<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 49 S.214</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">214</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>49 Beschwerdelegitimation.</b></span> <span class="ft3"><b>Grundbuchabgaben.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Kein schutzwürdiges Interesse - als Voraussetzung der Beschwerde-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>legitimation -, soweit es lediglich um die theoretische Klärung einer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Rechtsfrage geht (Erw. I/2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Richtiges Vorgehen, wenn eine Befreiung von der Abgabe zufolge</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Arrondierung (§ 2 Abs. 1 GBAG) beansprucht wird (Erw. I/3).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Auch wenn Vorbringen verspätet erfolgen, hebt dies den Untersu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chungsgrundsatz (§ 20 Abs. 1 VRPG) nicht auf (Erw. I/3).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Kostenverlegung, wenn wesentliche Vorbringen erst verspätet (im</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Beschwerdeverfahren) erfolgen (Erw. II/2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 17. Dezember 2007 in</span><br/> <span class="ft6">Sachen M.M. gegen Departement Volkswirtschaft und Inneres</span><br/> <span class="ft6">(WBE.2007.340).</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">In der Beschwerde gegen die Gebührenfestsetzung durch das</span><br/> <span class="ft1">Grundbuchamt wurde beantragt, die Handänderungsgebühr sei her-</span><br/> <span class="ft1">abzusetzen. In der Begründung wurde als Eventualstandpunkt vorge-</span><br/> <span class="ft1">bracht, wegen der erzielten Arrondierung hätte überhaupt keine</span><br/> <span class="ft1">Handänderungsgebühr erhoben werden dürfen. Das Departement</span><br/> <span class="ft1">Volkswirtschaft und Inneres (DVI) prüfte den (Haupt-)Antrag ma-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">215</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">teriell, setzte, unter Vorbehalt einer nachträglichen Abgabenbefrei-</span><br/> <span class="ft1">ung, die Handänderungsgebühr in teilweiser Gutheissung der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde herab und wies die Sache ans Grundbuchamt zurück, damit</span><br/> <span class="ft1">dieses die Frage der Abgabenbefreiung zufolge vollständiger Arron-</span><br/> <span class="ft1">dierung prüfe; die Rückweisung wurde damit begründet, dass erst im</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahren vorgebracht worden sei, die erzielte Arrondie-</span><br/> <span class="ft1">rung führe zur Abgabenbefreiung.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I/2./2.1. Gemäss § 2 Abs. 1 GBAG werden keine Abgaben er-</span><br/> <span class="ft1">hoben "auf grundbuchlichen Vorgängen, die mit Bodenverbesserun-</span><br/> <span class="ft1">gen (Art. 954 Abs. 2 und Art. 703 des Schweizerischen Zivilgesetz-</span><br/> <span class="ft1">buches) oder Entschuldungsmassnahmen [...] im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">stehen, oder die einen Bodenaustausch zur Abrundung landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlicher Betriebe zum Gegenstand haben, sofern dabei eine volle</span><br/> <span class="ft1">Arrondierung erreicht wird" (im Folgenden als Arrondierungstatbe-</span><br/> <span class="ft1">stand bezeichnet). Aufgrund der Stellungnahme des Grundbuchamtes</span><br/> <span class="ft1">Baden steht fest, dass diese Bestimmung zur Anwendung kommt und</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführer lediglich die unstreitig geschuldeten Fr. 46.--</span><br/> <span class="ft1">(für Auslagen) bezahlen müssen.</span><br/> <span class="ft1">2.2. Die Beschwerdebefugnis (Beschwerdelegitimation) setzt</span><br/> <span class="ft1">ein schutzwürdiges eigenes Interesse voraus (§ 38 Abs. 1 VRPG). An</span><br/> <span class="ft1">einem solchen Rechtsschutzinteresse fehlt es regelmässig dann, wenn</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerde dem Beschwerdeführer keinen Vorteil bringen kann</span><br/> <span class="ft1">(Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren</span><br/> <span class="ft1">nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft1">[Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG], Zürich 1998, § 38 N 129 ff.</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen). Die Beschwerdeführer haben kein schutzwürdiges</span><br/> <span class="ft1">Interesse an einem Entscheid, um wie viel höher die Abgabe wäre,</span><br/> <span class="ft1">wenn sie nicht ohnehin nur Fr. 46.-- zu berappen hätten. Zur theoreti-</span><br/> <span class="ft1">schen Klärung einer Rechtsfrage (in der Eingabe vom 23. November</span><br/> <span class="ft1">2007 wird geltend gemacht, ohne jetzige Entscheidung werde wahr-</span><br/> <span class="ft1">scheinlich bald eine nächste Beschwerde mit diesem Thema einge-</span><br/> <span class="ft1">reicht) steht das Beschwerdeverfahren nicht zur Verfügung (Merker,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">216</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 38 N 130). Auf die Beschwerde ist daher aufgrund des feh-</span><br/> <span class="ft1">lenden Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.</span><br/> <span class="ft1">3. Aus dem Wortlaut von § 2 Abs. 1 GBAG ergibt sich unmiss-</span><br/> <span class="ft1">verständlich, dass der Arrondierungstatbestand nicht zu einem nach-</span><br/> <span class="ft1">träglichen, in einem zweiten Verfahren zu prüfenden Erlass der Ab-</span><br/> <span class="ft1">gabe führt; vielmehr werden von vornherein keine Abgaben gemäss</span><br/> <span class="ft1">GBAG, sondern lediglich (Kanzlei-)Gebühren erhoben. (Anders ver-</span><br/> <span class="ft1">hält es sich bei teilweiser Arrondierung gemäss § 2 Abs. 2 GBAG, da</span><br/> <span class="ft1">dort der Regierungsrat, also eine andere Instanz als das die Abgabe</span><br/> <span class="ft1">festsetzende Grundbuchamt, die Abgabe "angemessen herabsetzen"</span><br/> <span class="ft1">kann.)</span><br/> <span class="ft1">Vor diesem Hintergrund ist die Durchführung des vorinstanzli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verfahrens zu beanstanden. In der Beschwerde an das DVI be-</span><br/> <span class="ft1">antragten die Beschwerdeführer die Herabsetzung der Handände-</span><br/> <span class="ft1">rungsabgabe von Fr. 1'105.-- auf Fr. 100.--; eventualiter machten sie</span><br/> <span class="ft1">geltend, es dürfe gar keine Handänderungsabgabe erhoben werden.</span><br/> <span class="ft1">Wohl ist es widersprüchlich, einen Eventualantrag zu stellen, der</span><br/> <span class="ft1">materiell weiter geht als der Hauptantrag. In einem solchen Fall</span><br/> <span class="ft1">macht es Sinn, vorerst den sog. "Eventualantrag" zu prüfen (da bei</span><br/> <span class="ft1">einer Gutheissung der "Hauptantrag" gegenstandslos wird). Es geht</span><br/> <span class="ft1">aber nicht an, über den "Eventualantrag" gar nicht zu entscheiden;</span><br/> <span class="ft1">dies gilt umso eher, als im verwaltungsinternen Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren ohnehin keine Bindung an die Begehren besteht (§ 43 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">VRPG). Das DVI hätte deshalb - aufgrund der eingeholten Stellung-</span><br/> <span class="ft1">nahme des Grundbuchamtes, worin dieses den Arrondierungstatbe-</span><br/> <span class="ft1">stand ohne Vorbehalt bejahte - selber entscheiden sollen, ob der</span><br/> <span class="ft1">Arrondierungstatbestand gegeben sei; allenfalls hätte es (verfahrens-</span><br/> <span class="ft1">ökonomisch wenig sinnvoll) die Abgabenverfügung vollumfänglich</span><br/> <span class="ft1">aufheben und die Sache zur Prüfung des Arrondierungstatbestandes</span><br/> <span class="ft1">und anschliessendem Erlass einer neuen Verfügung an das Grund-</span><br/> <span class="ft1">buchamt zurückweisen können. Verspätete Vorbringen heben den</span><br/> <span class="ft1">Untersuchungsgrundsatz (§ 20 Abs. 1 VRPG) nicht auf und führen -</span><br/> <span class="ft1">vorbehältlich abweichender gesetzlicher Bestimmungen (wie z.B.</span><br/> <span class="ft1">§ 21 Abs. 2 VRPG; § 193 Abs. 3 StG) - nicht zu einer abweichenden</span><br/> <span class="ft1">materiellen Beurteilung, sondern sind bei der Kostenverlegung zu</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigen (siehe § 33 Abs. 2 Satz 3 VRPG; AGVE 1976,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">217</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">S. 307 ff.; 1972, S. 328). Die vorgenommene Aufteilung in ein Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gungs- und ein anschliessendes Erlassverfahren war denn auch für</span><br/> <span class="ft1">eine angemessene Kostenverlegung nicht erforderlich (siehe dazu</span><br/> <span class="ft1">hinten Erw. II/2).</span><br/> <span class="ft1">II/2. Die dem Grundbuchamt zum grundbuchlichen Vollzug ein-</span><br/> <span class="ft1">gereichten Unterlagen (Kauf-, Tauschvertrag mit Beilagen) werden</span><br/> <span class="ft1">praktisch nie eine Beurteilung erlauben, ob es sich um einen Arron-</span><br/> <span class="ft1">dierungstatbestand handelt, und es ist dem Grundbuchamt nicht zu-</span><br/> <span class="ft1">mutbar, von sich aus danach forschen zu müssen (vgl. § 20 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">VRPG: "Die Behörden prüfen den Sachverhalt <i>unter Beachtung der</i></span><br/> <span class="ft2"><i>Vorbringen der Beteiligten</i> von Amtes wegen ..."). Die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">hat zu Recht festgehalten, dass es Sache der anmeldenden Vertrags-</span><br/> <span class="ft1">parteien (die damit geringere Kosten erreichen wollen) bzw. des No-</span><br/> <span class="ft1">tars ist, gegenüber dem Grundbuchamt den Arrondierungstatbestand</span><br/> <span class="ft1">geltend zu machen. Die Beschwerdeführer haben dies im vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Fall unterlassen. ... Hätten die Beschwerdeführer den Arrondie-</span><br/> <span class="ft1">rungstatbestand bereits im erstinstanzlichen Verfahren beim Grund-</span><br/> <span class="ft1">buchamt geltend gemacht und belegt, hätte dieses auf die Abgaben-</span><br/> <span class="ft1">erhebung von vornherein verzichtet. Es war ausschliesslich das</span><br/> <span class="ft1">saumselige Verhalten der Beschwerdeführer im erstinstanzlichen</span><br/> <span class="ft1">Verfahren, welches das Beschwerdeverfahren vor dem DVI über-</span><br/> <span class="ft1">haupt nötig machte; deshalb hätte das DVI die Verfahrenskosten so-</span><br/> <span class="ft1">gar vollumfänglich den Beschwerdeführern auferlegen und Partei-</span><br/> <span class="ft1">kostenersatz gänzlich verweigern können (§ 33 Abs. 2 Satz 3 VRPG;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1976, S. 307 ff.).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>