Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: RU130052-O/U Mitwirkend: Oberrichter Dr. R. Klopfer, Vorsitzender, Oberrichterin Dr. M. Schaf- fitz und Ersatzoberrichter Dr. S. Mazan sowie Gerichtsschreiber lic. iur. F. Rieke Urteil vom 12. August 2013 in Sachen A._____, Gesuchsteller und Beschwerdeführer vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ betreffend unentgeltliche Rechtspflege Beschwerde gegen ein Urteil des Präsidenten des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 16. Juli 2013 (VO130106-O) - 2 - Erwägungen: 1. a) Der Gesuchsteller beabsichtigte, gegen seine ehemalige Lehr- meisterin eine arbeitsrechtliche Forderungsklage über rund Fr. 58'000. -- für Schadenersatz nebst Strafzahlung von rund Fr. 5'000. -- wegen fristloser Aufl ö- sung des Lehrverhältnisses einzureichen. Mit Urteil des Obergerichtspräsidenten vom 17. Oktober 2011 wurde dem Gesuchsteller die unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren gewährt (Urk. 3/4), mit Urteil der Kammer vom 18. Mai 2012 auch ein unentgeltlicher Rechtsvertreter (Urk. 3/7). An der Schlic h- tungsverhandlung vom 13. September 2012 wurde kein Vergleich erzielt und dem Gesuchsteller die Klagebewilligung ausgestellt (Urk. 3/11). Am 12./13. Dezember 2012 wurde zwischen dem Gesuchsteller und der beklagten Partei ein ausserge- richtlicher Vergleich geschlossen (Urk. 3/15 -16). Am 13. Dezember 2012 reichte der Gesuchsteller beim Arbeitsgericht Zürich eine "Klage mit Gesuch um Geneh- migung des Vergleiches und unentgeltlicher Rechtspflege" ein (Urk. 3/12). Mit Verfügung vom 18. Januar 2013 trat das Arbeitsgericht Zürich auf die Klage nicht ein (Urk. 3/13). Dieser Entscheid wurde mit Urteil der Kammer vom 16. Juli 2013 bestätigt (Urk. 3/2). Darin wurde u.a. erwogen, dass die Anfechtung der Nichtbe- willigung des Armenrechtsgesuchs verspätet sei; entsprechend wurde auf den diesbezüglichen Rechtsmittelantrag nicht eingetreten (Urk. 3/2 S. 5 f.). Sodann wurde der Kläger darauf hingewiesen, dass für die Erlangung der unentgeltlichen Rechtspflege nach einem Sc hlichtungsverfahren, aber vor Rechtshängigkeit an einem Gericht ebenfalls der Obergerichtspräsident zuständig wäre (Urk. 3/2 S. 7). b) Am 2. Juli 2013 stellte der Gesuchsteller beim Obergerichtspräsidenten (Vorinstanz) das Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2): "1. Dem Kläger sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (kein Kostenvorschuss, keine Auferlegung von Gerichtskosten und Beige- bung von Dr. X._____, Rechtsanwalt, … [Adresse], als unentgeltlicher Rechtsvertreter); 2. Die Staatskasse sei anzuweisen, den Rechnungsbetrag von Fr. 30'449.70 Herrn Dr. X._____ auf dessen Konto bei der B._____ AG, … [Ort] , IBAN: …, zu überweisen; unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, eventualiter zu Lasten der Staatskasse." - 3 - c) Mit Urteil vom 16. Juli 2013 entschied die Vorinstanz (Urk. 4 = Urk. 7): 1. Das Gesuch um rückwirkende Bestellung eines unentgeltlichen Rechts- beistandes zur Prozessvorbereitung wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 118 Abs. 1 lit. a und b ZPO für das vorliegende Verfahren wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben. 3. Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes im Sinne von Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO für das vorliegende Verfahren wird abgewiesen. 4. Dieses obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 5. [Schriftliche Mitteilung] 6. [Rechtsmittelbelehrung: Beschwerde, Frist 10 Tage, ohne Stillstand] d) Hiergegen hat der Gesuchsteller am 25. Juli 2013 fristgerecht (Urk. 5) Beschwerde erhoben und stellt die Beschwerdeanträge (Urk. 6 S. 2): "1. Das Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 16. Juli 2013 (VO130106) sei in Bezug auf Ziff. 1 bis 3 des Dispositives aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu g e- währen (kein Kostenvorschuss, keine Auferlegung von Gerichtskosten und Beigebung von Dr. X._____, Rechtsanwalt, … [Adresse], als un- entgeltlicher Rechtsvertreter); 2. Für das vorliegende Beschwerdeverfahren sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähr en (kein Kostenvorschuss, keine Auferlegung von Gerichtskosten und Beigebung von Dr. X._____, Rechtsanwalt, … [Adresse], als unentgeltlicher Rechtsvertreter); 3. Die Staatskasse sei anzuweisen, den Rechnungsbetrag von Fr. 30'449.70 Herrn Dr. X._____ auf dessen Konto bei der B._____ AG, … [Ort] , IBAN: …, zu überweisen; unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, eventualiter zu Lasten der Staatskasse." c) Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. Mangels einer Gegen- partei kann auf die Einholung einer Beschwerdeantwort verzichtet werden (Art. 322 Abs. 1 ZPO). 2. a) Die Vorinstanz erwog, aufgrund der Rechtsbegehren sei unklar, für welche Verfahren oder Verfahrensabschnitte bzw. für welche (vorprozessua- len) Zeitperioden der Gesuchsteller um die une ntgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ersuche. Aufgrund des beantragten Betrages und der Leis- tungsaufstellung des Rechtsvertreters sei davon auszugehen, dass ein unentgel t-- 4 - licher Rechtsbeistand rückwirkend ab 30. April 2010 und auch für das vorl iegende [vorinstanzliche] Verfahren beantragt werde. Nur in Ausnahmefällen könne die unentgeltliche Rechtspflege rückwirkend erteilt werden, wobei von dieser Mög- lichkeit nur restriktiv Gebrauch zu machen sei. Der Gesuchsteller habe es unter- lassen darzulegen, weshalb ihm ein unentgeltlicher Rechtsbeistand rückwirkend zu bestellen sei, namentlich, weshalb ein Ausnahmefall vorliege. Es seien denn auch keine Gründe ersichtlich, warum es ihm nicht möglich bzw. zumutbar gew e- sen sein sollte, bereits unmittelbar nach der Mandatierung seines Rechtsvertr e- ters bzw. vor der Aufnahme von aussergerichtlichen Vergleichsgesprächen ein entsprechendes Gesuch einzureichen. Folglich sei das Gesuch um rückwirkende Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes abzuweisen (Ur k. 7 S. 3 -5). Ergänzend sei darauf hinzuweisen, dass der Gesuchsteller die gesamte Honorar- forderung seines Rechtsvertreters geltend machen wolle, obwohl die Leistungsab- rechnung Positionen im Zusammenhang mit Verfahren enthalte, für welche ihm die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt wurde und er bereits eine Ent- schädigung erhalten habe (Urk. 7 S. 5 f.). Hinsichtlich des Armenrechtsgesuchs für das vorinstanzliche Verfahren erwog die Vorinstanz, zufolge der Kostenlosi g- keit des Verfahrens erweise sich das Armenrechtsgesuch diesbezüglich als ge- genstandslos. Im Übrigen habe der Gesuchsteller seine Mitwirkungspflicht ver- letzt, indem er es unterlassen habe, Ausführungen zur Bedürftigkeit, zur fehlen- den Aussichtslosigkeit und zur Notwendigkeit eines Rechtsbeistandes zu machen. Zudem sei das vorliegende Gesuch als aussichtslos zu qualifizieren (Urk. 7 S. 6). b) Mit der Beschwerde können unrichtige Rechtsanwendung und offen- sichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Im Beschwerdeverfahren gilt das Rügeprinzip, d.h. die Beschwer- de führende Partei hat im Einzelnen darzulegen, an welchen Mängeln (unrichtige Rechtsanwendung, offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts) der angefochtene Entscheid ihrer Ansicht nach leidet (Sutter -Somm/Hasenböhler/ Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2.A. 2013, N 15 zu Art. 321 ZPO; Sterchi, BE -Kommentar, N 17 ff. zu Art. 321 ZPO). Was nicht gerügt wird, hat grundsätzlich Bestand. Neue Anträge, neue Tats a-- 5 - chenbehauptungen und neue Beweismittel sind im Beschwerdeverfahren ausge- schlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). c) Der Gesuchsteller macht in seiner Beschwerde Ausführungen zur Mi t- tellosigkeit, zur fehlenden Aussichtslosigkeit und zur Notwendigkeit ein es Rechts- beistandes. Sodann macht er Ausführungen zur Zusammensetzung der Honorar- rechnungen seines Rechtsvertreters und macht geltend, diese würden keine Posi- tionen enthalten, für welche jener bereits entschädigt worden sei (Urk. 6 S. 4-11). Zur rückwirkenden Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und - ver- beiständung macht d er Gesuchsteller geltend, er habe diese nicht rückwirkend beantragen lassen. Im Schlichtungsverfahren sei kein Vergleich erzielt und die Klagebewilligung ausgestellt worden, weshalb er davon ausgegangen sei, dass eine Klage eingereicht werden müsse. Er sei daher davon ausgegangen, dass er mit Einreichung der Klage beim Arbeitsgericht das Armenrechtsgesuch neu zu stellen habe. Jedoch habe sich die beklagte Partei dann doch v ergleichsbereit gezeigt und am 12./13. Dezember 2012 habe ein Vergleich geschlossen werden können. Daher habe er am 13. Dezember 2012 beim Arbeitsgericht Klage und Gesuch um Genehmigung des Vergleichs und unentgeltliche Rechtspflege einge- reicht. Das Arbeit sgericht sei mit Verfügung vom 18. Januar 2013 auf die Klage nicht eingetreten und das Obergericht habe dies mit Entscheid vom 19. März 2013 bestätigt und dabei erwogen, dass das Armenrechtsgesuch beim Oberge- richtspräsidenten zu stellen sei. Das Armenrecht sei somit nicht rückwirkend be- antragt worden, sondern bereits am 13. Dezember 2012 beim Arbeitsgericht (Urk. 6 S. 12 f.). d) Es trifft zu, dass der Gesuchsteller bereits am 13. Dezember 2012 beim Arbeitsgericht Zürich eine Klage mit dem Begehren auf Genehmigung des am 12./13. Dezember 2012 abgeschlossenen aussergerichtlichen Vergleichs ei n- gereicht und damit verbunden ein Armenrechtsgesuch gestellt hatte (Urk. 3/12). Das Arbeitsgericht Zürich ist auf diese Klage aber mit Verfügung vom 18. Januar 2013 nicht eingetreten und hat das Armenrechtsgesuch nicht anhand genommen (Urk. 3/13). Auf das vom Gesuchsteller gegen die Verweigerung des Armenrechts eingereichte Rechtsmittel wurde mit Beschluss der Kammer vom 19. März 2013 - 6 - wegen Verspätung nicht eingetreten (Urk . 3/2 S. 6). Dabei erwog die Kammer auch, bei rechtzeitiger Einreichung wäre die Nichtbewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege zu bestätigen gewesen, sowohl wegen Verletzung der Mitwirkungs- pflicht, als auch wegen Aussichtslosigkeit des Klagebegehrens ( Urk. 3/2 S. 6). Bloss ergänzend wurde der Gesuchsteller darauf hingewiesen, dass für die E r- langung des Armenrechts nach einem Schlichtungsverfahren, aber vor einer Rechtshängigkeit der Obergerichtspräsident zuständig wäre (Urk. 3/2 S. 7). Der Beschluss der Kammer vom 19. März 2013 ist rechtskräftig, womit auch das A r- menrechtsgesuch des Gesuchstellers vom 13. Dezember 2012 rechtskräftig erl e- digt ist und nicht wieder für denselben Zeitraum eingebracht werden kann. Das Gesuch an den Obergerichtspräsidenten vom 2. Juli 2013 ist daher als neues Ge- such anzusehen. Selbst wenn man annehmen wollte, dass die Kammer die Nichtanhandna h- me des Armenrechtsgesuchs ( auch) wegen mangelnder Zuständigkeit bestätigt hätte (was nicht der Fall ist; vgl. oben), hätte der Gesuchsteller sein Armenrecht s- gesuch binnen eines Monats beim Obergerichtspräsidenten als zuständiger I n- stanz einreichen müssen, damit noch das Datum der ersten Einreichung (13. D e- zember 2012) als massgebliches Einreichungsdatum angesehen hätte werden können (Art. 63 Abs. 1 ZPO). Der Beschluss der Kammer vom 19. März 2013 wurde dem Gesuchsteller am 22. März 203 zugestellt. Das beim Obergerichtsprä- sidenten eingereichte Armenrechtsgesuch vom 2. Juli 2013 wäre daher auch diesfalls als neues Gesuch anzusehen. e) Die vorinstanzlichen Erwägungen, dass die unentgeltliche Rechtspfl e- ge nur in Ausnahmefällen rückwirkend erteilt werden könne, wobei von dieser Möglichkeit nur restriktiv Gebrauch zu machen sei, und dass der Gesuchsteller nicht dargelegt habe, weshalb ihm ein unentgeltlicher Rechtsbeistand rückwirkend zu bestellen sei, und namentlich nicht, weshalb ein Ausnahmefall vorliege, sind in der Beschwerde nicht gerügt worden. Damit bleibt es bei diesen. f) Damit erweist sich auch die Abweisung des Ar menrechtsgesuchs für das vorinstanzliche Verfahren wegen Aussichtslosigkeit – was ohnehin nicht spe- zifisch gerügt wurde – als korrekt. - 7 - g) Nach dem Gesagten ist die Beschwerde des Gesuchstellers vollu m- fänglich als unbegründet abzuweisen. 3. a) Im Verfahren um die unentgeltliche Rechtspflege werden grun d- sätzlich keine Kosten erhoben (Art. 119 Abs. 6 ZPO). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt dies allerdings nur für das Gesuchsverfahren, nicht jedoch für ein Beschwerdeverfahren darüber (BGE 137 III 470). Das Armenrechtsgesuch wurde allerdings im Zusammenhang mit einer arbeitsrechtlichen Streitigkeit ge- stellt, welche mit einem aussergerichtlichen Vergleich mit einer Vergleichssumme von Fr. 11'000. -- beendet wurde (Urk. 3/16). Das Beschwerdeverfahren ist daher kostenlos (Art. 114 lit. c ZPO). b) Der Gesuchsteller hat auch für das Beschwerdeverfahren ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung gestellt (Urk. 6 S. 2 und S. 15). Dieses ist jedoch zufolge Aussichtslosigkeit der Beschwer de (vgl. vor- stehende Erwägungen) abzuweisen (Art. 117 lit. b ZPO). c) Für das Beschwerdeverfahren hat der Gesuchsteller zufolge seines Unterliegens keinen Anspruch auf eine Entschädigung (Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 95 Abs. 1 lit. b ZPO). Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren wird abgewiesen. 3. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos. 4. Für das Beschwerdeverfahren werden k eine Parteientschädigungen zuge- sprochen. 5. Schriftliche Mitteilung an den Gesuchsteller sowie an den Obergerichtspr ä- sidenten, je gegen Empfangsschein. - 8 - Die vorinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmi t- telfrist an die Vorinstanz zurück. 6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen B e- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbesc hwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine arbeit s- rechtliche Angelegenheit. Der Streitwert beträgt Fr. 30'449.70. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG. Zürich, 12. August 2013 Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Der Gerichtsschreiber: lic. iur. F. Rieke versandt am: mc