ALV 200 2024 822 JAP/PES/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 22. Mai 2025 Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Frey, Verwaltungsrichterin Wiedmer Gerichtsschreiber Peter A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ und Rechtsanwalt Dr. iur. C.________ Beschwerdeführer gegen Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern Rechtsdienst, Lagerhausweg 10, 3018 Bern Beschwerdegegner betreffend Einspracheentscheid vom 7. November 2024 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -2- Sachverhalt: A. Ab Juni 2016 figurierte der 1987 geborene A.________ (nachfolgend Ver- sicherter bzw. Beschwerdeführer) als Mitglied der Geschäftsleitung sowie als Mitglied – bzw. zwischen September und Dezember 2022 als Präsi- dent – des Verwaltungsrates der D.________ AG (nachfolgend Gesell- schaft) im Handelsregister (vgl. SHAB-Publikationen vom TT. Juni 2016, TT. September 2022 und TT. Januar 2023; Dossier Arbeitslosenkasse Bern [act. II] 19 [pag. 155-157]). Ab 10. Januar 2023 übernahm er den Vorsitz der Geschäftsleitung (vgl. SHAB-Publikation vom TT. Januar 2023; act. II 19 [pag. 155-157]), wobei er mit der Gesellschaft einen schriftlichen Ar- beitsvertrag für die Funktion als Chief Executive Officer (CEO) mit einem Beschäftigungsgrad von 90 % abschloss (act. II 29 [pag. 209-213]). Nach- dem der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 15. August 2023 seinen Rücktritt als Mitglied des Verwaltungsrates und Vorsitzender der Ge- schäftsleitung erklärt hatte, interpretierte dies die Gesellschaft als fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses, wogegen dieses nach Ansicht des Beschwerdeführers fortbestanden haben soll (vgl. act. II 22 [pag. 163 f.], 23 [pag. 166]). Am 13. September 2023 meldete sich der Versicherte beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Bern Zentrum zur Arbeits- vermittlung an (vgl. act. II 12 [pag. 142], 13 [pag. 143]; Dossier RAV-Region Bern Mittelland [act. IIA] pag. 1, 23 f., 33, 40) und erklärte im Rahmen der Korrespondenz gegenüber dem RAV – unter Hinweis auf die arbeitsrecht- liche Streitigkeit –, die Anmeldung beim RAV erfolge lediglich als Vor- sichtsmassnahme (act. II 16 [pag. 147 f.]; act. IIA pag. 4, 25 f.). Nach zwei Beratungsgesprächen vom 26. September und 21. November 2023 (act. II 6 [pag. 25 f.]; act. IIA pag. 1 f.) meldete sich der Versicherte am 30. Januar 2024 von der Arbeitsvermittlung ab (act. II 17 [pag. 150], 13 [pag. 143]; act. IIA pag. 1, 3). Am 29. Juli 2024 stellte der Beschwerdeführer Antrag auf Arbeitslosenent- schädigung ab 16. August 2023 (act. II 18 [pag. 151-154]) und forderte mit Schreiben vom 7. August 2024 (act. II 25 [pag. 187-200]) die rückwirkende Entrichtung der Arbeitslosenentschädigung seit dem 16. August 2023, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -3- eventualiter seit dem 18. September 2023 (pag. 197). Mit Verfügung vom 22. August 2024 (act. II 10 [pag. 137-139]) lehnte die Arbeitslosenkasse des Kantons Bern einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 13. September 2023 mit der Begründung ab, der Versicherte habe bis zum Ablauf der dreimonatigen Einreichefrist am 31. Dezember 2023 keinen An- trag auf Arbeitslosenentschädigung gestellt. Daran hielt das Amt für Ar- beitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst (nachfolgend AVA bzw. Beschwerdegegner), auf Einsprache hin (act. II 8 [pag. 30-50]) mit Entscheid vom 7. November 2024 (act. II 1 [pag. 2-7]) fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid (act. II 1 [pag. 2-7]) erhob der Versi- cherte, vertreten durch die Rechtsanwälte B.________ und Dr. iur. C.________, am 9. Dezember 2024 Beschwerde mit den Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Arbeitslosenentschä- digung sei rückwirkend für den Zeitraum vom 16. August 2023 bis zum 31. August 2024 zu entrichten. Eventualiter sie der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Verwaltung zurück- zuweisen – unter Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdegegners. Mit Beschwerdeantwort vom 19. Dezember 2024 schloss der Beschwerde- gegner auf Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 4. Februar 2025 nahm der Beschwerdeführer zur Be- schwerdeantwort punktuell Stellung, wobei er betreffend Rechtsbegehren auf die Beschwerde verwies. Mit prozessleitender Verfügung vom 5. Februar 2025 ersuchte das Verwal- tungsgericht den Beschwerdegegner, sich im Rahmen einer Duplik auch hinsichtlich des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung in der Zeit von 16. August bis 12. September 2023 zu äussern und das Dossier des RAV Bern Zentrum nachzureichen. Mit Eingabe vom 12. Februar 2025 kam der Beschwerdegegner dem Ersu- chen nach und bestätigte den Antrag auf Abweisung.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -4- Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 der Verordnung vom 31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmun- gen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist der Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 7. November 2024 (act. II 1 [pag. 2-7]). Mit dem angefochtenen Ent- scheid bestätigte der Beschwerdegegner die Verfügung vom 22. August 2024 (act. II 10 [pag. 137-139]), welche einen Anspruch auf Arbeitslosen- entschädigung ab 13. September 2023 verneinte. Damit liegt der prinzipali- ter beantragte Anspruch (Beschwerde S. 4 Ziff. I Ziff. 1), soweit die Zeit zwischen 16. August und 12. September 2023 betreffend, ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes. Indes rechtfertigt sich eine diesbezügliche Ausdehnung des Anfechtungsgegenstandes, ist doch von einer Tatbe- standsgesamtheit auszugehen und konnte sich die Verwaltung zu diesem spruchreifen (liquiden) Aspekt im Rahmen der Duplik (S. 2 Ziff. III Art. 1) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -5- äussern (vgl. BGE 130 V 501 E. 1.2 S. 503, 122 V 34 E. 2a S. 36; SVR 2012 IV Nr. 35 S. 136, 9C_678/2011 E. 3.1). Streitig und zu prüfen ist folg- lich der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 16. August 2023 bis 31. August 2024. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Im Bereich des Arbeitslosenversicherungsrechts gilt – wie generell im Sozialversicherungsrecht – das Anmeldeprinzip (vgl. Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 29 ATSG; vgl. dazu BGE 149 V 177 E. 4.6 S. 182 mit weiteren Hinweisen). Wer Arbeitslosenentschädigung beansprucht, muss sich beim zuständigen RAV anmelden (vgl. Art. 17 Abs. 2bis i.V.m. Art. 85b AVIG) und die Ansprüche bei einer frei wählbaren Arbeitslosenkasse geltend machen (Art. 20 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 29 AVIV). Die arbeitssuchende Person gilt erst dann als ganz oder teilweise arbeitslos, wenn sie sich zur Arbeitsver- mittlung angemeldet hat (Art. 10 Abs. 3 AVIG). Der Anspruch auf Arbeitslo- senentschädigung erlischt, wenn er nicht innert dreier Monate nach dem Ende der Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht wird (Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG; vgl. dazu Staatssekretariat für Wirtschaft [SECO], AVIG-Praxis ALE, C192 [<www.arbeit.swiss>, unter: Publikatio- nen/Weisungen/AVIG-Praxis]). Die Dreimonatsfrist in Art. 20 Abs. 3 AVIG ist eine Verwirkungsfrist, d.h. nicht bloss eine Ordnungsvorschrift, sondern zwingend. Als entschuldbarer Grund für die Wiederherstellung der Frist kann der Schutz des guten Glaubens der versicherten Person erachtet werden, insbesondere wenn eine von der zuständigen Amtsstelle falsch erteilte Auskunft zur Nichteinhaltung der Frist geführt hat. Die versicherte Person muss von der Verwaltung unmissverständlich und ausdrücklich auf die Verwirkungsfolge bei verspäteter Geltendmachung des Anspruchs hin- gewiesen werden (vgl. BARBARA KUPFER BUCHER, Rechtsprechung des Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -6- Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl. 2019, Art. 20 S. 145 f.; BORIS RUBIN, Commentaire de la loi sur l’assurance-chômage, 2014, Art. 20 N. 1 und 15 ff. ; ders., L’obligation de renseigner et de conseiller dans le domaine de l’assurance-chômage, in: ARV 2008 S. 104). 2.2Die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen sind verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeitsbe- reiches die interessierten Personen über ihre Rechte und Pflichten aufzu- klären (Art. 27 Abs. 1 ATSG). Diese Bestimmung stipuliert eine allgemeine und permanente Aufklärungspflicht der Versicherungsträger und Durch- führungsorgane, die nicht erst auf persönliches Verlangen der interessier- ten Person zu erfolgen hat, und die hauptsächlich durch die Abgabe von Informationsbroschüren, Merkblättern und Wegleitungen erfüllt wird (BGE 131 V 472 E. 4.1 S. 476; SVR 2012 ALV Nr. 3 S. 5, 8C_332/2011 E. 5.1.1). Zu den Trägern und Durchführungsorganen der Sozialversicherung zählen alle organisatorischen Einheiten, welche einen Sozialversicherungszweig durchführen bzw. betreiben und auf deren Verfahren das ATSG anwendbar ist (vgl. MEYER/EGLI, in: KIESER/KRADOLFER/LENDFERS [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts ATSG, 5. Aufl. 2024, Art. 30 N. 18). Die Aufklärungs- und Bera- tungspflicht ist im Zweig der Arbeitslosenversicherung in dem Sinne segre- giert, als sie sich auf den spezifischen Zuständigkeitsbereich der jeweiligen Durchführungsstellen beschränkt (Art. 22 Abs. 3 AVIV; vgl. SECO, AVIG- Praxis ALE, B345e). Die Abklärung der Anspruchsberechtigung fällt in die Zuständigkeit der Arbeitslosenkassen, soweit diese Aufgabe nicht aus- drücklich einer anderen Stelle vorbehalten ist (Art. 81 Abs. 1 lit. a AVIG). 3. 3.1Es ist zwischen den Parteien zu Recht unbestritten (Beschwerde Rz. 13 und 16 f.; Beschwerdeantwort S. 2 Ziff. III Art. 1), dass sich der Be- schwerdeführer am 13. September 2023 elektronisch (vgl. dazu Art. 83 Abs. 1bis lit. d AVIG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 AVIV; vgl. SECO, AVIG-Praxis ALE, B329) zur Arbeitsvermittlung anmeldete (vgl. act. II 12 [pag. 142], 13 [pag. 143]; act. IIA pag. 1, 23 f., 33, 40), jedoch erst am 29. Juli 2024 (und Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -7- damit nach seiner Abmeldung von der Arbeitsvermittlung per 30. Januar 2024; vgl. act. II 17 [pag. 150], 13 [pag. 143]; act. IIA pag. 1, 3) Antrag auf Arbeitslosenentschädigung stellte (act. II 18 [pag. 151-154]). Damit ist der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung grundsätzlich verwirkt. Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer aus dem Grundsatz von Treu und Glau- ben dennoch eine Arbeitslosenentschädigung zuzusprechen ist. 3.2In concreto hat das RAV dem Beschwerdeführer nicht etwa geraten, er müsse den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung erst nach Beendigung des arbeitsrechtlichen Rechtsstreits einreichen (vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_106/2007 vom 24. Oktober 2007 E. 4.2), vielmehr macht er geltend, das RAV hätte es unterlassen, ihn dahingehend zu bera- ten, dass er trotz der Zivilstreitigkeit um das Bestehen des Arbeitsverhält- nisses gestützt auf Art. 29 AVIG einen Anspruch auf Arbeitslosenentschä- digung zu beantragen habe (Beschwerde Rz. 15). 3.2.1Der Beschwerdeführer wurde mit E-Mail vom 14. September 2023 (act. II 12 [pag. 142]; act. IIA pag. 40) per Link auf den "Leitfaden für Versi- cherte Arbeitslosigkeit" (act. II 9 [pag. 106-129]; <www.arbeit.swiss>, unter: Publikationen/Broschüren und Flyer/Info-Service und Merkblätter für Stel- lensuchende) hingewiesen. In dieser Broschüre werden die verschiedenen Aufgaben der Vollzugsstellen RAV, Arbeitslosenkasse (ALK) und kantonale Amtsstelle (KAST) umschrieben. Dabei wird insbesondere aufgezeigt, dass die von der versicherten Person gewählte Arbeitslosenkasse für die Ab- klärung der Anspruchsberechtigung zuständig ist (S. 8). Zudem wird darge- legt, dass die versicherte Person nach der Anmeldung beim RAV eine Ar- beitslosenkasse auszuwählen hat, welche Unterlagen die gewählte Arbeits- losenkasse benötigt und dass Ansprüche, die nicht innert drei Monaten geltend gemacht werden, verfallen (S. 12). Der Beschwerdeführer unterzeichnete am 18. September 2023 das ausge- füllte Dokument "Ihre Vorbereitung auf das erste Beratungsgespräch" (act. IIA pag. 38). In diesem Dokument wurde er explizit aufgefordert, die Broschüre "Kundeninformation" sorgfältig durchzulesen und sich allfällige Fragen zu notieren. Diese vom AVA herausgegebene Broschüre (<www.weu.be.ch>, unter: Beim RAV anmelden/Weitere Informationen) enthält wiederum den Hinweis "Bei konkreten Fragen zu Ihrem persönli-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -8- chen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung wenden Sie sich an Ihre Arbeitslosenkasse" (S. 7). Selbst wenn dies für den Beschwerdeführer nicht klar gewesen sein sollte (vgl. Replik Rz. 92 lit. b), änderte dies nichts. Denn gemäss RAV-Ver- laufsprotokoll (act. II 13 [pag. 143 f.]; act. IIA pag. 1 f.) erklärte die Perso- nalberaterin dem Beschwerdeführer anlässlich des ersten Beratungsge- sprächs vom 26. September 2023 nochmals die verschiedenen Rollen der ALK bzw. des RAV und informierte ihn bezüglich "Einreichen der Unterla- gen an die ALK". Im zweiten Beratungsgespräch vom 21. November 2023 wurde der Beschwerdeführer von der Personalberaterin abermals darauf aufmerksam gemacht, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung von der Arbeitslosenkasse nicht geprüft werde, solange er dieser keine Unterlagen einreiche (act. II 13 [pag. 143 f.]; act. IIA pag. 1 f.). 3.2.2Nach dem Dargelegten (vgl. E. 3.2.1 hiervor) musste dem Be- schwerdeführer ohne weiteres bewusst sein, dass er sich bezüglich sämtli- cher Fragen rund um das Thema Arbeitslosenentschädigung an die hierfür zuständige Arbeitslosenkasse zu wenden hat und ein allfälliger Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bei nicht rechtzeitiger Anmeldung verwirkt. Angesichts der klar festgelegten und kommunizierten Rollenteilung konnte er von der hierfür unzuständigen RAV-Beraterin nicht erwarten, dass diese die spezifische Ausgangslage des Beschwerdeführers (rechtshängige Ar- beitsstreitigkeit) in Bezug auf die Arbeitslosenentschädigung rechtlich kor- rekt einordnet und überhaupt in Betracht zieht, dass der sachliche Anwen- dungsbereich der Sonderregel von Art. 29 AVIG (vgl. SECO, AVIG-Praxis ALE, C198 ff.) betroffen sein könnte (vgl. Beschwerde Rz. 30, 35, 40). Wenngleich der Zweig der Arbeitslosenversicherung gemäss Beschwerde- führer als "ganzheitliches Sozialkonstrukt" aufzufassen ist (vgl. Beschwerde Rz. 28), kann daraus nicht geschlossen werden, dass sämtliche Mitarbei- tenden der verschiedenen Vollzugsstellen für jedwede in Betracht fallende rechtliche Fragestellung geschult sein müssen, um spezifische Sachver- haltskonstellationen von sich aus zu erkennen und rechtlich korrekt einzu- ordnen (vgl. Replik Rz. 88). Wie der Beschwerdegegner zutreffend auf- gezeigt hat (Beschwerdeantwort S. 3 Ziff. III Art. 3), wäre dies angesichts der verschiedenen Leistungsansprüche (Arbeitslosenentschädigung, Kurz-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -9- arbeitsentschädigung, Schlechtwetterentschädigung, Insolvenzentschädi- gung) sowie der entsprechenden Kompetenzabgrenzungen beim Vollzug des Versicherungszweiges faktisch denn auch kaum machbar. Allemal genügt es, dass die leistungsansprechenden Personen hinreichend über die Rollenteilungen der für den Vollzug involvierten Organisationseinheiten transparent informiert werden und für allfällige Anfragen so an die zustän- dige Stelle weiterverwiesen werden können. Die Aufklärungspflicht kann gemäss Rechtsprechung denn auch durch die Abgabe von Informations- broschüren erfüllt werden (vgl. E. 2.2 hiervor). Dass in den Broschüren nicht explizit auf die Sonderregel von Art. 29 AVIG hingewiesen wird (vgl. Beschwerde Rz. 64), ist dabei unschädlich, hätte die hierfür kompetente Arbeitslosenkasse den Beschwerdeführer doch darüber beraten können, soweit er sich an die Empfehlung der Personalberaterin gehalten hätte, die entsprechenden Unterlagen bei der Arbeitslosenkasse einzureichen. 3.3Nach dem Dargelegten wurde weder die Beratungspflicht verletzt, noch besteht ein Vertrauensschutz, konnte der Beschwerdeführer aufgrund der klaren Information über die Rollenverteilung von RAV und ALK die Per- sonalberaterin doch nicht als zuständig für die als fehlend gerügte Informa- tion betreffend die Sonderregel von Art. 29 AVIG erachten, womit es bereits an der Vertrauensgrundlage fehlt (vgl. Beschwerde Rz. 45, 47). 3.4Eine "Weiterleitung des Falles" vom RAV an die ALK (vgl. Be- schwerde Rz. 15 und 49) war sodann weder zwingend noch opportun. Zwar dürfen die RAV (Art. 10a Abs. 2 lit. a der kantonalen Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion [Organisationsverordnung WEU, OrV WEU; BSG 152.221.111]) den Arbeitslosenkassen Personendaten, die sie im Einzelfall für die Abklärung von Leistungsansprüchen benötigen, bekannt geben (vgl. Art. 14 Abs. 1 lit. c des kantonalen Arbeitsmarktgesetzes vom 23. Juni 2003 [AMB; BSG 836.11]; Leitfaden des SECO zur Bearbeitung von Personendaten in den Bereichen AVIG und AVG [Datenschutzleitfaden AVIG/AVG], abrufbar unter <www.arbeit.swiss>, unter: Publikationen/Wei- sungen/AVIG-Praxis), sie sind jedoch – abgesehen von Weiterleitungskon- stellationen im Sinne von Art. 29 Abs. 3 und Art. 30 ATSG (vgl. auch SE- CO, AVIG-Praxis ALE, E62) – selbstredend nicht gehalten, von sich aus im Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -10- Hinblick auf eine allfällige erst künftige Geltendmachung eines Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung der Arbeitslosenkasse Unterlagen zukom- men zu lassen. Ferner lagen dem RAV die zur Anspruchsprüfung durch die ALK erforderlichen Dokumente gar nicht vor (vgl. SECO, AVIG-Praxis ALE, C201; Beschwerdeantwort S. 3 Ziff. III Art. 3). Weil die RAV- Personalberaterin auch nicht erkennen musste, dass es sich in Bezug auf einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung allenfalls um einen "Zwei- felsfall" handelt, bestand von vornherein auch keine Meldepflicht gegenü- ber der KAST (vgl. Beschwerde Rz. 49). 3.5Dass die RAV-Personalberaterin den Beschwerdeführer gedrängt hätte, sich von der Arbeitsvermittlung abzumelden (Beschwerde Rz. 37, 69), lässt sich dem RAV-Verlaufsprotokoll (act. II 13 [pag. 143 f.]; act. IIA pag. 1 f.) nicht entnehmen (vgl. Beschwerdeantwort S. 4 Ziff. III Art. 3). Die Frage dürfte vielmehr im Rahmen der fehlenden Bereitschaft des Be- schwerdeführers, sich um eine neue/andere Stelle zu bemühen (act. II 4 [pag. 20], 13 [pag. 143 f.]; act. IIA pag. 1 f. und 4) und seines fehlenden Willens, sich bei der Arbeitslosenkasse anzumelden (act. II 4 [pag. 20], 13 [pag. 143]; act. IIA pag. 1 f.), aufgekommen sein, da beides Grundvor- aussetzungen für einen allfälligen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung sind (siehe Art. 8 Abs. 1 lit. f i.V.m. Art. 15 AVIG sowie E. 2.1 hiervor) und eine Anmeldung bei der Arbeitsvermittlung bei einer diesbezüglichen Wei- gerung keinen Sinn macht. 4. Der angefochtene Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 7. November 2024 (act. II 1 [pag. 2-7]) ist nach dem Dargelegten nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, ALV 200 2024 822 -11- 5. 5.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. f bis ATSG (Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 5.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Um- kehrschluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ und Rechtsanwalt Dr. iur. C.________ z.H. des Beschwerdeführers - Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst - Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.