Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. März 2012 ( 720 11 308 / 81) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilflosenentschädigung mittleren Grades bei Paraplegie; Swisstrac als Hilfsmittel Besetzung Präsidentin Eva Meuli Ziegler, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Michael Bütikofer, Rechtsanwalt, Plänkestrasse 32, Postfach, 2501 Biel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A. Die 1965 geborene A.____ erlitt beim Skifahren 19 84 einen Sturz auf den Rücken, in dessen Folge sie an einer Steifhaltung der Wirbelsäule zu leiden begann. Ab 1988 kam es zu einer zunehmenden Schwäche und zu einer vollständigen Anästhesie der Beine. Seit 1989 zeigte sich schliesslich das Bild einer vollständigen Querschnittsläsion mit Paraplegie ab L1. B. Mit Gesuch vom 20. März 1989 meldete sich die Versiche rte zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. Mit Wirkung ab 1. J uni 1988 wurde ihr eine halbe IV-Rente zugesprochen. Mit Gesuch vom 7. März 2001 meldete sie sich b ei der IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) zum Bezug einer Hilflosenentsch ädigung (HE) an. Die in der Folge durchgeführte Abklärung vor Ort ergab, dass die Versichert e seit 1987 in vier alltäglichen Le- Seite 2 bensverrichtungen auf Hilfe angewiesen ist. Die IV-Stel le sprach ihr gestützt auf diese Abklä- rungsergebnisse mit Verfügung vom 14. Juni 2001 eine HE mittleren Grades ab 1. März 2000 zu. C. Im Jahr 2008 überprüfte die IV-Stelle die Hilflosi gkeit und hielt mit Mitteilung vom 14. April 2008 fest, dass keine anspruchsbeeinflussende Än derung vorliege, weshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige HE mittleren Grades bestehe. Am 12. April 2011 leitete die IV-Stelle eine weitere Revision der HE ein. Die zwecks Überprüfung der massgebenden Verhältnisse am 5. Mai 2011 durchgeführte Haushaltabklärung vor Ort er gab, dass die Versicherte nur noch in zwei alltäglichen Lebensverrichtungen auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen sei. Mit Verfügung vom 25. August 2011 reduzierte die I V-Stelle revisionsweise die bisher aus- gerichtete HE mittleren Grades auf eine solche leichten Grades. D. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertre ten durch Michael Bütikofer, Rechtsanwalt, am 9. September 2011 Beschwerde beim Ka ntonsgericht Basel-Landschaft, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und be antragte, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 25. August 2011 mit soforti ger Wirkung eine HE mittleren Gra- des auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur erneuten Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung liess sie zusammenfassend vorbri ngen, dass sie gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung in der Teilfunktion Au fstehen als hilflos zu gelten habe. Folglich sei die Hilflosigkeit in der alltäglichen Leb ensverrichtung Aufstehen / Absitzen / Ablie- gen zu bejahen. Ebenso halte das Bundesgericht in s tändiger Rechtsprechung fest, dass ein Paraplegiker im Bereich der Fortbewegung zum Vornherein als hilflos anzusehen sei. Dies gelte selbst dann, wenn er über ein von der IV finanziertes Au tomobil verfüge. Obschon ihr für die Fortbewegung mittels Rollstuhls ein elektrisches Zuggerät in Form eines Swisstrac zur Verfü- gung stehe, sei sie ausser Haus nach wie vor in erheblich er Weise auf Dritthilfe angewiesen. Der Umstand, dass das Swisstrac die Fortbewegung zuweilen erleichtere, ändere daran nichts. E. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 23. Dezem ber 2011 auf Abweisung der Beschwerde. Als Begründung machte sie im Wesentlichen g eltend, dass die Beschwerdeführe- rin im Rahmen der Haushaltsabklärung angegeben habe, im Bereich Aufstehen / Absitzen / Abliegen nicht mehr auf Dritthilfe angewiesen zu sein . Die Abklärungsperson habe mehrmals nachgefragt und die Versicherte habe daran festgehalte n, weshalb sie nunmehr bei ihren An- gaben zu behaften sei. Ebenso habe sie angegeben, da ss sie mittels Swisstrac in ihrer Wohn- sitzgemeinde frei unterwegs sein und selbständig gesellsch aftliche Kontakte pflegen könne. Diese Aussagen seien praxisgemäss stärker zu gewichten als sp ätere, anderslautende Erklä- rungen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die bisher ausgerichtete Hilflosenentschädigung mittleren Grades per 1. Oktober 2011 zu Recht auf ei ne solche leichten Grades herabgesetzt hat. Seite 3 1.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Nach Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist eine Per- son hilflos, die wegen der Beeinträchtigung der Gesund heit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Übe rwachung bedarf. Als hilflos gilt ebenfalls eine Person, welche zu Hause lebt und wegen der Beein trächtigung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist. Ist nur di e psychische Gesundheit beeinträch- tigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit mindestens ein Anspruch auf eine Viertelsrente gegeben sein. Ist eine Person lediglich dauernd auf leb enspraktische Begleitung angewiesen, so liegt immer eine leichte Hilflosigkeit vor (Art. 42 Abs. 3 IVG). 1.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwe rer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt als leicht , wenn die versicherte Person trotz der Abga- be von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Leben sverrichtungen regelmässig in erhebli- cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist; einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf; wegen einer schweren Sinnesschädigung oder ein es schweren körperlichen Gebre- chens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistun gen Dritter gesellschaftliche Kon- takte pflegen kann; oder dauernd auf lebenspraktische Be gleitung im Sinne von Art. 38 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961 angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a - e IVV). Die Hilflosigkeit gilt gemäss A rt. 37 Abs. 2 IVV als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln, in den meisten alltäglichen Lebensverrich- tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe D ritter angewiesen ist (lit. a); oder sie in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässi g in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauer nden Überwachung bedarf (lit. b); oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmä ssig in erheblicher Weise die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begl eitung im Sinne von Art. 38 IVG ange- wiesen ist (lit. c). 1.3 Nach ständiger Gerichtspraxis sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend: Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, A bliegen; Essen; Körperpflege; Ver- richtung der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme (BGE 130 V 343 E. 3.1 ff., 127 V 97 E. 3c, 125 V 303 E. 4a, 124 II 247 f.; Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG] vom 1. April 2004, I 815/03, E. 1). Weiter muss die Hilfe Dritter regelmässig und erheblich sein. Der Begriff der Erheblichkeit ist i n Relation zu setzen zum zeitlichen Auf- wand, den die Hilfsperson hat. Die Hilfe ist mithin insbesondere erheblich, wenn die versicherte Person mindestens die Teilfunktion einer einzelnen Leb ensverrichtung überhaupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes nicht vornehmen wür de (AHI-Praxis 1996 S. 170; ZAK 1981 S. 387). Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie d ie versicherte Person täglich benötigt (vgl. ZAK 1986 S. 484). Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, wird nach der Rechtsprechung nicht verlangt, dass die v ersicherte Person bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich, dass sie bei einer die- ser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe ange- wiesen ist (BGE 121 V 19 E. 3c). In diesem Sinne ist di e Hilfe beispielsweise bereits erheblich Seite 4 bei Fortbewegung und Kontaktaufnahme, wenn die versiche rte im oder ausser Haus sich nicht selber fortbewegen kann oder wenn sie bei der Kontakta ufnahme Dritthilfe benötigt. Solange durch geeignete Massnahmen bei einzelnen Lebensverrichtu ngen die Selbständigkeit erhalten werden kann, liegt diesbezüglich keine Hilflosigkeit vor (ZAK 1989 S. 215 E. 2b). 2. Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessu ng der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltu ng erforderlich. Der Arzt hat an- zugeben, inwiefern die versicherte Person in ihren körper lichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungsträge r kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen (BGE 130 V 61 f. E. 6.1.1 mit H inweis). Einem Abklärungsbericht an Ort und Stelle kommt - ausgehend von den in BGE 128 V 93 f. E. 4 entwickelten Voraussetzun- gen und unter Berücksichtigung der in AHI 2000 S. 319 f. E. 2b dargelegten Grundsätze zur Zusammenarbeit zwischen dem Arzt einerseits und der Verwaltung sowie dem Gericht anderer- seits - voller Beweiswert zu, wenn er folgenden Anford erungen genügt: Als Berichterstatterin bzw. als Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räum- lichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Medizine r gestellten Diagnosen sich erge- benden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten h at. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen oder deren Auswirkungen auf alltägli che Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zu lässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der die Pflege leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau- sibel, begründet und detailliert bezüglich der einzel nen konkret in Frage stehenden alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erforder nisse der dauernden persönli- chen Überwachung und der Pflege ausfallen. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Trifft al l dies zu, besitzt der Abklärungsbericht volle Beweiskraft. Das Gericht greift, sofern der Berich t eine zuverlässige Entscheidungsgrund- lage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Erm essen der abklärenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am k onkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 130 V 62 f. E. 6.2). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird - neben Rentenleistu ngen (Art. 17 Abs. 1 ATSG) - auch jede andere formell rechtskräftig zugesprochene Dauerl eistung von Amtes wegen oder auf Ge- such hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sach- verhalt nachträglich erheblich verändert hat. Diese Re gelung ist auch auf die Hilflosenentschä- digung anwendbar (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2003, S. 175). I m Bereich der Invalidenversicherung wird eine Revision von Amtes wegen durchgeführt, wenn sie im Hinblick auf eine mögliche erhebliche Änderung des Invaliditäts- oder Hilflosigkeitsgrades erfolgt oder wenn Tatsachen bekannt oder Massnahmen ang eordnet werden, die eine erhebli- che Änderung des Grades der Invalidität, der Hilflosigkei t oder des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes als möglich erscheinen lassen (Art. 35 Abs. 2 IVV in Verbindung mit Art. 87 Abs. 2 IVV). Bei einer Verminderung der Hil flosigkeit ist die den Anspruch beeinflussen- de Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu be- rücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie vorau ssichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem si e ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 IVV). Seite 5 Erheblich ist die Sachverhaltsänderung, wenn eine Ausw irkung auf den Leistungsanspruch er- folgt, wobei die Änderung des Anspruchs nicht bloss geri ngfügig sein darf (vgl. K IESER , a.a.O., S. 176). 3.2 Ob eine anspruchserhebliche Änderung gegeben ist, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskr äftigen Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Anspruchs mit rechtskonformer Sach verhaltsabklärung sowie Beweis- würdigung beruht, vorgelegen hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der Neubeurteilung (Urteil M. des EVG vom 6. November 2006, I 465/05, E. 5 ff. mit Hinweis auf BGE 130 V 71). 4. Aufgrund der Akten steht fest und ist zwischen den Par teien unbestritten, dass die Be- schwerdeführerin seit ihrer vollständigen Querschnittsläsion mit Paraplegie ab L1 im Jahre 1989 in den beiden Bereichen Körperpflege sowie Verrichtun g der Notdurft regelmässig in erhebli- cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und i n diesen Bereichen somit weiterhin als hilf- los anzusehen ist. Ebenso unbestritten und erstellt ist, dass in den Bereichen An- und Ausklei- den sowie Essen keine Hilflosigkeit vorliegt. Da sie unb estrittenermassen weder der dauernden persönlichen Überwachung noch der dauernden lebensprakt ischen Begleitung gemäss Art. 37 Abs. 2 lit. b und c IVV bedarf, verbleibt zu prüfen, wi e es sich mit den Lebensverrichtungen des Aufstehens, Absitzens und Abliegens einerseits sowie der Fortbewegung im und ausser Haus und der Kontaktaufnahme andererseits verhält. 5.1. Was die Lebensverrichtung Aufstehen, Absitzen und Ab liegen anbelangt, ist der Argumen- tation der Beschwerdeführerin zu folgen. Diese leidet ausweislich der Akten unstreitig an einer umfassenden Paraplegie und ist damit vollständig gehun fähig. Wie die Beschwerdeführerin zu- treffend darlegen lässt, hat sich das Eidgenössische Versicherungsgericht (nunmehr Bundesge- richt, Sozialrechtliche Abteilungen) bereits in BGE 11 7 V 146 E. 3b eingehend mit dem An- spruch auf HE von Paraplegikern befasst. Dabei hat es fe stgehalten, dass ein Paraplegiker in der Regel zwar noch aufstehen kann, in dieser Teilfunkti on aber als hilflos angesehen werden muss, weil er sich Dritten oder Gegenständen nicht zuwend en kann, sondern aufgrund der feh- lenden Muskulatur im Stehen vorab damit beschäftigt se i, sich im Gleichgewicht zu halten. Die Teilfunktion Aufstehen ist somit für den Paraplegiker nu tzlos und deshalb rechtlich gleich zu behandeln, wie wenn eine versicherte Person eine Teilf unktion nur noch auf eine unübliche Art und Weise ausführen kann (BGE 106 V 158 E. 2b). Die Einschränkung in diesem Teilbereich genügt für die Annahme einer Hilflosigkeit in der fra glichen Lebensverrichtung. Entgegen der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung sind di e von ihr diesbezüglich dargeleg- ten Transfers vom Bett auf den Rollstuhl, vom Rollstuhl auf die Couch sowie vom Rollstuhl ins Auto somit nicht von entscheidender Bedeutung. Daran ändert auch nichts, dass die Beschwer- deführerin im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 5. Mai 2011 vor Ort auf mehrfache Nach- frage der Abklärungsperson angegeben hat, im fraglichen Bereich nicht mehr auf Dritthilfe an- gewiesen zu sein (vgl. Abklärungsbericht Hilflosigkeit IV vom 11. Mai 2011; Stellungnahme zum Abklärungsbericht vom 27. Juli 2011). Im konkreten Fall d er Beschwerdeführerin muss auf der Linie der erwähnten Rechtsprechung des Bundesgerichts viel mehr als erstellt gelten, dass sie als vollständige Paraplegikerin seit 1989 in diversen, sonstigen Teilbereichen dieser Lebensver- richtung als hilflos zu gelten hat, weshalb den vorgenommenen Erhebungen der IV-Stelle für die HE in diesem Punkt nicht gefolgt werden kann. Zu denken ist beispielsweise an ein spontanes Abnehmen eines Telefons, wonach die Beschwerdeführerin gerade nicht in der Lage ist, sich Seite 6 alleine zum Telefon zu begeben. Auch wenn sie sich allenfalls alleine aus dem Bett in den Roll- stuhl setzen kann, ist überdies zu bedenken, dass eine Zu wendung hin zu alltäglichen Gegen- ständen im Haushalt nur mit Aufwand und insbesondere mi t einer massgebenden zeitlichen Verzögerung erfolgen kann. Es mag der Beschwerdeführer in somit zwar möglich sein, aufzu- stehen und sich in der Folge einem Gegenstand mittels B eihilfe ihres Rollstuhls zu nähern oder beispielsweise die Haustüre zu öffnen. Dessen ungeachtet stellt diese nur unter verzögerten und erschwerenden Umständen erbrachte Teilfunktion des Aufstehens eine unübliche Verrich- tung dar. In Anlehnung an die in diesem Bereich einsch lägige Rechtsprechung des Bundesge- richts folgt deshalb, dass die Anspruchsvoraussetzungen der H ilflosigkeit im Teilbereich des Aufstehens alleine infolge der vorliegenden vollständi gen Paraplegie erfüllt sind. Dies muss selbst dann gelten, wenn die Versicherte die fragliche V errichtung letztlich selbst ausüben kann und es damit an der effektiven Notwendigkeit einer Dri tthilfe fehlt. An diesem Umstand hat sich seit Eintritt der vollständigen Paraplegie im Jahre 1989 nichts geändert. In Abweichung von den fraglichen Erhebungen der Vorinstanz sind die Anspruchsv oraussetzungen der Hilflosigkeit im Lebensbereich Aufstehen, Absitzen und Abliegen daher unverändert als erfüllt anzusehen. 5.2 Hinzu tritt ein Nächstes: Wie eingangs erwähnt beu rteilt sich die Frage, ob eine an- spruchserhebliche Änderung der Hilflosigkeit in revisionsre chtlicher Hinsicht gegeben ist, durch den Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung vor- gelegen hat, welche ihrerseits auf einer materiellen Prüfung des Anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung sowie Beweiswürdigung beruht hat (vgl. oben, E. 3.2). Den Akten zufol- ge überprüfte die IV-Stelle die Hilflosenentschädigung der Versicherten letztmals im Jahre 2008 und hielt in ihrer Mitteilung vom 14. April 2008 fes t, dass weiterhin Anspruch auf eine HE mittle- ren Grades bestehe. Dieser Bescheid aber fusste auf keine rlei Abklärung vor Ort. Jedenfalls liegt den Akten kein vorangehender Abklärungsbericht od er ein entsprechender Fragebogen zugrunde. Es kann deshalb gerade nicht davon gesprochen w erden, dass die damalige Über- prüfung des HE-Anspruchs auf einer rechtsprechungsgemäss integral erforderlichen Sachver- haltsabklärung samt einer neuen Beweiswürdigung beruh t hätte. Eine solche rechtskonforme Abklärung der tatsächlichen Verhältnisse erfolgte vielm ehr - wie dies die zuständige Abklä- rungsperson in der Einleitung ihres neuerlichen Abklär ungsberichts vor Ort vom 5. Mai 2011 zutreffend festgehalten hat - letztmals anlässlich der erst maligen Abklärung vor Ort im April 2001 (vgl. Abklärungsbericht vom 4. April 2001), in de ren Folge der Versicherten mit Verfügung vom 14. Juni 2001 rückwirkend ab 1. März 2000 eine HE mit tleren Grads ausgerichtet worden war. Demnach ist mit Bezug auf den massgebenden Refere nzzeitpunkt für die vorliegend im Streit stehende Revision auf den Erlasszeitpunkt der urs prünglichen Verfügung vom 14. Juni 2001 abzustellen. Betreffend die Verrichtung Aufstehen , Absitzen und Abliegen ist nun aber zu berücksichtigen, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit diesem Verfügungser- lass im Jahre 2001 nicht verbessert, sondern eher verschlech tert hat (vgl. Arztbericht von Dr. B.____, C.____-Zentrum vom 2. November 2010; ärzt licher Fragebogen zur Revision der HE von Dr. B.____, C.____-Zentrum vom 19. April 2011, ad Ziffer 6, Prognose; ebenso Frage- bogen zur Revision der HE vom 4. April 2011, ad Ziffer 1.1). Hinsichtlich der gesundheitlichen Verfassung der Versicherten liegt somit keine erhebliche Verbesserung der tatsächlichen Ver- hältnisse vor, so dass es in der Lebensverrichtung Aufstehen, Absitzen und Abliegen sein Be- wenden mit einer fortbestehenden Hilflosigkeit zu haben hat. Seite 7 6.1 Im Weiteren lässt die Beschwerdeführerin rügen, di e IV-Stelle verkenne ihre Hilflosigkeit im Lebensbereich der Fortbewegung und Sozialkontakt. A ls Paraplegikerin sei sie im Bereich der Fortbewegung zum Vornherein als hilflos anzusehen. Obschon ihr für die Fortbewegung ein elektrisches Swisstrac zur Verfügung stehe, sei sie ausser Ha us nach wie vor in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen. Der Umstand, dass der Swisstrac die Fortbewegung zuweilen erleichtere, ändere daran nichts. Die IV-Stelle stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass die Versicherte anlässlich der Abklärung vor Ort angege ben habe, mittels des von der IV finanzierten Swisstracs in ihrer Wohnsitzgemeinde frei u nterwegs zu sein und selbständig ge- sellschaftliche Kontakte pflegen zu können. Diese Aussagen se ien praxisgemäss stärker zu gewichten als spätere, anderslautende Erklärungen. 6.2 Für die Beurteilung dieses Lebensbereichs ist ebenso darauf zu verweisen, dass sich die Frage, ob eine anspruchserhebliche Änderung der Hilfl osigkeit in revisionsrechtlicher Hinsicht gegeben ist, durch den Vergleich des Sachverhalts beurt eilt, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung vorgelegen hat (vgl. oben, E. 3.2). Die letzte rechtskonforme Abklä- rung der tatsächlichen Verhältnisse erfolgte anlässlich de r erstmaligen Abklärung vor Ort im April 2001 (vgl. Abklärungsbericht vom 4. April 2001), in deren Folge der Versicherten mit Ver- fügung vom 14. Juni 2001 rückwirkend ab 1. März 2000 ei ne HE mittleren Grads ausgerichtet worden war. Wie zuvor bereits erwähnt ist mit Bezug auf den massgebenden Referenzzeitpunkt für die vorliegend im Streit stehende Revision demnach auf den Erlasszeitpunkt der ursprüngli- chen Verfügung vom 14. Juni 2001 abzustellen (vgl. oben, Erwägung 5.2). Das in casu zu beur- teilende Hilfsmittel des Swisstracs war der Versicherten i ndessen bereits mit Mitteilung vom 1. Januar 2001, mithin noch vor dem für die vorliegen de Revision massgebenden Referenzzeit- punkt vom 14. Juni 2001 zugesprochen worden (vgl. Mitteil ung der IV-Stelle des Kantons Aar- gau vom 8. Januar 2001). Damit aber resultiert, dass si ch die massgebenden Verhältnisse in Form der Zusprache eines Swisstracs als Hilfsmittel mit Blick auf die sechste Lebensverrichtung der Fortbewegung und der Sozialkontakte ebenfalls nicht verändert haben. Eine revisionsweise Reduktion der HE ist deshalb auch hinsichtlich der sechste n Lebensverrichtung Fortbewegung und Sozialkontakte ausgeschlossen. 6.3 Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, wie es sich hinsichtlich der weiteren Vorbringen der Parteien verhält. Der Vollständigkeit halber blei bt jedoch anzufügen, dass das EVG in BGE 117 V 146 E. 3a hinlänglich festgehalten hat, dass ein Paraplegiker selbst dann, wenn er über ein von der IV finanziertes Automobil verfügt, bei der Fortbewegung ausser Haus, mithin in einer relevanten Teilfunktion der sechsten Lebensverrichtung, regelmässig in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen sei. Dieser Schluss folgt letzt lich aus der Überlegung, dass sich die Lebensverrichtung der Fortbewegung auf die Fortbewegun g zu Fuss bezieht, welche bei Pa- raplegikern naturgemäss nicht mehr möglich ist. Die Rech tsprechung geht seither in konstanter Praxis davon aus, dass ein Paraplegiker im Bereich der Fo rtbewegung zum Vornherein als hilf- los anzusehen ist, ohne dass geprüft werden müsste, ob eine Hilfsbedürftigkeit auch in anderen Teilfunktionen vorliegt (Urteil des EVG vom 30. April 2 002, I 784/01, E. 2b). Die Beschwerde- führerin ist infolge ihrer vollständigen Paraplegie vollständig gehunfähig, was bedeutet, dass sie - trotz ihrer im fraglichen Abklärungsbericht vom 11. M ai 2011 festgehaltenen guten Mobilität - beispielsweise mehrere, nacheinander folgende Treppen stufen oder hohe Trottoirabsätze nicht ohne fremde Hilfe meistern kann. Sofern keine rollst uhlgängige Infrastruktur vorhanden ist, muss sie die Hilfe einer Drittperson in Anspruch nehmen. Dies dürfte wiederkehrend auch im Seite 8 öffentlichen Nahverkehr oder auf Reisen, beispielsweise im Zug, der Fall sein. Daran ändert nichts, dass die Versicherte über das von der IV finanzier te Hilfsmittel eines Swisstrac verfügt. Auch wenn die entsprechende Zugmaschine (vgl. www.swisstra c.ch) das Fortkommen der Ver- sicherten im Alltag in diversen Belangen zweifelsohne e rleichtern mag, ist ihre Bewegungsfrei- heit im Wesentlichen nicht desto trotz stets von einer be hindertengerechten Infrastruktur ab- hängig, welche mit dem Swisstrac befahren werden kann . Eine solche scheint notorisch jedoch nicht regelmässig vorhanden zu sein. Zu denken ist beispie lsweise an hohe Bordsteinkanten, welche der Swisstrac nur beschränkt zu überwinden in der La ge ist. Ebenfalls dürfte es der Versicherten trotz ihres Swisstrac nicht möglich sein, versc hiedene, alltägliche Hindernisse wie beispielsweise Treppen zu überwinden, wodurch ihre Be wegungsfreiheit massgebend und wie- derkehrend eingeschränkt sein dürfte. 6.4 Auch wenn der Beschwerdeführerin als Paraplegikerin rechtsprechungsgemäss kein An- spruch auf Beseitigung aller Hindernisse zukommt, die der Kontaktaufnahme mit der Umwelt im Wege stehen (Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2010, 9C_197/2010, E.5), dürfte sich aus dem Umstand der Zusprache eines Swisstrac somit keine Beschränkung ihres Bewegungs- radius auf lediglich 500 Meter (vgl. Abklärungsbericht H ilflosigkeit IV vom 11. Mai 2011) bzw. auf die eigene Wohnsitzgemeinde ableiten lassen. Eine solche Einschränkung widerspräche nicht nur der Möglichkeit einer zeitgemässen und adäquate n Pflege und Wahrnahme sozialer Kontakte, sondern vereitelte in erheblichem Umfang ins besondere auch die Teilfunktion ihrer Fortbewegung. Zu denken ist an Freizeitbeschäftigungen mit Freunden und Bekannten wie bei- spielsweise Kinobesuche oder auswärtige Essen, die zwangswe ise auch ausserhalb des von der IV-Stelle postulierten Bewegungsradius stattfinden . Wie bereits erwähnt, braucht in casu jedoch nicht abschliessend beantwortet zu werden, ob die von der IV-Stelle erwähnten Vorzüge des Swisstrac etwas daran ändern können, dass die Beschwerde führerin infolge ihrer massge- benden Einschränkung in der Teilfunktion Fortbewegun g und mithin in der fraglichen Lebens- verrichtung insgesamt als weiterhin hilflos angesehen w erden muss (vgl. oben, Erwägung 6.3., a. A.). 6.5 Zusammenfassend erhellt jedenfalls, dass sich die tats ächlichen Verhältnisse seit der in revisionsrechtlicher Hinsicht massgebenden HE-Zusprache ge mäss Verfügung vom 14. Juni 2001 nicht verbessert, sondern eher verschlechtert haben. V on den im Abklärungsbericht für die HE erhobenen Erkenntnissen ist daher insoweit abzuweichen, als im Falle der Beschwerde- führerin eine Hilflosigkeit weiterhin auch in den Leb ensverrichtungen Fortbewegung sowie Auf- stehen, Absitzen und Abliegen zu bejahen ist. Daraus folgt, dass die Beschwerdeführerin in vier von sechs relevanten Lebensverrichtungen weiterhin als hilf los betrachtet werden muss, wes- halb die Voraussetzungen einer revisionsweisen Reduktion der HE nicht gegeben sind und ihr folglich weiterhin eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit mittleren Grades auszurichten ist. Die Beschwerde ist demnach in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 25. August 2011 vollumfänglich gutzuheissen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden Verfahrenskosten in der Regel der unter- liegenden Partei auferlegt; gegenüber der Vorinstan z bzw. den kantonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend di e Vorinstanz unterlegen ist, ist dem- Seite 9 nach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten und der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist der Beschwerde- führerin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten de r IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honora rnote vom 20. Februar 2012 für das vor- liegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 1 1 Stunden und Auslagen von insge- samt Fr. 50.-- ausgewiesen, was angesichts der sich stellend en Sachverhalts- und Rechtsfra- gen nicht zu beanstanden ist. Allerdings sind die geltend gemachten Bemühungen im Umfang der vorprozessualen Aufwendungen und des verwaltungsint ernen Vorbescheidverfahrens zu reduzieren, was zu einem Abzug von insgesamt 3 Stunden un d 40 Minuten führt (vgl. Bemühung für Vorbescheidverfahren im Umfang von 2 Stunden und 20 Minuten; Bemü- hung vom 15. Juni 2011 von 45 Minuten; 4 von 9 Korre spondenzen mit Klientin vor dem Be- schwerdeverfahren im Umfang von 35 Minuten). Der resulti erende Zeitaufwand von somit 7 1/3 Stunden ist zu dem in Sozialversicherungsprozessen f ür durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Der Beschwerdeführerin ist demnach ein Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'034.-- (7 1/3 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 50.- und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügun g der IV-Stelle vom 25. August 2011 aufgehoben und es wird festgestellt, da ss die Be- schwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades besitzt. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'034.-- (inkl. A uslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht