B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1450/2017 wiv U r t e i l v o m 3 . A p r i l 2 0 1 8 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______, geboren am [...], Irak, vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri, LL.M., Asylhilfe Bern, [...], Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 3. Februar 2017 D-1450/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ist irakischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und stammt aus der Stadt Suleimaniya in der gleichnamigen Provinz. Ge- mäss eigenen Angaben verliess er seinen Heimatstaat am 19. September 2015 in Richtung Türkei. Am 8. Oktober 2015 reiste er unkontrolliert in die Schweiz ein und stellte gleichentags beim Empfangs- und Verfahrenszent- rum Vallorbe ein Asylgesuch. Am 18. November 2015 wurde er durch das Staatssekretariat für Migration (SEM) summarisch befragt und am 27. Juli 2016 eingehend zu den Gründen seines Asylgesuchs angehört. Zwischen- zeitlich wurde er für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Bern zuge- wiesen. B. Der Beschwerdeführer machte anlässlich seiner Befragungen im Wesent- lichen geltend, er sei seit dem Jahr 2007 Angehöriger der Peschmerga ‒ der Streitkräfte der nordirakischen Autonomen Region Kurdistan ‒ gewe- sen, und als solcher habe er seit Ende des Jahres 2012 gegen den soge- nannten „Islamischen Staat“ gekämpft. Mit anderen Angehörigen seiner Truppe habe er feststellen müssen, dass einige seiner Vorgesetzten mit dem „Islamischen Staat“ Geschäfte mit Erdöl gemacht hätten. Als sie dies gemeldet hätten, sei er – wie auch seine Kameraden – mit dem Tod bedroht worden. In der Folge sei er durch seine Familienangehörigen dazu ge- drängt worden, den Irak zu verlassen. Als Beweismittel gab er verschie- dene Ausweise und behördliche Dokumente ab, die sich auf seine Zuge- hörigkeit zu den Peschmerga beziehen. C. Mit Verfügung vom 3. Februar 2017 (Datum der Eröffnung: 6. Februar 2017) lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ord- nete dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Be- gründung der Ablehnung des Asylgesuchs führte das Staatssekretariat im Wesentlichen aus, die betreffenden Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. D. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechts- vertreterin vom 8. März 2017 beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte er die Aufhebung der genannten Verfügung, die Anerkennung als Flüchtling und die Gewährung des Asyls, eventualiter seine vorläufige D-1450/2017 Seite 3 Aufnahme in der Schweiz wegen Undurchführbarkeit des Wegweisungs- vollzugs. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Als Beweis- mittel reichte er drei Auszüge aus dem Internet sowie eine angebliche Fahndungsmeldung der Peschmerga mit deutscher Übersetzung ein. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesent- lich, in den Erwägungen eingegangen. E. Mit Zwischenverfügung vom 17. März 2017 lehnte der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab. Zu- gleich wurde der Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.‒ mit Frist bis zum 3. April 2017 aufgefordert, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall. F. Mit Einzahlung vom 29. März 2017 leistete der Beschwerdeführer fristge- recht den verlangten Kostenvorschuss. G. Mit Vernehmlassung vom 20. April 2017 hielt das SEM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. H. Mit Zwischenverfügung vom 24. April 2017 wurde dem Beschwerdeführer in Bezug auf die Vernehmlassung des SEM das Replikrecht erteilt. I. Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 8. Mai 2017 gab der Beschwer- deführer eine entsprechende Stellungnahme ab. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge- gen Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) durch das SEM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwa l- tungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Perso-D-1450/2017 Seite 4 nen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor wel- chem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen- dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts g erügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 2. Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist - und formgerecht ein- gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flücht- lingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re- ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausge- setzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen aus gesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweis en oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings- eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig b egründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strik ten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwi egen oder D-1450/2017 Seite 5 nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtwürdigu ng aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f., BVGE 2010/57 E. 2.3, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1, EMARK 1996 Nr. 27 E. 3c/aa, EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). 4.2 Der Beschwerdeführer begründet e sein Asylgesuch im Wesentlichen damit, er habe in seiner Herkunftsregion im Nordirak eine Verfolgung durch die Peschmerga ‒ die Streitkräfte der nordirakischen Autonomen Region Kurdistan ‒ zu befürchten. Zwar ist, was auch das SEM in der angefochte- nen Verfügung nicht in Zweifel gezogen hat, angesichts der im vorinstanz- lichen Verfahren zu den Akten gegebenen Ausweise und weiteren Doku- mente davon auszugehen, dass er in der Vergangenheit während eines nicht näher zu bestimmenden Zeitraums ein Mitglied der Peschmerga war. So geht aus jenen Dokumenten hervor, dass er im Jahr 2008 in Suleima- niya eine achtwöchige polizeiliche Grundausbildung absolvierte. Die vorhin genannten Kriterien der Glaubhaftmachung erweisen sich jedoch offen- sichtlich als nicht erfüllt, soweit der Beschwerdeführer ausserdem geltend macht, er sei im Zeitraum unmittelbar vor seiner Ausreise von Angehörigen der Peschmerga mit dem Tod bedroht worden, weil er gemeldet habe, dass Vorgesetzte mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ Geschäfte gemacht hätten. Gemäss seinen Aussagen im Rahmen der Anhörung im vorinstanz- lichen Verfahren will er etwa seit Ende des Jahres 2012 bis eine Woche vor seiner Ausreise – mithin während zweieinhalb Jahren – ständig in einer Kampfeinheit der Peschmerga im Fronteinsatz gegen den „Islamischen D-1450/2017 Seite 6 Staat“ gedient haben. Dabei sei er einerseits an Angriffen der Peschmerga beteiligt gewesen, andererseits sei er mit seiner Einheit durch den „Islami- schen Staat“ angegriffen worden. Jedoch vermochte er anlässlich seiner Anhörung durch die Vorinstanz auf wiederholte Fragen zu seinen entspre- chenden Einsätzen nur höchst allgemeine Angaben zu machen, die er in keiner Weise durch substantiierte und konkrete Schilderungen eigener Er- lebnisse zu ergänzen vermochte. Insgesamt fielen die Aussagen des Be- schwerdeführers zum angeblichen Engagement als Kämpfer der Pe- schmerga derart undetailliert aus, dass sie nicht den Schluss zulassen, er habe tatsächlich im Zeitraum vor seiner Ausreise bei den kurdischen Streit- kräften des Nordiraks gedient. Gleiches gilt für die Behauptung, es sei zu Todesdrohungen gekommen, nachdem er Vorgesetzte wegen ihrer Ge- schäfte mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ angezeigt habe. Die be- treffenden Schilderungen enthalten keinerlei konkrete Anhaltspunkte dafür, der Beschwerdeführer habe die geltend g emachten Vorkommnisse tat- sächlich selbst erlebt. 4.3 Die Vorbringen in der Beschwerdeschrift und in der Replik sind nicht geeignet, an dieser Einschätzung etwas zu ändern. Soweit mit der Be- schwerdeschrift drei Auszüge aus irakischen Internet-Nachrichtenportalen eingereicht wurden, welche über Geschäfte zwischen Behörden der nord- irakischen Autonomen Region Kurdistan und dem „Islamischen Staat“ be- richten, wird weder geltend gemacht noch ist ersichtlich, inwiefern diese Meldungen einen konkreten Bezug zu den persönlichen Vorbringen des Beschwerdeführers aufweisen sollen. Zudem ist auch das weitere mit der Beschwerdeschrift eingereichte Dokument, bei welchem es sich um die Kopie einer internen Fahndungsmeldung der Peschmerga handeln soll, of- fensichtlich nicht beweistauglich. Aus dem genannten Schriftstück geht ge- mäss deutscher Übersetzung hervor, der Beschwerdeführer und fünf wei- tere Angehörige der Peschmerga würden gesucht, weil sie gegenüber Fernsehkanälen beziehungsweise Journalisten K ommentare über den Handel mit Erdöl abgegeben hätten, wobei als Datum des Fahndungsauf- rufs der 20. August 2015 angegeben wird. Jedoch sagte der Beschwerde- führer anlässlich seiner Anhörung aus (entsprechendes Protokoll, S. 3), er habe sich bei seiner Einheit der Peschmerga letztmals eine Woche vor sei- ner Ausreise ‒ die nach seinen Angaben am 19 . September 2015 er- folgte ‒ aufgehalten. Auch habe er zwischen dem 25. und dem 30. August 2015 seinen letzten Lohn als Peschmerga ausbezahlt erhalten (ebd., S. 4). Diese Aussagen des Beschwerdeführers sind offensichtlich nicht mit dem Inhalt des fraglichen Dokuments vereinbar, wonach er seit dem 20. August 2015 durch die Peschmerga zur Verhaftung ausgeschrieben gewesen sei. D-1450/2017 Seite 7 Der Vollständigkeit halber ist ausserdem festzuhalten, dass der Beschwer- deführer gegenüber der Vorinstanz ausschliesslich behauptete, er habe sich über die fraglichen Geschäftspraktiken seiner Vorgesetzten auf dem internen Weg innerhalb der Organisation der Peschmerga beschwert, je- doch keinerlei Kontakte mit Fernsehsendern oder Journalisten erwähnte. Die genannte Fahndungsmeldung ist nach dem Gesagten als gefälscht zu erachten. 4.4 Somit erweist sich, dass das SEM zutreffenderweise zur Einschätzung gelangt ist, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaub- haft. Die Vorinstanz hat folglich das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 5. Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge- such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer v erfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen und wurde von der Vorinstanz zu Recht angeordnet. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- länderinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun- desgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgende iner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nieman d der Folter oder D-1450/2017 Seite 8 unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung in den Irak ist un- ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwerdeführer – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt wäre. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers ergeben sich ausserdem auch keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung in den Irak mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, 2001 Nr. 17 S. 130 f.; aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- rechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Beschwerde Nr. 37201/06, Ziff. 124 ff., jeweils m.w.N.). Zwar ist die im Irak herrschende politische und menschenrechtliche Lage nicht in allen Landesteilen derart, dass die Zu- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs ohne weiteres anzunehmen wäre Je- doch stammt der Beschwerdeführer aus der Stadt Suleimaniya in der gleichnamigen Provinz, wo ‒ wie auch in den sonstigen von der kurdischen Regionalregierung („Kurdistan Regional Government“ [KRG]) beherrsch- ten Gebieten des Nordiraks ‒ die allgemeine Situation deutlich positiver zu beurteilen ist, weshalb der Wegweisungsvollzug dorthin unter diesem Ge- sichtspunkt zulässig erscheint (vgl. das länderspezifische Referenzurteil E- 3737/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 6.3.2). Folglich besteht zum heuti- gen Zeitpunkt kein konkreter Anlass zur Annahme, dem Beschwerdeführer drohe in der Provinz Suleimaniya und der gesamte n von der KRG be- herrschten Region eine entsprechende Gefährdung. Der Vollzug der Weg- weisung ist somit sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völ- kerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.3.2 Bezüglich der drei kurdischen Provinzen des Nordiraks Dohuk, Erbil und Suleimaniya gelangt das Bundesverwaltungsgericht seit einigen Jah- ren in ständiger Praxis zur Einschätzung, dass keine Situation allgemeiner D-1450/2017 Seite 9 Gewalt herrscht und die politische Lage nicht dermassen angespannt ist, dass eine Rückführung dorthin als generell unzumutbar betrachtet werden müsste (vgl. BVGE 2008/5 und 2013/1 E. 6.3.5.1, zuletzt bestätigt durch das länderspezifische Referenzurteil E -3737/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 7.3 f.). Demnach ist diese Region mit Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarländern erreichbar, womit das Element der unzumutbaren Rückreise via Bagdad und anschliessend auf dem Landweg durch den von Gewalt heimgesuchten Zentralirak in das durch die KRG dominierte Gebiet entfällt. Die Anordnung des Wegweisungsvollzugs setzt ausserdem vo- raus, dass die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt o- der eine längere Zeit dort gelebt hat und über ein soziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis) oder über Beziehungen zu den herr- schenden politischen Parteien verfügt. Andernfalls dürfte eine soziale und wirtschaftliche Integration in die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da der Erhalt einer Arbeitsstelle oder von Wohnraum weitgehend von gesell- schaftlichen und politischen Beziehungen abhängt. Des Weiteren kann es für Kurden, die aus kurdisch dominiertem Gebiet ausserhalb der drei Pro- vinzen Dohuk, Erbil und Suleimaniya stammen, fraglich sein, ob sie in den genannten Provinzen ein Bleiberecht haben und ob der Wegweisungsvoll- zug folglich dorthin zumutbar ist. Die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs bleibt daher im Einzelfall zu prüfen. 6.3.3 Soweit unter dem Aspekt der Zumutbarkeit des Wegwei sungsvoll- zugs von Belang, macht e der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Ver- fahren die folgenden Angaben: In seiner Heimatstadt Suleimaniya würden nach wie vor seine Ehefrau und ein gemeinsames Kind, seine Eltern, fünf Brüder und zwei Schwestern, vier Onkel und dreizehn Tanten leben. Seine Eltern hätten in Suleimaniya keine Probleme, wobei sein Vater in der Stadt einen Laden besitze. Somit verfügt der Beschwerdeführer in seiner Hei- matstadt offensichtlich über ein weites familiäres Netz, wobei sein Vater ein selbständiges Gewerbe als Händler betreibt. Entsprechend ist nicht davon auszugehen, dass der junge und gesunde Beschwerdeführer , der zudem eine Grundausbildung als Polizist durchlaufen hat, nach seiner Rückkehr in den Nordirak in eine existenzgefährdend e Situation geraten könnte. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren selbst kei- nerlei Vorbehalte gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs geltend gemacht. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. D-1450/2017 Seite 10 6.4 Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung man- gels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG ist. 6.5 Der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung steht somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und ist zu be- stätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Auf- nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 7. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver- fügung Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachver- halt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG; Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG ). Die Kosten sind auf Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG). Dabei ist zur Be- gleichung der Verfahrenskosten der in selber Höhe geleistete Kostenvor- schuss zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-1450/2017 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Zur Begleichung wird der in selber Höhe geleistete Kostenvorschuss verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand: