Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. August 2016 (720 16 77 / 199) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Der Versicherte weist invalidenversicherungsrechtlich keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf. Selbst wenn von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% ausgegangen würde, kann nicht von einem fehlenden Zugang des Beschwerdefüh- rers zum Arbeitsmarkt gesprochen werden. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Manfred Bayerdörfer , Advokat, Rathausstrasse 40/42, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1955 geborene A.____ war zuletzt bis Ende 1 999 bei der B____AG als Gerüstbau- arbeiter angestellt. Am 25. Oktober 1999 meldete er sich erstmals bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle B asel-Landschaft (IV-Stelle) die gesund- heitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte sie beim Versicherten einen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV-Grad von 100%. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie A .____ mit Verfügung vom 5. März 2001 rückwirkend ab 1. Juni 2000 eine ganze Rente zu. Mit Schreiben vom 28. Dezember 2006 leitete die IV-Stelle eine Revision der Rente ein. Na ch Durchführung der erforderlichen Abklä- rungen ermittelte sie einen IV-Grad von nunmehr noch 12%, worauf sie die Rente mit Verfü- gung vom 15. Januar 2008 per 29. Februar 2008 einstell te. Die hiergegen erhobene Beschwer- de hiess das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherun gsrecht (Kantonsgericht) mit Urteil vom 27. Juni 2008 in dem Sinne gut, als es die angefoch tene Verfügung vom 15. Januar 2008 aufhob und die Angelegenheit zum Erlass einer neuen V erfügung an die IV-Stelle zurückwies. In der Folge hob die IV-Stelle die Rente mit Verfüg ung vom 9. Juni 2009 wiedererwägungswei- se per 31. Juli 2009 auf. Die gegen diese Verfügung er hobene Beschwerde wies das Kantons- gericht mit Urteil vom 13. Januar 2010 ab. A.2 Am 28. April 2014 meldete sich A.____ bei der IV -Stelle unter Hinweis auf starke Rü- cken- und Nackenschmerzen erneut zum Leistungsbezug an. Na ch Abklärung der medizini- schen und erwerblichen Verhältnisse wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren nach durchge- führtem Vorbescheidsverfahren mit Verfügung vom 28. Janu ar 2016 bei einem IV-Grad von 37% wiederum ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr . Manfred Bayerdörfer, am 3. März 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm ab d em frühestmöglichen Zeitpunkt eine ganze Rente zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. In verf ahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege m it Advokat Bayerdörfer als Rechtsvertre- ter. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, d ass sich die verbleibende Restarbeitsfä- higkeit im Hinblick auf sein Alter, das eingeschränkte Anfo rderungsprofil und die lange Arbeits- abstinenz auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verw erten lasse. Demnach bestehe An- spruch auf eine ganze Rente. In jedem Fall müsse aber e in Abzug vom Tabellenlohn von min- destens 15% vorgenommen werden. Mit dem gewährten Abz ug von 10% werde lediglich der Minderverdienst zufolge Teilzeitarbeit ausgeglichen. Das ausserdem bestehende eingeschränk- te Anforderungs- und Belastungsprofil sowie das fortgesch rittene Alter führe zu einer weiteren Lohnminderung. Folglich resultiere ein IV-Grad von 4 1%, was Anspruch auf eine Viertelsrente begründe. C. Mit Verfügung vom 7. März 2016 wurde dem Beschwerd eführer für das vorliegende Ver- fahren die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Dr. Bayerdörfer als Rechtsvertreter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Mai 2016 schloss die IV -Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 3. März 2016 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführer. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 28. Januar 2016 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1) 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindes- tens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumut- barerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Sc hlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Inva- lidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7.1 Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, mit einem bidisziplinä- ren Gutachten, welches am 23. März 2015 und 12. Juni 20 15 erstattet wurde. Dr. D.____ diag- nostizierte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein l umbospondylogenes Syndrom und ein Cer- vicovertebralsyndrom. Aufgrund der degenerativen Befunde in den Bereichen der Hals- und Lendenwirbelsäule (HWS und LWS) seien dem Versicherten nur noch leichte körperliche Tätig- keiten zumutbar. Für eine angepasste Verweistätigkeit oh ne Heben, Stossen oder Ziehen von mehr als 10 kg, ohne dauerndes Sitzen oder Stehen und ohne Zwangshaltungen bestünde aber eine Arbeitsfähigkeit von 100%. In psychiatrischer Hinsich t diagnostizierte Dr. C.____ eine re- zidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0/F33.1) und eine anhaltende somatoforme Schmerzst örung (ICD-10 F45.1; differentialdi- agnostisch F45.41). Aus psychiatrischer Sicht stelle sich die F rage, ob eine relevante psychiat- rische Komorbidität vorliege. Die geklagten Beschwerden würden in diese Richtung weisen. Der Beschwerdeführer habe sich bei der Untersuchung ausgespr ochen passiv, desinteressiert und gleichgültig präsentiert. Die beim Versicherten beobach tete Gleichgültigkeit und Inaktivität lies- se sich aber nicht nur auf die Regression zurückführen. Si e sei Ausdruck einer im Kern depres- siven Entwicklung mit Interessen- und Freudverlust, vermin dertem Antrieb und gesteigerter Er- müdbarkeit. Die depressive Symptomatik führe zu einer red uzierten Fähigkeit zur Willensan- spannung und zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30%. Aus gesamtmedizinischer Sicht resultiere somit für angepasste Tätigkeiten eine Restarbeitsfähigkeit von 70%. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Die IV-Stelle ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte in einer angepassten Tätigkeit zu 70% arbeitsfähig ist. Nach dem oben Gesagt en (vgl. E. 5.3 hiervor) ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Die IV-Stelle bringt aber in ihrer Vernehmlassung zu Recht vor, dass nach der bundesgerichtlichen Praxis leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus d em depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtli ch zu keiner Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit führen (Urteil des Bundesgerichts vom 18. November 2015, 9C_125/2015, E. 7.2.1 mit Hinweisen). In Bezug auf mögliche psychische Komorbiditäten verliert zwar eine depressive Problematik nicht bereits wegen einer medizinischen Konnexität zum Schmerzleiden ihre Bedeutung als potentiell ressourcenhemmender Fakto r (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Mit Blick auf die von Dr. C.____ gestellten Diagnosen ist a ber fraglich, ob diese bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit überhaupt von Relevanz sind, zumal nach Ansicht des Gutachters die pharmakologische Therapie optimiert werden könnte. Demnach kann nicht gesagt werden, dass keine therapeutische Option mehr besteht resp. eine Be handlungsresistenz angenommen wer- den müsste. Da auch in somatischer Hinsicht ein das Leistung svermögen beeinträchtigender Befund auszuschliessen ist, besteht invalidenversicherungsrechtlich keine relevante Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit. Selbst wenn auf die Zumutb arkeitsbeurteilung von Dr. C.____ abge- stellt und von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkei t von 30% ausgegangen würde, liesse sich nichts zu Gunsten des Versicherten ableiten, wie sich aus den nachstehenden Ausführun- gen ergibt. 8. Der Beschwerdeführer bestreitet, dass er in Anbetrac ht seines fortgeschrittenen Alters, des eingeschränkten Anforderungsprofils und der langen Absenz vom Arbeitsmarkt in einem als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt (vgl. E. 4.2 hiervor) noch als vermittelbar gelten und die ihm verbliebene Leistungsfähigkeit erwerblich verwerten kann. 8.1 Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von Art. 16 ATSG dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt prak- tisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistisch em Entgegenkommen eines durch- schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden e iner entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil d es EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmark- tes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebo t und der Nachfrage nach Stel- len, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer ver- schiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezü glich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4 mit Hinweisen). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; AHI 1998 S. 291 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der von der versicherten Person auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehen- den Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objekti ven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). Für die Inval iditätsbemessung ist hingegen nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkret en Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verb liebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 287 E. 3b, I 198/97). 8.2 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Gerüst- bauarbeiter nicht mehr arbeitsfähig ist. Nach der Beurteilung der Dres. C.____ und D.____ sind ihm aus medizinischer Sicht aber körperlich angepasste Tä tigkeiten mit einer Einschränkung von 30% aus psychischen Gründen möglich. Demnach ist mit der Vorinstanz davon auszuge- hen, dass dem im massgebenden Zeitpunkt 61½-jährigen Besc hwerdeführer trotz seiner ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen nach wie vor verschieden e Tätigkeiten auf dem ausgegli- chenen Arbeitsmarkt offen stehen, so dass nicht von realität sfremden und in diesem Sinne un- möglichen oder unzumutbaren Einsatzmöglichkeiten auszugehen ist. Zwar ist der Beschwerde- führer angesichts seines Alters nicht leicht vermittelba r, dennoch sind ihm zumutbare Tätigkei- ten zweifellos nicht nur in so eingeschränkter Form mögl ich, dass sie der allgemeine Arbeits- markt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht r ealistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers ausgeübt werden könnten. Dazu kommt, dass Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzl ich altersunabhängig nachgefragt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2010, 8C_657/2010, E. 5.2.3 mit Hinwei- sen). Schliesslich ist die lange Abstinenz des Beschwerdeführ ers vom Erwerbsleben nicht auf seine gesundheitliche Beeinträchtigung zurückzuführen. S pätestens als das Kantonsgericht seine Beschwerde gegen die Aufhebungsverfügung der IV-S telle mit Urteil vom 13. Januar 2010 abwies, musste dem Beschwerdeführer bewusst gewesen sein, dass er seine Arbeitsfä- higkeit verwerten muss. Vor diesem Hintergrund kann nicht von einem fehlenden Zugang des Beschwerdeführers zum Arbeitsmarkt im Sinne des Art. 16 ATSG gesprochen werden. 9. Die von der IV-Stelle vorgenommene Bemessung der Ver gleichseinkommen aufgrund der Angaben des ehemaligen Arbeitgebers (Valideneinko mmen) resp. anhand der Tabellenlöh- ne (Invalideneinkommen) hat der Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten. Zu prüfen ist aber die Rüge, wonach im Hinblick auf das Alter und das eing eschränkte Anforderungs- und Belas- tungsprofil bei der Bemessung des Invalideneinkommens ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 15% vorzunehmen sei. 9.1 Praxisgemäss kann von dem anhand der LSE-Tabellenlöh ne ermittelten Invalidenein- kommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedin gter Abzug vorgenommen wer- den. Dieser soll persönlichen und beruflichen Umständen (leidensbedingte Einschränkung, Al- ter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad) Rechnung tragen, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche negative Auswirkungen auf die Lohnhöhe der gesun dheitlich beeinträchtigten Person haben können. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das I nvalideneinkommen ist nach pflicht- gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzu g auf höchstens 25% zu be- grenzen ist (BGE 126 V 80 E. 5b). 9.2 Vorliegend hat die IV-Stelle einen Abzug vom Ta bellenlohn von 10% vorgenommen, was anhand eines Quervergleichs mit ähnlich gelagerten Fällen nicht zu beanstanden ist. So ist zu beachten, dass den Behinderungen des Beschwerdeführer s bereits durch die Annahme ei- nes reduzierten Arbeitspensums im Umfang von 30% Rechnung getragen wurde. Eine zusätzli- che Berücksichtigung der gesundheitlichen Einschränkungen unter dem Titel des leidensbe- dingten Abzugs im Sinne von BGE 126 V 75 würde somit zu einer unzulässigen doppelten An- rechnung desselben Faktors führen. Zu prüfen ist weiter , ob das Alter einen Abzug vom Tabel- lenlohn rechtfertigt. Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten (Anforderungsniveau 4 des Arbeitsplatzes) auf dem hypothetisch ausgeglichenen Ar beitsmarkt, wo sich ein fortge- schrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswirken m uss (Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2015, 9C_366/2015, E. 4.3.2 mit Hinwe isen). Die vorliegend als zumutbar er- achteten Verweisungstätigkeiten sind solche vom Anforder ungsniveau 4. Andere Umstände, welche einen altersbedingten Einschlag beim Invalidenei nkommen rechtfertigen könnten, sind nicht ersichtlich. Die lange Absenz vom Arbeitsmarkt ist n icht invaliditätsbedingt (vgl. E. 8.2 hiervor). Zu beachten ist aber, dass Teilzeitarbeit bei Männern statistisch gesehen vergleichs- weise weniger gut entlöhnt wird als eine Vollzeittätig keit (vgl. dazu SVR 2011 IV Nr. 37 S. 109, 9C_721/2010 E. 4.2 in fine und E. 4.2.2 mit Hinweise n). Schliesslich rechtfertigen die Kriterien Dienstjahre und Nationalität/Aufenthaltskategorie vorli egend keinen Abzug. Insgesamt ist der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Abzug vom Tabell enlohn im Umfang von 10% nicht zu beanstanden und es besteht – entgegen der Ansich t des Beschwerdeführers – kein Anlass, in ihr Ermessen korrigierend einzugreifen. 10. Zusammenfassend ergibt sich, dass aufgrund des bidiszipli nären Gutachtens der Dres. C.____ und D.____ vom 23. März 2015 und 12. Juni 2015 davon auszugehen ist, dass der Versicherte invalidenversicherungsrechtlich keine rel evante Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit aufweist (vgl. E. 5.2 hiervor). Selbst wenn auf die Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. D.____ abgestellt und von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% ausgegangen würde, kann nicht von einem fehlenden Zugang des Beschw erdeführers zum Arbeitsmarkt ge- sprochen werden und die Bemessung der Invalidität erwei st sich als rechtmässig. Der vo- rinstanzliche Entscheid ist nicht zu beanstanden und die Beschwerde demnach abzuweisen. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlege n sind. Da ihm mit Verfügung vom 7. März 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewill igt wurde, gehen die Verfahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 11.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 7. März 2016 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt w urde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des B eschwerdeführers hat in seiner Honorar- note vom 26. Mai 2016 für das vorliegende Verfahren e inen Zeitaufwand von 8,75 Stunden und Auslagen von Fr. 36.80 geltend gemacht, was umfangmä ssig angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘929.75 (8,75 Stunden à Fr. 20 0.-- und Auslagen von Fr. 36.80 zuzüglich Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 11.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufme rksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gegen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘929.75 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht