Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 26. November 2014 (810 14 164) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Edgar Schürmann, Gerichtsschreiber Marius Wehren Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Oliver Borer , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Weg weisung (RRB Nr. 863 vom 10. Juni 2014) A. Der niederländische Staatsangehörige A.____, geb oren 1980, reiste im Jahr 2006 in die Schweiz ein, wo er unter falschem Namen ein Asy lgesuch stellte. Nachdem er am 16. Au- gust 2007 einen negativen Asylentscheid erhielt, tauchte er unter. B. Am 15. Dezember 2010 reiste A.____ erneut in die Schweiz ein, wo ihm das Migrati- onsamt Basel-Stadt eine Kurzaufenthaltsbewilligung erteilte. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Am 10. Februar 2012 wandelte das Migrationsamt Ba sel-Stadt die Kurzaufenthaltsbe- willigung von A.____ in eine ordentliche Aufenthaltsb ewilligung (B-Bewilligung EU/EFTA) um, welche es am 3. Januar 2013 bis zum 10. Februar 2014 verlängerte. D. Nachdem A.____ am 24. Juli 2013 seinen Wohnsitz von Ba sel nach B.____ verlegt hatte, wurde ihm mit Schreiben des Amts für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) vom 7. Oktober 2013 unter Verweis auf seine Vorstrafen m itgeteilt, dass man den Widerruf sei- ner Aufenthaltsbewilligung und seine Wegweisung aus de r Schweiz prüfe und es wurde ihm diesbezüglich das rechtliche Gehör gewährt. E. Am 16. Dezember 2013 verfügte das AfM den Widerr uf der Aufenthaltsbewilligung von A.____ und dessen Wegweisung aus der Schweiz, wobei es e ine Ausreisefrist bis spätestens 17. Januar 2014 ansetzte. Zur Begründung wurde ausgef ührt, dass die Voraussetzungen für einen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung von A.___ _ – namentlich auch in Bezug auf die vo- rausgesetzte hinreichend schwere und gegenwärtige Gefähr dung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung – erfüllt seien. F. Die von A.____, vertreten durch Oliver Borer, Advoka t in Basel, gegen diese Verfü- gung erhobene Beschwerde wurde vom Regierungsrat des K antons Basel-Landschaft mit Ent- scheid vom 10. Juni 2014 abgewiesen. G. Mit Eingabe vom 23. Juni 2014 erhob A.____, nach wie vor durch Oliver Borer anwalt- lich vertreten, gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 10. Juni 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht. Er stellt den Antrag, es sei in Gutheissung der Beschwerde der Entsche id des Regierungsrats aufzuheben und es sei ihm die Aufenthaltsbewilligung zu belassen u nd zu verlängern. Am 25. August 2014 reichte der Beschwerdeführer die Beschwerdebegründung ein. H. In seiner Vernehmlassung vom 18. September 2014 bean tragt der Regierungsrat, es sei die Beschwerde unter o/e Kostenfolge abzuweisen. I. Mit Präsidialverfügung vom 23. September 2014 wurd e der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen. J. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten d ie Parteien an den gestellten Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Streitgegenstand bildet die Frage, ob der Widerru f der Aufenthaltsbewilligung des Be- schwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1 Das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländ er (AuG) vom 26. Dezember 2005 gilt für Ausländerinnen und Ausländer, soweit kei ne anderen Bestimmungen des Bundes- rechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche Ve rträge zur Anwendung gelan- gen (Art. 2 Abs. 1 AuG). Für Staatsangehörige der Mi tgliedstaaten der Europäischen Gemein- schaft (EG) gilt es nur so weit, als das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenos- senschaft einerseits und der Europäischen Union und ihre n Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA) vom 21. Juni 1999 keine abweiche nden Bestimmungen enthält oder wenn es günstigere Bestimmungen vorsieht (Art. 2 Abs. 2 AuG), was hier indes nicht der Fall ist. 4.2.1 Der Beschwerdeführer kann sich als niederländischer Staatsangehöriger auf das FZA berufen und hat aufgrund seiner Erwerbstätigkeit eine n Anspruch auf Erteilung einer Aufent- haltserlaubnis (Art. 4 FZA und Art. 6 Abs. 1 Anhang I FZA). Dieser Anspruch gilt jedoch, wie die Vorinstanzen zutreffend ausführen und vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird, nicht abso- lut. Er kann namentlich eingeschränkt werden, wenn von d er ausländischen Person eine hinrei- chend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentli chen Ordnung, Sicherheit oder Ge- sundheit ausgeht (Art. 5 Anhang I FZA). Dazu wird auf die Richtlinien 64/221/EWG (ABl. Nr. 56, 1964, S. 850), 72/194/EWG (ABl. Nr. L 121, 1972, S. 32) und 75/35/EWG (ABl. Nr. L 14, 1975, S. 10) Bezug genommen. 4.2.2 Nach Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 64/221/EWG da rf bei Massnahmen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit ausschliesslich das persönliche Verh alten der betreffenden Person ausschlaggebend sein, und nach Absatz 2 dieses Artikels können strafrechtliche Verurteilungen allein nicht ohne Weiteres diese Massnahmen begründen. Nach der gemäss Art. 16 Abs. 2 FZA zu berücksichtigenden Rechtsprechung des Europäischen Gerich tshofes (EuGH) und derjeni- gen des Bundesgerichts darf daher eine strafrechtliche V erurteilung nur insoweit als Anlass für eine Massnahme herangezogen werden, als die ihr zugrunde liegenden Umstände ein persönli- ches Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gef ährdung der öffentlichen Ordnung darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht somit Massnahmen en tgegen, die (allein) aus generalprä- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ventiven Gründen verfügt werden. Insoweit kommt es wesent lich auf das Rückfallrisiko an. Ver- langt wird eine nach Art und Ausmass der möglichen Recht sgüterverletzung zu differenzieren- de, hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Ausländer a uch künftig die öffentliche Sicherheit und Ordnung stören wird. Je schwerer die möglichen Recht sgüterverletzungen wiegen, desto niedriger sind die Anforderungen, welche an die hinzun ehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_476/2012 vom 30. Oktober 2012 E. 3.1, 2C_903/2010 vom 6. Juni 2011 E. 4.3; BGE 136 II 5 E. 4.2, je mit Hinweisen). 4.3.1 Gemäss den Akten wurde der Beschwerdeführer in de n Niederlanden in den Jahren 2002 und 2003 wegen Drohung mit schwerer Körperverlet zung sowie mehrfacher Körperverlet- zung zu Bussen von EUR 260.-- und EUR 390.-- sowie in d en Jahren 2006 und 2009 wegen Fahrens unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol zu Busse n von EUR 390.-- und EUR 300.-- verurteilt. Im Jahr 2010 verurteilte ihn das Am tsgericht Lörrach wegen Geldfälschung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. S chliesslich wurde der Beschwerde- führer am 17. Dezember 2011 durch die Staatsanwaltschaf t Basel-Stadt wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Rauschzustands zu einer bedingten Gefängnis- strafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 30.-- mit einer Prob ezeit von zwei Jahren sowie zu einer Bus- se von Fr. 500.-- verurteilt. 4.3.2 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entsch eid, dass in Bezug auf die vom Be- schwerdeführer verübten Gewaltdelikte sowohl die erford erliche Schwere als auch Gegenwär- tigkeit gegeben seien, um im Ergebnis eine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit im Sinne des FZA darzustellen. Es seien genügend Anzeich en vorhanden, welche auf eine hin- reichende Rückfallgefahr schliessen lassen würden, zumal der Beschwerdeführer trotz seiner zahlreichen Verurteilungen in der Vergangenheit in der Schweiz wiederum delinquiert habe und dementsprechend verurteilt worden sei. Betrachte man den Deliktskatalog bzw. das Verschul- den des Beschwerdeführers als Ganzes, so lasse sich daraus auf eine anhaltende schwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung schliessen. So seien etwa klare Anzeichen einer gewis- sen Hemmungslosigkeit sowie einer Indifferenz gegenüber fremden Rechtsgütern und des Rechtsstaates als solches gegeben, welche das Vorliegen ei ner gegenwärtigen Gefährdung manifestieren würden. Zwar gehe der Beschwerdeführer seit 2012 einer festen Arbeitsstelle nach, es sei indes vermessen, daraus bereits eine günstige Legalprognose abzuleiten, zumal zwischen den Delikten teilweise mehrere Jahre gelegen hät ten. Schliesslich würden auch die falschen Angaben des Beschwerdeführers gegenüber den Beh örden im Kanton Basel-Stadt zumindest in Frage stellen, inwieweit er sich künftig korr ekt verhalten werde. Aufgrund der kon- stanten Straffälligkeit sowie der falschen Angaben be i der Einreise müsse daher davon ausge- gangen werden, dass der Beschwerdeführer sein Verhalte n in der Zukunft nicht ändern werde und eine Rückfallgefahr gegeben sei. Insgesamt sei dam it eine hinreichend schwere und ge- genwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung gegeb en, womit die Voraussetzungen von Art. 5 Anhang I FZA erfüllt seien. 4.3.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er sich seit mehreren Jahren kein Fehlver- halten mehr habe zuschulden kommen lassen. In Bezug auf seine zwischen 2002 und 2009 in den Niederlanden begangenen Straftaten sei er jeweil s lediglich zu Bussen verurteilt worden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bei den beiden Verurteilungen in den Niederlanden v on 2002 und 2003 habe es sich nur um Tätlichkeiten handeln können, wie aus dem Strafmass ersi chtlich sei. Die beiden Delikte seien von ihm sodann beide im jungen Alter von Anfang zwanzig begangen worden. Aufgrund dieser geringfügigen Vorfälle könne nicht auf eine akute Ge waltbereitschaft geschlossen werden. Es treffe zu, dass er auch im Rahmen seines Aufenthalts in d er Schweiz im Jahr 2011 strafrecht- lich in Erscheinung getreten sei. Allerdings sei dabei lediglich eine bedingte Geldstrafe in Ver- bindung mit einer Busse ausgesprochen worden und auch diese Tat lasse nicht auf eine erheb- liche Gewaltbereitschaft schliessen. Seit diesem letzten V orfall sei er nicht mehr negativ aufge- fallen. Vielmehr sei er seit 2012 bei der Firma Rondo AG in Allschwil als Betriebsmitarbeiter beschäftigt und durch seine gute Arbeit gut im Betrie b integriert. Seit geraumer Zeit lebe er so- dann in einer stabilen Partnerschaft, wobei seit der re chtskräftigen Scheidung die Vorbereitun- gen für eine Heirat laufen würden. Er sei somit sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht in der Schweiz integriert und es gehe von ihm weder eine aktuelle noch zukünftige Ge- fahr aus. Auch sei fraglich, ob die vor Jahren begangen en Delikte je die öffentliche Sicherheit und Ordnung hätten in Frage stellen können. 4.3.4 In seiner Vernehmlassung hält der Regierungsrat f est, dass nach konstanter Recht- sprechung des Bundesgerichts die Schwere der Taten im Si nne von Art. 5 Anhang I FZA bei Sexual-, Gewalt- sowie Betäubungsmitteldelikten per se gegeben sei. Dies habe entsprechend der Praxis des Bundesgerichts zur Folge, dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls für eine hinreichend schwere und aktuelle Gefährdung ge nüge. Vorliegend könnten die beiden Verurteilungen des Beschwerdeführers wegen Gewaltdelikt en in den Jahren 2002 und 2003 entgegen dessen Auffassung nicht als befristete jugendl iche Verfehlungen qualifiziert werden, zumal der Beschwerdeführer danach weiter in massiver Wei se strafrechtlich aufgefallen sei. Es habe namentlich eine Steigerung der deliktischen Aktivitä ten stattgefunden und der Beschwer- deführer sei zu einer hohen Strafe von einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Insgesamt sei festzustellen, dass der Beschwerdeführ er während vielen Jahren nicht von Straftaten habe ablassen können, wobei die Urteilssp rüche an Höhe weiter zugenommen hätten. Zusätzlich falle negativ ins Gewicht, dass der B eschwerdeführer bei seiner Anmeldung angegeben habe, nicht vorbestraft zu sein, was offensicht lich nicht der Wahrheit entsprochen habe. Dieses Verhalten zeige, dass er nicht zu seinen Tat en stehe und auch Falschaussagen den Behörden gegenüber als legitimes Mittel für seine Zwecke betrachte. 4.4.1 Mit den Vorinstanzen ist festzustellen, dass der Be schwerdeführer seit 2002 wiederholt straffällig wurde. Strafrechtliche Verurteilungen als solches genügen indes, wie vorstehend auf- gezeigt wurde, nicht bereits zur Annahme einer hinrei chend schweren und gegenwärtigen Ge- fährdung der öffentlichen Ordnung im Sinne von Art. 5 Anhang I FZA. Gefordert ist eine nach Art und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu di fferenzierende, hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Ausländer auch künftig die öf fentliche Sicherheit und Ordnung stören wird. 4.4.2 Wie der Regierungsrat zutreffend festhält, wurde der Beschwerdeführer für seine in den Niederlanden in den Jahren 2002 und 2003 begangenen Straftaten im Gewaltbereich – wie auch für seine Strassenverkehrsdelikte in den Jahren 2006 und 2009 – jeweils lediglich zu ge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ringfügigen Bussen verurteilt. Der Beschwerdeführer wu rde sodann zwar mit Blick auf seine Verurteilung durch die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt im Jahr 2011 wegen Gewalt und Dro- hung gegen Behörden und Beamte erneut im Gewaltbere ich straffällig. Auch diesbezüglich kann jedoch angesichts des relativ geringfügigen Strafmasses (bedingte Geldstrafe von 40 Ta- gessätzen zu Fr. 30.-- sowie Busse in der Höhe von Fr. 5 00.--) nicht von einer schwerwiegen- den Straftat gesprochen werden. Ohne die vorstehend au fgeführte Delinquenz des Beschwer- deführers – namentlich im Gewaltbereich – zu bagatellisi eren, kann in diesem Zusammenhang gleichwohl nicht von einer hinreichend schweren Gefährd ung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, wie sie Art. 5 Anhang I FZA voraussetzt, ausge gangen werden. Hinzu kommt, dass zwischen den in den Niederlanden begangenen Straftaten im Gewaltbereich und dem letztmali- gen Gewaltdelikt des Beschwerdeführers im Jahr 2011 eine relativ lange Zeitspanne liegt, wes- halb insofern auch nicht von einer erheblichen Rückfall gefahr auszugehen ist. Der Regierungs- rat weist denn auch selbst darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt die Gefahr eines Rückfalls des Beschwerdeführers mit Blick auf die bedingt ausgesprochene Strafe offenbar als gering eingeschätzt habe. 4.4.3 Die Verurteilung des Beschwerdeführers wegen Gel dfälschung im Jahr 2010 stellt demgegenüber angesichts des Strafmasses von einem Jahr und sechs Monaten zweifellos ein schwerwiegendes Delikt dar, welches ein erhebliches Verschu lden begründet. Vom Regie- rungsrat wird indes nicht geltend gemacht und es ist auch nicht ersichtlich, dass in Bezug auf die damit verbundene Rechtsgüterverletzung bzw. Art de r Delinquenz von einer erheblichen Rückfallgefahr des Beschwerdeführers auszugehen wäre. De r Beschwerdeführer ist weder vor seiner Verurteilung im Jahr 2010 noch danach jemals ern eut in diesem Bereich – wie auch in Bezug auf Vermögensdelikte – straffällig geworden. D ie Gefahr eines Rückfalls ist vor diesem Hintergrund sowie im Hinblick auf die Tatsache, dass das fragliche Delikt nunmehr rund fünf Jahre zurückliegt, als gering zu bezeichnen und von einer gegenwärtigen Gefährdung der öf- fentlichen Sicherheit und Ordnung kann diesbezüglich nicht ausgegangen werden. 4.4.4 Zugunsten des Beschwerdeführers fallen sodann sein e persönlichen Verhältnisse ins Gewicht. Der Beschwerdeführer ist seit September 2012 in einer unbefristeten Anstellung er- werbstätig. In den Akten finden sich keine Hinweise auf B etreibungen und der Beschwerdefüh- rer bezieht keine öffentlichen Unterstützungsleistungen . Er lebt gemäss seinen schlüssigen Ausführungen anlässlich der heutigen Parteiverhandlung seit eineinhalb Jahren mit seiner Part- nerin zusammen in einer festen Beziehung. Die genannte n Umstände lassen allesamt auf eine gewisse Stabilität der Lebensverhältnisse des Beschwerdefü hrers schliessen, welche der An- nahme einer erheblichen Rückfallgefahr entgegenstehen. Vor diesem Hintergrund kann auch bei einer Gesamtbetrachtung des deliktischen Verhaltens des Beschwerdeführers – unter Be- rücksichtigung seiner Falschangaben im ausländerrechtlichen Verfahren – nicht von einer hin- reichenden Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer künftig die öffentliche Sicherheit und Ordnung in schwerer Weise stören wird, gesprochen werden. Eine andere Beurteilung würde sich allerdings aufdrängen, wenn der Beschwerdeführer erneut straffällig würde. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.5 Insgesamt sind nach dem Gesagten die Voraussetzung en für eine Beschränkung der Freizügigkeitsrechte des Beschwerdeführers im Sinne von Art . 5 Anhang I FZA nicht gegeben, was zur Gutheissung der Beschwerde führt. 4.5 Die Beschwerde ist zudem noch aus einem anderen Grun d gutzuheissen: Dem Be- schwerdeführer wurde am 10. Februar 2012 durch das Migr ationsamt Basel-Stadt die Aufent- haltsbewilligung erteilt und am 3. Januar 2013 bis zu m 10. Februar 2014 verlängert. Aus der in den Akten befindlichen Fallübersicht des Migrationsamts Basel-Stadt vom 10. Februar 2012 geht hervor, dass diesem die Vorstrafen des Beschwerdefü hrers bekannt waren. Wie der Re- gierungsrat im angefochtenen Entscheid zu Recht festhäl t, gilt dies namentlich auch in Bezug auf die Verurteilungen des Beschwerdeführers in den Niederlanden, wird in der genannten Fall- übersicht doch ausdrücklich auf den Strafregisterauszug der Niederlande verwiesen. Soweit der Regierungsrat die Auffassung vertritt, das AfM sei an de n Entscheid des Migrationsamts Basel- Stadt nicht gebunden, kann ihm nicht gefolgt werden. Sind der kantonalen Ausländerbehörde die wesentlichen Umstände, die einer Bewilligungsertei lung entgegenstehen könnten, im Zeit- punkt der Gesuchseinreichung bekannt und erteilt sie di e Bewilligung dennoch, ohne weitere Abklärungen zu treffen, so fällt ein späterer Widerr uf gestützt auf die bereits bekannten Sa- chumstände ausser Betracht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_801/2013 vom 18. März 2014 E. 3; 2C_303/2011 vom 7. März 2012 E. 4, jeweils mit Hinweisen). Die fragliche Praxis kommt ohne weiteres auch in Fällen wie dem vorliegenden, in denen mehrere kantonale Behörden involviert sind, zur Anwendung. Dies ergibt sich aus dem U mstand, dass Bewilligungen von Personen, die dem FZA unterstehen, für das ganze Gebiet der Schweiz gelten (Art. 4 Abs. 2 der Verordnung über die Einführung des freien Personenverkehrs [VEP] vom 22. Mai 2002). Die Tatsache, dass das AfM aufgrund dieser Regelung verpflic htet ist, Entscheide anderer Kantone zu übernehmen, welche allenfalls seiner Praxis widersprec hen, führt entgegen der Auffassung des Regierungsrats nicht zu einer Verletzung des Rechtsg leichheitsgebots. Vielmehr bestehen dafür insofern sachliche Gründe, als EU-Bürger gestütz t auf die Bestimmungen des FZA im Hinblick auf die freie Niederlassung nicht schlechter geste llt werden sollen als Schweizerbürger (vgl. auch D ANIA TREMP , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz übe r die Auslän- derinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 8 zu Art. 36 AuG). Im vorliegenden Fall muss sich das AfM demnach das Verhalten des Migrationsamts Basel-S tadt anrechnen lassen und ist an dessen Entscheid insofern gebunden, als es die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers nicht aus Gründen widerrufen bzw. nicht verlängern darf, welche dem Migrationsamt Basel- Stadt bereits bekannt waren. Letzteres war vorliegend w ie bereits ausgeführt der Fall, weshalb sich der angefochtene Entscheid auch aus diesem Grund als rechtsfehlerhaft erweist. 5.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmas s auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dementspre- chend sind im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Verfahrensausgang entsprechend ist dem Rechtsver- treter des Beschwerdeführers eine Parteientschädigung z uzusprechen. Ausgehend von der Honorarnote vom 20. Oktober 2014 erscheint ein Aufwand (inkl. Hauptverhandlung) von 11 Stunden à Fr. 250.-- sowie 1 Stunde und 5 Minuten à Fr. 125.-- als angemessen. Dem Be- schwerdeführer ist demzufolge eine Parteientschädigung i n der Höhe von Fr. 3'311.15 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) zulasten des Regierungsrats zuzuspre chen. Bezüglich der Neuverle- gung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die A ngelegenheit an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrats des Kantons Basel-Landschaft vom 10. Juni 2014 aufgehob en und das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft wird ang ewiesen, dem Beschwerdeführer die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2‘100 .-- wird dem Beschwerdeführer zurück erstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3 '311.15 (inkl. Aus- lagen und 8 % Mehrwertsteuer) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiber