<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 276</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">276</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>66</b></span> <span class="ft3"><b>Eröffnungswerte in der Buchhaltung (§ 27 Abs. 4 StG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Beim Erwerb eines landwirtschaftlichen Betriebes kann der Kaufpreis in</b></span><br/> <span class="ft3"><b>der Eröffnungsbilanz entsprechend dem Wertverhältnis gemäss der or-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dentlichen Grundstückschätzung auf die Bilanzpositionen aufgeteilt wer-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den.</b></span><br/> <br/> <span class="ft1">Aus dem Entscheid des Steuerrekursgerichtes vom 28. April 2011 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">R.G. (3-RV.2009.45).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">277</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft2">3.2.2.</span><br/> <span class="ft2">Der Rekurrent und sein Bruder erwarben die landwirtschaft-</span><br/> <span class="ft2">lichen Grundstücke und Gebäude zu einem Preis von CHF 1'185'000.</span><br/> <span class="ft2">Sie buchten die Güter per 1. Januar 2002, im Verhältnis ihrer Er-</span><br/> <span class="ft2">tragswerte, zu folgenden Werten in die Buchhaltung ein:</span><br/> <span class="ft1">Konto 1619 Wohnhaus</span> <span class="ft1">378'424.00</span><br/> <span class="ft1">Konto 1620 Stall/Scheune</span> <span class="ft1">253'284.00</span><br/> <span class="ft1">Konto 1630 Halle/Remise</span> <span class="ft1">255'470.00</span><br/> <span class="ft1">Konto 1645 Wald</span> <span class="ft1">4'920.00</span><br/> <span class="ft1">Konto 1655 Boden</span> <span class="ft1">292'902.00</span><br/> <span class="ft2">Die Hofübernahmekosten wurden zudem mit CHF 23'270.10</span><br/> <span class="ft2">separat im Konto 1535 aktiviert.</span><br/> <span class="ft2">3.2.3.</span><br/> <span class="ft2">Der Landwirtschaftsexperte des Kantonalen Steueramts</span><br/> <span class="ft2">(LE KStA) ist der Ansicht, die Aufteilung des Kaufpreises ent-</span><br/> <span class="ft2">sprechend der Ertragswerte der einzelnen Positionen führe bei einem</span><br/> <span class="ft2">Verkauf zum 2.7fachen des Ertragswertes nicht zu einem sachge-</span><br/> <span class="ft2">rechten Ergebnis. Auch auf den Realwert allein könne nicht abge-</span><br/> <span class="ft2">stellt werden. Es sei eine Berechnung mit dem gewichteten Ertrags-</span><br/> <span class="ft2">wert und dem Realwert vorzunehmen, wobei die Gewichtung des</span><br/> <span class="ft2">Ertragswertes mit der Formel [(Realwert minus Kauf-</span><br/> <span class="ft2">preis) : (Kaufpreis minus Ertragswert)] zu ermitteln sei. Damit werde</span><br/> <span class="ft2">erreicht, dass die einzelnen Anteile zu demjenigen Wert bewertet</span><br/> <span class="ft2">würden, der ihnen im Rahmen des Gesamtbetriebes zukomme. Zu-</span><br/> <span class="ft2">dem seien die Hofübernahmekosten nicht separat zu verbuchen, son-</span><br/> <span class="ft2">dern anteilsmässig auf die verschiedenen Konti aufzuteilen. Gestützt</span><br/> <span class="ft2">auf die vom KStA, Sektion Grundstückschätzungen, im Bericht vom</span><br/> <span class="ft2">21.</span> <span class="ft2">April 2008 ermittelten Verkehrs- und Ertragswerte hat der</span><br/> <span class="ft2">LE KStA die folgenden Einbringungswerte per 1. Januar 2002 (je-</span><br/> <span class="ft2">weils inklusive Hofübernahmekosten) berechnet:</span><br/> <span class="ft1">Konto 1619 Wohnhaus</span> <span class="ft1">220'695.00</span><br/> <span class="ft1">Konto 1620 Stall/Scheune</span> <span class="ft1">273'902.00</span><br/> <span class="ft1">Konto 1630 Halle/Remise</span> <span class="ft1">175'135.00</span><br/> <span class="ft1">Konto 1645 Wald</span> <span class="ft1">2'850.00</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Konto 1655 Boden</span> <span class="ft1">535'688.00</span><br/> <span class="ft1">3.2.4.</span><br/> <span class="ft2">Mit RGE vom 31. Mai 1995 in Sachen R.A. hat das Steuerre-</span><br/> <span class="ft2">kursgericht festgehalten, dass für die Festsetzung der Buchwerte von</span><br/> <span class="ft2">landwirtschaftlichen Betrieben in der Eröffnungsbilanz der Kaufpreis</span><br/> <span class="ft2">entsprechend dem Wertverhältnis gemäss der ordentlichen Grund-</span><br/> <span class="ft2">stückschätzung aufgeteilt werden kann.</span><br/> <span class="ft2">Das Verwaltungsgericht hat im VGE vom 18. April 2002 in Sa-</span><br/> <span class="ft2">chen A. + G.W. (BE.2001.00368) das Folgende dazu ausgeführt:</span><br/> <span class="ft1">"Bei Hofübertragungen zum Ertragswert erfolgt nach der Praxis eine</span><br/> <span class="ft1">Aufteilung des Kaufpreises im Verhältnis 54% (Gebäude) zu 46% (Boden).</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend handelt es sich jedoch nicht um eine Ertragwertübernahme, und</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführer lassen jede Begründung vermissen, warum trotzdem</span><br/> <span class="ft1">die gleiche Aufteilung sachgerecht, ja zwingend sein soll. Die Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung des Steuerrekursgerichts, wonach - auch bei Ertragwertübernah-</span><br/> <span class="ft1">men - von der genannten Aufteilung abzuweichen ist, wenn klare Hinweise</span><br/> <span class="ft1">bestehen, dass sie den konkreten Verhältnissen nicht entspricht, und dass</span><br/> <span class="ft1">namentlich die Betriebsschätzung die Grundlage für eine sachgerechte</span><br/> <span class="ft1">Aufteilung bietet (RGE vom 31. Mai 1995 in Sachen R.A., S. 5 f.;</span><br/> <span class="ft1">RGE vom 19. Oktober 2000 in Sachen V.B., S. 6), erscheint zutreffend."</span><br/> <span class="ft2">3.2.5.</span><br/> <span class="ft2">Das Steuerrekursgericht hat diese Rechtsprechung im Urteil</span><br/> <span class="ft2">vom 29. April 2009 in Sachen G.E. weitergeführt.</span><br/> <span class="ft2">(...)</span><br/> <span class="ft2">3.2.6.</span><br/> <span class="ft2">Entgegen den Ausführungen des KStA ist die Aufteilung des</span><br/> <span class="ft2">Kaufpreises mit einer Gewichtung des Ertragswertes nach der For-</span><br/> <span class="ft2">mel [(Realwert minus Kaufpreis) : (Kaufpreis minus Ertragswert)]</span><br/> <span class="ft2">zudem nicht zwingend sachgerecht. Bei diesem Vorgehen hängt die</span><br/> <span class="ft2">Aufteilung der Kaufpreises nicht vom Wert der Anteile im Rahmen</span><br/> <span class="ft2">des Gesamtbetriebes ab, sondern letztlich von der Höhe des Kauf-</span><br/> <span class="ft2">preises. Je näher der Kaufpreis beim Ertragswert liegt, desto mehr</span><br/> <span class="ft2">nähert sich die prozentuale Aufteilung des Kaufpreises der prozen-</span><br/> <span class="ft2">tualen Aufteilung gemäss Ertragswertschätzung an. Entspricht der</span><br/> <span class="ft2">Kaufpreis dagegen dem Realwert, so entspricht auch die Aufteilung</span><br/> <span class="ft2">des Kaufpreises für die Eröffnungsbilanz der Aufteilung gemäss</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">279</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft2">Realwert (da die Gewichtung des Ertragswerte dann null beträgt). Es</span><br/> <span class="ft2">erscheint angemessener, die Aufteilung des Kaufpreises gestützt auf</span><br/> <span class="ft2">die für die Vermögenssteuer erforderliche Ertragswertschätzung, die</span><br/> <span class="ft2">für alle Betriebe nach den gleichen Grundsätzen erfolgt, vorzuneh-</span><br/> <span class="ft2">men.</span><br/> <span class="ft2">3.2.7.</span><br/> <span class="ft2">Als weiteres Argument für seine Aufteilung des Kaufpreises</span><br/> <span class="ft2">bringt das KStA vor, in der Ertragswertschätzung für die Vermögens-</span><br/> <span class="ft2">steuer sei beim Wohnhaus auch ein Landanteil enthalten. Werde nun</span><br/> <span class="ft2">der Kaufpreis entsprechend der Ertragswertschätzung aufgeteilt, sei</span><br/> <span class="ft2">im Buchwert des Wohnhauses auch ein Landanteil enthalten, auf</span><br/> <span class="ft2">dem abgeschrieben werden könne, obwohl der Boden normalerweise</span><br/> <span class="ft2">keiner Wertverminderung unterliege.</span><br/> <span class="ft2">Das Steuerrekursgericht ist weiterhin (wie bereits im RGE vom</span><br/> <span class="ft2">31. Mai 1995 in Sachen R.A.) der Ansicht, dass der Bodenanteil, der</span><br/> <span class="ft2">bei der Ertragswertschätzung im Wert des Wohnhauses enthalten ist,</span><br/> <span class="ft2">vernachlässigbar klein ist und jedenfalls den Aufwand einer zusätz-</span><br/> <span class="ft2">lichen Verkehrs- und Ertragswertschätzung durch das KStA, Sektion</span><br/> <span class="ft2">Grundstückschätzungen, nicht rechtfertigt. Wohl wurde im vorlie-</span><br/> <span class="ft2">genden Fall in der Neuschätzung vom 26. März 2003 ein Landanteil</span><br/> <span class="ft2">von 25.32 a zum Wohnhaus gerechnet. Bei einem Grundbesitz von</span><br/> <span class="ft2">total 2744.46 a entspricht dies jedoch lediglich rund 1 %.</span><br/> <span class="ft2">3.2.8.</span><br/> <span class="ft2">Insgesamt ist kein genügender Grund ersichtlich, von der</span><br/> <span class="ft2">Praxis, den Kaufpreis für die Einbringungswerte gestützt auf die Er-</span><br/> <span class="ft2">tragswerte aufzuteilen, abzuweichen. Insoweit erweist sich der Re-</span><br/> <span class="ft2">kurs als begründet. Die vom Rekurrenten berechneten Ein-</span><br/> <span class="ft2">bringungswerte (vgl. Erw. 3.2.2.) sind daher grundsätzlich zu bestä-</span><br/> <span class="ft2">tigen.</span><br/> <span class="ft2">3.3.</span><br/> <span class="ft2">3.3.1.</span><br/> <span class="ft2">Die vom Rekurrenten ermittelten Buchwerte (...) sind dennoch</span><br/> <span class="ft2">zu korrigieren, da die Hofübernahmekosten nicht separat zu aktivie-</span><br/> <span class="ft2">ren, sondern anteilsmässig auf die einzelnen Bilanzpositionen auf-</span><br/> <span class="ft2">zuteilen sind (VGE vom 18. April 2002 in Sachen A. + G.W.</span><br/> <span class="ft2">[BE.2001.00368]; RGE vom 29. April 2009 in Sachen G.E.).</span><br/></div> </div> </body> </html>