B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2625/2011 U r t e i l v o m 2 2 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richterin Jenny De Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Evelyn Stokar, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. April 2011 / N (…). E-2625/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heima t- staat am 15. November 2010 und reiste am 17. November 2010 in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Am 22. November 2010 fand im Empfangs - und Verfahrenszentrum Basel eine summar i- sche Anhörung des Beschwerdeführers statt. Eine einlässliche Befragung durch das BFM folgte am 21. März 2011. Der Beschwerdeführer machte dabei im Wesentlichen geltend, er sei von 1995 bis 1999 als Mitglied der LTTE in [Ortschaft] und in der Vanni -Region im Einsatz gewesen. Nach- dem er sich anlässlich eines Gefechts schwere Verletzungen zugezogen habe, habe er sich aus gesundheitlichen Gründen im [Arbeitsbereich] der LTTE ausbilden lassen, wo er bis im Jahr 2009 als [Berufsbezeichnung] beschäftigt gewesen sei. Danach habe er sich mit seiner jungen Familie ins Flüchtlingslager nach B._______ begeben. Dort sei er im Januar 2010 von der sri -lankischen Armee verhaftet und in einem Armee-Camp gefol- tert worden, bis er sich mit Hilfe eines Freundes gegen Geldzahlung habe freikaufen können. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit bei der LTTE werde er durch die sri -lankische Reg ierung verfolgt. Die sri -lankischen Behörden hätten ihn bereits als Befreiungskämpfer identifiziert. Aus di e- sen Gründen habe er sich nach seiner Freilassung entschieden, seine Heimat zu verlassen. Der Beschwerdeführer reichte im vorinstanzlichen Verfahren folgende Dokumente zu den Akten: - Kopie seiner Geburtsurkunde; - ein Schuldokument, ausgestellt am 31. Mai 2002, im Original; - diverse Fotos aus seinem Leben in Sri Lanka, die ihn unter anderem bei der Arbeit, als Soldat oder an seiner Heirat zeigen; - diverse sri-lankische Internetartikel zu Kriegsopfern in Sri Lanka; - Bestätigungen für Arztbesuche in der Schweiz; - Adresse seines Bruders in [Drittstaat], die auf einem FedEx - Lieferschein aufgeführt wird. E-2625/2011 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 4. April 2011 – dem Beschwerdeführer eröffnet am 6. April 2011 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwer deführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. Zur Begründung führte das BFM aus, die Vorbringen vermöchten den Anfo r- derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht zu genügen. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 6. Mai 2011 an das Bundesverwaltungsg e- richt focht der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin die Verf ü- gung des BFM an und beantragte , die Verfügung der Vorinstanz sei au f- zuheben, es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit oder allenfalls die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festz u- stellen und die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtl i- cher Hinsicht wurde um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Der Beschwerde wurden folgende Beweismittel beigelegt: - Foto Nr. 1 – der Beschwerdeführer bei der Arbeit als [Berufsbezeich- nung]; - Foto Nr. 2 – [Räumlichkeiten des Arbeitsorts]; - Bericht der ETH Zürich "(…)" vom (…) 2007; - Medienbericht der Nachrichtenagentur TamilNet "(...)" vom (…) 2005; - Medienbericht der Nachrichtenagentur TamilNet "(...)" vom (…) 2005; - Medienbericht der Zeitung Tamil Guardian "(...)" vom (…) 2005; - Medienbericht der Nachrichtenagentur TamilNet "(...)" vom (…) 2008; - Foto Nr. 3 – drei unterschiedliche Ausschnitte eines Hochzeitfotos mit seiner Ehefrau; - Kurzbericht der Hilfswerksvertretung vom 21. März 2011; - Schreiben des Hausarztes Dr. med. (...) vom 27. April 2011. E-2625/2011 Seite 4 D. Mit Verfügung vom 16. Mai 2011 hiess die Instruktionsrichterin das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und verzicht e- te damit auch auf die Erhebung eines Kostenvorschusses . De r B e- schwerdeführer wurde zudem aufgefordert, dem Gericht innert angeset z- ter Frist zwei Arztberichte einzureichen und das Gericht über das Verfa h- ren im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer der [psychiatrische Klinik] auf dem Laufenden zu halten. E. Mit Ei ngabe vom 30. Mai 2011 reichte die Rechtsvertreterin des B e- schwerdeführers folgende weitere Beweismittel zu den Akten: - Arztbericht von Dr. med. (...) vom 20. Mai 2011; - Arztbericht von Dr. med. (...) vom 4. März 2011; - Heiratsbestätigung der LTTE vom 30. März 2005 mit deutscher Übersetzung; - behördliches Schreiben betreffend einer Bewilligung des Hol z- transports (versehen mit einem handschriftlichen Kommentar des Beschwerdeführers) vom 15. Oktober 2005 mit deutscher Übe r- setzung; - Antrag für eine Lebe nsmittelkarte durch die LTTE -Behörden vom (…) 2005 mit deutscher Übersetzung; - 3 Fotos, die den Beschwerdeführer in LTTE -Uniform und mit Waf- fe zeigen (versehen mit handschriftlichen Kommentaren des B e- schwerdeführers, welche auf Deutsch übersetzt wurden); - 3 Fotos, die den Beschwerdeführer bei seiner Arbeit bei m [LTTE Arbeitgeber] zeigen (ebenfalls handschriftlich kommentiert durch den Beschwerdeführer mit deutscher Übersetzung). F. In seiner Vernehmlassung vom 28. Februar 2012 führte das BFM im We- sentlichen aus , der Beschwerdeführer habe auch in seiner Rechtsmi t- teleingabe die im erstinstanzlichen Asylverfahren geltend gemachten Fluchtgründe nicht glaubhaft darlegen können. Es hielt an seinen bisheri- gen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. E-2625/2011 Seite 5 Der Vernehmlassung beigelegt war – auf vorgängige Aufforderung des Gerichts – ein Dienstreisebericht des BFM vom September 2010 zur La- ge in Sri Lanka. G. Mit Replik vom 20. März 2012 nahm die Rechtsvertreterin des Beschwe r- deführers zur Vernehmlassung des BFM Stellung, wobei sie insbesond e- re die Aussagekraft des im vorinstanzlichen Entscheid zitierten Dienstrei- seberichts des BFM in Zweifel zog. Im Übrigen hielt sie an ihre n Be- schwerdebegehren vollumfänglich fest. H. Mit Datum vom 6. Juni 2012 wurde ein weiteres Beweismittel – ein psy- chiatrischer Bericht des [psychiatrische Klinik], vom (…) 2012 – nachge- reicht. I. Nachdem mit Instruktionsverfügung vom 26. Juni 2012 dem BFM Gel e- genheit zur Stellungnahme zu den n euen Beweismitteln geboten wurde, nahm das BFM in seiner zweiten Vernehmlassung mit Datum vom 2. Juli 2012 hierzu Stellung und führte aus, die diagnostizierten gesundheitli- chen Probleme seien nicht als so gravierend zu bezeichnen, dass sie den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen lassen könnten . Dem Beschwerdeführer stünden – unter Hinweis auf einen COI -Report 2011, S. 130ff. – medizinische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. J. Im Zusammenhang mit der zweiten Vernehmlassung des BFM nahm die Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 12. Juli 2012 wie folgt Stellung: Da sich die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung auf einen bestimmten Bericht berufe, ohne dessen vollständige Quellenangabe zu nennen, ersuche sie um eine korrekte Bezeichnung des fraglichen Berichts sowie um die dies- bezügliche Gewährung des rechtlichen Gehörs. K. Mit Instruktionsverfügung vom 17. Juli 2012 wurde der Rechtsvertreterin die beantragte vollständige Quellenangabe zum fraglichen Bericht mitge- teilt und Gelegenheit zur Stellungnahme geboten. L. Die Rechtsvertreterin wies in ihrer Repli k vom 31. Juli 2012 zum COI - Report im Wesentlichen darauf hin, dem Bericht könne nicht entnommen E-2625/2011 Seite 6 werden, dass in Sri Lanka für tamilische Personen mit schwerer pos t- traumatischer Belastungsstörung psychotherapeutische oder psychiatr i- sche Behandlungs - und Therapiemöglichkeiten vorhanden und zugän g- lich wären. M. Mit Eingabe vom 5. September 2012 reichte die Rechtsvertreterin ein rechtskräftiges Urteil des 'Cour nationale du droit d'asile' vom (…) 2009 ein, worin das französische Gericht den Vater des Beschwerd eführers, C._______, als Flüchtling anerkannt hat. Im Zusammenhang mit dessen Asylverfahren in Frankreich wurden folgende Dokumente zu den Akten gereicht: - französische Ausweiskopien von C._______; - Beschwerde des Vaters an die 'Commission des recours des réfu- giés'; - Schreiben von (...), Member of Parliament in Sri Lanka, vom 6. Februar 2007 in sri-lankischer Sprache samt französischer Übe r- setzung; - Arztbericht vom 15. Juni 2007 zu C._______. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört z u den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-E-2625/2011 Seite 7 nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de ren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlin gen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz hielt in ihrer ablehnenden Verfügung fest, die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers seien aufgrund unlogischer und widersprüch-E-2625/2011 Seite 8 licher Schilderungen insgesamt unglaubhaft. So habe er an der Erstanhö- rung ausgesagt, er habe von Januar 1995 bis 1999 für die LTTE gearbe i- tet und sei dann im (...) 1999 ins Flüchtlingscamp eingetreten. Dagegen habe er an der Zweitanhörung angegeben, bis im Jahr 2008 für die LTTE tätig gewesen zu sein und sich erst im (...) 2009 ins Flüchtlingslager b e- geben zu haben. Seine Beschäftigung beim [LTTE Arbeitgeber] zwischen 2006 und 2008 sei an der Erstbefragung noch unerwähnt geblieben. Wei- ter hielt die Vorinstanz fest, die Beschreibungen des Beschwerdeführers seien weitgehend oberflächlich und schemenhaft ausgefallen. So habe er unter anderem nicht angeben können, wie lange ein Verhör durch das sri- lankische Militär jeweils gedauert habe, da er während den Befragungen bewusstlos geworden sei. Das BFM erachtete die Darstellung der Inha f- tierung, der Verhöre und der Haftentlassung durch den Beschwerdeführer als zu ungreifbar und unpersönlich, mithin als konstruiert. Schliesslich wi- dersprächen seine Schilderung zu seiner Freilassung gegen Geldzahlung und die Begleitung durch Armeeangehörige bis zum Schlepper in Colo m- bo der allgemeinen Erfahrung und Logik des Handel ns von Behörden mit Inhaftierten. 4.2 4.2.1 Die Rechtsvertreterin hielt auf Beschwerdeebene fest, dass der Be- schwerdeführer als LTTE -Kämpfer 1998 bei einem Gefecht schwer ve r- letzt worden sei und sechs Monate gelähmt im Krankenhaus und weitere zwei Jahre in Rehabilitation verbracht habe. Infolgedessen habe er in der [Abteilung] der LTTE zu arbeiten begonnen und sei schliesslich zum [Be- rufsbezeichnung] des Nachrichtensenders NTT befördert worden. Au f- grund der strengen Geheimhaltungspflicht der internen Abläufe habe es sich hierbei um eine sehr wichtige Funktion innerhalb der LTTE gehan- delt, weshalb er jahrelang im Visier der sri -lankischen Regierung gew e- sen sei. Sein Alias-Name sei "D._______" gewesen und (…). Im April 2009, kurz vor Kriegsende, sei es dem Beschwerdeführer und seiner Familie gelungen, aus dem Einflussbereich der LTTE zu entfliehen und sie hätten im Flüchtlingslager in B._______ Schutz gefunden. Der B e- schwerdeführer sei jedoch Monate später, im Januar 2010 , von Armee- angehörigen ver haftet und während seiner Gefangenschaft mindestens vier Mal verhört worden. Die Arme e habe seinen LTTE -Aliasnamen "D._______" gekannt und über seine Tätigkeit [beim LTTE-Arbeitgeber] Bescheid gewusst. Während diesen Anhörungen sei er dermassen schwer misshandelt worden, dass dies bis zur Bewusstlosig keit geführt habe. Die Foltererlebnisse hätten den Beschwerdeführer schwer traum a- tisiert. Die Freilassung aus der siebenmonatigen Haft sei für den B e-E-2625/2011 Seite 9 schwerdeführer sehr überraschend gekommen. Dies sei nach der erstma- ligen Kontaktaufnahme mit seinen Familienangehörigen möglich gewor- den. Die Haftentlassung habe allerdings die Zahlung von rund Fr. 30'000.- bedingt, welche durch seinen in [Drittstaat] ansässigen Bruder geleistet worden sei. 4.2.2 Dem Argument des BFM , die Vorbringen des Beschwerdeführers seien widersprüchlich, hielt die Rechtsvertreterin entgegen, dass der B e- schwerdeführer aufgrund seiner Erlebnisse in Sri Lanka schwer traumat i- siert sei und sich bei seiner Ankunft in der Schweiz gefürchtet habe, als Terrorist eingestuft zu werden. Diese Angst habe sich in seiner Erzähl- weise an der Erstbefragung zu erkennen gegeben. Er habe bewusst ke i- ne Details genannt und habe in seiner Schilderung gewisse Sachve r- haltselemente ausgelassen. Ferner weist die Recht svertreterin daraufhin, dass dem Beschwerdeführer bis zum Erhalt der ablehnenden Verfügung kein Rechtsbeistand zur Seite stand, der ihn über seine Rechte und Pflichten im Asylverfahren hätte aufklären können. Weiter sei dem Vo r- wurf der Vorinstanz, es fehle an persönlichen Empfindungen des B e- schwerdeführers, als er von den militärischen Verhören berichtete, zu wi- dersprechen. Der Beschwerdeführer habe an der Befragung durch das BFM, als er auf die Verhöre angesprochen wurde, deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es ihm schwer falle , über diese Ereignisse zu sprechen. Er sei sehr emotional gewesen und hab e mehrmals geweint. Dies habe auch die damals anwesende Hilfswerksvertreterin in ihrem Kurzbericht kommentiert. Weiter sei die Folgerung der Vorinstanz, das vom B e- schwerdeführer geschilderte Geschehen sei mit der Logik des Handelns der Behörden im Umgang m it Inhaftierten unvereinbar, unzutreffend. Ent- gegen den vorinstanzlichen Erwägungen sei Sri Lanka ein äusserst ko r- ruptes Land , und Haftentlassungen gegen Geld seien demnach nichts Unübliches. 4.2.3 Zusammenfassend sei der Beschwerdeführer in Sri Lanka als eh e- maliges LTTE-Mitglied in höchstem Masse gefährdet und erfülle offe n- sichtlich die Flüchtlingseigenschaft . Die Rechtsvertreterin stützt ihre Ei n- schätzung auf verschiedene Lage - und Menschenrechtsberichte zu Sri Lanka sowie auf diverse sri-lankische Medienberichte. 4.2.4 Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs hielt die Rechtsvertreterin – unter Verweis auf diverse Lage - und Medienberichte – den Erwägungen der Vorinstanz entgegen, dass eine Rückkehr aufgrund der aktuellen S i- cherheits- und Menschenrechtslage im Osten und Norden Sri Lankas als E-2625/2011 Seite 10 unzumutbar zu betrachten sei. Das BFM habe weiter zu Unrecht fes t- gehalten, dass der Beschwe rdeführer über ein ausreichendes Bezie- hungsnetz in seiner Heimat verfüge. So habe er seit seiner Verhaftung keinen Kontakt mehr zu seiner Frau und seinen Kindern aufnehmen kö n- nen. Seine Mutter sei früh verstorben , und nach der Wiederverheiratung seines Vaters habe er den Kontakt zu diesem verloren. Schliesslich sei der Vollzug der Wegweisung auch in medizinischer Hinsicht mit höchster Wahrscheinlichkeit unzumutbar. Der Beschwerdeführer leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung und befinde sich derzeit in ärztl i- cher Untersuchung. Die mit Eingabe vom 30. Mai 2011 eingereichten Arztb erichte von Dr. med. (...) und Dr. med. (...) stellten nach Untersuchung des Beschwerd e- führers im Wesentlichen folgenden Befund fest: Der Beschwerdeführer habe eine Schussverletzung im Schulter- und Na- ckenbereich erlitten, wobei aufgrund der äus seren Verletzungsmerkmale und des langen Klinikaufenthaltes von einer traumatischen Läsion des hochzervikalen Myelons ausz ugehen sei. Offenbar habe initial eine Tetraplegie bestanden , von welcher der Beschwerdeführer sich inzwi- schen erfreulich gut erholt habe. Der Beschwerdeführer leide aktuell [ak- tuelle Beschwerden]. Nebenbefundlich sei eine Gehörsverminderung des rechten Ohrs festzustellen. 4.3 In seiner Vernehmlassung vom 28. Februar 2012 verwies das BFM auf seinen amtsinternen Dienstreisebericht vom 22. Dezember 2011, wel- cher in einer zur Edition geeigneten Fassung der Vernehmlassung beige- legt wurde . Hinsichtlich des zwischenzeitlich ergangenen Grundsatzu r- teils BVGE 2011/24 seien keine Ergänzungen anzufügen. Die im ersti n- stanzlichen Asylverfahren geltend gemachten Fluchtgründe habe der Be- schwerdeführer nicht glaubhaft machen können. 4.4 In der darauffolgenden Replik nahm die Rechtsve rtreterin zunächst Stellung zum Dienstreisebericht des BFM und stellte dessen Objektivität und Aussagekraft in Frage. Dieser entspreche keineswegs den geltenden Qualitätsstandards der " Country of Origin Information ". Der Bericht en t- halte indessen zahlreiche Informationen, die ihrerseits auf eine fortda u- ernde Gefährdung des Beschwerdeführers hinweisen würden. Mit Hi n- weis auf aktuelle Berichterstattungen zur Menschenrechtslage in Sri La n- ka hält die Rechtsvertreterin fest, dass rückkehrende Tamilen willkürlichen Verhaftungen, Folter und Misshandlungen ausgesetzt seien. E-2625/2011 Seite 11 Mit Eingabe vom 6. Juni 2012 wurde ein psychiatrischer Bericht, dati e- rend vom (…) 2012, zu den Akten gereicht . Darin wird festgestellt, dass das Vorliegen von erhöhter psychophysiologischer Erregung, Flash - backs, einschiessende Erinnerungen, Albträume etc. auf eine posttra u- matische Belastungsstörung hinweisen. Gleichzeitig seien Symptome wie Aufmerksamkeits- und Konzentrations - und Gedächtnisstörungen, au s- geprägtes Grübeln, negativer Affekt, Antriebsminderung, Schlafstörungen und sozialer Rückzug als eine depressive Störung zu interpretieren. Der Beschwerdeführer werde bis auf Weitere s im [psychiatrische Klinik], be- handelt. Eine psychische Stabilisierung sei nur durch regelmässige ps y- chiatrisch-psychotherapeutische Sitzungen zu erreichen. Aus ärztlicher Sicht führe eine Rückkehr des Beschwerdeführers mit grosser Wah r- scheinlichkeit zu einer Verschlechterung der Traumafolgestörung, was ei- ne geordnete Verarbeitung des Erlebten schwer behindern bis verunmög- lichen würde. Hinsichtlich der depressiven Störung sei bei einer Rückkehr ebenfalls mit einer Verschlechterung bis hin zur Suizidgefahr zu rechnen. 4.5 Das BFM nahm in seiner zweiten Vernehmlassung zum nachgereich- ten medizinischen Bericht Stellung und bezeichnete den Gesundheitsz u- stand des Beschwerdeführers als nicht derart gravierend, als dass der Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen könnte. In Sri Lanka seien im Bereich der psychischen Erkrankungen Behandlungs - und The- rapiemöglichkeiten vorhanden, wobei auf den UK Home Office, Country of Origin Information (COI) Report vom 4. Juli 2011 über Sri Lanka ve r- wiesen wird. 4.6 Zur zweiten Verneh mlassung des BFM nahm die Rechtsvertreterin wie folgt Stellung: Entgegen der Behauptung in der vorinstanzlichen Ve r- nehmlassung enthalte der ziti erte COI-Report vom 4. Juli 2011 keine An- gaben zu psychiatrischen Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten für Tamilen mit schwerer posttraumatischer Belastungsstörung in Sri Lanka. Es w ird indessen – basierend auf dem vorgenannten COI -Report und dem neueren Bericht der UK Home Office Border Agency vom März 2012 – festgehalten, dass angesichts des offensichtlichen Mangels an Psycho- therapeuten und Psychiatern in Sri Lanka für Angehörige der tamilischen Minderheit der Zugang zu einer Therapie nicht gewährleistet sei. Vorlie- gend komme nebst den psychischen Leiden eine körperliche Behind e- rung erschwerend hinzu. Die gemäss Arztbericht angeordnete notwendi- ge Behandlung in einem sicheren Umfeld sei Voraussetzung dafür, dass der Beschwerdeführer den normalen Lebensalltag überhaupt bewältigen könne. E-2625/2011 Seite 12 4.7 Mit Eingabe vom 5. September 2012 teilte die Rechtsvertreterin mit, dass der Beschwerdeführer zwischenzeitlich mit seinem Vater und seiner Ehefrau Kontakt aufnehmen konnte. Sein Vater sei in Frankreich als Flüchtling aufgenommen worden. Hierzu wurden ein rechtskräftiges Urteil des 'Cour nationale du droit d'asile' und weitere Beweismittel im Zusa m- menhang mit dem Asylverfahren in Frankreich beigelegt. Seine Frau lebe mit den zwei gemeinsamen Kindern als Flüchtling in Indien. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Abwägung sämtlicher Aussagen und unter Berücksichtigung der ausführlichen Lageanalyse des Bundesverwaltungsgerichts im Grundsatzurteil vo m 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24 ), welches sich einlässlich mit den Risikogruppen der auch nach Beendigung des Bürgerkriegs noch gefährdeten Personen auseinandersetzt, zum Schluss , dass das BFM das Asylgesuch des B e- schwerdeführers zu Unrecht abgewiesen hat. 5.2 Vorab ist zur vom BFM bestrittenen Glaubhaftigkeit der Vorbringen Folgendes festzuhalten: Grundsätzlich sind die Vorbringen eines G e- suchstellers dann glaubhaft, wenn sie genügen d substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allg e- meinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchste l- ler persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er seine Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte B e- weismittel abstützt, aber auch dann, wenn er wichtige Tatsachen unt er- drückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Int e- resse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glau b- haftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zu m strikten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des G e- suchstellers sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2010/57 E.2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekursko m- mission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5a, mit weiteren Hinweisen). 5.3 E-2625/2011 Seite 13 5.3.1 Die Durchsicht der Protokolle ergibt, dass die Schilderung der E r- eignisse den dargestellten Anforderungen durchaus zu genügen vermag. Hinsichtlich der durch die Vorinstanz vorgehaltenen Widersprüchlichkeit in den Vorbringen hält die Rechtsvertreterin in ihrer Beschwer debegrün- dung überzeugend entgegen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Erstbefragung schwer traumatisiert gewesen sei und aus Furcht vor einer Abschiebung nicht gewagt habe , die volle Wahrheit zu erzählen. Diese Begründung erscheint insbesondere plaus ibel, wenn man mitberücksich- tigt, dass dem Beschwerdeführ er zum damaligen Zeitpunkt kein Rechts- beistand im Verfahren beiseite stand. Der Beschwerdeführer war auf sich alleine gestellt und äusserst verunsichert. Die Rechtsvertreterin weist zu- treffend darauf hin, dass der Beschwerdeführ er zwar – mit Verweis auf die vorstehenden Gründe – anlässlich der beiden Befragungen nicht sämtliche Umstände genannt habe, indessen sei festzuhalten, dass ke i- nerlei frei erfundene Sachverhaltselemente hinzugefügt wurden. Die Sich- tung der Protokolle ergibt, dass der Beschwerdeführer in der Tat an der Erstbefragung angab, nur bis 1999 für die LTTE tätig gewesen zu sein, dagegen an der späteren einlässlichen Befragung neu ausführlich über seine Tätigkeit bis 2009 als [Berufsbezeichnung] beim [LTTE Arbeitgeber] berichtet. Seine diesbezüglichen Schilderungen sind – trotz der vorgängi- gen Verschweigung – genügend präzise und in sich schlüssig, um den Anforderungen der Glaubhaftigkeit standzuhalten. Dieses zusätzliche Vorbringen ist vielmehr als eine Erweiterung bzw. Ergänzung der bisheri- gen Vorbringen zu betrachten, als dass es einen Widerspruch zur Erstbe- fragung darstellen würde. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer se i- ne Tätigkeit bei der LTTE mittels Fotos zu untermauern vermochte (vgl. A21, S. 5 und 8f.) . Folglich kann – unter Berücksichtigung der genannten Umstände – der Auffassung der Vorinstanz, es seien Widersprüche zu er- kennen, die die Glaubhaftigkeit der Vorbringen erschüttern würden, nicht gefolgt werden. 5.3.2 Dem Vorwurf der Vorinstanz, die Aussagen bezüglich der militäri- schen Verhöre seien oberflächlich, schemenhaft und frei von persönl i- chen Empfindungen, ist – in Übereinstimmung mit der Darlegung in der Beschwerde – zu widersprechen. So ist die Antwort des Beschwe rdefüh- rers, er wisse nicht mehr, wie lange eine Befragung gedauert habe, da er währenddessen oft bis zu seiner Bewusstlosigkeit geschlagen worden sei (vgl. A21, S. 5), keineswegs als Scheingrund zu interpretieren, sondern erscheint vor dem gegebenen Hintergrund als durchaus plausibel. Weiter kann von einer traumatisierten Person nicht erwartet werden, dass auf die alleinige Frage 'Was haben Sie heute für ein Gefühl, wenn Sie an diese E-2625/2011 Seite 14 Anhörungen zurückdenken", eine präzise Beschreibung ihrer Empfindun- gen folgen würde. Der Beschwerdeführer hat hierauf durchaus begreiflich folgende Antwort zu Protokoll gegeben: "Was soll ich sagen? Erst hier bin ich etwas entspannter. (GS weint) Das Leben besteht aus Hoffnung, ich habe so vieles schon ertragen müssen und stehe nun heute vor Ihnen. (…)" (vgl. A21, S. 5) . Der Beschwerdeführer wendet sich mit dieser Aus- sage von den Erinnerungen an die geltend gemachten Misshandlungen ab, indem er sich auf seine aktuelle und künftige Situation konzentriert, denen er mit Hoffnung zu begegnen versucht . Diese Reaktion ist aus ei- nem psychologischen Blickwinkel als eine Form von Verdrängung zu in- terpretieren und demnach durchaus natürlich und nachvollziehbar. Ferner kann dem Beschwerdeführer hinsichtlich seiner Schilderung der Haftent- lassung nicht angelastet werden, sie sei zu unpersönlich und deswegen unglaubhaft. Die diesbezüglichen Protokollaussagen erweisen sich – ent- gegen der vorinstanzlichen Erwägung – als schlüssig und genügend pr ä- zis (A21, S. 6f.). Schliesslich überzeugt auch die Argumentation des BFM nicht, es widerspreche der allgemeinen Erfahrung und dem logischen Handeln, wenn die sri -lankische Armee einen LTTE -Gefangenen gegen Geldzahlung freilasse. Diesbezüglich ist die entgegenstehende Darstel- lung der Rechtsvertreterin, Haftentlassungen gegen Geldleistung seien in Sri Lanka nichts Unübliches, als zutreffend zu bezeichnen. Unter der Not- rechtsgesetzgebung wurden in den vergangenen Jahren Tausende LTTE- verdächtigte Personen inhaftiert (vgl. BVGE 2011/24, E. 7.6 m.w.H.). Ge- mäss öffentlich-zugänglichen Quellen ist die Korruption in Sri Lanka stark verbreitet und Schmiergeldforderungen durch die sri -lankischen Behö r- den stehen an der Tagesordnung. Vor diesem Hintergrund erscheint das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei gegen Zahlung in Höhe von umgerechnet Fr. 30'000.- frei gelassen worden, als durchaus plausibel. 5.3.3 Anhand zahlreicher Beweismittel gelingt es dem Beschwerdeführer, seine Vorbringen zu untermauern, wenn nicht sogar zu belegen . Es lie- gen nebst diversen Beweisfotos zu seiner LTTE -Tätigkeit – sowohl als Soldat als auch als [Beruf] – verschiedene Zeitungsartikel vor. Letztere berichten insbesondere über [LTTE Geschäftstätigkeit], bei welchem der Beschwerdeführer von 200 6 bis 2008 angestellt (vgl. A21, S. 3) war. Im Weiteren fällt bei der Durchsicht der Befragungsprotokolle auf, dass der Beschwerdeführer an mehreren Stellen – namentlich auf Ansprechen auf die gewaltsamen Verhöre hin – weint respektive mit den Tränen zu kämp- fen hat (vgl. A1, S. 6; A21, S. 3, 5 und 7). Die Emotionalität des B e- schwerdeführers ist ein weiterer Aspekt, der für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen spricht. Dies wird im Bericht der Hilfswerksvertretung best ä-E-2625/2011 Seite 15 tigt, indem sie anführt, der Beschwerdeführer habe sehr leise gesprochen und von Anfang an mit den Tränen gekämpft. Im Laufe der Befragung ha- be er heftiger geweint und versucht, seinen Gefühlen Ausdruck zu geben. Seine Aussagen erschienen der Hilfswerksvertretung nachvollziehbar und logisch. Ihrer Meinung nach müsse es sich beim Beschwerdeführer um einen traumatisierten Menschen handeln. Diese Betrachtungsweise der Hilfswerksvertretung ist unter Berücksichtigung der nachgereichten Arz t- berichte als zutreffend zu bezeich nen. Aufgrund der ärztlichen Unters u- chungen konnten die vom Beschwerdeführer geltend gemachten körperli- chen und psychischen Beschwerden medizinisch nachgewiesen werden (vgl. oben E. 4.2 und 4.4 ). Es ist somit festzuhalten, dass sämtliche Be- weismittel mit d em vom Beschwerdeführer geltend gemachten Sachver- halt übereinstimmen und die Glaubhaftigkeit der Vorbringen damit unte r- strichen wird. 5.3.4 Schliesslich konnte der Beschwerdeführer anhand eines Urteils des 'Cour nationale du droit d'asile' vom (…) 2009 belegen, dass sein Vater in Frankreich als Flüchtling anerkannt worden ist. Gemäss diesem Urteil und weiteren Unterlagen aus dem französischen Asylverfahren seines Va- ters hängen die Fluchtgründe seines Vaters eng mit den Vorbringen des Beschwerdeführers zusammen. So wird die LTTE -Tätigkeit des Be- schwerdeführers in sämtlichen Dokumenten seines Vaters , die im Z u- sammenhang mit dessen französischem Asylverfahren eingereicht wu r- den, explizit als dessen Verfolgungsgrund aufgeführt. Der Beschwerd e- führer spielte somit eine zentrale Rolle in den Vorbringen seines Vaters . Gestützt auf die entsprechenden Ausführungen des in Rechtskraft e r- wachsenen französischen Urteils konnte die Glaubhaftigkeit der Vorbri n- gen des Beschwerdeführers erneut bestärkt werden. 5.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine Vorbringen – im Wesentlichen die langjährige LTTE-Tätigkeit, der Zuzug einer schweren Verletzung als LTTE -Soldat und schliesslich die Inhaftierung und Misshandlungen durch das sri -lankische Militär – nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts als überwiegend glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG zu machen vermochte. 5.5 Es ist somit nachfolgend zu prüfen, ob der Beschwerdeführer heute - nach Beendigung der Kriegshandlungen - noch ein Risikoprofil aufweist, aufgrund dessen er mit Verfolgung zu rechnen hat. Dazu ist das Lageu r- teil des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Oktober 2011 (BVGE E-2625/2011 Seite 16 2011/24) heranzuziehen, welches sich ausführlich mit der Lage und den Kategorien aktuell gefährdeter Personenkreise auseinandersetzt. 5.5.1 So hielt das Gericht im erwähnten U rteil vom 27. Oktober 2011 ein- leitend fest, dass die Regierung Sri Lankas am 19. Mai 2009 offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE verkündet und Präsident R a- japakse den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet erklärt habe. Das Führungskader der LTTE sei der Medienberichterstattung zufolge komplett ausgelöscht worden. Hinweise auf aktive LTTE-Kader im Norden Sri Lankas gebe es keine. Die höchstrangigen LTTE -Kader seien entwe- der gefangen genomme n oder getötet worden (so auch der LTTE -Chef Velupillai Prabhakaran), oder sie hätten das Land verlassen können. Es gebe keine Anzeichen, dass die LTTE heute noch in der Lage wären, A n- griffe auf die Sicherheitskräfte oder sonstige Attentate auszuführen. Es sei somit davon auszugehen, dass im heutigen Zeitpunkt von den LTTE keine Verfolgungshandlungen mehr ausgingen und diese Organisation respektive deren Führungsverantwortliche nicht mehr als Verfolger in E r- scheinung treten könnten (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.1). 5.5.2 Sodann definiert das erwähnte Urteil diverse Personenkreise, die heute trotz der verbesserten Sicherheitslage seit Beendigung des militär i- schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausg e- setzt sind. Zum erhöht gefährdeten Persone nkreis gehören unter and e- rem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex-Generals Sarath Fonseka. Weiter gelten als ge- fährdet Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Pe r- sonen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen. Hinsichtlich der Gefährdung von abgewiesenen Asylbewerbern hält das Urteil fest, zwar könne nicht generell angenommen werden, dass abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz bei der Rückkehr nach Sri Lanka alleine aus diesem Grund in einen behördlichen Verdacht geraten, während ihres Aufenthaltes in der Schweiz Kontakte mit führenden LTTE -Kadern unter- halten zu haben. Weder das UNHCR noch andere Organisat ionen hätten bisher auf eine diesbezügliche, generell drohende Gefahr hingewiesen. Dies schliesse indessen nicht aus, dass abgewiesenen tamilischen Asy l- suchenden im Einzelfall nahe Kontakte zu LTTE -Kadern unterstellt we r- den könnten, was eine konkrete Gefäh rdung bedeuten könne. Die Ei n- schätzung einer diesbezüglich gearteten Gefahr könne nicht generell vo r- genommen werden, sondern hänge von den individuellen Gegebenheiten im Einzelfall ab. Je näher die betreffende Person in das Umfeld der oben E-2625/2011 Seite 17 beschriebenen Ri sikogruppen gerate, desto höher müsse die entspr e- chende Gefahr eingeschätzt werden, seitens der sri-lankischen Behörden der Entfaltung missliebiger politischer Kontakte respektive Tätigkeiten be- zichtigt und in der Folge in asylbeachtlichem Ausmass verfolgt zu werden (vgl. BVGE 2011/24 E.8). 5.5.3 Mit der Gefährdungssituation, jedoch im Hinblick auf eine EMRK - widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, hat sich auch der Europä i- sche Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. J a- nuar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, En t- scheid vom 31. Mai 2011). Auch der EGMR hält fest, dass nicht in gen e- reller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe u n- menschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich in s- gesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Fes t- nahme und Befragung ein Intere sse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrie- rung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE -Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheit s- kräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE - Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Ve r- wandtschaft mit einem LTTE-Mitglied (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Die- se Lageeinschätzung des Grundsatzurteils BVGE 2007/24 de s Bundes- verwaltungsgerichts ist weiterhin zutreffend und wird in der jüngsten Ei n- schätzung des UNHCR bestätigt (vgl. UNHCR: Eligibility Guidelines for Assessing the International Protection Needs of Asylum Seekers from Sri Lanka, 21. Dezember 2012). 5.5.4 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass d er Beschwerdefüh- rer – nachdem sich seine Vorbringen vorstehend als glaubhaft erwiesen haben – offenkundig der Gefährdungsgruppe der als 'politische Oppositi- onelle verdächtigten Personen' angehört. Der Beschwerdeführer war von E-2625/2011 Seite 18 1995 bis 1999 im Vanni-Gebiet als Soldat der LTTE im Einsatz. Zwischen 2006 und 2008 arbeitete er bei [LTTE Arbeitgeber]. Aus den eingereichten Beweisunterlagen sowie aus öffentlich zugänglichen Quellen geht hervor, dass die [Angaben zum Geschäftsbereich der LTTE]. Seine Tätigkeit bei [LTTE Arbeitgeber] beinhaltete unter anderem die [Tätigkeit bei LTTE] . Der Beschwerdeführer war somit jahrelang in der LTTE -Bewegung – zu- nächst als Kämpfer und später im (...) Bereich – aktiv. Dies geht nament- lich auch aus den als Beweismittel eingereichten Unterlagen des franz ö- sischen Asylverfahrens seines Vaters hervor. Als ehemaliges LTTE - Mitglied, das nach seiner langjährigen LTTE -Tätigkeit durch die sri - lankische Armee inhaftiert und unter Schmiergeldzahl ung wieder freig e- lassen wurde, ist der Beschwerdeführer in Sri Lanka einer erhöhten Ve r- folgungsgefahr ausgesetzt (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.1 sowie UNHCR: Eli- gibility Guidelines for Assessing the International Protection Needs of Asylum Seekers from Sri Lanka, 21. Dezember 2012, S. 26 f.). Die LTTE- Zugehörigkeit des Beschwerdeführers, seine Aktivitäten ebenso wie sein LTTE-Aliasname waren den sri -lankischen Behörden seinen glaubhaften Aussagen zufolge bekannt. D amit muss von einer erhöhten Verfolgungs- gefahr für den Beschwerdeführer ausgegangen werden. 5.5.5 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht unter Be- rücksichtigung sämtlicher Risikofaktoren zum Schluss, dass der B e- schwerdeführer bei einer Rückkehr wegen seiner LTTE-Zugehörigkeit ge- fährdet ist und eine zukünftige Verfolgung aufgrund einer relevanten Ve r- folgungsmotivation mit erheblicher Wahrscheinlichkeit gewärtigen muss. Dem Beschwerdeführer ist – nicht zuletzt auch aufgrund der erlittenen Vorverfolgung – auch heute noch eine begründete Furcht vor Ve rfolgung im Sinne von Art. 3 Asyl zu attestieren. 5.5.6 Gründe für eine Verweigerung des Asyls gemäss Art. 53 AsylG we- gen Verletzung oder Gefährdung der inneren oder äusseren Sicherheit der Schweiz liegen nicht vor. Ein Ausschluss aus der Flüchtlingseige n- schaft wegen verwerflicher Handlungen gemäss Art. 53 AsylG ist ebe n- falls zu verneinen. Dass der Beschwerdeführer seit seiner schweren Ver- letzung im Jahr 1998 nicht mehr als Soldat der LTTE, sondern nach sei- ner medizinischen Rehabilitation beim [LTTE Arbeitgeber] beruflich wie- dereinstieg, konnte er glaubhaft darlegen. Über s eine Aufgaben beim [LTTE Arbeitgeber] konnte er unter anderem anhand Beweisfotos übe r- zeugend Bericht erstatten (vgl. A21, S. 5). Dies geht auch aus den übri- gen Beweismitteln, namentlich den Gerichtsakten aus dem französischen Asylverfahren seines Vaters, widerspruchsfrei hervor. Praxisgemäss ist E-2625/2011 Seite 19 zur Erfüllung der Asylunwürdigkeit ein konkreter Tatbeitrag an entspre- chenden Handlungen, namentlich an einem gemeinstrafrechtlichen, g e- gen Leib und Leb en gerichtete n Verbrechen erforder lich. Es bestehen gemäss Aktenlage jedoch keine Hinweise dafür, dass sich der Beschwer- deführer an Gewalttaten oder Terrorismus-Akten der LTTE beteiligt hatte. Aus den Verfahrensunterlagen sind ferner auch keine führenden Funktio- nen des Beschwerdeführers im Laufe seiner gesamten LTTE-Tätigkeit er- sichtlich. Dem Beschwerdeführer kann somit nicht, wie durch die geltende Praxis (vgl. BVGE 2011/29 E. 9 m.w.H.) verlangt, mit der erforderlichen Gewissheit ein konkreter und individu eller Tatbeitrag zu verwerflichen Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG vorgeworfen werden. Die blosse Mitgliedschaft bei den LTTE reicht nicht zur Bejahung einer Asylunwü r- digkeit. Die Flüchtlingseigenschaft ist ihm daher zuzuerkennen und das Asyl zu gewähren. 5.6 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt sich die Prüfung der Beschwerdebegehren hinsichtlich der Zulässigkeit resp. Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und der Anordnung der vorläufigen Aufnahme. 6. Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der B eschwerde die angefoch - tene Verfügung aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den Be - schwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 8. Sodann ist dem vertretenen Beschwerdeführer angesichts seines Ob - siegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle - ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 17 3.320.2) eine Entschädi - gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre - chen. Mit Faxeingabe vom 26. November 2012 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers die Kostennote für die im Beschwerdeverfahren vom 6. Mai 2011 bis 26. November 2012 angefallenen Kosten ein. G e- mäss Kostennote werden ein zeitlicher Aufwand von insgesamt 27 Stun-E-2625/2011 Seite 20 den bei einem Stunden ansatz von Fr. 1 50.– und Auslagen in der Höhe von Fr. 394.– (Dossiereröffnungspauschale, Übersetzungskosten, Porti) geltend gemacht. Das Gericht erachtet den zeitlichen Aufwand insgesamt nicht als vollumfänglich angemessen . 13 Stunden für das Verfa ssen der zwanzigseitigen Verwaltungsbeschwerde entsprechen nicht einem pra- xisüblichem Aufwand, zumal daneben zusätzliche 3.5 Stunden für die Be- sprechung mit dem Klienten und 2 Stunden für das Aktenstudium in Rechnung gestellt wurden. Eine Kürzung des zeitlichen Aufwands von 13 auf 8 Stunden erscheint adäquat. Der Aufwand für die Erstellung der Kos- tennote sowie die Dossiereröffnung wer den praxisgemäss nicht entsch ä- digt. Somit resultiert ein Gesamtaufwand von 21.5 Stunden zuzüglich die Übersetzungskosten und Porti. Dem Beschwerdeführer ist somit unter Berücksichtigung der Bemessungsgrundsätze nach Art. 7 ff. VGKE eine Parteientschädigung zu Lasten des BFM in der Höhe von Fr. 3'569.- (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-2625/2011 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 4. April 2011 wird aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu erteilen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 3'569.– (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertst euer) zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Lhazom Pünkang Versand: