B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1763/2018 U r t e i l v o m 4 . A p r i l 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; Gerichtsschreiberin Linda Mombelli-Härter. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), Serbien, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); Verfügung des SEM vom 20. März 2018 / N (…). E-1763/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden reichten am 1. Oktober 2015 in der Schweiz erstmals ein Asylgesuch ein. Am 8. Oktober 2015 erfolgten die Befragun- gen zur Person (BzP). Das vorerst eingeleitete Dublin-Verfahren wurde am 20. Januar 2016 beendet und das nationale Verfahren aufgenommen. Nachdem die B eschwerdeführenden seit dem 23. Oktober 2015 unbe- kannten Aufenthaltes waren, wurde ihr Asylgesuch am 25. Januar 2016 als gegenstandslos abgeschrieben. Am 15. September 2017 reichten die Be- schwerdeführenden erneut Asylgesuche in der Schweiz ein, weshalb das Asylverfahren wieder aufgenommen wurde. Am 9. März 2018 folgten die Anhörungen zu den Asylgründen durch das SEM (Art. 29 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]). B. Zur B egründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin gel- tend, sie sei serbisch-orthodoxen Glaubens und habe gegen den Willen ihrer Familie einen Muslim geheiratet. Vom Jahr (…) bis (…) habe sie sich mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in Deutschland aufg ehalten. Als sie nach Serbien zurückgekehrt sei en, sei sie, damals im dritten Monat schwanger, im (…) von Familienangehörigen entführt und geschlagen wor- den. Sie sei bewusstlos geworden und erst im Spital wieder zu sich gekom- men. Nach diesem Ereignis sei en sie bis (…) zu ihrem Schwager nach Frankreich gegangen. Danach hätten sie sich während der Geburt und bis (…) 2013 in E._______, Serbien, aufgehalten. Dort sei sie wieder von Fa- milienangehörigen entführt und festgehalten worden, um sie von ihrer Be- ziehung zu ihrem Ehemann abzubringen. Nach (…) Tagen habe sie fliehen können. Mit ihrem Mann und ihren Kindern sei sie wiederum nach Frank- reich gereist. Im (…) 2013 seien sie nach Serbien zurückgekehrt und hät- ten in F._______ ein Haus gemietet. Im (…) 2014 seien sie nach G._______ gezogen. Dort habe sie ihre Familie wiederum mehrmals ge- schlagen und angeschrien. Am (…) 2015 hätten fünf Personen, darunter Verwandte, ihr Haus durchsucht, kaputt gemacht und ihre Pässe verbrannt. Vier Tage später sei ihr Mann abends einkaufen gegangen. Per Telefon habe er ihr aufgetragen, sofort mit den Kindern per Taxi zum Busterminal zu fahren. Dort habe er ihr erzählt, dass er von einem Auto verfolgt und auf ihn geschossen worden sei. Daraufhin seien sie via Belgrad illegal nach Frankreich und weiter in die Schweiz gereist. Aus Angst vor einer Auswei- sung hätten sie sich jedoch wieder nach Frankreich begeben. Da sie auch E-1763/2018 Seite 3 dort Drohungen erhalten hätten, seien sie im Septe mber 2017 in die Schweiz gereist. Der Beschwerdeführer fügte ergänzend hinzu, nach ihrer Rückkehr nach Serbien im Jahr (…) sei er von der Familie seiner Frau angegriffen und am Kopf verletzt worden. Zudem hätten die familiären Probleme im (…) 2015 erneut begonnen, nachdem sie im (…) 2014 von F._______ nach G._______ gezogen seien. Er sei geschlagen worden. Deshalb hätten sie sich von (…) 2015 erneut in Frankreich aufgehalten, bevor sie zurück nach G._______ gereist seien. Am Abend des (…) 2015 sei auf ihn, vermutlich durch Familienangehörige seiner Frau, geschossen worden. Nachdem er seine Frau informiert habe, sei er ebenfalls zum Busterminal gefahren. Dort habe er seine Frau und Kinder getroffen, um gemeinsam aus Serbien aus- zureisen. Es wurden ein Dokument bezüglich Namensänderung, ein Foto, Internet- ausdrucke (13 Seiten), zwei Identitätskarten, jeweils vier Zivilstandsurkun- den und Gesundheitsbüchlein sowie ein Gesundheitsausweis aus Frank- reich zu den Akten gereicht. C. Mit Verfügung vom 20. März 2018 stellte die Vorinstanz fest, die Beschwer- deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylge- suche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll- zug an. Zudem händigte sie den Beschwerdeführenden die editionspflich- tigen Akten aus. D. Am 23. März 2018 reichten die Beschwerdeführenden beim Bundesver- waltungsgericht (vorab per Fax) ein Fristerstreckungsgesuch zur Einrei- chung einer Beschwerde ein, welches mit Zwischenverfügung vom 26. März 2018 (ebenfalls vorab per Fax) abgewiesen wurde. E. Mit Eingabe vom 25. März 2018 (Post stempel 27. März 2018) folgte die Beschwerde, mit der die Beschwerdeführenden beantragten, der Asylent- scheid des SEM sei aufzuheben und es sei ihnen Asyl zu gewähren, je- denfalls sei von einer Wegweisung abzuseh en, sie und ihre Kinder seien vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung und amtliche Rechtsvertretung sowie um Kostenvorschussverzicht. E-1763/2018 Seite 4 Der Beschwerde wurde eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung beigelegt. F. Die vorinstanzlichen Akten trafen am 27. März 2018 beim Bundesverwal- tungsgericht ein und am 28. März 2018 wurde den Beschwerdeführenden der Eingang der Beschwerde bestätigt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig und entscheidet endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführenden sind als Ver- fügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 E-1763/2018 Seite 5 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Die Vorinstanz lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ge- stützt auf Art. 40 i.V.m. Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG ab. Gemäss Art. 40 AsylG wird ein Asylgesuch ohne weitere Abklärungen abgelehnt, wenn auf- grund der Anhörung offenkundig wird, dass Asylsuchende ihre Flüchtlings- eigenschaft weder beweisen noch glaubhaf t machen können und ihrer Wegweisung keine Gründe entgegenstehen. Gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet der Bundesrat Staaten als sichere Drittstaaten, in denen nach seinen Feststellungen Sicherheit vor Verfolgung herrscht (Bst. a). 5. 5.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, die Angaben der Beschwerdeführenden, insbesondere zu den Vorfällen vom (…) 2012 und vom (…) 2015, seien widersprüchlich und unglaubhaft (Art. 7 AsylG), zudem würden sie den Anforderungen an die Flüchtlingseigensch aft ge- mäss Art. 3 AsylG nicht genügen. Die Beschwerdeführenden hätten an der BzP angegeben, die Beschwerdeführerin habe ihre Tasche, in der sich die Reisepässe der Familie befunden hätten, unterwegs verloren (SEM-Akten A5 S. 6, A4 S. 8). Demnach werde dem Vorbringen, Familienangehörige hätten am (…) 2015 ihre Wohnung durchsucht und ihre Pässe verbrannt, jede Grundlage entzogen. Weiter habe die Beschwerdeführerin an der BzP angegeben, sie habe während ihres Aufenthalts in Frankreich am (…) 2012 einen Verkehrsunfall gehabt und ein Gesundheitsbüchlein erhalten. Zudem habe sie aufgrund des Unfalls eine (…) erlitten (SEM-Akte A5 S. 4 ff.). Auch der Beschwerdeführer habe an der BzP angegeben, während de s Frank- reichaufenthalts habe seine schwangere Frau einen Unfall gehabt (SEM - Akte A4 S. 6). Im Gegensatz dazu habe die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung in unsubstantiierter Weise angegeben, sie sei am (…) in G._______ entführt und geschlagen worden, wobei sie ins Spital gebracht E-1763/2018 Seite 6 worden sei. Dieser Vorfall habe zur (…) geführt (SEM-Akte A37 S. 4). Auf den Widerspruch angesprochen, hätten die Beschwerdeführenden erklärt, der Unfall, der nicht schlimm gewesen sei, habe sich im (…) 2014 respek- tive im (…) 2013 zugetragen (SEM-Akte A37 S. 14, A38 S. 10). Dies über- zeuge nicht. Hinzu komme, dass sich die Beschwerdeführerin am (…) 2012 bei den französischen Behörden gemeldet habe (SEM-Akte A17). Das ein- gereichte Foto der Beschwerdeführerin (SEM-Akte A39) vermöge keinerlei Beweiswert zu entfalten, zumal davon auszugehen sei, dass es in Frank- reich aufgenommen worden sei. Diese unglaubhaften Aussagen würden auch die weiteren Vorbringen mit erheblichen Zweifeln behaften. Ferner seien Übergriffe durch Dritte nur dann asylrelevant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Die Beschwerdeführenden würden geltend machen, Über- griffe der Familie der Beschwerdeführerin erlitten zu haben. Neben diver- sen Belästigungen sei die Beschwerdeführerin (…) lang festgehalten und der Beschwerdeführer sei Opfer eines Attentatsversuchs geworden. Dies- bezüglich sei festzuhalten, dass der serbische Staat über eine funktionie- rende und effiziente Schutzinfrastruktur verfüge und solche Übergriffe nicht billige. Die dargelegten Vorfälle stellten auch in Serbien Straftatbestände dar. Auch wenn es sein könne, dass einzelne Beamte notwendige Unter- suchungsmassnahmen nicht einleiten würden, bestehe die Möglichkeit, die zustehenden Rechte bei höheren Instanzen einzufo rdern. Die Beschwer- deführenden hätten angegeben, sich erfolglos an die Behörden gewandt zu haben (SEM -Akte A4 S. 9, A37 S. 12 f., A38 S. 3 f. und S. 6 f.). Aller- dings gehe aus den Akten hervor, dass sie es bei einer Erstmeldung belas- sen und bei einer allfälligen Untätigkeit der Behörden nicht interveniert hät- ten, obwohl es ihnen zumutbar gewesen wäre, sich an eine obere Instanz zu wenden. Da die Familie der Beschwerdeführerin mit der Polizei am Hei- matort verbandelt sei (SEM-Akte A4 S. 9), hätten sie sich fe rner an einen anderen Polizeiposten wenden können. Zudem hätten sie den Behörden nicht alle geltend gemachten Vorfälle gemeldet (SEM -Akte A37 S. 13). Demnach sei von einem adäquaten Schutz durch den Heimatstaat auszu- gehen und die geltend gemachten Vorfälle, sofern sie überhaupt geglaubt werden könnten, seien nicht asylrelevant. Hinzu komme, dass von keinem Staat eine Garantie für längerfristigen Schutz vor nichtstaatlicher Verfol- gung verlangt werden könne. Vielmehr müsse die Inanspruchnahme des staatlichen Schutzsystems – eventuell verbunden mit einer Wohnsitzände- rung – für die Betroffenen möglich und zumutbar sein. Dies sei vorliegend klar gegeben. Die eingereichten Internetausdrucke würden nichts ändern, zumal sie vielmehr verdeutlichen würden, dass die Polizei gegen kriminelle E-1763/2018 Seite 7 Banden und fehlbare Polizisten vorgehe. Zudem würden sich die Ausdru- cke nicht auf die Beschwerdeführenden persönlich beziehen. Auch das ein- gereichte Dokument bezüglich Namensänderung des Beschwerdeführers vermöge an diesen Erwägungen nichts zu ändern. Schliesslich sei Serbien ein safe country. Aus den Akten gehe nichts hervor, wonach an der Verfol- gungssicherheit in Serbien gezweifelt werden müsse. 5.2 Die Beschwerdeführenden bringen dagegen vor, die Vorinstanz sei bei ihrem Entscheid teilweise von falschen Tatsachen ausgegangen. Zudem habe sie die neue Bundesgerichtspraxis ausser Acht gelassen. Sie seien aufgrund der familiären Situation der ständigen Angst ausgesetzt gewesen, verfolgt, geschlagen oder bedroht zu werden. Wegen der Ausweisungsge- fahr aus der Schweiz seien sie unter Druck gestanden, was zu Differenzen in ihren Aussagen geführt habe. Die Familie der Beschwerdeführerin habe gute Verbindungen zur Polizei und den Behörden in ganz Serbien, weshalb sie nirgends in Serbien eine Chance auf ein gerechtes Leben hätten. Ser- bien sei unsicher, es herrsche Korruption und ein ungerechtes Rechtssys- tem. Das eingereichte Foto der Beschwe rdeführerin sei im Spital aufge- nommen worden, nachdem diese von ihrer Familie massiv zusammenge- schlagen worden sei. Da sie bewusstlos gewesen sei, könne sie sich nicht an Details erinnern. Die Eingriffe der Familie stellten ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG dar und seien somit asylrelevant. Zudem hätten die Eingriffe wegen ihrer unterschiedlichen Religionszugehörigkeit stattgefun- den, was eine Diskriminierung aufgrund des Glaubens darstelle. Es sei ihnen nicht möglich und nicht zumutbar , in Serbien zu leben. Ihre Kinder hätten zudem in der Schweiz das benötigte sichere Umfeld gefunden. 6. 6.1 Das Gericht gelangt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz die Asylgesuche der Beschwerdeführenden zu Recht abgelehnt hat. Sie hat in ihrem Entscheid die Gründe angeführt, welche auf die feh- lende Glaubhaftigkeit sowie Asylrelevanz der Vorbringen der Beschwerde- führenden schliessen lassen. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift vermögen an dieser Sichtweise nichts zu ändern , wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen. 6.2 Insbesondere sind die von der Vorinstanz festgestellten markanten Wi- dersprüche zwischen den Ausführungen an den BzPs und den Anhörungen nicht nachvollziehbar. Die gänzlich unterschiedlichen Angaben zum Verlust der Reisepässe und die fehlende Erklärung hierzu auf Beschwerdeebene führen zu erheblichen Zweifel am geltend gemachten Vorfall vom (…) E-1763/2018 Seite 8 2015. Zudem ist ungeklärt geblieben, wie die Beschwerdeführerin, die sich von Mitte (…) 2012 bis (…) 2013 in Frankreich aufgehalten habe (SEM - Akte A4 S. 6 und A5 S. 4), am (…) in Serbien von ihrer Familie hätte ent- führt und geschlagen werden können. Der Hinweis in der Rechtsmittelein- gabe, die Widersprüche seien auf die Angst vor einer Ausweisung zurück- zuführen, vermag nicht zu überzeugen. Das eingereichte Beweisfoto zeigt die verletzte Beschwerdeführerin, jedoch sind weder Ort noch Datum der Aufnahme ersichtlich. Es ist mithin als Beweis für den angeblichen Über- griff durch die Familie untauglich. Die widersprüchlichen Angaben zum Da- tum des Unfalls in Frankreich und dazu, welches Ereignis schliesslich zur (…) der Tochter geführt haben soll, bestärken die Schlussfolgerung, dass diese Vorbringen nicht geglaubt werden können. Aufgrund der klaren Wi- dersprüche ist an den geltend gemachten Ereignissen insgesamt zu zwei- feln, namentlich auch am Festhalten der Beschwerdeführerin durch ihre Familie und dem Attentatsversuch gegen den Beschwerdeführer. Zum er- wähnten Attentatsversuch gegen den Beschwerdeführer ist zudem zu er- gänzen, dass er selber nicht angeben konnte, um wen es sich bei den An- greifern gehandelt haben soll (SEM-Akte A38 F60). Die unsubstantiiert ge- bliebenen Hinweise in der Beschwerde auf die angeblich einflussreiche Fa- milie der Beschwerdeführerin und deren Macht über die serbischen Behör- den vermögen an der Schlussfolgerung nichts zu ändern. Eine abschliessende Glaubhaftigkeitsprüfung erübrigt sich vorliegend in- des, da die Asylvorbringen der Beschwerdeführenden selbst bei Wahrun- terstellung den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standzu- halten vermögen. Die geltend gemachten familiären Probleme wegen der unterschiedlichen Religionszugehörigkeit reichen nicht aus, um eine Ver- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG darzustellen. Zudem wäre es den Be- schwerdeführenden möglich gewesen, staatlichen Schutz vor Übergriffen privater Dritter in Anspruch zu nehmen . Dass die Polizei ihnen mangels Beweismittel angegeben habe, sie sollen ihre familiären Probleme selbst lösen, vermag nicht zu erklären, weshalb sie bei den erwähnten Erlebnis- sen teilweise von einer Meldung bei der Polizei oder nötigenfalls bei einer höheren Instanz abgesehen haben (SEM-Akte A37 F87 ff., A38 F46). Da- ran vermögen die unsubstantiierten Hinweise auf die Verbindung der Fa- milie mit der Polizei und den Behörden sowie die erwähnte Korruption und das ungerechte Rechtssystem in Serbien nichts zu ändern. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Bundesrat Serbien mit Beschluss vom 1. April 2009 als verfolgungssicheren Staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet hat. Die Be zeichnung eines Landes als so genanntes E-1763/2018 Seite 9 "safe country" beinhaltet die Regelvermutung, dass eine flüchtlingsrecht- lich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfindet und der behördliche Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Es handelt sich da- bei um eine relative Verfolgungssicherheit, weshalb im Einzelfall auf Grund konkreter und substantiierter Hinweise diese Regelvermutung umgestos- sen werden kann. Solche konkrete und substantiierte Hinweise vermoch- ten die Beschwerdeführenden nach dem Gesagten nicht darzutun. Ferner sind die Beschwerdeführenden eigenen Angaben zufolge vermehrt ausge- reist und wieder nach Serbien zurückgekehrt, obwohl sie wiederholte Be- drohungen von der Familie der Beschwerdeführerin geltend machen. Die freiwillige und m ehrmalige Rückkehr an den Ort, an dem sie angeblich ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt seien, deutet nicht darauf hin, dass sie im Falle einer Rückkehr nach Serbien in eine flüchtlingsrechtlich relevante Bedrohungssituation geraten würden. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen- den nicht gelungen ist, eine bestehende oder drohende, asylrechtlich rele- vante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vor - instanz hat ihre Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und die Asylge- suche gestützt auf Art. 40 i.V.m. Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, E-1763/2018 Seite 10 wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegensteh en (Art. 83 Abs. 3 AuG). Da den Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht zu- kommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzu- ges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völker- rechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 FoK; Art. 3 EMRK). Weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung nach Serbien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wären. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Serbien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Mithin ist d er Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Die allgemeine Lage in Serbien ist – wie die Vorinstanz richtig festgestellt hat – weder von Bürgerkrieg noch von allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung dorthin grundsätzlich zumutbar i st. Zudem gilt Serbien seit dem 1. April 2009 als „safe country“. Die Beschwer- deführenden gaben selbst an, nie Geldprobleme gehabt zu haben. Sie kön- nen sich ferner bei Bedarf an einem anderen als ihrem Heimatort in Serbien niederlassen, wie sie das bereits vor ihrer Ausreise getan h aben. Es ist folglich nicht davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Serbien in eine existenzielle Notlage geraten. Sodann steht auch das Kindeswohl einem Vollzug der Wegweisung nicht entgegen, zumal sich die Beschwerdeführenden erst seit kurzer Zeit in der E-1763/2018 Seite 11 Schweiz befinden und somit klarerweise nicht von einer hiesigen Verwur- zelung ihrer zwei Kleinkinder ausgegangen werden kann (vgl. Urteil des BVGer D-6422/2017 vom 27. November 2017 E. 9.3, m.w.H.). Nach dem Gesagten e rweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.4 Die Beschwerdeführenden verfügen über gültige Identitätskarten (bis ins Jahr […] resp. […]) und es obliegt ihnen, sich bei der zuständigen Ver- tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allfällig notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Die Beschwerdeführenden beantragen die Gewährung der unentgelt- lichen Prozessführung und die amtliche Rechtsverbeiständung . Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aus- sichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Vor- aussetzungen nicht gegeben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind. 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. E-1763/2018 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Linda Mombelli-Härter Versand: