Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Oktober 2021 (720 20 58 / 289) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Würdigung des medizinischen Verwaltungsgutachtens; Probleme mit der elekt- ronischen Signatur des Gutachtens Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1960 geborene A.____ meldete sich mit Gesuch vom 30. März 2012 aufgrund von unfallbedingten Schulter- und Kniebeschwerden bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Zur Abklärung der gesundheitlich en Verhältnisse gab die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten bei der PMEDA Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen AG (PMEDA) in den Disziplinen Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie in Auftrag, welches am 21. Januar 2019 erstattet wurde. Nachdem d ie IV-Stelle das Vorbescheidverfahren Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht durchgeführt hatte, wurde A.____ mit Verfügung vom 1 9. Dezember 2019 gestützt auf das PMEDA-Gutachten eine befristete ganze Rente vom 1. Okto ber 2017 bis 30. Juni 2018 sowie eine befristete halbe Rente vom 1. Juli 2018 bis 31. Juli 2018 zugesprochen. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Nicolai Fullin, mit Schrei- ben vom 3. Februar 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei abzuändern und die Be- schwerdegegnerin zu verpflichten, auch für die Zeit nach dem 31. Juli 2018 eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen, mindestens aber eine Viertelsrente zu leisten. Eventuali- ter seien weitere medizinische Abklärungen zu seiner Arbeitsfähigkeit durchzuführen und danach erneut über seinen Rentenanspruch zu entscheiden. In sein er Beschwerdeschrift bringt der Be- schwerdeführer unter anderem vor, das Gutachten der PMED A sei nicht handschriftlich unter- zeichnet worden, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne. C. Mit Vernehmlassung vom 19. März 2020 beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 30. Juli 2020 ha t das Kantonsgericht den Fall aus- gestellt und die Beschwerdegegnerin aufgefordert, das polydisziplinäre Gutachten der PMEDA vom 21. Januar 2019 von allen mitwirkenden Gutachtern eigenhändig unterzeichnet einzureichen sowie eine Erklärung der mitwirkenden Gutachter zu erwi rken, aus welcher sich ergibt, ob die Konsensbeurteilung vom 21. Januar 2019 mündlich oder fe rnmündlich erfolgt sei und auf einer gemeinsamen Diskussion beruht habe, einzureichen. E. Mit Schreiben vom 24. August 2020 übermittelte di e IV-Stelle dem Kantonsgericht eine Stellungnahme der PMEDA vom 12. August 2020 mit einer CD-Rom, auf welcher das Gutachten mit elektronischer Signatur enthalten ist. F. Mit Schreiben vom 25. September 2020 hielt der Besch werdeführer an seiner Be- schwerde und insbesondere an seiner Auffassung, das Gutacht en sei formell mangelhaft, fest. Aus der mitgelieferten Pdf-Version des Gutachtens lasse si ch nicht entnehmen, dass das Gut- achten digital unterzeichnet worden sei, die Unterschriften seien weder ersichtlich noch könnten sie elektronisch nachvollzogen werden. G. Anlässlich der zweiten Urteilsberatung vom 11. März 2 021 hat das Kantonsgericht den Fall erneut ausgestellt. Es wurde festgehalten, aus den Verfahrensakten gehe nicht eindeutig hervor, ob die CD-Rom mit dem Gutachten der PMEDA dem Beschwerdeführer zugestellt worden sei. Andererseits werde beim Öffnen des Gutachtens von d er CD-Rom aus am Bildschirm ein Fenster angezeigt, auf dem der Hinweis erscheine, dass mi ndestens eine Signatur Probleme aufweise. Werde das Signaturfenster geöffnet, erschein e eine Anzeige mit vier Signaturen. Werde eine dieser Signaturen angeklickt, erscheine der V ermerk "Signatur unbekannt". Dieser Vermerk erscheine bei allen vier Signaturen, wenn sie angeklickt würden. Weiter führte das Kan- tonsgericht aus, dass die Beschwerdegegnerin der gerich tlichen Aufforderung, das polydiszipli- näre Gutachten der PMEDA von den Gutachtern eigenhänd ig unterzeichnet einzureichen, nicht Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nachgekommen sei. Die von der IV-Stelle dafür angegebene Begründung, dafür sei eine Geneh- migung durch das BSV nötig, sei nicht nachvollziehbar. D as Kantonsgericht forderte die Be- schwerdegegnerin daher erneut auf, dem Gericht das von allen mitwirkenden Gutachtern eigen- händig unterzeichnete Gutachten einzureichen und zu e rläutern, weshalb beim Öffnen von der CD-Rom die erwähnten Hinweise erscheinen würden. H. Am 12. März 2021 bestätigte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auf telefoni- sche Anfrage des Kantonsgerichts, ein Exemplar der CD-Rom erhalten zu haben. I. Mit Schreiben vom 29. April 2021 hat die Beschwerd egegnerin erklärt, dass sie zu den vom Gericht festgestellten Problemen bei den elektronischen Signaturen keine Angaben machen könne, da die IV-Stellen in ihren elektronischen Dossiers die von Gutachterstellen erzeugten Pdf- Dokumente nicht in einer Form speichern würden, welche die Nachverfolgung der mit dem Do- kument verknüpften Unterschriften zulassen würde. J. Mit Schreiben vom 28. Mai 2021 hat die IV-Stelle da s von den vier beteiligten Gutachtern handschriftlich unterzeichnete Gutachten der PMEDA beim Kantonsgericht eingereicht. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die I V-Stelle dem Beschwerdeführer zu Recht lediglich eine vom 1. Oktober 2017 bis 30. Juni 2018 b efristete ganze Rente sowie vom 1. Juli 2018 bis 31. Juli 2018 eine befristete halbe Rente zugesprochen hat. Massgebend ist der Sach- verhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 19. Dezember 2019 entwi- ckelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemä ss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and ern Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d des Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Beschwerdeführer – zu Recht – nicht bemängelt wird. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3.1 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Recht sprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). 4.3.2 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens e ingeholten Gutachten externer Spe- zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so- wie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi- gen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung voll e Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exp ertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwar- tet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinwei- sen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbe einträchtigung verursachten Er- werbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Ve rwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – sogar für die Gesell- schaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 6. Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszu stands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten ein polydisziplinäres Gutachten bei der PMEDA mit den Disziplinen Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie ein. Das Gutachten datiert vom 21. Januar 2019. 6.1 Im internistischen Teilgutachten diagnostizierte PD Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, eine chronische Bronchitis bei Nikotin-Konsum (ca. 30 py), eine Magenoperation bei Ulkus ventriculi Perforation im Jahr 2006 sowie ein e laparoskopische Cholezystektomie am 2. März 2017. In seiner medizinischen und versicherungsmedizinischen Beurteilung hielt er fest, es würden vorrangig orthopädische Beschwerden sowie Cepha lgien genannt. Der hiesige klini- sche Befund habe keine namhafte internistische Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ergeben. Auch aktenkundig werde keine die Arbeitsfähigkeit mindernde internistische Erkrankung postuliert. Die Bronchitis wirke sich klinisch nicht namhaft aus, da der Versicherte keine erhebli- chen diesbezüglichen Beschwerden angebe und keine Therapie erfolge. Der Versicherte sei zu 100 % arbeitsfähig. 6.2 Der neurologische Gutachter Prof. Dr. med. C.____ , Facharzt Neurologie, hielt fest, es bestehe kein ausreichender Anhalt für eine neurologisch e Erkrankung mit Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit. Aktendaten, Anamnese und hiesige Befun de sowie Zusatzuntersuchung würden keinen Anhalt für eine klinisch manifeste gesundheitliche Beeinträchtigung im neurologischen Fachgebiet ergeben. In der Untersuchung habe sich eine bewegungseingeschränkte Halswirbel- säule ohne neurologisches Korrelat gezeigt. Ein klinisch relevantes spinales Syndrom habe sich nicht erheben lassen. Zudem habe sich in der Untersuchung kein zentrales oder peripheres Kor- relat für eine Schwindelerkrankung im neurologischen Fachgebiet finden lassen. Die vom Versi- cherten beschriebenen Kopfschmerzen würden am ehesten an einen Kopfschmerz vom Span- nungstyp erinnern und würden keine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Das selbständige Führen eines Haushaltes und Freizeitaktivitäten würden gegen eine relevante arbeitsfähigkeitseinschränkende Kopfschmerzerkrankung sprechen. Das durchgeführte MRI des Kopfes habe eine klinisch stumme subkortikale strukturelle Läsion ergeben. Eine strukturelle Lä- sion, die einen symptomatischen Kopfschmerz oder Schwindel begründen könnte, sei nicht zu erkennen gewesen. Das MRI der HWS sei ebenfalls ohne Bef und mit klinisch-neurologischer Relevanz geblieben. Die vom Versicherten angegebenen in termittierenden Missempfindungen an den Fingern vier bis fünf der rechten Hand hätten kein Korrelat in der MRI-Untersuchung der HWS ergeben. Zudem habe sich in der klinischen Untersuchung auch kein Anhalt für ein Sulcus ulnaris-Syndrom oder ein anderweitiges Engpasssyndrom des Nervus ulnaris ergeben. Radiku- läre Störungszeichen bei Bewegung der HWS hätten klinisch nicht vorgelegen. 6.3 Im orthopädischen Gutachten von Dr. med. D.____, Facharzt Orthopädische Chirurgie, wird unter Diagnosen folgendes angeführt: - Myofasziales Schmerzsyndrom der Halswirbelsäulenregion mit geringem muskulären Hartspann der halswirbelsäulenumgebenden Muskulatur Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht - Kein ausreichender Anhalt für eine von einer demon strativen Darbietung von Ein- schränkungen und Beschwerden ausreichend abgrenzbare stru kturelle zervikale spina- le Läsion mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - Impingement-Syndrom beider Schultergelenke mit B ewegungsstörung, rechts ausge- prägter als links - Arthroskopische Schulteroperation rechts 02/2012 mi t Naht einer Supraspinatusseh- nenläsion und Schulterdacherweiterung - Arthroskopische Schulteroperation links 10/2017 mit Schulterdacherweiterung - Beginnende Kniegelenkarthrose mit Chondrokalzinose der Menisken - Arthroskopische Knieoperation rechts (8/2012) und links (2000). In seiner Beurteilung führt Dr. D.____ aus, am 15. De zember 2011 habe sich ein Treppensturz ereignet. Damals sei es zu einer Kontusionsverletzung der Wirbelsäule, des rechten Schulterge- lenks und des rechten Kniegelenks gekommen. Im weiteren p rolongierten Behandlungsverlauf sei eine arthroskopische Schulteroperation rechts am 10. Februar 2012 sowie eine arthros-kopi- sche Knieoperation rechts am 17. August 2012 durchgeführt worden. Von der Suva sei ein Integ- ritätsschaden von 10 % für die Unfallfolgen vom 15. Dezember 2011 gewährt worden. Seit 2014 habe der Versicherte als Taxichauffeur gearbeitet. Am 24. Januar 2016 habe sich erneut ein Un- fallereignis ereignet mit Seitkollision und linksseitigem Kopfanprall. Nachfolgend sei eine umfang- reiche Diagnostik durchgeführt worden ohne Nachweis eines unfallkausalen Strukturschadens im Bereich von Halswirbelsäule, Kopf und linker Schulter. Es habe eine prolongierte Behandlung mit Behandlungsschwerpunkt im Bereich der HWS stattgefunden mit neurologischen und neurochi- rurgischen Untersuchungen und Stellungnahmen sowie Behan dlungen mit Krankengymnastik, Physiotherapie, Osteopathie, Injektionen und Infiltrati onen einschliesslich einer CT-gestützten Nervenwurzelblockade C7 links am 5. Oktober 2016 und zwischenzeitlich auch eine arthroskopi- sche Schulteroperation links am 24. Oktober 2017 mit Behandlungsabschluss am 24. April 2018. Im Rahmen der langwierigen Behandlung sei auch eine stationäre psychosomatische Behand- lung in der Klinik F.____ vom 7. bis 25. März 2016 er folgt. Es hätten mehrfach kreisärztliche Untersuchungen wegen der anhaltenden Arbeitsunfähigke it stattgefunden. Aktuell arbeite der Versicherte wieder als Taxichauffeur mit reduziertem Pen sum. Zusammengefasst würden beim Versicherten orthopädischerseits Funktionsstörungen an der HWS, an beiden Schultergelenken, rechts ausgeprägter als links, und am rechten Kniegelen k bestehen, die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten und zu qualitativen und quant itativen Leistungseinschränkungen führen würden. Eine Tätigkeit in der der Arbeit als Taxichauffeur vorangehenden Arbeit als Sales Agent sei dauerhaft nicht leidensgerecht, aufgrund der orth opädischen Gesundheitsstörungen an bei- den Schultergelenken und im Bereich des rechten Kniegelenkes. Eine leidensangepasste Tätig- keit habe die Funktionseinschränkungen an beiden Schult ergelenken und im Bereich der Knie- gelenke zu berücksichtigen. Leidensgerecht sei eine leichte Arbeit im Wechselrhythmus zwischen Stehen, Gehen und Sitzen. Kein Heben und Tragen von L asten grösser als zehn Kilogramm. Keine Arbeiten in Vorhalte oder über Kopf. Keine Tä tigkeiten mit längeren Zwangshaltungen für die Schulter-Nacken-Region. Keine Tätigkeiten mit Hink nien und in die tiefe Hocke gehen. Die Tätigkeit als Taxichauffeur sei leidensgerecht. In der j etzigen Tätigkeit als Taxischauffeur oder vergleichbare Arbeiten bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Im psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med. E.____, Facharzt Psychiatrie und Psy- chotherapie, wurde kein ausreichender Anhalt für eine psychiatrische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt. Auf psychiatrischem Gebiet werde vom Versicherten lediglich eine leichte Minderung von Konzentration und Gedächtni s angegeben. Im hiesigen AMDP- konform erhobenen psychiatrischen Untersuchungsbefund habe kein pathologischer Befund er- hoben werden können. Die Achsenkriterien einer depressiv en Erkrankung würden nicht vorlie- gen. Auch eine anderweitige psychiatrische Erkrankung sei nicht zu diagnostizieren. Insbeson- dere liege keine somatoforme Schmerzstörung vor: Ein de n berichteten Schmerzen zugrundlie- gender erheblicher und unbewältigter psychischer oder psychosozialer Konflikt sei anamnestisch nicht herauszuarbeiten, eine ICD-10-konforme Diagnosestellung somit nicht möglich. In der zu- letzt ausgeübten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. 6.5 In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Sta- tus nach stattgehabten orthopädischen Eingriffen und di e Kniegelenksarthrose rechts würden körperlich häufig schwere Arbeiten ungeeignet machen, d ie Tätigkeit als Taxifahrer impliziere jedoch eine überwiegend leichte Tätigkeit mit gelege ntlichem Heben von Gepäckstücken, was mit dem hiesigen Befund durchaus vereinbar sei. Die Biographie sowie die weitere psychiatrische Exploration würden nicht für eine in Kindheit oder Jugend beginnende, psychische und das Sozi- alverhalten mit erheblichen negativen Folgen störende Auffälligkeit sprechen, die ICD-10 Kriterien einer Persönlichkeitsstörung seien mithin nicht erfüllt. B elastungsfaktoren mit funktioneller Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit würden nicht vorlieg en. Es bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit und die hiesigen objektiven Befunde würden nicht erkennen lassen, warum die derzeit mit 50 % angegebene Tätigkeit als Taxichauffeur nicht auch zu 100 % ausgeübt werden könne. 7. Die IV-Stelle stützte sich für ihre Verfügung vom 19. Dezember 2019 vollumfänglich auf das am 21. Januar 2019 ergangene Gutachten der PMEDA und erachtete den Beschwerdeführer folglich als zu 100 % arbeitsfähig sowohl in der bishe rigen Tätigkeit als Taxifahrer wie auch in einer angepassten Tätigkeit. Rückwirkend ging sie von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in den Phasen der Akutbehandlung aus. Gestützt auf die echtzeitlichen Arbeitsunfähigkeitszeug- nisse ging sie davon aus, dass der Beschwerdeführer vom 15. Dezember 2011 bis 10. Mai 2012 zu 100 %, vom 11. Mai 2012 bis 16. August 2012 zu 50 %, vom 17. August 2012 bis 18. Oktober 2012 zu 100 %, vom 19. Oktober 2012 bis 24. Januar 201 6 zu 0 %, vom 25. Januar 2016 bis 25. März 2016 zu 100 %, vom 26. März 2016 bis 15. Februar 2017 zu 0 %, vom 16. Februar 2017 bis 31. März 2017 zu 100 %, vom 1. April 2017 bis 23. O ktober 2017 zu 0 %, vom 24. Oktober 2017 bis 5. März 2018 zu 100 %, vom 6. März 2018 bis 2 2. April 2018 zu 50 % und danach zu 0 % arbeitsunfähig war. Demzufolge sprach sie dem Beschwerdeführer vom 1. Oktober 2017 bis 30. Juni 2018 eine ganze Rente und vom 1. Juli 2018 bis 31. Juli 2018 eine halbe Rente zu. 7.1 Der Beschwerdeführer bringt vorweg in formeller Hi nsicht vor, dass das Gutachten der PMEDA nicht handschriftlich unterzeichnet worden sei, wes halb darauf nicht abgestellt werden könne. Mit dem Vorliegen des nun von allen vier Gutachtern handschriftlich unterzeichneten Gut- achtens der PMEDA vom 21. Januar 2019 ist ein allfällig er formeller Mangel geheilt. Ergänzend ist auf die Ausführungen der PMEDA in ihrem Schreiben vom 12. August 2020 hinzuweisen, wo- nach die Konsensbesprechung fernmündlich erfolgt ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.1 Zum Gutachten ist in inhaltlicher Hinsicht vorweg festzuhalten, dass sich in den Fach- disziplinen Innere Medizin, Neurologie und Psychiatrie k eine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit finden lassen, was vom Beschwerdeführer zu Recht auch nicht kritisiert wird. Der Beschwerdeführer bringt jedoch in Bezug auf das ortho pädische Gutachten vor, er leide insbe- sondere unter verstärkten Schulter- und Kniebeschwerden und verweist in diesem Zusammen- hang darauf, dass bei einer MR-Arthrographie am 13. November 2019 ein progredienter Riss der Supraspinatussehne und eine AC-Gelenksarthrose festgestell t worden seien. Zudem sei am 7. Februar 2020 eine neue Schulteroperation angestanden. Ausserdem habe ein neues MRI des rechten Kniegelenks vom 7. Januar 2020 eine erhebliche Arthrose gezeigt, die ihrerseits eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge habe. Die zunehmende Meniskusverletzung scheine aber nicht die Hauptursache der erheblichen Besch werden zu sein, sondern ein neu vorhandener Knorpeldefekt Grad III. Jedenfalls würden diese Beschwerden die Arbeitsfähigkeit ebenfalls einschränken; zudem seien sie im PMEDA-Gutachten nicht berücksichtigt worden, da die Gutachter davon ausgegangen seien, dass der Beschwerde führer nicht mehr unter Kniebe- schwerden leide. Die Schulter- und Kniebeschwerden würden nicht nur zu einer qualitativen, son- dern auch zu einer quantitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfä- hig sei. Es müsse geprüft werden, inwiefern die eingetretene Verschlechterung zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führe. 7.2.2 Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) hat sich in seiner Stellungnahme vom 24. Februar 2020 sowohl mit der MR-Arthrographie der rechten Schu lter vom 13. November 2019 als auch mit dem MRI des rechten Kniegelenks vom 7. Januar 2020 a useinandergesetzt. Er hat dabei ausgeführt, dass der Hauptbefund im Schultergelenk im Bereich der Rotatorenmanschette ein progredienter, nach intratendinös sich fortführender Riss der Supraspinatussehne posterior aktu- ell ca. 1,0 cm der interstitiellen Komponente bei unauffälliger Darstellung der übrigen Sehnen der Rotatorenmanschette sei. Der RAD folgert daraus, dass die leichte Zunahme des Sehnenrisses des M. supraspinatus von 0,5 auf 1,0 cm keine relevante A uswirkung auf den dazugehörigen Muskel habe, weshalb sich aus der Untersuchung vom 13. Nov ember 2019 kein neuer Befund ableiten lasse, der zu einer veränderten Leistungsbeurtei lung im Vergleich zum PMEDA- Gutachten führen würde. Auch in zeitlicher Hinsicht lass e sich daraus keine Einschränkung ab- leiten lassen. Zum MRI des Kniegelenks vom 7. Januar 2020 führt der RA D aus, dieses zeige einen zuneh- menden horizontalen Riss am Hinterhorn mit zunehmenden radiären Einrissen und kleinen Lap- pen am Hinterhorn gegen die Wurzel. Dies lasse möglicherweise auf eine zunehmende Degene- ration des Innenmeniskus schliessen. Ferner werde ein neu er, relativ umschriebener Grad III Knorpeldefekt anterior an der medialen Femurkondyle b eschrieben. Im lateralen Kompartiment bestehe eine leichte Verkürzung vom Aussenmeniskuscorpus mit fraglich horizontalem Einriss, etwas zunehmende Ganglien an der vorderen Wurzel. Jed och würden sich auch im lateralen Kompartiment keine substanziellen Knorpelschäden zeigen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.3 Die Ausführungen des RAD betreffend die beide n im Beschwerdeverfahren eingereich- ten Bildgebungsberichte sind nachvollziehbar. Es leucht et durchaus ein, dass die leichte Zu- nahme des Sehnenrisses in der Supraspinatussehne keine relevante Auswirkung auf den Muskel gehabt hat. Ergänzend ist diesbezüglich auszuführen, dass der Beschwerdeführer keinen Bericht betreffend die angekündigte Schulteroperation vom 7. Februar 2020 eingereicht hat. In Bezug auf das MRI des Kniegelenks vom 7. Januar 2020 ist die Auffassung des RAD, dass sich medial keine fortgeschrittene Gonarthrose und lateral keine substanziellen Knorpelschäden zeigen würden, nicht zu beanstanden. Die Schlussfolgerung des RAD, dass auch dieser Befund mit dem positiven Leistungsbild vereinbar sei und sich e ine Einschränkung in zeitlicher Hinsicht daraus nicht ableiten lasse, ist nachvollziehbar und überzeugend. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass auch keine anderslautende medizinische Einschätzung vorliegt, welche Zweifel an der Be- urteilung des RAD hervorrufen würde. Ausserdem datiert das MRI des Kniegelenks vom 7. Ja- nuar 2020 und beschreibt damit einen Zustand nach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfü- gung vom 19. Dezember 2019. Zu beurteilen ist jedoch der Sachverhalt wie er sich bis zum Zeit- punkt der angefochtenen Verfügung ereignet hat (vgl. oben E. 2). 7.3.1 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, Hauptpr oblem seines Gesundheitszustandes bleibe die HWS-Problematik. Er leide diesbezüglich nunm ehr seit über 11 Jahren unter erhebli- chen Beschwerden im Nacken- und Schulterbereich, was di e Gutachter nicht berücksichtigen würden. Es liege eine äusserst lange und konstante Leidensdauer vor und es sei schwierig nach- zuvollziehen, wie die Gutachter die HWS-Problematik und die entsprechenden Beschwerden als unerheblich abtun würden, obwohl sie für den Beschwerde führer lebensbestimmend seien. Die IV-Stelle habe das ihr genehme Resultat des Gutachtens unkritisch übernommen, obwohl die Gutachter seine Arbeits- und Leistungsfähigkeit willkürlich beurteilt und den massiven Beschwer- den keine Bedeutung beigemessen hätten. Die Beurteil ung der Gutachter entspringe grössten- teils reinem Ermessen und sei der vorliegenden Gesamtsituation nicht angemessen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers setzt sich das Gutachten auch mit der HWS- Problematik ausführlich auseinander. Es nimmt dabei auf die uneinheitlichen Bewertungen in den Berichten im Bereich der Halswirbelsäule Bezug, würdigt diese ausführlich und folgert letztlich in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung, dass die vorg ebrachten Beschwerden nicht hinrei- chend objektiv schlüssig belegt werden könnten. Traumatypi sche spinale Läsionen oder traum- atypische Läsionen im kraniozervikalen Übergang seien nicht unstrittig belegt worden. Die be- hauptete Auffälligkeit der kraniosakralen Gelenkstrukturen sei schulmedizinisch strittig und epi- demiologisch nicht evidenzbasiert belegt und insbesonder e nicht von der allfälligen Häufigkeit asymmetrischer Gelenkbefunde in der Normalpopulation abg egrenzt worden. Auch fehle ein schlüssiger Kausalbeleg für reklamierte Beschwerden bei ve rmeintlichen HWS-Traumata ohne nachgewiesene erworbene strukturelle Läsionen. Die berichteten degenerativen spinalen Verän- derungen würden schulmedizinisch als schwach mit objektiven spinalen Störungssyndromen kor- relierend gelten, so dass für die Stellung einer klinisch relevanten und ausreichend begründeten Diagnose mit Behandlungskonsequenz stets ein objektives klin isches Befundkorrelat gefordert werde, welches angesichts der erhobenen klinischen Befun de nicht ausreichend gegeben sei. Die Bildbefunde seien folglich nicht eigenständig krankheitswertig und repräsentierten zumindest Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gleichrangig wahrscheinlich einen alterstypischen Status. Das Gutachten diagnostiziert ein my- ofasziales Schmerzsyndrom der Halswirbelsäulenregion mit geringem muskulärem Hartspann der halswirbelsäulenumgebenden Muskulatur ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und legt dar, weshalb aufgrund von Anamnese, Aktendaten und orthopädischem Befund der eigenen Un- tersuchung keine von einer demonstrativen Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden ausreichend abgrenzbare strukturelle, zervikale spinale Läsion mit Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit festgestellt werden kann. Damit kann keine Rede d avon sein, dass die Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit des Beschwerdeführers willkürlich beurteilt worden sei und die Beurteilung gröss- tenteils reinem Ermessen entspringe. Die HWS-Beschwerden beschäftigen den Beschwerdefüh- rer – wie er in der Beschwerde ausführt – schon seit der Zeit vor seinem ersten Unfall. Ausser dem Verweis auf seine lange Leidenszeit bringt er abe r keine Aspekte und schon gar keine kli- nisch relevanten Befunde vor, die auch nur geringe Zwei fel an den Schlussfolgerungen des PMEDA-Gutachtens wecken könnten. Daran vermögen auch die Hinweise nichts zu ändern, wo- nach er aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen auch seine Freizeit nicht mehr wie frü- her gestalten könne und dass er alle Therapieoptionen ausgeschöpft habe, ohne dass es zu einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen sei. 7.3.2 Der Beschwerdeführer bringt ausserdem vor, die vo rbestandenen Schulter- und HWS- Beschwerden hätten nach dem im Jahr 2016 erlittenen Autounfall erheblich zugenommen. Ein Vergleichs-MRI vom 24. Februar 2016 zeige eine im Verlauf zunehmende, linksbetonte errosive Osteochondrose HWK6/7 mit möglicher lrritation der Wurzel C7 links. Auch auf dieses Vorbringen wurde im PMEDA-Gutachten eingegangen. In der versicherungsme- dizinischen Beurteilung wird die als Folge des Unfalls im Jahr 2016 (seitliche Kollision mit links- seitigem Kopfanprall) umfangreiche Diagnostik ohne Nac hweis eines unfallkausalen Struktur- schadens im Bereich von Halswirbelsäule, Kopf und linker Schulter erwähnt. Das Gutachten wür- digt sämtliche Behandlungen einschliesslich einer CT-gest ützten Injektion an der Nervenwurzel C7 und die arthroskopische Schulteroperation links am 24. Oktober 2017 mit auch aus Sicht des Beschwerdeführers positivem Behandlungsabschluss im April 2018. Das orthopädische Teilgut- achten setzt sich somit auch bezüglich der HWS-Problemat ik ausführlich mit den geklagten Be- schwerden sowie den in den Akten vorhandenen, zahlreichen medizinischen Berichten auseinan- der. Diese Beschwerden sind denn auch Gegenstand der gutachterlichen Untersuchung gewe- sen und in das Gutachten eingeflossen. Allerdings konnte keine Diagnose gestellt werden, die die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der bishe rigen oder einer anderen angepassten Tätigkeit eingeschränkt hätte. Der orthopädische Gutachter hat denn diesbezüglich auch ausge- führt, es bestehe kein ausreichender Anhalt für eine v on einer demonstrativen Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden ausreichend abgrenzbare strukturelle zervikale spinale Lä- sion mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. 7.3.3 Zu guter Letzt macht der Beschwerdeführer gelten d, die PMEDA-Beurteilung überzeuge auch deshalb nicht, weil der RAD selbst Zweifel am Gu tachten vorbringe, indem er für die Ver- gangenheit eine vom Gutachten abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen habe. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der RAD gelangt bezüglich Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zum glei- chen Schluss wie das polydisziplinäre Gutachten der PMEDA, nämlich dass auch rückwirkend grundsätzlich von einer vollen Arbeitsfähigkeit als Taxifahrer wie auch in einer angepassten Tä- tigkeit auszugehen ist. Der orthopädische PMEDA-Gutachter hat in Bezug auf den Verlauf der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit angegeben, die Leistungseinschätzung – also die 100%ige Ar- beitsfähigkeit als Taxifahrer und in angepasster Tätigkeit – bestehe aus seiner Sicht – unterbro- chen von Phasen der Akutbehandlungen – seit jeher. Der RAD hat lediglich die Phasen der Akut- behandlung anhand der echtzeitlichen Arbeitsunfähigke itszeugnisse rückwirkend berücksichtigt und gelangte so zu einer temporären Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aus welcher sich die zugesprochene ganze Rente vom 1. Oktober 2017 bis 30. Jun i 2018 und die halbe Rente vom 1. Juli bis 31. Juli 2018 ergab. Es kann also keine Rede davon sein, dass der RAD die Arbeitsfä- higkeit abweichend vom PMEDA-Gutachten beurteilt habe. 7.4 Das Gutachten der PMEDA erfüllt die formellen sow ie materiellen bundesgerichtlichen Voraussetzungen: Der Beschwerdeführer wurde eingehend untersucht. Die in den Akten liegen- den medizinischen Unterlagen wurden berücksichtigt und di e geklagten Beschwerden wurden einlässlich in den einzelnen Teilgutachten erörtert. Es wurde ein umfassendes Bild des Gesund- heitszustands des Beschwerdeführers wiedergegeben. Mithin leuchtet das Gutachten in der Be- urteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie Situation ein und enthält schliesslich begrün- dete Schlussfolgerungen. Einzig die seitenlangen Wiede rholungen in den Teilgutachten stören den Lesefluss und die Übersichtlichkeit. Sie vermögen den Beweiswert des Gutachtens aber nicht zu entkräften. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3.2 hie rvor), ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche sind vorliegend nicht ersichtlich. Auf das Gutachten kann folglich ab- gestellt werden und es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tä- tigkeit als Taxifahrer oder in einer anderen angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Ret- rospektiv ist die Arbeitsfähigkeit für die Phasen der Ak utbehandlung anhand der echtzeitlichen Arztberichte zu beurteilen. 8. Der Beschwerdeführer beantragte die Ausrichtung eine r Rente über den 31. Juli 2018 hinaus. Zu Recht unbestritten geblieben sind die vor dem 1. August 2018 zugesprochenen Leis- tungen (ganze Rente von Oktober 2017 bis Juni 2018 und eine halbe Rente im Juli 2018), welche gestützt auf die echtzeitlichen Arztzeugnisse korrekt festgel egt wurden. Darauf ist folglich nicht weiter einzugehen ist. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das Gutachten der PMEDA vom 21. Januar 2019 abgestellt und dem Beschwerdef ührer gestützt auf die echtzeitli- chen Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vom 1. Oktober 2017 bis 30. Juni 2018 eine ganze und vom 1. Juli 2018 bis 31. Juli 2018 eine halbe Rente zugesprochen hat. Demzufolge ist die vorliegende Beschwerde abzuweisen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsge- richt kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verf ahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- - Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrens- kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Prozessausgang entsprechend wird keine Parteientschädigung zugesprochen (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvor schuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht