Baurekursgericht des Kantons Zürich 1. Abteilung G.-Nnr. R1S.2014.05044 und R1S.2014.05048 BRGE I Nr. 0169/2014 und 0170/2014 Entscheid vom 21. November 2014 Mitwirkende Abteilungspräsident Felix Hess, Baurichter Ulrich Weiss , Baurichter Bruno Grossmann, Gerichtsschreiberin Sara Ramp-Burkhalter in Sachen Rekurrierende R1S.2014.05044 1. R. E., [….] 2. T. C., [….] 3. V. M., [….] 4. N. L., [….] R1S.2014.05048 1. E. B., [….] 2. G. M., [….] 3. N. F., [….] 4. C. K., [….] 5. A. A., [….] 6. G. S., [….] 7. R. I., [….] 8. E. S., [….] gegen Rekursgegnerinnen 1. Bausektion der Stadt Zürich, Amtshaus IV, 8021 Zürich 2. Kinderkrippe X, betreffend Bauentscheid Nr. BE 582/14 vom 15. April 2014; Baubewilligung für U m- nutzung Wohnhaus in Kinderkrippe _______________________________________________________ R1S.2014.05044 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Beschluss vom 15. April 2014 erteilte die Bausektion der Stadt Zürich der Kinderkrippe X die baurechtliche Bewilligung für die Nu tzungsänderung des Erd- und des Dachgeschosses des Wohnhauses auf dem Grundstück Kat.-Nr. 00 am Y-Weg in Zürich. B. R. E., T. C., V. M. und N. L. wandten sich mit gemeinsamer Rekurseingabe vom 23. Mai 2014 an das Baurekursgericht und beantragten die Aufhebung des oben genannten Beschlusses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der privaten Rekursgegnerin. Dieselben Anträge stellten E. B., G. M., N. F., C. K., A. A., G. S., R. I. und E. S. mit gemeinsamer Rekurseingabe vom 26. Mai 2014. C. Mit Präsidialverfügungen vom 26. bzw. 30. Mai 2014 nahm das Baurekurs- gericht unter den Geschäftsnummern R1S.2014.05044 und R1S.2014.05048 von den Rekurseingängen Vormerk und eröffnete die Vernehmlassungsverfahren. D. In ihren Eingaben v om 7. bzw. 14. Juli 2014 schlossen sowohl die Vorin s- tanz als auch die private Rekursgegnerin auf Abweisung der Rekurse. Letz- tere beantragte zudem die Zusprechung einer Umtriebsentschädigung. E. In den weiteren Schriftenwechseln, welche am 26. September 201 4 ende- ten, hielten die Parteien an ihren Anträgen fest, soweit sie sich nochmals äusserten. R1S.2014.05044 Seite 3 F. Am 29. Oktober 2014 führte eine Delegation des Baurekursgericht im Bei- sein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch. G. Auf die Vorbringen der Parteien und die Erkenntnisse des Augenscheins wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Es kommt in Betracht: 1. Die Rekursverfahren G.-Nrn. R1S.2014.05044 und R1S.2014.05048 betref- fen dasselbe Bauvorhaben und werfen die gle ichen Rechtsfragen auf. Sie sind daher aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen. 2. Das Baugrundstück ist der zweigeschossigen Wohnzone W2bI gemäss Bau- und Zonenordnung (BZO) der Stadt Zürich zugeteilt und mit einem Mindestwohnanteil von 90 % belegt. Es grenzt im Nordwesten an den Y- Weg, eine mit einem Fahrverbot für Unberechtigte versehene Privatstrasse, und im Übrigen an mit Wohnbauten überbaute Grundstücke. Die private Rekursgegnerin plant, das bisher ausschliesslich dem Wohnen di enende Gebäude im Erd - und Obergeschoss der Nutzung als Kinderkri ppe zuzu- führen. Das mehrheitlich über dem gestalteten Terrain liegende U nterge- schoss soll weiterhin dem Wohnen dienen. Zudem soll auch der par kähnli- che Garten den Krippenkindern zur Verfügung stehen. Mit dem ang efoch- tenen Beschluss hat die Vorinstanz den Wohnanteil gestützt auf Art. 6 Abs. 4 BZO auf 50% herabgesetzt und zudem einer Übertragung der Wohnfl ä- che in das Untergeschoss des streitbetroffenen Gebäudes zug estimmt. Im Übrigen hat sie für die verbleibende Unterschreitung der vorg eschriebenen Wohnfläche um 4,85 m2 eine Ausnahmebewilligung erteilt. R1S.2014.05044 Seite 4 3. Die Rekurrierenden sind Eigentümer bzw. Mieter von südwestlich an das Baugrundstück grenzenden bzw. einzig durch den Y-Weg von diesem g e- trennten Liegenschaften. Aufgrund dieser räumlichen Nähe und den vorg e- brachten Rügen – insbesondere Lärmimmissionen, Verkehrss icherheit und zonenwidrige Nutzung – sind sie ohne weiteres im Sinne von § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) zur Rekurserhebung legit imiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Rekurse einzutreten. 4. Die Rekurrierenden bringen zur Begründung zunächst vor, die Nutzung s- änderung sei zonenwidrig und verletze den Mindestwohna nteil. Auf dem Baugrundstück seien lediglich nichtstörende gewerbliche Nutzungen zug e- lassen. Aufgrund des zu erwartenden Kinderlärms und des durch den Kri p- penbetrieb ausgelösten Mehrverkehrs könne nicht von einer nichtstörenden Nutzung die Rede sein. Die Herabsetzung des Mindestwohnanteils gestützt auf Art. 6 Abs. 4 BZO sei sodann unzulässig, da die Krippe nicht die in e i- nem näheren Umkreis wohnende Bevölkerung mit Dingen oder Dienstlei s- tungen des alltäglichen Bedarfs versorge. Zum einen bestehe in die sem Quartier kein Bedarf an zusätzlichen Krippenplätzen; dies ergebe sich aus dem "Report Kinde rbetreuung" des Sozialdepartements der Stadt Zürich . Zum anderen sei au fgrund des mutmasslich sehr hohen Mietzinses von überdurchschnittlichen Betreuungskosten auszugehen, weshalb nahelie g- enderweise Eltern mit grossem Budget aus den "Goldküstengemeinden" angesprochen würden. Dem halten die Vorinstanz und die private Rekursgegnerin entgegen, dass Kindertagesstätten in Wohnzonen zonenkonform seien. Die private R e- kursgegnerin h abe zudem Anspruch auf die Herabsetzung des Wohna n- teils, da die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Gerade für Kinder unter 18 Monaten bestehe auch in diesem Quartier nach wie vor gro sser Bedarf an Betreuungsplätzen. Zudem gebe es in unmitte l- barer Nähe zum Bahnhof XY kein entsprechendes Angebot. Dass die Ki n- derkrippe auch von Kindern, die nicht im Quartier wohnten, besuchten we r- den könne, ändere daran nichts. R1S.2014.05044 Seite 5 5.1. Wohnzonen sind in erster Linie für Wohnbauten bestimmt. Die ser Nutzwei- se werden auch Arbeitsräume zugerechnet, die mit einer Wohnung z u- sammenhängen und in einem angemessenen Verhältnis zur eigentlichen Wohnfläche stehen (§ 52 Abs. 1 PBG). Die kommunale Bau - und Zone n- ordnung kann in Wohnzonen mässig störende Betrie be zulassen; stark stö- rende Betriebe und solche, die unverhältnismässigen Verkehr auslösen, sind hingegen nicht zulässig (§ 52 Abs. 3 PBG). Ferner kann die Bau - und Zonenordnung für ganze Zonen, gebietsweise oder für einzelne Geschosse die Nutzung zu Wohnz wecken oder gewerblichen Zwecken zulassen, vo r- schreiben oder beschränken (§ 49a Abs. 3 PBG). Unter Gewerbe bzw. B e- trieb im Sinne dieser Regelungen versteht das Gesetz in umfassender Weise jede Art von Arbeitsplatznutzung, also Produktion, Verkauf, Diens t- leistungen, freie Berufe etc. (Robert Wolf/Erich Kull, Das revidierte Pl a- nungs- und Baugesetz des Kantons Zürich, VLP-Schriftenfolge Nr. 58, Bern 1992, Rz. 154 und 160). Mit dem Inkrafttreten der Umweltschutzgesetzgebung haben die Begriffe "nicht störend" un d "mässig störend" ihre immissionsrechtliche Bedeutung grundsätzlich verloren (BGE 114 Ib 214 ff., E. 4a). Es kommt ihnen jedoch weiterhin ein raumplanerischer Gehalt zu, welcher die Zulässigkeit betrie b- licher Nutzungen in (auch) dem Wohnen dienenden Zonen mitbestimmt. Zu den nicht vom Bundesumweltrecht erfassten Auswirkungen von Betrieben, welche die Wohnnutzung beinträchtigen können, zählen in der Praxis n e- ben den Gefahren eines ungewöhnlich intensiven Fahrzeugverkehrs (RB 1994 Nr. 73) oder ideellen Immis sionen (BRKE III Nr. 0104/2009 in BEZ 2010 Nr. 46; www.baurekursgericht -zh.ch) auch ästhetische Beeinträcht i- gungen, so etwa durch eine in der Wohnzone situierte Verkaufsfläche für Occasionsfahrzeuge (BGE 117 Ib 147). Erlaubt eine Gemeinde in einer Wohnzone nur nicht störende Betriebe, sind an deren Vereinbarkeit mit der Wohnnutzung höhere Anforderungen zu stellen, als wenn auch mässig störende Betriebe zugelassen sind. Diese Anforderungen lassen sich etwa dahingehend umschreiben, dass Betriebe ihrem Wesen n ach einwandfrei in eine Wohnzone passen müssen (BRKE III Nr. 0064/2010 in BEZ 2010 Nr. 45; www.baurekursgericht -zh.ch). Dem- gegenüber ist mit der Zulassung mässig störender Betriebe ein deutlich h ö- heres Konfliktpotential hinzunehmen (VB.2010.00470 in BEZ 2011 Nr. 2). R1S.2014.05044 Seite 6 Führen Vorschriften über die Zulassung nur nicht störender Betriebe in Wohnzonen indirekt dazu, lärmige Betriebe fernzuhalten, so ist dies mit der bundesrechtlichen Ordnung durchaus vereinbar, dient doch die Raumpl a- nung unter anderem auch der vo rausschauenden Vermeidung von Immi s- sionspotentialen und ist insofern dem Umweltrecht mit seinen Instrumenten zur Immissionsbegrenzung vorgelagert (VB.2010.00652 vom 30. August 2011 und dort zitierte Lehre). Die Gemeinde verfügt zwar bei der Auslegung ihres eigenen Rechts über einen Beurteilungsspielraum, wenn dieses, wie hier der Fall, unbestimmte Rechtsbegriffe enthält. Auf der andern Seite ist der Beurteilungsspielraum der Gemeinde nicht unbeschränkt. Vielmehr steht das Recht auf wirksame Überprüfung auf derselben Stufe wie die Gemeindeautonomie. Diese be i- den gleichrangigen Verfassungsnormen sind im Rahmen praktischer Ko n- kordanz auszulegen (VB.2013.00788 vom 28. August 2014, E. 4.5). Die Frage, ob der Beurteilungsspielraum einer Gemeinde bei der Ausl e- gung ihres eigenen Rechts weiter reicht als bei der Auslegung kantonalen Rechs, hat das Verwaltungsgericht im zitierten Entscheid offen gelassen. Auch vorliegend kann diese Frage offen bleiben, ergibt sich doch nachst e- hend, dass der Entscheid der Vorinstanz au ch dann zu schützen ist, wenn ihr kein erweiterter Beurteilungsspielraum zuzubilligen ist ( vgl. zum Ganzen Marco Donatsch, in: Kommentar VRG 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014 § 20 Rz. 54 ff.). Das Baugrundstück ist der zweigeschossigen Wohnzone W2bI mit ein em Wohnanteil von 90 % zugeteilt. Gemäss Art. 16 BZO sind in Gebieten mit einem Wohnanteil von 90 % nebst Wohnnutzungen nur nicht störende G e- werbe- und Dienstleistungsnutzungen zulässig. Die Nutzung einer Liegenschaft als Kindertagesstätte ist mit der Wohn nut- zung eng verwandt. Anstelle der Eltern erfolgt die Betreuung der Kinder durch die Kindertagesstätte. Zudem ist zu berücksichtigen, dass der Lärm von Kindern, die in Nachbargärten, Innenhöfen oder auf dem Trottoir spi e- len, für ein Wohnquartier geradezu typisch ist und von der Mehrheit der Be- völkerung, auch in einer ruhigen Wohnzone, als ortsüblich und weniger als störend empfunden wird (BGr 1A.282/2000 vom 15. Mai 2001, E. 5b, VB.2009.00324 vom 18.11.2009). Selbst wenn alle maximal 29 Kinder mit dem Auto gebracht und geholt würden (womit jedoch, wie nachstehend aufgezeigt wird, nicht zu rechnen ist), würde dies nicht zu ungewöhnlich i n- R1S.2014.05044 Seite 7 tensivem Fahrzeugverkehr führen. Wenn die Vorinstanz eine Kinderkrippe als mit der Wohnnutzung eng verwandt qualifiziert un d demnach als in e i- ner Wohnzone mit nicht störendem Gewerbe zonenkonform erachtet, ha n- delt sie in Übereinstimmung mit der gerichtlichen Praxis. 5.2. Gemäss Art. 6 Abs. 4 BZO darf in Gebieten mit einem vorgeschriebenen Wohnanteil von 90 % der Wohnanteil zugunsten von Betrieben und Einrich- tungen, welche vorwiegend die in einem näheren Umkreis wohnende B e- völkerung mit Dingen oder Dienstleistungen des alltäglichen Bedarfs ve r- sorgen, in zweigeschossigen Zonen auf 50 % herabgesetzt werden. Die Vorinstanz geht da von aus, dass die betreuten Kinder im Vorschulalter mehrheitlich aus dem Quartier stammen. Sie hat deshalb die Kinderkrippe ihrer Praxis entsprechend als Quartierversorgungsbetrieb im Sinne von Art. 6 Abs. 4 BZO behandelt. Dieser Qualifikation ist zuzustim men. Au f- grund der gesellschaftlichen Entwicklung besteht eine nach wie vor hohe Nachfrage nach Kindertagesstätten mit professioneller Ganztagesbetre u- ung, welche der organisatorischen Entlastung von Familien dienen und damit Eltern die Berufstätigkeit ermöglichen. Auch wenn die Kinderkrippe nicht ausschliesslich von Kindern, die in einem näheren Umkreis wohnen, besucht werden wird, so ist sie doch primär für die Befriedung eines alltäglichen Bedürfnisses der Quartierbewohner g e- dacht. Wenn die Vorinstanz ver nehmlassungsweise ausführt, der Wortlaut von Art. 6 Abs. 4 BZO sei insofern zu eng, als dort von der "wohnenden Bevölkerung" die Rede sei, jedoch auch die im Quartier arbeitende Bevö l- kerung gemeint sei, so ist daran nichts auszusetzen, soll doch durch Wohnanteilsvorschriften die Verödung der Innenstadt bekämpft sowie die Durchmischung von Arbeits- und Wohnplätzen und die Erhaltung von güns- tigem Wohnraum gefördert werden. Diesen öffentlichen Interessen läuft die Errichtung einer Kindertagesstätte in einer Wo hnzone mit einem Wohna n- teil von 90 % offenkundig nicht zuwider, sondern unterstützt im Gegenteil deren Verwirklichung. Die Rekurrierenden schliessen aus den Preisen, welche die private R e- kursgegnerin für die Betreuung der Kinder verlangt, es handle sich um eine Luxuskrippe, welche auf die in den "Goldküstengemeinden" wohnhaften El- tern ausgerichtet sei. Diesem Argument ist nicht zu folgen. Die private R e- R1S.2014.05044 Seite 8 kursgegnerin verlangt in ihren anderen Krippen in der Stadt Zürich für die Betreuung von Kindern unter 18 Monaten Fr. 119. -- am Tag, für die älteren Kinder Fr. 109. --. Dies soll auch in der streitbetroffenen Kri ppe so sein. Damit bewegt sich die private Rekursgegnerin im unteren B ereich des in der Stadt Zürich von privaten Kinderbetreuungsstätten verlangten Preises. Weit verbreitet sind Preise zwischen Fr. 130. -- und Fr. 150.-- für Säuglinge sowie rund Fr. 125. -- für Kleinkinder über 18 Monate. Selbst wenn die von der privaten Rekursgegnerin angegebenen Preise so zu ve rstehen wären wie dies die Rek urrierenden nahelegen, nämlich dass darin bereits der g e- mäss Homepage der privaten Rekursgegnerin gewährte E röffnungsrabatt von 20 % für die ersten sechs Monate enthalten ist, läge sie mit tatsächl i- chen Preisen von Fr. 149. -- (Kinder unter 18 Monate) bzw. Fr. 136.-- (Kin- der über 18 Monate) zwar im oberen Preissegment, aber immer noch durchaus im Rahmen des Üblichen. Von einer exklusiven, die A nwohner des vorliegenden Quartiers nicht ansprechenden Tarifgestaltung kann s o- mit nicht die Rede sein. Im Übrigen ist mit der Vori nstanz darauf hinzuweisen, dass die meisten E l- tern ihre Kleinkinder schon aus praktischen Gründen in der Nähe des Wohnorts oder allenfalls des Arbeitsplatzes betreuen lassen. Gerade b e- rufstätige Eltern mit Kleinkindern können und wollen in der Regel keine un- nötigen Umwege bewältigen. Sodann ist auch dem Vorbringen des fehlenden Bedarfs entgegenzutreten. Mit der Vorinstanz ist darauf hinzuweisen, dass die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter 18 Monate nach wie vor hoch ist und das entsprechend Angebot nicht ausreicht. Die private Rekursgegnerin füllt mit ihren geplanten maximal 9 Betreuungsplätzen für Babys zwischen 3 und 18 Monaten eine bestehende Lücke. Aber auch für die grösseren Ki n- der ab 18 Monaten besteht Bedarf an Betreuungsplätzen. Der vo n den Re- kurrierenden zitierte "Report Kinderbetreuung" des Sozialdepartements der Stadt Zürich weist für 682 vorschulpflichtige Kinder i n diesem Schulkreis 450 Betreuungsplätze aus. Damit dür fte der Bedarf für Kinder über 18 Mo- nate wohl gerade gedeckt sein. Die Konku rrenzsituation unter den einze l- nen Betreuungseinrichtungen ist kein Indiz gegen die Annahme eines Quartierversorgungsbetriebs. Sie deutet vie lmehr da rauf hin, dass zumi n- dest für ältere Kinder in gewissen Stad tkreisen langsam eine Normalisi e- rung des Verhältnisses von Angebot und Nachfr age stattfindet. Im Übrigen ist das bestehende Angebot für die Einstufung eines weiteren Konkurrenten R1S.2014.05044 Seite 9 als Quartierversorgungsbetrieb nicht au sschlaggebend. Jedenfalls solange mit Bezug auf die Quartierverso rgung kein klares Übe rangebot geschaffen wird – das alsdann gehäuft auch Ku nden ausserhalb des Quartiers anzi e- hen könnte –, ist es nicht Aufgabe des Baupolizeirechts, mit Bedarfskontrol- len in den Markt einzugreifen. Von e inem Überan gebot kann vorliegend keine Rede sein. Zu Recht hat die Vo rinstanz bislang keine Bedarfsabkl ä- rungen durchgeführt. Insgesamt erweist sich die rekurrentische Argumentation gegen die Hera b- setzung des Wohnanteils für einen Quartierversorgungsbetrieb als nicht stichhaltig. Auch die Tatsache, dass das streitbetroffene Gebäude an sich durchaus vollständig der Wohnnutzung zugeführt werden könnte, ändert daran nichts, handelt es sich doch auch bei Art. 6 Abs. 4 BZO um eine baupolizeiliche Vorschrift, auf deren Inan spruchnahme jeder Bauherr A n- spruch hat, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. Die Rekurse sind daher diesbezüglich abzuweisen. 6. - 8. [….] 9.1. Schliesslich stören sich die Rekurrierenden an den zu erwartenden Immi s- sionen des Krippenbetriebes. Als neue Anlage habe diese die Planungs- werte gemäss Lärmschutzverordnung (LSV) einzuhalten. Indem die Vori n- stanz keine vorsorglichen Massnahmen zur Begrenzung des Lärms verfügt habe, habe sie das Vorsorgeprinzip verletzt. Es sei nicht klar, wie viele Ki n- der gleichzeitig in der Krippe be treut würden und wie oft sich wie viele Ki n- der im Garten aufhalten würden. Die Kinderkrippe sei vergleichsweise lang geöffnet. Im Quartier gebe es keine Lärmvorbelastung. Der Zubring - und Abholdienst werde zu einer erheblichen Mehrbelastung führen. Der pri märe und sekundäre Lärm würde von den Rekurrierenden als übermässig und störend empfunden. Da viele von ihnen ihrer täglichen Arbeit zu Hause nachgingen, seien sie auf ein ruhiges Umfeld angewiesen. Die Vorinstanz kam gestützt auf eine Stellungnahme des Fa chbereichs Lärmschutz von Umwelt - und Gesundheitsschutz Zürich, welche sich auf ein von der privaten Rekursgegnerin in Auftrag gegebenes Lärmgutachten der BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH vom 11.2.2014 (vgl. act. 12.12) abstützt, zum Schluss, dass der Krippe nbetrieb höchstens geringfügige R1S.2014.05044 Seite 10 Störungen verursacht, und hat daher die Bewilligung ohne weitere Auflagen erteilt. 9.2. Zunächst ist festzuhalten, dass aufgrund der besonderen Situation am Y- Weg und dem vertraglichen Verbot, diesen zu befahren, ge rade nicht mit einer wesentlichen Zunahme des motorisierten Verkehrs durch die Eltern der betreuten Kinder zu rechnen ist. Es ist unbestritten geblieben, dass für "Kinderlärm" keine Belastung s- grenzwerte bestehen. Gemäss Art. 40 Abs. 3 LSV sind die Lärmimmi ssio- nen somit nach Art. 15 des Umweltschutzgesetzes (USG) zu beurteilen. Diese Bestimmung besagt, dass d ie Immissionsgrenzwerte für Lärm und Erschütterungen so festzulegen sind, dass nach dem Stand der Wisse n- schaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die Bevölke- rung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören. Der Planungswert, wel- cher hier einzuhalten ist, liegt – in der Regel 5 dB – unter dem Immissions- grenzwert (vgl. Art. 23 USG). Steht wie im vorliegenden Fall die Anwe n- dung der Planun gswerte in Frage, muss die Anlage ein Immissionsniveau einhalten, bei welchem nach richterlicher Beurteilung höchstens geringfüg i- ge Störungen auftreten. Dabei sind der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit des Auftretens sowie die Lärmempfindlichke it bzw. die Lärmvo r- belastung der Zone zu berücksichtigen. Es ist nicht auf das subjektive Lärmempfinden einzelner Personen abzustellen, sondern eine objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von Personen mit erhöhter Empfin d- lichkeit vorzunehmen (vgl. VB.2009.00324 vom 18. November 2009, E. 4.5, mit weiteren Hinweisen). Zur Lärmvorbelastung ist festzuhalten, dass das streitbetroffene Wohnhaus in einem ruhigen Wohnquartier an einer sehr schwach frequentierten Pr i- vatstrasse liegt. Die Lärmimmissionen vom nahe verlaufenden Bahntrassee und der S.-strasse sind wahrnehmbar. Insgesamt ist von einer in e inem nicht an einer Durchgangsstrasse liegenden Wohnquartier üblichen und damit geringen Lärmvorbelastung auszugehen. Bezüglich des Lärmcharakters ist zu berücksichtigen, dass es Lärmimmi s- sionen gibt, die zur Wohnnutzung gehören und von einer Mehrheit der B e- völkerung – auch in einer ruhigen Wohnzone – als ortsüblich und weniger als störend empfunden werden. Dazu gehört insbesondere der Lärm spi e- lender Kinder. Gemäss dem Betriebskonzept ist die Kinderkrippe von Mo n- R1S.2014.05044 Seite 11 tag bis Freitag von 07.00 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet, wobei von 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr Mittagsruhe gilt, und sich die Kinder während dieser Zeit nicht im Freien aufhalten. Nach dem Morgenkreis und einem Znüni um 09.00 Uhr geht ein Teil der Kinder nach draussen, während der Rest im Haus b e- schäftigt wird. Spätestens um 11.30 Uhr sind alle wieder im Haus zum Mi t- tagessen. Von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr finden drinnen und draussen noc h- mals geführte Aktivitä ten statt. Nach dem Zvieri können die Kinder wied e- rum draussen spielen, bis sie abgeholt werden. Es werden maximal 29 Kinder die Krippe besuchen, die private Rekurs - gegnerin geht von einer durchschnittlichen Belegung mit 22 Kindern aus. Da auch 6 -9 Plätze für Babys reserviert sind, und diese sich nicht aktiv draussen aufhalten und eventuell Spiellärm erzeugen, ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sich in aller Regel nicht mehr als 20 Kinder gleichzeitig im Garten des Baugrundstücks aufhalten werden . Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es den Nachbarn in einer eher r u- higen Wohnzone zuzumuten, von Montag bis Freitag zwischen 06.30 Uhr und 12.00 Uhr sowie 13.00 und 19.00 Uhr den Lärm von in der Regel m a- ximal 20 gleichzeitig im Freien spielend en Kindern zu dulden (BGr 1C_148/2010, E. 2.2.3. vom 6. September 2010). Daraus ergibt sich, dass der Krippenbetrieb auf dem Baugrundstück – solange sich nicht mehr als 20 Kinder gleichzeitig im Freien aufhalten – für die benachbarten Anwohner nicht mehr a ls geringfügige Störungen verursacht und die Planungswerte damit eingehalten sind. Es bleibt zu prüfen, ob die Emissionen durch zusätzliche vorsorgliche Massnahmen im Sinne von Art. 11 Abs. 2 USG begrenzt werden können. Gemäss den Erwägungen des angefochtenen Beschlusses werden sich die Kinder nur in Begleitung einer Betreuungsperson im Freien aufhalten, was ein gewisses Mass an Kontrolle über das Lärmaufkommen garantieren dürfte. Sollte die Häufigkeit der Nutzung des Aussenraums zu Beschwe r- den Anlass gebe n, könnte eine zeitliche Beschränkung verfügt werden. Dies scheint im jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht erforderlich. Weitere Mas s- nahmen, mit welchen sich mit relativ geringem Aufwand eine zusätzliche Reduktion der Emissionen erreichen lässt, sind nicht ersichtlich. Somit ist der Rekurs auch bezüglich der Lärmimmissionen abzuweisen. [….]