A bteilung III C -829/2006 {T 0/2} U rteil vom 21. Juni 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler (Vorsitz); R ichter Vaudan; R ichter Vuille; G erichtsschreiberin H aake. X._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in B ezug auf Y._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er serbische Staatsangehörige Y._______ (nachfolgend G esuchsteller) beantragte am 11. M ai 2006 beim schw eizerischen Verbindungsbüro bei der M ission der Vereinten N ationen im Kosovo (U N M IK) in Pristina (nachfolgend Verbindungsbüro) ein Visum für einen dreissigtägigen Besuchsaufenthalt bei seinem Bruder im Kanton Solothurn. In der Folge überw ies das Verbindungsbüro das G esuch dem Bundesam t für M igration zum Entscheid. B. N achdem die M igrationsbehörde des Kantons Solothurn am 11. August 2006 zum Visum santrag Stellung genom m en hatte, verw eigerte die Vorin- stanz m it Verfügung vom 22. August 2006 die beantragte Einreisebew illi- gung. In ihrer Begründung führte sie im W esentlichen aus, dass die fristge- rechte W iederausreise aufgrund der w irtschaftlichen und sozioökonom i- schen Lage in der H erkunftsregion nicht gew ährleistet sei. Zw ar oblägen dem G esuchsteller fam iliäre Verantw ortlichkeiten; berufliche oder gesell- schaftliche Verpflichtungen, w elche gegebenenfalls G ew ähr für eine frist- gerechte W iederausreise bieten könnten, seien aber nicht ersichtlich. C . M it Eingabe vom 4. Septem ber 2006 erhob der G astgeber X._______ (nachfolgend Beschw erdeführer) beim dam als zuständigen Eidgenössi- schen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) Beschw erde und beantragt sinngem äss die Aufhebung der Verfügung vom 22. August 2006 und die Erteilung des Einreisevisum s an den G esuchsteller. Zur Begründung führt er an, dass er gerne seinem Bruder, d.h. dem G esuchsteller, das H aus zeigen m öchte, das er gekauft habe. D er G esuchsteller m öchte sehen, w ie sein Bruder in der Schw eiz lebt, und seine Ferien hier verbringen. D er Be- schw erdeführer versichert, dass sein Bruder die Schw eiz fristgerecht w ie- der verlassen w erde. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 23. O ktober 2006 die Abw eisung der Beschw erde. D as Einreisebegehren sei abgelehnt w or- den, w eil die w irtschaftliche und politische Lage in Serbien angespannt sei und w eil sow ohl das Verbindungsbüro als auch die Ausländerbehörde des Kantons Solothurn in ihren Stellungnahm en die W iederausreise als nicht gesichert angesehen hätten. Zudem sei der G esuchsteller bereits früher als Asylbew erber in der Schw eiz gew esen. D er G esuchsteller sei Fam ilien- vater und gehe keiner gefestigten Erw erbstätigkeit nach. Aufgrund der all- gem einen Situation in der H erkunftsregion sow ie aufgrund der in zahl- reichen ähnlich gelagerten Fällen gem achten Erfahrungen könne nicht ausgeschlossen w erden, dass der G esuchsteller den W unsch hegen könn- te, sich im w estlichen Ausland eine neue Zukunft aufzubauen. D ie G efahr, dass die W iederausreise nicht fristgerecht erfolge, m üsse deshalb gesam t- haft als relativ hoch angesehen w erden. E. D em Beschw erdeführer w urde G elegenheit gegeben, sich bis zum 28. N o- vem ber 2006 zur Vernehm lassung der Vorinstanz zu äussern. D iese Frist liess er ungenutzt verstreichen.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 D as Bundesverw altungsgericht beurteilt gem äss Art. 31 des Verw altungs- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) Beschw erden ge- m äss Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und Art. 34 VG G aufgeführten Behörden. D arunter fallen die Verfügungen des Bundesam tes für M igration betreffend Bew illigung der Einreise (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufent- halt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20] und Art. 18 Abs. 1 der Verordnung über die Einreise und Anm el- dung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]). D as Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, per 1. Januar 2007 die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei den Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrens- recht ist anw endbar (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Vw VG , sofern das G esetz nichts anderes bestim m t. 1.3 D er Beschw erdeführer ist als G astgeber durch die angefochtene Verfü- gung berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an deren Aufhebung (Art. 48 Abs. 1 Vw VG , Art. 20 Abs. 2 AN AG ). Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist som it einzu- treten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. Ausländer und Ausländerinnen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz be- rechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung haben oder keiner solchen bedürfen (Art. 1a AN AG ). G ew isse G ruppen von Aus- länderinnen und Ausländern benötigen für die Einreise in die Schw eiz ein Visum (vgl. Art. 3 ff. VEA). D as Bundesam t für M igration entscheidet im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Ausland nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt und N iederlassung (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 VEA). D ies bedeutet, dass die schw eizerische R echtsordnung w eder ein allgem eines R echt auf Einreise kennt, noch einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visum s gew ährt (vgl. PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold [H rsg.], Ausländerrecht, H andbücher für die Anw altspraxis Bd. VIII, Basel 2002, R z. 5.28). Ein Einreisevisum w ird verw eigert, w enn die in Art. 1 VEA aufgeführten 4 Voraussetzungen nicht erfüllt sind (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). Insbesondere m üssen G esuchstellerinnen und G esuchsteller, die in die Schw eiz reisen m öchten, G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ieder ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. D er G esuchsteller benötigt aufgrund seiner N ationalität zur Einreise in die Schw eiz neben einem gültigen R eisedokum ent ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 4. W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W ieder- ausreise erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Progno- sen m achen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten beziehungsw eise R egionen m it poli- tisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen von vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Inter- essenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 4.1 Serbien gehört aufgrund der dort herrschenden politischen, gesellschaft- lichen und w irtschaftlichen Verhältnisse zu denjenigen Ländern, deren Staatsangehörige in vielen Fällen versuchen, m it H ilfe eines Visum s in die Schw eiz zu gelangen, um anschliessend hier zu bleiben. Vor allem für Ein- w ohner der Provinz Kosovo ist die Verlockung gross, sich in einem ande- ren Land ein neues Leben aufzubauen, da die w irtschaftliche und soziale Situation in ihrem H eim atland nach w ie vor desolat ist. D ie Arbeitslosigkeit ist hoch (2005: Serbien rund 20 % , Provinz Kosovo m ehr als 40 % ) und 37 % der Bevölkerung der Provinz Kosovo leben gem äss den Zahlen der W eltbank für das Jahr 2002 unter der Arm utsgrenze (vgl. "Kosovo Poverty Assessm ent" vom 16. Juni 2005, S. 16 f., unter w w w .w orldbank.org, besucht am 14. Juni 2007). D ie Tendenz zur Ausw anderung zeigt sich zw ar erfahrungsgem äss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen, aber auch sozial eingebundene M enschen reiferen Alters fas- sen vielfach diesen W eg ins Auge. Ein bestehendes soziales Beziehungs- netz (Freunde oder Verw andte) im Ausland ist ein w ichtiges Elem ent, das den Ausw anderungsentschluss erleichtern kann. Es gilt nach M öglichkeit zu verhindern, dass G esuchsteller ihre Anw esenheit in der Schw eiz, ent- gegen der ursprünglichen Absichtserklärung, dazu nutzen, ein Asylgesuch einzureichen oder die fristgerechte W iederausreise auf andere W eise zu um gehen. D ie schw ierige Lage in Serbien spiegelt sich im Ü brigen auch in der schw eizerischen Asylstatistik w ider, in der Serbien im Jahre 2006 m it 11.6 % die grösste G ruppe von Asylsuchenden stellte. 4.2 In Anbetracht der schw ierigen Situation im H erkunftsland des G esuchstel- lers ist es som it nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das R isiko einer nicht fristgerechten W iederausreise allgem ein als hoch einschätzte. Bei der R isikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt dem G esuchsteller oder der G e-5 suchstellerin beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, so kann dieser U m stand durchaus die Pro- gnose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko, dass sie sich nach einer bew illigten Einreise nicht gem äss den frem denpolizeilichen R egeln verhal- ten, als hoch eingeschätzt w erden. 4.3 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen 42-jährigen, verheirateten M ann. Er hat vier Kinder (Jg. 1987, 1988, 1991 und 2002). G em äss eige- nen Angaben ist er von Beruf Bauer. Aus diesen Angaben ergibt sich zw ar, dass dem G esuchsteller in seiner H eim at fam iliäre Pflichten obliegen, die grundsätzlich geeignet sein könn- ten, die für den G esuchsteller nachteilige Prognose aufgrund der allgem ei- nen Situation in Serbien bzw . Kosovo positiv zu beeinflussen. Andererseits legt die Auskunft, dass der G esuchsteller Bauer sei, den Schluss nahe, dass seine berufliche Situation eine äusserst schw ierige ist. Es erscheint daher nicht abw egig, dass der G esuchsteller einen dauerhaften Aufenthalt in der Schw eiz anstrebt, um seinen Kindern durch die finanzielle U nterstüt- zung eine bessere Zukunft zu erm öglichen. D as R isiko, dass die Absichten des G esuchstellers nicht m it dem durch ein Besuchervisum gedeckten Zw eck übereinstim m en, ist daher als hoch einzuschätzen. 5. Zusam m enfassend ergibt sich, dass die fristgerechte und anstandslose W iederausreise des G esuchstellers als nicht gesichert erscheint. D abei handelt es sich nicht um eine sichere Erkenntnis, sondern um eine Pro- gnose betreffend das zukünftige Verhalten des G esuchstellers im Falle seiner Einreise in die Schw eiz; doch reicht praxisgem äss eine negative Prognose aus, um den Antrag auf Erteilung einer Einreisebew illigung, w or- auf w ie erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht, abzulehnen. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Ergebnis rechtm ässig ist (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist dem zufolge abzuw ei- sen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschw erdefüh- rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG i.V.m Art. 1 und Art. 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv siehe folgende Seite)6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer auferlegt. Sie w erden m it dem am 21. Septem ber 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben), Akten R ef-N r. _______ retour D ie vorsitzende R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: R uth Beutler Barbara H aake Versand am :