<h2>SubmittedText<h2><p>In der schweizerischen Wirtschaft fehlen derzeit etwa 20 000 ausgebildete Berufsleute in allen Informatikbereichen (Informatiker, Telematiker, Mediamatiker, Multimedia-Koordinatoren, Screencommunicators, Webpublishers, Webmasters, Mediengestalter, Medienmanager usw.).</p><p>In den Fachhochschulen können Informatikerklassen nicht aufgefüllt werden, weil in der Vorstufe der Berufslehre die Lehrstellen fehlen.</p><p>Ist der Bundesrat bereit, sich an einer Sonderanstrengung zu beteiligen und in der Bundesverwaltung und den Bundesbetrieben für einige Zeit 200 bis 300 zusätzliche Lehrstellen im Informatikbereich anzubieten?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat hat den grossen Stellenwert der Berufslehre in der allgemeinen Bundesverwaltung bereits mehrfach unterstrichen. Insbesondere ist er sich auch bewusst, dass in der Informatikgrundausbildung zusätzliche Anstrengungen unabdingbar sind, damit der hohe Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs vermehrt auch durch eigene Fachleute abgedeckt werden kann. Auch soll der Jugend vermehrt die Möglichkeit geboten werden, diese wichtige Berufsrichtung zu wählen.</p><p>Die Fachbereiche für die Informatik- bzw. die Lehrlingsausbildung (insbesondere die Leistungserbringer in der Informatik und das EPA) der allgemeinen Bundesverwaltung wurden beauftragt, bis Ende April 2000 ein Konzept zu erstellen, das die künftige Berufsausbildung der Informatikberufe in der allgemeinen Bundesverwaltung regeln soll. Es wird gleichzeitig geprüft, ob die Basisausbildung der IT-Lehrlinge in einem eigenen, neu zu schaffenden Ausbildungszentrum erfolgen soll oder ob mit externen Partnern eine Kooperation einzugehen ist.</p><p>Die Basisausbildung, welche das Grundwissen für eine erfolgreiche Lehre vermittelt, wird heute teilweise selber vermittelt, hauptsächlich aber extern eingekauft (Kosten pro Lehrling/Lehrtochter: etwa 20 000 Franken), was beim angestrebten Lehrstellenbestand nicht mehr möglich sein wird.</p><p>Der heutige Bestand von 25 Lehrlingen in der allgemeinen Bundesverwaltung soll in den nächsten zwei Jahren auf 50 Lehrlinge pro Lehrjahr erhöht werden, so dass ein wichtiger Teil des IT-Nachwuchses künftig aus dem eigenen Bestand rekrutiert werden kann. Mittelfristig soll ein Gesamtbestand von 200 Lehrlingen erreicht werden. Bei der Ausbildung der Jugendlichen ist, nebst der Quantität, grossen Wert auf eine qualitativ hochstehende Grundausbildung, aber auch auf optimale Arbeitsplätze für Lehrlinge (Ausbildung on the Job) zu legen. </p><p>Die Informatik der allgemeinen Bundesverwaltung befindet sich momentan mit dem Projekt Nove-it in einem komplexen Reorganisationsprozess, welcher völlig neue Rahmenbedingungen für die Informatik schafft. Aufgaben, die bisher dezentral in den Ämtern und Betrieben wahrgenommen wurden, werden zentralisiert und künftig von sogenannten Leistungserbringern (LE) geleistet. </p><p>Die Reorganisation und die neuen Rahmenbedingungen der Informatik beeinflussen die Ausbildung der Lehrlinge erheblich und verlangen die erwähnte Neukonzeption der Informatiklehre beim Bund mit entsprechenden Investitionen in neue Infrastruktur und zusätzlichen Personalressourcen. Gleichzeitig ist der heutige Globalkredit Lehrlingswesen für Lehrlingsgehälter und für das Programm für stellenlose Lehrabgänger und Lehrabgängerinnen entsprechend zu erhöhen. Im Weiteren ist ein neuer spezieller Sachkredit für das Lehrlingswesen zu schaffen. Für die Ausbildung von IT-Lehrlingen sind im Vergleich mit kaufmännischen Lehrlingen erheblich höhere Investitionen zu tätigen und höhere Betriebskosten jährlich zu budgetieren.</p><p>Informatikausbildung bei der Post</p><p>Die Post erhöht ihren Lehrstellenbestand für Informatiklehrlinge von heute 3 Lehrlingen pro Lehrjahr auf 25 Lehrlinge pro Lehrjahr ab Lehrbeginn 2000. Es soll ein Gesamtbestand von etwa 100 Lehrlingen erreicht werden.</p><p>Um die Praxisausbildung zu entlasten, werden die Lehrlinge in einem Learningcenter ausgebildet, wo ihnen das Basisinformatikwissen praxisorientiert vermittelt wird. In der Phase Einstieg (Ausbildungsbeginn 2000) wird eine Kooperation mit der Swisscom angestrebt. Nach einer Evaluation wird entschieden, ob die Post ab Ausbildungsbeginn 2001 ein eigenes Learningcenter aufbaut. Für diesen Entscheid sind sowohl finanzielle als auch ausbildungstechnische Aspekte zu gewichten. </p><p>Informatikausbildung bei den SBB</p><p>Die SBB haben die Informatikinfrastruktur "outsourced". Trotzdem bilden sie wie bisher pro Lehrjahr gegen 10 Informatiklehrlinge aus, wobei gewisse Inhalte im Austausch durch den Outsourcing-Partner abgedeckt werden. </p><p>Für die SBB, welche ihren Lehrlingsbestand im nächsten Jahr von 800 auf 900, und im Jahre 2001 auf 1000 Lehrlinge erhöhen werden, ist es ein ständiger Prozess, Ausbildungsmöglichkeiten für herkömmliche, aber auch solche für neue Lehrberufe (auch in der Informatik) zu finden. </p><p>Gesamtbeurteilung</p><p>Die heutigen ungenügenden bzw. kaum vorhandenen strukturellen, personellen und finanziellen Rahmenbedingungen in der Informatikausbildung, die verschiedenen Reorganisationsprojekte beim Bund sowie der Anspruch auf eine qualitativ hochstehende Ausbildung lassen keine Schnellschüsse zu. Mit den heute laufenden bzw. eingeleiteten Projekten wird der Gesamtbestand der IT-Lehrstellen in der allgemeinen Bundesverwaltung und den Bundesbetrieben (insbesondere der Post und den SBB) in den nächsten Jahren kontinuierlich auf einen Gesamtbestand von gegen 300 erhöht.</p>  Antwort des Bundesrates.