<h2>SubmittedText<h2><p>Seit rund zehn Jahren beobachten wir eine alarmierende Zunahme des Konsums von Metylphenidat (Ritalin, Concerta), einer Substanz vom Amphetamin-Typ, die in der Schweiz als Betäubungsmittel klassifiziert ist. Die Vereinten Nationen haben diese Substanz gemäss der Konvention über die psychotropen Substanzen von 1971 der Kategorie II zugeteilt, zu der auch Kokain und Morphinderivate gehören. Es steht somit sowohl für die Schweiz als auch für die Vereinten Nationen fest, dass beim Konsum von Metylphenidat eine Gewöhnungsgefahr und ein Suchtrisiko bestehen. Aus diesem Grund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen zur Verabreichung von Metylphenidat an Kinder und Jugendliche: </p><p>1. Gibt es verbindliche Zahlen, wie sich die Zunahme der Abgabe von Ritalin, Concerta und ähnlichen Psychopharmaka an Kinder und Jugendliche in den letzten zehn Jahren entwickelt hat? </p><p>2. Was waren die Gründe für diese Entwicklung? </p><p>3. Wie viele Kinder und Jugendliche erhalten Ritalin, Concerta und ähnliche Psychopharmaka und aus welchen Gründen? </p><p>4. Jedes Medikament hat bekannterweise auch Nebenwirkungen. Gibt es Untersuchungen über die Nebenwirkungen von Ritalin, Concerta und ähnlichen Psychopharmaka? </p><p>5. In der Ritalin-Packungsbeilage sind unter anderem folgende Nebenwirkungen beschrieben: Nervosität und Schlaflosigkeit, Abnahme des Appetites, Hautausschlag, Juckreiz, Fieber, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen, unregelmässiger Herzschlag. Was wird unternommen, um die Konsumenten (oder im Fall von Kindern die Eltern) auf diese Nebenwirkungen aufmerksam zu machen? </p><p>6. Existieren auch Studien über die erreichten Resultate der Verabreichung von Ritalin, Concerta usw. an Kinder? Was sind die konkreten Vorteile? Wo sind die Nachteile? </p><p>7. Gibt es Bestrebungen, Warnungen direkt auf der Verpackung anzubringen, so, wie dies bei Zigarettenpäckchen bereits angewandt wird (wie z. B. "Rauchen schadet Ihrer Gesundheit")? </p><p>8. Wäre es nicht zweckmässiger, alternative, nichtmedikamentöse Behandlungsmethoden seitens der Behörden bekannter zu machen, um die Gesundheit der Kinder nicht zu gefährden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ritalin ist ein seit 1954 in der Schweiz zugelassenes Arzneimittel. Für die Zulassung jedes Arzneimittels müssen Wirksamkeit und Sicherheit nachgewiesen werden. Dies wird vom Schweizerischen Heilmittelinstitut (Swissmedic) gemäss den gesetzlichen Vorgaben und internationaler Standards geprüft. Auch nach der Zulassung wird die Sicherheit der Arzneimittel kontinuierlich überwacht. </p><p>1./3. Wie der Bundesrat bereits in der Antwort auf die Frage von Siebenthal 08.5170 festgehalten hat, gibt es zurzeit in der Schweiz keine verbindlichen Daten über die Entwicklung der Verschreibung von Ritalin und wirkstoffgleichen Arzneimitteln an Kinder und Jugendliche. Laut Angaben von Swissmedic, die sich auf die Herstellerfirmen bezieht, ist von einer Steigerung des Verbrauchs auszugehen. Es ist allerdings zu beachten, dass sich diese Zahlen nicht nur auf den Verbrauch bei Kindern und Jugendlichen beziehen, sondern ebenfalls auf denjenigen bei Erwachsenen. </p><p>2. In der Schweiz stehen keine Angaben zu den behandelten Patienten und Patientinnen, wie beispielsweise Alter oder Behandlungsdauer, zur Verfügung. Es ist folglich nicht bekannt, wie viele Kinder und Jugendliche mit Ritalin oder wirkstoffgleichen Arzneimitteln behandelt werden. </p><p>4. Zu Ritalin wurden auch nach der Zulassung zahlreiche (über 200) klinische Prüfungen zur Langzeitsicherheit sowie zu weiteren spezifischen Fragestellungen wie zum Beispiel zum Suchtpotenzial durchgeführt. Es liegt somit eine umfangreiche Datenbasis vor. Deshalb sind die Nebenwirkungen von Ritalin auch bei Kindern und Jugendlichen gut bekannt. Die zuständigen Fachleute wurden von Swissmedic mehrmals über neue Erkenntnisse informiert, und die Arzneimittelinformation wurde entsprechend angepasst. </p><p>5. Es ist Aufgabe des behandelnden Arztes resp. der behandelnden Ärztin, die Indikation zur Verschreibung von Ritalin sorgfältig zu stellen und die Patienten resp. gegebenenfalls die Eltern über unerwünschte Nebenwirkungen aufzuklären. </p><p>6. Es gibt verschiedene Studien mit Kindern und Jugendlichen für besagte Präparate. Bei korrekter Diagnosestellung und unter Einhaltung der zugelassenen Indikationen wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis im Rahmen eines umfassenden Therapieprogramms (psychologische, schulische, soziale Massnahmen usw.) als positiv beurteilt: Das allgemeine Wohlbefinden nimmt zu, Patienten und Patientinnen haben weniger Probleme bei der Integration in die Schule, das Lernverhalten verbessert sich, das Selbstwertgefühl wird verstärkt usw.</p><p>Es ist Sache des behandelnden Arztes resp. der behandelnden Ärztin, in jedem einzelnen Fall abzuklären, was die Vor- und Nachteile einer Behandlung sind.</p><p>7. Die Packungstexte eines Arzneimittels enthalten gemäss gesetzlichen Vorgaben die notwendigen Informationen zur Anwendung eines Arzneimittels. Die Angaben zu Nutzen und Risiken sind in der Packungsbeilage detailliert aufgeführt. Es ist nicht vorgesehen, einzelne Warnhinweise auf der Verpackung anzubringen, denn das könnte davon abhalten, die Packungsbeilage zu lesen. Solche Hinweise sind daher nur in Ausnahmefällen bei akuten und spezifischen Risiken vorgesehen, wie zum Beispiel für den Fall, dass ein Notfallmedikament nicht unverdünnt gespritzt werden darf. </p><p>8. Eine Behandlung von Kindern gemäss den anerkannten Regeln der medizinischen Wissenschaften (lege artis) mit Ritalin und wirkstoffgleichen Arzneimitteln stellt aufgrund des heutigen Wissensstands keine Gefährdung für die Kinder dar. Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf die Frage von Siebenthal 08.5170 festhielt, sieht er nach heutigem Stand des Wissens und aufgrund der vorhandenen Informationen keine Veranlassung, bei der Zulassungsbehörde oder den Fachgremien zu intervenieren.</p>  Antwort des Bundesrates.