Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. Juni 2020 (810 19 298) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Staatssteuer 2016 / privilegierte Liquidationsbesteuerung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clau- sen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdefüh- rerin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Beschwerdegegner A.____ und B.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Christoph Beer, Advokat Einwohnergemeinde C.____ , Beigeladene Betreff Staatssteuer 2016 (Urteil der Abteilung Steuergericht vom 9. August 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Gesuch vom 8. Juni 2018 verlangten A.____ und B.____, vertreten durch D.____, bei der Steuerverwaltung Basel-Landschaft (Steuerverwa ltung) die Revision ihrer Steuerveran- lagung aus dem Jahr 2016. Sie beantragten, es seien d ie Staats-, Gemeinde- und Bundessteu- er 2016 zu revidieren, es sei das ordentliche steuerbar e Einkommen 2016 um Fr. 50'000.-- zu reduzieren und es seien die im Jahr 2016 realisierten st illen Reserven in der Höhe von Fr. 50'000.-- im Rahmen der privilegierten Liquidati onsbesteuerung zu besteuern. Ihr Begehren begründeten sie im Wesentlichen damit, dass die Steuerpflichtigen im Jahr 2016 stille Reserven im Umfang von Fr. 50'000.-- (Reduktion der Rückstellung von Fr. 370'000.-- auf Fr. 320'000.--) realisiert und ordentlich als Einkommen versteuert hätt en. Da die Steuerpflichtigen jetzt ent- schieden hätten, ihre selbständige Erwerbstätigkeit per 31. Dezember 2017 aufzugeben, seien die stillen Reserven der letzten zwei Geschäftsjahre privile giert als Liquidationsgewinne zu ver- steuern. Dies sei eine wesentliche Tatsache, welche ni cht im ordentlichen Veranlagungsverfah- ren habe geltend gemacht werden können, da sie zu diese m Zeitpunkt noch nicht bekannt ge- wesen sei. B. Die Steuerverwaltung wies das Gesuch vom 8. Juni 2018 mit Entscheid vom 15. Februar 2019 ab. Zur Begründung wurde im Wesent lichen ausgeführt, dass Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit der ordentlichen Besteueru ng unterliegen würden, wenn nicht ausnahmsweise ein Liquidationsgewinn bestehe. Ein solche r Gewinn bedinge einen hinrei- chend engen Zusammenhang zwischen Liquidation und Realisation. Ein umfassender Einbezug aller realisierten stillen Reserven könne gesetzgeberisch nicht gewollt sein. Im vorliegenden Fall sei die erforderliche Kausalität zwischen Liquidation u nd Realisation nicht gegeben. Eine Auflö- sung von stillen Reserven zu einem Zeitpunkt, in welche m man noch nichts von einer Liquidati- on gewusst habe, könne nicht in einem Kausalzusammenhan g mit der später erfolgten Liquida- tion stehen. C. Gegen den Entscheid der Steuerverwaltung erhoben A .____ und B.____, nachfolgend vertreten durch Christoph Beer, Advokat, mit Eingabe vo m 21. Februar 2019 Rekurs beim Steuer- und Enteignungsgericht Basel-Landschaft, Abtei lung Steuergericht (Steuergericht). Sie beantragten, die Veranlagung 2016 sei gemäss Revisionsg esuch zu revidieren und die stillen Reserven im Umfang von Fr. 50'000.-- seien gesondert als Liquidationsgewinn zu besteuern; unter o/e-Kostenfolge. D. Mit Entscheid vom 9. August 2019 hiess das Steuergerich t den Rekurs im Sinne der Erwägungen teilweise gut und wies die Steuerverwaltung an, Fr. 28'572.-- privilegiert als Liqui- dationsgewinn zu besteuern. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Re- visionsvoraussetzungen gemäss § 132 StG vorliegend erfül lt seien. Namentlich sei der Ent- scheid, aus der Kollektivgesellschaft auszutreten, geeigne t, den der Veranlagung im Jahr 2016 zugrunde gelegenen Sachverhalt wesentlich zu verändern und zu einer anderen Entscheidung Anlass zu geben, da jetzt eine privilegierte Besteuerung gemäss § 36 bis StG in Betracht komme. Ferner würden die per 31. Dezember 2016 aufgelösten Rückstellungen für die Gipfeltriebernte in der Höhe von Fr. 50'000.-- als stille Reserven gelten . Es sei unerheblich, dass diese stillen Reserven nicht im Hinblick auf die Liquidation aufgelös t worden seien und der Liquidationsent- scheid zum Zeitpunkt der Reservenauflösung noch nicht g efällt worden sei. Für die Gewinnzu- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilung bei Kollektivgesellschaften sei jedoch der Verteilschlüssel im Gesellschaftsvertrag mass- gebend. Dieser Verteilschlüssel sehe vor, dass A.____ 3/7, B.____ 1/7 und E.____ 3/7 erhalten würden. Somit seien die aufgelösten stillen Reserven in der Höhe von Fr. 50'000.-- gemäss dieser Aufteilung zuzuweisen. A.____ und B.____ würde n demzufolge Fr. 28'572.-- zur privile- gierten Besteuerung zugewiesen. E. Die Steuerverwaltung erhob gegen den Entscheid des S teuergerichts vom 9. August 2019 mit Eingabe vom 7. November 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgeri cht). Es wird beantragt, die ange- fochtenen Entscheide des Steuergerichts Nr. 510 19 21 ( Staatssteuer 2016) und Nr. 530 19 14 (Direkte Bundessteuer 2016) seien aufzuheben. Die in de r gleichen Sache ergangenen Ent- scheide der Steuerverwaltung vom 15. Februar 2019 sei en zu bestätigen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung wird im Wesentlichen ang eführt, dass ein Liquidationsgewinn im Sinne von § 36 bis StG einen hinreichenden Kausalzusammenhang mit der Realisation von stillen Reserven voraussetze. Im vorliegenden Fall seien gebildet e Rückstellungen reduziert worden, weil das bisherige Helikopterunternehmen für die Gipfe ltriebernte abgelöst und durch ein güns- tigeres Unternehmen ersetzt worden sei. Die Gipfeltrie bernte werde periodisch alle vier Jahre mit einem Helikopter durchgeführt, was sehr kosteninte nsiv sei. Auch nach dem Ausscheiden der Steuerpflichtigen werde die Gesellschaft diese Gip feltriebernte weiterführen, womit die be- treffenden Rückstellungen nach wie vor handelsrechtlich b egründet seien. Die Reduktion der Rückstellungen für die Gipfeltriebernte habe somit keine n Zusammenhang mit der Liquidation der Gesellschaft bzw. dem Ausscheiden der Steuerpflichti gen. Zudem sei die Kollektivgesell- schaft per Juni 2018 über den Umweg einer Einzelfirma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden. Das Liquidationsjahr sei somit das Jahr 2018. Z usammen mit dem Liquidationsjahr käme nur das Vorjahr 2017 für eine privilegierte Besteuerung von stillen Reserven in Frage. F. Das Steuergericht liess sich mit Eingabe vom 19. Dezem ber 2019 vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Zusätzlich wurde ang eführt, dass die Auflösung von Rückstellungen der Auflösung von stillen Reserven gleichk omme. Anderweitige Möglichkeiten, die eingelegten finanziellen Mittel aus der Firma zur ückzuziehen, hätten aufgrund der finanziel- len Situation der Gesellschaft nicht bestanden. G. Mit Eingabe vom 28. Januar 2020 liessen sich die pri vaten Beschwerdegegner ver- nehmen und beantragten, die Entscheide des Steuergerichts seien aufzuheben und die Steuer- verwaltung sei anzuweisen, die gesamten stillen Reserven im Umfang von Fr. 50'000.-- gemäss Revisionsgesuch als Liquidationsgewinn zu besteuern; un ter o/e-Kostenfolge. Ferner machen sie geltend, sie hätten im Juni 2018 entschieden, ihre E rwerbstätigkeit per Ende 2017 aufzuge- ben und hätten im Jahr 2018 keine Arbeitsleistungen mehr erbracht und keine Entschädigungen mehr bezogen. Bei den betreffenden Rückstellungen für die Helikopterernte handle es sich zum grössten Teil um stille Reserven, die vor vielen Jahren gebildet worden seien. Per 31. Dezem- ber 2015 sei eine Rückstellung von Fr. 370'000.-- vorha nden gewesen. Betriebswirtschaftlich notwendig seien Fr. 0.-- gewesen, da in diesem Jahr d ie Gipfeltriebernte stattgefunden habe. Bei der Reduktion der Rückstellung von Fr. 370'000.-- a uf Fr. 320'000.-- im Geschäftsjahr 2016 handle es sich daher um die Auflösung stiller Reserven. Die drei Gesellschafter hätten sich da- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rauf geeinigt, die fraglichen stillen Reserven ausschlie sslich den beiden ausscheidenden Ge- sellschaftern zuzuordnen. H. Mit Verfügung vom 23. April 2020 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung im Rah- men einer Urteilsberatung überwiesen. Weiter wurde fe stgestellt, dass die beiden Beschwerde- verfahren Nr. 810 19 298 und Nr. 810 19 299 zusammen behandelt würden, da inhaltlich glei- che Entscheide angefochten seien. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Nach § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts mit Ve rwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht angefochten werden. Die kantonale Steue rverwaltung ist nach § 131 Ab. 2 lit. c StG zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da sämtliche w eiteren formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, kann auf di e vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Mit der Beschwerde in Steuersachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Ve rfahrens gerügt werden. Somit kann das Kantonsgericht vorliegend auch die Angemessenhei t des angefochtenen Entscheids überprüfen. Gemäss § 18 Abs. 3 VPO ist das Kantonsgericht bei Beschwerden in Steuersachen nicht an die Begehren der Parteien gebunden und es st ehen ihm die gleichen Befugnisse zu wie den Einschätzungsbehörden. 3.1 Vorliegend ist strittig, ob die Liquidation der Kollektivgesellschaft "F.____" bzw. das Ausscheiden der beiden Gesellschafter A.____ und B.____ einen Revisionsgrund für die Staatssteuer 2016 darstellt. 3.2 Nach der im Steuerrecht allgemein gültigen Regel trägt die Steuerbehörde die Beweis- last für steuerbegründende Tatsachen, während der Bewe is für steueraufhebende oder steuer- mindernde Tatsachen grundsätzlich dem Steuerpflichtige n obliegt und er steuermindernde Tat- sachen nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen h at (BGE 140 II 248 E. 3.5 m.w.H.). Bei der vorliegend geltend gemachten privilegierten Li quidationsbesteuerung handelt es sich um steuermindernde Tatsachen, welche von den privaten Beschwerdegegnern zu belegen sind. 4.1 Gegen die Veranlagungsverfügungen zur Bundes- und Staatssteuer 2016 wurden in- nert der 30-tägigen Frist keine Rechtsmittel erhoben. Diese Veranlagungsverfügungen erwuch- sen somit in Rechtskraft. Die privaten Beschwerdegegner haben nach eigenen Angaben am 6. Juni 2018 entschieden, aus der Kollektivgesellschaft a uszuscheiden und die entsprechende Meldung wurde am 11. Juni 2018 im Tagesregister des Schw eizerischen Handelsamtsblatts (SHAB) publiziert. Ihr Revisionsgesuch reichten die priva ten Beschwerdegegner mit Eingabe Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 8. Juni 2018 bei der Beschwerdeführerin ein, womi t die 90-tägige Frist gemäss § 132 Abs. 3 StG eingehalten wurde. 4.2.1 Gemäss § 132 Abs. 1 StG kann eine rechtskräftige V eranlagung oder ein rechtskräfti- ger Entscheid auf Antrag oder von Amtes wegen zugunsten des Steuerpflichtigen revidiert wer- den, wenn erhebliche Tatsachen oder entscheidende Bewei smittel entdeckt werden (lit. a), wenn die erkennende Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel, die ihr bekannt waren oder bekannt sein mussten, ausser Acht gela ssen oder in anderer Weise we- sentliche Verfahrensgrundsätze verletzt hat (lit. b) oder wenn ein Verbrechen oder Vergehen die Verfügung oder den Entscheid beeinflusst hat (lit . c). Eine Revision ist jedoch ausgeschlos- sen, wenn der Antragsteller als Revisionsgrund vorbringt, was er bei der ihm zumutbaren Sorg- falt schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend ma chen können (§ 132 Abs. 2 StG). Die Be- stimmung in § 132 StG ist identisch mit den Bestimmunge n in Art. 147 DBG und Art. 51 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steu ern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990, weshalb nachfolgend auf die Literatur und Rechtsprechung zum DGB und StHG verwiesen werden kann. 4.2.2 Eine Revision kommt zunächst dann in Frage, wenn erhebliche ("entscheidende") Tat- sachen oder Beweismittel entdeckt werden (§ 132 Abs. 1 lit. a StG). Damit soll ein falscher oder unvollständiger Sachverhalt, der einer Veranlagung res p. einem Entscheid zugrunde liegt, nachträglich berichtigt oder ergänzt werden. Aufgrund dieses Revisionsgrundes wird der korrek- te, entscheidungserhebliche Sachverhalt festgestellt und gestützt darauf soll eine neue Beurtei- lung auf verbesserter Grundlage stattfinden. Der ursprün gliche Mangel einer rechtskräftigen Veranlagung resp. eines rechtskräftigen Entscheids wir d infolge Entdeckung entscheidender Tatsachen oder Beweismittel nachträglich beseitigt (M ARTIN E. LOOSER , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht Bundesg esetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [Komm entar StGH], 3. Auflage, Basel 2017, N 10 zu Art. 51 StGH). 4.2.3 Tatsachen im gegebenen Kontext sind Zustände oder Vorgänge (Ereignisse), die den gesetzlichen Steuertatbestand betreffen. Anlass für ein e Revision sind nur erhebliche Tatsa- chen. Eine Tatsache ist erheblich, wenn sie geeignet is t, den von der rechtsanwendenden In- stanz zugrunde gelegten Sachverhalt rechtsrelevant zu ve rändern und dadurch zu einer ande- ren Entscheidung Anlass zu geben. Als erhebliche Tatsache n, die eine Revision auslösen kön- nen, gelten grundsätzlich diejenigen, die nachträglich entdeckt werden (sog. unechte Noven), nicht aber solche, die nachträglich eingetreten sind. Ech te Noven sind somit grundsätzlich von der Revision ausgeschlossen. Gemäss der bundesgerichtlichen Praxis müssen sich also die Tatsachen, die dem Gesuchsteller nachträglich bekannt wu rden, im Zeitpunkt der Verfügung resp. des Entscheids verwirklicht haben bzw. bereits bestan den haben, den Gesuchstellern aber noch nicht bekannt gewesen sein (vgl. P ETER LOCHER , Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, III. Teil, Art.102-22 2 DBG, Basel 2015, N 14 zu § 147 DBG m.w.H.; FELIX RICHNER /W ALTER FREI /S TEFAN KAUFMANN /H ANS ULRICH MEUTER , Handkommen- tar zum DBG, 3. Auflage, Zürich 2016, N 18 f. zu Art. 147 DBG). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Vorliegend haben die privaten Beschwerdegegner am 6. Juni 2018 die Aufgabe ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit rückwirkend per 31. Dezemb er 2017 beschlossen. Dieser Ent- scheid ist somit offensichtlich erst nach der für die Vera nlagung des Steuerjahres 2016 mass- gebenden Zeitspanne entstanden. Im Zeitpunkt der Ver anlagung des Jahres 2016 hat der Ent- scheid, aus der Kollektivgesellschaft auszusteigen, noch ni cht bestanden. Der Entscheid zur Aufgabe der selbständigen Tätigkeit ist augenscheinlic h erst nachträglich gefällt worden und stellt daher ein echtes Novum dar, welches einen Revision sgrund gemäss § 132 StG aus- schliesst. 5.1.1 Neben den Revisionsgründen in § 132 StG sieht § 3 6 bis StG eine nachträgliche Heraus- lösung des Liquidationsgewinnes der letzten beiden Geschä ftsjahre aus rechtskräftigen Veran- lagungen von selbständig Erwerbenden, welche die selbst ändige Erwerbstätigkeit nach dem vollendeten 55. Altersjahr oder wegen Unfähigkeit zur Weiterführung infolge Invalidität definitiv aufgegeben haben, vor. § 36 bis Abs. 1 StG schafft insofern eine Privilegierung, als d ie Summe der realisierten stillen Reserven der letzten beiden G eschäftsjahre vor der Aufgabe der selb- ständigen Erwerbstätigkeit mittels einer Sonderveranlagu ng zu einem reduzierten Steuersatz und getrennt vom übrigen Einkommen besteuert wird. S omit ist der Liquidationsgewinn der Vorperiode des Liquidationsjahres revisionsweise aus der en (rechtskräftig festgesetzter) Be- messungsgrundlage herauszulösen und der privilegierten Besteuerung zuzuführen. Das übrige steuerbare Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit der Vorperiode, welches ordentlich besteuert bleibt, reduziert sich damit um den Liquidat ionsgewinn (O LIVIER MARGRAF , Ausge- wählte Aspekte des Revisionsverfahrens gemäss Art. 147-149 DBG, Steuer Revue [StR] 69/2014 S. 76, S. 82; PETER LOCHER , a.a.O., N 5 zu Art. 37b DBG). Die gleichlautende B estim- mung in Art. 37b DBG wurde im Rahmen der Unternehme nssteuerreform II eingeführt, mit dem Ziel, die infolge der Progression des Steuertarifs oft als stossend empfundene steuerliche Be- lastung zu mildern, welche entsteht, wenn die im Lauf e der Zeit akkumulierten stillen Reserven im Zuge der Unternehmensliquidation auf einen Schlag aufgelöst werden (Botschaft zum Bun- desgesetz über die Verbesserung der steuerlichen Rahmen bedingungen für unternehmerische Tätigkeiten und Investitionen vom 22. Juni 2005 [Botsch aft Unternehmenssteuerreformgesetz II]). 5.1.2 Zusammen mit § 36 bis StG ist die Verordnung über die Besteuerung der Liqui dations- gewinne bei definitiver Aufgabe der selbständigen Erw erbstätigkeit (LGBV BL) vom 14. Dezember 2010 in Kraft getreten. Nach § 36 bis StG bemisst sich der Liquidationsgewinn aus der Summe der in den letzten zwei Geschäftsjahren real isierten stillen Reserven. Als Liquida- tionsjahr wird dasjenige Geschäftsjahr bezeichnet, in de m die Liquidation abgeschlossen wird (§ 2 LGBV BL). Der Zeitpunkt des Abschlusses der Liquida tion ist im Einzelfall zu klären. In der Regel ist eine Liquidation abgeschlossen, wenn die letzte Inkassohandlung eingeleitet ist. Da es sich dabei manchmal um marginale Beträge handeln kann, sollen jedoch auch andere Umstän- de das Ende der Liquidation darstellen können, so zum Beispiel, wenn die Erwerbs- und Ver- kaufstätigkeiten eingestellt und/oder die Arbeitsvertr äge mit den Angestellten aufgelöst werden (Kreisschreiben der ESTV Nr. 28, Besteuerung der Liquid ationsgewinne bei definitiver Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit vom 3. November 20 10 [Kreisschreiben Nr. 28], S. 4). Zur Bemessung des Liquidationsgewinnes hält § 9 LGBV BL fest , dass der übrige Liquidationsge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht winn die im Liquidationsjahr und im Vorjahr realisier ten stillen Reserven umfasst. Ist die Veran- lagung des Vorjahres bereits in Rechtskraft erwachsen, s o wird sie bei der Anwendung von § 36 bis StG nach § 132 StG revidiert (vgl. Kreisschreiben Nr. 2 8, S. 4 f.; R ICHNER /F REI /KAUF - MANN /MEUTER , a.a.O., N 14 zu Art. 37b DBG). Der privilegierten Besteuerung i.S.v. § 36 bis StG unterliegen demzufolge die realisierten stillen Reserven des Liquidations- und des Vorjahres (§ 9 LGBV BL i.V.m. § 2 LGBV BL). 5.2.1 Die Steuererleichterung gemäss § 36 bis StG soll nur gewährt werden für Gewinne, die bei der endgültigen Übertragung oder Liquidation ei nes Unternehmens anfallen. Wenn ein Un- ternehmen während seines Bestandes einen Teil seiner Ge schäftsaktiven veräussert und dadurch ausserordentliches Einkommen erzielt, so gilt die ses weiterhin als Bestandteil des ge- samthaft zu besteuernden Nettoeinkommens (vgl. Botschaft Unternehmenssteuerreformgesetz II, S. 4824). Erforderlich ist somit stets ein hinreich ender Kausalzusammenhang zwischen Rea- lisation und Liquidation, wobei sich die Realisation a ls unmittelbare Folge der Liquidation dar- stellt. Ein Beispiel ist die Veräusserung eines unter d em Verkehrswert bewerteten Bürogebäu- des (Anlagevermögen), das aufgrund der beendigten Erw erbstätigkeit nicht mehr benötigt wird. Gleiches gilt für das Warenlager (Umlaufvermögen), da s auf den Nachfolger übertragen wird und bisher zu den Anschaffungskosten bewertet war. In e inem solchen Fall ist unstreitig, dass die Aufdeckung der stillen Reserven einzig auf die Liqu idation zurückzuführen ist. So oder an- ders ist die privilegierte Besteuerung geboten, denn oh ne Liquidation wäre es mutmasslich (zumindest in absehbarer Zeit) zu keiner Realisation der stillen Reserven gekommen. Der buchhalterische Charakter - Umlauf- oder Anlagevermögen - kann mit Blick auf diese Konzepti- on keine Rolle spielen. Massgebend ist vielmehr der darg elegte Kausalzusammenhang zwi- schen Liquidation und Realisation (Urteil des Bundesgerichts 2C_302/2018 vom 9. August 2018 E. 2.2.6; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfass ungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 8. März 2019 [810 18 329] E. 5.2.4; § 1 Abs. 3 lit. a LGBV BL). 5.2.2 Wo nicht (nur) die Liquidation zur Realisation der stillen Reserven führt, soll es bei der angestammten Besteuerung bleiben. Entsprechend unterli egen Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit den ordentlichen Regeln, soweit nicht ausnahmsweise ein wahrer Liquidati- onsgewinn im Sinne von § 36 bis StG gegeben ist. Nichts anderes ergibt sich aus § 1 Abs. 3 lit. a LGBV BL, wonach vom sachlichen Anwendungsbereich der V erordnung Einkünfte aus selb- ständiger Erwerbstätigkeit und andere Einkünfte, die nicht aus der Liquidation stammen ausge- nommen sind. Mit dieser Formulierung wird der Normgeh alt von § 36 bis StG präzisiert. Mit der Bestimmung in § 36 bis StG wird die Absicht verfolgt, über Jahre akkumulierte stille Reserven privilegiert auflösen zu können. Nicht beabsichtigt ist hi ngegen die Möglichkeit, willkürlich or- dentliche Einnahmen zu privilegieren (vgl. Urteil des B undesgerichts 2C_302/2018 vom 9. August 2018 E. 2.2.7; KGE VV vom 8. März 2019 [810 18 329] E. 5.2.4). 5.3 Die privaten Beschwerdegegner haben unbestrittenerm assen erst im Mai 2018 mit den Überlegungen zur Aufgabe ihrer selbständigen Erwerbstä tigkeit begonnen. Erst am 6. Juni 2018 haben sie definitiv beschlossen, ihre sel bständige Erwerbstätigkeit aufzugeben. Dementsprechend wurde in der Folge die Kollektivgesel lschaft "F.____" im Handelsregister per Tagesregistereintrag vom 11. Juni 2018 in die Einzelf irma "G.____" umgewandelt. Den Ausfüh- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen der privaten Beschwerdegegner, wonach sie ihre selbständige Tätigkeit rückwirkend per 31. Dezember 2017 aufgegeben hätten, kann nicht gefolgt werden. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt, kann ein Entschluss zur Aufgabe der Erw erbstätigkeit insbesondere mit Blick auf die Rechtssicherheit grundsätzlich nur für die Z ukunft und die Gegenwart gefasst wer- den. Vor diesem Hintergrund wurden die Aufgabe der s elbständigen Erwerbstätigkeit der priva- ten Beschwerdegegner und die daraus folgende Liquidati on ihrer Kollektivgesellschaft offen- sichtlich im Jahr 2018 beschlossen und vollzogen. Damit stel lt das Geschäftsjahr 2018 das Li- quidationsjahr im Sinne von § 36 bis StG dar. Folglich kommt neben dem Geschäftsjahr 2018 nur das Vorjahr 2017 für eine privilegierte Besteuerung der während diesen beiden Geschäftsjahren realisierten stillen Reserven in Frage (vgl. § 9 LGBV BL). Das vorliegend strittige Geschäftsjahr 2016 fällt somit nicht mehr in den Anwendungsbereich von § 36 bis StG, was eine privilegierte Besteuerung der in diesem Jahr angeblich realisierten st illen Reserven ausschliesst. Überdies vermögen die privaten Beschwerdegegner für die erfolgt e Reduktion bzw. Ausbuchung der Rückstellungen für die Gipfeltriebernte im Geschäftsjahr 2016 keinen kausalen Zusammenhang zur Aufgabe ihrer selbständigen Tätigkeit bzw. zur Liqu idation der Kollektivgesellschaft im Jahr 2018 zu begründen. Ein solcher lässt sich auch aus den vorl iegenden Akten nicht entnehmen. Es liegt vielmehr nahe, die Ausbuchung der Rückstellung en auf den ordentlichen Betrieb der Kollektivgesellschaft zurückzuführen, zumal der Entscheid z ur Aufgabe der selbständigen Er- werbstätigkeit erst im Jahr 2018 gefällt wurde und som it offensichtlich nicht kausal sein konnte für die Reduktion der Rückstellungen im Jahr 2016. Die Reduktion und Ausbuchung wurde un- abhängig von der zwei Jahre später erfolgten Liquidat ion vorgenommen und wäre auch ohne diese erfolgt. Die privaten Beschwerdegegner geben selb er an, dass die Reduktion der Rück- stellungen darauf zurückzuführen sei, dass das bisher für d ie Gipfeltriebernte vorgesehene He- likopterunternehmen durch ein günstigeres Unternehmen a bgelöst worden sei. Es kann sich insofern bei der Ausbuchung der Rückstellungen für die Gipfelernte im Jahr 2016 nicht um ei- nen Gewinn aus der Liquidation im Jahr 2018 handeln. Eine privilegierte Besteuerung gemäss § 36 bis StG ist damit auch aus diesem Grund nicht gerechtfertigt. 5.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Voraussetzung en von § 36 bis StG nicht erfüllt sind und insbesondere die Aufgabe der selbstän digen Tätigkeit bzw. die Liquidation der Kollektivgesellschaft im Jahr 2018 in keinem Kausalzusamm enhang zur Reduktion und Ausbu- chung der Rückstellungen im Jahr 2016 steht. Ein Revisionsg rund für die rechtskräftige Veran- lagung der Staatssteuer 2016 liegt nicht vor. Die im a ngefochtenen Entscheid gewährte privile- gierte Besteuerung der Rückstellungsausbuchung in der H öhe von Fr. 28'572.-- für die Gipfel- triebernte im Geschäftsjahr 2016 ist demzufolge rechtswidrig. Ob es sich bei der Reduktion und Ausbuchung der Rückstellungen für die periodisch wiede rkehrende Ernte der Gipfeltriebe um eine Realisation von stillen Reserven gehandelt hat, m uss demzufolge nicht weiter beurteilt werden. 6. Die vorliegende Beschwerde erweist sich als begründet und ist vollumfänglich gutzu- heissen. Der Entscheid des Steuergerichts vom 9. August 2019 ist demzufolge aufzuheben. 7. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahren s zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht koste npflichtig. Die Verfahrenskosten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 A bs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten sind in der Höhe von Fr. 1'400.-- festzulegen. Dem St euergericht sind praxisgemäss keine Ver- fahrenskosten aufzuerlegen. Den unterliegenden private n Beschwerdegegnern A.____ und B.____ ist ein Verfahrenskostenanteil im Umfang von Fr. 700.-- aufzuerlegen. Der erhobene Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- ist der Beschw erdeführerin zurückzuzahlen. Die Parteikosten sind gemäss § 21 VPO wettzuschlagen. 8. Die Angelegenheit ist zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens an das Steuergericht zurückzuweisen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d des Steuer- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Steuerge richt, vom 9. August 2019 betreffend die Staatssteuer 2016 aufgeh oben und der Entscheid der kantonalen Steuerverwaltung vom 15. Feb ruar 2019 be- stätigt. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an das Steuer- und Enteignungsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Steuergericht, zurückgewiesen. 3. Den privaten Beschwerdegegnern A.____ und B.____ wird ein Verfah- renskostenanteil in der Höhe von Fr. 700.-- auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘40 0.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin