<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 7] </div> <div class="para">U 369/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. Kammer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Schön, Rüedi, Meyer </div> <div class="para">und nebenamtlicher Richter Maeschi; Gerichtsschreiberin </div> <div class="para">Hofer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 27. November 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, Fluhmattstrasse </div> <div class="para">1, 6004 Luzern, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">S.________, 1961, Beschwerdegegner, vertreten durch die </div> <div class="para">Gewerkschaft X.________, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, St. Gallen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.- S.________, geboren 1961, arbeitete ab Januar 1989 </div> <div class="para">bei der Y.________ AG und war bei der Schweizerischen </div> <div class="para">Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch für die </div> <div class="para">Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am </div> <div class="para">20. November 1991 stürzte er von einem Gerüst und zog sich </div> <div class="para">dabei eine Densfraktur sowie Frakturen an den Handgelenken </div> <div class="para">zu. Die SUVA kam für die Unfallbehandlung auf und richtete </div> <div class="para">Taggeld aus. Am 13. August 1992 meldete sich S.________ bei </div> <div class="para">der Invalidenversicherung an, welche ihm bei einem Invaliditätsgrad </div> <div class="para">von 70 % ab November 1992 eine bis August 1993 </div> <div class="para">befristete ganze Rente zusprach und mit Verfügung vom </div> <div class="para">10. September 1993 für eine Umschulung zum Schreinerei-Mitarbeiter </div> <div class="para">aufkam. Nach dem vorzeitigen Abbruch der beruflichen </div> <div class="para">Massnahme richtete sie ab 1. August 1994 wieder eine </div> <div class="para">ganze und ab 1. Januar 1995 eine halbe Rente aus. Am </div> <div class="para">5. Juli 1995 erliess die SUVA eine Verfügung, mit welcher </div> <div class="para">sie dem Versicherten eine Rente aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit </div> <div class="para">von 40 % ab 1. Juli 1995 sowie eine Integritätsentschädigung </div> <div class="para">bei einer Integritätseinbusse von 25 % </div> <div class="para">zusprach. Auf Einsprache hin ordnete sie eine psychiatrische </div> <div class="para">Begutachtung an, hob die Verfügung vom 5. Juli 1995 in </div> <div class="para">Bezug auf die Invalidenrente auf und sprach dem Versicherten </div> <div class="para">ab 1. Juli 1995 bei einer Erwerbsunfähigkeit von 80 % </div> <div class="para">und einem Jahresverdienst von Fr. 75'975.- eine als Komplementärrente </div> <div class="para">berechnete Rente von Fr. 3096.- (Fr. 3174.- ab </div> <div class="para">1. Januar 1997) im Monat zu; an der Integritätsentschädigung </div> <div class="para">von 25 % hielt sie fest (Verfügung vom 29. September </div> <div class="para">1997). S.________ liess auch gegen diese Verfügung Einsprache </div> <div class="para">erheben und beantragen, die Komplementärrente sei </div> <div class="para">unter Erhöhung des versicherten Verdienstes entsprechend </div> <div class="para">der Teuerungszulage festzusetzen und es sei ihm eine Integritätsentschädigung </div> <div class="para">von mindestens 65 % zuzusprechen. Mit </div> <div class="para">Entscheid vom 19. Februar 1998 wies die SUVA die Einsprache </div> <div class="para">ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.- Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen </div> <div class="para">hiess die hiegegen erhobene Beschwerde insoweit teilweise </div> <div class="para">gut, als es den Einspracheentscheid bezüglich der Rente </div> <div class="para">aufhob und die Sache an die SUVA zurückwies, damit sie die </div> <div class="para">Komplementärrente unter Berücksichtigung der auf den </div> <div class="para">1. Januar 1997 in Kraft getretenen Verordnungsbestimmung </div> <div class="para">über den Teuerungsausgleich neu festsetze; im Übrigen wies </div> <div class="para">es die Beschwerde ab (Entscheid vom 18. August 1999). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C.- Die SUVA führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit </div> <div class="para">dem Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, </div> <div class="para">soweit damit die Sache zu neuer Verfügung über die </div> <div class="para">Komplementärrente an sie zurückgewiesen wurde. In der Begründung </div> <div class="para">wird daran festgehalten, dass die Verordnungsbestimmung </div> <div class="para">über den Teuerungsausgleich übergangsrechtlich </div> <div class="para">auf den vorliegenden Fall nicht Anwendung findet. </div> <div class="para">Der Beschwerdegegner beantragt Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. </div> <div class="para">Das Bundesamt für Sozialversicherung </div> <div class="para">(BSV) schliesst auf Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Hat der nach UVG rentenberechtigte Versicherte </div> <div class="para">Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (IV) oder </div> <div class="para">der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), so wird </div> <div class="para">ihm eine Komplementärrente gewährt; diese entspricht der </div> <div class="para">Differenz zwischen 90 % des versicherten Verdienstes und </div> <div class="para">der Rente der IV oder der AHV, höchstens aber dem für Voll- </div> <div class="para">oder Teilinvalidität vorgesehenen Betrag. Die Komplementärrente </div> <div class="para">wird beim erstmaligen Zusammentreffen der erwähnten </div> <div class="para">Renten festgesetzt und lediglich späteren Änderungen der </div> <div class="para">für Familienangehörige bestimmten Teile der Rente der IV </div> <div class="para">oder der AHV angepasst (<span class="artref">Art. 20 Abs. 2 UVG</span>). </div> <div class="para">Gestützt auf <span class="artref">Art. 20 Abs. 3 UVG</span> hat der Bundesrat </div> <div class="para">nähere Vorschriften zur Berechnung der Komplementärrenten </div> <div class="para">erlassen. Nach dem mit der Verordnungsänderung vom 9. Dezember </div> <div class="para">1996 (AS 1996 3456) eingefügten Abs. 2 von <span class="artref">Art. 31 </span></div> <div class="para">UVV (in Kraft seit 1. Januar 1997) wird bei der Festlegung </div> <div class="para">der Berechnungsbasis nach <span class="artref">Art. 20 Abs. 2 UVG</span> der versicherte </div> <div class="para">Verdienst um den beim erstmaligen Zusammentreffen gültigen </div> <div class="para">Prozentsatz der Teuerungszulage nach <span class="artref">Art. 34 UVG</span> erhöht. </div> <div class="para">Nach den Schlussbestimmungen der Verordnungsänderung </div> <div class="para">vom 9. Dezember 1996 (Abs. 1) gilt für Komplementärrenten </div> <div class="para">im Sinne von Art. 20 Abs. 2 und 31 Abs. 4 UVG, die vor Inkrafttreten </div> <div class="para">dieser Änderung festgesetzt wurden, das bisherige </div> <div class="para">Recht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Streitig und zu prüfen ist, ob <span class="artref">Art. 31 Abs. 2 UVV</span> </div> <div class="para">auf den vorliegenden Fall anwendbar ist. Dabei ist davon </div> <div class="para">auszugehen, dass der Anspruch auf Komplementärrente vor </div> <div class="para">Inkrafttreten der Verordnungsänderung entstanden, über den </div> <div class="para">Anspruch jedoch erst nach diesem Zeitpunkt verfügt worden </div> <div class="para">ist. Es stellt sich mithin die Frage, wie die Übergangsbestimmung </div> <div class="para">von Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur Verordnungsänderung </div> <div class="para">vom 9. Dezember 1996 zu verstehen ist. Während </div> <div class="para">die Vorinstanz zum Schluss gelangt, die neue Bestimmung </div> <div class="para">sei auf sämtliche nach Inkrafttreten der Verordnungsänderung </div> <div class="para">verfügungsweise festgesetzten Komplementärrenten </div> <div class="para">anwendbar, halten SUVA und BSV dafür, dass übergangsrechtlich </div> <div class="para">der Zeitpunkt des erstmaligen Zusammentreffens der </div> <div class="para">Renten massgebend ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Nach dem bis Ende 1996 gültig gewesenen Recht wurde </div> <div class="para">bei der Berechnung der Komplementärrente die gemäss <span class="artref">Art. 15 </span></div> <div class="para">Abs. 2 UVG auf der Grundlage des versicherten Verdienstes </div> <div class="para">im Jahr vor dem Unfall festgesetzte Rente der Unfallversicherung </div> <div class="para">der im Zeitpunkt des Rentenbeginns ausgerichteten </div> <div class="para">Rente der AHV oder IV gegenübergestellt, was im Hinblick </div> <div class="para">auf die grundsätzliche Unabänderlichkeit des versicherten </div> <div class="para">Verdienstes teilweise zu unbefriedigenden Ergebnissen führte </div> <div class="para">(vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=12.11.2001&amp;to_date=01.12.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-338%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page342">BGE 122 V 342</a> Erw. 5, 119 V 492 Erw. 4b und 118 V </div> <div class="para">298 Erw. 2f). Mit dem auf den 1. Januar 1997 in Kraft getretenen </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 31 Abs. 2 UVV</span> wurde diesem Umstand insoweit </div> <div class="para">Rechnung getragen, als der versicherte Verdienst um den </div> <div class="para">beim erstmaligen Zusammentreffen gültigen Prozentsatz der </div> <div class="para">Teuerungszulage nach <span class="artref">Art. 34 UVG</span> erhöht wird. Gemäss dieser </div> <div class="para">Bestimmung erhalten die Bezüger von Invaliden- und Hinterlassenenrenten </div> <div class="para">zum Ausgleich der Teuerung Zulagen, welche </div> <div class="para">vom Bundesrat aufgrund des Landesindexes der Konsumentenpreise </div> <div class="para">festgesetzt werden, wobei die Anpassung auf den </div> <div class="para">gleichen Zeitpunkt erfolgt wie bei den Renten der AHV. Mit </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 31 Abs. 2 UVV</span> wird folglich sichergestellt, dass beim </div> <div class="para">erstmaligen Zusammentreffen der Leistungen die für den Anspruch </div> <div class="para">auf die Komplementärrente massgebenden Berechnungselemente </div> <div class="para">(Rente der Unfallversicherung und Rente der AHV </div> <div class="para">oder IV) auf der gleichen zeitlichen Grundlage beruhen </div> <div class="para">(zeitliche Kongruenz; vgl. Erläuterungen des BSV zur Änderung </div> <div class="para">der Bestimmungen über die Komplementärrenten, in: RKUV </div> <div class="para">1997 S. 48). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Die Übergangsbestimmung von Abs. 1 der Schlussbestimmungen </div> <div class="para">der Verordnungsänderung vom 9. Dezember 1996, </div> <div class="para">wonach für Komplementärrenten im Sinne von <span class="artref">Art. 20 Abs. 2 </span></div> <div class="para">und <artref id="CH/832.20/31/4" type="start"></artref>Art. 31 Abs. 4 UVG<artref id="CH/832.20/20/2" type="end"></artref>, die vor Inkrafttreten der Änderung </div> <div class="para">festgesetzt wurden, das bisherige Recht gilt, bedeutet, </div> <div class="para">dass keine Teuerungsanpassung nach <span class="artref">Art. 31 Abs. 2 UVV</span> bei </div> <div class="para">Komplementärrenten erfolgt, die vor dem 1. Januar 1997 </div> <div class="para">festgesetzt worden sind. Der Wortlaut der Bestimmung ist </div> <div class="para">insofern nicht eindeutig, als unter dem Ausdruck "festgesetzt </div> <div class="para">wurden" allein die ursprüngliche Rentenfestsetzung </div> <div class="para">(erstmaliges Zusammentreffen der Renten) oder grundsätzlich </div> <div class="para">jede Festsetzung der Komplementärrente verstanden werden </div> <div class="para">kann (mit der Folge, dass bei Neufestsetzung der Rente nach </div> <div class="para">Inkrafttreten der Änderung das neue Recht anwendbar ist). </div> <div class="para">Fraglich ist zudem, ob übergangsrechtlich auf den Anspruchsbeginn </div> <div class="para">oder auf den Zeitpunkt des Verfügungserlasses </div> <div class="para">abzustellen ist. Im Kreisschreiben Nr. 17 an die UVG-Versicherer </div> <div class="para">und die Ersatzkasse UVG vom 19. März 1997 hat das </div> <div class="para">BSV hiezu ausgeführt, gemäss Art. 20 Abs. 2 zweiter Satz </div> <div class="para">UVG werde die Komplementärrente beim erstmaligen Zusammentreffen </div> <div class="para">einer UVG-Rente mit einer Rente der AHV oder der IV </div> <div class="para">festgesetzt. Der Zeitpunkt der Festsetzung einer Komplementärrente </div> <div class="para">sei somit derjenige der Entstehung des Anspruchs </div> <div class="para">auf die Rente. Daraus ergebe sich, dass das neue Recht auf </div> <div class="para">Renten der obligatorischen Unfallversicherung anwendbar </div> <div class="para">sei, die nach dem 1. Januar 1997 erstmals mit einer Rente </div> <div class="para">der AHV oder der IV zusammentreffen. Diese Auffassung findet </div> <div class="para">in Gesetz und Verordnung insofern eine Stütze, als </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 20 Abs. 2 UVG</span> zwischen Festsetzung und Anpassung der </div> <div class="para">Renten unterscheidet und in <span class="artref">Art. 33 UVV</span> nicht von Festsetzung </div> <div class="para">bzw. Neufestsetzung, sondern von Anpassung (adaptation, </div> <div class="para">adeguamento; so der Normtitel) gesprochen wird. Wenn </div> <div class="para">daher in der Übergangsbestimmung von Festsetzung der Rente </div> <div class="para">(qui ont été fixées ..., stabilite prima ...) die Rede ist, </div> <div class="para">so spricht dies dafür, dass damit allein die erstmalige </div> <div class="para">Rentenfestsetzung und nicht auch die spätere Neufestsetzung </div> <div class="para">(Anpassung) von Komplementärrenten gemeint ist. Dazu kommt, </div> <div class="para">dass die Teuerungsanpassung gemäss <span class="artref">Art. 31 Abs. 2 UVV</span> beim </div> <div class="para">erstmaligen Zusammentreffen der Leistungen erfolgt. Damit </div> <div class="para">ist gleichzeitig gesagt, dass für die Teuerungsanpassung </div> <div class="para">der Zeitpunkt der Entstehung des Anspruchs auf Komplementärrente </div> <div class="para">und nicht derjenige des Verfügungserlasses massgebend </div> <div class="para">ist, was auch übergangsrechtlich zu beachten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Diese Auslegung entspricht dem klaren Willen des </div> <div class="para">Verordnungsgebers, wie er aus den Materialien hervorgeht. </div> <div class="para">Danach wurde beim Erlass der Übergangsbestimmung davon </div> <div class="para">ausgegangen, dass nur neue Renten der Unfallversicherung </div> <div class="para">nach den revidierten Vorschriften über die Komplementärrenten </div> <div class="para">zu berechnen sind, was im Rahmen einer Übergangsbestimmung </div> <div class="para">festgehalten werden sollte (Protokoll zur Besprechung </div> <div class="para">vom 3. Juli 1995 betreffend Revision der UVV, S. 13). </div> <div class="para">Bei der Diskussion der Übergangsbestimmung wurde seitens </div> <div class="para">der Vertreter der SUVA darauf hingewiesen, dass höhere </div> <div class="para">Leistungen nicht rückwirkend finanziert werden könnten. Es </div> <div class="para">wurde daher eine Formulierung vorgeschlagen, wonach die </div> <div class="para">neue Regelung auf Komplementärrenten, die vor Inkrafttreten </div> <div class="para">der Änderung festgesetzt wurden, nicht Anwendung findet </div> <div class="para">(Protokoll zur Besprechung vom 18. Oktober 1995 betreffend </div> <div class="para">Revision der UVV, Fragen der Berechnung der Komplementärrenten, </div> <div class="para">S. 9). Aus der Feststellung, wonach nur neue Renten </div> <div class="para">nach den geänderten Bestimmungen festgesetzt werden sollten, </div> <div class="para">ist zu schliessen, dass eine Teuerungsanpassung gemäss </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 31 Abs. 2 UVV</span> bei laufenden Renten auch im Falle einer </div> <div class="para">Neufestsetzung (<span class="artref">Art. 33 UVV</span>) ausgeschlossen werden wollte. </div> <div class="para">Dementsprechend hat das BSV in den Erläuterungen zur Verordnungsänderung </div> <div class="para">ausgeführt, die Anrechnung der Teuerungszulage </div> <div class="para">erfolge nur beim erstmaligen Zusammentreffen und </div> <div class="para">nicht bei jeder späteren Neuberechnung infolge Mutation </div> <div class="para">(RKUV 1997 S. 49), womit auch gesagt wurde, dass übergangsrechtlich </div> <div class="para">auf das erstmalige Zusammentreffen der Leistungen </div> <div class="para">und nicht auf den Zeitpunkt des Verfügungserlasses abzustellen </div> <div class="para">ist. Diese Lösung steht nicht im Widerspruch zu dem </div> <div class="para">mit der Verordnungsänderung angestrebten Zweck. Zwar soll </div> <div class="para">nach dem Gesagten mit <span class="artref">Art. 31 Abs. 2 UVV</span> sichergestellt </div> <div class="para">werden, dass die für den Anspruch auf Komplementärrenten </div> <div class="para">massgebenden Berechnungselemente auf der gleichen zeitlichen </div> <div class="para">Grundlage beruhen. Der Grundsatz der zeitlichen </div> <div class="para">Kongruenz wird indessen nicht voll verwirklicht, indem die </div> <div class="para">Teuerung nur beim erstmaligen Zusammentreffen der Renten </div> <div class="para">ausgeglichen wird, nicht aber bei der Neufestsetzung von </div> <div class="para">Renten gemäss <span class="artref">Art. 33 Abs. 2 und <artref id="CH/832.202/34" type="start"></artref>Art. 34 UVV</span><artref id="CH/832.202/33/2" type="end"></artref>. Dies spricht </div> <div class="para">für eine Auslegung der Übergangsbestimmung in dem Sinne, </div> <div class="para">dass die neue Vorschrift von <span class="artref">Art. 31 Abs. 2 UVV</span> nur zur </div> <div class="para">Anwendung gelangt, wenn die Renten erstmals nach Inkrafttreten </div> <div class="para">der Verordnungsänderung zusammengetroffen sind, </div> <div class="para">nicht aber bei einer Anpassung der Renten nach diesem Zeitpunkt </div> <div class="para">oder wenn über eine vor Inkrafttreten des neuen </div> <div class="para">Rechts entstandene Rente erst unter der Herrschaft des </div> <div class="para">neuen Rechts verfügt wird. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- Zu prüfen bleibt, ob sich die vom Verordnungsgeber </div> <div class="para">getroffene Regelung mit Gesetz und Verfassung, insbesondere </div> <div class="para">dem Rechtsgleichheitsgebot von <span class="artref">Art. 8 BV</span>, vereinbaren </div> <div class="para">lässt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Die Übergangsbestimmung verstösst nicht gegen das </div> <div class="para">Gesetz, sondern entspricht nach dem Gesagten vielmehr </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 20 Abs. 2 UVG</span>, wonach die Rente beim erstmaligen Zusammentreffen </div> <div class="para">der zu koordinierenden Renten festzusetzen </div> <div class="para">ist. Sie hält sich zudem im Rahmen dessen, was der Gesetzgeber </div> <div class="para">in <span class="artref">Art. 118 Abs. 2 lit. c UVG</span> beim Inkrafttreten des </div> <div class="para">UVG übergangsrechtlich statuiert hat. Danach waren vom Inkrafttreten </div> <div class="para">dieses Gesetzes an die neuen Bestimmungen über </div> <div class="para">die Invalidenrente anwendbar, wenn der Anspruch erst nach </div> <div class="para">diesem Zeitpunkt entstanden war, was bedeutet, dass bei den </div> <div class="para">vor Inkrafttreten entstandenen Rentenansprüchen das frühere </div> <div class="para">Recht anwendbar blieb (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=12.11.2001&amp;to_date=01.12.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-52%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page56">BGE 124 V 56</a> Erw. 3; vgl. auch </div> <div class="para">Bemerkungen von Maurer in SZS 1985 S. 210). Auch bei Leistungsverbesserungen </div> <div class="para">im Sozialversicherungsrecht besteht </div> <div class="para">kein Grundsatz, wonach das neue Recht ab Inkrafttreten </div> <div class="para">stets auch auf Dauerverhältnisse anwendbar ist, bei denen </div> <div class="para">sich der anspruchsbegründende Sachverhalt vor dem Inkrafttreten </div> <div class="para">verwirklicht hat (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=12.11.2001&amp;to_date=01.12.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F99-V-200%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page203">BGE 99 V 203</a>; vgl. etwa BGE 126 V </div> <div class="para">273 ff.). Dem Gesetz- und Verordnungsgeber steht bei der </div> <div class="para">übergangsrechtlichen Regelung eine weite Gestaltungsfreiheit </div> <div class="para">zu. Er kann dabei auch die finanziellen Folgen einer </div> <div class="para">Rechtsänderung mit berücksichtigen (vgl. Maurer, Schweizerisches </div> <div class="para">Sozialversicherungsrecht, Bern 1979, Bd. I S. 181). </div> <div class="para">SUVA und BSV weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass </div> <div class="para">die Finanzierung der Invaliden- und Hinterlassenenrenten </div> <div class="para">gemäss <span class="artref">Art. 90 Abs. 2 UVG</span> nach dem Rentenwertumlageverfahren </div> <div class="para">erfolgt und das Deckungskapital für sämtliche Ausgaben </div> <div class="para">aus bereits eingetretenen Unfällen genügen muss. Nach </div> <div class="para">Abs. 3 der Bestimmung werden die Teuerungszulagen aus den </div> <div class="para">Zinsüberschüssen und, soweit diese nicht ausreichen, nach </div> <div class="para">dem Ausgabenumlageverfahren finanziert. Danach sind künftige </div> <div class="para">Leistungen vorauszufinanzieren und erforderlichenfalls </div> <div class="para">durch entsprechende Prämienzuschläge zu decken (vgl. </div> <div class="para">Maurer, Unfallversicherungsrecht, Bern 1985 S. 571). Wie </div> <div class="para">den Materialien zur Verordnungsänderung zu entnehmen ist, </div> <div class="para">war dieser Umstand ausschlaggebend dafür, dass die Anwendbarkeit </div> <div class="para">des neuen Rechts auf Komplementärrenten beschränkt </div> <div class="para">wurde, die erstmals nach dessen Inkrafttreten am 1. Januar </div> <div class="para">1997 mit einer Rente der AHV oder IV zusammentreffen (Protokoll </div> <div class="para">zur Besprechung vom 18. Oktober 1995 betreffend Revision </div> <div class="para">der UVV, Fragen der Berechnung der Komplementärrenten, </div> <div class="para">S. 9; vgl. auch RKUV 1997 S. 53). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Nach der Rechtsprechung verletzt ein Erlass den </div> <div class="para">Grundsatz der rechtsgleichen Behandlung (<span class="artref">Art. 8 Abs. 1 BV</span>), </div> <div class="para">wenn er rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein </div> <div class="para">vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen nicht </div> <div class="para">ersichtlich ist, oder wenn er Unterscheidungen unterlässt, </div> <div class="para">die sich aufgrund der Verhältnisse aufdrängen. Die Rechtsgleichheit </div> <div class="para">ist insbesondere verletzt, wenn Gleiches nicht </div> <div class="para">nach Massgabe seiner Gleichheit gleich oder Ungleiches </div> <div class="para">nicht nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt </div> <div class="para">wird. Vorausgesetzt ist, dass sich der unbegründete Unterschied </div> <div class="para">oder die unbegründete Gleichstellung auf eine wesentliche </div> <div class="para">Tatsache bezieht. Die Frage, ob für eine rechtliche </div> <div class="para">Unterscheidung ein vernünftiger Grund in den zu </div> <div class="para">regelnden Verhältnissen ersichtlich ist, kann zu verschiedenen </div> <div class="para">Zeiten unterschiedlich beantwortet werden. Dem </div> <div class="para">Gesetzgeber bleibt im Rahmen dieser Grundsätze und des </div> <div class="para">Willkürverbots ein weiter Spielraum der Gestaltung (BGE 123 </div> <div class="para">I 7 Erw. 6a, 23 Erw. 3b, 141 Erw. 10b und 243 Erw. 2b, 123 </div> <div class="para">II 11 Erw. 3a und 26 Erw. 6a). Bei Rechtsänderungen ist zu </div> <div class="para">beachten, dass Änderungen von Erlassen zwangsläufig bewirken, </div> <div class="para">dass für die Rechtsunterworfenen unterschiedliche Regelungen </div> <div class="para">gelten je nachdem, ob der rechtlich erfasste Tatbestand </div> <div class="para">für sie vor oder nach der Revision wirksam wird. In </div> <div class="para">den damit verbundenen Ungleichbehandlungen liegt an sich </div> <div class="para">noch kein Verfassungsverstoss. Auch im Lichte des Rechtsgleichheitsgebots </div> <div class="para">ist es nicht Sache des Gerichts, sein </div> <div class="para">Ermessen an die Stelle desjenigen des Gesetz- oder Verordnungsgebers </div> <div class="para">zu stellen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=12.11.2001&amp;to_date=01.12.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-II-113%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page117">BGE 122 II 117</a> Erw. 2b mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die streitige Übergangsbestimmung hat insofern eine </div> <div class="para">Ungleichbehandlung zur Folge, als Bezüger von Komplementärrenten, </div> <div class="para">für die der Anspruch vor dem 1. Januar 1997 entstanden </div> <div class="para">ist, keinen Teuerungszuschlag nach <span class="artref">Art. 31 Abs. 2 </span></div> <div class="para">UVV erhalten, selbst wenn hierüber erst nach dem 1. Januar </div> <div class="para">1997 verfügt oder die Rente nach diesem Zeitpunkt gemäss </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 33 Abs. 2 UVV</span> (oder <span class="artref">Art. 34 UVV</span>) angepasst wird. Hierin </div> <div class="para">kann indessen keine Verletzung des Rechtsgleichheitsgebotes </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 8 Abs. 1 BV</span> erblickt werden. Nach dem </div> <div class="para">Gesagten bestehen sachliche Gründe für die getroffene </div> <div class="para">Lösung. Eine Anwendung der Bestimmung auf sämtliche laufenden </div> <div class="para">Renten sowie auf Renten, die nach Inkrafttreten der </div> <div class="para">Verordnungsänderung angepasst werden, wäre unter sozialpolitischen </div> <div class="para">Gründen wohl wünschbar gewesen. Eine solche </div> <div class="para">Regelung hat der Verordnungsgeber jedoch nicht vorgesehen </div> <div class="para">und er kann hiezu auch vom Richter nicht verhalten werden. </div> <div class="para">Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass auch die Bezüger </div> <div class="para">laufender Komplementärrenten nicht von jedem Teuerungsausgleich </div> <div class="para">ausgeschlossen sind. Der Ausgleich erfolgt allerdings </div> <div class="para">auf der Komplementärrente und nicht auf der Grundrente </div> <div class="para">oder dem versicherten Verdienst (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=12.11.2001&amp;to_date=01.12.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-V-484%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page484">BGE 119 V 484</a> ff.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird </div> <div class="para">der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons </div> <div class="para">St. Gallen vom 18. August 1999 aufgehoben, soweit </div> <div class="para">damit die Sache zu neuer Verfügung über die Komplementärrente </div> <div class="para">an die SUVA zurückgewiesen wurde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht </div> <div class="para">des Kantons St. Gallen und dem Bundesamt für </div> <div class="para">Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 27. November 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der I. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>