Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Januar 2019 (720 18 169 / 31) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revisionsweise Aufhebung des Anspruchs auf eine ganze Invalidenrente infolge Verbes- serung des psychischen Gesundheitszustandes; Prüfung auf Eingliederungsmassnah- men bei der versicherten Person, welche das 55. Altersjahr überschritten und mehr als 15 Jahre eine IV-Rente bezogen hat Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die 1962 geborene A.____ meldete sich am 21. Febru ar 1994 unter Hinweis auf Schmerzen am rechten Arm, am Kopf und am Rücken bei der Eidgenössischen Invalidenversi- cherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der ge sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sprach ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft ( IV-Stelle) mit Verfügung vom 14. Feb- ruar 1995 mit Wirkung ab 1. Dezember 1993 eine ganze Invalidenrente zu. Diesen Anspruch bestätigte die IV-Stelle revisionsweise in den Jahren 199 6, 1998, 2000, 2005 und 2011. Seit 1. Juli 1999 bezieht A.____ auch eine Hilflosenentschäd igung leichten Grades (vgl. Verfügung vom 4. Mai 2001). Im August 2016 leitete die IV-Stel le erneut ein Revisionsverfahren ein und prüfte die gesundheitlichen und erwerblichen Verhält nisse von A.____. Gestützt auf die Ergeb- nisse des eingeholten Gutachtens von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. März 2017 ging die IV-Stelle davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Versi- cherten seit der Rentenzusprache verbessert habe und ihr nun eine Erwerbstätigkeit von 80 % in einer angepassten Tätigkeit zumutbar sei. Aufgrund ei nes ermittelten Invaliditätsgrads von 36 % stellte sie nach durchgeführtem Vorbescheidverfahre n mit Verfügung vom 17. April 2018 die ganze Rente per 31. Mai 2018 ein. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 17. Mai 2018 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht) mit den Begehren, es sei die angefochten e Verfügung aufzuheben und es sei fest- zustellen, dass sie weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente habe. Zudem sei ihr die unentgelt- liche Rechtspflege zu bewilligen; alles unter o/e-Koste nfolge. In der Begründung führte sie aus, dass sie seit 25 Jahren eine Rente beziehe und über 55 J ahre alt sei, womit die IV-Stelle vor Aufhebung der Rente zwingend Wiedereingliederungsmassn ahmen hätte durchführen müssen. Diese könne sich nicht ohne weiteres auf eine fehlende Ei ngliederungsbereitschaft berufen, ohne über die Möglichkeit der Eingliederung aufzukläre n. Die Verletzung der Aufklärungspflicht könne auch nicht durch das durchgeführte Mahn- und Bed enkzeitverfahren geheilt werden. Sie sei bereit, einen Eingliederungsversuch zu unternehmen , wenn die IV-Stelle aufzeige, wie ein solcher Versuch praktisch umgesetzt werden könne. Im Weite ren sei der medizinische Sach- verhalt ungenügend abgeklärt worden. Sie sei lediglich psychiatrisch begutachtet worden, ob- wohl sie nachweislich auch unter somatischen Beeinträchtig ungen leide. Ausserdem sei das Gutachten von Dr. B.____ widersprüchlich, weshalb auf dessen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt werden könne. Zudem fehle es an einer Auseinandersetzung mit den Stan- dardindikatoren gemäss BGE 141 V 281. Weiter beanstand ete sie den von der IV-Stelle vorge- nommenen Einkommensvergleich. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juli 2018 beantrag te die IV-Stelle mit Verweis auf die Stellungnahme von Dr. med. C.____, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), vom 29. Mai 2018, die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 21. September 2018 liess die Versichert e durch ihren Rechtsvertreter einen Bericht der behandelnden Psychiaterin, Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, vom 9. August 2018 einreichen. Daraus gehe hervor, dass nicht von einer Verbesse- rung des psychischen Gesundheitszustandes ausgegangen werden könne. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Die IV-Stelle hielt mit Eingabe vom 5. November 2018 gestützt auf die Stellungnahme von Dr. C.____ vom 11. Oktober 2018 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Strittig und zu prüfen ist, ob die Rentenaufhe- bung per 31. Mai 2018 gerechtfertigt ist. 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). E rwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegl ichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu be rücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern könn en (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindeste ns 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindest ens 40 % invalid sind (lit. c). Bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspru ch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Ren te, bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüge rin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre- chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen V erhältnissen, die geeignet ist, den Invali- ditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustande s, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan- des erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mi t Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich geb liebener Diagnose vor, wenn sich ein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen a uf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03, E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschie dliche Beurteilung der Auswirkungen ei- nes im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheit szustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. 3.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens zurückzuführen (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Liegt dagegen ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2018, 8C_145/2018, E. 3.2). 3.3 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtl ichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in i hrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Die Feststellung üb er eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist genügend unterm auert, wenn die ärztlichen Sachver- ständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.2 mit Hinweis). 3.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrads bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklä rung, Beweiswürdigung und Inva- liditätsbemessung beruhte (BGE 133 V 108; vgl. auch B GE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bun- desgerichts vom 26. März 2010, 9C_438/2009, E. 1 mit Hi nweisen). Vorliegend erfolgte seit der Rentenverfügung vom 14. Februar 1995 keine materiell e Prüfung des Rentenanspruchs mehr. Zu prüfen ist daher, ob sich die konkreten Verhältnisse seit 14. Februar 1995 bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 17. April 2018 wesentlich verändert haben. 4.1 Für die Beurteilung der strittigen Frage, ob sich der Gesundheitszustand bzw. das Ausmass der (Rest-) Arbeitsfähigkeit der Versicherten seit der Zusprechung der laufenden Vier- telsrente in einer für den Anspruch erheblichen Weise ve rschlechtert hat, ist die rechtsanwen- dende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, d ie ihr vorab von Ärztinnen und Ärz- ten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen e ine wichtige Grundlage für die Beurtei- lung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (vgl. ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Inva- liditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], R echtsfragen der Invalidität in der Sozial- versicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfal lversicherung entwickelten Grundsätze fin- den für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendun g (Urteil des damaligen Eidgenös- sischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht] vo m 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5.1 Zum Zeitpunkt der Zusprechung einer ganzen Invali denrente im Jahre 1995 lagen die folgenden wesentlichen medizinischen Berichte vor: 5.2 Dr. med. E.____, FMH für Rheumatologie, hielt i n seinem Bericht vom 6. April 1993 fest, dass die seit Monaten anhaltende, therapieresistent e Zervikobrachialgie der Versicherten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer weichteilrheumatischen, funktionell bedingten St örung zuzuordnen sei. Da sich auch an schmerzfernen Orten eindeutige Druckempfindlichkeiten fe ststellen liessen, sei mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fibromyalgiesyndrom zu diagnostizi eren. Das Beschwerdebild der Ver- sicherten sei aus psychosozialen Gründen ausgelöst worden und werde dadurch unterhalten. Aus rheumatologischer Sicht könne keine Arbeitsunfähigke it attestiert werden. Zu einem ähnli- chen Ergebnis kam Dr. med. F.____, FMH Neurologie, in seinem Bericht vom 20. Januar 1994. Auch er interpretierte das Beschwerdebild als ein begi nnendes Fibromyalgiesyndrom. Das Vor- liegen eines Thoracic-Outlet-Syndroms (TOS) verneinte er mit Beurteilung vom 13. Juli 1994. 5.3 In seinem Arztbericht vom 2. September 1994 hielt der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. G.____, FMH Innere Medizin, als Diagnosen ei n beginnendes Fibromyalgiesyndrom mit Zervikobrachalgien, Spannungskopfweh, Migräne, Dorsalgien, einem Status nach Operation eines Karpaltunnelsyndroms und eines dorsalen Ganglions des Handgelenks rechts am 1. De- zember 1992 sowie ein sekundär bestehendes depressives Zustan dsbild fest. Zurzeit seien keine medizinischen Massnahmen zur Erhöhung der Arbeitsfä higkeit indiziert. Es sei eine zeit- lich befristete Rente mit einer Reevalutation der ges amten Situation in 1 – 2 Jahren zu befür- worten. 5.4 Vom 13. April 1994 bis 20. Mai 1994 hielt sich die Versicherte in der Klinik K.____ zur Abklärung bei Verdacht auf Fibromyalgie und gleichzeitigem depressivem Zustandsbild auf. Die behandelnde Ärzteschaft diagnostizierte in ihrem Bericht vom 24. Mai 1994 ein depressives Zustandsbild mit Somatisierung bei chronischer Überforde rungssituation, einen Verdacht auf ein TOS sowie einen Verdacht auf ein Fibromyalgiesyndrom sowie eine Adipositas. 5.5 Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 10. September 1994, dass die Versicherte an einer latenten Depression u nd einem Status nach Erschöpfungs- depression nach jahrelanger Doppelbelastung leide. Sie weise ein geschwächtes Selbstwertge- fühl mit intermittierenden Angstzuständen auf und sei larviert depressiv. Seit 5 Jahren bestän- den zunehmend somatische und psychosomatische Beschwerden. Di e Versicherte sei auf die somatischen Beschwerden fixiert. Eine deutliche Besserung des psychischen Gesundheitszu- standes sei trotz vielfältiger therapeutischer Massnahmen ni cht erreicht worden. Auch die stati- onäre Behandlung in der Klinik H.____ habe zu keinem t herapeutischen Durchbruch geführt. Durch den sozialen Rückzug sei das Selbstwertgefühl der Ver sicherten zunehmend ge- schwächt worden. Zudem sei sie durch die Doppelbelastung in eine Erschöpfungsdepression geraten. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. S ie sei nicht mehr in der Lage, den Haushalt alleine zu führen. Massnahmen zur Erhöhung de r Arbeitsfähigkeit oder Umschulungs- versuche wären verfrüht. Eine befristete Rente sei indiziert, wobei die Situation in 1 bis 2 Jahren wieder zu überprüfen sei. 5.6 Die IV-Stelle sprach der Versicherten am 14. Febru ar 1995 aufgrund eines beginnen- den Fibromyalgiesyndroms, einer latenten Depression bei Status nach Erschöpfungsdepressi- on, eines geschwächten Selbstwertgefühls mit intermitt ierenden Angstzuständen und zuneh- mender somatischer sowie psychosomatischer Beschwerden eine ganze Invalidenrente zu (vgl. Feststellungsblatt der IV-Stelle vom 14. November 1994). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Nach der Rentenzusprache teilte Dr. G.____ am 20 . Mai 1996 mit, dass sich das Zu- standsbild, die Diagnosen und die Einschätzung der Arbei tsfähigkeit trotz verschiedener thera- peutischer Massnahmen nicht verbessert hätten. Es sei mit e iner Chronifizierung zu rechnen. Am 29. Juni 1998 ergänzte er die psychiatrischen Diagnos en dahingehend, dass nun eine chronische depressive Entwicklung mit Panikattacken vorliege . Die Versicherte klage über Ner- vosität, Durchschlafstörungen, Angst und Angespanntheit beim Alleinsein. Sie gehe selten aus- ser Haus und ihr Ehemann sowie die Kinder würden bei d en Haushaltsarbeiten stark mithelfen. Es bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Am 8. August 2000 hielt er fest, dass bei der Versicherten am 30. September 1998 der subacromiale Kalkherd mit Needling verkleinert worden sei. Im Frühjahr 1999 hätten im Bereich des Be ckengürtels Schmerzpunkte bestanden, welche bei Fibromyalgie typisch seien. Die Panikattacken hätten eher nachgelassen. Am 7. Oktober 2005 diagnostizierte er mit Auswirkung auf d ie Arbeitsfähigkeit ein Fibromyalgiesyn- drom mit chronisch rezidivierenden Zervikobrachalgien, chr onisch rezidiverendem Kopfweh, chronischer Periarthropathia humeroscapularis calcarea l inks, tendinopathica rechts, vegetati- ven Symptomen mit Schweissausbrüchen und Palpitationen sowie eine chronisch depressive Entwicklung mit Panikattacken und nächtlichen Albträume n. Die Versicherte sei zu 100 % ar- beitsunfähig. Am 15. April 2011 informierte Dr. G.____, dass sie wegen Herzbeschwerden Mitte Januar 2011 im Spital J.____ untersucht worden sei. Dor t seien die Beschwerden im Rahmen einer symptomatischen AV-Knoten-Reentrytachykardie interpr etiert und erfolgreich radioabla- diert worden (vgl. auch Bericht des Spitals J.____ vom 4 . März 2011). Als Diagnosen mit Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit hielt er nun Angst und e ine depressive Störung gemischt, Panikat- tacken, eine sekundär generalisierte Angststörung sowie e ine AV-Knoten-Reentrytachykardie fest. Die chronische Cephalea, die Zervikalgien und die c hronische Periarthropathia humeros- capularis hätten keine Auswirkungen mehr auf die Arbeit sfähigkeit. In seinem Bericht vom 8. September 2016 führte er aus, dass es gestützt auf das EKG keine Hinweise auf eine kardia- le Minderdurchblutung gebe, weshalb die AV-Knoten-Re entrytachykardie nicht mehr als eine die Arbeitsfähigkeit beeinflussende Diagnose aufzuführ en sei. Die Versicherte klage jedoch weiterhin über eine Angststörung, Schlafprobleme und Müdigkeitskrisen, Daher schränkten die Diagnosen Angst und depressive Störung gemischt, die Pa nikattacken und die sekundär gene- ralisierte Angststörung nach wie vor die Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu 100 % ein. 5.8 Im Rahmen des aktuellen Rentenrevisionsverfahrens holt e die IV-Stelle bei Dr. B.____ ein Gutachten ein. Im Gutachten vom 21. März 2017 dia gnostizierte Dr. B.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Angst- und depressive Störung gemischt. Die Schmerzverarbei- tungsstörung sowie eine psychische und Verhaltensstörung dur ch Sedativa und Hypnotica be- einflussten die Arbeitsfähigkeit dagegen nicht. Differ enzialdiagnostisch könne eine Dysthymie diskutiert werden. Bei ausgeprägter Schlafstörung, ei nem Verlust des Selbstvertrauens, einem sozialen Rückzug und dem Verlust des Interesses an der Sexu alität seien mehrere Kriterien erfüllt. Die erhöhte Ängstlichkeit werde jedoch für d ie Diagnose einer Dysthymie zu wenig re- präsentiert. An der heutigen Untersuchung hätten zudem ein Rückzug in eine ihr vertraute Welt mit Schüchternheit und geringem Selbstvertrauen sowie a usgeprägte Schlafstörungen festge- stellt werden können. Die Stimmungslage sei nur leicht bedrückt. Hinweise für das Vorliegen einer schweren depressiven Störung, wie vitale Traurigkei t, Antriebsstörung oder Suizidgedan- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ken, fehlten. Aufgrund der leicht gedrückten Stimmung und des gestörten Schlafs könne eine leichte depressive Komponente festgestellt werden. Insgesa mt sei eine Angst- und depressive Störung gemischt zu diagnostizieren, was mit den hausärztlichen Vordiagnosen übereinstimme. Die Kriterien für die Diagnose einer Panikattacke oder einer generalisierten Angststörung seien dagegen nicht erfüllt. Zur Krankheitsentwicklung führt e Dr. B.____ aus, dass die Versicherte währen der Untersuchung freundlich und angepasst aufgetreten sei; sie habe insgesamt keinen schwer kranken Eindruck gemacht. Seit 1994 stehe sie nicht m ehr in fachpsychiatrischer Be- handlung. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte rück blickend zwischen 1979 und 1993 ausgesprochen belastenden Verhältnissen (Beruf, Familie, Haushalt) ausgesetzt gewesen sei. Als Zeichen der Überforderung seien Reizbarkeit un d eine gewisse Frustrationsintoleranz zu nennen. Unter diesen mehrfachen Belastungen hätten sich weitgehend psychosomatische Beschwerden entwickelt. Durch den nach der IV-Berentun g erfolgten Rückzug und ein Vermei- dungsverhalten sei es zu einer Regression und zu einem fo rtschreitenden Verlust des Selbst- vertrauens gekommen. Heute bestehe eine Schwellenangst für Aussenaktivitäten. So fahre die Versicherte beispielsweise nicht mehr selber Auto. Dieser Schwellenangst komme jedoch kein Krankheitswert zu. Es habe sich eine Verbesserung des Gesu ndheitszustandes eingestellt, welche vorwiegend auf die berufliche Entlastung zurückzu führen sei. Heute seien nur noch ge- ringfügige funktionelle Einschränkungen mit einem eind eutig medizinischen Hintergrund vor- handen. Es liege ein eher somatisiertes Krankheitsverst ändnis vor mit einem zumindest partiel- len sekundären Krankheitsgewinn, indem sich die Versich erte vor jeglichen Überaktivitäten und Forderungen durch den Verweis auf ihre Erkrankung schütze n könne. Die Motivation für eine ausserhäusliche Tätigkeit sei als sehr gering einzustufen. Eine bewusste Aggravation liege nicht vor; es bestehe jedoch nach wie vor eine hohe Kran kheitsüberzeugung. Als IV-fremde Faktoren seien die mangelnde Motivation zur Arbeitsint egration nach langjähriger Berentung, das fortgeschrittene Alter und die fehlende beruflich e Ausbildung zu nennen. Aufgrund der chronischen Schlafstörung und der erhöhten Ängstlichkeit se i die Versicherte für jegliche leich- ten Arbeiten zu 20 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Aufgrund der medizinischen Akten- lage sei zu vermuten, dass ab ca. 2000 eine Beruhigung des psychischen Zustandsbildes ein- gesetzt und ab diesem Zeitpunkt das Ausmass der Arbeitsfähigkeit laufend zugenommen habe. 5.9 Im Jahr 2017 untersuchte Dr. med. K.____, FMH Rhe umatologie und Innere Medizin, die Versicherte. In seinem Bericht vom 28. November 201 7 diagnostizierte er ein chronisches myofasziales Schmerzsyndrom vom Typ Fibromyalgie links bei muskulärer Insuffizienz im Sinne eines Hohlrundrückens mit Schulterprotraktion, bei Myotendinosen der Nacken-, Schultergürtel- und Unterarmmuskulatur, bei chronischer Epicondylopathia humeri radialis und bei panverteb- raler Schmerzangabe sowie einen Verdacht auf eine stab ile Angina pectoris. Für eine entzünd- lich-rheumatische Grunderkrankung oder eine zervikale/lumb ale Nervenwurzelirritation gebe es keine Hinweise. Er empfehle deshalb vor allem eine Kräf tigung der Rumpf- und Beckenstabi- lisatoren zur muskulären Aufrichtung der Beckenposition un d der Brustwirbelsäule. Da es sich bei Fibromyalgie oft um eine Stressbewältigungsstörung handle, empfehle er eine psychologi- sche/psychosomatische Begleitung. 5.10 Im Vorbescheidverfahren reichte Dr. G.____ am 5. Dezember 2017 ein "Wiedererwä- gungsgesuch" ein. Er wies darauf hin, dass der Versichert en ursprünglich eine Invalidenrente Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgrund der weichteilrheumatischen Schmerzen an den Sch ultern und am rechten Ellbogen zugesprochen worden sei. Über diese Beeinträchtigungen h abe sie in den letzten Jahren nicht mehr geklagt. Dies aber auch nur deshalb, weil viele Ma ssnahmen keine Verbesserung ge- bracht hätten. Er habe deshalb diese Leiden in seinem Bericht im Jahr 2016 nicht mehr in Form von die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden Diagnosen auf geführt. Inzwischen hätten sich diese Beeinträchtigungen verschlechtert. Sie leide an Rücken-, Nacken-, Schulter-, Ellbogen- sowie Vorderarmschmerzen, was ihn dazu veranlasst habe, die Versicherte rheumatologisch abklären zu lassen. Auch wenn der Facharzt Dr. K.____ lediglich ei n chronisches myofasziales Schmerzsyndrom vom Typ Fibromyalgie diagnostiziert habe, lägen weitere somatische Diagno- sen vor, welche dieses Schmerzsyndrom mitverursachten. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in ihrer angefochtenen V erfügung vom 17. April 2018 auf das psychiatrische Gutachten von Dr. B.____ vom 21. März 2017. Sie ging demzufolge davon aus, dass es der Versicherten zumutbar sei, ab ca. 2000 einer kö rperlich leichten Tätigkeit zu 80 % nachzugehen. Damit habe sich der psychische Gesundheitszusta nd seit der Rentenverfügung vom 14. Februar 1995 verbessert, weshalb ein Revisionsgrun d gemäss Art. 17 ATSG vorliege. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstand en. Das Gutachten von Dr. B.____ weist weder formale noch inhaltliche Mänge l auf, es ist - wie dies vom Bundesge- richt verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die stre itigen Belange umfassend, es beruht auf all- seitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Besch werden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, e s setzt sich mit den vorhandenen ärztli- chen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schluss folgerungen überzeugend. Zudem zeigte Dr. B.____ nachvollziehbar auf, dass es seit der Rentenzusprache im Jahr 1995 zu einer deutlichen Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes d er Versicherten gekommen ist. Entgegen der Ansicht der Versicherten nahm Dr. B._ ___ eine Prüfung der gemäss bundes- gerichtlicher Rechtsprechung zu beachtenden Standardindi katoren gemäss BGE 141 V 281 vor. Insbesondere setzte er sich mit den Standardindikato ren der Konsistenz und der persönli- chen Ressourcen der Versicherten auseinander (vgl. Gutachten Ziffer 5.3 auf S. 12 und Ziffer 8 auf S. 14; vgl. auch Stellungnahme von Dr. C.____ vom 29. Mai 2018). Demzufolge ist dem Gutachten von Dr. B.____ vom 21. März 2017 volle Beweiskraft beizumessen. 6.2 Der Einwand der Versicherten, wonach das Gutachte n von Dr. B.____ widersprüchlich sei, erweist sich als nicht stichhaltig. Sie macht geltend, dass im Mini-ICF-APP nicht zum Aus- druck komme, dass sie sich sozial sehr zurückgezogen habe, ni cht gerne ausser Haus gehe und nicht mehr Auto fahre. Gemäss Mini-ICF-APP sei jed och lediglich eine geringe Beeinträch- tigung in der Kontaktfähigkeit zu Dritten festgehalten . In dieser Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass Dr. B.____ von einem Rückzug der Versicherten aus der A rbeitswelt ins Privatleben be- richtet. In der ihr vertrauten Umgebung bewege sie sich aber relativ ungezwungen und es be- ständen auch soziale Kontakte. In der Tat ist der Beschreibung des Tagesablaufs (Ziffer 3.8 des Gutachtens vom 21. März 2017) zu entnehmen, dass die Versic herte regelmässigen Kontakt mit ihrer Schwester und deren Familie pflege sowie in "Besuchskontakt" zu zwei Kolleginnen stehe. Sie verfolge interessiert das Weltgeschehen und re ise zweimal pro Jahr zu Verwandten Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht in ihre Heimat. Aufgrund dieser Feststellungen ist kein Widerspruch zu den Ergebnissen des Mini-ICF-APP und der Beurteilung von Dr. B.____ zu erblicken. 6.3 Der Bericht von Dr. D.____ vom 9. August 2018, bei welcher die Versicherte seit 29. Januar 2018 in Behandlung steht, vermag keine Zwei fel an der Beweistauglichkeit des Gut- achtens von Dr. B.____ zu erheben. Die Psychiaterin ge ht von einer stark reduzierten Leis- tungsfähigkeit aufgrund der Diagnose einer kombinierte n Persönlichkeitsstörung mit ängstlich- vermeidenden und abhängigen Zügen aus. Es beständen dau ernde und umfassende Angstge- fühle, Besorgtheit, Anspannung, Gefühle von Unsicherheit und Minderwertigkeit. Sie vermeide angstauslösende Aktivitäten und sei in ihrem Lebensstil au fgrund ihres Verlangens nach Si- cherheit und der Unterordnung eigener Bedürfnisse star k eingeschränkt. Sie erlebe sich als inkompetent, schwach und hilflos. Es bestehe ein erheblic her Leidensdruck und Suizidgedan- ken seien praktisch ständig vorhanden. Entgegen der Ansich t von Dr. B.____ seien der Verlust des Selbstvertrauens und die Schwellenangst für viele Au ssenaktivitäten eher als Symptome der Persönlichkeitsstörung zu werten, denn als Folge d er IV-Berentung. Vielmehr habe sie durch die Berentung einen erträglichen Umgang mit ihr er Erkrankung finden können. Hierzu führt der RAD-Psychiater, Dr. C.____, in seiner Stell ungnahme von Oktober 2018 überzeugend aus, dass das für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörun g erforderliche Kardinalkriterium der schwer dysfunktionalen Verhaltensweise mit deletären Auswi rkungen auf alle Achsen des Le- bens bei der Versicherten nicht vorliege. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr Verhalten dauerhaft unflexibel, unangepasst oder unzweckmässig sei. Zudem sei nicht ersichtlich, dass sie ihre soziale Umgebung nachteilig beeinflusse. Ein Bl ick in die Akten zeigt denn auch auf, dass die Biografie der Versicherten und ihr aktueller Ab lauf des Alltags nicht auf schwer dys- funktionale Verhaltensmuster schliessen lassen. Gegen das Vorliegen einer Persönlichkeitsstö- rung spricht auch der Umstand, dass eine solche Diagnose von den Vorgutachtern nie gestellt wurde. Dazu kommt, dass die Beurteilung von Dr. D.____ mit Vorbehalt zu würdigen ist, hat sie doch als therapeutisch tätige psychiatrische Fachperson ei n besonderes Vertrauensverhältnis zur Versicherten (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4). 6.4 Auch das Vorbringen der Versicherten, wonach der me dizinische Sachverhalt mangels Berücksichtigung der somatischen Beeinträchtigungen ungenügend abgeklärt sei, führt nicht zu einem anderen Ergebnis. Gemäss Bericht von Dr. K.____ vom 28. November 2017 könnten die geklagten Beschwerden nicht objektiviert werden. Er stell te die Diagnose eines chronischen myofaszialen Schmerzsyndroms vom Typ Fibromyalgie, welche ber eits zum Zeitpunkt der erst- maligen Rentenzusprache im Jahr 1995 bestand (vgl. Beri chte von Dr. E.____ vom 6. April 1993, von Dr. F.____ vom 13. Juli 1994, von Dr. G.____ vom 2. September 1994 und der Klinik H.____ vom 24. Mai 1994). Andere somatische nachweisbare Diagnosen lassen sich den Akten nicht entnehmen und werden von Dr. G.____ auch nicht konkretisiert. Die Fibromyalgie wird in der Rechtsprechung den unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organi- sche Grundlage zugeordnet (BGE 132 V 65 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts vom 20. Septem- ber 2018, 9C_75/2018, E. 3.1), weshalb deren quantit ativen und qualitativen Auswirkungen psychiatrisch zu beurteilen sind. Dr. B.____ diagnostiziert e in dieser Hinsicht eine Schmerzver- arbeitungsstörung und begründete dabei einleuchtend, dass daraus keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere. Nichts anderes ergibt si ch bezüglich der geltend gemachten Schlaf- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht störungen. Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, d ass diese Störungen somatisch bedingt sein könnten. Sie fanden deshalb folgerichtig in der Beurteilung von Dr. B.____ Ein- gang. Er kam zum überzeugenden Schluss, dass die chronisch en Schlafstörungen als Symp- tom der depressiven Störung zu interpretieren seien, we lche zusammen mit der erhöhten Ängstlichkeit die Arbeitsfähigkeit um 20 % einschränkte n. Unter diesen Umständen gab es für die IV-Stelle keinen Anlass, die Versicherte somatisch abkl ären zu lassen, zumal bereits im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenzusprache keine somatischen Diagnosen vorlagen. 6.5 Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass die Einwände der Versicherten ein Abweichen vom psychiatrischen Gutachten von Dr. B.____ vom 21. März 2017 nicht zu recht- fertigen vermögen. Dieses erfüllt die praxisgemässen Krit erien vollumfänglich, so dass darauf abzustellen ist. Die IV-Stelle ist in der angefochtenen Verfügung deshalb zutreffend davon aus- gegangen, dass sich der psychische Gesundheitszustand der Versicherten seit der am 14. Feb- ruar 1995 erfolgten Rentenzusprache erheblich verbesse rt hat mit der Folge, dass ihr im Zeit- punkt des Erlasses der Revisionsverfügung die Ausübung einer körperlich leichten Tätigkeit im Umfang von 80 % zumutbar ist. Somit hat die IV-Stelle das Vorliegen der Revisionsvorausset- zungen des Art. 17 ATSG zu Recht bejaht. 7.1 Gestützt auf dieses Zwischenergebnis ist in einem nächs ten Schritt zu prüfen, wie sich die geschilderte Entwicklung auf den Rentenanspruch der Versicherten auswirkt. Zur Beantwor- tung dieser Frage sind die Anspruchsberechtigung und al lenfalls der Umfang des Anspruchs pro futuro zu prüfen. Es gilt mit anderen Worten, auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts den Invaliditätsgrad bei Er lass der streitigen Revisionsverfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspruchsberechtigung und all enfalls der Umfang des Anspruchs ergeben. 7.2 Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versich erten aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eint ritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälli ger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbe itsmarktlage erzielen könnte (Invalidenein- kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er werbseinkommen ziffernmässig mög- lichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Me thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 7.3 Die IV-Stelle nahm in der Verfügung vom 17. Apri l 2018 den erforderlichen Einkom- mensvergleich vor. Dabei ermittelte sie anhand der Ang aben der ehemaligen Arbeitgeberin der Versicherten ein Valideneinkommen von Fr. 61'081.-- un d anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamte s für Statistik (BFS) ein Invali- deneinkommen von Fr. 38'925.--. Aus der Gegenüberstel lung der beiden Einkommen resultiert, so das Fazit der IV-Stelle, demnach ein Invaliditätsgrad von 36 %. Die Versicherte erachtet das Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der IV-Stelle eingesetzte Valideneinkommen von Fr . 61'081.-- als nicht nachvollziehbar. Insbesondere sei nicht klar, weshalb dieser Betrag nur a b 2011 der Nominallohnentwicklung angepasst worden sei. Dem Fragebogen für den Arbeitge ber vom 22. August 1998 ist zu ent- nehmen, dass die Versicherte im Jahr 1993 Fr. 43'628.35 verdiente. Nach Anpassung dieses Betrages bis zur 2018 erfolgten Nominalentwicklung ergib t sich ein massgebendes Validenein- kommen von Fr. 59'983.-- (vgl. BFS, T 39 Entwicklung de r Nominallöhne, der Konsumenten- preise und der Reallöhne, 1976 – 2017 und Quartalsschät zung der Nominalentwicklung 2018, II. Quartal). 7.4 Das von der IV-Stelle anhand lohnstatistischer Angab en berechnete Invalideneinkom- men für das Jahr 2015 in Höhe von Fr. 38'925.-- hat die Versicherte nicht beanstandet. Es er- geben sich aus den Akten grundsätzlich keine Hinweise, dass im Rahmen der Rechtsanwen- dung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung des Invalideneinkommens vorzunehmen wäre. Es ist jedoch insofern zu korrigieren, als es an die Nominalentwicklung bis 2018 anzupassen ist, was einen Betrag von Fr. 39'708.-- ergibt. Entgegen der Ansicht der Ver- sicherten ist der von der IV-Stelle vorgenommene leiden sbedingte Abzug von 10 % angemes- sen. Es bestehen keine persönlichen oder beruflichen Grü nde, die einen höheren Abzug recht- fertigen würden (vgl. dazu BGE 126 V 80 E. 5b). Solch e werden von der Versicherten auch nicht substantiiert geltend gemacht. 7.5 Aus der Gegenüberstellung der hier massgebenden Ver gleichseinkommen resultiert kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Damit ist als weiteres Zwischenergebnis festzuhalten, dass die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung zut reffend festgestellt hat, dass die Versi- cherte keinen Anspruch mehr auf eine Invalidenrente hat. 8.1 Im Gebiet der IV gilt ganz allgemein der Grundsa tz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzuke hren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern. Von den Versicherten können jed och nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und sub jektiven Gegebenheiten des Ein- zelfalls zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a). Nach der R echtsprechung sind bei Personen, de- ren Rente revisions- oder wiedererwägungsweise herabges etzt oder aufgehoben werden soll, nach mindestens 15 Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistung spotential mittels Eigenanstren- gung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten (BGE 141 V 5 E. 4.1; Urteile des Bundesge- richts vom 22. März 2018, 8C_582/207, E. 6.3 mit weiter en Hinweisen und vom 26. April 2011, 9C_228/2010). Ausnahmen vom Grundsatz der Unzumutbarkei t einer Selbsteingliederung lie- gen namentlich vor, wenn die langjährige Abstinenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, die versicherte Person besond ers agil, gewandt und im gesell- schaftlichen Leben integriert ist oder über besonders bre ite Ausbildungen und Berufserfahrun- gen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versi- cherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alt ers und/oder der langen Rentenbe- zugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohn e Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Be weislast dafür, dass entgegen der Regel die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoret isch (wieder) ausgewiesene Leis- tungspotential auf dem Weg der Selbsteingliederung er werblich zu verwerten (Urteil des Bun- desgerichts vom 22. März 2018, 8C_582/2017, E. 6.3 mit weiteren Hinweisen). Entzieht oder widersetzt sich die versicherte Person Eingliederungsmassna hmen, können ihr die Leistungen gekürzt oder verweigert werden. Vorausgesetzt ist immerhin, dass die IV-Stelle zuvor ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchgeführt hat (Art. 21 Abs. 4 ATSG in Verbindung mit Art. 7b IVG; Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, E. 3.5). 8.2 Die Versicherte bezog mehr als 15 Jahre lang eine I nvalidenrente und ist zum Zeit- punkt der Leistungseinstellung über 55 Jahre alt. Sie zä hlt somit unstreitig zum Personenkreis, auf den die vorstehend wiedergegebene Rechtsprechung Anwendung findet. Den Akten ist an verschiedensten Stellen zu entnehmen, dass sich die Versiche rte als nicht mehr arbeitsfähig erachtet. So gab sie gemäss Protokoll "Erstgespräch Rentenrevision 55+/15+“ vom 31. Oktober 2017 an, dass sie sich subjektiv nicht in der Lage sehe, eine Tätigkeit auszuüben. Entgegen der Ansicht der Versicherten wurden ihr anlässlich dieses Gespräc hs auch konkrete Eingliede- rungsmassnahmen vorgestellt. Sie hat sich aber einen Einsti eg im geschützten Rahmen mit anfänglich 2 Stunden und dem Ziel, innerhalb von 3 Monaten, im Umfang von 50 % zu arbeiten, nicht vorstellen können. Mit Schreiben vom 31. Oktober 201 7 wurde sie auf ihre Mitwirkungs- pflicht gemäss Art. 7 IVG aufmerksam gemacht und im Rah men des Mahn- und Bedenkzeitver- fahrens gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG aufgefordert, an Ein gliederungsmassnahmen teilzuneh- men. Die Versicherte liess sich jedoch nicht mehr vernehmen. Unter diesen Umständen ist aber die subjektive Eingliederungsfähigkeit, die Eingliede rungsbereitschaft, nicht gegeben Dazu kommt, dass bereits Dr. B.____ darauf hinwies, dass eine h ohe subjektive Krankheitsüberzeu- gung bestehe und die Versicherte wenig Motivation für eine Eingliederung zeige. Die IV-Stelle durfte deshalb zu Recht von der Planung und Durchführun g beruflicher Eingliederungsmass- nahmen absehen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. Februar 2014, 9C_474/2013, E. 6.3). 9. Zusammenfassend ist damit festzustellen, dass die IV-S telle die Invalidenrente der Versicherten mit Verfügung vom 17. April 2018 in Anwe ndung von Art. 88a Abs. 1 der Verord- nung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Janua r 1961 zu Recht per 31. Mai 2018 eingestellt hat. Demgemäss ist die Beschwerde abzuweisen. 10.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdev erfahrens zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahre nskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800 .-- fest. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemesse nem Ausmass der unterliegenden Par- tei auferlegt. Dem Prozessausgang entsprechend hat deshalb die Versicherte als unterliegende Partei die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zu tragen. Dieser Betrag ist mit dem geleisteten Kos- tenvorschuss von Fr. 800.-- zu verrechnen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsp rechend ist keine Parteientschädi- gung zuzusprechen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.