Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. November 2017 (720 15 157 / 309) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision. Gerichtsgutachten. Eine anspruchsmindernde Änderung in den gesund- heitlichen Verhältnissen ist auszuschliessen. Mit Blick auf die erwerblichen Auswirkun- gen zeigt sich eine unveränderte Situation. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Jürg Tschopp , Advokat , Pelikanweg 2, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1966 geborene A.____ arbeitete zuletzt bis J uli 2003 in einem Teilzeitpensum von 30% als Lehrerin. Am 30. Oktober 2004 meldete sie s ich unter Hinweis auf eine rezidivierende depressive Störung zum Leistungsbezug bei der Eidge nössischen Invalidenversicherung (IV) an. Nach Abklärung der erwerblichen, haushalterisch en und gesundheitlichen Verhältnisse sprach ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stell e) mit Verfügung 20. November 2006 in An- wendung der gemischten Bemessungsmethode bei einem Erwerbspensum von 30% ab 1. Juli Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2004 eine ganze IV-Rente zu. Im Rahmen von drei im Jun i 2007, im September 2008 sowie im November 2011 eingeleiteten Revisionsverfahren wurde keine Änderung in den massgebenden Verhältnissen festgestellt, weshalb der Versicherten in der Folge jeweils unverändert eine gan- ze IV-Rente ausgerichtet wurde. B. Am 7. Januar 2013 wurde von Amtes wegen eine vierte Rentenrevision eingeleitet. Gestützt auf einen in diesem Rahmen eingeholten Haushalt-Abklärungsbericht vom 15. Oktober 2013 und ein psychiatrisches Verlaufsgutachten von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. Februar 2014 reduzierte die IV- Stelle mit Verfügung vom 24. März 2015 den Rentenanspruch der Versicherten gestützt auf einen IV-Grad von 52% ab 1. Mai 2015 auf eine halbe IV-Rente. Ihrer Rentenberechnung legt e sie in Anwendung der gemischten Me- thode die Aufteilung von Erwerb und Haushalt im Verhä ltnis von 70% und 30%, eine Verbesse- rung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit im erwerblichen Bereich von täglich vier Stunden sowie eine Einschränkung im Haushalt von 6% zu Grunde. C. Hiergegen erhob die Versicherte, ursprünglich vertret en durch Advokatin Doris Vollen- weider, mittlerweile vertreten durch Advokat Jürg Tschop p, am 5. Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt). Sie beantragte, die Verfügung der IV-Stelle vom 24. März 2015 sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze IV-Rente auszurichten, unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen vorbringen, dass der psychiatrische Gut achter im Gegensatz zu den übri- gen Ärzten die Diagnose einer generalisierten Angststör ung gestellt, die Hypothese einer psy- chotischen Grunderkrankung jedoch abgelehnt habe. Die unterschiedliche Diagnostik sei im Bereich des medizinischen Ermessens anzusiedeln. Sie begrün de jedoch keine wesentliche Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse, wie sie für eine revisionsweise Reduktion des bisherigen Rentenanspruchs vorausgesetzt wäre. Dr. B.____ weiche in seinem Verlaufsgutach- ten vom 28. Februar 2014 zudem von der bisher stets als z umutbar bezeichneten Tätigkeit als Lehrerin ab, ohne dass diese im Vergleich zu seinem Vorg utachten unterschiedliche Einschät- zung nur ansatzweise erklärt würde. Tatsächlich würden die seitens des Gutachters als zumut- bar bezeichneten Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt jedoch nicht vorhanden sein. Es wer- de der Beschwerdeführerin daher zu Unrecht ein Invaliden einkommen angerechnet. Eventuali- ter sei ihr in diesem Zusammenhang ein maximal zulässige r leidensbedingter Abzug von 25% zu gewähren. Schliesslich werde auch die Haushaltsabklärun g beanstandet, welche einerseits keine veränderte Situation feststelle, andererseits aber gestützt auf die im Gutachten von Dr. B.____ angeblich verbesserte Situation eine Einschr änkung von lediglich 6% im Haushalt festlege. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 28. August 2015 auf Abweisung der Beschwerde. Zusammenfassend hielt sie unter Hinweis insb esondere auf eine ergänzende Stellungnahme von Dr. B.____ vom 20. August 2015 fest, dass sie für die Rentenreduktion auf eine schlüssige und überzeugende psychiatrische Abklärung abg estellt habe, welche sich mit den differenten Befunden der übrigen Ärzte umfassend u nd nachvollziehbar auseinandersetze. Nicht zu beanstanden sei die von der Abklärungsperson f estgestellte Einschränkung im Haus- halt im Umfang von lediglich 6%. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 31. März 2016 gela ngte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die vorhan- dene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Es gab desha lb ein psychiatrisches Gutachten zur Frage der medizinisch bedingten Einschränkung der Erw erbsfähigkeit der Beschwerdefüh- rerin im erwerblichen Bereich und im Haushalt sowie zur Festlegung des dabei zu berücksichti- genden Leistungsprofils bei der C.____ in Auftrag. D as entsprechende Gutachten erging nach vorgängiger Stellungnahme beider Parteien am 1. September 2016. F. In ihrer Stellungnahme vom 30. September 2016 hie lt die Beschwerdeführerin zusam- menfassend fest, dass gestützt auf das gerichtliche Gutachte n der C.____ von einer vollständi- gen Erwerbsunfähigkeit auszugehen sei. Die vom C.____ festgestellten Beeinträchtigungen seien in der Haushaltsabklärung unberücksichtigt geblieben , weshalb im Haushalt von einer Einschränkung von 40% auszugehen sei. Auf eine erneute H aushaltsabklärung könne jedoch verzichtet werden, weil ohnehin ein IV-Grad von über 70% vorliege, so dass weiterhin Anspruch auf eine ganze IV-Rente bestehe. Schliesslich sei festzust ellen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall aufgrund des Alters ihrer Kinder mi ttlerweile im Umfang von mindestens 80% berufstätig sein würde. Selbst bei einem 70%-ige n Erwerbsanteil sei von einem Invalidi- tätsgrad von 71,8% auszugehen, so dass auf jeden Fall ei n Anspruch auf eine ganze IV-Rente resultiere. G. Die IV-Stelle hielt in ihrer Eingabe vom 3. Oktob er 2016 unter Hinweis auf eine Stel- lungnahme ihres regionalärztlichen Dienstes (RAD) fest, dass nicht auf das gerichtliche Gutach- ten der C.____ abgestellt werden könne. H. Mit Schreiben vom 14. Februar 2017 forderte das Ge richt die C.____ auf, aufgrund der von der IV-Stelle vorgetragenen Kritik sich ergänzend zur Herleitung der im gerichtlichen Gut- achten vom 1. September 2016 erhobenen Diagnostik zu äu ssern. Die entsprechende Stel- lungnahme der C.____ erging am 4. Mai 2017. Die Besc hwerdeführerin hielt in ihrer Stellung- nahme vom 1. Juni 2017 daran fest, dass ihr weiterhin e ine ganze IV-Rente auszurichten sei. Die IV-Stelle schloss unter Verweis auf die Beurteilun g des RAD vom 19. Mai 2017 mit Stel- lungnahme vom 6. Juli 2017 auf die Einholung eines ge richtlichen Obergutachtens, da sich ge- stützt auf das C.____-Gutachten keine gesicherte Beurtei lung der Arbeitsfähigkeit vornehmen lasse. Die Beschwerdeführerin hielt mit Kurzreplik vom 27. Juni 2017 daran fest, dass ihr eine ganze Rente zuzusprechen sei. Die IV-Stelle schloss mit V erweis auf eine erneute Stellung- nahme des RAD vom 3. Juli 2017 in ihrer Duplik vom 24. Juli 2017 auf Abweisung der Be- schwerde. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 in der nach dem 1. Juli 2006 gültig en Fassung kann gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsgericht am Ort der IV- Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werd en. Das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Auf die form- und f ristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, w enn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40% invalid ist. Invalidität im Sinne dieser Bestimmung ist die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folge von G eburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mi t Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3 Die Annahme einer invalidisierenden psychischen Gesun dheitsbeeinträchtigung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach e inem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 39 8 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psych ischen Leiden belastenden psycho- sozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidi- sierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, da s die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachz ugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - für die Gesellschaft gar untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird die Invalidität nur für diesen Teil nach Art. 16 ATSG, im Aufgabenbereich hingegen nach Art. 28a Abs. 2 IVG be- messen. Es sind der Anteil einerseits der Erwerbstätigkeit und andererseits der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und es ist der Invalidität sgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 4.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Rent en für die Zukunft zu erhöhen, her- abzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgra d in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wese ntliche Änderung in den tatsächli- chen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsg rad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Rechtsprechung anerkennt als Revisionsgrun d namentlich die erhebliche Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes; eine Rente kann ferner auch revidiert werden, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen eines an sich gleich gebliebenen Gesundheitsschadens erheblich verändert haben (BGE 109 V 116 E. 3b mit Hinweisen). Nach Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversi cherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit die anspr uchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Änderung der Leistung von dem Zeitp unkt an zu berücksichtigen, in wel- chem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit andauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentl iche Unterbrechung drei Monate ge- dauert hat und voraussichtlich weiter andauern wird. Bei einer Verschlechterung der Erwerbsfä- higkeit ist die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berü cksichtigen, sobald sie ohne wesent- liche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 2 Satz 1 IVV). 4.2 Ob eine anspruchserhebliche Tatsachenänderung eing etreten ist, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt de r letzten Rentenverfügung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der Neubeurteilung. Zei tlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet somit die letzte, der versicherten Person eröffnete und rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkom- mensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung i n den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 114 E. 5). 5. Streitig und zu prüfen ist im vorliegenden Fall, ob die Beschwerdegegnerin den Ren- tenanspruch der Versicherten zu Recht mit Wirkung ab 1. Mai 2015 auf eine halbe IV-Rente Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht reduziert hat. Nach einer eingehenden Überprüfung der gesundheitlichen Verhältnisse im Rah- men einer psychiatrischen Begutachtung bei Dr. B.____ vom 3. Juli 2012 (IV-Dok 56) wurde der Versicherten letztmals am 3. August 2012 mitgeteilt, da ss die bisherige IV-Rente weiterhin un- verändert ausgerichtet werde. Prozessthema bildet demnac h die Frage, ob sich die tatsächli- chen Verhältnisse seit 3. August 2012 (IV-Dok 59) in erh eblicher Weise geändert haben und in welchem Ausmass die Versicherte aufgrund ihrer gesundheitl ichen Beeinträchtigungen künftig noch arbeitsfähig ist. 5.1 Gemäss Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leiste n (Satz 1); bei langer Dauer wird aber auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese positivrechtliche Begriffsumschreibung wei cht mithin nicht wesentlich vom Be- griff der Arbeitsunfähigkeit gemäss früherer Rechtspraxi s ab; vielmehr zeichnet sich die Über- führung in das geschriebene Recht durch einen hohen Gra d an Rechtskontinuität aus. Die diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen EVG bleibt fo lglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). Zu ergänzen bleibt, dass die Umschreibung der Arbeitsunfähigkeit in Art. 6 ATSG weder mit der am 1. Januar 2004 in Kraf t getretenen 4. IV-Revision noch mit der seit 1. Januar 2008 in Kraft stehenden 5. IV-Revision Änderungen erfahren hat. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und i nsbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsfähig oder arbeitsun fähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilde n die ärztlichen Stellungnahmen eine wich- tige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche andere Erwerbstä- tigkeit als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der ve rsicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden kann (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozialversiche- rungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge setz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforde rungen nicht. Das Gericht hat viel- mehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). Der Unter- suchungsmaxime entsprechend hat das Gericht von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben. Eine Beweislast besteht nur in dem Sinne, dass im Falle der Beweislosigkeit der Ent- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund e iner Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die hohe Wahrsc heinlichkeit für sich hat, der Wirklich- keit zu entsprechen (BGE 117 V 263 E. 3b). Das schweizerisch e Sozialversicherungsrecht kennt demnach keinen Grundsatz, wonach die Versicherungsorgane im Zweifel zu Gunsten der Versicherten zu entscheiden haben. Ein Anspruch auf Lei stungen besteht nur, wenn die Vo- raussetzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind (ZAK 1983 S. 259). 5.4 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse hat d as Gericht die ihm von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellenden Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei lung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist en tscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c mit Hinweisen). 5.5 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen. So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zw ingende Gründe" von den Ein- schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufg abe es ist, seine Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um e inen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Gleichwoh l wie bei Gutachten externer Spezial- ärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insbesondere einem von ihm eingeholten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zue rkennen, solange "nicht konkrete In- dizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen (B GE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.). Schliesslich lässt es die Natur des Begutachtungsauftrags ei nes amtlich bestellten fachmedizi- nischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b), ein Administrativ- oder Gerichtsgutacht en stets in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn andere Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vor- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht behalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil beispiels- weise die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rei n subjektiver ärztlicher Interpretation ent- springende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 24. März 2015 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlich en auf das Verlaufs-Gutachten von Dr. B.____ vom 28. Februar 2014 (IV-Dok 108). Sie gi ng demzufolge davon aus, dass der Be- schwerdeführerin seit dem Jahr 2012 die Ausübung einer körperlich leichten Routinetätigkeit ohne Übernahme einer Verantwortung und ohne Schichtarbeit im Umfang von täglich vier Stun- den zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (E. 5.2 hiervor) , ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztin nen und -ärzte, welche aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Bereits anlässlich der erst en in dieser Angelegenheit erfolg- ten Urteilsberatung vom 31. März 2016 gelangte das Ka ntonsgericht nun allerdings zur Auffas- sung, dass diesem Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskr aft zukommt. Anlass, an den entsprechenden Schlussfolgerungen im Gutachten von D r. B.____ vom 28. Februar 2014 zu zweifeln, gab insbesondere der gutachterliche Widerspru ch, dass die Versicherte ihrer zentra- len Rolle im Alltag mittlerweile gewachsen sei, gemäss Befunderhebung nach Mini-ICF jedoch just in jenen Bereichen als weiterhin behindert und ei ngeschränkt zu bezeichnen war, wie sie für die Bewältigung des beruflichen Alltags vorausgeset zt sind. Nachdem sich deshalb mit Be- schluss des Kantonsgerichts vom 31. März 2016 die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens als unerlässlich erwiesen hatte, steht hinsichtlich der Beur teilung der Arbeitsfähigkeit der Be- schwerdeführerin nunmehr das gerichtliche Gutachten der C .____ vom 1. September 2016 im Zentrum der divergierenden Parteistandpunkte. 6.1 Die Ärzteschaft der C.____ diagnostiziert in ihrem Gutachten vom 1. September 2016 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit als Hauptdiagn ose eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung, welche nach ICD-10 als kombinierte Persönlichkeitsstörung F 61.0 zu klas- sifizieren sei. Darüber hinaus seien eine rezidivierende d epressive Störung, gegenwärtig mittel- schwere Episode mit somatischen Symptomen, eine Panikstörun g sowie eine generalisierte Angststörung erheben. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä higkeit sei eine lebensbedrohliche Anorexia nervosa zwischen dem elften und dem 14. Lebensjahr zu diagnostizieren. Der medizi- nischen Beurteilung im Gutachten zufolge habe sich die Versicherte in einem Selbstkonzept der Unverwundbarkeit stabilisiert. Sie habe ein Gefühl ent wickelt, alles bewältigen zu können. Da- bei habe sie die eigenen Belastungsgrenzen nicht mehr erkannt, was im Jahre 2003 zur psychi- schen Dekompensation und zu einer stationär behandelten Depression geführt habe. Die frühe- re Tätigkeit als Textil- und Werklehrerin sei aufgrund der schweren Beeinträchtigungen nicht mehr möglich. Durch die mittelschweren bis schweren Beei nträchtigungen der Durchhaltefähig- keit, der Flexibilität und der Umstellfähigkeit, der Se lbstbehauptungsfähigkeit und der Kontakt- fähigkeit zu Dritten sei aber auch eine Verweistätigkei t in einem Büro selbst ohne Kundenkon- takt und mit enger Arbeitsanweisung sowie wohlwollenden Vorgesetzten im ersten Arbeitsmarkt Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht mehr möglich. Eine solche Tätigkeit könnte in eine m geschützten Rahmen allenfalls stun- denweise wieder aufgebaut werden. Aufgrund der instab ilen Situation sei dies aktuell jedoch ebenfalls nicht möglich. Die Versicherte sei in sehr been genden Verhältnissen aufgewachsen und bereits in der frühen Pubertät lebensbedrohlich p sychisch krank geworden. Im Anschluss daran habe sie eine stille Rebellion durchgeführt und sich ein Selbstbild erarbeitet, alles bewäl- tigen zu können. In der Ehe sei es erneut zu repetiti ver körperlicher Gewalt gekommen. Durch das Vermeidungsverhalten habe sich diese in eine psychische Drucksituation verschoben. Nach der dritten Geburt sei es schliesslich zu einem völlig en Zusammenbruch gekommen. Bei der Versicherten gebe es eine die persönliche Entwicklun g sehr einengende Prägung, die auf einen temperamentvollen Charakter geprallt sei. Diese r sei vom Willen geprägt, sich darzustel- len und sich sichtbar zu machen. Die Versicherte habe sich bis 2003 über ihre Rolle als Haus- frau und Mutter sowie als Werklehrerein stabilisieren können. Bei diesen Persönlichkeitskons- tellationen sei es nicht untypisch, dass eine gewisse Dekomp ensation bei einer völlig dysfunkti- onalen Work-Life-Balance langjährig aufrechterhalten werden könne, bevor es zum Zusam- menbruch komme. In den übrigen Unterlagen würden kein e Inkonsistenzen beschrieben. Im Gutachten von Dr. B.____ aus dem Jahr 2014 gebe es alle rdings eine Inkonsistenz bezüglich des anamnestisch dokumentierten Leidens und des als weitge hend unauffällig dokumentierten psychopathologischen Befunds. 6.2 Im Rahmen seiner medizinischen Beurteilung weist der Gerichtsgutachter der C.____ explizit darauf hin, dass die Einordnung der verschiedenen Diagnosen rückwirkend schwierig sei. Einerseits würden die verschiedenen Diagnosen einen längeren Zeitraum von mittlerweile mehr als 13 Jahren abdecken. Früher seien häufig fest geprägte depressive kognitive Muster beschrieben worden, die heute im Rahmen von Persönlichk eitsstörungen diskutiert würden. Zweitens habe die Versicherte in der aktuellen Untersu chung angegeben, dass sie nie explizit nach Gewalt gefragt worden sei. Somit ergäben sich neu e Aspekte in der diagnostischen Ein- ordnung, die sich mehr auf die Entwicklungsgeschichte der Krankheit als auf die Symptomebe- ne beziehen würden. Seit dem Jahre 2003 würden sich dur chgängig Hinweise für eine depres- sive Symptomatik ergeben. Angstsymptome zeigten sich ebenfa lls von Beginn weg, seien je- doch erstmals 2006 diagnostisch erfasst worden. 2012 sei dann erstmals die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gestellt worden. Anschliessend habe Dr. B.____ eine unreife Persön- lichkeitsstörung diagnostiziert. All diese Symptomklaster könnte unter die diagnostische Beurtei- lung einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung subsummiert werden. Diese zeige sich primär auf der Ebene der Beziehungsgestaltung und werde einerseits als kombinierte Per- sönlichkeitsstörung, manchmal auch als andauernde Persönli chkeitsbelastung nach Extrembe- lastung erfasst. Die Symptome dieser kombinierten Persö nlichkeitsstörung würden sich durch eine Veränderung in der Regulation von Affekten und Impulsen zeigen. In diesem Punkt könn- ten die rezidivierend depressiven Störungen sowie die A ngstsymptome und die Panikstörung eingeordnet werden. Weiter werde eine Veränderung i n der Aufmerksamkeit und im Bewusst- sein gefordert. Auch für diese Aspekte fänden sich bei d er Versicherten klare Hinweise. Dies spreche für eine teildissoziierte Konstellation in einer Beziehung, in der sich die Explorandin, wie in der eigenen Untersuchung bestätigt, unangenehm unter Druck gefühlt habe. Die in den Vorakten geschilderten präpsychotischen Aspekte können eben falls mit dissoziativen Elemen- ten erklärt werden. Als dritte Symptomgruppe der komple xen posttraumatischen Belastungsstö- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung würden Veränderungen der Selbstwahrnehmung mit Schamhaftigkeit und Schuldgefühlen sowie eine Isolation, die Bagatellisierung der Problematik und ein Verlust des Selbstwertgefühls gefordert. Dies seien alles Aspekte, die bei der Versicherten vorgefunden werden könnten. 6.3 Zusammenfassend kommt der Gerichtsgutachter der C._ ___ zum Ergebnis, dass die im Verlauf voneinander abweichenden Diagnosen auf ein e divergierende Einordnung der durchgängig beschriebenen Symptome in verschiedenen Klassifikationskonzepten zurückzufüh- ren seien. Er äussert sich sodann auch zu abweichenden f rüheren medizinischen Einschätzun- gen: Hinsichtlich des Schweregrads ergebe sich insbesondere eine Abweichung zum zweiten Gutachten von Dr. B.____. Aufgrund der dort ausgewiesen en inneren Widersprüche und der fehlenden Referenzierung bei der Beurteilung der Arb eitsfähigkeit könne die Abweichung vor- liegend aber nicht diskutiert werden. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit gelangt der Gerichtsgut- achter schliesslich zum Ergebnis, dass in der angestammten Tä tigkeit als Lehrerin seit 2003 in keinem Zeitpunkt mehr eine Arbeitstätigkeit gegeben gewesen sei. Auch aktuell bestehe bezüg- lich des ersten Arbeitsmarktes keine Arbeitsfähigkeit meh r. Es handle sich um eine psychiatri- sche Störung, die sich aus einer Vielzahl von psychiatrischen Symptomatiken zusammensetze. Seit 2012 bestünden keine Fluktuationen im Hinblick auf die verbleibende Arbeitsfähigkeit in erwerblicher Hinsicht. Die Leistungsfähigkeit im Haushalt könne durch die schwankende Symp- tomatik divergieren. Die durch die IV erfolgte Hausha ltabklärung sei aus medizinischer Sicht nachvollziehbar. 6.4 In ihrer auf Veranlassung des Gerichts vorgenommene n Stellungnahme vom 4. Mai 2017 führt die C.____ aus, dass entgegen der Annahme d es RAD nicht die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), sondern vielme hr die Diagnose eine komplexen posttraumatischen Belastungsstörung erhoben worden sei, welcher andere Kriterien zu Grunde liegen würden. Die komplexe posttraumatische Belastungsstö rung sei ein eigenständiges Krankheitsbild, welches als kombinierte Persönlichkeitsst örung nach ICD-10 F60.0 zu klassifi- zieren sei. Das Krankheitsbild sei anfangs der Neunzigerja hre eingeführt worden, um Sympto- me abzubilden, die sich nicht durch die normale PTBS klassi fizieren liessen und vor allem die Diagnostik bei Spätfolgen von Misshandlungen im Kindesal ter ermöglichen würden. Die An- nahme des RAD, dass die diagnostiziert Persönlichkeitsstöru ng nicht valide sei, weil aus einer PTBS eine andauernde Persönlichkeitsveränderung zu erwarten sei, laufe angesichts der diag- nostizierten komplexen PTBS ins Leere. Aus klinischer Sicht k önne sich nach einer Traumati- sierung eine Persönlichkeitsänderung ergeben. Die Explor andin erfülle aber die Diagnosekrite- rien einer Persönlichkeitsstörung nach IDC-10, Kapitel 6 Persönlichkeits- und Verhaltensstö- rung, die sich seit der Pubertät, unter anderem mit der Komorbidität einer schweren Anorexie manifestiert habe. Die Störung sei auf gewaltgeprägt e Kindheitserfahrungen zurückzuführen, und das Erleben von Gewalt habe sich in der weiteren Le bensgeschichte der Versicherten bis zur Trennung von ihrem Ehemann fortgesetzt. So sei sie als Kind von ihrer Mutter aus nichtigen Gründen mehrmals pro Woche mit dem Teppichklopfer geschl agen worden, habe Kutteln, die sie kaum habe essen können, im Keller fertig essen müssen. Sie habe immer beten müssen. Während des Sonntagsgottesdienstes habe sie auf dem Sch oss ihres Vaters sitzen müssen, der sie geklemmt habe, wenn sie sich bewegt habe. Währen der Anorexie-Behandlung sei sie wochenlang isoliert worden. Später sei sie dem Jähzorn un d den Gewaltausbrüchen ihres Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ehemannes ausgesetzt gewesen. Er habe sie eingeschlossen , eine Tür zerschlagen, einmal habe sie aus dem Auto springen müssen, da er gedroht habe, gegen einen Baum zu fahren. Zu Beginn sei die Gewalt fast täglich erfolgt. Insgesamt müsse die Gewalterfahrung bei einer kom- binierten Persönlichkeitsstörung nicht das Ausmass errei chen, wie es bei der PTBS erfüllt sein müsse. Das Bild der komplexen PTBS zeige sich primär auf der Ebene der Beziehungsgestal- tung. Die Symptome dieser kombinierten Persönlichkeitsstörung würden sich durch eine Verän- derung in der Regulation von Affekten und Impulsen ze igen. In diesem Punkt seien die rezidi- vierend depressiven Störungen sowie die Angstsymptome und die Panikstörung der Exploran- din einzuordnen. Weiter werde eine Veränderung in d er Aufmerksamkeit und dem Bewusstsein gefordert, die sich auf zeitlich begrenzte dissoziative Epi soden oder Depersonalisationserleben beziehen würden. Auch für diese Aspekte gebe es bei der Explorandin klare Hinweise. In der Begutachtungssituation habe sie immer wieder teildissoziie rt gewirkt. Im weiteren setze die komplexe PTBS eine Veränderung der Selbstwahrnehmung mit Schamhaftigkeit und Schuldge- fühlen sowie Isolation, Bagatellisierung der Problema tik und den Verlust des Selbstwertgefühls voraus. Dies seien durchwegs Aspekte, die im Gutachten besc hrieben worden seien. So könne die Explorandin ihre reduzierte Leistungsfähigkeit schlecht akzeptieren und schäme sich für die Schwäche, die sie nach Aussen zeige. Dem Einwand des RAD, dass sich eine Persönlichkeits- störung in jungen Jahren und ohne Trauma entwickle, se i entgegen zu halten, dass nach ICD- 10 zwar kein Trauma gefordert sei, indes in der Litera tur bekannt sei, dass bei Persönlichkeits- störungen gehäuft traumatisierende Lebensereignisse der Kindheit oder der Jugend vorliegen würden. Bei der Explorandin habe die Symptomatik bere its in der Adoleszenz begonnen. In Bezug auf die rezidivierende depressive Störung bestehe g egenwärtig eine mittelgradige Epi- sode, da sie sechs bis sieben Kardinalkriterien erfülle. So sei sie depressiv verstimmt, habe einen deutlich verringerten Antrieb und weise eine gest eigerte Ermüdbarkeit auf. Ihr Selbstver- trauen sei tief. Sie habe ein objektiv und subjektiv verm indertes Denk- und Konzentrationsver- mögen, sei psychomotorisch gehemmt und habe Schlaf- und Appetitstörungen, so dass die Kriterien für eine mittelgradige Episode erfüllt seien. 6.5 Mit Stellungnahme vom 19. Mai 2017 wendet der RA D-Arzt ein, dass bei einer komple- xen PTBS dieselbe Gewalt- und Trauma-Intensität wie b ei der herkömmlichen PTBS erforder- lich sei. Konkret sei ein folter- oder kriegsähnliches Erl eben vorausgesetzt. Demgegenüber würden ein Schlagen mit dem Teppichklopfer, ein Klemme n des Vaters oder die Schläge des Ehemannes hierfür nicht ausreichen. Diese Vorkommnisse seien keine Misshandlungen schwe- ren Grades, dies stehe aus RAD-Sicht fest. Eine Persönlichke itsstörung und eine Depression seien diagnostisch jedoch zu bestätigen. Für die versicheru ngsmedizinische Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei der Stärkegrad der Persönlichkeitsstörung massgebend. Dass die Depression mittelgradig ausfalle, leuchte auch dem RAD ein. Der Stärkegrad der Per- sönlichkeitsstörung sei durch die C.____ jedoch nicht defin iert worden. Hier würde es sich im Längsschnitt über die Jahre gesehen um eine Störung leichten Grades handeln. So sei die Ver- sicherte in der Lage gewesen, eine Berufsausbildung mit Erfolg abzuschliessen und diesem mit Erfolg nachzugehen. Auch sei sie fähig gewesen, eine Li ebesbeziehung zu pflegen und eine Familie zu gründen. Auf die Beurteilung der C.____ kö nne nicht abgestellt werden. Es sei eine psychiatrische Oberbegutachtung durchzuführen oder auf di e vorliegende RAD-Stellungnahme abzustellen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Mit Stellungnahme vom 3. Juli 2017 hielt der RAD -Arzt zusammenfassend fest, dass er die Gewalterlebnisse der Versicherten nicht bagatell isiert habe. Das Leiden der Explorandin müsse objektiv und ICD-konform erhoben werden, was im ge richtlichen Gutachten der C.____ jedoch nicht der Fall sei. Zur Frage des medizinischen Ab klärungsbedarfs werde nach wie vor eine unveränderte Meinung vertreten. 7. Während die Beschwerdeführerin mit Stellungnahme vom 30. September 2016 davon ausgeht, dass gestützt auf das C.____-Gutachten von eine r vollständigen Erwerbsunfähigkeit auszugehen sei, hat die IV-Stelle mit Eingaben vom 3. Oktober 2016 und vom 6. Juni 2017 mit Verweis auf die Stellungnahmen des RAD vom 30. Septem ber 2016 und vom 19. Mai 2017 festgehalten, dass nicht darauf abgestellt werden könne. Sie stellt sich zusammenfassend auf den Standpunkt, dass es an den für die Diagnose einer P TBS notwendigen Symptomen eines Psychotraumas fehle. Den gutachterlichen Befunden der C._ ___ müsse die Validität abgespro- chen werden, weil diese auf einer Hauptstörung fussen wü rden, welche nicht ICD-konform er- hoben worden sei. 7.1 Wie oben ausgeführt (E. 5.5 hiervor), weicht da s Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinisch en Experten ab, dessen Aufga- be es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Ver fügung zu stellen, um einen be- stimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend besteht kein Anlass, von den Ergeb- nissen des zitierten C.____-Gerichtsgutachtens abzuweichen. Das Gutachten der C.____ erfüllt die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine med izinische Beurteilungsgrundlage: Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es i st - wie dies vom Bundesgericht ver- langt wird (E. 5.3 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und beruht auf allseitigen und vor allem sehr detaillierten Untersuchungen zum Psychostatus der Versicherten. Ebenfalls berücksichtigt es die geklagten Beschwerden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusamme nhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Der gerichtliche Gutachter der C.____ setzt sich ausserdem mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärztlich en Einschätzungen auseinander. Er vermag insbesondere schlüssig zu begründen, dass die erhobenen Symptome der Versicherten zwanglos unter die Diagnose einer kombinierten Persönlich keitsstörung subsumiert werden können. Diese Symptome zeigen sich im hier interessierend en Fall durch eine Veränderung in der Regulation von Affekten und Impulsen und manifest ieren sich in den rezidivierenden Stö- rungen sowie in den bereits von Dr. B.____ (psychiatri sches Gutachten vom 28. Februar 2014, IV-Dok 108, S. 10) diagnostizierten Ängsten und einer P anik (Gerichtsgutachten der C.____, S. 29). Ob die für ein Psychotrauma im engeren Sinn vor ausgesetzten Kardinalkriterien erfüllt sind, vermag unter den gegebenen Umständen keine massgebende Rolle zu spielen. Entgegen der von der IV-Stelle mit Verweis auf den RAD vertretenen Auffassung trifft es nämlich zunächst gerade nicht zu, dass der Gerichtsgutachter hauptsächlich eine PTBS diagnostiziert hat. Er geht vielmehr von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung ge mäss ICD-10 F 61.0 aus, welche lediglich auf einer komplexen PTBS fusst und manchmal a uch als andauernde Persönlichkeits- belastung F. 62.0 erfasst werde. In der Tat kann die Unterscheidung zwischen einer erworbe- nen Persönlichkeitsveränderung und dem Auftreten einer Persönlichkeitsstörung nach Belas- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung sehr schwierig sein (ICD-10 Kapitel V, Klinisch-diagnostische Leitlinien, 8. Aufl. Bern 2011, Kommentar zu F62, S. 285). Damit aber ist zugleich gesagt, dass die von der IV-Stelle als nicht ICD-10-konform kritisierte Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung durch den Gut- achter sehr wohl dahingehend schlüssig begründet worden ist, als die verschiedenen Diagno- sestellungen faktisch auf eine divergierende Einordnung der durchgängig beschriebenen Symp- tome in verschiedenen Klassifikationskonzepten zurückgeführt werden müssen (Gerichtsgut- achten der C.____, S. 29; im Ergebnis ebenso bereits St ellungnahme von Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 20. August 2012, IV- Dok 65, S. 2). Namentlich geht auch aus der ergänzenden Stellungnahme der C.____ vom 4. M ai 2017 deutlich hervor, dass die komplexe PTBS neben der PTBS ein eigenständiges Krankh eitsbild darstellt und als solche gerade nicht den Kardinalkriterien verpflichtet ist, sond ern vielmehr einer eigenen Symptomatik zu genügen hat. Der Kritik der IV-Stelle und mit ihr der Kritik des RAD-Arztes in dessen Stel- lungnahme insbesondere vom 19. Mai 2017 kann in diesem Punkt daher nicht gefolgt werden. 7.2 Der IV-Stelle ist darin beizupflichten, dass es für d ie Diagnose einer PTBS nicht ge- nügt, wenn kein Auftreten von Flashbacks oder Alpträumen vorliegt (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juli 2016, 8C_676/2015, E. 5.2.3). Dabei hande lt es sich jedoch um eine Störung, die nicht nur keinen Bezug zu einem organischen Geschehen au fweist, sondern für die sich keine oder kaum objektivierbare Befunde namentlich in Bezug a uf ihre typischen Symptome feststel- len lassen, wie sie bei der Beschwerdeführerin in Form einer erhöhten Schreckhaftigkeit und einem Vermeidungsverhalten klarerweise jedoch bereits meh rfach erhoben worden sind (IV- Dok 108, S. 10). Damit aber kann nicht gesagt werden , dass die gutachterliche Diagnostik der C.____ auf einer Hauptstörung beruhen würde, die eve ntuell gar nicht vorhanden ist. Die vom gerichtlichen Gutachter erhobenen Diagnosen erweisen sich in Anbetracht der bereits in der Vergangenheit mehrfach festgestellten Funktionsstörungen nach Mini-ICF (vgl. Gutachten von Dr. B.____ vom 28. Februar 2014, IV-Dok 108, S. 8) i m Gegenteil als durchwegs plausibel und somit auch als valide. Die von der IV-Stelle monierten Differenzen betreffen im Wesentlichen ausserdem konzeptionelle Unterschiede zwischen den Richtli nien der Weltgesundheitsorgani- sation nach ICD-10 und der vom Gutachter der C.____ verwendeten DSM-IV-Klassifikation. Der IV-Stelle ist zwar auch hier zuzustimmen, dass sich diese Un terschiede bezogen auf die Diag- nose auswirken können. Dies alleine kann jedoch nicht ausschlaggebend sein. So ist zu beach- ten, dass solche Differenzen auf diagnostischer Ebene für eine Anspruchsbegründung recht- sprechungsgemäss gerade nicht ausreichend sind (BGE 141 V 281). Abweichend zu den bishe- rigen Explorationen der Versicherten hat die Versicher te schliesslich erstmals anlässlich der gerichtlich angeordneten Untersuchung von wiederholte n Gewalterfahrungen in der Kindheit und in der Ehe berichtet (Gerichtsgutachten der C.____ , S. 12 und 14 f.). Damit kann auch der von der IV-Stelle vorgebrachten Kritik nicht gefolgt werden, der gerichtliche Gutachter der C.____ würde in seinem Gutachten keine Ausführungen zu Gewalterlebnissen der Versicherten liefern. Mit Blick auf die ergänzende Stellungnahme der C.____ vom 4. Mai 2017 ist das Gegen- teil der Fall. 7.3 Nichts desto trotz hält der RAD in seiner anschlie ssenden Stellungnahme vom 19. Mai 2017 unverändert an seiner Kritik fest, ohne dabei abe r wesentliche neue Aspekte oder Argu- mente vorzubringen. Wenn er einwendet, dass bei einer komplexen PTBS dieselbe Gewalt- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder Trauma-Intensität wie bei der herkömmlichen PTBS erforderlich sei, widerspricht er jeden- falls ohne weitere Begründung dem gerichtlichen Gutac hter, der festhält, dass ein geringeres Mass an Gewalterfahrung für eine komplexe PTBS ausreich e. Wenn der RAD sodann konkret einwendet, dass ein folter- oder kriegsähnliches Erleben vorausgesetzt sei und ein Schlagen mit dem Teppichklopfer oder ein Klemmen des Vaters in d er Kirche hierfür nicht ausreiche, ist ihm unbesehen seiner in der Folge anders lautenden A ussage entgegen zu halten, dass er das Gewalterleben der Versicherten sehr wohl bagatellisier t. Die von der C.____ anamnestisch sorgfältig und präzise erhobenen Strafaktionen gegenüb er der Versicherten haben offensicht- lich systematisch und mehrmals pro Woche stattgefunden. Mit Blick auf das damals noch kindli- che Alter der Versicherten besassen sie damit durchaus folt erähnlichen Charakter. Wenn die C.____ als Gewalt-Erlebnis das Einsperren im elterlichen Keller heranzieht, ist sodann zu be- achten, dass die Beschwerdeführerin als kleines Kind ihren Eltern ähnlich wehrlos ausgeliefert war wie eine gefangene Person, die misshandelt wird. Was die Diagnose der Persönlichkeits- störung und der Depression angeht, so räumt der RAD-Arzt ein, dass diese Diagnostik „ange- messen“ sei. In Bezug auf die von ihm jedoch kritisierte Bedeutung des Stärkegrads der De- pression ist allerdings festzuhalten, dass als Hauptdiagnos e die komplexe PTBS im Mittelpunkt der strittigen Diagnostik steht und im gerichtlichen Gut achten die Depression lediglich als Be- gleitsymptomatik der einhergehenden Persönlichkeitsstörung beschrieben wird. Aufgrund der ergänzenden Erläuterungen in der Stellungnahme der C.____ vom 4. Mai 2017 ist mithin davon auszugehen, dass für die Arbeitsunfähigkeit der Versicher ten die Persönlichkeitsstörung haupt- verantwortlich ist. Was die seitens des RAD kritisierte, feh lende Bezeichnung des Stärkegrads dieser Persönlichkeitsstörung angeht, zeigt die C.____ i m gerichtlichen Gutachten überaus de- tailliert auf, inwiefern und wie stark die Ressourcen de r Beschwerdeführerin im Alltag einge- schränkt sind. Insoweit erweist sich die Zumutbarkeitsbeurtei lung der C.____ auch unter die- sem Aspekt ohne weiteres als nachvollziehbar. Ob der Stärkeg rad der Persönlichkeitsstörung dabei explizit bezeichnet wird, ist insofern sekundär. Da mit läuft letztlich die Argumentation des RAD, die Versicherte würde wegen ihres langjährigen be ruflichen und sozialen Funktionierens an einer nur leichten Persönlichkeitsstörung leiden, ins Leere. Zusammenfassend können die Einwände des RAD in dessen Stellungnahmen vom 19. Mai 2017 die Schlüssigkeit und damit den Beweiswert des gerichtlichen C.____-Gutachtens nicht erschüttern. Es ist daran zu erin- nern, dass von einem Gerichtsgutachten praxisgemäss nur b ei Vorliegen zwingender Gründe abzuweichen ist (E. 7.1 und 5.5 hiervor). Solche Gründ e sind dem Gesagten zufolge nicht er- sichtlich. Daran vermag auch der letzte Schriftenwechsel zwischen den Parteien und mit ihm die Stellungnahme des RAD vom 3. Juli 2017 nichts zu änd ern. Aus der entsprechenden Aus- einandersetzung, in welcher die divergierenden Parteist andpunkte mit den bereits bekannten Argumenten nochmals zementiert werden, geht lediglich hervor, dass die in sprachlicher Hin- sicht dürftige und für eine fachliche Auseinandersetzun g auf weiten Strecken ungenügende Stellungnahme des RAD nicht genügen kann, allfällige Zweifel am Gerichtsgutachten der C.____ hervorzurufen. Gerade im vorliegenden Fall mi t einer überdurchschnittlichen Komplexi- tät ist ein klarer, unmissverständlicher Ausdruck aber nic ht nur wünschbar, sondern unabding- bar. 7.4 Es liegt in der Natur des Begutachtungsauftrags, di e medizinischen Verhältnisse nicht nur zu erheben, sondern in ihrer Gesamtheit erneut un d damit allenfalls auch abweichend im Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vergleich zu den übrigen medizinischen Unterlagen zu be werten. Der Umstand, dass der C.____-Gutachter mitunter auch im Vergleich zum RAD ni cht nur zu einer abweichenden Diag- nose, sondern auch zu einer anderen Würdigung der erh obenen Befunde und der medizini- schen Sachlage gelangt, ist einer umfassenden polydisziplinären Begutachtung somit geradezu inhärent. Er stellt für sich allein genommen keinen Gru nd für deren Nichtverwertbarkeit dar. Massgebend ist vielmehr, ob das fragliche Gutachten den r echtsprechungsgemässen Kriterien zufolge (oben, Erwägung 5.4 f.) überzeugend ausgefallen ist. Dies ist hier der Fall. Der Gutach- ter der C.____ hat die Versicherte umfassend untersucht und gelangt zum nachvollziehbaren Ergebnis, dass ihr selbst in einer ihren Leiden angepasst en Verweistätigkeit keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr verbleibt. Gestützt auf die be reits durch Dr. B.____ in der Vergan- genheit erhobenen, teils schweren Funktionsstörungen le gt er letztlich schlüssig dar, dass die vollständige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten auf dem ersten Arbeitsmarkt in Anbetracht ih- res Krankheitsbildes nicht anhand einer Momentaufnahme, sondern im Rahmen einer Gesamt- würdigung und aus einer längerfristigen Sicht, welche vor allem den Verlauf der Erkrankung (mit-) berücksichtigt, zu beurteilen ist. Im Ergebnis ist d emnach mit dem Gerichtsgutachter der C.____ festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin so wohl in der angestammten Tätigkeit als auch in einer allfälligen Verweistätigkeit auf de m ersten Arbeitsmarkt keine (Rest-) Arbeits- fähigkeit mehr gegeben ist. 8. Vergleicht man diesen nunmehr vorliegenden Sachverh alt mit den gesundheitlichen Verhältnissen, wie sie der letztmaligen Rentenzusprache durch die IV-Stelle im August 2012 zu Grunde gelegen hatten, so ergibt sich, dass eine ansp ruchsmindernde Änderung in den ge- sundheitlichen Verhältnissen auszuschliessen ist. Mit Blick a uf die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Verhältnisse zeigt sich im Gegentei l eine unveränderte Situation. Die ge- stützt auf die ergänzenden Abklärungen des medizinischen Sa chverhalts durch das Gerichts- gutachten der C.____ vom 1. September 2016 offensichtl ich vollständige Erwerbs- und Arbeits- unfähigkeit der Versicherten geht gemäss den hievor in E rwägung 5.3 aufgezeigten Beweisre- geln zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Gestützt auf die ü berzeugend ausgefallenen Erhe- bungen im gerichtlichen Gutachten der C.____ vom 1. September 2016 und deren Ergänzun- gen vom 4. Mai 2017 resultiert nach der allgemeinen M ethode des Einkommensvergleichs vor- genommenen Rentenbemessung in dem von der Vorinstanz zu Recht mit mindestens 70% be- messenen Erwerbsanteil ein IV-Grad von 100%. Unbesehen d er haushalterischen Einschrän- kung ergibt sich damit gesamthaft ein IV-Grad von minde stens 70% (oben, Erwägung 3). Damit fehlt es an einem Revisionsgrund, wie er für die Herabs etzung der ursprünglich verfügten gan- zen Rente nach Art. 17 ATSG indessen vorausgesetzt wäre, so dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf Ausrichtung einer ganzen Invalide nrente besitzt. Die gegen die ange- fochtene Verfügung der IV-Stelle vom 24. März 2015 ge richtete Beschwerde ist bei diesem Er- gebnis demnach gutzuheissen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1000.— festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlieg end ist die Beschwerdegegnerin unterlegene Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verf ahrenskosten zu tragen hätte. Gemäss § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO werden der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden gemäss Verwal- tungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine Verfahrensko sten auferlegt. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten ist deshalb zu verzichten. Der von der B eschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss ist bei diesem Ergebnis zurückzuerstatten. 9.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für die gerichtliche Begutachtung ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dieser Bestimmung zufolge hat der Ve rsicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeor dnet hat. Hat er keine Massnah- men angeordnet, so hat er deren Kosten dennoch zu übe rnehmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder B estandteil nachträglich zugesproche- ner Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gerich t als notwendig erachteten Beweis- massnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine sol che indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten d er durch das Gericht in Auftrag gegebe- nen MEDAS-Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich seiner Urteilsberatung vom 31. März 2016 zum Ergebnis ge- langt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Hintergrund bildete der Umstand, dass das Verwaltungsgu tachten von Dr. B.____ die massge- benden medizinischen Verhältnisse nicht überzeugend darg elegt hatte. In Anbetracht dieser Umstände war die gerichtliche Begutachtung durch die C .____ deshalb nicht nur angezeigt, sondern unerlässlich. Nicht anders verhält es sich mit den a ufgrund der von der IV-Stelle am gerichtlichen Gutachten vorgetragenen Kritik resultierenden Kosten für die gerichtliche Rückfra- ge beim C.____ vom 4. Mai 2017. Im Lichte der geschilderten Rechtsprechung sind die resultie- renden Kosten, welche sich gemäss den Honorarrechnungen der C.____ auf Fr. 5‘500.— und auf Fr. 1‘143.40 belaufen (Rechnungen vom 24. Novembe r 2016 sowie vom 24. Mai 2017), demnach der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 9.3 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO steht der obsiegenden Beschwe rdeführerin eine Parteient- schädigung zu. Der Honorarnote vom 8. November 2016 zuf olge beläuft sich der geltend ge- machte Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren bis zum 8. November 2016 auf ins- gesamt 20 Stunden. Dieser Aufwand ist in zeitlicher Hinsicht insofern zu kürzen, als er auf die Zeit ab Erlass der angefochtenen Verfügung vom 24. März 2015 zu beschränken ist. Damit re- sultiert ein Aufwand von 15 Stunden und 35 Minuten, d er sich angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des mehrfachen Schri ftenwechsels als angemessen erweist und zu einem Stundenansatz von Fr. 250.— zu entge lten ist. Ebenfalls nicht zu bean- standen sind die geltend gemachten Auslagen im Umfang v on insgesamt Fr. 389.10. Keinen Anlass zur Korrektur gibt sodann der in der ergänzenden Honorarnote vom 27. Juni 2017 für den Zeitraum ab 13. Februar 2017 bis 27. Juni 2017 ge ltend gemachte Aufwand von 4 Stunden und 20 Minuten sowie Spesen von 25.90, der im Wesentl ichen auf die von der IV-Stelle vorge- brachte Kritik am gerichtlichen Gutachten der C.____ zur ückzuführen ist. Es ergibt sich dem- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdege gnerin in der Höhe von insgesamt Fr. 5‘825.70 (15 Stunden und 35 Minuten sowie 4 Stun den und 20 Minuten, total mithin 19 Stunden und 55 Minuten à Fr. 250.— und Auslagen in d er Höhe von Fr. 389.10 sowie Fr. 25.90 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfüg ung der IV-Stelle vom 24. März 2015 aufgehoben und es wird der Beschwerdeführ erin mit Wirkung ab 1. Mai 2015 weiterhin eine ganze Rente d er Invalidenver- sicherung zugesprochen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 6‘643.40 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 5‘825.70 (inkl. Auslagen und 8% MwSt) zu bezahlen.