Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. August 2017 (720 17 103 / 215) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die IV-Stelle hat zu Recht auf das eingeholte Gutachten externer Spezialärzte abgestellt. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Isabelle Salathe Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1962 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Mai 2003 bis zum 31. Juli 2013 in einem 50 %-Pensum als Finanzverwalterin bei der B.____ in C.____ tätig. Am 13. Juli 2013 meldete sie sich bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Ste lle) zum Leistungsbezug an, wobei sie auf einen Erschöpfungszustand verwies. Nach Abklärung d er gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sowie der Durchführung des Vorbescheid verfahrens ermittelte die IV-Stelle in An- wendung der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs einen Invaliditätsgrad von 57 % ab dem 1. April 2014 und von 32 % ab dem 23. März 2 015. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 14. März 2017 eine befristete halbe Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rente vom 1. April 2014 bis zum 30. Juni 2015 zu und lehnte einen Rentenanspruch ab dem 1. Juli 2015 ab. B. Dagegen erhob A.____ am 28. März 2017 Beschwerde b eim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei ihr „ei- ne wirklich angemessene Invalidenrente“ zuzusprechen. Zur Begründung machte sie im We- sentlichen geltend, die Ausführungen der IV-Ärzte seie n unzulänglich und würden die weitrei- chende Behinderung durch die Wechselwirkungen der verschi edenen Beschwerden und der betroffenen Körperteile nicht erfassen. Sie könne eine r geregelten Arbeit definitiv nicht mehr nachgehen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Juni 2017 schloss die I V-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 28. März 201 7 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglied erungsmassnahmen durch eine ihr zu- mutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie n icht invalid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Unterva- rianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausseror- dentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgra des bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natu r von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Admi nistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbeh alten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die beh andelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – A spekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5.1 Im vorliegenden Fall liegen für die Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes zahl- reiche medizinische Berichte und Gutachten vor, welche all esamt vom Gericht gewürdigt wur- den. In der Folge wird indessen lediglich das aktuell e ntscheidrelevante Gutachten wiedergege- ben. 5.2 Die IV-Stelle beauftragte die Ärztliche Begutacht ungs-Institut GmbH (ABI) am 2. Februar 2015 mit der Beurteilung der gesundheitlichen Situation der Versicherten. In der Fol- ge erstellten Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Dr. med. E.____, FMH Psychi- atrie und Psychotherapie, Dr. med. F.____, FMH Rheumat ologie, Dr. med. G.____, FMH Neu- rologie, und Dr. med. H.____, FMH Otorhinolaryngologie, ein polydisziplinäres Gutachten. Dr. E.____ hielt in seinem psychiatrischen Teilgutachten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung , gegenwärtig leichte Episode Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (ICD-10 F33.0) fest. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte er eine So- matisierungsstörung (ICD-10 F45.0) sowie histrionische u nd neurotische Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) fest. Die Explorandin sei psychisch etwa s vermindert belastbar, leide gelegent- lich unter leichten Antriebsstörungen, sei auch etwas ängstlich, vor allem bezüglich der Zukunft. Die Explorandin könne aber in der Regel einigermassen schlafen, leide nicht unter Antriebsstö- rungen, führe ihren Haushalt selbständig, könne das Zusammensein mit ihren Töchtern genies- sen und sei auch in der Lage Auto zu fahren. Einen Le bensverleider oder Suizidgedanken wür- den verneint. Es fänden sich somit keine Hinweise auf ei ne mittelgradige oder schwere depres- sive Episode. Rückwirkend betrachtet habe von April 2013 b is Dezember 2013 eine Arbeitsun- fähigkeit von 100 % bestanden, von Januar 2014 bis zum D atum der Untersuchung am 23. März 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Ab dem 23. März 2015 könne aus psychiatri- scher Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % attestiert werden. Von Dr. F.____ wurden aus rheumatologischer Sicht als D iagnosen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsynd rom bilateral linksbetont (ICD-10 M54.5), ein Status nach Fenestration lumbosakra l links, mikrochirurgischer Diskekto- mie Lendenwirbelkörper (LWK) 5 am 6. Januar 1999 bei teilsequestrierter Diskushernie L5/S1, intermittierende radikuläre Reizsymptomatik L5 rechts fest gestellt. Aufgrund der kli- nisch-rheumatologischen Erhebungen bestehe für eine rei n administrative, körperlich leichte und wechselbelastende berufliche Tätigkeit eine 80 %ig e Arbeitsfähigkeit, wobei eine um 20 % reduzierte Leistungsfähigkeit bereits berücksichtigt word en sei, um unter den folgenden not- wendigen Arbeitsplatzbedingungen regelmässige Pausen z u gewähren: Die Arbeitsplatzergo- nomie in Bezug auf PC, Tastatur, Maus etc., Tischhöhe, verstellbarer Stuhl etc. sollte optimal eingestellt sein. Die Explorandin sollte ihre Arbeitspo sition regelmässig selbständig wechseln können, was als Finanzverwalterin sicherlich möglich sein s ollte. Vermieden werden sollten dementsprechend längere sitzende Tätigkeiten ohne Unt erbruch (maximal eine Stunde), vor allem auch Arbeiten in anhaltender Oberkörpervorneige position oder sonstige Arbeiten verbun- den mit stereotypen Rotationsbewegungen von Halswirbel säule (HWS) und Lendenwirbelsäule (LWS). Es bestünden aus rheumatologischer Sicht keine o bjektivierbaren Einbussen in Bezug auf die Gehfähigkeit in der Ebene, ebensowenig bestü nden Einbussen in Bezug auf fein- bis grobmanuell verarbeitende Tätigkeiten mit beiden Hän den. Das Heben, Stossen, Ziehen und Tragen von Lasten könne bis zur Taille bis maximal 15 kg, über der Taille bis maximal 10 kg als möglich erachtet werden. Dem neurologischen Teilgutachten von Dr. G.____ können folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit entnommen werden: Chronische s Lumbovertebral-Syndrom (ICD-10 M51.3), chronisches Zervikalsyndrom bei degenerativen HWS-V eränderungen (ICD-10 M50.3), Spannungstyp-Kopfweh (ICD-10 G44.2), Migräne ohne Au ra (ICD-10 G43.0), Status nach axo- naler Fazialparese rechts 1983 (ICD-10 G51.0). Dr. G. ____ stellte fest, aus neurologischer Sicht bestehe eine gewisse Diskrepanz zwischen den angegeben en Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeit vor allem zu den klinisch objektivierbaren Befunden, welche nicht so eindrücklich seien. Unter Berücksichtigung der bildgebend darstellbaren Verän- derungen würden sich bessere Erklärungsmöglichkeiten erge ben, es sei aber von einer gewis- sen Schmerzfehlverarbeitung auszugehen. Es sei wichtig, festzuhalten, dass jegliche Anhalts- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht punkte auf Aggravation fehlen würden. Bei Fehlen eine r Radikulopathie bestehe aus neurologi- scher Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bezüg lich der Rückenproblematik werde daher auf das rheumatologische Teilgutachten verwiesen . Aus dem Vorhandensein von Kopf- weh könne ebenfalls keine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden. Dr. H.____ hielt in seinem otorhinolaryngologischen Teilgutachten als Diagnosen mit Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Hochtonschallempfin dungsschwerhörigkeit beidseits (ICD-10 H90.3) und einen Tinnitus rechts (ICD-10 H93.1 ) fest. Es bestünden qualitative Ein- schränkungen der Arbeitsfähigkeit, so dass Tätigkeiten, we lche hohe Anforderungen an das Gehör stellen oder Tätigkeiten unter erhöhtem Störlär m mit möglicher Zunahme der auditiven Schwierigkeiten sowie des Tinnitus von der Explorandin g emieden werden sollten. Zusammen- fassend bestehe somit aus rein otoneurologischer Sicht in e iner angepassten Tätigkeit, unter Berücksichtigung der oben erwähnten qualitativen Einsch ränkungen, keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. In der Konsensbeurteilung kamen die Gutachter aus polydiszi plinärer Sicht zum Schluss, dass bei der Explorandin in der angestammten Tätigkeit eb enso wie in anderen körperlich leichten, angepassten Tätigkeiten eine Arbeits- und Leistungsfähi gkeit von 80 % bestehe. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt werden, jedoch mit erhöhte m Pausenbedarf. Die Arbeitsunfähig- keiten aus psychiatrischer und aus rheumatologischer Sicht w ürden sich nicht addieren, son- dern würden sich ergänzen. Es könnten die gleichen Zeitab schnitte zum Einlegen vermehrter Pausen verwendet werden. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 14. März 2017 bei der Beurteilung des medizinischen Sac hverhaltes auf das polydisziplinäre ABI-Gutachten vom 4. Mai 2015. Aufgrund dessen kam sie zum Schluss, dass der Beschwer- deführerin eine leidensadaptierte Tätigkeit im Umfang von 80 % möglich sei. Wie bereits ausge- führt (E. 4.3 hiervor) ist den im Rahmen des Verwaltun gsverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund ein gehender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigke it der Expertise sprechen. Solche Indizien sind vorliegend nicht ersichtlich. Das polydisziplin äre ABI-Gutachten wurde in Kenntnis der Vorakten verfasst. Ebenso wurden eingehende Untersuch ungen durchgeführt, wobei die geklagten Beschwerden berücksichtigt wurden. Das Gutachten v ermittelt ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit d er Versicherten, weshalb nicht zu be- anstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin auf dieses abstellte. 6.2 Daran vermag auch nichts zu ändern, wenn die Beschwe rdeführerin vorbringt, die Aus- führungen der Ärzte seien unzulänglich und würden nicht die weitreichende Behinderung durch die Querverbindungen und den Zusammenhang aus den versch iedenen Beschwerden ver- schiedener Art und Körperteile erfassen. Dem Gutachten kann entnommen werden, dass die Ärzte ihre Ergebnisse miteinander verglichen haben (vgl. bspw. S. 23 Gutachten). Die Ärzte waren sich also der Möglichkeit von Wechselwirkungen durchaus bewusst und berücksichtigten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht diese auch bei ihrer Beurteilung. Auch die von den Gutachtern vorgenommene Konsensbeurtei- lung dient dazu, das Beschwerdebild ganzheitlich zu er fassen. Weiter vermag auch die Ein- schätzung der behandelnden Psychiaterin, Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychothera- pie, im Bericht vom 26. September 2016, das ABI-Guta chten nicht in Zweifel zu ziehen. Dr. I.____ diagnostizierte eine chronische mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) und attestierte der Beschwerdef ührerin eine 100 %ige Arbeitsunfä- higkeit bis auf Weiteres. Wie bereits ausgeführt (vgl. E . 4.4 hiervor) vermag eine anderslauten- de Einschätzung des behandelnden Arztes die gutachterliche Einschätzung nicht stets in Frage zu stellen. Die diesbezüglichen Ausführungen insbesondere des begutachtenden Psychiaters sind schlüssig und vermögen zu überzeugen (vgl. E. 5.2 hiervor). 6.3 Zu keiner anderen Beurteilung der Arbeitsfähigke it der Versicherten führt im Übrigen die mit BGE 141 V 281 ff. begründete Schmerzrechtsprechu ng des Bundesgerichts. In diesem Entscheid hat das Bundesgericht seine Praxis zu den Vora ussetzungen, unter denen anhalten- de somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychos omatische Leiden eine renten- begründende Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise geändert. Diese Rechtsprechung findet auf Verfahren wie das vorl iegende Anwendung (vgl. BGE 141 V 309 E. 8 und 137 V 266 E. 6). Danach kann eine Einschränkung der Leistungsfä- higkeit weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist. Der Rentenanspruch wird dabei – in Nach- achtung der verfassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfas- sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. A pril 1999 (Rechtsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurtei lung) – anhand eines normativen Prüf- rasters beurteilt, und es braucht medizinische Evidenz, dass die Erwerbsunfähigkeit aus objek- tiver Sicht eingeschränkt ist. Indes hält das Bundesgericht – der seit längerem namentlich aus medizinischer, aber auch aus juristischer Sicht an der bis herigen Schmerzrechtsprechung ge- äusserten Kritik Rechnung tragend – an der Überwindbar keitsvermutung nicht weiter fest (BGE 141 V 294 E. 3.5). Anstelle des bisherigen Regel /Ausnahme-Modells tritt ein strukturier- ter, normativer Prüfraster. In dessen Rahmen wird im R egelfall anhand von auf den funktionel- len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tats ächlich erreichbare Leistungsvermö- gen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem glei chermassen den äusseren Belastungs- faktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (Urteil A. des Bundesge- richts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit Hinweisen; BGE 141 V 307 f. E. 6). 6.4 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Licht e dieser höchstrichterlichen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in interte mporalrechtlicher Hinsicht auf Folgen- des hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss a ltem Verfahrensstandard eingehol- ten Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr i st im Rahmen einer gesamthaften Prü- fung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent- scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorh andenen Beweisgrundlagen vor Bun- desrecht standhält (BGE 141 V 309 E. 8 mit Hinweis). 6.5 Vorliegend ist im Rahmen des ABI-Gutachtens vom 4. M ai 2015 keine Prüfung der Standard-Indikatoren erfolgt. Man kann sich deshalb fr agen, ob das ABI-Gutachten diesbezüg- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich ergänzt werden muss. Von einer solchen zusätzlichen Be weiserhebung kann jedoch abge- sehen werden. Der psychiatrische Gutachter, Dr. E.____, hat neben einer rezidivierenden de- pressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Somatisierungsstörung (I CD-10 F45.0) sowie histrionische und neurotische Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) als Diag nosen ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit festgestellt. Der Somatisierungsstörung kom mt bei der Beurteilung des Gesund- heitszustandes der Beschwerdeführerin lediglich eine untergeordnete Bedeutung zu. Für die bei der Versicherten festgestellten erheblichen Beeinträchtigungen ist im Wesentlichen die Diagno- se der rezidivierenden depressiven Störung verantwortlich (vgl. S. 14 Gutachten). Somit darf davon ausgegangen werden, dass die Arbeitsfähigkeit de r Versicherten weitestgehend durch dieses Leiden sowie durch die somatischen Beschwerden und eben nur marginal durch die ebenfalls erhobene Somatisierungsstörung eingeschränkt wir d. Die gutachterlich attestierte Ar- beitsfähigkeit von 80 % ist deshalb auch unter diesem Aspekt nachvollziehbar. 6.6 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist daher festzuhal ten, dass die IV-Stelle zu Recht auf das ABI-Gutachten abstellte. 7. Die Richtigkeit der von der IV-Stelle vorgenommen en Berechnung des Invaliditätsgra- des wird zu Recht von keiner Partei bestritten. Diese häl t einer Überprüfung stand und erweist sich als rechtens. 8. Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, d ass die Beschwerdegegne- rin der Beschwerdeführerin zu Recht mit Verfügung vom 1 4. März 2017 eine befristete halbe Rente vom 1. April 2014 bis zum 30. Juni 2015 zugespro chen hat und einen Rentenanspruch ab dem 1. Juli 2015 abgelehnt hat. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden: 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahr en bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1000.– festgeleg t. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.– fest. Da die Beschwerdeführerin vorliegend die unterliegende Partei ist, sind ihr die Verfahrens- kosten in dieser Höhe aufzuerlegen. Sie werden mit dem bereits bezahlten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht