B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-475/2012 U r t e i l v o m 2 7 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richter Antonio Imoberdorf, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien X._______ und Y._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf Z._______. C-475/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 26. September 2011 beantragte d ie aus Thailand stammende Z._______ (geb. 1989, im Folgenden: Gesuchstellerin bzw. Eingeladene) bei der Schweizerischen Botschaft in Bangkok ein Schengenvisum für die Dauer von drei Monaten. Als Zweck der beabsichtigten Reise gab sie an, ihre im Kanton Ber n wohnhafte Mutter Y ._______ und deren Schweizer Ehegatten X._______ (im Folgenden: die Beschwerdeführer bzw. Gas t- geber) besuchen zu wollen . Diese hatten am 21. September 2011 ein entsprechendes Einladungsschreiben an die Schweizer Botschaft geric h- tet. B. Die schweizerische Vertretung in Bangkok verweigerte am 3. Oktober 2011 die Visumerteilung mit der Begründung, es bestünden berechtigte Zweifel an der bekundeten Absicht der Gesuchstellerin, nach Ablauf des Visums den Schengenraum wieder fristgerecht zu verlassen. Gegen diesen Entscheid erhoben die Gastgeber am 4. Oktober 2011 beim Bundesamt für Migration (BFM) Einsprache. C. Nachdem die Migrationsbehörde des Kantons Bern bei den Gastgebern ergänzende Auskünfte eingeholt und an das BFM weitergeleitet hatte, wies die Vorinstanz d ie Einsprache am 27. Dezember 2011 ab. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert betrachtet werden. D ie Gesuchstellerin stamme aus einer Region, aus welcher als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herr - schenden Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck fest - zustellen sei. Bestehe zudem bereits ein gewisses familiäres Bezi e- hungsnetz in der Schweiz, müss e das Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise als grundsätzlich hoch eingestuft werden. Bei der Einge- ladenen handle es sich um eine 22 -jährige, unverheiratete und erwerb s- lose Person. Ihr oblägen somit im Heimatland keine besonderen berufl i- chen Verpflichtungen oder familiären Verantwortlichkeiten, die gegeb e- nenfalls Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr bieten könnten. Die von den zuständigen Inlandbehörden durchgeführten Abklärungen hätten z u- dem ergeben, dass die finanziellen Garantien in casu ungenügend seien. C-475/2012 Seite 3 D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 24. Januar 2012 beantragen die Beschwe r- deführer beim Bundesverwaltungsgericht sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des gewünschten Bes u- chervisums zugunsten ihres Gastes. Dabei wird vorab gerügt, sie würden als Rentner gegenüber Gutbetuchten und Millionären ungleich behandelt, indem es scheinbar nur jenen möglich sei, ihre Töchter und Söhne jäh r- lich für drei Monate in die Schweiz einzuladen. Zur Begründung bringen sie ferner im Wesentlichen vor, als Gastgeber seien sie durchaus in der Lage, der Gesuchstellerin einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt in der Schweiz zu finanzieren, nachdem sie diese seit nunmehr fünf Jahren mit monatlichen Geldbeträgen zwischen Fr. 500. - und Fr. 700.- unterstützen würden. Nach den guten Diplomarbeiten ihrer Tochter bzw. Stieftochter seien sie bestrebt, dass diese in Thailand eine Lehre absolviere. Der Eingabe waren zahlreiche Unterlagen aus dem vorinstanzlichen Ve r- fahren beigelegt. E. In ihrer Vernehmlassung vom 26. März 2012 spricht sich die Vorinstanz für die Abweisung der Beschwerde aus und hält ergänzend fest, die Ein- geladene habe anlässlich ihrer Gesuchseinreichung angegeben, sämtl i- che Ausgaben im Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt in der Sc hweiz würden durch die Gastgeber getragen. Gemäss den Abklärungen des Migrationsdienstes der Stadt Thun seien diese jedoch nicht in der Lage, die nötigenfalls erforderlichen finanziellen Garantien zu leisten. F. Mit verfahrensleitender Anordnung vom 3. April 2012 wurde den B e- schwerdeführern die Möglichkeit gewährt, zur Vernehmlassung der Vorin- stanz Stellung zu nehmen. Die hierfür gesetzte Frist blieb ungenutzt. G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. C-475/2012 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfü gungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengenvisums zu Be - suchszwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun - desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge - richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet s ich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführer sind gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be - schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 mit Hinwe i- sen). 3. Der angefocht enen Verfügung liegt das Gesuch eine r thailändischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA -Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die C-475/2012 Seite 5 vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwe n- dungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazugehö rigen gemein - schaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsve r- ordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen - Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der genannten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli - che Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitglie d- staaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. V i- sum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBI- AS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän - derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen si e ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti - gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi-C-475/2012 Seite 6 gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei - lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und di e Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge - schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die in nere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die inte rnationalen Bezie - hungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wie der zu verlassen (vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge - richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Ge - fahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako - dex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit He r- vorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). C-475/2012 Seite 7 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die orden tlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschrän k- ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Vorau s- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Die Vorinstanz verweigerte die Erteilung des beantragten Schenge n- visums mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wiede r- ausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. Zudem seien die f i- nanziellen Garantien im vorliegenden Fall ungenügend. 5.2 Wie oben erwähnt, unterliegt die Gesuchstellerin als thailändische Staatsangehörige der Vi sumspflicht (Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einre i- sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesiche r- ten Wiederausreise im Vor dergrund, welche die V orinstanz aufgrund der allgemeinen Lage im Heimatland sowie der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin anzweifelt. Dazu lassen sich in der Regel keine gesiche r- ten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.3 Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wie - derausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bü r- gerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirt - schaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können darauf hin - deuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreise bewilligung in Ein - klang steht. C-475/2012 Seite 8 5.4 5.4.1 In Thailand sind – vorab in den ländlichen Gebieten des Nordo s- tens, aus denen die Gesuchstellerin stammt – breite Bevölkerungsschich- ten von kargen ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen betro f- fen. Die Region der Nordo stprovinzen gilt im landesweiten Vergleich als ärmste der insgesamt sechs Regionen (vgl. Thailand National Human Development Report 2009 auf der Website des United Nations Develo p- ment Programme (UNDP), UNDP around the world > Thailand > 2009 Thailand Natio nal Human Development Report, <http://www.undp.org>, besucht im August 2012). 5.4.2 Vom Druck zur wirtschaftlichen Existenzsicherung sind häufig Fra u- en besonders betroffen, die mit ihrem Einkommen oft für die Überle - benschancen ihrer eigenen Haushalte und ganzer Gemeinden sorgen müssen und deren Arbeitsplätze in Zeiten angespannter wirtschaftlicher Verhältnisse – je nach Sektor – besonders gefährdet sind. Entsprechend hat die wirtschaftlich motivierte Emigration von Thailänderinnen nach 1997 zugenommen (Quelle: S chlussbericht vom 13. Mai 2002 der Ko m- mission des Deutschen Bundestags zum Thema Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten, Ziff. 6.2.2.2 S. 317 f., online abrufbar als Bundesdrucksache 14/9200 unter www.bundestag.de > Dokumente & Recherche > Drucksachen; zu den wirtschaftlichen Ec k- daten allgemein vgl. Staatssekretariat für Wirtschaft > Themen > Aus - senwirtschaft > Länderinformationen > Asien/Ozeanien > Thailand, <http://www.seco.admin.ch>, Stand: Dezember 2011, besucht im August 2012; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -8450/2010 vom 21. November 2011 E. 5.3.2). 5.4.3 Vor dem Hintergrund der fortbestehenden ungünstigen Lebensve r- hältnisse ist – vor allem in der jüngeren Bevölkerung – ein starker Migra- tionsdruck festzustellen. Dabei gilt auch die Schweiz als Zielland vieler Auswanderer im erwerbsfähigen Alter, welche sich hier unter besseren Lebensbedingungen eine (neue) Existenz aufbauen möchten. Diese Te n- denz zur Auswanderung wird erfahrungsgemäss dort noch begünstigt, wo bereits ein soziales Beziehungsnetz (Verwandte, Freunde) im Ausland besteht. Im Falle der Schweiz führt dies angesichts der restriktiven Zula s- sungsregelung oftmals zur Umgehung ausländerrechtlicher Bestimmu n- gen. Dabei wird nicht selten versucht, den Aufenthalt zu verlängern oder – beispielsweise durch Ausbildung oder Heirat – auf eine andere migrat i- onsrechtliche Grundlage zu stellen. C-475/2012 Seite 9 5.5 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine U m- stände und Erfahrun gen, sondern auch sämtliche Gesichts punkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine beson dere berufliche, gesel l- schaftliche oder familiäre Verantwortung, kann die ser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederaus reise begünstigen. And e- rerseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Ve r- pflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrecht lich nicht regelko n- formes Verhalten (nach bewilligter Ein reise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Die aus einer der Nordostprovinzen Thailands stammende Gesuc h- stellerin ist 23 -jährig und un verheiratet. Gemäss den Angaben de s Be- schwerdeführers gegenüber dem Migrationsdienst der Stadt Thun soll sie keine Familie mehr in Thailand haben, was auch von der Auslandvertr e- tung bestätigt wurde (vgl. die Bemerkungen der Schweizerischen Bo t- schaft in Bangkok vom 25. Oktober 2011). Es kann demnach nicht davon ausgegangen werden, im persönlichen oder familiären Umfeld der Einge- ladenen seien Verpflichtungen oder gar Abhängigkeiten vorhanden, die besondere Gewähr für eine Rückkehr nach Thailand bieten könnten. Tritt hinzu, dass in Situationen angespannter wirtschaftlicher und/oder polit i- scher Verhältnisse selbst zurückbleibende nahe Angehörige regelmässig nicht verlässlich davon abhalten könn ten, den Entscheid für eine Emigr a- tion zu fällen. 6.2 Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse bieten keine besondere G e- währ für eine Wiederausreise. Im Zeitpunkt der Gesuchse inreichung ging die Eingeladene, die seit Jahren von ihrem Stiefvater in der Schweiz f i- nanziell voll unterstützt wird, keiner Erwerbstätigkeit nach (vgl. Ziff. 19 und 20 des persönlichen Einreisegesuches). Die Beschwerdeführer we i- sen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Gesuchstellerin ihre Schule beendet habe und nach ihrem Besuchsaufenthalt in der Schweiz eine kaufmännische Ausbildung oder eine solche in der Spitalpflege be- ginnen möchte. Entsprechend lässt sich zum heutigen Zeitpunkt auch nicht abs chätzen, welche beruflichen und wirtschaftlichen Perspektiven die Eingeladene hat. Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Verhältnisse vor Ort versteht sich von selbst, dass allein der Umstand einer laufenden oder gar erst beabsichtigten Berufsbildung nicht schon den Schluss auf intakte Zukunftsperspektiven im Heimatland und damit auf ein nicht vo r- handenes Emigrationsrisiko zulässt. Dies umso weniger, als mit de r C-475/2012 Seite 10 Gastgeberin und Beschwerdeführerin – der Mutter der Eingeladenen – bereits die engste Familienangehörige in die Schweiz übersiedelt ist. Die- sem Gesichtspunkt gilt es bei der Beurteilung des vorliegenden Einreis e- gesuches Rechnung zu tragen, ist doch das Risiko, dass die Eingeladene nach dem Gesagten ebenfalls einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz anstreben könnte, nicht bloss als gering einzustufen. 6.3 Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund konnte die Vori n- stanz demnach willkürfrei davon ausgehen, dass keine hinreichende G e- währ für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise de r G e- suchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Einschä t- zung vermögen die gegenteiligen Zusicherungen der Beschwerdeführer nichts zu ändern. Als Gastgeber k önnen sie mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse finanzielle Risiken im Zu sammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein bestimmtes Tun oder Unterlassen ihres Gastes einstehen (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Der Wunsch der Beschwerdeführerin, der Tochter ihr neues L e- bensumfeld in der Schweiz zeigen zu können, hat demnach in den Hi n- tergrund zu treten. Es ist nicht ernsthaft zu bezweifeln, dass die familiäre Beziehung auch in Zukunft durch Besuche in Thailand gepflegt werden kann. Die Visumsverweigerung erscheint unter besagtem Gesuchspunkt daher auch nicht als unverhältnismässig. 6.4 Bei dieser Sach- und Rechtslage kann offen bleiben, ob von der Vo r- instanz zu Recht ein zusätzlicher Hinderungsgrund in Form einer bei den Beschwerdeführern bestehenden ungenügenden Garantiefähigkeit ang e- nommen wurde (vgl. insb. Z iff. 4.3 hievor). Ebenso unerheblich ist, dass es sich bei ihnen "lediglich" um Rentner handelt . So werden entspr e- chende Einreisebewilligungen – falls die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind – auch bei Gastgebern, die nicht zu den sogenannten Gutbetuchten und Millionären gehören, erteilt. Eine rechtsungleiche Behandlung liegt somit nicht vor. Aus den gleichen Gründen kann auch die Frage offen g e- lassen werden, ob die Beschwerdeführer allenfalls durch das Verschwe i- gen wesentlicher Tatsachen im Gesuchsverfahren die Behörden bewusst täuschen wollte n, um ein Visum zugunsten der Gesuchstellerin zu e r- schleichen (vgl. Art. 12 Abs. 2 Bst. b VEV). In ihrem an die Schweizer i- sche Botschaft in Bangkok gerichteten Einladungsschreiben vom 21. September 2011 hielten sie nämlich explizit fest, sie hätten bis jetzt keine anderen Personen aus Thailand in die Schweiz eingeladen . Diese B e- hauptung trifft nur bezüglich der Beschwerdeführerin und Mutter der Ei n- geladenen zu. Aktenkundig steht nämlich fest, dass der Gastgeber in den C-475/2012 Seite 11 Jahren 2003 und 2004 einer damals 4 2-jährigen Thailänderin zu einem dreimonatigen Besuchsaufenthalt in der Schweiz, der jeweils auf sechs Monate ausgedehnt wurde, verholfen hatte. Auf entsprechende Frage gab dieser in seinem Antwortschreiben an den Migrationsdienst der Stadt Thun vom 23. November 2011 denn auch zu, in der Vergangenheit wie- derholt seine damalige thailändische Freundin zu sich eingeladen zu h a- ben. 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochte ne Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens werden die unterliegenden Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahren s- kosten sind auf Fr. 800.- festzusetzen (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv Seite 12 C-475/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden den Beschwerdeführern auf- erlegt. Sie werden mit dem am 27. Februar 2012 geleisteten Kostenvor- schuss gleicher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] zurück) – den Migrationsdienst der Stadt Thun Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: