A bteilung V E -6920/2006 {T 0/2} U rteil vom 14. A ugust 2007 M itw irkung: R ichterin Schenker Senn, R ichter W espi, Badoud G erichtsschreiber R aem y 1. A ._______, 2. B ._______, 3. C ._______, alle M ontenegro, vertreten durch D ._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), vorm als Bundesam t für Flüchtlinge (BFF), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 30. A pril 2002 i.S. Vollzug der W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie Beschw erdeführerin, Staatsangehörige der R epublik M ontenegro m it serbi- scher Abstam m ung, ersuchte im Jahre 1994 für sich und ihr Kind B._______ erstm als um Asyl in der Schw eiz, w as vom vorm als zuständigen BFF m it Verfügung vom 22. M ai 1996 abgelehnt w urde. G leichzeitig w urde sie zusam m en m it dem Kind B._______ und ihrem dam aligen Ehem ann D ._______ (letzterer m ir separater Verfügung) aufgrund ihres früheren W ohnsitzes in Bosnien und H erzegow ina und gestützt auf den Bundesratsbeschluss vom 21. April 1993 in der Schw eiz vorläufig aufgenom m en. N ach der Aufhebung der vorläufigen Aufnahm e für Personen m it letztem W ohnsitz in Bosnien und H erzegow ina w urde den Beschw erdeführern eine Ausreisefrist per 30. April 1998 angesetzt, w elche indessen w ährend längerer Zeit nicht vollzogen w erden konnte. Am 14. M ai 1999 w urde das Kind C ._______ in der Schw eiz geboren. Am 23. M ärz 2000 verliessen die Beschw erdeführerin und ihr dam aliger Ehem ann zusam m en m it ihren gem einsam en Kindern die Schw eiz und reisten nach Prizren/Kosovo aus. B. D ie Beschw erdeführerin verliess ihr H eim atland laut eigenen Angaben am 1. Au- gust 2001 zusam m en m it ihren beiden Kindern erneut und erreichte die Schw eiz am 3. August 2001. G leichentags ersuchten sie bei der Em pfangsstelle des BFF in D ._______ um Asyl. Am 7. August 2001 w urden sie dort zu ihren Ausreisegründen kurz befragt und am 4. Septem ber 2001 erfolgte die Anhörung durch das BFF. Zur Begründung ihres G esuches m achte die Beschw erdeführerin im W esentlichen geltend, sie sei im M ärz 2000 in den Kosovo ausgereist. Bereits bei ihrer Ankunft in Pristina sei ihr untersagt w orden, Serbokroatisch zu sprechen. G ew ohnt hätten sie im H aus der Fam ilie ihres Ehem annes in Prizren. W egen der serbischen Ab- stam m ung der Beschw erdeführerin hätten sie und die Kinder das H aus nicht ver- lassen dürfen. N ach einiger Zeit sei - w iederum w egen der Abstam m ung der Be- schw erdeführerin - der Fam ilie des Ehem annes von N achbarn gedroht w orden, das H aus w erde in Flam m en gesteckt und alle w ürden um gebracht. Als die Be- schw erdeführerin am 5. Juni 2001 das H aus trotzdem verlassen habe, um einen Einkauf zu tätigen, sei sie bereits nach w enigen M inuten von drei albanischstäm - m igen M ännern in ein Auto gezerrt, beschim pft, geschlagen und in einen H of ge- fahren w orden, w o sie vergew altigt w orden sei. Als später in der N achbarschaft eine serbischsprachige Fam ilie aus der N achbarschaft getötet w orden und es der Beschw erdeführerin gesundheitlich w ieder etw as besser gegangen sei, habe die Fam ilie des Ehem annes für sie und die Kinder die Ausreise organisiert. Zum Be- w eis ihrer Vorbringen reichte die Beschw erdeführerin ein ärztliches Zeugnis vom 7.Juni 2001 zu den Akten. C . Am 17. O ktober 2001 gelangte das BFF für Abklärungen in Bezug auf die Situation und das Asylgesuch der Beschw erdeführer an den Schw eizer Attaché in Pristina, dessen Antw ortschreiben per E-M ail am 13. M ärz 2002 beim BFF eingegangen ist. D . Am 24. April 2002 führte das BFF eine erneute Anhörung der Beschw erdeführerin durch, bei w elcher ihr insbesondere die M öglichkeit gew ährt w urde, zu den am 14.N ovem ber 2001 von ihrem Ehem ann gegenüber dem Attaché in Pristina ge-3 m achten Aussagen Stellung zu nehm en. E. M it Verfügung vom 30. April 2002 lehnte das BFF die Asylgesuche ab und ordnete gleichzeitig die W egw eisung der Beschw erdeführer aus der Schw eiz an. Zur Be- gründung führte es aus, ihre Vorbringen genügten den Anforderungen an die G laubhaftigkeit nicht, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft w erden m üsse. F. Am 8. M ai 2002 w urde den Beschw erdeführern gestützt auf ihr G esuch vom 6. M ai 2002 vom BFF Einsicht in die Verfahrensakten gew ährt. G . M it Eingabe vom 3. Juni 2002 beantragten die Beschw erdeführer bei der dam als zuständigen Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) die Aufhebung der Zif- fern 3, 4 und 5 des D ispositivs der Verfügung vom 30. April 2002. Es sei festzu- stellen, dass der Vollzug der W egw eisung unzum utbar sei. Als Folge davon seien sie vorläufig aufzunehm en. In verfahrensrechtlicher H insicht beantragten sie die G ew ährung der unentgeltlichen Prozessführung sow ie den Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses. H . M it Zw ischenverfügung vom 10. Juni 2002 hiess die AR K unter Vorbehalt der frist- gerechten N achreichung einer Fürsorgebestätigung das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses. D ie Beschw erdeführerin w urde aufgefordert, bis zum 25. Juli 2002 entw eder eine Fürsorgebestätigung einzureichen oder einen Kostenvor- schuss von Fr. 600.-- einzuzahlen. I. Am 11. Juni 2002 reichten die Beschw erdeführer eine Fürsorgebestätigung der Koordinationsstelle für Asylsuchende I._______ vom 4. Juni 2002 zu den Akten. J. M it Vernehm lassung vom 18. Juni 2002 beantragte die Vorinstanz die Abw eisung der Beschw erde. K. Am 19. Januar 2007 w urden seitens der Einw ohnergem einde I._______ diverse frem dsprachige D okum ente an den M igrationsdienst des Kantons Bern - und von diesem am 7. Februar 2007 an die Vorinstanz - geschickt, w elche von der Beschw erdeführerin abgegeben w orden seien. Von der Vorinstanz w urden die D okum ente zu H anden der Asylakten an das Bundesverw altungsgericht w eitergeleitet. L. M it Zw ischenverfügung vom 27. April 2007 w urde den Beschw erdeführern vom Bundesverw altungsgericht die G elegenheit zur schriftlichen Stellungnahm e in Be- zug auf die der Einw ohnergem einde I._______ abgegebenen D okum ente, zur Ü bersetzung derselben sow ie zur ergänzenden Bew eism itteleinreichung gew ährt. Sie w urden insbesondere aufgefordert, genaue Angaben zum aktuellen Zivilstand der Beschw erdeführerin sow ie - vor dem H intergrund der zw ischenzeitlich einge- tretenen U nabhängigkeit M ontenegros - zu ihrer Staatsangehörigkeit zu m achen. W eiter w urde ihnen G elegenheit zur Einreichung eines aktuellen ärztlichen Zeug- nisses sow ie zur G eltendm achung allfälliger w eiterer, seit ihrer Beschw erdeeinrei- chung eingetretener Sachverhalte und zur Einreichung entsprechender Bew eism it- tel gew ährt. M . M it Eingaben vom 7. und 11. Juni 2007 m achte die Beschw erdeführerin unter Bei- lage m ehrerer D okum ente m itsam t Ü bersetzungen geltend, sie sei Staatsangehöri- ge von M ontenegro und seit dem 1. D ezem ber 2006 geschieden. G egenw ärtig sei 4 sie nicht in ärztlicher Behandlung. Sie sei gut integriert, beherrsche die deutsche Sprache und verfüge an ihrem W ohnort über ein tragfähiges soziales N etz. D ie Kinder gingen in I._______ zur Schule. D er Vollzug der W egw eisung w ürde für sie einer Entw urzelung gleichkom m en. Trotzdem , dass sie alleinerziehende M utter sei, gehe sie stundenw eise einer Erw erbstätigkeit nach. Sie habe nie strafrechtliche Verfehlungen begangen und ihr Aufenthalt sei den Behörden stets bekannt gew esen. W eiter w urde unter anderem darauf hingew iesen, dass die Beschw erdeführerin bereits vor der Einreichung des Asylgesuches in der Schw eiz gelebt habe. In M ontenegro verfüge sie über kein soziales N etz und die Erw erbsm öglichkeiten seien beschränkt. Als alleinerziehende, geschiedene Frau hätte sie dort zudem gegen unzählige Schikanen und H indernisse anzukäm pfen. N . M it Eingabe vom 22. Juni 2007 reichte die Asylkoordinationsstelle I._______ einen Bericht betreffend die Integration der Beschw erdeführer zu den Akten. O . M it Zw ischenverfügung vom 29. Juni 2007 brachte das Bundesverw altungsgericht den Beschw erdeführern den Bericht der Asylkoordinationsstelle I._______ zur Kenntnis und forderte sie zur Einreichung einer Kostennote auf. P. M it Eingabe vom 11. Juli 2007 reichten die Beschw erdeführer die Kostennote zu den Akten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht hat per 1. Januar 2007 - sofern es zuständig ist - die Beurteilung der vorm als bei der AR K hängigen R echtsm ittel übernom m en. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführer sind legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist einzutreten.5 3. G estützt auf die Anträge der Beschw erde vom 3. Juni 2002 ist vorliegend zu beur- teilen, ob die W egw eisung der Beschw erdeführer zu R echt angeordnet w urde und deren Vollzug zulässig, zum utbar und m öglich ist oder allenfalls ihre vorläufige Aufnahm e anzuordnen w äre. D ie Fragen der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls sind nicht G egenstand des vorliegenden Verfahrens (vgl. dazu Zw ischenverfügung der AR K vom 10. Juni 2002). 4. 4.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 4.2 D ie Beschw erdeführer verfügen w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthalts- bew illigung noch haben sie Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ; vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission / EM AR K 2001 N r. 21). 4.3 Ist der Vollzug der W egw eisung nicht zulässig, nicht zum utbar oder nicht m öglich, so regelt die Vorinstanz gem äss Art. 44 Abs. 2 AsylG das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Auslän- dern. 4.4 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2, 3 und 4 AN AG ). 4.5 G em äss R echtsprechung der AR K, w elcher sich das Bundesverw altungsgericht anschliesst, sind die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der W egw ei- sung (U nzulässigkeit, U nzum utbarkeit, U nm öglichkeit) alternativer N atur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der W egw eisung als undurchführbar zu betrachten und die w eitere Anw esenheit in der Schw eiz gem äss den Bestim m un- gen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln (vgl. EM AR K 2006 N r. 6 E. 4.2. S. 54 f., w obei zu berücksichtigen ist, dass die vorläufige Aufnahm e zufolge einer schw erw iegenden persönlichen N otlage i.S. von Art. 44 Abs. 3 AsylG per 1. Januar 2007 aufgehoben w orden ist). G egen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Auf- nahm e steht dem w eggew iesenen Asylsuchenden w iederum die Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht offen (vgl. Art. 105 Abs. 1 AsylG i.V.m . Art. 44 Abs. 2 AsylG ). In diesem Verfahren w äre dann der W egw eisungsvollzug vor dem H intergrund säm tlicher Vollzugshindernisse von Am tes w egen nach M assgabe der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen 4.6 D er Vollzug der W egw eisung kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für 6 die ausländische Person eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 4 AN AG ). D am it w ird zum Ausdruck gebracht, dass aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, insbesondere dann auf den Vollzug der W egw eisung zu verzichten ist, w enn die R ückkehr in den H eim at- oder H erkunftsstaat für die betroffene Person angesichts der dort herrschenden allge- m einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situati- on allgem einer G ew alt kennzeichnet, eine konkrete G efährdung darstellt (EM AR K 1998 N r. 25 E. 3d S. 223; Botschaft zum AVB, BBl 1990 II 668). Im Ü brigen kön- nen aber neben einer konkreten G efährdung auch andere U m stände im H eim at- oder H erkunftsstaat dazu führen, dass der Vollzug der W egw eisung - aus hum ani- tären Ü berlegungen - als nicht zum utbar erscheint. Bei der Prüfung der Vorausset- zungen von Art. 14a Abs. 4 AN AG sind hum anitäre Ü berlegungen im Einzelfall ab- zuw ägen gegen andere öffentliche Interessen, die allenfalls für einen Vollzug spre- chen w ürden. Entsprechend kom m t den Asylbehörden im R ahm en der Anw endung von Art. 14a Abs. 4 AN AG ein Erm essensspielraum zu (vgl. EM AR K 2001 N r. 16 E. 6b S. 123 m .w .H .). D er W egw eisungsvollzug kann sich gestützt auf Art. 14a Abs. 4 AN AG auch aus m edizinischen G ründen als unzum utbar erw eisen, w as aber grundsätzlich nur dann der Fall ist, w enn für die betroffene Person bei einer R ückkehr in ihre H eim at eine w esentliche m edizinische Behandlung nicht erhältlich w äre. Andererseits bil- den gesundheitliche Problem e, w elche für sich allein betrachtet den W egw eisungs- vollzug nicht bereits als unzum utbar erscheinen lassen, ein Beurteilungselem ent, w elches in die vorzunehm ende Interessenabw ägung einbezogen w erden m uss und zusam m en m it w eiteren hum anitären Aspekten zur Feststellung der U nzum ut- barkeit des W egw eisungsvollzugs führen kann (vgl. EM AR K 2003 N r. 24 E. 5a am Ende und 5b S. 157 f.). Sind von einem allfälligen W egw eisungsvollzug Kinder be- troffen, so bildet bei der Zum utbarkeitsprüfung das Kindesw ohl einen G esichts- punkt von gew ichtiger Bedeutung. D ies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völker- rechtskonform en Auslegung von Art. 14a Abs. 4 AN AG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Ü bereinkom m ens vom 20. N ovem ber 1989 über die R echte des Kindes (KR K, SR 0.107); (vgl. EM AR K 2005 N r. 6 E. 6. S. 57 f.). 5. 5.1 D as BFF führte in der angefochtenen Verfügung aus, da die Beschw erdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten, könne auch der G rundsatz der N ichtrück- schiebung gem äss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angew endet w erden. Ferner w ürden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass den Beschw erdefüh- rern im Falle einer R ückkehr in den H eim atstaat m it beachtlicher W ahrscheinlich- keit eine durch Art. 3 EM R K verbotene Strafe oder Behandlung drohe. D er Vollzug der W egw eisung von Serben in den Kosovo w urde jedoch vom BFF als unzum ut- bar erachtet, zum al eine G efährdung für Angehörige dieser M inderheit im Kosovo nicht ausgeschlossen w erden könne. G estützt auf die jugoslaw ische Staatsange- hörigkeit bestehe indessen eine innerstaatliche Aufenthaltsalternative in der restli- chen Bundesrepublik Jugoslaw ien. D ie Beschw erdeführerin verfüge über eine be- rufliche Ausbildung und habe m ehrere Jahre in M ontenegro, Serbien, Bosnien und H erzegow ina sow ie in der Schw eiz gelebt und gearbeitet und dam it ihre Flexibilität und Selbständigkeit unter Bew eis gestellt. Aufgrund der bestehenden Aktentlage könne ferner davon ausgegangen w erden, dass sie in M ontenegro über ein sozia-7 les Beziehungsnetz verfüge, zum al dort Tanten, O nkel, C ousinen und C ousins der Beschw erdeführerin w ohnhaft seien. Ferner w ürden ihre Eltern zw ischen M ontenegro und Am erika pendeln. Es sei anzunehm en, dass die Eltern über genügend finanzielle M ittel verfügten, um die Beschw erdeführerin und ihre Kinder zu unterstützen. Som it w ürden keine individuellen G ründe gegen die Zum utbarkeit einer R ückführung der Beschw erdeführer in die Bundesrepublik Jugoslaw ien sprechen, und die Inanspruchnahm e einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative sei zum utbar. W eiter argum entierte das BFF in seiner Verfügung vom 30. April 2002, dass auch die aktuelle Lage nicht gegen einen Vollzug der W egw eisung spreche, zum al das jugoslaw ische Parlam ent den Kriegszustand am 24. Juni 1999 aufgehoben habe. 5.2 D ie Beschw erdeführer m achten in ihrer R ekurseingabe geltend, ein Vollzug der W egw eisung sei für sie w eder in den Kosovo noch nach M ontenegro zum utbar. Zw ischen der Beschw erdeführerin und ihrem Ehem ann sei es aufgrund der Ereig- nisse nach ihrer R ückkehr in den Kosovo im M ärz 2000 zu einem Bruch gekom - m en. Als Angehörige einer M inderheit ohne fam iliäres N etz w äre sie im Kosovo al- leine für die Kinder verantw ortlich. Zudem sei sie geprägt von einem brutalen G e- w alterlebnis m it Angehörigen der albanischen Ethnie. In M ontenegro habe sie zw ar ihre Jugend verbracht, habe sich aber seit dem Jahre 1989 nicht m ehr dort aufge- halten und entgegen der Annahm e der Vorinstanz verfüge sie dort über kein trag- fähiges Beziehungsnetz. Alle G eschw ister, abgesehen von einer Schw ester, w el- che in der Schw eiz sei, lebten in Am erika. Ihre Eltern lebten bei den Kindern in Am erika und kehrten lediglich ab und zu nach M ontenegro zurück, um das G rab ihres Enkels zu besuchen. Seitdem jedoch die Kinder die H eim at verlassen hätten, seien sie kaum noch zurückgekehrt. Eine einzige Tante lebe m it ihrem M ann und ihrer hochbetagten M utter im H eim atdorf. D iese könne aber, da sie kein Erw erbs- einkom m en m ehr habe, nicht noch zusätzliche Betreuungspflichten übernehm en. Aufgrund der allgem einen w irtschaftlichen und politischen Lage in M ontenegro w erde es der Beschw erdeführerin, w elche über keine besondere Ausbildung und geringe Berufserfahrung verfüge, kaum m öglich sein, neben der Kinderbetreuung eine Existenzgrundlage für sich und ihre beiden Kinder aufzubauen. 5.3 D as BFF unterzog den Vollzug der W egw eisung in seiner Verfügung vom 30. M ai 2002 einer Prüfung in Bezug auf das dam alige H eim atland der Beschw erdeführe- rin, die "Bundesrepublik Jugoslaw ien", w elches aus Serbien, M ontenegro und dem Kosovo bestand. Am 3. Juni 2006 ist M ontenegro aus dem Staatenbund Serbien und M ontenegro ausgetreten und am 15. Juni 2006 als von Serbien unabhängige R epublik anerkannt w orden. 5.4 D ie Beschw erdeführerin ist m ontenegrinische Staatsangehörige, w as sich aus ih- rem G eburtsort sow ie aus den m it der Eingabe vom 7. Juni 2007 eingereichten D o- kum enten (G eburtsurkunde, Scheidungsurkunde und insbesondere Auszug aus dem Staatsangehörigkeitsregister) ergibt. D er Vollzug der W egw eisung ist dem - nach in Bezug auf M ontenegro als H eim atland der Beschw erdeführerin einer Prü- fung zu unterziehen. D er Vollständigkeit halber kann darauf verw iesen w erden, dass der Vollzug der W egw eisung der Beschw erdeführerin und ihrer Kinder in den Kosovo zufolge ihrer serbischen Abstam m ung als unzum utbar beurteilt w orden ist. Aus diesen G ründen erübrigt es sich denn auch, w eiter auf die Ausführungen in der Beschw erde in Bezug auf einen Vollzug der W egw eisung in den Kosovo einzu-8 gehen. 5.5 Aus der allgem einen Situation in der R epublik M ontenegro lässt sich nach Ansicht des Bundesverw altungsgerichts kein W egw eisungsvollzugshindernis ableiten. D er Vollständigkeit halber ist diesbezüglich zu erw ähnen, dass M ontenegro gem äss Bundesratsbeschluss vom 8. D ezem ber 2006 per 1. Januar 2007 zum „safe coun- try“ erklärt w urde. Sow eit allfällige individuelle W egw eisungshindernisse betref- fend, kann festgestellt w erden, dass die Beschw erdeführerin trotz geltend gem ach- ter gesundheitlicher Problem e aus eigenem Entscheid zur Zeit auf ärztliche Be- handlung verzichtet, so dass davon auszugehen ist, dass ihre gesundheitliche Si- tuation einem Vollzug der W egw eisung nicht in ernsthafter W eise entgegenstehen dürfte. Als fraglich erscheint dagegen, ob es der Beschw erdeführerin als alleiner- ziehende M utter in M ontenegro m öglich sein w ürde, in absehbarer Zeit ein für die Fam ilie ausreichendes Erw erbseinkom m en erw irtschaften zu können. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist gestützt auf die Aktenlage nicht von einem beste- henden, die R ückkehr erleichternden sow ie tragfähigen sozialen Beziehungsnetz auszugehen, w elches der Beschw erdeführerin und ihren Kindern bei einer R eintegration behilflich sein könnte. D iese Frage kann vorliegend jedoch offen ge- lassen w erden, da ein W egw eisungsvollzug der allein erziehenden, bald 47-jähri- gen Beschw erdeführerin m it den beiden Kindern im Alter von 8 und 15 Jahren aus anderen G ründen als unzum utbar zu qualifizieren ist. 5.6 G em äss Akten haben die beiden Kinder der Beschw erdeführerin bisher nie in M ontenegro gelebt. (Angaben zu G eburtsjahr und -ort von B.) und hielt sich seit seinem zw eiten Lebensjahr m it Ausnahm e der Zeit von M ärz 2000 bis August 2001 im m er in der Schw eiz auf. H ier hat er seine Kindheit und Jugendzeit sow ie die gesam te obligatorische Schulzeit verbracht. Aktuell hat er das 9. Schuljahr und som it die obligatorische Schulzeit beendet und w ird in das 10. Schuljahr über- treten. Er beherrscht (...) und die Schriftsprache. (Angaben zu G eburtsjahr und -ort von C .) und hielt sich ebenfalls m it Ausnahm e der Zeit von M ärz 2000 bis August 2001 in der Schw eiz auf. Sie spricht fliessend (...) und hat soeben das erste Schuljahr absolviert. Beide Kinder sind sow ohl in der Schule als auch in ihrem privaten U m feld sehr gut integriert (vgl. dazu Integrationsbericht vom 22. Juni 2007, S. 1 und 2). Vor diesem H intergrund w äre es m it dem Kindesw ohl nicht vereinbar, die Kinder aus dem ihnen inzw ischen vertrauten sozialen U m feld herauszureissen, zum al gestützt auf die Akten von ihrer Eingliederung und Assim ilation in der Schw eiz auszugehen ist. D er Sohn steht heute zudem als Fünfzehnjähriger zu Beginn der Entw icklungsphase der Adoleszenz und som it in einem Alter, in dem das Beziehungsfeld ausserhalb des Elternhauses von zuneh- m ender W ichtigkeit ist. Aufgrund des langen Aufenthaltes der Kinder in der Schw eiz - w elcher im H inblick auf die Prüfung der C hancen und H indernisse einer R eintegration im H eim atland bei einem Kind als gew ichtiger Aspekt zu w erten ist - besteht som it bei einem Vollzug der W egw eisung einerseits die G efahr einer Ent- w urzelung aus dem hier gew achsenen und gefestigten sozialen U m feld. Ande- rerseits ist davon auszugehen, dass der Vollzug der W egw eisung m it erheblichen Schw ierigkeiten bei einer Integration in eine ihnen nicht vertraute Kultur und U m - gebung verbunden w äre. Beides w äre m it dem Schutzanliegen des Kindesw ohls nicht vereinbar. In Berücksichtigung dieser Erw ägungen ist dem nach festzustellen, dass der W egw eisungsvollzug m it Art. 3 Abs. 1 KR K nicht vereinbar ist.9 5.7 In W ürdigung säm tlicher Sachverhaltselem ente sow ie unter Berücksichtigung des G rundsatzes der Einheit der Fam ilie (vgl. Art. 44 Abs. 1 AsylG am Ende sow ie EM AR K 1996 N r. 18 E. 14e S. 189 f.) kom m t das Bundesverw altungsgericht vorlie- gend zum Schluss, dass der W egw eisungsvollzug der Beschw erdeführer als unzu- m utbar im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG zu erachten ist. N achdem keine H in- w eise auf das Vorliegen von Ausschlussgründen nach Art. 14a Abs. 6 AN AG aus den Akten hervorgehen, sind die Voraussetzungen für die G ew ährung der vorläufi- gen Aufnahm e erfüllt. 6. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die Beschw erde gutzuheissen ist. D ie Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der Verfügung des BFF vom 30. April 2002 sind aufzuheben und das BFM ist anzuw eisen, den Aufenthalt der Beschw erdeführerin und ihrer Kinder nach den Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 7.2 G em äss Art. 7 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht (VG KE, SR 173.320.2) haben obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erw ach- senen notw endigen Kosten. Vorliegend sind die Beschw erdeführer m it ihren Be- gehren durchgedrungen. M it Eingabe vom 11. Juli 2007 reichte ihre R echtsvertre- terin eine Kostennote in der H öhe von Fr. 822.90 ein, w elche in dieser H öhe als angem essen zu beurteilen ist. Som it ist den Beschw erdeführern von der Vorins- tanz eine Parteientschädigung von total Fr. 822.90.-- (inkl. Auslagen, ohne M W St) auszurichten. (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der Verfügung des BFF vom 30. April 2002 w er- den aufgehoben. D as BFM w ird angew iesen, die Beschw erdeführer vorläufig auf- zunehm en. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D ie Vorinstanz hat den Beschw erdeführern für das Verfahren vor der AR K eine Parteientschädigung von Fr. 822.90 zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin der Beschw erdeführer, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) zum Vollzug gem äss Ziffer 2 dieses U rteils - den M igrationsdienst des Kantons J._______ (Kopie) D ie R ichterin: D er G erichtsschreiber: R egula Schenker Senn R udolf R aem y Versand am :