Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. November 2017 (720 17 182 / 320) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ablehnung der IV-Rente; die IV-Stelle hat zu Recht auf das von ihr eingeholte polydiszip- linäre Gutachten abgestellt. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Andrea Scheidegger Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dieter Gysin , Advokat , Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1957 geborene A.____ arbeitete zuletzt als M aschinist bei der B.____ AG in X.____. Mit Eingang vom 10. April 2013 meldete er s ich unter Hinweis auf Schwindel, Gleich- gewichtsstörungen und eine psychische Störung bei d er Eidgenössischen Invalidenversiche- rung (IV) an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie Durch- führung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Ste lle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfü- gung vom 9. Mai 2017 einen Rentenanspruch aufgrund eines Invaliditätsgrades von 0 % ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.1 Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Dieter Gysin, substitu- iert durch Advokat Saif Al-Rubai, am 9. Juni 2017 Be schwerde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei die Ver- fügung vom 9. Mai 2017 vollumfänglich aufzuheben und e s sei ihm eine Invalidenrente auszu- richten. Eventualiter sei die Verfügung vom 9. Mai 2017 vollumfänglich aufzuheben und die Sa- che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung brachte er im Wesen tlichen vor, dass dem von der IV- Stelle eingeholten polydisziplinären Gutachten vom 15. September 2014 kein Beweiswert zu- komme. Sofern nicht auf die Einschätzung der behandeln den Ärzte abgestellt werde, sei ein neues polydisziplinäres Gutachten zu veranlassen. Überdies s ei bei der Ermittlung des Invalidi- tätsgrades ein leidensbedingter Abzug von 25 % zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er unter anderem um Bewilligung der unentgel tlichen Prozessführung und der unent- geltlichen Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter. B.2 Am 29. Juni 2017 reichte Advokat Al-Rubai eine erg änzende Beschwerdebegründung ein. Er macht geltend, dass den Gutachtern Berichte und Stellungnahmen der behandelnden Ärzte nicht weitergeleitet worden seien und weist darauf hin, dass dieses Vorgehen eine unvoll- ständige Prüfung des Sachverhalts sowie eine unvollständi ge Anamnese des polydisziplinären Gutachtens zur Folge gehabt hätte. Die unterlassene Weit erleitung dieser wesentlichen Be- weismittel sei darüber hinaus rechtlich als Willkür zu qualifizieren. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. September 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 6. Juli 2017 wies das Kantonsgerich t das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ab, bewilligte jedoch die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Al-Rubai als Rechtsvertreter. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 9. Juni 2017 ist einzutreten . 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt wurde. Massgebend ist der Sachverhalt, wie e r sich bis zum Erlass der angefochte- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen Verfügung vom 9. Mai 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.6 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, das heisst ohne Bindung an f örmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass d as Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Absc hätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Ein- schätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht da zu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellt en fachmedizinischen Experten ander- seits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Ad- ministrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschät zungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpr etation entspringende – Aspekte benen- nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un gewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Ab- klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die se Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im W esentlichen die folgenden medizi- nischen Unterlagen zu berücksichtigen: Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Dem Bericht vom 25. Februar 2014 der Klinik C.____ von Dr. med. D.____, FMH Phy- sikalische Medizin und Rehabilitation und Rheumatologie, ist zu entnehmen, dass der Be- schwerdeführer seit dem 20. Januar 2013 an Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Kopf- und lumbalen Rückenschmerzen rechts leide. Die angestammte Tätigkeit im Sägewerk (Arbeiten an der Säge) sei nicht mehr zumutbar. Der Patient sei hi erfür 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund der Selbstlimitierung während der physioergonomischen Test ung könne keine Aussage über die funktionelle Belastbarkeit getroffen werden. Es sei d avon auszugehen, dass bei gutem Effort eine bessere Leistung habe erbracht werden können, als bei den Leistungstests gezeigt worden sei. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den gering- fügigen objektivierbaren pathologischen Befunden aus som atischer Sicht nur ungenügend er- klären. Andererseits müsse bemerkt werden, dass aufgrund der gezeigten Reaktionen des Pa- tienten, seine Sicherheit an potentiell gefährlichen M aschinen (Sägewerk) nicht gegeben sei. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich deshalb w esentlich auf medizinisch-theoretische Überlegungen, unter Berücksichtigung der Beobachtung be i dem Leistungstest. Eine weiterge- hende Einschränkung der Belastbarkeit lasse sich medizinisch -theoretisch nicht begründen. Es sei davon auszugehen, dass der Patient für eine leichte bis mittelschwere Arbeit, sofern die Arbeitssicherheit garantiert werden könne, zu 100 % arbeitsfähig sei. 6.2 Im Rahmen des von der IV-Stelle eingeholten polydi sziplinären Gutachtens durch die Swiss Medical Assessment- and Business-Center AG (SMAB AG) vo m 15. September 2014 fand eine neurologische (Dr. med. E.____, FMH Neurolo gie), eine internistische (Dr. med. F.____, FMH Innere Medizin und Onkologie), eine psychiat rische (Dr. med. G.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie) und eine ORL-Untersuchung ( Dr. med. H.____, FMH Hals- und Gesichtschirurgie) statt. Die Gutachter hielten folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit fest: Status nach benignem paroxysmalen Lagerungsschwindel und Synkope seit Januar 2013; Beschwerdeausweitung und Selbstlimitierun g bei vorbestehendem benignen pa- roxysmalen Lagerungsschwindel; Verdacht auf Karpaltunnel syndrom beidseits; Hypertonie, welche unter Behandlung gut eingestellt sei; Übergewi cht sowie Hypakusis beidseits (Hochton- schwerhörigkeit). Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden keine Diagnosen gestellt. Aus neurologischer Sicht sei bis auf ein beidseits vermindertes Gehör alles im Normbereich. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die am 20. Januar 2 013 erlittene Bewusstlosigkeit synkopal zu interpretieren sei. Es sei zu einer erhebliche n funktionellen Überlagerung in Form einer gewissen Ängstlichkeit, einer vermehrten Müdigkei t sowie einer Schwäche mit einer Leis- tungsminderung gekommen. In Zusammenhang mit der Anam nese und der Untersuchung kön- ne dies aber nicht nachvollzogen werden, so dass differentialdiagnostisch eine zusätzliche funk- tionelle Komponente angenommen werden müsse. Bei den Faktoren, die zum Schwindel bei- tragen würden, könnte auch von neurologischer Seite her eine leichte, intermittierende verte- brobasiläre Insuffizienz eine Rolle spielen, indem bei extremeren Kopfbewegungen ein kurzer Schwindel vorkommen könne. Im Widerspruch zu den gemach ten Angaben des Versicherten stehe die Aussage, dass das Autofahren bei 60 km/h und w eniger keine Probleme bereite. Aus neurologischer Sicht finde sich keine Einschränkung für di e innegehabte Tätigkeit weder in quantitativer noch in qualitativer Hinsicht. Genauso b estehe aus rein internistischer Sicht kein Grund zu einer Minderung der Arbeitsfähigkeit. In psychi atrischer Hinsicht sei die Arbeitsfähig- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit medizinisch theoretisch ebenfalls nicht eingeschränkt. Es sei jedoch auf gewisse qualitative Einschränkungen auch bei funktionalem Schwindelbeschwer debild hinzuweisen. Es habe eine ängstlich katastrophisierende Erlebnisausformung seitens des Versicherten stattgefunden. Eine echte Somatisierungsstörung mit entsprechend pathologisch tiefenpsychologischem Hinter- grund oder langjährigen sozialen Belastungssituationen , auch eine entsprechende Persönlich- keitsakzentuierung, liege jedoch nicht vor. Der Versiche rte habe sich sonst affektiv unauffällig präsentiert und habe keine Einschränkungen bezüglich der kognitiven Muster, der Kontaktfä- higkeit oder der Ich-Funktion resp. Persönlichkeit geze igt. Eine psychiatrische Morbidität könne soweit ausgeschlossen werden. Es könne auch keine affektive Erkrankung festgestellt werden. Bei der ORL-Begutachtung habe schliesslich beim Versicher ten bei weitgehend unauffälligem ORL-Status ein vollständig normaler neurootologischer S tatus, inkl. symmetrischer Kalorik der peripher-vestibulären Organe gefunden werden können. Die Tonaudiometrie zeige eine sym- metrische Hochtonschwerhörigkeit, die wahrscheinlich gemischt durch eine beginnende Pres- byakusis und allenfalls lärmbedingt entstanden sei. Die vo m Versicherten beklagten Schwindel- beschwerden könnten aus ORL-Sicht nicht erklärt werden. Differenzialdiagnostisch müsse be- züglich des Schwindels an eine zervikogene oder funktionell e Genese gedacht werden. Für Tätigkeiten ohne Eigen- oder Fremdgefährdung sei der Versicherte aus ORL-Sicht 100 % ar- beitsfähig. Zusammengefasst gehen die Gutachter davon aus, dass keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der ursprünglichen Tätigkeit bei j etzt intaktem Gleichgewichtssystem festge- stellt werden könne. Qualitativ sei jedoch wegen des fu nktionalen Schwindelempfindens mit theoretisch nicht ganz auszuschliessender erhöhter Unfall gefahr von Arbeiten an exponierten, potentiell gefährlichen Stellen und an gefährlichen M aschinen abzuraten. Zusätzlich seien aus internistischer Sicht aufgrund der leichten Beschränkung der Beweglichkeit der rechten Schulter schwere körperliche Arbeiten und Überkopfarbeiten nach M öglichkeit zu unterlassen. Eine voll- zeitliche Tätigkeit von 8.5 Stunden pro Tag sei möglich. 6.3 Im Schreiben vom 16. Oktober 2014 nahm die SMAB A G zur nachgereichten Frage der IV-Stelle, ob die Einschätzung, dass wegen des funkti onalen Schwindelempfindens mit the- oretisch nicht ganz auszuschliessender erhöhter Unfallgef ahr von Arbeiten an exponierten, po- tentiell gefährlichen Stellen und an gefährlichen Maschinen abzuraten sei, auf die angestammte Tätigkeit als Maschinist/Fräser zutreffe. Ob diese Einsch ränkungen in der Tätigkeit als Maschi- nist/Fräser in einem grösseren Betrieb im konkreten Fal l umsetzbar seien, sei den Gutachtern nicht bekannt. Diesbezüglich müsste eine Arbeitsplatza bklärung erfolgen. Ohne eine solche sei es unmöglich, die Situation im konkreten Fall genauer zu beurteilen, weswegen die Formulie- rung der theoretisch nicht ganz auszuschliessenden Unfallg efahr gewählt worden sei. Die Fra- ge, wie der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit seit Beginn der attestierten Arbeitsunfähigkeit vom 20. Januar 2013 für die Tätigkeit als Maschinist/Fräser/S taplerfahrer und für behinderungsan- gepasste Tätigkeit beurteilt werden könne, müsse nach Abklärung der konkreten Arbeitsplatzsi- tuation beantwortet werden. 6.4 Dr. med. I.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, Re gionaler Ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), nahm im Schreiben vom 28. Januar 2015 zu m SMAB-Gutachten vom Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15. September 2014 Stellung. Er bestätigte, dass sowoh l für die bisherige Tätigkeit (sofern kei- ne Arbeiten an exponierten, potentiell gefährlichen S tellen und an gefährlichen Maschinen er- folgen) als auch für eine behinderungsangepasste Täti gkeit keine dauerhafte IV-relevante Ar- beitsunfähigkeit vorliege. Ausserdem bestätigte Dr. I.__ __, dass keine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit wegen eines Schlafapnoe-Syndroms bestehe. 6.5 Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, e rklärte im Schreiben vom 10. März 2015, dass beim Versicherten von einer 50 %-igen Arbeits fähigkeit auszugehen sei. Eine leich- te Tätigkeit sei ihm nicht vollumfänglich zumutbar, sondern bezogen auf den ganzen Tag nur im Umfang von 50 %. 6.6 Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom 7. August 2015 folgende Diagnose: eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), bestehend seit längerem, ein Status nach einem Sturz mit an- schliessenden Gleichgewichtsstörungen und längerer Hospitalisation im Jahr 2013. Die bisheri- ge Tätigkeit werde mit grosser Mühe zu 50 % weiterge führt. Aus psychiatrischer Sicht bestehe sogar eine über 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit. 6.7 Der RAD-Arzt Dr. I.____ führte in seiner Stellung nahme vom 11. August 2015 aus, dass sowohl in den ärztlichen Berichten von Dr. J.____ wi e auch in denjenigen von Dr. K.____ kein konkreter Bezug auf das SMAB-Gutachten vom 15. September 2014 bzw. dessen Schluss- folgerungen genommen worden sei. Die von Dr. J.____ a ngesprochene Problematik des Schwindels sei im Gutachten und auch durch Rückfragen an die Gutachter erkannt und berück- sichtigt worden. Sollte bei der bisherigen Tätigkeit e ine Arbeit an gefährlichen Maschinen un- umgänglich sein, könne von einer 100 %-igen Arbeitsu nfähigkeit ausgegangen werden. Unter somatischen Gesichtspunkten gebe es keine Begründung, di e Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu revidieren. 6.8.1 Dem Bericht vom 14. April 2016 von Dr. med. L._ ___, FMH Neurologie, sind folgende klinisch-neurologischen Befunde zu entnehmen: eine leicht e Visusverminderung beidseits bei Anhaltspunkten für Katarakt, eine Hörverminderung beid seits, ein leichtes Zervikalsyndrom oh- ne radikuläre Reizerscheinungen, eine Druckdolenz am Mast oid rechts und über den Tempo- ralarterien rechtsbetont, Anhaltspunkte für ein Karpal tunnelsyndrom beidseits mit begleitender Sensibilitätsverminderung sowie ein mässiges Lumbovertebralsyndrom ohne sichere radikuläre Reizerscheinungen, jedoch eine Sensibilitätsverminderung i m Dermatom L5 sowie S1 rechts sowie eine Unfähigkeit zum Blindstrichgang bei einem be drückt wirkenden Patienten. Der Pati- ent leide seit dem synkopalen Ereignis vom Januar 2013 b zw. seit dem Auftreten des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels an einer depressiven Sympto matik, wechselnden Be- schwerden des Bewegungsapparates bei wahrscheinlich vorbe stehenden degenerativen Ver- änderungen der Wirbelsäule, einer Schlafapnoe sowie mnestischen Funktionsstörungen. Unter chronischer Analgetika-Einnahme dürfte auch ein Medika mentenübergebrauchskopfschmerz entstanden sein. Zur Standortbestimmung seien eine EMG -Untersuchung hinsichtlich eines Karpaltunnelsyndroms beidseits sowie eine EEG-Untersuchung vorgesehen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.8.2 Im EMG-Bericht vom 25. April 2016 erklärte Dr. L.____, dass die elektroneurographi- schen Befunde ein starkes Karpaltunnelsyndrom beidseits mit Linksbetonung belegen würden. Die operative Dekompression des Nervus medianus sei beidse its angezeigt. Aus dem EEG- Bericht vom 25. April 2016 sei kein Herzbefund zu entneh men. Es würden weder Indizien für eine zerebrale Übererregbarkeit noch eine Vigilanzver minderung vorliegen. Bei der digitalen Überprüfung des Gesichtsfeldes habe keine Hemianopsie na ch rechts festgestellt werden kön- nen. 6.9 Im Ergänzungsschreiben vom 23. September 2016 hiel t der Hausarzt Dr. J.____ fest, dass der Versicherte mindestens 50 % arbeitsunfähig sei. Er habe seit eineinhalb Jahren neben den schon im März 2015 geschilderten somatischen Beschwerden tendenziell mehr psychische Probleme, weshalb er auch regelmässig bei Dr. K.____ in der Therapie sei. 6.10 Aus dem Bericht vom 26. September 2016 von Dr. K .____ ergibt sich, dass aus psy- chiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 30 % in ein er fast geschützten Tätigkeit beim ehe- maligen Arbeitgeber möglich sei. Der Versicherte leist e dort Hilfsarbeiten, da er nicht mehr in der Lage sei, andere Arbeiten auszuführen. Es bestehe eine 70 %-ige Arbeitsunfähigkeit so- wohl in der angestammten Tätigkeit als auch in einer Verweistätigkeit. 6.11 Am 11. Januar 2017 führte die SMAB AG aus, dass di e Beurteilung von Dr. J.____ vom 23. Juni 2016, wonach die Arbeitsfähigkeit des Ver sicherten 50 % betrage, nicht weiter begründet werde. Bei Fehlen neuer somatischer Aspekte w ürde deshalb an der Beurteilung im SMAB-Gutachten vom 15. September 2014 festgehalten un d dem Versicherten eine Arbeitsfä- higkeit von 100 % attestiert werden. Weiter stelle Dr. K.____ die Diagnose einer Depression, hier mittelgradige depressive Episode. Er halte den V ersicherten nur in einem geschützten Be- reich für einsatzfähig. Diese Einschätzung sei versicherun gsmedizinisch nicht nachvollziehbar. Selbst unter der Annahme einer depressiven Erkrankung, für die es in der Begutachtung keiner- lei Hinweise gegeben habe, wäre aus psychiatrischer Sicht e ine Teilarbeitsfähigkeit gegeben. Neu geschildert würden jetzt zusätzliche soziale Probleme , die den Versicherten möglicher- weise nachvollziehbar belasten würden. Versicherungsmedizi nisch und psychiatrisch würden diese jedoch korrekterweise nicht in die Beurteilung d er Arbeitsfähigkeit einfliessen. Eine de- pressive Erkrankung habe gutachterlich eindeutig ausgeschloss en werden können. Abschlies- send sei deshalb festzuhalten, dass auch aus psychiatrischer S icht auf die Beurteilung des SMAB-Gutachtens vom 15. September 2014 abgestützt werden könne. 6.12 Aus der psychiatrischen Stellungnahme vom 24. Januar 2017 durch den RAD-Arzt Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ergi bt sich, dass die Einwände des Versicherten, jene seiner Rechtsvertretung und seines Ps ychiaters von der begutachtenden Stelle fachkorrekt gewürdigt worden seien. Die IV-Stelle könne auf diese abstützen. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im We- sentlichen auf die Ergebnisse des SMAB-Gutachtens vom 1 5. September 2014. Demzufolge ging sie davon aus, dass dem Versicherten die Ausübung ei ner körperlich leichten bis mittel- schweren Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten und ohne Arbe iten an exponierten, potentiell gefähr- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Stellen sowie an gefährlichen Maschinen vollumfän glich zumutbar sei. Diese Beurteilung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien sind vorliegend nicht zu finden. Das SMAB-Gutachten vom 15. September 2014 wurde in Kennt nis der massgebenden Vorakten verfasst. Ebenso wurden eingehende Untersuchungen durchg eführt, wobei auf die geklagten Beschwerden eingegangen wurde. Das Gutachten vermittel t ein hinreichendes Bild über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Versiche rten, weshalb nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin auf dieses abstellte. 7.2 Daran vermögen auch die Vorbringen des Beschwerdef ührers nichts zu ändern. Soweit er geltend macht, das SMAB-Gutachten vom 15. Septemb er 2014 sei nicht vollständig, den Gutachtern seien Berichte und Stellungnahmen der beha ndelnden Ärzte nicht weitergeleitet worden und es werde eine abschliessende Beurteilung se ines Gesundheitszustandes verun- möglicht, kann ihm mit Blick auf die vorstehende Erwägung nicht gefolgt werden. Ebenso wenig vermögen die am 25. September 2014 von der IV-Stelle gestellten Rückfragen an die SMAB AG Zweifel am Gutachten zu begründen. Bei der Frage, inwiefern die von den Gutach- tern festgestellte Einschränkung der Leistungsfähigkeit d es Versicherten auf die angestammte Tätigkeit zutreffe, handelt es sich um keine für die versi cherungsmedizinische Beurteilung rele- vante Erkundigung. Der Hinweis der SMAB AG in ihrem Sch reiben vom 16. Oktober 2014, wo- nach eine Arbeitsplatzabklärung durchgeführt werden s ollte, aufgrund welcher die Beurteilung der Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Versicherten in der angestammten Tätigkeit hätte konkretisiert werden können, ändert am Beweiswert des G utachtens nichts. Wenn der Be- schwerdeführer ausserdem vorbringt, das SMAB-Gutachten vom 15. September 2014 sei zeit- lich überholt, weshalb ein aktuelles polydisziplinäres Gut achten einzuholen sei, ist ihm entge- genzuhalten, dass den Akten weder aus somatischer noch au s psychiatrischer Sicht Hinweise für eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustande s seit der Begutachtung im Sep- tember 2014 zu entnehmen sind. Dies gilt umso mehr, al s die SMAB AG gemäss Schreiben vom 11. Januar 2017 an ihrer Beurteilung im Gutachten vom 15. September 2014 festhält. Das Erstellungsdatum stellt folglich keinen Grund dar, nicht weiterhin auf das Gutachten abzustellen. Auch aus dem Umstand, dass die behandelnden Ärzte die me dizinische Einschätzung im Gut- achten nicht teilen, kann der Beschwerdeführer nichts zu se inen Gunsten ableiten. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass die Berichte de r behandelnden Ärzte nach der Rechtsprechung aufgrund der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbe- halt zu würdigen sind (vgl. E. 4.3 hiervor). Die untersch iedliche Beurteilung ergibt sich aus der Divergenz zwischen Behandlungs- und Abklärungsauftrag. Dahe r kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu u nterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil vom 4. März 2013, 9C_794/2012, E. 4 .2 mit Hinweisen). Dies gilt vorliegend umso mehr, als sowohl Dr. J.____ als auch Dr. K.____ in ihren Berichten keine Aspekte benen- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder u ngewürdigt geblieben wären. Gleiches gilt im Übrigen auch in Bezug auf die bestehende Schl afapnoe und das Karpaltunnelsyndrom beidseits mit Linksbetonung. Selbst wenn der Beschwerdef ührer vorbringt, dass diese Be- schwerden von den Gutachtern zu wenig gewürdigt worden seien, ist ihm entgegenzuhalten, dass sowohl das Karpaltunnelsyndrom sowie die Schlafapnoe die Arbeitsfähigkeit nicht wesent- lich beeinflussen und dies im SMAB-Gutachten vom 15. S eptember 2014 bestätigt wurde. So- mit bestehen keine Zweifel an der Beurteilung der me dizinischen Sachlage durch die SMAB AG. 7.3 Vor diesem Hintergrund durfte die Vorinstanz in a ntizipierter Beweiswürdigung (BGE 137 V 64 E. 5.2; 136 I 229 E. 5.3) – ohne geg en den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) zu verstossen – auf weitere medizinische Abkläru ngen verzichten, weil davon keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse zu erwarten waren (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 17. August 2015, 8C_209/2015, E. 6.3.2). Un ter diesen Umständen ist die IV-Stelle zu Recht davon ausgegangen, dass der Versicherte sowohl in der bisherigen Tätigkeit, sofern keine Arbeiten an exponierten, potentiell gefährliche n Stellen und an gefährlichen Maschinen erfolgen, als auch in einer Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. 8. Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 9. Mai 2017 einen Einkommens- vergleich vorgenommen und dabei einen Invaliditätsgrad von 0 % ermittelt. Die konkrete Be- rechnung, die vom Beschwerdeführer in der vorliegenden Beschwerde im Grundsatz nicht be- anstandet wird, erweist sich auch nach einer gerichtliche n Überprüfung als rechtens. Wenn der Beschwerdeführer beanstandet, dass kein Abzug vom Tabelle nlohn vorgenommen worden sei, ist ihm entgegenzuhalten, dass selbst bei einem maximalen Abzug von 25 % kein Leistungsan- spruch resultieren würde. Ob ein leidensbedingter Abzu g vom Tabellenlohn gewährt werden sollte, kann daher offen gelassen werden. Demnach hat d ie Beschwerdegegnerin in ihrer Ver- fügung vom 9. Mai 2017 zu Recht festgestellt, dass kein A nspruch auf eine Invalidenrente be- steht. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV-S telle in der angefochtenen Verfügung vom 9. Mai 2017 einen Rentenanspruch des Ver sicherten zu Recht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Die Verfahrenskosten in der Hö- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht he von Fr. 800.-- werden mit dem von ihm geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.-- verrech- net. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 6. Juli 2017 die unentgeltliche Verbeistän- dung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist d ieser für seine Bemühungen aus der Ge- richtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordn ung für die Anwältinnen und An- wälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwer deführers hat in seiner Honorarnote vom 18. August 2017 für das vorliegende Verfahren ein en Zeitaufwand von 10.75 Stunden und Auslagen von Fr. 106.70 geltend gemacht, was umfangmässi g angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘437.25 (10.75 Stunden à Fr. 20 0.-- und Auslagen von Fr. 106.70 zuzüg- lich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt, welche mit dem geleisteten Ko stenvor- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet werden. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar von Fr. 2‘437.25 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gericht skasse aus- gerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht