<h2>SubmittedText<h2><p>Die Handelsmittelschulen spielen in der schweizerischen Bildungslandschaft eine wichtige Rolle. Die rund fünfzig Schulen stellen jedes Jahr zwischen 2500 und 3000 Diplome aus. Sie sind in Artikel 16 des Berufsbildungsgesetzes vom 13. Dezember 2002 ausdrücklich erwähnt. Im alten Berufsbildungsgesetz wurden das Diplom einer Handelsmittelschule und das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) für kaufmännische Angestellte als gleichwertig anerkannt. Im neuen Gesetz ist dies nicht mehr der Fall. Nun müssen die Handelsmittelschulen ihre Ausbildungsprogramme anpassen und Elemente aus der Berufspraxis einbinden, die mit den entsprechenden Bestimmungen des Reglements Kauffrau bzw. Kaufmann vergleichbar sind - und dies sowohl für das EFZ als auch für die kaufmännische Berufsmaturität, die von den Handelsmittelschulen vergeben wird. Unter der Leitung des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) arbeitet eine Steuergruppe zurzeit ein oder mehrere Modelle aus, mit denen ab August 2009 Elemente der beruflichen Praxis in die Ausbildungsprogramme der Handelsmittelschulen integriert werden. Gleichzeitig befinden sich auch zwei Texte mit grossem Einfluss auf die Ausbildungsprogramme der Handelsmittelschulen in der Revision: die Verordnung vom 30. November 1998 über die Berufsmaturität sowie das Reglement Kauffrau bzw. Kaufmann, welches in seiner neuen Version die Aufgabe der Lehrbetriebe erleichtern soll. Sie dürften beide 2010 in Kraft treten.</p><p>Findet der Bundesrat daher nicht auch, dass sämtliche erwähnten Revisionen gleichzeitig in Kraft treten sollten, damit die Handelsmittelschulen ihre Ausbildungsprogramme nicht zwei Jahre nach der Einführung von berufsbezogenen Modulen erneut ändern müssen?</p><p>Findet der Bundesrat im Übrigen nicht auch, dass das BBT den Handelsmittelschulen ermöglichen sollte, trotz neuen Strukturen das Modell 3+1 für die Erlangung der Berufsmaturität (drei Jahre Vollzeitschule mit anschliessendem Praktikumsjahr im Unternehmen) beibehalten zu können? Dieses Modell war in den Wirtschaftskreisen äusserst erfolgreich.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Auftrag zur Reform der Handelsmittelschulen ist mit dem 2004 in Kraft getretenen Berufsbildungsgesetz gegeben. Anders als die kantonalen Fachmittelschulen sind die beruflichen Grundbildungen auf Arbeitsmarktfähigkeit ausgerichtet. Für sämtliche Berufsbildungsangebote der Sekundarstufe II gilt daher neu, dass das Abschlusszeugnis sowohl die theoretische als auch die praktische Seite ausweist.</p><p>Die neue kaufmännische Grundbildung trägt dem Rechnung. Für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis zählten zuvor nur die schulischen Abschlussnoten, nicht aber betriebliche Aspekte. Bei den vollzeitlich organisierten Handelsmittelschulen ist die betriebliche Praxis je nach anbietender Institution sehr unterschiedlich in die Ausbildung integriert. Mit dem Reformprojekt "Zukunft der Handelsmittelschulen" soll - wie bei allen übrigen Berufen - ein gesamtschweizerisch vergleichbares Fähigkeitszeugnis ermöglicht werden.</p><p>Das neue Berufsbildungsgesetz lässt die Organisation der Ausbildung bewusst offen. Es ist Aufgabe der Verbundpartner der Berufsbildung - Organisationen der Arbeitswelt, Kantone und Bund -, gemeinsam die den Anforderungen der Ausbildung und den regionalen Gepflogenheiten angepasste Art der Ausbildung festzulegen.</p><p>Zu den Fragen:</p><p>- Der Steuerungsausschuss des Projekts "Zukunft der Handelsmittelschulen" hat Mitte Dezember die Eckwerte zur Reform der Handelsmittelschulen festgelegt. Darin hält er fest, dass die Reform mit dem Projekt "Bildungsverordnung 2011" für die kaufmännische Grundbildung koordiniert wird.</p><p>- Die vom Interpellanten ebenfalls angesprochene Berufsmaturitätsverordnung ist von der Reform der kaufmännischen Grundbildung formal und inhaltlich unabhängig. Auch die Handelsmittelschulen führen nicht zwangsweise zur Berufsmaturität. Indem aber das Inkrafttreten der neuen Verordnung zur Berufsmaturität bereits auf 2009 geplant ist, kann die Organisation der kaufmännischen Bildungsangebote problemlos darauf abgestimmt werden.</p><p>- Die kaufmännischen Bildungsgänge sollen gemäss den Eckwerten des Projekts "Zukunft der Handelsmittelschulen" in der Regel drei Jahre dauern. Die Möglichkeit eines vierjährigen Bildungsganges in Verbindung mit einer Berufsmaturität ist jedoch explizit genannt. Gleichzeitig halten die Eckwerte fest, dass die kontinuierliche Vermittlung der Bildung in beruflicher Praxis während der gesamten Ausbildungsdauer im Vordergrund steht. Dies wird mit dem heutigen Modell 3+1 nur teilweise eingelöst.</p>  Antwort des Bundesrates.