B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2726/2018 U r t e i l v o m 1 2 . J u l i 2 0 1 9 Besetzung Richter Jürg Marcel Tiefenthal (Vorsitz), Richterin Barbara Balmelli, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren am 7. März 1989, Sri Lanka, vertreten durch Lena Weissinger, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 6. April 2018 / N (…). D-2726/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie – suchte am (…) 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Am (…) 2015 wurde er zu seiner Person, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am (…) 2015 teilte das SEM dem Beschwerdeführer die Beendigung des vo n ihm angehobenen Dublin -Verfahrens mit. Am (…) 2017 hörte ihn das SEM einlässlich zu seinen Asylgründen an (Anhörung). Anlässlich seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent- lichen geltend, er stamme aus dem Dorf C._______ (Division D._______, Distrikt E._______, Nordprovinz). Dort habe er von seiner Geburt bis zu seiner Ausreise gelebt. Im Jahr (…) habe er die Schule mit dem (…) abge- schlossen. Von (…) bis Ende (…) habe er studiert. Nach dem Studium sei er keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen. Bis zur Ausreise habe er nichts gemacht. Bei der BzP brachte er vor, er habe bis ins Jahr (…) Kontakt zum Studentenflügel gehabt. Im Jahr (…) sei er von der sri-lankischen Armee (SLA) festgenommen und nach einer Identitätsabklärung wieder freigelas- sen worden. Im Jahr (…) sei er von den Behörden befragt worden, weil er ehemaligen Lagerinsassen geholfen habe. Er habe auch an Demonstrati- onen teilgenommen und sei deswegen ebenfalls befragt worden. Im Jahr (…) sei er der F._______ bei Wahlkampagnen behilflich gewesen. Deshalb sei er am (…) 2013 vom Criminal Investigation Departement (CID) zuhause gesucht worden. Ihm sei aber die Flucht geglückt. Er sei nach G._______ gegangen und in der Folge nach H._______ gereist. Wegen einer Erkran- kung seiner Mutter sei er am (…) 2014 nach Sri Lanka zurückgekehrt. Am (…) 2014 habe er auf dem Weg zu seiner Familie bemerkt, dass ihm ein Fahrzeug folge. Deshalb sei er von seiner Route abgezweigt und zu einem Freund gefahren, bei dem er sich versteckt habe. Am (…) 2014 habe er D._______ verlassen und sei d ann aus seinem Heimatstaat ausgereist. Anlässlich seiner Anhörung schilderte er ausführlich, wie er als Befürworter der F._______ im Jahr 2013 vom CID verbal eingeschüchtert worden sei. Dabei gab er erstmals an, er sei für eine gewisse Zeit nach G._______ gegangen, um Abstand zu gewinnen. Dort habe er in einem (…) gearbeitet. In der Annahme, die Situation habe sich beruhigt, sei er im (…) 2014 ins Dorf zurückgekehrt. Eine Woche nach der Rückkehr habe er sich auf dem Heimweg von E._______ verfolgt gefühlt, sei aber unbehelligt nach Hause gelangt. Drei Tage später sei er zusammen mit seinem Vater vom CID mit- genommen und übe r eine Person namens I._______, welcher etwa (…) D-2726/2018 Seite 3 Jahre zuvor bei der Bewegung (Liberation Tigers of Tamil Eelam, LTTE) gewesen sei, und über einen gewissen J._______, der (…) Monate vor der Festnahme des Beschwerdeführers im Jahr 2013 umgekommen sei, be- fragt worden. Nach den Befragungen seien sie vom CID mündlich verwarnt und entlassen worden. Der Vater habe ihm geraten, wieder für zwei bis drei Monate nach G._______ zu gehen. Unterwegs dorthin sei er verhaftet und an einen ihm nicht bekannten Ort gebracht worden. Zu dieser Verhaftung führte der Beschwerdeführer erstmals anlässlich seiner Anhörung aus, wie er vom CID geschlagen, getreten und schwer misshandelt worden sei. Das CID habe ihn immer wieder über I._______ und J._______ ausgefragt. Er habe erkannt, dass er in ein Lager gebracht worden sei, in dem Insassen gequält worden seien. Er habe Folterinstrumente entdeckt, mit denen Per- sonen hochgezogen worden seien. Auch ihm habe man die H ände hinter dem Rücken zusammengebunden, ihn mit dieser Vorrichtung hochgezo- gen und kopfüber hinunterhängen lassen. Man habe ihm einen (…), so dass er in Atemnot geraten sei. Er sei auch in den Genitalbereich getreten worden. Von diesen Misshandlungen habe er keine offenen Wunden da- vongetragen, aber eine Verletzung an (…) erlitten. Schliesslich habe ihn das CID nach einigen Tagen entlassen, ihm aber eine Meldepflicht aufer- legt. Daraufhin habe er seinen Heimatstaat verlassen, wobei die Ausreise gemäss seinen Angaben bei der BzP am (…) 2014 stattgefunden habe, wogegen diese laut seinen Ausführungen bei der Anh örung im (…) 2015 erfolgt sei. Er sei mit einem gefälschten Reisepass auf dem Luftweg von G._______ über K._______ nach L._______ gereist, wo er sich bis zum (…) 2015 aufgehalten habe. In der Folge sei er über die Balkanroute am (…) 2015 illegal in die Schweiz gelangt. Nach seiner Einreise habe er im (…) 2016 in M._______ an einem Pro - testumzug teilgenommen. Auf einem der diesbezüglich zu den Akten ge- reichten Berichte sei er zusammen mit andern Teilnehmenden auf einer Fotografie abgebildet. Er sei in keinem dieser Berichte namentlich erwähnt worden. Im (…) 2017 sei er Mitglied der N._______ geworden. Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente zu den Akten. In einem in Kopie eingereichten Auszug aus dem Geburtenregister sei – so das SEM – der (…) 1988 als Geburtsdatum verzeichnet, wogegen der Be- schwerdeführer den (…) 1989 genannt habe. Als Beweismittel reichte er anlässlich der Anhörung drei nicht übersetzte Berichte aus dem Internet zu den Akten, wonach die Vereinten Nationen die Schweiz ersuchten, auf Ab- schiebungen nach Sri Lanka zu verzichten. D-2726/2018 Seite 4 B. Mit Verfügung vom 6. April 2018 – eröffnet am 9. April 2018 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte d as Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 9. Mai 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung. Er beantragte, die vo rinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventuali- ter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. [Sub]eventualiter sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähre n. In pro- zessualer Hinsicht ersuchte er um die Erteilung der aufschiebenden Wir- kung, die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um die Bei- ordnung der im Rubrum aufgeführten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin. Gleichzeitig reichte er einen weiteren Auszug aus dem Geburtenregister samt englischer Übersetzung und ein (…) in Kopie zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2018 teilte der vormals zuständige Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang de s Verfahrens in der Schweiz abwarten, wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Bestellung der amtlichen Verbeistän- dung mangels Nachweises der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwer- deführers ab und forderte diesen auf, bis zum 7. Juni 2018 einen Kosten- vorschuss von Fr. 750.– zu leisten, unter der Androhung, bei ungenutzter Frist werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. E. Mit Eingabe vom 7. Juni 2018 ersuchte die Rechtsvertreterin unter Beilage einer Fürsorgebestätigung sinngem äss um Wiedererwägung der Zwi- schenverfügung vom 23. Mai 2018 betreffend unentgeltliche Rechtspflege und amtliche Verbeiständung. F. Mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2018 hiess der vormals zuständige Instruktionsrichter das sinngemässe Wiedererwägungsgesuc h sowie die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und amtlichen D-2726/2018 Seite 5 Verbeiständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses und bestellte dem Beschwerdeführer Rechtsanwältin Lena Weissinger als amtliche Rechtsbeiständin. Schliesslich lud er die Vorinstanz zur Ein- reichung einer Vernehmlassung bis zum 29. Juni 2018 ein. G. Am 19. Juni 2018 teilte das SEM dem Bundesverwaltungsgericht schriftlich mit, es verzichte auf eine Vernehmlassung. Im Übrigen verwies es im Hin- blick auf die nachgeschobenen Asylvorbringen des Beschwerdeführers auf die Entscheidpraxis des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil D-3537/2007 vom 5. September 2017) sowie auf seine Erwägungen, an den en es voll- umfänglich festhielt. H. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 26. Juni 2018 zur Kenntnis gebracht. I. Am 1. Juli 2019 wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren aus organi- satorischen Gründen zur Behandlung auf Richter Jürg Marcel Tiefenthal übertragen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig, (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). D-2726/2018 Seite 6 1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AIG ins AIG übernom- men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich- nung verwenden wird. 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.5 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (A rt. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Re ligion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-2726/2018 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2015/3 E 6.5.1 und 2012/5 E.2.2). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides führte die Vorinstanz aus, die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers genüg- ten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG nicht und seien flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Der Beschwerdeführer habe erstmals anlässlich der Anhörung ausgeführt, wie er vom CID geschlagen, misshandelt und gefoltert worden sei, um In- formationen über I._______ und J._______ zu erlangen. Anlässlich der BzP habe er aber keinerlei körperliche Misshandlungen erwähnt. Die ihm damals explizit gestellte Frage, ob er ausser den erwähnten Gesche hnis- sen je Probleme mit dem Militär oder der Polizei gehabt habe, habe er ver- neint. Auf die Frage, ob er im Heimatland je in Haft gewesen sei oder vor Gericht gestanden habe, habe er zur Antwort gegeben, er sei im Jahr (…) mitgenommen worden, und angefügt, ausser den in der BzP bereits ge- nannten Gründen habe er nichts mehr vorzubringen. Insbesondere habe er die angeblich im Jahr 2013 erlittenen Misshandlungen nicht einmal an- satzweise erwähnt. Die Frage nach weiteren, noch nicht genannten Grün- den habe er ebenfalls verneint. Seinen Erklärungen anlässlich der Anhö- rung, bei der BzP sei er dazu angehalten worden, sich hinsichtlich der Asyl- gründe kurzzufassen, und er habe keine weiteren Probleme genannt, weil er gedacht habe, man würde ihn dann weiter befragen und es sich um das Gleiche drehen würde, könnten a ngesichts seiner Antworten auf die Fra- gen in der BzP nicht gehört werden. Insbesondere müsse er sich vorwerfen lassen, dass er die einschneide ndsten Erlebnisse, die sich erfahrungsge- mäss besonders tief im Gedächtnis Betroffener einp rägten, trotz mehrfa- cher Nachfrage in der BzP mit keinem Wort erwähnt habe, dürfte doch die geltend gemachte Folterung bei Wahrunterstellung als schwerwiegend zu bezeichnen sein. Diesbezüglich verwies das SEM auf das Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts E-3537/2017. Die vom Beschwerdeführer im Rah- men der Anhörung nachgeschobenen Vorbringen minderten die Glaubwür- digkeit seiner Aussagen erheblich. Die zentralen Asylvorbringen seien nicht nur als nachgeschoben zu betrachten. Unter dem Aspekt der allgemeinen Erfahrung und der Logik se i dazu Folgendes festzuhalten: Das Interesse der Behörden am ehemaligen Kollegen J._______, der etwa (…) Monate D-2726/2018 Seite 8 bei der Bewegung tätig gewesen sei, sei bereits deshalb nicht nachvoll- ziehbar, weil dieser nur kurz und überdies in untergeordneter Stellung aktiv gewesen sei. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer angegeben habe, nach seinem Studium in den Jahren (…) keinen Kontakt zu ihm gepflegt zu haben. Zudem habe er nicht zu erklären vermocht, weshalb gerade er ins Visier des CID geraten sei, um Information en über J._______ preiszuge- ben. Auch dränge sich die Frage auf, weshalb das CID derart lange zuge- wartet habe, um wegen J._______ an den Beschwerdeführer heranzutre- ten. Überdies sch ienen die Behörden J._______ nach einer Intervention seiner Eltern während der Schulzeit in Ruhe gelassen zu haben. Gänzlich befremdend erscheine das Interesse der Behörden an J._______ deshalb, weil er zum Zeitpunkt der Verhaftung des Beschwerdeführers infolge eines (…)unfalls nicht mehr am Leben gewesen sei. Angesichts dieser Umstände scheine sein Aussageverhalten beim CID , wo er wiederholt gesagt habe, er kenne J._______ nicht, anstatt zu sagen, dieser sei tot, nicht nachvoll- ziehbar. Schliesslich sei das Interesse des CID an I._______ ebenso wenig nachvollziehbar, zumal der Beschwerdeführer erst im Jahr (…) von J._______ erfahren habe, dass I._______, den er in den Jahren (…) und (…) erlebt habe, als er jeweils (…) erschienen sei, bei der Bewegung ge- wesen sei, wo er nur eine untergeordnete Rolle eingenommen habe. Des- halb scheine es völlig unverständlich, dass angeblich gerade der Be- schwerdeführer wegen dieser beiden Personen ins Visier der Behörden geraten sei. Auch scheine das eigene politische Profil des Beschwerdeführers nicht ge- eignet, die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden zu erregen. Zwar habe er vorgebracht, das CID habe ihn am (…) 2013 wegen seiner Tätig- keit als Wahlhelfer der F._______ verhört. Das CID scheine sich nur ganz am Rande für diese Tätigkeit interessiert und b ei den Verhören auf zwei Drittpersonen konzentriert zu haben, sei doch nicht sein politisches Enga- gement, sondern das Erlangen von Informationen über J._______ und I._______ die Ursache für die angeblichen schweren Misshandlungen ge- wesen. Zwar habe der Bes chwerdeführer angegeben, das CID habe ihm bei der Entlassung aus der Haft eine Meldepflicht auferlegt. Eine behördli- che Vorladung oder eine richterliche Verfügung habe er aber offensichtlich nie erhalten. Auch habe er in seinem Heimatland nie vor Gericht gestanden und verfüge über keine LTTE-Vergangenheit. Er habe ohne Probleme aus Sri Lanka aus - und insbesondere wieder einreisen können. Somit sei es ihm nicht gelungen, überzeugend darzulegen, weshalb gerade er wegen seiner Bekannten J._______ und I._______ verhaftet und gefoltert worden sei. D-2726/2018 Seite 9 Der Beschwerdeführer habe verschiedene Ausreisedaten angegeben ((…) 2014, (…) 2015). Die Ungereimtheiten rund um seine Ausreise habe er nicht zu klären vermocht, sondern sich diesbezüglich in weitere Widersprü- che verwickelt. Auch die Gründe für seine vorübergehende Rückkehr von H._______ in seinen Heimatstaat habe er widersprüchlich geschildert (Er- krankung der Mutter beziehungsweise Schwierigkeiten bei der Weiter- reise). Dies lasse darauf schliessen, dass er ohne Probleme nach Sri Lanka habe zurückkehren können. Überdies frage sich, weshalb er ange- sichts der geschilderten Verfolgung im Heimatland freiwillig dorthin zurück- gekehrt sei. Auch hinsichtlich der Erwerbstätigkeit habe er widersprüchli- che Angaben gemacht. So habe er bei der BzP erklärt, nach dem Studium in den Jahren (…) bis zur Ausreise nichts getan zu haben, wogegen er anlässlich der Anhörung zu Protokoll gegeben habe, er sei während eines Aufenthalts in G._______ in einem (…) tätig gewesen. Das Geburtsdatum in der vom ihm in Kopie eingereichten Geburtsurkunde stimme nicht mit dem von ihm angegebenen überein. Bei diesem Dokument handle es sich nicht um ein gültiges Identitätspapier. Somit stehe seine Identität nach wie vor nicht fest. Dies erhärte die Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Darle- gungen zusätzlich. Zusammenfassend habe er nicht glaubhaft gemacht, vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht nach Durchsicht der Akten davon aus, dass das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend die Ereignisse vor seiner Ausreise aus Sri Lanka zu Recht als überwiegend unglaubhaft einstufte. 4.2.1 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde hat sich das SEM in seinem Entscheid nicht auf ein paar wenige und nicht allzu wichtige Wider- sprüche abgestützt und auf eine Gesamtwürdigung verzichtet. Soweit hin- sichtlich der erst in der Anhörung vorgebrachten Folterungen daran festge- halten wird, der Beschwerdeführer sei anlässlich der BzP dazu angehalten worden, sich kurzzufa ssen, vermag er darau s nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Zwar wird in der Beschwerde zu Recht auf das BzP-Protokoll verwiesen, wonach er bezüglich der Gesuchsgründe einleitend darauf hin- gewiesen wurde, summarisch das Wichtigste zu schildern und eine Vertie- fung später in einer weiteren Befragung erfolgen könne (vgl. act. […]). Dem Beschwerdeführer wurde aber anschliessend seine Mitwirkungspflicht hin- reichend erläutert. Insbesondere müsse er auf die ihm gestellten Fragen D-2726/2018 Seite 10 nach bestem Wissen und vollständig antworten, wobei sich ungenaue, lü- ckenhafte, widersprüchliche oder falsche Angaben sowie gefälschte Doku- mente negativ auf den Entscheid auswirkten; er trage somit e ine Verant- wortung für seine Aussagen, auf welche das SEM den Entscheid stütze – also für das, was er sage, und auch für das, was er verheimliche. Er habe alle für sein Asylgesuch relevanten Geschehnisse zu nennen (vgl. a.a.O., […]). Ferner verwies das SEM hinsichtlich des nachgeschobenen Vorbrin- gens zu Recht auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3537/2017. So sind k lare asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefragung von den späteren Aussagen diametral abweichen oder bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, die nicht ansatzweise erwähnt werden, Widersprüche, die im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen sind ( vgl. Entschei- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3 E. 3 S. 13). Daran vermag der weitere Einwand, der Beschwerdeführer habe sich im Zusammenhang mit den geltend gemach- ten Misshandlungen und Folterungen durch das CID in der Schweiz einer (…)operation unterziehen müssen, nichts zu ändern, zumal er dies bereits anlässlich der Anhörung vorbrachte (vgl. act. […]), welches Vorbringen Be- standteil des rechtserheblichen Sachverhalts und damit Grundlage für die angefochtene Verfügung bildete. Soweit in diesem Zusammenhang in der Beschwerde sinngemäss eingewendet wird, das SEM habe den Sachver- halt unvollständig abgeklärt beziehungsweise gewürdigt, weshalb es ent- sprechend der Anregung der Hilfswerkvertretung bezüglich des in der Schweiz vorgenommenen Eingriffs medizinische Berichte und betreffend die tatsächlich erlebte Folter ein spezialärztlich es Gutachten einzuholen habe, ist Folgendes festzuhalten: Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid ausführlich und überzeugend dargelegt, weshalb die erst bei der Anhörung vorgebrachten körperlichen Misshandlungen nachgeschoben sind und die- ses Vorbringen die Glaubhaftigkeit der diesbezüglichen Aussagen des Be- schwerdeführers erheblich mindert. Darauf kann an dieser Stelle verwie- sen werden. Unter diesen Umständen konnte das SEM darauf verzichten, den Sachverhalt in diese Richtung weiter abzuklären. Dieser ist al s voll- ständig erstellt zu erachten. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sa- che an die Vorinstanz zur Neubeurteilung ist mithin abzuweisen. 4.2.2 Zwar ist dem Beschwerdeführer insofern beizupflichten, als es für ihn nicht nachvollziehbar ist, weshalb für die sri -lankischen Behörden gerade seine Bekannten I._______ und J._______ von Interesse gewesen seien. Mit der Vorinstanz ist aber festzuhalten, dass das Aussageverhalten des D-2726/2018 Seite 11 Beschwerdeführers nicht nachvollziehbar ist, soweit er wiederholt abge- stritten habe, J._______ zu kennen, anstatt dem CID zu sagen, dieser sei nicht mehr am Leben. 4.2.3 Im Zusammenhang mit dem Risikoprofil des Beschwerdeführers wird in der Beschwerde zu Recht eingewendet, der Beschwerdeführe r habe, erklärt, für die Reise nach H._______ im Jahr 2014 einen gefälschten Rei- sepass verwendet zu haben (vgl. act. […]). Daraus kann aber entgegen den weiteren Ausführungen in der Beschwerde nicht geschlossen werden, die Ausreise aus Sri Lanka und die problemlose Wiedereinreise in den Hei- matstaat sei einzig wegen der Verwendung des gefälschten Dokuments möglich gewesen und sage nichts über das politische Profil des Beschwer- deführers aus, sondern bestätige lediglich, dass dieses für die Behörden ausreichend interessant gewesen sei. Die Beschwerde äussert sich näm- lich nicht zu den Ungereimtheiten in den Aussagen des Beschwerdeführers bezüglich des Zeitpunkts der Ausreise und der Gründe für die Rückkehr von H._______, wobei fraglich bleibt, weshalb er trotz der geltend gemach- ten Verfolgung in Sri Lanka dorthin zurückkehrte. Diesbezüglich kann auf die entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwie- sen werden, welche nicht zu beanstanden sind. Im Übrigen sind ohnehin Vorbehalte an den Aussagen des Beschwerdeführers zu seinen Identitäts- und Reisepapieren anzumelden. So erklärte er anlässlich der BzP , er habe vor langer Zeit einen eigenen Reisepass gehabt, diesen aber verloren und er erinnere sich nicht mehr genau, wann dieser ausgestellt worden sei (vgl. act. […] Frage […]). Auch eine eigene Identitätskarte habe er gehabt, wel- che er aber ebenfalls verloren habe (vgl. a.a.O., Frage […]). Beide Doku- mente habe er nicht mehr, sein Fahrausweis befinde sich aber beim Schlepper und er werde versuchen, ihn bei diesem erhältlich zu machen (vgl. a.a.O., Frage […]). Demgegenüber gab er anlässlich der Anhörung zu Protokoll, sein Fahrausweis und seine Identitätskarte befänden sich beim Schlepper (vgl. act. […]). Es sei ihm nicht gelungen, einen Kontakt zu die- sem herzustellen (vgl. a.a.O., […]). Die Frage, ob er einen Reisepass habe oder jemals gehabt habe, beantworte er mehrdeutig mit "Meinen hatte ich nicht, nein" (vgl. a.a.O. […]). Somit hat er entgegen den Ausführungen in der Beschwerde anlässlich beider Befragungen nicht umfassend und nach- vollziehbar erklärt, weshalb er keine Ausweisdokumente vorlegen könne, umso weniger, als seine Antworten auf die diesbezüglichen Nachfragen des SEM nicht zu überzeugen vermögen (vgl. a.a.O., […]). 4.2.4 In der Beschwerde wird zu Recht bestritten, dass in der eingereichten Kopie des Auszugs aus dem Geburtenregister ein anderes als das vom D-2726/2018 Seite 12 Beschwerdeführer angegebene Geburtsdatum verzeichnet ist. Die Über- prüfung der Akten ergibt, dass es sich bei dem vom SEM erwähnten Datum in der Kopie um das Geburtsdatum der Mutter des Beschwerdeführers han- delt, welches von der Vorinstanz überdies falsch wiedergegeben wurde, da dort der (…) verzeichnet ist. Somit kann daraus kein Argument für die Un- glaubhaftigkeit der geltend gemachten Vorbringen abgeleitet werden. Dies ändert aber nichts daran, dass der Beschwerdeführer bislang kein rechts- genügendes Reise- oder Identitätspapier eingereicht hat , seine Identität somit nicht feststeht und seine Vorbringen in Übereinstimmung mit der Vo- rinstanz als überwiegend unglaubhaft einzuschätzen sind. 4.3 Somit ergibt sich, dass die vom Beschwerdeführer für den Zeitraum bis zur Ausreise aus dem Heimatstaat – im Rahmen einer sogenannten Vor- verfolgung – geltend gemachten Verfolgungsvorbringen den A nforderun- gen an die Glaubhaftigkeit nicht genügen, weshalb diesbezüglich die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. Nach dem Gesagten ist der in Beschwerde gestellte Antrag auf Einho lung eines spezialärztlichen Gut- achtens betreffend die vom Beschwerdeführer erlittene Folter abzuweisen. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festge- stellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaf- tung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsäch- lichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üb- licherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen o der vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren : vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die illegal ausge- reist sind, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka ein- reisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schw ach D-2726/2018 Seite 13 risikobegründende Faktoren: vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine be- gründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ha- ben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). Die vom SEM durchgeführte Prüfung des Risikoprofils des Beschwerde- führers ist nicht zu beanstanden. Zum einen hielt das SEM zutreffend fest, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er vor seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei, und aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Zum andern führte es zu Recht aus, dass er mit den geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten (Teilnahme an einer regierungskritischen Demonstration am (…) 2017 in M._______, Registrierung als einfaches Mitglied bei der N._______ im (…) 2017, diesbezügliche Unterstützung bei karitativen Tä- tigkeiten und bei der Vorbereitung kultureller und sportlicher Anlässe) of- fensichtlich kein Risikoprofil erfülle, das ihn in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehörden als Person erscheinen liesse, die bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen, und bei dieser Sach- lage die Frage offengelassen werden könne, ob er sich im Jahr (…) tat- sächlich als Wahlhelfer für die F._______ betätigt habe, umso mehr, als die F._______ seit Kriegende eine Parlamentspartei sei. Auch der Umstand, dass er auf einer von einer Nachrichtenplattform im Internet veröffentlich- ten Fotografie von einer Massenveranstaltung, ein (…) tragend, erkennbar sei, ist nicht geeignet, sein Risikoprofil zu schärfen. Somit besteht kein be- gründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevan- ten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. 5.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumin- dest glaubhaft zu machen. Es ist nicht davon auszugehen, dass er einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetz t war oder begründete Furcht hat, künftig einer solchen ausgesetzt zu werden. Es erübrigt sich in diesem Zusammenhang, auf die weiteren Ausführungen in der Be- schwerde und den Inhalt der Beweismittel detaillierter einzugehen, da sie D-2726/2018 Seite 14 an der vorliegenden Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermö- gen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausl änderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 D-2726/2018 Seite 15 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussa gen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kam- mer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssitua- tion in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Ge- richts nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015, a.a.O., E. 12.2). Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK -widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wie- derholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. Septem- ber 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P .K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Be- schwerde Nr. 54705/08; Rechtsprechung zuletzt bestät igt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszu- gehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behand- lung. Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so -D-2726/2018 Seite 16 genannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Täti g- keiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. 7.2.4 Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch in- dividuelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers las- sen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzu- lässig erscheinen. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Im Referenzurteil E -1866/2015 ist das Gericht nach einer eingehenden Analyse der Sicherheitslage in Sri Lanka zum Schluss gekom men, dass der Vollzug von Wegweisungen in die Nordprovinz grundsätzlich zumutbar ist (vgl. E. 13.2). Betreffend den Distrikt E._______ hielt es zusammenfas- send fest, dass es den Wegweisungsvollzug dorthin als zumutbar erachte, wenn das Vorliegen der indivi duellen Zumutbarkeitskriterien – insbeson- dere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnet- zes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation – bejaht werden könne (vgl. E. 13.3.3.). In einem weiteren als Referenzur- teil publizierten Entscheid qualifizierte das Bundesverwaltungsgericht auch den Vollzug von Wegweisungen ins Vanni-Gebiet grundsätzlich als zumut- bar (vgl. Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 7.3.2 Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz vorliegend zu Recht auch das Bestehen individueller Wegweisungshindernisse verneint. Der noch junge Beschwerdeführer, dessen Gesundheit, soweit aktenkundig, nicht schwerwiegend beeinträchtigt ist, verfügt gemäss eigenen Angaben sowohl über eine solide Schulbildung mit Studienabschluss als auch über Arbeitserfahrung und ein familiäres Beziehungsnetz ([…]) an seinem Her- kunftsort. Seine Familie ist wirtschaftlich gut gestellt: Sein (...) arbeitete in (…), sein (…) (…), während sein (…) im Bereich (…) tätig ist. Es ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seiner Heimat auf ein D-2726/2018 Seite 17 tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen, welches ihn nach einer Rück- kehr im Bedarfsfall unterstützen kann, und sich beruflich wieder integrieren kann,. 7.3.3 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit sowohl aus individu- eller Sicht als auch allgemein als zumutbar. 7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstan z den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwi- schenverfügung vom 14. Juni 2018 das Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, wes- halb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind, zumal den Akten nicht zu entnehmen ist, dass der Beschwerdeführer zwischenzeitlich nicht mehr für- sorgeabhängig wäre. 9.2 Mit der gleichen Verfügung wurde das Gesuch um amtliche Rechtsver- beiständung gutgeheissen und d em Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Demnach ist dieser ein Honorar für ihre notwendigen Ausgaben im Beschwerdeverfah- ren auszurichten. D ie Rechtsvertreterin reichte keine Kostennote zu den Akten. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich aufgrund der Akten- lage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer Honorarnote verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine des Reglements über die Kosten un d Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom D-2726/2018 Seite 18 21. Februar 2008 [VGKE]). De r Rechtsvertreterin ist unter Berücksichti- gung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) sowie der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen zulasten der Geri chts- kasse ein amtliches Honorar von pauschal Fr. 800.– (inkl. Auslagen) zuzu- sprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-2726/2018 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird durch das Bundesverwaltungsgericht ein Honorar von Fr. 800.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Jürg Marcel Tiefenthal Daniel Widmer