Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer III III 2022 7 Entscheid vom 30. März 2022 Besetzung lic.iur. Gion Tomaschett, Vizepräsident Monica Huber-Landolt, Richterin lic.iur. Karl Gasser, Richter MLaw Milena Pesic, a.o. Gerichtsschreiberin Parteien A.________, Beschwerdeführer, gegen Verkehrsamt, Schlagstrasse 82, Postfach 3214, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Strassenverkehrsrecht (Sicherungsentzug)2 Sachverhalt: A.Am 31. August 2021 hat das kantonale Verkehrsamt gegenüber A.________ (geb. ________1985) einen vorsorglichen Sicherungsentzug ange- ordnet. Die Wiederaushändigung des Führerausweises wurde vom Ergebnis ei- ner verkehrsmedizinischen Untersuchung abhängig gemacht. Diese vorsorgliche Sicherungsentzugsverfügung wurde u.a. damit begründet, dass A.________ am 18. Mai 2021 einen Personenwagen unter dem Einfluss von Medikamenten (Lo- razepam und Trazodon) gelenkt und dabei in nicht fahrfähigem Zustand mit an- deren Fahrzeugen kollidiert sei. B.In der Folge wurde am B.________ (Gutachterstelle) eine verkehrsmedizi- nische Untersuchung durchgeführt. Das entsprechende Gutachten wurde am 29. November 2021 erstattet (Eingang am 1.12.2021). Daraufhin wurde A.________ das rechtliche Gehör gewährt, welches er anlässlich eines Telefongesprächs vom 17. Dezember 2021 sowie mit einer gleichentags erfolgten Eingabe aus- schöpfte. C.Am 27. Dezember 2021 ordnete das Verkehrsamt einen Sicherungsentzug auf unbestimmte Zeit an. Als Voraussetzung für die Aufhebung des Entzuges wurde in Dispositiv-Ziffer 5 die Erfüllung von folgenden Auflagen festgehalten: Alkohol- und Medikamentenproblematik - Einhaltung einer mindestens 6-monatigen Alkohol- und Medikamentenabsti- nenz (Benzodiazepine/ Z-Hypnotika, Opiate/Opioide) gemäss der im Merkblatt festgehaltenen Vorgehensweise; - Regelmässige Besprechungen bei einer Fachperson für Suchtprobleme (Fachstelle für Suchtprobleme, Arzt, Psychiater oder Psychologe); Psychische Problematik - Regelmässige Behandlung der psychischen Erkrankung nach Dafürhalten des behandelnden Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie; - Striktes Befolgen der ärztlichen Weisungen inklusive Einnahme der Medika- mente wie verordnet. Sollte weiterhin die Verordnung potenziell suchterzeu- gender Medikamente notwendig sein, so sollte maximal ein psychotrop wirk- sames Medikament mit Suchtpotenzial verordnet werden. Die Verordnung muss ärztlicherseits strikt überwacht werden; Weiteres Vorgehen - Neubegutachtung (inklusive Haaranalyse) bei einem Arzt / einer Ärztin mit der Anerkennungsstufe 4 frühestens im April 2022; - Die Abstinenz sowie die Begleitgespräche sind über den Mindestzeitraum bis zur Neubegutachtung fortzusetzen; - Die Überprüfung der Abstinenz erfolgt mittels Haaranalyse. Für die Haaranaly- se werden mindestens 5 cm lange, kosmetisch unbehandelte, d.h. nicht ge- färbte, nicht getönte oder gebleichte Kopfhaare benötigt. Bei fehlender oder zu kurzer Kopfbehaarung (weniger als 5 cm) dürfen die Körperhaare (Arm-, Bein- oder Brusthaare) bis zur Neubegutachtung nicht rasiert werden;3 - Zur Neubegutachtung sind ein entsprechender Bericht über die Begleit- gespräche (Zeugnis: Fahreignung und Suchtmittel oder Bericht Therapiestelle) und ein ärztliches Zeugnis über die psychiatrische Behandlung (Fahreignung und psychische Erkrankung) mitzunehmen; - Evtl. Lernfahrausweis, theoretische und praktische Führerprüfung. D.Gegen diese Verfügung erhob A.________ fristgereicht Beschwerde beim Verwaltungsgericht (Eingang am 17.1.2022) mit dem folgenden Rechtsbegehren: Ablehnung/ nicht Verwertung des Gutachtens des B.________ infolge Falschin- formation und nicht komplett. Allenfalls erneute, kostenfreie Untersuchung durch das B.________. Mit Vernehmlassung vom 11. Februar 2022 beantragte das Verkehrsamt, die Be- schwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei, unter Kostenfolgen zu- lasten des Beschwerdeführers. Nach Zustellung dieser Vernehmlassung beantragte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 28. Februar 2022 die Durchführung einer mündlichen Verhand- lung, welche am 30. März 2022 stattgefunden hat. Das Verkehrsamt verzichtete konkludent auf die Teilnahme an dieser Verhandlung. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1Motorfahrzeugführer müssen über Fahreignung und Fahrkompetenz verfü- gen (Art. 14 Abs. 1 Strassenverkehrsgesetz [SVG, SR 741.01] vom 19.12.1958). Über Fahreignung verfügt, wer nach Art. 14 Abs. 2 SVG: a. das Mindestalter erreicht hat; b. die erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von Motorfahrzeugen hat; c. frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen beein- trächtigt; und d. nach seinem bisherigen Verhalten Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen. Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist die Fahreig- nung. Mit diesem Begriff umschreiben alle betroffenen wissenschaftlichen Diszi- plinen (insbesondere Medizin, Psychologie und Jurisprudenz) die körperlichen und geistigen Voraussetzungen des Individuums, ein Fahrzeug im Strassenver- kehr sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vor- liegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_79/2007 vom 6.9.2007 Erw. 3.1 mit Verweis auf die bundesrätliche Botschaft vom 31.3.1999 zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes; BBl 1999 S. 4462 ff., 4483 f.). 4 1.2.1 Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr be- stehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Art. 16d Abs. 1 SVG bestimmt überdies, dass der Führerausweis einer Person auf unbestimmte Zeit entzogen wird, wenn ihre kör- perliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein Motorfahrzeug sicher zu führen (lit. a), sie an einer Sucht leidet, welche die Fahr- eignung ausschliesst (lit. b) oder sie auf Grund ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen eines Motorfahrzeugs die Vorschrif- ten beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (lit. c). 1.2.2 Die einzelnen Tatbestände des Katalogs von Art. 16d Abs. 1 SVG dürfen weder eng noch streng ausgelegt werden; geboten ist eine Gesamtbetrachtung des Einzelfalls im Hinblick auf die Fahreignung. Nach dem früheren Recht ver- hielt es sich nicht anders und die diesbezügliche Gesetzesrevision hat nicht be- zweckt, den Anwendungsbereich des Sicherungsentzugs einzuengen. Vielmehr kommt es darauf an, dass der Entscheid über den Sicherungsentzug, der einen schwerwiegenden Eingriff in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen bedeu- tet, auf einer sorgfältigen Abklärung aller wesentlichen Gesichtspunkte beruht (Urteil BGer 6A.44/2006 vom 4.9.2006 Erw. 2.2). 1.2.3 Angesichts des in Art. 16 Abs. 1 SVG verankerten Grundsatzes muss ein Sicherungsentzug in jedem Fall angeordnet werden, wenn die Fahreignung nicht mehr gegeben ist. Unter Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG fallen alle medizinischen und psychischen Gründe, welche die Fahreignung ausschliessen (vgl. Botschaft, BBl 1999 S. 4491). 1.3.1 Ist die Fahreignung nicht mehr gegeben, ist ein Sicherungsentzug zwin- gend anzuordnen. Die Behörden haben in dieser Frage folglich kein Ermessen, was dem Zweck des Sicherungsentzuges (Gefahrenabwehr) entspricht und sich aus dem Wortlaut von Art. 16d Abs. 1 und 3 SVG ("wird … entzogen") ergibt. Ein Aufschub des Vollzuges eines Sicherungsentzuges, d.h. ein Aufschub der Rechtswirksamkeit eines Entzuges und der Rückgabe des Führerausweises, ist mit Blick auf die Wahrung der Verkehrssicherung ausgeschlossen (vgl. Bernhard Rütsche/Nadja D'Amico, in: Basler Kommentar zum SVG, Basel 2014, Art. 16d SVG N 6 mit Hinweisen). 1.3.2 Nachdem ein Sicherungsentzug im Interesse der Verkehrssicherheit in der Regel sofort zu vollstrecken ist, hat die verfügende Behörde einem allfälligen Rechtsmittel grundsätzlich die aufschiebende Wirkung zu entziehen bzw. die Rechtsmittelbehörde hat ein Gesuch um aufschiebende Wirkung im Grundsatz abzulehnen (vgl. Rütsche/D'Amico, a.a.O., Art. 16d SVG N 36).5 1.3.3 Nach Art. 17 Abs. 3 SVG kann der auf unbestimmte Zeit entzogene Füh- rerausweis bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat. Missachtet die betroffene Person die Auflagen oder missbraucht sie in anderer Weise das in sie gesetzte Vertrauen, so ist der Ausweis wieder zu entziehen (Art. 17 Abs. 5 SVG). 1.3.4 Während es beim Warnungsentzug um die Stichhaltigkeit einer strafrecht- lichen Anklage geht, bezweckt der Sicherungsentzug die Fernhaltung eines Fahrzeugführers vom Strassenverkehr aus Gründen der Verkehrssicherheit, und dies unabhängig vom Verschulden. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung (Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK) findet in Verfahren betreffend Sicherungs- entzüge daher keine Anwendung (vgl. Urteil BGer 1C_308/2012 vom 3.10.2012 Erw. 2.4 mit Verweis auf BGE 122 II 359 Erw. 2c S. 363; 1C_384/2011 vom 7.2.2012 Erw. 2.3.2). Allerdings ist zu beachten, dass nicht vage Verdachtsmomente ausreichen, son- dern vielmehr konkrete Anhaltspunkte gegeben sein müssen, die den Fahrzeug- führer als besonderes Risiko für die anderen Verkehrsteilnehmer erscheinen las- sen und ernsthafte Bedenken an seiner Fahreignung erwecken (vgl. u.a. BGE 122 II 364 Erw. 3a mit Hinweisen). 1.3.5 Wem der Führerausweis nach einem Sicherungsentzug wegen Alkohol- sucht unter der Auflage wiedererteilt worden ist, sich periodischen verkehrsmedi- zinischen Kontrolluntersuchungen zu unterziehen (insbesondere Urinkontrolle und Haaranalyse), dem kann der Führerausweis in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 Satz 2 sowie Art. 17 Abs. 5 SVG bei Missachtung der Auflagen direkt wie- der entzogen werden, ohne dass zuvor erneut verkehrsmedizinische Abklärun- gen hinsichtlich der Fahreignung vorgenommen werden müssten (vgl. Philippe Weissenberger, a.a.O., Art. 16d SVG N 32 mit Verweisen auf die Rechtspre- chung des Bundesgerichts). Analoges ist grundsätzlich auch für den Fall anzu- nehmen, wenn die Fahreignung wegen einer verkehrsrelevanten Medikamenten- abhängigkeit verneint und die Wiedererteilung des Führerausweises von einer Abstinenzauflage abhängig gemacht wurde, welche in der Folge missachtet wor- den ist. Die Nichteinhaltung einer ärztlich kontrollierten Abstinenzauflage führt demzufolge ohne weitere Zwischenschritte zwingend zum erneuten Führeraus- weisentzug (vgl. Philippe Weissenberger, Kommentar zum SVG, 2. A. 2015, Art. 17 SVG N 27). 6 1.4Der Richter ist gemäss der Rechtsprechung an die Auffassung des Exper- ten gebunden, soweit Fachfragen betroffen sind und soweit nicht triftige Gründe für eine abweichende Würdigung sprechen (vgl. Urteil BGer 1C_164/2020 vom 20.8.2020 Erw. 4.4 mit Verweis auf BGE 145 II 70 Erw. 5.5 S. 78; vgl. auch Urteil BGer 1C_147/2018 vom 5.10.2018 Erw. 5.1, BGE 132 II 257 Erw. 4.4.1; Urteil BGer 1C_5/2014 vom 22.5.2014 Erw. 3.3). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Fachberichts einer sachverständigen Person ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in voller Kenntnis der Aktenlage abgegeben worden ist, in der Beurteilung der Zusammenhänge und der Situation einleuchtet sowie ob die Schlussfolgerungen der sachverständigen Person begründet sind (vgl. zit. Urteil 1C_164/2020 vom 20.8.2020 Erw. 4.4 in Anlehnung an den Beweiswert von Arztberichten im So- zialversicherungsrecht, namentlich BGE 125 V 352 Erw. 3a). 1.5Die bundesgerichtliche Rechtsprechung anerkennt die Haaranalyse als ge- eignetes Mittel sowohl zum Nachweis eines übermässigen Konsums als auch der Einhaltung einer Abstinenzverpflichtung (BGE 140 II 334 Erw. 3 S. 337 mit Hin- weisen). Die Haaranalyse wird von dafür qualifizierten Labors vorgenommen. Die von ihnen gefundenen Ergebnisse sind Gutachten, von denen die zuständigen Behörden nicht ohne triftige Gründe abweichen dürfen. Dies ist nur zulässig, wenn die Glaubwürdigkeit des Gutachtens durch die Umstände ernsthaft erschüt- tert ist (BGE 140 II 334 Erw. 4.2.3 S. 391 mit Hinweisen). Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Be- weiserhebungen kann gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung (Art. 9 BV) verstossen (vgl. zit. Urteil 1C_615/2014 vom 11.5.2015 Erw. 1.3.2 mit Ver- weis auf BGE 133 II 384 Erw. 4.2.3 S. 391 mit Hinweisen). 2.Der Beschwerdeführer begründet die von ihm angestrebte Aufhebung der angefochtenen Verfügung vor Gericht mit den folgenden Ausführungen: Wie bereits bei meiner Stellungnahme vom 17.12.2021 beim Amt für Administra- tivmassnahmen bin ich nicht einverstanden mit den Auflagen. Dies insbesondere in diesen Fällen: 1. Falschinformation vom B.________ betreffend Testuntersuchung (Alkohol wurde getestet, obwohl dies vorgängig verneint wurde). 2. Das Schreiben von meinem Psychiater liegt mir vor und es wird keine Fah- runeignung ausgewiesen. 3. Betreffend der Einholung von weiteren Informationen ist ein Vorfall vom September 2020 aufgeführt, welcher keine Relevanz zur Fahreignung hat und nicht eingeholt hätte werden dürfen. 4. Auch eine weitere ärztliche Meinung (Hausarzt) sieht keine verkehrsrele- vante Problematik.7 Weiter hätte ich den Test beim B.________ unter diesen Umständen nie gemacht, ich kenne ja die Massnahmen bereits und würde niemals mit vorgängigem erhöh- tem Alkoholkonsum diesen Test machen. Also bei richtiger Information seitens B.________ wäre es niemals soweit gekommen und ich hätte den Fahrausweis am 18.05.2022 wieder und somit auch einen Job. Also mal im Ernst, so dumm bin nicht mal ich. Auch an der mündlichen Verhandlung wiederholte der Beschwerdeführer seine Kritik und namentlich sinngemäss, dass sich der Vorfall vom 18. Mai 2021 aus- schliesslich unter Medikamenteneinfluss ereignet habe, weshalb er bei der B.________-Begutachtung nicht mit einer Überprüfung des Alkoholkonsums ge- rechnet habe, zumal er diesbezüglich vorgängig nachgefragt habe. Wenn er ge- wusst hätte, dass beim B.________-Untersuch auch der vergangene Alkohol- konsum abgeklärt würde, hätte er den Untersuchungstermin abgesagt (bzw. auf einen späteren Zeitpunkt verschoben), da er im August an verschiedenen Anläs- sen (Geburtstag, Hochzeit etc.) mehr Alkohol (als sonst) konsumiert habe. Am Schluss der Verhandlung reichte der Beschwerdeführer ein Arztzeugnis seines behandelnden Psychiaters Dr.med. C.________ (D.________) vom 8. Dezember 2021 nach. 3.Aus den vorliegenden Akten sind zur Vorgeschichte und den konkreten Umständen, welche zur angefochtenen Verfügung führten, die nachfolgend auf- geführten Angaben zu entnehmen. 3.1Am 16. September 2016 verfügte die Vorinstanz einen vorsorglichen Siche- rungsentzug, weil der Beschwerdeführer als Lenker einen Unfall mit mindestens 2.18‰ verursacht hatte (vgl. Vi-act. 4, S. 2). 3.2In einem verkehrsmedizinischen B.________-Gutachten vom 3. Februar 2017 wurde die Fahreignung aufgrund eines verkehrsrelevanten Alkoholmiss- brauchs verneint, weil die Haaranalyse hinsichtlich des Alkoholmarkers Ethylglu- curonid (EtG) eine Konzentration von 85 pg/mg ergeben hatte und dieser Befund mit den Angaben des Beschwerdeführers zum Alkoholkonsum nicht vereinbar war (vgl. Vi-act. 4, S. 2). 3.3Nach Massgabe eines neuen B.________-Gutachtens vom 29. August 2017, welches die Einhaltung einer 6-monatigen Alkoholabstinenz bestätigte, wurde der Führerausweis am 1. September 2017 unter Einhaltung der Auflage einer Alkoholtotalabstinenz wieder ausgehändigt, wobei diese Auflage am 2. Juli 2019 aufgehoben wurde (Vi-act. 4, S. 2). 3.4Am 18. Mai 2021 lenkte der Beschwerdeführer auf der E.________-strasse in F.________ einen Personenwagen unter dem Einfluss von Medikamenten (Lo-8 razepam und Trazodon). Dabei kollidierte er mit einem vorausfahrenden Liefer- wagen (Auffahrkollision A). Anschliessend verursachte er beim Parkieren drei weitere Kollisionen (zunächst beim Rückwärtsfahren in ein Parkfeld kollidierte er mit dem Fahrzeug B; nach dieser Kollision fuhr er vorwärts und kollidierte mit dem Fahrzeug C, worauf er erneut rückwärts fuhr und nochmals mit dem Fahr- zeug B kollidierte). Bei der anschliessenden Polizeikontrolle wirkte der Be- schwerdeführer sehr verlangsamt, mit verwaschener Aussprache, mit sehr unsi- cherem Stand und unsicherem Gang sowie mit eingeschränkter Feinmotorik (vgl. Vi-act. 1). 3.5Im B.________-Gutachten vom 29. November 2021 gelangten Dr.med. G.________ (Assistenzärztin) und Dr.med. H.________ (Oberärztin/ Fachärztin für Rechtsmedizin/ Verkehrsmedizinerin SGRM) u.a. zu den folgenden Ergebnis- sen (vgl. Vi-act. 4). Aufgrund des Ereignisses vom 18.05.2021, der Aktenlage sowie der im Rahmen der verkehrsmedizinischen Untersuchung erhobenen Befunde liegen bei Herrn … ein verkehrsrelevanter Medikamentenmissbrauch (Trazodon und Lorazepam) mit eingeleiteter Verhaltensänderung und ein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch mit Abhängigkeitscharakter sowie eine verkehrsrelevante psychische Problematik (intermittierende depressive Symptomatik) vor. Bei der aktuellen verkehrsmedizinischen Untersuchung wurde eine Urinprobenkon- trolle durchgeführt, die insgesamt negativ auf die getesteten Substanzen ausfiel, insbesondere auch negativ auf Trazodon und Benzodiazepine. Dies spricht dafür, dass Herr … zumindest in den Tagen vor der verkehrsmedizinischen Untersu- chung keine der aufgeführten Substanzen konsumiert hat. Aufgrund der Vorge- schichte und der Tatsache, dass bereits in der Vergangenheit eine Diskrepanz der Konsumangaben und des gemessenen EtG-Wertes bei der verkehrsmedizinischen Untersuchung festgestellt werden konnte, sowie den Angaben zum Alkoholkonsum im Rahmen der aktuellen verkehrsmedizinischen Untersuchung, wurde zur Über- prüfung des Alkohol- und Medikamentenkonsumverhaltens eine Haarprobenanaly- se in Auftrag gegeben. Die Haaranalyse wurde aufgrund fehlender Kopfhaare mit Beinhaaren durchgeführt und dürfte grob abgeschätzt Auskunft über den durch- schnittlichen Konsum mindestens der letzten drei bis sechs Monate vor Sicherstel- lung der Haarprobe vom 18.10.2021 geben. In der Haarprobe konnte der Alkohol- konsum-Marker Ethylglucuronid in einer Höhe von 100 pg/mg nachgewiesen wer- den. Dieser Wert spricht für einen starken, chronischen und somit risikoreichen Al- koholkonsum und steht im Widerspruch zu den Angaben von Herrn …, wonach er ca. zweimal pro Woche jewiels etwa 5-6 Bier à 0.5 Liter trinke. Herr … hatte zwar einen regelmässigen Alkoholkonsum geltend gemacht, aber der nachgewiesene EtG-Wert fällt doch deutlich höher aus, als aufgrund der anamnestischen Angaben zu erwarten gewesen wäre. Dies spricht für eine Bagatellisierung bzw. Unterschät- zung des Alkoholkonsums und ist als erhebliches Risiko für eine erneute Trunken- heitsfahrt zu werten. Da Herr … bereits in der Vergangenheit seinen Alkoholkon- sum unterschätzt hat und eine Alkoholabstinenz aufgrund eines verkehrsrelevan- ten Alkoholmissbrauchs einhalten musste, ist diese erneute Fehleinschätzung als besonders kritisch zu werten. Scheinbar ist ihm nach Beendigung der Abstinenz 9 die Einhaltung eines moderaten Alkoholkonsums nicht gelungen. Die Analysen zur Abklärung des Medikamentenkonsums ergaben ein positives Resultat für das Anti- depressivum Trazodon, wodurch die Einnahme/ Applikation dieses Wirkstoffes bewiesen ist. Die festgestellte Konzentration liegt im mittleren Bereich der uns be- kannten Vergleichswerte. Gemäss den Angaben von Herrn … wurde ihm das Tra- zodon von seinem Psychiater verschrieben. Die letzte Einnahme habe am 29.06.2021 stattgefunden. Für alle weiteren getesteten Substanzen, insbesondere für Benzodiazepine, ergab die Analyse ein negatives Resultat für den genannten Zeitraum. Das Resultat steht im Einklang mit den Angaben von Herrn …, wonach er zuletzt am 18.05.2021 das Benzodiazepin Lorazepam eingenommen habe. Bei der verkehrsmedizinischen Untersuchung fiel ein erhöhter Blutdruck auf. (…) Gemäss den uns vorliegenden ärztlichen Berichten ist bei Herrn … eine intermittie- rende depressive Symptomatik bekannt, aufgrund derer er gemäss seinen Anga- ben in psychiatrischer Behandlung ist und das Antidepressivum Trittico bis Juni 2021 eingenommen hat. Zudem besteht eine Schlafproblematik, die zu einer chro- nischen Erschöpfung bzw. Müdigkeit führe. Die Abklärungen diesbezüglich seien noch nicht abgeschlossen. Am 03.09.2020 sei es zu einer akuten Alkoholintoxika- tion mit einem Ethanol-Spiegel von 1.9 Promille gekommen. Anlässlich der ver- kehrsmedizinischen Untersuchung fanden sich keine konkreten Hinweise auf eine relevante depressive Symptomatik. Wie bereits festgehalten, lag zum Zeitpunkt des Gutachtensabschlusses der wie- derholt angeforderte Bericht des behandelnden Psychiaters nicht vor. (…) Obwohl sich Herr … hinsichtlich des Ereignisses und seines Medikamentenkon- sums problemeinsichtig zeigte und eine Verhaltensänderung einleiten konnte, muss aufgrund des festgestellten chronischen, risikoreichen Alkoholkonsums, der Diskrepanz zwischen den Konsumangaben und des gemessenen EtG-Werte, der Vorgeschichte mit bereits stattgehabter Trunkenheitsfahrt und Auflagenverfügung sowie einer Alkoholintoxikation im September 2020 bei bekannter psychischer Problematik (intermittierende depressive Symptomatik) derzeit von einer ungünsti- gen Prognose ausgegangen werden. Es besteht ein erheblich erhöhtes Risiko, dass Herr … künftig wieder ein Fahrzeug unter Alkoholeinfluss lenken wird. Die Fahreignung von Herrn … muss aufgrund eines verkehrsrelevanten Al- koholmissbrauchs mit Abhängigkeitscharakter, eines verkehrsrelevanten Medikamentenmissbrauchs mit eingeleiteter Verhaltensänderung und einer psychischen Problematik (intermittierende depressive Symptomatik) bei Nachweis eines chronischen, risikoreichen Alkoholkonsums negativ beurteilt werden. 4.Eine gerichtliche Würdigung des vorstehend dargelegten B.________- Gutachtens vom 29. November 2021 zeitigt folgende Ergebnisse. Vorab ist fest- zuhalten, dass dieses Gutachten lege artis erstellt wurde und die in der Recht- sprechung erarbeiteten Kriterien erfüllt, damit der Beweiswert dieses Gutachtens anerkannt werden kann (vgl. oben Erwägung 1.4). Der im Gutachten festgestellte verkehrsrelevante Medikamentenmissbrauch wird vom Beschwerdeführer vor Gericht nicht substantiiert in Frage gestellt. An der Verhandlung erklärte er glaubhaft, dass er diesen Medikamentenkonsum seit längerem beendet habe.10 Soweit der Beschwerdeführer pauschal auf seinen Psychiater und seinen Haus- arzt verweist, kann er daraus für das vorliegende Verfahren nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal es sich bei diesen Ärzten nicht um ausgebildete Ver- kehrsmediziner handelt. Im nachgereichten Zeugnis des behandelnden Psychia- ters Dr.med. C.________ werden folgende Diagnosen gestellt. Schädlicher Alkoholkonsum ICD 10.1; phasenhaft, z.Zt. seltener Konsum Angst u. depressive Störung gemischt F41.2 Anakastische Persönlichkeitsanteile mit Selbstüberforderung Unbehelflich ist der Einwand, wonach sinngemäss "ein Vorfall vom September 2020" nicht hätte berücksichtigt werden dürfen. Dieser Vorfall wurde im Austritts- bericht des Spitals D.________ vom 18. Mai 2021 angeführt, wo eine akute Al- koholintoxikation bzw. ein Ethanol-Spiegel von 1.9‰ erwähnt wird. An der münd- lichen Verhandlung relativierte der Beschwerdeführer diesen Vorfall dahinge- hend, dass er in der Dusche gestürzt und bewusstlos gewesen sei, weshalb er per Rettungsdienst ins Spital gebracht worden sei. Es ist indes nicht ersichtlich, dass der damals erhobene Ethanol-Spiegel falsch gewesen sei. Bei dieser Sach- lage durften die begutachtenden Verkehrsmedizinerinnen - entgegen der Auffas- sung des Beschwerdeführers - auch diesen Ethanol-Spiegel als Teil der Vorge- schichte in die Gesamtbeurteilung einbeziehen. Sodann trifft es nach der Aktenlage zu, dass der Beschwerdeführer im Vorfeld vor der Begutachtung nachfragte, ob er eine Alkoholabstinenz einhalten müsse, was von der Assistenzärztin Dr.med. G.________ verneint wurde (vgl. Vi-act. 7/ Anhang; siehe auch Angaben anlässlich der mündlichen Verhandlung). In dieser Antwort ist indes keine Zusicherung zu erblicken, dass die Frage des Alkohol- konsums unter keinen Umständen geprüft werde. Vielmehr hatten die Gutachte- rinnen - nachdem sie aus dem Austrittsbericht des Spitals D.________ vom er- wähnten Ethanol-Spiegel vom 3. September 2020 Kenntnis erhielten - im Rah- men des Auftrags zur Prüfung der Fahreignung offenkundig auch Anlass, sich mit dem Alkoholkonsum des Beschwerdeführers auseinanderzusetzen, zumal aus der Vorgeschichte bzw. auf einem früheren B.________-Gutachten ein verkehrs- relevanter Alkoholmissbrauch bekannt war. Soweit nun der Beschwerdeführer nach Wiedererlangung des Führerausweises sich auf einen moderaten Alkohol- konsum beschränkt hätte, wäre mit einem Resultat der Haaranalyse in der Band- breite von einem EtG-Wert von 7 pg/mg EtG bis 29 pg/mg zu rechnen gewesen. Das tatsächliche Resultat von 100 pg/mg spricht nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts für einen chronischen, übermässigen Alkoholkonsum (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_491/2017 vom 9.5.2018 Erw. 3.2; BGE 140 iI 334 Erw. 7 S. 340; siehe auch VGE III 2020 33 vom 3.6.2020 Erw. 1.3). 11 5.Auch wenn die Ausführungen des Beschwerdeführers anlässlich der münd- lichen Verhandlung nachvollziehbar sind und es glaubhaft erscheint, dass er im Wissen um eine Prüfung des Alkoholkonsums den B.________-Untersuch auf später verschoben hätte, kann das Gericht nach ständiger Rechtsprechung die Einschätzung der B.________-Sachverständigen nicht unbeachtet lassen. Mit anderen Worten ist es nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz in der ange- fochtenen Verfügung einen Sicherungsentzug mit den erwähnten Auflagen an- geordnet hat. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund des Zeitablaufs die in der angefochtenen Verfügung enthaltene Neubegutachtung (ab April 2022) in die Wege geleitet werden kann. Aus all diesen Gründen erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abgewiesen wird. Diesem Ergebnis entsprechend werden die Verfahrenskos- ten dem Beschwerdeführer auferlegt.12 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten (Gerichtsgebühr, Kanzleikosten und Barauslagen) werden auf Fr. 900.-- festgelegt und dem Beschwerdeführer auferlegt. Er hat einen Kostenvorschuss in gleicher Höhe bezahlt, so dass die Rechnung ausgeglichen ist. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwerde* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, 1000 Lau- sanne 14, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). Soweit die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nicht zulässig ist, kann in derselben Rechtsschrift subsidiäre Verfassungsbe- schwerde* erhoben und die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden (Art. 113ff. BGG). 4. Zustellung an: -den Beschwerdeführer (R) -die Vorinstanz (EB) -und das Bundesamt für Strassen, Sekretariat Administrativmassnah- men, 3003 Bern (A). Schwyz, 30. März 2022 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die a.o. Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 7. April 2022Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer III