<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 130 S.607</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">607</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VII. Schulrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>130 Bewertung von schulischen Leistungen; Kognition der Rechtsmittelbe-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hörde.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Bezüglich der Bewertung von schulischen Leistungen darf die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Rechtsmittelbehörde ihre Kognition einschränken (Erw. 2 b).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Der Regierungsrat greift auf Beschwerde hin nur ein, wenn bei</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einer Prüfung Verfahrensfehler vorgekommen sind, die sich</b></span><br/> <span class="ft3"><b>auf das Promotions- oder Prüfungsergebnis auswirken können,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>oder wenn offensichtlich falsche Bewertungen vorgenommen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>worden sind oder die Behörde sich von Erwägungen hat leiten</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lassen, die keine oder keine massgebliche Rolle hätten spielen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dürfen; auch die Auslegung und Anwendung von Rechtsvor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schriften prüft er - soweit streitig - frei (Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Regierungsrates vom 21. Februar 2001 in Sachen A.U. gegen</span><br/> <span class="ft5">Erziehungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2. a) Der Beschwerdeführer wirft dem Erziehungsrat eine krasse</span><br/> <span class="ft7">Rechtsverweigerung vor, weil sich dieser bei Beschwerden gegen</span><br/> <span class="ft7">Prüfungs- und Promotionsentscheide trotz an sich freier Überprü-</span><br/> <span class="ft7">fungsbefugnis eine gewisse Zurückhaltung auferlege. Er ist der An-</span><br/> <span class="ft7">sicht, damit sollten lediglich künftige Beschwerden vermieden wer-</span><br/> <span class="ft7">den bzw. solle den Lehrpersonen nicht zu nahe getreten werden.</span><br/> <span class="ft7">b) Dieser Vorwurf des Beschwerdeführers trifft ins Leere: In der</span><br/> <span class="ft7">Schweiz herrscht nämlich ganz allgemein die Auffassung vor, dass</span><br/> <span class="ft7">die Bewertung von schulischen Leistungen von der Rechtsmittelbe-</span><br/> <span class="ft7">hörde nicht frei, sondern nur mit beschränkter Kognition zu überprü-</span><br/> <span class="ft7">fen sei (vgl. Martin Aubert, Bildungsrechtliche Leistungsbeurteilun-</span><br/> <span class="ft7">gen im Verwaltungsprozess, Bern / Stuttgart / Wien 1997, S. 107 ff.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">608</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Selbst das Bundesgericht erachtet Einschränkungen der Kognition</span><br/> <span class="ft7">bezüglich der Bewertung von schulischen Leistungen ausdrücklich</span><br/> <span class="ft7">als zulässig (vgl. BGE 118 Ia 495, 106 Ia 1 ff. und 99 Ia 586 ff.; vgl.</span><br/> <span class="ft7">auch Entscheid des ETH-Rates vom 16. September 1998 in</span><br/> <span class="ft7">ZBl 101/2000, S. 107 ff.). Es ist demnach anerkannt, dass die</span><br/> <span class="ft7">Rechtsmittelbehörde, die nach der gesetzlichen Ordnung mit freier</span><br/> <span class="ft7">Prüfung zu entscheiden hat, ihre Kognition einschränken kann, so-</span><br/> <span class="ft7">weit die Natur der Streitsache einer unbeschränkten Nachprüfung der</span><br/> <span class="ft7">angefochtenen Verfügung entgegen steht. Das ist namentlich der Fall,</span><br/> <span class="ft7">wenn die Rechtsmittelbehörde die dem angefochtenen Entscheid</span><br/> <span class="ft7">zugrunde liegenden tatsächlichen Verhältnisse nicht in gleicher</span><br/> <span class="ft7">Weise wie die untere Instanz zu beurteilen vermag und es ihr deshalb</span><br/> <span class="ft7">verwehrt ist, ihr Ermessen an die Stelle desjenigen der unteren</span><br/> <span class="ft7">Instanz zu setzen. Insbesondere Prüfungs- und Promotionsentscheide</span><br/> <span class="ft7">sind kaum überprüfbar, weil der Rechtsmittelbehörde zumeist nicht</span><br/> <span class="ft7">alle massgebenden Faktoren der Bewertung bekannt sind. So ist es</span><br/> <span class="ft7">ihr in der Regel nicht möglich, sich über den im Unterricht vermit-</span><br/> <span class="ft7">telten Stoff oder die Gesamtheit der Leistungen des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft7">rers bzw. der Beschwerdeführerin ein zuverlässiges Bild zu machen.</span><br/> <span class="ft7">Häufig verfügt die Rechtsmittelbehörde über keine eigenen Fach-</span><br/> <span class="ft7">kenntnisse in den zu beurteilenden Fachgebieten. Besondere Schwie-</span><br/> <span class="ft7">rigkeiten ergeben sich für die Nachprüfung überdies dann, wenn bei</span><br/> <span class="ft7">der Bewertung zu berücksichtigen ist, wie sich ein Schüler oder eine</span><br/> <span class="ft7">Schülerin während einer längeren Zeitspanne am Unterricht beteiligt</span><br/> <span class="ft7">hat. Der massgebende Sachverhalt kann in diesen Fällen durch Be-</span><br/> <span class="ft7">weiserhebungen der Rechtsmittelbehörde nicht vollständig re-</span><br/> <span class="ft7">konstruiert werden. Eine freie Überprüfung der Notengebung ist</span><br/> <span class="ft7">daher schon aus diesem tatsächlichen Grunde ausgeschlossen.</span><br/> <span class="ft7">3. Gleich wie der Erziehungsrat greift nun auch der Regierungs-</span><br/> <span class="ft7">rat gestützt auf die vorerwähnte bundesgerichtliche Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft7">auf Beschwerde hin nur ein, wenn bei einer Prüfung Verfahrensfehler</span><br/> <span class="ft7">vorgekommen sind, die sich auf das Promotions- oder Prüfungser-</span><br/> <span class="ft7">gebnis auswirken können, oder wenn offensichtlich falsche Bewer-</span><br/> <span class="ft7">tungen vorgenommen worden sind oder die Behörde sich von Erwä-</span><br/> <span class="ft7">gungen hat leiten lassen, die keine oder keine massgebliche Rolle</span><br/> <span class="ft7">hätten spielen dürfen (RRB Nr. ...). Auch die Auslegung und An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">609</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">wendung von Rechtsvorschriften prüft er - soweit streitig - mit freier</span><br/> <span class="ft7">Kognition (BGE 106 Ia 3). (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>