<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">I 77/00 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>III. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Schön, Spira und Bundesrichterin Widmer; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Signorell </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 15. Mai 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">S.________, 1955, Beschwerdeführer, vertreten durch lic. </div> <div class="para">iur. K.________, </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV-Stelle des Kantons Zürich, Röntgenstrasse 17, Zürich, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Winterthur </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Mit zwei Verfügungen vom 5. November 1999 sprach die </div> <div class="para">IV-Stelle des Kantons Zürich dem 1955 geborenen S.________ </div> <div class="para">mit Wirkung ab 1. Oktober 1998 eine ordentliche halbe </div> <div class="para">Invalidenrente zu. </div> <div class="para"> Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich trat </div> <div class="para">mit Entscheid vom 21. Dezember 1999 auf eine dagegen erho- </div> <div class="para">bene Beschwerde, u.a. mit dem Begehren um Gewährung einer </div> <div class="para">angemessenen Frist, um die Beschwerde nach Erhalt der Akten </div> <div class="para">zu ergänzen, nicht ein. </div> <div class="para"> Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird die Aufhebung </div> <div class="para">des vorinstanzlichen Entscheides und die Anweisung des kan- </div> <div class="para">tonalen Gerichtes, auf die Beschwerde einzutreten, bean- </div> <div class="para">tragt. </div> <div class="para"> Die IV-Stelle des Kantons Zürich und das kantonale </div> <div class="para">Gericht verzichten auf eine Stellungnahme; das Bundesamt </div> <div class="para">für Sozialversicherung lässt sich nicht vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Da es sich bei der angefochtenen Verfügung nicht </div> <div class="para">um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleis- </div> <div class="para">tungen handelt, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht </div> <div class="para">nur zu prüfen, ob das vorinstanzliche Gericht Bundesrecht </div> <div class="para">verletzt hat, einschliesslich Überschreitung oder Miss- </div> <div class="para">brauch des Ermessens, oder ob der rechtserhebliche Sachver- </div> <div class="para">halt offensichtlich unrichtig, unvollständig oder unter </div> <div class="para">Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt </div> <div class="para">worden ist (Art. 132 in Verbindung mit Art. 104 lit. a und </div> <div class="para">b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) Nach <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. b AHVG</span>, anwendbar ge- </div> <div class="para">mäss <span class="artref">Art. 69 IVG</span> auch auf dem Gebiet der Invalidenversiche- </div> <div class="para">rung, muss die bei der kantonalen Rekursbehörde eingereich- </div> <div class="para">te Beschwerde eine gedrängte Darstellung des Sachverhalts, </div> <div class="para">ein Rechtsbegehren und eine kurze Begründung enthalten. Ge- </div> <div class="para">nügt die Beschwerde diesen Anforderungen nicht, so setzt </div> <div class="para">die Rekursbehörde dem Beschwerdeführer eine angemessene </div> <div class="para">Frist zur Verbesserung und verbindet damit die Androhung, </div> <div class="para">dass sonst auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. </div> <div class="para"> Im Gegensatz zum letztinstanzlichen Verfahren, in wel- </div> <div class="para">chem gemäss <span class="artref">Art. 108 Abs. 3 OG</span> eine nachträgliche Verbesse- </div> <div class="para">rungsmöglichkeit der Beschwerde nur bei Unklarheit von Be- </div> <div class="para">gehren oder Begründung vorgesehen ist, hat im erstinstanz- </div> <div class="para">lichen Verfahren die Fristansetzung zur Verbesserung der </div> <div class="para">Beschwerde ganz allgemein immer dann zu erfolgen, wenn die </div> <div class="para">Beschwerde den in <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. b AHVG</span> genannten ge- </div> <div class="para">setzlichen Anforderungen nicht genügt; also auch dann, wenn </div> <div class="para">es an Begehren oder Begründung gänzlich mangelt. Es handelt </div> <div class="para">sich bei der erwähnten Bestimmung um eine formelle Vor- </div> <div class="para">schrift, die den erstinstanzlichen Richter - ausser in Fäl- </div> <div class="para">len von offensichtlichem Rechtsmissbrauch - verpflichtet, </div> <div class="para">eine Frist zur Verbesserung der Mängel anzusetzen (BGE 119 </div> <div class="para">V 266 Erw. 2a mit Hinweis). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Gemäss § 18 Abs. 3 des (kantonalen) Gesetzes über </div> <div class="para">das Sozialversicherungsgericht setzt das Gericht, wenn eine </div> <div class="para">Eingabe den Anforderungen (sc. an eine Beschwerde- oder </div> <div class="para">Klageschrift) nicht genügt, eine angemessene Frist zur Ver- </div> <div class="para">besserung an, mit der Androhung, dass sonst auf die Be- </div> <div class="para">schwerde oder die Klage nicht eingetreten werde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- a) Nach der Rechtsprechung (RKUV 1988 Nr. U 34 </div> <div class="para">S. 34, Erw. 2a mit Hinweisen) hat eine Nachfristansetzung </div> <div class="para">im Falle von offensichtlichem Rechtsmissbrauch zu unter- </div> <div class="para">bleiben. Auf einen solchen Missbrauch läuft es hinaus, wenn </div> <div class="para">ein Anwalt eine bewusst mangelhafte Rechtsschrift ein- </div> <div class="para">reicht, um sich damit eine Nachfrist für die Begründung zu </div> <div class="para">erwirken. Satz 1 von <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. b AHVG</span> würde wir- </div> <div class="para">kungslos, wenn sich jeder Beschwerdeführer dadurch, dass er </div> <div class="para">die Beschwerde ohne Begründung einreicht, über die Nach- </div> <div class="para">frist von Satz 2 eine zusätzliche Begründungsfrist erwirken </div> <div class="para">könnte. Insbesondere derjenige Beschwerdeführer kann nicht </div> <div class="para">die Nachfrist beanspruchen, welcher die Erfordernisse von </div> <div class="para">Art. 85 Abs. 2 lit. b Satz 1 AHVG bewusst nicht erfüllt in </div> <div class="para">der Absicht, sich auf Satz 2 berufen zu können. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Vorinstanz erwog, dass dem Rechtsvertreter des </div> <div class="para">Beschwerdeführers die Begründungspflicht bekannt gewesen </div> <div class="para">sei und er trotzdem eine Rechtsschrift eingereicht habe, </div> <div class="para">der jegliche materielle Begründung fehle. Zwischen der Man- </div> <div class="para">datserteilung und dem Fristablauf lägen sieben Arbeitstage. </div> <div class="para">Aufgrund des der anzufechtenden Verfügungen beigelegten Be- </div> <div class="para">gründungsblattes wäre es ohne weiteres möglich gewesen, in- </div> <div class="para">nert dieser Zeit eine summarische Begründung abzugeben. </div> <div class="para">Dass bei diesen Umständen eine ungenügende Beschwerde- </div> <div class="para">schrift eingereicht wurde, qualifiziert das kantonale Ge- </div> <div class="para">richt sinngemäss als offensichtlich rechtsmissbräuchlich. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Die kantonale Verfahrensbestimmung bezüglich der </div> <div class="para">Nachbesserungsmöglichkeit deckt sich inhaltlich mit jener </div> <div class="para">des <span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. b AHVG</span>. Es ist daher nichts dagegen </div> <div class="para">einzuwenden, wenn die Vorinstanz die bundesgerichtliche </div> <div class="para">Rechtsprechung sinngemäss darauf anwendet. Deshalb ist </div> <div class="para">nicht zu beanstanden, dass die nachträgliche Begründung ei- </div> <div class="para">nes Rechtsmittels im Falle eines offensichtlichen Rechts- </div> <div class="para">missbrauchs ausgeschlossen ist. Darunter fällt auch der be- </div> <div class="para">schwerdeführende Rechtsvertreter, der zwar nicht Rechtsan- </div> <div class="para">walt ist, indessen - wie ein solcher - berufsmässig Recht- </div> <div class="para">suchende in Sozialversicherungsangelegenheiten vor Verwal- </div> <div class="para">tung und Gerichten vertritt, eine juristische Ausbildung </div> <div class="para">hat und über spezielles Fachwissen verfügt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Streitig und zu prüfen ist daher, ob die Vorin- </div> <div class="para">stanz rechtens von einem offensichtlichen Rechtsmissbrauch </div> <div class="para">ausgehen durfte, wenn der Beschwerdeführer am letzten Tag </div> <div class="para">der Rechtsmittelfrist eine ungenügende Eingabe bei der Vor- </div> <div class="para">instanz einreichte. </div> <div class="para"> Nachdem die anzufechtende Verfügung am 5. November </div> <div class="para">1999 ergangen war, betraute der Versicherte am 25. November </div> <div class="para">1999 die Praxis für Sozialversicherungsrecht mit der Inte- </div> <div class="para">ressenwahrung. Unbestritten ist, dass der Rechtsvertreter </div> <div class="para">zu jenem Zeitpunkt keinerlei Aktenkenntnisse hatte. Der </div> <div class="para">Rechtsvertreter verhielt sich insoweit korrekt, als er noch </div> <div class="para">am gleichen Tag (an einem Donnerstag) bei der verfügenden </div> <div class="para">Verwaltungsstelle ein Akteneinsichtsgesuch stellte und </div> <div class="para">überdies auf dessen Dringlichkeit hinwies. Dass diese nicht </div> <div class="para">in der Lage war, obwohl ihr insbesondere der Ablauf der </div> <div class="para">Frist bekannt war, dem Gesuch innert sechs Arbeitstagen </div> <div class="para">nachzukommen, erweckt zwar erhebliche Bedenken. Doch kann </div> <div class="para">der beschwerdeführerische Rechtsvertreter daraus nichts zu </div> <div class="para">seinen Gunsten herleiten. Denn aus dem Beiblatt zur Ver- </div> <div class="para">waltungsverfügung ergeben sich wesentliche Begründungs- </div> <div class="para">elemente (Einkommensvergleich, zumutbare Tätigkeit, Ein- </div> <div class="para">schränkung der Arbeitsfähigkeit). Zudem hatte der Beschwer- </div> <div class="para">deführer im Vorbescheidverfahren eine Eingabe gemacht. Zu- </div> <div class="para">sätzliches Wissen erlangte der Rechtsvertreter schliesslich </div> <div class="para">auch anlässlich des Instruktionsgesprächs. Mit diesem Wis- </div> <div class="para">sen wäre es möglich und zumutbar gewesen, innert der </div> <div class="para">Rechtsmittelfrist mindestens eine summarische Beschwerde- </div> <div class="para">begründung abzugeben. Er tat dies jedoch nicht, um in den </div> <div class="para">Genuss einer Nachfrist zu gelangen. Es lässt sich daher in </div> <div class="para">keiner Weise beanstanden, wenn die Vorinstanz davon ausge- </div> <div class="para">gangen ist, das Verhalten des Rechtsvertreters habe darauf </div> <div class="para">abgezielt, über die Nachfrist von § 18 Abs. 3 GSVGer eine </div> <div class="para">(unzulässige) Verlängerung der Beschwerdefrist zu erwirken. </div> <div class="para">Unter den gegebenen Umständen kann nicht gesagt werden, die </div> <div class="para">Nichtgewährung der Nachfrist verstosse gegen das Verbot des </div> <div class="para">überspitzten Formalismus. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5.- Da das vorliegende Verfahren nicht die Bewilligung </div> <div class="para">oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zum Gegen- </div> <div class="para">stand hat, fällt es nicht unter die Kostenfreiheit gemäss </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 134 OG</span>. </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwer- </div> <div class="para"> deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvor- </div> <div class="para"> schuss verrechnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversiche- </div> <div class="para"> rungsgericht des Kantons Zürich, der Ausgleichskasse </div> <div class="para"> des Kantons Zürich und dem Bundesamt für Sozialver- </div> <div class="para"> sicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 15. Mai 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der III. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>