2015 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 437 gendwelcher Art) zulässig (vgl. RRB Nr. 2009-000186 vom 18. Feb- ruar 2009, S. 6). Der Gemeinderat hat diese Eigentumsbe schränkung (fehlende Besitzstandsgarantie) – analog der neueren Pra xis der Abteilung für Baubewilligungen BVU (vgl. RRB Nr. 2014-001387 vom 17. Dezember 2014, S. 7) – auf Kosten des Beschwerdegegners im Grundbuch anmerken zu lassen (vgl. be treffend die Anmerkung von öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen im Grundbuch auch Art. 962 ZGB sowie § 163 BauG). … Bemerkung: Die Belastung ist im Grundbuch wie folgt angemerkt worden: "(L) Eigentumsbeschränkung gem. § 163 BauG (fehlende Besitzstandsgarantie Pergolabaute)" 79 Asylunterkunft; Verneinung der Baubewilligungspflicht und Entzug der aufschiebenden Wirkung - Die Umnutzung eines Hotels in eine Asylunterkunft ohne bauliche Massnahmen ist nicht baubewilligungspflichtig (Erw. 3). - Hebt die Beschwerdeinstanz den vorinstanzlichen Entscheid auf, da die strittige Nutzung nicht baubewilligungspflichtig ist, ist einem all - fälligen Rechtsmittel dagegen die aufschiebende Wirkung zu entzie - hen (Erw. 5). Aus dem Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 2. September 2015 (BVURA.15.458). Aus den Erwägungen 2.3 Gegenstand der vorliegenden Beschwerde ist somit einzig die Frage, ob die Nutzung von Räumlichke iten des Gasthofs «S.» … als Unterkunft für Asylsuchende der Baubewilli gungspflicht unter - liegt… 3. Bewilligungspflicht 2015 Verwaltungsbehörden 438 3.1 Bauten und Anlagen dürfen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet oder geändert werden (Art. 22 Abs. 1 RPG). Alle Bauten und Anlagen und ihre im Hinblick auf die Anliegen der Raument - wicklung, des Umweltschutzes oder der Baupolizei wesentliche Umgestaltung, Erweiterung oder Zweckänderung sowie die Beseiti - gung von Gebäuden bedürfen der Bewilligung durch den Gemeinde - rat (§ 59 Abs. 1 BauG). Massstab dafür, ob eine bauliche Massnahme erheblich genug ist, um sie dem Baubewilligungsverfahren zu unter - werfen, ist die Frage, ob mit der Realisierung der Baute oder Anlage im Allgemeinen, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, so wich - tige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffent - lichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht (BGE 139 II 139 f.; 120 Ib 384; AGVE 2007, S. 426; 2001, S. 288; VGE III/73 vom 4. Juni 2015, S. 9, mit Hinweisen). Zweckänderungen liegen vor, wenn sich die in einer Baute ausgeübte Nutzung wandelt. Zweck- bzw. Nutzungsänderungen kön- nen wegen vermehrter Einwirkungen auf die Umgebung, wegen er - höhter Anforderungen an die Erschliessung oder aus andern Gründen einer baupolizeiliche n Bewilligung bedürfen, auch wenn mit ihnen bauliche Änderungen nicht verbunden sind. Ob eine Zweckänderung vorliegt, entscheidet sich durch Vergleich der neuen mit der ur - sprünglich bewilligten Nutzung (AGVE 1993, S. 357; 1990, S. 246; ERICH ZIMMERLIN, B augesetz des Kantons Aargau, Kom mentar, 2. Auflage, Aarau 1985, § 150 N 2d; ANDREAS BAUMANN, Kom - mentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013, § 59 N 17). Auch für Zweckänderungen gilt, dass sie keiner Bau bewilligung bedürfen, wenn sie nur neben sächlicher Natur sind. Der Begriff der Zweckänderung ist dabei nicht kleinlich auszulegen. Keine solche Änderung liegt vor, wenn die ne ue Nutzung weder ande ren Bau - vorschriften unterliegt noch erhöhte, gegebenenfalls auch neue Ge - fahren, Nachteile oder Auswirkungen für die Nachbar schaft mit sich bringt (AGVE 1993, S. 357; 1991, S. 544; 1990, S. 246; VGE III/73 vom 4. Juni 2015, S. 9, mit Hinweisen). 3.2 2015 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 439 Soweit ersichtlich hatten die kantonalen Behörden die Bewilli - gungspflicht der Nutzung eines Hotels als Unterkunft für Asylsu - chende bislang noch nicht zu beurteilen. In einem Entscheid be - treffend die Umnutzung eines Mehrfamilienhauses in eine Asylunter- kunft in der Gemeinde A ., in welchem das Verwaltungsgericht schliesslich die Bewilligungspflicht vernei nte, führte das Gericht Folgendes aus (VGE III/73 vom 4. Juni 2015, S. 9): «Der Beschwerdegegner beabsichtigt, im Mehrfamilienhaus bis zu 90 Asylsuchende unterzubringen. Dabei handle es sich vor allem um Familien oder Frauen mit Kindern, wobei die Zuweisu ng des Wohnraums abhängig von den Asylsuchenden sei, welche dem Kan - ton durch die Bundesbehörden zugewiesen würden. Aktuell bestehe ein grosses Bedürfnis, Asylsuchenden aus Syrien eine Unterkunft anzubieten, wobei diese Entwicklung zum Teil raschen Änderu ngen unterworfen sei. Die Asylsuchenden würden auf die Wohnungen auf - geteilt. Sie würden sich dort aufhalten und leben, sie würden dort schlafen, im Familienverbund kochen (keine Gemeinschaftsküche) und sich verpflegen. Tagsüber könnten die Asylsuchenden a n Be - schäftigungsprogrammen teilnehmen, sofern dafür ausreichend Plät- ze vorhanden seien. Zudem könnten sie Deutschkurse besuchen. Schulpflichtige Kinder besuchten aufgrund der allgemeinen Schul - pflicht die Schule. Zusätzlich zu den Wohnungen der Asylsuch enden sei im Erdgeschoss ein kleines Büro für die Betreuung vorgesehen. Dort würden tagsüber ein bis zwei Personen tätig sein (…). Es liegt auf der Hand, dass die beschriebene Nutzung grund - sätzlich eine Wohnnutzung darstellt, wie dies auch z.B. bei Stu - dentenunterkünften und bei Wohngemeinschaften der Fall ist. Im fraglichen Mehrfamilienhaus werden (wie bis anhin) Menschen zum Wohnen untergebracht. Dass zu einer Nutzungsart übergegangen würde, die nicht mehr dem Wohnen im eigentlichen Sinne zugerech - net werden kann, ist nicht ersichtlich. Dass die Räumlichkeiten an - stelle von Nichtasylsuchenden durch Asylsuchende bewohnt werden, bringt keine raumrelevanten Auswirkungen mit sich. Insbesondere kommt es nicht zu zusätzlichen Auswirkungen auf die Umwelt, die Erschliessung und den Verkehr. Dem Baurecht ist es zudem fremd, dass einzig je nach Art der Bewohner eine neue Bau - bzw. Nutzungs-2015 Verwaltungsbehörden 440 bewilligung einzuholen wäre. Dass eine Wohngelegenheit für Men - schen geschaffen wird, die einer andern sozialen Gruppe angehö ren, ist unter dem rein baupolizeilichen Gesichtspunkt an sich irrelevant. Massgebend ist vielmehr, wie eine bestimmte Baute aufgrund ihrer Bauweise, Gestaltung etc. genutzt werden kann (vgl. AGVE 1991, S. 544). Zwar trifft es vorliegend zu, dass eine Bele gung von bis zu 90 Personen höher als eine durchschnittliche Belegung von Wohn - räumen ist. Die Intensivierung der Wohnnutzung bildet für sich allein betrachtet jedoch ebenso wenig wie die Art der Bewohner eine Baubewilligungspflicht (vgl. AGVE 1991, S. 544 f.; Entscheid des BVU vom 7. Juli 2014 [BVURA.14.327], Erw. 3.3 mit Hinweisen). Das Verwaltungsgericht hielt dazu in einem kürzlich gefällten Ent - scheid fest, dass die Auffassung, wonach über die Ausnützungsziffer eine Art Bewohnernutzungsdichte definier t würde, im Recht keine Grundlage finde. Eine solche Auffassung widerspräche auch den Raumplanungszielen, insbesondere der haushälterischen Nutzung des Bodens (vgl. Art. 75 Abs. 1 BV; Art. 1 Abs. 1 RPG) und dem An - sinnen, verdichtetes Bauen zu fördern (vgl . § 46 BauG ; VGE III/5 vom 23. Januar 2014, S. 14).» 3.3 Nach den vorstehenden Erwägungen und der zitierten Recht - sprechung ist die beabsichtigte Nutzung des Gasthofs «S.» als Asyl- unterkunft zweifellos als Wohnnutzung zu qualifizieren (vgl. auch Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Glarus VG.2013.00128 vom 26. Februar 2014, Erw.4.3.2 sowie Baselland - schaftliche Verwaltungsgerichtsentscheide [BLVGE] 2002, Zif - fer 6.2.1, Erw. 3). Der Gasthof «S.» war in der Vergangenheit und wird auch in de r Zukunft bezüglich der beiden Wohnungen im 2. Obergeschoss und im Dachgeschoss der Wohnnutzung zugeführt, die Nutzungsart bleibt bezüglich dieser Wohnungen dieselbe; daran ändert nach der erwähnten Rechtsprechung weder der Umstand, dass die Räumlichkeiten nun neu durch Asylsuchende anstelle von Nicht - asylsuchenden bewohnt werden, noch dass mit einer Mehrbele gung der beiden Wohnungen und diesbezüglich mit einer Intensivie rung der Wohnnutzung zu rechnen ist. Bauliche Veränderungen an den Wohnungen sind nicht vorgesehen. Das Bewohnen der beiden Woh -2015 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 441 nungen durch Asylsuchende unterliegt zweifellos nicht der Bewil - ligungspflicht. 3.4 3.4.1 Neben den beiden Wohnungen ist auch das Hotel mit den 16 Hotelzimmern von der strittigen Nutzung als Asylunterkunft bet rof- fen. Diesbezüglich legt der Gemeinderat unter Berufung auf AGVE 1994, S. 371, ins Recht, dass ein bloss vorübergehender Auf - enthalt von Personen in einem Hotel keine eigentliche Wohnnutzung darstelle. Indessen kann aus dieser Rechtsprechung keine Bau - bewilligungspflicht für die Nutzung des Gasthofs «S.» als Asylzen- trum abge leitet werden: Im zitierten Entschied führt das Ver wal- tungsgericht aus, dass sich mit dem Begriff des Wohnens üb licher- weise die V orstellungen von Sesshaftigkeit, Ruhe, Beständigkeit usw. verbinden würden; grundsätzlich fehle es einem Heim oder einem Hotel an der V oraussetzung des dauernden Aufenthalts. In diesem Zusammenhang verwies das Verwaltungsgericht auf die fehlende Zonenkonformität eines hotelähnlichen Pensionsbetr iebs in einer Zone für Ein- und Zweifamilienhäuser (AGVE 1994, S. 373). Daraus ist die Schlussfolgerung zu ziehen, dass eine reine Wohnnutzung wie die zur Frage stehende Nutzung als Asylunterkunft insgesamt mit geringeren räumlichen Folgen verbunden ist als ein Hotel. Dement - sprechend vermag der (formelle) Umstand, dass der Hotelbetrieb ins- künftig als Asylunterkunft dient und damit der reinen Wohnnutzung zugeführt wird, alleine für sich kein Interesse an der vorgängigen Kontrolle und damit keine Baubewi lligungspflicht auszulösen. Viel- mehr ist die Bewilligungspflicht anhand eines Vergleichs der beab - sichtigten Nutzung als Asylunterkunft mit der bisherigen Nutzung des Hotel -/Restaurantbetriebs hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Öffentlichkeit und die Nachbarschaft im konkreten Fall vor zu- nehmen, was nachfolgend zu prüfen sein wird. 3.4.2 Bisher umfasste der Hotelbetrieb 16 Zimmer, davon 11 Doppel- und 5 Einzelzimmer, ausmachend 27 Betten. V on diesen 27 Betten war unwidersprochen ein nicht unmassgebl icher Teil bereits in der Vergangenheit als Monatszimmer bzw. in Dauermiete bewohnt (Be -2015 Verwaltungsbehörden 442 rufsleute, Personen aus Osteuropa mit einer temporären Arbeitsbe - willigung oder Sozialhilfebezüger mit überjähriger Unterbringungs - dauer). Bezüglich dieser Zimmer bleib t die Nutzungsart ebenso wie bei den beiden erwähnten Wohnungen unverändert. Dabei ist nach der erwähnten einschlägigen Rechtsprechung irrelevant, dass neu Asylsuchende die Zimmer bewohnen anstelle der bisherigen Nichtasylsuchenden; die Art der (Dauer -) Bewohner ist baurechtlich ohne Bedeutung. Die übrigen Zimmer, welche im klassischen Sinn als Hotelzim - mer genutzt wurden, erfahren alleine durch den Umstand, dass ins - künftig Personen dauernd diese Räume bewohnen, ebenfalls keine relevante Zweckänderung: Es kann baurechtlich keinen Unterschied machen, ob Hotel- (Tages-) Gäste die Zimmer bewohnen oder «Dau- ermieter», da die Hotelnutzung immer auch eine Dauernutzung zu - lässt; insbesondere ist es Hotelgästen nicht untersagt, den ganzen Tag, rund um die Uhr, i m Hotel zu verbringen. Käme man zu einem anderen Resultat, hätte der Gemeinderat schon längst gegen die Mo - nats- und Dauermieten des Gasthofs «S.» einschreiten müssen (was er offensichtlich nicht getan hat). V or allem aber ist das Gebäude als Hotel/Restaurant plus Wohnungen so konzipiert, dass es ohne weite - res und ohne irgendwelche baulichen Massnahmen einer reinen Wohnnutzung zugeführt werden kann, was auch weder Gemeinderat noch Beschwerdegegner in Abrede stellen. Demgemäss vermag der Umstand, dass die Hotelzimmer inskünftig ständig bewohnt werden, keine räumliche Relevanz aufzuweisen. Sodann fallen die unter - schiedlichen Präsenzzeiten der Hotelgäste/Dauermieter einer seits und der Asylsuchenden andererseits bezüglich ihrer immissions - rechtlichen Auswirkungen nicht massgeblich ins Gewicht: Wohl ist zweifellos mit vermehrter Anwesenheit der Bewohner gegenüber dem bisherigen Hotelbetrieb zu rechnen; andererseits fallen inskünf- tig die häufigen An - und Abreisen der Hotelgäste weg, was von Nachbarn grundsät zlich eher als positiv wahrgenommen wird. Zu - dem ist zu berücksichtigen, dass die Emissionen im Zusammenhang mit dem Betrieb des Restaurants «S.» wegfallen, womit vor allem auch dem Ruhebedürfnis der Anwohner in den Abendstunden positiv Rechnung getragen werden dürfte. 2015 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 443 Sodann wirft der Gemeinderat die Frage der Nut zungsinten- sivierung in Folge der grösseren Zahl von Bewohnern auf. Dazu ist einleitend festzuhalten, dass vorliegend nur der Einzug von 60 Asylsuchenden zu beurteilen ist und nicht von 90 – die Erhöhung der Bewohnerzahl auf 90 ist in einem späteren Schritt vorgese hen und mit baulichen Massnahmen verbunden, was dannzumal zu be urteilen sein wird. Wie vom Verwaltungsgericht im zitierten Ent scheid dar - gelegt, hat die Intensivierung der Wohnnut zung weder Ein fluss auf die Baubewilligungspflicht noch ist sie ausnützungsrelevant. Das gilt auch im vorliegenden Fall. Mit anderen Worten zeitigt alleine der Umstand, dass bspw. in einem Doppel -Hotelzimmer 3 Per sonen anstelle von 2 Personen nächtigen, keine raumrelevante Wir kung, insbesondere nicht, wenn wie vorliegend das Mehr an Be wohnern keine baulichen oder strukturellen Massnahmen erfordert. Zudem ist die vom Gemeinderat ins Recht gelegte Mehrbelegung um 100 % (der Gemeinderat geht von bisher 27 Schlafgelegenheiten aus) zu relativieren: Die Berechnung des Gemeinderats berücksichtigt nicht, dass nicht alle 60 Asylsuchenden nur im Hotel untergebracht werden, sondern auch in den beiden Wohnungen. Damit reduziert sich die Differenz zwischen der gepla nten und der bisherigen Hotel -Betten- belegung. Schliesslich zielt das Argument des Gemeinderats, die bisherige Hotelauslastung habe lediglich 41 % betragen , und nicht wie vom Beschwerdeführer vorgebracht zwischen 75 und 80 %, ins Leere – bewilligt ist eine Belegung von 100 % und weder Nachbarn noch Behörden können aus dem Umstand, dass ein Betrieb nicht entsprechend der Baubewilligung voll ausgelastet war, irgendet was zu ihren Gunsten ableiten. Nach dem Gesagten vermag der Umstand, dass die künftige Belegu ng höher ist als die durch schnittliche bisherige Belegung, keine Bewilligungspflicht auszulösen. 3.4.3 Weiter sind auch im Rahmen einer grundsätzlichen Gegenüber - stellung der bisherigen und der neuen Nutzung keine relevanten räumlichen Auswirkungen zu e rwarten: Zwar wird das Hotel insge - samt eine grössere Zahl von Bewohnern mit teilweise längerer Aufenthaltsdauer als bisher beherbergen, was für sich alleine be - trachtet mit einer Nutzungsintensivierung verbunden ist. Diesem 2015 Verwaltungsbehörden 444 Umstand ist aber gegen überzustellen, dass durch die Einstellung des Restaurant- und Hotelbetriebs sämtliche im Zusammenhang mit dem Restaurantbetrieb entstehenden Auswirkungen auf die Umgebung vollumfänglich wegfallen. Der ersatzlose Wegfall eines ganzen Gast- gewerbebetriebs mit den damit verbundenen Lärm - und Geruchs - emissionen, den gegenüber einem üblichen Gewerbebetrieb ver - längerten Öffnungszeiten und der Frequentierung der Erschlies - sungsanlagen etc. fällt nun aber in der Gesamtbeurteilung bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Um gebung weitaus schwerer ins Ge - wicht als die Nutzungsintensivierung durch Mehrbelegung und längerem Aufenthalt der Bewohner. Insbesondere ist hinsichtlich der Erschliessungs- bzw. Parkplatzsituation zu berücksichtigen, dass die Zahl der Autofahrten im Zus ammenhang mit der Nutzung als Asylunterkunft weitaus geringer als bei einem Hotel ist (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2009/131 vom 3. Dezember 2009, Erw. 2.3); zudem wird der Wegfall des Res - taurantbetriebs zweifellos mit einer zusätzlichen Reduktion der Fahr- zeugbewegungen und des Parkplatzbedarfs der Liegenschaft ver - bunden sein. Demzufolge ist mit der Nutzung als Asylunterkunft aber auch kein erhöhter Erschliessungs - oder Parkfelderbedarf gegenüber der bisherigen Nutzung verbunden, insbesondere löst die neue Nutzung keine Parkfeldererstellungspflicht nach § 55 BauG aus, was nachfolgend zu zeigen sein wird. § 55 BauG legt fest, dass bei eingreifender Umgestaltung, Erweiterung oder Zweckänderung von Bauten und Anlagen genü - gend Parkfelder für die Fahrzeuge der Benutzer und Besucher sowie die erforderlichen Verkehrsflächen für den Zubringerdienst zu schaf- fen sind. Dabei sind Erweiterungen und Zweckänderungen hinsicht - lich der Parkfelderstellungspflicht nur relevant, wenn die Änderung der Benutzung oder die Erweiterung von Bauten eine Vermehrung des Verkehrs und damit des Parkfelderbedarfs zur Folge hat (CHRISTIAN HÄUPTLI in: Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013, § 55 N 30). Dass im vorliegenden Fall der Gast - hof «S.» bereits für die bisherige Nutzung den Erschliessungs - bzw. Parkierungsanforderungen genügt, ist unbestritten, umso weniger be- steht Handlungsbedarf bezüglich der Parkfelder für die weit weniger 2015 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 445 verkehrsintensive Nutzung als Asylunterkunft. Zwar s chliesst der Umstand, dass Asylsuchende nur Fr. 10.– Verpflegungs- und Ta - schengeld je Anwesenheitstag erhalten (§ 18 der Sozialhilfe - und Präventionsverordnung, SPV ) und dass Asylsuchende in der Regel zuerst einen in der Schweiz anerkannten Führerschein erwerben müs- sen, nicht aus, dass Asylsuchende ein Motorfahrzeug erwerben bzw. als Halter eingetragen werden könnten; allerdings kann es sich dabei nur um Einzelfälle handeln, deren Parkplatzbedarf durch die frei werdenden Parkplätze des bish erigen Restaurant- und Hotelbetriebs bei weitem abgedeckt ist. Das gilt auch für den Fall, dass der Bedarf an dienstlich genutzten Parkplätzen die drei gemieteten Parkplätze übersteigen sollte. Jedenfalls zieht die neue Nutzung keinesfalls eine Vermehrung des Verkehrs und damit einen erhöhten Parkfelderbedarf nach sich. Zusammenfassend ist in erschliessungstechnischer und immissionsrechtlicher Hinsicht nicht mit zusätzlichen Auswirkungen zu rechnen, vielmehr ist von insgesamt geringeren Auswirkungen auszugehen. 3.4.4 Nach den vorstehenden Erwägungen ist verglichen mit der bisherigen Nutzung insgesamt eine eher weniger intensive Nutzung als bisher zu erwarten. Dementsprechend besteht auch keine Ver - anlassung für eine brandschutzrechtliche Überprüfung der Liegen- schaft: Der Gasthof «S.» hatte bisher als Beherbergungs - bzw. Gastgewerbebetrieb den strengen einschlägigen Brand schutzvor- schriften zu genügen. Eine entsprechend erteilte Brand schutzbe- willigung deckt zweifellos auch eine brandschutzrecht lich weniger anforderungsreiche Wohnnutzung (ohne bauliche Veränderungen) ab, solange sie sich im Rahmen der damaligen Bewilligung bewegt. Davon darf im konkreten Fall ausge gangen werden, jedenfalls be - stehen keine Anhaltspunkte für gegentei lige Absichten. S ollten aber bspw. Räume, welche bisher nicht der Beherbergung bzw. dem Woh- nen dienten, neu der Wohnnut zung zugeführt werden oder werden etwa Fluchtwege nicht freigehalten, Elektroinstallation en geändert etc., kann sich eine brand schutzrechtliche Überprüfung des Ge bäu- des aufdrängen. Dafür besteht aktuell jedoch keine Veranlassung. Dieselben Überlegungen gelten auch für den Einwand der Beschwer-2015 Verwaltungsbehörden 446 degegner, dass die Anforderungen an die Wohnhygiene gemäss § 48 BNO (Unzulässig keit ausschliesslich nach Nor den orientierter Wohnräume, lichte Höhe von Wohn -, Schlaf und Arbeitsräumen, Fenstergrösse der Wohnräume) zu prüfen seien: Der Umstand, dass nun neu Asylsu chende anstelle von Nichtasylsuchenden die Hotel - zimmer bewohnen bzw. dass mehr Personen in den en tsprechenden Zimmern wohnen, vermag weder eine Neuausrichtung der Zimmer noch eine Anpas sung der Raumhöhen oder der Fenstergrössen zu bewirken – die An forderungen an die Wohnhygiene gemäss § 48 BNO unterscheiden sich weder nach Art noch nach Anzahl der Benutzer. Eine ent sprechende Überprüfung wird erst im Rahmen einer allfälligen Umnut zung weiterer, heute nicht als Hotelzimmer genutzter Räume wie etwa des Bankettsaals etc. vorgenommen werden müssen. … 3.4.8 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die zukünf - tige Nutzung des Gasthofs «S.» als Unterkunft für Asylsuchende nicht mit so gewichtigen räumlichen Folgen verbunden ist, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle bestünde. Insbesondere ist die neue Nutzung nicht mit zu - sätzlichen Auswirkungen auf die Umwelt, die Erschliessung oder den Verkehr verbunden und es findet auch keine massgebliche Nutzungs- intensivierung statt, die eine Baubewilligungspflicht auslösen würde. In diesem Zusammenhang ist aber auch mit aller Deutlichkeit festzu- halten, dass bezüglich des Hotelbetriebs lediglich die bereits in der Vergangenheit bewohnten Räume (also die Hotelzimmer) ohne Bau - bewilligung als Schlafräume bewohnt werden dürfen, nicht je doch Räumlichkeiten, die dem Restaurantbetrieb dienen oder anderweitig nicht für die Wohnnutzung bestimmt sind. So bedarf bspw. die Nut - zung des Büros oder des Speise saals im ersten Stock oder des Bankettsaals im Erdgeschoss als (Schlaf -)Zimmer selbstverständlich zwingend einer vorgängigen Überprüfung und damit einer Bau be- willigung. Aber dessen ist sich auch der Beschwerdeführer be wusst, und er ist auf seiner Aussage, dass der Einbau von weiteren Zimmern und Nasszellen unbestrittenermassen der Baubewil ligungspflicht 2015 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 447 unterliege, weshalb ein entsprechendes Baugesuch im gegebe nen Zeitpunkt eingereicht werde, zu behaften. Damit erweist sich die Nutzung des Gasthofs «S.» als Asyl - unterkunft als nicht bewilligungspflichtig, weshalb die Be schwerde gutzuheissen und der angefochtene Beschluss des Gemeinde rats auf- zuheben ist. … 5. Entzug der aufschiebenden Wirkung einer Verwaltungsge - richtsbeschwerde 5.1 Das Verwaltungsgericht hat in verschiedenen Entscheiden näher erläutert, unter welchen V oraussetzungen Beschwerden gegen belas- tende Verfügungen die aufschiebende Wirkung entzogen werden darf (siehe dazu und zum Folgenden: AGVE 1988, S, 414 f, mit Hinwei - sen; VGE III/59 vom 2, Mai 2000, S. 5 f.; VGE III/30 vom 20. März 2003, S. 2). Danach ist die Suspensivwirkung stets die Regel und ihr Entzug die Ausnahme. Das Gesetz will zunächst, dass das im Inte - resse der Betroffenen eingerichtete Rechtsschutzverfahren nicht durch vorzeitigen behördlichen V ollzug seines Sinnes beraubt wird. Die Verwaltung kann ihre Anordnu ngen einseitig verbindlich erlas - sen und vollstrecken; diese V orrangstellung soll während der Dauer des Beschwerdeverfahrens durch ein Gleichgewicht zwischen Ver - waltung und Rechtsuchenden abgelöst werden. Es sind nun aller - dings Fälle denkbar, in denen de r angeführte Grundsatz muss durch - brochen werden können, sei es, weil sonst die Entscheidungsfähig - keit in der Hauptsache nicht gewahrt bleibt (z.B. bei einer Bauein - stellung) oder weil ganz besonders gewichtige Interessen auf dem Spiel stehen, deren Wahrung keinerlei Aufschub erträgt, nicht einmal für die Dauer der Überg angszeit bis zur Fällung des Be schwerdeent- scheids. Noch einmal anders liegen jene Fälle, wo die Behörde nicht in eine durch entsprechende Bewilligung abgedeckte Rechtsposition des Verfügungsadressaten eingreift, sondern wo ein bewilligungs - pflichtiges V orhaben bereits vor rechtskräftiger Erteilung einer Bewilligung ganz oder teilweise verwirklicht wird bzw. werden soll. Dies ist verboten (was § 154 Abs. 2 des bis zum 31. März 1994 geltenden Baugesetzes des Kan tons Aargau vom 2. Februar 1971 für den Bereich des Baubewilligungsverfahrens klar und un missver-2015 Verwaltungsbehörden 448 ständlich zum Ausdruck brachte). Hier geht es im Grunde darum, dass der Gesuchsteller für die Dauer des Bewilligungsverfahrens eine vorläufige, provisorische Baubewilligung verlangt, d.h. eine Begüns- tigung, welche betroffene Dritte – im Baubewilligungsverfahren also namentlich die Nachbarn – belastet. Entsprechend verändert sich die Optik: Das Interesse der Öffentlich keit und der b etroffenen Dritten an der ordnungsgemässen Abwick lung des Rechtsschutzverfahrens hat grundsätzlich V orrang, und die sich hieraus ergebenden Be - schränkungen muss der Gesuchsteller ohne weiteres hinnehmen (VGE III/177 vom 18. Dezember 1998, S. 6 f). Die an ordnende Behörde hat den Entzug der auf schiebenden Wirkung zu begründen (AGVE 2003, S. 309). Der von Gesetzes wegen mit der Beschwerde verbundene Suspensiveffekt zeitigt bei Streitigkeiten über die Bewilligungs - pflicht von Nutzungen verschiedene Resultate, je nachdem, ob in der Beschwerde der Bestand eines Bewilligungsvorbehalts bestritten oder die Erteilung einer verweigerten Bewilligung verlangt wird. Sucht ein Privater um eine Bewilligung nach, die dann verweigert wird, so hat der mit der Beschwerde geg en den verweigernden Ent - scheid verbundene Suspensiveffekt keine Bedeutung. Die Bau be- willigungspflicht ist ihrer rechtlichen Struktur nach ein Polizei verbot mit Erlaubnisvorbehalt. Solange die Erlaubnis (Bewilli gung) nicht erteilt ist, bleibt die betr effende Tätigkeit verbo ten. Die «aufschie- bende Wirkung» der Beschwerde bedeutet nicht, dass die Be willi- gungspflicht für die Dauer des Bewilligungsverfah rens wegfällt. Sonst könnte ja der Private durch blosse Be schwerdeerhebung jedes Gesetz, das eine Bewilligungspflicht auf stellt, mindestens vorüber - gehend ausser Kraft setzen. Der verwei gernde Entscheid ist eine sogenannte negative Verfügung. Bestreitet der Private jedoch wie im vorliegenden Fall, dass überhaupt ein Er laubnisvorbehalt besteht, besitzt die Beschwerde gegen einen Entscheid, der den Bestand eines Polizeiverbots feststellt, in dem Sinne aufschiebende Wirkung, dass die strittige Nutzung so lange frei vorge nommen werden kann, als deren Verbot oder Bewilligungsvorbe halt nicht rechtskräf tig fest - gestellt ist. Dieser fest stellende Entscheid ist eine sogenannte positive Verfügung. Aus die ser Differenzierung ergibt sich, dass in 2015 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 449 solchen Fällen das Resultat des Suspensiveffekts davon abhängt, ob der Private den Bewilligungs vorbehalt anerke nnt und um eine Bewilligung nach sucht oder die Bewilligungspflicht als solche bestreitet. Trifft letzteres zu und kann bei summarischer Prüfung die Bewilligungspflicht nicht klarerweise bejaht werden, so darf nach verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung die aufschiebende Wirkung nicht entzogen werden, wenn keine wichtigen öffentlichen Interessen auf dem Spiele ste hen (vgl. Zwischenverfügung des Verwal tungs- gerichts vom 27. Januar 2000 im Beschwerdeverfahren BE.20000.00033-K3). 5.2 V orliegend ist die Baubewilligungspflicht hinsichtlich der im Streit liegenden Nutzung seitens des Beschwerdeführers bestritten und – wie unter Ziff. 3 hievor aus geführt – auch aus Sicht der Be - schwerdeinstanz klar nicht gegeben. Im Weiteren sind keine öffentli- chen Interessen (etwa des Brandschutzes) ersichtlich, welche für den Entzug der aufschiebenden Wirkung bzw. für ein sofortiges Nut - zungsverbot sprächen, zumal der bewilligte Nutzungszweck wie dargelegt nicht massgeblich ändert. Im Gegenteil verfolgt der Be - schwerdeführer öffentliche Interessen; so ist die Unterbringung von Asylsuchenden eine öffentliche Aufgabe (Art. 2 AsylG), deren Er - füllung wichtig, aber bekanntlich auch schwierig ist. Die Beschwer - deinstanz hat aus diesen Gründen denn auch der vorliegenden Be- schwerde mit Zwischenentscheid vom 24. Juli 2015 superproviso - risch den beantragten Entzug der aufschiebenden Wirkung nicht er - teilt. Da der vorliegende Entscheid des BVU nunmehr wieder beim Verwaltungsgericht angefochten werden kann und einer solchen Be- schwerde von Gesetzes wegen erneut aufschiebende Wirkung zu - käme und damit das vom Gemeinderat M. beantragte faktische sofor- tige Nutzungsverbot bis zur allfälligen gegenteiligen Anordnung des Verwaltungsgerichts (vgl. § 20 VRPG) gelten würde, ist mit B lick auf die vorstehenden Erwägungen einer allfälligen Beschwerde ans Verwaltungsgericht die aufschiebende Wirkung vorsorglich zu ent - ziehen. 2015 Verwaltungsbehörden 450 2015 Familienrecht 451 Gemeinderecht 451 II. Familienrecht 80 Art. 4 Abs. 1 lit. b PA VO Familienpflege Emotionale Bindungen und die Aufrechterhaltung gewohnter Strukturen können einen stärkeren Einfluss auf das Wohlbefinden und die Entwick - lung der Kinder haben als die Grösse der Wohnung. Aus dem Entscheid des Dep artements Bildung, Kultur und Sport vom 1. Juli 2014, i.S. L. B. und T. P. gegen Gemeinderat T. (BKSREC 14.35). Aus den Erwägungen 1. a) Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. b der Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern (Pflegekinderverordnung, PA VO) vom 19. Okto- ber 1977 (SR 211.222.338) benötigt eine Bewilligung, wer ein Kind während mehr als drei Monaten unentgeltlich in seinen Haushalt auf- nehmen will (sog. Familienpflege). Die Bewilligung darf gemäss Art. 5 PA VO nur erteilt werden, wenn die Pflegeeltern u nd ihre Haus - genossen nach Persönlichkeit, Gesundheit und erzieherischer Eig - nung sowie nach den Wohnverhältnissen für gute Pflege, Erzie hung und Ausbildung des Kindes Gewähr bieten und das Wohl ande rer in der Pflegefamilie lebender Kinder nicht gefährd et wird. Dabei gilt indes nicht die bestmögliche Pflege als Massstab. Gerade wenn Ver - wandte oder gute Bekannte nicht erwerbsmässig, sondern unent - geltlich ein Kind betreuen, ist den konkreten Umständen erhöhte Be - achtung zu schenken. Emotionale Bindungen (Nestgefühl) und die Aufrechterhaltung gewohnter Strukturen können einen stärkeren Ein- fluss auf das Wohlbefinden und die Entwicklung der Kinder haben als die Grösse der Wohnung etc.. Solange das Kindeswohl nicht ge - fährdet erscheint, sind somit im Rahmen der Familienpflege unter