B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-946/2015 plo U r t e i l v o m 7 . S e p t e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiberin Constance Leisinger. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, amtlich verbeiständet durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 13. Januar 2015 / N (…). D-946/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer wurde am 19. September 2014 im Zug auf der Stre- cke Zürich Richtung Basel vom Schweizerischen Grenzwac htkorps kon- trolliert und ersuchte in der Folge um Asyl in der Schweiz, wobei er angab, am gleichen Tag zum Zwecke der Asylgesuchstellung in die Schweiz ein- gereist zu sein. Am 8. Oktober 2014 wurde er im Empfangs - und Verfah- renszentrum Basel zur Person und zu m Reiseweg (BzP) befragt. Am 9. Oktober 2014 fand eine ergänzende Befragung zur Person statt. Der Beschwerdeführer gab an, am 8. September 1997 geboren zu sein. Zum Beweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer eine Tazkara ein. Auf- grund der Minderjährigkeit wurde dem Beschwerdeführer eine Vertrauens- person beigeordnet. Am 30. Oktober 2014 wurde der Beschwerdeführer im Beisein seiner Vertrauensperson einlässlich zu seinen Asylgründen ange- hört. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger, (…) Ethnie und zuletzt in B._______ (Provinz C._______) wohnhaft gewesen. Sein Vater sei Mitglied der (…) Partei und Kommandant unter General D._______ gewesen. Auf Geheiss des Führers der (…)-Partei, General E._______, sei der Vater vor 15 oder 16 Jahren von dessen Gefolgsleuten in einen Hinterhalt gelockt und ermordet worden. Auch einen seiner Onkel väterlicherseits, mit Namen F._______, der dem Vater militärisch nachge- folgt sei, habe man bei einem Überfall getötet. Daraufhin habe sein Onkel G._______, ebenfalls ein Bruder seines Vaters dessen Nachfolge als Kom- mandeur angetreten. Sein Vater sei sehr vermögend gewesen, habe viele Ländereien, eine Plantage, ein Haus, ein Hotel und mehrere Geschäfte hinterlassen, welche vom besagten Onkel G._______, verwaltet würden. Der Onkel G._______ sei ihm und der Familie aber nicht gut gesinnt und lasse der Familie vom verwalteten Vermögen jeweils nur wenig Geld zu- kommen. Sein Onkel G._______ verfüge über etwa 50 Mann einer eigenen Lokalpolizei (Arbaki). Im Juni 2014 habe die Taliban einen Gruppenleiter dieser Lokalpolizei getötet. G._______ habe daraufhin 10-15 Personen festnehmen und inhaftieren lassen, darunter den Bruder eines Cousins bzw. Onkels, namens H._______. Da er, der Beschwerde- führer, von dessen Unschuld überzeugt gewesen sei, habe er diesem und zwei weiteren Personen die Flucht ermöglicht, woraufhin die Geflüchteten bei der Taliban Schutz gesucht hätten. Sein Onkel G._______ habe von dieser Fluchthilfe Kenntnis bekommen und ihn und die Mutter zur Strafe D-946/2015 Seite 3 verprügelt. Etwa einen Monat später seien sein Onkel G._______ und des- sen leiblicher Sohn I._______ auf dem Weg zum Provinzverwalter von C._______ in einen Hinterhalt der Taliban geraten, wobei mehrere Perso- nen getötet word en seien, unter anderem auch I._______. Am Feuerge- fecht sei auch H._______ beteiligt gewesen und dabei umgekommen. Der Onkel habe ihn, den Beschwerdeführer, daraufhin verdächtigt, für die Tali- ban zu spionieren und den Überfall ermöglicht zu haben, weshalb er die Distriktverwaltung mit der Festnahme des Beschwerdeführers beauftragt habe. Über diesen Umstand sei er von einem Cousin väterlicherseits infor- miert worden. Er habe daraufhin s ofort den Wohnort verlassen und sich nach Mazar-e Sharif zu seinem Onkel mütterlicherseits J._______, bege- ben. Mit dessen logistischer und finanzieller Hilfe habe er eine Woche spä- ter den Heimatstaat verlassen. Zu früheren Vorkommnissen trug der Beschwerdeführer vor, er sei etwa zwei bis drei Jahre vor seiner Ausreise aus dem Heimatstaat von den Söh- nen eines durch seinen Vater getöteten Kommandanten überfallen und mit einem Messer schwer verletzt worden. Bei einem Überfall vor etwa drei- einhalb Jahren sei sodann sein Bruder K._______ erschossen worden. Zu- nächst sei die Familie davon ausgegangen, dass es um einen Racheakt seitens der Söhne eines durch den Vater getöteten Kommandanten gehan- delt habe. Später habe sich jedoch herausgestellt, dass der Bruder offen- bar vom Onkel G._______ oder dessen Söhnen getötet worden sei. Eben- falls getötet worden sei vor etwa vier Jahren sein Halbbruder L._______; als Unbekannte ihn in seinem Haus in Mazar-e Sharif überfallen hätten. Zum Reiseweg machte der Beschwerdeführer geltend, er sei am 16. Juli 2014 aus dem Heimatstaat ausgereist und über Pakistan, Iran, die Türkei und Italien am 19. September 2014 in die Schweiz gelangt. B. Mit Verfügung vom 13. Januar 2015 – eröffnet am 16. Januar 2015 – ver- neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefü hrers und wies dessen Asylgesuch ab. Mit gleicher Verfügung wurden die Weg- weisung aus der Schweiz und deren Vollzug angeordnet. C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – am 13. Februar 2015 vor dem Bundesv erwal- tungsgericht Beschwerde und beantrage die Aufhebung der angefochte-D-946/2015 Seite 4 nen Verfügung und in Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft die Gewäh- rung von Asyl; eventualiter wurde die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragt. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Beschwerdefüh- rer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG (SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung des bevollmächtigten Rechts- vertreters als unentgeltli chen Rechtsbeistand im Sinne von Art. 110a AsylG. D. Mit Verfügung vom 25. Februar 2015 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Erlass des Kostenvorschusses gutgeheissen. Sodann wurde in Gut- heissung des entsprechenden Gesuchs gestützt auf Art. 110a Abs. 1 AsylG der bevollmächtigte Rechtsvertreter Urs Ebnöther als unentgeltlicher Rechtsbeistand im Beschwerdeverfahren bestellt. Mit gleicher Verfügung wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. E. Mit Vernehmlassung vom 5. März 2015 hielt die Vorinstanz an ihren Erwä- gungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. F. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 19. März 2015 zur Kenntnis gebracht. G. Am 1. Mai 2015 replizierte der Beschwerdeführer auf die vorinstanzliche Vernehmlassung und reichte zwei DVD’s sowie die Honorarnote des amt- lichen Rechtsbeistandes ein. H. Mit Eingabe vom 21. Oktober 2015 wurde um beförderliche Behandlung der Beschwerde ersucht und auf die Verschlechterung der Sicherheitslage im Norden von Afghanistan hingewiesen. D-946/2015 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. D-946/2015 Seite 6 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Glaubhaft ist das Vorbringen grundsätzlich dann, wenn es genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel ist; es darf sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die ge- suchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeson- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tat- sachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangeln- des Interesse am Ver fahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ein- wände und Zweifel am Vorbringen der asylsuchenden Person. Entschei- dend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f.; BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien asylrechtlich unbeachtlich, soweit sie den mehrere Jahre zurückliegenden Überfall auf ihn betreffen würden, welcher nicht ausschlaggebend für des- sen Ausreise gewesen sei. Was das weitere Asylvorbringen betreffe, sei festzustellen, dass dieses den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genüge. Festzu halten sei in diesem Zusammenhang, dass der Be- schwerdeführer am 19. September 2014 vom Grenzwach tkorps in einem Zug in Begleitung des Landsmannes M._______ angetroffen worden sei. Bezüglich seinem Verhältnis zu M._______ habe der Besch werdeführer widersprüchliche Angaben getätigt. Nach Einsicht in d essen Asyldossier D-946/2015 Seite 7 sei festzustellen, dass beide übereinstimmende Familienverhältnisse gel- tend gemacht hätten. Trotzdem habe der Beschwerdeführer auch auf Vor- halt geltend gemacht, seinen Begleiter nicht zu kennen bzw. gekannt zu haben, was sich unter den gegebenen Umständen als unglaubhaft er- weise. Das Asylvorbringen des Beschwerdeführers sei überdies unsub- stanziiert im Hinblick auf die von ihm angeblich geleistete Fluchthilfe, i ns- besondere der en Hergang. Sodann seien die Angaben hinsichtlich des Zeitpunktes widersprüchlich, zu welchem der Onkel G._______ von der seitens des Beschwerdeführers geleisteten Fluchthilfe erfahren haben soll. Der Beschwerdeführer habe insgesamt keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung im Heimatstaat glaubhaft machen können, weshalb das Asyl- gesuch abzulehnen und die Wegweisung anzuordnen sei. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich sodann als zulässig und möglich. Was die Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges anbelange, sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben gemäss aus der Provinz C._______ stamme und eine Rückkehr in diese Region aufgrund der herr- schenden Lage unzumutbar sei. Im vorliegenden Fall könne aber eine zu- mutbare innerstaatliche Aufenthaltsalternative in Mazar -e Sharif bejaht werden, insbesondere da der Beschwerdeführer jung, gesund und schu- lisch gebildet sei und gemäss eigenen Angaben aus einer einflussreichen und wohlhabenden Familie stamme, weshalb sein Lebensunterhalt als ge- sichert betrachtet werden könne. Der Beschwerdeführer pflege überdies eigenen Angaben gemäss zu dem in Mazar-e Sharif wohnhaften Onkel ei- nen guten Kontakt , welcher ihm auch die Ausreise aus dem Heimatstaat organisiert und finanziert habe. 4.2 Der Beschwerdeführer hält den vorinstanzlichen Erwägungen in seiner Beschwerde im Wesentlichen entgegen, die Widersprüche, welche im Zu- sammenhang mit seinem Begleiter M._______ festgestellt worden seien, würden sich nunmehr durch dessen auf Beschwerdeebene eingereichte schriftliche Erklärung plausibel auflösen. M._______ sei von N._______, dem Vater des Beschwerdeführers, im Kindesalter adoptiert worden, nach- dem sein Vater ermordet und er Vollweise geworden sei. M._______ sei bei einer der drei inoffiziellen Ehefrauen von N._______ aufgewachsen und habe das Land verlassen, als der Beschwerdeführer (…) Jahre gewesen sei. Zwar werde eingeräumt, dass M._______ in seinem eigenen Asylver- fahren angegeben habe, ein leiblicher Sohn von N._______ zu sein. Dies entspreche jedoch nicht der Wahrheit. Vielmehr habe sich M._______ zum damaligen Zeitpunkt seiner Asylgesuchstellung mit diesem Vorbringen grössere Chancen im Hinblick auf eine Asylgewährung ausgerechnet. Der D-946/2015 Seite 8 Beschwerdeführer selbst habe sich an M._______ nicht mehr erinnern kön- nen und ihn bis zum Zusammentreffen in der Schweiz nicht gekannt. Man habe ihm das verwandtschaftliche Verhältnis auch verschwiegen, um ihn nicht zu verwirren. Dass M._______ sein Adoptivbruder gewesen sei, habe der Beschwerdeführer erst nach Abschluss de s erstinstanzlichen Verfah- rens erfahren, nachdem er M._______ diesbezüglich zur Rede gestellt habe. Es könne dem Beschwerdeführer daher nicht vorgeworfen werden, im Rahmen der Anhörung falsche Angaben gemacht zu haben. Dass das Asylvorbringen M._______s zum damaligen Zeitpunkt als unglaubhaft be- urteilt worden sei, könne im vorliegenden Verfahren ebenfalls keine Rolle spielen. Sollte dennoch auf Gründe abgestellt werden, welche mit dem da- maligen Verfahren zu tun hätten, sei vorab eine Einsicht in die entspre- chenden Akten zu gewähren. Hinsichtlich der festgestellten Widersprüche in Bezug auf die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Fluchtgründe wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer sich zum Verwandtschafts- grad zweier von ihm aufgeführter Personen widersprochen und diese als Cousins aber auch als Onkel bezeichnet habe, sei eine Unachtsamkeit und rühre möglicherweise daher, dass es für „Cousin“ auf Dari kein eigenes Wort gebe, man stattdessen vom „Sohn des Onkels“ spreche. Sofern die Vorinstanz sodann hinsichtlich des Zeitpunktes, in welchem der Onkel von der Fluchthilfe erfahren habe, ebenfalls einen Widerspruch ausmache, sei festzustellen, dass es sich dabei um eine einzelne, im Resultat unwesent- liche Ungereimtheit hand le, welche in Anbetracht der übr igen, ausführli- chen und übereinstimmenden Schilderungen nicht ins Gewicht fallen könne. Entgegen der vorinstanzlichen Ausführungen seien auch die Aus- führungen zum Hergang und zu den Umständen der vom Beschwerdefüh- rer geleisteten Fluchthilfe plausibel und substanziiert geschildert. 4.3 In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz den Beschwerdeausführun- gen im Wesentlichen entgegen, die im Beschwerdeverfahren eingereichte Erklärung von M._______ könne die festgestellten Widersprüche im Asyl- vorbringen des Beschwerdeführers nicht entkräften. Im Übrigen handle es sich bei dem von M._______ in der Erklärung angegebenen Name seiner Adoptivmutter, um einen anderen Namen als den im Asylverfahren ange- gebenen. Erstaunlich sei auch, dass das nunmehr offen gelegte Verwandt- schaftsverhältnis zu M._______ dem Beschwerdeführer angeblich von dessen Familie nicht bekannt gemacht worden sein soll. 4.4 Im Rahmen seiner Replik reichte der Beschwerdeführer zwei DVD’s ein, welche den Beschwerdeführer im Kindesalter mit seinem Bruder, der D-946/2015 Seite 9 Mutter und dem Vater, insbesondere dessen Stellung als ehemaliger Mili- tärkommandant zeigen sollen. 5. Eine Prüfung der Akten ergibt zunächst, dass die vorinstanzliche Verfü- gung, soweit die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt wird, zu bestätigen ist. Dies aus den nach- folgenden Gründen: 5.1 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er sei zwei bis drei Jahre vor seiner Ausreise aus dem Heimatstaat im Rahmen einer Rachehandlung von zwei Männern überfallen und mit einem Mess er schwer verletzt wor- den, ist dies – wie bereits von der Vorinstanz zutreffend festgestellt – nicht asylrelevant, da dieses Ereignis in keinem kausalen und zeitlichen Zusam- menhang mit der erfolgten Ausreise steht und der Beschwerdeführer expli- zit geltend macht, seither keine Probleme mehr mit den ihm bekannten Tä- tern gehabt zu haben (vgl. act. A6 S. 10). 5.2 Ebenso wird mit dem Vorbringen des Beschwerdeführers, die Taliban würden in der Provinz C._______ täglich an Macht gewinnen und die Lage sei sehr heikel, und zudem sei ein Verwandter mütterlicherseits O._______ bei den Taliban ein „grosser Mann“ (vgl. act. A6 S. 9), keine konkrete und individuelle Verfolgungsgefahr dargetan. Der allgemeinen Sicherheitssitu- ation ist aber im Rahmen der Prüfung, ob allenfalls Wegweisungsvollzugs- hindernisse vorliegen, Rechnung zu tragen. 5.3 Betreffend die vom Beschwerdeführer im Übrigen vorgebrachten Um- stände, welche seine Flucht begründet haben sollen, ist in Übereinstim- mung mit der Vorinstanz festzustellen, dass sich diese in wesentlichen As- pekten als nicht glaubhaft gemacht im Sinne von Art. 7 AsylG erweisen. 5.3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, aus einer einflussreichen und wohlhabenden Familie in der Provinz C._______ zu stammen. Bei seinem verstorbenen Vater handle es sich um N._______, einen ehemaligen Kom- mandanten unter General D._______. Die Familie sei auch nach dem Tod des Vaters weiterhin einflussreich im Norden Afghanistans . Das militäri- sche E rbe werde nunmehr vo n einem B ruder des Vaters weitergeführt. Zum Beweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer seine Tazkara sowie verschiede Fotos und Videoaufzeichnungen ein, welche seine Fami- lie, namentlich auch seinen Vater N._______, in früheren Jahren zeigen D-946/2015 Seite 10 sollen. Den eingereichten Beweismitteln ist der Beweiswert nicht abzuspre- chen, auch wenn der Beschwerdeführer auf d em jeweiligen Bildmaterial lediglich als Kind abgelichtet sein soll und das Gericht mangels Vergleichs- material nicht einzuschätzen vermag, ob es sich bei den auf den Bildern und Videos erkennbaren Kindern um den Beschwerdefü hrer handelt. Die im Original eingereichten Bildabzüge zeigen offensichtlich N._______, wel- cher im Übrigen auch auf einem Zeitungsausschnitt abgebildet ist, mit der entsprechenden Namensunterschrift. Der Beschwerdeführ er vermochte sodann relativ dezidierte Angaben zu seinen familiären und weiteren ver- wandtschaftlichen Verhältnissen sowie zu seiner Sozialisierung im Heimat- staat zu machen. Von der Glaubhaftmachung seiner Identität und Herkunft ist daher auszugehen. Diese wird als solche auch von der Vorinstanz nicht in Frage gestellt. 5.3.2 Ungeachtet dessen ist die persönliche Glaubwürdigkeit des Be- schwerdeführers aufgrund der nachfolgenden Gründe an sich schwer er- schüttert. 5.3.2.1 Der Beschwerdeführer wurde am 19. September 2014 im Zug von Zürich in Richtung Basel durch den Grenzwachtkorps kontrolliert. Anläss- lich der Kontrolle war der Beschwerdeführer in Begleitung eines Lands- mannes, welcher im Jahr (…) unter dem Namen M._______ in der Schweiz ebenfalls um Asyl ersucht hatte und unter der Verfahrensnummer N (…) geführt wurde. Der Beschwerdeführer gab im vorinstanzlichen Verfahren an, M._______ nicht zu kennen sondern gleichentags im Zürcher Haupt- bahnhof erstmals und zufällig begegnet zu sein (vgl. act. A5 S. 2; act. A10/4 S. 3; act. A13 S. 5 F27). Die Vorinstanz erachtete dieses Vor- bringen als unglaubhaft und verwies diesbezüglich auf die Aussagen M._______s anlässlich seiner Befragung im Jahr (…), in welchen er in Be- zug auf seine Herkunft und die familiären Verhältnisse teilweise identische Angaben getätigt h abe und ebenfalls Bildmaterial eingereicht habe, wel- ches N._______, den Vater des Beschwerdeführers zeige. 5.3.2.2 Auf Beschwerdeebene wird nunmehr eingeräumt, dass der Be- schwerdeführer entgegen seinem bisherigen Vorbringen mit M._______ verwandt ist. Dass M._______ und der Beschwerdeführer in einem ver- wandtschaftlichen Verhältnis zueinander stehen und ihre Sozialisierung im genannten familiären Umfeld stattfand, mag zutreffen . Soweit der Be- schwerdeführer jedoch geltend macht, er hab e erst nach Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens vom bestehenden brüderlichen Verhältnis er-D-946/2015 Seite 11 fahren, erweist sich dieses Vorbringen als unglaubhaft. An dieser Einschät- zung vermag auch die auf Beschwerdeebene eingereichte Erklärung von M._______ vom 4. Februar 2015 (vgl. Beschwerdedossier act. 1 Beilage 6) nichts zu ändern. Diesbezüglich ist auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in der Vernehmlassung zu verweisen (vgl. Beschwerdedossier act. 4). Insbesondere ist nicht nachvollziehbar, warum die Familie des Be- schwerdeführers, namentlich sein Onkel mütterlicherseits, in der Schweiz Kontakt mit M._______ aufgenommen haben soll, mit dem Ziel, dass die- ser dem Beschwerdeführer offenkundig bei der Asylgesuchstellung in der Schweiz Hilfe leistet, man dem Beschwerdeführer aber verschwiegen ha- ben soll, dass es sich beim Landsmann, welchen er in der Schweiz antref- fen werde, um einen Bruder handle. Die Erklärung M._______s, man habe den Beschwerdeführer nicht irritieren wollen (Beschwerdedossier act. 1 S. 7) ist weder substanziiert noch plausibel. M._______ führt sodann in sei- ner Erklärung selbst au s, vor seiner Ausreise in die Schweiz der Familie des Beschwerdeführers nahe gewesen zu sein und den Beschwerdeführer und dessen (Verwandten) bis zur erfolgten Ausreise regelmässig gesehen zu haben (vgl. Beschwerdedossier act 1 Beilage 6). Zum Zeitpunkt der Ausreise M._______s soll der Beschwerdeführer bereits (…) Jahre alt ge- wesen sein, mithin in einem Alter, in welchem das kindliche Erinn erungs- vermögen bereits ausgeprägt ist. Es scheint daher ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer nichts von der Existenz eines weiteren Bruders bzw. Adoptivbruders im Ausland gewusst haben soll. 5.3.2.3 Aufgrund dieser offensichtlich tatsachenwidrigen Angaben des Be- schwerdeführers zum Verwandtschaftsverhältnis mit M._______ erachtet die Vorinstanz die persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers zu- treffend als schwer erschüttert. 5.3.3 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten fluchtbe- gründenden Umstände ergibt sich Folgendes: 5.3.3.1 Der Beschwerdeführer machte zunächst geltend, nach dem Tod des Vaters im Jahre 1999 und dem Tod eines Onkels väterlicherseits habe der Onkel G._______ das militärische Erbe übernommen und sei weiterhin ein sehr einflussreicher Kommandant in der Region. Sein Onkel G._______ verwalte überdies das Vermögen des verstorbenen Vaters und sei ihm, seiner Mutter, sowie den leiblichen Geschwistern nicht wohlgeson- nen. Nach eigenen Aussagen hat der Beschwerdeführer aber mit der Fa- milie gemeinsam mit dem Onkel G._______ in einem Gehöft gelebt und als dessen Buchhalter und Steuereintreiber fungiert. Zudem soll er für die D-946/2015 Seite 12 Einsatzpläne der Leibgarde des Onkels zuständig gewe sen sein (vgl. act. A6 S. 9; A13 S. 7). Der Beschwerdeführer hatte mithin nach eigenen Angaben eine gewisse Vertrauensposition inne, was seine Aussagen im Hinblick auf das Verhältnis zwischen ihm und seinem Onkel G._______ bereits relativiert. 5.3.4 In Bezug auf den Onkel G._______ führt der Beschwerdeführer so- dann aus, dieser bzw. dessen Söhne seien an der Ermordung seines leib- lichen Bruders K._______ drei bzw. vier Jahre vor der Ausreise beteiligt gewesen. Der Beschwerdeführer vermochte dieses wesentliche Ereignis jedoch weder im Hinblick auf dessen Hergang noch hinsichtlich des angeb- lichen Tatmotivs des Onkels zu substanziieren beziehungsweise plausibel zu machen (vgl. act. A6 S. 11; act. A13 S. 3 F.12 und S. 11 F. 45-52). So- weit der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit einem möglichen Motiv unter anderem ausführt, sein Bruder sei erschossen worden, weil er An- spruch auf das väterliche Erbe erhoben habe (act. A13 S. 11 F.45), ist dies bereits insofern nicht plausibel, als der Beschwerdeführer im weiteren Ver- fahren erklärte, das Vermögen des Vaters sei einer Erbengemeinschaft zu- gefallen, namentlich den Ehefrauen des Vaters sowie seinen (Anzahl) Brü- dern und (Anzahl) Schwestern und ihm (vgl. act. A13 S. 11 f. F. 52-56). Es ist nicht ersichtlich, welche n Sinn die Ermordung eine s von mehr als 20 Erbberechtigten haben soll, zumal der Beschwerdeführer a uch nicht gel- tend macht, dass der Onkel sich das Vermögen des Vaters überhaupt ein- verleibt habe sondern dieser das Vermögen angeblich lediglich verwaltet. Die Einschätzung wird umso mehr bestätigt, als der Beschwerdeführer hin- sichtlich des Verhältnisses zum Onkel nach dem Tod des Bruders lediglich ausführt, dieses sei bereits damals nicht gut gewesen (act. A6 S. 9), ein Vorbringen, welches jeglicher Substanz entbehrt. Es ist überdies davon auszugehen, dass für den Fall einer tatsächlichen Täterschaft oder Tatbe- teiligung des Onkels an der Ermordung des Bruders K._______ eine in ir- gendeiner Weise geartete Reaktion der Familie erfolgt wäre. Auch die dies- bezüglichen Erklärungsversuche auf Beschwerdeebene lassen das Vor- bringen nicht plausibler erscheinen, zumal im Widerspruch zum Vorbringen im vorinstanzlichen Verfahren nunmehr die Rede davon ist, der Bruder K._______ sei im Rahmen der Stamme sfehde von Mitgliedern der „ (…)- Gruppe“ umgebracht worden (vgl. act. A6 S. 2). Insgesamt erscheinen die Aussagen des Beschwerdeführers in Bezug auf diesen Sachverhalt derart ungereimt, dass darauf verzichtet werden kann, sich mit den vorinstanzli- chen Erwäg ungen näher auseinanderzusetzen, wonach bereits M._______ vor mehr als zehn Jahren in Bezug auf den Bruder K._______ dessen Tötung geltend machte. D-946/2015 Seite 13 5.3.5 Der Beschwerdeführer bringt im Weiteren vor, fluchtbegründend sei ein gegen ihn erlassener Haftbefehl der Di striktverwaltung gewesen, wel- chen sein Onkel G._______ aufgrund seiner Machtstellung gegen ihn er- wirkt habe. Zu den Hintergründen dieses Haftbefehls führt er aus, er habe drei von seinem Onkel G._______ als vermeintliche Taliban inhaftierten Männern zur Flucht verholfen, da er diese kenne und von deren Unschuld überzeugt gewesen sei. Nach der Freilassung sei etwa einen Monat später ein Überfall der Taliban auf den Konvoi seines Onkels G._______ erfolgt, bei welchem einer der Geflüchteten beteiligt gewesen und unter anderem der Sohn des Onkels G._______ getötet worden sei. Der Onkel habe da- raufhin ihn, den Beschwerdeführer verdächtigt, mit den Taliban zu kollabo- rieren und die Reiseroute verraten zu haben, sodass der Hinterhalt möglich gewesen sei (vgl. act. A6 S. 9). 5.3.5.1 Auch dieses Vorbringen erachtete die Vorinstanz im Ergebnis zu- treffend als unglaubhaft. So sind die Ausführungen des Beschwerdeführers zur angeblichen Fluchthilfe in den wesentlichen Aspekten unsubstanziiert. Dies betrifft zum einen die Gründe, welche überhaupt zum Entschluss des Beschwerdeführers, Fluchthilfe zu leisten, geführt haben sollen. Zwar macht der Beschwerdeführer diesbezüglich geltend, bei einem der Freige- lassenen habe es sich um H._______, einen Verwandten mütterlicherseits gehandelt, von dessen Unschuld er überzeugt gewesen sei. Hinsichtlich der beiden anderen Freigelassenen bleibt der Beschwerdeführer jedoch jede nähere Erklärung schuldig. Die Aussagen des Beschwerdeführers in Bezug auf H._______ sind sodann in sich nicht stimmig. So führte der Be- schwerdeführer aus, er habe H._______ zur Flucht verholfen, weil dieser mit den Taliban nichts zu tun habe (act. A6 S. 9), andererseits räumt er aber selbst ein, dass es sich beim Bruder von H._______ um einen ranghohen Taliban handeln soll (act. A6 S. 9) und auch H._______ sich nach der Frei- lassung der Taliban angeschlossen haben und an dem Überfall auf den Konvoi des Onkels beteiligt gewesen sein soll. 5.3.5.2 Dem Beschwerdeführer gelang es überdies nicht, nachvollziehbar zu erläutern, warum er si ch zu solch einem Vertrauensbruch gegenüber seinem Onkel G._______ hätte hinreissen lassen sollen und sich selbst in die Gefahr einer Bestrafung durch den Onkel begab, zumal nach den Schil- derungen des Beschwerdeführers offensichtlich war, dass man ihn für die Fluchthilfe verantwortlich machen kann. Der Beschwerdeführer vermochte sodann auch den Hergang der Fluchthilfe nicht im zu erwartenden Masse zu konkretisieren (vgl.act. A6 S. 9; A13 S. 15). D-946/2015 Seite 14 Zutreffend stellte die Vorinstanz sodann fest, dass der Besch werdeführer hinsichtlich des verwandtschaftlichen Verhältnisses zu H._______ wider- sprüchliche Aussagen getätigt hat, indem er ihn zunächst als Cousin (act. A13 S. 5 F. 31) und später als Onkel bzw. Bruder der Mutter bezeichnete (vgl. act. A13 S. 10 F. 40, S. 11 F.51, S. 13 F.71, 72, S. 19 F.135) und diesen Widerspruch auch auf Vorhalt hin, nicht zu lösen vermochte (vgl. act A13 S. 21 F.154.). Auch die Ausführungen in der Beschwerde vermögen diesen Widerspruch nicht zu entkräften . Dass die Übersetzung ungenau erfolgt sein soll, erscheint ausgeschlossen, zumal der Beschwerdeführer seine Aussagen nach der entsprechenden Rückübersetzung jeweils für korrekt erklärte. Zudem vermochte der Beschwerdeführer bei der Schilderung sei- ner familiären Verhältnisse genau zwischen den anderen verschiedenen Onkel und Cousins zu unterscheiden. 5.3.5.3 Zutreffend weist die Vorinstanz schliesslich auch auf einen Wider- spruch in der zeitlichen Einordnung des Zeitpunktes, in welchem der Onkel von der Fluchthilfe erfahren haben soll (act. A13 S. 5 F.31; A13 S. 16 F.98). Soweit in der Beschwerde geltend gem acht wird, diese Ungereimtheit sei eine einzelne, unwesentlich e Ungereimtheit (vgl. Beschwerdedossier act. 1, S. 8), erachtet das Gericht diesen Widerspruch als wesentlich. 5.3.6 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt sich eine Auseinan- dersetzung mit dem weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers, denn es erscheint insgesamt nicht glaubhaft gemacht, dass der Beschwerdeführer in der von ihm beschriebenen Form in de n Fokus seines Onkels geraten ist. Es kann daher auch nicht geglaubt werden, dass der Onkel in Miss- brauch seiner Machtposition einen Haftbefehl der Distriktverwaltung gegen den Beschwerdeführer erwirkt haben soll. Bezeichnenderweise reichte der Beschwerdeführer im Verfahren auch kein entsprechendes Dokument ein. 5.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen kann auf eine weitere Ausei- nandersetzung mit dem Vorbringen von M._______ beziehungsweise mit der Frage deren Glaubhaftigkeit verzichtet werden, weshalb sich eine ent- sprechende Akteneinsicht erübrigt. Auch ist nicht von einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes auszugehen, indem die Vorinstanz auf eine vorgängige Befragung von M._______ verzichtet hat, zumal die w esentli- chen Erwägungen im vorinstanzlichen Verfahren die Auseinandersetzung mit den Aussagen des Beschwerdeführers bildeten und auf die Aussagen von M._______ nur am Rande verwiesen wurde. Zu den wesentlichen Un- gereimtheiten wie der angebliche Tod des Bruders K._______ wurde so- dann ausreichend das rechtliche Gehör erteilt. D-946/2015 Seite 15 5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungs- gefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat daher zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abge- lehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshinder- nissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be- weisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.3 Der Vollzug ist n icht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung od er Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. D-946/2015 Seite 16 7.3.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement le- diglich Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhe bliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht- mässig. 7.3.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Auslä nderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Beim Kriterium der "konkreten Gefährdung" han- delt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, dessen Auslegung und Anwendung eine Rechtsfrage darstellt, die vom Bundesverwaltungsgericht ohne Einschränkung seiner Kog nition überprüft wird (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.4, 7.8 ff., je m.H.). 7.4.1 Gemäss der auch heute noch geltenden Rechtsprechung präsentiert sich die Sicherheitslage und die humanitäre Situation in Afghanistan derart instabil, dass für einen Grossteil des Landes von einer existenzbedrohen- den Situation im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu sprechen ist ( BVGE 2011/7 E. 9.9.1). Dies betrifft auch die Provinz C._______, aus welcher der D-946/2015 Seite 17 Beschwerdeführer stammt. Eine Wegweis ung des Beschwerdeführers dorthin erweist sich daher zum jetzigen Zeitpunkt als unzumutbar. 7.4.2 Die Vorinstanz erachtet im Falle des Beschwerdeführers eine inner- staatliche Aufenthaltsalternative in Mazar-e Sharif für gegeben. Diese Ein- schätzung teilt das Bund esverwaltungsgericht, dies aus folgenden Grün- den: Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass sich die Situa- tion in den Städten Kabul (BVGE 2011/7 insbes. E. 9.9.2), Mazar-e Sharif (BVGE 2011/49 E. 7.3.6 und 7.3.7) und Herat ( BVGE 2011/38 E. 4.3.1- 4.3.3) weniger bedrohlich präsentiert als in den übrigen Landesteilen Af- ghanistans und eine Wegweisung dorthin unter der Voraussetzung be- günstigender Umstände möglich ist. Es bedarf des Vorliegens eines trag- fähigen Beziehungsnetzes, der Möglichkeit zur Sicherung des Existenzmi- nimums, einer gesicherten Wohnsituation sowie eines guten Gesundheits- zustand der betroffenen Person (BVGE 2011/49 E. 7.3.5-7.3.8). Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, ist der Beschwerdeführer jung und soweit aus den Akten ersichtlich, auch gesund. Er kommt aus einer wohlhabenden Familie. Eigenen Angaben gemäss lebt sein Onkel mütterlicherseits P ._______ in Mazar-e Sharif. Bei diesem will er regelmäs- sig zu Besuch gewesen sein (vgl. act. A13 S. 4 F.18 ff.). Besagter Onkel soll dem Beschwerdeführer auch die Ausreise aus dem Heimatstaat orga- nisiert und finanziert haben. Der Onkel besitzt in Mazar-e Sharif ein gros- ses Geschäft mit (…) und betreibt überdies eine (…) (act. A13 S. 4 F.22, F.24). Es kann mithin darauf geschlossen werden, dass der Beschwerde- führer in Mazar-e Sharif über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz verfügt. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht scheint die Existenz des Be- schwerdeführers gesichert. So kann ihn sein wohlhabender Onkel bei der wirtschaftlichen Reintegration unterstützen. Zwar führt der Beschwerdefüh- rer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens aus, sein Onkel mütterlicher- seits habe seinerseits Angst, Opfer dieses familiären Konflikts zu werden und versage dem Beschwerdeführer daher eine weitergehende Hilfe (vgl. Beschwerdedossier act. 1 S. 10). Nachdem sich die Vorbringen im Zusam- menhang mit einer Bedrohung seitens des Onkels väterlicherseits aber als unglaubhaft erweisen, ist dieses Vorbringen unbehelflich. Es kann überdies davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer auch auf finan- zielle Unterstützung seitens der sehr vermögenden Linie väterlicherseits zählen kann, bzw. auch einen Anteil am Vermögen des verstorbenen Va- ters hält, da er erbberechtigt ist . Eine Reintegration in sozialer und wirt- schaftlicher Hinsicht im Heimatstaat , namentlich in Mazar -e Sharif dürfte daher für den Beschwerdeführer ohne weiteres möglich sein. Nach dem D-946/2015 Seite 18 Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung im Lichte der aktuellen Rechtsprechung zu Afghanistan sowohl in genereller als auch in individu- eller Hinsicht vorliegend nach Mazar – e Sharif als zumutbar. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt si ch, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg- lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei d iesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be - schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem m it Zwi- schenverfügung vom 25. Februar 2015 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheis- sen wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 9.2 Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 25. Februar 2015 wurde der rubrizierte Vertreter als amtlicher Rechtsbestand beigeordnet. Er ist unbe- sehen des Verfahrensausganges zu entschädigen. In seiner Kostennote vom 1. Mai 2015 weist er Parteikosten von insgesamt Fr. 3‘663.80.– aus, wobei er bei einem Stundenansatz von Fr. 300.– und insgesamt 11.25 Ar- beitsstunden ein Honorar von Fr. 3‘345.00.– sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 47.40 und einen Mehrwertsteuerbetrag von Fr. 271.40. – geltend macht. Dieser Betrag ers cheint für den in Asylfragen versierten Vertreter und angesichts des geringen Dossierumfangs und der geringen Komplexi- tät des Falles indessen deutlich zu hoch, weshalb der geltend gemachte Aufwand auf den nötigen Umfang zu kürzen ist. Dem Rechtsvertreter i st daher ein Honorar von insgesamt Fr. 2‘000.– (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuer) zuzusprechen. D-946/2015 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand Rechtsanwalt Urs Ebnöther wird eine Ent- schädigung in Höhe von Fr. 2‘000.– durch die Gerichtskasse ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Constance Leisinger Versand: