B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1799/2024, E-1839/2024 U r t e i l v om 3 . S e p t e m b e r 2 0 2 4 Besetzung Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Datenschutz (Anpassung des Geburtsdatums im Zentralen Migrationsinformationssystem [ZEMIS]) und Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat - Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG); Verfügung des SEM vom 21. März 2024 / N (…). E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am (…) Januar 2024 in der Schweiz um Asyl nach und bevollmächtigte am (…) Januar 2024 die ihm zugewiesene Rechtsvertretung (vgl. SEM-Akte 1311094-12/1). B. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Eurodac) durch das SEM ergab, dass der Beschwerdeführer am (…) 2023 in Grie- chenland aufgegriffen worden war und zwei Tage später um Asyl nachge- sucht hatte. C. C.a Am 30. Januar 2024 wandte sich das SEM mit einem Informationser- suchen an die griechischen Behörden. Es erkundigte sich nach dem Stand des Asylverfahrens in Griechenland und bat um Mitteilung, ob der Be- schwerdeführer in Griechenland über einen internationalen Schutzstatus oder eine andere Aufenthaltsbewilligung verfüge. Gleichzeitig bat es um Auskunft darüber, unter welchen Personalien der Beschwerdeführer in Griechenland erfasst worden sei und ob dieser ihnen Identitätsdokumente abgegeben habe. Für den Fall, dass er sich dort als Minderjähriger habe registrieren lassen, ersuchte es um Mitteilung, ob ein medizinisches Alters- gutachten erstellt worden sei. Ausserdem bat das SEM um Informationen über Familienangehörige in den Mitgliedstaaten (vgl. SEM-Akten 1311094- 9/3). C.b Die griechischen Behörden teilten dem SEM mit Schreiben vom 2. Februar 2024 mit, dass der Beschwerdeführer keine Identitätsdoku- mente eingereicht habe und in Griechenland als Volljähriger erfasst worden sei. Gemäss ihren Angaben sei er am (…) geboren. Ihm sei am (…) 2023 die Flüchtlingseigenschaft zugesprochen worden und er sei im Besitz einer bis am 31. Oktober 2026 gültigen Aufenthaltsbewilligung (vgl. SEM -Akten 1311094-13/1). D. Anlässlich der Erstbefragun g unbegleiteter Minderjähriger (UMA) vom 15. Februar 2024 (vgl. SEM -Akten 1311094-16/12, nachfolgend A16) ge- währte das SEM dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör betreffend den beabsichtigten Nichteintretensentscheid und die Wegweisung nach Griechenland sowie zum medizinischen Sachverhalt. E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 3 Der Beschwerdeführer erklärte, am (…) (gregorianischer Kalender: […]) geboren zu sein. Sein Onkel habe ihm sein Geburtsdatum nach dem af- ghanischen Kalender am Vortag mitgeteilt, als er sich nach dem Gespräch mit seiner Rechtsvertreterin danach erkundigt habe. Er sei ohne Eltern auf- gewachsen, weshalb er sein Geburtsdatum bis anhin nicht gekannt habe. Den Jahrgang nach dem gregorianischen Kalender habe er gekannt, weil in seiner Tazkira sein ungefähres Alter erfasst worden sei, allerdings ohne das Geburtsdatum. Dieses habe er selbst ausgerechnet, indem er von An- fang 2024 (…) Jahre zurückgerechnet habe. Er habe nie eine Schule be- sucht – da sich niemand um seine Bildung gekümmert habe – und ungefähr ab seinem neunten Lebensjahr bis zu seiner Ausreise als (…) gearbeitet. (…). Da die Gesetze und Umstände auf der Insel Lesbos sehr streng ge- wesen seien und er sich als Minderjähriger länger dort hätte aufhalten müs- sen, habe er in Griechenland angegeben, (…) alt zu sein. Bezüglich der allfälligen Wegweisung nach Griechenland hielt er fest, dass die Umstände in Griechenland nicht geeignet seien, um als Flüchtling län- ger dort zu bleiben. Es gebe keine Möglichkeit, die Sprache zu lernen und zu arbeiten. Es sei ein Durchreiseland für Flüchtlinge und für die Mafias. Hilfsorganisationen gebe es dort wohl keine. In Bezug auf seinen Gesundheitszustand gab der Beschwerdeführer an, keine Krankheit zu haben. Er habe aber diverse Knochenbrüche erlitten, die nicht richtig behandelt worden seien. Unter anderem könne er deshalb seinen (…) nicht mehr richtig bewegen und er habe Schmerzen in seiner (…). Die Taliban hätten ihm kurz nach ihrer Machtübernahme (…), die Wunde gehe aber immer wieder auf. Die Rechtsvertretung beantragte am Ende der Befragung die schriftliche Gewährung des rechtlichen Gehörs, um noch ausführlicher zur Wegwei- sung nach Griechenland Stellung nehmen zu können. E. E.a Am 22. Februar 2023 (recte: 2024) gewährte das SEM dem Beschwer- deführer das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Anpassung seines Alters im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) vom (…) auf den (…). Gleichzeitig könne er sich ergänzend zur Wegweisung nach Griechenland äussern. Das SEM hielt in diesem Rahmen fest, dass der Beschwerdeführer sein Alter beziehungsweise Geburtsdatum nicht widerspruchsfrei habe E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 4 angeben können. So habe er zwar zunächst sein Geburtsdatum, nicht aber sein aktuelles Alter nennen können. Die Erklärung, er kenne nur sein Alter, nicht aber das genaue Geburtsdatum vermöge daher nicht zu überzeugen. Ausserdem erstaune es, dass das durch seinen Onkel angegebene Ge- burtsdatum genau mit dem selbst errechneten Datum übereinstimme. Dazu komme, dass er ohne Schulbildung sein Alter kaum hätte selbst be- rechnen können. Er habe zwar selbständig offengelegt, aus welchen Be- weggründen er in Griechenland ein angeblich falsches Alter angegeben habe. Dies sowie das Durchlaufen eines Asylverfahrens zum Zweck der Erlangung von Reisepapieren und damit der Ermöglichung der Weiterreise zeige jedoch, dass er gewillt sei, falsche Angaben zu machen, sofern ihm dies zum Vorteil gereiche. Es sei daher gut möglich, dass er sich hier als Minderjähriger ausgebe, um sich einen Vorteil für das Verfahren zu ver- schaffen beziehungsweise eine Wegweisung nach Griechenland zu umge- hen. Anhand der vorliegenden Informationen sei eine abschliessende und willkürfreie Einschätzung betreffend sein Alter möglich, weshalb auf eine Altersabklärung verzichtet werden könne. Da er in Griechenland mi t dem Geburtsdatum vom (…) registriert worden sei, erachte auch das SEM die- ses Geburtsdatum als das wahrscheinlichste. E.b Mit Eingabe vom 28. Februar 2024 hielt der Beschwerdeführer an der geltend gemachten Minderjährigkeit fest. Er erklärte, er habe die fal schen Angaben in Griechenland bereits in der Erstbefragung offengelegt und be- tont, dass es für ihn in der damaligen Situation der einzige Ausweg gewe- sen sei, um weiterreisen zu können. Da er seine Identitätsdokumente auf dem Reiseweg verloren habe, sei er nicht in der Lage, Beweismittel aus Afghanistan einzureichen. Er habe somit nur die Möglichkeit, Angaben zu seinem Alter zu machen und sein körperliches Alter mittels eines medizini- schen Altersgutachtens nachzuweisen. Seine Angaben seien durchaus schlüssig ausgefallen. Indem das SEM ihm vorwerfe, er könne sein Alter ohne Schulbildung nicht präzisieren, werde ihm die Möglichkeit genom- men, dieses glaubhaft zu machen. Er beantragte die Durchführung eines medizinischen Altersgutachtens, zumal die Schätzung seines Alters allein auf die heutige Aktenlage nicht zulässig sei und den Untersuchungsgrund- satz verletze. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland unzumut- bar und er deshalb vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Er habe in Grie- chenland keine Möglichkeit gehabt, die griechische Sprache zu erlernen oder soziale Kontakte ausserhalb des Asylzentrums in Lesbos aufzubauen. Aufgrund seiner fehlenden Schulbildung benötige er besondere E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 5 Unterstützung, um sich integrieren und eine Arbeit sowie eine Woh nung finden zu können. Schliesslich sei er körperlich eingeschränkt und nicht in der Lage, ohne unterstützendes Netzwerk in Griechenland aus eigener Kraft eine Existenz aufzubauen. F. Die Vorinstanz ersuchte die griechischen Behörden am 12. März 2024 um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. De- zember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitglied- staaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger ( Rück- führungsrichtlinie) sowie auf das bilaterale Rückübernahmeabkommen zwischen Griechenland und der Schweiz (vgl. SEM-Akte 1311094-22/2). Die griechischen Behörden stimmten der Übernahme am 14. März 2024 zu (vgl. SEM-Akte 1311094-24/1). G. Das SEM unterbreitete den Entscheidentwurf am 19. März 2024 zur Stel- lungnahme. Die Rechtsvertretung äusserte sich am 20. März 2024. H. Der Vorinstanz lagen folgende Beweismittel vor: - Bahnticket nach Athen, gültig am (…) 2024 - Flugticket für den Flug von Athen nach Zürich vom (…) (wohl 2024) - ein Arztbericht vom 11. März 2024 von B._______, Spezialarzt FMH (…) I. Mit Verfügung vom 21. März 2024 – gleichentags eröffnet – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete d essen Wegweisung aus der Schweiz nach Griechenland an, verbunden mit der Aufforderung an den Beschwerdeführer, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides zu verlassen. Gleichzeitig hielt es fest, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers laute im ZEMIS auf den (…), beauftragte den zustän- digen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte dem Be- schwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Verzeichnis aus. J. Die zugewiesene Rechtsvertretung legte ihr Mandat mit Schreiben vom 21. März 2024 nieder. E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 6 K. Mit Eingabe vom 21. März 2024 erhob der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte sinngemäss die Auf- hebung der vorinstanzlichen Verfügung. Auf sein Asylgesuch sei einzutre- ten. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Erstellung des Sachver- halts an das SEM zurückzuweisen. Sein Alter sei auf den (…) festzusetzen. Im Fliesstext ersuchte er um Erstellung eines Altersgutachtens sowie um Abklärung seiner Arbeitsfähigkeit. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wir- kung sowie Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands. L. Mit Verfügung vom 25. März 2024 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang der Beschwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor- liegend – endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und die Be- schwerdeschrift wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 1.4 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu. Die Vorinstanz hat zwar erklärt, diese entziehen zu wollen, dies im Dis- positiv der Ver fügung aber nicht festgehalten, weshalb die Beschwerde aufschiebende Wirkung entfaltet (Art. 55 VwVG). Auf das Gesuch um E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 7 Aussetzung des Vollzugs und Gewährung der aufschiebenden Wirkung ist daher nicht weiter einzugehen. 2. 2.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nicht - eintretensentscheid des SEM betreffend das Asylgesuch (sicherer Dritt- staat) als auch gegen die Änderung der ZEMIS-Eintragung (betreffend das Geburtsdatum respektive Alter). 2.2 Praxisgemäss wird das Beschwerdever fahren betreffend ZEMIS -Da- tenbereinigung (E-1839/2024) neben dem Beschwerdeverfahren in Bezug auf die Nichteintretensverfügung (E -1799/2024) separat geführt (vgl. BVGE 2018 VI/3). Vorliegend kann – aufgrund der Verfahrenskonstellation und des Prozessausgangs – in einem Urteil über beide Verfahren befunden werden. 3. 3.1 Die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Hinsichtlich der ZEMIS -Berichti- gung und im Bereich des Ausländerrechts entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht mit uneingeschränkter Kognition (Art. 49 VwVG). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilung skompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorge- nommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung prüft. 3.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG und Art. 57 Abs. 1 VwVG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 8 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt sinngemäss, das SEM habe den Sachver- halt betreffend die Altersanpassung nicht ausreichend abgeklärt und ins- besondere kein medizinisches Altersgutachten in Auftrag gegeben. 4.2 Das SEM hat vorliegend – wie bei Verfahren von potenziell minderjäh- rigen unbegleiteten Asylsuchenden üblich – eine EB UMA durchgeführt. Es ist dabei zum Schluss gekommen, dass genügende Anhaltspunkte ersicht- lich sind, welche für die Volljährigkeit des Besc hwerdeführers sprechen, und hat diese auch im Einzelnen aufgeführt. Asylsuchende sind gesetzlich dazu verpflichtet, alle Dokumente einzureichen, die Auskunft über ihre Identität, Herkunft und ihren Reiseweg geben oder Rückschlüsse darauf erlauben (Art. 8 A bs. 1 Bst. a und b AsylG i.V.m. Art. 2 a AsylV1). Diesen Mitwirkungspflichten ist der Beschwerdeführer nicht nachgekommen. Fer- ner ist zu beachten, dass der Vorinstanz beim Entscheid betreffend die Er- stellung eines Altersgutachtens grosses Ermessen zukommt (vgl. statt vie- ler Urteile des BVGer E -6704/2023 vom 11. Dezember 2023 E. 9.2.5 m.w.H. und A-318/2019 vom 4. Februar 2020 E. 4.2). Angesichts des Nichteinreichens von Identitätsdokumenten und des wider- sprüchlichen Aussageverhaltens des Beschwerdeführers war die Vor - instanz nicht verpflichtet, ein kostenintensives medizinisches Altersgutach- ten in Auftrag zu geben, da eine Verletzung der Mitwirkungspflicht im Rah- men der freien Beweiswürdigung bei der Entscheidfindung zu berücksich- tigen ist. Die beweisbelastete Partei, die ihre Mitwirkungspflicht verletzt, hat die Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit zu tragen, indem die Behö rde auf weitere Abklärungen verzichtet und aufgrund der bestehenden Akten- lage entscheidet (vgl. BVGE 2008/46 E. 5.6.1; Urteile des BVGer A-1987/2016 vom 6. September 2016 E. 8.7.4.1, A-4234/2020 vom 8. Juli 2021 E. 5.7; siehe ferner Art. 40 BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG; MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesverwal- tungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 3.123). Im Übrigen lässt sich auch durch eine medizinische Altersabklärung kein exaktes Geburtsdatum bestimmen. Eine solche kann lediglich im besten Fall ein mehr oder weniger starkes Indiz für die Voll- respektive Minderjährigkeit einer Person darstellen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 6.1). Gemäss seinem geltend gemachten Geburtsda- tum ([…]) wäre der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der EB UMA (…) alt gewesen. Das heisst, er hätte nur rund (…) vor der Erreichung des 18. Lebensjahres und damit der Volljährigkeit gestanden, so dass fragwürdig erscheint, ob ein Altersgutachten unter diesen Umständen zielführend ge- wesen wäre. Wie nachfolgend dargelegt (vg l. E. 5.8 hiernach), sind die E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 9 Ausführungen des SEM hinsichtlich der Volljährigkeit des Beschwerdefüh- rers zu bestätigen, weshalb das Gericht auch auf Beschwerdestufe keinen Anlass sieht, ein medizinisches Altersgutachten einzuholen. 4.3 Das SEM hat den rechtser heblichen Sachverhalt insgesamt korrekt und vollständig festgestellt, womit es der ihm obliegenden Untersuchungs- pflicht (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG) in genügender Weise nachgekom- men ist. Es kann auch keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge- hör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 VwVG) festgestellt werden. Dass der Be- schwerdeführer die Auffassung und Schlussfolgerungen der Vorinstanz hinsichtlich der Würdigung seiner Aussagen nicht teilt, stellt keine Verlet- zung von Verfahrenspflichten dar, sondern be trifft eine materielle Frage. Auf die Frage, ob sich die Begründung des angefochtenen Entscheids als überzeugend erweist, wird entsprechend im Rahmen der materiellen Beur- teilung einzugehen sein. Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Ge- sagten als unbegründet, weshalb das eventualiter gestellte Rückweisungs- begehren abzuweisen ist. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Abänderung des im ZEMIS ver- merkten Geburtsdatums ([…]) auf den (…) (vgl. Rechtsbegehren 3). 5.2 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- und dem Asylbereich dient. Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu vergewissern (Art. 6 Abs. 5 DSG, SR 235.1). Werden Personendaten von Bundesorganen bearbeitet, kann jede betroffene Per- son insbesondere verlangen, dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 41 Abs. 2 i.V.m. Art. 32 Abs. 1 DSG). Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Bestreitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personendaten, zu beweisen. Nach den massgeblichen Beweisregeln des VwVG gilt eine Tatsache als bewie- sen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist da- gegen nicht erforderlich. Die Vergewisserungspflicht bringt es sodann mit sich, dass die Behörde auf ein substantiiertes Berichtigungsgesuch hin die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personendaten von Amtes wegen über- prüfen muss (vgl. Art. 19 Abs. 3 ZEMIS -Verordnung; s. auch BVGE 2018 VI/ 3 E. 3.2). E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 10 5.3 Es obliegt grundsätzlich dem SEM zu beweisen, dass das aktue ll im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum ([…]) korrekt ist. Der Beschwerdefüh- rer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm im Asylverfahren gel- tend gemachte Datum ( […]) richtig beziehungsweise zumindest wahr- scheinlicher ist als das im ZEMIS erfasste, ihm mithin eine höhere Glaub- würdigkeit zukommt als dem bisherigen Eintrag (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3.4 m.w.H.; bestätigt u.a. im Urteil des BVGer D -2710/2021 vom 30. Januar 2024 E. 4.3.1 m.w.H.). Gelingt keiner Partei der sichere Nachweis, ist dasjenige Geburtsdatum (mit einem Bestreitungsvermerk ge- mäss Art. 32 Abs. 3 i.V.m. 41 Abs. 4 DSG) im ZEMIS zu belassen oder ein- zutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist. 5.4 Diese Beweisregel unterscheidet sich demnach von jener im Asylver- fahren, in welchem di e behauptete Minderjährigkeit – den allgemeinen asylrechtlichen Beweisregeln folgend – von der asylsuchenden Person zu- mindest glaubhaft zu machen und über die Glaubhaftigkeit im Rahmen ei- ner Gesamtwürdigung zu befinden ist. 5.5 Liegen – wie vorliegend – keine originalen Ausweispapiere vor, verlangt die Rechtsprechung bei der Einschätzung des Alters von behauptet min- derjährigen Asylsuchenden eine Gesamtwürdigung (vgl. bereits Entschei- dungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskom- mission [EMARK] 2004/30 E. 5.3.4. sowie statt vieler Urteil des BVGer E - 303/2023 vom 24. Januar 2023 S. 7). 5.6 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest, der Be- schwerdeführer habe widersprüchliche Aussagen zu seinem Alter bezie- hungsweise Geburtsdatum gem acht. So habe er die Frage nach seinem Geburtsdatum zunächst beantworten können, jedoch nicht die anschlies- sende Frage nach seinem aktuellen Alter. Seine Erklärung, er habe sich missverständlich ausgedrückt und gemeint, sein Alter, aber nicht sein Ge- burtsdatum gekannt zu haben, vermöge nicht zu überzeugen, zumal er zu- nächst die Frage nach seinem Geburtsdatum klar beantwortet habe und anschliessend auf die Frage nach seinem Alter angegeben habe, dies nicht sagen zu können. Weiter erstaune es, dass das Geburtsdatum nach afgha- nischem Kalender, welches ihm sein Onkel erstmals am Vortag der Erst- befragung genannt habe, umgerechnet genau mit jenem Geburtsdatum nach europäischem Kalender übereinstimme, welches er bei der Gesuchs- einreichung angeblich selbst anhand s eines Alters errechnet habe. Über- dies erstaune, dass er das Geburtsdatum « (…)», ausgehend von einem Alter von (…) Jahren angeblich selbst habe errechnen können, obwohl er E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 11 eigenen Angaben zufolge nie die Schule besucht habe und weder lesen noch schreiben könne. Die genannten Widersprüche habe er auch im Rah- men der Stellungnahme zum rechtlichen Gehör nicht beseitigen können. Betreffend die Registrierung in Griechenland habe er zwar selbständig of- fengelegt, aus welchen Beweggründen er sich dort mit einem angeb lich falschen Alter habe registrieren lassen. Dennoch sei festzuhalten, dass er sich dort als erwachsene Person habe registrieren lassen, ein abgeschlos- senes Asylverfahren durchlaufen habe und sich schliesslich Reise - und Aufenthaltsdokumente habe ausstell en lassen , was als klares Indiz für seine Volljährigkeit zu werten sei. Der Umstand, dass er seine griechischen Papiere vernichtet habe, zeige zudem, dass er offenbar nicht von vornhe- rein gewillt gewesen sei, die Registrierung in Griechenland offenzulegen. Die Indizien für die Volljährigkeit würden daher klar überwiegen. Das SEM komme folglich zum Schluss, dass anhand der vorliegenden Informationen eine abschliessende und willkürfreie Einschätzung betreffend sein Alter vorgenommen und damit auf eine Altersa bklärung verzichtet werden könne. Da er in Griechenland mit dem Geburtsdatum vom (…) registriert worden sei, erachte auch das SEM dieses Geburtsdatum als das wahr- scheinlichste. 5.7 In seiner Rechtsmitteleingabe ersucht der Beschwerdeführer lediglich um Durchführung eines Altersgutachtens, setzt sich aber nicht weiter mit den Ausführungen der Vorinstanz betreffend die ZEMIS-Eintragung ausei- nander. 5.8 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich den vorinstanzlichen Er- wägungen an. Der Beschwerdeführer vermag sein Geburtsdatum nicht an- hand rechtsgenüglicher Identitätsdokumente zu belegen. Auch anderwei- tige Anhaltspunkte, die aufgrund ihrer Beweiskraft geeignet wären, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit des von ihm geltend gemachten Geburtsdatums zu sprechen, sind den Akten nicht zu entneh- men. Seine Ausführungen zu seinem Alter und die Hintergründe, wie er zu den entsprechenden Informationen zu seinem Geburtsdatum gelangt sein will, weisen zahlreiche Widersprüche auf. Zur Vermeidung von Wiederho- lungen kann diesbezüglich auf die Ausführungen des SEM verwiesen wer- den (vgl. Gewährung des rechtlichen Gehörs vom 22. Februar 2024 in SEM-Akten 1311094-18/5 sowie angefochtene Verfügung vom 21. März 2024, S. 6 ff.; vgl. auch Zusammenfassung in Bst. E.a und E. 5.6). Insbe- sondere scheint es kaum nachvollziehbar, dass das durch den Beschwer- deführer berechnete Geburtsdatum genau mit demjenigen übereinstimmt, welches sein Onkel ihm mitgeteilt haben will (vgl. A16 Ziff. 1.06). E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 12 Ausserdem sprechen die Angaben zu seinem Alter in Griechenland sowie die Vernichtung seiner Reisepapiere gegen seine persönliche Glaubwür- digkeit und für seinen Willen, die Behörden über sein tatsächliches Alter zu täuschen, um sich Vorteile im Asylverfahren zu verschaffen. 5.9 Unter Würdigung der Gesamtumstände erscheint das vom Beschwer- deführer behauptete Geburtsdatum nicht als wahrscheinlicher als das im ZEMIS erfasste. Die Vorinstanz hat den (…) als fiktives Geburtsdatum er- fasst, da sich der Beschwerdeführer in Griechenland mit diesem Geburts- datum registrieren liess (vgl. Schreiben der griechischen Behörden vom 2. Februar 2024, SEM-Akten 1311094-13/1). Dies ist nicht zu beanstanden. Das im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum « (…)» ist daher unverändert und (weiterhin) mit einem Bestreitungsvermerk versehen zu belassen. Nach dem Gesagten ist weiter festzuhalten, dass es dem Beschwerdefüh- rer insbesondere aufgrund seiner widersprüchlichen Angaben auch nicht gelungen ist, seine Minderjährigkeit im Hinblick auf das Asylverfahren glaubhaft zu machen. 6. 6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re- gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat. 6.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun- gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Mit Be- schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Län- der der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsasso- ziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. 6.3 Bei Griechenland – einem Mitgliedstatt der EU – handelt es sich um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG. Sodann geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer sich zuvor dort auf- gehalten hat und von diesem Staat am 1. November 2023 als Flüchtling anerkannt wurde. Er verfügt über eine gültige Aufenthaltsbewilligung und die gr iechischen Behörden haben seiner Rückübernahme am 14. März 2024 explizit zugestimmt. Er kann somit grundsätzlich nach Griechenland zurückkehren und das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten. E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 13 6.4 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 6.5 Der Beschwerdeführer verfügt in der Schweiz weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch üb er einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 6.6 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7. 7.1 Der Vollzug ist nicht zulässi g, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen wie Krieg, Bür- gerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre- chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen- land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz- lich zulässig ist. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermu- tung, dass eine Wegweisung in einen EU - oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (a.a.O. E. 11.3). Diese Legalvermutung gilt grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Beispiel Schwangere oder Personen, die E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 14 an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Er- krankung einzustufen sind (vgl. a.a.O. E. 11.5.1). Es obliegt der betroffe- nen Person, diese Vermutung umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte An- haltpunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage ge- raten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4). Nicht länger aufrechterhalten wurde die Legalvermutung der Zum utbarkeit des Wegweisungsvollzugs bei Perso- nen, die aufgrund ihrer besonders hohen Verletzlichkeit im Falle einer Rückkehr nach Griechenland Gefahr laufen, dauerhaft in eine schwere Notlage zu geraten, weil sie nicht mehr in der Lage sind, aus eigener Kraft die ihnen zustehenden Rechte vor Ort einzufordern. Das Gericht erachtet daher den Vollzug der Wegweisung von äusserst vulnera blen schutzbe- rechtigten Personen, wie zum Beispiel unbegleiteten Minderjährigen oder Personen, deren psychische oder physische Gesundheit in besonders schwerwiegender Weise beeinträchtigt ist, grundsätzlich als unzumutbar, ausser es bestehen besonders begünstigende Umstände, aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung aus- gegangen werden kann (vgl. E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5.3). Bei der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs einer in Griechenland schutzberechtigten Person kommt folglich dem Grad der Vulnerabilität eine zentrale, rechtserhebliche Bedeutung zu. Hierzu sind sämtliche Sachver- haltsaspekte des Einzelfalls zu prüfen. 7.3 Zu den geltend gemachten Problemen in Griechenland hält das SEM mit Verweis auf das zitierte Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts fest, dass der Wegweisungsvollzug von Personen mit einem Schutzstatus in Griechenland zulässig und zumutbar sei. Auch wenn die Lebensbedin- gungen anerkanntermassen nicht einfach seien, könne sich der Beschwer- deführer auf die Garantien der Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rats vom 13. Dezember 2011 über Normen für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes (sog. Qualifikationsrichtlinie) be- rufen. Es sei nicht ersichtlich, dass er alles ihm Zumutbare unternommen habe, um die ihm zustehenden Leistungen zu erhalten oder eine Arbeits- stelle zu finden. In Bezug auf den medizinischen Sachverhalt hielt das SEM fest, der Beschwerdeführer habe sich in Zusammenhang mit seinen (…) E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 15 nie beim Gesundheitsdi enst gemeldet, weshalb davon auszugehen sei, dass diese keiner Behandlung mehr bedürften. Tatsächlich sei nachvoll- ziehbar, dass er allenfalls in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Es sei allerdings nicht von einer hochgradigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Es handle sich bei ihm auch nicht um eine besonders vulnerable Person im Sinne der Rechtsprechung. Sollte er durch seine körperlichen Ein- schränkungen tatsächlich Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche haben oder allenfalls nur in reduziertem Pensum arbeiten können, stehe es ihm frei, sich für Unterstützungsleistungen bei den griechischen Behörden zu melden. Er könne sich bei der Rückkehr somit auf die ihm zustehenden Rechte berufen und diese nötigenfalls auf dem Rechtsweg einfordern. Schliesslich stehe ihm in Griechenland bei Bedarf auch eine adäquate me- dizinische Versorgung zur Verfügung. 7.3.1 Der Beschwerdeführer führt in der Rechtsmitteleingabe in Bezug auf die Wegweisung nach Griechenland aus, er sei körperlich angeschlagen und in Griechenland obdachlos gewesen. Er habe keine Hilfe erhalten und könnte seine Existenz aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen nicht aus eigener Kraft sichern. Ausserdem sei eine Augenoperation notwendig. 7.3.2 Zwar kann der Vollzug der Wegweisung beim Vorliegen von gesund- heitlichen Problemen im Einzelfall einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar- stellen. Nach der Praxis des EGMR werden hierfür aber ganz ausserge- wöhnliche Umstände vorausgesetzt (vgl. Urteil Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016 [Grosse Kammer], 41738/10, § 183), welche vor- liegend nicht gegeben sind. Aufgrund der den Akten zu entnehmenden Un- terlagen besteht offensichtlich kein Anlass zur Befürchtung, dass bei einer Überstellung nach Griechenland eine ernsthafte, rapide und irreversible Verschlechterung seiner Lage, verbunden mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung zu erwarten wäre, wie sie zur Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen gefordert wird. Daran vermag auch die geplante (…) nichts zu ändern (vgl. Arztbericht von B._______, […], vom 11. März 2024, SEM-Akten 1311094-27/2). 7.3.3 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung auch die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs mit zutreffender Begründung bejaht. Zur Vermei- dung von Wiederholungen kann vorab auf die betreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. S. 12 ff. sowie Zu- sammenfassung unter E. 6.4.1). In der Beschwerde finden sich keine sub- stanziellen Einwendungen, welche zu einer anderen Betrachtungsweise E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 16 führen könnten. Selbst wenn die Lebensbedingungen in Griechenland auf- grund der herrschenden Wirtschaftslage nicht einfach sind, liegen keine Hinweise für die Annahme vor, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück- kehr nach Griechenland einer existenziellen Notlage ausgesetzt wäre, zu- mal er nicht geltend macht, sich je an die Behörden gewendet zu haben, um Leistungen einzufordern, die ihm dann verweigert worden wären. Er macht auch nicht gelt end, in Griechenland je auf medizinische Unter- stützung angewiesen gewesen zu sein, zu der er keinen Zugang erhalten hätte. Gesundheitliche Beschwerden, die nicht in Griechenland behandelt werden könnten, liegen nicht vor. Es obliegt im Übrigen dem Beschwerde- führer, seine körperlichen Beeinträchtigungen und Beschwerden sowie die damit einhergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu belegen. Auf den entsprechenden Antrag, es sei ein Gutachten betreffend seine Arbeits- fähigkeit zu erstellen, ist daher nicht weiter einzugehen. Es darf inskünftig vom Beschwerdeführer erwartet werden, sich bei Unter- stützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die erfor- derliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Obschon es sich bei Griechenland um einen Rechtsstaat handelt, welcher an die Qua- lifikationsrichtlinie gebunden ist, ist es möglich, dass ihm der Zugang zu innerstaatlichen Instanzen nicht mühelos alleine gelingt. Wie bereits dar- gelegt, gibt es aber auch in Griechenland Nichtregierungsorgani sationen, die ihm in dieser Hinsicht behilflich sein können. Auch wenn eine adäquate Eingliederung des Beschwerdeführers in die sozialen Strukturen Griechen- lands mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden ist, vermögen die Vorbringen die hohen Anfo rderungen an eine konkrete Gefährdung nicht zu erfüllen. 7.3.4 Aufgrund der Aktenlage ist somit nicht davon auszugehen, der Be- schwerdeführer gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland zwangsläu- fig in eine seine Existenz gefährdende Situation. Damit ist der Vollzug der Wegweisung auch zumutbar. 7.4 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be- schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, er dort über eine Aufent- haltsbewilligung verfügt und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseun- fähigkeit zu entnehmen sind. E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 17 7.5 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht den Wegweisungsvollzug nach Griechenland als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet, wes- halb die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses (Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegenstandslos geworden. 9.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung sind abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind dem Beschwerdeführer auf- zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1799/2024, E-1839/2024 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde hinsichtlich der Datenänderung im ZEMIS (Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfügung) wird abgewiesen. 2. Die Beschwerde hinsichtlich des Nichteintretens auf das Asylgesuch und der Wegweisung (Dispositivziffern 1–4 der angefochtenen Verfügung) wird abgewiesen. 3. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Verbeiständung werden abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft des vor- liegenden Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM, die kantonale Mig- rationsbehörde und das Generalsekretariat des Eidgenössischen Justiz - und Polizeidepartements (EJPD). Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Regina Seraina Goll Versand: