Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. Oktober 2016 (810 15 257) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Revision Zonenvorschriften Siedlung und Landschaft inkl. Strassennetzpläne und Reg- lement über die Ersatzabgabe für Parkplätze Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen , Jgnaz Jermann, Edgar Schürmann, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte Einwohnergemeinde Gelterkinden , Marktgasse 8 , 4460 Gelterkinden , Beschwerdeführerin, vertreten durch Michael Baader, Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Revision Zonenvorschriften Siedlung und Lan dschaft (RRB Nr. 1313 vom 25. August 2015) A. Die Einwohnergemeinde Gelterkinden (Gemeinde) be schloss am 5. Februar 2014 den Zonenplan Siedlung (inkl. Lärm-Empfindlichkeitsstufen) und das Zonenreglement Siedlung, den “Teilzonenplan Ortskern“ und das “Teilzonenreglemen t Ortskern“, den Strassennetzplan Sied- lung, eine Mutation des Reglements über die Ersatza bgabe für Parkplätze, den Zonenplan Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft und das Zonenreglement Landschaft sowie den S trassennetzplan Landschaft. Die öffentliche Planauflage fand vom 14. März bis 14. Apri l 2014 und für die im “Teilzonenplan Ortskern“ geschützten Bauten vom 23. Mai bis 23. Juni 20 14 statt. Die auswärtigen Grundei- gentümerinnen und Grundeigentümer wurden jeweils mit eingeschriebenem Brief benachrich- tigt. Während der Auflagefrist gingen etliche Einsprachen ein. Die gesetzlich vorgeschriebene Ver- ständigungsverhandlung führte zum Rückzug einiger Einspra chen. Mit Schreiben vom 22. Juli 2014 unterbreitete der Gemeinderat Gelterkinden die oben genannten Planungen zur regie- rungsrätlichen Genehmigung und ersuchte um Abweisung de r unerledigten Einsprachen. Zu- dem beantragte er im Einvernehmen mit den betroffenen Grundeigentümern geringfügige Ände- rungen. Mit Schreiben vom 28. April 2015 beantragte der Gemeinderat, die Genehmigung der beschlossenen Einzonungen von Wohnbauzonen zu sistieren, da die Gemeinde betreffend die Einzonungen noch weitere Abklärungen treffen wolle. B. Mit Beschluss Nr. 1313 wies der Regierungsrat am 25. A ugust 2015 einen Teil der Ein- sprachen, soweit er darauf eintrat, als unbegründet ab. Die restlichen Einsprachen wurden sis- tiert (Dispositivziffer 1). Des Weiteren wurde der Beschl uss der Einwohnergemeindeversamm- lung Gelterkinden vom 5. Februar 2014 betreffend den Zonenplan Siedlung (inkl. Lärm- Empfindlichkeitsstufen) und das Zonenreglement Siedlung , den Teilzonenplan Siedlung Orts- kern und das Teilzonenreglement Siedlung Ortskern, den Strassennetzplan Siedlung, den Zo- nenplan Landschaft und das Zonenreglement Landschaft so wie den Strassennetzplan Land- schaft im Sinne der Erwägungen mit nachstehenden Ausnah men und Sistierungen genehmigt und damit allgemeinverbindlich erklärt (Dispositivziffer 2): “Ausnahmen: Von der Genehmigung ausgeschlossen und teilweise zur Überarbeitung zurückgewiesen werden (in Plan und Reglement rot gestrichen): a) … b) Artikel 15 des Zonenreglementes Siedlung. c) Artikel 29 Absatz 5 des Zonenreglementes Siedlung. d) Artikel 33 des Zonenreglementes Siedlung. e) … f) In Artikel 5 Absatz 5 des Teilzonenreglementes Sied lung “Ortskern“ der Satz “In der Freihaltezone liegende Parzellenteile dürfen dem Drittel zugerechnet werden.“ g) … h) Artikel 26 des Teilzonenreglementes Siedlung “Ortskern“. i) … j) Die im Teilzonenplan Siedlung “Ortskern“ festgeleg te kommunale Gestaltungsbaulinie auf der Parzelle Nr. 1007, zwischen den Häusern Nr. 1 und Nr. 3 an der Schulgasse, welche sich in einem geringeren Abstand als dem gesetzlichen Minimalabstand zur Kantonsstrasse befindet. k) Die im Strassennetzplan Siedlung festgelegte neue Erschliessungsstrasse im Gebiet “Lachmatt“. l) Die Aufhebung der aktuell rechtsgültigen Naturschut zzone G36, wo sie im östlichen und südlichen Bereich nicht vom kantonal geschützten Naturobjekt “Zangenweidli“ überlagert wird. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht m) Die Mutation des Reglementes über die Ersatzabgabe für Parkplätze (ErsatzabgaberegIement). n) Die Aufzählung in Artikel 10 Absatz 3 des Zonenregl ementes Landschaft (“Ausgenommen davon sind: a. Bewässerungsanlagen, b. Folientunnel, c. Witterungs- und Vogelschutzanlagen, d. Bienenhäuser“) und Absatz 4. Sistierungen: Sistiert werden (in Plan und Reglement rot gestrichen): Die Zuweisung der Parzelle Nr. 1393 in die Zone mit Quartierplanpflicht (mit Wohnnutzung), der Parzellen Nrn. 1614, 1615 (südlicher Teil), 2533 (südlicher Tei l), 3357 und 3359 in die Wohngeschäftszone WG2a und der Parzelle Nr. 1274 (östlicher Teil) in die Woh nzone inkl. die drei im Strassennetzplan neu geplan- ten Erschliessungsstrassen im Gebiet “Mühlstett“. In Artikel 2 und 16 des Zonenreglementes Siedlung di e Zone mit Quartierplanpflicht “Mühlstett- Schleipfen“. Auflagen: Der Gemeinderat wird aufgefordert, innert fünf Jahren durch die Gemeindeversammlung a) … b) … c) Das Mass der Nutzung in der Kernzone Bereich Hofstatt zu überprüfen. d) Bei den Gewässern gemäss den Vorgaben von Artikel 4 1a GSchV beidseitig Uferschutzzonen festzu- legen und insbesondere entlang der Ergolz und des Ei bachs die bestehenden Uferschutzzonen zu verbreitern. e) Im Gebiet “Lachmatt“ eine gesetzeskonforme Erschlies sung festzulegen. f) Im Zonenreglement Landschaft Schutzbestimmungen für die Naturschutzzone G36 festlegen zu las- sen oder den Schutz im Rahmen von § 10 NLG sicherzustellen.“ Des Weiteren wurde in Ziffer 3 des Dispositivs verfügt, welche Pläne und Reglemente massge- bend seien. Es folgten die Dispositivziffern 4 - 7. C.1. Mit Eingabe vom 7. September 2015 erhob die Ge meinde, vertreten durch Michael Baader, Advokat, Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht). Sie stellte die Begehren, es sei der Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1313 vom 25. August 2015, “soweit er Planbereich b zw. Reglementsbestimmungen von der Genehmigung“ ausnehme und soweit er der Gemeinde Auf lagen mache, aufzuheben. Bean- tragt wurde im Rechtsbegehren 1 explizit die Bewilligu ng sämtlicher vom Regierungsrat in der Dispositivziffer 2 des RRB im Abschnitt “Ausnahmen“ von der Genehmigung ausgenommenen Punkte a) bis n) und die Aufhebung sämtlicher vom Regi erungsrat in der Dispositivziffer 2 des RRB im Abschnitt “Auflagen“ (Buchstabe a bis f) an den Gemeinderat gestellten Forderungen. Die Beschwerdeführerin beantragte des Weiteren, es seien folglich die vom Regierungsrat ge- stützt auf die Genehmigungsverweigerung/Auflagen in den gemäss Dispositivziffer 3 als mass- gebend bezeichneten Plänen und Reglementen eingetragenen Streichungen und Bemerkungen aufzuheben und die Pläne und Reglemente ohne diese zu genehmigen (Rechtsbegehren 2). Es seien die vom Regierungsrat in den Erwägungen des RRB a ls “redaktionelle Korrekturen“ be- zeichneten inhaltlichen Änderungen aufzuheben und entsprechend allfällige Korrekturen in Plä- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen und Reglementen rückgängig zu machen und die Plän e und Reglemente alsdann zu ge- nehmigen (Rechtsbegehren 3). Alles unter o/e-Kostenfo lge (Rechtsbegehren 4). In verfahrens- rechtlicher Hinsicht stellte die Beschwerdeführerin unter anderem den Antrag, es sei der Be- schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, jedenfalls aber bezüglich der gemäss Disposi- tivziffer 2 von der Genehmigung ausgenommenen “Ausnah men“ lit. f) und lit. m) (Rechtsbegeh- ren 5). Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass sich die Beschw erdeführerin ausdrücklich vor- behalte, ihre Rechtsbegehren nach Erhalt der im Dispositiv in Ziffer 3 als massgebend bezeich- neten Pläne und Reglemente auch auszudehnen (Rechtsbegehren 7). C.2. In ihrer ergänzenden Beschwerdeschrift vom 16. Sep tember 2015 stellte die Be- schwerdeführerin das zusätzliche Rechtsbegehren, es seien im Zonenplan Siedlung und Zo- nenplan Landschaft die von der Sistierung betroffenen Parzellen korrekt wie folgt zu kennzeich- nen: “Genehmigung vom RR sistiert“. Der anderslautende Vermerk im Zonenplan Siedlung resp. die Genehmigung des Zonenplans Landschaft bezüglich dieses Gebiets sei aufzuheben. Begründet wurde dieser Antrag unter Hinweis auf das R echtsbegehren 7 der Beschwerde vom 7. September 2015 damit, dass der Gemeinde am 10. Sep tember 2015 die gemäss Dispositiv- ziffer 3 des angefochtenen RRB massgebenden mit Korrekturen und Bemerkungen versehenen Reglemente und Pläne zugestellt worden seien. Es habe sich gezeigt, dass der Beschluss des Regierungsrats betreffend Sistierung in den Plänen nicht präzise umgesetzt bzw. vermerkt wor- den sei. Mit präsidialer Verfügung vom 13. Oktober 2015 erhiel t der Beschwerdegegner Frist zur Stel- lungnahme bis 27. Oktober 2015 zum Verfahrensantrag a uf Erteilung der aufschiebenden Wir- kung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 22. Oktober 2015 erklärte die Beschwerdeführerin, dass in der Zeit seit Erlass des angefochtenen RRB dive rse Baugesuche publiziert worden sei- en, welche gestützt auf die neue Rechtlage beurteilt worden seien. Um eine Rechtsunsicherheit zu verhindern, schränke die Beschwerdeführerin ihr Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung gemäss Rechtsbegehren 4 der Beschwerde vom 7. Sep tember 2015 ein. Es folgte der präzise Antrag, inwiefern die aufschiebende Wirkung zu erteilen sei. Mit Eingabe vom 23. Okto- ber 2015 erklärte der Beschwerdegegner, mit der aufschiebenden Wirkung im Umfang, wie er in der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 22. Oktober 201 5 beantragt werde, einverstanden zu sein. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2015 wies das Gerich tspräsidium das Gesuch der Be- schwerdeführerin um Erteilung der aufschiebenden Wirku ng bzw. Anordnung vorsorglicher Massnahmen ab. C.3. In der innert erstreckter Frist eingereichten Besc hwerdebegründung vom 14. Dezem- ber 2015 wiederholte die Beschwerdeführerin das in de r Beschwerde vom 7. September 2015 gestellte Rechtsbegehren 1, wobei die Beschwerdeführerin das Rechtsbegehren 1 insofern ein- schränkte, als sie sich nicht mehr gegen die Nichtgenehmigu ng der unter “Ausnahme“ formu- lierten lit. a), e), g) und i) wehrte. Des Weiteren akzeptierte sie die im RRB in lit. a) und b) for- mulierten Auflagen. Das Rechtsbegehren 2 entsprach vol lumfänglich dem in der Beschwerde vom 7. September 2015 formulierten Rechtsbegehren 2. Die Beschwerdeführerin präzisierte das in der Beschwerde vom 7. September 2015 gestellte Re chtsbegehren 3 und beantragte darin, es seien die vom Regierungsrat in Erwägung 1.21 des RRB als “redaktionelle Korrektu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren“ bezeichneten inhaltlichen Änderungen sowie die U mbenennung des “Teilzonenplans Orts- kern“ in “Teilzonenplan Siedlung Ortskern“ und des “Teil zonenreglements Ortskern" in “Teilzo- nenreglement Siedlung Ortskern" aufzuheben und entsprechend allfällige Korrekturen in Plänen und Reglementen rückgängig zu machen und die Pläne und Reglemente alsdann zu genehmi- gen (Rechtsbegehren 3). Zudem seien im Zonenplan Sie dlung und Zonenplan Landschaft die von der Sistierung betroffenen Parzellen korrekt wie folgt zu kennzeichnen: “Genehmigung vom RR sistiert“. Der anderslautende Vermerk im Zonenplan S iedlung resp. die Genehmigung des Zonenplan Landschaft bezüglich dieses Gebiets sei aufzu heben (Rechtsbegehren 4). Alles un- ter o/e-Kostenfolge (Rechtsbegehren 5). In verfahren srechtlicher Hinsicht wurden unter ande- rem ein Augenschein, amtliche Erkundigungen beim Tiefb auamt, bei der Polizei Basel- Landschaft, Abteilung Verkehrssicherheit, und beim Baui nspektorat betreffend Baugesuch Nr. 1785/2015 sowie der Beizug der Pläne des Hochwasserschutzprojektes Eibach beantragt. Der Regierungsrat beantragte in seiner innert erstreckte r Frist eingereichten Vernehmlassung vom 15. Februar 2016 die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Mit präsidialer Verfügung vom 1. März 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen. Die Beweisanträge der Beschwerdeführerin auf a mtliche Erkundigungen, Beizug weite- rer Planunterlagen und Durchführung eines Augenscheins wurden abgewiesen. C.4. Die Beschwerdeführerin ersuchte mit Eingabe vom 11. März 2016 Beweisurkunden nachreichen zu dürfen, da ihr Antrag auf Beizug von Akt en bzw. Durchführung eines Augen- scheins abgewiesen und aufgrund der Ausführungen des Besc hwerdegegners insbesondere in tatsächlicher Hinsicht zum Teil ein unrichtiges Bild verm ittelt worden sei. Innert erstreckter Frist reichte die Beschwerdeführerin am 18. April 2016 weite re 15 Beweisurkunden ein. In der Ein- gabe vom 20. September 2016 erklärte die Beschwerdeführerin, dass sich bezüglich der Ziffern 1.26, 1.5 und 2.4 des angefochtenen RRB Noven ergeben hätten und stellte diese dar. Dabei ging es um die Zufahrt in die Kantonsstrasse und um den Gewässerraum bzw. die Uferschutz- zonen. Mit Eingabe vom 30. September 2016 teilte der Regier ungsrat mit, dass die Vorbringen der Be- schwerdeführerin vom 20. September 2016 für das vorliegende Verfahren irrelevant seien. D. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen teil von Seiten der Beschwerdeführerin deren Rechtsvertreter Michael Baader und der Gemeinde rat A.____ sowie von Seiten des Be- schwerdegegners dessen Vertreterin B.____ und C.____ vom Amt für Raumplanung. Die Par- teien halten an ihren bereits gestellten Anträgen fe st. Auf die Ausführungen im RRB und in den verschiedenen Rechtsschriften sowie auf diejenigen in de r heutigen Verhandlung wird, soweit erforderlich, in den Urteilserwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Formelles und Kognition 1. Die Nichtgenehmigung von Zonenvorschriften gilt nach ständiger Praxis des Kantons- gerichts als aufsichtsrechtliche Massnahme, welche von den G emeinden gestützt auf § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in Verbindung mit § 47 Abs. 1 lit. c VPO mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- u nd Verwaltungsrecht, angefochten werden kann. Die verwaltungsgerichtliche Beschwerde verdr ängt in diesem Bereich die Be- schwerde wegen Verletzung der Gemeindeautonomie nach § 41 VPO (Urteil des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 10. April 2013 [810 12 270] E. 1). Die Beschwerdeführerin ist demnac h befugt, gegen die teilweise Nichtge- nehmigung der vorliegendenfalls strittigen Zonenpläne und Reglemente der Einwohnergemein- de Gelterkinden verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zu erheben. Da auch die weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2.1 Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO grundsätz- lich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach verhalts beschränkt. Die Unange- messenheit kann nach § 45 Abs. 1 lit. c VPO nur in den i n dieser Bestimmung genannten Aus- nahmefällen überprüft werden. Entscheide betreffend d ie Genehmigung von Zonenvorschriften fallen nicht darunter. 2.2 Nach Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über d ie Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 hat das kantonale Recht die volle Überp rüfung von Verfügungen und Nutzungs- plänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde zu gewährl eisten. Diesen Anforderungen genügt es nach ständiger Rechtsprechung, wenn der Regie rungsrat als Plangenehmigungsbe- hörde als einzige Instanz mit voller Kognition über Ei nsprachen und Beschwerden entscheidet (vgl. BGE 127 II 238 E. 3b/bb; 119 Ia 321 E. 5 c; 11 4 Ia 233 E. 2b; P ETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, Bern 2016, S. 54 9; B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 33 Rz. 74 f.). Volle Überprüfung bedeutet in die- sem Zusammenhang nicht nur die freie Prüfung des Sach verhalts und der sich stellenden Rechtsfragen, sondern auch eine Ermessenskontrolle. Die Überprüfung hat sich dabei dort sachlich zurückzuhalten, wo es um lokale Angelegenheiten g eht, hingegen so weit auszugrei- fen, dass die übergeordneten, vom Kanton zu sichernden In teressen einen angemessenen Platz erhalten (vgl. H EINZ AEMISEGGER /S TEPHAN HAAG , Kommentar zum Raumplanungsgesetz, Zürich 1999, Art. 33 Rz. 56; BGE 127 II 238 E. 3 b/aa ). Bei der Angemessenheitsprüfung ist jeweils der den Planungsträgern durch Art. 2 Abs. 3 RPG zuerkannte Gestaltungsbereich zu beachten. Nach Art. 2 Abs. 3 RPG achten die mit Planu ngsaufgaben betrauten Behörden da- rauf, den ihnen nachgeordneten Behörden den zur Erf üllung ihrer Aufgabe nötigen Ermessens- spielraum zu lassen. Ein Planungsentscheid ist gestützt dar auf zu schützen, wenn er sich als zweckmässig erweist, unabhängig davon, ob sich weitere, ebe nso zweckmässige Lösungen erkennen lassen (vgl. HÄNNI , a.a.O., S. 551). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Die Forderung nach einer vollen Überprüfung der Nutzungspläne kann sich als prob- lematisch erweisen, wenn Rechtsmittel- und Genehmigungsverfahren in einem Zug abgewickelt werden. Während im Genehmigungsverfahren gemäss Art. 26 Abs. 2 RPG und § 31 Abs. 5 des kantonalen Raumplanungs- und Baugesetzes (RBG) vom 8. Januar 1998 eine Rechtmässig- keitsprüfung bzw. eine auf kantonale Anliegen beschränkte Prüfung der Zweckmässigkeit ge- nügt, verpflichtet Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG zu einer umfassenden Zweckmässigkeitsprüfung (vgl. WALDMANN /H ÄNNI , a.a.O., Art. 33 Rz. 67). Das kann dazu führen, dass Nutzungspläne in Bezug auf diejenigen Grundstücke, die von Rechtsmittel n betroffen sind, umfassend überprüft werden und in Bezug auf die restlichen Gebiete im Wesen tlichen nur einer eingeschränkten Überprüfung im Rahmen des Genehmigungsverfahrens unter zogen werden (vgl. A EMISEGGER / HAAG , a.a.O., Art. 33 Rz. 61). Beurteilt der Regierungsra t die Nutzungsplanung nicht im Rah- men des Rechtsmittel-, sondern des Genehmigungsverfahrens, so liegt daher keine den Anfor- derungen von Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG genügende voll e Überprüfung vor. Das Kantonsgericht hat in diesen Fällen als einzige kantonale Rechtsmittel instanz eine freie Ermessens- und Zweckmässigkeitskontrolle vorzunehmen, auch wenn ihm eine solche im Allgemeinen nicht zusteht (vgl. KGE VV vom 10. April 2013 [810 12 270] E. 2.3; vom 5. November 2008 [810 08 57] E. 3; vom 01. November 2006 [810 06 98] E. 2.1; siehe auch BGE 114 Ib 81 E. 3). Vorliegend hatte der Regierungsrat in Bezug auf die h ier strittigen Fragen keine Beschwerden, sondern lediglich die Frage der Genehmigung zu beurte ilen, weshalb dem Kantonsgericht die volle Überprüfungskompetenz im Sinne von Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG zusteht. II. Die einzelnen Rügen Die Beschwerdeführerin rügt etliche Punkte. Nachfolgend wird auf die einzelnen Rügen der Be- schwerdeführerin eingegangen, wobei der Reihenfolge in der Beschwerde, welche sich wieder- um nach der Reihenfolge im RRB richtet, gefolgt wird. In den Urteilserwägungen werden die nachfolgenden Begriffe wie folgt abgekürzt: Zonenplan Siedlung (ZPS), Zonenreglement Siedlung ( ZRS), Zonenplan Landschaft (ZPL), Zo- nenreglement Landschaft (ZRL), Teilzonenplan Siedlun g Ortskern (TZPS Ortskern), Teilzonen- reglement Siedlung Ortskern (TZRS Ortskern) und Regleme nt über die Ersatzabgabe für Park- plätze (Ersatzabgabereglement). Sofern der Text durch d ie Abkürzungen schwer leserlich wird, wird jedoch von der Benützung der Abkürzung abgesehen. 1. Ziff. 1.4. des RRB: “Einzonungen in den Gebieten ‘Mühlstett‘ und ‘Ebnet‘“ 1.1. Der Regierungsrat hat in seinem Beschluss gemäss dem Antrag der Gemeinde vom 28. April 2015 die Genehmigung der Einzonungen in de n Gebieten “Mühlstett“ und “Ebnet“ sis- tiert. Die Beschwerdeführerin moniert, dass im Genehmigungsexemplar ZPS vom 30. Juni 2014 bei den Flächen, bezüglich welcher die Genehmigung sist iert worden sei, vermerkt worden sei “Vom Regierungsrat nicht genehmigt“. Im ZPL hingegen sei in den von der Sistierung betroffe- nen Gebieten keinerlei Vermerk angebracht worden. Vie lmehr sei der Landschaftsplan vorbe- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht haltlos genehmigt worden. Die Beschwerdeführerin beantragt, es seien im ZPS und im ZPL die von der Sistierung betroffenen Parzellen korrekt wie folgt zu kennzeichnen: “Genehmigung vom RR sistiert“. Der anderslautende Vermerk im ZPS und die Genehmigung des ZPL bezüglich dieses Gebiets seien aufzuheben. 1.2. Der Regierungsrat hat im ZPS nicht nur den Verme rk “Vom Regierungsrat nicht ge- nehmigt“, sondern auch den Hinweis “siehe Erwägungen R RB“ angebracht. Im RRB wird klar festgehalten, dass in Bezug auf die betreffenden Gebiet e eine Sistierung auf Antrag der Ge- meinde stattgefunden hat (Ziff. 2 des Dispositivs und E. 1.4 des RRB). Tatsache ist, dass die im Zusammenhang mit den Einzonungen vorgesehenen Änderung en der Pläne mit der Sistierung nicht in Kraft getreten und somit vom Regierungsrat auch nicht genehmigt worden sind. Die Rechtslage ist somit eindeutig und Missverständnisse sind ausgeschlossen. Die Vorgehenswei- se des Regierungsrates ist nicht zu beanstanden. Des Weiteren ist im ZPL der ZPS lediglich zur Orientierung dargestellt, weshalb sich ein Vermerk auf die von der Sistierung betroffenen Flä- chen erübrigt. Die Beschwerde ist in diesem Punkt damit abzuweisen. 2. Ziff. 1.5 und 2.4 des RRB: “Uferschutzzonen und Gew ässerraum“ 2.1.1. Der Regierungsrat moniert in seinem RRB, dass im ZPS und im TZPS Ortskern ent- lang der Gewässer teilweise keine Uferschutzzonen und insb esondere entlang der Ergolz und dem Eibach solche mit zu geringer Breite festgelegt worden seien. Er forderte im Dispositiv (Zif- fer 2, Auflagen, lit. d) seines Beschlusses deshalb den G emeinderat auf, bei den Gewässern gemäss den Vorgaben von Art. 41a der Gewässerschutzverord nung (GSchV) vom 28. Oktober 1998 beidseitig Uferschutzzonen durch die Gemeindeversam mlung festzulegen und insbeson- dere entlang der Ergolz und des Eibachs die bestehenden Uferschutzzonen zu verbreitern. Der Regierungsrat begründet im RRB seinen Einwand und die Auflage damit, dass nach § 12a Abs. 2 RBG die in Bauzonen ausgeschiedenen kommunalen Uferschutzzonen, Gewässerbauli- nien oder die gesetzlichen Abstandsvorschriften an öffen tlichen Gewässern grundsätzlich als vom Kanton ausgeschiedener Gewässerraum gelten würden. Wo der Gewässerraum den Vor- gaben von Art. 41a GSchV nicht entspreche, müssten Uferschu tzzonen entsprechend festge- legt oder verbreitert werden. Der Gewässerraum folge klaren Bemessungsregeln und sei insbe- sondere zu erweitern, wo der kantonale Richtplan des Ka ntons Basel-Landschaft (KRIP) vom 8. September 2010 einen “Raumbedarf Fliessgewässer“ a ufweise oder wo eine besondere Hochwassergefährdung vorliege. Wo der KRIP eine “Aufwe rtung Fliessgewässer“ (Objektblatt L 1.1) ausweise, sei die Sicherung breiter Uferbereich e zwecks Aufwertungsmöglichkeit beson- ders vordringlich. Der KRIP (Objektblatt L 1.1) bezeichne im Perimeter des ZPS Ergolz und Ei- bach zum grössten Teil mit “Aufwertung Fliessgewässer“. D ie Gemeinden seien gehalten, im Rahmen der Nutzungsplanung die Voraussetzungen zu schaf fen, dass die Fliessgewässer in ihrem natürlichen Zustand erhalten oder wiederhergestellt würden. In seiner Vernehmlassung vom 15. Februar 2016 an das Ka ntonsgericht führt der Regierungs- rat aus, dass es nicht zulässig sei, – wie dies von der Be schwerdeführerin gewünscht werde, – Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht das ganze Siedlungsgebiet rundweg als “dicht überbaut“ im Sinne von Art. 41a GSchV zu erklä- ren. Als generell dicht überbaut akzeptiere der Regier ungsrat lediglich den Ortskernbereich im TZPS Ortskern im Bereich des Eibachs. Daher würden – wie im RRB auch festgehalten wer- de – die Übergangsbestimmungen zur Änderung der GSchV (ÜbgBest) vom 4. Mai 2011 wegen zu geringer Breite der Uferschutzzonen lediglich am Eiba ch im Bereich des ZPS und an der Ergolz, – “nicht hingegen in den anderen Bereichen, al so etwa im Teilzonenplan Siedlung und im Bereich der anderen Gewässer“ – gelten. 2.1.2. Die Gemeinde wehrt sich gegen die vom Regierun gsrat gemachte Auflage mit der Be- gründung, dass nach Art. 41a GSchV der Gewässerraum in dicht überbautem Gebiet den bauli- chen Gegebenheiten angepasst werden könne, soweit der Ho chwasserschutz gewährleistet sei. Bei eingedolten Gewässern könne auf einen Gewässerraum ganz verzichtet werden, soweit keine überwiegenden Interessen entgegenstehen würden. Der Chröpflibach sei im Siedlungs- gebiet vollständig eingedolt. Beim Frändletenbächli u nd Rorbächli habe die Gemeinde wegen der bestehenden baulichen Einzelsituationen und der Parzellierung im Siedlungsgebiet auf eine Uferschutzzone verzichtet, da dieses dicht überbaut sei und d iese beiden Gewässer zudem weitgehend eingedolt seien, die Festlegung oder Ausde hnung des Gewässerraums sei weitge- hend unmöglich. Betreffend Ergolz wird ausgeführt, da ss diese weitgehend kanalisiert sei mit bis zu 3 m hohen Mauern, sodass eine Uferschutzzone keinen Sinn mache. Zum Eibach führt die Gemeinde aus, bei diesem seien in den letzten Jah ren im Zuge eines Hochwasserschutz- projektes beidseits Mauern erstellt worden, weshalb Ufer schutz keinen Sinn mache. Zusam- menfassend gebe es keine längeren Abschnitte entlang der betreffenden Gewässer und inner- halb des gemäss Art. 41a GSchV festgelegten Gewässerrau ms, auf welchen keine oder nur vereinzelt Bauten und Anlagen bestehen würden. Das ge samte Gebiet habe als “dicht über- baut“ zu gelten. Die wenigen nicht überbauten Grunds tücke dürften durch den Gewässerraum nicht so zerschnitten werden, dass eine Überbauung nicht mehr möglich sei, Baulücken seien zudem sinnvoll zu nutzen, auch für eine Verdichtung nach innen. Im Planungsbericht vom 30. Juni 2014 betreffend Revision der Ortsplanung Gelte rkinden (ROG; Planungsbericht) sei überdies detailliert dargelegt worden, warum auf ei nen Gewässerraum verzichtet werde, damit habe sich der Regierungsrat in keiner Weise auseinanderg esetzt. In ihrer Eingabe vom 20. September 2016 macht die Beschwerdeführerin gelte nd, dass Uferschutzzonen und Ge- wässerraum nichts miteinander zu tun hätten. Insbesonde re könne der Kanton von den Ge- meinden nicht die Vergrösserung oder Ausscheidung von Uf erschutzzonen gestützt auf das Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (GSchG) vom 24. Januar 1991 bzw. gestützt auf die Ausführungsverordnung verlangen. Sie verweist dabei auf die allgemeinen Ausführungen zum Gewässerraum und den Uferschutzzonen im kantonalen Plan ungsbericht betreffend “Ge- meinde Reigoldswil, kantonaler Nutzungsplan Gewässerrau m“ (kantonaler Planungsbericht betr. Reigoldswil; Beschluss und öffentliche Auflage 19. Juli 2016). 2.2. Strittig und vorerst zu prüfen ist, ob der Kanton grundsätzlich von der Gemeinde die Vergrösserung oder Ausscheidung von Uferschutzzonen gestützt a uf das GSchG bzw. auf die GSchV verlangen kann. Sofern der Kanton diese Befugni s hat, ist des Weiteren zu prüfen, ob die konkrete Auflage des Kantons, die Gemeinde habe in nert 5 Jahren bei den Gewässern ge- mäss den Vorgaben von Art. 41a GSchV beidseitig Ufersch utzzonen festzulegen und insbe- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondere entlang der Ergolz und des Eibachs die bestehend en Uferschutzzonen zu verbreitern, rechtmässig ist. 2.3.1. Nach Art. 36a GSchG, welcher die Überschrift Ge wässerraum trägt, legen die Kantone nach Anhörung der betroffenen Kreise den Raumbedarf der oberirdischen Gewässer fest, der erforderlich ist für die Gewährleistung folgender Funkt ionen (Gewässerraum): die natürlichen Funktionen der Gewässer (Abs. 1 lit. a); den Schutz vor H ochwasser (Abs. 2 lit. b); die Gewäs- sernutzung (Abs. 2 lit. c). Der Bundesrat regelt die Ein zelheiten (Abs. 2). Die Kantone sorgen dafür, dass der Gewässerraum bei der Richt- und Nutzungsplanung berücksichtigt sowie exten- siv gestaltet und bewirtschaftet wird (Abs. 3). Diese Besti mmung trat per 1. Januar 2011 in Kraft. Unter anderem gestützt auf Art. 36a Abs. 2 GSchG hat der Bundesrat Art. 41a GSchV erlassen. Die Absätze 1 und 2 des Art. 41a GSchV regeln die verschi edenen Mindestbreiten des Gewäs- serraums für Fliessgewässer je nach Breite der Gerinneso hle und je nach Lage des Fliessge- wässers. Abs. 3 des Art. 41a GSchV statuiert, wann die nach den Absätzen 1 und 2 berechnete Breite des Gewässerraums erhöht werden muss (z.B. zur Ge währleistung des Schutzes vor Hochwasser). Gemäss Abs. 4 des Art. 41a GSchV kann die Breite des Gewässerraums in dicht überbauten Gebieten den baulichen Gegebenheiten ange passt werden, soweit der Schutz vor Hochwasser gewährleistet ist. Nach Art. 41a Abs. 5 GSchV kann, soweit keine überwiegenden Interessen entgegenstehen, auf die Festlegung des Gewäss erraums unter anderem verzichtet werden, wenn das Gewässer eingedolt ist (lit. b) oder künstlich angelegt ist (lit. c). Nach Abs. 1 ÜbgBest legen die Kantone den Gewässerraum gemäss den Artikeln 41a GSchV (Gewässer- raum für Fliessgewässer) und 41b GSchV (Gewässerraum für stehende Gewässer) bis zum 31. Dezember 2018 fest. Abs. 2 ÜbgBest GSchV statuiert, dass solange die Kantone den Ge- wässerraum nicht festgelegt haben, die Vorschriften für A nlagen nach Art. 41c Abs. 1 und 2 entlang von Gewässern auf einem beidseitigen Streifen mit der dort genannten Breite gelten (CHRISTOPH FRITZSCHE , in: Hettich/Jansen/Norer [Hrsg.], Kommentar zum Gewässe rschutzge- setz und zum Wasserbaugesetz, Zürich 2016, Rz. 46 und 70 ff. zu Art. 36a GSchG). Nach dem am 1. Oktober 2013 in Kraft getretenen § 12a RBG obliegt es dem Kanton, den Ge- wässerraum gemäss der Gewässerschutzgesetzgebung des Bundes in der Form kantonaler Nutzungspläne auszuscheiden (Abs. 1). Die in Bauzonen au sgeschiedenen kommunalen Ufer- schutzzonen, Gewässerbaulinien oder gesetzlichen Abstandsvor schriften an öffentlichen Ge- wässern gelten grundsätzlich als vom Kanton ausgeschiede ner Gewässerraum. Seine Erweite- rung durch kantonale Nutzungspläne aus Gründen des Hochw asserschutzes bleibt vorbehalten (Abs. 2). Die kommunalen Uferschutzzonen werden vom Gewässerraum, wie er in der kantona- len Nutzungsplanung festgelegt wird, überlagert (Abs. 3). Die kommunalen Uferschutzvorschrif- ten bleiben in Kraft, soweit sie den eidgenössischen Vorschriften über den Gewässerraum nicht widersprechen (Abs. 4). 2.3.2. Gemäss Art. 36a Abs. 1 GSchG ist der Gewässerr aum nicht vom Bund selbst festzule- gen, sondern fällt in die Zuständigkeit der Kantone. Diese sind an die zwingenden Vorgaben des Bundesrechts gebunden, wie sie der Bundesrat im Rah men der ihm zustehenden Kompe- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenz zur Regelung der Einzelheiten (Art. 36a GSchG) e rlassen hat (Art. 41a und 41b GSchV). Daher ist in diesem Zusammenhang von einer konkurrie renden Kompetenz zu sprechen: Die kantonalen und kommunalen Kompetenzen gehen in dem Um fang unter, als der Bund seine Zuständigkeit ganz oder teilweise wahrgenommen hat. Die Kantone dürfen insoweit keine dem Bundesrecht widersprechenden Regelungen erlassen oder bei behalten. Das kantonale Recht kann auch anordnen, die Gemeinden hätten den Gewässer raum festzulegen. Die meisten Kan- tone haben sich für diese kommunale Lösung entschieden (F RITZSCHE , a.a.O., Rz. 5 und 7 zu Art. 36a GSchV). Die Kantone müssen zur Erfüllung der in Art. 36a GSchG statuierten Pflicht das erforderliche Vollzugsrecht schaffen und Regelungslücken schliessen. Form und Inhalt des kantonalen Ausführungsrechts und die Zuständigkeit zur R echtsetzung bestimmen sich nach kantonalem Recht. Es ist hierfür ein Planungsverfahren zu wählen, das parzellenscharfe, grundeigentümerverbindliche und anfechtbare Festlegunge n trifft. In Frage kommen primär die im kantonalen Recht bereits verankerten oder im weite n Spielraum von Art. 17 f. RPG neu zu schaffenden Instrumente der kantonalen oder kommunalen N utzungsplanung (F RITZSCHE , a.a.O., Rz. 33 und 35 zu Art. 36a GSchG). 2.3.3. Wie bereits ausgeführt, macht die Beschwerdefüh rerin in ihrer Eingabe vom 20. Sep- tember 2016 geltend, dass Uferschutzzonen und Gewässerrau m nichts miteinander zu tun hät- ten. Insbesondere könne der Kanton von den Gemeinden nicht die Vergrösserung oder Aus- scheidung von Uferschutzzonen gestützt auf das GSchG bzw. d ie GSchV verlangen. Sie ver- weist dabei auf die allgemeinen Ausführungen zum Gew ässerraum und den Uferschutzzonen im kantonalen Planungsbericht betr. Reigoldswil. In d iesem von der Beschwerdeführerin einge- reichten Planungsbericht betreffend den kantonalen Nu tzungsplan Gewässerraum für die Ge- meinde Reigoldswil wird ausgeführt, dass sich die Bestimm ung der minimalen Breite des Ge- wässerraums nach Art. 41a GSchV richte. Der Wirkungsbere ich des kantonalen Nutzungsplans beschränke sich auf Gewässer ausserhalb der Bauzone . Innerhalb der Bauzonen seien die Gewässerräume bereits durch kommunale Uferschutzzonen, Gewä sserbaulinien oder durch den gesetzlichen Mindestabstand festgelegt (§ 12a Abs. 2 RBG; kantonaler Planungsbericht betr. Reigoldswil S. 3). Mit dem Inkrafttreten der Ge setzesänderung von § 12a RBG sei der Gewässerraum innerhalb der Bauzonen festgelegt. Demna ch würden die in Bauzonen ausge- schiedenen kommunalen Uferschutzzonen, Gewässerbaulinien oder gesetzlichen Abstandsvor- schriften an öffentlichen Gewässern grundsätzlich als vom Kanton ausgeschiedener Gewässer- raum gelten. In der Konsequenz werde im kantonalen Nu tzungsplan der Gewässerraum nur ausserhalb der Bauzonen festgelegt (kantonaler Planungsbericht betr. Reigoldswil S. 12). Unter dem Titel “Planungsrechtlicher Stellenwert des Gewässer raums“ wird ausgeführt, der Gewäs- serraum sei eine aus der revidierten GSchV entstandene Arealbezeichnung. Seine Wirkung sei vergleichbar mit der einer überlagernden Schutzzone im Sinne von § 29 RBG. Der Gewässer- raum sei jedoch nicht mit kommunalen Uferschutzzonen gl eichzusetzen . Dabei wird auf die Ziff. 2.5.2 verwiesen (kantonaler Planungsbericht betr . Reigoldswil S. 20). In Ziff. 2.5.2 wird un- ter dem Titel “Kommunale Planungen, Verhältnis zwische n kommunalen Uferschutzzonen und Gewässerraum“ ausgeführt, dass die Gemeinden teilweise e ntlang von Fliessgewässern kom- munale Uferschutzzonen ausgeschieden hätten. Deren Zweck w erde in § 13 Abs. 1 RBG, zu- sätzlich zur Erhaltung und Renaturierung von Fliessgewässern und Hochwasserschutz, mit dem Schutz der Uferbereiche als Lebensräume für Pflanzen und Tiere umschrieben. Die Uferschutz- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht zonen würden der Forderung in Art. 18 Abs. 1bis des Bu ndesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (NHG) vom 1. Juli 1966 der besonders zu schütz enden Standorte entsprechen. Die Zielsetzung und Funktion der Uferschutzzonen seien s omit mit denjenigen des bundes- rechtlichen Gewässerraumes nicht identisch. Gemäss § 12 Abs. 4 RBG würden kantonale Nut- zungspläne die kommunalen Nutzungspläne, wenn sie zueina nder in Widerspruch stünden, verdrängen. Die kommunalen Uferschutzvorschriften würden in Kraft bleiben, soweit sie den eidgenössischen Vorschriften über den Gewässerraum nicht widersprechen würden. Die kom- munalen Uferschutzzonen würden demnach im Grundsatz best ehen bleiben und würden ledig- lich mit dem vom Kanton ausgeschiedenen Gewässerraum übe rlagert (kantonaler Planungsbe- richt betr. Reigoldswil S. 22). 2.3.4. Aufgrund der erwähnten gesetzlichen Bestimmunge n und den Ausführungen im kanto- nalen Planungsbericht betreffend den kantonalen Nutzu ngsplan Gewässerraum für die Ge- meinde Reigoldswil ist der Beschwerdeführerin wohl insoweit zu folgen, als der Begriff der Ufer- schutzzone nicht identisch mit dem Begriff Gewässerraum nach § 41a GSchV ist. Weiter kann im Zusammenhang mit § 12a RBG durchaus die Frage aufge worfen werden, welche Folgen daraus resultierten, wenn am 1. Oktober 2013 (Inkrafttreten der Bestimmung) die in den Bauzo- nen ausgeschiedenen kommunalen Uferschutzzonen, Gewässerba ulinien oder gesetzlichen Abstandsvorschriften an öffentlichen Gewässern nicht den Anforderungen von § 41a GSchV entsprachen und bis heute nicht entsprechen. Denn dadu rch, dass nach § 12a RBG per 1. Ok- tober 2013 die in den Bauzonen ausgeschiedenen kommunal en Uferschutzzonen, Gewässer- baulinien oder gesetzlichen Abstandsvorschriften an öffe ntlichen Gewässern – wenn auch nur grundsätzlich – als vom Kanton ausgeschiedener Gewässerraum zu gelten haben, wurden die- se nicht automatisch bundesrechtskonform (GSchG/GschV). Zw ar sieht § 12a Abs. 4 RBG vor, dass die kommunalen Uferschutzvorschriften in Kraft bleibe n, soweit sie den eidgenössischen Vorschriften über den Gewässerraum nicht widersprechen, u nd es besteht eine Übergangsbe- stimmung im Bundesrecht. Dennoch scheint § 12a RBG die Frage nicht zu beantworten, wie eine allfällige Verletzung der bundesrechtlichen Gewäss erschutzbestimmungen durch die be- stehenden kommunalen Uferschutzzonen, Gewässerbaulinien o der die gesetzlichen Abstands- vorschriften – welche als vom Kanton ausgeschiedener Gew ässerraum gelten – festgestellt werden soll. Tatsache ist aber, dass die Gemeinde im R ahmen ihrer vorliegenden Zonenplan- revision zweifelsohne zwingendes geltendes Bundesrecht einzuhalten hat. Das führt dazu, dass die Gemeinde beim Erlass der Uferschutzzonen die Bestimm ungen des GSchG und des Art. 41a GSchV einzuhalten hat. So führt die Beschwer deführerin selber in ihrem Planungsbe- richt (S. 58) denn auch aus, dass der Kanton verlange, in Bereichen, wo keine Bebauung vor- handen sei, eine Uferschutzzone gemäss den Vorgaben von Art. 41a GSchV auszuscheiden (vgl. auch Planungsbericht S. 23). Ausserdem begründet die Beschwerdeführerin in ihrer Be- schwerde vom 14. Dezember 2015 die vom Regierungsrat mo nierten nicht vorhandenen bzw. zu schmalen Uferschutzzonen entlang der Gewässer mit dem Art. 41a Abs. 4 GSchV. Damit hat die Beschwerdeführerin sowohl in ihrem Planungsbericht als in ihrer Beschwerde nicht bestrit- ten, dass sie die Bestimmung des Art. 41a GSchV zu beach ten hat. Ihr in der Eingabe vom 20. September 2016 erstmals gemachten Einwand, der Kan ton könne von den Gemeinden nicht die Vergrösserung oder Ausscheidung von Uferschutzzonen gestützt auf das GSchG bzw. die GSchV verlangen, ist demzufolge auch aus diesem Grund nicht stichhaltig. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3.5. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass die Gemeinde bei ihrer Nutzungspla- nung auch die Bestimmung des Art. 41a GSchV einzuhalten hat und der Kanton für die Beach- tung dieser Bestimmung im Rahmen seiner Genehmigungsp flicht von kommunalen Nutzungs- planungen zu sorgen hat. 2.4.1. Als nächstes ist zu prüfen, ob die konkrete Auflag e des Kantons, die Gemeinde habe innert 5 Jahren bei den Gewässern gemäss den Vorgaben von Art. 41a GSchV beidseitig Ufer- schutzzonen festzulegen und insbesondere entlang der Ergo lz und des Eibachs die bestehen- den Uferschutzzonen zu verbreitern, rechtmässig ist. Die B eschwerdeführerin macht im We- sentlichen geltend, dass die Uferschutzzonen nach 41a Abs. 4 und 5 GSchV nicht festzulegen bzw. zu verbreitern wären, da die Gewässer in den betrof fenen Gebieten dicht besiedelt bzw. eingedolt seien oder sich dort Hochwasserbauten befinden würden. 2.4.2. Gemäss Art. 41a Abs. 4 GSchV kann die Breite de s Gewässerraums in dicht überbau- ten Gebieten den baulichen Gegebenheiten angepasst we rden, soweit der Schutz vor Hoch- wasser gewährleistet ist. Nach Art. 41a Abs. 5 GSchV kan n, soweit keine überwiegenden Inte- ressen entgegenstehen, auf die Festlegung des Gewässerraums unter anderem verzichtet wer- den, wenn das Gewässer eingedolt ist (lit. b) oder künstlich angelegt ist (lit. c). 2.4.3. Im Planungsbericht der Gemeinde (S. 23 f.) wi rd festgehalten, dass sich die Ausschei- dung der Uferschutzzone im Siedlungsgebiet im Grundsatz nach der Schlüsselkurve des Bun- desamtes für Wasser und Geologie bemesse. In der Regel betrage die Breite 11 m. Ufer- schutzzonen würden entlang der Ergolz, des Eibachs, des Ric kenbachbächlis, des Mületen- bächlis und des Ischlagbächlis ausgeschieden. Dann folgt ei ne Aufstellung, entlang von wel- chem Gewässer und aus welchem Grund die Mindestbreite de r Uferschutzzone unterschritten werde. 2.4.4. Im KRIP wird im Siedlungsgebiet der Gemeinde Gelterkinden die Ergolz und der Ei- bach zum grösseren Teil mit “Aufwertung Fliessgewässer“ bezeichnet. Der kantonale Richtplan ist ein Planungsinstrument gemäss § 9 des RBG. Er legt di e räumlichen Interessen des Kan- tons sowie seine Rahmenbedingungen zur räumlichen Entw icklung verbindlich fest. Der kanto- nale Richtplan dient als Grundlage und Rahmen für die kommunale Richtplanung sowie für die Nutzungsplanung von Kanton und Gemeinden und ist für d ie Behörden verbindlich. Der kanto- nale Richtplan umfasst den Richtplantext (Objektblätter ), die Richtplan-Gesamtkarte sowie die Richtplankarte Verkehrsinfrastruktur. Nach dem Objektblatt L 1.1 mit dem Titel “Aufwertung Fliessgewässer“ sind diese in ihrem na- türlichen Zustand zu erhalten und soweit möglich wieder herzustellen. Die Fliessgewässer sind als Gesamtsystem zu betrachten. Hochwasserschutz, Landwirtschaf t, Gewässerschutz, Natur- und Landschaftsschutz sowie Erholungsnutzung sind zu koordin ieren. Im Zielkonflikt zwischen Gewässerrenaturierung und Grundwasserschutz ist im Einzelf all eine sinnvolle Lösung anzu- streben. Im Grundsatz hat der Grundwasserschutz Priorität (Objektblatt L 1.1, D. Beschlüsse, Planungsgrundsätze lit. a bis c). Die Gemeinden schaffen im Rahmen der Nutzungsplanung die Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Voraussetzungen, dass die Fliessgewässer in ihrem natürliche n Zustand erhalten oder wieder hergestellt werden, z.B. durch die Ausweisung von Ufersch utzzonen gemäss RBG (Objektblatt L 1.1, D. Beschlüsse, Planungsanweisungen). Gemäss dem K RIP ist somit der grössere Teil der Ergolz und des Eibachs im Siedlungsgebiet der Geme inde Gelterkinden grundsätzlich in ihrem natürlichen Zustand zu erhalten und soweit möglich wieder herzustellen. 2.5.1. Wie bereits ausgeführt, begründet die Beschwerd eführerin ihre fehlenden bzw. zu we- nig breiten Uferschutzzonen damit, dass die Gewässer in de n betroffenen Gebieten gemäss Art. 41a GSchV dicht besiedelt bzw. eingedolt seien oder sich dort Hochwasserbauten befinden würden. Als nächstes wird auf den Begriff des dicht überbauten Gebietes eingegangen. 2.5.2. Das Bundesgericht führt in einem seiner Leiten tscheide (140 II 434 f. E. 7, vgl. auch 140 II 442 E. 5; P ETER HÄNNI /T AMARA ISELI , Bauen im geschützten Gewässerraum: Erste Urtei- le, in: Baurecht 2015 S. 82 ff.) zum Begriff des dicht überbauten Gebiets Folgendes aus: “Der Begriff "dicht überbautes Gebiet" ist ein Begri ff der GSchV und damit des Bundesrechts, der bun- desweit einheitlich auszulegen ist. Ein Spielraum der Kantone besteht nur beim Vollzug im Einzelfall. Der Begriff "dicht überbautes Gebiet" wird nicht nur in A rt. 41c Abs. 1 GSchV verwendet, sondern auch in Art. 41a Abs. 4 und Art. 41b Abs. 3 GSchV, im Zusamm enhang mit der planerischen Festlegung des Gewässerraums: In dicht überbauten Gebieten darf der Gewässerraum den baulichen Gegebenheiten angepasst werden, unter Unterschreitung des minimalen Raumbedarfs des Gewässers gemäss Art. 41a Abs. 2 bzw. Art 41b Abs. 1 GSchV. Eine sachgerechte Pl anung setzt einen genügend gross gewählten Perimeter voraus (…). Planungsperimeter ist - zuminde st in kleineren Gemeinden - in der Regel das Ge- meindegebiet (vgl. §§ 2 Abs. 2 und 11a Abs. 1 der L uzerner Gewässerschutzverordnung vom 23. Sep- tember 1997 [KGSchV; SRL 703], wonach der Kanton die erforderliche Breite des Gewässerraums ermit- telt, dessen verbindliche Festlegung aber durch die Ge meinden im Verfahren der Nutzungsplanung er- folgt). Dabei liegt der Fokus auf dem Land entlang d er Gewässer und nicht auf dem Siedlungs- oder Baugebiet als Ganzem (…). Wie die Beispiele im Erläut ernden Bericht zeigen, wollte der Verordnungsge- ber eine Anpassung des Gewässerraums bzw. Ausnahmebew illigungen vor allem in dicht überbauten städtischen Quartieren und Dorfzentren zulassen, die ( wie Basel und Zürich) von Flüssen durchquert werden. In solchen Gebieten sollen die raumplanerisch erwünschte städtebauliche Verdichtung und die Siedlungsentwicklung nach innen ermöglicht und Baulücken geschlossen werden können. Dagegen be- steht in peripheren Gebieten, die an ein Fliessgewä sser angrenzen, regelmässig kein überwiegendes Interesse an einer verdichteten Überbauung des Gewässerraums. Hier muss daher der minimale Raum- bedarf des Gewässers gemäss Art. 41a Abs. 2 und Art. 41b Abs. 1 GSchV respektiert und von nicht standortgebundenen Anlagen freigehalten werden. Der Verordnungsgeber hat mit dem Begriff "dicht überbaut" zum Ausdruck gebracht, dass eine "weitgehende " Überbauung (…) nicht genügt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Art. 36a GSchG als indirekter Gegen entwurf zur Volksinitiative "Lebendiges Ge- wässer" konzipiert wurde (…). Der Rückzug der Initiative e rfolgte nach Annahme des Gesetzes, aber vor Erlass der dazugehörigen Ausführungsbestimmungen. Vor diesem Hintergrund ist der Begriff des "dicht überbauten Gebiets", der Ausnahmen vom Grundsatz des Schutzes und der extensiven Nutzung des Gewässerraums gemäss Art. 36a GSchG erlaubt, restriktiv auszulegen.“ Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht In BGE 140 II 444 E. 5.4 führt das Bundesgericht aus, dass für die Qualifikation als "dicht über- bautes Gebiet" es allerdings nicht genüge, dass ein Flie ssgewässer oder Seeufer verbaut sei und die Aufwertungsmöglichkeiten im fraglichen Abschnit t beschränkt seien: Der Gewässer- raum solle den Raumbedarf des Gewässers langfristig sicher n und sei grundsätzlich unabhän- gig vom Bestehen konkreter Revitalisierungs- oder Hochwasse rschutzprojekte auszuscheiden bzw. freizuhalten (so auch BGE 140 II 436 E. 8.1). 2.5.3. Wie die Ausführungen des Bundesgerichts zeigen, sind die Voraussetzungen für die Qualifikation eines an ein Gewässer angrenzenden Gebie ts als dicht überbautes Gebiet sehr hoch und vor allem in dicht überbauten städtischen Qua rtieren und Dorfzentren anzunehmen, hingegen in der Regel nicht in peripheren Gebieten. 2.6.1. Bezüglich der Ergolz wird im Planungsbericht a usgeführt, dass auf der ganzen Länge ab der Querung Ergolzstrasse im Gebiet Breitli bis zur G renze zu Böckten eine Uferschutzzone keinen Sinn mache, da das Gewässer meist stark kanalisiert sei mit bis zu 3 m hohen Beton- mauern. Eine detailliertere Auseinandersetzung findet im Planungsbericht allerdings nicht weiter statt. 2.6.2. Die Ergolz fliesst von Osten nach Westen durch das Siedlungsgebiet der Gemeinde. Die Strecke von der Querung Ergolzstrasse im Gebiet Breit li bis zur Grenze Böckten macht über zwei Drittel der durch das Siedlungsgebiet fliessen den Länge der Ergolz aus und ist über gewisse Strecken auch nicht bzw. nicht stark kanalisiert. Die p auschale Aussage, eine Ufer- schutzzone ab Querung Ergolzstrasse bis Böckten sei unsinnig, lässt eine vertiefte Überprüfung der Situation der einzelnen Parzellen vermissen und ist somit ungenügend begründet. Auf jeden Fall genügt die Begründung nicht, um einen derart g rossen Streckenabschnitt als dicht besie- delt im Sinne von Art. 41a GSchV zu bezeichnen. Um eine Ausnahme von den gesetzesmässi- gen Uferschutzzonen zuzulassen, müsste auch im Hinblick auf den KRIP eine detaillierte sich mit den einzelnen Parzellen befassende Begründung vorliegen. 2.7. Gemäss Planungsbericht ist betreffend den Eibach e ine Uferschutzzone ab Rünenber- gerbrüggli bis zur Einmündung in die Ergolz unsinnig, weil hier ein Hochwasserschutzprojekt umgesetzt und ohnehin hohe Mauern erstellt würden. D ie Gemeinde hat dazu am 18. April 2016 noch Pläne und Fotos nachgereicht, welche den ausg eführten Hochwasserschutz doku- mentieren. Der eingereichte Plan des Hochwasserschutzprojektes Eibach umfasst aber bei wei- tem nicht das ganze Gebiet vom Rünenbergerbrüggli b is zur Einmündung in die Ergolz. In Be- zug auf den verbleibenden Teil des Eibachs werden keine d etaillierten Angaben darüber ge- macht, inwiefern der übrige Teil des Eibachs ganz genere ll dicht überbaut sein soll. Auf jeden Fall genügt die Begründung nicht, um einen derart g rossen Streckenabschnitt als dicht besie- delt im Sinne von Art. 41a GSchV zu bezeichnen. Um eine Ausnahme von den gesetzesmässi- gen Uferschutzzonen zuzulassen, müsste auch im Hinblick auf den KRIP eine detaillierte sich mit den einzelnen Parzellen befassenden Begründung vorliegen. 2.8. Auch in Bezug auf die anderen Gewässer, dem Ricken bachbächli, Frändletenbächli und Chöpflibächli, sind im Planungsbericht (S. 24) keine detaillierten Angaben zu finden. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.9. Nach dem Ausgeführten hat die Gemeinde somit nich t rechtsgenüglich dargetan, in- wiefern die Voraussetzungen für das Unterschreiten der Mindestbreiten nach Art. 41a GSchV in Bezug auf die von der Gemeinde vorgesehenen Fliessgewässer und in den von ihr vorgesehe- nen Streckenabschnitten gegeben sind. Auch ist lediglich das generelle Ziel des verdichteten Bauens nach Art. 41a GSchV kein zulässiger Grund, um all ein deshalb auf den Gewässerraum zu verzichten (siehe Merkblatt des Bundesamtes Raumentwicklun g [ARE] und Bundesamt für Umwelt [BAFU] vom 18. Januar 2013 zur Anwendung des Be griffs “dicht überbaute Gebiete“ der Gewässerschutzverordnung, Gewässerraum im Siedlungsge biet, S. 7). Die Nutzungspla- nung der Gemeinde widerspricht bezüglich der Uferschutzzon en auch klar dem KRIP. Die Auf- forderung des Regierungsrates, der Gemeinderat habe in nert fünf Jahren durch die Gemeinde- versammlung bei den Gewässern gemäss den Vorgaben von Art . 41a GSchV beidseitig Ufer- schutzzonen festzulegen und insbesondere entlang der Ergo lz und des Eibachs die bestehen- den Uferschutzzonen zu verbreitern, ist somit nicht zu b eanstanden. Die Beschwerde ist dem- zufolge in diesem Punkt abzuweisen. 3. Ziff. 1.12 des RRB: “Zonenreglement Siedlung Arti kel 15 Zone mit Quartierplan- pflicht“ 3.1.1. Art. 15 Abs. 1 ZRS statuiert, dass die bei Inkraf ttreten dieser Vorschriften bestehenden und rechtmässig erstellten Bauten und Anlagen innerhalb Quartierplanpflichtgebieten saniert und innerhalb des vorhandenen Bauvolumens umgebaut werd en dürfen. Angemessene Erwei- terungen sind erlaubt. Die Baumassnahmen dürfen dabei kein Präjudiz auf die noch ausste- hende Quartierplanung bewirken. Nach Art. 15 Abs. 2 Z RS gilt als angemessene Erweiterung eine Vergrösserung des oberirdischen Bauvolumens um gesamt haft 10 %, wobei mehrere Er- weiterungsetappen gesamthaft berücksichtigt werden. 3.1.2. Der Regierungsrat nahm diese Bestimmung von der Genehmigung aus mit der Be- gründung, dass Art. 15 ZRS Bestimmungen zu vorbestande nen Bauten und somit zur Bestan- desgarantie erlasse. Die Bestandesgarantie sei jedoch a bschliessend in § 109 und § 110 RBG geregelt. Die Gemeinde habe hier keine weitergehenden Regelungskompetenzen. 3.1.3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Mass d er angemessenen Erweiterung werde weder im RBG noch in der Verordnung zum Raumpl anungs- und Baugesetz (RBV) vom 27. Oktober 1998 definiert. Von einer abschliessenden R egelung der Bestandesgarantie im kantonalen Recht könne somit keine Rede sein. Zudem hab e sich zur Auslegung des Begriffs der “angemessenen Erweiterung“ im Sinne von § 109 RBG keine Praxis herausgebildet, welche allgemein bekannt wäre. Stattdessen werde in der Rege l bei der Prüfung der Besitzstandsga- rantie auf den Einzelfall und auf die konkreten Umstände abgestellt. Bei einer Erweiterung einer Baute könne bezüglich der Frage einer angemessenen Erweiterung problemlos eine Faustregel aufgestellt werden. Mangels einer abschliessenden Regel ung des Begriffs der “angemessenen Erweiterung“ im RBG oder in der RBV lasse das kantona le Recht Raum für eine Konkretisie- rung der kantonalrechtlichen Besitzstandsgarantie durch kommunales Recht. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2. Gemäss § 2 RBG sind die Gemeinden befugt, im Rahm en des RBG eigene Vorschrif- ten zu erlassen, die der Genehmigung des Regierungsrates bedürfen. Nach § 18 RBG erlassen die Gemeinden Zonenvorschriften für das ganze Gemeindegebiet. Die Zonenvorschriften beste- hen aus Zonenplänen und Zonenreglementen. Für einzel ne Teile des Gemeindegebietes kön- nen Teilzonenpläne und Teilzonenreglemente erlassen werden, welche besondere Vorschriften enthalten (Abs. 1). Die Zonenreglemente bestimmen Art und Mass der Nutzung, insbesondere die Bauweise, die Gebäudemasse (Gebäudelänge, Gebäude tiefe, Gebäudehöhe oder Ge- schosszahl), die maximal zulässige, bauliche Nutzung sowie die Dachformen und ihre Ausge- staltung. Die maximal zulässige, bauliche Nutzung wird m it der Überbauungs-, Grünflächen- und / oder der Ausnützungsziffer bestimmt (Abs. 3). Nach § 109 RBG dürfen bestehende, rechtmässig erstellte, aber zonenfremd gewordene Bauten und Anlagen, namentlich für Dienst- leistungen, Industrie und Gewerbe, erhalten, angemesse n erweitert, umgebaut oder in ihrem Zweck teilweise geändert werden, wenn ihre Einwirkungen auf die Nachbarschaft gleich bleiben oder reduziert werden. Gemäss § 110 RBG dürfen bestehen de, rechtmässig erstellte Bauten und Anlagen, die den allgemeinen Bauvorschriften wide rsprechen, unterhalten und angemes- sen erneuert werden. 3.3. Aufgrund des Erfordernisses des Rechtssatzes dürfen d ie Behörden nur gestützt auf eine genügend bestimmte generell-abstrakte Norm handel n. Der Rechtssatz determiniert die Verwaltungstätigkeit und dient damit der Rechtssicherh eit und der Rechtsgleichheit. Das Ge- setz kann jedoch nicht alle konkreten Fragen, die sich in Zukunft einmal stellen werden, voraus- sehen. Die Normen lassen sich nicht so formulieren, dass sie die Verwaltungstätigkeit vollstän- dig und präzis vorausbestimmen. Der Gesetzgeber ist auch nicht in der Lage, für jedes konkrete Problem die “richtige“ Lösung zu treffen. Häufig kann erst aufgrund der konkreten Umstände die sinnvolle und gerechte Lösung gefunden werden. In solch en Fällen würden zu hohe Anforde- rungen an die Bestimmtheit des Rechtssatzes zu Ergebnissen führen, die mit der materiellen Gerechtigkeit in Widerspruch stehen. Hier müssen vielmeh r weniger bestimmte Normen zuläs- sig sein, die Entscheidspielraum für die rechtsanwenden den Behörden schaffen. Es handelt sich um so genannte offene Normen, die Ziele, unbestimm t umschriebene Voraussetzungen oder einen Rahmen für die Verwaltungstätigkeit festle gen. Solche Normen ermöglichen den Verwaltungsbehörden nicht nur, die konkreten Umstände de s Einzelfalles zu berücksichtigen, sondern auch flexibel auf veränderte Verhältnisse zu reagieren, komplexe, vor allem technische oder wissenschaftliche Probleme mit dem notwendigen Sac hverstand zu lösen sowie politi- schen und betriebswirtschaftlichen Aspekten Rechnung zu tr agen. Offene Normen dienen ent- weder der Einzelfallgerechtigkeit oder der sachlichen Ri chtigkeit der Entscheidungen und er- gänzen insoweit das Gesetzesmässigkeitsprinzip. Nach herrsch ender Lehre und Rechtspre- chung gibt es offene Normen, die Ermessen einräumen, u nd solche, die unbestimmte Rechts- begriffe enthalten (U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungs- recht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 390 ff.). 3.4. Bei den in § 109 und § 110 RBG verwendeten Beg riffen der angemessenen Erweite- rung bzw. angemessenen Erneuerung handelt es sich um unb estimmte Rechtsbegriffe. Der Gesetzgeber hat hiermit den rechtsanwendenden Behörden einen Entscheidspielraum geschaf- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht fen, um den konkreten Umständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen oder die Sachrichtig- keit der Entscheidung zu gewährleisten. Unter Berücksichtig ung der konkreten Umstände soll im Einzelfall geklärt werden, was als angemessene Erweite rung bzw. Erneuerung zulässig ist. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der kantonale Gesetzgeber hier nicht bewusst eine offene Formulierung gewählt hat und auf eine “ Faustregel“ im Sinne der Beschwerdeführe- rin bewusst verzichtet hat. Es ist nicht ersichtlich, inwief ern diese Regelung nicht abschliessend sein und eine kommunale Legiferierungskompetenz enthalt en soll. Dadurch dass die Be- schwerdeführerin eine angemessene Erweiterung innerhalb von Quartierplanpflichtgebieten nur unter der Voraussetzung als zulässig erachtet, als dass sie k ein Präjudiz auf die noch ausste- hende Quartierplanung bewirkt, schränkt sie allenfalls eine gemäss den §§ 109 f. RBG mögli- che angemessene Erweiterung ein. Ebenso kann eine Erwe iterung des zulässigen oberirdi- schen Bauvolumens um 10 % im konkreten Einzelfall mehr o der weniger als das im Rahmen der §§ 109 f. RBG Zulässigen sein. Mit Art. 15 ZRS ha t die Gemeinde somit ihre Legiferie- rungskompetenz überschritten und übergeordnetes Recht ver letzt. Demzufolge ist die Be- schwerde in diesem Punkt abzuweisen. 4. Ziff. 1.13 des RRB: “Zonenreglement Siedlung Arti kel 29 Antennenanlagen“ 4.1.1. In Art. 29 Abs. 1 ZRS wird festgehalten, dass a ls Antennen Anlagen gelten, die dem draht- und kabellosen Empfang sowie der draht- und kabe llosen Übermittlung von Signalen für Radio, Fernsehen, Amateurfunk, Mobilfunk u.a. dienen. Abs. 5 von Art. 29 ZRS lautet dahinge- hend, dass in Wohnzonen Antennen nur zum Empfang von Sig nalen oder für die Erschliessung der Nachbarschaft der Anlage gestattet und unauffälli g zu gestalten sind. Auf Art. 29 Abs. 7 ZRS wird später eingegangen. 4.1.2. Der Regierungsrat hat im angefochtenen Beschluss A rt. 29 Abs. 5 ZRS nicht geneh- migt. Bei Abs. 7 des Art. 29 ZRS verweist er auf die E rwägungen im RRB. Dort erörtert er, dass mit dieser Bestimmung in Wohnzonen unter anderem Mob ilfunkantennen verboten würden. Dies sei nicht zulässig und verstosse insbesondere gegen Art. 1 des Fernmeldegesetzes (FMG) vom 30. April 1997. Die Formulierung “für die Erschlie ssung der Nachbarschaft der Anlage“ in Art. 29 Abs. 5 ZRS entspreche “im Übrigen dem mit BG E 138 II 173 vom 19. März 2012 präzi- sierten Wortlaut des Baureglements der Gemeinde Urtene n-Schönbühl“. Das Bundesgericht habe in seinem Urteil die Bestimmung als unzulässig erach tet, weil der Begriff “Erschliessung der Nachbarschaft“ (Detailerschliessung) aufgrund der u ngenügenden Bestimmbarkeit kein zu- lässiges Kriterium darstelle. Unter dem Abschnitt “1.13 Zonenreglement Siedlung Artikel 29 An- tennenanlagen“ äussert sich der Regierungsrat mit keinem Wort zu Art. 29 Abs. 7 ZRS. 4.1.3. Die Beschwerdeführerin führt in ihrer Beschwer de aus, der Regierungsrat habe sowohl den zitierten BGE als auch die Absätze 5 und 7 ZRS fal sch interpretiert. Entgegen der Ansicht des Regierungsrats verstosse Art. 29 Abs. 5 ZRS nicht gegen Art. 1 FMG, da Mobilfunkanten- nen in Wohnzonen durch Art. 29 Abs. 5 ZRS nicht verbote n würden. Das im ZRS vorgesehene Kaskadenmodell habe das Bundesgericht als zulässig erachtet . Im Weiteren habe der Regie- rungsrat verkannt, dass das Bundesgericht im zitierten BG E 138 II 173 die umstrittenen Be-Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht stimmungen nicht aufgehoben habe, weil sich die Beschwe rde in der Hauptsache als unbe- gründet erwiesen habe. Das Bundesgericht habe erwogen, das Kriterium der Detailerschlies- sung bzw. “der Erschliessung der Nachbarschaft der Anlage“ sei wenig hilfreich und sei entwe- der zu streichen oder durch eine andere Formulierung zu ersetzen. Die Sache sei lediglich zur Präzisierung insbesondere des Kriteriums “der Erschliessung der Nachbarschaft der Anlage“ an die Genehmigungsbehörde zurückgewiesen worden. Der Regi erungsrat könne sich also nicht auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung stützen und Art . 29 Abs. 5 ZRS von der Genehmi- gung ausnehmen. Er hätte höchstens eine Präzisierung des Kriteriums “der Erschliessung der Nachbarschaft der Anlage“ verlangen oder selbst eine Präzi sierung vornehmen können, sofern er hierzu befugt wäre. Auch Art. 29 Abs. 7 ZRS erwe ise sich aufgrund von BGE 138 II 173 als rechtmässig und sei ohne jegliche Vorbehalte zu genehmi gen. Der RRB sei also in diesem Punkt aufzuheben. 4.2.1. Im zitierten BGE 138 II 173 hatte das Bundesge richt über die Rechtmässigkeit des im Dezember 2008 von der Einwohnergemeinde Urtenen-Schö nbühl erlassenen Art. 40a des kommunalen Baureglements (GBR) zu befinden. Art. 40a Abs. 5 lautete: “In Wohnzonen sind Antennen nur zum Empfang von Signalen oder für die Er schliessung der Nachbarschaft der Anlage (Detailerschliessung) gestattet und sind unauff ällig zu gestalten.“ Art. 40a GBR wurde von den verschiedenen angerufenen kantonalen Instanzen g eschützt. Gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern erhoben schlie sslich verschiedene Mobilfunkanten- nenbetreiberinnen Beschwerde beim Bundesgericht. Das Bu ndesgericht führte in seinem Ent- scheid aus, dass es sich beim von der Gemeinde gewählten M odell um ein zulässiges Kaska- denmodell handle. 4.2.2. Bei einem Kaskadenmodell sieht die Nutzungsplanu ng eine Prioritätenordnung (Kas- kadenmodell) vor, indem Gebiete unterschiedlicher Priori tätenordnung festgelegt werden, wo- nach ein Standort in einem Gebiet untergeordneter Priorität nur dann zulässig ist, wenn sie sich nicht in einem Gebiet übergeordneter Priorität aufste llen lässt (siehe den 2010 gemeinsam von den Bundesämtern für Umwelt (BAFU), für Kommunikation (BAKOM) und für Raumentwicklung (ARE) sowie von der Schweizerischen Bau-, Planungs- und Um weltdirektoren-Konferenz (BPUK), dem Schweizerischen Städteverband (SSV) und de m Schweizerischer Gemeindever- band herausgegebenen Leitfaden “Mobilfunk für Gemeinden und Städte“, Ziff. 4.2.3). 4.2.3. Das Bundesgericht hielt in seinem Entscheid wei ter fest, dass das Verwaltungsgericht angenommen habe, dass auch das Kriterium der "Erschliessu ng der Nachbarschaft der Anlage (Detailerschliessung)" in Wohnzonen gemäss Art. 40a Abs. 5 GBR die Sendeleistung der An- tennen nicht einschränke; vielmehr gehe es darum, eine u nmittelbare funktionelle Beziehung der Sendeantennen zum Ort ihrer Errichtung zu verlange n. Angesprochen sei damit die Zonen- konformität und nicht der von den Beschwerdeführerinnen angerufene umweltrechtliche Immis- sionsschutz. Dies bestätige auch die Gemeinde in ihrer Ve rnehmlassung. Das Bundesgericht führte aus, Art. 40a GBR differenziere zwischen Arbeitsz onen und diesen gleichgestellten Zo- nen (Abs. 3), übrigen Bauzonen (Abs. 4) und Wohnzonen (Abs. 5). Während für die beiden ers- ten Kategorien keine besonderen Anforderungen an die funktionelle Beziehung gestellt würden, seien Mobilfunkanlagen in eigentlichen Wohnzonen nur zonenkonform, wenn sie "der Versor- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung der Nachbarschaft" dienten und “nicht der Bauzone als Ganzer oder der Versorgung noch grösserer Gebiete“. Diese Differenzierung der Zonenkonf ormität erscheine grundsätzlich zuläs- sig, seien doch Wohnzonen der Wohnnutzung vorbehalten (Art. 41 Abs. 1 GBR) und gewerbli- che Nutzungen nur beschränkt zulässig. Allerdings sei den Be schwerdeführerinnen einzuräu- men, dass die (an sich zulässigen) Anforderungen an die Z onenkonformität bei rigider Handha- bung in eine (unzulässige) Beschränkung der Emissionen de r Mobilfunksendeanlagen um- schlagen könnten. Das Verwaltungsgericht habe in diesem Zu sammenhang festgehalten, dass der Vergleich mit der Detailerschliessung wenig hilfrei ch sei und das jeweilige Versorgungsge- biet aufgrund der konkreten planerischen Situation sinnvo ll zu begrenzen sei (Lage, Grösse, Verteilung der Wohnzonen etc.). Dies könne durchaus i m Einzelfall geschehen. Erforderlich sei somit lediglich der Nachweis, dass die Anlage der lokalen Versorgung diene, d.h. einen funktio- nellen Bezug zur Wohnzone aufweise. Hierfür könne verla ngt werden, dass die Anlage von ih- ren Dimensionen und ihrer Leistungsfähigkeit her der i n reinen Wohnzonen üblichen Ausstat- tung entspreche, nicht dagegen, dass die Strahlung der Anlage an der Zonengrenze haltmache (was bereits physikalisch unmöglich wäre) bzw. nur gerade d ie Wohnzone abdecke. Bei dieser Auslegung verletze Art. 40a Abs. 5 GBR Bundesumweltre cht nicht. Diesbezüglich verwies das Bundesgericht auf ihre Erwägung 8, welche sich zur Frage der Präzisierung äussert. Das Bundesgericht prüfte dann in der Erwägung 8 seines Entscheids den Eventualantrag einer der Beschwerdeführerinnen, die vom Verwaltungsgericht für massgeblich erachteten Korrektu- ren verbindlich anzuordnen insbesondere und unter and erem für die Abgrenzung der Nachbar- schaft i.S. von Art. 40a Abs. 5 GBR. Das Bundesgericht kam zum Schluss, dass das Verwal- tungsgericht die zur Prüfung stehenden Normen bundesrech tskonform ausgelegt habe. Dies entspreche der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wo nach eine kantonale bzw. kommunale Norm nur aufgehoben werde, sofern sie sich jeglicher bu ndesrechts- und konventionskonfor- men Auslegung entziehe, nicht jedoch, wenn sie einer solchen in vertretbarer Weise zugänglich bleibe. Grundsätzlich könne davon ausgegangen werden, d ass die Gemeinde die neuen Be- stimmungen ihres Baureglements in der vom Verwaltungsge richt vorgegebenen und vom Bun- desgericht bestätigten Auslegung anwenden werde. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass der Fall Urtenen-Schönbühl der erste sei, in dem das Bundes gericht eine gemeindliche Standort- planung für Mobilfunkanlagen bestätige. Insofern sei da mit zu rechnen, dass die Regelung der Gemeinde Urtenen-Schönbühl anderen Gemeinden als Vorbild für ihre eigene Ortsplanung die- nen werde. Unter diesen Umständen hätten die Beschwer deführerinnen ein berechtigtes Inte- resse daran, dass sich der Sinn der Bestimmungen aus Wort laut und Systematik der Norm er- schliesse, auch ohne Kenntnis der Materialien und der Rechtsmittelentscheide. Daher sei das - vom Verwaltungsgericht als wenig hilfreich bezeichnete - Kriterium der Detailerschliessung in Art. 40a Abs. 5 GBR zu streichen bzw. durch eine andere Formulierung zu ersetzen. Die Sache sei daher zur Präzisierung von Art. 40a Abs. 5 GBR im S inne der Erwägungen an die Geneh- migungsbehörde zurückzuweisen. 4.3. Das Bundesgericht hat zusammenfassend somit die Aus führungen des Verwaltungs- gerichts, wonach die (an sich zulässigen) Anforderungen an die Zonenkonformität bei rigider Handhabung in eine (unzulässige) Beschränkung der Emission en der Mobilfunksendeanlagen umschlagen könnten und der Vergleich mit der Detailer schliessung wenig hilfreich sei sowie Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass gar nicht verlangt werden könne, dass die Strahlung der Anlage an der Zonengrenze haltmache, (was bereits physikalisch unmöglich wäre), bzw. nur gerade die Wohnzone abde- cke, geschützt. Das Bundesgericht kam sodann zum Schluss, dass sich der bundesrechtskon- forme Sinn der fraglichen kommunalen Bestimmung nicht aus Wortlaut und Systematik der Norm erschliesse, sondern nur unter der Voraussetzung der Kenntnis der Materialien und der Rechtmittelentscheide. Die Anordnung des Bundesgerichts l autete, dass das Kriterium der De- tailerschliessung und damit laut fraglicher Bestimmung d er Erschliessung der Nachbarschaft gestrichen werde bzw. durch eine andere Formulierung zu ersetzen sei. 4.4. Da sich somit – entsprechend den Ausführungen des Bu ndesgerichts im obgenannten Fall – der bundesrechtskonforme Sinn der Bestimmung d es mit Art. 40a Abs. 5 GBR identisch lautenden Art. 29 Abs. 5 ZRS nicht aus dessen Wortlaut e rgibt und im vorliegenden Fall für die Ermittlung des bundesrechtskonformen Sinns überdies auch nicht die im Fall Urtenen- Schönbühl Aufschluss gebenden Materialien und Rechtmittel entscheide relevant sein können, ist nicht zu beanstanden, dass der Regierungsrat Art. 2 9 Abs. 5 ZRS, welcher ebenso die Ein- schränkung der “Erschliessung der Nachbarschaft der Anlage“ vorsieht, nicht genehmigt hat. 4.5. Die Beschwerdeführerin macht eventualiter gelten d, der Regierungsrat habe höchstens eine Präzisierung des Kriteriums “der Erschliessung der Na chbarschaft der Anlage“ verlangen oder selbst eine Präzisierung vornehmen können, sofern er hierzu befugt wäre. Träger der kommunalen Nutzungsplanung ist die Gemeinde. Der Regie rungsrat ist zwar berechtigt und verpflichtet, einer höherrangiges Recht verletzende kommun alen Bestimmung die Genehmi- gung zu versagen, jedoch ist er aufgrund der Gemeindea utonomie nicht befugt, anstelle der Gemeinde eine Bestimmung zu erlassen oder zu verändern (vgl. HÄNNI , a.a.O., S. 236 f.). Aber genau dies hätte der Regierungsrat getan, wenn er selb st eine Präzisierung vorgenommen hät- te. Der Gemeinde steht es frei, die fragliche Bestimmu ng zu präzisieren und diese dem Regie- rungsrat zur Genehmigung vorzulegen. Die Beschwerde ist folglich in diesem Punkt abzuwei- sen. 4.6.1. Gemäss Art. 29 Abs. 7 ZRS sind in Schutzgebieten Antennen nicht zulässig. Der Ge- meinderat kann dem Bau einzelner Antennen zustimmen, wenn sie zur Wahrung der Kommuni- kationsfreiheit unabdingbar und in das Orts- und Lands chaftsbild integriert sind. Der Regie- rungsrat hat diese Bestimmung genehmigt, jedoch die Be merkung “siehe Erwägungen RRB“ angebracht. Im RRB wird in Ziff. II.1.13, welche die Überschrift “Zonenreglement Siedlung Arti- kel 29 Antennenanlagen“ trägt, diese Bestimmung bzw. d ie diesbezüglich angebrachte Anmer- kung mit keinem Wort erwähnt. Die Beschwerdeführerin ma cht geltend, Art. 29 Abs. 7 ZRS er- weise sich aufgrund von BGE 138 II 173 als rechtmässig u nd sei ohne jegliche Vorbehalte zu genehmigen. 4.6.2. Der Regierungsrat führt in seiner Vernehmlassu ng vom 15. Februar 2016 an das Kan- tonsgericht aus, dass sich der bei Art. 29 Abs. 7 ZRS angebrachte Hinweis auf die Erwägungen im RRB auf die Erwägung in Abschnitt II Ziff. 1.3 de s RRB beziehe. Dort wird das Grundsätzli- che zum Baubewilligungsverfahren erörtert und unter an derem ausgeführt, das Baubewilli- gungsverfahren werde im RBG und in der RBV abschliessend geregelt. Zudem würden im Bau- Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht bewilligungsverfahren ausserhalb der Bauzonen die Vorg aben des RPG gelten. Der Gemeinde stehe diesbezüglich keine zusätzliche Regelungskompetenz zu. Insbesondere könnten die Ver- fahren und Zuständigkeiten nicht geändert und auch kei ne neuen eingeführt werden. Der Re- gierungsrat erläutert in seiner Vernehmlassung weiter, dass bezüglich des Art. 29 Abs. 7 ZRS auf die Erwägungen hingewiesen worden sei, da die Zu stimmung des Gemeinderates nicht ab- schliessend sei, denn die Baubewilligungsbehörde (Kanton) bewillige unter anderem Mobilfunk- antennen. Die Zustimmung des Gemeinderates erfolge nur im Rahmen seines Anhörungsrechts im Baubewilligungsverfahren bzw. er sei verpflichtet, Ei nsprache zu erheben, wenn Bau- und Planungsvorschriften verletzt seien (§ 127 Abs. 3 RBG). Die Ausführungen des Regierungsra- tes sind nicht zu beanstanden. Die in Art. 29 As. 7 ZRS genannte Zustimmung des Gemeinde- rates kann nur im Sinne der Ausführungen des Regierung srates in seiner Vernehmlassung und in Ziff. II.1.3 seines RRB verstanden werden. Der vom Regierungsrat gemachte Hinweis auf die Erwägungen im RRB steht somit in keinerlei Zusammenhang mit BGE 138 II 173. Art. 29 Abs. 7 ZRS erweist sich damit – wie auch die Beschwerdeführeri n ausführt – im Lichte von BGE 138 II 173 als rechtmässig. Der Hinweis auf die Erwägung en im RRB bezieht sich auf die Be- deutung der Zustimmung des Gemeinderates und ist nicht zu beanstanden, so dass die Be- schwerde auch in diesem Punkt abzuweisen ist. 5. Ziff. 1.14 des RRB: “Zonenreglement Siedlung Arti kel 33 und Teilzonenreglement Siedlung ‘Ortskern‘ Artikel 26“ 5.1.1. Die Art. 33 ZRS und Art. 26 TZRS Ortskern tra gen jeweils den Titel “Lichtimmissionen“ und lauten identisch, nämlich wie folgt: “1 Bei der Installation starker Lichtquellen ist auf Dri tte Rücksicht zu nehmen. Aussenbeleuchtungen müssen gegen oben abgeschirmt, nach unten ausgerichtet und zeitlich begrenzt sein. Die Beleuch- tung von Objekten hat zielgerichtet und lichteffizient zu erfolgen. Davon ausgenommen sind Weih- nachtsbeleuchtungen vom 20. November bis 6. Januar. 2 Zwischen 00.30 Uhr und 05.30 Uhr ist es verboten, Gebäude von aussen und Schaufenster zu be- leuchten oder äussere Beleuchtungsvorrichtungen brennen zu lassen. Vom Verbot ausgenommen sind die angemessene Beleuchtung von Wahrzeichen sowie von Hauszugängen und -eingängen, welche im Dunkeln liegen, und angemessene Beleuchtungen bei Festanlässen. 3 Von den Regelungen gemäss Abs. 2 ausgenommen sind die Strassenbeleuchtungen sowie die Weih- nachtsbeleuchtungen. 4 Der Gebrauch von Skybeamern, Laser-Scheinwerfern oder ähnlichen himmelwärts gerichteten Licht- quellen ist verboten.“ 5 Der Gemeinderat kann in begründeten Fällen Ausnahm en bewilligen.“ 5.1.2. Der Regierungsrat hat diese Bestimmungen nicht g enehmigt. Er führt in seinem RRB aus, dass unter anderem Zeiten festgelegt würden, in d enen es verboten sei, Gebäude von aussen zu beleuchten. § 18 RBG schliesse jedoch derarti ge Regelungen aus. Vielmehr gehör- ten Bestimmungen zu Lichtimmissionen ins Polizeireglement. Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1.3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass es h ierbei nicht um die Sicherung der öffentlichen Ordnung gehe, sondern um eine Reduktion der Umweltbelastung durch Lichtver- schmutzung. Damit gehöre diese Regelung in ein Zonen- und nicht in ein Polizeireglement. Sie verweist dabei unter anderem auf die vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL; heute BAFU) im Jahre 2005 herausgegebenen Em pfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung u nd gestützt auf das Bundes- gesetz über den Umweltschutz (USG) vom 7. Oktober 1983 se ien auch Lichtstrahlungen durch Massnahmen bei der Quelle zu begrenzen. Als Massnahmen nen ne das USG den Erlass von Bau- und Ausrüstungsvorschriften. 5.1.4. Der Regierungsrat führt in seiner Vernehmlassun g aus, dass die Empfehlungen des BAFU tatsächlich auf die Zonenvorschriften der Kantone verweisen würden, daraus ergebe sich jedoch kein Widerspruch, denn in anderen Kantonen sei e s aufgrund der dortigen Baugesetze durchaus möglich, derartige Vorschriften – anders als im Kanton Basel-Landschaft – in Zonen- reglementen vorzusehen. Des Weiteren könne die kommunale Bestimmung nicht geahndet werden. Eine Regelung im Zonenreglement könne zwar e inen Verstoss gegen eine Beleuch- tungsart ahnden, nicht aber einen Verstoss gegen eine Beleuchtungszeit. 5.2.1. Die hier interessierenden Absätze 3 und 4 des § 18 RBG besagen, dass die Zonenreg- lemente Art und Mass der Nutzung bestimmen, insbesondere die Bauweise, die Gebäudemas- se (Gebäudelänge, Gebäudetiefe, Gebäudehöhe oder Gesch osszahl), die maximal zulässige, bauliche Nutzung sowie die Dachformen und ihre Ausgesta ltung. Die maximal zulässige, bauli- che Nutzung wird mit der Überbauungs-, Grünflächen- un d / oder der Ausnützungsziffer be- stimmt (Abs. 3). Die Zonenreglemente können im Interesse eines harmonischen Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes Vorschriften über die Gesta ltung, die Baumaterialien und Farbge- bung der Bauten und Anlagen sowie über die Bepflanzu ng, den ökologischen Ausgleich und den Biotopverbund enthalten (Abs. 4). 5.2.2. Unbestritten ist, dass eine Eindämmung unnötiger Lichtemissionen erwünscht ist. Des Weiteren wird nicht bestritten, dass in den in der Erwä gung II.5.1.3 genannten Empfehlungen des BAFU unter anderem ausgeführt wird, dass bei der Ei ndämmung unnötiger Lichtemissio- nen Handlungsoptionen auf den drei Ebenen, nämlich E ntscheidung, Planung und Ausführung bestehen würden (Ziff. 5.2.1 der Empfehlungen). Als m ögliche Handlungsebene auf Kantons- ebene wird die Vollzugsunterstützung und Absicherung der Gemeinden in ihrem Handeln (z.B. Baugesetzgebung, Zonen- und Richtpläne), auf Gemeindeebene die Beachtung in Zonen- und Richtplänen erwähnt (siehe Ziff. 5.2.2 der Empfeh lungen unter dem Titel “Technische Lö- sungsansätze, Planung“). Wie die Empfehlungen festhalten , handelt es sich auch bei der Be- achtung der Emissionen in Zonen- und Richtplanung um m ögliche Lösungsansätze. Damit ist die Frage, ob eine Zonenplanung im Kanton Basel-Landschaft auch die Zeiten der Beleuchtung festlegen kann, nicht beantwortet. Wie der Regierungsra t aber zu Recht ausführt, sieht § 18 RBG zwar die Möglichkeit der Gemeinde vor, allenfa lls Vorschriften darüber zu erlassen, wie eine Beleuchtung von Gebäuden und Schaufenstern zu erfolgen hat, nicht aber wann diese Beleuchtung in Betrieb sein darf. Aus den Empfehlungen des BAFU lässt sich die Zulässigkeit von Beleuchtungszeiten in einem kommunalen Baureglement nicht automatisch ableiten. Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3. Auch aus dem von der Beschwerdeführerin als rechtsve rgleichend genannten Beispiel des § 36 Abs. 2 Ziff. 10 des Planungs- und Baugesetzes ( PBG) des Kantons Luzern vom 7. März 1989, wonach die Gemeinden in den Bau- und Zo nenreglementen insbesondere Vor- schriften über Lichtimmissionen zu erlassen hätten, lässt si ch nichts zu ihren Gunsten ableiten. Das RBG sieht eine derartige Kompetenz der Gemeinden n icht vor. Im Weiteren ist auffallend, dass der von der Beschwerdeführerin als Beispiel genannt er § 36 Abs. 2 Ziff. 10 PBG erst per 1. Januar 2014 in Kraft getreten ist und die bis dahi n geltende Fassung des PBG eine derartige Bestimmung nicht vorsah. Aus diesem Beispiel lässt sich wo hl eher der Schluss ziehen, dass der Gesetzgeber des Kantons Luzern erkannt hat, dass eine explizite Regelung im PBG not- wendig ist, damit die Gemeinden Vorschriften über Lich temissionen in ihren Baureglementen erlassen können. 5.4.1. Die Beschwerdeführerin erklärt, dass künstliches Li cht aus elektromagnetischen Strah- lungen bestehe und gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprech ung daher zu den Einwirkungen im Sinne von Art. 7 Abs. 1 USG gehöre. Im Sinne der V orsorge seien Einwirkungen, die schäd- lich oder lästig werden könnten, frühzeitig zu begrenzen (Art. 1 Abs. 2 USG). Demgemäss seien u.a. Strahlen durch Massnahmen bei der Quelle zu begre nzen (Art. 11 Abs. 2 USG). Art. 12 Abs. 1 USG nenne als Massnahmen zur Emissionsbegrenzung insb esondere den Erlass von Bau- und Ausrüstungsvorschriften (lit. b). Nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes seien daher Emissionsbegrenzungen nach Art. 12 Abs. 2 USG nicht nur zum Schutz gegen schädliche oder lästige Emissionen geboten, sondern – gestützt auf das Vor sorgeprinzip – auch zur Vermeidung unnötiger Emissionen zulässig. Hierfür könne insbesondere eine zeitliche Beschränkung des Betriebs angeordnet werden. Die Beschwerdeführerin verwies diesbezüglich auf BGE 140 II 33. 5.4.2. Die soeben wiedergegebenen Ausführungen der B eschwerdeführerin werden nicht in Frage gestellt und sind im angeführten BGE nachzulesen. Im zitierten BGE 140 II 33 ff. ging es nicht um die Rechtmässigkeit von Zonenvorschriften, vielmehr kam die Vorinstanz zum Schluss, – und das Bundesgericht schloss sich dieser Meinung an –, dass im dort zu beurteilenden Fall eine Vorschrift betreffend Beleuchtungszeiten fehle, s o dass sich die Frage stellte, ob die zu beurteilende Verfügung betreffend Festlegung von Zi erbeleuchtungs- und Weihnachtsbeleuch- tungszeiten bei einem ein Haus betreffenden konkreten F all direkt gestützt auf das Vorsorge- prinzip nach Art. 11 Abs. 2 USG erlassen werden könne ( vgl. auch das angefochtene Urteil des Verwaltungsgerichtsurteils Aargau vom 18. Dezember 2012 , in: Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] Nr. 159 2013). Diese Frag e wurde bejaht. Art. 11 Abs. 2 USG besagt, dass unabhängig von der bestehenden Umweltbela stung Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen sind, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaft- lich tragbar ist. Auf die sich vorliegendenfalls stellend e Frage, ob die Bestimmungen betreffend Lichtemissionen – und vor allem die Bestimmungen über d ie zulässigen Beleuchtungszeiten – in Zonenreglementen aufgenommen werden dürfen, find et sich im Bundesgerichtsentscheid keine Antwort. 5.5.1 Nach § 40 Abs. 2 Ziff. 2 des Gesetzes über die Or ganisation und die Verwaltung der Gemeinden (Gemeindegesetz) vom 28. Mai 1970 hat die E inwohnergemeinde die öffentliche Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ordnung auf dem gesamten Gemeindegebiet, ausgenommen Nationalstrassen und Hochleis- tungsstrassen, zu wahren. Hierfür hat sie nach § 46 Geme indegesetz die für die Erfüllung ihrer Aufgaben notwendigen oder zweckdienlichen Reglemente zu erlassen. Nach § 44 Abs. 1 Ge- meindegesetz schützt die Gemeinde die Einwohnerinnen u nd Einwohner vor Personen, die un- angemessen lärmen, sich anstössig benehmen, Unfug treib en, streiten oder in anderer Weise die öffentliche Ordnung stören. Nach Art. 4 des Polizeireglements der Einwohnergemeinde Gel- terkinden (in Kraft seit 7. August 2008) sind übermässig störende Immissionen durch Licht und Lärm nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Beschwerdeführeri n wirft dem Beschwerdegegner vor, er habe verkannt, dass es im Polizeireglement um den Schutz der Allgemeinheit und öffent- lichen Ordnung vor Lichtimmissionen gehe, im ZRS und T ZRS Ortskern gehe es hingegen um die Vermeidung einer Umweltbelastung. 5.5.2. Aufgrund der obigen Erwägungen dürfen gestütz t auf § 18 RBG die Bestimmungen in den Art. 33 ZRS und Art. 26 TZRS Ortskern nicht in de n Zonenreglementen aufgenommen werden, können jedoch im Polizeireglement Eingang fin den. Dabei ist es durchaus zulässig, dass eine zeitliche Beschränkung der Lichtemissionen, welche im Rahmen des Polizeiregle- ments erlassen wird und im bewohnten Siedlungsgebiet zum Schutz der Allgemeinheit vor übermässigen Immissionen dient, auch die Umwelt vor einer weiteren Belastung schützt. 5.6.1. Des Weiteren ist fraglich, ob die Gemeinde zum Erlass einer derartigen umweltschutz- rechtlichen Bestimmung befugt ist. Nach Art. 74 der Bun desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 erlässt der B und Vorschriften über den Schutz des Menschen und seiner natürlichen Umwelt vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen. Für den Vollzug der Vorschriften sind die Kantone zuständig, sow eit das Gesetz ihn nicht dem Bund vorbehält. Art. 74 BV stellt eine umfassende Bundeskomp etenz mit nachträglicher derogatori- scher Wirkung dar. In diesem Sinne können die Kantone na ch Art. 65 Abs. 1 USG dort, wo der Bundesrat von seiner Verordnungskompetenz nicht ausdrücklich Gebrauch gemacht hat, im Rahmen des USG und nach Anhören des Eidgenössische Depar tements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) sowie unter Vorbehal t gewisser Bereiche, eigene Vor- schriften erlassen. Ausserhalb des Geltungsbereichs des USG dürfen die Kantone schliesslich auch Ziele des Umweltschutzes mit eigenen Vorschriften verfolgen. Unter Vorbehalt der in Art. 41 USG aufgelisteten Teilbereiche liegt der Vollzug de s USG bei den Kantonen (Art. 36 USG; HÄNNI , a.a.O., S. 375). 5.6.2. Nach § 1 des Umweltschutzgesetzes Basel-Landschaft (U SG BL) vom 27. Februar 1991 will das USG BL den Vollzug des Bundesrechts über de n Umweltschutz sicherstellen und ergänzende kantonale Massnahmen zum Schutz der Umwelt e rmöglichen. Das Gesetz gilt für alle Bereiche, die vom USG (des Bundes) und den darauf gestützten Verordnungen geregelt werden. Im USG BL finden sich mehrere Bestimmungen, di e Aufgaben der Gemeinden im Be- reich des Umweltrechts statuieren (so z.B. § 8 Abs. 2, § 12 Abs. 1, § 14 Abs. 1, § 16 Abs. 1, § 20 Abs. 2, § 48 Abs. 1 USG BL). Eine Bestimmung, we lche die Gemeinden zum Erlass von Bestimmungen über Lichtemissionen zum alleinigen Zwecke des Umweltschutzes befugen würde, findet sich jedoch nicht. Es ist somit fraglich, ob die Gemeinde überhaupt befugt ist, umweltschutzrechtliche Bestimmungen betreffend Lichtemissio nen zu erlassen. Diese Frage Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann jedoch offen gelassen werden, da wie oben ausgefüh rt, eine derartige Bestimmung auf- grund des RBG nicht in einem Zonenreglement aufgenommen werden darf. 5.7. Aus den obigen Erwägungen ergibt sich, dass Regelu ngen über Beleuchtungszeiten im Kanton Basel-Landschaft in ein Polizeireglement und nicht in ein Zonenreglement aufzunehmen sind. Die Beschwerde ist folglich in diesem Punkt abzuweisen. 6. Ziff. 1.17 des RRB: “Zonenreglement Siedlung ‘Ort skern‘ Artikel 5 Art und Mass der Nutzung in der Kernzone Bereich Hofstatt“ 6.1. Art. 5 TZRS Ortskern regelt Art und Mass der Nutzu ng in der Kernzone Bereich Hof- statt (KHO). In Art. 5 Abs. 5 wird Folgendes statuiert: “Ein Drittel der in der Kernzone Hofstatt liegenden Flächenanteile der Parzellen ist freizuhalte n und als zusammenhängende Grünflä- chen zu gestalten. In der Freihaltezone liegende Parzell enteile dürfen dem Drittel zugerechnet werden. Erschliessungswege und verfestigte Plätze können an die Freihaltefläche nicht ange- rechnet werden. …“. Der Regierungsrat hat den zweiten S atz betreffend Anrechnung der sich in der Freihaltezone liegenden Parzellenanteile nicht ge nehmigt, überdies auf die Erwägungen im RRB verwiesen. Im Dispositiv wurde der Gemeinderat aufgefordert, innert fünf Jahren durch die Gemeindeversammlung das Mass der Nutzung in der Kernzone Bereich Hofstatt zu überprüfen. In den Erwägungen führt der Regierungsrat aus, dass gem äss TZRS Ortskern ein Drittel der in der Kernzone Hofstatt liegenden Flächenanteile freizu halten und als zusammenhängende Grünfläche zu gestalten sei. Der Hofstattbereich sei jedo ch ein Grünbereich, in dem die Grün- fläche deutlich den grösseren Anteil der Parzelle ausmach en sollte. Ein Drittel sei hingegen der kleinere Teil und für die verfolgten Ziele eindeutig zu wenig. Dies zumal die angrenzenden Hauptbauten in einem Bereich liegen würden, der zu 100 % überbaut werden dürfe. Daher wer- de der Gemeinderat eingeladen, das Mass der Nutzung zu überprüfen. Aus den genannten Gründen könne der Satz in Absatz 5 “in der Freihaltezone liegende Parzellenanteile dürfen dem Drittel zugerechnet werden“, nicht genehmigt werden. Z udem fehle eine rechtliche Grundlage für eine solche Freiflächenübertragung im RBG. Im Übr igen könnten mit der Inanspruchnahme der in der Freihaltezone liegenden Parzellenteile man che Hofstattbereiche vollständig überbaut werden. 6.2. Die Beschwerdeführerin führt in der Beschwerde au s, der Regierungsrat könne seine Rüge, ein freizuhaltender Drittel sei zu wenig, nicht auf eine gesetzliche Grundlage stützen. Der Hinweis in der Wegleitung des ARP vom Dezember 2002 z ur Ortskernplanung (Seite 20), dass der Hofstattbereich als Grüngürtel einen wesentlichen Bestandteil des Ortskerns bilde, reiche als Grundlage nicht. Die Gemeinde hat zugestanden, dass die Anrechnung im E xtremfall dazu führen könne, dass der Hofstattbereich vollständig überbaubar sei, was aber aufgrund der hohen Anforderungen an die Bebauung im Hofstattbereich gemäss Art. 18 ff. TZRS Ortskern unwahrscheinlich sei. Des Weiteren sei nach Art. 5 Abs. 5 TZRS Ortskern mindestens ein Drittel der gesamten Parzelle als zusammenhängende Grünfläche zu gestalten, so dass der Erha lt des grünen Charakters des Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht Raums weiterhin gewährleistet sei. Die Gemeinde erläutert weiter, dass sie grosse Anstrengun- gen zur Sicherung der heute noch unbebauten Hofstattbe reiche unternommen habe, nament- lich durch die Umzonung der Kernergänzungszone in die F reihaltezone in den Gebieten Ober- dorf und Kirchrain. Dazu seien bestehende Bauzonen auf gehoben und der Freihaltefläche zu- geteilt worden. Damit seien Freiräume innerhalb des h istorischen Dorfkerns gesichert worden. Um den Verlust von Bauland zu kompensieren, sei die Anr echenbarkeit der Freihaltezone be- schlossen worden (Nutzungsverlagerung); dies auch um sicherz ustellen, dass keine Verfahren wegen materieller Enteignung eingeleitet würden. Gemäss der Ortkernplanung 1990 hätten sich die hinter den an der Strasse stehenden Hauptgebäuden gelegenen Teile der Parzellen Nrn. 756, 1052, 1054, 1061, 1063 und 1066, also die Innenhöfe der genannten Grundstücke, in der “Kernergänzungszone 2A“ befunden. Gemäss Ortskernre glement 1990 sei es in dieser Zo- ne gestattet gewesen, zweigeschossige An- und Nebenbauten zu erstellen. Ein Drittel der Par- zellenfläche der Kernergänzungszonen habe als zusammengehö rende Grünfläche gestaltet werden können. Im Rahmen der Zonenplanrevision sei bez üglich der Innenhöfe dieser vorge- nannten Parzellen eine höhere Verdichtung der “Kernz one Bereich Hofstatt“ gewünscht, zumin- dest aber in Kauf genommen worden, um dafür im Gegenzug einen anderen Teil der genannten Grundstücke der baulichen Nutzung völlig zu entziehen und der Freihaltezone zuzuweisen. Nach den Bestimmungen der Ortskernplanung 1990 sei es mög lich gewesen, den unmittelbar hinter den Hauptbauten liegenden Teil der Kernergän zungszonen 2A sehr dicht oder gar völlig zu überbauen. Es sei dem Eigentümer nämlich völlig frei gestellt gewesen, wo er auf seinem Grundstück den Drittel Grünfläche ausweise. Faktisch sei mi t der verfahrensgegenständlichen Planung nicht nur eine Konzentration der bisher von j edem Eigentümer individuell nach seinem Gusto platzierten Grünfläche erreicht worden, sondern e in Gebiet der baulichen Nutzung völlig entzogen und die dadurch weggefallene Nutzung auf den verbleibenden Teil der Parzelle über- tragen worden, indem die Freifläche an die nachzuweisen de Grünfläche angerechnet werden könne. § 48 RBG kenne das Instrument der Nutzungskonzentration bei Teil- und Quartierplänen ausdrücklich. Gleiches müsse aber nach dem Sinn und Zweck a uch bei einer Gesamtzonen- planrevision möglich sein. Der kommunale Gesetzgeber habe sich hier also entschieden, durch einen planerischen Akt und ohne Grundeigentümer materiell zu enteignen, einen Teil der Grün- flächen zusammenhängend als Freiflächen zu konzentrieren und der baulichen Nutzung zu ent- ziehen. Der Nichtgenehmigungsentscheid führe somit zu ei nem vom Gesetzgeber gerade nicht gewollten Ergebnis, das zudem auch materielle Enteignungsforderungen auslösen könne. 6.3.1. Im KRIP (Objektblatt 2.2/D) wird unter dem Ti tel “Ortsbildschutz“ ausgeführt, dass an der langfristigen Erhaltung der gebauten Strukturen u nd Substanz sowie der sinnvollen Weiter- entwicklung der Nutzungsmöglichkeiten der typischen Baselb ieter Ortsbilder und ihrer Umge- bung ein kantonales Interesse bestehe. Im Rahmen der Or tsplanung (Ortbildschutz) hätten die Gemeinden insbesondere das Gewährleisten des Aussenraumes bzw. des Umgebungsschut- zes (Vorplätze, Vorgärten, Hofstattareal etc.) zu überpr üfen und gegebenenfalls in die Nut- zungsplanung aufzunehmen. Des Weiteren wird festgehal ten, dass Gelterkinden ein Ortsbild von nationaler Bedeutung habe (vgl. Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung [ISOS]). Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2. In der Wegleitung “Ortskernplanung“ des ARP v om Dezember 2002 wird ausgeführt, dass bei einem Ortskern von lokaler oder allenfalls regi onaler Bedeutung auch eine in die Orts- planrevision integrierte Ortskernplanung mit reduzierte n Plan- und Reglementinhalten möglich sei. Als Minimalinhalt der Kernzonen würden unter ande rem ein Vorgartenbereich und ein Hof- stattbereich gelten (S. 18 der Wegleitung). Weiter wi rd erklärt, der Hofstattbereich bilde als Grüngürtel einen wesentlichen Bestandteil des Dorfkern s. Er sei in diesem Charakter zu erhal- ten und dürfe durch die zugelassene bauliche Nutzung nicht zerstört werden. Im Hofstattbereich seien folgende Kleinbauten und Einrichtungen bis zu 10 % der Hofstattfläche zugelassen: Schöpfe, Abstellplätze sowie Garteneinrichtungen wie B runnen, Aussen-Cheminées. Für be- trieblich notwendige Bauten und Einrichtungen von vor bestandenen Landwirtschafts- und Ge- werbebetrieben könne die Gemeinde in Absprache mit de n zuständigen kantonalen Behörden Ausnahmen beantragen. 6.3.3. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass ge stützt auf den KRIP und das ISOS das Gewährleisten des Aussenraumes, wozu auch das Hofst attareal zählt, Aufgabe des Orts- bildschutzes ist und Gelterkinden ein Ortsbild von natio naler Bedeutung ist. Darauf stützt sich wiederum die Wegleitung “Ortskernplanung“ des ARP. W ie die Beschwerdeführerin zu Recht festhält, wird im KRIP nicht geregelt, wie gross dieser Grüngürtel zu sein hat. Lediglich die Wegleitung enthält die Umschreibung, dass der Hofstattb ereich als Grüngürtel einen wesentli- chen Bestandteil des Dorfkerns bildet. Auch diese Formul ierung beinhaltet keine Angaben über die erforderliche Grösse. Diesen Ausführungen der Besch werdeführerin kann gefolgt werden, jedoch kann dem KRIP einerseits die Bedeutung des Hofsta ttbereichs in Bezug auf ein Ortsbild von nationaler Bedeutung entnommen werden und andere rseits, dass diese Bedeutung nur erreicht werden kann, wenn der Hofstattbereich eine ge wisse Grösse aufweist. Im vorliegenden Fall liegen die an den Hofstattbereich angrenzenden Ha uptbauten in der Kernzone Bereich Hauptbauten. Innerhalb dieses Bereichs gibt es keine Nu tzungsziffer (Art. 4 Abs. 4 TZRS Orts- kern). Die Kernzone Bereich Hofstatt sieht ebenfalls kei ne Nutzungsziffer vor (Art. 5 Abs. 2 TZRS Ortskern). Damit ist auf beiden Bereichen grundsät zlich eine intensive Bebauung mög- lich. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, we nn der Regierungsrat zum Schluss kommt, dass bei einer Freihaltung von einem Drittel der in der Kernzone Hofstatt liegenden Flä- chenanteile der Parzelle die Gewährleistung des Aussenr aums nicht erreicht ist und er deshalb den Gemeinderat aufgefordert hat, das Mass der Nutzung in der Kernzone Hofstatt zu überprü- fen. 6.4.1. Die Beschwerdeführerin rügt vor allem auch, das s die Bestimmung, wonach die in der Freihaltezone liegenden Parzellenanteile dem Drittel zugerechnet werden dürften, nicht geneh- migt worden sei. 6.4.2. Die von der Beschwerdeführerin aufgezählten Pa rzellen haben zwischen dem Gebäu- de und der Strasse in der Kernzone einen Bereich Vorplatz (im Plan sandfarbig). Anschliessend befinden sich jeweils die Hauptbauten im Bereich Haupt bauten (im Plan rötlich). Auf der Rück- seite der Hauptbaute schliesst der Bereich Hofstatt an ( im Plan gelb) und daran wiederum die Freihaltezone (im Plan grün). Die Freihaltezone weist zum Teil eine beträchtliche Grösse auf. Würde die in Art. 5 Abs. 5 TZRS Ortskern vorgesehene An rechnung der in der Freihaltezone Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegenden Parzellenteile an dem Drittel des im Hofstat tbereich freizuhaltenden Flächenanteils zulässig sein, könnte das dazu führen, dass der gesamte Ho fstattbereich überbaut werden könnte. Damit wird der Sinn und Zweck des Hofstattbereich s, nämlich die Gewährleistung der Freihaltung zumindest eines gewissen Teils davon, vollkommen unterwandert. Der Regierungs- rat hat damit zu Recht, den umstrittenen Satz betreffend Anrechnung nicht genehmigt. 6.5.1. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, da ss § 48 RBG eine Nutzungskonzent- ration bei Teil- und Quartierplänen ausdrücklich vorseh e. Gleiches müsse aber nach dem Sinn und Zweck auch bei einer Gesamtplanrevision möglich sein. 6.5.2. Nach § 48 Abs. 1 RBG können die Gemeinden bei der Aufhebung eines Teils einer Bauzone die wegfallende Nutzung über Teilzonen- oder Quartierpläne durch Nutzungskonzent- ration auf den verbleibenden Teil der Bauzone verlage rn. Wie der Regierungsrat in seiner Ver- nehmlassung ausführt, geht es bei § 48 RBG um wegfallende Nutzung aufgrund der Aufhebung eines Teils einer Bauzone. Die dadurch wegfallende Nutz ung soll durch Teilzonenpläne oder Quartierpläne und damit im Rahmen der Planung auf den verbleibenden Teil der Bauzone ver- lagert werden, womit dort eine Nutzungskonzentration stattfindet (vgl. zum Nutzungstransport: HÄNNI , a.a.O., S. 322 f.). Durch dieses Vorgehen entsteht ein neues Teilgebiet, welches nicht mehr bebaut werden darf und ein “Konzentrationsgebie t“, welches intensiver bebaut werden darf. Das frei zu haltende Gebiet und das Gebiet, wel ches intensiver genutzt werden kann, sind damit bereits im Plan klar definiert. Bei der von der Gemeinde gewünschten Bestimmung ist das frei zu haltende Gebiet im Hofstattbereich im Plan nich t definiert. Erst im Baugesuchsverfahren würde sich herausstellen, welcher Teil des Hofstattbere ichs und ob überhaupt ein Teil des Hof- stattbereichs von einer Bebauung frei bleiben würde. Be i der von der Gemeinde gewünschten Form der Anrechnung geht es somit um eine Massnahme, we lche keinesfalls mit der in § 48 Abs. 1 RBG umschriebenen planerischen Massnahme vergleic hbar ist. Damit kann § 48 RBG auch nicht als gesetzliche Grundlage für die kommunale B estimmung betreffend Anrechnung herangezogen werden. 6.6. Die Beschwerdeführerin erläutert in ihrer Beschwe rde, wie es zu der gewünschten Re- gelung gekommen ist. Im vor der Planrevision geltenden Plan lag bezüglich der von der Be- schwerdeführerin genannten Parzellen der ganze Bereich hinter den Hauptbauten im Bereich Kernergänzung 2A. Dieser Bereich Kernergänzung wurd e bei den von der Beschwerdeführerin zitierten Parzellen mit der Revision neu in einen Bere ich Hofstatt (unmittelbar hinter den Haupt- gebäuden) und einen Bereich Freihaltezone (an den Be reich Hofstatt anschliessend) unterteilt. Gemäss “Ortskernplanung, Baureglement“ vom 23. Januar 19 90 waren im Bereich Kernergän- zung 2A zweigeschossige An- und Nebenbauten erlaubt (Zif f. III.3.1), wobei ein Drittel der in den Kernergänzungszonen liegenden Flächenanteile der Parzellen freizuhalten und als zu- sammenhängende Grünflächen zu gestalten waren (Ziff. I I.2.2). Es ist der Beschwerdeführerin beizupflichten, dass erst durch die Schaffung einer Freiha ltezone gewährleistet wird, dass neu eine parzellenübergreifende zusammenhängende Grünflä che geschaffen bzw. beigehalten wird. Dies ändert jedoch nichts daran, dass dies nur mit einem – wie oben ausgeführt – unzu- lässigen Mass an Bebaubarkeit des Hofstattbereichs erreicht wird. Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.7. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass der R egierungsrat zu Recht den fragli- chen Satz betreffend Anrechnung nicht genehmigt und die Überprüfung des Masses der Nut- zung in der Kernzone Bereich Hofstatt angeordnet hat. Die Beschwerde ist folglich in diesem Punkt abzuweisen. 7. Ziff. 1.21 des RRB: “Redaktionelle Korrekturen un d Hinweise zu Zonenreglement Siedlung und Teilzonenreglement Siedlung ‘Ortskern‘“ 7.1. Art. 10 Abs. 4 des ZRS und Art. 13 Abs. 3 TZRS Or tskern sehen vor, dass soweit seit Inkrafttreten dieses Reglements kantonale oder kommunale Inventare der Bevölkerung zur Kenntnis gebracht worden sind, sie als Entscheidhilfe fü r die Beurteilung der schutzwürdigen Bausubstanz beigezogen werden können. Der Regierungsrat s trich diese Bestimmung mit der Begründung, dass es dem Gemeinderat frei stehe, für di e Beurteilung von Baugesuchen bei geschützten Bauten Fachgutachten oder Inventare als Entscheidhilfen beizuziehen. Dazu brau- che es weder Bestimmungen im Zonenreglement noch neue Verfahren. Die Beschwerdeführerin moniert, es handle sich bei diese r Streichung nicht lediglich um eine redaktionelle Korrektur, sondern um eine materielle Ä nderung. Die Frage, ob es sich hierbei lediglich um eine redaktionelle Korrektur oder um ein e materielle Änderung handelt, kann offen gelassen werden, da die Streichung – unter welchem Ti tel auch immer – zu Recht erfolgt ist. Durch diese Bestimmung wollte die Gemeinde verhindern , dass kantonale und kommunale In- ventare, welche der Bevölkerung nicht zur Kenntnis gebracht worden waren, als Entscheidhilfen für die Beurteilung der schutzwürdigen Bausubstanz beige zogen werden können. Damit schafft die Gemeinde eine Voraussetzung für die Anwendbarkeit solcher Inventare im Baubewilli- gungsverfahren, welche im RBG und in der RBV nicht vorg esehen ist. Das Baubewilligungswe- sen wird im RBG und RBV abschliessend geregelt. Der Gem einde steht keine zusätzliche Re- gelungskompetenz zu, sie darf damit Verfahren und Zustän digkeiten nicht ändern und auch keine neue einführen. Damit hat der Regierungsrat die hier genannten Passagen zu Recht nicht genehmigt, weshalb die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen ist. 7.2.1. Art. 11 Abs. 1 TZRS Ortskern statuiert die zulässi ge Nutzung in der Freihaltezone. Art. 11 Abs. 2 TZRS Ortskern besagt Folgendes: “Der Geme inderat kann für Abweichungen – insbesondere für Pflichtparkplätze und deren Erschliessung – Ausnahmen beantragen, diese jedoch mit Gestaltungsauflagen versehen. … “. Der Regi erungsrat hat den Einschub “– insbesondere für Pflichtparkplätze und deren Erschli essung –“ gestrichen und damit nicht genehmigt. Der Regierungsrat begründet die Nichtgeneh migung damit, dass nach § 7 RBV der Gemeinderat in Abwägung aller öffentlichen und privat en Interessen sowie in Würdigung der besonderen Umstände des Einzelfalles der Baubewilligung sbehörde schriftlich begründet Aus- nahmen beantragen könne. Konkrete Ausnahmetatbestände gehörten dementsprechend nicht in ein Zonenreglement. Um Missverständnisse zu vermeiden, werde daher der Zusatz betref- fend Parkplätze im Sinne einer redaktionellen Korrektur gestrichen. Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.2. Die Beschwerdeführerin moniert, es handle sich a uch bei dieser Streichung nicht ledig- lich um eine redaktionelle Korrektur, sondern um eine materielle Änderung. Die Frage, ob es ich hierbei lediglich um eine redaktionelle Korrektur ode r um eine materielle Änderung handelt, kann offen gelassen werden, da die Streichung zu Recht erfolgt ist. 7.2.3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die gestr ichene Passage widerspreche nicht § 7 RBV. § 7 Abs. 1 RBV sieht vor, dass der Gemeinderat in Abwägung öffentlicher und privater Interessen sowie in Würdigung der besonderen Umstände des Einzelfalles der Baubewilli- gungsbehörde schriftlich begründet Ausnahmen beantrage n kann. § 7 Abs. 2 RBV statuiert, wann dies, sofern die Gemeinden nicht andere Bestimmu ngen erlassen haben, insbesondere gilt. Dabei werden in § 7 Abs. 2 RBV allgemeine Zie lsetzungen genannt, wie z.B. wenn die An- wendung der Vorschriften eine architektonisch und städtebaulich vernünftige Lösung verunmög- licht oder wenn damit eine bessere Einpassung in den erh altenswerten Ortskern erreicht wird. Weiter genannte Beispiele sind z.B. besondere Umstände, wie wenn der für die Bemessung der Sockelgeschosshöhe massgebende natürliche Terrainverlauf inf olge Strassenbauten wesent- lich verändert wurde oder bei der Sockelgeschosshöhe, wen n besondere topographische Ver- hältnisse vorliegen und die Gebäudehöhe eingehalten w ird. Aus dieser Bestimmung ist ersicht- lich, dass in jedem Fall eine Würdigung des Einzelfalles vorzunehmen ist und keine grundsätzli- che Bevorzugung einer Kategorie – wie vorliegendenfall s der Pflichtparkplätze und deren Er- schliessung – zulässig ist. Damit hat der Regierungsrat de n Einschub bezüglich Pflichtparkplät- ze zu Recht nicht genehmigt und die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen. 7.3.1. Der Beschwerdegegner hat den “Teilzonenplan Or tskern“ in “Teilzonenplan Siedlung Ortskern“ und das “Teilzonenreglement Ortskern“ in “Teilzo nenreglement Siedlung Ortskern“ unbenannt. Dagegen wehrt sich die Beschwerdeführerin mit der Begründung, der Name Teilzo- nenplan Siedlung Ortskern bzw. Teilzonenreglement Sied lung Ortskern könne Verwirrung schaffen, da es für den Laien schwierig sein könne, zwisch en Teilzonenplan Siedlung Ortskern und Zonenplan Siedlung und zwischen Teilzonenreglement Siedlung Ortskern und Zonenreg- lement Siedlung zu unterscheiden. Im Weiteren verweist die Beschwerdeführerin auf die Weg- leitung des ARP, worin ein Beispiel einer Ortsplanung enthalten sei, welche als Teilzonenplan Ortskern und nicht Teilzonenplan Siedlung Ortskern beze ichnet werde. Indem der Regierungs- rat die Bezeichnung des Planes ohne weitere Begründung unbenannt habe, habe er seine Prü- fungsbefugnis überschritten. 7.3.2. Der Regierungsrat führt in seiner Vernehmlassung aus, dass es für diese Umbenen- nung triftige sachliche Gründe gebe. Die Unterscheidun g zwischen Zonenplan Siedlung und Zonenplan Landschaft bzw. Teilzonenplan Siedlung und T eilzonenplan Landschaft und die dar- aus resultierenden Kürzungen bei den Inventarnummern w ürden den Namen der offiziellen Do- kumente entsprechen und so auch von den Datenverwaltun gsstellen archiviert. Diese Einheit- lichkeit zwischen Benennung, Inventarbezeichnung und Erfa ssungsbegriff in der Datenverwal- tung stelle die Auffindbarkeit sicher und entspreche d amit einem höherwertigen Interesse. Die Gemeinde hingegen könne sich auf ein solches Interesse nic ht berufen. Dies gelte umso mehr, als es lediglich um die Benennung in den offiziellen Do kumenten gehe. Wie die Gemeinde ihre Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pläne und Reglemente auf ihrer eigenen Homepage und im internen kommunalen Gebrauch benenne, stehe der Gemeinde hingegen frei. 7.3.3. Das Kantonsgericht geht mit der Beschwerdeführer in einig, dass die Bezeichnungen Teilzonenplan Siedlung Ortskern und Teilzonenreglement Siedlung Ortskern sicherlich holpriger sind als die Bezeichnungen Teilzonenplan Ortskern und Te ilzonenreglement Ortskern. Den Ausführungen des Regierungsrats ist aber aus sachlich trif tigen Gründen zu folgen. Darin ist auch keine Überschreitung der Prüfungsbefugnis des Regi erungsrats zu sehen. Daran ändert auch nichts, dass die Wegleitung des ARP ein Beispiel fü r einen Teilzonenplan Siedlung Orts- kern enthält und dieser den Titel Teilzonenplan Ortsker n und nicht Teilzonenplan Siedlung Ortskern trägt (http://www.arp-daten.bl.ch/arpdaten/pu blikationen/ortskernplanung.pdf). Die Be- schwerde ist in diesem Punkt abzuweisen, falls die Beschwerde führerin durch diese Umbenen- nung überhaupt beschwert ist. 8. Ziff. 1.26 des RRB: “Neue Zufahrt auf Kantonsstra sse im Gebiet ‘Lachmatt‘ im Strassennetzplan Siedlung“ 8.1.1. Die Gemeinde hat eine Umzonung des Gebietes von ehemals Landwirtschaftszone bzw. ehemals Spezialzone für Intensiverholung in eine ne ue Zone für Sport- und Freizeitanla- gen “Lachmatt-Wolfsteige“ vorgenommen. Die Erschliessun g der neuen Zone soll von der Kan- tonsstrasse, nämlich der Tecknauerstrasse, im Bereich der östlichen Badibrücke (Rütteberg- weg) zum neuen zentralen Parkplatz südöstlich des Hallen-/Freibadareals erfolgen. 8.1.2. Der Regierungsrat hat diese Erschliessungsstrasse ni cht genehmigt. Die Nichtgeneh- migung hat er in seinem Beschluss vom 25. August 2015 da mit begründet, dass diese Zufahrt bereits mit Regierungsratsbeschluss Nr. 596 vom 24. April 2007 von der Genehmigung ausge- nommen worden sei. Diesen Entscheid habe das Kantonsge richt mit Urteil vom 12. März 2008 (Verfahrensnummer 810 07 170) geschützt. Seither habe sich die Rechtslage nicht geändert und von der Gemeinde seien auch keine neuen entscheidre levanten Argumente vorgebracht worden. Die neue Zufahrt käme im Ausserortsbereich mit allgemeiner Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h zu liegen. Erschliessungen von Baugebieten hät ten über das kommunale Stras- sennetz zu erfolgen. Ausnahmen würden nur gewährt, we nn die gesetzeskonforme Erschlies- sung nicht möglich sei oder zwingende Verhältnisse vorlie gen würden. Für die Zone für öffentli- che Werke und Anlagen “Hallen- und Freibad“ bestünde schon eine Zufahrt über den Knoten Lachmattstrasse/Tecknauerstrasse. Schwerwiegende Argumente , welche eine neue Zufahrt zuliessen, seien keine ersichtlich. Die zusätzliche Belastung an Mehrverkehr, Abgasen und Lärm sei für das angrenzende Wohnquartier marginal. Im Extremfall (Samstag bei schönem Wetter im Sommer mit parallelem Betrieb von Freibad, Tennisanlagen und Fussballplatz) wür- den gemäss Berechnungen der Gemeinde lediglich je 40 Zu - und Wegfahrten in der Spitzen- stunde verzeichnet werden. Ausserhalb von solchen einzelnen Höchstbelastungen sei das Ver- kehrsaufkommen so gering, dass kein Rückstau bei der Ausfah rt auf die Kantonsstrasse und somit auch kein Schleichverkehr durchs Lachmattquartier zu erwarten sei. Das durch den Aus- bau leicht erhöhte Verkehrsaufkommen sei bescheiden und beschränke sich auf eine Länge Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 120 m auf der Lachmattstrasse, die im Übrigen im S trassennetzplan als Sammelstrasse ausgeschieden sei. 8.1.3. Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerd e im Wesentlichen geltend, dass der Regierungsrat die vorgesehenen Projekte und die Zusage d er Polizei, die Geschwindigkeitsbe- schränkung auf der Kantonsstrasse an der Ortseinfahrt weit er ortsauswärts Richtung Tecknau zu versetzen, bei seinem Entscheid nicht berücksichtigt habe . Damit sei die Lage anders als zum Zeitpunkt des Kantonsgerichtsurteils vom 12. März 2008 und eine Erschliessung über die Kantonsstrasse zulässig. 8.2.1. Nach § 5 Abs. 1 des Strassengesetzes (Strassengesetz) vom 24. März 1986 werden die Kantonsstrassen in Hochleistungsstrassen, Hauptverkehr sstrassen und übrige Kantons- strassen unterteilt. Nach lit. c dieser Bestimmung verbind en die übrigen Kantonsstrassen ein- zelne Ortschaften untereinander; sie stellen in der Re gel die Verbindung zu den kantonalen Hauptverkehrsstrassen her. Gemäss § 6 Abs. 1 Strassengesetz sin d Gemeindestrassen alle öffentlichen Strassen, die weder Nationalstrassen noch Kantonsstrassen sind. Sie dienen vor- wiegend dem Verkehr innerhalb einer Gemeinde, erschlie ssen die Baugebiete und stellen die Verbindung zu den Kantonsstrassen her. 8.2.2. Die Gemeinde hatte bereits an der Einwohnerge meindeversammlung vom 14. Juni 2006 die Mutation des Strassennetzplanes Siedlung im Be reich “Lachmatt-Wolfstiege“ be- schlossen. Vorgesehen war die neue Erschliessungsstrasse (Rüt tebergweg) mit einer direkten Zufahrt zur Kantonsstrasse (Tecknauerstrasse). Der Regier ungsrat genehmigte diese neue Er- schliessungsstrasse mit Beschluss Nr. 596 vom 24. April 2007 nicht. Das von der Gemeinde angerufene Kantonsgericht schützte den Regierungsratsbesc hluss und führte in seinem Ent- scheid vom 12. März 2008 (Verfahrensnummer 810 07 170) im Wesentlichen aus, dass der bisherige Anschluss an das betreffende Gebiet via Lachmatt strasse verkehrstechnisch alle An- forderungen erfülle. Es liege keine Notwendigkeit einer neuen Einmündung in die Kantonsstras- se vor. Des Weiteren könne eine weitere Erschliessung auf die Kantonsstrasse aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht genehmigt werden. Die Gemeinde habe keine Gründe für eine wei- tere Ein- bzw. Ausfahrt auf die Tecknauerstrasse vorbrin gen können. Im Gegenteil verstosse die von der Gemeinde schliesslich beschlossene Variante gege n sicherheitsrechtliche Anforde- rungen an die Einmündung von Gemeindestrassen in Kan tonsstrassen. Die Übersichtlichkeit sei an der betreffenden Stelle nicht gewährleistet un d durch die erhöhte Geschwindigkeit der Fahrzeuge im besagten Bereich würde ein nicht zu akzep tierender Gefahrenherd geschaffen, der unter Umständen zu schweren Unfällen führen könne . Der Regierungsrat sei damit zu Recht zum Schluss gekommen, dass keine Ausnahmesituation gege ben sei und die Erschlies- sung über die bestehende Lachmattstrasse stattzufinden habe. 8.2.3. Die Beschwerdeführerin macht nun geltend, dass die bereits damals erwähnte Vermin- derung der Gefährdung durch eine Reduktion der Geschwi ndigkeit von 80 km/h auf 50 km/h im Bereich der Einmündung Rüttebergweg nun realistisch sei . Nach einer Besprechung der Ge- meinde mit der Polizei Basel-Landschaft, Abteilung Ver kehrstechnik, vor Ort am 13. Dezember 2012 sei diese zum Schluss gekommen, dass die Signalisation im Bereich der Ortseinfahrt Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tecknauerstrasse im Zusammenhang mit der Realisierung neu er Projekte (insbesondere das aktuelle Projekt eines neuen Hallenbades) innerhalb der Sportzone überprüft und gegebenen- falls angepasst werden könne. Zwar befänden sich die Proj ekte des Hallenneubaus, des Baus einer Tennishalle und von Tennisplätzen sowie weitere r Sportanlagen zurzeit noch in Planung. Immerhin sei aber das Baugesuch für das Hallenbad der G emeinde im Amtsblatt vom 5. No- vember 2015 bereits publiziert worden. Die Voraussetzungen für eine Anpassung der Signalisa- tion seien somit im heutigen Zeitpunkt zwar noch nich t definitiv gegeben. Sobald die Projekte jedoch umgesetzt würden, sei davon auszugehen, dass die Polizei für eine Erschliessung des Parkplatzes via Tecknauerstrasse Hand biete. Auf diese neue Ausgangssituation sei der Regie- rungsrat mit keinem Wort eingegangen. Somit könne keine Rede davon sein, dass ein neuer Anschluss an die Tecknauerstrasse die Verkehrssicherheit gefäh rde. In der Eingabe vom 20. September 2016 weist die Beschwerdeführerin darau f hin, dass auch an der Rünenberg- strasse in Gelterkinden die Ortstafel und die Tafel mit Tempo 50 km/h um 120 m Richtung Rünenberg verschoben worden sei (Publikation im Amtsbla tt Nr. 33 vom 18. August 2016). Die Beschwerdeführerin weist auch auf eine andere Verschieb ung von Tempolimiten bei der Kan- tonsstrasse von Tecknau Richtung Zeglingen und erklärt, d ass der Kanton Tempolimitien auf den Kantonsstrassen ständig den Gegebenheiten anpasse. 8.2.4. Der Regierungsrat macht in seiner Vernehmlassung im Wesentlichen geltend, dass die grundsätzliche Bereitschaft der Verkehrspolizei, die Signal isationsanpassung nach Erstellung der Projekte vorzunehmen, zutreffen möge. Zwar sei die Zonenplanung tatsächlich für einen Zeithorizont von ungefähr 15 Jahren vorgesehen, dies ändere aber indes nichts daran, dass die Zulässigkeit der vorgesehenen Planung an dem zum Beurt eilungszeitpunkt geltenden Recht zu messen sei und nicht an künftig allfällig eintretenden veränderten Rechtslagen. 8.3. Den obigen Ausführungen entsprechend haben gemäs s Strassengesetz die Gemein- destrassen die Baugebiete zu erschliessen. Ausnahmen sind nur unter besonderen Vor- aussetzungen zulässig. Wie das Kantonsgericht im Entscheid vom 12. März 2008 bereits fest- hielt, erfüllt der Anschluss an das betreffende Gebiet via Lachmattstrasse verkehrstechnisch alle Anforderungen. Es liegt keine Notwendigkeit ei ner neuen Einmündung in die Kantonsstras- se vor. Das war auch das Hauptargument für die Abweisung der damaligen Beschwerde der Gemeinde. Das Argument, dass die damals nicht genehmigt e kommunale Variante gegen si- cherheitsrechtliche Anforderungen unter anderem wegen der bei der Einfahrt in die Kantons- strasse geltenden Tempolimite von 80 km/h verstosse, war “l ediglich“ eine zusätzliche Begrün- dung für die Abweisung der Beschwerde. Der Regierung srat erklärt im vorliegenden Fall, dass auch aufgrund des zu erwartenden Mehrverkehrs von ledigl ich je 40 Zu- und Wegfahrten in der Spitzenstunde die Erschliessung über die Lachmattstrasse genügend sei. Damit hat er auch die neue Situation betreffend Mehrverkehr berücksichtigt. Besteht keine Notwendigkeit einer neuen Einmündung in die Kantonsstrasse, ist irrelevant, ob ei ne Verschiebung der Tempolimite 50 km/h eine genügende Verkehrssicherheit bieten würde. Aus den Argumenten der Beschwer- deführerin, dass der Kanton Tempolimiten auf den Kan tonsstrassen ständig den Gegebenhei- ten anpasse, kann die Beschwerdeführerin somit nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die Be- schwerde ist damit in diesem Punkt abzuweisen. Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Ziff. 1.28 des RRB: “Änderung Ersatzabgabereglemen t“ 9.1.1. Die Beschwerdeführerin hat in ihrem Reglement über die Ersatzabgabe für Parkplätze in Art. 1 einen Abs. 3 eingefügt, gemäss welchem keine Ersatzabgabe geschuldet ist, wenn im Rahmen des Baugesuchverfahrens nachgewiesen wird, dass mögliche Parkplätze aufgrund der Bestimmung der im TZPS Ortskern festgelegten überlagernden Zone “Geschützte Gärten“ nicht erstellt werden können. Der Regierungsrat hat diese Be stimmung nicht genehmigt mit der Be- gründung, sie verletze das RBG. 9.1.2. Nach § 106 Abs. 1 RBG dürfen die Erstellung, de r Umbau und die Zweckänderung von Bauten und Anlagen, für die ein Abstellplatzbedarf f ür Motorfahrzeuge und Fahrräder besteht, nur bewilligt werden, wenn eine bestimmte Anzahl Abst ellplätze ausgewiesen wird. Gemäss § 107 Abs. 1 RBG entrichtet die Bauherrschaft eine Ersat zabgabe an die Gemeinde, sofern die notwendigen Abstellplätze aus rechtlichen oder tatsächli chen Gründen nicht oder nur mit un- verhältnismässig hohem finanziellem Aufwand erstellt werden können. 9.2.1. Die Beschwerdeführerin erklärt, dass gemäss Art. 1 5 TZRS Ortskern die im TZPS Ortskern bezeichneten Gärten als gestaltetes Grünelement in ihrer Ausdehnung zu erhalten seien, wobei die Gestaltung frei sei. Die Bestimmung über die geschützten Gärten solle die ver- bleibenden oder wieder neu hergestellten Gärten schüt zen. Diese Bestimmung sei vom Regie- rungsrat genehmigt worden. Die Parzellen Nr. 979, 107 2, 1073, 1074, 739 und 655 befänden sich neu partiell in der Zone “geschützte Gärten“. Bishe r hätten sich diese Grundstücke in der Gestaltungszone befunden. In der Gestaltungszone sei die Erstellung von Parkplätzen aus- drücklich erlaubt gewesen. Art. 1 Abs. 3 Ersatzabgabereg lement sei eine Folge der neuen Be- stimmung betreffend geschützte Gärten. Die betroffenen Liegenschaftsbesitzer, welche auf- grund der Schutzbestimmung mögliche Parkplätze nicht erste llen könnten, sollten entlastet werden. Für den kommunalen Gesetzgeber sei von Anfang an klar gewesen, dass nur dann Gärten unter Schutz gestellt werden sollten, wenn die von dieser Unterstellung betroffenen Grundeigentümer in Bezug auf die dadurch verunmöglichte Erstellung weiterer Parkplätze nicht (zusätzlich) belastet würden. Die Nichtgenehmigung der M utation des Parkplatzersatzabgabe- reglements reisse diese Konnexität auseinander und schaff e eine vom kommunalen Gesetzge- ber überhaupt nicht gewollte Rechtslage. Der Regierun gsrat hätte diese Angelegenheit in ihrer Gesamtheit betrachten müssen und konsequenterweise nicht nur die Zone der “geschützten Gärten“, sondern in diesem Zusammenhang eben auch d ie Änderung des Ersatzabgaberegle- ments genehmigen müssen. Die Belastung mit der überlagernden Zone “geschützte Gärten“ sei als Natural-Ersatzabgabe zu betrachten. 9.2.2. Die Ausführungen der Gemeinde sind nachvollzieh bar. Die Beschwerdeführerin wollte die eigentumseinschränkenden Folgen der Umzonung von Gestaltungszone in Zone “geschütz- te Gärten“ teilweise abfedern, indem sie die Eigentü mer der betroffenen Parzellen unter gewis- sen Voraussetzungen von der Parkplatzersatzabgabepflicht befreite. Dies vermag aber nichts daran zu ändern, dass die fragliche Regelung das kantonale Recht (§ 107 Abs. 1 RBG) verletzt, welches keine grundsätzliche Befreiung von der Ersatzabgabe kennt. Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3.1. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, d as Reglement über die Ersatzabgabe für notwendige Abstellplätze vom 17. Oktober 2003 der Gemeinde Muttenz sehe in § 7 eben- falls Ausnahmen von der Entrichtung einer Ersatzabgabe v or. Indem der Regierungsrat das Ersatzreglement der Gemeinde Muttenz genehmigt habe, d as von der Gemeinde Gelterkinden aber nicht, habe es willkürlich gehandelt und das Gebot der rechtsgleichen Behandlung verletzt. 9.3.2. § 7 des Ersatzabgabereglements der Gemeinde Mutt enz statuiert, dass in besonderen Fällen der Gemeinderat bei der Baubewilligungsbehör de Ausnahmen beantragen könne. Dies gelte insbesondere dann, wenn notwendige Parkplätze zwa r erstellbar wären, darauf aber zum Schutz des Orts- und Strassenbildes verzichtet werden solle. 9.3.3. Die Regelung der Gemeinde Muttenz sieht – ande rs als die Regelung der Beschwerde- führerin – keine generelle Befreiung von der Parkpl atzersatzabgabepflicht vor. Nötig ist im Fall der Gemeinde Muttenz eine Prüfung des Einzelfalles. Di e beiden Bestimmungen sind damit nicht vergleichbar, weil diejenige der Beschwerdeführer in eine generelle Befreiung von der Er- satzabgabepflicht vorsieht, diejenige von der Gemeinde M uttenz eine individuelle Prüfung be- sonderer Einzelfälle. Die Nichtgenehmigung ist deshalb rechtmässig erfolgt. Die Beschwerde ist somit in diesem Punkt abzuweisen. 10. Ziff. 2.1 des RRB: “Kommunale Gestaltungsbaulini e im Bereich des baugesetzli- chen Abstands an Kantonsstrassen“ 10.1. Der Regierungsrat hat im TZPS Ortskern die kommun ale Gestaltungsbaulinie auf der Parzelle Nr. 1007 zwischen den Häusern Nr. 1 und Nr. 3 a n der Schulgasse mit der Begrün- dung nicht genehmigt, der Kanton habe die Kompetenz zu m Erlass einer Baulinie an der Kan- tonsstrasse nicht der Gemeinde übertragen. 10.2.1. Nach § 12 RBG kann der Kanton zur Erfüllung seiner Aufgaben kantonale Nutzungs- pläne erlassen. Diese dienen unter anderem insbesond ere der Erstellung bzw. dem Ausbau von Verkehrsanlagen (Abs. 1). Die kantonalen Nutzungspl äne können Bau- und Strassenlinien für nationale und kantonale Verkehrsflächen bestimmen (Abs. 2 lit. b). Nach § 12 Abs. 3 RBG i.V.m. § 5 RBV kann die Gemeinde nach dem Verfahren der kommunalen Nutzungsplanung entlang von Kantonsstrassen Baulinien ziehen, sofern die BUD nach entsprechender Anfrage durch die Gemeinde darauf verzichtet, die Baulinie selbst zu ziehen. Die Gemeinden können im Rahmen ihrer Nutzungsplanung Baulinien festlegen, sofer n nicht der Kanton zuständig ist oder der Kanton auf die Festlegung von Baulinien verzichtet (§ 49 Abs. 1 RBG). Die Gemeinden können hinter den kantonalen Baulinien eigene legen (§ 49 Abs. 2 RBG). Nach § 95 Abs. 1 lit. a RBG gelten, wo die Baulinien nichts anderes vorsehen, für Bauten an Kantonsstrassen 5 m von der Strassenlinie, jedoch mindestens 10 m von der Strass enachse. Baulinien gehen den Vor- schriften über den Abstand der Bauten von Verkehrswegen vor (§ 96 Abs. 2 RBG). Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2.2. Aus diesen gesetzlichen Bestimmungen ergibt sich , erstens, dass die Gemeinde nur Baulinien an Kantonsstrassen erlassen darf, wenn der K anton darauf verzichtet, und zweitens, dass die Gemeinde Baulinien entlang von Kantonsstrassen festlegen darf, sich diese aber hin- ter den kantonalen Baulinien befinden müssen. 10.2.3. Der Regierungsrat führt aus, der Kanton habe vorliegendenfalls nicht auf die Festle- gung von Baulinien entlang der Kantonsstrasse verzichtet, so dass die Gemeinde nicht zur Festlegung der Baulinie befugt gewesen wäre. Im Weit eren halte die kommunale Gestaltungs- baulinie den gesetzlichen Minimalabstand von kantonalen Verkehrswegen nicht ein. Der Regie- rungsrat habe diese Gestaltungsbaulinie demzufolge nich t genehmigen können. Die Beschwer- deführerin macht weder geltend, dass der Kanton auf di e Festlegung einer Baulinie verzichtet habe, noch dass die kommunale Baulinie den gesetzlichen Minimalabstand einhalte. Aufgrund der oben genannten Bestimmungen hat der Regierungsrat die Gestaltungsbaulinie zu Recht nicht genehmigt. Daran ändern auch die weiteren Einw endungen der Beschwerdeführerin nichts. 10.3.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die Parzelle Nr. 1007 bereits mit den Häusern Schulgasse Nr. 1 und 3 überbaut sei. Namentlich entlang der Schulgasse (z.B. Parzel- le Nr. 2521) und der Tecknauerstrasse (z.B. Parzelle Nr. 688) unterschreite die Gestaltungs- baulinie gemäss den TZPS Ortskern vom 30. Juni 2014 eben falls den gesetzlichen Minimalab- stand zu Kantonsstrassen. Dennoch habe der Regierungsrat di ese Gestaltungsbaulinien ge- nehmigt. Die Nichtgenehmigung der Gestaltungsbaulini e nur im Bereich der Parzelle Nr. 1007 erweise sich somit als willkürlich. 10.3.2. Der Regierungsrat führt in seiner Vernehmlassu ng aus, dass bei den auf den anderen Parzellen bereits genehmigten Gestaltungsbaulinien vorg ängig bereits kantonale Baulinien ausgeschieden worden seien und nach § 49 Abs. 2 RBG di e Gemeinden hinter den kantonalen Baulinien eigene legen könnten. Den Gemeinden würde in der Praxis auch zugestanden, auf ausgeschiedenen Kantonsbaulinien aus Gründen des Ortsb ildschutzes kommunale Gestal- tungsbaulinien zu legen. 10.3.3. Diese Ausführungen blieben von der Beschwerdefü hrerin unbestritten. Auf den ande- ren von der Beschwerdeführerin genannten Parzellen d urfte damit der gesetzliche Minimalab- stand unterschritten werden, weil auf den Parzellen ein e kantonale Baulinie gelegt worden war und sich die kommunale auf oder hinter der kantonalen B aulinie befand, womit das RBG nicht verletzt wurde. Auf dem Teil der Parzelle Nr. 1007, au f welchem die Gestaltungsbaulinie nicht genehmigt wurde, befand sich keine kantonale Baulinie und es lag auch kein Verzicht des Kan- tons auf Erlass einer Baulinie vor, so dass die Gemeinde nicht befugt war, die von ihr vorgese- hene Gestaltungsbaulinie festzulegen. Es ist demzufolge nicht zu beanstanden, dass der Re- gierungsrat auf der Parzelle Nr. 1007 die kommunale G estaltungsbaulinie nicht genehmigt hat und auf anderen Parzellen kommunale Gestaltungsbaulin ien genehmigt wurden, welche die gesetzlichen Minimalabstände nicht einhalten. Seite 38 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.4.1. Die Beschwerdeführerin zitiert in ihrer Beschwe rde § 96 RBG und § 97 Abs. 2 RBG und verweist anschliessend diesbezüglich auf die E. 4.b eines Entscheids des Kantonsgerichts vom 7. November 2001 (Urteil des Kantonsgerichts [ehema ls Verwaltungsgericht] Nr. 225 vom 7. November 2001 i.S. S.H. und P., in: Basellandschaf tliche Verwaltungsgerichtsentscheide [BLVGE] 2001 S. 64 ff.). Weitere Ausführungen macht sie weder zu den zitierten Gesetzesbe- stimmungen noch zum genannten Kantonsgerichtsentscheid. 10.4.2. Nach § 96 Abs. 2 RBG gehen Baulinien den Vorsch riften gemäss § 95 RBG über den Abstand der Bauten von Verkehrswegen vor. Gemäss § 97 Abs. 2 RBG legen Gestaltungsbau- linien die Flucht eines Gebäudes verbindlich fest (erste r Satz). Den Gestaltungsbaulinien gleichgesetzt sind die im Rahmen der Zonenplanung ausg eschiedenen Gebäudegrundrisse oder Baufelder (zweiter Satz). In der von der Beschwer deführerin genannten E. 4.b des KGE VV vom 7. November 2001 wird lediglich der § 96 Abs. 2 RBG zitiert und ausgeführt, dass der zweite Satz dieser Bestimmung nicht im regierungsrät lichen Entwurf zum RBG enthalten gewesen, sondern erst durch die Spezialkommission RBG hi nzugefügt worden sei. Des Weite- ren wurde erklärt, dass die Frage, welche Aussage dem zwe iten Satz dieser Bestimmung bei- zumessen sei, offen gelassen werden könne. Aus den Ausf ührungen der Beschwerdeführerin ist nicht ersichtlich, welche Rechte sie aus dieser Bestimm ung ableitet. Die Bestimmung des § 96 Abs. 2 RBG vermag auch nicht die im RBG statuierte Kompetenzverteilung zur Baulinien- festlegung an Kantonsstrassen zwischen Kanton und Gemeinde umzustossen, so dass die Be- schwerdeführerin aus dieser Bestimmung nichts zu ihren Gu nsten ableiten kann. Die Be- schwerde ist demzufolge in diesem Punkt abzuweisen. 11. Ziff. 2.2 des RRB: “Naturschutzzone im Gebiet ‘ Zangegrabe/In der Wältschi ‘“ 11.1.1. Die Gemeinde hat gemäss dem revidierten ZPL im Gebiet “Zangegrabe/In der Wält- schi“ die ehemals bzw. immer noch aktuell rechtsgültige Naturschutzzone G36 aufgehoben. Der Regierungsrat hat die Aufhebung im östlichen und südli chen Teil, wo sie nicht vom kantonal geschützten Naturobjekt “Zangenweidli“ überlagert wird , nicht genehmigt. Er begründet die Nichtgenehmigung damit, dass die Aufhebung dieser Natur schutzzone dem KRIP und dem Waldentwicklungsplan (WEP) Homburger- und Eital vom 31. März 2009 widerspreche, überdies habe die Gemeinde die Streichung der Naturschutzzone G36 nicht fachlich begründet. 11.1.2. Die Gemeinde macht geltend, der Regierungsrat greife in das Planungsermessen der Gemeinde ein, wenn er selber zwar nur einen Teil des Gebietes in das Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Basel-Landschaft aufnehme, die Gemeinde nun aber daran hindern wolle, die nicht im Inventar aufgenommenen Gebiete als Naturschutzzone auszuschliessen. 11.2.1. Ein Drittel des rechtsgültigen Naturschutzgebiet es G36 ist überlagert vom kantonal geschützten Naturobjekt “Zangenweidli“. Die übrigen hi er interessierenden zwei Drittel sind nicht überlagert von kantonal geschützten Naturobjekten. Der Regierungsrat hat nun die Aufhe- bung der aktuell rechtsgültigen Naturschutzzone G36 im ö stlichen und südlichen Bereich, wo sie nicht vom kantonal geschützten Naturobjekt “Zangenweidli“ überlagert wird, nicht genehmigt Seite 39 http://www.bl.ch/kantonsgericht und den Gemeinderat angehalten, im ZRL Schutzbestimmu ngen für die Naturschutzzone G36 festlegen zu lassen oder den Schutz im Rahmen von § 10 de s Gesetzes über den Natur- und Landschaftsschutz (NLG) vom 20. November 1991 sicherzustellen. 11.2.2. Nach § 19 RBG i.V.m. § 29 RBG erlassen die Ge meinden Zonenvorschriften. Nut- zungszonen werden unter anderem in Landwirtschaftszonen un d Waldareal unterschieden. Diese Zonen können unter anderem mit einer Naturschutz - oder Landschaftsschutz- oder Landschaftsschonzone überlagert sein. 11.2.3. Im Gebiet “Zangegrabe/In der Wältschi“ ist im KRIP als Ausgangslage ein Vorrangge- biet Natur eingetragen. Im WEP Homburger- und Eital vom 31. März 2009 ist diese Fläche als Vorrang Natur ausgeschieden. Dies wird von der Gemeinde auch nicht bestritten. Nach dem KRIP, Objektblatt L3.1, dienen die Vorranggebiete Na tur der langfristigen Erhaltung der einhei- mischen Tier- und Pflanzenwelt sowie den vielfältigen, regionaltypischen Landschaften (siehe D. Beschlüsse, Planungsgrundsätze, lit. b). Die Vorra nggebiete Natur sind in ihrer Ausdehnung und in ihrem ökologischen Wert zu erhalten, wo nötig zu erweitern und untereinander zu ver- netzen (siehe D. Beschlüsse, Planungsgrundsätze, lit. b). Des Weiteren nimmt der Kanton die Vorranggebiete Natur, soweit sie sich im Wald befinden, in die Waldentwicklungspläne (WEP) auf (siehe D. Beschlüsse, Planungsanweisungen, lit. a). Der Regierungsrat nimmt die Naturob- jekte von nationaler und regionaler Bedeutung in das Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Basel-Landschaft auf, nach Möglichkeit im Ein vernehmen mit den Grundeigentü- merinnen und Grundeigentümern sowie den Einwohnerge meinden (siehe D. Beschlüsse, Pla- nungsanweisungen, lit. b). Die Vorranggebiete Natur gemäss Richtplankarte werden, soweit sie das Landwirtschaftsgebiet überlagern, festgesetzt (siehe D . Beschlüsse, Örtliche Festlegun- gen). KRIP und WEP sind behördenverbindlich, damit sin d sie für Kanton und Gemeinden ver- bindlich. 11.2.4. Gemäss dem NLG können Schutz und Unterhalt von sc hützenswerten Landschaften und Naturobjekten unter anderem erreicht werden durch Ausscheidung und Bezeichnung in Zonenplänen und Aufnahme ins Inventar der geschützten Naturobjekte (§ 10 Abs. 1 lit. a und b NLG). Kanton und Einwohnergemeinden erheben die schützenswerten Landschaften und Natu- robjekte im Rahmen ihrer raum- und nutzungsplanerische n Aufgaben. Sie stützen sich dabei auf Fachgutachten (§ 11 Abs. 1 NLG). Kanton und Einwo hnergemeinden erlassen die erforder- lichen Schutz- und Schonzonen entsprechend den Bestimmun gen des Raumplanungs-, Bau- und Forstrechts (§ 11 Abs. 2 NLG). Die Nutzungspläne haben die nach § 12 geschützten Natur- objekte zu enthalten (§ 11 Abs. 3 NLG). Nach § 12 NL G nimmt der Regierungsrat nach Anhö- ren der Einwohnergemeinden schützenswerte Naturobjekte von nationaler und regionaler Be- deutung in das Inventar der geschützten Naturobjekte auf. Er bezeichnet die Naturobjekte von regionaler Bedeutung. Die massgebenden Grundsätze sind im Inventar darzulegen. Auf Antrag der Einwohnergemeinden kann er auch Objekte von lokal er Bedeutung in das Inventar aufneh- men (Abs. 1). Schützenswerte Naturobjekte haben region ale Bedeutung, wenn sie im kantona- len Vergleich zu anderen Objekten derselben Kategorie besonders schützenswert sind, insbe- sondere aufgrund ihres ökologischen, natur- und heimatk undlichen Wertes, ihrer Seltenheit oder Einzigartigkeit (Abs. 2). Der Regierungsrat setzt mit der Aufnahme eines Naturobjektes ins Seite 40 http://www.bl.ch/kantonsgericht Inventar die erforderlichen Schutzbestimmungen fest, wie Veränderungsverbote, Bewirtschaf- tungsbeschränkungen oder -verbote, Betretungsbeschränkungen oder -verbote, Unterhalts- und Bewilligungspflichten, Pflegemassnahmen, Erfolgskontroll e und dergleichen (Abs. 3). Das In- ventar enthält eine Umschreibung des geschützten Naturobj ektes, die Gründe der Schutzwür- digkeit und die möglichen Bedrohungen. Es beinhaltet d ie zur Erhaltung, Schonung, Pflege und zum Schutz nötigen Massnahmen (Abs. 4). Gemäss § 1 Abs. 1 der kantonalen Verordnung über das Naturschutzgebiet “Zangenweidli“ Gelterkinden vom 16. Oktober 2001 ist das Gebiet “Zangenweidli“ Gelterkinden, bestehend aus einer Teil fläche der Parzelle Nr. 1824, im Eigen- tum der Bürgergemeinde Gelterkinden, als Objekt von regionaler Bedeutung in das Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Basel-Landschaft aufgenommen worden. 11.2.5. Aufgrund den obigen Ausführungen ergibt sich, dass der Regierungsrat nach § 12 NLG schützenswerte Naturobjekte von nationaler und regionaler Bedeutung in das Inventar der ge- schützten Naturobjekte aufnimmt (§ 12 NLG). Die hier i nteressierenden zwei Drittel der Natur- schutzzone G36 hat er nicht in das Inventar der schützenswer ten Naturobjekte von nationaler oder regionaler Bedeutung aufgenommen. Damit hat de r Regierungsrat keinesfalls zum Aus- druck gebracht, dass diese zwei Drittel nicht auch schützen swert sind. Aus der Nichtaufnahme ins Inventar kann lediglich gefolgert werden, dass das Ge biet als nicht von nationaler oder regi- onaler Bedeutung eingestuft wurde bzw. nicht im Mass ei nes im Inventar der schützenswerten Naturobjekte aufgenommenen Objekts zu schützen ist. Selb stredend hat die Gemeinde auch bei ihrer Nutzungsplanung in Bezug auf diese zwei Dri ttel das übergeordnete Recht, so auch § 11 NLG, – welcher Kanton und Einwohnergemeinden d ie Pflicht auferlegt, die erforderlichen Schutz- und Schonzonen entsprechend den Bestimmungen des R aumplanungs-, Bau- und Forstrechts zu erlassen – und den KRIP und WEP Homburger - und Eital vom 31. März 2009 zu beachten. Letztgenannte sehen für das Gebiet des G36, dessen Aufhebung nicht genehmigt wurde, ein Vorranggebiet Natur vor und somit einen S chutzbedarf. Die Gemeinde hat die Strei- chung der Naturschutzzone G36 auch nicht fachlich begründ et. Demzufolge hat der Regie- rungsrat zu Recht die Aufhebung nicht genehmigt und den Gemeinderat angehalten, im ZRL Schutzbestimmungen für die Naturschutzzone festlegen zu lassen oder den Schutz im Rahmen von § 10 NLG sicherzustellen. 11.3. Daran ändert auch das von der Beschwerdeführerin erwähnte Urteil des Kantonsge- richts vom 10. April 2013 (KGE VV vom 10. April 2013 [8 10 12 270] E. 4.2.5) nichts, da das Kantonsgericht dort zum Schluss gekommen war, der Regierun gsrat habe in jenem Fall über keine Grundlage verfügt, die Gemeinde rechtsverbindlich anzuweisen, eine Schutzzone zur Erhaltung eines ortsfesten archäologischen Schutzobjekts i m Sinne von § 8 Abs. 1 des Geset- zes über den Schutz und die Erforschung von archäologischen Stätten und Objekten (Archäologiegesetz, ArchG) vom 11. Dezember 2002 auszuscheid en. Vorliegendenfalls liegt aber mit dem KRIP und WEP sehr wohl eine gesetzliche G rundlage vor, um die Gemeinde an- zuhalten, im ZRL Schutzbestimmungen für die Naturschutzzo ne G36 festlegen zu lassen oder den Schutz im Rahmen von § 10 NLG sicherzustellen. Die Besch werde ist demzufolge auch in diesem Punkt abzuweisen. Seite 41 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12. Ziff. 2.3 des RRB: “Zonenreglement Landschaft Ar tikel 10 Landschaftsschutzzo- ne“ 12.1.1. Art. 10 Abs. 3 ZRL statuiert, dass innerhalb der Landschaftsschutzzone keine oberirdi- sche Bauten und Anlagen errichtet werden dürfen. Ausge nommen davon sind: a. Bewässe- rungsanlagen; b. Folientunnel; c. Witterungsschutz und Vogelschutzanlagen; d. Bienenhäuser. Nach Art. 10 Abs. 4 ZRL sind auch Terrainveränderungen u ntersagt, die nicht der landwirt- schaftlichen Nutzung des Bodens dienen und sich weder d urch Schutz vor Naturgefahren noch mit dem Naturschutz begründen lassen. Der Regierungsrat hat den ersten Satz von Art. 10 Abs. 3 ZRL genehmigt. Die Aufzählung a. bis d in Abs. 3 und Art. 10 Abs. 4 ZRL hat der Regie- rungsrat mit Verweis auf das Objektblatt L3.2 des KRIP nicht genehmigt. 12.1.2. Gemäss Objektblatt L3.2 sind Vorranggebiete La ndschaft im Grundsatz von neuen Bauten und Anlagen freizuhalten. Möglich sind unteri rdische Hochspannungs- und Rohrleitun- gen oder andere unterirdische Infrastrukturen sowie unte r dort genannten Bedingungen auch Windkraftanlagen (D. Beschlüsse, Planungsgrundsätze, lit. a). Zonenkonforme Bauten und An- lagen für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung sind zu lässig. Sie sind in unmittelbarer Hofnä- he anzusiedeln. Falls es den Schutzzielen der Vorranggebi et Landschaft dient, können neue landwirtschaftliche Bauten auch an anderen Standorten realisiert werden (D. Beschlüsse, Pla- nungsgrundsätze, lit. b). 12.2.1. Die Beschwerdeführerin führt in ihrer Beschwer de aus, dass sie die Vorranggebiete Landschaft in Form von Landschaftsschutzzonen umgesetzt hab e. Mit Stellungnahme an den Regierungsrat vom 28. April 2015 habe die Beschwerdefü hrerin den Eventualantrag gestellt, Art. 10 Abs. 3 und 4 ZRL als Ganzes von der Genehmigun g auszunehmen, wenn der Regie- rungsrat zum Schluss kommen sollte, dass eine Genehmigung der vorgeschlagenen Nutzungs- bestimmungen zur Landschaftsschutzzone nicht möglich sei. Da durch, dass der Regierungsrat nun den ersten Satz von Abs. 3 des Art. 10 ZRL genehmigt habe, würden auch zonenkonforme Landwirtschaftsbauten in der Landschaftsschutzzone verboten werden, welche aber gemäss KRIP zulässig seien. Die Beschwerdeführerin führt weiter aus, dass in der L andwirtschaft für witterungsempfindliche Gemüse und Früchte Folientunnels oder beispielsweise fü r Tafelkirschen und -kernobst Hagel- schutznetze verwendet würden. Der Markt verlange eine einwandfreie Qualität, dieser Anspruch könne nur mit Witterungsschutz über den Kulturen erfüll t werden. Bewässerungsanlagen wür- den der Ertragserhaltung in der Landwirtschaft diene n. Und auch Bienenhäuser würden durch- aus zur Bewirtschaftung nötig und somit zonenkonform sein. Zudem brauche es vor der Bewilli- gungserteilung dieser Anlagen eine Bewilligung, welche nur erteilt werden könne, wenn sich die Bauten und Anlagen harmonisch in das Landschaftsbild e infügen würden. Die Bewilligungsbe- hörde könne somit jeweils im konkreten Fall überprüfen , ob den Interessen des Landschafts- schutzes genügend Rechnung getragen werde. Die Beschwerdeführerin habe eine umfassende Interessenabwägung zur Umsetzung der Landschaftsschutzzone vo rgenommen. Sie habe die landwirtschaftlichen Interessen und jene des Landschaftsb ildes berücksichtigt. Solle im Sinne Seite 42 http://www.bl.ch/kantonsgericht des KRIP die ordentliche landwirtschaftliche Nutzung von Kulturland gewährleistet sein, müss- ten Absatz und Qualität unter Umständen vor dem Landschaftsbild kommen. Mit Eingabe vom 18. April 2016 hat die Beschwerdeführ erin mehrere Unterlagen zu diesem Beschwerdepunkt eingereicht. Im eingereichten Artikel des Eidgenössischen Volkswirtschafts- departement, Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädensw il ACW, vom 14. Dezember 2010 wird festgehalten, dass Witterungsschutz im modernen Kirschenbau unumgänglich sei. Des Weiteren ist den Artikeln der Bauernzeitung aus dem Jahr 2014 und des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, Agr oscope, aus dem Jahr 2015 zu ent- nehmen, dass der Kirschessigfliegen- und Kirschenfliegenb efall ein grosses Problem darstelle und mit Insektenschutznetzen stark eingedämmt werden könn e. Dies sei auch nötig, da der früher standardmässige Einsatz des dimethoathaltigen Spri tzmittels nur noch vorübergehend und unter erschwerten Bedingungen erlaubt sei. Ein wei terer Beitrag des Landwirtschaftlichen Informationsdiensts vom 22. Juni 2015 weist auf die besondere Gefährdung der Hochstammkir- schen durch Kirschessig- und Kirschenfliegen hin. Erwähnt wird, dass es im Baselbiet – einem der wichtigsten Kirschen-Anbaugebiete der Schweiz – durc h die Kirschessigfliege im Jahr 2014 Schäden gegeben habe, welche bis zum Totalausfall gerei cht hätten. Auch hier werden die In- sektenschutznetze als teilweiser Schutz erwähnt. 12.2.2. Der Regierungsrat führt in seiner Vernehmlassu ng vom 15. Februar 2016 aus, dass gemäss KRIP zonenkonforme Bauten und Anlagen für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung – wie die Beschwerdeführerin richtig festhalte – in d er Hofnähe zulässig seien. Die Beschwer- deführerin habe diesen Planungsgrundsatz umgesetzt, ind em sie rund um zonenkonforme landwirtschaftliche Bauten jeweils die Landschaftsschutzzone ausgespart habe. Zonenkonfor- me Bauten und Anlagen für die landwirtschaftliche Bewi rtschaftung seien somit – wie das der KRIP in Vorranggebieten Landschaft vorsehe und entgege n der Aussagen der Beschwerdefüh- rerin – in unmittelbarer Hofnähe zulässig. Die ordent liche landwirtschaftliche Nutzung sei damit weiterhin gewährleistet. Die Aufzählung in Art. 10 Ab s. 3 und 4 ZRL widerspreche dem Pla- nungsgrundsatz, dass Vorranggebiete im Grundsatz von neue n Bauten und Anlagen frei zu halten seien. Soweit es sich bei der Aufzählung um zonen konforme Bauten und Anlagen hand- le, seien sie nur in den im ZPL nicht mit Landschaftssch utzzone überlagerten Flächen in unmit- telbarer Hofnähe zulässig, genau so, wie dies die Beschw erdeführerin gestützt auf den KRIP selbst bestimmt habe. 12.3.1. Die Gemeinde hat rund um zonenkonforme landwi rtschaftliche Bauten jeweils die Landschaftsschutzzone ausgespart. Dies wird von der Gemeind e auch nicht bestritten. Damit können, auch wenn lediglich der erste Satz von Art. 10 A bs. 3 ZRL genehmigt wird – wie der Regierungsrat zu Recht festhält – in Hofnähe zonenkonfo rme Bauten und Anlagen für die land- wirtschaftliche Bewirtschaftung erstellt werden. Jedoch s tatuiert der KRIP (Objektblatt L3.2, D. Beschlüsse, Planungsgrundsatz lit. b) auch, dass diese Bauten und Anlagen in unmittelbarer Hofnähe anzusiedeln sind. Falls es jedoch den Schutzzielen d er Vorranggebiete Landschaft dient, können neue landwirtschaftliche Bauten auch an anderen Standorten realisiert werden. Damit sieht der KRIP durchaus auch Fälle vor, bei denen zonenkonforme Bauten und Anlagen für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung auch ausserhalb der unmittelbarer Hofnähe realisiert Seite 43 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden können, sofern es den Schutzzielen der Vorranggeb iete Landschaft dient. Dadurch, dass lediglich der erste Satz von Art. 10 Abs. 3 ZRL ge nehmigt wurde, entfällt jedoch diese Möglichkeit. Das heisst, dass das ZRL noch restriktivere Beba uungsmöglichkeiten enthielte als der KRIP, was aber von der Beschwerdeführerin klar nicht gewollt war. 12.3.2. Das Objektblatt L3.2 sieht zusammenfassend vor, d ass erstens, Vorranggebiete Land- schaft im Grundsatz von Bauten freizuhalten sind, zweitens, dass zonenkonforme Bauten und Anlagen für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung hi ngegen zulässig sind, aber in Hofnähe anzusiedeln sind und drittens, solche Bauten und Anlage n auch ausserhalb der unmittelbaren Hofnähe gebaut werden können, sofern es den Schutzzielen der Vorranggebiete Landschaft dient. Einen so umfassenden und generellen Ausnahmekat alog von Bauten und Anlagen, wel- che im Vorranggebiet Landschaft gebaut werden dürfen, wie die Gemeinde ihn in Art. 10 Abs. 3 ZRL vorsieht, sprengt aber zweifelsohne den vom KRIP vor gesehenen Rahmen für die aus- serhalb der unmittelbaren Hofnähe zulässige Realisierung von neuen landwirtschaftlichen Bau- ten. Der Ausnahmekatalog widerspricht somit dem KRIP. Au ch der aus Art. 10 Abs. 4 ZRL zu ziehende Umkehrschluss, dass im Vorranggebiet Landschaft g enerell Terrainveränderungen, die der landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens dienen u nd sich durch den Schutz vor Natur- gefahren oder dem Naturschutz begründen lassen, zulässig si nd, widerspricht dem KRIP (Objektblatt L3.2). 12.3.3. Aus den obigen Ausführungen folgt, dass Art. 10 Abs. 3 und 4 ZRL vollständig nicht zu genehmigen sind und der Gemeinderat aufzufordern ist, innert 5 Jahren die im Einklang mit dem KRIP neu formulierten Abs. 3 und 4 des Art. 10 Z RL dem Regierungsrat zur Genehmigung zu unterbreiten. In diesem Sinne ist die Beschwerde in diesem Punkt teilweise gutzuheissen. 13. Zusammenfassung Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass in teilweiser Gutheissung der Beschwerde lit. n der Ausnahmen in Ziffer 2 des RRB Nr. 1313 vom 25. A ugust 2015 aufzuheben und die Abs. 3 und 4 des Art. 10 des ZRL vollständig von der Genehmigu ng auszunehmen sind. Der Gemein- derat ist aufzufordern, innert 5 Jahren die durch die Gemeindeversammlung im Sinne der Er- wägungen neu formulierten Abs. 3 und 4 des Art. 10 Z RL zu bestimmen und dem Regierungs- rat zur Genehmigung zu unterbreiten. 14. Kostenfolge Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrens- kosten in der Regel der unterliegenden Partei in ange messenem Ausmass auferlegt. Da die Beschwerdeführerin nur in einem Beschwerdepunkt und auc h in diesem nur teilweise obsiegt hat, rechtfertigt es sich gestützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 und 4 VPO die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2‘200.-- der unterliegenden Beschwerdeführerin auf- zuerlegen. Die Parteikosten werden aus dem gleichen Grund nach § 21 VPO wettgeschlagen. Seite 44 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seite 45 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird B uchstabe n der Aus- nahmen in Ziffer 2 des Regierungsratsbeschlusses Nr. 1313 vom 25. August 2015 aufgehoben und Artikel 10 Absatz 3 und 4 des Zonen- reglementes Landschaft vollständig von der Genehmigung ausgenom- men. Der Gemeinderat wird aufgefordert, innert 5 Ja hren die im Sinne der Erwägungen neu formulierten Absätze 3 und 4 des Artikels 10 des Zonenreglementes Landschaft dem Regierungsrat zur Genehm igung zu unterbreiten. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2‘200.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2‘200.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde am 26. Mai 2017 beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten erhoben (1C_289/2017).