Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. September 2015 (810 15 129) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Martin Michel Parteien A.A.____, Beschwerdeführer, vertreten durc h Anna Rüegg, Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ Betreff Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 24. April 2015) A. Am 8. Februar 2014 wandte sich C.____, die Tocht er von A.A.____ (geboren am 10. März 1940) und B.A.____ (geboren am 9. Juni 194 3), nachdem sie von einem geplanten Altersheimeintritt von B.A.____ erfahren hatte, mit einer Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) B.____ und bean tragte die Prüfung einer Beistand- schaft für ihre Eltern. Zuvor wurden A.A.____ und B .A.____ auf freiwilliger Basis in finanziellen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und administrativen Belangen von ihrem Schwager, D.__ __, betreut. In der Gefährdungsmel- dung führte C.____ unter anderem aus, ihre Beziehun g zu den Eltern sei seit über 20 Jahren teilweise stark belastet. B. Am 21. Februar 2014 führte die KESB einen Besuch beim Ehepaar A.A.___ und B.A.____ durch und hörte die beiden an. Die KESB kam zum Schluss, dass beide eine umfas- sende Unterstützung benötigten, wobei A.A.____, welche r an einer Demenzerkrankung leide, jegliche Krankheitseinsicht fehle. Im März 2014 trat B .A.____ in ein Alters- und Pflegeheim ein. Ihr Ehemann A.A.____ blieb alleine im Einfamilienhaus zurück. C. Mit Entscheid vom 26. März 2014 errichtete die KESB g estützt auf Arztberichte von Dr. med. E.____ vom 21. sowie 24. Februar 2014 für de n demenzkranken A.A.____ und seine Ehefrau B.A.____, welche unter Depressionen leidet, mi t dem Einverständnis des Ehepaars A.A.____ und B.A.____ eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung. Zum Bei- stand ernannt wurde F.____, den das Ehepaar A.A.____ und B.A.____ aufgrund seiner frühe- ren Tätigkeit für die Gemeinde bereits kannte. D. Am 14. Mai 2014 teilte F.____ der KESB mit, dass er die Beistandschaft des Ehepaars A.A.____ und B.A.____ aufgrund grosser Differenzen mi t der Tochter des Ehepaars, C.____, einem Berufsbeistand übergeben wolle, insbesondere für die administrativen Belange der Fami- lie A.A.____ und B.A.____ aber weiterhin besorgt sei. E. Am 17. Mai 2014 gelangte C.____ an die KESB und stellte in Aussicht, sie wolle zu- künftig als vollumfassende Beiständin für ihren Vater, A .A.____, tätig sein. Die KESB teilte ihr am 22. Mai 2014 mit, dass der bisherige Beistand im Am t bleibe, bis die KESB einen anderen geeigneten Beistand für das Ehepaar A.A.____ und B.A.____ gefunden habe. F. Anlässlich einer Anhörung von C.____ und deren dama ligem Anwalt durch die KESB am 12. Juni 2014 beantragte C.____, es sei für die V ermögensverwaltung des Ehepaars A.A.____ und B.A.____ ein anderer Beistand zu benenne n. C.____ gab zu Protokoll, dass sie als Beiständin betreffend Vermögensverwaltung für ihre Eltern nicht in Frage käme. G. Am 28. Juli 2014 errichtete A.A.____ mittels öffen tlicher Beurkundung eine Vollmacht und einen Vorsorgeauftrag. Darin erteilte A.A.____ seiner Tochter C.____ (bzw. für den Fall, dass sie das Mandat nicht annehme, deren Ehemann) eine u nbeschränkte Vollmacht, ihn in seinen sämtlichen Angelegenheiten jeder Art rechtlich zu vertreten (Vollmacht von A.A.____ vom 28. Juli 2014 [Vollmacht] Ziff. 1.1.). Für den Fa ll, dass der Vollmachtgeber die für ihn vor- genommenen Handlungen in ihrer Tragweite nur noch e ingeschränkt zu beurteilen vermöge, wurde die Bevollmächtigte verpflichtet, der zweiten Toch ter von A.A.____, G.____ sowie den Schwestern von A.A.____, H.____ und I.____, jederzeit u nd je einzeln umfassende Einsicht in sämtliche Unterlagen zu gewähren (Vollmacht Ziff. 1.2.). Gleichentags wurde die Urteilsfähigkeit von A.A.____ in Bezug auf dieses Geschäft von Prof. Dr. J.____, Leiter der K.____, bestätigt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Eingabe vom 31. Juli 2014 beantragte A.A.____ , vertreten durch Anna Rüegg, Ad- vokatin in Basel, bei der KESB unter anderem, es sei di e Beistandschaft von A.A.____ per so- fort aufzuheben. Am 15. Oktober 2014 beantragte A.A._ ___, es sei seine Tochter, C.____, vor- sorglich per sofort als seine Beiständin im Sinne einer Vertretungsbeistandschaft mit Vermö- gensverwaltung und mit Vertretungsrecht bei medizinischen Massnahmen ad interim bis zum rechtskräftigen Entscheid der KESB einzusetzen. Überdies sei sein jetziger Beistand vorsorg- lich per sofort von seinem Amt zu entbinden. I. Am 5. November 2014 fand eine Besprechung zwischen d er KESB und den beiden Töchtern von A.A.____, G.____ und C.____ sowie deren Ehemann und der Rechtsvertreterin von A.A.____ statt. Anlässlich dieser Besprechung wurde e ine weitere Begutachtung beschlos- sen, welche am 12. November 2014 durchgeführt wurde und woraus sich ergab, dass A.A.____ bezüglich der Erledigung von administrativen Aufgaben, wirtschaftlichen Belangen sowie der Regelung seiner rechtlichen und persönlichen Angelegenheiten als urteilsfähig angesehen wer- den könne (vgl. Untersuchungsbericht der K.____ vom 12. November 2014). J. Am 19. Dezember 2014 erhob A.A.____, weiterhin ver treten durch Anna Rüegg, beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsre cht (Kantonsgericht), Beschwerde wegen Rechtsverweigerung/Rechtsverzögerung. Diese Beschwer de wies das Kantonsgericht mit Urteil vom 4. März 2015 (Verfahren 810 14 392) ab, soweit es darauf eintrat. K. Mit Entscheid vom 10. April 2015 (bzw. Rektifikat vom 1 2. April 2015) setzte die KESB superprovisorisch L.____, rückwirkend per 1. April 2015, als Beistand von A.A.____ ein. L. Am 15. April 2015 setzte die KESB M.____ als Beista nd für B.A.____ ein. M. Am 24. April 2015 entschied die KESB, dass über A. A.____ bereits eine Bei- standschaft nach Art. 394 und Art. 395 ZGB besteht und diese Beistandschaft weitergeführt wird (Ziff. 1). Sodann beschloss die KESB, dass A.A.____ in Erweiterung der bestehenden Bei- standschaft gestützt auf Art. 395 Abs. 3 ZGB der Zugriff bezüglich der nachfolgenden Vermö- gens- und Einkommenswerte entzogen bleibt: (…) (Ziff. 2 ). Ergänzend stellte die KESB der Klarheit halber fest, dass A.A.____ bzgl. eines Privatkont os vollumfänglich Zugriff hat (Ziff. 3) und dass die Grundbuchsperren betreffend die Parzellen X.____ und Y.____ gestützt auf Art. 395 Abs. 4 ZGB aufrechterhalten werden (Ziff. 4) . Des Weiteren entschied die KESB, rück- wirkend per 1. April 2015 L.____, in Erweiterung der bestehenden Beistandschaft als Beistand für A.A.____ zu bestätigen und sie setzte seinen Stunde nansatz auf Fr. 150.00 fest (Ziff. 6). C.____ wurde gebeten, bis spätestens 31. Mai 2015 der KESB mitzuteilen, ob sie unmittelbar persönlich angehört werden möchte (Ziff. 10 lit. a) un d der KESB schriftlich mitzuteilen, ob sie noch gewillt ist, die Beistandschaft für A.A.____ zu üb ernehmen (Ziff. 10 lit. b). Einer Be- schwerde gegen diesen Entscheid entzog die KESB die aufschiebende Wirkung (Ziff. 13). N. Dagegen liess A.A.____, nach wie vor vertreten durch Anna Rüegg, am 7. Mai 2015 beim Kantonsgericht Beschwerde erheben mit den Rechts begehren: 1. Es sei die auf- schiebende Wirkung wieder herzustellen; 2. Es sei der Entscheid der Beschwerdegegnerin vom Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 24. April 2015 aufzuheben und 2a. Es sei die Beistandschaft über den Beschwerdeführer defini- tiv aufzuheben eventuell unter gleichzeitiger Genehmi gung des Vorsorgeauftrags vom 28. Juli 2014 und 2b. Es sei der Zugriff des Beschwerde führers auf sämtliche seiner mobilen Vermögenswerte wieder herzustellen und 2c. Es sei die G rundbuchsperre bezüglich der Lie- genschaft X.____ aufzuheben; 3. Eventualiter sei der En tscheid der Beschwerdegegnerin vom 24. April 2015 aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung innert 14 Tagen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. O. Am 27. Mai 2015 beantragte der Beschwerdeführer d arüber hinaus, dem Beistand L.____ sei mit sofortiger Wirkung und somit superprovisor isch die mündliche Kontaktaufnahme mit dem Beschwerdeführer zu verbieten. Dieses Gesuch wie s die Präsidentin der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht am 28. Mai 2015 ab. P. Mit Verfügung vom 10. Juni 2015 wies die Präsident in der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiede rherstellung der aufschieben- den Wirkung bzw. um Erlass vorsorglicher Massnahmen ab. Q. Mit Vernehmlassung vom 30. Juni 2015 schloss die Beschwe rdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. R. Mit verfahrensleitender Verfügung der Präsidentin vo m 6. Juli 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. S. Am 20. Juli 2015 reichte die Vertreterin des Beschw erdeführers aufforderungsgemäss ihre Honorarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. De- zember 1907 in Verbindung mit § 66 Abs. 1 des kantonale n Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 kann gege n Entscheide der KESB Be- schwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Mit der Be schwerde können Rechtsver- letzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständig e Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) so- wie die Unangemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden (Ar t. 450a Abs. 1 ZGB). Die Sachurteils- voraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB sind erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist. 2.1. Der Beschwerdeführer rügt, die Einsetzung des ne uen Beistands durch die KESB sei rechtswidrig erfolgt. Dadurch seien die Art. 388 Abs. 1, Art. 389 Abs. 2 und Art. 399 Abs. 2 ZGB verletzt worden (Beschwerdebegründung S. 16 ff.). Sein e Tochter habe sich bereits mit E-Mail vom 17. Mai 2014 an die KESB bereit erklärt, für ihn zu sorgen und habe sich seither ununter- brochen um ihn gekümmert. Gestützt auf die genannten Be stimmungen hätte die Beschwerde- gegnerin bereits auf die E-Mail vom 17. Mai 2014 hin wegen der Subsidiarität der behördlichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Massnahme von Amtes wegen die Notwendigkeit der Beistand schaft prüfen müssen, zumal sich der behördliche Beistand vorgängig grösstenteils aus seinem Amt verabschiedet habe. 2.2. Der Zweck von behördlichen Massnahmen des Erwachsenen schutzes ist nach Art. 388 Abs. 1 ZGB, das Wohl und den Schutz hilfsbedürftiger Per sonen sicherzustellen. Gleichzeitig sollen die Massnahmen die Selbstbestimmung der betroffe nen Person soweit wie möglich er- halten und fördern (Art. 388 Abs. 2 ZGB). In Art. 38 9 ZGB unterstellt der Gesetzgeber alle be- hördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes den beiden M aximen der Subsidiarität und der Verhältnismässigkeit. Behördliche Massnahmen sind nach Art. 389 Abs. 1 ZGB nur dann anzuordnen, wenn die Unterstützung der hilfsbedürfti gen Person durch die Familie, andere na- hestehende Personen oder private oder öffentliche Dienst e nicht ausreicht oder von vornherein als ungenügend erscheint (Ziff. 1) oder wenn bei Urte ilsunfähigkeit der hilfsbedürftigen Person keine oder keine ausreichende eigene Vorsorge getroffen worden ist und die Massnahmen von Gesetzes wegen nicht genügen (Ziff. 2). Jede behördlich e Massnahme muss erforderlich und geeignet sein (Art. 389 Abs. 2 ZGB). Ist die gebotene Unterstützung der hilfsbedürftigen Person auf andere Art – durch die Familie, andere nahestehen de Personen oder private oder öffentli- che Dienste – bereits gewährleistet, werden keine Erwac hsenenschutzmassnahmen angeord- net (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB; BGE 140 III 49 E. 4.3.1). Gemäss Art. 399 Abs. 2 ZGB hebt die Erwachsenenschutzbehörde eine Beistandschaft auf Antrag d er betroffenen oder einer nahe- stehenden Person oder von Amtes wegen auf, sobald für die Fortdauer kein Grund mehr be- steht. 2.3. Verschiedene Bestimmungen (Art. 374 ff., Art. 37 7 ff., Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB) wol- len die Familiensolidarität stärken und gleichzeitig d en Staat entlasten. Veränderte gesell- schaftliche Verhältnisse, die Lockerung familiärer Beziehun gen, namentlich auch zwischen den Generationen, die Anforderungen im Berufsleben, die höchst anspruchsvolle Verbindung von Familie und Beruf, setzen dieser Solidarität auch o bjektive Grenzen. Verwandte mit der Füh- rung eines Erwachsenenschutzmandats zu beauftragen oder d er Betreuung einer hilfs- bedürftigen Person zu beauftragen, kann jedoch in gew issen Fällen auch als problematisch er- scheinen. Die wichtigsten Gründe, die dagegen sprechen, sind die mit verwandtschaftlichen Beziehungen verbundenen emotionalen – positiven und kon flikthaften – Bindungen, welche eine ungenügende Distanz zum Geschehen bewirken und Ver wandte daran hindern können, sachgerechte und im Interesse der verbeiständeten Person liegende Entscheidungen zu treffen. Der "gekränkte Familienstolz" könnte Verwandte dazu verl eiten, die tatsächlichen Schwie- rigkeiten der betreuten Person zu bagatellisieren und i hr nicht die nötige Betreuung zukommen zu lassen. Die gleiche Ausgangslage könnte andererseits a uch dazu führen, dass die betreute Person besonders hart angefasst wird und von ihr Leistungen verlangt werden, die sie aufgrund ihrer Schwäche nicht erbringen kann. Auch handfeste Int eressenkonflikte zwischen verwandten Betreuungspersonen und der betreuten Person können de ren Wohl beeinträchtigen. Diese Ge- fahr besteht insbesondere, wenn erwachsene Nachkommen be hördliche Massnahmen für ihre betagten Eltern übernehmen und es an der nötigen per sönlichen Fürsorge fehlen lassen, weil sie offen oder im Geheimen die Schmälerung des zu erwa rtenden Nachlasses befürchten (vgl. dazu CHRISTOPH HÄFELI , Private Mandatsträger [Prima] und Angehörige als Be istand, in: Zeit- schrift für Kindes- und Erwachsenenschutz [ZKE], 3/2015, S. 206). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers liegt keine rechtswidrige Einsetzung des neuen Beistands am 10. April 2015 (vorsorglich) bzw. 2 4. April 2015 (definitiv) durch die KESB vor. Es kann hierzu zunächst vollumfänglich auf das U rteil des Kantonsgerichts (KGE VV) vom 4. März 2015 (Verfahren 810 14 392) verwiesen w erden. Darin wurde bereits ausführ- lich dargelegt, aus welchen Gründen kein früheres Handeln der KESB zwingend angezeigt war. Der Beistand hatte sich nämlich nicht grösstenteils aus sei nem Amt zurückgezogen, sondern die Tochter des Beschwerdeführers, C.____, erschwerte durch ihr Vorgehen, indem sie faktisch seit Mai 2014 stufenweise diverse Beistandsaufgaben über nommen hatte, die Arbeit des – mit Einverständnis des Ehepaars A.A.____ und B.A.____ – eing esetzten Beistands. Zudem lässt sich aus dem damaligen Urteil entnehmen, dass es auch im Urteilszeitpunkt, d.h. am 4. März 2015, weiterhin fraglich war, ob die Tochter unter d en gegebenen Umständen geeignet und fähig war, die Beistandschaft bzw. die erforderliche B etreuung zu übernehmen. Dies insbeson- dere, weil sie sich nie dazu bereit erklärt hatte, die B eistandschaft für beide Elternteile zu über- nehmen, sie forderte, es sei für ihre Eltern eine Güte rtrennung anzuordnen, sie selbst am 12. Juni 2014 und somit nach der in der Beschwerde ange führten E-Mail vom 17. Mai 2014 noch einen (ausserfamiliären) Beistand für die Vermögensverwaltung der Eltern beantragt hatte und weil das Verhältnis zu ihrem Vater früher teilwe ise stark belastet war (vgl. ausführlich dazu KGE VV [810 14 392] vom 4. März 2015 E. 4 und 5.3). U nter diesen Voraussetzungen ist auch nicht zu beanstanden, dass die KESB, als der damalige Beistand sein Amt aufgrund der verfah- renen Situation zwischen ihm und den Familienangehörig en bzw. dem Anwaltsbüro des Be- schwerdeführers definitiv niederlegte (vgl. Schreiben d es Beistands vom 1. April 2015), erneut einen ausserfamiliären Beistand einsetzte. 3.1. Zu klären bleibt damit noch, ob während des vorli egenden Rechtsmittelverfahrens die Voraussetzungen eingetreten sind, welche eine Anpassung od er eine Aufhebung der Er- wachsenenschutzmassnahme nun zulassen. 3.2. Subsidiarität (Art. 389 Abs. 1 ZGB) heisst, dass b ehördliche Massnahmen nur dann anzuordnen sind, wenn die Betreuung der hilfsbedürft igen Person auf andere Weise nicht an- gemessen sichergestellt ist (vgl. Botschaft vom 28. Juni 200 6 zur Änderung des Schweize- rischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht], Bundesblatt [BBl] 2006 S. 7042 Ziff. 2.2.1). Ist die gebotene Un terstützung der hilfsbedürftigen Person an- derweitig – durch die Familie, andere nahestehende Pe rsonen oder private oder öffentliche Dienste – gewährleistet, so ordnet die Erwachsenenschutzb ehörde keine Massnahme an (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB) oder sie hebt eine best ehende Massnahme auf (Art. 399 Abs. 2 ZGB). Der Grundsatz der Subsidiarität betrifft somit das Verhältnis der erwachsenenschutz- rechtlichen Massnahmen zu – sofern zielführend – vorrangig zu verwirklichenden alternativen Lösungen. Im Erwachsenenschutzrecht gilt der Grundsatz "Soviel staatliche Fürsorge wie nötig, so wenig staatlicher Eingriff wie möglich" (vgl. Botschaft , a.a.O., S. 7017 Ziff. 1.3.4; BGE 140 III 49 E. 4.3.1). 3.3. Am 22. Juni 2015 reichte C.____ bei der KESB di e im angefochtenen Entscheid vom 24. April 2015 angeforderte Stellungnahme ein. Darin bestätigte sie, dass sie bereit sei, die Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht treuung und die Vertretung ihres Vaters, wie von diesem in seiner Vollmacht festgehalten wur- de, zu übernehmen. Sie bestreite auch die Vorhaltung , wonach der Beschwerdeführer im Feb- ruar 2014 von einem nicht so guten Kontakt zu seinen T öchtern gesprochen haben soll. Ihr Va- ter und sie würden eine ausgesprochen gute Beziehung zu einander pflegen und sich sehr na- hestehen. Ihr Vater habe zudem anlässlich seiner Anhörung durch den gesamten Spruchkörper der KESB vom 17. April 2015 bestätigt, dass er die Be treuung durch sie fortsetzen möchte und keinen Beistand wünsche (Stellungnahme C.____ vom 22. Juni 2015). 3.4. Mit ihrer Stellungnahme vom 22. Juni 2015 vermo chte C.____ die vorhandenen offe- nen Fragen zu klären und ihre Geeignetheit für die Be treuung ihres Vaters nachzuweisen. Ebenso ist damit ihre Bereitschaft erstellt, die Aufga be der umfassenden Betreuung ihres Va- ters zu übernehmen. Dies, auch wenn die von ihr angestr ebte Gütertrennung ihrer Eltern (so- weit aktenkundig) bisher nicht vollzogen wurde, was künf tig insbesondere auch eine Zu- sammenarbeit ihrerseits mit dem von der KESB eingesetzte n Beistand ihrer Mutter, M.____, bedingen wird. Aus den Vorakten ergibt sich zudem, dass di e andere Tochter, G.____, und die Schwestern des Beschwerdeführers ebenfalls keine Einwände gegen die Betreuung des Be- schwerdeführers durch C.____ erheben und den Beschwerdeführer auch weiterhin unterstützen wollen. Damit erscheint die Unterstützung bzw. die Betreuung des Beschwerdeführers durch die Familie als genügend und es rechtfertigt sich, die beste hende Beistandschaft über den Be- schwerdeführer nunmehr aufzuheben. Demgemäss wird die Be schwerde gutgeheissen und der angefochtene Entscheid der KESB vom 24. April 2015 aufgehoben. 4. Betreffend die Rechtsbegehren Nr. 2a, 2b und 2c i st festzuhalten, dass entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers der superprovisorische Zusta nd mit der Aufhebung des angefochtenen Entscheids in der Sache nicht wieder aufl ebt. Diesbezüglich übersieht der Be- schwerdeführer, dass der superprovisorische Zustand mit dem instanzabschliessenden definiti- ven Entscheid in der Hauptsache bereits dahingefallen i st (vgl. dazu T HOMAS MERKLI /A RTHUR AESCHLIMANN /RUTH HERZOG , Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege des Kantons Bern, Bern 1997, Art. 28 N 5). 5.1. Gemäss § 20 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in de r Regel der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt, wobei den Vorinstanzen im Falle deren Unterliegens keine Kos- ten auferlegt werden. Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. 5.2. Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Beschwerdeführer b eantragt in seiner Honorarnote vom 20. Juli 2015 eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 22'526.10 (inkl. Auslagen und MWSt). Aus der eingereichten Honorarnote ergibt sich, dass die Rechtsvertreterin des Be- schwerdeführers sowie ein weiterer Anwalt der Kanzlei in sgesamt 4,5 Stunden zu Fr. 450.00 und 60,75 Stunden zu Fr. 300.00 erfasst haben. Gemäss § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (Tarifordnung) vom 17. Novemb er 2003 beträgt das Honorar Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 200.00 bis Fr. 350.00 pro Stunde, je nach Schwieri gkeit und Bedeutung der Sache, der da- mit verbundenen Verantwortung und der persönlichen und finanziellen Verhältnisse der zah- lungspflichtigen oder der auftraggebenden Person. Vo rliegend erscheint ein Stundenansatz in der Höhe von Fr. 250.00 angemessen. Der Honorarnote l ässt sich entnehmen, dass interne Besprechungen unter den Anwälten der Kanzlei resp. Kost en für einen weiteren Anwalt der Kanzlei erfasst wurden. Das Beiziehen von weiteren Anwäl ten kann nur ausnahmsweise ent- schädigt werden, z.B. wenn in einem rechtlich schwierige n Fall auf ganz besondere Fachkennt- nisse zurückgegriffen werden musste. Das ist vorliegend nicht der Fall, weshalb die Berücksich- tigung des Aufwands von 4,5 Stunden zu Fr. 450.00 ausser Betracht fällt. Ebenso enthält die Honorarnote Aufwendungen, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Beschwerde- verfahren vor Kantonsgericht entstanden sind (insbesonder e die Aufwendungen vom 8. Mai 2015 bis 13. Mai 2015). Die Beschwerdebegründu ng enthält zudem über weite Strecken Ausführungen zum Sachverhalt und Rügen, die bereits im vorangegangenen Verfahren und der damaligen Beschwerde der Rechtsvertreterin vorgebracht wurden. Weiter ist zu berücksichti- gen, dass die Rechtsvertreterin aus dem letzten Verfahren bereits Aktenkenntnis hatte. Vor die- sem Hintergrund erscheint der in der Honorarnote gelte nd gemachte Aufwand von 60,75 Stun- den als deutlich überhöht. In Anbetracht der genannte n Umstände und der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen erscheint ein Zeitaufwand für d as vorliegende Verfahren von maximal 30 Stunden als angemessen. Der Beschwerdeführer macht zu dem Auslagen in der Höhe von 3 Prozent des Honorars geltend. Eine derartige Berechnu ng der Auslagen widerspricht der gel- tenden Tarifordnung, welche vorsieht, dass Telefonauslagen, Porti und ähnliche Auslagen nach dem tatsächlichen Aufwand in Rechnung zu stellen sind (§ 16 Tarifordnung). Die Auslagen werden folglich nach Ermessen auf Fr. 50.00 festgeset zt. Dem Beschwerdeführer ist gestützt darauf eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesam t Fr. 8'154.00 (inkl. Auslagen und MWSt) zuzusprechen, welche der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 24. Apri l 2015 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ hat dem Be- schwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung in d er Höhe von Fr. 8'154.00 (inkl. Auslagen und MWSt) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiber Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht