A bteilung IV D -2652/2007 law /w ic {T 0/2} U rteil vom 12. Juni 2007 M itw irkung: R ichterin C laudia C otting-Schalch (Abteilungspräsidentin), R ichter W alter Lang (Instruktionsrichter), R ichter D aniel Schm id, R ichterin Jenny de C oulon Scuntaro, R ichter G érald Bovier G erichtsschreiberin C orinne Krüger A ._______, geboren _______, alias A._______, geboren _______, alias A._______, geboren _______, G uinea, w ohnhaft _______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 3. A pril 2007 i.S. N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. Der Beschwerdeführer, ein muslimischer Djahanke mit letztem Wohnsitz in A._______, verliess seinen Heimatstaat nach eigenen Angaben im Juni 2005 und reiste unter Umgehung der Grenzkontrolle von Italien her kommend am 27. Juni 2005 in die Schweiz ein, wo er am 4. Juli 2005 um Asyl nachsuchte. Am 19. Juli 2005 wurde er im Empfangszentrum (heute: Empfangs- und Verfahrenszentrum) B._______ zu seinen Personalien, zu seinem Reiseweg und zu seinen Ausreise- gründen befragt. B. Das BFM trat mit Verfügung vom 25. August 2005 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylge- such nicht ein und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. C. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 31. August 2005 hiess die Schweizerische Asylrekurskommission mit Urteil vom 4. Dezember 2006 gut; sie hob die Verfügung vom 25. August 2005 auf und wies das Verfahren zu neuer Ent- scheidung an das BFM zurück. D. Am 20. März 2007 hörte das BFM den Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen an. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei im Jahre (...) geboren. Er stamme ursprünglich aus C._______, habe jedoch seit fünf Jahren in A._______ gelebt, wo er zuletzt während etwa eines Jahres bei einem Chauffeur als Beifahrer gearbeitet habe. An einem Tag im April 2005 habe er das Auto seines Lehrmeis- ters gefahren und dabei einen Unfall verursacht, bei dem drei Personen getötet und mehrere verletzt worden seien. Deswegen sei er verhaftet und in ein Gefäng- nis überführt worden. Sein Lehrmeister sei wegen dieser Sache ebenfalls inhaftiert und im Gefängnis getötet worden. Nachdem er einige Tage im Gefängnis gewesen sei, sei dieses gestürmt und zerstört worden, weshalb er habe flüchten können. Anschliessend habe er sich in einer Moschee versteckt gehalten und dort von ver- schiedenen Leuten Geld erhalten, dank dem er sein Heimatland habe verlassen können. Er könne nicht mehr dorthin zurückkehren, weil er fürchte, von Angehöri- gen der Unfallopfer getötet zu werden. E. Mit Verfügung vom 3. April 2007 trat das BFM in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut nicht ein und ord- nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Zur Begründung des Nichteintretensentscheides hielt das BFM zusammenfassend fest, der Be- schwerdeführer habe innert 48 Stunden nach Gesuchseinreichung keine Reise- oder Identitätspapiere abgegeben und dafür keine entschuldbaren Gründe glaub- haft zu machen vermocht, erfülle überdies die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG nicht und zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flücht- lingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses seien aufgrund der Aktenlage nicht erforderlich, F. Mit Beschwerde vom 13. April 2007 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer, es sei die Verfügung des Bundesamtes für Migration vom 3. April 2007 aufzuheben und auf das Asylgesuch einzutreten, eventualiter sei die Verfügung des Bundesamtes für Migration aufzuheben und die vorinstanzliche Be-3 hörde anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten, subeventualiter sei festzustel- len, dass die Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei und ihm in der Folge die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er zudem, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. G. Am 17. April 2007 reichte der Beschwerdeführer eine Unterstützungsbedürftig- keitserklärung des kantonalen Sozialdienstes zu den Akten. H. Am 26. April 2007 bestätigte der zuständige Instruktionsrichter des Bundesverwal- tungsgericht dem Beschwerdeführer den Eingang seiner Beschwerde und das ihm nach Art. 42 Abs. 1 AsylG von Gesetztes wegen zustehende Recht, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu können. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig über Beschw erden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Ver- w altungsverfahren [Vw VG , SR 172.021] des BFM auf dem G ebiet des Asyls (Art. 105 AsylG i.V.m . Art. 31-34 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]. 2. D as BFM ist auf das Asylgesuch des Beschw erdeführers gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG nicht eingetreten. G em äss Art. 108a AsylG beträgt die Frist für die Beschw erde gegen N ichteintretensentscheide nach den Art. 32-34 AsylG fünf Arbeitstage. 2.1 D ie angefochtene Verfügung vom 3. April 2007 w urde vom BFM m ittels "Einschrei- ben m it R ückschein" an die W ohnadresse des Beschw erdeführers versandt (Aus- gangsstem pel: 3. April 2007). D er R ückschein, m it w elchem der Beschw erdeführer den Em pfang der Verfügung bestätigte, liegt nicht in den Akten des BFM . D er Be- schw erdeführer erklärt in seiner Eingabe vom 13. April 2007 jedoch, die angefoch- tene Verfügung sei ihm am 4. April 2007 zugestellt w orden. D ies deckt sich m it den Zustellinform ation der Schw eizerischen Post (Track & Trace), w orin festgehal- ten w ird, die fragliche Postsendung sei am 4. April 2007 in (...) abgeholt w orden. Es kann som it davon ausgegangen w erden, dass die angefochtene Verfügung dem Beschw erdeführer am 4. April 2007 eröffnet w orden ist. 2.2 D er Beschw erdeführer übergab die Beschw erde gegen die Verfügung des BFM am Freitag, 13. April 2007 (Poststem pel), in Aarau der Post zu H anden des Bun- desverw altungsgerichts (Art. 21 Abs. 1 Vw VG ). D ie Beschw erde w urde dem nach neun Kalendertage nach Eröffnung der angefochtenen Verfügung eingereicht. Es stellt sich m ithin die Frage, ob die Beschw erdefrist von fünf Arbeitstagen eingehal- ten ist.4 3. 3.1 Art. 108a AsylG ist durch Ziffer I 2 des Bundesgesetzes über das Entlastungspro- gram m 2003 für den Bundeshaushalt (EP 03) auf den 1. April 2004 in Kraft gesetzt w orden (AS 2004 1633 1647). M it der Einführung einer fünftägigen Beschw erde- frist gegen N ichteintretensentscheide w ollte der G esetzgeber die vorm als geltende R egelung, gem äss w elcher das Bundesam t m it dem N ichteintretensentscheid den sofortigen Vollzug der W egw eisung anordnen und einer allfälligen Beschw erde die aufschiebende W irkung entziehen konnte, m it der als völkerrechtw idrig kritisierten Folge, dass der Beschw erdeführer faktisch gezw ungen w ar, bei der Beschw erdeinstanz innert 24 Stunden ein G esuch um W iederherstellung der auf- schiebenden W irkung der Beschw erde einzureichen, da er andernfalls die Aus- schaffung riskierte, neu konzipieren. D ie asylsuchende Person sollte gegen N icht- eintretensentscheide neu innerhalb von fünf Arbeitstagen Beschw erde einreichen können; der Beschw erde sollte zudem neu aufschiebende W irkung zukom m en, das Verfahren aber gleichzeitig durch die kurze fünftägige Beschw erdefrist be- schleunigt w erden (BBl 2002 6851 f. 6904 6931 sow ie BBl 2003 5758 f.). 3.2 D ie Beschw erdefrist von Art. 108a AsylG ist nicht nach Kalendertagen, sondern nach Arbeitstagen bem essen. D er asylsuchenden Person stehen som it für die Er- hebung der Beschw erde gegen einen N ichteintretensentscheid volle fünf Arbeits- bzw . W erktage zur Verfügung. D a m angels ausdrücklicher gesetzlicher R egelung nicht ohne w eiteres klar ist, w elche Kalendertage bei der Berechnung der Frist nicht als Arbeitstage im Sinne von Art. 108a AsylG zu gelten haben, hat der Bun- desrat die Frage aus G ründen der R echtssicherheit in Art. 23 Abs. 3 der Verord- nung über die Schw eizerische Asylrekurskom m ission vom 11. August 1999 [VO AR K, AS 1999 2413] in der Fassung gem äss Ziff. I der Verordnung vom 24. M ärz 2004 (AS 2004 1659) geregelt und die näm liche Bestim m ung gleichzeitig m it Art. 108a AsylG in der Fassung gem äss Ziff. 1.2 des Bundesgesetzes vom 19. D e- zem ber 2003 über das Entlastungsprogram m 2003 auf den 1. April 2004 in Kraft gesetzt (AS 2004 1633 1647). Er hat sich dabei an der R egelung in Art. 20 Abs. 3 Vw VG orientiert und in Art. 23 Abs. 3 VO AR K bestim m t, dass bei der Berechnung der Frist für Beschw erden gegen N ichteintretensentscheide Sam stage, Sonntage, Feiertage des Bundes sow ie nach kantonalem R echt am W ohnsitz oder Sitz der Partei oder ihres Vertreters anerkannte Feiertage nicht als Arbeitstage gelten (vgl. dazu Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m issi- on [EM AR K] 2004 N r. 25 E. 3c S. 165 ff.). Im H inblick auf die am 1. Januar 2007 erfolgende Ablösung der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission als Beschw erde- instanz auf dem G ebiet des Asylrechts durch das Bundesverw altungsgericht hat der Bundesrat die VO AR K inzw ischen aufgehoben (vgl. Verordnung über die An- passung von Bundesratsverordnungen an die Totalrevision der Bundesrechtspfle- ge Ziff. 1 vom 8. N ovem ber 2006; AS 2006 4705). Art. 23 Abs. 3 VO AR K ist som it form ell nicht m ehr in Kraft. 3.3 Für das Bundesverw altungsgericht besteht ungeachtet dessen kein G rund, die Praxis zu ändern beziehungsw eise die für die Berechnung der Frist von Art. 108a AsylG nicht als Arbeitstage geltenden Kalendertage anders zu definieren, als dies im aufgehobenen Art. 23 Abs. 3 VO AR K vorgesehen w ar. Für die Berechnung der Beschw erdefrist gegen N ichteintretensentscheide nach den Art. 32-34 AsylG gel- ten Sam stage, Sonntage sow ie vom Bundesrecht oder vom kantonalen R echt am 5 W ohnsitz oder Sitz der Partei oder ihres Vertreters anerkannte Feiertage für die Berechnung der Beschw erdefrist w eiterhin nicht als Arbeitstage im Sinne von Art. 108a AsylG . 4. 4.1 D er Beschw erdeführer w ohnt in der im Bezirk Brem garten gelegenen G em einde (...) im Kanton Aargau. D ie angefochtene Verfügung des BFM w urde ihm dort am 4. April 2007 an seiner W ohnadresse eröffnet. D a der Beschw erdeführer im vorlie- genden Verfahren nicht vertreten w ird, ist für die Berechnung der Beschw erdefrist allein die kantonale Feiertagsregelung zu berücksichtigen, die an seinem W ohnsitz gilt. Im Kanton Aargau ist der Karfreitag (6. April 2007) gem äss § 9 der Vollziehungs- verordnung zum Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, G ew erbe und H andel (Arbeitsgesetz, SR 961.111 der aargauischen G esetzessam m lung) in säm tlichen Bezirken und G em einden ein anerkannter Feiertag und gilt daher nicht als Arbeits- tag; keine Arbeitstage sind ferner der O stersam stag (7. April 2007) und der O ster- sonntag (8. April 2007). D er O sterm ontag (9. April 2007) hingegen ist nicht in allen Bezirken des Kantons Aargau ein anerkannter Feiertag, so auch nicht im Bezirk Brem garten, zu dem die G em einde (...) gehört (vgl. § 9 Abs. 1 Bst. c Arbeitsge- setz). D ie für die Berechnung der Frist nach Art. 108a AsylG m assgeblichen fünf Arbeits- tage sind dem nach, D onnerstag, der 5. April 2007, O sterm ontag, der 9. April 2007, D ienstag, der 10. April 2007, M ittw och der 11. April 2007 und D onnerstag der 12. April 2007. 4.2 D ie dem Beschw erdeführer nach Art. 108a AsylG zur Verfügung stehende Frist für die Einreichung der Beschw erde gegen den N ichteintretensentscheid des BFM vom 3. April 2007 ist nach dem G esagten am 12. April 2007 abgelaufen. D ie erst am 13. April 2007 der Post zu H anden des Bundesverw altungsgerichts übergebe- ne Beschw erde ist dem nach verspätet eingereicht w orden, w eshalb auf diese nicht einzutreten ist. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschw erdeführer auf- zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ) und auf insgesam t Fr. 200.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE]). (D ispositiv nächste Seite)6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. Auf die Beschw erde w ird nicht eingetreten. 2. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 200.--, w erden dem Beschw erdeführer auf- erlegt. 3. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer (eingeschrieben; Beilage: Einzahlungsschein) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - das M igrationsam t des Kantons Aargau ad _______ D ie Abteilungspräsidentin: D ie G erichtsschreiberin: C laudia C otting-Schalch C orinne Krüger Versand am :