Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 5. Juli 2016 (460 16 45) ___________________________________________________________________ Strafrecht Grobe Verletzung von Verkehrsregeln Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Hele- na Hess; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde gegen A.____ , vertreten durch  Advokat Dr. Urs Beat Pfrommer, Aeschenvorstadt 67, Postfach 433, 4010 Basel, Beschuldigte und Berufungsklägerin Gegenstand grobe Verletzung von Verkehrsregeln Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiu ms Basel- Landschaft vom 22. September 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vo m 22. September 2015 wurde A.____ in teilweiser Abänderung des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 18. Februar 2015 der groben Verletzung von Verkehrsreg eln schuldig erklärt und zu einer be- dingt vollziehbaren Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je CH F 70. ‒, bei einer Probezeit von 2 Jahren, verurteilt (Ziffer 1 des Urteilsdispositivs). Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorve rfahrens in Höhe von CHF 2'054.30 und der Gerichtsgebühr in Höhe von CHF 1'500. ‒, wurden der Beurteilten in An- wendung von Art. 426 Abs. 1 StPO auferlegt (Ziffer 2 des Urteilsdispositivs). B. Gegen dieses Urteil meldete A.____, vertreten durch A dvokat Dr. Urs Beat Pfrommer, nach Eröffnung des Urteilsdispositivs mit Eingabe vom 1 . Oktober 2015 die Berufung an. Mit Berufungserklärung vom 3. März 2016 stellte sie folgende Anträge: "1. Es sei das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft aufzuheben und Frau A.____ kostenlos freizusprechen. 2. Eventualiter sei eine milde Busse nach Art. 90 Abs. 1 SVG auszusprechen. 3. Es sei im Rahmen der zweitinstanzlichen Verhandlung ei n Augenschein an der Unfallstelle durchzuführen. 4. Es sei der beschuldigten Person eine angemessene Frist zur Begründung zu setzen. 5. Unter o/e Kostenfolge.“ C. In ihrer Berufungsbegründung vom 3. Mai 2016 hielt d ie Beschuldigte an ihren mit Beru- fungserklärung vom 3. März 2016 gestellten Rechtsbegehren fest und beantragte überdies, es sei anlässlich des im Rahmen der zweitinstanzlichen Verhandl ung durchzuführenden Augen- scheines eine Befragung der seinerzeit einvernommenen Ze ugen D.____ und E.____ vorzu- nehmen. D. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits liess mit Schreiben vom 7. März 2016 mitteilen, dass sie auf Anschlussberufung verzichte und keinen Antrag auf Nic hteintreten stelle. Mit Berufungsant- wort vom 11. Mai 2016 beantragte sie, die Berufung ge gen das Urteil des Strafgerichtspräsidi- ums Basel-Landschaft vom 22. September 2015 sei abzuweisen und das angefochtene Urteil vollumfänglich zu bestätigen. E. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügungen d es Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurden mit Verfügung vom 12. Mai 2016 die Be- weisanträge der Beschuldigten, es sei ein Augenschein an der Unfallstelle durchzuführen und es sei anlässlich dieses Augenscheins eine nochmalige Befra gung der Zeugen D.____ und Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E.____ vorzunehmen, abgewiesen. Mit gleicher Verfügun g wurde die Beschuldigte zur kan- tonsgerichtlichen Hauptverhandlung geladen. Demgegenüber wurde die Staatsanwaltschaft von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung dispensiert. F. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kanto nsgericht, Abteilung Strafrecht, erscheint die Beschuldigte mit ihrem Verteidiger Dr. U rs Beat Pfrommer. Auf die Aussagen der zur Person und zur Sache eingehend befragten Beschuldigten sowie auf den Parteivortrag ihres Verteidigers, wird – soweit erforderlich – nachfolgend in den Erwägungen eingegangen. Die Beschuldigte hält an ihren bereits schriftlich gestellten Anträgen vollumfänglich fest. Erwägungen I. Formelles Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsver- letzungen, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemes- senheit gerügt werden, wobei das Berufungsgericht das U rteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Be rufung dem erstinstanzlichen Ge- richt innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftl ich oder mündlich anzumelden und da- nach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zu stellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Das Berufun gsgericht überprüft das erstinstanzli- che Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Int eresse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, zur Berufung legitimiert. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichtspräsidiums B asel-Landschaft vom 22. September 2015 angefochten, welches ein taugliches Anfechtungsobje kt darstellt. Mit ihren Eingaben vom 1. Oktober 2015 (Berufungsanmeldung) respektive vom 3 . März 2016 (Berufungserklärung) hat die Berufungsklägerin die Rechtsmittelfrist gewahrt. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungs- gericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergi bt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO so- wie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zur S chweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Auf die Berufung ist somit einzutreten. II. Materielles Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechts- mittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachver- halts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, we nn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argu mente einzugehen, die erst im Rechts- mittelverfahren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). Der Einfachheit halber folgt das Kantonsgericht, wie bereits die Berufungsbegründung, grund- sätzlich dem Aufbau des angefochtenen Urteils. Nachfolgen d werden die Einwände der Beru- fungsklägerin gegen das vorinstanzliche Urteil im Einzelnen beurteilt. Im Sinne einer einleitenden Bemerkung ist auf den Gru ndsatz der freien Beweiswürdigung hin- zuweisen, der in Art. 10 Abs. 2 StPO gesetzlich verankert ist. Danach würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Weder die Anzahl noch die Art der Beweismittel ist massgebend, son dern allein deren Stichhaltigkeit. Es besteht keine Rangfolge der Beweise (vgl. C HRISTOF RIEDO /G ERHARD FIOLKA /M ARCEL ALEXANDER NIGGLI , Strafprozessrecht sowie Rechtshilfe in Strafsachen, 20 11, S. 37 N 234; WOLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 25). 2. Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten gemäss S trafbefehl vom 18. Februar 2015 Folgendes vor: "Die Beschuldigte fuhr am 18. Januar 2013, um 13:42 Uhr, mit dem Personenwagen XY (BL XZ) in Bottmingen auf der Binningerstrasse in Fahrtrichtung Oberwil. Auf der Höhe der Lichtsig- nalanlage der Kreuzung Fuchshagweg/Blauenstrasse erfasst e die Beschuldigte aufgrund grobsorgfaltspflichtwidrigen Missachtens des Rotlichts die zeitgleich den dortigen Fuss- gängerstreifen überquerende B.____ mit der mittleren Front ihres Fahrzeuges. Beim Aufprall zog sich B.____ eine Hüftkontusion mit leichter Schmerzsym ptomatik zu. Durch das grob sorg- faltspflichtwidrige Missachten des Rotlichts schuf die Beschuldigte zudem eine konkrete Gefahr einer Kollision mit C.____, die den Fussgängerstreifen leicht zeitversetzt vor B.____ überquer- te." 3.1 Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt gemäss dem Stra fbefehl vom 18. Februar 2015 bis auf einen Punkt als erstellt. Abweichend vom vor genannten Strafbefehl hielt das Straf- gericht fest, dass die Beschuldigte C.____ lediglich abstr akt gefährdet habe. Als B.____ vom Fahrzeug der Beschuldigten erfasst worden sei, habe sich C .____ nicht mehr auf der Strasse, sondern bereits auf dem Trottoir befunden (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 6 ff.). Da vorliegend einzig die Beschuldigte die Berufung ergriffen hat, i st diese Feststellung für das Kantonsgericht insofern aus prozessualen Gründen verbindlich, als eine ko nkrete Gefährdung von C.____ auf- grund des Verschlechterungsverbots vor Kantonsgericht ni cht mehr zur Debatte steht (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO; zum Grundsatz des Verbots der ref ormatio in peius BGer 6B_165/2011 vom 19. Juli 2011, E. 3.2.f. und 6B_156/2011 vom 17. Oktober 2011, E. 2.5.2.). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Im vorliegenden Fall steht bei der Eruierung des Sach verhalts die Frage im Vorder- grund, ob die Beschuldigte das Rotlicht bei der Lichtsig nalanlage der Kreuzung Fuchshag- weg/Blauenstrasse in Bottmingen auf der Binningerstrass e in Fahrtrichtung Oberwil missachtet hat oder nicht. Vorab kann diesbezüglich festgehalten werden, dass die V orinstanz nach Überzeugung der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts mit zutref fender Begründung zum Schluss ge- langte, dass die Beschuldigte die betreffende Kreuzung w ährend der Rotphase befuhr (vgl. Ur- teil der Vorinstanz, S. 7–10). Ebenso wurde der Unfa llzeitpunkt zutreffend auf zwischen 13:42:09 Uhr und 13:43:59 Uhr eingegrenzt (Urteil de r Vorinstanz, S. 9–10). Um Wiederholun- gen zu vermeiden, kann deshalb zunächst in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfäng- lich auf die Ausführungen des Urteils der Vorderrichter in verwiesen werden. Die nachfolgenden Erwägungen verstehen sich als teilweise ergänzend und s ollen die wesentlichen Punkte noch einmal hervorheben. 4.1 Die Berufungsklägerin bestritt von Anfang an den Vorwu rf, die betreffende Kreuzung während der Rotphase befahren zu haben, wobei sie alle rdings anlässlich der Hauptverhand- lung vor Strafgericht diesbezüglich eine gewisse Relat ivierung vornahm. So sagte sie zunächst gegenüber der Polizei aus, die Ampel sei auf grün gesta nden (vgl. Rapport der Polizei Basel- Landschaft, Posten Therwil, vom 11. April 2013, act. 8 1) und erklärte dies auch anlässlich der Einvernahme vom 12. Dezember 2013 bei der Staatsanwaltschaft (act. 237 ff.). Ebenso gab die Berufungsklägerin anlässlich der strafgerichtlichen Hauptverhandlung zunächst zu Protokoll, sie sei der Meinung, dass sie grün gehabt habe (act. 667). E twas später sagte sie jedoch vor den Schranken des Strafgerichts, sie wisse nicht, ob es orange gewesen sei oder nicht, da sie die Lichtsignalanlage nicht ständig im Auge behalten habe (act. 667). 4.2 B.____, Jahrgang 2004, gab gegenüber der Polizei an , sie habe die Strasse überquert, als es grün geworden sei (Polizeirapport vom 11. April 2 013, act. 83). Sie bestätigte diese Aus- sage anlässlich ihrer Befragung vom 14. Mai 2014 vor der Staatsanwaltschaft als Auskunftsper- son und erklärte des Weiteren, sie und C.____ hätten de n Handtaster gedrückt und gewartet, bis es grün geworden sei; erst dann sei zuerst C.____ u nd dann sie selber über die Strasse gegangen (act. 271 ff.). 4.3 C.____, Jahrgang 2005, bestätigte die Angaben von B._ ___. Sie sagte der Polizei, sie hätten die Strasse überquert, nachdem es grün geworden sei (Polizeirapport vom 11. April 2013, act. 85). In der Einvernahme vom 2. Juli 2014 vor der Staatsanwaltschaft gab sie als Auskunftsperson zu Protokoll, bei der Ampel habe sie den Knopf gedrückt und sie und B.____ hätten beide gewartet, bis es grün geworden sei. Dann sei sie losgegangen und etwas schneller als B.____ gewesen (act. 281 ff.). Des Weiteren sagte sie Folgendes aus: "Der Mann [D.____] machte mit der Hand Zeichen, um zu zeigen, dass man telef onieren sollte. Er war mit einem Auto aus der anderen Richtung gefahren gekommen und ha tte beim Streifen vor der Ampel angehalten, als B.____ noch nicht auf der Strasse lag und noch nichts passiert war und ich ge- rade daran war, den Fussgängerstreifen zu betreten" (act. 283). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 D.____, welcher sich auf der Fahrspur 10 (vgl. Signalpl an der Lichtsignalanlage Nr. 1- 08-02, act. 133) befand, führte in der Einvernahme vom 24. Februar 2014 vor der Staatsanwalt- schaft als Zeuge aus, er habe bremsen müssen, weil es auf seiner Spur rot geworden sei; er vermute, bereits bei orange angehalten zu haben (act. 255 ff.). 4.5 E.____, die Beifahrerin von D.____, bestätigte am 2 0. März 2014 ebenfalls als Zeugin, sei seien beim Rotlicht gestanden und sie habe sich mit D. ____ unterhalten. Sie wisse zwar nicht, welche Farbe ihre Ampel gezeigt habe; allerdin gs sei das Auto von D.____ zum Unfall- zeitpunkt still gestanden (act. 263). 4.6 Gemäss Bericht der Polizei Basel-Landschaft, Verkehrsauf sicht 2, vom 16. April 2013 hat die Lichtsignalanlage zum Zeitpunkt des Unfalls einw andfrei funktioniert. Es sei daher aus- geschlossen, dass der Fahrstreifen der Beschuldigten (Rich tung Oberwil) und die Fussgänger- ampel gleichzeitig auf grün geschaltet gewesen seien (act . 121). Gemäss Darlegung von G.____, Leiter Elektrotechnik des Tiefbauamtes Basel- Landschaft, vom 8. September 2015 schalten die Fahrspuren 9 (Fahrspur der Beschuldigten) un d 10 (Fahrspur von D.____) mitei- nander von grün auf rot und umgekehrt. Es gebe daher n ie die Situation, in welcher die Spur 9 nicht dasselbe anzeigt wie die Spur 10 und umgekehrt (act. 399). 4.7 Aus der Signalplan-Aufzeichnung der in casu relevanten Lichtsignalanlage Nr. 1-08-02 ergibt sich, dass die Fahrzeugspur der Beschuldigten (Fah rspur 9, act. 133) von 13:41:48 Uhr bis 13:42:29 Uhr grün anzeigte. Während der darauffolgenden Rotphase meldete sich zunächst um 13:42:33 Uhr auf der Fahrspur 9 ein Verkehrsteilne hmer an. Eine Sekunde später, um 13:42:34 Uhr, meldete sich auf der Fahrspur von D.___ _ (Fahrspur 10, act. 133) ebenfalls ein Fahrzeug an. In der Folge schaltete um 13:42:35 Uhr di e Ampel der Fussgängerspur 11 [vorlie- gend relevanter Fussgängerstreifen, act. 133] auf grün , während die Ampeln der Fahrspuren 9 und 10 immer noch rot zeigten. 4.8 In Kombination mit dem von der Vorinstanz zutreffend a uf die Zeit zwischen 13:42:09 Uhr und 13:43:59 Uhr eingegrenzten Unfallzeitpunkt ist davon auszugehen, dass es sich bei den um 13:42:33 Uhr auf der Fahrspur 9 bzw. eine Sekun de später auf der Fahrspur 10 anmel- denden Verkehrsteilnehmern um die Beschuldigte und um D.____ handelte. Aufgrund der oben dargelegten Aussagen von D.____, E._ ___, B.____ sowie C.____, welche allesamt schlüssig, widerspruchslos und glaubhaft sind, sowie der Signalplan-Aufzeichnung der Lichtsignalanlage Nr. 1-08-02 ist klar erstellt, dass die Ampel der Kreuzung Fuchshag- weg/Blauenstrasse auf der Fahrspur von D.____ (Fahrspur 10) bereits einige Sekunden vor dem Unfallzeitpunkt rot anzeigte und dass D.____ sein Fahrzeug bei rot vor der Ampel angehal- ten hat. Überdies gingen C.____ und B.____ während der Grünphase über den Fussgängertrei- fen (vgl. hierzu act. 133). Im Zeitpunkt, als die Beru fungsklägerin die Kreuzung (kurz vor der Kollision mit B.____) befuhr, musste die Lichtsignalan lage demnach aufgrund der Gleichschal- tung der Fahrspuren ebenfalls auf rot gestanden haben . Dies in Erwägung ziehend ist mit der Vorinstanz bezüglich des Sachverhalts festzustellen, dass die Beschuldigte in casu das betref- fende Rotlicht missachtet hat. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Nach Art. 90 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer durch grobe Verletzung von Verkehrs- regeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit and erer hervorruft oder in Kauf nimmt. Der ob- jektive Tatbestand ist nach der Rechtsprechung erfüllt, w enn der Täter eine wichtige Verkehrs- vorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Ve rkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer ist b ereits bei einer erhöhten abstrakten Ge- fährdung gegeben. Diese setzt die naheliegende Möglich keit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus. Subjektiv erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst schwer- wiegend verkehrsregelwidriges Verhalten, d.h. ein schwer es Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit. Diese ist zu beja hen, wenn der Täter sich der allge- meinen Gefährlichkeit seiner Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kommt aber auch in Betracht, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verke hrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht. Die Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung setzt in diesem Fall voraus, dass das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrste ilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen (momenta nen) Nichtbedenken der Gefähr- dung fremder Interessen bestehen (BGE 131 IV 133, E. 3.2 S. 136 mit Hinweisen). Je schwerer dabei die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, des to eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv zu bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien vo rliegen (Urteile 6B_1174/2013 vom 14. Mai 2014, E. 2; 6B_571/2012 vom 8. April 2013, E. 3.4 mit Hinweis). Das Missachten des Rotlichts erfüllt in der Regel den qual ifizierten Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG; der qualifizierte Tatbestand ist insoweit nur a usnahmsweise aus subjektiven Gründen zu verneinen (BGE 121 IV 375 E. 1c S. 378 mit Hinweisen ). Da die Beschuldigte gemäss dem Beweisergebnis eine wichtige Verkehrsregel (Art. 27 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 68 Abs. 1bis der Signalisationsverordnung vom 5. September 1979 [SSV; S R 741.21]) in objektiv schwerer Wei- se verletzte, ist der objektive Tatbestand von Art. 90 Ab s. 2 SVG klarerweise erfüllt (vgl. Urteil 6B_197/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.2). Die Beschuldigte sah zunächst, dass die Lichtsignalanlage a uf grün geschaltet war. In der Fol- ge näherte sie sich dieser weiter an, ohne jedoch die notwendige Aufmerksamkeit auf sie zu richten. Dies ergibt sich aus der Aussage der Beschuldigten, wonach sie nicht wisse, ob es orange gewesen sei, da sie die Lichtsignalanlage nicht ständig im Auge behalten habe (act. 667) sowie dem Zugeständnis, es könne sein, dass es beim Du rchfahren bereits orange gewe- sen sei (vgl. Prot. KGer, S. 6). Aus dem Beweisergebni s, wonach die Beschuldigte die Kreu- zung in Missachtung des Rotlichts befahren hat, sowie aus ihren eigenen Aussagen ist somit zu folgern, dass die Beschuldigte der Lichtsignalanlage übe r längere Zeit zu wenig Aufmerksam- keit schenkte. Ansonsten wäre es ihr zweifellos möglich g ewesen, rechtzeitig vor dem Rotlicht anzuhalten. Dieses an den Tag gelegte Verhalten der Beschuldigten zeugt von einem besonde- ren Mass an Unaufmerksamkeit (vgl. BGer 6B_331/2008 vom 10. Oktober 2008, E. 3.3). In sub- jektiver Hinsicht ist somit mit der Vorinstanz von einem gr obfahrlässigen Verhalten der Be- schuldigten auszugehen, indem diese auf die Kreuzung zug efahren war, ohne zu bemerken, dass das Lichtsignal bereits auf rot stand. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Im Rahmen der Rechtsschriften ist die Strafzumessung der Vorderrichterin für den Fall der Bestätigung des Schuldspruchs hinsichtlich der groben Verletzung von Verkehrsregeln nicht beanstandet worden. Demnach bleibt es bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je CHF 70.‒, bei einer Probezeit von 2 Jahren. Diese Strafe erscheint auch dem Kantonsgericht als den Umständen angemessen. Der als Novum anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverh andlung vorgetragene Umstand der momentanen Stellenlosigkeit der Berufungsklägeri n seit dem 1. Mai 2016 führt zu keiner Anpassung der Geldstrafe, da sich das Nettoeinkommen da durch nur in geringem Masse redu- ziert (von CHF 3‘000. ‒ anlässlich der strafgerichtlichen Hauptverhandlung vom 22. September 2015 auf CHF 2‘810. ‒ seit dem 1. Mai 2016). Zudem ist diese geringfügige Einkommensände- rung nur vorübergehender Natur, da nach den Umstände n davon auszugehen ist, dass die Be- rufungsklägerin bald eine neue Stelle finden wird. III. Kosten Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die K osten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Die Berufung ist vorliegend vollumfänglich ab- zuweisen. In Anbetracht dieses Verfahrensausgangs gehen die Verfahrenskosten von CHF 3‘700. ‒, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 3‘500. ‒ sowie Auslagen von CHF 200. ‒, zu Lasten der Berufungsklägerin, welcher für das Berufung sverfahren auch keine Parteient- schädigung auszurichten ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Lan dschaft vom 22. September 2015, auszugsweise lautend: "1. A.____ wird in teilweiser Abänderung des Strafb efehls der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 18. Februar 2015 der groben Verletzung von Verkehrsregeln schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 45 Tag essätzen zu je Fr. 70.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, verurteilt, in Anwendung von Art. 90 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 Abs. 1 StGB. 2. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des V orverfah- rens von Fr. 2'054.30 und der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.--. A.____ trägt die Verfahrenskosten in Anwendung von Ar t. 426 Abs. 1 StPO. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil ver- langt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtliche Gebühr auf Fr. 750.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT)." wird in Abweisung der Berufung der Beschuldigten vollumfänglich bestä- tigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 3‘700. ‒, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 3‘500. ‒ sowie Auslagen von CHF 200. ‒, gehen zu Lasten der Beschuldigten. Der Berufungsklägerin wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger