B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1049/2010/mel U r t e i l v o m 1 5 . N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiberin Constance Leisinger. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch Magda Burkhard, Bündner Beratungsstelle für Asyl Suchende, Beschwerdeführer, Gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 21. Januar 2010 / N (…). D-1049/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer , afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer Hazara aus B._______, Distrikt C.______, Provinz Ghor, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben gemäss am 24. Juli 2007 und begab sich zunächst nach Teheran/Iran, wo er sich bei einem Onkel mütterlicherseits aufhielt. Am 15. Januar 2008 reiste er aus dem Iran aus und gelangte über die Türkei am 7. Mai 2008 in die Schweiz, wo er am 8. Mai 2008 um Asyl nachsuchte. Am 3. Juni 2008 wurde der Beschwerdeführer im Tra n- sitzentrum Altstätten summarisch zu seinem Reiseweg sowie den Asy l- gründen befragt und anschliessend für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton D._______ zugewiesen. Am 28. April 2009 fand die einlässliche Anhörung des Beschwerdeführers zu den Asylgründen statt. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei seit dem Jahr 2002 und bis zu seiner Ausrei- se für eine christliche Hilfsorganisation als Impfhelfer tätig gewesen. Sein Bruder habe diese Tätigkeit ebenfalls ausge übt, allerdings bereits seit dem Jahr 2000. Im Jahr 2004 habe sein Bruder ihm offenbart, dass er sich dem Christentum zugewandt habe und diesen Glauben auch verbrei- te. Nach anfänglicher Ablehnung habe er, der Beschwerdeführer, ab dem Jahr 2005 ebenfalls begonnen, sich für das Christentum zu interessieren, nachdem er von einem Cousin eine Bibel erhalten und in dieser gelesen habe. Am 20. Juli 2007 hätten Geistliche im Dorf Geld für den Bau einer Religionsschule gesammelt. Sein Bruder habe eine entsprechende Spen- de jedoch abgelehnt und sich öffentlich zum Christentum bekannt, wo r- aufhin er von den Bewohnern des Dorfes am gleichen Tag getötet worden sei. Er selbst sei an diesem Tag i n E._______ im Gebiet F._______ tätig gewesen und von einem Freund über den Tod seines Bruders und de s- sen Umstände informiert worden. Besagter Freund habe ihm auch mitge- teilt, dass man auch nach ihm, dem Beschwerdeführer suche, da man ihn ebenfalls beschuldige, dem christlichen Glauben anzuhängen und zu missionieren. Noch am selben Tag habe er deshalb seinen Heimatort ver- lassen und sei in den Iran geflüchtet. Seine Ehefrau und die Familie seien zunächst in B._______ zurückgeblieben, im Oktober 2007 jedoch nach G._______ Pakistan geflüchtet. Zum Beweis seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens eine Vorladung der Sicherheitskomman- dantur, ein Schreiben des (…), eine Bestätigung des (…), diverse Inter-D-1049/2010 Seite 3 netausdrucke, diverse Fotographien und Zeitungsausschnitte sowie die Kopie eines Identitätsausweises seiner Ehefrau , ein Taufgelübde des christlichen Zentrums H._______, ein Schreiben der evangelischen Fre i- kirche, sowie solche der persischen G emeinde I._______ und D._______, der Stadtmission K._______ und der christlichen Gemei n- schaft L._______ und M._______, zu den Akten. B. Am 22. Mai 2009 führte das BFM mit dem Beschwerdeführer im Rahmen eines telefonischen Gesprächs mit einem durch das BFM be auftragten Experten eine Herkunftsanalyse durch. Diese ergab, dass der Beschwe r- deführer einem Dari -sprachigen Milieu afghanischer Hazara zuzuordnen und von einer Sozialisation in der Region Ghor auszugehen sei. C. Mit Verfügung vom 21. Januar 2010 – eröffnet am 22. Januar 2010 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung an. Gleichzeitig verfügte es wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme des Beschwerdefüh- rers in der Schweiz. Zur Begründung des negativen Asylentscheids führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerd e- führers würden den Anforderungen von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an das Glaubhaftmachen und teilweise denjenigen von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügen; hingegen erweise sich der Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan in Würdigung sämtlicher Umstände als unzumutbar. D. Mit Eingabe vom 19. Februar 2010 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bea n- tragte, es seien die Ziffern 1 und 2 des Dispositivs au fzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesent- lich, in den Erwägungen eingegangen. E. Mit Verfügung des Bundesv erwaltungsgerichts vom 25. Februar 2010 D-1049/2010 Seite 4 wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet und wurden die Akten der Vorinstanz zur Vernehmlassung zugestellt. F. Die Vorinstanz hielt m it Vernehmlassung vom 1. März 2010 an ihren E r- wägungen in der angef ochtenen Verfügung fest und beantragte die A b- weisung der Beschwerde. G. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 9. März 2010 zur Kenntnis gebracht und ihm Frist zur Einreichung einer allfälligen Replik gesetzt. H. Mit Eingabe vom 23. März 2010 nahm der Beschwerdeführer zur Ve r- nehmlassung der Vorinstanz Stellung und reichte ein Bestätigungsschre i- ben der "Afghan Worship and Fellowship Association" betreffend seine Konversion zum Christentum ein. I. Mit Eingaben vom 20. Mai, 26. Oktober und 23. Dezember 2010 ersuchte der Beschwerdeführer um Mitteilung zum Verfahrensstand und – unter Verweis auf seine in Pakistan ohne gefestigtes Aufenthaltsrecht lebende Familie – um einen zeitnahen Entscheid. Das Bundesverwaltungsgericht hielt mit Schreiben vom 25. Mai 2010 und 14. Januar 2011 fest, dass es sich beim vorliegenden Verfahren nicht um ein solches von prioritärem Rang handle. J. Am 30. März 2011 zeigte die Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende die Mandatsübernahme an und ersuchte unter Hinweis auf die in Pak is- tan lebende Familie und die daraus resultierende psychische Belastung des Beschwerdeführers um baldigen Entscheid, woraufhin das Bunde s- verwaltungsgericht am 1. April 2011 nochmals mitteilte, dass es sich bei vorliegendem Beschwerdeverfahren nicht um ein solches von erster Prio- rität handle. K. Am 24. Juni 2011 stellte das Bundesverwaltungsgericht der Vorinstanz unter Hinweis auf das Grundsatzurteil E -7625/2008 die Akten zu einer weiteren Vernehmlassung zu. D-1049/2010 Seite 5 L. Mit Vernehmlassung vom 13. Juli 2011, welche dem Beschwerdeführer am 13. Oktober 2011 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. M. Mit Schreiben vom 23. Dezember 2011 ersuchte die Rechtsvertreterin er- neut um einen zeitnahen Ents cheid. Mit Schreiben vom 30 . Dezember 2011 teilte das Bundesverwaltungsgericht mit, dass das Verfahren ab dem Jahr 2012 zu den prioritären Verfahren zähle. N. Am 29. Mai 2012 ersuchte die Rechtsvertretung u nter Hinweis auf den sich verschlechternden psychischen Gesundheitszustand des Beschwe r- deführers um baldigen Entscheid. In diesem Zusammenhang wurde ein ärztlicher Bericht der Psychiatrischen Dienste D._______ vom (…) einge- reicht. Mit Schreiben vom 29. Mai 2012 und 31. Juli 2012 wurde erneut um prioritäre Behandlung gebeten. O. Mit Zwischenverfügung vom 23. Oktober 2012 wurde der Beschwerdefüh- rer im Hinblick auf das von ihm gestellte Begehren um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG aufgefordert, innert a n- gesetzter Frist zu seiner finanziellen Situation Stellung zu nehmen. P. Eine entsprechende Eingabe und Beweismittel wurden am 30. Oktober 2012 zu den Akten gereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme i m Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e-D-1049/2010 Seite 6 rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat a m vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werde n. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen ; sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die i n wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r-D-1049/2010 Seite 7 fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Grundsätzlich sind die Vorbringen dann glaubhaft , wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schild e- rungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die gesuc h- stellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn s ie wichtige Tatsa- chen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, ma n- gelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verwe i- gert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für g e- wisse Einwände und Zweifel an den Asylvorbringen. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhalt sdarstellung de r gesuchstellenden Person sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abz u- stellen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asy l- rekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4. 4.1 Zur Begründung seines Entscheids führte das BFM im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend die von ihm ge l- tend gemachte fluchtbegründende S ituation in Afghanistan würden sich als wenig konkret und als realitätsfremd erweisen. S o habe der Be- schwerdeführer beispielsweise nicht angeben könne n, wie die christliche Organisation heisse, für welche er nach eigenen Angaben von 2003 bis 2007 gearbeitet habe, sondern habe lediglich dessen Kürzel N._______ zu nenn en gewusst, wobei er aber nicht habe angeben können, wofür dieses stünde. Seine Aussagen bezüglich der Ermordung des Bruders würden sodann keinerlei Detailreichtum aufweisen. Vielmehr würden indi- vidualisierte Aussagen, welche seine persönliche Betroffenheit oder ein persönlich gefärbtes Reaktionsmuster zum Ausdruck bringen würden , fehlen. Als realitätsfremd erscheine zudem, dass der Bruder des B e- schwerdeführers anlässlich eines Streits mit Dorfbewohnern diesen g e- genüber seinen christlichen Glauben offenbart habe, würden doch Ko n- vertiten i n Afghanistan zur Rechenschaft gezogen, weshalb davon au s- zugehen sei, dass sie ihre religiöse Überzeugung nicht öffentlich kundtun würden. Der Beschwerdeführer habe sodann eine Vorladung der Sicher- heitskommandantur eingereicht. Da s Schreiben weise jedoch w eder D-1049/2010 Seite 8 Briefkopf noch Stempel auf, weshalb zu bezweifeln sei, dass es sich um ein amtliches Dokument hand le. Den im W eiteren als Kopien eingereic h- ten Beweismitteln (Bestätigungsschreiben des (…), Zeitungsausschnitte, welche seine missionarische Tätigkeit zum Inhalt hätten) sei aufgrund der leichten Manipulierbarkeit zudem ein verminderter Beweiswert zuzuspr e- chen. Es sei ausserdem davon auszugehen, dass die vom Beschwerd e- führer behauptete Konversion zum Christentum in der Schweiz nur formal erfolgt sei, um ein Aufenthaltsrecht zu erlangen. Der Beschwerdeführer habe nicht überzeugend darlegen können, warum er sich in Afg hanistan für das Christentum zu interessieren begonnen habe. Sein Argument, er habe die Barmherzigkeit erlebt, als er für die christliche Org anisation ge- arbeitet habe, überzeuge nicht. Die Aussage wirke aufgesetzt und vera n- schauliche in keiner Weise, aus welchem Grund sich der Beschwerdefüh- rer dem Christentum zugewandt habe. Es sei aber davon auszugehen, dass eine Person, welche die Religionsgemei nschaft wechsle, stichhalt i- ge Gründe für einen solchen Gesinnungswandel habe. Überdies habe der Beschwerdeführer nicht angeben können, wann er in der Schweiz getauft worden sei. Dies lasse den Schluss zu, dass die Taufe für den Beschwer- deführer keine weitergehende Bedeutung habe. Auch seien die Kenntnis- se des Beschwerdeführers über das Christentum wenig fundiert ; habe dieser d och keine spezifischen Fragen zum Christentum beantworten können. Weder habe er Feste zu nennen gewusst, noch Angaben da r- über machen können, in welchen Punkten sich der Islam vom Christe n- tum unterscheide. Der Beschwerdeführer habe zwar erklärt, er habe in Afghanistan die Bibel gelesen. Seine Erklärungen zu deren Inhalt hätten sich jedoch auf Allgemeinplätze beschränkt, die auch ohne spe zifische Bibelkenntnisse wi edergegeben werden könnten. Es sei daher davon auszugehen, dass die Konversion nicht auf einem ernst gemeinten relig i- ösen Gesinnungswandel mit einer festen Überzeugung beruhe, weshalb dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr zugem utet werden könne, seine christliche Glaubenszugehörigkeit zu widerrufen, zu verleugnen oder abzustreiten, um sich so allfälligen Repressionen zu entziehen. Der Beschwerdeführer müsse deshalb nicht befürchten, wegen seiner rein formal aus asyltaktischen Gründen erfolgten Konversion bei einer Rüc k- kehr asylrelevante Nachteile zu erleiden. Die Vorbringen seien deshalb asylrechtlich nicht beachtlich, weshalb das Asylgesuch abzuweisen sei. 4.2 Der Beschwerdeführer machte demgegenüber in der Beschwerde geltend, er habe seine Asyl gründe nach bestem Wissen und Gewissen vorgetragen und könne sich die vorinstanzliche Einschätzung seiner Asylbegründung nur mit Unregelmässigkeiten in der Übersetzung durch D-1049/2010 Seite 9 den anwesenden Dolmetscher erklären. Bereits in der ersten Anhörun g habe er bemerkt, dass der Dolmetscher seine Konversion zum Christen- tum verurteilt habe. Er habe daher weder frei sprechen , noch dem Do l- metscher vertrauen können, weshalb er bereits zu diesem Zeitpunkt nicht von der richtigen Übersetzung überzeugt gewesen sei. Aus diesem Grund habe er sich mit Eingabe vom 13. November 2008 schriftlich an das BFM gewandt, mit der Bitte, dass in der nächsten Befragung ein christliche r Dolmetscher einzusetzen sei. Dieses Schreiben sei ohne Wirkung gebli e- ben; vielmehr habe die Anhörung wieder unter Anwesenheit desselben Dolmetschers stattgefunden, was für ihn eine sehr schwierige und unb e- friedigende Situation gewesen sei. Für eine weitere Anhörung mit einem unabhängigen Dolmetscher stünde er jederzeit zur Verfügung. Der B e- schwerdeführer machte im Weiteren geltend, die der Beschwerde beili e- genden Schreiben würden seine Gottesdienstbesuche in der Schweiz bestätigen; weitere diesbezügliche Beweismittel würden folgen. Obwohl er in einem Hotel arbeite, könne er an den Wochenenden jew eils frei nehmen, um die sonntäglichen Gottesdienste zu besuchen. Auch dies zeige, wie wichtig das Christentum ihm sei und wie ernst er diese Relig i- on nehme. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt n ach der Beurteilung sämtl i- cher Sachverhaltselemente zu dem S chluss, dass die Vorinstanz auf- grund der in wesentlichen Punkten unsubstanziierten und zum Teil wider- sprüchlichen Aussagen des Beschwerdeführers zu seinen f luchtauslö- senden Gründen zutreffend auf deren Unglaubhaftigkeit geschlossen hat. 5.2 Bereits das Engage ment des Beschwerdeführers als Impfhelfer im Heimatstaat erweist sich angesichts der unsubstanziierten und zum Teil widersprüchlichen Aussagen als zweifelhaft. 5.2.1 So machte der Beschwerdeführer anlässlich der summarischen Be- fragung im Transitzentrum Altstätten geltend, er habe seit dem Jahr 2002 bis zu seiner Ausreise als Impfhelfer gearbeitet (act. A1 S. 2). Demgegen- über führte er im Rahmen der einlässlichen Anhörung dazu widersprüch- lich aus, erst ab dem Jahr 2003 als Impfhelfer tätig gewesen zu sei n (act. A16 S. 4 ). Der Beschwerdeführer konnte zudem weder den Namen der Organisation angeben, für welche er bis zu seiner Ausreise gearbeitet haben will, noch stimmt das von ihm angegebene Kürzel der Organisation "N._______." mit dem Kürzel überein, welc hes sich aus de r vom B e- schwerdeführer später im Verfahren eingereichten Arbeitsbestätigung er-D-1049/2010 Seite 10 gibt (act. A9/7). Dort wird die Organisation als "O._______" ("[…]") be- zeichnet. Auch konnte er beispielsweise nicht angeben, wo in Afghanistan die Organisation ihren Stützpunkt hatte (act. A1 S. 6). Auffallend ist s o- dann, dass der Beschwerdeführer keine fundierten Kenntnisse über die von ihm durchgeführten Impfungen aufwies . So führte er auf entspr e- chende Frage aus, eine Impfung sei gegen Tuberkulose erfolgt, ein e an- dere habe bewirkt, dass "Frauen gesunde Kinder auf die Welt brachten", und es seien Tropfen für Kinder, "eine Art Vitamin" , verabreicht worden (act. A1 S. 6), was angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdefüh- rer während vier bzw. fünf Jahren als "Va xinator" tätig gewesen sein will, die gewünschte Substanz in den Aussagen vermissen lässt. 5.2.2 Zwar reichte der Beschwerdeführer – wie bereits erwähnt – eine in englischer Sprache verfasste Arbeitsbestätigung der besagten Hilfsorga- nisation ein. Bei dieser handelt es sich jedoch um eine Kopie von schlechter Qualität, die zudem mit keinem Datum versehen ist. Die Zwei- fel an der Authentizität dieses Schreibens werden auch dadurch unte r- mauert, dass in diesem ausgeführt wird, der Beschwerdeführer und sein Bruder seien wegen Verbreitung des christlichen Glaubens richterlich zum Tode verurteilt worden, was mit den Aussagen des Beschwerdefü h- rers jedoch in keiner Weise übereinstimmt , sondern über diese weit h i- nausgeht. Bestätigt wurde sodann, dass der Beschwerdeführer seine Ar- beit bei der Organisation aufgenommen habe, nachdem er im Jahr 2003 einen Impfkurs erfolgreich absolviert habe. Aus dem ebenfalls als B e- weismittel eingereichten Zertifikat für die Teilnahme an einem sechsm o- natigen Impfkurs ergibt sich jedoch, dass dieser von Mai bis November 2002 vom Beschwerdeführer besucht worden sein soll (act. A9/7) und der Beschwerdeführer machte denn im Rahmen der summarischen Befr a- gung auch geltend, dass ihm im Jahr 2002 während sechs Monaten das Impfen beigebracht worden sei (act. A1 S. 2). Die genannten Umstände legen daher den Schluss nahe, dass es sich bei dem Schreiben um ein fingiertes Beweismittel handelt. 5.3 Zutreffend erwog die Vorinstanz sodann, dass der Beschwerdeführer nicht annähernd in überzeugender Weise die Gründe seiner Zuwendung zum Christentum darzulegen vermochte. So brachte er zur Begründung lediglich vor, er habe sich seit dem Jahr 2005 für das Christentum int e- ressiert, nachdem ihm ein Cousin eine Bibel übergeben und er diese g e- lesen habe. Auf die Frag e, ob er etwas über den konkreten Inhalt der B i- bel wiedergeben könne, antwortete der B eschwerdeführer lediglich, das ganze Buch sei ein Wunder ; auf nochmalige Nachfrage führte er zudem D-1049/2010 Seite 11 ergänzend aus, "er hat Tote zum Leben erweckt, er gab den Blinden das Augenlicht zurück, er hat die Lahmen zum Gehen gebracht" (act. A16 S. 6 F. 47 ff.). Zutreffend stellte die Vorinstanz in diesem Zusammenhang deshalb fest, dass sich die Angaben des Beschwerdeführers zum Inhalt der Bibel auf Allgemeinplätze beschränken würden, welche auch ohne spezifische Bibelkenntnisse wiedergegeben werden könnten. Auf die Fra- ge, was ihn am Christentum besonders angesprochen habe und warum er nicht mehr an Allah geglaubt und Zweifel am Islam gehegt habe, ant- wortete der Beschwerdeführer sodann lediglich, er habe bei seiner Arbeit die Barmherzigkeit erlebt und beim Lesen in der Bibel erfahren, dass der einzige Gott Jesus sei , zudem akzeptiere er den Islam und Mohamed nicht und je mehr er mit Christen in Kontakt gekommen sei, desto mehr habe er sich vom Islam abgewandt (act. A16 S. 6 F. 50 ff.). Die genannten Aussagen zeugen nicht davon, dass sich der Beschwerdeführer einläss- lich mit der christlichen Religion und einem Glaubenswechsel vom Islam weg und hin zum christlichen Glauben beschäftigt hat. Der Beschwerde- führer sollte aber in der Lage sein, mit eigenen Worten nachvollziehbare Gründe für diesen wesentlichen Glaubenswechsel in einer fast au s- schliesslich islamisch geprägten Gemeinschaft zu nennen. 5.4 Das vom Beschwerdeführer geschilderte Verhal ten seines Bruders am 20. Juli 2007 erweist sich sodann ebenfalls als realitätsfremd und im Ergebnis als unglaubhaft. So vermochte der Beschwerdeführer nicht ei n- leuchtend zu begründen, warum der Bruder, welcher nach Aussagen des Beschwerdeführers seit mehreren Jahren dem christlichen Glauben ve r- bunden gewesen sein soll, anlässlich einer Sammelaktion für eine Relig i- onsstätte der Dorfbevölkerung gegenüber seinen Glaubenswechsel ö f- fentlich kundgetan haben soll, musste er doch damit rechnen, in diesem Falle sein Leben und auch das seiner Familie au fs Spiel zu setzen. A b- wegig erscheint aber vor allem, dass der Bruder , ihn, den Beschwerd e- führer, vor der versammelten Dorfbevölkerung ebenfalls der Konversion zum Christentum bezichtigt haben soll und ihn und seine Familie damit ebenfalls bewusst in Gefahr gebracht haben soll ; dies obwohl der B e- schwerdeführer nach eigenen Angaben zu diesem Zei tpunkt noch gar nicht zum Christentum konvertiert war (act. A16 S. 5 F. 39). Der B e- schwerdeführer reichte sodann im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 20. Juli 2007 eine Vorladung des Sicherheitsdienstes z u den Akten (act. A9/1). Diese soll der Familie des Beschwerdeführers nach dessen Flucht ausgehändigt worden sein (act. A16 S. 10). Jedoch trägt die Vorla- dung das Ausstellungsdatum 22. Juni 2007 (1. 4. 1386) und datiert mithin einen Monat vor dem besagten Ereignis. Der Beschwerdeführer machte D-1049/2010 Seite 12 in diesem Zusammenhang geltend, dass es sich dabei um einen Schreib- fehler seitens der afghanischen Behörden handle (act. A16 S. 10 F. 104). Die eingereichte Vorladung weist aber zudem weder einen offiziellen Stempel noch andere Merkmale auf, die auf ein authentisches amtliches Dokument schliessen lassen. Es ist daher davon auszugehen, dass es sich vorliegend um eine Fälschung handelt, der kein Beweiswert z u- kommt. 5.5 Ebenso wenig kommt den in Kopie eingereichten Zeitungsartikeln ein Beweiswert zu. Lediglich ein Artikel soll sich nach Aussagen des B e- schwerdeführers auf ihn und sein Missionieren des christlichen Glaubens beziehen (act. A16 S. 11). Festzustellen ist jedoch, dass auch diese in schlechter Kopie eingereichten Ausschnitte, sehr leicht manipulier - bzw. herstellbar si nd. Bezeichnenderweise hat der Beschwerdeführer denn auch auf die Frage nach den Originalen der entsprechenden Zeitungs- ausschnitte mitgeteilt, dass man ihm diese zwar auch zugeschickt habe, sie aber verloren gegangen seien (act. A16 S. 11 F. 110). Es kann daher darauf verzichtet werden, den genauen Inhalt dieser "Zeitungsausschni t- te" durch entsprechende Übersetzungen wiedergeben zu lassen. 6. 6.1 Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh- rer sodann diverse Schreiben ein, welche bestätigen , dass der B e- schwerdeführer als Mitglied der christlichen Gemeinschaft regelmässig an Gottesdiensten und Veranstaltungen teiln ehme und im Juli 2008 das Taufgelübde geleistet habe (act. A9/9, A10, A12). Er macht mithin subjek- tive Nachfluchtgründe geltend. 6.2 Zutreffend hat die Vorinstanz in diesem Zusammenhang jedoch fes t- gestellt, dass d ie innere Einstellung des Beschwerdeführers trotz des in besagten Bestätigungsschreiben angeführten und wahrgenommenen In- teresses an der Bibel und am Christentum weiterhin zweifelhaft bleibt. So blieben die Aussagen des Beschwerdeführers im Hinblick auf die Au s- übung seines christlichen Glaubens in der Schweiz vage und unsubsta n- ziiert. Obwohl der Beschwerdeführer eng in die Farsi-sprachige christliche Gemeinde in der Schweiz eingebunden sein will und nach eigenen Anga- ben beinahe wöchentlich christliche Gottesdienste besuch t, konnte er beispielsweise keine christlichen Feiertage nennen. Auch auf Nachfrage anlässlich der direkten Anhörung im April 2008, welches chris tliche Fest im selben Monat begangen worden sei, konnte der Beschwerdeführer das Osterfest nicht nennen (act. A16 S. 12 F. 125 ff.). Er vermochte sich D-1049/2010 Seite 13 sodann weder an das genaue Datum seiner Taufe zu erinnern (act. A16 S. 11 F. 116) noch kannte er den Namen der Kirche, welche er nach eige- nen Angaben regelmässig besucht (act. A16 S. 11 F. 120). 6.3 Die gewichtigen Unglaubhaftigkeitselemente – welche auch im Hi n- blick auf die geltend gemachten fluchtauslösenden Gründe (vgl. Erw. 5 ff.) auszumachen sind –, vermochte der Beschwerdeführer auch im B e- schwerdeverfahren nicht zu entkräften. Zwar bringt er vor, er sei nicht da- von überzeugt, dass seine anlässlich beider Befragungen getätigten Au s- sagen vom anwesenden Dolmetscher korrekt übersetzt worden seien, da dieser seine Konversion zum Christentum verurteilt habe und er überdies nicht habe frei sprechen können und verweist in diesem Zusammenhang auf ein Schreiben vom 13. November 2008, in welchem er das BFM auf seine Bedenken bereits aufmerksam gemacht habe (act. 1 S. 1 f.). Den Einwänden des Beschwerdeführers kann jedoch im Ergebnis nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer richtete sich zwar in der Tat nach seiner ersten Befragung mit Schreiben vom 13. November 2008 an das BFM und bat darum, in der kommenden Anhörung zu den Asylgründen sei anstelle des Dari sprechenden muslimischen Dolmetschers ein so l- cher mit christlichem Glauben beizuziehen, der überdies Farsi – seine Muttersprache – spreche (act. A11). Zur Begründung führte der Be- schwerdeführer jedoch lediglich aus , der anwesende Dolmetscher habe das Gedankengut der Taliban in sich getragen und er selbst, der zum Christentum Konvertierte, habe grosse Schwierigkeiten mit diesem U m- stand gehabt, da er sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt gefühlt ha- be (act. A11). Dem Vorbringen sind mithin keine Anhaltspunkte zu en t- nehmen, die auf ein unkorrektes Verhalten in der Person des Dolme t- schers und auf Unregelmässigkeiten in dessen Übersetzung anlässlich der summarischen Erstbefragung schliessen lassen. Zudem ergibt sich aus der mit dem Beschwerdeführer durchgeführten Herkunftsanalyse , dass dieser der Dari-sprachigen Gemeinschaft der Hazara angehört (act. A20); Dari ist mithin seine Muttersprache und der Beschwerdeführer bestätigte denn auch anlässlich der Erstbefragung, dass er den Dari - sprachigen Dolmetscher "sehr gut" verstehe (act. A1 S. 9). Dass das BFM daher den gleichen Dolmetscher in der einlässlichen Anhörung nochmals aufbot, ist mithin nicht zu beanstanden. Sodann ist festzustellen, dass das BFM die von ihm beschäftigten Übersetzer hinsichtlich ihrer sprachli- chen Fähigkeit und charakterlichen Eignung sorgfältig aus wählt. Die Übersetzer sind angehalten, ihre Arbeit objektiv zu verrichten, und es ist ihnen insbesondere verwehrt, Aussagen zusammenzufassen, zu interpre-D-1049/2010 Seite 14 tieren oder in eigener Regie Fragen zu stellen . Dafür, dass die un- substanziierten und zum Teil widersprüchlichen Aussagen des Beschwer- deführers vorliegend das Resultat einer unkorrekten S achverhaltsauf- nahme beziehungsweise der unkorrekten Übersetzung der Asylvorbrin- gen sein soll, ist nach einer Durchsicht der Protokolle zu verneinen. So brachte der Beschwerdeführer während der durchgeführten Befragungen seine Asylgründe zunächst in freier Erzählform vor, welche danach durch gezielte Nachfragen näher erläut ert und vertieft wurden. Es ergeben sich aus den Protokollen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass es dabei zu U n- stimmigkeiten gekommen ist. Zudem bestätigte der Beschwerdeführer am Schluss der durchgeführten Befragungen jeweils nach Rückübersetzung die Korr ektheit und Wahrheit respektive Vollständigkeit de s Vorbringens unterschriftlich und brachte betreffend seinen Reiseweg sogar eine detail- lierte Ergänzung an (act. A16 S. 7). Auch der bei der d irekten Anhörung anwesende Hilfswerkvertreter, der den korrekten Ablauf der Befragung überwacht hat, brachte keine Bemerkungen betreffend die Übersetzung und die Protokollierung an. Der Einwand des Beschwerdeführer s erweist sich mithin im Ergebnis als unbehelflich. 6.4 Auch im Übrigen ergeben sich vorliegend keine hinreichend konkre- ten Anhaltspunkte auf eine objektiv begründete Furcht vor künftiger Ve r- folgung im Heimatstaat. So ist zunächst festzustellen, dass nach der gefestigten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in Afghanistan nicht von einer allgeme i- nen, alleine an das Bekenntnis zum Christentum anknüpfenden Verfo l- gungssituation im Sinne einer Kollektivverfolgung aus zugehen ist (BVGE 2009/28 E. 7 .3.3 vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-1217/2008 vom 27. Dezember 2011 E. 4.4 ff.; D -6211/2009 vom 27. Dezember 2011 E. 5.3 ff.). Die Anforderungen an die Feststellung e i- ner Kollektivverfolgung sind sehr hoch; allein die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, welches in seinen spezifischen Eigenschaften Ziel einer Verfo l- gungsmotivation ist, reicht in der Regel nicht, um eine Kollektivverfolgung zu begründen. Vielmehr kommen auch bei geltend gemachter Verfolgung aufgrund der blossen Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kollektiv die Kriterien der ernsthaften Nachteile oder der begründeten Furcht gemäss Art. 3 AsylG zur Anwendung. Solange die Übergriffe gegen das Kollektiv nicht derart intensiv und häufig sind, dass jedes Gruppenmitglied mit g u- ten Gründen befürchten muss, getroffen zu werden, müssen besondere Umstände vorliegen, damit bereits aufgrund der blossen Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kollektiv die Ernsthaftigkeit der Nachteile oder Begrün-D-1049/2010 Seite 15 detheit der Furcht als erfüllt betrachtet werden können (vgl. EMARK 2006 Nr. 1 E. 4.3, S. 3 f., mit weiteren Hinweisen). Solche Umstände liegen zurzeit in Afghanistan nicht vor. Namentlich geht auch das UNHCR (Uni- ted Nations High Commissioner for Refugees ) nicht von einer Kollekti v- verfolgung aus, sondern betont die Notwendigkeit der individuellen Pr ü- fung in jedem Fall, ob konkret eine Gefährdung aufgrund der Konvers ion bestehe (vgl. dazu insbesondere UNHCR Eligibility Guidelines for Asse s- sing the International Protection Needs of Asylum-Seekers from Afghanis- tan, Juli 2009, S. 18). Der Beschwerdeführer vermochte jedoch eine allfällige, individuell dr o- hende Gefährdung aufgrund seiner Teilnahme an christlichen Veransta l- tungen in der Schweiz nicht hinreichend geltend zu machen. Es wird denn auch nicht aufgezeigt, dass die se überhaupt jemanden in Afghanis- tan, wo er eigenen Angaben zufolge seit Juli 2007 nicht mehr gelebt h at und seither auch seine Familie nicht mehr dort lebt, bekannt geworden wäre. Insbesondere ist nicht ersichtlich, wie oder durch wen der afghan i- sche Staat oder Dritte Kenntnis von seiner Betätigung erhalten haben sollte und weshalb gerade der Beschwerdeführer individuelle und gezielte Übergriffe gewärtigen müsste. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnte. Auch die Vorbringen in der Rechtsmittelschrift sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurtei- lung der angefochtenen Verfügung zu führen, da de n vorinstanzlichen Erwägungen k eine stichhaltigen und substanziierten Gründe entgege n- gehalten werden. Die Vorinstanz hat daher zu Recht und mit im Wesentli- chen zutreffender Begründung die Flüc htlingseigenschaft des Beschwer- deführers verneint und das Asylgesuch abgewiesen. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt d abei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordne t (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). D-1049/2010 Seite 16 8.3 Der Beschwerdeführer verfügt über eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz, weshalb sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Z u- mutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen ( vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist daher abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten grund- sätzlich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Der Beschwerdeführer hat um unentgeltliche Pr o- zessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. Gemäss dieser Besti m- mung befreit die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die erfo r- derlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskos- ten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Die Beschwerdea n- träge des Beschwerdeführers erschienen nicht von vornherein aussicht s- los. Zudem ist er aufgrund seiner aktuellen finanziellen Situation, welche den eingereichten Unterlagen zu entnehmen ist (act. 27), als bedürftig anzusehen, zumal er derzeit arbeitslos ist und A rbeitslosengeld bezieht und ungedeckte Spitalkosten zu begleichen hat . Das Gesuch ist daher gutzuheissen und es sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-1049/2010 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen und es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Constance Leisinger Versand: