<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 21 S.98</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">98</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>21</b></span> <span class="ft2"><b>Höchstbelastung (§ 56 Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Grundsätze und Berechnung der Höchstbelastung (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Keine Verletzung des Schlechterstellungsverbots, wenn die im Ergeb-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nis höhere Gesamtsteuerbelastung von der Besteuerung in mehreren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kantonen verursacht wird (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Berechnung der Steuerreduktion im interkantonalen Verhältnis</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 27. Mai 2008 in Sachen R.</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2008.48).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1</span><br/> <span class="ft1">Die periodisch geschuldeten Einkommens- und Vermögenssteu-</span><br/> <span class="ft1">ern von Kanton, Gemeinde und Kirche werden gemäss § 56 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">StG auf Antrag der steuerpflichtigen Person auf 70 % des Reinein-</span><br/> <span class="ft1">kommens herabgesetzt, jedoch höchstens auf die Hälfte der geschul-</span><br/> <span class="ft1">deten Vermögenssteuern. § 56 StG legt damit für natürliche Personen</span><br/> <span class="ft1">eine Höchstgrenze der Steuerbelastung fest. Damit soll bei Steuer-</span><br/> <span class="ft1">pflichtigen mit grossem Vermögen und geringem Einkommen - also</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">99</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">namentlich bei ertragsschwachem Vermögen - eine in Relation zum</span><br/> <span class="ft1">Einkommen übermässige steuerliche Belastung vermieden werden.</span><br/> <span class="ft1">Die bereits im Steuergesetz vom 13. Dezember 1983 (aStG) festge-</span><br/> <span class="ft1">setzte Höchstgrenze von 70 % der Einkommens- und Vermögens-</span><br/> <span class="ft1">steuern (§ 47 Abs. 1 aStG) wurde so gewählt, dass sie eine verfas-</span><br/> <span class="ft1">sungswidrige konfiskatorische Besteuerung ungeachtet der Unge-</span><br/> <span class="ft1">wissheit, wann eine solche im konkreten Fall zu bejahen ist (siehe</span><br/> <span class="ft1">dazu BGE 106 Ia 342 Erw. 6c mit Hinweisen), von vornherein ver-</span><br/> <span class="ft1">hindern sollte (Walter Koch, in: Kommentar zum Aargauer Steuerge-</span><br/> <span class="ft1">setz, [1. Aufl.] Muri/Bern 1991, § 47 aStG N 1; Conrad Walther, in:</span><br/> <span class="ft1">Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 2. Aufl., Muri/Bern 2004,</span><br/> <span class="ft1">§ 56 N 1 f.). Im Übrigen stellt sie auch eine Konkretisierung des Ge-</span><br/> <span class="ft1">bots der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit</span><br/> <span class="ft1">(Art. 127 BV; § 119 Abs. 1 und 2 KV) dar.</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Berechnung der Höchstbelastung stützt sich auf zwei Kom-</span><br/> <span class="ft1">ponenten, die periodisch geschuldete Einkommens- und Vermögens-</span><br/> <span class="ft1">steuer einerseits und das erzielte Reineinkommen andererseits. Strei-</span><br/> <span class="ft1">tig ist im vorliegenden Verfahren, wie die Höchstbelastung gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 56 StG zu berechnen ist, wenn der Steuerpflichtige nicht aus-</span><br/> <span class="ft1">schliesslich im Kanton Aargau steuerpflichtig ist. Das Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">gericht hatte diese Frage noch nicht zu entscheiden, und soweit er-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich besteht dazu keine kantonale Praxis.</span><br/> <span class="ft1">1.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Steuerkommission Z. hat die im Kanton Aargau geschulde-</span><br/> <span class="ft1">ten Einkommens- und Vermögenssteuern auf 70 % des gesamten</span><br/> <span class="ft1">(also nicht nur des im Kanton Aargau erzielten) Reineinkommens</span><br/> <span class="ft1">reduziert. Die Berücksichtigung des gesamten Reineinkommens wur-</span><br/> <span class="ft1">de auch vom KStA befürwortet und vom Steuerrekursgericht unter</span><br/> <span class="ft1">Berufung auf die Gesetzesmaterialien geschützt. Sie wird von den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführern zu Recht nicht mehr in Frage gestellt.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer bringen vor, wenn man lediglich die im</span><br/> <span class="ft1">Kanton Aargau geschuldeten Steuern mit dem Gesamteinkommen in</span><br/> <span class="ft1">Relation setze, würden Personen mit Steuerpflicht in mehreren Kan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">100</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tonen benachteiligt. Ihnen gegenüber werde das Schlechterstellungs-</span><br/> <span class="ft1">verbot verletzt. Um dies zu verhindern, sei bei Steuerpflicht in meh-</span><br/> <span class="ft1">reren Kantonen zunächst die hypothetische aargauische Steuer auf</span><br/> <span class="ft1">dem gesamten Einkommen und Vermögen zu berechnen, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Steuerpflicht ausschliesslich im Kanton Aargau bestünde. Bestehe</span><br/> <span class="ft1">nach dieser Berechnung Anspruch auf Herabsetzung gemäss § 56</span><br/> <span class="ft1">StG, so sei die Reduktion quotenmässig auf die im Kanton Aargau zu</span><br/> <span class="ft1">entrichtende Steuer anzurechnen.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Aus dem Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung</span><br/> <span class="ft1">(Art. 127 Abs. 3 BV; zuvor Art. 46 Abs. 2 der Bundesverfassung vom</span><br/> <span class="ft1">29. Mai 1974) leitet das Bundesgericht ein Schlechterstellungsverbot</span><br/> <span class="ft1">ab. Danach dürfen die Kantone Steuerpflichtige, die nur für einen</span><br/> <span class="ft1">Teil des Vermögens oder Einkommens steuerpflichtig sind, aus die-</span><br/> <span class="ft1">sem Grund nicht anders und stärker belasten als die ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">im Kanton steuerpflichtigen Personen (BGE 132 I 29 Erw. 2.1; 131 I</span><br/> <span class="ft1">249 Erw. 3.1; Ernst Höhn/Peter Mäusli, Interkantonales Steuerrecht,</span><br/> <span class="ft1">4. Aufl., Bern/Stuttgart/Wien 2000, § 4 Rz. 17).</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Die kantonalen Steuern wurden in Anwendung von § 56 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">StG auf Fr. ... (= 70 % des Gesamtreineinkommens) herabgesetzt.</span><br/> <span class="ft1">Die Herabsetzung wäre in gleicher Weise erfolgt, wenn die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer ausschliesslich im Kanton Aargau steuerpflichtig</span><br/> <span class="ft1">wären. Die im Ergebnis höhere Gesamtsteuerbelastung rührt daher,</span><br/> <span class="ft1">dass daneben auch der Kanton B. Steuern erhebt. Da aber der Kanton</span><br/> <span class="ft1">Aargau die Beschwerdeführer nicht anders und höher besteuert, als</span><br/> <span class="ft1">wenn sie ausschliesslich im Kanton steuerpflichtig wären, hat das</span><br/> <span class="ft1">Steuerrekursgericht zutreffend festgehalten, dass beim gegebenen</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt das Schlechterstellungsverbot nicht verletzt ist. Damit</span><br/> <span class="ft1">muss auf den Einwand des KStA, der speziellere Grundsatz der aus-</span><br/> <span class="ft1">schliesslichen Besteuerung des Grundeigentums am Ort der gelege-</span><br/> <span class="ft1">nen Sache gehe dem allgemeineren Verbot der Schlechterstellung</span><br/> <span class="ft1">vor, nicht mehr eingegangen werden.</span><br/> <span class="ft1">Da keine Doppelbesteuerung vorliegt und das StHG keine ein-</span><br/> <span class="ft1">schlägigen Vorgaben enthält, liegt kein Verstoss gegen Bundesrecht</span><br/> <span class="ft1">vor.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">101</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführer bei richtiger Ausle-</span><br/> <span class="ft1">gung aus § 56 StG etwas für sich ableiten können. Aus dem Wortlaut</span><br/> <span class="ft1">von § 56 Abs. 1 StG allein ergibt sich nicht, welche Einkommens-</span><br/> <span class="ft1">und Vermögenssteuern bei interkantonalen Verhältnissen als Berech-</span><br/> <span class="ft1">nungsgrundlage dienen. Die Norm ist deshalb auszulegen.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">(Grundsätze und Ziel der Auslegung; Verweis auf BGE 125 II</span><br/> <span class="ft1">326 Erw. 5; 114 Ia 191 Erw. 3b/aa; Ernst Höhn/Robert Waldburger,</span><br/> <span class="ft1">Steuerrecht, Band I, 9. Aufl., Bern/ Stuttgart/Wien 2001, § 5 N 33;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1992, S. 154 f. mit zahlreichen Hinweisen; 1990, S. 214;</span><br/> <span class="ft1">StE</span> <span class="ft1">1997, B 71.62 Nr. 6; VGE II/49 vom 2.</span> <span class="ft1">Juli 2003</span><br/> <span class="ft1">[BE.2003.00039], S. 6; Höhn/Waldburger, a.a.O., § 5 N 20 ff.).</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">3.3.1.</span><br/> <span class="ft1">§ 56 Abs. 1 StG hat zum Ziel, eine übermässige steuerliche</span><br/> <span class="ft1">Belastung zu verhindern, und zwar möglichst schon unterhalb der</span><br/> <span class="ft1">Grenze, welche die Eigentumsgarantie der Besteuerung setzt (Koch,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 47 aStG N 1; Walther, a.a.O., § 56 N 1 ff.). Dabei ist es aus</span><br/> <span class="ft1">Sicht des Steuerpflichtigen irrelevant, ob sein Einkommen und Ver-</span><br/> <span class="ft1">mögen ausschliesslich im Kanton Aargau oder in mehreren Kantonen</span><br/> <span class="ft1">der Besteuerung unterliegt. Nur bei Berücksichtigung des gesamten</span><br/> <span class="ft1">Reineinkommens sowie der gesamten geschuldeten Steuern kommt</span><br/> <span class="ft1">seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zutreffend zum Ausdruck.</span><br/> <span class="ft1">Andererseits liegen die in anderen Kantonen erhobenen Steuern</span><br/> <span class="ft1">ausserhalb des Einflussbereichs des Kantons Aargau, und es ist auch</span><br/> <span class="ft1">nicht Sache des Kantons Aargau, gestützt auf § 56 StG die gesamte</span><br/> <span class="ft1">Reduktion des Steuerertrags auf sich zu nehmen, wenn andere Kan-</span><br/> <span class="ft1">tone mitbeteiligt sind und ihrerseits keine entsprechende Steuerre-</span><br/> <span class="ft1">duktion gewähren, sei es, dass eine solche überhaupt nicht vorgese-</span><br/> <span class="ft1">hen ist, sei es, dass es im konkreten Fall an den Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft1">fehlt.</span><br/> <span class="ft1">3.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Berechnungsweise, bei der auch in interkantonalen Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nissen die <i>im Kanton</i> geschuldeten Steuern mit dem <i>Gesamt</i>reinein-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">102</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kommen verglichen werden, erscheint unumgänglich. Einerseits</span><br/> <span class="ft1">kann der Kanton nur die Herabsetzung der eigenen Steuern regeln,</span><br/> <span class="ft1">andererseits wäre eine Steuerreduktion ungewollt und sachlich</span><br/> <span class="ft1">falsch, wenn im Kanton grössere Vermögenswerte - namentlich</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke - liegen und gleichzeitig hier nur ein geringes Einkom-</span><br/> <span class="ft1">men anfällt, was bei Bezugnahme auf das im Kanton erzielte Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommen Anspruch auf die Steuerreduktion gäbe, selbst wenn das</span><br/> <span class="ft1">Gesamteinkommen diese in keiner Weise rechtfertigt.</span><br/> <span class="ft1">Diese Berechnungsweise führt jedoch bei interkantonalen Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnissen in aller Regel zu einer Benachteiligung derjenigen Steuer-</span><br/> <span class="ft1">pflichtigen, welche die Herabsetzung der Steuern beanspruchen kön-</span><br/> <span class="ft1">nen, selbst dann, wenn alle beteiligten Kantone einheitlich die Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung von § 56 StG anwenden; denn in den Kantonen, wo Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommen, aber kein (oder nur geringes) Vermögen der Besteuerung</span><br/> <span class="ft1">unterliegt, wird das dortige Steuerbetreffnis, weil es weniger als</span><br/> <span class="ft1">70 % des Gesamtreineinkommens ausmacht, nie herabgesetzt.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer beantragen, bei interkantonalen Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nissen sei zuerst die Steuerreduktion zu berechnen, wie wenn das ge-</span><br/> <span class="ft1">samte Einkommen und Vermögen im Aargau steuerbar wäre. Von</span><br/> <span class="ft1">dieser Reduktion sei derjenige Prozentsatz zu gewähren, der dem</span><br/> <span class="ft1">aargauischen Steuerbetreffnis im Verhältnis zu den gesamten Steuern</span><br/> <span class="ft1">entspreche. Diese Berechnungsweise erscheint geeignet, um dem</span><br/> <span class="ft1">Ziel und Zweck des Gesetzes (steuerliche Belastungsgrenze in Rela-</span><br/> <span class="ft1">tion zum Reineinkommen) möglichst nahe zu kommen, ohne dass</span><br/> <span class="ft1">der Kanton dazu verhalten wird, für Steuerreduktionen einzusprin-</span><br/> <span class="ft1">gen, welche andere Kantone nicht gewähren.</span><br/> <span class="ft1">Gewichtige Gründe im Zusammenhang mit anderen Ausle-</span><br/> <span class="ft1">gungselementen, die einer solchen Auslegung nach Sinn und Zweck</span><br/> <span class="ft1">sowie nach der Systematik des Gesetzes entgegenstehen könnten,</span><br/> <span class="ft1">werden nicht vorgebracht und sind nicht ersichtlich. Auch das KStA</span><br/> <span class="ft1">hat in seiner Stellungnahme vom 22. Mai 2008 anerkannt, dass die</span><br/> <span class="ft1">Berechnungsweise grundsätzlich geeignet ist, um bei interkantonalen</span><br/> <span class="ft1">Verhältnissen eine Benachteiligung zu vermeiden.</span><br/></div> </div> </body> </html>