<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 73 S.357</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">357</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>73 Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit; Umstrukturierung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(§ 28 Abs. 2 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Der Verkauf von bis zu 10 % der Aktien nach der Umwandlung einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Einzelfirma in eine Aktiengesellschaft führt nicht zu einer anteilsmäs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sigen Besteuerung der stillen Reserven.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">17. November 2005 in Sachen W. + S.S., RV.2005.50184/K 8505</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Der Rekurrent war Inhaber der Einzelfirma P. in B. Per</span><br/> <span class="ft1">1. Juni 2001 gründete er die P. AG. Für die Liberierung des Aktienka-</span><br/> <span class="ft1">pitals wurde ihm von der G. AG ein Darlehen von Fr. 200'000.-- ge-</span><br/> <span class="ft1">währt. Mit Vertrag vom 30. August 2001 übernahm die P. AG sämtli-</span><br/> <span class="ft1">che Aktiven und Passiven der Einzelfirma P. zu einem Preis von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 2'000.--. In der Folge veräusserte der Rekurrent 10 % der Aktien</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">358</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der P. AG zu einem Preis von Fr. 467'000.-- an die G. AG (wobei das</span><br/> <span class="ft1">gewährte Darlehen verrechnet wurde).</span><br/> <span class="ft1">b) Das KStA führte in der Stellungnahme zur Einsprache vom</span><br/> <span class="ft1">12. November 2004 folgendes aus:</span><br/> <span class="ft5">,,1. Gemäss § 28 Abs. 1 StG sind alle Einkünfte aus Realisation von</span><br/> <span class="ft5">stillen Reserven bei Umstrukturierungen steuerbar. Dabei ist nicht er-</span><br/> <span class="ft5">heblich, in welchem Ausmass die Beteiligungsverhältnisse ändern.</span><br/> <span class="ft5">Die altrechtliche kantonale Rechtsprechung, wonach die Veräusserung</span><br/> <span class="ft5">eines Beteiligungsanteils von 10 % als unwesentlich erachtet wurde</span><br/> <span class="ft5">und somit keine Besteuerung auslöste, findet im neuen Steuergesetz</span><br/> <span class="ft5">vom 15. Dezember 1998, welches seit 01.01.2001 in Kraft ist, keine</span><br/> <span class="ft5">Anwendung.</span><br/> <span class="ft5">Vorliegend wurden im Zeitpunkt der Umstrukturierung 10 % des Ak-</span><br/> <span class="ft5">tienkapitals mit einem Nominalwert von Fr. 20'000 zu Fr. 467'000 an</span><br/> <span class="ft5">die G. AG verkauft.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">Im Umfang des über dem Gegenwert in Form von Aktien von nominal</span><br/> <span class="ft5">Fr. 20'000 liegenden Kaufpreises, also in der Höhe von Fr. 447'000,</span><br/> <span class="ft5">findet eine private Vermögensvermehrung statt, welche aus der</span><br/> <span class="ft5">steuerbaren Realisierung von stillen Reserven der Einzelunterneh-</span><br/> <span class="ft5">mung im Zuge der Umwandlung resultiert."</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz rechnete entsprechend Fr. 402'925.--</span><br/> <span class="ft1">(Fr. 447'000.-- ./. geschuldete AHV-Beiträge Fr. 44'075.--) zum Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit auf.</span><br/> <span class="ft1">c) Der Rekurrent hält unter anderem fest, die bisherige Praxis</span><br/> <span class="ft1">der Steuerbehörden zur Massgeblichkeit der gleich bleibenden</span><br/> <span class="ft1">Beteiligungsverhältnisse gelte auch unter dem neuen Recht. Die ge-</span><br/> <span class="ft1">genteilige Auffassung sei willkürlich und entbehre jeglicher gesetzli-</span><br/> <span class="ft1">cher Grundlage.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Gemäss § 28 Abs. 1 StG sind alle Einkünfte aus der Reali-</span><br/> <span class="ft1">sation von stillen Reserven bei Umstrukturierungen steuerbar. Die</span><br/> <span class="ft1">Besteuerung wird aufgeschoben, wenn die Steuerpflicht fortbesteht,</span><br/> <span class="ft1">das Unternehmen als Ganzes oder ein selbstständiger, in sich</span><br/> <span class="ft1">geschlossener Betriebsteil in u.a. eine juristische Person eingebracht</span><br/> <span class="ft1">wird und soweit die Buchwerte beibehalten werden. Diese Übertra-</span><br/> <span class="ft1">gung setzt voraus, dass a) der wirtschaftliche Zweck des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">359</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">umgewandelten oder eingebrachten Betriebes beibehalten wird und</span><br/> <span class="ft1">b) die bisherigen Unternehmerinnen oder Unternehmer bzw. ihre</span><br/> <span class="ft1">Rechtsnachfolgerinnen oder Rechtsnachfolger die wirtschaftliche</span><br/> <span class="ft1">Unternehmensträgerschaft grundsätzlich aufrechterhalten (§ 28</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 StG). Fallen die Voraussetzungen für den Steueraufschub in-</span><br/> <span class="ft1">nert 5 Jahren ganz oder teilweise dahin, wird im Umfang der reali-</span><br/> <span class="ft1">sierten Gewinne rückwirkend auf den Zeitpunkt der Umstrukturie-</span><br/> <span class="ft1">rung abgerechnet (§ 28 Abs. 3 StG).</span><br/> <span class="ft1">b) Im vorliegenden Verfahren ist einzig umstritten, ob die Vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzung, dass die bisherigen Unternehmer/innen die wirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">che Unternehmensträgerschaft grundsätzlich aufrechterhalten, erfüllt</span><br/> <span class="ft1">ist.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Gemäss dem bis 31. Dezember 2000 geltenden aStG war</span><br/> <span class="ft1">für eine steuerneutrale Umwandlung eines Personenunternehmens in</span><br/> <span class="ft1">eine juristische Person unter anderem erforderlich, dass sich die Be-</span><br/> <span class="ft1">teiligungsverhältnisse während sieben Jahren bloss unwesentlich</span><br/> <span class="ft1">ändern (§ 20 Abs. 2 aStG). Dabei wurde eine Veränderung der Betei-</span><br/> <span class="ft1">ligungsverhältnisse von bis zu 10 % als unwesentlich betrachtet und</span><br/> <span class="ft1">toleriert (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 1. Auflage, Muri-</span><br/> <span class="ft1">Bern 1991, § 20 aStG N 7).</span><br/> <span class="ft1">b) Das KStA ist der Ansicht, diese Praxis könne unter dem StG</span><br/> <span class="ft1">nicht weitergeführt werden. Eine Begründung dafür wird nicht ge-</span><br/> <span class="ft1">nannt. Aus den Akten ist folgende handschriftliche Notiz ersichtlich:</span><br/> <span class="ft1">,,Kreisschreiben zum Fusionsgesetz". Tatsächlich wird im Kreis-</span><br/> <span class="ft1">schreiben Nr. 5 ,,Umstrukturierungen" der Eidgenössischen Steuer-</span><br/> <span class="ft1">verwaltung vom 1. Juni 2004 (KS Nr. 5) in Ziff. 3.2.2.4 festgehalten,</span><br/> <span class="ft1">dass bereits der Verkauf eines einzigen Beteiligungsrechtes eine</span><br/> <span class="ft1">Verletzung der Veräusserungssperrfrist darstelle und zu einer antei-</span><br/> <span class="ft1">ligen Nachbesteuerung der übertragenen stillen Reserven führe. Das</span><br/> <span class="ft1">KS Nr. 5 bezieht sich jedoch auf die gestützt auf das Fusionsgesetz</span><br/> <span class="ft1">(FusG) vom 3. Oktober 2003 geänderten Bestimmungen zu den Um-</span><br/> <span class="ft1">strukturierungen im DBG, die erst ab dem 1. Juli 2004 in Kraft sind.</span><br/> <span class="ft1">Ebenso sind die neuen Art. 8 Abs. 3 und 3</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">des StHG erst seit dem</span><br/> <span class="ft1">1. Juli 2004 in Kraft und werden erst ab dem 1. Juli 2007 direkt</span><br/> <span class="ft1">anwendbar sein, sofern das StG bis dann nicht angepasst sein sollte</span><br/> <span class="ft1">(Art. 72e StHG).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">360</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall sind somit die gestützt auf das FusG</span><br/> <span class="ft1">erfolgten Änderungen im DBG und StHG, und das KS Nr. 5 nicht zu</span><br/> <span class="ft1">beachten.</span><br/> <span class="ft1">c) In der Botschaft des Regierungsrates des Kantons Aargau an</span><br/> <span class="ft1">den Grossen Rat zur ,,Totalrevision der aargauischen Steuergesetze"</span><br/> <span class="ft1">vom 21. Mai 1997 wird zum heutigen § 28 StG (im Entwurf noch</span><br/> <span class="ft1">§ 27) folgendes ausgeführt (S. 69):</span><br/> <span class="ft5">,,Bei einer Umwandlung in eine juristische Person muss der bisherige</span><br/> <span class="ft5">Unternehmer bzw. die Unternehmerin die Kapital- und Stimmenmehr-</span><br/> <span class="ft5">heit weiterhin behalten und das unternehmerische Engagement weiter-</span><br/> <span class="ft5">führen. Wie bisher dürfen über die Pflichtanteile der Verwaltungsrats-</span><br/> <span class="ft5">mitglieder hinaus Beteiligungen an Drittpersonen im Umfang von</span><br/> <span class="ft5">10 % ohne weiteres zugelassen werden."</span><br/> <span class="ft1">Aus den Protokollen des Grossen Rates ergibt sich, dass dem</span><br/> <span class="ft1">heutigen § 28 StG ohne Diskussion zugestimmt wurde. Es war somit</span><br/> <span class="ft1">der Wille des Gesetzgebers, die bisherige Praxis weiterzuführen</span><br/> <span class="ft1">(Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 2. Auflage, Muri-Bern</span><br/> <span class="ft1">2004, § 28 StG N 59).</span><br/> <span class="ft1">Ebenso lässt der Wortlaut von § 28 Abs. 2 StG, wonach die wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche Unternehmensträgerschaft grundsätzlich aufrechtzuerhal-</span><br/> <span class="ft1">ten ist, diese Beurteilung zu. Es ist nicht einzusehen, weshalb der Be-</span><br/> <span class="ft1">griff ,,grundsätzlich" gemäss StG enger auszulegen sein sollte als der</span><br/> <span class="ft1">in § 20 aStG verwendete Begriff ,,unwesentlich".</span><br/> <span class="ft1">d) In der bis 30. Juni 2004 geltenden Fassung des StHG ist als</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung einer steuerneutralen Umwandlung ebenfalls unter</span><br/> <span class="ft1">anderem vorgesehen, dass die Beteiligungsverhältnisse <i>grundsätzlich</i></span><br/> <span class="ft1">gleich bleiben. Die Regelung des § 28 Abs. 2 StG verstösst somit</span><br/> <span class="ft1">nicht gegen das StHG.</span><br/> <span class="ft1">e) Der Rekurrent hat unbestritten 10 % der Aktien der P. AG</span><br/> <span class="ft1">verkauft. Dieser Verkauf allein verhindert nach dem Gesagten eine</span><br/> <span class="ft1">steuerneutrale Umwandlung der Einzelfirma P. in die P. AG nicht.</span><br/> <span class="ft1">Auf eine anteilige Besteuerung der übertragenen stillen Reserven ist</span><br/> <span class="ft1">zu verzichten. Der Rekurs erweist sich als begründet und ist</span><br/> <span class="ft1">gutzuheissen.</span><br/></div> </div> </body> </html>