<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">323</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>66</b></span> <span class="ft3"><b>Quellensteuer, Veranlagungsverfahren (§ 17 Abs. 2 StG, § 118 StG, § 119</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Abs. 1 StG, § 121 Abs. 1 lit. a StG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Befindet sich der Lebensmittelpunkt (Hauptsteuerdomizil) in Deutsch-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>land, so ist der Steuerpflichtige trotz Niederlassungsbewilligung C an der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Quelle zu besteuern. Ohne steuerlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Schweiz kann keine nachträgliche ordentliche Veranlagung durchgeführt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>werden. Bei beschränkter Steuerpflicht kraft Erwerbstätigkeit findet die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ergänzende ordentliche Veranlagung prinziell keine Anwendung.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft4">vom 26. Januar 2017 in Sachen P.L. (3-RV.2016.80).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">324</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent ist deutscher Staatsangehöriger. Er ist seit dem</span><br/> <span class="ft1">10. Juni 2003 in X. (Deutschland) wohnhaft und bei der Stadt X. re-</span><br/> <span class="ft1">gistriert. Der Rekurrent besitzt zusammen mit seiner Ehefrau in X.</span><br/> <span class="ft1">ein Eigenheim. In Deutschland ist er nicht erwerbstätig.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent lebt und arbeitet seit dem 31. Oktober 2004 in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz. Seit dem 1. November 2009 verfügt der Rekurrent über</span><br/> <span class="ft1">die Niederlassungsbewilligung C. Seit dem 1. Oktober 2006 ist der</span><br/> <span class="ft1">Rekurrent bei der Einwohnerkontrolle der Einwohnergemeinde Y.</span><br/> <span class="ft1">registriert. Er arbeitet in unselbständiger Erwerbstätigkeit als Projekt-</span><br/> <span class="ft1">leiter bei der B. AG in Z. Der Rekurrent verfügt in Y. seit dem 16.</span><br/> <span class="ft1">Oktober 2006 über eine 1-Zimmerwohnung mit Autoabstellplatz, für</span><br/> <span class="ft1">die er monatlich CHF 717.00 Miete bezahlt.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">4.2.1</span><br/> <span class="ft1">Die Steuerkommission Y. geht davon aus, dass der Rekurrent</span><br/> <span class="ft1">sein Hauptsteuerdomizil in Y. hat. Der Rekurrent stellt sich dem-</span><br/> <span class="ft1">gegenüber auf den Standpunkt, dass sich sein Hauptsteuerdomizil in</span><br/> <span class="ft1">X. (Deutschland) befindet und er in Y. lediglich Wochenaufenthalter</span><br/> <span class="ft1">sei.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.2.5.</span><br/> <span class="ft1">4.2.5.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent wohnt seit dem 16. Oktober 2006 in einer 1-Zim-</span><br/> <span class="ft1">merwohnung in Y., welche ihm während der Woche als ständige</span><br/> <span class="ft1">Wohnstätte dient. In X. (Deutschland) steht ihm seit dem 10. Juni</span><br/> <span class="ft1">2003 ein Eigenheim zur Verfügung, in dem seine Ehefrau lebt. Er</span><br/> <span class="ft1">verfügt somit sowohl in Y., als auch in Deutschland über eine stän-</span><br/> <span class="ft1">dige Wohnstätte. Dementsprechend ist weiter zu prüfen, wo sich sein</span><br/> <span class="ft1">Lebensmittelpunkt befindet.</span><br/> <span class="ft1">4.2.5.2.</span><br/> <span class="ft1">Das eheliche Zusammenleben bildet gewöhnlich das gewich-</span><br/> <span class="ft1">tigste Indiz für den Lebensmittelpunkt; die persönlichen und familiä-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">325</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ren Beziehungen zum Ort, wo sich die Familie aufhält, werden daher</span><br/> <span class="ft1">regelmässig als stärker erachtet als diejenigen, die auf der berufli-</span><br/> <span class="ft1">chen Tätigkeit beruhen. Der steuerliche Wohnsitz von verheirateten</span><br/> <span class="ft1">Personen mit Beziehungen zu mehreren Orten wird daher auch im in-</span><br/> <span class="ft1">ternationalen Verhältnis regelmässig an dem Ort angenommen, wo</span><br/> <span class="ft1">sich die Familie aufhält (RGE vom 30. Januar 2003</span><br/> <span class="ft1">(3-RV.2002.50133), mit Hinweis; analog BGE 132 I 29; BGE 125 I</span><br/> <span class="ft1">54; Entscheid des Bundesgerichts vom 17. Juni 2004 (2P. 179/2003);</span><br/> <span class="ft1">VGE vom 24. Juli 2006 (WBE.2006.45); VGE vom 4. September</span><br/> <span class="ft1">2002 (BE.2001.00397); Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 16 StG N 7 ff.).</span><br/> <span class="ft1">4.2.5.3.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Der Mittelpunkt der Lebensinteressen des Rekurrenten befindet</span><br/> <span class="ft1">sich somit nach wie vor in X. (Deutschland). Dort ist folglich auch</span><br/> <span class="ft1">sein Hauptsteuerdomizil. Daran vermag der Umstand nichts zu än-</span><br/> <span class="ft1">dern, dass der Rekurrent in der Schweiz ab dem 1. November 2009</span><br/> <span class="ft1">eine Niederlassungsbewilligung C erhalten hat, weil trotzdem seine</span><br/> <span class="ft1">in X. (Deutschland) lebende Familie den Lebensmittelpunkt im</span><br/> <span class="ft1">Sinne des DBA CH-D bildet.</span><br/> <span class="ft1">4.2.5.4.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent gilt daher nach dem massgeblichen DBA CH-D</span><br/> <span class="ft1">als in Deutschland ansässig.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">Bezüglich der Besteuerung von Einkünften aus unselbständiger</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit wird im DBA CH-D Folgendes festgehalten</span><br/> <span class="ft1">(Art. 15 Abs. 1 und 2):</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Daraus folgt - was unbestritten ist -, dass im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">die Schweiz den Rekurrenten für das bei der B. AG in Z. aus unselb-</span><br/> <span class="ft1">ständiger Erwerbstätigkeit erzielte Einkommen besteuern kann.</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">6.1.</span><br/> <span class="ft1">Es stellt sich aber zusätzlich die Frage, ob das aus unselbständi-</span><br/> <span class="ft1">ger Erwerbstätigkeit erzielte Einkommen im ordentlichen Veranla-</span><br/> <span class="ft1">gungsverfahren oder im Quellensteuerverfahren zu erfassen ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">326</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Quellensteuer (§§ 112 ff. StG) wurde als echte Quellen-</span><br/> <span class="ft1">steuer ausgestaltet, indem der Quellensteuerabzug an die Stelle der</span><br/> <span class="ft1">ordentlichen Veranlagung tritt. Die Quellenbesteuerung ersetzt das</span><br/> <span class="ft1">ordentliche Veranlagungs- und Bezugsverfahren vollständig (Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., VB zu §§ 112-114 StG</span><br/> <span class="ft1">N 2). Nach § 121 Abs. 1 lit. a StG werden im Ausland wohnhafte</span><br/> <span class="ft1">Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für ihre Einkünfte aus unselb-</span><br/> <span class="ft1">ständiger Erwerbstätigkeit und die an deren Stelle tretenden</span><br/> <span class="ft1">Ersatzeinkünfte nach den §§ 112 ff. StG an der Quelle besteuert,</span><br/> <span class="ft1">wenn sie als Wochenaufenthalter für einen Arbeitgeber mit Wohnsitz,</span><br/> <span class="ft1">Sitz oder Betriebsstätte im Kanton aus unselbständiger Stellung er-</span><br/> <span class="ft1">werbstätig sind (vgl. auch "Merkblatt zur Quellenbesteuerung von in-</span><br/> <span class="ft1">ternationalen Wochenaufenthalter/innen ohne steuerrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Wohnsitz in der Schweiz" vom 25. September 2012 des KStA).</span><br/> <span class="ft1">6.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent ist nach der genannten Bestimmung als (inter-</span><br/> <span class="ft1">nationaler) Wochenaufenthalter in Y. mit Ansässigkeit in Deutsch-</span><br/> <span class="ft1">land für sein Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz bzw. im Kanton Aargau an der Quelle zu besteuern</span><br/> <span class="ft1">(§ 17 Abs. 2 StG; RGE vom 20. Dezember 2007 (3-RV.2007.25), der</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz bekannt; Fabian Baumer, Erwerbseinkünfte im internatio-</span><br/> <span class="ft1">nalen Verhältnis, in: StR 2006 S. 330 ff.; Kommentar zum Aargauer</span><br/> <span class="ft1">Steuergesetz, a.a.O., § 17 StG N 3).</span><br/> <span class="ft1">6.4.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Selbst wenn der Rekurrent im Jahr 2014 ein Bruttoeinkommen</span><br/> <span class="ft1">von mehr als CHF 120'000.00 erzielt hätte, könnte vorliegend keine</span><br/> <span class="ft1">nachträgliche ordentliche Veranlagung im Sinne von § 119 StG</span><br/> <span class="ft1">durchgeführt werden, weil der Rekurrent weder über einen steuerli-</span><br/> <span class="ft1">chen Wohnsitz noch Aufenthalt (Kommentar zum Aargauer Steuerge-</span><br/> <span class="ft1">setz, a.a.O., § 121 StG N 1 und 2) im Kanton Aargau verfügt.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent unterliegt damit der Besteuerung an der Quelle.</span><br/> <span class="ft1">6.5.</span><br/> <span class="ft1">Eine ergänzende ordentliche Veranlagung gemäss § 118 StG ist</span><br/> <span class="ft1">nicht durchzuführen, da neben den Einkünften aus unselbständiger</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">327</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Tätigkeit keine Einkommens- und Vermögensbestandteile in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz zu erfassen sind. Bei beschränkter Steuerpflicht kraft Er-</span><br/> <span class="ft1">werbstätigkeit findet die ergänzende ordentliche Veranlagung (wie</span><br/> <span class="ft1">auch die nachträglich ordentliche Veranlagung) prinzipiell keine An-</span><br/> <span class="ft1">wendung (§ 17 Abs. 2 StG; Fabian Baumer, Erwerbseinkünfte im in-</span><br/> <span class="ft1">ternationalen Verhältnis, in: StR 2006 S. 330 ff.; Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Aargauer Steuergesetz, a.a.O., §17 StG N 3, N 14, §118 StG N 1).</span><br/></div> </div> </body> </html>