Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. August 2015 (720 14 153 / 213) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit; dem einge- holten Gerichtsgutachten kommt ausschlaggebende Beweiskraft zu Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Martin Lutz, Advokat, Falknerstrasse 3, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene, zuletzt in einem Teilpensum a ls Apothekerin erwerbstätig gewese- ne A.____ hatte sich am 20. Dezember 2007 bei der E idgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemeldet. Nach Abklärung der gesundheitlichen, der erwerb- lichen und der hauswirtschaftlichen Verhältnisse er mittelte die IV-Stelle bei der Versicherten in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbe messung ab Mai 2008 (Ablauf des War- tejahres) einen IV-Grad von 30 %, ab 22. September 2008 einen solchen von 18 % und ab Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 21. April 2009 einen IV-Grad von 13 %. Gestützt auf diese Ergebnisse lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Juni 2010 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. Diese Verfü- gung erwuchs damals unangefochten in Rechtskraft. Am 17. Januar 2013 meldete sich A.____ erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Sie wies darauf hin, dass sie nunmehr im Gesundheitsfall im Rahmen eines Vollpensums erwerbs- tätig wäre, da ihre jüngere Tochter in diesem Monat das 16. Altersjahr erreicht habe. Die Invali- dität sei deshalb neu nach der allgemeinen Methode d es Einkommensvergleichs zu bemessen. In der Folge gab die IV-Stelle zur Abklärung des aktuel len medizinischen Sachverhalts bei der Begutachtungsstelle B.____ eine bidisziplinäre (neurolo gische/orthopädische) Begutachtung der Versicherten in Auftrag. Gestützt auf die Ergebnisse dieses Gutachtens der Begutachtungs- stelle B.____, welches am 31. Dezember 2013 erstattet w urde, ermittelte die IV-Stelle bei der Versicherten - nunmehr in Anwendung der allgemeinen B emessungsmethode - einen IV-Grad von 25 %. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Stelle deshalb mit Ver- fügung vom 11. April 2014 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Martin Lutz, am 26. Mai 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochten e Verfügung aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, mindestens jedoch eine halbe IV-Rente, zuzusprechen; unter o/e- Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juli 2014 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Am 20. August 2014 äusserte sich A.____ unaufgeforde rt im Rahmen einer kurzen Replik zur Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin. Zudem reichte sie am folgenden Tag einen Bericht ihrer behandelnden Physiotherapeutin C._ ___ vom 20. August 2014 ein. Mit Schreiben vom 12. September 2014 nahm die IV-Stelle zu diesen Eingaben Stellung. Zudem legte sie ihren Ausführungen eine Beurteilung von Dr. med. D.____, Facharzt für Allgemeinme- dizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 28. August 2014 bei. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 19. September 201 4 gelangte das Kantonsgericht zum Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Ange legenheit gestützt auf die vor- handene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Ger icht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur Klärung der medizinischen Sachlage b ei Dr. med. E.____, Neurologie FMH, ein neurologisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Im Anhang zu diesem Be- schluss unterbreitete das Kantonsgericht den Parteien den Entwurf des entsprechenden Auf- trags und den vorgesehenen Fragenkatalog. Nachdem die Parteien keine personenbezogenen Ausstandsgründe gegen den vorgeschlagenen Gerichtsgutachter erhoben und auf die Möglich- keit, Zusatzfragen zu stellen, verzichtet hatten, erging der entsprechende Auftrag am 27. No- vember 2014 an Dr. E.____. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Am 23. Februar 2015 erstattete Dr. E.____ das in Auftrag gegebene neurologische Gerichtsgutachten. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutach- tens und zur Frage zu äussern, wie sich dessen Ergebnisse au f den Leistungsanspruch der Versicherten auswirken würden. Die Beschwerdeführerin ma chte am 30. März 2015 hiervon Gebrauch. Die IV-Stelle wiederum liess sich am 29. Apr il 2015 zum Gutachten und zu dessen Auswirkungen auf den Leistungsanspruch vernehmen, wobei sie zusätzlich eine weitere Beur- teilung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 7. April 2015 e inreichte. Gestützt auf dessen Einschät- zung vertrat die IV-Stelle in ihrer Eingabe die Auffassung, dass der medizinische Sachverhalt in einzelnen Punkten zusätzlicher Abklärung in Form von Rückfr agen beim Gerichtsgutachter be- dürfe. Mit Verfügung vom 11. Mai 2015 hielt der Instruktionsrichter fest, dass über die Frage, ob ein entsprechender zusätzlicher Abklärungsbedarf bestehe, das Dreiergericht anlässlich der zweiten Urteilsberatung zu befinden haben werde. Er üb erwies deshalb die Angelegenheit dem Dreiergericht zur (erneuten) Beurteilung. G. Mit Schreiben vom 19. Mai 2015 äusserte sich die Besch werdeführerin unaufgefordert zu den Ausführungen der IV-Stelle vom 29. April 2015 . Nachdem der Instruktionsrichter der Beschwerdegegnerin Gelegenheit eingeräumt hatte, hierzu Stellung zu nehmen, teilte diese am 26. Mai 2015 mit, dass sie auf Weiterungen verzichte und am ursprünglichen Antrag auf Abwei- sung der Beschwerde festhalte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 26. Mai 2014 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 3.2 Während die IV-Stelle in der ersten gegenüber de r Versicherten erlassenen Rentenver- fügung vom 30. Juni 2010 deren IV-Grad nach der sog. g emischten Methode der Invaliditäts- bemessung (vgl. dazu Art. 28a Abs. 3 IVG) ermittelt hat te, geht sie im vorliegenden Verfahren aufgrund der entsprechenden Vorbringen der Versicherten davon aus, dass diese im Gesund- heitsfall seit Januar 2013 - dem Monat, in welchem ihr e jüngere Tochter das 16. Altersjahr er- reicht hat - im Rahmen eines Vollpensums erwerbstätig wä re. Die IV-Stelle hat deshalb den IV- Grad der Versicherten nach deren Wiederanmeldung neu gemäss der vorstehend umschriebe- nen allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs ermitte lt. Es sind keine Gründe ersicht- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich, die gegen die Richtigkeit dieses Vorgehens der I V-Stelle sprechen würden, so dass hier auf diesen Aspekt nicht weiter einzugehen ist. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 99 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Au fgabe es ist, seine Fachkenntnis- se der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um ein en bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, we nn die Gerichtsexpertise wider- sprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Ober gutachten in überzeugender Weise Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurt eilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fach experten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Ober- expertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende S chlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Nach Eingang der Neuanmeldung der Versicherten gab die IV-Stelle zur Abklärung des aktuellen medizinischen Sachverhalts bei der Begutachtun gsstelle B.____ ein bidisziplinäres (neurologisches/orthopädisches) Gutachten in Auftrag, we lches am 31. Dezember 2013 erstat- tet wurde. Darin hielten die begutachtenden Dr. med. F.____, Fachärztin Neurologie, und PD Dr. med. G.____, Facharzt Orthopädie und Traumatologi e, bei der Versicherten folgende Diag- nosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1) eine residuelle leichte sensomotorische Ra- dialislähmung links mit neuropathischen Schmerzen (ICD-1 0 G56.3) mit/bei (1.1) Status nach Reitunfall mit dislozierter Oberarmschaftquerfraktur so wie subkapitaler Fissur links am 27.05.2007, (1.2) Status nach geschlossener Reposition un d Verriegelungsmarknagelung am 27.05.2007, (1.3) postoperativer Radialislähmung links, (1.4) Status nach Revision des N. Ra- dialis bei postoperativer Radialislähmung links durch Teildurchtrennung (50 %) und Rekonstruk- tion mit zwei Suralis-Interponaten am 06.06.2007; (2) Status nach Entnahme des N. Suralis am linken Unterschenkel am 06.06.2007 mit aktuell Hypästhesie im Versorgungsgebiet des N. Su- ralis links und neuropathischen Schmerzen im Bereich der Operationsnarbe; (3) episodische Spannungskopfschmerzen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkei t führten die Gutachterin und der Gutachter aus, für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Apothekerin sei die Explorandin zu 25 % eingeschränkt, dies vorwiegend aus orthopädischer Sicht (Arbeitsfähigkeit 75 %). Was die Ar- beitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit angehe, s o seien der Explorandin körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten aufgrund der neur ologischen Einschränkungen nicht zumutbar. Für eine leichte Verweistätigkeit ohne Benut zung der linken Hand sei hingegen von einer 100 %-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in der Folge in der ange fochtenen Verfügung vom 11. April 2014 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts vollumfänglich auf dieses bidisziplinä- re Gutachten der Begutachtungsstelle B.____ vom 31. De zember 2013. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherten die Ausübung der Tätigkei t als Apothekerin im Umfang von 75 % zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hi ervor), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie n ach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs sigen Ergebnissen gelangen, bei der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Anlässlich der erst en in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsberatung vom 19. September 2014 gelangte das K antonsgericht nun allerdings zur Auf- fassung, dass dem Gutachten der Begutachtungsstelle B.____ vom 31. Dezember 2013 - ent- gegen der Sichtweise der IV-Stelle - keine ausschlagg ebende Beweiskraft beigemessen wer- den könne. So würden die medizinischen Akten des vorliege nden Falles unter anderem fach- ärztliche Stellungnahmen von Dr. med. H.____, Neurolog ie FMH, enthalten, welcher die Versi- cherte im April 2009 im Rahmen einer Begutachtung in der Begutachtungsstelle I.____ aus neurologischer Sicht einlässlich begutachtet und der sie i m September 2012 erneut untersucht habe. Insbesondere im erwähnten Gutachten habe Dr. H.____ auch zur Frage der Arbeitsfähig- keit der Versicherten Stellung genommen. Im neurologisch en Fachteil des Gutachtens der Be- gutachtungsstelle B.____ vom 31. Dezember 2013 gelang e Dr. F.____ nunmehr zu einer Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit, die deutlich von der E inschätzung von Dr. H.____ abweiche. Sie unterlasse es jedoch, diese Diskrepanz näher zu begründen. Somit lasse sich dem Gutachten aber nicht nachvollziehbar und schlüssig entnehmen, wesh alb bei der Beurteilung der Arbeits- fähigkeit - der Auffassung der IV-Stelle folgend - mass geblich auf die Einschätzung von Dr. F.____ und nicht auf diejenige von Dr. H.____ abgestellt werden solle. Durch diese fehlende Auseinandersetzung mit den vorhandenen divergierenden fachärztlichen Beurteilungen erweise sich das Gutachten der Begutachtungsstelle B.____ im Erg ebnis als unvollständig, sodass ihm kein ausschlaggebender Beweiswert beigemessen werden könn e. Da die übrigen damals vor- liegenden medizinischen Berichte ebenfalls keine ausreic hende Grundlage für eine abschlies- sende Beurteilung der Beschwerde bildeten, beschloss das G ericht, den Fall auszustellen und die erforderliche zusätzliche Abklärung des medizinischen S achverhalts im Rahmen eines neu- rologischen Gerichtsgutachtens vornehmen zu lassen, mit dessen Erstellung in der Folge Dr. E.____ beauftragt wurde. 6.1 Gestützt auf seine Untersuchungen und die medizinische Aktenlage hält Dr. E.____ in seinem Gerichtsgutachten vom 23. Februar 2015 folgend e Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Zustand nach Reitunfall vom 27. 05.2007 mit dislozierter Oberarmschaft- querfraktur, subkapitaler Fissur links mit/bei (1) Status n ach geschlossener Reposition und Osteosynthese mit Oberarmverriegelungsnagelung am 27.05.2 007 mit interoperativer Verlet- zung des N. Radialis links mit sensomotorischer Radialis-Parese, im Verlauf deutlich regredient, neuropathischem Schmerzsyndrom, im Verlauf teilweise regr edient, sekundärer belastungsab- hängig akzentuierter muskulärer Dysbalance der Nacken-Schul tergürtel-Rücken-Muskulatur und in diesem Rahmen bedingten cervicogenen Kopfschmer zen; (2) Zustand nach Revision N. Radialis und Rekonstruktion mit Suralis-Interponat. A ls Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nennt der Gutachter eine residuelle Suralis-Neuropathie links nach Entnahme für die N. Radialis-Rekonstruktion am 06.06.2007. 6.2 In seiner Beurteilung legt Dr. E.____ dar, dass b ei der Explorandin ein Zustand nach traumatischer Radialis-Parese links bestehe, welche sie im Jahr 2007 intraoperativ anlässlich der chirurgischen Versorgung einer Oberarmfraktur links erlitten habe. Die Parese habe sich nach einer anschliessend durchgeführten nervenchirurgisch en Revision weitgehend gebessert; diesbezüglich bestehe keine alltagsrelevante Behinderu ng mehr. Infolge der Nervenverletzung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe sich überdies ein neuropathisches Schmerzsyndrom entwicke lt, welches sich im Verlauf teilweise aber nicht vollständig gebessert habe. Mit dem neuropathischen Schmerzsyndrom per se könne eine über die im Gutachten der Begutachtungsst elle B.____ vom 31. Dezember 2013 bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von 25 % hinausgehende Einschränkung nicht begründet wer- den. Infolge des neuropathischen Schmerzsyndroms habe sich se kundär eine belastungsab- hängig akzentuierte muskuläre Dysbalance mit muskulären Ver spannungen und Verhärtungen entwickelt, die sich in die Schultergürtel-, Nacken- und Rückenmuskulatur ausdehnen würden und teils von intensiven Kopfschmerzen gefolgt seien. Di ese muskuläre Dysbalance und die daraus resultierenden Beschwerden würden inzwischen (se it der 2012 erfolgten beruflichen Belastungssteigerung auf ein 30%-Pensum) als hauptsäc hlich einschränkende Beschwerden geltend gemacht. Subjektiv könne die Explorandin wegen der belastungsabhängig akzentuier- ten Beschwerden ihr Arbeitspensum nicht über ein 30 %- bis maximal 40 %-Pensum hinaus steigern. Es handle sich um ein dynamisches Geschehen, i ndem diese Beschwerden ganz überwiegend belastungsabhängig nach mehrstündigen Arb eiten in Erscheinung treten würden. Unter Ruhebedingungen, ohne vorausgehende Belastung, lasse sich ein höchstens marginales linksbetontes Cervicalsyndrom objektivieren, welches ebenfalls keine über die im Gutachten der Begutachtungsstelle B.____ genannte Arbeitsunfähigkeit hinausgehende Einschränkung be- gründen liesse. Es sei einzuräumen, dass im Anschluss an e inen Arbeitstag wohl ein deutliche- rer muskulärer Befund vorliege. Die aus diesem dynamische n Beschwerdeaspekt resultierende Einschränkung sei schwierig zu quantifizieren. Auch wenn ma n eine belastungsabhängig nach einem Arbeitstag deutlicher akzentuierte Tendomyose der Nacken-, Schultergürtel- und Rü- ckenmuskulatur einräume, könne damit das geltend gemachte hohe Ausmass der Arbeitsunfä- higkeit nicht begründet werden, zumal in der angestamm ten Tätigkeit als Apothekerin, welche als körperlich leicht bis selten mittelschwer einzustufen sei . Auf der anderen Seite sei zu be- rücksichtigen, dass das Verhalten der Versicherten in der E xplorations- und Untersuchungssi- tuation durchwegs adäquat sei; es könne keine Verdeutl ichungstendenz festgestellt werden. Auch in den Akten werde der Explorandin wiederholt ein kooperatives und adäquates Verhalten bescheinigt. Die Qualifizierung von Schmerzzuständen im Hinblick auf ihre Invaliditätsrelevanz sei mangels “Objektivierbarkeit“ in vielen Fällen sehr sc hwierig; vorliegend werde die mangeln- de Objektivierbarkeit des geltend gemachten Einschränkungsausmasses durch das konsistente Verhalten der Explorandin teilweise aufgewogen. 6.3 Im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit d er Versicherten beziffert Dr. E.____ „unter integrativer Berücksichtigung der gesamten Datenl age, einschliesslich der aktuellen ei- genen Feststellungen“, die Arbeits-/Leistungsfähigkeit a us gutachterlich-neurologischer Sicht in der angestammten Tätigkeit als Apothekerin auf 60 %. Es sei zu berücksichtigen, dass die Tä- tigkeit als Apothekerin auch manuelle Belastungen beinh alte (teils beidhändig), welche die be- klagte Akzentuierung muskulärer Beschwerden bis zu einem g ewissen Grad plausibilisieren würden. Auf der anderen Seite handle es sich insgesamt um eine leichte bis sporadisch mittel- schwere Tätigkeit; die manuelle Belastung sei nicht dauernd, sondern intermittierend und könne teilweise mit überwiegendem Einsatz der dominanten rechten Hand ausgeführt werden. Die Einschätzung einer Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 60 % weiche von der im Gutachten der Begutachtungsstelle I.____ vom April 2009 erfolgten E inschätzung einer 50 %-igen Arbeitsfä- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit ab. Die Differenz ergebe sich aus dem zwischenzeitli chen Verlauf, mit eingetretener Verbesserung der Radialis-Parese und des in diesem Rah men bedingten neurogenen Schmerzsyndroms. Die aktuelle Einschätzung unterscheide sich auch von derjenigen im Gut- achten der Begutachtungsstelle B.____ vom Dezember 2013, wo die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auf 75 % beziffert worden sei. Die Abweichung ergebe sich daraus, dass im Gutachten der Begutachtungsstelle B.____ die se kundären Auswirkungen des noch verbleibenden neuropathischen Schmerzsyndroms mit belastun gsabhängig akzentuierter mus- kulärer Dysbalance und den daraus resultierenden Beschwer den seines Erachtens zu wenig berücksichtigt worden seien. Es sei zu betonen, dass es sich b ei der Beurteilung von Schmerzsyndromen um arbiträre Einschätzungen handle. Die mangelnde Objektivierbarkeit werde teilweise aufgewogen durch das konsistente Bild ei nes adäquaten Verhaltens der Explo- randin, was die Plausibilität ihrer Klagen teilweise erhöhe. Die aktuelle Einschätzung einer Ar- beits-/Leistungsfähigkeit von 60 % gelte retrospektiv (a uch dies im Sinne einer arbiträren Ein- schätzung) ab Erstellung des Gutachtens der Begutachtungsst elle B.____ im Dezember 2013. Bis zu jenem Zeitpunkt würden die im vorausgehenden Gut achten der Begutachtungsstelle I.____ vom April 2009 gemachten Angaben mit der Einsch ätzung einer Arbeitsfähigkeit von 50 % gelten. Was die Arbeitsfähigkeit in Verweistätigkeiten betreff e, sei festzuhalten, dass der Explorandin Arbeiten mit körperlich schwerer und häufig mittelschwer er manueller Belastung grundsätzlich nicht zumutbar seien. Für Arbeiten mit körperlich leicht er und sporadisch mittelschwerer manu- eller Belastung bestehe eine Arbeits-/Leistungsfähigkeit von 60 %. Für Verweistätigkeiten ohne Belastung der linken Hand bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100%; unter Berücksichtigung des nicht vollständig regredienten neuropathischen Schmerzsynd roms sei der Explorandin dabei eine Leistungseinschränkung von 10 % einzuräumen. Es sei allerdings festzuhalten, dass die Explorandin die ihr verbleibenden Leistungsressourcen auf grund ihrer hohen beruflichen Quali- fikation und Erfahrung am besten in der angestammten Tätigkeit als Apothekerin ausschöpfe. 7.1 In ihrer Stellungnahme vom 30. März 2015 erhebt d ie Beschwerdeführrein keine Ein- wände gegen das Gerichtsgutachten von Dr. E.____. Sie kön ne sich den Ausführungen zur Arbeits-/Leistungsfähigkeit in ihrem Beruf als Apothekerin, die der Gutachter auf 60 % beziffere, grundsätzlich anschliessen, auch wenn ihr der Grad der Ar beitsfähigkeit aufgrund ihrer Erfah- rungen auf dem Arbeitsmarkt als eher hoch bewertet ersch eine. Mit dem Gutachter sei sodann davon auszugehen, dass sie ihre (Rest-) Arbeitsfähigkei t am besten in der angestammten Tä- tigkeit als Apothekerin verwerte. Ein Arbeitsplatzwechsel sei weder zumutbar noch finanziell sinnvoll. Entsprechend sei für die Berechnung des Invali ditätsgrades auf die Einschränkung in der Tätigkeit als Apothekerin abzustellen. Diese betrag e 40 %, weshalb sie Anspruch auf eine IV-Viertelsrente habe. Demgegenüber bezeichnet die Be schwerdegegnerin in ihrer Stellung- nahme vom 29. April 2015 die im Gerichtsgutachten enth altene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der angestammten Tätigkeit als Apoth ekerin als nicht ohne weiteres nach- vollziehbar. Es gelte zu berücksichtigen, dass das durch die Versicherte selber beschriebene Belastungsprofil in der angestammten Tätigkeit mit de mjenigen vergleichbar sei, welches der Gutachter für eine leidensadaptierte Tätigkeit definiere und für welche er lediglich eine 10 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. Zudem sei zu beacht en, dass die Versicherte nach eigener Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aussage dazu in der Lage sei, einmal pro Woche Volleybal l zu spielen. Dies sei nicht zu ver- einbaren mit einer derart massiv eingeschränkten Einsatz- bzw. Funktionsfähigkeit der linken Extremität, wie sie von der Beschwerdeführerin geschilder t werde. Es müsse deshalb bei Dr. E.____ eine Rückfrage vorgenommen werden, in welcher dieser aufgefordert werde, zu den genannten Unstimmigkeiten Stellung zu nehmen und insb esondere seine Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Apothekerin eingehend zu begründen. 7.2 Dieser Auffassung der IV-Stelle, wonach zur abschlie ssenden Klärung einzelner Sach- verhaltsaspekte Rückfragen beim Gerichtsgutachter erforderlich seien, kann nicht beigepflichtet werden. Insbesondere erweist sich - entgegen der Sicht weise der IV-Stelle - die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der angestammten Tätigkeit als Apothekerin als schlüssig und ausreichend begründet. So kann dem Guta chten entnommen werden, von welchem Belastungsprofil Dr. E.____ diesbezüglich im R ahmen seiner Beurteilung ausgegan- gen ist. Unter dem Titel “Elemente aus den Akten“ (vgl. S. 9 ff. des Gutachtens) verweist er auf die Arbeitgeberfragebogen vom 17. Januar 2008 bzw. vom 4. Februar 2010 und er gibt explizit die darin enthaltenen Umschreibungen des Belastungsprofils der betreffenden Tätigkeit wieder. So werde im erstgenannten, die Tätigkeit in der Apot heke J.____ betreffenden Dokument an- gegeben, dass Kundenberatung oft, die Bewirtschaftung des Lagers, Laborarbeiten und admi- nistrative Arbeiten manchmal anfallen würden. Die Tä tigkeit sei oft gehend und stehend und manchmal sitzend zu verrichten; leichte Hebe- und Tragebelastungen würden oft, mittelschwere Hebe- und Tragebelastungen selten anfallen. Für alle Arbeiten sei man zu 100 % auf beide Hände angewiesen. Im zweiten, die Tätigkeit in der Apotheke K.____ betreffenden Arbeitgeber- fragebogen vom 4. Februar 2010 werde geschildert, dass d ie Tätigkeit oft Kundenberatung und selten Lagerbewirtschaftung und Administration beinhalt e. Die Tätigkeit werde oft gehend und stehend, manchmal sitzend verrichtet und sie umfasse oft leichte Hebe- und Tragebelastungen. Hält man sich diese von zwei Arbeitgebern der Versicherte n beschriebenen Belastungsprofile vor Augen, so ist nicht zu beanstanden, dass der Gerichtsgu tachter im Rahmen seiner Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit davon ausgegangen ist, dass e s sich bei der Tätigkeit als Apothekerin um eine leichte bis sporadisch mittelschwere Tätigkeit h andelt, die (auch) manuelle Hebe- und Tragebelastungen beinhaltet, welche - und dies ist vorli egend von Bedeutung - teils eben auch beidhändig verrichtet werden müssen. Insofern unterschei det sich die angestammte Tätigkeit als Apothekerin - entgegen der Auffassung der IV-Stel le - von den vom Gutachter genannten einfachen Verweistätigkeiten, die ohne jegliche Belast ung der linken Hand zu verrichten sind und in denen er der Versicherten eine Arbeits-/Leistung sfähigkeit von 90 % attestiert hat. Im Lichte der in den erwähnten Arbeitgeberfragebogen um schriebenen Belastungsprofile und der darauf basierenden gutachterlichen Einschätzung der Arbe itsfähigkeit der Versicherten in der angestammten Tätigkeit als Apothekerin besteht deshalb keine Notwendigkeit, mit allfälligen Rückfragen hierzu an den Gerichtsgutachter zu gelangen. Dasselbe gilt sodann auch hinsicht- lich der von der Versicherten gegenüber dem Gutachter gemachten Aussage, wonach sie in der Lage sei, einmal pro Woche Volleyball zu spielen. Ent gegen der Auffassung der IV-Stelle schliesst die von der Versicherten geklagte eingeschränkte Einsatz- bzw. Funktionsfähigkeit der linken Extremität eine gelegentliche hobbymässige Ausübung der genannten Sportart nicht zum Vornherein aus. Die Beschwerdeführerin schildert in ihr er Stellungnahme vom 19. Mai 2015 glaubhaft, dass das von ihr besuchte Volleyballtraining dem Aufbau der Muskulatur und der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pflege der Geselligkeit diene, und dass sie ihren “Einsa tz“ so gestalten und steuern könne, dass sie lediglich die Rolle der Nebenangreiferin ausüb e, bei welcher hauptsächlich die Man- schette sowie der Smash und nicht der für sie weit schmer zhaftere, unter Einbezug der Finger ausgeübte Pass gespielt werde. In Anbetracht dieser Au sführungen der Versicherten, an deren Korrektheit zu zweifeln keinerlei Veranlassung besteht, er scheint das von ihr einmal wöchent- lich in der geschilderten Weise ausgeübte Volleyballtra ining durchaus mit den von ihr im Be- reich des linken Armes geklagten Einschränkungen als verein bar. Demnach erübrigen sich auch in diesem Punkt allfällige Rückfragen beim Gerichtsgutachter. 7.3 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Ein schätzung der medizinischen Exper- ten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Ger ichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. V orliegend erfüllt das neurologi- sche Gerichtsgutachten von Dr. E.____ vom 23. Februar 2 015 die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht: Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenn tnis der Vorakten abgegeben wor- den, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und es weist keinerlei Wider sprüche auf. Überdies nimmt der Gut- achter gestützt auf die Ergebnisse seiner Untersuchungen und die medizinische Aktenlage eine nachvollziehbare und - wie vorstehend (vgl. E. 7.2 hier vor) aufgezeigt - auch eine ausreichend begründete Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versi cherten vor. Ebenso setzt er sich ein- lässlich und in überzeugender Weise mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärzt- lichen Einschätzungen auseinander. So legt er insbesonde re schlüssig dar, aus welchen Über- legungen er zu einer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelangt ist, welche von den Einschätzun- gen im Gutachten Begutachtungsstelle I.____ vom April 2009 und im Gutachten der Begutach- tungsstelle B.____ vom Dezember 2013 abweicht. Die ent sprechenden, vorstehend (vgl. E. 6.3 hiervor) wiedergegeben Ausführungen des Gerichtsgutacht ers Dr. E.____ vermögen zu über- zeugen, sodass an dieser Stelle vollumfänglich darauf verwiesen werden kann. 8.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.1 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim men (Art. 16 ATSG). Wie bereits die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung festgeh alten hat, ist es vorliegend angezeigt, so- wohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen, welch es die Versicherte in ihrer Tätigkeit als Apothekerin erzielen könnte, anhand des entsprechenden Tabellenlohnes der Schweizeri- schen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Stat istik zu ermitteln (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b /aa). Zu betonen gilt es in diesem Zu- sammenhang, dass es insbesondere richtig ist, auch beim In valideneinkommen der Versicher- ten vom Tabellenlohn auszugehen, welches diese in ihr er angestammten Tätigkeit als Apothe- kerin erzielen könnte. Zum einen handelt es sich bei dies er Tätigkeit um diejenige, in welcher die Versicherte laut der massgebenden gutachterlichen E inschätzung die ihr verbleibenden Leistungsressourcen aufgrund ihrer hohen beruflichen Qu alifikation und Erfahrung am besten ausschöpft, zum andern ist das Einkommen, welches die Versic herte als Apothekerin im Rah- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht men des ihr zumutbaren Pensums von 60 % verdienen kann, höher als das Gehalt, das sie in einer im Umfang von 90 % ausgeübten, ohne jegliche Bel astung der linken Hand zu verrichten- den einfachen Verweistätigkeit erzielen würde. 8.2 Werden sowohl das Validen- als auch das Invalidenei nkommen einer versicherten Per- son anhand desselben LSE-Tabellenlohns ermittelt und b esteht zudem, wie dies hier der Fall ist, beim Invalidenlohn kein Anlass für die Vornahme ein es leidensbedingten Abzuges vom Ta- bellenlohn (vgl. dazu BGE 126 V 75 ff.), so führt di ese Berechnungsweise dazu, dass der Inva- liditätsgrad der medizinisch-theoretischen Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person entspricht. Vorliegend bedeutet dies, dass sich der Invaliditätsgrad d er Beschwerdeführerin für die Dauer der durch den Gerichtsgutachter attestierten 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit als Apothekerin (bis Dezember 2013; vgl. E. 6.3 hiervor) auf 50 % und für die Zeit danach, in welcher eine 60 %- ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist (vgl. wiederum E. 6. 3 hiervor), auf 40 % beläuft. Grundsätzlich besteht bei einem Invaliditätsgrad von 50 % Anspruch auf eine halbe IV-Rente und bei einem solchen von 40 % Anspruch auf eine IV-Viertelsrente. 8.3 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspru ch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Vorliegend hat die Versicherte diesen am 17. Januar 2013 geltend gemacht. Dies bedeut et, dass ihr eine Rente frühestens ab 1. Juli 2013 ausgerichtet werden kann. Im damaligen Zeitpunkt lag bei der Versicherten seit über einem Jahr eine 50 %-ige Invalidität vor. Somit hat die Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2013 Anspruch auf eine halbe IV-Rente. Ab Dezember 2013 be trug der Invaliditätsgrad sodann bis auf weiteres noch 40 %, woraus sich ein Anspruch auf eine IV-Viertelsrente ergibt. In diesem Zusammenhang gilt es die Bestimmung von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invaliden- versicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 zu beachten, wona ch bei einer Verbesserung der Er- werbsfähigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung f ür die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen ist, in welchem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monat e angedauert hat und voraussichtlich weiter andauern wird. Da bei der Beschwerdeführerin ab Dezember 2013 eine anspruchsbeein- flussende, längere Zeit dauernde Verbesserung der Erwer bsfähigkeit eingetreten ist, hat sie gestützt auf Art. 88a Abs. 1 IVV noch bis Ende März 201 4 Anspruch auf eine halbe IV-Rente. Dies bedeutet, dass die Herabsetzung dieser halben IV- Rente auf eine (unbefristete) IV- Viertelsrente mit Wirkung ab 1. April 2014 zu erfolgen hat. 9. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die B eschwerde der Versicher- ten gutzuheissen, die angefochtene Verfügung der IV-S telle vom 11. April 2014 aufzuheben und festzustellen ist, dass die Beschwerdeführerin für de n Zeitraum vom 1. Juli 2013 bis 31. März 2014 Anspruch auf eine halbe IV-Rente und m it Wirkung ab 1. April 2014 Anspruch auf eine IV-Viertelsrente hat 10. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist d ie Beschwerdeführerin obsiegen- de und die IV-Stelle unterliegende Partei. 10.2.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstan zen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Aufgrund dieser Be- stimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterlie gens nicht für die Verfahrenskosten auf- zukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden P rozess keine Verfahrenskosten er- hoben werden. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 10.2.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungst räger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f . E. 4.4.2). Vorliegend war das Kan- tonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung v om 19. September 2014 zum Ergebnis gelangt, dass das von der IV-Stelle eingeholte Gutachte n der Begutachtungsstelle B.____ vom 31. Dezember 2013 für die streitigen Belange nicht um fassend war (vgl. dazu E. 5.2 hiervor) und demnach die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an ein beweistaugliches Gutach- ten (BGE 125 V 352 E. 3a) nicht erfüllte. Da ein Ent scheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war, beschloss das Kantonsgericht, die erforderli- che zusätzliche Abklärung des medizinischen Sachverhaltes im R ahmen eines Gerichtsgutach- tens vornehmen zu lassen. Das in der Folge eingeholte neurologische Gerichtsgutachten von Dr. E.____ vom 23. Februar 2015 war mit anderen Wor ten für eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs der Versicherten unerlässlich. Zudem b ildet das Gerichtsgutachten, wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, massgebliche Grundlage für die mit dem vorliegenden Entscheid erfolgte Zusprechung einer b efristeten halben IV-Rente und einer daran anschliessenden unbefristeten IV-Viertelsrente an die Beschwerdeführerin. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demn ach die Kosten dieses Gutach- tens, welche sich gemäss der eingereichten Honorarrechnu ng von Dr. E.____ auf Fr. 5'500.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 10.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seinen Honorarnoten vom 20. August 2014 und 19. Mai 2015 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 22,19 Stun den geltend gemacht, was sich um- fangmässig zwar als hoch, in Anbetracht der diversen sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie in Berücksichtigung, dass dem Rechtsvertre ter der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Würdigung des umfangreichen Gerich tsgutachtens ein zusätzlicher Aufwand entstanden ist, letztlich aber noch als angemesse n erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenan- satz von 250 Franken - und nicht zu dem vom Rechtsvertrete r geltend gemachten Ansatz von 280 Franken - zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind die in den beiden Honorarnoten ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 450.30. Der Be schwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘477.60 (22, 19 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 450.30 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 11. April 2014 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin für den Zeitra um vom 1. Juli 2013 bis 31. März 2014 Anspruch auf eine halbe IV-Rent e und mit Wirkung ab 1. April 2014 Anspruch auf eine IV-Viertelsrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 5‘500.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘477.60 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht