<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>61</b></span> <span class="ft4"><b>Zeitpunkt der Besteuerung von Vorsorgeleistungen aus der 2. Säule (§ 31</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Abs. 1 und 2 StG, § 45 Abs. 1 lit. a StG)</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Keine Überweisung von Pensionskassenguthaben (2. Säule) auf Freizügig-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>keitseinrichtungen nach der ordentlichen Pensionierung mehr möglich.</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Die Besteuerung erfolgt im Zeitpunkt des Erreichens des ordentlichen</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Pesnionsalters.</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft6">vom 22. Oktober 2015 in Sachen V.H. (3-RV.2015.97)</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrentin wurde am X. Mai 2013 64 Jahre alt und er-</span><br/> <span class="ft1">reichte damit das ordentliche Pensionsalter. Dessen ungeachtet arbei-</span><br/> <span class="ft1">tete sie bis mindestens Ende 2013 für die gleiche Arbeitgeberin wei-</span><br/> <span class="ft1">ter (vgl. Lohnausweis der O. AG vom 31. Dezember 2013). Gemäss</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">340</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">den Lohnabrechnungen für die Monate Juni bis Dezember 2013 be-</span><br/> <span class="ft1">zahlte die Rekurrentin keine Beiträge an die zuständige Pensions-</span><br/> <span class="ft1">kasse S. mehr. Die Pensionskasse S. erstellte am 22. Mai 2013 eine</span><br/> <span class="ft1">Austrittsabrechnung mit einer per 31. Mai 2013 berechneten</span><br/> <span class="ft1">Austrittsleistung von CHF (...).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Austrittsleistung wurde auf zwei Freizügigkeitskonti über-</span><br/> <span class="ft1">tragen: CHF (...) wurden mit Valuta 31. Mai 2013 dem Freizügig-</span><br/> <span class="ft1">keitskonto bei der A.-Bank gutgeschrieben, CHF (...) mit gleicher</span><br/> <span class="ft1">Valuta dem Freizügigkeitskonto bei der B.-Freizügigkeitsstiftung.</span><br/> <span class="ft1">Per 31. Dezember 2013 bestanden diese Freizügigkeitskonti</span><br/> <span class="ft1">unverändert.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 31 Abs.1 StG sind alle Einkünfte aus der Alters-, Hin-</span><br/> <span class="ft1">terlassenen- und Invalidenversicherung, aus Einrichtungen der</span><br/> <span class="ft1">beruflichen Vorsorge und aus anerkannten Formen der gebundenen</span><br/> <span class="ft1">Selbstvorsorge, mit Einschluss der Kapitalabfindungen und Rück-</span><br/> <span class="ft1">zahlungen von Einlagen, Prämien und Beiträgen steuerbar. Als</span><br/> <span class="ft1">Einkünfte aus beruflicher Vorsorge gelten insbesondere Leistungen</span><br/> <span class="ft1">aus Vorsorgekassen, aus Spar- und Gruppenversicherungen sowie aus</span><br/> <span class="ft1">Freizügigkeitspolicen und Freizügigkeitskonten (§ 31 Abs. 2 StG).</span><br/> <span class="ft1">Dabei werden Kapitalzahlungen aus beruflicher Vorsorge der 2. Säu-</span><br/> <span class="ft1">le (§ 45 Abs. 1 lit. a StG) und Kapitalzahlungen aus gebundener</span><br/> <span class="ft1">Vorsorge Säule 3a (§ 45 Abs. 1 lit. b StG) getrennt vom übrigen</span><br/> <span class="ft1">Einkommen mit einer Jahressteuer zu 40 % des Tarifes erfasst. Die</span><br/> <span class="ft1">allgemeinen Abzüge und die Sozialabzüge werden nicht berücksich-</span><br/> <span class="ft1">tigt. Sämtliche im gleichen Jahr ausgerichteten Kapitalzahlungen</span><br/> <span class="ft1">nach § 45 Abs. 1 lit. a und lit. b StG sind zusammen zu versteuern</span><br/> <span class="ft1">(§ 45 Abs. 2 StG).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">4.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Es ist unbestritten, dass die Kapitalzahlung aus der Säule 3a im</span><br/> <span class="ft1">Betrag von CHF (...) der Besteuerung nach § 31 Abs. 1 StG i.V.m.</span><br/> <span class="ft1">§ 45 Abs. 1 lit. b StG unterliegt. Dementsprechend hat die Steu-</span><br/> <span class="ft1">erkommission R. die der Rekurrentin ausbezahlte Kapitalzahlung mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">341</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Veranlagungsverfügung vom 22. August 2013 erfasst. Die Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrentin hat diese Veranlagung (Jahressteuer) zu Recht nicht</span><br/> <span class="ft1">angefochten.</span><br/> <span class="ft1">Umstritten ist (...), ob die von der Rekurrentin auf zwei Frei-</span><br/> <span class="ft1">zügigkeitskonti übertragene Austrittsleistung aus der 2. Säule zu-</span><br/> <span class="ft1">sammen mit der Auszahlung aus der Säule 3a der Besteuerung</span><br/> <span class="ft1">(Jahressteuer) im Jahr 2013 unterliegt.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 10 Abs. 2 lit. a BVG endet die Versicherungspflicht,</span><br/> <span class="ft1">wenn das ordentliche Rentenalter erreicht wird. Anspruch auf Alters-</span><br/> <span class="ft1">leistungen haben Frauen, die das 64. Altersjahr zurückgelegt haben</span><br/> <span class="ft1">(Art. 13 Abs. 1 lit. b BVG in der seit dem 1. Januar 2005 gültigen</span><br/> <span class="ft1">Fassung). Nach Art. 33b BVG kann die Vorsorgeeinrichtung in ihrem</span><br/> <span class="ft1">Reglement zwar vorsehen, dass auf Verlangen der versicherten Per-</span><br/> <span class="ft1">son deren Vorsorge bis zum Ende der Erwerbstätigkeit, höchstens je-</span><br/> <span class="ft1">doch bis zur Vollendung des 70. Altersjahres, weitergeführt wird. Da-</span><br/> <span class="ft1">bei handelt es sich um die Weiterführung der bisherigen Vorsorge.</span><br/> <span class="ft1">Der versicherten Person steht bei Beendigung der Erwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft1">nach Erreichen des reglementarischen Rücktrittsalters, aber vor</span><br/> <span class="ft1">Erreichen des maximalen Endalters von 70 Jahren jedoch kein An-</span><br/> <span class="ft1">spruch auf Barauszahlung nach Art. 5 FZG mehr zu (Hans-Ulrich</span><br/> <span class="ft1">Stauffer, Berufliche Vorsorge, 2. Auflage, Zürich 2012, S. 253,</span><br/> <span class="ft1">Rz 691). Für die Freizügigkeitsleistung gilt das FZG (Art. 27 BVG).</span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 2 Abs. 1 FZG haben Versicherte, welche die Vor-</span><br/> <span class="ft1">sorgeeinrichtung verlassen, bevor ein Vorsorgefall eintritt (Freizü-</span><br/> <span class="ft1">gigkeitsfall), Anspruch auf eine Austrittsleistung. Versicherte können</span><br/> <span class="ft1">auch eine Austrittsleistung beanspruchen, wenn sie die Vorsor-</span><br/> <span class="ft1">geeinrichtung zwischen dem frühestmöglichen und dem ordentlichen</span><br/> <span class="ft1">reglementarischen Rentenalter verlassen und die Erwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft1">weiterführen oder als arbeitslos gemeldet sind. Bestimmt das</span><br/> <span class="ft1">Reglement kein ordentliches Rentenalter, so ist das Alter nach Art.</span><br/> <span class="ft1">13 Abs. 1 BVG massgebend (Art. 2 Abs. 1</span><span class="ft10"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">FZG). Stauffer, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 450 Rz. 1223, führt dazu aus:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">342</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">"Erst mit der Aufnahme von Art. 2 Abs. 1</span><span class="ft10"><sup>bis</sup></span> <span class="ft6">FZG wurde eine klare</span><br/> <span class="ft6">Rechtsgrundlage geschaffen. Der auf den 1. Januar 2010 in Kraft getretene</span><br/> <span class="ft6">Absatz gibt Versicherten das Recht, zwischen dem Eintritt der vorzeitigen</span><br/> <span class="ft6">Pensionierung einerseits oder der Ausrichtung der Freizügigkeitsleistung</span><br/> <span class="ft6">andererseits zu wählen, wenn sie nach dem Erreichen des reglementarischen</span><br/> <span class="ft6">Alters für eine vorzeitige Pensionierung die Vorsorgeeinrichtung verlassen</span><br/> <span class="ft6">und weiter erwerbstätig oder als arbeitslos gemeldet sind. falls das Regle-</span><br/> <span class="ft6">ment kein ordentliches Pensionierungsalter enthält, gilt das BVG-Rücktritts-</span><br/> <span class="ft6">alter. Somit können Versicherte anstelle der Altersrente die Freizügigkeits-</span><br/> <span class="ft6">leistung erhalten, wenn ihnen dies vorteilhafter erscheint. Eine</span><br/> <span class="ft6">reglementarische zwingende vorzeitige Pensionierung ist nur noch möglich,</span><br/> <span class="ft6">wenn Versicherte weder ihre Erwerbstätigkeit fortsetzen noch als arbeitslos</span><br/> <span class="ft6">gemeldet sind."</span><br/> <span class="ft1">5.3.</span><br/> <span class="ft1">Das Kreisschreiben Nr. 41 "Freizügigkeit in der beruflichen Al-</span><br/> <span class="ft1">ters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge" der Eidgenössischen</span><br/> <span class="ft1">Steuerverwaltung vom 18. September 2014 behandelt - wie es der</span><br/> <span class="ft1">Titel sagt - die Auswirkungen des Freizügigkeitsgesetzes im Hin-</span><br/> <span class="ft1">blick auf steuerliche Belange. In Bezug auf die in den Erw. 4.1. und</span><br/> <span class="ft1">4.2. genannten gesetzlichen Grundlagen in BVG und FZG werden -</span><br/> <span class="ft1">selbstverständlich - keine neuen oder anderen Grundsätze aufge-</span><br/> <span class="ft1">stellt. Es ist dabei unbestritten, dass das Vorsorgeguthaben im Vorsor-</span><br/> <span class="ft1">gekreislauf bleibt, wenn die Übertragung von einer Pensionskasse</span><br/> <span class="ft1">auf eine Freizügigkeitseinrichtung berechtigterweise erfolgt.</span><br/> <span class="ft1">5.4.</span><br/> <span class="ft1">Das Reglement der Pensionskasse S. sieht keine Möglichkeit</span><br/> <span class="ft1">vor, bei fortgesetzter Tätigkeit für das Unternehmen in der Pensions-</span><br/> <span class="ft1">kasse mit freiwilliger Versicherung gemäss Art. 46 f. BVG zu bleiben</span><br/> <span class="ft1">(Art. 3 Abs. 4 des Reglementes).</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">6.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrentin wurde am X. Mai 2013 64 Jahre alt und wurde</span><br/> <span class="ft1">per Ende Mai 2013 ordentlich pensioniert. Das Reglement der Pensi-</span><br/> <span class="ft1">onskasse S. gab ihr nicht die Möglichkeit, das Vorsorgeverhältnis bis</span><br/> <span class="ft1">zum Ende der Erwerbstätigkeit, längstens jedoch bis zum Erreichen</span><br/> <span class="ft1">des 70. Altersjahres fortzusetzen (Art. 3 Abs. 4 des Reglementes).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">343</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Rekurrentin führte ihre Erwerbstätigkeit nach dem Erreichen des</span><br/> <span class="ft1">ordentlichen Pensionsalters fort. Die Austrittsleistung liess sie auf</span><br/> <span class="ft1">zwei Konti bei Freizügigkeitseinrichtungen übertragen.</span><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">Für die Übertragung der Austrittsleistung nach Erreichen des</span><br/> <span class="ft1">ordentlichen Rücktrittsalters auf eine Freizügigkeitseinrichtung be-</span><br/> <span class="ft1">steht entgegen der Auffassung der Rekurrentin keine Möglichkeit.</span><br/> <span class="ft1">Freizügigkeitsleistungen sind nur bis zum Eintritt eines Vorsorge-</span><br/> <span class="ft1">falles möglich. Der Vorsorgefall "Alter" trat mit der Abrechnung und</span><br/> <span class="ft1">dem Austritt aus der Pensionskasse S. per X. Mai 2013 ein. Art. 2</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1</span><span class="ft10"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">FZG kommt nach Erreichen des ordentlichen Pensionsalters</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr zur Anwendung. Insofern ist der Verweis auf den</span><br/> <span class="ft1">BGE 120 V 306 (welcher zudem mit BGE 129 V 381 ff. relativiert</span><br/> <span class="ft1">wurde) nicht relevant.</span><br/> <span class="ft1">Art. 12 Abs. 1 und 16 Abs. 1 FZV sind nur dann anwendbar,</span><br/> <span class="ft1">wenn eine Übertragung auf eine Freizügigkeitseinrichtung im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von Art. 10 FZV überhaupt möglich ist, was hier gerade nicht der</span><br/> <span class="ft1">Fall ist.</span><br/> <span class="ft1">6.3.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Austrittsleistung der</span><br/> <span class="ft1">Pensionskasse S. trotz deren unzulässigen Überweisung an zwei</span><br/> <span class="ft1">Freizügigkeitseinrichtungen mit dem Erreichen des Pensionsalters</span><br/> <span class="ft1">fällig wurde. Sie ist damit im Jahr 2013 steuerlich zu erfassen.</span><br/> <span class="ft1">6.4.</span><br/> <span class="ft1">Die Steuerkommission R. hat die Austrittsleistung aus der</span><br/> <span class="ft1">2. Säule von CHF (...) zusammen mit der Auszahlung aus der Säule</span><br/> <span class="ft1">3a mit einer Jahressteuer zum Vorsorgetarif erfasst. Das ist nicht zu</span><br/> <span class="ft1">beanstanden.</span><br/></div> </div> </body> </html>