">verweigert, die Bewilligung widerrufen oder die Nachzahlung ange-</span><br/> <span class="ft6">ordnet wird, Beschwerde geführt werden. Der das Gesuch abweisen-</span><br/> <span class="ft6">de Entscheid entbehrt der materiellen Rechtskraft, sodass das Gesuch</span><br/> <span class="ft6">jederzeit in verbesserter Form neu gestellt werden kann (Büh-</span><br/> <span class="ft6">ler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargauischen Zivilprozessord-</span><br/> <span class="ft6">nung, Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg 1998, N 7 zu § 129). Da</span><br/> <span class="ft6">das Wiedererwägungsgesuch des Gesuchstellers vom 9. Mai 2005 ei-</span><br/> <span class="ft6">nem solchen erneuerten Gesuch gleichkommt und mit dem Nichtein-</span><br/> <span class="ft6">tretensentscheid der Präsidentin des Bezirksgerichts R. vom 17. Mai</span><br/> <span class="ft6">2005 die beantragte unentgeltliche Rechtspflege verweigert wird,</span><br/> <span class="ft6">muss gegen diesen Entscheid die Beschwerde gemäss § 134 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">ZPO gegeben sein und es ist darauf einzutreten.</span><br/> <span class="ft6">3. Der Entscheid über die Bewilligung der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft6">Rechtspflege ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz kein</span><br/> <span class="ft6">unabänderlicher Entscheid, welcher der Wiedererwägung grundsätz-</span><br/> <span class="ft6">lich nicht zugänglich wäre. Er ist ein prozessleitender Entscheid, mit</span><br/> <span class="ft6">welchem in einem Administrativverfahren in Begründung eines</span><br/> <span class="ft6">öffentlichrechtlichen Rechtsverhältnisses über eine staatliche Leis-</span><br/> <span class="ft6">tung entschieden wird, der demzufolge nicht in materielle Rechts-</span><br/> <span class="ft6">kraft erwächst (Beat Ries, Die unentgeltliche Rechtspflege nach der</span><br/> <span class="ft6">aargauischen Zivilprozessordnung vom 18. Dezember 1984, Aarau</span><br/> <span class="ft6">1990, S. 116, 123, 256; Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O., N 7 zu</span><br/> <span class="ft6">§ 129, N 1 zu § 132, N 2 zu § 134; Frank/Sträuli/Messmer, Kom-</span><br/> <span class="ft6">mentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, Zürich 1997, N 23 zu</span><br/> <span class="ft6">§ 191; Leuch/Marbach/Kellerhals/Sterchi, Die Zivilprozessordnung</span><br/> <span class="ft6">für den Kanton Bern, Bern 2000, Bem. vor Art. 333 Abs. 3; Walder-</span><br/> <span class="ft6">Richli, Zivilprozessrecht nach den Gesetzen des Bundes und des</span><br/> <span class="ft6">Kantons Zürich unter Berücksichtigung anderer Zivilprozessordnun-</span><br/> <span class="ft6">gen, Zürich 1996, N 140 zu § 26) und deshalb grundsätzlich wie eine</span><br/> <span class="ft6">auf Dauer angelegte öffentlichrechtliche Verfügung wegen ursprüng-</span><br/> <span class="ft6">licher Unrichtigkeit oder nachträglicher Änderung des massgeblichen</span><br/> <span class="ft6">Sachverhalts vom Richter, der den Entscheid gefällt hat, von Amtes</span><br/> <span class="ft6">wegen oder auf entsprechenden Antrag jederzeit bis zum Endent-</span><br/> <span class="ft6">scheid in Wiedererwägung gezogen und abgeändert werden kann</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">(Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O., N 7 zu § 129 und N 1 zu § 132,</span><br/> <span class="ft6">Leuch/Marbach/Kellerhals/Sterchi, a.a.O.; Walder-Richli, a.a.O.;</span><br/> <span class="ft6">Merz, Die Praxis zur thurgauischen Zivilprozessordnung, Bern 2000,</span><br/> <span class="ft6">N 3a zu § 105; Staehelin/Sutter, Zivilprozessrecht nach den Gesetzen</span><br/> <span class="ft6">der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft unter Einbezug des</span><br/> <span class="ft6">Bundesrechts, Zürich 1992, N 23 zu § 12; Entscheid der 4. Zivilkam-</span><br/> <span class="ft6">mer des Obergerichts vom 7. Juni 2000 Erwägung 1 a</span><br/> <span class="ft6">[SU.2000.00168]). Einen Anspruch auf Wiedererwägung hat die ge-</span><br/> <span class="ft6">suchstellende Partei indessen nicht, jedenfalls nicht ohne Änderung</span><br/> <span class="ft6">der massgebenden Verhältnisse. Der Richter darf in einem solchen</span><br/> <span class="ft6">Fall einem Wiedererwägungsgesuch entsprechen, muss aber nicht</span><br/> <span class="ft6">(Frank/Sträuli/Messmer, a.a.O.; Walder-Richli, a.a.O.; Merz, a.a.O.),</span><br/> <span class="ft6">zumal wenn wie im vorliegenden Fall gegen den das Gesuch abwei-</span><br/> <span class="ft6">senden Entscheid ein ordentliches Rechtsmittel wie die Beschwerde</span><br/> <span class="ft6">gemäss § 335 ff. ZPO zur Verfügung stand und damit ein Rechts-</span><br/> <span class="ft6">schutzinteresse an einer Wiedererwägung nicht zu sehen ist. Insofern</span><br/> <span class="ft6">ist der angefochtene Entscheid der Vorinstanz nicht zu beanstanden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>