Steuerrekursgericht des Kantons Zürich 1. Abteilung 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 Entscheid 30. September 2011 Mitwirkend : Einzelrichter Anton Tobler und Gerichtsschreiberin Barbara Müller In Sachen 1. A, 2. B, Beschwerdeführer/ Rekurrenten, gegen 1. S c h w e iz e r i s c h e E i d g e n o s s e n s c h a f t , Beschwerdegegnerin, 2. S t a a t Z ü r i c h , Rekursgegner, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Süd, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Direkte Bundessteuer 2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2009 - 2 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 hat sich ergeben: A. A und B (nachfolgend der/die Pflichtige, zusammen die Pflichtigen) d ekla- rierten in der Steuererklärung 2009 ein steuerbares Einkommen von Fr. 98'900.- (direk- te Bundessteuer) bzw. Fr. 94'200.- (Staats- und Gemeindesteuern) und ein steuerb a- res Vermögen von Fr. 446'000.-. Sie machten d abei einen Verlust des Pflichtigen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 61'048.- geltend. Am 20. Januar 2011 unterbreitete ihnen das kantonale Steueramt einen Ve- ranlagungs- und einen Einschätzungsvorschlag. Während es das steuerbare Verm ö- gen unverändert beliess, stellte es ein steuerbares Einkommen von Fr. 144'100. - (direkte Bundessteuer) bzw. Fr. 152'200. - (Staats- und Gemeindesteuern) in Aussicht. Die Abweichung zur Deklaration ergab sich dabei aus der Aufrechnung des Verlu sts aus der behaupteten selbstständigen Erwerbstätigkeit (bei gleichzeitiger Erh öhung der Berufsauslagen des Pflichtigen und Streichung der abzugsfähigen Kran kheits- und Unfallkosten, was hier jedoch nicht mehr streitig ist). Die Pflichtigen lehnten die Vorschläge am 27. Janu ar 2011 ab. Der Steue r- kommissär forderte sie daraufhin mit Auflage vom 15. Februar 2011 auf, den Nachweis der Gewinnstrebigkeit der selbstständigen Erwerbstätigkeit mittels ge eigneter Unterla- gen sowie den Nachweis der geschäftsmässigen Begründetheit der Ausgaben betre f- fend das LED-Leuchtengeschäft zu erbringen. Die Pflichtigen antworteten am 18. Feb- ruar 2011. Nach einer Bespre chung mit de m Pflichtigen erliess der Steuerkommissär erneut eine Auflage, womit er eine gesonderte Aufstellung der Einnahmen und Ausg a- ben für den LED -Leuchtenbereich einforderte. Nach weiteren Besprechungen und Schriftenwechseln ergingen am 8. April 2011 der Einschätzungsentscheid 2009 und die Veranlagungsverfügung 2009 mit den Faktoren gemäss Vorschlägen. B. Hiergegen erhoben die Pflichtigen am 18. April 2011 Einsprache und hie l- ten am Verlust aus selbstständiger Erwerbstätigkeit des Pflichtigen fest. Am 19. Mai 2011 liess der Pflichtige dem Steuerkommis sär weitere Unterlagen zukommen. Mit Entscheiden vom 4. Juli 2011 wies das kantonale Steueramt die Einsprachen ab. - 3 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 C. Am 9. Juli 2011 erhoben die Pflichtigen Beschwerde und Rekurs , unter Wiederholung des Einspracheantrags . Das kantonale Steueramt schloss mit B e- schwerde-/Rekursantwort vom 28. Juli 2011 auf kostenfällige Abweisung der Recht s- mittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen. Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. a) Nach Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 18 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) sind alle Einkünfte aus einem Handels -, Indus trie-, Gewerbe -, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen sel bstständi- gen Erwerbstätigkeit steuerbar. Bei selbstständiger Erwerbstätigkeit werden von diesen Einkünften gemäss Art. 27 Abs. 1 DBG bzw. § 27 Abs. 1 StG die geschäfts - oder be- rufsmässig begründeten Kosten abgezogen. Verluste aus einer solchen Tätigkeit kö n- nen mit übrigen Einkünften verrechnet werden (vgl. zum so genannten Nettoprinzip: Markus Reich, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 25 N 5 DBG). Abzugsfähig ist der gesamte Aufwand, der für die selbstständige Erw erbstä- tigkeit notwendig ist. Die Beschränkung der Abzugsfähigkeit auf die notwendigen Au s- gaben soll lediglich bewirken, dass der Abzug nur für jene Auslagen gestattet wird, die einen geschäftlichen Grund haben, und dass alle Aufwendungen unberücksichtigt b lei- ben, die vorwiegend mit der allgemeinen Lebenshaltung eines Selbstständigerwerbe n- den zusammenhängen. In der Einschätzungspraxis wird weniger auf die Zumutung der Vermeidung abgestellt, sondern vielmehr darauf, ob der Aufwand geschäftsmässig begründet ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 27 N 4 DBG und Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2 A., 2006, § 27 N 3 StG). In jedem Fall erfordert der Abzug, dass die Täti gkeit, welcher der betreffende Aufwand zuzurechnen ist, überhaupt eine selbstständige Erwerbstätigkeit im Sinn von Art. 18 DBG bzw. § 18 StG darstellt (StRK I, 18. März 1993 = ZStP 1993, 108). - 4 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 b) Die Rechtsprechung umschreibt die selbstständige Erwerbstätigkeit z u- sammenfassend wie folgt: aa) Die Tätigkeit des Steuerpflichtigen hat auf eigenes Risi- ko zu erfolgen; bb) Der Steuerpflichtige hat in seiner Tätigkeit Arbeitskraft und K apital einzusetzen; cc) Die Tätigkeit des Steuerpflichtigen hat in einer von ihm selber frei b e- stimmten Organisation zu erfolgen; dd) Jedes Streben im wirtschaftlichen Bereich zielt auf die Erzielung eines Gewinns und auf die Vermeidung eines Verlusts ab ( Merkmal der Gewinnerzielungsabsicht); ee) Eine selbstständige Erwerbstätigkeit liegt schlies s- lich nur vor, wenn der S teuerpflichtige in einer qualifizierten, d .h. planmässigen und anhaltenden (nachhaltigen) Weise am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist selbstständige Erwerbstätig- keit unter Umständen bereits aufgrund eines e inzigen Kriteriums zu bejahen (BGr, 29. Juli 2011, 2C_766 + 767/2010, BGE 125 II 113; anderer Meinung bislang das Ve r- waltungsgericht, VGr, 25. August 2010, SB.2010.00056, www.vgrzh.ch, E. 2.4 f.). c) Abzugrenzen ist die selbstständige Erwerbstätigkeit i nsbesondere von der Liebhaberei bzw. dem Hobby. Die steuerrechtliche Qualifikation einer Tätigkeit als selbstständiger Erwerb im dargelegten Sinn oder als Liebhaberei hängt grundsätzlich davon ab, ob sie ausschliesslich oder vorwiegend im Hinblick auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens ausgeübt wird (BGr, 2. Oktober 1992, NStP 1993, 7, E. 2b; Raoul Oberson, Les pertes commerciales fiscalement déductibles, ASA 48, 113). Unterschei- dungskriterium ist also der Beweggrund für die Ausübung der Tätigkeit. Es handelt sich dabei um ein subjektive s Kriterium, auf dess en Vorhandensein nur durch Indizien (nämlich erkennbare Umstände) geschlossen werden kann (StE 1999 B 23.1 Nr. 42) . Eine zusätzliche Erschwernis liegt darin, dass es Grenzfälle gibt, bei denen sich Lie b- haberei und Erwerbstätigkeit verbinden, wobei das Schwergewicht auf der einen oder anderen Seite liegen kann. Eine fehlende Gewinnstrebigkeit kann sich zum einen aus der betreffenden Tätigkeit als solcher ergeben, weil diese als Basis für eine rentable Erwerbsquelle un- geeignet erscheint, zum anderen kann sie aus der Art des Vorgehens abgeleitet we r- den, indem dieses nicht auf kommerzieller Methode beruht (StE 2006 B 23.1 Nr. 61). Wer eine Tätigkeit ausübt, welche auf die Dauer nichts einbringt oder dauernd einen finanziellen Aufwand überschuss erfordert, betreibt diese nicht als Erwerbstäti g-- 5 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 keit, sondern eben als Liebhaberei oder aus einem andern nicht kommerziellen Grund. Denn wer eine unrentable Aktivität wirklich als Erwerbstätigkeit ausübt, wird sich in der Regel durch das andauernde Fehlen eines finanziellen Erfolgs von der Zwecklosigkeit seines Unterfangens überzeugen lassen und die betreffende Tätigkeit aufgeben (R o- man Blöchliger, Steuerliche Probleme des Abzuges geschäftli cher Verluste, StR 1981, 236). Allerdings muss nicht jedes einzelne mit einem Verlust abgeschlossene Jahr oder selbst die Tatsache, dass während me hrerer Jahre Verlust erzielt worden ist, zum Schluss zwingen, es handle sich um eine Liebhaberei (Höhn/Waldburger, Steuerrecht, Band I, 9. A., 2001, § 14 Rz 45; vgl. BGr, 4. Juni 2004, 2A.68/2004, Erw. 1.3; Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2001, Art. 18 N 22 ). Ob sich nämlich eine Täti g- keit lohnt, lässt sich methodisch richtig nur nach Betrachtung des Gewinns aus der gesamten Betriebstätigkeit von deren Aufnahme bis zu ihrer Beendigung beurteilen (s o genannter Totalgewinn, vgl. Manuel René Theisen, Die Liebhaberei – ein Problem des Steuerrechts und der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre, Steuer und Wirtschaft [StuW], 1999, 259; StRK II, 17. Februar 2000, 2 ST.1999.419, E. 6a). Der Entscheid über den steuerlichen Charakter einer Tätigkeit hängt deshalb von einer Prognose über den zu erwartenden Totalgewinn ab. Ergibt die Prognose ein positives Gesamterge b- nis, ist dies ein gewicht iges Indiz für die Ge winnstrebigkeit. Anderseits liegt bei negat i- ver Prognose die Schlussfolgerung nahe, dass ein Steuerpflichtiger, dem es tatsächlich um die Erzielung eines Erwerbseinkommens gegangen wäre, sich wegen des in Au s- sicht stehenden finanziellen Misserfolgs von der Weiterführung des Betriebs abbringen lassen würde. Die steuerrechtliche Qualifikation der Tätigkeit ist eine Frage, die grun d- sätzlich für jede Veranlagungsperiode neu überprüft werden kann, wobei unter U m- ständen die Verhäl tnisse in de n Vorjahren bzw. in den auf das Steuerjahr folgenden Jahren gewisse Anhaltspunkte liefern können (BGr, 31. August 2005, 2A.46/2005, E. 2.2.2, mit Hinweisen zum Ganzen). Wie lange die wirtschaftliche Betätigung verlus t- reich sein darf, bis eine natürliche Vermutung dafür spricht, dass der finanzielle Erfolg auf Dauer ausbleiben wird, kann nicht allgemein gesagt werden. Im Sinn einer Faus t- regel wird in der Literatur die Au ffassung vertreten, der Umstand, dass innerhalb von fünf bis zehn Jahren kein ne nnenswerter Gewinn erzielt werde, bilde ein gewichtiges Indiz für d as Fehlen der Gewinnstrebigkeit. Dem Steuerpflichtigen steht aber der G e- genbeweis offen, dass auch in diesem Fall eine Gewinnstrebigkeit vorliegt (Ric h- ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 18 N 48 DBG und § 18 N 38 StG). Im Einzelfall kommt es namentlich auf die Art der Tätigkeit und die konkreten Verhältnisse an (RB 2000 Nr. 118). - 6 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 Qualifiziert die Aktivität des Steuerpflichtigen in der unter den erwähnten Krit e- rien vorzunehmenden Prüfung als Liebhaberei oder produziert sie reine Lebensha l- tungskosten (vgl. Art. 34 lit. a DBG und § 33 lit. a StG), können die entstandenen Ve r- luste nicht mit übrigen Einkünften verrechnet werden. 2. a) aa) Der Pflichtige ist ursprünglich gel ernter Käser mit Meisterprüfung. Danach war er als Käsereiinspektor tätig und bildete sich zum Betriebsökonomen wei- ter. Ab 1. August 1990 arbeitete er bei C. Nach einem Burnout und weiteren gesund- heitlichen Beschwerden riet ihm s ein Arzt zu körperlicher Täti gkeit, sodass er 2005 mit dem Bearbeiten von Findlingen und dem Herstellen von Bru nnen begann. Die damit verbundene Feinstaubentwicklung so wie die schweren Masch inen übten jedoch einen negativen Einfluss auf seine Gesundheit aus. Aufgrund seiner Erfahrungen und der Nachfrage nach Brunn en entschloss er sich in der Folge, mit dem Bau von hochwert i- gen Wasserspielen auf der Basis einer Stahl -/Steinkombination zu beginnen. Dies bil- dete im Jahr 2007 den Auslöser der LED -Leuchtenentwicklung. Bis 2009 ging er der Tätigkeit im ursprünglichen Ber eich der Brunnen/Wasserspiele nach, weil f ür die En t- wicklung der LED-Leuchten die Brunnen notwendig waren. bb) Das Motiv, im Jahr 2005 mit der Bearbeitung von Findlingen zu beginnen , bestand offensichtlich nicht in der Absicht , zusätzliches Einkommen zu erzielen. Die Tätigkeit sollte vielmehr der Gesundheitsvorsorge dienen. Zu dieser Zeit und bis 31. Oktober 2008 war der Pflichtige zudem noch bei C angestellt. Eine Gewinnerzie- lungsabsicht ist damit von vornherein nicht schon 2005, sondern erst später anzuneh- men. Seit dem Verkauf von Brunnen bzw. Lichtspielen, s pätestens aber als der Pflich- tige be gann, für seine Lichtspiele die nunmehr im Vordergrund stehenden A llzweck- LED-Leuchten mit auswechselbaren LED -Elementen zu entwickeln und damit späte s- tens ab 2007, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen einer selbstständigen Erwerb s- tätigkeit. b) aa) Der Pflichtige bringt folgende Begründung vor: Da auf dem Markt kein entsprechendes Produkt erhältlich gewesen sei, habe er sich zum Ziel g esetzt, ein e wasserdampfresistente, UV -beständige, temperaturschlagfeste, überrollbare, mult i- funktional verwendbare LED-Leuchte zu entwickeln. Den Finanzbedarf habe er a n- fangs auf Fr. 10'000. - bis Fr. 20'000.- geschätzt. Patentrecherchen beim Institut für - 7 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 geistiges Eigentum in Bern (IGE) hätten den Anspruch für ein eigenes Patent best ätigt. Nebenher habe er auch spezifische Anwendungshilfen , so neben den grossen Leuc h- ten auch Kleinleuchten entwickelt. Die grosse Leuchte habe er zur Schwimmbadleuc h- te weiterentwickelt. Eine Flutlic htleuchte sei in Planung. Sie solle ihren Einsatz auf Baustellenfahrzeugen, Fahrzeugen der Fe uerwehr und der Polizei etc. finden. Auch eine Wegleuchte stehe kurz vor der Serienreife. Alle Leuchten seien aus V4a -Stahl gefertigt. Spezifisch gewählte Komponen ten erlaubten die Anwendung im Öl -, Benzin-, Lösungsmittel-, Ammoniak-, Chlor-, Salz- und Umgebungstemperaturbereich von + 50 Grad Celsius bis – 40 Grad Celsius. Die grosse Produkte pallette biete Gewähr für e i- nen umfassenden Marktauftritt. Ziel sei, das Marktinteresse mit einer vollständig neuen LED-Leuchte zu wecken. An seinen Produkten nehme er laufend Anpa ssungen vor. Als Kunden stünden vor allem Gemeinden, Tief- und Hochbauämter, Strassenbau- und Gartenbauunternehmungen, Tunnelbaufirmen, Fahrzeugbauer, Ingenieure, Archite k- ten, Schwimmbadbauer, Gebäudeversicherungen, Polizei, Sanität, Elektrozubehö r- händler, Lichtplaner, landwirtschaftliche Bauämter, Lebensmittelindus triebetriebe und Saunabaufirmen im Vordergrund. Viele Material- und Fertigungsfragen könne er mit seinen Söhnen besprechen, welche beide über eine Polymechanikerausbildung mit höheren Fachausbildu ngen verfügten. Ein Sohn setze sodann seine Entwürfe in Maschinenzeichnungen um. Dies sei eine enorme Hilfe und bewirke eine grosse Kostenersparnis. Sein ganzes Tun finde seinen Sinn auch im Wissen um die Weiterführung durch die Söhne. Die zutreffende Bezeichnung für sein Tun sei Leidenschaft und eine tiefe Überzeugung, ein Projekt in die Tat umsetzen zu können und zum Erfolg zu bringen. bb) Die K riterien der Tätigkeit auf eigenes Risiko, des Einsatzes von Arbeit s- kraft und Kapital und der freien Selbstorganisation scheinen vorliegend ohne Weiteres erfüllt. Der Pflichtige bedient sich der fachmännischen Unterstützung seiner Söhne und bezieht sie auch in seine längerfristige Planung mit ein . Sodann tritt er mit seinen Pro- dukten am Markt auf . Er schreibt potentielle Kunden (z.B. D) an, betreibt eine Website (E), verteilt Werbematerial, verfügt über Preislisten und führt Verkaufsgespr äche. Dies seit dem Zeitpunkt, in welchem die Produkte nach seiner Ansicht marktreif sind, nä m- lich seit 2011. Gemäss Aquisitionsliste hat er ab Januar 2011 mit über 20 Betri eben Verkaufsgespräche geführt, wobei es zu zwei Geschäftsabschlüssen gekommen ist. - 8 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 Die finanzielle Situation der selbstständigen Tätigkeit des Pflichtigen gestalt e- te sich über die Jahre wie folgt: Fr. Steuerperiode 2005: - 2'966.- Steuerperiode 2006: - 21'621.- Steuerperiode 2007: - 53'431.- Steuerperiode 2008: - 49'188.- Steuerperiode 2009: - 61'048.-. Wie leicht zu erkennen ist, haben die Verluste im Laufe der Zeit nicht ab -, sondern zugenommen. Der Gesamtverlust bis und mit 2009 beträgt – unter Ausschluss des Verlusts 2005 – Fr. 185'288.-. Was die Gewinnstrebigkeit angeht, so hat der Pflichtige einen Busines splan, eine Planerfolgsrechnung oder dergleichen nie erstellt. Ein eigentliches Ko nzept kann er nicht vorweisen und seine diesbezüglichen Ausführungen fallen vage aus. Dies ist ihm grundsätzlich entgegenzuhalten. Sodann we ist er seit Beginn seiner Täti gkeit nur Verluste aus. Es ist deshalb zu entscheiden, ob trotzdem von einer Gewinnstrebig- keit ausgegangen werden kann oder ob die Tätigkeit überwiegend als Lie bhaberei zu betrachten ist. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob d ie Tätigkeit an sich zur Gewi n- nerzielung geeignet ist und, ob eine günstige Gesamtprognose gestellt werden kann. An der Ernsthaftigkeit, mit welcher der Pflichtige sein P rojekt verfolgt, kann nicht gezweifelt werden. Dies zeigen die Produktedokumentatio nen (insbesondere auf der Website E), das Gesuch um die Zusprechung eines Innovation sförderungsbeitrags beim zuständigen Bundesamt und die Patentanmeldung durch ein Patentwanwaltsb ü- ro. Die Entwicklung und der Verkauf einer besonders robusten und qualitativ hochste- henden LED-Leuchte ist sodann grundsätzlich geeignet, im Markt Platz zu fi nden und eine Einkommensquelle darzustellen . Ob insgesamt eine positive Gesamtprogn ose gestellt werden kann, hängt davon ab, wie sich das Produkt auf dem Markt tatsächlich behaupten wird. Festgestellt werden kann nach Internetrecherchen, dass auf dem Markt eine Fülle von LED-Produkten angeboten wird (vgl. z.B. www.led-direkt.ch; www.ledstar.ch; www.solarlink.de). LED-Leuchtmittel gelten derzeit als zukunftsträchtig, was die Ene r-- 9 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 gieeffizienz und Lebensdauer angeht und sind im Begriff, die herkömmlichen Glühbi r- nen sowie aktuellen Sparlampen abzulösen (Übernahm e der entsprechenden Energi e- verordnung der EU, welche ein schrittweises Verkaufsverbot für Glühbirnen vorsieht). Auch wasserdichte LED-Leuchten – das anvisierte Produkt des Pflichtigen – sind auf dem Markt zu finden (vgl. www.majoralicht.yatego.com; www.supashop.ch, Poolla m- pen LED; www.led-technik-shop.de; Aquariumlichter, Unterwasserlichter. Im Preisvergleich erweisen s ich die Produkte des Pflichtigen als teuer. So kosten die von ihm entwickelten Multifunktionsleuchten gemäss de n Angaben auf der Homepage E Fr. 3 66.- bis Fr. 409. - (inkl. MWST) pro Stück (speziel ler Anwe n- dungsbereich: Schwimmbäder, Boden, Decken, Saunas, Küchen etc.). Die no -Limit- Produkte kosten zwischen Fr. 58 2.- und Fr. 984.- (inkl. MWST) (Anwendungsbereich insbesondere: Aussenbereich wie Strasse n, Trottoirs und Tunnels). Im Vergleich sind auf dem Internet wasserdichte LED -Strahler ab ca. Fr. 45. - zu finden (www.majoralicht.yatego.com und www.solarlinkshop.de/shop). Der Pflichtige begrü ndet die Legitimation seiner Produkte auf dem Markt und die hohen P reise mit der herausragenden Qualität. Seine Produkte seien mit fernöstl i- chen Erzeugnissen nicht vergleichbar. Sodann besteht die Besonderheit seine r Pr o- dukte offenbar in der Ausw echselbarkeit der LED -Einheiten. Weiter sind sie multifunk- tional einsetzbar. Offensichtlich hat der Pflichtige im Laufe der Zeit bereits verschiedene Strat e- gieänderungen vorgenommen. Ging es anfänglich um den Verkauf von Brunnen bzw. Wasserspielen mit LED -Leuchten, preist er nunmehr LED-Leuchten an, die eine L ö- sung für alle möglichen Anwendungsbedürfnisse darstellen soll en. So stellt er sich von Strassenbauämtern über die Polizei bis hin zu Saunabaufirmen und Lebensmitteli n- dustriebetriebe eine breite Palette von Abnehmern vor. Ob die Qualitäts-LED-Leuchten und die jetzige Strategie des Pflichtigen Erfolg haben werden, wird der Markt beantworten müssen. Insbesondere wird sich zeigen, ob die angestrebten Preise erzielt werden können oder ob in diesem Punkt Anpassu ngen nötig sein werden. Sodann wird sich weisen, inwiefern die Ausw echselbarkeit der LED- Einheiten einem Bedürfnis entspricht . Immerhin wird die Lebensdauer von LED's als sehr hoch (mind. 10 Jahre) eingestuft. In der hier interessierenden Steuerperi ode 2009 - 10 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 waren die Produkte des Pflichtigen noch nicht marktreif . Die ersten Verkäufe wurden auf Frühjahr 2011 anvisiert. Nachdem eine eigentliche Erwerbstäti gkeit nicht vor 2006 angenommen werden kann – vorher überwiegt der therapeutische Aspekt seiner handwerklichen Tätigkeit –, befand sich der Pflichtige 2009 erst im 4. Gesch äftsjahr. Damit wäre es verfrüht, die Produkte als sicheres Verlustgeschäft zu betrachten. Gera- de wenn nicht einfach ein Produkt verkauft wird, sondern dieses zuerst entwickelt wird und erhebliche Vorleistungen anfallen, ist eine mehrjährige Verlustperiode nicht unge- wöhnlich (StE 1999 B 23.1 Nr. 42). Insgesamt erscheint ein erfolgreicher Markteintritt aufgrund der Akten jedenfalls als möglich. Der diesbezügliche E rfolg wird sich bei der nunmehr per 12. August 2010 gegründeten F niederschlagen. Sollten sich die Produkte als nicht markttauglich herausstellen, so werden die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen sein. Eine Gewinnerzielungsabsicht ist im jetzigen Zeitpunkt und hinsichtlich der Steuerperiode 2009 insgesamt nicht zu verneinen . Die Aufwendungen, wel che 2009 nach wie vor die Wasserspiele betroffen haben, sind dem ge schäftlichen Aufwand zu- zurechnen, soweit sie d er Pflichtige als Testobjekte für die LED -Leuchten ve rwendet hat. Ob sie als Testobjekte besonders g eeignet oder kosteng ünstig sind, braucht an dieser Stelle nicht geprüft zu werden. c) Zu prüfen bleibt der Umfang des Verlusts 2009. Die Vorinstanz hatte bi sher keinen Anlass , die Jahresrechnung 2009 zu überprüfen. Damit liegt noch kein En t- scheid über die vollumfängliche Verrechenbarkeit des Verlusts vor. Die Sache ist daher zur Feststellung des Verlus ts 2009 an die Vorinstanz zurückzuweisen (§ 149 Abs. 3 StG sowie Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 143 N 28 DBG) 3. Diese Erwägungen führen zur teilweisen Gutheissung der Rechtsmittel (Rückweisung). Bei diesem letztlich noch unentschieden en Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, die Verfahrenskosten den Parteien je hälftig aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG; § 151 Abs. 1 StG). Die Zusprechung einer Parteientschädigung entfällt ( Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltung sverfahren vom 20. Dezember 1968 und § 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegege- setzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). - 11 - 1 DB.2011.111 1 ST.2011.170 Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheentscheid vom 4. Juli 2011 wird aufgehoben und die Sache zum Neuentscheid im Sinn der Erwägungen ins Einspracheverfahren an das kantonale Steueramt zurückgewiesen. 2. Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheentscheid vom 4. Juli 2011 wird aufgehoben und die Sache zum Neuentscheid im Sinn der Erwägungen ins Einspracheverfahren an das kantonale Steueramt zurückgewiesen. […]