Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. November 2018 (715 18 163 / 311) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Vorliegen eines schutzwürdigen Interesses sowie wei terer Revisionsgründe bejaht, wel- che grundsätzlich geeignet wären, zu einer anderen Entscheidung Anlass zu geben und daher ein Eintreten der Vorinstanz auf das Revision sgesuch des Beschwerdeführers er- fordern. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A.1 Der 1986 geborene A.____ bezog im Zeitraum Janu ar 2014 bis Dezember 2015 Tag- gelder der Arbeitslosenversicherung. Mit Verfügung vom 16. Februar 2015 lehnte die Öffentli- che Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) den Anspruc h von A.____ auf Ausrichtung von Ar- beitslosenentschädigung rückwirkend per 1. April 20 14 ab und forderte bereits ausgerichtete Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitslosenentschädigung in der Höhe von Fr. 51‘819.85 zurück. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, A.____ habe gegenüber der Kasse nicht deklariert, dass er in den Monaten April 2014 bis Januar 2015 bei der B.____ GmbH als Gesc häftsführer tätig gewesen sei. Dem- zufolge sei das dort erzielte Einkommen, mindestens aber ein orts- und branchenüblicher Ver- dienst, als Zwischenverdienst anzurechnen. Die Kasse habe einen orts- und branchenüblichen Verdienst von monatlich Fr. 5‘958.35 ermittelt, woraus sich der für die erwähnte Kontrollperiode ermittelte Rückforderungsbetrag in der Höhe von insgesam t Fr. 51‘819.85 ergebe. Diese Verfü- gung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. A.2 Nachdem A.____ diese Forderung nicht beglichen hat te, leitete die Kasse am 20. Au- gust 2015 Betreibung ein. Nach Beseitigung des Rechtsvorsc hlages (durch den Rechtsöff- nungsentscheid des Zivilkreisgerichtes Basel-Landschaft Ost vo m 30. November 2015) wurde die Betreibung fortgesetzt und führte zu einem Verlust schein vom 10. April 2017 infolge Pfän- dung über Fr. 51‘196.17. A.3 Bereits am 13. Juli 2015 erstattete die Kasse zudem Strafanzeige gegen A.____ we- gen Betrugs und zu Unrecht erwirkten Leistungen der Arb eitslosenversicherung. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2016 der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft wurde das Verfahren wegen gewerbsmässigen Betrugs eingestellt und ein Strafbefehl wegen unrechtmässigen Bezugs von Leistungen durch unwahre und unvollständige Angaben erl assen. Daraufhin stellte A.____ am 23. März 2017 ein Gesuch um Wiedererwägung/Revision der Verfügung vom 16. Februar 2015. Nachdem A.____ gegen den Strafbefehl vom 20. Dezember 2016 Einsprache erhoben hatte, wurde das Verfahren betreffend den unrechtmässigen Bezug von Leistungen ebenfalls mit Ver- fügung vom 23. August 2017 eingestellt. In der Folge stellte A.____, vertreten durch Elisabeth Vogel, Advokatin, am 15. September 2017 abermals ein Gesuch um Revision der Verfügung vom 16. Februar 2015. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2 017 trat die Kasse auf das Wiederer- wägungsgesuch nicht ein. Zugleich verfügte sie ein Nichte intreten auf das Revisionsgesuch. Daran hielt sie im Einspracheentscheid vom 9. April 201 8 fest. Als Begründung erwog sie im Wesentlichen, in Anbetracht der gegen den Einsprecher laufenden Betreibungen werde sie in dieser Sache nicht mehr aktiv werden und ein neues Betrei bungsverfahren eröffnen. Der Rück- forderungsbetrag werde mangels Einbringlichkeit intern abgeschrieben. Folglich sei das Inte- resse des Einsprechers an der Überprüfung, ob ein Revision sgrund vorliege nachträglich weg- gefallen. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durc h Advokatin Vogel, mit Eingabe vom 11. Mai 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kan tons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der Einspracheentscheid vom 9. April 2018 vollumfänglich aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflich- ten, auf das Revisionsgesuch einzutreten, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung für das Einspracheverfahren auszurichten, eventuell die unent geltliche Rechtspflege mit Verbei- ständung zu gewähren; unter o/e-Kostenfolge. In prozessua ler Hinsicht beantragte er die un- entgeltliche Rechtspflege mit Advokatin Vogel als unentgeltlicher Rechtsbeiständin. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Juli 2018 schloss die Kasse auf Abweisung der Be- schwerde. D. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 10. August 201 8 hat das Kantonsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege mangels Nachweis der Bedürf- tigkeit abgewiesen. Auf die Vorbringen der Parteien ist − soweit notwend ig − in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die ob ligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kanton sgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachli ch und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Gegenstand des vorliegend angefochtenen Einsprachee ntescheides und damit der richterlichen Überprüfung bildet einzig die Frage, ob die Kasse zu Recht nicht auf das Revisi- onsgesuch des Beschwerdeführers vom 15. September 2017 e ingetreten ist. Das Gericht darf daher weder eine materielle Prüfung des Revisionsgesuch s vornehmen, noch selbst auf dieses eintreten. Bei einer allfälligen Gutheissung der Beschwerde kann das Kantonsgericht die Kasse lediglich anweisen, ihrerseits auf das Gesuch einzutrete n. Zwischen den Parteien nicht (mehr) streitig und somit nicht Gegenstand des vorliegenden V erfahrens ist die Frage, ob die Kasse auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers vom 23 . März 2017 hätte eintreten sollen. 3.1 Die Beschwerdegegnerin begründete ihr Nichteintre ten damit, dass ein aktuelles Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers an der Überprüf ung der Rückforderungsverfü- gung vom 16. Februar 2015 fehle. Sein Rechtsschutzinte resse habe ursprünglich darin bestan- den, dass er mit der besagten Verfügung zur Rückzahlung von Arbeitslosenentschädigung in der Höhe von Fr. 51‘819.85 verpflichtet worden war. Da der Beschwerdeführer es unterlassen habe, Einsprache gegen dieselbe zu erheben und es in der Folge nach Durchlaufen des Betrei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bungsverfahrens zu einem Verlustschein gekommen sei, hab e sich das Rechtsschutzinteresse erheblich abgeschwächt. Schliesslich sei es durch ihre Beka nntgabe, die Forderung sei buch- halterisch abgeschrieben worden und werde auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr gel- tend gemacht, erloschen. Im Übrigen handle es sich bei dieser Forderung nicht um den einzig hohen Schuldenbetrag. Selbst wenn der Verlustschein im Betreibungsregister gelöscht würde, bestünde immer noch ein betriebener Gesamtbetrag in d er Höhe von rund Fr. 270'000.--, was kein besseres Licht auf den Beschwerdeführer werfen würde. 3.2 Ein Revisionsgesuch kann in der Regel stellen, wer a uch zur ordentlichen Beschwerde zugelassen wäre. Wie bei der Beschwerde in der Sache i st hierzu nur befugt, wer ein schutz- würdiges Interesse an der Beurteilung seiner Eingabe h at (vgl. R EGINA KIENER /B ERNHARD RÜTSCHE /M ATHIAS KUHN , Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl., Zürich/Luzern/B ern 2015; für das Beschwerdeverfahren vgl. ausdrücklich Art. 59 ATSG). Ei n schutzwürdiges Interesse liegt vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche Situation de r Beschwerde führenden Person durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann, das heisst, wenn ein praktischer Nutzen daraus gezogen werden kann (BGE 137 II 30 E. 2.2.2). A ls schutzwürdiges Interesse, das ei- nen praktischen Nutzen einbringt, kann nicht jedes irge ndwie geartete Interesse bzw. jede ent- fernte Möglichkeit gelten, dass ein anderer Verfahrensau sgang dereinst noch irgendwo eine Rolle spielen könnte. Vielmehr ist erforderlich, dass die tatsächliche oder rechtliche Situation der beschwerdeführenden Partei durch den Ausgang des V erfahrens mit einer gewissen Wahr- scheinlichkeit beeinflusst werden könnte (Urteil des Bun desgerichts vom 1. März 2018, 8C_596/2017, E. 5.3.2 mit Hinweis). 3.3 Der Argumentation der Beschwerdegegnerin kann nich t gefolgt werden. Entgegen ihrer Auffassung fällt der mit Verfügung vom 16. Februar 2 015 geltend gemachte Betrag angesichts seiner beträchtlichen Höhe mit Blick auf die Schuldensit uation des Beschwerdeführers sehr wohl ins Gewicht. Eine Reduktion des Schuldenstandes u m den rechtskräftig verfügten Rück- forderungsbetrag würde sich vorteilhaft auf die Schulden sanierung auswirken und der Be- schwerdeführer wäre im Hinblick auf das berufliche und w irtschaftliche Fortkommen wesentlich bessergestellt. Allein schon aus diesem Grund ist ein, ein en praktischen Nutzen einbringendes, schutzwürdiges Interesse an der Behandlung des Revisionsgesu chs zu bejahen, womit die Be- schwerdegegnerin gehalten gewesen wäre, auf das Gesuch einzutreten. Die Tatsache, dass es hinsichtlich dieser Forderung nach erfolgter Betreibun g zu einem Verlustschein gekommen ist, lässt ein schutzwürdiges Interesse an der Überprüfung dieser Forderung nicht entfallen, kann doch für eine in einem Verlustschein verurkundete Ford erung während 20 Jahren eine neue Betreibung angehoben werden, bis dieser im Verlustsche inregister gelöscht wird. Ebenso steht die Aussage, wonach die Beschwerdegegnerin den Betrag nicht mehr geltend machen werde, einem schutzwürdigen Interesse an der Überprüfung der ursprünglichen Verfügung nicht entge- gen. Dies umso weniger, als diese Aussage im Widerspruch zur Tatsache steht, dass die Be- schwerdegegnerin die dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 25. März 2017 in einem an- deren Verfahren zugesprochene Insolvenzentschädigung in der Höhe von Fr. 10‘009.-- nicht ausbezahlte, sondern sogleich mit dem Rückforderungsbet rag verrechnete, womit sie ihr Inte- resse an der Rückforderung selbst bekräftigt hat (vgl. act. 329). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Als weitere Eintretensvoraussetzung zu prüfen ist das Vo rliegen von Revisionsgrün- den. 4.1 Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräft ige Verfügungen und Ein- spracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die ver sicherte Person oder der Versi- cherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsa chen entdeckt oder Beweismittel auf- findet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Der Begriff "neue Tatsachen oder Beweismit- tel" ist bei der (prozessualen) Revision eines Verwaltun gsentscheides nach Art. 53 Abs. 1 ATSG gleich auszulegen wie bei der Revision eines kanto nalen Gerichtsentscheides gemäss Art. 61 lit. i ATSG oder bei der Revision eines Bundes gerichtsurteils gemäss Art. 123 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 (Urteil des Bun- desgerichts vom 13. Februar 2013, 9C_955/2012, E. 3.1 mit Hinweisen). Neu ist eine Tatsache, wenn das betreffende Sachverhaltselement im Zeitpunkt der Entscheidfällung nicht bekannt war. Nicht als neu wird eine Tatsache dann betrachtet, wenn das im Revisionsverfahren vorge- brachte Element lediglich eine neue Würdigung einer b ereits bekannten Tatsache in sich schliesst (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, N 25 zu Art. 53). Die neuen Tatsachen müssen erheblich sein, d. h. sie müssen geeignet sein, die tatbe- ständliche Grundlage des zur Revision beantragten Entschei ds zu verändern und bei zutreffen- der rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entscheidun g zu führen. Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neue n erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Ve rfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind (Ur teil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2013, 9C_955/2012, E. 3.1 mit Hinweisen) . Solche neue Tatsachen oder Beweis- mittel sind innert 90 Tagen nach deren Entdeckung geltend zu machen; zudem gilt eine absolu- te zehnjährige Frist, die mit der Eröffnung der Verfü gung zu laufen beginnt (Art. 67 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 55 Abs. 1 ATSG; vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, N 38 ff. zu Art. 53 ATSG ). 4.2 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers stützte i hr Gesuch um prozessuale Revi- sion der Rückforderungsverfügung vom 16. Februar 2015 a uf die Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 20. Dezember 2016 bzw. vom 23. August 2017. An- lässlich des mit Einstellungsverfügung vom 20. Dezember 20 16 abgeschlossenen Verfahrens konnte der Tatverdacht des gewerbsmässigen Betrugs nicht e rhärtet werden. Dem Beschwer- deführer konnte nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden, dass er bei der B.____ GmbH als Geschäftsführer tätig gewesen war und dabei ein regel mässiges Einkommen erzielt hatte. Mit Verfügung vom 23. August 2017 wurde auch das Strafverfa hren hinsichtlich des Vorwurfs der Widerhandlung gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz gemäss Art. 105 AVIG eingestellt. Im Rahmen der diesbezüglichen staatsanwaltlichen Ermi ttlungen konnte dem Beschwerdefüh- rer zwar nachgewiesen werden, sporadisch Tätigkeiten für die B.____ GmbH getätigt zu haben, nicht aber, dass er hierfür einen Lohn ausbezahlt erh alten hatte. Mit Strafbefehl gleichen Da- tums wurde der Beschwerdeführer für diese gelegentlich ausgeführten Tätigkeiten der Wider- handlung gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz infolge Verletzung der Meldepflicht nach Art. 106 AVIG für schuldig erklärt. Wie sich diesem Strafbefehl entnehmen lässt, betreffen diese sporadisch ausgeführten Arbeitstätigkeiten zuhanden der B.____ GmbH den Zeitraum Septem- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2014 bis Februar 2015. Im Unterschied hierzu betri fft der von der Beschwerdegegnerin er- mittelte und für die Rückforderung in der Verfügung vom 16. Februar 2015 massgebende Zeit- raum die Monate April 2014 bis Februar 2015 und dami t einen weitaus grösseren Zeitraum, als sich anlässlich des Strafverfahrens herausstellte. Zumal im Z uge der strafrechtlichen Ermittlun- gen lediglich der Vorwurf der Meldepflichtverletzung nach Art. 106 AVIG bestätigt werden konn- te, was zumindest bei einmaligem Verstoss eine Einstellung von höchstens 60 Tagen zur Folge hat, und der Beschwerdeführer nicht wie von der Kasse u rsprünglich angenommen einen anre- chenbaren Zwischenverdienst erzielt hatte, liegt mit diesem nunmehr durch die Einstellungsver- fügungen der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beleg ten Sachverhalt, eine neue erhebliche Tatsache vor, die grundsätzlich geeignet wäre, eine Revision auszulösen. 4.3 Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft B asellandschaft datierend vom 20. Dezember 2016 wurde dem Beschwerdeführer am 29. Dezember 2016 zugestellt. Am 23. März 2017, mithin innerhalb von 90 Tagen, stellte er sein Gesuch um Wiedererwä- gung/Revision der ursprünglichen Verfügung. Erst mit de r Einstellungsverfügung vom 23. Au- gust 2017, in deren Rahmen der Beschwerdeführer auch vo m Vorwurf der Widerhandlung ge- gen das Arbeitslosenversicherungsgesetz nach Art. 105 AVIG freigesprochen worden war, ist der vorliegende Sachverhalt vollständig geklärt gewesen . Spätestens ab diesem Zeitpunkt hat demnach die relative Revisionsfrist zu laufen begonnen. Das Gesuch um prozessuale Revision vom 15. September 2017 ist damit auch rechtzeitig erfolgt. 5. Nach dem Gesagten muss die Beschwerdegegnerin die Sa che an die Hand nehmen und materiell über das Revisionsgesuch verfügen, wobei si e in diesem Rahmen zu prüfen ha- ben wird, ob die neue Tatsache die Fehlerhaftigkeit de r Verfügung vom 16. Februar 2015 zu begründen vermag. Demnach ist in Gutheissung der Beschwer de der Einspracheentscheid der Kasse vom 9. April 2018 aufzuheben und diese anzuweisen , auf das Revisionsgesuch des Be- schwerdeführers einzutreten. 6.1 Nachdem das Begehren des Beschwerdeführers auf sein Revisionsgesuch einzutreten gutzuheissen ist, bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführ er zu Recht ein Anspruch auf Aus- richtung einer Parteientschädigung unter Hinweis auf di e fehlende Erforderlichkeit einer anwalt- lichen Vertretung verweigert wurde. 6.2 Art. 52 Abs. 3 Satz 1 ATSG hält fest, dass das Ein spracheverfahren vor dem Versiche- rungsträger kostenlos ist. Parteientschädigungen werden laut Satz 2 der genannten Bestim- mung in der Regel nicht ausgerichtet. Es stellt sich deshal b die Frage, unter welchen Voraus- setzungen von diesem Grundsatz abgewichen werden kann, un d ob im vorliegenden Fall ein derartiger Ausnahmetatbestand gegeben ist. Im Entsche id 130 V 570 ff. hat das damalige Eid- genössische Versicherungsgericht (EVG, heute: Bundesgericht , sozialrechtliche Abteilungen) anhand der Entstehungsgeschichte dieser Bestimmung auf gezeigt, dass der Gesetzgeber die ausnahmsweise Zusprechung einer Parteientschädigung im E inspracheverfahren unter einer Bedingung als zulässig und geboten erachtete: Der Eins precher, der nicht über die erforderli- chen Mittel verfügt, um die Anwaltskosten selbst zu tragen , und der im Falle des Unterliegens die unentgeltliche Verbeiständung (Art. 37 Abs. 4 ATS G) hätte beanspruchen können, soll bei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Obsiegen vom unterliegenden Versicherungsträger entschädig t werden (BGE 130 V 572 f. E. 2.2 mit Hinweisen). Die Frage, ob Art. 52 Abs. 3 ATSG die Zusprechung einer Parteient- schädigung auch bei Vorliegen besonderer Umstände, etwa besonderer Aufwendungen oder Schwierigkeiten, unabhängig der Bewilligung der unen tgeltlichen Vertretung, zulässt, wurde bis anhin indessen offengelassen. In seinem jüngsten Urteil zu dieser Thematik hat das Bundesge- richt diese Frage in Bestätigung seiner bisherigen Rec htsprechung verneint (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2018, 9C_877/2017, E. 8.2). 6.3 Hinsichtlich der sachlichen Gebotenheit der Verbeistän dung ist im sozialversicherungs- rechtlichen Verwaltungsverfahren ein strenger Massstab anzulegen; eine anwaltliche Vertretung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, in denen schwie rige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine Verbeiständung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozial er Institutionen) nicht in Betracht fällt (BGE 132 V 200 f. E. 4.1, 125 V 35 f. E. 4b, 117 V 408 f. E. 5a; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 5.3). Dabei sind die U mstände des Einzelfalls, die Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie die Besond erheiten des jeweiligen Verfahrens zu berücksichtigen. Neben der Komplexität der Rechtsfrage n und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch in der Person des Betroffenen l iegende Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Fal ls ein besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung des Bedürftigen droht, ist die Verbeiständung grundsätzlich geboten, andernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls besondere ta tsächliche oder rechtliche Schwierig- keiten hinzukommen, denen der Gesuchsteller auf sich alle ine gestellt nicht gewachsen ist (BGE 132 V 200 f. E. 4.1, 125 V 35 f. E. 4b; vgl. au ch Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2, je mit Hinwe isen). Die sachliche Notwendigkeit wird nicht allein dadurch ausgeschlossen, dass das in Frage stehende Verfahren von der Offizialma- xime oder dem Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, die Behörde also gehalten ist, an der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhaltes mitzuwir ken (BGE 130 I 183 f. E. 3.2 und 3.3 mit Hinweisen). 6.4 Der Beschwerdeführer begründet die Notwendigkeit des Beizugs eines rechtskundigen Rechtsvertreters für die Erhebung der Einsprache gegen d ie Verfügung vom 31. Oktober 2017 im Wesentlichen mit der darin enthaltenen falschen Rech tsmittelbelehrung, wonach gegen die besagte Verfügung innert 30 Tagen Beschwerde beim Kan tonsgericht zu erheben sei. Da im Rahmen des gerichtlichen Beschwerdeverfahrens die Notwen digkeit einer Verbeiständung un- ter weniger strengen Voraussetzungen bejaht werde, wür den aufgrund der falschen Rechtsmit- telbelehrung vorliegend auch diese Kriterien zum Trage n kommen. Es ist dem Beschwerdefüh- rer zwar dahingehend zuzustimmen, dass die Beantwortun g der Frage nach der in der vorlie- genden Sache zuständigen Instanz einem rechtsunkundigen juristischen Laien nicht zuzumuten ist, zumal auch die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführe rs diesbezüglich einige Abklärungen tätigen musste. Indessen rechtfertigt diese Tatsache nich t, die Anforderungen an die sachliche Gebotenheit einer Verbeiständung herabzusetzen. Auch ka nn nicht (allein) daraus auf die Er- forderlichkeit einer sachkundigen Rechtsvertretung für das Einspracheverfahren geschlossen werden (vgl. E. 6.3 hiervor). Wie die Beschwerdegegne rin zutreffend ausführt, wäre dem Be- schwerdeführer mit Blick auf die Prüfung der Zuständigkei t und die Weiterleitungspflicht von Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Amtes wegen aus der Einreichung bei der unzuständigen B eschwerdeinstanz kein (rechtlicher) Nachteil erwachsen. Inhaltlich ging es beim vorliegen den Sachverhalt darum, am Revisionsge- such vom 23. März 2017 festzuhalten. Die Beschwerdegegneri n lehnte eine Behandlung des- selben mangels Rechtsschutzinteresses ab. Der vorliegende S achverhalt wirft damit keine schwierigen Fragen auf und auch hinsichtlich der sich stel lenden Rechtsfragen kann keine be- sondere Komplexität festgestellt werden. Die Verfügung vom 31. Oktober 2017 erweist sich zudem als ausreichend begründet und verständlich. Der Beschwerdeführer hatte im Ein- spracheverfahren sein Interesse an der Überprüfung der Verfügung vom 16. Februar 2015 dar- zulegen, wozu es keiner anwaltlichen Vertretung bedurft e. Auch ein Mitarbeiter einer öffentli- chen Institution hätte die Interessenvertretung des Beschwerdeführers wahrnehmen können. Es ist nicht einsehbar und der Beschwerdeführer legt auch nicht dar, inwiefern es ihm nicht möglich gewesen sein soll, sein Interesse an der Überprüfung der Verfügung vom 16. Februar 2015 zu bekräftigen. Beachtet man zusätzlich, dass an die Notwendi gkeit bzw. sachliche Gebotenheit (der anwaltlichen Vertretung) aufgrund der in diesem Verfahren geltenden Offizialmaxime strenge Voraussetzungen zu stellen sind (vgl. E. 6.3 hie rvor), so ist die Notwendigkeit der an- waltlichen Vertretung im vorliegenden Fall zu verneine n. Damit erübrigt sich eine Prüfung der weiteren Voraussetzungen (Bedürftigkeit/Aussichtslosigkeit). Es ist daher im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass die Kasse die Ausrichtung einer Partei entschädigung abgelehnt hat. In die- sem Punkt ist die Beschwerde daher abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Diese werden vom Gericht festge setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und na ch der Schwierigkeit des Prozesses be- messen. Nachdem der Beschwerdeführer im Grundsatz obsiegt hat, besitzt er Anspruch auf Ersatz seiner Parteikosten. Der in der Honorarnote vom 1 5. Oktober 2018 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Zeitaufwand von 7 Stunden und 26 Minuten erweist sich in Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarif- ordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen i m Umfang von Fr. 37.50. Dem Be- schwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘041.80 (7 Stunden und 26 Minuten à Fr. 250.-- sowie 7.7% Mehrwertsteuer ) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Einspr acheentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 9. April 2018 wird auf- gehoben. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland wir d angewie- sen, auf das Revisionsgesuch des Beschwerdeführers einzutreten. 2. Der Antrag auf Ausrichtung einer Parteientschädigun g im Einsprache- verfahren wird abgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat de m Beschwerdefüh- rer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘041 .80 (inkl. Ausla- gen und 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.