BRKE I Nr. 281/1996 vom 30. August 1996 in BEZ 1996 Nr. 30 4.b) Gemäss §§ 49 Abs. 3 bzw. 273 PBG gelten Gebäude, die nicht für den dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind und deren grösste Höhe 4 m, bei Schrägdächern 5 m, nicht übersteigt, als (abstandsprivilegie rte) Besondere Ge bäu- de. aa) Soweit das streitbetroffene Gebäude oberhalb des Terrains liegt, soll es für Garagen und als Überdachung des Hauszuganges genutzt werden. Die fünf Gar a- gen weisen mit Ausnahme von zwei Rundfenstern mit einen Durchmesser von je e t- wa 60 cm keine Fenster auf. Angesichts dieser minimalen Belichtung und Belüftung sind diese Räume offensichtlich nicht für den dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt. Dies gilt auch für den Hauszugang, indem dieser zwischen den Garagen hindurch führt, 6 m lang und 1,75 m breit ist und an der Strassenseite offen steht. Von einer "Eingangsha lle" im Sinne eines geschlossenen bzw. abschliessenden Raumes kann daher klare rweise nicht g esprochen werden. Unter den Garagen und dem Hauszugang liegen Rä ume, die al s Abstellräume, als Keller und für technische Anlagen genutzt werden sollen. Auch hier ist eindeutig, dass die Räume nicht für den dauernden Aufenthalt von Me nschen bestimmt sein können, weisen sie doch l e- diglich tief in einem Schacht gelegene Fenster von etwa 0,36 m2 Fl äche auf. Au f- grund der Nutzung steht somit der Qualifikat ion der strittigen Baute als Besonderes Gebäude nichts im Wege. bb) Das umstrittene Gebäude weist bei der Anschlussstelle an das Hauptg e- bäude eine Höhe von rund 4,3 m und auf der gegenüberliegenden, gegen die Stra s- se gerichteten Seite eine Höhe von etwa 4 m auf. (Das Dach ist wegen des Verlaufs des gewachsenen Terrains strassenseitig höher und fällt gegen das Hauptgebäude hin ab.) Bei dieser Höhe ist das Gebäude gemäss § 273 PBG nur dann als "Beso n- deres Gebäude" zulässig, wenn es ein Schrägdach aufweist. Da das Gesetz nur ein "Schrägdach" verlangt und nicht etwa ein Giebeldach, ist ein Pultdach, wie es die privaten Rekursgegner pl anen, grundsätzlich zulässig. Das von den Rekurrenten deklarierte Gefälle von 5° bezieht sich, wie aus dem Baueingabeplan "Südostfassa- de" ersichtlich ist, nicht auf das Dach, sondern auf das an die Baute anschliessende Gelände; die Neigung der Dachfläche ist in den Plänen nicht angegeben. Nach den Angaben der Gemeinde beträgt die Dachneigung rund 9,5°. Die Empfehlung SIA Nr. 271 mit dem Titel "Flachdächer" definiert das Flac h- dach als Oberbegriff für Dächer mit geringer oder fehlender Neigung und fugenloser Abdichtung. Nicht jede noch so geringe Dachneigung führt s omit zur Qualifikation als Pultdach. Auch jedes Flachdach benötigt eine minimale Neigung, damit der Wasserabfluss g ewährleistet ist. Diese aus bautechnischen Gründen erforderliche Minimalneigung ist oftmals kaum sichtbar und li egt erfahrungsgemäss zwischen 1° - 2 - und 5°. Demgegenüber weisen Schrägdächer üblicherweise eine Neigung von 30° auf; tei lweise schreiben die Bauordnungen für ihre Kernzonen eine Dachneigung von 45° vor. Im allgemeinen we rden Dächer mit einer Neigung von 10 ° oder mehr als Schrägdächer bezeichnet. Bei der Art der Dacheindeckung besteht ein klarer Un- terschied zwischen Flach - und Schrägd ächern. Flachdächer weisen aus Dichti g- keitsgründen eine fugenlose Bedeckung wie e twa eine geschlossene Blecheinde- ckung, ein Kie sklebedach oder ein begrüntes D ach auf. Demgegenüber herrschen bei den Schrägdächern Tafelbedeckungen vor. Ein To nziegeldach beispielsweise muss, damit es dicht ist, eine Neigung von mindestens 16° bis 20° aufweisen. Mit gestossenen Eternittafeln können im Flachland normalerweise Dächer ab einer m i- nimalen Neigung von etwa 10° bedeckt werden. Diese Ausführungen zeigen, dass eine grosse Vielzahl von Dachneigungen technisch möglich und tatsächlich vo rhanden ist. Entsprechend ist der Übergang zwischen einem Flachdach und einem Schrägdach fli essend. Es kann lediglich fes t- gehalten werden, dass ein Dach mit einer Neigung von weniger als 5° auf jeden Fall als Flachdach zu betrachten ist, weil eine solch geringe Neigung optisch kaum wah r- nehmbar ist und weil die für Schrägdächer typischen Tafelbede ckungen nicht ve r- wendbar sind, da sie selbst bei Anwendung spezieller Massnahmen aus bautechn i- schen Gründen nicht mehr die erforderliche W asserdichtigkeit garantieren. Demge- genüber ist ein Dach mit einer Neigung von 10° oder mehr als Schrägdach zu be- zeichnen. Welche Dachneigung im vorliegenden Falle tatsächlich geplant ist, kann au f- grund der Baueingabepläne nicht mit Sicherheit festgestellt werden, weil die en t- sprechenden Angaben und Masse fehlen. Die Vori nstanz geht von 9,5° Neigung aus. Dieses Mass dürfte etwa richtig sein, sofern in den Plänen für das anschlies- sende Flachdach des Hauptg ebäudes ein horizontal verlaufender Dachrand eing e- zeichnet worden ist. Da das strittige Bauprojekt aus anderen Gründen ohnehin grundlegend übera r- beitet werden muss, können die näheren Sachumstände offen bleiben. Es ist ledi g- lich festz ustellen, dass die Neigung des umstrittenen Pultdaches in einem neuen Projekt - besondere Umstände vorbehalten - mindestens 10° betragen müsste, damit die im übrigen unverändert beibehaltene Gar agenanbaute als Besonderes Gebäude gelten könnte; der Neigungswinkel wird in den Pr ojektplänen anzugeben sein. Da die Baute im Bereich der Garage ntore, wo eine allfällige Erhöhung vorzunehmen wäre, nur gerade 4 m hoch ist, ist eine solche Korrektur ohne Sc hwierigkeiten zu bewerkstelligen.