Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. Januar 2016 (810 15 304) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Einschränkung der Handlungsfähigkeit / Genehmigung Freihandverkauf Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Sandro Jaisli Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dieter Roth , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Einschränkung der Handlungsfähigkeit / Gene hmigung Freihandverkauf (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 5. Oktober 2015) A. Bei A.____ liegt eine langjährige psychiatrische Vorgeschichte mit diversen fürsorgeri- schen Unterbringungen in psychiatrischen Kliniken v or, da sie an einer Erkrankung aus dem Schizophrenieformenkreis (Hebephrenie) leidet. Aufg rund dieser Krankheit besteht für A.____ seit dem 28. Oktober 2013 gestützt auf Art. 394 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in Verbindung mit Art. 395 ZG B eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung. Als Beiständin wurde C.____ (B eiständin) eingesetzt. A.____ ist Allein- eigentümerin der Liegenschaft D.____, Grundbuch E.____ (Liegenschaft). Diese hat sie bereits früher mehrmals versucht, zu verkaufen. Nach Errich ten der Beistandschaft zeigte sich A.____ hinsichtlich eines Verkaufes dagegen wiederholt amb ivalent, sodass die Liegenschaft bisher nicht verkauft werden konnte. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Vater von A.____, welcher in dieser Liegenschaft e in Wohnrecht besass, verstarb am 6. Dezember 2014. Zu Beginn der Beistandschaft wurde A .____ von der Sozialhilfe der Stadt E.____ unterstützt. Heute bezieht sie eine IV-Rente, wo bei offenbar Abklärungen betreffend Ergänzungsleistungen im Gange sind. Die Kindes- und Erw achsenenschutzbehörde (KESB) B.____ wurde im August 2015 von der Beiständin darüber informiert, dass für die Liegenschaft Käufer haben gefunden werden können und dass – unter Information von A.____ – der Verur- kundungstermin auf den 21. September 2015 festgelegt worden sei. B. Nachdem A.____ nicht zum vereinbarten Verurkundung stermin erschien und der Lie- genschaftsverkauf damit nicht gültig zustande kam, beantragte die Beiständin bei der KESB die Genehmigung des Verkaufs der Liegenschaft. Am 23. Septe mber 2015 wurde A.____ zusam- men mit ihrem Rechtsanwalt Guido Ehrler durch die KE SB zum Hausverkauf angehört. Im An- schluss entzog die KESB mit Entscheid vom 5. Oktober 2015 A.____ gestützt auf Art. 394 Abs. 2 ZGB die Handlungsfähigkeit in Bezug auf die Veräusserung der Liegenschaft und stimm- te dem Freihandverkauf zu einem Preis von Fr. 910'000.-- namens von A.____ gemäss Art. 416 Abs. 1 Ziff. 4 ZGB zu. Weiter ermächtigte sie die Beistä ndin, die öffentliche Urkunde über den Hausverkauf im Namen von A.____ zu unterzeichnen. Aufg rund des dringenden Handlungsbe- darfs entzog die KESB einer allfälligen Beschwerde zudem die aufschiebende Wirkung gestützt auf Art. 450c ZGB. C. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, nunmehr vertre ten durch Dieter Roth, Advokat in Liestal, mit Schreiben vom 15. Oktober 2015 Beschw erde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht) und beantragte unter o/e-Kostenfolge unter anderem: Es sei der Entsc heid der KESB Liestal vom 5. Oktober 2015 aufzuheben und der Beschwerdeführerin die Handlun gsfähigkeit in Bezug auf die Ver- äusserung der Liegenschaft D.____, Grundbuch E.____, z u belassen. Demzufolge sei die Zu- stimmung zum Freihandverkauf zu einem Preis von Fr. 910'000.--zurück zu ziehen und die Ver- kaufsverhandlungen rückabzuwickeln. In verfahrensrechtliche r Hinsicht beantragte die Be- schwerdeführerin insbesondere die Wiederherstellung der von der KESB entzogenen aufschie- benden Wirkung. D. Mit Eingabe vom 23. Oktober 2015 liess sich die KESB zum Verfahrensantrag der Be- schwerdeführerin betreffend Wiederherstellung der aufsc hiebenden Wirkung vernehmen und beantragte unter o/e-Kostenfolge dessen Abweisung. E. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 29. Oktober 20 15 erteilte das Kantonsgericht in teilweiser Gutheissung des Verfahrensantrages der Beschwerde die aufschiebende Wirkung. F. Mit Eingabe vom 5. November 2015 reichte die Beschwe rdeführerin, nach wie vor ver- treten durch Dieter Roth, das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege sowie weitere Beschwer- debegründungen mit Beilagen ein. G. Mit Schreiben vom 16. November 2015 liess sich die KES B vernehmen und beantragte unter o/e-Kostenfolge die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Verfügung vom 18. November 2015 wurde der Fa ll der Kammer zur Beurteilung überwiesen und das Gesuch – der durch die Beiständin ve rmittelten Kaufinteressenten – um Beiladung zum Verfahren abgewiesen. I. Mit Eingabe vom 20. November 2015 reichte Dieter Roth namens und im Auftrag der Beschwerdeführerin das aktuelle Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein und mit Schreiben vom 18. Dezember 2015 stellte er dem Kantonsgericht seine Honorarnote zu. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide ein er Erwachsenenschutzbehör- de Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Geset- zes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 1 6. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahr en richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmunge n des kantonalen Verwaltungspro- zessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach dem Gesagt en ist die Fünferkammer der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsge richts zur Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Perso- nen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschützte s Interesse an der Aufhebung oder Ände- rung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Anfe chtungsobjekt bildet der Entscheid der KESB vom 5. Oktober 2015, durch welchen die Beschwerde führerin als direkt Verfahrensbetei- ligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwer de Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststell ung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Vorliegend ist die Rechtmässigkeit und Angemessenheit des Entscheids der KESB vom 5. Oktober 2015 hinsichtlich der darin im Namen der Beschwerdeführerin erteilten Zustim- mung zum Freihandverkauf der Parzelle D.____, Grundbuch E.____, strittig. 3.1 Die behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes ste llen das Wohl und den Schutz hilfsbedürftiger Personen sicher. Sie sollen die S elbstbestimmung der betroffenen Per- son so weit wie möglich erhalten und fördern (Art. 388 ZGB). 3.2 In Art. 389 ZGB unterstellt der Gesetzgeber zudem alle behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes den beiden Maximen der Subsidiarität und der Verhältnismässigkeit. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Subsidiarität (Art. 389 Abs. 1 ZGB) heisst, dass behördliche Massnahmen nur dann anzuordnen sind, wenn die Betreuung der hilfsbedürftigen Person auf andere Weise nicht angemessen si- chergestellt ist (Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenen- schutz, Personenrecht und Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, BB l 2006 7042). Ist die gebotene Unterstützung der hilfsbedürftigen Person auf andere Art - durch die Familie, andere naheste- hende Personen oder private oder öffentliche Dienste ( vgl. dazu Urteil 5A_663/2013 vom 5. November 2013 E. 3) - schon gewährleistet, so ordnet die Erwachsenenschutzbehörde keine Massnahme an (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Kommt die Erwachsenenschutzbehörde demge- genüber zum Schluss, die vorhandene Unterstützung der hil fsbedürftigen Person sei nicht aus- reichend oder von vornherein ungenügend, so muss ihre b ehördliche Massnahme verhältnis- mässig, das heisst erforderlich und geeignet sein (Art. 38 9 Abs. 2 ZGB). Die Erwachsenen- schutzbehörde hat dabei nicht gesetzlich fest umschriebene, starre Massnahmen, sondern "Massnahmen nach Mass" zu treffen, das heisst solche, die den Bedürfnissen der betroffenen Person entsprechen (Art. 391 Abs. 1 ZGB; BGE 140 III 49 E. 4.3.1. f.; Urteil des Bundesgerichts 5A_4/2014 vom 10. März 2014 E. 6.1 f.). Es gilt der G rundsatz "so viel staatliche Fürsorge wie nötig, so wenig staatlicher Eingriff wie möglich" (vgl . Botschaft, a.a.O., S. 7017, Urteil des Bun- desgerichts 5A_667/2013 vom 12. November 2013 E. 6.1). 3.3 Die Vertretungsbeistandschaft gemäss Art. 394 ZGB schränkt die Handlungsfähigkeit der verbeiständeten Person nicht ein. Dadurch besteht das Risiko, dass der Beistand und der Verbeiständete in derselben Angelegenheit inhaltlich ve rschiedene Willenserklärungen abge- ben. Muss damit gerechnet werden, dass die verbeiständete Person die Handlungen des Bei- stands absichtlich oder ungewollt hindert oder durchkreuz t und so die ordnungsgemässe Erle- digung der dem Beistand übertragenen Aufgaben vereit elt, ist die Handlungsfähigkeit der ver- beiständeten Person entsprechend einzuschränken (Art. 394 Abs. 2 ZGB; Urteil des Bundesge- richts 5A_44/2015 vom 8. Dezember 2015 E. 3.4.1). Umfass t die Vertretungsbeistandschaft auch die Vermögensverwaltung (Art. 395 ZGB), ist auch in diesem Aufgabenbereich eine Ein- schränkung der Handlungsfähigkeit zulässig (HELMUT HENKEL , in: Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Thomas Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar Zivilgeset zbuch I, Art. 1-456 ZGB, 5. Aufl., Zü- rich / St. Gallen 2014, Art. 394 N 3). 3.4 Die Aufhebung der Handlungsfähigkeit setzt einen besonderen Schwächezustand der betroffenen Person voraus und muss verhältnismässig sein (Art. 398 Abs. 2 ZGB). Es muss sich erweisen, dass die betroffene Person im betroffenen Bereich nicht mehr interessenkonform agiert, etwa die in ihrem eigenen Interesse liegende Besorgung einer Angelegenheit sinnlos verzögert oder konterkariert. Blosse Sturheit, Besserwissere i oder Zögerlichkeit seitens der be- troffenen Person genügen dagegen nicht, denn Art. 394 Abs. 2 ZGB darf nicht dazu miss- braucht werden, um sich eine längere, unter Umständen auch mühsame Auseinandersetzung mit der betroffenen Person zu ersparen (C HRISTINA FOUNTOULAKIS , in: Peter Breit- schmid/Alexandra Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Familienrecht inkl. Kindes- und Erwachsenenschutzrech t Art. 1-456 ZGB, 2. Aufl., 2012, Art. 394 N 11). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5 Von der Einschränkung der Handlungsfähigkeit nach A rt. 394 Abs. 2 ZGB sind die zu- stimmungsbedürftigen Geschäfte gemäss Art. 416 ZGB zu u nterscheiden. Während die Ein- schränkung der Handlungsfähigkeit einzelfallbezogen durch die KESB angeordnet wird, sind die Geschäfte nach Art. 416 ZGB von Gesetzes wegen zustimm ungsbedürftig, weshalb der Bei- stand die Handlungen gemäss Art. 416 ZGB – sofern die betroffene Person ihre Zustimmung verweigert (vgl. Art. 416 Abs. 2 ZGB e contrario) – nu r mit Zustimmung der KESB vornehmen kann. Liegt ein zustimmungsbedürftiges Rechtsgeschäft nach Art. 416 ZGB vor, für welches die KESB im Namen der betroffenen Person ihre Zustimmung erteilt hat, ist der Beistand gestützt auf diese Zustimmung zum Abschluss des entsprechenden Recht sgeschäfts ermächtigt. Eine zusätzliche Einschränkung der Handlungsfähigkeit der betroffenen Person nach Art. 394 Abs. 2 ZGB oder die zusätzliche Ermächtigung des Beistandes durch die KESB zur Unterzeichnung von Urkunden im Zusammenhang mit dem von ihr gestützt auf Art. 416 ZGB genehmigten Rechtsgeschäft sind im Anwendungsbereich von Art. 416 Z GB nicht erforderlich und gehen zu weit. 3.6 Da die Beschwerdeführerin ihre Zustimmung zum Ver kauf der Liegenschaft verweigert, ist für das vorliegend zu beurteilende Rechtsgeschäft nac h Art. 416 Abs. 1 Ziff. 4 ZGB die be- hördliche Zustimmung erforderlich. Damit stellt sich vorl iegend einzig die Frage, ob die KESB mit ihrem Entscheid vom 5. Oktober 2015 zu Recht ihre Zustimmung zum Freihandverkauf der Liegenschaft (vgl. Ziff. 2 des angefochtenen Entscheids) erteilt hatte. 4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass für eine n Verkauf der Liegenschaft kei- nerlei Dringlichkeit bestehe. Es könne erwartet werden, dass die Liegenschaft ihren Wert in den nächsten Monaten und Jahren behalte und sogar noch stei gern werde, da es sich um ein be- gehrtes Objekt auf dem Wohnungsmarkt handle. Die Beschwerdeführerin sei zwar in fürsorgeri- scher Unterbringung gewesen, befinde sich aber aktuell in einer guten psychischen Verfassung. Sie sei urteilsfähig und wisse genau, um was es bei den Veräusserungsbestrebungen gehe. Mit Verfügung vom 3. November 2015 habe die KESB die für die Beschwerdeführerin beantragten ambulanten Massnahmen nicht bewilligt, was für deren gu ten gesundheitlichen Zustand spre- che. Nachdem die Beschwerdeführerin ihren Vater verlor en und ihre Tochter zu Pflegeeltern abgegeben habe, würde sie ein Verkauf der Liegenschaft gegen ihren Willen auf lange Zeit hin verletzen und ihr möglicherweise auch gesundheitlich zusetzen. Die Beiständin habe die Schul- den der Beschwerdeführerin erhöht, indem sie die Wohnu ng in der Liegenschaft zu günstig vermiete und die Beschwerdeführerin gegen ihren Willen nicht in ihrem Haus habe wohnen las- sen, wodurch dieser zusätzliche Wohnkosten entstanden seien . Unabhängig davon, sei die Schuldensituation nicht derart gravierend, dass eine bal dige betreibungsrechtliche Versteige- rung der Liegenschaft nur noch durch einen schnellen fr eihändigen Verkauf abgewendet wer- den könne. Zudem sei der von der Beiständin erzielte K aufpreis von Fr. 910'000.-- nicht als bestmögliche Lösung zu bezeichnen, habe doch eine Schät zung der Liegenschaft aus dem Jahr 2012 einen Marktwert von Fr. 1'005'000.-- ergeben . Auch die Behauptung der einsturzge- fährdeten Mauer auf dem Grundstück vermöge nicht die No twendigkeit eines dringlichen Ver- kaufs gegen den Willen der Eigentümerin zu begründen. Entgegen der Ansicht der KESB sei es der Beschwerdeführerin mit einer guten Bewirtschaftung und Aufstockung der Hypothek ohne Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteres möglich, auch als IV-Rentnerin das Haus zu bewohn en, ohne sich weiter verschulden zu müssen. 4.2 Die KESB stellt sich dagegen auf den Standpunkt, da ss keine Möglichkeit bestehe, das Haus finanziell zu halten. Die Beschwerdeführerin könne sich aufgrund ihrer Krankheit nicht für einen Verkauf entschliessen, obwohl ihr mehrfach und von v erschiedenen Seiten her erklärt worden sei, weshalb der freihändige Verkauf der Lieg enschaft unumgänglich sei und in ihrem Interesse liege. Auch die Beschwerdeführerin selbst ha be seit Errichtung der Beistandschaft immer wieder den Wunsch geäussert, die Liegenschaft zu ver kaufen. Aus Sicht der KESB sei ein Verkauf der Liegenschaft zwangsläufig, da die Beschwer deführerin seit mehreren Jahren über keine flüssigen Mittel verfüge und vorübergehend von der Sozialhilfe habe unterstützt wer- den müssen. Betreffend die aktuelle Schuldensituation der Beschwerdeführerin verweist die KESB auf eine Auflistung der Beiständin, aus welcher si ch offene Forderungen von insgesamt Fr. 188'000.-- ergeben. Darüber hinaus habe insbesond ere die Sozialhilfe der Stadt E.____ bereits mitgeteilt, dass sie ihre Forderung (Fr. 45'000.--) umgehend in Betreibung setzen werde, sollte die Liegenschaft selbstverschuldet nun doch nicht verkauft werden. Die KESB führt weiter aus, dass der erzielte Kauferlös von Fr. 910'000.-- deutlich über dem geschätzten Marktwert der Liegenschaft liege, weshalb darauf geachtet werden mü sse, dass die Kaufinteressenten nicht abspringen würden. Schliesslich mache auch die baufäll ige Steinmauer zum Nachbargrund- stück den Verkauf der Liegenschaft dringlich, da das Risiko eines Mauereinsturzes nach wie vor bei der Beschwerdeführerin liege. 5.1 Damit von einem Verkauf der Liegenschaft abgesehen werden könnte, müsste die Be- schwerdeführerin finanziell in der Lage sein, die Lieg enschaft zu unterhalten und gleichzeitig ihre bestehenden Schulden zu tilgen. Kann sie dies nämli ch nicht, droht eine – nicht in ihrem Interesse liegende – Zwangsversteigerung der Liegenscha ft mit unsicherem finanziellem Aus- gang. 5.2 Gemäss Angaben in ihrem Gesuch um unentgeltliche Re chtspflege vom 20. November 2015 verfügt die Beschwerdeführerin über ein monatli ches Einkommen von Fr. 2'344.70, wel- ches sich aus Erwerbseinkommen aus geschütztem Arbeitsplatz ( Fr. 100.--), Ersatzeinkommen in Form von Invalidenleistungen (Fr. 2'030.--) sowie ei ner Prämienverbilligung der Krankenkas- se (Fr. 214.70) zusammensetzt. Im Übrigen scheint ein A nspruch auf die sich angeblich in Ab- klärung befindenden Ergänzungsleistungen – unter Berücksi chtigung des Wertes der Liegen- schaft als anrechenbare Einnahmen gemäss Art. 11 Abs. 1 l it. b und c des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) vom 6. Oktober 2006 – eher unwahrscheinlich. 5.3 Diesen Einnahmen stehen gemäss Angaben der Beschwer deführerin monatliche Aus- gaben im Umfang von Fr. 857.40 (Fr. 511.50 Hypothek arzins und Fr. 345.90 Krankenkassen- prämien) gegenüber. Unter Hinzurechnung eines um 20% erhöhten betreibungsrechtlichen Existenzminimums für eine alleinstehende Person im Umfan g von Fr. 1'440.-- hat die Be- schwerdeführerin einen monatlichen Bedarf von Fr. 2'2 97.40 und somit einen Überschuss von lediglich Fr. 47.30 pro Monat. Würde man zusätzlich sämt liche Kosten, welche im Zusammen- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht hang mit der fremdbetreuten Tochter anfallen, berücksi chtigen, wäre der monatliche Bedarf der Beschwerdeführerin höher als deren Einkünfte. 5.4 Aus der Kreditorenauflistung der Beiständin vom 31 . Oktober 2015 wird deutlich, dass die Beschwerdeführerin deutlich über Fr. 100'000.-- Sc hulden hat (vgl. alleine den Posten Heimkosten und Kosten der KESB). Mit ihrem Einkommen kan n die Beschwerdeführerin ihre Schulden nicht tilgen (vgl. E. 5.3 hiervor). Eine Schu ldentilgung wäre nur mittels Hypothekarer- höhung möglich. Eine solche hätte aber – sofern sie gewä hrt würde – einen höheren Hypothe- karzins zur Folge, welchen die Beschwerdeführerin nicht za hlen könnte (vgl. wiederum E. 5.3 hiervor). Die Beschwerdeführerin ist daher finanziell – entgegen ihrer eigenen Ansicht – offen- sichtlich nicht in der Lage, die Liegenschaft weiter zu h alten und gleichzeitig ihre bestehenden Schulden zu tilgen. 5.5 Im Übrigen ist der von der Beiständin erzielte Verka ufspreis von Fr. 910'000.-- nicht zu beanstanden. Die sich in den Unterlagen befindenden Sch atzungen der Liegenschaft (F.____ und G.____ vom 30. Juli 2015) sind umfassend und entspr echen den marktüblichen Bewer- tungskriterien. Aus beiden Schatzungen werden der akute Renovationsbedarf der alten Immobi- lie (Baujahr 1932) und die damit verbundenen hohen Investitionskosten offensichtlich, was sich erheblich auf den Marktwert auswirkt. Die Schatzungen bew erten die Liegenschaft folglich zu einem Marktwert von Fr. 750'000.-- bis Fr. 850'000.-- (F.____) respektive Fr. 749'000.-- (G.____). Da der von der Beiständin im Freihandverkauf erzielte Verkaufspreis von Fr. 910'000.-- über diesen glaubhaften Schatzungen liegt und die Liegenschaft zudem öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben wurde, handelt es sich um ein für die Beschwerdeführerin vorteil- haftes Geschäft. Die Schätzung vom 22. August 2012, auf welche sich die Beschwerdeführerin beruft, kann dagegen nicht als seriös bezeichnet werden , da diese insbesondere keinen Bezug auf den grossen Renovationsbedarf der Liegenschaft nimmt. 6. Wie soeben aufgezeigt, ist aus finanzieller Sicht ei ne Veräusserung der stark renovati- onsbedürftigen Liegenschaft unumgänglich und liegt i m Interesse der Beschwerdeführerin. Das ambivalente Verhalten der Beschwerdeführerin verzögert den in ihrem Interesse liegenden Ver- kauf der Liegenschaft. Es sind auch keine für die Beschwerd eführerin vorteilhafteren Alternati- ven ersichtlich. Vielmehr ist die Beiständin gemäss Art. 5 der Verordnung über die Vermögens- verwaltung im Rahmen einer Beistandschaft oder Vormund schaft (VBVV) vom 4. Juli 2012 zur Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse der betrof fenen Person verpflichtet und muss die Anlage/Verwaltung so wählen, dass Vermögenswerte fü r den gewöhnlichen Lebensunter- halt und für zu erwartende ausserordentliche Aufwendun gen nicht zur Unzeit liquidiert werden müssen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände verletzt die Zustimmung der KESB zum Ver- kauf der Liegenschaft weder die Grundsätze der Subsidi arität und der Verhältnismässigkeit noch ist sie unter einem anderen Gesichtspunkt zu beanstan den. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 7.1 Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO werden in verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich Verfahrenskosten erhoben. Die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die B eweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). 7.2 Die Beschwerdeführerin ersucht in ihrer Beschwerdee ingabe vom 15. Oktober 2015 um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Die unentgeltliche Rechtspflege wird nicht von Amtes wegen, sondern nur auf Antrag gewährt. Das Gesuch kann zu Beginn oder erst wäh- rend des Verfahrens gestellt werden. Voraussetzung für den Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege ist erstens das Vorliegen von Bedürftigkei t des Betroffenen, zweitens die Nicht- Aussichtslosigkeit der Rechtssache und drittens die Notwend igkeit der Verbeiständung (vgl. § 22 Abs. 1 und 2 VPO). Die beiden ersten Bedingungen gelten für jegliche Form der unentgelt- lichen Prozessführung, die dritte naturgemäss für die u nentgeltliche Vertretung. Diese Voraus- setzungen müssen kumulativ gegeben sein. 7.3 Mittellos beziehungsweise bedürftig ist, wer nicht ü ber die erforderlichen Mittel für ein Verfahren verfügt, dafür also Werte beanspruchen müsste , die zur Deckung des Grundbedarfs für sich und seine Familie notwendig sind ( GEROLD STEINMANN , in: Bernhard Ehrenzeller et. al [Hrsg.], St. Galler Kommentar zur Schweizerischen Bund esverfassung, 3. Aufl., Zürich/Basel/ Genf 2014, Art. 29 N 68). Die Gründe dafür sind – von Rechtsmissbrauch abgesehen – uner- heblich. Die Behörde hat aufgrund einer Differenzbere chnung zu untersuchen, ob die jeweilige Person mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ein bestimmtes Verfahren führen kann. Von den vorhandenen Mitteln ist der voraussichtliche Aufwand für den notwendigen Lebensunterhalt in Abzug zu bringen. Erst bei einem ausgeglichenen bezie hungsweise negativen Saldo liegt Mittellosigkeit vor. Ergibt sich dagegen ein Überschuss, ist dieser mit den Verfahrenskosten in Verbindung zu setzen. Lassen sich diese innerhalb eines J ahres, bei aufwändigen Verfahren innerhalb von zwei Jahren bewältigen, ist unentgeltliche Rechtspflege zu verneinen, andernfalls Mittellosigkeit zu bejahen (Urteil des Bundesgerichts 4A_ 87/2007 vom 11. September 2007 E. 2.1; MARCEL MAILLARD , in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg. ], Praxiskom- mentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 65 N 10 ff.; M ARTIN KAYSER , in: Christoph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun- desgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 65 N 13 ff.). 7.4 Die Mittel, die einer Person zur Verfügung stehe n, lassen sich in Einkommen und Ver- mögen einteilen. Zum Vermögen zählen sämtliche der V erfahrenspartei zur Verfügung stehen- de Werte wie Barvermögen oder Leistungen aus beruflich er und anerkannter Selbstvorsorge. Soweit das Vermögen einen angemessenen "Notgroschen" (j e nach Alter und Gesundheitszu- stand des Gesuchstellers im Normalfall Fr. 15'000.--, b ei besonderen Umständen Fr. 20'000.-- und mehr; vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_87/2007 vom 11. September 2007 E. 2.1) über- steigt, ist es dem Gesuchsteller unbesehen der Art der V ermögensanlage zumutbar, dieses zur Finanzierung des Prozesses zu verwenden. Die Art der Ve rmögensanlage beeinflusst allenfalls die Verfügbarkeit der Mittel, nicht aber die Zumutbarkeit, sie vor der Beanspruchung des Rechts auf unentgeltliche Prozessführung anzugreifen (Urteil des Bundesgerichts 4P.313/2006 vom 14. Februar 2007 E. 3.3; M ARTIN KAYSER , a.a.O., Art. 65 N. 19). Der um unentgeltliche Rechts- pflege ersuchende Grundeigentümer hat sich daher die f ür den Prozess benötigten Mittel allen- falls durch Belehnung der Liegenschaft bzw. Aufnahmeeine s zusätzlichen Hypothekarkredits, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und, wenn zumutbar, nötigenfalls durch Veräusserung der Liegenschaft zu beschaffen. Die Veräusserung der Liegenschaft ist allerdings nur zumutbar, wenn damit zu rechnen ist, dass mit einem Verkauf die für den Prozess erforderlichen Mittel erwirtschaftet werden können, was na- mentlich vom Verkehrswert und der Belastung der Liegen schaft abhängt (Urteil des Bundesge- richts 5A_726/2014 vom 2. Februar 2015 E. 4.2). 7.5 Wie unter E. 6 hiervor aufgezeigt, ist ein Verkau f der Liegenschaft unumgänglich. Ge- mäss den Angaben im Gesuch um unentgeltliche Rechtspfl ege vom 20. November 2015 wird die Beschwerdeführerin nach dem Verkauf der Liegenschaft selbst nach Abzug der Hypothekar- und übrigen Schulden und Verbindlichkeiten ein Vermög en aufweisen, das weit über den von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung geforderten "Notg roschen" (vgl. E. 7.4 hiervor) hin- ausgeht und mit welchem sie die Verfahrenskosten bezahle n kann. Die Beschwerdeführerin ist deshalb nicht mittellos. Da die Voraussetzungen nach § 22 Abs. 1 und 2 VPO kumulativ erfüllt sein müssen, erübrigt sich eine Prüfung der übrigen Anspr uchsvoraussetzungen, womit das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Dieter Roth abzuweisen ist. 7.6 Angesichts des Ausgangs des Verfahrens sind die Verfa hrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Als unterliegende Partei hat die Beschwerde- führerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). Die Parteikosten werden demzufolge wettgeschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber