B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6892/2011 U r t e i l v o m 2 6 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter François Badoud; Gerichtsschreiberin Tu-Binh Truong. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Christian Wyss, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 23. November 2011 / N (…). E-6892/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamil i- scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ (Distrikt Jaffna) – verliess eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat am 28. November 2008 und reiste am 11. Februar 2009 in die Schweiz ein, wo er am nächsten Tag um Asyl nachsuchte. A.b Anlässlich der Befragung vom 13. Februar 2009 und der Anhörung vom 10. März 2009 machte er geltend, er sei im Jahre [Jahreszahl] bei einer von seinem [Verwandter] organisierten Demonstration ne ben di e- sem gestanden, weshalb er auf von der sri-lankischen Armee aufgenom- menem Bild- und Videomaterial klar erkennbar gewesen sei. Eine Ko n- frontation mit diesem Material habe erst [Zahl] Jahre später in einem A r- meecamp stattgefunden, da er am (Datum) verhaftet und von Mitgliedern der Armee unter anderem zu seinem [Verwandter] befragt worden sei. Man habe ihn wegen der Teilnahme an der Demonstration beschuldigt , mit den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) zu sympathisieren. Er sei elf Tage lang im Camp nach den Adressen unterschiedlicher Personen gefragt und, weil er diese nicht verraten habe, schwer misshandelt wor- den. Am (Datum) sei er freigelassen worden. In der Folge seien sein [Verwandter] und dessen [Verwandter] erschossen worden, und vor se i- ner Ausreise sei bei ihm zu Hause in seiner Abwesenheit nach ihm ge- sucht worden. A.c Mit Verfügung vom 8. Juni 2010 stellte das BFM fest, der Beschwe r- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Den Entscheid begründete es im Wesentlichen damit, seinen Vorbringen könne aufgrund zahlreicher W i- dersprüche und Ungereimtheiten nicht geglaubt werden und er habe kei- ne konkreten Begebenheiten glaubhaft machen können, die auf eine dr o- hende asylrelevante Verfo lgung schliessen liessen. Gleichzeitig verfügte es die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs. Diese Verfügung wuchs unangefochten in Rechtskraft. B. B.a Mit Schreiben vom 22. August 2011 teilte das BFM dem Beschwerde- führer mit, es erw äge, die vorläufige Aufnahme aufzuheben. Es verwies auf die allgemein entspannte Sicherheitslage in Sri Lanka und stellte sich auf den Standpunkt, es sprächen auch keine individuellen Gründe gegen E-6892/2011 Seite 3 eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme . Es räumte dem Beschwerde- führer unter Fristansetzung das rechtliche Gehör ein. B.b Der Beschwerdeführer nahm mit Schreiben vom 2. September 2011 und 13. Oktober 2011 durch seinen Rechtsvertreter Stellung. Betreffend seine aktuelle Gefährdung reichte er ein vom 31. August 2011 da tiertes Bestätigungsschreiben des zuständigen Grama Nila dhari (Dorfvorsteher) ein. C. Das BFM hob die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers mit Verfü- gung vom 23. November 2011 – eröffnet am 24. November 2011 – auf und wies ihn an, die Schweiz zu verlass en. Zur Begründung führte es insbesondere aus, der Wegweisungsvollzug erweise sich als zulässig, zumutbar und möglich. D. Mit Beschwerde vom 22. Dezember 2011 an das Bundesverwaltungsg e- richt beantragte der Beschwerdeführer, der Entscheid des BFM sei we- gen Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben und es sei ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu belassen, eventualiter sei die Sa- che zur Überprüfung des Foltervorwurfs an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. Er reichte ein neues, vom 2. Dezember 2012 datiertes Bestätigungs- schreiben (Telefax) des Grama Niladhari vom 2. Dezember 2012 zu se i- ner aktuellen Gefährdung zu den Akten. E. Mit Zwischenverfügung vom 9. Januar 2012 forderte das Bundesverwa l- tungsgericht den Beschwerdeführer auf, bis zum 24. Januar 201 2 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– zu überweisen. F. Der Kostenvorschuss wurde am 24. Januar 2012 eingezahlt. G. Mit Eingabe vom 26. Januar 2012 reichte der Rechtsvertreter das Original des Schreibens vom 2. Dezember 2012 des Grama Niladhari und einen Brief des Vaters des Beschwerdeführers vom 2. November 2011 ein, wel- che die Fluchtgründe und die nach wie vor bestehende konkrete Gefäh r- dung des Beschwerdeführers bestätigen würden. Das Gericht wurde e r- sucht, diese vor Ort überprüfen zu lassen. Zudem hätte die Vorinstanz angesichts der Eingabe vom 2. September 2011 (vgl. oben Bst. B.b) die E-6892/2011 Seite 4 Verfügung vom 8. Juni 2010 im Asylpunkt in Wiedererwägung ziehen sol- len, was sie zu Unrecht unterlassen habe. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet im Bereich des Ausländerrechts betreffend vor- läufige Aufnahme endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 des Bundesgerichts ge- setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 112 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländ e- rinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20] i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Nachdem der Kostenvo r- schuss innert angesetzter Frist geleistet wurde, ist auf die Beschwerde – unter Vorbehalt nachstehender Erwägungen – einzutreten. 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die u nrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 49 VwVG). 3. Die Verfügung bildet als Anfechtungsgegenstand in der Bundesverwal - tungsrechtspflege den äusse ren Rahmen, innerhalb welchem die Par - teien der Rechtsmittelinstanz ein Rechtsverhältnis zur Beurteilung unter - breiten können. Der durch die Parteibegehren definierte Streitgegenstand darf nicht über den Anfechtungsgegenstand hinaus reichen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann grundsätzlich nur sein, was Gegenstand E-6892/2011 Seite 5 des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzesausle - gung hätte sein sollen (vgl. ANDRÉ MOSER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal tungsverfahren (VwVG), Zürich 2008, Rz. 3 zu Art. 52; CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen Prozessmaxi- men, Bern 1997, S. 63; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfah- ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 149; BVGE 2009/54 E. 1.3.3). 3.1 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist die durch das BFM verfügte Aufhebung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerde- führers. 3.2 In seiner Beschwerdeschrift bringt der Beschwerdeführer vor, er habe es unterlassen, die Verfügung des BFM anzufechten, weil er sich durch die vorläufige Aufnahme hinreichend geschützt geglaubt habe, weshalb nun die effektive Gefährdung durch das Bundesverwaltungsgericht abge- klärt werden müsse. Er rügt weiter, das BFM habe mit der "Nichtüberpr ü- fung" der mit Eingabe vom 2. September 2011 neu eingereichten Beweis- mittel das "rechtliche Gehör verletzt ", weshalb die Sache an die Vori n- stanz zurückzuweisen sei (vgl. Beschwerde S. 3 f.). Dem muss entgegengehalten werden, dass d as Vorliegen einer flüch t- lingsrechtlichen Gefährdung des Beschwerde führers im ursprünglichen Asylverfahren umfassend und abschliessend geprüft wurde. Die (asy l- rechtliche) Verfügung ist in Rechtskraft erwachsen, weshalb sie im vorlie- genden (ausländerrechtlichen) Verfahren nicht mehr zum Gegenstand ge- macht werden kann. Die entsprechenden Vorbringen des Rechtsvertre- ters des Beschwerdeführers sind – soweit sie sich in Bezug auf die Au s- führungen zur "Verletzung des rechtlichen Geh örs" ohnehin nicht als ve r- fehlt erweisen – unzulässig, da damit der Streitgegenstand über den in der angefochtenen Verfügung geregelten Anfechtungsgegenstand hinaus erweitert würde, weshalb darauf nicht eingetreten wird. 3.3 In der Eingabe vom 26. Januar 2012 wird zudem geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe in seiner Stellungnahme vom 2. September 2011 seine damalige aktuelle Verfolgungssituation dargelegt und dazu neue Beweise eingereicht . Angesichts dessen wäre das BFM vor dem Hintergrund der aktuellen L age gehalten gewesen, seine unangefochten in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 8. Juni 2010 in analoger A n- wendung von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG in Wiedererwägung zu ziehen. E-6892/2011 Seite 6 Dazu wird festgestellt, dass in der vom Rechtsvertreter des Beschwerd e- führers – einem patentierten Rechtsanwalt – als "vorläufige Stellungna h- me zum geplanten Widerruf der vorläufigen Aufnahme" bezeichneten Eingabe vom 2. September 2011 einzig beantragt wurde, von der erw o- genen Aufhebung der vorläufigen Aufnahme sei abzusehen. Vor di esem Hintergrund und angesichts des Umstands, dass die vom 2. September 2011 datierte Eingabe vom Rechtsvertreter auch nicht entsprechend dem für qualifizierte Wiedererwägungsgesuche analog der Regeln der Revis i- on geltenden Formvorschriften verfasst wurde, hatte das BFM keinen hin- reichenden Anlass, die Eingabe vom 2. September 2011 als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch (oder als zweites Asylgesuch, was ebenso w e- nig verlangt wurde) zu behandeln. Auf dieses in der Eingabe vom 26. J a- nuar 2012 geäusserte Vorbringen ist somit ebenfalls nicht einzutreten. 4. Gestützt auf Art. 57 Abs. 1 VwVG (e contrario) wurde auf einen Schri f- tenwechsel verzichtet, da sich die Beschwerde, wie in den nachfolgenden Erwägungen dargelegt wird, als aussichtslos und damit als von v ornher- ein unbegründet im Sinne der erwähnten Bestimmung erweist. 5. 5.1 Gemäss Art. 84 Abs. 1 AuG überprüft das Bundesamt periodisch, ob die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme – fehlende Zulässigkeit, Zumutbarkeit oder Möglichkeit des Wegweisungsvollzug s – noch geg e- ben sind. Ist dies nicht mehr der Fall, hebt es die vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der Wegweisung an (Art. 84 Abs. 2 AuG). 5.1.1 Mit Verfügung vom 8. Juni 2010 stellte das BFM fest, dass der B e- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaf t nicht erfülle. Diese Verfügung wuchs unangefochten in Rechtskraft. Daher findet das in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtli n- ge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.3 1) verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refo u- lement-Verbots im vorliegenden Verfahren keine Anwendung. 5.1.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerd e- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung in die Provinz Jaffna dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung E-6892/2011 Seite 7 oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen Strafe oder Behandlung ausg e- setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Me n- schenrechte (EGMR) und jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder u n- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. F ebruar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 ff., m.w.H.). Im Urteil BVGE 2011/24 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Analyse der allgemeinen, heute herrschenden Sicherheits - und polit i- schen Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei definierte es Risikogrup- pen, welche einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien (vgl. a.a.O, E. 8). Es hielt zudem in E. 10.4.2 unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des EGMR fest, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka unmensch- liche Behandlung. Das BFM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, bezüglich der in der Stellungnahme vom 13. Oktober 2011 (recte: in den Stellungnahmen vom 2. September 2011 und 13. Oktober 2011) geltend gemachten Asylgründe werde – soweit diese bereits Gegenstand des ordentlichen Asylverfa h- rens gewesen seien – auf den Asylentscheid vom 8. Juni 2010 verwiesen. Den diesbezüglichen Ausführungen sei nichts beizufügen. Ferner beziehe sich das eingereichte Schreiben des Grama Niladhari vom 31. August 2011 auf Ereignisse, welche bereits vor dem in Rechtskraft erwachsenen Entscheid des BFM vom 8. Juni 2010 vorgefallen seien. Es erübrige sich daher, eine Überprüfung des Schreibens vorzunehmen. In der Beschwerdeschrift wird die Unzulässigkeit (und Unzumutbarkeit, vgl. dazu E. 5.2 unten) des Wegweisungsvollzugs lediglich damit begrün- det, dass der Beschwerdeführer der Risikogruppe der "Personen unter dem Verdacht der Verbindung mit den LTTE" angehöre und deshalb we i- terhin gefährdet sei (vgl. Beschwerde S. 4 f.). Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits oben in Erwägung en 3 und 5.1.1 festgestellt, dass eine flüchtlingsrechtliche Gefährdung des B e- schwerdeführers im ursprünglichen Asylverfahren rechtskräftig abschlägig beurteilt wurde. Der Beschwerdeführer verkennt mit seinen Ausführungen gegen die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs, dass es sich bei di e- sen wiederum um Asylvorbringen handelt, welche im vorliegenden Ver-E-6892/2011 Seite 8 fahren nicht zu beurteilen sind. Denn er führt nicht aus, inwiefern er ko n- kret durch Folter oder eine andere Art grausamer und unmenschlicher Behandlung bedroht wäre, sondern bezieht sich alleine auf eine Zugeh ö- rigkeit zur Risikogruppe "Personen unter dem Verdacht der Verbindung mit den LTTE". Eine solche Zugehörigkeit vermochte der Beschwerdefüh- rer im vorangehenden Asylverfahren jedoch nicht glaubhaft zu machen. Einwände gegen diese Einschätzung hätte er in einer Beschwerde gegen den Asylentscheid anführen müssen. Die als Beweismittel eingereichten Schreiben des Grama Niladhari vom 31. August 2011 und vom 2. D e- zember 2012 und der Brief seines Vaters vom 2. November 2011 bezie- hen sich wiederum auf Sachverhalte, welche in der rechtskräftigen V erfü- gung vom 8. Juni 2010 als unglaubhaft erachtet wurden. Sie taugen somit ebenfalls nicht als glaubhafte Hinweise auf eine menschenrechtswidrige Behandlung, da der Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht hat, dass er aufgrund dieser Sachverhalte befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen (vgl. dazu BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Aussergewöhnliche Umstände, die gestützt auf die Praxis des EGMR zu Art. 3 EMRK zur Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvol l- zuges aus gesundheitlichen Gründen führen könnten (vgl. dazu EGMR, Urteil i.S. N gegen Grossbritannien vom 27. Mai 2008, Beschwerde Nr. 26565/05, §§ 34 und 42 ff.; BVGE 2009/2 E. 9. 1.3), sind aufgrund der Akten ebenfalls nicht ersichtlich. Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch indiv i- duelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt a ls unzuläs- sig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung im Sinne der asyl- und der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung ins - besondere dann nicht zumutbar, wenn die b eschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung aus - gesetzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder di e Voraussetzungen der Flüchtlingsei - genschaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips er- füllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situ a- tion allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. E-6892/2011 Seite 9 Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.1, BVGE 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1). Mit BVGE 2011/24 hat das Bundesverwaltungsgericht die in BVGE 2008/2 publizierte Wegweisungsvollzugspraxis teilweise abgeändert. Hin- sichtlich des Distrikts Jaffna, aus welchem der Beschwerdeführer stammt, gelangte es zur Einschätzung, dass sich die Sicherheits - und Verso r- gungslage dort deutlich verbessert habe. Die Militärpräsenz habe abg e- nommen, sei aber nach wie vor auf praktisch jeder Strasse sichtbar. Gleichzeitig hätten die Polizei- und Zivilbehörden ihre Funktionen und Tä- tigkeiten wieder aufgenommen, so dass keine Situation allgemeiner G e- walt mehr herrsche. Die politische Lage sei ebenfalls nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr nach Sri Lanka als generell unzumutbar eingestuft werden müsse. Angesichts der im humanitären und wirtschaf t- lichen Bereich nach wie vor fragilen Lage dränge sich aber beim Wegwei- sungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurte i- lung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf, bei der auch das zeitl i- che E lement (Ausreise vor oder nach dem Ende des Bürgerkrieges im Mai 2009) gebührend zu berücksichtigen sei (vgl. a.a.O. E. 13.2.1). 5.2.1 In der angefochtenen Verfügung bejahte das BFM die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, da der Beschwerdeführer aus B._______, Nordprovinz, und somit nicht aus dem Vanni -Gebiet stamme. Es handle sich beim Beschwerdeführer um einen jungen, gesunden Mann, der in der Schweiz in der Reinigungsbranche tätig sei. An seinem Herkunftsort verfüge er über ein familiäres und verwandtschaft liches Netz. Sein Vater arbeite als [Beruf] und erziele ein regelmässiges Einkommen. Somit wer- de er bei einer Rückkehr über finanzielle Ressourcen verfügen. 5.2.2 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerdeschrift bezüglich der Unzumutbarkeit einer Rückkehr in sein Heimatland vor, er gehöre zu der besonders gefährdeten Gruppe der "Personen unter dem Verdacht der Verbindung mit den LTTE" (vgl. Beschwerde S. 4 f.). E-6892/2011 Seite 10 5.2.3 Nach eingehender Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwa l- tungsgericht in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass der Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers zumutbar ist. Dessen Ein- wände sind nicht geeignet, die in BVGE 2011/24 dargelegte Einschätzung der aktuellen Lage in Sri Lanka zu ändern (vgl. auch die Ausführungen oben in E. 5.1.2). Auf die entsprechenden Vorbringen ist deshalb nicht näher einzugehen, zumal sämtliche angeführten Berichte vor dem Erlass des Grundsatzurteils veröffentlicht wurden. Aus den Akten ergibt sich im Übrigen, dass der Beschwerdeführer in se i- nem Heimatland bis kurz vor seiner Ausreise und mindestens zwölf Jahre die Schule besucht hat (vgl. A2/11 S. 2; A8/19 S. 7). In der Schweiz hat er von September 2010 bis August 2012 als Serviceangestellter und gleich- zeitig vom August 2011 bis August 2012 als Raumpfleger gearbeitet. Der Beschwerdeführer verfügt somit über eine gute Schulbildung sowie mehr- jährige Berufserfahrung. In B._______ leben gemäss seinen Angaben derzeit noch seine [Kernfamilie] (vgl. A2/11 S. 3 ) und seine [Verwandte] (vgl. A8/19 S. 6). Anlässlich der Anhörung im Asylverfahren gab er an, in der Umgebung von B._______ ausserdem über einen [Verwandter] und drei [Verwandte] ([C._______]) und fünf [Verwandte] ([D._______]) zu verfügen (vgl. A8/19 S. 5 f.). Nachdem er über den Verbleib dieser Ve r- wandten auf Be schwerdeebene nichts vorbringt, ist davon auszugehe n, dass sie auch heute noch in B._______ und dessen Umgebung wohnhaft sind. Seine Familie wird den Beschwerdeführer zumindest vo r- übergehend aufnehmen und finanziell unterstützen können. Aufgrund der dargelegten Umstände sollte ihm der Wiederaufbau einer wirtschaftlichen Existenz möglich sein. Es ist somit nicht anzunehmen, dass er bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat in eine existentielle Notlage geraten wü r- de. Im Übrigen kann auf die Erwägungen der Vo rinstanz verwiesen wer- den, denen beigepflichtet wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit im heutigen Zeitpunkt sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 5.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen, womit der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). E-6892/2011 Seite 11 5.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Die vorläufige Au f- nahme des Beschwerdeführers ist aufzuheben (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen S achverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwe r- de ist somit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 7. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten in der Höhe von Fr. 600.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen ( Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Betrag ist durch den am 24. Januar 2012 geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeck t, und die Verfahrenskosten gelten somit als begl i- chen. (Dispositiv nächste Seite) E-6892/2011 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und somit beglichen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Tu-Binh Truong Versand: