(Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 2011/20 BVGE / ATAF / DTAF 413 8 Gesundheit – Arbeit – Soziale Sicherheit Santé – Travail – Sécurité sociale Sanità – Lavoro – Sicurezza sociale 20 Auszug aus dem Urteil der Abteilung III i. S. A. gegen Amt für Sozialversicherung und Stiftungsaufsicht des Kantons Bern C-6429/2008 vom 25. Februar 2011 BVG-Aufsicht. Gesamtliquidation. Genehmigung des Liquidations - reglements und der Verteilungspläne. Art. 53c und Art. 62 Abs. 1 BVG. Die Multiplikation der Verteilungskriterien Sparkapital und Dienstjahre verstösst gegen den Grundsatz der Gleichbehand- lung, wenn dadurch einige wenige Destinatäre zulasten der über - wiegenden Mehrheit überproportional bevorzugt werden (E. 4.3). Surveillance LPP. Liquidation totale. Approbation du règlement de liquidation et des plans de répartition. Art. 53c et art. 62 al. 1 LPP. Le cumul des critères de répartition du capital épargne et des an - nées de service est contraire au principe de l'égalité de traite ment lorsqu'elle a pour conséquence d'avan tager de manière dis pro- portionnée un petit nombre de dest inataires au détriment de la grande majorité (consid. 4.3). Vigilanza LPP. Liquidazione totale. Approvazione del regolamento di liquidazione e dei piani di ripartizione. Art. 53c e art. 62 cpv. 1 LPP. Se favorisce in modo sproporzionato un numero esiguo di desti- natari a scapito della maggioranza preponderante di essi, la mol - tiplicazione tra i criteri di ripartizione del capitale di risparmio e 2011/20 (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 414 BVGE / ATAF / DTAF degli anni di servizio viola il principio della parità di trattamento (consid. 4.3). Das Amt für Sozialversicherung und Stiftungsaufsicht des Kantons Bern (nachfolgend: ASVS oder V orinstanz) verweigerte mit Verfügung vom 8. September 2008 die Genehmigung des Liquidationsreglements und der Verteilungspläne der V orsorgeeinrichtung A. und wies diese an, innert 30 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung überarbeitete Fassungen des Liquidationsreglements und der Verteilungspläne einzureichen. Es begründete seine Verfügung damit, die gewählte Multiplikation der Ver - teilungskriterien führe aufgrund der Mitarbeit erstruktur der ange schlos- senen Firmen zu einer unproportionalen Besserstellung einer kleinen Anzahl von Destinatären, was dem Gleichbehandlungsgrundsatz wider - spreche. Die Multiplikation der Anzahl Dienstjahre mit dem Sparkapital vereitle die Absicht des Stiftungsrats, alle langjährigen Mit arbeitenden stärker zu begünstigen. Vielmehr hätten langjährige Mitar beitende ohne diese Multiplikation einen teilweise deutlich höheren Anspruch auf freie Mittel. Mitarbeitende mit gleich vielen Dienstjahren würden j e nach Höhe des Deckungs- beziehungsweise Sparkapitals ungleich behandelt. Gegen diese Verfügung liess A. (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 9. Oktober 2008 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben und beantragen, die Verfügung des ASVS vom 8. September 2008 sei aufzuheben und das ASVS sei anzuweisen, das Liquidationsreglement und die Verteilungspläne zu genehmigen. Sie begründete ihre Anträge im Wesentlichen damit, dass ihr weder ein haltloser Entscheid noch eine Rechtsverletzung vorgeworfen werd en könne. Die V orinstanz habe ihr Ermessen einzig anders ausgeübt als sie. Es liege daher keine Ermes - sensüberschreitung der Beschwerdeführerin vor, sondern eine Kompe - tenzüberschreitung der V orinstanz. Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. Aus den Erwägungen: 3. 3.1 Streitig und damit zu prüfen ist vorliegend, ob die V orinstanz mit der angefochtenen Verfügung vom 8. September 2008 zu Recht das Liquidationsreglement und die Verteilungspläne der Beschwerdeführerin (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 2011/20 BVGE / ATAF / DTAF 415 vom 4. Mai 2007, insbesondere die Verteilungskriterien, nicht genehmigt hat. Nicht umstritten ist die von der Beschwerdeführerin im Verteilungsplan in einem ersten Schritt gewählte Aufteilung der freien Mittel und Wert - schwankungsreserve auf die V orsorgewerke unter den Gruppen « Rentner » und « Aktiv Versicherte » nach Massgabe der auf die beiden Gruppen entfallenden Summen der Rentendeckungskapitalien bezie - hungsweise der Austrittsleistungen. In einem zweiten Schritt erfolgt die individuelle Aufteilung innerhalb des V orsorgewerkes. Die Differenz zwischen den Parteien beschränkt sich im Wesentlichen auf die Frage, ob die Multiplikation des Kriteriums « Sparkapital » mit dem Kriterium « Dienstjahre » gegen das Gebot der Gleichbehandlung verstösst. 3.2 Der Stiftungsrat hat in seinem Entwurf de s Liquidations regle- ments unter Ziff. 5, Verteilungsplan, Folgendes festgehalten: « Die Aufteilung der freien Mittel V orsorgewerke und der Wert - schwankungsreserve er folgt in einem ersten Schritt auf die V or sor- gewerke unter den Gruppen Rentner und Akt iv Versicherte nach Massgabe der auf die beiden Gruppen entfallenen Summen der Ren - tendeckungskapitalien bzw. der Austrittsleistungen. In einem zweiten Schritt er folgt die individuelle Aufteilung innerhalb des V orsorge - werkes: – Aktive per 31. 12. 2006 m it weniger als 2 Dienstjahren: Pauschal Fr. 200.–. – Aktive per 31. 12. 2006 mit mehr als 2 Dienstjahren: Pauschal Fr. 200.–. Zusatzbetrag berechnet sich nach einem Faktor: Stand Sparkapital per 31.12.2006 multipliziert mit der Anzahl Dienstjahre ergibt den Faktor 1. V om Faktor 1 werden Freizügigkeitsleistungen beim Eintritt und Einkäufe in den letzten 5 Jahren abgezogen und allfällige V orbezüge der selben Periode dazugezählt. Das Resultat ist der Faktor 2. Der Zusatzbetrag bemisst sich am prozentua len Anteil an der Summe des Faktors 2. – Austritte 2005 und 2006: Anteil berechnet nach einem Faktor: Freizügigkeitsleistung im Au strittszeitpunkt multipliziert mit der Hälfte der Dienstjahre ergibt den Faktor 1. V om Faktor 1 werden Freizügigkeitsleistungen beim Eintritt und Einkäufe in den letzten 5 Jahren abgezogen und allfällige V orbezüge der selben Periode dazugezählt. Das Result at ist der Faktor 2. Der Betrag bemisst sich 2011/20 (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 416 BVGE / ATAF / DTAF am prozentualen Anteil an der Summe des Faktors 2. Beträge unter Fr. 200.– werden nicht ausbezahlt. – Rentner: Der Betrag berechnet sich nach einem Faktor: Das Deckungskapital der Rente multipliziert mit 10 er gibt den Faktor 2. Der Betrag bemisst sich am prozentualen Anteil an der Summe des Faktors 2. » 3.3 Die Beschwerdeführerin gibt an, 31 Destinatäre (ca. ⅓ des An- schlusses der C.) verfügten über eine sehr kurze Dienstdauer von 2 Jah- ren oder weniger. 26 Destinatäre verfügten über 10 Dienstjahre oder mehr. V on diesen 26 Destinatären verfügten 15 Destinatäre über mehr als 15 Dienstjahre. Es sei sehr wohl relevant, wie viel ein Destinatär vom Gesamtbetrag der freien Mittel erhalte, und nicht nur, wie hoch sein Anteil an den auf den Anschluss der C. entfal lenden Mitteln betrage. G. der C. partizipiere an den freien Mitteln nicht zu einem Viertel, sondern erhalte rund einen Viertel der auf den Anschluss der C. entfallenden freien Mittel. V om Gesamtbetrag der freien Mittel erhalte er weniger als 13 %. Bei einem Viertel der auf den Anschluss der C. entfallenden freien Mittel (bzw. 13 % der gesamten freien Mittel) könne schon quantitativ nicht von einem stossenden oder willkürlichen Ergebnis gesprochen werden. Willkür sei nur bei besonders krassen Fällen gegeben. Die gefor - derte Anwendung der Verteilkriterien bei der Mehrheit der Destinatäre sei gegeben. Die Beschwerdeführerin anerkannte, dass im Ergebnis beim vorgeleg ten Verteilungsplan einige Destinatäre in einem grös seren Umfang von den freien Mitteln profitierten. Dies sei jedoch rechtens und sachlich be - gründbar. Angesichts der konkreten Mitarbeiterstruktur der ange schlos- senen Firmen seien absichtlich die langjährigen, also auch älteren Ver - sicherten, denen nur no ch ein kurzer Zeitraum zur Weiterführung ihrer beruflichen V orsorge bliebe und die entscheidend zum Unterneh mens- erfolg der angeschlossenen Firmen – und damit auch der Stiftung – beigetragen hätten, besser berücksichtigt worden als Mitarbeiter, die weniger als 20 Dienstjahre aufwiesen. Die Beschwerdeführerin hält mit Hinweis auf das grosse Ermes sen des Stiftungsrates fest, die Verknüpfung der Kriterien könnte von der Auf - sichtsbehörde nur beanstandet werden, wenn dadurch ein will kürliches Resultat erzie lt würde. Die gewählten Verteilkriterien würden jedoch unter Berücksichtigung der Mitarbeiterstruktur der angeschlos senen Firmen zu einem sachgerechten Ergebnis führen. Massgebend sei die Anwendung bei der Mehrheit der Begünstigten, was vorliegend gegeben (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 2011/20 BVGE / ATAF / DTAF 417 sei. Es sei zwar richtig, dass einigen Destinatären ein relativ hoher Anteil an den freien Mitteln zugesprochen werde, was aber weder eine Rechts - verletzung bedeute noch willkürlich oder unhaltbar sei. Für alle Desti - natäre gälten die gleichen Regeln. Es sei beabsichtigt, dass Per sonen mit über 20 Dienstjahren und einem entsprechend höheren De ckungskapital mehr erhielten als eine Person mit 10 Dienstjahren. Dies widerspreche nicht dem Grundsatz der Gleichbehandlung. Die Be schwerdeführerin führte im Weiteren aus, das Bundesge richt habe sich in BGE 128 II 394 gerade nicht dazu geäussert, dass die Kombination der Kriterien Dienst - jahre und Spar - beziehungsweise Deckungska pital per se unzulässig sei. Auch sonst sei kein Urteil bekannt, welches diese Kom bination bean - stande. Die Verknüpfung der Kriterien könne nur beanstan det werden, wenn dadurch ein willkürliches Resultat erzielt würde. Die V orinstanz lehnt dieses V orgehen wegen Verletzung des Gleich be- handlungsgebotes ab. Die Auswahl und Gewichtung der Verteilkriterien richte sich nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung der Destinatäre. Es sei zu vermeiden, dass Destinatäre – auch indirekt – mehrfach be - günstigt würden. In der Praxis würden die freien Mittel von V or sorge- einrichtungen meistens nach Die nstjahren oder gemäss De ckungskapital beziehungsweise Sparguthaben aufgeteilt. Möglich sei aber auch die Wahl von zwei Kriterien. Dabei werde in der Praxis vor allem auf Dienstjahre und Lohn abgestellt. Die Multiplikation der Kriterien Dienst - jahre/Versicherungsjahre mit dem Kriterium Lohnanteil/Beitragshöhe führe insoweit zu stossenden Ergebnissen, als Mitarbeitende mit mehr als 20 Dienstjahren unproportional begünstigt würden zu Lasten der Mit - arbeitenden mit mehr als 10 Dienstjahren. Damit profitierten aufgrund der Mitarbeiterstruktur der angeschlossenen Firmen nicht alle lang jäh- rigen Mitarbeitenden, sondern nur eine kleine Gruppe lang jähriger Mit- arbeitender mit hohem Sparkapital. Bei der C. verfügten 33 Destinatäre über mehr als fünf Dienstjahre, davon erhielten sechs Destinatäre mehr als zwei Drittel der für diese angeschlossene Firma eingesetzten freien Mittel. Die sechs Destinatäre verfügten insgesamt über 143,59 Dienst- jahre (26 %) und 34 % (1,4 Mio. Fr.) des Sparkapitals, erhielten jedoch durch die Multiplikation dieser Verteilungskriterien 67,5 % der frei en Mittel. Bei der E. verfügten 17 Destinatäre über mehr als 5 Dienstjahre, davon erhielten acht Destinatäre mehr als drei Viertel der für diese an ge- schlossene Firma eingesetzten freien Mit tel. Die acht Destinatäre ver - fügten insgesamt über 124 Dienstjahre (50 %) sowie 29 % (1,7 Mio. Fr.) 2011/20 (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 418 BVGE / ATAF / DTAF des Sparkapitals, erhielten jedoch durch die Multi plikation der Vertei - lungskriterien 85,7 % der freien Mittel. Die Aufsichtsbehörde lasse die Multiplikation von Verteilkriterien grund- sätzlich nicht zu. Daraus, dass sie dies bei der V orprüfung des Liqui - dationsreglements übersehen habe, könne die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. Anhand der in der angefochtenen Verfü gung genannten Zahle n sei anschaulich dargelegt, dass ein unhaltbarer Ent - scheid des Stiftungsrates vorliege, der die Grundsätze der Gleichbe - handlung und Angemessenheit missachte. Bis heute habe die Beschwer - deführerin nicht dargelegt, weshalb 6 Destinatäre der C. über zwei Drittel der freien Mittel erhalten sollten, wenn sie zusammen nur einen Drittel des gesamten Sparkapitals und einen Viertel aller Dienstjahre hielten. Nicht der höhere Anteil an freien Mitteln aufgrund des höheren Deckungskapitals werde beanstandet, sonde rn die multiplikative Berück - sichtigung der Kriterien Dienstjahre und Sparkapital. Bei der Verteilung der freien Mittel müssten die Leistungen nicht gleich hoch sein, sondern gleichwertig ausfallen. 4. 4.1 Im vorliegenden Fall ist die Nichtgenehmigung eines Li quida- tionsreglements und der Verteilungspläne anlässlich einer Gesamtliqui - dation der V orsorgeeinrichtung zu prüfen. 4.1.1 Im Rahmen ihrer aufsichtsrechtlichen Aufgaben (Art. 62 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters -, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG, SR 831.40 ]) und gemäss Art. 53c BVG entscheidet die Aufsichtsbehörde bei der Aufhe bung von V orsorgeeinrichtungen (Gesamtliquidation), ob die V oraussetzungen und das Verfahren erfüllt sind und genehmigt – im Gegensatz zur Teilliquida- tion – den Verteilungsplan von Amtes wegen. Bei einer Gesamtliquidation der V orsorgeeinrichtung besteht neben dem Anspruch auf die Austrittsleistung ein individueller oder kollektiver Anspruch auf freie Mittel. Die Gesamtliquidation richte t sich nach den Art. 53b–Art. 53d BVG (Art. 23 des Freizügigkeitsgesetzes vom 17. Dezember 1993 [FZG, SR 831.42]). Die Gesamtliquidation der V orsorgeeinrichtung muss unter Berück sich- tigung des Gleichbehandlungsgrundsatzes und nach fachlich anerkannten Grundsätzen durchgeführt werden. Der Bundesrat bezeichnet diese Grundsätze. Zur Berechnung der freien Mittel ist das Vermögen zu Ver - äusserungswerten einzusetzen. Das paritätisch besetzte Organ oder das (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 2011/20 BVGE / ATAF / DTAF 419 zuständige Organ legt im Rahmen der gesetzlichen Besti mmungen und des Reglements fest a) den genauen Zeitpunkt, b) die freien Mittel und den zu verteilenden Anteil, c) den Fehlbetrag und dessen Zuweisung und d) den Verteilungsplan (Art. 53d Abs. 1, 2 und 4 BVG). Im Rahmen der Gesamtliquidation besteht bei ein em individuellen Aus - tritt ein individueller Anspruch, bei einem kollektiven Austritt ein indi - vidueller oder kollektiver Anspruch auf einen Anteil der freien Mittel. Für die Berechnung der freien Mittel muss sich die V orsorge einrichtung auf eine kaufmän nische und technische Bilanz mit Erläuterun gen abstützen, aus denen die tatsächliche finanzielle Lage deutlich hervorgeht (Art. 27g Abs. 1 und 1 bis der Verordnung vom 18. April 1984 über die berufliche Alters -, Hinterlassenen - und Invalidenvorsorge [BVV 2 , AS 1984 543; Fassung vom 27. Oktober 2004, in Kraft seit 1. Januar 2005 bis 31. Mai 2009, AS 2004 4643]). 4.1.2 Es obliegt dem Stiftungsrat, nach seinem Ermessen die Kriterien für den Verteilungsplan fest zulegen. Dabei sind ihm ledig lich (aber immerhin) Grenzen gesetzt durch den Stiftungszweck, die Grundsätze der Verhältnismässigkeit, der Gleichbehandlung und des guten Glaubens (vgl. BGE 119 Ib 46 E. 4 betr. Genehmigung von Ver teilungsplänen; KURT SCHWEIZER, Rechtliche Grundlagen der Anwartschaft auf eine Stif- tungsleistung in der beruflichen V orsorge: Ermessensleistungen, abänder- bare Leistungen, Sozialplanleistungen und ähnliche Leistungs probleme, Diss. Zürich 1985, S. 106–120; CARL HELBLING, Personal vorsorge und BVG, 8. Aufl, Zürich/Bern 2006, ZS. 275; BRUNO LANG, Liqui dation und Teilliquidation von Personalvorsorgeeinrichtungen unter Berücksich- tigung des Freizügigkeitsgesetzes in: Schweizerische Zeit schrift für Sozialversicherung und berufliche V orsorge [SZS] 1994, S. 111). Im Verteilungsplan sind primär der Umfang der zu verteilenden Mittel, der Kreis der begünstigten Personen und die Verteilkriterien zu regeln (vgl. ISABELLE VETTER-SCHREIBER, Berufliche V orsorge, BVG Kom - mentar, Zürich 2005, S. 191, nachfolgend: BVG-Kommentar). Dabei ste- hen folgende Kriterien im V ordergrund: Höhe des Spar- oder Deckungs- kapitals, Alter der Versicherten, Dauer der V orsorge (Dienst - bzw. Beitragsjahre), versicherter Lohn (…). Die Aufsichtsbehörde hat den Verteil ungsplan auf diese Kriterien hin zu überprüfen; sie darf dabei nicht ihr eigenes Ermessen anstelle desjenigen des Stiftungsrates setzen. In reinen Ermessensfragen hat sie sich zu rück- zuhalten. Die Stiftungsaufsicht kommt nicht etwa einer V ormund schaft 2011/20 (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 420 BVGE / ATAF / DTAF gleich. Die Stiftung ist grundsätzlich voll handlungsfähig. Die Aufsichts - behörde darf deshalb nicht einfach an Stelle des Stiftungsrates handeln. Sie kann nur einschreiten, wenn der Entscheid des Stiftungs rates un - haltbar ist, weil er auf sachfremden Krit erien beruht oder ein schlägige Kriterien ausser Acht lässt (vgl. BGE 128 II 394 E. 3.3, BGE 108 II 497 E. 5, BGE 101 Ib 235 E. 2; Sozialversicherungsrecht – Rechtsprechung [SVR] 2001, Sozialversicherungen über die berufliche V orsorge [BVG] Nr. 14 vom 30. November 1989). Allerdings hat die Aufsichtsbehörde einzugreifen, falls sie einen Verstoss gegen gesetzliche oder statutarische V orschriften erkennt. Die Auf sichtstätigkeit ist mithin als eine Rechts - kontrolle ausgestaltet ( ISABELLE VETTER-SCHREIBER, Staatliche Haftung bei mangelhafter BVG -Aufsichtstätigkeit: unter besonderer Berücksich - tigung der V orschriften des Bundes sowie des Kantons Zürich, Zürich 1996, S. 33 f.; HELBLING, a. a. O., S. 735 in fine; vgl. Urteil des Bun des- verwaltungsgerichts C –4618/2008 vom 18. Februar 2009 E. 5.1). Greift die Aufsichtsbehörde ohne gesetzliche Grund lage in den Auto nomie- bereich der Stiftungs organe ein, so verletzt sie Bun desrecht (BGE 108 II 497 E. 5). 4.2 Nach dem Gebot der Gleichbehandlung (Art. 53d Abs. 1 BVG) ist Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln. Der Grundsatz der Gleichbehandlung verbietet auch, Unterscheidungen ohne sachlichen Grund vorzunehmen, sofern die nicht gerechtf ertigte Ungleichbehand - lung im konkreten Einzelfall ein gewisses erhebliches Mindestmass erreicht (…). 4.2.1 Bei der Wahl der Verteilungskriterien ist der Gleichbehand - lungsgrundsatz zwingend zu berücksichtigen. In der V ollzugsverordnung fehlt es an einer Konkre tisierung des Gleichbehandlungsgrundsatzes. Es ist mithin der Rechtsanwendung überlassen, die massgebenden Elemente zu konkretisieren. Dabei kann auf die im Verwaltungsrecht entwickelten Grundsätze abgestellt werden. Massgebend ist, dass keine Unter schei- dungen getroffen werden, für die ein vernünftiger Grund in den zu re - gelnden Verhältnissen nicht ersichtlich ist; Unterscheidungen, die sich aufgrund der Verhältnisse aufdrängen, dürfen nicht unterlassen werden. Es muss mithin Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich be handelt werden (JACQUES-ANDRÉ SCHNEIDER, in: Jacques-André Schneider/Tho- mas Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.], BVG und FZG, Bern 2010, Rz. 8, 9, 11 und 16 zu Art. 53d BVG). (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 2011/20 BVGE / ATAF / DTAF 421 4.2.2 Gemäss Lehre und Rechtsprechung hat die Verteilung der freien Mittel nach objektiven Kriterien zu erfolgen, wobei diese dem V orsorge - gedanken entsprechen müssen. Die freien Mittel sollen denjenigen Versicherten zugutekommen, die zu ihrer Äufnung beigetrage n haben beziehungsweise für die sie geäufnet wurden. Unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung dürfen nur Kriterien berücksichtigt werden, die bei der Mehrheit der Begünstigten angewendet werden können. Zudem ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass nic ht dieselben Destinatäre direkt oder indirekt mehrfach begünstigt werden und es dadurch zu einer überproportionalen Besserstellung kommt. Soweit möglich sind bei der Festlegung und Gewichtung der Verteilungskriterien die Herkunft der freien Mittel und der Zeitpunkt der Äufnung zu berücksichtigen. Als Kriterien werden in der Praxis in erster Linie Dienstalter, Lebensalter, Deckungs- beziehungsweise Sparkapital, Lohnhöhe, Zivilstand und fami - lienrechtliche Verpflichtungen der Destinatäre verwendet ( HANS-ULRICH STAUFFER, Berufliche V orsorge, Basel/Genf/München 2005, Rz. 1162; JÜRG BRÜHWILER in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht , Soziale Sicherheit, Bd. XIV , 2. Aufl, 2007, S. 2012, Rz. 37; VETTER-SCHREIBER, BVG-Kommentar, Rz. 16 und 19 zu Art. 53d i. V. m. Rz. 22 und 23 zu Art. 53b BVG; ROLF WIDMER, in: Hans Schmid [Hrsg.], Aufteilung der freien Stiftungsmittel. Teilliquidationen von V orsorgeeinrichtungen, Bern 2000, S. 62 f.; BRÜHWILER, a. a. O., S. 2012 Rz. 37). 4.2.3 Die Verteilung erfolgt idealerweise proporti onal nach einem Punktesystem, in welches die verschiedenen Verteilungskriterien ein - fliessen. Die folgenden Gewichtungen der Verteilungskriterien wurden nach Lehre und Rechtsprechung als angemessen qualifiziert: Sparkapital, Alter, Zugehörigkeit zum Betrieb sowie Lohn zu je 25 %; ferner Lohn zu 10 % und die Kriterien Zugehörigkeit zum Betrieb, familiäre Unter stüt- zungspflichten, Lebensalter, vorhandenes Sparkapital zu je 20 % (ergibt allerdings nur 90 %; vgl. BGE 128 II 394 E. 4.2; UELI KIESER in: Jacques-André Schneider/Thomas Geiser/Thomas Gächter [Hrsg.], BVG und FZG, Bern 2010, Rz. 55–57 zu Art. 53d BVG; CARL HELBLING, Per- sonalvorsorge und BVG, 7. Aufl., Bern 2000, S. 276). Als zulässige Ermessensausübung des Stiftungsrates wurde erachtet, bei der Bestimmung der Verteilungskriterien eine gewisse Betriebstreue zu honorieren und deshalb nur Personen mit mindestens fünf Dienstjahren in den Verteilungsplan einzubeziehen (Urteil der Eidgenössischen Be - schwerdekommission BVG vom 16. Februar 1999 in: SVR 2001 – BVG Nr. 14, E. 4a). 2011/20 (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 422 BVGE / ATAF / DTAF Als unzulässig wurde hingegen ein Mindestalter von 40 Jahren und eine Betriebszugehörigkeit von 10 Jahren qualifiziert, da dies den Ausschluss eines Grossteils der Destinatäre zur Folge gehabt hätte. Für die Wahl solcher Kriterien bestanden keine triftigen sachlichen Gründe, weshalb sie gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstiessen (Urteil des Bundesgerichts vom 3. April 1998 in: SZS 2000 S. 445). 4.3 Im vorliegenden Fall sieht das Liquidationsreglement vor, dass das S parkapital mit der Anzahl Dienstjahre multipliziert wird. Davon würden unbestrittenermassen vor allem die langjährigen Mitarbeiter profitieren, was für sich allein betrachtet noch nicht gegen den Gleich - heitsgrundsatz verstossen würde. Durch die Multiplik ation der Verteilungskriterien Dienstalter und Spar - kapital erhalten jedoch bei der C. (mit insgesamt 92 Destinatären) 6 von 33 Destinatären mit jeweils mehr als 5 Dienstjahren 67,5 % der freien Mittel, dies bei Anteilen von 26 % der Dienstjahre und 34 % d es Spar - kapitals. Bei der E. (mit insgesamt 64 Destinatären) erhalten durch diese Multiplikation 8 von 17 Destinatären mit jeweils mehr als 5 Dienstjahren 85,7 % der freien Mittel, dies bei Anteilen von 50 % der Dienstjahre und 29 % des Sparkapitals (…). Die Multiplikation der Kriterien Dienstjahre und Sparkapital bewirkt somit eine weit überproportionale Begünstigung jener weniger Mitar bei- tenden, die ein hohes Sparkapital und zugleich eine hohe Anzahl von Dienstjahren aufweisen. Sie begünstigt überdies d iejenigen Mitarbeiten - den überproportional, die bei gleicher Anzahl an Dienstjahren ein hö he- res Sparkapital aufweisen. Entgegen den Aussagen der Beschwerde füh- rerin profitieren somit von dieser Regelung nicht alle langjährigen Mit - arbeitenden gleicherma ssen, sondern insbesondere eine kleine Grup pe langjähriger Mitarbeitender, die einen verhältnismässig hohen Lohn bezogen hat. Die Multiplikation der Kriterien Sparkapital und Dienstjahre verstösst somit gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung, da einige wenige Des- tinatäre zulasten der überwiegenden Mehrheit überproportional bevor - zugt werden. Ferner wird auch die Verteilung der freien Mittel nach Massgabe des Anteils an der Äufnung in unverhältnismässiger Weise ver- hindert. 4.4 (…) (Teil-)Liquidation von Vorsorgeeinrichtungen 2011/20 BVGE / ATAF / DTAF 423 4.5 Die V orinstanz hat das Liq uidationsreglement und die Vertei - lungspläne aus den erwähnten Gründen zu Recht nicht genehmigt, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.