2003 1 Art. 3 und Art. 5 BGBM; Art. 11 lit. a und lit. c s owie Art. 18 Abs. 1 IVöB; Art. 21, Art. 23, Art. 27 und Art. 30 Abs. 1 VRöB. Öffentliche Vergabe eines komplexen planerischen Dienstleistung sauftrags im Ein- ladungsverfahren; Unveränderbarkeit der Angebote, G leichbehandlung der Submissionsteilnehmer, Eignung der Anbieter, Rü ckweisung an die Vergabebehörde (Entscheid des Obergerichts Nr. 60/2003/46 vom 31. De- zember 2003 i.S. C. AG). Die Vergabebehörde muss sich bei der gewählten Ver fahrensart behaften lassen, d.h. die dafür geltenden Grundsätze einhalten (E. 3). Wird ein Angebot in Absprache mit der Vergabebehör de nachträglich nicht nur verdeutlicht, sondern inhaltlich-qualitat iv verändert, so verstösst dies gegen die Grundsätze der Unveränderbarkeit der Angebote und der Gleichbehandlung der Submissionsteilnehmer (E. 4b und d). Die massgeblichen Eignungs- und Zuschlagskriterien und deren Gewich- tung müssen grundsätzlich zu Beginn des Verfahrens festgelegt und den Inte- ressenten mitgeteilt werden; allenfalls ist die Eig nung nach den bekanntgege- benen allgemeinen Kriterien zu überprüfen. Bei komp lexen Dienstleistungs- aufträgen kann – auch im Einladungsverfahren – eine bei der Eignungs- prüfung festgestellte Mehreignung in die Bewertung der Zuschlagskriterien einbezogen werden (E. 4c und d). Unter den gegebenen Umständen ist die Sache ohne v erbindliche Anord- nungen an die Vergabebehörde zurückzuweisen (E. 4e). Das Tiefbauamt des Kantons Schaffhausen erstellte ein Konzept zur Er- stellung, Nachführung und Umsetzung von Grundlagen zu den Naturgefahren (Hochwasser und Rutschungen); es lud in der Folge v ier Ingenieurbüros ein, Offerten zur Bearbeitung des Ereigniskatasters und der Gefahrenhinweiskarte für Hochwasser einzureichen. Die eingeladenen Firme n A. AG und B. AG reichten eine gemeinsame Offerte ein; die beiden an dern eingeladenen Fir- men, darunter die C. AG, offerierten je selbständig . Das Tiefbauamt klärte in der Folge bei den einzelnen Büros nicht nur Verstän dnisfragen ab, sondern forderte wo nötig auch qualitative Nachbesserungen ein, inklusive Angabe der Zusatzkosten. Bei der C. AG führte dies zu eine r Revision der Offerte (höherer Preis sowie technischer Support durch die D. AG). Der bereinigte Offertbetrag der Arbeitsgemeinschaft A. AG und B. A G belief sich ein- schliesslich Mehrwertsteuer auf Fr. 127'678.16 (Kos tendach Fr. 128'000.–), 2003 2 derjenige der C. AG auf Fr. 104'029.20 (Kostendach Fr. 119'700.–). Gestützt auf einen Bericht des Tiefbauamts beschloss der Reg ierungsrat, die Arbeiten der C. AG zu vergeben. Hiegegen erhoben die A. AG und die B. AG Be- schwerde ans Obergericht; sie beantragten, den Zusc hlag ihrer Arbeits- gemeinschaft zu erteilen. Das Obergericht hiess die Beschwerde gut, hob den Vergabeentscheid auf und wies die Sache zur neuen E ntscheidung an die Vergabebehörde zurück. Aus den Erwägungen: 3.– Die Vergabe wurde im Einladungsverfahren vorgenom men. Dies war – da es sich um einen Auftrag im von Staatsvert rägen nicht erfassten Be- reich unterhalb des einschlägigen Schwellenwerts ha ndelt – grundsätzlich zu- lässig (Art. 12 bis Abs. 2 i.V.m. Art. 12 Abs. 1 lit. b bis der Interkantonalen Ver- einbarung über das öffentliche Beschaffungswesen vo m 25. November 1994 / 15. März 2001 [IVöB, SHR 172.510, SR 172.056.5]). E s hat zur Folge, dass sich die Vergabebehörde – die den Auftrag prinzipie ll auch im freihändigen Verfahren hätte vergeben können (vgl. den entsprechenden Schwellenwert für Dienstleistungsaufträge in Anhang 2 IVöB) – bei der gewählten Verfahrensart behaften lassen, d.h. die dafür geltenden Grundsätz e einhalten muss (Galli/ Moser/Lang , Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, Züric h/Basel/Genf 2003, S. 73, Rz. 154, mit Hinweis). Auch im Einladungsverfahren ist der Grundsatz der Nichtdiskriminie- rung bzw. Gleichbehandlung der Anbieter einzuhalten (Art. 1 Abs. 3 lit. b und Art. 11 lit. a IVöB; Art. 3 und Art. 5 des Bundesge setzes über den Binnen- markt vom 6. Oktober 1995 [BGBM, SR 943.02]). Daneb en sind auch die verfassungsmässigen allgemeinen Grundsätze verwaltungsmässigen Handelns – wie z.B. das Verbot von Willkür und rechtsungleic her Behandlung, der Grundsatz von Treu und Glauben sowie das Gebot eine s fairen Verfahrens bzw. eines fairen Wettbewerbs – zu beachten (vgl. E ntscheid des Ver- waltungsgerichts des Kantons Aargau vom 3. November 1997, E. 1, mit Hin- weisen, AGVE 1997, S. 348 f.). Die Pflicht zur Gleichbehandlung bedeutet im Besch affungswesen, dass keinem der anbietenden Unternehmen Nachteile auferl egt werden dürfen, die für andere nicht gelten, und dass keiner Anbieterin und keinem Anbieter Vor- teile gewährt werden dürfen, die anderen verwehrt s ind (Galli/Lehmann/ Rechsteiner , Das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz, Zürich 1996, S. 61, Rz. 194). 4.– Die Beschwerdeführerinnen beanstanden, dass die a ndern Offerten, 2003 3 d.h. insbesondere diejenige der schliesslich berück sichtigten Anbieterin, einer unstatthaften Nachbearbeitung unterworfen worden seien. a) Gemäss Art. 23 der Vergaberichtlinien zur Interka ntonalen Vereinba- rung über das öffentliche Beschaffungswesen vom 15. April 2003 (VRöB, SHR 172.512) muss das Angebot innerhalb der Frist v ollständig eingereicht werden (Abs. 1). Es darf nach Ablauf der Frist nich t mehr geändert werden (Abs. 3). Nachträgliche Ergänzungen sind nur im engen Rahmen von Berichtigun- gen und Erläuterungen nach Art. 28 Abs. 2 und Art. 29 VRöB zulässig. Sie dürfen jedoch nicht dazu dienen, den Inhalt des zu vergebenden Auftrags oder des eingereichten Angebots nachträglich zu ändern. Insbesondere sind Ver- handlungen zwischen der Auftraggeberin oder dem Auf traggeber und den Anbieterinnen oder Anbietern über Preise, Preisnach lässe und Änderungen des Leistungsinhalts in diesem Zusammenhang unzuläs sig (Verbot von Ab- gebotsrunden; Art. 11 lit. c IVöB i.V.m. Art. 30 Ab s. 1 VRöB; vgl. auch Art. XIV Ziff. 3 des WTO-Übereinkommens über das öf fentliche Beschaf- fungswesen vom 15. April 1994 [SR 0.632.231.422], w onach die Beschaf- fungsstellen davon absehen sollen, bestimmten Anbie tern vertrauliche Infor- mationen weiterzugeben mit dem Ziel, deren Angebote auf das Niveau ande- rer Teilnehmer zu heben). b) In der Vergabemitteilung ... wies das Tiefbauamt darauf hin, dass die in der Eingabefrist (...) eingereichten Offerten ei n unausgewogenes Bild mit grossen Preisdifferenzen in der einen und beträchtl ichen Qualitätsunterschie- den in der anderen Richtung ergeben hätten; zur Wah l habe eine gute Qualität zu einem eher hohen Preis und ein günstiger Preis b ei eher bescheidener Qua- lität gestanden. In dieser Situation habe man sich entschlossen, wo nötig Qua- litätsverbesserungen inkl. entsprechender Zusatzkos ten nachzufordern und dann über den Preis den Vergabeentscheid zu fällen. Im Bericht zum Antrag an den Regierungsrat sprach das Tiefbauamt so- gar von einem "sehr unausgewogenen" Ergebnis. Die W ahlmöglichkeiten – gute Qualität zu einem hohen Preis und günstiger Pr eis bei bescheidener Qua- lität – hätten beide nicht zu befriedigen vermocht. In der Folge seien bei den einzelnen Büros nicht nur Verständnisfragen abgeklä rt, sondern wo nötig auch qualitative Nachbesserungen, inklusive Angabe der Zusatzkosten, ein- gefordert worden. Bei der C. AG habe dies zur einer Revision der Offerte ge- führt (höherer Preis sowie technischer Support durc h die D. AG). Nachdem auf diese Weise alle Offerten auf den gleichen tech nischen Stand gebracht worden seien, könne der Vergabeentscheid über den Preis gefällt werden. Die C. AG bestätigte in ihrer Stellungnahme vom 24 . November 2003, dass sie aufgrund ihrer Offerte vom 30. Juli 2003 v om kantonalen Tiefbauamt 2003 4 aufgefordert worden sei, Qualitätsverbesserungen vo rzunehmen. Für den Be- reich Qualitätssicherung habe sie die D. AG als Unt erakkordantin gewinnen können. Ihre überarbeitete Offerte vom 13. Oktober 2003 habe gegenüber dem ursprünglichen Angebot erweiterte Leistungen im Bereich Qualitäts- sicherung zu einem entsprechend erhöhten Preis umfa sst. In der Stellung- nahme vom 16. Dezember 2003 führte die C. AG ergänz end aus, da die Aus- schreibung des Tiefbauamts viele Punkte offengelass en habe, hätten die ein- gereichten Offerten offenbar Unterschiede aufgewies en, die einen Vergleich erschwert hätten. Um die Vergleichbarkeit der Offer ten zu erhöhen, habe sie daraufhin die Gelegenheit erhalten, Qualitätsverbes serungen vorzunehmen und ein Kostendach zu definieren. Sie sei mündlich darauf hingewiesen wor- den, dass diese Überarbeitung lediglich der Verglei chbarkeit der Offerten diene. Sie habe daraufhin für die Qualitätssicherung die D. AG in das Projekt- team einbezogen. Aus den Vergabeakten ergibt sich, dass die C. AG a m 21. August 2003 eine gemäss Telefongespräch mit dem zuständigen Mit arbeiter des Tiefbau- amts überarbeitete Offerte einreichte. Sie wies dar auf hin, dass die Ergänzun- gen vor allem die Modellierung der Überschwemmungsf lächen beträfen; daneben fielen zusätzlich zu erhebende Datenebenen ins Gewicht, welche als Parameter für die Modellierung notwendig seien. Das neu eingereichte An- gebot ersetze die zuerst eingereichte Version. Am 1 3. Oktober 2003 reichte die C. AG eine weitere "angepasste" Offerte ein, we lche die vorige Version ersetze. Sie erklärte dabei, es sei ihr gelungen, m it der D. AG eine Zusam- menarbeit zu vereinbaren. Schwerpunkte der gemeinsa men Arbeit seien die Umsetzung der Arbeitsschritte (Methodik), die Besti mmung der hydrologi- schen Parameter, die Modellierung und vor allem die Qualitätssicherung nach den einzelnen Arbeitsschritten. Darüber hinaus werd e vor der Abgabe der Karten und des Berichts eine Qualitätskontrolle durch die D. AG durchgeführt (second opinion). Dies zeigt, dass es im Ergebnis nicht nur um eine an sich zulässige Be- richtigung oder Erläuterung bzw. um blosse Verdeutl ichungen des Angebots der C. AG im Hinblick auf die Vergleichbarkeit der verschiedenen Angebote ging. Vielmehr hat die C. AG in Absprache mit dem T iefbauamt ihr Angebot – insbesondere auch den Leistungsinhalt – nachträgl ich erheblich geändert und es erst so auf einen für das Tiefbauamt annehmb aren Qualitätsstand ge- bracht. Ihre ursprüngliche Offerte wurde vom neuen Angebot ersetzt; sie wurde daher letztlich gleichsam zurückgezogen und s tand jedenfalls als sol- che bei der Vergabe nicht mehr zur Diskussion. Dieses Vorgehen widerspricht dem Grundsatz der Unv eränderbarkeit der Angebote. Der Regierungsrat hat damit, dass er eine m nach Ablauf der Ein- gabefrist noch wesentlich überarbeiteten, entscheid end veränderten bzw. ver- 2003 5 besserten Angebot den Zuschlag erteilt hat, nicht n ur die einschlägigen Ver- fahrensvorschriften verletzt, sondern angesichts de r letztlich tolerierten Nach- verhandlungen, die zur Anhebung des Niveaus des Ang ebots geführt haben, auch die C. AG rechtsungleich bevorteilt, d.h. gege n den Grundsatz der Gleichbehandlung der Submissionsteilnehmer verstossen. ... Regierungsrat und Tiefbauamt weisen zwar generell darauf hin, dass es bei Planungsaufträgen "mitunter schwierig" sei, den Vertragsgegenstand und die verlangte Leistung umfang- und qualitätsmässig exakt zu definieren, wes- halb Gespräche mit den Bewerbern nicht ausgeschloss en werden dürften. Sie machen aber nicht – jedenfalls nicht substantiiert – geltend, diese Problematik habe im vorliegenden Fall dazu geführt, dass ihre s pezifischen Bedürfnisse erst im Verlauf des Vergabeverfahrens konkretisiert bzw. richtig erkannt wor- den seien. Auch dies hätte es im übrigen nicht gere chtfertigt, letztlich nur mit der schliesslich berücksichtigten Anbieterin eigent liche Gespräche über die geänderten inhaltlichen und qualitativen Anforderun gen zu führen. Vielmehr wäre gerade in diesem Fall besondere Transparenz ge boten gewesen. Wenn der Auftragsgegenstand – wie dies bei einem technis ch komplexen Auftrag unter Umständen zulässig sein mag – relativ offen u mschrieben wird, ist sei- tens der Vergabebehörde eine grössere Sorgfalt erfo rderlich, um die Gleich- behandlung der Bewerber zu gewährleisten (Entscheid des Verwaltungs- gerichts des Kantons Zürich vom 19. Mai 1999, E. 4b, BEZ 1999 Nr. 15). c) In der Einladung zur Offertstellung bzw. in den V ergabeunterlagen wurden keine Zuschlagskriterien genannt. Regierungs rat und Tiefbauamt sind daher der Auffassung, dass allein der Preis als Zus chlagskriterium gelten könne, da nicht nachträglich noch Qualitätserforder nisse und Gewichtungen hätten eingefügt werden können; im übrigen würden i m Einladungsverfahren nur Bewerber eingeladen, die zur Auftragserfüllung fähig seien. Es ist grundsätzlich zwischen den Eignungskriterie n und den Zuschlags- kriterien zu unterscheiden. Die Eignungskriterien d ienen dazu, festzustellen, ob ein Anbieter über die für die Erfüllung des Auft rags erforderliche Leis- tungsfähigkeit in finanzieller, wirtschaftlicher, f achlicher, technischer und or- ganisatorischer Hinsicht verfügt (vgl. Art. 21 VRöB ). Sie beziehen sich im- mer auf die Person des Anbieters, nicht auf sein An gebot. Demgegenüber wird anhand der Zuschlagskriterien unter den geeign eten Anbietern das wirt- schaftlich günstigste Angebot ermittelt. Den Zuschl ag erhält der Anbieter, von dem feststeht, dass er voll in der Lage ist, de n Auftrag zu erfüllen, und dessen Angebot als das wirtschaftlich günstigste bz w. billigste beurteilt wird (Matthias Hauser , Zuschlagskriterien im Submissionsrecht, AJP 2001, S. 1406, mit Hinweisen). 2003 6 Die Vergabebehörde legt die für eine Beschaffung m assgeblichen Eig- nungs- und Zuschlagskriterien im Hinblick auf die B esonderheiten des jewei- ligen Auftrags fest. Um die notwendige Transparenz des Vergabeverfahrens zu gewährleisten, müssen die Kriterien zu Beginn de s Verfahrens festgelegt und den Interessenten mit den Ausschreibungsunterla gen bekanntgegeben werden. Aus der Bekanntgabe muss ferner ersichtlich sein, welches Gewicht die Vergabebehörde den einzelnen Kriterien beimisst ; sie hat daher die Eig- nungs- und Zuschlagskriterien im voraus in der Reih enfolge ihrer Bedeutung darzulegen oder zumindest die relative Bedeutung, d ie sie den einzelnen Kri- terien beimessen will, ersichtlich zu machen (Art. 12 lit. h und lit. m sowie Art. 14 lit. g und lit. i VRöB; Entscheide des Verw altungsgerichts des Kan- tons Zürich vom 17. Februar 2000, E. 4b/aa, BEZ 200 0 Nr. 27, und vom 7. Juli 1999, E. 5a, mit Hinweisen, ZBl 2000, S. 27 3; vgl. auch Galli/ Moser/Lang , S. 136 f., 207 ff., Rz. 301 f., 445 ff., mit Hinweisen). Bei komplexen Dienstleistungsaufträgen wie etwa Pl anungen, wo die Fachkompetenz bzw. die Qualifikation des Anbieters eine grosse Rolle spielt, ist es im übrigen – trotz grundsätzlicher Trennung zwischen Eignungs- und Zuschlagskriterien – allenfalls zulässig, eine bei der Eignungsprüfung auf- grund der Fachkompetenz und der Referenzen festgest ellte "Mehreignung" in die nachfolgende Bewertung der Zuschlagskriterien einfliessen zu lassen (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Aarga u vom 4. November 1999, E. 2b, mit Hinweisen, AGVE 1999, S. 329 f.). Den eingeladenen Ingenieurbüros wurden hier in der Tat keine eigent- lichen Zuschlagskriterien bekanntgegeben. In den "A ngaben zur Offert- stellung" hat das Tiefbauamt aber festgehalten, die Offerten sollten unter an- derem "eine Liste der für die Arbeiten vorgesehenen Sachbearbeiter, deren 'curriculi vitae', die Bearbeitungshilfsmittel, Ref erenzen des Ingenieurbüros von ähnlichen Arbeiten" etc. umfassen. Damit hat es schon zu Beginn zu er- kennen gegeben, dass es zumindest die fachliche Qua lifikation bzw. Er- fahrung der Sachbearbeiter und die einschlägigen Re ferenzen der einzelnen Büros und damit die auftragsbezogene Erfahrung als massgeblich betrachte, auch wenn es dabei nicht ausdrücklich von Eignungs- oder allenfalls Zu- schlagskriterien sprach. Zwar hat es wohl bereits m it der Einladung die grundsätzliche Eignung der eingeladenen Ingenieurbü ros vorausgesetzt. Auch innerhalb von grundsätzlich geeigneten Anbietern un d Anbieterinnen können aber Unterschiede bestehen, die allenfalls in die W ertung einbezogen werden dürfen; insoweit ist auch im Einladungsverfahren ei ne Eignungsprüfung zu- lässig (vgl. Galli/Moser/Lang , S. 138 f., Rz. 310, mit Hinweis; vgl. auch Gal- li/Lehmann/Rechsteiner , S. 117, Rz. 369, wonach die Eignung der Anbiete- rinnen und Anbieter grundsätzlich in jedem Vergabev erfahren zu prüfen sei). 2003 7 Eine solche liegt speziell bei einem Auftrag, bei w elchem es – wie hier – kla- rerweise nicht um weitgehend standardisierte Güter geht, durchaus nahe. Das Tiefbauamt hat denn auch in seiner Vergleichst abelle vom 16. Okto- ber 2003 eine Position "Qualität + Erfahrung" aufgeführt. Diese wurde bei der C. AG in den Teilbereichen "Naturgefahren" und "Hoc hwasser" nur aufgrund des – nachträglichen und insoweit unzulässigen (vgl . oben, lit. b) – Beizugs der D. AG als "hoch" bewertet; ohne diesen Beizug w äre sie als "niedrig" be- wertet worden. Das Tiefbauamt ist somit davon ausge gangen, die C. AG al- lein sei mit Blick auf die Qualität und Erfahrung f ür den Auftrag deutlich we- niger gut geeignet als die Arbeitsgemeinschaft der Beschwerdeführerinnen. Da die Fachkompetenz und die Referenzen in den "Ang aben zur Offertstel- lung" als massgebliche Kriterien angesprochen worde n waren, hätte dies aber – entgegen der nunmehr vertretenen Auffassung von R egierungsrat und Tief- bauamt – letztlich durchaus berücksichtigt werden d ürfen und müssen (vgl. auch Galli/Moser/Lang , S. 138, Rz. 307, mit Hinweis, wonach dann, wenn keine Eignungskriterien bekanntgegeben worden sind, höchstens – aber im- merhin – "sehr allgemeine objektive und überprüfbar e Kriterien" heran- gezogen werden könnten). d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das nachtr äglich geänderte, insoweit nicht innert der Eingabefrist eingereichte Angebot der C. AG nicht hätte berücksichtigt werden dürfen (vgl. Art. 27 li t. h VRöB). Da das (zwei- mal) geänderte Angebot nach ausdrücklichen Angaben der C. AG das ur- sprüngliche Angebot ersetzte, muss dieses sodann – wie erwähnt (oben, lit. b) – als zurückgezogen gelten, so dass nicht damit arg umentiert werden kann, bei Ausschluss des geänderten Angebots hätte statt dessen das ursprüngliche Angebot berücksichtigt werden müssen. Im übrigen wä re beim ursprüng- lichen Angebot – noch ohne erfahrene Unterakkordant in – die festgestellte Mindereignung der C. AG im Rahmen der Fachkompetenz und Erfahrung zu beachten gewesen, sei es direkt als Ausschlussgrund (vgl. Art. 27 lit. a VRöB; Galli/Moser/Lang , S. 134, Rz. 296) oder aber als in den "Angaben zu r Of- fertstellung" erwähntes, mitentscheidendes Zuschlagskriterium. Der Regierungsrat hat demnach mit dem angefochtene n Vergabe- entscheid gegen die einschlägigen Verfahrensvorschr iften verstossen und da- bei das Transparenz- und das Gleichbehandlungsgebot sowie im Ergebnis das Gebot eines fairen Wettbewerbs verletzt. Die Beschw erde erweist sich somit als grundsätzlich begründet. e) Ein allfälliger Vertragsschluss mit der berücksic htigten Anbieterin hätte dem Obergericht mitgeteilt werden müssen (Art . 14 Abs. 2 IVöB). Dies ist bisher nicht geschehen; es ist daher davon ausz ugehen, dass der Vertrag noch nicht abgeschlossen worden ist. Das Obergerich t kann somit nunmehr 2003 8 die Aufhebung des Vergabeentscheids beschliessen un d in der Sache selbst entscheiden oder sie an die Vergabebehörde mit oder ohne verbindliche An- ordnungen zurückweisen (Art. 18 Abs. 1 IVöB). Da aufgrund der Vergabeakten mit den Beschwerdefüh rerinnen keine eigentlichen Nachverhandlungen geführt worden sind, welche – wie bei der C. AG – zu einem nachträglich unzulässig veränderte n Angebot geführt hät- ten (...), wäre ein Zuschlag an sie grundsätzlich m öglich. Angesichts dessen, dass aufgrund der Dauer des Verfahrens insbesondere der Terminplan zu ü- berprüfen sein dürfte und den geänderten Verhältnis sen allenfalls mit ergän- zenden Nebenbestimmungen oder vertraglichen Regelun gen Rechnung zu tragen ist, erscheint eine direkte Vergabe durch da s Obergericht nicht als an- gezeigt. Im übrigen ist das Tiefbauamt während des Vergabeverfahrens offenbar zur Auffassung gelangt, der eingeschlagene Weg – ohne Konkreti- sierung der massgeblichen Kriterien insbesondere au ch bezüglich ihrer Ge- wichtung – sei zumindest unbefriedigend; es hat die Frage eines allfälligen Abbruchs oder einer Neuauflage des Verfahrens aufge worfen. Der Auftrag- geber oder die Auftraggeberin kann denn auch aus wi chtigen Gründen das Verfahren abbrechen oder wiederholen (Art. 36 Abs. 1 VRöB [welche Be- stimmung eine nicht abschliessende Aufzählung mögli cher wichtiger Gründe enthält]). Ob dies im vorliegenden Fall gerechtfert igt wäre, muss mit Blick darauf, dass dies im vorliegenden Verfahren nicht P rozessgegenstand war, einstweilen dem Entscheid der Vergabebehörde vorbeh alten bleiben. Diese wird insbesondere bei einer allfälligen Wiederholun g des Verfahrens die ein- schlägigen Verfahrensgrundsätze einzuhalten haben. Stehen demnach der Vergabebehörde verschiedene Mög lichkeiten offen, so ist der angefochtene Vergabeentscheid aufzuheben , und die Sache ist ohne verbindliche Anordnungen zurückzuweisen.