B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4543/2013 U r t e i l v o m 2 2 . N o v e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Gérard Scherrer, Richter Markus König, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), Türkei, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM, zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Juli 2013 / N_______. D-4543/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer – ein türki- scher Staatsangehöriger kurdischer Ethnie aus B._______ – seine Heimat am 5. März 2009 auf dem Landweg und reiste über ihm unbekannte Länder am 8. März 2009 illegal in die Schweiz ein, wo er am 9. März 2009 im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nachsuchte. Nach der Kurzbefragung im EVZ C._______ vom 12. März 2009 wurde der Beschwerdeführer am 24. März 2009 vom BFM angehört und daraufhin am 26. März 2009 für den weiteren Aufenthalt dem Kanton D._______ zuge- wiesen. Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er sei seit dem Jahre (...) für die E._______ tätig gewe- sen, für die er zunächst Lebensmittel und Kleider beschafft habe. Diese hätten sie jeweils (Beschrieb Übergabe der Ware). Ab dem Jahre (...) habe er sich dann im (Nennung Komitee) betätigt und die E._______ logistisch unterstützt und mit ein bis zwei weiteren Personen Örtlichkeiten, wo die E._______ Aktionen beziehungsweise Anschläge geplant habe, ausge- kundschaftet. Dabei hätten sie vornehmlich Militär- und Polizeiposten beo- bachtet und die Informationen, so beispielsweise über die Ausrüstung der Soldaten, weitergeleitet. An den Aktionen der E._______ habe er jedoch nie teilgenommen. Ferner habe er Mitglieder für die E._______ geworben. Seit dem Jahre (...) habe er sich auch bei der damaligen F._______ res- pektive der Nachfolgepartei G._______ als Mitglied und der heutigen H._______ als Freiwilliger (Nennung Tätigkeiten). In den Jahren (...) bis (...) sei er drei Mal im Gefängnis gewesen: Im Jahre (...) habe er im (...) (Nennung Dauer) in Untersuchungshaft verbracht, nachdem ein verhafte- ter Kämpfer der E._______ Aussagen über ihn gemacht habe. Vor Gericht habe dieser Kämpfer dann beteuert, ihn nicht zu kennen, weshalb er letzt- lich freigesprochen worden sei. Im Jahre (...) sei er ebenfalls wegen eines verhafteten Kämpfers der E._______ (Nennung Dauer) in Untersuchungs- haft gewesen. Vor dem (Nennung Gericht) habe dieser erklärt, er sei bei der Polizei zu den Aussagen über ihn gezwungen worden. Daher habe ihn das Gericht erneut freigesprochen. Schliesslich sei er im (...) für (Nennung Dauer) in Untersuchungshaft gesetzt worden, da wiederum ein verhafteter Kämpfer der E._______ Aussagen über ihn gemacht habe. Dieses Verfah- ren sei wegen Verjährung zu den Akten gelegt worden. Diese drei Verfah- ren seien alle vollständig abgeschlossen. Nach seiner Entlassung aus der D-4543/2013 Seite 3 letzten Untersuchungshaft im Jahre (...) sei er direkt in den Militärdienst eingezogen worden, in de ssen Verlauf er (Nennung Anzahl) an andere Orte verbannt und ihm nie Urlaub gewährt worden sei. Nach Abschluss seiner Dienstzeit habe er seine politischen Aktivitäten wieder aufgenom- men. Im Jahre (...) seien zwei Funktionäre der H._______ spurlos ver- schwunden, worauf sie eine Pressemitteilung organisiert hätten. Daraufhin sei er wegen Verstosses gegen das Versammlungs- und Demonstrations- gesetz angeklagt worden, wobei dieses Verfahren noch immer hängig sei. Die Sicherheitspolizei von B._______ habe ihn und (Nennung Anzahl) Per- sonen, darunter auch den Provinzvorsteher der Partei, verhaftet, aber nach zwei Tagen – er glaube am (...) – auf freien Fuss gesetzt. Das Gericht in B._______ habe sie in der Folge zu einer Gefängnisstrafe von (Nennung Strafmass) verurteilt. Das Verfahren sei seit (...) beim Kassationshof hän- gig. Der derzeitige Stand des Verfahrens sei ihm unbekannt. Überdies sei zu erwähnen, dass er im Durchschnitt sieben bis acht Mal pro Jahr inoffizi- ell verhaftet und wieder freigelassen worden sei, ohne dass die Behörden dies registriert hätten. Dies sei jeweils drei bis vier Tage vor besonderen Daten geschehen, um zu vermeiden, dass er oder weitere Personen ir- gendwelche Protestaktionen organisieren oder durchführen würden. Wäh- rend der Haft habe man ihn über die E._______ und die geplanten Aktionen der H._______ ausgefragt und auf verschiedene Weise gefoltert. Er habe sich jeweils unwissend gestellt und erklärt, dass er nichts getan habe und nur für die H._______ aktiv sei. Von diesen Festnahmen gebe es keine schriftlichen Dokumente. Letztmals sei er am (...) festgenommen und wäh- rend der Haft misshandelt worden. Nach diesem Zeitpunkt sei er von den türkischen Behörden nicht mehr offiziell festgenommen, sondern im Vorfeld bestimmter Ereignisse während einiger Tage festgehalten und über die Be- wegungen der E._______ oder über Personen, welche an Ausschreitun- gen teilgenommen hätten , oder auch über die Veranstaltungen der H._______ befragt worden. Er habe jedoch keine Informationen geliefert und man habe ihn jeweils, als sich die Spannung wieder gelegt habe, ohne Auflagen freigelassen. Ab dem Jahre (...) habe er die geänderte ideologi- sche Ausrichtung der E._______ wiederholt kritisiert, worauf er von der Or- ganisation aufgefordert worden sei, seine Kritik zur ückzunehmen. Als er dies nicht getan habe, sei er zum Verräter erklärt worden. Dies habe er im (...) von (Nennung Verwandter) erfahren. Nach dem Abbruch seiner Bezie- hungen zur E._______ habe er in B._______ seine Tätigkeit für die H._______ noch während ein bis zwei Monaten fortgesetzt. Da er sich dort aber immer mehr ausgeschlossen gefühlt habe, weil die Leute wegen sei- nes Bruchs mit der E._______ nicht mehr offen mit ihm gesprochen hätten, habe er seine Tätigkeit beendet und seinem Vater im Dorf geholfen. Nach D-4543/2013 Seite 4 der geäusserten Kritik an der E._______ stelle diese eine Gefahr für ihn dar und im schlimmsten Fall drohe ihm die Liquidation. Sodann habe er sich im (...) nach I._______ begeben, wo er bei seiner Schwester gelebt habe. Dort habe er weder mit den Behörden noch mit der E._______ Prob- leme gehabt, sei aber auch meistens zu Hause geblieben. Da er nicht stän- dig habe untätig bleiben können und man ihn auch in I._______ früher oder später ausfindig gemacht hätte, habe er sich aufgrund des Drucks sowohl von Seiten der türkischen Behörden als auch der E._______ zur Ausreise entschlossen. Im Übrigen sei seine Familie insofern von diesen Bedrohun- gen betroffen, als vor allem seine Geschwister und sein Vater während sei- nes Gefängnisaufenthaltes der behördlichen Repression ausgesetzt gewe- sen seien. Seine Frau habe ihre politischen Aktivitäten fortgesetzt und stehe deshalb ebenfalls unter Druck. Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. A.b Mit Schreiben des BFM vom 3. April 2009 wurde der Beschwerdefüh- rer zur Einreichung sämtlicher ihn betreffenden Gerichtsunterlagen sowie eines Bestätigungsschreibens seines Anwalts aufgefordert. Mit Eingaben vom 14. Mai 2009 und 2. Juli 2009 reichte der Beschwerdeführer entspre- chende Beweismittel und deren Übersetzungen ein. A.c Am 19. Oktober 2009 liess die Vorinstanz durch die Schweizer Bot- schaft in Ankara Abklärungen vor Ort durchführen. Am 30. November 2009 ging dem BFM das Abklärungsergebnis der Botschaft vom 24. November 2009 zu. Darin wurde ausgeführt, dass die eingereichten Dokumente Nr. 1 bis 3 (Auflistung Beweismittel) authentisch seien. Die Angaben im einge- reichten Dokument Nr. 4 ([Nennung Beweismittel]) seien teilweise korrekt. Richtig sei, dass der Beschwerdeführer zu (Nennung Strafmass) verurteilt worden sei. Das Dokument Nr. 5 ([Nennung Beweismittel]) habe infolge verweigerter Auskunft der H._______ nicht verifiziert werden können. Das Urteil des Amtsgerichts B._______ vom (...) sei auf Bewährung ausgespro- chen worden; trotzdem habe der Anwalt des Beschwerdeführers dagegen Beschwerde erhoben. Vom Kassationshof sei das Verfahren wegen Ver- fahrensmängeln an das erstinstanzliche Gericht gegangen; dieses Verfah- ren dürfte vor dem Kassationshof noch einige Zeit in Ansp ruch nehmen. Weitere Abklärungen in J._______ und B._______ hätten ergeben, dass gegen den Beschwerdeführer keine weiteren Verfahren hängig seien. Das Verfahren von (...) sei rechtskräftig abgeschlossen und könne nicht wieder eröffnet werden. Über den Besc hwerdeführer bestehe ein politisches Da- tenblatt aus dem Jahre (...) wegen Unterstützung von Militanten der D-4543/2013 Seite 5 E._______. Der Beschwerdeführer werde von den Behörden nicht gesucht und es bestehe kein Passverbot gegen ihn. A.d Mit Schreiben vom 1. Februar 2010 wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu den Abklärungen der Schweizer Vertretung gewährt. Mit Eingabe vom 8. Februar 2010 teilte der frühere Rechtsvertreter ([Nen- nung Rechtsvertreter] ) die Übernahme des Mandats mit und ersuchte gleichzeitig um Akteneinsicht und Erstreckung der Frist zur Stellungnahme. Mit Schreiben vom 15. Februar 2010 gewährte das BFM Akteneinsicht und erstreckte die Frist zur Einreichung einer Stellungnahme. Nachdem der Be- schwerdeführer am 25. Februar 2010 erneut um Fristerstreckun g ersucht hatte, reichte er mit Eingabe vom 3. März 2010 seine Stellungnahme ein. A.e Mit Eingabe vom 5. März 2010 reichte der Beschwerdeführer (Auflis- tung Beweismittel) ein. A.f In seinem Schreiben vom 20. Juli 2010 empfahl der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) der Vorinstanz, das Asylgesuch in Anwendung von Art. 53 AsylG (SR 142.31) abzulehnen. A.g Am 9. September 2011 reichte der Beschwerdeführer ein auf Türkisch verfasstes Schreib en bei der Vorinstanz ein. Am 14. September 2011 wurde er vom BFM aufgefordert, dieses in eine Amtssprache des Bundes zu übersetzen. Die eingeräumte Frist liess der Beschwerdeführer unge- nutzt verstreichen. A.h Am 16. Juli 2012 gelangte die Ehefrau des Beschwerdeführers in die Schweiz und reichte am 19. Juli 2012 ebenfalls ein Asylgesuch im EVZ C._______ ein. A.i Am 5. März 2013 liess die Vorinstanz durch die Schweizer Botschaft in Ankara erneut A bklärungen vor Ort durchführen und stellte ihr folgende Fragen zur Beantwortung zu: "Ist das Verfahren gegen das Urteil von (...) noch immer hängig? Oder wie wurde es entschieden? Ist gegen den Ge- suchsteller zur Zeit ein weiteres Strafverfahren hängig? Besteht das über den Gesuchsteller ausgestellte politische Datenblatt aus dem Jahre (...) immer noch? Könnte dieses durch Antrag gelöscht werden? Wird der Ge- suchsteller im heutigen Zeitpunkt gesucht?" Am 3. Mai 2013 ging dem BFM das Abklärungsergebnis der Botschaft vom 25. April 2013 zu. Darin führte sie aus, dass das Verfahren aus dem Jahre (...) rechtskräftig abgeschlossen sei. Gegen den Entscheid vom (...) sei ein D-4543/2013 Seite 6 Einspruch erhoben worden. Die (...) Kammer des Kassationshofes habe den Entscheid gemäss (Nennung Gesetzesbestimmungen) wegen Verjäh- rung aufgehoben. Das Verfahren sei jedoch nicht neu geprüft, sondern mit Urteil des Kassationshofes vom (...) letztendlich eingestellt worden ( [...]). Gegen den Beschwerdeführer seien keine weiteren Strafverfahren hängig. Gemäss Abklärungen bei der (Nennung Behörde) in Ankara sei der Be- schwerdeführer im GBT ("Genel Bilgi Toplama" bzw. "Genel Bilgi Toplama Sistemi" [GBTS], Allgemeines Informationssystem) nicht verzeichnet, über ihn würden keine Datenblätter bestehen. Die Eintragungen bei den jeweili- gen Gendarmerie-Posten stünden in Übereinstimmung mit den GBT -Ein- tragungen der (Nennung Behörde) in Ankara. Der Beschwerdeführer werde zum heutigen Zeitpunkt nicht gesucht. A.j Mit Schreiben des BFM vom 17. Mai 2013 wurde dem Beschwerdefüh- rer das rechtliche Gehör zu den weiteren Abklärungen der Schweizer Ver- tretung gewährt. Mit Eingabe vom 11. Juni 2013 reichte er – nach einmalig gewährter Fristerstreckung – seine Stellungnahme ein. B. Mit Verfügung vom 5. Juli 2013 – eröffnet am 11. Juli 2013 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig die Wegweisung und den Vollzug aus der Schweiz an. Die Vorinstanz be- gründete ihre Verfügung damit, dass die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht genügten. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. Zudem sei der Vollzug der Wegwei- sung als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. C. Mit Schreiben vom 22. Juli 2013 zeigte Rechtsanwalt G. Püntener, (...), die Übernahme des Mandats an und ersuchte die Vorinstanz gleichzeitig um Akteneinsicht. Mit Zwischenverfügung vom 25. Juli 2013 wurde dem Rechtsvertreter seitens des BFM Akteneinsicht gewährt. D. Mit an das Bundesverwaltungsgericht gerichteter Eingabe vom 12. August 2013 erhob der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung des BFM vom 5. Juli 2013 wegen Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben und die Sache sei an das BFM zurückzuweisen, eventuell sei die Verfügung aufzuheben D-4543/2013 Seite 7 und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtser- heblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuwei- sen, eventuell sei die Verfügung aufzuheben und seine Flüchtlingseigen- schaft festzustellen und Asyl zu gewähren, eventuell sei die Unzulässigkeit sowie die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In pro- zessualer Hinsicht ersuchte er um Vereinigung des vorliegenden Be- schwerdeverfahrens mit demjenigen seiner Ehefrau K._______ und des Sohnes L._______ (Geschäfts-Nr. D-4542/2013), um Gewährung der vollständigen Einsicht in die Akten, ins- besondere in das Aktenstück A27/2 (Stellungnahme Nachrichtendienst des Bundes [NDB]), und um Einräumung einer angemessenen Frist zur Einrei- chung einer Beschwerdeergänzung. Sodann ersuchte der Beschwerdefüh- rer um eine Mitteilung, welcher Bundesverwaltungsrichter oder welche Bundesverwaltungsrichterin und welcher Gerichtsschreiber oder welche Gerichtsschreiberin mit der Instruk tion im vorliegenden Verfahren betraut sei und welche Richter an einem Entscheid weiter mitwirken würden. Seiner Eingabe legte der Beschwerdeführer (Auflistung Beweismittel) bei. Auf die Begründung und die eingereichten Beweismittel wird – soweit ent- scheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. E. Mit Zwischenverfügung vom 2 3. August 2013 teilte das Bundesverwal- tungsgericht dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Verfah- rens in der Schweiz abwarten dürfe. Es wurde ihm die Gelegenheit einge- räumt, die in Aussicht gestellten beziehungsweise allfällige zusätzliche Be- weismittel innert 30 Tagen ab Erhalt dieser Verfügung nachzureichen, an- dernfalls aufgrund der bestehenden Aktenlage entschieden werde. Sodann wurde i hm das Aktenstück A27/2 (unter Abdeckung der gemäss Art. 27 VwVG nicht der Akteneinsicht unterliegenden Stellen [Hinweise auf die Na- men der mit der Sache befassten Personen] ) zur Kenntnisnahme zuge- stellt. Zudem wurde er aufgefordert, bis zum 9. September 2013 einen Kos- tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall. Dem Antrag auf Vereinigung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens mit demjenigen der Ehefrau K._______ und des Sohnes L._______ (Ge- schäfts-Nr. D-4542/2013; N_______) wurde im Sinne einer Koordination dieser Verfahren entsprochen. Der Instruktionsrichter teilte dem Beschwer- deführer – unter Vorbehalt nachträglicher Änderungen namentlich bei all- fälligen Abwesenheiten – das Spruchgremium im Verfahren mit. D-4543/2013 Seite 8 F. Mit Schreiben vom 9. September 2013 ersuchte der Beschwerdeführer un- ter Hinweis auf seine Bedürftigkeit und den Umstand, dass seine Be- schwerde nicht zum Vornherein als aussichtslos bezeichnet werden könne, um Gewährung der unentgeltlichen P rozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Seinem Schreiben legte er (Nennung Beweismittel) bei. G. Mit Eingabe vom 30. September 2013 reichte der Beschwerdeführer wei- tere Beweismittel (Auflistung Beweismittel) zu den Akten. Sodann verwies er bezüglich der Zusammensetzung des Spruchgremiums darauf, dass die Mitwirkung von Bundesverwaltungsrichter Fulvio Haefeli problematisch er- scheine. Auf die Stellung eines Ablehnungsgesuchs werde verzichtet, ein solches aber für einen späteren Zeitpunkt ausdrücklich vorbehalten. H. Mit Verfügung vom 22. Oktober 2013 wurde der Entscheid über das Ge- such um Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten auf einen späte- ren Zeitpunkt verwiesen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ver- zichtet und die Vorinstanz in Anwendung von Art. 57 VwVG zu einem Schriftenwechsel eingeladen. I. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 7. November 2013 die Abweisung der Beschwerde. J. Mit Verfügung vom 12. November 2013 wurde dem Beschwerdeführer die vorinstanzliche Vernehmlassung zur Stellungnahme unterbreitet. Dieser replizierte mit Eingabe vom 27. November 2013. K. Mit Eingabe vom 20. Juni 2015 reichte der Beschwerdeführer (Nennung Beweismittel) zu den Akten. L. Mit Verfügung vom 24. Mai 2016 forderte der Instruktionsrichter den Be- schwerdeführer auf, bis zum 8. Juni 2016 ein aktuelles und detailliertes (ärztliches) Zeugnis zu seinem Gesundheitszustand (Diagnose und bishe- rige Behandlung) einzureichen, wobei bei ungenutzter Frist aufgrund der Akten entschieden werde. D-4543/2013 Seite 9 M. Mit Eingabe vom 7. Juni 2016 legte der Beschwerdeführer ein ärztliches Zeugnis (...) ins Recht. N. Der Beschwerdeführer erkundigte sich – auch bei der Vorinstanz – mehrere Male nach dem Stand des Verfahrens, worauf ihm mit Schreiben des Bun- desverwaltungsgerichts vom 2. Mai 2017 geantwortet wurde. O. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2017 teilte (Nennung Behörde) unaufgefor- dert mit, der Beschwerdeführer sei seit (...) in (Nennung Behandlung und Diagnose), zudem leide er unter dem noch hängigen Asylverfahren. Der Beschwerdeführer wünsche einen baldigen Entscheid bezüglich einer Auf- enthaltsbewilligung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. D-4543/2013 Seite 10 1.3 Mit der am 1. Februar 2014 in Kraft getretenen Änderung des Asylge- setzes vom 14. Dezember 2012 gilt für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes hängigen Verfahren das neue Recht (Abs. 1 der Über- gangsbestimmungen zur Änderung des Asylgesetzes vom 14. Dezember 2012). 1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen N achteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Die Vorinstanz hielt fest, der Beschwerdeführer mache geltend, er sei mehrmals inhaftiert worden, wobei die Haft (Nennung Dauer) angedauert habe; er werde vom türkischen Staat gesucht, was sich auch am existie- renden Datenblatt zeige. Zur Begründung des ablehnenden Asylentschei- des hielt sie diesbezüglich im Wesentlichen fest, der Beschwerdeführer sei im Rahmen rechtsstaatlicher Strafverfahren wegen (Nennung Anschuldi- gungen) verhaftet und angeklagt worden. In den genannten Verfahren sei er freigelassen und daraufhin freigesprochen worden, weshalb keine An- zeichen auf eine asylrechtlich relevante Verfolgung bestünden. Bezüglich der zweiten Botschaftsabklärung habe der Beschwerdeführer vorgebracht, dass die angefragte Datenbank nicht umfassend bestätige, ob das früher D-4543/2013 Seite 11 existierende Datenblatt über ihn wirklich nicht mehr existiere. Es könne je- doch festgehalten werden, dass die Untersuchungsmassnahmen der Bot- schaft zu eindeutigen Ergebnissen geführt hätten, weshalb sich weitere Ab- klärungen erübrigten. Der entsprechende Antrag werde daher abgelehnt. Weiter hätten die geltend gemachten Gefängnisaufenthalte und die dabei erlittenen Schläge und Folterungen hauptsächlich zwischen (...) und (...) stattgefunden. Danach sei es bis im Jahre (...) zu weiteren Festnahmen gekommen, welche aber provisorischer Natur gewesen seien. Der Be- schwerdeführer sei jedoch erst im Jahre (...) ausgereist, was bedeute, dass zwischen den dargelegten Vorfällen und seiner Flucht mindestens (...) Jahre und mehr liegen würden und somit kein genügend enger kausaler Zusammenhang mit der Ausreise aus der Türkei bestehe. Hinsichtlich des von der E._______ gegen ihn ausgeübten Drucks sei fest- zuhalten, dass gemäss seinen Beschreibungen dieser Druck nicht so weit gegangen sei, dass von einer erheblichen Wahrscheinlichkeit ausgegan- gen werden könne, er wäre bei einer Rückkehr as ylrelevanten Verfol- gungsmassnahmen ausgesetzt. Falls die E._______ den Beschwerdefüh- rer hätte verfolgen wollen, hätte sie dies mit Sicherheit bereits vor seiner Ausreise getan. Er sei nach dem Verlassen der E._______ noch rund sechs Monate in B._______ geblieben und dort weiter politisch tätig gewe- sen, weshalb es für die E._______ ein Leichtes gewesen wäre, seinen Auf- enthaltsort ausfindig zu machen und ihn zu s tellen. Auch der Umstand, dass er im Anschluss an die sechs Monate zu seinem Vater ins Dorf ge- gangen sei, um den Winter zu überbrücken, ändere an dieser Sachlage nichts. Zudem verfüge die E._______ über viele Informanten gerade auch im Umfeld des Beschwerdeführers, weshalb es für sie wiederum einfach gewesen wäre, seinen Standort zu eruieren. Es bestehe eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass die E._______ den Beschwerdeführer (...) Jahre nach seinem Weggang verfolge, insbesondere auch deshalb, weil sie ihn nicht einmal in den ersten (...) Monaten nach Verlassen der Organisation gesucht haben soll. Weiter verfüge die Türkei über wirksame Polizei- und Justizorgane, zu welchen der Beschwerdeführer Zugang habe, falls es trotzdem zu Problemen mit der E._______ kommen sollte. Dementspre- chend sei er nicht auf den Schutz eines Drittstaates angewiesen. Wie der Antwort der Schweizer Vertretung vom 25. April 2013 entnommen werden könne, sei gegen den Beschwerdeführer kein Strafverfahren mehr hängig. Alle Verfahren seien rechtskräftig abgeschlossen und er werde auch nicht gesucht ; es existiere kein Datenblatt übe r ihn. Der Umstand, D-4543/2013 Seite 12 dass früher ein solches Datenblatt existiert habe, ändere nichts an dieser Sachlage, da solche Datenblätter gelöscht werden könnten. Dementspre- chend seien keine Hinweise ersichtlich, dass dem Beschwerdeführer staat- liche Verfolgung aufgrund der früheren Strafverfahren in der Türkei drohen würde. Im Übrigen würden die eingereichten Beweismittel keine flüchtlingsrecht- lich relevante Verfolgung des Beschwerdeführers belegen. Bei diesen handle es sich einerseits um Akten von in der Zwischenzeit abgeschlosse- nen Strafverfahren. Andererseits würden sich mehrere Zeitungs- und Inter- netberichte nicht auf den Beschwerdeführer, sondern auf andere Personen oder auf die Lage in der Türkei im Allgemeinen beziehen. Demzufolge er- füllten seine Vorbringen die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht. 3.2 Demgegenüber rügte der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmittelein- gabe zunächst verschiedene Verletzungen des formellen Rechts durch die Vorinstanz, was die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückweisung der Sache an das BFM rechtfertige. So habe das BFM das Recht auf Akteneinsicht verletzt, da ihm keine Einsicht in das Aktenstück A27/2 (Stellungnahme NDB) gewährt worden sei. Weiter habe es die Be- gründungspflicht verletzt und den rechtserhebli chen Sachverhalt unvoll- ständig und unrichtig abgeklärt. 3.2.1 Hinsichtlich der Verletzung der Begründungspflicht sei anzuführen, dass das BFM das Asylgesuch unter dem Vorwand der Notwendigkeit wei- terer Abklärungen über Jahre bewusst nicht behandelt habe, um in einem späteren Zeitpunkt feststellen zu können, dass nun keine aktuelle Verfol- gung mehr vorliege. Der Beschwerdeführer hätte jedoch spätestens nach dem Vorliegen der Antwort der Botschaft vom 24. November 2009 als Flüchtling anerkannt werden müssen. Ein sol ches Vorgehen müsse zwangsläufig als unsorgfältige Verfahrensführung qualifi ziert werden. So- dann habe die Vorinstanz bezüglich der kompetenten und gut begründeten Einwendungen in seiner Stellungnahme vom 11. Juni 2013 keine sorgfäl- tige und ernsthafte Prüfu ng dieser auch durch Beweismittel unterlegten Vorbringen vorgenommen, sondern lapidar festgehalten, dass die Untersu- chungsmassnahmen der Botschaft zu eindeutigen Ergebnissen geführt hätten, weshalb sich weitere Abklärungen erübrigten. Dies stelle eine mas- sive Verletzung der Begründungspflicht dar. Die politischen Verhältnisse hätten sich in seiner Heimat in den letzten Monaten ausgelöst durch die D-4543/2013 Seite 13 Ereignisse im N._______ und die darauf folgenden Proteste deutlich ver- ändert. Mittlerweile sei auch die O._______ ein Teil der Protestbewegung geworden. Obwohl die weitere Entwicklung in der Türkei völlig ungewiss sei, verschiedene Elemente auf eine massive zusätzliche Überwachung und Repression hindeuteten und er als langjähriger politischer Aktivist der O._______ respektive der E._______ von zusätzlichen Repressionsmass- nahmen betroffen sein könnte, äussere sich das BFM in keiner Art und Weise zu dieser Entwicklung. Es bleibe auch schleierhaft, wieso das BFM gerade im jetzigen Zeitpunkt einen Asylentscheid habe treffen müssen. Die Nichtberücksichtigung dieser aktuellen Entwicklung und die sich daraus er- gebende Gefährdungslage mache klar, dass seine Situation von der Vo- rinstanz weder sorgfältig noch ernsthaft geprüft worden sei und diese damit die Begründungspflicht verletzt habe. Zudem müsse er angesichts seiner Vorgeschichte (jahrelanges Engagement zugunsten der E._______), selbst wenn keine hängigen Strafverfahren und kein Datenblatt mehr exis- tierten, dennoch als politischer Aktivist unter einem Vorwand mit erneuter Verhaftung und Folter während der Haft rechnen. Bei einer solchen Kons- tellation wäre zwar nicht von einer asylrelevanten Gefährdung, sondern von einer die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beschlagenden kon- kreten Gefährdung auszugehen. Das BFM habe sich auch hierzu nicht ge- äussert, was ebenfalls als Verletzung der Begründungspflicht zu werten sei. Die gleiche Rüge ergebe sich auch für den Umstand, dass die Vor - instanz die Türkei als gut funktionierenden Rechtsstaat darstelle, es dort aber erwiesenermassen zu willkürlichen und menschenrechtsverletzenden Praktiken der türkischen Justiz- und Polizeibehörden komme. 3.2.2 Die Vorinstanz habe ferner bezüglich der Rüge einer unrichtigen und unvollständigen Sachverhaltsprüfung die begründeten Anträge auf Einho- lung einer zusätzlichen Botschaftsantwort zur Klärung der Unklarheiten im Bericht der Botschaft abgelehnt sowie keinen ergänzenden Botschaftsbe- richt über die in der Stellungnahme vom 11. Juli 2013 genannten zusätzli- chen Datensammlungen eingeholt. So sei es undenkbar, dass er nicht in einem dieser zusätzlichen Register verzeichnet sei, und dementsprechend bei einer Rückkehr weiteren Verdächtigungen ausgesetzt wäre. Auch die letzte Suche nach ihm bei seiner Ehefrau im (...) dokumentiere, dass nach wie vor aktuelle Daten über ihn bestehen müssten. Sodann stehe auch aus öffentlich zugänglichen Quellen fest, dass tatsächlich ein e Reihe von zu- sätzlichen Datensammlungen existier e. Die eingereichten Berichte zeig- ten, dass die türkische Regierung versuche, Publikationen über solche Da- tensammlungen zu verbieten. Es sei umso weniger nachvollziehbar, wes- halb das BFM hier keine weiteren Sachverhaltsabklärungen vorgenommen D-4543/2013 Seite 14 habe, beispielsweise durch den Beizug öffentlich zugänglicher Länderin- formationen. Auch das Vorbringen im Verfahren seiner Ehefrau, wonach er im (...) gesucht worden sei und man seine Frau verhaftet und nach ihm befragt habe, sei nicht weiter abgeklärt worden. Zwar sei von der Vo- rinstanz erwähnt worden, dass er aus einer politischen Familie stamme, sie habe aber den Umstand nicht berücksichtigt, dass nahe Familienange- hörige noch in jüngster Zeit in europäischen Ländern Asyl erhalten hätten, was für einen Aktivisten Elemente einer Reflexverfolgung aufweisen könnte. Es rechtfertige sich daher die Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständi- gen und richtigen Abklärung de s rechtserheblichen Sachverhalts respek- tive zur Neubeurteilung. Dabei habe das Bundesverwaltungsgericht den Entscheid der Vorinstanz zwingend zu kassieren, zumal eine Heilung der Mängel nicht in Betracht falle. Er werde im Übrigen versuchen, mit dem Journa listen der Zeitung P ._______, dessen Artikel über zusätzlich existierende Datensammlungen verboten worden sei, Kontakt aufzunehmen, um von diesem zusätzliches Hintergrundmaterial zu den bestehenden Datensammlungen zu erhalten, auf welche das BFM im Rahmen einer Botschaftsanfrage keinen Zugriff habe. Da sich das BFM einseitig auf die Abklärungen der Botschaft vom 25. April 2013 stütze, müsse ihm eine angemessene Frist angesetzt wer- den, um solche Beweismittel aus dem Ausland zu beschaffen. Sollte die Sache jedoch nicht an die Vorinstanz zurückgewiesen, sondern durch das Bundesverwaltungsgericht materiell beurteilt werden, müsse das Gericht die vollständige und richtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts vornehmen und ihm dazu eine angemessene Frist zur Beibringung weite- rer Beweismittel einräumen. 3.2.3 Bezüglich seiner Asylgründe sei anzuführen, dass gegen ihn nach wie vor Akten und Datenblätter betreffend sein politisches Engagement be- stünden. Aufgrund der behördlichen Nachfrage bei seiner Ehefrau im (...) werde er weiterhin als verdächtiger politischer Aktivist angesehen und müsse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mit weiteren Verfolgungs- handlungen rechnen. Seine Verfolgung sei als Bestandteil des politisch motivierten Kampfes der türkischen Sicherheit skräfte gegen die Autono- miebestrebungen der Kurden zu sehen und habe somit politischen Cha- rakter. D-4543/2013 Seite 15 3.3 In ihrer Vernehmlassung vom 7. November 2013 hielt die Vorinstanz fest, die im Laufe des Beschwerdeverfahrens eingereichten weiteren Be- weismittel (Nennung Beweismittel) würden sich nicht auf den Beschwerde- führer beziehen, weshalb sie kein en Beweis für das Vorliegen einer asyl- rechtlich relevanten Verfolgung darstellen würden. Weiter brachte das BFM vor, hinsichtlich der gerügten Akteneinsicht sei fes tzustellen, dass er die fragliche Akte A27/2 mit Zwischenverfügung vom 23. August 2013 erhalten habe. Zur Rüge, wonach seine Stellungnahme nach der zweiten Bot- schaftsabklärung nicht genügend gewürdigt worden sei und weitere Abklä- rungen nötig seien, sei festzuhalten, dass das BFM – wie im angefochte- nen Entscheid bereits dargelegt – keinen Anlass sehe, weitere Abklärun- gen vorzunehmen. Bezüglich des Vorwurfs, die Vorbringen seiner Ehefrau seien nicht berücksichtigt worden, sei zu bemerken, dass die polizeilichen Erkundigungen nach dem Verbleib des Ehemannes keine asylrechtlich re- levante Intensität erreicht hätten. Zur Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sei festzuhalten, dass keine Anzeichen beste- hen würden, dem Beschwerdeführer drohe eine nach Art. 3 EMRK verbo- tene Handlung, falls er in die Türkei zurückkehre. Er werde nicht gesucht und es seien keine Strafverfahren hängig. Auch bestünden – wie im Asyl- entscheid vom 5. Juli 2013 festgehalten – keine Anzeichen für eine Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 3.4 In seiner Replik vom 27. November 2013 h ielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen an seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift und seiner Beweismitteleingabe vom 30. September 2013 fest, aus welchen neben der offiziellen Ebene der Strafverfolgung auch eine bestehende po- litisch motivierte Verfolgung hervorgehe, wobei die entsprechenden Sicher- heitskräfte ohne staatsanwaltschaftliche oder gerichtliche Kontrolle in ei- nem parallelen Repressionssystem gegen politische Aktivisten agier ten. Eine sorgfältige und ernsthafte Auseinandersetzung mit den eingereichten Beweismitteln unterlasse das BFM auch in seiner Vernehmlassung, zumal es darin lapidar darauf hinweise, dass diese Beweismittel sich nicht konkret auf ihn beziehungsweise seine Ehefrau beziehen würden, weshalb der Be- weis einer asylrechtlich relevanten Verfolgung misslinge. Die Vorinstanz habe die Möglichkeit zur Korrektur ihrer Fehlleistungen im angefochtenen Entscheid verstreichen lassen, weshalb dieser zu kassieren sei. Da das BFM systematisch die Sachverhaltsabklärungen mit rechtlichen Würdigun- gen mische, sei es nicht in der Lage zu erkennen, dass die Repressionen gegen seine Ehefrau weitergegangen seien, auch nachdem das letzte Ge- richtsverfahren gegen ihn verjährt gewesen sei. Daher mü sse zwingend auf ein anhaltendes Verfolgungsinteresse der türkischen Behörden gegen D-4543/2013 Seite 16 ihn und seine Frau geschlossen werden. Zudem gebe die Vorinstanz zu erkennen, dass sie die Struktur einer politischen Verfolgung nicht ausrei- chend verstanden habe. Diese laufe auch entlang der Familien respektive sei auf die Verfolgung von Familienangehörigen von politischen Aktivisten ausgerichtet. Selbst wenn diese nicht eine hohe Intensität erreich e, wirke sich dies zwangsläufig im Sinne einer verstärkten Verfolgung aus. Das BFM sei – offensichtlich aufgrund fehlender Länderkenntnisse – nicht in der Lage, dies zu erkennen. Es sei mittlerweile in Fällen sri-lankischer Asyl- gesuchsteller bekannt, welche Folgen die Nichtberücksichtigung solcher Länderinformationen haben könne. Zudem würden die Ausführungen in der Vernehmlassung erneut aufzeigen, dass die Vorinstanz die Begrün- dungspflicht verletzt habe, zumal auch hier keine Ausführungen zur Stel- lungnahme des NDB gemacht würden, obwohl in den bisherigen Eingaben darauf aufmerksam gemacht worden sei. Dabei sei darauf hingewiesen worden, dass der NDB sein Profil als derart politisch erachte, dass er sogar aus dessen Sicht als Flüchtling anzuerkennen sei, jedoch von einer Asylun- würdigkeit ausgegangen werde. Der NDB komme zweifelsohne nicht leichthin zu einer solchen Annahme, weshalb sich das BFM mit seiner Ein- schätzung des fehlenden politischen Profils und damit einer nicht mehr be- stehenden Verfolgung seiner Person täusche. Dies alleine müsste bereits zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft führen. 4. 4.1 In formeller Hinsicht macht der Beschwerdeführer zunächst verschie- dene Verletzungen des rechtlichen Gehörs geltend, die nach seiner Auf- fassung die Aufhebung der angefochtenen Verfügung wegen Verfahrens- mängeln rechtfertigten. So habe das BFM das Recht auf Akteneinsicht so- wie die Begründungspflicht verletzt und den Sachverhalt in verschiedener Hinsicht unvollständig und unrichtig abgeklärt. 4.1.1 Hinsichtlich der gerügten Verletzung der Begründungspflicht (die Vo- rinstanz habe es unterlassen, das Asylgesuch bereits im Jahre 2009 zu entscheiden und ihn als Flüchtling anzuerkennen; keine sorgfältige Prü- fung der in seiner Stellungnahme vom 11. Juni 2013 vorgebrachten Ein- wendungen; Nichtberücksichtigung der aktuellen Entwicklung in der Türkei als Folge der Proteste im N._______ und der sich daraus für ihn ergeben- den Gefährdungslage; keine Prüfung seiner Gefährdung als politischer Ak- tivist im Rahmen der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs) ist Folgen- des festzuhalten: Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft D-4543/2013 Seite 17 prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebe- nenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Ent- scheides ein Bild machen können (BGE 129 I 232 E. 3.2). Dabei muss sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be- hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander setzen, sondern darf sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b; BVGE 2013/34 E. 4.1 S. 546 f., 2008/47 E. 3.2 S. 674 f. ). Die Be- gründungsdichte richtet sich nach dem Verfügungsgegenstand, den Ver- fahrensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei die bundes- gerichtliche Rechtsprechung bei schwerwiegenden Eingriffen in die recht- lich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es bei der Frage der Gewährung des Asyls – eine sorgfältige Begründung ver- langt (BGE 112 Ia 110). Das BFM führte im angefochtenen Entscheid in seinen Feststellungen explizit die vorgebrachten Tätigkeiten des Be- schwerdeführers für die diversen Organisationen und Parteien sowie die daraus resultierende Repression der türkischen Ermittlungsbehörden und Justizorgane sowie die Drohungen der E._______ auf und äusserte sich danach in seinen Erwägungen dergestalt, wonach den Akten und den Er- gebnissen der Abklärungen vor Ort durch die Schweizer Vertretung keine objektiven Anhaltspunkte zu entnehmen seien, dass der Beschwerdeführer seitens der türkischen Sicherheitskräfte beziehungsweise des türkischen Staates begründete Furcht vor Verfolgung haben müsse und ein Teil der Vorbringen keinen genügend engen Kausalzusammenhang zur Ausreise aufweise (vgl. act. A 39/8 S. 4 f.). Zudem prüfte es die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausdrücklich – wenn auch in knapper Form – und erwog, dass eine Rückführung in den Heimatstaat als zumutbar zu erach- ten sei. Daraus ist erkennbar, dass die Vorinstanz – entgegen der in der Beschwerdeschrift geäusserten Ansicht – die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers und die Möglichkeit einer drohenden staatlichen Ver- folgung infolge seiner bisherigen Tätigkeiten für die vorli egend in Frage stehenden pro-kurdischen Organisationen durchaus prüfte. Jedenfalls er- weist sich der nicht weiter belegte Vorwurf, die Vorinstanz habe den Asyl- entscheid bewusst jahrelang hinausgezögert, als haltlose Behauptung. Vielmehr dürfte die Einreise der Ehefrau des Beschwerdeführers in die Schweiz im Sommer 2012 und die anschliessende Durchführung ihres Asylverfahrens mit dazu beigetragen haben, dass der Asylentscheid des Beschwerdeführers letztlich erst im Juli 2013 erging. Zudem war es dem D-4543/2013 Seite 18 Beschwerdeführer offensichtlich möglich, den Entscheid des BFM sachge- recht anzufechten, was den Schluss zulässt, dass er sich über die Trag- weite der Verfügung ein Bild machen konnte (vgl. BGE 112 Ia 107), womit die Vorinstanz ihrer Begründungspflicht nachgekommen ist. 4.1.2 Soweit der Beschwerdeführer anführt, die Vorinstanz habe die be- gründeten Anträge auf Einholung einer zusätzlichen Botschaftsantwort zur Klärung der Unklarheiten im Bericht der Botschaft abgelehnt sowie keinen ergänzenden Botschaftsbericht über die in der Stellungnahme vom 11. Juni 2013 genannten zusätzlichen Datensammlungen eingeholt , was eine un- richtige und unvollständige Sachverhaltsprüfung darstelle, ist Folgendes zu erwägen: Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollstän- dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich relevanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss dar- über Beweis führen (beispielsweise durch die Einholung eines Gutach- tens). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des A sylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 Abs. 1 AsylG vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 und 6, 2012/21 E. 5.1 ). Vorliegend ging die Vorinstanz aufgrund der Parteiauskünfte und der vor Ort durchgeführten wiederholten Abklärungen der Schweizer Vertretung in Ankara (vgl. Art. 12 Bstn. b und c VwVG) offensichtlich davon aus, dass der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne und keine weite- ren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. So gilt ein Sachverhalt erst dann als unvollständig festgestellt, wenn nicht über alle rechtserheblichen Umstände Beweis geführt wurde oder wenn eine entscheidrelevante Tat- sache zwar erhoben wurde, diese jedoch daraufhin nicht gewürdigt wurde und nicht in den Entscheid einfloss (vgl. OLIVER ZIBUNG/ELIAS HOFSTETTER, in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Praxiskommentar Verwaltungsver- fahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 49 N 40; siehe zum Ganzen auch BENJA- MIN SCHINDLER, in: Auer/Müller/ Schindler (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungs- verfahren (VwVG), Zürich 2008, Rz. 28 zu Art. 49). Das BFM erachtete in der Folge den Sachverhalt als genügend erstellt, um ohne weitere Abklä- rungen einen Entscheid zu fällen. In seinem Entscheid äusserte sich das BFM in expliziter Weise zum Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er von d en türkischen Behörden gesucht werde und ein Datenblatt exis- tiere, zum Vorwurf, der Bericht der Botschaft enthalte Unklarheiten , und D-4543/2013 Seite 19 zum Antrag, es seien weitergehende Abklärungen in dieser Richtung vor- zunehmen, und führte dabei in seiner Begründung an, der Beschwerdefüh- rer sei in den geltend gemachten Verfahren freigelassen und in der Folge freigesprochen worden, weshalb keine Anzeichen für eine asylrechtlich re- levante Verfolgung bestünden. Zudem hätten die Untersuchungsmassnah- men der Botschaft zu eindeutigen Ergebnissen geführt, weshalb sich wei- tere Abklärungen erübrigen würden und der Antrag abgelehnt werde (vgl. act. A39/8 S. 4). Hinsichtlich der gerügten Unklarheiten im Bericht der Bot- schaft ist festzustellen, dass die Formulierung in Ziffer 3 des Abklärungser- gebnisses vom 25. April 2013 – entgegen der in der Stellungnahme vom 11. Juni 2013 geäusserten Ansicht – keine Unklarheiten erkennen lässt , zumal der Inhalt nicht anders verstanden werden kann, als dass beste- hende oder allenfalls fehlende Einträge im GBTS – zu dessen Inhalt siehe E. 5.4.1 nachfolgend – sowohl bei der Gendarmerie als auch bei der zu- ständigen nationalen Stelle in Übereinstimmung stehen. Auch wenn in den Abklärungsergebnissen bezüglich des Datums des erstinstanzlichen Ur- teils des Amtsgerichts B._______ jeweils fälschlicherweise (...) statt (...) er- wähnt wird, handelt es sich dabei in erkennbarer Weise um einen blossen Verschrieb, zumal von der Botschaft in ihrem Schreiben vom 24. November 2009 die korrekten Akten- und Urteilsnummern aufgeführt wurden und der Vorinstanz das richtige Urteilsdatum spätestens durch die Einreichung der fraglichen Beweismittel und deren Übersetzung durch den Beschwerdefüh- rer (vgl. act. A18/24) im Juli 2009 bekannt war. Dass das im Botschaftsbe- richt vom 25. April 2013 erwähnte Urteil der (...) Kammer des Kassations- hofs gemäss der Kritik des Beschwerdeführers von dessen (...) Kammer ausgefällt worden sei, ist vorliegend deshalb nicht wesentlich für die Kor- rektheit der erhaltenen Information, da nämlich ein weiteres, in dieser Sa- che abschliessendes Urteil des Kassationshofs mit Datum und Verfahrens- nummern aufgeführt wird, das letztlich zur Einstellung des fraglichen Ver- fahrens geführt habe. Die Vorinstanz durfte daher zu Recht auf die Einho- lung eines weiteren Bo tschaftsberichtes zur Klärung angeblicher Unklar- heiten respektive zur Feststellung weiterer allfälliger Einträge des Be- schwerdeführers in anderen türkischen Registern verzichten, ohne dass dies eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes darstellte. So war die Vorinstanz auch im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht nicht gehalten, al- les denkbar Mögliche abzuklären, zumal sie den Umstand, dass der Be- schwerdeführer in einem oder mehreren Registern verzeichnet sein könnte oder eben nicht , in casu implizit mitber ücksichtigte. Sodann ist es unlo- gisch, wenn er in seiner Beschwerdeschrift (vgl. S. 8 und 11 f.) respektive seiner ergänzenden Eingabe vom 30. September 2013 (vgl. S. 3) einer- seits Abklärungen durch die Botschaft in weitere Datensammlungen der D-4543/2013 Seite 20 türkischen S icherheitskräfte verlangt, um andererseits gleichzeitig anzu- führen, dass die Vorinstanz in solche geheimen Datensammlungen über die Schweizer Botschaft in Ankara keinen Zugang habe beziehungsweise solche Abklärungen ergebnislos verlaufen würden. Er werde deshalb ver- suchen, mit einem Journalisten – die Publikation dessen kritischen Artikels über das Fichierungssystem in der Türkei sei verboten worden – Kontakt aufzunehmen, um an zusätzliche Informationen über die geheimen Daten- sammlungen der türkischen Siche rheitskräfte zu gelangen. Gemäss Aus- führungen in der Eingabe vom 30. September 2013 seien diese Bemühun- gen – mit Ausnahme von Hinweisen auf aktuelle Publikationen zu dieser Thematik in der Türkei – nicht erfolgreich gewesen. Soweit der Beschwer- deführer moniert, dass die Ausführungen im Verfahren seiner Ehefrau, wo- nach er im (...) gesucht worden sei und man seine Frau verhaftet und nach ihm befragt habe, nicht weiter abgeklärt worden seien, ist entgegenzuhal- ten, dass er in seiner Eingabe vom 11. Juni 2013 implizit darauf hinwies und geltend machte, er werde selbst ohne hängiges Strafverfahren in der Türkei verfolgt, und dabei auf (andere) Ereignisse in seiner Heimat der Jahre (...) verwies, woraus deutlich werde, dass die türkischen Behörden für eine erneute Verhaftung seiner Person nicht einmal Beweise brauchen würden. Diese Vorbringen wurden in der angefochtenen Verfügung aufge- nommen und entsprechend berücksichtigt (vgl. act. A39/8 S. 3 ff.). Insofern er vorbringt, die Vorinstanz habe zwar erwähnt, er stamme aus einer poli- tischen Familie, nicht jedoch den Umstand berücksichtigt, dass nahe Fa- milienangehörige noch in jüngster Zeit in europäischen Ländern Asyl erhal- ten hätten, was für einen Aktivisten Elemente einer Reflexver folgung dar- stellen könnte, vermag dies ebenso wenig eine unrichtige oder unvollstän- dige Sachverhaltsfeststellung zu begründen, zumal der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung anführte, seine Familienangehörigen hätten ledig- lich an grossen Veranstaltungen, nicht aber an täglichen Aktionen teilge- nommen, wobei ein Bruder als Einziger seiner Geschwister eine Gefäng- nisstrafe verbüsst habe. Dass er als Folge der Aktivitäten seiner Familien- angehörigen erhebliche Nachteile asylrechtlicher Natur erlitten hätte, machte er im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens weder geltend noch sind aus den Akten Hinweise zu erkennen, dass er solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft befürchten müsste. 4.1.3 Hinsichtlich der R üge, wonach das Bundesamt keine länderspezifi- schen Informationen oder Länderberichte beigezogen habe, obwohl die Beurteilung seiner Gefährdungslage nur vor diesem Hintergrund hätte ge- schehen können, ist festzuhalten, dass der vorinstanzliche Entscheid auf einer laufenden Überprüfung und Einschätzung der aktuellen Situation i n D-4543/2013 Seite 21 der Türkei beruht. Insbesondere beurteilte die Vorinstanz die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auch in Berücksichtigung des in der Türkei für den Beschwerdeführer bestehenden sozialen Beziehungsnetzes. Von ei- ner Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes im Rahmen einer unrichti- gen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhal- tes kann demnach nicht ausgegangen werden. Die Vorinstanz kam nach Würdigung der Parteivorbringen und der aktuellen Situation in der Türkei zu einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer, was noch keine Ver- letzung des Untersuchungsgrundsatzes darstellt. 4.1.4 Bezüglich der Rüge der verweigerten Akteneinsicht in das Aktenstück A27/2 (Stellungnahme NDB) wurde in der Zwischenverfügung des Instruk- tionsrichters vom 23. August 2013 festgestellt, dass das fragliche Akten- stück – entgegen der vorinstanzlichen Qualifikation – nicht als interne Akte ohne jeglichen Beweischarakter zu qualifizieren sei und damit dem Ein- sichtsrecht unterstehe, weshalb das BFM gehalten gewesen wäre, dieses Aktenstück dem Beschwerdeführer offenzulegen. Da jedoch die Akte in den vorinstanzlichen Erwägungen keinen Niederschlag gefunden habe, sei kein Recht auf Stellungnahme einzuräumen. In der Folge wurde mit der erwähnten Zwischenverfügung das fragliche Aktenstück (unter Abdeckung der gemäss Art. 27 VwVG nicht der Akteneinsicht unterliegenden Stellen) dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt. Der Beschwerde- führer äusserte sich in der Folge in seinem Schreiben vom 30. September 2013 im Rahmen v on Art. 32 Abs. 2 VwVG sowie in seiner Replik vom 27. November 2013 zum Inhalt des Aktenstücks A27/2. In seiner Eingabe vom 30. September 2015 brachte er vor, es sei nicht ersichtlich, ob die ihm zugestellte Kopie den vollständigen Text des Schrei- bens des NDB enthalte. Der Abstand auf Seite 1 zwischen dem letzten Ab- schnitt und der in der Fusszeile aufgeführten Adresse scheine ausseror- dentlich gross und es sei denkbar, dass sich dort weitere Ausführungen befänden. Er ersuche deshalb um entsprechende Mitteilu ng; nötigenfalls sei bekannt zu geben, worum es sich bei den allenfalls nicht offengelegten Informationen handle, und es sei ihm eine zusätzliche Frist zur Stellung- nahme anzusetzen. In der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. August 2013 wurde dem Beschwerdeführer bekannt gegeben, was abgedeckt wurde. Die ihm zugestellte Kopie entsprach – mit Ausnahme der abgedeck- ten Stellen – vollständig dem Original der Stellungnahme des NDB, wes- halb sich weitere Ausführungen erübrigten. D-4543/2013 Seite 22 Infolge der verweigerten Akteneinsicht durch die Vorinstanz bezüglich der Akte A27/2 hat das BFM im vorliegenden Fall den Anspruch des Beschwer- deführers auf Einräumung des rechtlichen Gehörs verletzt. Angesichts die- ser Sachlage stellt sich die Frage, ob die festgestellte Verletzung des recht- lichen Gehörs geheilt werden kann oder zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen m uss. Grundsätzlich führt eine Verletzung des rechtli- chen Gehörs aufgrund der formellen Natur dieses Anspruches ungeachtet der materiellen Auswirkungen zur Aufhebung des betreffenden Entschei- des. Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungs- befugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt, sowie die festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die feh- lende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vert retbarem Auf- wand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 S. 325 m.w.H.). Dies gilt auch unter dem revidierten, am 1. Februar 2014 in Kraft getrete- nen Art. 106 AsylG (Wegfall der Überprüfbarkeit der Angemessenheit; vgl. Art. 106 Abs. 1 aBst. c AsylG) grundsätzlich weiterhin, wobei Gehörsverlet- zungen, die sich auf einen Aspekt der Angemessenheit beziehen, vom Bundesverwaltungsgericht fortan nicht mehr geheilt werden können. Vorliegend ist die festgestellte Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht als schwerwiegend zu bezeichnen. So wurde dem Beschwerdeführer das Ak- tenstück nachträglich eröffnet. Auch wenn dies ohne Einräumung des Rechts auf eine Stellungnahme geschah – da die Vorinstanz in ihren Er- wägungen keinen Bezug auf die Akte A27/2 genommen hatte –, äusserte er sich in seinen Eingaben vom 30. September 2013 im Rahmen von Art. 32 Abs. 2 VwVG sowie in seiner Replik vom 27. November 2013 den- noch dazu. Da sich die Gehörsverletzung vorliegend auch nicht auf einen Aspekt der Angemessenheit bezieht, kann der festgestellte Verfahrens- mangel als geheilt erachtet werden. 4.1.5 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass – sollte die Sache nicht an die Vorinstanz zurückgewiesen, sondern durch das Bundesverwal- tungsgericht materiell beurteilt werden – das Gericht die vollständige und richtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts vorzunehmen habe und eine Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel eingeräumt werden müsse, ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfü- gung des Instruktionsric hters vom 2 3. August 2013 Gelegenheit gewährt D-4543/2013 Seite 23 wurde, die in Aussicht gestellten respektive allfällige zusätzliche Beweis- mittel innert 30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung nachzureichen, wodurch dem entsprechenden Beweisantrag stattgegeben wurde. Mit Ein- gabe vom 30. September 2013 legte der Beschwerdeführer weitere Be- weismittel ins Recht. 4.2 Zusammenfassend erweisen sich die Rügen, die Vorinstanz habe die Begründungspflicht sowie den Untersuchungsgrundsatz im Rahmen einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts – und somit das rechtliche Gehör – verletzt, als unbegründet. Da sodann der festgestellte Verfahrensmangel bezüglich der Einsicht in die Akte A27/2 als geheilt zu erachten ist, ist der Antrag, es sei die angefoch- tene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständi- gen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen, abzuweisen. 5. 5.1 In materieller Hinsicht hält der Beschwerdeführer fest, es lägen noch immer Akten und Datenblätter betreffend sein politisches Engagement für die E._______ und weitere prokurdische Parteien vor. Angesichts der be- hördlichen Nachfrage bei seiner Ehefrau im (...) werde er weiterhin als ver- dächtiger politischer Aktivist angesehen und müsse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mit weiteren Verfolgungshandlungen rechnen. 5.2 Gemäss Art. 3 AsylG erfüllt die Flüchtlingseigenschaft, wer aufgrund einer asylrelevanten Motivation gezielte ernsthafte Nachteile erlitten hat o- der begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden; so- fern die erlittene Vorverfolgung in zeitlichem und sachlichem Kausalzusam- menhang zur Flucht steht, lässt sich dem Asylgesetz, ohne dass der Aspekt einer drohenden Wiederholung der erlittenen Verfolgung noch weiter zu prüfen wäre, die Regelvermutung entnehmen, aufgrund der erlittenen Vor- verfolgung sei auch eine begründete Furcht vor weiterer, zu künftiger Ver- folgung zu bejahen. Ein fehlender zeitlicher Zusammenhang zwischen Vor- verfolgung und Ausreise zerstört (nur) die Regelvermutung zugunsten des Vorliegens begründeter Furcht vor Verfolgung; dies schliesst nicht aus, dass im konkreten Einzelfall die früher erlittene Verfolgung einen der guten Gründe für die heutige Verfolgungsfurcht darstellen kann. Die begründete Furcht vor Verfolgung ist dann freilich nicht aufgrund einer Regelvermutung aus der erlittenen Vorverfolgung abzuleiten, sondern ihr Bestehen im Zeit- punkt der Ausreise ist von der asylsuchenden Person darzutun und von der Behörde gesondert zu prüfen. Ausschlaggebend kann dabei nicht allein D-4543/2013 Seite 24 sein, wie die betreffende asylsuchende Person in subjektiver Hinsicht durch die ehemals erlittene Verfolgung weiterhin betroffen war; entscheid- relevant ist, ob im Zeitpunkt der Ausreise auch in objektiver Hinsicht eine Wiederholungsgefahr der früher erlittenen Verfolgung noch bestanden hat und ein Schutzbedürfnis demnach auch im Zeitpunkt der Ausreise weiter- hin noch bestand. Eine starre z eitliche Grenze, wann der Kausalzusam- menhang als unterbrochen zu gelten hat, lässt sich nicht festlegen; zu wür- digen sind jeweils bei der Beurteilung auch allfällige plausible objektive und subjektive Gründe, die eine frühere Ausreise verhindert haben. Imm erhin kann festgehalten werden, dass in der asylrechtlichen Literatur und Praxis eine Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten genannt wird, nach deren Ablauf der zeitliche Kausalzusammenhang in der Re gel als zerrissen gel- ten müsste; bei einer Zeitspanne von mehr als zwei Jahren wird jedenfalls in der Praxis ein Kausalzusammenhang nicht mehr bejaht (vgl. zum Gan- zen BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.). 5.3 Zunächst ist festzustellen, dass die Vorinstanz hinsichtlich des Sach- verhaltes die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers nicht bestreitet. Es kann als gesichert gelten, dass der Beschwerdeführer in den Jahren (...) bis (...) wiederholt wegen des Verdachts der Unterstüt- zung der E._______ festgenommen, angeklagt und zwischen (...) Tagen und (...) Monaten in Untersuchungshaft gesetzt wurde, die beiden Verfah- ren der Jahre (...) und (...) mit Freisprüchen endeten und das im Jahre (...) eingeleitete Verfahren wegen Verjährung eingestellt w urde. Er wurde im Jahre (...) für (Nennung Dauer) festgenommen und wegen (Nennung De- likt) im (...) erstinstanzlich zu einer Strafe von (Nennung Strafmass) verur- teilt. Gemäss den Abklärungen der Schweizer Vertretung wurde dieses Ur- teil durch den Kassationshof zunächst aufgehoben und das Verfahren mit weiterem Urteil des Kass ationshofs vom (...) eingestellt. Die schweizeri- sche Botschaft bestätigte die Echtheit der eingereich ten Gerichtsdoku- mente. Zudem wurde gemäss dem Abklärungsergebnis der Botschaft in Ankara vom 24. November 2009 über den Beschwerdeführer im Jahre (...) ein politisches Datenblatt wegen Unterstützung von (...) der E._______ an- gelegt. Gemäss dem Abklärungsergebnis im Rahmen der zweiten Bot- schaftsanfrage vom 25. April 2013 sei das Verfahren aus dem Jahre (...) rechtskräftig abgeschlossen, seien gegen den Bes chwerdeführer keine weiteren Strafverfahren hängig, sei er nicht im GBT verzeichnet, bestünden über ihn keine Datenblätter und er werde zum heutigen Zeitpunkt in der Türkei nicht gesucht. Diesbezüglich ist festzustellen, dass sich die erwähn- ten Abklärungsergebnisse hinsichtlich des Vorliegens von Datenblättern in D-4543/2013 Seite 25 dem Sinne unterscheiden, als im zweiten Abklärungsergebnis das Vorlie- gen eines Datenblattes verneint wird. Daraus könnte der Schluss gezogen werden, das fragliche Datenblatt aus dem Jahre (...) sei mittlerweile ge- löscht worden. Auf die nähere Relevanz dieses Umstandes ist in den Er- wägungen in Ziffer 5.5.3 einzugehen. Weiter zog die Vorinstanz die sich über Jahre hinziehenden, durch die türkischen Behörden am Beschwerde- führer verübten Misshandlungen während seiner wiederholten Inhaftierun- gen in den Jahren (...) bis (...), so letztmals am (...), ebenso wenig in Zweifel wie die weiter andauernden, jeweils (...) Tage dauernden Mitnahmen und Befragungen durch die Polizei im Vorfeld bestimmter Ereignisse, wie bei- spielsweise dem 15. Februar oder dem 27. November (vgl. act. A9/24 S. 20; A39/8 S. 2 und 4 ff.). Das Bundesverwaltungsgericht zweifelt nicht daran, dass der Beschwerdeführer bis (...) wiederholt Opfer nachhaltiger Eingriffe in seine physische Integrität wurde. Auch wurde er nach diesem Zeitpunkt regelmässig im Vorfeld bestimmter Ereignisse festgenommen und während der jeweils mehrere Tage dauernden Haft, wenn auch nicht mehr gefoltert, so doch immer wieder verhört, w eshalb diese Übergriffe ebenfalls gewichtig erscheinen und nicht als blosse Behelligungen über- wiegend schikanöser Art bezeichnet werden können. 5.4 Die vom Beschwerdeführer erlittenen Ereignisse erfüllen die Anforde- rungen der Rechtsprechung an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG. Es handelt sich um erhebliche Nachteile, die ihm gezielt aus einem beziehungsweise mehreren Motiven im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG (eth- nische Zugehörigkeit ; politische Anschauungen ) zugefügt wurden. Auf- grund seiner Erlebnisse hatte er sodann begründete Fu rcht vor weiteren asylrechtlich relevanten Nachteilen. Weiter ist ein genügend enger Kausal- zusammenhang zwischen den dem Beschwerdeführer zugefügten Nach- teilen und seiner Ausreise im März 2009 zu bejahen (vgl. dazu BVGE 2007/31 E. 5.2 S. 379 m.w.H.), zumal er auch zu diesem Zeitpunkt noch begründete Furcht vor weiteren Übergriffen hatte. Zwar begab er sich im (...) – also (Nennung Dauer) vor seiner Ausreise – nach I._______ zu sei- ner Schwester, wo er von den Behörden in Ruhe gelassen worden sei. Die- ser kurze Aufenthalt vermag jedoch den zeitlichen Kausalzusammenhang zur Ausreise nicht zu unterbrechen. Der Beschwerdeführer führte denn auch an, er habe I._______ unter anderem verlassen, weil man ihn dort früher oder später ausfindig gemacht hätte (vgl. act. A9/24 S. 16 f.). Schliesslich stand ihm im Zeitpunkt seiner Ausreise angesichts der Verfol- gung durch den türkischen Staat auch keine innerstaatliche Fluchtalterna- tive offen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5.1 S. 154). D-4543/2013 Seite 26 5.5 Nach dem Gesagten erfüllte der Beschwerdeführer somit im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatstaat die Flüchtlingseigenschaft. Letztlich ist diesbezüglich indessen der Zeitpunkt des Asylentscheides massgeblich, das heisst, es ist in der Regel zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung (noch) begründet ist. Dabei sind Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid zugunsten und zulasten de s Beschwerdeführers zu berück sichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., 2007/31 E. 5.3 S. 379 f. m.w.H.). 5.6 Vorliegend kann jedoch die Frage, ob eine subjektive Furcht des Be- schwerdeführers vor zukünftiger Verfolgung nach wie vor als objektiv be- gründet erscheint, aufgrund der nachfolgenden Erwägungen (vgl. E. 5.7) offen bleiben. 5.7 So ist e ine erlittene Vorverfolgung auch nach Wegfall einer zukünftig drohenden Verfolgungsgefahr weiterhin als asylrechtlich relevant zu be- trachten, wenn eine Rückkehr in den früheren Verfolgerstaat aus zwingen- den, auf diese Verfolgung zurückgehenden Gründen nicht zumutbar ist; bei dieser Auslegung von Art. 3 AsylG zieht das Bundesverwaltungsgericht die entsprechende Formulierung der Ausnahmebestimmung von Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK [SR 0.142.30]) in analoger Anwendung bei (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.2.2 und BVGE 2007/31 E. 5.4, jeweils m.w.H.). Als "zwin- gende Gründe" in diesem Zusammenhang sind vorab traumatisierende Er- lebnisse zu betrachten, die es der betroffenen Person angesichts erlebter schwerwiegender Verfolgungen, insbesondere Folterungen, im Sinne einer Langzeittraumatisierung psychologisch verunmöglichen, ins Heimatland zurückzukehren (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri- schen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 16 E. 6d S. 166 ff.). 5.7.1 Der Beschwerdef ührer reichte während des Verfahrens (Nennung Beweismittel) drei ärztliche Zeugnisse (...) ein, wobei die ersten beiden die Beeinträchtigung seines psychischen Gesundheitszustandes durch die er- littene Haft verbunden mit wiederholter Folter dokumentieren würden (vgl. auch Bstn. K. und M. oben). Gemäss diesen Zeugnissen gilt für das Bun- desverwaltungsgericht als erstellt, dass beim Beschwerdeführer (Nennung Diagnose) diagnostiziert wird. Bezüglich der (nähere Ausführungen zum Leiden und zur Therapie). Der Beschwerdeführer selber führte anlässlich seiner Anhörung – zu Details seiner Folter befragt – an, man habe während der Haft (Einzelheiten zur Folter) . Gemäss dem (Nennung Beweismittel) D-4543/2013 Seite 27 habe nebst der Folter insbesondere die reizarme Einzelzelle den Be- schwerdeführer zur Verzweiflung gebracht, zumal dieser darin sämtliche Gefühle für Zeit, äussere Reize und sich selbst verloren habe. 5.7.2 Aufgrund der eingereichten, von fachlich kompetenter Seite erstellten ärztlichen Berichte ist beim Beschwerdeführer nach erlittener wiederholter Haft, während einiger Jahre jeweils verbunden mit Folter, welche ihm durch die türkischen Sicherheitskräfte zugefügt wurde, von einer Langzeittrauma- tisierung auszugehen, welche eine Rückkehr in den Heimatstaat im heuti- gen Zeitpunkt psychisch verunmöglicht. Es bestehen damit "zwingende Gründe", die einer Rückkehr de s Beschwerdeführers in die Türkei en tge- genstehen. 5.7.3 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. 5.8 5.8.1 Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer – insbesondere aufgrund seiner Tätigkeit im Rahmen der E._______ – als asylunwürdig im Sinne von Art. 53 AsylG zu erachten ist. Eigenen Angaben zufolge war er ab dem Jahre (...) für die E._______ (Nennung Tätigkeiten) tätig. Der Beschwerde- führer verneinte, selber jemals an Aktionen der E._______ teilgenommen zu haben. Ferner habe er Mitglieder für die E._______ geworben. Im Jahre (...) habe er sich von der E._______ abgewendet und sei daraufhin von der Organisation als Verräter erklärt worden. Überdies sei er für die H._______ propagandistisch tätig gewesen. 5.8.2 Nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2011/10 E. 6. S. 131 f., m.w.H.) stellen in Bezug auf die Beurteilung der Asylunwür- digkeit im Kontext de r E._______ weder die Mitgliedschaft für sich allein noch gewaltlose Aktivitäten, wie namentlich die Teilnahme an einer De- monstration, verwerfliche Handlungen im Sinn von Art. 53 AsylG dar. Es ist vielmehr der individuelle Tatbeitrag, gemessen an der Schwere der Tat, am persönlichen Anteil am Tatentscheid, am Motiv und an allfälligen Rechtfer- tigungs- sowie Schuldmilderungsgründen differenziert zu beurteilen und als massgeblich zu betrachten. 5.8.3 Vorliegend kann nicht der Schluss gezogen werden, der Beschwer- deführer sei entweder direkt oder lediglich indirekt an gewalttätigen und terroristischen Handlungen der E._______ beteiligt gewesen und seine un-D-4543/2013 Seite 28 mittelbare beziehungsweise mittelbare Täterschaft an verwerflichen Hand- lungen sei überwiegend wahrscheinlich. Wie vorstehend (vgl. E. 5.8.2) er- wähnt, stellen weder die Mitgliedschaft zur E._______ für sich allein noch gewaltlose Aktivitäten innerhalb dieser Organisation verwerfliche Handlun- gen im Sinn von Art. 53 AsylG dar. Sodann sind weder individuelle Hand- lungen noch eine individuelle Verantwortlichkeit ersichtlich, die als verwerf- lich im Sinne von Art. 53 AsylG einzustufen sind. Der Beschwerdeführer war den Akten zufolge lediglich in logistischer und propagandistischer Hin- sicht tätig, trug auch keine Waffe und verneinte klar, jemals selber an Kampfhandlungen beteiligt gewesen zu sein (vgl. act. A9/24 S. 9). Aus den Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Tätigkeit für die E._______ er- geben sich keine Hinweise darauf, dass er in irgendeiner Weise direkt an Gewaltakten derselben beteiligt war. Zwar soll er Militär- und Polizeiposten beobachtet und beispielsweise Informationen über die Ausrüstung der Sol- daten weitergeleitet haben. Er verneinte jedoch glaubhaft eine Beteiligung an irgendwelchen Aktionen der E._______ und nahm offensichtlich weder eine Führungsfunktion ein noch verfügte er über irgendwelche Entschei- dungsbefugnisse, so gerade auch hinsichtlich der Frage, ob, wann und wie auf die von ihm ausgekundschafteten Lokale tatsächlich ein Anschlag ver- übt wurde (vgl. act. A9/24 S. 8 und 10). Es ist daher aufgrund der Aktenlage auch eine allfällige indirekte Beteiligung an verwerflichen Handlungen zu verneinen. Zwar warb er mit seinen propagandistischen Aktivitäten wäh- rend langen Jahren für die Ziele der E._______ und identifizierte sich – bis zu seiner Abkehr von der Organisation im Jahre (...) – wohl auch überwie- gend innerlich damit . Jedoch fehlt ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen seiner politischen Arbeit respektive seiner Beobacht ertätigkeit und konkreten M enschenrechtsverletzungen durch Kämpfer der E._______. Ob er sich auch mit der Ideologie des bewaffneten Kampfes identifizierte, kann aufgrund der Aktenlage nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Angesichts des Umstandes, dass er weder einen Waffeneinsatz leistete noch eine entsprechende Ausbildung durchlief noch eine eigene Waffe besass, ist jedoch immerhin davon auszugehen, dass er zumindest für sich selber die Anwendung von Gewalt aus schloss. Zudem ist zu be- rücksichtigen, dass sich der Beschwerdeführe r im Jahre (...) von der E._______ und deren Ideologie abwendete. Asylunwürdigkeit liegt ferner dann vor, wenn die asylsuchende Person eine Bedrohung für die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz darstellt. Dabei können nur schwerwiegende Fälle als st aatsgefährdend im Sinne der Rechtsprechung qualifiziert werden. Der NDB empfahl der Vor-instanz in seiner diesbezüglichen Stellungnahme vom 20. Juli 2010, es sei das D-4543/2013 Seite 29 Asylgesuch aufgrund der nachrichtendienstlichen Tätigkeiten für die E._______ und deren Auswirkungen in Anwendung von Art. 53 AsylG ab- zulehnen (vgl. act. A27/2 S. 1). Einerseits ist das Bundesverwaltungsge- richt nicht an die Empfehlungen des NDB gebunden, andererseits bezie- hen sich die in der Stellungnahme erwähnten beiden Vorfälle primär auf die dem Beschwerdeführer gemäss den vorangehenden Erwägungen nicht zuzurechnenden Straftaten. Zudem gilt es zu beachten, dass die erwähn- ten Geschehnisse nunmehr über (...) Jahre her sind und sich der Be- schwerdeführer seit seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 2009 nichts mehr zuschulden kommen liess. 5.8.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass de m Beschwerdeführer aufgrund der Aktenlage ein konkreter und individueller Tatbeitrag zu ver- werflichen Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG nicht vorgeworfen wer- den kann. Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob ein Ausschluss vom Asyl gegebenenfalls unverhältnismässig wäre. 5.9 Der Beschwerdeführer ist daher als Flüchtling anzuerkennen und es ist ihm – mangels Vorliegens von Asylausschlussgründen (vgl. Art. 53 AsylG) – in der Schweiz Asyl zu gewähren. 6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt. Die Beschwerde ist gutzuheissen und das SEM an- zuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das mit Schreiben vom 9. September 2013 gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erweist sich daher als gegenstandslos. 7.2 Dem Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwen- dung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendi- gerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechtsvertreter reichte mit Eingabe vom 27. November 2013 eine Kos- tennote für seine Aufwendungen in den Beschwerdeverfahren des Be- schwerdeführers (D-4543/2013) sowie dessen Ehefrau (D -4542/2013) zu D-4543/2013 Seite 30 den Akten. Da vorliegend die erwähnten Beschwerdeverfahren nicht verei- nigt, sondern koordiniert behandelt wurden und für die Ehefrau des Be- schwerdeführers ein separates Urteil erging, rechtfertigt sich eine geso n- derte Ausscheidung des in der Kostennote aufgeführten Aufwandes für die Erstellung der beiden Beschwerden von 25 Stunden im Verhältnis 60:40. Für die vorliegende Beurteilung ist demnach von einem Aufwand für die Rechtsmitteleingabe des Beschwerdeführers v on 15 Stunden – und im Verfahren der Ehefrau von zehn Stunden – auszugehen. Der übrige aus- gewiesene Aufwand inklusive der Auslagen ist sodann im vorliegenden Verfahren zu beurteilen. Dies ergibt in casu einen geltend gemachten Auf- wand von 28.87 (38.87 minus 10) Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 2 40.– und Auslagen von Fr. 121.80, was einen Gesamtbetrag von Fr. 7050.60 ergibt. Der weitere Aufwand für die Beweismitteleingaben des Rechtsvertreters vom 20. Juni 2015 und 7. Juni 2016 ist darin nicht berück- sichtigt, kann aufgrund der Akten jedoch zuverlässig abgeschätzt werden (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE) und ist vorliegend auf eine Stunde mit zusätzli- chen Auslagen von Fr. 12.– zu beziffern. Allerdings ist der in der Kosten- note ausgewiesene Aufwand angemessen zu kürzen. Angesichts der teil- weise weitschweifigen und sich wiederholenden Ausführungen sowie des Umstandes, dass die Erstellung und Einreichung der Honorarnote – der diesbezügliche Aufwand ist im Stundenansatz bereits enthalten, weil es sich um eine Sekretariatsarbeit handelt – sowie der erst nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens anfallende, aber bereits in Rechnung gestellte Aufwand, nicht zu entschädigen ist, ist der Aufwand entsprechend zu kür- zen. Dem Beschwerdeführer ist zu Lasten des SEM aufgrund der Akten- lage, obiger Ausführungen zur Kostennote sowie des weiteren Aufwandes, der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) und der Ent- schädigungspraxis in ähnlichen Fällen eine Parteientschädigung für den Aufwand seines Rechtsvertreters von insgesamt Fr. 5000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-4543/2013 Seite 31 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Vorinstanz wird an- gewiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und diesem in der Schweiz Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 5000.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: