<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">6B_74/2007 /rom </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 30. Mai 2007 </div> <div class="para">Strafrechtliche Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Schneider, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Wiprächtiger, Zünd, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Briw. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Parteien </div> <div class="para">X.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Obergericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer, Postfach, 8023 Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Entschädigung im Strafverfahren; Nichteintreten auf Rekurs (<span class="artref">§ 348 Abs. 2 StPO</span>/ZH), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde in Strafsachen gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, III. Strafkammer, vom 6. Februar 2007 (Nr. UK060215/U/but). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sachverhalt: </div> <div class="para">A. </div> <div class="para">Das Stadtrichteramt Zürich büsste X.________ mit Strafverfügung vom 16. Februar 2005 mit 120 Franken "wegen Parkierens innerhalb des signalisierten Halteverbots". </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Auf Einsprache hin hob das Stadtrichteramt die Strafverfügung nach Befragung des Einsprechers und des rapportierenden Polizeibeamten mit Aufhebungsverfügung vom 10. August 2006 wegen des "unklaren Sachverhalts" auf. Es nahm die Kosten auf die Staatskasse und richtete keine Entschädigung aus. Es wies in der Rechtsmittelbelehrung auf die Rekursmöglichkeit an das Bezirksgericht hin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bezirksgericht Zürich wies mit Verfügung vom 16. November 2006 den Rekurs betreffend die Kosten- und Entschädigungsregelung der Aufhebungsverfügung kostenpflichtig ab, soweit es darauf eintrat. Da dem Rekurrenten in der Aufhebungsverfügung keine Kosten auferlegt worden waren, trat es insoweit auf den Rekurs nicht ein. Hinsichtlich der beantragten Entschädigung führte es aus, es bestehe bei Einstellungen des Verfahrens oder bei Freispruch, welchem die Aufhebungsverfügung gleichzusetzen sei, grundsätzlich ein Entschädigungsanspruch für wesentliche Kosten und Umtriebe (mit Hinweis auf § 347 i.V.m. § 191 und § 43 der Strafprozessordnung des Kantons Zürich; StPO/ZH). Anwalts- bzw. Rechtsberatungskosten seien aber nicht ersichtlich. Der Rekurrent habe seine Rechte im Verfahren selber wahrgenommen. Seine Umtriebe beschränkten sich im Verfahren auf die eine Seite umfassende Einsprache, die zweiundzwanzigminütige Einvernahme sowie den einseitigen Rekurs, was noch nicht als wesentlich zu betrachten sei. Ein Entschädigungsanspruch sei somit abzulehnen. Ferner hielt das Bezirksgericht fest, sein Entscheid sei endgültig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Obergericht des Kantons Zürich trat mit Beschluss vom 6. Februar 2007 auf den Rekurs gegen die bezirksgerichtliche Verfügung nicht ein. Es begründete dies damit, dass der klare Wortlaut von <span class="artref">§ 348 Abs. 2 StPO</span>/ZH einen Rekurs ausschliesse. </div> <div class="para">B. </div> <div class="para">X.________ erhebt Beschwerde in Strafsachen mit dem Antrag: "Alles ins Recht setzen, auf den Rekurs eintreten, ohne Kosten, aber mit Entschädigung." </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Beschwerde ist nach den Vorschriften des am 1. Januar 2007 in Kraft gesetzten Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) zu beurteilen (<span class="artref">Art. 132 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bei dem angefochtenen Urteil handelt es sich um einen letztinstanzlichen Nichteintretensentscheid in Strafsachen (<span class="artref">Art. 78 Abs. 1 BGG</span>), der sich auf das kantonale Strafprozessrecht stützt. Solche Entscheide können mit der Beschwerde in Strafsachen angefochten werden, die insoweit an die Stelle der bisherigen staatsrechtlichen Beschwerde tritt (Botschaft zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4313). In der Beschwerdeschrift ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern das angefochtene Urteil Recht verletzt (<span class="artref">Art. 42 Abs. 2 BGG</span>). Das Bundesgericht kann die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem Prozessrecht nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde präzise vorgebracht und begründet worden ist (<span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung der Bundesverfassung ("Art. 2, 4 und eventuell andere") durch die Vorinstanz sowie alle unteren Instanzen und mit "fürchterlichen Auswirkungen" geltend. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Es kann offen bleiben, ob auf die Beschwerde eingetreten werden kann, da sie jedenfalls abzuweisen ist. </div> <div class="para">2.1 Die Beschwerde richtet sich gegen das kantonale Verfahren insgesamt. Beschwerdegegenstand kann aber einzig der Nichteintretensentscheid des Obergerichts bilden. Die Beschwerdefrist für die Anfechtung des bezirksgerichtlichen Urteils, wofür im damaligen Zeitpunkt die staatsrechtliche Beschwerde in Betracht kam, war bei Erhebung der vorliegende Beschwerde längst abgelaufen. Es kann indes angemerkt werden, dass - wie das Bezirksgericht festhielt - im Zürcher Recht ein Entschädigungsanspruch nur besteht, wenn "wesentliche Kosten und Umtriebe erwachsen sind" (<span class="artref">§ 43 StPO</span>/ZH). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss der Bürger das Risiko einer gegen ihn geführten materiell ungerechtfertigten Strafverfolgung bis zu einem gewissen Grad auf sich nehmen. Daher ist nicht für jeden geringfügigen Nachteil eine Entschädigung zu leisten. Eine Entschädigungspflicht setzt vielmehr eine gewisse objektive Schwere der Untersuchungshandlung und einen dadurch bedingten erheblichen Nachteil voraus (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=33&amp;from_date=25.05.2007&amp;to_date=13.06.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F84-IV-39%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page39">BGE 84 IV 39</a> E. 2c; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=33&amp;from_date=25.05.2007&amp;to_date=13.06.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-IV-155%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page155">107 IV 155</a> E. 5). Auch eine einmalige kurze Befragung oder Vorladung führt grundsätzlich nicht zu einer Entschädigungspflicht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=33&amp;from_date=25.05.2007&amp;to_date=13.06.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-IA-177%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page177">BGE 113 Ia 177</a> E. 3; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=33&amp;from_date=25.05.2007&amp;to_date=13.06.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-IV-93%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page93">113 IV 93</a> E. 3a S. 98 oben). Schliesslich muss der Schaden substantiiert und bewiesen werden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=33&amp;from_date=25.05.2007&amp;to_date=13.06.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-IV-93%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page93">BGE 113 IV 93</a> E. 3e; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=33&amp;from_date=25.05.2007&amp;to_date=13.06.2007&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-IV-155%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page155">107 IV 155</a> E. 5). Es ist auf das bezirksgerichtliche Urteil zu verweisen. </div> <div class="para">2.2 Das Bezirksgericht bezeichnete sein Urteil als "endgültig". Nach dem im bezirksgerichtlichen Urteilszeitpunkt geltenden Recht musste auf ausserordentliche Rechtsmittel wie die staatsrechtliche Beschwerde nicht hingewiesen werden. Seit dem 1. Januar 2007 schreibt <span class="artref">Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG</span> hingegen eine Rechtsmittelbelehrung vor. Diese fehlt im Urteil des Obergerichts, ohne dass aber dem Beschwerdeführer dadurch ein Rechtsnachteil entstanden wäre. </div> <div class="para">2.3 Das Obergericht kommt in seinem Nichteintretensentscheid zum Ergebnis, dass der klare Wortlaut von <span class="artref">§ 348 Abs. 2 StPO</span>/ZH ("Bezieht sich das Begehren um gerichtliche Beurteilung nur auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen, entscheidet der Einzelrichter endgültig.") den Rekurs ausschliesst. Eine Verletzung von Grundrechten oder des kantonalen Prozessrechts ist weder begründet (<span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>) noch ersichtlich. </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Die herabgesetzten Gerichtskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Die Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer und dem Obergericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para">Lausanne, 30. Mai 2007 </div> <div class="para">Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para">Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: </div> <div class="para"> </div> </div></body></html>