Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. August 2019 (725 17 163 / 209) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Fehlender Kausalzusammenhang; Die Kostenübernahme für das ärztlich angeordnete Hilfsmittel in Form einer Rumpforthese wurde zu Recht verneint. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch M arkus Schmid, Rechts- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen A. Der 1960 geborene A.____ war über die Öffentliche Arbeitslosenkasse Basel-Land- schaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (S uva) obligatorisch gegen Unfälle versichert, als er am 4. August 2009 zuhause ausrutschte und sich an der rechten Schulter ver- letzte. Am 21. Juli 2014 erlitt er einen weiteren Unfall. Am Flughafen in X.____ brach er zusam- men und stürzte, wobei er sich eine Fraktur des Lendenwirbelkörpers (LWK) 1 zuzog. Einen drit- ten bei der Suva versicherten Unfall erlitt er am 27. August 2014. Bei einem Treppensturz zu- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht hause zog er sich eine Rippenserienfraktur links 4-8 (Impressionsfraktur) mit Hämato- und Coa- gulothorax sowie eine Schulterverletzung links mit Abri ss des ventralen Labrums zu. Mit Verfü- gung vom 6. Juli 2016 sprach die Suva dem Versicherten eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine Integritätseinbusse von 50% (25% für die Folge n des ersten, 15% für die Folgen des zweiten und 10% für die Folgen des dritten Unfalles) zu, lehnte aber gleichzeitig die Ausrichtung einer Invalidenrente ab. Der Versicherte erhob hiergegen Beschwerde beim Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanto nsgericht), welches die Beschwerde mit Urteil vom 18. Januar 2018 (Verfahren-Nr. 725 16 410) abwies. Der Versicherte zog dieses Urteil weiter vor das Bundesgericht. Bereits am 10. Januar 2017 ersuchte der Versicherte bei der Suva um Kostenübernahme für eine Rumpforthese. Nach Abklärung der massgebenden Verhältni sse verneinte die Suva mit Verfü- gung vom 7. März 2017 den Anspruch auf eine solche Rumpforthese. Zur Begründung führte sie an, gestützt auf die medizinische Beurteilung ihres beratenden Arztes ergebe sich, dass die Indi- kation der Rumpforthese aus unfallfremden Gründen erfolgt sei, weshalb es an der erforderlichen Kausalität mangle. An dieser Auffassung hielt sie auch a uf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 26. April 2017 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicher te, vertreten durch Markus Schmid, Advokat, mit Eingabe vom 29. Mai 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin bean- tragte er, der Einspracheentscheid vom 26. April 2017 sei aufzuheben und die Beschwerdegeg- nerin sei zu verpflichten, die Kosten für die anbegehrte Rumpforthese zu übernehmen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, gestützt auf die massgebende medizinische Aktenlage sei erstellt, dass die Verordnung d er Prothese infolge unfallkausaler Gründe erfolgt sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Juli 2017 schloss die Suva, vertreten durch Andrea Tarnutzer-Muench, Advokat, auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit prozessleitender Verfügung vom 31. Oktober 2018 sistierte die instruierende Präsi- dentin des Kantonsgerichts das vorliegende Verfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid im Ver- fahren Nr. 725 16 410. E. Mit Verfügung vom 26. November 2018 hob das Kanto nsgericht die Sistierung auf, nach- dem das Bundesgericht mit Urteil vom 14. November 2018 den Entscheid des Kantonsgerichts vom 18. Januar 2018 bestätigt und einen Rentenanspruch verneint hatte. Gleichzeitig wurde den Parteien Gelegenheit eingeräumt, zur Sachlage nach Abschluss des Verfahrens Nr. 725 16 410 Stellung zu nehmen. Die Beschwerdegegnerin machte mit Eingabe vom 28. Januar 2019 hiervon Gebrauch. Der Beschwerdeführer liess sich am 26. Februar 2019 hierzu vernehmen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser im Kanton Basel-Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Ge setzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versiche- rungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanton s Beschwerden gegen Einspracheent- scheide der Versicherungsträger gemäss Art 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behand- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erho- bene – Beschwerde vom 29. Mai 2017 ist demnach einzutr eten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO in der ab 1. Januar 2019 ge ltenden Fassung entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsid ialentscheid. Streitgegenstand des vorlie- genden Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten für die angeordnete Rumpforthese zu übernehmen hat. Dem sich in den Akten befindlichen Kostenvoranschlag vom 6. Januar 2017 zufolge belaufen sich die Kosten für eine solche Rumpforthese auf Fr. 2‘110.--. Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt deshalb in die Kompetenz der präsidierenden Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. 2.2 Gemäss Art. 11 Abs. 1 UVG hat die versicherte Perso n Anspruch auf die Hilfsmittel, die körperliche Schädigungen oder Funktionsausfälle ausglei chen. In Art. 21 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 hat der Bundesrat die ihm in Art 11 Abs. 1 IVG übertragene Kompetenz zur Regelung der Voraussetzungen für die Abgabe von Hilfsmit- teln dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) üb erlassen. Dieses hat gestützt auf diese Subdelegation die Verordnung über die Abgabe vo n Hilfsmitteln durch die Unfallversiche- rung (HVUV) vom 18. Oktober 1984 mit der im Anhang au fgeführten Hilfsmittelliste erlassen. Gemäss Art. 1 Abs. 1 HVUV besteht Anspruch auf die in der Liste im Anhang der HVUV aufge- führten Hilfsmittel. Die Hilfsmittelbedürftigkeit im Unfallversicherungsrecht knüpft nicht an die Not- wendigkeit des Hilfsmittels für die Erwerbstätigkeit an. Mangels anderslautender gesetzlicher Be- stimmung und Praxis besteht auch Anspruch auf Hilfsmitte l für Einschränkungen im Aufgaben- bereich Haushalt und/oder im privaten Leben. Nach Zif fer 3.01 HVUV zählen Stützkorsetts zu den von der Unfallversicherung zu gewährenden Hilfsmitteln. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Die Hilfsmittel müssen einfach und zweckmässig sein und werden zu Eigentum oder leihweise abgegeben (Art. 11 Abs. 2 UVG und Art. 1 A bs. 2 HVUV). Das Kriterium der Zweck- mässigkeit verlangt insbesondere, dass das Hilfsmittel besti mmt und geeignet ist, der gesund- heitlich beeinträchtigten versicherten Person in wesentli chem Umfang zur Erreichung eines der gesetzlich anerkannten Ziele zu verhelfen (BGE 122 V 214 E. 2c mit Hinweis). Mit der Beschrän- kung auf Hilfsmittel in einfacher Ausführung wird dem allgemeinen Grundsatz der Verhältnismäs- sigkeit Rechnung getragen. Danach ist die Eingliederung nur soweit sicherzustellen, als sie im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist. Die versich erte Person hat dementsprechend in der Regel nur Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendi- gen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Ferner muss der voraussichtliche Erfolg einer Eingliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten stehen (BGE 124 V 110 E. 2a, 122 V 214 E. 2c). 3.1 Der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheitssch aden ferner nur insoweit, als die- ser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 177 E. 3). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um- stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforder- lich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche o- der geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die einget retene gesundheitliche Störung ent- fiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusamme nhang besteht, ist eine Tatfrage, wo- rüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rah- men der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im S ozialversicherungsrecht üblichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E 3.1 mit Hinweisen). Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste gewürdigt wird (BGE 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a und 208 E. 6b). 3.2 Bei der Frage, ob ein Kausalzusammenhang ursprüng lich gegeben ist, ist die versicherte Person beweisbelastet. Die Unfallversicherung trägt dagegen die Beweislast für einen behaupte- ten Wegfall der Kausalität aufgrund des Erreichens des Zustandes, wie er vor dem Unfall bestand oder sich ohne diesen ergeben hätte (Status quo sine vel ante). Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherungsprozess in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweis- losigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des im Verwaltungsverfahren wi e auch im kantonalen Sozialversiche- rungsprozess geltenden Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinli chkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht entsprechen (vgl. BGE 138 V 218 E. 6, Urteil des Bundesgerichts vom 4. April 2017, 8C_17/2017, E. 2.2 mit Hinweisen). 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit sowie der Feststellun g natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungs- gericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte B eweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach al- leine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicher ungsträger nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Berich- ten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG ein- geholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfol- gerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5. Unter den Parteien ist unbestritten, dass es sich bei der beantragten Rumpforthese um ein geeignetes und notwendiges Hilfsmittel im Sinne d er allgemeinen Anspruchsvoraussetzun- gen handelt. Streitig und zu prüfen ist die Leistung spflicht der Beschwerdegegnerin einzig mit Blick auf die Frage, ob es sich bei den durch die Rumpfo rthese auszugleichenden gesundheitli- chen Beeinträchtigungen um unfallkausale Folgen handelt. Im Zentrum der Beurteilung steht da- bei das Ereignis vom 21. Juli 2014. Da eine anspruchsbe gründende Tatfrage zu beurteilen ist, liegt die entsprechende Beweislast bei der versicherten Person bzw. sie trägt die Folgen der Be- weislosigkeit. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Für die Beurteilung der strittigen Frage sind im Wesentlichen folgende medizinische Un- terlagen von Relevanz: 6.1 Im Bericht des Medical Center B.____ in X.____ vo m 29. Juli 2014, wo der Versicherte unmittelbar im Anschluss an das Unfallereignis behandelt worden war, wurden eine Fraktur des LWK 1 sowie auf mögliche frühere Ereignisse zurückzuführende Frakturen der LWK 2 und 4 und eine thorakale Kyphose bei einem auswellenden Keilwirbel des Brustwirbelkörpers (BWK) 12 di- agnostiziert. Hierzu wurde festgehalten, der Versicherte sei am Flughafen zweimal kollabiert und habe sich hierbei eine lumbale Fraktur des LWK 1 zugezogen. 6.2 Anlässlich einer Kreisarztbeurteilung vom 28. Novemb er 2014 infolge eines weiteren Unfallereignisses wurden eine auf das frühere Ereigni s vom 21. Juli 2014 zurückzuführende fri- sche Fraktur des LWK 1, nur wenig disloziert, und ferner multiple Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule festgestellt. Es wurde ein stationärer Aufenthalt in der Rehaklinik G.____ empfohlen. In dessen Rahmen wurden am 30. Januar 2015 die folgen den in unfallversicherungsrechtlicher Hinsicht relevanten Diagnosen festgehalten: Unfall vom 2 1. Juli 2014 Sturz auf dem Flughafen X.____ mit frischer Fraktur LWK 1 und ältere Frakturen LWK 2 und 4. 6.3 Im Rahmen einer Verlaufskontrolle hielt Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, fest, dass der Patient in X.____ auf dem Flughafen gestürzt sei und sich dabei eine LWK 1-Fraktur zugezogen h abe. Eine Verlaufsröntgenkontrolle zeige nun eine im konventionellen Bild stehende Hinterkante, jedoch Einsinken der Vorderkante um 50%. Dementsprechend habe der Patient lokale Besch werden mit entsprechendem musku- lärem Hartspann. 6.4 Am 12. August 2015 berichtete Prof. Dr. med. D.__ __, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, dass der Pati ent über anhaltende Rückenbe- schwerden klage. Er gebe insbesondere belastungsabhängi ge Beschwerden im unteren LWS- Bereich an. Radiologisch sei eine Keilwirbelbildung LWK 1 mit nachgeheilter Deckplattenimpres- sion auszumachen. Weiter zeige sich eine leichte Keilwirb elbildung BWK 12 als auch LWK 2 möglicherweise im Rahmen eines Morbus Scheuermann. 6.5 Infolge einer weiteren kreisärztlichen Beurteilung vom 30. März 2016 im Zusammenhang mit dem Fallabschluss im Verfahren Nr. 725 16 410 erachtete Dr. med. E.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hinsichtlich der verbleibenden Un- fallfolgen im Bereich der Wirbelsäule in Form einer Nachsinterung der LWK 1-Fraktur mit deutli- cher Keilwirbelbildung und Kyphosewinkel eine Integritätsentschädigung als angezeigt. 6.6 Am 14. Dezember 2016 stellte Dr. med. F.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, die Diagnose einer posttraumatischen thorakolumbalen Skoliose bei einem Sta- tus nach traumatischer Deckplattenimpression BWK 12 und LW K 1. Infolge der Schmerzen im Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bereich der Schultern seien physiotherapeutische Massnahme n zur Stabilisierung der Wirbel- säule sowie Detonisation der paravertebralen Muskelgruppen zu verordnen. Ergänzend empfehle er bei Skoliose im thorakolumbalen Übergang das Tragen einer Orthese. 6.7 Mit Kurzbericht vom 27. Januar 2017 führte Dr. E._ ___ zur Frage, ob der Versicherte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit infolge der unfallbed ingten Verletzungen eine Rumpforthese benötige aus, dass es nach einer konservativ behandelten Wirbelkörperfraktur praktisch keine Indikation für ein Korsett gebe. Überdies sei die Indikation für das Korsett eine Skoliose. Dies sei eine krankhafte Veränderung der Wirbelsäule und keine Unfallfolge. 6.8 Aufgrund der Einsprache des Versicherten vom 20. F ebruar 2017 ersuchte die Suva den Kreisarzt Dr. E.____ auf Vorlage der Akten zur Frage St ellung zu nehmen, ob er an seiner Auf- fassung festhalte, wonach die verordnete Rumpforthese nicht in einem kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis des Versicherten stehe. Diesbezüglich hielt er fest, die angeführten Stürze und Verletzungen seien unstrittig und würden nicht ignoriert. Es sei allerdings zu beachten, dass nach dem Ereignis vom Juli 2014 ausschliesslich eine LWK 1-F raktur im Sinne eines Deckplat- teneinbruches nachgewiesen worden sei, sämtliche anderen Veränderungen an der Wirbelsäule seien älter. Die Formveränderung des BWK 12 sei bereits im Juli 2014 alt gewesen und nicht bei diesem Ereignis entstanden. Die Ursachen hierfür seien vielfältig, dieses Trauma sei jedoch nicht dafür verantwortlich. Eine Deckplattenimpression könne zweifellos zu einer gewissen Kyphosie- rung führen. Da die Wirbelsäule sich aus vielen Wirbelk örpern zusammensetze, würde eine ge- wisse Keilform eines Wirbelkörpers normalerweise keine e rhebliche Kyphosierung insgesamt ausmachen. Das Vorliegen einer Kyphosierung sei mit Beu rteilung vom 30. März 2016 bereits festgestellt und bei der Schätzung des Integritätsschade ns gewürdigt worden. Die Orthese sei jedoch ausschliesslich aufgrund einer Skoliose im thorakolumbalen Bereich ordiniert worden. Da- bei handle es sich um eine völlig andere Verformung der Wirbelsäule. Eine stabile Deckplatten- impressionsfraktur könne mit Sicherheit nicht die beschri ebene Skoliose herbeiführen. Dies sei nicht erklärbar. Nach derartigen Frakturen sei es wichtig, die Muskulatur zu stärken, damit sie die übrigen Stützstrukturen des Rückens unterstützen könne. Durch eine Orthese werde die Musku- latur ruhig gestellt und somit sogar eher geschwächt, was für Langzeitfolgen einer Lendenwirbel- körperfraktur vielmehr kontraproduktiv sei. Die Indikation der Orthese würde somit eindeutig nicht aus unfallkausalen Gründen gestellt. 7.1 Die Beschwerdegegnerin ist unter Berücksichtigung der Ausführungen ihres Vertrauens- arztes der Auffassung, dass die Anordnung der Rumpforthe se ausschliesslich aufgrund einer nicht unfallbedingten Skoliose erfolgte und somit keine Leistungspflicht der Unfallversicherung bestehe. Wie sich aus dem in Erwägung 4.2 Ausgeführten ergibt, sind die Berichte von Dr. E.____ insoweit zu berücksichtigen, als keine – auch nur geringe – Zweifel an der Richtigkeit der darin vorgenommenen Schlussfolgerungen bestehen. Vorliegend besteht kein Anlass an der Richtig- keit der Feststellungen von Dr. E.____ zu zweifeln. Er setzt sich mit den wesentlichen medizini- schen Unterlagen auseinander und vermittelt insgesamt ein vollständiges Bild des Beschwerde- führers. Alsdann kommt er gestützt auf die medizinischen Akten einleuchtend und überzeugend zum Schluss, dass die Deckplattenimpressionsfraktur eines Lendenwirbels bei ansonsten stabi- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht len Wirbelkörpern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht die beschriebene Skoliose im tho- rakolumbalen Bereich verursacht hat, weil es sich hierbei um eine völlig andere Verformung der Wirbelsäule handle. Überdies legt er nachvollziehbar dar, weshalb die angeordnete Rumpforthese ausschliesslich zur Behandlung der diagnostizierten Skoliose und nicht für die von der Beschwerdegegnerin bereits anerkannten und mit ein er Integritätsentschädigung gewürdig- ten Unfallfolgen angeordnet worden sei. Insgesamt ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwer- degegnerin dem Bericht vom 20. Februar 2017 vollen Beweiswert zuerkannte. 7.2 Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen zu ke iner anderen Beurteilung der Kausalitätsfrage zu führen. Er macht zunächst geltend, die Ausführungen von Dr. E.____ stünden im Widerspruch zur Beurteilung von Dr. F.____ vom 14. Dezember 2016, worin sich die Diagnose einer posttraumatischen Skoliose bei einem Status nach traumatischer Deckplattenimpression des BWK 12 und des LWK 1 fände. Diesbezüglich ist unter H inweis auf das eben Dargelegte festzuhalten, dass sich Dr. E.____ ausführlich mit den A usführungen von Dr. F.____ auseinan- dersetzte und die von ihm diagnostizierte Deckplattenimpr ession des BWK 12 nachvollziehbar als falsch bezeichnete. Seine diesbezüglichen Aussagen st ehen im Einklang mit der medizini- schen Aktenlage, in deren Rahmen jeweils ausschliesslich ei ne Fraktur des LWK 1 mit daraus resultierender Keilwirbelbildung und Kyphosierung als Unfallursache ausgemacht werden konnte. So insbesondere im MRI-Befund vom 21. Juli 2014 unmittelbar im Anschluss an das Unfallereig- nis. Alsdann finden sich auch in den weiteren zeitnah zum Unfallgeschehen erstellten Berichten weder Hinweise, die auf eine Fraktur im Bereich des BWK 12 hindeuten noch solche die in diesem Bereich dokumentierte Formveränderungen auf das Unfall ereignis zurückführen würden. Dr. F.____ stellt die Diagnose einer posttraumatischen thorakolumbalen Skoliose in den Raum, ohne sich dabei näher zu den möglichen Ursachen dieser bisher n icht erhobenen Deformation der Wirbelsäule zu äussern. Seine Ausführungen sind daher nicht geeignet, auch nur geringe Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung zu wecken. Gleichermasse n verhält es sich für den weiteren vom Beschwerdeführer angerufenen Bericht von Dr. D.___ _ vom 12. August 2015. Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers trifft es dabei gerade nicht zu, dass dieser ausschliess- lich unfallkausale Folgen ausweist, namentlich nicht solche in Form einer Skoliose. Vielmehr un- terscheidet Dr. D.____ zwischen den bekannten Unfallfolgen einer Keilwirbelbildung der LWS mit nachgeheilter Deckplattenimpression des LWK 1 und einer Keilwirbelbildung im Bereich des BWK 12, wobei er selbst anmerkt, dass die letztere möglicherweise im Rahmen eines Morbus Scheu- ermann zu sehen sei. Nicht durchzudringen vermag der Beschwerdeführer auch mit seinem Ein- wand, wonach aufgrund der Tatsache, dass Dr. D.____ die Formveränderung nicht zweifelsfrei krankheitsbedingten Ursachen zuordnet, im Umkehrschluss un fallkausale Folgen damit auch nicht ausgeschlossen werden könnten. Dies umso weniger, als Dr. D.____ nicht diskutiert, inwie- fern allenfalls eine Unfallkausalität in Frage käme. Hinzu tritt, dass Dr. D.____ dem Versicherten im selben Bericht zur Behandlung seiner gesundheitlichen Beschwerden Physiotherapie in Form eines Trainings der Rückenmuskulatur verordnet. Damit untermauert er schliesslich die Aussa- gen von Dr. E.____, denen zufolge dies die adäquate Methode zur Behandlung einer Lendenwir- belkörperfraktur darstelle, das Tragen einer Rumpforthese hierfür hingegen eher kontraproduktiv sei. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Nach dem Gesagten liegen demnach keine Anhaltspun kte dafür vor, dass die thorako- lumbale Skoliose – für welche die Rumpforthese angeor dnet wurde – in einem natürlichen Kau- salzusammenhang zum Unfallereignis vom 21. Juli 2014 steht. Auch die im Sinne eines Eventu- albegehrens beantragte amtliche Erkundigung bei Dr. F .____ würde zu keinen neuen Erkennt- nissen führen, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung auf zusätzliche medizinische Abklärun- gen verzichtet werden kann (vgl. zur Zulässigkeit einer antizipierten Beweiswürdigung: BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinwei- sen). 8. Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Besc hwerdegegnerin ihre Leis- tungspflicht ablehnte. Bei diesem Ergebnis ist die gegen den Einspracheentscheid vom 26. April 2017 erhobene Beschwerde abzuweisen. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Dem Prozessausgang entsprechend wird dem Beschwerde führer keine Parteientschädi- gung zugesprochen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht