Baurekursgericht des Kantons Zürich 4. Abteilung G.-Nr. R4.2012.00158 BRGE IV Nr. 0017/2013 Entscheid vom 21. Februar 2013 Mitwirkende Baurichter Reto Philipp, Baurichterin Margrit Manser , Baurichter Béla Be r- ke, Gerichtsschreiber Antonio Frigerio in Sachen Rekurrierende [….] gegen Rekursgegner 1. Bauausschuss der Stadt Winterthur, Neumarkt 4, Postfach, 8402 Winterthur 2. Departement Technische Betriebe der Stadt Winterthur , Stadthausstrasse 4a, 8400 Winterthur betreffend Bauausschussbeschluss vom 22. August 2012; Vorentscheid betreffend Abbruch Busdepot Deutweg, Kat.-Nr. 1/1819, Tösstalstrasse 86, Winterthur _______________________________________________________ R4.2012.00158 Seite 2 hat sich ergeben: A. Der Bauausschuss der Stadt Wint erthur beantwortete der Stadt Winterthur, Departement Technische Betriebe, mit Beschluss vom 22. August 2012 die Vorfrage betreffend Abbruch des Busdepots Deutweg, Assek.-Nr. 1473 auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1/1819 an der Tösstalstrasse 89 in Winterthur - Mattenbach unter der Bedingung einer rechtskräftigen Bewilligung für eine Neuüberbauung positiv. Der Stadtrat Winterthur genehmigte diesen B e- schluss gleichentags. B. Dagegen wandten sich der Verein XY sowie fünf weitere Rekurrierende mit Eingabe vom 5. Oktober 2012 an das Baurekursgericht des K antons Zürich mit dem Begehren, " der angefochtene Entscheid sei aufzuheben; eventuell sei das Busdepot unter Schutz zu stellen und die Baubehörde sei einzuladen, angemessene Schutzmassnahmen festzusetzen; subeventuell sei das Geschäft zur Abklärung der Schutzwürdigkeit im Provokationsverfahren zurückzuweisen;" alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz. C. Mit Verfügung vom 9. Oktober 2012 wurde vom Rekurseingang Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. D. Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung vom 20. November 2012 den Antrag auf Abweisung des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei, un- ter Kostenfolge zu Lasten der Rekurrierenden. E. Mit Verfügung vom 29. November 2012 wurde das Departement Techn i- sche Betriebe der Stadt Winterthur nachträglich als private Rekursgegnerin R4.2012.00158 Seite 3 in das Verfahren miteinbezogen und es wurde Frist zur Vernehmlassung angesetzt. Das Departement Technische Betriebe der Stadt Winte rthur verzichtete mit Eingabe vom 17. Dezember 2012 auf eine eigene Stellun g- nahme und verwies auf die Ausführungen des Bauausschusses. F. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2012 wurde zum zweiten Schriftenwec h- sel eingeladen. Die Re kurrierenden erstatteten am 2 1. Januar 2013 ihre Replik, der Bauausschuss äusserte sich mit Eingabe vom 12. Februar 2013 dazu und erneuerte die gestellten Anträge , das Departement Technische Betriebe liess sich nicht vernehmen. G. Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. Es kommt in Betracht: 1.1. Der am 4. September 2012 versandte, angefochtene Entscheid vom 22. August 2012 traf frühestens am 5. September 2012 bei den Rekurri e- renden ein, so dass die 30 -tägige Frist gemäss § 22 des Verwa ltungs- rechtspflegegesetzes (VRG) durch ihre am gleichen Tag bei der Post au f- gegebene Rekurseingabe vom 5. Oktober 2012 gewahrt ist. [….] 2.1. In materieller Hinsicht bringen die Rekurrierenden vor, inhaltlich handle es sich beim angefochtenen drittverbindlichen Vorentscheid um einen förml i- chen Verzicht auf die Unterschutzstellung des Busdepots. Der Entscheid über die Schutzverfügung sei aber nicht Gegenstand des Dispositivs d es Entscheides. Dort werde einzig festgehalten, dass der Gebäudekomplex R4.2012.00158 Seite 4 abgerissen werden könne, weil er nicht inventarisiert oder formell unter Schutz gestellt sei. Formell sei nie über die Schutzwürdigkeit des Busd e- pots entschieden worden, dieses sei abe r offensichtlich ein potentielles Schutzobjekt und der Abriss könne nicht über eine Hintertür per Voren t- scheid rechtsverbindlich erlaubt werden. Vielmehr müsse ein förmlicher Schutzentscheid gefällt werden. Ein Schutzentscheid könne nicht Gegen - stand eines Vorentscheides der Baubehörde sein. Der Abklärung der Schutzwürdigkeit eines Gebäudes diene das Provokationsverfahren nach § 213 PBG. In diesem Verfahren sei die zuständige Behörde verpflichtet, die Schutzwürdigkeit von sich aus objektiv abzuklären, was i n anspruchs- vollen Fällen regelmässig nicht ohne Fachgutachten der Denkmalpflege möglich sei. Entscheide über die Schutzwürdigkeit eines Gebäudes seien nach den Regeln von § 6 Abs. 1 lit. a PBG zu publizieren. Auch genüge das Vorentscheidverfahren hinsichtl ich eines Abbruchs nicht den Anspr ü- chen, welche an eine Interessenabklärung im Rahmen eines Unterschut z- stellungsverfahrens gestellt werden. Die Vorinstanz habe ihre Aufgabe als objektiv entscheidende Behörde in offensichtlicher und unzulässiger Weise mit i hren Interessen vermischt. Das Resultat sei die Niederschrift eines bestellten und längst entschied e- nen Vorentscheides. Diese Voreingenommenheit widerspreche dem ve r- fassungsmässigen Anspruch auf einen unparteiischen Richter und ein fa i- res Verfahren diametr al. Diese Tatsache lasse es auch als geboten e r- scheinen, dass das Baurekursgericht selber einen Entscheid über die Schutzwürdigkeit des Busdepots fälle. Auch bei einem zweiten Rechtsu m- gang sei zu befürchten, dass die Stadt wiederum ihre eigenen Grundeige n- tümerinteressen über die Vorgaben des PBG stelle. Die Schutzwürdigkeit des Busdepots sei bereits in mehreren Gutachten festgestellt worden und auch in einem Gutachten der Kantonalen Den k- malpflegekommission werde festgehalten, dass die auf kommunaler Ebene erstellten Gutachten nachvollziehbar feststellten, dass dem Busdepot eine wichtige kultur- und architekturhistorische Zeugenschaft zukomme, die ihm den Charakter eines Schutzobjektes nach § 203 Abs. 1 lit. c PBG verleiten. Es handle sich dagegen aber nicht um ein überkommunales Schutzobjekt. Die Vorinstanz verletze das Selbstbindungsgebot, wonach die Stadt als Grundeigentümerin Schutzobjekte zu respektieren und sorgfältig mit ihnen umzugehen habe, wenn ein objektiv überwiegendes öffentliches Interesse R4.2012.00158 Seite 5 an deren Erhalt bestehe. Der angefochtene Entscheid gehe unsachgemäss mit den Folgerungen der Gutachten um. Ausserdem nehme der Entscheid auch eine unsachgemässe Abwägung der sich gegenüberstehenden ö f- fentlichen Interessen vor. Der bauliche Zustand des Gebäude s sei zwar dem Alter entsprechend aber grundsätzlich passabel, was in einem Gu t- achten festgehalten worden sei. Auch sprechen weder die fehlende b e- stimmungsgemässe zukünftige Nutzung noch die Förderung des geno s- senschaftlichen Wohnungsbaus gegen eine Unters chutzstellung, und auch finanzielle Interessen der Eigentümer an einer möglichst gewinnbringenden Ausnützung ihrer Liegenschaft vermöchten gemäss ständiger Rechtspr e- chung des Bundesgerichts das öffentliche Interesse an einer Schutzmas s- nahme grundsätzlich nicht zu überwiegen. 2.2. Die Vorinstanz führte aus, dass mit einem baurechtlichen Entscheid mit Verbindlichkeit gegenüber Dritten formell auf die Unterschutzstellung des Busdepots, welches aufgrund der Erweiterung des Busdepots Grüzefeld nicht mehr benötig t werde, verzichtet werden solle. Eine Abklärung der Schutzwürdigkeit sei bei Inventarobjekten zwingend. Werde von einer U n- terschutzstellung abgesehen, sei die Inventarentlassung zu publizieren. Das Busdepot Deutweg sei aber nicht ein inventarisiertes Obje kt und eine Prüfung der Unterschutzstellung sei nicht von vornherein notwendig. Mit der Publikation des Gesuches um einen Vorentscheid mit Verbindlichkeit gegenüber Dritten betreffend Abbruch und Neubau hätten alle interessie r- ten Kreise die Gelegenheit erhalten, gegen den Abbruch zu rekurrieren und eine Unterschutzstellung zu verlangen. Den beschwerdeberechtigten Ve r- bänden oder Privaten sei dadurch der Zugang zum Verfahren ermöglicht worden. Da über allfällige Schutzmassnahmen zu entscheiden gewesen sei, ha be der Stadtrat auf Antrag des Bauausschusses den anfechtbaren Vorentscheid gefällt. Gegenstand des Vorentscheides sei einzig die Frage gewesen, ob das Busdepot abgebrochen werden könne. Damit diese Frage beantwortet werden konnte, sei einzig zu klären ge wesen, ob das Busdepot unter Denkmalschutz gestellt werde. Der Vorentscheid hätte somit auch den Titel Verzicht auf Schutzmassnahmen tragen können. Der Titel Vorentscheid betreffend Gebäudeabbruch habe einerseits dem Projektverlauf entspro- chen, wonach zuer st über den Abbruch entschieden werde, bevor für das R4.2012.00158 Seite 6 Neubauprojekt das Baubewilligungsverfahren eingeleitet werde , und a n- derseits gebe er im Interesse der Transparenz auch für Rechtsunkundige verständlich die Folge des Entscheides wieder. Die denkmalpflege rischen Gutachten ergäben, dass das Busdepot aus mehreren Gründen ein wicht i- ger kommunaler Bauzeuge sei. Auch wenn der Stadtrat das Busdepot schliesslich nicht ins Inventar der schutzwürdigen Bauten aufgenommen habe, so habe er die Bauzeugeneigenschaft nic ht ausgeschlossen. Die Qualifikation eines Objektes als wichtiger Zeuge führe aber nicht zwingend zur Anordnung von Schutzmassnahmen im Sinne von § 205 ff. PBG, so n- dern nur wenn das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Schutzobje k- tes die andern tangierten Interessen überwiege. 3. Nach § 323 PBG können über Fragen, die für die spätere Bewilligungsf ä- higkeit eines Bauvorhabens grundlegend sind, Vorentscheide eingeholt werden. Der baurechtliche Vorentscheid ist eine verbindliche, in Verfügungsfo rm gekleidete, rechtsmittelfähige Auskunft der Behörde von befristeter Wir k- samkeit, die auf Gesuch hin in einem förmlichen Verfahren ergeht. Er b e- sagt, in welcher Hinsicht, allenfalls unter welchen näheren Voraussetzu n- gen, einem späteren Baubegehren in der gleichen Sache entsprochen wird. Wie der Begriff zum Ausdruck bringt, ergeht der Vorentscheid vor dem baurechtlichen Entscheid. Er ersetzt diesen insoweit, als die Prüfung des späteren Baugesuchs in einem Teilumfang abschliessend vorwegg e- nommen wird (Chri stian Mäder, Das Baubewilligungsverfahren, Zürich 1991, Rz. 503). Dem Bauherrn ermöglicht der Vorentscheid eine Klärung der Rechtslage, bevor ihm A ufwand und Kosten der (Detail -)Projektierung erwachsen. Für ihn hat der Vorentscheid den Vorteil, dass er di e Risiken des Baubewill i- gungsverfahrens genauer kennt und dank diesem Informationsvorsprung rationeller planen kann (Mäder, a.a.O., Rz. 507). Sinn und Zweck des Institutes lassen ohne weiteres erkennen, dass mit Fragen im Sinn von § 323 Abs. 1 PBG nur Rec htsfragen gemeint sind. Un- klarheiten tatsächlicher Natur können nicht zum Gegenstand eines Vorent- scheidgesuches gemacht werden. R4.2012.00158 Seite 7 Einem Vorentscheid sind nur solche Rechtsfragen zugänglich, die sich lo s- gelöst von der Detailprojektierung überhaupt beantworten lassen. Je nach der Art der Fragestellung ist eine Antwort in diesem frühen Verfahrensst a- dium noch gar nicht oder bloss in allgemeiner Weise möglich. Das komple t- te Bauprojekt kann nicht Gegenstand eines Vorentscheides bilden, denn damit würden die Grenzen zum Baubewilligungsverfahren verwischt und das Institut des Vorentscheides in sachwidriger Weise überdehnt. Ob ein Vorentscheid im Lichte dieser materiellen Voraussetzungen zulässig ist, lässt sich allein auf Grund einer genauen Fragestellung entscheiden (BEZ 2001 Nr. 15). Sinn und Zweck von § 323 Abs. 1 PBG ist es, den Vo r- entscheid allein für Fragen, die für die spätere Bewilligungsfähigkeit eines Bauvorhabens grundlegend sind, zu gewähren. Insbesondere soll damit nicht das Bewilligungsverfahren vorweggen ommen werden (vgl. BRKE IV Nr. 169 und 170/2001 in BEZ 2001 Nr. 15, www.baurekursgericht -zh.ch; BRKE I Nrn. 216 und 217/2001). 3.1. Vorliegend handelt es sich bei der Frage, ob das Busdepot Deutweg a b- gebrochen werden könne, nicht um eine Vo rentscheidsfrage im Sinne von § 323 PBG. Der Abbruch des Busdepots ist zwar unabdingbare Vorausse t- zung für jedes spätere Bauvorhaben, hat aber mit der Bewilligungsfähigkeit eines Bauvorhabens nichts in direkter Weise zu tun und kann völlig losg e- löst von irgendeinem Bauvorhaben beantwortet werden. 3.2. Dazu kommt, dass gemäss § 309 Abs. 1 lit. c PBG lediglich der Abbruch von Gebäuden in Kernzonen bewilligungspflichtig ist. Sämtliche andern Gebäude können bewilligungslos abgebrochen werden, vorausgesetzt es handelt sich dabe i nicht um ein (potentiell es) Schutzobjekt im Sinne von § 203 PBG. 3.3. Das Busdepot Deutweg ist ein von allen Parteien anerkanntes potentielles Schutzobjekt. Der Umstand, dass es nicht inventarisiert worden ist, ändert daran nichts. Eine Inventarisierung oder Unterschutzstellung war im vorli e- genden Fall denn auch nicht notwendig. Gestützt auf die Selbstbindung gemäss § 204 Abs. 1 PBG ist die Stadt Winterthur direkt gehalten, in ihrer R4.2012.00158 Seite 8 Tätigkeit dafür zu sorgen, dass Schutzobjekte geschont und, wo das öffen t- liche Interesse an diesen überwiegt, ungeschmälert erhalten bleiben. Die Selbstbindung des Gemeinwesens erstreckt sich auf sämtliche Schut z- objekte im Sinne von § 203 Abs. 1 PBG. Staat, Gemeinden und die weit e- ren in § 204 PBG genannten Körperschaf ten haben die Pflicht, die in § 203 Abs. 1 PBG genannten Objekte ungeschmälert zu erhalten. Diese Pflicht besteht namentlich auch bei Errichtung, Änderung, Unterhalt und Beseit i- gung von Bauten und Anlagen (vgl. dazu die nicht abschliessende Aufzä h- lung in § 1 der N atur- und Heimatschutzverordnung [NHV]). Die Selbstbi n- dung gilt sowohl gegenüber Objekten im Privateigentum als auch gege n- über Objekten, die dem Gemeinwesen gehören. Die Selbstbindung hat zur Folge, dass das Gemeinwesen die Schutzwürdigkeit eines Objektes auch dann beachten muss, wenn dieses weder in ein Inventar aufgenommen noch von einer Schutzmassnahme erfasst ist (§ 1 NHV). Während die ungeschmälerte Erhaltung oder die Ersetzung eines Schutz - objektes nach § 204 Abs. 1 PBG eine Güterabwägung voraussetzt, ist die Schonung von Schutzobjekten ohne weitere Voraussetzungen zu verlan - gen. Allerdings ist der Grad der Schonungspflicht jeweils im Einzelfall zu bestimmen; dies unter Abwägung der sich entgegenstehenden öffentlichen Interessen (Jürg Hess, Der Denkmal schutz im zürcherischen Planungs - und Baugesetz, Zürich 1986, S. 150 f.). Die Selbstbindung bedeutet grun d- sätzlich nicht, dass von einem Gemeinwesen mehr oder anderes verlangt werden dürfte, als vom privaten Eigentümer eines Schutzobjektes. Denn auch die a us öffentlichrechtlichem Eigentum abgeleiteten Rechte können gegen den Willen der berechtigten Körperschaft nur beschränkt werden, soweit eine gesetzliche Grundlage vorhanden ist, ein öffentliches Interesse an den Beschränkungen besteht und die angeordnete n Massnahmen ve r- hältnismässig sind (Art. 36 der Bundesverfassung [BV], vgl. zum Ganzen BRGE IV Nr. 109/2012). 3.4. Gegenstand des vorliegenden Vorentscheidverfahrens war demnach nicht die Frage, ob das Busdepot abgebrochen werden darf, sondern vielmehr die Abklärung von dessen Schutzwürdigkeit mit der Konsequenz, dass bei der Verneinung eines Schutzobjektes dieses abgebrochen werden könnte. R4.2012.00158 Seite 9 Es handelt sich nicht um eine Rechtsfrage, welche die Bewilligungsfähi g- keit eines künftigen Bauvorhabens beschlägt, s ondern um eine tatsächl i- che Frage, auch wenn diese nur unter Klärung der Rechtslage beantwortet werden kann. Vergleichbar ist die Frage, ob das Busdepot abgebrochen werden kann, mit der Frage bezüglich eines Bauvorhabens, ob das Ba u- grundstück im Hinblick a uf eine spätere Realisierung umgezont werden könne. Auch eine solche Frage wäre, anders als beispielsweise die Erku n- digung, ob ein Bauvorhaben auf einem Grundstück als zonenkonform b e- trachtet werden kann, einem Vorentscheid nicht zugänglich. Damit ist aber evident, dass es sich vorliegend nicht um eine grundlegende rechtliche Frage für die Bewilligungsfähigkeit eines Bauprojektes handelt, sondern um die Abklärung der Frage, ob das streitbetroffene Grundstück überhaupt für eine Überbauung in Frage kommt oder aber jegliche Ne u- bauvorhaben an der Schutzwürdigkeit des bestehenden Busdepots sche i- tern. Folglich handelt es sich vorliegend nicht um eine einem Vorentscheid z u- gängliche Frage, da nicht eine grundlegende Frage eines Projektes im Raum steht, sondern die generelle Überbaubarkeit eines Grundstückes fraglich ist. Diese Unterscheidung mag auf den ersten Blick zwar etwas r a- bulistisch erscheinen, ist jedoch sachgerecht. Zum einen sieht das Gesetz für die Entscheide über die Schutzwürdigkeit von Objekten ein eig enes, vom Bauvorhaben losgelöstes Verfahren nach § 203 ff. PBG vor. Zum a n- dern sind einem Vorentscheid nur solche Fragen zugänglich, welche grundsätzlich auch im Rahmen eines baurechtlichen Entscheides bean t- wortet werden könnten. Mit andern Worten müssen s ie einen direkten und nicht lediglich einen indirekten Bezug zum Bauvorhaben aufweisen. Es steht einem Bauherrn frei, ob er überhaupt − um unnötige Projektierung s- kosten zu verhindern − einen Vorentscheid verlangen will, oder aber direkt ein vollständiges Gesuch zur Bewilligung einreicht. Dagegen kann ein En t- scheid über die Schutzwürdigkeit eines Gebäudes nicht Gegenstand eines Baubewilligungsverfahrens sein, sondern lediglich koordiniert im Rahmen eines solchen ergehen. Es handelt sich dabei aber stets um e inen eigen- ständigen und vom Bauvorhaben losgelösten Entscheid, der nicht zwi n- gend der Koordinationspflicht nach Art. 25a des Raumplanungsgesetzes (RPG) untersteht. R4.2012.00158 Seite 10 3.5. Somit ist klar, dass eine Nichtunterschutzstellung eines Gebäudes nicht im Rahmen eines Vorentscheides ergehen kann, sondern nach den Regeln von § 203 ff. PBG von Statten gehen muss. Dies kann auch nicht durch die Formulierung einer Vorfrage über die Zulässigkeit des Abbruchs umgangen werden. Zu beachten ist sodann, dass der baurecht liche V orentscheid gemäss § 323 PBG als Bauentscheid von der Baubehörde getroffen wird. Ein En t- scheid über die Schutzwürdigkeit eines Vorhabens ergeht demgegenüber im Verfahren nach § 203 ff. PBG. Dabei handelt es sich nicht um einen baurechtlichten Entscheid, so ndern um einen Unterschutzstellungsen t- scheid, der entsprechend der Regelung von § 211 Abs. 2 PBG betreffend kommunaler Schutzobjekte vom Gemeinderat , in der Stadt Winterthur vom Stadtrat und damit von der Exekutive getroffen werden muss. Der angefochtene Beschluss wurde entgegen den Vorbringen des Bauau s- schusses in der Vernehmlassung nicht vom Stadtrat, sondern vom Ba u- ausschuss getroffen. Die Exekutive war zwar am Entscheid nicht gänzlich unbeteiligt, sondern hat diesen genehmigt. Dies ändert aber nichts d aran, dass es sich um einen Entscheid des Bauausschusses handelt und dieser somit in Widerspruch zu § 211 Abs. 2 PBG nicht von der zuständigen Ex e- kutivbehörde getroffen worden ist. In tatsächlicher Hinsicht besteht ein b e- trächtlicher Unterschied, insbesond ere im Hinblick auf die Meinungsfin- dung, ob eine Behörde einen Entscheid selber erarbeitet, diskutiert und fällt oder einen solchen lediglich genehmigt. Die Zuständigkeitsordnung für die Erteilung von Bewilligungen in Baus a- chen und für die Zusprechung von Natur- und Heimatschutzbeiträgen der Stadt Winterthur vom 14. August 1996 sieht in Ziff. 2.1. vor, dass der Bau- ausschuss dem Stadtrat Antrag stellt über die Festsetzung oder Aufhebung definitiver Schutzmassnahmen. Diese Kompetenzordnung räumt dem Bauausschuss aber nicht die Kompetenz ein, einen eigenen Entscheid zu treffen, der in der Folge bloss noch genehmigt werden muss, sondern ei n- zig, entsprechende Geschäfte aufgrund des Fachwissens vorzubereiten und einen Antrag zu stellen. Folglich braucht es in sol chen Geschäften auch nicht zwei Entscheide (Beschluss und Genehmigung), sondern einzig einen Beschluss des Stadtrates. R4.2012.00158 Seite 11 Daraus ergibt sich, dass der als Vorentscheid über den Abbruch des Bu s- depots bezeichnete Nichtunterschutzstellungsentscheid im falschen V er- fahren von der dazu unzuständigen Behörde getroffen worden ist. Dass der Entscheid zur Genehmigung dem an sich die für Schutzmassnahmen z u- ständigen Stadtrat vorgelegt worden ist, ändert daran nichts. Weder das kantonale noch das kommunale Recht kennt ein e Delegation der Komp e- tenz zum Erlass eines Unterschutzstellungsentscheides an eine andere Behörde unter gleichzeitiger Genehmigung des Entscheides durch die Exekutive, wie dies im vorliegenden Fall erfolgt ist. Der angefochtene En t- scheid ist bereits aus diesem Grund aufzuheben. 3.6.1. Ausserdem ist zu beachten, dass der angefochtene Entscheid nicht richtig publiziert wurde. Zum Rekurs und zur Beschwerde gegen Anordnungen und Erlasse, soweit sie sich auf die Bestimmungen des Planungs - und Baugesetzes über d en Natur- und Heimatschutz oder § 238 Abs. 2 PBG stützen, sowie gegen Bewilligungen für Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone sind g e- samtkantonal tätige Verbände berechtigt, die sich seit wenigstens zehn Jahren im Kanton statutengemäss dem Natur - und Heimatschutz oder ver- wandten, rein ideellen Zielen widmen (§ 338a Abs. 2 PBG). Anders als das Bundesgesetz über den Umweltschutz (USG) in Art. 55a Abs. 1 oder das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) in Art. 12b enthält das kantonale Recht ke ine besondere Bestimmung, wie solche Anordnu n- gen den beschwerdeberechtigten Verbänden zu eröffnen sind. Die von Rechtsprechung und Lehre zu den bundesrechtlichen Bestimmungen en t- wickelten Mindestanforderungen an die Publikation des Projekts, die sich aus dem Zweck der Publikation ergeben, lassen sich jedoch ohne Weiteres auch auf das kantonale Verfahren übertragen. Danach muss die Veröffen t- lichung so verfasst sein, dass sich die beschwerdeberechtigten Organisat i- onen ein Bild über die natur - und heimatschutz rechtliche Tragweite des Vorhabens machen können. Die Veröffentlichung soll den berechtigten O r- ganisationen eine erste Meinungsbildung zur Bedeutung des Vorhabens unter Umweltschutzaspekten und zur Notwendigkeit einer Anfechtung e r- möglichen (vgl. zum Ganzen VB.2009.00361 mit weiteren Hinweisen). R4.2012.00158 Seite 12 3.6.2. Ausgeschrieben wurde das Gesuch um Erlass eines Vorentscheids im Amtsblatt des Kantons Zürich Nr. 23 vom 8. Juni 2012 auf Seite 785 fo l- gendermassen: "Kreis Mattenbach Stadt Winterthur, Departement Technische Betriebe, Untere V ogelsang- strasse 11, Postfach, 8402 Winterthur, vertreten durch Stadtrat Dr. M. Gfe l- ler, Vorsteher Departement Technische Betriebe , Untere Vo gelsangstras- se 11, 8402 Winterthur; Vorentscheid mit Verbindlichkeit gegenüber Dri t- ten; Neuüberba uung Busdepotareal Deutweg, Abbruch bestehendes Bu s- depot, Tösstalstrasse 86 (Zone für öffentliche Bauten Oe)." Diese Formulierung ist irreführend, weil es eben nicht primär um den (nicht bewilligungspflichtigen) Abbruch, sondern vielmehr um die Nichtunte r- schutzstellung des anerkanntermassen schutzwürdigen Busdepots geht. Insbesondere deutet in der Ausschreibung nichts darauf hin, dass der En t- scheid auch für die gemäss § 338a Abs. 2 PBG beschwerdeberechtigten Organisationen von Interesse sein könnte. Der Pub likationstext vermag seiner Aufgabe, den beschwerdeberechtigten Organisationen ein Bild über die natur- und heimatschutzrechtliche Tragweite des Vorhabens zu vermit- teln nicht gerecht zu werden. Die Vorinstanz hat diesen Mangel wohl selber erkannt, indem s ie den Ent- scheid auch der Zürcherischen Vereinigung für Heimatschutz (ZVH) zustell- te, jedoch nicht ohne diese darauf hinzuweisen, dass sie aufgrund des Fehlens einer rechtzeitigen Wahrung des Rekursrechtes gemäss § 315 ff. PBG vom weiteren Verfahren ausges chlossen sei. Mangels einer entspr e- chenden Kompetenz konnte die Vorinstanz über die Wahrung des Rekur s- rechtes gemäss § 315 ff. PBG jedoch gar nicht befinden. Diesbezüglich ist jedoch festzuhalten, dass die ZVH aufgrund der erwähnten Publikation ke i- nerlei V eranlassung hatte, den baurechtlichen Entscheid zu verlangen. Weder handelt es sich um eine Baute in einer Kernzone, noch ergeben sich aus der Publikation irgendwelche Hinweise auf die Schutzwürdigkeit des bestehenden Busdepots. 3.6.3. Ist die gebotene Pub likation eines Unterschutzstellungsbeschlusses oder einer Inventarentlassung unterblieben oder war sie inhaltlich mangelhaft, so bedeutet dies nicht, dass sie in korrekter Form wiederholt werden muss; R4.2012.00158 Seite 13 eine solche Publikation stellt eine mangelhafte Eröffnu ng dar, aus welcher der betroffenen Partei nach den von L ehre und Rechtsprechung zu Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) entwickelten Grundsätzen kein Nachteil erwachsen darf. Die Verwirkungsfrist beginnt dann nicht zu laufen, wenn die Publikation dergestalt qualifiziert mangelhaft ist, dass ein Dritter auch bei Anwendung durchschnittlicher Aufmerksamkeit und trotz angemessener Sorgfalt den Mangel nicht erkennen kann und dadurch abgehalten wird, rechtzeitig die Zustellung des baurech tlichen Entscheids zu verlangen. Nach Treu und Glauben darf der Dritte aber mit der Geltendmachung seiner Ansprüche nicht beliebig zuwarten; sobald er vom Bauvorhaben weiss, hat er sich um die nachträgliche Zustellung des baurechtlichen Entscheids zu bemühen. Diese Grundsätze gelten auch bezüglich der Publikation von Unterschut z- stellungsbeschlüssen und Inventarentlassungen sowie für die zur ideellen Verbandsbeschwerde berechtigten Organisati onen (vgl. RB 2006 Nr. 76 = BEZ 2007 Nr. 9 E. 2.5). Auch sie sind g ehalten, sich innert "angemess e- ner" bzw. "vernünftiger" Frist ab Kenntnis des für sie nachteiligen En t- scheids mit geeigneten Vorkehren dagegen zur Wehr zu setzen. Der Ve r- fahrensbeteiligte kann nicht jederzeit den nachträglichen Erlass eines a n- fechtbaren Verwaltungsaktes verlangen, um ihn dann beschwerdeweise an den Richter weiterzuziehen. Vielmehr hat dies innerhalb einer zeitlichen Befristung zu geschehen, die nach den konkreten Umständen als vernün f- tig erscheint und gleichzeitig den Prinzipien des Vertrau ensschutzes und der Rechtssicherheit Rechnung trägt. Diese Frist beginnt dann zu laufen, wenn dem Betroffenen der Entscheid oder zumindest sein wesentlicher I n- halt bekannt war oder bei der nach den Umständen zu erwartenden Sor g- falt hätte bekannt sein müssen (VB.2009.00361 mit weiteren Hinweisen). 3.6.4. Aufgrund der Ausschreibung, der Bezeichnung des Entscheides als "Vo r- entscheid betreffend Gebäudeabbruch" und der entsprechenden Verfa h- renswahl gemäss § 323 PBG anstelle von § 203 ff. PBG ist der angefoc h- tene Beschluss qualifiziert falsch und irreführend. Zudem wurde der inhal t- lich als Nichtunterschutzstellung zu qualifizierende Entscheid nie publiziert, sondern es wurde einzig das Gesuch um einen drittverbindlichen Voren t- scheid bekannt gemacht. Diese Mangelha ftigkeit vermag auch die Zuste l- lung an die potentiell beschwerdeberechtigte ZHV nicht zu heilen. R4.2012.00158 Seite 14 Dies deckt sich denn auch mit der neueren Rechtsprechung des Verwa l- tungsgerichts, sich auf den bereits zitierten VB.2009.00361 bezieht und seither konstant an gewendet und verfeinert wird. So hat das Verwaltung s- gericht festgehalten, dass eine Publikation eines Bauvorhabens, welches den (Teil-)Abbruch eines inventarisierten Gebäudes vorsehe, die Inventa r- entlassung beinhalten müsse, sei eine solche im gleichen Ver fahren vorge- sehen (VB.2011.00652). In einem weiteren − allerdings fragwürdigen − Entscheid hat das Gericht sogar befunden, dass eine Publikation auch a n- geben müsse, wenn sich ein Bauvorhaben in einem inventarisierten Ort s- bild von überkommunaler Bedeutung befinde (VB.2011.00759). 3.6.5. Die mangelhafte Publi kation führt aber gestützt auf die dargelegte Rech t- sprechung dazu, dass über dem angefochtenen Beschluss nach wie vor das Damoklesschwert einer Anfechtun g durch eine gemäss § 338a Abs. 2 PBG rekursberechtigte Vereinigung schwebt. Dabei muss es sich nicht zwingend um die ZVH handeln. 4. Soweit die Rekurrierenden die Unabhängigkeit der kommunalen Behörde bezweifelt, so ist es systemimmanent, dass eine örtliche Behörde über e i- gene Bauvorhaben und auch über die Schutzwürdigkeit von kommunalen Schutzobjekten zu befinden hat. Dies wurde vom Gesetzgeber bewusst in Kauf genommen. 5. Zusammenfassend ist der Rekurs gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist.