B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-3013/2017 U r t e i l v o m 1 9 . J u l i 2 0 1 7 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. Parteien A._______, geboren am ..., Afghanistan, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 12. Mai 2017 / N (…). F-3013/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer versuchte erstmals am 5. Januar 2017 mit einem Reisebus von Frankreich kommend in die Schweiz einzureisen. Anlässlich der Zollkontrolle vermochte er weder ein gültiges Reisedokument noch ein Visum oder einen Aufenthaltstitel vorzuweisen. Auf entsprechenden Vor- halt gab er gegenüber dem Grenzwachtkorps in Basel an, er sei auf dem Weg in die Schweiz, einen näheren Grund dafür gebe es nicht. Als Ge- burtsdatum nannte er den (…). Gegen den Beschwerdeführer wurde vom Grenzwachtkorps umgehend eine Wegweisung mit sofortiger Wirkung er- stellt und er wurde nach Frankreich zurückgewiesen (Akten der Vorinstanz [SEM act.] A1). B. Am 22. April 2017 wurde der Beschwerdeführer in Zürich polizeilich ange- halten und kontrolliert. Er war nicht in der Lage, seine Identität zu belegen. Als Geburtsdatum gab er den (…) an (SEM act. A7). Der Beschwerdeführer suchte gleichentags um Asyl in der Schweiz nach. Auf dem gemäss einem Vermerk selbständig ausgefüllten Personalienblatt wiederholte er als Ge- burtsdatum den (…) (SEM act. A2). C. Ein am 24. April 2017 vom SEM durchgeführter Abgleich der Fingerabdrü- cke mit der Zentraleinheit Eurodac ergab, dass der Beschwerdeführer am 9. November 2015 in Norwegen und am 13. Januar 2017 in Frankreich ein Asylgesuch eingereicht hatte (SEM act. A5). D. Eine vom SEM in Auftrag gegebene Handknochenanalyse vom 26. April 2017 ergab ein Knochenalter des Beschwerdeführers von achtzehn Jahren (SEM act. A11). E. Der Beschwerdeführer wurde am 3. Mai 2017 zur Identität, zum Reiseweg und summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP] SEM act. A13). Dabei trug er unter anderem vor, er sei nach irani- schem Kalender im Jahr (...) geboren, den Tag und den Monat seiner Ge- burt kenne er hingegen nicht (Anmerkung BVGer: das Jahr (...) entspricht im gregorianischen Kalender dem Zeitraum von 20. März 2000 bis 20. März […]; vgl. ˂http://www.nabkal.de/kalrechiran.html˃; Website besucht im Juli 2017). Er habe sein Heimatland vor etwa zwei Jahren verlassen und sich F-3013/2017 Seite 3 in der Folge unter anderem in Norwegen und Frankreich aufgehalten, wo er je ein Asylgesuch eingereicht habe. F. Ebenfalls am 3. Mai 2017 fanden Nachbefragungen statt, in deren Rahmen das SEM dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu einer Zuständig- keit Norwegens oder Frankreichs zur Durchführung des Asyl- und Wegwei- sungsverfahrens gewährte und ihn darüber orientierte, dass davon auszu- gehen sei, er habe seine Minderjährigkeit nicht glaubhaft machen können, weshalb er für das weitere Verfahren als volljährig betrachtet werde (SEM act. A14, A16). G. Am 8. Mai 2017 ersuchte das SEM die norwegischen Behörden um Wie- deraufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver- ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim- mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats- angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die norwegischen Behörden hiessen das Gesuch mit Schreiben vom 9. Mai 2017 gut. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, der Beschwerdeführer habe in Norwegen am 7. November 2015 um Asyl ersucht. Er sei als minderjäh- rig registriert und erachtet („registered and considered“) worden. Als des- sen Geburtsdatum führten sie den (…) an. Der Beschwerdeführer habe am 30. November 2016 von Norwegen einen negativen Entscheid erhalten, gegen welchen er Beschwerde erhoben habe. Das Beschwerdeverfahren sei nach wie vor hängig. Der Beschwerdeführer gelte seit 4. Januar 2017 als vermisst. Norwegen habe ein Gesuch der französischen Behörden vom 17. Januar 2017 um dessen Rückübernahme gutgeheissen (SEM act. 21- 24). H. Mit Verfügung vom 12. Mai 2017 – eröffnet am 24. Mai 2017 – trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig forderte es ihn auf, die Schweiz (spätestens) am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, an- sonsten er in Haft gesetzt werden könne. Weiter verpflichtete die Vor - instanz den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, hän-F-3013/2017 Seite 4 digte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Akten- verzeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen an, der Abgleich der Fin- gerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac weise nach, dass der Be- schwerdeführer am 9. November 2015 in Norwegen ein Asylgesuch einge- reicht habe. Die norwegischen Behörden hätten das Übernahmeersuchen des SEM gutgeheissen, womit die Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens an Norwegen übergegangen sei. Mit seinen Einwänden könne der Beschwerdeführer die solchermassen fest- gestellte Zuständigkeit nicht widerlegen. Das SEM habe aufgrund erhebli- cher Zweifel an der von ihm behaupteten Minderjährigkeit eine Handkno- chenanalyse zur Altersbestimmung veranlasst, welche ein Knochenalter von mehr als 18 Jahren ergeben habe. Der Beschwerdeführer könne das geltend gemachte Alter mit keinerlei Identitätspapieren belegen. Zudem seien seine Angaben zum Geburtsdatum, seiner Schulbildung und seinen sozialen Beziehungen widersprüc hlich, ungenau und unsubstantiiert. Er werde deshalb als volljährige Person behandelt. Es lägen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass sich Norwegen nicht an seine völkerrechtli- chen Verpflichtungen halten und das Asyl - und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde. Somit sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstellung nach Norwegen gravieren- den Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre, in eine existenzielle Notlage geraten oder ohne P rüfung ihres Asyl- gesuchs und unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Hei- mat- respektive Herkunftsstaat überstellt würde. Es lägen zudem keine Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vor, die die Schweiz verpflich- ten würden, sein Asylgesuch zu prüfen. Ferner seien auch keine Gründe für einen Selbsteintritt der Schweiz gegeben. I. Mit Eingabe vom 26. Mai 2017 (Datum des Poststempels) reichte der Be- schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und be- antragte, die vorinstanzliche Verfügung vom 12. Mai 2017 sei aufzuheben und es sei die Flüchtlings eigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu ge- währen. Weiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisu ng un- durchführbar sei und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In pro- zessualer Hinsicht beantragte er, es sei ih m unter Verzicht auf die Erhe-F-3013/2017 Seite 5 bung eines Kostenvorschusses die unentgeltliche Prozessführung zu ge- währen und ein amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen. Die aufschiebende Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen. Zur Begründung seines Rechtsmittels macht der Beschwerdeführer gel- tend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, er sei volljährig . In Nor- wegen sei eine Knochenanalyse durchgeführt worden und er sei als Min- derjähriger registriert worden. Das SEM habe dies jedoch nicht berücksich- tigt. Aufgrund seiner Minderjährigkeit sei die Schweiz verpflichtet, sein Asylgesuch zu prüfen. Er dürfe nicht nach Norwegen weggewiesen wer- den, wo ihm eine Abschiebung nach Afghanistan drohe. J. Der Instruktionsrichter setzte den Vollzug der Überstellung mit superprovi- sorischer Massnahme vom 2. Juni 2017 einstweilen aus (Art. 56 VwVG). K. Mit Zwischenverfügung vom 8. Juni 2017 räumte der Instruktionsrichter der Beschwerde aufschiebende Wirkung ein. Gleichzeitig forderte er den Be- schwerdeführer auf, seine Mittellosigkeit zu belegen und verschob den Ent- scheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung auf einen späteren Zeitpunkt. Das Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Rechtsverbeiständung wies er ab. Die Zwischenverfügung wurde von der Post mit dem Vermerk „Nicht abge- holt“ an das Gericht retourniert. L. In seiner Vernehmlassung vom 16. Juni 2017 beantragte das SEM die Ab- weisung de r Beschwerde. Der Beschwerdeführer habe sich gegenüber dem Grenzwachtkorps und der zuständigen Kantonspolizei bzw. dem EVZ widersprüchlich bezüglich seines Geburtsdatums und -jahres geäussert und in der BzP angegeben, sein Geburtsdatum nicht zu kennen. Die von ihm angeführte Begründung dafür sei ebenso unglaubhaft. Auch sei nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer zwar im Besitz einer Tazkera gewe- sen sei, jene Angaben jedoch ausser Acht gelassen und sein Geburtsjahr einer Notiz im elterlichen Koran entnommen habe. Der Beschwerdeführer habe das geltend gemachte Alter nicht mit amtlichen Ausweispapieren be- legen oder deren Fehlen plausibel begründen können. Zudem habe er un- genaue und unsubstantiierte Angaben zu seinen sozialen Beziehungen und seiner Bildungsl aufbahn gemacht. Eine Handknochenanalyse habe F-3013/2017 Seite 6 am 26. April 2017 ein Knochenalter von 18 Jahren ergeben, wobei keine Gründe für ein von der Norm abweichendes Knochenwachstum vorliegen würden. Die geltend gemachte Minderjährigkeit sei deshalb unglaubhaft. Es sei fragwürdig, ob die norwegischen Behörden den Beschwerdeführer tatsächlich als minderjährig erachten würden. Vor dem Hintergrund von Art. 8 Abs. 4 Dublin -III-VO sei vielmehr anzunehmen, dass die norwegi- schen Behörden das Wiederaufnahmeersuchen der französischen Behör- den wie auch jenes der schweizerischen Behörden abgelehnt hätten, wäre der Beschwerdeführende in Norwegen tatsächlich als minderjährig regis- triert. Ein diesbezügliches Informationsersuchen an die norwegischen Be- hörden hätte Art. 34 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO verletzt, diene der Informa- tionsaustausch zwischen Mitgliedstaaten laut der genannten Regelung doch der „Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates“. Vorliegend sei je- doch der zuständige Mitgliedstaat zum Zeitpunkt des Hinweises der nor- wegischen Behörden, wonach der Beschwerdeführer als Minderjähriger er- achtet werde, mit der Gutheissung des Wiederaufnahmeersuchens bereits bestimmt gewesen. Die Information der norwegischen Behörden zur Min- derjährigkeit entbehre der notwendigen Nachvollziehbarkeit und Verifizier- barkeit, um den Beschwerdeführer entgegen den eigenen Erkenntnissen als minderjährig zu erachten. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer in Norwegen, Frankreich und schliesslich in der Schweiz um Asyl ersucht und damit gegen das Ziel des Dublin-Verfahrens, Mehrfachgesuche zu vermei- den, verstossen habe. Unbegleiteten Minderjährigen sei als besonders ge- fährdeten Personen ein rascher Zugang zur inhaltlichen Prüfung des Asyl- antrags zu gewährleisten. Eine inhaltliche Prüfung des Asylantrags des Be- schwerdeführers sei durch die norwegischen Behörden vorgenommen worden. M. In der Replik vom 30. Juni 2017 hielt der Beschwerdeführer daran fest, sein genaues Geburtsdatum nicht zu kennen. Sein Geburtsjahr (...) sei aber im Koran vermerkt gewesen und seine Mutter habe ihm gesagt, er sei im (…) geboren, nach europäischem Kalender somit etwa im Zeitraum (…). Er habe am 6. Januar 2017 dem Grenzwachtkorps angegeben, er sei … Jahre alt, und am 22. April 2017 habe er der Polizei mitgeteilt, er sei … Jahre alt. Beide Altersangaben seien korrekt. Das Grenzwachtkorps und die Polizei hätten von sich aus den „1. Januar“ zum Geburtsjahr hinzugefügt. Die Handknochenanalyse sei mit Abweichungen von bis zu drei Jahren be- kanntlich sehr ungenau. Sie dürfe daher zur Altersanalyse nicht herange- zogen werden. Er besitze eine Tazkera, welche sich in Afghanistan befinde. Da er seit 2015 ohne Kontakt zu seiner Familie sei – diese lebe in einem F-3013/2017 Seite 7 kleinen Ort ohne Internet und Telefonnetz – sei es ihm unmöglich, diese zu beschaffen. In Norwegen sei ein Alterstest mit ihm gemacht worden. In der Folge sei er zwar als minderjährig, jedoch ohne sein Einverständnis mit dem Geburtsdatum (…) registriert worden. Er verstehe nicht, weshalb das SEM unter den gegebenen Umständen einen Abschnitt in seiner Vernehm- lassung mit „Zur bei den norwegischen Behörden registrieren Volljährig- keit“ betitle und weshalb es mit den norwegischen Behörden keinen Infor- mationsaustausch vorgenommen habe. Bei einer Durchführung des Asyl- verfahrens in der Schweiz könnte er zumindest eine vorläufige Aufnahme erwarten. Eine Wegweisung nach Afghanistan , wie Norwegen dies vor- sehe, würde demgegenüber eine Gefährdung an Leib und Leben bedeu- ten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – unter Vor- behalt der nachstehenden Erwägungen – einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). F-3013/2017 Seite 8 3.2 Die Begehren auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Gewährung von Asyl bzw. Anordnung der vorläufigen Aufnahme gehen über den zuläs- sigen Streitgegenstand hinaus. Auf die diesbezüglichen Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe ist daher nicht weiter einzugehen und insoweit auf die Beschwerde nicht einzutreten. 4. 4.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG tritt das SEM auf ein Asylgesuch in der Regel nicht ein, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah- rens staatsvertraglich zuständig ist. Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien nach der Dublin-III-VO. 4.2 Jeder Antrag wird von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird (Ar t. 3 Abs. 1 Satz 2 Dublin-III-VO). 4.3 Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskri- terien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Si- tuation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in ei- nem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin -III- Verordnung, Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 2014, K4 zu Art. 7). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2.1 m.w.H.). 4.4 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an- deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO). 4.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn F-3013/2017 Seite 9 er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts- recht). 5. 5.1 Der Beschwerdeführer hat sich vor seiner Einreise in die Schweiz un- bestrittenermassen in Norwegen aufgehalten, wo er ei n Asylverfahren durchlaufen hat. Bei dieser Sachlage ersuchte das SEM die norwegischen Behörden zu Recht um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Es ist dem SEM in diesem Zusam- menhang beizupflichten, dass angesichts der widersprüchlichen und daher unglaubhaften Altersangaben des Beschwerdeführers (vgl. dazu nachste- hend E. 5.6) trotz dessen Hinweise auf eine in Norwegen angeblich durch- geführte Handknochenanalyse und registrierte Minderjährigkeit keine zwin- gende Veranlassung für ein diesbezügliches Informationsersuchen an Nor- wegen bestand. Indem die norwegischen Behörden das Ersuchen um Wie- deraufnahme des Beschwerdeführers innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III- VO vorgesehenen Frist guthiessen, anerkannten sie die Zuständigkeit Nor- wegens ausdrücklich (Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO). Die grundsätzliche Zu- ständigkeit Norwegens ist damit gegeben. 5.2 Das Zuständigkeitskriterium gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO hat indessen dann zurückzutreten, wenn von der Minderjährigkeit des Be- schwerdeführers auszugehen ist. Gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO ist im Falle eines unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre Anknüpfungs- punkte jener Staat zuständig, in welchem der Minderjährige seinen Antrag gestellt hat. Unbegleitete Minderjährige sind von Wiederaufnahmeverfah- ren ausgenommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8; Urteil des BVGer D -3534/2017 vom 28. Juni 2017 S. 9). Es ist demnach im Folgenden zu prüfen, ob die Vorinstanz zutreffend von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen ist. 5.3 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken; insbesondere müssen sie ihre Identität offenlegen und Reise- papiere sowie Identitätsausweise abgeben (Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Die asylsuchende Person trägt grundsätzlich die Beweislast für die von ihr behauptete Minderjährigkeit (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.2). Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung aller Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangabe sprechen, vorzunehmen (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.4). Bei Fehlen rechtsgenüg-F-3013/2017 Seite 10 licher Identitätsausweise kann im Rahmen der Feststellung des Sachver- halts mit Unterstützung wissenschaftlicher Methoden – beispielsweise Knochenaltersanalysen (Art. 17 Abs. 3bis AsylG) – abgeklärt werden, ob die Altersangabe der asylsuchenden Person dem tatsächlichen Alter ent- spricht (Art. 7 Abs. 1 AsylV 1). Die asylsuchende Person hat bei der ent- sprechenden Sachverhaltsfeststellung mitzuwirken. 5.4 Die r adiologische Untersuchung vom 26 . April 201 7 ergab ein Kno- chenalter des Beschwerdeführers von achtzehn Jahren (SEM act. A11 ). Der Unterschied zu dem vo m Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Durch- führung der Handknochenanalyse angegeben Alter (…) beträgt somit rund (…) Jahre. Zwar lassen die Ergebnisse einer radiologischen Untersuchung keine sicheren Schlüsse auf die Voll - oder Minderjährigkeit zu. Auch wei- sen sie generell nur einen beschränkten Aussagewert zur Bestimmung des tatsächlichen Alters auf, insbesondere dann, wenn – wie vorliegend – das behauptete Alter mit dem festgestellten Knochenalter um weniger als drei Jahre variiert (vgl. EMARK 2000 Nr. 19, bestätigt u.a. in EMARK 2000 Nr. 28, 2001 Nr. 23, 2004 Nr. 30). Dem Ergebnis der vorliegenden Hand- knochenanalyse kommt somit zwar kein erhöhter Beweiswert zu, aber es bildet ein Indiz für eine unzutreffende Altersangabe de s Beschwerdefüh- rers respektive seine mögliche Volljährigkeit und ist in eine Gesamtabwä- gung sämtlicher Indizien in Bezug auf das Alter einzubeziehen. 5.5 Der Beschwerdeführer hat keine Identitätspapiere eingereicht. Bei der BzP führte er aus, er habe zwar eine Tazkera besessen, diese aber auf seiner Reise verloren. Es sei ihm nicht möglich, ein Papier zu beschaffen (SEM act. A13 S. 9). Damit nicht vereinbar sind seine Vorbringen i m Be- schwerdeverfahren. In seiner Replik legte er dar, eine Tazkera zu haben, diese befinde sich in Afghanistan. Es sei jedoch nicht möglich, diese zu beschaffen, da er k einen Kontakt zu seiner Familie aufnehmen könne. Diese lebe in einem kleinen Ort ohne Internet und Telefonnetz. Die gegen- sätzlichen Aussagen des Beschwerdeführers zum Verbleib seines Identi- tätspapiers sprechen gegen dessen Glaubwürdigkeit. Darüber hinaus ist nur schwer nachvollziehbar, dass es für ihn keinen Weg geben soll, mit Bekannten oder Verwandten in Afghanistan in Kontakt zu treten. Dies gilt umso mehr, als ihm die Bedeutung von Identitätspapieren im Asylverfahren namentlich anlässlich der BzP vom 3. Mai 2017 mitgeteilt worden ist (SEM act. A13 S. 9) und ihm genügend Zeit zur Verfügung gestanden hätte, sich um deren Beschaffung zu bemühen ; der Beschwerdeführer hält sich be- reits seit 1 ¾ Jahren in Europa auf . Seine Erklärung, er habe keine Mög- lichkeit, zuhause nachzufragen, erscheint als Schutzbehauptung. F-3013/2017 Seite 11 5.6 Nach Vorliegen des Knochen altersgutachtens hat das SEM den Be- schwerdeführer zur weiteren Abklärung seines Alters am 3. Mai 2017 in Bezug auf seine Identität, das familiäre Umfeld und den schulischen Wer- degang befragt (SEM act. A13, A14). Mit seinen Angaben vermag der Be- schwerdeführer die vorgebrachte Minderjährigkeit nicht plausibel darzule- gen. Während er bei seiner versuchten Einreise am 5. Januar 2017 gegen- über dem Grenzwachtkorps noch angeben hatte, am (…) geboren zu sein (SEM act. A1), führte er am 22. April 2017 bei seiner Anhaltung gegenüber der zuständigen Kantonspolizei wie gleichentags auf dem Personalienblatt im EVZ aus, sein Geburtsdatum sei der (…) (SEM act. A7, A2), und bei der BzP am 3. Mai 2017 trug er schliesslich vor, sein exaktes Geburtsdatum nicht zu kennen. Der Tag und der Monat seiner Geburt seien ihm nicht be- kannt. Er wisse aber, dass er im Jahr (...) geboren sei. Als Erklärung für die unterschiedlichen Altersangaben gab er zu Protokoll, dass er beim selbst ausgefüllten Personalienblatt einfach so ein exaktes Geburtsdatum ( …) aufgeschrieben habe. Bei der seinerzeitigen Grenzkontrolle im Januar 2017 sei er verwirrt gewesen, weil ihm sein genaues Geburtsdatum nicht bekannt gewesen sei. Er habe deshalb nicht gewusst, welche Angabe er machen solle. Dies e Argumentationen überzeugen nicht. Es wäre zu er- warten gewesen, dass der Beschwerdeführer bei fehlender Kenntnis den Tag und Monat seiner Geburt offengelassen hätte, anstatt einfach irgen- detwas auszufüllen. Weiter ist mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführer immerhin sein Geburtsjahr zuverlässig kennen will, nicht nachvollziehbar, dass dennoch unterschiedliche Jahreszahlangaben protokolliert worden sind. Zwar trifft zu, dass der Jahreswechsel nach gregorianischem Kalen- der (am 31. Dezember) nicht mit jenem des iranischen Kalenders (am 30. März) übereinstimmt. Dies erklärt jedoch die widersprüchlichen Jahreszah- len nicht, wäre doch zu erwarten, dass der Beschwerdeführer entweder sein angebliches Geburtsjahr (...) oder aber sein Alter i n Zahlen (z.B. … Jahre) angeben hätte. Letzteres behauptet er denn auch in seiner Replik (dort S. 2: „Ich habe ihnen nur mein Alter gesagt. Ich habe deshalb keine falschen Informationen gegeben.“), verstrickt sich damit allerdings in einen weiteren Widerspruch. Bei der BzP (SEM act. A13 S. 3 unten) gab er näm- lich explizit zu Protokoll, er habe gegenüber dem Grenzwachtkorps „nicht (...) angegeben sondern (…)“. Als nachgeschoben wirkt schliesslich das replikweise Vorbringen, seine Mutter habe ihm gesagt, er sei im (…) gebo- ren, nach europäischem Kalender also etwa zwischen (…). Es wäre ange- sichts der wiederholten Vorhalte zum Geburtsdatum des Beschwerdefüh- rers im vorinstanzlichen Verfahren zu erwarten gewesen, dass er die Ein- grenzung a uf den nunmehr genannten Zeitraum (…) umgehend vorge-F-3013/2017 Seite 12 bracht hätte. Zudem widerspricht diese Angabe der Aussage des Be- schwerdeführes bei der BzP vom 3. Mai 2017, er sei (…) alt (vgl. SEM act. 13, S. 3) Die zahlreichen Ungereimtheiten lassen die Altersangaben des Beschwerdeführers insgesamt unglaubhaft und konstruiert erscheinen. Dieselbe Schlussfolgerung ergibt sich aus der nicht stimmigen Begründung des Beschwerdeführers, wie er von seinem Geburtsjahr erfahren haben will. So gab er in der BzP vom 3. Mai 2017 zu Protokoll, sein Geburtsjahr vor etwa vier oder fünf Jahren erfahren zu haben, indem er dieses auf der Hinterseite des Korans im Elternhaus gelesen habe. Auf Nachfrage führte er aus, den Koran zwar immer wieder gelesen, das Geburtsjahr aber des- halb nicht früher bemerkt zu haben, weil er dabei nicht auf jede Seite ge- achtet habe (SEM act. A13 S. 3). Wenig später gab er zu Protokoll, erst vor vier Jahren lesen gelernt zu haben (S. 5) bzw. bei seiner Ausreise aus dem Heimatland sein Alter noch nicht gekannt zu haben, wobei er auf entspre- chenden Vorhalt zu seinen widersprüchlichen Angaben umgehend auf die frühere Aussage, sein Alter bereits seit vier oder fünf Jahren zu kennen, zurückkam (S. 6). 5.7 Die norwegischen Behörden wiesen in ihrem Zustimmungsschreiben darauf hin, dass der Beschwerdeführer in Norwegen als minderjährig re- gistriert worden sei. Den Angaben des Beschwerdeführers zufolge wurde in Norwegen zur Feststellung seines Alters eine Handknochenanalyse (SEM act. A13 S.7 oben) , mithin die gleiche Unter suchungsmethode wie im vorinstanzlichen Verfahren, durchgeführt. Das schliesslich registrierte Geburtsdatum (…) wurde von den norwegischen Behörden offenbar ge- stützt auf die seinerzeitige Altersangabe des Beschwerdeführers ([…]; SEM act. A13 S. 6 unten) und ausgehend vom Datum des Asylgesuchs in Norwegen (7. November 2015; SEM act. A23) festgelegt. Vor diesem Hin- tergrund bestand für das SEM keine Veranlassung zu einer Nachfrage zum Ergebnis der norwegischen Altersabklärungen. Gleichzeitig ist festzuhal- ten, dass der in Norwegen registrierten Minderjährigkeit im vorliegenden Verfahren für sich genommen keine massgebliche Bedeutung zukommt . Eine Handknochenanalyse weist wie bereits ausgeführt nur einen be- schränkten Aussagewert zur Bestimmung des tatsächlichen Alters auf, ins- besondere dann, wenn – wie vorliegend – das behauptete Alter mit dem festgestellten Knochenalter um weniger als drei Jahre variiert (vgl. vorste- hend E. 5.4). 5.8 Nach Würdigung aller Umstände ist es de m Beschwerdeführer, wel- cher die Beweislast trägt, nicht gelungen, die geltend gemachte Minderjäh-F-3013/2017 Seite 13 rigkeit glaubhaft zu machen. Das Erreichen der Volljährigkeit erscheint auf- grund der Aktenlage eher als glaubhaft und von dieser ist auszugehen. So- mit kann der Beschwerdeführer aus Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO keine Zu- ständigkeit der Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuchs ableiten. 6. Der Beschwerdeführer vermag die sich aus der Dublin -III-VO ergebende Zuständigkeit Norwegens auch mit den Ausführungen auf Beschwerde- ebene nicht zu negieren. 6.1 Es gibt keine wesentlichen Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Norwegen würden sys- temische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin- III-VO aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigen- den Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtcharta mit sich bringen (vgl. BVGE 2015/4 E. 4.1). Norwegen ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Ja- nuar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrecht- lichen Verpflichtungen grundsätzlich nach. Insbesondere ist nicht erstellt, dass Norwegen systematisch gegen die Bestimmungen der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in- ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie der Auf nahme- richtlinie verstösst. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 6.2 Ferner ist zu prüfen, ob bei einer Überstellung nach Norwegen im kon- kreten Fall eine Verletzung internationalen öffentlichen Re chts drohen würde, welche die Schweiz zur Anwendung der Souveränitätsklausel und zur Prüfung des Asylgesuchs verpflichten würde (vgl. BVGE 2010/45 E. 5 und 7.2). Zwar gilt im Rahmen des Dublin -Systems die Vermutung, dass alle Mitgliedstaaten des Dublin -Raums ihren völkerrechtlichen Verpflich- tungen nachkommen. Diese Vermutung kann jedoch durch ernsthafte Hin- weise darauf, dass die Behörden des zuständigen Staates im konkreten Fall das internationale Recht nicht respektieren, umgestossen werden (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 und 7.5). Was eine allfällige Abschiebung nach Afghanistan betrifft, so gilt es zu be- denken, dass Norwegen wie ausgeführt Signatarstaat der FK sowie des F-3013/2017 Seite 14 Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, weshalb von der Vermutung auszugehen ist, Norwegen komme dem Non-Refoule- ment-Prinzip nach Art. 33 Abs. 1 FK nach. Aus den Akten sind denn auch keine Gründe ersichtlich, welche in rechtserheblicher Weise gegen eine Überstellung des Beschwerdeführers in sein Erst asylland sprechen wür- den. Es liegen zudem keine ernsthaften Hinweise dafür vor, dem Be- schwerdeführer wäre in Norwegen der Zugang zu einem ordentlichen Asyl- verfahren verwehrt worden. Es ist vielmehr davon auszugehen, er habe in Norwegen seine Rechte gegenüber den dort zuständig en Behörden um- fassend wahrnehmen können, zumal die norwegischen Behörden in ihrem Zustimmungsschreiben vom 9. Mai 2017 dem SEM über ein nach wie vor pendentes Beschwerdeverfahren gegen den negativen Asylentscheid vom 30. November 2016 berichten. Damit sind keine zwingenden Gründe gegen eine Wegweisung ersichtlich, welche im Sinne der massgeblichen Praxis (vgl. dazu BVGE 2010/45 E. 7.2) eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin- III-VO erfordern würden, was zum Selbsteintritt und zur Beu rteilung des Antrags auf internationalen Schutz durch die Schweiz führen würde. 6.3 Das SEM hat sich im Weiteren im Rahmen der angefochtenen Verfü- gung gegen einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers aus humanitären Gründen gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbin- dung mit Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO ausgesprochen. Dieser Entscheid, welcher vom Staatssekretariat in Kenntnis der persönlichen Umstände ge- troffen wurde, hält einer Überprüfung – soweit nach dem massgeblichen rechtlichen Rahmen zu gänglich (vgl. dazu BVGE 2015/9 E. 7 und 8) – stand. Die Würdigung der Sache durch das SEM lässt keine rechtsfehler- hafte Ermessenausübung erkennen. 6.4 Somit bleibt Norwegen der für die Behandlung de s Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 7. Nach dem Gesagten ist das Nichteintreten auf das Asylgesuch und die An- ordnung der Wegweisung nach Norwegen zu bestätigen. Die Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. 8. 8.1 Die Zwischenverfügung vom 8. Juni 2017, mit der der Beschwerdefüh- rer aufgefordert wurde, die von ihm behauptete Mittellosigkeit zu belegen, F-3013/2017 Seite 15 gilt – auch wenn der Beschwerdeführer sie nicht abholte – als eröffnet und entfaltete solchermassen Rechtswirkungen. Nachdem der Beschwerde- führer den geforderten Nachweis nicht erbracht hat, ist die prozessuale Be- dürftigkeit nicht erstellt. Damit fehlt es an einer der kumulativ erforderlichen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Das mit der Beschwerde ge- stellte Gesuch um Gewährung der unentgelt lichen Prozessführung ist demnach abzuweisen. 8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750. - (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) F-3013/2017 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Jeannine Scherrer-Bänziger Versand: