B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3802/2017 U r t e i l v o m 3 1 . A u g u s t 2 0 1 7 Besetzung Richter David R. Wenger (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Constance Leisinger; Gerichtsschreiberin Eliane Kohlbrenner. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Hanna Stoll, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 1. Juni 2017 / N (…). E-3802/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 30. Oktober 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum in Basel um Asyl. Anlässlich der Befragung zur Person vom 11. November 2015 und der Anhörung vom 21. März 2017 machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, während des Aufenthalts im Vanni-Gebiet sei sein Bruder im Jahr 2005 von der Liberation Tigers of Ta- mil Eelam ( LTTE) zwangsrekrutiert worden. Ende 2005 sei er mit seiner Familie – und dem Bruder – nach B._______, welches unter der Kontrolle des Militärs war, gezogen. Er habe regelmässig mit Mitgliedern des Militärs und des Criminal Investigation Departement (CID) Cricket gespielt. Bei ei- nem Cricketspiel am 17. März 2013 habe er bei einer Rangelei einen Ge- genspieler mit dem Cricketstock geschlagen, woraufhin ein anderer ihn mit dem Messer verletzt habe und er als Angehöriger einer LTTE-Familie be- zeichnet worden sei. Abends seien Offiziere zu seiner Familie nach Hause gekommen. Seine Eltern hätten erreicht, dass sie ihn nicht sogleich mitge- nommen, sondern für den nächsten Tag zur Befragung vorgeladen hätten. Am nächsten Tag sei er nach Colombo gegangen und von dort am 24. März 2013 nach Singapur gereist, wo ihm die Einreise verweigert und er nach Sri Lanka zurückgeschafft worden sei. Bei seiner Einreise am Flug- hafen Colombo sei er zwei bis drei Stunden befragt worden. Am 18. April 2013 sei er nach Malaysia ausgereist, habe dort bis zum 22. Oktober 2015 in der Wohnung eines Schleppers versteckt gelebt und sei danach via Dubai und Türkei in die Schweiz ge reist. Wegen ihm habe das CID seine Familie bedroht und seinem Bruder im Herbst 2014 das Bein gebrochen. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka würde er getötet werden. Der Beschwerdeführer reichte sechs Arztberichte betreffend der medizini- schen Behandlung seines Bruders vom Mai/Juni und September/Oktober 2014, ein Familienfoto, eine Arbeitserlaubnis als Fischer und eine Todes- anzeige seiner Grossmutter zu den Akten. B. Mit Schreiben vom 16. Juni 2016 reichte der Beschwerdeführer Kopien sei- ner Identitätskarte, seines Reisepasses sowie ein Trainingszertifikat ein. C. Mit Verfügung vom 1 . Juni 2017 – eröffnet am 6. Juni 2017 – stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der E-3802/2017 Seite 3 Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. D. Mit Eingabe vom 6 . Juli 2017 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde und beantragte , der Entscheid der Vor- instanz vom 1 . Juni 2017 sei vollumfänglich aufzuheben und dem Be- schwerdeführer sei hierzulande Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Un- zulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fest- zustellen und als Folge davon dem Beschwerdeführer die vorläufige Auf- nahme in der Schweiz zu gewähren. Es sei die Rechtsvertreterin als amt- liche Rechtsbeiständin beizuordnen. Der Beschwerdeführer reichte eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung und eine Kostennote der Rechtsvertreterin zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden ge gen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Be- schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti- miert (Art. 48 VwVG). Auf die form - und fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein- schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un- richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländer- rechts richtet sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen G ruppe oder wegen ihrer E-3802/2017 Seite 4 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf g efälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, der Beschwerdeführer stütze seine Befürchtungen, wonach die sri-lankischen Behörden ihn such- ten und verschwinden lassen würden, nur a uf Vermutungen. Es sei be- kannt, dass die sri -lankischen Behörden in den ersten Jahren nach Ende des Bürgerkrieges konsequent gegen Personen vorgegangen seien, die im Verdacht standen, den LTTE nahe zu stehen. Es sei daher nicht plausibel, dass das Flehen s einer Eltern ihn vor einer Verhaftung bewahrt habe. Seine legalen Ausreisen aus Sri Lanka mit dem eigenen Reisepass zeigten ebenfalls, dass die Behörden keinerlei Interesse an ihm hätten. Die Befra- gung am Flughafen sei mangels Intensität nicht asylrelevant. Es sei zwei- felhaft, dass sein Bruder als ehemaliges LTTE -Mitglied im Fokus der Be- hörden stehe, da er bereits Ende 2005 aus den LTTE ausgetreten sei und als Zuzüger aus dem Vanni-Gebiet in ein Gebiet unter Regierungskontrolle sicherlich einem Screening un terzogen worden sei. Zudem sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die solvente Familie seinem Bruder die Ausreise nicht ermöglicht habe, wenn er tatsächlich ernsthaft gefährdet gewesen wäre. Die Aussagen zu seinem zweieinhalbjährigen Aufenthalt in Malaysia seien zudem unglaubhaft. Insgesamt würden seine Vorbringen konstruiert erscheinen. 4.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Gründe der Vorinstanz, weshalb sein Bruder als ehemaliges LTTE -Mitglied nicht im Fokus der Behörd en stehe, seien rein spekulativ. Zu Beg inn seines Aufenthaltes in Malaysia habe er das Zimmer ab und zu verlassen, sei aber als „illegal immigrant“ einmal verhaftet und für einige Tage inhaftiert worden. Deshalb habe er sich danach im Zimmer versteckt. Es sei auffallend, dass der Entscheid der E-3802/2017 Seite 5 Vorinstanz wesentlich unter dem Eindruck des ihr zugespielten Denunzia- tionsschreibens, wonach der Beschwerdeführer Sri Lanka aus wirtschaftli- chen Gründen verlassen habe, zu Stande gekommen sei. Die Solvenz sei- ner Familie sei indes unbestritten. Der Vorfall beim Cricketspiel und die sich daraus ergebenen Verfolgungsmassnahmen hätten die LTTE-Vergangen- heit der Familie heraufbeschwört. Er sei bedroht und verletzt worden. Sei- nem Bruder sei das Bein gebrochen worden und seit Kurzem sei er unauf- findbar. Somit sei ein Asylgrund gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gegeben. Zu- dem habe er begründete Furcht vor einer künftigen Verfolgung, da er auf- grund des Erlebten eine subjektiv begründete Furcht vor Verfolgung habe und seine Furcht aufgrund seiner tamilischen Ethnie und der Menschen- rechtssituation in Sri Lanka auch objektiv begründet sei. Schliesslich weise er einen LTTE -nahen Hintergrund auf, womit sich sein Risikoprofil ver- dichte. 4.3 Der Beschwerdeführer gab an, sein Bruder sei im Alter von 16 Jahren im Jahr 2005 sechs Monate bei den LTTE gewesen. Ende 2005 sei die gesamte Familie vom Vanni -Gebiet nach B._______, ein von der Regie- rung kontrolliertes Gebiet, gezogen. Gemäss seinen eigenen Angaben ver- brachte der Beschwerdeführer die folgenden acht Jahre mit seiner Familie in B._______, ohne dass er oder ein anderes Familienmitglied jemals ir- gendwelche Probleme mit den sri -lankischen Behörden gehabt hätte. Er sagte einzig, er sei manchmal verdächtig angeschaut worden, weil sie als Zuzüger aus dem Vanni -Gebiet verdächtigt worden sei en, etwas mit de n LTTE zu tun gehabt zu haben. Zudem habe er oft mit Mitgliedern der Re- gierung und des CID Cricket gespielt und sie seien eifersüchtig auf ihn ge- wesen, weil er ein guter Sportler gewesen sei. Vor diesem Hintergrund ist es schwer nachvollziehbar, dass eine blosse Rangelei bei einem Cricket- spiel dazu geführt haben soll, dass Offiziere vom Militär und Mitglieder des CID mit Militärwagen beim Beschwerdeführer zu Hause aufgetaucht sein sollen, um ihn mitzunehmen. Der Vorfall erscheint umso unglaubwürdiger, als der Beschwerdeführer nach seiner Flucht nach Colombo völlig unbe- helligt mit seinem eigenen, gültigen Reisepass nach Singapur ausreisen konnte. Wäre der Beschwerdeführer tatsächlich ins Visier der sri -lanki- schen Behörden geraten, wäre anzuneh men, dass er am Flughaften an der Ausreise gehindert worden wäre. Bei der Rückkehr nach Sri Lanka ist er zwar angeblich zwei bis drei Stunden am Flughaften befragt worden, aber nach eigenen Aussagen sind ihm dadurch keine weiteren Nachteile erwachsen. Diese kurze Befragung wurde von der Vorinstanz mangels In- tensität richtigerweise als nicht asylrelevant eingestuft. Eine Woche später konnte der Beschwerdeführer wiederum unbehelligt mit seinem Reisepass E-3802/2017 Seite 6 von Colombo mit dem Flugzeug nach Malaysia ausreisen. Se ine Angabe, er sei wegen des Cricket-Vorfalls von der Regierung überall gesucht wor- den, ist folglich nicht glaubhaft. Wäre er tatsächlich gesucht worden, wäre er sicherlich am Flughafen beim Vorweisen seines Reisepasses verhaftet worden. Stattdessen konnte er nachweislich problemlos zwei Mal nach Sri Lanka einreisen und einmal ausreisen. Seine Angaben zu seinem Aufent- halt in Malaysia sind ebenfalls nicht plausibel. Die Vorinstanz wies zu Recht darauf hin, es mute seltsam an, dass sich der Beschwerdeführer in Malay- sia zweieinhalb Jahre ununterbrochen in einem Zimmer versteckt haben soll, ohne genauere Angaben dazu machen zu können. Seine r Erklärung in der Beschwerdeschrift, er habe zu Beginn seines Aufenthaltes das Zim- mer ab und zu verlassen, sei aber einmal verhaftet und für einige Tage inhaftiert worden, kann nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer wurde an der Anhörung eingehend nach seinem Aufenthalt in Malaysia befragt, dennoch hat er die Verhaftung mit keinem Wort erwähnt. Es wäre zu er- warten gewesen, dass er einen solch einschneidenden Vorfall geschildert hätte, zumal er mehrmals ausdrücklich aufgefordert wurde, alles zu seinem Aufenthalt in Malaysia anzugeben. Stattdessen lenkte er in der Anhörung immer wieder vom Thema ab und gab einsilbig an, er h abe zweieinhalb Jahre gegessen, geschlafen und über seine Pro bleme nachgedacht. Zu- dem ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer zweieinhalb Jahre benötigt haben soll, um von Malaysia aus seine Weiterreise zu orga- nisieren, wenn er seine Ausreise aus Sri Lanka – inklusive Beschaffung der nötigen Papiere – innerhalb einer Woche bewerkstelligen konnte. Vor die- sem Hintergrund erscheinen auch die unsubstan tiierten Angaben, seine Familie sei wegen ihm bedroht und seinem Bruder sei das Bein gebrochen worden, unglaubhaft. Daran vermögen auch die eingereichten Arztberichte nichts zu ändern, da sie keine Auskunft über die Ursache des Beinbruchs geben. Das angebliche Verschwinden seines Bruders vermag der Be- schwerdeführer ebenfalls nicht weiter darzutun oder zu belegen. Zum Vor- wurf, die Vorinstanz habe sich bei ihrem Entscheid auf das Denunziations- schreiben gestützt, ist festzuhalten, dass die Vorinstanz in den Erwägun- gen des Entscheides weder direkt noch indirekt Bezug auf dieses Schrei- ben nimmt. 4.4 Die Vorinstanz hat demnach zu Recht festgestellt, dass es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, das Bestehen einer begründeten Furcht vor Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden im Zeitpunkt seiner Aus- reise im April 2017 glaubhaft zu machen. Zu prüfen bleib t, ob dem Be- schwerdeführer wegen seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie bei ei- ner Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile drohen würden. E-3802/2017 Seite 7 4.5 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eingehend mit der Frage auseinandergesetzt, ob einem Angehörigen der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile drohen würden. Dabei wurden mehrere Risikofaktoren für Verhaftung und Folter bei einer Rückkehr nach Sri Lanka identifiziert. Ein er ster Risikofaktor ist eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE. Einen zweiten Risikofaktor bil- det die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen. Ein drit- ter Risikofaktor besteht im Vorliegen früh erer Verhaftungen durch die sri - lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsäch- lichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE. Ein vierter Risikofaktor ist das Fehlen der erforderlichen Identitätspapiere bei der Einreise nach Sri Lanka. Ein fünfter Risikofaktor sind Narben am Körper der Rückkehrer. Letzter Risikofaktor ist ein Aufenthalt von gewisser Dauer in einem westli- chen Land. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden Risikofak- toren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so den sri-lanki- schen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt seien und der Ein- trag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungswei se einen Strafregis- tereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Ver- bindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri -lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt hätten. 4.6 Gemäss Angaben des Beschwerdeführers war sein Bruder im Jahr 2005 sechs Monate Mitglied bei den LTTE. Er macht aber nicht geltend, dass er, sein Bruder oder ein anderes Familienmitglied deswegen asylre- levanten Nachteilen ausgesetzt gewesen wäre. Seine problemlosen lega- len Aus- und Einreisen zeigen zudem, dass der Beschwerdeführer nicht im Fokus der Regierung gestanden haben kann . Der Beschwerdeführer wurde zudem nie verhaftet, weist offenbar keine Narben am Körper auf, hat sich weder in Sri Lanka noch im Ausland politisch betätigt und hält sich erst seit kurzem in einem westlichen Land auf. Es ist davon auszugehen, dass er nicht in der „Stop -List“ aufgeführt ist. Der Beschwerdeführer ver- mochte somit nicht aufzuzeigen, inwiefern in seinem Fall bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka von einer begründeten Furcht vor ernsthaften Nach- teilen im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen ist. Die Tatsache, dass der tamilische Beschwerdeführer aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrt, E-3802/2017 Seite 8 genügt für sich alleine nicht, eine solche Furcht vor Verfolgung zu begrün- den. 4.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten Ver- folgungsgründe ersichtlich sind, weshalb die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 5. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen üb er die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 6.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings- eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend- bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge- meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä- ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be - schwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P .K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom E-3802/2017 Seite 9 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichts- hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren- den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be- fragung ein Interesse, verschiedene Aspekte – welche im Wese ntlichen durch die in Erwägung 4 .5 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94) – in Betracht gezogen werden, wobei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken sei, dass diese einzelnen Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglich- erweise kein "real risk" darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung erreichen könnten. Nachdem der Beschwerdeführer – wie in den Erwägungen 4.5 und 4.6 aus- geführt – nicht darlegen konnte, dass er befürchten müsse, bei einer Rück- kehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in ei- nem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung in Sri Lanka drohen. 6.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (mit Ausnahme des „Vanni - Gebiets“) zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar- keitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder so- zialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom- mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (Urteil E -1866/2015 E. 13.2). Der Beschwerdeführer lebte die letzten acht Jahre vor seiner Ausreise in B._______, Distrikt Jaffna. Dort wohnte er zusammen mit seinen Eltern und seinen Geschwistern im Haus der Eltern. Er verfügt über 11 Jahre Schul- bildung mit einem O -Level Abschluss. Nach de r Schule arbeitete er als Bauarbeiter und war im Geschäft seines Onkels tätig. Es kann angenom- men werden, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr wieder bei seiner Familie wohnen und einer Erwerbstätigkeit nachgehen kann . Die E-3802/2017 Seite 10 Familie sollte auch in der Lage sein, den Beschwerdeführer anfangs wirt- schaftlich zu unterstützen, da sie gemäss seinen Angaben über genügend finanzielle Mittel verfügt. Zudem ist er jung, gesund und in Sri Lanka sozi- alisiert worden. Der Vollzug erweist sich deshalb auch in individueller Hin- sicht als zumutbar. 6.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich- nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der zuständigen Vertretung seines Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12). 6.5 Die Vorinstanz hat somit den Wegweisungsvollzug zu Recht als zuläs- sig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 7. 7.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung einer Rechtsbeiständin ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG). 7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-3802/2017 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750. – werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: David R. Wenger Eliane Kohlbrenner Versand: