B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-194/2012 U r t e i l v o m 2 0 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, B._______, C._______, D._______, E._______, F._______, G._______, Syrien, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführende, Gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2011 / N (…). E-194/2012 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Die Beschwerdeführerin – eine registrierte staatenlose Kurdin (Ajnabi) mit letztem Wohnsitz in Damaskus − reiste gemäss ihrer Darstellung am (…) September 2010 zusammen mit ihren Kindern E._______, F._______, und G._______ illegal in die Schweiz ein und stellte gleiche n- tags im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asy l- gesuch. Am 17. September 2010 fan d eine Kurzbefragung im EVZ und am 29. November 2010 eine Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) statt. B. Die Beschwerdeführerin brachte zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen vor, sie sei aufgrund der Probleme ihres Ehemanns ausg e- reist. Dieser habe sich als Sympathisant für die Partiya Yekîtiya Demokrat (PYD) engagiert und an Kundgebungen und Parteisitzungen teilgeno m- men. Er sei deshalb immer wieder, insbesondere anlässlich von Newroz- Festen und Gedenkfeiern für Halabja , von den Sicherheitskräften mitg e- nommen, gefoltert und dazu aufgefordert worden, den Behörden Informa- tionen über andere Personen preiszugeben. Sie selber habe drei - oder viermal erlebt, dass Angehörige der Sicherh eitskräfte ihren Ehemann zu Hause gesucht hätten. Namentlich sei er beim Newroz-Fest im Jahr 2009 festgenommen worden , und die Behörden hätten ihm vorgeworfen, ein Mitglied der Folklore -Gruppe zu sein. Im September oder Oktober 2009 hätten vier Beamte des Nachrichtendiensts in Abwesenheit ihres Eh e- mannes sowie der älteren Kinder in ihrer Wohnung eine Hausdurchsu- chung vorgenommen, wobei sie Flug blätter, Zeitungen und Bücher b e- schlagnahmt hätten. Einer der Beamten habe sie geschlagen, weil sie ihm die Telefonnummer ihres Ehemannes nicht habe geben wollen. Sie habe ihren Mann telefonisch von der Hausdurchsuchung in Kenntnis ge- setzt, worauf dieser sofort die Ausreise in die Wege geleitet habe. Er ha- be die drei ältesten Kinder von der Schule abgeholt und sei mit diesen am (…) Oktober 2009 in die Türkei ausgereist. Sie sei ihnen dann mit der Tochter F._______ einen Tag später nachgereist. Von der Türkei aus sei- en sie von einem Schlepper nach Griechenland gebracht worden, wo sie sich etwa ein Jahr lang aufgehalten h ätten. Sie und ihre drei jüngsten Kinder E._______, F._______ und G._______ seien per Flugzeug nach Frankreich und von dort mit dem Zug in die Schweiz gereist. Sie selber E-194/2012 Seite 3 sei von der allgemeinen Diskriminierung der Ajnabi durch die syrischen Behörden betroffen gewesen, habe sonst persönlich aber keine Probleme gehabt. C. Mit Schreiben vom 8. Dezember 2010 teilte die Schweizerische Botschaft in Damaskus bezugnehmend auf eine Anfrage des BFM vom 29. Se p- tember 2010 mit, dass gemäss ihren Abklärungen die Beschwe rdeführe- rin tatsächlich eine Ajnabi sei und die syrische Staatsangehörigkeit nicht besitze. Ferner seien beim syrischen Migrationsdienst keine Bewegungen von ihr verzeichnet und sie werde von den syrischen Behörden nicht g e- sucht. II. D. Der Beschwerdeführer – ein Kurde mit letztem Wohnsitz in Damaskus − reiste nach eigenen Angaben am 10. April 2011 zusammen mit den Ki n- dern C._______ und D._______ illegal in die Schweiz ein und sie stellten am 11. April 2011 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzli n- gen Asylgesuche. Am 5. Mai 2011 fanden Kurzbefragungen des B e- schwerdeführers und der Tochter C._______ im EVZ und am 6. Dezem- ber 2011 Anhörungen der beiden zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG statt. E. Der Beschwerdeführer bracht e zur Begründung seines Asyl gesuchs im Wesentlichen vor, er sei in seinem Herkunftsort H._______ von den B e- hörden unter Druck gesetzt worden, weil sie von ihm Informationen über seine Familienangehörigen , Nachbarn und Kunden seiner (…)werkstatt verlangt hätten. Nach seinem Umzug nach Damaskus im Jahr 1997 habe er zunächst während zehn Jahren keine Probleme gehabt . Seit 2003 sei er Sympathisant der PYD gewesen. Er habe ein- bis zweimal pro Monat an Sitzungen dieser Partei teilgeno mmen, sich ansons ten aber nicht in regimekritischer Weise engagiert . Zudem hätten Parteikollegen jeweils Flugblätter der PYD bei ihm zu Hause abgegeben, welche er jedoch meistens nicht gelesen habe. Nach der Newroz-Feier im Jahr 2007 sei er unter dem Vorwurf, der Folklore -Gruppe des Festes angehört zu haben, festgenommen und (…) Tage lang festgehalten und dabei geschlagen worden. I n der Folge hätten die Behörden ihn immer wi eder mitgenom- men und von ihm verlangt, für sie als Informant tätig zu sein. Im Jahr E-194/2012 Seite 4 2008 sei er währe nd (…) Tagen festgehalten und gefoltert worden. Die Behörden hätten seine Unterstützung für die Verhaftung von zwei oder drei anderen Kurden gefordert. Er sei in den Jahren 2007 und 2008 in s- gesamt drei Mal festgenommen worden, beziehungsweise er sei mehr als zehn Mal kurzzeitig festgehalten worden . Am (…) September 2009 sei er von seiner Ehefrau telefonisch gewarnt worden, weil Angehörige des Nachrichtendienstes (Mukhabarat) in ihrer Wohnung eine Hau sdurch- suchung durchgeführt und Flugblätter der PYD beschlagnahmt hätten. Dies sei das erste Mal gewesen, dass die Sicherheitskräfte bei ihm zu Hause erschienen seien. Er sei daraufhin nicht mehr nach Hause zurück- gekehrt, sondern mit seinen drei älteren Kinder n z u einem Bekannten nach Damaskus gegangen. Am nächs ten Tag seien sie mit den Reis e- pässen, welche ihm einer seiner Brüder gebracht habe, in die Türkei aus- gereist. Seine Ehefrau und die Tochter F._______ seien einen Tag später mit Hilfe eines Schleppers nachgereist. Von der Türkei aus seien sie per Schiff nach Gr iechenland gebracht worden, wo sie bis zur Weiterreise in Athen gelebt hätten. Er sei mit de n Kindern C._______ und D._______ auf einer Yacht nach Italien gelangt, wo sie zunächst festgenommen und in ein Flüchtlingslager gebracht worden seien. Nach drei Tagen seien sie per Zug in die Schweiz gereist. Nach ihrer Ausreise hätten sich Mitglieder des Nachrichtendiensts bei seinem Vater nach ihm erkundigt , das letzte Mal etwa im Juni 2010 . Ferner sei seine S chwester, welche sich für die Partiya Karkerên Kurdistan (PKK) engagiert habe, im Jahr (…) festge- nommen und angeklagt worden. Nach ihrer Freilassung aus dem G e- fängnis nach einem Jahr und drei Monaten sei sie untergetaucht und ha- be ihre Aktivitäten fortgesetzt, weshalb sie erneut von den Behörden g e- sucht werde. F. Die Tochter C._______ verwies zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen auf die Probleme ihres Vaters. Dieser sei mehrmals (drei bis fünf Mal) von Regierungskräften zu Befragungen mitg enommen wor- den und sei jeweils erst nach einigen Tagen oder Wochen wiedergeko m- men. Im Übrigen bestätigte sie die Angaben ihres Vaters zum Reiseweg. III. G. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden ihr F a- milienbüchlein, den Ajnabi -Ausweis der Beschwerdeführerin und Famil i-E-194/2012 Seite 5 enregisterauszüge der Kinder C._______, D._______ und E._______, al- le im Original, sowie eine Kopie der Identitätskarte des Beschw erdefüh- rers zu den Akten, H. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2011 stellte das BFM fest, dass die Be- schwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen würden, lehnte ihre Asylgesuche ab, und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufn ahme aufg e- schoben werde. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. I. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 1 2. Januar 2012 (Poststempel) – vorab per Telefax − erhoben die (damals noch nicht ve r- tretenen) Beschwerdeführenden Beschwerde gegen diese Verfügung und beantragten, diese sei aufzuheben, und es sei ihnen die Flüchtlingse i- genschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei ihnen wegen Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Weg wei- sungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrech t- licher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung und Verbeiständung sowie um den Verzicht auf die Erhebung e i- nes Kostenvorschusses. Ferner sei das BFM anzuweisen, die Kontak t- aufnahme mit den Behörden ihres Heimatstaates sowie jegliche Date n- weitergabe an dieselben zu unterlassen, und sie seien in einer separaten Verfügung über eine allenfalls bereits erfolgte Weitergabe von Daten in Kenntnis zu setzen. Au f die Begründung wird – soweit entscheidwesent- lich – in den Erwägungen eingegangen. J. Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2012 hiess der damals zuständi- ge Instruktionsrichter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungs verfahrensgesetzes vom 20. D e- zember 1968 (VwVG, SR 172.021) unter der Voraussetzung des Nac h- reichens einer Fürsorgebestätigung gut und forderte die Beschwerdefü h- renden auf, innert Frist entweder eine Fürsorgebestätigung einzureichen oder einen Kostenvorschuss einzuzahlen. Der Antrag auf Beiordnung e i- nes amtlichen Anwalts oder einer amtlichen Anwältin (Art. 65 Abs. 2 VwVG) wurde abgewiesen. E-194/2012 Seite 6 K. Mit Eingabe vom 27. Januar 2012 übermittelte die Gemeinde (…) eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführenden. L. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Februar 2012 hielt die Vorinstanz an ih- rer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden mit Zuschrift vom 27. Februar 2012 zur Kenntnis gebracht. M. Mit Eingabe vom 20. März 2012 zeigte der Rechtsvertreter der B e- schwerdeführenden die Übernahme des Vertretungsmandats an und reichte Vollmachten der Beschwerdeführenden zu den Akten. N. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 30. März 2012 reichten die B e- schwerdeführenden ein die Schwester des Beschwerdeführers betreffe n- des Urteil des Militärgerichts (…) vom (…) in Kopie sowie zwei Fotos der- selben zu den Akten und wiesen auf die Gefahr eine r Reflexverfolgung von Angehörigen besonders verdächtiger Personen hin, die sich den Be- hörden entziehen würden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde sge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. E-194/2012 Seite 7 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM stellte sich zur Begründung seiner Verfügung im Wesentl i- chen auf den Standpunkt, die Vorbringen der Beschwerdefü hrenden ver- möchten den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftig-E-194/2012 Seite 8 keit) gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten . Sie hätten widersprüchl i- che Angaben zu zentralen Punkten ihrer Vorbringen gemacht, so zum Da- tum der Verhaftung des Beschwerdeführe rs anlässlich eines Newroz - Festes und zu der Frage, wie oft die Behörden bei ihnen zu Hause vorge- sprochen hätten. Ferner habe der Beschwerdeführer divergierende Au s- sagen zum Umfang seiner Aktivitäten für die PYD und zu der Anzahl kur- discher Personen gemacht, über welche er im Jahr 2008 hätte Informati- onen beschaffen sollen. 4.2 Die Beschwerdeführenden brachten zur Begründung ihrer Beschwe r- de vor, der Dolmetscher habe anlässlich der Befragung zur Person des Beschwerdeführers einen anderen kurdischen Dialekt gesprochen als er, weshalb es zu Missverständnissen gekommen und die Übersetzung nicht korrekt erfolgt sei. Bei der zweiten Anhörung mit einem syrischen Übe r- setzer sei die Verständigung hingegen gut gewesen. Ferner sei zu b e- rücksichtigen, dass die Beschwer deführerin im Zeitpunkt ihrer Befragu n- gen durch die Trennung der Familie sehr belastet gewesen sei und auch der Beschwerdeführer habe bei seinen Anhörungen unter Angst vor den syrischen Polizeikräften gelitten. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie g e- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder b e- wusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechse lt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vo rbringen des G e- suchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). E-194/2012 Seite 9 5.2 5.2.1 Wie das BFM zu Recht festgestellt hat, enthalten die Aussagen der Beschwerdeführenden zu zentralen Punkten der angeblichen oppositi o- nellen Aktivitäten des Beschwerdeführers sowie der Verfolgungsmas s- nahmen der Behörden in mehrfacher Hinsicht klare Widersprüche , we l- che die Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen erschüttern . Der Beschwerde- führer hielt, als ihm anlässlich der Anh örung durch das BFM vom 6. D e- zember 20 11 die abweichenden Aussagen seiner Ehefrau vorgehalten wurden, an der Richtigkeit seiner Angaben fest, womit er aber die Dive r- genzen nicht befriedigend zu erklären vermochte. Zudem hat der B e- schwerdeführer selber divergierende Angaben dazu gemacht, wie of t er von den heimatlichen Behörden festgenommen wurde. In der Beschwe r- deschrift wird auf die festgestellten Widersprüche im Einzelnen nicht ei n- gegangen, sondern lediglich auf Verständigungsschwierigkeiten zwischen dem Beschwerdeführer und dem Dolmetscher a nlässlich der Befragung zur Person vom 5. Mai 2011 sowie die emotionale Belastung der B e- schwerdeführerin verwiesen. Diese Erklärungen sind jedoch nicht geei g- net, die Einschätzung des BFM umzustossen: Der Beschwerdeführer hat anlässlich der Befragung zur Person vom 5. Mai 2011 zwei Mal angeg e- ben, er verstehe den Dolmetscher "gut", und unterschriftlich bestätigt, das Protokoll der Befragung entspreche seinen Aussagen und der Wahrheit und es sei ihm in eine ihm verständliche Sprache rückübersetzt worden (Akten BFM B8/14, S. 2 und S. 12). Er muss sich daher auf die damals gemachten Aussagen behaften lassen. Zudem vermöchte, s elbst wenn seine Angaben aufgrund sprachlicher Probleme tatsächlich nicht korrekt wiedergegeben worden wären , dieser Umstand die Dive rgenzen zw i- schen seinen Aussagen anlässlich der ausführlichen Anhörung vom 6. Dezember 2011 und denjenigen seiner Ehefrau nicht zu erklä ren. Ebenso vermag der Hinweis auf die psychische Belastung der Beschwe r- deführerin im Zeitpunkt der Befragungen die zum Teil eklatanten Abwei- chungen ihrer Aussagen von denjenigen ihres Ehemannes nicht zu erklä- ren. 5.2.2 Im Übrigen fällt auf, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage war, den vollen Namen der Partei PYD, deren Sympathisant er angeblich war, zu nennen. Die PYD gilt als sehr gut organisiert und diszipliniert und basiert auf strengen und verschwiegenen Mitgliedschafts ‐ und Führungs- regeln (vgl. DANISH IMMIGRATION SERVICE [DIS] UND ACCORD / ÖSTER- REICHISCHES ROTES KREUZ, Menschenrechtliche Fragestellungen zu Ku r- dInnen in Syrien, Bericht zu einer gemeinsamen Fact‐Finding‐Mission des Danish Immigration Service [DIS] und ACCORD / Österreichisches Rotes E-194/2012 Seite 10 Kreuz nach Damaskus [Syrien], Beirut [Libanon] und Erbil und Dohuk [Region Kurdistan ‐Irak], 21. Jänner bis 8. Februar 2010, S. 23 f.). Vor diesem Hintergrund ist die Annahme nicht plausibel, dass der B e- schwerdeführer als blosser Sympathisant der PYD regelmässig an Pa r- teisitzungen teilnehmen konnte, sowie dass Flugblätter der Partei seiner Familie in der beschriebenen Art übergeben und von ihm ohne besondere Sicherheitsmassnahmen zu Hause aufbewahrt wurden. Es erscheint fe r- ner nicht nachvollziehbar, dass die Behörden gerade ihn als Informanten gewinnen wollten, hat er doch nach eigenen Angaben ausser der Tei l- nahme an Parteisitzungen keine weiteren Aktivitäten für die PYD entfaltet und dürfte somit erkennbarerweise kaum über wesentliche Informationen verfügt haben. 5.2.3 Das Gericht teilt aus diesen Gründen die Auffassung der Vorinstanz, dass die Vorbringen der Beschwerdefü hrenden betreffend ihre Vorfluch t- gründe den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit (Art. 7 AsylG) und demnach an die Flüchtlingseigenschaft (Art. 3 AsylG) nicht zu genügen vermögen. 5.3 Bezüglich der von den Beschwerdeführenden vorgebrachten Furcht vor Reflexverfolgung wegen der politischen Aktivitäten der Schwester des Beschwerdeführers ist Folgendes festzustellen: Zum Beleg dieses Vorbringens reichten die Beschwerdeführenden ein Ur- teil des Militärgerichts in (…) vom (…) in Kopie ein. Antragsgemäss wurde eine Übersetzung des Beweismittels in eine Amtssprache durch den I n- struktionsrichter veranlasst. Dokumenten in Kopie kann jedoch aufgrund der leichten Manipulierbarkeit grundsätzlich nur ein reduzierter Bewei s- wert beigemessen werden. Zudem steht nicht fest, dass es sich bei der in diesem Gerichtsdokument genannten Angeklagten " (…)" tatsächlich um die Schwester des Beschwerdeführers handelt. Dass die Identitätsang a- ben im Urteil zum Teil (Na me der Mutter, Alter der Schwester) den en t- sprechenden Angaben des Beschwerdeführers widersprechen, gibt vie l- mehr zu diesbezüglichen Zweifeln Anlass. Die beiden in Kopie einge- reichten Fotografien, welche angeblich die Schwester anlässlich eines Aufenthalts in einem Trainingslager der PKK zeigen, haben keine Auss a- gekraft betreffend deren angebliches politisches Engagement. Letztlich kann die Frage offen bleiben, ob es sich überhaupt um ein a u- thentisches Dokument handelt: Den Akten sind keine Hinweise auf vo n den Behörden ergriffene konkrete Reflexverfolgungsmassnahmen g e-E-194/2012 Seite 11 genüber den Beschwerdeführenden oder ihren im Heimatland verblieb e- nen Familienangehörigen zu entnehmen, zumal auch der Beschwerd e- führer solche bei seinen Befragungen nicht geltend gemacht hatte. Nach dem Gesagten ergeben sich aus den Akten keine konkreten An- haltspunkte für eine begründete Furcht der Beschwerdeführenden vor Reflexverfolgung wegen eines politischen Engagements der Schwester des Beschwerdeführers. 5.4 Schliesslich ist den Ausführungen der Beschwerdeführerin auch nicht zu entnehmen, dass sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den "Ajnabi" Ver- folgungsmassnahmen in asylrechtlich relevantem Ausmass erlitten hätte (vgl. in diesem Zusammenhang auch EMARK 2002 Nr. 23 E. 4d). 5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerde füh- renden nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevante Verfolgungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch demzufolge zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländ errecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. Im Sinne einer Klarstellung ist im Übrigen – angesichts der jüngsten Ent- wicklungen der Situation in Syrien – festzuhalten, dass sich aus den z u- vor angestellten Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerd e- führenden seien zum he utigen Zeitpunkt in ihrem Heimatstaat nicht g e- fährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) einz u- ordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumu t- bar sein kann, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Si- tuationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer E-194/2012 Seite 12 Notlage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdu ng aufgrund der aktuellen Bürgerkriegssituation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG wurde durch das BFM mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme de r Beschwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen, und auf diesen Punkt ist folglich im vorliegenden Verfahren nicht weiter einzugehen. Auch die Frage des Vorliegens ande- rer Vollzugshindernisse ist damit praxisgemäss nicht mehr zu prüfen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 9. Den Akten zufolge erfolgte bisher keine Weitergabe von Daten der B e- schwerdeführenden an Syrien. Di e Gesuche um Offenlegung der Date n- weitergabe und um Anweisung der Unterlassung jeglicher Datenweite r- gabe an die syrischen Behörden sind mit vorliegendem Entscheid g e- genstandslos geworden. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer - deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zw i- schenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2012 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorg e- bestätigung gutgeheissen wurde, die Beschwerdeführenden innert Frist eine Bestätigung ihrer Fürsorgeab hängigkeit zu den Akten reichten und keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sich ihre finanzielle Lage sei t- her entscheidrelevant verändert hätte, ist auf die Auferlegung von Verfah- renskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-194/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: