<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2010.00025</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=209690&amp;W10_KEY=13013545&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2010.00025</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 19.05.2010</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 06.10.2010 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Ãbriges Verwaltungsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Informationszugang / Einblicknahme in eine Einstellungsverfügung (Wiederaufnahme von VB.2009.00304)</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Einsichtnahme in Einstellungsverfügung Um den Entscheid über die Einsichtnahme in die Einstellungsverfügung nicht durch eine Öffnung der Akten vorwegzunehmen, muss der Beizug der betreffenden Verfügung naturgemäss zur vertraulichen Prüfung erfolgen (E.1.4). Im Anwendungsbereich des Gesetzes über die Information und den Datenschutz ist zwischen aktiver und passiver Information zu unterscheiden (E.2.3). Will eine Behörde über eine Verfahrenseinstellung mehr als ein Jahr nach der Einstellung auf Gesuch mehrerer Journalisten hin selektiv informieren, unterliegt die Informationstätigkeit den Bestimmungen über die passive Information (E.2.8). Die Regelung von § 26 Abs. 2 IDG, gemäss welcher dem Betroffenen bei Einsichtsgesuchen, welche besondere Personendaten beschlagen, ein eigentliches Vetorecht zukommt, kann im Widerspruch zur Bundesverfassung stehen, weshalb ihr gegebenenfalls die Anwendung versagt bleiben muss (E.3). Vom Anspruch auf öffentliche Urteilsverkündung gemäss Art. 30 Abs. 3 BV wird grundsätzlich auch die Verfahrenserledigung durch Einstellungs- und Nichtanhandnahmeverfügungen erfasst (E.3.5). Das Einsichtsrecht ist bei Einstellungsverfügungen an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Nicht verfahrensbeteiligte Dritte müssen ein schutzwürdiges Informationsinteresse nachweisen. Ihr Informationsinteresse ist zudem gegen allfällige besondere Geheimhaltungsinteressen abzuwägen (E.3.6). Auch Einstellungsverfügungen gemäss Art. 53 StGB können nicht vom Anwendungsbereich von Art. 30 Abs. 3 BV ausgenommen werden. Ansonsten würde innerhalb des Justizwesens ein eigentlicher Geheimbereich geschaffen (E.3.9). Es genügt, wenn der Gesuchsteller ein schützwürdiges Informationsinteresse glaubhaft machen kann. Dies entbindet von der Aufgabe zu prüfen, ob die Einstellungsverfügung auf die von den Gesuchstellern im Zusammenhang mit der Strafuntersuchung gegen Roland Nef aufgeworfenen Fragen tatsächlich eine Antwort gibt (E.4.1). Dass die in den Medien angestellten Mutmassungen in der Einstellungsverfügung in den Augen des Gerichts keine Stütze finden, ist unerheblich (E.6.4). Unerheblich ist weiter, dass die Justizdirektion die aufgeworfenen Fragen zu beantworten versucht hat. Die Kontrolle durch eine staatliche Instanz vermag die demokratische Kontrolle durch die Öffentlichkeit nicht zu ersetzen (E.6.5). Eine solche demokratische Kontrolle von Justiz und Staatsanwaltschaft bildet die Essenz der Entscheidöffentlichkeit (E.7.4). Besondere Geheimhaltungsinteressen, welche einer Einsichtnahme entgegenstehen, sind nicht auszumachen. Wohl trifft die Prangerwirkung des Öffentlichkeitsprinzips Roland Nef umso härter, als eine Anonymisierung für ihn ausscheidet. Gleichzeitig ist es jedoch nicht angezeigt, die Entscheidöffentlichkeit aufgrund des Bekanntheitsgrads des Betroffenen auszuschliessen. Die Persönlichkeitsrechte der Anzeigerstatterin können dadurch gewahrt werden, dass ihre Identität durchweg unkenntlich gemacht wird (E.7.5). Gutheissung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten wird. Abweichende Meinung einer Minderheit der Kammer hinsichtlich der funktionellen Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DATENSCHUTZ">DATENSCHUTZ</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EINSICHTNAHME">EINSICHTNAHME</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EINSTELLUNGSVERFÃGUNG">EINSTELLUNGSVERFÃGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GLAUBHAFTMACHUNG">GLAUBHAFTMACHUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ÃFFENTLICHKEITSPRINZIP">ÃFFENTLICHKEITSPRINZIP</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PERSÃNLICHKEITSSCHUTZ">PERSÃNLICHKEITSSCHUTZ</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Besonderes Verwaltungsrecht (ohne...) ST: ÃBRIGES BESONDERES VERWALTUNGSRECHT">ÃBRIGES BESONDERES VERWALTUNGSRECHT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 16 BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 30 Abs. III BV</span><br/><span class="gerade">Art. 14 IDG</span><br/><span class="ungerade">Art. 17 IDG</span><br/><span class="gerade">Art. 17 Abs. I lit. a IDG</span><br/><span class="ungerade">Art. 26 Abs. II IDG</span><br/><span class="gerade">Zus. 78 KV</span><br/><span class="ungerade">Art. 17 KV</span><br/><span class="gerade">Art. 49 KV</span><br/><span class="ungerade">Art. 78 KV</span><br/><span class="gerade">Art. 53 StGB</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 1 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>4. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="77" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=11292" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">VB.2010.00025</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Entscheid</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 4. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">19. Mai 2010</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Jso Schumacher<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichter Lukas Widmer, Verwaltungsrichter Peter Sprenger, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>GerichtssekretÃ¤r Stefan SchÃ¼rer. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><a id="RU_AUTOTEXT_DRITT_N">1.<b> </b></a><a id="Anonym_Ruolo_BESF_1_1_2"><b>Axel Springer Schweiz AG,</b></a><b> </b><br/> <br/> </p> <p class="MsoNormal">2.<b> <a id="Anonym_Ruolo_BESF_2_2_7">Weltwoche Verlags AG,</a></b> <br/> <br/> </p> <p class="MsoNormal">3.<b> </b><a id="Anonym_VORNAME_3_11">Dominique</a><b> <a id="Anonym_Ruolo_BESF_3_3_13">Strebel,</a> </b><br/> <br/> </p> <p class="MsoNormal">4.<b> </b><a id="Anonym_VORNAME_4_17">Alex</a><b> <a id="Anonym_Ruolo_BESF_4_4_19">Baur,</a> </b><br/> <br/> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoBodyText">alle vertreten durch<a id="Anonym_Ruolo_VRTR_1_5_26"> Rechtsanwalt A,</a> </p> <p class="MsoNormal"><b>BeschwerdefÃ¼hrende</b>, </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel">und</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><a id="Anonym_Ruolo_MITB_1_10_49"><b>Staatsanwaltschaft I des Kantons ZÃ¼rich,</b></a><b> </b><br/> </p> <p class="MsoNormal"><b>Mitbeteiligte</b>, </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">gegen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">1.<b> </b><a id="Anonym_VORNAME_6_30">Roland</a><b> <a id="Anonym_Ruolo_BESG_1_6_32">Nef,</a> </b><br/> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">2.<b> <a id="Anonym_Ruolo_BESG_2_7_35">X,</a> </b><br/> </p> <p class="MsoNormal">vertreten durch <a id="Anonym_TITEL_8_37">R</a>echtsanwÃ¤ltin <a id="Anonym_VORNAME_8_36">B</a><a id="Anonym_ORT_8_42">,</a> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">3.<b> <a id="Anonym_Ruolo_BESG_3_9_44">Staatsanwaltschaft I des Kantons ZÃ¼rich,</a> </b><br/> </p> <p class="MsoNormal"><b>Beschwerdegegnerschaft</b>, </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Informationszugang / Einblicknahme in eine EinstellungsverfÃ¼gung<br/> (Wiederaufnahme von VB.2009.00304),</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Am 27. September 2006 erstattete X bei der Stadtpolizei ZÃ¼rich gegen ihren ehemaligen Lebenspartner Roland Nef eine Strafanzeige wegen NÃ¶tigung etc. Gegen Roland Nef wurde darauf bei der Staatsanwaltschaft ZÃ¼rich-Limmat ein Strafverfahren erÃ¶ffnet, welches mit VerfÃ¼gung vom 20. November 2006 an die Staatsanwaltschaft I des Kantons ZÃ¼rich abgetreten wurde. Diese stellte das Verfahren mit VerfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007 ein.</p> <p class="Sachverhalt2">Am 18. Juli 2008 stellte Dominique Strebel, Redaktor bei der Zeitschrift Beobachter, bei der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons ZÃ¼rich ein Gesuch um Herausgabe der EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007. Die Oberstaatsanwaltschaft Ã¼berwies das Gesuch am 21. Juli 2008 der Staatsanwaltschaft I zur direkten Erledigung. In der Folge stellten weitere Journalisten, unter ihnen Alex Baur von der Zeitschrift Weltwoche, ein Einsichtsgesuch, wobei in zwei FÃ¤llen auch Einblick in die Verfahrensakten begehrt wurde.</p> <p class="Sachverhalt2">Mit VerfÃ¼gung vom 15. Dezember 2008 hiess die Staatsanwaltschaft I die entsprechenden Gesuche, soweit sie sich auf die Einsichtnahme in die EinstellungsverfÃ¼gung beschrÃ¤nkten, teilweise gut. Sie ordnete an, die EinstellungsverfÃ¼gung den Gesuchstellern auszuhÃ¤ndigen, wobei alle Hinweise, welche die Person der Anzeigeerstatterin betrÃ¤fen, zu anonymisieren sowie ErwÃ¤gung 7 und Dispositiv-Ziff. 3 der EinstellungsverfÃ¼gung unkenntlich zu machen seien. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Dagegen liess Roland Nef am 16. Januar 2009 Rekurs an die Oberstaatsanwaltschaft erheben. Er beantragte, die Herausgabe der Akten zu verweigern. Daneben gelangten je ein Redaktor der "SonntagsZeitung" sowie der "NZZamSonntag" an die Oberstaatsanwaltschaft und beantragten Einsicht in die Verfahrensakten der Strafuntersuchung gegen Roland Nef. Sie zogen ihren Rekurs indes zurÃ¼ck, worauf dieser abgeschrieben wurde. Mit Entscheid vom 28. April 2009 hiess die Oberstaatsanwaltschaft den Rekurs Roland Nefs gut und untersagte die Herausgabe der EinstellungsverfÃ¼gung.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Gegen den Entscheid der Oberstaatsanwaltschaft gelangten die Axel Springer Schweiz AG und die Weltwoche Verlags AG sowie die Redaktoren Dominique Strebel und Alex Baur am 29. Mai 2009 an das Bundesgericht, welches das Verfahren sistierte (Verfahren 1C_444/2009), da dieselben Parteien am gleichen Tag Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingereicht hatten. In dieser beantragten sie, unter "o/e Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdegegners" den Entscheid der Oberstaatsanwaltschaft aufzuheben und ihnen vollumfÃ¤nglich Einsicht in die EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007 zu gewÃ¤hren. Eventualiter sei das Verfahren zur Neubeurteilung an die Oberstaatsanwaltschaft zurÃ¼ckzuweisen. </p> <p class="Sachverhalt2">Das Verwaltungsgericht verneinte mit Beschluss vom 29. Juli 2009 seine ZustÃ¤ndigkeit und leitete die Sache im Sinn der ErwÃ¤gungen dem Obergericht weiter (VB.2009.00304). Die Verwaltungskommission des Obergerichts trat indes auf die Angelegenheit mit Beschluss vom 24. September 2009 nicht ein.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>IV. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Gegen die BeschlÃ¼sse von Verwaltungs- und Obergericht liessen die Axel Springer Schweiz AG und die Weltwoche Verlags AG sowie Dominique Strebel und Alex Baur Beschwerden an das Bundesgericht erheben. Sie beantragten, den Beschluss des Obergerichts vom 24. September 2009 aufzuheben und die Sache an dieses zurÃ¼ckzuweisen (Verfahren 1C_482/2009). In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie, das Verfahren mit dem Beschwerdeverfahren gegen den Nichteintretensentscheid des Verwaltungsgerichts zu vereinen (Verfahren 1C_445/2009).</p> <p class="Sachverhalt2">Das Bundesgericht vereinigte die drei Verfahren mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 29. Oktober 2009. Mit Urteil vom 14. Januar 2010 hiess es die Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid des Verwaltungsgerichts gut und wies diesem die Sache zur Beurteilung zurÃ¼ck (1C_445/2009, www.bger.ch).</p> <p class="Sachverhalt1"><b>V. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 22. Januar 2010 nahm das Verwaltungsgericht das Verfahren VB.2009.00304 wieder auf und legte es als GeschÃ¤ft VB.2010.00025 an. </p> <p class="Sachverhalt2">Mit Vernehmlassung vom 2. Februar 2010 teilte die Oberstaatsanwaltschaft mit, an ihrem Rekursentscheid festzuhalten. Die Staatsanwaltschaft I verwies in ihrer Eingabe vom 1./3. Februar 2010 auf ihre VerfÃ¼gung vom 15. Dezember 2008 sowie BGE 134 I 286 und verzichtete im Ãbrigen auf eine Beschwerdeantwort. Roland Nef beantragte am 26. Februar 2010, die Beschwerde abzuweisen und eine Einsichtsnahme in die EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007 zu verweigern. X verzichtete stillschweigend auf eine Beschwerdeantwort. Im erstinstanzlichen Verfahren hatte sie beantragt, den Gesuchen um Akteneinsicht nicht stattzugeben, eventualiter nur "unter der hÃ¶chstmÃ¶glichen Wahrung" ihrer AnonymitÃ¤t.</p> <p class="Sachverhalt2">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 24. MÃ¤rz 2010 lud das Verwaltungsgericht die Staatsanwaltschaft I ein, ihm die EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007 einzureichen, wobei darauf hingewiesen wurde, dass der Axel Springer Schweiz AG und der Weltwoche Verlags AG sowie Dominique Strebel und Alex Baur die Einsicht in das Dokument zumindest einstweilen verweigert werde. Darauf liess die Staatsanwaltschaft I dem Gericht die EinstellungsverfÃ¼gung zukommen. </p> <p class="Urteilstext"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>GemÃ¤ss Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2010 gilt ein Entscheid Ã¼ber den Zugang zu amtlichen Informationen nach § 27 Abs. 1 des Gesetzes Ã¼ber die Information und den Datenschutz vom 12. Februar 2007 (IDG, LS 170.4) als Anordnung im Sinn von § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2). Die vorliegende Materie ist nicht vom Negativkatalog gemÃ¤ss § 42 f. erfasst. Die sachliche ZustÃ¤ndigkeit des Verwaltungsgerichts erscheint deshalb als gegeben. </p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Gleiches gilt fÃ¼r die funktionelle ZustÃ¤ndigkeit. Hebt eine Rechtsmittelinstanz den angefochtenen Entscheid auf und weist die Sache an die Vorinstanz zurÃ¼ck, hat diese die ErwÃ¤gungen, mit denen die RÃ¼ckweisung begrÃ¼ndet wird, ihrem neuen Entscheid zugrunde zu legen. Dieser Grundsatz gilt allgemein (vgl. z.B. BGE 99 Ib 519 E. 1b; BGr, 29. Juni 2006, U 46/05 E. 1.1, www.bger.ch). Das Bundesgericht hat den Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 29. Juli 2009 aufgehoben und diesem die Sache zur Beurteilung der Beschwerde gegen die VerfÃ¼gung der Oberstaatsanwaltschaft zurÃ¼ckgewiesen â und zwar zur materiellen Behandlung (E. 2.4). Entgegen der diesem Entscheid angefÃ¼gten Meinung der Kammerminderheit bleibt damit kein Raum fÃ¼r einen erneuten Nichteintretensentscheid; abgesehen davon wÃ¼rde ein zweites Rekursverfahren dem im kantonalen Recht vorgesehenen zweistufigen Instanzenzug widersprechen (vgl. dazu etwa VGr, 16. Dezember 2009, PB.2009.00029, E. 1.3.2, www.vgrzh.ch; Isabelle HÃ¤ner in: Isabelle HÃ¤ner/Markus RÃ¼ssli/Evi Schwarzenbach [Hrsg.], Kommentar zur ZÃ¼rcher Kantonsverfassung, ZÃ¼rich etc. 2007, Art. 77 N. 4; ebenso Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 19 N. 88; zu allfÃ¤lligen, hier nicht einschlÃ¤gigen Ausnahmen Bea Rotach Tomschin, Die Revision des ZÃ¼rcher Verwaltungsrechtspflegegesetzes, ZBl 98/1997, S. 433 ff., 444; KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 19 N. 91).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Da auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt scheinen, kann auf die Beschwerde grundsÃ¤tzlich eingetreten werden. Nicht einzutreten ist auf sie insoweit, als die BeschwerdefÃ¼hrenden beantragen, ihnen <i>vollumfÃ¤nglich</i> Einsicht in die EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007 zu gewÃ¤hren. Da nur Roland Nef bis zu einem Sachentscheid gegen die VerfÃ¼gung der Staatsanwaltschaft I vom 15. Dezember 2008 â soweit sie ihn belastete â rekurrierte, kann diese VerfÃ¼gung â soweit sie ihn und X schÃ¼tzte â im Beschwerdeverfahren nicht zu seinem Nachteil abgeÃ¤ndert werden. Die Beschwerde ist daher nur in dem Mass zulÃ¤ssig, als sie nicht Ã¼ber die VerfÃ¼gung der Staatsanwaltschaft I vom 15. Dezember 2008 hinausgeht. </p> <p class="Erwgung2"><b>1.4 </b>Nach Ansicht der Vorinstanz stehen einer Einsichtnahme in die EinstellungsverfÃ¼gung 23. Oktober 2007 Ã¼berwiegende Geheimhaltungsinteressen gegenÃ¼ber. Um diese Geheimhaltungsinteressen beurteilen zu kÃ¶nnen, hat das Verwaltungsgericht die fragliche EinstellungsverfÃ¼gung, deren (Nicht-)Herausgabe den Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens konstituiert, angefordert. Um den Entscheid nicht durch eine Ãffnung der Akten vorwegzunehmen, musste der Beizug naturgemÃ¤ss zur vertraulichen PrÃ¼fung erfolgen (vgl. auch BGE 95 I 103 E. 2b sowie § 9 VRG). </p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Den verfassungsrechtlichen Rahmen bilden vorliegend Art. 30 Abs. 3 und Art. 16 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) sowie Art. 17, 49 und 78 der Verfassung des Kantons ZÃ¼rich vom 27. Februar 2005 (KV, LS 101). Letztere verankern auf kantonaler Ebene das Ãffentlichkeitsprinzip und damit die grundsÃ¤tzliche ZugÃ¤nglichkeit amtlicher Dokumente. Art. 17 KV gibt jeder Person das Recht auf Zugang zu amtlichen Dokumenten, soweit nicht Ã¼berwiegende Ã¶ffentliche oder private Interessen entgegenstehen. Die Bestimmung begrÃ¼ndet ein verfassungsmÃ¤ssiges Individualrecht (vgl. Giovanni Biaggini in: HÃ¤ner/RÃ¼ssli/Schwarzenbach, Art. 17 N. 3). Wie sich aus den Ãbergangsbestimmungen ergibt, kann das Grundrecht aus Art. 17 KV allerdings erst fÃ¼nf Jahre nach Inkrafttreten der Kantonsverfassung und damit ab dem 1. Januar 2011 geltend gemacht werden (Art. 138 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 138 Abs. 2 und Art. 135 Abs. 1 KV). Art. 49 KV richtet sich an die BehÃ¶rden. Sie werden verpflichtet, von sich aus und auf Anfrage Ã¼ber ihre TÃ¤tigkeit zu informieren, soweit nicht Ã¼berwiegende Ã¶ffentliche oder private Interessen entgegenstehen (vgl. Stefan Vogel in: HÃ¤ner/RÃ¼ssli/Schwarzenbach, Art. 49 N. 5). Art. 78 Abs. 1 KV schliesslich regelt die EntscheidÃ¶ffentlichkeit und bildet gegenÃ¼ber Art. 49 KV, der die BehÃ¶rdentransparenz allgemein thematisiert, eine Lex specialis. GemÃ¤ss der Bestimmung sind Rechtspflegeentscheide auf angemessene Weise der Ãffentlichkeit zugÃ¤nglich zu machen, wobei der Schutz der PersÃ¶nlichkeit gewahrt bleibt. Wie Art. 49 stellt auch Art. 78 KV eine an die BehÃ¶rden gerichtete Auftragsnorm dar. Ihre grundrechtliche Entsprechung finden die Bestimmungen in Art. 17 KV (Vogel, Art. 78 N. 1 f.).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Der Umsetzung des Ãffentlichkeitsprinzips dient das Gesetz Ã¼ber die Information und den Datenschutz. Mit dem Gesetz fÃ¼hrt der Kanton ZÃ¼rich den Ãffentlichkeitsgrundsatz ein und vollzieht insofern einen Systemwechsel. Ein amtliches Dokument ist grundsÃ¤tzlich Ã¶ffentlich zugÃ¤nglich (vgl. Weisung des Regierungsrats vom 9. November 2005, ABl 2005, 1296). Anders als Art. 17 KV knÃ¼pft das IDG nicht am Begriff des "amtlichen Dokuments" an, sondern an jenem der "Information" (vgl. § 3 IDG).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Im Anwendungsbereich des IDG ist zwischen aktiver Information einerseits und passiver Information andererseits zu unterscheiden (vgl. die ErlÃ¤uterungen des Regierungsrats zur Verordnung Ã¼ber die Information und den Datenschutz vom 28. Mai 2008, ABl 2008, 916 ff.). WÃ¤hrend bei der aktiven Information die BehÃ¶rden von sich aus tÃ¤tig werden, betrifft die passive Information UmstÃ¤nde, welche die BehÃ¶rden auf Gesuch hin bekannt geben oder zugÃ¤nglich machen mÃ¼ssen; die passive Information funktioniert insofern nach dem "Holprinzip" (vgl. Vogel, Art. 49 N. 5; Isabelle HÃ¤ner, Aktive Information und passives Zugangsrecht, URP 2004, S. 3 ff.; fÃ¼r den Bund Luzius Mader, Das Ãffentlichkeitsgesetz des Bundes â EinfÃ¼hrung in die Grundlagen, in: Bernhard Ehrenzeller [Hrsg.], Das Ãffentlichkeitsgesetz des Bundes, St. Gallen 2006, S. 9 ff., 17).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b>Die Information von Amtes ist im IDG unter dem Titel "Bekanntgabe von Informationen" geregelt (§§ 14â19 IDG), unter dem auch die weiterhin geltenden Regeln des mittlerweile abgelÃ¶sten (kantonalen) Datenschutzgesetzes vom 6. Juni 1993 (OS 52, 452 ff.) Ã¼ber die Bekanntgabe von Personendaten festgehalten sind. Nach § 14 Abs. 1 IDG informiert das Ã¶ffentliche Organ <i>von sich aus</i> Ã¼ber seine TÃ¤tigkeiten von allgemeinem Interesse. Die Information hat rasch, das heisst unmittelbar nach einem Entscheid oder Ereignis, umfassend und sachlich zu erfolgen (ABl 2005, 1309). Sind besondere Personendaten betroffen, erfolgt eine Information der Ãffentlichkeit gemÃ¤ss § 17 Abs. 1 IDG nur, sofern eine hinreichend bestimmte Regelung in einem formellen Gesetz dazu ermÃ¤chtigt (lit. a), die betroffene Person eingewilligt hat (lit. b) oder eine unmittelbar drohende Gefahr fÃ¼r Leib und Leben eine Information notwendig macht (lit. c). Als besondere Personendaten gelten Informationen, bei denen die besondere Gefahr einer PersÃ¶nlichkeitsverletzung besteht. Dies ist namentlich bei Informationen Ã¼ber administrative oder strafrechtliche Verfolgungen oder Sanktionen der Fall (vgl. § 3 unter "Besondere Personendaten" lit. a Ziff. 4 IDG). Was die hinreichend bestimmte Regelung im Sinn von lit. a betrifft, muss aus ihr "klar hervorgehen, dass besondere Personendaten bekannt gegeben werden dÃ¼rfen" und wer deren EmpfÃ¤nger ist (ABl 2005, 1313).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.5 </b>Die passive Information ist in §§ 20â29 IDG normiert. Nach § 20 Abs. 1 IDG hat jede Person Anspruch auf Zugang zu den bei einem Ã¶ffentlichen Organ vorhandenen Informationen. Das Ã¶ffentliche Organ verweigert die Bekanntgabe von Informationen ganz oder teilweise, sofern eine rechtliche Bestimmung oder ein Ã¼berwiegendes Ã¶ffentliches oder privates Interesse entgegenstehen (§ 23 Abs. 1 IDG). Ein privates Interesse liegt insbesondere vor, wenn durch die Bekanntgabe der Information die PrivatsphÃ¤re Dritter beeintrÃ¤chtigt wird (§ 23 Abs. 2 IDG). BeschlÃ¤gt ein Gesuch besondere Personendaten, lehnt das Ã¶ffentliche Organ dieses ab, sofern die betroffenen Dritten dem Zugang nicht ausdrÃ¼cklich zustimmen (§ 26 Abs. 2 IDG). </p> <p class="Erwgung2"><b>2.6 </b>GemÃ¤ss der Weisung des Regierungsrats vom 9. November 2005 sollen im IDG die Normen Ã¼ber den Informationszugang einerseits und Ã¼ber die Bekanntgabe von Personendaten andererseits "nicht einfach parallel nebeneinander stehen und womÃ¶glich gar noch gegenseitig aufeinander verweisen". Vielmehr enthalte das IDG "ein GefÃ¼ge von Regelungen", das die verschiedenen FÃ¤lle von Informationsweitergaben erfasse (ABl 2005, 1312). Entsprechend ist in der Praxis zwischen aktiver und passiver Information und den jeweiligen Voraussetzungen zu differenzieren. FÃ¼r den Anspruch auf Zugang ist dabei insbesondere zu berÃ¼cksichtigen, dass das kantonale Recht dem betroffenen Dritten in § 26 Abs. 2 IDG ein eigentliches Vetorecht zugesteht, sofern Einsicht in besondere Personendaten begehrt wird.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.7 </b>Die Staatsanwaltschaft I ist in ihrer VerfÃ¼gung vom 15. Dezember 2008 davon ausgegangen, im Bereich der aktiven Information tÃ¤tig zu sein. So verwies sie zur BegrÃ¼ndung der Herausgabe auf Art. 49 KV sowie § 14 Abs. 1 IDG, welche fÃ¼r die Ã¶ffentlichen Organe eine Informationspflicht festlegen wÃ¼rden. Da Roland Nef wie auch seine ehemalige LebensgefÃ¤hrtin die Zustimmung fÃ¼r eine Information der Ãffentlichkeit verweigert hÃ¤tten, sei zu prÃ¼fen, ob eine VerÃ¶ffentlichung der EinstellungsverfÃ¼gung â wie in § 17 Abs. 1 lit. a IDG vorgesehen â gestÃ¼tzt auf eine hinreichend bestimmte Regelung in einem formellen Gesetz mÃ¶glich sei. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.8 </b>Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Die EinstellungsverfÃ¼gung gegen Roland Nef erging am 23. Oktober 2007. Ein erstes Gesuch um Einsicht in die VerfÃ¼gung wurde am 18. Juli 2008 eingereicht. Darauf ordnete die Staatsanwaltschaft I am 15. Dezember 2008 die Herausgabe der VerfÃ¼gung an vier Journalisten an. Zwischen EinstellungsverfÃ¼gung und geplanter Publikation vergingen demnach Ã¼ber zwÃ¶lf Monate. Von einer raschen Information der Ãffentlichkeit, wie sie geboten ist, kann deshalb nicht die Rede sein. Zudem ist offensichtlich, dass der Anstoss fÃ¼r die geplante selektive Herausgabe der EinstellungsverfÃ¼gung von den um Einsicht ersuchenden Medien kam. Es kann daher nicht gesagt werden, die Staatsanwaltschaft I habe von sich aus informiert, wie dies § 14 Abs. 1 IDG vorschreibt. Folglich sind die Bestimmungen Ã¼ber die aktive Information nicht einschlÃ¤gig. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.9 </b>DarÃ¼ber hinaus ist fraglich, ob die von der Staatsanwaltschaft I fÃ¼r eine aktive Information herangezogenen Art. 6 Abs. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK, SR 0.101) respektive Art. 30 Abs. 3 BV eine hinreichend bestimmte Regelung darstellen, wie sie § 17 Abs. 1 lit. a IDG bei besonderen Personendaten verlangt. Die beiden Bestimmungen schreiben lediglich die Ãffentlichkeit der UrteilsverkÃ¼ndung (Art. 6 Abs. 1 EMRK) beziehungsweise von UrteilsverkÃ¼ndung und Gerichtsverhandlung (Art. 30 Abs. 3 BV) vor. EinstellungsverfÃ¼gungen werden dagegen nicht genannt. Zudem lassen beide Bestimmungen Ausnahmen zu.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Nach dem Gesagten lÃ¤sst sich eine Herausgabe der EinstellungsverfÃ¼gung nicht auf die Bestimmungen Ã¼ber die aktive Information gemÃ¤ss IDG stÃ¼tzen. Ein Einsichtsgesuch wiederum scheitert am Vetorecht der Betroffenen nach § 26 Abs. 2 IDG. Auf einem anderen Blatt steht, ob die Bestimmungen des kantonalen Rechts mit den Vorgaben des Bundesrechts vereinbar sind.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Art. 16 Abs. 1 BV garantiert die Informationsfreiheit. Das Recht auf freie Informationsbeschaffung ist allerdings auf Quellen beschrÃ¤nkt, die allgemein zugÃ¤nglich sind (Art. 16 Abs. 3 BV). Mit dem Erfordernis der AllgemeinzugÃ¤nglichkeit werden der Schutzbereich und damit Reichweite und praktische Bedeutung des Grundrechts wesentlich eingeschrÃ¤nkt. Ein Eingriff in das Grundrecht besteht erst, wenn die Rechtsordnung die AllgemeinzugÃ¤nglichkeit der in Frage stehenden Informationsquelle anerkennt, wodurch die Informationsfreiheit einem allgemeinen Gesetzesvorbehalt unterstellt wird (Giovanni Biaggini, Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, ZÃ¼rich 2007, Art. 16 N. 10; JÃ¶rg Paul MÃ¼ller/Markus Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. A., Bern 2008, S. 523; Roberto Peduzzi, Meinungs- und Medienfreiheit in der Schweiz, ZÃ¼rich etc. 2004, S. 214 f.). Als allgemein zugÃ¤nglich gelten gemÃ¤ss Art. 30 Abs. 3 BV sowie Art. 6 Abs. 1 EMRK Gerichtsverhandlung und UrteilsverkÃ¼ndung. Die Bestimmung konkretisiert insofern die Informationsfreiheit fÃ¼r den Bereich gerichtlicher Verfahren (MÃ¼ller/Schefer, S. 965; Peduzzi, S. 218 f.; Hans WiprÃ¤chtiger, Justiz und Medien â Erwartungen des Richters [Das VerhÃ¤ltnis zwischen Justiz und Medien] in: Marianne Heer/Adrian Urwyler [Hrsg.], Justiz und Ãffentlichkeit, Bern 2007, S. 39 ff., 40 f.; vgl. auch BGE 127 I 145 E. 4c/aa).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Verhandlungs- und EntscheidÃ¶ffentlichkeit nach Art. 30 Abs. 3 BV bedeuten eine Absage an jegliche Form der Kabinettsjustiz. Die AusÃ¼bung staatlicher Macht ist nur insoweit legitim, als sie Ã¶ffentlicher Kritik zugÃ¤nglich ist. Dies gilt nicht nur fÃ¼r Parlament und Exekutive, sondern auch fÃ¼r die Justiz. Die Gesellschaft soll Kenntnis erhalten kÃ¶nnen, wie die Rechtspflege ausgeÃ¼bt wird. Verhandlungs- und EntscheidÃ¶ffentlichkeit sorgen deshalb fÃ¼r Transparenz in der Rechtspflege, was eine demokratische Kontrolle erst ermÃ¶glicht; an ihnen besteht insofern auch ein Ã¶ffentliches Interesse (BGE 124 IV 234 E. 3b, 133 I 106 E. 8.1; MÃ¼ller/Schefer, S. 964; Gerold Steinmann in: Bernhard Ehrenzeller et al. [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, Kommentar, 2. A., ZÃ¼rich etc. 2008, Art. 30 N. 37). Ohne GerichtsÃ¶ffentlichkeit sind Spekulationen, ob die Justiz einzelne Prozessparteien ungebÃ¼hrlich benachteiligt oder privilegiert, unvermeidlich; Kritik an einseitiger oder rechtsstaatlich fragwÃ¼rdiger ErmittlungstÃ¤tigkeit, mangelhafter Verfahrensleitung oder personellen Verstrickungen bleibt ausgeschlossen. Gleichzeitig fÃ¶rdert die GerichtsÃ¶ffentlichkeit fÃ¼r Private auch Unangenehmes zu Tage. Sie liegt daher nicht immer im Interesse der Verfahrensbeteiligten (vgl. Franz Zeller, GerichtsÃ¶ffentlichkeit als Quelle der Medienberichterstattung, MediaLex 2003, S. 15 ff., 16 f.). </p> <p class="Erwgung2"><span class="Einzug1Char"><b><span>3.4 </span></b></span>Die Ã¶ffentliche UrteilsverkÃ¼ndung im Sinn einer Publikums- und MedienÃ¶ffentlichkeit ist als Teilgehalt von Art. 30 Abs. 3 BV primÃ¤r fÃ¼r nicht direkt am Verfahren beteiligte Dritte von Bedeutung (Biaggini, Art. 30 N. 18; Steinmann, Art. 30 N. 37; Zeller, S. 19 ff.<span class="Einzug1Char"><span>). </span></span>Den Medien kommt dabei die Rolle des Bindeglieds zwischen Justiz und BevÃ¶lkerung zu. Da nicht jedermann jederzeit an beliebigen Gerichtsverhandlungen teilnehmen kann, machen die Medien mit ihrer Berichterstattung die TÃ¤tigkeit der Justiz einem grÃ¶sseren Publikum zugÃ¤nglich. Die Gerichtsberichterstattung dient damit einer verlÃ¤ngerten bzw. mittelbaren GerichtsÃ¶ffentlichkeit, und in diesem Sinn besteht an ihr ein erhebliches Ã¶ffentliches Interesse (vgl. BGE 129 III 529 E. 3.2).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.5 </b>Art. 30 Abs. 3 BV erfasst grundsÃ¤tzlich Gerichtsverhandlung und UrteilsverkÃ¼ndung und damit nur bestimmte Ausschnitte des Verfahrens. Nicht erfasst sind das Untersuchungsverfahren im Strafprozess oder die Urteilsberatung. Im hier interessierenden Bereich des Strafrechts beschrÃ¤nkt sich der Anspruch auf Ã¶ffentliche UrteilsverkÃ¼ndigung aber nicht auf Entscheide Ã¼ber strafrechtliche Anklagen. In begrÃ¼ndeten FÃ¤llen kann die Ãffentlichkeit durchaus ein legitimes Interesse an der KlÃ¤rung der Frage haben, weshalb es zu nichtgerichtlichen Verfahrenserledigungen ohne Straffolgen durch Sach- und Prozessentscheide kommt. Vom Anspruch auf Ã¶ffentliche UrteilsverkÃ¼ndung wird daher grundsÃ¤tzlich auch die Verfahrenserledigung durch Einstellungs- und NichtanhandnahmeverfÃ¼gungen erfasst (vgl. BGE 134 I 286 E. 6). GemÃ¤ss Bundesgericht kann sich ein InformationsbedÃ¼rfnis insbesondere bei systematischen bzw. auffÃ¤llig hÃ¤ufigen Verfahrenserledigungen durch Ermittlungs- und UntersuchungsbehÃ¶rden bzw. Staatsanwaltschaften aufdrÃ¤ngen (a.a.O., E. 6.3). Eine allzu rigide formale Unterscheidung zwischen materiellen Straferkenntnissen und Verfahrenserledigungen trÃ¤gt nach Ansicht des Bundesgerichts dem Zweck von Art. 30 Abs. 3 BV nicht ausreichend Rechnung (a.a.O., E. 6.4). </p> <p class="Erwgung2"><b>3.6 </b>Das Bundesgericht knÃ¼pft das Einsichtsrecht bei Verfahrenserledigungen an verschiedene Voraussetzungen (kritisch zum dogmatischen Ansatz des Bundesgerichts Stephan Brunner, Einsichtnahme in Einstellungs- und NichtanhandnahmeverfÃ¼gungen bei Strafverfahren, Urteil des Bundesgerichts vom 2. April 2008 [1C_302/2007], medialex 2008, S. 144 ff.). Nicht verfahrensbeteiligte Dritte mÃ¼ssen ein schutzwÃ¼rdiges Informationsinteresse nachweisen. Ihr Informationsinteresse ist zudem im Sinn des Grundsatzes der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit gegen allfÃ¤llige besondere Geheimhaltungsinteressen der JustizbehÃ¶rden oder von mitbetroffenen Dritten abzuwÃ¤gen. Durch die Einsichtnahme darf namentlich die FunktionsfÃ¤higkeit der Strafjustiz nicht gefÃ¤hrdet werden. Bei entgegenstehenden privaten oder Ã¶ffentlichen Interessen ist allerdings zu prÃ¼fen, ob diesen nicht durch KÃ¼rzung oder Anonymisierung ausreichend Rechnung getragen werden kann. Jegliche Information aus diesem Bereich der JustiztÃ¤tigkeit von vornherein vÃ¶llig auszuschliessen, hiesse fÃ¼r das Bundesgericht demgegenÃ¼ber, rechtsstaatlich unzulÃ¤ssige Reservate mÃ¶glicher behÃ¶rdlicher WillkÃ¼r oder intransparenter "Geheimjustiz" zu Ã¶ffnen (BGE 134 I 286 E. 6.3; siehe auch BGE 133 I 106 E. 8.1). </p> <p class="Erwgung2"><b>3.7 </b>Der Anspruch auf Einsicht gemÃ¤ss Art. 30 Abs. 3 BV umfasst damit im Bereich des Strafrechts Urteile, StrafverfÃ¼gungen sowie Verfahrenserledigungen ohne Straffolgen. Voraussetzungen respektive Schranken der Einsichtsnahme variieren indes. Von der Ã¶ffentlichen VerkÃ¼ndung gerichtlicher Urteile darf nur in AusnahmefÃ¤llen abgesehen werden (vgl. Biaggini, Art. 30 N. 21; Steinmann, Art. 30 N. 40; MÃ¼ller/Schefer, S. 978; Martin Kayser, Die Ã¶ffentliche UrteilsverkÃ¼ndung in der kÃ¼nftigen Schweizer Zivil- bzw. Strafprozessordnung, in: Benjamin Schindler/Regula Schlauri [Hrsg.], Auf dem Weg zu einem einheitlichen Verfahren, ZÃ¼rich 2001, S. 47 ff., 60 f.). Im Ãbrigen ist dem berechtigten Interesse der Privaten am PersÃ¶nlichkeits- und Datenschutz mit der Anonymisierung des Urteils Rechnung zu tragen (BGE 133 I 106 E. 8.3). Bei StrafverfÃ¼gungen scheint das Bundesgericht das Einsichtsrecht hingegen von bestimmten Voraussetzungen abhÃ¤ngig zu machen. Die Person, die Einsicht in eine StrafverfÃ¼gung verlangt, hat ein berechtigtes Interesse darzulegen (BGE 124 IV 234 E. 3d). Gleichzeitig sind gemÃ¤ss Bundesgericht an behÃ¶rdliche EinschrÃ¤nkungen des Einsichtsrechts strenge MassstÃ¤be anzulegen. Es soll genÃ¼gen, wenn der Gesuchsteller ein ernsthaftes Interesse an der Kenntnisnahme glaubhaft macht (a.a.O.; so auch BGE 134 I 286 E. 5.1; BGr, 1. September 2006, 1P.298.2006 E. 2.2, www.bger.ch). Auch bei Verfahrenserledigungen ergibt sich aus Art. 30 Abs. 3 BV und Art. 6 Abs. 1 EMRK kein pauschaler und unbeschrÃ¤nkter Anspruch von nicht verfahrensbeteiligten Dritten, in Einstellungs- und NichtanhandnahmeverfÃ¼gungen Einsicht zu nehmen. Das Einsichtsrecht wird vom Bundesgericht davon abhÃ¤ngig gemacht, dass der Gesuchsteller ein schutzwÃ¼rdiges Informationsinteresse nachweisen kann und keine Ã¼berwiegenden Ã¶ffentlichen oder privaten Interessen der beantragten Einsichtnahme entgegenstehen (BGE 134 I 286 E. 6.5 und 6.6).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.8 </b>Innerhalb der Verfahrenserledigungen lassen sich der bundesgerichtlichen Praxis keine weiteren Differenzierungen entnehmen. Allerdings ist offensichtlich, dass das Bundesgericht bei seinem Entscheid vom 2. April 2008 (BGE 134 I 286) nicht wie hier eine Verfahrenseinstellung aufgrund von Art. 53 des Strafgesetzbuchs (StGB, SR 311.0) vor Augen gehabt hat. So fÃ¼hrt das Gericht in jenem Entscheid aus, eine Verfahrenserledigung durch Einstellungs- bzw. NichtanhandnahmeverfÃ¼gung erfolge grundsÃ¤tzlich aufgrund eines Prozesshindernisses oder aber, wenn im Hinblick auf eine gerichtliche Beurteilung mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Freispruch mangels Beweisen oder Strafbarkeit erfolgen wÃ¼rde (BGE 134 I 286 E. 6.2). AuslÃ¶ser fÃ¼r das dem Entscheid vom 2. April 2008 zugrunde liegende Einsichtsgesuch bildete nach den Vorbringen des gesuchstellenden "Vereins gegen Tierfabriken" der Umstand, dass verschiedene Anzeigen gegen den Inhaber einer Pferdehandlung wegen Verstosses gegen tierschutzgesetzliche Vorschriften "auf dubiose Weise allesamt im Sand verlaufen" respektive "sang- und klanglos" eingestellt worden waren (siehe BGr, 2. April 2008, 1C_302/2007 E. 3, www.bger.ch [die ErwÃ¤gung ist in BGE 134 I 286 nicht wiedergegeben]). </p> <p class="Erwgung2"><b>3.9 </b>Art. 53 StGB zielt auf eine andere Konstellation. Nach Art. 53 StGB sieht die zustÃ¤ndige BehÃ¶rde von einer Strafverfolgung, einer Ãberweisung an das Gericht oder einer Bestrafung ab, sofern der TÃ¤ter den Schaden gedeckt oder alle zumutbaren Anstrengungen unternommen hat, um das von ihm bewirkte Unrecht auszugleichen, und weiter die Voraussetzungen fÃ¼r die bedingte Strafe erfÃ¼llt (lit. a) und das Interesse der Ãffentlichkeit und des GeschÃ¤digten an der Strafverfolgung gering sind (lit. b). Die Wiedergutmachung dient in erster Linie dem Opfer, dem oft mehr am Ersatz des Schadens als an einer Bestrafung des TÃ¤ters liegt. Im Idealfall akzeptiert der GeschÃ¤digte die Wiedergutmachung, indem er erklÃ¤rt, an einer Bestrafung des Beschuldigten kein Interesse mehr zu haben; die Zustimmung des GeschÃ¤digten ist allerdings nicht zwingend (Franz Riklin, Basler Kommentar, 2007, Art. 53 StGB N. 16; BGE 135 IV 12 E. 3.4.1). Die Wiedergutmachung zeitigt dabei je nach Verfahrensstadium unterschiedliche Wirkung. Wird das Unrecht umgehend ausgeglichen, kann die UntersuchungsbehÃ¶rde von einer Strafverfolgung absehen. Ist die Strafverfolgung bereits im Gang, kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen oder von einer Ãberweisung an das Gericht absehen. Sind die Voraussetzungen der Wiedergutmachung erst im Gerichtsverfahren gegeben, steht dem Gericht nur noch der Schuldspruch bei gleichzeitigem Strafverzicht offen (BGE 135 IV 27 E. 2.3).</p> <p class="Erwgung2">Indem der GeschÃ¤digte regelmÃ¤ssig sein Desinteresse erklÃ¤rt, unterscheidet sich eine Verfahrenseinstellung nach Art. 53 StGB von einem (behaupteten) Sachverhalt, wie er dem Entscheid des Bundesgerichts vom 2. April 2008 (BGE 134 I 286) zugrunde lag. Die Einstellung erfolgt im Anwendungsbereich von Art. 53 StGB gerade nicht "sang- und klanglos", sondern meist mit Zustimmung des GeschÃ¤digten. Aus dem Desinteresse des GeschÃ¤digten lÃ¤sst sich indes nicht schliessen, eine Verfahrenseinstellung aufgrund von Art. 53 StGB sei generell vom Anwendungsbereich von Art. 30 Abs. 3 BV auszuklammern. Auch Art. 53 StGB stellt das Verfahren nicht in das Belieben der Parteien; die Einstellung bedarf der Approbation der BehÃ¶rden. Es geht deshalb nicht, innerhalb des Justizwesens einen eigentlichen Geheimbereich zu schaffen. Zudem liegen dem Einsichtsgesuch des "Vereins gegen Tierfabriken" Ã¤hnliche Ãberlegungen zugrunde wie dem Gesuch der BeschwerdefÃ¼hrenden im vorliegenden Fall. Beiden Einsichtsgesuchen ist gemeinsam, dass die Korrektheit der jeweiligen Verfahrenseinstellung in Zweifel gezogen wird. So bringen die BeschwerdefÃ¼hrenden vorliegend vor, es stehe der Vorwurf im Raum, Roland Nef habe aufgrund seiner damals bevorstehenden Wahl zum Armeechef eine Sonderbehandlung erfahren.</p> <p class="Erwgung2">Eine Wiedergutmachung nach Art. 53 StGB setzt daneben voraus, dass der Beschuldigte die Normverletzung anerkennt (BGr, 13. Mai 2008, 6B_152/2007, E. 5.2.3, www.bger.ch; BGE 135 IV 12 E. 3.5.3; anders Riklin, Art. 53 N. 18). Auch diesbezÃ¼glich besteht eine Differenz zu den vom Bundesgericht genannten Konstellationen der Verfahrenseinstellung mangels Beweisen oder aufgrund eines Prozesshindernisses. Das EingestÃ¤ndnis des Beschuldigten spricht dabei freilich fÃ¼r eine Einsichtnahme in die VerfÃ¼gung. Die Eigenheiten einer Verfahrenseinstellung nach Art. 53 StGB legen aber immerhin den Schluss nahe, an ein entsprechendes Einsichtsgesuch strenge MassstÃ¤be anzulegen. Den unterschiedlichen GrÃ¼nden fÃ¼r eine Verfahrenserledigung ist folglich im Rahmen der AbwÃ¤gung der auf dem Spiel stehenden Interessen Rechnung zu tragen. Einen gÃ¤nzlichen Ausschluss des Einsichtsrechts bei Verfahrenserledigungen gestÃ¼tzt auf Art. 53 StGB vermÃ¶gen die Unterschiede aber nicht zu rechtfertigen. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.10 </b>Aus dem Gesagten ergibt sich, dass Art. 30 Abs. 3 BV nicht verfahrensbeteiligten Dritten unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Einsicht in eine EinstellungsverfÃ¼gung der Staatsanwaltschaft verleiht. § 26 Abs. 2 IDG, der eine Einsicht in besondere Personendaten von der Zustimmung der Betroffenen abhÃ¤ngig macht, erweist sich insofern als verfassungswidrig. Der Bestimmung muss deshalb hier, wie sich zeigen wird, die Anwendung versagt bleiben. </p> <p class="Erwgung1"><a id="id12438"></a><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>GemÃ¤ss Bundesgericht ist die Einsichtnahme in eine EinstellungsverfÃ¼gung bei nicht verfahrensbeteiligten Dritten von einem schutzwÃ¼rdigen Informationsinteresse abhÃ¤ngig zu machen (BGE 134 I 286 E. 6.6). Diese erste HÃ¼rde erscheint dabei als eigentliche Zugangsvoraussetzung. Seinen Ursprung hat der verlangte Nachweis schutzwÃ¼rdiger Informationsinteressen in der Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Akteneinsichtsrecht bei abgeschlossenen Verfahren gemÃ¤ss Art. 29 Abs. 2 BV (vgl. Brunner, S. 145). Bei abgeschlossenen Verfahren ist das Einsichtsrecht davon abhÃ¤ngig, dass der Gesuchsteller ein besonderes schutzwÃ¼rdiges Interesse <i>glaubhaft</i> machen kann (siehe BGE 95 I 103 E. 2a). Das Interesse kann sich aus der Betroffenheit in einem spezifischen Freiheitsrecht oder aus einer sonstigen besonderen SachnÃ¤he ergeben (vgl. BGE 129 I 249 E. 3; Steinmann, Art. 29 N. 29). Ein blosses Glaubhaftmachen schÃ¼tzwÃ¼rdiger Interessen genÃ¼gt darÃ¼ber hinaus bei Gesuchen um Einsicht in StrafverfÃ¼gungen (siehe BGE 124 IV 234 E. 3d; BGr, 1. September 2006, 1P.298/2006, E. 2.2, www.bger.ch). Es ist daher davon auszugehen, dass es auch bei Einsichtsgesuchen betreffend EinstellungsverfÃ¼gungen ausreicht, wenn schÃ¼tzwÃ¼rdige Informationsinteressen glaubhaft erscheinen. Dies entbindet das Gericht von der Aufgabe zu prÃ¼fen, ob die EinstellungsverfÃ¼gung auf die von den Gesuchstellern im Zusammenhang mit der Strafuntersuchung gegen Roland Nef aufgeworfenen Fragen tatsÃ¤chlich eine Antwort gibt. </p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>In einem zweiten Schritt sind gemÃ¤ss Bundesgericht die glaubhaft erscheinenden Informationsinteressen gegen allfÃ¤llige besondere Geheimhaltungsinteressen der JustizbehÃ¶rden oder Dritter abzuwÃ¤gen (BGE 134 I 286 E. 6.6). Damit legt das Bundesgericht fest, welche spezifischen Interessen eine BeschrÃ¤nkung des Zugangsrechts und damit eine EinschrÃ¤nkung des Grundrechtsanspruchs zu rechtfertigen vermÃ¶gen. FÃ¼r die entsprechende InteressenabwÃ¤gung ist dabei auf den Inhalt der EinstellungsverfÃ¼gung abzustellen (vgl. BGE 95 I 103 E. 2b). Das Gericht hat deshalb die EinstellungsverfÃ¼gung beigezogen. Diesem Vorgehen haftet der Makel an, dass dem Gericht bekannt wird, was einer Prozesspartei unbekannt bleibt. Zugleich ist das Gericht durch den Beizug hinsichtlich des behaupteten Geheimhaltungsinteresses nicht auf die Angaben der Vorinstanz angewiesen, sondern kann dieses selber beurteilen. Der Beizug liegt deshalb im Interesse der Gesuchsteller (vgl. BGE 95 I 103 E. 2b). </p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Was das schÃ¼tzwÃ¼rdige Informationsinteresse betrifft, hatte Dominique Strebel in seinem Gesuch um Einsichtnahme vom 18. Juli 2008 geltend gemacht, ein Strafverfahren gegen einen amtierenden Armeechef sei unstreitbar von Ã¶ffentlichem Interesse. Ein Armeechef mÃ¼sse allenfalls unter hohem Druck wichtige Entscheide fÃ¤llen und eine entsprechende PersÃ¶nlichkeit mitbringen. Weiter sei das Strafverfahren wÃ¤hrend eines laufenden Wahlverfahrens eingestellt worden; die Ãffentlichkeit habe ein Interesse daran, zu wissen, aus welchen GrÃ¼nden dies geschehen sei. Nur so kÃ¶nne eine demokratische Kontrolle der Justiz und der WahlbehÃ¶rde ausgeÃ¼bt werden. Alex Baur brachte in seinem Gesuch vom 22. August 2008 unter anderem vor, die EinstellungsverfÃ¼gung habe bei der Wahl Roland Nefs und dessen RÃ¼cktritt eine entscheidende Bedeutung gehabt. Die Wahl des Armeechefs als Garanten der Ã¶ffentlichen Sicherheit sei von hÃ¶chstem Interesse. </p> <p class="Urteilstext">In der Beschwerde vom 29. Mai 2009 bringen die BeschwerdefÃ¼hrenden vor, bereits der Umstand, dass gegen den Armeechef vor seiner Wahl ein Strafverfahren gefÃ¼hrt worden sei, begrÃ¼nde ein Informationsinteresse. Als Stichworte hierzu werden genannt: "Sicherheit des Landes, Person der Zeitgeschichte, InformationsbedÃ¼rfnis der Ãffentlichkeit, StrafbedÃ¼rfnis der Allgemeinheit". Entscheidend bzw. gewichtiger sei allerdings das Interesse an der Transparenz der Rechtspflege. Hierzu stellten sich verschiedene Fragen, so, ob "eine Person der Zeitgeschichte eine Sonderbehandlung erfahren" habe, weiter, welche Voraussetzungen erfÃ¼llt sein mÃ¼ssten, "dass in einem nicht leichten Fall von Stalking das Interesse der Ãffentlichkeit und des GeschÃ¤digten an der Strafverfolgung gering sind", und schliesslich, ob sich das Institut der Wiedergutmachung gemÃ¤ss Art. 53 StGB bewÃ¤hre oder nicht viel mehr zu einer Bevorzugung wohlhabender TÃ¤ter fÃ¼hre. Die Verfahrenserledigung erscheine aufgrund der Schwere der Delikte, der Berufung auf Art. 53 StGB, der Prominenz Roland Nefs sowie des seinerzeit laufenden Verfahrens um die Neubesetzung des Postens des Armeechefs als "Ã¤usserst auffÃ¤llig".</p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Das von den BeschwerdefÃ¼hrenden geltend gemacht Informationsinteresse beschlÃ¤gt demnach im Wesentlichen zwei Themenkreise, die ihrerseits zusammenhÃ¤ngen: Zum einen geht es um die Bedeutung des Strafverfahrens gegen Roland Nef in Zusammenhang mit dessen Wahl und spÃ¤terem RÃ¼cktritt als Armeechef, zum andern um die HintergrÃ¼nde und UmstÃ¤nde der Verfahreneinstellung durch die Staatsanwaltschaft I. Der erste Aspekt betrifft das Verhalten der BundesbehÃ¶rden, der zweite hauptsÃ¤chlich jenes der Staatsanwaltschaft I des Kantons ZÃ¼rich. Die beiden Aspekte sind nachfolgend zu vertiefen. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Der Chef der Armee ist dem Vorsteher des Departements fÃ¼r Verteidigung, BevÃ¶lkerungsschutz und Sport (VBS) direkt unterstellt. Er ist fÃ¼r die Entwicklung und FÃ¼hrung der Armee verantwortlich. Er fÃ¼hrt die beiden TeilstreitkrÃ¤fte Heer und Luftwaffe, die HÃ¶here Kaderausbildung und den Generalstab und verfÃ¼gt hierzu Ã¼ber einen persÃ¶nlichen Stab. Seine Wahl erfolgt durch den Bundesrat (vgl. Armeeleitbild XXI, S. 54 f.). In der Verfassung ist der Chef der Armee nicht erwÃ¤hnt. Diese regelt einzig die ZustÃ¤ndigkeit der Bundesversammlung zur Wahl des Generals (Art. 168 BV). Die Wahl des Generals erfolgt, wenn ein grÃ¶sseres Truppenaufgebot fÃ¼r den Aktivdienst vorgesehen oder erlassen ist (Art. 85 Abs. 1 des MilitÃ¤rgesetzes vom 3. Februar 1995 [MG, SR 510.10]). Bis dahin regelt der Bundesrat den Oberbefehl fÃ¼r die Armee (Art. 85 Abs. 2 MG), wobei er diese Kompetenz der Gruppe Verteidigung des VBS Ã¼bertragen hat (Art. 10 Abs. 3 der Organisationsverordnung vom 13. Dezember 1999 Ã¼ber das EidgenÃ¶ssische Departement fÃ¼r Verteidigung, BevÃ¶lkerungsschutz und Sport, SR 172.214.1; vgl. HansjÃ¶rg Meyer in: Ehrenzeller et al. [Hrsg.], Art. 58 N. 24). </p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Stellung, Bedeutung und Funktion des Armeechefs bringen es mit sich, dass nicht nur an seiner Person (vgl. zur Figur der absoluten bzw. relativen Person der Zeitgeschichte etwa BGE 127 III 481 E. 2c/bb), sondern auch den UmstÃ¤nden seiner Wahl ein gewichtiges Informationsinteresse der Ãffentlichkeit besteht. Vieles ist dabei mittlerweile bekannt (vgl. den Bericht der GeschÃ¤ftsprÃ¼fungskommission des Nationalrates [GPK-N] vom 28. November 2008, UmstÃ¤nde der Ernennung von Roland Nef zum Chef der Armee, BBl 2009, 3425 ff., 3434 ff.). Bei der FÃ¼lle von Informationen, welche die GPK-N zutage gefÃ¶rdert hat, ist ihr die Einsicht in die EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007 allerdings verwehrt geblieben (vgl. GPK-N, BBl 2009, 3433). </p> <p class="Erwgung2">Die GPK-N hatte Oberstaatsanwaltschaft mit Schreiben vom 21. Oktober 2008 ersucht, ihr in geeigneter Form und unter strikter Wahrung der Vertraulichkeit sensibler Informationen Einsicht in die Akten des abgeschlossenen Strafverfahrens gegen Roland Nef zu gewÃ¤hren. Sie machte im Wesentlichen geltend, eine hinreichende Beurteilung der UmstÃ¤nde, die zur Wahl von Roland Nef gefÃ¼hrt hÃ¤tten, sei ohne Einsicht in die Strafakten nicht mÃ¶glich. Sie sei nicht an der Art der DurchfÃ¼hrung der Strafuntersuchung interessiert, sondern an der Frage, wieweit die in der Ãffentlichkeit geÃ¤usserten VorwÃ¼rfe gegen Roland Nef, die seine Eignung als Chef der Armee in Frage stellten und schliesslich zur Beendigung des ArbeitsverhÃ¤ltnisses gefÃ¼hrt hÃ¤tten, einen realen Hintergrund aufwiesen. Es bestehe "ein erhebliches Interesse an der Beantwortung der Frage, ob tatsÃ¤chlich ein Risiko fÃ¼r die Sicherheit der Schweiz bestanden haben kÃ¶nnte" (a.a.O.).</p> <p class="Erwgung2">Die Staatsanwaltschaft I des Kantons ZÃ¼rich hÃ¤ndigte der GPK-N in der Folge lediglich drei AktenstÃ¼cke aus der Strafuntersuchung in Kopie aus. Sie begrÃ¼ndete dies unter anderem damit, die Frage, ob allenfalls ein Risiko fÃ¼r die Sicherheit der Schweiz bestanden haben kÃ¶nnte, hÃ¤nge nur am Rande mit der KlÃ¤rung der HintergrÃ¼nde der Wahl zusammen. Der Zugang zu den Ã¼brigen Akten des eingestellten Strafverfahrens sei deshalb fÃ¼r die Wahrung der Oberaufsicht nicht notwendig. Detailkenntnisse Ã¼ber die Art und Weise der einzelnen vorgeworfenen Handlungen seien fÃ¼r die Beurteilung der Frage des Sicherheitsrisikos wenig hilfreich und lieferten zur Beantwortung der Sicherheitsfrage kaum Antworten, zumal die Kommission auch nicht dargetan habe, inwiefern Erkenntnisse aus den Akten zur Beantwortung dieser Frage dienlich sein kÃ¶nnten (GPK-N, BBl 2009, 3433).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>Nicht nur der GPK-N fehlten genauere Kenntnisse Ã¼ber den Inhalt des Strafverfahrens gegen Roland Nef. Aus dem Bericht der GPK-N ergibt sich, dass weder Bundesrat Samuel Schmid noch die fÃ¼r Beurteilung des Sicherheitsrisikos zustÃ¤ndige Fachstelle PersonensicherheitsprÃ¼fung (PSP) noch die Abteilung fÃ¼r Informations- und Objektsicherheit<span> </span>Einsicht in die Verfahrensakten genommen haben. Letztere beide hÃ¤tten hierzu immerhin die MÃ¶glichkeit gehabt. Sie verzichteten am 2. August 2007 jedoch darauf â angeblich, weil sie das Ende des Verfahrens abwarten wollten (vgl. GPK-N, BBl 2009, 3447 f.). </p> <p class="Urteilstext">Nachdem Roland Nef seine ErmÃ¤chtigung zur Einholung von AuskÃ¼nften am 29. November 2007 widerrufen hatte, versuchte die Fachstelle PSP das VersÃ¤umnis im Rahmen einer persÃ¶nlichen Befragung vom 13. Dezember 2007 zu korrigieren, indem Roland Nef verpflichtet wurde, Bundesrat Samuel Schmid vollumfÃ¤nglich Ã¼ber den Inhalt des Strafverfahrens zu informieren. Damit, so hat die GPK-N festgehalten, Ã¼berliess es die Fachstelle PSP dem Ermessen Roland Nefs, ob und inwieweit er Samuel Schmid tatsÃ¤chlich informierte (vgl. GPK-N, BBl 2009, 3473). Bundesrat Samuel Schmid hatte seinerseits keine Kenntnis von der internen endgÃ¼ltigen Risikoanalyse der Fachstelle. Er wusste weder, dass die Fachstelle keine Kenntnis vom Inhalt des Strafverfahrens hatte, noch war ihm bekannt, dass Roland Nef seine ErmÃ¤chtigung zur Einsichtnahme zurÃ¼ckgezogen hatte. Die positive RisikoverfÃ¼gung der Fachstelle PSP war nach Meinung der GPK-N schliesslich geeignet, bei Bundesrat Samuel Schmid den Eindruck zu verstÃ¤rken, am Verfahren gegen Roland Nef sei nichts dran (BBl 2009, 3475). Roland Nef seinerseits hat, so die GPK-N, "alles getan, um die HintergrÃ¼nde der Strafverfolgung zu verharmlosen" (BBl 2009, 3469). Unter anderem unterzeichnete er eine BestÃ¤tigung, dass er Bundesrat Samuel Schmid vollumfÃ¤nglich Ã¼ber das eingestellte Verfahren orientiert habe (BBl 2009, 3451).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.4 </b>Das Strafverfahren bildete demnach den blinden Fleck im Zusammenhang mit der Wahl Roland Nefs zum Armeechef. Mit Recht ist die GPK-N zum Schluss gekommen, das Ã¶ffentliche Interesse hÃ¤tte es von den zustÃ¤ndigen Stellen verlangt, die HintergrÃ¼nde des Strafverfahrens zumindest in groben Umrissen auszuleuchten (BBl 2009, 3478). Dies haben sie jedoch aus unterschiedlichen GrÃ¼nden unterlassen. </p> <p class="Erwgung2"><b>5.5 </b>Die Unkenntnis dauert bis heute an. Was zum Strafverfahren bekannt ist, stÃ¼tzt sich weitgehend auf die von der "SonntagsZeitung" publik gemachte Strafanzeige von Roland Nef ehemaliger Lebenspartnerin<span> </span>(SonntagsZeitung, 20. Juli 2008, S. 1 "Akte Roland Nef: Darum hat ihn seine Ex-Partnerin angezeigt", S. 3, "Das Stalking-Protokoll"). Roland Nef hat darauf verzichtet, seine Sicht der Ereignisse darzulegen. Zum einen verwies er auf ein mit der Anzeigeerstatterin abgeschlossenes Stillschweigeabkommen, zum andern hielt er fest, es handle sich um eine Privatsache ohne Zusammenhang mit seinem Amt. Allerdings rÃ¤umte er ein, nicht immer vernÃ¼nftig gehandelt zu haben (vgl. GPK-N, BBl 2009, 3456). Auch wenn die Verfahrenseinstellung gestÃ¼tzt auf Art. 53 StGB darauf schliessen lÃ¤sst, dass zumindest ein Teil der VorwÃ¼rfe zutrifft, bedeutet dies, dass die Informationen der Ãffentlichkeit Ã¼ber eine Angelegenheit, die dem Chef der Schweizer Armee sein Amt kostete und die Ã¼berdies im Zusammenhang mit dem RÃ¼cktritt von Bundesrat Samuel Schmid steht, grÃ¶sstenteils allein auf den Aussagen der Anzeigeerstatterin basieren. </p> <p class="Erwgung2"><b>5.6 </b>Nach wie vor steht auch die Frage im Raum, ob die Fachstelle PSP in Kenntnis der Details des Strafverfahrens oder zumindest der EinstellungsverfÃ¼gung zu Gunsten Roland Nefs eine positive RisikoverfÃ¼gung ausgestellt hÃ¤tte. Dieselbe Frage â wie hÃ¤tten die BehÃ¶rden in Kenntnis der Tatsachen gehandelt â stellt sich auch beim Entscheid von Samuel Schmid, Roland Nef dem Gesamtbundesrat als Chef der Armee vorzuschlagen, sowie bei der Ernennung Roland Nefs zum Armeechef durch den Gesamtbundesrat. Abgesehen von derartigen kontrafaktischen Fragestellungen ist aber vor allem unklar, ob Roland Nef Ã¼berhaupt zum Chef der Armee hÃ¤tte gewÃ¤hlt werden <i>dÃ¼rfen</i>. Die GPK-N hat hierzu im Anschluss an die Darstellung des einschlÃ¤gigen Rechts ausgefÃ¼hrt (BBl 2009, 3478):</p> <p class="EinzugZitat">"Mangels Einsicht in die Untersuchungsakten der zustÃ¤ndigen StrafverfolgungsbehÃ¶rde konnte die GPK-N nicht Ã¼berprÃ¼fen, inwiefern die konkrete Aktenlage RÃ¼ckschlÃ¼sse auf allfÃ¤llige Eignungsdefizite von Roland Nef erlaubt hÃ¤tte, die im Lichte der angestrebten Funktion und des Erfordernisses des guten Leumunds von Belang gewesen wÃ¤ren, oder inwieweit die mutmasslichen Handlungen von Roland Nef zu einem Sicherheitsrisiko hÃ¤tten fÃ¼hren kÃ¶nnen."</p> <p class="Urteilstext"> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.7 </b>Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist der Inhalt der EinstellungsverfÃ¼gung fÃ¼r die Beurteilung von Wahl und Absetzung Roland Nefs als Chef der Armee deshalb sehr wohl von Bedeutung. Ein schÃ¼tzwÃ¼rdiges Informationsinteresse der Gesuchsteller erscheint folglich als glaubhaft.</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b>In der Ãffentlichkeit ist im Fall Roland Nef nicht nur das Verhalten der BundesbehÃ¶rden diskutiert worden. Auch das Vorgehen der Staatsanwaltschaft I des Kantons ZÃ¼rich im Zusammenhang mit der Einstellung des Strafverfahrens bildete Gegenstand kontroverser Debatten. Stellt man auf den Bericht der GeschÃ¤ftsprÃ¼fungskommission des Nationalrats ab, fÃ¤llt auf, dass nach Aussage Roland Nefs die Staatsanwaltschaft ihm bereits im Anschluss an eine Einvernahme vom 26. Januar 2007 eine Beilegung des Verfahrens in Aussicht gestellt hatte. Die Staatsanwaltschaft soll gesagt haben, sie lasse das Verfahren im Einvernehmen mit den AnwÃ¤lten etwa ein halbes Jahr ruhen. Danach solle Ã¼ber die Beilegung gesprochen werden (BBl 2009, 3439). In der Folge Ã¤usserte sich Roland Nef gegenÃ¼ber Bundesrat Samuel Schmid mehrmals in diesem Sinn. So stellte er im April 2007 die Einstellung des Verfahrens in Aussicht (BBl 2009, 3441). </p> <p class="Erwgung2"><b>6.2 </b>Bereits als die "SonntagsZeitung" am 13. Juli 2008 erstmalig Ã¼ber die Strafverfahren gegen Roland Nef berichtete, warf sie die Frage auf, wie Roland Nef "wÃ¤hrend der KandidatengesprÃ¤che im FrÃ¼hjahr 2007 zusichern [konnte], dass die ZÃ¼rcher Staatsanwaltschaft das Verfahren spÃ¤ter einstellen wird?" (SonntagsZeitung, 13. Juli 2008, S. 3, "Die Akte Ã¼ber Armee-Chef Nef"). Nach Erscheinen des Berichts der GPK-N griff sie die Thematik erneut auf und kritisierte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Dabei Ã¤usserte sich auch der Leitende Staatsanwalt kritisch zum angeblichen Vorgehen, stellte aber gleichzeitig die Korrektheit der Angaben im Bericht der GPK-N in Frage (SonntagsZeitung, 4. Januar 2009, S. 4, "Fall Nef: Fehlentscheidung der Staatsanwaltschaft", S. 17, "Verdacht auf Geheimjustiz"). Auch der "SonntagsBlick" hinterfragte den Verfahrensabschluss (SonntagsBlick, 4. Januar 2009, S. 22 f., "Neue Nef-Untersuchung"). Die Weltwoche hatte ihrerseits noch vor Erscheinen des Berichts der GPK-N eine Einflussnahme von Seiten der BundesbehÃ¶rden insinuiert (Weltwoche, Nr. 30/2008, S. 12 f., "Raketenhafter Auf- und Abstieg", Nr. 34/2008, "Narziss und Goldmund", S. 12 f.). </p> <p class="Erwgung2">Daraufhin beschÃ¤ftigte sich offenbar die GeschÃ¤ftsprÃ¼fungskommission des ZÃ¼rcher Kantonsrats mit dem Verfahren (Neue ZÃ¼rcher Zeitung, 22. August 2008, S. 43, "ZÃ¼rcher Kantonsrat schaltet sich in der AffÃ¤re Nef ein"). Auch die Direktion der Justiz und des Innern nahm sich verschiedener VorwÃ¼rfe an die Adresse der Staatsanwaltschaft an (siehe den Bericht vom 1. September 2008 zur Strafunteruntersuchung im Fall Nef durch die Strafverfolgung Erwachsene des Kantons ZÃ¼rich). Nach VerÃ¶ffentlichung des Berichts wurde im Kantonsrat mittels Interpellation eine Untersuchung durch eine externe Fachperson angeregt. Der Bericht der Justizdirektion vom 1. September 2008 sei "lÃ¼ckenhaft und nicht neutral". Da die Akten im Fall Nef von keiner unabhÃ¤ngigen Kommission hÃ¤tten eingesehen werden kÃ¶nnen, lasse sich nicht sagen, ob das Vorgehen der Staatsanwaltschaft juristisch korrekt gewesen sei (KR-Nr. 2/2009).<span> </span>Die Beschwerde macht denn auch geltend, aufgrund der UmstÃ¤nde der Untersuchung drÃ¤nge sich der Verdacht auf, Roland Nef habe aufgrund der damals anstehenden Wahl zum Armeechef eine Sonderbehandlung erfahren. </p> <p class="Erwgung2"><b>6.3 </b>Im Kern ziehen die aufgeworfenen Fragen den korrekten Ablauf der Untersuchung in Zweifel. Roland Nef, so die VorwÃ¼rfe, soll augrund seiner Stellung protegiert und privilegiert worden sein. An der KlÃ¤rung der VorwÃ¼rfe besteht daher ein gewichtiges Interesse â zumal die VorwÃ¼rfe zumindest nicht abwegig erscheinen. Voraussetzung fÃ¼r eine KlÃ¤rung ist Transparenz: Zweck der EntscheidÃ¶ffentlichkeit nach Art. 30 Abs. 3 BV ist es gerade, Spekulationen, dass gewisse Personen von der Justiz bevorzugt werden, zu begegnen (vgl. Zeller, MediaLex 2003, S. 16 f.).</p> <p class="Erwgung2"><b>6.4 </b>Dass die in den Medien angestellten Mutmassungen in der EinstellungsverfÃ¼gung in den Augen der Kammer keine StÃ¼tze finden, ist unerheblich. Zum einen schafft ein entsprechender Befund des Gerichts die VorwÃ¼rfe nicht aus der Welt. Zum anderen â und dies ist entscheidend â ist es nicht Zweck des vorliegenden Verfahrens zu urteilen, ob die Mutmassungen korrekt oder falsch sind. Dies ist gegebenenfalls Sache der Ãffentlichkeit. Zu prÃ¼fen ist, ob ein schÃ¼tzwÃ¼rdiges Interesse der Gesuchsteller an einer Einsichtnahme in die EinstellungsverfÃ¼gung als glaubhaft erscheint. Dies ist nach dem Gesagten auch hinsichtlich der HintergrÃ¼nde der Verfahrenseinstellung durch die Staatsanwaltschaft I zu bejahen. </p> <p class="Erwgung2"><b>6.5 </b>Unerheblich ist entgegen dem DafÃ¼rhalten der Vorinstanz und der ehemaligen Lebenspartnerin Roland Nefs, X, dass die Justizdirektion die aufgeworfenen Fragen zu beantworten versucht hat. Die Kontrolle durch eine staatliche Instanz vermag die demokratische Kontrolle durch die Ãffentlichkeit nicht zu ersetzen. Dies gilt umso mehr, als die Justizdirektion Vorkommnisse innerhalb der eigenen Direktion untersucht hat. Die Justizdirektion, welche Einsicht in die EinstellungsverfÃ¼gung hatte, ist im erwÃ¤hnten Bericht vom 1. September 2008 zum Schluss gekommen, dass es im Zeitraum zwischen ErÃ¶ffnung des Strafverfahrens und dessen Einstellung keine Anhaltspunkte fÃ¼r Einfluss- und Druckversuche seitens des VBS auf die ZÃ¼rcher BehÃ¶rden gegeben habe (S. 2). Auch sonst wurden keinerlei IrregularitÃ¤ten festgestellt, namentlich im Hinblick auf den in den Medien wiederholt thematisierten vermeintlichen Abbruch einer Polizeiaktion gegen Roland Nef im November 2006 (S. 3). Die Untersuchung sei unabhÃ¤ngig von Person und Stellung Roland Nefs erfolgt und die Einstellung des Verfahrens aufgrund von Art. 53 StGB rechtlich begrÃ¼ndet gewesen (S. 6). Diese EinschÃ¤tzung wird auch vom Regierungsrat geteilt (RRB-Nr. 290, 25. Februar 2009).</p> <p class="Erwgung2"><b>6.6 </b>Auch das Verdikt der nationalrÃ¤tlichen GPK, das Strafverfahren sei korrekt durchgefÃ¼hrt worden (BBl 2009, 3477), Ã¤ndert an der SchutzwÃ¼rdigkeit des Interesses der Gesuchsteller nichts. Wohl hat die GPK-N anders als die Justizdirektion nicht in eigener Sache untersucht. Auch ihr Bericht vermag jedoch eine demokratische Kontrolle durch die Ãffentlichkeit nicht zu ersetzen.</p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>7.1 </b>Das Informationsinteresse der Gesuchsteller ist gemÃ¤ss Bundesgericht gegen allfÃ¤llige besondere Geheimhaltungsinteressen der JustizbehÃ¶rden oder von mitbetroffenen Dritten abzuwÃ¤gen. Im Vergleich zu Entscheiden von Gerichten bestehen damit hÃ¶here HÃ¼rden fÃ¼r eine Einsicht. Bei Gerichtsentscheiden ist der gÃ¤nzliche Verzicht auf PublizitÃ¤t "kaum vorstellbar" (Biaggini, Art. 30 N. 21; vgl. auch Wolfgang Peukert in: Jochen Frowein/Wolf­gang Peukert, EMRK-Kommentar, 3. A., Kehl am Rhein 2009, Art. 6 N. 196). </p> <p class="Erwgung2"><b>7.2 </b>Wie bei Gerichtsentscheiden (dazu BGE 133 I 106 E. 8.3; Steinmann, Art. 30 N. 40) kÃ¶nnen einer integralen Publikation entgegenstehende Interessen Dritter und der JustizbehÃ¶rden auch bei EinstellungsverfÃ¼gungen durch Anonymisierungen sowie durch KÃ¼rzungen Rechnung getragen werden; die VerkÃ¼ndung soll namentlich nicht bekannt machen, was der Ãffentlichkeit â sofern es zu einer Verhandlung gekommen wÃ¤re â durch Ausschluss der VerhandlungsÃ¶ffentlichkeit hÃ¤tte verborgen bleiben sollen. Indes lÃ¤sst sich entgegen der Ansicht der Vorinstanz von einem hypothetischen Ausschluss der VerhandlungsÃ¶ffentlichkeit nicht auf einen Ausschluss der EntscheidÃ¶ffentlichkeit schliessen. Eine derartige Argumentation Ã¼bersieht, dass der Grundsatz der EntscheidÃ¶ffentlichkeit auch dann gilt, wenn das vorausgegangene Verfahren nicht Ã¶ffentlich durchgefÃ¼hrt worden ist (BGE 124 IV 234 E. 3c; Franz Zeller, Ãffentliches Medienrecht, Bern 2004, S. 170). Der von der Vorinstanz erwÃ¤hnte Art. 35 lit. e des Opferhilfegesetzes vom 23. MÃ¤rz 2007 (SR 312.5) sieht denn auch ausschliesslich vor, dass die Ãffentlichkeit von den <i>Verhandlungen</i> ausgeschlossen werden kann. </p> <p class="Erwgung2"><b>7.3 </b>Die EntscheidÃ¶ffentlichkeit steht nicht im Belieben der Parteien (vgl. BGE 133 I 106 E. 8.4, 124 IV 234 E. 3c; Steinmann, Art. 30 N. 40). SchutzwÃ¼rdigen Interessen ist stattdessen durch Anonymisierungen und Auslassungen Rechnung zu tragen (vgl. Kayser, S. 62). Will man das Ãffentlichkeitsprinzip nicht aushÃ¶hlen, muss dies auch fÃ¼r EinstellungsverfÃ¼gungen gelten. Das von Roland Nef und seiner ehemaligen Partnerin abgeschlossene Stillschweigeabkommen schliesst daher eine Einsichtnahme in die EinstellungsverfÃ¼gung nicht aus.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.4 </b>Im vorliegenden Verfahren wird nicht Ã¼ber das Ã¶ffentliche Interesse an einer Strafverfolgung Roland Nefs befunden (insofern unzutreffend dessen Beschwerdeantwort). Wie zuvor dargelegt, ist zu prÃ¼fen, ob ein Interesse an einer Einsichtnahme glaubhaft erscheint; dieses ist in der Folge gegen Geheimhaltungsinteressen Dritter und der BehÃ¶rden abzuwÃ¤gen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz fÃ¼hrt eine Gutheissung des Einsichtsgesuchs deshalb nicht dazu, dass das Ã¶ffentliche Interesse an einer Strafverfolgung nochmals neu von einer JustizbehÃ¶rde beurteilt wird. Eine Gutheissung fÃ¼hrt hÃ¶chstens dazu, das die <i>Ãffentlichkeit</i> die entsprechende Frage anders beurteilt. Eine solche demokratische Kontrolle von Justiz und Staatsanwaltschaft bildet aber gerade die Essenz der EntscheidÃ¶ffentlichkeit.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.5 </b>Konkret befasst sich die EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007:</p> <p class="EinzugZitat">â<span> </span>in ErwÃ¤gung 1 mit der Anzeige sowie der Verfahrensabtretung an die Staatsanwaltschaft I;</p> <p class="EinzugZitat">â<span> </span>in ErwÃ¤gung 2 mit dem Inhalt der Anzeige;</p> <p class="EinzugZitat">â<span> </span>in ErwÃ¤gung 3 mit den Ereignissen vom 26. Januar 2007 (insofern unzutreffend die VerfÃ¼gung der Staatsanwaltschaft vom 15. Dezember 2008);</p> <p class="EinzugZitat">â<span> </span>in ErwÃ¤gung 4 mit den EinigungsbemÃ¼hungen;</p> <p class="EinzugZitat">â<span> </span>in ErwÃ¤gung 5 mit der Anwendung von Art. 53 StGB;</p> <p class="EinzugZitat">â<span> </span>in ErwÃ¤gung 6 mit den Kostenfolgen;</p> <p class="EinzugZitat">â<span> </span>in ErwÃ¤gung 7 mit der Herausgabe sichergestellter GegenstÃ¤nde und eingereichter BeweisstÃ¼cke.</p> <p class="Erwgung2"><br/> Es steht ausser Frage, dass die EinstellungsverfÃ¼gung Einblick in besondere Personendaten Roland Nefs und der Anzeigeerstatterin X gewÃ¤hrt und eine Publikation insofern deren PersÃ¶nlichkeitsrechte tangiert. Ein derartiger Eingriff ist dem Grundsatz der EntscheidÃ¶ffentlichkeit indes immanent (vgl. Zeller, MediaLex 2003, S. 16 f.; Vogel, Art. 78 N. 18) und insofern die Konsequenz daraus, dass das Bundesgericht auch EinstellungsverfÃ¼gungen der Staatsanwaltschaft dem Anwendungsbereich von Art. 30 Abs. 3 BV unterstellt. Angesichts der hohen Bedeutung des Ãffentlichkeitsprinzips ist der Eingriff indes hinzunehmen (vgl. BGE 119 Ia 99 E. 4b). Kann der Betroffene den Ausschluss der VerhandlungsÃ¶ffentlichkeit nicht allein gestÃ¼tzt auf seine PersÃ¶nlichkeitsrechte verlangen (a.a.O.), muss dies umso mehr fÃ¼r die EntscheidÃ¶ffentlichkeit gelten. Das Bundesgericht verlangt deshalb "besondere Geheimhaltungsinteressen" (BGE 134 I 286 E. 6.6). Solche sind vorliegend indes nicht auszumachen.</p> <p class="Urteilstext">Wohl trifft die Prangerwirkung des Ãffentlichkeitsprinzips (dazu BGE 119 Ia 99 E. 4b) Roland Nef umso hÃ¤rter, als das Ã¼bliche Mittel zur GewÃ¤hrleistung des PersÃ¶nlichkeitsschutzes â die Anonymisierung â fÃ¼r ihn vorliegend ausscheidet. Gleichzeitig ist es jedoch nicht angezeigt, die EntscheidÃ¶ffentlichkeit aufgrund des Bekanntheitsgrads des Betroffenen auszuschliessen (vgl. BGE 119 Ia 99 E. 4b). Personen der Zeitgeschichte haben sich auch ausserhalb des Anwendungsbereichs von Art. 30 Abs. 3 BV eher Eingriffe in ihre PrivatsphÃ¤re gefallen zu lassen (dazu BGE 127 III 481 E. 2c; Andreas Meili, Basler Kommentar, 2002, Art. 28 ZGB N. 52).</p> <p class="Erwgung2">Auch die seit Anordnung der Verfahrenseinstellung verstrichene Zeit steht einer Einsichtnahme nicht entgegen. Wohl nimmt das Interesse an Transparenz mit zunehmender Dauer ab, wÃ¤hrend der Schutz der PersÃ¶nlichkeit des Betroffenen an Gewicht gewinnt (vgl. Zeller, Ãffentliches Medienrecht, S. 170; ders., MediaLex 2003, S. 25). So kann etwa der Inhalt eines Strafurteils nach dessen VerkÃ¼ndung zu einem Geheimnis im Sinn von Art. 320 StGB werden, sofern die IdentitÃ¤t des Betroffenen in Vergessenheit gerÃ¤t (siehe BGE 127 IV 122, E. 3b/bb). Vorliegend steht jedoch eine <i>erstmalige</i> VerkÃ¼ndung zur Debatte. Zudem datiert das erste Einsichtsgesuch vom 18. Juli 2008; es wurde damit nur fÃ¼nf Tage nach Bekanntwerden, dass eine EinstellungsverfÃ¼gung Ã¼berhaupt existiert, gestellt. Die EinstellungsverfÃ¼gung selber erging am 23. Oktober 2007; das erste Gesuch erfolgte damit knapp neun Monate nach Verfahrenseinstellung. </p> <p class="Erwgung2">Die PersÃ¶nlichkeitsrechte der Anzeigerstatterin X kÃ¶nnen schliesslich dadurch gewahrt werden, dass ihre IdentitÃ¤t â wie im vorliegenden Verfahren â durchweg unkenntlich gemacht wird. </p> <p class="Erwgung1"><b>8. </b> </p> <p class="Erwgung2">Dem Gesuch der BeschwerdefÃ¼hrenden um Einsichtnahme in die EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007 ist nach dem Gesagten stattzugeben. Allerdings sind jene Passagen der EinstellungsverfÃ¼gung unkenntlich zu machen, an deren Einsichtnahme kein schutzwÃ¼rdiges Interesse glaubhaft erscheint. Dies trifft zu auf ErwÃ¤gung 7 und Ziffer 3 des Dispositivs, wo die bei Roland Nef beschlagnahmten privaten GegenstÃ¤nde sowie von der Anzeigeerstatterin eingereichte Beweismittel genannt werden. <a id="id12650"></a>Zudem ist die IdentitÃ¤t der Anzeigeerstatterin unkenntlich zu machen. </p> <p class="Urteilstext">Die GewÃ¤hrung des Einsichtsrechts richtet sich nach § 10 Abs. 2 in Verbindung mit § 12 Abs. 1 der Verordnung Ã¼ber die Information und den Datenschutz (IDV, LS 170.41). Demnach stellt die Staatsanwaltschaft I den BeschwerdefÃ¼hrenden nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheids je eine Kopie der EinstellungsverfÃ¼gung vom 23. Oktober 2007 in Sachen Roland Nef betreffend NÃ¶tigung etc. zu, wobei ErwÃ¤gung 7 und Ziffer 3 des Dispositivs sowie die IdentitÃ¤t der Anzeigeerstatterin unkenntlich zu machen sind. </p> <p class="Erwgung1"><b>9. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>9.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden ersuchen darum, den Entscheid der Oberstaatsanwaltschaft unter "o/e-Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdegegners" aufzuheben. Die im kantonalzÃ¼rcherischen Verfahren nicht gelÃ¤ufige Formulierung "o/e-Kostenfolge" meint die ordentlichen und die ausserordentlichen Kosten (vgl. dazu BGr, 15. November 2004, 2A.220/2004, E. 4, www.bger.ch). Die BeschwerdefÃ¼hrenden beantragen insofern, dass dem Beschwerdegegner die Gerichtskosten aufzuerlegen und ihnen eine ParteientschÃ¤digung zuzusprechen sei. Beschwerdegegner sind Roland Nef, dessen ehemalige Lebenspartnerin X sowie die Staatsanwaltschaft I des Kantons ZÃ¼rich. </p> <p class="Erwgung2"><b>9.2 </b>§ 70 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG sehen eine Kostentragung entsprechend dem Unterliegen vor. Als unterliegend gilt, wer angesichts des Verfahrensausgangs mit seinen AntrÃ¤gen nicht durchdringt (vgl. KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 13 N. 15).</p> <p class="Erwgung2">Die VerfÃ¼gung der Staatsanwaltschaft I vom 15. Dezember 2008 wird durch den vorliegenden Entscheid vollumfÃ¤nglich geschÃ¼tzt. Es ist demnach nicht angezeigt, der Staatsanwaltschaft I Gerichtskosten aufzuerlegen. X hat sich nur im erstinstanzlichen Verfahren vernehmen lassen. Sie beantragte dort, den Gesuchen um Einsicht nicht stattzugeben, eventualiter nur unter Wahrung ihrer AnonymitÃ¤t. Da sich X weder im vor­instanzlichen Verfahren noch vor Verwaltungsgericht geÃ¤ussert hat, und angesichts des Umstands, dass sie zumindest mit ihrem Eventualantrag durchdringt, sowie aus GrÃ¼nden der Billigkeit (dazu KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 13 N. 22) sind ihr keine Gerichtskosten aufzuerlegen. Die Gerichtskosten sind folglich von Roland Nef nach Massgabe seines Unterliegens zu tragen. Dabei ist zu beachten, dass die Beschwerde nur insoweit gutzuheissen ist, als auf sie einzutreten ist. Die Kosten sind daher zu 4/5 Roland Nef und unter solidarischer Haftung fÃ¼reinander zu je 1/20 der Axel Springer Schweiz AG, der Weltwoche Verlags AG sowie Dominique Strebel und Alex Baur aufzuerlegen (vgl. § 14 VRG; KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 14 N. 3). </p> <p class="Erwgung2"><b>9.3 </b>Im Beschwerdeverfahren kann die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu einer angemessenen EntschÃ¤digung fÃ¼r die Umtriebe der Gegenseite verpflichtet werden, sofern â wie vorliegend â die rechtsgenÃ¼gende Darlegung komplizierter Sachverhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte oder den Beizug eines Rechtsbeistands rechtfertigte (§ 17 Abs. 2 lit. a VRG). Stehen sich private Parteien mit gegensÃ¤tzlichen Begehren gegenÃ¼ber, wird die EntschÃ¤digung in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt (§ 17 Abs. 3 VRG). Roland Nef hat deshalb den BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung in angemessener HÃ¶he zu entrichten. Diese betrÃ¤gt 2'400 Franken.</p> <p class="Erwgung2"> </p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss </span><span><a id="Text25"></a>entscheidet</span><span> </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug2">1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. Der Entscheid der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons ZÃ¼rich vom 28. April 2009 wird aufgehoben und die VerfÃ¼gung der Staatsanwaltschaft I des Kantons ZÃ¼rich vom 15. Dezember 2009 wird wiederhergestellt.</p> <p class="Einzug2">2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 4'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 120.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 4'120.-- Total der Kosten.</p> <p class="Einzug2">3. Die Gerichtskosten werden zu 4/5 dem Beschwerdegegner 1 und unter solidarischer Haftung fÃ¼reinander zu je 1/20 den BeschwerdefÃ¼hrenden auferlegt.</p> <p class="Einzug2">4. Der Beschwerdegegner 1 wird verpflichtet, die BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼r das Beschwerdeverfahren mit je Fr. 600.- (insgesamt Fr. 2'400.-) zu entschÃ¤digen.</p> <p class="Einzug2">5. Gegen diesen Entscheid kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lau­sanne 14, einzureichen.</p> <p class="Einzug2">6. Mitteilung an â¦</p> <span><br/> </span> <p class="Urteilstext">Abweichende Meinung einer Minderheit der Kammer </p> <p class="MsoNormal">(§ 71 VRG in Verbindung mit § 138 Abs. 4 des Gerichtsverfassungsgesetzes</p> <p class="MsoNormal">vom 13. Juni 1976 [GVG, LS 211.1])</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Urteilstext">Aus folgenden GrÃ¼nden ist â unter Kostenfreiheit fÃ¼r alle Beteiligten sowie ohne Zusprechen einer ParteientschÃ¤digung an die BeschwerdefÃ¼hrenden (vgl. VGr, 10. Juni 2009, PB.2009.00019, E. 3 mit Hinweis, www.vgrzh.ch) â auf das Rechtsmittel nicht einzutreten und dieses nach § 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 2 Satz 1 VRG zur Behandlung an die vor­gÃ¤ngig zustÃ¤ndige BehÃ¶rde weiterzuleiten:</p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2">Das Verwaltungsgericht prÃ¼ft nach § 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 VRG auch seine <i>funktionelle</i> ZustÃ¤ndigkeit als solches von Amtes wegen. Diese bildete jedenfalls unter dem Gesichtswinkel des Verwaltungsrechtspflegegesetzes im gesamten bisherigen Verfahren Ã¼berhaupt kein Thema.</p> <p class="Erwgung2">Das bundesgerichtliche RÃ¼ckweisungsurteil, welches sich Ã¼brigens mit der differenzierenden Argumentation im Beschluss des Verwaltungsgerichts vom 29. Juli 2009 nicht ausein­andersetzt, sagt dazu denn auch nichts aus; es bejaht nur die kantonal letztinstanzliche <i>sachliche</i> ZustÃ¤ndigkeit des Verwaltungs- statt des Obergerichts (vgl. BGr, 14. Januar 2010, 1C_445/2009, E. 2, 2.1 und 2.3 ff., www.bger.ch, mit VGr, 29. Juli 2009, VB.2009.00303, E. 2 f., www.vgrzh.ch, teilweise gleichfalls zum Folgenden). Es kann des­halb entgegen der Kammermehrheit keine Bindungswirkung (zu deren teilweise beschrÃ¤nkter Bedeutung Stefan Heimgartner/Hans WiprÃ¤chtiger, Basler Kommentar, 2008, Art. 61 BGG N. 18 und 26 f., sowie Ulrich Meyer, daselbst, Art. 107 BGG N. 18) in dem Sinn entfalten, dass aus kantonalrechtlichen VerfahrensgrÃ¼nden vor dem Verwaltungsgericht zuerst nicht noch eine weitere Rekursinstanz Ã¼ber die Angelegenheit befinden dÃ¼rfe bzw. mÃ¼sse. Immerhin stellt es unter Hinweis auf Materialien (ABl 2005, 1319 f. und 2008, 949) klar, der Rechtsmittelweg bestimme sich hier ausschliesslich nach dem Verwaltungsrechtspflegegesetz und nicht im Sinn der Strafprozessordnung vom 4. Mai 1919 (StPO, LS 321).</p> <p class="Erwgung2">§ 41 VRG lÃ¤sst, soweit vorliegend von Bedeutung, Beschwerden zu gegen letztinstanzliche Anordnungen von VerwaltungsbehÃ¶rden (Abs. 1). Es fragt sich, ob die angefochtene VerfÃ¼gung eine derartige Anordnung sei.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2">§ 19 Abs. 1 VRG gestattet als immer schon geltender Grundsatz â so seit anfangs 1998 der Randtitel â, gegen Anordnungen einer unteren VerwaltungsbehÃ¶rde an die obere BehÃ¶rde zu rekurrieren (siehe Rotach Tomschin, S. 443). Als obere BehÃ¶rde Ã¼ber der Oberstaatsanwaltschaft fungiert die fÃ¼r das Justizwesen zustÃ¤ndige, nÃ¤mlich die Direktion der Justiz und des Innern (vgl. §§ 58 f. sowie Anhang 1 lit. A Ziff. 2 und Anhang 2 Ziff. 1.1 lit. b der Verordnung Ã¼ber die Organisation des Regierungsrates und der kantonalen Verwaltung vom 18. Juli 2007 [VOG RR, LS 172.11], § 1 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 und Abs. 2 sowie Anhang 1 Ziff. 1.2 lit. a der Organisationsverordnung der Direktion der Justiz und des Innern vom 16. September 2009 [LS 172.110.1], § 91 Abs. 1 Satz 1 GVG, § 402 Ziff. 4 StPO; Robert Hauser/Erhard Schweri, Kommentar zum zÃ¼rcherischen Gerichtsverfassungsgesetz, ZÃ¼rich 2002, § 91 N. 1 ff.; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. A., ZÃ¼rich etc. 2004, N. 1008; derselbe in: Andreas Donatsch/Niklaus Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons ZÃ¼rich, ZÃ¼rich 1996, § 402 N. 15 f.).</p> <p class="Erwgung2">Die mit der grossen Revision des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 8. Juni 1997 eingefÃ¼gten §§ 19aâc VRG bringen zum Grundsatz des § 19 Abs. 1 VRG Konkretisierungen (so KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 19 N. 70) oder Verdeutlichungen und Ausnahmen. Davon interessiert hier Folgendes: Einerseits erlaubt § 19b Abs. 1 VRG gegen Rekursentscheide der Direktionen sowie der ihnen gleichgestellten Kommissionen â das heisst von einem Mitglied des Regierungsrats geleiteten (§ 19a Abs. 1 Satz 2 VRG), was auf die Oberstaatsanwaltschaft nicht zutrifft (vgl. § 88 GVG in Verbindung mit § 26 Abs. 1 des Gesetzes Ã¼ber die politischen Rechte vom 1. September 2003 [LS 162]; Hauser/Schweri, § 72 N. 19 und 21; KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 19 N. 71) â bzw. § 19c Abs. 2 VRG gegen Rekursentscheide der BezirksrÃ¤te sowie der Statthalter den Rekurs an den Regierungsrat bloss, wenn der Weiterzug an das Verwaltungsgericht ausgeschlossen ist; anderseits verbietet § 19b Abs. 2 VRG das Anrufen des Regierungsrats gegen Entscheide, welche die Direktionen und die ihnen gleichgestellten Kommissionen als zweite Rekursinstanz gefÃ¤llt haben.</p> <p class="Erwgung2">Als Anordnungen im Sinn des § 19 Abs. 1 VRG gelten auch Rechtsmittelentscheide (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 19 N. 2). Zwar erstreben §§ 19b und 19c Abs. 2 VRG, zum Straffen der WeiterzugsmÃ¶glichkeiten die innerkantonale Anzahl von Rechtsmittelinstanzen einschliesslich des Verwaltungsgerichts auf zwei zu beschrÃ¤nken â freilich kÃ¶nnen dem sogar bis zu zwei Einspracheverfahren vorausgehen â; das bleibt indes nicht ohne Ausnah­men, wie gerade der von einer zweiten Rekursinstanz handelnde § 19b Abs. 2 VRG zeigt (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 19 N. 70, 78, 88 und 91). Abweichungen brauchen sich nicht einmal aus Spezialgesetzen zu ergeben (so aber Rotach Tomschin, S. 444), weil eben §§ 19b und 19c Abs. 2 VRG lediglich bestimmte Situationen erfassen; davon ist hier allerdings keine gegeben (vgl. KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 19 N. 71 f., 75 und 81; VGr, 7. April 2004, VB.2004.00046, E. 4, www.vgrzh.ch; ABl 2009, 957 f.).</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2">GemÃ¤ss Art. 77 Abs. 1 KV gewÃ¤hrleistet das Gesetz â entsprechend Art. 135 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 138 Abs. 1 lit. b KV spÃ¤testens ab Anfang 2011 â fÃ¼r Anordnungen im Verwaltungsverfahren die ÃberprÃ¼fung durch eine Rekursinstanz und den Weiterzug an ein Gericht, soweit es keine begrÃ¼ndeten Ausnahmen vorsieht. Demnach kÃ¶nnten sogar mehr als zwei Rekursinstanzen entscheiden (so HÃ¤ner in: HÃ¤ner/RÃ¼ssli/Schwarzenbach, Art. 77 N. 4â6). Erst laut n§ 19 Abs. 3 Satz 1 VRG eines laufenden Revisionsprojekts wÃ¤re ganz allgemein "[g]egen Rekursentscheide [â¦] der Rekurs nur zulÃ¤ssig, wenn der Weiterzug an das Verwaltungsgericht und an Rechtsmittelinstanzen des Bundes ausgeschlossen ist" (ABl 2009, 801 ff., 807 und 957 f. sowie 2010, 169 ff., 175; Prot. KR, 156. Sitzung, 15. Februar 2010, S. 3 ff., 15, sowie 160. Sitzung, 22. MÃ¤rz 2010, S. 6 ff., 9, beides unter www.kantonsrat.zh.ch/Protokolle.aspx).</p> <p class="Erwgung2">So schaltet die Praxis bislang ohne Zwang durch Spezialgesetzgebung etwa gegen erstinstanzliche Rechtsmittelentscheide des KantonalzÃ¼rcher Gemeindeamts Ã¼ber Anordnungen kommunaler ZivilstandsÃ¤mter im Sinn der §§ 19 Abs. 1 und 19b VRG vor der Anrufbarkeit des Verwaltungsgerichts noch einen Rekurs an die Direktion der Justiz und des Innern ein (vgl. ABl 2009, 957 f.; Willi Heussler, Basler Kommentar, 2006, Art. 45 ZGB N. 6; §§ 58 f. und 66 Abs. 1 lit. a sowie Anhang 1 lit. A Ziff. 7, Anhang 2 Ziff. 1.1 lit. d und Anhang 3 Ziff. 1.2 lit. b f. VOG RR; § 12 der Kantonalen Zivilstandsverordnung vom 1. Dezember 2004 [LS 231.1], Art. 90 Abs. 1 und 2 der [eidgenÃ¶ssischen] Zivilstandsverordnung vom 28. April 2004 [SR 211.112.2]; Kommentierte Zivilstandsverordnung, ZZW 72/2004, S. 141 ff., 168; VGr, VB.2010.00102 [pendentes GeschÃ¤ft] â 10. MÃ¤rz 2010, VB.2009.00593 â 24. November 2006, VB.2006.00366 â 14. Juni 2006, VB.2006.00128 â 18. Januar 2006, VB.2006.00009 â 28. April 2004, VB.2004.00172 â 15. September 2000, VB.2000.00264, www.vgrzh.ch â 26. August 1998, RB 1998 Nr. 40 und ZZW 67/1999, S. 41).</p> <p class="Erwgung2">Gleich wurde es frÃ¼her auch gehalten, als die spezialgesetzliche Grundlage entfallen war, um gegen erstinstanzliche Rekursentscheide der inzwischen abgeschafften â und durch die BezirksrÃ¤te ersetzten (siehe dazu § 19c Abs. 2 VRG) â Bezirksschulpflegen abermals an die Schulrekurskommission zu rekurrieren; an deren Stelle trat im Sinn der §§ 19 Abs. 1 und 19b VRG die Bildungsdirektion (vgl. KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 19 N. 129; VGr, 7. April 2004, VB.2004.00046, E. 1 f. und 4 f. â 20. Dezember 2006, VB.2006.00050 â 7. Februar 2007, VB.2006.00450 â 10. Oktober 2007, VB.2007.00218 â 22. Oktober 2008, VB.2008.00368 â 13. Mai 2009, PB.2008.00042 [alles unter www.vgrzh.ch]).</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2">Nach alledem lÃ¤sst sich gegen den angefochtenen Rekursentscheid der Oberstaatsanwaltschaft gemÃ¤ss §§ 19 sowie 19b je Abs. 1 VRG und mangels abweichender Spezialvorschrift nicht direkt Beschwerde beim Verwaltungsgericht fÃ¼hren, sondern ist zunÃ¤chst ein zweitinstanzlicher Rekurs bei der Direktion der Justiz und des Innern gegeben. Hiergegen spricht Ã¼brigens auch nicht der von der Kammermehrheit zitierte Verwaltungsgerichtsentscheid vom 16. Dezember 2009 (PB.2009.00029, E. 1.3â1.3.2, www.vgrzh.ch). Dass bezirksrÃ¤tliche Rekursentscheide Ã¼ber Erlasse â darum dreht es sich dort â der Beschwerde an das Verwaltungsgericht unterliegen, folgt wie daselbst ebenso gezeigt aus Bundesrecht, und dass dann nicht noch vorgÃ¤ngig ein zweiter Rekurs an den Regierungsrat Platz greift, aus § 19c Abs. 2 VRG, nicht etwa aus einem abstrakten Prinzip der BeschrÃ¤nkung auf zwei Rechtsmittelinstanzen.</p> <p class="Urteilstext"> </p> <p class="Einzug1"> FÃ¼r richtiges Protokoll,<br/> Der GerichtssekretÃ¤r:</p> <p class="Urteilstext"> </p> <p class="Urteilstext"> </p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>