<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, die neuen Erkenntnisse aus dem Ausland betreffend Quecksilber zur Kenntnis zu nehmen, eine Bewertung vorzunehmen und die nötigen Gesetzesänderungen einzuleiten, damit die Bevölkerung in Zukunft vor Gesundheitsrisiken durch quecksilberhaltige Medizinalstoffe weitestgehend verschont bleibt.</p><p>Es ist abzuklären, für welche jetzigen Anwendungen von Quecksilber in der Medizin bereits ungefährliche Alternativen vorhanden sind.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In der Schweiz stellen sich Fragen betreffend Quecksilber in der Humanmedizin im Bereich der Impfstoffe, einiger topischer Arzneimittel sowie beim Zahnamalgam.</p><p>Quecksilber wird wegen seiner toxikologischen Wirkung und seiner schwierigen Abbaubarkeit in der Umwelt seit längerer Zeit in medizinischen Produkten gemieden. Bei Thiomersal handelt es sich um ein organisches Quecksilberderivat (Ethylquecksilber), welches in Heilmitteln als Konservierungsstoff eingesetzt wird.</p><p>Quecksilber in Impfstoffen</p><p>Die schweizerische Kontrollbehörde für Impfstoffe (in der Vergangenheit das Bundesamt für Gesundheit, heute Swissmedic) hat in den frühen Neunzigerjahren begonnen, die Firmen zu motivieren, Thiomersal-freie Impfstoffe in Einzeldosen herzustellen. Heute sind alle pädiatrischen Impfstoffe (empfohlene Impfungen bei Kindern) in der Schweiz in Thiomersal-freien Präparaten und in Einzeldosen erhältlich. Ebenso stehen die meisten Impfstoffe für Erwachsene ohne Thiomersal zur Verfügung.</p><p>Einzelne Präparate enthalten aus dem Herstellungsverfahren noch Spuren von Thiomersal, die unbedenklich sind. Nur ganz wenige inaktivierte Impfstoffe wie gegen Diphtherie, Tetanus, Hepatitis B enthalten noch Thiomersal in den früher üblichen Anwendungen. Thiomersal verhindert dabei das Wachstum von Bakterien während der Lagerung und des Verbrauchs. In einzelnen Produkten wird Thiomersal bei der Produktion zur Inaktivierung gewisser Organismen und Toxine verwendet.</p><p>Die WHO führte vom 15. bis 16. April 2002 zu der gleichen Frage ein Expertentreffen in Genf durch, welches von einem Mitglied von Swissmedic präsidiert wurde. Der Bericht der Expertengruppe wurde im Frühjahr 2003 vom Expert Committee of Biological Standardization (ECBS), eines beratenden Expertengremiums der WHO, genehmigt und wird in Kürze publiziert.</p><p>Die Strategic Advisory Group of Experts (SAGE) der WHO zog im Frühjahr 2003, basierend insbesondere auf diesem Bericht und den Berichten des "Advisory Committee on Vaccine Safety" (FDA USA) und des Institutes of Medicine (USA) die Schlussfolgerung, dass "es ausgehend von Daten zur Sicherheit keinen Grund gibt, die derzeitige Praxis der weltweiten Impfungen mit thiomersalhaltigen Impfstoffen zu ändern".</p><p>Im Rahmen der Anforderungen der Pharmakopöe (Europäisches Arzneibuch) wurde die Thematik Thiomersal bereits Ende der Achtzigerjahre intensiv diskutiert. Während die Abwesenheit von Thiomersal in Einzeldosen sehr unterstützt wurde, blieb aus Sicherheitsgründen die Vorschrift, dass in Multidosen ein Konservierungsmittel vorhanden sein muss, bestehen. Diese Vorschrift gilt nicht nur in Europa, sondern wird weltweit so gehandhabt (FDA USA, WHO).</p><p>Quecksilber in topischen (lokal angewendeten) Arzneimitteln (Topika)</p><p>Bei den weiteren Arzneimitteln werden quecksilberhaltige Konservierungsmittel auch deshalb vermieden, da besser verträgliche und effizientere Konservierungsmittel bekannt sind (z. B. Cycloheximide, Benzalkoniumchlorid). Bei Medikamenten, die noch quecksilberhaltige Konservierungsmittel enthalten, handelt es sich hauptsächlich um Augentropfen, bei denen die erwähnten alternativen Formulierungen aus technischen und/oder galenischen Gründen nicht verwendet werden können (z. B. Kristallisation durch Interaktionen mit dem Wirkstoff in der Lösung).</p><p>Die Verwendung von Quecksilber in Dentalamalgam</p><p>Bei Dentalamalgam handelt es sich um ein Material mit Quecksilberanteil, welches seit langem in Zahnfüllungen verwendet wird. Dentalamalgam ist für viele Experten das bestgeeignete Material, weil es sehr formbeständig ist.</p><p>Mit der Verbesserung der Herstellungstechnologien und der Einführung der EU-Richtlinien für Medizinprodukte (RL 93/42/EWG) sowie der entsprechenden Umsetzung in der Schweiz durch das Heilmittelgesetz und die Medizinprodukteverordnung wurde es möglich, sowohl qualitativ besseres Dentalamalgam als auch vorbereitete, verkapselte, anwendungsfertige Dentalamalgamfüllungen herzustellen.</p><p>In den letzten Jahren wurde die Sicherheit von Dentalamalgam bzw. die Verwendung von Dentalamalgam auch in der Öffentlichkeit infrage gestellt. Aus wissenschaftlicher Sicht ist zu beachten, dass aus neuerem Dentalamalgam bei korrekter Anwendung und ohne Beschädigung keine Abgabe von reinem Quecksilber beobachtet wurde. Deshalb rät heute die Mehrheit der Experten ab, in jedem Fall Dentalamalgamfüllungen vollständig zu entfernen, weil gerade die Extraktion besonders viel Quecksilber freisetzt und somit zusätzlich Zahnarzt und Helferin dieser Substanz exponieren.</p><p>Die WHO führte vom 3. bis 7. März 1997 ein internationales Expertentreffen in Genf durch, da in vielen Ländern heute noch erheblich mehr Dentalamalgam als in der Schweiz verwendet wird. Der Bericht der Expertengruppe wurde 1997 publiziert. Die wichtigsten Schlussfolgerungen sind wie folgt:</p><p>- Es wird kein allgemeines Verbot empfohlen.</p><p>- Von der Verwendung von Dentalamalgam bei Kindern und Schwangeren wird abgeraten.</p><p>- Dentalamalgam wird als sicher und wirksam eingestuft.</p><p>- Auch die bisher entwickelten alternativen Werkstoffe könnten nicht frei sein von Langzeitnebenwirkungen. Details sind nicht bekannt, weil sie erst zu kurz auf dem Markt erhältlich sind.</p><p>Dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit wird Genüge getan, indem Swissmedic Anfang 2004 eine generelle Empfehlung zuhanden der Zahnärzte und der Bevölkerung plant. Die Empfehlung wird in grossen Teilen eine autorisierte Wiedergabe des "Konsens-Statements" der oben erwähnten WHO-Expertengruppe sein.</p><p>Laut Angaben der befragten Zahnärzte entschieden sich nach vorheriger Information zu bestehenden Alternativen die meisten Patienten und Patientinnen für eine Dentalamalgam-freie Füllung. Gemäss nicht repräsentativer Umfragen, die in der Schweiz durchgeführt wurden, werden weniger als 8 Prozent aller Füllungen noch mit Dentalamalgam gemacht.</p><p>Situation in anderen Ländern</p><p>Dem Bundesrat sind keine Verbote im Bereich Dentalamalgam bekannt. </p><p>Die Experten der Schweiz, der Europäischen Union, der USA und der WHO sind sich einig, dass zusätzliche Untersuchungen an die Hand genommen werden müssen, um zahlreiche verbleibende Fragen mit wissenschaftlichen Daten zu untermauern bzw. zu beantworten. In diesem Sinne wird sich Swissmedic im Herbst 2003 auch an den Aktivitäten der französischen Partnerbehörde (Agence Française de Sécurité Sanitaire des Produits de Santé) beteiligen. Geplant ist dort u. a. auch das Einholen von wissenschaftlichen Expertisen und ein öffentliches Hearing. In Deutschland läuft seit kurzem eine mehrjährige Studie mit diversen Vergleichskohorten, um möglichst viele Gesichtspunkte darstellen zu können.</p><p>Die Frage des Autismus</p><p>Verschiedene Untersuchungen in den letzten Jahren haben versucht, Ursachen für die Entstehung des Autismus zu ermitteln. So wurden die Thiomersal-freien Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln verdächtigt, ursächlich für Autismus zu sein. In der jüngsten Vergangenheit wurde auch diskutiert, ob Thiomersal eine Ursache von Autismus sein könnte. Die Analyse der verfügbaren Daten lassen keinen endgültigen Schluss darüber zu. Verschiedene Behörden und Experten schlagen deshalb zusätzliche wissenschaftliche Untersuchungen vor.</p><p>Die betroffenen Anwender von Arzneimitteln und Medizinprodukten können aus der Packungsbeilage Aufschluss erhalten, ob ein Präparat Thiomersal-frei ist. Andernfalls wird die Anwesenheit bzw. die Menge von Thiomersal erwähnt.</p><p>Der Bundesrat ist der Meinung, dass das Ziel der Motionärin in der Schweiz weitgehend umgesetzt ist und dass sich dazu Gesetzesänderungen nicht aufdrängen.</p>  Der Bundesrat beantragt, die Motion abzuschreiben.