Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 37 2018 IV/4 Auszug aus dem Urteil der Abteilung II i.S. X. gegen Eidgenössische Finanzmarktaufsicht B–3092/2016 vom 25. April 2018 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot. Schwere Verletzung von Auf- sichtsrecht durch Unterlassung. Art. 33 FINMAG . Art. 3 Abs. 2 Bst. a und c BankG . Art. 10 Abs. 2 Bst. a und d BEHG. Art. 9 Abs. 2 und Abs. 4 aBankV. 1. Voraussetzungen für das Vorliegen einer schweren Verletzung von Aufsichtsrecht durch Unterlassung (E. 3.4). 2. Die Annahme unversteuerter Kundengelder war im relevanten Zeitraum nach schweizerischem Recht nicht untersagt. Es bestand keine allgemeine Verpflichtung für Banken, bei ihren Kunden eine Steuerkonformitätsprüfung vorzunehmen (E. 3.4.1). 3. Keine explizite Pflicht der Beaufsichtigten zur Einhaltung von ausländischem Recht. Berücksichtigung von ausländischem Recht im Rahmen der beiden Bewilligungsvoraussetzungen der ein - wandfreien Geschäftstätigkeit und der angemessenen Organisati - on (E. 3.4.2). 4. Der weite Wortlaut des bankenrechtlichen Organisations- und Ge- währserfordernisses belässt der Vorinstanz einen gewissen Spiel - raum, von ihren Beaufsichtigten auch die Einhaltung von (noch) nicht materiell-gesetzlichen Pflichten zu verlangen. Bei der Ausle- gung und Anwendung von Aufsichtsrecht ist jedoch sowohl dem Legalitäts- und Rechtsstaatsprinzip als letztlich auch der verfas - sungsrechtlichen Wirtschaftsordnung ausreichend Rechnung zu tragen. Bei einem Berufsverbot kommen dem Legalitätspr inzip und dem daraus fliessenden Gebot der Voraussehbarkeit staatli - chen Handelns jedenfalls eine zentrale Bedeutung zu (E. 3.4.3). Surveillance des marchés financiers. Interdiction d'exercer. Violation grave par omission du droit de la surveillance. Art. 33 LFINMA. Art. 3 al. 2 let. a et c LB. Art. 10 al. 2 let. a et d LBVM. Art. 9 al. 2 et al. 4 aOB. 2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 38 IV BVGE / ATAF / DTAF 1. Conditions d'existence d'une violation grave par omission du droit de la surveillance (consid. 3.4). 2. Selon le droit suisse, il n'était pas interdit, durant la période consi- dérée, d'accepter des fonds de clients non imposés. Les banques n'avaient aucune obligation d'examiner le respect des dispositions fiscales par leurs clients (consid. 3.4.1). 3. Aucune obligation explicite de respecter le droit étranger pour les personnes assujetties à la surveillance des marchés financiers . Prise en considération du respect du droit étranger dans le cadre des deux conditions d'autorisation que sont l'activité irrépro - chable et l'organisation appropriée (consid. 3.4.2). 4. Telle que libellée, l'exigence d'organisation et de garantie selon le droit bancaire laisse à l'autorité inférieure une certaine marge d'appréciation pour décider dans quelle mesure elle exige des per- sonnes assujetties à la surveillance des marchés financiers égale- ment le respect d'obligations non (encore) inscrites dans le droit matériel. Lors de l'interprétation et de l'application du droit de la surveillance, il doit être tenu compte aussi bien des principes de la légalité et de l'Etat de droit que , en définitive, de l'ordre écono- mique constitutionnel. En présence d'une interdiction d'exercer, le principe de la légalité et la garantie de la prévisibilité de l'action étatique qui en découle revêtent dans tous les cas une importance centrale (consid. 3.4.3). Vigilanza sui mercati finanziari. Divieto di esercizio della professione. Grave violazione per omissione delle disposizioni legali in materia di vigilanza. Art. 33 LFINMA. Art. 3 cpv. 2 lett. a e c LBCR. Art. 10 cpv. 2 lett. a e d LBVM. Art. 9 cpv. 2 e cpv. 4 vOBCR. 1. Condizioni per ammettere l'esistenza di una grave violazione per omissione delle disposizioni legali in materia di vigilanza (con - sid. 3.4). 2. Nel periodo rilevante, il diritto svizzero non vietava l'accettazione da clienti di denaro non dichiarato al fisco. Per le banche non vige- va alcun obbligo generale di verificare la conformità fiscale presso i loro clienti (consid. 3.4.1). Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 39 3. Nessun obbligo esplicito, per le persone assoggettate alla vigilanza, di rispettare il diritto estero. Presa in considera zione del r ispetto del diritto estero nell 'ambito delle due condizioni dell 'autorizza- zione, ossia un'attività irreprensibile e un'organizzazione adegua- ta (consid. 3.4.2). 4. L'ampia formulazione dell 'esigenza d'organizzazione e di garan- zia prevista dal diritto bancario concede all'autorità inferiore un certo margine di apprezzamento nel decidere se pretendere dagli assoggettati alla sua vigilanza il rispetto di obblighi non (ancora) sanciti dal diritto materiale. Nell'interpretare e applicare il diritto in materia di vigilanza, tuttavia, va tenuto sufficientemente conto sia dei principi della legalità e dello stato di diritto che, da ultimo, anche dell'ordinamento economico costituzionale. Ad ogni modo, in caso di divieto di esercizio della professione il principio della legalità e l'obbligo della prevedibilità dell'azione statale che ne de- riva rivestono un'importanza centrale (consid. 3.4.3). Mit Verfügung vom 30 . August 2013 stellte die Eidgenössische Finanz - marktaufsicht (FINMA, nachfolgend auch: V orinstanz) fest, dass die Bank Y . AG (nachfolgend: Bank) aufsichtsrechtliche Bestimmungen im Zusam- menhang mit dem grenzüberschreitende n US -Kundengeschäft ab dem Jahr 2008 sowie die dauernd einzuhaltenden Bewilligungsvoraussetzun - gen hinsichtlich einer angemessenen Verwaltungsorganisation und der Ge- währ für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit schwer verletzt habe und verfügte weitergehende Massnahmen. Soweit die se Feststellung betref - fend blieb die Verfügung unangefochten und ist in Rechtskraft erwachsen. Die Bank hat ihre Geschäftstätigkeit inzwischen eingestellt und wurde aus der Aufsicht entlassen (Aufhebung der Unterstellung unter das Banken - und Börsengesetz). Am 30. September 2013 eröffnete die V orinstanz im Zusammenhang mit dem grenzüber schreitenden US -Kundengeschäft der Bank auch gegen deren von 2008 bis zu seiner Kündigung am 22 . November 2012 (per 31. Mai 2013) amtierenden CEO X. (nachfolgend: Beschwerdeführer) ein eingreifendes Verwaltungsverfahren (Enforcementverfahren). Mit Verfügung vom 4. Juli 2014 verbot die V orinstanz dem Beschwerde- führer unter anderem die Tätigkeit in leitender Stellung bei einem von der FINMA Beaufsichtigten für die Dauer von zwei Jahren ab Rechtskraft der Verfügung. 2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 40 IV BVGE / ATAF / DTAF Mit Eingabe vom 8 . September 2014 erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung der V orinstanz vom 4. Juli 2014 Beschwerde vor Bundes - verwaltungsgericht. Mit Teilurteil B ‒5041/2014 vom 29 . Juni 2015 wies das Bundesverwal - tungsgericht die Beschwerde des Beschwerdeführers gegen das von der FINMA am 4. Juli 2014 verfügte Berufsverbot ab. Es erkannte unter ande- rem, es sei nicht vorfrageweise zu überprüfen, ob die Bank aufsichtsrecht- liche Bestimmungen schwer verletzt habe, sondern es sei vielmehr von diesem rechtskräftig festgestellten Umsta nd auszugehen. Soweit der Be - schwerdeführer vorbringe, die Bank habe nicht in schwerwiegender Weise gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen verstossen, sei auf die Be - schwerde demnach nicht einzutreten (E. 3.5.3.5). Gegen d ieses Teilurteil erhob der Beschwerdeführer am 1 . September 2015 Beschwerde beim Bundesgericht. Er beantragte, das Teilurteil sei kostenfällig aufzuheben und es sei festzustellen, dass seitens des Be - schwerdeführers im US -Kundengeschäft der Bank keine schwere Verlet - zung von aufsichtsrechtlichen Bestimmungen vorgelegen habe. Mit Urteil 2C_739/2015 vom 25 . April 2016 (publiziert als BGE 142 II 243) hiess das Bundesgericht die Beschwerde gut, hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. Juni 2015 auf und wies die Sache zur Sachverhaltsergänzung und zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an das Bundesverwaltungsgericht zurück. Dabei erwog es unter anderem, dass eine im Verfahren gegen die Beaufsichtigte ergangene Verfügung nicht der für die Beaufsichtigte tätigen oder tätig g ewesenen natürlichen Person im anschliessend gegen sie geführten Verfahren im Sinne einer rechtskräftig beurteilten V orfrage entgegengehalten werden könne ([…]). Mit Verfügung vom 19 . Mai 2016 nahm das Bundesverwaltu ngsgericht das Verfahren, entsprechend der Rückweisung durch das Bundesgericht , wieder auf und lud den Beschwerdeführer und die V orinstanz ein, eine Stellungnahme zur Sache unter Berücksichtigung des bundesgerichtlichen Urteils einzureichen. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. Aus den Erwägungen: 3.2 3.2.1 In Durchbrechung des Grundsatzes der Institutsaufsicht ( Art. 3 Bst. a FINMAG [SR 956.1] ) kann die FINMA Personen, die durch ihr Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 41 individuelles Fehlverhalten kausal und schuldhaft eine schwere Verletzung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen bewirkt haben, für eine Dauer von bis zu fünf Jahren die Tätigkeit in leitender Stellung bei einer oder einem Be- aufsichtigten untersagen (Art. 33 FINMAG [Berufsverbot]; vgl. BGE 142 II 243 E. 2.2). Beim Ausdruck « schwere Verletzung aufsichtsrechtlicher Bestimmun - gen » in Art. 33 Abs. 1 FINMAG handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, dessen Auslegung und Anwendung als Rechtsfrage grund - sätzlich ohne Beschränkung der richterlichen Kognition zu überprüfen ist. Nach konstante r Praxis und Doktrin ist indes Zurückhaltung auszuüben und der rechtsanwendenden Behörde ein gewisser Beurteilungsspielraum zuzugestehen, wenn diese den örtlichen, technischen oder persönlichen Verhältnissen nähersteht oder über spezifische Fachkenntnisse verfügt. Das Gericht hat nicht einzugreifen, solange die Auslegung der Verwal - tungsbehörde als vertretbar erscheint. Bei der Frage, ob die V erletzung auf- sichtsrechtlicher Bestimmungen schwer ist, ist der FINMA daher ein gewisser fachtechnischer Beurteilun gsspielraum einzuräumen (vgl. statt vieler BVGE 2013/59 E. 9.3.6). Das Berufsverbot nach Art. 33 FINMAG stellt regelmässig eine erhebliche Einschränkung der verfassungsrechtlich garantierten Wirtschaftsfreiheit des Betroffenen dar (Art. 27 i.V .m. Art. 36 BV). Damit ein solcher Eingriff zulässig ist, muss er sich auf eine generell -abstrakte und genügend be - stimmte gesetzliche Grundlage abstützen können, im öffentlichen Interes- se liegen sowie im Einzelfall verhältnismässig sein ( Art. 36 BV; vgl. BVGE 2013/59 E. 9.3.7 m.w.H.). An die Klarheit und Bestimmtheit der im konkreten Fall verletzten Bestimmungen und der sich aus diesen erge - benden Pflichten für die Beaufsichtigten sind aufgrund des Legalitätsprin- zips hohe Anforderungen zu stellen, damit die Massnahme beziehungs- weise Sanktion für die poten ziell durch ein Berufsverbot betroffenen Personen voraussehbar ist (vgl. Urteil des BVGer B ‒3625/2014 vom 6. Oktober 2015 E. 6.4; HSU/BAHAR/FLÜHMANN, in: Basler Kommentar , Börsengesetz, Finanzmarktaufsichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 33 FINMAG N. 14). 3.2.2 Die V orinstanz stützt ihren V orwurf der schweren Verletzung von Aufsichtsrecht auf die beiden Bewilligungsvoraussetzungen einer ein - wandfreien Geschäftstätigkeit (Art. 3 Abs. 2 Bst. c BankG [SR 952.0] und Art. 10 Abs. 2 Bst. d des Börsengesetzes vom 24. März 1995 [BEHG, SR 954.1]) und einer angemessenen Organisation (Art. 3 Abs. 2 Bst. a BankG, 2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 42 IV BVGE / ATAF / DTAF Art. 10 Abs. 2 Bst. a BEHG, Art. 9 Abs. 2 und Abs. 4 der für die vor - liegende Zeitspanne anwendbaren Bankenverordnung vom 17 . Mai 1972 [aBankV, AS 1972 821]). Nach Art. 3 Abs. 2 Bst. c BankG müssen die mit der Verwaltung und Ge- schäftsführung der Bank betrauten Personen einen guten Ruf geniessen und Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit bieten (sog. Ge - währserfordernis). Das Gewährserfordernis ist eine zentrale Norm des Finanzmarkt- und Bankenrechts, das nicht nur auf den Schutz der Bank - gläubiger (Individualschutz), sondern insbesondere auch auf die Vertrau - enswürdigkeit der Banken und des Finanzplatzes Schweiz zielt. Eine einwandfreie Geschäftstätigkeit erfordert fachliche Kompetenz und ein korrektes Verhalten im Geschäftsverkehr. Unter korrektem Verhalten im Geschäftsverkehr ist praxisgemäss in erster Linie die Beachtung der Rechtsordnung, das heisst der Gesetze und der Verordnungen, namentlich im Banken- und im Börsenrecht, aber auch im Zivil- und Strafrecht, sowie der Statuten und des internen Regelwerks der Bank beziehungsweise des Effektenhändlers zu verstehen. Nicht mit dem Gebot einwandfreier Ge - schäftstätigkeit zu vereinbaren ist zudem, wenn das Geschäftsgebaren ge - gen Standesregeln oder vertragliche Vereinbarungen mit Kunden sowie gegen Treue- und Sorgfaltspflichten diesen gegenüber verstösst (vgl. statt vieler Urteil des BVGer B‒5756/2014 vom 18 . Mai 2017 E. 3.2.2 [nicht publ. in: BVGE 2017 IV/7] m.w.H.). Nach Art. 3 Abs. 2 Bst. a BankG muss die Bank sodann in ihren Statuten, Gesellschaftsverträgen und Reglementen den Geschäftskreis genau umschreiben und eine ihrer Geschäftstätigkeit entsprechen de Verwal - tungsorganisation vorsehen. Wo der Geschäftszweck oder der Geschäfts - umfang es erfordern, sind besondere Organe für die Geschäftsführung einerseits und für die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle andererseits auszuscheiden und die Befugnisse zwischen diesen Organen so abzugren- zen, dass eine sachgemässe Überwachung der Geschäftsführung gewähr - leistet ist. Gestützt auf Art. 9 aBankV , welcher für den vorliegend zu beurteilende n Sachverhalt anwendbar ist, regelt die Bank die Grundzüge des Risikoma - nagements sowie die Zuständigkeit und das Verfahren für die Bewilligung von risikobehafteten Geschäften in einem Reglement oder in internen Richtlinien. Sie muss insbesondere Markt -, Kredit -, Ausfall -, Abwick - lungs-, Liquiditäts- und Imagerisiken sowie oper ationelle und rechtliche Risiken angemessen erfassen, begrenzen und überwachen ( Abs. 2). Sie Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 43 sorgt für ein wirksames internes Kontrollsystem und bestellt eine von der Geschäftsführung unabhängige interne Revision ( Abs. 4). Das Risiko - management bezweckt die umfassende und systematische Steuerung und Lenkung von Risiken auf der Grundlage wirtschaftlicher und statistischer Kenntnisse. Es umfasst die Identifikation, Messung, Beurteilung, Steue - rung und Berichterstattung über einzelne wie auch über aggregiert e Risikopositionen und hat mit adäquaten und den Besonderheiten des Instituts Rechnung tragenden Methoden auf den jeweils geeigneten organisatorischen Ebenen zu erfolgen (vgl. FINMA -Rundschreiben 2008/24, « Überwachung und interne Kontrolle Banken » vom 20. November 2008, Rz. 126, < www.finma.ch/de/dokumentation/rund- schreiben/archiv/archiv-2008/ >; Positionspapier der FINMA zu den Rechts- und Reputationsrisiken im grenzüberschreitenden Finanz - dienstleistungsgeschäft [« Positionspapier Rechtsrisiken »] vom 22. Okto- ber 2010 , < www.finma.ch/de/news/2010/10/mm-finma-positionspapier- rechtsrisiken-20101022 >, nachfolgend: Positionspapier Rechtsrisiken ; mit Bezug auf Cross -border-Finanzgeschäfte vgl. auch BIZZOZERO/ ROBINSON, Cross -border-Finanzgeschäfte aus der und in die Schweiz, 2011). 3.3 (…) 3.4 Gestützt auf den dargelegten Sachverhalt und die V orbringen der Parteien ist nachfolgend zu beurteilen, ob die V orinstanz der Bank be- ziehungsweise dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Position als CEO bei der Bank im massgeb enden Zeitraum (2008 bis 2012) zu Recht eine schwere Verletzung von aufsichtsrechtlichen Pflichten im Sinne von Art. 33 FINMAG vorwirft. Dabei ist zu beachten, dass auch aufsichtsrechtlich nur pflichtwidrig nicht vorgenommene Handlungen für den Erlass eine s Berufsverbots relevant sein können. Eine schwere Verletzung einer aufsichtsrechtlichen Pflicht kann demnach durch eine Unterlassung nur begründet werden, wenn ein Beaufsichtigter eine Handlung, welche durch das Aufsichtsrecht geboten ist, unterlässt. Dabei ist die Durchsetzung ausländischer Rechtsvorschrif - ten in der Schweiz ‒ in Übereinstimmung mit dem das öffentliche Recht beherrschenden Grundsatz des Territorialitätsprinzips ‒ grundsätzlich nicht Aufgabe der schweizerischen Finanzmarktaufsicht. Die Pfl icht zur Erfassung, Begrenzung und Überwachung der dem Cross-border-Geschäft inhärenten Risiken ergibt sich daher nicht aus ausländischem, sondern aus inländischem Recht (für die massgebliche Zeitperiode Art. 9 Abs. 2 2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 44 IV BVGE / ATAF / DTAF aBankV). Dabei ist detailliert aufzuzeigen, aus welcher aufsichtsrecht - lichen Bestimmung die Pflicht zur V ornahme welcher Handlung fliesst und inwiefern die Verfahrenspartei diese spezifische Handlung trotz be - stehender rechtlicher Handlungspflicht unterlassen hat. Im Zusammen - hang mit Art. 9 Abs. 2 aBankV ist insbesondere für jedes Risiko gesondert darzulegen, inwiefern die Verfahrenspartei dieses hätte erkennen, erfassen und wie begrenzen müssen (BGE 142 II 243 E. 3.1). 3.4.1 V orab ist festzuhalten, dass die Annahme unversteuerter Kunden- gelder nach schweizerischem Recht im vorliegend relevanten Zeitraum nicht untersagt war (so auch die V orinstanz in ihrer Stellungnahme vom 12. Juli 2012 […]). Die Vereinbarung über die Standesregeln zur Sorg - faltspflicht der Banken vom 7 . April 2008 ( VSB 08; < www.swissban- king.ch/20080410-vsb-cwe.pdf >) untersagte einzig die aktive Beihilfe zur Steuerhinterziehung ( Art. 8 VSB 08). Explizite Sorgfaltspflichten für Finanzintermediäre, wie sie etwa im Bereich der Geldwäscherei bestehen, gab es im Steuerbereich in der relevanten Zeitspanne nicht. Insbesondere bestand keine allgemeine Verpflichtung für Banken, bei ihren Kunden eine Steuerkonformitätsprüfung vorzunehmen. Die Einführung einer solchen Sorgfaltspflicht wurde vom Bundesrat erst im Bericht zur Finanzmarktpo- litik des Bundes vom 19 . Dezember 2012 konkret vorgeschlagen , und zwar im Rahmen der sogenannten Weissgeldstrategie (vgl. Bericht zur Finanzmarktpolitik des Bundes vom 19. Dezember 2012 , S. 32 f. < www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/35762.pdf >). Das Parlament ist auf eine entsprechende V orlage des Bundesrates zur Einführung einer Sorgfaltspflicht für Banken im Steuerbereich jedoch ‒ hauptsächlich mit Verweis auf den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit des schweizerischen Bankensektors ‒ noch im Jahr 2015 gar nicht erst eingetreten (vgl. AB 2015 S 1154). 3.4.2 Sodann statuiert das Finanzmarktaufsichtsgesetz selbst auch keine explizite Pflicht der Beaufsichtigten zur Einhaltung von ausländi - schem Recht. Die V orinstanz ging indes hauptsächlich ab Mitte des letzten Jahrzehnts zunehmend dazu über, unter den beiden Bewilligungsvoraus - setzungen der einwandfreien Geschäftstätigkeit und der angemessenen Organisation von den Schweizer Banken im grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungsgeschäft auch die Einhaltung von ausländischem Recht zu verlangen (für einen Überblick zur Entwicklung der Rechtspre - chung vgl. u.a. BIZZOZERO/ROBINSON, a.a.O., S. 142 ff.; DU PASQUIER/ FISCHER, Cross -border fina ncial services in and from Switzerland ‒ Regulatory frameworks and practical considerations, GesKR 2010 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 45 S. 449 ff.). So hat die V orinstanz insbesondere mit Blick auf das grenzüberschreitende Geschäft der UBS AG mit Privatkunden in den USA im Jahr 2008 unte rsucht, ob die UBS AG die mit der Umsetzung des Qualified Intermediary Agreement (QIA) und mit den amerikanischen auf- sichtsrechtlichen Beschränkungen des grenzüberschreitenden Geschäfts - verkehrs mit US-Personen (SEC-Restriktionen) verbundenen Rechts- und Reputationsrisiken angemessen erfasst, begrenzt und überwacht hatte, und diesbezüglich eine Verletzung des Gewährs - und Organisationser - fordernisses durch die Bank festgestellt (vgl. FINMA Bulletin 1/2010, S. 76 ff. < www.finma.ch/de/dokumentation/ausgewaehlte-entscheide > sowie FINMA-Kurzbericht, Untersuchung der EBK des grenzüber - schreitenden Geschäfts der UBS AG mit Privatkunden in den USA vom 18. Februar 2009 < www.finma.ch/de/news/2009/02/mm-ubs-xborder- 20090218 >). Im Oktober 2010 publizierte die V orinstanz sodann ein Positionspapier zu den Rechts - und Reputationsrisiken im grenzüberschreitenden Finanz - dienstleistungsgeschäft. Darin führt die V orinstanz aus, Verstösse gegen ausländische V orschriften könnten nach Schweizer Recht unter gegebenen V oraussetzungen relevant sein, auch wenn die Aufsichtsgesetze ‒ abgese- hen vom Versicherungsaufsichtsgesetz ‒ diesbezüglich keine expliziten Normen kennen würden. Insbesondere könne die Verletzung ausländi - schen Rechts gegen bestimmte ‒ offen formulierte ‒ schweizerische Auf- sichtsnormen verstossen, so insbesondere gegen das Erfordernis der Ge - währ für einwandfreie Geschäftstätigkeit. V or allem aber verlangten die aufsichtsrechtlichen Organisationsvorschriften, dass alle Risiken, ein - schliesslich Rechts- und Reputationsrisiken, angemessen erfasst, begrenzt und überwacht würden und ein wirksames internes Kontrollsystem er - richtet werde. Als Aufsichtsbehörde erwarte sie, dass insbesondere das ausländische Aufsichtsrecht befolgt werde (Positionspapier Rechtsrisiken, S. 3 und 11 f.). Im Juni 2012 präzisierte die V orinstanz ihre Erwartungen mit Bezug auf die Pflichten der Banken im grenzüberschreitenden Finanz- dienstleistungsgeschäft sodann in einer Mitteilung zum grenzüberschrei - tenden Finanzdienstleistungsgeschäft mittels eines Katalogs zu den häufig gestellten Fragen (FAQ; vgl. Mitteilung der V orinstanz vom 29. Juni 2012 zu den Rechts- und Reputationsrisiken im grenzüberschreitenden Finanz - dienstleistungsgeschäft). Insgesamt beurteilt die V orinstanz das grenzüberschreitende Finanzdienst- leistungsgeschäft seit dem UBS-Fall somit zunehmend aus einem Risiko - blickwinkel, womit die Berücksichtigung von ausländischem Recht 2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 46 IV BVGE / ATAF / DTAF gleichfalls eine politische Komponente erhalten hat (vgl. BIZZOZERO/ ROBINSON, a.a.O., S. 145 f.). Die sich aus dieser Risikosichtweise erge - benden konkreten aufsichtsrechtlichen Pflichten waren indes ‒ zumindest in der relevanten Zeitspanne ‒ nicht restlos klar (vgl. E. 3.4.4). 3.4.3 Wie bereits ausgeführt, verfügt die V orinstanz bei der Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe grundsätzlich über ein grosses Ermessen (vgl. E. 3.2.1). Der weite Wortlaut des bankenrechtlichen Gewährserfor - dernisses und des Erfordernisses einer angemessenen Organisation belässt der V orinstanz insbesondere im Rahmen einer zeitgemäss-teleologischen Auslegung einen gewissen Spielraum, mit Blick auf die Vertrauenswürdig- keit der Banken und des Finanzplatzes Schweiz (sog. Funktionsschutz) , von ihren Beaufsichtigten auch die Einhaltung von (noch) nicht materiell- gesetzlichen Pflichten zu verlangen (vgl. BVGE 2017 IV/7 E. 4.3.2.1 m.w.H.; zum Organisations- und Gewährserfordernis E. 3.2.2). Gleichzei- tig ist auch bei der Auslegung und Anwendung von Aufsichtsrecht sowohl dem Legalitäts- und Rechtsstaatsprinzip (Art. 5 Abs. 1 i.V .m. Art. 164 BV) als letztlich auch der verfassungsrechtlichen Wirtschaftsordnung ( Art. 27 und Art. 94 BV) ausreichend Rechnung zu tragen (vgl. BVGE 2017 IV/7 E. 4.3.2.1). Insbesondere in Fällen, in welchen gestützt auf eine rückbli - ckende Beurteilung eine die Wirtschaftsfreiheit des Betroffenen wesent - lich einschränkende und zumindest teilweise repressive Sanktion ausge - sprochen wird ‒ was bei der Auferlegung eines Berufsverbots nach Art. 33 FINMAG regelmässig der Fall ist ‒, kommen dem Legalitätsprinzip und dem daraus fliessenden Gebot der V oraussehbarkeit staatlichen Handelns eine zentrale Bedeutung zu (vgl. BGE 142 II 243 E. 3.4 zur Qualifikation des Berufsverbots als administrative Massnahme trotz repressiver Elemen- te; zum Berufsverbot als [im Gegensatz zur Gewährsprüfung bzw. -mass- nahme] retrospektive Massnahme vgl. GUILLAUME BRAIDI, L'interdiction d'exercer selon l'art. 33 LFINMA: étendue, délimitations et qualification, SZW 3/2013 S. 210). Hier sind daher hohe Anforderungen an die Klarheit und Bestimmtheit der im konkreten Fall verletzten Bestimmungen und der sich aus diesen ergebenden Pflichten für die Beaufsichtigten zu stellen, damit die Massnahme für die poten ziell durch ein Berufsverbo t betroffe- nen Personen voraussehbar ist (vgl. E. 3.2.1). Teilweise wird daher mitun- ter postuliert, dass das Gewährserfordernis alleine keine hinreichende Grundlage für eine schwere Verletzung bilde, welche ein Berufsverbot rechtfertige (vgl. PHILIPP HABERBECK, Stellt das Gewährserfordernis ge - mäss Art. 3 Abs. 2 Bst. c BankG eine aufsichtsrechtliche Bestimmung im Sinne von Art. 33 FINMAG [Berufsverbot] dar?, Jusletter vom 8. Februar Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 47 2016; die Frage aufwerfend, jedoch ‒ insb. mit Verweis auf die zurückhal- tend formulierten Enforcement -Policy-Grundsätze 6 und 8 der FINMA vom 17. Dezember 2009 [aktualisierte Fassung vom 10. November 2011], < www.finma.ch/de/news/2010/01/aktuell-enforcement-policy-201001- 26 >, nachfolgend: Enforcement-Policy; [vgl. hierzu E. 3.4.6.3] ‒ differen- zierend vgl. HSU/BAHAR/FLÜHMANN, a.a.O., Art. 33 FINMAG N. 11). Zumindest darf die relativ weitreichende Praxis zur Gewähr für eine ein - wandfreie Geschäftsführung nicht unbesehen auf poten zielle Berufsver - botsfälle übertragen werden (vg l. BRAIDI, a.a.O., S. 208; HSU/BAHAR/ FLÜHMANN, a.a.O., Art. 33 FINMAG N. 16). 3.4.4 Mit dem Beschwerdeführer ist vorliegend davon auszugehen, dass der Hauptvorwurf der V orinstanz letztlich auf das Geschäftsmodell der Bank an sich zielt, mit welchem bis zur Anklage gegen die Bank Wegelin in den USA (weiterhin) US-Kunden von anderen Schweizer Ban- ken übernommen wurden, auch solche mit (möglicherweise) unversteuer- ten Vermögenswerten. So führt die V orinstanz in ihrer Stellungnahme vom 12. Juli 2016 präzisierend aus, die Bank habe aufgrund ihrer ungenügen - den Risikoanalyse nicht erkannt, dass die Risiken im US-Kundengeschäft sich seit dem UBS-Fall im Jahr 2008 weiterentwickelt und teilweise auch verschoben hätten, nämlich von Risiken der Verletzung von SEC - bezie- hungsweise der QIA-V orschriften vermehrt hin zu solchen einer Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die Massnahmen der Bank hätten sich in der Fol- ge primär auf die Risiken mit Bezug auf die SEC-V orschriften und das QIA konzentriert, während das Hauptrisiko der Beihilfe zur Steuerhinter - ziehung nicht effektiv erfasst und entsprechend begren zt worden sei. So - fern die Geschäftsführung der Bank aufgrund des von ihr verfolgten Ge - schäftsmodells nur durch eine Plausibilisierung der Steuerkonformität habe sicherstellen können, dass sie die mit der Annahme von US -Kunden verbundenen Risiken kenne und erfasse, habe eine solche im Rahmen des aufsichtsrechtlich geforderten, angemessenen Risikomanagements nach Schweizer Recht auch zu erfolgen. Aus den Verfahrensakten sei zudem auch nicht ersichtlich, dass die Bank ernsthafte Anstrengungen unternom- men hätte, die neu angenommenen US-Kunden mit mutmasslich unver - steuerten Kundenvermögen zur Teilnahme an dem seit März 2009 eröff - neten Offshore V oluntary Disclosure Program (OVDP) zu bewegen und somit zumindest schrittweise zu regularisieren. Entgegen der Ansicht der V orinstanz war die damalige Praxis der Bank, im Steuerbereich keine weitergehenden Massnahmen zu ergreifen und ins-2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 48 IV BVGE / ATAF / DTAF besondere auch keine Steuerkonformitätsabklärungen vorzunehmen, je - doch nicht per se das Resultat eines mangelhaften Risikomanagemen ts, sondern vielmehr ein mit Blick auf die damaligen formell -gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz bewusst gefällter strategischer Ge - schäftsentscheid der Bank. Das diesem Geschäftsmodell erwachsene und von der V orinstanz zu Recht als « Hauptrisiko » bezeichnete Risiko einer möglichen Verfolgung und Anklage der Bank und ihrer Mitarbeitenden in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung gründet letztlich denn auch im Widerspruch zwischen dem damals geltenden schweizerischen Recht und der zunehmen d extraterritorialen Anwendung von US -Recht durch die USA. Zwar ist mit der V orinstanz festzuhalten, dass bei der Umsetzung dieses Geschäftsmodells durch den Beschwerdeführer durchaus gewisse Mängel ausgemacht werden können. Sie betreffen unter anderem die Dokumenta- tion der Risikoanalyse, den Review -Prozess der externen Vermögensver- walter sowie das Weisungswesen (vgl. auch […] sowie den Aufsichtsprüf- bericht 2011 […]). Diese Verfehlungen sind mit Blick auf das Hauptrisiko einer möglichen Verfolgung und Anklage in den USA vorliegend jedoch von untergeordneter Bedeutung. Für das Hauptrisiko kausal und letztlich auch der Hauptvorwurf der V orinstanz war vielmehr die Strategie der Bank, (weiterhin) US -Kunden von anderen Schweizer Banken anzuneh - men, ohne mit Blick auf die Steuerkonformität der von ihnen eingebrach - ten Kundengelder einschränkende Massnahmen zu treffen, insbesondere ohne eine Steuerkonformitätsprüfung durchzuführen oder von den Kunden eine entsprechende Erklärung zu verlangen. Im Zentrum steht daher vorliegend die Frage, ob die Bank unter der opera- tiven Führung des Beschwerdeführers mit Blick auf das stetig zunehmende Risiko einer allfälligen Verfolgung und Anklage in den USA aufsichts - rechtlich gestützt auf das Organisations - und Gewährserford ernis ver - pflichtet gewesen wäre, bei der Annahme von US -Kunden von anderen Schweizer Banken restriktive Massnahmen zu ergreifen, um die Annahme von unversteuerte n US-Kundenvermögen zu verhindern oder zumindest zu beschränken. 3.4.5 Wie bereits ausgeführt, war die Entgegennahme von unversteu - erten Vermögen in der relevanten Zeitspanne nach schweizerischem Recht nicht verboten und es bestanden im Steuerbereich insbesondere auch keine einschlägigen Sorgfaltspflichten für Banken. Der Gesetzgeber hat sich Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 49 noch im Jahr 2015 gegen die Einführung einer entsprechenden Sorgfalts - pflicht entschieden (vgl. E. 3.4.1). Unter Berücksichtigung dessen ist es aus rechtsstaatlich-demokratischem Blickwinkel (insb . Art. 164 BV , wo- nach alle wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen in d er Form des Bun - desgesetzes zu erlassen sind) zumindest nicht selbstverständlich, wenn die V orinstanz vorliegend « einzig » gestützt auf das Erfordernis eines ange - messenen Risikomanagements mit Blick auf eine « allfällige » Verletzung von US-Steuerrecht genau diese Massnahmen von der Bank letztlich ver - langt (kritisch zur Regelung solcher « grundsätzlicher » Fragen durch die Regulierungspraxis der FINMA CHRISTOPH B. BÜHLER, Gewährsartikel: Regulierung der FINMA an der Grenze von Rechtsetzung und Rechtsan - wendung, SJZ 110/2014 S. 30 ff.; zumindest implizit eine solche Kom - petenz wohl eher bejahend SABINE KILGUS, Expertengutachten vom 4. August 2014 an das Eidgenössische Finanzdepartement betreffend die Regulierungs- und Kommunikationstätigkeit der FINMA, Rz. 140 ff., < www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/37802.pdf >). 3.4.6 Unabhängig von der Beantwortung dieser grundsätzlichen kom - petenzrechtlichen Frage kommt vorliegend erschwerend hinzu, dass wäh - rend des von der V orinstanz geltend gemachten Verletzungszeitraums von 2008 bis 2012 grosse Rechtsunsicherheit herrschte und der genaue Über - gang von reinen Risikoüberlegungen auf rechtlich verbindliche Hand - lungskategorien bei der Berücksichtigung von ausländischem Recht noch weitgehend unsicher und unbestimmt war (zur Berücksichtigung der Klar- heit der Rechtslage im massgeblichen Zeitpunkt des Rechtsverstosses bei der Beurteilung der Schwere der geltend gemachten Verletzung vgl. Urteil des BVGer B‒4540/2013 vom 23. März 2015 E. 6). Insbesondere die Fra- ge, wie weit Beaufsichtigte gewisse sich aus einer ausländischen Rechts - ordnung resultierende Rechts - und Reputationsrisiken bewusst eingehen dürfen und ab welcher Intensität und ab welchem Zeitpunkt solche Risiken unter dem Blickwinkel des Gewährserfordernisses nicht mehr tragbar sind, war zumindest damals nicht geklärt. Dies gilt insbesondere auch für den Steuerbereich. Mit der V orinstanz ist zwar grundsätzlich davon auszugehen, dass der Fall der UBS AG im Jahr 2008/2009 eine eigentliche Zäsur für das US -Kun- dengeschäft der Schweizer Banken darstellte. Denn dieser Fall machte deutlich, dass die US -Behörden mit Blick auf unversteuerte US -Kunden- vermögen fortan nicht mehr zögern würden , mit härtesten Massnahmen gegen ausländische Banken vorzugehen. Entsprechend stellte sich für an- dere Schweizer Banken damals tatsächlich die grundsätzliche strategische 2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 50 IV BVGE / ATAF / DTAF Frage, wie sie mit US -Kunden umgehen und ob beziehungsweise unter welchen V oraussetzungen diese noch neu angenommen werden sollten. Was dabei im Rahmen eines angem essenen Risikomanagements aus der Sicht des schweizerischen Aufsichtsrechts rechtlich noch erlaubt war und was nicht, blieb jedoch weitgehend offen. Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich denn auch zu Recht geltend, dass der UBS-Fall sich doch erheblich vom vorliegenden Fall unterschei- de, da die UBS AG und deren Mitarbeiter in grossem Ausmass in den USA tätig gewesen seien und dadurch amerikanisches Aufsichts- und Strafrecht nachweislich verletzt hätten, während die Bank im vorliegenden Fall in den USA weder aktiv noch präsent gewesen noch eine tatsächliche Verlet- zung von amerikanischem Recht vorliegend überhaupt erstellt sei. In der Tat sind mit Blick auf das Geschäftsmodell der Bank (einzig in der Schweiz tätig; keine Tochtergesellschaften/Niederlassu ngen im Ausland; kein Marketing und keine Kundenakquisition in den USA; weder Steuer - noch Strukturberatung) weder die Anwendbarkeit noch die tatsächliche Verletzung von amerikanischem Aufsichts - und Strafrecht evident und rechtlich umstritten. So ist ‒ auch in den USA selbst ‒ bis heute nicht rest- los geklärt, inwiefern und unter welchen Umständen einzig die Entgegen- nahme von unversteuerten US -Kundenvermögen in der Schweiz unter amerikanischem Recht tatsächlich strafbar ist (vgl. den Freispruch von F. als ehemaligem Geschäftsleitungsmitglied der Bank; […]). Ebenso blieb auch nach dem Fall UBS und dem entsprechenden Erlass des Positionspa- piers durch die FINMA die für den vorliegenden Fall durchaus relevante Frage ungeklärt, wann ausländisches Recht aus dem Blickwinkel des schweizerischen Aufsichtsrechts und damit im Rahmen der einzuhalten - den Organisations- und Gewährspflichten auch tatsächlich als anwendbar erachtet werden muss und welche Normen bei einem Rechtsanwendungs- konflikt zwischen der schweizerisc hen und der ausländischen Rechtsord - nung zu beachten sind (vgl. ENDER/VON DER CRONE, Die Risiken des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs aus dem Blickwinkel des schweizerischen Aufsichtsrechts, SZW 6/2010 S. 517, welche mit Blick auf das Prinzip des engsten Zusammenhangs in Fällen, in welchen die Er- bringung der inländischen Dienstleistungen an ausländische Empfänger ohne physische Grenzüberschreitung stattfindet, [einzig] das schweize- rische Aufsichtsrecht als anwendbar erachten [S. 516]). 3.4.6.1 Eine Konkretisierung der sich aus dem Gewährs - und Organisa- tionserfordernis ergebenden Pflichten mit Bezug auf ausländisches Recht im grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungsgeschäft fand erst im Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 51 Herbst 2010 statt, und zwar einzig im Rahmen eines « Positionspapiers » ohne (Übergangs-)Fristen zur Umsetzung der darin enthaltenen Erwartun- gen an die Beaufsichtigten (vgl. BIZZOZERO/ROBINSON, a.a.O., S. 150 [« ein Dokument ohne rechtliche Wirkung »]; KILGUS, a.a.O., Rz. 140, welche die Frage aufwirft, weshalb die FINMA hierfür « nur » zum Mittel eines Positionspapiers greift). Dieses Positionspapier ist mit Bezug auf ausländisches Steuerrecht sodann äusserst zurückhaltend formuliert. Wäh- rend die V orinstanz darin explizit ausführt, dass sie als Aufsichtsbehörde erwarte, dass insbesondere das ausländische Aufsichtsrecht befolgt werde, fehlt eine entsprechende Aussage mit Bezug auf das ausländische Steuer - (straf)recht. 3.4.6.2 Die in der relevanten Zeitspanne unklare Rechtslage zeigt sich vorliegend letztlich auch im Umstand, dass weder die Prüfgesellschaft der Bank noch die V orinstanz selbst im US-Kundengeschäft der Bank damals ein aufsichtsrechtlich unzulässiges Risiko erkannten. Zwar ist mit der V orinstanz einig zu gehen, dass sie im Rahmen eines En- forcementverfahrens eine unabhängige aufsichtsrechtliche Beurteilung vorzunehmen hat und daher in keiner Weise an die Berichterstattung der Prüfgesellschaft gebunden ist. Es liegt in der Verantwortung der Bank und ihrer Organe, Aufsichtsrecht einzuhalten. Insbesondere schliesst ‒ wie die V orinstanz zutreffend geltend macht ‒ alleine die Tatsache, dass die Prüf- gesellschaft bei der Bank nie eine schwere Verletzung von aufsichtsrecht- lichen Bestimmungen oder schwere Missstände festgestellt hat, ein per - sönlich vorwerfbares Verschulden des Beschwerdeführers für die von der V orinstanz vorgeworfene Unterlassung nicht aus. Das Gleiche gilt grundsätzlich auch mit Bezug auf das Verhalten der V orin- stanz in der laufenden Aufsicht: Deren fehlendes Tätigwerden in der rele- vanten Zeitspanne schliesst das V orliegen einer (schweren) Verletzung von Aufsichtsrecht nicht per se aus. Jedoch ist diesbezüglich gleichfalls zu be- achten, dass der Aufsichtspraxis und dem Verhalten der V orinstanz gerade dort eine zentrale Bedeutung zukommt, wo k onkrete aufsichtsrechtliche Handlungspflichten sich nicht aus dem positiven Recht an sich, sondern hauptsächlich aus der zeitgemäss-teleologischen Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe durch die V orinstanz ergeben. Dies insbesondere dann, wenn ‒ wie vorlie gend ‒ der Beurteilung auch noch eine wesentliche rechtspolitische Komponente innewohnt (vgl. E. 3.4.2.). Wie sich aus den Einvernahmen im vorliegenden Beschwerdeverfahren ergibt, hat die V orinstanz sich bereits im Jahr 2011 intensiv mit dem US-2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 52 IV BVGE / ATAF / DTAF Kundengeschäft der Bank beschäftigt und stand mit ihr diesbezüglich auch regelmässig in Kontakt. Dabei hat die V orinstanz das Geschäftsmodell der Bank und das diesem inhärente Risiko einer Anklage in den USA, welches nun ihr Hauptvorwurf und die Grundlage des V orwurfs einer schweren Verletzung im Sinne von Art. 33 FINMAG bildet, damals bis zur Anklage der Bank Wegelin im Jahr 2012 akzeptiert ( […]). Zwar lag der Untersu - chungsbericht zu jenem Zeitpunkt noch nicht vor. Die mit Bezug auf den Hauptvorwurf der V orinstanz relevante Entwicklung im Bereich des US - Kundengeschäfts der Bank war der V orinstanz jedoch bereits damals be- kannt. Was heute von der V orinstanz als « enormes Klumpenrisiko » be- zeichnet wird, welches gemäss V orinstanz exemplarisch zeige, « […] dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten, durch ihn beziehungsweise die Bank eingeleiteten Massnahmen zur aufsichtsrechtlich geforderten, ange - messenen Begrenzung der bekannten Risiken im US -Kundengeschäft nicht zielführend und ausreichend waren » (Eingabe der V orinstanz vom 11. Juli 2016 […]), wurde von der V orinstanz bis zur Anklage der Bank Wegelin im Februar 2012 im Wissen um die relevanten Entwicklungen noch akzeptiert. Auch wenn die V orinstanz (formell) erst bei Erlass der Verfügung gegen- über der Bank und ge genüber dem Beschwerdeführer abschliessend und verbindlich eine aufsichtsrechtliche Beurteilung vorgenommen hat, so ist dieser Umstand ‒ wie dies der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt ‒ mit Blick sowohl auf das Legalitätsprinzip ( Art. 5 Abs. 1 BV) als le tztlich auch den Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 BV) vorliegend durch- aus relevant. 3.4.6.3 Schliesslich ist vorliegend ebenfalls zu berücksichtigen, dass die V orinstanz sich gemäss ihrer damals geltenden Enforcement-Policy bei Verfahren gegen natürliche Personen grundsätzlich Zurückhaltung aufer - legte (Grundsatz 6 Enforcement-Policy). Mit Blick auf dessen einschnei - dende Wirkung für den Betroffenen verpflichtete sie sich zudem zu einem « abgewogenen » Einsatz von Berufsverboten (Grundsatz 8 Enforcement- Policy) und sie führte grundsätzlich keine aufsichtsrechtlichen Verfahren gegen natürliche Personen, welche nicht mehr in dem von ihr beaufsichtig- ten Sektor tätig waren beziehungsweise sind (Grundsatz 7 Enforcement- Policy). Unter Beachtung dieser Grundsätze und vor dem Hintergrund der dargelegten unklaren Rechtslage sowie der damaligen Duldung des Ge - schäftsmodells durch die V orinstanz ist deshalb die Auferlegung eines Be- rufsverbots vorliegend auch mit Blick auf die verfassungsmässigen und völkerrechtlichen Anforderungen an ein faires Verfahren ( Art. 29 Abs. 1 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 2018 IV/4 BVGE / ATAF / DTAF IV 53 BV, Art. 6 Abs. 1 EMRK) und mit Blick auf das Verhältnismässigkeits - prinzip ( Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV) letztlich nicht vertretbar. Dies gilt umso mehr bei Berücksichtigung des Umstands, dass das Parla - ment noch im Juni 2013 ‒ und somit zwei Monate vor der Eröffnung des Enforcementverfahrens gegen den Beschwerdeführer ‒ dem Bundesrat eine Motion überw iesen hat, mit welcher sie diesen beauftragte, mit der FINMA unter Respektierung von deren Unabhängigkeit zu erreichen, dass diese ihre Enforcement -Policy im Bereich der Gewährserfordernis ver - schärfe, damit Bankmanager im zutreffenden Fall mit dem in Art. 33 FINMAG vorgesehenen Berufsverbot versehen werden könnten. Dabei sollte die F INMA in ihrem Jahresbericht darüber statistische Angaben liefern (vgl. Motion der Kommission für Wirtschaft und Abgaben SR vom 10. Juni 2013 [13.3410 « Bankmanager. Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit »]). Eine unzulässige V orwirkung der später in diesem Sinne erlassenen Leitlinien zum Enforcement vom 25 . September 2014 (< www.finma.ch/de/finma/taetigkeiten/leitlinien/ >), welche die für den vorliegenden Fall massgebende Enforcement -Policy ablösten, sowie der allgemeine Eindruck, dass mit dem vorliegenden Fall ein politisches Exempel statuiert werden sollte, sind aufgrund der gesamten Umstände zumindest nicht einfach von der Hand zu weisen. 3.4.7 Zusammenfassend und unter Würdigung der gesamten Umstände des vorliegenden Einzelfalls ist daher festzuhalten, dass der V orwurf einer schweren Verletzung von Aufsichtsrecht vorliegend nicht aufrechterhalten werden kann. Das US-Kundengeschäft der Bank unter der operativen Lei- tung des Beschwerdeführers ma g ‒ zumindest aus heutiger Sicht ‒ zwar unklug und äusserst risikoreich gewesen sein. Insgesamt bewegten sich die Bank und der Beschwerdeführer damit in der relevanten Zeitspanne jedoch nur ‒ aber immerhin ‒ in einem aufsichtsrechtlichen « Graubereich ». Auf eine schuldhaft schwere Verletzung von Aufsichtsrecht im Sinne von Art. 33 FINMAG darf deshalb ‒ insbesondere unter Berücksichtigung der hohen legislatorischen Anforderungen, welche bei der Auferlegung eines Berufsverbots zu beachten sind ‒ im vorliegenden Einzelfall für die infra- ge stehende Zeitperiode nicht erkannt werden. Im Übrigen wäre die Aufer- legung eines Berufsverbots unter Berücksichtigung der speziellen Um - stände des vorliegenden Einzelfalls (unklare Rechtslage mit Blick auf die vorgeworfene Verletzung; starke politische Komponente; zumindest frag- würdige Kompetenz der V orinstanz zur Begründung von Sorgfaltspflich- ten, welche auf positiv -gesetzlicher Ebene verworfen wurden; Abwei - chung der V orinstanz von ihrer früheren Einschätzung; Auferlegung eines 2018 IV/4 Finanzmarktaufsicht. Berufsverbot 54 IV BVGE / ATAF / DTAF Berufsverbots entgegen den damaligen Enforcement-Policy-Grundsätzen) vorliegend sodann auch klar unverhältnismässig.