Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. April 2022 (720 21 81 / 78) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beurteilung des Rentenanspruchs einer versicherten Person, die an einer bipolaren Stö- rung und einer Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und narzisstischen Zü- gen leidet Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela War- tenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1977 geborene A.____ meldete sich am 6. Juni 2 003 unter Hinweis auf eine starke Migräne, Zusammenbrüche des vegetativen Nervensystems, Dep ressionen und Panikattacken etc. bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2004 erteilte die IV-Stelle Basel-Land schaft (IV-Stelle) der Versicherten eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung zur Sozialarbeiterin für die Zeit vom 20. Oktober 2003 bis 19. Oktober 2006. B. Mit Gesuch vom 15. Dezember 2011 meldete die Versicher te der IV-Stelle, dass sie bei einem Autounfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäu le (HWS) erlitten habe und deswegen seit 5. Juni 2011 arbeitsunfähig sei. Nach Abklärung des medizinischen und erwerblichen Sach- verhalts lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. November 2012 einen Rentenanspruch ab. C. Am 7. April 2014 reichte die Versicherte ein weiter es Leistungsgesuch ein, wobei sie sich auf eine Depression und einen Zusammenbruch berief. In der Folge beauftragte die IV-Stelle Prof. Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, mit einer Begutachtung der Versi- cherten. Gestützt auf das Gutachten vom 12. Januar 2018 sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 65 % eine Dreiviertelsr ente mit Wirkung per 1. Oktober 2014 zu (vgl. Verfügung vom 25. Juni 2018). D. Mit Revisionsgesuch vom 12. Juli 2019 machte die Versi cherte eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes seit September 2017 geltend. Z udem habe sich ihre berufliche Si- tuation insofern geändert, als sie nun an einem geschü tzten Arbeitsplatz für 4 Stunden täglich arbeite. Die IV-Stelle klärte in der Folge erneut di e gesundheitlichen und erwerblichen Verhält- nisse ab. Mit Verfügung vom 29. Januar 2021 lehnte sie eine Erhöhung der laufenden Invaliden- rente bei einem Invaliditätsgrad von 66 % ab. Zur Be gründung führte sie an, dass keine anhal- tende Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Versi cherten habe festgestellt werden können. E. Hiergegen erhob A.____ am 26. Februar 2021 Beschwe rde ans Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss die Zusprache einer ganzen Rente. Zur Begründung führte sie im Wesentlich en an, dass der medizinische Sachver- halt nicht genügend abgeklärt worden sei bzw. verschiedene medizinische Unterlagen unberück- sichtigt geblieben seien. F. Am 23. März 2021 ersuchte die Versicherte um Bewilli gung der unentgeltlichen Prozess- führung. Mit Verfügung vom 26. März 2021 wurde ihr diese gewährt. G. Mit Eingabe vom 12. April 2021 zeigte Advokat Gui do Ehrler dem Kantonsgericht an, dass er die Vertretung der Versicherten übernommen habe. Gleichzeitig beantragte er die Bewil- ligung der unentgeltlichen Verbeiständung mit ihm als Rechtsvertreter. Diesem Antrag wurde mit Verfügung vom 14. April 2021 entsprochen. H. In ihrer Vernehmlassung vom 14. April 2021 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, wobei sie auf die Stellungnahme von Dr. me d. C.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 15. März 2021 hinwies. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Replik vom 17. Juni 2021 machte Advokat Guido Ehr ler im Wesentlichen geltend, dass die Versicherte aufgrund der bipolaren Störung ni cht in der Lage sei, selbst den Anforde- rungen eines geschützten Arbeitsplatzes nachzukommen. S ie könne deshalb ihre verbleibende Restarbeitsfähigkeit von 40 % auf dem freien Arbeitsmarkt nicht verwerten. Da die IV-Stelle weder einen Bericht bei der Eingliederungsstätte noch ein Verlaufsgutachten bei Prof. B.____ eingeholt habe, habe sie den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt. J. Die IV-Stelle schloss in ihrer Duplik vom 21. Juli 2021 auf Abweisung der Beschwerde. K. Anlässlich der Urteilsberatung vom 6. Januar 2022 ste llte das Kantonsgericht den Fall aus. Es kam zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung betreffend die Veränderung des Gesundheitszustandes der Versicherten seit der Begutachtun g durch Prof. B.____ und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aufgrund der vo rliegenden Akten nicht möglich sei. Es ziehe deshalb – im Falle eines Urteils – in Betracht, d ie Angelegenheit zur weiteren Abklärung der medizinischen Sachlage mittels eines psychiatrischen Gutachtens und einer anschliessenden Neuentscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen (vgl. dazu Beschluss vom 6. Januar 2022). Nach Massgabe von BGE 137 V 314 räumte das Kantonsgericht der Versicherten die Gelegen- heit zum Beschwerderückzug ein. Mit Eingabe vom 17. Januar 2022 liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter mitteilen, dass sie an der Beschwerde festhalte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fr ist- und formgerecht eingereichte Be- schwerde vom 26. Februar 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Okto ber 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (vgl. Urteil d es Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden j eweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Es ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen ist und folglich die Dre iviertelsrente revisionsweise nicht er- höht hat. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis z um Erlass der angefochtenen Verfü- gung vom 29. Januar 2021 entwickelt hat. Dieser Zeitp unkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit . Die Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, der geistigen oder der p sychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Gemäss Art. 17 ATSG sind laufende Invalidenrenten für die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflus- sen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die er- werblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Ge sundheitszustandes erheblich ver- ändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine abweichende medizinische oder recht- liche Einschätzung von im Wesentlichen unveränderten tatsächlichen Verhältnissen alleine führt nicht zu einer materiellen Revision. 3.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkomm ensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 1 E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Versicherten am 25. Juni 2018 rückwirkend per 1. Oktober 2014 eine Drei viertelsrente zu. Mit Verfügung vom 29. Januar 2021 lehnte sie eine Erhöhung der laufenden Dreiviertelsrente ab. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprüngliche n Rentenverfügung vom 25. Juni 2018 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorlie gend angefochtenen Verfügung vom 29. Januar 2021. 4.1 Es ist zu prüfen, ob und inwiefern sich der Gesundhei tszustand und – damit einherge- hend – der Grad der Arbeitsunfähigkeit der Versichert en seit der Rentenzusprache am 25. Juni 2018 in anspruchserheblicher Weise verändert hat. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche un d gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2 001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper tise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen ausschliess- lich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdigung strenge An- forderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 5.1.1 Bei der ursprünglichen Rentenzusprache im Jahr 2 018 stützte sich die IV-Stelle auf das von ihr in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten von Prof. B.____ vom 12. Januar 2018. Daraus ist zu entnehmen, dass die Versicherte in beruflicher Hinsicht im Rahmen von beruflichen Massnahmen die Ausbildung zur Sozialarbeiterin im Oktober 2006 erfolgreich abschloss und bis Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 31. Dezember 2014 beim D.____ arbeitete (vgl. Frage bogen für Arbeitgebende vom 23. April 2014). In gesundheitlicher Hinsicht war sie erstmals vom 22. bis 30. November 1999 wegen eines psychischen Erschöpfungszustandes im damaligen Spital E.____ (heute: Spital F.____) hospita- lisiert. Aufgrund einer generalisierten Angststörung sowie einem Diabetes mellitus Typ I hielt sie sich von Dezember 1999 bis Februar 2000 stationär in der damaligen Klinik G.____ (heute: Klinik H.____) auf. Im Mai 2004 und Juni 2004 wurde die Ver sicherte im Auftrag der IV-Stelle von Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, begutach tet. Dr. I.____ hielt in seinem Gut- achten vom 25. Juni 2004 als Diagnosen eine generalisi erte Angststörung (ICD-10 F41.1) und eine Dysthymie (ICD-10 F34.1) fest. Aufgrund dieser Leiden sei die Versicherte in ihrer psycho- physischen Belastbarkeit deutlich eingeschränkt. Sie sei j edoch in der Lage, unter nicht allzu grossem Leistungsdruck den Berufsalltag zu bewältigen. Aufgrund einer diagnostizierten bipola- ren affektiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi sode (ICD-10 F.31.3), befand sie sich so- dann vom 21. März 2007 bis 22. März 2007 und vom 22. O ktober 2007 bis 24. November 2007 erneut in der Klinik G.____ in stationärer Behandlung (vgl. Bericht vom 11. Dezember 2007). Ein weiterer stationärer Aufenthalt erfolgte vom 15. August 2014 bis 3. Oktober 2014 erstmals in der J.____, nachdem sie im Juli 2013 psychisch zusammengebrochen war (vgl. Austrittsbericht vom 16. Dezember 2014). Vom 1. April 2015 bis 5. Juni 2015 fand in der Klinik K.____ eine tagessta- tionäre Behandlung statt (vgl. Austrittsbericht vom 2. Juni 2015 und Austrittsmeldung vom 5. Juni 2015). Vom 2. März 2016 bis 7. März 2016 war sie auf de r Kriseninterventionsstation in den L.____) hospitalisiert (vgl. Austrittsbericht vom 8. April 2016). Zwei weitere stationäre Aufenthalte in den L.____ erfolgten vom 10. bis 13. Mai 2016 un d vom 6. Oktober 2016 bis 22. Dezember 2016 (vgl. Austrittsberichte vom 26. August 2016 und 2 4. Februar 2017). Am 15. April 2017 suchte die Versicherte aufgrund einer ausgeprägten Insomnie und einer inneren Unruhe die Not- fallstation des Spitals F.____ auf (vgl. Austrittsbericht vom 15. April 2017). Anschliessend wurde sie bis 26. Mai 2017 in den L.____ behandelt (vgl. Austrittsbericht vom 28. Juni 2017). 5.1.2 Prof. B.____ hielt als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolare Störung, aktuell mitterschwere depressive Episode (ICD-10 F31.3), und eine Persönlichkeitsstö- rung mit emotional-instabilen und narzisstischen Zügen (ICD-10 F61.0) fest. In ihrer Beurteilung führte sie aus, dass die Versicherte Störungen der Konze ntration, der Aufmerksamkeit und des Antriebs beklage. Im Gespräch habe jedoch keine Verlang samung festgestellt werden können. Das 2-stündige Gespräch und das anschliessende Ausfüllen der Fragebögen seien ihr in relativ normalen Zeitabläufen gelungen. Die Versicherte berich te über Energielosigkeit, fehlende Moti- vation und Erschöpfung. Subjektiv sei sie beherrscht von Gedanken zu versagen und von Selbst- vorwürfen. Es liessen sich zudem Anzeichen von Selbstmitleid finden. Sie sei von der Sinnlosig- keit ihres Tuns überzeugt. Der Selbstwert sei reduziert u nd es falle auf, dass sie sehr hohe An- sprüche an sich habe und die gesamte Entwicklung in die Krankheit hinein als Abstieg erlebe. Ausserdem beschreibe sie ständige Ängste, die panikartig verstärkt würden. In solchen Angst- momenten befürchte sie, dass sie umfallen könnte. Sie zieh e sich sozial zurück und sei eher dünnhäutig. Die Versicherte berichte auch von Gefühlslosi gkeit. Sie könne sich weder freuen noch traurig sein. Während der Untersuchung habe sie oft geweint. In der Manie sei sie impulsiv und gereizt. Zwänge, Wahrnehmungsstörungen oder inhalt liche Denkstörungen seien jedoch nicht vorhanden. Bezüglich des formalen Denkens lasse sich eine wechselnde Gedankendichte Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und ein Gedankenkreisen um das eigene Unvermögen finden. Die Diagnose einer bipolaren Stö- rung sei unter den medizinischen Fachpersonen nicht strei tig. Zu dieser Diagnose passe auch der Beginn im mittleren Lebensalter und das bisher gu te Ansprechen auf medikamentöse Stim- mungsstabilisatoren. Aufgrund der aktuellen Symptomati k sei aktuell von einer mittelschweren depressiven Erkrankung auszugehen. Zusätzlich bestehe eine Pe rsönlichkeitsstörung. Die Ver- sicherte beschreibe, dass sie bis zur Pubertät ein eher üb erangepasstes Kind gewesen sei. In der Schule habe sie dann immer wieder Probleme mit G ruppen und Schwierigkeiten in Paarbe- ziehungen sowie am Arbeitsplatz gehabt. Diese Problematik bestehe heute noch und wirke sich in relevanter Weise auf den Alltag aus. Zudem würden die pseudoneurologischen Symptome und die Schwierigkeiten anlässlich des Rehabilitationsaufe nthalts nach dem HWS-Schleudertrauma darauf hinweisen, dass die Versicherte Probleme mit der Selbstregulierung und der Identität habe. Sie verfüge jedoch über erhebliche Ressourcen, Sie habe eine gute Auffassungsgabe, sei intellektuell gewandt, neugierig, humorvoll, hilfsbereit und zeige gute kommunikative Kompeten- zen. 5.1.3 Zur Arbeitsfähigkeit führte Prof. B.____ aus, dass die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Sozialarbeiterin aktuell nicht arbeitsfäh ig sei. Die psychische Stabilität, die Belast- barkeit unter Druck und Stress sowie das Durchhaltevermögen seien ungenügend. Nur mühsam gelinge es ihr, Regeln einzuhalten, mit anderen zusammenzuarbeiten und Kritik zu ertragen. Dies korrespondiere mit der Beurteilung der Eingliederungsfachleute, welche die Versicherte als nicht eingliederbar bezeichnet hätten (vgl. Abschlussbericht d er Eingliederungsmassnahmen vom 28. Juli 2017). Möglicherweise sei sie in einer angepasst en Tätigkeit mit geringerem Druck und Stress bis zu 40 % arbeitsfähig. Denkbar sei eine Arbeit im Homeoffice. Es sei zudem zu beach- ten, dass eine Tätigkeit auch eine "narzisstische Gratifi kation" für die Versicherte bedeuten könne. Die Tatsache, dass sie nach einem abgebrochenen Medizinstudium nicht mehr als Sozi- alarbeiterin arbeiten könne, sei schwer mit ihrem "Ego" vereinbar. Gestützt auf diese Beurteilung sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 29. Januar 2021 ab 1. Oktober 2014 eine Dreiviertelsrente zu (vgl. auch RAD-Stellungnahme vom 5. Februar 2018). 5.2.1 Seit der Begutachtung durch Prof. B.____ sind fo lgende wesentliche Arztberichte bei der IV-Stelle eingegangen: Aus dem Bericht des Spitals F.____ vom 5. Juni 2019 geht hervor, dass sich die Versicherte vom 30. Mai 2019 bis 5. Juni 2019 auf grund einer schweren diabetischen Ketoazidose (= schwerwiegende Stoffwechselentgleisung b ei Insulinmangel) hospitalisiert war. Aufgrund der hohen Blutzuckerwerte wurde die Versicherte kurzzeitig auf der Intensivstation ver- sorgt. Am 5. Juni 2019 konnte sie in gebessertem Allgemeinzustand wieder entlassen werden, 5.2.2 Dem Arztbericht von Dr. med. M.____, FMH Psychiatr ie und Psychotherapie, vom 6. Au- gust 2019, bei welcher die Versicherte seit Januar 2017 in Behandlung steht, ist zu entnehmen, dass diese seit dem 1. April 2019 bei der N.____ AG an einem geschützten Arbeitsplatz im Be- reich Empfang und Administration für maximal 4 Stunden pro Tag arbeite (vgl. auch Schreiben der N.____ AG vom 14. August 2019). 5.2.3 Dr. med. O.____, FMH Endikrinologie/Diabetolog ie und Innere Medizin, hielt in seinem Arztbericht vom 23. August 2019 fest, dass der Diabetes mellitus Typ 1 bei der Versicherten sehr Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwierig einzustellen und zu kontrollieren sei. Äussere Einflüsse wie z.B. grosse Hitze und Stresssituationen würden zu starken Schwankungen führen. Die Versicherte sei sehr bemüht, den Blutzucker gut zu kontrollieren. 5.2.4 Dem Austrittsbericht der L.____ vom 21. Oktober 2 019 ist zu entnehmen, dass die Ver- sicherte dort aufgrund einer bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige Episode, vom 19. September 2019 bis 15. Oktober 2019 hospitalisiert war. Beim Eintritt habe die Versicherte berichtet, dass es ihr seit wenigen Tagen affektiv deutlich schlechter gehe. Ein aus- lösendes Ereignis habe sie nicht benennen können. Im Gespräch habe sie sich mehrfach formal- gedanklich blockiert, teils weinend, gezeigt. Sie habe vor allem unter starken Schlafproblemen gelitten. Zudem habe sie sich innerlich stark angespannt und nervös gefühlt sowie starke Kon- zentrationsprobleme gehabt. Im stationären Verlauf sei die Versicherte zunehmend innerlich ru- higer geworden und die Schlafqualität habe sich gebess ert. Die Stimmung sei euthym und die Konzentrationsstörungen seien deutlich rückläufig gewesen. 5.2.5 Dr. M.____ berichtete am 23. Oktober 2019, dass d ie Versicherte einmal wöchentlich in die Therapiestunde komme. Sie habe sich seit Behandlungsbeginn nie länger in einem euthymen psychischen Zustand befunden. Mittelschwere bis zum Teil schwere depressive Phasen von Wo- chen bis Monaten würden innerhalb von Tagen in manisch e bis submanische Zustände wech- seln. In schweren depressiven Zuständen werde ihr eine psyc hiatrische Spitex verordnet. Bei erheblicher Suizidalität, welche im vergangenen Jahr deu tlich zugenommen habe, übernachte sie bei den Eltern. In depressiven Phasen würden ihre Gedanken um einen möglichen Raptus (= Bezeichnung für einen abrupt einsetzenden Erregungszu stand) kreisen. Vor dem letzten Klini- kaufenthalt habe sie an schweren Einschlafstörungen und nächtlichen Angstzuständen gelitten. Bei ihrer Untersuchung habe die Versicherte eine erhe blich depressive Stimmung gezeigt. Sie habe unter einer Wut gelitten, habe geschrien und teilweise die Kontrolle verloren. Sie habe keine Zukunft mehr gesehen und habe ihr Leben als wertlos em pfunden. Dr. M.____ berichtete auch, dass die Versicherte nach der Arbeit in der geschützten Arbeitsstätte völlig erschöpft sei. Sie sei kaum fähig, ihren eigenen Haushalt zu erledigen. Als psychiatrische Diagnose hielt sie eine bipo- lare Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Epi sode, bei ausgesprochener Suizidalität (ICD-10 F31.3) fest. Sie betrachtete die Versicherte auf dem ersten Arbeitsmarkt für jegliche Tä- tigkeit als vollständig arbeitsunfähig. 5.2.6 Am 9. Dezember 2020 äusserte sich Dr. M.____ erneu t über den psychischen Gesund- heitszustand der Versicherten. Depressive Episoden würden immer häufiger und die Suizidalität bedrohlicher. Bei einer akuten Manie sei der Diabet es aufgrund des enormen Stresses instabil. Momentan befinde sich die Versicherte in einer submanisch en Phase. Bei der Arbeit in der ge- schützten Arbeitsstätte seien immer wieder Krankheitsunterbrüche zu verzeichnen. Aufgrund Er- schöpfungszuständen müsse sie oft die Arbeit nach 2 Stunden aufgeben. Sie sei deshalb in ei- nem geschützten Arbeitsumfeld höchstens zu 4 Stunden mit schwankenden Leistungen arbeits- fähig. Eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt sei wegen der schnell wechselnden depres- siven Phasen nicht möglich. Nach wie vor erhalte die Ve rsicherte von ihren Eltern Hilfe bei der Ernährung und bei der Erledigung des Haushalts. Zudem werde sie weiterhin von der psychiatri- schen Spitex unterstützt. Dr. M.____ legte in ihrem Bericht ausserdem den Krankheitsverlauf seit Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Behandlungsbeginn dar. Aus diesem geht unter anderem hervor, dass bei der Versicherten von November 2019 bis März 2020 eine starke Depression bestanden habe. Nachdem im April 2020 eine Verbesserung festzustellen gewesen sei, sei die Versicherte aufgrund eines posttraumatisch reaktivierenden Vorfalls am Arbeitsplatz psychisch zusammengebrochen und es sei eine Notfall- konsultation in den L.____ erfolgt. Im August 2020 h abe sie wieder ihre Arbeit aufgenommen. Dabei sei sie nur sehr gering belastbar gewesen. Aufgrund einer starken Erkältung sei die Versi- cherte von ihrem Hausarzt für 2 Wochen krankgeschrieben worden. Eine Stabilisierung habe ab November 2020 stattgefunden. Danach sei die Präsenzzeit von 2 Stunden langsam erweitert worden. Da sie Gefühle von Unruhe, Schlafstörungen und Hypoglykämien gehabt habe, habe ihr Arbeitgeber ihr erlaubt, bei Unwohlsein zu Hause zu b leiben. Aktuell sei sie immer noch stark ermüdet. Sie sei reizempfindlich am Arbeitsplatz und unter Leuten. 5.3 Der RAD-Arzt Dr. C.____ nahm am 21. November 201 9 erstmals zu den vorliegend strit- tigen medizinischen Fragen Stellung. Darin führte er aus, dass der Gesundheitszustand der Ver- sicherten seit der Begutachtung bei Prof. B.____ weitgehend unverändert sei. Die Dekompensa- tion im September 2019 habe nach einem stationären Aufenthalt wieder stabilisiert werden kön- nen. In seiner Stellungnahme vom 10. März 2020 führte er aus, dass die von Prof. B.____ fest- gelegte 40%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit medizinisch gut begründet sei. Es seien keine Hinweise vorhanden, welche an der Verwertbarkeit dieser Restarbeitsfähigkeit zwei- feln liessen. Zum Bericht von Dr. M.____ vom 9. Dezembe r 2020 meinte Dr. C.____ am 26. Ja- nuar 2021, dass sich die Versicherte im Zeitpunkt der Begutachtung durch Prof. B.____ in einer mittelschweren depressiven Episode befunden habe. Danac h habe sie sich in einer submani- schen Phase, welche sich ab November 2020 stabilisiert hab e, befunden. Es gäbe keine Hin- weise auf eine aktuelle Suizidalität. Die Schwankungen zwischen mittelgradig depressiv und sub- manisch/manisch würden zu einer bipolaren affektiven Störung gehören. Dies habe Prof. B.____ auch ausführlich beschrieben und in ihrer Zumutbarkeit sbeurteilung berücksichtigt. Das Ab- senzenblatt der Arbeitsstätte zeige, dass die Arbeitsausfä lle seit April 2020 viel seltener gewor- den, seien. Damit sei erstellt, dass sich Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit der Versicher- ten seit der Begutachtung durch Prof. B.____ nicht massgeblich verändert hätten. An dieser Be- urteilung hielt Dr. C.____ in seiner Stellungnahme vom 15. März 2021 fest. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 29. Januar 2021 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts vollumfängl ich auf die Ausführungen ihres RAD- Arztes Dr. C.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Ver- sicherten seit der Rentenzusprache im Jahr 2018 nicht richt ungsweisend verändert habe, wes- halb es der Versicherten weiterhin zumutbar sei, auf dem ersten Arbeitsmarkt einer leidensange- passten Tätigkeit im Umfang von 40 % nachzugehen. Wie in Erwägung 4.4 hiervor erwähnt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne die Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden s oll. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist jedoch auch eine reine Aktenbeurtei lung nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenlo- ser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich fest- stehenden medizinischen Sachverhalts geht. Aktengutachten sind insbesondere dann von Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht lang, wenn die relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erho- ben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Diagnose oder das Ausmass der Behinderung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen kann in einem Aktengutachten das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die überwiege nde Wahrscheinlichkeit für eine be- stimmte Beurteilung deutlich gemacht werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Es sind allerdings bereits bei geringen Zweifeln an der Zu- verlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzuneh- men. 6.2 Solche Zweifel liegen hier vor. Dr. C.____ bestät igte zwar, dass nach der Begutachtung durch Prof. B.____ im Herbst 2019 eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustan- des der Versicherten eingetreten sei. Er verwies dabei auf den Bericht der L.____ vom 21. Okto- ber 2019, welchem zu entnehmen ist, dass die Versichert e im September 2019 aufgrund einer manischen und hypomanen Episode psychisch dekompensiert habe und deswegen hospitalisiert gewesen sei. Er ging jedoch gestützt auf die medizinische Aktenlage davon aus, dass sich der psychische Zustand der Versicherten seit Klinikaustritt bzw. spätestens seit November 2020 wie- der stabilisiert habe. Eine wesentliche Änderung des G esundheitszustandes seit der Begutach- tung durch Prof. B.____ sei somit seiner Meinung nach n icht eingetreten. Zudem ist er der Auf- fassung, dass keine Hinweise auf eine Suizidalität vorlägen (vgl. Stellungnahmen vom 21. No- vember 2019 und vom 26. Januar 2021). Dieser Ansicht kann jedoch nicht ohne weiteres beige- pflichtet werden. Zwar befand sich die Versicherte gemäss den Ausführungen von Dr. M.____ in ihrem Bericht vom 9. Dezember 2020 ab November 2020 bis zur Konsultation vom 1. Dezember 2020 in einem stabilisierten psychischen Zustand. Es darf jedoch dabei nicht übersehen werden, dass die Versicherte unter anderem an einer bipolaren Störung leidet, bei welcher sich die de- pressiven und manischen bzw. submanischen Phasen abwechseln. So stellte auch Dr. C.____ im Rahmen der Prüfung des Gutachtens von Prof. B.____ in seiner Stellungnahme vom 5. Feb- ruar 2018 fest, dass Phasenschwankungen beständen, welche einen erheblichen psychiatrischen Gesundheitsschaden darstellten. Es ist deshalb angesichts der psychischen Erkrankung der Ver- sicherten eine Frage der Zeit, wann sich der stabile Zu stand wieder ändert. Die Ausführungen von Dr. C.____ hinsichtlich des stabilisierten Gesundheitszustandes können deshalb nur dahin- gehend verstanden werden, dass er der Auffassung ist, im November 2020 habe der gleiche psychische Zustand vorgelegen wie bei der Untersuchung dur ch Prof. B.____. Damals befand sich die Versicherte in einer mittelschweren depressiven Episode (vgl. auch Stellungnahme von Dr. C.____ vom 26. Januar 2021). Bei seiner Argument ation berücksichtigte Dr. C.____ jedoch nicht, dass die behandelnde Psychiaterin Dr. M.____ berichtete, die Phasenschwankungen seien seit Oktober 2019 immer häufiger und stärker geworden (vgl. Berichte vom 23. Oktober 2019 und 9. Dezember 2020). Von schnell wechselnden Episoden war im Gutachten von Prof. B.____ noch keine Rede, weshalb der von der behandelnden Psychiaterin beschriebene Krankheitsverlauf als Anhaltspunkt für eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation der Versicherten angese- hen werden muss. Dass sich der Gesundheitszustand dauerhaft verschlechtert haben könntet, ergibt sich auch aus dem Hinweis von Dr. M.____, wonach die Suizidalität – entgegen den Aus- führungen von Dr. C.____ – seit 2018 erheblich zugenomm en habe und bedrohlich geworden sei. Weiter fällt auf, dass die Versicherte in der Zwisch enzeit in der Haushaltsführung erheblich eingeschränkt ist. Während Prof. B.____ noch beschrieb, die Versicherte könne ihren Haushalt Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehr oder weniger alleine erledigen (vgl. Gutachten, S. 20), führte Dr. M.____ aus, dass die Versicherte dazu seit spätestens Oktober 2019 nicht mehr fähig sei (vgl. Berichte vom 23. Okto- ber 2019 und 9. Dezember 2020). Schliesslich ist das Vorb ringen von Dr. C.____, wonach die Versicherte bei der Arbeit in der geschützten Arbeitsstätte seit April 2020 viel weniger Krankheits- absenzen aufweise, nicht stichhaltig. Gemäss Auskunft der N.____ AG betrugen die Fehltage im Jahr 2019 36 und im Jahr 2020 34 Tage (vgl. E-Mail vom 21. April 2021). Bei dieser Sachlage kann nicht von einer relevanten Reduktion der Krankhei tsabsenzen gesprochen werden. Damit liegen doch zumindest geringe Zweifel an der Beurteilung durch Dr. C.____ vor, wonach sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Begu tachtung durch Prof. B.____ nicht dauerhaft und erheblich verschlechtert habe. Die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte sind auch nicht beweiskräftig genug, um darauf abstellen zu können. Vor diesem Hin- tergrund stellt sich die Frage, ob die von Prof. B.____ attestierte 40%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit weiterhin Bestand hat. Dies auch deshalb, weil Prof. B.____ ihre Zumutbarkeits- beurteilung prognostisch formuliert und als "möglicherw eise" bezeichnet hat. Mit Blick auf die Tätigkeit der Versicherten in der geschützten Arbeitsstätte, welche sie gemäss den Ausführungen der N.____ AG und Dr. M.____ zu höchstens 4 Stunden t äglich ausführen könne, scheint die Prognose von Prof. B.____ betreffend zumutbarer Arbeit wohl zu optimistisch gewesen zu sein. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass seit der Rentenz usprache im Jahr 2018 genü- gend Hinweise auf eine mögliche Verschlechterung des Gesu ndheitszustandes mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen, welche eine vertiefte verwaltungsexterne Abklärung angezeigt erscheinen lassen. Die angefochtene Verfügung vom 21. Januar 2021 ist deshalb aufzuheben. 7. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat das anger ufene kantonale Versiche- rungsgericht im Regelfall selbst ein Gerichtsgutachten einzuholen, wenn es einen im Verwal- tungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überh aupt für gutachterlich abklärungsbe- dürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweis- kräftig ist. Eine Rückweisung an die IV-Stelle ist zulässig , wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage be gründet liegt oder wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterl ichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 139 V 99 E. 1.1). Da die IV-Stelle den medizinischen Sachverhalt aber unvollständig abge- klärt hat und es nicht die Aufgabe des kantonalen Ger ichts ist, im Verwaltungsverfahren ver- säumte Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die IV-Stelle unter Berücksichti- gung der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts ni chts entgegen. Die Angelegenheit ist deshalb an die IV-Stelle zurückzuweisen. Diese hat den aktuellen medizinischen Sachverhalt un- ter Berücksichtigung der nach der Begutachtung von Prof. B.____ ergangenen medizinischen Berichte und unter besonderer Beachtung der revisionsrecht lichen Fragestellungen durch ein neutrales psychiatrisches Gutachten abklären zu lassen. Gestützt auf die Abklärungsergebnisse wird die IV-Stelle anschliessend über das Vorliegen ei nes Revisionsgrundes und damit zusam- menhängend über den Rentenanspruch der Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2 sowie 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Da die IV-Stelle unterliegende Partei ist, sind ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte obsiegende Partei ist, ist ihr eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Versicherten hat in seiner Hono- rarnote vom 12. August 2021 für das vorliegende Verfah ren einen Zeitaufwand von 11,25 Stun- den geltend gemacht, welcher sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen erweist. Dieser Aufwand ist zum in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädi- gen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honor arnote ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 23.75. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'054.65 (11,25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 23.75 zuzüglich 7,7 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesg ericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbststän dig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegeh- ren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewir ken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 9.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungsent- scheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelung – wie die Rückweisung im Hauptpunkt selbst – einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG) da rstellt, der in der Regel keinen nicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann . Ihre Anfechtung ist erst mit Be- schwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet die Instanz, an welche die Sache zu- rückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten der Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückweisungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentscheids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 645 E. 2. 2, bestätigt im Urteil des Bundesge- richts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4; v gl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7. November 2014, 8C_692/2014, E. 2). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 29. Janua r 2021 aufge- hoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung i m Sinne der Er- wäg ungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zu- rückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'054.65 (inkl. Ausl agen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht