<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwaltskommission</span> <span class="page_no">348</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>75</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 13 BGFA und Art. 321 Ziff. 2 StGB</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Die Entbindung vom Berufsgeheimnis durch die Aufsichtsbehörde ist ins-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>besondere auch zur Geltendmachung einer Honorarforderung erforder-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lich, soweit die Klientin oder der Klient im konkreten Fall keine</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rechtsgenügliche Einwilligung gemäss Art. 321 Ziff. 2 StGB gegeben hat.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Die Aufsichtsbehörde hat bei einem Gesuch um Entbindung vom</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Berufsgeheimnis sämtliche auf dem Spiel stehenden Interessen gegen-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einander abzuwägen. Dabei ist auch dem Umstand Rechnung zu tragen,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dass eine Anwältin oder ein Anwalt von der Klientin oder vom Klienten</b></span><br/> <span class="ft3"><b>grundsätzlich einen Kostenvorschuss verlangen kann.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 14. März 2017</span><br/> <span class="ft4">i.S. Entbindung vom Berufsgeheimnis (AVV.2017.6).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">349</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. - 2.3. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.4. Die Anwaltskommission des Kantons Aargau hat bei einem</span><br/> <span class="ft1">Gesuch um Entbindung vom Berufsgeheimnis sämtliche auf dem</span><br/> <span class="ft1">Spiel stehenden Interessen gegeneinander abzuwägen. Das Geheim-</span><br/> <span class="ft1">haltungsinteresse ist dabei - auch wenn das Berufsgeheimnis als</span><br/> <span class="ft1">Kernpunkt der anwaltlichen Berufspflichten schlechthin gilt - nicht</span><br/> <span class="ft1">in jedem Fall gleich schwer, sondern entsprechend den besonderen</span><br/> <span class="ft1">Umständen des Falles zu gewichten. Angesichts der institutionellen</span><br/> <span class="ft1">und individualrechtlichen Bedeutung des anwaltlichen Berufsge-</span><br/> <span class="ft1">heimnisses kann nur ein deutlich überwiegendes öffentliches oder</span><br/> <span class="ft1">privates Interesse die Entbindung vom Berufsgeheimnis rechtfertigen</span><br/> <span class="ft1">(BGE 142 II 307 E. 4.3.3, Urteil des Bundesgerichts 2C_704/2016</span><br/> <span class="ft1">vom 6. Januar 2017 E. 3.2).</span><br/> <span class="ft1">2.5. Für die Interessenabwägung ist zu beachten, dass eine An-</span><br/> <span class="ft1">wältin oder ein Anwalt zwar regelmässig über ein schutzwürdiges</span><br/> <span class="ft1">Interesse an der Entbindung zwecks Eintreibung offener Honorarfor-</span><br/> <span class="ft1">derungen verfügt. Diesem Interesse steht grundsätzlich das insti-</span><br/> <span class="ft1">tutionell begründete Interesse an der Wahrung der Vertraulichkeit wie</span><br/> <span class="ft1">auch, je nach Konstellation, das individualrechtliche Interesse des</span><br/> <span class="ft1">Klienten auf Geheimhaltung der Mandatsbeziehung sowie sämtlicher</span><br/> <span class="ft1">damit in Zusammenhang stehender Informationen entgegen. Bei der</span><br/> <span class="ft1">Abwägung der sich entgegenstehenden Interessen im Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang mit einer offenen Honorarforderung ist auch dem Umstand</span><br/> <span class="ft1">Rechnung zu tragen, dass eine Anwältin oder ein Anwalt vom</span><br/> <span class="ft1">Klienten grundsätzlich einen Vorschuss verlangen kann, welcher die</span><br/> <span class="ft1">voraussichtlichen Kosten ihrer oder seiner Tätigkeit deckt, und,</span><br/> <span class="ft1">sofern das Mandat für sie oder ihn eine wichtige wirtschaftliche</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung hat, zur Erhebung eines solchen Vorschusses unter dem</span><br/> <span class="ft1">Gesichtspunkt des Unabhängigkeitserfordernisses von Art. 12 lit. b</span><br/> <span class="ft1">BGFA sogar gehalten sein kann (BGE 142 II 307 E. 4.3.3). Nach der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung zum Anwaltsgeheimnis ist aber die Entbindung -</span><br/> <span class="ft1">jedenfalls dann, wenn der betroffene Anwalt dargelegt hat, weshalb</span><br/> <span class="ft1">ihm eine Kostendeckung z.B. über die Erhebung eines Kostenvor-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwaltskommission</span> <span class="page_no">350</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schusses nicht möglich war - zu bewilligen, wenn der Anwalt sie</span><br/> <span class="ft1">beantragt, um selber eine Honorarforderung gegen seinen ehemali-</span><br/> <span class="ft1">gen Klienten einzuklagen oder sich gegen Haftpflichtansprüche oder</span><br/> <span class="ft1">Strafanzeigen seiner ehemaligen Klienten zu wehren; zu verweigern</span><br/> <span class="ft1">ist eine verlangte Entbindung in diesen Fällen nur dann, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Klientschaft ihrerseits ein höherrangiges Interesse an der Aufrecht-</span><br/> <span class="ft1">erhaltung des Anwaltsgeheimnisses hat (Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">2C_215/2015 vom 16. Juni 2016 E. 5.2).</span><br/></div> </div> </body> </html>