23. Juni 1995 N 1625 Interpellation Keller Rudolf #ST# 95.3134 Interpellation Keller Rudolf Kosten des neuen Krankenversicherungsgesetzes Coût de la nouvelle loi sur ('assurance-maladie Wortlaut der Interpellation vom 21. März 1995 Die letzten Jahre haben gezeigt, dass trotz dringlichen Bun- desbeschlüssen, welche kostendämpfend wirkten, die Prä- mien gleichwohl um mehr als den Teuerungsfaktor angestie- gen sind. Provisorische Berechnungen der Kantone haben ergeben, dass nach neuem Gesetz rund 35 Prozent aller Versicherten subventioniert werden können. Dabei gibt es Kantone, die schon bisher Prämienverbilligungen vornah- men, neu dann aber rund das Doppelte an Verbilligungsbei- trägen auszurichten haben. Im Vorfeld der Abstimmung wurde vom Bundesamt für Sozialversicherung und den Ge- setzesbefürwortern behauptet, dass bis zu 65 Prozent aller Prämienzahlerinnen und -zahler in den Genuss von Verbilli- gungen kommen würden. Heute geht man aber offenbar da- von aus, dass das vorhandene Geld nur für etwas mehr als 35 Prozent aller Prämienzahlerinnen und -zahler ausreicht, weil die Kantone, gemäss Kompetenz im KVG, die Subven- tionspraxis verschärft haben. Dies hat zur Folge, dass auch für minderbemittelte Familien nicht so viel Geld vorhanden ist wie ursprünglich angenommen. Ich frage deshalb den Bundesrat: 1. Geht er heute auch davon aus, dass statt gegen 65 Prozent nur rund 35 Prozent aller Prämienzahlerinnen und -zahler Verbilligungen erhalten? Wenn ja, hat das vor al- lem Auswirkungen auf «Leute mit kleinem Portemonnaie», oder welche Personengruppen sind vor allem betroffen? 2. Wie bewertet er diese Situation, und was für Gründe sind hierfür massgebend? 3. Ist unter den heutigen Vorzeichen nicht zu erwarten, dass die gesamte KVG-Revision teurer zu stehen kommt als noch 1994 optimistisch angenommen? Texte de l'interpellation du 21 mars 1995 II s'est avéré au cours des dernières années que les primes de l'assurance-maladie ont augmenté plus rapidement que le taux de renchérissement en dépit des arrêtés fédéraux ur- gents destinés à réduire les coûts. Selon des calculs provi- soires faits par les cantons, 35 pour cent des assurés peu- vent obtenir des subventions aux termes de la nouvelle loi. Or certains cantons accordaient déjà des subventions desti- nées à réduire les primes; ils doivent à présent doubler ces subventions. A la veille de la votation, l'Office fédéral des as- surances sociales et les partisans du projet de loi avaient af- firmé que jusqu'à 65 pour cent des personnes devant payer des primes profiteraient de l'abaissement de celles-ci. Ac- tuellement, on semble admettre que seuls un peu plus de 35 pour cent des assurés bénéficieront de la mesure préci- tée, parce que les cantons ont adopté une pratique plus stricte, comme la loi sur l'assurance-maladie les y autorise. Il s'ensuit qu'on ne dispose pas de fonds suffisants même pour les familles peu fortunées, contrairement aux prévisions. Je demande au Conseil fédéral de répondre aux questions suivantes: 1. Admet-il qu'environ 35 pour cent seulement des person- nes qui payent des primes, au lieu de 65 pour cent, bénéfi- cient de réductions? Si tel est le cas, quels sont les groupes qui en tirent surtout profit? S'agit-il de personnes peu fortu- nées? 2. Comment juge-t-il cette situation et quelles en sont les rai- sons? 3. Ne faut-il pas s'attendre, dans la situation actuelle, à ce que la révision de la loi sur l'assurance-maladie coûte plus cher qu'on ne l'avait encore admis avec optimisme en 1994? Mitunterzeichner- Cosignataires: Keine - Aucun Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 24. Mai 1995 Rapport écrit du Conseil fédéral du 24 mai 1995 1. Die Schätzungen für das Jahr 1993, basierend auf dem Subventionierungssystem gemäss der Botschaft des Bun- desrates vom 6. November 1991, haben in der Tat ergeben (Tabelle S. 150), dass bei einer Übernahme der Prämien durch die Kantone in den Fällen, in denen die Prämien 8 Prozent des steuerbaren Einkommens übersteigen, 61 Prozent aller Versicherten Anspruch auf Subventionen gehabt hätten. Es handelte sich dabei um Schätzungen für den Fall der Anwendung eines einheitlichen Systems. Das Parlament hat sich für ein anderes System entschieden. Deshalb ist in der Abstimmungskampagne ein solcher Pro- zentsatz nicht verwendet worden. Vorhersagen sind nur mit grosser Vorsicht gemacht worden, weil die Kantone die Ver- teilung der Bundessubventionen selbst vornehmen, wobei deren Höchstbeträge für die nächsten vier Jahre gesetzlich festgelegt sind. Sie können unter Berücksichtigung der wirt- schaftlichen Situation der Versicherten entscheiden, nur ei- nen Teil der Bevölkerung stark zu subventionieren oder die finanzielle Hilfe gleichmässig zu verteilen. Weiter haben sie die Möglichkeit, den Bundesbeitrag, auf den sie Anspruch hätten, und den von ihnen zu leistenden Anteil je um 50 Prozent zu reduzieren. Die kantonalen Ausführungsbe- stimmungen sind jedoch noch nicht bekannt, weshalb es im jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Verschiedene Informationen weisen darauf hin, dass mehrere Kantone nicht den Gesamtbetrag der möglichen Subventionen beanspruchen werden. Aufgrund dieser Hinweise können wir jedoch keine verbindlichen Aus- sagen betreffend die Art und Weise, wie sie die Subventio- nen unter den Versicherten ihres Kantons verteilen werden, machen. Der Bundesrat hat im Rahmen der Volksabstimmung vom 4. Dezember 1994 darauf bestanden, dass es Aufgabe der Kantone ist, ein Prämienverbilligungssystem auszuarbeiten. Er konnte demzufolge keine präzisen Angaben über die Zahl der Versicherten machen, die in den Genuss von Subventio- nen kommen werden. 2. Der Bundesrat sorgt gemäss Artikel 66 Absatz 5 KVG da- für, dass eine Kürzung der Bundesbeiträge nur möglich ist, wenn «die Prämienverbilligung für Versicherte in bescheide- nen wirtschaftlichen Verhältnissen trotzdem sichergestellt ist». Das 1991 vorgeschlagene System kann in diesem Rah- men als Referenz dienen. 3. Die 1994 durchgeführten Schätzungen, welche die ge- samten Kosten der beschlossenen Zusatzleistungen inte- grierten, wurden grundsätzlich nicht bestritten. Der Bundes- rat unterstreicht zudem, dass die mit dem neuen Krankenver- sicherungsgesetz eingeführten Instrumente mit Sicherheit Auswirkungen haben werden, die in den Jahren nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes zum Tragen kommen wer- den. Die Krankenversicherer sind von den positiven Auswir- kungen auf die Kosten überzeugt. Erklärung des Interpellanten: befriedigt Déclaration de l'interpellateur: satisfaitSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Keller Rudolf Kosten des neuen Krankenversicherungsgesetzes Interpellation Keller Rudolf Coût de la nouvelle loi sur l'assurance-maladie In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1995 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 16 Séance Seduta Geschäftsnummer 95.3134 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 23.06.1995 - 08:00 Date Data Seite 1625-1625 Page Pagina Ref. No 20 025 842 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.