A bteilung V E -2426/2007 {T 0/2} U rteil vom 19. Juli 2007 M itw irkung: R ichterin Luterbacher, R ichter W eber, R ichterin Kojic G erichtsschreiber Felder T._______, C hina (Volksrepublik), derzeit w ohnhaft U ._______, vertreten durch lic. iur. M ichael G uidon, Berner R echtsberatungsstelle für Asylsuchende, (...), Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung des B FM vom 28. M ärz 2007 i.S. vorsorgliche W egw eisung / N (...) B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer, ein chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie, stellte am 21. August 2006 in der Schw eiz ein erstes Asylgesuch. Auf Vorhalt hin gab er w ährend des Verfahrens an, er habe in Belgien am 26. April 2006 schon ein Asylgesuch gestellt, w elches nach circa einem M onat jedoch negativ entschieden w orden sei. D araufhin habe er sich per Zug nach Frankreich begeben, von w o aus er am 14. August 2006 ein erstes M al in die Schw eiz habe gelangen w ollen. D abei sei er vom Schw eizer G renzw achtkorps aufgegriffen und nach Frankreich zurück- gew iesen w orden. Später sei es ihm gelungen, m it dem Zug illegal in die Schw eiz einzureisen (A8). B. M it Verfügung vom 18. Septem ber 2006 ordnete das BFM die vorsorgliche W eg- w eisung des Beschw erdeführers nach Frankreich an (A11). C . Am 19. Septem ber 2006 w urde der Beschw erdeführer in Basel anlässlich einer grenzpolizeilichen Personenkontrolle bei der Einreise von Frankreich herkom m end in die Schw eiz angehalten. N achdem gegen den Beschw erdeführer vom G renz- w achtkorps eine bis am 17. Septem ber 2009 gültige Einreisesperre verfügt w orden w ar, w urde er gleichentags nach Frankreich zurückgew iesen. D . Am 24. O ktober 2006 w urde das Asylgesuch des Beschw erdeführers vom BFM als gegenstandslos abgeschrieben. E. Am 24. N ovem ber 2006 reiste der Beschw erdeführer aberm als in die Schw eiz ein und stellte ein zw eites Asylgesuch. Er w urde am 21. D ezem ber 2006 vom BFM sum m arisch (B1 und B2) und am 15. Februar 2007 durch den M igrationsdienst des Kantons Bern ausführlich (B12) zu seiner Person und den G ründen seines Asylge- suchs befragt. D abei m achte er geltend, nach seiner R ückw eisung nach Frank- reich durch die schw eizerischen Behörden habe er sich w iederum nach Belgien begeben, um dort ein zw eites Asylgesuch zu stellen. D a er jedoch keine Papiere habe abgeben können, sei dieses negativ entschieden w orden. Er habe Belgien in- nert fünf Tagen verlassen m üssen und sei dann w ieder in die Schw eiz gekom m en. D er Beschw erdeführer gab keine Identitätspapiere zu den Akten, reichte jedoch D okum ente aus den beiden belgischen Asylverfahren ein (B8). F. Am 6. M ärz 2007 stim m ten die belgischen Behörden auf Anfrage des BFM einer R ückübernahm e des Beschw erdeführers zu (B14). G . M it Schreiben vom 22. M ärz 2007 nahm der Beschw erdeführer m ittels seines R echtsvertreters aufforderungsgem äss Stellung zur beabsichtigten vorsorglichen W egw eisung nach Belgien (B16). D abei m achte er insbesondere geltend, ihm sei in Belgien die Anerkennung als Flüchtling untersagt und auch kein subsidiärer Schutz gew ährt w orden. Es drohe ihm von dort die R ückschaffung nach C hina. H . M it Verfügung vom 28. M ärz 2007 ordnete das BFM die vorsorgliche W egw eisung des Beschw erdeführers nach Belgien an und forderte den Beschw erdeführer auf, sofort die Schw eiz zu verlassen. Einer allfälligen Beschw erde w urde die aufschie- bende W irkung entzogen. D ie W egw eisung nach Belgien sei m öglich, zulässig und insbesondere zum utbar, da der Beschw erdeführer sich einige Zeit in Belgien aufgehalten habe, Belgien 3 sich an die einschlägigen internationalen Abkom m en halte und er folglich keine Abschiebung befürchten m üsse, w enn er eine entsprechende G efährdung geltend m ache. Schliesslich könne er sich in Belgien um die neu in Kraft getretene "pro- tection subsidiaire" bem ühen. I. M it Beschw erde vom 3. April 2007 (per Fax und Post) beantragte der Beschw erde- führer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung: Es sei ihm das R echt zu ge- w ähren, den Entscheid über sein Asylverfahren in der Schw eiz abzuw arten. Ausserdem ersuchte er um W iederherstellung der aufschiebenden W irkung der Beschw erde und um unentgeltliche Prozessführung. M it der Beschw erde reichte der Beschw erdeführer Kopien von zw ei Schreiben (chinesisch und tibetisch) seiner Eltern ein, die erklärten, w arum sie ihm seine G eburtsurkunde nicht zustellen könnten. J. M it Fax vom 3. April 2007 ersuchte das Bundesverw altungsgericht die Behörden des zuständigen Kantons, von Vollzugshandlungen einstw eilen abzusehen. K. M it Verfügung vom 10. April 2007 räum te das Bundesverw altungsgericht der Be- schw erde aufschiebende W irkung ein, hiess das G esuch um unentgeltliche R echtspflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. L. M it Eingabe vom 25. April 2007 reichte der Beschw erdeführer die O riginalschrei- ben seiner Eltern sow ie das Zustellkuvert aus C hina ein. M . M it Schreiben vom 7. M ai 2007 reichte die Vorinstanz aufforderungsgem äss ihre Vernehm lassung ein. N . M it Verfügung vom 1. Juni 2007 gab das Bundesverw altungsgericht dem Be- schw erdeführer G elegenheit, Stellung zu nehm en zur vorinstanzlichen Vernehm - lassung, zu einer Aktennotiz des Bundesam ts sow ie zu den von Am tes w egen übersetzten Akten aus den belgischen Asylverfahren. O . M it Schreiben vom 14. Juni 2007 nahm der Beschw erdeführer aufforderungsge- m äss Stellung. P. Am 26. Juni 2007 reichte der R echtsvertreter seine Kostennote zu den Akten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz. D as Bundesver- w altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 [AsylG , SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]).4 1.2 Bei der Anordnung einer vorsorglichen W egw eisung gem äss Art. 42 Abs. 2 AsylG handelt es sich um eine selbständig anfechtbare Verfügung im Sinne von Art. 107 Abs. 2 Bst. a AsylG , som it um ein taugliches Anfechtungsobjekt einer Verw al- tungsbeschw erde, für deren Behandlung das Bundesverw altungsgericht zuständig ist. 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist so- m it einzutreten. 3. W er in der Schw eiz ein Asylgesuch gestellt hat, kann sich gestützt auf Art. 42 Abs. 1 AsylG grundsätzlich bis zum Abschluss des Verfahrens hierzulande aufhal- ten. G em äss Absatz 2 der genannten Bestim m ung kann der G esuchsteller jedoch vom BFM vorsorglich w eggew iesen w erden, w enn die W eiterreise in einen D ritt- staat zulässig, zum utbar und m öglich ist. D er Vollzug der W egw eisung ist nicht m öglich, w enn der Betroffene nicht in einen D rittstaat ausreisen oder dorthin gebracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Betroffenen in einen D rittstaat entgegenstehen (vgl. Art. 14a Abs. 2 und 3 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20]). Zum utbar ist die W egw eisung in einen D rittstaat nach Art. 42 Abs. 2 AsylG nam entlich, w enn dieser Staat vertraglich für die Behandlung des Asylgesu- ches zuständig ist (Bst. a), sich der G esuchsteller einige Zeit dort aufgehalten hat (Bst. b) oder dort nahe Angehörige oder andere Personen leben, zu denen er enge Beziehungen hat (Bst. c) (vgl. die w eiterhin zutreffende R echtsprechung der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [AR K] in Entscheidungen und M itteilungen der AR K [EM AR K] 2004 N r. 40 E. 3.3 und EM AR K 1998 N r. 24 E. 5a S. 210 f., w o- bei sich Letzterer auf den altrechtlichen Art. 19 aAsylG bezieht, w elcher jedoch in Art. 42 AsylG keine inhaltliche Änderung erfahren hat). 4. 4.1 D ie Zulässigkeit einer vorsorglichen W egw eisung in einen D rittstaat nach Art. 42 Abs. 2 AsylG setzt in der R egel voraus, dass der Betroffene im D rittstaat die M ög- lichkeit eines m ehr als nur vorübergehenden Verbleibs hat, d.h. über hinreichende G arantien verfügt, dass er sich dort für die voraussichtliche D auer des in der Schw eiz angehobenen Asylverfahrens legal aufhalten kann (sog. séjour durable, vgl. EM AR K 1998 N r. 24 E. 5d/bb S. 216 f. und EM AR K 2004 N r. 40 E. 3.2.). Von dieser R egel kann abgew ichen w erden, w enn die vorsorgliche W egw eisung in einen D rittstaat erfolgt, in w elchem der Betroffene ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat, sofern dieser Staat einer R ückübernahm e zustim m t und falls des- sen Asylverfahren grundsätzlich G ew ähr für R echtsstaatlichkeit und Einhaltung der 5 völkerrechtlichen N orm en bietet. Ein solches Abw eichen von der R egel verbietet sich, w enn im Einzelfall substanzielle H inw eise auf eine drohende Verletzung des G rundsatzes des N on-R efoulem ent durch diesen D rittstaat vorliegen (vgl. EM AR K 1998 N r. 24 E. 5d/cc S. 217 ff.; ausführlicher dazu s.u. E. 5). 4.2 In der angefochtenen Verfügung hält die Vorinstanz fest, der Beschw erdeführer sei in Belgien nicht an Leib, Leben oder Freiheit gefährdet. Belgien kom m e seinen völ- kerrechtlichen Verpflichtungen nach und der Beschw erdeführer m üsse nicht dam it rechnen, dass er von dort aus in einen m öglichen Verfolgerstaat zurückgeschickt w erde, w enn er eine entsprechende G efährdung geltend m ache. D as belgische Asylverfahren zeichne sich durch einen dreistufigen Instanzenw eg aus. Zudem sei seit dem 10. O ktober 2006 eine neue gesetzliche Bestim m ung be- züglich einer "protection subsidiaire" in Kraft getreten. D er Beschw erdeführer kön- ne sich auf diese neue Bestim m ung berufen und entsprechende W egw eisungshin- dernisse geltend m achen. D ie R echtfertigung des Beschw erdeführers, w onach ihm diese "protection subsidiaire" nicht gew ährt w orden sei, stelle eine reine Parteibe- hauptung dar und w erde durch keinerlei Bew eism ittel unterm auert. 4.3 D er Beschw erdeführer m acht hingegen geltend, er habe seinen Aufenthalt in Bel- gien den Schw eizer Asylbehörden nie verheim licht und hier alle in seinem Besitz befindlichen Verfahrensakten aus Belgien eingereicht. In Belgien sei ihm die Aner- kennung als Flüchtling versagt und auch kein subsidiärer Schutz gew ährt w orden. Jeglicher w eitere Aufenthalt in Belgien sei ihm untersagt w orden, daher drohe ihm von dort die R ückschaffung nach C hina. Ausserdem sei ihm in Belgien eine Liste von Ländern genannt w orden, in w elche er nicht w eiterreisen dürfe; die Schw eiz sei dabei nicht erw ähnt w orden. Es lägen gew ichtige G ründe vor, die gem äss Praxis der Schw eizer Asylbehörden auf das Erfüllen seiner Flüchtlingseigenschaft hindeuteten (EM AR K 2006 N r. 1). In Belgien m üsse er aber m it dem W egw eisungsvollzug nach C hina rechnen, w eil ihm in Belgien offenbar auch kein subsidiärer Schutz ("statut de protection subsidi- aire", bis 9. O ktober 2006 "clause de non-reconduite") gew ährt w orden sei. D am it drohe bei einer vorsorglichen W egw eisung unm ittelbar die Verletzung des G rund- satzes der N ichtrückschiebung von Flüchtlingen (Kettenabschiebung). In seiner letzten Eingabe w ies der Beschw erdeführer darauf hin, dass aus den bel- gischen Verfahrensdokum enten hervorgehe, dass ihm dort w iederholt die Aus- schaffung angedroht w orden sei und dass zuletzt eine allfällige Beschw erde keine aufschiebende W irkung m ehr gehabt hätte. D as belgische Asylverfahren m üsse als abgeschlossen betrachtet w erden. 4.4 Ü bereinstim m end m it der Vorinstanz kann festgehalten w erden, dass Belgien ein europäischer R echtsstaat ist und dass keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sich Belgien nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten w ürde. D en- noch bleibt für das Bundesverw altungsgericht nach Prüfung der Akten im vorliegenden Fall fraglich, ob von einem gesicherten "séjour durable" für den Beschw erdeführer in Belgien ausgegangen w erden kann. D ie Ausführungen der Vorinstanz, w onach der Beschw erdeführer sich in Belgien auf das angeblich neue Institut der "protection subsidiaire" berufen könne und dieses ihm gew ährt w erden w ürde, sind bloss hypothetischer N atur und geben die aktuelle R echtslage im bel-6 gischen Asylrecht nicht vollständig w ieder. Zw ar trifft zu, dass Belgien seit dem 10. O ktober 2006 im R ahm en der Im plem en- tierung der sog. Q ualifikationsrichtlinie der Europäischen U nion (R ichtlinie 2004/83/EG des R ates vom 29. April 2004 über M indestnorm en für die Anerken- nung und den Status von D rittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Flüchtlinge oder Personen, die anderw eitig internationalen Schutz benötigen, und über den In- halt des zu gew ährenden Schutzes; ABl. 2004 L 304 S. 12 ff.) eine neue Bestim - m ung zur "protection subsidiaire" kennt. Anspruch auf subsidiären Schutz hat dem - gem äss eine Person, die die Voraussetzungen für die Anerkennung als Flüchtling nicht erfüllt, die aber stichhaltige G ründe für die Annahm e vorbringt, dass sie bei einer R ückkehr in ihr H erkunftsland tatsächlich G efahr liefe, einen ernsthaften Schaden zu erleiden. Schon vorher existierte im belgischen Asylrecht jedoch ein vergleichbarer subsidiärer Schutztitel (sog. clause de non-reconduite), unter w el- chem nach erfolglosem Asylverfahren die W egw eisung des Ausländers nicht voll- zogen w urde. Für jene Ausländer, die unter altem R echt subsidiären Schutz in Bel- gien erhielten, sieht die G esetzesrevision ein spezifisches Verfahren zur U m w and- lung in einen neurechtlichen Titel vor. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die betroffene Person seit Abschluss des Asylverfahrens das belgische Staatsgebiet nicht verlassen hat. Personen, deren Asylverfahren negativ abgeschlossen w urde und deren W egw eisungsvollzug nicht ausgesetzt w urde und die sich um subsidiä- ren Schutz bem ühen w ollen, bleibt einzig die M öglichkeit, ein w eiteres Asylgesuch zu stellen (vgl. Service Public Fédéral Intérieur, C irculaire relative au statut de pro- tection subsidiaire, 5. O ktober 2006, Staatsblad/M oniteur; C om m issariat G énéral aux R éfugiés et aux Apatrides, C G R A, Prem iers effets de la réform e de la procé- dure d'asile, O ktober 2006; C oordination et Initiatives pour et avec les R éfugiés et Étrangers, C IR E, 1ère étape des réform es en droit des étrangers: la m ise en oeuvre de la protection subsidiaire, undatiert). G em äss Aussagen des Beschw erdeführers – die, sow eit ersichtlich, von den eingereichten belgischen Verfahrensakten bestätigt w erden – hat er in Belgien zw eim al ein Asylgesuch gestellt, w elches beide M ale abgelehnt w urde. Auf den Vollzug der W egw eisung w urde w eder durch eine altrechtliche "clause de non- reconduite" noch durch die G ew ährung des seit dem 10. O ktober 2006 erhältlichen subsidiären Schutzes verzichtet. In Anbetracht der vergangenen Zeit seit seiner Ausreise aus Belgien ist davon auszugehen, dass die beiden Asylverfahren rechtskräftig abgeschlossen sind und dem Beschw erdeführer keine ordentlichen R ekursm öglichkeiten m ehr zur Verfügung stehen. D em Beschw erdeführer verbleibt offensichtlich als letzte M öglichkeit, um sich in Belgien um subsidiären Schutz und som it um einen "séjour durable" zu bem ühen, lediglich die Einreichung eines dritten Asylgesuches. Es steht jedoch nicht fest, dass dieses positiv – zum indest im W egw eisungspunkt – entschieden w ürde, haben die belgischen Asylbehörden doch schon zw eim al ein selbiges G esuch negativ beantw ortet und die W egw eisung des Beschw erdeführers angeordnet sow ie ihm die Ausschaffung angedroht. D aher ist fraglich, ob der Beschw erdeführer über hinreichende G arantien, dass er sich in Belgien für die voraussichtliche D auer des in der Schw eiz angehobenen Asylverfahrens legal aufhalten kann, verfügt.7 5. 5.1 G em äss erw ähnter Praxis (siehe oben E. 4.1.) kann von dem Erfordernis des "séjour durable" abgew ichen w erden, w enn die vorsorgliche W egw eisung in einen D rittstaat erfolgt, in w elchem der Betroffene ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat, sofern dieser Staat einer R ückübernahm e zustim m t und falls des- sen Asylverfahren grundsätzlich G ew ähr für R echtsstaatlichkeit und Einhaltung der völkerrechtlichen N orm en bietet. Ein solches Abw eichen von der R egel verbietet sich, w enn im Einzelfall substanzielle H inw eise auf eine drohende Verletzung des G rundsatzes des N on-R efoulem ent durch diesen D rittstaat vorliegen (vgl. dazu und zum Folgenden EM AR K 1998 N r. 24 E. 5d/cc S. 217 ff., insbesondere S. 220 f.). Bei Staaten, in denen das Asylverfahren hinlängliche G ew ähr für rechtsstaatliche Korrektheit und R espektierung des Prinzips des N on-R efoulem ent bietet, besteht die Verm utung, dass ein rechtskräftiger negativer Asylentscheid ein Indiz für die fehlende Flüchtlingseigenschaft darstellt. D er G egenbew eis zu dieser Verm utung obliegt dem G esuchsteller. Er kann sie nur um stossen, w enn er a) Vorbingen geltend m acht, die derart ernsthaft und gew ichtig sind, dass m it hin- reichender W ahrscheinlichkeit die Flüchtlingseigenschaft erfüllt sein dürfte – denn ohne H inw eise auf die Flüchtlingseigenschaft droht von vornherein keine Verlet- zung des N on-R efoulem ent; b) glaubhaft m acht, dass diese Vorbringen im Asylverfahren des D rittstaates unge- nügend geprüft w urden, und c) nachw eist, dass die vorhandenen M öglichkeiten im D rittstaat zur Korrektur des M angels auf dem R echtsm ittelw eg (oder allenfalls zur "Abhilfe" durch Vollzugsver- zicht) ausgeschöpft sind. Kann der G esuchsteller diese drei Elem ente kum ulativ belegen, ist eine Verletzung des N on-R efoulem ent durch den D rittstaat zu befürchten; dam it w äre der Vollzug der (vorsorglichen) W egw eisung nicht zulässig. Es ist zu präzisieren, dass es hierbei nicht darum geht, ausländische Verfahren und Asylentscheide zu qualifizieren. Vielm ehr ist ausschliesslich die Frage zu prü- fen, ob den Schw eizer Behörden das ausländische Verfahren – generell und im Einzelfall – G ew ähr dafür bietet, dass eine (indirekte) Verletzung des N on-R efoule- m ents m it genügender Sicherheit ausgeschlossen w erden kann. Erst w enn diese Sicherheit besteht, ist die Schw eiz von der völkerrechtlichen Verantw ortung entlas- tet, d.h. kann eine vorsorgliche W egw eisung gem äss Art. 42 Abs. 2 AsylG auch als zulässig erscheinen. 5.2 Im vorliegenden Fall soll die vorsorgliche W egw eisung nach Belgien erfolgen, w o der Beschw erdeführer schon zw eim al erfolglos ein Asylverfahren durchlaufen hat. D ie W egw eisung nach Belgien ist zulässig, sofern Belgien einer R ückübernahm e zustim m t und das belgische Asylverfahren grundsätzlich G ew ähr für R echtsstaatlichkeit und Einhaltung der völkerrechtlichen N orm en bietet. Am 6. M ärz 2007 stim m ten die belgischen Behörden auf Anfrage des BFM einer R ückübernahm e des Beschw erdeführers zu. D aher kann der Vollzug der vorsorgli- chen W egw eisung als m öglich im Sinne von Art. 42 Abs. 2 AsylG und Art. 14a Abs. 2 AN AG qualifiziert w erden (vgl. EM AR K 2004 N r. 40 E. 3.1.). Ausserdem hat 8 Belgien alle relevanten internationalen M enschenrechtsinstrum ente (EM R K, U N O - Pakte) als auch die Flüchtlingskonvention ratifiziert und ist som it an das R efoulem ent-Verbot gebunden. Belgien ist – w ie schon erw ähnt – ein europäischer R echtsstaat, und es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich Belgien nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten w ürde. Vor diesem H intergrund erscheint eine vorsorgliche W egw eisung des Beschw erde- führers nach Belgien trotz fehlendem "séjour durable" auf den ersten Blick zuläs- sig. Es gilt die Verm utung, dass die belgischen rechtskräftigen Asylentscheide ein Indiz für die fehlende Flüchtlingseigenschaft darstellen. D agegen steht dem Be- schw erdeführer jedoch der G egenbew eis offen und es bleibt folglich noch zu prü- fen, ob im vorliegenden Fall substanzielle H inw eise auf eine drohende Verletzung des G rundsatzes des N on-R efoulem ent durch Belgien vorliegen, w elche ein Ab- w eichen von der R egel verbieten w ürden. 5.3 N ach Prüfung der Akten kom m t das Bundesverw altungsgericht zum Schluss, dass zur Beantw ortung der relevanten, in EM AR K 1998 N r. 24 entw ickelten Fragen (s.o. E. 5.1 [a)-c)]) nicht alle benötigten Inform ationen vorliegen. D ie belgischen Entscheide lassen die Staatsangehörigkeit des Beschw erdeführers offen: Einerseits w ird seine chinesische Staatsangehörigkeit in Frage gestellt und die Verm utung geäussert, er stam m e aus einer tibetischen G em einschaft ausserhalb C hinas, andererseits w ird er dennoch im R ubrum der Entscheidungen als chinesischer Staatsbürger bezeichnet (w ie auch in der angefochtenen Verfü- gung des BFM ). G em äss Praxis der AR K ist bei exiltibetischen G esuchstellern je- doch davon auszugehen, dass sie in der R egel, auch w enn sie sich m öglicherw ei- se längere Zeit in Indien oder N epal aufgehalten haben, nicht unbekannter Staats- angehörigkeit sind, sondern die Staatsangehörigkeit der Volksrepublik C hina besit- zen (EM AR K 2005 N r. 1). Ausserdem lassen die belgischen Behörden auch – so- w eit ersichtlich – offen, w ohin der Beschw erdeführer w eggew iesen w erden soll ("an die G renzen des Landes zurückgebracht w erden [...], aus dem Sie geflüchtet sind", BVG er act. 10, Bestätigung des Beschlusses über die Aufenthaltsverw eige- rung vom 15. Juni 2006). D er H erkunftsort des Beschw erdeführers ist des W eiteren auch entscheidend zur Prüfung der Frage, ob vorliegend allenfalls subjektive N achfluchtgründe vorliegen. In EM AR K 2006 N r. 1 (E. 6 S. 10 ff.) hat die AR K festgestellt, dass bei illegal aus C hina ausgereisten Tibetern, w elche – ohne sich vorher länger in Indien oder N epal aufgehalten zu haben – in der Schw eiz ein Asylgesuch stellen, vom Vorliegen subjektiver N achfluchtgründe gem äss Art. 54 AsylG auszugehen ist. Könnten die chinesische Staatsangehörigkeit des Beschw erdeführers sow ie sein Aufenthalt in der Volksrepublik vor der Flucht tatsächlich bejaht w erden – allenfalls m ittels eines Lingua-G utachtens –, so lägen prim a vista (gem äss schw eizerischer R echtsprechung) ernsthafte H inw eise auf seine Flüchtlingseigenschaft vor (vgl. die H inw eise in der Beschw erde S. 3 f.). D iese hier relevanten und interessierenden Fragen w urden im belgischen Asylver- fahren – sow eit aufgrund der unvollständigen Verfahrensakten feststellbar – nicht geklärt. D er Beschw erdeführer hat die Akten, sow eit sie ihm vorlagen, eingereicht. Es w äre an der Vorinstanz gew esen, von den belgischen Behörden in Erfahrung zu bringen, ob und allenfalls w ohin tibetische Asylsuchende, deren Asylantrag 9 abgelehnt w urde, w eggew iesen w erden und ob diese W egw eisungen vollzogen w erden. Von Bedeutung ist auch die Frage, ob die belgischen Behörden – w ie die schw eizerischen – zw ischen aus der Volksrepublik C hina (illegal) geflüchteten Tibetern und solchen aus der D iaspora in N epal, Indien oder andernorts, die in Europa ein Asylgesuch stellen, unterscheiden. Stam m te der Beschw erdeführer tatsächlich aus Indien, so w äre insbesondere die Frage der Zum utbarkeit und M öglichkeit einer R ückkehr zu klären. Sollte eine W egw eisung nach N epal in Betracht gezogen w erden, so w äre vorab der Frage der Zulässigkeit des W egw eisungsvollzugs besondere Beachtung zu schenken, nachdem aus diesem Staat R ückschaffungen von Tibetern in die Volksrepublik C hina bekannt gew orden sind – w as letztlich zum R isiko einer Kettenabschiebung durch eine (indirekte) Verletzung des N on-R efoulem ent führen könnte (vgl. EM AR K 2005 N r. 1 E. 5 S. 11 f.). Es w äre der Vorinstanz oblegen, das Asyldossier des Beschw erdeführers bei den belgischen Behörden anzufordern und w eitere Inform ationen einzuholen. N eben den schon erw ähnten fehlenden Sachverhaltselem enten w äre auch abzuklären gew esen, ob der Beschw erdeführer im konkreten Fall – obw ohl die R echtslage dagegen zu sprechen scheint (s.o. E. 4.4) – tatsächlich einen "séjour durable" in Belgien m ittels einer "protection subsidiaire" hätte erlangen können, w ie es die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung angenom m en hat. 5.4 Zusam m enfassend und abschliessend kann festgehalten w erden, dass zur Beant- w ortung der Frage, ob im vorliegenden Fall die Verm utung, ein ausländischer rechtskräftiger negativer Asylentscheid stelle ein Indiz für die fehlende Flüchtlings- eigenschaft dar, durch einen G egenbew eis um gestossen w erden könne, der Sach- verhalt nicht genügend erstellt ist. Aufgrund der Vorbringen in der Beschw erde und der Akten (nam entlich auch der Auszüge aus den belgischen Verfahrensakten, die der Beschw erdeführer bei der Vorinstanz eingereicht hat) bleiben w esentliche Fragen betreffend das allfällige Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft offen, die von der Vorinstanz zu klären gew esen w ären. D ie angefochtene Verfügung w ird aufgehoben und das Verfahren zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückgew ie- sen. 5.5 D er Vollständigkeit halber sei noch angem erkt, dass das Bundesverw altungsge- richt nicht, w ie von der Vorinstanz in ihrer Vernehm lassung m it Verw eis auf eine Aktennotiz (B23) behauptet, in konstanter Praxis die vorsorgliche W egw eisung von chinesischen Staatsangehörigen tibetischer Ethnie nach Belgien gestützt hat. Bei den von der Vorinstanz in fraglicher Aktennotiz erw ähnten Verfahren handelt es sich allesam t um N ichteintretensentscheide des Bundesverw altungsgerichts infol- ge N ichtbezahlens des Kostenvorschusses. D iese U rteile können m ithin nicht als m aterielle G utheissungen der diesbezüglichen Praxis der Vorinstanz herangezo- gen w erden. 10 6. Aus den obenstehenden Erw ägungen ergibt sich, dass offen ist, ob die Voraussetzungen für eine vorsorgliche W egw eisung des Beschw erdeführers nach Belgien gegeben sind. D ie Beschw erde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Zw ischenverfügung des BFM vom 28. M ärz 2007 aufzuheben und das BFM anzuw eisen, den rechtserheblichen Sachverhalt im Sinne der vorstehenden Erw ägungen vollständig zu erstellen, bevor es in der Sache neu entscheidet. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens w erden keine Kosten erhoben (vgl. Art. 63 Abs. 1 bis 3 Vw VG ). 7.2 D em Beschw erdeführer ist angesichts des O bsiegens im Beschw erdeverfahren in Anw endung von Art. 64 Abs. 1 Vw VG eine Parteientschädigung für ihm erw achse- ne notw endige Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw al- tungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D er R echtsvertreter w eist in seiner Kostennote für das Beschw erdeverfahren (die R echtsvertretung im vorinstanzlichen Verfahren ist für die Festsetzung der Partei- entschädigung vorliegend nicht zu berücksichtigen) einen Aufw and von insgesam t 4 1/4 Stunden aus, der angem essen erscheint. D ie von der Vorinstanz auszurich- tende Parteientschädigung w ird unter Berücksichtigung des vom R echtsvertreter geltend gem achten Stundenansatzes und der aufgeführten Spesen dem nach auf Fr. 865.- festgesetzt (Art. 14 VG KE). (D ispositiv nächste Seite)11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. D ie Zw ischenverfügung des BFM vom 28. M ärz 2007 w ird aufgehoben. 2. D as BFM w ird angew iesen, den rechtserheblichen Sachverhalt im Sinne der vor- stehenden Erw ägungen vollständig zu erstellen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. D ie Vorinstanz w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 865.- (inkl. Auslagen und M w St) auszurichten. 5. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers (2 Expl., eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N [...]) und Kopien der Aktenstücke 3 (Beschw erdeschrift inkl. Beilagen), 6 (Eingabe R echtsvertreter inkl. Beilagen), 9 (Ü bersetzungsauftrag), 10 (Ü bersetzung der belgischen Verfahrensakten) und 12 (Stellungnahm e des Beschw erdeführers zur Vernehm lassung BFM ) des Beschw erdeverfahrens - (...) D ie R ichterin: D er G erichtsschreiber: C hrista Luterbacher Andreas Felder Versand am :