Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Juni 2016 (725 15 361) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Die SUVA prüfte im Rahmen einer Rückfallmeldung zu Recht, ob das dieser Meldung zu- grunde liegende Ereignis ein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG war; die Übernahme von Leistungen wurde in der Folge zu Recht abgelehnt. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A.1 A.____ war bei der Arbeitslosenkasse gemeldet u nd über diese bei der Schweizeri- schen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die F olgen von Nichtbetriebsunfällen versi- chert, als er sich am 19. Juni 2011 beim Slacken ( = Sportart ähnlich dem Seiltanzen, bei der man auf einem Schlauchband oder Gurtband - Slacklin e - balanciert, das zwischen zwei Befes- tigungspunkten gespannt ist ) eine Verletzung am rechten Oberschenkel zuzog. In der Scha- denmeldung vom 19. Juli 2011 wurde ausgeführt, dass er beim Slacken eine dumme Bewe- gung gemacht habe, nach welcher es ihm plötzlich st ark im Oberschenkel gezwickt habe; seit- her habe er Schmerzen. Die SUVA erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 A.____ meldete der SUVA am 23. Juli 2013 unter H inweis auf Schmerzen im rechten Oberschenkel einen Rückfall zum Ereignis vom 19. Juni 2 011. Nachdem die SUVA den rechts- erheblichen Sachverhalt abgeklärt hatte, lehnte sie mi t Verfügung vom 10. Juli 2015 die Aus- richtung von Versicherungsleistungen ab. Daran hielt sie auch im Einspracheentscheid vom 19. Oktober 2015 fest. B. Dagegen erhob A.____ am 19. November 2015 Beschwer de beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte sinngemäss, dass der Ein- spracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 19. Oktober 2015 aufzuheben und diese zu verpflichten sei, für die Folgen des Rückfalls zum Unfall vom 19. Juni 2011 die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen. Zur Begründung br achte er im Wesentlichen vor, dass sich der Rückfall mit den gleichen Schmerzen äussere wie beim zugrundeliegenden Unfall, der von der Beschwerdegegnerin anerkannt worden sei. Er sei sehr sportlich und habe jahrelang Spagatübungen gemacht. Die Tatsache, dass sich der Unfall dabei auf der hart gespannten Slackline zugetragen habe, sei eher als Zufall zu betrachten. Es handle sich um einen typischen Sportunfall, welcher sich bei eventuell leicht erhöhtem Risiko zugetragen habe. C. Die SUVA, vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Harde gger, reichte am 8. Januar 2016 ihre Beschwerdeantwort ein und beantragte die Ab weisung der Beschwerde. Unter Hin- weis auf die Verfügung und den Einspracheentscheid hiel t sie fest, dass das Ereignis vom 19. Juni 2011 weder als Unfall noch als unfallähnliche Körperschädigung zu bezeichnen sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g 1. Auf die frist- und formgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Strittig ist, ob die durch den Beschwerdeführer im Sommer 2013 als Rückfall gemelde- ten Beschwerden im Oberschenkel, welche eine erneute ä rztliche Behandlung erforderlich machten, auf das Ereignis vom 19. Juni 2011 zurückgeführt werden können und ob die SUVA dafür leistungspflichtig ist. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 Bundesgesetzes über die Unfall versicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligatorischen U nfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Be rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG g ewährt der versicherten Person An- spruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeit sunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80% des versicher- ten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit w ird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG a m dritten Tag nach dem Unfalltag Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 3.2 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallversi cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfäll e und Spätfolgen gewährt. Bei ei- nem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern eine r vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar g eheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krank- heitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen schli essen somit begrifflich an ein bestehen- des Unfallereignis an (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Im Rahmen einer Rückfallmeldung ist der Unfallversichere r berechtigt, die durch Ausrichtung von Heilbehandlung und Taggeld anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex nunc et pro futuro ohne Berufung auf den Rückkommenstitel der Wiedererwäg ung oder der prozessualen Revisi- on einzustellen und den Fall abzuschliessen mit der Begründung, ein versichertes Ereignis liege bei richtiger Betrachtungsweise gar nicht vor (BGE 130 V 380 E. 2). 4.1 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So zi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi- gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper. Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bezieht sich nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die P rüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerw artete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäg- lichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, be urteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätz- lich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (BGE 129 V 402 E. 2.1, 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen). Ein Unfall liegt vor , wenn ein äusserer Faktor auf den Körper einwirkt. Das Ereignis muss sich in der Aussenwelt zutragen. Die Folgen davon können sich jedoch unter Umständen ausschliesslich im Körperinnern ze igen. Nach Lehre und Rechtspre- chung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors i n einer unkoordinierten Be- wegung bestehen. Der ungewöhnliche äussere Faktor liegt in solchen Fällen darin, dass die körperliche Bewegung durch etwas Programmwidriges gest ört wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleit et oder an einen Gegenstand anstösst, oder wenn sie um ein Ausgleiten zu verhindern, eine ref lexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (RKUV 1999 U 345 S. 422 E. 2b). B ei körpereigenen Traumen, das heisst bei Schädigungen infolge einer im Körperinnern vor sich gehenden Krafteinwirkung (wie etwa bei Muskel- und Gelenkschmerzen, einer Lumbago oder Hernien), ist somit erforderlich, dass die unmittelbare Ursache der Schädigung entweder di e Folge einer bestimmten sinnfälli- gen Überanstrengung ist oder unter besonders sinnfällige n Umständen gesetzt worden ist. Die Aussergewöhnlichkeit ist aber nicht schon dann gegeben, wenn die Gesundheitsschädigung bei einer etwas ungewohnten, der zu verrichtenden Arbeit aber angepassten Körperstellung erfolgt. Die Aussergewöhnlichkeit einer Anstrengung ist jeweils im Hinblick auf die Konstitution sowie die berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der be treffenden Person zu beurteilen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (ALEXANDRA RUMO -JUNGO , Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Zürich/Basel/Genf 2012, 4. Auflage, S. 31 ff. mit Hinweisen). 4.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist das Me rkmal der Ungewöhnlichkeit ohne besonderes Vorkommnis auch bei einer Sportverletzung zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2; in BGE 130 V 380 nicht publ. E. 3.2 des Urteils vo m 10. Mai 2004, U 199/03; Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 8C_189/2010, E. 3.3). Der äussere Faktor ist nur dann unge- wöhnlich, wenn er - nach einem objektiven Massstab - nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist, nicht aber, wenn ein Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmuster des betreffenden Sports fällt (vgl. in BGE 130 V 380 nicht publ. E. 4.2 des Urteils vom 10. Mai 2004, U 199/03; SVR 2011 UV Nr. 11 S. 39; Ur- teile des Bundesgerichts vom 26. Juli 2011, 8C_186/20 11, E. 5 und vom 9. Juli 2010, 8C_189/2010, E. 5.1). Es finden sich folgende Beispiele für die Bejahung des Unfallbegriffs: das Ausgleiten des Skifahrers auf einer vereisten Stelle in buckligem Gelände mit anschliessendem harten Aufschlagen auf dem Boden bei verdrehter Oberkör perhaltung (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420), ein Bandencheck im Eishockey ( BGE 130 V 117 ), ein Aufschlagen mit dem Steissbein auf der harten Schneepiste beim Snow-Tubing (SVR 200 8 UV Nr. 4 S. 13, U 411/05) oder ein Sturz beim Kampfsporttraining (Urteil des Bundesgerich ts vom 2. April 2009, 8C_826/2008, E. 5.1). 5.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist jedoch , dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnot wendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherungs gerichts ist, für die Zusammentra- gung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversi cherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 5.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Besch werdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht gilt, soweit das Gesetz nicht etwa s Abweichendes vorsieht, der Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360). Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzeln en Voraussetzungen des Unfallbegriffs er- füllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die P arteien heranziehen. Wird auf Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereig nisses nicht wenigstens mit Wahr- scheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nich t -, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden P erson auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b S. 140 mit Hinweis; Urteile des Bundesgerichts vo m 31. Januar 2011, 8C_709/2010, E. 2.2 und U 346/05 vom 20. Februar 2007 E. 2.2, je mit weiteren Hinweisen). 5.3 Was speziell den Unfallbeweis anbelangt, sind die ei nzelnen Umstände des Unfallge- schehens von der Leistungsansprecherin bzw. vom Leistungsans precher glaubhaft zu machen. Zur Glaubhaftmachung eines Unfallereignisses müssen über d as konkrete Geschehen genaue und möglichst detaillierte Angaben namhaft gemacht werden, aufgrund derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein klares Bild zu machen und diese in objek- tiver Weise abzuschätzen (vgl. Urteile des Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) vom 25 . November 2004, U 209/04, vom 15. September 2004, U 234/04 sowie vom 19. Mai 2004, U 2 36/03). Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang ist auf die Beweismaxime hinzuwei- sen, wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der erste n Stunde" in der Regel unbefan- gener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nach- träglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder and erer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe d er Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens grö sseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47 mit Hinwei- sen; Urteil des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E . 3.1). Der Grundsatz, wonach die ersten Aussagen nach einem schädigenden Ereignis in der Regel unbefangener und zuverläs- siger sind als spätere Darstellungen, stellt eine im Rahm en der freien Beweiswürdigung zu be- rücksichtigende Entscheidungshilfe dar. Sie kann nur zur A nwendung gelangen, wenn von zu- sätzlichen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarte n sind (RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546 f., U 236/03 E. 3.3.4; Urteil des Bundesgerich ts vom 14. November 2013, 8C_696/2013, E. 2). 5.4 Der mangelhafte Nachweis eines die Merkmale des Unf alles erfüllenden Ereignisses lässt sich nur selten durch medizinische Feststellungen erse tzen. Diesen kommt im Rahmen der Beweiswürdigung für oder gegen das Vorliegen eine s unfallmässigen Geschehens in der Regel nur die Bedeutung von Indizien zu (RKUV 2003 Nr . U 485 S. 260 E. 5, 1990 Nr. U 86 S. 51 E. 2). Dabei ist zu beachten, dass sich der medizi nische Begriff des Traumas nicht mit dem Unfallbegriff deckt. Ein traumatisches Ereignis ode r Trauma im medizinischen Sinne kann neben dem eigentlichen Unfall im Rechtssinne auch Ereignisse umfassen, denen der Charakter der Ungewöhnlichkeit und/oder Plötzlichkeit abgeht (ni cht publizierte E. 1 des BGE 130 V 380 mit Hinweis). 6.1 Vorliegend ist strittig, ob die im Juni 2013 aufge tretenen Beschwerden als Rückfall zum Ereignis vom 19. Juni 2011 zu behandeln sind. Da ein Rü ckfall - wie in Erwägung 3.2 bereits erwähnt - begrifflich an ein bestehendes Unfallereign is anschliessen muss, ist zunächst zu prü- fen, ob der Beschwerdeführer am 19. Juni 2011 einen Unfall im Sinne des ATSG erlitten hat. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 In der Unfallmeldung vom 19. Juli 2011 schilder te die Arbeitslosenkasse den Vorfall vom 19. Juni 2011 folgendermassen: Der Beschwerdeführer habe beim Slacken eine dumme Bewegung gemacht, in deren Folge es ihm plötzlich stark im Oberschenkel gezwickt habe. Der Oberschenkel schmerze seither stark. Als Art der Verletzung wurde eine Zerrung erwähnt. 6.2.2 Der Beschwerdeführer wurde am 13. Oktober 2011 im Spital B.____ untersucht. Im Bericht vom 25. Oktober 2011 wurden ein Verdacht auf eine Ansatztendinose der Hamstrings rechts (differentialdiagnostisch Labrumläsion nach Spaga tübung im Juni 2011), eine somato- forme Schmerzstörung und Restless legs diagnostiziert. Der Versicherte habe berichtet, dass er vor 4 Monaten bei einer Spagatübung (forcierte Abdukti on) ein akutes Reissen im Bereich des rechten Hüftgelenks gluteal verspürt habe. Die Schmerzen se ien auch unter physiotherapeuti- scher Behandlung nicht besser geworden und er habe nach längerem Sitzen einschiessende, messerartige gluteale Schmerzen. Aufgrund einer mögli chen Ansatztendinose im Bereich des Sitzbeines und bei Verdacht auf eine Labrumpathologie bei forcierter Abduktionsübung wurde beim Versicherten eine MRI-Untersuchung des rechten Becke ns durchgeführt. Im MRI-Bericht vom 24. Oktober 2011 wurden ein minimaler Reizzustand d es Gluteus medius insertionsnah rechts, eine kleinste Zyste am Hüftkopf beidseits, randskle rosiert und ohne Umgebungsödem, eine beginnende Hüftgelenksdegeneration rechts anterio r superior mit leichter Knorpelver- schmälerung und auch heterogener Kontur der Labrumkont ur und des juxta-artikulärem Aceta- bulum (chronisch-extreme Hüftbelastungen sportbedingt mi t rezidivierenden Traumatisierun- gen?), keine akute oder subakute knöcherne Verletzung, keine Läsion an Hamstrings oder Pi- riformis und eine juxta-tendinös diskrete Bursitis am Sem imembranosus-Ursprung rechts ge- nannt. 6.2.3 Der Beschwerdeführer wurde erneut am 10. Novemb er 2011 im Spital B.____ unter- sucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden im Beri cht vom 21. November 2011 festge- halten. Dabei wurden eine Bursitis am Semimembranosus- Ursprung rechts, ein Status nach Verdacht auf eine Ansatztendinose der Hamstrings rechts (differentialdiagnostisch Lambrumlä- sion nach Spagatübung im Juni 2011), eine somatoforme Schmerzstörung und Restless legs diagnostiziert. 6.2.4 Am 18. November 2011 fand eine MRI-gesteuerte I nfiltration am Ansatz der ischio- cruralen Muskulatur rechts statt. Diese sei komplikationslos und primär erfolgreich verlaufen. 6.2.5 Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Medizin, führt e am 6. Oktober 2013 aus, dass der Beschwerdeführer am 20. Juni 2011 eine Konsultation bei ihm gehabt habe. Diese habe jedoch einen Konflikt mit dem Psychiater betroffen; der Unfal l vom 19. Juni 2011 sei nicht erwähnt worden. Erst anlässlich einer Konsultation vom 11. Juli 2011 habe der Beschwerdeführer eine Oberschenkelzerrung erwähnt, welche er sich am 19. Juni 2011 beim Baden in der D.___ zu- gezogen habe. 6.3.1 In Würdigung der vorliegenden Aussagen lässt sich i n Übereinstimmung mit der Vo- rinstanz kein für die Qualifikation als Unfall erforde rlicher ungewöhnlicher äusserer Faktor er- kennen, der die Beschwerden im rechten Oberschenkel verur sacht haben könnte. Die ersten in Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Akten festgehaltenen Sachverhaltsdarstellungen verm itteln den Eindruck, dass der Be- schwerdeführer, der sich selbst als sehr sportlicher Typ bez eichnet, beim Slacken nach einer “dummen“ Bewegung einen Schmerz verspürt hat. Er selbst beschreibt bei diesem Vorfall aber nichts Ungewöhnliches im Bewegungsablauf wie ein Stolp ern, ein Fehltritt oder ein Ausrut- schen, ein Anstossen oder ein reflexartiges Abwehren eines Sturzes etc. Ebenso lag keine aus- serordentliche Kraftanstrengung vor, welche bei körper eigenen Verletzungen vorausgesetzt wird. So wird nicht geltend gemacht, dass die Schädigun g durch eine bestimmte sinnfällige Überanstrengung oder unter besonders sinnfälligen Umstän den gesetzt worden ist. Vielmehr wird dargelegt, dass bei der Ausübung einer sportlichen Tätigkeit ein Schmerz im Oberschenkel aufgetreten ist. Diese Tatsache allein reicht aber nich t aus, um einen Sportunfall annehmen zu können. Auch der Hinweis auf eine “dumme“ Bewegung bzw. eine forcierte Abduktion (vgl. Be- richt des Spitals B.____ vom 25. November 2011) bei der Ausübung der sportlichen Tätigkeit reicht vorliegend nicht aus, um eine Programmwidrigkeit anzunehmen. Vielmehr ist davon aus- zugehen, dass die Überdehnung des Oberschenkels beim Beschwer deführer, der gemäss ei- genen Angaben solche Spagatübungen bereits seit Jahren macht, in die Bandbreite des ge- wöhnlichen Bewegungsablaufs fällt. Damit ist aber eine Programmwidrigkeit nicht erkennbar, womit das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors und somit auch ein Unfall im Sin- ne von Art. 4 ATSG entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers zu verneinen ist. 6.3.2 Daran ändern die Ausführungen des Beschwerdefüh rers nichts. Soweit er zunächst sinngemäss eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gemäss A rt. 29 Abs. 2 der Bundesverfas- sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. Apr il 1999 geltend macht, weil die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt unzureichend auffüh re und in der Einsprache nicht ge- nügend auf seine Argumentation eingegangen worden sei, kann ihm mangels näherer Substan- tiierung dieses Vorwurfs nicht gefolgt werden. Ebenso we nig kann er aus der Tatsache, dass der Unfall sich vor vielen Zeugen abgespielt habe und e in typischer Sportunfall sei, etwas zu seinen Gunsten ableiten. Wie die Beschwerdegegnerin die sbezüglich in ihrer Vernehmlassung vom 8. Januar 2016 zutreffend festhält, handelt es sich be im Begriff des Unfallereignisses um einen sogenannten Rechtsbegriff, welcher nicht mit dem üblichen Sprachgebrauch überein- stimmt. Vielmehr müssen für die Annahme eines Unfalls i m Rechtsinne die bereits mehrfach zitierten Voraussetzungen gemäss Art. 4 ATSG erfüllt sei n. Auch das Faktum, dass die Be- schwerdegegnerin die Kosten für das Ereignis vom 19. Juni 2011 anfänglich übernahm, ändert daran nichts. Wie diese überzeugend festhielt, erfolg te dies im Rahmen der Massenverwaltung ohne nähere Prüfung der Voraussetzungen. Im Rahmen de r Rückfallmeldung vom Juli 2013 war sie jedoch - wie in Erwägung 3.2 bereits erwähnt - berechtigt , ihre Leistungspflicht zu über- prüfen und gegebenenfalls den Fall abzuschliessen mit d er Begründung, ein versichertes Er- eignis liege bei richtiger Betrachtungsweise gar nicht vor (BGE 130 V 380 E. 2). 7.1 Erlitt der Beschwerdeführer beim Ereignis vom 19. Juni 2011 keinen Unfall im Rechtssin- ne, bleibt zu prüfen, ob eine unfallähnliche Körperschä digung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. D ezember 1982 vorliegt. Entsprechend dieser Bestimmung sind folgende, abschliessend aufgeführte Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degener ation zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt : Knochenbrüche (lit. a), Verrenkun- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelzerrungen (lit. Sehnenrisse lit. f), Bandlä- sionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h). 7.2 Damit eine Leistungspflicht der Unfallversicherung bei unfallähnlichen Körperschädigun- gen bejaht werden kann, müssen mit Ausnahme der Ungew öhnlichkeit sämtliche Tatbestands- merkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein. Besonderer Bedeutung kommt der Voraussetzung des äusseren Ereignisses zu, d.h. eines ausserhalb des Körpe rs liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalls (BGE 129 V 466 E. 2.2). Die schädigende äussere Einwirkung kann in einer körpereigenen Bewegung bestehe n (BGE 129 V 466 E. 4.1 mit Hin- weisen). Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädigender) Faktor im Sinne der Rechtsprechung, weshalb dieser nicht gegebe n ist, wenn die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (BGE 129 V 466 E. 4.2.1). Vielmehr ist gemäss Rechtsprechung für die Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum ein- schiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahren- lage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportli che Betätigungen zutreffen kann. Der äussere Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial lieg t auch dann vor, wenn die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als physiologisch no rmalen und psychologisch be- herrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner G liedmassen, gleichkommt. Deswegen fallen einschiessende Schmerzen als Symptome eine r Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV ausser Betracht, wenn sie allein bei der Vornahm e einer alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass hierzu ein davon unterscheidbares ä usseres Moment hineinspielt. Wer also lediglich beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Die physiologische Beanspruchun g des Skelettes, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar, dem ein zwar nicht ungewöhn- liches, jedoch gegenüber dem normalen Gebrauch der Kör perteile gesteigertes Gefährdungs- potenzial innewohnen muss (BGE 129 V 466 E. 4.2.2). Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körp erlage, die nach unfallmedizini- scher Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führe n können, etwa das plötzliche Aufste- hen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderung der Körperlage (BGE 129 V 466 E. 4.2.3). Erforderlich für die Beja- hung eines äusseren Faktors ist demzufolge ein gesteigertes Schädigungspotenzial, sei es zu- folge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrol- lierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrich tung führenden Faktors (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2013, 8C_705/2012, E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 129 V 468 E. 3). 7.3 Beim Beschwerdeführer wurden im Rahmen der medizi nischen Abklärung circa vier Mo- nate nach dem Ereignis vom 19. Juni 2011 ein minimaler Reizzustand des Gluteus medius in- sertionsnah rechts, eine kleinste Zyste am Hüftkopf beidseit s und eine beginnende Hüftge- lenksdegeneration rechts anterior superior genannt (vgl . MRI-Bericht des Spital B.____ vom Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 24. Oktober 2011). Damit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer keine Listenver- letzung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV erlitten hat, w eshalb er auch unter dem Titel der unfall- ähnlichen Körperschädigung keinen Anspruch auf Leistung en der Beschwerdegegnerin hat. Unter diesen Umständen erübrigen sich Ausführungen zur Frage, ob die vom Beschwerdefüh- rer als einschiessende Schmerzen beschriebene Verletzung auf einen ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfall zurückzuführen ist (BGE 129 V 466 E. 2.2). 8. Zusammenfassend ist festzustellen, dass aufgrund der vor stehenden Ausführungen die Voraussetzungen für die Bejahung eines Unfalls oder einer unfallähnlichen Körperschädi- gung nicht erfüllt sind. Die Beschwerdegegnerin hat dem nach ihre Leistungspflicht zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 9. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Ge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht