<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 109 S.399</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">399</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>109 Lichtimmissionen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Sonnenlichtreflexionen handelsüblicher Dachziegel des Typs Tegalit;</b></span><br/> <span class="ft3"><b>in einer Mischzone ist die Immissionstoleranz grösser als in reinen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Wohnzonen (Erw. 3d/bb).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Frage der Mitberücksichtigung zumutbarer Abwehrmassnahmen of-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fengelassen (Erw. 3d/dd).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 3. September</span><br/> <span class="ft4">2007 i.S. M. und Mitb. gegen D. und Mitb. und den Gemeinderat Olsberg.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) Das Bundesgesetz über den Umweltschutz vom 7. Oktober</span><br/> <span class="ft6">1983 (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) schützt unter dem Ti-</span><br/> <span class="ft6">tel «Strahlen» auch vor starken Lichteinwirkungen (Art. 7 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">USG). Die gerügten Blendwirkungen fallen deshalb unter den Be-</span><br/> <span class="ft6">griff der Strahlen. Allerdings enthalten weder das Gesetz noch die</span><br/> <span class="ft6">bislang vom Bundesrat erlassenen Verordnungen Ausführungsbe-</span><br/> <span class="ft6">stimmungen bezüglich Blendwirkungen. Es gelten deshalb die all-</span><br/> <span class="ft6">gemeinen Grundsätze des Umweltschutzrechts über die Begrenzung</span><br/> <span class="ft6">von Einwirkungen.</span><br/> <span class="ft6">Nach dem zweistufigen Konzept des USG sind Einwirkungen</span><br/> <span class="ft6">auf die Umwelt zunächst durch Massnahmen bei der Quelle</span><br/> <span class="ft6">(Emissionsbegrenzungen) zu beschränken (Art. 11 Abs. 1 USG). Un-</span><br/> <span class="ft6">abhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind Emissionen so</span><br/> <span class="ft6">weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG); es gilt das sog. Vor-</span><br/> <span class="ft6">sorgeprinzip. Auf der zweiten Stufe setzt das USG bei den Immissio-</span><br/> <span class="ft6">nen an; nach Art. 11 Abs. 3 USG werden Emissionsbegrenzungen</span><br/> <span class="ft6">verschärft, wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">400</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">gen unter Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung</span><br/> <span class="ft6">schädlich oder lästig werden (Aargauische Gerichts- und Verwal-</span><br/> <span class="ft6">tungsentscheide [AGVE] 1990, S. 300).</span><br/> <span class="ft6">b) Die Beschwerdeführenden bringen im Wesentlichen vor, das</span><br/> <span class="ft6">Tegalit-Dach des Neubaus der Beschwerdegegner südlich ihrer Lie-</span><br/> <span class="ft6">genschaft «genau vor der Nase» verursache eine derart starke Spie-</span><br/> <span class="ft6">gelung von Sonnenlicht, dass es für sie nicht zumutbar sei, dieses</span><br/> <span class="ft6">«extreme Blenden» zu ertragen. Sie seien «durch die Reflexion ex-</span><br/> <span class="ft6">trem eingeschränkt», zumal es ihnen nicht mehr möglich sei, die</span><br/> <span class="ft6">Südseite ihrer Liegenschaft (Hauptwohnseite mit Wohnzimmern,</span><br/> <span class="ft6">Lauben und Garten) «ohne Gefährdung der Augen» zu nutzen. (...)</span><br/> <span class="ft6">c) Die Beschwerdeführenden verlangen, dass die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">gegner zu verpflichten seien, das Dach ihres Hauses anstelle der</span><br/> <span class="ft6">Tegalit-Ziegel mit nichtreflektierenden Dachziegeln zu versehen oder</span><br/> <span class="ft6">gegenüber der Parzelle der Beschwerdeführenden eine Sicht-</span><br/> <span class="ft6">schutzwand zu errichten. Diese Emissionsbegrenzungsmassnahmen</span><br/> <span class="ft6">sind zunächst unter dem Titel des Vorsorgeprinzips (Art. 11 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">USG) zu prüfen.</span><br/> <span class="ft6">aa) Behördlich angeordnete Vorsorgemassnahmen müssen - wie</span><br/> <span class="ft6">alles staatliche Handeln - den Grundsatz der Verhältnismässigkeit</span><br/> <span class="ft6">wahren (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen</span><br/> <span class="ft6">Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [Bundesverfassung, BV;</span><br/> <span class="ft6">SR 101]). Dies bedeutet unter anderem, dass Massnahmen zur vor-</span><br/> <span class="ft6">sorglichen Begrenzung von Einwirkungen zunächst geeignet sein</span><br/> <span class="ft6">müssen, das angestrebte Ziel der wesentlichen und wirksamen</span><br/> <span class="ft6">Emissionsbegrenzung zu erreichen; Begrenzungsmassnahmen im</span><br/> <span class="ft6">Rahmen der Vorsorge müssen schliesslich auch zumutbar bleiben,</span><br/> <span class="ft6">d.h. ein vernünftiges Verhältnis zwischen Präventionsziel und prä-</span><br/> <span class="ft6">ventivem Eingriff wahren. Diese Voraussetzungen müssen stets er-</span><br/> <span class="ft6">füllt sein, sonst ist die Massnahme unverhältnismässig (vgl. zum</span><br/> <span class="ft6">Ganzen: Pierre Tschannen, Kommentar zum Umweltschutzgesetz</span><br/> <span class="ft6">[Kommentar USG], 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2003, Art. 1 N 40;</span><br/> <span class="ft6">André Schrade/Theo Loretan, Kommentar USG, Art. 11 N 35;</span><br/> <span class="ft6">Bundesgerichtsentscheid [BGE] 118 Ib 240; Praxis des Bundesge-</span><br/> <span class="ft6">richts [Pra] 1991, S. 179; AGVE 1988, S. 328). (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">401</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">bb) Zum vornherein unverhältnismässig erscheint die von den</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführenden verlangte Neubedachung mit nichtreflektie-</span><br/> <span class="ft6">renden Dachziegeln. Nach den unwidersprochen gebliebenen Anga-</span><br/> <span class="ft6">ben des Architekten der Beschwerdegegner betrugen die - sich im</span><br/> <span class="ft6">Falle der Neubedachung als unnütze Investition erweisenden - Ge-</span><br/> <span class="ft6">samtkosten der Dacherstellung Fr.</span> <span class="ft6">65'600.- (Zimmermann</span><br/> <span class="ft6">Fr. 51'800.- und Dachdecker Fr. 13'800.-); die Kosten einer Neube-</span><br/> <span class="ft6">dachung selbst werden auf ca. Fr. 28'000.- geschätzt, wenn Ziegel</span><br/> <span class="ft6">gefunden werden, bei denen die alte Lattung verwendet werden</span><br/> <span class="ft6">kann, sonst auf Fr. 32'000.-. Im Rahmen der Vorsorge dürfen den</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdegegnern derart teure und aufwändige Massnahmen nicht</span><br/> <span class="ft6">abverlangt werden. (...)</span><br/> <span class="ft6">cc) Die von den Beschwerdeführenden verlangte Sicht-</span><br/> <span class="ft6">schutzwand gegenüber ihrer Parzelle wäre (...) kaum tauglich, na-</span><br/> <span class="ft6">mentlich weil sie aus Gründen des Ortsbildschutzes nicht genügend</span><br/> <span class="ft6">hoch erstellt werden könnte, um die zweigeschossige Liegenschaft</span><br/> <span class="ft6">der Beschwerdeführenden wirksam zu schützen. Abgesehen davon</span><br/> <span class="ft6">wäre der damit verbundene Aufwand wiederum unverhältnismässig.</span><br/> <span class="ft6">dd) Andere Vorkehren zur Reduktion oder Eliminierung der</span><br/> <span class="ft6">Blendwirkung sind nicht bekannt und werden von den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führenden denn auch nicht verlangt. Im vorliegenden Fall kommt die</span><br/> <span class="ft6">Anordnung von Emissionsbegrenzungsmassnahmen im Rahmen der</span><br/> <span class="ft6">Vorsorge daher nicht in Frage.</span><br/> <span class="ft6">d) Es bleibt zu prüfen, ob gestützt auf Art. 11 Abs. 3 USG</span><br/> <span class="ft6">schärfere Massnahmen wie Neubedachung mit nichtreflektierenden</span><br/> <span class="ft6">Ziegeln anzuordnen sind. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass</span><br/> <span class="ft6">die Blendwirkungen schädlich oder lästig sind (Art. 11 Abs. 3 USG).</span><br/> <span class="ft6">Schädlich sind die Blendeinwirkungen wohl nicht; hingegen ist zu</span><br/> <span class="ft6">prüfen, ob sie lästig sind. Der Begriff der Lästigkeit setzt Erheblich-</span><br/> <span class="ft6">keit der Störung voraus. Das Kriterium der Erheblichkeit bedeutet,</span><br/> <span class="ft6">dass eine objektiv vorhandene, auf breitem Konsens beruhende Stö-</span><br/> <span class="ft6">rung vorliegt, die derart intensiv ist, dass sie den Betroffenen billi-</span><br/> <span class="ft6">gerweise nicht mehr zugemutet werden kann (Verwaltungsgerichts-</span><br/> <span class="ft6">entscheid [VGE] III/17 vom 9. März 1995 i.S. A.M.). Es kommt also</span><br/> <span class="ft6">nicht auf die subjektive Empfindlichkeit des Einzelnen an, sondern</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">402</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">massgebend ist, ob sich ein wesentlicher Teil der Bevölkerung ge-</span><br/> <span class="ft6">stört fühlen würde.</span><br/> <span class="ft6">aa) Nachdem weder das USG noch die bislang erlassenen Ver-</span><br/> <span class="ft6">ordnungen Ausführungsbestimmungen bezüglich Blendwirkungen</span><br/> <span class="ft6">enthalten, bleibt dem kantonalen und kommunalen Recht bei der Be-</span><br/> <span class="ft6">urteilung der Erheblichkeit der Lästigkeit noch ein Anwendungs-</span><br/> <span class="ft6">spielraum (AGVE 1999, S. 259). Massgebend in Olsberg ist Art. 23</span><br/> <span class="ft6">BNO. Diese Vorschrift verbietet übermässige Einwirkungen (Abs. 1);</span><br/> <span class="ft6">verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage sowie</span><br/> <span class="ft6">Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht ge-</span><br/> <span class="ft6">rechtfertigten Einwirkungen (Abs. 2).</span><br/> <span class="ft6">bb) Was nach Lage und Ortsgebrauch als zumutbare Immission</span><br/> <span class="ft6">zu gelten hat, ergibt sich - abstrakt - aus der Zoneneinteilung und</span><br/> <span class="ft6">den entsprechenden Zonenbestimmungen (AGVE 1978, S. 250 ff.).</span><br/> <span class="ft6">Die den gerügten Blendeinwirkungen ausgesetzte Liegenschaft der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführenden befindet sich in der Kernbautenzone Alt. In</span><br/> <span class="ft6">dieser Zone sind Wohnbauten, Landwirtschaftsbetriebe und wenig</span><br/> <span class="ft6">störende Handwerks- wie Dienstleistungsbetriebe (Dorfläden, Büros,</span><br/> <span class="ft6">Restaurants usw.) zugelassen (Art. 12 Abs. 2 BNO). In der Kern-</span><br/> <span class="ft6">bautenzone Alt sind somit selbst Restaurants und Landwirtschafts-</span><br/> <span class="ft6">betriebe nicht ausgeschlossen. Es handelt sich zweifellos um eine</span><br/> <span class="ft6">sog. Mischzone mit entsprechend hoher Immissionstoleranz. Bewoh-</span><br/> <span class="ft6">nerinnen und Bewohner in einer solchen gemischten Zone haben re-</span><br/> <span class="ft6">gelmässig ein wesentlich höheres Mass an Immissionen zu ertragen</span><br/> <span class="ft6">als in reinen Wohnzonen. Der Immissionsschutz in der Kernbauten-</span><br/> <span class="ft6">zone Alt ist deshalb entsprechend weniger hoch als in einer reinen</span><br/> <span class="ft6">Wohnzone. (...)</span><br/> <span class="ft6">cc) Die Hauptwohnseite (Südseite) der zweigeschossigen Lie-</span><br/> <span class="ft6">genschaft der Beschwerdeführenden mit Wohnzimmern, Lauben,</span><br/> <span class="ft6">Sitzplatz und Garten ist gegen das Dach bzw. die nördliche Dach-</span><br/> <span class="ft6">hälfte der Liegenschaft der Beschwerdegegner gerichtet. Der Ab-</span><br/> <span class="ft6">stand zwischen den beiden Liegenschaften beträgt ca. 15 m. Das</span><br/> <span class="ft6">Doppeleinfamilienhaus der Beschwerdegegner liegt wesentlich tiefer</span><br/> <span class="ft6">als die Liegenschaft der Beschwerdeführenden, weshalb sich das</span><br/> <span class="ft6">umstrittene Dach (...) praktisch auf Augenhöhe befindet. Anlässlich</span><br/> <span class="ft6">des am 23. Mai 2007 vorgenommenen Augenscheins trat die Spie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">403</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">gelung des Sonnenlichts als schimmernde dreieckförmige Fläche in</span><br/> <span class="ft6">Erscheinung. (...). Dabei zeigte sich, dass die Lichteinwirkung wäh-</span><br/> <span class="ft6">rend der kritischen Zeit von den verschiedenen Standorten aus mit</span><br/> <span class="ft6">unterschiedlicher Intensität wahrgenommen wird; praktisch überall</span><br/> <span class="ft6">am intensivsten erscheint sie jedoch über die Mittagszeit, wenn die</span><br/> <span class="ft6">Sonne ihren höchsten Stand hat. Die Blendwirkung erschien aller-</span><br/> <span class="ft6">dings keineswegs derart grell und intensiv oder gar unerträglich wie</span><br/> <span class="ft6">von den Beschwerdeführenden dargestellt.</span><br/> <span class="ft6">Die Beschwerdeführenden bringen indessen vor, aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">am Augenschein herrschenden Verhältnisse habe sich ein verfälsch-</span><br/> <span class="ft6">tes Bild ergeben, das über das sonst auftretende effektive Ausmass</span><br/> <span class="ft6">der Lichteinwirkungen hinwegtäusche, zumal der Himmel zum Zeit-</span><br/> <span class="ft6">punkt des Augenscheins bewölkt gewesen sei und zusätzlich auch</span><br/> <span class="ft6">der sich damals auf dem Dach befindende, «nicht unbeträchtliche</span><br/> <span class="ft6">Teil des Blütenstaubes der direkt östlich gelegenen ca. 35 m hohen</span><br/> <span class="ft6">Linde» die Blendwirkung «extrem eingedämmt» habe; den einge-</span><br/> <span class="ft6">reichten Fotoaufnahmen, die «nach einem Gewitterregen entstanden»</span><br/> <span class="ft6">seien, könne entnommen werden, dass «die Beeinträchtigung doch</span><br/> <span class="ft6">erheblich» sei. Diese Einwände der Beschwerdeführenden sind je-</span><br/> <span class="ft6">doch unbehelflich. Die am Augenschein herrschenden Wetterverhält-</span><br/> <span class="ft6">nisse lassen eine objektive Beurteilung der Lichteinwirkung durch-</span><br/> <span class="ft6">aus zu. Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführenden fand der</span><br/> <span class="ft6">Augenschein bei ausgesprochen schönem Wetter statt, d.h. es</span><br/> <span class="ft6">herrschte sonniges Wetter mit leichtem Dunst und damit der in der</span><br/> <span class="ft6">hiesigen Gegend bei schönem Wetter zumeist vorkommende Regel-</span><br/> <span class="ft6">fall; ausserdem war der Himmel nicht bewölkt, sondern es bestand</span><br/> <span class="ft6">eine uneingeschränkte Sonneneinstrahlung, die nur während eines</span><br/> <span class="ft6">kurzen Moments durch eine Wolke beeinträchtigt wurde. Dass Dä-</span><br/> <span class="ft6">cher mit Blütenstaub bedeckt und Reflexionen des Sonnenlichts ent-</span><br/> <span class="ft6">sprechend reduziert sein können, kommt ebenfalls relativ häufig vor</span><br/> <span class="ft6">und ist somit nicht aussergewöhnlich. Eher selten und selbst dann</span><br/> <span class="ft6">nur vorübergehend kommt hingegen die von den Beschwerdeführen-</span><br/> <span class="ft6">den angeführte Situation vor, dass nach Regen sofort wieder die</span><br/> <span class="ft6">Sonne scheint und das Sonnenlicht auf dem noch nassen Dach inten-</span><br/> <span class="ft6">siver als sonst reflektiert wird.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">404</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">dd) Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Lichteinwirkungen</span><br/> <span class="ft6">deutlich wahrnehmbar sind und durchaus auch als störend empfun-</span><br/> <span class="ft6">den werden können. Die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen</span><br/> <span class="ft6">verbieten indessen nicht jegliche Störung, sondern nur solche, die bei</span><br/> <span class="ft6">objektiver Beurteilung als übermässig bezeichnet werden müssen. In</span><br/> <span class="ft6">dicht überbauten Gebieten lassen sich nicht jegliche Lichteinwirkun-</span><br/> <span class="ft6">gen von Dächern auf benachbarte Liegenschaften ausschliessen, sol-</span><br/> <span class="ft6">len Dächer mit Tegalit-Ziegeln - nach dem Gesagten ein gängiges</span><br/> <span class="ft6">und bewährtes Produkt - oder ähnlichen Materialien nicht völlig</span><br/> <span class="ft6">verunmöglicht werden. In der Regel wird sich der Blick bei Wahr-</span><br/> <span class="ft6">nehmung einer starken Lichteinwirkung ohnehin automatisch von</span><br/> <span class="ft6">der Lichtquelle, die das Auge als störend empfindet, abwenden. Es</span><br/> <span class="ft6">ist nicht zu erwarten, dass jemand während längerer Zeit in eine sol-</span><br/> <span class="ft6">che Lichtquelle blickt. Die Ausführungen der Beschwerdeführenden</span><br/> <span class="ft6">über Intensität und Dauer der Blendwirkungen sind deshalb auch aus</span><br/> <span class="ft6">diesen Gründen zu relativieren. Schliesslich fragt sich, ob die Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführenden strikte die Haltung einnehmen dürfen, von ihnen</span><br/> <span class="ft6">selber könnten keinerlei Vorkehren wie beispielsweise das mit relativ</span><br/> <span class="ft6">wenig Aufwand verbundene Anbringen von Rollgardinen bei ihren</span><br/> <span class="ft6">Südfenstern und das Aufstellen von verstellbaren Sonnenschirmen</span><br/> <span class="ft6">auf den Lauben und im Sitzplatz bzw. Garten verlangt werden, wenn</span><br/> <span class="ft6">die Lichteinwirkung sie stört (vgl. dazu den Entscheid der Zürcher</span><br/> <span class="ft6">Baurekurskommission II vom 22. September 1992, auszugsweise</span><br/> <span class="ft6">publiziert in Baurechtsentscheide Kanton Zürich [BEZ] 1998, Heft 3</span><br/> <span class="ft6">Nr. 18).</span><br/> <span class="ft6">Gesamthaft beurteilt gehen die Lichteinwirkungen nach Auffas-</span><br/> <span class="ft6">sung der Beschwerdeinstanz noch nicht über das Mass von Störun-</span><br/> <span class="ft6">gen hinaus, wie sie mit der zonengemässen Nutzung von Baugrund-</span><br/> <span class="ft6">stücken entstehen können, zumal sie an den verschiedenen Standor-</span><br/> <span class="ft6">ten von unterschiedlicher Intensität und Dauer sind. Sie erscheinen</span><br/> <span class="ft6">deshalb nicht als übermässig in dem Sinne, dass sie nach Lage und</span><br/> <span class="ft6">Ortsgebrauch nicht mehr zumutbar wären.</span><br/></div> </div> </body> </html>