B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5783/2011 U r t e i l v o m 2 4 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A.________, geboren (…), B.________, geboren (…), Sri Lanka, beide vertreten durch lic. iur. Felice Grella, Erdös & Lehmann Rechtsanwälte, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. September 2011 / N (…). D-5783/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden – sri-lankische Staatsangehörige tamil i- scher Ethnie – verliessen eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat am (…) im Besitz von auf Drittpersonen ausgestellten Reisepapieren und reisten (…) nach (…). Von dort gelangten sie am 13. September 2010 in die Schweiz. Gleichentags suchten sie in C._______ um Asyl nach. Am 20. September 2010 fand im dortigen Empfangs -und Verfahrenszentrum (EVZ) eine erste Befragung statt. Am 4. Oktober 2010 wurden sie, eben- falls im EVZ, durch das Bundesamt in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) angehört. A.b Der Beschwerdeführer (Ehemann) machte im Wes entlichen geltend, er stamme aus D.________ im Distrikt Jaffna. Am (…) habe er abends nach der Arbeit einen Freund besucht. Im Verlauf des Abends sei seine Ehefrau herbeigeeilt, weil zu Hause (…) Personen, welche mit (…) vorge- fahren seien, nach ihm gefragt hätten. Am selben Abend hätten er und die Beschwerdeführerin sich zu (…) nach E.________ begeben. Am (…) sei- en sie (…) nach Colombo gefahren, wo sie sich bis zu ihrer Ausreise au f- gehalten hätten. Er wisse nicht, weshalb er gesucht werde. Er sei jedoch im Zeitraum (…) im Vanni-Gebiet wohnhaft gewesen. Dort habe er ab und zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) bei (…) geholfen und sie mit (…) versorgt. Damals sei er auch von Angehörigen der indischen A r- mee festgenommen und misshandelt worden. A.c Die Beschwerdeführerin (Ehefrau) machte im Wesentlichen geltend, sie stamme ebenfalls aus D.________. Am (…) seien gegen Abend zu Hause (…) Personen, welche vermutlich mit (…) vorgefahren seien, auf- getaucht und hätten sie unter Bedrohung mit einer Waffe na ch ihrem Ehemann gefragt. Um ihnen entkommen zu können habe sie vorgeg e- ben, (…) aufsuchen zu müssen. Auf diese Weise sei ihr die Flucht zum Haus des Freundes ihres Ehemannes gelungen. Dieser habe hin und wieder die LTTE unterstützt. Vermutlich deswegen sei er von den unb e- kannten Personen gesucht worden. Ansonsten hätten sie in Sri Lanka mit niemandem Probleme gehabt. A.d Für die weiteren Aussagen de r Beschwerdeführenden wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. Zu ihrem Identitätsnachweis reichten die Be schwerdeführenden (…) zu den Akten. D-5783/2011 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 1 3. September 2011 – eröffnet am 22. September 2011 – stellte das Bundesamt fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte d ie Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung de r Beschwerdeführenden aus der Schweiz und beauftragte den Kanton Zürich mit dem Vollzug. Zur Begründung führte das BFM im Wesent lichen aus, die geltend g e- machten Verfolgungsvorbringen genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht. So würden sich aus den Akten keine konkre- ten Hinweise auf staatliche Verfolgungsmassnahmen wegen der gel e- gentlichen Hilfeleistungen für die LTTE im Zeitraum von (…) ergeben. Der Beschwerdeführer, welcher nie Mitglied der LTTE gewesen sei, verfüge nicht über ein Profil, das ihn zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung des BFM gegenüber den sri -lankischen Behörden noch verdächtig m a- che. Seine (…) Dienstleistungen für die LTTE lägen (…) Jahre zurück, hätten sich auf einen lokal begrenzten Raum beschränkt und seien im Rahmen seiner Berufsausübung als (…) ohne jegliche politische Absic h- ten erfolgt. Nach ihrer Rückkehr ins Vanni -Gebiet im Jahr (…) hätten die Beschwerdeführenden bis zu ihrer Ausreise keinerlei Probleme mit den sri-lankischen Behörden gehabt. Auch der Umstand, dass die Beschwe r- deführenden im (…) mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Jaffna nach C o- lombo gereist seien und dabei unter Vorweisung ihrer Identitätskarten mehrere Checkpoints problemlos passiert hätten, weise darauf hin, dass kaum Verfolgungsmassnahmen seitens der sri -lankischen Behörden vor- lägen. Zudem ergäben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass die staatliche Schutzinfrastruktur den Beschwerdeführenden nicht z u- gänglich gewesen wäre oder die sri -lankischen Behörden offensichtlich aus einem Grund nach Art. 3 AsylG nicht willens gewesen wären, ihnen Schutz vor allfälligen Übergriffen durch die erwähnten Drittpersonen zu gewähren und zu diesem Zweck konkrete und geeignete Massnahmen zu treffen. Unter diesen Umständen v ermöchten die geltend gemachten E r- eignisse, namentlich das Auftauchen von (…) Unbekannten im Haus der Beschwerdeführenden, praxisgemäss nicht zur Anerkennung der Flüch t- lingseigenschaft und Gewährung des Asyls zu führen. Der Vollzug der Wegweisung sei zuläs sig, zumutbar und möglich. Namentlich stamm ten die Beschwerdeführenden aus dem Distrikt Jaffna und verfügten über e i- ne solide Schulbildung. Der als (…) ausgebildete Beschwerdeführer ver- füge über Berufserfahrung und habe seinen Beruf bis zur Ausreise au s- geübt. Die Beschwerdeführenden verfügten i m Norden des Distrikts Jaf f- na über zahlreiche Verwandte. Zudem besässen sie in D.________ ein D-5783/2011 Seite 4 eigenes Haus. Somit könne von einem familiären Beziehungsnetz und ei- ner gesicherten Wohn-situation ausgegangen werden. C. Mit Eingabe vom 18. Oktober 2011 (Datum des Poststempels) an das Bundesverwaltungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter unter Kosten und Entschädigungsfolge, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihnen Asyl, eventualiter die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde n die Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und die Ausrichtung einer angemessenen Prozessentschä- digung beantragt. Gleichzeitig wurde je ein Schreiben der Parlamentsa b- geordneten F._______ vom (…) und der Human Rights Commission of Sri Lanka (HRCSL) vom (…) sowie ein Polizeirapport vom (…) in Kopie zu den Akten gereicht. Darauf sowie auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2011 teilte das Bundesverwal - tungsgericht de n Beschwerdeführenden mit, sie könnten den Ausgang des Verfahrens in d er Schweiz abwarten und setzte ih nen Frist bis zum 9. November 2011 zur Einreichung einer Fürsorgebestätigung, unter Vo r- behalt des nachträglichen Erhebens eines Kostenvorschusses. Zudem wurde das Gesuch um Erlass allfälliger Verfahrenskosten auf einen sp ä- teren Zeitpunkt verschoben. E. Mit Eingabe vom 8. November 2011 ersuchten die Beschwerdeführenden um Erstreckung der ihnen angesetzten Frist bis zum 30. November 2011. F. Mit Zwischenverfügung vom 11. November 2011 wies das Bundesverwal- tungsgericht die Gesuche um Fristerstreckung und Gewährung der u n- entgeltlichen Prozessführung ab und setzte den Beschwerdeführenden Frist bis zum 28. November 2011 zur Leistung eines Kostenvorschusses. Dieser wurde am 15. November 2011 bezahlt. G. Mit Vernehmlassung vom 21. März 2012 beantragte das Bundesamt die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte es aus, die Be -D-5783/2011 Seite 5 schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunkts rechtfertigten, und verwies auf seine Erwägungen, an welchen es festhielt. Die Beweismittel seien lediglich in Kopie eingereicht worden und könnten in dieser Art in Sri Lanka jederzeit mit Geld beschafft werden. Deshalb komme ihnen nur geringe Beweiskraft zu. Der Beschwerdeführer habe letztm als im Jahr (…) mit den LTTE Kontakt gehabt. Deshalb sei das im Jahr 2010 verfass- te Schreiben der Parlamentsabgeordneten F.________ nicht geeignet, die Gefährdung des Beschwerdeführers zu belegen und – die Authentizi- tät vorausgesetzt – als Gefälligkeitssc hreiben zu betrachten. Dem HRCSL-Schreiben und dem Polizeirapport kämen lediglich geringer B e- weiswert zu, zumal sie nichts anderes übernähmen als was (…) vorgege- ben habe; zudem datierten beide Dokumente nach dem Asylentscheid und seien daher in Hinblick au f die Beschwerde angefertigt worden. Der Beschwerdeführer befinde sich seit September 2010 in der Schweiz, weshalb es ihm möglich gewesen wäre, entsprechende Beweismittel b e- reits im erstinstanzlichen Verfahren einzureichen. Schliesslich bestünden Zweifel a n der Echtheit dieser Dokumente, zumal es inhaltlich lediglich darum ginge, dem Beschwerdeführer Profil zu geben, um so der B e- schwerde Nachdruck zu verleihen. H. Nach der ihnen vom Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich am 13. Ap- ril 2012 gewährten Erstreckung der Frist nahmen die Beschwerdeführer in ihrer Replik vom 30. April 2012 Stellung zum Inhalt der Vernehmla s- sung und reichten gleichzeitig ein Schreiben des G._______ vom (…), ein weiteres Schreiben der Parlamentsabgeordneten F.________ vom (…) sowie je einen Ausschnitt aus den sri -lankischen Zeitungen (…) vom (…) und (…) vom (…) samt Übersetzungen beziehungsweise Inhaltsangaben zu den Akten. Darauf wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von D-5783/2011 Seite 6 Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 200 5 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerde- führenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG ). Nachdem der erhobene Kostenvorschuss fristgerecht eingezahlt wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, we- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluch t- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). D-5783/2011 Seite 7 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 In der Beschwerde wird an den bisherigen Vorbringen festgehalten und unter Bezugnahme auf die drei gleichzeitig eingereichten Beweismi t- tel ausgeführt, diesen Dokumente n könne entnommen werden, dass den sri-lankischen Behörden die Vergangenheit des Beschwerdeführers b e- ziehungsweise dessen Unterstützung der LTTE sehr wohl bekannt sei und die Beschwerdeführenden – entgegen der Einschätzung durch die Vorinstanz – weiterhin aktiv gesucht würden. So sei H.________ zwi- schen (…) und (…) von den besagten (…) aufgesucht, bedroht und nach I.________ gefragt worden . Diese unbekannten Männer hätten H.________ wissen lassen, dass ihnen die umfangreichen Helferdienste des Beschwerdeführers für die LTTE sehr wohl bekannt seien. Des We i- teren seien die unbekannten Männer darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die Beschw erdeführenden in die Schweiz geflohen seien. Deshalb sei davon auszugehen, dass d ie offiziellen Behörden Kenntnis von der Vergangenheit und der Flucht des Beschwerdeführers in die Schweiz hät- ten. Auch die Parlamentsabgeordnete F.________ bestätige, dass di e Vergangenheit des Beschwerdeführers bekannt sei und er deshalb – auf- grund der aktuellen Sicherheitssituation für Tamilen in Sri Lanka – in Ge- fahr sei. Die Überprüfung der Akten ergibt, dass die von den Beschwerdeführe n- den geltend gemachte Furcht vor einer Verfolgung durch die sri - lankischen Behörden wegen Verdachts der Zugehörigkeit zu den LTTE durch die Vorinstanz mit zutreffender Begründung verneint wurde (vgl. vorab vorstehend Bst. B.). Weder die Ausführungen in der Beschwerde noch die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel vermögen den vorinstanzlichen Erwägungen etwas entgegenzusetzen. Bezüglich des Schreibens der Parl amentsabgeordneten F.________ vom (…), des HRCSL-Schreibens und des Polizeirapports ist vor weg auf die Ausfü h- rungen in der Vernehmlassung der Vorinstanz vom 21. März 2012 zu verweisen (vgl. Sachverhalt Bst. G), welche sich nach einer Überprüfung der Akten ebenfalls als zutreffend erweisen . In diesem Zusammenhang D-5783/2011 Seite 8 bleibt zu ergänzen, dass nicht na chvollziehbar ist, weshalb sich H.________ erst Ende (…) beziehungsweise (…) an die HRCSL bezi e- hungsweise an die Polizei wandte, nachdem sie laut den entsprechenden Beweismitteln angeblich bereits im (…) und im (…) beziehungsweise, gemäss den Ausführungen in der Beschwerde , mehrmals zwischen (…) wegen der Aktivitäten des Beschwerdeführers für die LTTE durch (..) be- helligt worden sei. Sodann äussert sich die Parlamentsabgeordnete F.________ in ihrem Schreiben vom (…) zum einen äusserst pauschal zu den LTTE-Verbindungen, zum andern steht der Inhalt des Schreibens in Widerspruch zu den Aussagen der Beschwerdeführerin im erstinstanzl i- chen Verfahren, welche keinerlei derartige Verbindungen zu beziehungs- weise Aktivitäten für die LTTE geltend ge macht hat. Dasselbe gilt für das weitere Schreiben von F.________ vom (…), in welchem diese zum einen den Inhalt ihres ersten Schreibens wiederholt und zum andern in Wide r- spruch zu den Aussagen des Beschwerdeführers, welcher im erstinstanz- lichen Verfahren erklärt hatte, die LTTE bis zum Jahr (..) unterstützt zu haben, ausführt, die Beschwerdeführenden hätten bis zum Jahr (…) Ver- bindungen zur LTTE gehabt. Dieselben Widersprüche ergeben sich aus dem Schreiben des G._______ vom (…), zumal dieser ebenfalls ausführt, die Beschwerdeführenden hätten die LTTE im beziehungsweise ab dem Jahr (…) unterstützt. Unter diesen Umständen sind die erwähnten B e- weismittel als Gefällig keitsschreiben ohne Beweiswert zu qualifizieren. Was schliesslich die beiden Zeitungsartikel an belangt, betreffen diese zwar die politische Tätigkeit der Parlamentsabgeordneten F.________ stehen jedoch offensichtlich in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit den von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Verfolgungsvo r- bringen. Nach dem Gesagten ver mögen die Beschwerdeführenden auch aus den von ihnen auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismitteln keine begründete Furcht vor künftiger asylrelevanter Verfolgung abzule i- ten. 5.2 Im Weiteren vermögen die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen a n die Asylrelevanz auch aus den folgenden Gründen nicht zu genügen. 5.2.1 Der Krieg zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen; die LTTE wurden zerschlagen und das ganze Land befindet sich wieder unter Regierungskontrolle . Seither hat sich die Sicherheitslage in Sri Lanka deutlich stabilisiert; insbesondere ist es zu keinen terroristischen Aktivitäten der LTTE oder ihnen nahestehe n- den Gruppierungen mehr gekommen. D-5783/2011 Seite 9 Trotz dieser Verbesserung der allgemeinen Lage sind gewisse Personen auch nach Kriegsende noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausg e- setzt. Dies betrifft insbesondere Personen, die enger Verbindungen zu den LTTE verdächtigt werden, politische Dissidenten und Oppositionspoli- tiker, kritisch auftretende Journalisten und Medienschaffende oder Perso- nen, die als Opfer oder Zeugen schwerer Menschenrechtsverstösse en t- sprechende juristische Schritte einleiteten. 5.2.2 Wie oben (vgl. vorstehend E. 5. 1.) aufgezeigt wurde, vermochte n die Beschwerdeführenden nicht plausibel darzulege n, von den sri - lankischen Behörden wegen viele Jahre zurückliegender Helferdienste des Beschwerdeführers für die LTTE verdächtigt und behelligt worden zu sein. Es bestehen daher – entgegen der in der in der Rechtsmitteleingabe und der Stellungnahme vom 30. April 2012 vertretenen Ansicht – keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden im Falle ihrer Rück- kehr nach Sri Lanka zum jetzigen Zeitpunkt eine begründete Furcht vor asylbeachtlicher Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG haben müssten 5.3 Nach dem Gesagten erweisen sich die vo n den Beschwerdeführe n- den geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als asyl- beziehungsweise flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Auf grund der vorstehenden Erwägu n- gen erübrigt es sich, auf die weiteren Aus führungen in der Bes chwerde und der Stellungnahme vom 30. April 2012 einz ugehen, weil sie am E r- gebnis nichts ändern können. Das BFM hat die Asylgesuche der B e- schwerdeführenden demnach zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, s o verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine fremdenpolizeili - che Aufenthaltsbew illigung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinwei - sen). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder n icht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver hältnis nach den D-5783/2011 Seite 10 gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf nahme von Auslä n- dern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und A usländer [AuG, SR 142.20]). 7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun - gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän - ders in den Heimat -, Herkunfts - oder in einen Drittstaat entgegenste - hen (Art. 83 Abs. 3 AuG) . 7.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwun gen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK er- füllen. Da es de n Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtl ichen Rüc k- schiebungsverbots vorliegend nicht zur Anwendung gelangen. Der Vol l- zug der Wegweisung nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.1.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. In diesem Zusammenhang wenden die Beschwerdefüh renden in ihrer Stellungnahme vom 30. April 2012 unter Bezugnahme auf Ziff. 6.3 der Erwägungen des Urteils (…) vom (…) des Bundesverwaltungsgerichts ein, es sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum von (…) D-5783/2011 Seite 11 die LTTE unterstützt und im Vanni-Gebiet gelebt habe, wobei er auch von der sri -lankischen Armee festgenommen und misshandelt worden sei; somit sei davon auszugehen, dass er als Mitglied beziehungsweise Sy m- pathisant der LTTE registriert sei; nicht zuletzt könne belegt werden, dass die sri-lankischen Behörden weiterhin ein hohes Interesse an seiner Ve r- haftung hätten; mithin drohten den Beschwerdeführenden bei einer allfä l- ligen Einreise nach Sri Lanka die Verhaftung und beim Beschwerdeführer sei kumulativ die Schwelle des "real risk" erreicht (vgl. Stellungnahme vom 30. April 2012). Entgegen diesen Einwänden der Beschwerdeführenden ist es ihnen – wie oben unter Ziff. 5 der Erwägungen festgehalten wurde – nicht gelungen, eine begründete Furcht vor einer allfälligen Verfolgung plausibel darzul e- gen, zumal sie sich nach ihrer Rückkehr aus dem Vanni -Gebiet während mehr als (…) Jahren unbehelligt im Norden von Sri Lanka aufhalten konn- ten und die von ihnen eingereichten Beweismittel als Gefälligkeitsschre i- ben zu qualifizieren sind . Weder aus den Aussag en der Beschwerdefüh- renden noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung au sgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europä i- schen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN - Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ih nen im Falle ein er Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weite- ren Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Es besteht somit vorlie- gend kein konkreter Anlass zur Annahme, de n Beschwerdeführenden würde bei einer Rückkehr in ihr Heimatland eine menschenrechtswidrige Behandlung drohen. 7.1.3 Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinisc her Notlage konkret gefährdet sind, Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE D-5783/2011 Seite 12 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.; Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht nahm seinerzeit im Urteil BVGE 2008/2 zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka eine Lageanalyse vor. Gemäss der damals festgelegten Praxis war bei abgewiesenen Asylsuchenden tamilischer Ethnie, die aus der Region Colombo oder deren Umgebung stammen, grundsätzlich von der Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete auszugehen (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.1 S. 20). In die Nord - und Ostprovinzen war der Wegweisungsvollzug hingegen unzumutbar (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.2 S. 21). 7.2.2 Im zur Publikation bestimmten Urteil E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 hat das Bundesverwaltungsgericht angesichts der veränderten Lage nach dem Ende des sri-lankischen Bürgerkriegs im Mai 2009 eine erne u- te Beurteilung vorgenommen. In Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist es dabei zur Einschätzung gelangt, dass der Wegweisungsvollzug in das sogenannte Vanni -Gebiet weiterhin u n- zumutbar ist. Für Personen, die aus dem übrigen Staatsgebiet stammen und dorthin zurückkehren, ist der Wegweisungsvollzug hingegen grun d- sätzlich zumutbar (vgl. Urteil E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1.2 und 13.3). 7.2.3 Die Beschwerdeführenden stammen aus d em Distrikt Jaffna in der Nordprovinz, wohin sie nach einem längeren Aufenthalt im Vanni -Gebiet im Jahr (…) zurückgekehrt sind. Die Mehrheit der Geschwister beider Be- schwerdeführenden ist weiterhin im Distrikt Jaffna wohnhaft. Die B e- schwerdeführerin besuchte den Schulunterricht während (…) Jahren bis zum (…) und betätigte sich daraufhin (…). Der Beschwerdeführer ging bis zum Alter von (…) Jahren zur Schule und war in der Folge bis kurze Zeit vor der Ausreise erfolgreich als (…) erwerbstätig. Die Beschwerdeführen- den konnten problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Jaffna nach Colombo reisen . In den Distrikt Jaffna ist der Wegweisungsvollzug g e- mäss den obigen Ausführungen (vgl. E. 7.2.2.) grundsätzlich zumutbar. Dort verfügen die Beschwerdeführenden über ein familiäres Beziehung s- netz. Zudem leiden sie, soweit aktenkundig, an keinen schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Demnach liegen keine Anhalt s- punkte dafür vor, dass d ie Beschwerdeführenden bei einer Rückkeh r in ihren Heimatstaat aus individuellen Gründen wirtschaftlicher oder sozialer D-5783/2011 Seite 13 Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würde n. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Auffassung – in genereller und individ u- eller Hinsicht als zumutbar bezeichnet werden. 7.3 Schliesslich obliegt es de n Beschwerdeführenden , sich bei der zu - ständigen Vertretung ihres Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi- gen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs . 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.4 Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu be s- tätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rec htserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten auf Fr. 600.– festzu- setzen (vgl. Art. 1 – 3 des Reglemen ts vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2 ]) und de n Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Sie sind mit dem am 15. November 2011 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-5783/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten werden de n Beschwerdeführenden auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BF M und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: