Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Februar 2021 (720 20 310 / 30) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch E rik Wassmer, Advokat, Advokatur am Fischmarkt, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1964 geborene, zuletzt als Betriebsangestellter bei der B.____ AG tätig gewesene A._____ hatte sich am 4. November 2015 (Eingang) unt er Hinweis auf eine psychische Erkran- kung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemel- det. Nach Abklärung der gesundheitlichen und der erwe rblichen Verhältnisse lehnte die IV- Stelle Basel-Landschaft mit Verfügung vom 24. März 201 7 einen Anspruch des Versicherten auf eine IV-Rente ab (Invaliditätsgrad: 0 %). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 21. September 2018 (Eingang) meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine Verschlechte- rung seines Gesundheitszustands erneut bei der IV-Stell e zum Leistungsbezug an, worauf die- se weitere Abklärungen - insbesondere zur aktuellen gesund heitlichen Situation des Versicher- ten - vornahm. Gestützt auf die Ergebnisse dieser Abklär ungen ermittelte die IV-Stelle wiede- rum einen Invaliditätsgrad des Versicherten von 0 %. Sie lehnte deshalb - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 22. Juni 202 0 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente erneut ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Erik Wassmer und substitutionsweise vertreten durch MLaw Christian Furler, am 27. August 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es se i ihm mit Wirkung ab 29. Mai 2016 eine unbefristete ganze Invalidenrente zuzusprechen; unt er o/e- Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung für das Beschwerdever- fahren vor dem Kantonsgericht zu gewähren seien. C. Mit Verfügung vom 7. September 2020 bewilligte da s Kantonsgericht dem Beschwer- deführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen fü r das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltli che Verbeiständung mit Advokat Erik Wassmer als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Oktober 2020 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde des Versicherten vom 27. August 2020 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Der Versicherte beantragt in der vorliegenden Beschwe rde, es sei ihm mit Wirkung ab 29. Mai 2016 eine unbefristete ganze IV-Rente zuzusprechen. In dies em Zusammenhang ist er jedoch auf die Bestimmung von Art. 29 Abs. 1 IVG hinz uweisen, wonach der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachu ng des Leistungsanspruchs entstehen kann. Wie dem Sachverhalt zu entnehmen ist, hatte sich der Versicherte zwar bereits am 4. November 2015 (Eingang) bei der IV-Stelle zum B ezug einer Rente angemeldet. Dieses Verfahren fand allerdings mit dem Erlass der unangefoch ten in Rechtskraft erwachsenen Ver- fügung vom 24. März 2017, mit der die IV-Stelle einen Rentenanspruch des Versicherten ab- lehnte, seinen Abschluss. Am 21. September 2018 (Einga ng) meldete sich der Versicherte dann unter Hinweis auf eine Verschlechterung seines Ge sundheitszustands wiederum bei der IV-Stelle zum Rentenbezug an. Dieses neue Leistungsbege hren bildet den Ausgangspunkt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Auch wenn die Neuanmel dung bereits knapp 1 ½ Jahre nach Abschluss des ersten Verfahrens erfolgte, gelangt im Zusammenhang mit der zweiten Anmeldung die erwähnte Bestimmung von Art. 29 Abs. 1 I VG (erneut) zur Anwendung. Da die Leistungsanmeldung am 21. September 2018 (Eingang) er folgte, könnte demnach der Renten- anspruch des Versicherten frühestens ab 1. März 2019 entstehen. 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). 6.1 Vorliegend gab die IV-Stelle im Hinblick auf die Beurteilung des aktuellen Gesund- heitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten b ei der GA eins GmbH ein polydiszipli- näres Gutachten in Auftrag, das am 12. August 2019 erstattet wurde. Darin erhob das involvier- te Ärzteteam folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf d ie Arbeitsfähigkeit: (1) eine koronare 2-Gefäss-Erkrankung mit/bei Status nach PTCA/DES D2, RCX prox. und M2 (2016), Status nach PTCA/DES RCX dist. (2016), Status nach NSTEMI, P TCA/DES M1 (12/2016), Status nach NSTEMI, PTCA/DCB M1 bei Instent-Thrombose (9/2017) und kardiovaskulären Risikofak- toren (positive Familienanamnese, arterielle Hypertoni e, Adipositas, fortgesetzter Nikotinkon- sum; (2) chronische Schulterbeschwerden der adominanten linken Seite (ICD-10 M79.61/ M75.1/M19.01/T92.1) mit/bei aktenanamnestisch Status n ach mittels Osteosynthese behandel- ter lateraler Klavikulafraktur 1997, aktenanamnestisch Status nach Mobilisation in Narkose bei Schultersteife 1997, radiologisch Partialläsion der Sup raspinatus- und Subskapularissehne und hypertropher Arthrose des Akromioklavikulargelenks (MRI 03/1 6, Röntgen 02/16 und 05/19) sowie klinisch erschwerter Untersuchbarkeit; (3) eine Coxarthrose rechts (ICD-10 M16.1) mit/bei klinisch klaren Zeichen der Coxarthrose und radiologisch klaren Zeichen der Coxarthrose (Röntgen 05/19). Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine rezidivie- rende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (I CD-10 F45.41), eine Störung durch Alkohol, ständiger Gebrauch (ICD-10 F10.25), chronische Beschwerden am adominanten linken Handgelenk (ICD-10 T92.2/Z98.8) und eine leicht e Mitralinsuffizienz erhoben. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, dem Versicherten könne in körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten ohne wiederholte Belas tung der linken oberen Extremität und unter Vermeidung von längerem Gehen und Stehen eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Einzig nach der am 4. Mai 2017 erlittenen Ra diusfraktur und den am 25. Mai 2018 und 18. Januar 2019 erfolgten Eingriffen sowie während d er Behandlung der koronaren Herzkrank- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht heit und der damit verbundenen stationären Aufenthal te im September und Oktober 2017 habe jeweils eine vorübergehende volle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen. 6.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 22. Juni 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfäh igkeit des Versicherten auf die Ergeb- nisse, zu denen die Gutachter der GA eins GmbH in ihrem polydisziplinären Gutachten vom 12. August 2019 gelangten. Sie ging demzufolge davon a us, dass dem Versicherten lediglich nach der am 4. Mai 2017 erlittenen Radiusfraktur un d den am 25. Mai 2018 und 18. Januar 2019 erfolgten Eingriffen sowie während der Behandl ung der koronaren Herzkrankheit und der damit verbundenen stationären Aufenthalte im Septemb er und Oktober 2017 vorübergehend eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne. Ansonsten seien ihm jedoch gemäss den gutachterlichen Feststellungen körperlich leichte, wech selbelastende Tätigkeiten ohne wieder- holte Belastung der linken oberen Extremität und unter Vermeidung von längerem Gehen und Stehen ohne Einschränkungen ganztags zumutbar. Diese vo rinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, die aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach E insicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liege n hier keine vor. Das polydisziplinäre Gutachten der GA eins GmbH vom 12. August 2019 weist we der formale noch inhaltliche Män- gel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt w ird (vgl. E. 5.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchu ngen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, es setzt sich ausreichend mit den vorhandenen abweic henden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 7. Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geei gnet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der GA eins GmbH vom 12. August 2019 in Frage zu stellen. 7.1 Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, dass er au fgrund seiner zahlreichen ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen lediglich noch zu 30 % arbeitsfähig sei. Verschiedene dieser Leiden würden seine Leistungsfähigkeit deutlich stärke r einschränken, als die Gutachter an- nehmen würden. Andere Diagnosen wiederum hätten die Gutachter bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ganz ausser Acht gelassen. Zudem hätte n sie auch einzelne Leiden - wie etwa das von den behandelnden Ärzten diagnostizierte lumbosp ondylogene Syndrom - gar nicht er- hoben. Sodann habe sich der psychiatrische Gutachter nicht mit den Berichten aus den Jahren 2015 und 2016 auseinandergesetzt, weshalb seine Beurte ilung weder schlüssig noch vollstän- dig sei. Schliesslich bleibe aufgrund seiner zahlreichen Einschränkungen offen, welche konkre- te Verweistätigkeit ihm noch zugemutet werden könne. A uf diese Einwände des Beschwerde- führers ist im Folgenden näher einzugehen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.1 Der Versicherte macht unter Hinweis auf Berichte seines Hausarztes Dr. med. C.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 29. November 2018 und des Radiologen Dr. med. D.____ vom 17. Juli 2018 geltend, dass er an einem lu mbospondylogenen Syndrom leide. Die- ses verursache starke Schmerzen im Kreuzbereich, die ihn in seiner Arbeitsfähigkeit einschrän- ken würden. Im Zusammenhang mit diesem Einwand ist vora b festzuhalten, dass es sich beim Hausarzt Dr. C.____ - im Gegensatz zum orthopädischen Gutachter der GA eins GmbH - nicht um einen Facharzt für Orthopädie handelt, was es im R ahmen der Beweiswürdigung entspre- chend zu berücksichtigen gilt. Sodann ist darauf hinzuweise n, dass im erwähnten Bericht des Radiologen Dr. D.____ lediglich diskrete Diskopathien in den Segmenten L3/4, L4/5 und L5/S1, eine mögliche Irritation der Nervenwurzeln L4 und L5 sowie eine leichte Facettengelenksarthro- se und eine leicht e Höhenminderung des Wirbelkörpers L5 beschrieben werden. Der orthopädi- sche Gutachter der GA eins GmbH listete diesen Bericht von Dr. D.____ vom 17. Juli 2018 in den zu berücksichtigenden bildgebenden Berichten auf und er bezog ihn in seine Beurteilung mit ein. Er wies diesbezüglich darauf hin, dass nur l eichtgradige degenerative Veränderungen ohne klare Hinweise für eine Neurokompression bestehen w ürden. Somit ist aber nicht an sei- ner Beurteilung zu zweifeln, wonach lediglich mässiggra dige degenerative Veränderungen vor- liegen würden, die keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. 7.2.2 Der Versicherte führt im Weiteren aus, er leide seit der 2017 erlittenen Radiusfraktur und den nachfolgenden operativen Eingriffen unter star ken Handgelenksschmerzen, die den Gebrauch der linken Hand erheblich beeinträchtigen wür den. Dies würden die beiden von Dr. med. E.____ bzw. von Dr. med. F.____ verfassten Ber ichte des Spitals G.____ vom 14. November 2018 und 6. Dezember 2018 bestätigen. D iese beiden Berichte sind jedoch ent- gegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht geeignet, die Schlüssigkeit des Gutachtens der GA eins GmbH in Frage zu stellen. Dr. E.____ hiel t lediglich fest, was der Versicherte ihr berichtete, und sie stellte - abgesehen von den geklagte n Schmerzen und einer Druckdolenz - keine objektiven Befunde hierfür fest. Dr. F.____ wiede rum erachtete ein lmpingement für mög- lich, ebenso eine radioskaphoidale Arthrose mit Sklerosi erung im Bereich des distalen Radius. Er empfahl deshalb eine CT-Bildgebung, die denn auch am 10. Januar 2019 vorgenommen wurde, und nach deren Vorliegen eine Handgelenksarthr oskopie. Im vorliegenden Zusammen- hang ist von Bedeutung, dass der orthopädische Gutachter der GA eins GmbH die betreffenden Bilder und den Bericht über die am 18. Januar 2019 er folgte Handgelenksarthroskopie in seine Beurteilung miteinbeziehen konnte. Diese Unterlagen w ürden, so der Experte, nur eine leicht- gradige Chondropathie radioskaphoidal sowie am Capitatumpol zeigen. Bildgebend und klinisch würden höhergradige Veränderungen fehlen. 7.2.3 Der Beschwerdeführer weist sodann darauf hin, d ass auch die Gutachter zahlreiche gesundheitliche Beeinträchtigungen im Schulterbereich bestätigt hätten. Die daraus resultieren- den chronischen Schulterbeschwerden würden ihn jedoch deu tlich stärker in der Arbeitsfähig- keit beeinträchtigen, als die Gutachter annehmen würde n. Dieser Einschätzung des Versicher- ten kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Der orthopäd ische Facharzt der GA eins GmbH setzte sich im Gutachten mit den einzelnen Befunden auseinand er und anerkannte, dass der Zustand nach Klavikulafraktur und möglicher beginnender Omarthr ose die Belastbarkeit der Schulter vermindern würden. Dem Versicherten sei deshalb die Ve rrichtung von körperlich schweren Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeiten oder von Tätigkeiten mit wiederholter Belastung der linken oberen Extre mität nicht mehr zumutbar. Die im Schulterbereich vorhandenen gesun dheitlichen Beeinträchtigungen wurden somit bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkei t durchaus und in nicht zu beanstandender Weise berücksichtigt. 7.2.4 Ebenfalls unbegründet ist der weitere Einwand des Beschwerdeführers, bei der Beur- teilung der Leistungsfähigkeit sei seinem Herzleiden nu r unzureichend Rechnung getragen worden. Der kardiologische Gutachter der GA eins GmbH zeigte vielmehr schlüssig auf, dass dem Versicherten lediglich schwere körperliche Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien und dass aus kardiologischer Sicht keine Einschränkungen für ein e körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit bestünden. Es liegen denn auch keine abweich enden fachärztlichen Stellungnahmen vor, die geeignet wären, diese gutachterliche Einschätzung in Zweifel zu ziehen. 7.2.5 Der Beschwerdeführer kritisiert auch die psychiatrisch e Beurteilung im Gutachten der GA eins GmbH. Auch wenn dieser Fachteil der Expertise eher kurz und oberflächlich ausgefal- len ist, kann letztlich darauf abgestellt werden. Insbe sondere kann den Einwänden, die der Be- schwerdeführer hiergegen erhebt, nicht gefolgt werden. So macht er unter Hinweis auf den Be- richt der Klinik H.____ vom 7. Juni 2017 geltend , dass er durch seine psychischen Gesund- heitsbeeinträchtigungen (Depression mit Alkoholabhängi gkeit, Schlafstörungen, Ängste) signifi- kant in seinem Alltag eingeschränkt sei. Zudem habe sich d er psychiatrische Gutachter der GA eins GmbH nicht mit den fachärztlichen Berichten von Dr. med. I.____, Psychiatrie und Psycho- therapie FMH, vom 3. Dezember 2015 und der Klinik H.__ __ vom 7. März 2016 auseinander- gesetzt, in denen ihm eine vollständige bzw. eine rund 70 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei. Die psychiatrische Beurteilung der GA eins Gmb H sei deshalb weder schlüssig noch vollständig. Diesen Argumenten des Beschwerdeführe rs ist entgegenzuhalten, dass die behandelnden Ärzte der Klinik H.____ selber im Bericht vom 7. Juni 2017 die depressive Stö- rung als gegenwärtig remittiert bezeichnet hatten. Zu dem hielten sie fest, dass es dem Versi- cherten grundsätzlich möglich sei, einer niederschwellig en - den körperlichen Einschränkungen angepassten - Arbeit nachzugehen. Der Versicherte wurd e damals denn auch in verbessertem Zustand aus der Klinik entlassen. Was die früheren Beri chte von Dr. I.____und der Klinik H.____ aus den Jahren 2015 und 2016 betrifft, übersie ht der Beschwerdeführer, dass diese Schreiben bereits im vorausgegangenen, mit der unange fochten in Rechtskraft erwachsenen, rentenablehnenden Verfügung vom 24. März 2017 erledi gten Verfahren berücksichtigt und ge- würdigt worden waren. Sie stellten nach unbestritten g ebliebener Auffassung der IV-Stelle be- reits damals keine verwertbaren Entscheidgrundlagen dar, was heute - mehr als 4 ½ Jahre spä- ter - umso mehr gelten muss. 7.2.6 Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, es bleibe i n Anbetracht seiner zahlreichen gesundheitlich bedingten Einschränkungen offen, welche konkrete Verweistätigkeit ihm noch zugemutet werden könne. Seines Erachtens komme eine Be dien- oder Sortierarbeit, bei der er über längere Zeit sitzen oder stehen müsse, aufgrund d er Hüftarthrose und der Rückenbe- schwerden nicht in Frage. Komplexe Sortierarbeiten mit beiden Händen bzw. Armen könne er aufgrund der Mobilitätseinschränkungen des linken Arms und des linken Handgelenks nicht ausführen. Monotone Arbeiten seien ihm unzumutbar, d a seine Konzentrationsfähigkeit stark Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingeschränkt sei. Eine Tätigkeit als Putzkraft sei aufg rund der starken Einschränkung der lin- ken oberen Extremität und der Rückenbeschwerden undenkbar . Eine Arbeit am Computer schliesslich scheitere an seinen mangelhaften Deutsch- und d en fehelenden Computerkennt- nissen. Dieser Betrachtungsweise des Beschwerdeführers kann nicht gefolgt werden. Es ist ihm entgegenzuhalten, dass er in seiner Auflistung der zahlr eichen Tätigkeiten, die ihm nicht mehr möglich sein sollen, von deutlich erheblicheren gesundheit lichen Einschränkungen ausgeht, als sie effektiv vorliegen. Zudem lässt er auch invaliditätsfremde Aspekte wie mangelhafte Deutsch- oder fehlenden Computerkenntnisse in seine Einschätzung miteinfliessen. Entgegen der Dar- stellung des Beschwerdeführers sind ihm laut den schlüssige n gutachterlichen Ausführungen, auf die abgestellt werden kann (vgl. E. 6.2 hiervor), sämtliche körperlich leichten, wechselbelas- tenden Tätigkeiten ohne wiederholte Belastung der lin ken oberen Extremität und unter Vermei- dung von längerem Gehen und Stehen ohne Einschränkungen ganztags zumutbar. Bei der Frage, welche Tätigkeiten der Versicherte noch verrichte n kann, ist ausschliesslich von dieser gutachterlichen Zumutbarkeitsbeurteilung und nicht von seiner "Selbsteinschätzung" auszuge- hen. Vor diesem Hintergrund kann ohne Weiteres festge halten werden, dass die von den Gut- achtern attestierte Arbeitsfähigkeit von 100 % zu hoch und das von ihnen formulierte Anforde- rungsprofil zu wenig eingeschränkt ist, als dass von einer praktischen Unverwertbarkeit der (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausgegangen werden müsste. 8.1 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hi ervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgr und eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen. Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfügung vom 22. Juni 2020 den erforderli- chen Einkommensvergleich vor. Da der Versicherte bereits i m Zeitpunkt der (Neu-) Anmeldung zum Leistungsbezug keiner Erwerbstätigkeit nachging und er auch aktuell keine solche ausübt, ermittelte die IV-Stelle sowohl das Validen- als auch Invalideneinkommen zu Recht unter Bei- zug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturer hebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweise n und 124 V 322 E. 3b/aa). Dabei er- rechnete sie anhand der Gegenüberstellung des Validene inkommens von Fr. 67'071.-- und des zumutbaren Invalideneinkommens in gleicher Höhe einen Invaliditätsgrad von 0 %. 8.2 Der vorinstanzliche Einkommensvergleich als solcher wir d vom Versicherten lediglich in einem Punkt beanstandet. Er macht geltend, dass ihm b ei der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ein Abzug von 25 % vom Tabellenlohn zu gewähren sei. 8.3.1 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich ber ücksichtigt, dass versicherte Per- sonen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Sch werarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur noch beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht errei- chen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugela ssene Abzug entwickelte sich in der Fol- ge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, w obei die Rechtsprechung dem Um- stand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes h aben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, we nn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür be- stehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehr erer dieser Merkmale ihre gesund- heitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem al lgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmun g der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insg esamt auf höchstens 25 % des Tabel- lenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2; vgl. z um Ganzen auch BGE 126 V 80 E. 5b/bb und cc). 8.3.2 Vorliegend nahm die IV-Stelle in der angefoch tenen Verfügung keinen Abzug vom Ta- bellenlohn vor. Demgegenüber erachtet der Beschwerdeführer die Gewährung eines 25 %-igen Abzugs als angezeigt. Entgegen der Auffassung des Versicher ten lässt sich in seinem Fall ein Abzug im geforderten Umfang klarerweise nicht rechtfe rtigen. Nach dem oben Gesagten kann der Versicherte verschiedenste leidensadaptierte Verweistä tigkeiten ohne Einschränkungen ganztags ausüben. Sodann nehmen sowohl die Bedeutung d es Alters als auch diejenige der Dienstjahre der Versicherten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, weshalb diese Faktoren bei Tätigkeiten, die dem Kompetenzniveau 1 der Tätig keit gemäss LSE 2016 (“einfache Tätig- keiten körperlicher oder handwerklicher Art“) entsprechen, in der Regel keinen Anlass zu einem (weiteren) Abzug vom Tabellenlohn geben (vgl. BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Dasselbe gilt im ge- nannten Kompetenzniveau 1 für die Faktoren der fehlen den Ausbildung und der mangelhaften Deutschkenntnisse. Wie es sich damit verhält, kann letztlich aber offen bleiben, denn vorliegend würde selbst bei Vornahme des geltend gemachten Maximalabzugs vom Tabellenlohn kein ren- tenbegründender Invaliditätsgrad resultieren. 9. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV- Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 22. Juni 2020 einen Rentenanspruch des Ve rsicherten zu Recht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbeg ründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 7. September 2020 die u nentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse ge- nommen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Dem Prozessausgang entsprechend ist dem Beschwerde führer keine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. In der Ver fügung vom 7. September 2020 ist ihm jedoch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Re chtsvertreter bewilligt worden, weshalb dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entsch ädigen ist. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (T O) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Für die Bemühungen von Substitutinnen oder Substituten gemäss § 6 des Anwaltsge setzes Basel-Landschaft (AnwG) vom 25. Oktober 2001 sind 1/3 bis 2/3 des für den konkret en Fall massgebenden Stundenan- satzes einer Anwältin oder eines Anwaltes zu berechnen ( § 3 Abs. 3 TO). Gestützt auf diese Bestimmung entschädigt das Kantonsgericht die von Substitut innen oder Substituten erbrach- ten Bemühungen bei unentgeltlicher Verbeiständung pra xisgemäss zu einem Stundenansatz von Fr. 120.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführe rs hat in seiner Honorarnote vom 27. August 2020 einen Zeitaufwand von 34 Stunden und 50 Minuten geltend gemacht, die sein Substitut erbracht hat. Wie der detaillierten Abrechn ung zu entnehmen ist, beinhaltet dieser Gesamtaufwand nun allerdings auch Bemühungen von 24 St unden, die im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens bis zum Erlass der angefochtenen Ver fügung erbracht wurden. Bei der Bemessung des Honorars des Rechtsbeistands für das versiche rungsgerichtliche Verfahren kann aber nur der im Rahmen des eigentlichen Beschwerd everfahrens, d.h. der nach der Zu- stellung der Verfügung entstandene Aufwand berücksichtigt werden. Dies bedeutet, dass vor- liegend aus der Honorarnote vom 27. August 2020 lediglich der für den Zeitraum ab 8. Juli 2020 ("Sichtung der Verfügung") ausgewiesene Aufwand von 1 0 Stunden und 50 Minuten, der sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalt s- und Rechtsfragen als angemes- sen erweist, und die ab diesem Zeitpunkt entstandenen A uslagen von Fr. 140.30 entschädigt werden können. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honora r in der Höhe von Fr. 1‘551.20 (10 Stunden und 50 Minuten à Fr. 120.-- + Auslagen vo n Fr. 140.30 zuzüglich 7,7 % Mehrwert- steuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘551.20 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht