Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. April 2019 (725 18 292 / 88) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Kürzung der Invalidenrente gestützt auf Art. 36 Abs. 2 UVG verneint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin i.V. Neslihan Kalayci Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1958 geborene A.____ stürzte am 29. Septembe r 2013 und zog sich dabei ein Schädel-Hirn-Trauma mit bilateraler frontaler Kontu sionsblutung und Felsenbeinlängsfraktur rechts zu. Zu diesem Zeitpunkt erfüllte er die Ansp ruchsvoraussetzungen nach Art. 8 des Bun- desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 und war somit obligatorisc h bei der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt (Suva) versichert. Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen Versicherungs- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht leistungen. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2017 wurde ihm für die verbliebene Beeinträchti- gung eine Integritätsentschädigung von 45 % (Fr. 56‘700.--) zugesprochen. Am 6. Februar 2018 sprach die Suva eine Invalidenrente aufgrund eines Inval iditätsgrades von 100 % und eines versicherten Jahresverdienstes von Fr. 122‘095.-- ab 1. De zember 2016 zu. Die Rente wurde als Komplementärrente ausgerichtet. Zudem erfolgte ei ne Kürzung um 50 % wegen unfallfrem- der Ursachen, sodass die monatliche Rente auf Fr. 3‘544.5 5 festgesetzt wurde. Die gegen die- se Verfügung erhobene Einsprache wurde mit Einsprache entscheid vom 12. Juli 2018 abge- wiesen. Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei auf die neurologische Beurteilung von Dr. med. B.____, FMH Neurologie und Psychiatrie, Abte ilung Versicherungsmedizin der Suva, vom 21. Juni 2016, und machte im Wesentlichen geltend , es sei mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass der Gesundheitsschaden , welcher dem heutigen Invali- ditätsgrad von 100 % zu Grunde liege, zur Hälfte auf den unfallfremden Alkoholabusus zurück- zuführen sei. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Danie l Altermatt, mit Eingabe vom 13. September 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei von einer Kürzung der Invalidenrente wegen un- fallfremder Ursachen abzusehen. Eventualiter sei eine K ürzung von weniger als 50 % vorzu- nehmen; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerde gegnerin. Zur Begründung wurde angeführt, dass die Alkoholproblematik, welche bereits vor dem Unfall bestanden habe, nicht zu einer Verminderung der Erwerbsfähigkeit geführt habe , wie dies in Art. 36 Abs. 2 des Bundes- gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 vorausgesetzt werde. Daher sei eine Kürzung der Rente nicht zulässig. Zudem sei ein e Kürzung im Umfang von 50 % nicht verhältnismässig. C. Mit Vernehmlassung vom 23. Oktober 2018 beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde. D. In seiner Replik vom 27. Dezember 2018 hielt der Be schwerdeführer an seinen Rechtsbegehren fest. E. Mit Duplik vom 1. Februar 2019 schloss die Suva erneut auf Abweisung der Beschwer- de. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 UVG auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer be im zuständigen kantonalen Ver- sicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versiche- rungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhe- bung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dies er in C.____, weshalb die örtliche Zu- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahe n ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnun g (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi cherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behan dlung der Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be schwerde vom 13. September 2018 ist einzutreten. 2. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidier- ten Bestimmungen des UVG sowie der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 in Kraft getreten. Versicherungsleist ungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, werden nach bisher igem Recht gewährt (vgl. Über- gangsbestimmung in Art. 118 Abs. 1 UVG). So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, wes- halb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug ge- nommen wird. 3. Vorliegend ist strittig und zu prüfen, ob die Suva zu Recht eine Kürzung der Invaliden- rente im Umfang von 50 % gestützt auf Art. 36 Abs. 2 UVG vorgenommen hat. 4.1 Gemäss Art. 36 Abs. 2 UVG werden u.a. die Invaliden renten angemessen gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise die Folge eines Unfalls ist (Satz 1). Art. 36 UVG geht von der Annahme aus, dass nicht bloss ein Unfall, sondern zusammen mit ihm auch ande- re (unfallfremde) Faktoren eine bestimmte Gesundheitssch ädigung bewirken können. Ent- sprechend dem Grundsatz, wonach die Unfallversicherung n ur für die Folgen von Unfällen auf- zukommen hat, sieht Art. 36 Abs. 2 Satz 1 UVG u.a. bei den Invalidenrenten eine Leistungskür- zung bei Einwirkung unfallfremder Faktoren vor. Dieses Ka usalitätsprinzip wird indessen in Art. 36 Abs. 2 Satz 2 UVG, der sich auf Renten bezieht (BGE 113 V 54), abgeschwächt (BGE 113 V 137 E. 5a). Danach werden Gesundheitsschädi gungen vor dem Unfall, die zu kei- ner Verminderung der Erwerbsfähigkeit geführt haben, nicht berücksichtigt (Satz 2). Die Ab- schwächung des Kausalitätsprinzips soll die Schadensabwicklung bei unfallfremden Vorzustän- den erleichtern und vermeiden (BGE 113 V 138 oben E. 5b mit Hinweis auf die Botschaft des Bundesrates zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung v om 18. August 1976, BBl 1976 III 175 und 197; A LFRED M AURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern, 1985, S. 469). Nach der Rechtsprechung bezieht sich Art. 36 Abs. 2 UVG nicht nur auf somati- sche, sondern auch auf psychische Vorzustände (RKUV 1988 Nr. U 47 S. 228 E. 6a). 4.2 Bei der Auslegung von Art. 36 Abs. 2 Satz 2 UVG ist davon auszugehen, dass ein krankhafter Vorzustand, der vor dem Unfall zu keiner Ver minderung der Erwerbsfähigkeit ge- führt hat, keine Kürzung der Invalidenrente erlaubt ( MAURER , a.a.O., S. 471; P ETER OMLIN , Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1995, S. 126). Aufgrund des bei der Gesetzesauslegung in erster Linie massgebenden Wortlauts (BGE 119 Ia 248 E. 7a, 119 II 151 E. 3b, 355 E. 5, 119 V 126 E. 4) ist eine Rentenkürzung nach Art. 36 Abs. 2 Satz 2 UVG nur zulässig, wenn der krankh afte Vorzustand, der zusammen mit Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Unfall die invalidisierende Gesundheitsschädigung v erursacht, bereits vor dem Unfall zu einer (teilweisen) Erwerbsunfähigkeit geführt hat. Vo r dem Unfall bestehende mitwirkende Ge- sundheitsschädigungen führen, unabhängig von deren Schw eregrad, zu keiner Leistungskür- zung, wenn sie vor dem Unfall keine Verminderung der E rwerbsfähigkeit zur Folge hatten (UELI KIESER /KASPAR GEHRING /SUSANNE BOLLINGER , KVG/UVG-Kommentar, Zürich 2018, Art. 36 Rz. 10 f). Nicht relevant ist, ob der krankhaf te Vorzustand ohne das Unfallereignis vo- raussichtlich einen Einfluss auf die Erwerbsfähigkeit geha bt hätte, der sich aber im Unfallzeit- punkt noch nicht ausgewirkt hat (Urteil des Bundesgerich ts vom 30.09.2009, 8C_181/2009, E. 5.6). Begrifflich wird unter Erwerbsunfähigkeit das Unvermögen des Versicherten verstan- den, auf dem gesamten für ihn in Frage kommenden ausge glichenen Arbeitsmarkt die verblie- bene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise wirtschaftlich zu verwerten (BGE 109 V 29 E. 3d mit Hinweis; unveröffentlichte E. 5 des in BGE 116 V 80 au szugsweise publizierten Urteils vom 17. April 1990; MAURER , a.a.O., S. 351). Wenn der krankhafte Vorzustand eine bleibende oder doch längere Zeit bestehende Erwerbsunfähigkeit und d amit eine Invalidität (vgl. die Legaldefi- nition in Art. 18 Abs. 2 UVG, sowie zum Invaliditätsbegriff im allgemeinen BGE 116 V 249 E. 1b mit Hinweisen) verursacht hat, ist die Leistungskürzung de nn auch zulässig (M AURER , a.a.O., S. 471). Schliesslich muss auch im Hinblick darauf, dass es i n Art. 36 Abs. 2 UVG um die Kür- zung von Dauerleistungen geht, vorausgesetzt werden, da ss der krankhafte Vorzustand eine längerdauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit zur Folge hatte (P ETER BOHNY , Der My- thos der adäquaten Unfallfolgen, in: Plädoyer 1994/1 S. 33 Fn 10). Es muss sich mit andern Worten um eine Gesundheitsschädigung mit invalidisierend em Charakter handeln. Die Er- werbsunfähigkeit muss zudem einen erheblichen Grad aufw eisen, damit sie zur Begründung einer Rentenkürzung herangezogen werden kann. 5. Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat die rechtsanwendende Behörde ihren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes v orsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Verwalt ung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mög lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast be griffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwa ltungsstelle) ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgr und einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahr scheinlichkeit für sich hat, der Wirklich- keit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Zur Beurteilung der strittigen Frage sind folgende Dokumente von Relevanz: 6.1 Die letzte Arbeitgeberin des Beschwerdeführers hie lt im Arbeitszeugnis vom 28. Februar 2012 fest, dass das Arbeitsverhältnis per 31. Dezember 2011 wegen der schlech- ten Wirtschaftslage habe aufgelöst werden müssen. 6.2 Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie Baselland, führte in ihrem Austrittsbericht vom 17. September 2012 folgend e psychische Befunde auf: 53-jähriger Patient, allseits orientiert, keine Hallu zinationen, Ich-Störungen, Wahn, Suizidalität oder überwertige Ängste. Der Patient sei affektiv gut spürbar. 6.3 Im Austrittsbericht vom 14. August 2013, der sich au f die stationäre Entzugsbehand- lung vom 28. Juni 2013 bis zum 12. Juli 2013 bezieht, berichtete Dr. med. E.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie Baselland, dass der Patient bewusstseinsklar und all- seits orientiert sei. Es bestünden keine Hinweise auf Aufm erksamkeits- und Gedächtnisstörun- gen. Im formalen Gedankengang sei er kohärent. Hinwei se auf psychotisches Erleben gebe es keine. Affektiv sei er niedergeschlagen, ratlos und verzw eifelt. Psychomotorisch sei er leicht angetrieben. 6.4 Nach dem hier massgebenden Unfallereignis hielt PD Dr. med. F.____, FMH Neurochi- rurgie, Universitätsspital Basel, in seinem Bericht vom 16. Oktober 2013 fest, dass der Be- schwerdeführer am 29. September 2013 unter Alkoholeinf luss gestürzt und von der Sanität in den Schockraum des Universitätsspitals Basel eingeliefert w orden sei. Er diagnostizierte ein mittelschweres Schädelhirntrauma nach Sturz in aethylisiertem Zustand, initialer GCS 10 sowie einen zweimaligen generalisierten tonisch-klonischen Anf all. Auf der CT des Schädels vom 30. September 2013 seien bilaterale Kontusionsblutung frontal und temporal mit Ventrikelein- bruch und ein minimales Subduralhämatom occipital bds. o hne wesentliche Raumforderung, eine Felsenbeinlängsfraktur rechts und ein chronischer C2-Abusus ersichtlich. 6.5 Aus dem Bericht von Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiat- rie Baselland, vom 3. April 2014 geht hervor, dass de r Beschwerdeführer seit 2004 eine Alko- holproblematik habe. Die Menge des Alkohols habe seith er schleichend zugenommen. Am 13. Dezember 2011 sei er zum Alkoholentzug in die Klin ik für Psychiatrie und Psychotherapie, Liestal eingetreten. Er plane seinen Alltag wieder a ufzunehmen, Sport zu treiben und mit eini- gen Kollegen, welchen ebenfalls gekündigt worden sei, eine Firma aufzubauen. Im Juli 2013 sei der Beschwerdeführer erneut in die Klinik eingetreten . Seit Oktober 2012 habe er wieder be- gonnen, regelmässig eine halbe Flasche Wodka und 1-2 Gläser Wein pro Tag zu trinken. 6.6 Dem Bericht von Dr. med. H.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Kantonsspital Bruderholz, vom 22. September 2014, betreffend die H ospitalisation vom 26. August 2014 bis 19. September 2014 ist zu entnehmen, dass während der Hospitalisation, nach Abklingen des Entzugsdelirs, eine zunehmende Verlangsamung sowie ein "flapping tremor" aufgefallen sei, sodass von einer hepatischen Enzephalopathie ausgegangen worden sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.7 Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie Baselland, hielt in ihrem Austrittsbericht vom 24. November 2015 fest, dass a ufgrund der langjährigen Alkoholab- hängigkeit mit zahlreichen Rückfällen und alkoholbeding ten Begleiterkrankungen, eine Verän- derung der Persönlichkeit mit Verlust von Motivation un d mit emotionaler Verflachung eingetre- ten zu sein scheine. 6.8 Dr. B.____, führte in ihrer Beurteilung vom 21. Juni 2016 aus, dass sie das aktuelle Ausmass der Hirnfunktionsstörung als mittelschwer einschätze. Es bestünden deutliche Minder- leistungen mehrerer kognitiver Funktionen, eine deutl iche Persönlichkeitsänderung mit Störung v.a. von Affekt und Kritikfähigkeit. Die mittelschwere traumatische Hirnverletzung am 29. Sep- tember 2013 habe zu beidseitigen Läsionen des Stirnhirn s sowie des Schläfenhirns und zu ei- nem Gehirnschwund geführt. Die entstandenen kognitiven und sozialen Defizite seien teilweise auch Folge des langjährigen Alkoholmissbrauchs. Deshalb könne die Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit und der Integritätsschaden aufgrund der Unfallfolgen nur indirekt und ungefähr ermittelt werden. 7. Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Ei nspracheentscheid vom 12. Juni 2018 bei der Würdigung des medizinischen Sachver halts auf die Beurteilung von Dr. B.____. Es sei davon auszugehen, dass diese versicherung smedizinische Stellungnahme schlüssig, nachvollziehbar, gut begründet und widerspruchs frei sei. Danach sei klar erstellt, dass das Alkoholproblem des Beschwerdeführers bereits vor d em Unfall vom 29. September 2013 eine anhaltende und erhebliche Erwerbsunfähigkei t zur Folge gehabt habe. Der Be- schwerdeführer vertritt demgegenüber den Standpunkt, da ss dies aus den Akten eben gerade nicht hervorgehe. Insbesondere sei das letzte Arbeitsve rhältnis nicht aufgrund der Alkoholprob- lematik aufgelöst worden. Wie dem Arbeitszeugnis der eh emaligen Arbeitgeberin vom 28. Feb- ruar 2012 zu entnehmen sei, habe er aufgrund der schlech ten Wirtschaftslage entlassen wer- den müssen. Auch aus den Taggeldabrechnungen der Arbeitsl osenversicherung sei nicht er- sichtlich, dass Einstelltage wegen des Alkoholkonsums hätten verfügt werden müssen. 8. Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführe r bereits vor dem Unfallereignis vom 29. September 2013 an einer Alkoholsucht litt. Un bestritten ist auch, dass es sich bei der mittelschweren Hirnfunktionsstörung, an welcher er seit d em Unfall leidet, um eine Gesund- heitsschädigung handelt, welche durch den Unfall und d en unfallfremden Vorzustand (Alkohol- abusus) gemeinsam verursacht wurde. Strittig ist hingegen, ob sich der Alkoholabusus vor dem Unfall auf die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgewirkt hat. 9.1 Nach sorgfältiger Würdigung der Aktenlage ist fest zustellen, dass keinerlei Anhalts- punkte dafür bestehen, dass sich der Alkoholabusus vor de m Unfallereignis vom 29. September 2013 auf die Erwerbsfähigkeit des Beschw erdeführers ausgewirkt hat. Dem Austrittsbericht vom 14. August 2013, der rund eineinh alb Monate vor dem Unfall verfasst wur- de und somit zeitlich am nächsten zum Unfallereignis liegt, ist zu entnehmen, dass der Be- schwerdeführer damals „bewusstseinsklar und allseits orientie rt“ war. Auch haben zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf Aufmerksamkeits- und Gedächt nisstörungen oder psychotisches Erleben bestanden und der Beschwerdeführer war im fo rmalen Gedankengang kohärent. Dar- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus ist zu schliessen, dass der Beschwerdeführer vor dem Unf allereignis in der Lage gewesen ist, seine verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise wirtschaftlich zu verwerten (vgl. oben E. 4.2). Auch die Tatsache, dass eine Verände rung der Persönlichkeit des Be- schwerdeführers mit Verlust von Motivation und mit emot ionaler Verflachung eingetreten ist und, dass vor dem Unfall verschiedene alkoholbedingte St örungen diagnostiziert worden sind, genügt den gesetzlichen Anforderungen nicht, um eine Kürzung der Invalidenrente vorzuneh- men, setzt Art. 36 Abs. 2 Satz 2 UVG doch klar den Nachw eis voraus, dass eine Gesundheits- schädigung vor dem Unfall tatsächlich zu einer Verminderung der Erwerbsfähigkeit geführt hat. 9.2 Dieses Ergebnis wird auch dadurch untermauert, dass d ie Arbeitslosenversicherung keine Massnahmen, wie z.B. Einstellen der Taggeldleistung en, aufgrund einer Verminderung der Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers ergriffen h at. Ein weiteres Indiz, dass der Be- schwerdeführer vollständig erwerbsfähig gewesen ist, stel lt sodann auch das Arbeitszeugnis vom 28. Februar 2012 dar. Diesem ist zu entnehmen, dass ihm aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden ist. Dass in Arbeitszeugnissen oftmals n icht der richtige Kündigungsgrund angegeben wird, ist allgemein bekannt. Vorliegend ge ht jedoch aus den Akten hervor, dass of- fenbar auch weiteren Arbeitskollegen gekündigt worden i st (vgl. oben E. 6.5), weshalb der an- gegebene Kündigungsgrund überzeugt. Zudem hat Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, in seiner Beurteilung vom 26. Mai 2014 f estgehalten, dass die Tochter des Be- schwerdeführers angegeben habe, ihr Vater habe trotz de s bekannten Alkoholproblems beruf- lich funktioniert (vgl. Suva-Dok 121). 10. Zusammenfassend gelangt das Gericht in Würdigung der vorliegenden Akten zur Überzeugung, dass der Alkoholabusus vor dem Unfall vom 2 9. September 2013 nicht zu einer Verminderung der Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführe rs geführt hat. Folglich ist eine Kür- zung der Invalidenrente gestützt auf Art. 36 Abs. 2 UVG nicht zulässig. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Suva wird verpflichtet, dem Beschwerdef ührer eine ungekürzte Invalidenren- te in Höhe von Fr. 7‘089.50 pro Monat auszurichten. Somit erübrigt sich eine Prüfung der Frage, ob die Kürzung der Invalidenrente im Umfang von 50 % verhältnismässig ist. 11. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für den vo rliegenden Prozess keine Verfah- renskosten zu erheben. 12. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist dem Be- schwerdeführer deshalb eine angemessene Parteientschädigu ng zuzusprechen. Der Rechts- vertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarno te vom 12. März 2019 einen Zeit- aufwand von 8 Stunden und 30 Minuten sowie Auslagen i n der Höhe von Fr. 73.-- geltend ge- macht. Der zeitliche Aufwand ist umfangmässig nicht zu be anstanden und die entsprechenden Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für d urchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu e ntschädigen. Dem Beschwerdeführer ist demnach für das vorliegende Beschwerdeverfahren ei ne Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘367.25 (8 Stunden und 30 Minuten à Fr. 250 .-- und Auslagen von Fr. 73.-- [48 Kopien Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht à Fr. 1.-- + Fr. 25.-- für Porto] zuzüglich 7,7% Mehr wertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegeg- nerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der angefoc htene Einspracheent- scheid vom 12. Juli 2018 wird aufgehoben und es wird fe stgestellt, dass die Suva dem Beschwerdeführer eine ungekürzte Invalid enrente in der Höhe von Fr. 7‘089.50 pro Monat auszurichten hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 2‘367.25 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrw ertsteuer) zu bezahlen.