Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. Oktober 2015 (810 15 21) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts und Platzierung in eine psychiatrische Klinik Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Stefan Schulthess, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Parteien A.A.____ , Beschwerd eführerin , vertreten durch Stephanie Trüeb , Ad- vokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B .____ , Beschwerdege g- nerin Beigeladene B.A.____ , vertreten durch Esther Wyss Sisti , Advokatin Betreff Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts und Platzierung in der Abteilung für Kinderpsychiatrie (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 15. Januar 2015) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. B.A.____, geboren 2005, ist das Kind von A.A.____ (geboren 1974) und D.____. Die Beziehung zwischen den Kindseltern wurde bereits während der Schwangerschaft beendet. Die elterliche Sorge oblag alleine der Mutter. Zwischen B. A.____ und ihrem Vater besteht kein per- sönlicher Kontakt. Mit Entscheid vom 20. Februar 2014 errichtete die Kinde s- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) eine Kollisionsbeistandschaft für B.A.__ __, da deren Grossvater mütterlicher- seits unter Verdacht stand, an ihr sexuelle Übergriffe begangen zu haben. Am 14. November 2014 meldete die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (S taatsanwaltschaft) der KESB, dass inzwischen auch der Lebenspartner der Mutter von B.A.__ __, E.____, geboren 1968, verdäch- tigt werde, sexuelle Übergriffe an B.A.____ begangen zu haben. Gleichzeitig erfuhr die KESB, dass B.A.____ seit einiger Zeit mit dem Einverständnis de r Mutter in der Abteilung für Kinder- psychiatrie (C.____) der Kliniken F.____ hospitalisiert sei. Die Zuweisung in die Kliniken F.____ war durch das Spital G.____ erfolgt, wo B.A.____ am 20. Juni 2014 aufgrund einer akuten Ge- fährdung in einer familiären Belastungssituation statio när aufgenommen worden war. Ein Hauptgrund für die Aufnahme im Spital G.____ war, d ass B.A.____ gemäss Aussage der Mut- ter an vielfältigen Ängsten und seit langem an massivste n Schlafproblemen litt, welche die gan- ze Familie am Schlafen hindern würden. B.A.____ hatt e von langanhaltendem sexuellem Miss- brauch durch den ehemaligen Ehemann der Beschwerdefüh rerin und durch den Vater der Be- schwerdeführerin berichtet. Die KESB erweiterte die be reits bestehende und von Esther Wyss Sisti, Advokatin, ausgeübte Kollisionsbeistandschaft auf das Verfahren gegen E.____. B. Mit superprovisorischem Entscheid vom 25. Dezember 2014 wurde der Mutter das Aufenthaltsbestimmungsrecht über B.A.____ entzogen und B .A.____ in der C.____ platziert. Auf die dagegen mit Eingabe vom 16. Januar 2015 durch A.A.____, nunmehr und nachfolgend immer vertreten durch Stephanie Trüeb, Advokatin, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsger icht), erhobene Beschwerde trat das Kantonsgerichtspräsidium mit Urteil vom 26. Januar 2015 nicht ein. In der Zwischenzeit wurde A.A.____ mit Entscheid vom 15. Januar 2015 im ordentli chen Verfahren das Aufenthaltsbe- stimmungsrecht über ihre Tochter B.A.____ entzogen und B.A.____ in der C.____ platziert (Ziff. 1 und 2). Gestützt auf Art. 274 Abs. 2 des Schwei zerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 wurde der persönliche Kontakt der Mutter und des Lebenspartners der Mut- ter mit B.A.____ für die Dauer des Aufenthalts von B.A .____ in der C.____ nur in den Räumen der C.____ erlaubt (Ziff. 3). Gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB wurde für B.A.____ eine Erzie- hungsbeistandschaft errichtet. Als Beiständin wurde H._ ___ der Sozialberatung I.____ ernannt (Ziff. 4). Einer allfälligen Beschwerde bezüglich der Ziffern 1 bis 4 wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziff. 5). Die Verfahrenskosten der K ESB in der Höhe von Fr. 220.-- wurden A.A.____ auferlegt (Ziff. 6). C. Gegen den Entscheid der KESB erhob A.A.____ am 26. Januar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte, es seien die Ziffern 1 bis 3 und 5 bis 6 des Entscheids der KESB vom 15. Januar 2015 vollumfänglich aufzuheben. De mzufolge sei der Beschwerdeführe- rin unverzüglich das Aufenthaltsbestimmungsrecht über B.A.____ wieder zu erteilen und die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fremdplatzierung aufzuheben. In verfahrensrechtlicher H insicht stellte die Beschwerdeführerin das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung. In ihrer Stellungnahme vom 9. Februar 2015 schloss die KESB auf Abweisung dieses Verfahrensantrages. Mit Verfügung vom 16. Februar 2015 wies das Gerichtspräsidium das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab. Die KESB beantragte in ihrer Vernehmlassung in der Hauptsache vom 17. Februar 2015, es sei der Antrag der Beschwerdeführerin auf Aufhebung der Z iffern 1 bis 3 ihres Entscheides vom 15. Januar 2015 abzuweisen. Mit dem Antrag auf Aufheb ung der Ziffer 6 des Entscheides vom 15. Januar 2015 sei entsprechend der Abklärung des Gerich ts über die finanzielle Lage der Beschwerdeführerin zu verfahren; unter o/e-Kostenfolge. Das Gerichtspräsidium überwies mit Verfügung vom 20. Februar 2015 den Fall der Kammer zur Beurteilung und verfügte eine Anhörung von B.A.____. Die Beiständin und die C.____ wurden aufgefordert, dem Gericht einen schriftlichen Bericht über die aktuelle Situation von B.A.____ zu erstatten. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgel tliche Prozessführung und Verbei- ständung mit Stephanie Trüeb wurde bewilligt. Darauf hin reichte die C.____ einen vorläufigen Austrittsbericht vom 9. Februar 2015 ein. In ihrem Be richt vom 17. März 2015 beantragte die Beiständin H.____, es sei auf eine Anhörung von B.A.__ __ zu verzichten, sofern diese nicht zwingend notwendig sei. Die Beschwerdeführerin teilte mit Eingabe vom 31. März 2015 mit, dass aus ihrer Sicht eine Anhörung von B.A.____ seiten s einer unabhängigen Stelle absolut notwendig sei. D. Mit präsidialer Verfügung vom 9. April 2015 wurde die bereits angesetzte Parteiverhand- lung abgeboten, ein kinderpsychiatrisches Gutachten angeo rdnet, Esther Wyss als Kindesver- treterin im Sinne von Art. 314a bis ZGB für B.A.____ für das laufende Verfahren eingese tzt und B.A.____ als Beigeladene ins Rubrum aufgenommen. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs bezüglich der vom Kantonsgericht vorgesehenen Person der Gutachterin und der zu stellenden Gutachterfragen, wurde Dr. med. J.____, Direktorin der Kinderpsychiatrie K.____, am 29. Juni 2015 beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Die Beiständin beantragte am 20. Juli 2015 bei der KESB die Umplatzierung von B.A.____ von der kinderpsychiatrischen Abteilung ins Kinderheim L.____ in M.____. Am 6. August 2015 fand eine Anhörung der Kindsmutter, ihrer Rechtsvertreterin und der Verfahrensbeiständin Esther Wyss durch die Präsidentin der KESB statt, anlässlich we lcher die Anwesenden mit Ausnahme der Präsidentin der KESB eine Vereinbarung unterzeich neten, wonach die Kindsmutter das Einverständnis zur Umplatzierung ins Kinderheim L.____ erteile, dieses Einverständnis bis zum Entscheid des Kantonsgerichts gelte und nach dem Vorlie gen des genannten Entscheids die Situation gegebenenfalls neu beraten werde. Die KESB ernannte mit Entscheid vom 31. Juli 2015 für B.A.____ gestützt auf Art. Art. 314a bis ZGB Esther Wyss als Verfahrensvertreterin. Mit Entscheid vom 13. August 2015 beendete die KESB die P latzierung von B.A.____ in der kin- derpsychiatrischen Abteilung per 16. August 2015 und pl atzierte sie per gleichem Datum im Kinderheim L.____ in M.____. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht In ihrem Gutachten vom 28. August 2015 befürwortete Dr. J.____ die Rückführung von B.A.____ zu ihrer Mutter. Mit Verfügung vom 3. September lud das Gerichtspräsidi um Dr. J.____ zur Verhandlung als Auskunftsperson. Nach Eingang der Vernehmlassungen zum Gut achten der KESB vom 14. September 2015, der Kinderanwältin vom 14. September 2015 und der Beschwerdeführerin vom 14. September 2015 wies das Gerichtspräsidium den An trag der KESB auf Einholung ei- nes Obergutachtens ab. Die KESB hatte ihrer Vernehml assung den Austrittbericht der Kliniken F.____ vom 25. August 2015 beigelegt. E. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 23. September 2 015 reichte die Beschwerdefüh- rerin unter anderem die Bestätigung von Dr. N.____ de r Abteilung für Kinderpsychiatrie der Kli- nik O._____ in P._____ (im Staat Q.____) ein, in wel cher er sich bereit erklärte, den Auftrag bezüglich B.A.____ nach ihrer Rückkehr in Q.____ in der genannten Klinik zu übernehmen. Des Weiteren reichte die Beschwerdeführerin ein an sie ger ichtetes Schreiben ihres Psychothera- peuten IFP R._____ mit Praxis in S._____ vom 22. Septe mber 2015 ein, in welchem dieser unter anderem aufgrund der guten Erholung der Beschw erdeführerin von der mittelgradigen depressiven Erkrankung die Erteilung des Aufenthaltsbestimmungsrechts über B.A.____ an die Beschwerdeführerin befürwortete. Anlässlich der Partei verhandlung erklärte die Beschwerde- führerin, per Ende Oktober 2015 die Wohnung in I.___ _ gekündigt zu haben und in der Zwi- schenzeit eine 4-Zimmer Wohnung mit 120 m 2 in Q.____ gekauft zu haben. E.____ habe sei- nen Job in der Schweiz per Ende September 2015 gekün digt und habe als selbstständig Er- werbender in Q.____ Arbeit. Seit Mai 2015 lebe sie m it ihrer gemeinsamen Tochter in Q.____. Die Beschwerdeführerin beantragte die Gutheissung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Die KESB stellte das Rechtsbegehren, es sei die Beschwe rde abzuweisen. Eventualiter sei ein Obergutachten einzuholen; alles unter o/e-Kostenfolge. Die Kinderanwältin beantragte die Aus- stellung des Verfahrens, bis Klarheit in Bezug auf das str afrechtliche Verfahren gegen E.____ bestehe. Sollte ihm nichts vorgeworfen werden können, sei die Beschwerde gutzuheissen. Mit Verfügung vom 2. Oktober 2015 ersuchte das Gerichtsp räsidium die Staatsanwaltschaft um Zustellung der Verfahrensakten gegen E.____ betreffen d sexuelle Handlungen mit einem Kind und um Orientierung über den Stand dieses Verfahrens. Innert Frist reichte die Staatsanwalt- schaft mit Eingabe vom 22. Oktober 2015 die Verfahrensak ten ein und hielt fest, dass im Ver- fahren betreffend sexuelle Handlungen zum Nachteil von B.A.____ – ausgehend vom aktuellen Verfahrensstand – voraussichtlich eine Einstellungsverfügun g nach Art. 319 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) vom 5. Oktober 2007 ergehen werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide d er Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. G estützt auf Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 und § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 ist das Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für die Beurteilung der vo rliegenden Angelegenheit zuständig. Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Beschwerde befugt. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff . ZGB in Verbindung mit § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2. Nach § 41 Abs. 3 lit. b des Gesetzes über die Organ isation der Gerichte und der Straf- verfolgungsbehörden (GOG) vom 22. Februar 2001 findet die Urteilsberatung nicht öffentlich und unter Ausschluss der Parteien statt. 1.3. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwer de Rechtsverletzungen (lit. a), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach verhalts (lit. b) sowie die Unangemes- senheit (lit. c) gerügt werden. Dem Kantonsgericht komm t bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. Allerdings auferle gt sich das Kantonsgericht entspre- chend der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Ermessensko ntrolle eine gewisse Zu- rückhaltung. Dies insbesondere deshalb, weil die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden als Fachbehörden anzusehen sind (vgl. BGE 135 II 384; D ANIEL STECK , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Art. 360 – 456 ZG B und Art. 14, 14a SchlT ZGB, Basel 2012, N 17 ff. zu Art. 450a mit weiteren Hinweisen). 2. Wird ein Kind von einer Kindesschutzbehörde in eine r geschlossenen Einrichtung oder in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, so sind gemäss Art. 314b Abs. 1 ZGB die Best- immungen des Erwachsenenschutzes über die fürsorgerische Un terbringung (Art. 426 ff. ZGB) sinngemäss anwendbar. Im vorliegend angefochtenen Besch luss vom 15. Januar 2015 wurde neben dem Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts über B .A.____ auch deren Platzierung in der C.____ angeordnet. Dies hat zur Folge, dass die das Verfahren der FU betreffenden bundesrechtlichen bzw. kantonalrechtlichen Bestimmungen sinngemäss zur Anwendung gelan- gen (BGE 121 III 306 E. 2b; ALBERT GULER , in: Kren Kostkiewicz/Nobel/Schwander/Wolf [Hrsg.], Kommentar Schweizerisches Zivilgesetzbuch, 2. Auflage, Zürich 2011, Rz. 1 zu Art. 314b; Bot- schaft zur Änderung des ZGB [Erwachsenenschutz, Personenr echt und Kindesrecht], [Bot- schaft Erwachsenenschutz] vom 28. Juni 2006, BBl 2006, S. 7102). 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt vorerst in formeller Hi nsicht die Verletzung des rechtli- chen Gehörs und beantragt aufgrund dieser Verletzung di e Aufhebung des angefochtenen Ent- scheids. Sie bringt einerseits vor, die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht und damit das rechtliche Gehör verletzt, da aus dem Entscheid nicht hervo rgehe, worauf er gründe. Anderer- seits sei das rechtliche Gehör auch verletzt worden, weil weder die Beschwerdeführerin noch das Kind vor der Anordnung der Massnahmen angehört worden seien. 3.2. Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwe izerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch a uf rechtliches Gehör. Der Anspruch auf rechtliches Gehör garantiert dem Einzelnen, in allen Ve rfahren staatlicher Einzelfallentschei- dungen mitzuwirken, soweit der in Frage stehende Hohei tsakt ihn belasten könnte (BGE 127 I 56 E. 2b; 127 I 215 f. E. 3a). Zum gefestigten Besta nd des rechtlichen Gehörs zählen in Recht- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprechung und Lehre die Ansprüche auf vorgängige Äusser ung und Anhörung, der Anspruch auf Berücksichtigung der Vorbringen, der Anspruch auf T eilnahme am Beweisverfahren unter Einschluss des Rechts, Beweisanträge zu stellen, das Recht au f Akteneinsicht und das Recht auf einen begründeten Entscheid (JÖRG PAUL MÜLLER , Grundrechte in der Schweiz, Bern 1999, S. 509 ff.; M ICHELE ALBERTINI , Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vo m 5. September 2007 [810 06 199] E. 9.1). 3.3.1. Die Begründung einer Verfügung entspricht den Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV, wenn die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt werd en, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an e ine höhere Instanz weiterzuziehen (ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zü- rich 2010, Rz 1705 f.). In diesem Sinne müssen wenigste ns kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen u nd auf die sie sich in ihrem Entscheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1). Es stellt keine Verletzung der Begründungspflicht dar, wenn sich die Entscheidbehörde auf die für den Entscheid wesentli chen Argumente beschränkt (R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentli- ches Prozessrecht, Basel 2014, Rz 345). Eine besonders ei ngehende Begründung ist notwen- dig, wenn ein Entscheid schwer in die Rechtsstellung des B etroffenen eingreift, wenn komplexe Rechts- oder Sachfragen zu beurteilen sind oder wenn in einem konkreten Fall von einer kon- stanten Praxis der Gesetzesanwendung abgewichen wird (R HINOW /K OLLER /K ISS /T HURNHERR / BRÜHL -MOSER , a.a.O., Rz 347; KGE VV vom 13. Februar 2013 [810 12 221] E. 5.1.2). 3.3.2. Im angefochtenen Entscheid wird festgehalten, dass die C.____ der KESB am 24. De- zember 2014 gemeldet habe, B.A.____ habe berichtet, d ass sie am Wochenende von E.____ auf den Kopf geschlagen und von ihrer Mutter getreten worden sei und dass die Mutter und ihr Lebenspartner wünschten, B.A.____ zum Heiligen Abend m it nach Hause zu nehmen. Die KESB und die C.____ vereinbarten, dass B.A.____ gefrag t werde, ob sie nach Hause wolle. Gleichentags habe die C.____ gemeldet, dass B.A.____ im Gespräch und später auch gegen- über der Mutter und ihrem Stiefvater erklärt habe, de n Heiligen Abend nicht zu Hause verbrin- gen zu wollen. Die Beschwerdeführerin und E.____ hätte n dies akzeptiert. Am 25. Dezember 2014 habe sich die C.____ erneut bei der KESB gemeld et und Letztgenannter mitgeteilt, die Kindsmutter wünsche B.A.____ mit nach Q.____ zu nehmen, wo die ganze Familie die kom- mende Zeit verbringen wolle. Die Reise sei schon seit ein iger Zeit angekündigt gewesen; in Absprache mit der Beschwerdeführerin sei aber vereinbart worden, dass B.A.____ in der C.____ bleibe, um eine Destabilisierung des Kindes zu ve rhindern. B.A.____ sei auch entspre- chend vorbereitet worden. Anlässlich des zwischen der Beschwe rdeführerin, E.____ und der C.____ vereinbarten Termins vom 25. Dezember 2014 habe die Beschwerdeführerin auch der anwesenden Mitarbeiterin der KESB gegenüber ihren Wi llen, nun doch mit B.A.____ nach Q.____ reisen zu wollen, kundgetan. Gleichzeitig habe d ie Beschwerdeführerin auch ihre Über- zeugung ausgedrückt, dass B.A.____ mitkommen wolle. Die KE SB führt weiter in ihrem Ent- scheid aus, dass B.A.____ gemäss Angaben der Fachpersonen d er C.____ ein Kind sei, das klare und verlässliche Strukturen benötige und welches bereits durch kleine Ereignisse destabi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lisiert werde. Nicht zuletzt aufgrund der guten Zusammen arbeit mit der Mutter habe B.A.____ während ihres Aufenthalts in der C.____ wesentlich an Stabilität gewinnen und gute Fortschritte machen können. Durch die neuere Entwicklung im Rahmen d es gegen E.____ eröffneten Ver- fahrens sei für die Familie eine neue Konfliktsituatio n entstanden, welche sich auf B.A.____ stark auszuwirken scheine. Um B.A.____s positive Entwicklung nicht zu gefährden, müsse der Kontakt zur Beschwerdeführerin und ihrem Partner nur in einem geschützten Rahmen stattfin- den und die Absicht der Beschwerdeführerin, B.A.____ – wenn auch nur zeitlich beschränkt – aus der C.____ zu nehmen, wirksam verhindert werden. D ies sei nur mit der Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts und der Platzierung von B.A. ____ in der C.____ möglich, wes- halb eine solche einzurichten sei. Da mit einer Destab ilisierung von B.A.____ bei einer unkon- trollierten Ausübung des Rechts auf persönlichen Verkeh r gerechnet werden müsse, sei dieses Recht zu beschränken. Die Beschwerdeführerin und E.____ seien wichtige Bezugspersonen für B.A.____, weshalb diesen das Recht einzuräumen sei, B.A. ____ in den Räumlichkeiten der C.____ zu besuchen. 3.3.3. Aus den Akten ist ersichtlich, dass ein Strafverfahr en gegen den Vater der Beschwer- deführerin und allenfalls auch gegen den ehemaligen E hemann der Beschwerdeführerin an- hängig war bzw. ist betreffend sexuelle Handlungen mit B.A.____. Aus der Anzeige vom 2. De- zember 2014 ist ersichtlich, dass im Zusammenhang mit dem hängigen Strafverfahren gegen den Vater mütterlicherseits der Verdacht aufgekommen se i, auch E.____ habe sexuelle Hand- lungen mit B.A.____ vollzogen. Dies wurde von der Kin dsmutter und E.____ stets bestritten. Wie aus den Akten ersichtlich ist, führten diese Vorwürfe , die von E.____ und der Beschwerde- führerin als Missverständnis bezeichnet wurden, zu einer weiteren hohen Belastung für alle Be- teiligten, die wohl auch als Ursache dafür gesehen wer den können, dass die Beschwerdeführe- rin und E.____ B.A.____ auf den Kopf geschlagen bzw. getreten haben. Die Beschwerdeführe- rin und E.____ geben auch zu, an jenem Wochenende handgreiflich gegen B.A.____ geworden zu sein, jedoch nicht in dem von B.A.____ geschilderte n Mass. Aus dem angefochtenen Ent- scheid ist ersichtlich, dass B.A.____ im Zeitpunkt des Erla sses des angefochten Entscheides eine grosse Stabilität brauchte und bereits kleine Ere ignisse – wie eine Reise nach Q.____ – sie destabilisieren konnten. Zudem geht aus dem Entscheid hervor, dass aufgrund der Vorwürfe gegenüber E.____ für die bereits belastete Familie ei ne zusätzliche neue belastende Stress- und Konfliktsituation entstanden war, welche für B.A._ ___ destabilisierend sein konnte. Über- dies konnte aufgrund der Vorwürfe gegenüber E.____ eine Gefährdung für B.A.____ – sollte sie auch nur vorübergehend nach Hause gehen – nicht ausgeschl ossen werden. Des Weiteren hatte B.A.____ klar geäussert, am Weihnachtsabend nic ht nach Hause gehen zu wollen. Mit diesen Ausführungen hat die Vorinstanz die Überlegung en genannt, von denen sie sich hat lei- ten lassen und auf die sie sich in ihrem Entscheid stützt. Die Betroffene wurde durch diese Schilderungen in die Lage versetzt, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weit erzuziehen. Eine Verletzung der Be- gründungspflicht liegt somit nicht vor. 3.4.1. Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwer de – wie bereits festgehalten – ein- lässlich eine Gehörsverletzung geltend, weil weder die Beschwerdeführerin noch B.A.____ vor der Anordnung der Massnahmen angehört worden seien. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4.2. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich zu nächst aus Art. 29 Abs. 2 BV und umfasst unter anderem das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines Entscheids zur Sache zu äussern. Art. 29 Abs. 2 BV räumt keinen Anspruch auf persönliche Anhörung der betroffenen Person ein (BGE 134 I 140 E. 5.3). Dieser Anspruch wurde in Art. 447 ZGB jedoch ausgedehnt, indem darin die persönliche Anhörung der betroffene n Person vorgeschrieben wird, soweit dies nicht als unverhältnismässig erscheint (C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 20 12, Art. 447 Rz. 6). Art. 447 ZGB verpflichtet somit die KESB die betroffene Person pers önlich anzuhören. Der betroffenen Per- son steht es indessen frei, auf die persönliche Anhörung zu verzichten, soweit sich die Anhö- rung im Mitwirkungsrecht erschöpft (C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., Art. 447 Rz. 9 und 36; Praxisanleitung Erwachsenenschutzrecht, KOKES [ Hrsg.], Zürich/St.Gallen 2012, N 10.18). Der Anspruch auf persönliche Anhörung steht nur der betroffenen Person zu, wobei zu den betroffenen Personen gemäss Art. 447 Abs. 1 ZGB a uch die Eltern zu zählen sind, so- weit Anordnungen über Kinder zu treffen sind (C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , a.a.O., Art. 447 Rz. 13). Art. 447 Abs. 2 ZGB legt für den F all einer fürsorgerischen Unterbringung fest, dass die betroffene Person in der Regel vom Kollegium a nzuhören ist. Handelt es sich dabei um eine minderjährige betroffene Person, so sind die Inhaber der elterlichen Sorge ebenfalls anzuhören, wobei jedoch eine Anhörung durch das Kolle gium in der Regel nicht vonnöten ist, weil vorliegend die Entziehung der Obhut und nicht die fürsorgerische Unterbringung im Vor- dergrund steht (U RSULA BIRCHLER , Die fürsorgerische Unterbringung Minderjähriger, in: Zeit- schrift für Kindes- und Erwachsenenschutz [ZKE] 2013, S. 1 41, 149). Gemäss Art. 314a Abs. 1 ZGB ist das Kind im Rahmen von Kindesschutzmassnahmen durch die Kindesschutzbehörde oder durch eine beauftragte Drittperson in geeigneter Weise persönlich anzuhören, soweit nicht sein Alter oder andere wichtige Gründe dagegen sprechen (BGE 131 III 553 E. 1.2.3). 3.4.3. Aus den Protokollen der KESB vom 26. Dezember 2014 sowie vom 8. und 9. Januar 2015 geht hervor, dass die Kindsmutter am 25. Dezember 2 014 und 9. Januar 2015 zur Aufhe- bung des Aufenthaltsbestimmungsrechts angehört worden ist. Aus diesen Protokollen ist auch ersichtlich, dass sich B.A.____ zur Frage, ob sie an Weihn achten und den Wochenenden nach Hause wolle, hat äussern können. Zur Frage, ob sie an W eihnachten nach Hause wolle, wurde sie sowohl von der behandelnden Psychologin der Kliniken F.____ als von der Präsidentin der KESB, T._____, angehört. Zur Frage, ob sie an den Wo chenende nach Hause wolle, wurde sie nicht persönlich von der KESB, jedoch von Psychologen und Ä rzten der Kliniken F.____ ange- hört. Damit wurde B.A.____ von einer Mitarbeiterin der KESB und/oder von fachlich kompeten- ten Drittpersonen angehört. Dass B.A.____ als dazumal Neuneinhalbjährige lediglich gefragt wurde, ob sie die Wochenenden zu Hause verbringen woll e, und nicht, ob sie die Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts gutheisse, ist einleuchte nd und nicht zu beanstanden. Da- mit geht auch der Vorwurf fehl, die Kindsmutter und B.A.____ seien nicht angehört worden. 4.1. Zu prüfen ist als nächstes, ob die Voraussetzungen f ür den Entzug des Aufenthaltsbe- stimmungsrechts gegenüber der Beschwerdeführerin über B.A .____ und die Fremdplatzierung des Kindes im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Entscheids gegeben waren. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2. Ist das Wohl des Kindes gefährdet und sorgen die El tern nicht von sich aus für Abhilfe oder sind sie dazu ausserstande, so trifft die Kindesschutzbehörde gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes. Art. 307 Abs. 1 ZGB enthält die Aufforde- rung, die im Einzelfall geeigneten, vom Gesetz vorgese henen Massnahmen (Art. 307 Abs. 3 ZGB bis Art. 312 ZGB) zu treffen. Die materiellen Vo raussetzungen für den Entzug der elterli- chen Obhut und die Unterbringung Minderjähriger richt en sich nach Art. 310 Abs. 1 ZGB (Bot- schaft Erwachsenenschutz S. 7102; Urteil des Bundesgeric hts 5A_561/2013 vom 10. Ja- nuar 2014 E. 7.1). Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die KESB das Kind den Eltern oder, wenn es sich bei Dritten befindet, diesen wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen, wenn der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet we rden kann. Die KESB hat zu be- stimmen, wo das Kind untergebracht wird. In Betracht ko mmen Familienpflege, eine betreute Wohngruppe, Heimpflege oder eine selbständige Unterkun ft (P ETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivi lgesetzbuch, 4. Auflage, Basel 2010, Rz. 8 zu Art. 310 ZGB). Kindesschutzmassnahmen bezwecken im Allgemeinen die Abwend ung einer Gefährdung des Kindeswohls (C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, Rz. 2 7.09). Von einer Gefährdung des Kindeswohls wird nach herrschend er Auffassung dann ausgegan- gen, wenn nach den konkreten Umständen die ernstliche Mö glichkeit einer gegenwärtigen oder zumindest unmittelbar bevorstehenden Gefahr für die Kin desentwicklung abzusehen ist, die bei ihrer Fortdauer eine erhebliche Beeinträchtigung des physischen oder psychischen Wohls des Kindes voraussehen lässt (P ETER BREITSCHMID , a.a.O., Rz. 18 zu Art. 307; A LBERT GULER , a.a.O., Rz . 5 zu Art. 307; P ATRICK FASSBIND , Systematik der elterlichen Personensorge in der Schweiz, Basel 2006, S. 357). Unerheblich ist, auf wel che Ursachen die Gefährdung zurückzu- führen ist: Sie können in den Anlagen oder in einem F ehlverhalten des Kindes, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. Desgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft. Massgebend sind die Verhältn isse im Zeitpunkt der Entziehung. Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiari tät), und es ist immer die mil- deste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Proport ionalität); diese sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplemen tarität vgl. Art. 389 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB, s. zum Ganzen HEGNAUER , a.a.O., Rz. 27.10 ff.; Urteil des Bundesgerichts 5A_188/2013 vom 17. Mai 2013 E. 3; 5A_701/2011 vom 1 2. März 2012 E. 4.2.1, in: FamPra.ch 2012, S. 821 mit weiteren Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung). 4.3. B.A.____ wurde am 20. Juni 2014 im Spital G.__ __ und am 27. September 2014 in der C.____ stationär aufgenommen. Aus den Akten der KESB und der Staatsanwaltschaft geht hervor, dass B.A.____ vermutlich durch den ehemaligen Eh emann der Beschwerdeführerin sowie durch zwei seiner Kollegen wiederkehrend sexuell missbraucht wurde. In einem späteren Lebensabschnitt fand vermutlich weiterhin ein anhaltende r sexueller Missbrauch durch den Grossvater mütterlicherseits statt, welcher in der Zeit, i n der die Beschwerdeführerin arbeitete, B.A.____ hauptsächlich betreute. Das veränderte Verhalten B.A.____s fiel der Kindsmutter und deren Lebenspartner auf. Das Kind konnte nach den Besu chen bei den Grosseltern nicht ein- schlafen, zeigte gegenüber dem Partner der Beschwerdefü hrerin sexualisiertes Verhalten und berichtete schliesslich vom Missbrauch. Die Kindsmutter berich tete im Juni 2014, B.A.____ Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht könne seit ca. zwei Jahren nicht mehr schlafen. Sie schlafe nicht ein bzw. wache zwischen- durch auf, stehe immer wieder auf, trommle dann gegen die Wand, schreie, sodass die Familie aufwache. Sie müsse immer vollständig in der Bettdecke ein gewickelt sein. Sie schlage sich auch selber, sei völlig verschwitzt. Sie habe Angst, einge schlossen zu werden. Alle bisherigen Versuche, eine Situation zu schaffen, welche das Schlafen ermöglichen würden, seien geschei- tert. Der Lebenspartner der Beschwerdeführerin bericht ete, dass er selbst wegen der Überlas- tung auch schon handgreiflich gegen B.A.____ geworden sei. Der Wunsch der Beschwerdefüh- rerin bei der Einweisung in das Spital G.____ war, d ass B.A.____ wieder schlafen könne. Der Zustand sei für die ganze Familie nicht haltbar. B.A. ____ litt unter anderem an posttraumati- schen Belastungsstörungen. Die Familie zog im Herbst 2013 von U._____ nach I.____, um Dis- tanz zu den Grosseltern mütterlicherseits zu schaffen, wa s kurzzeitig zur Verbesserung von B.A.____s Symptomatik führte. Die Vorwürfe und das Stra fverfahren gegen den Grossvater mütterlicherseits führten auch zu einem vollumfänglichen Bruch zwischen der Beschwerdefüh- rerin und ihrer Herkunftsfamilie. Die Herkunftsfamilie der Beschwerdeführerin wendete sich von dieser ab. Die Beschwerdeführerin berichtete von eigene n langjährigen, zum Teil schweren körperlichen Auseinandersetzungen in ihrer Herkunftsf amilie. Die Kindsmutter war im Sommer 2014 selbst in traumatherapeutischer Behandlung bei R. _____. Seit 2012 lebte die Beschwer- deführerin mit E.____ zusammen, welcher aus Q.____ stam mt und bereits Kinder aus erster Ehe hat. Er spricht nur q.____isch und arbeitet als Elekt riker. Die Beschwerdeführerin und er haben eine gemeinsame Tochter, welche 2013 geboren ist. Im Sommer 2013 erschien die Be- schwerdeführerin in Begleitung ihres Lebenspartners und ihrer Tochter am Schalter des Poli- zeihauptpostens U._____ und sagte aus, ihr Exmann könnt e ihre Tochter sexuell missbraucht haben. Später wurde festgestellt, dass auch der Grossvater mütterlicherseits B.A.____ wieder- holt sexuell missbraucht habe, weswegen ein Strafverfahr en gegen ihn anhängig gemacht wur- de. Im Zusammenhang mit diesem Verfahren wurde dann im November 2014 auch dem Le- benspartner der Beschwerdeführerin vorgeworfen, sexuelle Handlungen mit B.A.____ vorge- nommen zu haben, weswegen auch gegen ihn ein Strafverfa hren eröffnet wurde. Die Staats- anwaltschaft informierte am 27. November 2014 bzw. 1. Dezember 2014 die KESB darüber. Die Beschwerdeführerin erklärte immer wieder, dass diese V orwürfe gegenüber E.____ aufgrund eines sprachlichen Missverständnisses entstanden seien. Die Befragung von B.A.____ zu den Vorwürfen gegen E.____ fand am 18. November 2014 stat t. B.A.____ berichtete am 24. De- zember 2014, am Wochenende von E.____ auf den Kopf geschlagen und von der Beschwerde- führerin getreten worden zu sein. Die Beschwerdeführer in berichtete anlässlich der Bespre- chung mit der KESB vom 9. Januar 2014, dass es B.A.____ se it der Einvernahme vom 18. November 2014 schlecht gehe und die Familie sehr unter der derzeitigen Situation leide. 4.4. Aus den Akten geht hervor, dass B.A.____ an massiven Störungen unter anderem an einer posttraumatischen Störung litt und bereits wenig Stress dazu führte, dass sie schnell wie- der dekompensierte. Aufgrund der ganzen Umstände war verständlicherweise die familiäre Si- tuation bereits belastet und wurde durch die Eröffnung des Verfahrens gegen E.____ noch mehr belastet. Anschliessend berichtete B.A.____ von den Handgreiflichkeiten von E.____ und ihrer Mutter am Wochenende und äusserte sich dahingehen d, sowohl an Weihnachten und als auch an den Wochenenden nicht nach Hause gehen zu wollen, wo E.____ mit der Beschwerde- führerin lebte. Unter diesen Umständen ist es nicht zu be anstanden, dass die KESB allfällige Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufenthalte von B.A.____ zu Hause als das Kindswohl ge fährdend bewertet hat und zum Schluss kam, dass dieser Situation – trotz der auch in schw ierigen Umständen guten Koopera- tionsbasis mit der Mutter und E.____ – nicht mit mild eren Mitteln als dem Entzug des Aufent- haltsbestimmungsrechts und der Beibehaltung von B.A._ ___ in der C.____ begegnet werden konnte. Der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts über B.A.____ und die Platzierung in der C.____ wurden demzufolge im Zeitpunkt des Erlasses zu Recht verfügt. 5.1. Zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für den En tzug des Aufenthaltsbestimmungs- rechts gegenüber der Beschwerdeführerin über B.A.____ und die Fremdplatzierung des Kindes im heutigen Zeitpunkt noch gegeben sind. 5.2. Die Gutachterin Dr. J.____ kommt in ihrem Gutacht en vom 28. August 2015 zum Schluss, dass eine Rückführung von B.A.____ zur Mutter angezeigt sei. Die Beschwerdegegne- rin erklärt, auf das Gutachten der Kinderpsychiatrie K._ ___ könne nicht abgestellt werden, da dieses mangelhaft sei und stellt sich auf den Standpunkt, nur mit dem Entzug des Aufenthalts- bestimmungsrechts und der Platzierung von B.A.____ nunmeh r im Schulheim dem Kindeswohl begegnen zu können. Die KESB macht geltend, das Gut achten der Kinderpsychiatrie K.____ widerspreche in vielen Punkten dem Austrittsbericht der Kliniken F.____ Die Kindesvertreterin beantragt, obwohl auch sie nicht vom Gutachten der Kinderpsychiatrie K.____ überzeugt sei, im Interesse von B.A.____ eine Rückführung in die Familie , sofern das Strafverfahren gegen E.____ nicht dagegen spreche. Die Beschwerdeführerin beantragt hingegen die Aufhebung des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungsrechts. Nachfolgend wird auf das Gutachten der Kinderpsychiatrie K.____ und den Austrittsbericht der Kliniken F.____ sowie die von der KESB eingehend geltend gemachten Widersprüche zwischen dem gerichtlich angeordneten Gutachten und dem Austrit tsbericht der Kliniken F.____ einge- gangen und beurteilt, ob auf das Gutachten der Kinde rpsychiatrie K.____ abgestellt werden kann. 5.3. Wie jedes Beweismittel unterliegen auch Gutachten der freien richterlichen Beweis- würdigung. In Sachfragen weichen die Richter praxisgemäss aber nur aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab (BGE 133 II 384 mit Hi nweisen, KGE VV [810 12 239] vom 13. November 2013 E. 6.4; [810 11 264] vom 15. Febr uar 2012 E. 5.1). Die Beweiswürdigung und die Beantwortung der sich stellenden Rechtsfragen i st Aufgabe der Richter. Diese haben zu prüfen, ob sich auf Grund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernst- hafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterli chen Darlegungen aufdrängen. Er- scheint ihnen die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentli chen Punkten zweifelhaft, haben sie nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Z weifel zu erheben. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die ge botenen zusätzlichen Beweiserhe- bungen kann gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigu ng verstossen (Art. 9 BV; BGE 133 II 391 E. 4.2.3; 130 I 345 f. E. 5.4.2; KGE VV [810 13 214/215] vom 4. Juni 2015 E. 4; [810 13 171] vom 30. Oktober 2013 E. 4.2). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4. Gemäss dem Gutachten von Dr. J.____ vom 28. August 2015 sei B.A.____ ein körper- lich altersentsprechend entwickeltes 10-jähriges Mädchen, welches in der Vergangenheit zahl- reiche Belastungen erlitten habe. Im Alltag zeige sie sich inzwischen überwiegend aufgestellt und lebensfroh, jedoch nach wie vor mit Schlafprobleme n, Konzentrationsproblemen und teil- weisen Interaktionsschwierigkeiten. Eine therapeutische Be gleitung B.A.____s sei sicherlich auch weiterhin notwendig, um die Geschehnisse der Ver gangenheit zu verarbeiten und eine gute kognitive, emotionale und soziale Entwicklung zu fö rdern. Dies könne auch ambulant er- folgen aus einem entsprechend stabilen Umfeld heraus. Di e C.____ habe die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung gestellt. Zudem habe der Verdacht auf eine einfache Ak- tivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sowie der Verdacht a uf eine reaktive Bindungsstörung des Kleinkindalters bestanden. Auf die Frage, ob ein sta tionärer Aufenthalt zur Behandlung zwingend erforderlich sei, antwortet die Gutachterin, aktuell keine zwingende Indikation mehr für eine stationäre Behandlung zu sehen. Die stationär e Behandlung sei sicher indiziert und habe sich positiv auf B.A.____ ausgewirkt. Während der st ationären Therapie habe B.A.____ viele Fortschritte gemacht, so dass sie aktuell nur noch ein e Restsymptomatik einer posttrau- matischen Belastungsstörung aufweise. Die Schlafstörungen hätten sich verbessert, ihre Stim- mung sei insgesamt ausgeglichener und sie könne sich verba l besser ausdrücken, sie könne Freundschaften schliessen und trete auch mit Erwachsenen besser in Interaktion und das se- xualisierte Verhalten habe deutlich abgenommen. Aus ihr er Sicht stelle eine Rückführung B.A.____s zur Beschwerdeführerin keine Gefährdung für B.A.____ dar. Die Beschwerdeführerin sei stets kooperativ und einsichtig gewesen, was die thera peutische Begleitung B.A.____s an- belangt habe. Insbesondere sei die Kindsmutter sehr darauf bedacht, B.A.____ vor dem Gross- vater zu schützen, welcher im Verdacht stehe, sie sexuel l misshandelt zu haben. Ein Umzug der Beschwerdeführerin nach Q.____ würde zusätzliche rä umliche Distanz schaffen. Für eine Rückführung B.A.____s wäre es wichtig, dass sie in ein mö glichst stabiles Umfeld komme. Der Kindsmutter sowie E.____ sollte Zeit gegeben werden, sich nach dem Umzug nach Q.____ einzuleben. Es scheine sinnvoll, wenn sich die Kindsmutter selber in psychotherapeutische Be- handlung begeben würde, um die Geschehnisse der Verga ngenheit aufzuarbeiten und ihrer Tochter durch eigene psychische Stabilität einen strukturie rten Alltag und einen liebevollen, wohlwollenden Umgang bieten zu können. Die ambulante psychotherapeutische Begleitung B.A.____s müsse unbedingt fortgesetzt werden, um ihre En twicklung weiterhin zu fördern. Die Frage, welche Wohn- und Betreuungsform dem Kindswohl am ehesten entspreche, falls eine Rückführung zur Mutter nicht befürworten werde, wird dahingehend beantwortet, dass B.A.____ in einem Kinderheim sicher umfangreich gefördert werde n und die deutsche Sprache verbes- sern könnte. Dies wiege die negativen Begebenheiten wi e neue Bezugspersonen, Betreuungs- wechsel, Verlust der q.____ischen Kultur sowie die droh ende Entfremdung zur Kindsmutter jedoch nicht auf. Des Weiteren wird festgehalten, dass B.A.____ eine Rückführung nach Hause wünsche. Abschliessend hielt die Gutachterin fest, dass die strafrechtliche Situation für sie nicht beurteilbar sei, da ihr dazu keine Akten vorliegen würden. 5.5. Im Austrittsbericht vom 25. August 2015 der Klinike n F.____ wird der psychopathologi- sche Befund bei der Entlassung wie folgt beschrieben: “B .A.____ war zum Zeitpunkt des Aus- tritts ein schlankes, 10-jähriges Mädchen, welches offen und spontan in Kontakt trat. Sie konnte über sich und ihr Befinden differenziert Auskunft geben und klar ausdrücken, wenn ihr etwas zu Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht viel wurde. Im Umgang mit Erwachsenen zeigte sie ein angemessenes Nähe-Distanz-Verhalten und schaffte mit ihrer humorvollen, freundlichen Art ei ne angenehme Atmosphäre. Sie zeigte keine Hinweise für Aufmerksamkeits- und Konzentrationspr obleme, Merkfähigkeits- oder Denk- störungen. B.A.____ war in der Lage, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ohne sie dabei auszuagieren. In ungewohnten, neuen, v.a. sozialen Sit uationen zeigte sie nach wie vor eine gewisse Scheu, ohne dabei die Situation zu vermeiden. A ktuell sind keine Ängste und Zwänge feststellbar. Unter Anspannung neigt B.A.____ zur Selb stberuhigung, indem sie sich z.T. unbe- wusst körperlich (in die Brust kneifen, in den Schritt g reifen) stimuliert. Darauf angesprochen, kann sie es unterlassen.“ Im Bericht der Kliniken F.____ vom 25. August 2015 werden unter dem Titel “Therapie und Ver- lauf“ die grossen Fortschritte von B.A.____ erwähnt. B. A.____ habe sich vom 19. August 2014 bis 16. August 2015 in der C.____ der Kliniken F.____ aufgehalten. Im Verlauf des Aufenthalts habe sich B.A.____ durch das stark strukturierende und hal tgebende Setting stabilisieren kön- nen. Sie habe präsenter und aufmerksamer gewirkt und h abe grosse sprachliche Fortschritte gemacht. Auch habe sie zum Ende der Behandlung durch ih re hohe soziale Kompetenz und Loyalität einen festen Platz in der Kindergruppe geha bt und habe Freundschaften gepflegt. Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Ängste habe B.A .____ auch auf der Abteilung ge- zeigt. Auch bezüglich dieser Ängste habe B.A.____ durch e in Aushalten derselben und Beglei- ten von den Pädagogen grosse Fortschritte gemacht. Das ge wonnene Selbstvertrauen, sowie ihr zunehmend besseres sprachliches Ausdrucksvermögen hätten ihr geholfen, die Ängste wahrzunehmen und zu verbalisieren. In neuen, unvorhergesehenen oder emotional stark belas- tenden Situationen (Glaubhaftigkeitsbegutachtung, Befragung im Rahmen des Strafverfahrens) sei B.A.____ in alte Verhaltensmuster zurückgefallen, habe zerfahren und abwesend gewirkt, habe erneut in “Wortfetzen“ statt in zusammenhängenden Sätzen gesprochen und habe ihre Unsicherheit und Ängste “ins Aussen“ projiziert. Zu Beginn der stationären Behandlung habe B.A.____ r egelmässig einmal pro Woche Besuch von der Familie erhalten und an den Wochenenden regul är nach Hause gehen können. Nach dem Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts hätten die B esuche nur noch in den Kliniken F.____ stattgefunden und B.A.____ habe die Wochenenden auf der Abteilung mit Besuchsmög- lichkeiten der Familie verbracht. Diese schwierige Situ ation habe sich verschärft, als die Be- schwerdeführerin mit dem Partner aus gesundheitlichen Gr ünden mehrfach für mehrere Wo- chen nach Q.____ gegangen sei und B.A.____ zu dieser Ze it keinen Besuch erhalten habe. B.A.____ sei zunehmend in einen Loyalitätskonflikt zwisch en den sich verstärkenden Bindun- gen zum C.____-Team und der Familie gekommen. Sie ha be mehrfach massive emotionale Zusammenbrüche gehabt und habe viel Unterstützung und H alt in dieser Zeit gebraucht. Wenn die Kindsmutter schliesslich gekommen sei, sei B.A.____ un ruhig geworden und zunehmend in eine laut fordernde, aggressive Haltung gegenüber der Mutter verfallen. Die Kindsmutter habe ebenfalls überfordert geschienen. Ihre Empfehlung, B. A.____ aufgrund der Intensität ihrer Symptomatik nach der stationären psychiatrischen Behandlung in einer professionellen Einrich- tung längerfristig zu platzieren, habe die Beschwerdef ührerin bis zum Ende der Behandlung mittragen können. Im Mai 2015 habe sich die Familie jedoch entschieden, nach Q.____ auszu- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht wandern und die Beschwerdeführerin hätte den Wunsch geh abt, B.A.____ mitzunehmen, was die Zusammenarbeit mit der Familie erschwert und B.A.____ erneut sehr belastet habe. Unter dem Titel “Prozedere nach Austritt“ wird im Be richt der Kliniken F.____ vom 25. August 2015 ausgeführt, dass B.A.____ aufgrund massiver Gedächt nis- und Merkfähigkeitsprobleme, Sprach- und Interaktionsstörungen, grosse Schwierigkei ten im Alltag und der Schule gehabt habe. Im Rahmen des langen stationären Aufenthalts zei ge sich eine deutliche Verbesserung der Symptomatik. Trotz der grundsätzlichen positiven Entwicklung im Sinne einer zunehmenden psychischen Stabilisierung B.A.____s zeige sich bei geringe n Abweichungen der Alltagsroutine sowie Vorfällen im äusseren System (Festnahme des aktuelle n Partners der Beschwerdeführe- rin), wie schnell B.A.____ dadurch destabilisiert werde und in alte Verhaltens- und Lösungs- muster zurück falle. Erschwerend komme die psychische Erkranku ng der Kindsmutter mit ihren eigenen erlebten Demütigungs- und Gewalterfahrungen sowie den Erlebnissen der letzten Jah- re aufgrund des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von B.A .____. Die Beschwerdeführerin und ihr Partner hätten sich bemüht gezeigt, seien jedo ch immer wieder überfordert, B.A.____ die altersgemässen Strukturen und Beziehungsangebote zu bieten, die sie brauche. Aufgrund der Intensität ihrer Symptomatik und des hochbelasteten Familiensystems hätten die Kliniken F.____ eine längerfristige Platzierung B.A.____s in e iner professionellen Einrichtung empfoh- len. In enger Zusammenarbeit mit dem Kinderheim L.__ __ sei der Übertritt B.A.____s in das Schulheim gelungen. Das milieutherapeutische Setting d er C.____ mit der intensiv-päda- gogischen Alltagsgestaltung und der psychotherapeutischen Einbettung in einer Kindergruppe (10 Kinder) habe B.A.____ ausreichend Sicherheit gegeb en, um neue Lösungsstrategien zu erproben. Gleichzeitig sei sie dank des hohen Personalschl üssels mit ihrer rasch raumeinneh- menden Missbrauchssymptomatik tragbar gewesen. Gerade die Berücksichtigung des letzten Punktes hielten die Kliniken F.____ für grundlegend w ichtig in Bezug auf eine langfristige Plat- zierung, da jeder weitere Wechsel oder Beziehungsabbruch eine erneute Verschlechterung von B.A.____s psychischer Stabilität zur Folge habe. 6.1. Die KESB wirft der Gutachterin vor, dass die Klin iken F.____ bei B.A.____ mehrere Stö- rungen diagnostiziert hätten, wohingegen die Gutachte rin nur wenige Störungen diagnostiziert habe und die anderen auch nicht diskutiere. Dies stelle einen Mangel dar. Anlässlich der Partei- verhandlung erklärt die Gutachterin auf Frage der Ver treterin der KESB, in Kenntnis der durch die Kliniken F.____ gestellten Diagnose gewesen und auf alle Diagnosepunkte eingegangen zu sein. Sie hätte sich bewusst auf die Restsymptomatik beschrän kt. B.A.____ sei ein Jahr statio- när in den Kliniken F.____ platziert gewesen und hab e dort grosse Fortschritte gemacht. Auf den Hinweis der Vertreterin der KESB, dass im Austritts bericht der Kliniken F.____ ein Mangel an Wärme in der Eltern-Kind Beziehung diagnostiziert w orden sei, erwidert die Gutachterin, einen solchen nicht diagnostiziert zu haben, weil sie kein en solchen Mangel in der Eltern-Kind Beziehung festgestellt habe. Die Reduktion der diagnosti zierten Störungen durch die Gutachte- rin ist damit nachvollziehbar und schlüssig erklärt. 6.2. Die KESB wirft der Gutachterin vor, eine Rückpla tzierung von B.A.____ zu empfehlen, ohne das Strafverfahren gegen E.____ zu kennen. Auf di e Frage des Gerichts, ob die Gutach- terin das Strafverfahren gegen E.____ einbezogen habe, erklärt diese anlässlich der Parteiver- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht handlung, sich auf die Reaktion des Kindes und diejenige der Mutter sowie auf die von der Gut- achterin verlangten schriftlichen Stellungnahme von E.____ gestützt und sich so einen Eindruck des Gefährdungspotenzials gebildet zu haben. Auf den Hin weis eines Richters, der Vorwurf gegen E.____ bleibe, erklärt Dr. J.____, der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs richte sich ge- gen den Grossvater und den Exmann der Beschwerdeführeri n. B.A.____ habe den Missbrauch gerade E.____ gemeldet. Würde etwas Gravierendes gegen E.____ vorliegen, hätte B.A.____ bei der Begutachtung nicht immer so positiv auf die Er wähnung von E.____ reagiert. B.A.____ habe hingegen eine klare negative Reaktion gezeigt, al s sie bei der Begutachtung auf ihren Grossvater angesprochen worden sei. Damit hat die Gutach terin aufgrund ihrer Begutachtung eine ernste Gefährdung von B.A.____ durch E.____ ausgeschlossen. 6.3. Die KESB bemängelt, dass die Gutachterin eine Rü ckplatzierung eines erheblich vorbe- lasteten Kindes befürworte, ohne zu wissen, was das Kind i n P._____ erwarte. Dies sei ein Mangel, auch wenn ein entsprechender expliziter Auftra g diesbezüglich nicht erteilt worden sei. Vorerst ist festzuhalten, dass, wie die KESB festhält, d ie Gutachterin nicht beauftragt worden war, die B.A.____ in P._____ erwartenden Verhältniss e abzuklären. Die Gutachterin lobt die Offenheit und Transparenz der Kindsmutter und erachtet dies als eine grosse Ressource. Dies stelle die Basis einer früchtetragenden Elternarbeit da r. Ebenso geht aus dem Gutachten her- vor, dass die Gutachterin gestützt auf die Vorgeschichte u nd die Aussagen der Kindsmutter davon ausgeht, dass sich die Kindsmutter der Notwendigke it einer längerfristigen therapeuti- schen Begleitung B.A.____s bewusst ist. Des Weiteren vertr aut die Gutachterin aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin auch in der Vergan genheit stets kooperativ und in Be- zug auf die therapeutische Begleitung B.A.____s einsichtig gewesen sei, und dass sie während der Fremdplatzierung B.A.____s stets um ein gutes Verhä ltnis mit den beteiligten Institutionen bemüht gewesen sei, darauf, dass die Beschwerdeführerin in Q.____ eine ambulante psycho- therapeutische Begleitung für B.A.____ organisieren w erde. Daraus folgt, dass die Gutachterin zwar keine Informationen über die Betreuungsumstände in P._____ hatte, aufgrund der Beurtei- lung der Gesamtumstände jedoch davon ausging, dass die Mutter für eine angemessene Be- treuung von B.A.____ in P._____ besorgt sein werde. Da mit geht auch der diesbezügliche Vor- wurf der KESB fehl. 6.4. Die KESB hält dem Gutachten entgegen, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Bedeutung der suizidalen Äusserungen von B.A.____ i m Zusammenhang mit einem allfälli- gen Verbleib in der Schweiz nicht vorgenommen worden sei. Im Gutachten wird erklärt, dass besondere Beachtung auch den von B.A.____ geäusserten su izidalen Absichten bei längerfris- tiger Platzierung geschenkt werden sollte. Daraus geht hervor, dass die Gutachterin die suizida- len Äusserungen von B.A.____ als durchaus ernst zu nehme nd beurteilt hat. Inwiefern diesbe- züglich ein Mangel des Gutachtens vorliegen soll, ist nicht ersichtlich. 6.5. Der Gutachterin wird vorgeworfen, es bestehe ein Widerspruch in ihrem Gutachten, da sie darin einerseits festhalte, dass der Beschwerdeführerin bewusst sei, dass B.A.____ eine 24- Stunden Betreuung brauche und dies 7 Tage die Woche, wohingegen die Gutachterin zum Schluss komme, eine ambulante Therapie genüge. Dr. J.__ __ erklärt anlässlich der Parteiver- handlung, der Unterschied bestehe darin, was unter eine r “rundum Betreuung“ verstanden wer- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht de. Für die Mutter bedeute ihre eigene Aussage, B.A._ ___ müsse immer betreut werden, nicht, dass diese “rundum Betreuung“ durch ein Heim oder ein e Anstalt erbracht werden müsse. Not- wendig sei, dass eine vollumfängliche Betreuung durch da s gesamte Gefüge bestehend aus Schule, der Mutter selber, einer allfälligen Nachmitt agsbetreuung, ambulante Therapie etc. stattfinde. Den Ausführungen der Gutachterin kann ge folgt werden, womit der von der KESB gesehene Widerspruch entfällt. 6.6.1. Die KESB zweifelt daran, dass die Beschwerdefüh rerin B.A.____ die gewünschte Stabili- tät geben könne. Unter anderem habe die Beschwerdeführerin B.A.____ über lange Zeit alleine in der C.____ gelassen, um ihrem Partner nach Q.____ zu folgen. Auch die telefonischen An- gaben des Therapeuten der Kindsmutter wiesen bezüglich der Stabilität bei der Kindsmutter in eine andere Richtung. Zudem liessen auch die im Gutach ten wiedergegebenen Angaben der Mitarbeitenden der C.____ wie auch deren Diagnostik Z weifel an der Stabilität, die die Kinds- mutter ihrer Tochter vermitteln könne. 6.6.2. Im Gutachten von Dr. J.____ wird wiedergegebe n, was der Psychotherapeut der Be- schwerdeführerin, R._____, telefonisch der Gutachterin m itgeteilt habe. Die Beschwerdeführe- rin habe erstmals am 13. November 2014 einen Termin bei ihm wahrgenommen. Seither hätten 13 Sitzungen stattgefunden. Anfang des Jahres sei die depressive Verstimmung der Beschwer- deführerin deutlich geworden. Die Beschwerdeführerin se i immer wieder nach Q.____ gereist, wo sie mit der Situation weniger konfrontiert gewesen sei als hier. In Q.____ bestehe den Er- zählungen nach ein funktionierender familiärer Zusamme nhalt in der Familie von E.____. Es könne sein, dass die Beschwerdeführerin an einer Border line Persönlichkeitsstörung mit ab- hängig-hilflosen Zügen leide. Er denke auch an durch die Beschwerdeführerin selber erlebten sexuellen Missbrauch. Der Umgang zwischen der Beschwerdefüh rerin und der kleinen Tochter (Halbschwester von B.A.____) sei liebevoll. Er würde den Kontakt zum Kind als unauffällig be- zeichnen. Im Gutachten der Kinderpsychiatrie K.____ hält Dr. J.___ _ fest, dass es gemäss der Stations- psychologin und dem pädagogisch-pflegerischen Leiter der Abteilung für Kinderpsychiatrie C.____ im November 2014 einen Hausbesuch mit B.A.____ und ihrer Bezugsperson bei der Beschwerdeführerin gegeben habe. Anlässlich dieses Besuches sei deutlich geworden, dass es der Kindsmutter schwer falle, mit B.A.____ in Kontakt zu treten. B.A.____ fordere Aufmerksam- keit und Zuwendung. Die Kindsmutter könne dieses Bedür fnis jedoch nicht ausreichend befrie- digen. 6.6.3. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 23. Septemb er 2015 reicht die Beschwerdeführe- rin eine Bestätigung von R._____ vom 22. September 20 15 ein. Darin hält er fest, dass seit dem 13. November 2014 15 Sitzungen stattgefunden hät ten. Nach längerer Abwesenheit seit Anfang Juli 2015 könne er der Beschwerdeführerin nach der am 22. November 2015 erfolgten Konsultation bestätigen, dass sie sich offensichtlich gut e rholt habe und symptomfrei sei. Die reaktive mittelgradige depressive Erkrankung habe sich mit der Distanz zu den belastenden Umständen gut zurückgebildet. Die Beschwerdeführerin habe ihm glaubhaft dargelegt, dass sie sich auch nach endgültigem Umzug nach Q.____ einer ambu lanten psychotherapeutischen Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Behandlung unterziehen werde. Weiterhin habe sie dafür gesorgt, dass B.A.____ ebenfalls the- rapeutische Unterstützung in P._____ bekomme. Unter die sen Umständen gehe er davon aus, dass sich die Familienverhältnisse stabilisieren würden un d befürworte, dass ihr B.A.____ wie- der in Obhut gegeben werde. Daraus ist ersichtlich, dass d er Therapeut eine massgebliche Verbesserung bei der Beschwerdeführerin konstatiert ha t und die Aufnahme von B.A.____ bei ihrer Mutter befürwortet. Die diesbezüglichen auf d ie vorher telefonisch geäusserten Befürch- tungen des Therapeuten bestehen somit nicht mehr bzw. auf jeden Fall nicht in einem für B.A.____ gefährdenden Mass. Die Beschwerdeführerin erklärt anlässlich der Parteiverhan dlung, dass es ihr wieder gut gehe. Es sei ihr, nach alldem was geschehen sei, schlecht gegangen . Sie habe zuerst dafür besorgt sein müssen, dass es ihr wieder besser gehe. Dass sie oft na ch Q.____ verreist sei, und dadurch B.A.____ immer wieder längere Zeit nicht hab e besuchen können, sei eine Art Flucht gewesen. Sie sei von ihrer Familie hier in der Schweiz faktisch verstossen worden, in Q.____ habe sie durch die Verwandten ihres Partners die Aufnahme in eine gut funktionierende Familie gefunden. Das Leben dort sei sinngemäss ein Neuanfang. D iese Ausführungen der Beschwer- deführerin sind durchaus glaubhaft und nachvollziehbar, wenn die Geschehnisse berücksichtigt werden. Aus den Verfahrensakten und den Strafakten geg en E.____ geht hervor, dass die Be- schwerdeführerin in der Herkunftsfamilie selber Demütig ungs- und Gewalterfahrungen hat ma- chen müssen. Auch in der Ehe mit ihrem Exmann gab es Gew alt. Sie heirateten im Juni 2008 und trennten sich im November 2009. Ihr Exmann bedrohte auch ihren Vater einmal mit der Schusswaffe, kam ins Gefängnis und wurde schliesslich aus der S chweiz weggewiesen. Die Beschwerdeführerin und E.____ lernten sich im Oktober 2 011 kennen. E.____, welcher von seiner Frau getrennt ist, hat aus erster Ehe bereits Kin der. Er hat offensichtlich bemerkt, dass mit B.A.____ etwas nicht stimmt und die Kindsmutter im mer wieder gefragt, ob etwas vorgefal- len sei. Auf seine Intervention hin wurde B.A.____ a uch einmal in einer Klinik in V._____ (im Staat Q.____) untersucht (siehe Strafverfahrensakten). Er hat auch bemerkt, dass B.A.____ nach den Besuchen beim Grossvater nicht schlafen konnte. Schlussendlich hat B.A.____ ihm von den Missbräuchen berichtet. Nachdem sie von diesen Missbr äuchen erfahren hatten, gin- gen die Beschwerdeführerin und E.____ zur Polizei. Es kam dann zu einer Anzeige im Juni 2013. Zuerst wurde ihr Exmann angezeigt, dann erweiter te sich der Verdacht auf ihren Vater. Am 23. April 2013 kam die gemeinsame Tochter der Besch werdeführerin und von E.____ auf die Welt. Um Distanz zu ihren Eltern zu haben, die in U._____ wohnen, zog sie am 15. Oktober 2013 von U._____ nach I.____ um. Nach eigenen Angaben hat sich im Laufe der Zeit ihre gan- ze Familie von ihr abgewendet, auch ihre eigene Mutter , mit der sie zusammenarbeitete. Die Beschwerdeführerin veranlasste, dass B.A.____ unter anderem aufgrund der schulischen Prob- leme ab dem 14. Oktober 2013 die Schule W.____ in X.____ besuchte. Im Juni 2014 suchte die Beschwerdeführerin Hilfe, da unter anderem die massiven Schlafprobleme von B.A.____ für die schon belastete Familie nicht mehr zumutbar waren. Es kam zum Übertritt von B.A.____ zuerst in das Spital G.____ und dann in die C.____. Am 13. November 2014 begann die Beschwerde- führerin die Behandlung bei R._____. Aus den Akten ist auch ersichtlich, dass auch E.____ Hilfe in Anspruch genommen hat, weil ihn die Situation überforderte. Die Mutter und E.____, der als Ressource für die Familie genannt wird, waren mit den Institutionen immer kooperativ. Im November bzw. Dezember 2014 wurde E.____, welcher aufg rund der Akten als treibende Kraft Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht für die Anzeige gegen den Exmann und den Vater der B eschwerdeführerin bezeichnet werden kann und welchem B.A.____ als ersten von den Missbräuchen e rzählt hat, selber wegen Ver- dachts auf sexuelle Handlungen mit B.A.____ angezeigt . Wie sich nun herausstellt sind diese Vorwürfe gegen E.____ unberechtigt. Darauf wird späte r noch eingegangen. Im Dezember 2014 wurde vorsorglich, im Januar 2015 im ordentlichen Verfahren der Beschwerdeführerin das Aufenthaltsbestimmungsrecht über B.A.____ entzogen. Die Kindsmutter und E.____ durften B.A.____, welche vorher die Wochenenden bei der Besc hwerdeführerin verbringen durfte, nur noch in den Kliniken F.____ besuchen und es durfte nur noch Deutsch mit B.A.____ gespro- chen werden, obwohl E.____ kein Deutsch spricht. Die Ki ndsmutter und E.____ entschieden sich ca. im Mai 2015 mit ihrer gemeinsamen Tochter def initiv nach Q.____ umzuziehen. Ihr Wunsch ist, B.A.____ mit sich zu nehmen. Unterdessen haben die Beschwerdeführerin und E.____ die Wohnung in der Schweiz gekündigt und eine Wohnung in Q.____ gekauft. In den letzten Monaten hat sich die Beschwerdeführerin mehrhe itlich in Q.____ aufgehalten. Sie kam in regelmässigen Abständen in die Schweiz, um B.A.____ zu besuchen. Die Beschwerdeführe- rin hat diverse Unterlagen eingereicht, aus denen ersich tlich ist, dass sie dafür gesorgt hat, dass B.A.____ nach ihrem Umzug nach Q.____ abgeklärt und behandelt wird und die Schule besucht. Anlässlich der Parteiverhandlung erklärt die Beschwerdeführerin glaubhaft, dass es ihr nicht einfach gefallen sei, B.A.____ hier zu lassen un d nach Q.____ zu gehen. Aber sie habe erst selber wieder zu Kräften kommen müssen. 6.6.4. Führt man sich die Ereignisse und ihren zeitliche n Ablauf sowie die damit einhergehen- den massiven und multiplen Belastungen, denen die Besch werdeführerin ausgesetzt war, vor Augen, ist nachvollziehbar, weshalb die Mitarbeiter de r Abteilung für Kinderpsychiatrie L.____ im November 2014 beim Hausbesuch feststellten, dass es d er Kindsmutter schwer falle, mit B.A.____ in Kontakt zu treten und sie die Bedürfnisse von B.A.____ nach Aufmerksamkeit und Zuwendung nicht befrieden konnte. Aufgrund der positiven Entwicklung der Beschwerdeführerin und von B.A.____ und der weniger belasteten Situation, in welcher sich die Beschwerdeführerin nun befindet, ist auch nachvollziehbar, dass die Gutachter in nun keine mangelnde Wärme in der Beziehung zwischen B.A.____ und der Kindsmutter festgestellt hat und die Beschwerdefüh- rerin B.A.____ mit therapeutischer Hilfe den nötigen Halt geben kann. 6.6.5. Dr. J.____ kommt in ihrem Gutachten zum Schlus s, dass B.A.____ in einem Kinderheim zwar sicherlich umfangreich gefördert werde und die deutsche Sprache verbessern würde. Dies wiege die negativen Begebenheiten wie neue Bezugspe rsonen und Betreuungswechsel im Heim, der Verlust der q.____ischen Kultur sowie die dr ohende Entfremdung zur Kindsmutter jedoch nicht auf. Aufgrund ihrer Abklärungen ist Dr. J. ____ klar zum Schluss gekommen, dass für B.A.____ die Bezugspersonen, obwohl sie seit nunmehr über einem Jahr nicht mehr mit ihrer Familie wohnt, ihre Mutter, E.____, welchen sie auch Papi nennt, und ihre kleine Schwes- ter sind. Sie erachtet die Kindsmutter für fähig und g ewillt, für B.A.____ und sich in Q.____ die nötigen Abklärungen vornehmen zu lassen und die notwen digen therapeutischen Angebote in Anspruch zu nehmen. Dr. J.____ gibt zu bedenken, dass tr otz dem über einjährigen Verweilen in Institutionen B.A.____ keine Personen aus diesen Institutionen als Bezugspersonen erachtet. Die Gutachterin führt anlässlich der Parteiverhandlung auch an, dass nachdem die Kindsmutter lange mit den Institutionen kooperiert hat, nun wünscht , dass B.A.____ mit ihnen nach Q.____ Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehe. B.A.____ selber wünscht dies auch über alles. Dr. J. ____ ergänzt, dass ihre langjährige Erfahrung gezeigt habe, dass Heimplatzierungen – vor al lem langandauernde – gegen den Wil- len der Beteiligten keine positiven Früchte tragen wü rden. Sie gibt überdies zu bedenken, dass B.A.____ über ein Jahr lang in Institutionen gelebt habe, in denen sie auch aufgrund der guten Therapierung und Betreuung grosse Fortschritte gemach t habe. Festgehalten kann hier wer- den, dass der Austrittsbericht der Kliniken F.____ vom 25. August 2015, auf der sich die KESB unter anderem stützt, sich nicht mit der im vorliegenden Fall aufgrund des Wegzugs der Kinds- mutter, ihres Partners und der Halbschwester von B.A.____ nach V.____ ergebenden massiven Entfremdung von B.A.____ zur Familie und deren Folge n auseinandersetzt. Gerade diese Fol- gen haben aber bei der Begutachtung durch die Kinderpsychiatrie K.____ eine wesentliche Rol- le gespielt. 6.7. Es gilt zu bedenken, dass B.A.____ in der Schweiz nu r Verwandte hat, welche aufgrund der Vorwürfe gegen ihren Grossvater mit der Kindsmutter den Kontakt abgebrochen haben. Deshalb wäre B.A.____ aus familiärer Sicht hier absolut alleine. Des Weiteren besteht die gros- se Gefahr, dass B.A.____ die q.____ische Sprache weitge hend verlernen würde, was dazu führe, dass sie weder mit dem Lebenspartner ihrer Mutt er noch mit ihrer Halbschwester noch mit den Bezugspersonen von ihnen kommunizieren könnte. Dies führe zu einer familiären Isola- tion. Überdies wären die Kontakte mit ihrer Mutter a ufgrund der Distanz sehr sporadisch. Aus- serdem muss das mutmassliche Gefühl von B.A.____, verlassen worden zu sein, berücksichtigt werden, welches entstehen oder sich verfestigen würde, wenn ihre Familie in V.____ lebt, wäh- renddem sie ohne jegliche familiäre Bindungen gegen ihren Willen in einem Heim wohnt. 6.8. Bezüglich des Vorwurfes gegen E.____ betreffend s exuelle Handlungen mit B.A.____ hat die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 22. Oktobe r 2015 dem Kantonsgericht mitgeteilt, dass in diesem Verfahren ausgehend vom Verfahrensstand – wie es sich am Tag der Ausstel- lung des Schreibens präsentierte –, voraussichtlich eine E instellungsverfügung nach Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ergehen würde. Aufgrund der Strafakten ist ersichtlich, dass B.A.____ E._ ___ vom Missbrauch berichtete, er dies unverzüglich der Beschwerdeführerin mitteilte, dass es unter anderem dank ihm zu einer Strafanzeige gegen den Exmann der Beschwerdeführerin und ihren Vaters kam, dass B.A.____ ein sehr sexualisiertes Verhalten hatte (siehe auch di e Berichte der Kliniken F.____) und E.____ alles getan hat, sich diesem zu entziehen und sich mit der Beschwerdeführerin abge- sprochen hat. Ihm wurde im Wesentlichen vorgeworfen, er habe sich von B.A.____ vorzeigen lassen, was ihr sexuell angetan worden sei. Er und die Be schwerdeführerin haben immer er- klärt, dass es sich dabei um ein sprachliches Missverständnis ha ndle. E.____ habe B.A.____ aufgefordert, ihm zu sagen und nicht zu zeigen, was vorgefallen sei. Aufgrund der voraussichtli- chen Einstellung des Verfahrens und der gesamten Umstände kommt auch das Kantonsgericht zum Schluss, dass E.____ für B.A.____ keine Gefährdung darstellt. 7. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Guta chten der Kinderpsychiat- rie K.____ für die streitigen Belange umfassend ist, a uf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorgeschichte und der Angaben der Klinike n F.____ abgegeben wurde, in der Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beurteilung der Zusammenhänge und der Situation einl euchtet. Die Schlussfolgerungen der Gutachterin sind begründet und nachvollziehbar. Das Kant onsgericht sieht folglich keine trifti- gen Gründe vom Gutachten abzuweichen. Der Entzug des Au fenthaltsbestimmungsrechts ist somit aufzuheben und die Beschwerde folglich gutzuheissen. 8.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. 8.2. Gestützt auf § 20 Abs. 1 VPO werden die Verfahren skosten, welche unter anderem die Gerichtsgebühren, die Dolmetscherkosten und die Anwaltsk osten für die Kindsvertretung um- fassen, in der Regel der unterliegenden Partei in ang emessenem Ausmass auferlegt. Unter Beachtung, dass die in der angefochtenen Verfügung ange ordneten Massnahmen im Zeitpunkt des Erlasses rechtmässig waren, dies jedoch im Beurteilu ngszeitpunkt nicht mehr sind, recht- fertigt es sich, die Verfahrenskosten zur Hälfte der Besch werdeführerin aufzuerlegen. Gestützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 VP O können der Vorinstanz im vorliegen- den Fall keine Kosten auferlegt werden. Die Kinderanwältin macht in ihrer Honorarnote vom 14. September 2015 einen Zeitaufwand von 6 Stunden à Fr. 200.-- und Auslagen in der Höhe von F r. 15.70 zuzüglich 8% Mehrwertsteuer geltend, was nicht zu beanstanden ist. Für die Vorbere itung zur und die Teilnahme an der heu- tigen Verhandlung werden der Kinderanwältin 3 Stund en à Fr. 200.-- angerechnet, so dass ein Betrag in der Höhe von Fr. 1‘961.-- (9 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 15.70, alles zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) resultiert. Die Verfahrenskosten in der Gesamthöhe von Fr. 11'505.- - (bestehend aus einer Gerichtsge- bühr in der Höhe von Fr. 1'800.--, Expertisekosten in der Höhe von Fr. 7‘744.-- und Kosten für die Kindsvertretung von Fr. 1‘961.--) werden zur Hälfte der Beschwerdeführerin auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der auf sie anfallende Verfah renskostenanteil in der Höhe von Fr. 5'752.50 (bestehend aus einem Gerichtsgebührenante il in der Höhe von Fr. 900.--, einem Expertisekostenanteil in der Höhe von Fr. 3'872.-- und Anteil an den Kosten für die Kindsvertre- tung von Fr. 980.50) auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung geht dieser Verfahrenskostenanteil zu Lasten der Gerichtskasse. Der auf die Vorinstanz hypothetisch anfallende Gerichts gebührenanteil in der Höhe von Fr. 900.-- wird – da der Vorinstanz keine Kosten aufer legt werden können - nicht erhoben. Die Hälfte der von der Kinderpsychiatrie K.____ in Rechnung gestellten Expertisekosten und somit Fr. 3'872.-- und die Hälfte der Kosten der Kindesvert reterin gehen aus demselben Grund zu Lasten der Gerichtskasse. 8.3. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Pa rteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Beschwerdeführer in hat insofern obsiegt, als dass der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts über B.A.____ im heutigen Zeitpunkt nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Somit ist eine Übernahm e der hälftigen Parteikosten der Be- schwerdeführerin durch die KESB gerechtfertigt. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin macht in ihrer Honorarnote vom 21. September 2015 einen Aufwand von 32.75 Stunden à Fr. 200.-- so wie Auslagen in der Höhe von Fr. 202.60.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer geltend. Der Rechtsvertreterin werden für die Vorbe- reitung der und Teilnahme an der heutigen Verhandlung drei Stunden angerechnet, so dass ein Arbeitsaufwand von 35.75 Stunden und ein Betrag in der Höhe von Fr. 7‘940.80 resultiert. Da- mit hat die KESB der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'970.40 zu bezahlen. Zufolge Bewilligu ng der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘970.40 aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 8.4. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in d er Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden die Ziffe rn 1, 2, 3 und 6 des Entscheides der Beschwerdegegnerin vom 15. Januar 2015 aufgehoben. 2. Der Beschwerdeführerin wird ein Verfahrenskostenant eil in der Höhe von Fr. 5‘752.50 (bestehend aus einer Gerichtsgebühr von F r. 900.--, Gut- achterkosten von Fr. 3‘872.-- und Kosten für die Kind svertretung von Fr. 980.50) auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Der Kindesvertreterin wird ein Honorar in der Hö he von Fr. 1‘961.-- (inkl. Auslagen und 8% MWSt) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘970.40 zu bezahlen. I m Übrigen wer- den die Parteikosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständ ung wird der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘970.-- (inklusive Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin