Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. November 2020 (720 20 178 / 270) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Marco Albrecht, Advokat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1978 geborene A.____ erlitt am 13. Februar 2 015 einen Arbeitsunfall auf einer Baustelle, wobei ihm ein Backstein aus mehreren Metern Höhe auf den Kopf und anschliessend auf das linke Kniegelenk fiel. Dabei zog er sich eine Rissq uetschwunde an der Stirn zu. Im wei- teren Verlauf sind Schwindelbeschwerden und ein Tinnit us aufgetreten. A.____ meldete sich am 14. August 2015 unter Hinweis auf Gleichgewichtspro bleme, Tinnitus sowie Kiefer- und Na- ckenprobleme bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stel le) zum Leistungsbezug an. Nach Ab- klärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhält nisse sprach die IV-Stelle A.____ mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung vom 3. Januar 2018 nach durchgeführtem Vorbe scheidverfahren für die Zeit vom 1. bis 29. Februar 2016 eine befristete Viertelsrente zu. Am 16. April 2018 stellte A.____ bei der IV-Stelle erneut ein Leistungsgesuch unter Hinweis auf die Folgen eines Arbeitsunfalles am 13. Februar 2015. Die IV-Stelle klärte in der Folge die ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab. Mit Ve rfügung vom 26. März 2020 sprach die IV-Stelle A.____ eine vom 1. Oktober 2018 bis 30. Se ptember 2019 befristete ganze Invaliden- rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Marco Albrecht, mit Schreiben vom 10. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsgeri cht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf- zuheben und es sei festzustellen, dass er einen Anspruch auf eine volle Invalidenrente habe; eventualiter sei festzustellen, dass er einen Anspruch au f eine halbe Invalidenrente habe und weitere medizinische Abklärungen durchzuführen seien. We iter sei festzustellen, dass ihm für das Vorverfahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Marco Albrecht als Rechtsbeistand zu bewilligen sei. C. Mit Verfügung vom 13. Mai 2020 wurde dem Beschwerd eführer die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit A dvokat Marco Albrecht als Rechtsver- treter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Juni 2020 beantrag te die IV-Stelle, dass die Be- schwerde abgewiesen werde. In Bezug auf die unentgeltl iche Verbeiständung im Vorverfahren wies die IV-Stelle darauf hin, dass diesbezüglich noch kei ne Verfügung erlassen worden sei. Dies werde nachgeholt und der Beschwerdeführer werde z u gegebener Zeit eine entsprechen- de Verfügung erhalten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. L aut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde ist demnach grundsätzlich einzutre ten. 1.2.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. Insowe it bestimmt die Verfügung den be- schwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfech- tungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetz ung, wenn und insoweit keine Ver- fügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hinweisen). Streit- gegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtsp flege ist das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet, und zwar in dem Ausmass, als die Rege- lung des Rechtsverhältnisses nach den Parteianträgen des Beschwerdeverfahrens noch streitig ist (vgl. FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 46). 1.2.2 Der Beschwerdeführer beantragt unter anderem, es sei ihm für das Vorverfahren die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die Vor instanz hat in der vorliegend ange- fochtenen Verfügung über den Antrag um Bewilligung d er unentgeltlichen Verbeiständung nicht entschieden. In ihrer Vernehmlassung führte die IV-St elle aus, sie werde noch eine entspre- chende Verfügung erlassen. Damit hat die Vorinstanz in Bezug auf die Gewährung der unent- geltlichen Verbeiständung keinen Entscheid erlassen, weshal b diesbezüglich kein Anfech- tungsgegenstand vorliegt. Auf dieses Begehren kann somit nicht eingetreten werden. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle dem Beschwerdeführer zu Recht lediglich eine vom 1. Oktober 2018 bis 30. Septe mber 2019 befristete ganze IV-Rente zugesprochen hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen de r gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad des Versicherten nach der allgemei- nen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Be schwerdeführer – zu Recht – nicht bestritten wird. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur ( BGE 143 V 409 und 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte I ndikatoren beachtlich, die – unter Berück- sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktor en einerseits und Kompensationspo- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tats ächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4-3.6 und 4.1 ). Gemäss altem Verfahrensstandard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten verlieren ni cht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenhei- ten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschl iessendes Abstellen auf die vorhan- denen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). 5.3.1 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehend er Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.2 Zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit d er Berichte und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen wird der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis die- ser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befan- genheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diese n Berichten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten exter- ner Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berück- sichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtig keit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5.3.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerde führers liegen im Wesent- lichen die folgenden medizinischen Unterlagen vor: 6.1 Mit Schreiben vom 11. April 2018 berichtet die b ehandelnde Psychologin B.____ über den Beschwerdeführer. Als Diagnose hält sie eine Anpassungsstörung mit längerer depressiven Reaktion (ICD-10 F43.21) fest; als Symptome führt sie S chlafstörungen, Reizbarkeit und Wut- ausbrüche, Konzentrationsschwierigkeiten, Hypervigilanz, erhöhte Schreckhaftigkeit; depressi- ver Zustand als Reaktion auf eine länger andauernde Be lastungssituation an. Für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung würden Erinnerungen, Flashbacks oder Träume der Belastung fehlen. Die Situation bezüglich Stimmung, Schlafstörungen, Ärger, emotionales Klima in der Familie habe sich im Verlauf der Psychotherapie v erbessert. Der Beschwerdeführer sei sehr motiviert zurück zur Arbeit gekommen bis November 2017 . Aufgrund der körperlichen Un- fallfolgen (hauptsächlich Schwindel) sei im November 201 7 ein leichter Unfall vorgefallen, der die Ängste und die genannten Symptome wiedererweckt und verschlimmert habe. Ab Novem- ber 2017 sei der Beschwerdeführer wieder einmal wöchen tlich zu ihr in psychotherapeutische Behandlung gekommen. Nach den Osterferien in Italien, wo der Patient seine Familie besucht habe, habe sich sein psychologischer Zustand verschlimmert. Sie habe deshalb einen stationä- ren psychiatrischen Aufenthalt in der Klinik C.____ empf ohlen. Der Beschwerdeführer sei zu 100 % arbeitsunfähig. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, nimmt am 17. Dezember 2018 im Rahmen einer second opinion zu Handen der Visana bezüglich der Arbeitsfähigkeit Stellung. Er diagnostiziert eine mindestens mittelgradige depre ssive Episode, chronifiziert. Aktuell beste- he in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit auf dem Bau a us psychiatrischer Sicht keine Arbeitsfä- higkeit. Die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit in e iner angepassten Tätigkeit sei derzeit aus psychiatrischer Sicht nicht zu beurteilen, der Versich erte müsste allenfalls umgeschult wer- den. 6.3 Am 20. August 2019 ergeht das von der IV-Stelle i n Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten des Zentrums für medizinische Begutachtung (ZMB) mit den Disziplinen Innere Me- dizin, Neurologie, Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO) sowie Psychiatrie und Psycho- therapie. Das Gutachten diagnostiziert mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine generalisier- te Angststörung, eine hochgradige kombinierte Schwerhö rigkeit rechts mit Hörverlust von 56 % und dekompensiertem Tinnitus aurium beidseits sowie ein h ochgradiges Recruitment beidseits als Zeichen der extremen Lärmüberempfindlichkeit (aktu ell kompensierte, peripher-vestibuläre Funktion, kein nachweisbares vestibuläres Defizit). Die Gut achter erachten den Beschwerde- führer aufgrund der Schwindel- und Tinnitusproblemati k sowie aufgrund der Gefahr von Unfäl- len bei Tätigkeiten auf der Baustelle in der bisheri gen Tätigkeit als zu 100 % arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit, körperlich leicht bis mitte lschwer ohne Gefahrenpotenzial, das heisst ohne Tätigkeiten an laufenden Maschinen, ohne Abst urzgefahr, in lärmarmem Umfeld und ohne Arbeiten mit erhöhten akustischen Anforderun gen, sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsfähig. 6.3.1 Aus internistischer Sicht würden keine spezifische n Probleme bestehen, eine Begrün- dung für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus rein internistischer Sicht liege nicht vor. 6.3.2 Von neurologischer Seite sei der Arbeitsunfall mi t Contusio capitis mit RQW im Bereich der Stirn/Nasenbein zu erwähnen. Anlässlich des Unfalls sei es nicht zur Bewusstlosigkeit ge- kommen. Gedächtnislücken seien auch nicht vorhanden, ein e Commotio lasse sich nicht diag- nostizieren. Das CT-Schädel vom 13. Februar 2015 und das MRI des Schädels vom 25. August 2015 hätten keine Hinweise auf strukturelle Hirnverletzu ngen ergeben. Abgesehen von einer ungerichteten Unsicherheit bei den erschwerten Gang- un d Standversuchen nach Augen- schluss sei der klinisch-neurologische Status unauffällig. Hi nweise beziehungsweise eine Be- gründung für eine Arbeitsunfähigkeit würde sich aus neur ologischer Sicht nicht formulieren las- sen. 6.3.3 Aus ORL-ärztlicher Sicht bestehe nach Commotio a uris internae/labyrinthi rechts eine aktuell zentral kompensierte, vestibuläre Funktion. Der beidseitige, dekompensierte Tinnitus sowie das beidseitige, schwere Recruitment, welche aktuell für den Exploranden ein zentrales Problem bedeuten würden, könnten ebenso wenig als rei ne Unfallfolge interpretiert werden wie die in letzter Zeit auffallende Progredienz der kombinierten Hörminderung rechts. 6.3.4 Aus psychiatrischer Sicht hält die Gutachterin Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie fest, beim Exploranden handle es sich um ei nen 41-jährigen Versicherten, der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis im Jahre 2015, als er einen Arbeitsunfall erlitten habe, psychisch eigenanamnestisch unauf- fällig gewesen sei. Beim Unfall habe es sich zwar um ei ne unvorhergesehene Situation gehan- delt, der Versicherte sei von einem Backstein am Kopf ge troffen worden, jedoch sei er bei Be- wusstsein gewesen. Als Folge sei möglicherweise der Tinni tus geblieben. Es handle sich bei diesem Vorfall nicht um ein Ereignis von genügender Sch were, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Nach neun Monaten, also ab November 2015, habe der Versi- cherte seine Arbeit schrittweise wiederaufgenommen, a b Juli 2016 sei er wieder zu 100 % an der alten Stelle arbeitstätig gewesen. In einem Beri cht von Dr. med. F.____, FMH Oto-Rhino- Laryngologie, vom 16. März 2016 sei festgehalten worden, dass der Versicherte seit einem Mo- nat keine Medikamente mehr nehme, auch kein Antidepre ssivum und er auch gut schlafe. Es habe nach wie vor eine Hörminderung und ein Tinnitus rechts mit intermittierenden, nicht täglich auftretenden Drehschwindelbeschwerden bei vermehrter k örperlicher Belastung und teilweise auch bei schnellem Aufrichten bestanden. Dr. E.____ hält fest, dass der Versicherte damals zu 80 % arbeitsfähig gewesen sei. Ab dem 6. November 20 17 habe er sich gemäss einem Aus- sendienstrapport mit dem Arbeitgeber aufgrund der Schwindelbeschwerden und dem störenden Tinnitus nicht mehr in der Lage gefühlt zu arbeiten. Ausserdem habe er Stress mit der Ehefrau und den Kindern, deswegen könne er nachts nicht schlafen u nd sei erschöpft. Erst im An- schluss an die Arbeitsniederlegung und offenbar einer Kündigung durch den Arbeitgeber habe der Versicherte eine psychiatrisch beziehungsweise psychotherap eutische Behandlung aufge- nommen. Mittlerweile nehme der Versicherte eine grosse Anzahl an Psychopharmaka ein, die ihrer Meinung nach seine Symptomatik nicht verbessere, s ondern verschlechtert habe. Die Me- dikation helfe dem Versicherten bei der Überzeugung, d ass bei ihm etwas nicht stimme. Die aktuelle psychosoziale Situation sei zu einem grossen Teil für die jetzige Situation verantwort- lich. Der Versicherte, der erst sehr kurze Zeit in der Schweiz lebe, hier noch nicht assimiliert sei, habe kein stabiles Beziehungsnetz, welches ihm in der aktu ellen Situation helfen würde. Seine Sprachkenntnisse in der deutschen Sprache seien rudimen tär. Als Kündigungsgrund sei eine ungenügende Arbeitsleistung mit vielen Fehlzeiten und dem fehlenden Willen, sich zu entwi- ckeln, angegeben worden. Im Vordergrund stehe jetzt eine chronifizierte subjektive Angstsymptomatik. Diese Angstsymp- tomatik habe offenbar zu Beginn der psychologischen Behan dlung noch nicht in dem Masse bestanden, sondern vergrössere sich ständig, insbesonder e seitdem die IV eine Weiterführung der für einen Monat ausgerichteten Rente abgelehnt ha be. Aus ihrer Sicht sei der Versicherte schon zu lange untätig. Es sollten dringend Massnahmen ergriffen werden, um den Versicher- ten wieder an eine Arbeit heranzuführen. Die Beeintr ächtigungen der psychischen Funktionsfä- higkeit seien nicht dermassen ausgeprägt, dass der Versich erte nicht wieder an einem Arbeits- versuch teilnehmen könnte. Er habe in der Zeit nach de m Unfall seine Arbeit wiederaufnehmen können. Nach der Kündigung habe er eine psychiatrisch-p sychotherapeutische Behandlung aufgenommen. Die behandelnde Psychologin habe den Versi cherten als deutlich gebessert geschildert, er sei motiviert zur Arbeit zurückgekommen b is November 2017. Der psychische Zustand habe sich erst nach einem Aufenthalt in Italie n (Osterferien) wieder verschlechtert. In der Untersuchung des ZMB habe der Versicherte vorwiegend über eine Angstsymptomatik ge- klagt. Als Hauptgrund für seine Arbeitsunfähigkeit hab e er jedoch seinen Tinnitus genannt. Er sei in der Untersuchung äusserst klagsam, ganz in seiner Selbstbeobachtung versunken gewe- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen; der Hamilton-Depressionstest ergebe jedoch keine dep ressive Erkrankung mehr. Es be- stehe eine massive psychosoziale Überlagerung. Der Versichert e, der bis zur Einreise in die Schweiz ein psychisch unauffälliges Leben geführt habe, ze ige laut Arbeitgeber wenig Möglich- keiten beziehungsweise Bereitschaft, sich in der Schweiz zu assimilieren. Er verfüge über prak- tisch keine Sprachkenntnisse und offenbar sei auch die Arbeitsleistung nicht genügend, so dass ihm gekündigt worden sei. 6.4 Mit E-Mail vom 8. Mai 2020 berichtet der behandel nde Arzt Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zu Handen des Rechtsvertre ters des Beschwerdeführers über seinen Mandanten. Der Gesundheitszustand habe sich leider nicht verbessert. Der Beschwer- deführer sei von ihm vom 14. bis 29. Februar 2020 zu 10 0 % arbeitsunfähig und ab 1. März 2020 in einer leichten, nicht belastenden Tätigkeit zu 20 % arbeitsfähig geschrieben. 7. Die IV-Stelle stützte sich für ihre Verfügung vom 26 . März 2020 vollumfänglich auf das polydisziplinäre ZMB-Gutachten vom 20. August 2019 und e rachtete den Beschwerdeführer folglich als zu 100 % arbeitsfähig in einer angepassten Tätigkeit ab Begutachtungszeitpunkt (Juli 2019). Aufgrund der Schwindel- und Tinnitusprobl ematik und der damit zusammenhän- genden Gefahr von Unfällen bei der Tätigkeit auf der Baustelle erachten die Gutachter des ZMB die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als nicht mehr möglich. Hingegen gehen sie von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus. Retrospektiv wird gestützt auf die Aktenlage auch in einer adaptierten Tätigkeit von einer 100%ig en Arbeitsunfähigkeit ab Oktober 2017 auf- grund einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes bis zum Begutachtungs- zeitpunkt ausgegangen. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigu ng ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3.1 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, di e aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das ZMB-Gu tachten weist weder formale noch in- haltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allsei tigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakt en abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizi- nischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Einschät- zungen auseinander und es vermag in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. 7.1 Der Beschwerdeführer bringt keine konkreten Beansta ndungen in Bezug auf das Gut- achten vor. Er macht im Wesentlichen geltend, sein ges undheitlicher Zustand sei schlecht, er leide seit seinem Arbeitsunfall vom 13. Februar 2015 an schweren depressiven Störungen und Angststörungen, die zu Schlafstörung, erhöhter Reizbark eit und Konzentrationsschwierigkeiten führen würden, an einem dekompensierten Tinnitus, Schw indel und Schwerhörigkeit. Die seit dem Unfallereignis in Anspruch genommenen ambulanten u nd stationären Behandlungen hät- ten seine gesundheitliche Situation bzw. seine Arbeits fähigkeit nicht wesentlich verbessert. Alle behandelnden Ärzte würden ihm eine volle Arbeitsunfäh igkeit attestieren. Insbesondere halte Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch das ZMB in seinem Gutachten eine volle Arbeitsun fähigkeit auch in einer adaptierten Tä- tigkeit seit Oktober 2017 fest. Das ZMB-Gutachten verweist darauf, dass der Beschwerdeführ er nach dem Unfall 2015 seine berufliche Tätigkeit ab November 2015 wieder zu 50 % aufgenommen und stufenweise bis Juli 2016 auf 100 % gesteigert habe. Es wird auch auf einen Arztbericht von Dr. H.___ verwiesen, wonach der Versicherte im März 2016 keine Medikamente, au ch keine Antidepressiva, genom- men und auch gut geschlafen habe. Eine beständige psych ische Gesundheitsbeeinträchtigung seit dem Unfall im Jahr 2015, die sich auf die Arbeitsf ähigkeit des Beschwerdeführers ausge- wirkt hätte, ist somit aus den Akten – trotz der nach de m Unfall und einem stationären Aufent- halt in der Reha-Klinik H.____ diagnostizierten Angst- und depressiven Störung gemischt (ICD- 10 F41.2) – nicht ersichtlich. Damit kann nicht davon a usgegangen werden, dass der Be- schwerdeführer seit dem Unfall 2015 durchgehend an eine r depressiven Störung und einer Angststörung litt. Was die vom ZMB festgehaltene Arbeit sunfähigkeit in einer adaptierten Tätig- keit ab Oktober 2017 anbelangt, ergibt sich aus dem Gutachten unzweifelhaft, dass diese ledig- lich bis zum Untersuchungszeitpunkt und – entgegen der A uffassung des Beschwerdeführers – nicht darüber hinaus anzunehmen ist. Die Beurteilung von Dr. D.____, welcher im Dezember 2018 aufgrund einer mittelgradigen Episode eine voll e Arbeitsunfähigkeit attestiert hat, konnte von den ZMB-Gutachtern nicht vollumfänglich nachvollzogen, jedoch auch nicht ausgeschlos- sen werden, da sie den Versicherten zu diesem Zeitpunkt n icht untersucht hätten. In ihrer Un- tersuchung zumindest sei die Depression remittiert. Dam it gehen die ZMB-Gutachter zweifellos von einer verbesserten Gesundheitssituation im Zeitpunkt d er Begutachtung aus, weshalb nachvollziehbar ist, dass danach von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen ist. Im Übrigen wird im psychiatrischen Teilg utachten von Dr. E.____ auch ausge- führt, dass die Untersuchungsergebnisse nicht immer valide und nachvollziehbar gewesen sei- en. Insbesondere falle auf, dass der Versicherte, seitde m eine Berentung durch die Suva aus- geschlossen worden sei, immer mehr und immer stärkere S ymptome beklagt habe. Gemäss Gutachterin sei jedoch der zeitliche Verlauf der Angstst örung gänzlich untypisch für eine Symp- tomatik, die posttraumatisch erfolgt sei. Ebenfalls n achvollziehbar begründet wird von Dr. E.____, dass eine differentialdiagnostisch in Frage kommende posttraumatische Belas- tungsstörung nicht gegeben ist. Beim Unfall habe es sich nicht um ein Ereignis genügender Schwere gehandelt. Auch dass der Versicherte über längere Zeit nach dem Unfall wieder an die Arbeitsstelle habe zurückkehren können, spreche gegen ei ne posttraumatische Belastungsstö- rung wie die Tatsache, dass er nicht gezielt Orte und Situationen vermeide, die mit dem Unfall zu hätten. Weiter sei untypisch, dass seine Ängste unspezifi sch und selbst auf harmlose Tätig- keiten wie Fussballspielen oder Velofahren bezogen seien. An der überzeugenden Beurteilung durch das ZMB vermag auch die E-Mail des behandelnden Arztes Dr. G.____ vom 8. Mai 2020, wonach sich der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh- rers nicht gebessert habe und er vom 14. bis 29. Februar 2020 zu 100 % arbeitsunfähig und ab 1. März 2020 in einer leichten, nicht belastenden Tät igkeit zu 20 % arbeitsfähig sei, nichts zu ändern. Der behandelnde Arzt rapportiert einen seit Februar 2019 unveränderten Gesundheits- zustand, stützt sich dabei jedoch lediglich auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ohne Angaben zum objektiven Status zu machen oder ein sich verschlechterndes Krankheits- bild zu dokumentieren. 7.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Rec ht auf das Gutachten des ZMB vom 20. August 2020 abgestellt hat. Demzufolge war der Beschwerdeführer ab Oktober 2017 bis Juli 2019 auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig, danach aber zu 100 % arbeitsfähig. Die Zusprechung einer ganzen IV-Rente vom 1. Oktober 2018 (sechs Monate nach Wiederanmeldung) bis 30. September 2019 i st folglich nicht zu beanstanden, weshalb die vorliegende Beschwerde abzuweisen ist. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom S treitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich- tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich a uf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Ver- fahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdefüh rer ist nun allerdings mit Verfügung vom 13. Mai 2020 die unentgeltliche Prozessführung bew illigt worden. Aus diesem Grund wer- den die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 8.2 Entsprechend dem Prozessausgang wird keine Parteie ntschädigung zugesprochen. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 13. Mai 202 0 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist di eser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarif ordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerde führers hat im vorliegenden Verfah- ren keine Honorarnote eingereicht. Das Gericht setzt di e Parteientschädigung folglich andro- hungsgemäss nach Ermessen fest (§ 18 Abs. 1 der Tarifordn ung für die Anwältinnen und An- wälte vom 17. November 2003). In Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfra- gen erachtet das Gericht eine Parteientschädigung in Höh e von pauschal Fr. 1'000.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer, also insgesamt Fr. 1'077.-- (in klusive Auslagen und 7,7% MWST), als angemessen. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird – soweit darauf eingetret en werden kann – ab- gewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von pauschal Fr. 1'077.-- (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwer tsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht