A. Verwaltungsentscheide 1464 23 1464 Lärmschutzrecht: Anforderungen an die Lärmsanierung eines Glockenspiels. Die geplante Schallverbretterung erw eist sich im vorliegenden Fall als eine zweckmässige Sanierungsm assnahme im Sinne von Art. 13 LSV. Aus den Erwägungen: 4. a) Bei dem Glockenspiel der evangelisch -reformierten Kirche handelt es sich um eine mit einer Baute dauerhaft v erbundene ortsfeste Einrichtung und damit um eine Anlage im S inne von Art. 7 Abs. 7 USG und Art. 2 Abs. 1 der Lärmschutz -Verordnung (LSV; SR 814.41). Ein von der Gemeinde T. in Auftrag gegeben es Lärm - gutachten hat ergeben, dass der Schallpegel des Glo ckenspiels in unmittelbarer Umgebung zur Kirche nachts zu übermäs sigen Immissionen führt. Nach Art. 13 Abs. 1 LSV ordnet die Vollzugs - behörde die notwendigen Sanierungen an, wenn ortsfe ste Anlagen wesentlich zur Überschreitung der Immissionsgrenzwe rte beitragen. Mit dem Einbau von Holzjalousien wird bezweckt, den Schallpegel des Glockenspiels bzw. die übermässige Lärmbelastun g zu ver - mindern und damit der angesprochenen Sanierungspfli cht nachzu - kommen. b) Die Lärmimmissionen ortsfester Anlagen sind grundsä tzlich anhand der vom Bundesrat festgelegten Belastungsgre nzwerte (An - hänge 3 –8 LSV) zu beurteilen (Art. 40 Abs. 1 LSV). Für die Lärmbelastung durch Glockenspiele existieren jedoch keine fest - gelegten Grenzwerte. Deshalb sind die Immissionen i m Einzelfall gemäss Art. 40 Abs. 3 LSV i.V .m. Art. 15, 19 und 23 USG zu bewerten. Dabei ist eine Interessensabwägung vorzun ehmen zwi - schen dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung, dem Intere sse an der lärmverursachenden Tätigkeit und dem Charakter des Lärms, dem Zeitpunkt und der Häufigkeit des Auftretens. Im Wei teren sind die Lärmempfindlichkeit und die Lärmvorbelastung zu ber ücksichtigen. Es ist jedoch nicht auf das subjektive Lärmempfinden e inzelner Personen abzustellen, sondern eine objektivierte Betrachtung unter Berück - sichtigung von Personen mit erhöhter Empfindlichkei t vorzunehmen. Gemäss Untersuchungen der Suva entsteht bei einem m ittel- grossen Kirchturm und mittelgrossen Kirchenglocken in 50 m Entfer - nung im Innern eines Gebäudes bei gekipptem Fenster am Ohr des 23A. Verwaltungsentscheide 1464 24 Betroffenen ein Schallpegel von mehr als 60 db(A). Bei einem solchen Schalldruck ist nachts mit Aufwachreaktionen zu rec hnen, so dass von einer erheblichen Störung im Sinne von Art. 15 USG gesprochen werden muss (Urteil BGer 1A.159/2005 vom 20.02.2005 , E. 2 f.). Da die Lärmmessungen aufgezeigt haben, dass der Schall pegel des Glockenspiels diesen Wert in der Umgebung der evang elisch-refor- mierten Kirche T. und insbesondere beim Gasthaus de s Rekurrenten teilweise überschreitet, ist die Anlage nach Art. 13 LSV sanierungs - bedürftig, was von den Parteien nicht bestritten wi rd. Im Folgenden gilt es damit zu prüfen, ob der Schallpegel des Glo ckenspiels durch die geplante Schallverbretterung den Anforderungen von Art. 13 LSV zu entsprechen vermag. 5. a) Die Sanierung einer ortsfesten Anlage hat soweit zu erfolgen, als dies technisch und betrieblich möglic h und wirtschaftlich tragbar ist. Die Immissionsgrenzwerte dürfen dabei auf keinem Fall überschritten werden (Art. 13 Abs. 2 lit. a LSV). Stehen keine über - wiegenden Interessen entgegen, so ist den Massnahme n, welche die Lärmerzeugung verhindern oder verringern, gegenüber den Mass - nahmen, die lediglich die Lärmausbreitung verhinder n oder verringern, der Vorzug zu geben (Art. 13 Abs. 3 LSV). b) In den ländlichen Gemeinden des Kantons Appenzell A usser- rhoden entspricht es einer langen Übung, dass von K irchtürmen die Uhrzeit mit Viertelstunden - und Stundeschlägen angezeigt wird. Dieser Tradition folgen auch verschiedene längere L äuten, wie zum Beispiel das Morgenläuten der evangelisch -reformierten Kirche in T. um 6 Uhr morgens. Da es sich bei den angesprochenen Läuten um eine seit vielen Jahren geübte Sitte handelt, ist b eim Abwägen der widerstreitenden Interessen den besonderen örtliche n Verhältnissen Rechnung zu tragen. Soweit es sich um Anlässe mit lokaler Ausprägung oder Tradition handelt, ist den örtliche n Behörden ein gewisser Beurteilungsraum zuzugestehen (BGE 126 II 300 E. 4c). Es kann im Weiteren insgesamt davon ausgegangen werden , dass sich in T. nicht ein wesentlicher Teil der Bevölkerung d urch das nächtliche und frühzeitliche Läuten im Wohlbefinden wesentlich gestört fühlt, sondern dass dieses im Gegenteil mehrheitlich akzep tiert bzw. geschätzt wird. An der Aufrechterhaltung dieser Tra dition besteht damit ein gewisses öffentliches Interesse, selbst w enn nicht alle Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde T. diese Einschätzung zu teilen vermögen. Demzufolge sieht sich das Depar tement Bau und 24A. Verwaltungsentscheide 1464 25 Umwelt nicht veranlasst, von der Beurteilung der mi t den örtlichen Verhältnissen besser vertrauten Baubewilligungskomm ission abzu - weichen. Das angesprochene öffentliche Interesse is t vielmehr als überwiegendes Interesse im Sinne von Art. 13 Abs. 3 LSV zu qualifizieren, womit in erster Linie Sanierungsmass nahmen zu treffen sind, welche den eigentlichen Zweck der Schallerzeu gung unberührt lassen und lediglich die Lärmausbreitung vermindern . In Anbetracht dieser Umstände ist nicht zu beanstanden, dass die Baubewilli- gungskommission T. baulichen Massnahmen gegenüber E inschrän- kungen der Läutordnung den Vorzug gewährt. c) Das Departement Bau und Umwelt vertritt im Weiteren die Auffassung, dass der Einbau der Holzjalousien zweck mässig und geeignet ist, die Ausbreitung des Schallpegels im S inne von Art. 13 LSV zu vermindern, zumal die Bauarbeiten von einer in der Kirch- turmtechnik renommierten Firma ausgeführt werden, w elche mit ähnlichen Problemstellungen schon in verschiedenen Schweizer Gemeinden konfrontiert wurde. Die geplante Schallve rbretterung dient der Regulierung und Verbesserung der Schallabstrahl ung aus dem Glockenturm, wobei die Wandflächen der Glockenstube als Frequenz- modulator zur Absorbierung gewisser Frequenzbereich e wirken (Offerte der J.M. AG vom 26. Oktober 2007). Demgemä ss ist davon auszugehen, dass der Schall vom Holz aufgesogen und gedämpft wird, ohne das Mauerwerk dabei negativ zu beeinflusse n. Zudem ist nicht ersichtlich, weshalb eine Reduktion des Schal lpegels störend wirken sollte, zumal der Glockenklang durch die nat ürliche Dämmung keinesfalls verändert werden soll und der Rekurrent entsprechende Behauptungen nicht zu substantiieren vermag. Im Wei teren vermag das Bauvorhaben gemäss Art. 52 der Bauverordnung (BauV; bGS 721.11) den bau - und planungsrechtlichen Vorschriften zu ent - sprechen, womit für dieses zu Recht die Bewilligung erteilt wurde. 6. a) Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, das s die geplante Schallverbretterung als zweckmässige S anierungsmass- nahme im Sinne von Art. 13 LSV einzustufen ist und das Bauvorhaben den öffentlich -rechtlichen Vorschriften entspricht. Daher ist nicht zu beanstanden, dass keine Einschränkung de r Betriebs - zeiten bzw. eine Änderung des Läutreglements vorgen ommen wurde. Aufgrund dessen ist der Rekurs abzuweisen. Da es in der Natur der Sache liegt, dass eine gewisse restliche Unsicherhe it bestehen b leibt, ob nach dem Einbau der Holzjalousien der nach Massg abe von 25A. Verwaltungsentscheide 1465 26 Art. 15 USG ermittelte Immissionsgrenzwert nicht mehr üb erschritten wird, hat der Gemeinderat T. die Sanierungsmassnahm e zu über - prüfen. Daher erscheint es zweckmässig nach dem Ein bau der Holzjalousien an den im Lärmgutachten aufgeführten Me sspunkten eine Abnahmemessung vorzunehmen. Dabei ist hervorzu heben, dass die Bauherrschaft verpflichtet wäre, entsprechende verschärfte Sanie - rungsmassnahmen zu treffen, wenn nachts bei gekippt em Fenster der Schallpegel von 60 db (A) weiterhin überschritten w ürde. Departement Bau und Umwelt, 28.08.2008 1465 Nutzungsplanverfahren . Ist davon auszugehen, dass mit der be - absichtigten Einzonung öffentliche Interessen verle tzt werden, ist das geringfügige Zonenplanverfahren nicht anwendbar. Aus den Erwägungen: 4.1 Gemäss Art. 52 Abs. 3 BauG gelten Änderungen an Nutzungsplänen als geringfügig, wenn damit keine öf fentlichen Interessen verletzt werden, damit keine Änderung de s dem Nutzungsplan zugrunde liegenden Konzepts einhergeht und bei Zonenplänen eine kleine Fläche betroffen ist (in de r Regel höchstens 3'000 m 2). Umstritten ist im vorliegenden Fall, ob mit der vorgesehenen Umzonung von der Zone für öffentliche Bauten in die Wohnzone öffentliche Interessen verletzt werden, wi e dies der Rekurrent geltend macht. 4.2 Die vorliegend umstrittenen Fläche wurde ursprüngli ch als Spielfläche für den angrenzenden Kindergarten ausge schieden. Der Kindergarten wird seit fünf Jahren nicht mehr genut zt. Die Spielfläche wird jedoch weiterhin vor allem von jüngeren Kindern int ensiv genutzt. Die Gemeinde G. sah sich deshalb veranlasst, unter anderem um die Anwohner vor übermässigen Lärmimmissionen zu schütz en, ein Be - nutzungsreglement zu erlassen. Die weiterbestehende Nutzung de r Spielfläche sowie der Erlass dieses Benützungsregle ments weisen darauf hin, dass nach wie vor ein öffentliches Inte resse an dieser Spielfläche und damit an der bestehenden Zonierung gegeben ist. Bestärkt wird diese Ansicht durch die hohe Anzahl v on Befürwortern 26