B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5757/2012 U r t e i l v o m 1 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner; Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, B._______, Mazedonien, beide vertreten durch Christian Wyss, Fürsprecher, Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Oktober 2012 / N (…). E-5757/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin, eine m a- zedonische Staatsangehörige albanischer Ethnie, mit ihrer damals zwöl f- jährigen Tochter ihren Heimatstaat am 9. Juni 2010 auf dem Luftweg (L._______-Zürich). Nach ihrer Einreise hielt en sie sich bei einem Ve r- wandten in der Schweiz auf. Schliesslich suchten sie am 7. September 2010 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nach. Am 14 . September 2010 wurde die Beschwerdeführerin dort sum- marisch zur Person (BzP) befragt und am 8. Oktober 2010 erfolgte die Di- rektanhörung zu ihren Asylgründen. A.b Anlässlich der Befragungen machte die Beschwerdeführerin zur B e- gründung ihres Asylgesuchs im Wesentliche n geltend, dass die Lebens- bedingungen während des Krieges in ihrer Heimat schlecht gewesen se i- en. Der Vater und der Bruder seien krank. So sei sie mit ihrer Tochter von ihrem Heimatdorf D._______ nach E._______ zu ihrer Schwester gez o- gen. In ihrer Wohnung sei es im Jahre 2003 zu einem Kurzschluss g e- kommen, wobei sie verletzt worden sei und sich medizinisch habe b e- handeln lassen müssen. Nach dem Krieg seien sie nach D._______ zu- rückgegangen, wo sie in der Folge drei Vorladungen wegen des Vorfalls in E._______ erhalten habe. Man habe ihr zur Last gele gt, Stromleitun- gen illegal an einen Hauptschalter angehängt zu haben. Es sei jedoch, trotz Anklage, nicht zu einer Gerichtsverhandlung gekommen, weil sie diese jeweils erfolgreich habe verschieben können, indem sie sich immer darauf berufen habe , als alleinstehende Mutter ihre Tochter nicht allein lassen zu können. Aus Angst, doch mal ins Gefängnis gehen zu müssen, und weil ihr die Sozialhilfe gestrichen worden sei, habe sie sich zur Au s- reise entschlossen. Ihr vorrangiges Ziel sei es gewesen, ihre Tochter b ei ihrem in der Schweiz wohnhaften Vater in Sicherheit zu bringen. Seine jetzige Frau wolle die Tochter jedoch nicht bei sich haben. B. B.a Mit Verfügung vom 15. Oktober 2010 – eröffnet am 18. Oktober 2010 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerinnen wür den die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und lehnte die Asylgesuche ab. Z u- dem verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug. E-5757/2012 Seite 3 Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die der Beschwe r- deführerin drohende Gerichtsverhandlung deute nicht darauf hin, dass sie aus einem in Art. 3 AsylG (SR 142.31] erwähnten Gründe inkorrekt b e- handelt werden könnte. Mit Schreiben vom 12. November 20 10 wandte sich die Beschwerdefü h- rerin erneut an die Vorinstanz und machte im Wesentlichen geltend, dass sie und ihre Tochter in ihrer Heimat da s Ziel einer drohenden Blutrache seien, weil ihr Ex -Mann und Vater ihrer Tochter, im Jahre 2001 einen Mann umgebracht habe. Die einzige Möglichkeit, sich und ihre Tochter zu schützen, bestünde darin, sich durch eine erneute Heirat unter den Schutz einer anderen Familie zu stellen. Es sei jedoch für eine alleinst e- hende Mutter sehr schw ierig, in Mazedonien einen Mann zu finden. Sie habe diese neuen Vorbringen im Verfahren vor dem BFM deswegen nicht vorgebracht, weil sie erstens gehört habe, dass eine drohende Blu t- rache in der Schweiz keinen asylrelevanten Fluchtgrund darstelle und zweitens, weil sie sich vor dem Übersetzer, der sie in C._______ ange- hört habe, fürchte. Mit Eingabe vom 16. November 2010 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde mit gleichem Inhalt wie in der Eingabe vom 12. November 2010. Sie beantragte die Aufhebung der Ver- fügung vom 15. Oktober 2010 und Rückweisung der Sache an die Vori n- stanz. B.b Mit Instruktionsverfügung vom 29. November 2010 ersuchte das Bundesverwaltungsgericht das BFM, bis zum 14. Dezember 2010 entw e- der die Verfügung vom 15. Oktober 2010 wegen des neu in der B e- schwerde vorgebrachten Sachverhalts aufzuheben oder eine Verneh m- lassung einzureichen. Gleichzeitig hielt es in den Erwägungen fest, dass es allenfalls eine Kassation de r vorinstanzlichen Verfügung in Betracht ziehe. B.c Mit Verfügung vom 6. Dezember 2010 hob das BFM seinen Asylen t- scheid vom 15. Oktober 2010 auf, da aufgrund der neuen Sachlage das Asylgesuch nochmals überprüft werden müsse. B.d Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. Dezember 2010 wurde das Beschwerdeverfahren als gegenstandslos geworden abge- schrieben. E-5757/2012 Seite 4 C. C.a Anlässlich einer erneuten Anhörung vom 8. Februar 2011 durch das BFM wiederholte die Beschwerdeführerin, dass sie sich in der Anhörung vom 8. Oktober 2010 nicht getraut habe, die Wahrheit zu sagen, weil sie vernommen habe, dass eine drohende Blutrache in der Schweiz nicht als Fluchtgrund anerkannt werde und zudem der anwese nde Übersetzer aus ihrem Nachbardorf gestammt habe. Ihr wirklicher Ausreisegrund bestehe darin, dass ihr damaliger Ehemann F._______ im Jahre 2001 einen Mann namens G._______ erschossen habe, weil ihn dieser als (…) sexuell missbraucht habe. Ihr Ex -Mann habe sich der Polizei gestellt. Nach se i- ner Festnahme seien Unterhändler zu ihnen nach Hause gekommen, um eine Einigung zwischen der Familie des Getöteten und ihrer Familie zu erzielen. Sie sei mit ihrer Tochter zu ihren Eltern nach D._______ ge- bracht worden, weil sie Angst gehabt habe, dass ihre Tochter, die mit dem Täter blutsverwandt sei, umgebracht werde. Die Vermittler aus dem Ve r- söhnungsrat hätten nicht erreicht, dass die Familie des Getöteten das Eh- renwort Besa ausspreche . Aus Angst, dass ihre Tochter bedroht werden könnte, habe sie sich von F._______ scheiden lassen. In den folgenden Jahren hätten die Fri edensstifter erfolglos versucht, die Familien zu ve r- söhnen. Der Ex-Mann der Beschwerdeführerin sei nach einigen Monaten entlassen worden und in die Sc hweiz ausgereist, wo er im Jahre 2005 geheiratet habe. Sie (die Beschwerdeführerin) habe unauffällig gelebt und ihre Tochter sei nach E._______ mit dem Taxi gebracht und jeweils abge- holt worden. Im Jahre 2008 habe die Opferfamilie endgültig alle Versö h- nungsversuche abgelehnt und weil sie sich um die Tochter, die das einzi- ge "Nachwuchskind" (so übersetzt vgl. A22/18 A89) sei, gefürchtet habe, habe sie sich einen Pass beschafft und sei mit ihr ausgereist. C.b Aufgrund der neuen Sachlage führte das BFM am 14. März 2012 bei der Schweizerischen Vertretung in Pristina eine Botschaftsanfrage durch. C.c Gemäss einer Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts der Bot- schaftsauskunft vom 29. März 2012 , die der Beschwerdefüh rerin am 2. Mai 2012 zur Stellungnahme übermittelt wurde, sei sie nicht mit F._______, sondern mit dessen Bruder H._______, mit welchem sie den Sohn I._______ habe, verheiratet gewesen. Die Tochter B._______ stamme aus einer ausserehelichen Beziehung mit F._______, dem Schwager der Beschwerdeführerin. Zwischen ihnen bestehe kein ehel i- ches Verhältnis. Die Scheidung mit H._______ sei im Jahre 1997 erfolgt, E-5757/2012 Seite 5 als er die Untreue seiner Frau bemerkt habe. F._______ habe tatsächlich den Mord a n G._______ begangen. Die von einem Vermittler ausgeha n- delte Besa mit der Familie J._______ sei nach vier Jahren nicht wieder erneuert worden. Ein Vermittler würde immer noch versuchen , eine Besa zu erreichen. Wegen des Ehebruchs habe die Beschwerdeführerin Prob- leme mit ihrem E x-Mann H._______, welcher zur Wiederherstellung se i- ner Ehre nicht zögern würde, sie zu töten, und den Schwiegereltern. Die- se wollten ihr nicht verzeihen. Ein Mediator habe erfolglos versucht, den Konflikt zu schlichten. C.d Mit Eingabe vom 9. Mai 2012 nahm di e Beschwerdeführerin zum Erge b- nis der Botschaftsabklärung Stellung. Dabei gab sie im Wesentlichen an, aus Scham nicht gewagt zu haben, die Wahrheit zu erzählen. Sie habe F._______ vor dem Imam geheiratet, habe sich aber im Jahre 2001 von ihm scheiden lassen, nachdem er den Mord begangen habe. Da die Besa mit der Familie J._______ weggefallen sei, sei sie in doppelter Hinsicht in Gefahr. Sie fürchte sich sowohl vor der Rache der Familie J._______ als auch von der Familie K._______. D. Mit Verfügung vom 3. Oktober 2012 – eröffnet am 4. Oktober 2012 – lehn- te das BFM die Asylgesuche mit der Begrün dung ab, die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen würden weder den Anforderungen an die Glau b- haftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft standhalten. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführerinnen aus der Schweiz an und stellte fest, der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. E. Mit Eingabe vom 5. November 2012 (Eingabe und Poststempel) liessen die Beschwerdeführerinnen beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung einreichen und beantragten, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und ihnen sei Asyl zu gewähren, eventuell seien die Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Be- schwerdeführerin sei mit ihrer Tochter vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses ersucht. Zudem sei ihnen eine Nachfrist zum Nachrei chen von B e- weismitteln einzuräumen. Der Eingabe wurden als Beweismittel eing e-E-5757/2012 Seite 6 reicht: ein Zeitungartikel vom 31. Januar 2001 über die Tötung von G._______ durch F._______ mit Übersetzung, ein Internetauszug (Wik i- pedia) über den Kanun in Albanien, eine Bestätigung des Versöhnungsra- tes von E._______ und Kosovo über die bestehende Gefahr der Blutr a- che, die Geburtsurkunde von B._______, eine Übersetzung der Haftver- längerung von 26. Juni 2001 und eine Notiz der Beschwerdeführerin über einen Vorfall in der Schweiz , wonach in der Nacht vom 27. a uf den 28. Oktober 2010 auf F._______ aus dem Auto geschossen worden sei. F. Am 8. November 2012 wurde eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung von der Flüchtlingshilfe Konolfingen vom 7. November 2012 eingereicht. G. Mit Instruktionsverfügung vom 21. November 2012 teilte das Bundesve r- waltungsgericht den Beschwerdeführerinnen mit, sie könnten den Au s- gang des Verfahrens gestützt auf Art. 42 AsylG in der Schweiz abwarten, und wies unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG das Gesuch um Anset- zung einer Nachfrist zum Nachreichen von Beweismitteln ab. Die unen t- geltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde unter Vorb e- halt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse gu t- geheissen. H. Mit einem weiteren Schreiben vom 19. Dezember 2012 wurden acht Be- stätigungsschreiben von Zeugen, Freunden und Nachbarn, die die dr o- hende Blutrache gegenüber der Tochter B._______ bezeugten, sowie ei- ne Imam-Urkunde, welche die kirchliche Vermählung der Beschwerdefüh- rerin mit F._______ bestätige, eingereicht. I. Am 7. Mai 2013 wurden zwei Urkunden in albanischer Sprache, eine SHF-Länderanalyse sowie ein Urteil des Berner Verwaltungsgerichts, das die Blutrache als Wegweisungshindernis anerkenne, eingereicht. J. Mit Vernehmlassung vom 3. Februar 2014, die dem Beschwerdeführer am 5. Februar 2014 zur Stellungnahme übermittelt wurde , hielt das BFM vollumfänglich an den Ausführungen in seiner Verfügung fest und schloss auf Abweisung der Beschwerde. E-5757/2012 Seite 7 K. Mit Eingabe vom 20. Februar 2014 wurden eine Anklageschrift gegen den Schwiegervater der Beschwerdeführerin wegen Waffenbesitz es und eine Bestätigung der Waffenbeschlagnahme sowie nochmals ein Beleg für die Eheschliessung der Beschwerdeführerin mit F._______ eingereicht und um Erstreckung der Frist zur Replik ersucht. L. Nach gewährter Fristverlängerung vom 26. Februar 2014 reichten die Be- schwerdeführerinnen am 25. Februar und 6. März 2014 ihre Stellun g- nahme sowie weitere Beweismittel, unter anderem ein psychiatrisches Gutachten vom 22. Februar 2014, ein. Auf den Inhalt der in den beiden Eingaben eingereichten B eweismittel wird, soweit wesentlich, in den E r- wägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsg ericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltung s- gericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert E-5757/2012 Seite 8 (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung im Asylpunkt z u- nächst aus , dass de r Annahme der Beschwerdeführerin, ihrer Tochter würde ein Blutracheakt seitens der Familie J._______ drohen, der Wort- laut des Kanun s entgegenstehe, da gemä ss diesem albanischen G e- wohnheitsrecht ausschliesslich männliche Mitglieder der Familie des T ä- ters zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Vor diesem Hintergrund erstaune, dass der Schwiegervater der Beschwerdeführerin, ein männl i- cher Erwachsener, der in direkter Blutlinie mit dem Mörder stehe, offenbar keiner Gefahr ausgesetzt gewesen sei. Diese logische Lücke habe die Beschwerdeführerin nicht zu schliessen vermocht, sondern vielmehr wi e- derholt, keine Besa erhalten zu haben und ihre Tochter in Gefahr zu s e-E-5757/2012 Seite 9 hen. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum die Beschwerdeführerin we i- tere neun Jahre in D._______ geblieben sein sollte, sollte die Tochter tat- sächlich ununterbrochen in Gefahr gewesen sein. Dass ihrer Tochter auch ein Blutracheakt seitens der Familie ihr es Ex-Mannes drohe, habe die Beschwerdeführerin erst mit der Eingabe vom 9. Mai 2012 – mithin 20 Monate nach Gesuchseinreichung – geltend gemacht, was schon für sich nicht für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen spreche. So se i nicht logisch, dass wegen ihr und F._______ einerseits eine Besa vereinbart und ande- rerseits beschlossen worden sein soll, sie sollten besser heiraten. B e- zeichnenderweise sei aus der Botschaftsabklärung ersichtlich, dass zw i- schen der Beschwerdeführerin und F._______ keinerlei eheliche s Ve r- hältnis ("aucune relation matrimoniale") bestehe. 4.1.1 Sodann seien die Ausführunge n der Beschwerdeführerin von einer Vielzahl von Widersprüchen gekennzeichnet. So habe sie etwa in ihrer Eingabe vom 12. November 2010 vor gebracht, ihr Mann (gemeint: F._______) sei vom Gericht in L._______ zu einer sechsmonatigen Fre i- heitsstrafe verurteilt worden. Im Rahmen der ergänzenden Anhörung h a- be sie demgegenüber zu Protokoll gegeben, dass er freigesprochen wo r- den sei (vgl. Akten BFM, A22/18, S. 3) . Auch habe si e die Frage, ob sie wegen der Bedrohung der Familie J._______ jemals zur Polizei gega n- gen sei, verneint. Gleich auf die Anschlussfrage habe sie demgegenüber eingeräumt, sie habe sich um polizeilichen Schutz bemüht, man habe ihr jedoch nicht helfen können (vgl. A22/18, S. 14). 4.1.2 In Ergänzung vorstehender Erwägungen sei festzuhalten, dass die generelle Glaub würdigkeit der Beschwerdef ührerin in grundsät zlicher Weise erschüttert sei. So habe sie zunächst ihre Asylgesuche damit b e- gründet, dass sie in E._______ einen Stromunfall verursacht habe, wo r- aufhin man ihr für den Fall, dass sie sich nicht bei den Behörden melde , den Entzug des Sorgerechts für ihre Tochter angedroht habe. Erst nac h- dem ihr Asylgesuch abgewiesen worden sei, habe sie mit Schreiben vom 12. November 2010 ihre Befürchtung zum Ausdruck gebracht, die Familie J._______ könnte ihrer Tochter etwas antun. Nach Wiederaufnahme des Verfahrens sei eine ergänzende Anhörung angeordnet worden, damit die Beschwerdeführerin nun ihre tatsächlichen Ausreisegründ e vorbringen könne. In dieser Anhörung sowie in ihrer Stellungnahme zur Botschaft s- abklärung, habe sie jedoch erneut unwahre Angaben gemacht. Daher sei in Würdigung aller Umstände die gesc hilderte Bedrohungslage, wonach die Beschwerdeführerin "mit zwei Blut rachen belastet" sei, als Sachver- haltskonstrukt zu bezeichnen. E-5757/2012 Seite 10 4.1.3 Sodann seien Befürchtungen, künftig Verfolgungsmassnahme au s- gesetzt zu sein, nur dann asylrel evant, wenn begründeter Anlass zur An- nahme best ehe, dass sich die Verf olgung mit beachtlicher Wa hrschein- lichkeit und in absehb arer Zukunft verwirklichen werde. Hätten die Ange- hörigen der Familie K._______ (Ablauf der Besa im Jahre 2008) oder J._______ (Ablauf der Besa im Jahre 2005) ihr und ihrer Tochter etwas antun wollen, so hätten sie bis zum Zeit punkt ihrer Ausreise im Jahre 2010 hierzu ausreichend Gelegenheit gehabt. 4.1.4 Was schliesslich die ursprüngliche Asylbegründung der Beschwe r- deführerinnen – die drohende Strafuntersuchung in E._______ – betreffe, sei festzustellen, dass damit keine asylrelevanter Sachverhalt zum Au s- druck gebracht werde. Es stehe den mazedonischen Justizbehörden o h- ne weiteres zu, im Nachgang eines Stromunfalls dessen Ursachen zu un- tersuchen. 4.2 In der Beschwerde wird zunä chst g eltend gemacht , dass die Vori n- stanz zu Unrecht an den Ausführungen der Beschwerdeführerin gezwei- felt und sich auf Widersprüche fokussiert habe, anstatt ihre unmittelbare Gefährdung durch die Blutrache als Kerngehalt ihrer Aussagen abzuw ä- gen und zu be urteilen. Das Auslassen des innerfamiliäre n Beziehungs- dramas durch die Beschwerdeführerin, die bei der Zweitbefragung ihre staatliche Ehe mit dem Bruder von F._______ ausgeblendet habe, lasse nicht auf die Unglaubhaftigkeit der Kerngeschichte schliessen. Immerhin würden die Funktionäre des Versöhnungsrates, M._______ und N._______ die kulturelle Vermählung der Beschwerdeführerin mit dem Bruder des Ex -Mannes als Verstoss gegen die moralische n Normen des Kanuns bezeichnen. Die Aussage der Vorinstanz, die gene relle Glau b- würdigkeit der Beschwerdeführerin sei grundsätz lich erschüttert, weil sie anlässlich der Befragung eine völlig andere Gefähr dungsgeschichte an- gegeben habe, sei als unsachliche und willkürliche Beweiswürdigung zu qualifizieren. Die Gefährdung durch die drohende Blutrache durch die Familie J._______ sei gegeben. Da die mitgeflo hene Tochter B._______ anerkannterweise vom Konkubinatspartner F._______ abstamme, bilde sie noch mehr als die Beschwerdeführerin eine Zielscheibe der Blutr ä- cher. Sodann handle es sich entgegen der Annahme durch die Vorinstanz bei der Blutrache nicht zwingend um ein Ritterspi el nach vorgegebenen Regeln, bei welchem Frauen und Kinder geschont blieben. Obschon M a- zedonien als "safe country" gelte, sei dieser Staat in solchen Angelegen- heiten noch lange nicht schutzfähig. Daher sei die Bedrohung durch nichtstaatliche Akteure praxisgemäss flüchtlingsrechtlich relevant. E-5757/2012 Seite 11 4.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz unter anderem daran fest, dass bei einer Blutrache ausschliesslich männliche Mitglieder der Familie zu r Rechenschaft gezogen würden , und weist nochmals darauf hin, dass im konkreten Verhalten der Beschwerdeführerin ernsthafte Zweifel bestünden, ob tatsächlich eine Gefahr von Blutrache bestehe, da sie während neun Jahren in D._______ geblieben sei und keine alternati- ve Wohnsitznahme vorgenommen habe. Sodann treffe es nicht zu, dass das BFM die nachträglich geltend gemachten Vorbringen nicht oder wil l- kürlich gewürdigt habe. Im Gegenteil müsse das Aussageverhalten und die Glaubhaftigkeit der Beschwerdeführerin in einem Gesamtkontext b e- urteilt werden. So sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie nicht bereits in der ersten Befragung zur Person, als das behauptete Dolmetscherpro b- lem nicht bestanden h abe, wenigstens ansatzweise die später geltend gemachten Vorbringen angedeutet habe. Insbesondere leuchte nicht ein, weshalb die Beschwerdeführerin davon ausgegangen sein soll, dass pr i- vate Blutrache, welche zur Tötung ihrer Tochter führen könnte, für das Verfahren unwesentlich, ein staa tliches und geordnetes Gerichtsverfa h- ren hingegen, welches von ihr immerhin mehrmals habe verschoben werden können, im Asylverfahren eher von Interesse sei. Zudem sei da r- auf hinzuweisen, dass das BFM das Asylgesuch nicht allein gestützt auf die Unglaubhaft igkeit ihrer Aussagen abgewiesen habe, sondern auch gestützt auf Art. 3 AsylG. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe nicht mehr daran festgehalten habe, dass auch ein Blutrachekat seitens der Familie ihre s Ex-Mannes drohe, weshalb davon auszugehen sei, dass in diesem Punkt keine Verfo l- gungsgefahr bestehe. 4.4 In der Replik wird im Wesentlichen daran festgehalten, dass sich die Beschwerdeführerin auch von Seiten ihres Schwiegervaters extrem b e- droht fühle. Dafür würde n auch die mit der Beschwerde eingereichten Dokumente sprechen, die von Amtes wegen berücksichtigt werden müss- ten. Es sei ein krasser Verstoss gegen die Familienehre, den Ehemann zu verlassen und mit dessen Bruder ein Kind zu zeugen. Diese Drohung sei noch im Dezember 2013 wiederholt worden, als ein Neffe des Schwiegervaters aus Deutschland zu Besuch gekommen sei. Dass die Familie des Schwiegervaters gefährlich sei, ergebe sich aus de n Unter- suchungen der Polizei gegen O._______ (den Schwiegervater: Anmer- kung des Bundesverwaltungsgerichts ), die wegen Waffenbesitzes Hau s- durchsuchungen durchgeführt und gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet habe (vgl. Beilage 4 Ziffer. 5). Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin erst im Jahre 2010 in die Schweiz geflohen se i, widerspreche dem E-5757/2012 Seite 12 Fluchtmotiv der Blutrache nicht. Solange B._______ noch klein gewesen sei, habe die Gefährdung durch bewachte Taxifahrt en in die Schule noch einigermassen kontrolliert werden können. Erst mit zunehmende m Alter wäre die persönliche Gefährdung virulent. Und erst damals seien die Be- mühungen des Versöhnungsrates gescheitert. Ferner habe die B e- schwerdeführerin ihren erstgeborenen Sohn deshalb nicht erwähnt, weil sie ihn einerseits nicht habe gefährden wollen, da auch er sich vor Blutra- che fürchten müsse, andererseits habe sie sich geschämt zu sagen, noch ein (…)-jähriges Kind in Mazedonien zu haben. Die Vorinstanz verkenne die psychische Drucksituation der albanisch -mazedonischen Frauen in derartigen Fällen. Das beiliegende Arztzeugnis unterst reiche, dass eine psychische Behandlung in der Schweiz immer noch nötig sei. 5. 5.1 Vorab ist auf die formelle Rüge der unsachlichen und willkürlichen Beweiswürdigung einzugehen. 5.2 Gemäss Lehre und Rechtsprechung liegt Willkür dann vor, wenn ein Entscheid von einer tatsächlichen Situation ausgeht, die mit der Wirklic h- keit in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz offensichtlich krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. MÜLLER/SCHÄFER, Grund- rechte in der Schweiz, 4. Aufl., 2008, S.11; HÄFELI/HALLER/KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., 2012, N 811 f. S. 251 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1, mit weiteren Hinweisen). Dabei muss die angeblich willkürliche Begründung rechtsgenü glich dargelegt werden (BGE 116 Ia 426 [S. 428], mit weiteren Hinweisen). Vorliegend behauptet die B e- schwerdeführerin, die Aussage der Vorinstanz, wonach diese ihre gen e- relle Glaub würdigkeit in Frage stell e, stelle eine völlig unsachliche und willkürliche Beweiswürdigung dar. An dieser Stelle i st daran zu erinnern, dass die Beschwerdeführerin bei ihrer ersten Befragung und Anhörung einen völlig anderen Sachverhalt als Fluchtgrund vorbrachte als denjeni- gen, den sie später, im Rahmen des wiederaufgenommenen A sylverfah- rens geltend machte. Dies, obschon im Gegensatz zur ersten Anhörung bei der Erstbefragung nicht der Dolmetscher aus ihrem Nachbardorf an- wesend war, zu dem sie angeblich kein Vertrauen haben konnte. Somit wurde vorerst eine Verfügung über einen Sachverhalt erlassen, der nicht für ihre Ausreise ausschlaggebend war. In ihrer schriftlichen Eingabe vom 12. November 2012 behauptete sie sodann, nun ihre wirklichen Fluch t- gründe dargelegt zu haben. Dabei hat sie jedoch erneut unwahre Anga-E-5757/2012 Seite 13 ben g emacht und die Existenz ihres ersten Mannes und ihres Sohnes I._______ verschwiegen. Bei der ergänzenden Anhö rung nach der Wi e- deraufnahme des Asylverfahrens sagte sie wieder nicht die Wahrheit und gab auf eine konkrete Frage, ob ihr Ex -Ehemann Geschwister habe, eine verneinende Antwort. Ihren Sohn erwähnte sie nach wie vor nicht. Erst nachdem ihr die Botschaftsabklärung zur Stellungname ge geben worden war, brachte sie nochmals vor, nicht gewagt zu haben , die ganze Wah r- heit zu erzählen. In Würdigung dieses Aussageverhaltens kann keine Re- de davon sein, dass die Vorinstanz die generelle Glaubwürdigkeit der Be- schwerdeführerin in unsachlicher und willkürlicher Würdigung verneint hat. Die erhobene Rüge erweist sich somit als unbegründet. 6. Nachfolgend ist zu prüfen , ob das BFM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerinnen im Sinne von Art. 3 i.V.m. Art. 7 AsylG zu Recht verneint hat. 6.1 In Bezug auf die geltend gemachte Blutrache seitens des ersten Ehemannes bez iehungsweise des Ex -Schwiegervaters ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin von ihrem erstem Mann im Jahre 1997 g e- schieden wurde. Am 5. Januar 1999 heiratete sie vor dem Imam dessen Bruder F._______. Diese religiöse Ehe wurde im Jahre 2001 aufgelöst , nachdem F._______ einen Mann getötet hatte. Aus den Akten ergibt sich nicht schlüssig , wann die Beziehung der Be- schwerdeführerin zu F._______ angefangen hat. Den Ausführungen der Beschwerdeführerin (Stellungnahme vom 9. Mai 2012) ist zu entnehmen, dass F._______ die Beschwerdeführerin vor H._______ beschützt habe, sie sich gegenseitig unterstützt hätten und mit der Zeit Liebe zwischen i h- nen entstanden sei. Der Schwiegervater habe erst im Jahre 1998 von der heimlichen Beziehung erfahren. In der Botschaftsauskunft wird bestätigt, dass sie ihren ersten Mann mit dessen Bruder betrogen habe. I n der Be- schwerde wird jedoch aufgeführt (vgl. S. 2) , sie habe erst nach der Scheidung eine Beziehung mit dem Bruder angefangen. Somit kann nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin bereits während ihrer Ehe mit H._______ eine intime Beziehung mit F._______ hatte. Sicher ist jedenfalls, dass sie sich durch ihr neues Ver- hältnis zum Bruder ihres Ex -oder Noch -Ehemannes in eine nicht ang e- nehme Lage gebracht hat. Doch selbst wenn sich H._______ damals in seiner Ehre verletzt gefühlt haben sollte, ist festzustellen, dass er wäh- rend der ganzen Zeit von etwa zwölf Jahren nichts gegen die Beschwe r-E-5757/2012 Seite 14 deführerin unternahm. Auch gegen seinen Bruder blieb es anscheinend nur bei einer mündlichen Bedrohung. Daher ist nicht davon auszugehen, dass irgendjemand aus der Schwiegerfamilie der Beschwerdef ührerin nach dem Leben trachten würde. Daran vermag auch der Umstand, dass der Ex-Schwiegervater offenbar Waffen besass oder noch besitzt , nichts zu ändern. 6.2 Hinsichtlich der geltend gemachten Blutrache seitens der Familie J._______ gegenüber der Tochter B._______, ist auf die ausführliche und zutreffende Würdigung in der vorinstanzlichen Verfügung hinzuweisen. Im Beschwerdeverfahren wird wiederholt auf die Gefährdung von B._______ durch d ie Familie J._______ hingewiesen und durch etliche Belege zu untermauern versucht. Mit der Vorinstanz ist jedoch einig zu gehen, dass weibliche Mitglieder nicht das Ziel der Blutrache sind, solange es männli- che Familienmitglieder hat. Die Beschwerdeführerin wäre nicht so lange in D._______ geblieben, wenn die Lage für die Tochter so gefährlich g e- wesen wäre. Die Behauptung, dass die Tötung von B._______ einzig durch di e Taxifahrten in die Schule habe abgewendet werden können, überzeugen nicht, da es sich keineswegs um eine sichere Vorkehrung zur Vermeidung eines Mordes handelte, hätte ihn die Familie J._______ tat- sächlich beabsichtigt. Ausser dem Schwiegervater, der in direkter Blutlinie mit dem Täter steht und der offenbar nichts zu befürchten hat, ist noch der Sohn I._______ als ein männliches Mitglied in der Täterfamilie vo r- handen. Dieser lebt seit seiner Geburt auch in E._______ und ist offenbar nie Zielobjekt der Bl utrache gewesen. Dass er sich der Blutrache durch die Absolvierung des Militärdienstes schützen könnte, ist eher unwah r- scheinlich, da der Militä rdienst zeitlich beschränkt ist und er mittlerweile wohl wieder zu Hause sein dürfte. Nach dem Gesagten ist daher weder für die Beschwerdeführerin noch für ihre Tochter eine Gefährdung zu b e- fürchten. 6.3 Schliesslich kann auch das drohende Gerichtsverfahren, den zuerst geltend gemachten Asylgrund, keine Asylrelevanz entfalten. De r einge- reichten Anklageschrift (vgl. A31/13) ist nämlich zu entnehmen, dass de r elektrische Strom im Hause ihrer Schwester nicht bezahl t w orden sei , worauf man diesen abgestellt h abe. Daraufhin habe die Beschwerdefüh- rerin versucht, den Stromrechner in den elektrischen Strom anzuschlie s- sen, was zu einem Kurzschluss und anschliessendem Brand im Elektr o- zähler geführt ha be. Somit hat die Beschwerdeführerin möglicherweise eine Straftat begangen und das gegen sie erhobene Gerichtsverfahren ist daher gerechtfertigt und rechtsstaatlich legitim. Dass sie mehrmals erfolg-E-5757/2012 Seite 15 reich das Gerichtsverfahren verschieben konnte, ist ein Hinweis dafür , dass die Straftat, die man ihr zur Last gelegt hat, offenbar nicht so schwerwiegend ist und sie wohl auch keine schwere Strafe zu befürchten hat. Jedenfalls sind keine Hinweise ersichtlich, wonach sie aus einem der in Art. 3 AsylG erwähnten Gründe ungerecht behandelt werden könnte. 6.4 In Würdigung der gesamten Umstände und der Vorbringen der B e- schwerdeführerinnen ist zusammenfassend festzustellen, dass diese ke i- ne Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen können, weshalb die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseige n- schaft nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in den Eingaben der Beschwerdeführerinnen und di e zahlreich eingereic h- ten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würdigung des vorliegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Die Vorinstanz hat die Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen zu Recht und mit zutre f- fender Begründung abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführe rinnen verfügen weder üb er eine auslände r- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bu ndesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in E-5757/2012 Seite 16 den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner F orm zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.3). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende B ehandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführerinnen nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden . Eine Rückkehr der Beschwerde - führerinnen nach Mazedonien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde - führerinnen noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Mazedonien dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen G e- richtshofes für Mensch enrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführe rinnen eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, 37201/06, §§ 124–127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihnen unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen zur Flüch t- lingseigenschaft nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtss i- tuation in Mazedonien, das mit dem Beschluss des Bundesrats vom 25. Juni 2003 als verfolgungssicherer Staat (safe country) im Sinne von E-5757/2012 Seite 17 Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG gilt, lässt den Wegweisungsvollzug zum heuti- gen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der vö l- kerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine ko nkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 In Mazedonien herrscht im heutigen Zeitpunkt keine Situation al l- gemeiner Gewalt, weshalb der Wegweisungsvollzug grundsätzlich als zumutbar zu bezeichnen ist. 8.3.2 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Replik medizinische We g- weisungshindernisse geltend und reicht eine psychiatrische Beurteilung vom 22. Februar 2014 ein, wonach sie sich seit August 2013 in psychia t- rischer Behandlung befindet. Somit steht fest, dass sich die Beschwerd e- führerin erst nach der Ablehnung ihres Asylgesuchs, mithin mehr als drei Jahre nach ihrer Einreise in die Schweiz wegen offenbar erstmals zu di e- ser Zeit auftretende r psychischer Probleme behandeln liess. Zumindest ist den Akten nicht zu entnehmen, dass sie bereits in ihrer Heimat in ps y- chiatrischer Behandlung gewesen wäre. Im erwähnten Bericht wird aus- geführt, dass die Beschwerdeführerin an einem angst - und depressiven Zustand aufgrund akuter Belastungssituation leide , und ein Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung geäussert. Es besteht für das Gericht grundsätzlich keine Veranlassung, an den vom Facharzt diagnos- tizierten psychischen Symptomen zu zweifeln, auch wenn damit keine Aussage zu deren möglichen Ur sachen verbunden ist . Die bei der B e- schwerdeführerin fachärztlich diagnostizierte Depression und PTBS bi l- den nämlich für sich allein keinen Beweis für die behaupteten Fluchtgrü n- de, denn diese Einschätzung stützt sich auf die Ausführungen der B e- schwerdeführerin. Die gegenüber dem Psychiater geschilderte Verfo l- gungsgeschichte ist jedoch gerade Gegenstand der vom Gericht vorz u- nehmenden Glaubhaftigkeitsprüfung. Dass der behandelnde Psychiater – auch aufgrund seiner im Gegensatz zum Gericht andersgelagerten Roll e als Arzt – keinen Anlass sieht, diese Schilderungen bei seiner Anamnese in Zweifel zu ziehen, bedeutet somit nicht, dass daraus zwingend auf die Glaubhaftigkeit der Fluchtgründe, wonach die Beschwerdeführerin und ih-E-5757/2012 Seite 18 re Tochter durch die Blutrache gefährde t sind, zu schliessen wäre. Wie bereits in den Erwägungen zum Asylpunkt festgehalten, kann auch an dieser Stelle erwähnt werden, dass sich die Beschwerdeführerin in einer problematischen familiären Situation befindet, ohne jedoch konkret g e- fährdet zu sein, weshalb dieser Umstand kein Vollzugshindernis darstellt. Weiter kann dem ärztlichen Bericht entnommen werden, dass sich die Beschwerdeführerin in ambulanter Behandlung befinde t und ihr Zustand sich leicht verbessert hat. Soweit sie daher auf ärztliche, me dikamentöse oder psychiatrische Behandlung angewiesen ist, die auch im Heimatland erfolgen kann, ist auf die Möglichkeit der Inanspruchnahme der medizin i- schen Rückkehrhilfe zu verweisen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 (AsylV 2, [SR 142.312]). 8.3.3 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Ge - sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die Rech- te des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdig en, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein Kind namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sein: Alter, Reife, A b- hängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Ei- genschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereit- schaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwic k- lung/Ausbildung, sowie der Grad der erfolgten Integration bei ei nem län- geren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration beziehungsweise Integra tion im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werte n, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld heraus - gerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, s ondern auch dessen üb rige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine rezip roke Wi r- kung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die E-5757/2012 Seite 19 Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.6 [S. 749], BVGE 2009/28 E. 9.3.2 [S. 367 f.]). 8.3.4 Im vorliegenden Fall ist unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auf das Kindeswohl der nun (…) Tochter B._______ einzugehen. Den Akten ist zu entnehmen, dass sie bereits in Mazedonien mehrere Jahre die Schule besuchte und an die mazedon i- schen Verhältnisse gewöhnt war. Vor diesem Hintergrund ist davo n aus- zugehen, dass trotz der geltend gemachten, jedoch nicht näher konkret i- sierten, Integration in der Schweiz, deren Ausmass vom Bundesverwa l- tungsgericht nicht abschliessend zu beurteilen ist (vgl. Art. 14 AsylG) eine Rückkehr nach Mazedonien keine derartige Entwurzelung zur Folge hä t- te, dass eine Rückkehr dorthin dem Kindswohl abträglich wäre. B._______ kann in eine ihr vertraute Kultur zurückkehren, wo auch ihre Verwandten (insbesondere beide Grosseltern) leben. Selbst wenn eine Wiedereingliederung in Ma zedonien mit gewissen Reintegrationsschwi e- rigkeiten verbunden sein dürfte, ist dennoch davon auszugehen, dass sie die Schule dort fortsetzen kann und ihr nach kurzer Zeit eine Einglied e- rung i ns dortige Schulsystem und das gesamte Umfeld gelingen dürfte. Der Vollständigkeit halber ist noch zu erwähnen, dass zwar ihr Vater in der Schweiz lebt. Eine Option , bei ihm zu wohnen, ist aber nicht vorhan- den, da dessen neue Ehefrau B._______ nicht bei sich haben will, wes- halb sich eine diesbezügliche Prüfung erübrigt. 8.3.5 Es sind auch keine weiteren Gründe ersichtlich, die gegen die Z u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Es trifft zwar zu, dass die Beschwerdeführerin als alleinstehende Frau mit einer minderjährigen Tochter bei ihrer Rückkehr mit gewissen Schwierigkeiten wird rechnen müssen. Sie verfügt aber sowohl in D._______, wo ihre Eltern und ein Bruder leben (und wo sie vor ihrer Au sreise in die Schweiz gewohnt hat) , als auch in E._______, wo ihre Schwester lebt, über ein tragfähiges fami- liäres Beziehungsnetz. Weiter leben sechs Onkel in Mazedonien. Daher kann davon ausgegangen werden, dass sie mit ihrer Tochter nach ihrer Rückkehr in Mazedonien nicht in eine existenzgefährdende Situation g e- raten wird, zumal sie auch über berufliche Erfahrung als (…) verfügt. 8.3.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. E-5757/2012 Seite 20 8.4 Die Beschwerdeführerinnen verfügen über gültige Reisepä sse, wes- halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit Zwische n- verfügung vom 21. November 2012 die unentgeltliche Rechtspflege g e- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist auf die Erhebung von Ve r- fahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-5757/2012 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werde keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das BFM und die kan- tonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand: