B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-4830/2012 U r t e i l v o m 1 . F e b r u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Frank Seethaler (Vorsitz), Richter Stefan Mesmer, Richter Ronald Flury, Gerichtsschreiber Beat König. Parteien A._______, vertreten durch Violeta I. Ilievska, Rechtsanwältin, Beschwerdeführerin, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Vorinstanz. Gegenstand Invalidenrente. B-4830/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der am 24. April 1947 geborene, mazedonische Staatsange hörige B._______ (im Folgenden: der Versicherte) arbeitete in den Jahren 1973, 1974, 1977 und 1985 jeweils für mehrere Monate als Maurer in der Schweiz (vgl. IV-act. 1 S. 3). Vom 1. November 1986 bis 31. Januar 1999 bezog er eine schweizerische Invalidenre nte. Mit Verfügung vom 11. D e- zember 1998 hob die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (im Folgenden: IVSTA) diese Rente auf, weil sie den Grad der Invalidität des Versicherten nicht mehr als anspruchsbegründend erachtete. Am 16. Februar 2010 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung an (IV -act. 122). Mit Verfügung vom 22. August 2012 wies die IVSTA (im Folgenden: Vo r- instanz) das Leistungsbegehren ab, und zwar mit der Begründung, der Versicherte habe während weniger als drei vollen Jahren Beiträge an die schweizerische Alters -, Hinterlassenen - und Invalidenversicherung en t- richtet, so dass die Voraussetzungen für die Gewährung einer ordentl i- chen Invalidenrente nicht erfüllt seien (IV-act. 165). Mit Schreiben vom 15. August 2012 teilte A._______, vertreten durch Rechtsanwältin Violeta I. Ilievska, der IVSTA mit, dass ihr Ehemann B._______ am 24. Juli 2012 verstorben sei (IV -act. 166). Daraufhin e r- klärte die IVSTA mit Schreiben vom 14. September 2012, dass sie die To- desmeldung zur Kenntnis genommen habe und an der Verfügung vom 22. August 2012 festhalte (IV-act. 167). B. Am 10. September 2012 erhob A._______ (im Folgenden: Beschwerd e- führerin), wiederum vertreten durch Rechtsanwältin Violeta I. Ilievska, Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte, die Verfügung der IVSTA vom 22. August 2012 sei aufzuheben. Ferner forderte sie sinn- gemäss, es sei ihr für unbefristete Dauer eine in der Person des versto r- benen Ehemannes entstandene Invalidenrente auszubezahlen. In verfah- rensrechtlicher Hinsicht stellte sie den Antrag, es seien zusätzliche Sac h- verhaltsabklärungen vorzunehmen. Sodann verlangte die Beschwerd e- führerin, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von der E r- hebung von Verfahrenskosten) und unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Schliesslich beantragte sie die Zusprechung einer Parte i- entschädigung. B-4830/2012 Seite 3 Zur Begründung machte die Beschwerdeführerin geltend, der Versicherte sei entgegen der Auffassung der IVSTA bis zu seine m Tod nicht in der Lage gewesen, seinen angestammten Beruf oder eine angepasste Täti g- keit auszuüben (wird näher ausgeführt). C. Mit Vernehmlassung vom 1. November 2012 beantragte die Vorinstanz, die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene Verfügung se i zu bestätigen. D. Mit Replik vom 14. November 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest und führte ergänzend insbesondere aus, die von der Vori n- stanz übernommene ärztliche Beurteilung des Invaliditätsgrades des ve r- storbenen Versicherten sei nicht korrekt bzw. beruhe auf unvollständigen Abklärungen. E. Mit Duplik vom 29. November 2012 beantragte die Vorinstanz erneut die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Ve r- fügung. F. Mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2012 hies s das Bundesve r- waltungsgericht das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung gut. G. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten B e- weismittel wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen e inge- gangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Nach Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesver wal- tungsgericht vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG, SR 831.20) be urteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Aus land gegen Verfügungen der IVSTA. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. B-4830/2012 Seite 4 1.2 Gemäss Art. 3 Bst. dbis des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) findet das VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesg e- setz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversich e- rungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG fin- den die Vorschriften des ATSG auf die In validenversicherung (Art. 1a bis 26bis IVG und 28 bis 70 IVG) Anwendung, soweit das IVG nicht ausdrück- lich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. 1.3 Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerdeführung vor dem Bunde s- verwaltungsgericht legitimiert, wer durch die angefochtene Verfügung b e- rührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Ä n- derung hat (vgl. auch Art. 48 Abs. 1 VwVG). Der Versicherte hat a m vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und ist während dieses Verfahrens verstorben. Die Beschwerdeführerin, welche mit ihm verheiratet war und seine Erbin ist, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat an deren Aufhebung bzw. Änd e- rung ein schutzwürdiges Interesse. Folglich ist sie im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert. 1.4 Die Beschwerdeführerin hat Rechtsanwältin Violeta I. Ilievska mit Vollmacht vom 10. September 2012 rechtsgültig bevollmächtigt (vgl. Art. 37 ATSG). Zudem wurde die Beschwerde frist - und formgerecht eingereicht (Art. 60 ATSG und Art. 52 VwVG). Das Bundesverwaltungsge- richt hat sodann mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2012 das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege gutg e- heissen, weshalb sie von der Pflicht zur Leistung eines Kostenvorschu s- ses entbunden ist. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. 2.1 Der Versicherte war Staatsangehöriger von Mazedonien und lebte zu- letzt dort (vgl. IV -act. 122 S. 1 und IV -act. 129 S. 1), so dass vorliegend das am 1. Januar 2002 in Kraft getretene Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Mazedonien über Soziale Sicherheit vom 9. Dezember 1999 (SR 0.831.109.520.1) a n- wendbar ist. Gemäss Art. 4 Abs. 1 des Abkommens sind die Staatsange- hörigen des einen Vertragsstaates sowie deren Familienangehörige und Hinterlassene unter Vorbehalt abweichender Vorschriften des Abko m-B-4830/2012 Seite 5 mens in ihren Rechten und Pflichten aus den Rechtsvorschriften des a n- deren Vertragsstaates den Angehör igen dieses Vertragsstaates bzw. d e- ren Familienangehörigen und Hinterlassenen gleichgestellt. Folglich bestimmt sich der streitige Anspruch auf Leistungen der schwe i- zerischen Invalidenversicherung ausschliesslich nach dem innerstaatl i- chen schweizerischen Recht, insbesondere dem IVG. 2.2 In zeitlicher Hinsicht sind sodann grundsätzlich diejenigen Rechtssä t- ze massgebend, welche bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung hatten (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 131 V 11 E. 1). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen sowie ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata temporis; BGE 130 V 445). Das IVG ist somit grundsätzlich in der im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (22. August 2012) geltenden Fassung vom 18. März 2011 (ers- tes Massnahmepak et der 6. IV -Revision, in Kraft seit 1. Januar 2012 [AS 2011 5659]) bzw. pro rata temporis in den bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts gültig gewesenen Fa ssungen a n- wendbar. 2.3 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren ist vom Untersuchung s- grundsatz beherrscht (Art. 43 ATSG). Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des e rheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet zum einen sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (Art. 28 f. ATSG; BGE 125 V 195 E. 2, BGE 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zum ande- ren umfasst die behördliche und richterliche Abklärungspflicht nicht unb e- sehen alles, was von einer Partei behauptet oder verlangt wird. Vielmehr bezieht sie sich nur auf den im Rahmen des streitigen Rechtsverhältni s- ses (Streitgegenstand) rechtserheblichen Sachv erhalt. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streit i- gen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist (vgl. PATRICK L. KRAUS- KOPF/KATRIN EMMENEGGER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxis- kommentar VwVG, Zürich/Ba sel/Genf 2009, Art. 12 N. 28 ff.) . In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten er- gebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 B-4830/2012 Seite 6 E. 4a mit Hinweis; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgericht [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht] I 520/99 vom 20. Juli 2000). 3. Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenv ersicherung hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und beim Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer Beitr ä- ge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) ge- leistet hat, d.h. wäh rend mindestens eines vollen Jahres gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung bzw. wä h- rend mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung vom 6. Oktober 2006 (5. IV -Revision, AS 2007 5129). Diese Voraussetzungen müssen kumulativ gegeben sein; ist eine davon nicht erfüllt, so entsteht kein Rentenanspruch, selbst wenn die a n- dere zu bejahen ist. 4. Vorliegend steht die Anwendung des per 1. Januar 2008 revidierten Art. 36 Abs. 1 IVG mit de r in dieser Bestimmung enthaltenen (und auf diesen Zeitpunkt geänderten) Regelung der Mindestbeitragsdauer in Fr a- ge. Weil aus intertemporalrechtlicher Sicht d as bei Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes geltende Recht ausschlaggebend ist (vgl. vorn E. 2.2), ist vorab zu klären, wann die Voraussetzungen für einen allfälligen Leistungsanspruch erfüllt waren bzw. wann der Versiche- rungsfall frühestens eingetreten ist. 4.1 Die Invalidität bzw. der Versicherungsfall Invalidenrente gilt erst mit der Entstehung des Rentenanspruchs als eingetreten, also frühestens mit Ablauf des Wartejahrs gemäss Art. 29 Abs. 1 Bst. b IVG (in der bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) bzw. Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG (in der seit dem 1. Januar 2008 gültige n Fassung) (vgl. das zur Pu b- likation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2012 vom 18. Oktober 2012 E. 3 mit Hinweisen). Mit anderen Worten muss der Ver- sicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durc h- schnittlich mindestens zu 40 % a rbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sein (vgl. Art. 29 Abs. 1 Bst. b IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung bzw. Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung). 4.2 Die Vorinstanz hatte in ihrer Verfügung vom 11. Dezember 1998 aus- geführt, der Versicherte sei seit dem 8. Dezember 1992 in der Lage, vol l-B-4830/2012 Seite 7 zeitig seinem Gesundheitszustand angepasste Tätigkeiten auszuüben. Dabei sei davon auszugehen, dass er gegebenenfalls mehr als die Hälfte des Erwerbseinkommens erzie len würde, welches bei fehlender Invalid i- tät erreicht würde. Infolgedessen bestehe ab dem 1. Februar 1999 kein Anspruch mehr auf eine Rente der Invalidenversicherung (IV-act. 112). Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin führte in einem Schreiben vom 26. August 2010 aus, der Versicherte sei seit dem 29. November 1985 arbeitsunfähig (IV -act. 129 S. 1). Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Versicherte sei seit dem 29. Dezember 1989 in seiner A r- beitsfähigkeit stark eingeschränkt gewesen. Zudem bestre itet sie die in der Verfügung vom 11. Dezember 1998 getroffene Annahme, dass der Versicherte zu 100 % eine angepasste Tätigkeit hätte verrichten können. Sie rügt diesbezüglich, die Sachverhaltsabklärungen seien unvollständig bzw. nicht korrekt durchgeführt worden (Beschwerde, S. 2; Replik, S. 1). Mit diesen Ausführungen bezieht sich die Beschwerdeführerin auf den Versicherungsfall, welcher zur Ausrichtung der zwischenzeitlich recht s- kräftig aufgehobenen, nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bi l- denden Invalidenrente vom 1. November 1986 bis 31. Januar 1999 g e- führt hat. Dass dieser Versicherungsfall bei Erlass der Verfügung vom 11. Dezember 1998 unrichtig bzw. gestützt auf unzureichende Sachve r- haltsabklärungen beurteilt worden sei, macht die Beschwerde führerin in- des nicht substantiiert geltend. Ebenso wenig ist substantiiert, dass vor dem 1. Januar 2008 ein neuer Versicherungsfall eingetreten ist. Entspr e- chendes lässt sich auch nicht den Akten entnehmen, auch wenn ein am 27. Oktober 2010 erstellter Arzt bericht dem Versicherten eine halbseitige Lähmung infolge eines Schlaganfalles attestiert (vgl. IV -act. 148 S. 1 und IV-act. 157 S. 1). Es kann davon ausgegangen werden, dass der Vers i- cherte diesen Schlaganfall erst nach dem 1. Januar 2008 erlitt. Denn zum einen behauptet die Beschwerdeführerin nichts Gegenteiliges. Zum ande- ren wurde vorliegend die Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 28 Abs. 2 ATSG s o- wie vorn E. 2.3) nicht erfüllt, war die Anwältin der Beschwerdeführerin doch als damalige Vertreterin des Versiche rten mit Schreiben vom 5. September 2011 ohne Erfolg dazu aufgefordert worden, einen aktue l- len ärztlichen Verlaufsbericht mit dem genauen Datum des Schlaganfalles des Versicherten einzureichen (vgl. IV-act. 164). Unter Berücksichtigung der einjährigen Wartezeit von Art. 29 Abs. 1 Bst. b IVG in der bis 31. Dezember 2007 gül tig gewesenen Fassung bzw. Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung ist B-4830/2012 Seite 8 nach dem Ausgeführten mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der Versicherungsfall nach dem 1. Januar 2008 eingetreten ist. Keine Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Umstand, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung irrtümlich den 27. Oktober 2011 als Zeitpunkt des Eintrittes der Invalidität nannte und sich dabei vermutlic h auf den e r- wähnten Arztbericht vom 27. Oktober 2010 bezog (vgl. IV-act. 165 S. 1). 5. Da der Versicherungsfall nach dem 1. Januar 2008 eintreten ist, beträgt die erforderliche Mindestbeitragsdauer gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit diesem Zeitpunkt geltenden Fassung drei Jahre (vgl. vorn E. 3). 5.1 Die Beitragsdauer bestimmt sich in der Regel nach den Einträgen in den individuellen Konten der versicherten Person (vgl. Art. 30 ter Abs. 1 AHVG). Der Versicherte hat das Recht, bei jeder Ausgleichskasse, welc he für ihn ein individuelles Konto führt, einen Auszug über die darin gemachten Ein- tragungen unter Angabe allfälliger Arbeitgeber zu verlangen (Art. 141 Abs. 1 der Verordnung vom 31. Oktober 1947 über die Alters- und Hinter- lassenenversicherung [AHVV, SR 83 1.101]). Wird kein Kontenauszug oder keine Berichtigung verlangt oder das Berichtigungsbegehren abg e- lehnt, kann laut Art. 141 Abs. 3 AHVV bei Eintritt des Versicherungsfalles die Berichtigung von Eintragungen im individuellen Konto nur verlangt werden, sow eit deren Unrichtigkeit offenkundig ist oder dafür der volle Beweis erbracht wird. Art. 141 Abs. 3 AHVV führt eine Beweisverschärfung gegenüber dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit ein, indem der volle Be weis gefordert wird. Freilich bede u- tet dies nicht, dass die Untersuchungsmaxime nicht gilt und der Vers i- cherte selbst diesen Beweis zu erbringen hat. Vielmehr heisst dies ledi g- lich, dass der Versicherte insofern erhöhte Mitwirkungspflichten hat, als dass er alles ihm Zumutbare unternehmen muss, um die Verwaltung oder das Gericht bei der Beschaffung des Beweismaterials zu unterstützen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C -3196/2008 vom 25. Juni 2009 E. 3.1.3 mit Rechtsprechungshinweis). 5.2 Vorliegend weisen die individuellen Beitragskonten des Versicherten Beitragszahlungen für insgesamt 35 Monate aus (vgl. IV-act. 134 S. 2 und IV- act. 135 S. 2). Die entsprechenden Aufstellungen sind ohne Weiteres B-4830/2012 Seite 9 nachvollziehbar und werden von der Beschwerdeführeri n nicht bestritten. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet sie als beweisrechtlich schlüssig, so dass darauf abzustellen ist. Die Vorinstanz hat somit zu Recht angenommen, dass der Versicherte nur während 35 Monaten Beiträge geleistet hat und damit die er forderli- che Mindestbeitragszeit nicht erfüllt ist. 6. Da – wie aufgezeigt – die Anspruchsvoraussetzung der dreijährigen Min- destbeitragsdauer gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG nicht erfüllt ist, muss hier der Rüge der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe die Inva lidität des Versicherten unrichtig beurteilt, nicht weiter nachgegangen werden. Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen und die ang e- fochtene Verfügung vom 22. August 2012 zu bestätigen. 7. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis in Verbindung mit Art. 69 Abs. 2 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ve r- weigerung von IV-Leistungen vor dem Bundesverwaltungsgericht koste n- pflichtig. Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der unterliegenden Beschwerd e- führerin sind zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mittels Verfügung vom 12. Dezember 2012 keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 7.2 Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist entsprechend dem Verfah- rensausgang keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) e contrario). Mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2012 wurde das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gutgeheissen. Wie sich nachträglich he r- ausstellte, erfüllt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin die Vo r- aussetzungen zur Bestellung als unentgeltlichen Rechtsbeistand nicht (vgl. dazu Art. 65 Abs. 2 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Bu n- desgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [Anwaltsgesetz, BGFA, SR 935.61] sowie BGE 132 V 200 E. 5.1.3 f.). Aus Gründen des Vertrauensschutzes (vgl. Art. 9 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 B-4830/2012 Seite 10 [BV, SR 101]) erscheint es jedoch nicht als angezeigt, auf die genannte Verfügung zurückzukommen. Der Rechtsanwälti n Violeta I. Ilievska wird deshalb in Anwendung von Art. 10 Abs. 1 und 2 VGKE aus der Gericht s- kasse ein Honorar von Fr. 2'000. - (inkl. Auslagenersatz, keine Meh r- wertsteuer geschuldet) zugesprochen. Gelangt die Beschwerdeführerin später zu hinreichenden Mit teln, so ist sie verpflichtet, dem Bundesve r- waltungsgericht Honorar und Kosten der Rechtsanwältin zu vergüten (Art. 65 Abs. 4 VwVG). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Der amtlichen Anwältin, Violeta I. Ilievska, wird ein Honorar von insg e- samt Fr. 2'000.- ausgerichtet, zahlbar durch die Gerichtskasse nach Ei n- tritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils. 5. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein); – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde); – das Bundesamt für Sozialversicherungen (Gerichtsurkunde). B-4830/2012 Seite 11 Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Frank Seethaler Beat König Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern , Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 5. Februar 2013