A bteilung IV D -4643/2006 sch/um k {T 0/2} U rteil vom 29. M ai 2007 M itw irkung: R ichter H ans Schürch, Jean-Pierre M onnet, Thom as W espi G erichtsschreiberin Katarina U m egbolu A ._______, geboren (...), Afghanistan, vertreten durch W altraud W eber, (...), Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 22. M ärz 2005 i.S. Vollzug der W egw eisung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer H azara m it letztem W ohnsitz in Z._______ (Provinz Z._______), verliess seinen H eim at- staat eigenen Angaben zufolge (...) 2004 und gelangte via den Iran in die Türkei, w o er ungefähr sechs bis sieben M onate blieb. Am 23. Februar 2005 reiste der Be- schw erdeführer versteckt in einem Lastw agen illegal in die Schw eiz ein. Am darauf folgenden Tag stellte er im Em pfangszentrum Z._______ ein Asylgesuch. D as BFM überw ies ihn daraufhin ans Em pfangszentrum Z._______. D ort w urde der Be- schw erdeführer vom BFM am 7. M ärz 2005 sum m arisch befragt und am 15. M ärz 2005 zu seinen Asylgründen und dem R eisew eg direkt angehört. Anlässlich der Befragungen m achte der Beschw erdeführer im W esentlichen gel- tend, 1993 sei er der islam ischen Partei H ezbe Islam i beigetreten, w elcher bereits sein Vater angehört habe. H ezbe Islam i habe der Taliban nahegestanden. In der Partei sei er ab und zu für zivile Aufgaben eingesetzt w orden, habe jedoch, obw ohl auch er eine Kalaschnikow getragen habe, nie an kriegerischen Auseinander- setzungen teilgenom m en. Im Jahre 2001/2002 sei er zusam m en m it anderen be- auftragt w orden, W affen nach Z._______ (Provinz Z._______) zu bringen. In den Bergen von Z._______ hätten M itgliedern der H ezbe W ahdat sie angegriffen, einen Parteikollege nam ens B._______ entführt und die W affen an sich genom - m en. D ie Partei H ezbe W ahdat kooperiere m it den Am erikanern. Er selbst und die übrigen Kam eraden seien davongekom m en und ihr paschtunischer Parteikollege habe sie nach Z._______ geführt. Zur gleichen Zeit hätten die Am erikaner das G e- biet um Z._______ bom bardiert und dam it die dort herrschende Talibanregierung vertrieben. D as entstandene M achtvakuum habe die H ezbe W ahdat ausgenutzt und die Kontrolle über das G ebiet übernom m en. D iese Entw icklung habe sich di- rekt auf die Lebenssituation seiner Fam ilie ausgew irkt. Vor lange Zeit habe sein G rossvater näm lich beim Vater von C ._______ ein D arlehen aufgenom m en, w el- ches er jedoch nicht innert Frist habe zurückzahlen können. D er Vater von C ._______ habe daher das G rundstück des G rossvaters anstelle des G eldes ver- langt. D er G rossvater habe die geschuldete Sum m e schliesslich aufgebracht, der Vater von C ._______ sich jedoch gew eigert, das G eld anzunehm en. Seither bean- spruche die Fam ilie von C ._______ ihr G rundstück. Seit der M achtübernahm e durch die H ezbe W ahdat sei der Konflikt w ieder aufgeflam m t, da die ehem alige Schutzm acht H ezbe Islam i w eggefallen sei. C ._______ sei heute im Besitz ihres G rundstücks und die Eltern m it unbekanntem Aufenthalt w eggezogen. Ein w eiterer G rund sei die Tötung von D ._______ gew esen, w elcher Kom m andant bei der H ez- be W ahdat gew esen sei. O bw ohl D ._______ von den Taliban um gebracht w orden sei, habe sich das G erücht verbreitet, H ezbe Islam i habe den Tod von D ._______ zu verantw orten. All diese U m stände hätten dazu geführt, dass er von Z._______ aus auf Anraten seiner Anführer nicht m ehr nach H ause zurückgekehrt und nach Z._______ gegangen sei. Ausserhalb der Stadt Z._______ habe er daraufhin w äh- rend zw eier Jahre in einem C am p der H ezbe Islam i gelebt. Im W eiteren gehe er davon aus, dass ihn die Am erikaner w egen seiner Zugehörigkeit zur H ezbe Islam i und dam it der U nterstützung der Taliban sow ie w egen des Vorfalls m it den W affen 3 als Terroristen suchen w ürden. Von der Fam ilie des entführten B._______ w isse er näm lich, dass über diesen eine um fangreiche Akte bestehe, B._______ folglich w ichtige Inform ationen an die Am erikaner preisgegeben habe. Bei einer R ückkehr befürchte er, von den Am erikanern festgenom m en und verhört zu w erden. Vor diesem H intergrund habe er Afghanistan im (...) 2004 verlassen und sich zunächst einen M onat lang im Iran aufgehalten. Von dort sei er in die Türkei w eitergezogen, w o er m ehrere M onate in der N ähe von Istanbul gelebt habe. Im Februar 2005 sei er in die Schw eiz gekom m en. B. M it Verfügung vom 22. M ärz 2005 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschw er- deführers ab und ordnete gleichzeitig dessen W egw eisung aus der Schw eiz sow ie deren Vollzug an. Zur Begründung führte die Vorinstanz im W esentlichen aus, die Vorbringen des Beschw erdeführers hielten w eder den Anforderungen an die G laubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft stand; ausserdem sei der Vollzug der W egw eisung zulässig, zum utbar und m öglich. C . M it Beschw erde an die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) vom 21. Faxeingabe) respektive 22. April 2005 (D atum Poststem pel) beantragte der Be- schw erdeführer, die angefochtene Verfügung sei hinsichtlich des angeordneten W egw eisungsvollzugs (D ispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung) aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Vollzug der W egw eisung unzum ut- bar sei. Es sei ihm die vorläufige Aufnahm e zu gew ähren. In prozessualer H insicht ersuchte der Beschw erdeführer um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses sow ie sinngem äss um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege. Auf die Begründung w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den nachfolgenden Erw ägun- gen eingegangen. D . M it Zw ischenverfügung vom 18. M ai 2005 teilte der zuständige Instruktionsrichter der AR K dem Beschw erdeführer m it, dass er den Ausgang des Beschw erdeverfah- rens in der Schw eiz abw arten könne. Ferner stellte der Instruktionsrichter unter anderem fest, dass die R echtsm itteleingabe nicht als von vornherein aussichtslos zu bezeichnen sei, der Beschw erdeführer für die G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege jedoch den N achw eis der Bedürftigkeit beibringen m üsse. Innert an- gesetzter Frist sei ein solcher N achw eis einzureichen beziehungsw eise ansonsten an dessen Stelle ein Kostenvorschuss zu bezahlen. E. M it Eingabe vom 24. M ai 2005 reichte der Beschw erdeführer eine Bestätigung sei- ner Fürsorgeabhängigkeit zu den Akten. F. D as BFM schloss in seiner Vernehm lassung vom 31. M ai 2005 auf Abw eisung der Beschw erde. G . D er Beschw erdeführer hielt in seiner Stellungnahm e vom 17. Juni 2005 an seinen Anträgen fest. H . M it Eingabe vom 13. M ärz 2007 überw ies die R echtsvertreterin des Beschw erde- führers einen ärztlichen Bericht von D r. m ed. E._______, O berarzt, und D r. m ed. E._______, Assistenzarzt am (...) vom 1. Februar 2007 zu den Akten. I. M it Schreiben vom 2. April 2007 teilte die R echtsvertreterin dem Bundesverw al- tungsgericht ihre M andatsübernahm e m it und ersuchte unter anderem um Akten- einsicht.4 J. M it Zw ischenverfügung vom 25. April 2007 w urde der R echtsvertreterin Aktenein- sicht gew ährt. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverw altungsgericht vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Be- schw erden gegen Verfügungen des BFM , w elche in Anw endung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) ergangen sind; das Bundesverw altungsge- richt entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D ie bei der AR K am 31. D ezem ber 2006 noch hängigen Beschw erdeverfahren w urden per 1. Januar 2007 durch das Bundesverw altungsgericht übernom m en und w erden durch dieses w eitergeführt; dabei findet das neue Verfahrensrecht Anw en- dung (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts und die U nangem essenheit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. des Bundesgesetzes vom 20. D e- zem ber 1968 über das Verw altungsverfahren [Vw VG , SR 172.021]). Auf die Be- schw erde ist som it einzutreten. 3. W ie bereits in der Zw ischenverfügung der AR K vom 18. M ai 2005 festgehalten w urde, richtet sich die Beschw erde gem äss den Anträgen nur gegen den Vollzug der von der Vorinstanz verfügten W egw eisung (D ispositivziffern 4 und 5 der ange- fochtenen Verfügung). Som it ist die vorinstanzliche Verfügung vom 22. M ärz 2005, sow eit sie die Frage des Asyls und der Flüchtlingseigenschaft betrifft, in R echts- kraft erw achsen. Auch die W egw eisung als solche (D ispositivziffer 3) ist dam it grundsätzlich nicht m ehr zu überprüfen. Im Folgenden ist daher lediglich zu unter- suchen, ob die Vorinstanz den W egw eisungsvollzug zu R echt als durchführbar er- achtet hat oder ob allenfalls an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahm e an- zuordnen ist. 5 4. 4.1 Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be- stim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N ie- derlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 4.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat ausreisen oder dorthin gebracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Ausländers in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D ritt- staat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 4.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 25 Abs. 2 der Bundes- verfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). 4.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D ezem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. N ovem ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (EM R K, SR 0.101) darf niem and in einen Staat ausgeschafft w erden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unm enschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. 5. 5.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die W egw eisung des Beschw erdeführers nach Af- ghanistan vollzogen w erden kann oder ob an ihrer Stelle die vorläufige Aufnahm e anzuordnen ist. Vorab ist in diesem Zusam m enhang festzustellen, dass die unter Erw ägung 4 einleitend erw ähnten drei Bedingungen für einen (vorläufigen) Ver- zicht auf den Vollzug der W egw eisung - U nzulässigkeit, U nzum utbarkeit und U n- m öglichkeit - alternativer N atur sind: Ist eine dieser Voraussetzungen erfüllt, so ist der Vollzug der W egw eisung als undurchführbar zu erachten und die w eitere An- w esenheit in der Schw eiz gem äss den Bestim m ungen über die vorläufige Aufnah- m e zu regeln (vgl. Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylre- kurskom m ission, EM AR K 2001 N r. 1 E. 6a S. 2, 2006 N r. 6 E. 4.2. S. 54 f.). 5.2 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung verzichtet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt und aus diesem G rund nicht zum utbar ist. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bür- gerkrieg oder durch eine Situation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder auf-6 grund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise dem Fehlen einer notw endi- gen m edizinischen Behandlungsm öglichkeit, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 5.3 D ie Vorinstanz erachtete den Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers in den H eim atstaat als zulässig, zum utbar und m öglich. In seinen Erw ägungen führte das BFM insbesondere aus, die R ückschaffung des Beschw erdeführers in dessen H eim atland erscheine angesichts der allgem einen Lage in Afghanistan als zum ut- bar. D a in Afghanistan keine Situation allgem einer G ew alt herrsche, könne nicht von einer allgem einen konkreten G efährdung der Bevölkerung ausgegangen w er- den. D er R egierung unter Präsident Karzai sei es gelungen, die Situation im Land insgesam t zu stabilisieren, dies insbesondere durch die Einbindung eines G ross- teils der lokalen M achthaber, den Aufbau eines Sicherheitsapparates und die Ent- w affnung der M ilizen. In Sicherheitsbelangen w erde die afghanische R egierung w eiterhin von der internationalen Schutztruppe ISAF unterstützt und die W ieder- aufbauteam s (Provincial R econstruction Team PR Ts) seien nach w ie vor im Ein- satz. Ferner sprächen auch keine individuellen G ründe gegen eine R ückkehr des Beschw erdeführers in sein H eim atland. G em äss eigenen Angaben sähe sich der Beschw erdeführer bereit, zurückzukehren, sobald die Problem e m it den Am erika- nern und die Streitfrage betreffend das G rundstück in Z._______ gelöst seien. D iesbezüglich sei jedoch anzum erken, dass der Streit um das Land seit G eneratio- nen andaure und erst seit der M achtübernahm e durch die H ezbe W ahdat an Be- deutung w ieder gew onnen habe. U ngeachtet dessen seien die Eltern des Be- schw erdeführers aber selbst nach dem M achtw echsel der H ezbe W ahdat im O rt geblieben. D ass sich diese nun auf der Flucht befänden, beruhe auf M utm assun- gen. D em Beschw erdeführer sei folglich zuzum uten, nach Z._______ zurückzu- kehren. Andernfalls stünde dem Beschw erdeführer ebenfalls offen, sich bei seinem O nkel in der Z._______ Provinz niederzulassen. D er Beschw erdeführer verfüge ferner über Berufserfahrung in der Landw irtschaft und entstam m e einem der grössten nationalen Volksstäm m e. 5.4 D er Beschw erdeführer entgegnet in seiner Beschw erdebegründung im W esentli- chen, eine R ückkehr nach Afghanistan sei derzeit unzum utbar. So herrsche in w ei- ten Teilen Afghanistans nach w ie vor eine prekäre Sicherheitslage und den staatli- chen Sicherheitskräften m angle es an D urchsetzungsfähigkeit. D ie kaum vorhan- dene staatliche R echtsordnung, zahlreiche M enschenrechtsverletzungen began- gen durch staatliche und nichtstaatliche Akteure sow ie m angelnde sozioökonom i- sche Perspektiven verursachten w eiterhin U nsicherheit und U ngew issheit unter der Bevölkerung. Ferner habe er über den Verbleib seiner Eltern im m er noch keine Inform ationen und eine Existenz in Z._______ w äre allenfalls dann m öglich, w enn die Streitfrage betreffend das G rundstück gelöst w ürde. M öglich sei dies aber erst, w enn die verschiedenen Parteien Frieden schliessen w ürden und die Am erikaner sich aus Afghanistan zurückzögen. Sobald sich die Sicherheitslage gebessert habe, sei er grundsätzlich bereit, zurückzukehren. Zur Stützung seiner Ausführun- gen verw ies der Beschw erdeführer auf den R apport von Am nesty International vom 6. April 2005 zum Them a Sicherheit und Bestrafung von Kriegsverbrechern in Afghanistan, w elchen er als Beilage zur Beschw erde einreichte. 5.5 In ihrer Vernehm lassung vertritt die Vorinstanz ihrerseits die Ansicht, die Be-7 schw erdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Bew eism ittel, w elche eine Änderung ihres Standpunkte rechtfertigen könnten. D ie Eingabe ge- ben jedoch zu diversen Bem erkungen Anlass. So unterstütze das BFM in Zusam - m enarbeit m it der Internationalen O rganisation für M igration (IO M ) Personen, w el- che freiw illig und dauerhaft nach Afghanistan zurückkehren m öchten. Zw angsw ei- se Vollzüge von W egw eisungen w ürden in der derzeitigen Situation keine vorberei- tet. Prinzipiell sei ein W egw eisungsvollzug nach Afghanistan zulässig, zum utbar und m öglich, sofern keine individuellen W egw eisungshindernisse dagegen sprä- chen. Solche H indernisse könnten beispielsw eise in m angelnden Anhaltspunkten für ein tragfähiges soziales N etz sow ie in fehlenden C hancen für eine w irtschaftli- che R eintegration liegen. Anhaltspunkte dieser Art seien aus den Akten jedoch kei- ne ersichtlich. D er Beschw erdeführer gehöre keiner R isikogruppe an und der O n- kel in Z._______ w äre in der Lage, den Beschw erdeführer bei sich aufzunehm en. Betreffend den Verbleib der Eltern des Beschw erdeführers w äre diesem ferner zu- zum uten, m it H ilfe der IO M oder anderer O rganisationen entsprechende N achfor- schungen anzustellen. D ie Forderung, w onach alle Kriegsparteien Frieden schliessen sollten und die Am erikaner Afghanistan verlassen m üssten, bevor die G rundstücksfrage in Z._______ gelöst w erden könne, sei übertrieben. 5.6 In seiner R eplik w iederholt der Beschw erdeführer zunächst, er könne derzeit nicht in sein H eim atland zurückkehren. Im W eiteren sei selbst eine R ückkehr zum O nkel in Z._______ nicht m öglich, zum al sich dieser w egen des G rundstücksstreits von seinem Bruder, dem Vater des Beschw erdeführers, distanziert habe. Er, der Be- schw erdeführer, verfüge in Afghanistan folglich über kein tragfähiges Beziehungs- netz und habe keine w irtschaftliche Ü berlebensm öglichkeit. Ü ber den Aufenthalts- ort der Eltern, w elche ebenfalls aus Afghanistan hätten fliehen m üssen, w isse er w eiterhin nichts. G estützt auf Inform ationen von seiner im Iran lebenden Schw ester verm ute er allerdings, dass sich die Eltern in Pakistan befänden. W e- gen der G rundstücksproblem atik hätten diese in Afghanistan kein Auskom m en ge- habt und seien bedroht gew esen. Schliesslich w eist der Beschw erdeführer darauf hin, dass die D arlegungen zur G rundstücksfrage keinesfalls übertrieben gew esen seien. D er einflussreiche C ._______ halte derzeit das G ründstück besetzt und ge- niesse den Schutz der m om entanen M achthaber. Eine C hance auf R ückgabe an seine Fam ilie bestünde unter diesen U m ständen som it keine. 6. 6.1 D er Beschw erdeführer ist eigenen Angaben zufolge ethnischer H azara und lebte von seiner G eburt bis Spätsom m er 2002 in der G egend von Z._______ (Provinz Z._______). D ie Zeit bis zur Ausreise im (...) 2004 verbrachte der Beschw erdefüh- rer in der N ähe der Stadt Z._______ in einem von der Partei H ezbe Islam i organi- sierten C am p. D as BFM stellte diese H erkunftsangabe nicht in Frage. Laut Aussa- gen des Beschw erdeführers hätten dessen Eltern kurze Zeit nach ihm zusam m en m it einer Schw ester und zw ei Brüdern die heim atliche W ohngegend verlassen und seien unbekannten Aufenthaltes verzogen. Verm utlich seien sie derzeit in Pakistan. Zw ei Schw estern der Beschw erdeführers leben m it ihren Fam ilien im Iran. Im W eiteren ist gestützt auf die Akten davon auszugehen, dass ein O nkel des Beschw erdeführer in der Provinz Z._______ w ohnhaft ist und andere Verw andte 8 sich in Z._______ (Provinz Z._______) aufhalten. 6.2 In dem unter EM AR K 2003 N r. 30 veröffentlichten U rteil der AR K erachtete die Kom m ission die R ückkehr eines aus der Provinz G hazni stam m enden Angehöri- gen der H azara in diese Provinz auch ohne Berücksichtigung individueller U m stän- de - w ie beispielsw eise des G esundheitszustandes - als existenzbedrohend und som it als unzum utbar. Sie begründete ihren Entscheid m it der insgesam t als pre- kär zu betrachtenden Lage in dieser Provinz, da die Sicherheitslage infolge von Anschlägen und Ü bergriffen als angespannt eingeschätzt w urde und infolgedessen auch die Versorgungslage der Bevölkerung stark in M itleidenschaft gezogen w ar (vgl. EM AKR 2003 N r. 30 E. 6 ff. S. 192 ff.). In einem w eiteren U rteil vom 25. Ja- nuar 2006, publiziert in EM AR K 2006 N r. 9, stellte die AR K unter Berücksichtigung ihrer bisherigen Praxis (vgl. insbesondere EM AR K 2003 N rn. 10 und 30) und unter Ausw ertung säm tlicher zur Verfügung stehender Inform ationen fest, dass eine R ückkehr abgew iesener Asylsuchender in bestim m te Teile von Afghanistan - vo- rausgesetzt, sie verfügen dort über ein tragfähiges fam iliäres oder soziales Bezie- hungsnetz - zw ar nicht als generell unzum utbar zu qualifizieren w äre, w eil sich die Sicherheitslage in Afghanistan teilw eise gebessert habe. Trotzdem erachtete die Kom m ission die gesam te Lage in Afghanistan im m er noch als besorgniserregend. Im erw ähnten U rteil vom 25. Januar 2006 erachtete die Kom m ission daher den Vollzug der W egw eisung - unter bestim m ten Voraussetzungen - nur in diejenigen Provinzen als zum utbar, in w elchen seit 2004 keine nennensw erten m ilitärischen Aktivitäten m ehr zu verzeichnen w aren, oder die nicht einer ständigen unsicheren Lage ausgesetzt sind. N eben Kabul sind dies die nördlich der H auptstadt gelege- nen Provinzen Parw an, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul und die G egend um Sam anghan, die nicht zum H azarajat gehört, sow ie die Pro- vinz H erat. D as Bundesverw altungsgericht vertritt die Auffassung, dass die er- w ähnten Lageanalysen der AR K w eiterhin gültig sind. D ie Provinz Z._______, von w o der Beschw erdeführer stam m t, gehört zum H azarajat und nicht zu einer der oben erw ähnten Provinzen. G leiches gilt für die Provinz Z._______, die im Süd- w esten Afghanistans liegt und deren Sicherheitslage m it derjenigen im H azarajat verglichen w erden kann. D ie W egw eisung des Beschw erdeführers ist som it w eder in sein H erkunftsgebiet noch nach Z._______ zum utbar, w obei die Frage nach der Aufnahm ebereitschaft des O nkel offen gelassen w erden kann. 6.3 Im W eiteren bleibt zu prüfen, ob es dem Beschw erdeführer zuzum uten ist, sich im G rossraum Kabul oder in einer der oben erw ähnten Provinzen, w o die Sicherheits- lage vergleichsw eise stabil ist, niederzulassen. G estützt auf die Aktenlage ist da- von auszugehen, dass der Beschw erdeführer ausserhalb seines H erkunftsgebietes und der Provinz Z._______ keine Verw andten hat und - abgesehen von seinem Aufenthalt in einem C am p der H ezbe Islam i in der N ähe von Z._______ - auch nie in einem dieser G ebiete gelebt hat. Som it w ürde der Beschw erdeführer im Fall einer R ückkehr in sein H eim atland ausserhalb seines H erkunftsgebietes in Afgha- nistan w eder über eine gesicherte W ohnsituation noch über ein tragfähiges Fam i- lien- oder Beziehungsnetz verfügen. D iese Zum utbarkeitskriterien sind indessen entscheidend, um sich in einem andern als dem H erkunftsgebiet eine neue Existenz aufbauen zu können. Insgesam t steht dem Beschw erdeführer deshalb in- nerhalb seines H eim atlandes keine zum utbare Aufenthaltsalternative zur Verfü- gung. 9 6.4 Aufgrund einer G esam tw ürdigung der genannten U m stände erachtet das Bundes- verw altungsgericht den Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers nach Af- ghanistan im heutigen Zeitpunkt als unzum utbar im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG . Eine vertiefte Auseinandersetzung m it dem eingereichten ärztlichen Bericht vom 1. Februar 2007 erw eist sich vor diesem H intergrund nicht w eiter notw endig. 7. Es folgt som it, dass die D ispositivziffern 4 und 5 (Vollzug der W egw eisung) der an- gefochtenen Verfügung vom 22. M ärz 2005 aufzuheben sind. N achdem sich aus den Akten keine H inw eise auf Ausschlussgründe im Sinne von Art. 14a Abs. 6 AN AG ergeben, ist das BFM anzuw eisen, den Beschw erdeführer w egen U nzum ut- barkeit des W egw eisungsvollzugs vorläufig aufzunehm en. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ). 8.2 O bsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erw achsenen notw endigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents vom 11. D ezem - ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsge- richt [VG KE, SR 173.320.2]). D ie R echtsvertreterin des Beschw erdeführers trat dem Verfahren kurz vor dessen Abschluss bei. Angesichts des zuverlässig ab- schätzbaren Aufw andes ist die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädi- gung auf insgesam t Fr. 180.-- (inkl. Auslagen und M ehrw ertsteuer) festzusetzten (Art. 10 VG KE). (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie D ispositivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung vom 22. M ärz 2005 w erden aufgehoben, und das BFM w ird angew iesen, den Beschw erdeführer vor- läufig aufzunehm en. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D as BFM hat dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 180.-- aus- zurichten. 5. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin des Beschw erdeführers, 2 Expl. - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (R ef.-N r. N ...) - (...) (Kopie) D er R ichter: D ie G erichtsschreiberin: H ans Schürch Katarina U m egbolu