Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 6. Juni 2018 (810 18 20) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Prüfung von Kindesschutzmassnahmen / Faktischer Entzug des Aufenthaltsbestim- mungsrechts Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Markus Clausen, Hans Furer, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Emanuel Suter , Recht s- anwalt gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner Betreff Prüfung von Kindesschutzmassnahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 19. Dezember 2017) A. D.____, geboren 2004, und E.____, geboren 2008, sind die gemeinsamen Kinder von A.____ und C.____. Die Eltern leben seit dem Jahr 2 012 getrennt und befinden sich im hängi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Scheidungsverfahren. Im Verlauf des Scheidungs- bzw. Abänderungsverfahrens erhielt A.____ die Obhut über D.____. E.____ wurde unter die Obhut des Vaters gestellt. B. Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) vom 7. März 2016 wurde A.____ das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Tochter entzogen und D.____ im Heim F.____ platziert. Zur Begründung führte die KESB aus, die Kindsmutter sei infolge der Trennung von ihrem Ehemann und der alleinigen Betre uung von D.____ offensichtlich überfor- dert. C. Auf Antrag der Kindsmutter sprach die KESB mit En tscheid vom 15. Juli 2016 dieser das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Tochter unter der Auflage wieder zu, dass D.____ wei- terhin im Heim wohnhaft bleibe. D. Mit Entscheid der KESB vom 10. Februar 2017 wurde das Besuchsrecht beider Kindsel- tern vorläufig sistiert, nachdem D.____ Vorwürfe gegen ihren Vater erhoben und den Wunsch geäussert habe, nicht mehr zu den Besuchen zum Kindsvate r zu gehen. Die KESB gab den Kindseltern mit Entscheid vom 24. Februar 2017 die Mög lichkeit, D.____ begleitet im Heim zu besuchen. E. Mit Entscheid der KESB vom 9. März 2017 wurde Dr. me d. G.____, Kinder- und Ju- gendpsychiatrie Baselland (KJP), beauftragt, ein psychiat risches Gutachten über D.____ zu erstellen. Gleichzeitig wurde an den begleiteten Besuchen im Heim festgehalten. F. Aufgrund der Empfehlungen im Gutachten der KJP vom 22. Juni 2017 wurde mit Ent- scheid der KESB vom 27. Juli 2017 die Weiterführung des normalen Besuchsrechts angeordnet (Besuche alle zwei Wochen abwechselnd beim Kindsvater und der Kindsmutter). Zur Begrün- dung wurde angeführt, dass D.____ nur auf diese Weise aus dem Loyalitätskonflikt herausfin- den könne. G. In ihrem Brief an die Beiständin bzw. die KESB vom 7. November 2017 beantragte D.____, wieder zu ihrer Mutter ziehen zu können. Zu die sem Antrag wurden die Kindsmutter, nachfolgend vertreten durch Emanuel Suter, Rechtsanwal t, sowie ihr Lebenspartner am 30. November 2017 von der KESB angehört. Beide gaben an, den Antrag von D.____ zu unter- stützen. Der Kindsvater nahm mit Eingabe vom 27. Nove mber 2017 Stellung zum Antrag von D.____. D.____ wurde im Beisein einer Sozialpädagogin des Heims am 7. Dezember 2017 von der KESB angehört. H. Im Anschluss an eine Notfallkonsultation von D.____ in der KJP am 13. Dezember 2017 beantragte Dr. med. H.____, Oberärztin KJP, gegenüber der KESB die Sistierung des Besuchs- rechts beim Kindsvater. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass D.____ bei ihrer Mutter leben und nicht mehr zu ihrem Vater gehen wolle, da sie dor t regelmässig körperlicher Gewalt durch ihren Bruder ausgesetzt sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Entscheid der KESB vom 19. Dezember 2017 wurde der Antrag von D.____, wieder bei ihrer Mutter wohnen zu können, abgewiesen (Ziff er 1). Der Antrag von Dr. med. H.____ auf Sistierung des Besuchsrechts beim Kindsvater wurde ebenfalls abgelehnt (Ziffer 2). Gleichzeitig wurden die Kindseltern unter Strafandrohung gemäss Ar t. 292 des Schweizerischen Strafge- setzbuches (StGB) vom 21. Dezember 1937 angewiesen, säm tliche Informationen über das laufende Scheidungsverfahren sowie negative Äusserungen über den anderen Elternteil ge- genüber D.____ zu unterlassen (Ziffer 3). Weiter wurde festgehalten, dass über die Verfahrens- kosten zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde (Ziffer 4). J. Gegen den Entscheid der KESB vom 19. Dezember 2017 er hob A.____ beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit Eingabe vom 18. Januar 2018 Beschwerde. Sie beantragt, Ziffer 1 des Entscheids der KESB sei aufzuheben und der Antrag von D.____, wieder bei ihrer Mutter wohnen zu dürfen, sei zu bewilligen. Eventualiter sei Ziffer 1 des Entscheids de r KESB aufzuheben und zur Neubeurtei- lung zurückzuweisen. Weiter sei Ziffer 2 des Entscheids der KESB aufzuheben und das Be- suchsrecht zum Kindsvater vorläufig zu sistieren. Eventualite r sei Ziffer 2 des Entscheids der KESB aufzuheben und zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Z iffer 3 des Entscheids der KESB sei ersatzlos aufzuheben. Ziffer 4 des Entscheids der KESB sei aufzuheben und der Beschwer- deführerin sei für das erstinstanzliche Verfahren eine Pa rteientschädigung von insgesamt Fr. 1‘483.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) auszurichten. Unter o/e-Kostenfolge, wo- bei der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfah ren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sei. K. Mit Eingabe vom 22. Februar 2018 liess sich die Vori nstanz vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde, sofern darauf eingetreten werden kann; unter o/e-Kostenfolge. L. Der Beschwerdegegner reichte innert Frist keine Ver nehmlassung ein. M. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 28. Februar 2018 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen, und wurden die Beweisanträg e der Beschwerdeführerin abgewiesen. Es wurde festgestellt, dass über das Gesuch um unentgeltl iche Prozessführung und Verbei- ständung zusammen mit der Hauptsache entschieden wird. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuch es (ZGB) vom 10. De- zember 1907 kann gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbe hörde Beschwerde beim zu- ständigen Gericht erhoben werden. Gestützt auf Art. 45 0 Abs. 1 ZGB i.V.m. § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 und § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung d es Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 ist das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit zustä ndig. Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Beschwerde befugt. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzun- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB u nd §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachv erhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Streitgegenstand bildet insbesondere die Frage, o b die Vorinstanz den Antrag, dass D.____ bei ihrer Mutter wohnen kann, zu Recht abgewiesen hat. 4.1 Die KESB führt zur Begründung ihres Entscheids im Wesentlichen aus, dass der Be- schwerdeführerin das Aufenthaltsbestimmungsrecht mit Ent scheid vom 15. Juli 2016 unter der Bedingung, D.____ im Heim zu belassen, wieder zugespro chen worden sei. Unter Würdigung sämtlicher Umstände sei nach wie vor davon auszugehen, dass d as Wohl von D.____ im Heim am besten gewahrt werde. D.____ stehe unter grossem Dru ck, solange das Scheidungsverfah- ren laufe und sie sei dadurch sehr belastet. Auch würd en die Aussagen von D.____, wonach sie nicht mehr zu ihrem Vater wolle, wie auswendig ge lernt klingen. Überdies werfe der Notfall- termin in der KJP am 13. Dezember 2017 insbesondere im Gesamtkontext der vorliegenden Angelegenheit einige Fragen auf und stehe im Widersp ruch zu den Rückmeldungen von D.____s Bezugsperson im Heim und dem Gutachten der KJP. 4.2 Die Beschwerdeführerin macht hingegen geltend, da ss es vorliegend faktisch um die Frage des Aufenthaltsbestimmungsrechts gehe, da die Beschwerdeführerin nicht über den Auf- enthaltsort ihrer Tochter bestimmen könne. Somit müsse geprüft werden, ob die Voraussetzun- gen für einen Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts gegeben seien. Die Beschwerdeführe- rin könne D.____ ein sicheres und stabiles Umfeld bieten. Im Gegensatz zum Zeitpunkt der Fremdplatzierung habe sich die Situation der Beschwerde führerin deutlich verändert. Sie arbei- te weniger (Pensum von 70%) und habe mit ihrem Partne r eine neue grosse Wohnung bezo- gen. Die Beschwerdeführerin werde auch weiterhin kooperativ sein bezüglich der Besuche beim Kindsvater und E.____. Selbst wenn eine Kindswohlgefä hrdung angenommen würde, könnte dieser mit einer milderen Massnahme wie bspw. einer Bes uchsrechtsbeistandschaft begegnet werden. 5.1 Es stellt sich somit vorliegend die Frage, ob die Ab weisung des Antrags, wonach D.____ wieder bei ihrer Mutter wohnen könne, im Rahmen von Art. 307 Abs. 3 ZGB erfolgen durfte oder ob darüber nicht vielmehr im Rahmen von Art. 310 ZGB unter Beachtung der Bestimmun- gen über den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts hätte entschieden werden müssen. 5.2 Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB ist die Kindesschutzbehörd e dazu verpflichtet, bei einer Gefährdung des Kindeswohls die geeigneten Massnahmen zum Schutze des Kindes zu ergrei- fen, wenn die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder dazu ausserstande sind. Art. 307 Abs. 1 ZGB enthält somit die Aufforderung, die im Ein zelfall geeigneten, vom Gesetz vorgese- henen Massnahmen zu treffen (K URT AFFOLTER -FRINGELI /U RS VOGEL , in: Hausheer/Walter Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht [Hrsg.], Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bern 2016, N 13 zu Art. 307 ZGB). Die Kindesschutzbehörde kann nach Art. 307 Abs. 3 ZGB insbesondere die Eltern er- mahnen, ihnen bestimmte Weisungen für die Pflege, Er ziehung oder Ausbildung erteilen und eine geeignete Person oder Stelle bestimmen, der Einblick und Auskunft zu geben ist. 5.3 Die Wegnahme bzw. der Entzug des Aufenthaltsbestimm ungsrechts stützt sich hinge- gen auf Art. 310 Abs. 1 ZGB. Danach hat die Kindes- u nd Erwachsenenschutzbehörde das Kind den Eltern wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen, wenn der Gefähr- dung des Kindes nicht anders begegnet werden kann. Die Gefährdung muss darin liegen, dass das Kind in der elterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körper- liche, geistige und sittliche Entfaltung nötig wäre. U nerheblich ist, auf welche Ursachen die Ge- fährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen od er in einem Fehlverhalten des Kin- des, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. Desgleichen spielt auch keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft. Massge bend ist, dass die Vorkehr das richtige Mittel zur Verwirklichung des Ziels ist; d.h. die Unterbringung (z.B. in einem Heim) muss besser als jene beim bisherigen Obhutsinhaber Gewähr dafür bi eten, dass das Kind in seiner Entfal- tung geschützt und gefördert wird (vgl. Urteile des Bu ndesgerichtes 5A_322/2014 vom 14. Juli 2014 E. 2; 5C.132/2006 vom 18. September 2006 E. 3.1 ; 5C.34/2002 vom 3. April 2002 E. 2a). Entsprechend sämtlichen Kindesschutzmassnahmen muss auch der Entzug des Aufenthalts- rechts erforderlich sein (Subsidiarität) und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Proportionalität); diese soll el terliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität). Das Aufenthaltsrec ht zu entziehen, ist somit nur zuläs- sig, wenn andere Massnahmen ohne Erfolg geblieben sind oder von vornherein als ungenü- gend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden (vgl. Urt eil des Bundesgerichtes 5A_401/2015 vom 7. September 2015 E. 5.2; P ETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch , 5. Aufl., Basel 2014, N 4 zu Art. 310 ZGB). 5.4 Das Aufenthaltsbestimmungsrecht ist Teilgehalt der el terlichen Sorge (Art. 301a Abs. 1 ZGB). Es beinhaltet die Wahl des Aufenthaltsorts sowie das Recht, über den persönlichen und sonstigen Verkehr des Kindes zu bestimmen. Das Aufenthal tsbestimmungsrecht richtet sich insbesondere gegen Dritte. Diese dürfen das Kind den E ltern nicht widerrechtlich entziehen oder gegen deren Willen Umgang mit ihm pflegen. Im Rahmen von Kindesschutzmassnahmen kann das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern jedoch e ingeschränkt oder entzogen werden (INGEBORG SCHWENZER /MICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, 5. Aufl., Basel 201 4, N 10 f. zu Art. 301 ZGB). Wird den sorgeberechtigten Eltern das Recht und die Pflicht behö rdlich genommen, über den Aufenthalt ihres Kindes zu bestimmen, bewirkt dies einen Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts. Da- bei muss es sich nicht zwingend um einen Obhutsentzug gemäss Art. 310 ZGB handeln, da sich eine ganz kurzfristige Unterbringung auch auf Art. 307 ZGB abstützen lässt (M ARKUS LUSTENBERGER , Die fürsorgerische Freiheitsentziehung bei Unmündigen unter elterlicher Ge- walt, Freiburg 1987, S. 34 f.). Dauert die Platzieru ng jedoch länger oder ist sie auf unbefristete Zeit angeordnet worden, ist zwingend von einem Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts bzw. von einem Obhutsentzug im Sinne von Art. 310 ZGB auszugehen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Aus den vorliegenden Akten geht hervor, dass die KE SB der Beschwerdeführerin das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Tochter mit Entsche id vom 15. Juli 2016 wieder zuge- sprochen hat, nachdem es ihr mit Entscheid vom 7. März 20 16 entzogen worden war. Mit dem vorliegend angefochtenen Entscheid wurde der Antrag, d ass D.____ wieder bei ihrer Mutter wohnen darf, abgewiesen. Dieser Entscheid soll somit verhindern, dass die Beschwerdeführerin allein über den Aufenthaltsort ihrer Tochter bestimme n kann. In der Konsequenz wird sie somit daran gehindert, ihr Aufenthaltsbestimmungsrecht auszuüben, womit ihr faktisch die Obhut über ihre Tochter entzogen wird. Die vorgesehene Dauer de s angeordneten Heimaufenthalts von D.____ wurde im angefochtenen Entscheid weder ausdrüc klich festgehalten noch von zu erfül- lenden Bedingungen abhängig gemacht. Der Heimaufenth alt ist demzufolge für längere bzw. unbestimmte Zeit vorgesehen und kann nicht mehr auf Art. 307 ZGB abgestützt werden. 5.6 Durch den Entzug der Befugnis zur Aufenthaltsbestimm ung bzw. durch deren Folgen im Alltag wird das Familienleben grundsätzlich wesentlich stärker berührt als durch ambulante Massnahmen im Sinne von Art. 307 ZGB. Umso mehr wäre di e KESB verpflichtet gewesen, die von ihr verfügte Einschränkung des Aufenthaltsbestimmungsr echts der Beschwerdeführerin unter den Voraussetzungen von Art. 310 ZGB zu prüfen und zu beurteilen (vgl. E. 5.3). Dabei hätte sie neben den weiteren Voraussetzungen insbesondere eine allfällige Gefährdung von D.____ unter der Obhut der Kindsmutter ausführlich prüfen müssen. Eine solche kann dem vor- liegenden Entscheid nämlich nicht entnommen werden. Di e KESB begründet ihren Entscheid vielmehr mit der Wiedergabe einzelner Sachverhaltselemente und Vermutungen sowie Schluss- folgerungen ihrerseits. Eine substantiierte Auseinand ersetzung mit den ärztlichen Berichten, den Parteieingaben sowie den gesetzlichen Voraussetzungen ist nicht zu erkennen. In der Ver- nehmlassung der KESB werden diese Versäumnisse teilweise nachgeholt, jedoch bleiben wich- tige Elemente, insbesondere mit Blick auf Art. 310 ZG B, ungeprüft bzw. unerwähnt. Im Zusam- menhang mit einer neuen, vertieften Beurteilung eines möglichen Obhutsentzugs ist gleichzeitig das Besuchsrecht zum Beschwerdegegner und allenfalls zur Be schwerdeführerin abzuklären. Diesbezüglich sind in erster Linie die Aussagen oder an geblichen Widersprüche im Antrag von Dr. med. H.____ vom 13. Dezember 2017 nachzuprüfen, wie es die KESB in ihrer Vernehmlas- sung bereits angedeutet hat. Um Doppelspurigkeiten zu vermeiden, hat die KESB gleichzeitig ihre Zuständigkeit mit dem laufenden Scheidungsprozess, i n welchem zugleich die Kinderbe- lange geregelt werden, abzustimmen. Vor diesem Hinterg rund ist erstellt, dass die KESB den Sachverhalt genauer abzuklären und gestützt darauf einen neuen Entscheid unter Bezugnahme auf die einschlägigen Bestimmungen des ZGB zu treffen hat. 6.1 Die Beschwerdeführerin macht ferner geltend, dass di e Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB in Ziffer 3 des Entscheid-Dispositivs der KESB aufzuh eben sei, da sie weder praktikabel noch verhältnismässig sei. 6.2 In Ziffer 3 des angefochtenen Entscheids wird den Kindseltern die Weisung erteilt, sämt- liche Informationen über das laufende Scheidungsverfahre n sowie negative Äusserungen über den anderen Elternteil gegenüber D.____ zu unterlassen . Wird diese Weisung nicht freiwillig befolgt, ist eine direkte Durchsetzung durch eine staatli che Stelle nicht möglich. Der indirekte Zwang ist hingegen möglich und den Verpflichteten kann bei Nichterfüllung eine Strafe nach Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 292 StGB angedroht werden (T HOMAS GEISER , Vollstreckung an der Person im Familien- recht, FamPra.ch 2018 S. 355, S. 359 f). Allerdings dü rfte dies vorliegend wenig sinnvoll und auch nicht Erfolg versprechend sein. Zweck der Weisung ist nicht, die Kindseltern zu bestrafen, sondern dafür zu sorgen, dass sie ihre Fürsorgepflichten , nämlich den Schutz von D.____ vor Loyalitätskonflikten, wahrnehmen. Mit dem Vollzug der angedrohten Strafe könnte die Erfüllung der eigentlichen Weisung erschwert werden bzw. in den Hintergrund treten, zumal das Nichtbe- achten der Weisung nur schwer nachzuweisen ist und dami t letztlich niemandem gedient wäre. Abgesehen davon bekräftigt die Beschwerdeführerin in i hrer Beschwerde explizit ihre Absicht, nicht über den Kindsvater reden zu wollen. Unter den v orliegenden Umständen ist es somit nicht gerechtfertigt, die ausgesprochene Weisung mit e iner Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB zu verbinden. Die Weisung als solche ist hingegen mi t Blick auf den bestehenden Loyali- tätskonflikt von D.____ gerechtfertigt. 7. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, da ss die KESB wesentliche Vo- raussetzungen für die Fällung ihres Entscheids nicht ausrei chend geprüft und beurteilt hat. Die KESB hätte einen Obutsentzug nicht auf Art. 307 ZGB a bstützen dürfen, sondern hätte einen solchen zwingend unter den Voraussetzungen von Art. 310 Z GB beurteilen müssen. Als Folge davon ist der angefochtene Entscheid rechtsfehlerhaft u nd der entscheidrelevante Sachverhalt unvollständig. Diese Umstände stehen einer sachgerechte n gerichtlichen Beurteilung der vor- liegenden Angelegenheit entgegen, weshalb sich eine er gänzende Sachverhaltsabklärung durch die KESB sowie eine umfassende Neubeurteilung der Streitsache aufdrängen. Die Be- schwerde ist dementsprechend gutzuheissen, der Entscheid d er Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde B.____ vom 19. Dezember 2017 aufzuheben und die KESB anzuweisen, die vorliegende Angelegenheit im vorgenannten Sinn neu zu beurteilen und neu zu entscheiden. 8. Die Beschwerdeführerin beantragt die Ausrichtung ein er Parteientschädigung für das Verfahren vor der Vorinstanz. Wie die KESB im angefoch tenen Entscheid bereits festgehalten hat, wird sie über die Verlegung der Kosten zu einem s päteren Zeitpunkt entscheiden. In ihrem Entscheid wird die KESB demzufolge auch über die Zus prechung einer allfälligen Parteient- schädigung befinden. 9. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt. Den Vorinstanzen wer- den keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gemäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Partei- entschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen we rden. Der Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin macht in seiner Honorarnote vom 14. Mä rz 2018 einen Aufwand von rund 7 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr . 113.50 geltend, was nicht zu bean- standen ist. Vorliegend ist der obsiegenden Beschwerdefü hrerin demnach für das kantonsge- richtliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 2‘ 029.45 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zulasten der Vorinstanz zuzusprechen. Es rechtfertigt sich vorliegend, dem Beschwerdegegner weder Verfahrens- noch Parteikosten au fzuerlegen, da er durch das vorlie- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gende Verfahren nur teilweise betroffen ist und er zu dem keine Anträge gestellt hat. Das von der Beschwerdeführerin gestellte Gesuch um unentgeltlich e Rechtspflege wird bei diesem Ver- fahrensausgang gegenstandslos. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 19. Dezember 2017 a ufgeho- ben und die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Neube urteilung im Sinne der Erwägungen zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ hat der Beschwer- deführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 2‘029.45 (inkl. Auslagen und 7,7 % MWST) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin