Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. August 2014 (720 14 85 / 188) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Invalidenrente, Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, Berechnung des Invaliditätsgrades Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber i.V. Thomas Hun- keler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Elisabeth Maier, Advo- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.5230.0298.54) A. Die am 3. Januar 1956 geborene A.____ arbeitete gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 17. Februar 2011 (Eingang bei der IV-Stelle) zu letzt vom 1. Januar 2005 bis 30. April 2011 als Zimmermädchen im Hotel B.____ in Muttenz. Am 11 . September 2010 stürzte sie bei der Arbeit auf den Rücken. Im Rahmen der Untersuchung a uf der Notfallstation wurden keine Ver- letzungen, jedoch eine deutliche depressive Symptomatik festgestellt. Mit Hinweis auf eine Arth- rose im Nacken und in der Halswirbelsäule (HWS) mel dete sich die Versicherte am 2. Februar 2011 bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle führte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinische und erwerbliche Abklärungen durch und holte namentlich ein bidisziplinäres Gut- achten bei Dr. C.____, FMH Neurologie, und Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. September 2012 ein. Gestützt darauf und nach D urchführung eines Vorbescheidver- fahrens wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 4. Febru ar 2014 das Leistungsbegehren der Ver- sicherten bei einem IV-Grad von 29 % ab. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Adv okatin Elisabeth Maier, am 12. März 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landsc haft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, in Aufhe bung der angefochtenen Verfügung sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die gesetzlic hen Leistungen auszurichten. Zur Be- gründung liess sie im Wesentlichen vorbringen, dass auf d as von der IV-Stelle eingeholte bidis- ziplinäre Gutachten nicht abgestützt werden könne. Zur B eurteilung der Arbeitsfähigkeit sei stattdessen auf die Berichte der behandelnden Ärzte abzu stellen. Eventualiter sei die Angele- genheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegn erin zurückzuweisen; unter o/e Kos- tenfolge. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 15. Mai 2014 auf Abweisung der Be- schwerde. Die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Kr itik am bidisziplinären Gutachten sowie den medizinischen Einschätzungen der IV-Stelle sei en unberechtigt. Es sei davon aus- zugehen, dass der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht die Ausübung einer angepass- ten Erwerbstätigkeit zu 70 % zugemutet werden könne. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. L aut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 12. März 2014 ist somit einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist der Renten anspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum E rlass der angefochtenen Verfü- gung vom 4. Februar 2014 entwickelt hat. Dieser Zeitp unkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch ein e psychische Gesundheitsbeeinträchti- gung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also n icht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumut bar oder – als alternative Vorausset- zung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 1 65; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.6 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel – unabhängig von wem sie stammen – objektiv zu prüf en und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575 /99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfa hrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen ( BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Bei der Ab- schätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen zwar auch die potentiellen Stärken der Berichte behande lnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandeln den Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustuf en. Die einen längeren Zeitraum ab- deckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzt e bringt oft wertvolle Erkenntnis- se hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschie dliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Beg utachtungsauftrag des amtlich be- stellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urtei l des Bundesgerichts vom 28. Januar 2013, 8C_733/2012, E. 3.2 mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerde führerin sind im Wesentli- chen die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Im Kurzbericht des Spitals E.____ vom 13. Septembe r 2010 diagnostizierten Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. G.____, Assistenzarzt, im Rahmen der ambulanten Konsultation vom 11. September 2010 eine n Schwächeanfall, am ehesten im Rahmen einer depressiven Störung, bei Angabe von deutli ch depressiver Symptomatik. Zudem leide die Patientin an einer Pilzinfektion beider Füsse, welche dermatologisch behandelt werde. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Dem Abklärungsbericht von Dr. med. H.____, FMH Psychi atrie und Psychotherapie, und Assistenzärztin Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psyc hotherapie, vom 6. Dezember 2010 zufolge leide die Versicherte an einer zunehmend d epressiven Entwicklung mit Schlafstö- rungen, Gedankenkreisen, Grübeln und ausgeprägten Zuku nftsängsten. Aus psychiatrischer Sicht entspreche diese Symptomatik einer leichten bis mi ttelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom. 5.3 Gemäss dem Arztbericht des Hausarztes Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 4. März 2011 sei bei der Versicherten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine zervikale Myelopathie, am ehesten im Rahmen einer genera lisierten degenerativen HWS- Veränderung, DD eine abgelaufene Myelitis mit chronisch en zervikozephalen Kopfschmerzen und Tetraspastik sowie rezidivierende Synkopen DD orthosta tisch, vasovagal, und eine reakti- ve-depressive Verstimmung zu diagnostizieren. Daneben leid e die Patientin ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an einem chronischen Ekzem an den Füssen und es bestehe des Wei- teren ein Verdacht auf einen beginnenden Diabetes Mellitus. Da es der Patientin unmöglich sei, nach oben zu blicken, sei ihr die Ausübung ihrer bisher igen Tätigkeit nicht mehr möglich. Für körperlich anstrengende Arbeit sei die Patientin generell nicht mehr geeignet. 5.4 Mit Bericht vom 12. April 2011 diagnostizierten Dr. H.____ und Dr. I.____ eine leichte bis mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndr om, bestehend seit Dezember 2010, und attestierten ihr eine 30%ige Arbeitsunfähi gkeit. Aufgrund der depressiven Episode sei die Patientin zum gegenwärtigen Zeitpunkt in ihrer psychischen Belastbarkeit sowie geisti- gen Flexibilität leichtgradig eingeschränkt. Es sei davon auszugehen, dass sich die Patientin bei der Arbeit als Zimmermädchen schlechter konzentrieren könne und rascher ermüde. 5.5 Im fachärztlichen Bericht an den zuständigen Kranke ntaggeldversicherer vom 15. Au- gust 2011 diagnostizierte Dr. med. K.____, FMH Psychiatr ie und Psychotherapie, eine leichte bis mittelgradige depressive Episode unklarer Ätiologie. Aus rein psychiatrischer Sicht könne eine verminderte Belastbarkeit aufgrund der depressiven Störung begründet werden, welche sich aufgrund der sehr geringen Ressourcen der Explorandin eher etwas schwerer auswirke. Die Versicherte dürfte verlangsamt sein und einen erhöh ten Pausenbedarf aufweisen, woraus sich eine etwa 30%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe. 5.6 Den Berichten vom 3. Januar 2012 und 8. März 2012 der behandelnden Ärztin Dr. med. L.____, FMH Neurologie, kann entnommen wer den, dass die Versicherte unter einer zervikalen Myelopathie bei degenerativen HWS-Veränderung en mit chronischen Spannungs- kopfschmerzen und Tetraspastik sowie einer depressiven Entw icklung leide. Aufgrund dieser körperlichen Einschränkungen sei es der Patientin nicht m ehr möglich die körperlich anstren- gende Tätigkeit als Reinigungsfachfrau im Hotel weite r auszuüben. In einer rein sitzenden Tä- tigkeit mit gelegentlichem leichten körperlichen Einsat z sei aus rein neurologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von 30 – 50 % möglich, so fern die Möglichkeit bestünde, bei even- tuellen Schmerzdekompensationen eine Pause einzulegen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Gemäss dem Bericht der behandelnden Ärzte Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und med. pract. N.____, der O.____ vom 27. Juni 2012 sei bei der Versicher- ten eine rezidivierende, gegenwärtig mittelgradige de pressive Störung zu diagnostizieren. Auf- grund dieser depressiven Symptomatik sei der Versicherten aus psychiatrischer Sicht eine Ar- beitsunfähigkeit von 70 – 80 % zu attestieren. 5.8 In dem von der Beschwerdegegnerin in Auftrag geg ebenen bidisziplinären (neurologi- schen und psychiatrischen) Gutachten vom 14. September 2012 stellte Dr. C.____ aus neuro- logischer Sicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgeprägte degenerative Veränderun- gen im Bereich der HWS sowie ein leichtes bis mässig aus geprägtes, rechtsbetontes Lum- bovertebralsyndrom ohne neurologische Ausfälle fest. Au fgrund der Probleme im Bereich der Wirbelsäule seien der Explorandin keine körperlich mittelschweren und/oder schweren Arbeiten mehr zumutbar. Weiter sei es der Versicherten auch nicht mehr möglich Arbeiten über Schul- terhöhe, im Bücken oder im Knien zu verrichten und sie benötige deutlich vermehrte Pausen. In ihrer bisherigen Tätigkeit als Zimmermädchen bestehe f ür die Versicherte keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr. Körperlich leichte, rückenadapt ierte Arbeitstätigkeiten, welche vorwie- gend sitzend und mit vermehrten Pausen verrichtet werden könnten, seien der Explorandin hin- gegen zumutbar. Bei einer solchen Tätigkeit bestünde au s neurologischer Sicht eine Arbeitsun- fähigkeit von 30 %. Im psychiatrischen Teilgutachten diagnostizierte Dr. D.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit eine rezidivierende depressive Störung mit chroni schem Verlauf und gegenwärtig leicht- bis mittelgradiger Episode ohne somatischem Syndrom. Inf olge dieser Diagnose sei seit Okto- ber 2010, sowohl in der zuletzt ausgeübten wie auch in einer alternativen Tätigkeit, von einer 30%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. I n Abweichung zum Bericht der O.____ vom 27. Juni 2012 könne keine reduzierte Aufmer ksamkeit und Konzentrationsfähigkeit der Versicherten festgestellt werden. Zudem zeige sich di e Versicherte affektiv auch nicht durchgehend weinerlich und niedergeschlagen und könne sogar wiederholt lächeln, weshalb sich die Diagnose einer ausschliesslich mittelgradigen depr essiven Episode nicht bestätigen liesse. Aus gemeinsamer bisdisziplinärer Sicht kommen die beiden Gutachter zum Schluss, dass in der angestammten Tätigkeit seit Oktober 2010 eine Ein schränkung der Arbeitsfähigkeit beste- he. Bis Ende 2010 habe die Einschränkung 30 % betragen , seit Januar 2011 würde in der an- gestammten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr best ehen. In einer körperlich leichten, rü- ckenadaptierten Arbeitstätigkeit bestehe seit Oktober 201 0 eine Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit von 30 %. 5.9 Mit Bericht vom 10. Mai 2013 nahmen Dr. med. P._ ___, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, und med. pract. N.____ von der O.____ zu de m von der Beschwerdegegnerin einge- holten Gutachten vom 14. September 2012 Stellung. D as Denk- und Konzentrationsvermögen der Explorandin erscheine sowohl fremd-, als auch eigena namnestisch deutlich eingeschränkt. Im Gespräch wirke sie deutlich psychomotorisch gehemmt. Au fgrund ihrer Symptomatik leide die Versicherte unter erheblichen Schwierigkeiten, soziale , häusliche und berufliche Aktivitäten Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht durchzuführen. Insgesamt habe sich das Zustandsbild der V ersicherten in den letzten Monaten noch weiter verschlechtert, sodass mindestens von einer m ittelgradigen depressiven Episode ausgegangen werden müsse. Die Patientin könne aufgru nd ihrer Erkrankung bestenfalls 50 % ihrer Ausgangsleistung erbringen und diese höchstens noch über 50 % der Zeit abrufen, wo- raus insgesamt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 75 % resultiere. 5.10 Gemäss der Stellungnahme von Dr. D.____ vom 12. Okt ober 2013 seien die Vorbrin- gen der Ärzte der O.____ im Bericht vom 10. Mai 2013 n icht überzeugend. Die behandelnden Ärzte würden sich bei ihrer Beurteilung der Symptome vor wiegend auf die subjektiv geklagten Beschwerden der Versicherten berufen, weshalb keine Grü nde ersichtlich seien, von der Ein- schätzung einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit abzuweichen. 5.11 Gemäss der Stellungnahme von Dr. C.____ vom 4. Nov ember 2013 seien aus neuro- logischer Sicht keine Gründe ersichtlich, welche eine Ei nschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 – 50 % begründen würden. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 4. Februar 2014 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und de r Arbeitsfähigkeit der Beschwerde- führerin vollumfänglich auf das Gutachten der Dres. C._ ___ und D.____ vom 14. September 2012. Sie ging demnach davon aus, dass der Beschwerdeführ erin aus gesamtmedizinischer Sicht die Ausübung einer angepassten Erwerbstätigkeit zu 70 % zumutbar sei. Wie oben aus- geführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Die Berichte ber uhen auf eingehenden Untersuchungen und berücksichtigen die übrigen bei den Akten liegende n medizinischen Unterlagen. Zudem wird einlässlich sowohl auf die psychischen wie auch auf d ie somatischen Beschwerden einge- gangen und es wird insgesamt ein hinreichendes Bild über den Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin vermittelt. Auch die fachärztlichen Ein schätzungen der Arbeitsfähigkeit sind ausreichend begründet und nachvollziehbar. Es wird deut lich, dass der Beschwerdeführerin aufgrund der gestellten Diagnosen eine angepasste Erwerbstätigkeit zu 70 % zumutbar ist. Ins- gesamt erweisen sich die Ausführungen der Dres. C.____ und D.____ sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der d araus gezogenen Schlussfolge- rungen als grundsätzlich nachvollziehbar. 6.2 In Bezug auf die somatischen, namentlich die neurol ogischen Befunde, bestehen bei der medizinischen Diagnose weitgehend übereinstimmende E inschätzungen der involvierten Fachpersonen. Bei der Beurteilung der Auswirkung dieser medizinischen Befunde auf die Er- werbstätigkeit der Beschwerdeführerin besteht hingegen Uneinigkeit. Dr. C.____ kommt im neu- rologischen Gutachten vom 14. September 2012 zum Schlu ss, dass bei der Versicherten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % (vermindert es Rendement) für leichte Verweistä- tigkeiten vorliege. Die behandelnde Ärztin Dr. L.____ geht in ihren Berichten vom 3. Januar Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 und 8. März 2012 bei gleichem Befund hingegen lediglich von einer 30 – 50%igen Arbeits- fähigkeit aus. Die Beschwerdeführerin bringt vor, es sei nicht einleuchtend begründet, weshalb die Einschätzung der behandelnden Fachärztin Dr. L.___ _ nicht zutreffend sei. Diesem Vor- bringen kann nicht gefolgt werden. Wie vorstehend in Erwägung 6.1 ausgeführt, ist die fachärzt- liche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten v on Dr. C.____ ausreichend begründet. Zudem wird nachvollziehbar ausgeführt, weshalb eine h öhere Einschränkung der Arbeitsfähig- keit als 30 % vorliegend nicht gegeben sei. Bei der in der Beschwerde zusätzlich geltend ge- machten hyperkeratotischen Tinea pedis handelt es sich um Fusspilz mit Befall der Fusssohle. Dr. J.____, der Hausarzt der Versicherten, stellte berei ts mit Bericht vom 4. März 2011 diese Diagnose und hielt fest, dass sie keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. 6.3 Hinsichtlich der psychiatrischen Einschätzung von Dr. D. ____ moniert die Beschwerde- führerin im Wesentlichen, dass das für die Versicherte not wendige Vertrauensverhältnis zum Gutachter nicht aufgebaut werden konnte und die Exploration mit 1,5 Stunden zu kurz ausgefal- len sei. Es sei deshalb auf die Einschätzungen der behandelnden Ärzte der O.____ abzustellen. Bezüglich der Explorationsdauer kann festgehalten wer den, dass es sich bei der Untersuchung nur um ein Element einer Begutachtung handelt. Weite res Gewicht kommt namentlich dem Studium der ärztlichen Berichte und der Auseinandersetzung mit den Vorakten, bzw. mit abwei- chenden ärztlichen Einschätzungen, der Darstellung des b isherigen Verlaufs der Krankheit und der Auswertung der Befunde zu. Für die Aussagekraft eines Arztberichts kann es auch nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommen. Massgeblich ist viel mehr, ob der Bericht im Ergebnis schlüssig und inhaltlich vollständig ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2006, I 719/05, E. 3). Da das vorliegende Gutachten schlüssig und inhaltlich vollständig ist und der bis- herige Verlauf durch Arztberichte dokumentiert wurde, ist die Explorationsdauer vorliegend nicht zu beanstanden. Hinsichtlich des von der Beschwerdeführerin bemängelten Vertrauensverhält- nisses wies Dr. D.____ in seiner Stellungnahme vom 12. Okt ober 2013 nachvollziehbar darauf hin, dass während der Untersuchung zu keinem Zeitpunkt der Eindruck entstanden sei, die Ver- sicherte bekunde Mühe, ihre Gefühle, Phantasien und Ge danken in Worte zu fassen. Zudem wird die Kooperation im Gutachten bis auf gelegentlich es Ausweichen als gut bezeichnet, wes- halb von einem genügend guten Vertrauensverhältnis zum Gutachter ausgegangen werden kann. Ausserdem weist Dr. D.____ in seiner Stellungnahme zum Bericht der O.____ darauf hin, dass sich die Autoren des Berichts vorwiegend auf die sub jektiv geklagten Beschwerden der Versicherten abstützen würden und die Aussagen nicht mit erhobenen Befunden belegt seien. Im Hinblick auf die divergierenden Einschätzungen von Dr . D.____ und den Ärzten der O.____ kann zudem festgestellt werden, dass sowohl die Dres. H.__ __ und I.____ im Bericht vom 12. April 2011 als auch Dr. K.____ im Bericht vom 15. Aug ust 2011 der Beschwerdeführerin bei einer leichten bis mittelschweren depressiven Episode eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % attes- tieren. Somit bestätigen diese beiden Berichte den medizinischen Befund und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von Dr. D.____. Der Bericht der behandelnden Ärzte der O.____, auf wel- chen sich die Beschwerdeführerin stützt, vermag die guta chterliche Beurteilung von Dr. D.____ daher nicht in Frage zu stellen. 6.4 Die Beschwerdeführerin bringt schliesslich vor, es werd e im Gutachten der Dres. C.____ und D.____ nicht begründet, weshalb die f estgestellten Einschränkungen der Ar- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsfähigkeit von je 30 % nicht addiert würden. Der E inwand erweist sich als nicht stichhaltig. Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts überschneiden sich be im Zusammentreffen ver- schiedener Gesundheitsbeeinträchtigungen deren erwerbl ichen Auswirkungen in der Regel, weshalb der Grad der Arbeitsunfähigkeit diesfalls aufgr und einer sämtliche Behinderungen um- fassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen ist. Eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funktionsstörungen und Beschwerdebilder g eschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade ist nicht zulässig (RDAT 2002 I Nr. 72 S. 485; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2007, 8C_518/07, E. 3.2). Die Gutachter kamen in ihrer Konsensbeurteilung zum Schluss, dass die Leistungseinbusse unter Berücksichtigung sowohl der psychischen als auch neurologischen Einschränkungen gesamthaft 30 % betrage. Gründe, welch e für eine weitergehende Arbeitsun- fähigkeit sprechen würden, ergeben sich aus den medizinischen Akten nicht. 6.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die IV-Stelle s owohl für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts wie auch in Bezug auf die Einsc hätzung der Arbeitsfähigkeit zu Recht auf die Ausführungen der Dres. C.____ und D.__ __ vom 14. September 2012 abstellte. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Erwerbs- tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig ist. Die vorhandenen medizinischen Unterlagen lassen eine zuver- lässige Beurteilung der verbleibenden Restarbeitsfähigke it der Versicherten bis zum Verfü- gungserlass zu, weshalb auf eine zusätzliche medizinische A bklärung verzichtet werden kann. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, B eweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabna hme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsach en abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt da s Gericht bei pflichtgemässer Beweis- würdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des rele- vanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein bean- tragtes Beweismittel verzichtet werden. Eine solche antizi pierte Beweiswürdigung ist nach kon- stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (vgl. B GE 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). Das Bege hren der Beschwerdeführerin, weitere me- dizinische Abklärungen anzuordnen, ist somit abzuweisen. 7.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.6 hiervor), i st der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim men. Unter Hinweis darauf, dass die Kündigung der letzten Arbeitsstelle nicht aus gesund heitlichen Gründen erfolgte, stellte die Beschwerdegegnerin nicht auf das zuletzt erzielte Einko mmen ab, sondern stützte sich sowohl bei der Bestimmung des Validen- als auch des Invalidenein kommens auf die Schweizerischen Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2010. Beim Valideneinkommen ging sie davon aus, dass die Beschwerdeführerin in einer Tätigkeit als Raumpflegerin ohne Ge- sundheitsschaden ein Jahreseinkommen von Fr. 47‘184.-- e rzielen könnte. Grundlage hierfür war die Tabelle TA7, Sektor Reinigung und Öffentliche Hygiene, Anforderungsniveau 4, Spalte Frauen (Fr. 3‘741.-- pro Monat, basierend auf 40 Woch enstunden). Nach Anpassung an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 42 Stunden und die Nominallohnentwicklung von 0.1 % resultierte das vorstehend genannte Jahreseinkomm en. Das Invalideneinkommen be- rechnete die IV-Stelle gestützt auf das Total der Tabel le TA1, Privater Sektor, Anforderungsni- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht veau 4, Spalte Frauen (monatlich Fr. 4‘225.--, basierend auf 40 Wochenstunden). Nach Anpas- sung an die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7 Stunde n pro Woche und die Nominallohnent- wicklung von 1 % und unter Berücksichtigung des zumutbaren Pensums von 70 % sowie einem leidensbedingten Abzug von 10 % resultierte ein Jahreseinkommen von Fr. 33‘631.--. 7.2 Die Beschwerdeführerin macht zunächst in Bezug auf das Valideneinkommen geltend, die IV-Stelle hätte ihrer Berechnung das Anforderung sniveau 3 des Totalwerts der Tabelle T7S der LSE 2010 und damit den Betrag von Fr. 4‘354.-- zugrunde legen müssen. Infolge der zwan- zigjährigen Berufserfahrung als Reinigungskraft bzw. Zimm ermädchen könne nicht mehr das Anforderungsniveau 4 zur Anwendung gelangen. Nach solch einer Zeitspanne seien die für den Beruf Reinigungskraft notwendigen Berufs- und Fachkennt nisse vorhanden, so dass vom An- forderungsniveau 3 ausgegangen werden müsse. Diesem Vo rbringen kann nicht gefolgt wer- den. Eine langjährige Erfahrung in einer angelernte n Tätigkeit als Zimmermädchen reicht ent- gegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht aus, um d ie Anwendung des Anforderungsni- veaus 3, welches Berufs- und Fachkenntnisse und damit in der Regel eine entsprechende Aus- bildung voraussetzt, zu begründen. Dem Auszug aus dem indi viduellen Konto und dem Arbeit- geberfragebogen kann zudem entnommen werden, dass die Versicherte während ihrer Tätig- keit als Zimmermädchen zu keinem Zeitpunkt einen Verdi enst erzielt hat, welcher den Basis- wert des Anforderungsniveaus 3 erreicht hätte. Das dama lige Einkommen hat gar unter dem des Anforderungsniveaus 4 des Sektors Reinigung und Öffent liche Hygiene gelegen. Die IV- Stelle hat somit bei der Wahl des Tabellenlohnes zu Re cht auf das Anforderungsniveau 4 ab- gestellt. Die Beschwerdeführerin stützt sich für die Bestimmung des Valideneinkommens auf die Tabelle T7S, während die Beschwerdegegnerin die Tabelle TA7 anwendet. Da beide Tabellen grund- sätzlich anwendbar wären und es im konkreten Fall keinen r entenrelevanten Einfluss auf die Bestimmung des IV-Grads hat, kann die Frage, ob auf die Tabelle TA7 oder die Tabelle T7S abgestellt werden sollte, hier letztlich offen gelassen werden. 7.3.1 Das von der IV-Stelle ermittelte Invalideneinkom men wird von der Beschwerdeführerin im Grundsatz – zu Recht – nicht beanstandet. Sie macht j edoch geltend, die Beschwerdegeg- nerin hätte für das Invalideneinkommen einen höheren leidensbedingten Abzug zubilligen müs- sen. Bereits aufgrund der gesundheitlichen Probleme se i ein leidensbedingter Abzug von min- destens 15 % angebracht. Zudem rechtfertige sich aus den k onkreten Lebensumständen, der Nationalität und dem Niedriglohnsegment beim Invalideneinkommen ein Abzug von mindestens weiteren 10 %. 7.3.2 Von dem gestützt auf statistische Werte ermittel ten Invalideneinkommen sind praxis- gemäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsach e Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausma ss der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli chenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht automatisch erfolgen und darf 25 % nicht überstei gen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrolli erende richterliche Behörde ihr Er- messen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er messen im Einklang mit den allge- meinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffe n hat, nicht zweckmässigerweise an- ders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetät igung der Vorinstanz eingegriffen wer- den, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegeb enheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 7.3.3 Die Beschwerdegegnerin begründet den von ihr vor genommenen leidensbedingten Abzug damit, dass die Beschwerdeführerin auch in eine r körperlich leichten Tätigkeit einge- schränkt sei. So solle sie vorwiegend im Sitzen arbeiten und benötige vermehrte Pausen zur Entspannung und Lockerung. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin besteht vorlie- gend kein Grund, in das Ermessen der Beschwerdegegnerin einzugreifen. Mit dem leidensbe- dingten Abzug von 10% wird das eingeschränkte Belastungs profil der Beschwerdeführerin be- rücksichtigt. Die weiteren gesundheitlichen Einschränkung en sind bereits im reduzierten Ar- beitspensum enthalten. Nicht anzurechnen sind ferner die fremde Nationalität und das damit verbundene sprachliche Defizit der Beschwerdeführerin, welches sich im Anforderungsniveau 4 in der Regel nicht lohnmindernd auswirkt. Mit einer Ni ederlassungsbewilligung C gehört die Versicherte einer Ausländerkategorie an, für die der mo natliche Bruttolohn im Anforderungsni- veau 4 sogar über dem entsprechenden, nicht nach dem M erkmal der Nationalität differenzie- renden Totalwert liegen kann (vgl. BGE 126 V 78 f., E. 5a/cc, Urteil des Bundesgerichts vom 17. September 2009, 8C_567/2009, E. 7.2). Es gibt s omit keinen Anlass, in das Ermessen der Vorinstanz einzugreifen und einen höheren leidensbedingten Abzug vorzunehmen. 7.4 Aus der Gegenüberstellung von Valideneinkommen (Fr . 47‘184.--) und Invalidenein- kommen (Fr. 33‘631.--) resultiert ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 29 %. Die ge- gen die Verfügung vom 4. Februar 2014 erhobene Beschw erde erweist sich nach dem Ausge- führten als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferleg t. Entsprechend dem Ausgang die- ses Verfahrens hat die Versicherte die Verfahrenskosten zu tragen. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 600.-- werden mit dem von der Versicherte n geleisteten Kostenvorschuss ver- rechnet. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessaus gang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht