Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Dezember 2020 (725 20 165 / 312) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Dem Unfallversicherer gelingt es vorliegend nicht, das Dahinfallen der natürlichen Kau- salität für die Beschwerden, die anlässlich eines v or der verfügten Leistungseinstellung erfolgten stationären Aufenthalts erhoben worden si nd, mit dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Er hat demnach für die damit verbundenen Kosten aufzukommen. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Stefan Suter, Advo- kat, Clarastrasse 51, 4005 Basel gegen Helsana Unfall AG , Recht & Compliance, Postfach, 8081 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1972 geborene A.____ war über ihre Arbeitgeb erin, Stiftung B.____, bei der Hels- ana Unfall AG (Helsana) obligatorisch gegen die Folge n von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 18. Februar 2019 einen Verkehrsunfa ll erlitt. Dem Polizeirapport vom 28. Februar 2019 zufolge missachtete ein Lenker mit seinem Personenwagen den Rechtsvortritt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und kollidierte frontal seitlich mit dem Fahrzeug der V ersicherten. Die erstbehandelnden Ärzte diagnostizierten ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäul e (HWS) Grad II sowie Kontusionen am Knie, am Vorderarm links und am Handgelenk rechts sowie am unteren Rücken. Die Helsa- na gewährte in der Folge die gesetzlichen Leistungen ( Taggelder und Heilungskosten). Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse stellte sie mi t Verfügung vom 1. November 2019 die gesetzlichen Leistungen rückwirkend per 30. Juni 2019 e in. Gleichzeitig verweigerte sie die Kostenübernahme für einen stationären Spitalaufenthalt vom 8. - 11. Mai 2019 mit der Begrün- dung, dass hinsichtlich der am 8. Mai 2019 plötzlich auf tretenden Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) lediglich eine mögliche Kausal ität zum stattgehabten Ereignis beste- he, weshalb die dadurch entstandenen Behandlungskosten nicht vergütet würden. An dieser Auffassung hielt die Helsana mit Einspracheentscheid vom 2. April 2020 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicher te, vertreten durch Dr. Stefan Suter, Advokat, mit Eingabe vom 5. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, in Aufhebung des Einspracheentscheids sei die Beschwerdegegn erin anzuweisen, ihr eine Rück- erstattung in Höhe von Fr. 2'495.50 sowie Fr. 882.-- n ebst Zins zu 5% ab 19. Oktober 2019 zu leisten; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtliche r Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung. Als Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, aufgrund der medizinischen Aktenlage sei erstellt, dass sie zum Zeitpu nkt der Hospitalisation noch nicht vollständig genesen gewesen sei. Vielmehr habe es bis E nde Juni 2019 gedauert, bis die Un- fallfolgen ausgeheilt gewesen seien und eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit bestanden habe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Juni 2020 schloss die Helsana auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Geri cht und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet einzig die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten für den stationären Aufenthalt vom 8. - 11. Mai 2019 zu übernehmen hat, welche sich auf insgesamt Fr. 3'377.50 (Fr. 2495.50 Leistungsabrechnung der Visana und Fr. 882.-- Mahnung Spital C.____ vom 12. August 2019) belaufen. Der von der Be- schwerdegegnerin angeordnete Fallabschluss per 30. Juni 2019 wird seitens der Beschwerde- führerin nicht beanstandet und ist somit nicht streiti g. Die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde fällt deshalb in die Kompetenz der präsidiere nden Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Un fallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspru ch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Ar- beitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf ei ne Invalidenrente, wenn sie infol- ge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist. 2.2 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversicherer n ur unter der Voraussetzung auf- zukommen, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ei ngetretenen Schaden (Krank- heit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eing etretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gl eichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahu ng des natürlichen Kausalzusam- menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allein ige oder unmittelbare Ursache gesund- heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigend e Ereignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität de r versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht wer den kann, ohne dass auch die eingetre- tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen ei- nem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen S törung ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechts anwendende Behörde − die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht − im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach de m im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder s päter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinwei- sen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahin- fallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisg rad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) n achgewiesen sein. Da es sich hierbei Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenha ng gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Na chweis unfallfremder Ursa- chen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Be- weis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorlieg e oder die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesund- heitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bun- desgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 93 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeine Teil des Sozialversicherungsrecht [ATSG] vom 6. Oktober 2000) − wie alle anderen Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi alversicherungsgericht alle Be- weismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be urteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf di e andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherung sträger alleine nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht gering e Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 4.1 Für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenhe it sind folgende medizinische Unter- lagen von Relevanz: 4.2 Im Austrittsbericht des Kantonsspitals Baselland vom 18 . Februar 2019 wird ausge- führt, dass die Versicherte Schmerzen im Bereich der HWS und der LWS angebe. Rücken- schmerzen in der LWS seien vorbekannt, jedoch seien diese aktuell etwas stärker. Zusätzlich berichte die Patientin über Schwindel. Es bestehe kein e Bewusstlosigkeit und keine Amnesie. Alsdann konnten keine neurologischen Ausfälle ausgemacht werden. Im Rahmen eines am 18. Februar 2019 veranlassten MRT sowie im konventionellen Rö ntgen vom 19. Februar 2019 konnten im Bereich der HWS sowie der LWS keine Frakturen bestätigt werden. 4.3 Mit Arztzeugnis UVG vom 26. Februar 2019 bezüglich einer am 19. Februar 2019 er- folgten Konsultation diagnostizierte Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, ein HWS-Distorsionstrauma Grad II sowie Kontusionen am Knie, am Vorderarm links und am Handgelenk rechts sowie am unteren Rücken. Im beigelegte n Dokumentationsfragebogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma vom 19. Februar 2019 wurden Kopf- und Nackenbeschwerden sowie Schwindel und Übelke it angegeben. Für die Zeit vom 19. Februar bis 15. März 2019 wurde eine vollschichtige Arbeitsunfähigkeit attestiert und ab 16. März 2019 eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50% prognostiziert. 4.4 Ein am 12. März 2019 durchgeführtes MRT am linken Knie ergab die folgenden Diag- nosen: eine Femoropatellararthrose mit randständige n Osteophyten und unscharf begrenzten bis auf die Corticalis reichenden Knorpeldefekten ret ropatellar ohne abgrenzbaren freien Ge- lenkkörper, ein geringes Ödem im suprapatellaren Abschnitt des Hoffa’schen Fettkörpers, Diffe- renzialdiagnose (DD) posttraumatisch, DD im Rahmen ei nes Patellarsehnen- lateralen Femur- kondylus-Friktions-Syndroms, eine geringe Zerrung am Muscul us gastrocnemius, keine Ruptur des hinteren Kreuzbandes, eine geringe Chondropathie im medialen Femurkondylus ohne Knorpeldefekt, eher chronisch imponierende, geringe int ratendinöse Teilruptur der distalen Se- mimembranosus-Sehne, länglich konfigurierte Baker-Zyste sowie ein mässiger Gelenkerguss. 4.5 Am 4. April 2019 legte die Beschwerdegegnerin di e Akten in Bezug auf die Kniebe- schwerden ihrer beratenden Ärztin, Dr. med. E.____, FM H Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, vor. Diese führte hie rzu aus, dass das MRI des Knies deutlich vorbestehende degenerative Änderungen femor otibial (Grad II) und femoropatellär (Grad III) gezeigt habe. Das Ereignis habe lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimme- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung geführt. Eine strukturelle Läsion sei im MRI nicht dargestellt, die Menisken und Kreuzbän- der seien intakt. Es sei davon auszugehen, dass die unfal lkausalen Beschwerden 6-8 Wochen nach dem Ereignis abgeklungen seien. 4.6 In einer weiteren Aktenbeurteilung vom 9. April 2019 gelangte Dr. E.____ auch in Be- zug auf die HWS sowie die LWS zur Auffassung, dass keine Kausalität mehr nachgewiesen sei. Am 18. bzw. am 19. Februar 2019 seien die Diagnosen einer HWS-Distorsion Grad II, einer LWS-Kontusion sowie einer Kniekontusion links gestellt w orden. Das Ereignis habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung geführt. Am 18. Febru ar 2019 hätten strukturelle Läsionen in diesen Bereich jedoch mittels CT sowie konventione llem Röntgen ausgeschlossen werden können, weshalb auch diesbezüglich davon auszugehen sei, dass die Beschwerden 6-8 Wo- chen nach dem Ereignis abgeklungen seien. 4.7 Mit Austrittsbericht vom 15. Mai 2019 des Spitals C. ____ wurden muskuloskelettale Schmerzen im Bereich der LWS diagnostiziert. Die notf allmässige Selbstvorstellung sei bei stärksten stechenden Rückenschmerzen ohne vorangehendes Traum a erfolgt. Seit einem Ver- kehrsunfall am 18. Februar 2019 hätte die Patientin b ereits im Vorfeld unter intermittierenden lumbalen Rückenschmerzen gelitten und sei nur zu 50% arbe itsfähig gewesen. Die aktuellsten Beschwerden hätten sich über Tage hinweg bis zu stärksten Schmerzen mit Ausstrahlung in die linke Flanke und konsekutiver Atemnot entwickelt. Laborche misch hätten sich keine wegwei- senden Befunde ergeben. Im EKG habe ein normofrequenter Sinusrhythmus dokumentiert wer- den können. Radiologisch hätte eine Wirbelfraktur oder eine Gefügealteration ausgeschlossen werden können. Unter einer Kombination von Opioiden, NSAR und passager Sirdalud hätten sich die Schmerzen im Verlauf gelindert. Es wurde die F ortsetzung der Physiotherapie empfoh- len und bis zum Datum der Untersuchung eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert. 4.8 Am 7. Juni 2019 führte Dr. E.____ hierzu aus, da ss die akuten, plötzlich auftretenden Beschwerden nach einer Wirbelsäulenkontusion ohne stru kturelle Läsion lediglich möglicher- weise unfallkausal seien. Mit Beurteilung vom 17. Septe mber 2019 hielt sie ergänzend fest, dass im Bericht vom 15. Mai 2019 lediglich LWS-Beschwerd en beklagt würden. Die anderen betroffenen Regionen (HWS, Knie und Handgelenk) seien nicht explizit erwähnt. 4.9 Mit Beurteilung vom 17. September 2019 berichtet e Dr. D.____, dass die eingesetzte antientzündliche und analgetische Therapie inkl. Muskele ntspanner (Mydocalm) sowie die Phy- siotherapie zunächst eine kontinuierliche Verbesserung ge zeigt hätten. Allerdings hätte schon bald auf Irfen verzichtet werden müssen, da die Patient in einen massiven diastolischen Hyper- tonus entwickelt habe. Da die Patientin bereits seit dem 28. März 2019 zu 50% gearbeitet habe, sei zu einer weiteren Reduktion der Tablettenzahl der Versuch gemacht worden, Mydocalm zu pausieren. Die Patientin hätte jedoch in der Folge m assive Verkrampfungen erlitten, dies auch infolge des noch nicht ganz runden Gangbildes aufgrund der Kniekontusion und der noch nicht geheilten HWS-Problematik. So sei es zu einer muskuloskel ettalen Lumbalgie gekommen, die stationär habe behandelt werden müssen. Nach Wiederein setzen der Analgetika und des Mus- kelrelaxans habe eine Besserung bis zur vollständigen Arbeitsfähigkeit erreicht werden können. Die Patientin sei seit dem 1. Juli 2019 für leichte Arbeiten wieder zu 100% arbeitsfähig. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.10 In einer weiteren Aktenbeurteilung vom 31. Oktob er 2019 führte Dr. E.____ aus, dass sie an ihrer Beurteilung vom 17. September 2019 festha lte. Dem Bericht von Dr. D.____ seien keine neuen Erkenntnisse zu entnehmen. Das anlässlich der H ospitalisation vom 8. Mai 2019 beschriebene unrunde Gangbild des linken Knies sei übe rwiegend wahrscheinlich auf die vor- bestehenden degenerativen Veränderungen zurückzuführen. D em Bericht von Dr. D.____ sei zu entnehmen, dass die Versicherte bereits an akuten Lumb algien gelitten habe. Die am 8. Mai 2019 diagnostizierten muskuloskelettalen Beschwerd en seien lediglich möglicherweise auf das Unfallereignis zurückzuführen. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts in erster Linie auf die Ergebnisse, zu denen Dr. E .____, namentlich in ihren Aktenbeurtei- lungen vom 17. September und 31. Oktober 2019, gela ngt war. Auf dieser Grundlage stellte sie ihre Leistungen zuletzt mit Einspracheentscheid vom 2. April 2020 per 30. Juni 2019 ein. Gleichzeitig verweigerte sie jedoch die Übernahme der Kosten für den stationären Aufenthalt vom 8. - 11. Mai 2019, wobei sie sich auf den Standpun kt stellte, dass die dort erhobenen Be- schwerden nicht (mehr) überwiegend wahrscheinlich auf d as Unfallereignis vom 18. Februar 2019 zurückzuführen seien. 5.2 Entgegen ihrer Auffassung gelingt es der Beschwerd egegnerin vorliegend nicht, das Dahinfallen der natürlichen Kausalität für die am 8. Mai 2019 erhobenen Beschwerden gestützt auf diese Beurteilungen mit dem Beweisgrad der über wiegenden Wahrscheinlichkeit nachzu- weisen. 5.3.1 Dr. E.____ führte in ihren Beurteilungen, zule tzt am 31. Oktober 2019, aus, dass die bei der Hospitalisation am 8. Mai 2019 (lediglich) im Bereich der LWS angegebenen Beschwer- den nur möglicherweise auf das Unfallereignis zurückzuführen seien. Auf dieser Grundlage hält auch die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 1. November 2019 bzw. in ihrem Ein- spracheentscheid vom 2. April 2020 dafür, dass der Kausalzusammenhang lediglich als möglich zu betrachten sei. Das mag zutreffen, damit ist aber g erade nicht mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit der Wegfall der Kausalität nachgewiesen. Die Beschwerdegegnerin verkennt bei ihrer Argumentation, dass sie die Beweislast für den Nac hweis des Dahinfallens jeder kausalen Bedeutung der unfallbedingten Ursache trägt, nachdem sie ihre Leistungspflicht auch in Bezug auf die Beschwerden im Bereich der LWS anerkannt hatte . In diesem Sinne bekräftigte auch Dr. E.____ am 17. September 2019 erneut, dass das Un fallereignis zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der vorbestehenden Rückenbeschwerden gefüh rt habe, wobei sie die LWS- Kontusion nicht in Abrede stellt. Wie die Beschwerdefüh rerin zutreffend vorbringt, findet sich in ihrer Beurteilung jedoch keine nähere Begründung, we shalb der Status quo sine bzw. ante just 6-8 Wochen nach dem Ereignis eingetreten sein soll. So weit sich Dr. E.____ bei ihrer Beurtei- lung auf die Erfahrungstatsache beruft, wonach bei einem fehlenden Nachweis von strukturellen Läsionen nach derzeitigem medizinischen Wissensstand das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten zu erwarten ist (statt vieler Urteil des Bundesgerichts vom 19. März 2019 , 8C_834/2018, E. 3.3 ), kann ihr mit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Blick auf die nicht ganz drei Monate nach dem Unfall erf olgte Hospitalisation ebenfalls nicht gefolgt werden. 5.3.2 Die Zweifel am leistungsverweigernden Erforderni s, wonach die am 8. Mai 2019 erho- benen Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf unfall fremden Ursachen zu beruhen hät- ten, werden ferner dadurch bekräftigt, dass die medizi nische Behandlung der Unfallfolgen zum Zeitpunkt der Hospitalisation am 8. Mai 2019 noch an dauerte und die Beschwerdeführerin seit dem Unfallereignis ohne Unterbruch lediglich zu 50% ar beitsfähig war (vgl. act. M11, act. K25 und K26). Nach Art. 19 Abs. 1 UVG hat der Unfallversich erer die vorübergehenden Leistungen, wie Taggelder und Heilbehandlung, so lange zu gewähre n, als von der Fortsetzung der ärztli- chen Behandlung der unfallbedingten Beschwerden noch e ine namhafte Besserung des Ge- sundheitszustandes erwartet werden kann. Wie sich diesbezügli ch dem Bericht von Dr. D.____ vom 17. September 2019 entnehmen lässt, seien die akute n muskuloskelettalen LWS- Beschwerden im Wesentlichen auf den Versuch, die bishe r eingenommenen Medikamente (insbesondere das Muskelrelaxan), die zunächst eine Verbess erung des Gesundheitszustands herbeigeführt hätten, zu pausieren. Diese Zweifel werden auch nicht durch die daraufhin ergan- gene Beurteilung vom 31. Oktober 2019 ausgeräumt, wor in Dr. E.____ das beschriebene un- runde Gangbild überwiegend wahrscheinlich auf vorbeste hende degenerative Veränderungen zurückführt. Dies umso weniger, als sie die LWS-Beschwerde n erneut als möglich kausal be- zeichnet. Dessen ungeachtet erfolgte die Leistungseinstel lung durch die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 14. Juni 2019 erst im Anschluss an dieses Ereignis und mit Wirkung per 30. Juni 2019, wobei sie für die attestierte Arbeitsunfähigkeit bis zu diesem Zeitpunkt Taggelder ausgerichtet hat (vgl. act. K21 und K26). 5.4 Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin einen fehlenden Kausalzusammen- hang zwischen dem Unfallereignis und den am 8. Mai 201 9 erhobenen Beschwerden nicht rechtsgenüglich dargetan, weshalb sie die Folgen der B eweislosigkeit zu tragen hat. Demzufol- ge ist die Beschwerde gutzuheissen und der Einspracheentsch eid vom 2. April 2020 insoweit aufzuheben, als damit die Vergütung der Kosten für de n Spitalaufenthalt vom 8. - 11. Mai 2019 verweigert wird. Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflich ten, der Versicherten die durch den stationären Aufenthalt vom 8. - 11. Mai 2019 entstandenen Behandlungskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 3'377.50 zu vergüten. 6. Die Beschwerdeführerin beantragt ferner die Verzinsu ng der geltend gemachten Be- träge mit 5% seit dem 19. Oktober 2019. Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG werden die Sozialversi- cherungen, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirku ngspflicht vollumfänglich nachgekom- men ist, für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Mona ten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig. Die Frist von 24 Monaten ist im Sinne einer Mindestvoraussetzung zu verst ehen. Selbst wenn die Leistungen später als 12 Monate nach deren Geltendmachung ausgerich tet werden, sind keine Verzugs- zinsen geschuldet, wenn nicht zugleich mindestens 24 Monate seit der Anspruchsentstehung verstrichen sind (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Rz. 53 zu Art. 26 A TSG). Vorliegend besteht demnach keine Zinspflicht der Beschw erdegegnerin auf die ausstehenden Beträge. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde füh rende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt un d ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schw ierigkeit des Prozesses bemessen. Nachdem die Beschwerdeführerin obsiegt hat, hat sie Ansp ruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnitt- liche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Der Rechtsver- treter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarno te vom 25. August 2020 für das vorlie- gende Verfahren einen Zeitaufwand von 13 Stunden un d 15 Minuten geltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalt s- und Rechtsfragen zwar als hoch, aber noch als angemessen zu bezeichnen ist. Nicht zu beanstanden sind die in der Hono- rarnote ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 150.6 0. Ihm ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'729.75 (13 Stunden und 15 Minuten à Fr. 250.-- zuzüglich Spesen und Auslagen von Fr. 150.60 sowie 7.7% Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der ange fochtene Einsprache- entscheid vom 2. April 2020 insoweit aufgehoben, als damit die Vergü- tung der Kosten für den stationären Aufenthalt vom 8. - 11. Mai 2019 verweigert wird. Die Helsana Unfall AG wird verpflichte t, die Kosten für den stationären Aufenthalt vom 8. - 11. Mai 2019 in der Höhe von Fr. 2'495.50 sowie Fr. 882.-- vollumfänglich zu übernehmen 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3'729.75 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht