Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. November 2016 (715 16 232) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Der Beschwerdegegnerin ist beizupflichten, dass die Beschwerdeführerin für die Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses ohne Zusicherung einer anderen Anstellung einzustehen hat. Die Einstelldauer von 31 Tagen ist nicht zu beanstanden. Die Beschwerde wird ab- gewiesen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Robin Eschbach Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____ war zuletzt ab dem 1. September 2014 bei der B.____ Ltd. angestellt. Mit Schreiben vom 26. Oktober 2015 kündigte sie dieses Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist per 31. Dezember 2015. Am 30. März 2016 meldete sie sich zur Arbeitsvermittlung an und erhob bei der Öffentliche n Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslo- senkasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab diesem Zeitpunkt. Mit der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 18. April 2016 wurde der Versicherten vom regionalen Arbeits- vermittlungszentrum (RAV) wegen ungenügender Arbeit sbemühungen vor Stellenlosigkeit die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anspruchsberechtigung für 12 Tage ab dem 30. März 2016 eingestellt. Mit Verfügung vom 12. Mai 2016 stellte das RAV wegen selbstverschuldeter A rbeitslosigkeit die Anspruchsberech- tigung ab dem 1. Januar 2016 für 31 Tage ein. Gegen letztere Verfügung erhob A.____ mit Ein- gabe vom 17. Mai 2016 Einsprache, welche von der Ei nspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Basel-Landschaft (K IGA) mit Entscheid vom 14. Juni 2016 abgewiesen wurde. B. Hiergegen erhob A.____ am 13. Juli 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte sinngemäss, es seien die Einstellta- ge zu reduzieren oder ganz aufzuheben. Zur Begründung führte sie sinngemäss aus, dass die Kündigung aus gesundheitlichen Gründen erfolgt sei. Au sserdem habe sie bereits drei Monate selbst finanziert, für welche sie anspruchsberechtigt ge wesen sei, und damit eine grössere „Strafe“ als 31 Tage auf sich genommen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 15. August 2016 schloss di e Kasse auf Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung in erster Linie auf den angefochtenen Einspracheent- scheid. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend kam die Beschwerdeführerin ihren Kontrollpflichten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu b ejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsg ericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Ver sicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Umfang von 31 Tagen bei einem Taggeld von Fr. 206.45 und damit ein Streitwert von Fr. 8‘073.95 zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist einzig, ob die Arbeitsl osenkasse die Versicherte infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsbe- rechtigung eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht; BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2 a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einstell ung in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätt e vermeiden oder vermindern kön- nen. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Ver- schuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizeri- sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 3. Aufl., Basel 2015, Rz. 828 ff.). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der E intritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den per sönlichen Umständen und den per- sönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versi cherten Person liegt (vgl. ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann der Fall, w enn die versicherte Person das Arbeitsver- hältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere St elle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemut et werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Im Bereich der freiwilligen Stellenau fgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihr e Grenze grundsätzlich im Zumutbar- keitsgedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine A rbeit unter anderem noch als zumutbar, wenn sie den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbeitsvertragli- chen Bedingungen entspricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich erschwert. Das Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen (vormals Ei dgenössisches Versicherungsge- richt [EVG]), hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zumutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein streng er Massstab anzulegen ist (vgl. BGE 124 V 234 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinwei sen). Wenn nicht besondere Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemutet we rden, wenigstens so lange am Arbeits- platz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (vgl. ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 116). 3.3 Ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheit en mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen vermögen grundsätzlich keine Unzumutbark eit der Fortführung des Arbeitsver- hältnisses zu begründen (vgl. SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 3 23, C 128/96). Bei Schwierigkeiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und dergle ichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicheru ng einer neuen Anschlussstelle auf- zugeben. So hat das Bundesgericht festgehalten, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht r echtfertigen. Sie können aber allen- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht falls beim Verschulden berücksichtigt werden (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicherten Person nicht entsprechendes Betriebsklima genügt hierzu keineswegs (vgl. ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 3.4 Zur anspruchsauslösenden freiwilligen Stellenaufgab e können nur zwingende Gründe führen, so etwa medizinische Gründe. Diese müssen durch e in eindeutiges Arztzeugnis oder Gutachten belegt sein. Die Zumutbarkeit zum Verbleiben wird diesfalls strenger beurteilt als die Zumutbarkeit, eine neue Stelle anzutreten (vgl. BGE 124 V 234 E. 4bb mit Hinweisen). Belegt die versicherte Person durch ein eindeutiges ärztliches Ze ugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel), dass ihr die Weiterarbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar war, ist grundsätzlich von einer Unzumutbarkeit a us gesundheitlichen Gründen aus- zugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2010, 8 C_12/2010, E. 3.1; BGE 124 V 234 E. 4b/bb; Urteile des EVG vom 6. Dezember 2006, C 161 /06, E. 3.2 und vom 9. Februar 2006, C 299/05, E. 2.2; je mit Hinweis; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I [Art. 1-58], 1988, N. 14 zu Art. 30 AVIG; J ACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 123). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung verlangt für die Beurteilung der Unzumu tbarkeit präzise Angaben zum Ge- sundheitszustand der versicherten Person (vgl. Urteil C 122/ 00 des EVG vom 30. März 2001, E. 2 b) bb)). Es ist allein Sache des Arztes, die Arbeits fähigkeit in der zugewiesenen Stelle zu beurteilen. Ohne ein eindeutiges ärztliches Zeugnis könne n gesundheitliche Probleme bei der Beurteilung der Zumutbarkeit nicht berücksichtigt werden . Ärztliche Zeugnisse müssen einer- seits eine Diagnose und andererseits eine aussagekräftige Erklärung für die Arbeitsunfähigkeit (Kausalität) enthalten (vgl. Urteil C 318/01 des EVG vom 15. Februar 2002, E. 2 b) und Urteil C 123/06 des EVG vom 13 Juli 2007, E. 5.2). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten erg ebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2 009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1; T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversiche- rungsrechts, 4. Aufl., Bern 2014, § 70 Rz. 3 und 20ff.). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialve rsicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltun g als verfügende Instanz und im Beschwer- defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur da nn als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufla- ge, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. D ie blosse Möglichkeit eines bestimmten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhalts- darstellung zu folgen, die das Gericht von allen mögliche n Geschehensabläufen als die wahr- scheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). 5.1 Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der recht serhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Die Beschwerdeführerin stand seit dem 1. Septemb er 2014 bei der B.____ Ltd. mit einem Pensum von 100 % in einem unbefristeten Arbeitsverhältni s. Mit Schreiben vom 26. Oktober 2015 kündigte sie dieses Arbeitsverhältnis unter Einhaltu ng der ordentlichen Kündigungsfrist per 31. Dezember 2015. Im Antrag auf Arbeitslosenent schädigung vom 2. April 2016 führte sie aus, dass die Kündigung aus gesundheitlichen Gründen erfo lgt sei. Die körperliche Beeinträch- tigung habe bereits vor Arbeitsantritt bestanden, was au ch den IV-Verfügungen zu entnehmen sei. Nebst bereits bestehenden Leiden sei im Herbst noch ein akuter Eisen-, Zinn-, Vitamin B12 und Vitamin D- Mangel hinzugekommen. Sie sei zu 100 % arbeitsfähig, jedoch nicht zu 130- 140 % und hätte eine weitere „busy season“ nicht durchgestanden. Auch im Fragebogen betref- fend rechtliches Gehör vom 17. April 2016 hielt die Besc hwerdeführerin fest, die Stelle aus ge- sundheitlichen Gründen gekündigt zu haben. Im Begleitschreiben zu diesem Fragebogen führte sie aus, dass sie bereits seit 2005 gesundheitliche Proble me habe, für die bis heute keine ein- deutige Diagnose habe gestellt werden können. Diese se ien auch Grund für den Abbruch ihres Universitätsstudiums und für die Unterbrüche ihres Studium s an der Fachhochschule gewesen. Ihre Vorgesetzten bei der B.____ Ltd. hätten von ihrer Erkrankung gewusst. Sie hätten auch gewusst, dass sie notfalls die Notbremse ziehen würde. Wäh rend eines Kundengesprächs im Oktober 2015 sei sie in Ohnmacht gefallen und daraufhi n zu der Arztpraxis C.____ gegangen, wo ein Eisen-, Zinn-, Vitamin B12 und Vitamin D- Ma ngel festgestellt worden sei. Sie habe die Warnsignale ihres Körpers erkannt und angesichts der bevo rstehenden „busy season“ ihre Konsequenzen gezogen. In der „busy season“ arbeite man zwischen 55 und 60 Stunden wö- chentlich. Sie habe gewusst, dass sie das nicht noch einmal durchstehen würde. Um wieder auf die Beine zu kommen, habe sie sich vom 1. Januar 2016 – 29. März 2016 eine Auszeit ge- nommen. Da sie in dieser Zeit nicht guten Gewissens ver mittelbar gewesen sei, habe sie sich diese Auszeit zu Gunsten ihres Gesundheitszustandes auf eigene Kosten geleistet. 5.2 Im ärztlichen Zeugnis von Dr. med. D.____, Arztpraxi s C.____, vom 31. März 2016 wurde am 21. Oktober 2015 eine 100 %-ige Arbeitsunfäh igkeit bescheinigt wegen Krankheit. Weitere Informationen zum Gesundheitszustand der Beschwe rdeführerin sind dem Zeugnis nicht zu entnehmen. Mit Bericht vom 4. April 2016 führt Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Inne- re Medizin, aus, die Patientin stehe seit November 201 5 in Behandlung. Es hätten sich diverse Mangelzustände nachweisen lassen, die eine ausgeprägte p sychophysische Leistungsvermin- derung erklären könnten. Eine entsprechende Substitut ionstherapie sei durchgeführt worden. Mit Verfügung vom 18. April 2016 wurde der Versichert en vom RAV wegen ungenügender Ar- beitsbemühungen vor Stellenlosigkeit die Anspruchsberechtigung für 12 Tage ab dem 30. März 2016 eingestellt. Mit einer weiteren Verfügung vom 12 . Mai 2016 stellte das RAV wegen selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit die Anspruchsberechtigung a b dem 1. Januar 2016 für 31 Tage ein. Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1 7. Mai 2016 Einsprache, welche mit Entscheid des KIGA Baselland vom 14. Juni 2016 abgewiesen wurde. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die Beschwerdeführerin kündigte ihr Arbeitsverhält nis mit Schreiben vom 26. Oktober 2015 unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfri st, womit es sich vorliegend grundsätzlich um eine freiwillige Stellenaufgabe handelt. Zur ansp ruchsauslösenden freiwilligen Stellenaufga- be können nur zwingende Gründe führen, so etwa medizini sche Gründe. Diese müssen durch ein eindeutiges Arztzeugnis oder Gutachten belegt sein. Ohne ein eindeutiges ärztliches Zeug- nis können gesundheitliche Probleme bei der Beurteilu ng der Zumutbarkeit nicht berücksichtigt werden. Ärztliche Zeugnisse müssen einerseits eine Diagnos e und andererseits eine aussage- kräftige Erklärung für die Arbeitsunfähigkeit (Kausalität) enthalten (vgl. E. 3.4 hiervor). 6.2 Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, fäll t bei der Prüfung der Unterlagen auf, dass kein Arztzeugnis vorliegt, welche die Weiterfü hrung der bisherigen Stelle für die Be- schwerdeführerin unzumutbar erscheinen liesse. Weder das Z eugnis von Dr. D.____, noch von Dr. E.____ enthält Anhaltspunkte dafür, dass das Arbeit sverhältnis bei der B.____ Ltd. gesund- heitsschädigend gewesen wäre. Es wurden insbesondere kei ne Diagnosen gestellt, die eine Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses be gründen würden. Eine ärztliche Empfehlung, dass aus medizinischer Sicht eine Kündigung angezeigt gewesen sei, liegt nicht vor. Gegen eine Gesundheitsschädigung spricht auch der Um stand, dass – abgesehen vom 21. Oktober 2015 – bei der Beschwerdeführerin in den 12 Monaten vor der Kündigung keine Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Die Beschwerdeführ erin macht weder geltend, dass sie um eine Reduktion der Arbeitsbelastung bemüht gewesen wäre , noch dass sie vorgängig eine fun- dierte ärztliche Beratung und Behandlung in Anspruch genommen hätte, um eine Arbeitslosig- keit zu vermeiden. In Bezug auf den von Dr. D.____ fe stgestellten Eisen-, Zinn-, Vitamin B12 und Vitamin D- Mangel wäre es der Beschwerdeführerin zumutbar gewesen ihre Anstellung – neben einer allfälligen ärztlichen Therapie – zu beha lten. Diesbezüglich ist auch zu berücksich- tigen, dass dem Bericht von Dr. D.____ nicht entnommen werden kann, inwiefern ein Zusam- menhang zwischen den ausgeführten Mängeln und der Arbei tssituation überhaupt bestanden hat. Der Beschwerdeführerin wäre es mindestens zumutbar gewesen, so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hätte . Der Beschwerdegegnerin ist demnach beizupflichten, dass die Beschwerdeführerin für ihr Fehl verhalten – nämlich die Auflösung des Arbeitsverhältnisses ohne Zusicherung einer anderen Anstellung – einzustehen hat. Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldet er Arbeitslosigkeit ist demnach im Grundsatz nicht zu beanstanden. 7.1 Es verbleibt zu überprüfen, ob die verfügte Einstel lungsdauer von 31 Tagen angemes- sen ist. Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsber echtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchste ns 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einste llung in der Anspruchsberechtigung ab- gestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31- 60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens fällt die Arbeitslosenkas- se ihren Entscheid nach pflichtgemässem Ermessen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversi- cherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts die angef ochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen. Sie greift jedoch bei d er Beurteilung der von der Arbeitslosen- kasse angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermes- sensspielraum ein. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Vorliegend hatte die Arbeitslosenkasse das Verhalte n der Versicherten als schweres Verschulden qualifiziert und die Dauer der Einstellung auf 31 Tage festgesetzt. Dabei unter- schritt sie die bei selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit übli che Einstelldauer von 36 Tagen und hat bei der Festlegung der Dauer der Einstellung zu Re cht zu Gunsten der Beschwerdeführerin berücksichtigt, dass die Versicherte gesundheitliche Beschwer den aufwies. Wie vorstehend dargelegt wurde, ist nicht ausreichend belegt, dass die Weiterführung der bisherigen Stelle für die Beschwerdeführerin aus gesundheitlicher Sicht nicht zumutbar gewesen wäre. Die Be- schwerdeführerin hat ihre Arbeitsstelle vor der Zusicherung einer neuen Anstellung aufgegeben und musste damit rechnen, nach Ablauf der Kündigungsfr ist arbeitslos zu werden. Gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV liegt ein schweres Verschulde n vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben hat. Wie ausgeführt besteht kein Grund, – insbesondere auch keine Unzumutbar- keit aus gesundheitlicher Sicht – der die Kündigung der Beschwerdeführerin entschuldigen würde, weshalb ein schweres Verschulden vorliegt. Mit ei ner Einstelldauer von 31 Tagen be- wegt sich die Beschwerdegegnerin an der untersten Grenze der gesetzlich vorgesehenen Dau- er für ein schweres Verschulden, was nicht zu beanstande n ist. Wie die Beschwerdegegnerin ausserdem zu Recht vorbringt, können Einstelltage gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 17 Abs. 2 AVIG nur mit Tagen getilgt werden, für welche ein Anspruch besteht. Wartet die versi- cherte Person nach Eintritt der selbstverschuldeten Arb eitslosigkeit mit der Anmeldung zum Taggeldbezug zu, führt dies nur dann zu einer Verminder ung der Einstellungsdauer, wenn sie sich in dieser Zeit genügend um eine neue Beschäftigu ng bemühte (vgl. Rz. D 62 AVIG-Praxis ALE, Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung, gültig ab Januar 2016). Entsprechende Be- mühungen wurden von der Beschwerdeführerin für ihre A uszeit vom 1. Januar 2016 – 29. März 2016 nicht belegt. Das Vorgehen der Beschwerdegegneri n ist demnach nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht