Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Mai 2021 (725 20 455 / 144) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallkausalität der Kniebeschwerden bejaht Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Nikolaus Tamm, Advo- kat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen Elips Versicherungen AG , Gewerbeweg 15, 9490 Vaduz, Be- schwerdegegnerin, vertreten durch Reto Bachmann, Rechtsanwalt, LISCHER ZEMP & PARTNER, Schwanenplatz 4, 6004 Luzern Betreff Leistungen A. Die 1963 geborene A.____ war vom 30. August 1993 bis 30. November 2019 im Alters- zentrum B.____ in X.____ als Mitarbeiterin Hauswirtscha ft mit einem 60 %-Pensum angestellt und bei der Elips Versicherungen AG (nachfolgend: Elips) für die Folgen von Berufs- und Nicht- berufsunfällen versichert. Am 24. November 2019 machte si e beim Spazieren einen Fehltritt und verspürte sofort Schmerzen im Bereich des linken Kni es. Die erstbehandelnden Ärztinnen des Kantonsspitals C.____ diagnostizierten einen Verdacht auf eine Kniebinnenläsion links bei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fehltritt (Austrittsbericht vom 24. November 2019). In folge andauernder Knieschmerzen wurde am 29. November 2019 ein MRI und am 12. Dezember 20 19 eine diagnostisch-therapeutische Kniegelenksarthroskopie mit transossärer Auszugsnaht durchg eführt. Nach Rücksprache mit dem beratenden Arzt verneinte die Elips mit Verfügung vom 6. Februar 2020 ihre Leistungs- pflicht, mit der Begründung, es liege überwiegend wah rscheinlich kein Kausalzusammenhang zwischen den Kniebeschwerden und dem Unfall vor. Der Gesu ndheitszustand werde nur durch degenerative Faktoren beeinflusst. Die hiergegen erho bene Einsprache hiess sie in dem Sinne teilweise gut, als sie A.____ bis 29. November 2019 (Da tum MRI-Abklärung) Heilkosten- und Taggeldleistungen zusprach (Einspracheentscheid vom 23. Oktober 2020). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat N ikolaus Tamm, am 25. November 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Abänderung des angefochtenen Einsp racheentscheids sei die Beschwerde- gegnerin zu verurteilen, die Leistungen über den 29. N ovember 2019 hinaus zu erbringen. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen; unte r o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der angefochtene E ntscheid auf unzureichenden medizi- nischen Unterlagen beruhe. C. Mit Vernehmlassung vom 6. Januar 2021 schloss die E lips, vertreten durch Rechtsan- walt Reto Bachmann, auf Abweisung der Beschwerde. D. Am 26. Januar 2021 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht von Prof. Dr. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe gungsapparates, und Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologi e des Bewegungsapparates, Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Kantonsspital C.____, vom 18. De- zember 2020 zu den Akten. E. In ihrer Stellungnahme vom 4. März 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin, in teil- weiser Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids sei sie zu verurteilen, über den 29. November 2019 hinaus die Heilkosten bis zum Abschluss d er postoperativen Rehabilitation zu übernehmen. Bei der Verlegung der Parteikosten sei das Verhalten der Parteien angemes- sen zu berücksichtigen. F. Hierzu nahm die Beschwerdeführerin am 9. März 2021 Stellung, wobei sie festhielt, dass die Beschwerdegegnerin in Anbetracht der zugestandenen S ach- und Rechtslage verpflichtet sei, sämtliche vorübergehende Leistungen zu übernehmen. Der beschwerdegegnerische An- trag hinsichtlich der Kostenverlegung sei abzuweisen. G. Mit Instruktionsverfügung vom 12. März 2021 wurde die Angelegenheit der Dreierkam- mer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Y.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes üb er die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 25. November 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Leistungsanspruch der Beschwerdeführ erin. Massgebend ist der Sach- verhalt, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen Ein spracheentscheids vom 23. Oktober 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeits- unfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilwei ser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge sundheitszustands der versicher- ten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali- denversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 3.2 Der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheitssch aden nur insoweit, als dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (vgl. BGE 129 V 177, E. 3). Dabei spielt die Adäqua nz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate mit der natürlichen Kausalität deckt (vgl. BGE 134 V 109, E. 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifestiert bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit de r erforderlichen Wahrscheinlichkeit nach- gewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversich erers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschade ns darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen ber uht. Dies trifft dann zu, wenn ent- weder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmit telbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie e r sich nach dem schicksalsmässigen Ver- lauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall frü her oder später eingestellt hätte (Sta- tus quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 32 6 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende nat ürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbed ingten Ursachen eines Gesundheits- schadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblic hen Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächli cher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebe nde Tatfrage handelt, liegt die Be- weislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegr ündender natürlicher Kausalzusam- menhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 4 5 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Beweis des Wegfalls d es Kausalzusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werd en. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen , dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder die versicherte Person nun bei voll er Gesundheit ist. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts v om 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbe sondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hin- weisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärztinnen und Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hi nblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtungsauf- trag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten u nd Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu st ellen und zum Anlass weiterer Abklä- rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärzt innen zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in de nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benenn en, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Zur Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit sin d im Wesentlichen folgende ärztliche Unterlagen von Bedeutung: 6.2 Im Bericht des Instituts für Radiologie und Nuklearm edizin, Kantonsspital C.____, vom 29. November 2019 wurde festgehalten, dass das MRT de s linken Knies einen radiären Menis- kusriss nahe der dorsalen tibialen Anheftung des Innenm eniskus, randständige Verquellungen und mukoide Veränderungen zeige. Der laterale Meniskus sei intakt. Es bestünde eine retropa- tellare Arthrose mit Chondropathie bis Grad III an d er Trochlea, sonst bis Grad II. Eine post- traumatische osteochondrale Läsion und ein Bone-Bruise s eien nicht ersichtlich. Festzustellen sei aber ein schmaler suprapatellarer Gelenkerguss. Die Bänder seien intakt. 6.3 Am 3. Dezember 2019 diagnostizierten Dr. E.____ u nd der Assistenzarzt Dr. med. F.____, Klinik für Orthopädie und Traumato logie des Bewegungsapparates, Kan- tonsspital C.____, eine Wurzelläsion am Meniskushinterho rn medial links nach einem Fehltritt am 24. November 2019. Die Beschwerdeführerin zeige entsprechende Beschwerden und einen signifikanten Leidensdruck. Bei der Wurzelläsion mit manif ester Meniskusextrusion sei ein ope- rativer Eingriff angezeigt. 6.4 Im Operationsbericht vom 17. Dezember 2019 diagno stizierten die Dres. D.____ und E.____ eine Wurzelläsion am medialen Meniskushinterhorn links nach einem Fehltritt am 24. November 2019. Intraoperativ habe sich ein intakte r Aussenmeniskus ohne Rissbildung gezeigt. Tibial seien die Knorpelverhältnisse grossfläc hig erstgradig degenerativ verändert. Femoral bestünden keine höhergradigen Degeneratione n. Im medialen Kompartiment würden sich im Vorderhorn und Korpusbereich des Meniskus keine Sc häden zeigen. Im Bereich des Hinterhorns bestünde ein kompletter Riss wurzelnah radiär mit basisnaher teils frischer Kompo- nente. Femoral und tibial bestünden grossflächig erst- bis zweitgradige Degenerationen. 6.5 Am 3. Februar 2020 hielt der beratende Arzt Dr. med. Peter G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, fest, dass sich am Unfalltag nur ein le ichter Erguss gezeigt und die konventio- nelle Röntgenuntersuchung keine frischen akut-traumati schen Schädigungen bestätigt habe. Intraoperativ seien nur degenerative Befunde festges tellt worden. Der operative Eingriff habe auf die Behandlung des bereits kernspintomographisch gesicherten degenerativen Vorzustands abgezielt. So zeige die Bildgebung keine akut-traumat ische Schädigungen. Eine traumatische osteochondrale Läsion und ein Knochenkontusionsödem (Bone- Bruise) sowie eine Schädigung der Bandstrukturen seien explizit ausgeschlossen worden. Die MRI-Untersuchung belege, dass lediglich abnützungsbedingte Befunde vorgelegen hätte n. Das Ereignis habe nicht zu einer ge- waltsamen Blockierung geführt und der Fehltritt sei nic ht geeignet, eine Läsion des Menis- kushinterhorns zu verursachen. Das Unfallereignis könne som it lediglich als Zufalls- oder Gele- genheitsursache im Sinne einer zufälligen Manifestierung von Beschwerden betrachtet werden. Er empfahl, die Behandlungen und Untersuchungen im R ahmen der Abklärungspflicht bis zum 29. November 2019 (Datum MRI) zu übernehmen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Am 18. Dezember 2020 nahmen die Dres. D.____ und E.____ zur Beurteilung von Dr. G.____ vom 3. Februar 2020 Stellung. Sie hielte n fest, dass bei der Versicherten zweifellos eine Degeneration der Knorpelbeläge femorotibial und patellofemoral vorliegen würde. Auch der mediale Meniskus zeige gewisse degenerative Veränderunge n. Bei der Verletzung handle es sich nicht um eine typische degenerative Horizontalläsion des Meniskushinterhorns. Sie sei auch nicht begrenzt auf die weiss-weisse oder die rot-we isse Zone. Es bestünde vielmehr ein wurzelnaher Radiärriss, welcher funktionell einer totalen Meniskektomie gleichkomme. Das Un- fallereignis sei durchaus geeignet, einen Meniskushinterh ornriss zu verursachen. Eine gewalt- same Blockierung sei nicht Voraussetzung für eine traumat ische Meniskushinterhornläsion. In der Arthroskopie sei im Bereich der Risszone ein basisnahes Blutkoagel dokumentiert. Daher sei der Fehltritt durchaus als Ursache für den Meniskusri ss zu sehen. Dieser könne auch ohne Bone-Bruise und ohne eine zusätzliche frischwirkende osteochondrale Läsion im MRI auftreten. Begünstigt worden sei das Akutereignis wahrscheinlich dur ch eine gewisse vorbestehende Schwächung des Meniskusgewebes, was aufgrund des Alters de r Versicherten durchaus mög- lich sei. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 23. Oktober 2020 bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage vollumfänglich auf die Akten- beurteilung des beratenden Arztes Dr. G.____ vom 3. F ebruar 2020. Sie ging demzufolge da- von aus, dass die Befunde mit überwiegender Wahrscheinlic hkeit nicht unfallkausaler, sondern degenerativer Natur seien. Aufgrund der am 29. November 2019 erfolgten bildgebenden Befun- de sei höchstens von einer vorübergehenden Verschlimmerung auszugehen, weshalb die Ver- sicherungsleistungen per 29. November 2019 zu terminiere n seien. Wie oben (vgl. E. 4.3 hier- vor) ausgeführt, sind an die Beweiswürdigung strenge An forderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall – wie hier – ohne Einholung eines extern en Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkei t und Schlüssigkeit der versicherungs- internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Solche Zweifel an der Schlüssigkeit der Beurteilung des berat enden Arztes Dr. G.____ vom 3. Februar 2020 ergeben sich bereits aus dem Sprechstundenbericht vom 3. Dezember 2019 (vgl. E. 6.3 hiervor) und dem Operationsbericht vom 17. Dezember 201 9 (vgl. E. 6.4 hiervor), in welchen von Seite der behandelnden Ärzte der Fehltritt am 24. November 2019 durchwegs als ursäch- lich für die Schädigung am Meniskushinterhorn erachtet wurde. Demgegenüber stellte sich Dr. G.____ auf den Standpunkt, dass sich bildgebend und intraoperativ lediglich degenerative Befunde gezeigt hätten und der Fehltritt nicht geei gnet gewesen sei, eine Läsion des Menis- kushinterhorns zu verursachen. Damit steht seine Beurteil ung im Widerspruch zu derjenigen der behandelnden Ärzte. Bei dieser sich widersprechende n medizinischen Aktenlage gelingt es der Beschwerdegegnerin nicht, zweifelsfrei nachzuweisen, dass die Kniebeschwerden überwie- gend wahrscheinlich degenerativ bedingt sind. Vielmehr wecken die Feststellungen der behan- delnden resp. operierenden Fachärzte vom 3. und 17. D ezember 2019 mehr als nur geringe Zweifel an der versicherungsinternen Aktenbeurteilung de s Allgemeinmediziners Dr. G.____ vom 3. Februar 2020. Bei dieser Sachlage hätte die Be schwerdegegnerin im Rahmen der ihr obliegenden Untersuchungspflicht (Art. 43 ATSG) zur Kl ärung der medizinischen Sachlage er- gänzende Abklärungen durchzuführen müssen, was sie aber un terliess. Der angefochtene Ein- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht spracheentscheid vom 23. Oktober 2020 beruht demnach auf unzureichenden medizinischen Abklärungen und ist aus diesem Grund aufzuheben. 7.2 In ihrer Stellungnahme vom 4. März 2021 anerkannte die Beschwerdegegnerin gestützt auf die in diesem Verfahren eingereichte Stellungnah me der Dres. D.____ und E.____ vom 18. Dezember 2020 die Unfallkausalität der Kniebeschwe rden und bejahte über den 29. November 2019 hinaus ihre Leistungspflicht für die Kosten der Heilbehandlung. Dem ist beizupflichten, zumal ein intraoperativ visuell sichtbar er, zweifelsfreier und schriftlich beurkun- deter Operationsbefund als hochwertiger Beleg für eine ereignisbedingte Schädigung zu werten ist und überdies bereits eine Teilkausalität des Ereigniss es vom 24. November 2019 die Leis- tungspflicht der Beschwerdegegnerin begründet. Der ne uste Bericht der behandelnden Ärzte steht mit ihren bei den Akten liegenden Berichten vom 2 9. November 2019, 3. und 17. Dezem- ber 2019 im Einklang und ist unbestritten eine zuverlässig e Entscheidgrundlage. In Anbetracht dieser Sach- und Rechtslage ist die Beschwerdegegnerin ve rpflichtet, über den 29. November 2019 hinaus nicht nur die Heilbehandlung zu übernehmen, sondern sämtliche vorübergehenden Leistungen auszurichten. Sie wird daher auch über den Taggeldanspruch der Beschwerdefüh- rerin neu zu befinden haben. 8. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts nicht auf die Beurteilung von Dr. G.___ _ vom 3. Februar 2020 abgestellt werden kann. Vielmehr ist aufgrund der Beurteilungen der beh andelnden Ärzte vom 3. und 17. Dezem- ber 2019 sowie vom 18. Dezember 2020 davon auszugehen, d ass die Kniebeschwerden der Versicherten überwiegend wahrscheinlich auf das Unfalle reignis vom 24. November 2019 zu- rückzuführen sind, was die Beschwerdegegnerin zu Recht anerkannte. Demnach ist in Gutheis- sung der Beschwerde vom 25. November 2020 der angefoch tene Einspracheentscheid vom 23. Oktober 2020 aufzuheben und die Beschwerdegegneri n zu verpflichten, der Beschwerde- führerin die gesetzlichen Leistungen über den 29. November 2019 hinaus auszurichten. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 , hier massgebenden Fassung hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsge richt festgesetzt und ohne Rück- sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Nachdem die Beschwerde gutzuheissen ist, steht der Beschwerdeführe- rin eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdege gnerin zu. In ihrer Stellungnahme vom 4. März 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin, das Kantonsgericht habe bei der Verle- gung der Parteientschädigung zu berücksichtigen, dass das v orliegende Verfahren hätte ver- hindert werden können, hätte die Beschwerdeführerin die Stellungnahme der Dres. D.____ und E.____ zur versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 3. F ebruar 2020 bereits im Ein- spracheverfahren beigebracht. Dem ist entgegenzuhalten, dass sich Dr. G.____ in seinem Be- richt vom 3. Februar 2020 mit den abweichenden Beurte ilungen der behandelnden Ärzte vom 3. und 17. Dezember 2019 nur oberflächlich auseinander setzte und die Widersprüche betref- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fend die Unfallkausalität der Beschwerden nicht aufzulö sen vermochte. Dies hätte die Be- schwerdegegnerin aufgrund der ihr obliegenden Untersu chungspflicht verpflichtet, ergänzende Abklärungen durchzuführen. Indem sie davon absah, verlet zte sie den Untersuchungsgrund- satz. Vor diesem Hintergrund vermag die Beschwerdegegnerin aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin die behandelnden Ärzte erst am 25. November 2020 um eine Stellung- nahme zur bereits am 3. Februar 2020 erstellten versich erungsmedizinischen Beurteilung er- suchte, nichts zu ihren Gunsten ableiten. Ihrem Antrag, das Verhalten der Parteien sei im Rah- men der Parteikostenverlegung angemessen zu berücksichtigen, kann daher nicht entsprochen werden. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ha t in seiner Honorarnote vom 26. März 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 12 Stunden und 55 Minu- ten geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stelle nden Sachverhalts- und Rechtsfragen gerade noch angemessen ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung ge langenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifor dnung für die Anwältinnen und Anwälte [Tarifordnung] vom 17. November 2003). Nicht zu beanst anden sind sodann die in der Hono- rarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 45.--. Der Besc hwerdeführerin ist deshalb eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'526.30 (12,91 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 45.-- + 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 23. Oktober 2020 aufgehoben und die Beschwerdegegneri n verpflich- tet, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen ü ber den 29. November 2019 hinaus auszurichten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3'526.30 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht