<h2>SubmittedText<h2><p>Nicht nur hinsichtlich der Gesundheitssituation, sondern auch bei der Inanspruchnahme des Gesundheitswesens unterscheiden sich eingewanderte Menschen von Einheimischen. Erstere haben sich vor ihrer Migration in anderen Gesundheitssystemen bewegt. Fehlende Kenntnisse über Angebote, Rechte und Pflichten, strukturelle Zugangsbarrieren oder fehlende transkulturelle Kompetenz betreffend Gesundheitsversorgung und Prävention führen oft zu Benachteiligungen von Migrantinnen und Migranten. Um diese Situation zu verbessern, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seinen Hauptfocus in der Bundesstrategie Migration und Gesundheit 2008-2013 wie folgt formuliert: Die Bundesstrategie Migration und Gesundheit bezweckt, die Gesundheitssituation der Migrationsbevölkerung in der Schweiz zu verbessern und gesundheitliche Chancengleichheit herzustellen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie ist es, Angebote der Prävention und Gesundheitsförderung für die Migrationsbevölkerung zu öffnen.</p><p>In den verschiedenen Kantonen werden heute Bedarfsanalysen betreffend Migration und Gesundheit durchgeführt. Einige Kantone haben ihre Ergebnisse bereits abgeliefert. </p><p>Fragen:</p><p>1. Wird der Bund die Kantone bei der Umsetzung der empfohlenen Massnahmen finanziell unterstützen?</p><p>2. Was ist unter dem Ziel "Ungleichheit abbauen" zu verstehen, wie es in der Gesundheitsstrategie und im Präventionsgesetz des Bundes formuliert ist? Mit welchen Massnahmen und mit welchen finanziellen Mitteln soll dieses wichtige Ziel erreicht werden?</p><p>3. Das BAG hat im Rahmen seiner Gesundheitsstrategie im Bereich Migration in fünf Spitälern das Projekt Migrant Friendly Hospitals lanciert und finanziell unterstützt. In der Schweiz gibt es mehr als 200 Spitäler. Wird die Lancierung des Projekts Migrant Friendly Hospitals in Zukunft auch in weiteren Schweizer Spitälern unterstützt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Im Rahmen der Bundesstrategie Migration und Gesundheit 2008-2013 werden bis Ende 2013 die Kantone bei der Überprüfung ihrer Gesundheitsförderungs- und Präventionsangebote hinsichtlich des Einbezugs der Migrationsbevölkerung finanziell unterstützt. Die resultierenden Bedarfsanalysen haben Interventionscharakter, fördern die Sensibilisierung und Vernetzung relevanter Akteure der kantonalen Gesundheitsförderung und Prävention und schaffen damit gute Voraussetzungen für die Umsetzung konkreter Verbesserungen. Aufgrund der Aufgaben- und Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Gesundheitsbereich sind die Kantone für die Umsetzung von Massnahmen im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung zuständig. Es liegt daher im Ermessen der Kantone, finanzielle Mittel für Programmanpassungen bereitzustellen. </p><p>2. Wie in der Botschaft zum Präventionsgesetz (BBl 2009 7071) ausgeführt, sollen die Präventions-, Gesundheitsförderungs- und Früherkennungsmassnahmen in Zukunft noch stärker auf diejenigen Personengruppen ausgerichtet werden, bei denen aufgrund einer erhöhten gesundheitlichen Vulnerabilität oder Anfälligkeit ein besonderer Handlungsbedarf besteht. Dabei können neben dem sozioökonomischen Status (Bildung, Einkommen) auch sozio-kulturelle Aspekte wie Alter, Geschlecht, Familienstand, Behinderung oder eben Migrationshintergrund zu gesundheitlicher Ungleichheit führen. </p><p>Die Resultate des zweiten Gesundheitsmonitoring der Migrationsbevölkerung (GMM II, 2010) haben gezeigt, dass der körperliche und physische Gesundheitszustand der Migrationsbevölkerung deutlich schlechter ist als derjenige der Schweizer Bevölkerung. Besonders prekär ist die gesundheitliche Situation der älteren Migrantinnen und Migranten. Frauen mit Migrationshintergrund sind von gesundheitlichen Problemen stärker betroffen als Männer. Eine Studie (Bollini et al. 2010) hat ausserdem gezeigt, dass bestimmte Gruppen der Migrationsbevölkerung im Bereich der reproduktiven Gesundheit erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind. So weisen die verfügbaren Indikatoren auf eine schlechtere Gesundheit und grössere Sterblichkeit von Neugeborenen mit Migrationshintergrund hin, und das Sterberisiko für ausländische Mütter ist vier Mal höher als das für Schweizer Mütter.</p><p>Die Strategie Migration und Gesundheit 2008-2013 trägt bereits heute zum Abbau vermeidbarer gesundheitlicher Ungleichheiten bei Personen mit Migrationshintergrund bei. Mit dem Ziel, dass Personen mit Migrationshintergrund die gleichen Chancen wie Einheimische haben, ihr Gesundheitspotential zu entfalten, wird eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens, des Gesundheitszustands und des Zugangs der Migrationsbevölkerung zum Gesundheitssystem umgesetzt. Die wichtigsten laufenden Projekte (vgl. <a href="http://www.miges.admin.ch">www.miges.admin.ch</a>) sind: </p><p>a. Betrieb von migesplus.ch, eines Kompetenzzentrums für die Entwicklung, Produktion und Verbreitung von Gesundheitsinformationen in den Sprachen der Migrationsbevölkerung; </p><p>b. finanzielle Unterstützung der Vermittlungsstelle für die Prävention von Mädchenbeschneidung (geführt von Caritas Schweiz); </p><p>c. Betrieb eines nationalen Telefondolmetschdienstes für den Gesundheitsbereich;</p><p>d. Auswertung und Valorisierung des zweiten Gesundheitsmonitorings der Migrationsbevölkerung in der Schweiz.</p><p>3. Mit dem Projekt Migrant Friendly Hospitals unterstützt das Bundesamt für Gesundheit bis 2013 als Pilotprojekt die Entwicklung von fünf Spitälern zu migrantenfreundlichen Kompetenzzentren. Eine Ausweitung des Projekts auf weitere Spitäler ist im Rahmen der laufenden Strategie Migration und Gesundheit nicht vorgesehen. Die Erkenntnisse und Lehren, die sich aus diesem Pilotprojekt ergeben, sollen jedoch so weit als möglich unter den Spitälern verbreitet werden. </p>  Antwort des Bundesrates.