<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 73 S.340</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">340</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>73 Anfechtungsgrundsatz; Rügeprinzip; Rechtsanwendung von Amtes</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wegen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Grundsatz der umfassenden Prüfung von Amtes wegen bei Submis-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sionsbeschwerden (Erw. 3/b/bb).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Das Verwaltungsgericht darf nicht über die gestellten Begehren</b></span><br/> <span class="ft1"><b>hinausgehen; das Rügeprinzip hat zur Folge, dass selbst beim Vor-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>liegen schwerer Verfahrensmängel nur der Zuschlag, nicht aber das</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Submissionsverfahren als solches ganz oder teilweise aufgehoben wer-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>den kann, wenn dies nicht verlangt ist; aufgrund welcher rechtlicher</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Grundlagen die allfällige Aufhebung eines angefochtenen Zuschlags</b></span><br/> <span class="ft1"><b>zu erfolgen hat, ist eine Frage der Rechtsanwendung von Amtes</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wegen (Erw. 3/b/cc).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 18. Juni 2001 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen ARGE B. AG und N. gegen die Verfügung des Gemeinderats B.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3. b) bb) Die Beschwerdeführer rügen in ihrer Beschwerde</span><br/> <span class="ft4">nicht, dass die Angebote in unzulässiger Weise nachträglich abgeän-</span><br/> <span class="ft4">dert worden seien. Immerhin weisen sie aber in der Stellungnahme</span><br/> <span class="ft4">vom 21. Mai 2001 darauf hin, dass das ursprüngliche Grundangebot</span><br/> <span class="ft4">der E. AG für die Überarbeitung von Fr. 1'077'000.-- wettbe-</span><br/> <span class="ft4">werbsentscheidend auf Fr. 1'000'000.-- reduziert worden sei.</span><br/> <span class="ft4">Gemäss § 20 VRPG (i.V.m. § 23 SubmD) prüfen die Behörden</span><br/> <span class="ft4">den Sachverhalt unter Beachtung der Vorbringen der Beteiligten</span><br/> <span class="ft4">jedoch ohnehin von Amtes wegen und stellen hiezu die notwendigen</span><br/> <span class="ft4">Ermittlungen an. Sie würdigen das Ergebnis der Untersuchung frei</span><br/> <span class="ft4">und wenden das Recht von Amtes wegen an. Das Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richt, dem keine allgemeine Aufsicht über die Verwaltung zukommt,</span><br/> <span class="ft4">ist dabei in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht auf die Überprü-</span><br/> <span class="ft4">fung des Streitgegenstandes beschränkt (René Rhinow/Alfred Kol-</span><br/> <span class="ft4">ler/Christina Kiss, Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungs-</span><br/> <span class="ft4">recht des Bundes, Basel/Frankfurt a.M. 1996, Rz. 903 und 916). Der</span><br/> <span class="ft4">Streitgegenstand wird einerseits durch das Anfechtungsobjekt, an-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">341</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">derseits durch die Parteibegehren bestimmt (Rhinow/Koller/Kiss,</span><br/> <span class="ft4">a.a.O., Rz. 901). Der in § 20 VRPG verankerte Untersuchungsgrund-</span><br/> <span class="ft4">satz statuiert zwar keine Verpflichtung der Behörden, einen Sachver-</span><br/> <span class="ft4">halt unter jedem nur erdenklichen Gesichtspunkt auf mögliche</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmängel hin zu überprüfen (vgl. VGE I/79 vom 21. Dezember</span><br/> <span class="ft4">1993 i.S. A.H., S. 12). Jedoch gebietet er, entscheidrelevante, akten-</span><br/> <span class="ft4">kundige Tatsachen auch dann zu berücksichtigen, wenn sie von den</span><br/> <span class="ft4">Verfahrensbeteiligten nicht ausdrücklich geltend gemacht werden.</span><br/> <span class="ft4">Die umfassende richterliche Sachverhaltsermittlung drängt sich im</span><br/> <span class="ft4">Besonderen dort auf, wo auch öffentliche Interessen berührt werden</span><br/> <span class="ft4">oder wo eine Partei nur beschränkte Möglichkeiten hat, die notwen-</span><br/> <span class="ft4">digen Sachverhaltselemente zu präsentieren (vgl. Michael Pfeifer,</span><br/> <span class="ft4">Der Untersuchungsgrundsatz und die Offizialmaxime im Verwal-</span><br/> <span class="ft4">tungsverfahren, Basel 1980, S. 94). Beides trifft auf das Submis-</span><br/> <span class="ft4">sionsverfahren zu. Zum einen ist hier der Vergabeentscheid von der</span><br/> <span class="ft4">vergebenden Behörde lediglich summarisch zu begründen (§ 20</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 SubmD), und es bestehen auch nur beschränkte Auskunfts-</span><br/> <span class="ft4">rechte der unberücksichtigt gebliebenen Anbieter (§ 20 Abs. 2 und 3</span><br/> <span class="ft4">SubmD). Diesen mit den Besonderheiten des Submissionsrechts zu</span><br/> <span class="ft4">begründenden Einschränkungen der Verfahrensrechte ist durch eine</span><br/> <span class="ft4">entsprechend umfassende Überprüfung von Amtes wegen zu ent-</span><br/> <span class="ft4">sprechen (vgl. Urteil des Bundesgerichts, II. öffentlichrechtliche</span><br/> <span class="ft4">Abteilung, vom 2. März 2000 in Sachen ARGE X., in: Pra 2000,</span><br/> <span class="ft4">Nr.</span> <span class="ft4">134, S.</span> <span class="ft4">794 ff.; VGE III/155 vom 15.</span> <span class="ft4">Dezember 2000</span><br/> <span class="ft4">[BE.97.00372] in Sachen ARGE Argovia A1, S. 32 f.). Zum anderen</span><br/> <span class="ft4">liegt die Durchführung eines korrekten Submissionsverfahrens auch</span><br/> <span class="ft4">im Interesse der Allgemeinheit, werden die zu vergebenden Aufträge</span><br/> <span class="ft4">doch in der Regel grösstenteils durch Steuergelder finanziert (AGVE</span><br/> <span class="ft4">1997, S.</span> <span class="ft4">343 f.; VGE III/101 vom 10.</span> <span class="ft4">November 1997</span><br/> <span class="ft4">[BE.97.00153] in Sachen H. AG, S. 6 f.; III/113 vom 28. November</span><br/> <span class="ft4">1997 [BE.97.00249] in Sachen C., S. 6).</span><br/> <span class="ft4">cc) Das Verwaltungsgericht darf über die gestellten Beschwer-</span><br/> <span class="ft4">debegehren nicht hinausgehen (§ 43 Abs. 2 VRPG). Diese Bindung</span><br/> <span class="ft4">an die Anträge hat im vorliegenden Fall zur Folge, dass das Verwal-</span><br/> <span class="ft4">tungsgericht selbst beim Vorliegen schwerer Verfahrensmängel nur</span><br/> <span class="ft4">den Zuschlag, nicht aber das Submissionsverfahren als solches ganz</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">342</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">oder teilweise aufheben kann. Aufgrund welcher rechtlichen Grund-</span><br/> <span class="ft4">lagen die allfällige Aufhebung eines angefochtenen Zuschlags zu</span><br/> <span class="ft4">erfolgen hat, ist jedoch eine Frage der Rechtsanwendung von Amtes</span><br/> <span class="ft4">wegen; hier besteht keine Bindung an die Vorbringen in der Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerde. Die Überprüfung der Rechtmässigkeit eines erfolgten Zu-</span><br/> <span class="ft4">schlags kann jedenfalls nicht unabhängig vom zugrunde liegenden</span><br/> <span class="ft4">Vergabeverfahren erfolgen. Schwerwiegende Mängel des Vergabe-</span><br/> <span class="ft4">verfahrens wirken sich auch auf die Rechtmässigkeit des erfolgten</span><br/> <span class="ft4">Zuschlags aus; sie verlangen grundsätzlich nicht nur dessen Aufhe-</span><br/> <span class="ft4">bung, sondern die Durchführung eines neuen, korrekten Submis-</span><br/> <span class="ft4">sionsverfahrens. Streitgegenstand im Submissionsbeschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft4">ren ist somit nicht nur die Zuschlagserteilung als solche, sondern</span><br/> <span class="ft4">notwendigerweise auch das dieser vorangehende Submissionsverfah-</span><br/> <span class="ft4">ren. Ein sich aus den Akten ergebender schwerwiegender Verfahrens-</span><br/> <span class="ft4">bzw. Rechtsmangel, wie ihn z.B. die Wahl einer nicht den Vorschrif-</span><br/> <span class="ft4">ten des Submissionsdekrets entsprechenden Verfahrensart (AGVE</span><br/> <span class="ft4">1997, S. 347) oder auch das Durchführen von verbotenen Abgebots-</span><br/> <span class="ft4">runden (erwähnter VGE in Sachen H. AG, S. 7) darstellt, ist deshalb</span><br/> <span class="ft4">auch dann zu berücksichtigen, wenn eine entsprechende Rüge nicht</span><br/> <span class="ft4">erhoben wird. Wenn das Verwaltungsgericht dieser - sich aus der</span><br/> <span class="ft4">Pflicht zur Rechtskontrolle zwingend ergebenden - Konsequenz</span><br/> <span class="ft4">nachlebt, masst es sich deswegen nicht die Kompetenz einer allge-</span><br/> <span class="ft4">meinen Aufsichtsbehörde an (erwähnter VGE in Sachen C., S. 6).</span><br/> <br/> <br/> <span class="ft5">.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>