<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 19 S.79</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">79</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Schulrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>19 Transportkostenersatz.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Zumutbarkeit des Schulweges; Bedeutung des Richtwerts von 5 km.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 23. Juni 2006 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">H.L. und E.L. gegen die Einwohnergemeinde A.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2. (Zusammenfassung der Rechtsprechung [AGVE 1986,</span><br/> <span class="ft8">S. 143 ff.])</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">Ab dem Schuljahr 2001 besuchte die Tochter der Kläger, S., die</span><br/> <span class="ft8">Bezirksschule in B bis zum Sommer 2005. Seit dem Jahr 2002 be-</span><br/> <span class="ft8">sucht das mittlere Kind, D., und seit dem Jahr 2004 der jüngste Sohn,</span><br/> <span class="ft8">B., die Bezirksschule in B.</span><br/> <span class="ft8">Zwischen den Parteien strittig ist die Übernahme der Transport-</span><br/> <span class="ft8">kosten für den auswärtigen Schulbesuch der drei Kinder zu Lasten</span><br/> <span class="ft8">der Beklagten, wobei die Meinungen in erster Linie betreffend die</span><br/> <span class="ft8">Unzumutbarkeit des Schulwegs auseinandergehen.</span><br/> <span class="ft8">3.1.</span><br/> <span class="ft8">Die drei Kinder der Kläger besuchten bzw. besuchen zum Teil</span><br/> <span class="ft8">immer noch die Bezirksschule in B. Gemäss Twixroute beträgt der</span><br/> <span class="ft8">Weg dorthin über die Hauptverkehrsverbindung der Kantonsstrasse</span><br/> <span class="ft8">5,2 km (Fahrrad Strassenroute). Unbestritten ist, dass es aus Gründen</span><br/> <span class="ft8">der Verkehrssicherheit für die Kinder unzumutbar ist, diese Ver-</span><br/> <span class="ft8">kehrsverbindung zwischen A und B aus eigener Kraft - zu Fuss oder</span><br/> <span class="ft8">mit dem Fahrrad - zu erreichen. Zu beurteilen ist deshalb der über</span><br/> <span class="ft8">Nebenwege und das offene Feld führende Schulweg.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">80</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">3.2.</span><br/> <span class="ft8">Nach der Darstellung der Kläger hätten deren Kinder für den</span><br/> <span class="ft8">Schulbesuch eine Wegstrecke - vom Elternhaus bis zur Bezirksschule</span><br/> <span class="ft8">in B - von insgesamt 6 km mit einer Höhendifferenz von 80 m zu-</span><br/> <span class="ft8">rückzulegen. Im Fall, da die Kinder den Heimweg nach der Turn-</span><br/> <span class="ft8">stunde antreten, sei der Weg 6,5 km lang. Der Weg müsse täglich</span><br/> <span class="ft8">zwei- bis viermal zurückgelegt werden, was teilweise wegen knap-</span><br/> <span class="ft8">pen Zeitverhältnissen kaum zumutbar sei. Der Weg über unbefestigte</span><br/> <span class="ft8">Feldwege sei nicht zumutbar. Im Winter sei der Weg wegen der Wit-</span><br/> <span class="ft8">terungsverhältnisse ohnehin unzumutbar.</span><br/> <span class="ft8">3.3.</span><br/> <span class="ft8">Die Beklagte hat angegeben, dass für den Schulweg zwei Fahr-</span><br/> <span class="ft8">wegmöglichkeiten bestünden; der eine Weg betrage 5,4 km und führe</span><br/> <span class="ft8">zum Teil über unbefestigten Mergelweg (via E.), während der andere</span><br/> <span class="ft8">Weg über geteerte Flurstrassen (via L.) führe und 5,8 km betrage.</span><br/> <span class="ft8">Der Schulweg folge wenig befahrenen Nebenstrassen. Die Höhendif-</span><br/> <span class="ft8">ferenzen seien für Velofahrer zumutbar. Bei schlechten Witterungs-</span><br/> <span class="ft8">bedingungen werde jeder Schulweg zu einem unzumutbaren Weg. In</span><br/> <span class="ft8">den Wintermonaten seien die Wege wegen Schnee und Dunkelheit</span><br/> <span class="ft8">nicht mehr zumutbar. Dafür bestünde zwischen A und B eine Post-</span><br/> <span class="ft8">autoverbindung, die auf die Stundenpläne der Schulkinder ausge-</span><br/> <span class="ft8">richtet sei. Damit stellte sich der Gemeinderat auf den Standpunkt, es</span><br/> <span class="ft8">sei den Kindern des Klägers zuzumuten, für den Schulweg nach B</span><br/> <span class="ft8">das Fahrrad zu benutzen.</span><br/> <span class="ft8">3.4.</span><br/> <span class="ft8">Im bereits erwähnten Grundsatzentscheid hat das Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft8">gericht ausgeführt, Schulwege bis zu einer Länge von etwa 5 km</span><br/> <span class="ft8">könnten von Oberstufenschülern durchaus aus eigener Kraft, vor al-</span><br/> <span class="ft8">lem mit dem Fahrrad, bewältigt werden; die obere Grenze von 5 km</span><br/> <span class="ft8">gelte dabei als Richtwert, von dem selbstverständlich nach unten und</span><br/> <span class="ft8">nach oben geringfügig abgewichen werden könne (AGVE 1986,</span><br/> <span class="ft8">S. 147). Die Zumutbarkeit des Schulweges bestimmt sich nicht nur</span><br/> <span class="ft8">nach der Länge, sondern ebenfalls nach der Höhendifferenz, der son-</span><br/> <span class="ft8">stigen Beschaffenheit des Weges, nach dessen Gefährlichkeit und</span><br/> <span class="ft8">insbesondere auch nach dem Alter und Konstitution der betroffenen</span><br/> <span class="ft8">Kinder (Herbert Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2. Auflage,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">81</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">2003, S. 225 ff.; BGE vom 14. Oktober 2004 [2P.101/2004], Erw. 4;</span><br/> <span class="ft8">BGE vom 25. Juli 2005 [2P.101/2005], Erw. 5).</span><br/> <span class="ft8">3.5.</span><br/> <span class="ft8">3.5.1.</span><br/> <span class="ft8">Vorauszuschicken ist, dass Distanzverhältnisse, wie sie hier</span><br/> <span class="ft8">vorliegen, in ländlichen Gegenden häufig vorkommen und für sich</span><br/> <span class="ft8">alleine noch keine Unzumutbarkeit zu begründen vermögen (AGVE</span><br/> <span class="ft8">1989, S. 504). Unbestritten ist von beiden Parteien, dass der Schul-</span><br/> <span class="ft8">weg eine Länge von über 5 km hat und damit den massgebenden</span><br/> <span class="ft8">Richtwert von 5 km übersteigt. Der von den Kindern des Klägers be-</span><br/> <span class="ft8">nutzte Weg über den L. beträgt 5,8 km und weist eine Höhendiffe-</span><br/> <span class="ft8">renz von 70 m (nach Angaben der Beklagten) bzw. von 80 m (nach</span><br/> <span class="ft8">klägerischen Angaben) auf. Angesichts der Gesamtlänge der Strecke</span><br/> <span class="ft8">fällt ein derartiger Höhenunterschied wenig ins Gewicht, zumal sich</span><br/> <span class="ft8">die Steigung vorliegendenfalls kontinuierlich auf die Strecke verteilt</span><br/> <span class="ft8">und sie zudem nur auf dem Hinweg besteht und der Rückweg ent-</span><br/> <span class="ft8">sprechend leichter und schneller zu bewältigen ist (BGE vom</span><br/> <span class="ft8">14. Oktober 2004 [2P.101/2004]). In dem von den Klägern ange-</span><br/> <span class="ft8">führten VGE IV/25 vom 11. Juni 1999 wies der fragliche Schulweg</span><br/> <span class="ft8">zwar denselben Höhenunterschied auf, enthielt jedoch anders als</span><br/> <span class="ft8">vorliegendenfalls ein sehr steiles Teilstück, das als sehr beschwerlich</span><br/> <span class="ft8">bezeichnet werden musste, da das Fahrrad von den Kindern in die-</span><br/> <span class="ft8">sem Teilstück geschoben werden musste. Gemäss unwidersprochener</span><br/> <span class="ft8">Schätzung der Beklagten kann der Weg in maximal 20 Minuten mit</span><br/> <span class="ft8">dem Fahrrad zurückgelegt werden. Angesichts dieses zeitlichen Auf-</span><br/> <span class="ft8">wands kann der über 5 km lange Schulweg nicht als unzumutbar be-</span><br/> <span class="ft8">zeichnet werden, nachdem selbst für Kinder im Kindergartenalter ein</span><br/> <span class="ft8">halbstündiger Fussmarsch als zumutbar gilt (Plotke, a.a.O., S. 227;</span><br/> <span class="ft8">BGE vom 14. Oktober 2004 [2P.101/2004]). Bei den Kindern der</span><br/> <span class="ft8">Kläger handelt es sich um zwei Oberstufenschülerinnen und einen</span><br/> <span class="ft8">Oberstufenschüler im Alter zwischen 13 bis 16 Jahren, denen an sich</span><br/> <span class="ft8">altersentsprechend mehr zugemutet werden darf. Der Schulweg geht</span><br/> <span class="ft8">über wenig befahrene asphaltierte Nebenstrassen, die durch über-</span><br/> <span class="ft8">sichtliches Ackerland führen. Ein Teil der Strecke bildet Bestandteil</span><br/> <span class="ft8">des Schweizerischen Radwegnetzes. Der übrige Teil der Strecke</span><br/> <span class="ft8">weist keinen Radweg auf, was allerdings angesichts des geringen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">82</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Verkehrsaufkommens nicht ins Gewicht fällt. Es steht für das Ver-</span><br/> <span class="ft8">waltungsgericht fest, dass einer Oberstufenschülerin / einem Ober-</span><br/> <span class="ft8">stufenschüler die Bewältigung dieses Schulwegs trotz fehlenden</span><br/> <span class="ft8">Radwegs und ansteigender Wegstrecke in der Regel zuzumuten ist.</span><br/> <span class="ft8">Auch hinsichtlich der Mittagspause gilt der Schulweg als zumutbar.</span><br/> <span class="ft8">Bei einer Mittagspause von 1 ¾ Std. verbleibt den Kindern der Klä-</span><br/> <span class="ft8">ger für die Mittagspause zu Hause eine gute Stunde. Die Kläger ha-</span><br/> <span class="ft8">ben nicht vorgebracht, die von ihren Kindern befahrene Strecke zwi-</span><br/> <span class="ft8">schen A und der Bezirksschule B sei hinsichtlich der Verkehrssicher-</span><br/> <span class="ft8">heit gefährlich. Dem beiliegenden Planausschnitt ist zu entnehmen,</span><br/> <span class="ft8">dass die fragliche Strecke auf Nebenstrassen durch unbebautes</span><br/> <span class="ft8">Landwirtschaftsgebiet führt. Der Schulweg ist somit auch unter dem</span><br/> <span class="ft8">Gesichtspunkt der Gefährlichkeit zumutbar.</span><br/> <span class="ft8">3.5.2.</span><br/> <span class="ft8">Die Beklagte begründet die Zumutbarkeit des Weges damit,</span><br/> <span class="ft8">dass zwischen A und B ein Postautobetrieb bestehe. Würde diesem</span><br/> <span class="ft8">Argument gefolgt, müsste der Schluss gezogen werden, dass der Weg</span><br/> <span class="ft8">ohne Bus nicht zumutbar ist. Das Bestehen von öffentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft8">kehrsverbindungen zwischen Wohnort und Schule ist nicht relevant</span><br/> <span class="ft8">für die Frage nach der Zumutbarkeit. Das massgebende Kriterium für</span><br/> <span class="ft8">die Zumutbarkeit ist die Bewältigung des Schulwegs aus eigener</span><br/> <span class="ft8">Kraft; der erwähnte Hinweis der Beklagten spielt somit bei der Be-</span><br/> <span class="ft8">urteilung keine Rolle. Eine allfällige Benutzung der öffentlichen</span><br/> <span class="ft8">Verkehrsmittel bei ungünstigen Wetterverhältnissen ist für den</span><br/> <span class="ft8">Transportkostenersatz nicht zu berücksichtigen (VGE IV/5 vom</span><br/> <span class="ft8">13. März 2001 [KL.1999.00009], S. 7). Die bestehende Busverbin-</span><br/> <span class="ft8">dung ist kein Argument für oder gegen die Zumutbarkeit, sondern ist</span><br/> <span class="ft8">massgebend für die Höhe der zu leistenden Entschädigung. Der Bus</span><br/> <span class="ft8">bildet dann eine zu entschädigende Alternative für den Schulweg,</span><br/> <span class="ft8">wenn die klägerischen Kinder den Schulweg nicht aus eigener Kraft</span><br/> <span class="ft8">(zu Fuss oder per Fahrrad) bewältigen können.</span><br/> <span class="ft8">3.6.</span><br/> <span class="ft8">Aus den dargelegten Gründen kommt das Gericht zum Schluss,</span><br/> <span class="ft8">dass die Strecke zwischen dem Wohnhaus der Kläger und der Be-</span><br/> <span class="ft8">zirksschule B mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann, zumal es</span><br/> <span class="ft8">sich um eine schwach frequentierte Strecke handelt. Obwohl die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">83</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Weglänge über der Richtgrösse von 5 km liegt, ergibt die konkrete</span><br/> <span class="ft8">Ausgestaltung, die fehlende Verkehrsgefährdung, das Fehlen einer</span><br/> <span class="ft8">grossen Steigung und die Stundenpläne, aus welchen ersichtlich ist,</span><br/> <span class="ft8">zu welchen Tageszeiten die Kinder den Schulweg zu bewältigen ha-</span><br/> <span class="ft8">ben, dass der Weg für die Kinder der Kläger grundsätzlich zumutbar</span><br/> <span class="ft8">ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>