B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-1590/2025 U r t e i l v o m 7 . A p r i l 2 0 2 5 Besetzung Richter Basil Cupa (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richterin Aileen Truttmann, Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. Parteien A._______, vertreten durch Ivan Stepic, Rechtsschutz für Asylsuchende, Bundesasylzentrum Region Zürich, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) und Datenänderung im Zentralen Migrati- onssystem (ZEMIS); Verfügung des SEM vom 26. Februar 2025 / N (…) F-1590/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger – suchte am 20. Januar 2025 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 12. Dezember 2024 in Bulgarien aufgegriffen worden war und dort am 19. Dezember 2024 bereits ein Asylgesuch gestellt hatte. A.b Am 22. Januar 2025 richtete die Vorinstanz ein Informationsersuchen an die bulgarischen Behörden . Am 24. Januar 2025 teilten die se mit, der Beschwerdeführer (mit dem Geburtsdatum 12. April 2006 registriert) sei nach seinem Asylgesuch vom 19. Dezember 2024 am 30. Dezember 2024 untergetaucht. Über sein Asylgesuch sei noch kein Entscheid gefällt und er sei nicht aus Bulgarien weggewiesen worden. Er verfüge über keine Auf- enthaltsbewilligung oder Reisedokumente der bulgarischen Behörden. Be- weismittel habe er keine eingereicht und ein Altersgutachten sei nicht durchgeführt worden. A.c Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 3. Februar 2025 im Rahmen der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsu- chende (nachfolgend: Erstbefragung UMA) das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Bulgarien, dessen Zuständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. A.d Gleichentags reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seines Impf- ausweises zu den Akten. A.e Am 5. Februar 2025 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Änderung seines Geburtsdatums im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) a uf den 1. Januar 2007 (anstatt (…) 2009 wie von ihm angegeben). Er nahm mit Schreiben vom 12. Februar 2025 Stellung. Gleichentags passte die Vorinstanz sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den 1. Januar 2007 an und versah es mit einem Bestreitungsvermerk. A.f Am 21. Februar 2025 ersuchte die Vorinstanz die bulgarischen Behör- den um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla- ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines F-1590/2025 Seite 3 von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied- staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol- gend: Dublin-III-VO). Die bulgarischen Behörden hiessen das Wiederauf- nahmeersuchen am 26. Februar 2025 gut. A.g Mit Schreiben vom 26. Februar 2025 reichte der Beschwerdeführer ein Duplikat seiner Tazkira sowie ein Schulzeugnis der 6. Klasse (beides in Kopie) als weitere Beweismittel ein. A.h Mit Verfügung vom 26. Februar 2025 – eröffnet am 27. Februar 2025 – trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Überste llung nach Bulgarien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Als Ge- burtsdatum wurde im ZEMIS der 1. Januar 2007 erfasst und ein Bestrei- tungsvermerk angebracht. B. B.a Mit Rechtsmitteleingabe vom 6. März 2025 liess der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, auf sein Asylgesuch sei einzutreten und das nationale Asylverfahren sei in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts und Neubeurteilung – insbe- sondere zur Einholung eines Altersgutachtens – an die Vorinstanz zurück- zuweisen. Die Vorinstanz sei ferner anzuweisen, sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…) 2009 anzupassen. Der Beschwerde sei die aufschie- bende Wirkung zu erteilen und im Sinne einer vorsorglichen Massnahme seien die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden anzuweisen, bis zu einem Entscheid über die Beschwerde von jeglichen Vollzugshandlungen abzu- sehen. Überdies sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver- zichten und ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. B.b Am 10. März 2025 ordnete der Instruktionsrichter einen superproviso- rischen Vollzugsstopp an. B.c Mit Eingabe vom 27. März 2025 reichte der Beschwerdeführer die Ein- gangsbestätigung betreffend eine Gefährdungsmeldung an die Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) B._______ (datierend vom 7. März 2025) zu den Akten. F-1590/2025 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). 1.2 Gemäss Art. 105 AsylG in Verbindung mit Art. 31 VGG ist das Bundes- verwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zuständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichteintretensentscheid des SEM betref- fend das Asylgesuch (Dublin-Verfahren) als auch gegen die Änderung der ZEMIS-Eintragung (betreffend das Geburtsdatum respektive Alter des Be- schwerdeführers). Betreffend letztgenannte Materie entscheidet das Bun- desverwaltungsgericht nicht endgültig (vgl. Rechtsmittelbelehrung). 1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Besc hwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG, Art. 50 VwVG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess- lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge- rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2; je m.w.H.). 2.3 Das Bundesverwaltungsgericht verzichtet gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 3. 3.1 Auf Asylgesuche w ird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). F-1590/2025 Seite 5 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständi ger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin -III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (erneute) Zuständig- keitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 3.3 Im Falle einer unbegleiteten minderjährigen Person ohne familiäre An- knüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf inter- nationalen Schutz gestellt hat, sofern es dem Wohl des Minderjährigen dient. Als Minderjähriger gilt ein Drittstaatsangehöriger unter achtzehn Jah- ren (Art. 2 Bst. i Dublin -III-VO; Art. 1 a Bst. d der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 14 2.311]). Unbegleitete Minderjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8). 4. Strittig und zu prüfen ist zunächst, ob die Vorinstanz die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers verneinen durfte, ohne zur weiteren Abklärung des diesbezüglichen Sachverhalts ein medizinisches Altersgutachten erstellen zu lassen, wie dies der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme zum rechtlichen Gehör vom 12. Februar 2025 beantragt hatte und auf Be- schwerdeebene mit Blick auf den Untersuchungsgrundsatz rügt. 4.1 Die Behörde nimmt die ihr angebotenen Beweise ab, wenn zur Abklä- rung des Sachverhalts tauglich erscheinen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). Daraus folgt im Umkehrschluss, dass die Behörde nur dann von der Abnahme be- antragter Beweismittel absehen darf, wenn sie auf Grund der bereits abge- nommenen Beweise ihre Überzeugung gebildet hat und ohne in Willkür zu verfallen nach der allgemeinen Lebenserfahrung davon auszugehen ist , dass ihre Erkenntnis durch die beantr agten weiteren Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 I 229 E. 5.3 m.H.). Gleichsam erschöpft sich die behördliche Pflicht zur Sachverhaltsabklä- rung von Amtes wegen (Art. 12 VwVG), wenn der rechtserhebliche Sach- verhalt bewiesen ist oder in antizipierter Beweiswürdigung willkürfrei aus- geschlossen werden kann, dass weitere Abklärungen zu einem entschei- denden Erkenntnisgewinn führen würden (Urteil des BVGer F -5625/2020 vom 18. November 2020 m.H.a. BVGE 2015/1 E. 4.2). F-1590/2025 Seite 6 4.2 Im Asylverfahren ist die Minderjährigkeit – der allgemeinen asylrechtli- chen Beweisregel folgend – von der beschwerdeführenden Person zumin- dest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2023 VI/4 E. 6.3 m.w.H.). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte vor- zunehmen, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersanga- ben sprechen. Wesentlich sind dabei als für echt befundene Identitätspa- piere oder Angaben der betroffenen Person (vgl. BVGE 2023 VI/4 E. 6.5 m.w.H.). 4.2.1 Liegen – wie in casu – keine Reise- oder Identitätspapiere vor, ver- langt die konstante Rechtsprechung, bei der Einschätzung des Alters von angeblich minderjährigen Asylsuchenden eine Gesamtwürdigung vorzu- nehmen (vgl. BVGE 2023 VI/4 E. 6.5). Im Rahmen der Gesamtwürdigung sind alle Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangabe sprechen, gegeneinander abzuwägen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.3; 2009/54 E. 4.1; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize- rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5.3.3). Namentlich sind dabei die protokollierten Aussagen zu den persönlichen Lebensum- ständen zu berücksichtigen. Von Interesse sind insbesondere die Angaben zum Alter, zu Identitätspapieren respektive den Gründen für deren Nicht- einreichung, zu den familiären Umständen, zum Schulbesuch, zu Berufs- bildung/Berufstätigkeit, zu den Ausreiseumständen sowie gegebenenfalls länderspezifische Angaben zum behaupteten Herkunftsgebiet (vgl. BVGE 2023 VI/4 E. 6.5 m.w.H.). 4.2.2 Im Rahmen der Sachverhaltsfeststellung kann im vorliegenden Kon- text mit Unterstützung wissenschaftlicher Methoden abgeklärt werden, ob die Altersangabe der asylsuchenden Person ihrem tatsächlichen Alter ent- spricht (Art. 7 Abs. 1 AsylV 1; vgl. auch Art. 17 Abs. 3bis AsylG). Auch das Resultat eines Altersgutachtens stellt bei der Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Minderjährigkeit ein im Rahmen der Gesamtbetrachtung zu berücksichtigendes Element dar (vgl. Urteil des BVGer F -3255/2020 vom 2. Juli 2020 E. 7.2; ferner BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.). 4.3 4.3.1 Es ist an dieser Stelle zunächst festzuhalten, dass der Beschwerde- führer sein geltend gemachtes Geburtsdatum nicht anhand rechtsgenügli- cher Identitätsdokumente zu belegen vermag. Weiter ist der Vorinstanz da- hingehend zuzustimmen, dass die Angaben zu seiner Schulbildung und seinem Reiseweg äusserst vage ausgefallen sind und er dies mit seinem F-1590/2025 Seite 7 Verweis auf den sozio-kulturellen Kontext und seine rudimentäre Schulbil- dung höchstens ansatzweise zu relativieren vermag. Auch die Ausführun- gen hinsichtlich der Registrierung in Bulgarien können entgegen dem Be- schwerdeführer nicht als durchwegs glaubhaft qualifiziert werden und wei- sen, wie die Vorinstanz bemerkt hat, Widersprüche auf. So hat er in der Erstbefragung UMA etwa angegeben, er sei von den bulgarischen Behör- den nur nach seinem Vor- und Nachnamen, nicht aber nach dem Geburts- datum gefragt worden, nur um dann anlässlich der Stellungnahme zum rechtlichen Gehör auszuführen, er habe der bulgarischen Polizei gesagt, er sei sechze hn Jahre alt und sei bloss aufgrund eines versehentlichen Fehlers des Dolmetschers als Zwanzigjähriger registriert worden. 4.3.2 Aus dem Impfausweis, den die Vorinstanz zumindest als schwaches Indiz für die Minderjährigkeit qualifiziert hat, geht für das Gericht indessen eindeutig der (auch vom Beschwerdeführer geltend gemachte) 10.12.1387 als Geburtsdatum hervor. Zwar könnte die zweite Ziffer des Datums per- sisch als 5 gelesen werden. Dies ist angesichts des Umstandes, dass die restlichen Ziffern aber eindeutig als arabische Zahlen erkennbar sind, we- nig wahrscheinlich. 4.3.3 Hinsichtlich der Kopie des Tazkira-Duplikats wie auch des Schulzeug- nisses ist festzustellen, dass diese Unterlagen von der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers am 26. Februar 2025 eingereicht wurden und am 27. Februar 2025 – mithin bloss einen Tag vor Erlass der angefochtenen Verfügung – von der Vorinstanz zu den Akten genommen wurden. Vor die- sem Hintergrund ist zweifelhaft, ob der Vorinstanz mit Blick auf den ihr zu- kommenden Untersuchungsgrundsatz eine rechtsgenügliche Würdigung dieser Beweismittel möglich war. Jedenfalls beschränkt sie sich in der an- gefochtenen Verfügung darauf, die diesbezüglichen Erläuterungen des Be- schwerdeführers wiederzugeben, um sodann gleich nachzuschicken, dass damit keine neuen wesentlichen Feststellungen vorgebracht worden seien und den beiden neuen Beweismitteln ein geringer Beweiswert zukomme. Unklar bleibt, o b sie eine Übersetzung des Tazkira -Duplikats vorgenom- men hat und sie die diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdefüh- rers hierzu teilt , respektive wie sie dieses Beweismittel im Hinblick auf frühere (protokollierte) Aussagen zum Geburtsdatum beziehungsweise zu seiner Biographie einordnet. Das vom Beschwerdeführer eingereichte Schulzeugnis ist schliesslich in den vorinstanzlichen Akten nicht auffindbar. Zwar erscheint im Aktenverzeichnis des Dossier s ein Eintrag mit der Be- zeichnung «Schulzeugnis des Gesuchstellers von der 6. Klasse», indes- sen findet sich unter besagtem Aktenzeichen ein Schreiben der F-1590/2025 Seite 8 Rechtsvertretung des Beschwerdeführers betreffend di e Einreichung von Beweismitteln. Die Vorinstanz ist in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die ihr obliegende Pflicht zur korrekten Aktenführung hinzuweisen (vgl. BGE 138 V 218 E. 8.1.2). 4.4 4.4.1 Angesichts dessen verbleibt zu prüfen , ob die Vorinstanz in antizi- pierter Beweiswürdigung von der beantragten Einholung eines medizini- schen Altersgutachtens absehen durfte, in der Annahme, der Beschwerde- führer sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit volljährig, wobei das Gut- achten daran nichts zu ändern vermöge. 4.4.2 Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Verneinung der vom Be- schwerdeführer behaupteten Minderjährigkeit einen gravierenden Eingriff in dessen Rechtsposition darstellt. Nebst den Sonderbehandlungsansprü- chen für Minderjährige nach Dublin -III-VO und Asylgesetz – namentlich nach Art. 8 Abs. 4 Dublin-VO-III, dessen Anwendbarkeit auf die vorliegende Streitsache eine vorrangige Zuständigkeit der Schweiz begründen würde – verliert er seine durch das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) geschützte Stellung als Kind. Entsprechend akzentuiert sich die behördliche Untersuchungspflicht und gebietet – im Grundsatz – einen möglichst adäquaten Einbezug der zur Verfügung stehenden Untersuchungsmittel (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer E-5167/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 5.2; vgl. auch «Comittee on the Rights of the Child» [CRC -Ausschuss], A.M. vs. Schweiz Nr. 80/2019 vom 29. Mai 2024). Gleichsam ist aus gehörsrechtlicher Perspektive ein graduell erhöhtes Mass an Zurückhaltung geboten, wenn es darum geht, anerbotene Beweismittel für die Minderjährigkeit in antizipierter Beweis- würdigung aus dem Recht zu weisen. 4.5 4.5.1 Vorliegend ist der Auffassung der Vorinstanz, aufgrund der gegebe- nen Aktenlage könne willkürfrei auf das vom Beschwerdeführer beantragte Altersgutachten verzichtet, und entsprechend dessen Volljährigkeit ange- nommen werden, nicht zu folgen. In Anbetracht der Umstände des vorlie- genden Einzelfalls reichten die vorinstanzlich festgestellten Widersprüche in den Angaben des Beschwerdefüh rers für sich allein nicht aus , um mit der nötigen Zuverlässigkeit von einem bestimmten Alter des Beschwerde- führers ausgehen zu dürfen . Bei objektiver Betrachtung spricht daher die Indizienlage im Rahmen der vorzunehmenden Gesamtbetrachtung nicht derart klar gegen die vom Beschwerdeführer behauptete Minderjährigkeit, F-1590/2025 Seite 9 dass diese bereits aufgrund der Akten als unglaubhaft zu qualifizieren wäre und das beantragte medizinische Altersgutachten ungeachtet seines Er- gebnisses von vornherein nichts mehr an dieser Beurteilung zu ändern ver- möchte. Dies umso mehr, als sich nach Ansicht des Gerichts die Indizien- lage verglichen mit ähnlich gelagerten Fällen, in welchen die Vorinstanz jeweils von sich aus ein Altersgutachten veranlasst hat, nicht dergestalt an- ders präsentiert, um im vorliegenden Fall ein Abweichen von besagter Ver- waltungspraxis zu rechtfertigen. 4.5.2 Nach dem Gesagten hätte die Vorinstanz aufgrund der Aktenlage ein medizinisches Altersgutachten veranlassen müssen. Mithin hat sie die ihr obliegende Pflicht zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verletzt, indem sie in antizipierter Beweiswürdigung von der Einholung des beantragten Altersgutachtens absah. 5. 5.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere dann angezeigt, wenn weitere , potentiell rechtserhebliche Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassen- des Beweisverfahren durchzuführen ist (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.). In casu ist dies der Fall, weshalb eine Kassation der angefochtenen Verfü- gung angezeigt ist. 5.2 Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfü- gung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Erhebung des rechtser- heblichen Sachverhalts und neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzu- weisen. 5.3 Der am 10. März 2025 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegen- den Urteil dahin. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verf ahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch des Beschwerdeführers um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung wird damit gegenstandslos. 6.2 Dem Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102 h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach F-1590/2025 Seite 10 Massgabe von Art. 102 k AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG). (Dispositiv nächste Seite) F-1590/2025 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die angefochtene Verfügung vom 26. Februar 2025 wird aufgehoben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuem Ent- scheid an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteientschä- digung zugesprochen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz, das General- sekretariat des Eidgenössischen Justiz - und Polizeidepartements (EJPD) sowie die kantonale Migrationsbehörde. Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Basil Cupa Andrea Beeler Versand: F-1590/2025 Seite 12 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann – soweit er d ie Datenänderung im ZEMIS beschlägt – innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung überge- ben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amts- sprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Ent- scheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Par- tei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).