B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4453/2012 law/joc U r t e i l v o m 26 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Barbara Frei-Koller, Freiplatzaktion Basel, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Juli 2012 / N (…). D-4453/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Tamile und Hindu, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 21. Februar 2009 und reiste am 23. Februar 2009 in die Schweiz ein, wo er am folgenden Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel um Asyl nachsuchte. Dort wurde er am 3. März 2009 zu seiner Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Verlassen seines Heimatlandes b e- fragt. Am 1. Juli 2009 hörte ihn das BFM einlässlich zu den Asylgründen an. Im Rahmen dieser Befragungen gab er zur Begründung seines Asylgesu- ches zu Protokoll, er sei in C._______ geboren, sein Herkunftsort sei B._______, C._______, und ab 1983 bis im November 2001 ha be er dort gewohnt. Er sei von Beruf (…). Von Februar 2001 bis im November 2001 habe er in B._______ einem Freund in dessen Laden ausgeholfen . In C.______ sei er durch die EPDP (Eelam People’s Democratic Party ) ge- sucht worden. Er sei nach London gereist, wo er sich bis am 1. Oktober 2008 aufgehalten habe. In E ngland habe er um Asyl ersucht. Sein Asy l- gesuch sei 2003/2004 durch die englischen Behörden abgelehnt worden. Eine Aufforderung, das Land zu verlassen, habe er allerdings nicht erha l- ten. Bis zu seiner Ausreise aus England habe er bei ei nem Freund ge- wohnt und diesem geholfen. Gearbeitet habe er sonst nicht . Seine da- mals in C._______ wohnhafte Ehefrau und seine Tochter seien während seiner Abwesenheit durch seine Schwiegereltern unterstützt worden. Un- gefähr im September 2008 seien seine Ehefrau, die Tochter und seine Schwiegereltern nach Colombo gezogen. Anfangs Oktober 2008 sei er von England aus freiwillig respektive mit Hilfe der englischen Behörden auf dem Luftweg zu seiner Ehefrau und Tochter nach Colombo zurückge- kehrt. Seine Ehefrau habe dort mit der Hilfe ihrer Eltern ein Haus gemi e- tet. Sie hätten auch über eine Hausangestellte verfügt. S einen Aufenthalt in Colombo hätten die Schwiegereltern finanziert. Dies sei möglich gewe- sen, da die Schwie gereltern durch den in X._______ wohnhaften Bruder seiner Schwiegermutter finanziell unterstützt würden. Bei seiner Anme l- dung bei der Polizei in Colombo sei er gefragt worden, woher er komme. Er habe unter Vorlegung der entsprechenden Dokumente dargelegt, dass er in London gewesen sei . Eine Anmeldung bei der Polizei sei gegen Geldzahlung möglich. Am 25. Oktober 2008 sei er in Colombo zwischen 19.30 und 20.00 Uhr einkaufen gegangen. Ein weisser Van habe hinter ihm angehalten. Zwei Personen seien ausgestiegen, hätte n ihn von hin-D-4453/2012 Seite 3 ten gepackt, ihm erklärt, mit ihm sprechen zu wollen und ihn in den Van gezerrt. Sie hätten Singhalesisch und T amilisch gesprochen. Sie hätten ihm die Augen verbunden und eine Schusswaffe an den Kopf gehal ten, damit er nicht schreie. Er sei an einen unbekannten Ort zu einem Haus gebracht worden. Die Entführer hätten ihm die Augenbinde abgenommen und ihn in einen Raum geführt, wo man ihn festgehalten und aufgefordert habe, am Telefon mit seiner Frau zu sprechen. Als er seiner Frau erzählt habe, was passiert sei, hätten sie ihm den Telefonhörer weggenommen und erklärt, sie hätten von seiner Frau 30 Lakhs Rupien (3 Millionen Ru- pien, d.h. etwa 23'000 CHF , Anmerkung des Gerichts ) als Lösegeld ver- langt. Am dritten Tag habe seine Frau den Entführern die geforderte Geldsumme an einem vereinbarten Treffpunkt übergeben. Vor der Geld- übergabe habe seine Ehefrau verlangt, mit ihm sprechen zu können. Die Entführer, die mit einem Van an den Ort der Übergabe gelangt seien, sei- en dieser Forderung na chgekommen. Nachdem die Übergabe des Lös e- geldes stattgefunden habe, sei er am folgenden Tag in einer Nebenstras- se der (…) freigelassen worden. Zirka drei vier Tage nach seiner Rück- kehr habe er Drohanrufe erhalten. Die Anrufer hätten Geld verlangt. Weil er aus London zurückgekehrt sei, habe man gedacht, dass er viel Geld mitgebracht habe. Zwei Wochen nach seiner Freilassung sei er daher mit seiner Familie zur Schwiegermutter gezogen. Am 10. Dezember 2008 um 9.00 Uhr hätten ein Polizeibeamter und vier Angehörige des CID (Crimi- nal Investigation Departement) das Haus sei ner Schwiegermutter durc h- sucht. Er habe keinen Identitätsausweis auf sich getragen. Er sei gefragt worden, wo er sich die ganze Zeit aufgehalten habe. Er habe geantwo r- tet, dass er aus London zurückgekehrt sei. Zwecks Befragung sei er dann in das Büro des CID mitgenommen worden. Ungefähr 14 Tage sei er im (…) des CID festgehalten worden. Wo sich dieses befinde, wisse er nicht. Während seiner Festhaltung sei er ungefähr drei, vier Stunden zu seinem Aufenthalt in London befragt und es sei ihm vorgehalten worden, er habe für die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) Geld gesammelt und D e- monstrationen organisiert. Er habe diesen Vorwurf verneint. Daraufhin hätten sie ihm mit Folter gedroht. Sie hätten ihm die Kleider weggeno m- men, ihn geohrfeigt und ihm ein Dokument zur Unterschrift vorgelegt. Er habe nicht unterschrieben. Sie hätten ihn mit einem mit Sand gefüllten Rohr aufs Gesäss geschla gen. Er habe sich weiterhin geweigert, zu u n- terschreiben. Dann sei er erneut in seine Zelle verbracht worden. Seine Frau habe Kontakt mit einem Bekannten aufgenommen, der die CID- Leute gekannt habe. Dieser Bekannte habe sich mit Personen des CID in Verbindung gesetzt. Am 24. Dezember 2008 habe man ihn freigelassen. Seine Freilassung habe unter der Auflage, sich jederzeit zur Verfügung zu D-4453/2012 Seite 4 halten und Colombo nicht zu verlassen, stattgefunden. Er habe sich for t- an nur noch im Haus aufgehalten, und sei nicht in der Lage gewesen, sich frei zu bewegen. Dann habe er sich entschieden, ins Ausland zu flie- hen. Bis zu seiner Ausreise im Februar 2009 habe er bei seiner Schwi e- germutter gelebt und in diesem Zeitraum keinen weiteren Kontakt mehr zum CID gehabt. Seine Ausreise sei von einem Age nten organisiert wor- den. Die Bezahlung habe der Bruder der Schwiegermutter übernommen. Mit der Sri Lanka Airlines sei er am 21. Februar 2009 in ein muslimisches Land und von dort mit einer ihm unbekannten Fluggesellschaft nach Frankfurt geflogen, wo er ein e Nacht geblieben und danach weiter mit dem Auto in die Schweiz gereist sei. Er sei mit seinem eigenen respektive echten Reisepass auf legalem Weg ausgereist und habe keine Schwie- rigkeiten bei der Ausreise aus Sri Lanka gehabt. Dies sei mittels Schmiergeld möglich gewesen. Den Reisepass habe ihm der Agent nach der Landung abgenommen. Dieser habe auch das Visum für Frankfurt besorgt. Nach seiner Ausreise aus Sri Lanka ha be sich das CID einmal bei seiner Frau nach seinem Aufenthaltsort erkundigt. Seine Frau u nd seine Tochter würden seit seiner Ausreise im Februar 2009 bei seiner Schwiegermutter in Colombo leben. B. Der Beschwerdeführer reichte am 13. März 2009 beim BFM die Kopie e i- nes "Emergency Passport", ausgestellt durch die Vertretung von Sri La n- ka in England am (…) und eine Kopie einer "Householder's List Eme r- gency Regulati on – Sec: 23" samt ein Zustellcouvert zu den Akten. Im Verlauf des Verfahrens wurden beim BFM zudem eine Kopie einer natio- nalen Identitätskarte und eine Kopie einer Geburtsurku nde inkl. engl i- scher Übersetzung eingereicht. C. Mit Schreiben vom 4. Februar 2012 teilte der Beschwerdeführer dem BFM mit, er wolle seinen Asylantrag zurückziehen und nach Sri Lanka zu- rückkehren. Diesen Entscheid habe er bei vollem Verstand getroffen. D. Das BFM schrieb mit Beschluss vom 7. Februar 2012 das Asylges uch des Beschwerdeführers vom 24 . Februar 2009 als gegenstandslos g e- worden ab. E. Am 23. Februar 2012 schrieb der Beschwerdeführer dem BFM, mit seiner D-4453/2012 Seite 5 Rückkehr in sein Heimatland bis Ende 2012 zuwar ten zu wollen. Als Grund gab er an, die Nachricht von seiner bevorstehenden Rückkehr h a- be sich irgendwie in der Nachbarschaft in Colombo verbreitet. Unbekan n- te hätten sich zwei Mal bei den Nachbarn und bei seiner Ehefrau nach ihm erkundigt. Seine Ehefrau habe Anzeige bei der Polizei erstattet. Auch einer Menschenrechtsorganisation habe sie den Vorfall gemeldet. Sie würden ihren Wohnort voraussichtlich im Dezember 2012 wechseln. Er wolle daher mit der Ausreise zuwarten. F. Das BFM erklärte mit Schreiben vom 1 3. März 2012, der Abschreibungs- beschluss vom 7. Februar 2012 könne nicht mehr rückgängig gemacht werden. G. Rubrizierte Rechtsvertreterin beantragte namens des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 12. Juni 2012 beim BFM die Wiederaufnahme des Asylverfahrens. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Beschwerdefü h- rer habe nach Rückzug seines Asylgesuches von seiner Ehefrau erfa h- ren, dass er in seinem Heimatland unt er anderem durch das CID weiter- hin verfolgt werde. Der beigelegte Brief der Ehefrau vom 12. Mai 2012 belege dies. Er habe sich daher entschlossen, weiterhin in der Schweiz um Asyl zu ersuchen. Der Eingabe lag – nebst einer Vollmacht der Rechtsvertreterin – erwähn- ter Brief der Ehefrau vom 12. Mai 2012 an den Beschwerdeführer samt deutscher Übersetzung bei. Darin erklärt die Ehefrau, seit der Flucht ihres Ehemannes in die Schweiz würden sich fremde Personen bei ihr nach ihm erkundigen. Zudem hätten Persone n, die sich als Zugehörige des CID vorgestellt hä tten, am 10. April 2012 um sechs Uhr morgens das Haus kontrolliert und nach ihm gefragt. Sie habe ihm bisher nichts davon erzählt, da er sich sonst Sorgen machen würde. Ob er sich noch an die Vorfälle, die sich nach London ereignet hätten, erinnern könne. Nach sei- ner damaligen Rückkehr hätten sie nicht mal vier Monate lang Ruhe g e- habt. Sie verstehe nicht, wieso er sich entschieden habe, zurückzuke h- ren. Am 28. April 2012 hätten zwei Personen nach ihm gefragt. Sie habe geantwortet, dass sie nicht wisse, wo er sei. Sie hätten ihr gedroht, dass sie Probleme bekomme, wenn sie den Aufenthaltsort nicht verrate. Sie habe daher bei der Polizei Anzeige erstattet und alles erzählt. Die Polizei könne allerdings nichts unternehmen, da er nicht anwesend sei. Die Pe r- sonen, die sich bei ihr über seinen Verbleib erkundigt hätten, hätten z u-D-4453/2012 Seite 6 dem begonnen, anderswo Fragen über ihn zu stellen. Die Nachbarn hä t- ten sich an sie gewandt und gefragt, wo er stecke. Trotz Kriegsende sei es gefährlich. Personen würden entführt oder getöte t. Die Leichen wü r- den in Stücke geschnitten und auf öffentliche Plätze geworfen. Wer d a- hinter stecke wisse niemand. H. Mit Verfügung vom 24. Juli 2012 stellte das BFM fest, der Beschwerd e- führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesu ch vom 24. Februar 2009 ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. I. Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mittels Eingabe sei- ner Rechtsvertreterin vom 27. August 2012 beim Bundesverwaltungsge- richt Beschwerde einreichen und beantragen, der Entscheid des BFM vom 24. Juli 2012 sei vollumfänglich aufzuheben und ihm sei Asyl zu ge- währen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und als Folge davon die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Verzicht auf die Erhebung eines Ko s- tenvorschusses sowie darum ersucht, es sei festzustellen, dass der B e- schwerde aufschiebende Wirkung zukomme. Der Beschwerde lag das Original einer Identitätskarte des Beschwerd e- führers bei. Diese sei seiner Ehefrau kurz nach seiner Ausreise im Febru- ar 2009 zugestellt worden. Die Ehefrau habe sie seither aufbewahrt. Sie habe sie ihrem Ehemann im Juli 2012 per Kurier zukommen lassen. Aus- serdem wurde eine Fürsorgebestätigung und eine Kostennote zu den A k- ten gereicht. J. Mit Verfügung vom 7. September 2012 stellte der der zuständige Instruk- tionsrichter des Bundesverwaltungsgericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verf ahrens in der Schweiz abwarten und hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) gut. Gleichzeitig erteilte er dem BFM die Gelegenheit, innert Frist eine Vernehmlassung zur B e- schwerde einzureichen. D-4453/2012 Seite 7 K. Mit Vernehmlassung vom 18. September 2012 beantragte das BFM unter Hinweis auf seine bisherigen Erwägungen die Abweisung der Beschwer- de. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 24. Septe m- ber 2012 zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal tungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochten Verfügung besonders berührt und hat ei n schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist ein- zutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verle tzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im D-4453/2012 Seite 8 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali - tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgese tzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen de r Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind des - halb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.1 S. 1016, BVGE 2011/50 E. 3.1.2 S. 997; W ALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet ode r in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.4 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend substa nziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesen t- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbe h- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wider - sprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und D-4453/2012 Seite 9 lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesam t- würdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarste llung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 3.5 3.5.1 Im Asylverfahren – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der Untersuchungsgrundsatz, das heisst, d ie Asylbehörde hat den rechtse r- heblichen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Dabei muss sie die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen, die relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgege n- über die Pflicht und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Si n- ne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV das Recht, an der Fe ststel- lung des Sachverhalts mitzuwirken (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 S. 414 f., BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734, BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 356 f.). 3.5.2 In der Beschwerde wird unter anderem die Rüge der unvollständ i- gen Sachverhaltsfeststellung erhoben. Diese Rüge erwe ist sich – wie nachstehend aufgezeigt – als zutreffend. 3.5.3 3.5.3.1 Das BFM stellt sich in der angefochtenen Verfügung einerseits auf den Standpunkt, die vom Beschwerdeführer dargelegte Entführung durch Unbekannte vom 25. Oktober 2008 stelle eine Verfolgungsmassnahm e seitens privater Dritter dar, gegen die er sich bei den dafür zuständigen schutzfähigen und schutzwilligen staatlichen Behörden zur Wehr setzen könne. Sie sei daher im asylrechtlichen Sinne nicht beacht lich. Die Fest- nahme durch das CID vom 10. Dezember 2008 erachtet es aufgrund der damals vorherrschenden Kriegssituation in Sri Lanka und der damit ve r- bundenen verstärkten Personenkontrollen als staatlich legi time Siche r- heitsmassnahme. Deren flüchtlingsrechtliche Relevanz verneint es zugleich mit dem Argumen t der mangelnden Intensität. Aufgrund der e r- folgten Freilassung durch das CID schliesst es aus, dass der Beschwe r- deführer aus Sicht der sri -lankischen Sicherheitsbehörden im Verdacht stehen könnte, für die LTTE politisch aktiv gewesen zu sein. Es gelangt zusammenfassend zum Schluss, dass keine begr ündete Furcht vor Ve r- folgung vorliege. D-4453/2012 Seite 10 3.5.3.2 Mit diesen Erwägungen lässt das BFM jedoch ausser Acht, dass sich die Lage in Sri Lanka nach der Ausreise des Beschwerdeführers vom Februar 2009 respektive seit Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verändert hat. Seit Beendigung des militärischen Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 ist zwar tendenziell von einer verbesserten allgemeinen Lage in Sri Lanka auszugehen, da die LTTE militärisch als vernichtet gilt und sich die Sicherheitslage stabilisiert hat. Die Menschenrechtslage hat sich hingegen verschlechtert und es gibt Personenkreise, welche immer noch oder neuerdings einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sein können. Dazu zählen unter anderem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt we r- den, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso wie Anhänger des Ex -Armeegenerals Sarath Fonseka, Journalis- ten und andere in der Medienbranche tätige Personen, international und lokal tätige Vertreter von NGOs, die sich für die Menschenrechte einse t- zen oder Verstösse kritisieren, Opfer und Zeugen von Menschenrecht s- verletzungen sowie Personen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen, abgewiesene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE-Kader oder Personen, die über beträchtliche finanzielle Mittel ve r- fügen (vgl. BVGE 2011/24 E. 8). Auch der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefährdungssituation namentlich für Tamilen, die aus einem europä i- schen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, E ntscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Der Gerichtshof unterstreicht in seiner Ei n- schätzung, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, dass zurückkehrende Tamilen gefährdet sind, sondern eine entsprechende R i- sikoeinschätzung vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen müsse, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an sein er Festnahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie e i- ne frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE - Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE - Finanzmittelbeschaffungszentrum gelte, das Fehlen von ID-Papieren oder D-4453/2012 Seite 11 anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Ve r- wandtschaft mit einem LTTE -Mitglied. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dass diese einzelnen Faktoren für sich alleine betrachtet möglicherweise keine Gefahr darstellen, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, namentlich unter der weiteren Berücksic h- tigung der aktuellen, gegebenenfalls erhöhten, Sicherheitsvo rkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden allgemeinen Lage (vgl. T.N. v. Denmark, a.a.O., § 93,° S. 28). 3.5.3.3 Trotz dieser – dem BFM bekannten – Rechtsprechung und unge- achtet der in der Beschwerde erfolgten Hinweise auf dieselbe , trägt die Vorinstanz den erwähnten Risikofaktoren bei der Frage danach, ob der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfüllt, weder in der ang e- fochtenen Verfügung noch in der Vernehmlassung Rechnung. Es berück- sichtigt weder den Fakt, dass sich die Lage in Sri Lanka seit der Ausreise des Beschwerdeführers verändert hat, noch dass er mitunter als Grund seiner Verhaftung durch das CID vorbringt, er habe sich jahrelang in Lon- don aufgehalten und sei deswegen durch das CID – einer Spezialeinheit der Polizei, welc he gemäss Kenntnis des Gerichts vermeintliche staat s- feindliche Person en verhaften und foltern lässt – der Finanzierung der LTTE verdächtigt und misshandelt worden (vgl. act. A1/11 S. 6 f., act. A23/21 S. 8, 14 f.). Angesichts der Vorbringen, welche der Beschwerde- führer zur Begründung seines Asylgesuches geltend machte (vgl. oben Bst. A), kommt man indessen nicht umhin festzustellen, dass er im Sinne der eben skizzierten Risikofaktoren bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit erheblicher Wahrscheinlichkeit das Interesse der Sicherheitsbehörden auf sich ziehen wird und seine Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG mitunter durchaus als begründet erscheint, sofern von der Glaubhaftigkeit seiner Ausführungen ausgegangen werden kann. 3.5.3.4 Das BFM hegt in der angefochtenen Verfügung zwar "gewisse Zweifel" am Wahrheitsgehalt der Vorbringen des Beschwerdeführers. Es erachtet seine Erklärung, die Angaben seiner Ehefrau in de ren Brief vom 12. Mai 2012 (vgl. act. A29/1, vom BFM nicht paginierte S. 5 f.), er werde durch Unbekannte und das CID weiterhin in Sri Lanka gesucht , als mit "erheblichen Zweifeln behaftet", da er noch im Februar 2012 sein Asylge- such habe zurückziehen wollen (vgl. act. A25/1) . Als blos se Parteibe- hauptung wertet es zudem die Angabe, wonach gemäss seiner Ehefrau, seine ursprüngliche Absicht, in sein Heimatland zurückzukehren zu wol- len, sich in der Nachbarschaft herumgespro chen habe (vgl. act. A27/1). Im Weiteren erwägt es, der Beschwerdeführer habe keine rechtsgenügli-D-4453/2012 Seite 12 chen Ausweispapiere abgegeben, wodurch weder seine Identität noch die Reisemodalitäten feststehen würden. Auch unter diesem Blickwinkel be- stünden "erhebliche Zweifel" an seinen Asyl vorbringen, zumal er seinen Angaben zufolge im Besitz eines Reisepasses und einer Identitätsk arte sei, die kurz vor seiner Ausreise ausgestellt worden seien. Weitergehende Ausführungen zur Glaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Gefährdungssituation nimmt das BFM nicht vor. Dies mit der Begründung, aufgrund der offensichtlich ma ngelnden Asylrelevanz seiner Vorbringen erübrige sich eine Prüfung im Sinne von Art. 7 AsylG. Eine solche Begründung greift indes zu kurz. 3.5.3.5 Der Verzicht auf eine Prüfung der von einer asylsuchenden Pe r- son geltend gemachten Fluchtvorbringen auf ihre Glaubhaftigkeit (vgl. E. 3.3. und 3.4) hin, ist zwar – wie das BFM in der Verfügung zutreffend festhält – möglich, falls die entsprechenden Vorbringen keine Asylrel e- vanz zu entfalten vermögen. Vorliegend bleibt jedoch für einen Verzicht auf eine eingehende Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des B e- schwerdeführers kein Raum, nachdem die geschilderten Fluchtgründe auf eine begründete Furcht vor Verfolgung schliessen lassen (vgl. E. 3.5.3.2 und 3.5.3.3). Das Bundesamt wird demnach im Rahmen der Neubeurteilung die Aussagen des Beschwerdeführers einer eingehenden Glaubhaftigkeitsprüfung zu unterziehen und in diesem Zusammenhang im Rahmen der Untersuchungsgrundsatzes weitere Abklärungen in B e- tracht zu ziehen haben. 3.5.3.6 Der Beschwerdeführer erklärte, er habe die LTTE nicht unterstützt und er sei politisch nicht aktiv gewesen (vgl. act. A23/21 S. 16). Gleichzei- tig gab er aber an, er stamme aus der Nordprovinz ( C._______), wo er durch die EPDP gesucht werde. Nach C._______ könne er daher nicht zurückkehren (vgl. act. A1/11 S. 1, act. A23/21 S. 18). Die EPDP, eine po- litische Partei und ehemals primär paramilitärisch operierende Gruppie- rung, arbeitete in der Vergangenheit mit der Regierung Sri Lankas z u- sammen und ging unter anderem rigoros gegen Mitglieder oder Unte r- stützer der LTTE aber auch gegen Medienschaffende und weitere Perso- nengruppen, die als o ppositionell galten, vor. Trotz Einbettung im derzei- tigen politischen Parteiensystem Sri Lankas besitzt diese Organisation weiterhin einen bewaffneten Flügel. Sie operiert derzeit begrenzt auch in Colombo, hauptsächlich aber im Norden, wo sie eng zusammen mit den Behörden, darunter auch dem Geheimdienst zusammenarbeitet, indem sie etwa mutmassliche oder ve rdächtige ehemalige LTTE-Mitglieder oder Sympathisanten identifiziert. Die EPDP wendet Folter an und ist verant-D-4453/2012 Seite 13 wortlich für Ermordungen, Entführungen und Erpressungen, wobei nicht immer nur rein politische, sondern mithin kriminelle Motive – wie etwa bei Schutzgelderpressungen von vermögenden Personen – für ihr Handeln ausschlaggebend sind (vgl. SFH: "Sri Lanka: aktuelle Situation", Update, ADRIAN SCHUSTER, Bern, 15. November 2012, S. 7; SFH: "Sri Lanka: S i- tuation für aus dem Norden oder Osten stammende Ta miliInnen in C o- lombo und für RückkehrerInnen nach Sri Lanka", Themenpapier, RAINER MATTERN, Bern, 22. September 2011, S. 18; SFH: "Tamilische Akteure in Sri Lanka", Themenpapier, HELENE LISIBACH, Dezember 2007, S. 2 und 17; vgl. auch BVGE 2011/24 E. 8.3.2 und E. 8.5.). Mangels entsprechen- der konkreter Fragen anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen bleibt allerdings unklar, aus welchen Gründen der Beschwerdeführer als angeb- lich aus dem Norden stammende, politisch nicht tätige Person durch die EPDP in C._______ gesucht wur de. Das BFM verzichtete im Weiteren darauf, den Beschwerdeführer aufzufordern, die Akten aus dem Asylve r- fahren in England einzureichen bzw. bei den zuständigen englischen B e- hörden diesbezüglich Informationen einzuholen und anlässlich der Anh ö- rung wurde er nicht mit der gebotenen Tiefe nach seinem Asylgesuch in England und seinem dortigen Aufenthalt befragt. Es bleibt daher unklar, aus welchen Gründen der Beschwerdeführer seinerzeit in England um Asyl ersuchte und ob und wie – nachdem sein Asylgesuch gemäss eig e- nen Angaben im Jahre 2003/2004 abgelehnt worden sein soll, er aber keine Aufforderung erhalten habe, das Land zu verlassen (vgl. act. A1/11 S. 2 und S. 7, act. A23/21 S. 3) – dort sein Aufenthalt geregelt wurde. Es lässt sich deshalb nicht beurteilen, ob er sich tatsächlich von November 2001 bis Oktober 2008 in London aufgehalten hat (vgl. act. A1/11 S. 2) und welchen Tätigkeiten er dort nachging. Der eingereichte "Emergency Passport" (vgl. act. A20/4 S. 2) trägt zur Klärung dieser Fragen nichts bei. Er liegt lediglich in Kopie vor und er gibt weder über eine allfällig erfolgte Asylgesuchstellung noch über die Aufenthaltsdauer in England Auskunft. Unklar ist auch, ob dieses Dokument tatsächlich durch die sri -lankische Vertretung in England im Jahre 2008 zum Zweck der Ausreise des B e- schwerdeführers ausgestellt wurde. Das Dokument lautet zwar auf den Namen des Beschwerdeführers. Angesichts des undeutlichen Passfotos wird aber nicht ersichtlich, ob es sich bei der abgebi ldeten Person tat- sächlich um den Beschwerdeführer handelt. Mangels entsprechender Ab- klärungen ist schliesslich nicht klar, ob der Beschwerdeführer bei den sri - lankischen Behörden – sei dies in Colombo oder im Norden – als ehema- liges LTTE-Mitglied, Sympathisant oder Unterstützer dieser Organisation oder sonst als Oppositioneller registriert war respektive ein entspreche n- der Verdacht gegen ihn erhoben wurde. Desgleichen lässt sich nicht s a-D-4453/2012 Seite 14 gen, welche Bedeutung der vom Beschwerdeführer – wohl mit Blick auf die im Oktober 2008 erfolgte Hausdurchsuchung durch das CID – beim BFM eingereichten Kopie der "householder's list emergency regulation – sec: 23" (vgl. act. A20/4 S. 3) im Gesamtkontext zukommen könnte , da dazu seitens der Vorinstanz ebenfalls keine Fragen an den Beschwerde- führer erfolgten. Das BFM hat im Weiteren nicht in Betracht gezogen, be- züglich die vom Beschwerdeführer geschilderten Inhaftnahme und Fre i- lassung unter Auflagen durch das CID im Oktober 2008 vor Ort Erkund i- gungen einzuholen bzw. prüfen zu lassen, ob sich der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr im Oktober 2008 in Colombo bei der Polizei ang e- meldet hat (vgl. act. A23/21 S. 4). Es hat auch darauf verzichtet, zu kl ä- ren, in welchen finanziellen Verhältnissen seine Schwiegereltern und sei- ne Ehefrau in Colombo leben respektive ob diese und damit auch der Be- schwerdeführer, wie von ihm ausgeführt, als vermögend gelten (vgl. act. 23/21 S. 3 bis 8) und ob die Ehefrau tatsächlich Meldungen bei der Poli- zei und einer Menschenrechtsorganisation gemacht hat (vgl. act. A29/1, vom BFM nicht paginierte S. 5 f.). Unklar bleibt mangels entsprechender Beweiserhebungen schliesslich der frühere und derzeitige Aufenthaltsort seiner Ehefrau und Tochter in Colombo sowie ob und wo allenfalls weitere Verwandte des Beschwerdeführers in Sri Lanka leben, die ihn und seine Familie bei einer Rückkehr unterstützen könnten. 3.5.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass dem Standpunkt des BFM, e i- ne nähere Prüfung der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwe r- deführers erübrige sich, da diese als nicht asylrelevant zu erachten seien, nicht gefolgt werden kann, nachdem – wie oben dargelegt – seine Vor- bringen auf eine begründete Furcht vor Verfolgung schliessen lassen. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verf ügung aufzu- heben und die Sache zwecks eingehender Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers und vollständiger Sachverhalt s- abklärung zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Das BFM wird dabei auch die vom Beschwerdeführer beim B undesverwaltungsge- richt mit Eingabe vom 27. August 2012 eingereichte Identitätskarte (au s- gestellt am 29. Dezember 2008) zu berücksichtigen haben. 4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 4.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer ist zu Lasten der Vorinstanz e i- ne Entschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen und verhältni s-D-4453/2012 Seite 15 mässig hohen Kosten zu sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens der Rechtsvertreterin wurde am 27. August 2012 eine Honorarnote für die bis dahin entstandenen Aufwendungen und Aus- lagen eingereicht. Der bis in jenem Zeitpunkt geltend gemachte A r- beitsaufwand von 6.5 Stunden so wie die Auslagen von insgesamt Fr. 175.– der Rechtsvertreterin erscheinen als angemessen. Der Stu n- denansatz von Fr. 150.– bewegt sich zudem im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Der bis am 27. August 2012 erfolgte Aufwand belief sich somit auf Fr. 1'150.– (inkl. Auslagen). Eine weitere Kostennote für die restlichen Aufwendungen wurde bis dato nicht eingereicht. Der betreffen- de Aufwand ist folglich aufgrund der Akten festzulegen (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE) und aufgrund der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 100.– festzusetzen. Das BFM ist folglich anzuwei- sen, dem Beschwerdeführer eine Entschädigung in der Höhe von insg e- samt Fr. 1'250.– auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-4453/2012 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM hat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundes- verwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 1'250.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: