Abteilung IV D-5628 /2008/wif {T 0/2} U r t e i l v o m 1 1 . J u n i 2 0 0 9 Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller. A._______, geboren _______, Irak, vertreten durch Thomas Wüthrich, Rechtsanwalt und Notar, _______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Juli 2008 / N _______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-5628/2008 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein irakischer Staatsangehöriger kurdi- scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in (...) (Provinz Erbil), verliess sei- nen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 16. August 2006 und gelangte zunächst in die Türkei. Von dort sowie ihm unbekannten Län- dern herkommend reiste er am 14. Dezember 2006 in die Schweiz ein und suchte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (...) um Asyl nach. Am 29. Dezember 2006 wurde er dort summarisch befragt und in der Folge für die Dauer des Verfahrens dem Kanton (...) zuge- wiesen. Die zuständige kantonale Behörde hörte den Beschwerdefüh- rer am 17. April 2007 ausführlich zu seinen Asylgründen an. A.b Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer im We- sentlichen geltend, er sei im Heimatland neben seinem Beruf als Gym- nasiallehrer auch als Korrespondent für verschiedene Zeitungen tätig gewesen. Er habe dabei in der Regel über Neuigkeiten aus seiner Hei- matregion berichtet. Am (...) sei in der (...) ein von ihm verfasster Arti- kel über die Machenschaften einer in der Region Soran aktiven Grup- pierung von kriminellen Schleppern erschienen. Diese Gruppierung sei von F. H. angeführt worden, welcher gleichzeitig Präsident einer kurdi- schen Partei namens Parti Parezgarani Dimukrati Kurdistan (PPDK) gewesen sei. Es sei allgemein bekannt gewesen, dass F. H. sehr viele Personen umgebracht habe. In seinem Artikel habe er über diese Mor- de und deren Hintergründe geschrieben. Seine Informationen habe er im Wesentlichen von Angestellten der Sicherheitsorganisation Asaisch erhalten. Die (...) werde von der Partei Hizbi Soschyalisti Demokrati Kurdistan (Sozial-Demokratische Partei Kurdistans) herausgegeben. Die Mitglieder dieser Partei seien nicht erfreut gewesen über seinen Artikel, weil sie befürchtet hätten, Probleme mit der PPDK zu bekom- men; die fragliche Ausgabe der Zeitung sei daher umgehend vom Markt zurückgezogen worden. Drei Tage nach der Veröffentlichung sei- nes Artikels habe er erfahren, dass die Angehörigen von F. H. planten, ihn umzubringen. F. H. selber habe sich zu diesem Zeitpunkt wegen der erwähnten Delikte im Gefängnis befunden. Daraufhin habe er auf Anregung von S. A., einem hochrangigen Mitglied der PPDK, eine "Richtigstellung" verfasst, welche im Internet publiziert worden sei. Die PPDK sei mit seinem Schreiben jedoch nicht zufrieden gewesen. Am 29. Juni 2006 hätten spätabends unbekannte Personen auf ihn ge- schossen. Er habe sich jedoch ins Haus retten können und sei nicht Seite 2D-5628/2008 getroffen worden. Am folgenden Tag habe er mit einem Mitglied der Asaisch gesprochen, und er sei daraufhin noch am selben Tag zusam- men mit seiner Familie nach Erbil gegangen. Dort sei er von vielen Leuten auf seinen Artikel angesprochen worden. Seine Geschwister hätten ihn kritisiert, weil sie befürchtet hätten, wegen seines Artikels über F. H. ebenfalls Probleme zu bekommen. Er habe in dieser Zeit ständig Angst vor Racheakten gehabt. Von den kurdischen Behörden habe er keinen Schutz erwarten können, da er diese früher in ver- schiedenen Oppositionszeitungen kritisiert habe. Ausserdem habe er am 19. November 2005 an einer Demonstration zugunsten der Rechte junger Menschen teilgenommen. Alle seine Freunde seien damals fest- genommen worden, er jedoch nicht. Im Weiteren habe er im Januar 2005 einmal ein Gedicht geschrieben, welches viele Islamisten verär- gert habe. Er sei damals auch schon einmal bedroht worden. Aus die- sen Gründen habe er sich entschieden, sein Heimatland zu verlassen. Am 16. August 2006 sei er aus dem Irak ausgereist. Seine Frau und seine Tochter habe er im Heimatland zurückgelassen. Nach seiner Ausreise habe er von seinen Angehörigen erfahren, dass die PPDK und die Angehörigen von F. H. ihn wegen übler Nachrede angezeigt hätten. A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver- fahrens folgende Identitätspapiere und Beweismittel zu den Akten: Identitätskarte, Nationalitätenausweis und Gewerkschaftsausweis (alle im Original), mehrere Presseartikel in Kopie, Bestätigungsschreiben des Center of Halabja against Anfalization and Genocide of the Kurds (CHAK) vom 10. Juni 2008. B. Mit Verfügung vom 30. Juli 2008 – eröffnet am 5. August 2008 – stellte das BFM fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unglaub- haft, weshalb die Flüchtlingseigenschaft zu verneinen sei. Demzufolge lehnte das BFM das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Beschwerde vom 4. September 2008 (Poststempel) an das Bun- desverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer beantragen, die an- gefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, und dem Be- schwerdeführer sei Asyl zu gewähren. Eventuell sei er in der Schweiz Seite 3D-5628/2008 vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege ersucht. Der Beschwerde lagen eine Freistellungserklärung der (...) GmbH, (...), vom 11. August 2008 sowie ein Bestätigungsschreiben von R. Z. ([...], Seelsorger von Jehovas Zeugen) vom 1. September 2008 bei. D. Der Instruktionsrichter verzichtete mit Verfügung vom 9. September 2008 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und teilte dem Be- schwerdeführer gleichzeitig mit, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundes- gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) werde im Endentscheid befunden. Der Be- schwerdeführer wurde in diesem Zusammenhang aufgefordert, umge- hend einen Beleg für die geltend gemachte Bedürftigkeit nachzurei- chen, andernfalls über das Gesuch gestützt auf die Akten entschieden werde. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) wurde abgewiesen. Das in der Beschwerde sinngemäss ge- stellte Gesuch um Einräumung einer Frist zur Nachreichung einer Be- schwerdeergänzung wurde unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG ebenfalls abgewiesen. E. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 24. September 2008 vollumfänglich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. F. Nach antragsgemäss gewährter Fristverlängerung liess der Beschwer- deführer mit Eingabe vom 27. Oktober 2008 replizieren. G. Am 6. Oktober 2008 ging beim Bundesverwaltungsgericht ein Unter- stützungsschreiben der Föderation irakischer Flüchtlinge (Sektion Schweiz) vom 29. September 2008 ein. H. Mit Eingabe vom 2. Dezember 2008 liess der Beschwerdeführer ein weiteres Bestätigungsschreiben der Zeugen Jehovas vom 27. Novem - ber 2008 zu den Akten reichen. Seite 4D-5628/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM, welche in An- wendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) er- gangen sind; das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Be- reich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge - richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Be- schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders be- rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie- hungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet- zung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner- kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei- ner bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachtei- le gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit so- wie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewir- ken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein- Seite 5D-5628/2008 lichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Ent- scheids im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien widersprüchlich, unlogisch und unsubstanziiert ausgefallen und daher insgesamt als unglaubhaft zu qualifizieren. So habe er sich bei- spielsweise in Bezug auf die Frage, bis wann er sich in (...) aufgehal- ten habe, widersprochen. Auch hinsichtlich der Frage, wem sein Artikel missfallen habe, habe er sich widersprüchlich geäussert. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer zunächst ausgesagt, es sei bekannt ge- wesen, dass F. H. Tötungsdelikte begangen habe, und dieser sei des- wegen bereits in Haft versetzt worden. Im Widerspruch dazu habe der Beschwerdeführer jedoch kurz darauf geltend gemacht, er habe die Tötungen von F. H. an den Tag gebracht. Diese Aussage widerspreche indessen wiederum seinen Ausführungen in der Richtigstellung, wo er zu seiner Entlastung vorgebracht habe, er sei nicht der Erste, der über diese Vorfälle berichtet habe, vielmehr sei bereits zu einem früheren Zeitpunkt ein viel schärferer Bericht darüber publiziert worden. Auf- grund der Aktenlage sei im Übrigen davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer entgegen seiner Darstellung in der Erstbefragung den Inhalt seines Artikels nicht widerrufen, sondern diesen in der fragli- chen Richtigstellung vielmehr gerechtfertigt und sinngemäss bestätigt habe, was erfahrungswidrig erscheine. In diesem Zusammenhang stellte das BFM ausserdem fest, der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage gewesen, den Inhalt der (als Beweismittel eingereichten) Richtig- stellung zutreffend wiederzugeben. Im Übrigen treffe es nicht zu, dass die Zeitung (...) eingestellt worden sei, wie dies vom Beschwerdeführer in der Anhörung behauptet worden sei; diese werde nach wie vor pub- liziert. Der Beschwerdeführer habe schliesslich auch in Bezug auf sei- nen Reiseweg unglaubhafte Angaben gemacht. Insbesondere sei sein Vorbringen, wonach er illegal aus dem Irak ausgereist sei, unplausibel, da er mit den Behörden keine Probleme gehabt habe. Den Reiseweg habe er unsubstanziiert geschildert, und in den Zeitangaben betref- fend den Reiseabschnitt Türkei – Schweiz fänden sich Unstimmigkei- ten. Seite 6D-5628/2008 4.2 In der Beschwerde wird zunächst geltend gemacht, der Beschwer- deführer habe im Verlaufe seines bisherigen Aufenthaltes in der Schweiz an mehreren Studiensitzungen der Zeugen Jehovas teilge- nommen. Bald werde er bei den Zeugen Jehovas die Erwachsenentau- fe erhalten. Er wechsle somit seine Religion und gelte in den Augen der Moslems als konvertiert. Bei einer Rückkehr in den Nordirak würde er deswegen verfolgt werden und müsste allenfalls mit Inhaftierung und Folter rechnen. Es sei zumindest davon auszugehen, dass die Be- hörden nicht in der Lage wären, den Beschwerdeführer vor Übergriffen durch Islamisten zu schützen. Er müsste als Konvertierter mit der ex- tralegalen Tötung durch Islamisten rechnen. Im Übrigen sei darauf hin- zuweisen, dass sich der Beschwerdeführer in der Schweiz aktiv gegen den Genozid der Kurden in Kurdistan einsetze. Dem Beschwerdeführer sei daher Asyl oder zumindest die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Im Zusammenhang mit den Erwägungen des BFM in der angefochte- nen Verfügung wird vorgebracht, die vom BFM angesprochenen Wider- sprüche existierten in Tat und Wahrheit gar nicht. Der Beschwerdefüh- rer habe beispielsweise nie gesagt, er habe bis zur Ausreise in (...) ge- lebt und gearbeitet. Vielmehr habe er in beiden Befragungen klarge- stellt, dass er sich zwischen Ende Juni 2006 und der Ausreise in Erbil aufgehalten habe. Dabei habe es sich jedoch nicht um einen Wohnsitz, sondern lediglich um einen provisorischen Fluchtort gehandelt. Sein letzter Wohnsitz sei daher (...) gewesen, der letzte Aufenthaltsort in- dessen Erbil. Der angebliche Widerspruch in Bezug auf die Frage, wem sein Artikel missfallen habe (der PPDK oder der Hizbi Soschya- listi Demokrati Kurdistan), sei dem Beschwerdeführer nicht vorgehal- ten worden; ansonsten hätte er nämlich erklären können, dass der Ar- tikel beiden Parteien missfallen habe. Der Beschwerdeführer sei dazu ergänzend zu befragen. Auch bezüglich des Zeitungsartikels sowie der Richtigstellung gebe es keinen Widerspruch. Zwar habe der Beschwer- deführer nicht als Erster über die Sache geschrieben, jedoch enthalte sein Bericht gewisse neue Erkenntnisse. Gegebenenfalls sei auch in diesem Punkt eine ergänzende Befragung durchzuführen. In der Rich- tigstellung habe der Beschwerdeführer Präzisierungen vorgenommen. Er habe dabei jedoch nicht bezweckt, seine Aussagen zu widerrufen. Bezüglich des Erscheinens der Zeitung (...) sei festzustellen, dass nur die damalige Ausgabe der Zeitung eingestellt worden sei. Hingegen habe der Beschwerdeführer nie gesagt, die Zeitung erscheine gar nicht mehr. Die vom BFM gerügten Ungereimtheiten betreffend die Schilderung des Reisewegs seien unwesentlich. Es treffe im Weiteren nicht zu, dass die illegale Ausreise erfahrungswidrig sei; denn der Be- Seite 7D-5628/2008 schwerdeführer hätte keine Papiere erhalten, um legal in die Türkei oder ein anderes Land einzureisen. Über die Türkei sowie weitere Transitländer könne er keine substanziierten Angaben machen, da er sich jeweils habe verstecken müssen. Ausserdem kenne er die Länder Europas nicht, und überdies sei es damals Dezember und folglich häu- fig dunkel und neblig gewesen. 4.3 Das BFM stellt in seiner Vernehmlassung fest, es sei nicht nach- vollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer erst auf Beschwerdeebene geltend mache, er habe sich den Zeugen Jehovas angeschlossen. Oh- nehin handle es sich bei dem eingereichten Schreiben des Seelsor- gers R. S. nicht um ein offizielles Schreiben der Zeugen Jehovas. Es werde darin lediglich festgestellt, dass der Beschwerdeführer regel- mässig die Bibel studiere und an einigen christlichen Zusammenkünf- ten teilgenommen habe. Es sei weder von einer Konversion noch von einer bevorstehenden Taufe die Rede. Aufgrund der Aktenlage entste- he der Eindruck, der geltend gemachte Glaubenswechsel sei nicht ernsthaft und nachhaltig. Im Übrigen dürfte eine diskrete und private Glaubensausübung im Nordirak auch ausserhalb des Islam grundsätz- lich möglich sein. Der Beschwerdeführer hätte daher bei einer Rück- kehr in den Nordirak nicht mit asylrelevanten Nachteilen zu rechnen. Die Vorinstanz weist im Weiteren darauf hin, dass der Beschwerdefüh- rer keine ernsthaften Probleme mit den kurdischen Behörden geltend gemacht habe. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die kurdischen Be hörden ihn nicht schützen sollten. Es wäre dem Beschwerdeführer zuzumuten gewesen, sich vor der Ausreise aus dem Heimatland bei den kurdischen Behörden um Schutz zu bemühen; dies habe er offen- bar unterlassen. 4.4 In der Replik wird entgegnet, der Beschwerdeführer habe keine Veranlassung gehabt, dem BFM bereits während des erstinstanzlichen Verfahrens mitzuteilen, dass er das Studium der Bibel bei den Zeugen Jehovas aufgenommen habe. Er habe dies nicht umgehend gemeldet, da ansonsten behauptet worden wäre, der Glaubenswechsel sei nicht nachhaltig. Der Beschwerdeführer hätte infolge des Glaubenswechsels im Irak mit Verfolgung zu rechnen. Der Islam sei sehr intolerant gegen- über anderen Glaubensrichtungen. Eine diskrete und private Glau- bensausübung sei nicht möglich. Die Behörden, namentlich die kurdi- sche Provinzregierung, seien nicht in der Lage, nicht-islamische Min- derheiten vor Übergriffen durch islamistische Gruppierungen zu schüt- zen. Die Zeugen Jehovas würden in vielen Ländern der Welt verfolgt. Seite 8D-5628/2008 Da im Irak bereits die Christen verfolgt seien, seien die Zeugen Jeho- vas umso mehr gefährdet. Im Weiteren wird geltend gemacht, die Fa- milienangehörigen des Beschwerdeführers hätten aus dem Nordirak flüchten müssen, da sie ebenfalls bedroht worden seien. Sie hätten daher im August 2008 ihr Haus verkauft und den Nordirak in Richtung Europa verlassen. Das Ziel in Europa sei noch nicht klar. Dies zeige, dass der Beschwerdeführer im Nordirak mit Verfolgung rechnen müs- ste. Er habe nun keine Familienangehörigen mehr im Nordirak. Da ihn bei einer Rückkehr somit niemand unterstützen könnte, käme er unter anderem in wirtschaftliche Bedrängnis, zumal Angehörige religiöser Minderheiten bei der Stellen- und Wohnungssuche mit erhöhten Schwierigkeiten zu kämpfen hätten. 4.5 In der Eingabe des Rechtsvertreters vom 2. Dezember 2008 wird unter Hinweis auf ein Schreiben der Zeugen Jehovas vom 27. Novem - ber 2008 vorgebracht, der Beschwerdeführer nehme zweimal wöchent- lich am Studium der Bibel sowie an den wöchentlichen Zusammen - künften der Zeugen Jehovas teil. Später werde mit dem Beschwerde- führer ein Aufnahmegespräch durchgeführt. Erst danach könne er for- mell den Zeugen Jehovas beitreten. Wahrscheinlich werde der Beitritt und die damit verbundene Erwachsenentaufe in einigen Monaten erfol- gen. Es werde beantragt, bei den zuständigen Seelsorgern eine Be- weisauskunft einzuholen oder sie als Zeugen zu befragen. 5. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat. 5.1 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerdeeingabe unter anderem, die Erwägungen der Vorinstanz seien teilweise unzutreffend, insbesondere sehe die Vorinstanz Widersprüche, wo in Tat und Wahr- heit gar keine bestünden. Dem Beschwerdeführer ist teilweise Recht zu geben. Insbesondere erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Aufenthaltsort vor der Ausreise aus dem Irak sowie zur Anzahl Personen, welche sich mit ihm auf dem Schiff befunden haben, nicht eigentlich als widersprüch- lich. Der scheinbare Widerspruch in Bezug auf die Frage, welcher Par- tei der am (...) veröffentlichte Zeitungsartikel nun missfallen habe, wird durch die durchaus plausible Erläuterung in der Beschwerde, wonach sich beide Parteien über den Artikel aufgeregt hätten, zufriedenstel- lend aufgelöst. Andere Ungereimtheiten vermochte der Beschwerde- Seite 9D-5628/2008 führer dagegen in seiner Beschwerdebegründung nicht zu relativieren. So ist beispielsweise festzustellen, dass er in der Erstbefragung aus- drücklich erwähnt hat, er habe seine gegen F. H. gemachten Aussagen auf Geheiss von S. A. widerrufen. Beim eingereichten Beweismittel handelt es sich indessen nicht um einen Widerruf, sondern vielmehr um eine Erläuterung und Rechtfertigung seines Artikels, und auch in der kantonalen Anhörung sprach der Beschwerdeführer nicht von ei- nem Widerruf, sondern von einer "Richtigstellung". Mehrere Vorbringen des Beschwerdeführers müssen zudem als unplausibel qualifiziert werden. Den Akten ist zu entnehmen, dass schon andere Personen vor dem Beschwerdeführer über die Machenschaften von F. H. berich- tet haben, offenbar teilweise auch in kritischerem respektive in schär- ferem Ton (vgl. die als Beweismittel eingereichte "Notwendigkeitspubli- kation"). Demzufolge wurde der Ruf von F. H. nicht erst durch den Arti- kel des Beschwerdeführers in Mitleidenschaft gezogen, zumal F. H. wegen seiner Taten ja ohne Zutun des Beschwerdeführers bereits im Gefängnis sass (vgl. Vorakten BFM A1, S. 6). Das Vorbringen, wonach die PPDK sowie die Angehörigen von F. H. den Beschwerdeführer we- gen Rufschädigung beziehungsweise übler Nachrede hätten umbrin- gen wollen, ist unter diesen Umständen als unrealistisch zu erachten. Umso unplausibler ist es demzufolge, dass die angeblichen Verfolger auch noch heute, fast drei Jahre nach Erscheinen des fraglichen Zei- tungsartikels, daran interessiert wären, den Beschwerdeführer in rele- vanter Weise zu behelligen. Es erscheint ausserdem realitätsfremd, dass die vom Beschwerdeführer verfasste Richtigstellung im Internet publiziert wurde (vgl. A16, S. 11), obwohl sie offenbar nicht den Erwar- tungen der PPDK entsprach (vgl. A16, S. 11 und 20). Da er die Rich- tigstellung auf Anraten oder Geheiss eines Mitglieds dieser Partei ver- fasste, ist davon auszugehen, dass die PPDK ein solches Schreiben nur veröffentlich hätte, wenn dessen Inhalt in ihrem Sinn gewesen wäre. Es ist im Weiteren davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh- rer kaum seinen Freund und Informanten R. S. in seinem Artikel na- mentlich als eine seiner Quellen erwähnt hätte, wenn der Inhalt seines Artikels tatsächlich politisch heikel gewesen wäre. Die Tatsache, dass R. S. im Artikel des Beschwerdeführers namentlich erwähnt ist, lässt daher darauf schliessen, dass dieser entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers keine brisanten neuen Fakten enthielt. Den Aussa- gen des Beschwerdeführers ist schliesslich zu entnehmen, dass R. S. nach Erscheinen des Artikels von der Partei suspendiert worden sei. Weitere Nachteile hatte er offenbar nicht zu gewärtigen (vgl. A16, S. 20). Es ist indessen unrealistisch, dass der Beschwerdeführer an- Seite 10D-5628/2008 geblich Todesdrohungen erhielt, während R. S., welcher aus Sicht der PPDK respektive der Angehörigen von F. H. durchaus als eigentlicher "Verräter" bezeichnet werden kann, abgesehen von seiner Suspendie- rung unbehelligt blieb. Aus diesen Gründen ist die vom Beschwerde- führer geltend gemachte Verfolgungsgefahr im Zusammenhang mit seiner journalistischen Tätigkeit ernsthaft zu bezweifeln. Gegen die Glaubhaftigkeit der angeblich bestehenden Verfolgungsgefahr spricht im Übrigen auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer zwar gel- tend machte, er sei wegen übler Nachrede bei den zuständigen Behör- den angezeigt worden, hingegen keinerlei diesbezügliche Beweismittel einreichte, obwohl im Falle einer tatsächlich erfolgten Anzeige weitere Handlungen der Strafverfolgungsbehörden zu erwarten gewesen wä- ren und der Beschwerdeführer davon mit Sicherheit erfahren hätte, da er seit seiner Ankunft in der Schweiz in Kontakt zu seinen Angehöri- gen im Nordirak stand (vgl. A16, S. 18 und 19) und sich ohne weiteres auch entsprechende schriftliche Dokumente hätte zuschicken lassen können. Seitens des Beschwerdeführers wird in der Replik vom 27. Oktober 2008 vorgebracht, seine Familienangehörigen hätten im August 2008 aus dem Irak fliehen müssen, da sie ebenfalls bedroht worden seien. Diese angeblichen Drohungen gegenüber den Familien- angehörigen des Beschwerdeführers werden allerdings völlig unsub- stanziiert in den Raum gestellt, sind durch nichts belegt und erschei- nen aufgrund der Aktenlage im Übrigen unglaubhaft: Es ist nämlich davon auszugehen, dass allfällige Drohungen gegenüber den Famili- enangehörigen unmittelbar nach Erscheinen des vom Beschwerdefüh- rer verfassten Zeitungsartikels über F. H. am intensivsten gewesen wä- ren. Der Beschwerdeführer sagte jedoch in der kantonalen Anhörung aus, seine Familienangehörigen hätten keine Probleme (vgl. A16, S. 20). Auch in der Beschwerdeeingabe findet sich kein derartiger Hin- weis. Es ist daher nicht plausibel, dass sich die Familienangehörigen des Beschwerdeführers (erst) im August 2008 genötigt sahen, infolge der angeblich gegen sie ausgestossenen Drohungen aus dem Heimat- land zu flüchten. Im Übrigen wird auch nicht näher ausgeführt, welche Familienangehörigen genau ausgereist sind; es ist äusserst unrealis- tisch, dass alle (in A16, S. 5 und 6 aufgezählten) Verwandten gleich- zeitig und ohne bekanntes Ziel den Nordirak verlassen haben (vgl. dazu auch nachstehend E. 7.2.2). Dieses Vorbringen ist daher eben- falls nicht geeignet, eine im Heimatland bestehende, aktuelle und asyl- relevante Verfolgungsgefahr glaubhaft zu machen. Seite 11D-5628/2008 Ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit ist darüber hinaus festzu- stellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers ohnehin nicht asylrelevant sind, da die angeblich erlittene Verfolgung respektive an- geblich bestehende Verfolgungsgefahr nicht intensiv genug erscheint, um als ernsthafter Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG qualifi- ziert zu werden. Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe von einer Drittperson erfahren, dass man ihn seines Artikels wegen umbringen wolle. Einmal hätten Unbekannte auf ihn geschossen. Weitere Drohun- gen oder Übergriffe auf die Person des Beschwerdeführers sind nicht aktenkundig. Eigenen Angaben zufolge weiss der Beschwerdeführer nicht mit Sicherheit, wer aus welchen Motiven auf ihn geschossen hat, sondern er vermutet lediglich, die Schüsse stünden im Zusammen- hang mit der Veröffentlichung seines Artikels über F. H. und dessen Or- ganisation. Der Beschwerdeführer wurde im Weiteren den Akten zufol- ge nie direkt durch die PPDK oder die Angehörigen von F. H. bedroht; vielmehr hat er von den angeblichen Todesdrohungen nur gerüchte- weise durch eine Drittperson erfahren. Bei dieser Sachlage ist festzu- stellen, dass keine konkreten Hinweise dafür bestehen, der Beschwer- deführer sei im Heimatland einer ernsthaften Bedrohung an Leib und Leben ausgesetzt gewesen. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge von Ende Juni 2006 bis zu seiner Ausreise Mitte August 2006 in Erbil bei seiner Mutter aufgehalten hat und ihm dort nichts geschehen ist und er in dieser Zeit namentlich auch keine weiteren Drohungen erhalten hat. Anzufügen ist im Weiteren, dass der Beschwerdeführer keine konkre- ten Probleme mit den kurdischen Behörden geltend gemacht hat. Den Akten sind auch keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass er die lo- kalen Sicherheitskräfte in der Vergangenheit vergeblich um Hilfe ange- rufen hätte Aus seinen Aussagen geht hervor, dass er weder die Schüsse noch die Drohungen bei den Sicherheitsbehörden angezeigt hat (vgl. A16, S. 12 und 16), dies allerdings nicht aufgrund von schlechten Erfahrungen, sondern lediglich deshalb, weil er glaubte, die Behörden würden ihm nicht helfen, da er früher kritische Artikel über die kurdischen Behörden verfasst habe. Im Ergebnis ist festzustellen, dass keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, die grundsätzlich schutzfähigen nordirakischen Sicherheitskräfte (vgl. dazu BVGE 2008/4) würden dem Beschwerdeführer den notwendigen Schutz im Bedarfsfall verweigern. Auch aus diesem Grund sind die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers als nicht asylrelevant zu bezeichnen. Seite 12D-5628/2008 5.2 Der Beschwerdeführer führt auf Beschwerdeebene aus, er setze sich in der Schweiz aktiv gegen den Genozid der Kurden in Kurdistan ein. Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens liess er in diesem Zu- sammenhang ein Bestätigungsschreiben der CHAK vom 10. Juni 2008 einreichen (vgl. A26). Allerdings führt der Beschwerdeführer nicht nä- her aus, inwiefern ihm infolge dieser exilpolitischen Tätigkeit im Nord- irak Probleme entstehen könnten. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die nordirakischen Behörden, welchen mehrheitlich ethnische Kurden angehören, den Beschwerdeführer wegen seines exilpolitischen Enga- gements für die Interessen der Kurden bei einer Rückkehr in den Nordirak in asylrelevanter Weise verfolgen würden. Dieses Sachver- haltselement vermag daher die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer- deführers ebenfalls nicht zu begründen. 5.3 Seitens des Beschwerdeführers wird schliesslich vorgebracht, er habe nach seiner Ankunft in der Schweiz mit dem Studium der Bibel bei den Zeugen Jehovas begonnen; sein formeller Beitritt sowie die Taufe stünden bald bevor. Der Beschwerdeführer befürchtet, bei einer Rückkehr in den Nordirak deswegen in asylrelevanter Weise verfolgt zu werden. Er untermauert seine Vorbringen mit entsprechenden Be- stätigungsschreiben von Mitgliedern der Zeugen Jehovas vom 1. Sep - tember 2008 und 27. November 2008 sowie einem Schreiben der Fö- deration irakischer Flüchtlinge vom 29. September 2008. Dazu ist vor- ab festzustellen, dass sich die Lage der Christen im Irak seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im Frühjahr 2003 tatsächlich landesweit erheblich verschlechtert hat. Allerdings ist dabei zu berück- sichtigen, dass sich Übergriffe auf Angehörige der christlichen Minder- heiten vorab auf den Süd- und den Zentralirak konzentrieren. Hinge- gen geht das Bundesverwaltungsgericht nach einer umfassenden Be- urteilung der Situation in den drei nordirakischen Provinzen Dohuk, Suleimaniya und Erbil davon aus, dass die Sicherheits- und Justizbe- hörden dieser drei irakisch-kurdischen Provinzen grundsätzlich in der Lage und auch Willens sind, den Einwohnern Schutz vor Verfolgung zu gewähren, und zwar auch den dort ansässigen Christen (vgl. BVGE 2008/4, insbes. E 6.5 und E 6.6.6). Vorab die Angehörigen der traditio- nellen christlichen Gemeinschaften in Irakisch-Kurdistan (namentlich die Assyrer und Chaldäer) können im Allgemeinen durchaus auf die Toleranz der muslimischen Mehrheit zählen und werden in der Aus- übung ihrer Religion nicht behindert (vgl. a.a.O., E 6.6.6 S. 70). Einzig christlich-evangelische Kirchen nach westlichem Vorbild stossen auf eine gewisse Ablehnung, da diese seit dem Sturz des Saddam-Regi- Seite 13D-5628/2008 mes in den Nordirak drängen und dort missionarisch tätig werden wol- len, was jedoch nicht nur bei den Muslimen, sondern auch bei den alt- eingesessenen Christen für eine gewisse Irritation sorgt, da von deren Seite offensive Bekehrungstätigkeiten stets abgelehnt wurden. Auch Konvertiten stossen auf eine gewisse Intoleranz. Dennoch kommt es im Nordirak zu zahlreichen Konversionen, und es kann auch in Bezug auf diese Personengruppe nicht von einer kollektiven Verfolgung oder einem „real risk“ gesprochen werden (vgl. M ICHELLE ZUMOFEN , Irak: Situa- tion von religiösen Minderheiten in den von der KRG verwalteten Pro- vinzen Sulaimaniyah, Erbil und Dohuk, Themenpapier der SFH-Län- deranalyse, 10. Januar 2008, S. 14). Für den vorliegenden Fall ist zu- nächst darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer den Akten zu- folge bisher noch gar nicht offiziell konvertiert ist, weshalb sich nur schwer abschätzen lässt, ob seine Hinwendung zu den Zeugen Jeho- vas tatsächlich ernsthaft und nachhaltig ist. Falls der Beschwerdefüh- rer jedoch dereinst als Konvertit in den Nordirak zurückkehrt, ist nicht auszuschliessen, dass er dort – namentlich auf privater Ebene – bei Bekanntwerden seines Glaubenswechsels mit Intoleranz sowie gewis- sen Schikanen und Diskriminierungen im Alltagsleben konfrontiert sein könnte. Hingegen ist gestützt auf die vorstehenden Ausführungen nicht davon auszugehen, dass er im Nordirak deswegen ernsthafte Nachtei- le im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG erleiden würde. Die Flüchtlingsei- genschaft des Beschwerdeführers ist daher auch mit Blick auf die gel- tend gemachte Konversion zu verneinen. Eine Zeugeneinvernahme der beiden Seelsorger der Zeugen Jehovas betreffend die Frage des möglichen Taufzeitpunkts etc. (vgl. die Eingabe vom 2. Dezember 2008) könnte an dieser Einschätzung nichts ändern, weshalb darauf verzichtet werden kann. 5.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorbringen des Be- schwerdeführers insgesamt als unglaubhaft beziehungsweise nicht asylrelevant qualifiziert werden müssen. Die weiteren Vorbringen in der Beschwerde vermögen an diesem Ergebnis nichts zu ändern, weshalb darauf an dieser Stelle nicht mehr näher einzugehen ist. Auf die in der Beschwerde beantragte ergänzende Befragung des Beschwerdefüh- rers betreffend den genauen Inhalt seines Artikels (vgl. Ziffer 9 der Be- schwerdeschrift) kann mit Blick auf die vorstehenden Erwägungen ebenfalls verzichtet werden. Da es dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten nicht gelungen ist, Gründe nach Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, ist seine Flüchtlingseigenschaft Seite 14D-5628/2008 zu verneinen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch hat er Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgeset- zes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän- ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land ge- zwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht- linge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Be- handlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art un- menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. Seite 15D-5628/2008 Unter Berücksichtigung der vorgenannten völker- und landesrechtli- chen Bestimmungen ist der Vollzug der Wegweisung im vorliegenden Fall als zulässig zu erachten. Dem Beschwerdeführer ist es nicht ge- lungen, eine asylrechtlich relevante erhebliche Gefährdung nachzuwei- sen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhalts- punkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den kurdisch kontrollierten N ordirak dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nach- weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen). Aufgrund der Akten sowie der vorstehenden Erwägungen ist jedoch nicht davon auszugehen, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Nordirak eine derartige Ge- fahr droht. Die allgemeine Sicherheits- und Menschenrechtslage im kurdischen Nordirak lässt den Wegweisungsvollzug dorthin zum heuti- gen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2008/4 E. 6.2 ff. und 6.6). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg- weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Be- stimmungen zulässig. 7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.2.1Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Grundsatzur- teil vom 14. März 2008 (BVGE 2008/5) ausführlich mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den kurdisch verwalteten Nordirak befasst. Es gelangte dabei zum Schluss, dass in den drei kur- dischen Provinzen im Nordirak (Dohuk, Suleimaniya und Erbil) keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die politische Lage nicht Seite 16D-5628/2008 dermassen angespannt ist, dass eine Rückführung dorthin generell als unzumutbar qualifiziert werden müsste. Da die Region mittels Direkt- flügen aus dem Ausland erreicht werden kann, entfällt das Argument der unzumutbaren Rückreise via Bagdad und den Zentralirak. Die Be- jahung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den Nordirak setzt dem erwähnten Urteil zufolge jedoch in individueller Hinsicht vor- aus, dass die betroffene Person ursprünglich aus einer der drei nord- irakischen Provinzen stammt oder zumindest während längerer Zeit dort gelebt hat und dort über ein soziales Netz oder über Beziehungen zu den herrschenden Parteien verfügt. Zurückhaltung ist geboten bei Personen, welche einer Risikogruppe angehören (namentlich Familien mit Kindern, alleinstehende Frauen ohne spezielle Berufsbildung, Kranke und Betagte, Kurden mit Herkunft ausserhalb der drei Provin- zen Dohuk, Suleimaniya und Erbil, Nichtkurden aus dem Süd- und Zentralirak). Die Anordnung des Wegweisungsvollzugs ist nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts demnach in der Re- gel zumutbar für alleinstehende, gesunde und junge kurdische Män- ner, welche ursprünglich aus einer der drei nordirakischen Provinzen stammen und dort nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibe- ziehungen verfügen. 7.2.2Für den vorliegenden Fall ist Folgendes festzustellen: Der heute (...)-jährige Beschwerdeführer ist ethnischer Kurde und stammt aus der Provinz Erbil, wo er von seiner Geburt bis zur Ausreise gelebt hat. Er verfügt über eine gute Ausbildung und war vor der Ausreise mehre- re Jahre als Gymnasiallehrer und Journalist tätig. Gesundheitliche Pro- bleme, welche einem Wegweisungsvollzug allenfalls entgegenstehen könnten, sind nicht aktenkundig. Dem Protokoll der kantonalen Anhö- rung vom 17. April 2007 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in der Provinz Erbil über recht viele Verwandte verfügt (vgl. A16, S. 5 und 6). In der Replik vom 27. Oktober 2008 wird nun vorgebracht, die Familienangehörigen des Beschwerdeführers hätten im August 2008 ihr Haus verkauft und seien aus dem Nordirak in Richtung Europa ge- flohen. Wie bereits oben in E. 5.1 ausgeführt wird, ist dieses Vorbrin- gen indessen wenig glaubhaft. Es ist insbesondere unrealistisch, dass gleich alle Familienangehörigen des Beschwerdeführers gleichzeitig und mit unbekanntem Ziel den Nordirak verlassen haben. Im Übrigen erwähnt der Beschwerdeführer in der Replik nur ein Haus, welches verkauft worden sei, woraus zu schliessen ist, dass – wenn überhaupt – nicht alle seiner zahlreichen Angehörigen den Nordirak verlassen haben. Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in Er- Seite 17D-5628/2008 bil nach wie vor über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz ver- fügt, welches ihn bei Bedarf bei der wirtschaftlichen und sozialen Re- integration unterstützen könnte. Mit Blick auf die Ausführungen unter E. 5.3 ist es im Weiteren als unwahrscheinlich zu erachten, dass der Beschwerdeführer in seiner Herkunftsregion aus religiösen Gründen einer ernsthaften individuellen Gefährdung ausgesetzt wäre. Bei die- ser Sachlage ist nicht damit zu rechnen, dass er bei einer Rückkehr in den Nordirak in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Vollzug der Wegweisung ist daher insgesamt als zumutbar zu erachten. 7.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der von der Vorinstanz ver- fügte Wegweisungsvollzug in Übereinstimmung mit den zu beachten- den Bestimmungen steht und zu bestätigen ist. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bun- desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 9. 9.1 Mit Zwischenverfügung vom 9. September 2008 wurde dem Be- schwerdeführer unter anderem mitgeteilt, dass über das in der Be- schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG im Endentscheid be- funden werde. Gleichzeitig wurde er aufgefordert, umgehend einen Beleg für die geltend gemachte Bedürftigkeit einzureichen. Dieser Nachweis wurde indessen bis heute nicht erbracht. Im Übrigen war der Beschwerdeführer den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts zufolge (mit Unterbrüchen) seit Februar 2008 erwerbstätig und ist im heutigen Zeitpunkt in einem Gastgewerbebetrieb angestellt. Bei dieser Sachlage ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege abzuweisen. Seite 18D-5628/2008 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf ins- gesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) Seite 19D-5628/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N _______ (in Kopie) - das _______ (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Versand: Seite 20