Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Januar 2020 (715 19 320 / 12) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Aussagekraft eines ärztlichen Attests Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld A. Die 1986 geborene A.____ war bis 31. Dezember 2018 beim Verein B.____ als Ge- schäftsführerin tätig. Am 7. Januar 2019 meldete sie sic h beim zuständigen Regionalen Ar- beitsvermittlungszentrum (RAV) X.____ an und erhob be i der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) ab 7. Januar 2019 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Am 18. Juni 2019 attestierte Dr. med. C.____ FMH Kinder - und Jugendpsychiatrie und - psychotherapie, vom 13. Juni 2019 bis 31. Juli 2019 ein e vollständige Arbeitsunfähigkeit. Mit Verfügung Nr. 1607/2019 vom 23. Juli 2019 lehnte die Arbeitslosenkasse einen Anspruch von A.____ auf Arbeitslosentaggelder infolge Krankheit ab 13. Juli 2019 ab. Daran hielt sie auch auf Einsprache der Versicherten hin mit Entscheid vom 9. September 2019 fest. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob A.____ am 18. September 2019 Besch werde beim Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei sie sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 9. September 2019 und die Ausrichtung der Taggel- der vom 16. bis 31. Juli 2019 beantragte. Zur Begrün dung machte sie im Wesentlichen geltend, dass sie seit dem 16. Juli 2019 wieder arbeitsfähig se i und sich im Kontrollmonat Juli 2019 hin- reichend um Arbeit bemüht habe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 7. November 2019 schloss d ie Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Ab s. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlieg end hat die Beschwerdeführerin die Kon- trollpflicht im Kanton Baselland erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die bei m sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 18. September 2019 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO (in der ab 1. Januar 2019 g eltenden Fassung) entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrech t des Kantonsgerichts Streitigkei- ten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Pr äsidialentscheid. Streitig ist, ob die Be- schwerdegegnerin die Anspruchsberechtigung der Beschwer deführerin für die Zeit ab 13. Juli 2019 zu Recht verneint hat. Bei einem Taggeld von Fr. 237.65 und 12 streitigen Tagen in der Kontrollperiode Juli 2019 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 2'851.80 (12 Tage à Fr. 237.65). Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt n ach Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwei z wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG ist eine Person vermittl ungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzuneh men. Zur Vermittlungsfähigkeit gehören als objektive Kriterien zum einen die Arbeitsfähigkeit , verstanden als körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, soziale Eignung und Verfügbarkeit i n räumlicher und in zeitlicher Hinsicht (THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit, 3. Auflage 2016, S. 2345 N 264; GERHARD GERHARDS, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, Bern 1982, N 2 7 ff. zu Art 15 AVIG) sowie zum anderen die Arbeitsberechtigung. Als subjektive Kompon ente der Vermittlungsfähigkeit wird die Bereitschaft vorausgesetzt, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen wäh- rend der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 125 V 58 E 6a, 123 V 216 E. 3a, 120 V 388 E. 3a, 112 V 137 E. 3 und 217 E. 1a; N USSBAUMER , a.a.O., S. 2348 N 270.; B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherun gsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insol venzentschädigung, 4. Auflage, Zü- rich 2013, S. 69). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 1 AVIG haben Versicherte, die unter anderem wegen Krankheit vorübergehend nicht oder nur vermindert arbeits- und ve rmittlungsfähig sind, Anspruch auf das volle Taggeld, sofern sie die übrigen Anspruchsvoraussetzun gen erfüllen. Dieser Anspruch dauert längstens bis zum 30. Tag nach Beginn der ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit und ist innerhalb der Rahmenfrist auf 44 Taggelder be schränkt. Sinn und Zweck dieser Aus- nahmeregelung besteht darin, trotz Vermittlungsunfähi gkeit und damit an sich fehlender An- spruchsberechtigung Härtefälle zu vermeiden und Lücken i m Bereich der "Nahtstellen" zwi- schen der Arbeitslosenversicherung sowie insbesondere der K ranken- und Unfallversicherung zu schliessen und somit namentlich unter anderem bei Kran kheit einen vorübergehend zeitlich limitierten Taggeldanspruch bestehen zu lassen (BGE 128 V 155 E. 3b; ARV 2001 Nr. 21 S. 166 E. 6a/b). Art. 28 Abs. 1 AVIG weicht somit vom Grundprinzip der Arbeitslosenversiche- rung ab, wonach Leistungen nur bei Vermittlungsfähigke it der versicherten Person in Betracht kommen (BGE 117 V 246 f. E. 3c), und erfasst – im Unter schied zu Art. 15 Abs. 2 Satz 1 AVIG – die Fälle bloss vorübergehend fehlender oder vermi nderter Arbeitsfähigkeit (BGE 126 V 127 E. 3b; GERHARDS , a.a.O., Bd. I, N 5 zu Art. 28). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 5 Satz 1 AVIG muss der Arbeitslose seine Arbeits(un)fähigkeit mit einem ärztlichen Zeugnis nachweisen. Obwohl einem solc hen Zeugnis keine uneingeschränkte Beweiskraft zukommt, setzt die Bezweiflung seiner Richtigkeit das Vorliegen ernsthafter Gründe voraus (Urteil C 12/96 vom 10. September 1996 E. 2a) . Die Arbeitslosenkasse kann in jedem Fall eine vertrauensärztliche Untersuchung auf Kosten der Versicherung anordnen (Art. 28 Abs. 5 Satz 2 AVIG). Eine solche Massnahme ist vor allem dann angezeigt, wenn Verdacht auf ein "Gefälligkeitszeugnis" vorliegt (GERHARDS , a.a.O., N. 63 zu Art. 28 AVIG). Im Rahmen der Be- weiswürdigung im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge- setz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgra d der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines besti mmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Der Richter und die Richteri n haben vielmehr jener Sachverhaltsdar- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehens abläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 126 V 353 E. 5b). 3. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen di e vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüg ende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewie sen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1978, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gerich t seinen Entscheid nach dem Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. HANS ULRICH STAUFFER , Recht- sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligato- rische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 1998, S. 77). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Gesche- hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). 4. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspr uch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosentaggelder infolge Krankheit ab 13. Juli 20 19 zu Recht verneint hat. Der rechtser- hebliche Sachverhalt stellt sich wie folgt dar: Am 7. J anuar 2019 meldete sich die Beschwerde- führerin beim RAV an und erhob bei der Arbeitslosenka sse ab 7. Januar 2019 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. In der Folge eröffnete die Arbeitslosenkasse ab dem 7. Januar 2019 eine zweijährige Rahmenfrist für den Leistungsbezu g. Am 18. Juni 2019 attestierte Dr. C.____ vom 13. Juni 2019 bis 31. Juli 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In den Formularen „Angaben der versicherten Person“ für die Ko ntrollperioden Juni 2019 (act. 273) und Juli 2019 (act. 287) gab die Beschwerdeführerin jeweils an, vom 13. Juni bis 31. Juli 2019 vollständig arbeitsunfähig gewesen zu sein. Am 16. Juli 2019 meldete sie sich unter Hinweis auf einen Kantonswechsel per 15. Juli 2019 von der Arbeitsve rmittlung ab. Mit Verfügung Nr. 1607/2019 vom 23. Juli 2019 verneinte die Arbeit slosenkasse einen Anspruch der Versi- cherten auf Arbeitslosentaggelder infolge Krankheit ab 13. Juli 2019. Am 15. August 2019 hielt die Arbeitslosenkasse fest, dass die per 15. Juli 2019 e rfolgte Abmeldung von der Arbeitsver- mittlung allenfalls verschoben werden könne und fordert e die Beschwerdeführerin auf, die Wie- dererlangung der Arbeitsfähigkeit ab 15. Juli 2019 är ztlich bescheinigen zu lassen. Hernach könne die Restzahlung vorgenommen werden. Am 16. Augus t 2019 ersuchte die Öffentliche Arbeitslosenkasse Y.____ die Beschwerdegegnerin, den Kasse nwechsel per 1. August 2019 vorzunehmen. Ebenfalls am 16. August 2019 bescheinigte Dr . C.____ ab dem 16. Juli 2019 wiederum eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Am 22. August 2019 forderte die Beschwerdefüh- rerin von der Arbeitslosenkasse die Auszahlung der Taggel der vom 16. bis 31. Juli 2019. Da- raufhin wurde ihr am 22. August 2019 mitgeteilt, da ss die Abmeldung per 15. Juli 2019 erfolgt sei, weshalb keine weiteren Taggelder ausgerichtet würden. 5.1 Aufgrund der erwähnten Unterlagen ist erstellt un d unbestritten, dass die Versicherte vom 13. Juni 2019 mindestens bis 15. Juli 2019 vollständig arbeitsunfähig war. Die Arbeitslo- senkasse hat den Beginn ihrer krankheitsbedingten Arbeits unfähigkeit somit korrekt auf den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 13. Juni 2019 festgelegt und in der Folge bis zum 12. Juli 2019 insgesamt 30 Tage Kranken- taggelder ausbezahlt (vgl. Taggeldabrechnungen für die Kontrollmonate Juni 2019 [act. 278] und Juli 2019 [act. 291]). Damit war die maximal zulässig e Bezugsdauer von 30 Krankentag- geldern gemäss Art. 28 Abs. 1 AVIG am 12. Juli 2019 ab gelaufen. Einen darüberhinausgehen- den Anspruch auf (mindestens hälftige) Taggelder be sässe die Versicherte nur dann, wenn sie in der Folge 50 % oder mehr arbeitsfähig gewesen wä re (Art. 28 Abs. 4 AVIG). Dies ist aber nachweislich nicht der Fall; vielmehr belief sich ihre Arbeitsunfähigkeit bis zum 15. Juli 2019 auf 100 % (Zeugnis von Dr. C.____ vom 16. August 2019). S o lange die Periode 100%-iger Ar- beitsunfähigkeit anhält, entfällt aber ein Anspruch auf Taggelder, was von der Beschwerdefüh- rerin zu Recht nicht bestritten wird. 5.2.1 Streitig ist jedoch der Anspruch auf Taggelder für die Zeit vom 16. bis 31. Juli 2019. Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, aufg rund des echtzeitlichen Zeugnisses von Dr. C.____ vom 18. Juni 2019 sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vom 13. Juni 2019 bis 31. Juli 2019 vollständig arbeitsunf ähig war, wohingegen die nachträglich be- scheinigte Arbeitsfähigkeit ab 16. Juli 2019 (Zeugnis v on Dr. C.____ vom 16. August 2019) ein Gefälligkeitszeugnis darstelle und deshalb unbeachtlich sei. Demgegenüber rügt die Beschwer- deführerin, sie sei am 15. August 2019 aufgefordert w orden, die Wiedererlangung der Arbeits- fähigkeit ab 15. Juli 2019 ärztlich bescheinigen zu lasse n. Es gehe nicht an, aufgrund des At- tests von Dr. C.____ vom 16. August 2019 und der nachwei slich erbrachten Arbeitsbemühun- gen für die Kontrollperiode Juli 2019 die Vermittlun gsfähigkeit und damit den Anspruch auf ein Arbeitslosentaggeld zu verneinen. 5.2.2 Es mag sein, dass der Arztbericht von Dr. C.____ v om 16. August 2019 keine hinrei- chende Entscheidgrundlage darstellt. Es geht aber nicht an, das Zeugnis ohne weitere Abklä- rungen als Gefälligkeitsattest zu qualifizieren und di e Arbeitsfähigkeit der Versicherten im hier relevanten Zeitraum vom 16. bis 31. Juli 2019 (der Ka ssenwechsel ist auf Beginn einer Kon- trollperiode vorzunehmen [AVIG Praxis ALE, C191]) zu verneinen. Wie in Erwägung 2.4 hiervor ausgeführt, setzten Zweifel an der Richtigkeit eines är ztlichen Zeugnisses das Vorliegen ernst- hafter Gründe voraus. Solche Gründe ergeben sich aus den vorliegenden Unterlagen nicht. Soweit die Arbeitslosenkasse die Zuverlässigkeit des ärztl ichen Zeugnisses vom 16. August 2019 mit der Begründung in Frage stellt, es sei rückwir kend ausgestellt worden, ist ihr entge- genzuhalten, dass die tatsächlichen Verhältnisse massgeben d sind und sie selbst die Be- schwerdeführerin am 15. August 2019 ersuchte, die Wiede rerlangung der Arbeitsfähigkeit ab 15. Juli 2019 ärztlich bescheinigen zu lassen. Dieser Aufforderung kam die Beschwerdeführerin mit dem Einreichen des Zeugnisses von Dr. C.____ vom 16. A ugust 2019 nach. Vor diesem Hintergrund erscheint der nunmehr eingenommene Standp unkt der Beschwerdegegnerin, wo- nach im Nachhinein ausgestellte Arztzeugnisse nicht akze ptiert werden könnten, widersprüch- lich. Zudem sind rückwirkend ausgestellte ärztliche Beur teilungen nicht per se untauglich und damit unbeachtlich, weshalb der Auffassung der Beschwe rdegegnerin, es bedürfe stets einer echtzeitlichen ärztlichen Einschätzung der Arbeits(un)fähi gkeit, nicht gefolgt werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2009, 8C_195 /2009, E. 5). Es ist ihr zwar darin beizupflichten, als die Beschwerdeführerin in den Formu laren „Angaben der versicherten Per- son“ für die Kontrollperioden Juni und Juli 2019 jewe ils angab, vom 13. Juni bis 31. Juli 2019 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vollständig arbeitsunfähig gewesen zu sein, was aufgrun d der nachträglich bescheinigten Ar- beitsfähigkeit ab 16. Juli 2019 widersprüchlich erschein t. Gerade deshalb hätte sie aber zur Klärung der Sachlage weitere Abklärungen durchführen m üssen und dabei zumindest auch prüfen müssen, ob angesichts der getätigten Stellenbew erbungen gewisse Zweifel hinsichtlich der Schwere der Erkrankung anzubringen sind. So oder an ders fällt die Bescheinigung einer Arbeits(un)fähigkeit aber primär in den medizinischen A ufgabenbereich, wie sich implizit auch aus der Aufforderung der Arbeitslosenkasse vom 15. August 2019 (act. 298) ergibt. Vor diesem Hintergrund kann der Behauptung der Arbeitslosenkasse, wonach das Zeugnis von Dr. C.____ vom 16. August 2019 „als reines Gefälligkeitszeugnis zu we rten“ sei, nicht gefolgt werden. Wenn sie dem Attest von Dr. C.____ vom 16. August 2019 ke inen Glauben schenkt, hätte sie die Versicherte zumindest ausdrücklich auf das ihres Erachte ns nicht aussagekräftige Arzt- zeugnis hinweisen und ihr Gelegenheit geben müssen, ein e weitere ärztliche Stellungnahme einzureichen, welche Auskunft über den Verlauf der gesundheitlichen Entwicklung gibt und eine Begründung für die Wiedererlangung der Arbeitsfähig keit ab 16. Juli 2019 enthält. Anders zu entscheiden hiesse, der Versicherten eine Beweisführung slast aufzuerlegen, was sich laut Rechtsprechung mit dem Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) nicht vereinbaren liesse. Indem die Arbeitslosenversicherung von weiteren A bklärungen absah, hat sie den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig untersucht und damit ihre Abklärungspflicht ver- letzt. Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen, der ang efochtene Einspracheentscheid vom 9. September 2019 aufzuheben und die Angelegenheit z ur weiteren Abklärung und zur Neube- urteilung der Frage, ob die Beschwerdeführerin in der Zeit vom 16. bis 31. Juli 2019 Anspruch auf Taggelder hat, an die Vorinstanz zurückzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Eine Parteientschädigung der nicht anwaltlich ver tretenen Beschwerdeführerin nicht aus- gerichtet. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbs tändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tenen Einsprache- entscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse vom 9. Septe mber 2019 aufgehoben und die Angelegenheit zur Vornahme weite rer Abklärun- gen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht