<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 95 S.408</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">408</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>95</b></span> <span class="ft1"><b>Zeitpunkt des Zufliessens eines Kapitalgewinnes (§ 22 Abs. 1 lit. b StG).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Bewertung einer Kaufpreisforderung, die in 15 unverzinslichen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Jahresraten zu erbringen ist; Diskontierung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">9. März 2000 in Sachen L., RV.1999.50105/K 3483</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">5. a) Gemäss öffentlich beurkundetem Kaufvertrag vom</span><br/> <span class="ft4">16. April 1992 betrug der Kaufpreis für den veräusserten Landwirt-</span><br/> <span class="ft4">schaftsbetrieb Fr. 1'500'000.--. Bei den Zahlungsmodalitäten verein-</span><br/> <span class="ft4">barten die Parteien, dass für Fr. 323'000.-- ein Darlehen zwischen</span><br/> <span class="ft4">C. L. und dem Käufer begründet werde. Dieses Darlehen ist unver-</span><br/> <span class="ft4">zinslich und unkündbar, muss aber in 15 gleichmässigen Jahresraten</span><br/> <span class="ft4">à Fr. 21'533.30 zurückbezahlt werden und zwar erstmals per</span><br/> <span class="ft4">30. November 1997 (Ziffer III/3 des Kaufvertrages). Die Rekurren-</span><br/> <span class="ft4">ten sind der Ansicht, dass dieser Betrag entsprechend den Zahlungs-</span><br/> <span class="ft4">bestimmungen zu diskontieren sei, während die Vorinstanz die Dar-</span><br/> <span class="ft4">lehensgewährung als reine Finanzierungsfrage betrachtet. Zudem sei</span><br/> <span class="ft4">das Darlehen nicht gefährdet.</span><br/> <span class="ft4">b) aa) Gemäss der herrschenden und nicht umstrittenen Auffas-</span><br/> <span class="ft4">sung gilt ein Ertrag dann als erzielt, wenn er vereinnahmt ist oder der</span><br/> <span class="ft4">Steuerpflichtige einen definitiven Anspruch auf die steuerbare</span><br/> <span class="ft4">Leistung erworben hat (BGE 105 Ib 242; AGVE 1976 S. 168/9;</span><br/> <span class="ft4">Baur/Klöti/Koch/Meier/Ursprung, Kommentar zum Aargauer Steu-</span><br/> <span class="ft4">ergesetz, Muri-Bern 1991, Vorbemerkungen zu §§ 22 - 36 StG, N 11;</span><br/> <span class="ft4">Reimann/Zuppinger/Schärrer, Kommentar zum Zürcher Steuerge-</span><br/> <span class="ft4">setz, Bern 1963, Band II, Vorbemerkungen zu §§ 19 - 32 StG ZH, N</span><br/> <span class="ft4">19 ff.; H. Masshardt, Kommentar zur direkten Bundessteuer,</span><br/> <span class="ft4">2. Auflage, Zürich 1985, N 5 zu Art. 21 BdBSt; E. Känzig, Die</span><br/> <span class="ft4">direkte Bundessteuer [Wehrsteuer], 2. Auflage, Basel 1992, Band II,</span><br/> <span class="ft4">Rz 209 zu Art. 49 BdBSt). Voraussetzung des Zufliessens ist also ein</span><br/> <span class="ft4">"abgeschlossener Rechtserwerb, welcher Forderungserwerb oder</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">409</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Eigentumserwerb sein kann" (BGE 113 Ib 26). Die Besteuerung</span><br/> <span class="ft4">beim Forderungserwerb ist vorherrschend und tritt hinter die Be-</span><br/> <span class="ft4">steuerung bei der Geldzahlung nur zurück, wenn die Erfüllung der</span><br/> <span class="ft4">Forderung als besonders unsicher betrachtet werden muss (BGE 113</span><br/> <span class="ft4">Ib 26, 116 Ib 242).</span><br/> <span class="ft4">bb) Ist die Erfüllung einer Forderung vertraglich abgesichert, so</span><br/> <span class="ft4">kann sie nicht als gefährdet betrachtet werden. Im Vertrag vom</span><br/> <span class="ft4">16. April 1992 hat sich C. L. vom Käufer ein Kaufsrecht am Hof-</span><br/> <span class="ft4">grundstück einräumen lassen, das nur dazu dient, die Rückzahlung</span><br/> <span class="ft4">des Darlehens sicherzustellen. So hat sich C. L. verpflichtet, das</span><br/> <span class="ft4">Kaufsrecht nur auszuüben, wenn der Käufer mit mehr als drei Raten</span><br/> <span class="ft4">in Verzug ist. Ausserdem wurde das Kaufsrecht mit obligatorischer</span><br/> <span class="ft4">Wirkung auf unbestimmte Zeit eingeräumt. Es gilt so lange als der</span><br/> <span class="ft4">Käufer das Darlehen nicht vollständig zurückbezahlt hat (vgl. Kauf-</span><br/> <span class="ft4">vertrag, Ziffer IV, insbesondere "Obligatorische Bestimmungen ohne</span><br/> <span class="ft4">Grundbucheintrag", Ziffer 1 und 4). Aus diesen Bestimmungen geht</span><br/> <span class="ft4">klar hervor, dass die Rückzahlung des Darlehens nicht als besonders</span><br/> <span class="ft4">unsicher bezeichnet werden kann. Unter diesem Gesichtspunkt weist</span><br/> <span class="ft4">die Restforderung keinen Minderwert auf.</span><br/> <span class="ft4">c) aa) Nach Auffassung des StRG stellt sich hingegen die</span><br/> <span class="ft4">Frage, wie die Kaufpreisrestanz als Teil des Erlöses zu bewerten ist.</span><br/> <span class="ft4">Wirtschaftlich ist eine sofort fällige Forderung über Fr. 323'000.--</span><br/> <span class="ft4">offensichtlich von grösserem Wert als eine unverzinsliche Forderung</span><br/> <span class="ft4">gleicher Höhe, welche während rund vier Jahren vollumfänglich</span><br/> <span class="ft4">gestundet und anschliessend in 15 Raten abbezahlt wird. Der Verkäu-</span><br/> <span class="ft4">fer hat zwar einen festen Anspruch auf die volle Darlehenssumme</span><br/> <span class="ft4">erworben, wollte er diesen aber abtreten oder belehnen, würde sich</span><br/> <span class="ft4">deutlich zeigen, dass er tiefer bewertet würde, als eine in vollem</span><br/> <span class="ft4">Umfang fällige Forderung. Dieses Problem kann nicht nur als Finan-</span><br/> <span class="ft4">zierungsfrage betrachtet werden, zumal die Finanzierung primär</span><br/> <span class="ft4">Angelegenheit des Käufers ist und nicht des Verkäufers.</span><br/> <span class="ft4">bb) Dass ein Veräusserungserlös nicht allein auf Grund der ver-</span><br/> <span class="ft4">traglich vereinbarten nominellen Beträge festgesetzt wird, ist im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">410</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Steuerrecht nicht aussergewöhnlich. Die Aufgabe stellt sich u.a. bei</span><br/> <span class="ft4">der Bewertung von zusätzlichen Leistungen des Erwerbers oder bei</span><br/> <span class="ft4">nicht in Geldform erbrachten Gegenleistungen (Baur/Klö-</span><br/> <span class="ft4">ti/Koch/Meier/Usprung, a.a.O., N 241/242 zu § 22 StG sowie N 1 - 4</span><br/> <span class="ft4">zu § 73 StG; Känzig, a.a.O., Band I, Rz 210 zu Art. 21 BdBSt). Die</span><br/> <span class="ft4">Diskontierung eines in Raten zu entrichtenden Erlöses gehört zum</span><br/> <span class="ft4">gleichen Problemkreis. Bei der Grundstückgewinnsteuer bewirkt die</span><br/> <span class="ft4">zinslose Stundung des Kaufpreises trotz Uebergangs von Nutzen und</span><br/> <span class="ft4">Schaden eine Erlösminderung (Baur/Klöti/Koch/Meier/Ursprung,</span><br/> <span class="ft4">a.a.O., N 1 zu § 73 StG, in Anlehnung an Reimann/Zuppin-</span><br/> <span class="ft4">ger/Schärrer, a.a.O., Band IV, N 7 zu § 165 StG ZH; diese ihrerseits</span><br/> <span class="ft4">unter Berufung auf RB ZH 1952 Nr. 73; Richner/Frei/Kaufmann,</span><br/> <span class="ft4">Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, Zürich 1999,</span><br/> <span class="ft4">Rz 64 zu § 220 StG ZH). Dass bei der Einkommenssteuer andere</span><br/> <span class="ft4">Grundsätze gelten sollen, ist nicht einzusehen. In der Literatur wird</span><br/> <span class="ft4">denn auch im Zusammenhang mit der Ermittlung von Kapitalgewin-</span><br/> <span class="ft4">nen die Möglichkeit, eine gestundete oder in Raten zu bezahlende,</span><br/> <span class="ft4">unverzinsliche Forderung zu diskontieren, ohne weitere Vorbehalte</span><br/> <span class="ft4">bejaht (Reimann/Zuppinger/Schärrer, a.a.O., Band II, Vorbemer-</span><br/> <span class="ft4">kungen zu §§ 19 - 32 StG ZH, N 30; Känzig, a.a.O., Band I, Rz 210</span><br/> <span class="ft4">zu Art. 21 BdBSt). Wird die Kaufpreisforderung zum abgezinsten</span><br/> <span class="ft4">Barwert in Rechnung gestellt, ist die Differenz zwischen den einzel-</span><br/> <span class="ft4">nen Raten und der Abnahme der diskontierten Restforderung als</span><br/> <span class="ft4">Einkommen zu besteuern (Känzig, a.a.O., Band I, Rz 210 zu Art. 21</span><br/> <span class="ft4">BdBSt). Somit stellt sich die Frage der Diskontierung bei nur kurz-</span><br/> <span class="ft4">fristig, zinslos gestundeten Erlösbestandteilen nicht in gleichem</span><br/> <span class="ft4">Masse. Angesichts der langen Zahlungsfristen (die letzte Rate ist bei</span><br/> <span class="ft4">vertragsgemässer Erfüllung im November 2011 zu bezahlen) ist im</span><br/> <span class="ft4">vorliegenden Fall eine Abzinsung vorzunehmen.</span><br/> <span class="ft4">cc) Für die Abzinsung der Kaufpreisrestanz von Fr. 323'000.--</span><br/> <span class="ft4">ist auf die Barwerttafeln zurückzugreifen (Stauffer/Schätzle, Bar-</span><br/> <span class="ft4">werttafeln, Zürich 1989). Massgebend sind die Faktoren für eine um</span><br/> <span class="ft4">vier Jahre aufgeschobene Zeitrente (Stauffer/Schätzle, a.a.O.,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Rz 1071 ff.). Anzuwenden ist ein Zinssatz von 3 %, der ungefähr</span><br/> <span class="ft4">dem langjährigen Mittel von Kapitalanlagen entspricht. Zu berech-</span><br/> <span class="ft4">nen ist die aufgeschobene Rente indem vom Faktor für eine Rente</span><br/> <span class="ft4">von 19 Jahren der Faktor für vier Jahre abgezogen wird (vgl. Beispiel</span><br/> <span class="ft4">bei Stauffer/Schätzle, Rz 1074). Aus Tafel 50 ist deshalb folgender</span><br/> <span class="ft4">Diskontierungsfaktor abzuleiten:</span><br/> <br/> <table> <tr> <td width="350"><span class="ft4">Dauer 19 Jahre, Zinsfuss 3 %</span></td> <td align="right"><span class="ft4">14,555510</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft4">Dauer 4 Jahre, Zinsfuss 3 %</span></td> <td align="right"><span class="ft4">- 3,777228</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft4">um vier Jahre aufgeschobene Zeitrente, 15 Jahre</span></td> <td align="right"><span class="ft4">10,778282</span></td> </tr> </table> <br/> <span class="ft4">Der diskontierte Wert der Restzahlung von Fr. 323'000.-- be-</span><br/> <span class="ft4">läuft sich folglich auf 10,778282 x Fr. 21'533.30 = Fr. 232'092.--. Die</span><br/> <span class="ft4">unbestrittenermassen zum vollen Wert einzusetzenden Leistungen</span><br/> <span class="ft4">von Fr. 1'177'000.-- und der Barwert der gestundeten Restzahlung</span><br/> <span class="ft4">von Fr. 232'092.-- ergeben zusammen den massgebenden Erlös aus</span><br/> <span class="ft4">dem Verkauf der Liegenschaften von Fr. 1'409'092.--. Um die Diffe-</span><br/> <span class="ft4">renz von Fr. 90'908.-- zu den von der Vorinstanz angerechneten</span><br/> <span class="ft4">Fr. 1'500'000.-- reduziert sich der Liquidationsgewinn aus der Ver-</span><br/> <span class="ft4">äusserung der Liegenschaften. Nach Abzug des Besitzesdauerrabat-</span><br/> <span class="ft4">tes von 50 % ist der Liquidationsgewinn von Fr. 610'338.-- gemäss</span><br/> <span class="ft4">Veranlagung und Einspracheentscheid folglich um Fr. 45'454.-- auf</span><br/> <span class="ft4">Fr. 564'800.-- (abgerundet gemäss § 33 Abs. 2 StG) herabzusetzen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>