Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Juni 2016 (720 16 35 / 155) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die IV-Stelle hat zu Recht auf den Bericht des versicherungsinternen Arztes abgestellt, da keine Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Yves Thommen, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Noëmi Marbot , Advok a- tin, Greifengasse 1, Postfach, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1957 geborene A.____ hatte sich im Dezember 2000 bei der Eidgenössischen Inva- lidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen ang emeldet. Nachdem sie die erwerblichen und die gesundheitlichen Verhältnisse abgeklärt hat te, sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 19. Juli 2001 A.____ ab November 2000 eine halbe IV-Rente zu. Da der Beschwerdeführer ab August 2002 wieder voll arbeitsfähig war, wurde die Rente mit Verfügung vom 11. September 2002 aufgehoben. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Gesuch vom 16. April 2014 meldete sich A.____ aufgr und eines am 18. März 2014 erlitte- nen Hirninsults mit Hemiplegie rechts erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Aufgrund der Ergebnisse ihrer medizinischen Abklärungen lehnte d ie IV-Stelle – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren – mit Verfügung vom 15. Dezember 2 015 das Leistungsbegehren bei einem ermittelten IV-Grad von 36 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokatin Noëmi Marbot, am 1. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien wei- tere Abklärungen vorzunehmen; danach sei über die Ansprüche neu zu entscheiden. Zudem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 17. März 2016 beantrag te die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 4. April 2016 bewilligte der i nstruierende Kantonsgerichtspräsident der Abteilung Sozialversicherungsrecht für das vorliegen de Verfahren die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Noëmi Marbot als Rechtsver- treterin. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 1. Februar 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Janua r 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be einträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlag e erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. In der vorliegenden Angele genheit ist strittig, ob die vorhandene me- dizinische Aktenlage für die Beurteilung des Gesundheitszu standes des Beschwerdeführers ausreichend ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experti n oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Ar beitsfähigkeit des Beschwerde- führers liegen folgende ärztlichen Unterlagen vor: 5.1 Gemäss Austrittsbericht des B.____ vom 26. Mai 2014 ( nach Aufenthalt vom 26. März - 17. Mai 2014) wurden unter anderem folgende Diagn osen gestellt: Wake up stroke am 18. März 2014 mit Infarkten subkortikal, A. cerebri me dia Infarkt links (Corona radiata), capsula externa, Grenzzone A. cerebri media/posterior Stromgeb iet rechts und Kleinhirn rechts mit/bei Neurorehabeginn; Status nach Thalamus-Infarkt 2008, Di abetes mellitus Typ 2, ED 3/2014; Arterielle Hypertonie. Insgesamt seien die kognitiven E inbussen als mittelschwer zu gewichten. Sowohl im ursprünglich angestammten Beruf als Kellner wie auch als Lagerist sei der Versi- cherte aus rein neuropsychologischer Sicht aufgrund der Akalkulie und der Aufmerksamkeitsde- fizite als nicht arbeitsfähig einzustufen. Beim Beschwerdeführer hätten gemäss neurologischem Therapieverlaufsbericht bei Therapieabschluss am 17. Ma i 2014 verbesserte Leistungen in der Aufmerksamkeit objektiviert werden können, wobei weiterhi n eine leicht bis mittelschwer ver- minderte Alterness sowie leicht reduzierte Leistungen in der selektiven und geteilten Aufmerk- samkeit objektivierbar gewesen seien. Eine ambulante For tsetzung der Neurorehabilitation werde in der E.____ geplant und durchgeführt. 5.2 Mit Sprechstundenbericht vom 1. Juli 2014 führte PD Dr. med. C.____, D.____, in sei- ner Beurteilung aus, es sei eine erfreuliche, weitgehe nde Besserung der initialen Symptomatik zu verzeichnen, wobei noch eine residuelle ataktische Hemi parese rechts bestehe, welche den Patienten beim Gehen etwas einschränke und auch bisher bewirkt habe, dass er das Autofah- ren nicht wieder habe aufnehmen können. 5.3 Im ergotherapeutischen Zwischenbericht vom 14. Oktobe r 2014 der E.____ wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe seit Beginn der Therapie gute Fortschritte, sowohl im Kraft- als auch im koordinativen Bereich, erzielt. Sein rechtes Knie schlage während der Übun- gen dennoch in Hyperextension durch. Dies sei teilweise be sser als am Anfang der Therapie, jedoch sei das auch immer von der Tagesform abhängig. 5.4 Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Medizin, beschrie b in ihrem Bericht vom 29. Okto- ber 2014 den Gesundheitszustand des Patienten als station är bis verbessert. Unter der intensi- ven Therapie mit Gangschulung, Mobilisation Gehen recht s, Koordination, Propriozeption und muskulärer Kräftigung im MTT und Heimprogramm sei es zu einer leichten Besserung, jedoch noch zu keiner Abheilung gekommen. Es bestehe weiterhin eine persistierende Hemiparese der rechten Hand und des rechten Beines. Die Prognose sei unsi cher. Ziel der Behandlung sei die Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit. In ihrem Beri cht vom 25. März 2015 führte Dr. F.____ als Befunde u.a. eine Hemiplegie rechtes Bein, Gefühlsst örung rechte Hand sonst keine neuro- logischen Ausfälle mehr an. Die Prognose sei unsicher. S ie beschrieb den Beschwerdeführer als körperlich sehr ermüdbar, rechtsseitig paretisch sow ie leicht depressiv. Die bisherige Tätig- keit sei im Moment nicht mehr zumutbar. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Der RAD-Arzt pract. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt mit Stel- lungnahme vom 31. März 2015 fest, dass zur Festlegung der Arbeitsfähigkeit keine weiteren Abklärungen mehr notwendig seien. 5.6 In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. med . H.____, FMH Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, in seiner Stellungnahme vom 2. Juli 20 15 aus, dass in der angestammten Tä- tigkeit als Magaziner keine Arbeitsfähigkeit mehr atte stiert werden könne. In einer angepassten Tätigkeit, welche leichte Hilfsarbeiten im Sitzen beinhalte, keine feinmotorischen Tätigkeiten mit der rechten Hand, sowie kein häufiges Gehen oder Trepp ensteigen, kein Gehen auf unebenem Gelände, kein Steigen auf Leitern und Gerüste sowie ke in andauerndes Stehen erfordere, kön- ne eine Arbeitsfähigkeit von 80 % attestiert werden. Die 20%ige Einschränkung resultiere auf- grund der vermehrten Ermüdbarkeit. 5.7 Mit Schreiben vom 11. August 2015 führte Dr. F._ ___ aus, seit März 2015 sei es beim Patienten – trotz intensiver Physiotherapie und ausgebau ter medikamentöser Therapie – nicht mehr zu einer weiteren Erholung gekommen. Der Zustan d könne jetzt – 16 Monate nach dem Ereignis – als stationär betrachtet werden. Es bestehe h eute eine allgemeine Verlangsamung, Konzentrationsstörung, Störung der Aufmerksamkeit und des Affekts, eine Depression und kör- perlich eine Rest-Hemiparese rechts mit verminderter Kraft des rechten Armes und Nachziehen des rechten Beines. Sie sehe den Patienten für jegliche Tätigkeiten als dauernd arbeitsunfähig. 5.8 Dr. H.____ hielt am 20. August 2015 fest, aus neu rologischer Sicht sei ein etwa gleich- bleibender neurologischer Status bereits durch Dr. F.___ _ sowie die neurologischen Berichte seit Herbst 2014 dokumentiert. Der Endzustand sei somit nicht erst im März 2015 eingetreten. Es sei aufgrund der neurologischen Restsymptomatik unzweife lhaft, dass seit dem cerebralen Ereignis am 18. März 2014 in der angestammten Tätigke it als Lagerist, voraussichtlich dauer- haft, keine Arbeitsfähigkeit bestehe. Anders sehe es aber für leidensangepasste Verweistätig- keiten aus. Aufgrund der anamnestisch noch angegebenen K onzentrationsstörungen und der leichten depressiven Verstimmung sowie der motorisch-neur ologischen Restsymptomatik seien für lediglich leichte Hilfsarbeiten im Sitzen zusätzliche vermehrte Pausen im Sinne einer 20%igen Leistungseinschränkung erforderlich. Der Versiche rte sei nicht in psychiatrischer Be- handlung, was gegen einen entsprechenden Leidensdruck spreche. Der Einwand von Dr. F.____ enthalte keine neuen medizinischen Aspekte und sie mache auch keine Verschlech- terung geltend. 5.9 In ihrem Schreiben vom 21. Dezember 2015 an die R echtsvertreterin des Beschwerde- führers hielt Dr. F.____ fest, es sei noch keine Überwe isung an einen Psychiater erfolgt. Sie habe den Patienten mit einem Antidepressivum (Cipralex) während einiger Monate behandelt, was zu einer leichten Besserung des psychischen Zustands gefüh rt habe. Auf Wunsch des Pa- tienten hätten sie das Antidepressivum ausgeschlichen. Akt uell sei er wieder vermehrt depres- siv. Wahrscheinlich werde wieder eine antidepressive Therapie begonnen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 15. Dezember 2015 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits fähigkeit des Versicherten vollum- fänglich auf die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. H.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass beim Versicherten für die angestammte, langjährig a usgeübte Tätigkeit als Lagerist eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Für angepasste Tätigkeiten, d.h. Hilfsarbeiten im Sitzen, keine feinmotorische Tätigkeit mit der rechten Hand, kein häufiges Gehen, kein Gehen auf unebenem Gelände, Leitern und Gerüsten und kein andauerndes Ste hen könne von einer 80%igen Ar- beitsfähigkeit ausgegangen werden, wobei die 20%ige E inschränkung aus der vermehrten Er- müdbarkeit des Beschwerdeführers resultiere. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstande n. Nach der Rechtsprechung kommt zwar dem Bericht eines versicherungsinternen Arztes n icht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Ein solcher Bericht ist aber, wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hier- vor), soweit zu berücksichtigen, als keine – auch nur geringe – Zweifel an der Richtigkeit sei- ner Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen von Dr. H.____ zu zweifeln. Zudem bestätigt Dr. H.____ auch in seinem späteren Bericht vom 20. August 2015 sei ne Einschätzung vom 2. Juli 2015. Gemäss den vorliegenden Arztberichten zeigte sich schon im Juli 2014 eine erhebliche Verbes- serung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers. Ber eits zum damaligen Zeitpunkt war im Kontrollbericht der neurologischen Klinik des D._ ___ keine Rede mehr von kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen. Auch den Berichten d er behandelnden Ärztin Dr. F.____ lässt sich eine Verbesserung des Gesundheitszustandes entneh men. Insgesamt zeigt sich, dass sich Dr. H.____ hinreichend mit den bei den Akten l iegenden medizinischen Unterlagen und mit den anamnestischen Angaben auseinandergesetzt und eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen hat. 6.2 Der Beschwerdeführer hält diesem Beweisergebnis i m Wesentlichen entgegen, die Beschwerdegegnerin hätte in Bezug auf die psychischen Pr obleme des Beschwerdeführers weitere Abklärungen vornehmen müssen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass im Bericht des B.____ vom 16. Mai 2014 der Verdacht auf eine depressive Stimmungslage geäussert wurde. Die dama ls geäusserten Symptome liessen aber lediglich auf eine leichtgradige Ausprägung schlie ssen. Im Kontrollbericht der neurologi- schen Klinik des D.____ vom 1. Juli 2014 wurde keine depre ssive Symptomatik festgehalten. Dr. F.____ beschrieb den Beschwerdeführer in ihren Ber ichten als leicht depressiv. Der Vo- rinstanz ist demzufolge insofern zuzustimmen, als es sich höchstens um eine leichte depressive Symptomatik handelt und eine höhergradige Einschränkung der Psyche ausgeschlossen ist. Daran ändert auch das im Rahmen des vorliegenden Verfahrens vom Beschwerdeführer einge- reichte Schreiben vom 21. Dezember 2015 von Dr. F.____ nichts. Darin wurde ausgeführt, es sei noch keine Überweisung an einen Psychiater erfolgt. Sie habe den Patienten mit einem An- tidepressivum (Cipralex) während einiger Monate behande lt, was zu einer leichten Besserung des psychischen Zustands geführt habe. Auf Wunsch des Patien ten hätten sie das Antidepres- sivum ausgeschlichen. Aktuell sei er wieder vermehrt depre ssiv. Wahrscheinlich werde wieder Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine antidepressive Therapie begonnen werden. Auch aus diesem Schreiben ergibt sich keine relevante depressive Symptomatik. Im Gegenteil zeigt sich, dass bis zum Zeitpunkt der Renten- verfügung keine antidepressive Therapie eingeleitet wor den ist. Demzufolge erübrigt sich eine psychiatrische Begutachtung. 6.3 Nach dem Gesagten ist die IV-Stelle zu Recht davon ausgegangen, dass der Versi- cherte in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist. 7. Der Beschwerdeführer hat gegen die konkrete Berech nung des IV-Grades zu Recht keine Einwände erhoben. Darauf kann demzufolge abgestel lt werden. Anzufügen bleibt, dass der von der Beschwerdegegnerin gewährte leidensbedingte Abzug von 20 % als an der oberen Grenze liegend einzustufen ist. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 15. Dezember 2015 einen Rentenanspruch des Versiche rten zu Recht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründ et, weshalb sie abgewiesen wer- den muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun aller- dings mit Verfügung vom 4. April 2016 die unentgelt liche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 4. April 2016 die unentgeltliche Verbei- ständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt worden i st, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1. Jan uar 2014 geltenden Fassung) beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200 .-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 9. Mai 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 8 Stunden und 45 Minuten gelte nd gemacht. Zu berücksichtigen ist diesbezüglich, dass der geltend gemachte Aufwand auch 9 0 Minuten beinhaltet, welche vor Erlass der angefochtenen Verfügung erbracht wurden. Im Verfahren vor Kantonsgericht wird dieser Zeitaufwand praxisgemäss nicht entschädigt. Damit verbleibt ein Zeitaufwand von 7 Stunden und 15 Minuten. Dieser Aufwand erweist sich u mfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind so- dann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 60.50. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Höhe von Fr. 1‘631.35 (7 Stunden und 15 Minut en à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 60.50 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufme rksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1‘631.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht