Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. März 2017 (715 16 390 / 65) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer hat seine ausstehenden Lohnforde- rungen weder frühzeitig genug noch mit genügendem Nachdruck verfolgt und eingefor- dert. Die Ablehnung seines Anspruchs auf Insolvenzentschädigung ist deshalb nicht zu beanstanden. Besetzung Vorsitzender Kantonsrichter Yves Thommen, Kantonsrichter Daniel Noll, Vizepräsident Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Insolvenzentschädigung A. Der 1959 geborene A.____ war seit 1. Mai 2014 bi s 30. Juni 2016 bei der B.____ GmbH in X.____ in einem unbefristeten Anstellungsve rhältnis als Flachdach-Isoleur tätig. Am 2. Juli 2016 stellte A.____ bei der Öffentlichen Ar beitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkas- se) einen Antrag auf Insolvenzentschädigung betreff end die Konkursandrohung gegen die B.____ GmbH für ausstehende Lohnforderungen in der Höhe von insgesamt Fr. 23‘909.20 für Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Zeit vom 1. März 2016 bis 30. Juni 2016. Mit Verfügung vom 20. September 2016 lehnte die Arbeitslosenkasse den Antrag auf Insolvenzentschädigung mit der Begründung ab, dass der Versicherte ihr gegenüber schriftlich und telefonisch bes tätigt habe, dass er auf eine rechtzeiti- ge Lohnklage oder Betreibung gegen den Arbeitgeber v erzichtet habe. A.____ habe zwar am 14. Juni 2016 eine Betreibung in der Höhe von Fr. 14‘ 918.40 gegen den Arbeitgeber eingeleitet und bis zur Konkursandrohung weitergeführt, zum Zeitpunkt der Einleitung der Betreibung seien jedoch bereits drei volle Monatslöhne geschuldet gewesen. Durch die abwartende Haltung habe der Versicherte die vom Gesetzgeber verlangte Schadenmind erungspflicht nicht eingehalten, weshalb rechtsprechungsgemäss der Anspruch auf Insolvenzent schädigung entfalle. Eine da- gegen erhobene Einsprache wies die Arbeitslosenkasse mi t Einspracheentscheid vom 8. No- vember 2016 ab. B. Hiergegen erhob A.____ am 29. November 2016 Besch werde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und bean- tragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspr acheentscheids sowie die Ausrich- tung der ihm zustehenden Insolvenzentschädigung. Zur Begr ündung machte er geltend, dass die Arbeitslosenkasse die Ablehnung des Anspruchs im Wese ntlichen mit der nicht erfüllten Schadenminderungspflicht und mit der vermuteten Organ stellung von C.____ als vermeintli- chem Geschäftsführer begründe. Tatsächlich habe C.____ eine Generalvollmacht von D.____ gehabt; ohne diese hätte er gar keine Arbeitsverträge unterzeichnen und Versicherungen ab- schliessen können. Auch alle Werkverträge seien von C.__ __ unterzeichnet und alle Bestellun- gen durch ihn ausgeführt worden. Die Begründung, C.____ sei gar nicht Geschäftsführer gewe- sen, mute in diesem Zusammenhang etwas seltsam an. Tats ächlich hätten alle Mitarbeiter C.____ mehrmals hinsichtlich der fehlenden Lohnzahlungen gemahnt und ihm auch mehrmals gedroht, die Arbeit niederzulegen. Insofern habe er a lles versucht, den Lohn zu erhalten sowie auch den Schaden zu reduzieren. Ausserdem habe er sich vor dem Hintergrund des bereits gestellten IV-Antrages nicht um eine adäquate Stelle bemühen können, da es noch nicht ab- sehbar gewesen sei und sei, in welchem Tätigkeitsgebi et er letztendlich Arbeit finden würde. Schliesslich befremde ihn die Tatsache, dass alle anderen Arbeitnehmer unter den gleichen Voraussetzungen eine Insolvenzentschädigung erhalten hätten, wie die beiliegende Subordina- tionsanzeige vom 23. November 216 dokumentiere. Es sei nicht einzusehen, weshalb die ande- ren Mitarbeiter die Insolvenzentschädigung erhalten, n ur er nicht, zumal die Voraussetzungen gerade bei ihm mit dem erfolgten IV-Antrag grundsätzlich mehr zu gewichten seien. C. Die Arbeitslosenkasse schloss mit Vernehmlassung vom 12. Jan uar 2016 (recte: 2017) auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die ob ligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungs gericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit den Art. 128 Abs. 1 und 119 Abs. 1 lit. d der Verord- nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung un d die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die örtliche Zuständigk eit des kantonalen Versicherungsge- richts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Einspra cheentscheide der Arbeitslosenkas- sen, welche die Insolvenzentschädigung betreffen, nach dem Ort des zuständigen Betreibungs- und Konkursamtes. Vorliegend war für das Konkursverfahr en über die B.____ GmbH ein Kon- kursamt im Kanton Basel-Landschaft zuständig, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Deze mber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän dig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 29. November 2016 ist deshalb einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die B eschwerdegegnerin zu Recht den An- spruch des Versicherten auf eine Insolvenzentschädigung abgelehnt hat. 3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AVIG haben beitragspflichtig e Arbeitnehmende von Arbeitge- bern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterli egen oder in der Schweiz Arbeitneh- mende beschäftigen, Anspruch auf Insolvenzentschädigung , wenn: gegen ihre Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lo hnforderungen zustehen (lit. a) oder der Konkurs nur deswegen nicht eröffnet wird, weil sich infol ge offensichtlicher Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger bereitfindet, die Kosten vorzuschiessen (lit. b), oder sie gegen ih- ren Arbeitgeber für Lohnforderungen das Pfändungsbege hren gestellt haben (lit. c). Gemäss Art. 52 Abs. 1 AVIG deckt die Insolvenzentschädigung die Lohnforderungen für die letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses vor der Konkurseröffnung d es Arbeitgebers, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 1 AVIG. Der gesetzliche Zweck der Insolven- zentschädigung besteht im Schutz der Lohnguthaben der A rbeitnehmenden und soll diesen im Konkursfall ihres Arbeitgebers den Lebensunterhalt gara ntieren. Damit soll vermieden werden, dass die betroffenen Arbeitnehmer durch den Verlust ih rer Lohnforderungen in ihrer Existenz bedroht werden (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung vom 2. Juli 1980; BBl 1980 III 534 f. und 606; BGE 114 V 58 E. 3c und Urteil des Eidgenössischen Versiche rungsgerichts [EVG; seit 1. Janu- ar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] C 321/99 vom 20. April 2001 E. 3b). Hin- tergrund bildet die Überlegung, dass Arbeitnehmende g rundsätzlich vorleistungspflichtig sind und das Entgelt für ihre Arbeit erst am Ende des Monat s fällig wird (vgl. Art. 323 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerische n Zivilgesetzbuches [OR] vom 30. März 1911). 3.2 Wird der Arbeitgeber zahlungsunfähig, so kann de r Arbeitnehmende gemäss Art. 337a OR das Arbeitsverhältnis fristlos auflösen, sofern ihm fü r seine Forderungen aus dem Arbeits- verhältnis nicht innert angemessener Frist Sicherheit geleistet wird. Dem Arbeitnehmer steht mit Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dieser Bestimmung die Möglichkeit offen zu verhindern, d ass er dem Arbeitgeber auf unbe- stimmte Zeit Kredit gewährt und das Risiko trägt, die G egenleistung nicht zu erhalten (BGE 120 II 212 E. 6a). Es kann von ihm jedoch nicht un ter dem Titel der Schadenminderungs- pflicht (BGE 129 V 463 E. 4.2, 123 V 233 E. 3c mit Hi nweisen) verlangt werden, diesen Schritt zu machen. Können Lohnansprüche während der Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht erhält- lich gemacht werden, bedeutet dies zudem noch nicht, dass dies auch im Konkursverfahren der Fall sein wird. Um zu verhindern, dass der Arbeitnehmer beliebig lange ohne Lohn beim bishe- rigen Arbeitgeber bleibt, hat der Gesetzgeber in Art . 52 Abs. 1 AVIG eine zeitliche Grenze für die Bezugsdauer der Insolvenzentschädigung gesetzt. Späte stens nach vier Monaten ohne Lohn ist es dem Arbeitnehmer demnach aus arbeitslosenversich erungsrechtlicher Sicht nicht mehr zumutbar, beim insolventen Arbeitgeber zu verbleib en. Dem Schutzzweck der Insolvenz- entschädigung entsprechend sollen nicht Unternehmensrisi ken abgedeckt, sondern soziale Härten der Arbeitnehmenden vermieden werden (SVR 200 5, AlV Nr. 10 S. 31 f. E. 5.3; Urteil des EVG C 264/04 vom 20. Juli 2005). Verbleibt der A rbeitnehmer ohne Lohnbezug über die- sen Zeitraum hinaus beim bisherigen Arbeitgeber, anst att sich nach einer neuen Beschäftigung umzusehen, handelt er auf eigenes Risiko (Urteil des EVG C 270/05 vom 6. Februar 2006). 3.3 Nach Art. 55 Abs. 1 AVIG müssen Arbeitnehmende im Konkurs- oder Pfändungsver- fahren alles unternehmen, um ihre Ansprüche gegenübe r dem Arbeitgeber zu wahren, bis die Kasse ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das V erfahren eingetreten ist. Danach müssen sie die Arbeitslosenkasse bei der Verfolgung ihres Anspruc hs in jeder zweckdienlichen Weise unterstützen. Diese Bestimmung bezieht sich dem Wortlaut nach auf das Konkurs- und Pfän- dungsverfahren. In reduziertem Umfang greift diese Scha denminderungspflicht bereits auch schon vor der Auflösung des Arbeitsverhältnisses, wenn der Arbeitgeber der Lohnzahlungs- pflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und mit einem Lohnverlust zu rechnen ist (ARV 2002 Nr. 30 S. 190). 3.4 Die Anforderungen an die Erfüllung der Schadenmi nderungspflicht und damit an die ausreichenden Bemühungen im Sinne von Art. 55 Abs. 1 AVIG wurden vom Bundesgericht in steter Praxis präzisiert. In BGE 114 V 60 E. 4 führte d as Bundesgericht aus, der Anspruch auf Insolvenzentschädigung entfalle, wenn der Arbeitnehmer vor oder nach der Auflösung des Ar- beitsverhältnisses seine Lohnansprüche nicht innert nützlicher Frist geltend mache. Dabei setze der Anspruch auf Insolvenzentschädigung nicht voraus, d ass der Versicherte unverzüglich be- treibungsrechtliche Schritte gegen seinen Arbeitgeber ei nleite (Urteil des Bundesgerichts vom 4. September 2001; C 91/01). Es genüge, wenn die Arbeitnehmenden unmissverständliche Zei- chen setzen, aus denen die Ernsthaftigkeit ihrer Lohnfor derungen zu erkennen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2001, C 194/01, E. 2b). I n einem weiteren Urteil vom 14. Ok- tober 2004 (C 114/04) hat das Bundesgericht diese Praxis dahingehend konkretisiert, dass ei- ner versicherten Person vor Auflösung des Arbeitsverhältniss es nicht die gleiche Schadenmin- derungspflicht obliege wie danach. Das Ausmass der vora usgesetzten Schadenminderungs- pflicht richte sich nach den jeweiligen Umständen des Einze lfalls (Urteil vom 6. Februar 2006, C 270/05, E. 3.1). Zu weitergehenden Schritten ist di e versicherte Person insbesondere dann gehalten, wenn es sich um erhebliche Lohnausstände handel t und sie konkret mit einem Lohn- verlust rechnen muss. Unmissverständliche Zeichen zur Geltendmachung der Lohnforderungen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht würden dabei nicht ausreichen. Gefordert sei eine konseq uente und kontinuierliche Weiterver- folgung der eingeleiteten Schritte, welche in einem der vom Gesetz geforderten zwangsvollstre- ckungsrechtlichen Stadien münden müssten, damit ein Anspr uch auf Insolvenzentschädigung bestehe (Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2009, 8C_462/2009, E. 3.3). Selbst wenn die Überschuldung des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin o ffensichtlich erscheine, sei es kei- neswegs ausgeschlossen, dass die Lohnforderungen von Arbe itnehmern kurz vor der Kon- kurseröffnung oder der Pfändung nicht doch noch beglich en würden (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2011, 8C_630/2011, E. 4.2). Eine versich erte Person, deren Arbeitsverhältnis bereits lange vor dem Konkurs des Arbeitgebers beendigt worden ist, und die nach Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses mehr als ein Jahr zuwartet, um au sstehende Löhne geltend zu ma- chen, verliert deshalb den Anspruch auf Insolvenzentschädigu ng (Urteil des EVG vom 4. Juli 2002, C 39/02). 3.5 In seinem Urteil vom 23. Oktober 2009 bestätigte da s Bundesgericht seine Rechtspre- chung und führte aus, dass es für die Erfüllung der Scha denminderungspflicht grundsätzlich nicht genüge, wenn Lohnausstände lediglich mündlich gema hnt würden. Dies gelte beispiels- weise, wenn eine langandauernde, das heisst über zwei bi s drei Monate hinaus andauernde Nichterfüllung der vertraglichen Verpflichtung des Arbe itgebers zur Diskussion stehe; wenn überhaupt keine, also auch keine Akonto- oder Teilzahlu ng erfolgt sei; wenn aus der Sicht des Versicherten nicht mit guten Gründen damit gerechnet w erden könne, dass sich bald eine Bes- serung der Situation ergebe oder wenn nicht andere, i m Einzelfall verständliche Gründe vorlä- gen, die ein vorläufiges Zuwarten mit zielgerichteten S chritten aus objektiver Sicht verständlich erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2009, 8C_685/2009, E. 4.2). 4. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich im vorlie genden Fall wie folgt dar: 4.1 Am 17. Juni 2015 verfasste der Versicherte ein Schrei ben an die B.____ GmbH betref- fend unregelmässige Lohnzahlungen. In diesem Schreiben b emängelte der Versicherte im We- sentlichen, dass sein Lohn zum wiederholten Mal nicht p ünktlich auf seinem Konto eingegan- gen sei. Des Weiteren sei teilweise zu wenig Lohn überw iesen worden. Er erwarte, dass diese Ausstände überwiesen würden. 4.2 In seinem Antrag auf Insolvenzentschädigung vom 2. Juli 2016 gab der Versicherte als Grund für die Anspruchserhebung das Pfändungsbegehren vom 1. Juni 2016 an. Er machte offene Lohnforderungen von insgesamt Fr. 23‘909.20 f ür den Zeitraum vom 1. März 2016 bis 30. Juni 2016 geltend. 4.3 In den Akten liegen weiter ein Betreibungsbegehre n (ohne Angabe des Ortes, des Da- tums sowie ohne Unterschrift des Versicherten), ein Zahl ungsbefehl vom 20. Juni 2016 sowie eine Konkursandrohung vom 15. August 2016. Daraus wird ersichtlich, dass der Versicherte eine Betreibung gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber für Lohnausstände (Nettolohn inkl. 13. Monat, Ferien, Überstunden bis 30. Juni 2016) in d er Höhe von insgesamt Fr. 14‘570.25 eingeleitet und bis zur Konkursandrohung weitergeführt hat. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Auf einem Schreiben der Arbeitslosenkasse vom 19. Ju li 2016 hat der Versicherte handschriftlich vermerkt, dass er und seine Ehefrau C.___ _ mehrmals mündlich ermahnt hät- ten, den Lohn zu überweisen; letztmals am 21. Mai 2016. 4.5 In einer Aktennotiz vom 14. September 2016 wurde e in Telefongespräch vom 12. September 2016 zwischen dem Versicherten und der Besc hwerdegegnerin festgehalten. Der Versicherte habe darüber Auskunft gegeben, dass er ke ine Lohnabrechnungen besitze. Diese seien nur sporadisch ausgestellt worden. Aufgrund der Tatsache, dass es sich immer um den gleichen Lohn gehandelt habe, habe in der Firma auch niemand darauf bestanden. Eine Ferienliste sei geführt worden. Diese habe aber seit längerem nicht mehr gestimmt, da sie nicht aktualisiert worden sei. Der Anteil des 13. Monatslohn es sei monatlich pro rata ausbezahlt wor- den. Der Beschwerdeführer habe ausserdem eingeräumt, da ss er nur mündlich abgemahnt habe, da die Lohnzahlungen schon immer mit einiger Ve rspätung überwiesen worden seien. Er habe keine Dringlichkeit für eine Lohnklage oder eine Betreibung gesehen. In der Firma sei man es schon gewohnt gewesen, dass der Lohn verspätet bezah lt worden sei. Auch nachdem zwei oder drei Lohnzahlungen ausgestanden seien, habe m an sich nicht wirklich Sorgen ge- macht, da man der Überzeugung gewesen sei, dass der Lohn sicher noch kommen würde. 4.6 In seiner Einsprache vom 3. Oktober 2016 hielt der Versicherte fest, dass der Lohn zwar stets unregelmässig gekommen, jedoch immer ausbezahl t worden sei. Mündliche Mah- nungen seinerseits würden regelmässig erfolgen. Da genug Arbeit vorhanden gewesen sei, habe er bis dahin auf allmonatliche schriftliche Mahnung en oder eine Betreibung verzichtet. Mit dem plötzlichen Tod des Geschäftsführers habe niemand r echnen können. Eine mündliche Er- mahnung sei noch einige Tage zuvor erfolgt. Nach der Kündigung sei sofort die Betreibung ein- geleitet worden. E.____ von der Geschäftsleitung habe ihnen versprochen, dass alles sofort und ohne Komplikationen abgewickelt würde. Betreffend den Vorwurf, dass er die Arbeit sofort per 1. Juni 2016 hätte niederlegen sollen, führte de r Versicherte aus, dass er zur Schadens- verminderung der Firma und der Kunden die Baustellen weitergeführt und beendet habe bis eine Nachfolgefirma gefunden gewesen sei, die die Resta rbeit beendet habe. Zudem seien die Büros, die Werkstatt und das Lager zu räumen gewesen . Die Kündigung sei in Absprache mit der Geschäftsleitung per 31. Juli 2016 erfolgt. Die da raus entstandene Verzögerung sei aus- serhalb seiner Kompetenzen geschehen. 4.7 In den Akten liegt weiter ein Auszug aus dem Betrei bungsregister ZBL-BA vom 26. Oktober 2016. Darin wird bescheinigt, dass auf den Namen der B.____ GmbH im Zeitraum vom 26. Oktober 2011 bis 26. Oktober 2016 77 Betreibung en im Gesamtbetrag von Fr. 766‘081.13 registriert seien. Verlustscheine seien keine registriert. 4.8 In der Subrogationsanzeige vom 23. November 2016 g ab die Beschwerdegegnerin der Geschäftsleitung der B.____ GmbH bekannt, dass die aufg eführten Parteien Ansprüche auf Insolvenzentschädigung für die Zeit vom 1. Januar 2016 b is 30. Juni 2016 geltend machen würden. In Anbetracht der ungeklärten Sachlage bezüglich Lohnzahlung würde die Arbeitslo- senkasse gestützt auf Art. 51 AVIG Leistungen erbringen . Damit gingen alle arbeitsvertragli- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Ansprüche des Versicherten im Umfang der in Zukunft von der Arbeitslosenkasse auszu- richtenden Leistungen, samt dem gesetzlichen Konkursprivileg, auf die Arbeitslosenkasse über. 5.1 Anspruch auf Insolvenzentschädigung können Arbeitneh mende unter anderem dann haben, wenn der Konkurs über ihren Arbeitgeber nur d eswegen nicht eröffnet wird, weil sich infolge offensichtlicher Überschuldung des Arbeitgebers kein Gläubiger bereitfindet, die Kosten vorzuschiessen (vgl. E. 3.1 hiervor). Vorliegend zeigt sic h aus dem Auszug aus dem Betrei- bungsregister, dass auf den Namen des ehemaligen Arbeitg ebers des Versicherten 77 Betrei- bungen im Gesamtbetrag von Fr. 766‘081.13 registriert sind (vgl. E. 4.7 hiervor). Daraus ergibt sich, dass die B.____ GmbH offensichtlich überschuldet ist und deren Arbeitnehmende grund- sätzlich einen Anspruch auf Insolvenzentschädigung geltend machen können. 5.2 Gemäss Art. 53 Abs. 1 AVIG muss der Arbeitnehmer sein en Entschädigungsanspruch spätestens 60 Tage nach der Veröffentlichung des Konkurs es im Schweizerischen Handels- amtsblatt bei der Arbeitslosenkasse stellen. Als der Versi cherte im vorliegenden Fall am 2. Juli 2016 sein Gesuch stellte, war die B.____ GmbH noch nich t in Konkurs, sondern lediglich offen- sichtlich überschuldet. In der Zwischenzeit ist am 31. Janu ar 2017 über die ehemalige Arbeit- geberin des Beschwerdeführers der Konkurs eröffnet worde n. Vor diesem Hintergrund hat der Versicherte sein Gesuch jedenfalls innert Frist eingereicht. 5.3 Vorliegend hat der Versicherte letztmals im Februar 2016 seinen Lohn erhalten. In den drei darauf folgenden Monaten (also im März, April und Mai 2016) erhielt der Beschwerdeführer kein Gehalt mehr. Trotzdem ist den Akten nicht zu entneh men, dass der Versicherte zu jener Zeit in irgendeiner Weise auf die Nichterfüllung der vertraglichen Verpflichtungen des Arbeitge- bers reagiert hätte. Erst am 14. Juni 2016 – und somit zu einem Zeitpunkt, als bereits drei volle Monatslöhne ausstehend waren – reichte der Versicherte ei n Betreibungsbegehren an das zu- ständige Betreibungsamt ein und führte das Betreibung sverfahren sodann bis zur Konkursan- drohung weiter (vgl. E. 4.3 hiervor). 5.4 Der Beschwerdeführer behauptet zwar, dass er sowie a uch seine Ehefrau den ehema- ligen Arbeitgeber mehrfach mündlich gemahnt hätten. Für diese Behauptung gibt es jedoch keinerlei rechtsgenügliche Nachweise in den Akten. Ausse rdem würden lediglich mündliche Mahnungen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohne hin nicht ausreichen, um der Schadenminderungspflicht in genügender Weise nachzukomm en (vgl. insbesondere E. 3.5 hiervor). Daran vermag auch der Einwand des Beschwerdefü hrers, wonach die Löhne auch in der Vergangenheit regelmässig verspätet ausbezahlt wor den seien, nichts zu ändern. Aus dem Schreiben des Versicherten vom 17. Juni 2015 (vgl. E. 4.1 hiervor) an seinen ehemaligen Ar- beitgeber geht zwar hervor, dass der Lohn mehrfach zu spät ausbezahlt wurde. In diesem Schreiben ist jedoch die Rede von Verspätungen im Rahme n von 3-14 Tagen. Dies ist nicht mehr vergleichbar mit den Ausständen im Jahre 2016, als d ie Löhne monatelang gar nicht aus- bezahlt wurden. Dass der Beschwerdeführer sich mehrfach mündlich nach seinem Lohn erkun- digt hat, ist demnach zum einen nicht mit dem erforder lichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen. Zum anderen würden ledigli ch mündliche Mahnungen zur Erfül- lung der Schadenminderungspflicht – selbst bei noch beste hendem Arbeitsverhältnis – ohnehin Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht ausreichen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich im vorliegenden Fall um eine langandauernde Nichterfüllung von vertraglichen V erpflichtungen des ehemaligen Arbeit- gebers des Versicherten handelt. 5.5 Es ist ausserdem darauf hinzuweisen, dass eine versiche rte Person sich gegenüber der (ehemaligen) Arbeitgeberin so zu verhalten hat, als ob es das Institut der Insolvenzentschä- digung nicht gäbe (vgl. U RS BURGHERR , a.a.O., S.149). Auch eine Überschuldung schliesst nicht aus, dass eine Arbeitgeberin noch über liquide Mi ttel verfügt, welche aber – mangels Druck seitens der Arbeitnehmenden – prioritär für ander e Zwecke als für die Bezahlung der Lohnausstände verwendet werden. Zudem kann es unter arb eitslosenversicherungsrechtlichen Gesichtspunkten nicht Sache der versicherten Person sein, da rüber zu entscheiden, ob weitere Vorkehrungen zur Realisierung der Lohnansprüche erfolg sversprechend sind oder nicht (Urteil des EVG vom 3. Dezember 2003, C 148/03). 5.6 Das tatenlose Zuwarten des Versicherten während dre ieinhalb Monaten ist bei den vollen Lohnausständen von drei Monatslöhnen erheblich und als grobfahrlässige Verletzung der Schadenminderungspflicht zu werten. Die Erheblichkeit d er Lohnausstände ist bei Ausständen von drei vollen Monatslöhnen zu bejahen. Gemäss bundesger ichtlicher Rechtsprechung wäre der Beschwerdeführer gehalten gewesen, seine Lohnford erungen gegenüber der ehemaligen Arbeitgeberin vehementer durchzusetzen. Zunächst, das heisst noch während des bestehen- den Arbeitsverhältnisses, hätte der Versicherte seine au sstehenden Lohnforderungen mindes- tens mittels schriftlichen Mahnungen geltend machen müssen. Bei erheblichen Lohnausständen sowie nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses reichen unmissverständliche Zeichen zur Gel- tendmachung der Lohnforderungen nicht mehr aus. Gefor dert ist eine konsequente und konti- nuierliche Weiterverfolgung der eingeleiteten Schrit te, welche in einem der vom Gesetz gefor- derten zwangsvollstreckungsrechtlichen Stadien münden müsst en. Wie bereits erwähnt, rei- chen lediglich mündliche Mahnungen – welche ohnehin nich t mit überwiegender Wahrschein- lichkeit erstellt sind – sowie eine erst nach Ablauf von d reieinhalb Monaten bzw. nach Ausstand von drei vollen Monatslöhnen erfolgende Einleitung ei nes Betreibungsverfahrens für die Erfül- lung der Schadenminderungspflicht nicht aus. Vor die sem Hintergrund und insbesondere unter Bezugnahme auf die unter Erwägungen 3.4 und 3.5 hie rvor genannte bundesgerichtliche Rechtsprechung ist mit der Beschwerdegegnerin festzuste llen, dass der Versicherte seiner Schadenminderungspflicht nicht in angemessener Weise un d nicht rechtzeitig nachgekommen ist. 5.7 Der Beschwerdeführer kann auch gestützt auf die Beha uptung, alle anderen Mitarbei- ter hätten eine Insolvenzentschädigung erhalten, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn zum einen wird der Anspruch auf Insolvenzentschädigung für jeden Arbeitnehmer eines Betriebes gesondert beurteilt. Zum anderen ist aus der Subrogat ionsanzeige vom 23. November 2016 (vgl. E. 4.8 hiervor) lediglich ersichtlich, dass alle ar beitsvertraglichen Ansprüche der Versicher- ten im Umfang der in Zukunft von der Arbeitslosenkasse au szurichtenden Leistungen, samt dem gesetzlichen Konkursprivileg, auf die Arbeitslosenkasse übergehen. Die Arbeitslosenkasse führte unter anderem aus, dass die aufgeführten Persone n Ansprüche auf Insolvenzentschädi- gung geltend machen würden. Sie würden gestützt auf A rt. 51 AVIG Leistungen erbringen. Ob Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber die Voraussetzungen von Art. 51 AVIG bei den einz elnen Versicherten erfüllt sind, wird nirgends erwähnt. Der Umstand allein, dass ein Versichert er auf der Liste aufgeführt ist, sagt noch nichts darüber aus, ob tatsächlich ein Anspruch best eht. Dies zeigt ja gerade die Tatsa- che, dass auch der Beschwerdeführer selber auf der Subrog ationsanzeige aufgelistet ist, die Arbeitslosenkasse seinen Anspruch aber abgelehnt hat. 5.8 Schliesslich ist festzuhalten, dass – entgegen der Au ffassung des Versicherten – auch der Umstand, dass der ehemalige Geschäftsführer plötzlich verstorben ist, nichts an der Nicht- erfüllung seiner Schadenminderungspflicht ändert. Fü r die vorliegend strittige Thematik irrele- vant sind sodann auch die Frage, ob C.____ Geschäftsfü hrer der B.____ GmbH war, sowie der Umstand, dass der Versicherte einen Antrag bei der Invalidenversicherung gestellt hat. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführ er seine ausstehenden Lohnforderungen weder frühzeitig genug noch mit genü gendem Nachdruck verfolgt und einge- fordert hat. Die Ablehnung seines Anspruchs auf Insolvenze ntschädigung ist deshalb nicht zu beanstanden und die dagegen gerichtete Beschwerde ist abzuweisen. 7. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht