Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. April 2019 (720 19 9 / 105) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Evelyne Frey Parteien A. ____, Beschwerdeführer, vertreten durch Monica Armesto, Advoka- tin, indemnis, Spalenberg 20, Postfach, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1976 geborene A.____ war bis Ende 2011 bei ei ner Bauunternehmung tätig. Das Arbeitsverhältnis musste aus wirtschaftlichen Gründen aufg elöst werden. Am 7. Oktober 2014 meldete er sich unter Hinweis auf Schulter- und Kniegelenkbeschwerden bei der IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Die IV -Stelle sprach A.____ ein Arbeitstraining beim B.____ für die Zeit vom 26. Mai 2015 bis am 25. August 2015 zu. Am 29. Mai 2015 brach A.____ das Arbeitstraining infolge Schmerzen und anst ehender Schulter-Operation ab. Vom 5. September 2016 bis am 4. März 2017 machte er beim B.____ ein weiteres Arbeitstraining in Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Funktion als Waschkurier. Das 50%ige Pensum konnte nicht wie vorgesehen auf 75 % erhöht werden. Am 9. Mai 2017 wurde das Dossier Arbeitsvermittlung geschlossen. Nach Vornahme der medizinischen und beruflichen Abklärungen sowie nach du rchgeführtem Vorbescheidverfahren lehnte die IV-Stelle den Rentenanspruch mit Verfügung vom 22. November 2018 unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 2 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Monica Armesto, am 8. Januar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Lan dschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm eine halbe Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 50 % auszurichten. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegen- heit zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen un d zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilli- gung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer Verweistätigkeit bestehe und dass trotz Komplexität des medizinischen Sachverhalts keine umfassende Begutachtung erfolgt sei bzw. dürfe für die Beur- teilung der Rentenberechtigung nicht alleine gestützt auf die Berichte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) abgestellt werden. C. Mit Verfügung vom 7. Februar 2019 bewilligte die instruierende Präsidentin des Kan- tonsgerichts dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Monica Armesto als Rechtsvertreterin. D. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Februar 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrige n form- und fristgerecht eingereichte – Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist der Rente nanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlas s der angefochtenen Verfügung vom 22. November 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem n ur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person fest, eine zu- mutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medi- zinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten du rchführen. Sie halten die Untersu- chungsergebnisse schriftlich fest (Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV]). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrens- regeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (vgl. BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258; Urteil 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis-würdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2 001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt- nisse hervor. Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen, zu welchen RAD-Berichte gehö- ren, kommt nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Ger ichtsgutachten. An die Beweiswürdi- gung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Be stehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ä rztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit dem Beweiswert von exte rnen medizinischen Sachverständigen- gutachten (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353) vergleichbar, wenn sie den von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen (SVR 2009 IV Nr. 56 S. 174, 9C_323/2009 E. 4.3.2). Die IV-Stellen werden aber stets externe Gutachten einholen, wenn der ausgeprägt interdisziplinäre Charakter einer medizinische n Problemlage dies gebietet sowie wenn der RAD nicht über die fachlichen Ressourcen verfügt, um eine sich stellende Frage beant- worten zu können. Dasselbe gilt, wenn zwischen RAD-Bericht und allgemeinem Tenor im medi- zinischen Dossier eine Differenz besteht, welche nicht offensichtlich auf unterschiedlichen versi- cherungsmedizinischen Prämissen (vgl. SVR 2007 IV Nr. 33 S. 117, I 738/05 E. 5.2) beruht (BGE 137 V 210, E. 1.2.1). 6. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auc h der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7. In den Akten befinden sich zahlreiche medizinische Unte rlagen, welche vom Gericht ge- samthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden werden lediglich die für die vorliegende Angelegenheit entscheidwesentlichen Berichte wiedergegeben. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 In seiner kreisärztlichen Untersuchung vom 25. Februar 2015 stellt Dr. C.____, FMH Or- thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, fest, dass am rechten Knie aktuell eine posttraumatische Arthrose nach Kreuzbandersat zplastik und Meniscusresektionen, zumindest mässig ausgeprägt, vorliege. Die apparative Diagnostik und die Klinik würden belegen, dass sich der Zustand seit 2007 verschlechtert habe. An der rechten Schulter bestünden Funkti- onseinschränkungen und Restbeschwerden. Unfallfolgen wü rden an der Schulter mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit nicht vorliegen. Den medizini schen Endzustand sieht er noch nicht gekommen. Die Zumutbarkeit einer Tätigkeit sei aufgru nd der Unfallfolgen eingeschränkt. Dr. C.____ beschreibt die zumutbare Tätigkeit in Bezug auf das Knie als eine leichte bis mittel- schwere und selbstbestimmt wechselbelastende Tätigkeit, Gehstrecken bis höchstens 30 Minu- ten, keine Tätigkeiten in der Hocke oder im Knien, kein Klettern auf Leitern und Gerüsten, wenig Treppensteigen. In Bezug auf die rechte Schulter seien aktuell leichte Tätigkeiten körpernah bis Brusthöhe zumutbar. Hier sei noch mit einer deutlichen Besserung zu rechnen. Eine ganztägige Tätigkeit sei möglich. In der bisherigen Tätigkeit als Maurer sei der Versicherte dagegen zu 100 % arbeitsunfähig. 7.2 Der Bericht vom 17. Oktober 2015 des D.____ bezieht sich auf eine Nachkontrolle des Beschwerdeführers nach der erfolgten Operation im Sommer 2015. Dr. I.____, FMH Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, berichtet von leichtgradigen Ruhe- und Nacht- schmerzen, welche sich bei sämtlichen Bewegungen der recht en Schulter deutlich verstärken würden. Die aktive globale Schulterbeweglichkeit betr age bei der Anteversion 130° bzw. 170°, bei der Abduktion 120° bzw. 160°, bei der Aussenrotation 20° bzw. 30°. Die passive glenohume- rale Beweglichkeit betrage bei der Abduktion 80° bzw. 90° und bei der Aussenrotation 20° bzw. 30°. Eine deutliche entzündliche Reizung im Sinne eine r Bursitis subacromialis sowie eine Rei- zung des resezierten AC-Gelenkes bestünden weiterhin. B is zur nächsten Verlaufskontrolle in vier Wochen bestehe zudem weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Maler. 7.3 PD Dr. E.____, FMH Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, stellver- tretende Chefärztin im D.____, berichtet am 6. Novembe r 2015 über die Sprechstunde vom 26. Oktober 2015. Die aktive globale Schulterbeweglichkeit betrage bei der Anteversion 130°, bei der Aussenrotation in Abduktion 30°, die Innenrotation gelinge bis zur mittleren LWS. Passiv sei das Glenohumeralgelenk frei. Auch in Abduktion finde sich nur für die Aussenrotation ein gewis- ser endgradiger Kapseldehnungsschmerz. Bezüglich des Infe kts zeige sich ein erfreuliches Er- gebnis und klinisch zeige sich kein Anhaltspunkt für eine eingeschränkte glenohumerale Beweg- lichkeit im Sinne einer adhäsiven Kapsulitis (frozen shoulder). Bis zur Vornahme weiterer Unter- suchungen betreffend Schulterschmerzen bleibe die Arbeitsunfähigkeit zu 100 % bestehen. 7.4 In der zweiten kreisärztlichen Untersuchung diagnosti ziert Dr. C.____ am 23. Feb- ruar 2016 aktuell eine posttraumatische Gonarthrose rechts, Ruheschmerz, belastungsinduzierte Verschlimmerung der Beschwerden. Thematisiert werde die Implantation einer Prothese am rechten Kniegelenk. Falls sich der Versicherte gegen eine Prothese entscheide, sei ein Punkt erreicht, an welchem von einer weiteren Behandlung keine namhafte Verbesserung der unfallbe- dingten Folgen mehr erwartet werden könne. Dies gelte zumindest vorläufig, bis der Leidensdruck Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht so gross werde, dass es doch zur Implantation der Prothese komme. Die Beurteilung der Zumut- barkeit entspreche noch derjenigen der kreisärztlichen Untersuchung vom 25. Februar 2015. Die Schulterproblematik sei nicht unfallkausal, sondern kra nkheitsbedingt. Eine Degeneration der Supraspinatussehne sei bereits 2007 mit intratendiösen Läsionen nachgewiesen worden. 7.5 Dr. E.____ diagnostiziert im Bericht vom 9. März 20 16 an der rechten Schulter persistie- rende Schmerzen im Bereich der Bicepstenodesenarbe und subcoraciodales Impingement. An der linken Schulter diagnostiziert sie einen Status nach Arthroskopie, arthroskopischer Acromio- plastik und arthroskopischer Rotatorenmanschetten-Refixa tion (Supraspinatussehne) sowie Bicepstenodese mini-open am 21. Oktober 2011 bei bursa seitiger Partialruptur der Supraspi- natussehne (90 %). Als Nebendiagnose beschreibt sie eine p osttraumatische Gonarthrose am rechten Knie. Die beiden Infiltrationen hätten insgesamt zwar eine deutliche Beschwerdebesse- rung gebracht. Nach wie vor bestehe aber keine Beschwerdefreiheit. Dennoch bestünden weiter- hin Ruheschmerzen mit Verstärkung bei sämtlichen Belastungen des Armes. Starke Schmerzen würden insbesondere durch belastete Anteversionsbewegungen ausgelöst. Auf der Baustelle sei der Versicherte daher noch zu 100 % arbeitsunfähig. In sgesamt sei nun sowohl von Seiten des Knies als auch von Seiten der Schulter von dauerhaften Einschränkungen auszugehen, weshalb die Rückkehr in den angestammten Beruf als unmöglich er scheine. Dr. E.____ empfiehlt den Wechsel in eine weniger belastende Tätigkeit mit Heben von Lasten bis maximal 10 kg und ohne Überkopftätigkeiten. 7.6 Dr. F.____, FMH Orthopädie und Traumatologie de s Bewegungsapparates, bei welchem der Beschwerdeführer von Ende Januar 2015 bis Ende Dezember 2015 in Behandlung war, hält am 31. März 2016 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Gonarthrose rechts sowie Schulterbeschwerden rechts fest. Gegenwärtig erhalte der Patient Injektionen ins Knie. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Maurer bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Einer lei- densangepassten Tätigkeit ohne Gehbelastung könne der Versicherte zu 100 % nachgehen. Die Einschränkungen würden sich eventuell durch einen prothet ischen Ersatz des Kniegelenkes rechts vermindern lassen. 7.7 Dr. E.____ hält in ihrem Bericht vom 2. Mai 2016 als Diagnose residuelle leicht invalidi- serende Schmerzen am rechten Schultergelenk fest. In Bezug auf die linke Schulter und in Bezug auf das rechte Knie wiederholt sie die Diagnose und die Nebendiagnose (vgl. E. 7.5 hiervor). Es bestehe noch ein pathologischer scapulathorakaler Rhythmus und eingeschränkte Elevation bis 130°, Gegenseite 180° bei symmetrischer Abduktion. Die pa ssive glenohumerale Beweglichkeit sei frei. Der Patient habe keine Nachtschmerzen mehr und spüre die Schulter bei Überkopftätig- keiten. Im Bereich der Schulter sei der Endzustand erreicht. Die residuellen Beschwerden könn- ten lediglich mit Fortführung der Physiotherapie und Verbesserung des scapulathorakalen Rhyth- mus verbessert werden. Weitere diagnostische oder therape utische Massnahmen seien nicht mehr notwendig. Die Schulter sei wie im letzten Bericht spezifiziert einsetzbar. Eine Arbeitsunfä- higkeit werde nicht attestiert. 7.8 Dr. G.____, FMH Innere Medizin, welcher den Beschw erdeführer seit ca. dem Jahr 2000 behandelt, verfasste am 6. Juni 2017 auf Anfrage der IV-Stelle einen Bericht. Darin hält er als Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht aktuelle Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit persistierende Schmerzen und ein sub- coracoidales Impingement fest. In Bezug auf das rechte Kni e liege eine posttraumatische Gon- arthrose vor. Sowohl im rechten Knie als auch in der rechten Schulter sei ein Endzustand erreicht. Mit einer Verbesserung der Symptomatik sei im rechten Schultergelenk nicht zu rechnen und es würden Schmerzen persistieren. Bezüglich des Kniegelenkes werde es früher oder später zu ei- ner Knietotalprothese kommen, wofür er jetzt noch zu jung sei. Gegenwärtig erhalte er Spritzen im Bereich des rechten Kniegelenkes. In seiner angestammten Tätigkeit als Maurer sei er zu 100 % arbeitsunfähig. Der Patient solle dringendst auf ei ne leichtere Arbeit umgeschult werden. Als zumutbare Tätigkeiten nennt er rein sitzende und rein stehende Tätigkeiten, Bücken, Rotation im Sitzen/Stehen, Heben/Tragen (körpernah/-fern) mit einer Gewichtslimite von 15 kg. Zudem seien das Konzentrations- und Auffassungsvermögen, die Anpassung sfähigkeit und die Belastbarkeit uneingeschränkt vorhanden, die Fahrtauglichkeit sei geg eben. Insgesamt sollte eine leichte Ar- beit zu 100 % möglich sein. Zu den unzumutbaren Tätigk eiten zählt er vorwiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten, Gehen auf unebenem Grund, Über-Kopf-Arbeiten, Kauern, Knien, auf Lei- tern/Gerüste steigen und Treppensteigen. 7.9 In der RAD-Stellungnahme vom 23. Oktober 2017 von Dr. H.____, FMH Physikalische und Rehabilitative Medizin, wird eine 100%ige Arbeit sunfähigkeit bezüglich der angestammten Tätigkeit attestiert, dies ab 6. April 2014 dauerhaft bleibend. In Bezug auf eine Verweistätigkeit habe vom 6. April 2014 bis am 26. Oktober 2015 wegen einer „post-OP frozen shoulder“ rechts keine Arbeitsfähigkeit bestanden. Ab dem 27. Oktober 2015 bestehe diesbezüglich eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, weil ab diesem Zeitpunkt die frozen shoulder nicht mehr vorhanden gewesen sei. Die Verweistätigkeit als Waschkurier habe nicht gänzlich der Belastbarkeit des Versicherten entsprochen, da er als Waschkurier beim Ausliefern der Wäsche auch wiederholt und unter Be- lastung habe Treppensteigen müssen. Möglicherweise habe er auch Gewichtsbelastungen über 10 kg heben/tragen müssen. Das würde erklären, weshalb der Versicherte das 50%ige Pensum im Arbeitstraining als Waschkurier beim B.____ in der Zeit von September 2016 bis anfangs März 2017 nicht habe steigern können. Das Zumutbarkeitsprofi l der Verweistätigkeit beschreibt Dr. H.____ als leichte überwiegend sitzende Tätigkeit oh ne Heben/Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Heben des rechten Armes mit Belastung über der Horizontalen, ohne Überkopftätigkeiten, ohne Knien/Hocken/Kauern, ohne Steigen auf Gerüsten/Leitern, ohne Gehen über 500 Meter am Stück, ohne Gehen auf unebenem Grund. In einer ideal angepassten Tätigkeit sei der Versicherte ganztags arbeitsfähig. 7.10 Dr. H.____ verfasste am 7. Juni 2018 eine weitere RAD-Stellungnahme. Darin vergleicht sie zunächst das RAD-definierte Verweisprofil mit dem Be lastungsprofil des B.____. Dieses zeige, dass der Versicherte bei der Arbeit zu 40 % habe Gehen, Treppensteigen und Waschkörbe tragen müssen. Die Waschkörbe hätten vermutlich mehr al s 10 kg gewogen. Diese Aufgaben würden die Vorgaben in ihrem Verweisprofil überschreiten, wonach der Versicherte lediglich 500 Meter gehen könne bzw. überwiegend sitzend arbeiten so wie nicht Treppensteigen und nicht mehr als 10 kg tragen sollte. Als Schlussfolgerung hält Dr. H.____ an der bisherigen Einschät- zung fest, weil das Belastungsprofil des B.____ nicht dem Verweisprofil entspreche, der Versi- cherte aber im Rahmen ihres Verweisprofils arbeitsfähig sei. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 22. November 2018 bei der Würdigung des massgebenden medizinischen Sachverhalts und bei der Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf die beiden RAD- Stellungnahmen vom 23. Okto- ber 2017 und vom 7. Juni 2018. Sie geht demzufolge von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten Tätigkeit als Maurer sowie von einer 100%igen Arbeits- fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit per Abl auf Wartejahr, das heisst ab dem 6. Ap- ril 2015 (nach dem Unfall am 6. April 2014) aus. 9. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber eine 100%ig e Arbeitsunfähigkeit sowohl in angestammter als auch in leidensangepasster Tätigkeit geltend. Die vorliegende Angelegenheit sei zudem medizinisch äusserst komplex, weshalb eine umfasse nde Begutachtung zu erfolgen habe. Stellungnahmen des RAD reichten nicht aus. Angesichts der Abweichungen und Ungenau- igkeiten in den RAD-Berichten bestünden erhebliche Zweifel an deren Richtigkeit. 10.1 Einigkeit besteht in Bezug auf die 100%ige Arbe itsunfähigkeit in der angestammten Tä- tigkeit als Maler. Streitig und zu prüfen ist die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensan- gepassten Tätigkeit. Zunächst stellt sich die Frage, ob sich die IV-Stelle hierfür zu Recht auf die beiden erwähnten RAD-Berichte stützte. Wie oben ausge führt (vgl. E. 5.4 hiervor), sind ergän- zende Abklärungen vorzunehmen, wenn auch nur geringe Z weifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen bestehen. 10.2 Die RAD-Ärztin verfügt über die notwendigen fach lichen Qualifikationen, um die Auswir- kungen der diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigunge n auf die Arbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers zu beurteilen (Urteil des Bundesgericht s vom 26. Januar 2010, 9C_736/2009, E. 2.1). Sie stützt ihre Berichte auf die Akten der Suva ab dem Jahr 1997. Darunter befinden sich unter anderem die kreisärztlichen Untersuchungen von Dr. C.____ vom 25. Mai 2015 und vom 23. Februar 2016 sowie der Bericht des behandelnden Arztes Dr. G.____ vom 12. Juni 2016 und sämtliche Berichte des D.____. Die vorliegenden RAD-Berichte beruhen demzufolge auf diversen medizinischen Unterlagen, die sich über eine längere Z eitspanne erstrecken und von verschie- denen Ärzten erstellt wurden. Zudem berücksichtigt die RAD-Ärztin in ihren Berichten sämtliche Schulter- und Kniebeschwerden des Beschwerdeführers und l egt ihre Beurteilungen nachvoll- ziehbar dar. Abweichende Beurteilungen gibt es in den medizinischen Unterlagen keine. 10.3 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, dass er unter vielfältigen, beträchtlichen Schmerzen leide, denen in den ärztlichen Berichten, in welchen von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde, keine Rechnung getragen werde. Auf das Zumutbarkeitsprofil des Suva- Kreisarztes dürfe nicht alleine abgestellt werden, weil dieses lediglich die Knieproblematik be- rücksichtige. Dagegen ist einzuwenden, dass die kreisärztlichen Berichte auf einer persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers basieren. In der ersten Untersuchung und damit auch im ersten Zumutbarkeitsprofil werden die Beschwerden bezüglich Schulter und Knie berücksichtigt, in der zweiten nur noch diejenigen des Knies, da die Schulterbeschwerden als unfallfremd beur- teilt wurden. Beide Untersuchungen berücksichtigen sämt liche Vorakten und die Ausführungen und Ergebnisse sind schlüssig. Auch wenn in der zweiten Untersuchung die Schulter ausgeblen- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht det wurde, gibt der entsprechende Bericht doch nachvollziehbar Aufschluss über das Zumutbar- keitsprofil in Bezug auf das Knie. Dr. G.____ behandel t den Beschwerdeführer seit fast 20 Jah- ren. Sein Bericht vom 12. Juni 2017 erfolgte in Kenntnis der Vorakten und unter Berücksichtigung der gesamten vorgebrachten Beschwerden. Die Berichte de s D.____ erstrecken sich auf eine grosse Zeitspanne und umfassen sowohl die Knie- als auch die Schulterproblematik. Insgesamt werden die gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdef ührers in den vorliegenden ärztli- chen Berichten vollumfänglich berücksichtigt. Sie widersprechen sich inhaltlich nicht und lassen eine umfassende, abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu. 10.4 In Bezug auf die Beurteilung seiner Arbeitsunf ähigkeit in einer angepassten Tätigkeit stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass seine Tätigkeiten beim B.____ entge- gen den RAD-Berichten vollumfänglich dem Zumutbarkeitsprofil der RAD-Ärztin entsprochen hät- ten. Das Pensum von 50 % habe er aufgrund der erwähnten beträchtlichen Schmerzen dennoch nicht steigern können. Daraus resultiere eine Arbeitsun fähigkeit von mindestens 50 %. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Verweistätigkeit beim B.____ nicht dem Zumutbarkeitsprofil der RAD-Ärztin (vgl . E 7.9 hiervor) entsprach. Dies ergibt sich aus den nachfolgenden Konkretisierungen in den Berichten des B.____. Diese erwähnen die Tätigkeiten des Treppensteigens und Waschkörbetragens, so dass die Einschätzung der RAD- Ärztin nicht blosse Vermutungen darstellen, wie dies vo m Beschwerdeführer beanstandet wird. Im ersten Bericht vom 9. Juni 2015 des B.____ wird beschrieben, dass der Beschwerdeführer die wenigen Stunden sehr gut gearbeitet habe. Im zweiten, ausführlichen Bericht vom 28. April 2017 wird zwar ausgeführt, dass er nicht mehr als 10 kg trage n dürfe und er wechselbelastend tätig sein müsse. In der Folge wird jedoch die Arbeit „Bügeln stehend am Tisch“ mit „genügend“ qua- lifiziert, weil die Schmerzen in der Schulter die Arbeit erschwert hätten, die Arbeit habe aber trotz- dem erledigt werden können. Konkretisierend zu „Ausliefern der Wäsche“ wird sodann angefügt, dass eine Beeinträchtigung beim Treppensteigen bestehe. Weiter wird im Rahmen der körperli- chen Beurteilung das „Heben und Tragen von Gewichten, mittelschwer / 10-20 kg, ca. 10 Kisten pro Tag“ erwähnt. Im Sitzen habe der Beschwerdeführer ca. zwei Stunden, im Gehen ca. zwei Stunden und im Stehen ca. eine Stunde gearbeitet. Die Beurteilung der Motorik, der Psyche und der kognitiven Fähigkeiten fiel gut aus. Dasselbe gilt für die Selbst- und die Sozialkompetenzen. Auch wenn der Beschwerdeführer das Pensum von 50 % a ufgrund seiner Schmerzen nicht er- höhen konnte, ist er in einer Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Denn auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt finden sich einfache und leichte Tätigkeiten , welche dem Zumutbarkeitsprofil der RAD-Ärztin entsprechen und damit den vorliegenden me dizinischen Unterlagen unter Berück- sichtigung sämtlicher Beschwerden gerecht werden. Dieselbe Beurteilung ergibt sich aus den in den Berichten des B.____ festgehaltenen Kompetenzen des Beschwerdeführers. 10.5 Nach dem Gesagten besteht vorliegend kein Anlass, a n der Richtigkeit der Einschätzung der RAD-Ärztin zu zweifeln. Die Vorbringen des Beschwer deführers wecken keinen Zweifel an den RAD-Stellungnahmen. Daher kann für die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit auf weitere Ab- klärungen verzichtet werden, mithin ist kein verwaltungse xternes Gutachten einzuholen. Insge- samt resultiert in medizinischer Hinsicht, dass dem Beschwe rdeführer die Ausübung einer dem Zumutbarkeitsprofil der RAD-Ärztin entsprechenden Verweistätigkeit grundsätzlich möglich ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.1 Zu prüfen bleibt die Frage, ab welchem Zeitpun kt dem Beschwerdeführer eine solche leidensangepasste Tätigkeit zumutbar war und ein Rentenanspruch besteht. Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Invalidenrenten für die Zukunft zu erhöhen, herabzu- setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert (BGE 109 V 116 E. 3b mit Hinweisen). Nach Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfä- higkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Änderung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in welchem ang enommen werden kann, dass sie vo- raussichtlich längere Zeit andauern wird. Sie ist in jed em Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiter andauern wird. 11.2 Die RAD-Ärztin attestiert eine 100%ige Arbeitsfä higkeit in einer Verweistätigkeit ab dem 27. Oktober 2015. Zuvor, das heisst ab dem Unfall vom 6 . April 2014 bis am 26. Oktober 2015, stellt sie dagegen – und entgegen der Beurteilung der IV-Stelle – eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit wegen einer „post-OP frozen shoulder“ fest. Diese Beu rteilung überzeugt. Den medizinischen Grundlagen ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in der Zeit vom 6. April 2014 bis 26. Oktober 2015 zu 100 % arbeitsunfähig war. In den Arztberichten wird zudem aufgezeigt, dass sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers ab dem 27. Oktober 2015 wesentlich verbessert haben. Auch in zeitlicher Hinsicht ist daher auf die Beurteilung der RAD- Ärztin abzustellen. Da die gesundheitliche Besserung gem äss den medizinischen Unterlagen zweifelsfrei während mehr als drei Monaten andauerte, hat der Beschwerdeführer – entgegen der Auffassung der IV-Stelle – gestützt auf Art. 88a Abs. 1 IVV Anspruch auf eine befristete volle Invalidenrente bis Ende Januar 2016. 12. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle z u Recht auf die RAD-Berichte abstellte und sie keine weiteren Abklärungen mittels eines verwaltungsexternen Gutachtens vor- zunehmen hatte. Entgegen der IV-Stelle bestand vom 6. April 2014 bis am 26. Oktober 2015 keine Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit. Für die Zeit vom 1. April 2015 bis am 31. Januar 2016 ist dem Beschwerdeführer daher eine befristete vol le Invalidenrente zuzusprechen. Falls die IV-Stelle dem Beschwerdeführer Taggelder ausgerich tet hat, sind diese in der Berechnung der Invalidenrente zu berücksichtigen. In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheis- sen. 13.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver- weigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kos- ten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die V erfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Verfahrenskosten wer- den gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angem essenem Ausmass der unterliegenden Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Partei auferlegt. Dem Prozessausgang entsprechend rechtfertigt sich demnach die hälftige Auf- teilung der Verfahrenskosten auf beide Parteien. Die Hälfte der Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 400.-- wird demzufolge der IV-Stelle auferlegt. Die andere Hälfte der Gerichtskosten in der Höhe von ebenfalls Fr. 400.-- hat der Beschwerdeführer zu tragen. Da ihm jedoch mit Verfügung vom 7. Februar 2019 die unentgeltliche Prozessführung b ewilligt worden ist, wird sein Anteil an den Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 13.2 In Anbetracht des Prozessausgangs ist dem Beschwerdef ührer eine reduzierte Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen (vgl . § 21 Abs. 1 VPO, wonach der ganz oder teilweise obsiegenden Partei eine angemessene Par teientschädigung zugesprochen wer- den kann). Es rechtfertigt sich, diese auf die Hälfte des von der Rechtsvertreterin geltend ge- machten Aufwandes und der geltend gemachten Auslagen f estzusetzen. Diese hat in ihrer Ho- norarnote vom 15. März 2019 für das vorliegende Verfa hren einen Zeitaufwand von 8 Stunden ausgewiesen, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisge- mäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangen den Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Zu keinen Bemerkungen Anlass geben sodann die in der Honorarnote ausgewie- senen Auslagen von Fr. 56.90. Dem Beschwerdeführer ist demnach zu Lasten der IV-Stelle eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘107.45 (4 Stunden à Fr. 250.-- plus Ausla- gen von Fr. 28.45 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Im Übrigen werden keine Par- teientschädigungen zugesprochen. 13.3 Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 7. Feb ruar 2019 die unentgeltliche Ver- beiständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt word en ist, ist diese für die von der obigen Parteientschädigung nicht erfasste Hälfte des geltend gemachten Aufwandes und der ausgewie- senen Auslagen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 892.25 (4 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 28.45 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 13.4 In Bezug auf die vorläufig auf die Gerichtskasse ge nommenen Verfahrenskosten und das aus der Gerichtskasse ausgerichtete Honorar seiner Rechtsvertreterin wird der Beschwerde- führer ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über d ie Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechts- pflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise g utgeheissen, dass die Verfügung der IV-Stelle vom 22. November 2018 aufgehoben und dem Beschwerdeführer eine befristete, volle Invalidenrent e ab 1. April 2015 bis 31. Januar 2016 zugesprochen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer und der IV-Stelle je zur Hälfte im Umfang von je Fr. 400.-- auf- erlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die dem Beschwerdeführer auferlegten Verfahrenskosten im Um fang von Fr. 400.-- vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer eine redu zierte Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 1‘107.45 (inkl. Auslagen un d 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu entrichten. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar von Fr. 892.25 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse aus- gerichtet.