<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">386</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>82</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 22 USG und 31 Abs. 2 LSV</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Lärmschutzrechtliche Ausnahmebewilligung</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Gesetzmässigkeit von Art. 31 Abs. 2 LSV</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Interessenabwägung</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 28. Juni 2017 i.S. H.T. gegen</span><br/> <span class="ft4">den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung für</span><br/> <span class="ft4">Baubewilligungen)/Gemeinderats S. vom 12. Oktober 2015/15. Februar 2016</span><br/> <span class="ft4">(RRB Nr. 2017-000730).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">387</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">3.1</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer bestreitet vorab das Vorliegen der</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen für die Erteilung einer lärmschutzrechtlichen Aus-</span><br/> <span class="ft1">nahmebewilligung nach Art. 31 Abs. 2 LSV beziehungsweise macht</span><br/> <span class="ft1">geltend, bei Art. 31 Abs. 2 LSV handle es sich um gesetzeswidriges,</span><br/> <span class="ft1">d.h. mit Art. 22 USG nicht vereinbares Verordnungsrecht, welchem</span><br/> <span class="ft1">die Anwendung zu versagen sei. Zudem sei die Abteilung für Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigungen BVU zu Unrecht wegen der Topographie von der</span><br/> <span class="ft1">Unmöglichkeit einer lärmoptimierten Ausrichtung der Gebäude aus-</span><br/> <span class="ft1">gegangen; eine andere Ausrichtung der Gebäude, das Vorsehen von</span><br/> <span class="ft1">Patio-Balkonen beziehungsweise von Dachgiebeln zur lärmzuge-</span><br/> <span class="ft1">wandten Seite sei durchaus denkbar. Unerheblich sei, dass sämtliche</span><br/> <span class="ft1">lärmempfindlichen Räume mit Immissionsgrenzwertüberschreitung</span><br/> <span class="ft1">durch lärmabgewandte Fenster belüftet werden könnten; jedenfalls</span><br/> <span class="ft1">rechtfertige dies keine Ausnahmebewilligung. Zudem gelte das</span><br/> <span class="ft1">Interesse an der Schliessung einer Baulücke nach der bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richtlichen Rechtsprechung nicht als rechtserheblich.</span><br/> <span class="ft1">3.2</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 90 Abs. 5 KV hat der Regierungsrat Erlassen die An-</span><br/> <span class="ft1">wendung zu versagen, wenn sie Bundesrecht, kantonalem</span><br/> <span class="ft1">Verfassungsrecht oder Gesetzesrecht widersprechen.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 22 USG werden Baubewilligungen in lärmbelaste-</span><br/> <span class="ft1">ten Gebieten für neue Gebäude, die dem längeren Aufenthalt von</span><br/> <span class="ft1">Personen dienen, nur erteilt, wenn die Immissionsgrenzwerte nicht</span><br/> <span class="ft1">überschritten sind (Abs. 1) oder die Räume zweckmässig angeordnet</span><br/> <span class="ft1">und die allenfalls notwendigen zusätzlichen Schallschutzmassnah-</span><br/> <span class="ft1">men getroffen werden (Abs. 2). Art. 31 Abs. 1 LSV bestimmt die</span><br/> <span class="ft1">baulichen oder gestalterischen Massnahmen, mit denen ein Gebäude</span><br/> <span class="ft1">gegen Lärm abgeschirmt werden kann. Können die Immissions-</span><br/> <span class="ft1">grenzwerte durch Massnahmen nach Absatz 1 nicht eingehalten</span><br/> <span class="ft1">werden, so darf die Baubewilligung gemäss Art. 31 Abs. 2 LSV nur</span><br/> <span class="ft1">erteilt werden, wenn an der Errichtung des Gebäudes ein über-</span><br/> <span class="ft1">wiegendes Interesse besteht und die kantonale Behörde zustimmt. In</span><br/> <span class="ft1">der Lehre wird kontrovers darüber diskutiert, ob der Bundesrat trotz</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">388</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fehlender ausdrücklicher Ermächtigung in Art. 22 USG kompetent</span><br/> <span class="ft1">war, die Ausnahmebewilligungsmöglichkeit von Art. 31 Abs. 2 LSV</span><br/> <span class="ft1">zu statuieren.</span><br/> <span class="ft1">In einem publizierten Entscheid vom 13. Februar 2013 i.S.</span><br/> <span class="ft1">Stadtrat B. (vgl. AGVE 2014 S. 442 ff., Erw. 6) hat sich der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat im Rahmen einer inzidenten Normenkontrolle ausgiebig mit</span><br/> <span class="ft1">der Frage der Gesetzeskonformität von Art. 31 Abs. 2 LSV auseinan-</span><br/> <span class="ft1">dergesetzt. Er kam dabei im Wesentlichen zum Schluss, dass einer-</span><br/> <span class="ft1">seits Art. 22 Abs. 2 USG auch ohne explizite Ermächtigung Raum</span><br/> <span class="ft1">für ausführendes bundesrätliches Verordnungsrecht lasse, dass</span><br/> <span class="ft1">andererseits die Gesetzesgenese - namentlich die Gesetzesänderung</span><br/> <span class="ft1">vom 21. Dezember 1995 - klar darauf hindeute, dass die bereits seit</span><br/> <span class="ft1">1986 bestehende Ausnahmebewilligungsmöglichkeit von Art. 31</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 LSV vom Gesetzestext noch gedeckt sei; immerhin dürften</span><br/> <span class="ft1">die für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung erforderlichen</span><br/> <span class="ft1">überwiegenden Interessen nur zurückhaltend angenommen werden</span><br/> <span class="ft1">und deren Annahme dürfe in keinem unlösbaren Widerspruch zu</span><br/> <span class="ft1">Sinn und Zweck des Gesetzes stehen.</span><br/> <span class="ft1">An dieser regierungsrätlichen Rechtsprechung, die vom Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht geschützt wurde (vgl. VGE vom 23. Januar 2014 i.S.</span><br/> <span class="ft1">Stadtrat B.), ist festzuhalten. Entgegen der Auffassung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers darf deshalb Art. 31 Abs. 2 LSV nicht die Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung versagt werden.</span><br/> <span class="ft1">3.3</span><br/> <span class="ft1">Soweit der Beschwerdeführer das Vorliegen einer lärmschutz-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Ausnahmesituation im Sinne von Art. 31 Abs. 2 LSV da-</span><br/> <span class="ft1">mit bestreitet, dass im vorliegenden Fall eine lärmoptimierte Aus-</span><br/> <span class="ft1">richtung der geplanten Gebäude beziehungsweise baugestalterische</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen zur Verminderung der Lärmimmissionen ohne weiteres</span><br/> <span class="ft1">möglich seien, ist ihm nicht beizupflichten. Zu Recht weist die</span><br/> <span class="ft1">Abteilung für Umwelt BVU in ihrer Stellungnahme vom 21. April</span><br/> <span class="ft1">2016 darauf hin, dass einerseits die Hanglage die Ausrichtung der</span><br/> <span class="ft1">Gebäude massgeblich beeinflusst, dass sich andererseits der Aspekt-</span><br/> <span class="ft1">winkel (d.h. der Winkel, der die vom Lärmempfangspunkt aus sicht-</span><br/> <span class="ft1">baren Abschnitte der Lärmquelle erfasst) durch Abdrehen der Ge-</span><br/> <span class="ft1">bäudekörper nicht derart reduzieren lässt, dass eine wahrnehmbare</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Reduktion der Lärmimmissionen erzielt werden kann. Aus dem Um-</span><br/> <span class="ft1">stand, dass bei einigen Nachbarbauten die Dachfirste von West nach</span><br/> <span class="ft1">Ost verlaufen, lässt sich entgegen der Auffassung des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers nicht auf die Lage der Hauptwohnseite dieser Bauten</span><br/> <span class="ft1">schliessen; massgebend für die Bestimmung der Hauptwohnseite</span><br/> <span class="ft1">sind vielmehr Grösse und Bedeutung der Fenster und der Fläche der</span><br/> <span class="ft1">betreffenden Räume (vgl. § 26 BauV). Hinzu kommt als Weiteres,</span><br/> <span class="ft1">dass sowohl beim Haus A als auch beim Haus B1 auf der Ebene mit</span><br/> <span class="ft1">den Fenstern, bei denen der nächtliche Immissionsgrenzwert für</span><br/> <span class="ft1">Strassenlärm überschritten ist, jeweils faktisch - nebst dem Treppen-</span><br/> <span class="ft1">haus und einem Reduit - nur ein einziger offener, als "Wohnen/</span><br/> <span class="ft1">Essen/Küche" bezeichneter Raum vorgesehen ist (vgl. Plan ...);</span><br/> <span class="ft1">insofern ist eine Anordnung der lärmempfindlichen Räume auf der</span><br/> <span class="ft1">dem Lärm abgewandten Seite gar nicht möglich. Ebenso erscheint</span><br/> <span class="ft1">die Ausgestaltung der Balkone als Patio-Balkone nicht als geeignete</span><br/> <span class="ft1">Massnahme, zumal sich die vorgesehenen Balkone beim Haus A auf</span><br/> <span class="ft1">der Ebene 2 und beim Haus B1 auf der Ebene 3 befinden (vgl. Plan</span><br/> <span class="ft1">...) und bei den dortigen Fenstern die Immissionsgrenzwerte nicht</span><br/> <span class="ft1">überschritten sind (vgl. Aussenlärm-Prüfbericht vom 17. Juli 2015).</span><br/> <span class="ft1">Ungeeignet erscheint desgleichen das Anbringen von Giebeldächern,</span><br/> <span class="ft1">weil dadurch lediglich Lärmminderungen für die oberen, von der</span><br/> <span class="ft1">Immissionsgrenzwertüberschreitung nicht betroffenen Stockwerke</span><br/> <span class="ft1">der beiden Häuser erzielt werden könnten.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend kann deshalb festgehalten werden, dass die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanzen zu Recht die Möglichkeiten von gestalterischen oder</span><br/> <span class="ft1">baulichen Massnahmen zur Einhaltung der Strassenlärmimmissions-</span><br/> <span class="ft1">grenzwerte nach Art. 31 Abs. 1 LSV verneint beziehungsweise das</span><br/> <span class="ft1">Vorliegen einer lärmschutzrechtlichen Ausnahmesituation im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von Art. 31 Abs. 2 LSV bejaht haben.</span><br/> <span class="ft1">3.4</span><br/> <span class="ft1">3.4.1</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist somit, ob an der Errichtung der 6 Häuser ein über-</span><br/> <span class="ft1">wiegendes Interesse besteht, welches die Erteilung einer Ausnahme-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung nach Art. 31 Abs. 2 LSV rechtfertigt. Die Abteilung für</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungen BVU hat die erforderliche kantonale Zustimmung</span><br/> <span class="ft1">zu einer solchen Bewilligung erteilt mit der Begründung, dass mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">390</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dem Bauvorhaben eine Baulücke geschlossen werden könne; in der</span><br/> <span class="ft1">Interessenabwägung berücksichtigte sie zudem den Umstand, dass</span><br/> <span class="ft1">alle von der Immissionsgrenzwertüberschreitung betroffenen Räume</span><br/> <span class="ft1">über dem Lärm abgewandte Fenster belüftet werden könnten (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Zustimmungsentscheid ...).</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wendet hiegegen ein, dass das Interesse</span><br/> <span class="ft1">an der Schliessung einer Baulücke nach der bundesgerichtlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung nicht als rechtserheblich im Sinne von Art. 31 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">LSV gelte. Zudem habe das aargauische Verwaltungsgericht die sog.</span><br/> <span class="ft1">Lüftungsfensterpraxis als bundesrechtswidrig beurteilt; da dieses un-</span><br/> <span class="ft1">zulässige Kriterium in die Interessensabwägung eingeflossen sei, lie-</span><br/> <span class="ft1">ge ein qualifizierter Fehler in der Ermessensbetätigung und damit ein</span><br/> <span class="ft1">Rechtsfehler vor.</span><br/> <span class="ft1">3.4.2</span><br/> <span class="ft1">Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers hat die</span><br/> <span class="ft1">bundesgerichtliche Rechtsprechung das Interesse an der Schliessung</span><br/> <span class="ft1">einer Baulücke nicht einfach apodiktisch als nicht rechtserheblich bei</span><br/> <span class="ft1">der gemäss Art. 31 Abs. 2 LSV vorzunehmenden Interessenabwä-</span><br/> <span class="ft1">gung bezeichnet. Vielmehr hat es in seiner jüngsten Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">(Urteil 1C_139/2015 vom 16. März 2016, Erw. 4.6) folgendes festge-</span><br/> <span class="ft1">halten:</span><br/> <span class="ft5"><i>"Tatsächlich können Zielkonflikte zwischen dem Lärmschutz und</i></span><br/> <span class="ft5"><i>der raumplanerisch gebotenen Siedlungsverdichtung bestehen. Seit</i></span><br/> <span class="ft5"><i>dem Erlass des USG und der LSV in den 1980er-Jahren hat sich die</i></span><br/> <span class="ft5"><i>raumplanerische Problematik der Zersiedlung und des Bodenver-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>brauchs verschärft. Die RPG-Revision vom 15. Juni 2012 (in Kraft</i></span><br/> <span class="ft5"><i>seit 1. Mai 2014) verpflichtet die Kantone, binnen 5 Jahren ihre</i></span><br/> <span class="ft5"><i>kantonalen Richtpläne anzupassen, insbesondere um eine hochwer-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>tige Siedlungsentwicklung nach innen zu bewirken und die Sied-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>lungserneuerung zu stärken (Art. 8a Abs. 1 lit. c und e RPG). Diesen</i></span><br/> <span class="ft5"><i>wichtigen Anliegen der Raumplanung kann jedoch auf dem Wege der</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Ausnahmebewilligung Rechnung getragen werden. (...)</i></span><br/> <span class="ft5"><i>In Zukunft wird dem raumplanerischen Anliegen einer</i></span><br/> <span class="ft5"><i>hochwertigen Siedlungsentwicklung nach innen verstärkt Rechnung</i></span><br/> <span class="ft5"><i>zu tragen sein. Bauvorhaben, die aus dieser Sicht wünschenswert er-</i></span><br/> <span class="ft5"><i>scheinen, wird eine Ausnahmebewilligung erteilt werden können,</i></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">391</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>auch wenn die Immissionsgrenzwerte unwesentlich überschritten</i></span><br/> <span class="ft5"><i>sind, sofern deren Einhaltung nicht in städtebaulich befriedigender</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Weise erreicht und mittels Lüftungsfenstern an der lärmabgewandten</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Seiten und allfälligen weiteren Massnahmen ein angemessener</i></span><br/> <span class="ft5"><i>Wohnkomfort sichergestellt werden kann."</i></span><br/> <span class="ft1">Im Lichte dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung lässt sich</span><br/> <span class="ft1">die erteilte lärmschutzrechtliche Ausnahmebewilligung nicht bean-</span><br/> <span class="ft1">standen. Zu Recht haben die kantonalen Fachstellen und der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat S. dem Umstand, dass das im fraglichen Quartier noch</span><br/> <span class="ft1">vorhandene unüberbaute Bauland mit der geplanten, eine überdurch-</span><br/> <span class="ft1">schnittliche Ausnützung aufweisenden Überbauung haushälterisch</span><br/> <span class="ft1">genutzt werden soll, ein hohes Gewicht beigemessen; damit wurde</span><br/> <span class="ft1">der raumplanungsrechtlich geforderten Siedlungsverdichtung Rech-</span><br/> <span class="ft1">nung getragen. Ebenso haben sie zu Recht die lärmrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Schutzanliegen weniger schwer gewichtet, nachdem die nächtlichen</span><br/> <span class="ft1">Immissionsgrenzwerte nur knapp um 1 dB(A) überschritten werden</span><br/> <span class="ft1">und es sich bei den betroffenen lärmempfindlichen Räumen der Häu-</span><br/> <span class="ft1">ser A und B1 um Wohn-/Esszimmer handelt, die zumindest in der</span><br/> <span class="ft1">Regel nicht als Schlafräume verwendet werden; zudem kann wegen</span><br/> <span class="ft1">des Vorhandenseins von dem Lärm abgewandten Lüftungsfenstern</span><br/> <span class="ft1">gleichwohl ein angenehmes Wohnklima geschaffen werden. Entge-</span><br/> <span class="ft1">gen der Auffassung des Beschwerdeführers ist die Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft1">dieses letztgenannten Kriteriums nicht rechtsfehlerhaft. Die nach der</span><br/> <span class="ft1">bundesgerichtlichen Rechtsprechung unzulässige sog. "Lüftungsfens-</span><br/> <span class="ft1">terpraxis" darf einzig nicht dazu führen, dass eine Ausnahmesituation</span><br/> <span class="ft1">im Sinne von Art. 31 Abs. 2 LSV verneint beziehungsweise eine</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung ohne Vornahme einer Interessenabwägung erteilt</span><br/> <span class="ft1">wird, wenn die Lärmimmissionsgrenzwerte an wenigstens einem zur</span><br/> <span class="ft1">Lüftung geeigneten Fenster jedes lärmempfindlichen Raumes einge-</span><br/> <span class="ft1">halten sind (vgl. den zitierten BGE 1C_139/2015 vom 16. März</span><br/> <span class="ft1">2016, Erw. 3 und 4); im Rahmen der Interessenabwägung für eine</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmebewilligung darf dagegen das Vorhandensein von Lüf-</span><br/> <span class="ft1">tungsfenstern auf der lärmabgewandten Seite durchaus berücksichtigt</span><br/> <span class="ft1">werden (Erw. 4.6 a.E.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">392</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten erweisen sich die vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">gegen die gestützt auf Art. 31 Abs. 2 LSV erteilte Ausnahmebewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung erhobenen Argumente als nicht stichhaltig.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>