<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: SB.2005.00021</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=205100&amp;W10_KEY=4467138&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>SB.2005.00021</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 25.05.2005</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Steuerrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Einschätzung 1997 und 1998</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Verfahrenssukzession der Erben<br/>Verhältnis zum Willensvollstrecker<br/>Akteneinsicht<br/><br/>In die Rechte und Pflichten eines verstorbenen Steuerpflichtigen treten dessen Erben ein. Hat der Erblasser in seiner letztwilligen Verfügung einen Willensvollstrecker eingesetzt, so ist den Erben im Umfang der entsprechenden zivilrechtlichen Vorgaben die Verfügungsmacht über die Erbschaft entzogen und steht dem Willensvollstrecker anstelle der materiell berechtigten Erben die aktive und passive Prozessführungsbefugnis in eigenem Namen und als Partei zu. In der Lehre ist allerdings umstritten, inwieweit die Einsetzung eines Willensvollstreckers die steuerverfahrensrechtliche Stellung der Erben zu beschränken vermag. Diese Frage kann auch vorliegend offen bleiben: Da die Erben nämlich solidarisch mit ihrem ganzen Vermögen, wenn auch beschränkt bis zur Höhe ihrer Erbteile, für die Steuerschulden des Erblasser haften, müssen ihnen jedenfalls diejenigen Verfahrensrechte zugestanden werden, die für die Wahrung ihrer Interessen als solidarisch haftende Steuerschuldner - auch gegenüber dem Willensvollstrecker in aufsichts- und zivilrechtlicher Hinsicht - unentbehrlich sind. Dazu gehört - grundsätzlich - auch das Akteneinsichtsrecht, und eine entsprechende Verweigerung muss auf dem Rechtsmittelweg angefochten werden können. <br/>Da vorliegend die Akteneinsicht ohne Begründung nicht gewährt worden ist, sind sämtliche vorinstanzlichen Entscheide aufzuheben.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: NACHLASSSCHULDEN">NACHLASSSCHULDEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PROZESSFÃHRUNGSBEFUGNIS">PROZESSFÃHRUNGSBEFUGNIS</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: STEUERNACHFOLGE">STEUERNACHFOLGE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERFAHRENS(GRUND)RECHTE">VERFAHRENS(GRUND)RECHTE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Steuerrecht UR: Organisation der SteuerbehÃ¶rden und Verfahrensgr. ST: VERFAHRENSGRUNDSÃTZE">VERFAHRENSGRUNDSÃTZE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERFAHRENSNACHFOLGE">VERFAHRENSNACHFOLGE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WILLENSVOLLSTRECKER">WILLENSVOLLSTRECKER</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZAHLUNGSNACHFOLGE">ZAHLUNGSNACHFOLGE</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">§ 14 aStG</span><br/><span class="gerade">§ 15 Abs. IV aStG</span><br/><span class="ungerade">Art. 114 Abs. IV DBG</span><br/><span class="gerade">§ 124 Abs. II StG</span><br/><span class="ungerade">§ 147 Abs. IV StG</span><br/><span class="gerade">§ 148 StG</span><br/><span class="ungerade">Art. 518 ZGB</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">RB 2005 Nr. 90 S. 203</span><br/><span class="ungerade">STE 2006 Nr. 7</span><br/> </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>A und B heirateten 1998. Die Eheleute wurden bis zum 31. Dezember 1998 getrennt besteuert. Am 3. Februar 1999 verstarb der Ehemann und hinterliess als gesetzliche Erben A sowie C, D und E, die Kinder aus erster Ehe. In seinem Testament vom 12. Dezember 1998 hatte B die F AG als Willensvollstreckerin eingesetzt, welche das Mandat annahm und auch ausÃ¼bte.</p> <p class="Urteilstext"><span>Die im Zeitpunkt des Todes noch hÃ¤ngigen Verfahren betreffend die EinschÃ¤tzungen von B fÃ¼r die Steuerjahre 1997 und 1998 schloss das kantonale Steueramt mit EinschÃ¤tzungsentscheiden vom 17. September 2002 ab. Die ErÃ¶ffnung der EinschÃ¤tzungen erfolgten einzig an die F AG als Willensvollstreckerin im Nachlass des verstorbenen Pflichtigen.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Das kantonale Steueramt erÃ¶ffnete der Witwe A am 28. April 2004 auf deren Verlangen als "EinschÃ¤tzungsentscheide" von B bezeichnete VerfÃ¼gungen fÃ¼r die Steuerjahre 1997 und 1998, ohne jedoch die Steuerfaktoren und deren Zusammensetzung anzugeben und mit dem Hinweis versehen, die EinschÃ¤tzungen seien rechtskrÃ¤ftig geworden. Zur BegrÃ¼ndung fÃ¼hrte es an, fÃ¼r die Steuerveranlagung sei nur der Willensvollstrecker zustÃ¤ndig und nicht die Erben. An diesem Standpunkt hielt das kantonale Steueramt mit Einspracheentscheid vom 22. November 2004 fest.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Der Einzelrichter der Steuerrekurskommission II trat auf den Rekurs von A am 10. Januar 2005 nicht ein. Er erwog, diese sei angesichts der Bestellung eines Willensvollstreckers im Nachlass ihres verstorbenen Ehegatten als Erbin nicht rechtsmittelbefugt und daher bezÃ¼glich dessen EinschÃ¤tzungen 1997 und 1998 weder zur Einsprache noch zum Rekurs legitimiert.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Mit Beschwerde vom 14. Februar 2005 beantragte A dem Verwaltungsgericht im Wesentlichen, es sei die vorinstanzliche VerfÃ¼gung aufzuheben und "das Verfahren zur Neubeurteilung an die unteren Instanzen zurÃ¼ckzuweisen". Ausserdem verlangte sie die Zusprechung einer ParteientschÃ¤digung.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Steuerrekurskommission II und das kantonale Steueramt schlossen auf Abweisung der Beschwerde.</span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Urteilstext">Das Steuergesetz vom 8. Juni 1997 (StG) ist am 1. Januar 1999 in Kraft getreten. GemÃ¤ss § 269 Abs. 1 Satz 2 StG werden jedoch EinschÃ¤tzungen bis und mit Steuerjahr 1998 noch nach dem kraft § 268 StG auf 31. Dezember 1998 aufgehobenen frÃ¼heren Steuergesetz vom 8. Juli 1951 (aStG) vorgenommen. </p> <p class="Urteilstext">Daraus folgt, dass fÃ¼r die streitbetroffenen <span>EinschÃ¤tzungen des verstorbenen B fÃ¼r die Steuerjahre 1997 und 1998 materiellrechtlich das alte Recht massgebend ist. DemgegenÃ¼ber ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht das neue Recht anzuwenden.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Mit der Steuerbeschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen laut § 153 Abs. 3 StG alle Rechtsverletzungen, einschliesslich Ãberschreitung oder Missbrauch des Ermessens, und die unrichtige oder unvollstÃ¤ndige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden.</p> <p class="Urteilstext"><span>Das <span class="UrteilstextCharChar">Verwaltungsgericht hat sich infolgedessen auf die reine Rechtskontrolle zu beschrÃ¤nken; dazu gehÃ¶rt auch die PrÃ¼fung, ob die Vorinstanzen den rechtserheblichen Sachverhalt gesetzmÃ¤ssig festgestellt haben. Dem Gericht ist es daher verwehrt, das von der Rekurskommission in Ãbereinstimmung mit dem Gesetz ausgeÃ¼bte Ermessen auf Angemessenheit hin zu Ã¼berprÃ¼fen und so sein Ermessen anstelle desjenigen der Rekurskommission zu setzen. Die PrÃ¼fungsbefugnis des Verwaltungsgerichts erstreckt sich</span> lediglich auf rechtsverletzende Ermessensfehler, d.h. auf ErmessensÃ¼berschreitung und auf Ermessensmissbrauch (RB 1999 Nr. 147).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Im Beschwerdeverfahren gilt das Novenverbot. FÃ¼r das Verwaltungsgericht ist somit die gleiche Aktenlage massgebend wie fÃ¼r die Rekurskommission. Tatsachen oder Beweismittel, die nicht spÃ¤testens im Rekursverfahren behauptet bzw. vorgelegt oder angerufen worden sind, dÃ¼rfen infolgedessen im Beschwerdeverfahren grundsÃ¤tzlich nicht nachgebracht werden (RB 1999 Nrn. 149 und 150; Felix Richner/Walter Frei/Stefan Kaufmann, Kommentar zum harmonisierten ZÃ¼rcher Steuergesetz, ZÃ¼rich 1999, § 153 N. 43, auch zum Folgenden). Vom Novenverbot ausgenommen sind dagegen echte Noven, namentlich neue tatsÃ¤chliche Behauptungen und Beweismittel, die auf einem Revisions- oder Nachsteu­ergrund (§ 155 beziehungsweise § 160 StG) beruhen oder der StÃ¼tzung von geltend gemachten Rechtsverletzungen dienen, die ihrer Natur nach neuer tatsÃ¤chlicher Vorbringen oder Beweismittel bedÃ¼rfen. Neue, erstmals vor Verwaltungsgericht gestellte Rechtsbegehren sind schliesslich allgemein zulÃ¤ssig, sofern sie sich nicht auf Tatsachen und Beweismittel stÃ¼tzen, welche unter das Novenverbot fallen (RB 1999 Nr. 149). </p> <p class="Urteilstext"><span>Diese Rechtslage im Steuerbeschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht ist vergleichbar mit derjenigen im Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren vor Bundesgericht, wo gemÃ¤ss Art. 105 Abs. 2 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943 (OG) die Sachverhaltsfeststellung das Bundesgericht bindet, wenn eine richterliche BehÃ¶rde als Vorinstanz den Sachverhalt nicht offensichtlich unrichtig, unvollstÃ¤ndig oder unter Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt hat, woraus sich in solchen FÃ¤llen die UnzulÃ¤ssigkeit neuer Tatsachen und Beweismittel ergibt (BGE 130 II 149 E. 1.2 mit weiteren Hinweisen; BGr, 2. Mai 2000, 2A.499/1999 E. 1b, www.bger.ch; Alfred KÃ¶lz/Isabelle HÃ¤ner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2.A., ZÃ¼rich 1998, N. 940 ff.). Damit befindet sich das vor dem ZÃ¼rcher Verwaltungsgericht bei Steuerbeschwerden geltende Novenverbot auch in Ãbereinstimmung mit Art. 98a Abs. 3 OG.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Die Rekurskommission hat der BeschwerdefÃ¼hrerin, die keinen begrÃ¼ndeten Rekursantrag gestellt hat, zu Unrecht keine Nachfrist zur Verbesserung ihrer Rekursschrift angesetzt (§ 147 Abs. 4 StG). Aus diesem Grund sind die von der BeschwerdefÃ¼hrerin in der Beschwerde vorgebrachten Noven zuzulassen, soweit sie rechtserheblich sind.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Dem BeschwerdefÃ¼hrer wird auf Verlangen gemÃ¤ss § 148 Abs. 1 Satz 2 in Verbindung mit § 153 Abs. 4 StG ein Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt. Ausnahmsweise kann nach § 148 Abs. 2 in Verbindung mit § 153 Abs. 4 StG ein weiterer Schriftenwechsel oder eine mÃ¼ndliche Verhandlung angeordnet werden. Die Parteien haben darauf indessen keinen Anspruch (RB 2000 Nr. 131). </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Vorliegend besteht kein Anlass, der BeschwerdefÃ¼hrerin, der das verlangte Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt wurde, die von ihr beantragte </span><span>Ãusserung zu dieser Rechtsschrift zu gewÃ¤hren.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>In die Rechte und Pflichten eines verstorbenen Steuerpflichtigen treten gemÃ¤ss § 14 aStG dessen Erben ein. Sie haften nach § 15 Abs. 4 aStG solidarisch fÃ¼r die Steuerschuld des Verstorbenen bis zur HÃ¶he ihrer Erbteile.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Die Steuernachfolge der Erben bewirkt einerseits eine Zahlungsnachfolge hinsichtlich der Steuerschuld des Erblassers und anderseits eine Verfahrensnachfolge bezÃ¼glich dessen hÃ¤ngigen und abgeschlossenen Steuerverfahren (Ernst Blumenstein/Peter Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, 6.A. ZÃ¼rich 2002, S. 75). Die Erben treten in ein hÃ¤ngiges Verfahren des verstorbenen Steuerpflichtigen in jenem Verfahrensstadium und in jener verfahrensrechtlichen Lage ein, in welchem sich das Verfahren bei dessen Tod befunden hat. Sie nehmen die dem Steuerpflichtigen zustehenden Verfahrensrechte (§ 64 ff. StG) wahr und haben die dem Steuerpflichtigen obliegenden Verfahrenspflichten (§ 133 ff. StG) zu erfÃ¼llen (vgl. Martin Zweifel, in: Martin Zweifel/Peter Athanas (Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, 2.A. Basel etc. 2002, Art. 42 StHG N. 12). </p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Hat der Erblasser in seiner letztwilligen VerfÃ¼gung einen Willensvollstrecker eingesetzt, so steht dieser nach Art. 518 Abs. 1 ZGB in den Rechten und Pflichten eines Erbschaftsverwal­ters, soweit der Erblasser nichts anderes verfÃ¼gt. Er hat nach Art. 518 Abs. 2 ZGB ins­besondere die Erbschaft zu verwalten, die Schulden des Erblassers, einschliesslich der Steuerschulden, zu bezahlen, die VermÃ¤chtnisse auszu­richten und die Teilung nach den Anordnungen des Erblassers und gemÃ¤ss gesetzlicher Vorschrift vorzunehmen. Insoweit ist die VerfÃ¼­gungsmacht Ã¼ber die Erbschaft den Erben entzogen und steht dem Willensvollstrecker anstelle der materiell berechtigten Erben die aktive und passive ProzessfÃ¼hrungsbefugnis in eigenem Namen und als Partei zu (BGE 116 II 131 E. 2 f.). </p> <p class="Urteilstext"><span>Die Einsetzung eines Willensvollstreckers zieht in materiellrechtlicher Hinsicht keine Ãnderung der durch die Steuernachfolge bewirkten Stellung der Erben als Schuldner der Einkommens- und VermÃ¶genssteuern des Erblassers nach sich (vgl. Ernst KÃ¤nzig/Urs R. Behnisch, Die direkte Bundessteuer, III. Teil, 2.A. Basel 1992, Art. 84 N. 3). Weil die Steuerschulden des Erblassers aber Nachlassschulden sind, die der VerfÃ¼gung durch die Erben entzogen sind, hat der Willensvollstrecker an Stelle der Erben und mit Wirkung fÃ¼r diese im Veranlagungs- und Rechtsmittelverfahren zu handeln. Er ist insbesondere befugt, die den Erben zustehenden Verfahrensrechte wahrzunehmen und in eigenem Namen gegen die Steuerveranlagung Rechtsmittel zu erheben, und es treffen ihn die den Erben obliegenden steuerlichen Verfahrenspflichten (vgl. Bernhard Greminger, in: Martin Zweifel/Peter Athanas (Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/2a, Basel etc. 2000, Art. 12 DBG N. 14; Felix Richner/Wal­ter Frei/Stefan Kaufmann, Kommentar zum harmonisierten ZÃ¼rcher Steuergesetz, ZÃ¼rich 1999, § 11 N. 11 und § 140 N. 27; Madeleine Simonek, in: Peter B. Nefzger/Madeleine Simonek/Thomas P. Wenk (Hrsg.), Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, Basel etc. 2004, § 12 N. 8; Martin Zweifel, Die verfahrens- und steuerstrafrechtliche Stellung der Erben bei den Einkommens- und VermÃ¶genssteuern, ASA 64 [1995/96] S. 358). </span></p> <p class="Urteilstext"><span>In der Lehre ist allerdings umstritten, inwieweit die Einsetzung eines Willensvollstreckers die verfahrensrecht­liche Stellung der Erben zu beschrÃ¤nken vermag. Es wird sowohl die Auffassung vertreten, dass den Erben bloss noch die Stellung von Dritten zukomme (so etwa Markus Bill, Auskunftspflicht Dritter im Steuerveranlagungs- und Einspracheverfahren, Bern/Stuttgart 1991, S. 65), als auch der Standpunkt verfochten, dass die verfahrensrechtliche Stellung der Erben keine Ãnderung erfahre und die Erben nach wie vor die Verfahrenspflichten, wie die Deklarationspflicht, zu erfÃ¼llen hÃ¤tten (in diesem Sinn beispielsweise Peter Locher, Kommentar zum DBG, Therwil/Basel 2001, Art. 13 N. 40), was folgerichtig auch einschlÃ¶sse, dass sie weiterhin die Verfahrensrechte, wie Akteneinsicht, das Stellen von BeweisantrÃ¤gen und die Erhebung von Rechtsmitteln, ausÃ¼ben kÃ¶nnten. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Diese Streitfrage braucht vorliegend nicht abschliessend beantwortet zu werden: Angesichts dessen, dass die Erben kraft § 15 Abs. 4 aStG solidarisch mit ihrem ganzen VermÃ¶gen, wenn auch beschrÃ¤nkt bis zur HÃ¶he ihrer Erbteile, fÃ¼r die Steuerschulden des Erblassers haften, mÃ¼ssen ihnen jedenfalls diejenigen Verfahrensrechte zugestanden werden, die fÃ¼r die Wahrung ihrer Interessen als solidarisch haftende Steuerschuldner â auch gegenÃ¼ber dem Willensvollstrecker in aufsichts- und zivilrechtlicher Hinsicht â unentbehrlich sind. Insbesondere ist ihnen Einsicht in die Akten, einschliesslich der VerfÃ¼gungen und Entscheide des EinschÃ¤tzungs- und Rechtsmittelverfahrens, zu gewÃ¤hren, sofern die Ermittlung des Sachverhalts abgeschlossen ist und soweit nicht Ã¶ffentliche oder private Interessen der Einsicht entgegenstehen (§ 124 Abs. 2 StG). Insoweit ihnen mit Blick auf ihre solidarische Haftung fÃ¼r Steuern des Erblassers Akteneinsichtsrechte einzurÃ¤umen sind, muss die Verweigerung der Akteneinsicht â analog zur Regelung von Art. 114 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 Ã¼ber die direkte Bundessteuer â auf dem Rechtsmittelweg angefochten werden kÃ¶nnen. Das gebietet angesichts der in dieser Hinsicht lÃ¼ckenhaften kantonalen Regelung der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) garantierte Grundsatz des rechtlichen GehÃ¶rs. FÃ¼r EinschÃ¤tzungen ab 2001 leitet sich ein derartiger Rechtsschutz zusÃ¤tzlich aus Art. 129 BV ab, welcher die Steuerharmonisierung auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht vorschreibt und von den Kantonen verlangt, fÃ¼r Rechtsmittel betreffend die direkte Bundessteuer und die harmonisierten kantonalen Steuern einen einheitlichen Instanzenzug vorzusehen (BGE 130 II 65 E. 5.1 und 5.2 = StR 2004, 314).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b> Das kantonale Steueramt hat die BeschwerdefÃ¼hrerin keine Einsicht in die der Willensvollstreckerin zugestellten Entscheide vom 17. September 2002 betreffend die EinschÃ¤tzung des verstorbenen B fÃ¼r die Steuerjahre 1997 und 1998 und deren Grundlagen nehmen lassen, sondern ihr am 28. April 2004 lediglich als "EinschÃ¤tzungsentscheide" bezeichnete VerfÃ¼gungen zugestellt, die keinerlei Angaben Ã¼ber die Steuerfaktoren und deren Zusammensetzung enthielten. Damit hat das kantonale Steueramt der BeschwerdefÃ¼hrerin die Akteneinsicht zu Unrecht verweigert und deren Anspruch auf rechtliches GehÃ¶r verletzt. </p> <p class="Urteilstext"><span>Auf den gegen diese VerfÃ¼gungen gerichteten Rekurs hÃ¤tte die Rekurskommission nach den vorstehenden ErwÃ¤gungen eintreten und das kantonale Steueramt zur GewÃ¤hrung der Akteneinsicht anhalten sollen. Einen weitergehenden Anspruch auf Anfechtung der EinschÃ¤tzungen kommt der BeschwerdefÃ¼hrerin indessen nicht zu. Insoweit ist deshalb auf ihre Vorbringen nicht einzugehen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Das fÃ¼hrt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde; die angefochtenen vorinstanzlichen Entscheide sind allesamt aufzuheben.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, die Kosten dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 in Verbindung mit § 153 Abs. 4 StG). Dieser hat der BeschwerdefÃ¼hrerin eine angemessene ParteientschÃ¤digung auszurichten (§ 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 in Verbindung mit § 152 und § 153 Abs. 4 StG).</span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet die Kammer:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die VerfÃ¼gungen des kantonalen Steueramts vom 28. April 2004 und 22. November 2004 sowie des Einzelrichters der Steuerrekurskommission II vom 10. Januar 2005 werden aufgehoben.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Rekurskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. </span>Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf</p> <p class="Einzug2"> Fr. 1'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 1'560.-- Total der Kosten.</p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 500.- zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. </span><span>Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>