Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Juni 2020 (715 20 16 / 124) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Die tatbestandsmässigen Voraussetzungen von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG sind vorliegend mangels eines konkreten Stellenangebotes nicht erfü llt, weshalb sich die Einstellung in der Anspruchsberechtigung als unrechtmässig erweist. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Katja Wagner Parteien A. ____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Damian Schai , Advo- kat, Elisabethenstrasse 15, Postfach 430, 4010 Basel gegen KIGA Baselland , Abteilung Arbeitsvermittlung , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln 1, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1982 geborene A.____ meldete sich am 8. März 20 19 während der seit 1. August 2017 laufenden Bezugsrahmenfrist beim zuständigen Regio nalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) erneut zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von Le istungen der Arbeitslosenversiche- rung ab demselben Datum an. Der ebenfalls am 8. März 2 019 unterzeichneten Datenfreigabe zufolge gab der Versicherte seine Berufsdaten im Rahmen einer Vermittlungsplattform frei. Dabei wurde sein Kandidatenprofil mit seinen aktuellen Berufsdaten – gelernter Landschaftsgärtner mit langjähriger Berufserfahrung, weitergebildet zum Obergärtner/Polier – erfasst. Seine Berufsdaten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurden in der Folge für Arbeitgeber anonymisiert und für Arbeitsvermittler und Temporär-Büros mit SECO-Bewilligung mit Angabe seiner Kontaktdaten aufgeschaltet. Mit E-Mail vom 2. April 2019 teilte die B.____ AG dem Versicherten mit, dass sie einen Gärtnerbetrieb ausgemacht habe. Nach einer darauffolgenden E-Mail-Korrespondenz, in deren Rahmen der Versicherte unter an- derem mitteilte, dass er aufgrund schlechter Erfahrun gen in der Gartenbaubranche primär auf der Suche nach einer Tätigkeit im sozialen Bereich sei, führte der zuständige Sachbearbeiter der B.____ AG aus, dass er den Versicherten bei der C.____ AG vorstellen möchte. Nachdem das RAV dem Versicherten Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt hatte, erliess es am 23. Au- gust 2019 eine Verfügung, mit welcher es den Versicherten wegen Ablehnung einer zumutbaren Arbeit für die Dauer von 32 Tagen ab 3. April 2019 in der Anspruchsberechtigung einstellte. Eine vom Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Einspr ache wies das Kantonale Amt für In- dustrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) Baselland mit Entscheid vom 29. November 2019 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Dr. Damian Schai, Advokat, mit Eingabe vom 14. Januar 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge richt). Darin beantragte er, in Gut- heissung der Beschwerde sei der Einspracheentscheid aufz uheben und das KIGA zu verpflich- ten, dem Beschwerdeführer ab dem 3. April 2019 ohne jegliche Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung das volle Arbeitslosentaggeld auszurichten. Eventualiter sei die Einstellung in der An- spruchsberechtigung zu reduzieren; unter o/e-Kostenfolge sowohl für das Beschwerdeverfahren als auch für das verwaltungsinterne Einspracheverfahren. Zur Begründung führte er im Wesent- lichen an, dass er weder mangelnden Vermittlungswillen gezeigt noch eine konkret angebotene Arbeitsstelle abgelehnt habe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Januar 2020 schloss das KIGA auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gerich t form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Beschwerdeführer zu Recht wegen Ablehnung einer zumut baren Arbeit für die Dauer von 32 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde. Bei einem versicherten Verdienst in der Höhe von Fr. 6'212.-- und einer Einstelldauer von 32 Tagen liegt der Streitwert aber in jedem Fall unter der erwähnten Grenze von Fr. 20'000.--, weshalb die Angelegenheit in die Kompetenz der präsidierenden Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht fällt. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes ü ber die obligatorische Arbeits- losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 muss die versi- cherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständi- gen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu ver- kürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen , nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes, und sie muss ihre Bemühungen nachweisen können. Im Weiteren muss die versicherte Person eine vermittelte zumutbare Arbeit ann ehmen und sie hat auf Weisung der zuständigen Amtsstelle an arbeitsmarktlichen Massnahmen teil zunehmen (Art. 17 Abs. 3 lit. a AVIG). 2.2 Zur Durchsetzung der verschiedenen in Art. 17 AVIG statuierten Pflichten der versicher- ten Person, insbesondere der Schadenminderungspflicht, sieht das Gesetz bei Verhaltenswei- sen, die sich negativ auf Eintritt oder Dauer der Leist ungspflicht der Arbeitslosenversicherung auswirken, Sanktionen vor (vgl. dazu THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel/Genf/München 2007, S. 2423 Rz 822). So ist die versicherte Person gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der Anspruchsberechtigun g einzustellen, wenn sie die Kontrollvor- schriften oder Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren Durchführung oder Zweck durch ihr Verhalten beeinträchtigt oder ver- unmöglicht. Die Einstellung hat die Funktion einer Ha ftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungs- sanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- u nd Verschuldensprinzip be- herrscht (NUSSBAUMER , a.a.O., Rz 822). 2.3 Der Einstellungstatbestand der Nichtannahme einer zugewiesenen zumutbaren Arbeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG liegt nicht nur dann vor, wenn die versicherte Person eine Stelle ausdrücklich zurückweist, sondern auch, wenn sie eine nach den Umständen gebotene ausdrückliche Annahmeerklärung unterlässt oder wenn sie es durch ihr Verhalten in Kauf nimmt, dass die Stelle anderweitig besetzt wird. Nach der Rechts prechung hat sich die arbeitslose ver- sicherte Person – in Erfüllung ihrer Schadenminderungs pflicht – bei einem künftigen Arbeitgeber unverzüglich zu melden und bei den Verhandlungen mit diesem klar und eindeutig die Bereit- schaft zum Vertragsabschluss zu bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht zu ge- fährden (BGE 122 V 38 E. 3b mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz 844). Aus diesen Grunds- ätzen folgt, dass der Tatbestand der Ablehnung zumutbarer Arbeit auch erfüllt ist, wenn sich die arbeitslose versicherte Person trotz Zuweisung der Stelle durch das RAV gar nicht ernsthaft um die Aufnahme von Vertragsverhandlungen bemüht (ARV 1986 Nr. 5 S. 22 unten). 3. Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen e ine vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vgl . § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerde- fall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dan n als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei sgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines besti mmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jene r Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschei nlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). 4.1 Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdefüh rer den Tatbestand der Ablehnung zu- mutbarer Arbeit nach Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG erfüllt und die Beschwerdegegnerin somit berech- tigt war, den Versicherten vorübergehend in der Anspruchsberechtigung einzustellen. 4.2 Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie fo lgt dar: Mit E-Mail vom 2. April 2019 teilte der hierfür zuständige Sachbearbeiter der B. ____ AG, Herr D.____, A. ____ mit, dass er ihn telefonisch nicht habe erreichen können. Er würde e inen gelernten Gärtner für einen tollen Betrieb suchen. Gleichentags antwortete der Versicherte, dass er zurzeit an einem ganztägigen Kurs sei und sich wieder melden würde. Anbei würde er seinen Lebenslauf und eine Fotodoku- mentation senden. Primär möchte er von der Gartenbaubranche weg und in den sozialen Bereich. Er würde gerne weiterhin handwerkliche Tätigkeiten ausüben, dabei aber hauptsächlich Jugend- liche oder generell Menschen im Rahmen von invalidenversicherungsrechtlichen Eingliederungs- massnahmen ausbilden. In einer weiteren E-Mail vom 3. April 2019 informierte Herr D.____ den Versicherten darüber, dass er im sozialen Bereich bei e inem Personalvermittler kaum Chancen haben werde. Ferner fragte er ihn an, ob er ihn dennoch bei einem renommierten Betrieb vorstel- len dürfe. Ebenfalls am 3. April 2019 führte der Versicherte aus, dass Herr D.____ ihn gerne bei Gartenbauunternehmen vorstellen dürfe, dies jedoch in vorgängiger Absprache. Wie aus seinem Lebenslauf hervorgehe, sei er seit 2000 in diesem Bereich tätig und habe durch Kurse und Wei- terbildungen ein grosses fachliches Wissen erworben und viel Berufserfahrung, was eine leitende Funktion erfordern würde. Mit E-Mail vom 4. April 2019 teilte Herr D.____ dem Versicherten mit, dass er ihn bei der C. ____ AG vorstellen möchte. Es würde sich dabei um einen kleinen Betrieb handeln, wo die Möglichkeit bestehen würde, im weiter en Verlauf eine leitende Position einzu- nehmen. Er sei mit Frau E.____ bereits in Kontakt getr eten. Eine entsprechende Antwort auf diese E-Mail lässt sich den Akten nicht entnehmen. Mit Schr eiben vom 13. August 2019 führte das RAV aus, dass der Versicherte durch seine Aussage, wonach er primär von der Gartenbau- branche weg und in den sozialen Bereich wechseln möcht e, nicht den Eindruck erweckt habe, die ihm angebotene Stelle anzunehmen. Dieses Vorgehen würde den Tatbestand der Ablehnung einer zumutbaren Arbeit erfüllen. In seiner darauffolgenden Stellungnahme vom 19. August 2019 führte der Versicherte im Wesentlichen aus, dass ihm zu keinem Zeitpunkt eine spezifische Stelle angeboten worden sei, weshalb er auch keine entsprechende Stelle habe ablehnen können. Auch habe er ausdrücklich mitgeteilt, dass er eine Stelle im Bereich Gartenbau annehmen würde. Fer- ner habe er gezeigt, dass er gewillt sei, auch in einer anderen Branche zu arbeiten. Daraufhin erging am 23. August 2019 die den Versicherten vorüberg ehend in der Leistung einstellende Verfügung. 4.3 Wie unter Erwägung 2.3 dargelegt, ist der Einste llungstatbestand von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG bereits dann erfüllt, wenn die versicherte Person eine nach den Umständen gebotene aus- drückliche Annahmeerklärung unterlässt oder wenn sie durch ihr Verhalten in Kauf nimmt, dass Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Stelle anderweitig besetzt wird. Der Einstellun gstatbestand erfasst grundsätzlich jedes Ver- halten, welches das Zustandekommen eines Arbeitsvertrages scheitern lässt. Alsdann fällt auch die Nichtannahme einer von Dritten vermittelten oder angebotenen Stelle unter Art. 30 Abs. 1 lit. d (vgl. BARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungs- recht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenve rsicherung und Insolvenzentschädi- gung, 5. Auflage, Zürich 2019, S. 227). Der für den Erlass der Einstellungsverfügung rechtser- hebliche Sachverhalt muss dabei mit überwiegender Wahr scheinlichkeit erstellt sein. Die Gel- tendmachung von unbestimmten Gründen reicht nicht aus, um auf ein fehlerhaftes Verhalten der versicherten Person zu schliessen (KUPFER BUCHER , a.a.O, S. 202; vgl. auch E. 3 hiervor). Anders als in dem zwischen denselben Parteien zu beurteilenden Sachverhalt (Parallelverfahren- Nr. 715 20 14), wurde dem Versicherten mit E-Mail vom 4. April 2019 durch den zuständigen Sachbearbeiter der B.____ AG vorliegend zwar ein Bewe rbungsgespräch bei der C.____ AG in Aussicht gestellt. Indessen hat die C.____ AG der Beschwerdegegnerin im Widerspruch dazu im Rahmen von während des Einspracheverfahrens getätigten weiteren Abklärungen mit E-Mail vom 7. November 2019 mitgeteilt, dass sie nur mit ausgewählten Stellenvermittlern zusammenarbei- ten würde. E-Mails von anderen Anbietern würden unbese hen gelöscht. Die B.____ AG würde nicht zu den entsprechenden Partnerfirmen gehören, wes halb deren Vorschläge nicht berück- sichtigt würden (vgl. act. 12). Unter diesen Umständen kann aus der E-Mail vom 4. April 2019 und – entgegen dem von der Beschwerdegegnerin vertretenen Standpunkt – erst recht nicht aus derselben vom 2. April 2019 an den Versicherten mit üb erwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Zuweisung einer konkreten Stelle geschlossen werden, die der Versicherte durch sein Verhalten hätte ablehnen können. Wie schon im Verfahren-Nr. 715 20 14 fehlt es somit an den tatbestands- mässigen Voraussetzungen von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG . Entgegen dem Dafürhalten der Be- schwerdegegnerin vermag denn auch die Tatsache, dass die B.____ AG dem Versicherten vor- liegend ausdrücklich mitteilte, dass sie ihn als Gärtner v ermitteln möchte, ein konkretes Stellen- angebot nicht zu ersetzen. Ferner erscheint mit Blick auf die massgebende Aktenlage äusserst fraglich, ob das Vorgehen des Beschwerdeführers als ablehnende Haltung gegenüber einer An- stellung im Bereich Gartenbau zu werten wäre, zumal er einem allfälligen Vorstellungsgespräch grundsätzlich zustimmte und der B.____ AG umgehend seine Bewerbungsunterlagen zukommen liess. Auf eine weitergehende Auseinandersetzung mit dieser Frage kann jedoch verzichtet wer- den, da mangels einer konkret zugewiesenen Stelle ein entsprechendes Verhalten allein die Vo- raussetzungen von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ohnehin nicht zu erfüllen vermöchte. 5. Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen von Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG nicht erfüllt und die Einstellung in der Anspruchsberechtigung erweist sich folglich als unrechtmässig. Damit ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Einspracheentscheid vom 29. November 2019 ist aufzuheben. 6.1 Nachdem das Begehren des Beschwerdeführers gutzuhe issen ist, bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer zu Recht ein Anspruch auf Ausrichtung einer Parteientschädigung unter Hinweis auf die fehlende Erforderlichkeit einer anwaltlichen Vertretung verweigert wurde. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Art. 52 Abs. 3 Satz 1 ATSG hält fest, dass das Ein spracheverfahren vor dem Versiche- rungsträger kostenlos ist. Parteientschädigungen werden laut Satz 2 der genannten Bestimmung in der Regel nicht ausgerichtet. Es stellt sich deshalb die Frage, unter welchen Voraussetzungen von diesem Grundsatz abgewichen werden kann, und ob im vorliegenden Fall ein derartiger Aus- nahmetatbestand gegeben ist. Im Entscheid 130 V 570 ff. hat das damalige Eidgenössische Ver- sicherungsgericht (EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) anhand der Entste- hungsgeschichte dieser Bestimmung aufgezeigt, dass der Gesetzgeber die ausnahmsweise Zu- sprechung einer Parteientschädigung im Einspracheverfahren unter einer Bedingung als zulässig und geboten erachtete: Der Einsprecher, der nicht üb er die erforderlichen Mittel verfügt, um die Anwaltskosten selbst zu tragen, und der im Falle des Unterliegens die unentgeltliche Verbeistän- dung (Art. 37 Abs. 4 ATSG) hätte beanspruchen können, soll bei Obsiegen vom unterliegenden Versicherungsträger entschädigt werden (BGE 130 V 572 f. E. 2.2 mit Hinweisen). Die Frage, ob Art. 52 Abs. 3 ATSG die Zusprechung einer Parteientschädigung auch bei Vorliegen besonderer Umstände, etwa besonderer Aufwendungen oder Schwierig keiten, unabhängig der Bewilligung der unentgeltlichen Vertretung, zulässt, wurde bis anh in indessen offengelassen. In seinem jüngsten Urteil zu dieser Thematik hat das Bundesgericht diese Frage in Bestätigung seiner bis- herigen Rechtsprechung verneint (vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 28. Mai 2018, 9C_877/2017, E. 8.2). 6.3 Hinsichtlich der sachlichen Gebotenheit der Verbeist ändung ist im sozialversicherungs- rechtlichen Verwaltungsverfahren ein strenger Massstab anzulegen; eine anwaltliche Vertretung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, in denen schwie rige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine Verbeiständung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozial er Institutionen) nicht in Betracht fällt (BGE 132 V 200 f. E. 4.1, 125 V 35 f. E. 4b, 117 V 408 f. E. 5a; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 5.3). Dabei sind die Umstände des Einzelfalls, die Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie die Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens zu be- rücksichtigen. Neben der Komplexität der Rechtsfragen un d der Unübersichtlichkeit des Sach- verhalts fallen auch in der Person des Betroffenen lieg ende Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Falls ein besonders starker Eingriff in die Rechts- stellung des Bedürftigen droht, ist die Verbeiständung grundsätzlich geboten, andernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls besondere tatsäch liche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Gesuchsteller auf sich alleine ges tellt nicht gewachsen ist (BGE 132 V 200 f. E. 4.1, 125 V 35 f. E. 4b; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2, je mit Hinweisen). Die sach liche Notwendigkeit wird nicht allein dadurch ausgeschlossen, dass das in Frage stehende Verfahr en von der Offizialmaxime oder dem Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, die Behörde also gehalten ist, an der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhaltes mitzuwirken (BGE 130 I 183 f. E. 3.2 und 3.3 mit Hinwei- sen). 6.4 Der Beschwerdeführer begründet die Notwendigkeit des Beizugs eines rechtskundigen Rechtsvertreters für die Erhebung der Einsprache gegen die Verfügung vom 23. August 2019 im Wesentlichen damit, dass innerhalb eines kurzen Zeitraum s fünf Verfügungen betreffend eine vorübergehende Einstellung in der Anspruchsberechtigung gegen ihn erfolgt seien. Es trifft zu, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass innerhalb einer Zeitspanne von rund zwei Monaten fünf Verfügungen gegen den Beschwer- deführer ergangen sind, die jeweils eine bestimmte Anzahl Einstelltage zum Gegenstand haben. Indessen rechtfertigt diese Tatsache nicht, die Anforderungen an die sachliche Gebotenheit einer Verbeiständung herabzusetzen. Auch kann nicht (allein) d araus auf die Erforderlichkeit einer sachkundigen Rechtsvertretung für das vorliegende Einsprach everfahren geschlossen werden (vgl. E. 6.3 hiervor). Wie die Beschwerdegegnerin zutr effend ausführt, wirft der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt keine schwierigen Fragen auf und auch hinsichtlich der sich stellenden Rechtsfragen kann keine besondere Komplexität festgestellt werden. Die Verfügung vom 23. Au- gust 2019 erweist sich zudem als ausreichend begründet und verständlich. Inhaltlich ging es bei der vorliegenden Angelegenheit um die Frage, ob der Beschwerdeführer den Tatbestand der Ablehnung einer zumutbaren Arbeit erfüllt. Hierzu be durfte es keiner anwaltlichen Vertretung, auch ein Mitarbeiter einer öffentlichen Institution hätte die Interessenvertretung des Beschwerde- führers wahrnehmen können. Es ist nicht einsehbar und der Beschwerdeführer legt auch in keiner Weise dar, inwiefern es ihm nicht möglich gewesen sein soll, sich zur vorliegenden Angelegenheit zu äussern. Beachtet man zusätzlich, dass an die Notwendigkeit bzw. sachliche Gebotenheit (der anwaltlichen Vertretung) aufgrund der in diesem Verfahren geltenden Offizialmaxime strenge Vo- raussetzungen zu stellen sind (vgl. E. 6.3 hiervor), so ist die Notwendigkeit der anwaltlichen Ver- tretung im vorliegenden Fall zu verneinen. Damit erübrigt sich eine Prüfung der weiteren Voraus- setzungen (Bedürftigkeit/Aussichtslosigkeit). Es ist daher im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass das KIGA die Ausrichtung einer Parteientschädigung abgelehnt hat. In diesem Punkt ist die Be- schwerde demnach abzuweisen. 7.1 Abschliessend ist über die Kosten zu befinden. Art. 6 1 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als ob siegende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten des KIGA zuzusprechen. Der Rec htsvertreter des Versicherten ist mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 24. Februar 2019 aufgefordert worden, innert unerstreck- barer Frist bis 9. März 2020 seine detaillierte Honora rnote nach Zeitaufwand einzureichen. Gleichzeitig ist er darauf hingewiesen worden, dass das Honorar nach Ermessen festgesetzt werde, falls bis zum genannten Termin keine Honorarnot e eingehen sollte. In der Folge hat der Rechtsvertreter dem Kantonsgericht keine detaillierte Kostennote nach Zeitaufwand zukommen lassen, so dass das Honorar ankündigungsgemäss nach Ermessen fe stzusetzen ist. Der er- brachte Aufwand setzt sich vorliegend im Wesentlichen aus einem Instruktionsgespräch mit dem Mandanten und dem Verfassen der Beschwerde zusammen. Alsdann gilt es zu berücksichtigen, dass der Rechtsvertreter den Beschwerdeführer bereits i m Einspracheverfahren vertreten hatte und denselben auch in den Parallelverfahren (Nr. 715 20 14, Nr. 715 20 15 und Nr. 715 20 39) vor dem Kantonsgericht vertritt, womit insbesondere ein vertieftes Aktenstudium entfällt. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Synergieeffekte b ei der Beurteilung der Honorarnote insofern zu berücksichtigen, als diese bei der Vertretung durch denselben Anwalt im Verwaltungs- verfahren zur Kürzung der Honorarnote führen (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Dezember 2013, 9C_637/2013, E. 5.3, und vom 14. Januar 2010, 8C_723/2009, E. 4.3). Im Weiteren enthält Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die vorliegende Beschwerde viele Übereinstimmungen mit der Einsprache sowie den im Rahmen der Parallelverfahren verfassten Eingaben. Hält man si ch die erbrachten Bemühungen vor Au- gen, erscheint es angemessen, für diese einen Zeitaufwand von insgesamt fünf Stunden zu ent- schädigen und zudem Auslagen von pauschal Fr. 30.-- zu er setzen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschni ttliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Der B eschwerdeführerin ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'378.60 (5 St unden à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 30.-- zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefo chtene Einsprache- entscheid des KIGA Baselland vom 29. November 2019 wir d aufgeho- ben. 2. Der Antrag auf Ausrichtung einer Parteientschädigu ng im Einsprachever- fahren wird abgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 1'378.60 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwert- steuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht