Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 11. September 2012 (460 11 228) ____________________________________________________________________ Strafrecht Veruntreuung (Nachweis des subjektiven Tatbestands) Besetzung Präsident Thomas Bauer, Richter Beat Schmidli (Ref.), Richter Beat Hersberger; Gerichtsschreiber Stefan Steinemann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung OK/WK, Rheinstrasse 12, 4410 Liestal, Anklagebehörde und Berufungsklägerin gegen A. _____, vertreten durch Advokat Hans Portmann, Reinacherstrasse 30, 4053 Basel, Beschuldigter Gegenstand Veruntreuung Berufung gegen das Urteil der Präsidentin des Strafgerichts Basel- Landschaft vom 14. November 2011 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 14. November 2011 sprach die Präsidentin des Strafgerichts Basel- Landschaft A._____ (nachfolgend: Beschuldigter) in Auf hebung des Strafbefehls der Staatsan- waltschaft Basel-Landschaft vom 10. Februar 2011 von de r Anklage der Veruntreuung frei (Dispositiv-Ziffer 1). Die Verfahrenskosten, bestehend au s den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 2'320.85 und einer pauschalen Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.− bei Ausfertigung einer schrift- lichen Urteilsbegründung bzw. von Fr. 1'000.− ohne schrif tliche Urteilsbegründung, auferlegte sie dem Staat (Dispositiv-Ziffer 2). Zudem sprach sie dem Beschuldigten für den Beizug eines Verteidigers eine Entschädigung von Fr. 5'329.80 zu un d wies die darüber hinausgehende For- derung ab (Dispositiv-Ziffer 3). B. Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft Ba sel-Landschaft, Hauptabteilung OK/WK, mit Schreiben vom 23. November 2011 Berufung an. Mit Berufungserklärung vom 10. Januar 2012 begehrte sie, es seien B._____, Advokat, und C._____ als Zeugen zu befragen; es sei der Beschuldigte der Veruntreuung schuldig zu sprechen und zu einer unbedingt vollziehba- ren Freiheitsstrafe von vier Monaten zu verurteilen, di es als Zusatzstrafe zum Urteil des Amts- gerichts Lörrach vom 28. April 2008 und es seien die Verfahrenskosten und die Urteilsgebühren dem Beschuldigten aufzuerlegen; eventuell, im Fall e iner Bestätigung des Freispruchs, seien dem Beschuldigten die Verfahrenskosten und die Urteilsg ebühren aufzuerlegen und sei ihm eine Entschädigung zu verweigern. Mit Eingabe vom 15. März 2012 reichte sie ihre Berufungs- begründung ein. C. Mit Berufungsantwort vom 24. Mai 2012 beantragte der Beschuldigte, es sei die Berufung abzuweisen; eventuell, im Fall einer Bestätigung des vo rinstanzlichen Schuldspruchs, sei eine bedingte Geldstrafe auszusprechen; unter o/e-Kostenfolge für beide Instanzen. D. Mit Verfügung vom 31. Mai 2012 wurde der Antrag de r Staatsanwaltschaft, es seien B._____ und C._____ nochmals als Zeugen einzuvernehmen, abgewiesen. E. Zur heutigen Hauptverhandlung erscheinen der Beschuldi gte mit Hans Portmann, Advo- kat, und der Staatsanwalt Jérôme Mollat. Die Parteien halten an ihren Begehren fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Gegen ein Urteil des Präsidenten des Strafgerichts, das eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zum Gegenstand hat, kann bei der Dreierkammer der Abteilung Strafrecht des Kan- tonsgerichts Berufung erhoben werden (Art. 398 Abs. 1 StPO i.V.m. § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO). Da die Staatsanwaltschaft verlangt, es sei der Beschuldig te zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten zu verurteilen, ist die Dreierkammer des Kanto nsgerichts, Abteilung Strafrecht, zur Beurteilung ihrer Berufung zuständig. Weil die Berufung im Übrigen frist- und formgerecht erho- ben wurde, ist auf diese einzutreten. 2.1 Die D._____ AG (heute: E._____ AG) verleaste der F. _____ AG gemäss dem Finan- zierungsleasingvertrag vom 24. Januar 2005 den Mercedes Ben z CLS 55 AMG Coupé (Chas- sis-Nummer 1_____) für die Zeit vom 1. Februar 2005 b is zum 31. Januar 2009. Eigentümer dieses Autos war gemäss Ziff. C.16 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zum vorgenannten Vertrag die D._____ AG (act. 64.05.013 ff.). Am 4. D ezember 2006 verkaufte der Beschuldigte dieses Fahrzeug für € 53'000.− an die G._____ e.K. mit Sitz in Deutschland (act. 64.04.015). Strittig und zu prüfen ist, ob er sich durch den Verkauf des geleasten Fahrzeugs der Veruntreu- ung schuldig machte. 2.2.1 Die Vorinstanz erwog zusammenfassend, der Beschuldigte g ebe an, nicht gewusst zu haben, dass der Mercedes CLS 55 AMG geleast gewesen sei. Gemäss den übereinstimmen- den Bekundungen von H._____, I._____, J._____, C._____ und B._____ solle der Beschuldigte gewusst haben, dass es sich bei diesem Mercedes um ein Leasing fahrzeug gehandelt habe. Gemäss den Ausführungen von I._____ habe er Zugriff auf die Buchhaltung gehabt, jedoch habe er diese nie angeschaut. Aufgrund dessen sei anzune hmen, dass er keine Kenntnis der Buchhaltung gehabt habe. Den Aussagen des Beschuldigten stünden jenen der befragten Zeu- gen unvereinbar gegenüber. Es bestehe jedoch der Anschein, dass die Zeugen vor allem zulas- ten des Beschuldigten ausgesagt hätten, um von ihrem eige nen mutmasslichen Fehlverhalten abzulenken. Zudem stelle die Zeugenaussage von B._____ als Rechtsvertreter von K._____ keine zuverlässige Bekundung dar. Jedenfalls seien die Sch ilderungen des Beschuldigten nicht abwegig. So habe der Beschuldigte glaubhaft dargelegt , dass der Verkauf des Fahrzeugs vom internen Konsens der Geschäftsleitung der F._____ AG getragen worden sei und er letztlich nur den Verkauf umgesetzt habe. Wenn er aber nur diesen G eschäftsleitungsbeschluss ausgeführt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe, sei allen Beteiligten entgangen, dass das fragl iche Fahrzeug geleast gewesen sei. Im Weiteren habe er aus dem Verkauf des Fahrzeugs selbst gar keinen Vorteil gezogen. Das Geld sei direkt an die F._____ AG geflossen und er selbst se i für diesen Verkauf auch nicht entschä- digt worden. Vielmehr habe er ein Jahr nach diesem V erkauf noch Fr. 250'000.− in die F._____ AG investiert. Nicht unerheblich sei auch, dass bei der F ._____ AG scheinbar niemand reagiert habe, als das Geld für das verkaufte Fahrzeug auf den Firmenkonten eingegangen sei. Auf- grund all dessen sei im Zweifel zugunsten des Beschuldigte n von der Glaubwürdigkeit seiner Aussage auszugehen, wonach er sich der Leasingeigenschaft des Fahrzeugs nicht bewusst gewesen sei. 2.2.2 Die Aussagen der im vorliegenden Verfahren befragten Personen sind gemäss Art. 10 Abs. 1 StPO frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher U mstände, die sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sach darstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Wei- se, wie die Angaben erfolgen. Bei der Würdigung von B ekundungen darf nicht einfach auf die allgemeine Glaubwürdigkeit vom Aussagenden im Sinn ein er dauerhaften personalen Eigen- schaft (sein "Leumund") abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen, d.h. ob auf ei n bestimmtes Geschehen bezogene Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden ent sprechen (Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich SB110624-O/U/cs vom 20. März 2012 E. II.3; Urteil des deutschen Bun- desgerichtshofs 1 StR 498/04 vom 11. Januar 2005 E. III .1.b; R IEDO /F IOLKA /N IGGLI , Strafpro- zessrecht, 2011, S. 232). Bestehen unüberwindliche Zweif el an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so hat das Gericht g emäss Art. 10 Abs. 3 StPO von der für die beschuldigten Person günstigeren Sachlage auszugehen. 2.2.3 Den Bekundungen der im vorliegenden Verfahren befragt en Person ist gemein, dass sie erst in der Zeit von Juni 2009 bis Januar 2011 und d amit zweieinhalb bis vier Jahre nach dem inkriminierten Ereignis erfolgten. Es kann deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass nach dieser langen Zeit das Erinnerungsvermögen der befragten Person an das streitbetroffene Ereignis bereits nachliess. Zudem ist zu beachten, dass, n achdem am 25. August 2009 das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen des Verka ufs des Mercedes CLS auf Verun- treuung erweitert wurde (act. PD 04.02.002), allen B efragten offenbar klar war, dass beim Ver- kauf dieses Fahrzeugs die Bestimmungen des Leasingvertrag s nicht eingehalten worden wa- ren. Es ist deshalb nicht auszuschliessen, dass ihre Aussagen zumindest unbewusst durch die- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ses Wissen beeinflusst wurden. Aufgrund all der genannte n Umständen sind die Aussagen der befragten Personen mit entsprechender Zurückhaltung zu würdigen. 2.2.3.1 Die Staatsanwaltschaft brachte vor, die Zeugenaussagen von B._____ seien äusserst detailliert und widerspruchsfrei. B._____ habe als R echtsanwalt K._____ in Verhandlungen über die Veräusserung der F._____ AG und den Rücktritt von K._____ als Geschäftsführer der F._____ AG vertreten. K._____ sei per 30. September 2006 infolge fristloser Kündigung als Geschäftsführer der F._____ AG ausgeschieden und habe ab diesem Zeitpunkt keinen Lohn mehr von der F._____ AG bezogen. Er sei am 3. Oktober 2006 im Handelsregister als Verwal- tungsratspräsident der F._____ AG gelöscht worden. K.__ ___ habe somit zum Zeitpunkt des streitbetroffenen Verkaufs am 4. Dezember 2006 keinerl ei Funktion bei der F._____ AG mehr ausgeübt und sei am Verkauf des Leasingfahrzeugs nicht di rekt beteiligt gewesen. B._____ habe deshalb keinerlei Veranlassung gehabt, das Verhal ten von K._____ in ein günstigeres Licht zu stellen. B._____ sei ausserdem als Verteidiger von K._____ im mit Strafbefehl vom 3. Dezember 2010 rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbe- sorgung zum Nachteil der F._____ AG tätig gewesen. B._ ____, der aufgrund des Berufsge- heimnisses über ein Zeugnisverweigerungsrecht verfügt hab e, habe zu verstehen gegeben, dass er erst nach Abschluss des Strafverfahrens zu einer Au ssage bereit sei, um allfällige Inte- ressenkonflikte zu vermeiden. Die Einvernahme von B._____ habe deswegen erst am 7. Januar 2011 erfolgen können. B._____ habe aufgrund der abg eschlossenen zivilrechtlichen Verhand- lungen und des rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahren s völlig unbefangen und ohne er- sichtliche Interessenkollisionen aussagen können. Selbst bei Vorliegen allfälliger Interessenkon- flikte hätte sich B._____ jederzeit auf sein Aussageverwe igerungsrecht berufen können. Die Vorinstanz führe im Übrigen auch nicht aus, inwiefern ko nkrete Interessenkonflikte bestanden hätten oder aus welchen sonstigen Gründen seine Zeugena ussagen unglaubwürdig gewesen sein sollen. Überdies komme den Zeugenaussagen eines R echtsanwalts eine grundsätzlich hohe Glaubwürdigkeit zu. Aus diesen Gründen seien die Zeugenaussagen von B._____ als höchst glaubwürdig und zuverlässig zu qualifizieren. 2.2.3.2 Weil die F._____ AG K._____ per 30. September 2006 als Geschäftsführer kündigte und er am 3. Oktober 2006 im Handelregister als Verw altungsratpräsident der F._____ AG ge- löscht wurde, steht fest, dass er beim Verkauf des fraglich en Mercedes am 4. Dezember 2006 nicht unmittelbar beteiligt war. Zudem ist zu beachte n, dass die Einvernahme von B._____ erst erfolgte, nachdem das Strafverfahren gegen K._____ w egen ungetreuer Geschäftsbesorgung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Nachteil der F._____ AG rechtskräftig abgeschlossen war . Überdies konnte sich B._____ trotz der Entbindung vom Beschuldigten von der Geheimn ispflicht aufgrund von Art. 171 Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 13 Abs. 1 BGFA jederzeit auf sein Aussa geverweigerungsrecht berufen. Unter all diesen Umständen ist davon auszugehen, dass für B._____ keinerlei Anlass bestand, unrich- tige Angaben zu machen. 2.2.3.3 Die Staatsanwaltschaft legte vorliegend nicht dar, aus w elchen konkreten Aussagen von B._____ zu folgern ist, der Beschuldigte habe Kenntnis davon gehabt, dass das streitbetrof- fene Fahrzeug geleast war. Aufgrund von Art. 404 Ab s. 1 StPO hat das Kantonsgericht indes- sen gleichwohl von Amtes alle Beweise zu würdigen, die in der zugelassenen Anklage dem erstinstanzlichen Gericht unterbreitet wurden (E UGSTER , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 404 N 2). 2.2.3.4 Bei der Einvernahme vom 7. Januar 2011 führte B._____ als Zeuge aus, von ungefähr Mai oder Juni 2006 bis Ende September/Anfang Oktober 2 006 sei zunächst über eine Über- nahme der F._____ AG durch seinen Mandanten K._____ und später - wegen gesundheitlicher Gründe von K._____ - über einen geordneten Rückzug des L etzteren aus der F._____ AG ver- handelt worden. Bei mehreren Treffen sei der Beschuld igte anwesend gewesen (act. 64.03.045). Auf die Frage, ob es allen an den Verha ndlungen Beteiligten damals bekannt ge- wesen sei, dass es sich bei dem ehemaligen Geschäftswagen von K._____ um ein geleastes Fahrzeug gehandelt habe, antwortete B._____, den inv olvierten Personen sei dieser Umstand klar bekannt gewesen. K._____, der selber an den Verhan dlungen nicht teilgenommen habe, Herrn L._____, seinem Mitarbeiter, dessen Namen er nicht mehr wisse, und dem Beschuldigten selbst sei dieser Umstand bekannt gewesen. Es sei ja in den Verhandlungen konkret darum gegangen, wer das Leasing für das Fahrzeug übernehmen s olle. Auf die Frage, woraus er kon- kret schliesse, dass dem Beschuldigten bekannt gewesen sei, d ass das besagte Fahrzeug ge- least geworden sei, sagte B._____, der Beschuldigte sei ü ber alle Vorgänge bei der F._____ AG damals gut informiert gewesen. Herr L._____ oder der Beschuldigte, er sei nicht mehr ganz sicher, welcher von beiden, habe gesagt, dass K._____ oh ne Einkommen das Leasingfahrzeug sowieso nicht übernehmen könne. Ausserdem sei der geleast e Mercedes CLS damals auch mehrfach in der zwischen ihm und Herrn N._____ und Her rn L._____ erfolgten Korrespondenz erwähnt worden. Diese habe er genau gekannt und auf deren Inhalt habe er sich auch berufen. Im Übrigen seien seiner Meinung nach sämtliche Fahrzeuge der Firma, nämlich Lastwagen und Personenwagen, geleast gewesen. Insgesamt sei über den Mercedes nicht sehr viel gespro- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen worden, weil dies für sie eher ein untergeordnete r Punkt gewesen sei und die Gegenseite keine Bereitschaft gezeigt habe, über den Mercedes zu ve rhandeln (act. 64.03.046). Auf die Frage, ob der Beschuldigte zum Zeitpunkt des Verkaufs des Mercedes Benz CLS 55 AMG am 4. Dezember 2006 mit Sicherheit gewusst habe, dass es sic h hierbei um ein geleastes Fahr- zeug gehandelt habe, welches sich nicht im Eigentum der F._____ AG befunden habe, gab B._____ zur Antwort, er könne es sich nicht vorstellen, wie er das nicht gewusst haben könnte (act. 64.03.047). Gemäss den Aussagen von B._____ wurde bei den Verhandlu ngen über die Übernahme der F._____ AG durch K._____ bzw. den Rückzug des Letzteren a us dem Unternehmen nur am Rand über den streitbetroffenen Mercedes gesprochen. Da der Beschuldigte lediglich an eini- gen, nicht aber an allen Besprechungen teilnahm, ersch eint es deshalb als möglich, dass bei den Verhandlungen, bei denen der Beschuldigte anwesen d war, der Mercedes nicht erwähnt wurde. Aus dem Umstand, dass der Beschuldigte bei mehreren Besprechungen anwesend war, kann somit nicht gefolgert werden, dass er im Bild darüber war, dass das Fahrzeug geleast war. Weil B._____ sich selber nicht sicher ist, ob der Beschuldig te oder L._____ ihm sagte, dass K._____ das fragliche Fahrzeug ohne Einkommen nicht üb ernehmen könne, kann es sodann nicht als nachgewiesen gelten, dass der Beschuldigte di ese Aussage machte. Im Weiteren ist zu beachten, dass B._____ im Schreiben vom 18. Septembe r 2006 (Beilage 1 der Berufungs- antwort) Rechtsanwalt L._____ einen detaillierten Vorschlag betreffend das Ausscheiden seines Klienten K._____ aus der F._____ AG und den Verkauf der Aktien von K._____ an J._____ und C._____ unterbreitete. Gemäss Ziffer 9 dieses Vorschlags sollten K._____ die beiden Fahrzeu- ge Range Rover und Mercedes CLS kostenlos überlassen w erden. Im Gegensatz zu den übri- gen Ziffern dieses Vorschlags, die zahlenmässig definie rte Feststellungen und Abwicklungsmo- dalitäten enthalten, fehlte in der zitierten Bestimm ung jeglicher Hinweis darauf, wie die von B._____ vorgeschlagene unentgeltliche Überlassung vonstat ten gehen sollte. Dies deutet dar- aufhin, dass im damaligen Zeitpunkt selbst B._____ nich t bekannt oder nicht bewusst gewesen war, dass das besagte Auto geleast war. Da die Übernahm e des geleasten Mercedes eine Re- gelung über die Auflösung des Leasingvertrags oder über die Tragung der noch ausstehenden Leasingraten erfordert hätte, ist davon auszugehen, dass B._____ als Rechtsanwalt bei Kennt- nis, dass der fragliche Mercedes geleast war, im fraglichen Vorschlag eine entsprechende Re- gelung vorgesehen hätte. Ferner entspricht die Vorstell ung von B._____, dass sämtliche Fahr- zeuge bei der F._____ AG geleast waren, nicht den tatsä chlichen Verhältnissen. Denn wie sich aus E. 2.2.6 ergibt, standen bei der F._____ AG Ende 2006 58% des Inventar- und Fahrzeug- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht werts im Leasing und 42% in deren Eigentum. Schliesslich antwortete B._____ auf die Frage, ob der Beschuldigte mit Sicherheit gewusst habe, dass es sich beim besagten Mercedes um ein Leasingfahrzeug gehandelt habe, er könne sich nicht vor stellen, dass der Beschuldigte nicht gewusst habe, dass das fragliche Fahrzeug geleast gewesen sei . Damit bezeugt er nicht posi- tiv, es sei dem Beschuldigten bekannt gewesen, dass das fr agliche Fahrzeug geleast sei. Viel- mehr teilte er lediglich mit, was er annahm. Aufgrund all dieser Umstände lässt sich nicht erstel- len, dass der Beschuldigte wusste, dass der streitbetroffe ne Mercedes geleast war. Dies zumal B._____ auch nicht aussagte, er habe vom Beschuldigten persönlich gehört, es handle sich um ein Leasingfahrzeug. 2.2.4.1 Die Staatsanwaltschaft führte aus, die belastenden Aussa gen von C._____ vom 28. Mai 2010 und 13. September 2010 seien detailliert un d widerspruchsfrei. C._____ habe seit Dezember 2005 keinen Lohn mehr bei der F._____ AG bez ogen und sei am 3. Oktober 2006 aus dem Verwaltungsrat der F._____ AG ausgeschieden. Si e habe somit zum Zeitpunkt des Verkaufs des Leasingfahrzeugs am 4. Dezember 2006 keinerl ei Funktion bei der F._____ AG mehr ausgeübt. Weder sei sie direkt am Fahrzeugverkauf b eteiligt gewesen noch habe sie die Weiterbezahlung der Leasingraten zu verantworten gehabt . Infolgedessen habe sie keinerlei Anlass gehabt, falsche oder beschönigende Aussagen in Be zug auf ihr eigenes Verhalten im Zusammenhang mit der Ablösung des Leasingfahrzeugs zu mac hen. Es gebe überdies keiner- lei Anhaltspunkte, dass ihre Aussagen aus anderen Gründen nicht der Wahrheit entsprechen sollten. Die Bekundungen von C._____ seien daher als glaubwürdig einzustufen. 2.2.4.2 In ihrer Strafanzeige vom 14. Oktober 2008 teilten C._ ____ und J._____ dem Beson- deren Untersuchungsrichteramt (heute: Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung OK/WK) mit, dass der Verkauf des streitbetroffenen Mer cedes den Leasingvertrag verletzt ha- be. Und zudem hätten sie noch feststellen müssen, dass die Leasingraten bis zur Konkurseröff- nung noch von der F._____ AG weiterbezahlt worden sei en, obwohl sich der Beschuldigte rüh- me (zumindest indirekt über seine Aktiengesellschaft), Ei gentümer dieses Mercedes zu sein (act. 64.01.001 ff.). Anlässlich der Befragung vom 28. M ai 2010 machte C._____ insbesondere geltend, durch die Hände des Beschuldigten und H._____ sei immer wieder Schwarzgeld ge- flossen. Auch Herr M._____, ihr Bekannter aus der Schulze it, der ja ebenfalls einschlägig be- kannt sei, habe viele krumme Dinger mit dem Beschuldigte n gedreht und könnte sicher einiges erzählen (act. 64.03.040). All dies erweckt den Anschein, dass C._____ einen erheblichen Groll auf den Beschuldigten hegte. Ihre Aussagen sind deshalb n icht nur aus den in E. 2.2.3 bereits Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht genannten Gründen, sondern auch wegen dieses in der Strafanzeige zum Ausdruck gebrachten persönlichen Aversion mit entsprechender Zurückhaltung zu würdigen. 2.2.4.3 Bei der Vernehmung vom 28. Mai 2010 wurde C._____ als Auskunftsperson vorgehal- ten, dass in ihrer Strafanzeige vom 14. Oktober 2008 a uch die Rede von einem geleasten Mer- cedes sei, der verkauft worden sein solle und gefragt, was es damit auf sich habe. Daraufhin gab sie zur Antwort, dass sie dieses Fahrzeug, das angeblich ihr Vater noch bestellt und das dann K._____ gefahren habe, nach dem Ausscheiden von K ._____ zu sich genommen habe. Der Beschuldigte habe sie dann nach zwei Tagen angerufe n und ihr mitgeteilt, dass er sich mit der Leasinggesellschaft habe einigen können und sie in Zukunft die Leasingkosten sparen könnten, weshalb sie ihm das Auto zurückbringen solle (act . 64.03.040). Anlässlich der Einver- nahme vom 13. September 2010 wurde C._____ aufgefor dert, das Protokoll ihrer Befragung vom 28. Mai 2010 durchzulesen (act. 64.03.042). Bei de r anschliessenden Vernehmung zur Sache führte C._____ unter anderem aus, dass zwei Tage, nachdem sie d as Auto bei sich zu- hause abgestellt gehabt habe, ihr der Beschuldigte zuh ause am Abend angerufen und gesagt habe, er habe eine Lösung mit der Leasinggesellschaft ge funden und sie solle ihm das Fahr- zeug nach Allschwil in den Werkhof zurückbringen. Sie habe dann das Auto dorthin gebracht. Sie habe den Beschuldigten dann im Werkhof getroffen u nd gefragt, ob er eine Möglichkeit mit der Leasinggesellschaft gefunden habe, weil sie habe wi ssen wollen, ob sie schon Kosten spa- ren könnten. Er habe ihr daraufhin gesagt, ja, er hab e eine Lösung mit der Leasinggesellschaft gefunden und deshalb habe er das Auto so schnell zurückha ben müssen. Sie habe ihm das Fahrzeug und die Schlüssel übergeben und das sei es gewesen (act. 64.03.042). 2.2.4.4 Der Beschuldigte machte an der heutigen Verhandlung auf Vorhalt der vorerwähnten Aussage von C._____ vom 28. Mai 2010 geltend, dass er im Zusammenhang mit dem fragli- chen Verkauf einzig gesagt habe, sie hätten einen Käuf er sowie dass dieser Käufer das Fahr- zeug mit einem eigenen Leasingvertrag geleast habe und die Leasinggesellschaft den Kauf- preis zahle. Auf den Vorhalt der Ausführungen von C._____ vom 13. September 2010 antworte- te der Beschuldigte, dass er gesagt habe, dass er einen Käufer habe, der das Fahrzeug bei der O._____ AG lease. 2.2.4.5 Die Staatsanwaltschaft stützte ihre Begründung, dass dem Beschuldigten bekannt gewesen sei, dass es sich beim fragliche Auto um ein Leasingfahrzeug gehandelt habe, im We- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sentlichen auf die vorgenannten Ausführungen von C._ ____ anlässlich der Vernehmung vom 13. September 2010. 2.2.4.6 C._____ führte aus, der Beschuldigte habe ihr gesagt, aufgrund der Einigung mit der Leasinggesellschaft könnten sie in der Zukunft Leasingkosten sparen. Weil C._____ unmittelbar bevor sie zum zweiten Mal zur Sache befragt wurde, das Protokoll der ersten Einvernahme zum Lesen gegeben wurde, gebietet die grundsätzliche Identität der Bekundungen bei beiden Befra- gungen nicht zwingend die Annahme einer tatsächlichen Übereinstimmung. Denn es ist durch- aus möglich, dass sie nur deshalb gleichlautende Aussagen machte, weil sie das fragliche Pro- tokoll vor der zweiten Einvernahme nochmals durchlas. Im vo rliegenden Fall ist zu beachten, dass die F._____ AG im Zeitpunkt des Verkaufs keine Einig ung mit der D._____ AG über eine Beendigung des Leasingvertrags traf. Fest steht jedoch, dass der Kaufpreis für den besagten Mercedes von der O._____ AG bezahlt wurde (act. 64.01. 005). Der Beschuldigte ging gemäss seinen eigenen Aussagen davon aus, dass P._____ den Kaufpr eis für diesen Mercedes durch die O._____ AG bezahlen liess und dieses Auto von der Letzteren leaste. Die O._____ AG ver- leaste das fragliche Fahrzeug zwar P._____ in Wirklichke it nicht. Weil jedoch das Verleasen von Automobilen eines der Kerngeschäfte der O._____ AG bildete und das Führen der fragli- chen Verhandlungen mit der O._____ AG Sache des P.___ __ war, erscheint es durchaus als möglich, dass der Beschuldigte annahm, dass P._____ den Mercedes bei der O._____ AG le- aste. Im Zweifel ist zugunsten des Beschuldigten von der letzteren Annahme auszugehen. Da die O._____ AG den Kaufpreis für den fraglichen Merced es bezahlte, steht ferner fest, dass P._____ zuvor mit der O._____ AG einen entsprechenden Vertrag abschliessen musste. Des- halb, und da der Beschuldigte davon ausging, es handle sich bei diesem Vertrag um einen Lea- singvertrag, ist es ohne Weiteres möglich, dass der Beschuld igte, als er gegenüber C._____ ausführte, dass eine Einigung mit der Leasinggesellschaft erzielt worden sei, damit den Ver- tragsschluss von P._____ mit der O._____ AG meinte. Auch die Aussage, dass er das Auto schnell zurückhaben muss, passt zu einer solchen Annahme, d enn in diesem Fall musste er doch das Fahrzeug dem P._____ ausliefern. Weil vorlieg end in der fraglichen Zeit keine Eini- gung mit der D._____ AG erzielt worden war und sich vo rliegend auch nicht aufdrängt anzu- nehmen, dass sich der Beschuldigte über alle Einzelheiten der F._____ AG mit C._____ unter- hielt, ist im Zweifel zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass er mit der Aussage, es sei eine Einigung mit der Leasinggesellschaft erzielt worden, nicht die D._____ AG damit meinte. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2.4.7 C._____ führte bei der ersten Befragung aus, dass durch den fraglichen Verkauf Lea- singkosten eingespart werden könnten. Bei der zweiten E invernahme erwähnte sie lediglich, dass sie sich nach einer Kosteneinsparung erkundigt habe. Weil C._____ ihre Aussage betref- fend die Einsparung der Leasingkosten bloss anlässlich der ersten Vernehmung machte und diese zudem pauschal und wenig detailreich ist, vermag di ese für sich allein nicht zweifelsfrei die Annahme zu begründen, C._____ habe eine wirklich i hr gegenüber gemachten Äusserung wiedergegeben. Der Beschuldigte führte an der heutig en Verhandlung aus, dass bei einem Fahrzeugverkauf die Steuern und die Aufwendungen für Versicherungen, Reparaturen und Benzin eingespart werden können. Da der Beschuldigte d en Auftrag hatte, bei der F._____ AG die Kosten zu reduzieren, erscheint es durchaus als möglich, dass er im Zeitpunkt des streitbe- troffenen Verkaufs von der Einsparung von Kosten durch ein en Verkauf des fraglichen Fahr- zeug sprach und damit die vorgenannten Aufwendungen mei nte. Weil C._____ erst dreieinhalb Jahre nach dem fraglichen Verkauf Äusserung zur Sache ma chte und sie zu diesem Zeitpunkt dem Beschuldigten in ihrer Strafanzeige vorwirft, da ss sie trotz des Verkaufs des besagten Au- tos weiterhin Leasingkosten hätten bezahlen müssen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie sich an die Einzelheiten nicht mehr genau erinnern konnte und sich durch ihre eigene Straf- anzeige beeinflussen liess. Sie könnte deswegen eine vo m Beschuldigten zum Ausdruck ge- brachte Einsparungsmöglichkeit unzutreffenderweise als Ein sparung von Leasingkosten ge- meint haben. 2.2.5.1 Die Staatsanwaltschaft machte geltend, die Aussagen der Auskunftspersonen I._____ und J._____ sowie des Beschuldigten H._____ seien ebenf alls belastend und widerspruchsfrei. Diese Aussagen wiesen jedoch - im Gegensatz zu den Aussag en von B._____ und C._____ - einen niedrigeren Detaillierungsgrad auf. Weiter sei es zutreffend, dass H._____ ein Interesse daran gehabt haben könnte, eigene mögliche Verfehlung en im Zusammenhang mit dem Ver- kauf des Leasingfahrzeugs auf den in der gleichen Sache verdächtigten Beschuldigten abzu- schieben. Aus diesen Gründen seien die Aussagen dieser d rei Personen für eine Verurteilung alleine wohl noch nicht ausreichend. Sie rundeten jedo ch die Beweislage ab und stünden nicht im Widerspruch dazu. 2.2.5.2 Die Staatsanwaltschaft legte vorliegend nicht dar, auf grund welcher konkreten Aussa- gen von I._____ und J._____ sowie H._____ zu folgern i st, der Beschuldigte habe Kenntnis davon gehabt, dass das streitbetroffene Fahrzeug gelea st war. Aufgrund von Art. 404 Abs. 1 StPO hat das Gericht jedoch dennoch von Amtes wegen alle s zu überprüfen, was in der zuge- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht lassenen Anklage dem erstinstanzlichen Gericht unterbreite t wurde (EUGSTER , a.a.O., Art. 404 N 2). 2.2.5.3.1 J._____ sagte bei der Einvernahme vom 26. März 2010 au f die Frage, ob es ihr vor und zum Zeitpunkt des Verkaufs des Mercedes bekannt gewesen sei, dass es sich um ein ge- leastes Fahrzeug gehandelt habe, aus, nein, dies habe sie erst erfahren, als K._____ nicht mehr in der F._____ AG gewesen sei. Der Beschuldigte u nd H._____ hätten ihr mitgeteilt, dass das Fahrzeug von K._____ geleast gewesen sei (act. 64.03 . 033 f.). Auf die Frage, wann der Beschuldigte und H._____ ihr mitgeteilt habe, dass das Fahrzeug geleast gewesen sei, antwor- tete J._____, sie wisse nicht mehr genau, wann das gewese n sei. Sie sei sich nicht einmal mehr ganz sicher, welcher der beiden Personen es ihr gesagt habe. Sie habe mit beiden Herren Kontakt gehabt (act. 64.03.034). Kurz darauf sagte si e, sie nähme schon an, dass die Leasing- eigenschaft des besagten Mercedes dem Beschuldigten und H._____ bekannt gewesen sei (act. 64.03.034). 2.2.5.3.2 Weil sich J._____ nicht sicher war, ob der Beschuldigte od er H._____ ihr mitteilte, dass das streitbetroffene Fahrzeug geleast war, kann es nic ht als erstellt gelten, der Beschul- digte habe ihr dies mitteilte. Da J._____ bloss annahm, die Leasingeigenschaft sei dem Be- schuldigten bekannt gewesen, kann es nicht als zweifelsfrei nachgewiesen gelten, der Beschul- digte habe effektiv gewusst, dass das fragliche Auto gelea st gewesen sei. Denn dabei handelt es sich lediglich um eine Unterstellung von J._____, jed och nicht um eine sichere Kenntnis, dem Beschuldigten sei bekannt gewesen, dass das fragliche Fahrzeug geleast war. 2.2.5.4.1 I._____ wurde bei der Einvernahme vom 22. Juni 2009 gefragt, ob es dem Beschuldig- ten und H._____ zum Zeitpunkt des Verkaufs bekannt gewese n sei, dass es sich um ein Lea- singfahrzeug gehandelt habe. Daraufhin antwortete sie , dies sei klarerweise der Fall, die Fahr- zeuge seien ja auch als Leasingfahrzeuge in den Büchern geführt worden (act. 64.03.004). 2.2.5.4.2 I._____ sagte bei der Befragung vom 12. März 2010, sie denke, dass der Beschuldigte die Buchhaltung der F._____ AG eher nicht konsultiert habe. Sie denke, dass er am Computer vor allem E-Mails und Briefe geschrieben habe. Wenn er selber gebucht hätte, so hätte sie dies beim Abschluss gesehen (act. 64.03.023). Aufgrund dieser Aussage von I._____ steht nicht fest, ob der Beschuldigte überhaupt je Einblick in die Buchhaltung der F._____ AG nahm. Es ist deshalb im Zweifel zugunsten des Beschuldigten anzunehm en, dass er die fragliche Buchhal- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung nicht konsultierte. Es kann deshalb aufgrund des Umstands, dass der streitbetroffene Mer- cedes als Leasingfahrzeug verbucht war, nicht vorgeworfen werden, er habe gewusst, dass es sich dabei um ein Leasingfahrzeug gehandelt habe. 2.2.5.5.1 H._____ machte anlässlich der Befragung vom 15. Septem ber 2009 geltend, der streitbetroffene Verkauf sei ihm bekannt gewesen. Der B eschuldigte habe ihm gesagt, dass dieses Fahrzeug abgelöst werden sollte. Ihm sei bekannt g ewesen, dass es sich um ein Lea- singfahrzeug gehandelt habe. Es sei darum gegangen, da ss die monatlichen Leasingkosten hätten einspart werden sollen. Der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass die O._____ AG den Leasingvertrag übernehmen werde. Damit sei die Geschich te für ihn erledigt gewesen. Er sei davon ausgegangen, dass dieser Vertrag auf diese Weise abgelöst worden sei (act. 64.03.010). Ausserdem wurde H._____ gefragt, ob dem Beschuldigten beim Verkauf bekannt gewesen sei, dass es sich um ein Leasingfahrzeug gehandelt habe, welche s gar nicht hätte verkauft werden dürfen. Daraufhin antwortete er, dem Beschuldigten sei damals bekannt gewesen, dass es sich um ein Leasingfahrzeug gehandelt habe. Er und der Be schuldigte hätten damals die Kostensi- tuation angeschaut. Damals hätten sie festgestellt, dass d ieses Fahrzeug unnötige monatliche Kosten verursache. Es sei klar gewesen, dass es monatliche Kosten verursacht habe, seien es Kredit- oder Leasingkosten gewesen (act. 64.03.011). 2.2.5.5.2 H._____ war gemäss dem Handelsregister in der streitbetr offenen Zeit bei der F._____ AG als Geschäftsführer eingetragen. Weil es si ch beim Verkauf des streitbetroffenen Mercedes für € 53'000.− um einen grösseren Geschäftsvorfall handelte, m usste er darüber im Bild gewesen sein. Da dieser Verkauf unter Verletzung des Leasingvertrags mit der D._____ AG vorgenommen wurde, musste ihm klar gewesen sein, dass er deswegen der Veruntreuung verdächtigt wurde. Wenn H._____ ausführte, der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass das frag- liche Leasing vom O._____ AG übernommen werde, so dien t dies auch seinem eigenen Schutz. Denn würde dies zutreffen, wäre durch den strei tbetroffenen Verkauf der fragliche Lea- singvertrag mit der D._____ AG nicht verletzt worden u nd es könnte H._____ in diesem Zu- sammenhang kein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werde n. Weil er geltend machte, der Be- schuldigte habe für die Übernahme des Leasingvertrags durch die O._____ AG gesorgt, musste er folgerichtig auf die Frage, ob dem Beschuldigten b ekannt gewesen sei, dass das fragliche Fahrzeug geleast worden sei, bejahen. Aufgrund all dessen kann vorliegend nicht ausgeschlos- sen werden, dass die vorerwähnten Aussagen von H._____ darauf abzielten, von einem eige- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen Fehlverhalten abzulenken. Diese Ausführungen können deshalb nicht als glaubwürdig be- trachtet werden. 2.2.6.1 Die Staatsanwaltschaft brachte vor, gemäss dem angefochte nen Urteil sei beim Fahr- zeugverkauf allen Beteiligten entgangen, dass es sich um ein Leasingfahrzeug gehandelt habe. Dabei übersehe das Strafgericht, dass das Fahrzeugleasing bei der F._____ AG die Regel ge- wesen sei und nicht die Ausnahme. So hätten sich 58% (Fr . 1'613'527.80) des Inventar- und Fahrzeugwerts der F._____ AG per 31. Dezember 2006 (Bi lanzwert Fr. 2'766'402.10) im Lea- sing und nur 42% im Eigentum der Gesellschaft befunden. Deshalb sei es wenig plausibel, dass den beteiligten Personen die Leasingeigenschaft des Fahrzeugs entgangen sei. Beim fraglichen Fahrzeug, einem Mercedes CLS 55 AMG, habe es sich schliessl ich - im Unterschied zur übri- gen Bagger- und Lastwagenflotte der F._____ AG - um ein markantes Einzelfahrzeug der Lu- xusklasse gehandelt, bei welchem eine Verwechslung mit ei nem ähnlichen Fahrzeug, welches sich möglicherweise nicht im Leasing befunden habe, ausgeschlossen werden könne. 2.2.6.2 Unstrittig ist davon auszugehen, dass sich bei der F._____ A G 58% der Fahrzeuge im Leasing und 42% in deren Eigentum befanden. Weil dem nach längst nicht alle Fahrzeuge bei der F._____ AG geleast waren, musste der Beschuldigte nicht zwingend davon ausgehen, dass jedes Fahrzeug und damit auch der Mercedes geleast war. Zudem ist zu beachten, dass in Deutschland, wo der Beschuldigte wohnt und arbeitet, e in Vermerk, dass das entsprechende Auto geleast ist, in den Fahrzeugpapieren obligatorisc h war. Hinzu kommt, dass auch in der Schweiz ein derartiger Eintrag zumindest üblich war (act. 64.04.016). Unter diesen Umständen erscheinen die Ausführungen des Beschuldigten, dass er a ufgrund eines fehlenden Vermerks im Fahrzeugausweis, wonach der Mercedes geleast war, dar auf vertraute, dieser sei nicht ge- least, nicht als abwegig. 2.2.7 Aufgrund all dessen konnte nicht zweifelsfrei nachgewi esen werden, dass der Be- schuldigte wusste, dass der streitbetroffene Mercedes geleast war. Es ist vielmehr nicht ausge- schlossen, dass er - gemäss seinen eigenen Beteuerungen - nichts davon wusste, dass es sich beim Mercedes um ein geleastes, d.h. ein fremdes und anv ertrautes Fahrzeug handelte. Weil der Beschuldigte gemäss dem Ergebnis der Beweiswürdigung verkannte, dass das fragliche Fahrzeug geleast und damit für die F._____ AG fremd w ar, unterlag er einem Sachverhaltsirr- tum und konnte deshalb den Vorsatz der Veruntreuung ni cht haben (BGE 129 IV 238 E. 3.2 S. 241). Da der Beschuldigte bereits aufgrund des fehlend en Nachweis dieses Vorsatzes nicht Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht wegen Veruntreuung bestraft werden kann, braucht nich t weiter geprüft zu werden, ob er in ei- ner Absicht unrechtmässiger Bereicherung handelte oder nicht. Aufgrund all dessen folgt, dass die Vorinstanz dem Beschuldigten zu Recht von der Anklage der Veruntreuung freisprach. 3. Die Staatsanwaltschaft verlangte, im Fall eines Freispruchs seien die Dispositiv-Ziffern 2 und 3 des angefochtenen Urteils aufzuheben und die V erfahrenskosten und Urteilsgebühren gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO dem Beschuldigten aufzuerlegen sowie ihm gemäss Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO keine Entschädigung zuzusprechen. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so trägt gr undsätzlich der Staat die Kosten der Strafuntersuchung (Art. 423 Abs. 1 StPO). Der beschuld igten Person können trotz Freispruch jedoch gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt wer- den, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat. Bei der Kostenpflicht des fre igesprochenen Beschuldigten handelt es um eine zivilrechtlichen Grundsätzen angenäherte Haft ung. Das Verhalten ist als rechtswid- rig und schuldhaft im Sinn von Art. 426 Abs. 2 StPO zu qualifizieren, wenn der Beschuldigte, obschon er weiss oder wissen müsste, dass seinem Verhalten ei ne Strafuntersuchung folgen muss, handelt (G RIESSER , Zürcher Kommentar zur StPO, 2010, Art. 426 N 10; DONATSCH /S CHMID , Kommentar zur Zürcher Strafprozessordnung, 1999, § 42 N 29). Weil der Beschuldigte vorliegend keine Kenntnis davon hatte noch einen Grund hatte anzunehmen, dass der streitbetroffene Mercedes geleast war, kann nicht ang enommen werden, er habe gewusst oder hätte zumindest damit rechnen müssen, dass der Ver kauf dieses Fahrzeugs ein Strafver- fahren auslöst. Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz dem Beschuldigten keine Verfahrenskosten auferlegte. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freige sprochen, so hat sie Anspruch auf Ent- schädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübu ng ihrer Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Weil die Gründe gemäss Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO für eine Kürzung oder Verweigerung einer solchen Entschädigung dieselben sind, wie sie in Art. 426 Abs. 2 StPO genannt werden, und solche nicht vorhanden sind, steht fest, dass die Vorinstanz die dem Be- schuldigten für den Beizug eines Verteidigers aus der St aatskasse auszurichtende Parteient- schädigung zu Recht nicht gestützt auf Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO kürzte oder gar verweigerte. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Gesamthaft ergibt sich, dass sich die Berufung als unbegrü ndet erweist und abzuwei- sen ist. 5. Aufgrund des Obsiegens des Beschuldigten sind gemäss Art. 4 28 Abs. 1 StPO die Kosten des Berufungsverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen. Aufgrund von Art. 434 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO hat der freigesprochene Beschuldigte Anspruch auf Entschädigung seiner Aufwendungen für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte. Weil diese Ent- schädigung, wie sich bereits in E. 3 ergibt, gestützt auf Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO weder zu kür- zen oder verweigern ist, steht fest, dass dem Beschuldig ten für den Beizug eines Verteidigers im Berufungsverfahren eine volle Parteientschädigung zuz usprechen ist. In der Honorarrech- nung vom 10. September 2012 fakturierte der Verteidi ger des Beschuldigten, Hans Portmann, Advokat, für die Zeit vom 13. Dezember 2011 bis 11. Sep tember 2012 einen Zeitaufwand von 17.25 Stunden (exkl. Hauptverhandlung) und Auslagen von Fr. 109.20 (inkl. Spesen für Fahrt zur Hauptverhandlung). Dies erscheint der Schwierigkeit u nd dem Umfang des vorliegenden Falls angemessen. Zudem ist für die Teilnahme an der H auptverhandlung ein Zeitaufwand von vier Stunden zu entschädigen. Da der Straffall in tatsä chlicher und rechtlicher Hinsicht als mit- telschwierig einzustufen ist, erscheint ein Stundenansatz von Fr. 230.− als angemessen (Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abt. Strafrecht, 46 0 11 42 vom 27. April 2012 E. 8.2; BStGer. SK.2011.7 vom 18. August 2011 E. 6.3). Weil d er Beschuldigte seinen Wohnort oder seinen üblichen Aufenthaltsort nicht in der Schweiz, so ndern im Ausland hat, ist gemäss Art. 8 Abs. 1 i.V.m. Art. 18 Abs. 1 MwStG auf den von seinem Offizialverteidiger erbrachten Arbeiten keine Mehrwertsteuer zu berechnen (MWST-Branchen-Info 18 der Eidg. Steuerverwaltung vom Januar 2010 Ziff. 2.1). Das Honorar von Hans Portmann b erechnet sich somit im Berufungsver- fahren wie folgt: [in Fr.] Zeitaufwand (21.25 Std. x Fr. 230.00) 4'887.50 Auslagen 109.20 Total 4'996.70 Der Verteidiger des Beschuldigten, Hans Portmann, ist somit für seine Bemühungen im Beru- fungsverfahren mit insgesamt Fr. 4'996.70 aus der Staatskasse zu entschädigen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Es wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird abgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens, best ehend aus einer Urteilsgebühr von Fr. 4'500.− und Auslagen von pa uschal Fr. 50.−, werden auf die Staatskasse genommen. 3. Der Verteidiger des Beschuldigten, Hans Portmann, Advokat, wird für seine Bemühungen im kantonsgerichtlichen Verfahren m it Fr. 4'996.70 aus der Staatskasse entschädigt. Präsident Thomas Bauer Gerichtsschreiber Stefan Steinemann