<h2>SubmittedText<h2><p>Ein Ziel der vom Volk beschlossenen Energiestrategie 2050 ist neben der Umstellung auf nachhaltige Energieversorgung auch die Steigerung der Energieeffizienz. Auch die SBB leisten dazu einen Beitrag und haben den Umstieg auf Bahnstrom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie per 2025 beschlossen. Zudem soll die Energieeffizienz gesteigert und sollen rund 20 Prozent des prognostizierten Jahresverbrauchs eingespart werden.</p><p>Einen wichtigen Einfluss auf die Energieeffizienz haben auch die Zuggeschwindigkeiten. Züge, die mit 200 Stundenkilometern im Gotthard-Basistunnel fahren, benötigen aufgrund des Luftwiderstandes etwa 25 Prozent mehr Energie, als wenn sie mit 160 Stundenkilometern verkehren würden. Dazu kommt eine unerwünschte Erwärmung. Der Zeitgewinn beträgt im Gotthard-Basistunnel mit 200 Stundenkilometern etwa vier Minuten im Vergleich zu 160 Stundenkilometern.</p><p>Trotz Ressourceneinsparung bei tieferen Geschwindigkeiten setzen die SBB am Gotthard auf eine Hochgeschwindigkeitsstrategie (z. B. die geplanten "Superveloci" zwischen Zürich und Mailand). Dies steht im Kontrast zur Unternehmensstrategie "Input SBB", die eine Harmonisierung der Geschwindigkeiten propagiert.</p><p>Die Begrenzung und Harmonisierung der Geschwindigkeiten ist nicht nur für die Energiebilanz positiv, sondern generiert auch Trassen für den Güterverkehr. So wurde nachgewiesen, dass Reisezüge im Halbstundentakt im Gotthard-Basistunnel zwei zusätzliche Güterzugtrassen pro Stunde freispielen, wenn sie mit einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern unterwegs sind und nicht mit 200 Stundenkilometern. Diese Kapazitäten sind für die gesetzlich vorgeschriebene Verlagerung von grosser Bedeutung. Zudem wird mit tieferen Geschwindigkeiten die Fahrplanstabilität erhöht. Aus diesem Grund sind Eurostar-Züge, die auf offener Strecke über 300 Stundenkilometern erreichen, im Kanal-Tunnel mit 160 Stundenkilometern unterwegs.</p><p>Es stellen sich deshalb folgende Fragen:</p><p>1. Wie positioniert sich der Bundesrat in der Güterabwägung zwischen schnellen Reisezeiten im Personenverkehr (Hochgeschwindigkeitsstrategie der SBB auf der Gotthardstrecke) und den Bedürfnissen des Güterverkehrs, der Energieeffizienz und der Fahrplanstabilität? Was sind seine Prioritäten, und was sind seine Vorgaben an die SBB im Rahmen der Fernverkehrsstrategie und der Infrastrukturplanung?</p><p>2. Ist der Bundesrat gewillt, den SBB den Auftrag zu erteilen, das Geschwindigkeitsregime der Reisezüge im Gotthard-Basistunnel auf 160 Stundenkilometern auszurichten? </p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Das Neat-Angebotskonzept ist ein austariertes Konzept, das die Bedürfnisse des internationalen sowie nationalen Personenverkehrs, des Güterverkehrs sowie des Regionalverkehrs berücksichtigt. In der Botschaft über den Bau der schweizerischen Eisenbahn-Alpentransversale hat der Bundesrat 1990 explizit festgehalten, dass die Neat dem Personen- sowie dem Güterverkehr dienen soll. Die späteren Botschaften (FinöV, ZEB, Fabi) haben dies bestätigt und verfeinert. Das vom Bundesrat am 30. August 2017 verabschiedete Netznutzungskonzept 2025 legt das Angebotskonzept und damit die Trassen für Güter- und Personenverkehr verbindlich fest. Auf der Gotthardachse sieht dieses Netznutzungskonzept zwei Fernverkehrstrassen und 6 Gütertrassen von Grenze zu Grenze pro Richtung und Stunde vor. Ein schnelleres oder zusätzliches Angebot im Personenfernverkehr ist nur möglich, wenn es diese Kapazitätszuteilung nicht verletzt.</p><p>Eine der beiden Trassen für den Personenfernverkehr wird für internationale Züge ab Zürich und Basel nach Mailand genutzt. Diese Züge verkehren im Gotthard-Basistunnel mit 200 Stundenkilometern. Die zweite Fernverkehrstrasse wird durch die nationalen Züge ab Zürich/Basel nach Lugano verwendet. Diese verkehren mit einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. Zur Gewährleistung des Angebotskonzepts wurden verschiedene Simulationen durchgeführt. Diese haben die Betriebsstabilität nachgewiesen. Mit dem Angebotskonzept werden aus Sicht des Bundesrates die Anliegen von Energieeffizienz, effizienter Kapazitätsnutzung und Vorteilen für Güter- und Personenverkehr optimal aufeinander abgestimmt. Zudem wäre auch bei einer Herabsetzung der Geschwindigkeit der Fernverkehrstrasse im Gotthard-Basistunnel nicht mehr Kapazität für den Güterverkehr auf der Achse nutzbar, da die Anlagen im Zulauf nicht dafür ausgerichtet sind und beispielsweise entsprechende Überholgleise fehlen.</p><p>2. Die Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern für internationale Personenzüge im Gotthard-Basistunnel entspricht der Bestellung des Bundes. Diese Geschwindigkeit ist notwendig, um die Fahrtzeitziele gemäss Neat-Konzept zu erreichen. Die gemäss Netznutzungskonzept 2025 mit dem bestehenden Betriebsregime vorgesehenen und möglichen sechs Trassen pro Stunde und Richtung reichen für die Bewältigung der Nachfrage des alpenquerenden Schienengüterverkehrs und das Erreichen des Verlagerungsziels aus. Der Bundesrat sieht keinen Anlass, die für die Personenzüge vorgesehenen Geschwindigkeiten zu ändern.</p>  Antwort des Bundesrates.