<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">H 409/99 Hm </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>II. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Meyer und Ferrari; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Keel </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 28. Februar 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">H.________, 1920, Beschwerdeführerin, vertreten durch das </div> <div class="para">Bürgeramt der Stadt X.________, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Schweizerische Ausgleichskasse, Avenue Edmond-Vaucher 18, </div> <div class="para">Genf, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Eidgenössische Rekurskommission der AHV/IV für die im Aus- </div> <div class="para">land wohnenden Personen, Lausanne </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Mit Verfügung vom 8. Januar 1999 sprach die </div> <div class="para">Schweizerische Ausgleichskasse der deutschen Staatsangehö- </div> <div class="para">rigen H.________ (geb. 1920) rückwirkend ab 1. Juni 1993 </div> <div class="para">eine ordentliche einfache Altersrente zu. </div> <div class="para"> B.- Das Bürgeramt der Stadt X.________, Deutschland, </div> <div class="para">nahm am 15. März 1999 eine von H.________ hiegegen gerich- </div> <div class="para">tete Beschwerde zu Protokoll und übergab diese am 22. März </div> <div class="para">1999 der deutschen Post zur Weiterleitung. Nachdem die Eid- </div> <div class="para">genössische Rekurskommission der AHV/IV für die im Ausland </div> <div class="para">wohnenden Personen bei H.________ eine Stellungnahme über </div> <div class="para">das Vorliegen von Gründen zur Wiederherstellung der ver- </div> <div class="para">säumten Beschwerdefrist eingeholt hatte, trat sie mit Ent- </div> <div class="para">scheid vom 21. Oktober 1999 auf die Eingabe nicht ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt </div> <div class="para">H.________ die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides </div> <div class="para">und die Zusprechung von Leistungen der AHV rückwirkend ab </div> <div class="para">1. Januar 1981. Der Rechtsmittelschrift beigelegt ist ein </div> <div class="para">Schreiben des Bürgeramtes vom 29. November 1999, wonach </div> <div class="para">H.________ nach Erhalt der Verfügung Ende Januar, im Feb- </div> <div class="para">ruar und im März 1999 beim Amt vorgesprochen habe "zwecks </div> <div class="para">Anfechtung der Verfügung". Sie habe niemals einen Zweifel </div> <div class="para">daran gelassen, dass sie gerichtlich gegen die Verfügung </div> <div class="para">vorgehen wolle. Am 2. Februar 1999 habe sie mündlich Be- </div> <div class="para">schwerde bzw. Widerspruch gegen den Bescheid vom 8. Januar </div> <div class="para">1999 eingelegt, was auf der schriftlichen Beschwerde vom </div> <div class="para">15. März 1999 vermerkt worden sei. </div> <div class="para"> Während die Ausgleichskasse auf Abweisung der Verwal- </div> <div class="para">tungsgerichtsbeschwerde schliesst, lässt sich das Bundesamt </div> <div class="para">für Sozialversicherung nicht vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde richtet sich </div> <div class="para">gegen den vorinstanzlichen Nichteintretensentscheid. Das </div> <div class="para">Eidgenössische Versicherungsgericht hat daher zu prüfen, ob </div> <div class="para">die Rekurskommission auf die bei ihr erhobene Beschwerde zu </div> <div class="para">Recht nicht eingetreten ist, während es auf den in der Ver- </div> <div class="para">waltungsgerichtsbeschwerde gestellten materiellen Antrag </div> <div class="para">nicht eintreten kann (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=4&amp;from_date=11.02.2000&amp;to_date=01.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-V-121%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page122">BGE 117 V 122</a> Erw. 1 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> 2.- Im angefochtenen Entscheid werden die für das vor- </div> <div class="para">instanzliche Verfahren massgebenden Bestimmungen über die </div> <div class="para">Rechtsmittelfrist (<span class="artref">Art. 84 Abs. 1 AHVG</span> sowie <span class="artref">Art. 50 VwVG</span>), </div> <div class="para">deren Berechnung (<span class="artref">Art. 96 AHVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 20 </span></div> <div class="para">Abs. 1 VwVG) sowie die für die Wiederherstellung einer ver- </div> <div class="para">säumten Frist erforderlichen Voraussetzungen (<span class="artref">Art. 96 AHVG</span> </div> <div class="para">in Verbindung mit <span class="artref">Art. 24 VwVG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=4&amp;from_date=11.02.2000&amp;to_date=01.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-II-86%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page87">BGE 119 II 87</a> Erw. 2a, 112 </div> <div class="para">V 255, je mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Ebenso ver- </div> <div class="para">hält es sich mit der Bestimmung von Art. 33 des Abkommens </div> <div class="para">zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bun- </div> <div class="para">desrepublik Deutschland über Soziale Sicherheit vom </div> <div class="para">25. Februar 1964, wonach die bei einer Behörde, einem Ge- </div> <div class="para">richt, einem Träger oder einer anderen Stelle der einen </div> <div class="para">Vertragspartei einzureichenden Anträge, Erklärungen und </div> <div class="para">Rechtsbehelfe mit fristwahrender Wirkung bei einer entspre- </div> <div class="para">chenden Stelle der anderen Vertragspartei eingereicht wer- </div> <div class="para">den können. Darauf wird verwiesen. </div> <div class="para"> Zu präzisieren ist, dass unter den "entsprechenden </div> <div class="para">Stellen" gemäss Art. 33 Abs. 1 des deutsch-schweizerischen </div> <div class="para">Sozialversicherungsabkommens entgegen den Ausführungen im </div> <div class="para">angefochtenen Entscheid nicht die in Art. 35 Abs. 2 des </div> <div class="para">Abkommens genannten Verbindungsstellen zu verstehen sind, </div> <div class="para">sondern die Stellen, die in einem parallelen innerstaat- </div> <div class="para">lichen Verfahren der anderen Vertragspartei zuständig </div> <div class="para">wären, wobei auch der Einreichung bei einer unzuständigen </div> <div class="para">innerstaatlichen Behörde fristwahrende Wirkung zukommt (zur </div> <div class="para">Publikation in BGE 125 V bestimmtes Urteil H. vom 18. Okto- </div> <div class="para">ber 1999, I 258/99). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Es steht fest und ist unbestritten, dass die Ren- </div> <div class="para">tenverfügung der Beschwerdeführerin am 15. Januar 1999 aus- </div> <div class="para">gehändigt worden ist und die Frist von 30 Tagen zur Einrei- </div> <div class="para">chung des Rechtsmittels demnach am 15. Februar 1999 geendet </div> <div class="para">hat. Im Lichte der erwähnten Rechtsprechung kann sodann </div> <div class="para">ohne weiteres festgehalten werden, dass für die Versicherte </div> <div class="para">grundsätzlich die Möglichkeit bestand, mit einer beim </div> <div class="para">(unzuständigen) Bürgeramt rechtzeitig erhobenen Beschwerde </div> <div class="para">die Rechtsmittelfrist zu wahren. </div> <div class="para"> 4.- Praxisgemäss sind an Form und Inhalt einer gegen </div> <div class="para">eine Kassenverfügung gerichteten Beschwerde gemäss <span class="artref">Art. 84 </span></div> <div class="para">AHVG keine hohen Anforderungen zu stellen. Die Einhaltung </div> <div class="para">von Formvorschriften wird nicht nach strengen Massstäben </div> <div class="para">beurteilt. Dennoch muss vom Rechtsuchenden ein Mindestmass </div> <div class="para">an Sorgfalt in der Beschwerdeführung verlangt werden. Damit </div> <div class="para">überhaupt von einer Beschwerde gesprochen werden kann, muss </div> <div class="para">eine individualisierte Person gegenüber einer bestimmten </div> <div class="para">Verfügung den klaren Anfechtungswillen schriftlich bekun- </div> <div class="para">den; d.h. sie hat erkenntlich ihren Willen um Änderung der </div> <div class="para">sie betreffenden Rechtslage zum Ausdruck zu bringen (BGE </div> <div class="para">116 V 356 Erw. 2b, 102 Ib 372; ZAK 1988 S. 459 Erw. 3a; </div> <div class="para">Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., S. 196). </div> <div class="para"> In den Unterlagen befindet sich nur ein einziges Doku- </div> <div class="para">ment, das innerhalb der Rechtsmittelfrist erstellt worden </div> <div class="para">ist. Dabei handelt es sich um eine Aktennotiz, gemäss wel- </div> <div class="para">cher H.________ sich am 9. Februar 1999 beim Bürgeramt über </div> <div class="para">die Rechtslage erkundigt und im Anschluss daran von der </div> <div class="para">zuständigen Sachbearbeiterin telefonisch dahingehend infor- </div> <div class="para">miert wurde, dass Herr K.________, mit welchem diese Rück- </div> <div class="para">sprache genommen hatte, keine Möglichkeit sehe, nochmals </div> <div class="para">einen Widerspruch einzulegen. Da sich diesem von der Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin nicht unterzeichneten Schriftstück nur </div> <div class="para">entnehmen lässt, dass H.________ ihre Prozesschancen über- </div> <div class="para">prüfen liess, kann es, mangels erkennbaren Anfechtungswil- </div> <div class="para">lens, nicht als Beschwerde bezeichnet werden. Unter diesen </div> <div class="para">Umständen ist die Rechtsmittelfrist, da die Versicherte </div> <div class="para">während deren Lauf keinen klaren Beschwerdewillen manifes- </div> <div class="para">tiert hat, unbenutzt abgelaufen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5.- Mit Bezug auf die Wiederherstellung der versäumten </div> <div class="para">Beschwerdefrist sind, wie im angefochtenen Entscheid zu- </div> <div class="para">treffend dargelegt, Gründe, welche die Beschwerdeführerin </div> <div class="para">objektiv gehindert hätten, innerhalb der Rechtsmittelfrist </div> <div class="para">zu handeln, weder geltend gemacht noch ersichtlich. Nichts </div> <div class="para">zu ändern vermag hieran das Vorbringen des Bürgeramtes, wo- </div> <div class="para">nach der Widerspruch wegen Arbeitsüberlastung nicht sofort </div> <div class="para">erstellt und unterschrieben worden sei; denn das Gesetz </div> <div class="para">lässt die Wiederherstellung nur zu, wenn der Partei und </div> <div class="para">gegebenenfalls ihrem Vertreter kein Vorwurf gemacht werden </div> <div class="para">kann, was bei Arbeitsüberlastung praxisgemäss zu verneinen </div> <div class="para">ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=4&amp;from_date=11.02.2000&amp;to_date=01.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-V-255%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page255">BGE 112 V 255</a> Erw. 2a, 108 V 110 Erw. 2c). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen,</i> </div> <div class="para"> soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwer-</i> </div> <div class="para"> deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kosten- </div> <div class="para"> vorschuss verrechnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>III. Dieses Urteil wird den Parteien, der Eidgenössischen</i> </div> <div class="para"> Rekurskommission der AHV/IV für die im Ausland wohnen- </div> <div class="para"> den Personen und dem Bundesamt für Sozialversicherung </div> <div class="para"> zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 28. Februar 2000 </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der II. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">i.V. </div> </div></body></html>