B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-37/2020 U r t e i l v o m 9. A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), Afghanistan, alle vertreten durch G._______, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 28. November 2019 / N (…). D-37/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) suchte zusammen mit seiner Ehefrau H._______ (Beschwerdeverfahren D-32/2020) und den gemein- samen Kindern am 8. November 2015 im damaligen Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) des SEM in I._______ um Asyl nach. Am 14. De- zember 2015 wurde er zu seiner Person, zum Reiseweg sowie summa- risch zu den Gesu chsgründen befragt (Befragung zu Person, BzP). Am 24. August 2016 wurde das jüngste Kind des Beschwerdeführers und sei- ner Ehefrau geboren und in das Verfahren miteinbezogen. Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 18. August 2017 einlässlich zu den Asylgründen an (Anhörung). B. Anlässlich seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent- lichen geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger tadschikischer Eth- nie und in J._______ (Distrikt K._______, Provinz L._______) geboren, wo er bis zur Ausreise mit seiner Ehefrau und seinen Kindern gelebt habe. Er habe einen Laden geführt und seine Ehefrau sei Hausfrau und Mutter ge- wesen. Eines nachts seien sie zu Hause überfallen worden. Er selber habe während der Auseinandersetzung einen der Angreifer schwer verletzt. Auf Anraten des Dorfvorstehers hätten er und seine Familie anschliessend das Land verlassen, da es sich bei den Eindringlingen um mächtige Personen gehandelt habe. Vier Tage vor dem Opferfest 2015 seien sie über M._______ nach Pakistan und von dort weiter in den Iran gereist. Über die Türkei und Griechenland seien sie schliesslich durch weitere europäische Länder in die Schweiz gelangt. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine eigene Tazkara und diejenige seines Sohnes B._______ zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 28. November 2019 – eröffnet am 2. Dezember 2019 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingsei- genschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und wies sie aus der Schweiz weg. Den Vollzug der Wegweisung erachtete es dagegen als unzumutbar, weshalb es eine vorläufige Aufnahme verfügte. D. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 3. Januar 2020 erhoben die Be- schwerdeführenden gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde D-37/2020 Seite 3 beim Bundesverwaltungsgericht. In materieller H insicht beantragten sie, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigen- schaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei zumindest die Flüchtlingseigenschaft der Kinder festzustel- len und ih nen Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte n die Beschwerdeführenden um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und Rechtsverbeiständung. Als Beweismittel reichte n die Beschwerdeführenden einen Pressebericht der (…) vom 28. September 2018 sowie das ausgefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" des Bundesverwaltungsgerichts inklusive Beilagen und ein Arbeitszeugnis der (…) betreffend den Beschwerdeführer vom 11. Dezember 2018 zu den Akten. E. Mit Schreiben vom 9. Januar 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines z weiten D-37/2020 Seite 4 Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Soweit auf Beschwerdeebene in formeller Hinsicht gerügt wird, die Vor- instanz habe den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt und die Vorbringen unzulänglich gewürdigt, ist Folgendes festzuhalten: Die behördliche Untersuchungspflicht im Asylverfahren (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) gilt nicht uneingeschränkt, sondern korreliert eng mit der Mit- wirkungspflicht der Asylsuchenden im Sinne von Art. 8 Abs. 1 AsylG. Für das Bundesverwaltungsgericht besteht insbesondere keine Pflicht, über die Vorbringen der Beschwerdeführenden hinaus den Sachverhalt neu zu erforschen, sondern es kann sich vielmehr darauf beschränken, die Stich- haltigkeit der betreffenden Vorbringen zu prüfen, es sei denn, bereits die vorinstanzlichen Akten oder aber die Ausführungen in der Beschwerde- schrift legten zusätzliche Abklärungen zum Sachverhalt nahe (vgl. Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] Nr. 23 , E. 5a, S. 222 f.; BGE 110 V 52 f.). Asylsuchende sind einerseits nach Art. 8 Abs. 1 AsylG zur Mitwirkung an der Feststellung des Sachverhalts verpflichtet, andererseits haben sie aber auch einen A n- spruch darauf, was sich unmittelbar aus dem Anspruch auf rechtliches Ge- hör nach Art. 29 Abs. 2 BV ergibt. Aus den Akten geht hervor, dass die Asylbehörden den Beschwerdeführer bereits in der BzP sehr ausführlich befragt haben. Nach Durchsicht der Protokolle von BzP und Anhörung gelangt das Bundesverwaltungsgericht entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführenden zum Schluss, dass die Befragungen in einer sachlichen Atmosphäre stattgefunden ha- ben. Der aus den Protokollen hervorgehende Anhörungsstil – insbeson- dere die in die Tiefe gehenden Fragestellungen zur nächtlichen Auseinan- dersetzung – erwecken nicht den Eindruck einer unfairen und voreinge- nommenen Befragung und sind nach Ansicht des Bundesverwaltungsge- richts nicht zu beanstanden. Die Fragestellungen b ezweckten als inte- grierte Bestandteil der Gesamtbefragung und als Ausformung eines Teilas- pekts des rechtlichen Gehörs einzig und allein, dem Beschwerdeführer die Gelegenheit einzuräumen, seine Aussagen plausibel zu machen bezie- hungsweise allfällige Missver ständnisse auszuräumen. Schliesslich hat auch die zur Beobachtung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfs- werksvertretung keine Einwände gegen den Befragungsstil oder die Kor- rektheit der Anhörung festgehalten. D-37/2020 Seite 5 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist somit festzuhalten, dass den Pro- tokollen der BzP und Anhörung keine Hinweise auf eine unfaire und unkor- rekte Befragung entnommen werden können. Insoweit die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz hätte den Be- schwerdeführer vertiefter zu dem von ihm erwähnten "(…)" befragen be- ziehungsweise ihn darauf aufmerksam machen müssen, dass eine Bestä- tigung der Schilderungen durch diese Person für den Ausgang des Asyl- verfahrens von Bedeutung sein könnte, ist auf die vorgängigen Ausführun- gen betreffend die Mitwirkungspflicht zu verweisen. Es wäre mithin entge- gen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht Aufgabe des Beschwerde- führers gewesen, die Asylbehörden substanziiert über seine Erlebnisse zu informieren beziehungsweise die zentrale Bedeutung jener Person im Hin- blick auf seine Asylgründe darzutun, zumal i hm anlässlich der Anhörung durchaus Gelegenheit dazu gegeben wurde ( […]). Schliesslich wurde der Beschwerdeführer bereits anlässlich der BzP darauf hingewiesen, Beweis- mittel unverzüglich zu beschaffen und einzureichen ([…]). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden ist es nicht Sache des SEM, sie auf Be- weismittel hinzuweisen, welche ihre Asylgründe belegen können. Vielmehr wäre es mit Blick auf die ihnen obliegende Mitwirkungspflicht an ihnen ge- legen, allfällige Beweismittel, welche ihre Vorbringen untermauern können, vollständig zu bezeichnen, zu besorgen oder besorgen zu lassen und diese umgehend einzureichen. Der Vorwurf schliesslich, die Vorinstanz habe die Vorbringen einseitig und stark zu Ungunsten der Beschwer deführenden gewürdigt beziehun gs- weise habe die Schilderung der Ereignisse von vornherein als frei erfunden eingestuft, was in die Begründung des Asylentscheids eingeflossen sei, er- weist sich angesichts der Erwägungen mit denen das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers zu Rech t als unglaubhaft beurteilt hat (vgl. dazu nachstehend), als nicht stichhaltig. Die Begründungspflicht als Teilgehalt des aus Art. 29 Abs. 2 BV abgeleiteten verfassungsmässigen Anspruchs auf rechtliches Gehör dient der rationalen und transparenten Entscheidfin- dung der Behörden und soll die Betroffenen in die Lage versetzen, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat daher kurz die we- sentlichen Überlegungen, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt, zu nennen. Je weiter der Entscheidungsspielraum, je komplexer die Sach- und Rechtslage und je schwerwiegender der Ein- griff in die Rechtsstellung der betroffenen Person, desto höhe re Anforde- rungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. zum Ganzen BGE 137 II D-37/2020 Seite 6 266 E. 3.2; BVGE 2012/24 E. 3.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsver- fahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, N 629 ff.). Die Vorinstanz legte vorliegend mit transparenter, auf den konkreten Ein- zelfall bezogener Argumentation dar, weshalb die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Vorbringen den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht zu ge- nügen vermöchten. In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, dass sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken darf (BGE III 65 E. 5.2). Sodann war den Beschwerdeführenden eine sachgerechte Anfechtung möglich, wie die vorliegende Beschwerde zeigt. Schliesslich stellt alleine der Umstand, dass die Vorinstanz nach Würdigung der Partei- vorbringen zu einem anderen Schluss als die Beschwerdeführenden kam, keine Gehörsverletzung dar, sondern beschlägt die Frage der materiellen Würdigung. 3.2 Nach dem Gesagten haben sich die formellen Rügen als unbegründet erwiesen. Es besteht keine Veranlassung den Entscheid aus formellen Gründen aufzuheben. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz F lüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, di e einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-37/2020 Seite 7 5. 5.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, die Vorbrin- gen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhalten, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Zunächst habe der Beschwerdeführer den angeblichen Überfall nicht ausreichend zu sub- stantiieren vermocht. Bereits in der BzP seien seine Aussagen vage und allgemein ausgefallen. So habe er beispielsweise zu Protokoll gegeben, dass er von Dieben überfallen worden und dass es zu körperlichen Ausei- nandersetzungen gekommen sei, wodurch eine Person verletzt worden sei. Auf die Frage, wer diese Personen gewesen seien, habe er ausgesagt, es habe sich um ihm unbekannte Personen gehandelt. Auf weitere Nach- frage habe er angegeben, dass es mächtige Personen, Diebe respektive eine grosse Gruppe gewesen seien. Die von ihm verwendeten Begrifflich- keiten seien trotz mehrfacher Nachfrage äusserst vage geblieben und es sei ihm an keiner Stelle gelungen aufzuzeigen, wer die fraglichen Personen gewesen sein sollten und weshalb er innert weniger Tage habe ausser Lan- des fliehen müssen, um sich vor diesen Personen zu schützen. Auch zu der zugefügten Verletzung habe er kaum weiterführende Informationen lie- fern können. Er habe behauptet, der Verletzte habe viel Blut verloren, aber er habe nicht richtig feststellen können, wo dieser verletzt gewesen sei, weil es dunkel gewesen sei. Das Dorfoberhau pt habe schliesslich festge- stellt, dass es sich um eine grosse Verletzung gehandelt habe, weil es so viel Blut gegeben habe. Die Frage, wie er die Schwere der Verletzung habe feststellen können, habe er erst nach mehrmaligen Nachfragen beantwor- tet. Er habe dabei angegeben, dass es aufgrund des vielen Blutes feststell- bar gewesen sei, dass es sich um eine grosse Verletzung gehandelt habe. Er habe sich ausserdem ausschliesslich auf die Einschätzungen und Aus- sagen des Dorfvorstehers berufen, was erstaune, da da von auszugehen sei, dass er als Direktbeteiligter in der Lage sein sollte, eine eigene Ein- schätzung des Sachverhaltes abzugeben. Insgesamt liessen bereits seine Aussagen anlässlich der BzP Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbrin- gen aufkommen. Diese Schlussfolgerung werde durch seine unsubstanti- ierten Aussagen an der Anhörung bestätigt. So falle auf, dass er, als er aufgefordert worden sei, den Hergang der Ereignisse aus seiner Sicht nachzuerzählen, zunächst aus der Perspektive seiner Mutter angesetzt habe. Im Weiteren sei seine Darlegung unpersönlich, undetailliert und wie- derholend. Den bereits bekannten Sachverhalt habe er nicht mit weiteren Details oder neuen Betrachtungen zu ergänzen vermocht. Er sei ferner nicht in der Lage gewesen, anschauliche Informationen darüber zu geben, was unmittelbar nach dem Schuss bis zum Eintreffen des Parlamentariers D-37/2020 Seite 8 geschehen sei. Auch zum Eintreffen von Letzterem seien ihm keine hinrei- chend detaillierten und originellen Schilderungen gelungen. Angaben wie, dass es hinter der Mauer viele Bäume, Blut und eine Leiter gegeben oder dass sein Haus über zwei Türen verfügt habe, erschienen flach und unin- spiriert. Die weiteren Erzählungen zum Verlauf der Ereignisse direkt nach dem Überfall bestärkten schliesslich den Eindruck einer auswendig gelern- ten Geschichte. Nach dem Gesagten müsse daher davon ausgegangen werden, dass er die Schweizer Behörden über die tatsächlichen Ereig- nisse, die zu seiner Ausreise aus Afghanistan geführt haben, zu täuschen versuche. Mithin könne ihm sein e Fluchtbegründung nicht geglaubt wer- den. 5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe bringen die Beschwerdeführenden dage- gen vor, die Vorinstanz habe bereits anlässlich der BzP Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers geäussert . Sie habe versucht, den Beschwerdeführer in Widersprüche zu verwickeln und ihm Fragen gestellt, die er nach einem Vorfall in der Dunkelheit gar nicht habe beantworten können, z.B. zur Anzahl der Eindringlinge. Obwohl der Beschwerdeführer alle Fragen nach bestem Wissen bean twortet habe, werde ihm vorgeworfen , dass er dauernd den Fragen aus weiche, und seine Aussagen sehr vage und nicht nachvollziehbar seien. Die Anhörung des Beschwerdeführers habe einen ähnlichen Verlauf genommen. Auch hier seien zahlreiche Aussagen in Zweifel gezogen worden, sogar in Punk- ten, die mit dem Fluchtgrund an sich in keinem Zusammenhang gestanden hätten. Obwohl der Beschwerdeführer die Vorfälle, so wie er sie erlebt habe, mehrmals in allen Einzelheiten geschildert habe , seien seine Dar- stellungen als unpersönlich und undetailliert abgetan worden. Der Vorwurf, er habe sich erst nach mehrfacher Nachfrage zu den von ihm verwendeten Begrifflichkeiten (Diebe, grosse Gruppe) geäussert und zur Schwere der Verletzung Stellung genommen, möge zutreffen, übersehe aber, dass die Anhörung mit einer oft schwierigen Übersetzung in Dari erfolgt sei und es deshalb verständlich sei, dass er nicht immer auf Anhieb präzise auf die ihm gestellten Fragen geantwortet habe. Insofern das SEM einen weiteren Beweis für die angebliche Unglaubwürdigkeit darin sehe, dass er, als er aufgefordert worden sei, den Hergang der Ereignisse aus seiner Sicht zu erzählen, zuerst aus der Perspektive der Mutter angesetzt habe, sei darauf hinzuweisen, dass er von seiner Mutter, die als ers te Geräusche gehört habe, geweckt worden sei, woraufhin er ausserhalb des Hauses nachge- sehen habe. Damit habe er seine Schilderung genau dort begonnen, wo die Ereignisse ihren Anfang genommen hätten. Weshalb ihm dies zum Vor- wurf gemacht werde, sei nicht nachvollziehbar. Aus seinen Schilderungen D-37/2020 Seite 9 gehe sodann hervor, dass die Einschätzung der Geschehnisse durch den Politiker entscheidend gewesen sei. Da die Vorinstanz den Schilderungen des Beschwerdeführers keinen Glauben geschenkt habe, interessiere sie die Gefahren, denen er ausgesetzt gewesen wäre, falls die Schiesserei einen tödlichen Ausgang genommen hätte, nicht. Bei einer Rückkehr in ihr Land wären der Beschwerdeführer und seine Familie weiterhin in grosser Gefahr, zumal insbesondere auch in der Provinz L._______, wo kriminelle Aktivitäten in grosser Zahl vorkämen, nicht mit dem Schutz der Sicherheits- kräfte gerechnet werden könne. Indem die Vorinstanz den vom Beschwer- deführer geltend gemachten Fluchtgründen jeglichen Wahrheitsgehalt ab- spreche, unterstelle es den Beschwerdeführenden, aus anderen Gründen, insbesondere aus wirtschaftlichen Überlegungen aus Afghanistan geflohen zu sein. Gegen diese Unterstellung würden jedoch die folgenden Aspekte sprechen: Zunächst habe der Beschwerdeführer in Afghanistan über eini- gen Besitz verfügt. So habe ihm landwirtschaftlich nutzbarer Boden in der Provinz L._______ gehört, mit dessen Erträgen er seine Familie habe er- nähren können. Aus einem Stück Land, welches er in N._______ verkauft habe, hätten ihm sodann Mittel zur Verfügung gestanden, die er in seinen Laden investieren oder für den Ausbau des Hauses habe verwenden wol- len. Der Laden habe ihm zudem eine Beschäftigung und einen, wenn auch nicht sehr grossen, Ertrag gegeben. Falls der Beschwerdeführer, wie die Vorinstanz es annehme, aus wirtschaftlichen Gründen das Land hätte ver- lassen wollen, wäre die Ausreise sicher zunächst innerhalb der Familie be- sprochen worden. Schlussendlich sei wenig nachvollziehbar, dass der Be- schwerdeführer, falls er aus rein wirtschaftlichen Gründen sein Heimatland habe verlassen wollen, die lange und unglaublich gefährlicher Reise mit seiner Ehefrau und den damals (…) bis (…) Jahre alten Kindern angetreten haben solle. 6. 6.1 Die Vorinstanz hat den Massstab des Glaubhaftmachens nicht ver- kannt, auf den vorliegenden Fall korrekt angewandt und in der angefoch- tenen Verfügung einlässlich begründet, weshalb die Vorbringen des Be- schwerdeführers als unglaubhaft zu werten sind. Das Bundesverwaltungs- gericht gelangt nach Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit der Vor- instanz zum Schluss, dass es de n Beschwerdeführenden entgegen der Beschwerde nicht gelungen ist, eine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen. Insbesondere ergibt eine Konsultation der Befragungsprotokoll e und der vorinstanzlichen Verfü- gung, dass die Vorinstanz die Akten sorgfältig geprüft und schliesslich zu Recht festgestellt hat, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, D-37/2020 Seite 10 die Asylgründe glaubhaft darzulegen. Zwecks Vermeidung von Wiederho- lungen ist dazu auf die vorstehenden, vorinstanzlichen Ausführungen zu verweisen, welche weder in rechtlicher noch in tatsächlicher Hinsicht zu beanstanden sind und denen sich das Gericht anschliesst (vgl. E. 5.1). Die Rechtsmitteleingabe stellt dem nichts Stichhal tiges entgegen und er- schöpft sich vielmehr in Wiederholungen des bereits bekannten Sachver- halts und Erklärungsversuchen, womit sie nicht aufzeigt, inwiefern die vor- instanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verletzen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. Insbesondere vermag der Einwand auf den Vorhalt der Vorinstanz , dass der Beschwerdeführer nicht immer auf Anhieb präzise auf die ihm gestell- ten Fragen geantwortet habe beziehungsweise, dass er sich erst nach mehrfacher Nachfrage zu den von ihm verwendeten Begrifflichkeiten ge- äussert und zur Schwere der Verletzung Stellung genommen habe, sei da- rauf zurückzuführen, dass die Befragungen mit einer oft schwierigen Über- setzung in Dari erfolgt sei, in keiner Weise zu überzeugen . Anlässlich der BzP gab der Beschwerdeführer an, die Dolmetscherin gut zu verstehen ([…]). Auch im Anhörungsprotokoll vom 18. August 2017 finden sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, es sei bei der Anhörung zu entsprechen- den Schwierigkeiten gekommen und auch dort hat der Beschwerdeführer die Dolmetscherin laut eigenen Angaben gut verstanden ( […]). Nach der Rückübersetzung hat er die Richtigkeit respektive Vollständigkeit seiner Aussagen unterschriftlich bestätigt und auch die Hilfswerksvertretung hat keine Bemerkungen angebracht, welche auf Verständigungsschwierigkei- ten hindeuten würden ([…]). Sodann stellen allgemeine, im Rahmen eines Krieges oder Bürgerkrieges erlittene Nachteile keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes dar, soweit sie nicht auf der Absicht beruhen, einen Menschen aus einem der in Art. 3 AsylG erwähnten Gründe zu treffen. Insofern die Beschwerdeführenden in ihrer Rechtsmitteleingabe auf die schlechte Sicherheitslage in der Provinz L._______ verweisen, ist solches zu verneinen, da di e von ihnen geschil- derten Nachteile auf die bürgerkiegsbedingte Situation in der Heimat zu- rückzuführen sind und es sich um die gleichen Risiken und Einschränkun- gen handelt, denen die gesamte Bevölkerung beziehungsweise zumindest ein beträchtlicherer Teil davon ausgesetzt ist. Betreffend das Eventualbegehren, dass zumindest den Kindern Asyl zu ge- währen sei, ist Folgendes festzuhalten: Nachdem sich die Vorbringen des D-37/2020 Seite 11 Beschwerdeführers als unglaubhaft erweisen, besteht für eine Reflexver- folgung der Kinder beziehungsweise ein Einbezug in die Flüchtlingseigen- schaft des Beschwerdeführers keine Grundlage . Der Hinweis auf die schlechte Sicherheitslage erweist sich, wie vorgängig erwähnt, als nicht asylrelevant und weitere, eigene Asylgründe werden von den Kindern nicht vorgetragen. Insoweit sich die Beschwerdeführenden in diesem Zusam- menhang auf die gute Integration der Kinder in der Schweiz berufen, ist dies für die Frage des Asyls, welches den Schutz vor Verfolgung bezweckt, nicht relevant. 6.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und deren Asyl- gesuche abgewiesen hat. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 8.2 Die Vorinstanz hat infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden angeordnet. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 8.4 [als Referenzurteil pu- bliziert]; BVGE 2009/51 E. 5.4), erübrigen sich weitere Ausführungen zur Frage der Durchführbarkeit des Vollzugs. D-37/2020 Seite 12 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefocht ene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. 10. 10.1 Die Beschwerdeführen ersuchten um die Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und die Einsetzung eines amtli- chen Rechtsbeistandes (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten ha- ben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht ge- geben, weshalb die Gesuche ungeachtet der ausgewiesenen Mittellosig- keit abzuweisen sind. 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Be - schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-37/2020 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Andrea Beeler Versand: