<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 31 S.117</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">117</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>31</b></span> <span class="ft2"><b>Dekret als genügende gesetzliche Grundlage für Denkmalschutzmass-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nahmen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 30. Oktober 2007 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen S. AG gegen Regierungsrat (WBE.2006.364).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">118</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Sachverhaltszusammenfassung</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die S. AG ist Eigentümerin des Wohnhauses Nr. 16 Am Tych 1,</span><br/> <span class="ft1">Parzelle Nr. 1360, in Oftringen. Mit Entscheid vom 30. Januar 2006</span><br/> <span class="ft1">stellte der Regierungsrat diese Liegenschaft unter kantonalen Denk-</span><br/> <span class="ft1">malschutz.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">2.1.1.</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf die Normstufe rügt die Beschwerdeführerin, dass</span><br/> <span class="ft1">es den verfassungsmässigen Vorgaben widerspreche, die Vorschrift</span><br/> <span class="ft1">von § 40 BauG als genügende gesetzliche Grundlage für schwere</span><br/> <span class="ft1">Eingriffe in die Eigentumsfreiheit zu bezeichnen. Ein Dekret nach</span><br/> <span class="ft1">aargauischem Recht, wie das Denkmalschutzdekret, bilde kein Ge-</span><br/> <span class="ft1">setz im formellen Sinn.</span><br/> <span class="ft1">2.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Ein Eingriff in die Eigentumsfreiheit bedarf wie jede andere</span><br/> <span class="ft1">Einschränkung eines Grundrechts einer gesetzlichen Grundlage</span><br/> <span class="ft1">(Art. 36 Abs. 1 BV; § 21 Abs. 2 KV). Für schwere Eingriffe verlang-</span><br/> <span class="ft1">ten Lehre und Praxis nach früherer Terminologie ein Gesetz im for-</span><br/> <span class="ft1">mellen Sinn, während sich weniger weitgehende Eingriffe auf ein</span><br/> <span class="ft1">Gesetz im materiellen Sinn stützen durften. Die Unterscheidung zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen Gesetzen im formellen und materiellen Sinn entspricht jedoch</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr der BV, weshalb darauf zu verzichten ist (Ulrich Häfelin /</span><br/> <span class="ft1">Walter Haller / Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,</span><br/> <span class="ft1">5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 105a). Nach heutigem Begriffsverständnis</span><br/> <span class="ft1">müssen schwere Eingriffe in Grundrechte im Gesetz selbst vorgese-</span><br/> <span class="ft1">hen sein (Art. 36 Abs. 1 BV), während bei geringerer Eingriffsinten-</span><br/> <span class="ft1">sität auch eine generell-abstrakte Regelung auf einer Stufe unterhalb</span><br/> <span class="ft1">des Gesetzes genügt.</span><br/> <span class="ft1">Art. 51 Abs. 1 BV lässt auf kantonaler Ebene eine reine Parla-</span><br/> <span class="ft1">mentsgesetzgebung zu (BGE 126 I 180 Erw. 2b/bb mit Hinweisen).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">119</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Vom Parlament beschlossene Erlasse können somit die Funktion des</span><br/> <span class="ft1">(formellen) Gesetzes erfüllen, wenn die entsprechende kantonale</span><br/> <span class="ft1">Verfassungsordnung dies so vorsieht (BGE 118 Ia 245 Erw. 3b mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweisen). Ist dies der Fall, gelten bei einer solchen Übertragung</span><br/> <span class="ft1">von Rechtsetzungsbefugnissen nicht die gleichen Massstäbe wie bei</span><br/> <span class="ft1">einer solchen vom Gesetzgeber an die Exekutive (BGE 126 I 180</span><br/> <span class="ft1">Erw. 2b/bb). Der Kanton Aargau hat mit § 78 Abs. 2 KV die</span><br/> <span class="ft1">Grundlage für eine Parlamentsgesetzgebung geschaffen. Danach</span><br/> <span class="ft1">kann der Grosse Rat für ausführende Bestimmungen Dekrete erlas-</span><br/> <span class="ft1">sen, soweit die Gesetze ihn dazu ausdrücklich ermächtigen.</span><br/> <span class="ft1">Nach § 40 Abs. 1 BauG sind u.a. die Erhaltung, die Pflege und</span><br/> <span class="ft1">die Gestaltung von Kulturdenkmälern Sache des Kantons und der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinden. Sie treffen insbesondere Massnahmen, um Ortsbilder</span><br/> <span class="ft1">entsprechend ihrer Bedeutung zu bewahren und Siedlungen so zu</span><br/> <span class="ft1">gestalten, dass eine gute Gesamtwirkung entsteht (§ 40 Abs. 1 lit. f</span><br/> <span class="ft1">BauG). Zur Erfüllung dieser Aufgaben treffen Kanton und Gemein-</span><br/> <span class="ft1">den die erforderlichen Massnahmen, indem sie insbesondere Vor-</span><br/> <span class="ft1">schriften oder Verfügungen über den Schutz, die Gestaltung und den</span><br/> <span class="ft1">Unterhalt von Schutzobjekten erlassen (§ 40 Abs. 3 lit. b BauG).</span><br/> <span class="ft1">Damit wird schon auf Gesetzesstufe die Voraussetzung für einen</span><br/> <span class="ft1">Denkmalschutz geschaffen und in allgemeiner Weise definiert, worin</span><br/> <span class="ft1">dieser bestehen kann. In § 40 Abs. 6 BauG wird der Grosse Rat zu-</span><br/> <span class="ft1">dem ermächtigt, die Einzelheiten durch Dekret zu regeln. Dieser hat</span><br/> <span class="ft1">mit § 4 Abs. 1 Denkmalschutzdekret (DSD) eine entsprechende ge-</span><br/> <span class="ft1">nerell-abstrakte Regelung getroffen. Auf Grund der Ermächtigung in</span><br/> <span class="ft1">§ 40 Abs. 3 lit. b BauG wäre der Kanton sogar befugt, in individuell-</span><br/> <span class="ft1">konkreter Weise Anordnungen über den Schutz, die Gestaltung und</span><br/> <span class="ft1">den Unterhalt von Schutzobjekten zu treffen.</span><br/> <span class="ft1">Beim DSD handelt es sich somit um ein Parlamentsgesetz, das</span><br/> <span class="ft1">sich auf § 40 Abs. 6 BauG und damit auf die von der Kantonsverfas-</span><br/> <span class="ft1">sung geforderte Ermächtigungsnorm stützen kann. Das DSD erfüllt</span><br/> <span class="ft1">damit auch die Vorgaben, die das Bundesverfassungsrecht an ein</span><br/> <span class="ft1">Gesetz bzw. an die Grundlage für einen schweren Eingriff in die</span><br/> <span class="ft1">Eigentumsfreiheit stellt (im Ergebnis ebenso Entscheid des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichts [VGE] IV/12 vom 26. April 2002 [BE.2000.00299], S.</span><br/> <span class="ft1">8 f.). Nachdem mit § 40 Abs. 3 und 6 BauG i.V.m. § 4 Abs. 1 DSD</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">120</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">eine hinreichende gesetzliche Grundlage für schwere Eingriffe in die</span><br/> <span class="ft1">Eigentumsfreiheit vorliegt, kann offen bleiben, ob es sich bei der</span><br/> <span class="ft1">umstrittenen Massnahme um einen solchen Eingriff handelt oder</span><br/> <span class="ft1">nicht. Es ist in diesem Kontext lediglich festzuhalten, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin der bisherige Gebrauch ihrer Liegenschaft und die</span><br/> <span class="ft1">Nutzung der Restparzelle nicht verunmöglicht werden. Mit der</span><br/> <span class="ft1">Unterschutzstellung ist das Objekt jedoch so zu unterhalten, dass</span><br/> <span class="ft1">dessen Bestand dauernd gesichert bleibt (§ 12 Abs. 1 DSD).</span><br/> <span class="ft1">Da für die Übertragung von Gesetzgebungsbefugnissen durch</span><br/> <span class="ft1">den Gesetzgeber an das Parlament nicht die gleichen Massstäbe gel-</span><br/> <span class="ft1">ten wie bei einer solchen an die Exekutive, stösst auch der Einwand</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin ins Leere, das Baugesetz enthalte keine Um-</span><br/> <span class="ft1">schreibung, was Denkmäler seien und welche Voraussetzungen für</span><br/> <span class="ft1">eine Unterschutzstellung erfüllt sein müssen. Das Baugesetz verwen-</span><br/> <span class="ft1">det den Begriff des Kulturdenkmals (§ 40 Abs. 1), der im Denkmal-</span><br/> <span class="ft1">schutzdekret näher umschrieben wird (§ 1). Dieses enthält auch die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen für eine Unterschutzstellung (§ 4 Abs. 1 DSD).</span><br/> <span class="ft1">Nachdem das DSD selber als Gesetz im Sinne von Art. 36 Abs. 1 BV</span><br/> <span class="ft1">zu qualifizieren ist (Ziffer 2.1), genügen diese Regelungen den</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen, welche die Verfassung an die gesetzliche Grundlage</span><br/> <span class="ft1">stellt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>