B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-3083/2012 U r t e i l v o m 2 0 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richterin Eva Schneeberger (Vorsitz), Richter Jean-Luc Baechler, Richter Francesco Brentani, Gerichtsschreiberin Beatrice Grubenmann. Parteien X._______ AG, vertreten durch Rechtsanwältin Barbara Schnitter Weber, Schnitter Weber | Staub Weidmann, Postfach 92, 5413 Birmenstorf AG, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Wirtschaft, Arbeitsmarkt / Arbeitslosenversicherung, Effingerstrasse 31, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Revisionsverfügung AGK (…). B-3083/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die X._______ AG (nachf olgend: Beschwerdeführerin) ist ein Bauge- schäft. Sie beschäftigt sowohl Angestellte, die im Monatslohn entschädigt werden, als auch Angestellte , die nach den geleisteten Ausmassen (Ausmasslohn: vorliegend bemessen anhand von Quadratmetern und/oder Regie-Stunden) entlöhnt werden. Die Arbeitslosenkasse Ob-/Nidwalden richtete der Beschwerdeführerin auf deren Antrag für d ie Monate Januar, Februar und Dezember 2009, Januar, Februar und Dezember 2010 sowie Januar 2011 Schlechtwetter- entschädigungen von insgesamt Fr. 592'835.50 aus (vgl. Beilagen 3-12 zur Revisionsverfügung). Am 1. Februar 2011 führte das Staatssekretariat fü r Wirtschaft SECO (nachfolgen: Vorinstanz) bei der Beschwerdeführerin eine Arbeitgebe r- kontrolle durch. Anlässlich dieser Kontrolle hielt d er Inspektor der Vori n- stanz im Formular "Geprüfte Unterlagen" fest, die Beschwerdeführerin führe keine geeignete betriebliche Arbeitszeitkontrolle, welche Auskunft über die geleisteten Arbeitsstunden, die wirtschaftlich bzw. wetterbedin g- ten Ausfallstunden sowie über sonstige Absenzen gegeben hätte. D ie Ar- beitnehmer seien im Ausmass angestellt und führten keine Zeiter fassun- gen. Dieses Formular wurde namens der Beschwerdeführerin durch X._______ als richtig bestätigt und unterzeichnet. Mit Revisionsverfügung AGK (…) vom 15. März 2012 (nachfolgend: Revi- sionsverfügung) ordnete die Vorinstanz die Rückerstattung der von de r Beschwerdeführerin unrechtmässig bezo genen Versicherungsleistungen von Fr. 349'825.20 an. Unter Verrechnung dieses Betrags mit den noch nicht ausbezahlten Schlechtwetterentschädigungen für die Monate D e- zember 2011 und Januar 2012 von Fr. 65'308.50 ergab dies einen von der Beschwerdeführerin an die Arbeitslosenkasse des Kantons Ob - /Nidwalden zurück zu erstattenden Restbetrag von Fr. 284'516.70. Die Vorinstanz führte zur Begründung an, die Beschwerdeführerin habe für keinen ihrer Mitarbeiter und Abrechnungsperioden Arbeitszeitkontrollen vorgewiesen, welche täglich über die geleisteten Arbeits - und allfälligen Mehrstunden, die wirtschaftlich bedingten Ausfallstunden sowie über sonstige Absenzen wie Ferien, Krankheit, Unfall etc. Auskunft geben wür- den. Die Arbeitsausfälle für die im Monatslohn entschädigten Mitarbeiter seien aufgrund der fehlenden betrieblichen Zeitkontrolle nicht überprüfbar B-3083/2012 Seite 3 und liessen sich auch anhand anderer betrieblicher Unterlagen nicht plausibilisieren. Daher werde die für diese Arbeitnehmer bezogene Schlechtwetterentschädigung vollumfänglich aberkannt. Für die nach Ausmass entschädigten Mitarbeiter seien die Ausfallstunden anh and der Lohnabrechnung teilweise nachvollziehbar. Aberkannt würden indessen die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Ausfalltage, an we l- chen aus Abrechnungen über geleistete Regiestunden oder aus Au s- massabrechnungen oder aus zwei Arztzeugnissen ersichtlich sei, dass die Arbeitnehmer gearbei tet hätten bzw. krankheits - oder unfallbedingt abwesend gewesen seien. B. Die von der Beschwerdeführerin am 30. April 2012 erhobene Einsprache wies die Vorinstanz mit Entscheid vom 4. Mai 2012 ab. Sie verwies auf ih- re bisherigen Ausführungen und stellte sich im Weiteren auf den Stan d- punkt, die von der Beschwerdeführerin erst nach der Arbeitgeberkontrolle vom 1. Februar 2012 eingereichten Stundenkontrollen seien für die Beu r- teilung der Rechtmässigkeit des Leistungsbezugs nicht mehr zu berüc k- sichtigen, zumal diese Angaben nicht glaubwürdig seien. C. Mit Beschwerde vom 7. Juni 2012 beim Bundesverwaltungsgericht bean- tragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der Revisionsverfügung AGK (…) vom 15. März 2012 und des Einspracheentscheids vom 4. Mai 2012 sowie eine Reduktion der Rückerstattungsverpflichtung auf die Entschä- digung für die von ihr anerkannten Stunden. Eventualiter beantragt sie ei- ne Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurtei lung und Anpassung, d.h. Herabsetzung der Rückerstattungssumme. Zur Begrün- dung führt sie aus, d ie Arbeitszeiten seien ohne Weiteres den Stunde n- rapporten zu entnehmen. D ie von ihr geltend gemachten Ausfallstunden im Januar, Februar und Dezember 2009, im Januar, Februar und Dezem- ber 2010 sowie im Januar 2011 seien damit plausibel und nachvollziehbar dokumentiert. Sie anerkenne nur die in der von ihr eingereichten Aufstel- lung in blauer Farbe gedruckten 1'167 Stunden als nicht plausibilisierbar und somit rückforderbar. Sie habe die Stundenrapporte zwar erst am 8. Februar 2012, d.h. nach der Arbeitgeberk ontrolle vom 1. Februar 2012 eingereicht. Es gehe aber nicht an, dass dem zu revidierenden Unte r- nehmen ohne eine entsprechende vorgängige Androhung erst nach der Revision bekannt gegeben werde, dass allfällig später eingereichte Unter- lagen nicht mehr berüc ksichtigt würden. Die Arbeitszeitkontrollblätter hät- ten sich zum Revisionszeitpunkt nicht im Büro befunden , weil sie für an-B-3083/2012 Seite 4 derweitige Verwaltungsarbeiten bei der Z._______ AG gewesen seien. Dieser Umstand werde durch ein entsprechendes Bestätigungsschreiben belegt. Die Arbeitszeitkontrollblätter seien auch nicht verändert worden. D. Die Vorinstanz liess sich a m 2. August 2012 vernehmen und beantragt die Abweisung der Beschwerde , sowie, im Sinne einer reformatio in pe i- us, die Aufhebung ihres Einspracheentscheids vom 4. Mai 2012 und ihrer Verfügung vom 15. März 2012 sowie die vollständige Aberkennung der überprüften Schlechtwetterentschädigung im Betrag von Fr. 592'835.50, wiederum mit teilweiser Verrechnung der Leistungen für Dezember 2011 und Januar 2012 (Fr. 65'308.50). Die Beschwerdeführerin sei somit zu ei- ner Rückzahlung von netto Fr. 527'527.- zu verpflichten. Zur Begründung führt sie an, sie habe die Beschwerdeführerin mehrfach darauf hingewi e- sen, dass die generell fehlende geeignete Zeitkontrolle grundsätzlich eine vollständige Aberkennung der gesamten ausgerichteten Schlechtwette r- entschädigung zur Folge haben müsste. Mangels Überprüfbarkeit seien die geltend gemachten Ausfallstunden daher im Rahmen einer reformatio in peius vollständig abzuerkennen. E. Mit Verfügung vom 14. Februar 2013 forderte die Instruktionsrichterin die Vorinstanz auf darzulegen, ob sie ihre Praxis, auf der die angefochtene Verfügung basiere, geändert habe. F. Am 12. April 2013 teilte die Vorinstanz mit, dass sie entschieden habe, an der in Frage stehenden Praxis weiterhin festzuhalten. I hr Rechtsbegeh- ren, es sei im Sinne einer reformatio in peius eine vollständige Aberken- nung vorzunehmen, sei damit obsolet geworden. G. Mit unaufgeforderter Eingabe vom 16. April 2013 brachte die Beschwer- deführerin eine Anmerkung zur Stellungnahme der Vorinstanz an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentsche id der Vorinstanz vom 4. Mai 2012, mit dem die Revisionsverfügung AGK (…) vom 15. März 2012 bestätigt wurde. Dieser Entscheid stellt eine Ve r- fügung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes B-3083/2012 Seite 5 vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) dar. Verfügungen der Vor- instanz unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 101 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes vom 25. Juni 1982 [AVIG, SR 837.0] i.V.m. Art. 5 VwVG sowie Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgeno m- men. A ls Adressatin des angefochtenen Einspracheentscheids ist sie durch diesen besonders berührt und hat daher ein schutzwürdiges Int e- resse an seiner A ufhebung oder Änderung (Art. 48 Abs. 1 VwVG; vgl. auch Art. 59 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allg e- meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Sie ist da- her zur Beschwerdeführung legitimiert. Die Eingabefrist sowie die An forderungen an Form und Inhalt der B e- schwerdeschrift sind gewahrt (Art. 50 und Art. 52 VwVG; vgl. auch Art. 60 Abs. 1 ATSG), d ie Vertreterin hat sich rechtsgenüglich durch schriftliche Vollmacht ausgewiesen (Art. 11 Abs. 2 VwVG), der Kostenvorschuss wurde fristgemäss bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG) und die übrigen Sachur- teilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 47 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2. In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin vorab, es sei verfa s- sungswidrig, dass dieselb en Personen, welche die Revisionsverfügung erlassen haben, alsdann auch ihre Einsprache gegen diese Revisionsver- fügung beurteilt hätten. Die Vorinstanz führt die Ausgleichsstelle der Arbeitslosenversicherung (Art. 83 Abs. 3 AVIG). Die Ausgleichsstelle prüft stichprobenweise bei den Arbeitgebern die ausbezahlten Kurzarbeits - und Schlechtwetterentsch ä- digungen (vgl. Art. 110 Abs. 4 der Arbeitslosenversicherungsverordnung vom 31. August 1983 [AVIV, SR 837.02]). Stellt sie fest, dass die gesetzli- chen Vorschriften nicht oder nicht richtig angewendet wurden, so erteilt sie der Kasse oder der zuständigen Amtsstelle die erforderlichen Weisun- gen. Bei Arbeitgeberkontrollen verfügt die Ausgleichsstelle. Das Inkasso obliegt der Kasse (Art. 83a Abs. 1 und 3 AVIG, Art. 111 AVIV). Das Verfah- ren zum Erlass der Rückforderungsverfügungen richtet sich nach den Bestimmungen des ATSG (vgl. Art. 1 AVIG) . In Bezug auf das B-3083/2012 Seite 6 Einspracheverfahren sehen diese ausdrücklich vor, dass die Einsprache bei der verfügenden Stelle einzureichen ist (vgl. Art. 52 Abs. 1 ATSG). Mit dieser Bestimmung wurde die für das Einspracheverfahren schon vorher typische Zuständigkeitsordnung übernommen, wonach diejenige Instanz, die verfügt hat, den Entscheid im Einspracheverfahren nochmals und einlässlicher überprüft (vgl. UELI KIESER, Schweizerisches Sozialver- sicherungsrecht, Zürich/St.Gallen 2008, S. 473 f.; ders., ATSG - Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2009, N . 28 zu Art. 52 ATSG ; HANSJÖRG SEILER, Rechtsfragen des Einspracheverfahrens in der Sozia l- versicherung [Art. 52 ATSG], in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Sozialve r- sicherungsrechtstagung 2007, St.Gallen 2007, S. 65 ff.). Grundsätzlich entspricht es daher gerade der Idee eines Einspracheverfahrens, dass der Einspracheentscheid von den bereits zuvor verfügenden Personen gefällt wird. Gemäss ständiger Rechtsprechung ist dies daher nicht zu beanstanden (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts K 11/04 vom 27. August 2004 E.2; Urteil des Bundesverwaltungsgericht s B-3083/2011 vom 3. November 2011 E. 3). 3. In der angefochtenen Verfügung beziffert die Vorinstanz die von der B e- schwerdeführerin unrechtmässig bezogenen Versicherungsleistungen auf Fr. 349'825.20. Die Beschwerdeführerin ihrerseits anerkennt diesbezüg- lich lediglich – aber immerhin – eine Rückerstattungspflicht in Bezug auf die erhaltenen Versicherungsleistungen für 1'167 zu Unrecht geltend g e- machte Ausfallstunden. In Bezug auf die restlichen 7'758 geltend gemachten Ausfallstunden ist umstritten, ob diese genügend bestimmbar bzw. die Arbeitszeit der betrof- fenen Mitarbeiter ausreichend kontrollierbar sei. Die Vorinstanz macht diesbezüglich geltend, die Beschwerdeführerin habe für keinen ihrer Mi t- arbeiter und für keine der betroffenen Abrechnungsperioden Arbeitszeit- kontrollen vorgewiesen, welche täglich über die geleisteten Arbeits - und allfälligen Mehrstunden, die wirtschaftlich bedingten Ausfallstunden sowie über sonstige Absenzen wie Ferien, Krankheit, Unfall etc. Auskunft geben würden. Die Arbeitsausfälle für die im Monatslohn entschädigten Mitarbei- ter seien daher aufgrund der fehlenden betrieblichen Zeitkontrolle nicht überprüfbar und liessen sich auch anhand anderer betrieblicher Unterl a- gen nicht plausibilisieren. Für die nach Ausmass entschädigten Mi tarbei- ter seien die Ausfallstunden anhand der Lohnabrechnung teilweise nac h- vollziehbar. Aberkannt würden diesbezüglich lediglich die von der B e-B-3083/2012 Seite 7 schwerdeführerin geltend gemachten Ausfalltage, an welchen aus A b- rechnungen über geleistete Regiestunden oder aus Ausmassabrechnun- gen oder aus zwei Arztzeugnissen ersichtlich sei, dass die Arbeitnehmer gearbeitet hätten bzw. krankheits- oder unfallbedingt abwesend gewesen seien. Die Beschwerdeführerin rügt, die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter könne ohne Weiteres den "Stundenkontrollen" entnommen werden. Die geltend g e- machten Ausfallstunden seien damit plausibel und nachvollziehbar dok u- mentiert. Sie habe die se Stundenkontrollen zwar erst am 8. Februar 2012, d.h. nach der Arbeitgeberkontrolle vom 1. Februar 2012 eing e- reicht. Es gehe aber nicht an, dass dem zu revidierenden Unternehmen ohne eine entsprechende vorgängige Androhung erst nach der Revision bekannt gegeben werde, dass allfällig später eingereichte Unterlagen nicht mehr berücksichtigt würden. Die Arbeitszeitkontrollblätter hätten sich zum Revisionszeitpunkt deshalb nicht in ihrem Büro befunden, weil die Z._______ AG sie für anderweitige Verwaltungsarbeiten benötigt habe . Dieser Umstand werde durch ein entsprechendes Bestätigungsschreiben der Z._______ AG belegt. D ie Arbeitszeitkontrollblätter seien auch kei- neswegs nachträglich verändert worden, wie ihr die Vorinstanz unterste l- le. 3.1 Das Arbeitslosenversicherungsgesetz will den versicherten Personen einen angemessenen Ersatz für Erwerbsausfälle wegen Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, schlechtem Wetter und Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers garantieren (Art. 1a Abs. 1 AVIG). Nach Art. 42 AVIG haben Arbeitnehmer in Erwerbszweigen, in denen wetterbedingte Arbeitsausfälle üblich sind, Anspruch auf Schlechtwetterentschädigung, wenn sie für die Versich e- rung beitragspflichtig sind oder das Mindestalter für die Beitragspflicht in der AHV noch nicht erreicht haben und sie einen anrechenbaren A r- beitsausfall (Art. 43 AVIG) erleiden. Der Bundesrat bestimmt die Erwerbs- zweige, in denen die Schlechtwetterentschädigung ausgerichtet werden kann. Der Arbeitsausfall ist anrechenbar, wenn er ausschliesslich durch das Wetter verursacht wird, die Fortführung der Arbeiten trotz genügender Schutzvorkehrungen technisch unmöglich oder wirtschaftlich unvertretbar ist oder den Arbeitnehmern nicht zugemutet werden kann, und er vom Ar- beitgeber ordnungsgemäss gemeldet wird. Es werden nur ganze oder halbe Tage angerechnet (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 2 AVIG). Keinen Anspruch auf Kurzarbeits - bzw. Schlechtwetterentschädigung ha- ben indessen Arbeitnehmer, deren Arbeitsausfall nicht bestimmbar oder B-3083/2012 Seite 8 deren Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollierbar ist (Art. 31 Abs. 3 Bst. a i.V.m. Art. 42 Abs. 3 AVIG). Eine genügende Kontrollierbarkeit des A r- beitsausfalles setzt eine betriebliche Arbeitszeitkontrolle voraus (Art. 46b Abs. 1 AVIV i.V.m. Art. 109 AVIG ). Der Arbeitgeber hat die Unterlagen über die Arbeitszeitkontrolle während fünf Jahren aufzubewahren (Art. 46b Abs. 2 AVIV). Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 95 Abs. 1 AVIG i. V. m. Art. 25 Abs. 1 ATSG). Voraussetzung dafür ist, dass die rechtskräftig verfügte oder formlos erfolgte Leistungszusprechung zwe i- fellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (vgl. Art. 53 Abs. 2 ATSG; Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] C 115/06 vom 4. September 2006 E. 1.2 und C 114/05 vom 26. Oktober 2005 E. 1, je mit Hinweisen). 3.2 Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts ist ein geltend gemachter Arbeitsausfall erst dann genügend überprüfbar, wenn die geleistete Arbeitszeit für jeden ein- zelnen Tag kontrollierbar ist. Es genügt nicht, wenn der Arbeitgeber eine An- und Abwesenheitskontrolle führ t, vielmehr bedarf es der Angabe n über die täglich geleistete Arbeitszeit. Nur auf diese Weise ist Gewähr geboten, dass die an gewissen Tagen geleistete Überzeit, welche inne r- halb der Abrechnungsperiode auszugleichen ist, bei der Feststellung des monatlichen Arbeitsausfalls Berücksichtig ung findet. Die gearbeiteten Stunden müssen nicht zwingend mit einem elektronischen oder mechan i- schen System erfasst sein. Wesentlich sind jedoch der ausreichende D e- taillierungsgrad und die zeitgleiche Dokumentierung. Erst nachträglich e r- stellte Unterlagen (z. B. Wochenrapporte, Befragung der betroffenen A r- beitnehmerinnen und Arbeitnehmer) sind kein taugliches Mittel, um die Arbeitszeit durch die Verwaltung ausreichend zu kontrollieren. Unter einer täglich fortlaufend geführten Arbeitszeiterfassung, welche die Beweisan- forderungen erfüllt, ist daher ein System zu verstehen, bei dem – sei es auf Papier, mechanisch oder elektronisch – mindestens täglich durch den Mitarbeiter selbst oder durch seinen Vorgesetzten die gearbeitete Zeit eingegeben wird. Um der Anfo rderung der zeitgleichen Dokumentierung der geleisteten Arbeitszeit zu genügen, dürfen die Einträge nicht beliebig nachträglich abänderbar sein, ohne dass dies im System vermerkt wird (vgl. Urteile des Bundesgerichts C 42/00 vom 17. Januar 2001 E. 2b, C 229/00 vom 30. Juli 2001 E. 1b, C 35/03 vom 25. März 2004 E. 4 sowie 8C_1026/2008 vom 30. Juli 2009 E. 4.2.2; Urteile des Bundesverwa l- tungsgerichts B-188/2010 vom 2. März 2011 E. 3.4, B-3778/2009 vom B-3083/2012 Seite 9 23. August 2011 E. 3.3 , B-4632/2011 vom 6. März 2012 E. 5. 1 und B-4571/2011vom 24. April 2012 E. 3.1). Die Voraussetzung der Kontrollierbarkeit erfordert weiter, dass eine Fachperson aus dem Durchführungsbereich der Arbeitslosenversicherung sich innert angemessener Frist ein einigermassen klares Bild über den Arbeitsausfall machen kann. Die zur Verfügung gestellten Unterlagen müssen das Kontrollorgan in die Lage versetzen, jederzeit möglichst z u- verlässig die genauen Arbeitszeiten jedes einzelnen Arbeitnehmers fes t- stellen zu können (vgl. Urteil des Bundesverwaltu ngsgerichts B-6200/2011 vom 13. Februar 2012 E. 2.3). 3.3 Im vorliegenden Fall geht aus dem anlässlich der Arbeitgeberkontrolle ausgefüllten und durch den Verwaltungsratspräsidenten der Beschwerde- führerin unterzeichneten Formular unzweideutig hervor, dass die Be- schwerdeführerin für ihre Arbeitnehmer keine Arbeitszeiterfassung führte, welche diese Voraussetzungen erfüllen würde. Die Beschwerdeführerin macht zwar geltend, ihr Organ habe dieses Fo r- mular nach einer "hitzigen Diskussion" ungelesen unterzeichnet, weshalb die darin enthaltene Bestätigung nicht gegen die Beschwerdeführerin verwendet werden dürfe. Dieser Einwand ist offensichtlich unbehelflich. Darüber hinaus aber ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin die in der Bestätigung enthaltene wesentli che Aussage gar nicht wirklich b e- streitet. Jedenfalls hat sie auch in ihren Rechtsschriften nie konkret e r- klärt, dass bzw. auf welche Weise sie die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter tä g- lich fortlaufend und detailliert dokumentiert hat. Bei den von ihr angeführten "Stundenrapporten" oder "Stundenkontrollen" handelt es sich offensichtlich nicht um Arbeitszeiterfassungsbelege im Sinn der dargelegten Rechtsprechung . Dem Aussehen nach handelt es sich dabei um elektronisch erstellte Formulare, in die für jeden Mitarbeiter und Kalendermonat die Zahl der vom jeweiligen Arbeitnehmer pro Tag gearbeiteten Stunden, die Zahl der Stunden, an welchen er gefehlt hat, sowie die Zahl der Ausfallstunden eingetragen wurde n. Durch wen, g e- stützt auf welche Unterlagen und zu welchem Zeitpunkt diese Formulare erstellt wurden, ist nicht bekannt und wurde von der Beschwerdeführerin auch nicht erklärt. Ob diese Formulare bereits im Zeitpunkt der Arbeitg e- berkontrolle existierten und sich lediglich nicht in den Personalordnern befanden oder ob sie durch die Beschwerdeführerin erst nachträglich e r-B-3083/2012 Seite 10 stellt und der Vorinstanz eingereicht wurden, ist daher irrelevant, da ihnen ohnehin kein Beweiswert im Hinblick auf die hier strittigen Fragen z u- kommt. Die geleistete Arbeitszeit kann sodan n auch nicht den aktenkundigen A r- beitszeitkalendern entnommen werden, weil sie jeweils vorab erstellt wurden und damit lediglich die Sollarbeitsstunden enthalten. 3.4 Im vorliegenden Fall kann der Nachweis der effektiv gearbeiteten oder anderweitig nicht als A usfallstunden geltenden Arbeitszeit einerseits und der wegen Schlechtwetter ausgefallenen Arbeitsstunden andererseits somit nicht mehr in rechtsgenüglicher Weise erbracht werden. Die Folgen dieser Beweislosigkeit hat die Beschwerdeführerin zu tragen, da si e die Beweislast für die von ihr gegenüber der Arbeitslosenkasse geltend g e- machten Arbeitsausfälle trägt (Art. 38 Abs. 3 Bst. a i.V.m. Art. 31 Abs. 3 Bst. a AVIG und Art. 46b AVIV; vgl. Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts C 66/04 vom 18. Augus t 2004 E. 3.2; Urteile des Bunde s- verwaltungsgerichts B-4571/2011vom 24. April 2012 E. 5.2, B -188/2010 vom 2. März 2011 E. 3.6 f., B -3083/2011 vom 3. November 2011 E. 5.6 und B-6200/2011 vom 13. Februar 2012 E. 2.3). 4. In ihrer Vernehmlassung beantragte die Vorinstanz, es sei eine reformatio in peius vorzunehmen, und die gesamte der Beschwerdeführerin für den genannten Zeitraum bezahlte Schlechtwetterentschädigung sei zurückzu- fordern. Mit Stellungnahme vom 12. April 2013 zog sie diesen Antrag sinngemäss zurück, weshalb es sich erübrigt, die Beschwerdeführerin diesbezüglich zu einer Stellungnahme aufzufordern oder auf diese Frage einzugehen. 5. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde daher als unbegründet und ist abzuweisen. 6. Beschwerdeverfahren betreffend den Vollzug des Arbeitslosenversich e- rungsgesetzes vor dem Bundesverwaltungsgericht sind kostenpflichtig, selbst wenn es sich um Streitigkeiten betreffend die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Sozialversicherungen handelt (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; vgl. Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts C -409/2007 vom 23. November 2007 E. 5.1 sowie B -7902/2007 B-3083/2012 Seite 11 vom 24. Juni 2007 E. 10). Als unterliegende Partei hat die Beschwerd e- führerin die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Stehen – wie vorliegend – Vermögensinteressen auf dem Spiel, bemisst sich die Gerichtsgebühr grundsätzlich nach dem Streitwert sowie nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozes s- führung und finanzieller Lage der Parteien (Art. 2 i.V.m. Art. 4 VGKE). In Anwendung von Art. 4 VGKE sind die Verfahrenskos ten auf Fr. 5'000.– festzusetzen. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gle i- cher Höhe verrechnet. 7. Eine Parteientschädigung ist bei diesem Verfahrensausgang nicht zuz u- sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). B-3083/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 5'000. – werden de r Beschwerdeführerin auferlegt. Sie werden nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden U r- teils mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) – das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF (Gerichtsurkunde) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Eva Schneeberger Beatrice Grubenmann Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern , Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzuf assen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismitt el sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 22. August 2013