<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 51 S.248</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">248</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>51</b></span> <span class="ft2"><b>Zuschlagskriterien; "Vorstellungsgespräch" als Zuschlagskriterium.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Verwendung eines inhaltlich so unbestimmten Zuschlagskriteri-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ums erfordert eine nähere Umschreibung z.B. durch Sub- oder Teil-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kriterien, die den Bewerbern rechtzeitig, d.h. grundsätzlich in der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ausschreibung oder den Ausschreibungsunterlagen, spätestens aber</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mit der Einladung zur Präsentation, bekannt gegeben werden müssen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 7.1).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">249</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>- Das Transparenz- und das Gleichbehandlungsgebot verlangen, dass</b></span><br/> <span class="ft2"><b>das Ergebnis von Präsentationen schriftlich festgehalten wird</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 7.2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 29. September 2005 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen K. AG gegen Gemeinderat Fischbach-Göslikon.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">7. Die Beschwerdeführerin wehrt sich auch gegen die Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tung des Zuschlagskriteriums "Vorstellungsgespräch". Aus den</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibungsunterlagen sei nicht ersichtlich gewesen, was unter</span><br/> <span class="ft1">diesem Kriterium bewertet worden sei. Der Grundsatz der Transpa-</span><br/> <span class="ft1">renz gebiete, dass ein derart unbestimmtes Zuschlagskriterium in den</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibungsunterlagen z.B. durch Subkriterien näher um-</span><br/> <span class="ft1">schrieben werde, damit die Anbietenden erkennen können, auf wel-</span><br/> <span class="ft1">che Aspekte die Vergabestelle Wert lege. Fehlten solche Angaben sei</span><br/> <span class="ft1">die Bewertung letztlich nicht mehr nachvollziehbar. So sei für die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin auch nach Einsicht in die Akten in keiner Weise</span><br/> <span class="ft1">verständlich, wie sich ihre Bewertung mit lediglich 23.6 von 30</span><br/> <span class="ft1">möglichen Punkten sachlich begründen lasse. Unklar sei auch, wes-</span><br/> <span class="ft1">halb sie beim Lösungsvorschlag "Schutzgebiet" lediglich 14 Punkte</span><br/> <span class="ft1">und die Zuschlagsempfängerin 20 Punkte erhalten habe. Es müsse</span><br/> <span class="ft1">davon ausgegangen werden, dass die Vergabestelle ihren Er-</span><br/> <span class="ft1">messensspielraum nicht korrekt wahrgenommen habe. Protokolle</span><br/> <span class="ft1">oder sonstige schriftliche Aufzeichnungen über die einzelnen Vor-</span><br/> <span class="ft1">stellungsgespräche fehlten, was gegen § 17 Abs. 2 SubmD verstosse.</span><br/> <span class="ft1">Ein grosses Fragezeichen sei auch deshalb zu machen, weil die An-</span><br/> <span class="ft1">bieter von einem Gremium beurteilt worden seien, welches sich</span><br/> <span class="ft1">überwiegend aus Nichtfachleuten zusammensetze. Es sei deshalb</span><br/> <span class="ft1">fraglich, ob dieses Gremium in der Lage gewesen sei, die Fachkom-</span><br/> <span class="ft1">petenz der Anbieter zu beurteilen. Man müsse vermuten, dass per-</span><br/> <span class="ft1">sönliche Sympathien und nicht objektive, sachbezogene Kriterien</span><br/> <span class="ft1">ausschlaggebend gewesen seien.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">250</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Vergabestelle bestreitet die Vorwürfe. Die Mitglieder des</span><br/> <span class="ft1">Gremiums seien sehr wohl in der Lage gewesen, die gut vorbereite-</span><br/> <span class="ft1">ten Gespräche mit den Anbietern richtig zu bewerten. Eine vor-</span><br/> <span class="ft1">gängige Bekanntgabe der Aufgabenstellung habe die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft1">mit Blick auf den für die Anbieter unverhältnismässig hohen Auf-</span><br/> <span class="ft1">wand als nicht sinnvoll erachtet. Die Anbieter seien vom Ge-</span><br/> <span class="ft1">sprächsleiter über den Ablauf des Gesprächs die Themen, die Beur-</span><br/> <span class="ft1">teilungskriterien und das Zeitraster informiert worden. Der Vorwurf</span><br/> <span class="ft1">der mangelnden Transparenz müsse daher zurückgewiesen werden.</span><br/> <span class="ft1">Auch seien die gestellten Fragen absolut sachlich gewesen und</span><br/> <span class="ft1">hätten nichts mit Emotionen und dergleichen zu tun gehabt.</span><br/> <span class="ft1">7.1. Die Verwendung eines inhaltlich derart unbestimmten und</span><br/> <span class="ft1">nichtssagenden Zuschlagskriteriums wie "Vorstellungsgespräch"</span><br/> <span class="ft1">erfordert zwangsläufig eine nähere Umschreibung z.B. durch Sub-</span><br/> <span class="ft1">oder Teilkriterien, die den Bewerbern rechtzeitig, d.h. grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">in der Ausschreibung oder den Ausschreibungsunterlagen, im vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Fall spätestens mit der Einladung zur Präsentation, bekannt</span><br/> <span class="ft1">gegeben werden müssen. Nur so können die Anbieter auch erkennen,</span><br/> <span class="ft1">was die Vergabebehörde unter dem betreffenden Zuschlagskriterium</span><br/> <span class="ft1">genau versteht und welche Aspekte sie dabei zu bewerten gedenkt,</span><br/> <span class="ft1">und ist eine transparente, sachlich begründete, objektiv nachvoll-</span><br/> <span class="ft1">ziehbare Bewertung der Angebote möglich (siehe VGE III/52 vom</span><br/> <span class="ft1">16. Juni 2003 [BE.2003.00075], S. 14).</span><br/> <span class="ft1">Vorliegendenfalls verstösst die Handhabung des erwähnten</span><br/> <span class="ft1">Kriteriums klarerweise gegen das Transparenzgebot. Die Anbieter</span><br/> <span class="ft1">hatten keinerlei Kenntnisse davon, wie das Vorstellungsgespräch</span><br/> <span class="ft1">ablaufen würde und welche Aspekte der Fragebeantwortung für die</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde von Bedeutung waren. Weder die Ausschreibungs-</span><br/> <span class="ft1">unterlagen, die Fragenbeantwortung noch die Einladung enthielten</span><br/> <span class="ft1">entsprechende Hinweise. Die Anbieter wurden vielmehr erst zu Be-</span><br/> <span class="ft1">ginn des Vorstellungsgesprächs über die Beurteilungskriterien in</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis gesetzt. Der Einwand der Vergabestelle, bei vorgängiger</span><br/> <span class="ft1">Bekanntgabe der Aufgabenstellung hätten die Anbieter einen unver-</span><br/> <span class="ft1">hältnismässig grossen Vorbereitungsaufwand auf sich nehmen</span><br/> <span class="ft1">müssen, überzeugt nicht; wer sich in Kenntnis des Zuschlagskri-</span><br/> <span class="ft1">teriums "Vorstellungsgespräch" bewirbt, muss wissen, dass damit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">251</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">möglicherweise eine zusätzliche zeitliche Beanspruchung verbunden</span><br/> <span class="ft1">ist. Zu beachten ist auch, dass das inhaltlich völlig unbestimmte</span><br/> <span class="ft1">Kriterium nicht etwa von untergeordneter marginaler Bedeutung ist,</span><br/> <span class="ft1">sondern dass ihm ein Gewicht von 30 von gesamthaft 100 möglichen</span><br/> <span class="ft1">Punkten zukommt. Die Rüge der Beschwerdeführerin erweist sich</span><br/> <span class="ft1">somit als begründet.</span><br/> <span class="ft1">7.2. Gerügt wird auch das Fehlen von Protokollen oder anderen</span><br/> <span class="ft1">schriftlichen Aufzeichnungen über die Vorstellungsgespräche. Auch</span><br/> <span class="ft1">wenn es sich nicht um eine Offertbereinigung im Sinne von § 17</span><br/> <span class="ft1">SubmD handelte, gilt mit Blick auf das Transparenz- und Gleichbe-</span><br/> <span class="ft1">handlungsgebot auch hier der Grundsatz, dass das Ergebnis von Prä-</span><br/> <span class="ft1">sentationen schriftlich festzuhalten ist (§ 17 Abs. 2 SubmD). Auch</span><br/> <span class="ft1">wenn an die Protokollführung nicht allzu hohe Ansprüche zu stellen</span><br/> <span class="ft1">sind, muss das Protokoll doch zumindest so detailliert sein, dass für</span><br/> <span class="ft1">einen Anbieter nachvollziehbar ist, weshalb sein Angebot die fragli-</span><br/> <span class="ft1">che und nicht eine höhere Punktzahl erhalten hat; nur so können</span><br/> <span class="ft1">Missbräuche ausgeschlossen werden und kann sich der nicht berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigte Anbieter gegen die Bewertung zur Wehr setzen (siehe</span><br/> <span class="ft1">VGE III/110 vom 14. Juli 2000 [BE.2000.00165], S. 16 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen; Peter Galli / André Moser / Elisabeth Lang, Praxis des</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Beschaffungsrechts, Zürich 2003, Rz. 359).</span><br/> <span class="ft1">Die von der Vergabestelle eingereichten Bewertungsblätter -</span><br/> <span class="ft1">andere schriftliche Aufzeichnungen existieren offenbar nicht - ge-</span><br/> <span class="ft1">nügen diesen Anforderungen nicht. Ihnen kann lediglich entnommen</span><br/> <span class="ft1">werden, wie viele Punkte ein Anbieter bei den vier Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tungsaspekten (Lösungsvorschlag Burkhalter, Lösungsvorschlag</span><br/> <span class="ft1">Schutzgebiet, Fachkompetenz, Kommunikation) von den einzelnen</span><br/> <span class="ft1">Mitgliedern des Bewertungsgremiums erhielt. Die Gründe für die</span><br/> <span class="ft1">Bewertungen werden nicht dargelegt. Für den einzelnen Anbieter ist</span><br/> <span class="ft1">somit in der Tat nicht ersichtlich, weshalb er bei einem bestimmten</span><br/> <span class="ft1">Aspekt nicht die volle Punktzahl erhält und bezeichnenderweise</span><br/> <span class="ft1">konnte auch die Vergabestelle die Gründe für die Schlechterbewer-</span><br/> <span class="ft1">tung der Beschwerdeführerin in ihrer Vernehmlassung nicht darle-</span><br/> <span class="ft1">gen. Auch dem Verwaltungsgericht als Rechtsmittelinstanz ist es</span><br/> <span class="ft1">unter diesen Umständen nicht möglich, die Richtigkeit der Bewer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tung der Beschwerdeführerin bei diesem Zuschlagskriterium zu</span><br/> <span class="ft1">überprüfen.</span><br/> <span class="ft1">7.3. Nicht folgen kann das Verwaltungsgericht der Kritik an der</span><br/> <span class="ft1">Zusammensetzung des Gremiums. Angesichts ihrer Ausbildung und</span><br/> <span class="ft1">ihrer teils langjährigen Erfahrung als Gemeinderäte bzw. Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">schreiber kann den Mitgliedern des Gremiums die Fähigkeit zur Be-</span><br/> <span class="ft1">urteilung einer solchen Präsentation nicht abgesprochen werden. Es</span><br/> <span class="ft1">muss allerdings auch gewährleistet sein, dass nicht persönliche Prä-</span><br/> <span class="ft1">ferenzen einzelner Mitglieder des Auswahlgremiums in die Evalua-</span><br/> <span class="ft1">tion einfliessen können, sondern eine objektive Meinungsbildung</span><br/> <span class="ft1">stattfindet. Dies kann durch das Mitwirken von Fachpersonen sicher-</span><br/> <span class="ft1">gestellt werden; zudem sollte das Gremium eine genügende Anzahl</span><br/> <span class="ft1">Mitglieder aufweisen (VGE III/103 vom 5. August 1998</span><br/> <span class="ft1">[BE.98.00009], S. 13). Diese Voraussetzungen waren vorliegenden-</span><br/> <span class="ft1">falls erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">7.4. Der Verstoss gegen das Transparenzgebot einerseits (vorne</span><br/> <span class="ft1">Erw. 7.1) und die ungenügende Protokollierung der Präsentationen</span><br/> <span class="ft1">andererseits (vorne Erw. 7.2) führen zur Aufhebung des an die</span><br/> <span class="ft1">M. AG erteilten Zuschlags.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>