<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament eine Änderung des Sprachengesetzes vom 5. Oktober 2007 (SR 441.1) zu unterbreiten, sodass die wichtigsten schweizerdeutschen Dialekte als Regionalsprachen anerkannt werden und diese Dialekte der Liste der Regional- oder Minderheitensprachen der Europäischen Charta von 1992 angefügt werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Artikel 4 der Bundesverfassung nennt die vier Landessprachen. Die Bestimmung sagt nicht, was genau mit "Deutsch" gemeint ist. Es herrscht in der Lehre jedoch Übereinstimmung darin, dass der Begriff der Landessprachen in der Bundesverfassung generell und umfassend zu verstehen ist: Gemeint sind alle Formen der vier erwähnten Sprachen, die schriftlichen und die mündlichen, einschliesslich der verschiedenen Idiome und Dialekte (siehe M. Borghi, Langues nationales et langues officielles, in D. Thürer, J.-F. Aubert, J.P. Müllert, Hrsg., Verfassungsrecht der Schweiz, Zürich 2001, S. 594).</p><p>Es besteht kein Zweifel daran, dass die schweizerdeutschen Dialekte Ausprägungen der deutschen Sprache sind. Damit sind alle Deutschschweizer Mundarten verfassungsrechtlich anerkannt und geschützt. Sie sind auch im Sprachengesetz vom 5. Oktober 2007 immer mitgemeint, wo das Deutsche gemeint ist, ausser wenn das Gesetz dies ausdrücklich ausschliesst, wie zum Beispiel in Artikel 5 Absatz 2 ("Die Bundesbehörden verwenden die Amtssprachen in ihrer Standardform.")</p><p>Die Motion möchte überdies, dass die Deutschschweizer Dialekte als Regional- oder Minderheitensprachen in die Sprachenlisten der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen vom 5. November 1992 aufgenommen werden. Artikel 1 Buchstabe a der Charta definiert den Begriff der Regional- oder Minderheitensprachen. Demnach ist eine Regional- oder Minderheitensprache eine Sprache, die sich von den Amtssprachen des betreffenden Staates unterscheidet, und es darf sich nicht um einen Dialekt der Amtssprache des Staates handeln. Demnach können die schweizerdeutschen Dialekte nicht als Regional- oder Minderheitensprachen im Sinne der Charta gelten, denn sie sind Ausprägungen der deutschen Sprache und Dialekte des als Landes- und Amtssprache anerkannten Deutschen.</p><p>Die Anerkennung des Jenischen als "nicht territorial gebundene Sprache" ist auf Artikel 1 Buchstabe c der Charta abgestützt.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.