B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2106/2013/was U r t e i l v o m 5 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Russland, vertreten durch Daniel Weber, Fürsprecher, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. März 2013 / N (…). D-2106/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die aus B._______ in Tschetschenien stammende Beschwerdeführe- rin verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im Februar 2001 und lebte fortan in der Stadt C._______ in der russischen Republik D._______. Am (…) Oktober 2006 reiste sie auf dem Luftweg von E._______ mit einem Touristenvisum legal in die Schweiz ein, wo sie am 18. Oktober 2006 um Asyl nachsuchte. A.b Zur Begründung des Gesuchs machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie habe in der Ki nderklinik in F._______ als (…) gearbeitet; ihr Ehemann sei als (…) am selben Spital tätig gewesen. Während des zweiten Tschetschenienkrieges hätten sie verletzte Wide r- standskämpfer operiert, ihre Krankheitsgeschichten verfälscht und sie als Zivilisten zur weiteren Behandlung nach G._______ oder H._______ ge- schickt. Sie hätten am Ort der Kämpfe auch provisorische Krankenlager eingerichtet. Jemand habe sie verraten, und im Januar 2001 seien Mas- kierte bei ihnen zu Hause eingedrungen und hätten sie und ihren Mann unter Misshandlungen in ein Lager gebracht. Nach den Verhören hätten die russischen Offiziere sie vergewaltigt. Sie sei im dritten Monat schwanger gewesen und habe aufgrund der Schläge und der Vergewalti- gungen mehrmals das Bewusstsein verloren. Nach einigen Tagen hätten Verwandte sie freigekauft. Ihr Ehemann sei umgebracht worden . Nach der Freilassung habe sie zunächst bei ihrer Schwester in B._______ ge- wohnt, wo sie eine Fehlgeburt erlitten habe. Ihre Verwandten hätten dann ihre Ausreise nach C._______ zu einem befreundeten Ehepaar organi- siert. Im April 2001 habe sie sich in C._______ gegen Bestechungsgeld einen echten Reisepass ausstellen lassen . Von September 2002 bis April 2003 sei sie in C._______ provisorisch registriert gewesen. Sie habe dort in ständiger Angst gelebt und häufig ihren Wohnort gewechselt. Durch die Vermittlung des befreundeten Ehepaars habe sie eine Anstellung als (…) in einer Ambulanz -Station erhalten, von der aus Verletzte in die Spitäler gebracht worden seien. Dort sei sie bi s am (…) August 2006 illegal tätig gewesen. Am (…) August 2006 sei sie im Rahmen einer Routinekontrolle von Tschetschenen an ihrem Wohnort in C._______ verhaftet und zur Ident i- tätsabklärung auf einen Polizeiposten gebracht worden. Dort habe man ihr Fotos ihrer ehemaligen Ärztekollegen während des Tschetschenie n-D-2106/2013 Seite 3 krieges vorgehalten und sie gefragt, ob sie die darauf abgebildeten Leute kenne, weshalb sie Tschetschenien verlassen und warum sie keine Re- gistrierung habe. Die Leute der "speziellen Dienste" , welche sie tagsüber verhörten, hätten ihr mitgeteilt, sie würden eine Anfrage nach Tsche- tschenien schicken. In der ersten Nacht sei sie in einer Zelle von zwei Aufsehern vergewaltigt worden, in der zweiten Nacht von einem Aufseher. Am (…) September 2006 habe ma n sie unter der Auflage freigelassen, die Stadt C._______ nicht zu verlassen, solange die Anfrage in Tsche- tschenien pendent sei. Die Vergewaltigungen habe sie nicht angezeigt, weil sie dadurch als Tschetschenin nur noch mehr Probleme bekommen hätte und weil die Täter sie eingeschüchtert hätten. Ihre Schwestern hät- ten darauf bestanden, dass sie das Land verlasse; mit Hilfe von Freunden sei sie dieser Aufforderung nachgekommen. Ihre Mutter sei nach ihrer Ausreise zusammengeschlagen worden und verstorben. A.c Das BFM stellte mit Verfügung vom 8. Februar 2007 fest, die B e- schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung der Beschwe r- deführerin aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Z ur Begründung führte die Vorinstanz aus, die Vorbringen hielten weder den Anforderu n- gen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) noch denjenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG stand. Das Bundesverwaltungsgericht wies die ge- gen diesen Entscheid am 12. März 2007 erhobene Beschwerde mit Urteil D-1837/2007 vom 2. Dezember 2010 vollumfänglich ab. A.d Seit dem 5. Januar 2011 war der Aufenthaltsort der Beschwerde füh- rerin behördlich nicht mehr bekannt. B. B.a Am 13. Mai 2011 stellte die Beschwerdeführerin in der Schweiz ein zweites Asylgesuch. Dazu wurde sie am 20. Mai 2011 summarisch b e- fragt und am 3. August 2011 einlässlich angehört. Sie legte dar, die Schweiz am (…) Januar 2011 verlassen zu haben und zu ihrer Schwester nach B._______ (Tschetschenien) gereist zu sein, wo sie am (…) Februar 2011 eingetroffen und unter der Adresse ei nes Cousins offiziell angemel- det gewesen sei. Am (…) April 2011 habe sie ihren neuen Reisepass bei der zuständigen Behörde abgeholt . Am Abend desselben Tages hätten Angehörige von Kadirov an der Adresse des Cousins während ihrer A b- wesenheit vorgesprochen, das Haus durchsucht und unter Drohungen D-2106/2013 Seite 4 nach ihr gefragt. Aufgrund der dargelegten Situation sei sie (…) Mai 2011 erneut aus Russland geflohen. B.b Mit Verfügung vom 11. August 2011 trat das BFM auf das zweite Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 13. Mai 2011 gestützt auf aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Weg weisungsvollzug an . Das BFM erwog, aus den Akten ergäben sich keine Hinweise darauf, es seien nach dem Ab - schluss des ersten Verfahrens Ereignisse eingetre ten, die geeignet w ä- ren, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder Relevanz für die G e- währung vorübergehenden Schutzes zu entfalten . Namentlich die angeb- liche Rückkehr ins Heimatland nach dem ers ten Asylverfahren könne aufgrund unsubstanziierter Aussagen nicht geglaubt werden. Bereits des- halb s ei die nach der angeblich en Rückkehr in Tschetschenien erlittene Verfolgung haltlos. Überdies würden die neuen Vorbringen der angeblich ins Heimatland zurückgekehrten Beschwerdeführerin mit ihren bereits im ersten Asylverfahren vorgetragenen Asylgründen eng zusammenh ängen. Besagte Vorbringen seien indes für un glaubhaft erachtet worden . Den Vollzug in den Heimatstaat bezeichnete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. B.c Mit Eingabe ihrer Rechtsver tretung vom 19. August 2011 focht die Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Verfügung beim B undesverwal- tungsgericht an . Sie beantragte die Aufhebung des angefochtenen En t- scheids verbunden mit der Anweisung des Bundesamtes, auf ihr Gesuch einzutreten, und in pro zessualer Hin sicht die unent geltliche Pro zess- führung samt Entbind ung von der Vor schusspflicht (Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]). Sie machte geltend, dass sie entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen in ihr Heimatland zurückgekehrt sei. Den Reiseweg habe sie hinreichend substanziiert dargelegt. Das BFM habe ihren bereits in Kopie als Beweismittel eingereichten Inland pass nicht gewürdigt und ihre Au s- sagen zu Unrecht für nicht glaubhaft erachte t. Gemäss dem erwähnten Dokument sei sie am (…) April 2011 tatsächlich in Tschetschenien gewe- sen. Die Leute von Kadirov hätten erneut nach ihr gesucht, womit sie eine asylrelevante Verfolgung zu gewärtigen habe . Die Beschwerdeführerin reichte verschiedene Beweismittel ein (vgl. S. 9 der Beschwerdeschrift vom 19. August 2011). D-2106/2013 Seite 5 B.d Am 25. August 2011 gab die Beschwerdeführerin ihren Inlandpass und zwei weitere Be weismittel samt Be gleitschreiben ihrer Rechtsvertr e- tung sowie eine Kostennote zu den Akten. B.e In der Vernehmlassung vom 5. September 20 11 hielt das BFM fest, der nun plötzlich aufgetauchte Inlandpass ver möge die persönliche A n- wesenheit der Beschwerdeführerin bei des sen Ausstellung nicht hinre i- chend zu belegen. Gewisse dortige Einträge würden nicht mit einem frü- heren Inlandpass der Be schwerdeführerin übereins timmen. Im Übrigen habe si e nicht plausibel machen können, weshalb sie freiwillig nach Tschetschenien, wo sie angeblich ver folgt werde, zurückgekehrt sei . Zu- dem habe sie mit den dortigen Behörden offenbar Kontakt aufgenommen. Das angebliche erneute Interesse der Kadirov-Leute habe sie nicht nach- vollziehbar schildern können ; es deute nichts auf eine relevante Gefäh r- dung hin. Das BFM hob erneut hervor, bereits die angeblichen Asylgrün- de im ersten Asylverfahren seien für unglaubhaft erachtet worden . Den eingereichten Bestätigungsschreiben der Schwester der Beschwerdefü h- rerin und zweier Bekannter komme nur ein geringer Beweiswert zu. B.f Mit Replik vom 23. September 2011 hielt die Beschwerdeführerin an ihren bisherigen Vorbringen fest. Die vorinstanzlichen Erwägungen seien in keiner Weise stichhaltig und die unterschiedliche n Schreibweisen in den eingereichten Dokumenten nicht von Relevanz. Sie sei aufgrund ihrer Vorgeschichte als ehemalige Unterstützerin der Rebellen in Tschetsch e- nien und Zeugin von Menschenrechtsverletzungen ins Visier der Kadirov- Leute gelangt . Eine ihrer Schwestern sei mittlerweile ebenfalls in die Schweiz geflüch tet und habe ein Asylgesuch gestellt. Diese Schwester mache geltend, im Zusammenhang mit der Suche der Kadirov -Leute nach der Beschwerdeführerin sei ihr Mann angeschos sen und schwer verletzt worden. Das Dossier dieser Person sei beizuziehen und sie sei als Zeugin zu befragen. Der Eingabe lagen weitere Beweismittel und eine aktualisierte Kostennote bei (vgl. das Ver zeichnis des Rechtsvertreters vom 23. September 2011). B.g Mit Urteil D-4595/2011 vom 11. November 2011 hiess das Bunde s- verwaltungsgericht die Beschwerde vom 19. August 2011 im Sinne seiner Erwägungen gut. Die Rekursinstanz erwog, dass die Aussagen der B e- schwerdeführerin im Zusammenhang mit ihrer Rückkehr nach Tsch e- tschenien zwar in der Tat gewisse Fragen aufwer fen würden. Sie habe aber bei der Summarbefragung einen Inlandpass in Kopie als Be leg für ihren erneuten Aufenthalt in Tschetschenien zu den Akten g egeben. Die-D-2106/2013 Seite 6 ses Dokument sei von der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Un- recht nicht gewürdigt w orden, zumal die Passausstellung in Russland in der Regel offenbar die persönliche Anwesenheit bedinge. Im angefochte- nen Nichteintretensentscheid hätte sich demnach ein Abwägen der für und der gegen die Glaubhaftigkeit der Rückkehr sprechenden Elemente aufgedrängt. Die Einschätzung des BFM, die Rückkehr der Beschwerd e- führerin nach Tschetschenien sei offensichtlich unglaubhaft, sei mit einer Gehörsverletzung b ehaftet. Nicht zu überzeugen vermöge die weitere Erwägung des BFM , wonach die neuen Vorbringen der angeblich ins Heimatland zurückgekehrten Beschwerdeführerin deshalb haltlos seien, weil sie mit ihren bereits im ersten Asylverfahren vorgetragenen und für unglaubhaft erachteten Asylgründen eng zusammenhängen würden . So sei im ersten Asylverfahren vielmehr die Unterstützung der Rebellen in Tschetschenien und die deswegen erlittene Haft aus dem Jahre 2001 verbunden mit mehrfachen Vergewaltigungen und der Ermor dung ihres Ehemannes als glaubhaft beurteilt worden; allein die Aktualität der Verfol- gung im Zeitpunkt der Ausreise sei in Frage gestellt beziehungsweise es sei vom Bestehen einer inländischen Fluchtalternative ausgegangen wor- den. Das BFM übersehe d emnach, dass ein allfälliges Interesse der fr ü- heren Verfolger an der Beschwerdeführerin gerade auch als potentielle Zeugin von Menschenrechtsverletzungen nicht von der Hand zu weisen wäre. Die Erwägungen der Vorinstanz, die zum Schluss führten, die Vo r- bringen seien offensichtlich nicht geeignet , Hinweise auf die Flüchtling s- eigenschaft zu begründen, vermöchten mithin in keiner Weise zu übe r- zeugen. Der angefochtene Nichteintretensentscheid der Vorinstanz sei nach dem Gesagten als nicht genügend begründet zu qualifizieren. Eine Heilung dieser Gehörsverletzung auf Beschwerdeebene wäre zwar nicht zum Vornherein ausgeschlossen, zumal sich vorliegend unabhängig von einer möglichen Verfolgungssituation in Tschetschenien durch die Kad i- rov-Leute insbesondere die Frage gestellt hätte, ob die im ersten Asylver- fahren als valabel erachtete innerstaatliche Fluchtalternative trotzdem noch bestehe. Dabei stelle sich jedoch wiederum die Frage, ob bei so l- chen Erwägungen noch von offensichtlich fehlenden Hinweisen auf Ve r- folgung im Sinne der Praxis ausgegangen werden k önne. Mittlerweile sei ohnehin eine Schwester der Beschwerdeführerin in die Schweiz geflohen und mache gemäss Replik (im vorliegenden Verfahren) geltend, im Z u- sammenhang mit der Suche der Kadirov -Leute nach der Beschwerdefüh- rerin sei ihr Mann angeschossen und schwer verletzt worden . Damit wür- den weitere neue Ereignisse geltend gemacht, zu denen die Vorinstanz bisher noch nicht habe Stellung nehmen k önnen. Ausserdem dürften die Vorbringen der Schwester und allfällig dort eingebrachte Beweismittel für D-2106/2013 Seite 7 das Asylverfahren der Beschwerdeführerin wesentlich sein . Eine Befra- gung der Schwester habe offenbar noch nicht stattgefunden , womit der Sachverhalt aufgrund der heutigen Aktenlage als nicht genügend erstellt qualifiziert werden m üsse. Nach dem Gesagten sei die Beschwerde gu t- zuheissen, die angefoch tene Verfügung des BFM vom 11. August 2011 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. C. Mit Eingabe vom 6. Ok tober 2012 ersuchte der Rechtsvertreter der B e- schwerdeführerin das BFM um unentgeltliche Rechtspflege. Im Weiteren beantragte er die Einvernahme der Schwester I._______ (N (…)) der Be- schwerdeführerin als Zeugin. In diesem Zusammenhang nahm das BFM ein Schreiben von I._______ vom 18. August 2011 samt Übersetzung aus deren Beschwerdedossier zu den Akten. D. Am 9. März 2013 erneuerte der Rechtsvertreter beim BFM seine Anträge auf Befragung von I._______ sowie um unentgeltliche Rechtspflege. Als neues Beweismitt el gab er ein amtliches tschetschenisches Dokument vom (…) Januar 2013 zu den Akten. Aus diesem gehe hervor, dass g e- gen die Beschwerdeführerin seit 2001 ein Strafverfahren hängig sei. Das Beweismittel sei von der älteren Schwester J._______ beschafft worden. Als weitere Belege übermittelte er dem BFM ein Begleitschreiben von J._______ samt Briefumschlag sowie ein Identitätsdokument von J._______ in Kopie. Ausserdem legte er deutschsprachige Übersetzu n- gen bei. E. E.a Mit Verfügung vom 14. März 2013 – eröffnet am 15. März 2013 – lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 13. Mai 2011 ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an. Zur Begrün- dung führte die Vorinstanz aus, die Beschwerdeführerin habe die angebli- che Rückkehr nach Tschetschenien und die erneute Ausreise Richtung Schweiz nicht glaubhaft schildern können. Ihre Angaben seien u n- substanziiert ausgefallen und wiesen zahlreiche Ungereimtheiten auf. Es seien keine Realken nzeichen in ihren Darlegungen enthalten. Es könne weitestgehend ausgeschlossen werden, dass sie in der geschilderten Form und ohne gültige Reisepapiere – ein Inlandpass stelle kein solches Dokument dar – von Russland aus über die gegebenen Transitländer wieder in die Schweiz gelangt wäre. Sollte sie tatsächlich ins Heimatland D-2106/2013 Seite 8 zurückgekehrt sein, müssten die Reise dorthin und die Rückreise unter anderen Gegebenheiten als de n von ihr geschilderten stattgefunden h a- ben. E.b Die an gebliche Verfolgung erscheine auch angesichts der geltend gemachten Verhaltensweise der Beschwerdeführerin als unglaubhaft. So habe sie angegeben, ihren Pass (…) April 2011 beantragt und am (…) April 2011 erhalten zu haben. Die Ausstellung sei legal erfolgt und sie habe das Dokument persönlich entgegengenommen. Auch in Berücksich- tigung der geltend gemachten Ängste vor den Behörden weise insbeso n- dere der Passantrag darauf hin, dass sie sich nicht im Bewusstsein einer (drohenden) Verfolgung befunden habe. Personen mit tatsächlich b e- gründeter Angst vor Verfolgung würden einen solchen Antrag nicht ste l- len, da sie dadurch den Behörden ihren Aufenthaltsort offenbaren und für diese greifbar werden würden. Sie wäre überdies ohne Inland - und Aus- landpass nach Tschetschenien zurückgekehrt, was seitens d es Passam- tes weitere Abklärungen wie beispielsweise zu einer allfälligen behördl i- chen Suche ausgelöst hätte. Sie sei an ihrem Aufenthaltsort bis zum (…) April 2011 aber unbehelligt geblieben, was wiederum gegen die g e- schilderte Verfolgungssituation spreche. Der Umstand, wonach ihr Cousin beim Passamt wegen der Behandlungsdauer des Antrags mehrfach a n- gerufen habe, lasse wiederum auf das in Wahrheit fehlende Verfolgung s- bewusstsein der Beschwerdeführerin schliessen. Zudem habe sie das angebliche Auftauchen der Kadirov-Leute am Abend nach dem Passe r- halt stereotyp und logisch nicht nachvollziehbar geschildert. Hätte ta t- sächlich eine Verfolgung gedroht, wären die Verfolger nicht in der von ihr geschilderten – unbeholfenen und nicht erfolgsträchtigen – Art im Haus des Cousins vorgegangen und wieder abgezogen, sondern hätten dort gewartet beziehungsweise das Haus observiert. E.c Die eingereichten Beweismittel rechtfertigten keine andere Beurte i- lung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen. Das Bestätigungsschreiben des russischen Innenministeriums vom (…) Januar 2013 sei ein Dokument, dessen Ausstellung durch Korruption oder Gefälligkeit beeinflusst werden könne. Zudem erscheine fraglich, dass die Behörden ein solches Dok u- ment überhaupt ausstellen würden, da die davon betroffe ne Person in Kenntnis der Verfolgungssituation geeignete Schutzmassnahmen treffen könnte. Vorliegend vermöge denn auch nicht zu überzeugen, dass ein Strafverfahren hängig sei und ein behördliches Interesse a m Aufenthalts- ort der Beschwerdeführerin bestehe. So gehe bereits aus den Vorbringen des ersten Asylverfahrens hervor, dass anlässlich einer Festnahme in D-2106/2013 Seite 9 C._______ im Jahr 2006 eine Anfrage über die Beschwerdeführerin in Tschetschenien erfolgt sei. Hätte ein solches Verfahren bestanden, wäre sie damals bestimmt im Anschluss an diese Anfrage nach Tschetschenien überstellt worden. E.d Der Antrag des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin auf Befr a- gung von I._______ werde abgewiesen, da Befragungen von Drittpers o- nen der Sachverhaltsermittlung vorliege nd nicht dien ten. Den Asylakten von I._______ könne sodann nichts Zusätzliches in Bezug auf die ange b- liche Verfolgung der Beschwerdeführerin entnommen werden. Das Schreiben von I._______ betreffend die Vorfälle vom (…) April 2011 sei möglicherweise ein Gef älligkeitsdokument. Jedenfalls könnten ihm keine Hinweise darauf, dass I._______ über ein weitergehendes, detaillierteres Wissen zum Sachvortrag der Beschwerdeführerin verfüge , entnommen werden. E.e Den Vollzug der Wegweisung erachtete das BFM als zulässig, zu- mutbar und möglich. In Tschetschenien herrsche keine Situation allg e- meiner Gewalt. Zwar seien im ersten Asylverfahren die Gründe der B e- schwerdeführerin für die Ausreise aus Tschetschenien geglaubt worden. Diese Gründe seien aber nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Gemäss obenstehenden Erwägungen sei nicht glaubhaft, dass sie dort aktuell Verfolgung zu gewärtigen habe. Alternativ stehe ihr überdies offen, an ihren langjährigen Wohnort in C._______ zurückzukehren. Die Beur- teilung des BFM und der Be schwerdeinstanz im ersten Verfahren, w o- nach sie in C._______ keine Verfolgung zu gewärtigen habe, liege aktuell zwei Jahre und drei Monate zurück. Es sei nicht davon auszugehen, di e- se Einschätzung treffe nicht mehr zu, zumal sich an den administrativen Gegebenheiten bezüglich Wohnsitzanmeldung in Russland nichts geä n- dert habe. Schliesslich seien auch keine weiteren individuellen Vollzug s- hindernisse ersichtlich. E.f Das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG lehnte das BFM ab. F. F.a Mit Eingabe ihrer Rechtsver tretung vom 15. April 2013 focht die B e- schwerdeführerin d en vorinstanzlichen Entscheid beim Bundesverwa l- tungsgericht an. Sie beantragte die Aufhe bung der vor instanzlichen Ver- fügung und die Rückweisung der Sache an das Bundesamt zur Neubeur- teilung, eventualiter die Asylgewährung, subeventualiter die Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verbunden mit der vorlä u-D-2106/2013 Seite 10 figen Aufnahme in der Schweiz so wie die un entgeltliche Rechts pflege (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG) samt Ent bindung von der Vo rschusspflicht. Ferner ersuchte sie um eine er gänzende Befragung, die Einvernahme von I._______, einen Vollzugsstopp in deren Verfahren und den Beizug deren Akten. Die N achreichung einer Kostennote wurde in Aussicht g e- stellt. Zur Begründung ihrer Begehren machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei aufgrund der Aktenlage davon ausgegangen, nach der Kassation des vorinstanzlichen Nichteintretensentscheids erneut ang e- hört zu werden, was indes nicht geschehen sei , obwohl die damalige An- hörung als mangelhaft bezeichnet werden müsse. Es liege – so auch bei der Würdigung des am 9. März 2013 eingereichten Beweismittels – we- gen mangelhafter Sachverhaltsabklärung eine Gehörsverletzung vor. Die unbegründete Abweisung des Antrags auf Be fragung von I._______ und der fehlende Beizug von deren Akten durch das BFM seien als weitere Rechtsverletzungen zu rügen. F.b Die Beschwerdeführerin habe ihre Reise nach Tschetschenien und wieder zurück angemessen substanziiert. Sie habe aus einer Notlage heraus bei den tschetschenischen Behörden einen Pass beantragt. Ihre Familie habe sie dazu überredet. Das BFM habe das eingereichte Schreiben von I._______ vom 18. August 2011 als Beweismittel nicht adäquat gewürdigt. Die weiteren Erwägungen des BFM, wonach das Verhalten der Beschwerdeführerin nicht demjenigen einer tatsächlich g e- fährdeten Person entspreche, vermöchten ebenso wenig zu überzeugen wie die Mutmassungen hinsichtlich der Vorgehensweise der tschetsch e- nischen Behörden bei tatsächlich vorhandener Ver folgungsmotivation. Im Übrigen entzögen sich die Kadyro v-Leute jeder rechtlichen Kontrolle und könnten nicht einfach mit den "Behörden" gleichgesetzt werden. Das Do- kument aus Tschetschenien sei vom BFM nicht explizit als Fälschung b e- zeichnet worden; vielme hr anerkenne die Vorinstanz implizit die Richti g- keit des Inhalts d es Beweismittels; dieses sei insoweit als beweistauglich zu erachten. Im Ergebnis habe die Beschwerdeführerin namentlich auch in Berücksichtigung der glaubhaft gemachten Erlebnisse vor der e rsten Ausreise aus Tschetschenien begründete Furcht vor asylrelevanter Ve r- folgung im Falle der Rückkehr. In C._______ verfüge sie über kein sozia- les Netz mehr. Zudem übersehe die Vorinstanz die für glaubhaft erachtete Vorverfolgung in Tschetschenien. Nach dem Gesagten würde ein allfäll i- ger Vollzug der Wegweisung gegen die relevanten Bestimmungen ve r- stossen. D-2106/2013 Seite 11 G. Mit Zwischenverfügung vom 24. April 2013 stellte das Bundesverwa l- tungsgericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest . Die Anträ- ge auf Zeugenbe fragung verbunden mit dem Erlass einer vorsorglichen Massnahme wurden abgewiesen. Das Gericht v erzichtete auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses und hie ss das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Dasjenige gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. H. Mit Vernehmlassung vom 30. April 2013 beantragte das BFM die Abwei - sung der Beschwerde. Entgegen den Beschwerdevorbringen sei das Dossier von I._______ beigezogen worden. I. Mit Replik vom 8. Mai 2013 hielt die Beschwerdeführerin – so auch betref- fend des fehlenden Beizugs der Akten von I._______ – an ihren Vorbrin- gen fest und machte Ausführungen zu ihrem persönlichen Verhältnis zu ihr. Dieses sei schlecht, da I._______ sie – die Beschwerdeführerin – für ihre Probleme verantwortlich mache. Gleichzeitig erneuerte sie ihren A n- trag auf Vollzugsstopp betreffend I._______ und deren Befragung als Zeugin. Der Eingabe lag eine Kostennote bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. D-2106/2013 Seite 12 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Das vorliegende V erfahren hat ein Zweitgesuch zum Inhalt , weshalb vorliegend das bisherige Recht gilt (vgl. Abs. 2 der entsprechenden Über- gangsbestimmungen). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Für die zulässigen Rügegründe ist auf Art. 106 AsylG zu verweisen. 3. 3.1 Nachfolgend sind die formellen Rügen vorab zu prüfen, da diese g e- gebenenfalls zur Kassation der vorinstanzlichen Verfügung führen kö n- nen. D ie Beschwerdeführerin stellt den Antrag, die angefochtene Verf ü- gung sei wegen unrichtiger und unvollständiger Sachverhalts feststellung und wegen der Verletzung des Prinzips des rechtlichen Gehörs durch das BFM aufzuheben und die Akten seien zur Vornahme entsprechender Ab- klärungen an die Vorinstanz zu überweisen. 3.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Un- richtig" ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhal tsfeststellung, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sac h- verhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den En t- scheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Ve r- waltungsverfahren [VwVG], Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Zürich 2008 , D-2106/2013 Seite 13 Rz. 28 zu Art. 49, S. 676 f.). Ihre Grenze findet die Untersuchungspflicht allerdings in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). 3.3 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesver- fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verf ü- gende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung der Verfügung soll es dem Betrof- fenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufech- ten. Art. 35 Abs. 1 VwVG umschreibt den Inhalt der Begründungspflicht nicht näher; verlangt wird aber, dass die Begründung eines Entscheides so abgefasst wird, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar zum Bunde s- gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Auer/Müller/S chindler [Hrsg.], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6). 3.4 Das BFM hat die Beschwerdeführerin im Rahmen des zweiten Asy l- verfahrens erneut angehört. Gemäss Art. 36 aAbs. 1 Bst. b AsylG war ei- ne solche Anhörung im damaligen Verfahren grundsätz lich nur dann e r- forderlich, wenn die asylsuchende Person aus ihrem Heimat - oder Her- kunftsstaat in die Schweiz zurückgekehrt war. Unbesehen der Frage, ob die Beschwerdeführerin im Sinne ihrer Behauptungen tatsächlich wieder aus Russland in die Schweiz einre iste, liegt jedenfalls ein verwertbares Anhörungsprotokoll vor, da ihr das BFM nicht lediglich das rechtliche G e- hör im Sinne von Art. 36 aAbs. 2 AsylG gewährt hatte. Im Kassationsurteil wird zwar mangelnde Sachverhaltsabklärung bezüglich der nachgereisten I._______ und eines Beweismittels – des nicht berücksichtigten Inlan d- passes – erwähnt. Diese Abklärungen beziehungsweise Würdigungen wurden im vorliegenden Entscheid nachgeholt; dabei wurde das Dossier von I._______ entgegen den Beschwerdevorbringen beigez ogen (vgl. S. 6 des angefochtenen Entscheids). Die Abweisung der Befragung von I._______ als Zeugin ist vom BFM überzeugend begründet worden. In s- gesamt war somit eine erneute Anhörung der Beschwerdeführerin nicht erforderlich, es sei denn , die damalige Anhörung hätte relevante Mängel aufgewiesen; im Kassationsurteil wurde nämlich lediglich gesagt, die mangelnde Glaubhaftigkeit einer drohenden Verfolgung der Beschwerd e- führerin (als Zeugin von Menschenrechtsverletzungen) könne nicht als of-D-2106/2013 Seite 14 fensichtlich bezeichnet werden. Solche Mängel sind dem Anhörungspr o- tokoll B 11/13 nicht entnehmbar. Die Beschwerdeführerin erwähnte zu Beginn, den Dolmetscher gut zu verstehen (Antwort 2); dass sie den Wunsch äusserte, in deutscher Sprache befragt zu werden, erscheint als irrelevant (vgl. dazu die Bemerkung der Hilfswerkvertretung in Frage 8). Der Befragungsstil war sachlich und zielorientiert. Am Schluss erklärte die Beschwerdeführerin, auf eine Rückübersetzung verzichten zu wollen, und las das deutschsprachige Protokoll durc h. Anschliessend bestätigte sie unterschriftlich, es sei vollständig und entspreche ihren freien Äusseru n- gen (S. 12). Schliesslich ist auch die nachvollziehbare Würdigung des Schreibens von I._______ vom 18. August 2011 und des Dokuments der tschetschenischen Behörden vom (…) Januar 2013 entgegen den B e- schwerdevorbringen nicht als rügbare Rechtsverletzung zu beanstanden. Nach dem Gesagten liegen keine Gehörsverletzungen vor. Sodann sind aufgrund des hinreichend erstellten Sachverhalts die im Sinne einer Wi e- dererwägung gestellten Anträge auf Zeugenbefragung verbunden mit dem Erlass einer vorsorglichen Massnahme (erneut) abzuweisen. Auch dem Ersuchen um eine ergänzende Befragung der Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten nicht stattzugeben. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Fre iheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-2106/2013 Seite 15 4.3 Gemäss Praxis setzt die Annahme einer innerstaatlichen Fluchtalter- native im Lichte der Schutztheorie voraus, dass es der betroffenen Pe r- son indi viduell zuzumuten ist, den am Zufluchtsort erhältlichen Schutz längerfristig in Anspruch nehmen zu können. Dies hat zur Folge, dass der in einem Landesteil von Verfolgung betroffenen Person das Bestehen e i- ner innerstaatlichen Fluchtalternative nicht entgeg engehalten werden kann, wenn ihr die Niederlassung und damit die Inanspruchnahme des Schutzes am Zufluchtsort aus den in Art. 83 Abs. 4 AuG erwähnten Grün- den nicht zuzumuten ist (vgl. BVGE 2011/51). 5. 5.1 Die Ausführungen des BFM zum Beweiswert der eingereichte n Do- kumente vermögen zu überzeugen. Diesbezüglich kann auf die entspr e- chenden Erwägungen de r Vorinstanz (vgl. dazu Bst. E. vorstehend) ver- wiesen werden, denen die Beschwerdeführerin in ihren Eingaben nichts Substanzielles entgegenzusetzen vermochte. Das in der Replik geltend gemachte angebliche Zerwürfnis mit I._______ erscheint als nachg e- schoben und vermag jedenfalls die Beweistauglichkeit des entspreche n- den Dokuments nicht entscheidend zu erhöhen. Sodann wirken die weite- ren Darlegungen des BFM zu der aus seiner Sicht logisch nicht nachvoll- ziehbaren Vorgehensweise der Behörden und de rjenigen der Beschwe r- deführerin als angeblich tatsächlich verfolgter Person sehr differenziert und sind nicht zu beanstanden. Die zum Teil unnötig gehässigen Gege n- argumente des Rechtsvertreters rechtfertigen mangels Überzeugung s- kraft keine andere Sichtweise (vgl. u.a. S. 9 und 11 der Beschwerd e- schrift). Vielmehr entsteht aufgrund des Aussageverhaltens der B e- schwerdeführerin anlässlich der zweiten Anhörung das Bild eines blossen Verfolgungskonstrukts (vgl. B 11/13 insb. Antworten 52 ff.). Der Rechts- vertreter ist im Übrigen an das Gebot der Sachlichkeit und des proze s- sualen Anstands zu erinnern. Für den Wiederholungsfall behält sich das Gericht die Einleitung eines disziplinarischen Verfahrens gemäss Art. 60 VwVG vor. 5.2 Das BFM hat die angebliche Wiedereinreise nach Tschetschenien und die Wiederausreise in der geltend gemachten Form, nicht aber generell ausgeschlossen. Auch diese Sichtweise vermag zu überzeugen. Sollte die Beschwerdeführerin also tatsächlich im erwähnten Zeitraum eine so l- che Reise – wenn auch unter anderen als von ihr behaupteten Umstä n- den – unternommen haben, würde dies bedeuten, dass ihr selbst in Tschetschenien keine relevante Gefahr (mehr) drohen würde, da es ihr gemäss obenstehenden Erwägungen auch in d er Annahme, die Rückrei-D-2106/2013 Seite 16 se seit tatsächlich erfolgt, nicht g elungen wäre, Nachstellungen durch die Kadyrov-Leute glaubhaft zu machen . Dies würde bedeuten, dass sie auf eine innerstaatliche Fluchtalternative gar nicht (mehr) angewiesen wäre. Vor diesem Hintergrund kann die Frage, ob sie im genannten Zeitraum tatsächlich nach Tschetschenien reiste und von dort aus wieder zurüc k- kehrte, letztlich an sich offen gelassen werden, und ein vertiefteres Ei n- gehen auf die diesbezü glichen Unglaubhaftigkeitselemente und weitere diesbezügliche Beweismittel erübrigt sich. Anzufügen bleibt, dass das eingereichte Dokument der tschetschenischen Behörden als wenig b e- weiskräftig qualifiziert werden müsste, und die für das Jahr 2011 geltend gemachte Verfolgung durch Kadirov-Leute in Tschetschenien nicht glaub- haft zu machen vermag. 5.3 Jedenfalls erscheint e ine drohende Verfolgung in C._______ in der russischen Republik D._______ – dem innerstaatlichen Zufluchtsort der Beschwerdeführerin vor der ersten Ausreise in den Westen – auch in Be- rücksichtigung des Zeitablaufs als nicht beachtlich wahrscheinlich. Die dortige, für die Flucht in den Westen angeblich entscheidende Verfolgung wurde von den Asylbehörden im ersten Verfahren für unglaubhaft erac h- tet. Anhaltspunkte dafür, dass ein allenfalls erforderlicher Schutz vor tschetschenischen Machtträgern dort nicht mehr vorhanden wäre, erg e- ben sich in Anbetracht vorstehender Erwägungen weder aus den Akten noch den nicht substanziierten Befürchtungen, wie sie in den Beschwe r- deeingaben geäussert worden sind. Vielmehr und entgegen den wenig überzeugenden Rekursvorbringen ist davon auszugehen, dass eine Rein- tegration vor Ort – so auch mit Hilfe des offenbar grossen Bekanntenkrei- ses der Beschwerdeführerin – wieder und insbesondere auch wieder für längere Zeit möglich sein sollte. Dies umso mehr, als sie gemäss dem Ur- teil des Bundesverwaltungsgerichts D-1837/2007 vom 2. Dezember 2010 dort registriert war und legal in den Westen gelangen konnte (vgl. E. 4.3.2). 5.4 Der Beizug der Akten von I._______ führt zu keinem anderen Erge b- nis. Ihr gelang es im Verlaufe der bisherigen Verfahren nicht, eine asylr e- levante Gefährdung glaubhaft zu machen. Ihr zweites Wiedererwägung s- verfahren wird mit abweisendem Urteil heutigen Datums abgeschlossen. Aufgrund ihres Aussageverhaltens respektive der verfügbaren Akten e r- gibt sich auch so keine relevante Gefährdung der Beschwerdeführerin vor Ort. D-2106/2013 Seite 17 5.5 Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass die Be - schwerdeführerin keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigen schaft demnach zu Recht verneint und d as Asylgesuch abgelehnt. An dieser Einschätzung vermögen die weiteren Ausführungen in den Eingaben und die Beweismittel nichts zu ändern. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das hei sst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Auslä nderin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). D-2106/2013 Seite 18 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung ode r Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, landesweit eine asylrechtlich e r- hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorli e- genden Verfahren ke ine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Be - schwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8. Gemäss vorstehenden Erwägungen ist fraglich, ob der Beschwerdeführe- rin in Tschetschenien nach wie vor relevante Verfolgung droht. Unbes e- hen dieser Sachlage erfolgt die Prüfung von Vollzugshindernissen nac h- stehend im Hinblick auf die innerstaatliche Fluchtalternative in C._______ in der russischen Republik D._______. 9. 9.1 Es ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Mens chen- rechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste sie eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand- lung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kam mer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28 . Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allge meine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungs vollzug zum heutigen Zeitpunkt entgegen den Beschwerdevor bringen nicht als unzulässig ersche inen. D-2106/2013 Seite 19 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.2 9.2.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass die all gemei- ne Lage in Russland nicht durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Si - tuation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist, aufgrund derer die Zivilbe- völkerung als konkret gefährdet bezei chnet werden müsste. Der Voll zug der Wegweisung ist unter diesen Umständen nicht generell als un zumut- bar zu bezeichnen. 9.2.3 Die Beschwerdeführerin verfügt in C._______ in der russischen Re- publik D._______ über eine innerstaatliche Fluchtalternative. An halts- punkte dafür, dass ihr die Rückkehr dorthin nicht mehr zuzumuten ist, können den Akten nicht entnommen werden. Dabei ist zu berücksicht i- gen, dass die behördliche Untersuchungsmaxime ihre Grenze in der Mi t- wirkungspflicht der asylsuchenden Person findet. Das Aussageverhalten der Beschwerdeführerin lässt nach dem Gesagten darauf schliessen, dass sie ihre tatsächlich vorhandenen sozialen Kontaktmöglichkeiten nicht offenlegt. Selbst wenn im Sinne der Beschwerdevorbringen davon auszugehen wäre, dass das von ihr erwähnte Ehepaar nicht mehr in C._______ leben beziehungsweise der Ehemann gestorben sein sollte, darf aufgrund des über fünfjährigen Aufenthalts der Beschwerdeführerin in C._______ verbunden mit Arbeitstätigkeit dennoch angenommen wer- den, dass sie nach ihrer Rückkehr nach Russland aufgrund mutmasslich vorhandener weiterer sozialer Anknüpfungspunkte nicht in eine exis tenz- gefährdende Situation gerät. Auch gesundheitliche Probleme erscheinen gestützt auf die aktuelle Aktenlage nicht als vollzugshemmend. 9.2.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.3 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi gen D-2106/2013 Seite 20 Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem ihr Ge such im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 2 4. April 2013 gutgeheissen wurde und sich ihre finanzielle Situation seit her nicht entscheidwesentlich verändert hat, erfolgt keine Kostenauflage. (Dispositiv nächste Seite) D-2106/2013 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: