A bteilung IV D -5847/2006 sch/bah {T 0/2} U rteil vom 25. Juli 2007 M itw irkung: R ichter H ans Schürch, W alter Lang, Bendicht Tellenbach G erichtsschreiber C hristoph Basler A ._______, geboren _______, Türkei, vertreten durch Edith H ofm ann, Zürcher Freiplatzaktion für Asylsuchende, _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 24. M ärz 2006 i.S. A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer, ein ethnischer Kurde alevitischen G laubens m it letztem W ohnsitz in A._______ (Provinz Karam anm aras) verliess die Türkei eigenen An- gaben gem äss am 10. Februar 2006 und gelangte am 14. Februar 2006 in die Schw eiz, w o er gleichentags um Asyl nachsuchte. Bei der Em pfangszentrenbefra- gung vom 21. Februar 2006, die in B._______ stattfand, sagte er aus, er sei von der Polizei und der G endarm erie unterdrückt w orden. Er habe bei der Fam ilie sei- nes O nkels m ütterlicherseits gelebt, die von den Behörden abgestem pelt sei. D er eigentliche Ausreisegrund sei der bevorstehende M ilitärdienst gew esen. M an habe ihn zw ischen den Jahren 2003 und 2005 vier- oder fünfm al festgenom m en. Im April 2005 sei er letztm als in U ntersuchungshaft genom m en w orden; die Polizei habe ihn beschim pft, ihn etw as geschlagen und ihn gefoltert. D anach sei er den M ilitärbehörden übergeben w orden, die ihm gesagt hätten, er m üsse in den M ilitär- dienst einrücken. M an habe ihm gesagt, dort w erde m an es ihm schon zeigen. Er habe seit seiner Kindheit die PKK unterstützt. D as BFM führte am 3. und 10. M ärz 2006 eine Anhörung des Beschw erdeführers durch. Er m achte im W esentlichen geltend, er habe vom H erbst 2004 bis zu seiner Ausreise vor allem in Istanbul gelebt. Vorher habe er bei seinem O nkel A._______ in A._______ gelebt. Seine M utter sei 1994 oder 1995 aufgrund des D rucks und der Folter nach D eutschland gegangen. D ie Brüder seiner M utter und andere Ver- w andte seien politisch tätig; seine M utter sei w egen der U nterstützung dieser An- gehörigen festgenom m en und m isshandelt w orden. Im April 2005 sei er in Istanbul auf dem Passbüro festgenom m en und auf einen Polizeiposten gebracht w orden, w o m an ihn drei Tage lang festgehalten habe; er sei beleidigt und beschim pft w or- den. M an habe ihn geschlagen und über seine C ousins befragt. Später sei er auf einen M ilitärposten gebracht w orden, w o er von einem Kom m andanten m assiv be- schim pft und grob behandelt w orden sei. M an habe ihm eine Frist von zw ei Tagen zum Einrücken gegeben. M an habe ihm gesagt, im D ienst w erde er "sein W under" erleben, m an w isse, aus w elcher Fam ilie er stam m e. Es w äre für ihn sehr gefähr- lich gew esen, in den M ilitärdienst einzurücken. D er letzte aus seiner Verw andt- schaft, der 1994 oder 1995 D ienst geleistet habe, habe sehr leiden m üssen. Ein w eiterer Asylgrund sei seine H ilfeleistung an die PKK - er habe dieser einige M ale Lebensm ittel gebracht -, er sei deshalb zw ischen den Jahren 2000 bis 2003 vier - oder fünfm al auf den Posten m itgenom m en w orden, w o m an ihn bis zu zw ei Tagen festgehalten habe. Im M ai 2003 seien die G endarm en in ihr H aus gekom m en und hätten ihn m it einem G ew ehrkolben derart geschlagen, dass seine Zähne beschä- digt w orden seien. Für den Inhalt der w eiteren Aussagen w ird auf die Akten ver- w iesen. B. M it Verfügung vom 24. M ärz 2006 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschw er- deführers ab, und verfügte dessen W egw eisung sow ie den Vollzug derselben. C . M it Eingabe an die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) vom 24. April 2006 beantragte der Beschw erdeführer durch seine R echtsvertreterin, die Verfü- gung des BFM sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gew ähren. Eventuell sei festzu-3 stellen, dass der W egw eisungsvollzug w eder zulässig noch zum utbar sei und ihm die vorläufige Aufnahm e zu gew ähren. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses zu verzichten und ihm die vorläufige Aufnahm e zu gew ähren. D er Einga- be lagen m ehrere Bew eism ittel bei (vgl. S. 15 der Eingabe). D . M it Zw ischenverfügung vom 27. April 2006 entsprach der Instruktionsrichter der AR K dem G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsver- fahren (Vw VG , SR 172.021). E. D as BFM beantragte in seiner Vernehm lassung vom 15. Juni 2006 die Abw eisung der Beschw erde. F. D er Beschw erdeführer überm ittelte dem Bundesverw altungsgericht am 14. Juni 2007 eine w eitere Eingabe m it Bew eism itteln. G . D er Instruktionsrichter des Bundesverw altungsgerichts gab der R echtsvertreterin m it Zw ischenverfügung vom 11. Juli 2007 G elegenheit zur Einreichung einer Kos- tennote; diese w urde dem Bundesverw altungsgericht am 14. Juli 2007 überm ittelt. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorins- tanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Ver- fügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängig gew esenen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m it- hin einzutreten. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. 4 Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 4. 4.1 D as BFM begründete seine Verfügung dam it, dass der Beschw erdeführer in m eh- rerer H insicht w idersprüchliche Aussagen zu den geltend gem achten Festnahm en gem acht habe. D es W eiteren habe er bei der Erstbefragung erklärt, er sei im April 2005 auf dem Posten gefoltert w orden, w ährend er bei der D irektbefragung ausge- sagt habe, ihm seien dam als lediglich die H ände gefesselt und eine Tüte über den Kopf gezogen w orden; danach sei er geohrfeigt und getreten sow ie über seine C ousins ausgefragt w orden. Ebenso w idersprüchlich habe er sich zum bevorste- henden M ilitärdienst verlauten lassen. Bei der D irektanhörung habe er vorerst gel- tend gem acht, er habe für den 28. oder 29. April 2005 kein Aufgebot erhalten, da er untergetaucht gew esen sei; an anderer Stelle habe er behauptet, ein Aufgebot erhalten zu haben. Zur Festnahm e auf dem Passbüro habe er bei der D irektanhö- rung ausgesagt, er sei von der Polizei festgenom m en w orden, w eil er den M ilitär- dienst verw eigert habe. D agegen habe er an anderer Stelle beteuert, noch nie ein m ilitärisches Aufgebot erhalten zu haben. Auf Vorhalt hin habe er gesagt, er w isse, dass er den M ilitärdienst verw eigert habe, w eil alle G leichaltrigen in den M ilitär- dienst gegangen seien. Bei der Erstbefragung habe er gesagt, er sei noch nicht gem ustert w orden, w ogegen er bei der D irektanhörung behauptet habe, am 26. oder 27. April 2005 in Istanbul von den M ilitärbehörden gem ustert w orden zu sein. Zudem w äre ein D ienstverw eigerer nicht auf das Passbüro gegangen, zum al ein solcher m it einer Festnahm e rechnen m üsse. Seine Aussage, G endarm en hätten ihm im M ai 2003 einen Zahn ausgeschlagen, sei als nachgeschoben zu w erten, da er dies erst bei der D irektbefragung geltend gem acht habe. D er Beschw erdeführer habe gesagt, er habe die Türkei nicht früher verlassen, w eil er Angst davor gehabt habe, erw ischt zu w erden. Auch dieses Verhalten w iderspreche jeglicher Logik, zum al tatsächlich Verfolgte erfahrungsgem äss so bald w ie m öglich ausreisten und dam it nicht ein oder zw ei Jahre lang zuw arteten. M ehrere Verw andte des Be- schw erdeführers hätten zw ischen den Jahren 1987 und 1999 in der Schw eiz um Asyl nachgesucht, das ihnen gew ährt w orden sei. Es sei jedoch festzuhalten, dass der Beschw erdeführer nicht w egen seiner Verw andten behelligt w orden sei. Ferner lebten sein erw achsener Bruder und zw ei seiner erw achsenen Stiefgeschw ister w eiterhin bei seinem O nkel, w as ebenfalls gegen eine Verfolgung spreche. Inso-5 fern er geltend m ache, er fürchte sich vor der Einberufung in den M ilitärdienst, sei festzuhalten, dass eine Einberufung keine Verfolgungsm assnahm e im asylrechtli- chen Sinne darstelle. Eine allfällige Bestrafung w egen R efraktion erfolge in der Türkei nicht aus einem der in Art. 3 AsylG genannten G ründe, sondern w eise rein m ilitärstrafrechtlichen C harakter auf. D ie vom Beschw erdeführer erw ähnten M iss- handlungen und Behelligungen seitens der türkischen Sicherheitskräfte sow ie die kurzzeitigen M itnahm en auf den G endarm erieposten, die sich zw ischen 1997 und 2004 zugetragen hätten, hätten zum Ausreisezeitpunkt zu w eit zurückgelegen, um noch als Anlass für die Ausreise gew ertet w erden zu können. D aher könne auch diesen Vorbringen keine asylrechtliche R elevanz zugesprochen w erden. 4.2 In der Beschw erde w ird im W esentlichen geltend gem acht, der Beschw erdeführer habe w ährend der Zw eitbefragung vom 3. M ärz 2006 über starke Kopfschm erzen geklagt, w eshalb die Befragung abgebrochen und eine W oche später fortgesetzt w orden sei. D en Kopfschm erzen und den Schlafstörungen, von denen er erzählt habe, sei nicht nachgegangen w orden. Trotz den H inw eisen auf psychische Prob- lem e und eine grosse Verw andtschaft, die in der Schw eiz Asyl erhalten habe, sei sein G esuch bereits im Em pfangszentrum negativ entschieden w orden, w om it das BFM seine Sorgfaltspflicht verletzt habe. D ie M utter des Beschw erdeführers habe der R echtsvertreterin gegenüber geschildert, dass ihr Sohn etw a zw ei Jahre jünger als auf der Identitätskarte angegeben sei. Sein Vater sei 1992 an Krebs verstorben und sein Stiefbruder B._______. sei 1993 ins G efängnis gekom m en. Insbesondere sein älterer Stiefbruder C ._______ sei von der Polizei derart unter D ruck gesetzt w orden, dass er w eggegangen sei. D er G rossvater habe zusam m en m it der Stief- schw ester C ._______ verlassen, so dass die Fam ilie innerhalb eines Jahres auf- gelöst w orden sei. D ie M utter sei m it den drei anderen Kindern nach A._______ zu ihrem Bruder A._______ gezogen, w o es keine Schule gegeben habe. Im Jahre 1993 seien seine C ousine D ._______ und der C ousin E._______, der noch im sel- ben Jahr erschossen w orden sei, zu den G uerillas gegangen. Im Januar 1994 sei in der N ähe des D orfes ein Verw andter seiner M utter erschossen w orden, der öf- ters im D orf gew esen sei und die Jugendlichen politisiert habe. Am vorhergehen- den Abend sei der C ousin F._______ festgenom m en w orden; dieser sei einige Zeit im G efängnis gew esen. D as M ilitär habe die Berge bom bardiert und R azzien durchgeführt, bei denen die Leute befragt, geschlagen und gefoltert w orden seien. D ies alles habe den Beschw erdeführer und seine G eschw ister in Angst versetzt. Ende April 1994 sei die C ousine D ._______ festgenom m en w orden. Sie sei gefol- tert und zu einer längjährigen Freiheitsstrafe verurteilt w orden. Er habe sie nach ihrer bedingten Entlassung vom Septem ber 2003 in D ._______ besucht, w as von den Behörden registriert w orden sei. Im Jahre 1995 sei sein C ousin G ._______ psychisch schw er angeschlagen aus dem M ilitärdienst zurückgekehrt und an- schliessend geflohen. Am 8. August 1996 sei ein C ousin seines Vaters, der bei der PKK gew esen sei, in E._______ erschossen w orden. Im N ovem ber 1996 sei seine M utter festgenom m en und drei Tage lang festgehalten w orden; sie sei gefoltert w orden und nicht m ehr ins D orf zurückgekehrt. Zusam m en m it ihrer Tochter sei sie Ende D ezem ber 1996 nach D eutschland geflohen. D er Beschw erdeführer habe M utter und Schw ester erst im Jahre 2001 w ieder gesehen. Im Februar 1999 habe sich seine C ousine H ._______ im G efängnis angezündet, sie sei gestorben. Im M ai 2003 sei die Fam ilie (...) von G endarm en, die angenom m en hätten, es w ürden 6 sich G uerillas im H aus aufhalten, überfallen w orden, w obei er verletzt w orden sei. D er C ousin I._______ sei als Kugelfang durch H aus und Scheune getrieben w orden, w as seine Flucht in die Schw eiz ausgelöst habe. M an w isse nicht, w elcher C ousin und w elcher O nkel des Beschw erdeführers w ann w elches Problem gehabt habe, alle seien aber als Angehörige von G uerillas festgenom m en und gefoltert w orden, ins G efängnis gekom m en oder als G uerillas gestorben. Viele hätten das D orf und später auch ihre Fluchtorte in der Türkei verlassen m üssen und seien nach Europa geflohen; den m eisten sei Asyl gew ährt w orden, darunter neun Kin- dern des O nkels A._______, bei dem er gelebt habe. Es stehe som it fest, dass er schon als Kind viel G ew alt und Stress erlebt habe; er sei, als er älter gew orden sei, in die Verfolgung der Fam ilie seines O nkels einbezogen w orden. M enschen, die solches in der frühen Kindheit erlebt hätten, verdrängten vieles; es falle ihnen schw er, ihre G edanken zu ordnen, w odurch W idersprüche entstehen könnten. D er Beschw erdeführer sei zw ei Jahre jünger als angegeben und schw er traum ati- siert. Er habe M ühe m it Zeitangaben, w as anhand der Flucht der M utter bew iesen w erden könne. D iese sei eindeutig Ende 1996 nach D eutschland geflohen, nicht 1994 oder 1995 w ie er ausgesagt habe. Er habe eindeutig ausgesagt, dass er ab Beginn seiner Pubertät unterdrückt w orden sei. Bei den Fragen nach den U ntersu- chungshaften habe er in der Tat verschiedene Angaben gem acht; er habe sich je- doch fortlaufend korrigiert, bis er es richtig beieinander gehabt habe. D ies m üsse im R ahm en einer Anhörung m öglich sein. Präzisierend sei festzuhalten, dass er letztm als Ende 2003 festgenom m en w orden sei. Er sei bereits früher zusam m en m it anderen Verw andten abgeführt w orden (im Jahre 2000 und im Juni und O kto- ber 2001). D azw ischen habe es Verhöre zu H ause und auf dem D orfplatz gege- ben. Es verm öge nicht zu erstaunen, w enn diese H orrorszenarien durcheinander gerieten. Bis zur Festnahm e vom 25. April 2005 sei er nicht m ehr festgenom m en w orden. In Anbetracht der in A._______ herrschenden Verhältnisse sei am W ahr- heitsgehalt seiner Vorbringen nicht zu zw eifeln. D er Beschw erdeführer könne die Festnahm e von Istanbul m it einem D okum ent über seine R echte w ährend der H aft, das am 25. April 2005 datiert w orden sei, be- legen. D ie Vorinstanz sehe einen W iderspruch zw ischen den Begriffen "geschla- gen" und "gefoltert" in der Erstbefragung und "nur eine Tüte über den Kopf ge- stülpt, die H ände gefesselt und O hrfeigen und Tritte erhalten" in der zw eiten Befra- gung. Er habe vom selben berichtet, es liege kein W iderspruch vor. Er sei psy- chisch und physisch gefoltert w orden, w eil die Polizisten von ihm Inform ationen hätten erhalten w ollen. Jedes M al, w enn er eine Frage nicht habe beantw orten können, sei er geschlagen w orden. M an habe ihn nach zw ei C ousinen gefragt, die inhaftiert beziehungsw eise bei der G uerilla gew esen seien. H insichtlich des M ilitäraufgebots habe es ein D urcheinander gegeben, das m an auszuräum en versuche. D ieses sei entstanden, w eil Befrager und Befragter anein- ander vorbei geredet hätten. D er Beschw erdeführer hätte sich im Jahr 2003 zur sanitarischen M usterung m elden und im Jahr 2004 einrücken m üssen, w as er w ie jeder m ännliche Bürger der Türkei gew usst habe. D ie Aufforderungen und M arsch- befehle gingen norm alerw eise an den O rt, an dem m an registriert sei. R eagiere m an nicht, w erde m an ausgeschrieben und gesucht. Er habe bei seinem O nkel in A._______ gelebt und habe dort nichts erhalten; er habe aber gew usst, dass er aufgrund seines registrierten Alters spätestens im August 2004 hätte einrücken 7 m üssen. D a er für die Türkei nach all dem Erlebten keinen D ienst habe leisten w ollen, habe er sich im Spätsom m er 2004 nach Istanbul abgesetzt. O ffensichtlich sei er als M ilitärflüchtling registriert w orden, da er deshalb am 25. April 2005 auf dem Passam t festgenom m en w orden sei. Er habe das Ereignis vom M ai 2003 nicht als fluchtauslösendes Ereignis erzählt, sondern um zu erläutern, w as er unter Folter verstehe. Er sei deshalb nicht geflo- hen, sondern noch m ehr als ein Jahr lang im D orf verblieben. Er habe das D orf erst verlassen, als er m it einer Festnahm e und Verbringung in den M ilitärdienst ge- rechnet habe. Sein C ousin I._______, der dam als auch zu H ause gew esen sei, habe das gleiche Ereignis, so w ie er es erlebt habe, aufgeschrieben. D as Vorbrin- gen sei trotzdem w esentlich und trage bei zur Asylrelevanz der R eflexverfolgung, die er erlitten habe. D ie vom Beschw erdeführer am 25. April 2005 erlittene Festnahm e auf dem Pass- büro w erde durch das D okum ent des Innenm inisterium s bew iesen; es sei w ahr- scheinlich dum m von ihm gew esen, dorthin zu gehen, aber er habe sich so verhal- ten, w eil er m it dem Pass zu seiner M utter nach D eutschland habe gehen w ollen. Es treffe zu, dass Verfolgte bei der ersten sich bietenden G elegenheit ihr H eim at- land verliessen. Es w erde aber im m er schw ieriger, ein Visum zu erhalten und die Preise für eine illegale Flucht seien inflationär. H inzu kom m e die Furcht, bei der Ausreise erw ischt zu w erden. Es sei dem nach logisch, dass er zugew artet habe. Es stim m e nicht, dass er bei der Festnahm e vom April 2005 nicht w egen seiner Verw andten behelligt w orden sei. Er sei aufgrund des M ilitärdienstes auf dem Passbüro festgenom m en w orden; die Folter auf dem Polizeiposten habe er indes- sen erlitten, w eil die Polizei Inform ationen über seine C ousinen habe erpressen w ollen. D araus w erde klar, dass seine H erkunft aus einer verdächtigen kurdischen Fam ilie aktenkundig gew esen sei; die entsprechenden D rohungen seien kein Bluff gew esen. Er sei eindeutig als M itglied einer verfolgten Fam ilie selber verfolgt w or- den, w eil er bei dieser gew ohnt habe und w eil verm utet w orden sei, er teile deren G esinnung. Es stim m e nicht, dass sein Bruder und seine Stiefgeschw ister w eiter- hin bei seinem O nkel in A._______ lebten. Seine M utter und er hätten ausgeführt, sie hätten keinen Kontakt m ehr zu diesen. Sein jüngerer Bruder sei seit Februar 2006 in F._______. D er Beschw erdeführer sei am 25. April 2005 von der M ilitärbehörde gem ustert und aufgefordert w orden, innerhalb von zw ei Tagen einzurücken. D a er dieser Auffor- derung nicht nachgekom m en sei, sei er R efraktär. Es gebe keinen G rund, diese Tatsachen in Zw eifel zu ziehen, denn die M ilitärgesetze seien als bekannt voraus- zusetzen. Für ihn gebe es m ehrere gew ichtige Argum ente, den D ienst nicht zu leisten: Er sei aufgefordert w orden, sich in G ._______ zu m elden, w o Kom m ando- truppen ausgebildet w ürden, w eshalb seine Furcht, gegen das eigene Volk einge- setzt zu w erden, begründet gew esen sei. Er stam m e aus einer verdächtigen Fam i- lie, die in einem verdächtigen D orf gelebt habe. Kurden w ie er w ürden m it äussers- tem M isstrauen behandelt und im M ilitär oft verfolgt. Sein Verw andter J._______ habe den D ienst an der G renze zum Irak leisten m üssen und sei gezw ungen ge- w esen, an der brutalen Behandlung der kurdischen Bevölkerung teilzunehm en; er leide noch heute an dem , w as er erlebt habe. Seine Furcht vor Verfolgung w äh- rend dem D ienst sei bei seiner Vorgeschichte und der berüchtigten Verw andtschaft begründet. Zudem sei notorisch, dass sich die türkische Arm ee beziehungsw eise 8 deren U nterabteilungen system atischer Vergehen gegen Art. 3 der G enfer Kon- vention schuldig m ache; unter diesen U m ständen erscheine die Verw eigerung des Kriegsdienstes in der Türkei als generelle Pflicht jedes türkischen Soldaten. D ie jahrelange Verfolgung des Beschw erdeführers habe eindeutig einen Zusam - m enhang m it seiner Flucht; hauptsächlich habe er begründete Furcht vor zukünfti- ger Verfolgung. Seine Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlingsei- genschaft stand. Seine Furcht vor Verfolgung im Falle einer R ückkehr sei begrün- det, da er bereits m assive Vorverfolgung erlitten habe. D ie Vorinstanz habe den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und insbesondere die Praxis der AR K nicht be- rücksichtigt (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylre- kurskom m ission [EM AR K] 2005 N r. 21 E. 10.2.3.). 4.3 D as BFM stellt sich in seiner Vernehm lassung auf den Standpunkt, die m it der Be- schw erde eingereichten Aktenstücke seien nicht geeignet, die Flüchtlingseigen- schaft des Beschw erdeführers zu unterm auern. 4.4 In der Eingabe vom 14. Juni 2007 w ird ausgeführt, der C ousin I._______ habe m ittlerw eile in der Schw eiz Asyl erhalten; es sei der C ousin, der im M ai 2003 eben- falls anw esend gew esen sei, als das H aus überfallen w orden sei. D ie C ousine D ._______, die über neun Jahre lang im G efängnis gew esen sei, sow ie das Ehe- paar (...) hätten in der Schw eiz ebenfalls Asyl erhalten. D am it hätten alle Söhne und Töchter des A._______, bei dem der Beschw erdeführer aufgew achsen sei, in der Schw eiz Asyl erhalten. Es w ürden Akten eingereicht, die zeigten, w ie sehr sei- ne C ousins und C ousinen, in deren Elternhaus er gelebt habe, verdächtigt w orden seien, für die PKK zu arbeiten. D er Beschw erdeführer sei in diesen Akten nicht er- w ähnt, da er dam als noch ein Kind gew esen sei. Er habe aber bei der Fam ilie von A._______ gelebt und Festnahm en, G efängnisaufenthalte, Entlassungen aus der H aft und Verfolgung m iterlebt. Etw as später habe er am eigenen Leib R azzien und Befragungen erlebt. Aus den Akten gehe hervor, w as die Behörden über verschie- dene Angehörige und D orfbew ohner w ussten, oder zu erfahren versuchten. Er sei im Falle einer R ückkehr in die Türkei insbesondere im M ilitärdienst akuter Folter- gefahr ausgesetzt, w eil er seine Jugendjahre im H ause A._______ verbracht habe und aus der Schw eiz zurückkehren w ürde, w o alle C ousins und C ousinen lebten. Er habe Zeitungsm eldungen erhalten, die belegten, dass ein C ousin seines Vaters im August 1996 bei einer bew affneten Auseinandersetzung m it der Antiterrorein- heit getötet w orden sei. D a der Beschw erdeführer noch jung gew esen sei, habe er vor allem unter R eflexverfolgung gelitten, denn er stam m e von beiden Seiten aus schw er belasteten Fam ilien. Zudem seien alle Jugendlichen des D orfes A._______ verdächtigt w orden, der G uerilla H ilfe zu leisten. Es sei klar, dass für einen schw er belasteten M ann w ie ihn der M ilitärdienst einen Fluchtgrund dargestellt habe. D er Krieg im O sten der Türkei gehe w eiter und die Türkei m ache Versuche, im N ordi- rak G ebiet zu erobern. 5. 5.1 In der Beschw erdeschrift w ird geltend gem acht, der Beschw erdeführer sei in W irk- lichkeit zw ei Jahre jünger, als auf seiner Identitätskarte und in den R egistern ver- m erkt. O b diese auf Aussagen seiner M utter beruhenden Angaben zutreffen oder 9 nicht, ist vorliegend von untergeordneter Bedeutung, da der Beschw erdeführer bei der Einreise in die Schw eiz und den Befragungen so oder so volljährig w ar. 5.2 D as BFM zw eifelte an der G laubhaftigkeit des vom Beschw erdeführer geltend ge- m achten Ausreisegrundes, da er voneinander abw eichende Aussagen zur Frage der M usterung und des Erhalts eines M arschbefehles m achte und es dem BFM unglaubhaft erschien, dass er sich auf das Passbüro begeben habe. Auf Beschw erdeebene reichte er indessen ein von ihm und einer Am tsperson un- terzeichnetes Form ular (w ohl ein D urchschlag des O riginals) zu den Akten, das belegt, dass er am 25. April 2005 um 16 U hr auf seine R echte hingew iesen w urde. D em Form ular ist auch zu entnehm en, dass er auf dem Passbüro festgenom m en w urde. Erstaunlicherw eise äusserte sich die Vorinstanz im R ahm en ihrer Ver- nehm lassung nicht konkret zu diesem Bew eism ittel, m it dem der Beschw erdefüh- rer das gem äss seinen Aussagen für seine Ausreise w esentliche Ereignis zu bele- gen verm ag. D a die Vorinstanz keinerlei Zw eifel an der Authentizität des D oku- m entes äusserte, ist davon auszugehen, dass sie es für authentisch hält, w ovon auch das Bundesverw altungsgericht ausgeht. Inw iefern die Vorinstanz daran zw ei- felt, dass der Beschw erdeführer für den M ilitärdienst aufgeboten w orden bezie- hungsw eise dienstpflichtig sei, ist nicht nachvollziehbar. Bekannterm assen w erden in der Türkei alle M änner gem äss ihrem Jahrgang in die Arm ee einberufen. An- haltspunkte dafür, dass der Beschw erdeführer gem ustert und als dienstuntauglich befunden oder "vergessen" w orden sein könnte, sind den Akten nicht zu entneh- m en. Angesichts des registrierten Jahrgangs des Beschw erdeführers, ist davon auszugehen, dass er im Jahre 2004 in die Arm ee einberufen w orden ist. Seiner im N ovem ber 2002 ausgestellten Identitätskarte und dem eingereichten Form ular ist zu entnehm en, dass er in G ._______ registriert ist, w o er aber gem äss glaubhaf- ten Angaben seit 1994 nicht m ehr lebte. Seine Aussage, w onach er (bis zum April 2005) kein m ilitärisches Aufgebot erhalten habe, da ein solches in sein G eburts- dorf geschickt w orden sein dürfte, erscheint som it plausibel. D er in der Beschw er- de vertretenen Auffassung, w onach der Beschw erdeführer und der Befrager bei der D irektanhörung teilw eise aneinander vorbeigeredet hätten, kann angesichts des Protokolls gefolgt w erden. Bei der Em pfangszentrenbefragung und bei der D i- rektanhörung sagte er einerseits aus, er sei nicht gem ustert w orden, w ährend er bei der D irektanhörung andererseits erklärte, er sei im April 2005 von der Polizei zur Arm ee gebracht und dort gem ustert w orden. Bei der Em pfangszentrenbefra- gung bezog er sich m it der Aussage, er sei (vorher) nicht gem ustert w orden, kla- rerw eise auf das D atum , an w elchem er seinem registrierten Jahrgang gem äss hätte einrücken m üssen (also im Verlaufe des Jahres 2004). Bei der D irektanhö- rung hingegen gab es - w ie in der Beschw erde festgehalten - ein "D urcheinander" hinsichtlich der Aussage, er sei vor dem Zeitpunkt, an dem er norm alerw eise hätte einrücken m üssen, nicht gem ustert w orden und der Aussage, er sei in Istanbul ge- m ustert w orden, als er von der Polizei im April 2005 zur Arm ee gebracht w orden sei. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sind die Aussagen des Beschw erdefüh- rers hinsichtlich der Behandlung bei seiner letzten Festnahm e nicht w idersprüch- lich. Bei der Em pfangszentrenbefragung sagte er aus, die Polizei habe ihn be- schim pft, etw as geschlagen und gefoltert. Anlässlich der D irektanhörung schilderte er, m an habe ihn auf dem Posten beleidigt und beschim pft. M an habe ihm einen 10 Sack über den Kopf gezogen und ihm die H ände auf dem R ücken gefesselt. M an habe ihn ins G esicht geschlagen, ihn in den U nterleib getreten und m it H änden geschlagen. Im m er, w enn er eine Frage nicht habe beantw orten können, habe m an auf ihn eingeschlagen. U nbesehen der Frage, w o die G renze zw ischen M isshandlung und Folter liegt, ist festzustellen, dass die Aussage des Beschw erdeführers, er sei gefoltert beziehungsw eise m isshandelt w orden, aufgrund dessen, w as er an M isshandlungen schilderte, kein U nglaubhaftigkeitselem ent darstellt. Von einem von M isshandlungen der geschilderten Art Betroffenen kann nicht erw artet w erden, dass er die Begriffe "Folter" und "M isshandlungen" voneinander unterscheidet. D ass ihm die geschilderten körperlichen und seelischen Verletzungen als Folter erscheinen, bedarf keiner w eiteren Erörterungen. D as BFM geht in seiner Verfügung davon aus, der vom Beschw erdeführer geschil- derte Vorfall vom M ai 2003, bei dem ihm w ährend einer R azzia m it einem G ew ehr- kolben ein Zahn ausgeschlagen w orden sei, sei nachgeschoben und som it un- glaubhaft. D ieses zentrale Ereignis w erde als fluchtauslösendes M otiv gew ertet, w eshalb er es bei der ersten Befragung hätte erw ähnen m üssen. D ieser Sichtw ei- se kann aus m ehreren G ründen nicht gefolgt w erden: D er Beschw erdeführer hat eigenen Aussagen gem äss im Jahre 2004 das H aus seines O nkels nicht w egen des Ereignisses vom M ai 2003, sondern w egen des bevorstehenden M ilitärdiens- tes verlassen. Ebenso w enig begründete er das Verlassen der Türkei m it diesem dam als bereits fast drei Jahre zurückliegenden Ereignis, sondern w iederum m it der Einberufung in die Arm ee, der er sich entzogen habe. D ie von der Vorinstanz ver- tretene Auffassung, es handle sich beim Vorfall vom M ai 2003 um ein zentrales Er- eignis in den D arlegungen des Beschw erdeführers, das als fluchtauslösendes M o- tiv zu w erten sei, findet in den Akten som it keine Stütze. D er Beschw erdeführer m achte bei der D irektanhörung zudem geltend, sein C ousin I._______ habe sich beim besagten Vorfall ebenfalls zu H ause aufgehalten. I._______ beschrieb die R azzia vom M ai 2003 in seinem Asylverfahren, w as als H inw eis dafür zu w erten ist, dass diese tatsächlich stattfand (vgl. U rteil der AR K vom 9. O ktober 2006 i.S. I._______). D ie Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, der Beschw erdeführer sei in Istanbul im April 2005 nicht w egen seiner Verw andten behelligt w orden, son- dern w eil er keinen M ilitärdienst leisten w olle. D er Beschw erdeführer hat jedoch ausgesagt, m an habe ihm über seine C ousins Fragen gestellt. M an habe w issen w ollen, w o sich D ._______ und K._______ aufhielten, m an habe ihm "kreuz und quer" Fragen gestellt. 6. 6.1 G em äss Aktenlage ist unbestritten, dass der Beschw erdeführer nach dem Tode seines Vaters bei einer politisch exponierten Fam ilie in A._______ aufgew achsen ist. Alle dreizehn Söhne und Töchter seines O nkels A._______ leben m ittlerw eile in der Schw eiz. Aufgrund des dem Bundesverw altungsgericht vorliegenden U rteils der AR K vom 9. O ktober 2006 i.S. I._______ lässt sich der fam iliäre H intergrund des Beschw erdeführers w ie folgt zusam m enfassen: Sein O nkel A._______ w ar von O ktober 1981 bis Januar 1983 w egen M itgliedschaft bei der D evrim ci H alkin 11 Birligi (D H B) inhaftiert. 1987 verliess der älteste Sohn von A._______ die Türkei. M ehrere seiner C ousins und C ousinen w aren entw eder M itglieder oder zum indest Sym pathisanten der PKK (oder der D H B) und unterstützten diese. D ie Behörden haben D atenblätter über die Fam ilienm itglieder angelegt und regelm ässig deren W ohnhaus aufgesucht. L._______ w urde im Jahre 1990 w ährend 35 Tagen inhaf- tiert, danach w urde die staatsanw altliche U ntersuchung eingestellt. C ._______ w urde w egen Teilnahm e an Kundgebungen unter D ruck gesetzt. E._______ w urde im Jahre 1993 festgenom m en und anschliessend in den M ilitärdienst geschickt, dem er zuvor zu entgehen versuchte. W ährend des M ilitärdienstes w urde er m iss- handelt und psychisch unter D ruck gesetzt, so dass er m ehrm als zur Pflege in ein Krankenhaus eingew iesen w erden m usste. Er kam 1995 psychisch krank in sein D orf zurück und verliess zw ei Jahre später die Türkei. Im Jahre 1994 w urde F._______ w egen verschiedener H ilfeleistungen für die PKK zu zw eieinhalb Jah- ren G efängnis verurteilt. W egen W eiterzugs an den Kassationshof w urde er vor- übergehend freigelassen, w orauf er versuchte, illegal ausser Landes zu reisen. D abei w urde er gefasst und w iederum angeklagt. N ach Verbüssung seiner Strafe verliess er die Türkei. D ._______ w urde 1995 w egen ihrer Aktivitäten zugunsten der PKK zu 12 Jahren und 6 M onaten H aft verurteilt. G em einsam m it einer C ousi- ne hat sie die Strafe in einem E-Typ-G efängnis in D ._______ abgesessen; 2003 kam sie frei, berichtete von M isshandlungen w ährend der H aftzeit und fühlte sich w eiterhin beobachtet und unter D ruck gesetzt. D ie C ousins und C ousinen des Be- schw erdeführers w urden - zum eist aus G ründen der R eflexverfolgung - als Flücht- linge anerkannt und es w urde ihnen Asyl gew ährt. Auch das w eitere Fam ilienum - feld des Beschw erdeführers w ar politisch aktiv: Ein O nkel w urde als H AD EP-Präsi- dent von F._______ festgenom m en, ein C ousin w urde 1992 bei G efechten zw i- schen der PKK und dem türkischen M ilitär getötet, zw ei C ousinen w urden w egen U nterstützung der PKK zu 12 und 15 Jahren H aft verurteilt, eine C ousine hat sich in der Türkei in der H aft und ein C ousin in D eutschland aus Protest verbrannt. 6.2 Vor diesem H intergrund erscheint die in der Beschw erde erhobene R üge, das BFM habe dem fam iliären U m feld des Beschw erdeführers zu w enig Beachtung ge- schenkt, als berechtigt. D ie Vorinstanz hat die vom Beschw erdeführer geltend ge- m achte R eflexverfolgung bei der Prüfung des Asylgesuchs zu w enig berücksich- tigt. In der Verfügung w urde dem oppositionellen H intergrund der Fam ilie, bei der er aufw uchs, und den unbestrittenen Verfolgungshandlungen gegen seine C ou- sins, C ousinen und seinen O nkel kaum R echnung getragen. In der Folge geht es vor allem darum zu untersuchen, ob für den Beschw erdeführer im Falle einer R ückkehr in die Türkei eine begründete Furcht vor R eflexverfolgung besteht. 6.3 6.3.1 G em äss konstanter Praxis w ird davon ausgegangen, dass in der Türkei staatliche R epressalien gegen Fam ilienangehörige von politischen Aktivisten angew andt w erden, die als so genannte R eflexverfolgung flüchtlingsrechtlich erheblich im Sin- ne von Art. 3 AsylG sein können. Zw ar ist festzustellen, dass sich die Verfolgungs- praxis der türkischen Behörden im Zuge des R eform prozesses zur Annäherung an die EU insofern geändert hat, als Fälle, in denen Fam ilienangehörige kurdischer Aktivisten gefoltert oder m isshandelt w orden sind, abgenom m en haben. D agegen m üssen Fam ilienangehörige auch gegenw ärtig noch m it H ausdurchsuchungen und kürzeren Festnahm en rechnen, die oft m it Beschim pfungen und Schikanen verbun-12 den sind. Ein R egelverhalten der türkischen Behörden lässt sich jedoch nicht aus- m achen; vielm ehr hängen die W ahrscheinlichkeit einer R eflexverfolgung und de- ren Intensität stark von den konkreten U m ständen des Einzelfalles ab. Feststellen lässt sich im m erhin, dass zurzeit besonders diejenigen Personen von einer R eflex- verfolgung bedroht sind, die sich offen für politisch aktive Verw andte einsetzen. D ies w iederum heisst nicht, dass eine R eflexverfolgung ausschliesslich von einem besonderen Engagem ent für politisch aktive Verw andte abhinge. Vielm ehr kann hinter einer R eflexverfolgung auch nur die Absicht liegen, die gesam te Fam ilie für Taten eines Fam ilienm itglieds zu bestrafen, in der Verm utung, dessen politische Ansichten und Ziele w ürden von den engeren Angehörigen geteilt, beziehungsw ei- se m it dem Zw eck, sie so einzuschüchtern, dass sie sich von oppositionellen kurdi- schen G ruppierungen fern halten (vgl. EM AR K 2005 N r. 21 E. 10.2.3. S. 199 f., m it w eiteren H inw eisen). 6.3.2 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, w enn konkreter Anlass zur Annahm e besteht, die Verfolgung hätte sich - aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise - m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit und in abseh- barer Zeit verw irklicht beziehungsw eise w erde sich - auch aus heutiger Sicht - m it ebensolcher W ahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verw irklichen. D abei genügt es nicht, dass diese Furcht lediglich m it Vorkom m nissen oder U m ständen, die sich früher oder später m öglicherw eise ereignen könnten, begründet w ird. O b in einem bestim m ten Fall eine solche W ahrscheinlichkeit besteht, ist aufgrund einer objekti- vierten Betrachtungsw eise zu beurteilen. Es m üssen dam it hinreichende Anhalts- punkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem M enschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und dam it den Entschluss zur Flucht hervorrufen w ürden. D ennoch ist für die Bestim m ung der begründeten Furcht nicht allein m assgebend, w as ein hypothetischer D urchschnittsm ensch in derselben Si- tuation em pfinden w ürde. D iese rein objektive Betrachtungsw eise ist zusätzlich durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das W issen um Konse- quenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. W er bereits staatlichen Verfol- gungsm assnahm en ausgesetzt w ar, hat objektive G ründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht. D ie subjektive Furcht ist in diesem Fall bereits dann begrün- det, w enn sie zw ar diejenige eines in der gleichen Situation befindlichen D urch- schnittsm enschen übersteigt, aber trotzdem nachvollziehbar bleibt (vgl. EM AR K 2004 N r. 1 E. 6a S. 9, m it w eiteren H inw eisen). 6.4 Aus dem Vorstehenden geht hervor, dass der Beschw erdeführer seit seiner Kind- heit m it Ü bergriffen der türkischen Sicherheitskräfte konfrontiert w ar. Er erlebte teilw eise m it, w ie seine C ousins und C ousinen behördlich behelligt w urden und das Land verliessen. Ü ber all die Jahre hat er zahlreiche H ausdurchsuchungen, Bedrohungen und R azzien m iterlebt. G em äss seinen Aussagen sei er von der Po- lizei selber einige M ale m itgenom m en und m isshandelt w orden. In diese Zeit - der Beschw erdeführer w ar dam als elf Jahre alt - fällt auch der Vorfall betreffend sei- nen C ousin E._______, der als psychisch gebrochener junger M ann vom M ilitär- dienst zurückkehrte. Im April 2005 sei er dann selber von den Sicherheitskräften m isshandelt und bedroht w orden, als er in Istanbul festgenom m en und auf dem Polizeiposten festgehalten w urde. Angesichts der Verw andtschaftsverhältnisse des Beschw erdeführers, der Vorfälle in seiner Jugend, des politisierten U m felds, in dem er aufgew achsen ist sow ie der 13 glaubhaft gem achten zu erw artenden Festnahm e bei der Einreise in die Türkei w e- gen R efraktion ist es nachvollziehbar, dass er eine begründete Furcht hat, im Falle einer R ekrutierung für den M ilitärdienst asylrechtlich relevanter Verfolgung ausge- setzt zu sein. Ausserdem hat er genügend G ründe dargelegt, die seine Furcht vor einer real drohenden Verfolgung auch aufgrund einer objektivierten Betrachtungs- w eise als nachvollziehbar erscheinen lassen. D aran ändert auch der U m stand nichts, dass eine allfällige Strafe w egen R efrakti- on oder D esertion gem äss konstanter Praxis grundsätzlich keine asylrechtlich rele- vante Verfolgung darstellt. Es gehört vielm ehr zu den legitim en R echten jedes Staates, seine Bürger zum M ilitärdienst einzuberufen und zur D urchsetzung der W ehrpflicht strafrechtliche oder disziplinarische Sanktionen gegen R efraktäre oder D eserteure zu verhängen. Im vorliegenden Fall ist jedoch nachvollziehbar, dass der Beschw erdeführer aufgrund seines fam iliären H intergrunds - w ie dargelegt - eine begründete subjektive w ie auch objektiv nachvollziehbare Furcht hat, w äh- rend des M ilitärdienstes einer unm enschlichen Behandlung ausgesetzt zu sein (vgl. EM AR K 2004 N r. 2 E. 6.b.aa. S. 16 f., m it w eiteren H inw eisen). 6.5 Es kann zw ar davon ausgegangen w erden, dass sich die allgem einen Verhältnisse in der Türkei, unter anderem auch die H altung der türkischen Behörden und Si- cherheitskräfte der kurdischen M inderheit gegenüber, in der letzten Zeit in ver- schiedenen Aspekten teilw eise entspannt und verbessert haben. So haben sich unter anderem die M eldungen reduziert, w onach kurdische Soldaten w ährend des M ilitärdienstes besonderen Schikanen und D iskrim inierungen durch ihre Vorge- setzten oder Kam eraden ausgesetzt seien. Von einer system atischen Schlechter- behandlung von Kurden in der türkischen Arm ee kann jedenfalls nicht gesprochen w erden. G leichzeitig kann zum heutigen Zeitpunkt nicht davon ausgegangen w er- den, dass solche Vorfälle nicht m ehr vorkom m en; vielm ehr hängt die Behandlung der kurdischen R ekruten von den U m ständen des Einzelfalles und von den ent- sprechenden Kom m andanten ab. D ie bei der Ü bergabe der M ilitärpapiere ausge- sprochenen D rohungen gegenüber dem Beschw erdeführer lassen jedenfalls nicht die Verm utung zu, dass eine Schikanierung des Beschw erdeführers im M ilitär- dienstes ausgeschlossen w erden kann; vielm ehr legt sie den Schluss nahe, dass die M ilitärbehörden sehr genau w issen, um w en es sich beim Beschw erdeführer handelt und aus w elcher Fam ilie er stam m t. 6.6 Angesichts dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die w eiteren Vorbringen des Be- schw erdeführers und die Erw ägungen der Vorinstanz im D etail einzugehen. Zu- sam m enfassend kann festgehalten w erden, dass der Beschw erdeführer eine be- gründete Furcht vor asylrechtlich relevanter R eflexverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft darlegen konnte. Aufgrund der Akten ist nicht von einer sicheren landesinternen Fluchtalternative - an deren N achw eis praxisgem äss hohe Anforde- rungen zu stellen w ären (vgl. EM AR K 1996 N r. 1 S. 6 ff.) - auszugehen, zum al der Beschw erdeführer schon bei seiner Einreise in die Türkei m it seiner Verhaftung und Befragung, besonders auch im H inblick auf seine D ienstverw eigerung, rech- nen m üsste. Aus den vorstehenden G ründen ist der Beschw erdeführer als Flücht- ling anzuerkennen. 7. D en Akten ist nichts zu entnehm en, w as die G ew ährung von Asyl ausschliessen 14 w ürde. D ie Beschw erde ist daher gutzuheissen und die Verfügung vom 24. M ärz 2006 aufzuheben. D as BFM ist anzuw eisen, dem Beschw erdeführer Asyl zu ge- w ähren. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ). 8.2 D em Beschw erdeführer ist zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für ihm erw achsene notw endige und verhältnism ässig hohe Vertretungskosten zuzu- sprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 7 Abs. 1 und 2 VG KE). D ie R echts- vertreterin w eist für das Beschw erdeverfahren einen G esam tzeitaufw and von 14 Stunden 50 M inuten und Spesen von Fr. 65.-- aus, w as angem essen erscheint. D ie Kosten der Vertretung (vgl. Art. 8, Art. 9 Abs. 1 und Art. 10 Abs. 1 VG KE) von insgesam t Fr. 1'445.-- setzen sich som it im vorliegenden Verfahren w ie folgt zu- sam m en: Fr. 1'380.-- für den Arbeitsaufw and (14 Stunden 50 M inuten à Fr. 100.--; vgl. Art. 10 Abs. 2 VG KE) und Fr. 65.-- für die Auslagen. (D ispositiv nächste Seite)15 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie Verfügung des BFM vom 24. M ärz 2006 w ird aufgehoben und das BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer in der Schw eiz Asyl zu gew ähren. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. D ie Vorinstanz w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 1'445.-- (inkl. Auslagen) auszurichten. 5. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (Kopie; R ef.-N r. N _______) - (kantonale Behörde) D er R ichter: D er G erichtsschreiber: H ans Schürch C hristoph Basler Versand am :