<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 0] </div> <div class="para">1P.308/2000/boh </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG </div> <div class="para">********************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para">8. Juni 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Aemisegger, Präsident der </div> <div class="para">I. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter Nay, </div> <div class="para">Bundesrichter Féraud und Gerichtsschreiber Störi. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para">K.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Advokat Daniel Borter, Fischmarkt 12, Liestal, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">Besonderes Untersuchungsrichteramt des KantonsBasel-Landschaft, Verfahrensgericht in Strafsachen des Kantons Basel-Landschaft, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 9 und <artref id="CH/101/10/3" type="start"></artref>Art. 10 Abs. 3 BV</span><artref id="CH/101/9" type="end"></artref> </div> <div class="para">(Haftbedingungen), hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.- Am 17. März 2000 verfügte das Besondere Untersuchungsrichteramt des Kantons Basel-Landschaft gegen den Untersuchungshäftling K.________ Folgendes: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">"1.Das Besuchsrecht des K.________ in der kantonalen </div> <div class="para">Strafanstalt Lenzburg steht ausschliesslich folgenden </div> <div class="para">Personen zu: </div> <div class="para">- seinem Verteidiger, Herrn lic. iur. Daniel </div> <div class="para">Borter, Fischmarkt 12, 4410 Liestal </div> <div class="para">- seiner Ehefrau </div> <div class="para">- seiner Mutter, geb. 31.10.1925. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. Anträge auf Besuchsrecht für weitere Personen sind </div> <div class="para">an die Verfahrensleitung (Bes. Untersuchungsrichteramt </div> <div class="para">Basel-Landschaft, Rheinstrasse 12, </div> <div class="para">4410 Liestal) zu richten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. K.________ sind keine Telefonate erlaubt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. Die Briefe an und von K.________ unterstehen der </div> <div class="para">Briefzensur durch das Bes. Untersuchungsrichteramt </div> <div class="para">Basel-Landschaft. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5. K.________ wird kein Urlaub bewilligt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6. K.________ wird keine Tätigkeit ausserhalb der </div> <div class="para">Strafanstalt bewilligt.. " </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Mit Verfügungen vom 24. und 27. März 2000 erweiterte das Besondere Untersuchungsrichteramt die Besuchsbewilligung auf die Tochter von K.________ und erlaubte ihm Telefonate mit seinem Verteidiger sowie seiner Ehefrau im Rahmen der normalen Telefonordnung der Strafanstalt Lenzburg. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Mit Beschluss vom 10. April 2000 wies die Vizepräsidentin des Verfahrensgerichts in Strafsachen des Kantons Basel-Landschaft die von K.________ gegen die Verfügungen vom 17. und 24. März 2000 erhobene Beschwerde ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, angesichts der noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen sei eine Beschränkung des persönlichen Verkehrs zur Verhinderung der Einflussnahme auf die Ermittlungsergebnisse angezeigt. Diese Massnahme sei verhältnismässig, weiche sie doch nicht erheblich von den für die übrigen Gefängnisinsassen geltenden Regelungen ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.- Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 18. Mai 2000 wegen Verletzung von <span class="artref"><artref id="CH/101/10/3" type="start"></artref>Art. 9 und 10 Abs. 3 BV</span><artref id="CH/101/9" type="end"></artref> beantragt K.________, den Beschluss der Vizepräsidentin des Verfahrensgerichtes vom 10. April 2000 und die Verfügung des Besonderen Untersuchungsrichteramtes vom 17. März 2000 aufzuheben. </div> <div class="para">Ausserdem sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und seinem Anwalt eine Parteientschädigung von Fr. 1'200.-- auszurichten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C.- Das Besondere Untersuchungsrichteramt und das Verfahrensgericht beantragen in ihren Vernehmlassungen, die Beschwerde abzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">K.________ hält in seiner Replik an der Beschwerde vollumfänglich fest. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Der Beschwerdeführer wirft dem Verfahrensgericht Willkür im Sinne von <span class="artref">Art. 9 BV</span> sowie eine Verletzung des in <span class="artref">Art. 10 Abs. 3 BV</span> verankerten Folterverbotes vor. Dazu ist er legitimiert (<span class="artref">Art. 88 OG</span>). Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist, wenn ihre Begründung den gesetzlichen Anforderungen von <span class="artref">Art. 90 Abs. 1 lit. b OG</span> (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-I-492%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page492">BGE 125 I 492</a> E. 1b<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-I-70%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page70">122 I 70</a></span> E. 1c<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=21.05.2000&amp;to_date=09.06.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-I-334%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page334">121 I 334</a></span> E. 1c) entspricht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Nach <span class="artref">Art. 10 Abs. 3 BV</span> sind "Folter und jede andere Art grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung" verboten. Darunter ist in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung der Strassburger Organe zu <span class="artref">Art. 3 EMRK</span> das absichtliche Zufügen von besonders schwerem und grausamem Leid bzw. ein Vorgehen, welches absichtlich schwere psychische oder physische Leiden verursacht, zu verstehen (Jörg Paul Müller, Grundrechte in der Schweiz, 3. A. Bern 1999, S. 20 und 23). Der Beschwerdeführer begründet nicht, inwiefern ihn die umstrittenen Haftbedingungen in diesem Sinne belasten. Die Beschwerde genügt daher den gesetzlichen Anforderungen nicht. Es ist im Übrigen offensichtlich, dass die Haftbedingungen nicht gegen die Garantien von <span class="artref">Art. 10 Abs. 3 BV</span> verstossen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Den Willkürvorwurf begründet der Beschwerdeführer damit, "dass gemäss § 87 Abs. 2 BL-StPO verhafteten Personen nur Beschränkungen auferlegt werden dürfen, die im Interesse des Verfahrens oder zur Aufrechterhaltung des Anstaltsbetriebes unumgänglich sind, was vorliegend offensichtlich nicht zutrifft". Entgegen seiner Behauptung ist es jedoch keineswegs "offensichtlich", dass sich die umstrittenen Haftbedingungen nicht auf die zitierte Bestimmung der Strafprozessordnung stützen können, und es ist nicht Aufgabe des Bundesgerichts, selber nach Gründen dafür zu suchen. Solche hätte der Beschwerdeführer anführen müssen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Weiteren beklagt sich der Beschwerdeführer darüber, dass die Verfügung vom 17. März 2000 nicht begründet worden sei, erhebt indessen auch nicht sinngemäss eine Gehörsverweigerungsrüge. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde ist somit nicht einzutreten, da sie keine den gesetzlichen Anforderungen von <span class="artref">Art. 90 Abs. 1 lit. b OG</span> genügenden Rügen enthält. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 156 Abs. 1 OG</span>). Er hat zwar ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt. </div> <div class="para">Dieses ist indessen abzuweisen, da die an Mutwilligkeit grenzende Beschwerde von vornherein aussichtslos war (<span class="artref">Art. 152 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer und insbesondere sein Vertreter werden in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass mutwillige Prozessführung nach <span class="artref">Art. 31 Abs. 2 OG</span> mit Ordnungsbusse belegt wird. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht </div> <div class="para">im Verfahren nach <span class="artref">Art. 36a OG</span>: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Besonderen Untersuchungsrichteramt und dem Verfahrensgericht des Kantons Basel-Landschaft schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para">Lausanne, 8. Juni 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>