Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. Mai 2019 (810 18 270) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz / Straffällig- keit, Verhältnismässigkeit der Massnahme Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Hans Furer, Markus Clausen, Daniel Ivanov, Claude Jeanneret, Gerichtsschreiberin i.V. Sarah Rivoli Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Alain Joset, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und We gweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 1471 vom 25. September 2018) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ (geb. 1977) r eiste am 14. Juli 1993 in die Schweiz ein. Seit Januar 2004 verfügt er über die Nied erlassungsbewilligung. Mit seiner Ehe- frau, der türkischen Staatsangehörigen B.____ (geb. 19 76), hat A.____ zwei Töchter, C.____ (geb. 2003) und D.____ (geb. 2012). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Zwischen 2000 und 2010 trat A.____ wie folgt straf rechtlich in Erscheinung: − Verurteilung vom 27. Januar 2000 wegen versuchter Bran dstiftung, strafbarer Vorberei- tungshandlungen und Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten. − Verurteilung vom 14. Juni 2000 wegen Fahrens in ang etrunkenem Zustand zu einer Frei- heitsstrafe von 14 Tagen sowie zu einer Busse in der Höhe von Fr. 1'800.--. − Verurteilung vom 17. Oktober 2007 wegen Fahrens in f ahrunfähigem Zustand, Verletzung der Verkehrsregeln, Widerhandlungen gegen das Strassen verkehrsgesetz und Fahrens ei- nes nicht betriebssicheren Fahrzeugs zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen sowie zu ei- ner Busse in der Höhe von Fr. 300.--. − Verurteilung vom 19. Mai 2010 wegen versuchter schwerer Körperverletzung, einfacher Körperverletzung, mehrfacher falscher Anschuldigung, m ehrfacher Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, Drohung, versuchter Nötigung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Fahrens ohne Führerausweis oder trotz Entzu g, Fahrens in fahrunfähigem Zustand und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Freiheitsstra- fe von 16 Monaten sowie zu einer Busse in der Höhe von Fr. 2'260.--. − Verurteilung vom 9. Juni 2010 wegen mehrfacher Wide rhandlung gegen das Betäubungs- mittelgesetz zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen sowie zu einer Busse in der Höhe von Fr. 200.--. C. Mit Schreiben vom 24. Februar 2011 verwarnte das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM; heute: Amt für Migration und Bürgerrecht) A.____ aufgrund dieser Ver- urteilungen sowie Schuldenwirtschaft und wies ihn mit N achdruck darauf hin, dass er mit der Wegweisung aus der Schweiz zu rechnen habe, sollte er er neut in relevanter Weise strafrecht- lich in Erscheinung treten oder sollten weitere von ihm begangene Delikte zum Vorschein kom- men. D. In der Folge trat A.____ erneut strafrechtlich in Erscheinung: − Verurteilung vom 12. August 2014 wegen Fahrens in f ahrunfähigem Zustand zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen. − Verurteilung vom 5. Juli 2016 wegen Fahrens in fahr unfähigem Zustand und Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug oder Aberkennung des Führerausweises zu ei- ner Geldstrafe von 80 Tagessätzen. E. Mit Schreiben vom 16. bzw. 21. November 2016 gewäh rte das AfM A.____, B.____ und C.____ das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Wide rruf der Niederlassungsbewilligung von A.____, welches sie mit Eingabe vom 14. Dezember 2016 wahrnahmen. F. Mit Strafbefehl vom 13. Juli 2017 verurteilte di e Staatsanwaltschaft des Kantons Basel- Stadt A.____ wegen Drohung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Schreiben vom 24. November 2017 gewährte das Af M A.____ erneut das rechtli- che Gehör zum beabsichtigten Widerruf seiner Niederlassu ngsbewilligung, welches er, vertre- ten durch Alain Joset, Advokat in Liestal, mit Eingabe vom 22. Januar 2018 wahrnahm. H. Mit Verfügung vom 26. Februar 2018 widerrief das A fM die Niederlassungsbewilligung von A.____ und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an. I. Die von A.____ dagegen erhobene Beschwerde vom 9. M ärz 2018 wies der Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) m it Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1471 vom 25. September 2018 ab und verfügte, dass A.____ die Schweiz bis spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des Beschlusses zu verlassen habe. J. Mit Eingabe vom 8. Oktober 2018 erhob A.____, weit erhin vertreten durch Alain Joset, Advokat, gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Kantonsg ericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er stellt das Begehren, der RRB Nr. 1471 vom 25. Sep- tember 2018 sowie die Verfügung des AfM vom 26. Febr uar 2018 seien aufzuheben und das AfM sei gerichtlich anzuweisen, dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung zu be- lassen resp. diesem eine Niederlassungsbewilligung zu er teilen (Ziff. 1). Eventualiter seien der RRB Nr. 1471 vom 25. September 2018 sowie die Verfüg ung des AfM vom 26. Februar 2018 aufzuheben, die vorliegende Streitsache zur Neubeurte ilung an das AfM zurückzuweisen und die zuständigen Verwaltungsbehörden anzuweisen, dem Be schwerdeführer zumindest eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (Ziff. 2). Alles unter o/e-Kostenfolge. K. Der Beschwerdegegner liess sich am 9. Januar 2019 ve rnehmen und schliesst auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. L. Mit Verfügung vom 14. Januar 2019 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen. M. Mit Eingabe vom 2. Mai 2019 beantragt der Beschwer deführer die persönliche Anhö- rung seiner Ehefrau sowie die Einsetzung einer Kindesvertretung. N. An der heutigen Parteiverhandlung nahmen der Beschw erdeführer und sein Rechtsver- treter sowie ein Vertreter des Beschwerdegegners teil. Die Parteien hielten an ihren Anträgen und Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialge setzlicher Ausschlusstatbestand Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, womit er zur Beschwerde legitimiert ist (§ 47 Abs. 1 lit. a VPO). Auch die weiteren formellen Vorau ssetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und desse n Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 4.1 Gemäss Art. 34 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Au sländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 (bis 31. Dezember 2018 und soweit im Folgenden die altrechtliche Fassung massgeblich ist: AuG) verleiht die Niederlassungsbewilli- gung einen zeitlich unbefristeten und unbedingten Ansp ruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Der Beschwerdeführer kann sich zudem auf das Recht auf Ac htung des Privat- und Familienle- bens nach Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze de r Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 berufen und daraus ebenfalls einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz ableiten. Es ist somit von einem grun dsätzlichen Anspruch des Beschwerdefüh- rers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. Dieser gil t indes nicht absolut. Bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG kann die Nie derlassungsbewilligung entzogen wer- den. 4.2 Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG kann die Nieder- lassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die auslän dische Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine strafr echtliche Massnahme im Sinne der Artikel 59 - 61 oder 64 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs ( StGB) vom 21. Dezember 1937 ange- ordnet worden ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in die- sem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Freihe itsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere unterjährige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.2; BGE 137 II 297 E. 2). K eine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (Urt eil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Der genannte Widerrufsgrund gilt auch für die Niederlassungsbewilli- gung ausländischer Personen, die sich seit mehr als 15 Ja hren ununterbrochen und ordnungs- gemäss in der Schweiz aufhalten (vgl. Urteil des Bundesg erichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 2). 4.3.1 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Straf gerichts Basel-Stadt vom 27. Januar 2000 zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten und mit U rteil des Appellationsgerichts Basel-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stadt vom 19. Mai 2010 zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Damit sind vorlie- gend zwei überjährige Freiheitsstrafen ausgesprochen worden. 4.3.2 Diesbezüglich macht der Beschwerdeführer geltend , beide Verurteilungen könnten zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr bzw. nicht erneut als Widerrufsgrund herangezogen werden. Die Vorinstanz habe für den Widerruf der Niederlassung sbewilligung aufgrund der fehlenden Aktualität zu Recht nicht auf das Urteil vom 27. Janu ar 2000 abgestellt. Wegen seiner Verurtei- lung vom 19. Mai 2010 sei er von der Vorinstanz bereit s im Februar 2011 verwarnt worden, weshalb aufgrund seiner weiteren geringfügigen Delinq uenz nicht auf den vormalig gesetzten Widerrufsgrund zurückgekommen werden dürfe. Zudem lie ge die Verurteilung vom 19. Mai 2010 bereits weit über acht Jahre zurück und sei demnach nicht mehr genügend aktuell, um als Widerrufsgrund herangezogen werden zu können. 4.3.3 Wird nach einer strafrechtlichen Verurteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe ausländerrechtlich aus Gründen der Verhältnismässigkeit z unächst eine Verwarnung ausge- sprochen (Art. 96 AuG), kann entgegen der Auffassung de s Beschwerdeführers im Falle weite- rer, auch geringfügiger Delinquenz auf den vormalig gesetzten Widerrufsgrund zurückgekom- men und dieser zum Anlass genommen werden, eine aufe nthaltsbeendende Massnahme an- zuordnen (Urteil des Bundesgerichts 2C_844/2013 vom 6. März 2014 E. 4.2). Nach welchem Zeitablauf eine strafrechtliche Verurteilung noch genüg end Aktualität aufweist, um als Ursache der Beendigung des Aufenthalts einer ausländischen Pers on gelten zu können, ist im Einzelfall zu entscheiden. Weder den Bestimmungen über die Entfern ung von Einträgen im Strafregister (Art. 369 StGB) noch denjenigen über das ausländerrech tliche Einreiseverbot (Art. 67 AuG) lassen sich dafür verbindliche Vorgaben entnehmen (Urteil des Bundesgerichts 2C_884/2016 vom 25. August 2017 E. 2.2). Die Verurteilung vom 19. Mai 2010 liegt rund 9 Jahre zurück. Wie die Straftaten, welche dieser Verurteilung zugrunde la gen, beging der Beschwerdeführer auch die darauf folgenden Verfehlungen unter Einfluss von Alkohol. Insbesondere das wiederholte Fahren in angetrunkenem Zustand (letztmalige Verurtei lung am 5. Juli 2016) stellt auch gegen- wärtig ein grosses Risiko für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar. Vor diesem Hinter- grund muss von einer ausreichenden Aktualität der Verurt eilung vom 19. Mai 2010 ausgegan- gen werden. 4.4 Demzufolge liegt mit der Verurteilung des Beschwer deführers vom 19. Mai 2010 ein Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG vor. Die Frage der Aktualität der Verurteilung vom 27. Januar 2000 kann damit ebenso wie die Frage, ob der Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt ist, offen gelassen werden. 5.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes ist Grundvorau ssetzung für den Widerruf der Bewilligung. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligu ng ist indes nur gerechtfertigt, wenn er sich gestützt auf eine im Einzelfall vorzunehmende Interess enabwägung als verhältnismässig erweist (Art. 96 Abs. 1 AuG, BGE 135 II 110 E. 2.1; v gl. auch U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER / FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, N 521 ff.; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer- recht, 2. Auflage, Basel 2009, N 8.31). Diesbezüglich rügt der Beschwerdeführer, die Mass- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahme sei unverhältnismässig und verstosse gegen Art. 96 Abs. 1 AuG sowie Art. 8 Ziff. 2 EMRK bzw. Art. 13 BV. Seine privaten Interessen seien h öher zu gewichten als die öffentlichen Interessen an seiner Wegweisung. 5.2 Die konventionsrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfun g nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ent- spricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1 mit Hinweisen). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die ö ffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, N 3 zu Art. 51 AuG). Ver- langt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehe nden privaten Interessen an der Er- teilung bzw. Belassung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat ver gangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwe- senheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden N achteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1). Die Niederlas- sungsbewilligung einer ausländischen Person, die sich scho n seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit besonderer Zurückhaltung widerrufen werden. D och ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn sie hier geboren ist und ihr ganzes Leben im Land verbracht hat (Urteile des Bundes gerichts 2C_368/2015 vom 15. September 2015 E. 2.2; 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.4; Entscheid des Europäi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] i.S. Trabelsi gegen Deutschland vom 13. Oktober 2011 [Nr. 41548/06] § 53 ff.). Bei schwer en Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz besteht – überwiegende private oder famili äre Bindungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein schutzwürdiges öffentliches Interesse d aran, die Anwesenheit der ausländi- schen Person zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Ver hütung von (weiteren) Straftaten zu beenden (BGE 139 I 31 E. 2.3.1). 5.3 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines langen Aufenthalts in der Schweiz von ü ber 25 Jahren sowie der intakten Be- ziehung zu seinen Töchtern und seiner Ehefrau ein gewic htiges privates Interesse an einem weiteren Verbleib aufweise. Des Weiteren sei ihm zugu te zu halten, dass er sich während sei- nes Aufenthalts beruflich eingegliedert habe. Gemäss Kontoauszug der Sozialversicherungsan- stalt Basel-Landschaft vom 4. Juli 2018 habe er seit 19 96 immer gearbeitet und sei für seinen Lebensunterhalt sowie für denjenigen seiner Familie st ets selbst aufgekommen. Seit dem Jahr 2015 arbeite er als selbständig erwerbender Flachdachin stallateur. Hinsichtlich seiner finanziel- len Situation falle jedoch negativ ins Gewicht, dass g emäss Beitreibungsregisterauszug vom 13. September 2018 beim Betreibungsamt Basel-Landschaft auf seinen Namen Betreibungen in der Höhe von Fr. 99'025.-- verzeichnet seien. Er bemü he sich zwar darum, seine Schulden ab- zubauen. Von einer nachhaltigen Entwicklung könne jedo ch nicht ausgegangen werden, sei er doch seit dem Erlass der angefochtenen Verfügung immer wieder neu betrieben worden. Nebst der Verschuldung müsse das persönliche Verhalten des Beschwerdeführers auch wegen seiner Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen negativ gew ürdigt werden. Er habe immer wieder gegen die hiesige Rechtsordnung verstossen. Zwar lägen die Straftaten, welche zu den länger- fristigen Freiheitsstrafen geführt hätten, bereits 18 bzw. 10 Jahre zurück. Im Rahmen der vor- zunehmenden Gesamtwürdigung würden sie aber dennoch zu einem negativen Gesamtbild beitragen. Die meisten Delikte hätten im Zusammenhang mit übermässigem Alkoholkonsum gestanden. Aufgrund des grossen Gefährdungspotenzials, wel ches dem Führen eines Motor- fahrzeugs eigen sei, seien insbesondere die Verurteil ungen wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand keinesfalls zu verharmlosen. Die Legalprognose d es Beschwerdeführers sei von der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft im Jahr 2014 als ung ünstig und im Jahr 2016 sogar als schlecht eingestuft worden. Ausserdem habe er im Jahr 20 17 erneut bewiesen, dass er vor al- lem unter Einfluss von Alkohol dazu neige, gegen die hiesige Rechtsordnung zu verstossen. Mit Blick darauf sei es unverständlich, weshalb der Beschwerdefüh rer noch keine ernsthaften Schritte eingeleitet habe, um sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen. Trotz seiner aus- geprägten Beziehungen zur Schweiz erweise sich eine Rü ckkehr in sein Heimatland insgesamt als zumutbar. Demzufolge seien der Widerruf der Nied erlassungsbewilligung sowie die damit einhergehende Wegweisung als verhältnismässig zu qualifizieren. 5.4 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerdebeg ründung vor, es treffe nicht zu, dass er "immer wieder" gegen die Rechtsordnung verstossen habe. Die ihm entgegengehaltene Delinquenz beschränke sich seit der Verurteilung im Jahr 2 010 auf zwei singuläre Verurteilun- gen im Bagatellbereich. Hinsichtlich des Strafbefehls vom 15. Juni 2017 habe er den diesbe- züglichen Sachverhalt in seiner Eingabe vom 22. Januar 2018 klargestellt und aufgezeigt, wie dieser zustande gekommen sei. Diese Einzelfälle könnten nicht als ständiger Verstoss gegen die Rechtsordnung bezeichnet werden. Sodann möge zutref fen, dass in diesen Fällen keine günstige Prognose gestellt worden sei. Allerdings sei anzufügen, dass eine entsprechende kon- krete Prüfung gar nicht stattgefunden habe und diese Prognose ohnehin nichts über die Rück- fallgefahr hinsichtlich der schwereren Straftaten in de n Jahren 2007 und 2008 auszusagen vermöge. Einer möglichen Alkoholproblematik sei er sich zudem seit längerem bewusst und er befinde sich nunmehr seit einiger Zeit in Therapie. H insichtlich der Verschuldung sei mit Nach- druck festzuhalten, dass er seine Schulden kontinuierlich a bbaue. Die Betreibungen würden im Wesentlichen Steuerschulden betreffen, die in Versäumn issen seines Treuhänders begründet seien und ihm erst spät zur Kenntnis gebracht worden seien. Als er davon erfahren habe, habe er unverzüglich die Abzahlung in Angriff genommen. Er ü berweise regelmässig grössere Sum- men an das Betreibungsamt. Zudem erhalte er nunmehr auch professionelle Unterstützung von der Fachstelle für Schuldenfragen Basel-Landschaft. Se ine berufliche Integration habe die Vo- rinstanz im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung nicht hinreichend gewichtet. So sei ins- besondere zu berücksichtigen, dass er durch seine hervorra gende berufliche Integration eine ganze Familie ernähre. Mit der Wegweisung entfiele sein Einkommen und seine Ehefrau könnte aufgrund der nunmehr alleinigen Kinderbetreuung ihr Arbeitspensum nicht mehr wahrnehmen. In der Folge müsste mit einer Sozialhilfeabhängigkeit der Familie gerechnet werden. Zudem sei eine Rückkehr in die Türkei für ihn in jeglicher Hinsich t unvorstellbar. Er habe dort weder Wohnmöglichkeiten noch ein Netz von Familie oder Freunden. Hinzu kämen die politische Lage in der Türkei, welche sich zunehmend verschärfe, sowie e ine desolate wirtschaftliche Situation in seiner Heimatregion. Er sei in der Schweiz sprachlich und sozial gut integriert und pflege hier Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Eheleben mit seiner Frau. Zu seinen Kindern habe er eine grosse emotionale Bindung und er sei neben der Mutter deren wichtigste Bezugsperson. Damit sei dargelegt, dass zum heuti- gen Zeitpunkt keineswegs ein grosses ordnungs- und sicherhe itspolizeiliches Interesse an sei- ner Wegweisung bestehe, welches seine persönlichen Interessen überwiege. 6.1.1 Ausgangspunkt für die Schwere des Verschuldens sowie die vorzunehmende auslän- derrechtliche Interessenabwägung ist die vom Strafgericht verhängte Strafe (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_725/2016 vom 30. Dezember 2016 E. 3.2). Das entsprechende sicherheits- polizeiliche Interesse kann durch den Zeitablauf seit d er Tatbegehung, das Verhalten der aus- ländischen Person bis zum angefochtenen Urteil sowie weitere Faktoren (wie etwa das Alter bei der jeweiligen Tatbegehung) relativiert oder erhöht werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_804/2016 vom 21. März 2017 E. 5.1 mit Hinweisen). 6.1.2 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Straf gerichts Basel-Stadt vom 27. Januar 2000 wegen versuchter Brandstiftung, strafbarer Vorbere itungshandlungen sowie Sachbeschä- digung zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurt eilt. Diese Verurteilung liegt zwar bereits mehr als 19 Jahre zurück. Dennoch muss sie angesichts des St rafmasses bei der vorzuneh- menden Interessenabwägung in negativer Hinsicht Berücksichtigung finden. Des Weiteren wur- de der Beschwerdeführer mit Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt vom 19. Mai 2010 we- gen versuchter schwerer Körperverletzung, einfacher Körpe rverletzung, mehrfacher falscher Anschuldigung, mehrfacher Sachbeschädigung, Hausfrieden sbruchs, Drohung, versuchter Nö- tigung, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Führens ein es Motorfahrzeugs trotz Entzugs des Führerausweises, Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Nichttragens von Sicherheitsgurten sowie mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten sowie zu einer Busse in der Höhe von Fr. 2'260.-- veru rteilt. Dem schriftlich begründeten Urteil ist zu entnehmen, dass das Appellationsgericht den Beschwer deführer in Gutheissung der Ap- pellation der Staatsanwaltschaft nicht bloss der fahrlässigen Körperverletzung, sondern der ver- suchten schweren Körperverletzung schuldig gesprochen hat. Der abgeänderte Schuldspruch führte zu einer Erhöhung der erstinstanzlich ausgesproc henen Freiheitsstrafe von 9 auf 16 Mo- nate. Das Appellationsgericht führte in Bezug auf das Verschulden des Beschwerdeführers aus, dass dieses hinsichtlich der versuchten schweren Körperverle tzung schwer wiege. Aus nichti- gem Anlass habe er seinen massiven, kantigen Schlüsselbund mit voller Wucht durch ein offe- nes Autofenster geschleudert und damit eine schwere Verl etzung der dahinter sitzenden, ihm vollkommen unbekannten Person in Kauf genommen. Erschwerend sei sein Verhalten nach der Tat zu berücksichtigen. Der Beschwerdeführer habe das blutüberströmte Kind gesehen und sei, nachdem es ihm nicht gelungen sei, seinen Schlüssel wie der an sich zu nehmen, einfach da- vongelaufen. Immerhin bereue er seine Tat glaubhaft. Auch bezüglich des Vorfalls vom 28. März 2008 wiege das Verschulden des Beschwerdeführers schwer, sei er doch mitten in der Nacht in die Wohnung von Nachbarn eingedrungen, welche wegen Lärms an die Wand geklopft hätten, und habe dort randaliert und die Bewohner bedroht. Später habe er auch die ihn kontrol- lierende Polizistin bedroht und im Gerangel verletzt (Urteil des Appellationsgerichts vom 19. Mai 2010, S. 7). Das Appellationsgericht führte weiter au s, dass bei allen zu beurteilenden Delikten des Beschwerdeführers übermässiger Alkoholkonsum eine Ro lle spiele. Allerdings könne eine Strafminderung nur gering ausfallen, da dem Beschwer deführer bekannt gewesen sei, dass er Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter Alkoholeinfluss zu gefährlichen Wutausbrüchen neige , er daraus aber – jedenfalls im zu beurteilenden Zeitraum – nicht die nötigen Lehren g ezogen habe. Insofern lege er eine gewisse Uneinsichtigkeit an den Tag (Urteil des Appellationsg erichts vom 19. Mai 2010, S. 8). In den Jahren 2014 und 2016 folgten – trotz ausländerrechtliche r Verwarnung im Februar 2011 – zwei weitere Verurteilungen wegen Fahrens in fahrunfähige m Zustand. Dieses Verhalten des Be- schwerdeführers zeugt von einer gewissen Einsichtslosigkeit sowie fehlendem Respekt gegen- über der hiesigen Rechtsordnung. Schliesslich wurde der Beschwerdeführer von der Staatsan- waltschaft des Kantons Basel-Stadt mit Strafbefehl vom 1 3. Juli 2017 wegen Drohung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt. In leicht a ngetrunkenem Zustand habe er dem Ge- schädigten gedroht, ihn mit einem Glas abzustechen (vgl. Strafbefehl vom 13. Juli 2017, S. 2). Die Vielzahl der Delikte, welche namentlich im Strassen verkehrsbereich mit einem teilweise erheblichen Risiko für die Bevölkerung verbunden waren, lässt auf eine konkrete Rückfallgefahr schliessen und das ordnungs- und sicherheitspolizeiliche Int eresse an der Fernhaltung des Be- schwerdeführers als erheblich erscheinen. Zudem kann angesichts der Gewaltbereitschaft, wel- che der Beschwerdeführer, insbesondere unter dem Einfl uss von Alkohol, bei der Begehung seiner Straftaten an den Tag legte, nicht mehr von g eringfügiger Delinquenz die Rede sein. In wirtschaftlicher Hinsicht besteht zudem mit Blick auf die Verschuldung des Beschwerdeführers ein nicht unerhebliches öffentliches Interesse an seiner Wegweisung. Nach dem Gesagten be- steht insgesamt ein gewichtiges öffentliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilli- gung des Beschwerdeführers. 6.2.1 Dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers sind dessen private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Entscheidend ist stets das Gesamtbild eines jeden Einzelfalles, welches anhand sämtlicher massgeblicher Kriterien zu beurteilen ist (BGE 139 I 145 E. 2.4). 6.2.2 Der 41-jährige Beschwerdeführer lebt bereits se it knapp 26 Jahren in der Schweiz und kann sich daher auf eine lange Aufenthaltsdauer sowie di e damit verbundene Verwurzelung in die hiesigen Verhältnisse berufen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer eine langjährige Ehe führt, aus der zwei Kinder hervorgegangen sind. Se ine Töchter sind beide in der Schweiz geboren und aufgewachsen und gehen hier zur Schule. So wohl zu seiner Ehefrau als auch zu seinen noch minderjährigen Kindern pflegt der Beschwer deführer eine intakte Beziehung und lebt mit ihnen zusammen in einer gemeinsamen Wohnung. Zu seinem Heimatland unterhält er gemäss seinen Ausführungen an der heutigen Parteiverh andlung keinerlei Beziehungen mehr, was vom Beschwerdegegner nicht in Frage gestellt wird. Demzufolge verfügt der Beschwerde- führer über ein gewichtiges privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz. 6.2.3 Die zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen des Beschwerdeführers müssen vorlie- gend deutlich negativ in die Bewertung einfliessen. Sowohl im Jahr 2000 als auch im Jahr 2010 wurde der Beschwerdeführer zu einer überjährigen Fre iheitsstrafe verurteilt. Schwer ins Ge- wicht fällt dabei insbesondere die Verurteilung vom 19. Mai 2010 (vgl. Ausführungen in E. 6.1.2). Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass die be iden vorgenannten Verurteilungen be- reits mehr als 19 bzw. 9 Jahre zurückliegen. Die den Ve rurteilungen zugrunde liegenden Straf- taten liegen rund 20 bzw. 11 Jahre zurück, wobei sich d er Beschwerdeführer seither und insbe- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondere seit der im Jahr 2011 ausgesprochenen ausländerr echtlichen Verwarnung keine ver- gleichbar schwerwiegenden Straftaten mehr hat zuschulden kommen lassen. Die nach der aus- länderrechtlichen Verwarnung hinzugekommenen Straftate n – namentlich die wiederholten Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz – stehen wie di e der Verurteilung vom 19. Mai 2010 zugrunde liegende Delinquenz im Zusammenhang mit dem übermässigen Alkoholkonsum des Beschwerdeführers. Damit steht fest, dass der Beschwerdeführer unter Alkoholeinfluss eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt, weshalb auch die Verfeh- lungen nach der ausländerrechtlichen Verwarnung keinesf alls zu verharmlosen sind. Dem Be- schwerdeführer ist jedoch zugute zu halten, dass er sich akt iv mit seinem Alkoholproblem aus- einandersetzt und die Notwendigkeit einer Therapie off enbar eingesehen hat. Gemäss dem eingereichten Therapieverlaufsbericht vom 15. Mai 2019 befindet sich der Beschwerdeführer seit dem 14. Dezember 2018 in ambulanter Behandlung in einer Psychiatrisch-Psychologischen Praxis, wo er bis heute regelmässig, wenn möglich wöchentl ich, an Therapiesitzungen teilneh- me. Ihm sei bewusst, dass er ein Alkoholproblem habe und er zeige sich nach Beginn der Auf- arbeitung eines traumatischen Erlebnisses aus seiner Kin dheit gegenüber einer stationären Aufnahme offen (vgl. Therapieverlaufsbericht vom 15. M ai 2019, S. 2), was er anlässlich der heutigen Parteiverhandlung bestätigte (vgl. Protokoll der Parteiverhandlung vom 29. Mai 2019, S. 2). 6.2.4 In beruflicher Hinsicht gilt positiv zu würdigen, dass der Beschwerdeführer während seines Aufenthalts in der Schweiz mehrheitlich einer Erwerbstätigkeit nachgegangen ist und nie von der Sozialhilfe abhängig war. Seit 2015 arbeitet er als selbständig erwerbender Flachdach- installateur. In Bezug auf seine Schuldensituation (vgl . Betreibungsregisterauszug vom 28. Mai 2019) führte der Beschwerdeführer anlässlich der heutigen Parteiverhandlung aus, dass es sich dabei mehrheitlich um Steuerschulden handle und die Sc hulden auf einer steuerlichen Fehlein- schätzung gründeten, welche auf das Versäumnis seines Treu händers zurückzuführen sei. In jenem Jahr sei er nicht in der Lage gewesen, seine S chulden zu tilgen, da er aufgrund einer Rückenoperation während sechs Monaten kein Einkommen ha be erzielen können (vgl. Protokoll der Parteiverhandlung vom 29. Mai 2019, S. 2). Der Beschwerdeführer ist derzeit aktiv darum bemüht, seine Schulden nachhaltig abzubauen. Aus den Akten ist ersichtlich, dass er im Jahr 2018 Zahlungen in der Höhe von insgesamt Fr . 6'912.80 zugunsten des Betrei- bungsamts tätigte. Zudem hat er sich am 8. November 201 8 zusammen mit seiner Ehefrau bei der Fachstelle für Schuldenfragen Basel-Landschaft angem eldet. Dort hat am 29. Januar 2019 ein erstes Standortgespräch stattgefunden. Gemäss Schreibe n der Fachstelle für Schuldenfra- gen vom 24. Mai 2019 fänden nach Revision der Steuerre chnung weitere Beratungen statt, damit für den Restbetrag eine Schuldenregulierung aufgegleist werden könne. 6.3 Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass der Be schwerdeführer ernsthafte Bemühungen unternimmt, um in der Schweiz ein gerege ltes und konfliktfreies Leben zu führen. Zwar ist das öffentliche Interesse an seiner Wegweisung a ufgrund der wiederholten Delinquenz sowie der nach wie vor bestehenden Verschuldung als hoch ei nzustufen. Unter Berücksichti- gung der unternommenen Anstrengungen vermag es die pr ivaten Interessen des Beschwerde- führers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz jedo ch namentlich mit Blick auf die lange Aufenthaltsdauer, die starke Verwurzelung in die hiesigen Verhältnisse sowie die familiäre Situ- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ation nicht zu überwiegen. Der Widerruf der Niederla ssungsbewilligung erweist sich demnach als unverhältnismässig und die Beschwerde ist gutzuheissen. Damit kann offen bleiben, ob der vorinstanzliche Entscheid den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat. Ebenfalls erweisen sich die vom Beschwerdeführer beantragten Beweismassnahmen – Befragung der Ehefrau so- wie Einsetzung einer Kindsvertretung – bei diesem Ausg ang als obsolet. 7.1 Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, abe r den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Person unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). Die Verwarnung soll als Ausfluss d es Verhältnismässigkeitsprinzips ver- hindern, dass es überhaupt zu einer aufenthaltsbeenden den Massnahme kommt, und die be- troffene Person zu einem Zeitpunkt auf ihr problematisc hes Verhalten hinweisen, in welchem sich die Anordnung der angedrohten Massnahme gerade noc h nicht rechtfertigt (Urteil des Bundesgerichts 2C_114/2012 vom 26. März 2013 E. 1.1). 7.2 Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass der B eschwerdeführer vom AfM be- reits mit Schreiben vom 24. Februar 2011 ausländerrecht lich verwarnt wurde. Mit Nachdruck ist er ein letztes Mal darauf hinzuweisen, dass er trotz sein er langen Anwesenheit sowie seiner familiären Verhältnisse mit dem Widerruf seiner Nieder lassungsbewilligung rechnen muss, soll- te er erneut in relevanter Weise straffällig werden oder in relevanter Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland v erstossen oder diese gefährden oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährden und damit das durch das Gericht in ihn ge- setzte Vertrauen missbrauchen. Der Beschwerdeführer ist i n diesem Sinne ausdrücklich zu verwarnen (Art. 96 Abs. 2 AuG). 8.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'100.-- vorliegend dem Regierungs- rat des Kantons Basel-Landschaft aufzuerlegen. Der gele istete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 8.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausg ang des vorliegenden Verfahrens ist dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zulast en des Beschwerdegegners zuzu- sprechen. In seiner Honorarnote vom 14. Februar 2019 m acht der Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers für seine Bemühungen vom 1. Oktober 201 8 bis 14. Februar 2019 einen Auf- wand von 13.92 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen i n der Höhe von Fr. 108.50 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Des Weiteren macht er für sei ne Bemühungen vom 15. Februar 2019 bis 28. Mai 2019 einen Aufwand von 6.75 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 13.30 geltend (vgl. Honorarnote vom 28. Mai 2019 ). Der in der Honorarnote vom 28. Mai 2019 geltend gemachte Aufwand von 3 Stunden und 55 M inuten für die Vorbereitung der Hauptverhandlung (inkl. Honorarnote) erscheint – auch mi t Blick auf den geltend gemachten Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufwand für diverse (telefonische) Besprechungen mit d em Klienten im Vorfeld der Parteiver- handlung – als zu hoch. Für die Vorbereitung und Teil nahme an der Hauptverhandlung sowie die Ausarbeitung der Honorarnote erscheint vorliegend ein Aufwand von insgesamt 4 Stunden als angemessen. Ausgehend von einem Aufwand von insgesamt 20.75 Stunden hat der Be- schwerdegegner dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'718.10 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 8.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrats des Kantons Basel-Landschaft Nr. 1471 vom 25. Septembe r 2018 auf- gehoben. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägunge n ausländerrechtlich verwarnt. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'100.-- w erden dem Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. Der gel eistete Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird dem Beschwerde führer zu- rückerstattet. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer für das kantonsgerichtliche Verfahren eine Parte ientschädigung in der Höhe von Fr. 5'718.10 (inkl. Auslagen und 7.7 % M ehrwertsteuer) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.