<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">122</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>18</b></span> <span class="ft1"><b>Ausschaffungshaft; Haftverlängerung; Vollzugsperspektiven; Anordnung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>einer Durchsetzungshaft</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Dauert die Beschaffung von Ersatzreisepapieren für algerische und</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tunesische Staatsangehörige länger als sechs Monate, ist grundsätzlich</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nicht mehr davon auszugehen, dass ohne Mitwirkung des Betroffenen die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Reisepapiere innert der maximal zulässigen Haftdauer erhältlich gemacht</b></span><br/> <span class="ft1"><b>werden können. In derart gelagerten Fällen ist eine weitere Verlängerung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der Ausschaffungshaft unzulässig, weshalb die Anordnung einer Durch-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>setzungshaft zu prüfen ist (Erw. 6.).</b></span><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer,</span><br/> <span class="ft3">vom 29. September 2014 in Sachen Amt für Migration und Integration gegen</span><br/> <span class="ft3">A. (WPR.2014.156).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft7">6.</span><br/> <span class="ft7">Mit Blick auf die Frage, ob Anzeichen vorhanden sind, die an</span><br/> <span class="ft7">der Ausschaffungsmöglichkeit in tatsächlicher oder rechtlicher Hin-</span><br/> <span class="ft7">sicht Zweifel aufkommen lassen würden, ist Folgendes anzumerken.</span><br/> <span class="ft7">Bislang führte das Verwaltungsgericht aus, der Umstand, dass</span><br/> <span class="ft7">ein Betroffener nach über sechs Monaten noch immer über keine</span><br/> <span class="ft7">Reisepapiere verfüge, bedeute nicht, dass von einer fehlenden Voll-</span><br/> <span class="ft7">zugsperspektive ausgegangen werden müsse. Solange die algerischen</span><br/> <span class="ft7">Behörden nicht mitteilen würden, die algerische Staatsangehörigkeit</span><br/> <span class="ft7">könne nicht bestätigt werden bzw. solange nicht aus anderen Grün-</span><br/> <span class="ft7">den auf eine fehlende Vollzugsperspektive geschlossen werden</span><br/> <span class="ft7">müsse, sei weiterhin davon auszugehen, dass der Betroffene in</span><br/> <span class="ft7">absehbarer Zeit, d. h. innert der maximal zulässigen Haftdauer, nach</span><br/> <span class="ft7">Algerien ausgeschafft werden könne.</span><br/> <span class="ft7">Mit Blick auf die neuste bundesgerichtliche Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft7">(vgl. Urteil vom 29. September 2014 [2C_787/2014]) ist bezüglich</span><br/> <span class="ft7">Algerien und Tunesien an dieser Auffassung nicht länger festzuhal-</span><br/> <span class="ft7">ten. Im zitierten Entscheid hielt das Bundesgericht fest, es liege mit</span><br/> <span class="ft7">Bezug auf die Haftdauer und die Wahrscheinlichkeit einer erfolgrei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">123</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">chen Papierbeschaffung hinsichtlich der Haftdauer ein Verstoss ge-</span><br/> <span class="ft7">gen das Übermassverbot vor. Mit anderen Worten erachtet das Bun-</span><br/> <span class="ft7">desgericht in Fällen, in denen sich die Papierbeschaffung lange hin-</span><br/> <span class="ft7">zieht, eine längere Inhaftierung für unverhältnismässig.</span><br/> <span class="ft7">Für die Anordnung und Verlängerung von Ausschaffungshaft</span><br/> <span class="ft7">von tunesischen und algerischen Staatsangehörigen bedeutet dies</span><br/> <span class="ft7">Folgendes: Wurde eine Identifizierungsanfrage wie im vorliegenden</span><br/> <span class="ft7">Fall bereits mehr als zwei Monate vor der Inhaftierung übermittelt</span><br/> <span class="ft7">und wurde die Heimatvertretung nach der Inhaftierung über die Aus-</span><br/> <span class="ft7">schaffungshaft und das ausstehende Laissez-passer orientiert, ist</span><br/> <span class="ft7">nach Ablauf von weiteren rund drei Monaten davon auszugehen, dass</span><br/> <span class="ft7">die Identifizierung mit den bestehenden Angaben des Betroffenen</span><br/> <span class="ft7">nicht erfolgen kann und deshalb keine Vollzugsperspektive mehr be-</span><br/> <span class="ft7">steht. Eine weitere Verlängerung der Ausschaffungshaft ist in derart</span><br/> <span class="ft7">gelagerten Fällen unzulässig. Gleiches gilt, wenn die Identifizie-</span><br/> <span class="ft7">rungsanfrage nach Inhaftierung eines Betroffenen übermittelt und</span><br/> <span class="ft7">das ausstehende Laissez-passer nach drei Monaten moniert wird. In</span><br/> <span class="ft7">diesen Fällen ist fünf bis sechs Monate nach der ersten Anfrage da-</span><br/> <span class="ft7">von auszugehen, dass mit den bestehenden Angaben des Betroffenen</span><br/> <span class="ft7">keine Identifizierungsmöglichkeit besteht. Den zuständigen Behör-</span><br/> <span class="ft7">den bleibt es diesfalls überlassen, die Anordnung einer Durch-</span><br/> <span class="ft7">setzungshaft zu prüfen, bzw. im Zweifelsfall neben der Verlängerung</span><br/> <span class="ft7">der Ausschaffungshaft eventualiter eine Durchsetzungshaft anzuord-</span><br/> <span class="ft7">nen.</span><br/> <span class="ft9">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>