Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Juli 2016 (725 16 50) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht zu Recht verneint; beim massgebenden Ereignis handelt es sich weder um einen Unfall nach Art. 4 ATSG noch um eine unfallähnliche Körperschädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1966 geborene A.____ ist seit dem 1. Januar 1988 bei B.____ als Lokomotivführer angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfa llversicherungsanstalt (SUVA) obligato- risch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrank heiten versichert. Am 13. August 2015 liess A.____ der SUVA durch seine Arbeitgeberin ein en Unfall melden. Am 11. August 2015 sei er in X.____ bei der Entsorgungszentrale gewesen un d habe beim Ausladen aus seinem Transportanhänger einen schweren Gegenstand angehob en und sich gleichzeitig nach links Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht abgedreht, um den Gegenstand in die Mulde zu werfen . Dabei habe er einen stechenden Schmerz im Rücken verspürt. Der erstbehandelnde Arzt, Dr . med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte im Arztzeugnis UVG vom 26. August 2015 eine Facettenge- lenksblockade und schrieb den Versicherten ab 11. August 2 015 arbeitsunfähig. Ab 14. August 2015 könne A.____ seine Arbeit im Umfang von 100% wieder aufnehmen. Der Behandlungsab- schluss sei am 15. August 2015 erfolgt. Nach Durchführung weiterer Abklärungen hielt die SUVA fest, dass weder ein Unfall noch eine unfallähnli che Körperschädigung vorliege. In der Folge lehnte sie mit Verfügung vom 15. September 2015 einen Anspruch von A.____ auf Versi- cherungsleistungen ab. Daran hielt sie auch auf Einsprac he des Versicherten hin mit Entscheid vom 4. Februar 2016 fest. B. Hiergegen erhob A.____ am 12. Februar 2016 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er bean tragte sinngemäss, in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 4. Februar 2016 sei die SUVA zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der Unfallbegriff erfüllt sei. Eventualiter sei eine unfallähnliche Körperschädigung zu bejahen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. März 2016 schloss die S UVA auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Schreiben vom 6. Mai 2015 nahm der Beschwerdefü hrer Stellung zur Vernehmlas- sung der Beschwerdegegnerin und hielt an seinen eingangs gestellten Rechtsbegehren fest. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Y.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 12. Februar 2016 ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall handelt es sich lediglich um eine einmalige ärzt- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht liche Behandlung sowie um eine Arbeitsunfähigkeit von w enigen Tagen. Unter diesen Umstän- den liegt der Streitwert unter Fr. 10‘000.--, sodass die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2. Streitig und zu prüfen ist im Folgenden, ob die Be schwerdegegnerin zu Recht die Übernahme von Versicherungsleistungen in Bezug auf den V orfall vom 11. August 2015 abge- lehnt hat. In diesem Zusammenhang ist zu beurteilen, o b es sich bei diesem Ereignis um einen Unfall im Rechtssinne bzw. um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). 3.2 Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädig ende Einwirkung eines ungewöhnli- chen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die ei ne Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 3.3 Der äussere Faktor ist das zentrale Begriffscharakte ristikum eines jeden Unfallereig- nisses; er ist Gegenstück zur – den Krankheitsbegriff konstitu ierenden – inneren Ursache (BGE 134 V 76 E. 4.1.1). Der äussere Faktor ist ungewöh nlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Um stände in Betracht fallen. Definitions- gemäss bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkei t nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selbst (BGE 13 4 V 76 E. 4.1, 129 V 404 E. 2.1, 122 V 233 E. 1, je mit Hinweisen). Ohne Belang für d ie Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartet e Folgen nach sich gezogen hat. Ausschlaggebend ist, dass sich der äussere Faktor vom Normal mass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt (BGE 134 V 80 E. 4 .3.1). Bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere beschränken (wie etwa bei Muskel- und G elenkschmerzen, einer Lumbago oder Hernien), unterliegt der Nachweis der Ungewöhnl ichkeit des äusseren Faktors besonders strengen Anforderungen. Die unmittelbare Ursache der Schädigung muss in diesen Fällen unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt werden. Regelm ässig bedarf es – neben den übli- chen, dem täglichen Leben zuzuschreibenden, auf den Kör per einwirkenden Kräften – eines schadensspezifischen Zusatzgeschehens, damit ein Unfall angen ommen werden kann. Hinter- grund bildet der Umstand, dass ein Unfallereignis sich in der Regel in einer äusserlich wahr- nehmbaren Schädigung manifestiert, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlich- keit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BG E 134 V 80 E. 4.3.2.1, 99 V 138 E. 1; Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 2011, 8C_693/2010, E. 5.2). 3.4 Gemäss Lehre und Rechtsprechung kann der ungewöhnli che Faktor in einer unkoordi- nierten Bewegung oder in einer ausserordentlichen körpe rlichen Anstrengung bestehen (BGE 130 V 117 E. 2.1, 116 V 136 E. 3b m.w.H.; Urte il des Eidgenössischen Versicherungsge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht richts [EVG] vom 13. Februar 2006, U 144/06, E. 1, Urt eil des EVG vom 13. Dezember 2002, U 65/02, E. 1.2; vgl. U ELI KIESER /H ARDY LANDOLT , Unfall-Haftung-Versicherung, Zürich/St. Gal- len 2012, N 17 ff.; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 7 N 13). Bei unkoordinierten Bewegungen ist die Ungewöhnlichkeit zu bejahen, wenn der normale Bewegungsablauf durch etwas Programmwidriges unterbrochen oder gestört wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn der Versi cherte stolpert, ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder wenn er, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Ab- wehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (Urtei l des EVG vom 30. August 2001, U 277/99, E. 3c; Kranken- und Unfallversicherung – Rechts prechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1999 Nr. U 345 S. 420 E. 2b m.w.H.). Die Ung ewöhnlichkeit einer körperlichen An- strengung wird bejaht, wenn ein ganz aussergewöhnlicher Kraftaufwand erfolgte. Die Ausser- gewöhnlichkeit der Anstrengung ist jeweils im Hinblick a uf die Konstitution sowie die berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Perso n zu beurteilen. Bei berufsüblichen Tätigkeiten wird ausserdem darauf abgestellt, ob der b erufsübliche Ablauf durch ein besonde- res Element gestört wurde (BGE 116 V 139 E. 3b; K IESER /L ANDOLT , a.a.O., N 49; A LEXANDRA RUMO -JUNGO /A NDRÉ PIERRE HOLZER , Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, S. 41 m.w.H.). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren wird vom Un tersuchungsgrundsatz be- herrscht. Das Gericht hat den rechtserheblichen Sachverha lt von Amtes wegen, aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien abzuklären und festzustellen (vgl. BGE 117 V 263 E. 3b). Aus der Untersuchungsmaxime folgt auch das Prinzip der freien Beweiswürdigung, wonach das Gericht an kei ne förmlichen Beweisregeln gebunden ist (Art. 61 lit. c ATSG). Das gesamte Beweismaterial ist unvoreingenommen und sorgfältig auf dessen Stichhaltigkeit zu prüfen (vgl. LOCHER , a.a.O., § 68 N 3). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von i hrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofe rn das Gesetz nichts Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wah rscheinlichkeit zu fällen. Die blos- se Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den B eweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol gen, die es von allen möglichen Ge- schehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BG E 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). 4.3 Nach der Rechtsprechung hat die versicherte Person di e Umstände des als Unfall ge- meldeten Ereignisses glaubhaft zu machen. Zur Glaubhaft machung müssen über das konkrete Geschehen genaue und möglichst detaillierte Angaben n amhaft gemacht werden, aufgrund derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich übe r die Tatumstände ein klares Bild zu machen und diese in objektiver Weise abzuschätzen (vgl. BG E 114 V 305 E. 5b; Urteile des EVG vom 25. November 2004, U 209/04, E. 1.2 und vom 15. September 2004, U 234/04). Un- vollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben zum Geschehensablauf können die Verneinung der Leistungspflicht der Unfallversicherung zu r Folge haben. Im Streitfall hat das Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sozialversicherungsgericht zu beurteilen, ob die einzelnen Merkmale des Unfallbegriffs, insbe- sondere die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors, gegeben sind. Dabei kommt ihm ein nicht unerheblicher Beurteilungsspielraum zu (vgl. BGE 112 V 202 E. 1; RKUV 2003 U 485 S. 259; ALFRED MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 168). 4.4 Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten P erson ist gemäss Rechtspre- chung den Angaben, die von der versicherten Person kurz n ach dem Unfall gemacht wurden, meist grösseres Gewicht beizumessen als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers. Der Grundsatz, wonach die spontanen "Aussa gen der ersten Stunde" in der Re- gel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Schil derungen, die bewusst oder unbe- wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlich er oder anderer Art beeinflusst sein können, stellt eine im Rahmen freier Beweiswürdig ung zu berücksichtigende Entschei- dungshilfe dar. Sie kann jedoch nur zur Anwendung gel angen, wenn von zusätzlichen Abklä- rungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (Urtei l des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 m.w.H.; vgl. auch: Urteil des Bundes gerichts vom 22. September 2008, 8C_827/2007, E. 5.2). 5.1 In der Schadenmeldung UVG vom 13. August 2015 wur de der Sachverhalt von B.____, der Arbeitgeberin des Versicherten, wie folgt geschildert: Beim Ausladen des Anhä- ngers habe der Versicherte einen schweren Gegenstand ange hoben und sich gleichzeitig nach links gedreht, um den Gegenstand in die Mulde einzuwerf en. Dabei habe er einen stechenden Schmerz im Rücken verspürt. 5.2 Im Arztzeugnis UVG vom 26. August 2015 hielt Dr. C._ ___ fest, dass der Beschwerde- führer beim „Lüpfen“ plötzlich eine Blockade und einen stechenden Schmerz im Rücken gehabt habe. 5.3 Im Fragebogen der SUVA führte der Versicherte am 1. September 2015 aus, dass er Abfall (Elektroschrott) aus einem Sachentransportanhän ger entladen habe. Er habe eine alte Stereoanlage aus dem Anhänger gehoben, sich dabei nach links gedreht und das Objekt über die Mauer in die Mulde gestossen/geworfen. Der Beschwer deführer bejahte die Frage, ob sich etwas Besonderes (Ausgleiten, Sturz, Anschlagen, usw.) ereignet habe. Er führte diesbezüglich aus, dass er einen schweren Gegenstand (Elektroschrott) an gehoben und dabei eine Drehbe- wegung nach links gemacht habe. Die Schmerzen hätten sich sofort beim Drehen/Werfen erst- mals bemerkbar gemacht. 5.4 In seiner Einsprache vom 18. September 2015 gegen die leistungsablehnende Verfü- gung vom 15. September 2015 beschrieb der Versicherte den Unfallhergang folgendermassen: Die Mulde für Elektroschrott befinde sich tiefer geleg en hinter einer Mauer, die etwa einen Me- ter hoch sei. Da er den Anhänger nicht direkt neben de r Wand habe parkieren können, habe er die Sachen zur Mauer tragen oder vom Anhänger aus über die Mauer werfen müssen. So habe er eine alte schwere Stereoanlage vom Anhänger gehobe n, um diese in die Mulde zu werfen. Beim Anheben habe er eine Drehbewegung nach links gem acht und zum Werfen der Anlage über die Mauer angesetzt. Bei dieser Hebe-/Dreh-/Stossbewegung habe er sogleich einen star- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ken stechenden Schmerz im Rücken bemerkt. Als seine Frau ihm zuhause den Rücken mit ei- ner Salbe eingecremt habe, habe diese bemerkt, dass unmi ttelbar neben/bei der Wirbelsäule eine aussergewöhnliche „Erhebung“ gewesen sei. Der Besch werdeführer führte weiter aus, der Vorfall entspreche einem Unfall im Rechtssinne oder im merhin einer unfallähnlichen Körper- schädigung (Verrenkung des Rückens). Er habe sicher nicht d ie Absicht gehabt, sich beim Ent- laden des Anhängers Schmerzen zuzufügen. Durch das Anheben der schweren Anlage und das Drehen sei eine schädigende Einwirkung auf seinen Kö rper entstanden, nämlich das Her- ausspringen des Gelenks. Das Ganze sei für ihn ein ungewö hnliches Ereignis gewesen, denn zum einen entlade er selten schwere Sachgegenstände au s einem Anhänger, zum andern sei ihm bis heute noch nie ein Facettengelenk aus seinem Rücken herausgesprungen. 5.5 In der Beschwerdeschrift vom 12. Februar 2016 schil derte der Versicherte den Unfall- hergang im Wesentlichen gleich wie bereits in seiner Ein sprache. Neu brachte er vor, dass die Mauer, über die er den Elektroschrott habe werfen müsse n, mindestens zwei Meter von ihm entfernt gewesen sei. 6.1 Ausgehend von der Sachverhaltsdarstellung des Beschwe rdeführers, wonach er an- lässlich des Entsorgens von Elektroschrott eine alte Stereoanlage aufgehoben, eine Drehbewe- gung nach links sowie eine Stoss- bzw. Wurfbewegung vorge nommen und dabei einen ste- chenden Schmerz im Rücken verspürt habe, steht fest, dass de r Unfallbegriff im Sinne von Art. 4 ATSG nicht erfüllt ist. So fand gemäss seiner Schilderung keine unkoordinierte Bewegung in dem Sinne statt, dass der Bewegungsablauf durch etwa s Programmwidriges oder Sinnfälli- ges, wie ein Ausgleiten, ein Anschlagen oder ein refle xartiges Abwehren eines Sturzes etc., gestört worden wäre. Der natürliche Ablauf der Dreh- bzw. Wurfbewegung wurde nicht pro- grammwidrig durch einen äusseren Umstand beeinflusst. Etw as Derartiges wird vom Be- schwerdeführer auch nicht geltend gemacht. Unter Berücksich tigung der vorerwähnten gesetz- lichen Grundlagen sowie der Rechtsprechung (vgl. E. 3. 3 und 3.4 hiervor) kann das Gewicht des Elektroschrotts, namentlich der Stereoanlage an sich, – entgegen der Auffassung des Ver- sicherten – nicht den äusseren bzw. ungewöhnlichen Faktor darstellen. Die Dreh- bzw. Wurf- bewegung für das Ausladen und Entsorgen von Elektroschrott erfolgte objektiv betrachtet in der für dieses Vorhaben gewöhnlichen Bandbreite des Bewegu ngsmusters. Die Bewegung war weder ungewöhnlich noch unfallversicherungsrechtlich ein e relevante Programmwidrigkeit. Da- ran ändert auch der Umstand nichts, dass der Beschwerdefüh rer in seiner Einsprache geltend macht, dass das Ganze für ihn ein ungewöhnliches Ereignis gewesen sei, weil er selten schwe- re Sachgegenstände aus einem Anhänger entlade und ihm bis heute noch nie ein Facettenge- lenk aus seinem Rücken herausgesprungen sei. 6.2 Wie bereits erwähnt (vgl. E. 3.4 hiervor) kann der ungewöhnliche Faktor nicht nur in einer unkoordinierten Bewegung, sondern auch in einer ausserordentlichen körperlichen An- strengung (einer augenfälligen Überanstrengung) beste hen. Die Ungewöhnlichkeit ist zu beja- hen, wenn beim Heben oder Verschieben einer Last ein g anz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und zu einer Schädigung führt. Der 1966 geborene Beschwerdeführer hielt in seiner Stel- lungnahme vom 6. Mai 2016 unter anderem selber fest, dass er regelmässig Sport treibe, fit und überdurchschnittlich kräftig sei. Dies auch im Verg leich mit wesentlich jüngeren Männern. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hierzu ist festzustellen, dass das Ausladen und Entsorgen von alten Sachgegenständen (inkl. einer Stereoanlage) keinen Vorgang darstellt, welcher von einem zum Zeitpunkt des Ereignis- ses 48-jährigen Mann einen ganz aussergewöhnlichen Krafta ufwand erfordert. Unter diesen Umständen bestand weder eine unkoordinierte Bewegung noch eine ausserordentliche körper- liche Anstrengung. 6.3 Diese Schlussfolgerung entspricht zudem der bundesg erichtlichen Rechtsprechung. Zur Veranschaulichung und zum Vergleich mit dem vorlieg enden Fall sind nachfolgend einige Tätigkeiten oder Bewegungen aufzuführen, bei welchen praxisgemäss kein ungewöhnlicher Faktor vorliegt (RUMO -JUNGO /HOLZER , a.a.O., Art. 6 S. 44 ff.): - Tragen einer Hobelbank von 30 bis 40 kg auf dem Rücke n von einem oberen Stockwerk ins Erdgeschoss hinunter und Abstellen des Geräts auf den Bode n (SUVA-Jahresbericht 1942 Nr. 3a/2 S. 15); - Heben einer Korbflasche von 40 kg (SUVA-Jahresbericht 1942 Nr. 3a/1 S. 15); - Drehen in der Achse um einen Viertelkreis eines mehr als 150 kg schweren, in Hüfthöhe auf zwei Böcken liegenden Metallbalkens durch drei Arbeite r und Stoppen dieser Drehbewegung durch den Versicherten, als sich der Balken zur Seite neig t (SUVA-Jahresbericht 1958 Nr. 3c S. 16 f.); - leichtes Ausgleiten während des Abladens eines etwa 90 kg schweren steinernen Fenster- rahmens (SUVA-Jahresbericht 1957 Nr. 3a/1 S. 15). 6.4 Nach dem bereits Gesagten und unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Kasuis- tik (vgl. E. 6.3 hiervor) ist vorliegend nicht erstellt, dass ein besonderes Vorkommnis zu der erlit- tenen Rückenverletzung geführt hat. Damit ist der Un fallbegriff – in Übereinstimmung mit der vorinstanzlichen Auffassung – nicht erfüllt. 7.1 Zu prüfen bleibt, ob eine unfallähnliche Körpers chädigung vorliegt. Als tatbestands- mässige Gesundheitsschädigung gelten gemäss Art. 9 Abs. 2 d er Verordnung über die Unfall- versicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 die in lit. a bis h aufgeführten Körperschädigun- gen, auch wenn sie nicht durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor verursacht worden sind. Die Liste der den Unfällen gleichgestellten Körperschäd en ist abschliessend, weshalb Erweite- rungen durch Analogieschlüsse unzulässig sind (vgl. BGE 11 6 V 139 f. E. 4 a und 147 E. 2 b, 114 V 302 E. 3; A LFRED BÜHLER , Die unfallähnliche Körperschädigung, in: SZS 1996 S. 81 ff.). Es handelt sich gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV um: a) Knochenbrüche, b) Verrenkungen von Gelen- ken, c) Meniskusrisse, d) Muskelrisse, e) Muskelzerrungen, f) Se hnenrisse, g) Bandläsionen und h) Trommelfellverletzungen. 7.2 Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der med izinische Sachverhalt wie folgt dar: Nach dem Bericht von Dr. C.____ vom 26. August 2015 zog sich der Versicherte am 11. August 2015 eine Facettengelenksblockade zu. Noch am selben Tag konnte diese von Dr. C.____ wie- der gelöst werden. Am 10. September 2015 verneinte D r. med. D.____, FMH Chirurgie, die Frage, ob eine Schädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV vorliege. Er hielt fest, dass es sich bei einer Facettengelenksblockade nicht um eine unfallähnliche Körperschädigung handle. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 In pflichtgemässer Würdigung der vorstehend erwähn ten medizinischen Akten liegt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine tatbestandsmässige Gesundheitsschädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV vor. Der Beschwerdeführer spricht zwar in seinen Schreiben regelmässig von einer „Verrenkung“ seines Rückens oder vom „Heraussprin gen“ des Facettengelenks. Die ur- sprüngliche Diagnose seines Hausarztes lautete jedoch „Fa cettengelenksblockade“. Dies stellt gemäss Dr. D.____ keine unfallähnliche Körperschädigung dar. Darauf kann abgestellt werden, zumal weder die Facettengelenksblockade noch die Blocka de eines Gelenks im Generellen im abschliessenden Katalog des Art. 9 Abs. 2 UVV zu finden ist. 8. Nach dem Ausgeführten liegt weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädi- gung vor. Die Beschwerdegegnerin hat demnach ihre Leist ungspflicht für das Ereignis vom 11. August 2015 zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht