Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Februar 2022 (715 21 132 /37) ___________________________________________________________________ Arbeitslosenentschädigung Kurzarbeitsentschädigung; arbeitgeberähnliche Person Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch André M. Brunner, Ad- vokat, Hauptstrasse 55, Postfach 136, 4450 Sissach gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Kurzarbeitsentschädigung A. Die Kantonale Amtsstelle des Kantons Basel-Landschaft entsprach den Voranmeldun- gen der Einzelfirma A.____ von B.____ zum Bezug von Kurzarbeitsentschädigung und verfügte, dass Anspruch auf Leistungen in der Zeit vom 16. März 20 20 bis 31. Mai 2021 bestehe, sofern die weiteren Voraussetzungen erfüllt seien. Mit Verfü gung vom 11. November 2020 lehnte die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung Seite 2 für die Mitarbeiterinnen C.____ und D.____ für die Abrechnungsperiode September 2020 im We- sentlichen mit der Begründung ab, dass C.____ als Geschäftsführerin und D.____ als stellvertre- tende Geschäftsführerin unter anderem für die Personalplanung im Bereich Service und Bankette verantwortlich seien und damit massgeblichen Einfluss auf die Personalentscheide der Firma hätten. Sie seien damit als Personen mit arbeitgeberä hnlicher Stellung zu qualifizieren, welche gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschä- digung hätten. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz der Kasse mit Entscheid vom 10. März 2021 ab. Zur Begründung wurde angeführt, es treffe zwar zu, dass C.____ und D.____ nicht im Handelsregister eingetragen seien, sie seien aber für das ope- rative Tagesgeschäft des Hotels und Restaurants verantwo rtlich. Sie hätten ein Weisungsrecht gegenüber den Mitarbeitenden und seien gemäss Homepa ge Kontakt- und Ansprechpersonen für Bankette und Anlässe. Dass C.____ und D.____ dem Landesgesamtarbeitsvertrag des Gast- gewerbes (L-GAV) unterstellt seien, sei unbeachtlich, da im vorliegenden Verfahren ausschliess- lich die arbeitslosenversicherungsrechtlichen und nicht di e arbeitsvertraglichen Bestimmungen massgeblich seien. B. Dagegen erhob B.____ als Inhaber des A.____, vertre ten durch Advokat André M. Brun- ner, mit Eingabe vom 26. April 2021 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht. Er beantragte, der Einspracheentscheid vom 1 0. März 2021 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass C.____ und D.____ für die Zeit ab 1. Juni 2020 Anspruch auf Kurzarbeits- entschädigung hätten. Die Angelegenheit sei zur entsprechenden Abrechnung der Taggelder an die Kasse zurückzuweisen. C.____ und D.____ seien weder Gesellschafterinnen noch finanziell am Betrieb beteiligt, so dass eine Anspruchsverneinung g estützt auf Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG einzig dann in Frage käme, wenn die beiden Mitarbeit erinnen als Mitglieder eines obersten be- trieblichen Entscheidgremiums zu qualifizieren wären, welche die Entscheidungen der Arbeitge- berin bestimmen oder massgeblich beeinflussen könnten. Bei C.____ als Geschäftsführerin und D.____ als stellvertretende Geschäftsführerin handle es sich aufgrund der hierarchischen Glie- derung nicht um Mitglieder des obersten Entscheidgremiums, sondern – wie den Arbeitsverträgen und Stellenbeschrieben entnommen werden könne – um Mit arbeiterinnen mit beschränkter Ent- scheidungsbefugnis, welche auf die Unternehmenspolitik keinen massgeblichen Einfluss nehmen könnten und deshalb nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht vom Anspruch auf Kurzarbeitsent- schädigung ausgeschlossen seien. Insbesondere liege die Ausgabenkompetenz bei Fr. 1'000.--. Ferner seien die betroffenen Mitarbeiterinnen nicht im Handelsregister eingetragen und hätten keine Zeichnungsberechtigung. C. Mit Vernehmlassung vom 9. Juli 2021 beantragte di e Kasse die Abweisung der Be- schwerde. Als Geschäftsführerin und als stellvertretende Ge schäftsführerin seien C.____ und D.____ keine normalen Arbeitnehmerinnen. Vielmehr obliege ihnen die Führung des A.____ im Rahmen der von B.____ als Inhaber der Einzelfirma gem achten Vorgaben. Im Tagesgeschäft Seite 3 seien jedoch C._____ und D.____ Entscheidungsträgerinnen, womit sie massgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen des Inhabers ausüben könnten. D. In der Replik vom 6. August 2021 führte der Rechtsve rtreter des Beschwerdeführers an, dass die Patente auf die Ehefrau von B.____, E.____, laufen würden. Wenn im A.____ neben B.____ eine weitere Person über den Betrieb bestimme n könne, so handle es sich dabei um E.____, welche gemäss Handelsregisterauszug immerhin auch die Kollektivunterschrift zu zweien habe, und keinesfalls um C.____ und D.____. E. Mit Duplik vom 29. September 2021 hielt die Kasse a n ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. F. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen B.____ a ls Inhaber der Einzelfirma A.____, sein Rechtsvertreter André M. Brunner sowie E.____, C.____ und D.____ als Auskunftspersonen teil. F.____ vertritt die Kasse. Auf die Ausführungen wird soweit notwendig in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist ei n Gericht als letzte kantonale In- stanz unter anderem für die Beurteilung von Beschwerd en gegen Verfügungen der kantonalen Amtsstellen und der Kassen sachlich zuständig. Örtlich zust ändig ist gemäss Art. 58 ATSG das Gericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG kann der Bund esrat die örtliche Zuständigkeit in Abweichung von Art. 58 ATSG regeln. Auf der Grundlag e dieser Delegationsnorm hat der Bun- desrat Art. 128 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 erlassen, wo nach sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts nach Art. 119 AVIV richte t. Dieser bestimmt für die Kurzar- beitsentschädigung die örtliche Zuständigkeit nach dem Ort des Betriebes (vgl. Art. 119 Abs. 1 lit. b AVIV), im vorliegenden Fall G.____, Kanton Basel-Landschaft. Auf die beim örtlich und sach- lich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2.1 An der heutigen Parteiverhandlung beantragt Advo kat Brunner aus formeller Sicht die Beschwerde ohne Durchführung der Befragungen der Auskunftspersonen infolge Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG durch die Kasse gutzuheissen. Die Ange- legenheit sei mit Verweis auf das Urteil des Kantonsgerichts vom 25. Mai 2021 (Nr. 715 20 449) an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie die Sachverhal tsabklärungen selbst vornehme, da es nicht Sache des Gerichts sei, im Verwaltungsverfahren versäumte Abklärungen nachzuholen. Andernfalls entstehe eine rechtswidrige Verkürzung des Instanzenzuges. Seite 4 2.2 Beim vom Rechtsvertreter angesprochenen Urteil hande lt es sich um einen Präsidialent- scheid ohne Parteiverhandlung. Die Angelegenheit wurde zur Vornahme der erforderlichen Ab- klärungen, namentlich zur Prüfung, ob den betroffenen Personen eine arbeitgeberähnliche Stel- lung zukommt, an die Vorinstanz zurückgewiesen. Im vorliegenden Fall hat das Gericht die Par- teiverhandlung aufgrund der Beweisanträge des Rechtsver treters, die involvierten Personen zu befragen, angesetzt. Die Beschwerde nunmehr ohne die Befragung der anwesenden Auskunfts- personen aufgrund formeller Gründe, namentlich einer – noch zu prüfenden – Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes bzw. des rechtlichen Gehörs, gutzuheissen, wäre weder zielführend noch verhältnismässig und würde dem Grundsatz eines einf achen und raschen Verfahrens wi- dersprechen. Die Befragung der betroffenen Personen wird vom Gericht, das in der Prüfung der Tat- und Rechtsfragen in Sozialversicherungssachen frei ist (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 lit. c ATSG), in Anwesenheit der Parteien durchgeführt. Sollte sich nach der Befragung erweisen, dass weitere Abklärungen notwendig wären, bestände immer noch die Möglichkeit, das Verfahren auszustellen oder an die Vorinstanz zurückzuweisen. Demgemäss ist der Antrag abzuweisen. 2.3 Der Rechtsvertreter macht ferner in der Beschwerde in prozessualer Hinsicht geltend, dass die Kasse den Untersuchungsgrundsatz verletzt habe, indem sie ihre Verfügung vom 11. November 2020 erlassen habe, ohne den Sachverhalt vorgängig umfassend abgeklärt zu haben bzw. ohne den Eingang eingeforderter Informati onen und Unterlagen (Stellenbeschrieb von D.____) abzuwarten. 2.4 Wenn in der Verfügung vom 11. November 2020 ausgef ührt wurde, dass der Stellenbe- schrieb von D.____ nicht eingereicht worden und die Fra ge, wer Betriebsleiter sei und wie sich die Zusammenarbeit zwischen Betriebs- und Geschäftsleitung gestalte, von der beschwerdefüh- renden Partei nicht beantwortet worden sei, ist dies nicht falsch. Ob diese Unterlassung als Ver- letzung der Mitwirkungspflicht zu qualifizieren ist, ist j edoch fraglich. Die Kasse hätte der be- schwerdeführenden Partei auch nochmals Gelegenheit einräumen können, die fehlenden Unter- lagen und Informationen nachzureichen und darauf hinzuweisen, dass im Unterlassungsfall auf- grund der vorhanden Akten verfügt werden würde. Dies vor allem mit Blick auf die Bereitschaft der Treuhandfirma in ihrer Email vom 6. November 20 20, weitere Fragen der Kasse zu beant- worten, in Berücksichtigung, dass der Austausch zwischen den Parteien komplikationslos erfolgte sowie dass aus der Personalliste bereits hervorging, dass kei n Betriebsleiter angestellt war. In- sofern stellt sich tatsächlich die Frage, ob nicht eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes seitens der Kasse vorliegt. Wie es sich damit verhält, kann letztlich aber offenbleiben. Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurde der Stellenbeschrieb von D .____ noch nachgereicht und klar- gestellt, dass neben der Geschäftsleitung keine Betrieb sleitung existiert. Diese Informationen wurden im Einspracheentscheid vom 10. März 2021 berücksichtigt, womit das von der beschwer- deführenden Partei gerügte Defizit bezüglich Sachverhaltsermittlung zumindest beim Erlass des angefochtenen Einspracheentscheides nicht mehr bestand. Seite 5 3. In materieller Hinsicht ist zu prüfen, ob C.____ u nd D.____ Anspruch auf Kurzarbeits- entschädigung haben. 3.1 Nach Art. 31 Abs. 1 lit. a AVIG haben Arbeitnehme r, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz eingestellt ist, Anspruch auf Ku rzarbeitsentschädigung, wenn sie für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig sind oder das Mindestalter für die Beitragspflicht in der AHV noch nicht erreicht haben. Für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig sind Arbeitneh- mer, die nach AHVG versichert und für Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit beitragspflichtig sind (Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG). 3.2 Keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung habe n der mitarbeitende Ehegatte des Arbeitgebers (Art. 31 Abs. 3 lit. b AVIG) und Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglied er eines obersten betrieblichen Entschei- dungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers bestim men oder massgeblich beeinflus- sen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten (Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG). 3.3 Im Rahmen der Bekämpfungsmassnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pan- demie hat der Bundesrat den Anwendungsbereich der Ku rzarbeit in mehreren Etappen ausge- weitet. So bestimmt Art. 1 der Covid-19-Verordnung Ar beitslosenversicherung, Stand 17. März 2020, dass in Abweichung von Art. 31 Abs. 3 lit. b AVIG mitarbeitende Ehegatten oder eingetra- gene Partner oder Partnerinnen des Arbeitgebers Anspru ch auf Kurzarbeitsentschädigung ha- ben. Und in Abweichung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG haben Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieb- lichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massge- blich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten oder eingetragenen Partner oder Partnerinnen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung (Art. 2 Covid-19-Verordnung Arbeitslosen- versicherung). Die in Art. 1 und 2 der Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung wurden mit Wirkung per 1. Juni 2020 aufgehoben (Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung, Stand 1. Juni 2020 [AS 2020 1777]). 4. Unbestritten ist, dass C.____ und D.____ weder fin anziell am Betrieb beteiligt noch Ge- sellschafterinnen sind. Es bleibt somit zu prüfen, ob sie als arbeitgeberähnliche Personen zu qualifizieren sind, indem sie als Mitglieder des obersten betrieblichen Entscheidgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers massgeblich beeinflussen können und folglich seit 1. Juni 2020 keinen Anspruch mehr auf Kurzarbeitsentschädigung haben. 4.1 Die Frage, ob Arbeitnehmende einem obersten betr ieblichen Entscheidungsgremium angehören und ob sie in dieser Eigenschaft massgeblich Einfluss auf die Unternehmensentschei- dungen nehmen können, ist aufgrund der internen betr ieblichen Struktur zu beantworten. Keine Prüfung des Einzelfalls ist erforderlich, wenn sich die ma ssgebliche Entscheidungsbefugnis be- reits aus dem Gesetz selbst (zwingend) ergibt. Dies gilt insbesondere für die Gesellschafter einer Seite 6 GmbH (Art. 804 ff. OR) sowie die (mitarbeitenden) Ve rwaltungsräte einer AG, für welche das Gesetz in der Eigenschaft als Verwaltungsrat in Art. 716-716b OR verschiedene, nicht übertrag- und entziehbare, die Entscheidungen des Arbeitgebers b estimmende oder massgeblich beein- flussende Aufgaben vorschreibt (BGE 145 V 200 E. 4.2). Bei der Geschäftsführerin und der stell- vertretenden Geschäftsführerin des A.____ hat demgegen über eine Prüfung der konkreten Ge- gebenheiten stattzufinden. 4.2 Beim A.____ handelt es sich um eine Einzelfirma. B .____ ist Inhaber und Verwaltungs- ratspräsident mit Einzelunterschriftsberechtigung. Drei weitere Personen haben Sitz im Verwal- tungsrat – so auch seine Frau E.____ – und gemäss Handelsr egisterauszug haben sie Kollek- tivunterschriftsberechtigung zu zweien. Geschäftsführerin des A.____ ist C.____ und deren Stell- vertreterin D.____. Ihr obliegt die Hotelleitung mit Rezeption und Housekeeping. C.____ ist Lei- terin Food and Beverage (F & B) mit den Abteilungen Service und Küche. Gegenseitig überneh- men sie die jeweiligen Stellvertretungen. Sie sind im Handelsregister nicht eingetragen und haben demnach auch keine Zeichnungsberechtigung. 4.3.1 Gemäss den vorliegenden Arbeitsverträgen ist C.__ __ seit dem 1. Januar 2020 in einem Vollzeitpensum als Geschäftsführerin des A.____ zu einem monatlichen Bruttolohn von Fr. 6'600.-- und D.____ seit dem 1. Februar 2020 in einem Vollzeitpensum als stellvertretende Geschäftsführerin zu einem monatlichen Bruttolohn von Fr. 6'000.-- angestellt. Die Arbeitsver- träge sind Formulararbeitsverträge mit den allgemeinen Bedingungen, die für alle Mitarbeitende gelten. Namentlich sind beide dem L-GAV unterstellt und unterliegen denselben Arbeitszeit- und Überzeitregelungen wie alle anderen Mitarbeitenden. Es liegt somit kein Kadervertrag mit abwei- chenden Bedingungen vor. Auch die Löhne geben aufgrund der Höhe keinen Hinweis auf eine arbeitgeberähnliche Stellung von C.____ und D.____. Unstrittig sind sie Angestellte in leitenden Funktionen. 4.3.2 Gemäss Stellenbetrieb vom 1. Januar 2020 ist C. ____ als Geschäftsführerin direkt dem Besitzer, B.____, unterstellt. Als Fachfrau im Bereich F & B erledigt sie sämtliche anfallenden administrativen Aufgaben. Sie ist Hauptansprechperson be i Fragen oder Anliegen der Gäste in ihrem Fachbereich. Sie unterstützt die Küchenleitung in der Planung und Umsetzung ihrer Auf- gaben. Ihr obliegt deshalb die direkte Leitung der S ervice- und Küchencrew. Sie übernimmt die Administration, Organisation und Leitung der Bankettabteilung. Sie ist verantwortlich für die Spei- sekarte und das Weinsortiment in Zusammenarbeit mit dem Besitzer und für die Bestellungen der Getränke. Sie setzt die Budgetvorgaben um und ist zuständig für die Personalplanung im Bereich Service und Bankett und übernimmt Schichten im Service. Sie ist gegenüber Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern weisungsberechtigt und gibt Empfehlungen bezüglich Boni für die Mitar- beitenden ab. Ferner ist sie berechtigt, Ausgaben bis Fr. 1'000.-- ohne Absprache mit dem Besit- zer zu tätigen. Seite 7 4.3.3 Die stellvertretende Geschäftsführerin, D.____, ist gemäss Stellenbeschrieb direkt der Geschäftsführerin unterstellt. D.____ soll gemäss Zie lvereinbarung erste Führungserfahrung nach dem Abschluss als diplomierte Hoteliere-Gastronomin HF der Schweizerischen Hotelfach- schule I.____ sammeln. Als Fachfrau regelt sie sämtlich e im Bereich Hotel und Housekeeping anfallenden administrativen Aufgaben und ist Ansprechpe rson bei Fragen und Anliegen der Gäste im Bereich Hotel. Ferner unterstützt sie das Housekeeping-Team in der Planung und Um- setzung ihrer Aufgaben. Folglich hat sie die direkte Le itung der Hotel- und Housekeepingcrew und ist verantwortlich für die Personalplanung im Ber eich Hotel und Housekeeping. Sie über- nimmt Schichten an der Rezeption und im Service, setzt die Budgetvorgaben um und regelt das Mahnwesen. Sie ist berechtigt, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Weisungen zu erteilen. Finanzkompetenzen besitzt sie nicht. 4.3.4 Inwiefern die beiden Mitarbeiterinnen aufgrun d der umschriebenen Funktionen und Kompetenzen, die eng mit ihrer Kernaufgabe verbunde n sind, massgebenden Einfluss auf die Entscheidungen des Inhabers haben sollen, wird von de r Kasse in ihrem Einspracheentscheid nicht fundiert dargelegt. Sofern noch gewisse Zweifel am Status von C.____ und D.____ als Ar- beitnehmerinnen im Sinne von Art. 31 Abs. 1 lit. a AVIG bestanden haben sollten, sind diese nach der heutigen Befragung ausgeräumt. Die Kompetenzen von C.____ und D.____ beschränken sich klar auf das operative Tagesgeschäft. In diesem Bere ich haben sie zwar einen gewissen Gestaltungsspielraum und ein Mitspracherecht. B.____ begleitet aber zusammen mit seiner Frau das operative Geschäft eng. So werden an den wöchentlichen Sitzungen die Geschehnisse der vergangenen Woche nach- und die kommende Woche vorbesprochen sowie Umsatzzahlen, Mit- arbeiterkosten, Budgetfragen, Anliegen und anstehend e Entscheidungen diskutiert. Alle Ent- scheidungen, die über das Tagesgeschäft hinausgehen, trifft der Inhaber allein oder zusammen mit seiner Frau. Dass B.____ auf die langjährige Erfa hrung von C.____ im Gastronomiebereich setzt und im Einzelfall auch auf Vorschläge von ihr oder ihrer Kollegin D.____ eingeht, liegt in der Natur der Sache, bedeutet aber noch keine massgebliche Beeinflussung, da der Entscheid – wie gesagt – letztlich immer vom Inhaberehepaar getroffen wird. Die Unternehmenspolitik liegt ferner ausschliesslich in den Händen von B.____ und E.____. In B ezug auf die Zukunftsplanung, die Entwicklung und die strategische Ausrichtung des Hotels und des Gasthofes ist der Verwaltungs- rat, vor allem das Ehepaar zusammen mit ihrem Treuhänd er H.____ Entscheidungsträger. Zur Geschäftsplanung und Entwicklung gehört auch das Krisenman agement in der Pandemiesitua- tion und damit die Entscheidung darüber, ob Kurzarbei t für die Mitarbeitenden erforderlich ist. Wenn C.____ und D.____ im Bereich Hotel und Housekeeping die Kompetenz zur Personalpla- nung haben, so ist damit lediglich gemeint, dass sie d ie Dienstpläne erstellen und bestimmen können, welche Mitarbeitende bei bestimmten Anlässen ein gesetzt werden. Sie haben dadurch aber ohne vorgängige Zustimmung von B.____ und E.____ nicht die Kompetenz, Mitarbeitende einzustellen, zu entlassen oder Pensumsänderungen vorzunehmen oder Lohnerhöhungen aus- zusprechen. Diesbezüglich steht ihnen lediglich ein Vorschlagsrecht zu. C.____ und D.____ un- terstehen ausserdem der Arbeitszeitkontrolle, indem sie – wie alle anderen Mitarbeiter – ein- und ausstempeln müssen und die monatliche Arbeitszeit von B.____ kontrolliert und gegengezeichnet Seite 8 wird. Aus der Personalplanungskompetenz kann folglich e ntgegen der Auffassung der Kasse auch keine Kompetenz zur Anordnung von Kurzarbeit abgeleitet werden. 4.3.5 Schliesslich kann – entgegen der Ansicht der Kasse – auch aus dem Umstand, dass auf der Homepage des A.____ als Kontakt- und Ansprechpersonen für Bankette und Anlässe C.____ und D.____ genannt werden, nicht darauf geschlossen werden, dass sie massgeblichen Einfluss auf die Unternehmungsentscheidungen hätten. Aus den I nformationen auf der Homepage des A.____ – insbesondere aus der Rubrik Geschichte – geht klar hervor, dass es sich um einen Familienbetrieb handelt, welcher von B.____ und E.___ _ geführt wird. Dass B.____ nicht als Kontakt- und Ansprechperson auf der Homepage für Bank ette und Anlässe aufgeführt ist, ist nachvollziehbar, sind doch die Fachpersonen C.____ und D .____ für das operative Tagesge- schäft zuständig. 5. Nach dem Gesagten sind weder C.____ noch D.____ au fgrund ihrer Stellung im Betrieb faktische Organe im Sinne von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVI G, sondern Arbeitnehmerinnen nach Art. 31 Abs. 1 lit a AVIG. Die Kasse ist daher in Bezug auf sie beide zu Unrecht von einer arbeitge- berähnlichen Stellung ausgegangen. Somit haben sie grundsätzlich auch nach dem 1. Juni 2020 Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 10. März 2021, welcher die Abrechnungsperioden ab September 20 20 gemäss Verfügung vom 11. No- vember 2020 erfasst, ist folglich aufzuheben und die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzu- weisen, damit sie allfällige Ansprüche der beiden Mitarbeiterinnen auf Kurzarbeitsentschädigung neu berechne und entsprechend verfüge. 6. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Das das AVIG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die obsiegende Beschwerde führende Partei hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Gemäss Honora rnote vom 17. Februar 2022 macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einen Aufwand vo n 17 Stunden und Auslagen von Fr. 166.70 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Zu vergüte n sind zusätzlich 2,5 Stunden für die Parteiverhandlung. Die Beschwerdegegnerin hat folglich der Beschwerdeführerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 5'429.90 (19,5 Stunden x Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 166.70 und 7.7 % Mehrwertsteuer) auszurichten. 7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständig keit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewi rken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und Seite 9 damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesg ericht. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Einspracheen- scheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 1 0. März 2021 aufgehoben und die Angelegenheit zur Neuberechn ung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat de r Beschwerdeführe- rin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'42 9.90 (inkl. Ausla- gen und Mehrwertsteuer) auszurichten. "Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegnerin am 20.05.2022 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_319/2022) erhoben." http://www.bl.ch/kantonsgericht