A bteilung III C -1207/2006 {T 0/2} U rteil vom 5. Juni 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident), Blaise Vuille und Andreas Trom m er; G erichtsschreiberin Evelyne Sturm . K anton B asel-Stadt, vertreten durch das Zivilstandsam t Basel-Stadt, R ittergasse 11, Postfach, 4010 Basel, Beschw erdeführer, gegen Z._______, Beschw erdegegner, B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend A ufhebung der erleichterten Einbürgerung. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er dam als französische Staatsangehörige Z._______ (nachfolgend: Be- schw erdegegner) heiratete am 4. O ktober 1980 die in Frankreich lebende Schw eizer Bürgerin A._______. Im Juli 1999 ersuchte er beim Schw eizerischen G eneralkonsulat in Lyon um die erleichterte Einbürge- rung. B. Im O ktober 1999 teilte der Beschw erdegegner den schw eizerischen Be- hörden m it, seine Ehegattin und er hätten ein Scheidungsverfahren einge- leitet, sie w ürden jedoch w eiterhin einen gem einsam en H aushalt führen. In der Folge forderte das dam alige Bundesam t für Ausländerfragen (BFA; heute Bundesam t für M igration) m it Schreiben vom 3. Juli 2000 den Be- schw erdegegner auf, zum Bestehen der tatsächlichen ehelichen G em einschaft Auskunft zu geben und entsprechende Bew eise einzu- reichen. Im O ktober 2000 gab der Beschw erdegegner bekannt, seine Ehe m it A._______ sei am 10. April 2000 geschieden w orden. Er sei jedoch seit dem 10. Juni 2000 m it der schw eizerischen Staatsangehörigen B._______ verheiratet und lebe m it ihr in einer tatsächlichen ehelichen G em einschaft. C . M it Schreiben vom 24. O ktober 2000 teilte ihm das BFA m it, gem äss stän- diger Praxis m üsse der Beschw erdegegner m it seiner neuen Ehegattin m indestens drei Jahre in gem einsam er ehelicher G em einschaft leben, dam it er die Voraussetzungen zur erleichterten Einbürgerungen erfülle. D . M it Eingabe vom 1. O ktober 2003 ersuchte der Beschw erdegegner erneut beim G eneralkonsulat in Lyon um die erleichterte Einbürgerung. D ie Ehe- gatten unterzeichneten dabei eine Erklärung, w onach sie in einer tat- sächlichen, ungetrennten ehelichen G em einschaft an der selben Adresse lebten. G leichzeitig nahm en sie unterschriftlich zur Kenntnis, dass die er- leichterte Einbürgerung nicht verfügt w erden kann, w enn vor oder w ährend des Einbürgerungsverfahrens einer der Ehegatten die Trennung oder Scheidung beantragen oder keine tatsächliche eheliche G em einschaft be- stehen w ürde. N ach Einholung entsprechender Erkundigungen w urde der Beschw erdegegner am 9. N ovem ber 2004 gestützt auf Art. 28 des Bürger- rechtsgesetzes vom 29. Septem ber 1952 (BüG , SR 141.0) erleichtert ein- gebürgert und erhielt das Bürgerrecht der Stadt Basel. E. In seinem Schreiben vom 26. N ovem ber 2004 teilte der Beschw erde- gegner der Vorinstanz m it, seine Ehe m it B._______ sei am 5. N ovem ber 2005 (recte: 2004) geschieden w orden. B._______ bestätigte diese Angaben m it Schreiben vom 23. N ovem ber 2005 (recte: 2004). F. In der Folge inform ierte die Vorinstanz den Kanton Basel-Stadt über die Scheidung, der m it Eingabe vom 6. D ezem ber 2004 Beschw erde an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) erhob. Er bean- tragt, die erleichterte Einbürgerung sei aufzuheben m it der Begründung, der Beschw erdegegner sei bereits vor der Einbürgerung von seiner 3 schw eizerischen Ehegattin geschieden w orden, w eshalb im Zeitpunkt der Einbürgerung die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt gew esen seien. G . In seiner R eplik vom 15. Januar 2005 beantragt der Beschw erdegegner sinngem äss die Abw eisung der Beschw erde. Im W esentlichen bringt er vor, aufgrund seiner fast zw anzigjährigen ersten Ehe m it A._______ habe er nicht sechs Jahre in ehelicher G em einschaft m it seiner zw eiten Schw eizer Ex-Ehefrau, B._______, leben m üssen, um ein Ein- bürgerungsgesuch stellen zu können. Ausserdem sei er durch die beiden Ehen, seine Schw eizer Tochter sow ie seine berufliche Tätigkeit als Staatsangestellter in G enf eng m it der Schw eiz verbunden. D ie schw eize- rische Staatsangehörigkeit w ürde ihm zudem seine hum anitäre Tätigkeit für eine schw eizerische O rganisation erleichtern. H . D ie Vorinstanz beantragt hingegen m it Vernehm lassung vom 20. Januar 2005 die G utheissung der Beschw erde. Sie führt dazu aus, die eheliche G em einschaft habe zum Zeitpunkt der Einbürgerung nicht m ehr bestan- den. D em Bundesam t sei dieser U m stand jedoch erst nach erfolgter Ein- bürgerung vom Beschw erdegegner m itgeteilt w orden. I. M it Schreiben vom 4. Februar 2005 verzichtet der beschw erdeführende Kanton Basel-Stadt auf das ihm eingeräum te R eplikrecht. J. D er Beschw erdegegner reichte m it seiner Eingabe vom 25. Februar 2005 als D uplik erneut seine Stellungnahm e vom 15. Januar 2005 ein. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend die Ertei- lung oder Verw eigerung der erleichterten Einbürgerungen unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 51 Abs. 1 BüG i.V.m . Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die bei Inkrafttreten des Verw al- tungsgerichtsgesetzes bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schieds- kom m issionen oder bei Beschw erdediensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 VG G ). D as Verfahren richtet sich nach den Bestim m ungen des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsgerichtsgesetz nichts an- deres bestim m t (vgl. Art. 37 VG G ). 1.3 D er Kanton Basel-Stadt ist als H eim atkanton des Beschw erdegegners ge- m äss Art. 51 Abs. 2 BüG zur Beschw erde legitim iert. Auf die frist- und form gerechte Beschw erde ist daher einzutreten (Art. 49 – 52 Vw VG ).4 2. M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Ü berschreitung oder M issbrauch des Erm essens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhaltes sow ie die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 49 Vw VG ). D as Bundesverw altungsgericht w endet im Beschw erde- verfahren das Bundesrecht von Am tes w egen an. Es ist gem äss Art. 62 Abs. 4 Vw VG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschw erde auch aus anderen als den geltend gem achten G ründen gutheissen oder abw eisen. M assgebend ist grundsätzlich die Sach- und R echtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. E. 1.2 des in BG E 129 II 215 teilw eise publizierten U rteils des Bundesgerichts 2A.451/2002 vom 28. M ärz 2003). 3. G em äss Art. 28 Abs. 1 BüG können ausländische Ehepartner von schw ei- zerischen Staatsangehörigen, die im Ausland leben oder gelebt haben, ein G esuch um erleichterte Einbürgerung stellen, w enn sie seit sechs Jahren in ehelicher G em einschaft m it einer Schw eizer Bürgerin bzw . einem Schw eizer Bürger leben und m it der Schw eiz eng verbunden sind. Zudem gilt sinngem äss für Bew erber/innen, die nicht in der Schw eiz w ohnen, dass sie in der Schw eiz integriert sind, die schw eizerische R echtsordnung beachten und die innere oder äussere Sicherheit der Schw eiz nicht gefährden (vgl. Art. 26 Abs. 2 BüG ). 3.1 In seiner Beschw erde m acht der Kanton Basel-Stadt geltend, die Voraus- setzung der ehelichen G em einschaft sei zum Zeitpunkt des Einbürge- rungsentscheides am 9. N ovem ber 2004 nicht m ehr erfüllt gew esen, w eil der Beschw erdegegner von seiner zw eiten Schw eizer Ex-Ehefrau am 5. N ovem ber 2004 geschieden w orden sei. D er Beschw erdegegner, der die Vorinstanz über die Scheidung inform ierte, bestreitet diesen U m stand nicht. Er bringt indessen vor, er habe aufgrund seiner langjährigen ersten Ehe m it einer Schw eizerin bereits nach dreijähriger ehelicher G em ein- schaft m it seiner zw eiten Schw eizer Ehefrau ein Einbürgerungsgesuch stellen können. Zudem verw eist er auf seine enge Bindung an die Schw eiz. 3.2 N ach bundesgerichtlicher R echtsprechung m üssen säm tliche Voraus- setzungen der erleichterten Einbürgerung sow ohl im Zeitpunkt der G e- suchseinreichung als auch anlässlich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt es insbesondere im Zeitpunkt des Entscheides an der ehe- lichen G em einschaft darf die erleichterte Einbürgerung nicht ausge- sprochen w erden (vgl. U rteil des Bundesgerichts 5A.8/2006 vom 3. Juli 2006 E. 2.1). Zudem unterscheidet sich der Begriff der ehelichen G em ein- schaft im Sinne von Art. 27 und Art. 28 BüG von jenem des Zivilgesetz- buches. Eine eheliche G em einschaft setzt daher nicht nur das form elle Be- stehen einer Ehe voraus, sondern das Vorliegen einer tatsächlichen Le- bensgem einschaft, getragen vom W illen, die Ehe auch künftig aufrecht zu erhalten (vgl. BG E 130 II 482 E. 2 S. 484, BG E 130 II 169 E. 2.3.1 S. 171 f., BG E 121 II 49 E. 2b S. 51). D er G esetzgeber w ollte dem aus- ländischen Ehegatten einer Schw eizer Bürgerin bzw . eines Schw eizer Bür- gers die erleichterte Einbürgerung erm öglichen, um die Einheit des Bürger-5 rechts der Ehegatten im H inblick auf ihre gem einsam e Zukunft zu fördern (vgl. Botschaft des Bundesrates zur Änderung des BüG vom 27. August 1987, BBl 1987 III 310). 3.3 D a der Beschw erdegegner w ährend des Einbürgerungsverfahrens ge- schieden w urde, w ar som it die form elle Anforderung einer bestehenden Ehe zum Zeitpunkt des Einbürgerungsentscheides nicht m ehr erfüllt. D aran verm ag auch der U m stand nichts zu ändern, dass die Ehegatten nur w enige Tage vor der Einbürgerung geschieden w urden. Auf das Erforder- nis einer tatsächlichen, ungetrennten ehelichen G em einschaft zum Zeit- punkt des Einbürgerungsentscheides w urde der Beschw erdegegner zu- dem in der von ihm am 1. O ktober 2003 unterzeichneten Erklärung hinge- w iesen. D ie vom Beschw erdegegner geltend gem achte Praxis der Vor- instanz, w onach ihm die D auer der ersten Ehe teilw eise angerechnet w erde und er daher bereits nach drei Jahren in gem einsam er Ehe m it seiner zw eiten Schw eizer Ehegattin ein G esuch um erleichterte Einbür- gerung stellen konnte, setzt zw ar die gesetzlichen Voraussetzungen be- treffend der Ehedauer herab, sie entbindet jedoch den Beschw erdegegner nicht vom Erfordernis einer tatsächlichen, ungetrennten ehelichen G em ein- schaft zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung. 3.4 D er Beschw erdegegner verw eist ausserdem auf seine enge Verbundenheit m it der Schw eiz und die Erleichterung, die ihm die schw eizerische Staatsangehörigkeit bei seiner hum anitären Tätigkeit bieten w ürde. Für die erleichterte Einbürgerung setzt Art. 28 Abs. 1 BüG indessen kum ulativ zur engen Verbundenheit m it der Schw eiz die (sechsjährige) eheliche G em ein- schaft m it einer Schw eizer Bürgerin bzw . einem Schw eizer Bürger voraus. D aher ist die geltend gem achte enge Beziehung zur Schw eiz für sich alleine zur erleichterten Einbürgerung nicht ausreichend. 4. D ie Voraussetzungen der erleichterten Einbürgerung gem äss Art. 28 Abs. 1 BüG sind som it nicht erfüllt. D ie Beschw erde ist daher gutzuheissen und die Verfügung der Vorinstanz vom 9. N ovem ber 2004 ist aufzuheben. 5. D ie Verfahrenskosten sind gem äss Art. 63 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 und Art. 2 sow ie Art. 3 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht (VG KE, SR 173.320.2) der unterliegenden Partei aufzuerlegen. Keine Kosten w er- den der unterliegenden Vorinstanz auferlegt (vgl. Art. 63 Abs. 2 Vw VG ). D ie obsiegende Partei hat grundsätzlich Anspruch auf eine Partei- entschädigung (vgl. Art. 64 Abs. 1 Vw VG ). G em äss Art. 7 Abs. 3 VG KE begründen jedoch Kosten von Bundesbehörden und, in der R egel, Kosten von anderen Behörden, die als Parteien auftreten, keinen Anspruch auf Parteientschädigung, w eshalb dem beschw erdeführenden Kanton keine Parteientschädigung zuzusprechen ist. ******* (D ispositiv S. 6)6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. D ie erleichterte Einbürgerung des Be- schw erdegegners vom 9. N ovem ber 2004 w ird aufgehoben. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdegegner auf- erlegt. Sie sind innert 30 Tagen nach Eintritt der R echtskraft zu G unsten der G erichtskasse zu überw eisen. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (m it G erichtsurkunde) - dem Beschw erdegegner (m it G erichtsurkunde) - der Vorinstanz (m it G erichtsurkunde, Akten R ef-N r. [...] retour) R echtsm ittelbelehrung G egen dieses U rteil kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschw erde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ge- führt w erden (Art. 82 ff., Art. 90 ff. und Art. 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). D ie R echtsschrift ist in einer Am ts- sprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung m it Angabe der Bew eism ittel und die U nterschrift zu enthalten. D as angefochtene U rteil und die Bew eism ittel sind, sow eit sie die Partei in H änden hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BG G ). D er Kam m erpräsdent: D ie G erichtsschreiberin: A. Im oberdorf E. Sturm Versand am :