Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Januar 2015 (720 14 260 / 15) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung an die IV-Stelle zu weiteren Sachverhaltsabklärungen Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Christoph Rudin, Advo- kat, Salinenstrasse 26, 4127 Birsfelden gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1961 geborene A.____ war seit Mitte Oktober 1996 als Kassiererin und Küchen- mitarbeiterin in einem Restaurant tätig gewesen. Na chdem sie ab August 2006 ohne wesentli- che Unterbrechungen krankheitsbedingt während länge rer Zeiträume ganz oder teilweise ar- beitsunfähig gewesen war, meldete sich A.____ am 25 . April 2008 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. D ie IV-Stelle Basel-Landschaft klärte in der Folge die gesundheitlichen und die erwerblichen Ver hältnisse ab, wobei sie bei der Versicher- ten ab 1. August 2007 einen Invaliditätsgrad von 60 % und ab 1. September 2008 einen sol- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen von 30 % ermittelte. Gestützt auf diese Ergebnisse sp rach die IV-Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 9. November 2009 für den Zeit- raum vom 1. August 2007 bis 30. November 2008 eine b efristete Dreiviertelsrente zu. Gleich- zeitig lehnte sie einen weiteren Rentenanspruch ab 1. Dezember 2008 ab. Die von der Versi- cherten gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies d as Kantonsgericht, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 26. Mai 2010 ab (Verfahren 720 09 349/ 118). Am 23. April 2012 meldete sich A.____ unter Hinweis a uf eine psychische Krankheit und ein Herzleiden erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. Di e IV-Stelle nahm Abklärungen der me- dizinischen und der erwerblichen Verhältnisse vor und erm ittelte dabei bei der Versicherten ab 20. Juli 2012 einen Invaliditätsgrad von 74 %, ab 1 . Oktober 2012 einen solchen von 58 % und ab 1. März 2013 einen Invaliditätsgrad von 47 %. Gestüt zt auf diese Ergebnisse sprach sie A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit V erfügung vom 9. Juli 2014 für den Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis 28. Februar 2013 ein e befristete halbe Rente und mit Wir- kung ab 1. März 2013 eine unbefristete Viertelsrente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokat Christoph Rudin namens und im Auftrag von A.____ am 8. September 2014 Beschwerde beim Kantonsg ericht. Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung insoweit aufzuheben, als darin der Rentenanspruch ab 1. März 2013 auf eine Viertelsrente reduziert werde. Die IV-S telle sei zu verpflichten, der Beschwerde- führerin ab 1. März 2013 eine ihrer realen Erwerbsunfähigkeit entsprechende halbe Rente, samt entsprechender Kinderrente, auszurichten, zuzüglich 5 % Verzugszins ab theoretischer Fällig- keit der Rente. Eventuell sei die Angelegenheit zur we iteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts an die IV-Stelle zurückzuweisen und die Re nte ab 1. März 2013, entsprechend der Erwerbsunfähigkeit, neu festzusetzen; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Eingabe vom 29. Oktober 2014 teilte die IV-St elle dem Kantonsgericht mit, dass sie mit einer gleichentags erlassenen neuen Verfügung die angefochtene Verfügung vom 9. Juli 2014 „zwecks weiterer Abklärungen des medizinischen Sachverha lts durch die IV-Stelle“ auf- gehoben habe. Sie beantragte dem Gericht deshalb, „d as Beschwerdeverfahren sei zufolge Wiedererwägung lite pendente von der Kontrolle abzuschreiben.“ D. In seiner prozessleitenden Verfügung vom 5. November 2014 hielt der Instruktionsrich- ter fest, dass das Beschwerdeverfahren entgegen dem Antrag der IV-Stelle nicht ohne Weiteres zufolge Wiedererwägung lite pendente abgeschrieben we rden könne. Wenn - wie im vorliegen- den Fall - eine leistungszusprechende Verfügung angefoch ten sei, müsse der Beschwerdefüh- rerin vor einer Aufhebung der Verfügung zwecks weiterer Abklärungen durch die Verwaltung Gelegenheit zum Rückzug der Beschwerde gegeben werden. Der Instruktionsrichter forderte die Beschwerdeführerin deshalb auf, bis 5. Dezember 20 14 mitzuteilen, ob sie die Beschwerde vom 8. September 2014 zurückziehe oder ob sie an dieser fe sthalte. Was die Begründung die- ser Vorgehensweise betrifft, kann an dieser Stelle vollumfänglich auf die entsprechenden Erwä- gungen des Instruktionsrichters in der Verfügung vom 5. November 2014 verwiesen werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Nachdem die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 24. November 2014 mitgeteilt hat- te, dass sie an der Beschwerde festhalte, wurde die Ang elegenheit am 1. Dezember 2014 dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 8. September 2014 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der Person noch zugemutet wer- den können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung bei der Beurteilung des me- dizinischen Sachverhalts auf die Angaben der behandelnde n Ärzte der Versicherten. So habe Dr. med. B.____, Kardiologie FMH, der Versicherten in seinem Bericht vom 14. Februar 2013 bzw. in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 4. März 2014 aus kardialer Sicht sowohl für die angestammte Tätigkeit als Kassiererin und Küchenmitarbe iterin in einem Restaurant als auch für eine leichte, dem Leiden angepasste (Verweis-) Tä tigkeit eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Im Weiteren hält die IV-Stelle fest, dass Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychothe- rapie FMH, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten „scho n vor längerer Zeit“ mit 50 % aus rein psychiatrischer Sicht festgelegt habe. Damals sei diagnostisc h eine mittelgradige depressive Episode angegeben worden, was jedoch lediglich zu Beginn der Therapie Geltung beansprucht habe. Mittlerweile habe sich der Zustand stabilisiert, so dass nicht mehr von einer mittelgradi- gen depressiven Episode ausgegangen werden könne. Die aus psychiatrischer und aus kardia- ler/somatischer Sicht attestierten Arbeitsunfähigkeiten würden sich, so die IV-Stelle weiter, nicht addieren, da „beide Krankheiten von der gleichen vermi nderten Belastung und den entspre- chenden Pausen profitieren“ würden. Seit 1. März 2013 betrage die Gesamtarbeitsfähigkeit deshalb aus versicherungsmedizinischer Sicht 50 % und zwar sowohl im angestammten Beruf als auch in anderen, dem Leiden angepassten Tätigkeiten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Diese vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sachv erhaltes vermag nicht zu überzeugen. Wie die Versicherte in ihrer Beschwerde zut reffend geltend macht, fehlt es vorlie- gend insbesondere an einer aktuellen, aus gesamtmedizin ischer Sicht vorgenommenen Beur- teilung ihres Gesundheitszustandes und insbesondere ihre r Arbeitsfähigkeit. Gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage lässt sich demnach - und auch darin ist der Beschwerde- führerin beizupflichten - nicht beurteilen, in welchem Ausmass sie im massgebenden Zeitpunkt der Rentenverfügung (9. Juli 2014) in ihrer Arbeitsf ähigkeit beeinträchtigt gewesen ist. Beim Fazit der IV-Stelle, wonach die „Gesamtarbeitsfähigkeit “ der Versicherten seit 1. März 2013 so- wohl in der angestammten Tätigkeit als auch in einer leidensangepassten Verweistätigkeit 50 % betragen habe, handelt es sich um eine reine Hypothese , welche auf der Annahme basiert, dass sich die aus kardialer und aus psychiatrischer Sicht fest gestellten jeweiligen Einschrän- kungen nicht verstärken würden. Entsprechende, aus gesamtmedizinischer Sicht vorgenomme- ne fachärztliche Feststellungen und Aussagen lassen sich de n Akten jedenfalls keine entneh- men. Dazu kommt, dass der letzte Bericht der behandelnd en Psychiaterin Dr. C.____, auf den sich die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung stüt zte, vom 6. September 2012 datiert und somit im Zeitpunkt des Rentenentscheides bereits knapp zwei Jahre alt war. Vor diesem Hin- tergrund hätte sich für die Beschwerdegegnerin auch die Frage stellen müssen, ob die damali- ge psychiatrische Beurteilung (noch) der aktuellen Situation der Versicherten entspricht. 5.3 Aus dem Gesagten folgt, dass die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfah- ren nicht ausreichend beweiskräftig sind. Der Sachverhalt bedarf in medizinischer Hinsicht wei- terer Abklärung. Die IV-Stelle wird zu diesem Zwecke ei ne polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten in Auftrag zu geben haben. In deren Rahm en werden die beteiligten Fachärztin- nen und -ärzte insbesondere eine - bis anhin fehlende - Konsensbeurteilung der Arbeitsfähigkeit vorzunehmen haben. Dieser Einschätzung hat sich mittlerwe ilen auch die IV-Stelle vollumfäng- lich angeschlossen, geht sie doch in ihrer Eingabe vom 29 . Oktober 2014 ebenfalls davon aus, dass sie in dieser Angelegenheit weitere Abklärungen de s medizinischen Sachverhalts vorzu- nehmen haben wird. Dieser nachträglichen Beurteilung der IV-Stelle ist, zumal sich auch die Beschwerdeführerin dieser Betrachtungsweise nicht widerset zt, seitens des Kantonsgerichts nichts mehr beizufügen. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer zusätzlichen Abklärungen wird die IV- Stelle anschliessend über den Rentenanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. 5.4 Die vorliegende Beschwerde ist somit in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochte- ne Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur we iteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV -Stelle Basel-Landschaft zurückzuwei- sen ist. 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ve rfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 6.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Honorarnote vom 24. November 201 4 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 11 Stunden und 45 Minuten sowie Auslag en von Fr. 58.50 geltend gemacht. Die detaillierte Abrechnung beinhaltet nun allerdin gs auch Bemühungen von 4 Stunden und 5 Minuten sowie Auslagen von Fr. 14.50, die im Rahmen des Verwaltungsverfahrens bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung erbracht worden bzw. angefallen sind. Bei der Bemessung der Parteientschädigung für das versicherungsgerichtliche V erfahren kann aber nur der im Rahmen des eigentlichen Beschwerdeverfahrens, d.h. der nach der Zustellung der Verfügung entstandene Aufwand berücksichtigt werden. Dies bedeute t, dass vorliegend aus der Honorar- note vom 24. November 2014 lediglich der für den Zeit raum ab 11. Juli 2014 (Zustellung der Verfügung) ausgewiesene Aufwand von 7 Stunden und 40 Minuten, der sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechts fragen als angemessen erweist, und die ab diesem Zeitpunkt entstandenen Auslagen von Fr. 44.-- entschädigt werden können. Nicht zu beanstanden ist der der Honorarberechnung zu Grunde gelegte Stundenansatz von 240 Franken. Demnach ist der Beschwerdeführerin eine Parte ientschädigung in der Höhe von Fr. 2’034.70 (7 Stunden und 40 Minuten à Fr. 240.-- + Auslagen von Fr. 44.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 9. Juli 2014 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinn e der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Ste lle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘034.70 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht