Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Mai 2017 (720 16 416 / 122) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Ermittlung des Invaliditätsgrades: Entgegen der Annahme der Vorinstanz wurde die letz- te Arbeitsstelle aus wirtschaftlichen und nicht aus gesundheitsbedingten Gründen ge- kündigt. Rechtsprechungsgemäss ist deshalb das Valideneinkommen unter Beizug der Tabellenlöhne der LSE zu ermitteln. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Roman Felix, Advokat, Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die 1970 geborene A.____ arbeitete vom 26. März 2 001 bis 31. März 2013 bei der B.____ in X.____ als Betriebsarbeiterin. Am 20. November 2012 meldete sie sich unter Hinweis auf Rheuma und eine Depression bei der Eidgenössischen In validenversicherung (IV) zum Be- zug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (I V-Stelle) klärte in der Folge die ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab. Nach Dur chführung des Vorbescheidverfah- rens sprach sie der Versicherten mit Verfügungen vom 15. November 2016 und 12. Dezember 2016 gestützt auf einen nach der allgemeinen Bemessun gsmethode ermittelten Invaliditätsgrad von 48 % ab 1. Juni 2013 eine Viertelsrente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Roman Felix, am 15. Dezember 2016 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Sie beantragte, es seien die Verfügunge n vom 15. November 2016 und 12. De- zember 2016 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu ve rpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. Es wurde im Wesentlichen die Berechnung des Invaliditätsgrades beanstandet. Da das Arbeitsverhältnis aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst worden sei, hätte sie zum Rentenbeginn per 1. Juni 2013 im Gesundheitsfall nicht mehr bei der ehemaligen Arbeitgeberin arbeiten können. Daher seie n zur Bestimmung des Valideneinkom- mens nicht der bei der ehemaligen Arbeitgeberin mutm asslich erzielte Verdienst, sondern die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebungen (LSE) des Bun desamtes für Statistik (BFS) heran- zuziehen. Dabei müsse auf Seiten des Valideneinkommens de r gleiche Tabellenwert zugrunde gelegt werden wie beim Invalideneinkommen. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % resultiere ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 %. Sollte bei d er Berechnung des Valideneinkommens auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin abgeste llt werden, so müssten die monatlichen Prämienauszahlungen zum Valideneinkommen hinzugerechnet werden. Beim Invalidenein- kommen sei aufgrund der zeitlichen und qualitativen Ei nschränkungen ein leidensbedingter Ab- zug von 10 % vorzunehmen. Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von mindestens 55 %. C. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 16. Januar 2017 die Abweisung der Beschwerde. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichke it davon auszugehen, dass der Versicherten ohne Erkrankung nicht gekündigt worden wäre. Die von der ehemaligen Arbeitge- berin bezeichnete Kündigung aus wirtschaftlichen Gründe n sei entweder aus Taktgefühl erfolgt oder weil dies weniger Angriffsfläche bieten würde. Es sei deshalb bei der Bemessung des Va- lideneinkommens zu Recht auf den zuletzt erzielten Lohn bei der B.____ abgestellt worden. Die geltend gemachten Prämienauszahlungen würden sich aus de m Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) und dem Fragebogen für Arbeitgebend e nicht herleiten lassen. Da der dem Invalideneinkommen zugrunde liegende Tabellenlohn der Tabelle TA1 der LSE, Kompetenzni- veau 1, Fächer von Tätigkeiten umfasse, welche der Versic herten trotz Einschränkungen zu- mutbar seien, sei kein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 15. Dezember 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu min destens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). 2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht ein Anspruch auf ei ne ganze Rente, wenn die ver- sicherte Person zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsr ente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und a uf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruch s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Gr undlage für die Beurteilung der Zumut- barkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkei ten als die zuletzt ausgeübte Berufsar- beit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, a usgeglichenen und nach ihren persön- lichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumu tbarerweise noch verrichtet wer- den können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in : Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Vorliegend beurteilten Dr. med. C.____, FMH Psychi atrie und Psychotherapie, und Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 11. April 2015 den Gesundheitszustand der Versicherten. Dr. C.____ konnte keine psychiatrischen Diagnosen stellen, welche die Arbeit sfähigkeit der Versicherten beein- flussten. In somatischer Hinsicht diagnostizierte Dr. D.____ mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä- higkeit ein systemischer Lupus erythematodes mit sekundärem S jögren-Syndrom und ein chro- nisches Schmerzsyndrom cervicothoracal links. Aufgrund ihrer Beeinträchtigungen sei der Ver- sicherten ab Juni 2013 lediglich die Ausübung einer lei chten körperlich leidensadaptierten Tä- tigkeit zu 50% (halbtags) zumutbar. Dieses Gutachten ist umfassend, beruht auf allseitigen Un- tersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten ab- gegeben worden. Zudem sind die Ausführungen der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhalten begründete Schlussfolgerungen (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E . 1c). Die Beurteilung der Dres. C.____ und D.____ vom 11. April 2015 wird von der Versichert en auch nicht beanstandet, weshalb da- rauf abzustellen ist. 4.1 Strittig ist dagegen die Bemessung des lnvaliditäts grades. Uneinigkeit besteht hinsicht- lich der Ermittlung des Valideneinkommens und der Höhe des leidensbedingten Abzugs vom Tabellenlohn. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (lnvalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1 S. 30, 104 V 136 E. 2a und b). 4.3 Für die Ermittlung des Einkommens, welches die versi cherte Person ohne Invalidität erzielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, w as sie im Zeitpunkt des Rentenbe- ginns (hier: 1. Juni 2013) nach dem Beweisgrad der übe rwiegenden Wahrscheinlichkeit als Ge- sunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Re gel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste n Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Täti gkeit ohne Gesundheitsschaden fort- gesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegende r Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 f. E. 4.1, 129 V 224 E. 4.3.1 je mit weiteren Hinweisen). Ist ein konkreter Lohn nicht eruierbar oder hätte die versicherte Person ihre bisherige Stelle auch ohne gesundheitli- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht che Beeinträchtigung verloren, so können die Zahlen der LSE herangezogen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3 .1 und vom 9. Juni 2015, 9C_212/2015, E. 5.4). 4.4 Vorliegend ist dem Fragebogen für Arbeitgebende vom 6. Februar 2013 zu entnehmen, dass die ehemalige Arbeitgeberin der Versicherten das Arbeitsverhältnis per 31. März 2013 aus wirtschaftlichen Gründen kündigte (vgl. Ziffer 2.2). I m Kündigungsschreiben vom 25. Januar 2013 wird ausgeführt, dass die Mitarbeitenden am 9. Ja nuar 2013 an einer internen Informa- tionsveranstaltung und mit einem Brief über die Pläne des Betriebs zur Reorganisation (d.h. unter anderem Stellenabbau) informiert worden seien. Offensichtlich wurde am 9. Januar 2013 auch ein Konsultationsverfahren eröffnet, bei w elchem die Belegschaft Vorschläge einrei- chen durfte. Weiter ist aus dem Kündigungsschreiben ersich tlich, dass die Geschäftsleitung am 24. Januar 2013 gegenüber den Mitarbeitenden Stellun g zu den Ergebnissen des Konsulta- tionsverfahrens nahm und die Versicherte vor Aushändigung des Kündigungsschreibens münd- lich über ihre Entlassung orientiert wurde. Dem Schreib en wurden zudem ein Merkblatt für aus- tretende Mitarbeitende und ein Sozialplan beigelegt. Aufgrund dieser Ausführungen ist davon auszugehen, dass der Versicherten aus betriebsorganisator ischen Gründen gekündigt wurde. Es gibt keine Hinweise darauf, dass gesundheitliche Gründe bei der auf Ende März 2013 erfolg- ten Kündigung eine Rolle gespielt hätten. Dass die B.____ finanzielle Schwierigkeiten hatte und die Schliessung des Betriebs per Ende November 2013 drohte, bestätigten auch die Medienmit- teilungen (vgl. Tagesanzeiger und NZZ vom 28. August 201 3). Da der Stellenverlust der Versi- cherten aus invaliditätsfremden, betrieblich bedingten Gründen erfolgte, steht fest, dass die Versicherte als gesunde Person nicht mehr bei der Firma B.____ angestellt wäre. Es rechtfertigt sich daher, das Valideneinkommen unter Beizug der Tabel lenlöhne der LSE zu ermitteln (BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen). 4.5 Mit Blick auf die lediglich 6-jährige Schulausbildu ng der Versicherten und mangels Hinweise auf während der Berufsausübung erworbene beso ndere Qualifikationen als Betriebs- arbeiterin rechtfertigt es sich, auf die TA1 der LSE 20 12, Sektor Total, Kompetenzniveau 1, ab- zustellen. Danach verdiente eine Frau monatlich Fr. 4'1 12.-- bzw. jährlich Fr. 49'344.--. Nach Anpassung dieses Betrags an die Nominallohnentwicklung im Jahr 2013 von 0,7 % (BFS Tabel- le T1.2.10 Nominallohnindex, Frauen 2011 - 2015) un d Umrechnung auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (BFS Tabelle: Betriebsü bliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabtei- lungen, Total) resultiert ein jährliches Valideneinkommen von Fr. 51'801.-- (Fr. 49'344.-- x 100,7 x 41,7 / 40). 5.1 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zum utbarerweise noch reali- sierbaren Einkommens (lnvalideneinkommen) ging die IV- Stelle vom Durchschnittlohn dersel- ben Tabelle aus wie beim Valideneinkommen (Tabelle TA1 der LSE, Total, Kompetenzniveau 1), gemäss welcher eine Frau im Jahr 2012 einen Monatslo hn Fr. 4'112.-- bzw. ein Jahresein- kommen von Fr. 49'344.-- erzielte. Sie ermittelte nach Anpassung an die betriebsübliche Ar- beitszeit im Jahr 2013 sowie der bis dahin erfolgten No minallohnentwicklung und Berücksichti- gung des zumutbaren Arbeitspensums von 50 % ein massgeb endes Invalideneinkommen von jährlich Fr. 25'901.--. Die Versicherte beanstandet bei der von der IV-Stelle durchgeführten Be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechnung des Invalideneinkommens einzig, dass kein Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen worden sei. Sie ist der Ansicht, dass aufgrund der zeitlichen und qualitativen somatischen sowie psychischen Einschränkungen ein Abzug von 10 % gerechtfertigt sei. 5.2 Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens anhand lohnstatistischer Angaben sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid BGE 12 6 V 75 ff. hat das Bundes- gericht seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabelle nlohn bereinigt und weiterentwi- ckelt. Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung getra- gen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthal tskategorie und Beschäftigungsgrad Aus- wirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Au sprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301 mit Hinweis). Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unt er Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen. Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nu r Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserord entlich zu bezeichnen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 7. April 2016, 9C_898/2015, E. 1). 5.3.1 Beim behinderungs- bzw. leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizini- sche Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum hinzutre- tende qualitative oder quantitative Einschränkung der A rbeitsfähigkeit darstellt. Damit wird in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten ( weiter) eingegrenzt, welche unter Be- rücksichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person realis- tischerweise noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgegl ichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme eine r Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen. Lediglich wenn - auch auf einem a usgeglichenen Arbeitsmarkt - unter Be- rücksichtigung solcher Einschränkungen, die personen- oder arbeitsplatzbezogen sein können, kein genügend breites Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten mehr besteht, rechtfer- tigt sich allenfalls ein (zusätzlicher) Abzug vom Tabellenlo hn (Urteile des Bundesgerichts vom 22. Januar 2015, 8C_693/2014, E. 4.2.1). 5.3.2 Im vorliegenden Fall ist die Versicherte gemäss Be urteilung von Dr. C.____ ab Juni 2013 bei der Berufsausübung in psychischer Hinsicht nicht eingeschränkt. Wegen ihres somati- schen Leidens kann sie nach Einschätzung von Dr. D.____ nur noch leichte körperliche Tätig- keiten in Wechselbelastung und ohne Überkopfarbeiten au süben. Auch wenn Stellen, welche mittelschwere bis schwere Arbeiten sowie Überkopfarbeiten erfordern und nicht in Wechselbe- lastung ausgeführt werden können, für die Versicherte ni cht mehr in Betracht kommen, besteht immer noch ein genügend breites Spektrum an zumutbaren Verweistätigkeiten im in Frage kommenden Kompetenzniveau 1. Eine allfällige auf die gesundheitlichen Beeinträchtigungen zurückzuführende Lohneinbusse ist mit der noch zumutbaren Restarbeitsfähigkeit im Umfang Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 50 % somit abgedeckt. Die IV-Stelle nahm deshalb zu R echt keinen leidensbedingten Ab- zug vom Tabellenlohn vor. 5.4 Aus einer Gegenüberstellung des ermittelten Valide neinkommens von Fr. 51'801.-- und des Invalideneinkommens von 25'901.-- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 50 %. Die Versicher- te hat damit ab dem 1. Juni 2013 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die Verfassung und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 i n der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliege nd hätte deshalb die Beschwerdegegne- rin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. ln diesem Zusam- menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vor- behältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VP O - keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Pr ozess keine Verfahrenskosten erho- ben werden. Der Versicherten ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 6.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschw erdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Versicherten ist deshalb als o bsiegende Partei eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Ihr Rechts vertreter machte in seiner Hono- rarnote vom 10. Februar 2017 für das vorliegende Verf ahren einen Zeitaufwand von 7 Stunden geltend, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stelle nden Sachverhalts- und Rechts- fragen als an- gemessen erweist. Nicht zu beanstanden sin d sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 16.30. Es ist deshalb der Versicherten eine Parteientschädi- gung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 1'907.60 (7 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 16.30 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden die Verfü gungen der IV-Stelle vom 15. November 2016 und 12. Dezember 2016 aufgehobe n und es wird der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juni 201 3 eine halbe Invalidenrente zugesprochen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorsch uss in Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in Höhe von Fr. 1'907.60 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht