B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-75/2011 U r t e i l v o m 1 6 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 28. Oktober 2010 / N (…). E-75/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein aus Jaffna, Nordprovinz, stammender Tamile – reichte mit Eingabe vom 20. März 2010 (Eingang Botschaft: 26. März 2010) bei der Schweizer Botschaft in Colombo ein Asylgesuch ein und machte dabei geltend, aufgrund seines langjährigen Einsatzes (1998 bis 2009) in verschiedenen internationalen Hilfsorganisationen im nord- srilankischen Kriegsgebiet von Vanni werde er bis heute durch die sri - lankische Regierung verfolgt. Im Oktober 2008, als die sri -lankischen Streitkräfte Kilinochchi eingenommen hätten und gleichzeitig immer mehr Helfer das Kriegsgebiet hätten verlassen müssen, habe er die Verantwor- tung für den Abzug der Hilfsorganisation sowie die Betreuung der lokalen Zivilbevölkerung bis zur Beendigung des Kriegs übernommen. Im April 2009 habe er sich mit seiner Familie in die vermeintlich als sicher b e- zeichnete Umgebung von [Ortschaft] begeben, wo sich im Mai 2009 in- dessen weitere schwere Gefechte ereignet hätten und mehrere Tausend Zivilpersonen ums Leben gekommen seien. Infolgedessen habe er mit seiner Familie das Bürgerkriegsgebiet verlassen, wobei er in jenem Zei t- punkt von der Presse gefilmt resp. fotografiert worden sei. Im armeeko n- trollierten Gebiet seien sie dur ch Regierungstruppen verhört und einem IDP-Camp ( [Name]) zugewiesen worden, welches sie am 29. Oktober 2009 dank des öffentlichen Druckes seitens Menschenrechtsorganisatio- nen wieder hätten verlassen können. Die sri-lankischen Sicherheitskräfte würden ihm vorwerfen, er habe während seiner Tätigkeit als Kriegshelfer die LTTE direkt bzw. indirekt unterstützt, und die jeweiligen verschiedenen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) hätten mit allen Mitteln und mit Hilfe aus dem Ausland den Krieg der LTTE gegen di e Regierung geför- dert. Gemäss Beschwerdeführer würde die sri -lankische Regierung be- fürchten, dass er Informationen über die Situation im Vanni und über die Ereignisse der letzten Kriegszeit weitergeben würde. Das Intelligence Bu- reau of Sri Lanka Army habe zudem von ihm verlangt, seine Kenntnisse über die Handlungen der sri -lankischen Soldaten für sich zu behalten , und ihm mitgeteilt, dass sie seine künftigen Aktivitäten überwachen wü r- den. Zu strengeren Massnahmen würden sie wegen seiner Position in der INGO (International Non -governmental Organization) nicht greifen kö n- nen. Seit seinem Rückzug aus dem Kriegsgebiet bis zur Einreichung sei- nes Asylgesuchs sei er mehrere Male in s Armeecamp vorgeladen und verhört worden. Ferner habe er in Jaffna nachts Anrufe von unbekannten Personen erhalten, die ihm und seiner Familie mit dem Tod gedroht hät- ten. E-75/2011 Seite 3 Zur Stützung seines Asylgesuch reichte der Beschwerdeführer folgende Beweismittel (jeweils in Kopie) zu den Akten: - CD-Rom mit Videoreportage aus dem sri-lankischen Fernsehen [Sen- dername], worin der Beschwerdeführer vorkommt; - Undatierte Fotos des Beschwerdeführers beim Verlassen der Krieg s- zone; - Bestätigung über die Freilassung des Beschwerdeführers und seiner Familie aus dem [IDP-Camp], datierend vom 30. Oktober 2009; - Englischsprachige resp. sri -lankischsprachige Registrierung des B e- schwerdeführers und seiner Familie durch die sri -lankischen Sicher- heitskräfte, datierend vom (…) November 2009; - Referenzschreiben von Privatpersonen: (…) vom 20. April 2010, (…) vom 26. April 2010, (…) vom 26. April 2010; - Arbeitszeugnisse von NGOs: Oxfam (Human Resources Colombo) vom 3. November 2009, Oxfam ( […] Distrikte) vom 1. November 2008, Oxam ( […] Distrikt) vom 7. August 2009, Bridge Asia Japan vom 29. Juli 2006, World Vision vom 14. März 2007, Consortium of NGO vom 30. August 2005, Oxfam (…) vom 10. Februar 2010; - Frontseite einer Zeitung mit Abbildung des Beschwerdeführers wä h- rend seines Abz ugs aus dem Kriegsgebiet, datierend vom 31. D e- zember 2009. B. Mit Antwortschreiben vom 31. März 2010 bestätigte die Schweizer Bo t- schaft den Eingang des Asylgesuchs und forderte den Beschwerdeführer auf, seine Asylgründe zu präzisieren und detailliertere Informationen ab- zugeben. C. Mit Eingabe vom 3. Mai 2010 (Eingang Botschaft: 7. Mai 2010) führte der Beschwerdeführer ergänzend zu seinem Asylgesuch aus, er sei während des Bürgerkriegs dreizehn Jahre lang für verschiedene NGOs wie Méde- cins sans Frontières , Bridge Asia Japan, World V ision oder Oxfam tätig gewesen. Er sei Zeuge der Ereignisse im Vanni in der letzten Kriegszeit. Nach Beendigung des Krieges hätten zunehmend mehr Helfer aufgrund E-75/2011 Seite 4 des Druckes seitens der sri-lankischen Armee ihr Einsatzgebiet verlassen und seien aus Sri Lanka geflüchtet . Gemäss Informationen von [Sender- name] seien alle Non -Profit-Helfer verdächtigt und verfolgt worden. Für die Regierungs- und Paramilitärtruppen sei er ein bekanntes Gesicht, da er viele Jahre im Einsatz gewesen sei. Man verdächtige ihn, die LTTE un- terstützt zu haben und Kenntnisse über die LTTE zu besitzen. I n der Tat besitze er auch wichtige Geheimdokumente und -videos der LTTE. Er er- suchte um die Möglichkeit, seine Situation anlässlich einer persönlichen Anhörung, unter Vorlegung von wichtigem Beweismaterial, konkreter dar- zulegen. D. Die Botschaft forderte in ihrem Schreiben vom 10. Juni 2010 den B e- schwerdeführer erneut zur Beantwortung spezifischer Fragen zu seinem Asylgesuch auf. E. Mit Eingabe vom 2. Juli 2010 (Eingang Botschaft: 7. Juli 2010 ) hielt der Beschwerdeführer fest, nie LTTE-Mitglied gewesen zu sein und sich auch politisch nie engagiert zu haben. Während seines Aufenthaltes im IDP - Camp habe ihn die sri -lankische Armee unzählige Male verhört. Seine persönlichen Dokumente seien an die Armee in Jaffna weitergeleitet wor- den. Er habe einen Aufenthaltsausweis für Internally Displaced Persons (IDPs) erhalten mit der Auflage, Jaffna nicht zu verlassen. Am 30. Oktober 2009 sei er schliesslich vom [IDP-Camp] nach Jaffna entlassen worden. Am 2. N ovember 2009 sei er sodann durch die Armeeeinheit in Jaffna vorgeladen und unter Folterungen angehört worden. Es hätten während den letzten sechs Monaten 20 Verhöre stattge funden. Darüber hinaus würden ihn unbekannte Gruppen in einem weissen Van zuhause aufsu- chen und bedrohen. Der Beschwerdeführer führte dieses gegen ihn gerichtete rigide Vorgehen der Regierung auf seinen langjährigen Einsatz als Kriegshelfer zurück. Die sri -lankischen Behörden würden ihn insbesondere wegen seiner wichtigen Position [Stellenbezeichnung] in einer INGO als direkte n bzw. indirekten Unterstützer der LTTE verdächtigen. Hinzu komme, dass er in seiner Rolle als Kriegshelfer in mehreren Videobeiträgen erschein e und als Zeuge der Kriegsverbrechen eine Gefahr für die sri -lankische Regie- rung darstelle. F. E-75/2011 Seite 5 Mit Schreiben vom 15. September 2010 lud die Schweizer Botschaft den Beschwerdeführer zu einer Befragung über dessen Asylgründe in die Räumlichkeiten der Botschaft ein. G. Am 27. September 2010 fand eine Anhörung des Beschwerdeführers durch die Schweizer Botschaft in Colombo statt. Dabei brachte der B e- schwerdeführer insbesondere vor, er habe die LTTE entgegen der B e- hauptung der sri -lankischen Regierung während seines 13 -jährigen Ein- satzes weder jemals unterstützt noch begünstigt. Seit seiner Freilassung aus dem IDP -Camp sei ihm eine Meldepflicht auferlegt worden und bis zum Zeitpunkt der Befragung sei er bereits zehnmal im militärischen L a- ger unter Gewaltanwendung verhört worden . Man befrage ihn bezüglich seiner genauen Tätigkeit während des Krieges. Gemäss Anordnung des Militärs bzw. Paramilitärs dürfe er seinen aktuellen Aufenthaltsort nicht verlassen und es werde ihm unter Gewaltandrohung verboten, mit Drit t- personen über seine Erlebnisse und Beobachtungen im Krieg zu spr e- chen (Befragun gsprotokoll A7/12, S. 6). Als er einmal eine r Vorladung keine Folge geleistet habe, sei er zuhause aufgesucht und verhört wor- den (Befragungsprotokoll A7/12, S. 7) . Hinzu komme, dass seit vier Mo- naten unbekannte Männer ihn mehrere Male zuhause aufsuchen würden und ihn ebenfalls unter Gewaltandrohung der LTTE -Unterstützung be- schuldigten (Befragungsprotokoll A7/12, S. 8). H. Mit Schreiben vom 28. September 2010 überwies die Schweizer Bo t- schaft die Verfahrensakten des Beschwerdeführers an das BFM mit dem Hinweis, dass es sich vorliegend um einen prioritären Fall handle. I. Mit BFM -Verfügung vom 28. Oktober 2010 wurde die Einreise des B e- schwerdeführers in die Schweiz verweigert und sein Asylgesuch abg e- lehnt. Zur Begründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus , der Beschwerdeführer sei am 29. Oktober 2009 offiziell aus dem [IDP-Camp] entlassen worden und sei anschliessend einer Meldepflicht unterstellt worden, wobei er regelmässig an Anhörungen im Armeestützpunkt habe teilnehmen müssen. Seit seiner Freilassung sei es aber – abgesehen von den regelmässigen Befragungen – zu keiner erneuten Festnahme g e- kommen. Der Beschwerdeführer sei demnach insgesamt nicht schutzbe- dürftig im Sinne des Asylgesetzes, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen und seine Einreise in die Schweiz nicht zu bewilligen sei. E-75/2011 Seite 6 J. Mit Schreiben vom 25. November 2010 liess die Schweizer Botschaft dem BFM den Zustellungsnachweis (Empfang durch den Beschwerdefüh- rer: 10. November 2010) der vorinstanzlichen Verfügung. K. Mit Rechtsmitteleingabe vom 28. November 2010 (Eingang Botschaft: 2. Dezember 2010, Eingang Bundesverwaltungsgericht: 6. Januar 2011 ) wurde die vorinstanzliche Verfügung durch den Beschwerdeführer ang e- fochten. Die Beschwerdeschrift enthielt neben einem kurzen deutsc h- sprachigen Begleitschreiben einen dreiseitigen in sri -lankischer Sprache handschriftlich verfassten Teil. L. Die Instruktionsrichterin liess die handschriftlich in sri -lankischer Sprache verfasste Beschwerdebegründung vom 28. November 2010 über den ge- richtsinternen Übersetzungsdienst von Amtes wegen in die deutsche Sprache übersetzen. Am 14. Januar 2011 wurde die Übersetzung per Email zugestellt und mit Übertragung in eine Aktennotiz vom 17. Januar 2011 in das Verfahrensdossier aufgenommen. Auf entsprechenden Aus- führungen wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eing e- gangen. M. Mit Instruktionsverfügung vom 18. Januar 2011 nahm das Bundesverwa l- tungsgericht die Beschwerde als fristgerechte Rechtsmitteleingabe en t- gegen, verzichtete aufgrund der Aktenlage auf di e Erhebung eines Ko s- tenvorschusses und bot dem BFM Gelegenheit zur Einreichung einer Vernehmlassung zur Beschwerde. N. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 11. Februar 2011 fest, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel enthalte, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfer- tigen könnten. Trotzdem sei auf die widersprüchlichen Angaben in der Beschwerdeschrift hinzuweisen. So habe der Beschwerdeführer bei der Befragung erklärt, nie mit Journalisten gesprochen zu haben, während er in der Beschwerdeschrift dagegen angegeben habe, dass er den Journa- listen durch das Militär vorgegebene Angaben habe machen müssen. Im Übrigen verwies es auf seine Erwägungen und beantragte die Abweisung der Beschwerde. E-75/2011 Seite 7 O. Der Beschwe rdeführer machte in einer weiteren Eingabe – verfasst in Tamilisch, mit englischer Übersetzung – vom 8. November 2011 (Datum sri-lankischer Poststempel; Eingang Botschaft: 10. November 2011, Ei n- gang Bundesverwaltungsgericht: 18. November 2011) weitere aktu elle Asylgründe geltend. Auf die genauen Ausführungen wird in den nachst e- henden Erwägungen eingegangen. P. Mit Instruktionsverfügung vom 15. April 2013 wurde dem Beschwerdefüh- rer im Hinblick auf die bevorstehende Urteilsfällung letztmalig Gelegen- heit geboten, allfällig weitere Beweismittel oder Vorbringen einz ureichen. Gleichzeitig wurde er aufgefordert, zur vori nstanzlichen Vernehmlassung und zu diversen in der Verfügung aufgeführten Zusatzfragen des Gerichts Stellung zu nehmen. Q. Mit Schreiben vom 19. Juni 2013 teilte die Schweizer Botschaft in Colom- bo dem Gericht mit, dass die Instruktionsverfügung vom 15. April 2013 dem Beschwerdeführer gegen Unterzeichnung eines Empfangsscheins erfolgreich übermittelt worden sei; hingegen sei eine fristgerechte Stel- lungnahme bis dato ausgeblieben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht v or. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend , endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). E-75/2011 Seite 8 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Soweit die Ein- gaben nicht in einer Amtssprache des Bundes verfasst sind, wurde pr a- xisgemäss von Amtes wegen eine Übersetzung veranlasst, wobei auf e i- ne Übersetzung der englischsprachigen Eingaben verzichtet wurde. Der Beschwerdeführenden ha t am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist d aher zur Einreichung der Beschwerde legitimie rt (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Das Parlament hat am 28. September 2012 gestützt auf Art. 165 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) Teile der neuesten Revision des AsylG in der Form eines dringlichen Bundesgesetzes erlassen; die entsprechenden Gesetzesbestimmungen sind am 29. September 2012 in Kraft getreten. Von der Gesetzesänderung sind auch die Bestimmungen betreffend Ste l- len eines Asylgesuches im Ausland betroffen; diese Möglichkeit ist fortan nicht mehr gegeben, da die entsprechenden Regelung en mit dem neuen Gesetz aufgehoben wurden. Gemäss den Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 28. September 2012 gelten jedoch für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten dieser Gesetzesänderung gestellt wurden, die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung weiter. Für das vorliegende, bereits vor dem Stichtag (29. September 2012) anhängig gemachte Asylgesuch ist somit weiterhin das bisherige Recht anzuwenden. 4. 4.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft ma chen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zu gemutet werden kann. Glaubhaft gemacht ist eine Tatsache, wenn die Behörde ihr Vorhan-E-75/2011 Seite 9 densein mit überwiegender Wahrschein lichkeit für gegeben hält. Un - glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punk ten zu wenig begründet oder in sich wider sprüchlich sind, den Tatsa chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit- tel abgestützt werden (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). 4.2 Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zu gemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine unmitt elbare Ge fahr für Leib und Le ben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.3 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforde r- lichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Bezi e- hungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch e i- nen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die p rakti- sche Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit der anderweitigen Schut z- suche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmög- lichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzb edürftigkeit der betroffenen Pe r- son, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). 5. 5.1 Das BFM stellte in seiner ablehnenden Verfügung fest, dass der B e- schwerdeführer in seinem Heimatstaat nicht akut gefährdet und damit nicht schutzbedürftig im Sinne von Art. 3 AsylG sei, weshalb die Einreise in die Schweiz n icht bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt wurde. Das BFM hielt namentlich fest , dass der Beschwerdeführer am 29. Oktober 2009 offiziell aus dem [IDP-Camp] entlassen und seither nicht mehr ve r- haftet worden sei . Er sei zwar einer Meldepflicht unterstellt w orden und sei zu seinen Verbindungen zu den LTTE befragt worden. Angesichts sei- ner Freilassung sei indessen nicht davon auszugehen, dass die sri - lankischen Behörden ihm die Mitgliedschaft bei den LTTE vorgeworfen E-75/2011 Seite 10 hätten. Seine Stellung als potenzieller Zeuge der Verbrechen in den letz- ten Kriegsmonaten habe ebenso wenig ein Verfolgungsinteresse bei den sri-lankischen Behörden ausgelöst. Der Beschwerdeführer sei lediglich kurz und scheinbar zufällig beim Verlassen der Kriegszone in einem V i- deobeitrag des [Fernsehsender] erschienen. Ansonsten seien keine we i- teren Kontakte mit den Medien gegeben. Es gebe im Übrigen keine Hi n- weise auf Verfolgungshandlungen der sri -lankischen Behörden gegen Zeugen der begangenen Kriegsverbrechen. Im Weiteren sei der B e- schwerdeführer durch seine Kontakte zu verschiedenen NGOs nicht in einem Ausmass exponiert, dass auf ein Verfolgungsinteresse der sri - lankischen Behörden zu schliessen wäre. Die fraglichen Verbindungen würden ihn vielmehr eher vor einer Verfolgung bewahren. Schliesslich seien die geltend gemachten Drohungen durch unbekannte Männer asy l- rechtlich unbeachtlich, da der Beschwerdeführer sich diesbezüglich an die sri -lankischen Behörden wenden könne. Gemäss Aktenlage bestü n- den keine Hinweise, welche auf eine Schutzunwilligkeit des sri-lankischen Staats schliessen liessen. 5.2 Der Beschwerdeführer machte in seiner Rechtsmitteleingabe vom 28. November 2010 geltend, entgegen den Erwägungen in der v o- rinstanzlichen Verfügung sei er aus rein strategischen Gründen durch das sri-lankische Militär freigelassen worden sei. Es sei ein Täuschungsm a- növer der "Militärterroristen" gewesen, ihn als Mittel zu benutzen, um dem internationalen Druck zu entkommen, zumal er wie bereits erwähnt in verschiedenen Medien erschienen s ei. Gegenüber Journalisten habe er unter Druckausübung regierungsstützende Angaben machen müss en. Er könne sich nun nicht plötzlich auf die Seite der Regierung stellen, da er der Wahrheit verpflichtet sei und damit zudem riskieren würde, vom tami- lischen Volk aus der Gesellschaft verstossen zu werden. Bezugnehmend auf seine Rechtsmitteleingabe vom 28. November 2010 teilte der Beschwerdeführer in einer weiteren Eingabe vom 8. November 2011 mit, in jüngster Zeit werde er von regierungstreuen Gruppierungen als 'Grease man' und als 'in kriminelle Machenschaften verwickelt' b e- schuldigt. Um ihnen zu entkommen, sei er nach [Ortschaft] geflüchtet und vorübergehend bei einem Freund untergekommen. Das sri-lankische Criminal Investigation Department (CID) fahnde nach ih m. Aufgrund die- ser Notlage ersuche er um wohlwollende Prüfung seiner Beschwerde. E-75/2011 Seite 11 5.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob das Bundesamt zu Recht eine unmi t- telbare Gefahr im Sinne von Art. 20 AsylG verneinte und die Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz verweigerte. 5.3.1 Der Beschwerdeführer brachte in seinem Asylgesuch sowie anläs s- lich der mündlichen Anhörung vor, aufgrund seines langjährigen Eng a- gements im Kriegsgebiet würden die sri -lankischen Sicherheitskräfte ihn als LTTE-Unterstützer verdächtigen. Zudem sei e r wegen seiner Kenn t- nisse über die LTTE und als Zeuge der Kriegsverbrechen seitens des sri- lankischen Militärs sowie wegen seinem Medienauftritt im [Fernsehsen- der] dem sri-lankischen Staat ein Dorn im Auge. 5.3.2 Hinsichtlich des Vorbringens, die sri-lankische Regierung werfe dem Beschwerdeführer vor, er habe als Vertreter von NGOs die LTTE unte r- stützt, wird auf die ausführliche Lageanalyse des Bundesverwaltungsg e- richts im Grundsatzurteil vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24) hing e- wiesen. In diesem Entscheid wird eine erhebliche Verbesserung der Lage in Sri Lanka seit Beendigung des militärischen Konflikts zwischen der sri - lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 festgestellt. Militärisch wür- den die LTTE als vernichtet gelten, und auch die Sicherheitslage habe sich in bedeutsamer Weise stabilisiert. Politische Oppositionelle würden aber seitens der Regierung als Staatsfeinde betrachtet und müssten mit entsprechenden Verfolgungsmassnahmen rechnen. Angesichts der al l- gemein verbesserten Lage definierte das Gericht Per sonengruppen, wel- che einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen. Darunter würden unter anderem auch international und lokal tätige Vertreter von NGOs, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen respektive entspr e- chende Verstösse kritisieren, fallen. Die Repression gegen regierungskr i- tische Medienschaffende und Aktivisten habe seit Ende des Krieges kaum nachgelassen. Im Weiteren müssen nach Einschätzung des Bundesve r- waltungsgerichts Personen, die Opfer oder Zeuge der während oder nach dem Kon flikt begangenen Menschenrechtsverletzungen geworden sind, mit Repressalien bzw. Verfolgungshandlungen seitens der sri -lankischen Sicherheitskräfte rechnen. Vorliegend hätten sri-lankische Armeeangehö- rige dem Beschwerdeführer vorgehalten, als NGO-Angestellter im Krieg die LTTE unterstützt zu haben, und es ist gestützt auf das Grundsatzurteil BVGE 2011/24 anzunehmen, dass er auch aufgrund seiner NGO - Tätigkeit und damit als Angehöriger einer Risikogruppe für mehrere M o- nate in IDP -Camps gefangen gehalten wurde. Der Beschwerdeführer scheint von den sri-lankischen Behörden somit tatsächlich verdächtigt worden zu sein und war in diesem Zusammenhang bedauerlicherweise E-75/2011 Seite 12 entsprechenden militärischen Massnahmen ausgesetzt. Indessen dauerte seine Gefangenschaft im IDP-Camp lediglich von (…) 2009 bis (…) 2009. Danach sei er einer Schweigepflicht unterstellt worden, um eine allfällige Informationsweitergabe der erlebten Kriegsereignisse an die Öffentlichkeit zu verhindern. Es darf daher geschlossen werden, dass die sri-lankischen Behörden den Beschwerdeführer nach dessen Freilassung nicht mehr als potenzielle Gefahr für die sri -lankische Regierung einstuften. Es kann auch festgehalten werden, dass dem Beschwerdeführer, wie aus den A k- ten hervorgeht, im Juni 2010 ein Reisepass ausgestellt worden ist. Gegen die vorstehenden Ausführungen hält auch der auf Beschwerdeebene e r- hobene Einwand, die Freilassung stelle lediglich ein en strategischen Schritt des Militärs zum Aufbau seiner geschädigten Reputation dar, nicht stand. Denn hätte tatsächlich ein konkreter Verdacht vorgelegen, so wäre der Beschwerdeführer mit Sicherheit weiterhin festgehalten worden. Hin- zu kommt, dass der Beschwerdeführer wiederholt geltend gemacht hat, bis zum heutigen Tag selber nie aktiv für die LTTE tätig ge wesen zu sein (vgl. Eingabe vom 2. Juli 2010 A5/3 S. 1; Befragungsprotokoll A7/12 S. 4). Zwar macht der Beschwerdeführer geltend, selbst nach seiner Entla s- sung aus dem Camp regelmässig militärischen Verhören ausgesetzt g e- wesen zu sein. Dieses Vorgehen könnte angesichts der nicht weit zurück- liegenden Bürgerkriegszeit vielmehr als über die Kriegszeit hinaus da u- ernde Sicherheitsmassnahme seitens der sri-lankischen Regierung gese- hen werden und scheint nicht in erster Linie aufgrund eines erhärteten Verdachts gegen den Beschwerdeführer erfolgt zu sein, hätte er doch an- sonsten jederzeit verhaftet werden können. Weiter fällt auf, dass der Beschwerdefüh rer sich zu den vorstehenden Vorbringen letztmals am 28. November 2010 geäussert hat , während er in seiner nächstfolgenden Eingabe vom 8. November 2011 neu e Vorbrin- gen geltend macht (siehe nachfolgender Absatz E. 4.3.3) . Seither hat er sich mit keinen weiteren Schreiben mehr an die Botschaft gewandt. Selbst der mit Instruktionsverfügung vom 15. April 2013 ergangenen (und durch Vermittlung der Schweizer Botschaft erfolgreich zugestellten) Auf- forderung des Gerichts, er solle zu seiner heutigen Situation und zur Ver- nehmlassung der Vorinstanz Stellung nehmen, hat er nicht Folge gelei s- tet. Seit den letztmals geltend gemachten Verfolgungshandlungen durch die sri -lankischen Armeeangehörigen sind rund zweieinhalb Jahre ve r- gangen. Vorliegend kann daher nicht mehr von einer aktuellen Verfo l- gungssituation gesprochen werden . Die Schutzbedürftigkeit des B e- schwerdeführers ist zum heutigen Zeitpunkt folglich zu verneinen. E-75/2011 Seite 13 5.3.3 In seiner letzten Eingabe vom 8. November 2011 machte der B e- schwerdeführer neu geltend, er werde von regierungstreuen Gruppierun- gen als 'grease man' bezeichnet und wegen krimineller Handlungen be- schuldigt. Diese Vorbringen sind ebenso wenig geeignet, eine Änderung der angefochtenen Verfügung zu bewirken . Der Beschwerdeführer ver- mochte seine neuen Vorbringen mangels substanziierter Ausführungen und schriftlicher Beweismittel nicht glaubhaft darzulegen. Die fragl ichen Ereignisse lassen auch keinen Zusammenhang mit den bisherigen Ve r- folgungsvorbringen erkennen. Aufgrund der unklaren Umstände und der undifferenzierten und äusserst knappen Schilderung kann nicht auf eine Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers geschlossen werden. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer sich seit der fraglichen Eingabe vor über eineinhalb Jahren nicht mehr an die Botschaft gewandt hat. Auch bezüglich diesem Vorbringen ist bereits aufgrund der fehlenden Aktualität der Verfolgungsha ndlungen eine aktuelle Schutzbedürftigkeit des B e- schwerdeführers zu verneinen. 5.4 Nach dem Gesagten kann von keinen Nachteilen ausgegangen we r- den, die den weiteren Verbleib des Beschwerdeführers in seinem He i- matstaat als unzumutbar erscheinen oder die gar auf eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben schliessen lassen. Es ist zusammenfassend festzustellen, dass aufgrund der Akten nicht davon auszugehen ist, er sei in Sri Lanka akut gefährdet. Die Schutzbedürftigkeit des Beschwerdefü h- rers im Sinne von Art. 20 i.V.m. Art. 3 AsylG ist mithin als nicht gegeben zu qualifizieren. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die Einreise des B e- schwerdeführers verweigert und sein Asylgesuch abgewiesen. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Aus verwaltungsök o- nomischen Gründen und in Anwendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist im vorliegenden Falle allerdings auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. E-75/2011 Seite 14 (Dispositiv nächste Seite) E-75/2011 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die schweize- rische Vertretung in Colombo. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Lhazom Pünkang Versand: