Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. August 2020 (720 20 158 / 192) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Anspruch auf eine AHV-Waisenrente. Mitwirkungspflicht bei der Bereitstellung von Un- terlagen, welche zur Beurteilung des Ausbildungscharakters eines Praktikums im Sinne von Art. 49 bis AHVV notwendig sind. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber i.V. Stefan A. Buchwalder Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen AHV -Ausgleichskasse Exfour , Malzgasse 16, 4010 Basel, Be- schwerdegegnerin Betreff Waisenrente für Sohn C.____ A. A.____ bezieht seit dem Tod ihres Ehemannes, B.____, im Jahr 2008 eine Waisenren- te der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) für ihren Sohn C.____, geboren am 12. März 2002. Dieser beendete im Juni 2019 seine obligatorische Schulausbildung. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Schreiben vom 31. Januar 2020 teilte die Ausgle ichskasse Exfour (Ausgleichskas- se) A.____ mit, dass sie die Überprüfung des Weiterbesta ndes des Leistungsanspruches auf- grund baldigen Erreichens des 18. Altersjahres durch C.____ durchführen müsse. Sie verlangte deshalb die Zustellung der entsprechenden aktuellen Ausbildungsnachweise, in Ermangelung welcher die Auszahlung der Leistung auf den 31. März 202 0 hin eingestellt würde. Zudem ver- langte sie die Ergänzung des Formulars “Bestätigung der Ausbildungsstelle“ durch den aktuel- len Arbeitgeber oder die aktuelle Ausbildungsstelle. C. Am 11. Februar 2020 bestätigte A.____, dass ihr Soh n zunächst von Februar bis Mai 2020 ein Sozialpraktikum in X.____, und daran anschlies send einen Sprachaufenthalt in Y.____, absolvieren werde. Neben dem verlangten Formular reichte sie das elektronische Flug- ticket für einen Flug von Z.____ via U.____ nach X.____, datiert auf den 7. Februar 2020, ein. D. Mit Schreiben vom 14. Februar 2020 erklärte die Au sgleichskasse gegenüber A.____, dass die eingereichten Unterlagen keine genügende Begrü ndung für die weitere Ausrichtung der AHV-Waisenrente darstellen würden. Nach der derzeitigen Aktenlage wäre davon auszuge- hen, dass C.____ ein Praktikum zur Berufswahl absolviere n würde, weshalb ab dem 1. April 2020 kein Anspruch auf eine Waisenrente bestehen werde. Sollte er hingegen für einen Sprachaufenthalt in X.____ und später in Y.____ weil en, müsse die Bestätigung einer Sprach- schule vorgewiesen werden, welche bislang ebenfalls fehle. E. Mit Eingabe vom 26. Februar 2020 verlangte A.____ eine einsprachefähige Verfügung, welche ihr am 3. März 2020 von der Ausgleichskasse zugestell t wurde. Gegen diese erhob sie in der Folge am 12. März 2020 Einsprache bei der Aus gleichskasse. Ihren Antrag begründete sie im Wesentlichen damit, dass es sich beim Sozialpraktiku m um einen Sprachaufenthalt im Sinne der massgebenden Bestimmungen handle, bei welchem ihr Sohn Portugiesisch lerne und hernach auch Italienisch und Spanisch beherrschen würde. Darüber hinaus sei sie auf die Ren- te zur Zahlung der notwendigen Auslagen für Kranken- und andere Versicherungen, Verpfle- gung sowie das Umweltschutz-Abonnement ihres Sohnes angew iesen. Die Ausgleichskasse wies unter Verweis, dass seit dem Erlass der Verfügung ke ine Elemente vorgebracht worden seien, welche eine Neubeurteilung der Sachlage ermögl ichen würden, das Begehren mit Ein- spracheentscheid vom 3. April 2020 ab. F. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 27. April 2020 Beschwerde am Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte sinngemäss, die Ausgleichskasse sei zu verpflichten, die Waisenrente über den 31. März 2020 hinaus zu ent- richten. Ihren Antrag begründete sie im Wesentlichen mi t Verweis auf ihre Argumentation an- lässlich der Einsprache. Infolge der COVID-19-Pandemie habe C.____ nunmehr allerdings auch das ehrenamtliche Sozialpraktikum abbrechen müssen. G. Mit Vernehmlassung vom 7. Mai 2020 beantragte die Ausgleichskasse die Abweisung der Beschwerde. Sie hielt dabei im Wesentlichen an ihr er Begründung im Einspracheentscheid vom 3. April 2020 fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Eingabe vom 15. Juni 2020 ergänzte A.____ ihr e Beschwerdeschrift und reichte das elektronische Flugticket für den Rückflug von X.____ vi a U.____ nach Z.____ vom 6. respektive 7. Mai 2020 ein. Sie legte zudem dar, dass aufgrund der COVID-19-Pandemie der Sprachaufenthalt in Y.____ derzeit nicht erfolgen könn e und ihr Sohn deshalb voraussichtlich eine Lehrstelle suchen oder den Zivildienst absolvieren würde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen laut Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgeset zes über die Alters- und Hinterlas- senenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 auf die Alters- und Hinterlassenenversi- cherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide d er Ausgleichskassen beim zu- ständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhob en werden. Örtlich zuständig ist, soweit es sich – wie vorliegend – nicht um einen Einspra cheentscheid einer kantonalen Aus- gleichskasse handelt, nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Dieser befindet sich vorliegend in V.____ (BL), so dass die örtliche Zust ändigkeit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beur teilt das Kantonsgericht als Ver- sicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanto ns Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegend frist- und formgerecht eingereichten Beschwerde zuständig. 1.2 Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde nur berechti gt, wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Der Begriff des schutzwürdigen Interesses stimmt materiell mit Art. 89 Abs. 1 lit. c des Bun- desgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 ( BGG) überein (vgl. BGE 136 V 9 E. 2.1). Die Legitimation, einen bestimmten Anspruch auf dem Rechtsmittelweg geltend zu ma- chen, steht in engem Zusammenhang mit der Befugnis, di e versicherte Person bei der Verwal- tung zum Bezug der entsprechenden Leistung anzumelden. Ist eine Person berechtigt, die An- meldung vorzunehmen, kommt ihr deshalb regelmässig auch die Legitimation zu, den streitigen Anspruch im Verwaltungsprozess selbständig zu verfolgen (B GE 138 V 297 E. 4.3.1 mit Hin- weis). Zur Geltendmachung des Anspruchs auf eine Waisen rente der AHV ist nach Art. 67 Abs. 1 der Verordnung zur Alters- und Hinterlassenenver sicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 der Rentenansprecher beziehungsweise für ihn sein g esetzlicher Vertreter oder seine El- tern befugt (vgl. auch Ziff. 1101 der Wegleitung über die Renten in der Eidgenössischen Alters- Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [RWL; Stand am 1. Januar 2020] des Bundesamts für Sozialversicherungen [BSV]). Auch die Ausbezahlung d er Waisenrente ist grundsätzlich an den Inhaber der elterlichen Sorge vorzunehmen (BGE 14 0 V 141 E. 5.1). Volljährige Waisen können die Waisenrente an sich selbst verlangen, sofern d ie Voraussetzungen der zweckge- mässen Verwendung erfüllt sind (Ziff. 10005 RWL, analo g zu Art. 71 ter Abs. 3 AHVV); andern- falls wird sie auch weiterhin dem vormaligen gesetzlichen Vertreter des Kindes ausbezahlt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.3 Im vorliegenden Fall wurde die strittige Waisenren te bisher unbestrittenermassen an die Beschwerdeführerin und Mutter von C.____ ausbeza hlt. Auch war die Korrespondenz zur Anmeldung respektive zur Verlängerung der Ausbezahlung d er Waisenrente über den acht- zehnten Geburtstag hinaus stets an sie gerichtet. Dementsprechend ist die Beschwerdeführerin im Sinne der vorgenannten Bestimmungen und der hierzu ergangenen Rechtsprechung von der erlassenen Verfügung in besonderem Masse betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung. Sie ist deshalb zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde berechtigt. 2. Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet der Präsident der Abteilung Sozialversiche- rungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitgegenstand des vorliegenden V erfahrens bildet der Anspruch der Be- schwerdeführerin auf eine monatliche AHV-Waisenrente i hres Sohnes während eines dreimo- natigen Sozialpraktikums in X.____, vom 7. Februar 20 20 bis 6. Mai 2020. Da die maximale monatliche AHV-Waisenrente Fr. 948.-- beträgt, fällt die Beurteilung der Angelegenheit ohne weiteres in die präsidiale Kompetenz. 3. Strittig ist vorliegend, ob das Praktikum des Sohnes der Beschwerdeführerin als Aus- bildung anzuerkennen ist und demzufolge auch nach dem 1. April 2020 ein Anspruch auf Aus- richtung einer AHV-Waisenrente besteht. 4.1 Gemäss Art. 25 AHVG haben Kinder, deren Vater od er Mutter gestorben ist, Anspruch auf eine Waisenrente (Abs. 1 Satz 1). Der Anspruch auf die Waisenrente entsteht am ersten Tag des dem Tode des Vaters oder der Mutter folgenden Monats und erlischt grundsätzlich mit Vollendung des 18. Altersjahres oder mit dem Tod der Waise (Abs. 4). Für Kinder, die noch in Ausbildung sind, dauert der Rentenanspruch bis zu der en Abschluss, längstens aber bis zum vollendeten 25. Altersjahr (Abs. 5 Satz 1). Zweck der W aisenrente der AHV für volljährige Wai- sen ist die Förderung der beruflichen Ausbildung (BGE 143 V 308 E. 3.2, 139 V 126 E. 4.3). 4.2 Art. 25 Abs. 5 Satz 2 AHVG beauftragt den Bundesra t, den Begriff der Ausbildung zu regeln, was dieser mit den auf den 1. Januar 2011 in K raft getretenen Art. 49 bis und 49 ter AHVV getan hat. Dabei handelt es sich um unselbständige Ver ordnungsnormen im Sinne von geset- zesvertretenden Bestimmungen, weshalb dem Bundesrat ein weiter Gestaltungsspielraum zu- kommt (BGE 143 V 308 E. 3.12, 141 V 477 E. 8.2). Gem äss Art. 49 bis Abs. 1 AHVV ist ein Kind in Ausbildung, wenn es sich auf der Grundlage eines ordnungsgemässen, rechtlich oder zumin- dest faktisch anerkannten Bildungsganges systematisch und zeit lich überwiegend auf einen Berufsabschluss vorbereitet oder sich eine Allgemeinausbil dung erwirbt, die Grundlage bildet für den Erwerb verschiedener Berufe. Ausserdem gilt ei n Kind als in Ausbildung, wenn es Brü- ckenangebote wahrnimmt wie Motivationssemester und Vorle hren sowie Au-pair- und Sprach- aufenthalte, sofern sie einen Anteil Schulunterricht enthalten (Art. 49 bis Abs. 2 AHVV). Dagegen gilt ein Kind nicht als in Ausbildung, wenn es ein du rchschnittliches monatliches Erwerbsein- kommen erzielt, das höher ist als die maximale volle Alter srente der AHV (Art. 49 bis Abs. 3 AHVV). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Nach Art. 49 ter Abs. 1 AHVV ist die Ausbildung mit einem Berufs- ode r Schulabschluss beendet. Nach Abs. 2 derselben Bestimmung gilt die Ausbi ldung ausserdem als beendet, wenn diese abgebrochen oder unterbrochen wird. Nicht als Unt erbrechung im Sinne von Abs. 2 gel- ten allerdings gemäss Abs. 3 derselben Bestimmung die fol genden Zeiten, sofern die Ausbil- dung unmittelbar danach fortgesetzt wird: Übliche unt errichtsfreie Zeiten und Ferien von längs- tens vier Monaten (lit. a.); Militär- und Zivildienst von längstens fünf Monaten (lit. b); gesund- heits- oder schwangerschaftsbedingte Unterbrüche von längstens zwölf Monaten (lit. c). 4.4 Gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung w ird auch ein Praktikum als Aus- bildung anerkannt, wenn es gesetzlich oder reglementari sch für die Zulassung zu einem Bil- dungsgang oder zu einer Prüfung vorausgesetzt wird oder wenn es zum Erwerb eines Diploms oder eines Berufsabschlusses verlangt wird (Rz. 3361 RWL). Ein Praktikum, welches diese Vo- raussetzungen nicht erfüllt, wird dennoch als Ausbildung anerkannt, wenn dieses höchstens ein Jahr dauert, für eine bestimmte Ausbildung faktisch gebo ten ist und mit dem Antritt des Prakti- kums tatsächlich die Absicht besteht, die angestrebte Ausbi ldung zu realisieren (BGE 140 V 304 E. 3, 139 V 211 E. 5.3, Rz. 3361.1 RWL). Es wird nicht verlangt, dass das Kind während eines Praktikums schulischen Unterricht besucht. Übt das K ind hingegen lediglich eine prakti- sche Tätigkeit aus, um sich dabei einige Branchenkenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, um die Anstellungschancen bei schwieriger Beschäftigungssituat ion zu verbessern oder um eine Berufswahl zu treffen, liegt keine Ausbildung vor (BGE 140 V 317 E. 3.2 mit Hinweisen; Rz. 3362 RWL). Kinder, welche zwischen der Schulzeit und einer Anschlusslösung ein Brü- ckenangebot wie das Motivationssemester oder eine berufsori entierende Vorlehre wahrneh- men, befinden sich in Ausbildung, sofern mindestens 8 Schullektionen (à 45 bis 60 Minuten) pro Woche Bestandteil sind (Rz. 3363 RWL). Kinder, welche si ch in einem fremdsprachigen Gebiet als Au-Pair betätigen oder in einem fremdsprachigen Gebiet einen Sprachaufenthalt machen, befinden sich in Ausbildung, sofern mindestens 4 Schullekt ionen (à 45 bis 60 Minuten) pro Wo- che Bestandteil sind (Rz. 3364 RWL). 4.5 Verwaltungsweisungen, zu welchen auch die RWL zählt , richten sich primär an die Durchführungsstellen und sind für das Kantonsgericht somi t nicht verbindlich. Deren Regeln werden vom Kantonsgericht dennoch berücksichtigt, sofern si e eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht daher nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben da rstellen. Insofern wird dem Bestre- ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine recht sgleiche Gesetzesanwendung zu ge- währleisten, Rechnung getragen (vgl. BGE 140 V 317 E. 3.3, 133 V 258 E. 3.2, je mit Hinwei- sen). Vorliegend sind die Bestimmungen der RWL in der Fassung vom 1. Januar 2020 zu be- rücksichtigen. 5.1 Die Abklärung des Sachverhaltes ist gemäss dem im Sozia lversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen vorzune hmen. Danach haben Ver- sicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Par- teibegehren für die richtige und vollständige Feststellu ng des Sachverhaltes zu sorgen (vgl. THOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2014, § 70 Rz 2 f.). Durch die Mitwirkungspflichten de r Parteien nach Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG wird der Untersuchungsgrundsatz in gewisser Weise ergänzt und gleichzeitig einge- schränkt (vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 121 V 210 E. 6c). Di es gilt vor allem in Bezug auf Tatsa- chen, die sie besser kennen als die Verwaltungs- oder Ge richtsbehörden und welche diese sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erhe ben können (Urteil des Bundesge- richts vom 20. Dezember 2016, 9C_669/2016, E. 7.1, vom 6. Juli 2015, 9C_238/2015, E. 3.2.1). Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur in- sofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ablei ten will. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungs- grundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsp rechen (vgl. LOCHER /G ÄCHTER , a.a.O., § 70 Rz 56 f., BGE 138 V 222 E. 6, 117 V 264 E. 3b j e mit Hinweisen). Beruft sich eine leis- tungsberechtigte Person darauf, dass ein Kind noch in Au sbildung begriffen sei, so ist je nach Ausbildungs- und Schulungsgang der Lehrvertrag oder ei ne Bescheinigung des Arbeitgebers, ein Ausweis der Lehranstalt, eine Bestätigung der Kanzl ei der Universität oder Hochschule, ein ordnungsgemäss ausgefülltes Testatbuch, eine Bestätigung über semesterliche Zwischenprü- fungen oder ein semesterliches Zwischenzeugnis von private n Unterrichtsanstalten, eine Be- scheinigung über die Absolvierung von Kursen etc. beizubringen (Rz. 4306 RWL). 5.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 144 V 429 E. 3.2, 115 V 142 E. 8b). 6.1 Vorliegend unbestritten ist, dass C.____ seine obli gatorische Schulzeit im Juni 2019 abgeschlossen und bis zum Erlass des angefochtenen Einsprach eentscheids keine Lehrstelle oder andere Ausbildung angetreten hat. Er befindet sich damit offensichtlich nicht in einem ord- nungsgemässen, rechtlich oder zumindest faktisch anerkannte n Bildungsgang, welcher syste- matisch und zeitlich überwiegend auf einen Berufsabschluss vorbereitet. 6.2 Hingegen macht die Beschwerdeführerin sinngemäss ge ltend, dass das von ihrem Sohn absolvierte Sozialpraktikum bei der Organisation D._ ___ in X.____ als Praktikum, als Brückenangebot oder als Sprachaufenthalt zu qualifizie ren sei. Dies sei insbesondere vorlie- gend der Fall, da er in diesem Aufenthalt Kenntnisse des Portugiesischen erwerben sollte und darüber hinaus dann auch Italienisch und Spanisch verste hen würde. Es sei deshalb die AHV- Waisenrente über den 31. März 2020 hinaus auszurichten. Dies umso mehr, als ihr Sohn für das Praktikum keinen Lohn beziehe, sie allerdings weiterh in die notwendigen Beiträge an seine Kranken- und sonstigen Versicherungen zahlen und für se ine Verpflegung und sein Umwelt- schutz-Abonnement aufkommen müsse. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Soweit die Qualifikation als Praktikum im engeren Sinne fraglich ist, legt die Beschwer- deführerin in ihren Eingaben nicht dar, welches Ausbil dungsziel mit dem Sozialpraktikum ver- folgt wird. Die Organisation D.____ führt zwar – gemä ss eigener Darstellung – pädagogische, medizinische und kulturelle Einrichtungen sowie Projekte und Initiativen mit festangestellten und freiwilligen Helfern in drei Marginalsiedlungen im Süden von X.____ (vgl. Website der Organisa- tion D.____ [24.07.2020]). Es ist jedoch nicht ersichtlich , inwiefern das Praktikum bei dieser Organisation als gesetzlich oder reglementarisch für ei ne Zulassung zu einem Bildungsgang oder zu einer Prüfung vorausgesetzt oder zum Erwerb ei nes bestimmten Diploms oder eines Berufsabschlusses verlangt würde. Da die Art der angestrebten Ausbildung nicht klar ist, ist das Sozialpraktikum auch nicht als faktisch geboten anzusehen. Ein als Ausbildung anzuerkennen- des Praktikum im Sinne der Rz. 3361 und 3361.1 RWL lie gt deshalb nicht vor. Vielmehr übte C.____ wohl lediglich eine praktische Tätigkeit aus, um sich einige Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen und damit seine Anstellungschancen bei einer schwierigen Beschäftigungssituation zu verbessern oder eine Berufswahl zu treffen. Ein solch es Praktikum fällt allerdings gemäss Rz. 3362 RWL wie auch nach bundesgerichtlicher Rechtspre chung explizit nicht unter den Be- griff der Ausbildung (vgl. Urteile des Bundesgerichts vo m 14. Oktober 2015, 8C_177/2015, E. 5.1.1 und vom 1. April 2008, 9C_223/2008, E. 1.2). 6.4 Ebenfalls ausser Betracht fällt die Einordnung de s Sozialpraktikums unter die Bestim- mung für Brückenangebote oder Sprachaufenthalte. Zwar bezieht sich die Beschwerdeführerin darauf, dass es sich beim Sozialpraktikum um eine Zwischenlösung nach Abschluss der obliga- torischen Schulzeit und vor Beginn einer Lehrstelle han dle. Notwendige Voraussetzung für die Qualifikation als Ausbildung ist jedoch, dass diese Zw ischenlösung einen Schulanteil in Form von Schulfächern oder Werkstattunterricht von mindestens a cht Wochenlektionen vorsieht. Auch der Sprachaufenthalt in einem fremdsprachigen G ebiet verlangt zur Anerkennung als Ausbildung immerhin einen Schulanteil von mindestens vie r Wochenlektionen. Im von der Be- schwerdeführerin eingereichten Formular ist zwar ein wöch entlicher Ausbildungsaufwand von 40 Stunden verzeichnet; eine detailliertere Beschreibu ng, aus welcher der Schulanteil hieran ersichtlich würde, fehlt jedoch. Ohne einen Nachweis, d ass C.____ tatsächlich die notwendige Mindestanzahl an Schullektionen pro Woche absolviert hat , liegt deshalb auch weder ein als Ausbildung anzuerkennendes Brückenangebot noch ein Spra chaufenthalt im Sinne der Rz. 3363 und 3364 RWL vor. 6.5 Gemäss den geltenden Beweislastmaximen trägt die Be schwerdeführerin das Beweisri- siko für die anspruchsbegründenden Tatsachen. Ihr wurde in mehreren Verfahrensschritten die Gelegenheit gegeben, sich zur Ausbildungsqualität des So zialpraktikums in X.____ zu äussern und einen Praktikumsvertrag oder ähnliche Bescheinigunge n vorzulegen. Dennoch ist es ihr nicht gelungen, die notwendigen Unterlagen beizubrin gen, um den behaupteten Anspruch auf Verlängerung der Waisenrente aufgrund einer andauer nden Ausbildung zu untermauern. So- weit sie das Reiseprogramm respektive das elektronische Flugticket als Beweismittel bemüht, können diese lediglich den Aufenthalt ihres Sohnes in X.____, nicht jedoch die Ausbildungsqua- lität seines Sozialpraktikums belegen. Auch das von ihr eingereichte und eigenhändig ausgefüll- te Formular “Bestätigung der Ausbildungsstelle“ genügt den Anforderungen des Bundesgerich- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tes nicht; insbesondere da dieses von der Ausbildungsstelle selbst auszufüllen und zu unter- zeichnen gewesen wäre. Hinzu kommt, dass auch in diesem F alle im Sinne der Bestimmungen der RWL eine zusätzliche schriftliche Bescheinigung in F orm eines Praktikumsvertrages oder eines Ausweises der Sprachlehranstalt beizubringen gewesen wäre. Die Vorinstanz ist deshalb zu Recht von einem Ausbildungsunterbruch ausgegangen und war somit berechtigt, die Wai- senrente bis zur Aufnahme einer anderen Ausbildung einzustellen. Auch unter Berücksichtigung der am 15. Juni 2020 nachträglich eingereichten Akten l ässt sich kein anderer Schluss begrün- den. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 3. April 2020 ist daher nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 7. Letztlich bleibt festzuhalten, dass die Beschwerdefüh rerin bezüglich des geltend ge- machten Sozialpraktikums bisher keine Unterlagen einger eicht hat, welche die Inanspruch- nahme eines Bildungsangebots mit Ausbildungsqualität mi t überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen würden. Sobald sie entsprechende Unterlagen nachreicht oder der Sohn eine neue Ausbildung im Sinne der gesetzlichen Voraussetzungen b eginnt, wird die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine Waisenrente (für diese Zeit) erneut zu prüfen haben. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Art . 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 85 bis Abs. 2 AHVG halten fest, dass der Prozess vor dem kantonal en Gericht für die Parteien grund- sätzlich kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorl iegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.