<h2>SubmittedText<h2><p>Die Digitalisierung ist die zentrale Innovation unserer Zeit. Sie wird in der Zukunft für viel Wirtschaftswachstum sorgen. Wie aber schon in der Vergangenheit die Folgeeffekte von Basisinnovationen oft nicht richtig abgebildet wurden, taucht auch das Potenzial der Digitalisierung in den Statistiken noch kaum auf. Dies führt Thomas Straubhaar in der "Finanz und Wirtschaft" vom 12. Januar 2017 aus: Wenn beispielsweise kostenpflichtige Medien durch kostenlosen Online-Zugang ersetzt werden, wenn Güter dank Sharing Economy effizienter genutzt werden können oder wenn Firmen in Köpfe statt in Maschinen investieren, dann steigt der Nutzen massiv an, ohne dass sich das im Bruttoinlandprodukt (BIP) und in Investitionsstatistiken abbildet.</p><p>Ich bitte den Bundesrat deshalb um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Teilt er die Einschätzung, dass nicht alle Effekte bzw. nicht das ganze Potenzial der Digitalisierung im BIP erfasst werden?</p><p>2. Falls ja, welche Digitalisierungseffekte werden nicht erfasst?</p><p>3. Lässt sich der Fehler quantitativ beziffern?</p><p>4. Was kann der Bund ohne grossen Mehraufwand unternehmen, damit das Potenzial der Digitalisierung künftig möglichst vollständig erfasst und kein unzutreffendes Bild einer Stagnation gezeichnet wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Ansicht des Interpellanten, dass die Digitalisierung die Wirtschaft in verschiedenster Weise beeinflusst. Das weltweite Statistiksystem, namentlich die Statistikkommission der Uno und andere Organisationen (OECD, IWF usw.), befasst sich mit dieser Thematik, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse auf internationaler Ebene zu gewährleisten. Für das BIP, das auf dem international geltenden Regelwerk der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung basiert, ist dieser Aspekt grundlegend. Es wäre daher sinnvoller, zunächst diesen Referenzrahmen anzupassen, bevor Änderungen auf Ebene der statistischen Erhebungen und schliesslich an der Messung des BIP vorgenommen werden. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist ein synthetischer Indikator. Aus diesem Grund müssen neue wirtschaftliche Phänomene zunächst in all ihren Aspekten verstanden und erfasst werden, bevor sie ins BIP integriert werden können.</p><p>Der Bundesrat nimmt zu den Fragen wie folgt Stellung:</p><p>1. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass sich die Auswirkungen der Digitalisierung im BIP mehrheitlich implizit bemerkbar machen. Er erkennt aber auch, dass einige Auswirkungen nicht vollständig gemessen werden, da sie von den Wirtschaftsstatistiken aktuell nicht abgedeckt werden. Dies gilt beispielsweise für das Wohnungsangebot im Internet oder für Plattformen für Transportleistungen. Bevor auf Ebene der Statistik Massnahmen ergriffen werden können, müssen diese Leistungen rechtlich definiert werden.</p><p>2./3. Die vom BIP nicht erfassten Digitalisierungseffekte können nicht exakt definiert werden. Beispielsweise wird ein Teil der Wertschöpfung der Sharing Economy nicht bei den Unternehmen erhoben, sondern im Rahmen von Haushaltserhebungen (Konsumentinnen und Konsumenten). Für dieses komplexe Phänomen gibt es bisher keine anerkannte Abgrenzung. Es ist jedoch nicht korrekt, von einem "Fehler" zu sprechen: Die Digitalisierung verändert die Natur der wirtschaftlichen Aktivitäten an sich, was aber nicht zwingend bedeutet, dass auch ihre Messung infrage gestellt werden muss.</p><p>4. Zurzeit gibt es keine Sekundärdaten (Register, Administrativdaten usw.), mit denen dieser Bereich statistisch genau erschlossen werden kann. Spezifische Informationen könnten lediglich durch neue Erhebungen, deren Schwerpunkt auf den in der Interpellation angesprochenen Punkten liegt, eingeholt werden, was jedoch mit Zusatzkosten sowie mit einem Mehraufwand für die befragten Unternehmen verbunden wäre. Darüber hinaus können diese Effekte ohne internationalen Konsens a priori nicht quantifiziert und ins BIP integriert werden. Aus diesem Grund beteiligt sich das Bundesamt für Statistik an den internationalen Arbeiten, die darauf abzielen, Lösungen zur Anpassung des BIP an die sich wandelnde wirtschaftliche Realität zu finden.</p>  Antwort des Bundesrates.