Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Dezember 2013 (725 10 296 / 300) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beurteilung der Unfallkausalität, Gerichtsgutachten erforderlich Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch S arah Brutschin, Advoka- tin, Picassoplatz 8, Postfach 330, 4010 Basel gegen Allianz Suisse Versicherungs -Gesellschaft AG , Postfach , 8010 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1954 geborene A.____ war ab 1. Dezember 1999 CEO bei der B____AG und dadurch bei der Allianz Suisse Versicherungsgesellschaft AG ( nachfolgend: Allianz) obligato- risch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheite n versichert. Am 12. April 2009 stürz- te A.____ beim Skifahren. Dabei zog er sich gemäss Berich t des behandelnden Arztes Dr. med. C.____, FMH Chirurgie, vom 9. Juni 2009 eine traumatische Valgusgonarthrose rechts zu. Die Allianz erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Verfügung vom 8. Dezember 2009 stellte sie die Le istungen per 9. Juni 2009 ein. Daran hielt sie auch auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 30. August 2010 fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Sarah Brutschin, am 4. Oktober 2010 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 8. Dez ember 2009 und des Einspracheent- scheids vom 30. August 2010 seien ihm über den 9. Juni 200 9 hinaus die gesetzlichen Versi- cherungsleistungen zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. Z ur Begründung brachte er im We- sentlichen vor, dass der Einspracheentscheid auf unzurei chenden medizinischen Unterlagen beruhe. Die Beschwerdegegnerin habe den Nachweis, dass d ie unfallbedingten Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren hätten nicht erbracht, weshalb sie wei- terhin leistungspflichtig sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 2. November 2010 schloss di e Allianz auf Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 28. Februar 2011; Duplik vom 16. März 2011) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 4. August 2011 ge langte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die vorhan- denen medizinischen Akten nicht möglich sei. Aufgrund de r erheblich unterschiedlichen fach- ärztlichen Beurteilungen der Unfallkausalität sei zur Klä rung der medizinischen Sachlage ein Gerichtgutachten notwendig. F. Am 24. November 2011 beauftragte das Kantonsgericht Prof. Dr. D.____, FMH Ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa rates, mit der Begutachtung des Versicherten. Das Gutachten wurde am 22. März 2012 ersta ttet. Hierzu nahmen die Parteien mit Eingaben vom 25. April 2012 und 29. Juni 2012 St ellung. Am 8. Oktober 2012 hielt Prof. D.____ fest, dass sein Gutachten vom 22. März 2012 nicht ausreichend, eine Überarbei- tung jedoch nicht sinnvoll sei. G. Mit Verfügung vom 30. Oktober 2012 ordnete der i nstruierende Kantonsgerichtspräsi- dent die Einholung eines weiteren Gerichtsgutachtens an . Am 11. Dezember 2012 wurde Prof. Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie u nd Traumatologie des Bewegungsappa- rates, mit einem orthopädischen Fachgutachten beauftrag t, welches am 3. März 2013 erstattet wurde. H. Mit Eingaben vom 27. März 2013 und 21. Mai 2013 na hmen die Parteien zum Gutach- ten und am 28. Juni 2013 sowie 14. August 2013 zum ergä nzenden Bericht von Prof. E.____ vom 10. Juni 2013 Stellung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befand sich dieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde ist einzutreten. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Beschwerdefüh- rer über den 9. Juni 2009 hinaus Anspruch auf Leistunge n aus der obligatorischen Unfallversi- cherung hat. Die Allianz hält dafür, der Status quo sin e sei bereits rund acht Wochen nach dem Unfall eingetreten, weshalb ab dem 9. Juni 2009 die Kausalität zwischen den bestehenden Be- schwerden am rechten Knie und dem Unfallereignis zu verneinen sei. Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, durch den Unf all vom 12. April 2009 sei es zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung eines krankhaften Vorzu standes gekommen, wofür die Allianz leistungspflichtig sei. 3. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in d er obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Per- son. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person A nspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist . Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund- heitszustandes der versicherten Person mehr erwartet wer den kann und allfällige Eingliede- rungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschloss en sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schade n ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3. 2). Ursachen im Sinne des natür- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne dere n Vorhandensein der eingetrete- ne Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass e in Unfall die alleinige oder unmit- telbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt , dass das schädigende Ereignis zu- sammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder g eistige Integrität der versicherten Per- son beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Wort en nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinwei- sen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer ge sundheitlichen Störung ein natür- licher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, w orüber die rechtsanwendende Behör- de - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswür- digung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Bew eisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eine s Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinwei- sen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahin- fallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisg rad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) n achgewiesen sein. Die blosse Möglich- keit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage hand elt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürliche r Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallver sicherer (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 3 26 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfall- fremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschad en mehr vorliege oder die versi- cherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursa- chen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verlo ren haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 5. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6. Zur Beurteilung der umstrittenen Frage sind die fo lgenden ärztlichen Berichte zu berück- sichtigen: 6.1.1 Nachdem das Kantonsgericht anlässlich der Urteilsber atung vom 4. August 2011 zur Auffassung gelangte, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die unterschiedlichen Beurteilungen des behandelnden Arztes D r. C.____ und des die Versiche- rung beratenden Arztes Dr. med. F.____, FMH Chirurgie , nicht möglich sei, beauftragte es am 11. Dezember 2012 Prof. E.____ mit einem orthopädisc hen Fachgutachten. Am 3. März 2013 diagnostizierte er eine lateral betonte Pangonarthro se rechts bei konstitutioneller Valguskonfi- guration, einen Status nach Kniekontusion am 12. April 2009, einen Status nach diagnostischer Arthroskopie am 9. Juni 2009, einen Status nach Implan tation einer lateralen Hemiprothese mit ‚mobile bearing‘ am 6. Juli 2009, einen Status nach Reoperation mit Auswechslung des ‚mobile bearing‘ wegen Luxation am 16. September 2009, eine klinische Gonarthrose links mit aktueller Ergussproduktion bei konstitutioneller Valguskonfigurat ion, einen Status nach medialer Menis- kusoperation circa 1984, einen Status nach Hüfttotalproth esenimplatation rechts wegen Cox- arthrose 2004 und eine klinisch beginnende Coxarthrose links; anamnestisch bestünde ein Sta- tus nach Fraktur des rechten Sprunggelenks vor circa 30 Jahr en, nach Fraktur des rechten Ell- bogens vor circa 22 Jahren und eine degenerative Spinal stenose. Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Unfall zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung des Vorzustan- des geführt habe. Aus den Unterlagen lasse sich keine str ukturelle Verletzung durch das Ereig- nis vom 12. April 2009 objektivieren. Nach Röntgenbild- und Arthroskopiebefund sei die Kniege- lenkarthrose aus eigener Dynamik schon so weit fortgeschrit ten gewesen, dass jederzeit eine Operationsbedürftigkeit hätte eintreten können. Prell ungen ohne strukturelle Verletzungen wür- den innerhalb von Wochen in einem Decrescendoverlauf aush eilen und Arthrosebeschwerden seien typischerweise fluktuierend. Beim Beschwerdeführer sei bereits am 30. April 2009 eine Besserung dokumentiert. Am 19. Mai 2009 seien jedoch i mmer wieder lateral retropatellär auf- tretende Belastungsschmerzen beschrieben worden. Dieser n un hinter der Kniescheibe lokali- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sierte Schmerz lasse sich mit der objektivierten Degenerat ion im patellofemoralen Gelenkab- schnitt eher erklären als mit dem von Dr. C.____ postuli erten, aber nicht objektivierbaren Ein- bruch des Tibiaplateaus. Am 10. Juni 2009 habe Dr. C.____ vermerkt, dass es gut aussehe und weder Schmerzzeichen noch eine Schwellung noch ein Erguss bestünden sowie Vollbelastung möglich sei. Dieser Vermerk beziehe sich auf die diagnost ische Arthroskopie vom Vortag. Er gebe aber auch einen konkreten zeitlichen Hinweis dafür, dass der Status quo sine erreicht und die Beschwerden durch die Distorsion abgeklungen seien. Di e nachfolgende Prothesenoperati- on sei ausschliesslich auf die Behandlung des unfallunabhängigen Arthoseleidens ausgerichtet. Es sei davon auszugehen, dass der Unfall vom 12. April 20 09 mit überwiegender Wahrschein- lichkeit zu einer vorübergehenden Verschlimmerung gefüh rt habe, wobei der Status quo sine überwiegend wahrscheinlich am 10. Juni 2009 wieder erreicht gewesen sei. 6.1.2 Am 10. Juni 2013 hielt Prof. E.____ im Wesentl ichen fest, je bedeutender ein degenera- tiver Vorzustand, desto länger sei bei einer Traumatisie rung ohne strukturelle Verletzung die zu erwartende Dauer der vorübergehenden Verschlimmerung. Daher sei davon auszugehen, dass der am 19. Mai 2009 dokumentierte Knieschmerz, der si ch bereits am 30. April 2009 gebessert habe, aber nicht verschwunden sei, mit überwiegender Wa hrscheinlichkeit für die langsam ab- klingenden Folgen der Traumatisierung vom 12. April 20 09 mindestens mitbeteiligt gewesen sei. Das Datum des 10. Juni 2009 als Erreichungstermin d es Status quo sine sei deshalb ge- rechtfertigt, weil an diesem Tag vom behandelnden Arzt Dr. C.____ echtzeitlich Schmerzfreiheit dokumentiert worden sei. Dass nach der Arthroskopie auch (vorübergehend) kein Arthrose- schmerz geklagt worden sei, sei allgemeine Erfahrung und auf den Auswaschungseffekt von schmerzgenerierenden Arthrose-Abriebpartikeln durch die Spülung bei der Arthroskopie zu- rückzuführen. Die Arthroskopie am 9. Juni 2009 stehe eind eutig unter dem Titel Abklärungs- massnahme, denn erst sie erlaube durch Vervollständigung der vorausgegangenen Untersu- chungen gutachterlich den überwiegend wahrscheinlichen Ausschluss einer strukturellen und damit richtungsgebenden Unfallverletzung bei vorbestehender Valgus-Gonarthrose an den nicht blutgefässversorgten Gelenkanteilen. 6.2 Am 24. Juni 2013 hielt der beratende Arzt der Besc hwerdegegnerin, Dr. F.____, fest, üblicherweise resp. erfahrungsgemäss sei der Status quo ante resp. sine nach einer Kniedistor- sion ohne Verletzungsfolgen nach sechs Wochen erreicht. B ei einem Vorzustand, wie vorlie- gend gegeben, könne es gelegentlich ein bis zwei Wochen länger dauern. Die Erreichung des Status quo sine bedeute jedoch nicht, dass der Patient b eschwerdefrei sein müsse. Nach den Unterlagen hätten sich die Beschwerden bereits am 30. A pril 2009 deutlich verbessert und am 19. Mai 2009 unter der Kniescheibe lokalisiert, was vorh er nie so explizit beschrieben und für eine Distorsion eher ungewöhnlich sei. Soweit Prof. E. ____ ausführe, je bedeutender ein dege- nerativer Vorzustand sei, desto länger sei bei einer T raumatisierung ohne strukturelle Verlet- zung die zu erwartende Dauer der vorübergehenden Versch limmerung, sei diese Aussage in keiner Art und Weise belegt. Das Gegenteil sei der Fal l: Je bedeutungsvoller der Vorzustand, desto weniger wichtig sei das Trauma. Weiter belege di e Aussage von Dr. C.____ in den Sprechstundeneinträgen vom 19. Mai 2009, dass die Arth roskopie vom 9. Juni 2009 nicht we- gen der Unfallfolgen vorgenommen worden sei. Die du rchgeführte diagnostische Arthroskopie gehöre im Allgemeinen zu den Vorbereitungen eines Gelenksersatzes und habe mit dem Ereig- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nis vom 12. April 2009 nichts zu tun. Es sei weiterhin davon auszugehen, dass der Status quo sine überwiegend wahrscheinlich spätestens acht Wochen nach dem Ereignis erreicht gewesen sei. 7.1 Nach der Praxis weicht das Gericht bei Gerichtsgutach ten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, dere n Aufgabe es ist, ihre Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um e inen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliege n, wenn die Gerichtsexpertise wi- dersprüchlich ist. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzli- che Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht a ls triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Solche G ründe sind hier nicht gegeben. Wie oben (vgl. E. 5 hiervor) ausgeführt, ist hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ent- scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um fassend ist, auf allseitigen Untersuchun- gen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgege- ben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zus ammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Die Beurteilung von Prof. E._ ___ vom 3. März 2013 beruht auf einer eingehenden Untersuchung des Versicherten, sie setzt sich m it den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten auseinander und enthält eine üb erzeugende Beurteilung zur umstritte- nen Frage des Zeitpunkts des Status quo sine. Es wird deut lich, dass der Unfall vom 12. April 2009 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer vorü bergehenden Verschlimmerung ge- führt hat und der Status quo sine überwiegend wahrsche inlich am 10. Juni 2009 wieder erreicht gewesen ist. Insgesamt ist die Beurteilung im Gerichtsg utachten sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend und deshalb für die Beurteilung der Unfa llkausalität resp. des Zeitpunkts des Er- reichens des Status quo sine massgebend. 7.2 Daran vermögen die Vorbringen der Parteien nicht s zu ändern. Wenn der Beschwerde- führer einwendet, das Gerichtsgutachten sei insofern w idersprüchlich, als einerseits anerkannt werde, dass der operative Eingriff am rechten Knie auf grund einer unfallbedingten Verschlim- merung des Vorzustandes notwendig geworden sei, anderer seits aber attestiert werde, dass der Status quo sine schon vor dem operativen Eingriff wi eder erreicht gewesen sei, kann ihm nicht gefolgt werden. In seinem Bericht vom 10. Juni 201 3 weist Prof. E.____ zu Recht darauf hin, er habe unmissverständlich darauf hingewiesen, dass er – abweichend von der Einschät- zung von Dr. C.____ – aufgrund der objektiven Umstände eine richtungsgebende Verschlimme- rung nur für möglich, nicht aber für überwiegend wah rscheinlich halte. Soweit die Beschwerde- gegnerin unter Hinweis auf den Bericht von Dr. F.___ _ vom 24. Juni 2013 die Beurteilung im Gerichtsgutachten als nicht stichhaltig erachtet und insbesondere moniert, die Arthroskopie vom 9. Juni 2009 habe diagnostisch nichts zur Erhebung der Unfallfolgen beitragen, sie sei vielmehr zur Festlegung des weiteren Procederes durchgeführt wor den, kann ihr nicht gefolgt werden. Prof. E.____ führte in seiner Stellungnahme vom 10. Ju ni 2013 überzeugend aus, weshalb aus Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gutachterlicher Sicht erst mit dem Arthroskopiebefund übe rwiegend wahrscheinlich erstellt war, dass keine strukturelle Verletzung durch den Unfall vom 1 2. April 2009 verursacht worden war. Davon ist auszugehen. Demnach war die Arthroskopie für d ie Klärung der Kausalitätsfrage un- verzichtbar. Selbst wenn die Abklärung primär andere Zwe cke verfolgte, erweist sich dieser Eingriff für die Beurteilung der Unfallkausalität a ber als erforderlich. Da Dr. F.____ in seinem Bericht vom 24. Juni 2013 keine Aspekte benennt, die im Rahmen der Begutachtung durch Prof. E.____ unerkannt oder ungewürdigt geblieben wä ren, vermag seine Beurteilung die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu stel len. Nach dem Gesagten ist nach dem massgenbenden Gerichtsgutachten von Prof. E.____ da von auszugehen, dass der Unfall vom 12. April 2009 mit überwiegender Wahrscheinlichkei t zu einer vorübergehenden Ver- schlimmerung geführt hat und der Status quo sine überwi egend wahrscheinlich am 10. Juni 2009 erreicht gewesen war. Da die Beschwerdegegnerin d ie Versicherungsleistungen auf die- sen Zeitpunkt eingestellt und die Kosten für den Eingr iff vom 9. Juni 2009 übernommen hat, ist nicht nachvollziehbar, weshalb sie sich dagegen wehrt, da ss die Abklärung vom 9. Juni 2009 als unfallkausal qualifiziert wird. Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 30. August 2010 im Ergebnis nicht zu beanstanden un d die Beschwerde deshalb abzuwei- sen. 8.1 Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung bei Pr of. E.____ in Höhe von insgesamt Fr. 4‘631.85 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt (vgl. BGE 137 V 210, E. 4.4.2 und Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2013, 8C_984/2012). Die vo m Kantonsspital Y.____ nicht er- statteten Kosten für den administrativen Aufwand im Z usammenhang mit der Begutachtung bei Prof. D.____ in der Höhe von Fr. 200.-- gehen zu Lasten der Gerichtskasse. 8.2 Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Angesichts der Tatsache, dass zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückwe isung in Frage gekommen wäre, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung d er Verfahrensfairness entfallen und ein gerichtliches Gutachten angeordnet worden ist (vgl. BGE 137 V 210 ff.), ist der Beschwerde führenden Person - entsprechend der bis zum Entscheid BGE 137 V 210 ff. geltenden Praxis, wonach die Rückweisung der Sache an den Versicherungsträ ger zur weiteren Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfügung grundsätzlich als Obsie gen im Sinne der genannten Be- stimmung galt (vgl. UELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Art. 61 Rz. 99; Urteil des EVG vom 24. Juni 2002, U 262/01, E.4 mit Hinweisen; vgl. a uch ZAK 1987 S. 268 f. E. 5a) - grund- sätzlich auch dann eine volle Parteientschädigung zu Last en der Vorinstanz zuzusprechen, wenn die Beschwerde gestützt auf die Ergebnisse des Gerich tsgutachtens abzuweisen ist. Demnach ist dem Beschwerde führenden Versicherten eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihren Honorarnoten vom 27. April 2011 und 17. September 2013 für das vorliegende Beschwerdever- fahren einen Zeitaufwand von insgesamt 26,576 Stunden und Auslagen von Fr. 1‘102.60 aus- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewiesen, was angesichts der sich stellenden Sachverhalt s- und Rechtsfragen sowie des Ak- tenumfangs nicht zu beanstanden ist. Die Bemühungen im Zusammenhang mit der nicht ver- wertbaren Begutachtung durch Prof. D.____ in der Höhe von Fr. 1‘226.-- (3,916 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen und Fr. 156.-- inkl. 8% Mehr wertsteuer) gehen zu Lasten der Ge- richtskasse. Damit ist dem Beschwerdeführer für das vorlieg ende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7‘129.90 (22,6 6 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 946.60. zuzüglich 7,6% bzw. 8% MwSt.) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen a bgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung bei Pr of. E.____ in der Höhe von insgesamt Fr. 4‘631.85 werden der Allianz Su isse Versiche- rungs-Gesellschaft AG auferlegt. Die vom Kantonsspital Y.____ nicht erstatteten Kosten für den admi- nistrativen Aufwand im Zusammenhang mit der Begutacht ung bei Prof. D.____ in der Höhe von Fr. 200.-- gehen zu Last en der Gerichts- kasse. 4. Die Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG hat dem Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7‘129.90 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen wird dem Beschwerdeführer ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘226.-- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht