B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1690/2013 U r t e i l v o m 2 9 . M a i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Hans Schürch; Richterin Emilia Antonioni; Gerichtssschreiberin Sandra Bodenmann Parteien A._______ c/o Schweizerische Vertretung in Khartoum/Sudan, Beschwerdeführer, Gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 15. Oktober 2012 / N (…). E-1690/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit englischsprachiger Eingabe vom 1 4. Februar 2011 (Eingang Bot - schaft: 16. Februar 201 1) wandte sich der Beschwerdeführer an die Schweizerische Botschaft in Khartoum, Sudan, und ersuchte um Asyl in der Schweiz. Er machte dabei im Wesentlichen geltend, er leide seit einem Unfa ll in seiner Kindheit an einer Behinderung (…). Karitative Organisationen hä t- ten sich bemüht, ihm medizinische Hilfe anzubieten, was aber aus ihm unbekannten Gründen seitens der eritreischen Regierung nicht ermö g- licht worden sei. Er habe eine religiöse Erz iehung genossen (…). Die l o- kale Verwaltung habe ihm den Besitz von eigenem Land verweigert, weil er den Nationalen Militärdienst nicht absolviert habe. Trotz seiner (…)behinderung sei er nicht von der Leistung der Dienstpflicht entbunden worden. Er habe si ch daher entschieden, das Land zu verlassen und h a- be sich in den Sudan begeben. Nach einer zweitägigen Reise sei er vom UNHCR in das Flüchtlingslager Shegerab geführt, dort befragt und als Flüchtling anerkannt worden. Danach sei er nach Khartoum weitergereist. Sudanesische (…) hätten ihm zu einer medizinischen Behandlung gera- ten. Er könne sich jedoch eine entsprechende (…) Behandlung nicht leis- ten. Er ersuche daher die Schweiz um Schutz respektive Unterstützung. B. Mit Schreiben vom 6. August 2012 setzte das BFM den Beschwerdefü h- rer darüber in Kenntnis, dass die Schweizerische Botschaft in Khartoum aus Kapazitätsgründen keine Befragung durchführen könne, weswegen ihn das Bundesamt – unter Hinweise auf seine Pflicht, bei der Festste l- lung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) – auffordere, sein Gesuch mit einer schriftl i- chen Stellungnahme zu ergänzen. C. Der Beschwerdeführer ergänzte seine geltend gemachten Vorbringen mit einer englischsprachiger Eingabe, welche am 5. September 2012 bei der Botschaft einging. Als Beilage reichte er eine Farbfoto (Passfoto) sowie die Kopie eines Ausweises (mit Foto) zu den Akten. Ergänzend machte er insbesondere geltend, er habe in Eritrea zuletzt von 2001 bis 2007 als (…) gearbeitet. Er leide an einer Behinderung und e r- suche in diesem Zusammenhang die Schweiz um medizinische Unte r-E-1690/2013 Seite 3 stützung. Er habe den (regulären) Nationalen Militärdienst nicht absolvi e- ren können, habe aber trotz seiner Behinderung in B._______ Militär- dienst leisten müssen. Am 10. Juni 2009 habe er Eritrea verlassen und sei am 16. Juni 2009 im Flüchtlingslager Shegerab angekommen. Er sei in diesem Flüchtlingslager registriert worden und habe sich vom Juni bis August 2009 dort aufgehalten. Weil er sich bessere medizinische Betreu- ung versprochen habe, habe er das Lager verlassen und habe sich nach Khartoum begeben. Als (…) habe er nicht im muslimischen Khartoum ar- beiten (…) können. Er bestreite seinen Lebensunterhalt mit den Spenden (…). D. Mit Verfügung vom 15. Oktober 2012 – eröffnet am 1 2. Februar 201 3 – verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. Das Bundesamt begründete die Verweigerung der Einreise in die Schweiz und die Ablehnung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers im Wesentlichen da mit, dass aufgrund des vollständig erstellten Sachve r- halts davon ausgegangen werden könne, es liege keine unmittel bare Ge- fährdung vor, welche seine Einreise in die Schweiz notwendig erscheinen lasse. Zwa r würden die Schilderungen des Beschwerdeführers darauf schliessen lassen, dass er ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden habe. Es sei daher zu prüfen, ob einer Asylgewäh- rung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl verweigert werden könne, wenn ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Der Beschwerdeführer sei eigenen Angaben zufolge vom UNHCR als Flüchtling anerkannt und registriert worden. Vom Juni bis August 2009 habe er sich im Flüchtlingslager Shegerab aufgehal- ten. Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge im Sudan aufhalten. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu ve r- kennen, dass die Lage vor Ort für Menschen wie de n Beschwerdeführer nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib des Beschwerdeführers im Sudan nicht zumutbar oder möglich wäre. Flüchtlinge im Sudan, die vom UNHCR registriert worden seien, seien einem Flüchtlingslager zuge- teilt worden, wo sie sich aufhalten könnten und die nötige Versorgung e r- halten würden. Der Beschwerdeführer verfüge nicht über ein freies Au f- enthaltsrecht für das ganze Land. Es sei ih m aber zumutb ar, wieder in das ihm zugewiesene Flüchtlingslager zurückzukehren, sollte seine Situa-E-1690/2013 Seite 4 tion tatsächlich kritisch sein. Das Leben in Khartoum sei für eritreische Flüchtlinge nicht einfach. Angesichts seines längeren Aufenthalts und seiner Position als (…)und aufgrund seiner Vernetzung in der eritreischen Diaspora könne jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass die Hü r- den für eine zumutbare Existenz in Khartoum nicht überwindbar seien. Die schwierigen Lebensbedingungen und humanitäre Überlegungen stell- ten keinen Grund für eine Einreisebewilligung dar. Im Sudan bestehe eine grosse eritreische Diaspora, die für in Not geratene Landsleute bereitst e- he und weitgehend Unterstützung biete. Zudem weise der Beschwerd e- führer keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz auf. Er bedürfe des zusätzlichen subsidiären Schutzes der Schweiz nicht und es sei ihm z u- mutbar, im Sudan zu verbleiben. E. Das BFM leitete am 27. März 201 3 eine englischsprachige Eingabe des Beschwerdeführers vom 26. Februar 2013 (Eingang Botschaft am 12. März 2013) an das Bundesverwaltungsgericht weiter, mit welcher dieser gegen den vorinstanzlichen Entscheid beim Gericht Beschwerde erhob und sinngemäss die Aufhebung der Verfügung des BFM sowie die Bewi l- ligung der Einreise in die Schweiz zwecks Feststellung der Flüchtlingsei- genschaft beantragte. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er könne insbesondere aufgrund seiner Religionszugehörigkeit und seiner Tätigkeit als (…) nicht im Sudan verbleiben. Er werde täglich in diesem Zusammenhang behelligt, indem beispielsweise das Haus, welches er gemietet habe, mit Steinen beworfen werde. Er könne auch nicht in das ihm zugewiesene Flüchtlingslager Shegerab zurückkehren, weil die m e- dizinische Versorgung, auf die er angewiesen sei, dort mangel haft sei. Zudem könne er sich dort aufgrund seiner (…) behinderung nicht wie die anderen Camp-Flüchtlinge zur Wehr setzen gegen Übergriffe und Entfüh- rungsversuche. . E-1690/2013 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver - waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde u nd entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 2 1 VwVG letzter Teilsatz). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung beso n- ders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung b e- ziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreich ung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. 1.3 Die Beschwerde ist in englischer Sprache und somit nicht in einer Amtssprache des Bundes abge fasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann indessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss ve r- zichtet werden, da der Eingabe des Beschwerdeführers genügend klare, sinngemässe Rechtsbe gehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres – die zu beurteilende Sachlage ist rechtsge - nüglich erstellt – darüber befunden werden kann. 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige E-1690/2013 Seite 6 oder unvollständige Feststellung des rechtserheb lichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 – von der Bundesversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft getreten – ist die Möglichkei t der Einreichung eines Asylgesuches aus dem Ausland weggefallen (vgl. AS 2012 5359). Das vorliegende U r- teil, welches ein Asylgesuch aus dem Ausland nach altem Recht zum Gegenstand hat, ergeht daher gestützt auf die Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012, wonach für Asylgesuche, die im Aus- land vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung des Gesetzes gelten. Wird demnach im vorliegenden Beschwerdeverfahren auf das AsylG oder Verordnungstexte verwiesen, bezieht sich dies stets auf die bisherige Fassung der entsprechenden Be- stimmungen. 4. 4.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei ei - ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Be - richt an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizeri - sche Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Be- fragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asy l- gründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die schwei - zerische Vertretung überweist dem Bundesamt d as Befragungsprotokoll oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweckdienliche Unterl a- gen und einen ergänzenden Bericht, der ihre Beurteilung des Asylg e- suchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 4.2 Vorliegend sah sich die Botschaft in Khartoum nicht in der Lage, eine persönliche Anhörung des Beschwerdeführers durchzuführen. Das BFM begründete diesen Verzicht in der Verfügung vom 15. Oktober 2012 mit dem begrenzten Personalbestand der Botschaft sowie den fehlenden Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich. Das Bundesamt ersuchte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 6. August 2012 um Einreichung einer ergänzenden Stellungnahme zwecks Vervol l- ständigung des rechtserheblichen Sachverhaltes. Der Beschwerdeführer E-1690/2013 Seite 7 nahm in der Folge mit Eingabe vom 5. September 2012 (Eingang bei der Botschaft in Khartoum) ausführlich zu den gestellten Fragen Stellung und machte persönliche, auf ihn konkret bezogene Angaben. Vorliegend er- hielt der Beschwerdeführer somit rechtsgenügend Gelegenheit, seine Asylgründe darzulegen und bei der Erhebung und Ergänzung des mas s- gebenden Sachverhalts mitzuwirken. Die Schweizerische Botschaft verzichtete darauf, in einem ergänzenden Bericht ihre Beurteilung des Asylgesuchs darzulegen, und überwies die Unterlagen dem BFM ohne Kommentar. 5. Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Nach Art. 20 Abs. 2 AsylG be- willigt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet wer- den kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein ande- res Land auszureisen (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.2; BVGE 2011/10 E. 3). Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Ei n- reisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den B e- hörden ein weiter Ermessensspiel raum zukommt. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130; 2004 Nr. 20 E. 3.b), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet we r- den kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffende Pe r- son habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch a nzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch auf d ie Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prü - fen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung g e-E-1690/2013 Seite 8 funden hat oder erlangen kann, was in der Regel zur Ablehnung des Asyl- gesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer all - fälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. B ei dieser Abwägung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, mit weiteren Hinweisen). Zu berücksichtigen sind ausse r- dem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). A l- lein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezi e- hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ablehnung des Asylges u- ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2.f S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin- reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine A b- schiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen erscheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier ansässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung einer Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. 6. 6.1 Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach eingehender Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdefü hrers nicht a priori unglaubhaft erscheinen und darauf schliessen lassen, dass er in seinem Heimatstaat Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatl i- chen Behörden gehabt hat. Ob er bei einer allfälligen Rückkehr nach Eri t- rea einer flüchtlingsrec htlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sein könnte, kann vorliegend dennoch offengelassen werden, da er den z u- sätzlichen Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht ben ö- tigt, weil es ihm – wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird – trotz der zugestandenermassen nicht einfachen Bedingungen für eritreische Flüchtlinge im Sudan zuzumuten ist, im Zufluchtsland Sudan zu verblei- ben. E-1690/2013 Seite 9 6.2 Der Beschwerdeführer befindet sich eigenen Angaben zufolge seit Mitte Juni 2009 im Sudan (Mitte Juni bis August 2009 im Flüchtlingslager Shegerab, danach Aufenthalt in Khartoum). Aufgrund der Angaben in sei- nem schriftlichen Asylgesuch , seinen ergänzenden Ausführungen vom 5. September 2012 und des – zwar lediglich in qualitativ schlechter Kopie vorliegenden – Flüchtlingsausweises ist davon auszugehen, dass er durch das UNHCR im Sudan als Flüchtling registriert worden ist. Folglich verfügt er über die erforderliche temporäre Bewilligung, um sich im Sudan aufhalten zu können, und geniesst weitgehend Schutz vor einer Abschi e- bung in sein Heimatland Eritrea. Mit diesem Schutz ist allerdings nicht ein freies Aufenthaltsrechts für das ganze Land verbunden. Es ist jedoch da- von auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Sudan Schutz gefunden und die Möglichkeit hat, sich in das ihm zuge wiesene Flüchtlingslager Shegerab zurückzugeben, sofern er einen weiteren Aufenthalt in der R e- gion Khartoum nicht mehr in Betracht zieht. Obschon unlängst von vorkommenden Deportationen von Eritreern in den Heimatstaat berichtet wurde (vgl. Urteil des Bu ndesverwaltungsgerichts E-1452/2012 vom 15. Juni 2012 mit weiteren Hinweisen, sowie UNHCR, "UNHCR deeply concerned by deportation of Eritreans from Sudan", vom 26. Juli 2011), ist gleichwohl gemäss gesicherten Erkenntnissen das Risi- ko einer Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, gering, da die sudanesischen Behörden zwar tatsächlich teilweise eritreische Asylsuchende sowie Flüchtlinge deporti e- ren, diese Rückführungen indessen nicht flächendeckend erfolgen (vgl. statt vieler das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -6054/2011 vom 24. April 2012). Den Akten sind denn auch keine Hinweise zu en t- nehmen, die auf ein besonderes Profil des Beschwerdeführers, nämlich das Profil einer Person, an deren Auslieferung die erit reische Regierung besonders interessiert wäre, schliessen liessen. Sodann ist, wenngleich nicht abzusprechen ist, dass die Lebensbedingungen in Khartoum, insbe- sondere für den Besc hwerdeführer angesichts seiner (…) behinderung, schwierig sind, nicht anzunehm en, dass der alleinstehende Beschwerde- führer im Sudan den Lebensunterhalt für sich alleine nicht mehr wird bestreiten können, denn eigenen Angaben zufolge lebt er einerseits b e- reits seit 2009 im Sudan, andererseits besteht für ihn – wenn auch unter erschwerten Bedingungen – die Möglichkeit, (…) seinen Unterhalt zu bestreiten, beziehungsweise es ist nicht davon auszugehen, dass er inskünftig nicht mehr mit der Unterstützung der eritreischen Diaspora, (…), rechnen kann. Auch der geltend gemachte Umstand, er h abe auf- grund seiner religiösen Zugehörigkeit Behelligungen erlitten, vermag für E-1690/2013 Seite 10 sich alleine keine Asylrelevanz zu entfalten. Auch das Ersuchen des B e- schwerdeführers an die Schweiz um die Gewährung von medizinischer Unterstützung genügt als Grundlage für e ine Einreisebewilligung nicht. Schliesslich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer über keine in der Schweiz lebenden Angehörigen verfügt. Demnach sind die Vorau s- setzungen für einen Familiennachzug aufgrund fehlender in der Schweiz lebender Familienangehörigen nicht erfüllt, weshalb Art. 51 AsylG vorli e- gend nicht zur Anwendung kommt. 6.3 Aufgrund dieser Erwägungen erscheint es für den Beschwerdefüh rer objektiv nicht unzumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Ve r- folgungsgefahr in seinem Heimats taat Eritrea bestehenden Schutz we i- terhin in Anspruch zu nehmen. Eine Schutzgewährung durch die Schweiz erscheint somit unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände, wel- che mit dem Aufenthalt des Beschwerdeführers im Sudan und seinem dortigen Status als vom UNHCR registrierte r Flüchtling verbunden sind, nicht erforderlich. Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM zu Recht und mit weitgehend zutreffender Begründung feststellte, eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG führe zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist. Unter diesen Umständen hat das Bundesamt zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die ange fochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs- ökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung der Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1690/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die schweize- rische Vertretung in Khartoum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: