<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2022.00768</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=223795&amp;W10_KEY=13045524&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2022.00768</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 25.01.2024</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Anwaltsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Verletzung von Berufsregeln</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Zulässigkeit der Vertretung einzelner Aktionäre, Verwaltungsräte und Geschäftsführer im Konflikt mit den übrigen Aktionären und Verwaltungsräten einer Gesellschaft, für welche der Beschwerdeführer zuvor unmittelbar anwaltlich tätig war.] Grundlagen und Teilgehalte der anwaltlichen Pflicht zur Vermeidung von Interessenkonflikten gemäss Art. 12 lit. c BGFA [E. 2]. Die Zulässigkeit des Tätigwerdens gegen eine ehemalige Klientschaft beurteilt sich nicht ausschliesslich anhand des Risikos einer Offenlegung vertraulicher Informationen und der Identität des Streitgegenstands. Besteht zwischen zwei Verfahren ein hinreichend enger Sachzusammenhang, so verstösst ein Rechtsanwalt gegen Art. 12 lit. c BGFA, wenn er in diesen Verfahren Klienten vertritt, deren Interessen nicht gleichgerichtet sind. Das Vorliegen gegenläufiger Mandate in diesem Sinn beurteilt sich mitunter anhand des Zeitablaufs zwischen den Mandaten, der Nähe des tatsächlichen oder rechtlichen Zusammenhangs, der Bedeutung und Dauer des früheren Mandats, der bei Ausübung des ersten Mandats erworbenen Kenntnisse sowie des Weiterbestehens eines Vertrauensverhältnisses mit der ehemaligen Klientschaft (E. 4.2). Aufgrund der Natur der im Raum stehenden Vorwürfe im Zusammenhang mit der Geschäftsführungstätigkeit seiner neuen Klientschaft besteht vorliegend ein hinreichend konkretes Risiko, dass der Beschwerdeführer unmittelbar gegen seine frühere Klientin wird vorgehen müssen (E. 4.3). Nachdem der Beschwerdeführer im Rahmen seiner früheren Tätigkeit für die Gesellschaft unbestrittenermassen stets durch die von ihm nunmehr persönlich vertretenen damaligen Geschäftsführer instruiert wurde, besteht jedoch keine Gefahr der Offenlegung vertraulicher Informationen, welche die Annahme des späteren Mandats als unzulässig erscheinen liesse (E. 4.4). Ebenso wenig ersichtlich ist das Bestehen eines hierfür hinreichend engen Sachzusammenhangs zwischen der früheren Tätigkeit des Beschwerdeführers für die Gesellschaft und der späteren Vertretung einzelner Geschäftsführer und Verwaltungsräte in einem Aktionärskonflikt (E. 4.5). Verneinung eines Verstosses gegen Art. 12 lit. c BGFA und Aufhebung des angefochtenen Entscheids (E. 5). Gutheissung. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANWALTSGEHEIMNIS">ANWALTSGEHEIMNIS</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INTERESSENKONFLIKT">INTERESSENKONFLIKT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PARTEIWECHSEL">PARTEIWECHSEL</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERTRAULICHKEITSKONFLIKT">VERTRAULICHKEITSKONFLIKT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERWEIS">VERWEIS</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 12 lit. c BGFA</span><br/><span class="ungerade">Art. 13 BGFA</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>3. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=64929" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2022.00768</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 3. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">25. Januar 2024</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident AndrÃ© Moser<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, Verwaltungsrichter Daniel Schweikert, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiber Serafin Ritscher.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>RA A, vertreten durch RA B, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Aufsichtskommission Ã¼ber die AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegnerin,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Verletzung von Berufsregeln,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Mit Eingabe vom 18. November 2021 reichte die C AG bei der Aufsichtskommission Ã¼ber die AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte des Kantons ZÃ¼rich (fortan: Aufsichtskommission) eine Anzeige gegen Rechtsanwalt A wegen Verletzung der Berufsregeln ein, unter Antrag auf ErÃ¶ffnung eines Disziplinarverfahrens und Anordnung einer angemessenen Disziplinarmassnahme. Die C AG warf ihm zusammengefasst die Vornahme eines unzulÃ¤ssigen Parteiwechsels vor, indem er ein Mandat ihrer ehemaligen Verwaltungsratsmitglieder und GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer D und E (sowie der von ersterem kontrollierten F AG) betreffend deren Vertretung in einem Konflikt mit GeschÃ¤ftspartnern, AktionÃ¤ren und Organmitgliedern der C AG und verschiedenen Tochtergesellschaften angenommen habe. Dies, obwohl Rechtsanwalt A zuvor wÃ¤hrend mehrerer Jahre in verschiedensten Angelegenheiten fÃ¼r die C AG anwaltlich tÃ¤tig gewesen sei. Dadurch habe er seine Pflichten gemÃ¤ss Art. 12 lit. a und lit. c des B<span>undesgesetzes vom 23. Juni 2000 Ã¼ber die FreizÃ¼gigkeit der AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte (BGFA; SR 935.61) verletzt</span>.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Mit Beschluss vom 3. Februar 2022 erÃ¶ffnete die Aufsichtskommission ein Disziplinarverfahren gegen A wegen Verletzung von Berufsregeln (Art. 12 lit. c BGFA). Sie setzte ihm eine Frist von 30 Tagen zur Stellungnahme zu den erhobenen VorwÃ¼rfen, unter Androhung einer Ordnungsbusse von bis zu Fr. 1'000.- und eines Entscheids aufgrund der Akten im SÃ¤umnisfall. A liess sich hierzu innert Frist mit Eingabe vom 17. Mai 2022 vernehmen und die Einstellung des Disziplinarverfahrens unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen beantragen. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Mit Beschluss vom 3. November 2022 erteilte die Aufsichtskommission A wegen Verletzung der Berufsregeln im Sinn von Art. 12 lit. c BGFA einen Verweis (Dispositivziffer I). Ferner auferlegte sie ihm die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.- (Dispositivziffern II und III).</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Hiergegen liess A mit Eingabe vom 19. Dezember 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht erheben. Er liess unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses der Aufsichtskommission und die Einstellung des Disziplinarverfahrens beantragen.</p> <p class="Urteilstext">Die Aufsichtskommission verzichtete mit Eingabe vom 9. Januar 2023 und unter Einreichung der Verfahrensakten auf eine Beschwerdeantwort.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><span>Nach § 38 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 17. November 2003 (Anwaltsgesetz, AnwG; LS 215.1) kann gegen in Anwendung des BGFA ergangene Anordnungen der Aufsichtskommission nach Massgabe der §§ 41 ff. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG; LS 175.2) Beschwerde an das Verwaltungsgericht erhoben werden. Die Beschwerde ist von der Kammer zu behandeln (§ 38 Abs. 1 und § 38b Abs. 1 VRG e contrario). Nachdem auch die Ã¼brigen Sachurteilsvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte meiden jeden Konflikt zwischen den Interessen ihrer Klientschaft und Personen, mit denen sie geschÃ¤ftlich oder privat in Beziehung stehen (Art. 12 lit. c BGFA). Das Verbot, jemanden im Fall eines Interessenkonflikts gerichtlich zu vertreten, ist eine grundlegende Regel des Anwaltsberufs. Die entsprechende Treuepflicht gegenÃ¼ber der Klientschaft ist umfassender Natur und erstreckt sich auf alle Aspekte des MandatsverhÃ¤ltnisses. Sie steht im Zusammenhang mit der Generalklausel von Art. 12 lit. a BGFA, wonach AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte ihren Beruf sorgfÃ¤ltig und gewissenhaft auszuÃ¼ben haben, wie auch mit Art. 12 lit. b BGFA, der sie zur UnabhÃ¤ngigkeit verpflichtet (zum Ganzen BGE 145 IV 218 E. 2.1; 134 II 108 E. 3; BGr, 2. November 2022, 2C_867/2021, E. 4.1; 14. MÃ¤rz 2019, 1B_510/2018, E. 2.1, mit Hinweisen; 30. Januar 2019, 2C_898/2018, E. 5.2; vgl. ferner BVGr, 2. Mai 2019, A-6040/2018, E. 3.4). Diese Bestimmungen sollen zum Schutz der Klientschaft sicherstellen, dass AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte ihre TÃ¤tigkeit als unabhÃ¤ngige Vertreter und Berater ausschliesslich in deren Interesse ausÃ¼ben, ohne darin durch Dritt- oder Eigeninteressen eingeschrÃ¤nkt zu sein (vgl. BGE 141 IV 257 E. 2.1; BGr, 14. MÃ¤rz 2019, 1B_510/2018, E. 2.1; BGE 130 II 87 E. 4.2; <span>Alexander Brunner/Matthias-Christoph Henn/Kathrin Kriesi, Anwaltsrecht, ZÃ¼rich etc. 2015, S. 124 Rz. 145; Kaspar Schiller, Schweizerisches Anwaltsrecht, ZÃ¼rich etc. 2009, Rz. 774 ff.). Dem Verbot von Interessenkonflikten wird ferner eine Funktion beim Schutz des Anwaltsgeheimnisses zugeschrieben, indem hierdurch Situationen vermieden werden, in denen sich ein Anwalt oder eine AnwÃ¤ltin versucht sehen kÃ¶nnte, vertrauliche Informationen aus einer frÃ¼heren Mandatsbeziehung zum Nachteil des damaligen Klienten im Interesse eines derzeitigen Klienten offenzulegen oder zu verwenden (vgl. VGr, 2. September 2021, VB.2019.00195, E. 2.3; Hans Nater/Martin Rauber, Vertraulichkeitskonflikte, SJZ 2010, S. 248 ff; </span><span>BenoÃ®t Chappuis/JÃ©rome Gurtner, La profession d'avocat, Genf etc. 2021, Rz. 527 f.; Schiller, Rz. 779; kritisch: </span><span>Walter Fellmann, Anwaltsrecht, 2. A., Bern 2017, Rz. 350; vgl. ferner Chappuis/Gurtner, Rz. 563 f.). </span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Das in Art. 12 lit. c BGFA statuierte Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen ist entsprechend seiner offenen Formulierung weit auszulegen. Es bezweckt, jede Art von Interessenkonflikten zu vermeiden, welche gegen die Berufsregeln verstossen wÃ¼rden (VGr, <span>2. September 2021, VB.2019.00195, E. 2.2, auch zum Nachfolgenden; vgl. BGr, 22. Januar 2015, </span>2C_814/2014,<span> E. 4.1, mit zahlreichen Beispielen</span>). Ein unzulÃ¤ssiger Interessenkonflikt ist einerseits zu bejahen, wo die zu wahrenden Klienteninteressen den persÃ¶nlichen Interessen des Anwalts oder der AnwÃ¤ltin selbst zuwiderlaufen. Andererseits untersagt die Bestimmung AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lten die gleichzeitige Vertretung von Klienten, deren Interessen gegenlÃ¤ufig sind. Unter dem Begriff des Parteiwechsels wird schliesslich die Frage diskutiert, ob und in welchen FÃ¤llen ein Anwalt oder eine AnwÃ¤ltin ein Mandat annehmen darf, welches den Interessen einer ehemaligen Klientschaft zuwiderlÃ¤uft (vgl. Fellmann, Rz. 409; Chappuis/Gurtner, Rz. 599 ff. sowie weiterfÃ¼hrend E. 4.2 nachstehend). <span>Massgebend fÃ¼r das Vorliegen eines Interessenkonflikts sind insbesondere die konkrete Bindung bzw. Beziehung zwischen den Beteiligten im Einzelfall, die gesamte tatsÃ¤chliche, materielle Situation sowie die konkreten abweichenden Interessen, welche die betroffene Anwaltsperson in ein Dilemma bringen kÃ¶nnen</span> (VGr, <span>2. September 2021, VB.2019.00195, E. 2.2, mit Hinweisen</span>).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Die bloss abstrakte MÃ¶glichkeit des Auftretens gegensÃ¤tzlicher Interessenlagen reicht nach stÃ¤ndiger Praxis nicht aus, um auf eine unzulÃ¤ssige Vertretung im Sinn von Art. 12 lit. c BGFA zu schliessen. Verlangt wird ein sich aus den gesamten UmstÃ¤nden ergebendes <i>konkretes Risiko</i> eines Interessenkonflikts (BGE 145 IV 218 E. 4.2; 135 II 145 E. 9.1; 134 II 108 E. 4.2.2; BGr, 2. November 2022, 2C_867/2021, E. 4.2; 22. Januar 2015, 2C_814/2014, E. 4.1.1; 25. MÃ¤rz 2010; 2C_688/2009 E. 3.1, je mit zahlreichen Hinweisen). Umgekehrt ist aber auch nicht erforderlich, dass sich das konkrete Risiko bereits realisiert hat und der Anwalt sein Mandat schlecht oder zum Nachteil der Klientschaft ausgefÃ¼hrt hat (BGr, 2. November 2022, 2C_867/2021, E. 4.2; 22. Januar 2015, 2C_814/2014, E. 4.1.1; 21. Juli 2009, 2C_889/2008, E. 3.1.3; vgl. zum Ganzen<span> VGr, 2. September 2021, VB.2019.00195, E. 2.7</span>). </p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Nach der im Grundsatz unbestritten gebliebenen Sachverhaltsfeststellung der Beschwerdegegnerin ist der BeschwerdefÃ¼hrer gemÃ¤ss den im Recht liegenden Honorarnoten mindestens seit MÃ¤rz 2019 und nach eigenen Angaben schon seit 2015 regelmÃ¤ssig als Anwalt fÃ¼r die C AG tÃ¤tig gewesen. Diese 1999 gegrÃ¼ndete Gesellschaft sei wÃ¤hrend lÃ¤ngerer Zeit von zwei AktionÃ¤rsgruppen mit Beteiligungen von je 50 % gehalten worden. Die eine Gruppe habe bestanden aus D, welcher Ã¼ber die von ihm beherrschte F AG 45,2 % der Aktien gehalten habe, dessen Ehefrau E mit einem Anteil von 2,5 % und G mit einem solchen von 2,3 %. Diese AktionÃ¤re hÃ¤tten in einem Poolingvertrag die Ã¼bereinstimmende AusÃ¼bung ihrer Stimmrechte vereinbart. Die zweite AktionÃ¤rsgruppe habe aus der H SA und mehreren Personen aus deren Umfeld bestanden. Auch unter dieser Gruppe habe ein Poolingvertrag bestanden. D und E hÃ¤tten die GeschÃ¤fte der C AG gefÃ¼hrt und die F AG deren Buchhaltung. Die H SA sei fÃ¼r die technischen Entwicklungen zustÃ¤ndig gewesen. Sie habe den VerwaltungsratsprÃ¤sidenten der C AG in Person von I gestellt und gegenÃ¼ber deren GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung Ã¼ber "gewisse Kontrollbefugnisse" verfÃ¼gt, deren Umfang allerdings unklar geblieben sei.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Im Jahr 2020 sei es innerhalb des Aktionariats der C AG zu einer Streitigkeit betreffend den im Jahr 2010 durch D getÃ¤tigten Verkauf der J GmbH â einer weiteren Gesellschaft der C-Gruppe â an die K GmbH gekommen. Die AktionÃ¤re der H SA hÃ¤tten D vorgeworfen, die J GmbH zu einem Ã¼bersetzten Preis verkauft zu haben, und hÃ¤tten eine Beteiligung am ErlÃ¶s verlangt. Ein beigezogener Rechtsanwalt habe empfohlen, strafrechtlich (wegen Verdachts auf ungetreue GeschÃ¤ftsbesorgung) und allenfalls zivilrechtlich (mittels einer Verantwortlichkeitsklage) gegen D vorzugehen. Ein Treuhandunternehmen sei von I beauftragt worden, die BuchfÃ¼hrung durch die F AG zu Ã¼berprÃ¼fen, und habe in seinem diesbezÃ¼glichen Bericht vom 11. August 2021 etliche GeschÃ¤ftsvorfÃ¤lle aufgelistet, die es fÃ¼r fragwÃ¼rdig hielt. Die AktionÃ¤re der H SA hÃ¤tten daraufhin umgehend die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung verlangt. Der MinderheitsaktionÃ¤r G habe sich trotz Poolingvertrag auf deren Seite geschlagen, die dadurch Ã¼ber eine Mehrheit von 52,3 % des Aktienkapitals verfÃ¼gt habe. In der Folge seien D und E aus dem Verwaltungsrat der C AG abgewÃ¤hlt und das Mandat der F AG zur FÃ¼hrung der Buchhaltung der C AG gekÃ¼ndigt worden. Im Zuge dieser Streitigkeiten habe I im Juni 2021 Einsicht in die Buchhaltung der C AG verlangt. D und E hÃ¤tten diese verweigert und am 2. Juli 2021 den BeschwerdefÃ¼hrer mit der Wahrung ihrer Interessen und derjenigen der F AG beauftragt. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Nach Auffassung der Beschwerdegegnerin verletzte der BeschwerdefÃ¼hrer durch die Annahme dieses letztgenannten Mandats seine Pflicht zur Vermeidung von Interessenkonflikten gemÃ¤ss Art. 12 lit. c BGFA. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.1 </b>Zur BegrÃ¼ndung erwog die Beschwerdegegnerin einleitend, die Treuepflicht des Anwalts dauere auch nach der Beendigung eines Mandats fort. Insbesondere bleibe ein Anwalt an das Berufsgeheimnis gebunden und dÃ¼rfe keine Mandate annehmen, die sich gegen einen ehemaligen Klienten richteten und in deren Rahmen Informationen eine Rolle spielen kÃ¶nnten, die er vom frÃ¼heren Mandanten unter dem Berufsgeheimnis erfahren habe. Dies gelte allerdings grundsÃ¤tzlich nur fÃ¼r solche Kenntnisse, die der neue Mandant nicht schon selbst habe und somit auch dem Anwalt weitergeben kÃ¶nne. Je enger die beiden Mandate in zeitlicher und sachlicher Hinsicht zusammenhÃ¤ngen wÃ¼rden, desto grÃ¶sser sei die Gefahr einer Interessenkollision. Sei der Streitgegenstand der Mandate gar identisch, so sei der Parteiwechsel auch dann unzulÃ¤ssig, wenn der neue Klient dem Anwalt alle einschlÃ¤gigen Informationen selbst vermitteln kÃ¶nne. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.2 </b>Die Darstellung des BeschwerdefÃ¼hrers, wonach sich das jÃ¼ngere Mandat nicht gegen seine ehemalige Klientin, die C AG, sondern gegen deren AktionÃ¤re und Organe richte, erachtete die Beschwerdegegnerin als "mindestens teilweise unzutreffend". Zwar habe der Rechtsstreit, in dem der BeschwerdefÃ¼hrer das Ehepaar D/E und die F AG vertrete, seine Ursache in Meinungsverschiedenheiten zwischen diesen und den AktionÃ¤ren der H SA. Die Abwahl aus dem Verwaltungsrat der C AG, gegen die sich die neuen Mandanten des BeschwerdefÃ¼hrers zu wehren versuchten, sei aber ein Beschluss der Gesellschaft. In einem diesbezÃ¼glichen Gerichtsverfahren wÃ¤re die C AG Gegenpartei, nicht deren AktionÃ¤re oder Organe. Sodann werde dem Ehepaar D/E vorgeworfen, im Rahmen ihrer GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung in erheblichem Mass den Interessen der C AG zuwidergehandelt zu haben, wobei im Zusammenhang mit der VerÃ¤usserung der J GmbH durch D der Vorwurf der ungetreuen GeschÃ¤ftsbesorgung im Raum stehe. Auch hinsichtlich eines diesbezÃ¼glichen Straf- oder Zivilverfahrens ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass der BeschwerdefÃ¼hrer seine neue Mandantschaft gegenÃ¼ber seiner ehemaligen Klientin, der C AG, zu vertreten hÃ¤tte.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.3 </b>Bei den TÃ¤tigkeiten des BeschwerdefÃ¼hrers fÃ¼r die C AG und andere Gesellschaften der C-Gruppe sei es vorwiegend um die Bearbeitung von Vertrags- und anderen Dokumenten im Zusammenhang mit arbeits- und steuerrechtlichen Fragen und einmal auch um den RÃ¼cktritt von D aus dem Verwaltungsrat einer Gruppengesellschaft gegangen. Das spÃ¤tere Mandat betreffe Streitigkeiten innerhalb des Aktionariats der C AG und als Folge davon zwischen dieser und den Eheleuten D/E. Wenngleich der Streitgegenstand der beiden Mandate nicht identisch sei, sei das Bestehen eines zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs unverkennbar. Die Eheleute D/E hÃ¤tten die GeschÃ¤fte der C AG gefÃ¼hrt und die von D beherrschte F AG deren Buchhaltung. In dem von I eingeholten Bericht betreffend die GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung der Eheleute D/E seien aufgrund einer stichprobenweisen ÃberprÃ¼fung etliche GeschÃ¤ftsvorfÃ¤lle aus den Jahren 2017â2021 beanstandet und sei betont worden, dass es bei einer umfassenden PrÃ¼fung mÃ¶glicherweise noch zu weiteren Beanstandungen gekommen wÃ¤re. Der BeschwerdefÃ¼hrer sei im genannten Zeitraum immer wieder in verschiedensten Angelegenheiten fÃ¼r die C AG tÃ¤tig gewesen, wobei aufgrund der Stellung der Eheleute D/E davon auszugehen sei, dass diese ihn jeweils beauftragt und instruiert hÃ¤tten. Dabei liege es nahe, dass seine "intensive beratende TÃ¤tigkeit" auch GeschÃ¤ftsvorgÃ¤nge betroffen habe, welche in allfÃ¤lligen straf- oder zivilrechtlichen Verfahren gegen D und E relevant werden kÃ¶nnten.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.4 </b>Hinsichtlich eines mÃ¶glichen Vertraulichkeitskonflikts erachtete es die Beschwerdegegnerin als zutreffend, dass die Eheleute D/E und die F AG aufgrund ihrer Stellung als VerwaltungsrÃ¤te, GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer und Buchhalter der C AG Ã¼ber alle GeschÃ¤ftsgeheimnisse der Gesellschaften der C-Gruppe im Bilde seien. Der Beschuldigte hÃ¤tte deshalb im Rahmen seiner TÃ¤tigkeit fÃ¼r diese Gesellschaften kaum vertrauliche Kenntnisse erlangen kÃ¶nnen, welche D und E nicht ebenfalls hÃ¤tten und ihm selbst vermitteln kÃ¶nnten. Nicht zu bezweifeln sei indessen, dass der BeschwerdefÃ¼hrer wÃ¤hrend seiner mehrjÃ¤hrigen, breitgefÃ¤cherten anwaltlichen TÃ¤tigkeit fÃ¼r die Gesellschaften der C-Gruppe viel vertrauliches Wissen Ã¼ber diese erworben habe. Dieses hÃ¤tten ihm die Eheleute D/E in deren Eigenschaft als Organpersonen der C AG "im Hinblick auf die Wahrung von Interessen der Gesellschaft" anvertraut. Dass der BeschwerdefÃ¼hrer nun, mit diesem Wissen ausgestattet, die Eheleute D/E im Streit mit der C AG vertrete, erscheine deshalb "unter dem Blickwinkel von Art. 12 lit. c BGFA als unzulÃ¤ssig". Dass sie ihm entsprechende Kenntnisse wohl vermitteln kÃ¶nnten, wenn er sie nicht schon hÃ¤tte, vermÃ¶ge daran "bei dieser Konstellation" nichts zu Ã¤ndern. Sodann sei fraglich, ob der BeschwerdefÃ¼hrer sich in der gegebenen Situation jederzeit uneingeschrÃ¤nkt fÃ¼r die Interessen seiner Klientschaft einsetzen kÃ¶nne. Die Beschwerdegegnerin erwog in diesem Zusammenhang, die gegenÃ¼ber den Eheleuten D/E erhobenen VorwÃ¼rfe, die GeschÃ¤fte der C AG wÃ¤hrend Jahren in verschiedenster Hinsicht unkorrekt gefÃ¼hrt zu haben, wÃ¼rden â wenn zutreffend â durchaus auch strafrechtliche Relevanz aufweisen. In Anbetracht der "intensiven beratenden TÃ¤tigkeit" des BeschwerdefÃ¼hrers fÃ¼r die C AG sei es mÃ¶glich, dass in einem entsprechenden Verfahren auch er selbst ins Schussfeld geraten wÃ¼rde, wobei seine eigenen Interessen und diejenigen seiner Klientschaft diesfalls keineswegs zwingend gleichlÃ¤ufig wÃ¤ren. Im Moment wÃ¼rde dies jedoch keinen hinreichend konkreten Interessenkonflikt im Sinn von Art. 12 lit. c BGFA darstellen.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer kritisiert diese BegrÃ¼ndung der Beschwerdegegnerin als widersprÃ¼chlich, nicht nachvollziehbar und willkÃ¼rlich. Er macht weiterhin geltend, das neue Mandat richte sich nicht gegen die C AG oder gegen mit dieser verbundene Gesellschaften, sondern gegen die Ã¼brigen AktionÃ¤re und VerwaltungsrÃ¤te der C AG. Weiter bestehe kein Risiko der Offenlegung vertraulicher Informationen, die der BeschwerdefÃ¼hrer im Rahmen seiner frÃ¼heren TÃ¤tigkeit fÃ¼r die C AG erfahren habe, da er fÃ¼r diese jeweils von D bzw. der F AG oder E bzw. zumindest mit deren Wissen beauftragt und instruiert worden sei. Schliesslich bestreitet er das Bestehen eines thematischen Zusammenhangs zwischen seinen frÃ¼heren Mandaten fÃ¼r die C AG und der aktuellen Vertretung des Ehepaars D/E und der F AG.</p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.2 </span></b>Wie der BeschwerdefÃ¼hrer zu Recht vorbringt, ist es einem Anwalt oder einer AnwÃ¤ltin nicht schlechthin untersagt, ein Mandat anzunehmen, welches sich gegen eine ehemalige Klientschaft richtet. Allerdings ist ein nach Massgabe von Art. 12 lit. c BGFA verbotener Parteiwechsel auch nicht nur dort zu bejahen, wo das Risiko der Offenlegung vertraulicher Informationen aus dem frÃ¼heren Mandat besteht oder wo das spÃ¤tere Mandat die identische Streitmaterie wie das frÃ¼here Mandat betrifft. Nach stÃ¤ndiger Praxis des Bundesgerichts muss eine unzulÃ¤ssige Doppelvertretung nicht zwingend das gleiche formelle Verfahren oder allfÃ¤llige mit diesem direkt zusammenhÃ¤ngende Nebenverfahren betreffen. Besteht zwischen zwei Verfahren ein (hinreichend enger) Sachzusammenhang, so verstÃ¶sst der Rechtsanwalt dann gegen Art. 12 lit. c BGFA, wenn er in diesen Klienten vertritt, deren Interessen nicht gleichgerichtet sind. Dabei ist grundsÃ¤tzlich unerheblich, ob das erste, den gleichen Sachzusammenhang betreffende Verfahren bereits beendet oder noch hÃ¤ngig ist, zumal die anwaltliche Treuepflicht gemÃ¤ss Bundesgericht in zeitlicher Hinsicht unbeschrÃ¤nkt gilt (BGE 145 IV 218 E. 2.1; 134 II 108 E. 3; vgl. <span>BGr, 25. MÃ¤rz 2010, 2C_427/2009, E. 2.2; 1P.587/1997, E. 4c/aa in: Pra 87 [1998] Nr. 98; v</span>gl. <span>Chappuis/Gurtner, Rz. 601 ff.). Zur Beurteilung, ob in einem konkreten Fall gegenlÃ¤ufige Mandate vorliegen, kÃ¶nnen verschiedene Kriterien herangezogen werden, namentlich der Zeitablauf zwischen den Mandaten, das Bestehen eines tatsÃ¤chlichen oder rechtlichen Zusammenhangs zwischen diesen, die Bedeutung und Dauer des frÃ¼heren Mandats, die vom Anwalt bei der AusÃ¼bung des ersten Mandats erworbenen Kenntnisse sowie das Weiterbestehen eines VertrauensverhÃ¤ltnisses mit der ehemaligen Klientschaft (BGE 145 IV 218 E. 2.1; vgl. Chappuis/Gurtner, Rz. 603, mit Hinweisen).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Mit der Beschwerdegegnerin ist zunÃ¤chst festzuhalten, dass die Argumentation des BeschwerdefÃ¼hrers, wonach sich das neue Mandat ausschliesslich gegen die AktionÃ¤re und Ã¼brigen VerwaltungsrÃ¤te der C AG, nicht aber gegen die C AG oder damit verbundene Gruppengesellschaften richte, in der vorliegenden Konstellation nicht gÃ¤nzlich Ã¼berzeugt. Auch wenn es sich beim Konflikt, in dessen Rahmen der BeschwerdefÃ¼hrer mit der Vertretung der Interessen der Eheleute D/E und der F AG betraut wurde, in erster Linie um einen solchen mit anderen AktionÃ¤ren und Organpersonen innerhalb der C AG handelt, so kann nicht unberÃ¼cksichtigt bleiben, dass die ihnen gegenÃ¼berstehenden AktionÃ¤re und Verwaltungsratsmitglieder zumindest zwischenzeitlich Ã¼ber eine kontrollierende Mehrheit innerhalb der Generalversammlung und im Verwaltungsrat verfÃ¼gten, was letztlich zur Abwahl der Eheleute D/E aus dem Verwaltungsrat der C AG und zur KÃ¼ndigung des BuchfÃ¼hrungsmandats der F AG fÃ¼hrte. Bei dieser Ausgangslage und unter BerÃ¼cksichtigung der im Raum stehenden VorwÃ¼rfe, wonach die Eheleute D/E im Rahmen ihrer GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung die Interessen der C AG in verschiedener Hinsicht missachtet haben sollen, bestand bereits im Zeitpunkt der Annahme dieses Mandats ein konkretes Risiko, zur Wahrung von deren Interessen mit der pflichtgemÃ¤ssen Sorgfalt nicht nur gegenÃ¼ber den Ã¼brigen AktionÃ¤ren und Organpersonen, sondern auch unmittelbar gegenÃ¼ber der C AG und mÃ¶glicherweise weiteren Gruppengesellschaften tÃ¤tig werden zu mÃ¼ssen.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Nicht zu folgen ist dagegen der WÃ¼rdigung der Beschwerdegegnerin, wonach es unter dem Blickwinkel von Art. 12 lit. c BGFA als unzulÃ¤ssig erscheine, dass der BeschwerdefÃ¼hrer nunmehr die Eheleute D/E im Streit mit der C AG vertrete, obwohl er dabei vertrauliches Wissen verwerten kÃ¶nnte, welches seine Mandanten ihm als Organpersonen der C AG im Hinblick auf die Wahrung der Interessen dieser Gesellschaft anvertraut hÃ¤tten. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.4.1 </b>Das aus Art. 12 lit. c und Art. 13 BGFA fliessende Verbot der Annahme von Mandaten, bei denen die Gefahr besteht, vertrauliche Informationen aus einer frÃ¼heren Mandatsbeziehung verwerten oder erÃ¶rtern zu mÃ¼ssen, soll sicherstellen, dass ein Anwalt die Vertraulichkeit der im Rahmen einer frÃ¼heren Mandatsbeziehung anvertrauten Geheimnisse auch gegenÃ¼ber seiner spÃ¤teren Klientschaft wahren kann. Gleichzeitig wird dadurch gewÃ¤hrleistet, dass ein Anwalt auch die Interessen der spÃ¤teren Klientschaft nach bestem Wissen und Gewissen wahren kann, ohne geschÃ¼tzte Kenntnisse aus frÃ¼heren Mandaten verheimlichen zu mÃ¼ssen, obschon diese fÃ¼r die sorgfÃ¤ltige MandatsausÃ¼bung von Relevanz wÃ¤ren. Wie die Beschwerdegegnerin selbst betont, gilt dieses Verbot gemÃ¤ss herrschender Lehre aber nur dort, wo die spÃ¤tere Klientschaft nicht bereits selbst Ã¼ber die vertraulichen Informationen verfÃ¼gt, sodass sie diese dem Anwalt (oder einem anderen Anwalt) auch selbst vermitteln kÃ¶nnte (vgl. hierzu Brunner/Henn/Kriesi, Rz. 179 sowie Fellmann, Rz. 409, je mit Hinweisen; vgl. ferner Giovanni A. Testa, Die zivil- und standesrechtlichen Pflichten des Rechtsanwaltes gegenÃ¼ber dem Klienten, ZÃ¼rich 2001, S. 117). Dies wurde von der Beschwerdegegnerin vorliegend ausdrÃ¼cklich bejaht. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.4.2 </b>Die BegrÃ¼ndung der Beschwerdegegnerin, weshalb eine mÃ¶gliche Verwertung der geschÃ¼tzten Kenntnisse dennoch unzulÃ¤ssig sein soll, vermag nicht zu Ã¼berzeugen. Dass die fraglichen Informationen dem BeschwerdefÃ¼hrer ursprÃ¼nglich zu einem anderen Zweck anvertraut wurden als zur Vertretung der Eheleute D/E, tut in diesem Zusammenhang nichts zur Sache. Da gemÃ¤ss den unbestrittenen Feststellungen der Beschwerdegegnerin den Eheleuten D/E und der F AG aufgrund von deren Stellung als ehemalige GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer bzw. Buchhalter sÃ¤mtliche GeschÃ¤ftsgeheimnisse der C AG bereits bekannt sein dÃ¼rften, war der BeschwerdefÃ¼hrer auch bei Annahme des spÃ¤teren Mandats ohne Weiteres in der Lage, die Vertraulichkeit der Informationen zu wahren, die er im Rahmen seiner frÃ¼heren TÃ¤tigkeit fÃ¼r die C AG allenfalls erfahren hat. Mit der Pflicht des BeschwerdefÃ¼hrers zur Wahrung des Berufsgeheimnisses lÃ¤sst sich eine UnzulÃ¤ssigkeit der Annahme des inkriminierten Mandats unter Art. 12 lit. c BGFA deshalb nicht begrÃ¼nden. </p> <p class="Erwgung2"><b>4.5 </b>Zu beurteilen bleibt, ob nicht aufgrund der Ã¼brigen Kriterien der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung von gegenlÃ¤ufigen Mandaten im Sinn von Art. 12 lit. c BGFA auszugehen ist. Dies wÃ¤re namentlich dann zu bejahen, wenn der Inhalt des neuen Mandats fÃ¼r die Eheleute D/E und die F AG einen derart engen Sachzusammenhang zur frÃ¼heren TÃ¤tigkeit des BeschwerdefÃ¼hrers fÃ¼r die C AG aufweisen wÃ¼rde, dass von einem hinreichend konkreten Risiko auszugehen wÃ¤re, dass der BeschwerdefÃ¼hrer unmittelbar solchen Interessen der C AG zuwiderhandeln mÃ¼sste, mit deren Wahrung er im Rahmen seiner frÃ¼heren TÃ¤tigkeit fÃ¼r selbige betraut wurde. </p> <p class="Erwgung2"><b>4.6 </b>Dass gegen die Eheleute D/E oder die F AG dereinst ein straf- oder zivilrechtliches Verfahren anhÃ¤ngig gemacht werden kÃ¶nnte, in welchem ihnen die C AG als Gegenpartei oder als PrivatklÃ¤gerin gegenÃ¼berstehen wÃ¼rde, und welches GeschÃ¤ftsvorfÃ¤lle zum Gegenstand haben kÃ¶nnte, an denen der BeschwerdefÃ¼hrer als Vertreter der C AG beteiligt war, erscheint zwar angesichts der zahlreichen im Raum stehenden VorwÃ¼rfe nicht ausgeschlossen. Den Akten sind indessen keine konkreten Anhaltspunkte dafÃ¼r zu entnehmen, dass im Zeitpunkt der Annahme des inkriminierten Mandats durch den BeschwerdefÃ¼hrer mit der Aufnahme eines solchen Verfahrens unmittelbar zu rechnen war oder dass ein solches inzwischen im Gange wÃ¤re. Sodann ist zu berÃ¼cksichtigen, dass das umstrittene Mandat fÃ¼r die Eheleute D/E nicht deren Vertretung in einem solchen Verfahren betraf, sondern in einem AktionÃ¤rskonflikt, welcher sich zunÃ¤chst um den Anspruch von I auf Einsicht in die BÃ¼cher der C AG und spÃ¤ter um die Kontrolle Ã¼ber die Gesellschaft sowie die Abwahl der Eheleute D/E aus dem Verwaltungsrat der C AG drehte. Dass zwischen diesem Mandat und der frÃ¼heren TÃ¤tigkeit des BeschwerdefÃ¼hrers fÃ¼r die C AG ein derart enger Sachzusammenhang besteht, dass von einem Parteiwechsel mit dem konkreten Risiko der Vertretung gegenlÃ¤ufiger Interessen im Sinn von Art. 12 lit. c BGFA auszugehen wÃ¤re, geht weder aus der BegrÃ¼ndung der Beschwerdegegnerin noch aus den Akten hervor. Letztere TÃ¤tigkeiten, bei denen es gemÃ¤ss der Beschwerdegegnerin vordergrÃ¼ndig um die Bearbeitung von Vertrags- und anderen Dokumenten, mitunter um arbeits- oder steuerrechtliche Fragen und um den RÃ¼cktritt von D aus dem Verwaltungsrat einer Gruppengesellschaft ging, betrafen soweit ersichtlich jeweils die Wahrung der Interessen der C AG im VerhÃ¤ltnis zu deren Arbeitnehmern oder GeschÃ¤ftspartnern, nie aber im VerhÃ¤ltnis zu den Eheleuten D/E oder zur F AG. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2">Dass der BeschwerdefÃ¼hrer mit der Annahme des Mandats fÃ¼r die Eheleute D/E und die F AG gegen Art. 12 lit. c BGFA verstossen hÃ¤tte, ist in Anbetracht des Gesagten nicht ersichtlich. Die <span>Beschwerde ist somit gutzuheissen und der Beschluss der Beschwerdegegnerin vom 3. Februar 2022 mitsamt der Kostenauferlegung an den BeschwerdefÃ¼hrer aufzuheben. FÃ¼r das Verfahren vor der Beschwerdegegnerin ist auch bei diesem Ausgang nach § 37 Abs. 1 AnwG in Verbindung mit § 17 Abs. 1 VRG sowie § 14 der Verordnung des Obergerichts Ã¼ber die GebÃ¼hren, Kosten und EntschÃ¤digungen gemÃ¤ss Anwaltsgesetz vom 21. Juni 2006 (LS 215.12) keine ParteientschÃ¤digung zuzusprechen.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG). Die Beschwerdegegnerin hat dem BeschwerdefÃ¼hrer zudem gestÃ¼tzt auf § 17 Abs. 2 VRG eine angemessene ParteientschÃ¤digung auszurichten.</span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Beschluss der Beschwerdegegnerin vom 3. Februar 2022 wird aufgehoben.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'570.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem BeschwerdefÃ¼hrer fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'300.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) das EidgenÃ¶ssische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD).</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>