<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 107 S.473</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">473</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Besoldung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>107 Besoldung einer kommunal angestellten Lehrperson während Schulver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>such</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Lehrperson kann aus der Projektvereinbarung zwischen Kanton</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und Gemeinde keinen selbständig durchsetzbaren Anspruch auf eine</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bestimmte Höherbesoldung ableiten (Erw. 1, 2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die für die Anstellung zuständige Gemeinde schuf keine Vertrauens-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>grundlage, aufgrund derer die Lehrperson in guten Treuen von einer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>besoldungsmässigen Gleichstellung mit Primarlehrpersonen ausge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hen durfte (Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 10. Mai 2005 in Sachen</span><br/> <span class="ft4">E. gegen Einwohnergemeinde X. (KL.2004.50002).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">II. 1. Zwischen dem Departement BKS und der Gemeinde</span><br/> <span class="ft7">wurde die Projektvereinbarung für den Schulversuch Grund- und Ba-</span><br/> <span class="ft7">sisstufe abgeschlossen. Gemäss Ziffer 5 der Projektvereinbarung</span><br/> <span class="ft7">müssen die am Schulversuch beteiligten Gemeinden die Kosten</span><br/> <span class="ft7">übernehmen für den "Mehraufwand der Besoldungskosten der</span><br/> <span class="ft7">Kindergartenlehrpersonen, weil der Besoldungsansatz für die Kinder-</span><br/> <span class="ft7">gartenlehrperson dem Besoldungsansatz der Primarlehrperson ange-</span><br/> <span class="ft7">passt werden muss." Diese Formulierung mag allenfalls nicht eindeu-</span><br/> <span class="ft7">tig erscheinen in Bezug auf die Frage, ob zwischen den Löhnen der</span><br/> <span class="ft7">Kindergarten- und Primarlehrpersonen eine Annäherung oder eine</span><br/> <span class="ft7">vollständige Gleichstellung zu erfolgen hat. Allerdings lassen der</span><br/> <span class="ft7">Wortlaut des Projektbeschriebes sowie der Projektbewilligung durch</span><br/> <span class="ft7">den Erziehungsrat und den Regierungsrat kaum Zweifel offen, dass</span><br/> <span class="ft7">unter "angepasst" eine Gleichbehandlung der am Projekt beteiligten</span><br/> <span class="ft7">Kindergarten- und Primarlehrpersonen zu verstehen ist. Die Formu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">474</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">lierung im Protokollauszug des Gemeinderates vom 2. Dezember</span><br/> <span class="ft7">2002, wonach die Gemeinde für den "Ausgleich der Differenz zwi-</span><br/> <span class="ft7">schen Kindergartenlohn/Primarlehrerlohn (ca. Fr. 52'000.--) aufzu-</span><br/> <span class="ft7">kommen habe", weist zudem darauf hin, dass sich der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft7">des Erfordernisses der lohnmässigen Gleichstellung bewusst war.</span><br/> <span class="ft7">Auf eine abschliessende Beurteilung, wie der Begriff "angepasst" in</span><br/> <span class="ft7">Ziffer 5 der Projektvereinbarung auszulegen ist, kann indessen auf-</span><br/> <span class="ft7">grund der nachfolgenden Erwägungen verzichtet werden.</span><br/> <span class="ft7">2. a) Gemäss der Zweckumschreibung ist die Projektvereinba-</span><br/> <span class="ft7">rung ein Vertrag zwischen den am Schulversuch Grundstufe bzw. Ba-</span><br/> <span class="ft7">sisstufe beteiligten Schulen und den zuständigen lokalen Gemeinde-</span><br/> <span class="ft7">und Schulbehörden mit dem Departement BKS. Der Vertrag klärt die</span><br/> <span class="ft7">verbindlichen Rechte, Pflichten und Leistungen der Vertragsparteien</span><br/> <span class="ft7">sowie die Zusammenarbeit zwischen dem Departement BKS sowie</span><br/> <span class="ft7">der Versuchsschule. Der Vertrag stützt sich auf den Projektbeschrieb.</span><br/> <span class="ft7">b) Die Projektvereinbarung bildet einen sog. Koordinations-</span><br/> <span class="ft7">rechtlichen Vertrag, d.h. eine Vereinbarung zwischen verschiedenen</span><br/> <span class="ft7">Gemeinwesen oder Trägern öffentlicher Verwaltung, welche einander</span><br/> <span class="ft7">(in Bezug auf den Vertragsgegenstand) gleichgestellt sind (Frank</span><br/> <span class="ft7">Klein, Die Rechtsfolgen des fehlerhaften verwaltungsrechtlichen</span><br/> <span class="ft7">Vertrags, Diss. Zürich 2003, S. 25. f.; Tobias Jaag, Verwaltungsrecht</span><br/> <span class="ft7">des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, Rz. 469). Koordina-</span><br/> <span class="ft7">tionsrechtliche Verträge sind selten rechtssetzender, sondern meistens</span><br/> <span class="ft7">rechtsgeschäftlicher Natur (Jaag, a.a.O., Rz. 473). Letzteres gilt auch</span><br/> <span class="ft7">in Bezug auf die Projektvereinbarung: Sowohl aus der zitierten</span><br/> <span class="ft7">Zweckbestimmung als auch aus dem Inhalt der Projektvereinbarung</span><br/> <span class="ft7">ergibt sich unmittelbar, dass diese keine generell-abstrakten Normen</span><br/> <span class="ft7">beinhaltet. Dasselbe gilt in Bezug auf den Projektbeschrieb.</span><br/> <span class="ft7">c) Die am Schulversuch beteiligten Kindergarten-Lehrpersonen</span><br/> <span class="ft7">sind nicht Vertragspartei (vgl. lit. a hievor). Da der Projektvereinba-</span><br/> <span class="ft7">rung kein rechtssetzender Charakter zukommt (vgl. lit. b hievor),</span><br/> <span class="ft7">können sie nur dann einen selbständig durchsetzbaren Anspruch auf</span><br/> <span class="ft7">einen bestimmten Lohn geltend machen, wenn ihnen ein solcher ana-</span><br/> <span class="ft7">log zum privatrechtlichen Vertrag zugunsten Dritter (Art. 112 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">OR) durch die Vertragsparteien eingeräumt wurde.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">475</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Als Grundlage eines entsprechenden Anspruchs käme einzig</span><br/> <span class="ft7">Ziffer 5 der Projektvereinbarung in Betracht. Diese Bestimmung</span><br/> <span class="ft7">zählt auf, welche Projektkosten das Departement BKS übernimmt</span><br/> <span class="ft7">und welche Projektkosten die am Schulversuch beteiligten Gemein-</span><br/> <span class="ft7">den zu bezahlen haben. Letztere tragen u.a. den Mehraufwand für die</span><br/> <span class="ft7">Besoldung der Kindergartenlehrpersonen, "weil der Besoldungsan-</span><br/> <span class="ft7">satz für die Kindergartenlehrpersonen dem Besoldungsansatz der Pri-</span><br/> <span class="ft7">marlehrpersonen angepasst werden muss" (vgl. Erw. 1 hievor). Aus</span><br/> <span class="ft7">dem Wortlaut sowie dem Zweck der Bestimmung lässt sich unschwer</span><br/> <span class="ft7">erkennen, dass sich diese ausschliesslich auf die Aufteilung der Pro-</span><br/> <span class="ft7">jektkosten zwischen dem Departement BKS einerseits und den am</span><br/> <span class="ft7">Schulversuch beteiligten Gemeinden anderseits beschränkt. Demge-</span><br/> <span class="ft7">genüber lässt sich nicht der geringste Hinweis darauf ableiten, dass</span><br/> <span class="ft7">den betroffenen Kindergartenlehrpersonen ein selbständig durch-</span><br/> <span class="ft7">setzbarer Anspruch auf eine bestimmte Besoldung zukommen soll.</span><br/> <span class="ft7">Bezeichnenderweise ist die besoldungsmässige Gleichstellung von</span><br/> <span class="ft7">Kindergarten- und Primarlehrpersonen als blosse Begründung ("weil</span><br/> <span class="ft7">...") ausgestaltet. Schliesslich würde eine derartige Regelung zu-</span><br/> <span class="ft7">gunsten Dritter durch den Vertragszweck, wie er in der Projektver-</span><br/> <span class="ft7">einbarung umschrieben ist, nicht gedeckt. Demzufolge steht den</span><br/> <span class="ft7">betroffenen Kindergartenlehrpersonen kein selbständig durchsetzba-</span><br/> <span class="ft7">rer Anspruch auf eine Höherbesoldung zu. Allein das Departement</span><br/> <span class="ft7">BKS hätte die Möglichkeit, auf dem Rechtsweg (d.h. mittels Klage</span><br/> <span class="ft7">auf korrekte Vertragserfüllung) von der Beklagten zu verlangen, dass</span><br/> <span class="ft7">sie die betroffenen Kindergartenlehrpersonen gleich hoch wie</span><br/> <span class="ft7">Primarlehrpersonen besoldet.</span><br/> <span class="ft7">3. a) Gemäss Art. 9 BV hat jede Person Anspruch darauf, von</span><br/> <span class="ft7">den staatlichen Organen ohne Willkür und nach Treu und Glauben</span><br/> <span class="ft7">behandelt zu werden. Dementsprechend sind Private in ihrem</span><br/> <span class="ft7">berechtigten Vertrauen in behördliche Zusicherungen oder in ande-</span><br/> <span class="ft7">res, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden</span><br/> <span class="ft7">zu schützen (BGE 129 I S. 162 ff., Erw. 3 mit zahlreichen Hinweisen</span><br/> <span class="ft7">auf die Rechtsprechung; Ulrich Häfelin/Georg Müller, Allgemeines</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zürich 2002, Rz. 622 ff.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">476</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">b) aa) Kindergartenlehrpersonen sind Angestellte der Ge-</span><br/> <span class="ft7">meinde; diese war nach altem Recht (d.h. bis Ende 2004) auch für</span><br/> <span class="ft7">die Festlegung der Besoldung zuständig (AGVE 1985, S. 148).</span><br/> <span class="ft7">bb) An seiner Sitzung vom 24. März 2003 beschloss der</span><br/> <span class="ft7">Gemeinderat, am Schulversuch teilzunehmen bzw. die Projektverein-</span><br/> <span class="ft7">barung zu unterzeichnen. Gleichzeitig wurde die Gemeindekanzlei</span><br/> <span class="ft7">beauftragt, mit den am Schulversuch teilnehmenden Lehrkräften "auf</span><br/> <span class="ft7">der Basis der aktuellen Besoldung zuzüglich 20 % Höherbesoldung</span><br/> <span class="ft7">eine bis zum Schuljahr 2005/2006 befristete Zusatzvereinbarung zum</span><br/> <span class="ft7">geltenden Arbeitsvertrag abzuschliessen." Hierzu wurde Folgendes</span><br/> <span class="ft7">ausgeführt:</span><br/> <span class="ft4">"Den Kindergartenlehrkräften wird eine Lohnerhöhung von 20 % während</span><br/> <span class="ft4">der Versuchsphase gewährt. Die Besoldungen der Kindergartenlehrkräfte wer-</span><br/> <span class="ft4">den den Richtlinien für die Besoldung der Unterstufen angepasst. Es erfolgt je-</span><br/> <span class="ft4">doch keine Gleichstellung, was gestützt auf die unterschiedliche Ausbildung</span><br/> <span class="ft4">auch nicht gerechtfertigt wäre. Grundsätzlich erscheint es als angebracht, die</span><br/> <span class="ft4">Mehrbelastung für höhere Pensen auszugleichen. Diese Mehrbelastung macht</span><br/> <span class="ft4">für eine Kindergärtnerin 17 % aus (25 Lektionen als Kindergärtnerin, 29 Lek-</span><br/> <span class="ft4">tionen als Grundstufenlehrkraft)."</span><br/> <span class="ft7">cc) Der Kläger wurde am 8. April 2003 vom Schulpflegepräsi-</span><br/> <span class="ft7">denten über den Beschluss des Gemeinderates vom 24. März 2003</span><br/> <span class="ft7">orientiert. Er wurde darüber in Kenntnis gesetzt, dass sich die Be-</span><br/> <span class="ft7">klagte am Schulversuch beteiligt und dass sie die betroffenen Kinder-</span><br/> <span class="ft7">gartenlehrpersonen besoldungsmässig zwar besser stellen, aber nicht</span><br/> <span class="ft7">den Primarlehrpersonen gleichsetzen wollte. Dies bildete den Aus-</span><br/> <span class="ft7">gangspunkt der (erfolglosen) Lohnverhandlungen, welche schliess-</span><br/> <span class="ft7">lich zum vorliegenden Verfahren führten. Es besteht kein Hinweis</span><br/> <span class="ft7">darauf und wird vom Kläger auch nicht geltend gemacht, dass ihm</span><br/> <span class="ft7">seitens der Anstellungsbehörde während diesen Verhandlungen oder</span><br/> <span class="ft7">zuvor je eine besoldungsmässige Gleichstellung mit den Primar-</span><br/> <span class="ft7">lehrpersonen in Aussicht gestellt worden wäre. Demzufolge ist nicht</span><br/> <span class="ft7">erkennbar, inwiefern die Beklagte gegenüber dem Kläger eine Ver-</span><br/> <span class="ft7">trauensgrundlage geschaffen hätte, gestützt auf die er in guten Treuen</span><br/> <span class="ft7">von der vorliegend beantragten Besoldung hätte ausgehen können.</span><br/> <span class="ft7">Nicht zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren, das sich allein gegen</span><br/> <span class="ft7">die Beklagte richtet, die Frage, inwiefern das Departement BKS</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Besoldung</span> <span class="page_no">477</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">berechtigte Erwartungen seitens des Klägers schürte und welche</span><br/> <span class="ft7">Ansprüche gegen den Kanton er daraus allenfalls abzuleiten vermag.</span><br/> <span class="ft7">Festzustellen ist jedenfalls, dass das Departement BKS einerseits</span><br/> <span class="ft7">stets kommunizierte, dass Kindergarten- und Primarlehrpersonen</span><br/> <span class="ft7">besoldungsmässig gleichgestellt werden sollten, und anderseits bis</span><br/> <span class="ft7">dato darauf verzichtete, von der Beklagten verbindlich eine korrekte</span><br/> <span class="ft7">Vertragserfüllung zu verlangen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>