<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">358</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>60 Kostenverlegung; Parteikostenentschädigung bei Gegenstandslosigkeit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eines Verfahrens betreffend Baueinstellung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Neben formellen können auch materielle Kriterien berücksichtigt wer-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den, die zur Gegenstandslosigkeit geführt haben.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 21. Oktober 2013 in Sa-</span><br/> <span class="ft2">chen A. AG gegen Gemeinderat B. und Rechtsdienst des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft2">(WBE.2013.91).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Verlegung</span><br/> <span class="ft1">der Parteikosten durch die Vorinstanz. Diese schrieb das Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deverfahren infolge Gegenstandslosigkeit ab, nachdem der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derat am 7. Januar 2013 die Baueinstellung vom 12. November 2012</span><br/> <span class="ft1">aufgehoben hatte. Der Beschwerdeführerin wurde keine Parteient-</span><br/> <span class="ft1">schädigung zugesprochen.</span><br/> <span class="ft1">2. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">359</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Im Beschwerdeverfahren werden die Parteikosten in der Regel</span><br/> <span class="ft1">nach Massgabe des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien ver-</span><br/> <span class="ft1">legt (§ 32 Abs. 2 VRPG). Wer sein Rechtsmittel zurückzieht oder auf</span><br/> <span class="ft1">andere Weise dafür sorgt, dass das Verfahren gegenstandslos wird,</span><br/> <span class="ft1">gilt als unterliegende Partei (§ 32 Abs. 3 Satz 1 VRPG). § 32 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">Satz 1 VRPG schliesst dabei nebst formellen auch ein Abstellen auf</span><br/> <span class="ft1">materielle Kriterien, die zur Gegenstandslosigkeit geführt haben,</span><br/> <span class="ft1">nicht aus. Der mutmassliche Verfahrensausgang spielt dabei keine</span><br/> <span class="ft1">Rolle (Botschaft des Regierungsrats des Kantons Aargau an den</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rat zum VRPG vom 14. Februar 2007, 07.27, S. 43 f.).</span><br/> <span class="ft1">Wird ein Verfahren ohne Zutun einer Partei gegenstandslos, sind die</span><br/> <span class="ft1">Parteikosten nach den abgeschätzten Prozessaussichten zu verlegen</span><br/> <span class="ft1">oder aus Billigkeitsgründen ganz oder teilweise dem Gemeinwesen</span><br/> <span class="ft1">zu belasten (§ 32 Abs. 3 Satz 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Im konkreten Fall ist strittig, wer die Gegenstandslosigkeit vor</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz verursacht hat. Indem der Gemeinderat mit Protokollaus-</span><br/> <span class="ft1">zug vom 7. Januar 2013 die Baueinstellungsverfügung vom 12. No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2012 aufhob, hat er formell die Gegenstandslosigkeit verur-</span><br/> <span class="ft1">sacht. Die Kostenauflage nach rein formellen Gesichtspunkten er-</span><br/> <span class="ft1">scheint vorliegend jedoch zu kurz gegriffen und würde dem Fall</span><br/> <span class="ft1">nicht gerecht: Tatsache ist nämlich, dass der wesentliche Grund, wes-</span><br/> <span class="ft1">halb der Gemeinderat die Baueinstellung aufhob, im Verzicht der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin auf die Verarbeitung von tierischen Fetten lag. Ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 6. November 2012</span><br/> <span class="ft1">beabsichtigte diese bei der Rohstoffversorgung eine Änderung von</span><br/> <span class="ft1">Jatrophaöl zu Altspeiseöl und <i>tierischen Fetten</i>. Den Verzicht auf</span><br/> <span class="ft1">tierische Fette stellte die Beschwerdeführerin erstmals mit ihrem</span><br/> <span class="ft1">Wiedererwägungsgesuch vom 6. Dezember 2012 zur Diskussion.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der Besprechung vom 20. Dezember 2012 zwischen Ver-</span><br/> <span class="ft1">tretern der Beschwerdeführerin, des Gemeinderats und des BVU</span><br/> <span class="ft1">wurde seitens der Beschwerdeführerin ausdrücklich bestätigt, auf die</span><br/> <span class="ft1">Verarbeitung von tierischen Fetten zu verzichten; sollte zukünftig be-</span><br/> <span class="ft1">absichtigt werden, solche Stoffe einzusetzen, werde das ordentliche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">360</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Verfahren eingehalten und in jedem Fall vorgängig ein Projektände-</span><br/> <span class="ft1">rungsgesuch erarbeitet und - soweit notwendig - der UVB ergänzt.</span><br/> <span class="ft1">Erst der Verzicht auf die Verarbeitung von tierischen Fetten führte</span><br/> <span class="ft1">zum Beschluss des Gemeinderats vom 7. Januar 2013, die Bauein-</span><br/> <span class="ft1">stellungsverfügung vom 12. November 2012 aufzuheben. Letztlich</span><br/> <span class="ft1">führte der Verzicht auch dazu, dass - nach weiteren Abklärungen -</span><br/> <span class="ft1">für die Verwendung eines Alternativrohstoffs (Altspeiseöl) kein neu-</span><br/> <span class="ft1">es Baugesuch eingereicht und kein neuer Umweltverträglichkeits-</span><br/> <span class="ft1">bericht erstellt werden musste.</span><br/> <span class="ft1">Ohne den Meinungsumschwung der Beschwerdeführerin wäre</span><br/> <span class="ft1">ihre Verwaltungsbeschwerde nicht gegenstandslos geworden. Ihr</span><br/> <span class="ft1">Verzicht auf die Verarbeitung von tierischen Fetten war entscheidend</span><br/> <span class="ft1">für die Aufhebung der Baueinstellung. Materiell hat somit die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin die Gegenstandslosigkeit der Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerde veranlasst, formell der Gemeinderat. Das gilt es bei der</span><br/> <span class="ft1">Kostenauflage zu berücksichtigen. Die Vorinstanz ist bei der Verle-</span><br/> <span class="ft1">gung der Parteikosten vom Grundsatz in § 32 Abs. 3 VRPG nicht ab-</span><br/> <span class="ft1">gewichen, wonach als unterliegende Partei gilt, wer auf andere Weise</span><br/> <span class="ft1">als durch Rückzug eines Rechtsmittels dafür sorgt, dass ein Verfah-</span><br/> <span class="ft1">ren gegenstandslos wird. Indem sie die Beschwerdeführerin als hälf-</span><br/> <span class="ft1">tig obsiegend betrachtete, hat sie den ihr zustehenden weiten Ermes-</span><br/> <span class="ft1">sensspielraum nicht überschritten. Die Verrechnungspraxis</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2009, S. 279 f.; 2012, S. 224 ff.) ergab schliesslich, dass der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin bei hälftigem Obsiegen/Unterliegen keine</span><br/> <span class="ft1">Parteikosten zugesprochen werden konnten.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>