<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 63 S.261</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Disziplinarrecht</span> <span class="page_no">261</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IX. Disziplinarrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>63</b></span> <span class="ft3"><b>Disziplinarstrafe gegen Anwalt.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Berufsregeln der Anwälte (Erw. 3/a).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Wann ist es zulässig, mehrere Parteien zu vertreten? Im Prozess gilt</b></span><br/> <span class="ft3"><b>das Verbot der formellen Doppelvertretung (Vertretung von Parteien</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mit entgegengesetzten Interessen) uneingeschränkt (Erw. 3/b, 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 25. August 2004 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen X. gegen Anwaltskommission.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) In Art. 12 BGFA werden Berufsregeln der Anwälte aufge-</span><br/> <span class="ft6">führt. Diese Regelung ist als abschliessend gedacht (vgl. Botschaft</span><br/> <span class="ft6">des Bundesrates zum BGFA vom 28.</span> <span class="ft6">April 1999 [Botschaft],</span><br/> <span class="ft6">Ziff. 172.2; 233.2; Isaak Meier, Bundesanwaltsgesetz - Probleme in</span><br/> <span class="ft6">der Praxis, in: plädoyer 5/2000, S. 30 ff., Ziff. 5.1, 5.4.2; VGE II/64</span><br/> <span class="ft6">vom 28. Oktober 2003 [BE.2003.00166] in Sachen Y., S. 7 f., auch</span><br/> <span class="ft6">zum Folgenden). Dafür ist die Umschreibung allerdings (zu) knapp</span><br/> <span class="ft6">ausgefallen, indem vor allem die Verpflichtungen gegenüber den</span><br/> <span class="ft6">Klienten und im Übrigen diejenigen Bereiche ausdrücklich geregelt</span><br/> <span class="ft6">wurden, die umstritten waren (Umschreibung der Unabhängigkeit;</span><br/> <span class="ft6">Werbung) oder sonst einer eindeutigen gesetzlichen Grundlage be-</span><br/> <span class="ft6">durften (Umfang der Pflicht zur Übernahme amtlicher Verteidigun-</span><br/> <span class="ft6">gen und unentgeltlicher Rechtsvertretungen). Für anderes, das dem</span><br/> <span class="ft6">herkömmlichen Berufsbild entsprach, wurde die Generalklausel von</span><br/> <span class="ft6">Art. 12 lit. a BGFA, wonach Anwälte ihren Beruf sorgfältig und</span><br/> <span class="ft6">gewissenhaft auszuüben haben, als ausreichend erachtet; deren Aus-</span><br/> <span class="ft6">legung und Präzisierung im Lichte gemeinschweizerisch anerkannter</span><br/> <span class="ft6">Standesregeln, wie sie auch in die kantonalen Anwaltsgesetze einge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">262</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">flossen sind, entspricht dem Willen des Gesetzgebers (vgl. Botschaft,</span><br/> <span class="ft6">Ziff. 233.1, 233.21; Meier, a.a.O., Ziff. 5.2, 5.4).</span><br/> <span class="ft6">b) aa) Nach Art. 12 lit. c BGFA haben Anwälte jeden Konflikt</span><br/> <span class="ft6">zwischen den Interessen ihrer Klientschaft und Personen, mit denen</span><br/> <span class="ft6">sie geschäftlich oder privat in Beziehung stehen, zu meiden. Das</span><br/> <span class="ft6">BGFA will mit dieser weit gefassten Bestimmung sicherstellen, dass</span><br/> <span class="ft6">der Anwalt unabhängig von entgegenstehenden Drittinteressen die</span><br/> <span class="ft6">Interessen seines Klienten nach bestem Wissen und Können wahr-</span><br/> <span class="ft6">nehmen kann. Die Pflicht zur Vermeidung von Interessenkonflikten</span><br/> <span class="ft6">ist Ausfluss der Treuepflicht des Anwalts gegenüber dem Klienten,</span><br/> <span class="ft6">wie sie das AnwG in § 15 (vgl. dazu AGVE 1996, S. 75 f.) und die</span><br/> <span class="ft6">Standesregeln des Aargauischen Anwaltsverbandes (StaRe) in der</span><br/> <span class="ft6">Fassung vom 22. Mai 1997 in §§ 10 und 11 ausdrücklich vorsehen</span><br/> <span class="ft6">und wie sie dem BGFA in Art. 12 lit. a und c stillschweigend zu</span><br/> <span class="ft6">Grunde liegt. Diese Berufspflichten gehen weiter als die vertragliche</span><br/> <span class="ft6">Treuepflicht gemäss Art. 398 Abs. 2 OR und setzen keinen Mandats-</span><br/> <span class="ft6">vertrag zwischen Klient und Anwalt voraus, sondern gelten auch vor</span><br/> <span class="ft6">Vertragsschluss sowie nach Beendigung des Mandats (vgl. Giovanni</span><br/> <span class="ft6">Andrea Testa, Die zivil- und standesrechtlichen Pflichten des</span><br/> <span class="ft6">Rechtsanwaltes gegenüber dem Klienten, Diss. Zürich 2001, S. 93 f.;</span><br/> <span class="ft6">Martin Sterchi, Kommentar zum bernischen Fürsprecher-Gesetz,</span><br/> <span class="ft6">Bern 1992, Art. 10 N 7). Dem Anwalt ist es demnach untersagt, in</span><br/> <span class="ft6">derselben Streitsache Parteien mit widerstreitenden Interessen ge-</span><br/> <span class="ft6">geneinander zu vertreten. Er kann seine Treuepflicht gegenüber kei-</span><br/> <span class="ft6">nem Mandanten voll erfüllen, wenn er für beide Parteien tätig wird.</span><br/> <span class="ft6">bb) Dies lässt sich nicht einfach auf die beratende Tätigkeit des</span><br/> <span class="ft6">Anwalts übertragen (Testa, a.a.O., S. 103 ff.; Felix Wolffers, Der</span><br/> <span class="ft6">Rechtsanwalt in der Schweiz, Berner Diss., Zürich 1986, S. 141 f.;</span><br/> <span class="ft6">Walter Fellmann/Oliver Sidler, Standesregeln des Luzerner Anwalts-</span><br/> <span class="ft6">verbandes, Bern 1996, Art. 23 N 5; Niklaus Studer, Die Doppelver-</span><br/> <span class="ft6">tretung nach Art. 12 lit. c BGFA, in: Anwaltsrevue 2004, S. 234 f.).</span><br/> <span class="ft6">Wird der Anwalt in nicht prozessualen Rechtsangelegenheiten von</span><br/> <span class="ft6">Parteien mit an sich gegensätzlichen Interessen angegangen (z.B.</span><br/> <span class="ft6">damit er für sie eine juristisch einwandfreie Fassung ihres mündlich</span><br/> <span class="ft6">geschlossenen Vertrages erarbeite), darf er das Mandat annehmen,</span><br/> <span class="ft6">sofern ihm diese Aufgabe von allen Beteiligten übertragen wurde</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Disziplinarrecht</span> <span class="page_no">263</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">und er nicht bereits vorher eine der Parteien in der betreffenden Sa-</span><br/> <span class="ft6">che vertreten oder beraten hat. Er hat dabei alles zu vermeiden, was</span><br/> <span class="ft6">den Eindruck erwecken könnte, er bevorzuge die eine Partei gegen-</span><br/> <span class="ft6">über der anderen. In diesem Sinne erklären auch die StaRe in § 11</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 die Tätigkeit des Anwalts als Vermittler oder Vertreter zweier</span><br/> <span class="ft6">Parteien als zulässig, sofern beide zustimmen und jede Benachteili-</span><br/> <span class="ft6">gung einer Partei ausgeschlossen ist. Scheitert die Vermittlung, darf</span><br/> <span class="ft6">der Anwalt <i>keine</i> der beteiligten Parteien vertreten (vgl. Testa, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">S. 104; Wolffers, a.a.O., S. 141; Paul Wegmann, Die Berufspflichten</span><br/> <span class="ft6">des Rechtsanwalts unter besonderer Berücksichtigung des zürcheri-</span><br/> <span class="ft6">schen Rechts, Diss. Zürich 1969, S. 190).</span><br/> <span class="ft6">Analog verhält es sich bei der Mandatsübernahme von mehre-</span><br/> <span class="ft6">ren Klienten mit (anfänglich) übereinstimmenden Interessen. Aktuell</span><br/> <span class="ft6">werden solche Fälle in der Praxis etwa bei der Interessenwahrung</span><br/> <span class="ft6">eines Baukonsortiums oder einer Erbengemeinschaft, zu denken ist</span><br/> <span class="ft6">aber auch an die Verteidigung mehrerer Angeklagter in einem Straf-</span><br/> <span class="ft6">verfahren. Die Doppelvertretung ist in diesen Fällen grundsätzlich</span><br/> <span class="ft6">nicht zu beanstanden und kann vom Aufwand her sinnvoll sein. Der</span><br/> <span class="ft6">Anwalt ist aber gehalten, <i>alle</i> Mandate niederzulegen, sobald wäh-</span><br/> <span class="ft6">rend der Mandatsführung ernsthafte Meinungsverschiedenheiten</span><br/> <span class="ft6">entstehen, die gar zum Prozess führen könnten (Testa, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">S. 109 ff. mit Beispielen aus der Praxis; Fellmann/Sidler, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">Art. 23 N 5/c; Sterchi, a.a.O., Art. 13 N 6; Wegmann, a.a.O., S. 191).</span><br/> <span class="ft6">Der Anwalt muss sich dabei möglicher Interessenkonflikte bewusst</span><br/> <span class="ft6">sein und diese allen Mandanten transparent machen; bereits bei der</span><br/> <span class="ft6">Annahme mehrerer Mandate sollte er eine Vereinbarung treffen für</span><br/> <span class="ft6">den Fall, dass ein Interessenkonflikt entstehen sollte (Rainer</span><br/> <span class="ft6">Schumacher, in: Baurecht 2002, S. 184).</span><br/> <span class="ft6">cc)</span> <span class="ft6">Die dargestellten Regelungen sollen Interessenkonflikte</span><br/> <span class="ft6">vermeiden, wobei schon die offenkundige Gefahr eines solchen ge-</span><br/> <span class="ft6">nügt, damit der Anwalt zu Zurückhaltung verpflichtet ist (Sterchi,</span><br/> <span class="ft6">a.a.O., Art. 13 N 3). Für die Prozessführung geht das Verbot der</span><br/> <span class="ft6">(formellen) Doppelvertretung weiter; es gilt uneingeschränkt und</span><br/> <span class="ft6">ungeachtet dessen, ob tatsächlich eine Interessenkollision besteht</span><br/> <span class="ft6">(Wolffers, a.a.O., S. 141; Fellmann/Sidler, a.a.O., Art. 23 N 5/d;</span><br/> <span class="ft6">Sterchi, a.a.O., Art. 13 N 5/a; Testa, a.a.O., S. 106 ff.; Studer, a.a.O.,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">264</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">S. 234, je mit Hinweisen auf die Rechtsprechung); die entgegenge-</span><br/> <span class="ft6">setzte Meinung des Beschwerdeführers, für deren Begründung er</span><br/> <span class="ft6">lediglich auf seine eigene Überzeugung verweist, ist mit der Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung und Lehre nicht vereinbar.</span><br/> <span class="ft6">4. a) Die Vorinstanz hat die disziplinarische Bestrafung des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers entscheidend darauf abgestützt, dass dieser Mandate</span><br/> <span class="ft6">für J.M. und deren Mutter S.M. übernahm bzw. nicht abgab, als be-</span><br/> <span class="ft6">reits klar war, dass es zu Prozessen (wovon einer mit S.M. auf Klä-</span><br/> <span class="ft6">ger- und J.M. als Mitglied der Erbengemeinschaft auf der Beklagten-</span><br/> <span class="ft6">seite) kommen würde und sich die Mandate (auch) auf die Prozess-</span><br/> <span class="ft6">führung bezogen (siehe vorne Erw. 3/b/cc). Diese Situation war dem</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer denn auch vollständig bewusst, selbst wenn er im</span><br/> <span class="ft6">Vermittlungsgesuch, das er für S.M. stellte, J.M. "nur vorsorglich ...</span><br/> <span class="ft6">als Beklagte aufgeführt" haben will, "dort selbstverständlich ohne die</span><br/> <span class="ft6">Ergänzung, dass sie durch mich (auch in diesem Verfahren) vertreten</span><br/> <span class="ft6">ist". Den sich auch auf die Ansprüche von J.M. auswirkenden</span><br/> <span class="ft6">Interessengegensatz zwischen S.M. und der Erbengemeinschaft hatte</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerdeführer natürlich schon früher erkannt; dies lässt sich</span><br/> <span class="ft6">beispielsweise an seiner Eingabe vom 5.</span> <span class="ft6">Juni 2003 an den</span><br/> <span class="ft6">Gemeinderat W. betreffend Errichtung einer Beistandschaft für J.M.</span><br/> <span class="ft6">belegen, wo er auf S. 3 ausführte: (Der Anspruch von J.M. betrage</span><br/> <span class="ft6">18,75 % am Gesamtnachlass) "Bekommt ihre Mutter S.M. vom</span><br/> <span class="ft6">Nachlass wie testamentarisch verfügt Fr. ... für ihren Unterhalt, so</span><br/> <span class="ft6">wirkt sich das bei J.M. mit einem Betrag von Fr. ... aus." (Andern-</span><br/> <span class="ft6">falls müsse J.M. aber allenfalls für ihren eigenen Unterhalt und den</span><br/> <span class="ft6">der Mutter aufkommen, was sie viel teurer zu stehen käme.)</span><br/> <span class="ft6">b) Der Beschwerdeführer erhebt gegen diese Betrachtungsweise</span><br/> <span class="ft6">verschiedene Einwendungen, auf die nachfolgend einzugehen ist.</span><br/> <span class="ft6">aa) Zwischen S.M. und J.M. hätten objektiv und subjektiv kei-</span><br/> <span class="ft6">nerlei ernsthafte Meinungsverschiedenheiten oder widerstreitende</span><br/> <span class="ft6">Interessen bestanden.</span><br/> <span class="ft6">Dies ist nicht unglaubwürdig. Es ist ohne weiteres nachvoll-</span><br/> <span class="ft6">ziehbar, dass es für J.M. aus persönlichen Gründen vordringlich war,</span><br/> <span class="ft6">einen guten Teil des Lebensunterhalts ihrer Mutter durch das streitige</span><br/> <span class="ft6">Vermächtnis gesichert zu wissen, selbst dann, wenn ihre eigenen</span><br/> <span class="ft6">Ansprüche dadurch beeinflusst wurden (was ohnehin kaum zutrifft,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Disziplinarrecht</span> <span class="page_no">265</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">da sie auf den Pflichtteil gesetzt war). Es mag auch sein, dass sie</span><br/> <span class="ft6">einverstanden war, auf die umstrittene Darlehensrückforderung ge-</span><br/> <span class="ft6">gen ihre Mutter zu verzichten und bestimmte Kosten zu Lasten des</span><br/> <span class="ft6">Nachlasses zu übernehmen (wobei diese Streitpunkte die Höhe ihres</span><br/> <span class="ft6">Erbanspruchs allerdings beeinflussten). Indessen ist dies alles be-</span><br/> <span class="ft6">deutungslos, da das Verbot der Doppelvertretung im Prozess unein-</span><br/> <span class="ft6">geschränkt gilt, ohne Prüfung, ob effektiv Interessengegensätze be-</span><br/> <span class="ft6">standen.</span><br/> <span class="ft6">bb) Bei der Vertretung einer minderjährigen Person sei es un-</span><br/> <span class="ft6">möglich, deren Interessen ohne Kontakt mit ihrer gesetzlichen</span><br/> <span class="ft6">Vertreterin angemessen zu vertreten.</span><br/> <span class="ft6">Auch wenn derartige Kontakte unvermeidlich gewesen sein</span><br/> <span class="ft6">mögen, ist dieser Umstand nicht geeignet, die Doppelvertretung im</span><br/> <span class="ft6">Prozess zu rechtfertigen, da deren Unzulässigkeit nicht davon ab-</span><br/> <span class="ft6">hängt, dass konkret zu befürchten ist, der Beschwerdeführer würde</span><br/> <span class="ft6">Kenntnisse, die er als Vertreter der einen Partei erlangt hat, in seiner</span><br/> <span class="ft6">Funktion als Vertreter der Gegenpartei nutzen.</span><br/> <span class="ft6">cc) Da eine einjährige Frist ab Testamentseröffnung, endend am</span><br/> <span class="ft6">20. August 2003, habe eingehalten werden müssen und der Miterbe</span><br/> <span class="ft6">Z. erst am 7. Juli 2003 habe erkennen lassen, dass er das Legat für</span><br/> <span class="ft6">S.M. nicht mehr als ausgewiesen anerkenne, wäre es für diese gar</span><br/> <span class="ft6">nicht mehr möglich gewesen, rechtzeitig einen andern Anwalt zu</span><br/> <span class="ft6">finden und ausreichend zu instruieren, weshalb er in Beachtung der</span><br/> <span class="ft6">Berufspflichten auch deren Vertretung habe übernehmen und das</span><br/> <span class="ft6">Vermittlungsgesuch habe formulieren müssen. Der von der Anwalts-</span><br/> <span class="ft6">kommission angedeutete Ausweg, die Vermittlungsgesuche - oder</span><br/> <span class="ft6">jedenfalls eines davon - aufzusetzen, wonach sie von den Direktbe-</span><br/> <span class="ft6">troffenen selbst unterschrieben und eingereicht worden wären, ent-</span><br/> <span class="ft6">spreche nicht seiner Berufsauffassung.</span><br/> <span class="ft6">Dem ist zunächst entgegenzuhalten, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">schon früher die Interessen von S.M. vertrat. Insbesondere aber</span><br/> <span class="ft6">vermag der Beschwerdeführer den für die Vorinstanz entscheidenden</span><br/> <span class="ft6">Aspekt damit nicht zu widerlegen, ein Vermittlungsgesuch müsse</span><br/> <span class="ft6">nicht als ausführliche Rechtsschrift verfasst sein; deshalb habe kein</span><br/> <span class="ft6">Grund bestanden, dass zur Fristwahrung unbedingt der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer als Anwalt die Gesuche habe verfassen und einreichen müs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">266</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sen; vielmehr hätte es ausgereicht, dass die Klägerinnen selber, der</span><br/> <span class="ft6">Beistand von J.M. oder allenfalls ein anderer Anwalt den Sachverhalt</span><br/> <span class="ft6">und die Forderung im Gesuch in kurzen Zügen geschildert hätten.</span><br/> <span class="ft6">Objektiv bestand kein Sachzwang, dass der Beschwerdeführer S.M.</span><br/> <span class="ft6">bei der Prozesseinleitung, trotz der sich daraus offensichtlich erge-</span><br/> <span class="ft6">benden prozessualen Doppelvertretung, weiterhin (bzw. nach seiner</span><br/> <span class="ft6">Darstellung neu) vertrat. Die Richtigkeit der Auffassung der Vorin-</span><br/> <span class="ft6">stanz lässt sich schon aus dem Umfang der tatsächlich eingereichten</span><br/> <span class="ft6">Vermittlungsgesuche, mit sehr kurzen Begründungen, die keine um-</span><br/> <span class="ft6">fangreiche Instruktion benötigten, ersehen. Angesichts der im ange-</span><br/> <span class="ft6">fochtenen Entscheid gegebenen Begründung ist es auch eine mehr</span><br/> <span class="ft6">als eigenwillige Interpretation, wenn der Beschwerdeführer daraus</span><br/> <span class="ft6">schliesst, die Anwaltskommission habe als Alternative gleichsam</span><br/> <span class="ft6">vorgeschlagen, dass der Beschwerdeführer die Vermittlungsgesuche</span><br/> <span class="ft6">für seine beiden Klientinnen hätte aufsetzen, dies aber nicht kennt-</span><br/> <span class="ft6">lich machen sollen.</span><br/> <span class="ft6">c) Damit ergibt sich zusammenfassend, dass dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer zu Recht der Vorwurf der unzulässigen prozessualen Doppel-</span><br/> <span class="ft6">vertretung gemacht wurde.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Redaktionelle Anmerkung</i></span><br/> <span class="ft6">Das Bundesgericht, II. Öffentlichrechtliche Abteilung, hat eine</span><br/> <span class="ft6">gegen diesen Entscheid erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde</span><br/> <span class="ft6">mit Urteil vom 28. Oktober 2004 abgewiesen (2A.594/2004).</span><br/></div> </div> </body> </html>