B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3842/2013 spn/kna/mel U r t e i l v o m 2 8 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren (…), ungeklärter Staatsangehörigkeit (syrischer Herkunft), (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisung); Verfügung des BFM vom 5. Juni 2013 / N (…). D-3842/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge Syrien am 6. oder 7. März 2010 und reiste über die Türkei, Griechenland und Italien am 1. April 2010 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nac h- suchte. Am 8. April 2010 wurde er vom BFM summarisch zu seinen Asyl- gründen befragt und am 2. Mai 2012 einlässlich dazu angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe keine Identitätspapiere, ausser der "Sh a- had at-Tarif", einer Personalienbestätigung für Maktumin (nicht registrierte staatenlose Kurden in Syrien) . Seine Eltern seien jedoch Ajnabi (regist- rierte staatenlose Kurden) . Als er ungefähr ein Jahr alt gewesen sei, sei er an einem Fest, bei welchem sie von der syrischen Polizei angegriffen worden seien, ins Feuer gefallen und habe sein (…) verbrannt. Daher ha- be er immer wieder Mühe, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Sein Onkel sei Anhänger der Partei Yeketi Demokrati. Er (der Beschwerdeführer) habe auch manchmal für seinen Onkel Zeitungen in die Dörfer gebracht und an Parteisitzungen teilgenommen, wo über Parteipolitik und die Situation der Kurden in Syrien gesprochen worden sei. Beim Austragen der Zeitungen sei er auch einmal verhaftet und gegen Bestechung freigelassen worden. Er habe seit mehreren Jahren auf dem Bau in Damaskus gearbeitet. Als er und sein Onkel , welcher mit ihm in Damaskus gearbeitet habe, an e i- nem Abend zwischen dem (…) und dem (…) 2010 nach der Arbeit hätten nach Hause gehen wollen, habe gerade eine Demonstration der PKK (Partiya Karkerên Kurdistan, Arbeiterpartei Kurdistans) stattgefunden. Er sei dort vom syrischen Geheimdienst verhaftet worden, welcher ihm vor- geworfen habe, er habe ein Bild des syrischen Präsidenten zerrissen. Er sei ins Gefängnis gesteckt und geschlagen worden. Die Behörden hätten von ihm wissen wollen, wer die Demonstration organisiert habe und we l- ches die Ziele der Kundgebung gewesen seien. Sie hätten ihn dann au f- gefordert als Spitzel für sie zu arbeiten. Nach sieben oder acht Tagen Haft sei er dank der Hilfe seines Onkels, welcher seine Festnahme beobachtet habe, gegen Bestechung freigelassen worden. Später im Februar 2010 sei bei ihnen zuhause im Dorf sein Haus durchsucht wor den. Er sei j e- doch glücklicherweise nicht zuhause gewesen. Daher sei er danach nach Z._______ zu seiner Tante gegangen. Sein Haus sei wenig später noch ein zweites Mal durchsucht worden. Daraufhin habe ihn s ein Bruder i n- formiert, dass er vom Militär gesucht werde. Mithilfe eines Schleppers sei er dann per Auto und zu Fuss über die türkische Grenze gelangt. D-3842/2013 Seite 3 B. B.a Mit Verfügung vom 11. August 2010 trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asy lgesuch nicht ein und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegwe i- sung nach Griechenland an. B.b Der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertrete rin – erhob mit Eingabe vom 23. August 2010 Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und das BFM anzuweisen, sein Recht auf Selbsteintritt auszuüben und sich für das Asylgesuch als zuständig zu erachten, eventualiter das BFM anz u- weisen, den Sachverhalt erneut abzuklären. B.c Am 9. März 2011 hob das BFM im Rahmen des Schriftenwechsels vor dem Bundesverwaltungsgericht (Art. 57 Abs. 1 des Verwaltungsve r- fahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) die Ver- fügung vom 11. August 2010 wiedererwägungsweise auf und nahm das nationale Asylverfahren in der Schweiz auf. B.d Das Bundesverwaltungsgericht schrieb die Beschwerde mit Urteil D-5961/2010 vom 11. März 2011 zufolge Wegfalls des Anfechtungsg e- genstandes ab. C. Mit Eingabe vom 21. Februar 2012 machte der Beschwerdeführer auf das neue Vertretungsverhältnis bezüglich seiner Rechtsvertreterin aufmer k- sam und reichte gleichzeitig Fotos und Zeitungsberichte vom (…) ein, auf welchen ersichtlich sei, dass er sich von der Schweiz aus politisch gegen das syrische Regime engagiere. Er habe am (…) in Y ._______ demonst- riert und in X._______ Flugblätter verteilt. D. Am 15. März 2012 bat der Beschwerdeführer um eine baldige Entsche i- dung seines Gesuches und ersuchte über eine Mitteilung des Standes des Verfahrens. Zudem reichte er einen ärztl ichen Bericht (…) in X._______ vom 1. März 2012 zu den Akten. E. Mit Schreiben vom 10. April 2013 bat der Beschwerdeführer baldmög- lichst einen Entscheid über sein Asylgesuch zu fällen. D-3842/2013 Seite 4 F. Mit Verfügung vom 5. Juni 2013 – eröffnet am 7. Juni 2013 – wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die We g- weisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig schob es den Vollzug wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. G. Der Beschwerdeführer erhob gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 5. Juli 2013 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. H. Das Bundesverwaltungsgericht stellte mit Verfügung vom 11. Juli 2013 fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, und forderte den Beschwerdeführer zudem auf, inne rt Frist eine Beschwerdeverbesserung einzureichen sowie einen Koste n- vorschuss zu leisten. I. Mit Eingabe vom 16. Juli 2013 reichte der Beschwerdeführer eine B e- schwerdeverbesserung ein und beantragte darin die Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung, die Fests tellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Asylgewährung und eventualiter die Gewährung der vorläufigen Au f- nahme zufolge Unzulässigkeit. In formeller Hinsicht ersuchte er um G e- währung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Verzicht auf Erh e- bung eines Kostenvorschusses. J. Mit Zwischenverfügung vom 19. Juli 2013 forderte der Instruktions richter den Beschwerdeführer auf, innert Frist eine Fürsorgebestätigung nachz u- reichen oder einen Kostenvorschuss zu leisten , unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall. K. Mit Eingabe vom 26. Juli 2013 (Poststempel) reichte der Beschwerdefü h- rer eine Fürsorgebestätigung zu den Akten. L. In seiner Vernehmlassung vom 8. August 2013, welche dem Beschwerde- führer am 9. August 2013 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt das BFM an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. D-3842/2013 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, au sser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert , soweit um Gewährung von Asyl und Feststellung der Flüchtlingseigenschaft ersucht wird (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist dementsprechend einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausge setzt zu werden. Als D-3842/2013 Seite 6 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet ode r in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Schilderunge n des Beschwerdeführers seien u n- substanziiert und wirkten stereotyp. So habe er seinen Gefängnisaufen t- halt oberflächlich und mit wenigen Details beschrieben. Auch auf Nach- frage zu den Haftbedingungen habe der Beschwerdeführer nur sehr knappe und stereotype Aussagen gemacht. Es könne davon ausgega n- gen werden, dass der einwöchige Gefängnisaufenthalt mit den geltend gemachten Beschimpfungen ein Erlebnis darstelle, welches auf den B e- schwerdeführer einen prägenden Eindruck hinterlassen habe. Deshalb sollte er in der Lage sein, diese Eindrücke sowie die Umstände der Haft substanziiert und damit glaubhaft zu schildern. Dies gelinge ihm aber nicht. Des Weiteren enthielten seine Aussagen diverse Widersprüche. In der Erstbefragung habe der Beschwerdeführer zu Protokol l gegeben, er habe sich der Aufforderung der Behörden, ein Spitzel zu werden, wide r- setzt. In der Anhörung habe er demgegenüber angegeben, er habe die Forderung akzeptiert. Auch bezüglich der Ursache der Verfolgung durch die Behörden mache der Beschwerdefüh rer unterschiedliche Angaben. So gebe er zunächst an, er sei in seinem Dor f von den Behörden aufg e- sucht worden, da diese ihn hätten einschüchtern wollen, um aus ihm e i- nen guten Spitzel zu machen. Entgegen dieser Aussage, beziehe er sich andernorts aber darauf, dass die Behörden ihren Vorwurf, dass er ein Bild des Präsidenten zerrissen habe, nicht hätten fallen lassen und ihn de s- halb weiter gesucht hätten. Schliesslich gebe er zu Protokoll, die Behö r- den hätten ihn zwei Mal in s einem Heimatdorf aufgesucht. Er st am Ende der Anhörung habe er zusätzlich geltend gemacht, sie hätten bei weiteren Gelegenheiten noch seine Familie belästigt. Diese zahlreichen Ung e- reimtheiten und Widersprüche liessen grosse Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers aufkommen. Diese Zweifel würden sich durch die D-3842/2013 Seite 7 fehlende Logik in seinen Schilderungen bezüglich der geltend gemachten Verfolgung verdichten. So sei es beispielsweise nicht nachvollziehbar, weshalb ihn die Behörden aus der Haft hätten entlassen sollen, wenn sie gleichzeitig an den Vorwürfen festgehalten hätten und ihn kurze Zeit sp ä- ter erneut hätten inhaftieren wollen. Ausserdem mache der Beschwerd e- führer geltend, sein Onkel habe ihn durch Bestechung aus der Haft fre i- gekauft. Andererseits wolle er nicht gewusst haben, wo genau er inhaftiert gewesen sei. Dies scheine unwahrscheinlich, da davon auszugehen sei, dass der Onkel den Aufenthaltsort des Beschwerdeführers gekannt h a- ben müsste, um die betreffenden Beamten zu bestechen. Die Vorbringen hielten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Der Beschwerdeführer sei weiter ein in Syrien nicht registrierter Kurde (Maktum). In Syrien würden rund 1,8 Millionen Kurden leben, was knapp zehn Prozent der Bevölkerung entspreche. Die Kurden stell ten die gröss- te eth nische Minderheit dar. Die Mehrheit von ihnen gelte als integriert und habe keine besonderen Probleme. Es gebe drei "Kategorien" von Kurden in Syrien: Jene, welche die syrische Staatsangehörigkeit besä s- sen, ferner die als Ausländer regis trierten Kurden "Ajanib" und schlies s- lich die nicht registrierten Kurden "Maktumin". Für sogenannte staatenl o- se Kurden würden weitreichende Diskriminierungen bestehen: Sie seien nicht im Besitz der syrischen Staatsbürgerschaft, hätten kein Wahlrecht und dürften weder Land, noch Immobilien oder gar ein Geschäft besitzen oder erwerben. Ausserdem seien sie faktisch von zahlreichen Berufen ausgeschlossen. Gemäss geltender Rechtsprechung würden jedoch w e- der die Ajanib noch die Maktumin in Syrien einer Kollektivv erfolgung un- terliegen. Von staatlichen Repressionen, die ein menschenwürdiges L e- ben in Syrien verunmöglichen würden, könne für diese Personengruppe generell nicht gesprochen werden. Somit komme dem Umstand, dass der Beschwerdeführer ein Maktum sei, keine a sylrelevante Bedeutung g e- mäss Art. 3 AsylG zu. Ferner sei zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen die Voraussetzungen für die Anerkennung der Flüch t- lingseigenschaft erfülle. Es sei bekannt, dass die syrischen Sicherhe its- dienste auch im Ausland aktiv seien und – beispielsweise mittels Infiltrati- on – oppositionelle Kreise aus Syrien überwach ten. Angesichts der u m- fangreichen exilpolitischen Betätigungen von syrischen Staatsangehör i- gen im Ausland sei jedoch davon auszugehe n, dass sich die syrischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrierten, die quali-D-3842/2013 Seite 8 fizierte Aktivitäten ausüben. Massgebend sei dabei nicht primär das He r- vortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Individualisierbar- keit, sondern ein e öffentliche Exponierung, die aufgrund der Persönlic h- keit des Asylsuchenden, der Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärung den Eindruck erwecke, dass ein Asylsuchender aus Sicht des syrischen Regimes als p otentielle Bedrohung wahrgenommen werde. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten seien nicht geeignet, eine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu begründen. So weise er mittels Fot o- grafien die Teilnahme an (…) Demonstrationen im Zeitraum (…) aus. Die- se blosse Teilnahme an Kundgebungen stelle jedoch keine qualifizierte Aktivität dar, welche erwarten lasse, dass der Beschwerdeführer damit das Verfolgungsinteresse seitens der syrischen Behörden auf sich gez o- gen haben könnte. Eine besonders exponierte Stellung bei den exilpolit i- schen Veranstaltungen gehe auch aus den eingereichten Zeitungsartikel nicht hervor. Somit erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseige n- schaft auch unter dem Aspekt der subjektiven Nachfluchtgründe nicht. 4.2 In der Beschwerdeverbesserung hielt der Beschwerdeführer den Er- wägungen des BFM entgegen, in Syrien gebe es unzählige Gefängnisse. Dass er trotz des einwöchigen Aufenthaltes den Namen des Gefängni s- ses nicht habe benennen können, sei verständlich . Anders als in der Schweiz werde man behördlicherseits nicht darüber informiert, wo man sich aufhalte und wie die Abläufe seien, sondern man werde einfach in eine Zelle geworfen. Für seine Glaubhaftigkeit spreche auch, dass er i m- merhin den Stadtteil habe benennen können, wo er sich befunden habe , als er aus dem Gefängnis entlassen worden sei. Dass er nicht mehr zu seinem Aufenthalt im Gefängnis und zu den Haftbedingungen gesagt h a- be, hänge mit der Art der Fragestellung zusammen. Er sei nie explizit nach den Haftbedingungen gefragt worden. Es sei zuerst eine sehr gen e- rell gehaltene Frage gestellt worden. Dementsprechend habe er auch e i- ne generell gehaltene Antwort gegeben. Dann sei er gefragt worden, ob er tatsächlich geschlagen worden sei, worauf er präzise geantwortet ha- be. Weitere Fragen zu seinem Gefängnisaufenthalt seien keine gestellt worden, obwohl das ein leichtes gewesen wäre. Er sei selber etwas e r- staunt gewesen, habe aber davon ausgehen müssen, dass der Befrager kein Interesse gehabt habe, mehr dar über zu erfahren. Dass er einem behördlichen Befrager nicht ins Wort falle, sich aufdränge und von sich aus mehr erzähle, dürfe ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden. Dieser Einwand des BFM sei deshalb nicht stichhaltig. Er habe in der Befragung gesagt, er habe sich der Aufforderun g der Behörden, ein Spitzel zu we r-D-3842/2013 Seite 9 den widersetzt, während er in der Anhörung angegeben habe, diese For- derung akzeptiert zu haben. Dies sei nur auf den ersten Blick ein Wide r- spruch. Natürlich habe er sich zuerst dieser Forderung widersetzt. Schliesslich habe er aber nachgegeben, um aus der Haft entlassen zu werden. Insofern stimmten beide Antworten. Bezüglich der Ursache, wa- rum die Behörden ihn im Dorf gesucht hätten, konstruiere hier das BFM einen künstlichen Widerspruch. Ihm sei nämlich nicht das eine oder ande- re vorgeworfen worden, sondern beides. Er sei ins Gefängnis gekommen, da ihm vorgeworfen worden sei, ein Bild des Präsidenten zerrissen zu haben. Nach der Entlassung hätten sie ihn nochmals im Dorf aufgesucht um zusätzlichen Druck auf ihn auszuüben, d amit er ein guter Spion we r- de. Im Gesamtkontext werde das absolut klar. Es handle sich somit nicht um einen Widerspruch. Weiter sei er explizit gefragt worden, warum die Polizei ihn im Dorf aufgesucht habe. Er habe diese Frage beantwortet. Es habe keinen G rund gegeben, gerade in dem Moment auch die Beläst i- gung seiner Familie zu erwähnen. Diese habe er dann später in der A n- hörung erwähnt. Das sei auch nachvollziehbar, handle es sich dabei doch für ihn um ein weniger prägnantes Erlebnis als die Tatsache, pers önlich gesucht zu werden. Ein Widerspruch sei darin nicht zu erkennen. Seine Vorbringen seien deshalb entgegen der Auffassung des BFM nicht mit Widersprüchen oder Ungereimtheiten behaftet, die seine Glaubhaftigkeit einschränkten. Dem Argument des BFM, es s ei nicht nachvollziehbar, weshalb die Behörden ihn aus der Haft hätten entlassen sollen, wenn sie gleichzeitig an den Vorwürfen festgehalten hätten und ihn kurze Zeit sp ä- ter wieder hätten inhaftieren wollen, sei entgegen zu halten, dass er nur unter der Auflage, als Spion zu agieren, entlassen worden sei. Die Polizei habe dann im Dorf nochmals nach ihm gesucht, wahrscheinlich aber nicht, um ihn zu verhaften, sondern um den Druck auf ihn zu verstärken. Dies sei keineswegs unlogisch. Weiter habe sein Onkel ja gewusst, dass er verhaftet worden sei. Er gehe davon aus, dass seine Verhaftung regist- riert worden sei. Die Beamten, die von seinem Onkel bestochen worden seien, hätten deshalb sicher ohne weiteres rausfinden können, in we l- chem Gefängnis er gesessen habe, ohne dass sein Onkel ihnen diese In- formation habe liefern müssen. Auch dieser Ablauf sei keineswegs unl o- gisch. Zusammenfassend zeige sich, dass seine Vorbringen gesamthaft gesehen ein stimmiges Bild vermittelten. Das BFM habe aus unzutreffe n- den Gründen se ine Vorbringen als unglaubhaft bezeichnet. Er sei somit ein in Syrien nicht registrierter Kurde und sei von den syrischen Behörden verhaftet, geschlagen und dementsprechend verfolgt worden. Der Verfo l- gung habe er sich durch Flucht entzogen. Im Falle einer Rückkehr hätte er zu gewärtigen, erneut festgenommen, inhaftiert und mit grosser Wah r-D-3842/2013 Seite 10 scheinlichkeit auch menschenrechtswidrigen Misshandlungen, mithin also genügend intensiven und zielgerichteten asylrelevanten ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden. Demnach stehe fest, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüch- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist , wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert od er un- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zwe ifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalt s- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2. 2; BVGE 2010/57 E. 2.3) 5.2 Die Aussagen des Beschwerdeführers müssen allgemein als obe r- flächlich und substanzlos bezeichnet werden. Den Vorbringen fehlt es an Detailreichtum, so dass insgesamt nicht der Eindruck von tatsächlich E r- lebtem entsteht. Der Beschwerdeführer vermag so auch auf Rückfragen die Situationen nicht eingehender zu schildern. Es ist davon auszugehen – wie dies das BFM in seiner Verfügung auch zutreffend ausführt –, dass der Aufenthalt im Gefängnis, was zudem sein primärer Asylgrund da r- stellt, ein prägendes Ereignis für den Beschwerdeführer ist. Daher dürfte vom Beschwerdeführer erwartet werden, dass er die diesbezüglichen E r-D-3842/2013 Seite 11 eignisse in einer persönlichen Art und Weise wiedergeben könnte. Dies gelingt ihm jedoch nicht . So beschreibt er beispielsweise nie, wie er g e- nau festgenommen wurde, sondern schild ert dies nur äusserst allgemein mit: "Unterwegs wurde ich plötzlich festgenommen." (vgl. Akten BFM A43 F8). Bereits hier fehlen detaillierte Ausführungen zu den konkreten U m- ständen ( vgl. A43 F32 ff.). Auch die vorgebrachten Misshandlungen im Gefängnis schi ldert der Beschwerdeführer ohne konkreten Bezug und Realkennzeichen. Bereits in der freien Erzählung zu Beginn der Anhörung führt er lediglich aus: "(…) ich wurde immer wieder geschlagen. Sie b e- handelten mich sehr schlecht. Ihr Umgang war sehr unmenschlich ." (vgl. A43 F8). Damit bringt der Beschwerdeführer zwar Misshandlungen vor, jedoch kann aus diesen unsubstanziierten Aussagen nicht geschlossen werden, was genau in diesen sieben oder acht Tagen Gefängnis gesch e- hen sei. Der Beschwerdeführer erzählt das an geblich Erlebte Punkt für Punkt, ohne jegliche Ausschweifungen oder Ausschmückungen . Seine Erzählungen wirken somit insgesamt konstruiert . Es kommt hinzu , dass er das Datum des Tages seiner Verhaftung nicht wiedergeben kann und auch keinerlei Beweismittel zur Verhaftung einreichen konnte . Bezeich- nend ist zudem, dass der Beschwerdeführer in der Befragung kla r und eindeutig angab, er habe die Aufforderung zur Spitzeltätigkeit abgelehnt (vgl. A1 S. 6), wobei er hingegen bei der Anhörung bereits in der freien Erzählung aussagte, er habe die Aufforderung aus Angst angenommen (vgl. A43 F8). Die Erklärung in der Beschwerde, der Beschwerdeführer habe zuerst abgelehnt und dann aufgrund des ausgeübten Drucks die Spitzeltätigkeit angeno mmen, vermögen diese diametr alen Aussagen nicht zu erklären. Der Beschwerdeführer hätte diesen Umschwung bereits in der Befragung zu Protokoll geben müssen, da dies von zentraler B e- deutung ist, insbesondere auch für die Gründe der vorgebrachten Raz- zien im Haus des Beschwerdeführers. Bezüglich dieser Razzien ist so- dann zu bemerken, dass der Beschwerdeführer auch hier nichts Konkr e- tes erzählen konnte. Auch wenn er zum entsprechenden Zeitpunkt nicht zuhause gewesen war, hätte er doch mehr über die Razzia erzählen kön- nen müssen, zumal er sich in einem kleinen Dorf befunden habe und alle Dorfbewohner davon erfahren hätten (vgl. A1 S. 6). 5.3 Nach Abwägung der Argumente, die für die Glaubhaftigkeit, und de n- jenigen, die dagegen sprechen, kommt das Bundesverwaltungsger icht insgesamt zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit von Art. 7 AsylG nicht genügen. Der Beschwerdeführer konnte daher seine Verfolgung im Bezug auf die si e-D-3842/2013 Seite 12 ben- oder achttägige Haft und die darauf folgenden Razzien im Sinne von Art. 3 AsylG nicht glaubhaft machen. 6. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend – und dies wird im Übrigen vom BFM nicht bezweifelt – er sei ein Angehöriger der Ma ktumin, und gehöre somit zur Gruppe der nicht registrierten staatenlosen Kurden. Diesbezüglich ist eine Kollektivverfolgung zu prüfen. 6.1 Die Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind gemäss geltender Rechtsprechung sehr hoch. Gemäss schweizerischer Asylpraxis zur Frage der Kollektivverfolgung reicht allein die Zugehöri g- keit zu einem Kollektiv, welches in seinen spezifischen Eigenschaften Ziel einer Verfolgungsmotivation ist, in der Regel nicht, um die Flüchtlingse i- genschaft zu begründen. Vielmehr kommen auch bei g eltend gemachter Verfolgung aufgrund der blossen Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kol- lektiv die Kriterien der ernsthaften Nachteile oder der begründeten Furcht gemäss Art. 3 AsylG zur Anwendung. Nachteile sind dann als ernsthaft in diesem Sinne zu bezeich nen, wenn sie sich gegen Leib, Leben oder Freiheit richten oder einen unerträglichen Druck erzeugen und aufgrund ihrer Art und Intensität ein menschenwürdiges Leben im Verfolgerstaat verunmöglichen oder in unzumutbarer Weise erschweren, so dass sich die ve rfolgte Person dieser Zwangssituation nur noch durch Flucht ins Ausland entziehen kann. Bei der begründeten Furcht gilt es zu berüc k- sichtigen, dass sich die subjektiv befürchtete Verfolgung auch objektiv be- trachtet mit einer erheblichen Wahrscheinlichkeit verwirklichen muss; a l- lein die Möglichkeit von ernsthaften Nachteilen genügt dabei nicht (vgl. BVGE 2011/16 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). 6.2 Bezüglich seiner Zugehörigkeit zu den nicht registrierten staatenlosen Kurden – Maktumin – ist zu bemerken, dass sich die dem Bundesverwal- tungsgericht vorgehende Asylrekurskommission (ARK) im Jahr 2002 mit deren Situation auseinandergesetzt hat. Die ARK kam damals zum Schluss, dass Maktumin in vielerlei Hinsicht benachteiligt würden und u n- ter zahlreichen, auch einschnei denden Restriktionen seitens der Regi e- rung wie auch unter persönlichen Diskriminierungen zu leiden hätten. Ei- ne gezielte Verfolgung finde jedoch nur bei gegen den syrischen Staat gerichteten Aktivitäten statt und treffe die Maktumin nicht anders als die übrigen Einwohner Syriens. Somit sei die geltend gemachte Diskrimini e- rung für sich allein als zu wenig intensiv, als dass sie flüchtlingsrechtliche D-3842/2013 Seite 13 Relevanz erhalte (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizer i- schen Asylrekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 23 E. 4d). 6.3 In Anbetracht der aktuellen Situation und der schon älteren Rech t- sprechung erscheint es angezeigt, die Situation der Maktumin unter den heutigen Umständen zu beleuchten. Der syrische Präsident hat am 7. April 2011 aufgrund des steigenden politischen Drucks das Dekret 49 erlassen. Durch dieses Dekret erhält die Gruppe der staatenlosen Kurden die Möglichkeit, die syrische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Dadurch hat sich aber die Situation der Maktum im Gegensatz zur Situation der Ajanib (Gruppe der staatenlosen, registrierten Kurden) nicht verändert. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Dekrets gab es in Syrien je nach Schätzung ungefähr 1 00'000 Maktumin. Diese verfügen nach wie vor über keinerlei Rechte, würden behördlich nicht erfasst und erhielten keine staatlichen Dokumente. Zudem sei – wie dies auch schon i n EMARK 2002 Nr. 23 E. 4d beschrieben wird – ihr Zugang zur Gesundheitsversor- gung sowie auch zu Waren und Dienstleistungen nach wie vor beschränkt (vgl. SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE (SFH), Syrien: Staatsbürge r- schaft für Ajanib, Bern, 3. Juli 2013, 2013, S. 1 ff.; UN HUMAN RIGHTS COUNCIL, Report of the Special Rapporteur on the right of everyone to the enjoyment of the highest attainable standard of physical and mental health, 21. März 2011, Ziff. 58 ff.; INTERNATIONAL CRISIS GROUP, Syria's Kurds: A struggle within a struggle, Brüssel, 22. Januar 2013, S. 6 ff). Je- doch ist festzustellen, dass die hohe Schwelle zur Begründung einer Ko l- lektivverfolgung durch diese aufgeführten Nachteile n icht erreicht ist. Die vorgebrachten Diskriminierungen sind zu wenig intensiv, um als asylrele- vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG eingestuft werden zu können, womit die Rechtsprechung der ARK aus dem Jahr 2002 nach wie vor ihre Gültigkeit hat. 7. In Bezug auf das vorgebrachte exilpolitische Engagement des Beschwe r- deführers ist Folgendes zu bemerken: Es dürfte zweifellos zutreffen, dass oppositionell Denkende in Syrien aktuell besonderer Gefährdung ausg e- setzt sind und dass sich die syrischen Behörden a uch für die exilpolit i- schen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen interessieren. Selbst unter den aktuellen Bedingungen braucht es jedoch ein gewisses Engagement, um das Interesse des syrischen Geheimdienstes zu wecken. Eine Rolle kö n- nen dabei die Form des ö ffentlichen Auftritts, deren Häufigkeit oder auch die Inhalte von öffentlich abgegebenen Erklärungen spielen. (vgl. En t- scheid des Bundesverwaltungsgerichts D -4743/2011 vom 30. Mai 2013 D-3842/2013 Seite 14 E. 7.4). Von einem genügenden Engagement in diesem Sinne kann vo r- liegend jedoch nicht ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer brac h- te vor, er habe im Jahr (…) an lediglich einer Demonstrationen teilg e- nommen und habe einmal Flugblätter verteilt. Soweit aus den eingereich- ten Beweismitteln ersichtlich ist, hob sich der Beschwer deführer bei der Teilnahme auch nicht von den übrigen Beteiligten ab. Aus den Akten kann weiter nicht geschlossen werden, dass er sich auch in jüngster Zeit pol i- tisch engagiert hätte. Somit liegt kein auffallendes exilpolitisches Wirken vor, so dass das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe zu verneinen ist. 8. Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine bestehende oder unmittelbar drohende asylrelevante Verfolgung gemäss Art. 3 AslyG nachzuweisen. Somit hat die Vorinstanz zu Recht die F lücht- lingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgewiesen. 9. 9.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine auslände rrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.w.H.). 9.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht mögli ch, regelt das BFM gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG das Anw e- senheitsverhältnis nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme im Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). 9.4 Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei- sung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu qualifizieren und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gem äss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme durch die Vorinstanz steht den (ab- und weggewie- senen) Asylgesuchstellern wiederum die Beschwerde an das Bundes ver-D-3842/2013 Seite 15 waltungsgericht offen (vgl. Art. 31 VGG i.V.m. Art. 44 Abs. 2 AsylG), wobei in jenem Verfahren sämtliche Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse erneut zu prüfen wären. 9.5 Vorliegend wurde der Beschwerdeführer zufolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in der Schweiz vorläufig aufgenommen. De s- halb erübrigen sich Erwägungen zur Zulässigkeit des Vollzugs der We g- weisung und auf den entsprechenden Antrag ist mangels Rechtsschutzin- teresses nicht einzutreten. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In der Beschwerdeve r- besserung wurde jedoch ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gestellt. Gemäss di e- ser Bestimmung wird von Verfahrenskosten abgesehen, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihre Beschwerde nicht aussichtslos erscheint. Die Mittellosigkeit des Beschwerdeführers ist durch die Fürsorgebestätigung vom 23. Juli 2013 belegt. Nach dem G e- sagten sind die Begehren auch nicht als aussichtslos zu bewerten. Somit sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. D-3842/2013 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. In Gutheissung des Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen Pr o- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werden keine Verfahrens- kosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Anne Kneer Versand: