<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 133 S.567</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">567</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>133 Lärmimmissionen; Vorsorgeprinzip.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Einem Transportbetrieb ist zuzumuten, in der Dorfzone die LKW-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Motoren nicht vor 06.00 Uhr im Freien warm laufen zu lassen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Baudepartements vom 23. Oktober 2000 in Sachen E. AG.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">568</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die T. SA führt in der Dorfzone der Gemeinde A. ein Depot für</span><br/> <span class="ft1">Weine. Bestellte Flaschen werden nachmittags verpackt und auf drei</span><br/> <span class="ft1">28-Tonnen-LKWs oder kleinere Fahrzeuge verladen, so dass die</span><br/> <span class="ft1">Ware am nächstfolgenden Tag frühzeitig ausgetragen werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Die E. AG, die in der Dorfzone ein Mehrfamilienhaus besitzt und</span><br/> <span class="ft1">vermietet hat, erhob gegen die T. SA Immissionsklage beim Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derat und alsdann Beschwerde beim Baudepartement. Sie beklagte</span><br/> <span class="ft1">sich vor allem über den Lärm am Morgen bei der Wegfahrt der Fahr-</span><br/> <span class="ft1">zeuge. Das Baudepartement stellte fest, dass die anwendbaren Im-</span><br/> <span class="ft1">missionsgrenzwerte eingehalten seien, und führte zum Vorsorgeprin-</span><br/> <span class="ft1">zip Folgendes aus:</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">6. Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind</span><br/> <span class="ft1">Emissionen im Rahmen der Vorsorge soweit zu begrenzen, als dies</span><br/> <span class="ft1">technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist</span><br/> <span class="ft1">(Art. 11 Abs. 2 USG; Art. 7 LSV, Art. 3 f. LRV). Damit soll die</span><br/> <span class="ft1">Umweltbelastung präventiv, ohne dass in jedem Einzelfall eine</span><br/> <span class="ft1">konkrete Umweltgefährdung nachgewiesen sein müsste, möglichst</span><br/> <span class="ft1">weit unterhalb der Schädlichkeits- und Lästigkeitsgrenze gehalten</span><br/> <span class="ft1">werden (AGVE 1993, S. 402). In die gleiche Richtung zielt Art. 67</span><br/> <span class="ft1">der BNO.</span><br/> <span class="ft1">a) Als besonderen Störfaktor empfinden die Mieterinnen und</span><br/> <span class="ft1">Mieter der Beschwerdeführerin das Warmlaufenlassen des Motors</span><br/> <span class="ft1">des 28-Tönners im Freien am frühen Morgen, was jeweils einige</span><br/> <span class="ft1">Minuten dauert. Dabei ist nun allerdings zu berücksichtigen, dass</span><br/> <span class="ft1">sich sowohl das Mehrfamilienhaus der Beschwerdeführerin als auch</span><br/> <span class="ft1">der Betrieb der T. SA in der Dorfzone befinden. Zugelassen sind dort</span><br/> <span class="ft1">Wohnbauten und Betriebe mit Auswirkungen herkömmlicher Hand-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">569</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">werks- und Gewerbetriebe, die sich, mit Ausnahme der Gaststätten,</span><br/> <span class="ft1">auf die üblichen Arbeitszeiten des Tages beschränken und nur vor-</span><br/> <span class="ft1">übergehend auftreten (Art. 49 Abs. 4 BNO). Als Beispiele werden</span><br/> <span class="ft1">u.a. erwähnt Läden, Verkaufslokale (lit. d) und Landwirtschaftsbe-</span><br/> <span class="ft1">triebe (lit. f). Nun erfolgen gerade bei Läden oftmals Anlieferungen</span><br/> <span class="ft1">am frühen Morgen, wie sich gerade beim VOLG-Laden im Erdge-</span><br/> <span class="ft1">schoss der Liegenschaft der Beschwerdeführerin zeigt: Nach über-</span><br/> <span class="ft1">einstimmenden Aussagen der am Augenschein anwesenden Miete-</span><br/> <span class="ft1">rinnen und Mieter wird der VOLG-Laden in der Regel vor der Weg-</span><br/> <span class="ft1">fahrt der Fahrzeuge der T. SA beliefert. Auch in Landwirtschaftsbe-</span><br/> <span class="ft1">trieben werden zumindest die Stallarbeiten früh aufgenommen.</span><br/> <span class="ft1">Daraus erhellt, dass in der Dorfzone nicht der gleiche Schutz vor</span><br/> <span class="ft1">Einwirkungen beansprucht werden kann wie in einer reinen Wohn-</span><br/> <span class="ft1">zone.</span><br/> <span class="ft1">Das bedeutet nun allerdings nicht, dass gewerbliche Tätig-</span><br/> <span class="ft1">keiten zeitlich unbeschränkt zulässig sind; dies ergibt sich schon aus</span><br/> <span class="ft1">dem Wortlaut von Art. 49 BNO. Das Warmlaufenlassen von Lastwa-</span><br/> <span class="ft1">genmotoren ist zumindest vor einem bestimmten Zeitpunkt auch in</span><br/> <span class="ft1">einer Zone mit gemischter Nutzung nicht tolerierbar. Im Allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">kann man davon ausgehen, dass Gewerbebetriebe vor 06.00 Uhr</span><br/> <span class="ft1">keinerlei Lärm verursachen, auch nicht durch Zu- oder Wegfahrts-</span><br/> <span class="ft1">verkehr. In verschiedenen Entscheiden wurde diese Grenze gerade</span><br/> <span class="ft1">auch im Zusammenhang mit Transportbetrieben gewahrt (vgl. z.B.</span><br/> <span class="ft1">Urteil des Verwaltungsgerichts [VGE III/100] vom 11. Dezember</span><br/> <span class="ft1">1984 i.S. A.). Es erscheint deshalb als angemessen, das Warmlau-</span><br/> <span class="ft1">fenlassen vor 06.00 Uhr zu untersagen. Dies ist für die T. SA umso</span><br/> <span class="ft1">eher zumutbar, als nach den Aussagen des Depotleiters der</span><br/> <span class="ft1">betreffende Lastwagen in der Regel nach diesem Zeitpunkt wegfährt.</span><br/> <span class="ft1">Muss die Wegfahrt ausnahmsweise früher erfolgen, so ist das Fahr-</span><br/> <span class="ft1">zeug ausserhalb des Betriebsareals an einem Ort zu stationieren, wo</span><br/> <span class="ft1">sich der Frühstart nicht störend auswirkt.</span><br/></div> </div> </body> </html>