B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6307/2012 U r t e i l v o m 1 8 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Sylvie Cossy, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. November 2012 / N (…). E-6307/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Wohnsitz in (…), verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am (…). Er sei von (…) aus auf dem Seeweg an einen ihm unbekannten Ort gelangt; von dort sei er auf dem Landweg am 25. Mai 2009 in die Schweiz gebracht worden. Er suchte am 26. Mai 2009 um Asyl nach. Am 3. Juni 2009 wurde er zur Person befragt und am 8. Juni 2009 zu den Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, am (…) sei er zu Hau- se vom B._______ verhaftet und in das (…) gebracht worden. Er sei nach seinem Bruder befragt worden, der Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen und im (…) bei Kampfhandlungen gestorben sei. Es sei ihm vorgeworfen worden, ebenfalls Mitglied der LTTE zu sein. Man habe ihm ein Foto gezeigt, auf welchem er C._______, ein Mitglied dieser Organisation, erkannt habe, der zusammen mit ihm bei (…), gearbeitet habe. Er habe dort von (…) bis (…) bei (…) geholfen. Von (…) bis (…) hätten er und seine Eltern C._______ Unterkunft gewährt. C._______ sei danach für sein Studium nach (…) gegangen, habe sich jedoch telef o- nisch immer wieder einmal gemeldet. Das B._______ habe ihm Telefon- rechnungen von C._______, auf denen dessen Telefonnummer angeführt gewesen sei, und das Video einer (…), bei welcher er teilgenommen ha- be, vorgehalten. Man habe ihn geschlagen und ihm einen mit Benzin g e- tränkten Plastiksack über den Kopf gestülpt. Er sei über seinen Bruder ausgefragt worden ; man hab e ihm nicht geglaubt, dass dieser tot sei. Schriftlich habe er bestätigen müssen, dass er Mitglied der LTTE sei und "(…)" Informationen liefere. Drei Tage später sei er nach (…) und tags darauf nach (…) mitgenommen worden, wo er (…) hätte identifizieren sol- len. Er habe aber niemanden verraten. Im (…) sei er erneut geschlagen worden. Am (…) sei er mit verbundenen Augen in einem Van wegg e- bracht und in ein anderes Fahrzeug geschoben worden. In diesem sei en sein Onkel, der ihn durch Bestechung freibekommen habe , und ein Schlepper gesessen, welcher ihn später in die Schweiz gebracht habe. B. Mit am 3. November 2012 eröffneter Verfügung vom 1. November 2012 stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, lehnte das Asylgesuch vom 26. Mai 2009 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. E-6307/2012 Seite 3 C. Der Beschwerdeführer liess diese Verfügung durch seinen Rechtsvertr e- ter mit Eingabe vom 3. Dezember 2012 beim Bundesverwaltungs gericht anfechten. Er beantragt in materieller Hinsicht die Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an das BFM zur Neubeurteilung wegen Verletzung formellen Rechts, eventualiter unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung die Feststellung der Flüchtlings- eigenschaft und di e Gewährung von Asyl, subeventualiter unter Aufh e- bung der Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung die Fest- stellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zuges. In prozessualer Hinsicht beantragt er, es sei dem unterzeichneten Anwalt vor der Gutheissung der Beschwerde eine angemessene Frist zur Einreichung einer detaillierten Kostennote zur Bestimmung der Parteien t- schädigung anzusetzen und ihm mitzuteilen, welcher Bundesverwa l- tungsrichter oder welche Bundesverwaltungsrichter in und welcher G e- richtsschreiber oder welche Gerichtsschreiberin mit der Instruktion im vor- liegenden Verfahren betraut seien und welche Richter an einem En t- scheid mitwirken würden. In der Begründung der Beschwerde wird zudem beantragt, falls die Sache nicht an die Vorinstanz zurückgewiesen werde, sei er erneut direkt zu seiner heutigen Gefährdung anzuhören ; es seien die notwendigen Länderinformationen beizuziehen, und es sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel anzusetzen. Zur St ützung seiner Vorbringen reichte er zahlreiche Dokumente ( vgl. Beilagen 2 -44 gemäss Verzeichnis auf S. 39 f. der Beschwerdeschrift) ein. D. Mit Zwischenverfügung vom 13. Dezember 2012 hielt der Instruktionsrich- ter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, wies den Antrag auf vorgängige Fristansetz ung zur Einreichung einer detaillierten Kostennote zur Bestimmung der Parteien t- schädigung ab, hiess das Ersuchen um Bekanntgabe des für das Verfa h- ren zuständigen Spruchgremiums gut und nannte dessen Zusammense t- zung. Weiter wies er den Antrag auf Fristansetzen für das Einreichen al l- fälliger zusätzlicher Beweismittel ab, verlegte den Entscheid über die wei- teren Verfahrensanträge gegebenenfalls auf einen späteren Zeit punkt und forderte den Beschwerdeführer unter Androhung des Nichteintretens auf, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– einzuzahlen oder eine Fürsorgebestätigung einzureichen. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht einbezahlt. E-6307/2012 Seite 4 E. Mit Eingabe vom 2 8. Dezember 2012 wies der Beschwerdeführer unter Beilage weiterer Beweismittel ( vgl. Beilagen 45 -53 gemäss Verzeichnis auf Seite 4 der Eingabe) auf die neueste Entwicklung in Sri Lanka hin und reichte seine Kostennote zu den Akten. F. Mit Verfügung des Inst ruktionsrichters vom 2. Mai 2013 zur Stellungnah- me eingeladen, hielt das BFM mit Vernehmlassung vom 16. Mai 2013 an seiner angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 22. Mai 2013 zur Kenntnis gebracht. G. Mit Eingabe vom 27. Mai 2012 (recte: 2013) reichte der Beschwerdefüh- rer Berichte zur Menschenrechtslage in Sri Lanka ein (vgl. Beilagen 55-68 gemäss Verzeichnis auf Seite 14 der Eingabe). Er beantragt e, es seien vor Ausfällung des Urteils die neuesten britischen Richtlinien abzuwarten, zudem solle das Bundesverwaltungsgericht weitere Abklärungen im Z u- sammenhang mit der asylrelevanten Gefährdung von tamilischen Rüc k- kehrenden tätigen; zumindest sei ihm eine Frist für die Einreic hung zu- sätzlicher Informationen anzusetzen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von A rt. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgese t- zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). E-6307/2012 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist d aher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Der Beschwerdeführer rügt Verfahrensmängel, insbesondere die Verle t- zung des rechtlichen Gehörs und die unvollständige respektive unrichtige Abklärung des Sachverhaltes. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vor - instanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilu n- gen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und EMARK 1994 Nr. 1; A LFRED KÖLZ/ISABELLE HÄ- NER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspfl e- ge des Bundes; 3. Aufl., Zürich 2013, S. 403 f., m.w.H.). 4. 4.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ande r- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ei n- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor E r- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Bewe i- se beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen B e- weisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher B e- weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah-E-6307/2012 Seite 6 ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbri n- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidf in- dung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristge- rechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkre- ten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gege- benenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be- gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188). 4.2 4.2.1 In der Beschwerde wird vorgebracht, die angefochtene Verfügung verletze den Anspruch auf rechtliches Gehör, weil die letzte Anhörung dreieinhalb Jahre vor deren Erlass stattgefunden und die Vorinstanz es unterlassen habe, den Beschwerdeführer nochmals anzuhören. Da sich die Situation in Sri Lanka heute anders darstelle als im Zeitpunkt der Bun- desanhörung, hätt e das BFM ihn erneut befragen oder ihm zumindest Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme geben müssen. Bezüglich dieser Rüge ist festzuhalten, dass die Untersuchungspflicht der Behörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers fi n- det (Art. 8 AsylG), der auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer nach seiner letzten Befragung vom 8. Juni 2009 bis zum Ergehen der angefochtenen Verfügung keine aktuellen Ereignisse zuhan den des BFM vermeldete, weshalb das Bundesamt zu Recht keine weiteren Abklärungen vornahm und darauf verzichtete, ihn nochmals anzuhören. An dieser Einschätzung ändert auch der Umstand nichts, dass sich die Situation in Sri Lanka seit dem Ende des Bürgerkr ieges erheblich geändert hat, zumal die Vori n- stanz bezüglich dieser Veränderung ausreichend informiert ist. 4.2.2 Der Beschwerdeführer rügt sodann eine Verletzung der Begrü n- dungspflicht. Er sei bei seiner Haft am (…) vom B._______ mit einem Vi- deo über (…) und der LTTE-Mitgliedschaft seines getöteten Bruders kon- frontiert worden. Dies bedeute, dass das B._______ bereits vor der Ve r-E-6307/2012 Seite 7 haftung umfangreiche Ermittlungen über ihn angestellt und eine Akte an- gelegt habe. Im angefochtenen Entscheid würden jegliche Ausführu ngen zur Fragestellung, welche auf das Bestehen von aktenmässig bekannten Verdächtigungen hinwiesen, fehlen. Das BFM erwähnt in seinen Ausführungen beide Vorbringen des Be - schwerdeführers. Es darf folglich davon ausgegangen werden, dass es diese auch in seine Erwägungen miteinbezogen hat. Wenn die Vorinstanz im Rahmen ihrer Beweiswürdigung und rechtlichen Würdigung darauf hinweist, dass seine damalige Entlassung – auch wenn nur als Folge von Bestechung – dafür spreche, die sri -lankische Armee habe ihn nicht als ernsthafte sicherheitspolitische Gefahr eingestuft , ist ihr nicht vorzuwer- fen, sie habe sich mit der Möglichkeit des Anlegens einer Akte nicht aus- einandergesetzt. 4.2.3 Nach dem Gesagten ist nicht ersichtlich, inwiefern der Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt worden wäre. 5. 5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Bstn. a-e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mi t- wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzu- geben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der A n- hörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Bew eismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwi d- riger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollstä n- dig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/ HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043). Das Bundesverwaltungsgericht kann den rechtserheblichen Sachverhalt, wie ihn die Vorinstanz festgestellt hat, uneingeschränkt überprüfen (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es ist dazu in dem Masse verpflichtet, als die Be-E-6307/2012 Seite 8 schwerdepartei die Sachverhaltsfeststellungen oder die ihr zugrunde li e- gende Beweiswürdigung als fehlerhaft rügt und sich mit der angefocht e- nen Verfügung sachbezogen auseinandersetzt (vgl. CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungs feld der verwaltung s- rechtlichen Prozessmaximen, Diss. Bern 1997, S. 79 f.; Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts E-36/2008 vom 30. November 2011, E. 5.1). 5.2 5.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Sachverhalt sei weder vollständig noch richtig abgeklärt word en, weil das BFM die Bedeutung von C._______ und das gegen diesen geführte Verfahren in (…) wegen dessen LTTE-Aktivitäten nic ht abgeklärt habe. Das BFM hat jedoch in seiner Verfügung die Vorbringen des Beschwerdeführers zu C._______ nicht in Zweifel gezoge n. Zu weitergehenden Abklärungen bestand des- halb kein Anlass. Die diesbezüglich erhobene Rüge, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig festgestellt, ist unbegründet. 5.2.2 Weiter rügt der Beschwerdeführer, der Sachverhalt sei auch de s- halb unvollständig abgeklärt worden, weil die anhaltende Suche nach ihm und ebenso die Gründe, welche für eine Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs sprechen würden, nicht abgeklärt worden sei en. Abgese- hen davon, dass er solches vor der Vorinstanz nie vor gebracht hat, zeigt er weder konkret auf noch ist ersichtlich, inwieweit die Sachverhaltsfes t- stellung im Lichte der einschlägigen Rechtsnormen unvollständig sein sollte. 5.2.3 Schliesslich wird unter dem Titel der unvollständigen Sachverhalt s- abklärung gerügt, das Bundesamt habe es unterlassen, länderspezifische Informationen zu erheben ; es würden sich keine Länderberichte bei den Akten befinden. Insbesondere habe die Vorinstanz nicht erkannt, dass der sri-lankischen Armee bei ihrem Sieg über die LTTE im Mai 2009 gros- se Aktenbestände d ieser Organisation in die Hände gefallen seien u nd diese durch deren Auswertung weitgehende Kenntnisse über die Aktivitä- ten von LTTE-Mitgliedern und LTTE-Unterstützern erhalten habe. Aus der angefochtenen Verfügung ergibt sich – auch in Berücksichtigung des ein- schlägigen Grundsatzurteils des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2011/24 vom 27. Oktober 2011) – nicht, dass das BFM die aktuellen Lä n- derinformationen über Sri Lanka unberücksichtigt gelassen hat. Allein aus der Tatsache, dass in der angefochtenen Verfügung keine Länderberichte erwähnt wurden und sich keine solchen in den Akten finden, kann nicht der Schluss gezogen werden, es seien keine Berichte oder sonstige lä n-E-6307/2012 Seite 9 derspezifische Informationen berücksichtigt worden. Der Umstand, dass das Bundesamt im angefochtenen Entscheid nicht davon ausging, der Beschwerdeführer gehöre zu einer im (vorerwähnten) Grundsatzurteil er- wähnten Risikogruppe von Personen, welche über ein spezielles P rofil verfügen und einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind, ist nicht auf eine unrichtige oder ungenügende Abklärung des Sachverhaltes z u- rückzuführen, sondern beschlägt die der angefochtenen Verfügung zu grundliegende Beweiswürdigung und die recht liche Würdigung der Vo r- bringen. Darauf wird nachstehend eingegangen. 5.3 Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. Der Antrag, die angefoch- tene Verfügung sei wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge- hör und wegen unvollständiger oder unrichtiger Abklärung des rechtse r- heblichen Sachverhaltes aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist abzuweisen. Da das BFM den Sachverhalt richtig und vollständig abgeklärt und das rechtliche Gehör nicht verletzt hat, besteht vorliegend kein Grund, auf Be- schwerdeebene eine zusätzliche Anhörung durchzuführen, nochmals Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel anzusetzen oder weiterg e- hende Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen. Nachdem weder die Rechtsprechung des britischen High Court noch die britischen Richtlinien zu Wegweisungen nach Sri Lanka für das Bundesverwaltungsgericht von Belang sind und dieses eine eigene, differenzierte Rechtsprechung hierzu hat, ist keine Notwendigkeit fü r ein Abwarten der diesbezüglichen En t- wicklungen ersichtlich. Die entsprechenden Anträge sind abzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen auf Gesuch hin Asyl . Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, i n dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausges etzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner- träglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die E-6307/2012 Seite 10 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6.3 Zur Begründung des angefochtenen Entscheides führte die Vori n- stanz aus, die geltend gemachte Verh aftung des Beschwerdeführers im (…), bei welcher ihm vorgeworfen worden sei, Mitglied der LTTE gewesen zu sein, habe der behördlichen Ermittlung gedient, Genaueres über des- sen Beziehung zu C._______ und eventuelle Verbindungen zur LTTE zu erfahren. Ein solches Vorgehen habe rechtsstaatlich legitimen Zwecken gedient und sei daher nicht asylrelevant. Die Situation in Sri Lanka habe sich in der Zwischenzeit grundlegend g e- ändert. Der Krieg sei im Mai 20 09 mit der Niederlage der LTTE zu Ende gegangen. Damit befinde sich das gesamte Land erstmals seit 1983 wi e- der unter Regierungskontrolle. Die im Krieg vorgekommenen massiven Übergriffe durch die LTTE, die Sicherheitskräfte und weitere Dritte seien stark zu rückgegangen. Auch wenn n ach wie vor zum Teil recht scha rfe Kontrollen durchgeführt würden, bestehe für die Sicherheitskräfte Sri Lan- kas kein Anlass mehr, flächendeckend nach Mitgliedern oder Sympath i- santen der LTTE zu suchen, da diese Organisation zerschlagen und eine Vielzahl von Kadern getötet, inhaftiert worden oder ausser Landes g e- flüchtet seien. Der Beschwerdeführer verfüge nicht über ein Profil, das ihn zum heutigen Zeitpunkt gegenüber den sri -lankischen Behörden noch verdächtig machen könnte. Er se i eigenen Angaben zufolg e zu keinem Zeitpunkt Mitglied der LTTE gewesen. Die sri -lankische Armee hätte ihn nicht nach (…) aus dem (…) entlassen, wenn er unter Verdacht polit i- scher Aktivitäten zugunsten dieser Organisation gestanden wäre. Dass er damals fre igekommen sei, spreche dafür, dass die sri -lankische Armee ihn nicht als ernsthafte sicherheitspolitische Gefahr eingestuft habe. An dieser Einschätzung vermöge auch der Umstand nichts zu ändern, dass sein Bruder Mitglied bei den LTTE gewesen und im Krieg umgekommen sei. Es seien keine Fälle bekannt, wo Familienangehörige von Mitgliedern der LTTE an deren Stelle von den sri-lankischen Behörden zur Verantwor- tung gezogen würden. Die Vorbringen würden somit den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. E-6307/2012 Seite 11 Der Vollzug der Wegweisung nach (…) sei zulässig, sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht zumutbar und ausserdem technisch möglich sowie praktisch durchführbar. 6.4 In der Beschwerde werden im Wesentlichen Ausführungen zur aktuel- len Lage in Sri Lanka gemacht, welche sich deutlich anders präsentiere als im Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgericht BVGE 2011/24, und es wird auf die Strategie der sri -lankischen Regierung, die Prevention of Terrorism Act, die anhaltende Suche nach Unterstützern der LTTE, die In- haftierungen, die Situation der Rehabilitierten, die Registrierungs- und Überwachungsmassnahmen von Tamilen in Sri Lanka und im Ausland, die paramilitärischen Gruppierungen, die tamilischen Rückkehrer und die diplomatische Situation eingegangen. Der Beschwerdeführer habe sich in den Jahren (…) und (…) für (…) engagiert, wobei er im Jahr e (…) durch das B._______ gefilmt worden sei. E r stamme aus einer Familie, welche durch den Bruder für ihre Unterstützung der LTTE bekannt sei . Mit C._______, der ein LTTE Mitglied gewesen sei und bei welchem Informa- tionen über ihn gefunden worden seien, habe er über Jahre Kontakt g e- pflegt, was zu seiner Verhaftung am (…) geführt habe. In den Augen der sri-lankischen Behörde sei er Mitglied oder Unterstützer der LTTE, und es existiere eine Akte über ihn . Auch werde nach ihm gesucht. Hinzu kom- me, dass er sich in der Schweiz regelmässig an Veranstaltungen der LTTE beteiligt habe ; er besuche jeweils (…). Weiter laufe er als tami li- scher Rückkehrer Gefahr, in Sri Lanka aufgrund eines Generalverdachts der Unterstützung d ieser Organisation verhaftet, unter schwerer Folter verhört und auf unbestimmte Zeit inhaftiert zu werden. Wenn das BFM argumentiere, seine Haft im (…) sei rechtsstaatlich leg i- tim gewesen, habe es offensichtlich übersehen, dass der Konflikt zw i- schen den LTTE und den Behörden ein klar politischer sei und die B e- kämpfung der Aktivitäten von Unterstützern und Aktivisten der LTTE somit eine politische Verfolg ung darstelle. Würde der Argumentation des Bun- desamtes gefolgt, könnte jeder Verfolgerstaat seine Verfolgungsaktivit ä- ten als rechtsstaatlich legitim bezeichnen , und das Asylrecht würde im Kern abgeschafft. Angesichts der systematischen Kontrolle von rückkehrenden Tamilen sei davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bereits am Flughafen festgenommen, verhört und allenfalls inhaftiert würde. Nachdem er auch heute noch als Unterstützer der LTTE gesucht werde, sei davon auszugehen, dass dies in das Informationssystem eingespeist E-6307/2012 Seite 12 worden sei, was mit Sicherheit eine Verhaftung zwecks weitere r Abklä- rungen und der Gefahr von Folter zur Folge hätte. Zu beachten sei weiter, dass er bei einem negativen Asylentscheid zur Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylgesuchstellern gehören würde und auch deswegen b e- droht wäre. Der Wegweisungsvollzug sei unzulässig und unzumutbar. Aus den darge- legten Verhältnissen würden zurückkehrenden Tamilen bereits am Flu g- hafen Verhöre und Verhaftung verbunden mit einer Misshandlungsgefahr drohen. 6.5 Mit Eingabe vom 28. Dezember 2012 wies der Beschwerdeführer auf die neueste Entwicklung in Sri Lanka hin, welche sich erneut verschlec h- tert habe. Es sei von der sri -lankischen Regierung der Verdacht geäu s- sert worden, die sich im Ausland aufhaltenden (politischen) Exil-Tamilen seien für die jüngsten Ausschreitungen mitverantwortlich. Aus der Aktuali- tät der Ereignisse ergebe sich ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für rückkehrende Tamilen. 6.6 Mit Eingabe vom 27. Mai 2012 (recte: 2013) machte der Beschwerde- führer erneut auf die Entwicklung in Sri Lanka aufmerksam und führte aus, das Bundesverwaltungsgeric ht habe sich in einem jüngeren Urteil sachverhaltsmässig und rechtlich völlig unqualifiziert mit der Frage der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe be fasst. Bei der Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden handle es sich um eine bestimmte soziale Gruppe im Sinne des Flüchtlingsbegriffes, da das Merkmal, in einem Land mit grosse r tamilischer Diaspora ein Asylgesuch eingereicht und sich längere Zeit dort aufgehalten zu haben, unabände r- lich und die entsprechende Gruppe in der Gesellschaft erkennbar sei. Tamilische Asylsuchende seien bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer unmenschlichen Behandlung im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) ausgesetzt. Selbst w enn diese mit einer geringen Verwirklichungswahrscheinlichkeit von Massnahmen rechnen müssten , wovon mit Sicherheit nicht auszugehen sei, würde sich aufgrund des h o- hen bestehenden Schadenspotenzials insgesamt ein grosses Risiko er- geben. 7. Das BFM äusserte k eine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers. Seine Vorbringen sind denn auch sehr ausfüh r-E-6307/2012 Seite 13 lich, übereinstimmend und plausibel. Obwohl er vielschichtige Ereignisse schilderte, gelang ihm solches ohne wesentliche Widersprüche, und die Vorbringen sind mit Details und Realkennzeichen versehen. Die Prüfung der Akten ergibt, dass die Schilderung der Ereignisse den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit zu genügen vermag. Das Gericht hat keine Veran- lassung, von der Beurteilung der Vorinstanz abzuweichen. 8. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Voraussetzungen für die Anerkennung als Flüchtling gemäss Art. 3 AsylG zu erfüllen vermag. 8.1 Nach der Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, oder wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft solche Nachteile befürc h- ten muss. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor künft i- ger Verfolgung muss nicht nur sachlich und zeitlich kausal für die Ausre i- se aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat, sondern auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Entsprechen d sind Veränderungen der objektiven Situation im Heimatland im Zeitraum zwischen Ausreise und Asylentscheid zugunsten und zulasten der asylsuchenden Person zu b e- rücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1, BVGE 2007/31 5.3, m.w.H.). 8.2 Begründete Furcht vor Verfo lgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und dami t den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist anderseits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatl i- chen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägte (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., m.w.H.). E-6307/2012 Seite 14 8.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil BVGE 2011/24 vom 27. Oktober 2011 eine umfassende Lageanalyse der Situation in Sri Lanka vorgenommen. Diese Analyse ist für die Entscheidfindung mitzube- rücksichtigen, auch wenn die jüngste Entwicklung teilweise zu Besorgnis Anlass gibt. Es ist somit zu prü fen, ob der Beschwerdeführer einer Ris i- kogruppe im Sinne dieses Grundsatzentscheides angehört. Es gibt auch nach der Beendigung des militärischen Konflikts in Sri Lanka Personenkreise, die immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr au s- gesetzt sind. Dazu g ehören unter anderem Personen, die auch nach B e- endigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbin - dung zu stehen oder gestanden zu haben ; auch der Europäische G e- richtshof für Menschenrechte EGMR ist dieser Auffassung (vgl. statt vieler NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008). Zu dieser Gruppe gehört der Beschwerdeführer. 8.4 Der Beschwerdeführer war zwar selbst nicht Mitglied der LTTE, aber er hat in den Jahren (…) und (…) während (…) für (…) gearbeitet und an (…) teilgenommen. Allein daraus lässt sich kein Risikoprofil begründen, zumal davon auszugehen ist, dass praktisch die gesamte dortige Bevö l- kerung in bestimmter Weise entsprechende Kontakte zu den LTTE au f- wies und Hilfeleistungen vornahm respektive vornehmen musste. Vorliegend kommt aber hinzu, dass der Beschwerdeführer im (…) – mit- hin in der Schlussphase des Bürgerkriegs – unter dem Verdacht der Z u- gehörigkeit zu den LTTE verhaftet und (…) lang festgehalten worden ist. Während dieser Haft wurde er ver hört, und er war Folterungen ausge- setzt; er hat diese plausibel und substanziiert zu beschreiben vermocht. Die Folterungen hörten erst auf , nachdem er unter Misshandlungen ein "Papier" mit dem Geständnis unterzeichnet hatte, dass er "LTTE -Mitglied sei und (…) Informationen liefere". Zweimal wurde er daraufhin an einen Ort gebracht, wo er (…) hätte verraten müssen. Die Freilassung erfolgte aufgrund einer Schmiergeldzahlung seines Onkels, wobei das B._______ seine Identitätskarte zurückbehielt. Der Beschwerdeführer vermochte glaubhaft zu schildern, dass seine Ver- haftung und die ihm dabei zugefügten Misshandlungen auf seine familiäre Verbindung zu einem gefallenen LTTE -Kämpfer (Bruder) und seine ihm von den Behörden nachgewiesene Beziehung zu C._______, einem mut- masslichen Mitglied oder Informanten der LTTE, zurückzuführen seien. E-6307/2012 Seite 15 8.5 Aufgrund der nahen Verbindungen zum LTTE-Umfeld, der – teilweise durch Video - und Bildaufnahmen dokumentierten – Hilfeleistungen, die der Beschwerdeführer für die LTTE persönlich vorgenommen hat, und des von ihm erpressten Geständnisses ist davon auszugehen , dass die sri-lankischen Behörden ihm ernstzunehmende Verbindungen zu den LTTE vorwerfen. Zudem wurde er bereits Ziel staatlicher Repressionen, welche als hinreichend intensiv im Sinne von Art. 3 AsylG zu bezeichnen sind. Es kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass er bei einer Rückkehr Ziel behördlicher (Reflex -)Verfolgungsmassnahmen in asylrelevantem Ausmass werden könnte. Dem Beschwerdeführer ist d a- her ein Profil zu attestieren, aufgrund dessen er von den sri -lankischen Behörden als LTTE-Anhänger wahrgenommen wird und daher zum heuti- gen Zeitpunkt objektiv begründete Furcht hat, im Heimatland as ylrelevan- ten Nachteilen ausgesetzt zu sein. 9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf den Beschwerd e- führer sämtliche Kriterien der in Art. 3 AsylG enthaltenen Definition als er- füllt zu betrachten sind und dieser demzufolge als Flüchtling anzuerk en- nen ist. Die vorinstanzliche Verfügung ist folglich aufzuheben und es ist ihm mangels Anzeichen für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes (Art. 53 AsylG und Art. 1 F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der vom Beschwerdeführer geleistete Ko s- tenvorschuss ist daher zurückzuerstatten. 10.2 Entsprechend des Ausgangs des Verfahrens ist von einem Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. E s ist ihm in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für ihm erwachsene no t- wendige Vertretungskosten zuzusprechen. In der Kostennote vom 2 8. Dezember 2012 machte der Rechtsvertreter unter Hinweis auf seine Mehrwertsteuerpflicht einen Arbeitsaufwand von (…) Stunden (à Fr. (…).–) geltend, se ine zusätzliche Eingabe vom 27. Mai 2012 (recte: 2013) nicht eingerechnet. Die formellen Rügen h a- ben sich als unbegründet herausgestellt. Zudem erscheint der in der Kos- tennote ausgewiesene zeitliche Vertretungsaufwand insbesondere au f-E-6307/2012 Seite 16 grund der zahlreichen Dokumente, die keinen direkten Bezug zum B e- schwerdeführer haben, nicht als vollumfänglich angemessen respektive notwendig im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG. Auch enthalten die Einga- ben teils unnötig weitschweifige, teils redundante Passagen. Der damit verbundene Aufwand ist als nicht notwendig zu bezeichnen und demnach nicht zu entschädigen. Unter Berücksichtigung der massgebe nden B e- messungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen ist de m Beschwerdeführer somit eine Parteientschäd i- gung im Betrag von insgesamt Fr. 2000.– (inklusive Auslagen und Mehr- wertsteuer) zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) E-6307/2012 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 1. November 2012 wird aufgehoben. Das Bundesamt wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben; der am 27. Dezember 2012 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.– wird zurückerstattet. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 2000.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und D._______. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Jeannine Scherrer-Bänziger