<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp450960"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>140 IV 40<br/><br/><br/><div class="paraatf">5. Auszug aus dem Urteil der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung i.S. X. gegen Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (Beschwerde in Strafsachen)</div> <div class="paraatf">1B_175/2013 vom 13. November 2013</div> <a name="idp452576"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste a</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span>; Art. 272 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref"><artref id="CH/312.0/278" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/274" type="start"></artref>Art. 274, 278 und 279 StPO</span><artref id="CH/312.0/278" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/279" type="end"></artref>. <div class="paratf">Nachträgliche Anfechtbarkeit von geheimen Telefonüberwachungen durch die betroffene Person (E. 1.1). </div> </div> </div> <a name="idp189104"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste b</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref"><artref id="CH/101/29/2" type="start"></artref>Art. 13 und 29 Abs. 2 BV</span><artref id="CH/101/13" type="end"></artref>; <span class="artref">Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG</span>; Art. 3 Abs. 2 lit. c, Art. 5 Abs. 1, Art. 7, 16 Abs. 1 und 2, Art. 107, 197 Abs. 1 lit. c und d, Art. 217, 269 Abs. 1 lit. a und b, Art. 269 Abs. 2 lit. f, Art. 275 Abs. 1 und <span class="artref"><artref id="CH/312.0/279/3" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/279/1" type="start"></artref>Art. 279 Abs. 1 und 3 StPO</span><artref id="CH/312.0/279/3" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/3" type="end"></artref>; Verwendung von Zufallsfunden, Dauer der Überwachung. <div class="paratf">Beschwerdelegitimation (E. 4.1). Verwendungs- und Überwachungsvoraussetzungen von Art. 278 Abs. 2 i.V.m. <span class="artref">Art. 269 StPO</span> (E. 4.2). Zufallsfunde aus früheren konnexen Überwachungen dritter Personen. Soweit die Verfahrensakten die Prüfung zulassen, ob die Zufallsfunde für die Begründung der streitigen Überwachungsmassnahmen gegen den Betroffenen verwendet werden durften und ob die gesetzlichen Voraussetzungen dieser Untersuchungsmassnahmen erfüllt waren, besteht kein Anspruch auf Einsicht in die Akten der konnexen Überwachungen (E. 4.3). Gesetzmässige Untersuchungsmassnahmen dürfen grundsätzlich so lange dauern, wie es für die sorgfältige Sachverhaltsabklärung sachlich notwendig erscheint. Zwar besteht kein gesetzlicher Anspruch des geheim überwachten Beschuldigten, unverzüglich an weiteren untersuchten Delikten gehindert zu werden. Bei anhaltender Delinquenz (bzw. Dauerdelikten) haben die Untersuchungs- und Genehmigungsbehörden aber auch dem Rechtsgüterschutz und dem Grundsatz der gleichmässigen Durchsetzung des Strafrechts Rechnung zu tragen (E. 4.4). </div> </div> </div> <a name="idp498768"></a> <a name="idp505904"></a> <a name="idp525440"></a> <a name="idp533072"></a> <br/><div> <a name="idp547408"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 41</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page41"></a><div class="center pagebreak">BGE 140 IV 40 S. 41</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp549072"></a><span class="bold">A. </span>Die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich führt Strafuntersuchungen gegen X. und weitere Personen wegen qualifizierten <a name="page42"></a><div class="center pagebreak">BGE 140 IV 40 S. 42</div>Drogendelikten. Mit Verfügung vom 26. Januar 2011 genehmigte das Zwangsmassnahmengericht am Obergericht des Kantons Zürich die Verwendung der aus einer geheimen Überwachung anderer Personen hervorgegangenen Zufallsfunde im Verfahren gegen den Beschuldigten sowie die Überwachung eines von ihm benutzten Mobiltelefonanschlusses (bis zum 25. März 2011). Mit weiteren Verfügungen vom 17. Februar, 19. April bzw. 23. Mai 2011 genehmigte das Zwangsmassnahmengericht (im Strafverfahren gegen den Beschuldigten) die Überwachung von drei weiteren Mobiltelefonanschlüssen (bis zum 25. März bzw. 25. Juni 2011) sowie eines Festnetzanschlusses (bis zum 25. März 2011). Am 21. Dezember 2012 teilte die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten die ihn betreffenden geheimen Überwachungsmassnahmen mit.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp552816"></a><span class="bold">B. </span>Eine vom Beschuldigten gegen die Genehmigungsverfügungen vom 26. Januar, 17. Februar, 19. April und 23. Mai 2011 erhobene Beschwerde wies das Obergericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer, mit Beschluss vom 26. März 2013 ab.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp554336"></a><span class="bold">C. </span>Gegen den Beschluss des Obergerichtes gelangte der Beschuldigte mit Beschwerde (...) an das Bundesgericht. (...) Dieses weist die Beschwerde ab, soweit es darauf eintritt.</div> <div class="paraatf"> <i>(Auszug)</i> </div> <br/><div> <a name="idp556240"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <i>Aus den Erwägungen:</i> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp557584"></a><span class="bold" id="consideration_1.">1. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp558624"></a><span class="bold" id="consideration_1.1">1.1 </span>Bei Genehmigungsentscheiden betreffend Telefonüberwachungen, welche vom Betroffenen nachträglich angefochten werden (Art. 272 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 274 und <artref id="CH/312.0/279" type="start"></artref>Art. 279 StPO</span><artref id="CH/312.0/274" type="end"></artref>), und bei konnexen Entscheiden über die Verwertbarkeit von Zufallsfunden (<span class="artref">Art. 278 StPO</span>) handelt es sich grundsätzlich um Zwangsmassnahmen- und Zwischenentscheide mit nicht wieder gutzumachendem Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span>. Nach Eintritt der Rechtskraft dieser im StPO-Beschwerdeverfahren zu prüfenden Entscheide können die betreffenden Fragen vor dem Sachrichter nicht nochmals aufgeworfen werden (vgl. AEMISEGGER/FORSTER, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 29 zu <span class="artref">Art. 79 BGG</span>; THOMAS HANSJAKOB, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 2010, N. 28-30 zu <span class="artref">Art. 279 StPO</span>; NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung [StPO], Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 14 zu Art. 279StPO; <i>ders.</i>, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, <a name="page43"></a><div class="center pagebreak">BGE 140 IV 40 S. 43</div>2. Aufl. 2013, Rz. 1164; s. auch Urteil des Bundesgerichtes 1B_425/2010 vom 22. Juni 2011 E. 1.1-1.3).</div> <div class="paraatf">(...)</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp572512"></a><span class="bold" id="consideration_4.">4. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp573552"></a><span class="bold" id="consideration_4.1">4.1 </span>Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, frühere Überwachungen, die gar nicht gegen ihn persönlich, sondern gegen andere Personen angeordnet worden waren, seien möglicherweise rechtswidrig gewesen, kann auf die Vorbringen mangels Beschwerdelegitimation nicht eingetreten werden (<span class="artref">Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 279 Abs. 3 StPO</span>). Ein eigenes Rechtsschutzinteresse liegt hingegen vor, soweit er (sinngemäss) geltend macht, die gegen ihn angeordneten Überwachungen (von eigenen oder mitbenutzten Telefonanschlüssen) basierten auf einer unzulässigen Verwendung von ihn belastenden Zufallsfunden oder seien in anderer Weise bundesrechtswidrig.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp579088"></a><span class="bold" id="consideration_4.2">4.2 </span>Wie im angefochtenen Entscheid zutreffend erwogen wird, macht das Gesetz die Zulässigkeit von Überwachungsmassnahmen nicht von der Frage abhängig, ob frühere konnexe Massnahmen gegen andere Personen rechtmässig angeordnet worden waren oder nicht. Zu prüfen ist, ob eine zulässige Verwendung von Zufallsfunden vorliegt und die gesetzlichen Voraussetzungen der konkreten Überwachungsmassnahmen erfüllt sind. Massgeblich ist dabei die tatsächliche Situation im Zeitpunkt der Anordnung der Massnahmen (vgl. HANSJAKOB, a.a.O., N. 28 zu <span class="artref">Art. 279 StPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp582512"></a><span class="bold" id="consideration_4.2.1">4.2.1 </span>Gemäss <span class="artref">Art. 278 Abs. 2 StPO</span> können neu erlangte Erkenntnisse über Personen, die in der früheren Überwachungsanordnung noch keiner strafbaren Handlung beschuldigt worden waren, für weitere Untersuchungsmassnahmen verwendet werden, wenn die Voraussetzungen für eine Überwachung dieser Personen erfüllt sind. Die Überwachung gestützt auf entsprechende Zufallsfunde bedarf einer erneuten Genehmigung durch das Zwangsmassnahmengericht (Art. 278 Abs. 3 i.V.m. <span class="artref">Art. 274 StPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp587440"></a><span class="bold" id="consideration_4.2.2">4.2.2 </span>Im angefochtenen Entscheid wird erwogen, dass sich aus den Zufallsfunden der Überwachung anderer Personen auch Verdachtsgründe gegen den Beschwerdeführer (alias "Y.") ergeben hätten. Die betreffenden Untersuchungsergebnisse durften die kantonalen Instanzen bei der Prüfung des dringenden Tatverdachtes (Art. 269 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 StPO) heranziehen. Der Beschwerdeführer räumt ein, dass er sich bis zum 21. Februar 2013 in <a name="page44"></a><div class="center pagebreak">BGE 140 IV 40 S. 44</div>Untersuchungshaft befunden habe. Am Tag, als die letzte Überwachung gegen ihn aufgehoben worden sei, nämlich am 20. Juni 2011, habe die Staatsanwaltschaft Antrag auf Anordnung der Untersuchungshaft gestellt. Der "über die gesamte Untersuchung gleichbleibend vorgebrachte" Vorwurf gehe dahin, dass er "mit mehreren Lieferanten und Beschuldigten einen intensiven Handel im hohen Mengen- d.h. Mehrkilobereich ('Drogenhandel im grossen Stil') betrieben" habe. In quantitativer Hinsicht sei ihm gestützt auf Vorgänge vom Februar/März 2011 zunächst ein "Betäubungsmittelhandel von über einem Kilo Kokain" vorgeworfen worden. Die Vorwürfe hätten sich unterdessen (aufgrund der Überwachungen bis zum 20. Juni 2011) gesteigert auf "Kauf von 4,6 Kilogramm Kokaingemisch" und "Verkauf/Abgabe von 2,5 Kilogramm".</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp591808"></a><span class="bold" id="consideration_4.2.3">4.2.3 </span>Unbestrittenermassen wurde der dringende Tatverdacht qualifizierter Drogendelikte insbesondere vom kantonalen Haftrichter rechtskräftig bestätigt. Wie der Beschwerdeführer einräumt, hat die Staatsanwaltschaft den analogen Tatvorwurf schon im Zeitpunkt der ersten Überwachungsmassnahmen erhoben. Die untersuchten Delikte fallen unter den Deliktskatalog von <span class="artref">Art. 269 Abs. 2 lit. f StPO</span>, und die Schwere der dem Beschuldigten vorgeworfenen Tatbeteiligung rechtfertigt die streitigen Überwachungen (<span class="artref">Art. 269 Abs. 1 lit. b StPO</span>). Dass auch die übrigen gesetzlichen Überwachungsvoraussetzungen (<span class="artref">Art. 269 Abs. 1 lit. c StPO</span>) erfüllt sind, wird vom Beschwerdeführer nicht substanziiert bestritten (vgl. <span class="artref">Art. 42 Abs. 2 Satz 1 BGG</span>). Eine Verletzung der StPO bzw. des Grundrechts auf Privatsphäre (<span class="artref">Art. 13 BV</span>) ist damit nicht dargetan.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp602464"></a><span class="bold" id="consideration_4.3">4.3 </span>In diesem Zusammenhang ist auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs (<span class="artref">Art. 3 Abs. 2 lit. c und <artref id="CH/312.0/107" type="start"></artref>Art. 107 StPO</span><artref id="CH/312.0/3/2/c" type="end"></artref>, <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>) ersichtlich. Die vorliegenden Akten lassen die Prüfung zu, ob Zufallsfunde aus einer konnexen Überwachung für die Begründung von Überwachungsmassnahmen gegen den Beschwerdeführer herangezogen werden durften und ob die gesetzlichen Voraussetzungen dieser Untersuchungsmassnahmen, soweit substanziiert bestritten, erfüllt waren. Dass die Vorinstanz aufgrund seiner Vorbringen im kantonalen Beschwerdeverfahren erwägt, der Beschwerdeführer habe das Vorliegen eines dringenden Tatverdachtes (gemäss Art. 269 Abs. 1 lit. a i.V.m. Abs. 2 StPO) nicht bestritten, verletzt die richterliche Begründungspflicht nicht. Entgegen seiner Ansicht hat sich die Vorinstanz auch ausreichend mit seiner Argumentation befasst, <a name="page45"></a><div class="center pagebreak">BGE 140 IV 40 S. 45</div>er habe Anspruch auf Einsicht in die Akten der ihn nicht persönlich betreffenden konnexen Genehmigungsverfahren.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp610928"></a><span class="bold" id="consideration_4.4">4.4 </span>Weiter beanstandet der Beschwerdeführer, die geheime Überwachung habe insgesamt fünf Monate und damit zu lange gedauert. Zwischen dem Beginn und dem Abschluss der Überwachungen hätten die Vorwürfe des Drogenhandels in quantitativer Hinsicht zugenommen. "Spätestens im Februar/März 2011" habe aufgrund von Verdachtsmomenten "hinreichend Grund für eine Festnahme bestanden". Durch eine solche hätte "der Handel mit einer substanziellen Menge an Betäubungsmitteln verhindert werden können". Stattdessen habe die Überwachung bis zum 20. Juni 2011 gedauert und sei er, der Beschwerdeführer, erst an diesem Tag verhaftet und anschliessend in Untersuchungshaft versetzt worden. Es sei unzulässig, dass ein Strafverfahren wegen Drogendelikten "einzig durch das Nichteingreifen" der Strafbehörden an "quantitativer Bedeutung" gewinne. Dies bedeute, dass es der Strafverfolgungsbehörde überlassen würde, die Schwere des Falles "massgeblich selbst zu bestimmen". Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft verletze (neben dem Grundsatz des "fair trial", der strafprozessualen Unschuldsvermutung und dem Rechtsgleichheitsgebot) insbesondere <span class="artref"><artref id="CH/312.0/217" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/7" type="start"></artref>Art. 7, 217 sowie 275 StPO</span><artref id="CH/312.0/217" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/275" type="end"></artref> und tangiere auch den strafrechtlichen Rechtsgüterschutz.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp618288"></a><span class="bold" id="consideration_4.4.1">4.4.1 </span>Gemäss <span class="artref">Art. 275 Abs. 1 StPO</span> beendet die Staatsanwaltschaft die Überwachung unverzüglich, wenn die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind (lit. a) oder die Genehmigung oder die Verlängerung verweigert wird (lit. b). Die Staatsanwaltschaft teilt dem Zwangsmassnahmengericht im Fall von <span class="artref">Art. 275 Abs. 1 lit. a StPO</span> die Beendigung der Überwachung mit (<span class="artref">Art. 275 Abs. 2 StPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp624848"></a><span class="bold" id="consideration_4.4.2">4.4.2 </span>Soweit gesetzmässige Untersuchungsmassnahmen vorliegen, die auch dem Verhältnismässigkeitsprinzip (<span class="artref"><artref id="CH/312.0/197/d" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/197/1/d" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/197/1/c" type="start"></artref>Art. 197 Abs. 1 lit. c-d StPO</span><artref id="CH/312.0/197/1/d" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/197/d" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/d" type="end"></artref>) und dem Beschleunigungsgebot in Strafsachen (<span class="artref">Art. 5 Abs. 1 StPO</span>) ausreichend Rechnung tragen, hat der Beschuldigte grundsätzlich keinen Anspruch darauf, dass die Staatsanwaltschaft untersuchte Straftaten unverzüglich, etwa durch Festnahme von Verdächtigen, unterbindet (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6P.117/2003 vom 3. März 2004 E. 5.3) bzw. geheime Überwachungsmassnahmen (allenfalls vor Ablauf der richterlich genehmigten Dauer) möglichst rasch abbricht und die überwachte Person sofort darüber informiert. Ein Anspruch des Beschuldigten, unverzüglich an weiteren Delikten gehindert zu werden, ergibt sich insbesondere nicht aus dem <a name="page46"></a><div class="center pagebreak">BGE 140 IV 40 S. 46</div>strafprozessualen Verfolgungszwang (<span class="artref">Art. 7 StPO</span>). Ebenso wenig besteht ein Vorrang der polizeilichen Festnahme (<span class="artref">Art. 217 StPO</span>) gegenüber anderen gesetzlichen Zwangs- und Untersuchungsmassnahmen. Die Wahl der sachlich gebotenen Untersuchungsführung liegt im pflichtgemässen Ermessen der Staatsanwaltschaft (vgl. Art. 16 Abs. 2 i.V.m. <span class="artref">Art. 6 Abs. 1, <artref id="CH/312.0/139/1" type="start"></artref>Art. 139 Abs. 1 und <artref id="CH/312.0/308/1" type="start"></artref>Art. 308 Abs. 1 StPO</span><artref id="CH/312.0/139/1" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/6/1" type="end"></artref>). Gesetzmässige Untersuchungsmassnahmen dürfen (unter den Bedingungen von <span class="artref">Art. 275 Abs. 1 StPO</span>) grundsätzlich so lange dauern, wie es für die sorgfältige Sachverhaltsabklärung sachlich notwendig erscheint. Bei anhaltender Delinquenz (bzw. Dauerdelikten) haben die Untersuchungs- und Genehmigungsbehörden allerdings auch dem Rechtsgüterschutz und dem Grundsatz der gleichmässigen Durchsetzung des Strafrechts Rechnung zu tragen (vgl. Art. 16 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp647200"></a><span class="bold" id="consideration_4.4.3">4.4.3 </span>Im vorliegenden Fall einer komplexen Untersuchung gegen verschiedenen Beteiligte in einem schwer wiegenden Fall von Drogendelinquenz sind keine Anzeichen erkennbar (und werden auch vom Beschwerdeführer nicht dargelegt), dass die kantonalen Strafbehörden die geheimen Überwachungen und deren Auswertung unnötig und übermässig lange hinausgezögert hätten, um Delinquenzvorwürfe "künstlich" auszuweiten oder die Verteidigungsrechte zu schmälern. Unbestrittenermassen wurden die Massnahmen gegen den Beschwerdeführer am 26. Januar, 17. Februar, 19. April bzw. 23. Mai 2011 bis zum 25. März bzw. 25. Juni 2011 verfügt und ihm am 21. Dezember 2012 (noch vor Abschluss des Vorverfahrens) mitgeteilt (vgl. <span class="artref">Art. 279 Abs. 1 StPO</span>). Nach der nachvollziehbaren Darlegung der kantonalen Instanzen dienten die Untersuchungsmassnahmen und deren Auswertung der Ermittlung der Tatbeteiligten, des Tatvorgehens und der gehandelten Drogenmengen. Nach der Aufhebung der letzten Überwachung, die laut Beschwerdeschrift am 20. Juni 2011 erfolgte, bestand weder ein begründeter Anlass noch ein gesetzlicher Grund für eine sofortige Information des Beschuldigten über die geheimen Erhebungen. Der Zeitbedarf für die anschliessende Auswertung der Untersuchungsergebnisse hat hier auch nicht zu einer "unnötigen" Weiterdauer der Delinquenz führen können, da der Beschwerdeführer sich (nach eigener Darstellung) zwischen dem Abschluss der Überwachungen und deren Bekanntgabe (am 21. Dezember 2012) in Untersuchungshaft befand.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp651968"></a><span class="bold" id="consideration_4.4.4">4.4.4 </span>Eine Verletzung von <span class="artref">Art. 275 StPO</span> ist nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer macht im Übrigen nicht geltend, dass die <a name="page47"></a><div class="center pagebreak">BGE 140 IV 40 S. 47</div>richterlich genehmigten Überwachungsfristen (<span class="artref">Art. 274 Abs. 5 StPO</span>) oder die Bestimmungen über einen allfälligen Aufschub der Mitteilung (<span class="artref"><artref id="CH/312.0/279/2" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/279/1" type="start"></artref>Art. 279 Abs. 1-2 StPO</span><artref id="CH/312.0/279/2" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/2" type="end"></artref>) missachtet worden wären.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp661792"></a><span class="bold" id="consideration_4.4.5">4.4.5 </span>Die weiteren vom Beschwerdeführer angerufenen Normen und Grundrechte haben im vorliegenden Zusammenhang keine über das bereits Dargelegte hinausgehende selbstständige Bedeutung.</div> </div></body></html>