B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5045/2013 U r t e i l v o m 1 7 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch; Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Staat unbekannt, alias B._______, geboren (…), Indien, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. August 2013 / N _______. D-5045/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat Anfang Januar 2011 und gelangte am 28. März 2012 via C._______, D._______, E._______, F._______, G._______, H._______ und (…) illegal in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum I._______ um Asyl nachsuchte. Am 27. April 2012 fand die Befragung zur Person statt. Am 10. Juli 2012 wurde d er Beschwerde- führer in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung des Asylgesuchs ist vollumfänglich auf die protokollierten Aussagen zu verweisen (vgl. Befragungsprotokoll vom 27. April 2012, A6; Anhörungsprotokoll vom 10. Juli 2012, A14). A.b Die am 30. Juli 2013 gestützt auf aArt. 41 Abs. 1 AsylG durchgeführte ergänzende Anhörung musste abgebrochen werden, weil der Beschwe r- deführer jegliche Mitwirkung verweigerte. B. B.a Mit Verfügung vom 7. August 2013 – eröffnet am 9. August 2013 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch vom 28. März 2012 ab und ordne- te die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. B.b Mit Eingabe vom 9. September 2013 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, der Entschei d des BFM vom 7. August 2013 sei vollumfän g- lich aufzuheben. Die Vorinstanz sei anzuweisen, ihn als Staatenlosen a n- zuerkennen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vori n- stanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei eine psychologische Abkl ä- rung zu veranlassen. Subeventualiter sei festzustellen, dass er die Flücht- lingseigenschaft erfülle und es sei ihm Asyl zu gewähren. Subsubeventu- aliter sei die Vorinstanz anzuweisen, eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. Es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewä h- ren und namentlich auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ve r- zichten. Ihm sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der Aufenthalt in der Schweiz für die Dauer des Verfahrens zu gestatten und die Behö r- den des Kantons J._______ seien im Sinne einer superprovisorischen Massnahme unverzüglich anzuweisen, von jeglichen Vollzugshandlungen Abstand zu nehmen. D-5045/2013 Seite 3 Auf die Beschwerdebegründung wird – soweit entscheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen. C. Mit Zwischenverfügung vom 17. September 2013 teilte der zuständige In- struktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten und wies den Subeventualantrag auf Veranlassung einer psychologischen Abklärung und die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab. Der Beschwerdeführer wurde unter Hinweis auf die Säumnisfolge auf ge- fordert, bis zum 2. Oktober 2013 einen Kostenvorschuss von Fr. 600 .– einzuzahlen. D. Der Kostenvorschuss wurde am 1. Oktober 2013 fristgerecht einbezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM geh ört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vo rliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnah me liegt in casu nicht vor, weshalb das Bundesve r- waltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Das Verfahren war im Zeitpunkt d es Inkrafttretens der Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes am 1. Februar 2014 bereits hängig, weshalb vorliegend das neue Recht gilt (vgl. Übergangsbestimmungen D-5045/2013 Seite 4 zur Änderung vom 14. Dezember 2012 im Asylgesetz [Stand am 1. Fe b- ruar 2014], Abs. 1). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei se Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 108 Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirke n. Den frauenspezifi- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die D-5045/2013 Seite 5 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheids legte das BFM dar, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner Gefährdungslage seien insbesondere widersprüchlich, unsubstanziiert und würden nicht der allgemeinen Lebenserfahrung entsprechen. So habe er beispielswe i- se anlässlich der Befragung zur Person erklärt, Grundstückkäufe müssten bei ihnen schriftlich auf weissem Papier mit den Unterschriften beider Parteien festgehalten werden ( vgl. A6 S. 8). Bei der Anh örung zu den Asylgründen ha be er indessen angegeben, keine Urkunde zu haben, welche belegen würde, dass das umstrittene Grundst ück seiner Familie gehöre. Es ge be keine Urkunden, da bei ihnen alles mündlich verein bart werde (vgl. A14 S. 6). Im Weiteren habe der Beschwerdeführer erwähnt, seine Familie habe mehrere Grundstücke besessen, die insgesamt zwölf Bigha gross gewesen seien. Das umstrittene Grundstück habe zwei Bi g- ha umfasst (vgl. A14 S. 7). Da ihnen demnach noch zehn weitere Bigha Land geblieben wären, sei nicht nachvollziehbar, dass seine Familie in diesem Streit nicht aufgegeben habe, selbst nachdem sie gehört hätten, dass der Chef sie umbringen wolle, falls sie insistieren würden, und ihnen auch bewusst gewesen sei, dass es sich bei diesem um einen mächtigen Mann handle (vgl. A14 S. 6). Der Beschwerdeführer habe darüber hinaus gesagt, er sei gerade auf dem Markt gewesen, als seine Familie umgebracht worden sei. Diese sei zu Hause am Feiern gewesen, weil er am nächsten Tag hätte heiraten sollen (vgl. A6 S. 8). Dass ausgerechnet er als Bräutigam an diesem Fest nicht teilge nommen habe, überzeuge nicht . Ausserdem erscheine es nicht plausibel, dass wegen eines Grundstückstreits nicht nur fünf Mi t- glieder seiner Familie, sondern auch gleich die ganze Familie seiner Ver- lobten, welche sich zum Tatzeitpunkt an einem anderen Ort aufgehalten habe, umgebracht worden sei. Dies insbesondere, weil der Chef zu j e- nem Zeitpunkt das umstrittene Stück Land ja bereits beschlagnahmt habe (vgl. A14 S. 6 ). Schliesslich ergebe auch die Aussage des Beschwerd e- führers, wonach der Chef ihn auch noch umbringen wolle, damit er keinen Ärger mehr habe, keinen Sinn, denn es seien bei der Ermordung seiner Familie ja auch zehn bis fünfzehn Aussenstehende anwesend gew esen, D-5045/2013 Seite 6 welche zu Zeugen der Tat geworden seien (vgl. A14 S. 9/11). Vor diesem Hintergrund sei nicht ersichtlich, inwiefern die Tötung des Beschwerd e- führers dazu führen würde, dass der Chef keinen Ärger mehr habe. Auch das Auffinden seiner ermordeten Familie habe der Beschwerdeführer äusserst unsubstanziiert geschildert. Aufgrund der festgestellten Ungereimtheiten und Widersprüche könne die geltend gemachte Verfolgungssituation nicht geglaubt werden. Im Weiteren sei nicht glaubhaft, dass der Beschwerdefüh rer tatsächlich aus einer indischen Enklave in Bangladesch stamme und deshalb fa k- tisch wie ein Staatenloser behandelt werde. So habe er weder das tägl i- che Leben noch seine Reise in die Schweiz ohne jegliche Identitätspapie- re plausibel zu schildern vermocht . Ausserdem habe er sich zu seiner Ausreise widersprochen. Anlässlich der Befragung zur Person habe er diesbezüglich angegeben, mit vier weiteren Personen von K._______ zu- nächst nach L._______ in Bangladesch gegangen zu sein (vgl. A6 S. 6), während er bei der Anhörung erwähnt habe, er sei alleine gewesen, als er seinen Heimatort verlassen habe (vgl. A14 S. 12). Auf diesen Wide r- spruch angesprochen, habe er erklärt, er sei bis L._______ alleine und erst von dort aus mit vier weiteren Personen zusammen gewesen (vgl. A14 S. 15). Aufgrund dieser unsubstanziierten und widersprüchlichen Aussagen se i- en auch nach der ersten Anhörung Zweifel an den Herkunftsangaben des Beschwerdeführers bestehen geblieben, weshalb eine ergänzende Anhö- rung zwecks vertiefter Gla ubwürdigkeitsprüfung durchgeführt worden sei. Bei der ergänzenden Anhörung habe der Beschwerdeführer indessen jeg- liche Mitwirkung verweigert (vgl. Anhörungsprotokoll vom 30. Juli 2013, A17). Schon auf die mehrmals gestellte Frage, woher er stamme, habe er keine Antwort gegeben, obwohl er wiederholt auf seine Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht worden sei. A ngesichts dessen könne ihm auch seine Herkunft aus einer indischen Enklave in Bangladesch nicht g e- glaubt werden. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass ihre Asylrel e- vanz nicht geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle er die Flüchtling s- eigenschaft nicht, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen sei. Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs D-5045/2013 Seite 7 sei zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen. Diese Unters u- chungspflicht finde jedoch nach Treu und Glauben ihre vernünftigen Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers, welcher im Übr i- gen auch die Substanziierungslast trage. Es sei nach ständiger Rech t- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht Sache der Asylbehö r- den, bei fehlenden Hinweisen seitens des Gesuchstellers nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Mit Verweis auf den Grundsatz der Rechtsgleichheit könne aus Sicht des BFM vorliegend nicht von der geltenden Praxis abgewichen werden. Der Beschwerdeführer habe somit die Folgen seiner unglaubhaf- ten Identitätsangaben und der Unglaubhaftigkei t seines Sachverhaltsvor- trags zu tragen, indem vermutungsweise davon auszugehen sei, es stü n- den einer Wegweisung in seinen tatsächlichen Heimatstaat keine Vol l- zugshindernisse im Sinne von aArt. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2– 4 AuG (SR 142.20) entgegen. Abschliessend stelle sich die Frage nach der Möglichkeit eines allfälligen Wegweisungsvollzugs bei der Verheimlichung der wahren Identität. Es könne jedoch keineswegs gesagt werden, dieser sei von vornherein nicht möglich oder technisch nicht durchführbar. Dem Beschwerdeführer sei es vielmehr zuzumuten, sich bei der zuständigen Vertretung seines Heima t- landes die allenfalls benötigten Reisepapiere zu beschaffen. Auch das Bundesverwaltungsgericht erachte in seiner ständigen Rechtsprechung den Vollzug der Wegweisung grundsätzl ich als möglich, selbst wenn ein Gesuchsteller seine wahre Identität oder Staatsangehörigkeit verheiml i- che. 5.2 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer im Wesentli- chen geltend, er komme aus einer indischen Enklave in Bangladesch. In- dien und Bangladesch hätten sich bis heute nicht abschliessend über das Vorgehen im Zusammenhang mit Enklaven einigen können. Die rechtl i- che Situation für Einwohner solcher Enklaven sei unklar, so dass es sich um Staatenlose im Sinne des Üb ereinkommens über die Rechtsstellung der Staatenlosen (SR 0.142.40) handle. Er sei somit als Staatenloser an- zuerkennen. Hinsichtlich seiner Herkunft führt er im Weiteren aus , er habe entgegen der Ansicht des BFM in der Bundesanhörung alle Fragen zum tägli chen Leben klar und kooperativ beantwortet und auch einen Situationsplan seines Wohnortes eingereicht (vgl. A14 S. 3 ff.). Die Darstellung der Re i- seroute sei ebenso klar und plausibel ausgefallen. Das Bundesamt habe D-5045/2013 Seite 8 seine Begründungspflicht verletzt, indem es in der angefochtenen Verf ü- gung nicht konkret ausgeführt habe, weshalb es angeblich nicht gelungen sei, das tägliche Leben und die Fluchtroute nachvollziehbar zu erläutern. Zur Klärung dieses Sachverhalts sei die Sache eventuali ter an das BFM zurückzuweisen. Ausserdem sei darauf hinzuweisen, dass die Anhörung vom 30. Juli 2013 nicht h abe durchgeführt werden können. E r habe immer nur die Frage gestellt: "Warum haben Sie mich ein Jahr warten lassen?" und gesagt: "Ich will me ine Zeit zurück". D ie Hilfswerksvertretung habe diesbezüglich in einem Kurzbericht angemerkt, trotz wiederholter Versuche des BFM und nach Rücksprache mit dem Sektionschef sei keine Veränderung ei n- getreten, weshalb die Anhörung habe abgeb rochen werden mü ssen. Daraus ergebe sich, dass er mit dem Verfahren und dessen Dauer offen- sichtlich überhaupt nicht zurechtgekommen sei und den Anschein mache, sich ausserordentlich stark im Stich gelassen gefühlt zu haben. Zumin- dest weise dies auf eine mögliche psychische Störung oder eine Stör ung im Sozialverhalten hin. Sein psychischer Zustand scheine jedenfalls einer psychologischen Abklärung zu bedürfen, welche hiermit beantragt werde. Was den im Zusammenhang mit d er Ausreise festgestellten Widerspruch betreffe, so habe er, als er darauf an gesprochen worden sei, klar gesagt, dass er bis L._______ alleine und erst von dort aus mit vier weiteren Per- sonen gereist sei (vgl. A14 S. 15). Dem Vorwurf der Vorinstanz, nachdem seiner Familie noch zehn weitere Bigha Land geblieben wären, sei nicht na chvollziehbar, dass sie in di e- sem Streit nicht aufgegeben habe, sei entgegenzuhalten, seine Familie habe befürchtet, im Falle eines Nachgebens nicht nur zwei Bigha Land zu verlieren. Es sei naheliegend und absehbar, dass sich der Dorfchef auch für die noch verbliebenen zehn Bigha Land interessiert hätte, sollte er zwei davon ohne Widerstand erhalten haben. Daher habe sich die Fami- lie auf Anraten der Mutter gegen eine Übereignung entschieden. 5.3 5.3.1 Einleitend gilt es zu prüfen, ob der Beschwerdeführer zu Recht b e- anstandet, die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht verletzt , indem sie in der angefochtenen Verfügung nicht konkret ausgeführt habe, wes- halb sie der Auffassung sei , er habe das tägliche Leben und die Fluch t- route nicht nachvollziehbar erläutert. D-5045/2013 Seite 9 Auch wenn sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder ta t- bestandlichen Behauptung und je dem rechtlichen Einwand aus einander- setzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte b e- schränken darf (vgl. BGE 126 I 97 E. 2b), hat sie wenigstens kurz die Überlegungen zu nennen, von welchen sie sich leiten liess und auf we l- che sich ihr Entscheid stützt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 mit Hinweisen). Die Begründung soll mithin die ernsthafte Prüfung der Vorbringen wide r- spiegeln und es dem Betroffenen erm öglichen, den Entscheid gegeb e- nenfalls sachgerecht anfechten zu können, was nur möglich ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr e- kurskommission [EMARK] 2006 Nr. 24 E. 5.1. S. 256). Es trifft vorliegend zwar zu, dass das BFM zur Begründung der Unglaubhaftigkeit der ge l- tend gemachten Herkunft lediglich in knapper Form ausführte, der B e- schwerdeführer habe weder das tägliche Leben noch seine Reise in die Schweiz ohne jegliche Identitätspapiere plausibel zu vermitteln vermocht. Darin ist jedoch keine ungenügende Begründung zu erblicken, zumal das Bundesamt die Vorbringen des Beschwerdeführers e inerseits nach den Regeln der Glaubhaftigkeitsprüfung von Aussagen umfassend analysierte und seine Beurteilung in den Text der angefochtenen Verfügung nachvoll- ziehbar einfliessen liess. Andererseits wurden diese Aussagen unter dem Blickwinkel des Fachwissens des BFM überprüft, wobei Erfahrungssätze und Fachwissen Tatsachen sind, die in der Regel ohne Beweisverfahren als erstellt angesehen werden dürfen (vgl. KRAUSKOPF/EMMENEGGER, in: VwVG, Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsve r- fahren, 2009, Art. 12 N 169 ). Wie der vorliegenden Rechtsmitteleingabe zu entnehmen ist, war es d em Beschwerdefüh rer sodann möglich, die Verfügung des BFM sachgerecht anzufechten. Im Weiteren ist darauf hin- zuweisen, dass er seine Mitwirkungspflicht verletzte, indem er bei der er- gänzenden Anhörung trotz mehrmaliger Nachfragen offensichtlich nicht gewillt war, anzugeben, woher er stamme (vg l. A17) und darüber hinaus nach der Rückübersetzung des Protokolls seine Unterschrift verweigerte (vgl. A17 S. 5/6). Was den in der B eschwerde erwähnten Kurzbericht der Hilfswerksvertretung anbelangt, so ist zu bemerken, dass sich ein solcher nicht in den Akten befindet. Aus der Beobachtung der Hilfswerksvertre- tung geht lediglich hervor, dass der Beschwerdeführer nicht mitwirken und das Protokoll nicht unterschreiben wollte, wes halb die Anhörung ab- gebrochen wurde (vgl. Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung g e- mäss Art. 30 Abs. 4 AsylG , A17 S. 7). In Anbetracht aller Umstände ist nicht ersichtlich, inwiefern das BFM seine Begründung spflicht verletzt ha-D-5045/2013 Seite 10 ben sollte. Der Beschwerdeführer vermag aus dieser Rüge nichts zu se i- nen Gunsten abzu leiten, weshalb der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Klärung des entsprechenden Sac h- verhalts abzuweisen ist. 5.3.2 Nach eine r eingehenden Prüfung der vorliegenden Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht sodann zum Schluss, dass auch die wei- teren Ausführungen in der Beschwerde nicht geeignet sind, die als zutre f- fend zu erachtenden Erwägungen des BFM zu entkräften. Zur Begründ ung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er und sein Bruder hätten mit dem Dorfvorsteher Probleme bekommen wegen eines Grundstücks, das seinem verstorb e- nen Vater gehört habe. Da sie es abgelehnt hätten , dem Dorfvorsteher dieses Grundstück zu verkau fen, habe er es mit Gewalt beschlag nahmt. Sie hätten erfahren, dass der Vorsteher beabsichtige sie umzubringen, sollten sie mit ihrem Vorhaben fortfahren, das Land zurückzugewin nen. Seine ganze Familie, seine Verlobte und deren Familie seien umgebracht worden, woraufhin er sein Heimatland aus Angst, ebenfalls getötet zu werden, verlassen habe. Zunächst darf davon ausgegangen werden, dass die Familienangehör i- gen des Beschwerdeführers im Streit um das in Frage stehende Grun d- stück nachgegeben hätten, nachdem sie angeblich noch zehn weitere Bigha Land besassen. Angesichts des Umstands, wonach sie von der Tö- tungsabsicht des Dorfvorstehers und von weiteren solchen Vorfällen, bei denen jeweils die ganze Familie ausgelöscht worden sei (vgl. A14 S. 7) , gewusst haben wollen, wäre die Furcht, im Falle eines Nachgebens nicht bloss zwei Bigha Land zu verlieren, entgegen der in der Beschwerde ve r- tretenen Argumentation in den Hintergrund ge rückt. Im Weiteren war der Beschwerdeführer nicht in der Lage, detailliert zu schildern, was genau er gesehen habe, als er nach der angeblichen Ermordung seiner Familie nach Hause gekommen sei. S o gab er lediglich an, er habe gesehen, dass alle tot gewesen seien und gab auf erneute Nachfrage dieselbe Antwort (vgl. A14 S. 9 F79/80). Einer Bemerkung im Protokoll zufolge war er während der Beschreibung der Ermordung völlig regungslos und unbe- teiligt (vgl. A14 S. 15), obschon eine von Realkennzeichen geprägte Schilderung zu erwarten gewesen wä re, handelt es sich be im Tod nahe- stehender Menschen doch um ein einschneidendes und prägendes Er- eignis. Das in der Beschwerde an geführte Argument, der Umstand, dass der Beschwerdeführer an der Anhörung keine Emotionen gezeigt habe, D-5045/2013 Seite 11 deute auf einen Schockzustand hin, muss als un behelfliche Schutzb e- hauptung qualifiziert werden , weil nicht davon auszugehen ist , er hätte selbst bei Wahrunterstellung der Ermordung rund eineinhalb Jahre nach derselben noch unter einem solchen Schock gestanden, dass er nicht de- taillierter hätte bericht en können. Im Übrigen wurden seitens des bei der Anhörung anwesenden Hilfswerksvertreters keinerlei Auffälligkeiten hi n- sichtlich des psychischen Zustands des Beschwerdeführers festgestellt (vgl. A14 S. 17). Nach dem Gesagten ist die Glaubhaftigkeit der gel tend gemachten Verfolgungsvorbringen insgesamt zu bezwei feln. Auch die vom Beschwerdeführer geschilderte Reise vom Heimatstaat in die Schweiz erweist sich als unglaubhaft. So gab er bei der Befragung zur Person an, mit vier weiteren Personen nach L._______ in Bangladesch gegangen zu sein (vgl. A6 S. 6), während er im Rahmen der Anhörung geltend machte, er habe seinen Heimatort alleine verlassen (vgl. A14 S. 12 F129, S. 13 F131 ). Seine Erklärung, bis L._______ sei er alleine gewesen, ab dort sei er mit vier weiteren Personen gereist (vgl. A14 S. 15, Beschwerde S. 5), vermag diesen Widerspruch jedoch nicht zu b e- seitigen. Ausserdem will er durch verschiedene Länder ge reist sein, wes- halb sein Vorbringen, er habe die ganze Route zurückgelegt ohne Reis e- papiere und ohne je kontrolliert worden zu sein (vgl. A6 S. 7), als realitäts- fremd zu qualifizie ren ist. Schliesslich kann die Frage nach der Herkunft des Beschwerdeführers angesichts seiner unglaubhaften Verfolgungsvor- bringen und der Verletzung der Mitwirkungspflich t offen bleiben. Sollte er tatsächlich aus einer indischen Enklave in Bangladesch stammen (letzte offizielle Adresse im Heimatstaat gemäss eigenen Angaben (…), Bangla- desch, vgl. A6 S. 4), wäre er entgegen anderslautender Einschätzung in der Beschwerde nich t staatenlos, sondern würde als indi scher Staatsan- gehöriger gelten. Das Gesuch um Anweisung der Vorinstanz, ihn als Staatenlosen anzuerkennen, ist somit abzuweisen. In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen kann zusammenfassend festgehalten werden, dass das BFM die Flüchtlingseigenschaft des B e- schwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). D-5045/2013 Seite 12 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Grundsätzlich ist von Amtes wegen zu prüfen, ob der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 und Art. 84 AuG ). Diese Untersuchungspflicht findet jedoch nach Treu und Glauben ihre Grenze in der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziierungslast tr a- gen (Art. 7 AsylG) , weshalb es nicht Sache der Asylbehörden sein kann, nach allfälligen Wegweisungs vollzugshindernissen in hypothetisch en Heimat- oder Herkunftsländern zu forschen, wenn – wie vorliegend – die asylsuchende Person durch unglaubhafte Vorbringen und Verletzung der Mitwirkungspflicht eine vernünftige Prüfung der Zumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs verhindert. Der Beschwerdeführer hat somit die Folgen seiner mangelhaften Mitwirkung zu tragen, indem vermutungsweise d a- von auszugehen ist, es würden einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat keine landes - oder völkerrechtlichen Vollzugshindern isse entgegenstehen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2 S. 5 f.). Im Übrigen sind keine weiteren persönlichen Gründe ersichtlich, aufgrund derer unter Umständen geschlossen werden könnte, der Beschwerdeführer geriete im Falle der Rückkehr in eine existenzbedrohen de Situation. D er Weg- weisungsvollzug ist infolgedessen auch als zumutbar zu bezeichnen. 7.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine R ückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG, dazu auch D-5045/2013 Seite 13 BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch mög- lich ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulä ssig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) , auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 1. Oktober 2013 in gleicher Höhe einbezahlten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-5045/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfa h- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Karin Schnidrig Versand: