B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-209/2020 U r t e i l v o m 11 . M a i 2 0 2 1 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richter William Waeber, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, amtlich verbeiständet durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 10. Dezember 2019 / N (…). E-209/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste am (…) Dezember 2016 in die Schweiz ein und stellte am gleichen Tag im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch. Am 27. Dezember 2016 fand seine summari- sche Befragung zur Person (BzP) und am 28. März 2018 eine Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt. B. B.a Zur Begründung seines Asylg esuchs brachte der Beschwerdeführer bei der BzP vor, er stamme aus C._______, Provinz Al Hassaka. Er habe ein Militärdienstaufgebot der syrischen Behörden erhalten, gemäss wel- chem er sich am (…) 2015 beim Aushebungsamt in D._______ hätte mel- den müssen. Er habe sich zur Ausreise entschlossen, um der Rekrutierung zu entgehen. Zudem befürchte er, auch von der Partiya Yekîtiya Demokrat (PYD) rekrutiert zu werden. Im Übrigen sei er Mitglied der Demokratischen Partei Kurdistan -Syrien ( PDKS) gewesen und habe für diese an Kund - gebungen teilgenommen. Er habe aber nie ein Problem mit dem syrischen Regime wegen dieser Aktivitäten oder seiner Parteimitgliedschaft gehabt. Am (…) August 2016 sei er illegal in die Türkei ausgereist und von dort in der Folge nach Griech enland weitergereist. Von dort aus sei er in einem Lastwagen nach Deutschland gebracht worden und sei von dort weiter in die Schweiz gereist. B.b Im Rahmen der Anhörung brachte der Beschwerdeführer vor, er habe drei bis fünf Monate nach Ausbruch der Revolution in Syrien zusammen mit drei anderen Studierenden der Uni versität E._______ eine Zelle gegründet, die sich, inspiriert von der fr anzösischen Revolution, für d en Frieden und gegen den Krieg sowie das Baath-Regime engagiert habe. Sie hätten unter anderem Parolen an Wände geschrieben und bei opposi- tionellen Kundgebungen Reden gehalten. Namentlich hätten sie an einer grossen Demonstration am (…) 2012 teilgenommen. Am selben Tag sei ein Mitglied ihrer Gruppe von der Shabi ha (regimetreue Miliz) fest- genommen und während zehn Tagen unter Schlägen festgehalten worden, worauf sie ihre Aktivitäten reduziert hätten. Während seines Studiums in F._______ in den Jahren 2013/2014 habe er mehrere junge Revolutionäre – namentlich einen Mann namens G._______ – kennengelernt, und sie hätten ein- oder zweimal an Demon strationen teilgenommen. Er habe in dieser Zeit bei seiner Schw ester in H._______ gewohnt. Im September oder im Oktober 2014 sei G._______ verschwunden. Ebenfalls im Oktober E-209/2020 Seite 3 2014 sei er eines Ab ends von einem Fahrzeug der Shabi ha verfolgt wor- den. In der Folge habe er von einer Freundin erfahren, dass die Shabiha an der Un iversität Studierende nach G._______ und dessen K ontaktper- sonen gefragt hätten. Er habe hieraus geschlossen, dass G._______ den Behörden seinen Namen verraten habe, und sich deswegen zunächst bei einem in I._______ wohnhaften Freund versteckt. Von seinem Schwager habe er dann erfahren, dass die Behörden d essen Haus durchsucht und dabei nach ihm (Beschw erdeführer) gefragt hätten. Deswegen sei er im November 2014 verst eckt in einem Fahrzeug, das Waren transportiert habe, nach D._______ zu seinen Eltern zurückgekehrt. Weil er befürchtet habe, auch dort von den syrischen Behörden gesucht zu werden, habe er sich bei verschiedenen Verwandten und Freunden aufgehalten, während sein Vater seine Ausreise organisiert habe. Ein weiterer Grund für seine Ausreise sei gewesen, d ass ein erneuter Aufschub des Militärdienst es nicht mehr möglich gewesen wäre und die letzte Frist am (…) 2015 abge- laufen sei. Gemäss dem Aufgebot, welches ausgestellt worden sei, als er sich bereits in der Türkei aufgehalten habe, hätte er sich am (…) 2015 beim Aushebungsamt im C._______ melden und am (…) 2015 einrücken müs- sen. Dieses Aufgebot sei seinem Vater vom Dorfvorsteher ausgehändigt worden, und sein Neffe habe es ihm in die Türkei überbracht. Im Jahr 2016 sei seinem Vater in J._______ ein weiteres Militärdienstaufgebot ausge- händigt worden, gemäss welchem er sich am (…) 2016 beim Aushebungs- amt in D._______ hätte melden und am (…) 2016 in den Militärdienst hätte einrücken müssen. Mit der PYD habe er nie in Kontakt gestanden und von dieser auch kein Aufgebot erhalten. Jedoch habe die PYD systematisch alle Personen in der Region im Alter zwischen 18 und 32 Jahren aufgefor- dert, für sie Militärdienst zu leisten. Dies habe er jedoch abgelehnt, weil er sich von jeglicher Gewalt distanziert habe. Im Übrigen sei er nie Mitglied der PDKS gewesen. Er habe zwar einmal einen entsprechenden Antrag gestellt, diesen aber wegen seiner übrigen Aktivitäten wieder zurückgezo- gen. Er sei am (…) Januar 2015 illegal in die T ürkei ausgereist. Nach ei- nem ersten gescheiterten Versuch, von dort nach Griechenland weiterzu- reisen, sei er am (…) August 2016 für wenige Stunden nach Syrien zurück- gekehrt, um von seinen Angehörigen im Heimatstaat weitere finanziell Mit- tel für die Reise entgegenzunehmen. B.c Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer Doku- mente betreffend den Militärdienst (Militärbüchlein, zwei Militärdienst - aufgebote aus den Jahren 2015 und 2016) sowie Unterlagen bezüglich sei- ner Schul - und Universitätsausbildung ein (Studentenausweis, Quittung betreffend Immatrikulation an der Universität in F._______ 2013/2014, E-209/2020 Seite 4 Antrag für Wechsel von der Universität E._______ an di e Universität F._______ von September 2012, Maturitätszeugnis aus dem Jahr (…), Schulzeugnis aus dem Jahr 2009). C. Mit Verfügung vom 10. Dezember 2019 (eröffnet am 12. Dezember 2019) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug dieser Wegwei- sung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf- geschoben werde. D. D.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreter s an das Bundesverwaltungs - gericht vom 13. Januar 2020 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz und beantragte, die Dispositiv - Ziffern 1 bis 3 des Entscheids seien aufzuheben und es sei seine Flücht- lingseigenschaft festzustellen sowie ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm die vorläufige Auf- nahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung , Beiordnung seines Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er einen Ausdruck eines Face- book-Posts der Un iversität K._______ vom 1. Februar 2013 bet reffend Prüfungsergebnisse, eine Quittung betreffend Studiengebühren in Kopie , einen Ausdruck eines Internet-Artikels der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 25. August 2016, Fotografien von regimekritischen Demonstrationen in Syrien, die Fotografie einer exilpolitischen Veranstaltung in der Schweiz, einen USB-Stick mit Videoaufnahmen einer weiteren Kundgebung, einen aktuellen Arbeitsvertrag und Lohnabre chnungen sowie eine Versiche- rungspolice ein. E. Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2020 hiess der Instruktionsrichter die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um unentgeltliche Verbeiständung gemäss aArt. 110a AsylG gut, setzte antragsgemäss lic. iur. LL.M. Tarig Hassan als unentgeltlichen E-209/2020 Seite 5 Rechtsbeistand ein und verzichtete auf die Erh ebung eines Kostenvor- schusses. Ferner wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlas- sung eingeladen. F. In ihrer Vernehmlassung vom 27. Januar 2020 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. G. Mit Eingabe vom 12. Februar 2020 machte der Beschwerdeführer von dem ihm (mit Instruktionsverfügung vom 28. Januar 2020) eingeräumten Recht zur Replik Gebrauch, und hielt an seinen Beschwerdeanträgen fest. H. Mit Eingabe vom 7. Dezember 2020 verweis der Beschwerdeführer auf ein Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) vom 19. Novem- ber 2020, das sich mit der Frage der Flüchtlingseigenschaft von Refraktä- ren und Deserteuren aus Syrien befasse, und reichte eine diesbezügliche Pressemitteilung zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes- verwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-209/2020 Seite 6 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). Keine Flüchtlinge sind überdies Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus- druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat be- stehenden Überzeugung oder Ausrichtun g sind, wobei der Gesetzgeber auch hier die Einhaltung der FK vorbehält (Art. 3 Abs. 4 AsylG). E-209/2020 Seite 7 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensei n mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz Folgendes aus: 4.1.1 In den Vorbringen des Beschwerdeführers seien Widersprüche fest- zustellen: Während er bei der BzP angeg eben habe, Parteimitglied der PDKS gewesen und für diese an Demon strationen teilge nommen zu haben, habe er in der Anhörung eine Mitgliedschaft bei dieser Partei ver- neint. Ferner habe er bei der BzP ausgesagt, Angst vor der PYD gehabt zu haben, weil er von dieser gesucht werde, während er in der Anhörung diese Angaben abgeschwächt und nur davon gesprochen habe, dass er mög- licherweise von der PYD rekruti ert werden könnte. Seine angeblichen politischen Aktivitäten im Rahmen einer regimekritischen Zelle an der Uni- versität sowie die Suche nach ihm durch die Shabi ha, welche der Be- schwerdeführer bei der Anhörung als einen wesentlichen Grund für seine Ausreise aus Syrien genannte habe, habe er in der BzP nicht erwähnt. Abgesehen davon, dass er auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen wor- den sei, habe er auf eine offen gestellte Frage nach weiteren Asylgründen explizit ausgesagt, sämtliche Gründe für seine Ausreise aus dem Heimat- staat genannt zu haben. Da der Beschwerdeführer die genannten Vorbrin- gen erst im späteren Verlauf des Asylverfahrens geltend gemacht hab e, seien diese als unzulässiger Nachschub und daher als unglaubhaft einzu- stufen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass er seitens des syrischen Re- gimes nur den Einzug in den Militärdienst zu befürchten gehabt habe. Im Weiteren sei der Besc hwerdeführer nicht in der Lage gewesen, differen- zierte Angaben zu seinem (…)studium zu machen. Seine Angaben zu der angeblichen Verfolgung durch ein Fahrzeug der Shabiha würden nicht ge- nügen für die Annahme einer glaubhaften und gezielten Verfolgung. Auch den Aussagen des Beschwerdeführers zu den Problemen, die sein Vater nach seiner Ausreise gehabt habe, könne keine Relevanz beigemessen werden. Diese Vorbringen seien mithin nicht geeignet, die genannten Ver- folgungsvorbringen als glaubhaft erscheinen zu lassen. E-209/2020 Seite 8 4.1.2 Es treffe zwar zu, dass in den durch die PYD und die Yekîneyên Parastina Gel (Volksverteidigungseinheiten; YPG) kontrollierten Gebieten Nordsyriens Aufforderungen zur Wahrnehmung der Dienstpflicht ergehen würden. Praxisgemäss vermöchten diese Rekrutierungsbemühungen mangels eines Verfolgungsmotivs im Sinne von Art. 3 AsyIG und mangels hinreichender Intensität keine Asylrelevanz zu entfalten. Es sei nicht davon auszugehen, dass eine Weigerung, der Dienstpflicht nachzukommen, asyl- relevante Sanktionen nach sich ziehe. Eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermöge die Flüchtlingseigenschaft im syrischen Kontext nicht per se zu begründen, sondern nur dann, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsyIG verbunden sei. Die syrischen Behörden wür- den nicht allen Wehrdienstverweigerern oder Deserteuren eine regierungs- feindliche Haltung unterstellen. Dies sei nur dann der Fall, wenn spezifi- sche politische Faktoren vorliegen würden. Eine Bestrafung wegen Wehr- dienstverweigerung oder Desertion erfolge nur dann aus Gründen im Sinne von Art. 3 AsyIG, wenn zusätzliche einzelfallspezifische Risikofaktoren vor- liegen würden. Solche Faktoren, welche ein politisches Profil begründen könnten, seien vorliegend jedoch nicht ersichtlich. Allfällige Strafmassnah- men gegen den Beschwerdeführer infolge seiner Wehrdienstverweigerung würden demnach keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsyIG darstellen. 4.2 4.2.1 Der Beschwerdeführer stellte sich in der Beschwerdeeingabe auf den Standpunkt, die Vorinstanz habe seine Asylvorbringen zu Unrecht als teil- weise unglaubhaft erachtet. Die von ihr gerügten Widersprüche könnten nicht nachvollzogen werden. Er habe bereits bei der BzP vorgebacht, sei- nen Heimatstaat wegen des Einzugs in den Militärdienst und der Teilnahme an Demonstrationen verlassen zu haben. Die Interpretation, er habe Syrien wegen seines Engagements für die PDKS verlassen, sei falsch. Seine An- gabe in der Anhörung er habe lediglich einen Antrag für die Mitgliedschaft bei der Partei gestellt, stelle eine Präzisierung seiner Angaben bei der BzP dar, und stehe zu diesen nicht im Widerspruch. Es sei durchaus plausibel, dass er auf eine Mitgliedschaft verzichtet habe, um sich vermehrt für seine Zelle zu engagieren. Dass er ein Sympathisant der PDKS sei , könne den mit der Beschwerde eingereichten Fotografien entnommen werden. Auch die von der Vorinstanz vorgebrachte Abschwächung seiner Angst vor der Zwangsrekrutierung durch die PYD beziehungsweise die YPG könne nicht als Widerspruch gewertet werden. Er ha be die ihm in der Anhörung ge- stellte Frage bezüglich seiner Angst vor der PYD offens ichtlich nicht im Sinne des Befragers verstanden, und dieser habe es unterlassen nach-E-209/2020 Seite 9 zuhaken. Es sei offenkundig, dass er sich vor der notorischen Rekrutierung durch die YPG gefürchtet habe. 4.2.2 Nicht zutreffend sei auch die Argumentation, dass er seine Aussagen betreffend das politische Engagement während seiner Studienzeit nachge- schoben habe. Er habe in der summarischen BzP zumindest seine wich- tigsten Fluchtgründe erwähnt. Er sei nicht gefragt worden, ob er nebst der Teilnahme an Demonstrationen für die PDKS noch anderweitig politisch aktiv gewesen sei. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass die BzP sehr kurz ausgefallen sei und aus dem Protokoll hervorgehe, dass bei dieser ein eher schroffes, nicht vertrauensförderndes Klima geherrscht habe. Es sei plausibel, dass er be i dieser Gelegenheit nur kurz die allerwichtigsten Fluchtgründe genannt und sich bei der Beantwortung der gestellten Fragen kurz gehalten habe. Im Rahmen der Anhörung habe er die Gründe für seine Ausreise detailreich und ausführlich geschildert. Diesen Darlegungen sei bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit besonders viel Gewicht beizumes- sen, da sie viele Realkennzeichen enthalten würden. Er habe unaufgefor- dert sehr ausführlich über die Vorfälle in seinem Heimatstaat berichtet. Seine Schilderungen seien plausibel und stringent , und er habe sie chro- nologisch einordnen können. Zudem würden seine Aussagen du rch die eingereichten Beweismittel untermauert. 4.2.3 Die Vorinstanz habe ausserdem verkannt, dass seine Aktivitäten für die pazifistische Zelle in L._______ nicht der Hauptgrund für seine Flucht aus der Heimat gewesen sei. Vielmehr sei er danach in Damaskus gewe- sen und nach der Verhaftun g seines Freundes G._______ von dort nach Hause geflüchtet. Die Zweifel der Vorin stanz an seinem Literaturstudium seien unberechtigt. Er könne hierzu weitere Belege der Literaturfakultät der K._______-Universität einreichen. Sein Erinnerungsv ermögen sei durch den zeitlichen Abstand und die zwischenzeitlich erlebten Umbrüche in sei- nem Leben beeinflusst gewesen. Z udem sei er während des Studiums noch arbeitstätig ge wesen und habe sich stark engagiert. Es seien ihm darüber hinaus keine weiteren Fragen zu seinem Studium gestellt worden. Seine Schilderungen würden mit dem zu den Akten ger eichten Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung übereinstimmen. Ohnehin könne aus all- fälligen Zweifeln an seinem Studium nicht auf seine generelle Unglaubwür- digkeit geschlossen werden. E-209/2020 Seite 10 4.2.4 Im Weiteren sei die Verfolgung durch ein Fahrzeug nicht der einzige Hinweis auf eine behördliche Suche nach ihm gewesen. Zwei seiner engs- ten Mitstreiter seien festgenommen worden , und es habe bei seiner Schwester eine Hausdurchsuchung stattgefunden. Es sei notorisch, dass Personen, die mit der Opposition in Verbindung gebracht würden, gefähr- det seien. Dies gelte insbesondere für Studenten. 4.2.5 Er habe sich durch die Teilnahme an zahlreichen Demon strationen öffentlich exponiert. Aus den eingereichten Fotografien sei ersichtlich, dass er jeweils an vorderster Front mitgelaufen und dadurch leicht zu identifizie- ren g ewesen sei. Für eine andauernde Such e spreche auch, dass sein Vater nac h seiner Ausreise zur Vorsprache beim Aushebungsamt D._______ aufgefordert worden sei . Für die Glaubh aftigkeit dieser Vor- fluchtgründe spreche zudem, dass er sein politisches Engagement in der Schweiz weiteführe. Er unterstütze weiterhin prokurdische Organisationen und nehme an Demonstrationen gegen das Regime von Bashar al-Assad teil. 4.2.6 Demnach habe er glaubhaft dargelegt, dass es sich bei ihm um einen infolge seiner politischen Aktivitäten bekannten Wehrdienstverweigerer handle, und er vom syrischen Regime als Regimegegner identifiziert wor- den sei und daher gesucht werde. Die Vorinstanz habe dem herabgesetz- ten Beweismassstab von Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getra- gen. Die von ihr aufgeführten Ungereimtheiten könnten mehrheitlich ohne weiteres entkräftet werden, und seien, soweit sein Studium betreffend, oh- nehin nicht entscheidrelevant. 4.2.7 Bezüglich der asylrechtlichen Relevanz seiner Wehrdienstverweige- rung werde auf einen Bericht des Amts des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) sowie die Referenzurteile D-5553/2013 sowie D-5779/2013 des Bundesverwaltungsgeric hts verwiesen. Das Re- gime von Bashar al-Assad habe seit Ergehen dieser Urteile im Jahr 2015 noch an Macht gewonnen und sei namentlich auch in seiner Herkunftsre- gion heute viel stärker präsent. Er habe im Falle einer Rückkehr nach Syrien wegen seiner W ehrdienstverweigerung, seines regierungs - kritischen, pro -kurdischen Engagements sowie s einer Zugehörigkeit zur kurdischen Ethnie Verfolgung zu befürchten. Die Situation der kurdischen Bevölkerung im Norden Syr iens habe sich durch die türkische Offensive verschärft und sei zunehmend einer K ollektivverfolgung au sgesetzt. Er wäre demnach in seinem Heimatland wegen der Zugehörigkeit zu einer E-209/2020 Seite 11 sozialen Gruppe sowie seiner politischen Anschauung an Leib und Leben respektive in seiner Freiheit gefährdet. 4.2.8 Eventualiter seien ihm subjektive Nachfluchtgründe zuzuerkennen. Abgewiesene kurdische Asylsuchende, sowie Personen die illegal aus Sy- rien ausgereist seien, hätten im Falle einer Rückkehr zu befürchten, ver- haftet, verfolgt und misshandelt zu werden. Er hätte aufgrund seiner illega- len Ausreise, der Verweigerung de s Militärdienstes sowie seiner kurdi- schen Ethnie mit einem Verhör zu rechnen, wobei zu befürchten wäre, dass die Sicherheitsbehörden auf Gewaltmethoden zurückgreifen würden. 4.3 Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung insbesondere fest, es würden nähere Angaben zu den mit Fotografien dokumentierten pro - kurdischen Demonstrationen, an welchen der Beschwerdeführer angeblich teilgenommen habe, fehlen, namentlich dazu, wo und wann die Aufnahmen entstanden seien und wo der Beschwerdeführer auf diesen erkennbar sei. Auch betreffend die von ihm vorgebrachten exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz würden nähere Angaben fehlen. 4.4 In seiner Replikeingabe führte der Beschwerdeführer aus, die mit den Fotografien dokumentierten Demonstrationen seien von der PDKS organi- siert worden und hätten in den Jahren 2013 und 2014 in M._______ bezie- hungsweise K._______ stattgefunden. Die als Beilage 9 der Beschwerde- schrift eingereichte Fotografie sei nicht, wie ursprünglich angegeben, in der Schweiz, sondern bei einer Veranstaltung in K._______ im Jahr 2013 auf- genommen worden. Wie akut seine Gefährdung sei werde dadurch illus- triert, dass ein guter Freund, der ebenfalls an den Demonstrationen der PDKS teilgenommen habe, ermordet worden sei. Es werde angesichts der jüngsten Entwicklungen in seiner Herkunftsregion daran festgehalten, dass ihm aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit eine Kollektivverfolgung drohe. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hält nach Durchsicht der Akten Folgen- des fest: 5.2 5.2.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der i nneren Logik entbehren oder den Tatsachen E-209/2020 Seite 12 oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substan- ziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer An hö- rung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü- che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe- sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder b ewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir- kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweism ass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektiv ierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asyl- verfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts, in: ASYL 2015/2 S. 5). 5.2.2 Aussagewidersprüche zwischen den Protokollen der summarischen ersten Befragung und der einlässlichen Anhörung dürfen für die Beurtei- lung der Glaubhaftigkeit herangezogen werden, wenn klare Angaben bei der Befragung zur Pers on in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von späteren Aussagen in der Anhörung zu den Asylgründen diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der Emp- fangsstelle zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. bereits Entschei- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3). 5.3 Angesichts der vom Beschwe rdeführer eingereichten Unterlagen der Universitäten E._______ sowie K._______ ist zwar als überwiegend glaub- haft zu erachten, dass er dort ein Studium absolviert hat. In Übereinstim- mung mit der Vorinstanz ist aber festzustellen, dass sich erhebliche Zweifel an dem von ihm vorgebrachten regimekritischen Engagement während seiner Studienzeit sowie an der Suche nach ihm durch die Shabiha recht- fertigen. Obwohl es sich dabei gemäss einer Darstellung bei der Anhörung E-209/2020 Seite 13 um ein zentrales Element seiner Fluchtgründe handelte, erwähnte er diese Umstände im Rahmen der BzP in keiner Weise; vielmehr gab er explizit zu Protokoll, er habe nie Probleme mit den syrischen Behö rden gehabt (vgl. Akten SEM A6 S.10). Ebenso divergierend sind die Angaben des Be- schwerdeführers zu seinem Verhältnis zur PDKS. Die Erklärungen in der Beschwerdeschrift vermöge n diese klaren Widersprüche nicht überzeu- gend auszuräumen. Das Argument, die BzP sei sehr kurz ausgefallen und von einem schroffen Klima geprägt gewesen, findet im Protokoll dieser Be- fragung keine Stütze und verm öchte überdies nicht zu erklären, weshalb er unmissverständlich verneinte, jemals konkrete Probleme mit den syri- schen Behörden gehabt zu haben. Die Ausführungen des Beschwerdefüh- rers in der Anhörung zu seinen oppositionellen Aktivitäten in Damaskus so- wie der angeblichen behör dlichen Suche nach ihm s ind wenig detailliert und eher oberflächlich ausgefallen, weisen mithin keine überzeugenden Realkennzeichen auf. Den Akten lassen sich überdies keine überzeugen- den Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass die syrischen Behörden Kennt- nis des vom Beschwerdeführer vorgebrachten Engagements während sei- nes Studiums an der Universität E._______ erlangt haben. Auf den einge- reichten Fotoaufnahmen von Demonstrationen in Syrien ist er als normaler Teilnehmer und Mitläufer zu erkennen; sie lassen weder darauf schliessen, dass er sich auf irgendeine Weise besonders exponiert hätte, noch vermö- gen sie die behauptete Verbindung zur PDKS zu belegen. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer auch bezüglich des von ihn behaupteten, mit den Demonstrationsteilnahmen ve rbunden politischen Engagements keine substanziierten Angaben gemacht. 5.4 Nach dem Gesagten vermag der Beschwerdeführer nicht glaubhaft zu machen, dass er sich in dem von ihm behaupteten Ausmass in seinem Heimatstaat in regimekritischer Weise engagiert hat. Jedenfalls besteht kein hinreichender Grund zur Annahme, er sei von den syrischen Behörden als Regimegegner identifiziert worden und werde deswegen gesucht. 5.5 5.5.1 Im Rahmen eines Grundsatzentscheids ( BVGE 2015/3 E. 5) stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass auch nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Personen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion im Hei- matstaat begründen, weiterhin gültig bleibe. Demnach vermag eine Wehr- dienstverweigerung oder Desertion nicht allein, sondern nur verbunden mit einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigen- schaft zu begründen. Mit anderen Worten muss die betroffene Person aus E-209/2020 Seite 14 einem in dieser Norm genannten Grund (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimm ten sozialen Gruppe oder politische An- schauungen) wegen ihrer Wehrdienstver weigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsth aften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien erwog das Gericht in jenem Koordinationsentscheid, die genannten Voraussetzungen seien namentlich im Falle eines syrischen Refraktärs er- füllt, welcher der kurdischen Ethnie angehöre, einer op positionell aktiven Familie entstamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen hatte (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7.3; u.a. bestätigt im Urteil des BVGer E-5457/2018 vom 29. April 2020 E. 9.5.2). Das Bundesverwaltungsgericht geht in stän- diger Praxis davon aus, dass bei Wehrdienstverweigerung und Desertion im syrischen Kontext nur dann eine asylre chtlich relevante Strafe zu be- fürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren gegeben sind, wel- che darauf schliessen lassen, dass eine Person als Regimegegner ange- sehen wird und damit aus politischen Gründen eine unverhältnismässige Bestrafung zu gewärtigen hätte. Hingegen droht Wehrdienstverweigerern und Deserteuren, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind, nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit eine Strafe, welche die Schwelle der Asyl- relevanz erreichen würde (vgl. BVGE 2020 VI/4 E. 5 f. m.w.H.). An dieser Rechtsprechungspraxis vermag – ungeachtet der Frage seiner Rechtswir- kung für die Schweiz – auch das auf Beschwerdeebene erwähnte Urteil des EuGH (C-238/2019) nichts zu ändern, zumal auch der EuGH darin zum Ergebnis gelangt, dass zwischen der Strafverfolgung oder Bestrafung we- gen Verweigerung des Militärdienstes und zumindest einem der Verfol- gungsgründe, die einen Anspruch auf die Zuerkennung der Flüchtlingsei- genschaft begründen können, eine Verknüpfung bestehen muss (vgl. a.a.O. Ziff. 61; Urteil des BVGer D -2188/2020 vom 16. Februar 2021 E. 6.3). 5.5.2 Von einer solchen, flüchtlingsrechtlich relevanten Motivation für eine allfällige Bestrafung wegen Refraktion ist nach den obigen Ausführungen und Feststellungen im Fall des Beschwerdeführers nicht auszugehen. Wie erwähnt, hat er im Rahmen des Asylverfahrens nicht glaubhaft darzulegen vermocht, dass er den syrischen Sicherheitskräften als Person mit einer oppositionellen Gesinnung aufgefallen sein könnte (vgl. E. 5.3). Nament- lich rechtfertigt auch das in der Beschwerdeschrift vorgebrachte exilpoliti- sche Engagement – wie im Folgenden dargelegt wird – einen entsprechen- den Schluss nicht. Es ist gestützt auf die vorliegenden Informationen nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer sich durch die blosse Teilnahme E-209/2020 Seite 15 an Demonstrationen in der Schweiz besonders exponiert hat. Ferner lässt sich den Akten auch nicht entnehmen, dass er aus einer oppositionell akti- ven Familie stammt. 5.6 Eine allfällige Aufforderung zum militärischen Dienst bei den YPG würde nicht aus einem der in Art. 3 AsylG genannten Motiven, sondern gestützt auf den Wohnort, das Alter und das Geschlecht erfolgen, weshalb eine Bestrafung wegen Nichtbefolgens dieser Aufforderung nicht als asyl- erheblich zu qualifizieren wäre. In Ermangelung eines asylrelevanten Ver- folgungsmotivs wäre eine drohen de Bestrafung somit lediglich unter dem Aspekt der Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs relevant, welcher aufgrund der vom SEM bereits angeordneten vorläufigen Aufnahme hier nicht Prozessgegenstand ist (vgl. Urteil des BVGer D-317/2015 vom 1. März 2016 E. 5.9.4, m.w.H.). 5.7 Gemäss geltender Rechtsprechung ist nicht davon auszugehen, dass syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie im heutigen Zeitpunkt in besonderer und gezielter Weise aufgrund ihrer Ethnie in einem derart wei- ten und umfassenden Ausmass unter Anfeindungen zu leiden hätten, dass von einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden müsste. Auch unter dem Gesichtspunkt der heute veränderten Lage, insbesondere seit dem Einmarsch der türkischen Sicherheitskräfte und der verbündeten islamisti- schen Milizen in Nordsyrien, ist nicht anzunehmen, dass sämtliche in Syrien und insbesondere in Nordsyrien verbliebenen Kurdinnen und Kur- den derzeit eine objektiv begründete Furcht vor einer Verfolgung hätten (vgl. etwa Urteile des BVGer D-1220/2020 vom 3. November 2020 E. 6.5, D-6344/2018 vom 26. Mai 2020 E. 5.4, D-6431/2019 vom 16. März 2020 E. 5.2.3 und E -937/2017 vom 16. Januar 2020 E. 6.3). Der bürgerkriegs- bedingten Gefährdungslage und der fortbestehenden Volatilität und Dyna- mik der Entwicklung in Syrien wurde von der Vorinstanz in Rahmen des Wegweisungsvollzugs respektive der in diesem Zusammenhang angeord- neten vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden Rechnung getra- gen. 5.8 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, Vor- fluchtgründe im Sinn von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. E-209/2020 Seite 16 6. 6.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch sein Ver- halten nach der Ausreise aus Syrien in der Schweiz Grund für eine zukünf- tige Verfolgung durch die syrisc hen Behörden gesetzt hat und deshalb (infolge subjektiver Nachfluchtgründe) die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. 6.2 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom- men (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.). 6.3 Gemäss geltender Rechtsprechung rechtfertigt sich die Annahme einer begründeten Furcht vor Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten im Syrienkontext nur, wenn jemand sich damit in besonderem Masse expo- niert. Der Umstand, dass der syrische Geheimdienst im Ausland aktiv ist und gezielt Informationen über Personen syrischer Herkunft sammelt, reicht für sich allein genommen nicht aus, um eine begründete Verfol- gungsfurcht glaubhaft zu machen. Dafür müssen vielmeh r konkrete Anhaltspunkte vorliegen, dass jemand tatsächlich das Interesse der syri- schen Behörden auf sich gezogen hat respektive als regimefeindliche Per- son namentlich identifiziert und registriert worden ist. Massgebend für die Annahme einer begründeten Verfolgung ist insofern nicht primär das Her- vortreten im Sinne einer optischen Erkenn- und Individualisierbarkeit, son- dern vielmehr eine derartige Exponiertheit in der Öffentlichkeit, dass der Eindruck erweckt wird, der Asylsuchende werde aus Sicht des syr ischen Regimes als potenzielle Bedrohung wahrgenommen (vgl. Referenzurteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3, insbes. E. 6.3.2 m.w.H.). 6.4 Eine solche Exponierung ist vorliegend nicht gegeben. Die vom Be- schwerdeführer geltend gemachte Verfolg ung in Syrien hat sich als un- glaubhaft erwiesen. Ferner besteht auch kein Grund zur Annahme, dass er durch seine Teilnahme an Kundgebungen in der Schweiz als ernsthafter Regimegegner von der Masse der mit dem Regime unzufriedenen Land- leute im Exil hervorge treten und von den syrischen Sicherheitskräften wahrgenommen worden wäre. 6.5 Eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung allein aufgrund der illega- len Ausreise des Beschwerdeführers aus Syrien und der Asylgesuchstel- lung in der Schweiz ist gemäss konstanter Praxis des Bundesverwaltungs- gerichts ebenfalls nicht anzunehmen (vgl. u. a. die Urteile des BVGer D-1220/2020 vom 3. November 2020 E. 6.6, D -6344/2018 vom 26. Mai E-209/2020 Seite 17 2020 E. 5.5, E-1822/2018 vom 23. Januar 2020 E. 7.6 und E -5788/2017 vom 23. April 2019 E. 6.5, m.w.H.). Daran vermag der Umstand nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner längeren Landesab- wesenheit bei einer (angesichts seiner vorläufigen Aufnahme in der Schweiz) hypothetischen Wiedereinreise in Syrien wahrscheinlich einer Befragung durch die heimatlichen Behörden unterzogen würde. 7. Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG beziehungs- weise Art. 54 AsylG darzutun. Das SEM hat folglich zu Recht seine Flücht- lingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Da das SEM in seiner Verfügung vom 10. Dezember 2019 die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet hat, erübri- gen sich, praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 9. Aus diesen Erwägungen e rgibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-209/2020 Seite 18 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2020 sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG seine finanzielle Lage seit- her entscheidrelevant verändert hätte, ist auf die Auflage von Verfahrens- kosten zu verzichten. 11. Mit der Instruktionsverfügung vom 16. Januar 2020 wurde auch das Gesuch des Beschwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheis- sen (aArt. 110a Abs. 1 VwVG) und sein Rechtsvertreter als amtlich er Rechtsbeistand eingesetzt. Demnach ist diese m ein Honorar für ihre not- wendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten . Der in der Kostennote vom 12. Februar 2020 ausgewiesene zeitliche Vertretungs- aufwand erscheint als grundsätzlich angemessen, doch wurde das Hono- rar mit einem Stundenansatz von Fr. 300.– berechnet. Bei amtlicher Ver- tretung geht das Bundesverwaltungsgericht für nicht-anwaltliche Vertreter, wie in der Zwischenverfügung vom 16. Januar 2020 angekündigt, praxis- gemäss von einem Ansatz von höchstens Fr. 150.– aus. Demzufolge ist dem amtlichen Rechtsbeistand – ausgehend vom zeitlichen Vertretungs- aufwand gemäss Kostennote sowie dem nach deren Einreichung zusätz- lich entstandenen Aufwands – ein Gesamtbetrag von Fr. 1862.– (inkl. Aus- lagen und Mehrwertsteuerzuschlag) vom Bundesverwaltungsgericht aus- zurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-209/2020 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistands wird auf Fr. 1862.– bestimmt und durch die Gerichtskasse vergütet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: