Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Juni 2013 (720 12 160 / 122) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Unzureichende medizinische Abklärungen, Gerichtsgutachten Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch A na Dettwiler, Advokatin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1956 geborene A.____ arbeitete zuletzt als C hauffeur bei verschiedenen Taxiunter- nehmen. Am 10. Juni 2003 (Eingang) meldete er sich be i der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der erw erblichen und gesundheitlichen Ver- hältnisse ermittelte die IV-Stelle einen IV-Grad von 100%. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ mit Verfügung vom 13. August 2003 rückwirkend ab 1. Januar 2002 eine ganze Rente zu. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. Nach Durchführung einer Revision von Am- tes wegen wurde dem Versicherten am 21. Dezember 2006 mitgeteilt, dass er bei einem unver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht änderten IV-Grad von 100% weiterhin Anspruch auf die bisher ausgerichtete ganze Rente ha- be. A.2 Mit Schreiben vom 2. September 2010 leitete die I V-Stelle erneut eine Revision der Ren- te ein. Nachdem sie die gesundheitlichen und erwerbliche n Verhältnisse abgeklärt hatte, ermit- telte sie bei A.____ einen IV-Grad von 28%, worauf si e die laufende ganze Rente des Versi- cherten nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Ve rfügung vom 12. April 2012 per 31. Mai 2012 aufhob. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin An a Dettwiler, am 16. Mai 2012 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherun gsrecht (Kantonsgericht). Er bean- tragte, in Aufhebung der Verfügung vom 12. April 201 2 sei ihm ab 1. Juni 2012 weiterhin eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei eine unabhän gige medizinische Begutachtung in Auftrag zu geben und hernach über seinen Leistungsanspr uch erneut zu entscheiden; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltli- chen Rechtspflege mit Advokatin Dettwiler als unentgeltliche Rechtsvertreterin. Die Beschwerde begründete er im Wesentlichen damit, dass die Verfügu ng auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. Allenfalls sei bei der Bemessung de s Invalidenkeinkommens ein Abzug vom Tabellenlohn von 25% vorzunehmen. C. Mit Verfügung vom 11. Juni 2012 wurde dem Beschwerd eführer für das vorliegende Ver- fahren die unentgeltliche Prozessführung und die unent geltliche Verbeiständung mit Advokatin Dettwiler als unentgeltliche Rechtsvertreterin bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Juli 2012 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 16. August 2012 ge langte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die vorhan- denen medizinischen Akten nicht möglich ist. In der Folge stellte es den Fall aus und beauftrag- te Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit einem Gutachten, welches am 7. Januar 2013 erstattet wurde. F. Mit Eingaben vom 8. Februar 2013 und 13. Februar 2013 bzw. 4. März 2013 nahmen die Parteien zum Gutachten sowie zu den Auswirkungen der m edizinischen Beurteilung auf den Leistungsanspruch Stellung. Während der Beschwerdeführer an seinem Antrag auf Gutheis- sung der Beschwerde festhielt, beantragte die IV-Stelle die Durchführung weiterer Abklärungen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten vom 16. Mai 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Ar t. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 3.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend hat die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 13. August 2003 rückw irkend ab 1. Januar 2002 eine ganze Rente zugesprochen. Nachdem sie im September 2010 von Amtes wegen eine Überprü- fung des Rentenanspruchs der Versicherten eingeleitet und die erforderlichen Abklärungen vor- genommen hatte, hob die IV-Stelle die laufende ganze Rente des Versicherten mit Verfügung vom 12. April 2012 auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. So- mit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerich teten Rente rechtfertigt, durch Ver- gleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprün glichen Rentenverfügung vom 13. Au- gust 2003 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 12. April 2012. 4. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundh eitszustand und - damit einher- gehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit des Versicherte n tatsächlich, wie von der IV-Stelle gel- tend gemacht, seit der ursprünglichen Rentenzusprache p er 1. Januar 2002 in einer an- spruchserheblichen Weise verbessert hat. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (Ulrich Meyer-Blaser , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind di e folgenden medizinischen Unterla- gen zu berücksichtigen: 6.1 In der ursprünglichen Verfügung der IV-Stelle vom 13. August 2003, mit welcher dem Versicherten ab 1. Januar 2002 eine ganze Rente zugespro chen wurde, stützte sie sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähi gkeit im Wesentlichen auf den Be- richt der Klinik C.____ vom 22. Juli 2003. Darin wur de mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schw ere Episode (ICD-10 F33.2), diag- nostiziert. 6.2 Im Rahmen des von ihr im September 2010 von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevi- sionsverfahrens beauftragte die IV-Stelle zur Abklärun g des aktuellen medizinischen Sachver- halts Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit einem Gutachten, welches am 24. März 2011 erstattet wurde. Darin erhob der Gutach ter als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode ohne so- matische Symptome (ICD-10 F33.0). Er hielt fest, dass sich das Krankheitsgeschehen seit dem letzten depressiven Schub im Jahr 2005 beruhigt habe. Di e aktuelle Therapie beim behandeln- den Arzt Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, finde nur noch in grösseren Intervallen statt und entspreche in dieser Form nicht der Behandlung eines schwer depressiven Zustandes. Es sei davon auszugehen, dass ein weitgehend chronifiziertes Stadium der Depres- sion eingetreten sei mit Müdigkeit, Energiemangel, Lu stlosigkeit und leicht bedrückter Stim- mung. Hinweise für schwer depressive Symptome würden fehle n, weshalb derzeit von einer leichtgradig depressiven Episode auszugehen sei. Für die bisherige Tätigkeit als Taxichauffeur sowie für angepasste Verweistätigkeiten bestünde aufgrun d der chronifizierten leichtgradigen depressiven Störung mit erhöhter Müdigkeit und Energiem angel eine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit von 20%. Ab Beginn des Jahres 2009 seien Arbeitseinsätze des Exploranden als Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Taxifahrer belegt. Eine solche Tätigkeit sei nicht mit einem schwer depressiven Zustand zu ver- einbaren, weshalb ab diesem Zeitpunkt auf ein leichtes Depressionsniveau zu schliessen sei. 6.3 Im Überweisungsschreiben an die Klinik C.____ vom 12. August 2011 diagnostizierte der behandelnde Psychiater Dr. E.____ eine chronisch r ezidivierende Depression mit ausge- prägtem sozialem Rückzugsverhalten, aktuell schwere Episode mit zunehmender Suizidalität. Zudem hielt er im Schreiben an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vom 15. August 2011 im Wesentlichen fest, dass die Beurteilung von Dr . D.____ im Gutachten vom 24. März 2011 nicht nachvollziehbar sei. Der Versicherte sei beschw erdebedingt nicht fähig, auch nur 25% als Taxichauffeur zu arbeiten. 6.4 Der Beschwerdeführer war vom 17. August 2011 bis 23. September 2011 in der Klinik C.____ hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 3. Oktober 2011 wurde festgehalten, dass er an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psy- chotische Symptome (ICD-10 F33.2), leide. 6.5 In seiner Stellungnahme vom 23. November 2011 zum Austrittsbericht der Klinik C.____ vom 3. Oktober 2011 hielt Dr. D.____ fest, dass eine Ve rschlechterung der Depression nicht richtig objektivierbar sei und die Hospitalisation eine Reaktion auf die Neubewertung der Ar- beitsfähigkeit in seinem Gutachten sei. Er halte desh alb an seiner Beurteilung vom 24. März 2011 fest. 6.6 Nachdem das Kantonsgericht anlässlich der Urteilsbera tung vom 16. August 2012 zur Auffassung gelangte, dass aufgrund der der Berichte der Klinik C.____ vom 3. Oktober 2011 und Dr. E.____ vom 12. und 15. August 2011 unüberwind bare Zweifel an der Zuverlässigkeit der Beurteilung von Dr. D.____ vom 24. März 2011 beste hen, beauftragte es Dr. B.____ mit einem Gutachten. Am 7. Januar 2013 diagnostizierte die ser mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit eine anhaltend mittel- bis schwergradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, ohne psychotische Symptome im Rahmen einer rezidivierend d epressiven Störung, im Verlauf unterschiedlichen Schweregrades (mittel- bis schwergradig), ohne zwischenzeitliche Remission (ICD-10 F33.11/F33.21). Ohne Auswirkungen auf die Arb eitsfähigkeit bestünden akzentuierte Persönlichkeitsanteile (ICD-10 Z73.1). Die Symptome für eine depressive Störung seien klar feststellbar. Die Diagnose stimme weitgehend überein m it den vorliegenden Arztberichten, wel- che seit der Berentung des Versicherten im Januar 2002 du rchwegs eine vollständige Arbeits- unfähigkeit attestieren würden. Einzig Dr. D.____ komme in seinem Gutachten vom 24. März 2011 zur Diagnose einer leichtgradig depressiven Episod e ohne somatische Symptome und zu einer Beschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von l ediglich 20%. Im Hinblick auf den Krankheitsverlauf im Vorfeld der Begutachtung durch Dr . D.____ und den Verlauf danach, in dem Dr. E.____ am 12. August 2011 eine schwergradig de pressive Episode dokumentiert und auch die Klinik C.____ diese Diagnose in ihrem Austri ttsbericht vom 3. Oktober 2011 bestätigt habe, erscheine die Beurteilung von Dr. D.____ etwas singulär. Insofern sei auch dessen Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar. Auch das aktuelle Untersuchungsergebnis spreche für eine mittel- bis schwergradig ausgeprägte d epressive Störung. Eine willentliche Herbeiführung oder massive Verdeutlichung psychischer oder körperlicher Störungen im Sinne Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Aggravation oder Simulation sei nicht festzustell en. Vielmehr zeige sich eine ausgeprägte Chronifizierung des depressiven Zustandsbildes, ohne dass es zu längerdauernden Remissio- nen zwischen den Episoden gekommen sei. Die Leistungsfäh igkeit des Beschwerdeführers sei sowohl auf der psychisch-geistigen als auch auf der psychiat risch-körperlichen Ebene erheblich beeinträchtigt. Auch die psychosoziale Leistungsfähigkeit sei deutlich eingeschränkt. Die Be- lastbarkeit sei gering, so dass im bisherigen Beruf oder ve rgleichbaren Verweistätigkeiten unter den Bedingungen der freien Wirtschaft eine Arbeitsunf ähigkeit von 80% vorliege. Eine nachhal- tige Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit sei nicht eingetreten. 7.1 Wie oben (vgl. E. 5.2 hiervor) ausgeführt, ist hin sichtlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes entscheidend, ob der Bericht für die streitigen B elange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden b erücksichtigt, in Kenntnis der Vor- akten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Das Gutachten von Dr. B.____ vom 7. Januar 2013 beruht auf eingehenden Untersuchungen des Versicherten und be rücksichtigt die übrigen bei den Ak- ten liegenden medizinischen Berichte. Zudem ging er au f die Beschwerden des Versicherten ein und vermittelt ein hinreichendes Bild über dessen Ge sundheitszustand. Es wird deutlich, dass der Versicherte eine ausgeprägte Chronifizierung d es depressiven Zustandsbildes auf- weist und sich sein Gesundheitszustand seit der Rentenzuspr ache im Jahr 2003 nicht nachhal- tig verbessert hat. Vor diesem Hintergrund ist auch di e fachärztliche Einschätzung der Arbeits- fähigkeit nachvollziehbar begründet und es ist mit überwi egender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aktuell und retrospektiv eine verminderte Leistungsfä- higkeit von 80% aufweist. Die Beurteilung im Gutachten von Dr. B.____ ist sowohl in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schluss- folgerungen überzeugend und deshalb bei der Beurtei lung der medizinischen Sachlage mass- gebend. 7.2 Daran vermögen die Vorbringen der IV-Stelle nicht s zu ändern. Soweit sie einwendet, das Gerichtsgutachten von Dr. B.____ sei insofern unv ollständig, als entgegen dem Fragekata- log im Gutachterauftrag keine laborchemische Prüfung d er Medikamentencompliance vorge- nommen worden sei, erweist sich dieser Einwand als nich t stichhaltig. Zunächst ist festzustel- len, dass Dr. D.____ im Rahmen seiner Untersuchung die Medikamentencompliance prüfte und feststelle, dass diese intakt sei und die Serumwerte fü r Sertralin im Referenzbereich liegen würden. Aufgrund der vorliegenden Akten bestehen kein e Hinweise, dass sich die Complience des Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch Dr. D. ____ verändert hat. Unter diesen Umständen durfte Dr. B.____ auf eine weitere Prüfung der Medikamentencoplience verzichten, ohne dass dadurch die Vollständigkeit seines Gutachtens ta ngiert würde. Im Übrigen wurde - entgegen der Behauptung der IV-Stelle - im Fragekata log des gerichtlichen Gutachterauftrages keine Abklärung der Medikamentencomplience verlangt. We nn die IV-Stelle weiter vorbringt, Dr. B.____ habe die Behandlungsoptionen zum Teil nicht zutreffend dargestellt, indem er fälschlicherweise davon ausgegangen sei, dass der Beschwerd eführer von den bisherigen sta- tionären Behandlungen nicht habe profitieren können, ist festzustellen, dass nach Ansicht des Gerichtsgutachters die stationären Behandlungen zwar je weils eine kurzfristige Besserung, je- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht doch nie eine nachhaltige Verbesserung und Stabilisieru ng des Gesundheitszustandes bewirkt haben. Die Feststellung von Dr. B.____, wonach der Besc hwerdeführer von stationären Thera- pien nicht profitiert habe, ist mit Blick auf den Krankh eitsverlauf durchaus nachvollziehbar, wes- halb der Rüge der IV-Stelle nicht gefolgt werden kann . Soweit sie einwendet, der Gerichtsgut- achter habe die ausführlich dokumentierten Befunde im Gutachten von Dr. D.____ nicht zurei- chend kommentiert und die Phasen der Remissionen nicht ausreichend berücksichtigt, ist ihr entgegenzuhalten, dass Dr. B.____ zu den abweichenden Diagnosen und zur unterschiedlichen Zumutbarkeitsbeurteilung hinreichend Stellung nahm un d zudem nachvollziehbar begründete, weshalb er zu einem anderen Schluss kommt. So wies er übe rzeugend darauf hin, dass vor dem Hintergrund des langjährig dokumentierten Verlau fs und des aktuellen Untersuchungsbe- fundes die Diagnose einer leichten depressiven Episode n icht nachvollziehbar sei. Sodann ver- neinte er im Unterschied zu Dr. D.____ eine Aggravatio n oder Simulation und konnte - im Ge- gensatz zum Vorgutachter - zur Untermauerung seiner Be urteilung auf die Ergebnisse der psy- chometrischen Untersuchung verweisen. Demnach erreichte de r Beschwerdeführer auf der Hamilton Depressionsskala ein Gesamtscore von 29 Punkten, w as einem mittel- bis schwergradig depressiven Syndrom entspricht. Die Testung m ittels MADRS-Skala ergab ein Gesamtscore von 31 Punkten, was einer schwerwiegenden Depre ssion entspricht. Soweit die IV-Stelle kritisiert, Dr. B.____ habe bei seiner Beurt eilung die dokumentierten Arbeitseinsätze des Beschwerdeführers als Taxifahrer zwischen dem 2. Januar 2009 und dem 8. April 2010 nicht berücksichtigt, kann ihr nicht gefolgt werden. Diesb ezüglich ist festzustellen, dass der Ge- richtsgutachter zu den Arbeitseinsätzen des Versicherten a ls Taxifahrer Stellung nahm und glaubhaft ausführte, dass aus den vorübergehenden Beschäf tigungen keine relevante Arbeits- fähigkeit abgeleitet werden könne. Aus den aktenkundigen Unterlagen des Amtes für Wirtschaft und Arbeit geht hervor, dass der Beschwerdeführer in d em erwähnten Zeitraum von gut 15 Mo- naten insgesamt 132,7 Stunden als Taxifahrer arbeitet e, was einem Arbeitspensum von rund 5% entspricht. Die sporadischen Arbeitseinsätze des Versi cherten fallen unter diesen Umstän- den bei der Beurteilung der Zumutbarkeit nicht weiter ins Gewicht. Insgesamt lässt das Gutach- ten von Dr. B.____ vom 7. Januar 2013 eine zuverlässige Beurteilung der verbleibenden Ar- beitsfähigkeit des Versicherten zu, weshalb in antizipier ter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) au f die von der IV-Stelle beantragte zu- sätzliche Abklärung verzichtet werden kann. 8. Werden die beiden Sachverhalte, welche im 2003 zur Berentung und im Jahr 2012 zur Aufhebung der Rente geführt haben, verglichen, so erwe ist sich, dass sich der Gesundheitszu- stand des Beschwerdeführers seit der ursprünglichen Rent enzusprechung nicht massgeblich verbessert hat. Damit steht fest, dass keine erhebliche Ve rbesserung des Gesundheitszustan- des eingetreten ist und damit die Voraussetzungen der Revision von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Demnach ist in Gutheissung der Beschwerde die angefochtene Verfügung vom 12. April 2012, mit welcher der Rentenanspruch des Be schwerdeführers revisionsweise ver- neint wurde, aufzuheben und es ist festzustellen, dass d er Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juni 2012 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. 9.1 Die Kosten der Begutachtung durch Dr. B.____ in d er Höhe von Fr. 4'200.-- sind der IV- Stelle aufzuerlegen (vgl. 137 V 210, E. 4.4.2). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Re chtsvertreterin des Beschwerdefüh- rers hat in ihren Honorarnoten vom 20. Juli 2012 und 22. März 2013 für das vorliegende Verfah- ren einen Zeitaufwand von insgesamt 16 Stunden und Auslagen von Fr. 171.-- geltend ge- macht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellend en Sachverhalts- und Rechtsfra- gen als angemessen erweist. Dem Beschwerdeführer ist desha lb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'504.70 (16 Stunden à Fr. 250.-- u nd Auslagen von Fr. 171.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und es wird f estgestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juni 2012 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. 2. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 4'200.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4'504.70 (inkl. Ausl agen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht