Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 29. Januar 2018 (460 17 173) ____________________________________________________________________ Strafrecht Gewerbsmässiger Diebstahl etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Peter Tobler (Ref.) , Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin Privatklägerschaft gegen A.____ , vertreten durch Advokat Ramón Eichenberger, Advokatur und Nota- riat Stadthof, Hauptstrasse 47, 4153 Reinach BL 1, Beschuldigter Gegenstand Gewerbsmässiger Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 23. Mai 2017 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil vom 23. Mai 2017 erklärte die Dreierkam mer des Strafgerichts Basel-Landschaft A.____ des gewerbsmässigen Diebstahls, des Diebstah ls, der mehrfachen Sachbeschädigung sowie des mehrfachen Hausfriedensbruchs schuldig un d verurteilte ihn zu einer Freiheitstrafe von 2 Jahren, davon 1 Jahr unbedingt, bei einer Pro bezeit von 3 Jahren für den bedingten Teil der Strafe, unter Anrechnung der ausgestandenen Unt ersuchungshaft vom 16. November 2016 bis zum 23. Januar 2017 sowie des vorzeitigen Straf vollzugs seit dem 23. Januar 2017 von ins- gesamt 188 Tagen (Ziffer 1 des Urteilsdispositivs). Vom Vorwurf der gewerbsmässigen Tatbe- gehung des Diebstahls im Fall 9 der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 16. Januar 2017 wurde A.____ hingegen freigesprochen (Ziffer 2). Zudem wurde A.____ in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB für die D auer von 7 Jahren des Landes verwiesen (Ziffer 3). Hinsichtlich der Entscheide bezüglich d es Beschlagnahmeguts sowie der Zivilforde- rungen kann an dieser Stelle auf die Ziffern 4.a–b sowie Ziffer 4 (recte: Ziffer 5) des vorinstanz- lichen Urteilsdispositivs verwiesen werden. Schlies slich wurden die Verfahrenskosten, beste- hend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 12‘56 3. ‒, den Kosten des Zwangsmassnah- mengerichts von CHF 500. ‒ sowie der Gerichtsgebühr von CHF 6‘000. ‒, zufolge Uneinbring- lichkeit zu Lasten des Staates verlegt. Die Kosten der Übersetzung von insgesamt CHF 1‘680. ‒ gingen in Anwendung von Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO zu Lasten des Staates (Ziffer 5), und das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von CHF 11‘257.90 (inkl. Auslagen und 8% Mehr- wertsteuer) wurde unter Vorbehalt der Rückzahlungsv erpflichtung des Beschuldigten nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet (Ziffer 6). B. Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft mit Eingabe vom 8. Juni 2017 Berufung an. In ihrer Berufungserklärung vom 7. September 2017, die bereits eine Begründung enthielt, stellte die Staatsanwaltschaft folgende Rechtsbegehren: "1. Es sei in teilweiser Aufhebung von Ziffer 1 sowie i n Aufhebung von Ziffer 2 des Urteiles des Strafgerichtes vom 23. Mai 2017 der Be schuldigte des gewerbsmäs- sigen, eventualiter des mehrfachen gewerbsmässigen Diebstahles, der mehrfa- chen Sachbeschädigung sowie des mehrfachen Hausfrie densbruches schuldig zu sprechen und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe v on 3 Jahren zu verurteilen, dies unter Anrechnung der ausgestanden Untersuchung shaft sowie des vorzeiti- gen Strafvollzuges. 2. Im Übrigen sei das erstinstanzliche Urteil zu bestätigen. 3. Unter o/e Kostenfolge.“ Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Demgegenüber beantragte der Beschuldigte mit Beruf ungsantwort vom 17. November 2017, es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft vo llumfänglich abzuweisen und das Urteil der Vorderrichter zu bestätigen, unter o/e-Kostenfolge. D. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügun gen des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurde mit Verfügung vom 11. Oktober 2017 festge- stellt, dass der Beschuldigte auf die Erklärung der Anschlussberufung verzichtet hat. Ebenso wurde konstatiert, dass die Privatklägerschaft wede r einen begründeten Antrag auf Nichteintre- ten gestellt noch Anschlussberufung erklärt hat. Mi t gleicher Verfügung wurde im Hinblick auf den Antrag des Beschuldigten gemäss Ziffer 1 der Re chtsbegehren vom 18. September 2017, wonach auf die Berufung der Staatsanwaltschaft zufolge verspäteter Berufungsanmeldung nicht einzutreten sei, erkannt, dass das Dispositiv des S trafgerichtsurteils vom 23. Mai 2017 der Staatsanwaltschaft am 29. Mai 2017 zugestellt worde n ist, womit deren Berufungsanmeldung vom 8. Juni 2017 rechtzeitig erfolgte. Mit nämliche r Verfügung wurde dem Beschuldigten die amtliche Verteidigung mit Advokat Ramón Eichenberge r für das zweitinstanzliche Verfahren bewilligt. Schliesslich wurde mit Verfügung vom 11. Dezember 2017 das vom Beschuldigten mit Berufungsantwort vom 17. November 2017 gestellte Ge such um unverzügliche Entlassung aus der Haft abgewiesen. E. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlu ng vom 29. Januar 2018 erscheinen der Beschuldigte mit seinem amtlichen Verteidiger, Advokat Ramón Eichenberger, B.____ als Vertreterin der Staatsanwaltschaft sowie eine Dolme tscherin für Albanisch. Die Parteien halten an den bereits gestellten Anträgen fest. Auf die Aussagen des zur Person und zur Sache einge hend befragten Beschuldigten sowie die Parteivorträge wird, soweit erforderlich, nachfolgend in den Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. F ORMELLES 1. Eintreten Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgesch lossen worden ist. Die Legitimation der Staatsanwaltschaft zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 381 Abs. 1 StPO normiert. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Ber ufungsgericht das Urteil in allen ange- fochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 3 98 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Be rufung dem erstinstanzlichen Gericht innert Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich ode r mündlich anzumelden und danach dem Be- rufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Be- rufungserklärung einzureichen. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 23. Mai 2017 angefochten, welches ein taugliche s Anfechtungsobjekt gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO darstellt. Mit Eingaben vom 8. Juni 2017 (Berufungsanmeldung) und 7. September 2017 (Berufungserklärung) hat die Staatsanwaltschaft die Rechtsmittelfrist gewahrt und ist ihrer Erklärungspflicht nachgekommen. Die Zuständigkeit der Dreierkammer der Abteilung Strafrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zur Beurteilun g der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungs- gesetzes vom 12. März 2009 zur Schweizerischen Stra fprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft ist somit einzutreten. 2. Gegenstand der Berufung Aufgrund der seitens der Parteien eingereichten Rechtsschriften sowie der anlässlich der heuti- gen Hauptverhandlung gehaltenen Parteivorträge zeigt sich, dass vorliegend ausschliesslich die folgenden Teile des Urteils des Strafgerichts vom 23. Mai 2017 im Streit stehen: – der Schuldspruch wegen einfachen Diebstahls gemäs s Dispositiv-Ziffer 1 im Fall 9 der An- klageschrift sowie der Freispruch vom Vorwurf der g ewerbsmässigen Tatbegehung des Diebstahls im Fall 9 der Anklageschrift gemäss Dispositiv-Ziffer 2; – die verhängte Strafe gemäss Dispositiv-Ziffer 1. Demgegenüber steht das Urteil der Vorderrichter vom 23. Mai 2017 in allen anderen Punkten (Dispositiv-Ziffern 3–6) im Berufungsverfahren nich t im Streit. II. M ATERIELLES 1. Allgemeines Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 8 2 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des i n Frage stehenden Sachverhalts auf die Be- gründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dies er beipflichten. Hingegen ist auf neue tat- sächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzu gehen, die erst im Rechts-mittelverfahren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Gewerbsmässiger Diebstahl 2.1 Mit Urteil vom 23. Mai 2017 erkannten die Vorderri chter auf ein gewerbsmässiges Han- deln des Beschuldigten hinsichtlich der 9 Diebstähl e für den Zeitraum vom 14. Juli 2016 bis zum 14. August 2016. Demgegenüber sprach das Strafg ericht den Beschuldigten im Fall 9 der Anklageschrift (Einbruch vom 16. November 2016) vom Vorwurf des gewerbsmässigen Dieb- stahls frei und verurteilte ihn bezüglich dieser Ta t bloss wegen einfachen Diebstahls. Dies wur- de zusammengefasst damit begründet, die Staatsanwal tschaft habe den gesamten Zeitraum vom 14. Juli 2016 bis zum 16. November 2016 als gew erbsmässigen Diebstahl angeklagt und ausgeführt, der Beschuldigte habe während ca. 4 Mon aten insgesamt Einnahmen von mindes- tens CHF 23'308.05 erzielt. Hinsichtlich der Tatzei ten bestehe zwischen dem letzten Einbruch vom 16. November 2016 und dem vorangegangenen ein U nterbruch von rund 3 Monaten, wo- bei davon auszugehen sei, dass sich der Beschuldigt e während dieser Zeit in seinem Heimat- land aufgehalten habe. Aufgrund dieses Beweisergebn isses sei zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass er am 14. August 2016 seine Tatserie beendet, die Schweiz verlassen und erst im November 2016 einen neuen Tatentschluss gefasst habe. Folglich gehöre der Diebstahl der Tat vom 16. November 2016 nicht zur D eliktsserie vom Sommer 2016 und stehe streng chronologisch betrachtet für sich alleine da . Angeklagt sei im vorliegenden Fall nur eine Tatserie und somit ein einfacher gewerbsmässiger Di ebstahl. Ausgehend vom Beweisergebnis und der Schlussfolgerung eines neuen Tatentschlusses für die Tat vom 16. November 2016 sei in casu von einem mehrfachen gewerbsmässigen Diebst ahl auszugehen, welcher jedoch nicht angeklagt sei. Folglich könne betreffend die Tat vo m 16. November 2016 lediglich ein Urteil wegen (eines nicht qualifizierten) Diebstahls gemäss Art. 139 Ziffer 1 StGB erfolgen. 2.2 Die Staatsanwaltschaft beantragt demgegenüber, der Beschuldigte sei in teilweiser Auf- hebung von Ziffer 1 sowie in Aufhebung von Ziffer 2 des strafgerichtlichen Urteils vom 23. Mai 2017 auch in Bezug auf den Fall 9 gemäss Anklagesch rift vom 16. Januar 2017 des gewerbs- mässigen Diebstahls (statt des einfachen Diebstahls ) schuldig zu sprechen. Zur Begründung wird zusammengefasst ausgeführt, es sei zwar mit de m Strafgericht davon auszugehen, dass der Beschuldigte nach dem letzten Delikt Mitte Augu st 2016 in sein Heimatland Albanien zu- rückgekehrt sei und sich während ca. 3 Monaten auch dort aufgehalten habe, bevor er im No- vember 2016 erneut delinquiert habe. Der Beschuldig te habe aber seine von einem Gesamt- vorsatz getragene deliktische Tätigkeit in casu led iglich aufgrund seiner Erkrankung unfreiwillig vorübergehend eingestellt und im November 2016 – na chdem er wieder zu Kräften gekommen sei – nach dem gleichen Schema fortgesetzt. 2.3 Die Verteidigung vertritt hingegen die Ansicht, der am 16. November 2016 begangene Diebstahl sei, entsprechend der Argumentation der V orinstanz, nicht als gewerbsmässig zu qualifizieren. Es sei zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass dieser auch noch aus anderen Gründen als wegen seiner Krankheit rund 3 Monate in Albanien geblieben bzw. hin und wieder einer kurzen Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Für die Qualifikation des Dieb- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht stahls vom 16. November 2016 lasse sich aufgrund de r Tatserie vom Sommer 2016 nicht per se auf die Bereitschaft zur fortführenden deliktischen Tätigkeit schliessen. 2.4.1 Zu klären gilt es vorliegend somit die Frage, ob de r Fall 9 der Anklageschrift, entspre- chend der Argumentation der Staatsanwaltschaft, vom qualifizierenden Umstand der Gewerbs- mässigkeit miterfasst wird, oder – so die Vorinstan z und der Beschuldigte – separat als einfa- cher Diebstahl zu bestrafen ist. 2.4.2 Art. 139 Ziffer 2 StGB erfasst als Qualifikation des Diebstahls die Taten, welche von ei- nem gewerbsmässig stehlenden Dieb begangen werden. Gewerbsmässigkeit ist bei berufs- mässigem Handeln des Täters gegeben. Ein solches is t anzunehmen, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische Tätigke it aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass der Täter die deliktische Tätigkeit na ch Art eines Berufs ausübt, wobei eine quasi nebenberufliche deliktische Tätigkeit als Vorausset zung für Gewerbsmässigkeit genügen kann. Wesentlich ist, dass die erforderliche soziale Gefä hrlichkeit gegeben ist (BGer 6B_1048/2009 vom 29. Juni 2010, E. 10.3). Der Täter muss sich da rauf eingerichtet haben, durch deliktische Handlungen relativ regelmässige Einnahmen zu erziel en, die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzierung seiner Lebensgestaltung dar stellen. Ob dies der Fall ist, muss auf- grund der gesamten Umstände entschieden werden. Daz u gehören etwa die Anzahl bezie- hungsweise die Häufigkeit der während eines bestimmten Zeitraums bereits verübten Taten, die Entwicklung eines bestimmten Systems beziehungsweis e einer bestimmten Methode, der Auf- bau einer Organisation oder die Vornahme von Invest itionen (BGE 116 IV 319). Die Gewerbs- mässigkeit enthält demnach ein Dreifaches, nämlich das mehrfache Delinquieren, die Absicht, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, sowie die Bereitschaft zur Verübung einer Vielzahl von De- likten der fraglichen Art (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 139 N 89 ff.). Bezüglich des mehrfachen Delinquierens ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob die Häufigkeit der begangenen Delikte darauf schliessen lässt, dass der Täter damit, wie die allgemeine Umschreibung des Bundesge richts voraussetzt, eine deliktische Tä- tigkeit "nach Art eines Berufes" ausübt (vgl. MARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 139 N 97). Es g enügt eine verhältnismässig kleine Zahl von Fällen, wenn sie zeitlich "in einigem Zusammenhang stehen" und der Wille, das Verbrechen zur Verdienstquelle zu machen, aus den Umständen er kennbar ist (vgl. S TEFAN TRECHSEL /D EAN CRAMERI , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 146 N 34, mit Verweis auf BGE 71 IV 115). 2.4.3 Vorliegend bilden 10 in der Zeitspanne vom 14. Jul i 2016 bis zum 16. November 2016 (mithin innert rund 4 Monaten) begangene Diebstähle mit einem Deliktsbetrag von insgesamt CHF 23‘308.05 die Grundlage des Entscheids bezüglic h des Qualifikationsmerkmals der Ge- werbsmässigkeit, wobei die vom Strafgericht mit Urt eil vom 23. Mai 2017 erkannte Gewerbs- mässigkeit für den Zeitraum vom 14. Juli 2016 bis zum 14. August 2016 in casu unbestritten ist. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zwischen den letzten zwei als gewerbsmässig angekla gten Einbruchdiebstählen besteht ein Unterbruch von rund 3 Monaten vom 14. August 2016 ( Fall 8 der Anklageschrift) bis zum 16. November 2016 (Fall 9 der Anklageschrift), wobe i der Beschuldigte gemäss seinen Anga- ben während dieser Zeit vorübergehend in sein Heima tland Albanien zurückkehrte. Befragt nach dem Grund für diese Rückreise gab der Beschuld igte in der Einvernahme vom 17. No- vember 2016 sowie vor Strafgericht zu Protokoll, er sei krank geworden (act. 861, 1087). Vor Kantonsgericht erklärte er, er sei sehr müde geword en und habe nicht mehr stehen können (Prot. KGer S. 9). Aufgrund dieser Depositionen ste ht fest, dass der Beschuldigte seine Delin- quenz in der Schweiz aufgrund eines unfreiwilligen Ereignisses vorübergehend hat unterbre- chen müssen. Nach seiner Genesung reiste er indes a m 11. November 2016 – wiederum über St. Louis – in die Schweiz ein und beging dort bere its am 16. November 2016 einen weiteren Einbruchdiebstahl nach dem gleichen Muster der vora ngegangenen Taten (act. 47 f.). Massge- bend ist vorliegend, dass die konkreten Umstände ei ne Verbrechenseinheit klar erkennen las- sen. Abweichend von der Vorinstanz ist somit davon auszugehen, dass der Beschuldigte im November 2016 keinen neuen Tatentschluss fällte, so ndern vielmehr die durch seine Erkran- kung bloss vorübergehend unterbrochene und von eine m Gesamtvorsatz getragene Delin- quenz, nachdem sein Gesundheitszustand dies zuliess , wieder fortsetzte. Da der Beschuldigte keiner legalen Erwerbstätigkeit nachging und auch ü ber kein Vermögen verfügte, stellt der auf den Monat umgerechnete Deliktsbetrag von rund CHF 5 ‘827. ‒ einen namhaften Beitrag an sei- ne Lebenshaltungskosten dar. Das Bundesgericht bestätigte einen Entscheid, in we lchem die Vorinstanz zwei Diebstähle im Abstand von drei Monaten im Gesamtbetrag von CHF 1' 300. ‒ (bei einer monatlichen Nothilfe von CHF 360. ‒) als gewerbsmässig einstufte (BGer 6B_1077/2014 vo m 21. April 2015, E. 3). Ebenso auf gewerbsmässigen Diebstahl erkannte das B undesgericht in einem Fall, in welchem eine Täterin innert drei Monaten drei Diebstähle mi t einem Deliktsbetrag von rund CHF 7'600. ‒ bei einem legalen monatlichen Einkommen von ca. CHF 600. ‒ verübt hatte (BGer 6B_550/2016 vom 10. August 2016). Der vorliegende Fall ist durc haus mit diesen vom Bundesgericht als ge- werbsmässigen Diebstahl beurteilten Sachverhalten vergleichbar. 2.5 Demnach ergibt sich, dass der vom Beschuldigten am 16. November 2016 in Aesch begangene Diebstahl (Fall 9 der Anklageschrift) – i m Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz – ebenfalls im Rahmen des gewerbsmässigen Diebstahl s zu erfassen ist. Im Lichte dieser Darstellung ist der Freispruch vom Vorwurf der gewerbsmässigen Tatbege- hung des Diebstahls im Fall 9 gemäss Ziffer 2 des v orinstanzlichen Urteilsdispositivs aufzuhe- ben und der Beschuldigte in Gutheissung der Berufun g der Staatsanwaltschaft des gewerbs- mässigen Diebstahls schuldig zu sprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht III. S TRAFZUMESSUNG 1.1 In Bezug auf die Strafzumessung stellt sich die S taatsanwaltschaft auf den Standpunkt, die vom Strafgericht ausgesprochene teilbedingte Fr eiheitsstrafe von zwei Jahren entspreche nicht dem Verschulden des Beschuldigten und sei ent sprechend zu erhöhen. Namentlich habe die Vorinstanz bei der Bemessung der Einsatzstrafe das Ausmass der deliktischen Tätigkeit nicht gebührend berücksichtigt. Der Beschuldigte ha be während 4 Monaten als eigentlicher Kriminaltourist erhebliche kriminelle Energien freigesetzt, indem er eine relativ grosse Deliktsse- rie von insgesamt 10 (Einschleich- und Einbruch-) Diebstählen gewerbsmässig begangen habe. Stark zu seinen Lasten zu gewichten sei insbesondere, dass es in zwei Fällen gar zu einer Kon- frontation mit den schlafenden Hausbewohnern gekomm en sei. Gesamthaft erscheine eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren als tat- und schuldangemessen. 1.2 Demgegenüber vertritt die Verteidigung für den Fal l der Gutheissung der Berufung der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der Schuldsprüche die Ansicht, das Strafgericht habe sich sorg- fältig mit den wesentlichen schuldrelevanten Kompon enten auseinandergesetzt und die objekti- ve Tatschwere sei in Übereinstimmung mit der Vorins tanz höchstens als leicht bis mittelschwer einzustufen. Die erhöhte kriminelle Energie bzw. de r von der Staatsanwaltschaft geltend ge- machte "klassische Kriminaltourismus" sei vom Straf gericht in der Strafzumessung bereits an- gemessen gewürdigt worden. Ferner sei zu Gunsten de s Beschuldigten zu berücksichtigen, dass dieser aus finanzieller Not heraus und nicht a us Habgier delinquiert habe. Zudem müsse sich im Rahmen der Täterkomponente das Geständnis d es Beschuldigten zu seinen Gunsten auswirken. Zwar habe sich der Beschuldigte zu Begin n der Untersuchung noch bedeckt gehal- ten, im Laufe des Verfahrens sei er aber bezüglich sämtlicher ihm zur Last gelegten Sachver- halte geständig gewesen. Selbst wenn insgesamt von einem mittelschweren Verschulden aus- gegangen würde, erschiene eine Freiheitstrafe von höchstens 24 Monaten als angemessen. 1.3.1 Die Berufungsinstanz fällt ein neues Urteil (vgl. A rt. 408 StPO) und hat die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen (vgl. BGer 6B_2 98/2013 vom 16. Januar 2014, E. 6.2). Die von der Vorinstanz im Einzelnen korrekt dargele gten Zumessungskriterien (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 19 III.1.a–e) werden im Folgenden gl eichermassen von der strafrechtlichen Ab- teilung des Kantonsgerichts bei der Festlegung der angemessenen Strafe beachtet. 1.3.2 Wie sich aus den obigen Erwägungen ergibt, hat sich der Beschuldigte des gewerbsmäs- sigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung und des mehrfachen Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. Bei der Strafzumessung gilt es de mnach zu berücksichtigen, dass der Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldigte mehrfach gehandelt und verschiedene Deli kte begangen hat, wobei mithin echte Konkurrenz zwischen den Delikten vorliegt. 2.1 Der gewerbsmässige Diebstahl gemäss Art. 139 Ziffe r 2 StGB, welcher vorliegend die schwerste Straftat darstellt, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder einer Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen geahndet. Gemäss aktuell er Bundesgerichtspraxis führen Straf- schärfungs- oder Strafmilderungsgründe indessen nic ht zu einer automatischen Erweiterung des Strafrahmens. Der ordentliche Strafrahmen ist n ur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55, E. 5.8). Di es ist vorliegend nicht der Fall. Für die aus- zufällende Strafe ist deshalb vom Strafrahmen des g ewerbsmässigen Diebstahls auszugehen. Die Gewerbsmässigkeit fasst die einzelnen Delikte d es Diebstahls zu einer rechtlichen Einheit zusammen (BGE 123 IV 113, 117). Das Asperationsprin zip nach Art. 49 StGB ist insoweit be- züglich der einzelnen Diebstähle unanwendbar (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 139 N 13). 2.2.1 Bei der objektiven Tatschwere ist zu prüfen, wie st ark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Bei Vermögensstraftaten ist entscheidend auf den Deliktsbetrag bzw. auf die Höhe der angestrebte n Bereicherung abzustellen (BGer 6B_157/2014 vom 26. Januar 2015, E. 3.2). Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat und die Tatausführung offenbart w ird (BStGer SK.2014.30 vom 9. De-zember 2014, E. 6.3; H ANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 47 N 90 ff.). Hinsichtlich der Tatkomponente g ilt es bei der Einsatzstrafe des qualifizierten gewerbsmässigen Diebstahls zunächst zu berücksichti gen, dass der von der Vorinstanz ver- bindlich festgestellte Deliktsbetrag von CHF 23‘308 .05 und EUR 50. ‒ als durchaus beachtlich erscheint. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte äusserst intensiv delinquierte, indem er 9 seiner insgesamt 10 Diebstähle (davon 3 versuchte Diebstäh le) innerhalb der kurzen Zeitspanne vom 14. Juli 2016 bis zum 14. August 2016 ausführte. Ebenso verschuldenserhöhend wirkt sich aus, dass der Beschuldigte als sog. "Kriminaltourist" ei nzig zum Zweck der Verübung von Straftaten in die Schweiz eingereist ist, wobei es in casu zus ätzlich zu beachten gilt, dass er jeweils nach den begangenen Straftaten im Grossraum Basel nach S t. Louis über die Grenze nach Frank- reich flüchtete, um sich dadurch der Strafverfolgun g zusätzlich zu entziehen (BGer 6B_510/2013 vom 3. März 2014, E. 4.4). Insgesamt er weist sich die objektive Schwere der Tat im Rahmen eines gewerbsmässigen Diebstahls als leicht bis mittelschwer. 2.2.2 In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des (s ubjektiven) Verschuldens vorzuneh- men. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzu- rechnen ist. Dabei spielen grundsätzlich nebst der Frage einer verminderten Schuldfähigkeit (Art. 19 StGB) das Motiv und weitere subjektive Ver schuldenskomponenten (zum Beispiel Art. 48 StGB) eine Rolle. Egoistische bzw. verwerfl iche Beweggründe oder ein Handeln aus eigenem Antrieb wirken verschuldenserhöhend, währen d beispielsweise ein Handeln mit Even- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht tualvorsatz (statt direktem Vorsatz), eine verminde rte Schuldfähigkeit, ein unvollendeter Ver- such oder die in Art. 48 StGB genannten Strafmilder ungsgründe verschuldensmindernd zu ge- wichten sind (vgl. HANS MATHYS , Leitfaden Strafzumessung, 2016, S. 181). Bezüglich des Motivs kann dem Beschuldigten nicht z ugebilligt werden, er habe aus einer ei- gentlichen wirtschaftlichen Notsituation heraus geh andelt, geschweige denn seine psychische Verfassung habe ihn zur Tat veranlasst. Insbesonder e ist nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte die vorliegenden Einbruchdiebstähle au s Hunger beging, zumal er sich bei den Diebstählen keinesfalls auf das Notwendigste beschr änkte, um seiner vorgeblich akuten Notla- ge zu entkommen. Stattdessen füllte er sich bestmög lich die Taschen mit Geld, Schmuck und leicht verwertbaren Sachwerten. Mit der Vorinstanz ist im Zweifel zudem davon auszugehen, dass die Familie des Beschuldigten zwar von Blutrac he betroffen war, sich dieser Umstand je- doch nicht konkret auf ihn ausgewirkt hat (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 21–23). 2.3 In einer Abwägung der verschiedenen Faktoren verma g demnach die subjektive Tat- komponente die objektive nicht zu relativieren, wes halb sich für die Einsatzstrafe insgesamt ein leichtes bis mittelschweres Tatverschulden ergibt. 2.4 Diese Einsatzstrafe ist in einem dritten Schritt aufgrund der besonderen Täterkomponen- ten anzupassen. 2.4.1 Das Strafgericht hat das Vorleben und die persönlic hen Verhältnisse des Beschuldigten im Strafurteil (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 21 f f.) bis zum Urteilszeitpunkt zutreffend dargelegt und bewertet, worauf an dieser Stelle grundsätzlich zu verweisen ist. Im Gegensatz zur Vor- instanz kann nicht zu Gunsten des Beschuldigten ber ücksichtigt werden, dass sich dieser der Festnahme nicht widersetzt hat. Aus dem Umstand, da ss es sich bei Albanien, in welchem der Beschuldigte aufgewachsen ist, um ein armes Land ha ndelt, kann der Beschuldigte nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal die Mehrheit seiner Landsleute, welche unter gleichen Umstän- den aufgewachsen sind, nicht straffällig wurden. De mgegenüber ist die Kooperationsbereitschaft des Beschuldigten leicht z u seinen Gunsten zu bewerten. So gab er bei seiner Anhaltung unumwunden zu, dass er einen D iebstahl begangen hat. Hingegen ge- stand er die übrigen Delikte erst aufgrund erdrücke nder Beweislast zu, was als neutral zu be- werten ist. Im Fall, bei welchem nur eine Schuhspur vorlag, kann ihm mit der Vorinstanz das Geständnis leicht zu seinen Gunsten ausgelegt werden. 2.4.2 An der Berufungsverhandlung ergaben sich keine stra fzumessungsrelevanten Neuerun- gen. Eine wirkliche Reue und Einsicht, die strafmildernd zu berücksichtigen wäre, war beim Be- schuldigten während des ganzen Verfahrens nicht zu erkennen. Es ist unbestritten, dass gewis- se Täter vom Strafvollzug besonders hart betroffen sein können, weshalb eine solche besonde- re Strafempfindlichkeit im Rahmen der Strafzumessun g zu berücksichtigen ist. Die Verbüssung einer Freiheitsstrafe ist aber für jeden in ein fam iliäres Umfeld eingebetteten Täter mit einer ge- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht wissen Härte verbunden. Als unmittelbare gesetzmäss ige Folge jeder Sanktion darf diese Kon- sequenz daher nur bei aussergewöhnlichen Umständen erheblich strafmindernd wirken (vgl. Urteil 6B_470/2009 vom 23. November 2009, E. 2.5 mi t Hinweisen). Solche Umstände sind in casu nicht ersichtlich. 2.5 Wie zu zeigen sein wird, rechtfertigt sich eine Strafe von mehr als einem Jahr, so dass nur eine Freiheitsstrafe in Frage kommt (vgl. nachfolge nde Erwägung 2.6 sowie Art. 34 Abs. 1 und Art. 37 Abs. 1 StGB). 2.6 Gestützt auf diese Erwägungen erscheint im Hinblick auf den Straftatbestand des ge- werbsmässigen Diebstahls eine Freiheitsstrafe von 2 8 Monaten als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. 2.7 Diese Einsatzstrafe ist aufgrund der Schuldsprüc he bezüglich der mehrfachen Sachbe- schädigung und des mehrfachen Hausfriedensbruchs zu erhöhen. Diese Delikte stehen zwar in direktem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den gewerbsmässigen Diebstählen, sie sind jedoch keinesfalls als vernachlässigbare Begleitdelikte zu bewerten. 2.7.1 Hinsichtlich der mehrfachen Sachbeschädigung gilt es zu beachten, dass der Beschul- digte einen nicht unerheblichen Sachschaden von ca. CHF 9‘193.90 anrichtete. 2.7.2 In seiner bisherigen Rechtsprechung hat das Kanton sgericht im Sinne einer grundsätzli- chen Festlegung dafürgehalten, dass bei der Strafzumessung im Kontext mit Einbruchdiebstäh- len jeweils zwingend straferhöhend veranschlagt wer den muss, wenn der Beschuldigte in Wohnliegenschaften eindringt. Nimmt der Beschuldigt e dabei eine Begegnung mit der Bewoh- nerschaft in Kauf, so hat sich diese verwerfliche E instellung, welche für eine besondere Dreis- tigkeit sowie eine qualifizierte kriminelle Energie spricht, in einem zweiten Schritt nochmals spürbar strafschärfend auszuwirken. Bisher hat die strafrechtliche Abteilung des Kantonsge- richts diese Grundsätze jeweils im Rahmen des Tatbestands des Diebstahls berücksichtigt (vgl. KGer 460 12 108 vom 25. September 2012, E. III.3.1) . In Nachachtung der neueren Rechtspre- chung des Bundesgerichts, welche zum Schluss kommt, die psychischen Folgen der Einbrüche für die Betroffenen und die schwere Verletzung der Privatsphäre der Geschädigten sei Ein- bruchdiebstählen immanent, jedoch primär eine Folge des Hausfriedensbruchs, gilt es nunmehr diese Aspekte bei der Strafzumessung nicht bei der Beurteilung von Art. 139 StGB, sondern im Rahmen von Art. 186 StGB zu bemessen (vgl. BGer 510/2015 vom 25. August 2015, E. 1.3). Bei der Asperation des mehrfachen Hausfriedensbruch s gilt es somit den Umstand in Rech- nung zu stellen, dass der Beschuldigte in 7 von 10 Fällen in Wohnliegenschaften einbrach und dabei in einem völlig ungenügenden Ausmass Vorkehrungen zur Vermeidung einer Konfrontati- on mit der Bewohnerschaft vornahm. Mithin hat sich dieser nicht einmal ansatzweise vergewis- sert, dass niemand zu Hause ist, sondern ist jeweil s mehr oder weniger direkt in die Liegen- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaften eingedrungen. Zudem ist der Beschuldigte i n 3 von 10 Fällen (Fall 4, 8 und Zusatzan- klage) äusserst dreist bis ins Schlafzimmer der Hau sbewohner gelangt, wobei es in zwei Fällen sogar zu einer Konfrontation mit den schlafenden Be wohnern kam. Im Fall der Zusatzanklage- schrift vom 19. Januar 2017 ist der Beschuldigte ob endrein via Garagendach direkt ins offene Fenster des Schlafzimmers der dort schlafenden 91-j ährigen C.____ eingestiegen, was als be- sonders skrupellos zu werten ist. Sodann ist es im Fall 8 der Anklageschrift beinahe zu einer Begegnung mit einem Hausbewohner gekommen, wobei de r Beschuldigte, als er vom Bewoh- ner überrascht wurde und dieser das Licht anzündete, die Flucht ergriff (act. 761 ff.). Entsprechend diesem ausgesprochen rücksichtslosen V orgehen muss in casu beim Beschul- digten das Eindringen in Wohnliegenschaften sowie – in einem zweiten Schritt nochmals spür- bar strafschärfend – die klare Inkaufnahme einer Be gegnung mit der Bewohnerschaft und drit- tens die Begegnung gar mit schlafenden Hausbewohner n veranschlagt werden. Der Beschul- digte verletzte mit seinem hemmungslosen und kaltbl ütigen Vorgehen die Privatsphäre ver- schiedener Privatkläger aufs Gröbste und traf diese in ihrem Sicherheitsgefühl gravierend und nachhaltig. Dementsprechend ist das Verschulden bez üglich der Hausfriedensbrüche als schwer zu qualifizieren, was zu einer entsprechende n signifikanten Erhöhung des Strafmasses um 8 Monate führt. 2.7.3 Hinsichtlich der Täterkomponente der Nebendelikte ergeben sich keine entscheidenden Abweichungen zur Einstandstat, sodass auf das berei ts Dargelegte verwiesen werden kann (vgl. III. 2.4.1 f.). 2.8 Aufgrund einer Gesamtwürdigung aller tat- und täter bezogenen Umstände und somit nach Festlegen der hypothetischen verschuldensangemessenen Strafe für das Hauptdelikt und Festlegung der Strafen für die Nebendelikte ist nach erfolgter Asperation gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB festzustellen, dass eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren als verschuldens- und tatangemes- sene Strafe erscheint. 2.9.1 Gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den V ollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren nur teilweise aufschieben, wenn dies not- wendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen. Der unbedingt vollziehbare Teil darf dabei die Hälfte der Strafe nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Wenn und soweit dem Täter eine gute Legalprognose attest iert werden kann, verlangt Art. 42 StGB – der hier Anwendung findet –, dass zumindest ein Tei l der Strafe aufgeschoben wird. Umgekehrt gilt, dass bei einer Schlechtprognose auch ein blos s teilweiser Aufschub der Strafe nicht ge- rechtfertigt ist (BGE 134 IV 1, E. 5.3.1; R OLAND M. SCHNEIDER /R OY GARRÉ , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 44 N 4). Schiebt das Geri cht den Vollzug einer Strafe ganz oder teil- weise auf, ist gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB eine Prob ezeit von zwei bis fünf Jahren anzuordnen. Die Bestimmung der Dauer der Probezeit richtet sich nicht nach der Schwere der Tat, sondern nach der Höhe der Rückfallgefahr, der Persönlichkeit und dem Charakter des Verurteilten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.9.2 Der Beschuldigte delinquierte nicht nur 9 Mal inn ert eines Monats, sondern kehrte nach bereits 3 Monaten in die Schweiz zurück, um kurz da rauf nach demselben Muster erneut straf- fällig zu werden. Das Tatvorgehen des Beschuldigten zeugt von einer grossen kriminellen Energie und einer ganz besonderen Dreistigkeit. Hin zu kommt, dass beim Beschuldigten keine ernsthaften Bemühungen erkennbar sind, um seine sch lechte wirtschaftliche Lage mit legalen Tätigkeiten zu verbessern. Gesamthaft sind keine An zeichen erkennbar, welche nahe legen würden, dass sich diese prognostisch ungünstigen Um stände demnächst in positiver Weise ändern werden. Somit ist die Wahrscheinlichkeit als erheblich einzuschätzen, dass der Be- schuldigte aufgrund seiner fehlenden Perspektiven i n Freiheit wiederum nach dem gleichen Modus delinquieren würde. Angesichts dieser Umständ e kann dem Beschuldigten keine gute Prognose gestellt werden. Daran vermag nach Überzeu gung der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts auch der Umstand nichts zu ändern, dass es sich beim Beschuldigten (soweit ersichtlich) um einen Ersttäter handelt, und der er ste Gefängnisaufenthalt bei ihm voraussicht- lich eine gewisse Warnwirkung entfalten wird. Die G ewährung des bedingten oder des teilbe- dingten Strafvollzugs kommt in casu beim Beschuldig ten nicht in Betracht, da in Gesamtwürdi- gung aller massgebenden Faktoren nicht davon ausgegangen werden kann, dass trotz der Vor- tat eine begründete Aussicht auf Bewährung besteht, weshalb die mit dem vorliegenden Urteil auszusprechende Freiheitsstrafe von 3 Jahren unbedingt auszufällen ist. 2.10 Demzufolge ist der Beschuldigte in Gutheissung de r Berufung der Staatsanwaltschaft und in Abänderung des angefochtenen Urteils des gew erbsmässigen Diebstahls, der mehrfa- chen Sachbeschädigung und des mehrfachen Hausfriede nsbruchs schuldig zu erklären und zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu verurteilen. IV. K OSTEN 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien d ie Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Die Berufung der Staatsanwaltschaft ist vorliegend gutzuheissen. Dieser Verfahrensausga ng rechtfertigt es, die ordentlichen Kosten des kantonsgerichtlichen Verfahrens in der Höhe von CHF 9‘500. ‒, beinhaltend eine Urteilsge- bühr von CHF 9‘000. ‒ sowie Auslagen von CHF 500. ‒, zu Lasten des Beschuldigten zu verle- gen. 2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung gehen demgeg enüber zu Lasten des Staates. Der vom amtlichen Verteidiger gemäss Honorarnote vom 25 . Januar 2018 ausgewiesene Zeitauf- wand von 26 Stunden und 5 Minuten erscheint als ang emessen, wobei ergänzend für die Teil- nahme an der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung insgesamt 5 Stunden zu berücksichtigen sind, weswegen Advokat Ramón Eichenberger eine Ents chädigung in der Höhe von CHF 6‘568.90 (inkl. Auslagen) zuzüglich Mehrwertste uer von 8% (CHF 327.65) bzw. 7.7% Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht (CHF 190.45), somit insgesamt CHF 7‘087. ‒, aus der Gerichtskasse auszurichten ist. Der Be- schuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädigung de r amtlichen Verteidigung an den Kanton verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 23. Mai 2017, auszugswei- se lautend: "1. a) A.____ wird des gewerbsmässigen Diebstahls, des Di ebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung und des mehrfachen Haus- friedensbruchs schuldig erklärt und verurteilt zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitstrafe von 2 Jahren, davon 1 Jahr unbedingt, bei einer Probezeit von 3 Jahren für den bedingten Teil der Strafe, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungsha ft vom 16. November 2016 bis zum 23. Januar 2017 sowie des vorzeiti- gen Strafvollzugs seit dem 23. Januar 2017 von insg esamt 188 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB und Art. 186 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. 2. A.____ wird im Fall 9 von der Anklage der gew erbsmässigen Tat- begehung des Diebstahls freigesprochen. 3. A.____ wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB für die Dauer von 7 Jahren des Landes verwiesen. 4. a) Folgende beschlagnahmten Gegenstände werden A.____ nach Rechtskraft unter Aufhebung der Beschlagnahme gestü tzt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO via Gefängnisleitun g zu Handen der Effekten zurückgegeben: […] b) Folgendes Beschlagnahmegut wird zufolge Verzic hts auf Rückga- be zur Vernichtung eingezogen. […] 4. Die vorgemerkten, aber nicht bezifferten Zivi lforderungen von − D.____ (Fall 1), − E.____ (Fall 4), Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht − F.____ (Fall 5), − G.____(Fall 6) sowie − H.____ (Fall 9) werden gestützt auf Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen. 5. a) Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kos ten des Vorverfah- rens von Fr. 12‘563.00, den Kosten des Zwangsmassna hmenge- richts von Fr. 500.00 und einer pauschalen Gerichts gebühr von Fr. 6‘000.00, gehen in Anwendung von Art. 425 StPO sowie § 4 Abs. 3 GebT zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und wird kein begr ündetes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgeric htliche Gebühr auf Fr. 3‘000.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). b) Die Kosten der Übersetzung von insgesamt Fr. 1 ‘680.00 (Fr. 1‘295.00 im Vorverfahren, Fr. 385.00 für die H auptverhand- lung) gehen in Anwendung von Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO zu Las- ten des Staates. 6. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höh e von insgesamt Fr. 11‘257.90 (inkl. Auslagen, Hauptverhandlung und 8% Mehr- wertsteuer) wird aus der Gerichtskasse entrichtet." wird in Gutheissung der Berufung der Staatsanwaltschaft in Dispositiv- Ziffer 1 wie folgt geändert: 1. A.____ wird des gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung und des mehrfachen Hausfriedensbru chs schuldig erklärt und verurteilt zu einer Freiheitstrafe von 3 Jahren , unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungsha ft vom 16. November 2016 bis zum 23. Januar 2017 sowie des vorzeiti- gen Strafvollzugs seit dem 23. Januar 2017 von insg esamt 188 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 2 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB und Art. 186 StGB, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB un d Art. 51 StGB. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dispositiv-Ziffer 2 wird ersatzlos aufgehoben. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 9‘000. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 500. ‒, gehen zu Lasten des Be- schuldigten. Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Ramón Eichenberg er, wird für das Beru- fungsverfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 6‘56 8.90 (inkl. Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer von 8% (CHF 327.65) bzw. 7 .7% (CHF 190.45), somit insgesamt CHF 7‘087. ‒, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädig ung der amtlichen Ver- teidigung an den Kanton verpflichtet, sobald es sei ne wirtschaftlichen Verhält- nisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger