Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Juni 2021 (725 20 395 / 158) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Leistungseinstellung; Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Urs Schaffhauser, Rechtsanwalt, Anwaltskanzlei Seidenhof, Seidenhofstrasse 14, 6003 Luzern gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1956 geborene A.____ erlitt in den letzten Ja hren verschiedene bei der Suva versi- cherte Unfälle, wobei vorliegend die folgenden drei von Bedeutung sind: Am 20. November 2016 rutschte A.____ beim Treppenhinuntersteigen aus, stürzte und verletzte sich (Schaden-Nr. X.____). Gemäss E-Mail vom 22. Oktober 2017 verletzte er sich erneut am 29. September 2017, als er vom Bett aufstand und stürzte (Schaden-Nr. Y.____) , wobei er anlässlich einer Bespre- chung vom 24. Oktober 2018 angab, sich bezüglich des Datu ms geirrt zu haben, der Sturz sei am 6. Oktober 2017 erfolgt. Schliesslich verletzte sich A.____ am 14. Juli 2018 anlässlich eines Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiederum auf der Treppe erlittenen Sturzes (Schaden- Nr. Z.____). Die Suva erbrachte in der Folge jeweils Versicherungsleistungen. Mit Verfügung vom 25. März 2020 schloss die Suva diese d rei Fälle per 12. April 2020 ab und stellte die Leistungen auf diesen Zeitpunkt ein. Zur Begründung führte sie aus, die Beschwerden betreffend linke Schulter, Halswirbelsäule (HWS), Kop f und Rücken seien nicht mehr unfallbe- dingt. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die Taggel der weiterhin über die den Unfall vom 4. April 2010 betreffende Schaden-Nr. W.____ ausgerichtet würden. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Suva mit Entscheid vom 11. September 2020 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Urs Schaffhauser, mit Schreiben vom 13. Oktober 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin bea ntragte er, der angefochtene Ent- scheid sei aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer über den 12. April 2020 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Zur Klärung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin sei der Beschwerdeführer gerichtlich umfassend zu begutach ten. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ausserdem wurde die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung beantragt. C. Die Suva beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2020, dass die Be- schwerde abzuweisen sei. D. Nach Eingang weiterer Unterlagen wurde das Gesuch um Gewährung der untentgeltli- chen Verbeiständung mit Verfügung vom 21. Januar 2021 abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in V.____, weshalb die örtliche Z uständigkeit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kant ons Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 13. Oktober 20 20 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschw erdegegnerin ihre Leistungen für die Unfallereignisse vom 20. November 2016, vom 6. Oktober 2017 sowie vom 14. Juli 2018 zu Recht per 12. April 2020 eingestellt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. D er Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder m it dem Tod der versicherten Person. Das Taggeld beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Pr ozent des versicherten Verdienstes. Bei teil- weiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt unter anderem voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetret enen Schaden (Krankheit, Arbeits- unfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ur- sachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind a lle Umstände, ohne deren Vor- handensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ni cht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi- gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht wer- den kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderl ichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesu ndheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestan- den hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässi- gen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistun gsbegründende natürliche Kausalzusam- menhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung vo n unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt n icht. Da es sich hierbei um eine an- spruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entspreche nde Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten mas- sgebend (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juli 2015, 8C_294/2015, E. 3.2 mit Hinweisen). 3.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismi ttel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei- lung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesonder e darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hin sichtlich des Beweiswertes eines Arzt- berichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die str eitigen Belange umfassend ist, auf all- seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispielsweis e Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgut-achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver sicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4. Zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts liege n im Wesentlichen folgende Be- richte vor: 4.1 Zum Unfallereignis vom 20. November 2016: Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.1 Per E-Mail meldet der Beschwerdeführer, er sei beim Treppen heruntergehen ausge- rutscht und auf den Rücken und die linke Schulter gefallen. 4.1.2 Dr. med. B.____, FMH Orthopädische Chirurgie, h ält anlässlich der Erstkonsultation vom 24. November 2016 fest, dass der Verdacht auf eine Ro tatorenmanschettenverletzung links be- stehe. Es würden weitere Abklärungen mittels MRI erfolgen. Anlässlich der Konsultation vom 1. Dezember 2016 führt Dr. B.____ gestützt auf die Arthro-MRI- Bilder aus, die Rotatorenmanschette sei im Wesentlich en intakt. Es bestehe eine hypertrophe und aktivierte AC-Gelenksarthrose links. Es würden keine Hinweise für eine Omarthrose vorlie- gen. 4.1.3 Anlässlich der Kreisarztuntersuchung vom 9. Dezembe r 2016 liegt dem Kreisarzt Dr. med. C.____, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara- tes, der Befund der MRT-Untersuchung vom 1. Dezember 20 16 vor. Er sieht eine vorüberge- hende Traumatisierung einer vorbestehenden Degenerati on. Beschwerden im Bereich des Rü- ckens bzw. der Halswirbelsäule seien vom Versicherten im R ahmen der Kreisarztuntersuchung explizit nicht angegeben worden. Er habe lediglich ge sagt, dass er nicht auf den Rücken habe fallen wollen, weil er dort schon operiert worden sei. 4.1.4 Dr. med. D.____, FMH Neurologie, führt in sein em Bericht vom 21. Dezember 2016 aus, der Versicherte habe einen Treppensturz erlitten und sich dabei eine Schulterverletzung links zugezogen. Seither habe er eine anhaltende Gefühlsstöru ng in der linken Hand. In der Bildge- bung im MRI der HWS vom 16. Dezember 2016 würden deutliche Zeichen einer cervicalen Mye- lopathie auf Höhe HWK 6/7 mit biforaminalen Stenose n beidseits linksbetont bestehen, ausser- dem eine breitbasige dorsomediale Discushernie, diese führe zu einer Myelopathie sowie zu einer foraminalen Stenose. Neurofaoraminale Stenosen seien auch auf den oberen Etagen HWK 3 bis HWK 6 ersichtlich. Die klinischen Ausfälle seien jedoch e her gering ausgeprägt, es sollten kon- servative Therapiemassnahmen ausgeschöpft werden. 4.1.5 Mit Schreiben vom 22. Dezember 2016 hält Dr. B. ____ als Diagnosen unter anderem eine aktivierte AC-Gelenksarthrose links und ein sekundäres Schulterimpingementsyndrom links sowie eine cervicale Diskushernie HWK 6/7 mit relativer Sp inalkanalstenose und Myelopathie fest. Im Verlauf habe der Versicherte am 12. Dezember 2016 über eine zunehmende Hypä-sthe- sie am linken Arm berichtet. Eine MRI-Untersuchung der HWS vom 16. Dezember 2016 zeige eine cervicale Myelopathie bei cervicaler Discushernie HWK 6/7 und Foraminalstenosen HWK 6/7. Die Schulterproblematik dürfte sich durch Physiothera pie über die nächsten drei bis sechs Monate verbessern. Er empfehle im Rahmen der cervicalen Pathologie eine konservative Be- handlung im Sinne einer Physiotherapie. 4.1.6 Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie sp ez. Wirbelsäulenchirurgie, berichtet mit Schreiben vom 9. August 2017, die Schmerzen vor allem im linken Arm sowie die forgeschrit- tenen Paresen der Handmuskulatur würden durch die subtotale Stenosierung der Neuroforamina C6/7 verursacht und unterhalten. Das diskogene Problem verursache auch die Myelopathie. Er Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehe davon aus, dass in aufrechter Haltung die axiale Be lastung der HWS zur Zunahme der Stenose und somit auch zur Kompromittierung des Halsma rkes führe. Aus diesem Grund emp- fehle er als ersten Therapieschritt die ventrale Discektomi e und intercorporelle Spondylodese C6/7. 4.1.7 Gestützt auf eine MRT der HWS vom 21. August 201 7 führt PD Dr. med. F.____, FMH Radiologie, aus, auf der Höhe C6/7 zeige sich eine markante Myelopathie. Der Grad der Myelo- pathie sei vergleichbar zur Voruntersuchung vom 16. Dez ember 2016. Die Diskushernie zeige eine vergleichbare Ausdehnung im Vergleich zur Vorunt ersuchung, tendenziell eher leicht rück- läufig. Des Weiteren hält er verschiedene abnutzungsbedingte Veränderungen auf praktisch allen Höhen der HWS fest. 4.1.8 Im Operationsbericht von Dr. E.____ vom 21. Se ptember 2017 wird als Diagnose ein Sensomotorisches radikuläres Reiz- und ausfallsyndrom links M1 angegeben. Es sei eine Disek- tomie C6/7 und eine ventrale intercorporelle Spondylodese C6/7 durchgeführt worden. 4.1.9 Dr. C.____ hält am 18. Oktober 2017 fest, bei der Operation vom 21. September 2017 sei ein Bandscheibenvorfall behandelt worden. Dieser h abe nichts mit dem Unfall zu tun. Zum einen sei die HWS nicht in das Unfallgeschehen involvier t gewesen, zum anderen seien Band- scheibenvorfälle nur in den seltensten Fällen eine Unfallfolge. Hier sei Abnutzung und Erkrankung ursächlich. 4.2 Zum Unfallereignis vom 29. September bzw. 6. Oktob er 2017: 4.2.1 Mit E-Mail vom 22. Oktober 2017 meldet der Ver sicherte, dass er am 29. September 2017 beim Aufstehen aus dem Bett gestürzt sei. Später wird angegeben, der Unfall habe sich am 6. Oktober 2017 ereignet. Er sei um 10 Uhr wieder aufgewacht, habe erbrechen müssen. Er sei in die Physiotherapie gegangen, der Physiotherapeut habe aber gesagt, es müsse erst alles ab- geklärt werden, bevor er ihn behandeln könne. Auf dem Heimweg habe er wieder mehrfach erb- rochen. 4.2.2 Mit Arztzeugnis UVG vom 30. Oktober 2017 gibt Dr. E.____ an, es habe ein Sturz zu- hause mit Commotio cerebri stattgefunden. Es würden keine radikulären Ausfälle bestehen. Am 31. Oktober 2017 werde ein CT-Schädel durchgeführt. 4.2.3 Am 13. November 2017 berichtet Dr. med. G.____ , FMH Allgemeine Medizin, die Erst- behandlung sei am 20. Oktober 2017 erfolgt, der Beschw erdeführer habe am 29. September 2017 eine Schulterkontusion und eine Commotio cerebri erlitten. Im CT seien keine Unfallfolgen ersichtlich. 4.3 Zum Unfallereignis vom 14. Juli 2018: 4.3.1 Der Versicherte teilt mit E-Mail vom 22. Juli 201 8 mit, dass die letzten acht Stürze glimpf- lich verlaufen seien, der neunte Sturz vom 14. Juli 2018 sei nicht so optimal verlaufen. Er sei im Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Haus die Treppe heruntergestürzt. Der rechte Fuss sei abg eknickt, an der linken Schulter habe er starke Schmerzen und er sei mit dem Kopf auf der Treppe aufgeschlagen. 4.3.2 Am 26. November 2018 berichtet Dr. G.____, die Erstbehandlung habe am 16. Juli 2018 stattgefunden. Der Patient sei zuhause die Treppe runte rgefallen, er könne sich nicht richtig er- innern, was passiert sei. Plötzlich habe er sich am Boden wiedergefunden. Als Diagnosen führt Dr. G.____ eine LWS-Kontusion mit Muskelzerrung an, zud em eine Zerrung der Bicepssehne proximal an der linken Schulter. Die erhobenen Befunde seien nicht mit dem vom Patienten gel- tend gemachten Ereignis vereinbar und würden nicht plausibel erscheinen. 4.3.3 Am 9. Januar 2019 findet eine Aussendienstabklär ung statt. Der Versicherte gibt an, un- mittelbar nach dem Sturz seien Fussschmerzen links aufgetreten. Die Beschwerden hätten sich jedoch recht schnell zurückgebildet. Er sei auch noch mit der rechten Stirnseite heftig gegen die Wand geschlagen. Er habe versucht, sich am Gitter festzuh alten. Es habe ihm den linken Arm ruckartig nach hinten gerissen. 4.3.4 Mit ärztlichem Zwischenbericht vom 3. April 2019 d iagnostiziert Dr. G.____ eine Schul- terkontusion links nach Treppensturz, eine generalisierte Lumbago, eine Gonarthrose beidseits, ADHS, Arterielle Hypertonie, Hyperurikämie, AV-Block I. Der Patient würde immer wieder Schmerzen im Bewegungsapparat beklagen. Die Physiotherapie sei permanent mit ihm beschäf- tigt. Häufig komme es zu Zwischenfällen mit Akzentuierungen der bekannten Beschwerden. Eine anhaltende Besserung der Beschwerden sei nicht wirklich zu erreichen. Aus hausärztlicher Sicht sei die Situation objektiv schwer zu beurteilen. Rezidivi erende Unfälle würden den Heilungsver- lauf ungünstig beeinflussen. Eine orthopädische Begutachtung in Münsterlingen sei im Mai 2019 geplant. 4.4 Am 26. April 2019 nimmt Dr. C.____ Stellung bzw. beantwortet die von der Administra- tion Suva gestellten Fragen zu den drei Unfällen. Er führt aus, es würden keine strukturell objek- tivierbaren Folgen vorliegen und es seien keine überwiegend wahrscheinlich in Zusammenhang mit den Unfällen stehenden strukturellen Läsionen nach gewiesen worden. Bezüglich der linken Schulter verweist er auf Beurteilung von Dr. B.____ vom 22. Dezember 2016. Dr. C.____ befasst sich insbesondere auch mit der im Dezember 2016 aufgefallenen neurologischen Symptomatik. Mittels Diagnostik hätten sich im HWS-Bereich praktisch au f allen Ebenen abnutzungsbedingte Veränderungen wie Verengungen des Rückmarkkanals mit Schädigung des Rückenmarks, Knor- pelabnutzungen, Arthrosen der Wirbelgelenke und Knorpelveränderungen zwischen den Wirbel- körpern gezeigt. Zudem habe auf Höhe C6/7 ein Bandsche ibenvorfall bestanden. Bei all diesen Veränderungen handle es sich nicht um Unfallfolgen. Ei n Bandscheibenvorfall sei nur in ganz seltenen Fällen Folge eines Unfalls. Für eine solche Annahme seien zwingend und sehr zeitnah zum Ereignis sensomotorische Ausfälle zu erwarten und ebenso sei eine sehr zeitnahe Operati- onsindikation zu erstellen. Im vorliegenden Fall seien die Symptome erst mehrere Wochen nach dem Ereignis zunehmend zu Tage getreten und erst knapp ein Jahr nach dem Ereignis sei der Versicherte operiert worden. Auch habe die Bildgebung an der HWS keine Hinweise auf eine stattgefundene Gewalteinwirkung nachweisen können und d er Beschwerdeführer habe initial Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Beschwerden an der HWS geklagt. Deshalb seien nach Ansicht des Kreisarztes spätestens sechs bis acht Monate nach dem Ereignis keine Unfallfolgen mehr vorhanden. 4.5 Dr. med. H.____, FMH Neurologie, nimmt mit Beri cht vom 22. Oktober 2019 zu Handen der Suva Stellung. Er hält folgende Diagnosen fest: - Gang- und Standataxie mit rezidivierenden Stürzen be i - Fokaler zervikaler Myelopathie Höhe HWK6/7 sowie - Leichter, axonal betonter sensibler Polyneuropathie vom distalen symmetrischen Typ unklarer Ätiologie. - Rezidivierende Stürze mit unklarer Bewusstseinsstörung , derzeit ohne Hinweise auf epileptische Genes DD: kardiogen? Weitere kardiologisch e Abklärung wird empfohlen. - St. n. Diskektomie HWK 6/7 und ventraler interkorpor eller Spondylodese HWK 6/7 21.09.2017. - Zervikoradikuläres Reiz- und sensibles Ausfallsyndrom C7 links bei Foraminalstenose HWK 6/7. - Chronisch rezidivierende Zervikalgien bei multisegmen talen degenerativen HWS- Veränderungen mit u.a. foraminalen Stenosen C4 bei dseits linksbetont, C5 beidseits linksbetont, C6 beidseits, C7 beidseits und C8 rechts. - St. n. Schulterprellung links mit aktivierter AC-Gele nksarthrose links 21.11.2016. - St. n. lateraler Stabilisierung OSG rechts am 4.11 .2015 bei chronischer Instabilität und Schmerzen. - St. n. Knie-Totalprothese links 18.05.2016. - St. n. Knie-Totalprothese rechts 2013. - St. n. Dekompression L3 - L5 rechts sowie transforami naler Nukleotomie L 4/5 rechts 2015. Dr. H.____ führt aus, die zervikale Myelopathie stelle höchstwahrscheinlich die Ursache der beim Versicherten vorliegenden Stand- und Gangataxie mit dar aus resultierenden häufigen und zum Teil schweren Stürzen dar. Zur weiteren Abklärung und speziell zur Frage nach potentiell behan- delbaren Ursachen der festgestellten Polyneuropathie e mpfiehlt er verschiedene Laboruntersu- chungen. Der Versicherte berichte weiter über Stürze mi t unklarem Bewusstseinsverlust bei feh- lenden Zeichen eines Schädel-Hirn-Traumas. Diese Angaben seien auf epileptische Anfälle oder auch kardiogene Synkopen verdächtig. Im Ruhe-Wach-EEG vom 11. September 2019 hätten sich keine pathologischen Befunde und insbesondere keine Hinweise auf eine epileptische Genese der Synkopen ergeben. Gleichzeitig hätten sich häufige Extrasystolen mit zum Teil längeren kompen- satorischen Pausen finden lassen, weshalb eine kardiogene Genese der Synkopen ausgeschlos- sen werden sollte. Die vom Versicherten angegebenen Sensiblitätsstörungen der Hände seien sei- nes Erachtens als sensible zervikoradikuläre Ausfälle (vor allem C7 links) zu deuten, Hinweise auf eine andere periphere neurogene Läsion wie ein Carpa ltunnelsyndrom, eine Neuropathie des N. ulnaris oder eine Läsion des Plexus brachialis würden sich in der Elektroneurographie vom 23. September 2019 nicht finden lassen. 4.6 In der Folge legt die Suva den Bericht von Dr. H._ ___ vom 22. Oktober 2019 dem Kreis- arzt mit der Frage vor, ob sich aufgrund dieses Bericht s neue Erkenntnisse ergeben würden. Mit Stellungnahme vom 10. Dezember 2019 verneint Dr. C.__ __ diese Frage und bemerkt, die vom Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Neurologen diagnostizierten Ursachen der Symptomatik hätten mit Unfallfolgen nichts zu tun und würden seine Beurteilung vom April 2019, an welcher er festhalte, stützen. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurtei lung des vorliegend strittigen medi- zinischen Sachverhalts auf die kreisärztliche Beurteilung vom 26. April 2019 von Dr. C.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Folgen der Unfälle vom 20. November 2016, vom 6. Okto- ber 2017 und vom 14. Juli 2018 abgeklungen seien und sich der Gesundheitszustand des Versi- cherten ab dann auch ohne diese Unfälle identisch gezeigt hätte. Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, dass er bis heute an den Folgen seiner zahl- reichen Unfälle und insbesondere der im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Vorfälle leide. Es bestünden nach wie vor erhebliche Beschwerden insbeso ndere an der linken Schulter, der Halswirbelsäule, dem Kopf sowie dem Rücken. Er beanstan det, die kreisärztliche Beurteilung vom 26. April 2019 sei inhaltlich nicht nachvollziehbar. Es fehle eine differenzierte versicherungs- medizinische Auseinandersetzung mit den Berichten von Dr . D.____ vom 21. Dezember 2016, von Dr. B.____ vom 22. Dezember 2016, von Dr. E.____ vom 9. August 2017 und der MRT der Schulter links und der HWS vom 1./16. Dezember 2016 so wie den späteren Berichten von Dr. I.____, FMH diagn. Neuroradiologie, vom 15. Oktober 2019 und von Dr. H.____ vom 22. Oktober 2019; ausserdem würde aus diesen Berichten nur oberflächlich und selektiv herausgepickt, was die eigene These vermeintlich unterstützen würde. 5.2 Der Argumentation des Beschwerdeführers kann nicht g efolgt werden. Dr. C.____ hat den aktenmässigen Verlauf und auch die vom Beschwerdefüh rer erwähnten Berichte in seinem kreisärztlichen Bericht vom 26. April 2019 aufgeführt und sich in seiner Beurteilung damit – soweit notwendig – auseinandergesetzt. Insbesondere hat er aus drücklich die Einschätzung von Dr. B.____ geteilt, wonach an der linken Schulter drei b is sechs Monate nach dem Ereignis keine Unfallfolgen mehr vorliegen würden. Zu Recht weist Dr. C.____ ausserdem darauf hin, dass sich im Bereich der Halswirbelsäule die Symptomatik erst deutlich nach dem Unfallereignis eingestellt hat und in der Bildgebung keine Hinweise auf eine stattgehabte Gewalteinwirkung nachgewiesen wurde. Auch weist er daraufhin, dass der Beschwerdeführe r initial nicht über Beschwerden an der HWS geklagt hatte. Am 10. Dezember 2019 hat Dr. C .____ zudem explizit zum Schreiben von Dr. H.____ vom 22. Oktober 2019, welcher sich unter anderem auch auf das von Dr. I.____ beurteilte MRT vom 14. Oktober 2019 stützte, Stellung genommen und ausgeführt, dass dieser Bericht seine eigene Beurteilung vom April 2019 stütze. In der Tat gibt Dr. H.____ an, dass die zervikale Myelopathie in Höhe HWK 6/7 höchstwahrscheinlich die Ursache der beim Versicherten vorliegenden Stand- und Gangataxie mit daraus resultierenden häufigen und zum Teil schweren Stürzen darstelle. Dass die Myelopathie aber durch eine s der hier zu beurteilenden Unfallereig- nisse verursacht worden sein könnte, wird von Dr. H.____ nicht geltend gemacht und dafür gibt es auch keinerlei Hinweise. Im Gegenteil zeigen sich au s der Diagnostik abnutzungsbedingte Veränderungen auf allen Ebenen im Bereich der HWS. Auch die Schilderungen des Beschwer- deführers in Bezug auf den Bandscheibenvorfall vermögen nicht darzutun, dass dieser als Un- fallfolge anzusehen wäre; im Gegenteil bestätigen sein e Ausführungen auch hier die Sicht von Dr. C.____, dass die sensomotorischen Ausfälle eben nicht genügend zeitnah zum Ereignis auf- getreten sind und der Beschwerdeführer nicht unmittelbar nach den Unfällen über entsprechende Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Symptome geklagt hat. Damit liegen die Voraussetzungen, den Bandscheibenvorfall als unfall- bedingt zu qualifizieren, nicht vor. 5.3 Gestützt auf die obigen Ausführungen ist festzuhalt en, dass insgesamt keine auch nur geringen Zweifel am kreisärztlichen Bericht vom 26. April 2019 bestehen, der Bericht erweist sich als schlüssig und überzeugend. 5.4 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten ei ne zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so besteht kein Anlass, dem in der Beschwerde vom 13. Oktober 2020 gestellten Verfahrensantrag des Versicherten zu entsprechen, wonach ein medizinisches Gerichtsgutachten bzw. eventualiter im Falle einer Rückweisung ein externes Ver- waltungsgutachten einzuholen sei. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – die Pf licht der Behörde zur Beweisabnahme. Be- weise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs in dessen nur über jene Tatsa- chen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abge- klärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzicht et werden. Die damit verbundene antizi- pierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 144 II 427 E. 3.1.3, 141 I 60 E. 3. 6. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin berech- tigt war, ihre Versicherungsleistungen für die Folgen der Ereignisse vom 20. November 2016, vom 6. Oktober 2017 und vom 14. Juli 2018 per 12. April 2020 einzustellen. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 11. September 2020 ist demnach n icht zu beanstanden, was zur Ab- weisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt. 7. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gü ltig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Parteient- schädigung zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht