2016 Verwaltungsrechtspflege 323 52 Ausstand - Für die Mitglieder beratender Kommissionen gelten die Ausstands - regeln des VRPG. Sie wirken an der Vorbereitung des Entscheids mit und fallen somit unter den Anwendungsbereich von § 16 VRPG. - Anwendungsfall: Im Unterschutzstellungsverfahren von Baudenk- mälern gemäss § 27 VKG darf der Bauberater der Gesuchstellerin nicht gleichzeitig in der Kommission für Denkmalpflege und Archäologie mitwirken. Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 16. August 2016 in Sachen Einwohnergemeinde A. gegen Regierungsrat (WBE.2015.427). 53 Beschwerdebefugnis/Legitimation Beschwerdebefugnis der (Einwohner-)Gemeinde in Bausachen Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 17. August 2016 in Sachen A. AG, B. GmbH und C. AG gegen Departement Bau, Verkehr und Umwelt sowie Gemeinderat D. (WBE.2015.502, Beschwerdeverfahren I) und in Sachen Einwohnergemeinde D. gegen Departement Bau, Verkehr und Um - welt sowie Gemeinderat D. (WBE.2015.503, Beschwerdeverfahren II). Aus den Erwägungen I. 1. (...) 2. 2.1. Gemäss § 42 VPRG ist zur Beschwerde befugt a) wer ein schutzwürdiges eigenes Interesse an der Aufhebung oder der Ände - rung des Entscheids hat, b) jede andere Person, Organisation oder Behörde, die durch Bun desrecht oder kantonales Recht zur Be - schwerde ermächtigt ist. 324 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2016 2.2. (...) 2.3. Fraglich ist hingegen, ob auch der Gemeinderat zur Beschwerde befugt ist (Beschwerdeverfahren II [WBE.2015.503]). Eine Konstellation im Sinne von § 42 lit. b VRPG (spezifische Ermächti - gung durch Bundesrecht oder kantonales Recht) liegt vorab nicht vor. Es ist deshalb zu prüfen, ob die Beschwerdebefugnis gestützt auf § 42 lit. a VRPG gegeben ist. Der Gemeinderat bringt vor, als Adres- sat sei er vom angefochtenen Entscheid di rekt betroffen, und er werde in seiner noch vorhandenen Gemeindeautonomie beschnitten, weshalb er beschwerdeberechtigt sei. Nach der Praxis kann sich auch eine (Einwohner-)Gemeinde auf § 42 lit. a VPRG (bzw. früher § 38 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspfle- gegesetzes vom 9. Juli 1968 [aVRPG]) berufen. Gleich wie beim pri- vaten Beschwerdeführer ist vorausgesetzt, dass sie ein schutzwürdi - ges eigenes Interesse geltend machen kann. Die öffentlichen Interes - sen einer (Einwohner-)Gemeinde sind eigene, wenn sie dem spezifi - schen lokalen Lebensbereich entspringen; gemeint sind jene Belange, welche die Gemeindeeinwohner erheblich anders als die Kantonsein- wohner im Allgemeinen berühren (vgl. AGVE 1989, S. 305 f.; 1988, S. 373; 1986, S. 322; VGE III/18 vom 2. März 2009 [WBE.2006.430], S. 4; je mit Hinweisen). Nach ständiger Rechtspre- chung des Verwaltungsgerichts ist die Einwohnergemeinde (bzw. der Gemeinderat) in Bausachen nur dann zur Be schwerde befugt, wenn die kantonale Instanz entgegen der gemeinderät lichen Verfügung eine Baubewilligung erteilt hat – weil dies zu Veränderungen in der Gemeinde führt, welche der Gemeinderat für unzulässig hält – (vgl. AGVE 1989, S. 306; 1986, S. 322; VGE III/5 vom 23. Januar 2014 [WBE.2013.113], S. 3; VGE III/18 vom 2. März 2009 [WBE.2006.430], S. 5; MICHAEL MERKER, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Kom mentar zu den §§ 38-72 [a]VRPG, Diss., Zürich 1998, § 38 N 206), nicht hingegen, wenn eine Baubewilligung des Gemeinderats aufgehoben wird, w eil dann die Situation der Gemeinde, wenn der Baugesuchsteller auf ein Rechts - mittel verzichtet, nicht anders ist, als wenn überhaupt kein Bauge -2016 Verwaltungsrechtspflege 325 such eingereicht worden wäre (AGVE 1989, S. 306 mit diversen Hinweisen; MERKER, a.a.O., § 38 N 206). Es beste ht im vorliegen - den Fall kein Grund, von dieser Rechtsprechung abzuweichen. Selbst wenn die Bau bewilligung im Beschwerdeverfahren nämlich erteilt wird, hat die Gemeinde kein Mittel, die Ausführung der Baute durch- zusetzen; dies hängt völlig vom Willen des Baugesuchstellers ab (bei dem angenommen wer den kann, er ergreife selbst ein Rechtsmittel, wenn er fest entschlossen ist zu bauen, so dass es in dieser Situation gar keiner eigenen Beschwer delegitimation der Gemeinde bedarf). Es bleibt deshalb immer ungewiss, ob die Gemeinde die angestrebten Auswirkungen ihrer Beschwerde über haupt erreichen kann. Ausser - dem hat sie, wenn sie die Bautätigkeit för dern will, dies durch gene - rell anwendbare und wirksame Massnahmen zu tun. Die besonders intensive Unterstü tzung eines Bauwilligen im Einzelfall – auch in prozessualer Hinsicht – erfüllt diese V oraussetzung nicht; sie ist nicht allgemein vorgesehen und kann es auch nicht sein, weil dies darauf hinausliefe, dass die Gemeinde in jedem Fall prozessiert, wenn sie vor der Beschwerdeinstanz nicht recht erhalten hat, also letztlich aus reiner Rechthaberei. Zudem bestünde bei derartigem Handeln im Einzelfall die erhebliche Gefahr objektiv nicht begründbarer Ungleichbehandlung (AGVE 1989, S. 307). V orliegend hob die Vorinstanz die Baubewilligung des Gemein- derats auf, und zwar gestützt auf verschiedene kantonale Bauvor - schriften, deren Anwendung sie frei überprüfen durfte und musste (namentlich kantonale Definitionen/Begriffe bzw. Messweisen im Zusammenhang mit Gescho ssigkeit/Terrassierung und Gebäude - länge, aber auch Strassenabstands vorschriften und Frage, ob die V oraussetzungen für Ausnahmebewilligungen erfüllt sind). Soweit es um die Anwendung und Auslegung kantonaler Bestimmungen geht, kann sich die Gemeinde auch nicht auf ihre Autonomie berufen. Ent- sprechend den vorstehenden Ausführung ist die Ein wohnergemeinde (als deren Organ der Gemeinderat handelt) in einer sol chen Konstellation nicht befugt, den Entscheid ans Verwaltungsgericht weiterzuziehen. Auf die Beschwerde im Beschwerdeverfahren II (WBE.2015.503) ist demgemäss nicht einzutreten. 326 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2016 Obergericht, Abteilung Zivilgericht 2016 Zivilrecht 329 I. Zivilrecht (Zivilgesetzbuch) A. Familienrecht 54 Art. 450c ZGB, Art. 315 Abs. 4 lit. b und Art. 315 Abs. 5 ZPO, Art. 319 ZPO Die Anordnung des Entzugs der aufschiebenden Wirkung zusammen mit dem Hauptentscheid ohne schriftliche Begründung nur im Dispositiv z u eröffnen, so dass dagegen bis zur nachträglichen Zustellung der Begrün - dung der Beschwerdeweg ausgeschlossen wird, ist in Kindesschutzverfah- ren mit dem verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör nicht vereinbar. Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes - und Erwachsenenschutz, vom 14. Juni 2016 i.S S. M. (XBE.2016.34). Aus den Erwägungen 2. 2.1. In Ziffer 9. des Entscheiddispositivs wurde einer allfälligen Be - schwerde die aufschiebende Wirkung entzogen. Damit wurde die ge- setzliche Regelung, wonach grundsätzlich die aufschiebende Wir - kung gilt (Art. 450c ZGB), abgeändert mit der Konsequenz, dass der Entscheid sofort vollsteckbar wurde, schon bevor nachträglich die Begründung zugestellt wird. Damit stellt sich die Frage, wie die Zwangsvollstreckung in der Zeitspanne zwischen der Eröffnung im Dispositiv und der Zustellung der nachträglichen Begründung über - prüft werden kann. Diese Frage stellt sich analog auch für die V oll - streckbarkeit von vorsorglichen Massnahmen insbesondere wenn es um die Regelung der Obhut geht. Allerdings unterscheidet sich die gesetzliche Ausgangslage insofern, als die Berufung gegen vorsorg - liche Massnahmen generell keine aufschiebende Wirkung hat und die V ollstreckung ausnahmsweise aufgeschoben werden kann, wenn der