Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. September 2018 (750 18 48 / 248) ____________________________________________________________________ Erwerbsersatzordnung Beträgt der Unterbruch zwischen zwei Zivildiensteinsätzen bei einer versicherten Person, die ein unregelmässiges Erwerbseinkommen erzielt, weniger als drei Monate, wird keine Neuberechnung des vordienstlichen Durchschnittseinkommens und damit der EO- Entschädigung vorgenommen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Ausgleichskasse Wirtschaftskammer 114 , Viaduktstrasse 42, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. A.____ schloss am 19. August 2014 seine zweijähr ige Ausbildung zum Metallbaukon- strukteur ab. Danach arbeitete er bis zum 24. Oktob er 2014 bei seinem ehemaligen Lehrbe- trieb. Am 27. Oktober 2014 trat er in die Rekrutens chule ein. Nach 23 Diensttagen, d.h. am 18. November 2014, brach er die Rekrutenschule ab, um Zivildienst zu leisten. Vom 29. Juni Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2015 bis 18. Dezember 2015 absolvierte er den ersten Teil des langen Zivildiensteinsatzes (172 Tage). Für die ersten 140 Tage Militär- und Zivildien st wurde dem Versicherten von der Aus- gleichskasse Wirtschaftskammer 114 (Ausgleichskasse) ein Taggel d in der Höhe der Grun- dentschädigung von Fr. 62.-- ausgerichtet. Ab dem 141. Diensttag, das heisst ab dem 26. Ok- tober 2015, wurde ihm ein Taggeld von 130.40 ausbezah lt, basierend auf einem durchschnittli- chen Tageseinkommen von Fr. 163.--. Am 29. Februar 201 6 trat er den zweiten Teil des Zivil- dienstes an. Dabei wurde ihm das minimale ordentliche Taggeld von Fr. 62.-- ausgerichtet, ba- sierend auf einem Durchschnittseinkommen von Fr. 67.--. Mit dieser Berechnung war A.____ nicht einverstanden u nd verlangte am 21. Mai 2016 eine beschwerdefähige Verfügung. Am 23. Juni 2016 erliess d ie Ausgleichskasse diese Verfügung und entschied, dass der Versicherte in der Dienstperiode vom 29. Februar 2016 bis 31. März 2016 bei einem durchschnittlichen Tageseinkommen von Fr . 67.-- Anspruch auf einen Tages- ansatz von Fr. 62.-- habe. Die dagegen von A.____ am 8. Juli 2016 erhobene Einsprache wies die Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom 1. September 2016 ab. Gegen diesen Ent- scheid erhob der Versicherte am 30. September 2016 Besch werde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, und bean tragte die Aufhebung des angefoch- tenen Entscheids sowie die Festlegung der Entschädigung aufgrund eines durchschnittlich zu erzielenden Einkommens als Metallbaukonstrukteur von Fr. 5‘ 000.--; eventualiter die Festle- gung der Entschädigung basierend auf demselben durchschn ittlichen Einkommen wie bei der ersten Zivildienstphase vom 29. Juni 2015 bis 18. Dezember 2015. Mit Urteil vom 30. März 2017 (750 16 333 / 81) hiess das Kantonsgericht die Besch werde in dem Sinne gut, als es den angefochtenen Einspracheentscheid vom 1. September 2016 aufhob und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Er lass einer neuen Verfügung an die Ausgleichskasse zurückwies. Die Ausgleichskasse wurde angewie sen, die Erwerbsersatzent- schädigung ab dem 29. Februar 2016 gestützt auf den Lo hn, den der Beschwerdeführer vor dem Einrücken in die Rekrutenschule verdiente, zu berechne n. Gegen dieses Urteil erhob die Ausgleichskasse am 23. Juni 2017 Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht. Mit Urteil vom 24. Augus t 2017 (9C_465/2017) trat das Bun- desgericht mangels Vorliegen eines vorinstanzlichen Ende ntscheids nicht auf die Beschwerde ein. B. Ohne vorgängig eine Verfügung zu erlassen oder wei tere Sachverhaltsabklärungen zu treffen, erliess die Ausgleichskasse am 5. Januar 2018 ein en Einspracheentscheid, mit wel- chem sie die Einsprache gegen die Verfügung vom 23. J uni 2016 abwies. In der Begründung führte sie aus, dass der Versicherte am 29. Februar 2016 in den zweiten Teil seines Zivildiens- tes eingerückt sei. Damit sei von dem im Zeitraum von drei , sechs, neun oder zwölf Monaten vor diesem Einrückungsdatum durchschnittlich erzielten Ei nkommen auszugehen. Nicht zu be- rücksichtigen sei jedes früher erzielte Einkommen, dies ent gegen der Auffassung des Kantons- gerichts, wonach auch das Einkommen vor dem Einrücken in d ie Rekrutenschule in die Be- rechnung einzubeziehen sei. Das Tageseinkommen liege bei allen möglichen Berechnungsva- rianten weit unter bzw. knapp über dem minimalen EO- Taggeld von Fr. 62.--, weshalb kein hö- heres Taggeld als wie bis anhin verfügt worden sei, zugesprochen werden könne. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit E ingabe vom 1. Februar 2018 erneut Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte d ie Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Festsetzung der Entschädigung aufgru nd des Lohnes, den er vor dem Ein- rücken in die Rekrutenschule erhalten habe. In der Begr ündung führte er zusammenfassend aus, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrem Entscheid, es s ei auf das zwischen dem 28. Feb- ruar 2015 und dem 28. Februar 2016 erzielte Einkommen abzustellen, die klare und unmissver- ständliche Anweisung des Kantonsgerichts, wonach auf das vo r dem Einrücken in die Rekru- tenschule erzielte Einkommen abzustellen sei, missachte. V ielmehr noch, sie wende neue Be- rechnungsmethoden an, die zu einem tieferen massgeblichen Einkommen führen würden und vertrete die Auffassung, dass das berechnete Taggeld von F r. 62.-- als grosszügig anzusehen sei. Eine Begründung dafür liefere die Beschwerdegegn erin nicht. Dieser Umstand stelle eine klare Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. D. Mit Beschwerdeantwort vom 14. März 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. In der Begründung führte sie in materieller Hinsicht aus, dass das durchschnittliche Tageseinkommen von Fr. 163.-- dem vordi enstlichen Einkommen entspreche, welches der Beschwerdeführer bei seinem Arbeitgeber vo r Antritt der Rekrutenschule verdient habe. Der von ihr zuerst ermittelte Betrag von Fr. 15 0.-- sei nicht korrekt gewesen; auf eine Neuberechnung sei aber verzichtet worden, weil dem Besch werdeführer ohnehin nur der Mini- malansatz von Fr. 62.-- zugestanden sei. Ob dann die EO -Berechnung für den ersten Teil des Zivildienstes, das heisst ab 29. Juni 2015, korrekt gewesen sei, sei dahingestellt, habe der Be- schwerdeführer doch in der Zeit zwischen Abbruch der Rekr utenschule am 18. November 2014 und Beginn des Zivildienstes am 29. Juni 2015 ein Einkomm en von Fr. 13‘339.20 erzielt. Eine integrale Neuberechnung hätte ein tieferes Durchschnitt seinkommen als Fr. 163.-- ergeben. Das Durchschnittseinkommen in den 221 Tagen vor dem Einrü cken in den Zivildienst betrage lediglich Fr. 60.35. Es sei richtig, dass sie nicht eine Neuberechnung gestützt auf das Einkom- men des Beschwerdeführers, welches er vor dem Antritt der Rekrutenschule erzielt habe, vor- genommen habe. Wie dargelegt, hätte hierbei ein Tag geld von Fr. 130.40 herausgeschaut. Es sei im angefochtenen Entscheid dargelegt worden, wie e ine EO-Entschädigung zu berechnen sei. Unter diesen Gegebenheiten und unter Anwendung der Gesetzesbestimmungen und der einschlägigen Weisungen des Bundesamtes für Sozialversiche rungen (BSV) sei es ihr ver- wehrt, eine EO-Taggeldabrechnung mit Anspruchsbeginn am 29. Februar 2016 auf einem Er- werbseinkommen vorzunehmen, das vor dem 27. Oktober 2014 erzielt worden sei. Wohl treffe es zu, dass es einem Zivildienstleistenden freigestellt se i, seinen Dienst am Stück oder mit Un- terbrüchen zu leisten. Die Konsequenzen habe aber der Zivildienstleistende zu tragen. Es stehe ihm zum Beispiel auch frei, zwischen den Dienstleistungen e iner vollen Erwerbstätigkeit nach- zugehen, was zur Konsequenz habe, dass er ein Taggeld anha nd dieses unmittelbar vor der Dienstleistung erzielten Einkommens erhalte. Ebenso ste he es ihm frei, ein geringes oder gar kein Erwerbseinkommen zu erzielen mit der Konsequenz eine r entsprechenden Taggeldbe- rechnung. Der Beschwerdeführer habe es vorgezogen, im Zei traum von knapp zweieinhalb Monaten zwischen den einzelnen Dienstleistungen während elf Tagen einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Nirgends im Gesetz oder in den Weisungen de s BSV sei festgehalten, dass das Taggeld eines Dienstleistenden von Beginn bis Ende der i m Rahmen der Dienstleistungspflicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht erfolgten Dienstleistungsabschnitte anhand des Einkommens, welches vor dem ersten Tag des gesamten zu leistenden Dienstes erzielt worden sei, zu berechnen sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft (Erwerbsersatzgesetz; EOG) vom 25. September 1952 auf die Erwerbser- satzordnung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erho ben werden. Soweit sich die Beschwerde – wie im vorliegenden Fall – nicht gegen e inen Einspracheentscheid einer kanto- nalen Ausgleichskasse richtet, ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kan- tons zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art . 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän dig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 1. Februar 2018 ist demnach einzutreten. 2.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht d ie Verletzung seines rechtlichen Ge- hörs. 2.2 Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, di e erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträger schriftlich Verfügun- gen zu erlassen (Art. 49 Abs. 1 ATSG). Gegen Verfügung en kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davo n ausgenommen sind – hier nicht zur Diskussion stehende – prozess- und verfahrensleitende Verfüg ungen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). Gegen Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen w elche eine Einsprache ausgeschlos- sen ist, kann beim kantonalen Versicherungsgericht Beschwer de erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 ATSG). Der Einspracheentscheid ersetzt die Verfügung bzw. tritt an die Stel- le derselben, unabhängig davon, ob er diese bestätig t oder nicht. Die Verfügung, soweit ange- fochten, hat mit Erlass des Einspracheentscheids jede rech tliche Bedeutung verloren (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 52 N 6 0; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2014, 9C_539/2014, E. 2.1 mit Hinweis a uf BGE 131 V 407 E. 2.1, 130 V 424 E. 1.1; RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101 E. 2c, U 170/00; SVR 2005 AHV Nr. 9 S. 30 E. 1.1.3, H 53/04; Urteil des EVG vom 3. September 2007, U 407/0 6, E. 4.3.1 mit Hinweis). Der Ein- spracheentscheid bildet daher alleiniger Anfechtungsge genstand des erstinstanzlichen Be- schwerdeverfahrens, nicht die diesem zugrunde liegende Verfügung. Hebt das kantonale Versi- cherungsgericht den Einspracheentscheid auf und weist es die Sache zu neuer Entscheidung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zurück, hat die Verwaltung wiederum zuerst eine mit Ein sprache anfechtbare Verfügung zu er- lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juni 2007, I 115/06, E. 2.2.2). 2.3 Mit Urteil vom 30. März 2017 hob das Kantonsgericht den Einspracheentscheid vom 1. September 2016 auf und wies die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurück, damit diese weitere Abklärungen zum vor Eintritt in die Rekru tenschule erzielten Einkommen tätige und anschliessend eine neue Verfügung über die Höhe des Taggelds erlasse. In der Folge er- liess die Beschwerdegegnerin nach dem Nichteintretensentsc heid des Bundesgerichts – direkt und ohne zunächst wiederum eine anfechtbare Verfügung nach Art. 49 ATSG zu erlassen – den Einspracheentscheid vom 5. Januar 2018. Darin best ätigte sie die Verfügung vom 23. Juni 2016 und wies die Einsprache ab. Aus dem angefochtenen Einspracheentscheid selbst geht nicht hervor, weshalb die Beschwerdegegnerin vorgängig keine Verfügung erliess. In der Ver- nehmlassung trägt sie dazu vor, dass sie trotz Anordnung durch das Kantonsgericht keine Ver- fügung erlassen habe, weil das Kantonsgericht die Verf ügung vom 23. Juni 2016 selbst nicht aufgehoben habe. Damit habe sie einzig einen neuen Ei nspracheentscheid erlassen können. Eine neue Verfügung hätte zudem zum gleichen Resultat g eführt wie der Einspracheentscheid, auch die Begründung wäre dieselbe gewesen. Damit ge he die Rüge des Beschwerdeführers, sein rechtliches Gehör sei verletzt worden, ins Leere. 2.4 Der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann in Anb etracht der klaren gesetzlichen Regelungen nicht gefolgt werden. Die Verfügung vom 2 3. Juni 2016 wurde bereits vom Be- schwerdeführer angefochten und der in dieser Sache erla ssene Einspracheentscheid vom 1. September 2016 wurde vom Kantonsgericht mit Urteil vom 30. März 2017 aufgehoben. Die Verfügung vom 23. Juni 2016 existiert damit nicht mehr, sondern wurde durch den in der Zwi- schenzeit ebenfalls aufgehobenen Einspracheentscheid erse tzt. Damit fehlt dem vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid vom 5. Januar 2018 der Anfechtungsgegenstand, weshalb er aus formellen Gründen aufzuheben wäre und die Ange legenheit an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden müsste, damit diese ein korrektes Ve rfahren durchführt. Im Interesse des Beschwerdeführers ist aber im vorliegenden Fall ausnah msweise von einer solchen Vorge- hensweise abzusehen. In Anbetracht der dezidiert geäusserten Haltung der Beschwerdegegne- rin, nicht von ihrem Standpunkt abzuweichen und sich nicht an die Vorgaben des Urteils des Kantonsgerichts vom 30. März 2017 zu halten, würde die Rückweisung zu einem formalisti- schen Leerlauf und damit lediglich zu unnötigen Verzöge rungen führen, die mit dem Interesse des Beschwerdeführers an einer raschen Beurteilung der Sa che nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2 mit Hinweisen). Es bleibt ab er festzustellen, dass die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin nicht rechtskonform war und ein schwerwiegender Verfahrensmangel vorliegt. 3. In materieller Hinsicht ist über die Höhe der Erwe rbsersatzentschädigung für den Zivil- diensteinsatz des Beschwerdeführers ab dem 29. Februar 2016 zu entscheiden. 4.1 Art. 38 des Bundesgesetzes über den zivilen Ersatzdiens t (ZDG) vom 6. Oktober 1995 sieht vor, dass wer Zivildienst leistet, für jeden anreche nbaren Diensttag Anspruch auf eine Entschädigung für den Erwerbsausfall hat (Art. 1a Abs. 2 EOG). Gemäss Art. 9 Abs. 1 EOG Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht haben alle Dienstleistenden Anspruch auf eine tägliche Grundentschädigung. Während der Rekrutierung, der Rekrutenschule und der Grundausbildung von Personen, die ihre Dienst- pflicht ohne Unterbruch erfüllen (Durchdiener), beträ gt die tägliche Grundentschädigung 25 % des Höchstbetrages der Gesamtentschädigung (Art. 9 Abs. 1 EOG). Gemäss Art. 9 Abs. 3 EOG stehen zivildienstleistenden Personen, die keine Rekrutensc hule absolviert haben, für die An- zahl Tage des Zivildienstes, die der Dauer einer Rekruten schule entsprechen, ebenfalls 25 % des Höchstbetrages der Gesamtentschädigung zu. Eine teilwe ise absolvierte Rekrutenschule wird angerechnet. Die Gesamtentschädigung beläuft sich ge mäss Art. 16a Abs. 1 EOG auf Fr. 245.-- im Tag, womit für die Berechnung der Gru ndentschädigung während der Rekruten- schule bzw. des in dieser Zeitspanne absolvierten Zivildienstes ein Taggeld von Fr. 61.25 resul- tiert (Fr. 245.-- x 25 % = Fr. 61.25). Dieses – aufge rundet auf Fr. 62.-- – wurde dem Beschwer- deführer vom 1. bis zum 140. Diensttag auch zugesprochen, was unbestritten blieb. 4.2 Während Diensten, die nicht unter Art. 9 EOG fall en, beträgt die tägliche Grundent- schädigung 80 % des durchschnittlichen vordienstlichen Erwer bseinkommens, wobei Mindest- und Höchstbeträge nach Art. 16 Abs. 1 bis 3 EOG vorbehal ten bleiben (Art. 10 Abs. 1 EOG). War die dienstleistende Person vor Beginn des Dienstes n icht erwerbstätig, so entspricht die tägliche Grundentschädigung den Mindestbeträgen gemäss Art. 16 Abs. 1-3 EOG. 4.3 Als Erwerbstätige in diesem Sinne gelten Personen, die in den letzten zwölf Monaten vor dem Einrücken während mindestens vier Wochen erwerbstä tig waren (Art. 1 Abs. 1 der Verordnung zum Erwerbsersatzgesetz [EOV] vom 24. Novembe r 2004). Den Erwerbstätigen gleichgestellt sind gemäss Art. 1 Abs. 2: Arbeitslose (lit . a), Personen, die glaubhaft machen, dass sie eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufg enommen hätten, wenn sie nicht einge- rückt wären (lit. b) und Personen, die unmittelbar vor dem Einrücken ihre Ausbildung abge- schlossen haben oder diese während des Dienstes beendet h ätten (lit. c). Personen, die keine der Voraussetzungen nach Art. 1 EOV erfüllen, gelten a ls Nichterwerbstätige (Art. 2 EOV). Ge- mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist unter einer Erwerbstätigkeit von längerer Dauer gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. b EOV eine Beschäftigung fü r mindestens ein Jahr oder eine solche ohne Befristung zu verstehen (BGE 136 V 231 E. 6.3). 4.4 Grundlage für die Ermittlung des durchschnittliche n vordienstlichen Erwerbseinkom- mens im Sinne von Art. 10 Abs. 1 EOG bildet das Einko mmen, von dem die Beiträge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicher ung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 erhoben werden. Der Bundesrat kann für Dienstleis tende, die nur vorübergehend nicht erwerbstätig waren oder die wegen des Dienstes keine Erw erbstätigkeit aufnehmen konnten, besondere Vorschriften über die Bemessung ihrer Entschäd igung erlassen (Art. 11 Abs. 2 EOG). 4.5 Die Entschädigung für Arbeitnehmende wird aufgrun d des letzten vor dem Einrücken erzielten und auf den Tag umgerechneten massgebenden Lohns berechnet (Art. 4 Abs. 1 EOV). Für die Umrechnung werden Tage nicht berücksichtig t, an denen eine Person kein oder nur ein vermindertes Erwerbseinkommen erzielt hat u.a. w egen Arbeitslosigkeit oder anderer Gründe, die nicht auf ihr Verschulden zurückzuführen sind (Art. 4 Abs. 1 Satz 2 EOV). Für Per- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sonen, die glaubhaft machen, dass sie während des Dienstes eine unselbständige Erwerbstä- tigkeit von längerer Dauer aufgenommen oder einen wes entlich höheren Lohn als vor dem Ein- rücken erzielt hätten, wird die Entschädigung auf Grund des Lohnes berechnet, der ihnen ent- gangen ist (Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EOV). Haben sie unmit telbar vor dem Einrücken ihre Ausbil- dung abgeschlossen oder hätten sie diese während des Die nstes beendet, so wird die Ent- schädigung auf Grund des ortsüblichen Anfangslohns im bet reffenden Beruf berechnet (Art. 4 Abs. 2 Satz 2 EOV). 4.6 Art. 5 und 6 EOV enthalten sodann Regelungen fü r die Ermittlung des vordienstlichen Durchschnittseinkommens bei Arbeitnehmenden mit regelmä ssigem (Art. 5 EOV) bzw. unre- gelmässigem Einkommen (Art. 6 EOV). Laut Art. 5 Abs. 1 lit. a EOV gelten als Arbeitnehmende mit regelmässigem Einkommen Personen, die in einem unbe fristeten oder mindestens für ein Jahr eingegangenen Arbeitsverhältnis stehen und deren Einkommen keinen starken Schwan- kungen ausgesetzt ist. Für Erwerbstätige, die kein rege lmässiges Einkommen haben, wird für die Ermittlung des vordienstlichen Durchschnittseinkommens auf das während der drei letzten Monate vor Dienstbeginn erzielte und auf den Tag umger echnete Erwerbseinkommen abge- stellt. Ist auf diese Weise die Ermittlung eines angem essenen Durchschnittseinkommens nicht möglich, so wird das Einkommen einer längeren Zeitspann e berücksichtigt (Art. 6 Abs. 1 und 2 EOV). 5.1 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid d er Beschwerdegegnerin vom 5. Januar 2018. Die Berechnungsmethode der Beschwerdege gnerin ist klar und wurde von ihr bereits mehrfach dargelegt. Sie geht davon aus, dass de r Beschwerdeführer während des gut zweimonatigen Unterbruchs zwischen dem ersten Teil des Zivildienstes, den er am 18. Dezem- ber 2015 beendete, und dem Beginn des zweiten Teils des Zivildienstes, den er am 29. Februar 2019 antrat, während 11 Tagen arbeitete und dabei e inen Lohn von brutto Fr. 2‘881.60 erzielte. Umgerechnet auf die in diese Zeitperiode fallenden 43 Arbeitstage ermittelte sie ein durch- schnittliches Tageseinkommen von Fr. 67.--, was zu einer Tagesentschädigung von Fr. 62.-- führte. Weiter führte sie mehrfach aus, dass sich auch unte r Berücksichtigung einer längeren, maximal zwölf Monate dauernden Periode (zwischen dem 28. Februar 2015 und dem 28. Feb- ruar 2016) kein höheres Durchschnittseinkommen ermitteln lasse. Die Beschwerdegegnerin vertritt weiter die Auffassung, dass der Beschwerdeführer den Unterbruch des Zivildienstes und die daraus resultierenden Konsequenzen hinsichtlich der Höhe der EO-Entschädigung selbst zu verantworten habe. 5.2 Der Beschwerdeführer machte im früheren Verfahren insbesondere geltend, dass die- se Berechnung nicht rechtmässig sein könne, da es ihm auf grund der beiden langen Zivil- dienstabschnitte mit einem zeitlichen Zwischenraum von r und zwei Monaten nicht möglich ge- wesen sei, eine Festanstellung zu finden. Daher sei die Fokussierung der Beschwerdegegnerin auf diesen Zwischenverdienst unangemessen. Stattdessen mü sse eine längere Zeitspanne berücksichtigt werden, wenn aufgrund der letzten drei M onate vor Dienstbeginn kein angemes- senes Durchschnittseinkommen ermittelt werden könne. Darüb er hinaus sehe Rz. 5037 der Wegleitung zur Erwerbsersatzordnung für Dienstleistende und Mutterschaft (WEO) in Fällen wie dem vorliegenden eine andere Berechnung vor. Insbesond ere halte Rz. 5041 WEO fest, dass Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Entschädigung für Personen, die glaubhaft machen w ürden, dass sie während der Zeit des Dienstes eine unselbständige Erwerbstätigkeit von läng erer Dauer aufgenommen hätten oder der Verdienst mindestens um 25 % gestiegen wäre, sich nach dem Lohn bemesse, den sie ver- dient hätten. Es sei völlig klar, dass er als ausgelernter Metallbaukonstrukteur einen Monatslohn von Fr. 4‘500.-- bis Fr. 5‘500.-- erzielen könne. Es sei aber auch klar, dass dies nicht möglich sei, wenn er aufgrund längerer Zivildienste und nur m it einer zweimonatigen Pause dazwischen keine feste Anstellung finde. In der neuen Beschwerde vom 1. Februar 2018 macht der Be- schwerdeführer nun nicht mehr geltend, dass auf seinen h ypothetischen Lohn abzustellen sei, sondern er verlangt nur noch die Festlegung der Entschä digung aufgrund des Einkommens, das er vor dem Einrücken erzielt habe, ohne konkrete Za hlen zu nennen. Damit beruft er sich auf das Urteil des Kantonsgerichts vom 30. März 2017 und die darin festgelegte Berechnungs- methode. 6.1 Zu klären ist, wie das durchschnittliche vordienstliche Erwerbseinkommen zu ermitteln ist. Aufgrund der Akten steht fest, dass der Beschwerdefü hrer nach Abschluss der Lehre bis zum Eintritt in die Rekrutenschule bei seinem ehemaligen Lehrmeister arbeitete. Auch zwischen dem Abbruch der Rekrutenschule am 18. November 2014 und dem Beginn des ersten Teils des Zivildienstes am 29. Juni 2015 blieb er nicht untätig, sondern arbeitete im Dezember 2014 bei seinem ehemaligen Lehrbetrieb, im März und April 2015 bei der Firma B.____ und im Juni 2015 bei der Firma C.____. Bei dieser Firma arbeitete er auch nach Beendigung des ersten Teils des Zivildienstes im Januar und Februar 2016. 6.2 Der Beschwerdeführer fällt unbestrittenermassen nicht in die Kategorie derjenigen Ar- beitnehmenden, die über ein regelmässiges Einkommen verf ügen, weshalb eine Berechnung des vordienstlichen Durchschnittseinkommens gestützt auf Art . 5 EOV nicht in Frage kommt. Eine Berechnung des vordienstlichen Durchschnittseinkommens gestützt auf Art. 4 Abs. 2 Satz 2 EOV ist im vorliegenden Fall ebenfalls ausgeschlossen. Da der Beschwerdeführer nicht un- mittelbar vor dem Einrücken seine Lehre beendet, sonder n bereits in seinem erlernten Beruf gearbeitet und ein entsprechendes Einkommen erzielt hatte, bleibt kein Platz für eine hypotheti- sche Berechnungsmethode, wie sie in Art. 4 Abs. 2 Satz 2 EOV vorgesehen ist (vgl. dazu auch das Urteil des Kantonsgerichts vom 30. März 2017, E. 5.5) . Auch Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EOV ge- langt nicht zur Anwendung. Rechtsprechungsgemäss geht es b ei dieser Verordnungsbestim- mung um die Glaubhaftmachung der Aufnahme einer unse lbständigen Erwerbstätigkeit von längerer Dauer während der Dienstzeit, das heisst eines hypothetischen Stellenantritts (BGE 136 V 235 E. 4.3); ein Umstand, den der Beschwerdeführ er auch im vorliegenden Beschwerde- verfahren nicht substantiiert vorbringt. Da über das Verhalten des Beschwerdeführers nach dem Zivildiensteinsatz ebenfalls nichts bekannt ist (vgl. dazu Urteil des Kantonsgerichts vom 22. Juni 2018, 750 18 32 / 161, E. 6 ff. mit weiteren Hinwei sen), kann die Entschädigung nicht gestützt auf Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EOV berechnet werden. 7.1 Damit bleibt nur noch eine Berechnung des vordien stlichen Durchschnittseinkommens gestützt auf Art. 6 EOV. Für den ersten Teil des lange n Zivildiensteinsatzes ging die Beschwer- degegnerin nach Absolvierung der 140 Tage Grundausbil dung gestützt auf diese Verordnungs- bestimmung von einem durchschnittlichen Tageseinkommen von Fr. 163.-- aus, woraus sich ein Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Taggeld von Fr. 130.40 ergab. Das durchschnittliche Tage seinkommen ermittelte sie gestützt auf das vom Beschwerdeführer vor dem Einrücken in die R ekrutenschule erzielte Einkommen. Damit anerkannte die Beschwerdegegnerin eine höhere En tschädigung als den Mindestansatz von Fr. 62.-- für die erste, fünfeinhalb Monate dauernde lange Phase des Zivildienstes. Es stellt sich nun die Frage, ob dieser Ansatz für die zweite Phas e des langen Einsatzes überhaupt un- terschritten werden kann. 7.2 Der Beschwerdeführer absolvierte den ersten Teil de s gemäss Art. 20 ZDG in Verbin- dung mit Art. 37 Abs. 1 der Verordnung über den zivilen Ersatzdienst (ZDV) vom 11. September 1996 vorgesehenen (langen) Zivildiensteinsatzes von mind estens 180 Tagen vom 29. Juni 2015 bis 18. Dezember 2015. Den zweiten Teil absolviert e er vom 29. Februar 2016 bis 31. März 2016. Aufgrund der Akten steht zwar nicht fest, wann genau der Zivildiensteinsatz vom 29. Februar 2016 festgelegt wurde. Offensichtlich ging es dem Beschwerdeführer jedoch da- rum, den ersten langen Teil des Zivildienstes praktisch an einem Stück zu absolvieren. Selbst wenn angenommen würde, dass dem Beschwerdeführer hier e in gewisser Gestaltungsspiel- raum verblieben wäre, kann ihm als junger Berufsmann n icht vorgeworfen werden, dass er nach Abschluss der Berufslehre den grössten Teil des Zivil dienstes möglichst rasch hinter sich bringen wollte. Weiter dürfte klar sein, dass es dem B eschwerdeführer nicht möglich war, zwi- schen den beiden Zivildiensteinsätzen eine Festanstellung zu finden. Es erscheint daher nahe- liegend, den Fokus auf den ersten langen Teileinsatz zu legen, wo der Beschwerdeführer dem Arbeitsmarkt für fünfeinhalb Monate nicht zur Verfügung stand. 7.3 Art. 6 Abs. 1 EOV sieht als Mindestperiode zur Erm ittlung eines repräsentativen ange- messenen Durchschnittseinkommens drei Monate vor. Diese drei Monate bilden somit gemäss Verordnungsgeber das Minimum an repräsentativem Zeitrau m zur Ermittlung des Durch- schnittseinkommens. Daher ist in einer Konstellation wie d er vorliegenden, bei der die Dauer des Unterbruchs zwischen zwei Zivildiensteinsätzen weniger a ls drei Monate beträgt, grund- sätzlich von einer Neuberechnung abzusehen. Damit ist auf das Einkommen, das die Be- schwerdegegnerin für die Bemessung des ersten Teils des la ngen Zivildiensteinsatzes vom 29. Juni 2015 bis 18. Dezember 2015 berücksichtigte, abzu stellen. Wie bereits dargelegt, be- rechnete die Beschwerdegegnerin gestützt auf das vom Besch werdeführer vor der Rekruten- schule erzielte Einkommen ein durchschnittliches Tagesein kommen von Fr. 163.--, was zu ei- nem Taggeldansatz von Fr. 130.40 führt. An dieser Bere chnung hielt die Beschwerdegegnerin auch im vorliegenden Verfahren fest. Damit hat der Be schwerdeführer für die 32 Diensttage umfassende Zivildienstperiode vom 29. Februar 2016 bis 31. März 2016 Anspruch auf eine EO- Tagesentschädigung im Betrag von Fr. 130.40. Der ange fochtene Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 5. Januar 2018 wird aufgehoben und die Beschwerde in diesem Sin- ne gutgeheissen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten z u verstehen, die einer Beschwerde füh- renden versicherten Person im gerichtlichen Verfahren f ür den Beizug einer Rechtsanwältin Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht bzw. eines Rechtsanwaltes entstanden sind. Vorliegend hat der Beschwerdeführer zwar ob- siegt, da er sich jedoch nicht anwaltlich hat vertreten lassen, entfällt ein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten im Sinne der genannten Bestimmung. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 5. Januar 2018 aufgehoben und es wird fe stgestellt, dass der Beschwerdeführer für die 32 Diensttage umfassend e Zivil- dienstperiode vom 29. Februar 2016 bis 31. März 2016 Anspruch auf eine EO-Tagesentschädigung im Betrag von Fr. 130.40 hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht