<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">H 177/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>II. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Rüedi und neben- </div> <div class="para">amtlicher Richter Maeschi; Gerichtsschreiber Attinger </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 19. Januar 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ausgleichskasse Promea, Ifangstrasse 8, Schlieren, Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin, </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.O.________, </div> <div class="para">2.A.________, </div> <div class="para">Beschwerdegegner, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Liestal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Die H.________ AG war der Ausgleichskasse Promea </div> <div class="para">angeschlossen. Ab Dezember 1993 kam die Firma ihrer </div> <div class="para">Beitragszahlungspflicht nicht mehr ordnungsgemäss nach, </div> <div class="para">sodass die Beiträge auf dem Betreibungsweg geltend gemacht </div> <div class="para">werden mussten. Auf einen Zahlungsbefehl vom 29. Juni 1994 </div> <div class="para">betreffend die Beiträge für die Zeit von Dezember 1993 bis </div> <div class="para">März 1994 im Gesamtbetrag von Fr. 60'731.85 hin kam es am </div> <div class="para">1. Juli 1994 zu einer Zahlungsvereinbarung, mit welcher </div> <div class="para">sich die Firma zu monatlichen Zahlungen von Fr. 6000.-, zu </div> <div class="para">einer Zahlung von Fr. 30'884.- bis 31. Juli 1994 und einer </div> <div class="para">solchen von Fr. 30'031.55 bis 31. August 1994 verpflichte- </div> <div class="para">te. Die Firma bezahlte am 11. August 1994 den Betrag von </div> <div class="para">Fr. 30'802.30 und leistete in der Folge keine Zahlungen </div> <div class="para">mehr, weshalb die Ausgleichskasse am 22. September 1994 das </div> <div class="para">Begehren auf Fortsetzung der Betreibung stellte. Am 1. März </div> <div class="para">1995 wurde über die Firma der Konkurs eröffnet, in welchen </div> <div class="para">die Ausgleichskasse eine Forderung für ausstehende AHV/IV/ </div> <div class="para">EO/ALV/ FAK-Beiträge von Fr. 174'685.70 eingab, die sie in </div> <div class="para">der Folge auf Fr. 156'169.70 reduzierte. Nach Auflage des </div> <div class="para">Kollokationsplanes durch das Konkursamt X.________ am </div> <div class="para">23. Juni 1995 erliess die Ausgleichskasse am 11. Dezember </div> <div class="para">1995 Schadenersatzverfügungen, mit denen sie O.________, </div> <div class="para">Präsident, und A.________, Mitglied des Verwaltungsrates </div> <div class="para">der konkursiten Firma, unter solidarischer Haftung zur </div> <div class="para">Bezahlung von Schadenersatz für entgangene Sozialversiche- </div> <div class="para">rungsbeiträge in Höhe von Fr. 156'169.70 verpflichtete. Die </div> <div class="para">Betroffenen erhoben hiegegen Einspruch. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Am 6. Februar 1996 reichte die Ausgleichskasse </div> <div class="para">beim Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft </div> <div class="para">Klage ein mit dem Antrag, O.________ und A.________ seien </div> <div class="para">unter solidarischer Haftbarkeit zur Bezahlung von </div> <div class="para">Schadenersatz in der Höhe von Fr. 156'169.70 zu verpflich- </div> <div class="para">ten, unter Anrechnung einer allfälligen Konkursdividende. </div> <div class="para">In der Replik auf die Klageantwort der Beklagten reduzierte </div> <div class="para">die Ausgleichskasse die Schadenersatzforderung auf </div> <div class="para">Fr. 147'561.60, was im Wesentlichen auf eine eingegangene </div> <div class="para">Dividende sowie auf Verlustscheine für Lohnforderungen der </div> <div class="para">Beklagten zurückzuführen war. </div> <div class="para"> Das Versicherungsgericht wies die Klage mit der Be- </div> <div class="para">gründung ab, dass zwar ein Verschulden der Beklagten im </div> <div class="para">Zusammenhang mit den Umständen, die zu den Zahlungsausstän- </div> <div class="para">den geführt hätten, nicht auszuschliessen sei. Es sei je- </div> <div class="para">doch zu berücksichtigen, dass sich die Beklagten mit der </div> <div class="para">Ausgleichskasse in Verbindung gesetzt hätten und diese zu </div> <div class="para">einem Zahlungsaufschub bereit gewesen sei. Dass die Zah- </div> <div class="para">lungsvereinbarung in der Folge nur teilweise eingehalten </div> <div class="para">worden sei, erkläre sich damit, dass die Beklagten durch </div> <div class="para">die von der Kantonalbank verlangte Globalzession praktisch </div> <div class="para">handlungsunfähig geworden seien. Im Übrigen hätten die Be- </div> <div class="para">klagten alles ihnen Mögliche und Zumutbare für die Rettung </div> <div class="para">des Betriebes und damit auch für die Ablieferung der ge- </div> <div class="para">schuldeten Beiträge gemacht. Soweit eine Verletzung der </div> <div class="para">Sorgfaltspflicht vorliege, sei sie als leichte Fahrlässig- </div> <div class="para">keit einzustufen (Entscheid vom 10. März 1999). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Die Ausgleichskasse erhebt Verwaltungsgerichtsbe- </div> <div class="para">schwerde mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung des angefoch- </div> <div class="para">tenen Entscheids seien die Beklagten unter solidarischer </div> <div class="para">Haftung zur Bezahlung von Schadenersatz in Höhe der entgan- </div> <div class="para">genen bundesrechtlichen Beiträge von Fr. 140'749.90 zu ver- </div> <div class="para">pflichten; eventuell sei die Sache zu ergänzender Abklärung </div> <div class="para">und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para"> O.________ und A.________ beantragen Abweisung der </div> <div class="para">Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt für Sozialver- </div> <div class="para">sicherung lässt sich mit dem Antrag auf Gutheissung der Be- </div> <div class="para">schwerde vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Im vorinstanzlichen Entscheid werden die nach </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 52 AHVG</span> und der Rechtsprechung für die Schadener- </div> <div class="para">satzpflicht des Arbeitgebers und seiner Organe geltenden </div> <div class="para">Grundsätze zutreffend dargelegt, sodass darauf verwiesen </div> <div class="para">werden kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Streitig ist, ob die Beschwerdegegner den der Aus- </div> <div class="para">gleichskasse entstandenen Schaden grobfahrlässig verursacht </div> <div class="para">haben, was von der Ausgleichskasse bejaht, vom kantonalen </div> <div class="para">Gericht dagegen verneint wird. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> a) Die Vorinstanz stützt die Abweisung der Klage vorab </div> <div class="para">auf die in AHI 1999 S. 23 ff. (= <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-253%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page253">BGE 124 V 253</a> ff.) und </div> <div class="para">S. 26 ff. veröffentlichte Rechtsprechung zur Bedeutung von </div> <div class="para">Zahlungsvereinbarungen für die Beurteilung der Verschul- </div> <div class="para">densfrage im Rahmen von <span class="artref">Art. 52 AHVG</span>. Danach ändert ein </div> <div class="para">Zahlungsaufschub mit Tilgungsplan an der Widerrechtlichkeit </div> <div class="para">der nicht ordnungsgemässen Bezahlung der Beiträge nichts. </div> <div class="para">Bei der Beurteilung der Frage, ob die verantwortlichen Ar- </div> <div class="para">beitgeberorgane ihren Sorgfaltspflichten im Zusammenhang </div> <div class="para">mit der Einhaltung der Beitragszahlungspflicht nachgekommen </div> <div class="para">sind, ist eine Zahlungsvereinbarung jedoch mit zu berück- </div> <div class="para">sichtigen, soweit dem Beitragspflichtigen damit ein Abwei- </div> <div class="para">chen von den ordentlichen Zahlungsterminen zugestanden wird </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-253%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page255">BGE 124 V 255</a> Erw. 3b). Vorbehalten bleiben Fälle, in wel- </div> <div class="para">chen Zahlungsaufschub beantragt wird, obschon der Beitrags- </div> <div class="para">pflichtige damit rechnen musste, dass die Firma in Konkurs </div> <div class="para">gehen werde und er die Zahlungsvereinbarung nicht werde </div> <div class="para">einhalten können (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-253%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page255">BGE 124 V 255</a> Erw. 4b, AHI 1999 S. 26). </div> <div class="para">Im Übrigen ist davon auszugehen, dass ein Zahlungsaufschub </div> <div class="para">nur gewährt werden darf, sofern sich der Beitragspflichtige </div> <div class="para">zu regelmässigen Abschlagszahlungen verpflichtet, die erste </div> <div class="para">Zahlung sofort leistet und begründete Aussicht besteht, </div> <div class="para">dass die weitern Abschlagszahlungen sowie die laufenden </div> <div class="para">Beiträge fristgemäss entrichtet werden können (Art. 38bis </div> <div class="para">Abs. 1 AHVV). </div> <div class="para"> Im vorliegenden Fall geht aus den Akten hervor, dass </div> <div class="para">die Arbeitgeberfirma sich erst nach einem Beitragsrückstand </div> <div class="para">von sechs Monaten (Dezember 1993 bis Mai 1994) und einge- </div> <div class="para">leiteter Betreibung mit einem Begehren um Zahlungsaufschub </div> <div class="para">bei der Ausgleichskasse gemeldet hat. Mit der Zahlungsver- </div> <div class="para">einbarung vom 1. Juli 1994 hat sich die Firma zu monatli- </div> <div class="para">chen Zahlungen von Fr. 6000.-, einer Zahlung von </div> <div class="para">Fr. 30'884.- (betreffend die Beiträge für Dezember 1993 und </div> <div class="para">Januar 1994 sowie die Schlussabrechnung 1993) bis 31. Juli </div> <div class="para">1994 und einer weiteren Zahlung von Fr. 30'031.55 (betref- </div> <div class="para">fend die Beiträge für Februar und März 1994) bis 31. August </div> <div class="para">1994 verpflichtet. Diesen Verpflichtungen ist die Firma un- </div> <div class="para">bestrittenermassen nur so weit nachgekommen, als sie am </div> <div class="para">11. August 1994 eine Zahlung von Fr. 30'802.30 geleistet </div> <div class="para">hat. Nachdem die Firma die Zahlungsvereinbarung weder hin- </div> <div class="para">sichtlich der ausstehenden noch der laufenden Beiträge ein- </div> <div class="para">gehalten hat, ist der Zahlungsaufschub ohne weiteres dahin- </div> <div class="para">gefallen (<span class="artref">Art. 38bis Abs. 3 AHVV</span>). Die Beschwerdegegner </div> <div class="para">können sich unter diesen Umständen nicht darauf berufen, es </div> <div class="para">sei ihnen ein Abweichen von den ordentlichen Zahlungstermi- </div> <div class="para">nen zugestanden worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz vermag </div> <div class="para">auch die geltend gemachte Globalzession an die Bank zu </div> <div class="para">keiner andern Beurteilung zu führen. Wie die Ausgleichskas- </div> <div class="para">se zu Recht ausführt, stellt die Globalzession für sich </div> <div class="para">allein keinen genügenden Entlastungsgrund dar. Weil die </div> <div class="para">Organe auch bei einer Globalzession grundsätzlich verant- </div> <div class="para">wortlich bleiben, ist jeweils näher zu prüfen, welche </div> <div class="para">Schritte die Organe unternommen haben, um die ordnungsge- </div> <div class="para">mässe Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge sicherzu- </div> <div class="para">stellen. Eine Entlastung der verantwortlichen Organe fällt </div> <div class="para">höchstens dann in Betracht, wenn sie nachzuweisen vermögen, </div> <div class="para">dass sie alles Mögliche und Zumutbare für die Begleichung </div> <div class="para">der Beiträge unternommen haben (nicht veröffentlichte Ur- </div> <div class="para">teile B. vom 16. Juni 1998, H 330/97, A. vom 18. März 1997, </div> <div class="para">H 62/96, und M. vom 17. Februar 1994, H 131/93). </div> <div class="para"> So verhält es sich hier jedoch nicht. Abgesehen davon, </div> <div class="para">dass sich die Beschwerdegegner erstmals anlässlich der vor- </div> <div class="para">instanzlichen Parteiverhandlung vom 10. März 1999 auf eine </div> <div class="para">Globalzession berufen haben (ohne entsprechende Beweise </div> <div class="para">vorzulegen oder auch nur anzugeben, wann diese erfolgt ist, </div> <div class="para">sodass fraglich bleibt, inwieweit zwischen der angeblichen </div> <div class="para">Globalzession und der Nichtbezahlung der Beiträge überhaupt </div> <div class="para">ein Zusammenhang besteht), fehlt es am Nachweis dafür, dass </div> <div class="para">die Beschwerdegegner alles ihnen Mögliche und Zumutbare für </div> <div class="para">die Bezahlung der Beiträge unternommen haben. Die Beschwer- </div> <div class="para">degegner machen nicht geltend, bei der Bank wegen der Be- </div> <div class="para">zahlung der Beiträge vorstellig geworden zu sein oder auf </div> <div class="para">andere Weise für eine ordnungsgemässe Bezahlung der Sozial- </div> <div class="para">versicherungsbeiträge gesorgt zu haben. Dies obschon der </div> <div class="para">beigezogene Firmenberater ausdrücklich darauf aufmerksam </div> <div class="para">gemacht hatte, dass die Sozialversicherungsbeiträge zu be- </div> <div class="para">zahlen seien (Protokoll der Parteiverhandlung vom 10. März </div> <div class="para">1999). Der Firmenberater hatte den Eindruck, dass die Be- </div> <div class="para">schwerdegegner im Rechnungswesen nicht sehr erfahren waren </div> <div class="para">und von Buchhaltung und Revision nicht genügend unterstützt </div> <div class="para">wurden. Auch zeigte sich, dass die finanzielle Lage der </div> <div class="para">Firma wesentlich schlechter war, als zunächst angenommen </div> <div class="para">wurde. Daraus muss aber geschlossen werden, dass sich die </div> <div class="para">Beschwerdegegner nicht rechtzeitig genug und hinreichend </div> <div class="para">selber um den Geschäftsgang und die ordnungsgemässe Erfül- </div> <div class="para">lung der Verbindlichkeiten, insbesondere derjenigen gegen- </div> <div class="para">über der Ausgleichskasse gekümmert haben. Sie haben damit </div> <div class="para">gegen ihre Obliegenheiten als verantwortliche Organe der </div> <div class="para">Gesellschaft verstossen, was ihnen als grobfahrlässiges </div> <div class="para">Verschulden anzurechnen ist, zumal es sich bei der Firma </div> <div class="para">H.________ AG um einen kleineren Betrieb mit einer </div> <div class="para">einfachen Organisationsstruktur handelte, weshalb an die </div> <div class="para">Sorgfaltspflicht der verantwortlichen Organe strenge </div> <div class="para">Anforderungen zu stellen sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F108-V-199%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page203">BGE 108 V 203</a> Erw. 3b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Die Vorinstanz hat eine Haftung der Beschwerdegeg- </div> <div class="para">ner auch im Lichte der von der Rechtsprechung anerkannten </div> <div class="para">Rechtfertigungs- und Exkulpationsgründe verneint. Danach </div> <div class="para">lässt sich die Nichtbezahlung der Beiträge ausnahmsweise </div> <div class="para">rechtfertigen, wenn sie im Hinblick auf eine nicht zum </div> <div class="para">Vornherein aussichtslose Rettung des Betriebes durch Be- </div> <div class="para">friedigung lebenswichtiger Forderungen in der begründeten </div> <div class="para">Meinung erfolgt, die geschuldeten Beiträge später ebenfalls </div> <div class="para">bezahlen zu können. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber </div> <div class="para">im Zeitpunkt, in welchem die Zahlungen erfolgen sollten, </div> <div class="para">nach den Umständen damit rechnen durfte, dass er die Bei- </div> <div class="para">tragsschuld innert nützlicher Frist werde tilgen können </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F108-V-183%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page188">BGE 108 V 188</a>, bestätigt in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-243%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page243">BGE 121 V 243</a>). </div> <div class="para"> Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall nicht </div> <div class="para">erfüllt. Aus den Angaben der Beschwerdegegner in der Klage- </div> <div class="para">antwort vom 28. März 1996 geht zwar hervor, dass bis Ende </div> <div class="para">Oktober 1994 ein Sanierungskonzept durchgeführt wurde, wel- </div> <div class="para">ches organisatorisch darin bestand, keine Neubauaufträge </div> <div class="para">mehr anzunehmen und den Betrieb auf Service- und Sanie- </div> <div class="para">rungsarbeiten zu beschränken, womit ein Personalabbau ver- </div> <div class="para">bunden war. Die finanzielle Sanierung sollte über einen </div> <div class="para">Beteiligungs- oder Übernahmepartner erfolgen; entsprechende </div> <div class="para">Verhandlungen mit einer französischen Firma waren Ende 1994 </div> <div class="para">im Gange, scheiterten in der Folge jedoch. Für die Beurtei- </div> <div class="para">lung, ob Exkulpations- oder Rechtfertigungsgründe vorlie- </div> <div class="para">gen, ist jedoch nicht entscheidend, ob Sanierungsbemühungen </div> <div class="para">stattfanden und ob in der fraglichen Zeit noch mit einer </div> <div class="para">Sanierung des Unternehmens gerechnet werden konnte, sondern </div> <div class="para">ob ernsthafte und objektive Gründe zur Annahme berechtig- </div> <div class="para">ten, dass - bei vorübergehender Nichtbezahlung der Sozial- </div> <div class="para">versicherungsbeiträge - Aussicht auf eine baldige Sanierung </div> <div class="para">des Unternehmens bestand und deshalb damit gerechnet werden </div> <div class="para">durfte, dass die Forderungen der Ausgleichskasse innert </div> <div class="para">nützlicher Frist beglichen werden könnten. Solche Gründe </div> <div class="para">lagen indessen nicht vor und werden von den Beschwerde- </div> <div class="para">gegnern auch nicht geltend gemacht. Die Äusserung des </div> <div class="para">Firmenberaters anlässlich der vorinstanzlichen Partei- </div> <div class="para">verhandlung, wonach er auf die Lohn- und Beitragszahlungs- </div> <div class="para">pflicht aufmerksam gemacht habe und nicht wisse, warum </div> <div class="para">nicht bezahlt worden sei, lässt darauf schliessen, dass </div> <div class="para">noch liquide Mittel vorhanden waren, diese jedoch für die </div> <div class="para">Begleichung anderer Verbindlichkeiten verwendet wurden. Die </div> <div class="para">Beschwerdegegner behaupten jedenfalls nicht, sie hätten die </div> <div class="para">Beiträge bewusst nicht bezahlt, um dadurch den Betrieb auf- </div> <div class="para">rechtzuerhalten. Zur Annahme bloss vorübergehender Zah- </div> <div class="para">lungsschwierigkeiten, welche durch das Nichtbezahlen der </div> <div class="para">Sozialversicherungsbeiträge überbrückt werden konnten, be- </div> <div class="para">stand umso weniger Anlass, als das Unternehmen trotz erheb- </div> <div class="para">licher neuer Mittel, welche ihm im Jahre 1993 zugeführt </div> <div class="para">worden waren, in der fraglichen Zeit in hohem Mass ver- </div> <div class="para">schuldet war und erhebliche weitere Zahlungsrückstände </div> <div class="para">(Steuern, Prämien der obligatorischen Unfallversicherung) </div> <div class="para">vorlagen. Dem vorinstanzlichen Entscheid kann daher auch in </div> <div class="para">diesem Punkt nicht gefolgt werden. </div> <div class="para"> 3.- Nicht bestritten und aufgrund der Akten ausgewie- </div> <div class="para">sen ist der aus der Nichtbezahlung von Beiträgen der Aus- </div> <div class="para">gleichskasse entstandene Schaden, welcher sich gemäss der </div> <div class="para">Replik der Ausgleichskasse vom 20. August 1996 auf </div> <div class="para">Fr. 147'561.60 beläuft, wovon Fr. 140'749.90 auf bundes- </div> <div class="para">rechtliche Sozialversicherungsbeiträge, einschliesslich </div> <div class="para">Verwaltungskosten, Verzugszins und Betreibungskosten, ent- </div> <div class="para">fallen. Unbestritten ist des Weitern, dass die Schadener- </div> <div class="para">satzverfügung rechtzeitig innert der Verwirkungsfristen von </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 82 Abs. 1 AHVV</span> erfolgt ist. Schliesslich bestreiten </div> <div class="para">die Beschwerdegegner ihre Organstellung in der konkursiten </div> <div class="para">Gesellschaft während der fraglichen Zeit nicht. Zu bejahen </div> <div class="para">ist auch der adäquate Kausalzusammenhang zwischen ihrem </div> <div class="para">pflichtwidrigen Verhalten und dem eingetretenen Schaden. </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird</i> </div> <div class="para"> der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons </div> <div class="para"> Basel-Landschaft vom 10. März 1999 aufgehoben, und es </div> <div class="para"> werden die Beschwerdegegner in teilweiser Gutheissung </div> <div class="para"> der Klage der Ausgleichskasse Promea vom 6. Februar </div> <div class="para"> 1996 zur Bezahlung von Schadenersatz in Höhe von </div> <div class="para"> Fr. 140'749.90 unter solidarischer Haftbarkeit der Be- </div> <div class="para"> troffenen verpflichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. Die Gerichtskosten von Fr. 5500.- werden den Be-</i> </div> <div class="para"> schwerdegegnern auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>III. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 5500.- wird der</i> </div> <div class="para"> Ausgleichskasse Promea zurückerstattet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>IV. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsge-</i> </div> <div class="para"> richt des Kantons Basel-Landschaft und dem Bundesamt </div> <div class="para"> für Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 19. Januar 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der II. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>