B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2432/2020 U r t e i l v o m 1 6 . J u l i 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher (Vorsitz), mit Zustimmung Richter Jürg Marcel Tiefenthal, Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Roman Schuler, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 7. April 2020 / N (…). E-2432/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – sri-lankischer Staatsagehöriger tamilischer Ethnie – verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland unter Verwendung eines eigenen Reisepasses legal am 5. April 2017 auf dem Luftweg und gelangte über Thailand in die Türkei. Anschliessend reiste er mit der Bahn nach Europa und gelangte am 10. April 2017 in die Schweiz, wo er glei- chentags ein Asylgesuch einreichte. B. Am 3. Mai 2017 wurde die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt. Dabei trug der Beschwerdeführer vor, er sei in B._______, Distrikt Jaffna (Nord-Provinz), geboren. Er habe die 7. bis 13. Schulklasse im (…) College in C._______ besucht; die 13. Klasse habe er abgebrochen. Er habe vor seiner Ausreise zuletzt im Dorf D._______, E._______, Distrikt Jaffna, ge- lebt. Zu seinen familiären Verhältnissen trug er vor, er habe nach seiner Geburt zusammen mit seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Schwester im fa- milieneigenen Haus in D._______ gelebt. Er sei ledig. In der Zeitspanne zwischen 2010 und 2017 habe er bei seiner Tante F._______ in G._______, Distrikt Jaffna, gelebt , sei während dieser Zeit jedoch regel- mässig zu seinen Eltern zurückgekehrt. Einige weitere Verwandte würden in D._______ und in der Stadt H._______ leben. Er habe im Jahr 2015 einen Reisepass erhalten, als er etwa in der zehnten oder elften Schulklasse gewesen sei. Mit diesem Reisepass sei er aus Sri Lanka ausgereist; dieser Pass sei ihm dann bei seiner Weiterreise in Bang- kok (Thailand) abgenommen worden. Seine sri -lankische Identitätskarte befinde sich bei seiner Schule in Sri Lanka. Er habe Sri Lanka verlassen, weil er vom CID (Criminal Investigation De- partment) gesucht worden sei. Er habe in der Schule, im Club I._______, (…) gespielt. Am tamilischen Neujahresfest Mitte Januar 2016 habe seine Mannschaft ein Spiel gegen die Mannschaft von J._______ bestritten. Während des Spielverlaufs sei es zu einer zunächst sportlichen Streitigkeit gekommen. Die Schiedsrichter hätten die Teams getrennt. In der Folge habe ein Spieler der gegnerischen Mannschaft namens K._______ den E-2432/2020 Seite 3 Beschwerdeführer beschimpft und geschlagen, worauf sich der Beschwer- deführer am nächsten Tag habe zur Wundpflege ins Spital (…) in B._______ begeben müssen. Nachdem er seinem Vater vom Vorfall be- richtet habe, seien sie gemeinsam zur Polizeistation in L._______ gegan- gen und hätten dort eine Anzeige aufgegeben. Die Polizei habe zugesi- chert, sich der Angelegenheit anzunehmen, der Täter sei jedoch ver- schwunden. Während des erneuten tamilischen Nationaltages im Jahr 2017 habe der Beschwerdeführer bei einem Wettbewerb in M._______ sei- nen Peiniger gesehen. Dieser habe ihn – den Beschwerdeführer – ange- sprochen und gefragt, weshalb er ihn bei der Polizei angezeigt habe. Zu- dem habe er gedroht, die Tante des Beschwerdeführers, die bei der «Be- wegung» in einer Einrichtung für Kinder im Vanni-Gebiet tätig gewesen sei, bei der CID zu verraten. Wochen später seien zwei Personen nach G._______, zum Wohnsitz der Tante, gekommen. Seine Tante F._______ und deren Sohn sowie der bei der Tante lebende Grossvater seien anwe- send gewesen. F._______ sei von den Vorsprechenden angehalten wor- den, sich am nächsten Tag bei einem mutmasslichen Büro der Armee oder Polizei in N._______ zu melden. Sie sei dieser Aufforderung jedoch nicht gefolgt, weil sie Angst gehabt habe. Am nächsten Tag seien dieselben zwei Männer nachmittags wieder nach G._______ gekommen, als die Tante beim Einkaufen gewesen sei. Deren Sohn sowie der Beschwerdeführer seien zu Hause gewesen. Die Männer hätten zunächst auf die Rückkehr von F._______ gewartet. Danach sei der Beschwerdeführer von den Män- nern geschlagen worden, bis der Grossvater dazwischengekommen sei. Als der Grossvater zugesichert habe, dass er seine Tochter – die Tante des Beschwerdeführers – zur Vorsprache anhalten werde, seien die beiden Männer wieder verschwunden. Am Folgetag sei F._______ wiederum nicht zur Vorsprache erschienen. Der Beschwerdeführer sei in der Folge bei ei- nem (...)-Spiel im I._______-Club von den beiden Männern aufgesucht worden und geohrfeigt worden. Er sei nach dem Aufenthaltsort seiner Tante F._______ gefragt worden. Am Folgetag seien die Männer wieder beim (...)-Spielen erschienen und hätten den Beschwerdeführer aufgefordert, F._______ ihnen zu übergeben. Diese habe sich zur fraglichen Zeit ab- wechselnd bei ihren Geschwistern aufgehalten. Der Beschwerdeführer habe seine Eltern über die Vorkommnisse informiert. Als er wieder in G._______ gewesen sei, hätten die Männer bei der Mutter des Beschwer- deführers vorgesprochen und sie über den Beschwerdeführer und F._______ befragt. Weil sein Vater von früheren Arbeitsstellen eine Kon- taktperson in Dubai gekannt habe, habe diese die Ausreise des Beschwer- deführers organisieren können. E-2432/2020 Seite 4 Ansonsten habe der Beschwerdeführer keine Probleme mit der Armee, Po- lizei ode r sonstigen Behörden seines Heimatlandes gehabt. Abgesehen von Tempelbesuchen habe er sich auch nie politisch oder religiös betätigt und habe ein ruhiges Leben geführt. C. Am 23. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu den Asyl- gründen angehört und trug Folgendes vor: Er habe bis 2017 den A-Level in der Schule besucht. Anfangs 2016 habe es bei einem (...)-Spiel in J._______ Auseinandersetzungen zwischen den beiden Mannschaften gegeben. Er sei im Rahmen dieser Auseinanderset- zungen vom gegnerischen Spieler K._______ mit einer Metallstange am Fuss geschlagen worden. Am Folgetag habe der Beschwerdeführer diesen Spieler bei der Polizeibehörde angezeigt. Bei einem (...)-Spiel ein Jahr spä- ter, im Januar 2017, sei er von K._______ nach den Gründen für seine Polizeianzeige gefragt worden. K._______ habe dann Rache geschworen und dabei auf die Vergangenheit der Tante des Beschwerdeführers verwie- sen. Er – der Beschwerdeführer – vermute, dass K._______ sich bei der Nachbarschaft und der Umgebung entsprechend über die Tante erkundigt habe; K._______ habe gewusst, dass das (...)-Team des Beschwerdefüh- rers von G._______ komme. Zu einem späteren Zeitpunkt sei der Be- schwerdeführer von zwei Personen auf Motorrädern, mutmasslich Armee- angehörige, aufgesucht und zu seinen Problemen mit K._______ gefragt worden. Einige Tage später seien wiederum zwei bewaffnete Personen bei seiner Tante zu Hause erschienen und hätten die se zu ihrer Tätigkeit für die Bewegung und zum Aufenthaltsort des Beschwerdeführers befragt. Als der Beschwerdeführer nach Hause gekommen sei, habe ihn seine Tante über das Vorgefallene unterrichtet. Seine Tante habe den Beschwerdefüh- rer zum Vater geschickt, der anschliessend seine Ausreise aus Sri Lanka organisiert habe. Er habe sich in Sri Lanka nicht danach erkundigt, was die Polizei nach seiner dort deponierten Anzeige vorgenommen habe. Er habe sich auch nach der Vorsprache der Bewaffneten bei der Tante nicht an die Polizeibehörden gewandt. Nach seiner Ausreise sei der Beschwerdeführer ein- oder zweimal bei den Eltern in Sri Lanka gesucht worden. Im Verlauf der Anhörung wurde der Beschwerdeführer damit konfrontiert, dass er den geltend gemachten Sachverhalt bei der BzP divergierend ge- schildert habe. Hierauf gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, die Anga- ben bei der BzP seien alle korrekt. Er sei bereits eine Weile in der Schweiz E-2432/2020 Seite 5 und habe mit vielen Leuten zu tun gehabt; er geniesse seine Freiheit und habe vieles vergessen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer drei Beweis- mittel (einen beglaubigten Geburtsregisterauszug datiert vom 8. November 2019, eine Bestätigung des […] College in E._______ vom 6. November 2019 sowie ein Zertifikat des […] Center vom 3. Mai 2015) zu den Akten. D. Im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfahrens wurde die sri-lankische Iden- titätskarte des Beschwerdeführers zu den Akten gereicht. E. Mit Verfügung vom 7. April 2020 – eröffnet am 8. April 2020 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mangels Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz seiner Vorbringen ab, ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an und verfügte den Wegweisungsvollzug. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die vom Beschwerde- führer geltend gemachten Behelligungen im Nachgang zu Auseinanderset- zungen mit einem gegnerischen (...)-Spieler seien widersprüchlich geschil- dert worden. So habe er unterschiedliche Angaben dazu gemacht, wie oft und aus welchen Gründen er behördlich aufgesucht worden sei sowie zu den ihn aufsuchenden Personen. Es könne nicht ge glaubt werden, dass der Beschwerdeführer im Heimatland von den sri-lankischen Behörden ge- sucht worden sei. Im Weiteren habe er inkonsistente Angaben zu seinen Wohnorten zu Protokoll gegeben. Die von ihm eingereichten Beweismittel würden seine Herkunft und Schulbildung belegen; an der Einschätzung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen vermöchten diese nichts zu ändern. Es sei auch nicht davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer Risi- kofaktoren im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 vorliegen würden. Der Beschwerdeführer habe keine Vorfluchtgründe glaubhaft gemacht. Vielmehr sei er bis April 2017 in Sri Lanka wohnhaft gewesen und habe somit nach Kriegsende noch knapp acht Jahre lang im Heimatstaat gelebt. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der heimatlichen Behörden geraten und in asylrelevanter Weise ver- folgt werden solle. Auch die im November 2019 erfolgte Präsidentschafts- wahl vermöge an diesen Feststellungen nichts zu ändern. E-2432/2020 Seite 6 Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug unter Verweis auf das Bezie- hungsnetz des Beschwerdeführers sowie dessen Schulbildung und Berufs- erfahrung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. F. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Mai 2020 liess der Beschwer- deführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und bean- tragen, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben; es sei seine Flücht- lingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht wurde die unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie die unentgeltli- che Rechtsverbeiständung unter Beiordnung des mandatierten Rechtsver- treters als amtlicher Rechtsbeistand beantragt. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die politische Lage in Sri Lanka habe sich seit der Machtübernahme durch Präsident Gotabaya Rajapaksa erheblich verschlechtert. Insbesondere Personen mit Ausland- bezug wie die Botschaftsangestellte der Schweizerischen Vertretung in Co- lombo seien von der verstärkten Repression und willkürlichen, politisch mo- tivierten Verhaftungen betroffen. Die neue Regierung habe beim jüngst be- gangenen Unabhängigkeitstag das Singen der Nationalhymne in der tami- lischen Sprache verweigert respektive angekündigt, dass sich Sri Lanka aus der UNO -Resolution zwecks Untersuchung der Kriegsverbrechen in Sri Lanka zurückziehen werde, wozu auf mehrere Medienberichte und Stel- lungnahmen verwiesen wurde. Es sei deshalb von einer äusserst unsiche- ren und gewichtigen Gefährdungslage für Angehörige der tamilischen Min- derheit auszugehen, insbesondere solche, welche sich durch Vorbeziehun- gen zu den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) respektive durch Aus- reiseversuche und Asylgesuche im Ausland verdächtigt gemacht hätten. Es seien zwischen den Angaben des Beschwerdeführers in der BzP vom 3. März 2017 und der am 23. Oktober 2019 erfolgten Anhörung tatsächlich Unstimmigkeiten hinsichtlich der genauen Abfolge der behördlichen Besu- chen erkennbar. Nachdem zwischen den beiden Befragungen eine Zeit- spanne von fast zweieinhalb Jahren liege, gehe es jedoch nicht an, auf die Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen zu s chliessen. Diesbezüglich falle auf, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung bei seiner Erzähl- struktur nicht chronologisch vorgegangen sei. Er habe zudem selbst ange- geben, dass er sich nicht mehr an die exakte Abfolge der Ereignisse zu E-2432/2020 Seite 7 erinnern vermöge und seit seiner Ankunft in der Schweiz mit der neu ge- wonnenen Freiheit diese Erinnerungen ruhen lassen wolle. Es treffe auch nicht zu, dass er unterschiedliche Angaben zu den Gründen für die Vor- sprachen der Männer gemacht habe. Es sei kein Widerspruc h, wenn er vorgetragen habe, dass diese wegen seiner Tante, die früher für die LTTE tätig gewesen sei, vorgesprochen hätten und gleichzeitig ausgesagt habe, dass diese Vorsprachen wegen des Vorfalls mit K._______ erfolgt seien. Der Beschwerdeführer habe Erinnerungslücken eingestanden und sich dazu geäussert, wenn er Vermutungen ausgesprochen habe. Er habe je- doch das Kerngeschehen konsistent und detailliert dargelegt. Er habe auch nicht inkonsistente Angaben zu seinen Wohnorten gemacht. Der Beschwerdeführer sei im Zusammenhang mit seiner Tante, die wäh- rend des Bürgerkrieges ein aktives LTTE-Mitglied gewesen sei, in den Fo- kus der heimatlichen Behörden geraten. Er habe einen grossen Teil seiner Jugend bei seiner Tant e verbracht und in deren Haushalt gelebt. Es be- stehe ein grosses Risiko, dass er aufgrund dieser verwandtschaftlichen Nähe zur Tante direkt bei seiner Rückkehr verhaftet und gefoltert werde. Zudem könne davon ausgegangen werden, dass sein Name auf der «Stop List» der heimatlichen Behörden aufgeführt sei. Es liege deshalb eine asyl- relevante Verfolgungssituation vor. Es sei im Weiteren von einer illegal erfolgten Ausreise aus Sri Lanka aus- zugehen. Wegen des Fehlens von Identitätsdokumenten in Verbindung mit den weiteren Risikofaktoren, namentlich den fami liären Verbindungen zu den LTTE, bestehe ein grosses Risiko, dass er im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka eine flüchtlingsrelevante Verfolgung zu gewärtigen habe. Der Beschwerdeführer habe deshalb subjektiv e Nachfluchtgründe glaub- haft dargelegt. Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug unzulässig und – namentlich auf- grund der aktuellen politischen Lage – unzumutbar. Zur Stützung der Beschwerdevorbringen wurden ein Unterstützungsschrei- ben des (…) Centre vom 4. Mai 2020, ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH): «Sri Lanka: Aktuelle politische Situation, Überwa- chung der Diaspora, Geldsammeln im Ausland für Kriegsopfer» vom 10. April 2020, vier Bestätigungen der Stadt O._______ betreffend den Besuch eines Deutschkurses und diesbezüglichen Prüfungen sowie eine Kosten- note der Rechtsvertretung vom 8. Mai 2020 eingereicht. E-2432/2020 Seite 8 G. Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2020 hielt das Bundesverwaltungs- gericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Asylverfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive amtliche Verbeiständung abge- wiesen, nachdem die Beschwerdevorbringen aufgrund der damaligen Ak- tenlage als aussichtslos eingeschätzt wur den. Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu leisten. Dieser Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 27. Juni 2020 geleistet. H. Mit Eingabe vom 29. Juni 2020 hielt der Beschwerdeführer fest, er sei be- müht, mit Hilfe se iner Familie in Sri Lanka weitere Beweismittel aus Sri Lanka zu beschaffen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG, Art. 6 AsylG). 1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das B undesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. E-2432/2020 Seite 9 1.5 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zuständigkeit mit Zust immung eines zweiten Richters beziehungs- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche. 1.6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 1.7 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mi t überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig be- gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Abs. 3). Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit wird eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig- keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen, vor- genommen. Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Gegensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, E-2432/2020 Seite 10 überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol- gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanti- ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erleb- nissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbr ingen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 2.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach de r Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen des Landes – eine Gefährdungssituation erst oder zusätzlich geschaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjekti ve Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 3. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung ausführlich und mit zutref- fender Begründung dargelegt, weshalb die Asylvorbringen des Beschwer- deführers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung und an die Asyl- relevanz nicht genügen. 3.1 Vorweg ist festzuhalten, dass das SEM in seiner Verfügung vom 7. April 2020 korrekt dargelegt hat, weshalb der Sachverhaltsvortrag des B e- schwerdeführers, namentlich die geltend gemachten behördlichen Behelli- gungen im Nachgang zu Streitigkeiten mit einem (...)-Spieler sowie eine darauf folgende b ehördliche Reflexverfolgungssituation im Zusammen- hang mit der angeblichen Zugehörigkeit seiner T ante zu den LTTE, den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG be- ziehungsweise Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht stand- hält. 3.1.1 Der Beschwerdeführer trug anlässlich der summarischen BzP vom 3. Mai 2017 vor, mutmassliche Angehörige der sri-lankischen Armee oder Polizei seien nach seinen Streitigkeiten mit einem (...)-Spieler ein erstes Mal zum Wohnsitz seiner Tante gekommen, als diese anwesend gewesen E-2432/2020 Seite 11 sei; die Tante sei aufgefordert worden, sich am nächsten Tag in N._______ zu melden. Nachdem seine Tante zu diesem Termin nicht erschienen sei, seien die Sicherheitskräfte an nächsten Tag ein zweites Mal am Wohnort der Tante erschienen, als diese beim Einkaufen gewesen sei. Er trug bei der BzP weiter vor, dass die Sicherheitskräfte ihn – zu einem nach diesen behördlichen Vorsprachen bei der Tante liegenden Zeitpunkt – zweimal auf dem Spielfeld beim (...)spielen aufgesucht und zur Tante be- fragt hätten, worauf sie die Eltern des Beschwerdeführers aufgesucht hät- ten (vgl. Akte A7, Ziffer 7.01). Die ihn aufsuchenden Personen hätten ihn aufgefordert, ihnen seine Tante zu «übergeben» (vgl. A7, Ziffer 7.01). Bei der Anhörung vom 23. Oktober 2019 machte der Beschwerdeführer diesbezüglich geltend, die sri -lankischen Sicherheitskräfte hätten ihn – nach dem (...)match im Januar 2017, bei welchem es zum Streit mit einem gegnerischen Spie ler gekommen sei – zunächst bei einem weiteren (...)spiel einmal aufgesucht und dabei zu den Streitigkeiten mit dem (...)- Spieler und zu seinem eigenen Wohnort befragt; später hätten zwei Perso- nen einmal bei der Tante vorgesprochen und sie nach dem Beschwerde- führer als auch zu ihrer Tätigkeit bei der Bewegung befragt (vgl. A14, Ant- wort 47). 3.1.2 Diese Ungereimtheiten in der zeitlichen Abfolge der vom Beschwer- deführer behaupteten Ereignisse und zum Inhalt der behördlichen Befra- gungen lassen bereits erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Vor- bringen aufkommen lassen. Die diesbezüglichen Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe, die unbe- kannten Männer hätten zunächst zweimal die Tante an deren Wohnort auf- gesucht und hätten erst danach zweimal beim Beschwerdeführer auf dem (...)feld vorgesprochen (vgl. S. 4), sind unbehelflich, denn sie vermögen die dargelegten Ungereimtheiten nicht auf plausible Weise aufzuklären. 3.1.3 In diesem Zusammenhang ist zudem festzuhalten, dass die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers betreffend seiner angeblichen Verfolgungssi- tuation in erheblic hem Ausmass auf blossen Mutmassungen beruhen, nachdem dieser mehrfach zu Protokoll gab, es könne sein respektive er vermute, dass es sich bei den vorsprechenden Personen um Angehörige des CID respektive der Polizei oder der Armee gehandelt habe (vgl. A7, Ziffer 7.02, S. 9 sowie A14, Antworten 61 -64). In der Beschwerdeschrift E-2432/2020 Seite 12 wird auch zugestanden, dass sich der Beschwerdeführer hierbei auf blosse Mutmassungen abstützt (vgl. Seite 10, 2. Textabschnitt). Diese blossen Mutmassungen innerhalb seiner Vorbringen sind als solche nicht geeignet, eine asylbeachtliche Verfolgung als überwiegend wahr- scheinlich darzutun. 3.1.4 Im Weiteren hat der Beschwerdeführer explizit zu Protokoll gegeben, er habe sich gegen die Drohungen des gegnerischen (...)-Spielers zur Wehr gesetzt und habe in Begleitung seines Vaters am 15. Januar 2016 eine Polizeianzeige in L._______ erstattet (vgl. A7, Ziffern 7.01 und 7.02, S. 8 sowie A14, Antwort 47). Er trug weiter vor, er sei davon ausgegangen, dass die Polizei den betreffenden (...)-Spieler vo rgeladen und gewarnt habe. Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass der Beschwerde- führer nach den erlittenen Behelligungen seitens einer Drittperson entspre- chenden Polizeischutz erhalten hat. Hieran vermag seine weitere Angabe, er habe sich betreffend seiner Anzeige bei der Polizei nicht mehr erkundigt und habe sich auch nicht mehr bei der Polizei gemeldet, nachdem er von bewaffneten Personen aufgesucht worden sei (vgl. A14, Antworten 58 und 66), nichts zu ändern. Dieses Verhalten des Beschwerdeführers muss viel- mehr als unplausibel und somit unglaub haft eingestuft werden . Vom Be- schwerdeführer wäre zu erwarten gewesen, dass er sich nach den weite- ren Ermittlungsmassnahmen der Polizei erkundigt hätte, nachdem es sich bei den angeblichen behördlichen Vorsprachen um die für ihn ausreiseaus- lösenden Ereignisse gehandelt haben soll. 3.1.5 Zusammenfassend müssen die Vorbringen im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten mit einem gegnerischen (...)-Spieler, insbesondere die angeblich anschliessend ausgelösten behördlichen Verfolgungsmassnah- men gegen den Beschwerdeführer , als insgesamt nicht glaubhaft qualifi- ziert werden. 3.2 Der Beschwerdeführer wurde im Rahmen der Anhörung mit den diver- gierenden Schilderungen seiner Asylgründe konfrontiert (vgl. A14, Fragen 52 un d 70) . Seine diesbezüglichen zu Protokoll gegebenen und in der Rechtsmitteleingabe wiederholten Erklärungen, er sei bereits eine Weile in der Schweiz, habe mit vielen Personen zu tun gehabt und habe deshalb einiges vergessen (vgl. Antwort A14, Antwort 52), es sei zwischen der BzP- Befragung und der Anhörung eine lange Zeitspanne vergangen (Be- schwerde S. 9), müssen als nicht stichhaltig gewürdigt werden , denn sie vermögen die Divergenzen innerhalb seiner Kernasylvorbringen nicht E-2432/2020 Seite 13 schlüssig aufklären. Auch wenn zwischen der BzP und der Anhörung über zwei Jahre verstrichen sind, hätte vom Beschwerdeführer erwartet werden können, dass er die zeitliche Abfolge der wesentlichen Ereignisse, die ihn zur Ausreise veranlasst haben sollen, in den Grundzügen übereinstim- mend schildert. 3.3 Hinzu kommt, dass der Umstand, wonach die übrigen in Sri Lanka ver- bliebenen Familienmitglieder nach der Ausreise des Beschwerdeführers persönlich keine Probleme gehabt haben sollen (vgl. A14, Antwort 8 und 9 sowie 84), ebenfalls gegen die vom Beschwerdeführer behauptete Verfol- gungssituation im Zusammenhang mit einem angeblichen behördlichen Verdacht wegen der angeblichen früheren LTTE -Angehörigkeit seiner Tante spricht. Wenn die sri -lankischen Behörden aufgrund einer angebli- chen LTTE-Mitgliedschaft der Tante ein Reflexverfolgungsinteresse an der Person des Beschwerdeführers gehabt haben sollen, bleibt nicht nachvoll- ziehbar, weshalb die nach wie vor in Sri Lanka lebenden übrigen Familien- mitglieder – Vater, Mutter, Bruder und Schwester – persönlich unbehelligt geblieben und von der angeblichen Reflexverfolgung nicht miterfasst wor- den sind. 3.4 Wenn die sri-lankischen Sicherheitskräfte im Zusammenhang mit der angeblichen LTTE-Zugehörigkeit der Tante ein Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer gehabt hätten, muss angenommen werden, dass es diesen gelungen wäre, ihn am Wohnsitz seiner Eltern – oder bei den Ver- wandten, wo er sich bis zur Ausreise aufgehalten haben will (vgl. A14, Ant- worten 25 und 26) – respektive in der Schule, die er bis zur Ausreise b e- sucht haben will (vgl. A14, Antwort 32) – zu fassen. Zudem wären mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit weitere strafrechtliche Konsequenzen res- pektive Ermittlungsmassnahmen gegen ihn eingeleitet worden, wenn die Behörden ihn tatsächlich im behaupteten Umfang und Ausmass im Zusam- menhang mit den LTTE verdächtigt hätten. 3.5 Dem Beschwerdeführer ist es nach dem Gesagten nicht gelungen, eine von seiner Tante abgeleitete Reflexverfolgung als überwiegend wahr- scheinlich darzulegen. 3.6 Die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel aus dem Ausland (Geburtsregisterauszug sowie Ausbildungs- und Schulzertifikate) betreffen lediglich die Herkunft des Beschwerdeführers und dessen Ausbil- dung. Sie sind deshalb nicht geeignet, die behauptete Verfolgungssituation im Zusammenhang mit einem behördlichen LTTE-Verdacht zu stützen. E-2432/2020 Seite 14 3.7 Auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel (Bestäti- gung des […] Community Centre und SFH -Bericht) vermögen an der vo- rinstanzlichen Einschätzung nichts zu ändern . Im Bestätigungssch reiben des Community Centre wird zwar bestätigt, dass der Beschwerdeführer am 14. Januar 2016 von einem gegnerischem (...)-Spieler angegriffen worden sein soll. Das Schreiben vermag jedoch die aus einem Sportwettkampf ent- standenen Auseinandersetzungen respektive die darauf basierende be- hördliche Verfolgungssituation nicht als überwiegend wahrscheinlich dar- zutun. Zudem äussert sich der SFH -Bericht vom 10. April 2020 zur allge- meinen Lage in Sri Lanka und lässt keine konkreten Schlüsse be züglich der vom Beschwerdeführer behaupteten asylrechtlichen Gefährdungssitu- ation zu. 4. Das SEM hat insgesamt zutreffend festgestellt, dass es dem Beschwerde- führer nicht gelungen ist, glaubhaft darzulegen, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise im April 2017 in asylbeachtlicher Weise gefährdet war. Die Aus- führungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, die vorinstanzlichen Er- wägungen in einem anderen Lichte betrachten zu lassen. 4.1 Die aktuelle Lage in Sri Lanka ist nach den Terroranschlägen im April 2019 zwar als volatil zu beurteilen, es kann jedoch – entgegen den Ausfüh- rungen in der Beschwerde (vgl. Seite 6 ff. und 14 ff.) – aufgrund dessen nicht auf eine generell erhöhte Gefährdung von zurückkehrenden tamili- schen Staatsangehörigen geschlossen werden. 4.2 Auch der Amtsantritt von Gotabaya Rajapaksa als Staatspräsident und die Ernennung seines Bruders als Premierminister ändert nichts an der Gesamteinschätzung. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Verän- derungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklun gen aufmerk- sam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Beim derzeiti- gen Kenntnisstand ist zwar durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, welcher Personen mit einem bestimm- ten Risikoprofil ausgesetzt sind bezie hungsweise bereits vorher ausge- setzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Familie s of «Disap- peared» Threatened, 16.02.2020), es gibt jedoch zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Das Gericht prüft in jedem Einzelfall, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November E-2432/2020 Seite 15 2019 respektive de ren Folgen besteht. Ein solch konkreter Bezug ist im Fall des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, da die von ihm behaupteten Risikofaktoren für eine asylbeachtliche Gefährdungslage nicht vorliegen. Die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie g enügt für sich alleine nicht, um ein Gefährdungspotenzial flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmasses dar- zutun. 4.3 Andere Asylvorbringen hat der Beschwerdeführer nicht vorgetragen. Er war gemäss eigenen Angaben im Heimatland nie politisch oder religiös ak- tiv. Abgesehen von den vorgetragenen Ereignissen hatte er gemäss eige- nen Angaben nie Probleme mit den sri-lankischen Behörden (vgl. A7, Ziffer 7.02 und A14, Antworten 74 und 75). 4.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es ihm nicht gelungen ist, darzu- legen, dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit asylrelevanten Nach- teilen ausgesetzt worden ist oder solche künftig befürchten müsste. Das SEM hat sein Asylgesuch zu Recht und mit zutreffe nder Begründung ab- gewiesen. In der Eingabe vom 29. Juni 2020 stellt der Beschwerdeführer zwar in Aus- sicht, weitere Beweismittel aus dem Ausland beizubringen. Nachdem er in keiner Art und Weise angibt, welche Beweismittel er zu beschaffen gedenkt und keine Spezifizierungen dazu macht, welche Sachverhaltselemente er mit diesen angeblichen Beweismittel zu belegen oder glaubhaft zu machen gedenkt, besteht keine Veranlassung, eine diesbezügliche Frist anzuset- zen oder die Nachreichung entsprechender Beweismittel abzuwarten. 5. 5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegw eisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den E-2432/2020 Seite 16 gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere gr ausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylr echtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses E-2432/2020 Seite 17 müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Men schenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg- weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim- mungen zulässig. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.5 Die allgemeine Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers ist nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge- meiner Gewalt geprägt (vgl. Referenzurteil E-1866/2015, a.a.O.). An dieser Einschätzung vermögen auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten An- schläge auf Kirchen und Luxushotels oder die Ende 2019 erfolgten Präsi- dentschaftswahlen nichts zu ändern. Auch in in dividueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche eine Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. Der Beschwerdeführer hat bis zur 13. Klasse die Schule besucht. Er hat nach wie vor Kontakt zu seinen Eltern. Seine Familie gehört gemäss eigenen Angaben dem Mittel- stand an und besitzt ein eigenes Wohnhaus (vgl. A14, Antworten 7, 17 und 23). Der Beschwerdeführer verfügt in seiner Heimatregion Jaffna respek- tive in Colombo über ein tragfähiges familiäres und soziales Beziehungs- netz (Eltern, zwei Geschwister sowie mehrere weitere Verwandte; vgl. A7, Ziffern 3.01 und A14, Antworten 12-20). Es ist davon auszugehen, dass es ihm zumutbar sein sollte, nach seiner Rückkehr eine Erwerbstätigkeit auf- zunehmen und dadurch seine Existenz zu sichern. Das Gericht ve rkennt die schwierige Situation im Norden Sri Lankas nicht. Den Angaben des Be- schwerdeführers sind jedoch keine stichhaltigen Hinweise zu entnehmen, die konkret gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sprechen würden. E-2432/2020 Seite 18 6.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 6.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), nachdem mit Zwischenverfügung des Bundesver- waltungsgerichts vom 12. Juni 2020 das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung inklusive Verbeiständung abgewiesen wurde. Der am 27. Juni 2020 einbezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten in gleicher Höhe zu ver- wenden. (Dispositiv nächste Seite) E-2432/2020 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: