B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-164/2009 U r t e i l v o m 3 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin De Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiber Tobias Meyer. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch Daniel Habte, Beschwerdeführer, Gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 8. Dezember 2008 / N (…) E-164/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, eigenen Angaben aus B._______, Eritrea stam- mend, verliess sein Heimatland am 18. Oktober 2005 und gelangte über Äthiopien, den Sudan, Libyen und Italien am 18. Dezember 2006 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl ersuchte. Am 4. Januar 2007 wurde er zur Person befragt und a m 14. April 2008 sowie am 4. Dezember 2008 zu seinen Asylgründen angehört. Als Fluchtgründe machte er im Wesentlichen geltend, im Juli 2005 hab e ein Freund bei ihm übern achtet und am nächsten Tag sei er verhaftet worden. Er sei beschuldigt worden, seinem Freund und anderen beim il- legalen Grenzübertritt geholfen zu haben. Während der Haft sei er verhört und geschlagen worden. Nach ca. einem Monat in Haft sei ihm der Ellb o- gen gebrochen worden, woraufhin er in ein ziviles Spital verlegt worden sei. Von dort sei ihm eineinhalb Monate später die Flucht gelungen. Er sei mit dem Bus zur äthiopischen Grenze gefahren, dort ausgestiegen und habe die Grenze zu Fuss überquert. B. Mit Verfügung vom 8. Dezember 2008 stellte das BFM fest, der B e- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft ni cht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig wies ihn das BFM aus der Schweiz weg und beauftragte den zuständigen Kanton mit der Durchführung des Wegwe i- sungsvollzugs. C. Mit Eingabe vom 8. Januar 2007 (Poststempel) reichte der Beschwerd e- führer beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Verfügung Beschwerde ein und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben, seine Flüchtlingse i- genschaft sei festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, die Unzumutbarkeit und die Unmöglichkeit des Wegwei- sungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses. D. Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2009 hiess das Bundesverwa l- tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-E-164/2009 Seite 3 rung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud es das BFM zur Vernehmlassung ein. E. Mit Eingabe vom 16. Januar 2009 reich te der Beschwerdeführer ein zu- sätzliches Beweismittel nach. F. Mit Schreiben vom 30. Januar 2009 nahm das BFM zur Beschwerde Stel- lung und beantragte die Abweisung der Beschwerde. G. Mit Zwischenverfügung vom 23. Februar 2009 wurde dem Beschwerd e- führer Frist eingeräumt, um eine Replik und entsprechende Beweismittel einzureichen. Mit Eingabe vom 4. März 2009 reichte der Beschwerdefü h- rer eine Stellungnahme und ein Arztzeugnis ein. Mit Eingabe vom 14. Juli 2010 reichte er einen weiteren Arztbericht nach. H. Mit Zwischenverfügung vom 23. Juli 2010 lud das Bundesverwaltungsg e- richt das BFM zu einer zweiten Vernehmlassung ein. I. Mit Verfügung vom 20. Juli 2010 zog das BFM die angefochtene Verfü- gung vom 8. Dezember 2008 teilweise in Wiedererwägung, schob den Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers wegen Unzumutbarkeit auf und ordnete eine vorläufige Aufnahme an. J. Mit Zwischenverfügung vom 13. August 2010 ersuchte das Bundesve r- waltungsgericht den Beschwerdeführer, mitzuteilen, ob er den noch hän- gigen Teile der Beschwerde ( Flüchtlingseigenschaft, Asylgewährung und Anordnung der Wegweisung) zurückziehe. K. Mit Eingabe vom 12. August 2010 hielt der Beschwerdeführer an der Be- schwerde fest. E-164/2009 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Der Besc hwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ( Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschre i- tung des Ermessens, auf unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und auf Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Vorinstanz verfügte am 30. Juli 2010 wiedererwägungsweise die vor- läufige Aufnahme des Beschwerdeführers wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Damit wurde die Beschwerde bezüglich des Even- tualantrags auf Anordnung der vorläufigen Aufnahme gegenstandslos und ist insoweit abzuschreiben. Gegenstand des vorlie genden Urteils bilden demnach lediglich die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, die Asylgewährung und die Wegweisung. 3. 3.1. Die Vorinstanz bezeichnet die Vorbringen des Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung als unglaubhaft und kommt zum Schluss, dass es sich beim Beschwerdeführer nicht wie behauptet um einen eri t- reischen, sondern um eine äthiopischen Staatsangehörigen handle . Im Einzelnen fü hrt die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe bei der Befragung zur Person gelten d gemacht, sein Vater sei äthiopischer Staatsangehöriger gewesen und verstorben, als er vier Jahre alt gewesen sei. Bei der ergänzenden Anhörung habe er jedoch behauptet, sein Vater sei eritreischer Staatsbürger und wohne jetzt in Israel. Dass er diese Tat- sache aus Angst vor einer Rückschaffung nach Eritrea verschwiege n ha-E-164/2009 Seite 5 be, müsse als Schutzbehauptung gewertet werden. Weiter führt die Vo r- instanz aus, der Beschwerdeführer verstricke sich bezüglich des Datums, an dem der Freund ihn besucht habe, in Widersprüche. Er habe zudem unterschiedliche Begründungen dafür angeführt , weshalb er über keine eritreische Identitätskarte verfüge. Seine zweite Begründung, er habe im April 2004 eine Identitätskarte beantragt, diese aber bis im Juli 2005 nicht erhalten, könne nicht geglaubt werden. Die Aussage des Beschwerdeführers , er habe im Alter von 19 Jahren noch kein Aufgebot für den Militärdienst erhalten, weil er Schüler gew e- sen sei und Zwangsrekrutierungen direkt in der Schule erst 2006 bego n- nen hätten, sei tatsache nwidrig. Der Beschwerdeführer habe zudem ke i- ne Auskunft zu den histor ischen Sehenswürdigkeiten seines angeblichen Heimatortes in Eritrea geben können, weshalb nicht geglaubt werden könne, dass er dort gelebt habe. Zudem sei nicht nachvollziehbar, dass der eritreische Staatssicherheitsdienst einen Häftling während Monaten in einem Spital unbeaufsichtigt lasse. Es sei schliesslich als realitätsfremd zu betrachten, dass er von Eritrea nach Äthiopien gelangt sei, in dem er an der Grenze zu Äthiopien aus dem Bus gestiegen sei, sich umgedreht und den Kontrollposten der Eritreer umgangen habe. Den vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel n – ein Schu l- zeugnis und ein Taufschein – komme nur ein verminderter Beweiswert zu, da sie leicht zu kaufen seien. Auch der Umstand, dass die Dokumente aus Eritrea an den Beschwerdeführer gesch ickt worden seien, könne dessen eritreische S taatsbürgerschaft nicht belegen . Bei der eingereic h- ten Identitätskarte des Vaters handle es sich lediglich um eine Kopie, der ebenfalls ein verminderter Beweiswert zukomme. 3.2. Der Beschwerdeführer entgegnet in der Beschwerdeschrift, er habe auf alle gestellten Fragen in einer Genauigkeit und Ausführlichkeit gean t- wortet, die dem, was er erlebt habe, entspreche. Es widerspreche nicht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass man ein Ereignis, das Jahre z u- rückliege, nicht auf den Tag genau datieren könne. Das Verhaftungsd a- tum habe er immerhin genau angegeben. Es sei zudem nicht wesentlich, wie viele Nächte sein Freund bei ihm geschlafen habe. Er habe die g e- nauen Umstände und Abläufe der Verhaftung, die Befragung, den Namen des Gefängnisses, die Zuständigkeiten innerhalb des Gefängnisses usw. schlüssig, detailliert und frei von Widersprüchen geschildert. Auch habe er durchaus Aussagen zu den Sehenswürdigkeiten von B._______ ma- chen können. In Eritrea seien zudem Wartezeiten bis über ein Jahr für ei-E-164/2009 Seite 6 ne Identitätskarte keine Seltenheit, vor allem wenn man nicht in der Hauptstadt lebe. Es bestehe eine "natürlich Vermutung" für seine Flucht- angaben, da eine legale Ausreise aus Eritrea unmöglich und die Flucht über die Äthiopische Grenze relativ einfach sei. Schüler würden schliess- lich direkt ab der elften Klasse ins Militär rekrutiert. Erst im Jahr 2007 h a- be das eritreische Militär damit begonnen, vermehrt Dienstpflichtige direkt in der Schule zu rekrutieren. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er anfänglich falsche Aussa- gen bezüglich seines Vaters und seiner fehlenden Identitätskarte gemacht habe. Er habe diese aber nachträgliche berichtigt und auch entspreche n- de Beweismittel eingereicht. Es werde bestritten, dass es sich um gekauf- te Fälschungen handle. Die Vorinstanz dürfe nicht ohne Weiteres vom Wissen um die leichte Erhältlichkeit solcher Dokumente auf deren fehle n- de Beweiskraft schliessen. Da er sich im militärdienstpflichtigen Alter b e- finde, werde seine Flucht von den eritreischen Behörden als Landesverrat und Verweigerung der Militärdienstpflicht wahrgenommen. Zudem drohe ihm eine unverhältnismässig hohe Strafe, Folter und Verschleppung, weil er das Land illegal verlassen habe. Als Beweismittel reicht der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene die Identitätskarte seines Vaters, eine Kopie von dessen Arbeitserlaubnis in Israel und die Identitätskarte der Mutter ein. 3.3. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Januar 2009 führt die Vorinstanz aus, die eingereichten Identitätskarten seien nicht geeignet, die eritre i- sche Staatsbürgerschaft des Beschwerdeführers zu belegen, da solche Dokumente leicht käuflich zu erwerben seien und die Identitätskarte der Mutter offensichtlich geöffnet und anschliessend wieder mit Heftklammern verschlossen worden sei. 3.4. Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Replik vom 4. März 2009, die Identitätskarte der Mutter sei vor 17 Jahren ausgestellt worden, we s- halb es nicht erstaunlich sei, dass sie Risse bekommen habe. Worin die Fälschungsmerkmale der Identitätskarte des Vaters bestehen sollten, füh- re die Vorinstanz nicht aus. 4. 4.1. Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerdeschrift eine Verlet- zung des rechtlichen Gehörs . Die Vorinstanz habe den Anspruch auf rechtliches Gehör in der Ausprägung der Begründungspflicht verletzt, weil E-164/2009 Seite 7 sie sich zu wenig ausführlich mit seinen Vorbringen auseinandergesetzt habe. Insbesondere habe sie mit ungenügender Begründung auf die fe h- lende Beweiskraft der eingereichten Dokumente geschlossen. 4.2. Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung de r Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) garantierte und in den Art. 26 – 33 VwVG konkretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst unter anderem die Pflicht der verfügenden Behörde , die Vorbrin- gen des vom Entscheid in sein er Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behö r- den, sich mit den wesentlichen Vorbringen des Rechtssuchenden zu b e- fassen und Entscheide zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begrün- dung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn sachgerecht anfechten kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Beh örde leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt (BVGE 2009/35 E. 6.4.1.). 4.3. Im vorliegenden Fall kann der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, sie habe sich nicht in angemessener Ausführlichkeit mit den Vorbringen des Beschwerdeführers auseinanderge setzt. So hat sie ausführlich b e- gründet, warum sie die Vorbringen des Beschwerdeführers als unglau b- haft erachte. Zudem ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz nur kurz begründete, weshalb den vom Beschwerdeführer eingereichten B e- weismitteln nur einen verminderten Beweiswert zukomme, zumal es sich beim Taufschein und dem Schulzeugnis nicht um staatliche Dokumente handelt, die entsprechend nicht geeignet sind, die Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers zu beweisen. Den verminderten Beweiswert der Identitätskarte des Vaters begründet die Vorinstanz zudem damit, dass diese nur als Kopie eingereicht wurde, was nicht zu beanstanden ist. 5. 5.1. Vorab sind die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel zu würdigen. Der Beschwerdeführer reichte eritreische Identitätskarten sei- nes Vaters und seiner Mutter im Original ein. 5.2. Die Identitätskarte des Vaters des Beschwerdeführers weist keine of- fensichtlichen Fälschungsmerkmale auf. Es handelt sich offenbar um das Original, von dem der Beschwerdeführer im vorinstan zlichen Verfahren eine Kopie eingereicht hatte. Die Identitätskarte des Vaters ist damit E-164/2009 Seite 8 grundsätzlich als echt anzusehen. Die Karte wurde im Jahr 1992 ausg e- stellt und belegt, dass der Vater des Beschwerdeführers zu diesem Zei t- punkt eritreischer Staatsbürger war. 5.3. Zweifelhafter ist hingegen die Echtheit der im Original eingereichten Identitätskarte der Mutter des Beschwerdeführers. Deren Hülle wurde mit Heftklammern wiederverschlossen, was Zweifel an ihrer Echtheit au f- kommen lässt. Zudem ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwe r- deführer auf Beschwerdeebene in der Lage war, die Karte innert kürze s- ter Zeit (neun Tagen) aus Eritrea zu beschaffen, während dies während des zwei Jahre dauernden vorinstanzlichen Verfahrens nicht möglich g e- wesen war. Die zur Rechtfertigung vorgebrachten Gründe vermögen nicht zu überzeugen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hatte in der Beschwerdeschrift angegeben, der Beschwerdeführer könne die Ident i- tätskarte seiner Mutter nicht beschaffen, da diese die Karte brauche. Neun Tage später reichte der Rechtsvertreter die Identitätskarte ein, mit der Begründung, er sei aus Unachtsamkeit davon ausgegangen, dass die Mutter des Beschwerdeführers noch lebe, was aber nicht stimme, we s- halb es nun möglich gewesen sei, die Karte zu b eschaffen. Gemäss Aus- sagen des Beschwerdeführers ist seine Mutter im Jahr 1993 gestorben (BFM-Akte A1/9, S. 3). Dass dem Rechtsvertreter dies nicht bewusst war, mutet zumindest sonderbar an. Dass die Identitätskarte der Mutter heute noch existiert, ist zwa r nicht ausgeschlossen, doch erstaunt es, dass der Beschwerdeführer plötzlich in der Lage ist, diese innert neun Tagen über seinen Onkel in Eritrea zu beschaffen. Zudem wirkt die Begründung des Beschwerdeführers für den schlechten Zustand der Identitätskar te der Mutter – diese sei 17 Jahre alt – unplausibel und nachgeschoben, da sie im Dezember 1992 ausgestellt wurde und damit höchstens während e i- nes Jahres in Gebrauch war. Ob die Identitätskarte der Mutter echt ist oder nicht, kann letztlich jedoch offenbleiben, da selbst deren Echtheit nichts an der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers ändern würde (siehe E. 7 und 8). 6. 6.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als E-164/2009 Seite 9 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Nach Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, die erst durch i h- re Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Ve r- haltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden (subjektive Nachfluchtgründe). 6.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig ersche inen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf g e- fälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (Art. 7 Abs. 3 AsylG), wich- tige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, ma n- gelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verwe i- gert. Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftma- chung reicht es jedoch nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarste l- lung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abz u- stellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3 und Entsch eidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 7. 7.1. Bezüglich seiner Fluchtgründe bringt der Beschwerdeführer vor, er sei in seinem Hei matland verdächtigt worden, Personen beim illegalen Grenzübertritt unterstützt zu haben. Er sei verhaftet worden, nachdem ein Freund bei ihm übernachtet habe und anschliessend nach Äthiopien g e-E-164/2009 Seite 10 flüchtet sei. Er sei ins Gefängnis gebracht worden, wo er verhört und ge- schlagen worden sei. Nach einem Monat in Haft habe ihn sein Befrager zu Boden gestossen und er habe sich den Ellbogen gebrochen. Einen Tag später sei er in ein ziviles Spital überstellt worden. Dort sei er nicht bewacht worden, sondern die Ärzte hätten auf die Patienten aufgepasst. Nach eineinhalb Monaten sei ihm die Flucht aus dem Spital gelungen, in- dem er sich mit anderen Patienten, die nur für eine ambulante Behan d- lung ins Spital gekommen seien, aus dem Spital begeben habe. Implizit macht der Beschwerdeführer damit geltend, er wäre bei einer Rückkehr in sein Heimatland aufgrund dieser Vorkommnisse einer asylrelevanten Ver- folgung ausgesetzt. 7.2. Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind als unglaubhaft zu we r- ten. Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht au s- führt, verstrickt sich der Beschwerdefü hrer bezüglich des Tages, an dem sein Freund zu ihm gekommen sei und bezüglich der Anzahl Nächte, die er bei ihm verbracht habe, in Widersprüche. Die diesbezüglichen Recht- fertigungen des Beschwerdeführers überzeugen nicht. Es fällt insbeso n- dere auf, dass d er Beschwerdeführer einige Daten genau nennen kann (Datum der Verlegung ins Spital [BFM-Akte A10/16, S. 8 und A17/13, S. 5], Datum der Flucht [BFM-Akte A10/16, S. 8 und A17/13, S. 6], Datum der Ausreise aus Äthiopien und aus dem Sudan [BFM -Akte A10/16, S. 10 f. und A17/13, S. 8]), weshalb nicht nachvollziehbar ist, weshalb er sich ausgerechnet an diese für seine Flucht angeblich entscheidenden Daten nicht mehr genau erinnern können soll. Entgegen den Ausführun- gen des Beschwerdeführers in der Beschwerdeschri ft sind diese Wide r- sprüche durchaus relevant, da sie für die Geltendmachung der Verfo l- gung zentrale Begebenheiten betreffen. Seine Ausführungen zu seinem Aufenthalt im Spital sind zudem unplausibel. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer zuerst einen Monat im Gefängnis eingesperrt gewesen, dann jedoch wegen eines Bruches ohne Bewachung in ein em zivilen Spital untergebracht worden sein soll. Des Weiteren ist nicht pla u- sibel, dass der Beschwerdeführer eineinhalb Monate unbewacht im Spital verbracht haben soll, bis er einen Gelegenheit zur Flucht hatte. Ebenso wenig nachvollziehbar sind seine Ausführungen dazu, wie ihm die Flucht aus dem Spital gelungen sein soll. 7.3. Zusammengefasst können dem Beschwerdeführer seine Vo rbringen bezüglich seiner Verhaftung, seines Aufenthaltes im Spital und seiner Flucht aus dem Spital nicht geglaubt werden. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer Auskunft dazu geben konnte, wo E-164/2009 Seite 11 sich die Polizeistation in B._______ befindet. Die Ausführungen zu seiner Haft sind zudem nicht genügend substantiiert, um die genannten U n- glaubhaftigkeitselemente aufzuwiegen. Die Vorinstanz hat damit sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 8. 8.1. Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer subjektive Na chflucht- gründe im Sinne von Art. 54 AsylG glaubhaft machen kann. Er macht gel- tend, er sei illegal aus Eritrea ausgereist und deshalb bei einer Rückkehr einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt. Die Vorinstanz habe die Flüchtlingseigenschaft in anderen ve rgleichbaren Fällen bejaht, wenn e i- ne asylsuchende Person Eritrea illegal und im militärdienstpflichtigen Alter verlassen habe. 8.2. Die Vorinstanz kommt zutreffend zum Schluss, dass den behaupt e- ten Umständen der illegalen Ausreise aus Eritrea nicht glaubhaft sind. Die Vorbringen des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene vermögen daran nichts zu ändern. 8.3. Der Beschwerdeführer vermochte nicht plausibel zu begründen, weshalb er mit 19 Jahren (zum Zeitpunkt der angeblichen Flucht aus Eri t- rea) keine eritreische Ident itätskarte besessen habe , obwohl die Regi e- rung verlangt, dass alle Bürgerinnen und Bürger eine Identitätskarte bei sich tragen (ANGELA BENIDIR-MÜLLER, Identitätsdokumente in ausgewähl- ten afrikanischen Flüchtlings -Herkunftsländern, SFH -Themenpapier vom 3. März 2005, S. 19). In der Anhörung zur Person (BFM -Akte A1/9, S. 3) und der ersten Anhörung (BFM-Akte A10/16, S. 3) gab er an, er habe kei- ne Identitätskarte bekommen, weil sein Vater Äthiopier gewesen sei. In der zweiten Anhörung – fast zwei Jahre nach der Befragung zur Person und über ein halbes Jahr nach der ersten Anhörung – gab er jedoch an, sein Vater sei Eritreer und lebe heute in Israel. Er habe im Sommer 2004 eine Identitätskarte beantragt, diese aber bis zu seiner Ausreise aus Eri t- rea im Herbst 2005 nicht erhalten (BFM -Akte A17/13, S. 10). Die eritre i- sche Identität und der Aufenthalt des Vaters in Israel sind durch die einge- reichte eritreische Identitätskarte des Vaters und dessen Arbeitsbewill i- gung für Israel belegt. Damit steht fest, dass der B eschwerdeführer in der Befragung zur Person und in der ersten Anhörung die Unwahrheit erzählt hat. Die Gründe, die er zur Entschuldigung für die nachträgliche Korrektur seiner Vorbringen anbringt – er sei falsch beraten gewesen und habe Angst vor einer Rückschaffung nach Eritrea gehabt –, vermögen nicht zu E-164/2009 Seite 12 überzeugen. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, ist das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe eine Identitätskarte beantragt, aber nie e r- halten, unglaubhaft. Auch wenn für die Ausstellung von Identitätskarten in Eritrea mehr Zeit veranschlagt werden muss, ist es nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer über ein Jahr nach der Gesuchstellung immer noch keine Identitätskarte erhalten hatte. Normalerweise wird eine Identi- tätskarte in Eritrea innert dre i bis vier Wochen ausgestellt ( ANGELA BENI- DIR-MÜLLER, a.a.O., S. 20). Damit liegt die Schlussfolgerung nahe, dass der Beschwerdeführer aus anderen als den von ihm angegebenen Grü n- den keine eritreische Identitätskarte besitzt. 8.4. Zudem sind die Aussagen des Beschwerdeführers zur seiner angeb- lichen Flucht aus Eritrea – wie die Vorinstanz zu Recht feststellte – nicht glaubhaft. Seine Ausführungen, er habe den Bus in der Nähe der Grenze verlassen, sich umgedreht und sei dann an den Grenzposten vorbeig e- kommen, ist unplausibel. Es ist bekannt, dass die eritreischen Grenzb e- hörden mit allen Mitteln versuchen, illegale Ausreise zu verhindern und insbesondere den Befehl haben, auf Flüchtlinge zu schiessen um deren Flucht zu verhindern (Tronvoll Kjetil [The Oslo Center for Peace and H u- man Rights], The Lasting Struggle for Freedom in Eritrea, 2009, S. 14; Human Rights Watch, Service for Life, State Repression and Indefinite Conscription in Eritrea, 2009, S. 39). Zudem ist der Verlauf der Grenze mit Äthiopien umstritten un d beide Länder haben immer noch grosse Truppenkontingente in der Region (vgl. United Kingdom: Parliament, House of Commons Library, Ethiopia in the run-up to May 2010 elections, 30 Dezember 2009, SN/IA/5260). Damit ist nicht nachvollziehbar, dass der Besch werdeführer die Grenze so ohne Weiteres passieren konnte. Auch die Darstellung der Fluchtumstände wecken damit Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers. 8.5. An der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen ändern auch die eing e- reichten Beweismittel nichts. Die Identitätskarten seiner Eltern, die beide 1992 ausgestellt wurden, sind als Beweismittel untauglich , um glaubhaft zu machen, dass der Beschwerdeführer vor seiner angeblichen Flucht im Herbst 2005 in Eritrea wohnte. Aus dem Umstand, dass der Vater (und eventuell auch die Mutter) im Jahr 1992 eritreische Staatsbürger waren, lässt sich nicht ohne Weiteres schliessen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2005 illegal die Grenze von Eritrea nach Äthiopien überquert hat. Zwar ist zu berücksichtig en, dass der Beschwerdeführer die Fragen der Vorinstanz zu Sehenswürdigkeiten in und um B._______ mit einigermas- sen zufriedenstellender Ausführlichkeit und Genauigkeit zu beantworten E-164/2009 Seite 13 vermochte. Auch d araus kann jedoch nicht ohne Weiteres geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer sein Heimat land illegal verlassen hat. So ist es auch möglich, dass er den Ort und dessen Umgebung aus seiner frühen Kindheit, aus Besuchen oder aus Erzählungen kennt. 8.6. Insgesamt hält das Bundesverwaltungsgericht die Flüchtlings eigen- schaft nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben. Der B e- schwerdeführer erscheint aufgrund der gemachten unwahren Aussagen persönlich als nicht glaubwürdig. Zudem sind seine Vorbringen bezüglich der Flucht aus seinem Heimatland aufgrund ih rer Unplausibilität insg e- samt nicht glaubhaft. Wahrscheinlicher erscheint, dass der Beschwerde- führer Eritrea bereits früher, eventuell zusammen mit seinen Eltern, ve r- lassen hat oder gar nie dort wohnte . Damit vermochte der Beschwerd e- führer nicht glaubhaft zu machen, er habe Eritrea illegal verlassen. Es lie- gen folglich keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, die Vorinstanz habe in ähnlichen Fällen die Flüch t- lingseigenschaft bejaht, geht aufgrund der Unglaubhaftigkeit se iner Vor- bringen ins Leere. Die Vorinstanz hat damit auch die Flüchtlingseige n- schaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint. 9. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei d iesem Verfahrensausgang hätte der Beschwerdeführer die Kosten des vorliegenden Verfahrens zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zw i- schenverfügung vom 16. Januar 2009 hat das Bundesverwaltungsgericht dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung stattge- geben, weshalb der Beschwerdeführer von der Bezahlung der Verfa h- renskosten befreit ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). E-164/2009 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht abgeschrieben wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Willisegger Tobias Meyer Versand: