A bteilung V E -1555/2007 scr/rar/scb {T 0/2} U rteil vom 7. M ai 2007 M itw irkung: R ichterin Schenker Senn, R ichter M onnet, H uber G erichtsschreiber R aem y A ._______, Türkei, vertreten durch B._______, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 21. Februar 2007 i.S. N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw ei- sung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest, dass der Beschw erdeführer laut eigenen Angaben am 25. Januar 2007 in die Schw eiz einreiste und gleichentags im Em pfangszentrum C ._______ ein Asylgesuch stellte, dass er anlässlich der dort durchgeführten Kurzbefragung vom 30. Januar 2007 unter anderem ausführte, er habe sich m ehrere Jahre in Frankreich aufgehalten, w o er erfolg- los ein Asylgesuch gestellt habe und von w o aus er im M ärz 2006 in die Türkei zurück- gekehrt sei, dass er sich aufgrund fam iliärer Problem e (seine 17-jährige Freundin sei schw anger ge- w orden, w eshalb er von ihren Brüdern m assiv bedroht w orden sei) erneut zur Ausreise gezw ungen gesehen habe, dass die Vorinstanz am 30. Januar 2007 das D ._______ m it einer Anfrage bezüglich des Status des Beschw erdeführers in Frankreich beauftragte, dass am 31. Januar 2007 eine Antw ort (E-M ail) beim D ._______ einging, w elche gleichentags elektronisch an die Vorinstanz w eitergeleitet w urde, dass die Vorinstanz am 19. Februar 2007 eine Anhörung des Beschw erdeführers nach Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) durchführte, dass sie m it Verfügung vom 21. Februar 2007 auf das Asylgesuch des Beschw erdefüh- rers gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG nicht eintrat und dessen W egw eisung aus der Schw eiz sow ie den Vollzug anordnete, dass die Verfügung an den R echtsvertreter des Beschw erdeführers adressiert und dem Beschw erdeführer am 21. Februar 2007 von der Vorinstanz m ündlich eröffnet w urde, dass der Beschw erdeführer m it Eingabe vom 28. Februar 2007 (D atum Poststem pel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverw altungsgericht Beschw erde erhob und dabei die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die R ückw eisung der Sache zur m ateriel- len Entscheidung, die Anordnung einer vollzugshem m enden vorsorglichen M assnahm e sow ie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt, dass m it Zw ischenverfügung des Bundesverw altungsgerichts vom 7. M ärz 2007 dem Beschw erdeführer m itgeteilt w urde, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schw eiz abw arten und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses w erde verzichtet, dass die Beschw erde gleichzeitig der Vorinstanz zur Vernehm lassung bis zum 22. M ärz 2007 überw iesen w urde, dass die Vorinstanz m it Vernehm lassung vom 29. M ärz 2007, w elche dem Beschw erde- führer aus prozessökonom ischen G ründen zusam m en m it vorliegendem U rteil zuzustel- len ist, die Abw eisung der Beschw erde beantragte,3 und zieht in Erw ägung, dass das Bundesverw altungsgericht endgültig über Beschw erden gegen Verfügungen (Art. 5 AsylG ) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m . Art. 31 - 34 des Bundesgeset- zes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [VG G , SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BG G , SR 173.110]), dass der Beschw erdeführer legitim iert ist, w eshalb auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde einzutreten ist (Art. 108a AsylG sow ie Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 52 Vw VG ), dass m it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht die Verletzung von Bundes- recht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die U nangem essenheit gerügt w erden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG ), dass die Beurteilung von Beschw erden gegen N ichteintretensentscheide gem äss Praxis der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K), w elche vom Bundesverw altungs-ge- richt übernom m en w ird, auf die Ü berprüfung der Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu R echt auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass die Beurteilungszuständigkeit der Beschw erdeinstanz som it darauf beschränkt ist, bei Begründetheit des R echtsm ittels die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückgehen zu lassen (vgl. Entschei- dungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission / EM AR K 2004 N r. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass die Vorinstanz dem gegenüber die Frage der W egw eisung sow ie deren Vollzugs m ateriell geprüft hat, w eshalb dem Bundesverw altungsgericht diesbezüglich volle Kogni- tion zukom m t, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten w ird, w enn Asylsuchende in einem Staat der Europäischen U nion (EU ) oder des Europäischen W irtschaftsraum s (EW R ) einen ableh- nenden Asylentscheid erhalten haben, w obei diese Bestim m ung keine Anw endung fin- det, w enn die Anhörung H inw eise auf zw ischenzeitlich eingetretene Ereignisse ergibt, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder die für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG ), dass zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für die Anw endung von Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG gegeben sind, dass sich dabei die Frage stellt, ob ein ablehnender Asylentscheid eines Staates der EU oder des EW R vorliegt, an w elchen die R echtsfolge des N ichteintretens anknüpft, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung dazu ausführt, aufgrund der Akten stehe fest, dass der Beschw erdeführer bereits in Frankreich erfolglos ein Asylgesuch durchlaufen habe, beziehungsw eise, dass er in Frankreich einen ablehnenden Asylent- scheid erhalten habe, dass gleichzeitig keine H inw eise vorliegen w ürden, w onach in der Zw ischenzeit Ereig- nisse eingetreten seien, die geeignet w ären, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder die für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes relevant w ären (vgl. angefochte- ne Verfügung S. 2 und 3),4 dass sich gem äss Praxis einem ablehnenden Asylentscheid eines EU - oder EW R -Staa- tes, w enn er in einem anschliessenden Asylverfahren in der Schw eiz als G rundlage für einen N ichteintretensentscheid nach Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG dienen soll, Aussagen zur Flüchtlingseigenschaft entnehm en lassen m üssen, dass daher Entscheide, die auf der G rundlage form eller Kriterien ergangen sind, ebenso w enig als "ablehnende Asylentscheide" gem äss Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG in Betracht kom m en w ie Entscheide in Verfahren, in denen die Flüchtlingseigenschaft nicht Prü- fungsgegenstand w ar (vgl. dazu EM AR K 2006 N r. 33 E. 5.4.), dass sich die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung im Zusam m enhang m it den Voraussetzungen für die Anw endung des N ichteintretenstatbestandes von Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG auf protokollierte Aussagen des Beschw erdeführers stützt, w onach er in Frankreich einen ablehnenden Asylentscheid erhalten habe, dass der Beschw erdeführer dazu zw ar zu Protokoll gab, er sei im Jahre 2002 nach Frankreich gegangen, habe dort ein Asylgesuch gestellt und sei nach einem langen Ver- fahren, w ährend w elchem er auch einen R ekurs eingelegt habe, am 20. M ärz 2006 in die Türkei zurückgekehrt, dass ein Asylgericht den negativen Entscheid gefällt habe und dieser definitiv sei, dass das G ericht beschlossen habe, er m üsse das Land verlassen und er von den französischen Behörden dazu aufgefordert w orden sei (vgl. dazu A1 S. 2 und 5, A11 S. 2 und 9), dass sich diesen Angaben des Beschw erdeführers indessen nicht entnehm en lässt, in w elcher verfahrensrechtlichen Form in Frankreich ein negativer Asylentscheid ergangen sei, dass das BFM seinerseits zw ar im R ahm en einer eigenen Bew eiserhebung bei den französischen Behörden nachfragen liess, w elchen Status der Beschw erdeführer in Frankreich gehabt habe und w ann er nach Frankreich ein- beziehungsw eise ausgereist sei (vgl. A6), dass die französischen Behörden in ihrer M ailantw ort vom 31. Januar 2007 m itteilten, "E._______" (vgl. A8 S. 2), dass aufgrund der Antw ort der französischen Behörden keine G ew issheit darüber be- steht, ob der Beschw erdeführer in Frankreich überhaupt ein Asylgesuch gestellt und (im Falle der tatsächlichen G esuchseinreichung) ob das Verfahren m it einem m ateriellen oder form ellen Entscheid geendet hat, dass der Antw ort der französischen Behörden vielm ehr zu entnehm en ist, der Beschw er- deführer habe sich m it einer Aufenthaltsbew illigung in Frankreich aufgehalten, dass som it der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung, die Asylgesuchseinreichung und Ablehnung dieses G esuchs stehe fest, nicht beigepflichtet w erden kann, dass im Verw altungsverfahren der U ntersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollstän- digen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts gelten (Art. 12 Vw VG ), dass die zuständige Behörde verpflichtet ist, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sachverhalt von Am tes w egen festzustellen (vgl. zur Bedeutung des U nter-5 suchungsgrundsatzes allgem ein U LR IC H H ÄFELIN /G EO R G M Ü LLE R /FELIX U H LM AN N, Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, R z. 1623 ff.), dass die allgem eine M itw irkungspflicht der Parteien (Art. 13 Vw VG ) bzw . die besondere M itw irkungspflicht einer asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG ) dabei den U ntersuchungs- grundsatz im vorliegenden Zusam m enhang schon insofern nicht zu relativieren verm ö- gen, als vom Beschw erdeführer nicht erw artet w erden kann, von sich aus die Bew eis- m ittel beizubringen, w elche das Vorhandensein eines N ichteintretenstatbestandes bele- gen w ürden, dass der Beschw erdeführer von sich aus darauf hingew iesen hat, dass er bereits in Frankreich erfolglos ein Asylgesuch gestellt habe, dass es folglich Aufgabe des Bundesam tes gew esen w äre, das tatsächliche Vorliegen der durch Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG statuierten Voraussetzung für einen N ichteintretensentscheid - das Vorliegen eines ablehnenden Asylentscheides in einem Staat der EU oder des EW R , w elcher Aussagen zur Flüchtlingseigenschaft enthält - rechtsgenüglich abzuklären, dass sich dies insbesondere aufgrund der fehlenden H inw eise in der Antw ort der französischen Behörde auf ein allfälliges Asylverfahren in Frankreich aufgedrängt hätte, dass die blosse Aussage des Beschw erdeführers die Vorinstanz von ihrer U ntersu- chungspflicht nicht zu entbinden verm ag, zum al nicht ausgeschlossen w erden kann, dass der Beschw erdeführer die Bedeutung des Vorgehens der französischen Behörden nicht oder m issverstanden haben könnte, dass som it zusam m enfassend festzuhalten ist, dass nicht in rechtsgenüglicher W eise G ew issheit darüber besteht, ob der Beschw erdeführer in Frankreich tatsächlich einen ablehnenden Asylentscheid erhalten hat, w ie dies von Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG ver- langt w ird, und sich som it die Verfügung des BFM auf einen unvollständig festgestellten Sachverhalt stützt, dass überdies, selbst w enn der Beschw erdeführer in Frankreich einen abw eisenden Asylentscheid erhalten hätte, Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG kaum zur Anw endung gelan- gen könnte, zum al es sich bei den vom Beschw erdeführer in der Schw eiz geltend ge- m achten Vorbringen (Schw angerschaft seiner 17-jährigen Freundin und Bedrohung durch deren Bründer) um neue handelt, die sich nach der Ausreise aus Frankreich zuge- tragen haben, und dem zufolge von den dortigen Behörden in einem allenfalls vorherge- henden Verfahren nicht hätten berücksichtigt w erden können, dass die Beschw erde bei dieser Sachlage gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben, und die Sache zur W eiterführung des Asylverfahrens an die Vorinstanz zu- rückzuw eisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten zu erheben sind (vgl. Art. 63 Abs. 2 und 3 Vw VG ), dass dem Beschw erdeführer in Anw endung von Art. 64 Abs. 1 Vw VG sow ie Art. 7 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 (VG KE, SR 173.320.2) für die ihm erw achsenen notw endigen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen ist, dass seitens der R echtsvertretung keine Kostennote eingereicht w orden ist, auf die 6 N achforderung einer solchen indessen verzichtet w erden kann, w eil sich der notw endige Vertretungsaufw and im vorliegenden Verfahren zuverlässig abschätzen lässt (vgl. Art. 10 Abs. 3 VG KE), dass die von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung von Am tes w egen und in Berücksichtigung der m assgeblichen Bem essungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VG KE) auf Fr. 300.-- (inkl. Auslagen und M W St) festzusetzen ist. (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen und die Verfügung des BFM vom 21. Februar 2007 w ird aufgehoben. 2. D ie Sache w ird zur W eiterführung und N eubeurteilung des Asylverfahrens an das BFM zurückgew iesen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D em Beschw erdeführer ist von der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 300.-- (inkl. M W St) zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter des Beschw erdeführers (eingeschrieben, Beilagen: Vorin- stanzliche Verfügung im O riginal, Vernehm lassung vom 29. M ärz 2007 in Kopie) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den vorin- stanzlichen Akten (Kopie; R ef.-N r. N _______) zum Vollzug gem äss Ziffer 2 des D ispositivs - F._______ D ie vorsitzende R ichterin: D er G erichtsschreiber: R egula Schenker Senn R udolf R aem y Versand am :