200 15 143 UV FUR/IMD/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 10. Dezember 2015 Verwaltungsrichterin Fuhrer, Kammerpräsidentin Verwaltungsrichter Schwegler Gerichtsschreiber Imhasly A.________ vertreten durch Fürsprecher B.________ Beschwerdeführerin gegen SUVA Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 5. Januar 2015 (E 3100/14) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1964 geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwer- deführerin) war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nach- folgend SUVA bzw. Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert, als sie am 2. Februar 2009 zweimal nacheinander mit ihrem Bürostuhl um- kippte und auf den Boden stürzte (Akten der SUVA, Antwortbeilage [AB] 1, 16). Der Hausarzt der Versicherten diagnostizierte im Bericht vom 30. Juli 2009 eine Schulterkontusion rechts mit ausgeprägter Impingementsym- ptomatik, eine Ellbogenkontusion rechts mit persistierenden Schmerzen im Bereich des Epikondylus humeri ulnaris rechts, eine Handgelenksdistorsion rechts sowie einen persistierenden posttraumatischen aufgabenspezifi- schen Tremor rechts (AB 12 S. 3). Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen, holte diverse medizini- sche Unterlagen ein und liess die Versicherte dreimalig kreisärztlich unter- suchen (AB 22, 58, 78). Am 16. November 2010 verfügte die SUVA den Fallabschluss und die Einstellung der Versicherungsleistungen per 1. De- zember 2010 (AB 87). Eine hiergegen erhobene Einsprache (90, 102, 107, 113) hiess sie mit Entscheid vom 16. Dezember 2011 (AB 125) insofern teilweise gut, als die im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 2. Fe- bruar 2009 geltend gemachten Behandlungskosten noch bis zum 31. De- zember 2011 von der SUVA zu übernehmen seien. Mit Urteil vom 20. März 2013, UV/12/81, hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern die gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde (AB 137) teilweise gut (AB 185). Es wies die Sache an die SUVA zurück, damit diese den Gesundheitszustand der Versicherten gutachterlich klären lasse.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 3 B. Die SUVA veranlasste in der Folge eine orthopädische und eine handchir- urgische Begutachtung bei Dr. med. C.________, Facharzt für Handchirur- gie und Chirurgie FMH, und Dr. med. D.________, Facharzt für Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie FMH (Gutachten vom 9. Mai 2014 [AB 213] und 12. März 2014 [AB 214]). In der gestützt auf diese Gutachten am 17. September 2014 erlassenen Verfügung hielt die SUVA fest, seit dem 1. Dezember 2010 bestehe sowohl im angestammten wie auch in einem anderen Beruf eine volle Arbeitsfähigkeit. Der Zustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden habe (Status quo ante), sei spätestens am 31. Dezember 2011 wieder erreicht gewesen. Bei dieser Sach- und Rechts- lage werde der Fall, was die Unfallfolgen anbelange, per 31. Dezember 2011 abgeschlossen und der Anspruch auf weitere Versicherungsleistun- gen abgewiesen (AB 222). Mit Einspracheentscheid vom 5. Januar 2015 (AB 228) bestätigte die SUVA diese Verfügung und wies eine dagegen erhobene Einsprache (AB 223) ab. C. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 11. Februar 2015 Beschwerde mit dem An- trag, der Einspracheentscheid vom 5. Januar 2015 sei aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die SUVA zurückzuweisen. Mit Beschwerdeantwort vom 14. April 2015 beantragt die Beschwerdegeg- nerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 7. Juli 2015 bzw. Duplik vom 2. September 2015 halten die Parteien an den bisherigen Rechtsbegehren fest. Die Beschwerdeführerin ersucht mit Eingabe vom 11. September 2015 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 4 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist der Einspracheentscheid vom 5. Januar 2015 (AB 228). Streitig ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Unfallversicherung. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier- besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 5 2. 2.1Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi- cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 [UVG; SR 832.20]). Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein- wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi- schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 2.2Der Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversiche- rung setzt nebst anderem einen natürlichen und adäquaten Kausalzusam- menhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181; SVR 2012 UV Nr. 2 S. 6 E. 3.1). 2.2.1Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne die der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht als zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja- hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele („conditio sine qua non“; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 119 V 335 E. 1 S. 337; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). 2.2.2Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ur- sache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt die- ses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181, 125 V 456 E. 5a S. 461; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 122 E. 5.2). Bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen deckt sich die adäquate Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausa-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 6 lität; die Adäquanz hat hier praktisch keine selbstständige Bedeutung (BGE 140 V 356 E. 3.2 S. 358). 2.3Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Der Anspruch auf ein Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person (Art. 16 Abs. 2 UVG). Die Unfallversicherung erbringt die ganze Leistung, wenn die Arbeitsunfähigkeit einer arbeitslosen versicherten Person mehr als 50 % beträgt, und die halbe Leistung, wenn die Arbeitsunfähigkeit mehr als 25, aber höchstens 50 % beträgt. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 25 % und weniger besteht kein Taggeldanspruch (Art. 25 Abs. 3 der Verordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember 1982 [UVV; SR 832.202]). 2.4Gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG sowie gemäss konstanter Recht- sprechung hat der Versicherer – sofern allfällige Eingliederungsmassnah- men der Invalidenversicherung abgeschlossen sind – die Heilbehandlung (und das Taggeld) nur solange zu gewähren, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszu- standes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (BGE 140 V 130 E. 2.2 S. 132, 137 V 199 E. 2.1 S. 201). Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes der ver- sicherten Person zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet ist, wird sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Dabei ver- deutlicht die Verwendung des Begriffes „namhaft“ durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Ge- wicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3 S. 115). Die Frage einer zu erwartenden gesundheitlichen Verbesserung ist nur prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Fest- stellungen zu beurteilen (SVR 2010 UV Nr. 3 S. 14 E. 8.2).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 7 2.5Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Bundesrat regelt die Bemessung des Invaliditätsgrades in Sonderfällen. Er kann dabei auch von Art. 16 ATSG abweichen (Art. 18 Abs. 2 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geisti- gen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Be- handlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.6Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entspre- chend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG). 3. 3.1Die Beschwerdegegnerin veranlasste in Nachachtung von VGE UV/12/81 eine orthopädische und eine handchirurgische Begutachtung. Den entsprechenden Expertisen ist das Folgende zu entnehmen: 3.1.1Dr. med. D.________ führte im Gutachten vom 12. März 2014 (AB 214) hinsichtlich der rechten Schulter aus, als einziger pathologischer Befund zeige sich eine AC-Gelenk-Arthrose, welche klinisch nicht schmerzhaft sei. Im Übrigen könnten keinerlei fassbare, strukturelle Verän- derungen nachgewiesen werden. Auch funktionell bestünden keine be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 8 schwerdeverursachenden Probleme. Im Ellbogen rechts bestehe eine deut- liche Schmerzhaftigkeit, Berührungsempfindlichkeit und Druckdolenz über dem ulnaren Epicondylus und den angrenzenden Weichteilen. Korrespon- dierende strukturelle Veränderungen könnten in der Bildgebung nicht nachgewiesen werden. Posttraumatische Schäden, welche durch das Un- fallereignis vom 2. Februar 2009 erklärbar wären, seien seines Erachtens nicht vorhanden. Die aufgeführten Diagnosen (Insertionstendinose am Epi- condylus humeri ulnaris rechts ohne strukturelle Veränderungen; asym- ptomatische AC-Gelenk-Arthrose; linkskonvexe, skoliotische Fehlhaltung der BWS und eingeschränkter scapulothorakaler Rhythmus rechts) würden auf unfallfremde Pathologien zurückgehen. Eine volle Arbeitsfähigkeit in der bisherigen als auch in einer ähnlichen Tätigkeit sei aus somatischer Sicht heute und auch schon per 31. Dezember 2011 zumutbar. Aufgrund des Unfalls vom 2. Februar 2009 sei die Versicherte nicht dauernd in ihrer körperlichen oder geistigen Integrität beeinträchtigt, weswegen eine Inte- gritätsentschädigung nicht notwendig sei. 3.1.2Dr. med. C.________ diagnostizierte im Gutachten vom 9. Mai 2014 (AB 213) aus handchirurgischer Sicht eine leichte Pisotriquetralar- throse rechts, Sattelgelenksschmerzen rechts ohne Nachweis einer Arthro- se sowie einen MRT-Nachweis eines dorsalen Handgelenksganglions rechts, ohne klinische Relevanz. Er hielt fest, anlässlich seiner Untersu- chungen habe er keine schwerwiegende strukturelle Läsion finden können, die als Unfallfolge eingestuft werden könnte. Die Versicherte sei heute, wie auch schon per 31. Dezember 2011 in ihrer Tätigkeit als … zumindest für leichte bis mittelschwere Belastungen zu 100 % arbeitsfähig. Dasselbe gelte auch für andere Berufe mit leichter bis mittelschwerer Belastung. Eine Integritätsentschädigung sei nicht geschuldet, weil aufgrund des Unfalls vom 2. Februar 2009 an der Hand keine Integritätsbeeinträchtigung erfolgt sei. 3.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 9 widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2009 IV Nr. 50 S. 154 E. 4.3). 3.3Die beiden Gutachten vom 12. März 2014 (AB 214) bzw. 9. Mai 2014 (AB 213) erfüllen die von der Rechtsprechung aufgestellten Anforde- rungen an den Beweiswert von ärztlichen Berichten und Gutachten (vgl. E. 3.2 hiervor): Die gestellten Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind nachvollziehbar begründet und leuchten ein. Die Gut- achten wurden in Kenntnis der umfangreichen Vorakten erstellt, beruhen auf allseitigen interdisziplinären Untersuchungen und sind für die streitigen Belange umfassend. Den Gutachten kommt somit voller Beweiswert zu. Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt führt zu keinem anderen Ergebnis:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 10 3.3.1Zunächst führt sie aus, der Hausarzt habe telefonisch vorbehaltlos bestätigt, dass die gesundheitlichen, unfallbedingten Gesundheitsbe- schwerden in den Bereichen Schulter, Ellbogen und Handgelenk rechts immer noch vorhanden seien (Replik S. 2 Ziff. III/1.). Damit vermag die Be- schwerdeführerin die Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen, fehlt es doch einerseits an einer fundierten schriftlichen Auseinandersetzung mit den gutachterlichen Einschätzungen und hat das Verwaltungsgericht anderer- seits bereits in VGE UV/12/81 erwogen, dass die Beurteilung dieses Arztes nicht genüge, um bereits mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen von Unfallfolgen zu schliessen (E. 3.4). 3.3.2Was die gerügte Untersuchungsdauer betrifft (Replik S. 5 Ziff. III/3.) ist festzuhalten, dass es für den Aussagegehalt eines medizini- schen Gutachtens nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt. Zwar muss der zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Pathologie angemessen sein; zuvorderst hängt der Aussa- gegehalt einer Expertise aber davon ab, ob sie inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 2. April 2015, 8C_924/2014, E. 4.2). Dies trifft hier zu. Insbesondere ist nicht zu beanstanden, dass die Gutachter einen grossen Teil der Begutachtungs- dauer dazu benutzten, Befragungen zur Krankengeschichte und zu den Vorakten vorzunehmen sowie bildgebende Untersuchungen durchzuführen, gehört dies doch ebenfalls zur gehörigen Auftragserfüllung. Inwiefern die nach Ansicht der Beschwerdeführerin zu kurze Untersuchungszeit dazu geführt haben soll, dass die Gutachten mangelhaft wären, vermag sie nicht darzutun. 3.3.3Nicht zu beanstanden ist des Weiteren, dass die Gutachter darauf verzichtet haben, weitere MRI-Untersuchungen zu veranlassen (Replik S. 8 f. Ziff. III/5.). Zum einen obliegt der Entscheid, welche Untersuchungen durchzuführen sind, dem medizinischen Sachverständigen. Zum anderen sind für die Beurteilung der Unfallkausalität der geklagten Beschwerden in erster Linie die echtzeitlichen MRI- und Röntgenaufnahmen entscheidend. Diese bzw. die entsprechenden Berichte lagen den Gutachtern denn auch vor. Wenn die Gutachter aus fachärztlicher Sicht eine abermalige Bildge- bung lediglich in Form von Röntgenaufnahmen als notwendig erachteten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 11 (AB 214 S. 5) und auf die Erstellung von MRI-Bildern verzichteten, ist dies nicht zu beanstanden. 3.3.4Soweit die Beschwerdeführerin den Gutachtern vorwirft, sie hätten sich mit der seit dem Unfall eingetretenen Fehlhaltung nicht auseinander- gesetzt bzw. diesen Zustand nicht festgestellt (Replik S. 9 Ziff. III/6.), ist ihr zu entgegnen, dass Dr. med. D.________ diesbezüglich eine linkskonvexe, skoliotische Fehlhaltung der BWS diagnostiziert hat (AB 214 S. 7). Inwie- fern diese Fehlhaltung auf den Unfall vom 2. Februar 2009 zurückzuführen sein soll, ist zudem nicht ersichtlich, nachdem den echtzeitlichen medizini- schen Berichten keinerlei Anhaltspunkte zu entnehmen sind, die auch nur ansatzweise die skoliotische Fehlhaltung mit dem Unfall in einen Zusam- menhang bringen liessen. Hinzu kommt, dass dies zu keinen klinisch fest- stellbaren Beschwerden führt (AB 214 S. 4). 3.3.5Schliesslich zielt auch die Rüge, die Gutachter hätten sich nicht mit den verschiedenen ärztlichen Meinungen bezüglich des Ganglions am Handgelenk auseinandergesetzt (Replik S. 7 Ziff. III/4.), ins Leere. Dr. med. C.________ hat hierzu sehr wohl festgehalten, das in einer MRI- Untersuchung dargestellte dorsale kleine Handgelenksganglion sei auf- grund seiner Untersuchung klinisch nicht relevant (AB 213 S. 16). Eine im Unfall begründete strukturelle Veränderung als Ursache des Ganglions konnte nicht erhoben werden. Es bestehen keine unfallkausalen Be- schwerden mehr. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, das Ganglion sei unfallkausal, da sie vor dem Unfall keines hatte, stellt sie auf den ver- meintlichen Grundsatz „post hoc ergo propter hoc“ ab, was für den Nach- weis eines natürlichen Kausalzusammenhangs nicht genügt (BGE 119 V 335 E. 2b bb S. 341; SVR 2008 UV Nr. 11 S. 36 E. 4.2.3). 3.3.6Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin in Form von Heil- behandlungen über den nicht zu beanstandenden Zeitpunkt des Fallab- schlusses per 31. Dezember 2011 hinaus (vgl. VGE UV/12/81, E. 3.3) wäre – unter der Annahme hier nicht erstellter unfallkausaler Beschwerden – nur unter den besonderen Voraussetzungen des Art. 21 UVG zu gewähren, wobei zudem Anspruch auf eine Rente der Unfallversicherung bestehen müsste. Letzteres ist mit Blick darauf, dass gemäss Gutachten – welches nach dem vorstehend Dargelegten vollen Beweis erbringt – in der ange-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 12 stammten Tätigkeit eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100 % besteht, auch von daher zu verneinen. 3.4Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin ihre weitere Leistungspflicht gestützt auf die beiden Gutachten vom 12. März 2014 (AB 214) bzw. 9. Mai 2014 (AB 213) zu Recht verneint. Die gegen den Ein- spracheentscheid vom 5. Januar 2015 (AB 228) erhobene Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist abzuweisen. 4. 4.1Verfahrenskosten sind keine zu erheben (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG). 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht gemäss Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG (Umkehrschluss) kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. 4.3Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Fürsprecher B.________ als amtlicher Anwalt. Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzungen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtfertigen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1). Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Praxis Prozessbegeh- ren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen hat ein Begehren nicht als aussichtslos zu gelten, wenn Gewinnaussichten und Verlustgefahren sich ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist dabei, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 13 zu einem Prozess entschliessen oder aber davon absehen würde (BGE 129 I 129 E. 2.3.1 S. 135; SVR 2011 UV Nr. 6 S. 23 E. 6.1). Vorliegend bewegt sich die Beschwerde mit Blick auf die vorgebrachten Rügen sowie aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin keine medizinischen Unterlagen beigebracht hat, die die gutachterlichen Einschätzungen in Zweifel zu ziehen vermöchten, an der Grenze zur Aussichtslosigkeit. Da die Prozessarmut aufgrund der eingereichten Unterlagen ausgewiesen und die sachliche Notwendigkeit der Verbeiständung gegeben sind, ist das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Fürsprecher B.________ als amtlicher Anwalt gutzuheissen. 4.4Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestellten Anwäl- tinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwert- steuer werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen für die Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind nach den glei- chen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. Art. 1 der Verordnung über die Entschädigung der amtlichen Anwältinnen und Anwälte vom 20. Oktober 2010 (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stun- denansatz Fr. 200.--. Mit Kostennote vom 15. September 2015 macht Fürsprecher B.________ einen Zeitaufwand von 22 Stunden bzw. ein Honorar von Fr. 5'500.-- zu- züglich Auslagen von Fr. 148.-- sowie Mehrwertsteuer von 8 % (von Fr. 5'648.--) im Betrag von Fr. 451.85, total Fr. 6'099.85, geltend. Dies liegt jenseits des Gebotenen. Zunächst einmal kann einem amtlichen Anwalt durchaus zugemutet werden, die Verfahrensakten ab Datenträger zu ver- werten, zumal der Fürsprecher ja auch (zu Recht) nicht geltend gemacht hat, dies sei mit der herkömmlichen Büroinfrastruktur nicht möglich gewe- sen. Er hat allein ausgeführt, dies sei mühsam. Den Beweis, dass die An- frage um Papierakten vom 9. Februar 2015 (Beschwerdebeilage 3) tatsäch- lich versandt wurde und auch bei der Beschwerdegegnerin eingegangen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 14 ist, blieb der Fürsprecher schuldig. Insofern wäre ein doppelter Schriften- wechsel nicht notwendig gewesen. Hinzu kommt, dass der Rechtsvertreter die Beschwerdeführerin bereits im früheren Verfahren UV/12/81 vertreten hat und daraus umfassende Aktenkenntnis hat. Der Aufwand war im dama- ligen Verfahren mit einer Parteientschädigung von Fr. 6‘000.-- grosszügig abgegolten worden. Dementsprechend musste er nur noch die neuen, kla- ren (nicht sehr umfangreichen) Gutachten ab Datenträger einsehen, allen- falls ausdrucken und würdigen. Angemessen ist im vorliegenden Verfahren ein Aufwand von vier Stunden für Beschwerde und Gesuch um unentgeltli- che Rechtspflege, zuzüglich der Auslagen. Auch hier ist nicht einsichtig, weshalb die Auslagen Fr. 148.-- betragen sollen, waren doch allein noch wenige Aktenstücke neu und zu kopieren bzw. auszudrucken. Insoweit sind pauschal Fr. 50.-- an Auslagen zuzusprechen. Folglich wird der tarifmässi- ge Parteikostenersatz für dieses Verfahren auf Fr. 1'134.-- festgesetzt. Da- von ist Fürsprecher B.________ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 800.-- (4 h x Fr. 200.-- ) zuzüglich Auslagen von Fr. 50.-- und Mehrwertsteuer von Fr. 68.-- (8 % von Fr. 850.--), total somit eine Entschädigung von Fr. 918.--, auszurichten. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführerin ge- genüber dem Kanton Bern entsprechend den Voraussetzungen von Art. 123 ZPO. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteientschä- digung zugesprochen. 3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Für- sprecher B.________ als amtlicher Anwalt wird gutgeheissen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 15 4. Der tarifmässige Parteikostenersatz des amtlichen Anwalts wird in die- sem Verfahren auf Fr. 1'134.-- (inkl. Auslagen und MWSt.) festgesetzt. Davon wird Fürsprecher B.________ nach Eintritt der Rechtskraft die- ses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 918.-- festgesetzte Ent- schädigung (inkl. Auslagen und MWSt.) vergütet. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO. 5. Zu eröffnen (R): - Fürsprecher B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - SUVA, Rechtsabteilung - Bundesamt für Gesundheit - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Die Kammerpräsidentin: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Dez. 2015, UV/15/143, Seite 16 fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.