BRKE II Nr. 246/1999 vom 21. Dezember 1999 in BEZ 2000 Nr. 13 2. Gemäss dem angefochtenen Beschluss war bei der Schlussabnahme der Einbau eines X. -Dachflächenfensters GGL (Schwingfenster) Typ 606 mit einer Lü f- tungsfläche von 1,12 m 2 festgestellt worden. Nach Auffassung der Vorinstanz ve r- stösst dieses Fen ster gegen Art. 22 Abs. 3 BZO. Danach si nd in allen Wohnzonen einzelne Dachflächenfenster mit einer Lüftungsfläche von bis zu 0,4 m 2 bzw. 0,5 m2, wenn dies feuerpolizeilich begründet ist, erlaubt, sofern sie sich in die Dachlan d- schaft einordnen. Materiellrechtlich ist der Begriff der Lüftungsflä che im Sinne von Art. 22 Abs. 3 BZO streitig. Die Rekurrenten erachten diese Bestimmung als erfüllt, weil das von ihnen ei ngebaute Schwingfenster auf Grund des montierten Fensteröffners WMG 510 mit einem Kettenhub von 15 cm eine effektive Lüftungsfläche vo n bloss 0,35 m2 aufweise. Im Einzelnen machen die Rekurrenten geltend, der Begriff der Lüftungsfl ä- che widerspreche wohl dem Planungs- und Baugesetz. Wäre dieser Begriff zulässig, müsste er in der Bau - und Zonenordnung definiert werden. Die Wortne uschöpfung «Lüftungsfläche» ergebe nur dann einen Sinn, wenn damit etwas anderes als mit dem im Planungs - und Baug esetz verwendeten Begriff der Fensterfläche gemeint sei. Der Begriff der Lüftungsfläche ziele auf die den Luftau s tausch ermöglichende Öffnung ab. 3.1 Gemäss § 49 Abs. 2 lit. d PBG sind in der Bau - und Zonenordnung Reg e- lungen über die Dachgestaltung zulässig. Dazu zählen neben Vorschriften über Dachformen, Dachaufbauten und Dacheinschnitte namentlich auch Vorschriften über Dachflächenfenster. Insoweit steht die gesetzliche Grundlage von Art. 22 Abs. 3 BZO aus ser Frage. Beim Erlass der Bau - und Zonenordnung sind die Gemeinden an die Institute, Begriffe, Mess - und Berechnungsweisen sowie an die Mindestanforderu n- gen des kantonalen Rechts gebunden, soweit diese s nicht ausdrücklich Abweichu n- gen gestattet (§ 45 Abs. 2 PBG). Der Begriff der Lüftungsfläche ist im Planungs - und Baugesetz in der Tat nicht enthalten. Hieraus kann indessen noch nicht auf einen Verstoss gegen § 45 Abs. 2 PBG geschlossen werden, setzt doc h die in dieser Norm statuierte Bindung voraus, dass das Gesetz die legiferierungsnotwendigen Begriffe überhaupt zur Verfügung stellt. Im Kontext mit der Dachgestaltung enthält das G e- setz jedoch nur den Begriff der Da chaufbaute (§ 292 PBG). Dachaufbautypen (Schleppgaube, Ochsenauge usw.), Dachformen (Sa ttel-, Pult -, Tonnendach usw.), aber auch der Begriff des Dachflächenfens ters sind im Gesetz nicht erwähnt. Dessen ungeachtet steht ausser Frage, dass diese Gebäudeteile und Gebäudeformen zum Gegenstand kommu nalrechtlicher Vorschriften über die Dachgestaltung erhoben werden können. Mithin sind die Gemeinden beim E rlass von Vorschriften über die - 2 - Dachgestaltung in der Begriff swahl grundsätzlich frei. Auch die Verwendung des Begriffs «Lüftungsfläche» in Art. 22 A bs. 3 BZO verstösst somit nicht gegen § 45 Abs. 2 PBG. Dass demgegenüber § 302 Abs. 1 PBG vom Begriff der Fensterfläche ausgeht, ändert am Gesagten nichts, regelt diese Vorschrift doch die genügende Belichtung und Belüftbarkeit von Wohn - und Schlafräumen. Die Vorschrift dient mithin der Wohnhygiene und nicht wie die gestützt auf § 49 Abs. 2 lit. d PBG erlas senen Vor- schriften der Bauästhetik. Demnach kann auch nicht geschlossen werden, das G e- setz schreibe für die Legiferierung von Dachflächenfenstern den Beg riff der Fenster- fläche vor. Auch ist der Be griffsdualismus Lüftungsfläche/Fensterfläche nicht zu b e- anstanden, wird doch die Fen sterfläche als äusseres Lichtmass, d.h. als die vor dem Anschlagen des Fensters von aussen sichtbare Öffnung (BRKE 1 Nr. 312/1996 , Erw. 4) definiert, welche Umschreibung sich von jener der Lüftungsfläche (vgl. die nac h- folgenden Erwägungen) klar unterscheidet. 3.2 Bei der Überprüfung der vorinstanzlichen Auslegung von Art. 22 Abs. 3 BZO ist praxisgemäss zu berücksichtigen, dass der k ommunalen Baubehörde bei der Auslegung des kommunalen Rechts ein qualifizierter Erme ssensspielraum zusteht. Daraus folgt namentlich, dass die Bau rekurskommissionen eine vertret bare Ausl e- gung nicht durch eine abweichende eigene Auslegung ersetzen dürfen (vg l. statt vie- ler RB 1981 Nr. 20). Die Rekurrenten setzen den Begriff der Lüftungsfläche in Art. 22 Abs. 3 BZO der effektiven maximalen Öffnung von Dachflächenfenstern gleich. Demgegenüber def i- niert die Vorinstanz die Lüftungsfläche als die vom Blen drahmen, d.h. vom im Dach fest eingebauten Rahmen umschlossene Fläche. Dies ist zugleich jene Fläche, die beim vollständigen Öffnen eines Fensters durchlässig ist. Dieser vorinstanzlichen Auslegung ist zu folgen. Die Vo rschrift von Art. 22 Abs. 3 BZO ist ausschlies slich bauästhetisch motiviert. Damit kann der Begriff der Lüftungsfläche ve rnünftigerweise einzig auf die das äussere Erscheinungsbild bestimmenden Abmessungen und nicht etwa darauf bezogen werden, in welchem Masse sich Dachflächenfenster effektiv öffnen lassen. Im Übrigen ist selbstverständlich auf die Innen - und nicht etwa auf die Aussenmasse des Blendrahmens abzustellen. Käme es demgegenüber auf die e f- fektive maximale Öffnung an, würde Art. 22.Abs. 3 BZO beliebig grosse in die Dac h- fläche eingelassene Gla sflächen erlauben, die nicht geöffnet werden kö nnen, wie z.B. Glasziegel oder fest verschlossene Dachflächenfenster. Mit Sinn und Zweck der Vorschrift wäre dies offensich tlich unvereinbar. Zudem könnte bei Klapp - und Schwingfenstern die Lüftungsfläche jede rzeit durch eine Verlängerung des Kette n- hubes vergrössert werden, welcher Umstand ebenfalls in aller Deu tlichkeit gegen dieses Normverständnis spricht. Der vorinstanzlichen Auslegung ist im Übrigen um so mehr zuzustimmen, als der Begriff der Lüftungsfläche im Prospekt für Dachflächenfenster der X. AG gleich verstanden wird. Die Lüftungsfläche des fraglichen Schwingfenste rtypes wird dort ebenfalls mit 1,12 m 2 angegeben, was den Innenmassen des Blendra hmens (1056 mm x 1061 mm) entspricht. Dass, worauf die Rek urrenten in ihrer Stellungnahme vom 3. November 1999 verweisen, die X. AG mit Fax-Message vom 31. Mai 1999 die Lüftungsfläche dieses Fensters «im Zusammenhang mit dem X. -Fensteröffner WMG 510 (Kettenhub 15 cm)» mit 0,35 m 2 angab, ist unb ehelflich, handelt es sich doch hierbei, wie der Message zu entnehmen ist, um eine von den Rekurrenten einve r- langte Bestätigung.- 3 - Der Einbau des streitbetroffenen Dachflächenfensters verstösst somit gegen Art. 22 Abs. 3 BZO. Anzufügen bleibt, d ass eine Pflicht, Bauordnungsbe griffe wie jenen der Lüftungsfläche in der Bauordnung in geeigneter Form zu erläutern, nicht besteht. Aus dem Fehlen einer solchen Erläuterung können die Rekurrenten somit nichts zu ihren Gunsten ableiten.