B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5960/2018 U r t e i l v o m 2 8 . F e b r u a r 2 0 1 9 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner; Gerichtsschreiberin Bettina Schweizer. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. September 2018 / N (…). D-5960/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein iranischer Staatsangehöriger persischer Ethnie aus (…) – suchte am (…) Februar 2017 im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Gleichentags wurde er per Zufallsprinzip dem Testbetrieb des Verfahrenszentrums (VZ) Zürich zuge- wiesen und dort am (…) Februar 2017 zu seiner Person und zu seinem Reiseweg befragt (Befragung zur Person, BzP). Am (…) April 2017 hörte ihn das SEM einlässlich zu seinen Asylgründen an. Mit Verfügung vom 5. April 2017 wurde er dem erweiterten Verfahre n zugewiesen und am (…) Februar 2018 ergänzend angehört. A.b Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent- lichen geltend, dass er durch einen Freund auf das Christentum aufmerk- sam geworden sei. Den Islam habe er bereits während des Studiums als Zwang empfunden. Aufgrund der Religion habe er mit ei nem Lehrer Dis- kussionen gehabt, weshalb er für eine gewisse Zeit vom Unterricht ausge- schlossen worden sei. Im Jahre 2014 sei er dann zur Aufnahmeprüfung für den Master nicht zugelassen worden, weil ein „Aufpasser“ seine Halskette mit Kreuzanhänger gesehen habe. Um dieselbe Zeit sei er ausserdem als Inspektor für das Administrationsbüro des Präsidenten gewählt worden und habe mit dem Militärdienst begonnen. Während des Militärdienstes habe er wiederum aufgrund der Religion mit seinem Vorgesetzten, einem Geist- lichen, Diskussionen gehabt. Es seien einmal drei Tage Gefängnis gegen ihn angeordnet worden. Durch Beziehungen seines Vaters habe er diese Strafe aber nicht verbüssen müssen. Nach Ende des Militärdienstes im Au- gust 2016 habe er begonnen, regelmässig die Kirche zu besuchen und sich eingehend mit dem Christentum auseinanderzusetzen. Aufgrund der Situ- ation im Iran habe er jedoch nicht offiziell konvertieren können. Im Monat Mehr 1395 (Ende […] 2016) sei er nach einem Kirchenbesuch von den Basij gesehen und deswegen getadelt und verprügelt worden. Im Quartier habe man sich gekannt und nach diesem Vorfall sei er unter Beobachtung der Basij gestanden. Zwei Wochen vor seiner Ausreise sei er erneut beim Verlassen der Kirche von den Basij angehalten und verprügelt worden. Da- bei sei er gewarnt worden, dass er das nächste Mal dem Etelaat (iranischer Geheimdienst) übergeben werde. Ausserdem sei er im Monat Aban 1395 (Ende […] 2016) auf dem Weg zu einem Freund bezie- hungsweise auf dem Nachhauseweg von den Basij angehalten und ver- prügelt worden, wobei sie auch sein Musikinstrument zerstört hätten. Um ein Beweismittel gegen die Basij aus seinem Quartier zu finden, habe er D-5960/2018 Seite 3 beschlossen, in das Archiv der „Sazemane Basresiye Kole Keshwar“ (na- tionale Aufsichtsbehörde) zu gehen, wozu er als Inspektor für das Admi- nistrationsbüro des Präsidenten Zugang gehabt habe. Er habe sich erhofft, so die Schikanen gegen seine Person abwenden zu können. Zu diesem Zweck sei er in die geheime Archivabteilung gegangen, was eigentlich ver- boten gewesen sei. Dort habe er Dokumente gefunden und diese mit der Kamera seines Mobiltelefons fotografiert. Dabei sei er von jemandem der Herasat überrascht worden. Diese Person habe daraufhin die Speicher- karte seines Mobiltelefons zerstört und seine Verfügung für den Zugang zum Archiv entwertet. Nach diesem Vorfall habe er beschlossen, den Iran zu verlassen. Am (…) November 2016 sei er von zu Hause aufgebrochen und mithilfe eines Schleppers illega l in die Türkei gereist. Von da sei er weiter nach Griechenland gelangt und später mit gefälschten Papieren in die Schweiz geflogen. In der Schweiz angekommen, habe er erfahren, dass er im Iran von der nationalen Aufsichtsbehörde gesucht werde. Die Behörden hätten seinen Vater mehrmals aufgesucht und sich nach seinem Verbleib erkundigt. Einem Freund von ihm sei es über Beziehungen aus- serdem gelungen, ein internes Dokument der nationalen Aufsichtsbehörde zu kopieren, woraus sich die Suche nach seiner Person ergebe. In der Schweiz besuche er die Kirche und habe die Absicht, sich taufen zu lassen. A.c Der Beschwerdeführer reichte im Laufe des vorinstanzlichen Verfah- rens ein Schreiben der nationalen Aufsichtsbehörde vom (…) Dezember 2016 (in Kopie) samt Übersetzun g sowie ein Referenzschreiben des ka- tholischen Pfarramtes der Gemeinde C._______ vom (…) April 2018 zu den Akten. Ferner reichte er seine iranische Identitätskarte (im Original), seinen iranischen Führerausweis (im Original) und seinen iranischen Pass (in Kopie) ein. B. Mit Verfügung vom 26. September 2018 – tags darauf eröffnet – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Beschwerde vom 18. Oktober 2018 (Datum des Poststempels) focht der Beschwerdeführer diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, er sei a ls Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu ge-D-5960/2018 Seite 4 währen. Eventualiter sei er wegen Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit bezie- hungsweise Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzuneh- men. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessu- aler Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D. Mit Zwischenverfügung vom 26. Oktober 2018 stellte der Instruktionsrich- ter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies er die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbei- standes sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum 12. November 2018 einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– einzubezahlen, andernfalls auf die Be- schwerde nicht eingetreten werde. E. Am 12. November 2018 ging der Kostenvorschuss fristgerecht beim Bun- desverwaltungsgericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Ver- fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher D-5960/2018 Seite 5 Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vor- liegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summa- risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften- wechsel verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit so wie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälscht e Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und an die Asylrelevanz nicht genügend, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. So habe er an der Anhörung ange- geben, im Monat Mehr 1395 von den Basij nach dem Verlassen der Kirche angehalten und auf das Büro der Organisation mitgenommen worden zu sein. Dort sei er ungefähr zwei bis drei Stunden festgehalten, getadelt und verprügelt worden. Nach diesem Vorfall sei er zu einem Freund gegangen und abends nach Hause zurückgekehrt. Im Widerspruch dazu habe er an der ergänzenden Anhörung ausgeführt, er sei draussen von den Basij an- gehalten und vor Ort verprügelt worden. Diese hätten von ihm abgelassen, als die Besitzer der umliegenden Geschäfte ihm zur Hilfe gekommen seien. Die ganze Auseinandersetzung habe etwa zwanzig bis dreissig Minuten D-5960/2018 Seite 6 gedauert und danach sei er für zwei bis drei Tage zu einem Freund gegan- gen. An der Anhörung habe der Beschwerdeführer weiter angegeben, da- nach nur noch ein weiteres Mal in die Kirche gegangen zu sein, dies zwei Wochen vor seiner Ausreise. Er habe die Kirche in Begleitung eines Freun- des verlassen, als er draussen wiederum die Basij auf Motorrädern gese- hen habe. Er sei erneut zum Büro der Organisation mitgenommen, wäh- rend zwei bis drei Stunden festgehalten und dabei schwer verprügelt wor- den. Im Anschluss daran sei er zu einem Freund gegangen und dort über Nacht geblieben. Gemäss seinen Angaben in der ergänzenden Anhörung habe der Beschwerdeführer nach dem ersten Vorfall noch zweimal die Kir- che besucht. Der zweite Vorfall habe sich Anfang des Monats Aban (Ende […] 2016) ereignet, wo er alleine unterwegs von der Kirche nach Hause gewesen sei und von den Basij gesehen und ohne Vorwarnung verprügelt worden sei. Die Basij hätten erneut vom ihm abgelassen, als Ladenbesitzer und Bekannte ihm zu Hilfe gekommen seien. Der ganze Vorfall habe un- gefähr eine halbe Stunde gedauert und danach sei er wieder zu einem Freund gegangen und dort zwei bis drei Tage geblieben. Schliesslich habe sich der Beschwerdeführer auch zum dritten Vorfall, wo die Basij sein Mu- sikinstrument zerstört hätten, unterschiedlich geäussert. An der Anhörung habe er angegeben, dies habe sich Anfang des Monats Aban (Ende […] 2016) ereignet, als er auf dem Weg zu einem Freund gewesen sei. Dem- gegenüber habe er in der ergänzenden Anhörung behauptet, dieser Vorfall habe sich Ende des Monats Aban ereignet, als er auf dem Weg von seinem Freund nach Hause gewesen sei. Durch diese massiven Widersprüche in zentralen Bereichen seiner Asylvorbringen sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die geltend gemachten Probleme mit de n Basij aufgrund der Zuwendung zum Christentum glaubhaft zu machen. Vor diesem Hin- tergrund sei dem vorgebrachten Motiv, weshalb er das Archiv der nationa- len Aufsichtsbehörde aufgesucht habe, die Grundlage entzogen. Ferner habe er seine Tätigkeit als Inspektor für das Administrationsbüro des Prä- sidenten und den Besuch im Archiv der nationalen Aufsichtsbehörde an der ersten Anhörung nicht erwähnt. Davon abgesehen se i nicht ersichtlich, weshalb er in seiner Tätigkeit als Inspektor Zugang zu einem geheimen Archiv gehabt haben sollte, obschon ihm der Zutritt verboten gewesen sein solle. Somit habe er die diesbezügliche Suche nach seiner Person nicht glaubhaft machen können. An dieser Einschätzung würden auch die ein- gereichten Beweismittel nichts ändern. Das interne Dokument der nationa- len Aufsichtsbehörde liege lediglich in Kopie vor und beinhalte daher kaum Beweiskraft. Das Referenzschreiben des katholischen Pfarramtes C._______ beweise bestenfalls, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz die Kirche besuche und er an einer Taufe interessiert sei. Auch D-5960/2018 Seite 7 daraus würden sich keine Hinweise auf eine Verfolgung ergeben, zumal der Beschwerdeführer lediglich ein einfacher Kirchenbesucher sei. Den Ak- ten seien darüber hinaus keine Hinweise zu entnehmen, dass sich der Be- schwerdeführer in der Schweiz in exponierter Form für das Christentum engagiere, so dass davon ausgegangen werden müsste, dass er deswe- gen von den iranischen Behörden erkannt worden wäre. 5.2 In seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer geltend , dass er das Geschehene in den beiden Befragungen nicht auf die genau gleiche Weise habe widergeben können, weil es sich um mehrere ähnliche Vorfälle gehandelt habe. Die Vorinstanz berufe sich ferner auf Widersprüche, die klar mit dem Zeitablauf seit den geschilderten Ereignissen zusammenhän- gen würden. Insgesamt sei es zu mehr als drei Vorfällen mit den Basij ge- kommen, wobei er entweder auf ihr Büro mitgenommen oder vor Ort ver- prügelt worden sei. Auch wenn er dies bei der ergänzenden Anhörung nicht auf diese Weise habe erklären können, entspreche es den Tatsachen. Diese Vorfälle hätten sich alle so ereignet und er sei wegen seiner Zuge- hörigkeit zur Kirche verfolgt worden. Insbesondere sei das Vorbringen mit seinem Musikinstrument individuell und könne nicht erfunden sein. Weiter sei sein gescheiterter Versuch zur Beschaffung von Beweismitteln gegen die Basij aus seinem Quartier im geheimen Archiv der nationalen Aufsichts- behörde nicht nachgeschoben, auch wenn es nicht der Hauptgrund für seine Flucht gewesen sei. Während der Anhörung habe er selbst noch keine Kenntnis davon gehabt, dass ihn die nationale Aufsichtsbehörde des- wegen suche und sogar ein internes Dokument existiere. An der Anhörung habe er ausserdem keine Zeit gehabt, alles – insbesondere seinen Dienst für das Präsidialbüro – zu erwähnen. Schliesslich sei sehr wohl plausibel, dass er sich Zutritt zum geheimen Archiv habe verschaffen können, da die (…) Administration nicht perfekt organisiert sei. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit respektive Asylrelevanz im Sinne von Art. 7 und Art. 3 AsylG nicht. Auf die betreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. auch oben E. 5.1) kann mit den nachfolgenden Ergänzun- gen verwiesen werden. Die Rechtsmitteleingabe hält dem nichts Stichhal- tiges entgegen und erschöpft sich vielmehr in Erklärungsversuchen. D-5960/2018 Seite 8 6.2 Übereinstimmend mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Aussa- gen des Beschwerdeführers zu den geltend gemachten Problemen mit den Basij aufgrund der Zuwendung zum Christentum zeitliche und inhaltliche Abweichungen aufweisen. Zwar ist mit dem Beschwerdeführer grundsätz- lich davon auszugehen, dass infolge Zeitablauf bestimmte Daten und De- tails oftmals in den Hintergrund treten und die Erinnerung nachlässt. Vor- liegend lagen die geschilderten Ereignisse im Zeitpunkt der Befragungen aber nicht übermässig lange, sondern höchstens (…) Monate zurück. Zu- dem ist davon auszugehen, dass ein Asylgesuc hsteller in der Lage ist , seine Asylgründe in den wesentlichen Punkten mehrmals übereinstim- mend zu schildern und den zeitlichen Ablauf derselben darzulegen. Die zeitlichen wie auch inhaltlichen Ungereimtheiten in den Aussagen des Be- schwerdeführers gehen indes weit über marginale Abweichungen respek- tive übliche Erinnerungslücken hinaus. Anstelle von Wiederholungen ist weitergehend auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in der an- gefochtenen Verfügung zu verweisen, denen der Beschwerdeführer nichts Substantiiertes entgegenhält. 6.3 Was die Vorbringen des Beschwerdeführers zu der geltend gemachten Tätigkeit als Inspektor für das Administrationsbüro des Präsidenten und den Besuch im geheimen Archiv der nationalen Aufsichtsbehörde anbe- langt, hat das SEM in der angefochtenen Verfügung berechtigterweise da- rauf hingewiesen, dass diese Vorbringen in den Aussagen des Beschwer- deführers in der Anhörung keinen Niederschlag gefunden haben und als nachgeschobene und mithin unglaubhafte Sachverhaltselemente betrach- tet werden müssen. Daran vermag auch das ins Recht gelegte Schreiben der nationalen Aufsichtsbehörde vom (…) Dezember 2016 nichts zu än- dern. Dieses liegt lediglich in Kopie vor, welcher aufgrund der damit ver- bundenen Manipulationsmöglichkeiten kaum ein Beweisw ert zukommt . Auch der Einwand des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene, an der Anhörung keine Zeit zur Darlegung sämtlicher Asylgründe gehabt zu ha- ben, ist als unbehilflich zu erachten. 6.4 Somit ist im Sinne eines Zwischenergebnisses festzustellen , dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die Flüchtlingseigenschaft auf- grund von Vorfluchtgründen nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. 6.5 Sodann ist hinsichtlich der Konversion des Beschwerdeführers zum Christentum das Vorliegen subjektiv er Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu prüfen. D-5960/2018 Seite 9 Wer sich darauf beruft, dass durch ein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (Art. 54 AsylG). Diese begründen zwar die Flüchtlin gseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, un- abhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden (BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Massgeblich ist, ob die iranischen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei der Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben dabei die Anforderungen an den Nac hweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG). 6.6 Bei einer christlichen Glaubensausübung von iranischen Asylsuchen- den im Ausland ist gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die christliche Überzeugung der Person im Einzelfall, soweit möglich, einer nä- heren Überprüfung zu unterziehen (vgl. hierzu und zum Folgenden insbe- sondere BVGE 2009/28 E. 7.3.4 und E. 7.3.5; Urteile des EGMR A. gegen die Schweiz vom 19. Dezember 2017, 60342/16; EGMR [grosse Kammer] F.G. gegen Schweden vom 23. März 2016, 43611/11; Urteil des BVGer D-7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5 m.w.H.). Allein der Übertritt vom muslimischen Glauben zum Christentum führt grundsätzlich zu keiner (in- dividuellen) staatlichen Verfolgung im Iran. Eine christliche Glaubensaus- übung vermag gegebenenfalls dann flüchtlingsrechtlich relevante Mass- nahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aus- sen praktiziert wird und im Einzelfall davon ausgegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar mis- sionierende Züge annehmenden Glaubensausübung erfährt. Eine Verfol- gung durch den iranischen Staat kommt somit erst dann zum Tragen, wenn der Glaubenswechsel aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeiten bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversionen im Ausland muss daher bei der Prüfung im Einzelfall neben der Glaubhaf- tigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit fü r die betroffene Person in Betracht gezogen werden. 6.7 Der Beschwerdeführer untermauert seine christliche Glaubensaus- übung hierzulande mit einem Referenzschreiben des katholischen Pfarramtes der Gemeinde C._______ vom (…) April 2018, wonach er in regelmässigen Abständen katholische Gottesdienste besuche und sich für das Sakrament der Taufe und eine offizielle Aufnahme in die Katholische D-5960/2018 Seite 10 Kirche interessiere. Zunächst ist festzuhalten, dass der regelmässige Kir- chenbesuch keine aktive Glaubensausübung im Sinne de r genannten Rechtsprechung darstellt (vgl. u.a. Urteile D -3667/2016 E. 3.2.6 und D-2496/2018 E. 5.5). Sodann kann auch nicht von einer fast missionieren- den Züge annehmenden Glaubensausübung, die den Beschwerdeführer in besonderem Masse exponieren würde, gesprochen werden. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, die iranischen Behörden unterstellten dem Be- schwerdeführer eine missionierende Tätigkeit beziehungsweise Aktivitä- ten, die als Angriff auf den Staat gewertet würden. 6.8 Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder Vor- noch Nachflucht- gründe ersichtlich sind. Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahm e (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis- standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft ; das heisst, s ie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). D-5960/2018 Seite 11 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere graus ame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008 , Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die all gemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg- weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim- mungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-D-5960/2018 Seite 12 grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation allge- meiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar wäre (statt vieler Urteil des BVGer D -2176/2016 vom 21. November 2018 E. 10.2). Auch sprechen keine individuellen Gründe gegen einen Wegwei- sungsvollzug. Der junge und – abgesehen von den aktenkundigen unter- geordneten Beschwerden (vgl. A19 S. 2) – gesunde Beschwerdeführer ver- fügt über ein Hochschuldiplom sowie mehrjährige Arbeitserfahrung im Be- reich der Landvermessung sowie im Laden seines (…). Nach wie vor lebt seine Familie im Iran (…), welche ihn bei Bedarf bei der Reintegration un- terstützen könnte. Weder seinen Aussagen im Rahmen des vorinstanzli- chen Asylverfahrens noch den Beschwerdevorbringen können konkrete Gründe entnommen werden, welche es als wahrscheinlich erscheinen las- sen würden, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland in eine existenzielle Notlage geraten würde. Demnach ist der Vollzug der Wegweisung insgesamt als zumutbar zu erachten. 8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG); weshalb der entsprechende Eventualantrag abzu- weisen ist. 9. Aufgrund der Akten bestehen auch keine Hinweise, dass der massgebliche Sachverhalt nicht vollständig erstellt worden wäre, weshalb der subeven- tualiter gestellte Antrag auf Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz abzuweisen ist. D-5960/2018 Seite 13 Insgesamt ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die ange- fochtene Verfügung einer Überprüfung gemäss Art. 106 Abs. 1 AsylG standhält und die Beschwerde abzuweisen ist. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser Betrag ist mit dem am 12. November 2018 einbezahlten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu begleichen. (Dispositiv nächste Seite) D-5960/2018 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Bettina Schweizer Versand: