B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5831/2019 U r t e i l v o m 2 4 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Rajeevan Linganathan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 2. Oktober 2019 / N (…). D-5831/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie – suchte am 9. August 2016 im damaligen Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. B. B.a Am 17. August 2016 befragte ihn die Vorinstanz zu seiner Person, sei- nem Re iseweg und summarisch zu seinen Asylgründen (Befragung zur Person [BzP]). Am 24. Januar 2019 wurde er eingehend angehört (Anhö- rung Bund). B.b In Bezug auf seinen persönlichen Hintergrund und zu seinen Gesuchs- gründen brachte der Beschwerdeführer vor, er sei in C._______ (Distrikt D._______, Nordprovinz), geboren und in E._______ (Distrikt D._______, Nordprovinz) aufgewachsen, wo er bis zur (…) Klasse auch die Schule be- sucht habe. Er habe als (…), in der (…) und zuletzt als (…) gearbeitet. Im (…) 2005 sei er von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangs- rekrutiert worden. Er sei der Hilfseinheit zugeteilt worden und habe im Rah- men seines Dienstes Bunker und Schützengräben ausgehoben. In der An- hörung machte er zusätzlich geltend, er habe auch Essen verteilt, verletzte Personen begleitet, Wache gehalten sowie Geld und Gold vergraben. Ge- gen Kriegsende sei er mit Zivil isten weggegangen und habe bis im (…) 2013 bei seinem Bekannten F._______ in G._______ (Distrikt H._______, Ostprovinz) gelebt, da er zunächst nicht gewusst habe, wo sich seine Familie aufhalte. Im (…) 2013 habe er dann wieder zu seiner Frau und seinem Kind gefunden und die letzten eineinhalb Jahre vor seiner Aus- reise mit ihnen in I._______ (Distrikt J._______, Nordprovinz) gelebt. Im (…) 2015 habe er auf der Strasse K._______ getroffen, welcher früher in einem LTTE-Volksladen gearbeitet habe. Dieser habe ihn an die Behörden verraten. Daraufhin habe ihn das Criminal Investigation Department (CID) in der Nachbarschaft und einige Tage später auch bei seinem Schwieger- vater gesucht. Er sei deshalb am (…) 2016 mit Hilfe eines Schleppers und einem gefälschten Pass vom Flughafen L._______ aus in die Türkei geflo- hen. Via Bulgarien und Ungarn sei er schliesslich am 9. August 2016 mit dem Auto illegal in die Schweiz eingereist. B.c Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh- rer zum Beleg seiner Identität eine beglaubigte Kopie seiner Geburtsur- kunde sowie eine Kopie der Gebur tsurkunde seiner Frau und seines Kin- des zu den Akten. D-5831/2019 Seite 3 C. Mit Verfügung vom 2. Oktober 2019 – eröffnet am 10. Oktober 2019 – ver- neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. D. Gegen diesen Ents cheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 4. November 2019 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und be- antragte, die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl in der Schweiz. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen und subeventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. In prozessualer Hinsicht ersucht e er um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Beiordnung von Rechtsanwalt MLaw Rajee- van Linganathan als amtlichen Rechtsbeistand. Der Beschwerde lag – nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung und einer Anwaltsvollmacht vom 1. November 2019 – eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit der (…) vom 21. Oktober 2019 bei. E. Mit Schreiben vom 6. November 2019 bestätigte das Bundesverwaltungs- gericht den Eingang der Beschwerde. F. Mit Zwischenverfügung vom 19. November 2019 hiess die Instruktionsrich- terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand ein. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. G. Das SEM nahm in seiner Vernehmlassung vom 28. November 2019 zur Beschwerde Stellung. H. Die Instruktionsrichterin ste llte dem Beschwerdeführer die Vernehmlas- sung am 29. November 2019 zu und räumte ihm die Gelegenheit zur Rep- lik ein. D-5831/2019 Seite 4 I. Der Beschwerdeführer replizierte innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 9. Januar 2020 und reichte einen handschriftlich verfassten Brief mit deut- scher Übersetzung, eine Wohnsitzbestätigung des (…), ein Bestätigungs- schreiben des Demokratischen Vereins der Ex -LTTE-Kämpfer inklusive deutscher Übersetzung, diverse Sri-Lanka betreffende Medienartikel sowie eine Honorarnote zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des Asylgesetzes (AsylG) vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten (AS 2016 3101). Für das vorliegende Ver- fahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG, SR 142.31]). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le- gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/25 E. 5). 3. 3.1 In der Beschwerde wurden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel- che vorab zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. D-5831/2019 Seite 5 Der Beschwerdeführer rügte zunächst eine unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts respektive eine willkürliche Sachverhaltsfeststellung sowie eine unkorrekte Würdigung von vorge- brachten Tatsachen und Beweismitteln durch die Vorinstanz. Überdies habe das SEM das rechtliche Gehör verletzt, indem es unterlassen habe, seine Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und angemes- sen bei seiner Entscheidfindung zu berücksichtigen. Des Weiteren wurde in der Beschwerde behauptet, der Befragungsprozess in der BzP und An- hörung sei mangelhaft gewesen und habe nicht den Vorgaben des rechtli- chen Gehörs entsprochen. So habe zwischen den beiden Befragungen ein Zeitraum von mehr als zweieinhalb Jahren gelegen, was dazu geführt habe, dass der Sachverhalt von verschiedenen Beamten analysiert worden sei und die konkreten Fragestellungen nicht zielorientiert gewesen seien. Ferner weise der Beschwerdeführer ein sprachliches Defizit auf , sodass die Durchführung einer "Standardbefragung" allein nicht genüge. Das SEM habe trotz erkennbarer Anzeichen einer Sprachbarriere auf das Herbeizie- hen einer fachkundigen Person verzichtet und die Befragung nicht seiner individuellen Situation angepasst. Ferner machte der Beschwerdeführer geltend, das SEM habe keine konkrete Beurteilung seines Falles anhand von Risikofaktoren vorgenommen und es gehe aus der Verf ügung nicht hervor, inwiefern im konkreten Fall nach dem Machtwechsel die Wegwei- sung zulässig sei. Schliesslich habe es keine individuelle Prüfung der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorgenommen. 3.2 3.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf re chtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2013/23 E. 6.1). Mit dem Gehörsanspru ch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus- einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 3.2.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfe ststellung, wenn der Verfü- gung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle D-5831/2019 Seite 6 für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt wer- den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 3.3 3.3.1 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich der Glaubhaf- tigkeit seiner Aussagen zu einer anderen Auffassung gelangt als die Vorinstanz, stellt weder eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge- hör noch eine unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts dar. Die Glaubhaftigkeit der Vorbringen ist vielmehr im Rahmen der mate- riellen Beurteilung zu prüfen, weshalb diesbezüglich auf die nachfolgenden Erwägungen zu verweisen ist. Sodann ist nicht ersichtlich, inwiefern der Sachverhalt vom SEM nicht vollständig abgeklärt worden wäre; die Be- schwerde liefert hierfür denn auch keine Anhaltspunkte. Die Rüge der un- richtigen beziehungsweise willkürlichen Sachverhaltsfeststellung und Be- weiswürdigung scheint sich im Resultat auf die von der Vorinstanz vorge- nommene Glaubhaftigkeitsprüfung zu beziehen, was eine Frage der mate- riellen Würdigung ist. Dass dies durch das SEM willkürlich ges chehen wäre, ist klar nicht zu erkennen, zumal sich das Gericht – wie nachfolgend ausgeführt wird – den vorinstanzlichen Erwägungen anschliesst. 3.3.2 Weiter ist nicht ersichtlich, weshalb der Umstand, dass während des Verfahrens unterschiedliche Personen das As ylgesuch bearbeitet haben, für den Beschwerdeführer negative Auswirkungen gehabt haben soll. Er legt denn auch nicht näher dar, welche Fragen nicht zielorientiert gewesen seien und inwiefern ihm daraus, dass ihm diese gestellt worden seien, ein Nachteil erwachsen sei. Aus dem Anhörungsprotokoll ergeben sich keine Hinweise darauf, dass der Befragungsstil unangemessen gewesen und er systematisch nach unwesentlichen Sachverhaltselementen gefragt worden wäre. 3.3.3 Es ist zwar zutreffend, dass der Dolmetscher zu Beginn der Anhörung eine einmalige Bemerkung machte und dabei darauf hinwies, dass der Be- schwerdeführer grundsätzlich Probleme mit dem Sprechen habe und even- tuell ein Defizit haben könnte (vgl. SEM-Akte A/18, F16). Aus dem Proto- koll sind jedoch keine Verständi gungsschwierigkeiten ersichtlich. Der Be- fragungsstil anlässlich der Anhörung erscheint allfälligen Problemen, wel- che der Beschwerdeführer beim Verständnis von Fragen oder bei der Ein- ordnung von Sachverhaltselementen gehabt haben könnte, angepasst. Ihm wurde jeweils die Möglichkeit eingeräumt, präzisierende Angaben zu machen sowie zu widersprüchlichen und unklaren Aussagen Stellung zu D-5831/2019 Seite 7 nehmen (vgl. beispielsweise SEM-Akte A/18, F7, F13, F43, F93 –96, F98 und F106). Er war denn auch in der Lage, der Anhörung zu folgen und die ihm gestellten Fragen zu beantworten, ohne dass er im weiteren Verlauf der Befragung reklamierte oder entsprechende Probleme geltend machte. Seine Asylvorbringen gehen daraus klar hervor und es besteht damit kein Zweifel an der Verwertbarkeit des Inhalts des Befragungsprotokolls. Nach der Rückübersetzung bestätigte er dann unterschriftlich, dass das Protokoll vollständig sei und seinen freien Ausführungen entspreche (vgl. SEM- Akte A/18, S. 14). Bezeichnenderweise sah sich auch die während der An- hörung anwesende Hilfs werkvertretung (HWV) nicht zu Beobachtungen, Anmerkungen oder Einwänden in Bezug auf Übersetzungsprobleme ver- anlasst (vgl. SEM-Akte A/18, Unterschriftenblatt der HWV gemäss Art. 30 Abs. 4 AsylG). Der Beschwerdeführer muss sich folglich auf seine Aussa- gen an der BzP und der Anhörung und daraus allenfalls resultierende Un- stimmigkeiten behaften lassen. Im Übrigen liegt bis zum heutigen Zeitpunkt keine diagnostizierte Beeinträchtigung vor. Die Anhörung erweist sich als korrekt durchgeführt. 3.3.4 Sodann sind die Rügen, es seien weder die Risikofaktoren noch die individuelle Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geprüft worden, klar aktenwidrig. Das SEM hat in seiner Verfügung sowohl eine Prüfung der Risikofaktoren unter Bezugnahme auf die e inschlägige Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. dort E. II, Ziff. 5 der angefochtenen Verfügung), als auch der individuellen Zulässigkeits- und Zumutbarkeitskri- terien vorgenommen (vgl. a.a.O., E. III, Ziff. 1 und 2). 3.3.5 Schliesslich ist hinsichtlich des Vorwurfs, das SEM habe die verän- derte allgemeine politische Sachlage seit November 2019 und die damit einhergehende erhöhte Verfolgungsgefahr nicht gewürdigt, sich auf nicht mehr aktuelle Länderanalysen und Informationen gestützt sowie UN -Be- richte nicht korrekt gewürdigt, festzuhalten, dass sich die Vorinstanz sehr wohl mit der aktuellen Lage in Sri Lanka auseinandersetzte und die am 16. November 2019 erfolgten Präsidentschaftswahlen und deren Folgewir- kungen berücksichtigte. Inwiefern dies, wie ge rügt, "nicht gebührend" ge- schehen sei, wurde nicht ausgeführt. Allein darin, dass die Vorinstanz aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vorbringen (inklusive Risikoanalyse) gelangt und in seiner Länderpraxis zu Sri Lanka einer an- deren Linie folgt als der Beschwerdeführer, liegt weder Verletzung der Un- tersuchungspflicht, eine ungenügende oder falsche Sachverhaltsfeststel- lung noch eine Verletzung der Begründungs- beziehungsweise Beweiswür- digungspflicht vor. In der Beschwerde wird im Übrigen kei ne individuelle D-5831/2019 Seite 8 Gefährdung aufgrund der Änderung der aktuellen Sicherheitslage glaub- haft gemacht. 3.4 Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegründet, wes- halb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzu- heben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der ent- sprechende Beschwerdeantrag ist somit abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werd en (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flücht lingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforder ungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dar- gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. beispielsweise BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 5. 5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG, noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. Zur Begründung führte sie aus, er habe den schweizerisc hen Asylbehör- den weder Identitätspapiere noch einen Reisepass übergeben, so dass seine Identität, die effektiven Reisedaten sowie die tatsächliche Reiseroute nicht feststehen würden. Obwohl er gemäss eigenen Angaben in Sri Lanka D-5831/2019 Seite 9 eine Identitätskarte habe, liege bis dato lediglich seine Geburtsurkunde vor, bei welcher es sich nicht um ein rechtsgenügliches Identitätspapier handle. Weiter stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer habe den zentralen Sachverhalt, wonach er für die LTTE Geld und Gold vergraben habe und dies auch der Grund für die Denunziation durch N._______ und das Inte- resse des CID an ihm gewesen sei, in der BzP mit keinem Wort erwähnt. Sein Einwand, dass er anlässlich der Erstbefragung nicht im Detail befragt und immer wieder unterbrochen worden sei, sei nicht fundiert. Ferner wür- den seine Erzählungen betreffend die Wiederbegegnung mit N._______, das Vergraben des LTTE-Vermögens und die Verfolgung durch das CID in wesentlichen Punkten unlogisch erscheinen. Auch seine oberflächlichen Schilderungen des Vergrabens des LTTE -Vermögens, des Kriegsendes und der Verfolgung durch das CID würden keine Details enthalten und so wirken, als habe er dies nicht selber erlebt. Die erwähnten Personen F._______ und O._______ seien profillose Personen ohne jeglic he Attri- bute, welche nur der Erzählung zu dienen schienen. Selbst unter Berück- sichtigung der Tatsache, dass er lediglich (…) Jahre zur Schule gegangen sei und zwischen den angeblichen Vorfällen und den einzelnen Befragun- gen mehrere Jahre liegen würden, könne erfahrungsgemäss von Perso- nen, die von tatsächlich erlebten Ereignissen berichten, vorausgesetzt wer- den, dass sie diese ausführlicher, mit erkennbarem Realitätsbezug, per- sönlicher Betroffenheit und klaren Realkennzeichen darlegen würden. Dies sei ihm jedoch nicht gelungen. Aus diesen Gründen seien seine Asylvor- bringen nicht glaubhaft. Da der Beschwerdeführer bis im (…) 2016 in Sri Lanka gewohnt habe, habe er also nach Kriegsende noch gut sechs Jahre in seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behör- den auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fok us der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Dem- nach sei die Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch ab- zulehnen. Eine Rückkehr nach Sri Lanka sei zulässig und zumutbar, wobei auch die aktuelle politische Lage nichts ändern würde. Schliesslich seien keine indi- viduellen Gründe ersichtlich, welche einen Vollzug der Wegweisung unzu- mutbar erscheinen liessen. D-5831/2019 Seite 10 5.2 Demgegenüber wendete der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitte- leingabe ein, soweit die Vorinstanz moniere, dass er den Sachverhalt mit dem Vergraben von Geld und Gold anlässlich der BzP mit keinem Wort erwähnt habe, sondern erst in der späteren Anhörung geschildert habe, habe diese eine kontextwidrige Interpretation vorgenommen. Er habe näm- lich im Rahmen der BzP seine Aufgabenpalette dargelegt und erklärt, dass der Asylgrund in seinen Aktivitäten bei der LTTE liege, welche er beschrie- ben habe. Weiter habe er N._______ im Einsatz für eine Rebellengruppe während der Kriegszeit kennengelernt. In Bezug zum kognitiven Erinne- rungsvermögen sei offensichtlich, dass unter solchen Umständen ge- schlossene "Kameradschaften" nicht vergessen gehen würden, weshalb es entgegen der Ansicht des SEM nicht unwahrscheinlich sei, dass er sei- nen Denunzianten nach rund acht Jahren wiederer kenne. Weiter sei ihm nie bestätigt worden, aus welchem Grund er verraten worden sei. Er habe allein von Drittpersonen die Information erhalten, dass es sich bei N._______ um einen Spitzel handle, welcher Leute mit LTTE Hintergrund denunziere. Für ihn sei einzig klar, dass er seit einem gewissen Zeitpunkt nach dem Treffen mit N._______ von Angehörigen des CID verfolgt werde. Alsdann wurde in der Beschwerdeschrift im Einzelnen Stellung zu den Ein- wänden des SEM betreffend die Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der LTTE genommen. Der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner heiklen Tätigkeit für die LTTE ins Visier des Staatsapparates gelangt. Nach dessen Ansicht würden Per- sonen mit seinem Profil eine Gefahr für den Einheitsstaat darstellen, weil er Interna der LTTE kenne und sich mit seinem Wissen massgeblich für am Wiederaufbau einer Unabhängigkeitsbewegung beteiligen könnte. Auch könnten Mitglieder des Staatsapparates private Motive haben, um ihn zu beseitigen. Gerade die Tatsache, dass das CID ihn nun mehrmals zu Hause gesucht habe, ohne dass bisher ein gerichtlicher Haftbefehl ergan- gen sei, spreche für den Plan, dass mit ihm ein inoffizielles Vorgehen ge- plant sei. Bereits die Tatsache, dass er aus Sicht des Staatsapparates bis- her negativ aufgefallen sei, begrün de die asylrelevante Verfolgung. Bei zahlreichen untersuchten Hafteinrichtungen in Sri Lanka sei erwiesen wor- den, dass Häftlinge unter Folter Taten gestanden hätten, die sie nicht ver- übt hätten. Bei diesem weit verbreiteten Vorgehen wäre der Beschwerde- führer mit Sicherheit dem gleichen Schicksal ausgeliefert, insbesondere da es sich bei ihm um eine Person mit LTTE-Verbindung handle, deren Rechte unter dem Prevention of Terrorism Act (PTA) ohnehin schon drastisch be- schnitten seien und er Kenntnis von LTTE-Interna habe. Damit sei nachge- wiesen worden, dass er eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten habe, D-5831/2019 Seite 11 sollte er in den Heimatstaat zurückgeschafft werden. Es sei von vergleich- baren Fällen bekannt, dass der Staatsapparat zusammen mit paramilitäri- schen Gruppen tamilische Personen, welche der LTTE nahestehen oder vormals LTTE-Mitglieder gewesen seien beziehungsweise unterstützt hät- ten, systematisch behellige, willkürlich verhafte, verschwinden lasse und Lösegelder erpresse. Der Beschwerdeführer entspreche mithi n dem Risi- koprofil, welches das Bundesverwaltungsgericht definiert habe. Seit dem 26. Oktober 2018 habe der ehemalige Präsident Mahinda Rajapaksa fak- tisch wieder die Macht in der Hand. Während dessen letzter Amtszeit seien massive Menschenrechtsverletzungen begangen worden und ein Motiv für die erneute Machtergreifung sei es, die Aufklärung von Kriegsverbrechen zu verhindern. Zwar sei Rajapaksa kürzlich offiziell wieder zurückgetreten, jedoch seien unabhängige Medien überzeugt, dass er bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen im Hintergrund die Fäden ziehen werde. Er ver- weise hierzu auf einen NZZ-Bericht vom 16. Dezember 2018. Personen mit seinem Profil seien deshalb weiterhin ein Dorn im Auge der sri-lankischen Regierung und würden im Rahmen von geheimen "Säuberungsaktionen" beseitigt. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) zeige in einem Bericht vom 12. Januar 2018 auf, dass es im Distrikt D._______ zu Entführungen tamilischer Personen mit LTTE -Verbindungen gekommen sei. Weiter wurde hinsichtlich der generellen Gefährdungslage bei bestehendem Ver- dacht der Unterstützung der LTTE auf den Bericht der SFH vom 18. De- zember 2016 sowie auf die E. 8.5.3 des Referenzurteils des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 verwiesen. Der Beschwerdeführer erfülle die Voraussetzungen der persönlichen Verfolgung und gehöre zudem zur sozialen Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylgesuchsteller, welche bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit überwiegender Wahrscheinlichkeit systematisch aufgrund eines Generalverdachts der Unter stützung der LTTE durch die sri-lankischen Behörden verhaftet, unter Anwendung von Folter und auch auf unbestimmte Zeit inhaftiert bleiben würden. Bezüglich der Methoden des sri-lankischen Staats bei Verdacht auf Unabhängigkeits- bestrebungen wurde sodann auf Berichte des UN-Menschenrechtsrats und des CAT aus den Jahren 2017 und 2018 und hinsichtlich der Lage ehema- liger Mitglieder der LTTE auf den Bericht "Focus Sri Lanka vom 15. März 2019" des SEM verwiesen. Zusammenfassend weise er also ein Profil auf, welches ihn gemäss der aktuellen Rechtsprechung des Bundes- verwaltungsgerichts und weiterer Ressourcen höchster Glaubwürdigkeit bei einer Rückkehr insbesondere aufgrund des Inkrafttretens des PTA, nach Sri Lanka in asylrelevanter Weise in Gefahr bringen würde. Bei ihm würden daher mehrere kumulierte Gründe vorliegen, welche die asylrele- vante Verfolgung nachweisen würden. D-5831/2019 Seite 12 Der Subeventualantrag, wonach der Vollzug der Wegweisung als unzuläs- sig respektive unzumutbar zu qualifizieren und der Beschwerdeführer vor- läufig aufzunehmen sei, wurde damit begründet, dass das SEM keine kor- rekte und vollständige Beurteilung der Zulässigkeit vorgenommen habe. Sollte das Gericht die Flüchtlingseigenschaft verneinen, müsse anhand der gut dokumentierten Ereignisse bei der Rückschaf fung von tamilischen Asylsuchenden festgehalten werden, dass alle nach Sri Lanka zurückge- schafften tamilischen Asylbewerber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit jederzeit Opfer einer Verhaftung sowie von Verhören unter Anwendung von Folter werden könnten. Angesichts seiner Vorgeschichte bestehe die Ge- fahr einer Verfolgung. Sodann lägen klare Hinweise dafür vor, dass er bei einer Rückkehr konkret gefährdet wäre, weshalb der Wegweisungsvollzug auch unzumutbar sei. Neben dem Risiko, dass zurückkehrende Tamilinnen und Tamilen bereits am Flughafen Verhaftungen und Verhören ausgesetzt seien, bestehe auch die Gefahr, zu einem späteren Zeitpunkt Opfer von Behelligungen, Belästigungen und Misshandlungen zu werden. 5.3 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- weismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könn- ten. 5.4 In seiner Replik brachte der Beschwerdeführer vor, die LTTE hätten absichtlich Leute für Hilfst ätigkeiten ausgewählt, denen es aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen schwerfalle, über den Ort der versteckten Ver- mögenswerte Auskunft zu geben. So habe sichergestellt werden können, dass die Verstecke nicht wiedergefunden werden könnten. Des Weiteren wurde geltend gemacht, aufgrund der Machtübernahme des Rajapaksa- Clans am 17. November 2019 sowie der Entführung einer Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Colombo seien sämtliche durch das SEM bisher herangezogene Berichte (wie Länderanalysen) nicht mehr aktuell und könnten keine Entscheidgrundlage bilden, weshalb die Schweizer Be- hörden nun endgültig gezwungen seien, die absolut unzumutbare Sicher- heitslage in Sri Lanka zu überprüfen. Ferner wurde ausgeführt, dass ge- mäss einem Bericht der UN -Working Group on Arbitrary Detention vom 23. Juli 2018 nach Sri Lanka zurückkehrende Tamilinnen und Tamilen , nachdem sie im Ausland um Asyl ersucht oder gearbeitet hätten, verhaftet worden seien. In manchen Fällen seien die Rückkehrenden geschlagen worden und hätten nach ihrer Entlassung stets unter Aufsicht der Behörden gestanden. Die Working Group fordere den sri -lankischen Staat in ihren Empfehlungen folglich auf, in diesem Zusammenhang Untersuchungen D-5831/2019 Seite 13 durchzuführen und Verantwortliche zu bestrafen. Zudem verlange die Wor- king Group die sofortige und bedingungslose Freilassung von Opfern sol- cher Gräueltaten, die Bekanntmachung deren rechtswidrigen Verhaftung und die Zusprechung von Schadenersatz und/oder die Zusicherung des Staates, dass solche Übergriffe auf sie nie wieder stattfinden. Angesichts dessen und wegen seines Risikoprofils als Asylgesuchsteller mit tamili- scher Abstammung und LTTE-Tätigkeit sowie mehrjähriger Auslandaufent- halte, würden die Schweizer Behörden bei seiner Ausweisun g nach Sri Lanka gegen zwingendes Völkerrecht verstossen. 6. 6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die vorinstanzliche Verfügung zu stützen ist. Das SEM hat die Vorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als den Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügend erachtet. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann mit den nachfolgenden Ergän- zungen auf die zutreffenden und ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz gemäss angefochtener Verfügung (vgl. dort E. II, Ziff. 1–3) sowie obiger Zusammenfassung (vgl. E. 5.1 des vorliegenden Urteils) verwiesen wer- den. 6.1.1 Vorliegend ist nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer im (…) 2005 von den LTTE zwangsrekr utiert wurde. Seine diesbezüglichen Ausführungen sind zwar nicht sehr detailreich, dafür durchgehend konsis- tent und weitestgehend widerspruchsfrei. So erklärte er insbesondere, dass er in die Hilfseinheit eingeteilt wurde, machte Angaben zur erhaltenen Ausbildung und führte aus, wo er stationiert war (vgl. SEM-Akten A/6, Ziff. 7.01 und A/18, F15 und F 44 f., F50–58). Obwohl in diesem Zusam- menhang auch Unklarheiten bestehen (beispielsweise wie ihm als Mitglied der Hilfseinheit im (…) 2009 die Flucht gelang [ vgl. SEM-Akte A/18, F60, F61 und F62]) ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ab 2005 bis 2009 bei den LTTE gewesen ist, ohne jedoch an Kämpfen teilgenom- men zu haben. Dies scheint denn auch die Vorinstanz in der angefochte- nen Verfügung nicht in Abrede zu stellen. Anders verhält es sich demgegenüber mit seinen konkreten (Hilfs -) Tätig- keiten für die LTTE. In der BzP machte er hierzu geltend, er habe Aufgaben wie das Ausheben von Bunkern und Schützengräben erledigt (vgl. SEM- Akte A/6, Ziff. 7.01). Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde ist dem Protokoll nicht zu entnehmen, dass er angab, auch Dinge transportiert oder vergraben zu haben. Erst in der Anhörung führte er präzisierend aus, D-5831/2019 Seite 14 Bunker gegraben, Essen verteilt, Wache gehalten und im Oktober 2007 Geld und Gold vergraben zu haben (vgl. SEM-Akte A/18, F18, F42 und F74). Darauf angesprochen, weshalb er das Vergraben von Vermögens- werten nicht bereits in der Erstbefragung erwähnt habe, erklärte er zu- nächst, er sei bei seinen Schilderungen immer wie der unterbrochen wor- den. Auf erneuten Vorhalt, gab er dann ausweichend zur Antwort, es sei auch nicht so genau gefragt worden und er habe angenommen, dass er beim letzten Interview alles detailliert erzählen könne (vgl. SEM-Akte A/18, F93 ff.). Es ist zwar festzuhalten, dass die Asylgründe bei der ersten Befra- gung nur summarisch erhoben werden. Es handelt sich bei seiner Teil- nahme am Vergraben von Geld und Gold für die LTTE jedoch um ein zent- rales Sachverhaltselement. Zudem erfolgte die Befragung mit einer Dauer von 90 Minuten (vgl. SEM-Akte A/6, Ziff. 9.03) einerseits ohne Zeitdruck und andererseits wurden seine Gesuchsgründe vergleichsweise ausführ- lich erhoben (vgl. SEM-Akte A/6, Ziff. 7.01). Es wäre ihm somit ohne Wei- teres möglich gewesen, bei der entspre chenden Frage diese Tätigkeit zu erwähnen. Dadurch, dass der Beschwerdeführer in seinem mit der Replik eingereichten, undatierten, handschriftlich verfassten Schreiben seinen Aufgabenbereich bei den LTTE weiter präzisierte und insbesondere den Ablauf des V erpackens und Vergrabens von Geld und Goldbar ren noch detaillierter beschrieb, entsteht überdies der Eindruck, dass er seine Vor- bringen stetig anpasst. Insofern als er darin jedenfalls erneut neue, in den Befragungen nicht erwähne Vorbringen und Ergänzunge n darlegt, sind diese als nachgeschoben zu betrachten, weshalb nicht weiter darauf ein- zugehen ist. Im Übrigen brachte er auch keine Gründe vor, weshalb er diese Ausführungen nicht bereits früher hätte geltend machen können. 6.1.2 In Bezug auf die geltend gemacht e Verfolgung durch den CID fällt zunächst auf, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge nach Verlassen der Hilfseinheit der LTTE im (…) 2009 jahrelang keinerlei Prob- leme mit den heimatlichen Behörden gehabt habe, da niemand mitbekom- men habe, dass er eine ehemalige Hilfskraft gewesen sei (vgl. SEM-Ak- ten A/6, Ziff. 7.01 und A/18, F99). Erst ein paar Tage nachdem er N._______, welchen er letztmals im (…) 2007 in P ._______ während des Verpackens von Geld und Goldbarren im Rahmen seiner Tätigkeit für di e LTTE getroffen habe, auf der Strasse in Q._______ wiedergesehen habe, habe sich das CID ab (…) 2015 plötzlich nach ihm erkundigt. Als Grund für das Interesse des CID an ihm, gab er anlässlich der BzP zu Protokoll, N._______ habe ihn an die sri -lankischen Behörden verraten und diesen mitgeteilt, dass er für die LTTE gearbeitet habe. In der heutigen Situation in Sri Lanka seien denn auch nur die rangniedrigen LTTE-Leute in Gefahr D-5831/2019 Seite 15 (vgl. SEM-Akte A/6, Ziff. 7.01). Dagegen brachte er während der Anhörung vor, N._______ habe ihn wegen der vergrabenen Vermögenswerte der LTTE an das CID verraten, welches nun wohl von ihm wissen wolle, wo die Wertgegenstände versteckt worden seien (vgl. SEM-Akte A/18, F42, F71 und F90), wobei er von seinem Bekannten O._______ wisse, dass N._______ bereits mehrere Personen verraten habe (vgl. SEM-Akte A/18, F 69, F 78 und F 91). Damit sind bereits erhebliche Unstimmigkeiten in ei- nem wesentlichen Punkt seiner Verfolgungsvorbringen festzustellen. An- gesichts dessen, dass dieses angebliche Zusammentreffen mit N._______ quasi der zentrale Moment darstellen soll, der seine behaupteten Probleme mit den Behörden überhaupt erst ausgelöst haben soll, erstaunt weiter, dass er dieses Wiedersehen und die genauen Umstände dieser Begeg- nung nicht näher beschreibt (vgl. SEM-Akten A/6, Ziff. 7.01 und A/18, F42 und F69). Aufgrund der zentralen Bedeutung, die der Beschwerdeführer diesem Ereignis beimisst, wäre zu erwarten gewesen, dass er sich detail- liert an die örtlichen, zeitlichen und sonstigen Umständ e dieses Zusam- mentreffens erinnern und substantiierte Angaben dazu machen kann. Das behauptete Zusammentreffen ist daher als nicht glaubhaft einzustufen. Als- dann fallen seine Schilderungen zur angeblichen Suche des CID nach ihm nicht nur widersprüchlich, sondern auch auffallend vage und oberflächlich aus. In der BzP machte er diesbezüglich lediglich geltend, das CID sei im (…) 2015 zwei Mal vorbeigekommen, wobei es sich einmal in der Nach- barschaft und ein weiteres Mal bei seinem Schwiegervater über ihn erkun- digt hätte. Dabei hätten die Beamten nach R._______ gefragt, wobei dies sein Rufname sei. Nach seiner Ausreise, als er sich noch in der Türkei auf- gehalten habe, seien sie dann nochmals zu seinem Schwiegervater ge- gangen, um nach ihm zu fragen (vgl. SEM-Akte A/6, Ziff. 7.01). In der An- hörung führte er aus, drei oder vier Tage nachdem er N._______ getroffen habe, sei das CID zu ihm nach Hause gekommen. Auf entsprechende Nachfrage erklärte er, sie hätten ihn zunächst in seiner Area respektive sei- ner Nachbarschaft gesucht und sich dann bei seinem Schwiegervater nach ihm erkundigt. Nach seiner Ausreise aus Sri Lanka seien sie dann ein wei- teres Mal bei ihm zu Hause gewesen (vgl. SEM-Akte A/18, F42, F69, F86 f. und F101). Somit konnte der Beschwerdeführer insgesamt nicht glaubhaft machen, dass er wegen des Versteckens von Vermögenswerten im (…) 2007 ab (…) 2015 ins Visier der sri-lankischen Behörden geriet. 6.1.3 Der Vollständigkeit halber ist schliesslich festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer die ab (…) 2015 geltend gemachten Ereignisse auch mit den weiteren auf Beschwerdeebene neu vorgelegten Beweismitteln nicht D-5831/2019 Seite 16 zu belegen vermag. Vor dem Hintergrund, dass er angeblich nicht or- dentlich aus der Hilfseinheit der LTTE entlassen wurde, erscheint äusserst fraglich, wie er den Bestätigungsbrief der demokratischen aufständischen Partei, gemäss welchem er angeblich weiterhin von der sri -lankischen Ar- mee und dem Geheimdienst gesucht werde, erhältlich machen konnte. Auch in der Replik machte er keine weitergehenden Angaben. Da es sich zudem um eine leicht manipulierbare Kopie handelt, kommt dem Dokument ohnehin kein hoher Beweiswert zu. Ferner hat auch die Wohnsitzbestäti- gung des (…) für den Zeitraum 1995 bis 2005 keinen unmittelbaren Zu- sammenhang mit seinen Asylvorbringen. Die be sagten Dokumente sind somit nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit der Fluchtvorbringen zu bewirken respektive eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung seitens des CID zu belegen. 6.2 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Vorver- folgung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Es ist dem- nach nicht davon auszugehen, dass er ab (…) 2015 aufgrund seiner LTTE- Vergangenheit erstmals von den heimatlichen Siche rheitsbehörden ge- sucht worden sei. Entsprechend ist auch nicht anzunehmen, dass nach seiner Ausreise weiterhin nach ihm gefragt wurde . Die Ausführungen auf Beschwerdeebene und die in diesem Zusammenhang eingereichten Be- weismittel sind nicht geeignet, d en vorinstanzlichen Erwägungen etwas Stichhaltiges entgegenzusetzen und zu einer anderen Beurteilung zu füh- ren. 7. 7.1 Es bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorver- folgung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka wegen des Bestehens eines Risikoprofils aus anderen Gründen ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, d ass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri- sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf- tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei han-D-5831/2019 Seite 17 delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintli- chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um di e Teil- nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie- gen früherer Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicher- weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE (sogenannte stark risikobe gründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor- derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs- weise zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sogenannte schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernst- haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri- lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den ta- milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 7.3 Der Beschwerdeführer hat sich nach Kriegsende im (…) 2009 noch mehrere Jahre im Heimatland aufgehalten. Gemäss eigenen Angaben sei er selbst nie Kämpfer der LTTE gewesen, sondern sei 2005 zwangsrekru- tiert worden und habe in der Folge bis 2009 militärische Hilfsdienste leisten müssen (vgl. SEM-Akten A/6, Ziff. 7.01 und A/18, F15, F18, F42, F44 f., F50–56). Wie aufgezeigt, vermochte er die vermeintlichen Probleme und Behelligungen mit den heimatlichen Behörden vor der im (…) 2016 erfolg- ten Ausreise wegen der angeblichen Beteiligung am Verstecken von Ver- mögenswerten der LTTE im Jahr 2007 nicht glaubhaft zu machen (vgl. oben E. 6). Damit lässt sich nicht auf ein Profil schliessen, das den Beschwerdeführer angesichts der heutigen Situation in Sri Lanka als eine in asylrechtlich relevanter Weise gefährdete Person erscheinen lassen würde. Es liegen keine konkreten Hinweise für ein aktuell bestehendes Verfolgungsinteresse seitens der sri -lankischen Behörden vor, und auch aus der tamilischen Ethnie, der mittlerweile rund fünfjährigen Landesabwe- senheit sowie der Asylgesuchstellung in der Schweiz kann keine flücht- lingsrechtlich relevante Gefährdung abgeleitet werden. Mangels persönli- chen Bezugs ist auch aufgrund der vom Beschwerdeführer angeführten politischen Ereignisse in Sri Lanka im Herbst 2018 sowie der Präsident- schaftswahl im November 2019 und des Ausgangs der Parlamentswahlen im August 2020 keine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung und D-5831/2019 Seite 18 eine etwaige Verschärfung der Gefährdungssituation zu bejahen. Eine per- sönlich konkretisierte Gefährdung vermag er mit den in den Rechtsmitte l- eingaben angeführten Berichten und den vorgelegten Medienberichten zur allgemeinen Lage in Sri Lanka nicht darzulegen. Es besteht kein konkreter Grund zur Annahme, die politischen Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf ihn auswirken. Schliesslich lässt sich auch aus dem allfälligen Einsatz temporärer Reisepapiere keine relevante Ge- fährdung ableiten. Selbst wenn er ohne Reisepass respektive mit tempo- rären Reisedokumenten nach Sri Lanka zurückkehren müsste, würde dies zwar allenfalls bei der Wiedereinreise zu einem "Background -Check" füh- ren. Es muss damit gerechnet werden, dass er nach dem Verbleib seiner Reisepapiere und zum Grund seiner Ausreise befragt und überprüft wird. Dabei kann nicht ausgeschlossen werden, dass er wegen des fehlenden Reisepasses gebüsst wird, wobei ein entsprechendes Vorgehen der sri - lankischen Behörden aber keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 vom 25. Juli 2016 E. 8.4.4). Insgesamt betrachtet ist somit nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 7.4 An dieser Einschätzung vermag – entgegen den Beschwerdevorbrin- gen – auch die aktuelle – zwar als volatil zu bezeichnen de – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern, da diesbezüglich kein individueller Bezug zum Be- schwerdeführer ersichtlich ist. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen auf- merksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Weder aus dem Machtwechsel 2019 noch aus dem Vorfall betreffend eine Mitarbeite- rin der Schweizerischen Botschaft in Sri Lanka vermag er etwas zu seinen Gunsten abzuleiten. Ebenso gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölke- rungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach speziell der Beschwerdefüh- rer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt wäre. Auch den von ihm eingereich- ten Medienartikeln (vgl. Prozessgeschichte, Bst. I) fehlt es an einem per- sönlichen Bezug. 7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts vorgebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzu- weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat daher zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. D-5831/2019 Seite 19 8. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9 je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Ausländer- und Integrationsgesetzes [AIG; SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied- rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur D-5831/2019 Seite 20 Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. D a es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Fol- terausschusses müsste er eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass m im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts zum heuti gen Zeit- punkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. dazu das weiterhin einschlägige Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 12. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3). Aus den Akten ergeben sich sodann keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die – wenn überhaupt – über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätig- keiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der jüngsten politi- schen Entwicklungen in Sri Lanka. 9.2.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. D-5831/2019 Seite 21 9.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch unter Berücksichtigung der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. dazu vorstehend E. 7.4 sowie statt vieler Urteil BVGer E-2271/2020 vom 7. Juli 2020 E. 8.3.1). Gemäss nach wie vor gültiger Rechtsprechung ist der Wegwei- sungsvollzug in die Nord - und Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines trag- fähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteile des BVGe r E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2 und D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 9.3.3 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Diesbezüglich ist auf die zutreffen- den Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung (vgl. dort E. III, Ziff. 2) zu verweisen, worin diese entgegen den Ausführungen in der Beschwerde eine individuelle Prüfung der Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs vorgenommen hat, denen sich das Gericht vollumfänglich anschliesst. 9.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.4 Des Weiteren obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. AIG). 9.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass die aktuelle Lage im Zusammenhang mit der Coronavirus -Pandemie (COVID-19) grundsätzlich nicht geeignet ist, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshin- dernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hindernis im Rahmen der Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidungen und Mittei- lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d f.). Bei der Coronavirus -Pandemie handelt es sich, soweit derzeit D-5831/2019 Seite 22 feststellbar, allenfalls um ein temporäres Vollzugshindernis. Es obliegt so- mit den kantonalen Behörden, der Entwicklung der Situation bei der Wahl des Zeitpunkts des Vollzugs in angemessener Weise Rechnung zu tragen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.). 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver- fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt rich- tig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbe- züglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Verfügung vom 19. November 2019 sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheis- sen wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finan- zielle Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von Verfahrenskosten abzusehen. 11.2 Mit derselben Verfügung wurde auch das Gesuch um amtliche Ver- beiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und der mandatierte Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Demnach ist die- sem unbesehen vom Ausgang des Verfahrens ein Honorar für die notwen- digen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der Rechts- beistand reichte mit der Replik vom 9. Januar 2020 seine Honorarnote zu den Akten. Er bezifferte den zeitlichen Vertretungsaufwand auf 12.15 Stun- den und beantragte einen Stundenansatz von Fr. 200.–. Zudem machte er Auslagen von Fr. 85.60 geltend und wies auf die bestehende Mehrwert- steuerpflicht hin. Der zeitliche Aufwand erscheint angemessen und der Stundenansatz von Fr. 200.– liegt im Kostenrahmen. Gestützt auf Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) und in Anwendung der massgebenden Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 12 D-5831/2019 Seite 23 i.V.m. Art. 8 ff. VGKE) ist das vom Gericht auszurichtende Honorar dem- nach auf insgesamt Fr. 2'709.30 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer- zuschlag) festzulegen. (Dispositiv nächste Seite) D-5831/2019 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird vom Bundesverwaltungsgericht für das Verfahren ein amtliches Honorar vo n insgesamt Fr. 2'709.30 ausge- richtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Kathrin Rohrer Versand: