B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-1635/2014 U r t e i l v o m 2 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Hans Urech (Vorsitz), Richter David Aschmann, Richter Pietro Angeli-Busi, Gerichtsschreiber Michael Tschudin. Parteien 1. CT Cinetrade AG, Nüschelerstrasse 44, 8001 Zürich, 2. Teleclub AG, Löwenstrasse 11, Postfach, 8021 Zürich, 3. Swisscom (Schweiz) AG, Legal Services & Regulatory Affairs, 3050 Bern, alle vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Marcel Meinhardt und/oder Urban Broger, Lenz & Staehelin, Bleicherweg 58, 8027 Zürich, Beschwerdeführerinnen, gegen 1. upc cablecom GmbH, Zollstrasse 42, 8005 Zürich, 2. Quickline AG, Dr. Schneiderstrasse 16, 2560 Nidau, 3. sasag Kabelkommunikation AG, Mühlenstrasse 21, 8200 Schaffhausen, alle vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Jürg Borer und/oder Dr. Samuel Jost, Schellenberg Wittmer AG, Löwenstrasse 19, Postfach 1876, 8021 Zürich 1, Beschwerdegegnerinnen, Wettbewerbskommission WEKO, Monbijoustrasse 43, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Verfügung vom 24. Februar 2014 in Sachen Parteistellung in der Untersuchung 32-0243. B-1635/2014 Seite 3 Sachverhalt: A. Am 3. April 2013 eröffnete das Sekretariat der Wettbewe rbskommission ("Sekretariat") im Einvernehmen mit der Vorinstanz (handelnd durch ein Mitglied des Präsidiums [Art. 1 Abs. 1 Bst. d des Geschäftsreglements der Wettbewerbskommission vom 1. Juli 1996]) eine Untersuchung g e- mäss Art. 27 Abs. 1 des Kartellgesetzes vom 6. Oktober 1995 (KG, SR 251) gegen die Beschwerdeführerinnen. Die Untersuchung soll ze i- gen, ob der Beschwerdeführerin 1 alleine oder den Beschwerdeführeri n- nen 1 und 3 gemeinsam im Bereich der Übertragung von Sportinhalten im Pay-TV eine marktbeherrschende Stellung zukommt und ob sie diese ge- gebenenfalls missbrauchen, indem sie Geschäftsbeziehungen verwe i- gern, Handelspartner diskriminieren, unangemessene Geschäftsbedi n- gungen erzwingen oder Angebote unzul ässigerweise koppeln (SHAB, 16. April 2013, Nr. 72/131; angefochtene Verfügung, Rz. 1). B. Mit Schreiben vom 7. Mai 2013 stellten die Beschwerdegegnerinnen ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen betreffend den Zugang zum Live-Sport-Angebot der Beschwerdeführerin 2, namentlich hinsicht- lich der Kanäle "Teleclub Sport 4 -29". Ausserdem beantragten die B e- schwerdegegnerinnen die Einräumung der Parteistellung. C. Mit Verfügung vom 8. Juli 2013 wies die Vorinstanz das Gesuch um vor- sorgliche Massnahmen ab. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil B -4637/2013 vom 9. Juli 2014 abgewiesen (RPW 2014/2, S. 452 ff.). Im Rahmen der Prüfung der Sac h- urteilsvoraussetzungen hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die Beschwerdegegnerinnen (im Verfahren B-4637/2013 in der Rol le der Be- schwerdeführerinnen) ein wirtschaftliches Interesse an einem einstweil i- gen Schutz hatten und somit auf die Beschwerde einzutreten war (E. 1.5). Dagegen konnte ein Nachteil für den wirksamen Wettbewerb nicht nac h- gewiesen werden, um eine vorsorglich e, gestaltende Massnahme anz u- ordnen. Deshalb wurde das Gesuch um vorsorglichen Rechtsschutz a b- gewiesen (E. 6). Dieses Urteil ist in Rechtskraft erwachsen. B-1635/2014 Seite 4 D. Mit Verfügung vom 24. Februar 2014 hiess die Vorinstanz das Gesuch um Parteistellung mit folgendem Dispositiv gut: "1. Die upc cablecom AG, die Finecom Telecommunications AG und die sasag Kabelkommunikation AG werden als Dritte mit Parteistellung in der Untersuchung 32-0243: Sport im Pay-TV beteiligt. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. [Eröffnung]" Die Vorinstanz begründete die Gewährung der Parteistellung im Wesent- lichen damit , dass es Anhaltspunkte für eine Benachteiligung der B e- schwerdegegnerinnen betreffend eine n Teil des Teleclub -Sportangebots gebe. Sie seien deshalb stärker als jedermann vom Au sgang der Unte r- suchungen betroffen und stünden in einer besonders nahen Beziehung zum Untersuchungsgegenstand. Die Gewährung der Parteistellung zu Beginn des Verfahrens könne indes nicht mit der materiellen Beurteilung (konkreter tatsächlicher Nachteil für die Beschwerdegegnerinnen) ve r- knüpft werden, weil dafür die Grundlagen im Verlauf des Verfahrens erst noch abzuklären seien. Die Gewährung der Parteistellung stelle daher auch kein Präjudiz für das Vorliegen einer Wettbewerbsbehinderung dar (angefochtene Verfügung, Rz. 30 ff.). E. Gegen die Verfügung vom 24. Februar 2014 erhoben die Beschwerdefüh- rerinnen mit Schreiben vom 27. März 2014 Beschwerde beim Bunde s- verwaltungsgericht. Sie stellten folgende Rechtsbegehren: "1. Die Zwischenverfügung der WEKO vom 24. F ebruar 2014 sei aufz u- heben und es sei cablecom, Finecom und sasag keine Parteistellung im WEKO-Verfahren 32-0243 zu gewähren. Alles unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerd e- gegnerinnen." Die Beschwerdeführerinnen bringen im Wesentlichen vor, es bestehe kein Konkurrenzverhältnis zwischen ihnen und den Beschwerdegegnerinnen soweit die Herstellung von Programminhalten betroffen sei. Ausserdem sei die beanstandete Abrede ohne Einfluss auf die Beschwerdegegneri n- nen geblieben. Zumal diese ihren Umsatz sogar noch steigern konnten (Beschwerde, S. 14 ff.). In Bezug auf die Sachurteilsvoraussetzungen B-1635/2014 Seite 5 bringen sie vor, die (bestrittene) Parteistellung der Beschwerdegegneri n- nen würde zu einem nicht wieder gutzumachenden Nachteil für die B e- schwerdeführerinnen führen. Würde die Parteistellung der Beschwerd e- gegnerinnen anerkannt, würde dies bedeuten, dass unter anderen jeder der rund 250 Kabelnetzbetreiber als Partei zugelassen werden müsste. Dies würde im Wesentlichen zu ei ner unzumutbaren Verlängerung der Untersuchung der Vorinstanz und zu unzumutbaren zusätzlichen Kosten betreffend Verteidigung und Abdeckung von Geschäftsgeheimnissen für die Beschwerdeführerinnen führen . Schliesslich fürchten sie infolge der Parteistellung eine grössere Publizität (Beschwerde, S. 20 ff.). F. Mit Schreiben vom 28. April 2014 verzichtete die Vorinstanz unter Verweis auf die Begründung der angefochtenen Verfügung auf eine Vernehmla s- sung und reichte die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens in el ektroni- scher Form ein. G. Mit Eingabe vom 7. Juli 2014 stellen die Beschwerdegegnerinnen folgen- de Rechtsbegehren: "1. Auf die Beschwerde der CT Cinetrade AG, Teleclub AG und Swisscom (Schweiz) AG vom 27. März 2014 sei nicht einzutreten; Eventualantrag: 1. Die Beschwerde der CT Cinetrade AG, Teleclub AG und Swisscom (Schweiz) AG vom 27. März 2014 sei abzuweisen. Alles unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerd e- führerinnen." Zur Begründung wird im Wesentlichen vorgebracht, ein nicht wieder gut- zumachender Nachteil der Beschwerdeführerin nen sei nicht ersichtlich. Es sei davon auszugehen, dass keine weiteren Gesuche um Zulassung als Partei im Untersuchungsverfahren gestellt worden seien. Diese Info r- mation sei bei der Vorinstanz jedoch noch zu erheben. Insbesondere sei auch nicht ausreichend, dass die Zulassung Dritter als Partei zu einer Verteuerung des Verfahrens führen würde (Beschwerdeantwort, S. 4 ff.). Hinsichtlich des Eventualantrags bringen die Beschwerdegegnerinnen vor, es sei ein deut lich spürbarer wirtschaftlicher Nachteil erstellt. Dabei könne es nicht auf ein Konkurrenzverhältnis ankommen, da der wirksame Wettbewerb auch zulasten von Unternehmen auf der nachgelagerten B-1635/2014 Seite 6 Marktstufe beschränkt werden könne, was eine unmittelbare und dir ekte Betroffenheit zur Folge habe (Beschwerdeantwort, S. 9 ff.). H. Am 8. Juli 2014 wurde telefonisch eine Erkundigung betreffend weiteren Anträgen auf Einräumung der Parteistellung bei der Vorinstanz eingeholt. Ein Mitarbeiter der Sekretariats informierte das Gericht dahingehen d, dass neben den Beschwerdegegnerinnen lediglich der Swisscable Ver- band für Kommunikationsnetze einen Antrag auf Parteistellung gestellt habe. Dieser Antrag sei jedoch wieder zurückgezogen worden. I. Mit Verfügung vom 10. Juli 2014 wurde den Verfahrensbeteiligten die Be- schwerdeantwort und die Aktennotiz vom 8. Juli 2014 zum Telefonat mit dem Sekretariat zugestellt. Eine Replik wurde d en Beschwerdeführerin- nen freigestellt. J. Mit Eingabe vom 18. August 2014 reichten die Beschwerdeführerinnen ih- re Replik ein und erklärten, an den in der Beschwerde gestellten Recht s- begehren vollumfänglich festzuhalten. Sie sind der Ansicht, die "Prüffr a- ge" betreffend selbständiger Anfechtbarkeit müsse lauten, ob das in der Zwischenverfügung Angeordnete durch d en Endentscheid wieder bese i- tigt werden könne. Dies sei vorliegend nicht der Fall, weil das Verfahren verlängert und verteuert würde. K. Mit Verfügung vom 20. August 2014 wurde den Beschwerdegegnerinnen und der Vorinstanz Frist zur freigestellten Duplik gesetzt. Mit Schreiben vom 27. August 2014 verzichtete die Vorinstanz auf die Einreichung einer Duplik. L. Die Beschwerdegegnerinnen reichten mit Schreiben vom 17. September 2014 ihre Duplik (inkl. Kostennote) ein und erklärte n ebenfalls an ihren gestellten Anträgen vollumfänglich festzuhalten. M. Mit Verfügung vom 18. September 2014 wurde die Duplik d er Beschwer- degegnerinnen (inkl. Kostennote) den übrigen Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis zugestellt. B-1635/2014 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Das Bundes verwaltungsgericht prüft vom Amtes wegen und mit freier Kognition, ob die Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Beschwerde einzutreten ist (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-6180/2013 vom 29. April 2014, E. 1; vgl. auch BVGE 2007/6, E. 1, mit weiteren Hinweisen). 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwa l- tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwe r- den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG , SR 172.021). Gemeint sind Anordnu n- gen im Einzelfall, d.h. individuelle, an den Einzelnen gerichtete Hoheit s- akte, durch welche ein konkretes verwaltungsrechtliches Rechtsverhältnis rechtsgestaltend oder feststellend in erzwingbarer Weise geregelt wird (BVGE 2011/32, E. 1.1, auch publiziert in RPW 2010/2, S. 242 ff.). Der angefochtene Entscheid vom 24. Februar 2014, welcher das Gesuch um Parteistellung der Beschwerdegegnerinnen gutheisst , ist eine Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 VwVG (Urteil des Bundes verwaltungsgericht B-3985/2013 vom 1. Juli 2014, E. 1.1 mit Hinweisen, auch publiziert in RPW 2014/2, S. 461 ff.). Somit ist das Bundesverwaltungsgericht nach Art. 33 Bst. f VGG (i.V.m. Art. 47 Abs. 1 Bst. b VwVG) für die Behandlung der vorliegenden Streitsache zuständig, zumal keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. 1.2 Der Entscheid über die Parteistellung der Beschwerdegegnerinnen ist e i- ne Zwischenverfügung, welche von der Vorinstanz selbständig eröffnet wurde. Gegen eine selbständig eröffnete Zwischenverfügung i.S.v. Art. 46 Abs. 1 VwVG ist die Beschwerde zulässig, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann oder wenn die Gutheissung der Beschwerde einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bede u- tenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde. Ist die Beschwerde nach diesem Absatz 1 nicht zulässig oder wurde von ihr kein Gebrauch gemacht, so sind die betreffenden Zwi- schenverfügungen durch Beschwerde gegen die Endverfügung anfech t- bar, soweit sie sich auf den Inhalt der Endverfügung auswirken (Art. 46 Abs. 2 VwVG). B-1635/2014 Seite 8 1.3 Da es vorliegend einzig um die Frage der Einräumung der Parteistellung der Beschwerdeführerinnen im laufenden Hauptverfahren vor der Vori n- stanz geht, wäre eine Gutheissung der vorliegenden Beschwerde nicht geeignet, sofort einen Endentscheid im Untersuchungsverfahren der Vo r- instanz bzw. deren Sekretariat herbeizuführen. Die zu beurteilende Zw i- schenverfügung regelt somit einen einzelnen prozessualen Aspekt eines Verfahrens, ohne dieses zu einem Abschluss zu bringen (vgl. R EGI- NA KIENER/BERNHARD RÜTSCHE/MATHIAS KUHN, Öffentliches Verfahren s- recht, Zürich 2012, Rz. 370 f.). 1.4 Der geltend gemachte, nicht wieder gutzumachende Nachteil muss nicht rechtlicher Natur sein; eine Beeinträchtigung der schutzwürdigen tatsäch- lichen – namentlich wirtschaftlichen Interessen – genügt, sofern es dem Beschwerdeführer bei der Anfechtung nicht lediglich darum geht, eine Verlängerung oder Verteuerung des Verfahrens zu verhindern . Der B e- schwerdeführer hat den behaupteten Nachteil zu substantiieren, ausser dieser liegt offensichtlich und unzweifelhaft vor (vgl. Urteile des Bunde s- verwaltungsgerichts B -3985/2013 vom 1. Juli 2014 , E. 1.2.2 , und B-2390/2008 vom 6. November 2008, E. 2.1.2, beide mit weiteren Hi n- weisen; MARTIN KAYSER, in: Auer/Müller/Schindler [ Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, N 10 f. zu Art. 46; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl., Basel 2013, Rz. 2.47). 1.5 Vorliegend ist zu prüfen, ob sich die Beschwerdeführerinnen auf ein schutzwürdiges tatsächliches Interesse betreffend die Gewährung der Parteistellung für die Beschwerdegeg nerinnen berufen können. Ein so l- ches Interesse an der Aufhebung der Parteistellung Dritter noch vor dem Hauptentscheid wird in der Lehre und Rechtsprechung nur ausnahm s- weise bejaht (vgl. etwa BGE 129 II 183, E. 3.2.2; SAMUEL JOST, Die Par- teien im verwaltun gsrechtlichen Kartellverfahren in der Schweiz, Basel 2013, S. 373 f.). B-1635/2014 Seite 9 1.5.1 Im Folgenden werden die einzelnen von den Beschwerdeführerinnen vorgebrachten Gründe für einen Nachteil geprüft. Als erstes machen die Beschwerdeführerinnen einen ausufernden Parteib egriff durch die Vori n- stanz geltend. 1.5.1.1 Für den Fall, dass die Behauptung, ein Konkurrent würde privilegiert be- handelt, für die Parteistellung ausreichen würde, befürchten die B e- schwerdeführerinnen, jeder der rund 250 Kabelnetzbetreiber sowie jeder der dutze nden von Betreibern von Internet Protocol Television Verbre i- tungsinfrastrukturen oder Programmangeboten könnte ohne Weiteres als Partei in der laufenden Untersuchung einbezogen werden. Dies würde das Untersuchungsverfahren aufgrund des rechtlichen Gehör s der z u- sätzlichen Parteien verzögern (Beschwerde, S. 20). Deshalb sehen sie das Beschleunigungsgebot durch die Vorinstanz als verletzt an (R eplik, S. 7). Die Beschwerdegegnerinnen sind dagegen der Ansicht, der Umstand a l- leine, dass Dritte als Parteien zugelassen würden, bewirke nicht einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil, da eine blosse Verlängerung oder Verteuerung des Verfahrens hierzu nicht genüge (Beschwerdeantwort, S. 5 f.). 1.5.1.2 Zunächst ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerinnen einzig gegen das Dispositiv der angefochtenen Verfügung wehren können. Die Begründung zum Parteibegriff der Vorinstanz kann nicht angefochten werden. Weiter würde ein nicht wieder gutzumachender Nachteil au f- grund der Beteiligung von 250 neuen Parteien nur dann in Betracht fallen, wenn mit einer solchen Beteiligung effektiv gerechnet werden könnte. Vor der Vorinstanz sind keine weiteren Gesuche betreffend Parteistellung von Dritten hängig. Das einzige weitere Gesuch während über einem Jahr Untersuchungsdauer stammt vom Swisscable Verband für Komm u- nikationsnetze und wurde wieder zurückgezogen. Selbst wenn die Vori n- stanz weiteren Dritten Parteistellung einräumen würde, wäre eine grosse Zahl von weiteren Eingaben nicht zu erwarten. Eine kartellrechtliche Ei n- gabe und die Wahrnehmung von Parteirechten ist auch für Dritte rege l- mässig mit erheblichen Kosten verbunden. Dies zeigt gerade das zurück- gezogene Gesuch um Parteistellung des genannten Verband , welches B-1635/2014 Seite 10 nicht von einem einzelnen Kabelnetzbetreiber eingereicht wurde. Dem- nach erscheint die Befürchtung der Beschwerdeführerinnen eher theor e- tischer Natur zu sein. Schliesslich ist auf die obligatorische Vertretung nach Art. 11a VwVG und darüber hinausgehend auf Art. 43 Abs. 2 KG hinzuweisen, wonach ein Vertreter für mehr als 20 Parteien bzw. 5 Ver- fahrensbeteiligte verlangt werden darf. In Bezug auf das Beschleunigungsgebot vermögen die Beschwerdeführe- rinnen ebenfalls nicht zu überzeugen (Beschwerde, S. 22); auch wenn sie für den Fall der Nichtbeseitigung der Parteistellung eine formelle Recht s- verweigerung geltend machen (Beschwerde, S. 26 f.). Vielmehr besteht die Gefahr, dass das vorliegende Beschwerdeverfahren die laufende U n- tersuchung der Vorinstanz verzögert. Um diese weiterzuführen bzw. a b- zuschliessen muss die Vorinstanz die Parteirechte gewähren. Die Unklar- heit über die Parteiqualität könnte das Untersuchungsverfahren daher blockieren. Insofern als die Beschwerdeführerinnen eine höhere Sanktion infolge e i- nes höheren Zuschlags betreffend Dauer der Zuwiderhandlung aufgrund eines längeren Verfahrens befürchten (Beschwerde, S. 22), ist ebenfalls kein nicht wieder gutzumachender Nachteil ersichtlich. Selbstredend st e- hen ihnen bereits während des Verfahrens andere Möglichkeiten zur Risi- kominimierung zur Verfügung. 1.5.2 Weiter befürchten die Beschwerdeführerinnen unzumutbar hohe Kosten, weil sie durch die Zulassung der Beschwerdegegnerinnen als Parteien im Untersuchungsverfahren gezwungen seien, ihre eigenen Eingaben auf Geschäftsgeheimnisse hin zu prüfen (Beschwerde, S. 23). Die B e- schwerdegegnerinnen lassen dieses Argument nicht gelten, da eine Kennzeichnung der Geschäftsgeheimnisse ohnehin erforderlich sei. A n- sonsten wären den Wettbewerbsbehörden im Rahmen der Durchführ ung von Untersuchungshandlungen (z.B. an Dritte gerichtete Auskunftsbegeh- ren) nicht bekannt, welche Informationen sie offen legen dürfen und we l- che nicht (Beschwerdeantwort, S. 7). Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerinnen ein Interesse an der Geheimhaltung von Geschäftsgeheimnissen haben. Der Aufwand für die Bezeichnung solcher Geschäftsgeheimnisse kann im Einzelfall zwar b e- trächtlich sein. Die Beschwerdeführerinnen substantiieren jedoch nicht, warum der Aufwand gerade in diesem Verfahren besonders gross sein B-1635/2014 Seite 11 soll. Die Schwärzung von Geschäftsgeheimnissen im vorliegenden B e- schwerdeverfahren (und auch im Verfahren um vorsorgliche Massna h- men B-4637/2013) waren kaum mit einem grossen Aufwand verbunden. Ausserdem können die Beschwerdeführerinnen Verfügun gen der Vori n- stanz zur Bezeichnung von Geschäftsgeheimnissen grundsätzlich sepa- rat anfechten. 1.5.3 Ferner wehren sich die Beschwerdeführerinnen mit ihrer Beschwerde g e- gen weitere Publizität. Wenn die Beschwerdegegnerinnen als Partei en zugelassen würden, erhielten diese praktisch unbeschränkten Zugang zu den Verfahrensakten. Daraus gewonnene Erkenntnisse könnten nach aussen dringen bzw. diese könnten gegen die Beschwerdeführerinnen eingesetzt werden (z.B. Zivilklagen; Beschwerde, 24 ff.). Die Beschwer- degegnerinnen führen dazu aus, dass sie nur in geschäftsgeheimnisb e- reinigte Dokumente Einsicht erhalten würden (Beschwerdeantwort, S. 7 f.). Die Beschwerdegegnerinnen sind der Auffassung, dass die Wet t- bewerbsbehörden durchaus in der Lage seien, Geschäftsgeheimnisse der Verfahrensbeteiligten vor gegenseitiger Einsichtnahme zu schützen, zumal sich diese Problematik in kartellrechtlichen Untersuchungsverfa h- ren regelmässig stellen würde (Duplik, S. 4). Die Beschwerdeführerinnen sehen keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil in der Publizität des Verfahrens an sich. Die Untersuchungse r- öffnung wurde gemäss Art. 28 Abs. 1 KG durch amtliche Publikation im SHAB bekanntgegeben (vgl. Sachverhalt A.; vgl. zur Informationspolitik der Wettbewerbsbehörden auch die Zwischenverfügung des Bundesve r- altungsgerichts B -6180/2013 vom 12. Dezember 2013, E. 4.1 , RPW 2014/2, S. 469 ff. ). Vielmehr befürchten sie, dass die Beschwerd e- gegnerinnen die aus dem Verfahren gewonnenen Kenntnisse für Ihre Zwecke verwenden und den Beschw erdeführerinnen dadurch ein Nach- teil erwachsen würden. Dieses Risiko ist jedem Verfahren mit Parteiste l- lung Dritter inhärent und kann für die Schwelle von Art. 46 Abs. 1 Bst. a VwVG grundsätzlich keine Rolle spielen. Auch der Umstand, dass einige Verfahrensbeteiligte bereits seit Jahren über kartellrechtliche Ve r- fahren und andere Massnahmen gegeneinander vorgehen, kann nicht dazu führen, dass die Schwelle für die Anfechtbarkeit von Zwischenverfü- gungen erreicht wird. Zudem ist der Kausalzusammenhang zwischen der Akteneinsicht durch die Beschwerdeführerinnen und einer negativen Publizität nicht substanti-B-1635/2014 Seite 12 iert vorgetragen. So ist unklar, welche Informationen nach Ansicht der Beschwerdeführerinnen problematisch wären. Weiter ist unklar, welche Informationen aussc hliesslich die Beschwerdegegnerinnen verwenden würden. Ein Nachteil würde im vorliegenden Kontext – wenn überhaupt – lediglich dann in Betracht fallen, wenn Informationen (die keine G e- schäftsgeheimnisse sind) von Dritten verwendet würden, ohne dass sie in der zu erwartenden verfahrensabschliessenden Verfügung erläutert wü r- den. Vorliegend ist indes naheliegend, dass die wichtigsten (und allenfalls heiklen) Informationen au ch Eingang in die verfahrensabschliessende Verfügung der Vorinstanz finden. Deshalb ist kein nicht wieder gutzum a- chender Nachteil der Beschwerdeführerinnen infolge zusätzlicher Publiz i- tät ersichtlich. 1.6 Demnach erwächst den Beschwerdeführerinnen infolge der angefocht e- nen Zwischenverfügung betreffend die Parteistellung der Beschwerd e- gegnerinnen kein nicht wieder gutzumachender Nachteil. Es leuchtet a n- hand der bisherigen Prozessgeschichte nicht ein, warum sich neben den Beschwerdegegnerinnen noch bis zu 250 weitere Parteien mit jeweils se- paraten Eingaben am Verfahren beteiligen sollten. Die Kostengründe und die befürchtete Publizität wurden nicht substantiiert vorgetragen. Folglich ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. 2. Würde dagegen auf die Beschwerde ein getreten, wäre diese wohl abz u- weisen. Wie bereits im Urteil B -4637/2013 vom 9. Juli 2014 festgehalten wurde, ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerinnen durch das Fehlen von gewissen Programminhalten im Wettbewerb benachteiligt sein könnten und Kunden verlieren bzw. weniger Kunden gewinnen könn- ten. Deshalb hatten die Beschwerdegegnerinnen im Parallelverfahren ein wirtschaftliches Interesse daran, einen einstweiligen Schutz bereits wä h- rend des Untersuchungsverfahrens zu erstreiten (E. 1.5). Demnach wäre vorliegend auch von einem deutlichen , spürbaren wirtschaftlichen Nac h- teil eines Konkurrenten auszugehen (vgl. zur Parteistellung im kartel l- rechtlichen Verfahren BGE 139 II 328, E. 4.5). Dabei kann es nicht darauf ankommen, ob die Beschw erdegegnerinnen als Konkurrentinnen oder Abnehmerinnen anzusehen sind ( PHILIPPE BORENS, Die Rechtss tellung Dritter im Kartellverwaltungsverfahren der Europäischen Gemeinschaft und der Schweiz, Basel 2000, S. 207 ff.; SAMUEL JOST, Die Parteien im verwaltungsrechtlichen Kartellverfahren in der Schweiz, Basel 2013, S. 293). B-1635/2014 Seite 13 3. Die Verfahrenskosten, welche sich aus der Gerichtsgebühr und den Au s- lagen zusammensetzen, werden in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Die Gerichtsgebühr ist nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien festzulegen (Art. 63 Abs. 4 bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 VGKE). Unter Berücksichtigung aller Umstände werden die Verfahrenskosten auf Fr. 6'000.– festgesetzt (vgl. Verfügung vom 31. März 2013) und den B e- schwerdeführerinnen zu gleichen Teilen auferlegt. Der von ihnen einb e- zahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfa h- renskosten verwendet. 4. Die unterliegenden Beschwerdeführerinnen haben den obsiegenden B e- schwerdegegnerinnen für die aus dem Verfahren erwachsenen, notwe n- digen Kosten eine Parteientschädigu ng zu erstatten (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE). 4.1 Gemäss Art. 10 VGKE wird insbesondere das Anwaltshonorar nach dem notwendigen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertreterin bemessen (Abs. 1). Der Stundenansatz beträgt für Anwälte und Anwältinnen mindes- tens Fr. 200.– und höchstens Fr. 400.–. In diesen Ansätzen ist die Meh r- wertsteuer nicht enthalten (Abs. 2). Bei Streitigkeiten mit Vermögensint e- resse kann das Anwaltshonorar oder die Entschädigung für eine nichta n- waltliche berufsmässige Vertretung angemessen erhöht werden (Abs. 3). Bei der Bemessung der Parteientschädigung innerha lb des gesetzlichen Rahmens steht dem Bundesverwaltungsgericht ein gewisses Ermessen zu. Das Honorar berechnet sich mithin einzig nach dem Aufwand und nicht nach dem Streitwert. Eine summenmässig bestimmte feste Obe r- grenze besteht nicht. Indessen umfasst d ie Parteientschädigung nur die notwendigen Kosten (Urteil des Bundesgerichts 2C_343/2010, 2C_344/2010 vom 11. April 2011, E. 8.3.1 und E. 8.3.4). B-1635/2014 Seite 14 4.2 Die Beschwerdegegnerinnen haben am 17. September 2014 für ihre Rechtsvertretung eine detailliert begründete Kostennote eingereicht. Aus- gehend von rund 87 aufgewendeten Stunden und Stundenansätzen zw i- schen Fr. 300.–/h und Fr. 400.–/h machen sie für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht Parteikosten in der Höhe von insgesamt Fr. 29'947.70 (inkl. MwSt) geltend. Der geltend gemachte Aufwand der Beschwerdegegnerinnen erscheint aufgrund der sich stellenden Rechtsfragen von eher prozessualer Natur übermässig. Es ist davon auszugehen, dass gewisse anwaltliche Abkl ä- rungen im Parallelverfahren über die vorsorgliche Massnahme teilweise für das vorliegende Verfahren verwertet werden konnten – insbesondere hinsichtlich des Sachverhalts. Vor diesem Hintergrund und unter Berück- sichtigung aller Umstände erscheint ein Aufwand von Fr. 12'000. – als an- gemessen. De n Beschwerdegegnerinnen ist somit zulasten der B e- schwerdeführerinnen eine Parteientschädigung im reduzierten Umfang von Fr. 12'000.– (inkl. MwSt) zuzusprechen. Diese Parteientschädigung haben die Beschwerdeführerinnen den Beschwerdegegnerinnen nach Rechtskraft dieses Urteils zu gleichen Teilen zu entrichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 14 Abs. 2 VGKE). B-1635/2014 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 6'000. – werden den Beschwer- deführerinnen zu gleichen Teilen auferlegt; der einbezahlte Kostenvo r- schuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten ve r- wendet. 3. Den Beschwerdegegnerinnen wird je zu gleichen Teilen zulasten der B e- schwerdeführerinnen eine Partei entschädigung von insgesamt Fr. 12'000.– (inkl. MwSt) zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerinnen (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde) – die Beschwerdegegnerinnen (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. 32-0243; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Urech Michael Tschudin Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 3. Oktober 2014