Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. April 2017 (710 16 46 / 89) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Schadenersatzanspruch der Ausgleichskasse aufgrund einer Organhaftung gestützt auf Art. 52 AHVG Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Erik Wassmer , Advokat , Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Schadenersatz A. Die B.____ AG mit Sitz in Z.____ war mit Wirkung ab 1. November 2011 als beitrags- pflichtige Arbeitgeberin der Ausgleichskasse Basel- Landschaft (Ausgleichskasse) zur Entrich- tung der AHV/IV/EO/ALV/FAK-Beiträge angeschlossen. Am 6. Februar 2014 wurde über das Unternehmen der Konkurs eröffnet. Am 22. Mai 2014 wurde die Einstellung des Konkursverfah- rens mangels Aktiven publiziert. Nach Durchführung des rechtlichen Gehörs im Rahmen der Vorabklärungen forderte die Ausgleichskasse mit Ver fügung vom 24. November 2014 von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ Schadenersatz in der Höhe von Fr. 361'034.85 für entgangene Sozialversicherungsbei- träge einschliesslich Verwaltungskosten, Mahngebühren, B etreibungskosten und Verzugszin- sen. In der Begründung wurde unter Hinweis auf die ge setzlichen Bestimmungen festgehalten, dass A.____ laut Handelsregisterauszug Verwaltungsratspr äsident und Geschäftsführer der B.____ AG gewesen sei, weshalb er verantwortliches Arbeitgeberorgan sei. Es sei unerheblich, weshalb die Arbeitgeberin in Konkurs geraten sei. Auch die Zuwendung privater Mittel durch die verantwortlichen Organe entlaste diese nicht grundsät zlich von einer Haftung. Es komme nicht darauf an, was die verantwortlichen Organe zur Aufrecht erhaltung des Betriebes oder zur Ver- meidung eines Konkurses allenfalls unternommen hätten, sondern ob sie ihrer Pflicht, für eine ordnungsgemässe Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge zu sorgen, nach aussen er- kennbar ausreichend nachgekommen seien. Dies sei bei ihm nicht der Fall gewesen. Auf Einsprache von A.____ hin hielt die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 11. Januar 2016 grundsätzlich an ihrer Auffassung fest, reduzierte jedoch die Höhe des Schadenersatzes auf Fr. 286'695.45. In der Begründung führte sie aus, dass der Einsprecher vom 17. November 2011 bis zum 2. Oktober 2012 Mitglied des Verwaltungsra tes mit Einzelunterschrift und ab dem 2. Oktober 2012 bis zum Konkurs des Unternehmens Präsident des Verwaltungsrates und Ge- schäftsführer mit Einzelunterschrift gewesen sei. Er sei für das Rechnungswesen verantwortlich gewesen und habe die Geschäftstätigkeit beeinflussen können, weshalb er formelles Organ sei. Die Einlagen von Fr. 1.8 Mio. hätten offensichtlich nicht dazu gedient, die ausstehenden Sozial- versicherungsbeiträge zu bezahlen, weshalb kein Exkulpationsgrund vorliege. Zudem hätten ab Mitte des Jahres 2013 derart hohe Beitragsausstände besta nden, dass nicht mehr von einer objektiven Einschätzung, die Beiträge noch entrichten zu können, ausgegangen werden könne. Es habe ein erhebliches Klumpenrisiko bestanden, das off ensichtlich bekannt gewesen sei, weshalb die Zahlungseinstellung der C.____ GmbH das Feh lverhalten der Arbeitgeberin nicht derart in den Hintergrund treten lasse, dass dieses nich t mehr als adäquate Schadensursache erscheine. Bei erneuter Prüfung sei festzustellen, dass d ie Rechnungen für die Monate Januar 2014 und Februar 2014 am Konkursdatum vom 6. Februar 2014 gar nicht fällig gewesen seien. Daher seien diese Rechnungsbeträge in der Gesamthöhe v on Fr. 39'958.50 von der Schaden- ersatzsumme auszunehmen. Der Betrag von Fr. 1'100.-- ble ibe Teil der Schadenersatzforde- rung, da es sich um eine Rückbuchung von Kinderzulagen ha ndle. Somit reduziere sich die Schadenersatzforderung auf Fr. 286'695.45. Die Einspra che wurde in diesem Umfang von der Ausgleichskasse abgewiesen. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durch Advo kat Erik Wassmer, mit Eingabe vom 11. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er unter o/e-Kostenfolge, es seien die Schadenersatzverfügung und der Einspracheentscheid a ufzuheben, soweit er noch eine Schadenersatzforderung feststelle. In der Begründung m achte er zusammenfassend geltend, dass er einziger Verwaltungsrat und für die Führung de r Buchhaltung zuständig gewesen sei. Die operative Leitung sei zunächst in den Händen von D .____, später von E.____ und F.____ gelegen. Sie hätten die Mitarbeiter eingestellt und die Arbeitsverträge unterzeichnet. Die fakti- sche Organstellung von F.____ und E.____ ergebe sich auch aus der Lohnmeldung. Beide hät- ten einen stark überdurchschnittlichen Jahreslohn bezogen . Sie hätten die Entscheidungen ge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht troffen und seien für den gesamten Betrieb verantwortl ich gewesen. Nur sie hätten wissen kön- nen, dass die Ausstände der C.____ GmbH nicht wie erw artet eingegangen seien. Im Jahr 2013 hätten die beiden dem Beschwerdeführer offensich tlich falsche Angaben zum Geschäfts- verlauf und insbesondere zum Wert der angefangenen Ar beiten und zur Zahlungsmoral der Co.____ GmbH gemacht. Anders könne nicht erklärt werd en, dass er noch im Juli 2013 privat eine Bürgschaft für die B.____ AG über Fr. 50‘000.-- eingegangen sei. Dadurch habe die Liqui- dität verbessert werden können. F.____ habe auch die M ietverträge für die Werkstatt in Y.____ und für die Räumlichkeiten der Filiale in X.____ unt erzeichnet. Die Lohndeklarationen seien immer korrekt erfolgt und vom Revisor nicht beanstandet w orden. Die geltend gemachte Bei- tragsforderung in der Höhe von Fr. 286‘695.-- werde vom Betrag her nicht bestritten. Bestritten werde, dass er diesen Beitragsausstand adäquat kausal versch uldet habe. Die Organhaftung sei keine Kausalhaftung. Er habe den Betrieb in der Ho ffnung auf eine Sanierung im Interesse der Mitarbeitenden und der Gläubigern durch sehr gro sszügige Geldeinlagen aus privaten Mit- teln gestützt. Insgesamt würden sich seine Einlagen, e s handle sich um Darlehen, auf über Fr. 1.8 Mio. belaufen. Auf der anderen Seite habe er keine Bezüge für seine Tätigkeiten als Ge- schäftsführer und Verwaltungsrat erhalten. Gemäss Revision sbericht der G.____ Treuhand ha- be im Jahr 2012 und im Jahr 2013 keine Überschuldung b estanden, weil Rücktrittserklärungen im Umfang von Fr. 1.5 Mio. vorgelegen hätten. Er hab e somit bis mindestens Ende 2013 davon ausgehen dürfen, dass die Aktiengesellschaft zu retten sei . Es liege hier ein Fall vor, wo dem Verwaltungsrat zugestanden habe, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zunächst lebens- wichtige Verpflichtungen zu erfüllen und die AHV-Beit räge offen zu lassen. Zudem fehle es an einem adäquaten Kausalzusammenhang zwischen seinem Verha lten und dem eingetretenen Schaden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 8. April 2016 beantra gte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie verwies dabei im Wesentli chen auf den angefochtenen Ein- spracheentscheid. Zudem wies sie darauf hin, dass sie die W ahl habe, gegen welche Organe sie vorgehen wolle. Da sie keine Kenntnis der mutmasslich f aktischen Organe gehabt habe, sei sie zu Recht gegen den Beschwerdeführer als einziges formelles Organ vorgegangen. Bei Akti- engesellschaften seien grundsätzlich strenge Massstäbe an di e Aufmerksamkeit der Organe hinsichtlich der Befolgung der öffentlich-rechtlichen Vorschriften über die Bezahlung von Sozial- versicherungsbeiträgen anzulegen. Vorliegend sei die Or ganisationsstruktur der Aktiengesell- schaft überschaubar gewesen. Selbst den nicht mit der Ge schäftsführung und den finanziellen Belangen beauftragten Mitgliedern des Verwaltungsrats stehe die unübertragbare und unent- ziehbare Aufgabe zu, die Oberaufsicht über die mit de r Geschäftsführung betrauten Personen auszuüben. Die Sorgfaltspflichtverletzung liege dann vor, wenn der Verwaltungsrat diese un- übertragbaren Aufgaben nicht ordnungsgemäss wahrnehme. Der Beschwerdeführer sei dieser Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen. Das Einschiessen privater Mittel könne nur als Exkulpati- onsgrund berücksichtigt werden, wenn damit Bestrebungen zur Bezahlung der ausstehenden Beiträge unternommen worden seien. Vorliegend seien zu dem keine Bestrebungen unternom- men worden, um die finanzielle Situation zu verbessern. Eine wirksame Sanierungsmassnahme sei etwa darin zu sehen, wenn die Lohnsumme erheblich gesenkt werde. Hier sei die Jahres- lohnsumme vom 2012 ins 2013 noch gesteigert worden, ob wohl bereits erhebliche Zahlungs- schwierigkeiten bestanden hätten. Es seien auch keine anderen Restrukturierungsmassnahmen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bekannt. Das passive Verhalten des Beschwerdeführers gege nüber den mutmasslich fakti- schen Organen könne ihn nicht entlasten. Zudem habe es si ch nicht um eine kurzfristige finan- zielle Schieflage gehandelt. D. In der Folge zog das Gericht die Konkursakten der B. ____ AG bei. E. Mit Replik vom 21. Juli 2016 hielt der Beschwerdeführ er an den bereits gestellten Rechtsbegehren fest. Dem Beschwerdeführer sei eine gewisse Übergangszeit zur Frage, ob die Bilanz deponiert werden müsse, zuzugestehen. Der in dieser Zeit entstandene Beitragsschaden sei nicht zu ersetzen. Der Kausalzusammenhang zwischen de m bestrittenen Fehlverhalten des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden sei dur ch das schuldhafte Verhalten der beiden anderen Organe unterbrochen worden. Der Beschw erdeführer sei nur für die Buchhal- tung und für die Rechnungsstellung an die Auftraggebe r zuständig gewesen. Er sei selbst hin- tergangen worden. Das späte Aufscheinen der Probleme m it dem Grosskunden C.____ GmbH Ende September 2013 sei ohne weiteres als Aspekt der rel ativ kurzen Zeit zu werten und führe zur kompletten Entlastung des Beschwerdeführers, der umgeh end die Bilanz deponiert habe, nachdem der Einigungsversuch vom 21. Oktober 2013 defin itiv gescheitert sei. Vor Ende Sep- tember 2013 habe die C.____ GmbH die Akontozahlungen beglichen, weshalb man auf eine Sanierung der B.____ AG habe hoffen dürfen. F. Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 17. August 2016 an ihrem bisherigen Antrag und den gemachten Standpunkten fest, dass das Ve rhalten der mutmasslich faktischen Organe F.____ und E.____ den Beschwerdeführer nicht e ntlasten könne. Betreibungen seien seit dem 1. Dezember 2012 in die Wege geleitet worde n. Damit seien die Zahlungsschwierig- keiten nicht erst ab September 2013 eingetreten und di es auch nicht alleine aufgrund des Ver- haltens des Grosskunden C.____ GmbH. Spätestens ab August 2013 hätte der Beschwerde- führer von den Zahlungsschwierigkeiten wissen können, zumal er den besagten Zahlungsbefehl selbst entgegengenommen habe. G. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 4. April 2017 , an welcher D.____, F.____ und E.____ als Auskunftspersonen befragt wurden, hielten d ie Parteien an ihren Anträgen fest. Auf die Aussagen wird – soweit erforderlich – in den Erwäg ungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allg emeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechtes (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ein spracheentscheide der Versi- cherungsträger Beschwerde erhoben werden. Jeder Kanton bestellt ein Versicherungsgericht als einzige Instanz zur Beurteilung von Beschwerden aus de m Bereich der Sozialversicherung (Art. 57 ATSG). Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonal en Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons zur Beurteilung von Beschw erden gegen Einspracheentschei- de der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG sachlich zu ständig. Nach Art. 52 Abs. 5 des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversiche rung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 ist in Abweichung von Art. 58 Abs. 1 ATSG für Be schwerden betreffend Schadenersatz- ansprüche der Ausgleichskassen das Versicherungsgericht desj enigen Kantons zuständig, in dem der Arbeitgeber seinen Wohnsitz hat, beziehungsweise die als Arbeitgeberin auftretende juristische Person ihr statutarisches Domizil hat, ungeacht et des jeweiligen Wohnsitzes der in Anspruch genommenen Organe. Da die B.____ AG ihren statutarischen Sitz in Z.____ hatte, ist auch die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gege ben. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer gemäss Art. 52 AHVG für den bei der Beschwerdegegnerin entstandenen Schaden haften muss. 3.1 Nach Art. 52 Abs. 1 AHVG hat ein Arbeitgeber, wel cher der Versicherung durch ab- sichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine jur istische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts führung oder Liquidation befassten Perso- nen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden ve rantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG). Die Ha ftung nach Art. 52 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d .h. es muss ein Schaden einge- treten sein, der auf widerrechtliches und schuldhaftes Ve rhalten der Arbeitgeberin und – sub- sidiär – des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. 3.2 Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwi- ckelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invaliden- versicherung vom 19. Juni 1959), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft vo m 25. September 1952) und Arbeits- losenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen- versicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25. Juni 19 82) sowie auf jene an die Famili- enausgleichskassen gemäss dem Bundesgesetz über die Famili enzulagen vom 24. März 2006 (Art. 25 lit. c). 4.1 Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers bzw. des vera ntwortlichen Organs setzt zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag ent geht. Die Höhe des Schadens ent- spricht dabei dem Betrag, den die Kasse nicht erhältlich machen kann (THOMAS NUSSBAUMER , Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach A rtikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Ab rechnungspflicht des Arbeitgebers gehö- ren auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Die Beschwerdegegnerin macht gegenüber der Beschwer deführerin aufgrund der un- gedeckt gebliebenen Forderung einen Schaden im Umfang Fr. 286‘695.45 geltend. Die Höhe des Schadens und der ihm auferlegten Schadenersatzford erung werden berechnungsmässig vom Beschwerdeführer nicht bestritten, sodass das Kantonsge richt keine Veranlassung hat, diese von der Berechnung her zu überprüfen. Der Verwal tungsprozess ist zwar vom Untersu- chungsgrundsatz beherrscht, dieser entbindet jedoch die rechtsuchende Partei nicht davon, selber die Beanstandungen vorzubringen und ihrerseits zu r Feststellung des Sachverhaltes beizutragen (vgl. dazu Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Schwei- zerisches Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 1 9. Juli 1996, H 313/95, E. 4). Mangels offenkundiger Anhaltspunkte für Berechnungsfeh ler ist die Schadensberechnung der Beschwerdegegnerin daher zu bestätigen und von einem vorliegend relevanten Schadensbe- trag von Fr. 286‘695.45 auszugehen. 5.1 Weitere Haftungsvoraussetzung für die vorliegend massgebliche Schadenersatzforde- rung ist die Widerrechtlichkeit. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vo m 31. Oktober 1947 schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeit nehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit seinen eigenen Beiträgen der Ausgleichskasse periodisch zu entrichten hat. Diese werden von der Ausgleichskasse aufgrund der voraussic htlichen Lohnsumme festge- setzt, wobei die Arbeitgeber wesentliche Änderungen de r Lohnsumme während des Jahres zu melden haben. Nach Ablauf einer Abrechnungsperiode, w elche jeweils das Kalenderjahr um- fasst, nimmt die Ausgleichskasse aufgrund der Abrechnung d er Arbeitgeber den Ausgleich zwi- schen den geleisteten Akontobeiträgen und den tatsächli ch geschuldeten Beiträgen vor, wobei ausstehende Beiträge innert 30 Tagen ab Rechnungsstellun g zu bezahlen sind (Art. 36 Abs. 3 und 4 AHVV). In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalt en, dass die Beitragsforderungen ex lege im Zeitpunkt der Lohnzahlung und damit unabhängig von einer Rechnungsstellung oder Mahnung durch die Ausgleichskasse entstehen (vgl. Urteil des Kantonsgerichts vom 23. Juni 2011, 710 11 49/170, mit Hinweis auf das Urteil des EV G vom 7. Februar 2006, H 152/057, E. 4.3). Diese Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht d es Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Dazu erk lärte das Bundesgericht wiederholt, dass die Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 AHVG bedeute und die volle Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 111 V 172 E. 2; Urteil des EVG vom 10. April 2006, H 26/0 6, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch MARCO REICHMUTH , Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Diss. Freiburg 2008, Rz. 504). 5.2 Im vorliegenden Fall muss der B.____ AG als Arbeitg eberin insofern eine Missachtung von Vorschriften vorgeworfen werden, als sie in den Jah ren 2012 bis 2014 den ihr obliegenden Zahlungsverpflichtungen nur unvollständig nachkam. Die Beiträge wurden unregelmässig be- zahlt und mussten immer wieder gemahnt werden. Die Besc hwerdegegnerin sah sich daher veranlasst, diverse Schuldbetreibungsverfahren einzuleite n. Schliesslich blieben Sozialversi- cherungsbeiträge (inkl. Nebenkosten) in der Höhe von run d Fr. 361‘000.-- offen. Damit ist die Konkursitin ihren Pflichten als Arbeitgeberin nicht nach gekommen und hat öffentlich-rechtliche Vorschriften verletzt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zwischen dem bei der Ausgleichskasse eingetretenen Sch aden und dem pflichtwidri- gen Verhalten des Arbeitgebers bzw. seiner Organe muss so dann ein adäquater Kausalzu- sammenhang bestehen (BGE 119 V 406 E. 4a; so auch Urte il des Kantonsgerichts vom 10. Dezember 2015, 710 14 283/326, E. 3.4). Vorlieg end ist offensichtlich, dass die Nichterfül- lung der der B.____ AG als Arbeitgeberin obliegenden Pflicht zur vollständigen Begleichung der paritätischen Sozialversicherungsbeiträge für den bei de r Beschwerdegegnerin entstandenen Schaden kausal ist und dass ein derartiges Verhalten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken. Der adäquate Kausalzusammenhang ist somit gegeben. 7. Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpfli cht besteht nach dem Wort- laut des Art. 52 Abs. 1 AHVG darin, dass die Missachtung von Vorschriften in absichtlicher oder grobfahrlässiger Weise erfolgt ist. Sowohl den Arbeitgeber als auch das allfällige Arbeitgeberor- gan muss ein Verschulden treffen. Verlangt wird damit e in doppeltes oder zweistufiges Ver- schulden (vgl. MARCO REICHMUTH , a.a.O., Rz. 535). 8.1 Zu prüfen ist in einem ersten Schritt, ob und inwi eweit der entstandene Schaden auf ein qualifiziert schuldhaftes Verhalten der B.____ AG zurückzuführen ist. Wie in Erwägung 5.2 hiervor dargelegt, hat die B.____ AG die Beitragszahlu ngs- und Abrechnungspflicht verletzt, weshalb grundsätzlich von ihrem Verschulden auszugehen ist. Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe alles Mögliche bewerkstelligt, um das Überleben des Unternehmens zu sichern. Es sei für ihn nicht absehbar gewesen, dass es die B.____ AG nicht schaffen würde, die finanzielle Lage zu meistern. Es habe zudem ein Zustand bestanden, der es ihm als Verwaltungsrat er- laubt habe, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mit teln zunächst lebenswichtige Verpflichtun- gen zu erfüllen und die AHV-Beiträge offen zu lassen. 8.2 Das Bundesgericht geht davon aus, dass bei Verletzung der Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht ein Verschulden des Arbeitgebers grun dsätzlich gegeben ist. Lediglich wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlä gigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen, entfällt eine Haftun g (vgl. M ARCO REICHMUTH , a.a.O., Rz. 536; THOMAS NUSSBAUMER , Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG [Haftung des Verwaltungsrates], in: Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 19 96 S. 1077 f. mit Hinweisen auf BGE 108 V 183 E. 1b und ZAK 1985 S. 576 E. 2). Zu diese n besonderen Umständen gehört etwa, wenn es einem Arbeitgeber, der sich in schwieriger fina nzieller Lage befindet, durch das (ab- sichtliche) Nichtbezahlen der Beiträge gelingt, das Überleben des Unternehmens zu sichern. Es muss aber feststehen, dass der Arbeitgeber im Zeitpunkt , in welchem er diese Entscheidung trifft, aufgrund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage damit rechnen durfte, die Forderung der Ausgleichskasse innert nützlich er Frist befriedigen zu können (BGE 108 V 183). Die höchstrichterliche Rechtsprechung geht di esbezüglich davon aus, dass ein konkretes Sanierungskonzept detailliert aufgezeigt werden muss. Zudem ist nachzuweisen, in welchem Zeitraum die zurückgestellten Gläubigerforderung en, insbesondere die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden können (vgl. U rteil des Kantonsgerichts vom 7. April 2016, 710 14 347/85, E. 8.1 mit Hinweis auf Ur teil des EVG vom 19. November 2003, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht H 397/01, E. 6.2.3 mit Hinweis auf BGE 108 V 183 E. 2, bestätigt in BGE 121 V 243; vgl. auch THOMAS NUSSBAUMER , [Haftung des Verwaltungsrates], S. 1078). Auch eine relativ kurze Dauer eines Beitragsausstands kann rechtsprechungsgemäss gegen die Annahme eines groben Verschuldens sprechen. Das Kan tonsgericht ist unlängst in einem Entscheid davon ausgegangen, dass ein Beitragsausstand, der sich über sieben Monate er- streckte, nicht mehr als kurz und damit als exkulpierend angesehen werden könne und dass ein Schadensbetrag von ca. Fr. 129‘000.-- kein geringer Betrag darstelle (vgl. Urteil des Kantonsge- richts vom 14. Januar 2016, 710 14 161/11, E. 6.4). In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass fehlende finanzielle Mittel der Gesellschaft für sich allein selbstverständlich keinen Recht- fertigungs- oder Entschuldigungsgrund darstellen, da a nsonsten die Haftungsvorschrift von Art. 52 Abs. 1 AHVG weitgehend ihres Gehaltes entleert würde (so auch Urteil des Kantonsge- richts vom 10. Dezember 2015, 710 14 283/326, E. 3.3 mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Doktrin). Weiter ist darauf hinzuweisen, dass ein Unte rnehmen bei finanziellen Schwierigkeiten grundsätzlich nur so viel Lohn ausbezahlen darf, als die d arauf unmittelbar entstehenden Bei- tragsforderungen gedeckt werden können (Urteil des Bu ndesgerichts vom 9. Juli 2015, 9C_311/2015, E. 4.2.2, Urteil des EVG vom 18. November 2003, H 397/01, E. 6.2.3). 8.3.1 Zwar kann aufgrund der Aktenlage und der Darleg ungen des Beschwerdeführers ge- schlossen werden, dass er sich redlich für das Überleben de r B.____ AG einsetzte. Im Mai 2013 erstellte er einen Situationsbericht (act. 167). Zudem versuchte er im Oktober 2013 die Zusammenarbeit mit der C.____ GmbH als einzigem Auftra ggeber zu verbessern und die Be- zahlung der Arbeit sicherzustellen (act. 172). Zu beachten ist jedoch, dass es als Rechtfertigung oder Entschuldigung für die Nichtbezahlung von Sozialve rsicherungsbeiträgen nicht genügt, dass Hoffnung auf die Sanierung des Unternehmens besteht . Vielmehr bedingt die Vorausset- zung, wonach die ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge i nnert nützlicher Frist beglichen werden können, dass konkrete, objektive Anhaltspunkte dafü r bestehen, dass das Unterneh- men in absehbarer Zeit saniert werden kann. Dies setzt namentlich das Vorliegen eines konkre- ten Konzeptes voraus, das detailliert aufzeigt, dass u nd in welchem Zeitraum die zurückgestell- ten Gläubigerforderungen – insbesondere die geschulde ten Sozialversicherungsbeiträge – be- zahlt werden können. Die Existenz eines entsprechenden Konzeptes ist vom Beschwerdeführer jedoch weder im Verfahren vor der Beschwerdegegnerin noch im gerichtlichen Beschwerdever- fahren eingereicht worden. Ein solches Dokument findet sich auch nicht in den Konkursakten. Die vom Beschwerdeführer im Mai und im Oktober 2013 un ternommenen Schritte zeigen zu wenig konkret auf, inwiefern eine Sanierung hätte ge lingen und die Ausstände innert nützlicher Frist hätten bezahlt werden können. Im Bericht der Revisionsstelle vom 25. Februar 2013 halt en die Revisoren von G.____ Treu- hand fest, dass sie darauf aufmerksam machen würden, d ass die im Anhang unter Fortführung der Unternehmertätigkeit gemachten Aussagen absolut zw ingend positiv verlaufen müssten. Sollte dem nicht so sein, würde die Fortführung der Un ternehmenstätigkeit verunmöglicht und die Jahresrechnung müsste auf der Basis von Veräusserungswer ten erstellt werden. Zusätzlich sei darauf aufmerksam zu machen, dass die B.____ AG im Sinne von Art. 725 Abs. 2 OR über- schuldet sei. Da Gläubiger der B.____ AG im Betrag von Fr. 1‘512‘340.05 Rangrücktritt erklärt Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hätten, habe der Verwaltungsrat von der Benachrichtigu ng des Richters abgesehen. Die Bilanz wies per Ende Dezember 2012 Passiven im Betrag von Fr. 1‘ 836‘706.02, Fremdkapital im Be- trag von Fr. 3‘167‘936.60, einen Bilanzverlust von Fr . 1‘431‘230.58 und ein Eigenkapital von Minus Fr. 1‘331‘230.58 aus. Von einem kurzfristigen Li quiditätsengpasse kann unter diesen Umständen nicht gesprochen werden. Die Konkursitin war im Herbst 2012, ein Jahr nach ihrer Gründung, offensichtlich weit davon entfernt, kostendecke nde Erträge zu erzielen. Auch die Darlehen des Beschwerdeführers reichten nicht aus, um die Fortsetzung des Betriebs mittel- und längerfristig sicherzustellen, und das Unternehmen geriet durch das Ausbleiben der Zah- lungen durch die C.____ GmbH rasch in existenzielle Schwi erigkeiten. Angesichts dieser Grös- senordnungen war die Unterlassung der Akontozahlungen an die paritätischen Sozialversiche- rungsbeiträge in Höhe von etwas mehr als Fr. 19‘900.- - pro Monat von vornherein nicht geeig- net, die Fortführung des Unternehmens sicherzustellen. Da die Liquiditätssituation die Beglei- chung der vollen Bruttolöhne zuzüglich den Beitragsantei l der Arbeitgeberin nicht zuliess, wäre der Beschwerdeführer gehalten gewesen, die Lohnzahlung en auf ein Mass zu reduzieren, wel- ches die Entrichtung der darauf anfallenden Sozialversiche rungsbeiträge erlaubt hätte. Ein sol- ches Vorgehen ist aber nicht aktenkundig. Somit ergibt sic h aus dem vorstehend Dargelegten, dass unter den vorliegenden Umständen keine begründete A ussicht auf Sanierung der Gesell- schaft und damit auf Begleichung der offenen Forderung en gegenüber der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist bestand, was indes Voraussetzung für die Rechtfertigung eines vorüber- gehenden Beitragsausstandes bildet. 8.3.2 Bei der vorliegenden Sachlage fällt entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers auch eine Berufung auf den Exkulpationsgrund der kurzen Dauer des Beitragsausstandes aus- ser Betracht. Es ist dem Beschwerdeführer zwar insoweit be izupflichten, als nach ständiger Rechtsprechung die relativ kurze Dauer des Beitragsausstan des gegen die Annahme eines schweren Verschuldens sprechen kann; dabei ist aber die versch uldensmässige Wertung der Beitragspflichtverletzung in Würdigung sämtlicher konkr eten Umstände des Einzelfalles, die zum Zahlungsrückstand geführt haben, vorzunehmen (BGE 12 1 V 244 E. 4b mit Hinweis; vgl. auch Urteile des EVG vom 2. Juli 2003, H 179/01, und v om 13. Februar 2001, H 404/99). So vermag auch ein kurzer Ausstand nicht zwangsläufig zu einer E ntlastung des verantwortlichen Organes zu führen, wenn vorher die Beitragsabwicklung nicht klaglos war (Urteil des EVG vom 11. Juli 2006, H 67/06, E. 5.4). Zunächst ist vorliege nd ohnehin fraglich, ob es sich bei den be- stehenden Ausständen noch um einen kurzen Beitragsausstan d handelt. Am 19. September 2012 liess die Beschwerdegegnerin der Konkursitin die Rechnung für die Akontobeiträge für die Zeitperiode vom 1. Januar 2012 bis September 2012 zukom men in der Höhe von Fr. 179‘850.60 basierend auf einer gemeldeten Lohnsum me von Fr. 1‘700‘000.-- (act 10). Be- reits am 23. Oktober 2012 musste die Konkursitin an die offene Rechnung erinnert werden (act. 13). Der Beschwerdeführer selbst nahm am 11. Januar 201 3 den Zahlungsbefehl vom 14. De- zember 2012 in der Höhe von insgesamt Fr. 180‘582.30 ( inkl. Verwaltungskosten und Verzugs- zinsen) entgegen. Am 15. Januar 2013 meldete die B.___ _ AG der Beschwerdegegnerin die korrigierte Lohnsumme 2012 im Betrag von Fr. 1‘922‘03 5.10 und für das Jahr 2013 eine vo- raussichtliche Lohnsumme von Fr. 1‘781‘520.--. Am 13. März 2013 teilte der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin mit, dass er eine Zahlung im U mfang von Fr. 18‘178.15 ausgelöst habe und für weitere Zahlungen ein Zahlungsplan ers tellt werde (act. 28). Mit Verfügung vom Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 14. März 2013 stellte die Beschwerdegegnerin der Konkursitin einen Tilgungsplan zu. Darin war vorgesehen, dass die Konkursitin den Ausstand der Abrech nung vom September 2012 inkl. Mahnungskosten und Verzugszins im Gesamtbetrag von Fr. 180 ‘785.30 in 10 Raten bis Ende 2013 abbezahlt (act. 30; 9 x Fr. 18‘000.-- und 1 x Fr. 18‘785.30). In der Folge musste die Be- schwerdegegnerin auch für die Beiträge für die Monate Oktober 2012 bis Dezember 2012 die Betreibung einleiten (act. 33-38). Aus dem Kontoauszug vom 30. Juni 2014 geht hervor, dass die Konkursitin am 19. März 2013 Fr. 17‘984.75 und am 4. Juli 2013 Fr. 130‘262.-- zahlte. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Ausstand jedoch bereits Fr. 3 61‘680.45. Danach war immer noch eine Forderung von Fr. 231‘418.45 offen. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beiträge bereits ab de r 1. Abrechnungsperiode September 2012 gemahnt werden mussten. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers handelte es sich damit nicht nur um kurzzeitige Beitragsausstände. W ährend mehr als eineinhalb Jahren wurden die Beiträge nicht ordnungsgemäss bezahlt (act. 78). Wenn aber ein Unternehmen die Beiträge über einen erheblichen Zeitraum nur noch schl eppend bezahlt, kann weder von einer klaglosen Zahlungsmoral noch von einem vorübergehenden Liquiditätsengpass gesprochen werden. Zusammenfassend sind somit keine Anhaltspunkte er sichtlich, die das fehlerhafte Ver- halten der Konkursitin als gerechtfertigt erscheinen lasse n würden. Sie trifft im Zusammenhang mit der Verletzung der Beitragszahlungspflicht ein Ver schulden im Umfang grober Fahrlässig- keit. 9.1 Zu prüfen ist das Verschulden des Beschwerdeführers, denn nicht jedes einem Arbeit- geber anzulastende Verschulden muss auch ein solches seine r Organe sein. Vielmehr ist ab- zuwägen, ob und inwieweit eine Handlung des Arbeitge bers einem bestimmten Organ im Hin- blick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerh alb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entschei dend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übe rtragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind bei einer Aktiengesellschaft alle Mitglieder des Verwaltungsrates u nabhängig davon, welche Aufgaben sie tatsächlich erfüllen, Organ im formellen Sinn (Urteil des Bundesgerichts vom 30. September 2011, 9C_317/2011, E. 4.1.1) und damit grundsätzlich h aftbar. Bei einfachen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, d er als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstellung zu besorg en hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegie rt hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortun g als einziges Verwaltungsorgan an den Geschäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b). 9.2.1 Der Beschwerdeführer war ab dem Zeitpunkt der G ründung am 17. November 2011 Verwaltungsrat der B.____ AG. Zudem war er ab dem 2. Oktober 2012 bis zum Konkurs einzi- ger Verwaltungsrat und Geschäftsführer der Arbeitgebe rin. Der Beschwerdeführer stellt seine formelle Organstellung denn auch nicht in Abrede. Ebenfalls stellt er nicht in Abrede, dass er für das Rechnungswesen und damit für die Ablieferung der B eiträge zuständig war, da ihm die kaufmännische und administrative Führung der Konkursitin oblag (vgl. Fragebogen vom 31. Juli Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2014, act. 83, und Schreiben vom 2. August 2014, act. 82). Er stellt sich jedoch auf den Stand- punkt, dass E.____ und F.____ faktisch die Geschäftsführun g inne gehabt hätten, was ihn ent- lasten müsse. Sie seien die Einzigen gewesen, die um di e Ausstände der C.____ GmbH ge- wusst hätten. Daher könne er nicht für die ausstehenden Beiträge verantwortlich gemacht wer- den. 9.2.2 Ausschlaggebend ist, dass der Beschwerdeführer Geschäf tsführer und formelles Or- gan der Konkursitin war, die über eine einfache Verwa ltungs- und Organisationsstruktur verfüg- te. Entsprechend darf vom Organ der Überblick über al le Belange verlangt werden und es sind an seine Sorgfaltspflicht grundsätzlich strengere Anforderungen zu stellen (Urteil des EVG vom 18. Januar 2005, H 77/2003, E. 6.4; BGE 108 V 202 E. 3a). In seiner Eigenschaft als geschäfts- führender Verwaltungsrat hatte der Beschwerdeführer de shalb darauf zu achten, dass keine Beitragsausstände entstehen und massgebender Lohn nur in dem Umfang ausgerichtet wird, als die darauf geschuldeten, unmittelbar mit der Lohna uszahlung anfallenden Beitragsverbind- lichkeiten bezahlt oder doch wenigstens sichergestellt werd en können (Urteil des EVG vom 25. Oktober 2004, H 239/03, E. 3.4; SVR 1995 AHV Nr. 70 S. 214 E. 5). Gerade bei einem Un- ternehmen wie der B.____ AG, das sich im Aufbau befind et, ist ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, dass die Sozialabgaben bezahlt werden. Nach der Rechtsprechung ist bei der Gründung und Etablierung einer Firma zwingend darauf zu achten, dass nicht Beitragsausstän- de entstehen (nicht veröffentlichtes Urteil des EVG vom 11. April 1995, H 215/94, zitiert bei THOMAS NUSSBAUMER , Haftung des Verwaltungsrates, S. 1079). Für eigentl iche Kontrollmass- nahmen hätte der Beschwerdeführer insbesondere Anlass ge habt, da die Konkursitin im Jahr 2012 ihren Mitarbeiterbestand von null auf 49 Person en erhöhte und zudem von nur einem ein- zigen Auftraggeber finanziell abhängig war (act. 21). Diese Umstände waren für den Beschwer- deführer erkennbar. 9.2.3 Selbst wenn der Beschwerdeführer die Geschäftsf ührungskompetenzen an F.____ und E.____ delegiert hätte, läge gemäss Rechtsprechung un d Doktrin kein Exkulpationsgrund vor. Im Urteil vom 3. Februar 2010, 710 09 59/30, hielt d as Kantonsgericht fest, dass die Überwa- chungspflicht des Organs dann nicht ausreiche, wenn zwar g eeignetes Personal ausgewählt werde, dieses dann aber nicht genügend überwacht werd e. In diesem vom Kantonsgericht zu beurteilenden Sachverhalt war zwar an sich unbestritten , dass die Organe gegenüber dem Ge- schäftsführer zum Ausdruck brachten, dass die Beitragsverbi ndlichkeiten prioritär abzugelten waren, was der Geschäftsführer in der Folge jedoch unt erlassen hatte. Da die Organe diese Kontrollfunktion nicht wahrnahmen, bejahte das Gericht ihre Haftung. Im Urteil vom 29. April 2015, 710 14 396, E. 4.2, hielt das Kantonsgericht sod ann fest, dass gerade in finanziell schwierigen Zeiten besonders auf die regelmässige Entrich tung der Sozialversicherungsbeiträ- ge zu achten sei, was eine ständige Überwachung der Abre chnungen und Zahlungen bedinge. Selbst wenn somit im vorliegenden Fall die Kompetenze n an F.____ und E.____ delegiert wor- den wären, hätte der Beschwerdeführer seine Überwach ungspflicht stärker wahrnehmen müs- sen. Unter diesen Umständen hat der Beschwerdeführer sein e Pflicht als Verwaltungsrat in grobfahrlässiger Weise verletzt. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3 Der Beschwerdeführer macht zur Exkulpation weiter ge ltend, dass er keine Kenntnis von der finanziellen Lage der Arbeitgeberin gehabt ha be. Diese sei ihm vorbehalten worden. Aufgrund der Akten steht jedoch fest, dass der Beschwerdef ührer schon früh Kenntnis davon hatte, dass die Beiträge nicht ordnungsgemäss bezahlt we rden können, da es in seiner Verant- wortung lag, für die fristgerechte Begleichung der Bei träge zu sorgen. Zudem lag es auch in seinem Zuständigkeitsbereich, Rechnung an die C.____ G mbH zu stellen. Überdies nahm er sodann den ersten Zahlungsbefehl persönlich entgegen. Soweit der Beschwerdeführer vor- bringt, die Probleme seien erst im 2013 eingetreten, kann ihm ebenfalls nicht zugestimmt wer- den. Denn wie bereits in Erwägung 8.3.1 hiervor darge legt, bestanden von Anfang an Zah- lungsschwierigkeiten. Letztendlich wurde kein einziger Akontobeitrag pünktlich bezahlt. 9.4 Der Beschwerdeführer macht zu seiner persönlichen Entlastung ausserdem geltend, dass er persönliche und finanzielle Anstrengungen untern ommen habe, die eine Haftung aus- schliessen würden. In der Hoffnung, den Betrieb saniere n zu können, habe er Fr. 1,8 Mio. ein- geschossen. Die Ausstände hingegen hätten höchstens Fr. 2 86‘000.-- betragen. Er habe also sechs Mal mehr in die Fortführung der Konkursitin invest iert als die Beschwerdegegnerin. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellen das Einschiessen von eigenen Mitteln oder der Verlust von eigenen Mitteln keine Rechtfertigungsgrü nde dar, die für sich allein zur Verneinung einer Haftung führen könnten (Urteil des EVG vom 19. Juli 2004, H 26/04, E. 3.2.2). Darauf weist die Beschwerdegegnerin zu Recht hin. Vorliegend wu rden die eingeschossenen Mittel vom Beschwerdeführer als Darlehen gewährt. Diese stellte n somit kein frisches Kapital für die B.____ AG dar; vielmehr führten sie zu einer Erhöhung der Passiven. Zudem ist nicht ersicht- lich, zu welchen Konditionen die Darlehen gewährt wurd en. Nicht ausgewiesen ist weiter, dass mit den vom Beschwerdeführer eingeschossenen Mitteln ta tsächlich auch Sozialversicherungs- beiträge bezahlt wurden. Die gewährten Darlehen stellen damit keinen Exkulpationsgrund dar. 9.5 Ausser den vorstehend genannten Einwänden bringt der Beschwerdeführer keine an- deren Gründe vor, die geeignet wären, die Missachtung der Beitragszahlungspflicht als gerecht- fertigt oder zumindest als entschuldbar erscheinen zu lassen . Die Akten enthalten ebenfalls keine zusätzlichen Anhaltspunkte, die gegen eine Schadene rsatzpflicht des Beschwerdeführers sprechen würden. Somit ist seine Haftung nach Art. 52 AH VG zu bejahen. Der Eintritt der Ver- wirkung oder Verjährung wird vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht, sodass auf dies- bezügliche Ausführungen verzichtet werden kann. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ergibt sich zusammenfassend, dass die Voraussetzungen für die Leistung von Schadenersatz erfüllt sind. Rechtfertigungs- oder Exkulpationsgründe liegen keine vor. Die Beschwerdegegne- rin hat demnach den Beschwerdeführer zu Recht verpflichte t, Schadenersatz für entgangene bundesrechtliche Beiträge im Umfang von Fr. 286‘965.45 zu bezahlen. Die gegen den Ein- spracheentscheid vom 11. Januar 2016 erhobene Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 10. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten des Prozesses können wettgeschlagen werden. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht