B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1881/2018 U r t e i l v o m 2 2 . M a i 2 0 1 8 Besetzung Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), Richterin Esther Marti, Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Gerichtsschreiberin Michelle Nathalie Nef. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), Pakistan, vertreten durch Raffaella Massara, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführerin und ihre Kinder, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 21. März 2018 / N (…). E-1881/2018 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest: A. A.a Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann suchten zusammen mit ihrer erstgeborenen Tochter am 15. März 2017 in der Schweiz um Asyl nach. Gleichentags wurde ihnen mitgeteilt, dass sie per Zufallsprinzip der Test- phase des Verfahrenszentrums Zürich zugewiesen wurden. A.b Am 20. März 2017 wurden die Personalien der Beschwerdeführerin aufgenommen. A.c Die Vorinstanz befragte die Beschwerdeführerin am 24. März 2017 im Rahmen des Dublin -Gesprächs summarisch. Dabei führte sie aus, ihr Mann habe am 19. Dezember 2013 in Ungarn ein Asylgesuch eingereicht. Am 9. März 2016 sei sie mit ihrer Tochter mit einem Schengenvisum nach Ungarn gereist. Sie hätten dort unter prekären Verhältnissen gelebt. Des- halb sei sie mit ihrer Tochter nach Österreich gereist und habe dort um Asyl nachgesucht. Es sei mit ihrem Ehemann abgesprochen gewesen, dass er ihnen nach Österreich folgen werde. Als er in D._______ angekommen sei, seien sie zusammen nach Deutschland gegangen und hätten dort ein Asyl- gesuch eingereicht. Die deutschen Behörden hätten jed och entschieden, Ungarn sei für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens zuständig. Eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde sei abge- wiesen worden. Deswegen seien sie in die Schweiz gekommen. Die Vorinstanz gewährte der Beschwerdeführerin sodann im Rahmen des Dublin-Gesprächs das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit von Ungarn, Deutschland und Österreich zur Durchführung des Asyl - und Wegwei- sungsverfahrens. Die Beschwerdeführerin führte hierzu aus, eine Wegwei- sung nach Deutschland oder Österreich würde sie akzeptieren. In Ungarn würden die Menschen Flüchtlinge jedoch nicht mögen. Sie hätten dort auf der Strasse gelebt. Trotz Nachfrage bei den Sozialbehörden hätten sie keine Hilfe erhalten. B. B.a Am 3. April 2017 ersuchte die Vorinstanz die deutschen Behörden ge- stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die E-1881/2018 Seite 3 Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO) um Rückübernahme der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter. B.b Mit Schreiben vom 6. April 2017 lehnten die deutschen Be hörden die Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter ab. Ungarn sei aufgrund der Zustimmung vom 20. Oktober 2016 für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig. C. Mit Eingabe vom 4. Mai 2017 reichte die Beschwerdeführerin einen Nach- trag zum Sachverhalt betreffend Ungarn zu den Akten. D. D.a Am 4. Mai 2017 ersuchte die Vorinstanz die ungarischen Behörden um nähere Informationen betreffend die Beschwerdeführerin und ihren Aufent- halt in Ungarn. D.b Die ungarischen Behörden antworteten am 11. Mai 2017 und führten aus, der Ehemann der Beschwerdeführerin sei am (…) 2014 in Ungarn als Flüchtling anerkannt worden. Zudem habe die ungarische Botschaft in Is- lamabad der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter ein Einreisevisum aus- gestellt. D.c Aufgrund dieser Antwort ersuchte die Vorinstanz die ungarischen Be- hörden am 11. Mai 2017 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO um Rückübernahme der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter. E. Am (…) wurde C._______ geboren. F. Mit Eingabe vom 12. Juni 2017 reichte die Beschwerdeführerin einen ärzt- lichen Bericht des (…) vom 6. Juni 2017 betreffend die Tochter B._______ zu den Akten. Daraus geht hervor, dass sie an einer leichten (…) leidet. G. Die Vorinstanz informierte die ungarischen Behörden am 25. Juli 2017 über die Geburt des zweiten Kindes. E-1881/2018 Seite 4 H. Am 31. Juli 2017 teilte die Vorinstanz den ungarischen Behörden mit, dass diese aufgrund der Verfristung für die Durchführung des Asyl- und Wegwei- sungsverfahrens zuständig geworden seien. I. I.a Mit Verfügung vom 8. August 2017 trat die Vorinstanz gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG [SR 142.31] auf die Asylgesuche nicht ein und verfügte die Wegweisung nach Ungarn. I.b Mit Verfügung vom 8. August 2017 tr at die Vorinstanz auf das Asylge- such des Ehemannes der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht ein und verfügte die Wegweisung nach Ungarn. J. J.a Das Bundesverwaltungsgericht hiess d ie gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 8. August 2017 erhobene Beschwerde mit Urteil E-4552/2017 vom 10. Januar 2018 gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück. J.b Gleichentags hiess das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Ehemannes der Beschwerdeführerin im Verfahren E-4578/2017 eben- falls gut und wies die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. K. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin teilte der Vorinstanz am 21. Januar 2018 mit, dass ihr Mandat weiterhin bestehe. L. L.a Mit Verfügung vom 21. März 2018 trat die Vorinstanz abermals gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdefüh- rerin und ihrer Kinder nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Ungarn und forderte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Be- schwerdefrist zu verlassen, ansonsten sie in Haft gesetzt und unter Zwang nach Ungarn zurückgeführt würden. Weiter verpflichtete die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, h ändigte der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeich- nis aus und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu. E-1881/2018 Seite 5 L.b Mit Verfügung vom 21 . März 2017 trat die Vorinstanz auch auf das Asylgesuch des Ehemannes der Beschwerdeführerin wiederum gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Ungarn und beauftrage den zuständigen Kanton mit dem Vollzug. M. M.a Mit Eingabe vom 29. März 2018 reichte die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragt, die angefoch- tene Verfügung sei aufzuheben. Die Vorinstanz sei anzuweisen, auf die Asylgesuche einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Überprü- fung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den ungarischen Behörden individuelle Zusicherungen bezüglich einer altersgerechten und die Einheit der Familie wahrenden Un- terbringung sowie hinsichtlich des Zugangs zum Asylverfahren einzuholen. In prozessualer Hinsicht sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden seien im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich anzuweisen, bis zum Ent- scheid über das vorliegende Rechtsmittel von je glichen Vollzugshandlun- gen abzusehen. Es sei ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh- ren. Insbesondere sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzu- sehen. Mit der Beschwerde wurden E-Mail-Auskünfte des Schweizerischen Flüchtlingshilfswerks (SFH) vom 29. März 2018 und 14. Februar 2018, eine Abklärung des SFH-Rechtsdienstes zu Ungarn: Situation von Familien mit Kindern (mit Schutzstatus) vom 22. Februar 2018 sowie eine Fürsorgebe- stätigung vom 14. Februar 2018 zu den Akten gereicht. M.b Am gleichen Tag focht der Ehemann der Beschwerdeführerin die ihn betreffende Verfügung der Vorinstanz beim Bundesverwaltungsgericht an (Beschwerdeverfahren E-1880/2018). M.c Die Instruktionsrichterin setzte den Vollzug der Überstellung der Beschwer- deführerin und ihrer Kinder gleichentags per sofort einstweilen aus. N. Mit Zwischenverfügung vom 6. April 2018 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung gut und stellte fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder könnten den Ausgang des E-1881/2018 Seite 6 Verfahrens in der Schweiz abwarten. Weiter hiess sie das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt d as Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin und ihre Kinder haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorintsanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (B VGE 2011/9 E. 5, 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). E-1881/2018 Seite 7 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. Im ersten Beschwerdeverfahren (E-4552/2017) kam das Gericht zum Schluss, das Referenzurteil D -7853/2015 vom 31. Mai 2017 könne trotz der speziellen Konstellation, die darin bestehe, dass der Ehemann in Un- garn als Flüchtling anerkannt sei, nicht völlig ausgeblendet werden. Die Vorinstanz habe es unterlassen, zu prüfen, welche Bedingungen die Be- schwerdeführerin und ihre Kinder bei einer Überstellung nach Ungarn vor- fänden. Namentlich sei unklar, ob sie den Ausgang ihres Verfahrens in ei- ner Transit- oder Prätransitzone abwarten müssten. Die Sache wurde des- halb zwecks Vornahme der erforderlichen Abklärungen – unter Berücksich- tigung der Familieneinheit und des Kindeswohls – an die Vorinstanz zu- rückgewiesen. 4.2. Die Vorinstanz führt in der nun angefochtenen Verfügung aus, die Be- schwerdeführerin könne bei einer Rückkehr nach Ungarn ein Asylgesuch einreichen. Während des hängigen Asylverfahrens würden sie und die Kin- der nicht als illegal anwesende Person en betrachtet. Ungarn habe die Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie), 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf- nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah- merichtlinie) sowie 2011/95/EU vom 13. Dezember 2011 über Normen für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Perso- nen mit internationalem Schutz, für einen einheitlichen Status für Flücht- linge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewährenden Schutze s (sog. Qualifikationsrichtlinie) umge- setzt. Der erhebliche Anstieg der Asylgesuchszahlen in Ungarn führe seit Frühjahr 2015 zu einer Verschlechterung der Aufnahmebedingungen. Nach Kenntnissen des SEM sei die hinreichende Versorgung von asylsu- chenden Personen in Ungarn aber weiterhin gewährleistet. Die Beschwer- deführerin habe darauf hingewiesen, dass das Sozialamt ihr nicht geholfen habe und dies auch ihrem Anwalt nicht möglich gewesen sei. Sie habe aber Ungarn nach (…) Tagen verlassen. Es sei davon auszugehen, dass sie während des kurzen Aufenthaltes in Ungarn noch nicht alle Mittel ausge-E-1881/2018 Seite 8 schöpft habe, um eine passende Unterkunft für die Familie zu finden. Auf- grund des Umstandes, dass sie nur drei Wochen dort gewesen sei, hätten die ungarischen Behörden nur eine sehr kurze Frist zur Regelung ihrer Un- terbringungssituation gehabt. Zudem habe sie in Ungarn kein Asylgesuch eingereicht, weshalb unklar sei, ob die ungarischen Migrationsbehörden überhaupt von ihrer Ankunft in Un garn gewusst hätten. Aus dem E -Mail vom 16. August 2017 des (…) gehe auch nicht hervor, weshalb sie in Un- garn nicht um Asyl nachgesucht respektive ein Familiennachzugsverfahren eingeleitet habe, um so ihren Aufenthaltsstatus sowie die Unterbringungs- situation zu regeln. Es sei nicht ersichtlich, weshalb sie sich in Ungarn nicht mit ihrem Anwalt um den Abschluss eines solchen Verfahrens bemüht habe und bereits nach (…) Wochen ausgereist sei. Die ungarischen Behörden hätten sie, die Kinder und ihren Mann aufgrund der bewilligten Einreisevisa als Familie identifiziert. Sodann handle es sich um eine spezielle Konstellation, die nicht mit den regulären Dublin-Wegweisungen verglichen werden könne, die im Refe- renzurteil D -7853/2015 thematisiert würden. Es würden ke ine Hinweise vorliegen, wonach sämtliche durch die EMRK garantierten Rechte in Un- garn systematisch verletzt würden. Es bestehe kein Grund zur Annahme, Ungarn würde die ihnen gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minima- len Lebensbedingungen vorenthalten ode r dass sie in eine existentielle Notlage geraten würden. Ungarn sei Signatarstaat der EMRK, des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Zwar habe die Situation in Ungarn An- lass zu Kritik gegeben. Dennoch würden im ungarischen Asylsystem keine systemischen Mängel vorliegen, die die Überstellungen nach Ungarn ge- nerell unzulässig erscheinen lassen würden. In der vorliegenden Konstel- lation sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin und ihre Kinder bei einer Überstellung gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO sowie Art. 3 EMRK gravierenden Menschenrechtsverlet zungen ausgesetzt wä- ren, in eine existenzielle Notlage geraten oder ohne Prüfung ihres Asylge- suchs unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in ihren Heimat- res- pektive Herkunftsstaat überstellt würden. Ferner würden auch keine Gründe gemäss Art. 16 Dublin-III-VO vorliegen, die die Schweiz verpflich- ten würden, die Asylgesuche zu prüfen. E-1881/2018 Seite 9 Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin mit ihren Kindern zwecks Fa- milienzusammenführung nach Ungarn habe einreisen dürfen, spreche da- für, dass sie in Ungarn als Familie behandelt würden. Die Überstellung werde mit der Wegweisung des Ehemannes koordiniert. Dublin-Verfahren würden von vielen Mitgliedsstaaten getrennt von jenen im Bereich der Rückübernahmeabkommen behandelt. Diese administrative Trennung be- deute aber keine räumliche. Schliesslich würden auch keine Gründe vorliegen, die die Anwendung der Souveränitätsklausel gemäss Art. 29 Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzeigen würden. Es sei ihm Rah men des Dublin-Verfahrens davon aus- zugehen, dass der für die Prüfung des Asylgesuchs zuständige Mitglied- staat die völkerrechtlichen Verpflichtungen sowie die Bestimmungen der Aufnahmerichtlinie einhalte. Es gehe aus dem konkreten Fall nicht hervor, dass Ungarn Völker - respektive Europarecht verletze, den notwendigen Schutz nicht gewähren und die Beschwerdeführerin und ihre Kinder men- schenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würde. Es liege nicht in der Verantwortung der Schweizer Asylbehörden auszumachen, ob sie nach einer Überstellung nach Ungarn zufriedenstellende Lebensbedingun- gen vorfänden. Bei allfälligen gesundheitlichen Problemen könnten sie sich an eine medizinische Institution in Ungarn wenden. 5. Die Beschwerdeführerin rügt in der Rechtsmitteleingabe eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes gemäss Art. 12 VwVG und des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz. Der vorliegende Entscheid genüge den For- derungen des Gerichts nicht. Die geforderten Abklärungen seien v on der Vorinstanz nicht vorgenommen worden. Sie blende wiederum aus, dass die Beschwerdeführerin und ihre Töchter in Ungarn in einer Transitzone ein Asylgesuch stellen müssten. Die Vorinstanz habe ihren Entscheid wiede- rum mit Textbausteinen begründet. Sie sei ihrer Prüfungs - und Begrün- dungspflicht nicht nachgekommen. 6. 6.1. Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Bstn. a-e). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Be- weise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle E-1881/2018 Seite 10 für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt wer- den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 6.2. Vorab ist festzustellen, dass es n icht relevant ist, weshalb die Be- schwerdeführerin vor der Ausreise aus Ungarn dort kein Asylgesuch bezie- hungsweise kein Gesuch um Familiennachzug eingereicht hatte. Wesent- lich ist einzig, dass sie sich mit ihren Kindern nun im Dublin-Verfahren be- findet und zu prüfen ist, ob Hindernisse vorliegen, die einer Überstellung in den grundsätzlich zuständigen Staat Ungarn entgegenstehen. 6.3. Wie aus den dargelegten vorinstanzlichen Erwägungen hervorgeht, ist die Vorinstanz den Vorgaben im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-4552/2017 vom 10. Januar 2018 nicht nachgekommen. Sie hat nicht überprüft, ob die Beschwerdeführerin und ihre Kinder aufgrund der spezi- ellen Fallkonstellation bei einer Überstellung nach Ungarn im Rahmen der Dublin-III-VO nicht in eine Transit - oder Prätransitzone kommen. Die Vorinstanz hat sodann nach wie vor nicht dargelegt , weshalb das Refe- renzurteil des Gerichts D-7853/2015 vom 31. Mai 2017 bei der vorliegen- den Fallkonstellation nicht einschlägig sein sollte, hat sie doch die Über- stellung der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder im Rahmen des Dublin - Verfahrens verfügt. Insbesondere die vorinstanzlichen Ausführungen, wo- nach die Beschwerdeführerin und ihre Kinder in Ungarn Zugang zum Fa- miliennachzugsverfahren erhalten würden, beantwortet die Frage nicht, ob sie nach erfolgter Überstellung in eine solche Zone gebracht würden. Be- sonderes Augenmerk wäre zudem auf die Wahru ng des Kindeswohls zu legen, vor allem, da das jüngste Kind erst knapp ein Jahr alt ist. Aus der angefochtenen Verfügung geht aber nirgends hervor, inwiefern das Kindes- wohl berücksichtigt worden wäre. 6.4. Abgesehen davon, dass die angefochtene Verfügung den V orgaben im Urteil E-4552/2017 nicht nachkommt, wurden auch die im vorgenannten Referenzurteil geforderten Abklärungen nicht getätigt. Bereits im ersten Rechtsmittelverfahren der Beschwerdeführerin wurde auf das genannte Referenzurteil hingewiesen, in welchem die Entwicklung der Situation für Asylsuchende in Ungarn eingehend analysiert wurde; insbesondere für jene, die in Anwendung der Dublin-III-VO nach Ungarn überstellt werden. Vor allem wurde in diesem Referenzurteil darauf hingewiesen, dass es dem Bundesverwaltungsgericht angesichts der zahlreichen Unsicherheiten, die die neue Gesetzesänderung hinsichtlich des Verfahrenszugangs und der Aufnahmebedingungen mit sich gebracht habe, gemäss dem derzeitigen E-1881/2018 Seite 11 Stand der Dinge nicht möglich sei, das Vorliegen syste mischer Schwach- stellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 der Dublin-III-Verordnung sowie die Fra- gen im Zusammenhang mit tatsächlichen Gefahren („real risk“), denen Asylsuchende bei einer Überstellung nach Ungarn ausgesetzt sein könn- ten, abschliessend zu beurteilen. Es hat die angefochtene Verfügung auf- gehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück- gewiesen (vgl. vorgenanntes Referenzurteil E. 13). 7. 7.1. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge- stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh- ren i st (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264). Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergest ellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht, zumal dem Beschwerdeführer dadurch eine Instanz verloren ginge (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1). 7.2. Zusammenfassend ist es dem Gericht vorliegend erneut nicht möglich, den Fall zu beurteilen. Wie vorstehend erwogen, müssen weitere Sachver- haltsabklärungen vorgenommen werden . Es ist deshalb unerlässlich , die Sache gestützt auf Art. 61 Abs. 1 VwVG zwecks Vornahme der e rforderli- chen Abklärungen – insbesondere auch unter den Aspekten der Familien- einheit und des Kindeswohls – wiederum an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen, wobei der Inhalt der Beschwerde zum integralen Bestandteil des wieder aufzunehmenden erstinstanzlichen Ver- fahrens wird. Die Beschwerde ist gutzuheissen. Es erübrigt sich somit, auf die weiteren Rechtsbegehren noch einzugehen. 8. 8.1. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind der Beschwer- deführerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). E-1881/2018 Seite 12 8.2. Mit dem vorliegenden Urteil ist die mit Zwischenverfügung vom 6. April 2018 gewährte unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos geworden. 8.3. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist eine Parteientschädi- gung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre- chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Vorliegend ist davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin nach wie vor im beschleunigten Verfahren befindet. Nach der Eröffnung des erst- instanzlichen Asylentscheids besteht i n den Testphasenverfahren kein Raum mehr, um einen Wechsel vom beschleunigten ins erweiterte Verfah- ren zu bejahen (vgl. Art. 19 der Testphasenverordnung vom 4. September 2013 [TestV, SR 142.318.1 ]). Im beschleunigten Verfahren dauert die Rechtsvertretung bis zum Abschluss des Beschwerdeverfahrens, und die Kosten der Rechtsvertretung sind durch die vertraglich festgelegte pau- schale Entschädigung des Testphasenverfahrens abgedeckt (vgl. Art. 25 Abs. 3 TestV sowie BVGE 2017 VI/3 E. 9.2.4 und 9.2.5). Es ist des halb keine Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1881/2018 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Barbara Balmelli Michelle Nathalie Nef Versand: