Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Dezember 2014 (720 13 133 / 308) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gerichtsgutachten, Schmerzproblematik überwindbar Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Kathrin Bichsel , Advok a- tin, Blumenrain 3, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1976 geborene A.____ war vom 1. Januar 2000 bis 31. Dezember 2007 bei der B____AG als Betriebsmitarbeiter angestellt. Am 18. Mai 2009 meldete er sich unter Hinweis auf Rückenschmerzen und Schlafstörungen bei der Eidgenö ssischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV- Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhä ltnisse abgeklärt und zudem berufliche Massnahmen durchgeführt hatte, ermittelte sie beim Versicherten einen Invaliditätsgrad von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 20%. Gestützt auf dieses Ergebnis und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wies sie einen Anspruch von A.____ auf eine Rente mit Verfügung vom 19. März 2013 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Kathrin Bichsel, am 6. Mai 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei die Verfügung vom 19. März 2013 aufzuheben und die Ange- legenheit für weitere Abklärungen an die Vorinstanz zu rückzuweisen. Eventualiter sei ihm rück- wirkend ab 1. November 2009 eine ganze Rente zuzusprec hen; unter o/e-Kostenfolge. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Durchführ ung einer Parteiverhandlung und die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advok atin Bichsel als unentgeltliche Rechts- vertreterin. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass die angefochtene Verfügung auf unzureichenden medizinischen Akten beruhe. C. Mit Verfügung vom 7. Mai 2013 wurde dem Beschwerde führer für das vorliegende Ver- fahren die unentgeltliche Prozessführung und die unent geltliche Verbeiständung mit Advokatin Bichsel als Rechtsvertreterin bewilligt und auf die Erheb ung eines Kostenvorschusses verzich- tet. D. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Juni 2013 schloss die IV- Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Am 4. November 2013 reichte der Beschwerdeführer d em Kantonsgericht einen Be- richt von Dr. med. C.____, FMH Praktischer Arzt, vom 23. S eptember 2013 sowie einen Bericht von Dr. med. D.____, Institut für Radiologie, Klinik E.____, vom 27. September 2013 ein. F. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 7. November 2 013 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der A ngelegenheit gestützt auf die vor- handenen medizinischen Akten nicht möglich sei. Es hielt fest, dass die dem Entscheid zugrun- de liegende Gutachten von Dr. med. F.____, FMH Inner e Medizin und Rheumatologie, vom 22. November 2010 und Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. No- vember 2011 keine überzeugende Beurteilung des Gesundhe itszustandes und der Arbeitsfä- higkeit des Versicherten enthalten und ihnen deshalb ke ine ausschlaggebende Beweiskraft zu- komme. In der Folge stellte es den Fall aus und ordnete beim Begutachtungsinstitut H.____ ein rheumatologisches und ein psychiatrisches Gutachten an. Na chdem die Parteien gegen die Gutachterstelle Ablehnungsgründe geltend gemacht hatten, beauftragte das Kantonsgericht am 20. Februar 2014 die MEDAS I.____ mit der Begutachtu ng des Beschwerdeführers. Das Gut- achten wurde am 22. Mai 2014 erstattet. G. Mit Eingaben vom 4. Juni 2014 und 25. Juli 2014 nah men die Parteien zum Gutachten sowie zu den Auswirkungen der medizinischen Beurteilung a uf den Leistungsanspruch Stel- lung, wobei sie an ihren Anträgen festhielten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Am 23. September 2014 liess der Beschwerdeführer de m Kantonsgericht einen weite- ren Bericht von Dr. C.____ vom 18. Juli 2014 zukommen. Hierzu nahm die Beschwerdegegne- rin am 14. Oktober 2014 Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 6. Mai 2013 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 19. März 2013 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden p sychischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Zu den psych ischen Gesundheitsschäden gehören somit neben den eigentlichen Geisteskrankheiten auch seelisch e Abwegigkeiten mit Krank- heitswert. Nicht als Auswirkungen einer krankhaften seelisc hen Verfassung und damit invali- denversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Beein trächtigungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden vermöchte, wobei das Mass d es Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt werden muss (BGE 131 V 50 f. E. 1.2, 130 V 353 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). 3.4.2 Das Bundesgericht hat in Bezug auf somatoforme S chmerzstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und sämtliche pathogenetisch- ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage (pathogenetisch-ätiologisch unkla- re Beschwerden) erkannt, dass diese Leiden als solche ke ine Invalidität begründen (vgl. BGE 136 V 283 E. 3.3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 4. Dezember 2012, 8C_483/2012, E. 4.2; je mit weiteren Hinweisen). Vielmehr besteht eine Vermutung, dass sie bzw. ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar si nd (BGE 131 V 50 E. 1.2). Ob ein Ab- weichen von diesem Grundsatz angezeigt ist, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiede- ner Kriterien. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbe wältigung intensiv und konstant be- hindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsproze ss unzumutbar machen, weil die versi- cherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mi t den Schmerzen notwendigen Res- sourcen verfügt. Im Vordergrund steht die Feststellung e iner psychischen Komorbidität von er- heblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sei n können auch weitere Faktoren, so: (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen; (2) ei n mehrjähriger, chronifizierter Krank- heitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Sym ptomatik ohne längerdauernde Rückbil- dung; (3) ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebe ns; (4) ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); (5) das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägte r sich die entsprechenden Befunde dar- stellen, desto eher sind – ausnahmsweise – die Voraussetzun gen für eine zumutbare Willens- anstrengung zu verneinen (BGE 131 V 50 f. E. 1.2, 130 V 353 ff. E. 2.2.3; je mit zahlreichen Hinweisen). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 20 08 anwendbaren Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vier- telsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de s medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbar keit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn g egensätzliche Meinungsäusserungen ande- rer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheine n, die Schlüssigkeit des Gerichtsgut- achtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Er gebnis des Gerichtsgutachtens ab- weichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E . 3b/aa mit Hinweisen). Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltun gsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind im Wesentlichen die folgenden medizi- nischen Unterlagen zu berücksichtigen: 7.1 Die IV-Stelle beauftragte Dr. F.____ mit einer Begutachtung des Beschwerdeführers. Am 22. November 2010 diagnostizierte er mit Auswirkung a uf die Arbeitsfähigkeit eine serone- gative Spondylarthropathie, derzeit undifferenzierte F orm. Aktuell bestünde ein Dauerschmerz lumbal, bis in den Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) ausstrahlend. Ein eigentlicher Schmerz- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rhythmus sei nicht vorhanden. Der Explorand zeige sich während der gesamten Exploration bedrückt. Er wirke aber absolut glaubwürdig in seinen A ngaben. Bildgebende Verfahren hätten im Jahr 2007 eine geringfügige Arthritis des Iliosakralg elenks (ISG) beidseits gezeigt. Es sei davon auszugehen, dass eine milde Form einer seronegati ve Spondylarthropathie vorliege, die auf das ISG begrenzt gewesen sei und zu einer ISG-Ent zündung geführt habe. Diese zeige heute kein akutes Ausmass mehr und lasse sich seit 2009 bild gebend nicht mehr nachweisen. Sie könne aber nur einen Teil der geklagten Beschwerden erklären. Für eine überlagernde psy- chische Komponente sprechen die fehlende Modulation der Schmerzen, der soziale Rückzug des Exploranden, sein Verhalten während der heutigen Exploration und die von der Ehefrau des Versicherten beschriebene Gesamtsituation. Die psychische Komponente würde heute das gesamte Krankheitsgeschehen klar dominieren und müsse zu sätzlich evaluiert werden. Die bestehende entzündliche Grunderkrankung würde die Arbei tsfähigkeit zwar einschränken. Für eine leichte wechselbelastende Tätigkeit bestünde aber bezogen auf ein Ganztagespensum seit Ende 2007 eine volle Arbeitsfähigkeit. 7.2 Am 20. April 2011 hielt der behandelnde Arzt Dr. med. J.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, zum Gutachten von Dr. F.____ fest, dass d ieses zwar sorgfältig verfasst und umfassend sei. Nicht einverstanden sei er jedoch mit de r Beurteilung, wonach es sich nur um eine milde Form einer ISG-Arthritis handle und der h eute überwiegende Anteil psychisch be- dingt sei. Trotz fehlendem radiologischem Nachweis könne ein behandlungsbedürftiger aktiver ISG-entzündlicher Prozess bestehen. Es sei davon auszugehen , dass der Beschwerdeführer auf die Medikamente nicht anspreche. Das Vorliegen von psychischen Beschwerden mit de- pressivem Einschlag sei möglich, aber nicht sicher. 7.3 In seiner Stellungnahme vom 23. August 2011 hielt Dr. F.____ fest, dass keine Differen- zen zwischen ihm und Dr. J.____ in Bezug auf die Diagnose bestehen würden. Weiter sei Dr. J.____ insofern beizupflichten, dass die Grenze zwische n Psyche und Soma nicht klar zu ziehen sei. Meinungsverschiedenheiten bestünden aber bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit. 7.4 Die IV-Stelle beauftragte Dr. G.____ mit einem Gutachten, welches am 21. November 2011 erstattet wurde. Darin stellte er keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Es bestünden auch keine Anhaltspunkte für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Eine depressive Störung könne ebenfalls nicht diagnostiziert w erden. Der Explorand zeige eine aus- geprägte Krankheitsüberzeugung und wenig Motivation, sich aktiv um seine Genesung zu be- mühen. Aus psychiatrischer Sicht sei es ihm zumutbar, trotz der geklagten Beschwerden, die notwendige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit nachge- hen zu können. 7.5 Der behandelnde Arzt Dr. C.____ diagnostizierte am 5. Juli 2012 eine andauernde Per- sönlichkeitsänderung beim chronischen Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8). Vor dem Hintergrund der seit Jahren bestehenden chronifizierten Symptomati k bestünde im ersten Arbeitsmarkt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80%. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.6 Am 26. Oktober 2012 hielt Dr. G.____ ergänzend f est, dass entgegen der Ansicht des behandelnden Arztes Dr. C.____ keine andauernde Persön lichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom bestünde. In einer leichten, wechselbelast enden Tätigkeit sei der Versicherte vollständig arbeits- und leistungsfähig. 7.7 In seiner Stellungnahme vom 24. April 2013 führte der behandelnde Arzt Dr. med. K.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, aus, es sei davon aus- zugehen, dass beim Versicherten mittlerweile eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen vorliege. Das Ausmass des Leidens sei bildgebend nicht quantifizier- bar. Die Schmerzanamnese, die psychomotorische Präsenta tion des Versicherten sowie die fremdanamnestischen Angaben dessen Ehefrau würden aber auf ein chronisches Schmerzsyn- drom mit somatischen und psychischen Anteilen passen (ICD -10 F45.41). Seines Erachtens betrage die Arbeitsunfähigkeit mindestens 50%. 8. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfü gung vom 19. März 2013 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vollumfängl ich auf die Gutachten von Dres. F.____ und G.____ 22. November 2010 und 21. Nove mber 2011. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sic ht die Ausübung einer leidens- adaptierten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hier- vor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens einge holten Gutachten externer Spezial- ärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise s prechen. Anlässlich der ersten in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsberatung vom 7. November 2013 gelangte das Kantons- gericht allerdings zur Auffassung, dass den beiden Gutach ten der Dres. F.____ und G.____ keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. Im Vergleich zu den aktenmässig belegten Beurteilungen der behandelnden Ärzte Dr. J.____, Dr. C.____ und Dr. K.____ bestünden näm- lich unüberbrückbare Widersprüche, welche die Verwaltun g nicht durch objektiv begründete Argumente entkräftet habe. Auch wenn die Aussagen der b ehandelnden Ärzte keine vollständi- gen bzw. zureichenden Begründungen enthalten würden, liessen sie dennoch Zweifel an der Beurteilung der Dres. F.____ und G.____ aufkommen. Da auch die übrigen bei den Akten lie- genden medizinischen Berichte keine verlässliche Entscheidgrundlage bilden würden, seien die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht a usreichend beweiskräftig. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur weiteren Abklärung des mas- sgebenden medizinischen Sachverhalts ein rheumatologische s und psychiatrisches Gerichts- gutachten in Auftrag zu geben, mit dessen Erstellung die MEDAS I.____ beauftragt wurde. 9. Am 22. Mai 2014 diagnostizierten die Gerichtsgutach ter mit Einfluss auf die Arbeitsfä- higkeit ein chronisches unspezifisches thorakolumbales Schmer zsyndrom, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD -10 F62.80) und eine chroni- sche depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Ep isode ohne somatischem Syndrom (ICD-10 F32.0). In somatischer Hinsicht seien weder ein e ISG-Arthritis noch eine Entzündung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Sehnenansätze eindeutig dokumentiert noch erhöhte Entzündungsparameter nachgewie- sen worden. Ausserdem lasse sich keine erhebliche Belastu ng mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen nachweisen und der Versicherte spreche auf entzündungshemmende Medika- mente nicht an. Trotz potenter Entzündungshemmung sei d ie geklagte Symptomatik stets die gleiche geblieben. Weiter seien nie andere mögliche Ma nifestationen einer entzündlich- rheumatischen Affektion nachgewiesen worden. Die immer als gleicher Dauerschmerz geklag- ten Rückenbeschwerden seien nicht typisch entzündlich und w ürden auch nicht speziell dort empfunden, wo die fraglichen MRT-Befunde vorliegen. D as subjektiv ausgesprochen hohe Schmerzniveau anlässlich der Begutachtung durch Dr. F.____ bei nur minimen objektivierbaren Befunden sowie das völlige Nichtansprechen auf somatische Therapien würden auf ein somato- formes Geschehen hinweisen. Die Tatsache, dass der Beschwer deführer tagsüber viel liege, sei untypisch für Patienten mit einer Spondylarthropath ie. Diesen Patienten gehe es unter Be- wegung besser. Insgesamt sei – entgegen der Ansicht von D r. J.____ und Dr. F.____ – davon auszugehen, dass keine rheumatische Erkrankung resp. entzü ndlich-rheumatische Affektion vorliege. In psychiatrischer Hinsicht sei nicht nachvollziehbar, weshalb Dr. G.____ die Diagnose der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nicht gestellt ha- be. Die Belastungen seien derart ausgeprägt, dass ein Einfluss auf den Verlauf der Schmerz- problematik nicht ausgeschlossen werden könne. Weiter be stünden Zweifel an dessen Ein- schätzung in Bezug auf den Schweregrad der depressiven Ve rstimmung. Auch Dr. C.____ äussere sich nicht explizit zur Depression. Aktuell sei ein e leichte Depression zu bejahen. Die depressive Verstimmung sei eine Folge der Schmerzen. In A nlehnung an das Mini-ICF- Instrumentarium liessen sich keine vollständigen oder schweren Einschränkungen feststellen. In Bezug auf die Anpassung an Regeln und Routinen, Flexi bilität und Umstellungsfähigkeit, Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kont aktfähigkeit zu Dritten und ausserberufli- chen Spontanaktivitäten sei der Versicherte mittelschwer e ingeschränkt. Leicht beeinträchtigt sei er bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Anwendung fachlicher Kompetenz, der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, der Gruppenf ähigkeit, der familiären bzw. intimen Be- ziehungen und bei der Verkehrsfähigkeit. Bei der Selbst pflege sei keine Einschränkung fest- stellbar. Für die bisherige Tätigkeit als Fabrikarbeiter bestünde eine Einschränkung der Arbeits- fähigkeit von 25%. Zufolge der bestehenden Konzentrati ons- und Antriebsstörungen, der Ver- langsamung und der erhöhten Müdigkeit seien dem Versic herten angepasste Tätigkeiten im Umfang von 80% zumutbar. Weiter hielt der psychiatrische Gutachter fest, dass keine psychi- sche Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität un d Ausprägung im Sinne der von der Rechtsprechung geforderten Kriterien vorliegen würde und die Behandlungsoptionen noch nicht ausgeschöpft seien. Ferner lasse sich kein verfestigter, th erapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewäl- tigung eruieren. Insgesamt seien die Kriterien des B undesgerichts nicht in einem Ausmass er- füllt, dass eine unzumutbare Willensanstrengung zu bejahen wäre. 10.1 In seiner Stellungnahme zum Gerichtsgutachten vom 25. Juli 2014 führte der Beschwer- deführer aus, er habe den Eindruck, dass ihm der rheumat ologische Fachgutachter die Intensi- tät der Schmerzen nicht „abgekauft“ und Mühe gehabt habe, seine kulturellen, sprachlichen und herkunftsmässigen Barrieren zu erfassen. Es sei fraglich, ob seine Beurteilung neutral sei. Es spreche alles dafür, dass die Diagnose der seronegativen Spondylarthropathie gestellt werden Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht müsse. Die Schlussfolgerungen des Gutachters seien weder nachvollziehbar noch logisch noch schlüssig. Ein weiteres rheumatologisches Gutachten sei wohl erforderlich. Weiter sei er mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im psychiatrischen Guta chten nicht einverstanden; sie unter- scheide sich von der Einschätzung des behandelnden Arztes D r. C.____, wonach von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80% auszugehen sei, erheblich. In einer weiteren Stellungnahme vom 23. September 2 014 liess der Beschwerdeführer unter Beilage eines Berichts von Dr. C.____ vom 18. Juli 201 4 ausführen, dieser komme zum Schluss, dass seit mindestens zwei Jahren ein chronisches Schmerzsyndrom bestehe, welches seine Person nachhaltig verändert habe. Dr. C.____ hab e die entsprechende Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsveränderung bei chronischem S chmerzsyndrom (ICD-10 F62.8) gestellt und begründet. 10.2 Die IV-Stelle hielt in ihrer Eingabe vom 4. Jun i 2014 fest, dass bei einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit von 80% - selbst bei Berücksichtigung eines grosszügigen Abzugs vom Tabellenlohn von 20% - ein rentenausschliessender IV-Gr ad von 36% resultiere. Die rentenab- lehnende Verfügung vom 19. März 2013 sei daher nicht zu beanstanden. 11.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsb arkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorl iegend sind keinerlei Gründe er- sichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des Ger ichtsgutachtens vom 22. Mai 2014 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutach- ten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrund- lage in jeder Hinsicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.2 hiervor ) - für die streitigen Belange umfas- send, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berü cksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und es leuchtet in der Darlegung der medi- zinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Sodann weist das Gutachten keinerlei Widersprüche auf und es setzt sich auch mit den bei den Akten liegen- den (abweichenden) fachärztlichen Einschätzungen auseina nder. Es wird deutlich, dass der Versicherte keine rheumatische Erkrankung resp. entzündlich -rheumatische Affektion aufweist. Bejaht wird aber eine Schmerzerkrankung. Auch die fach ärztliche Einschätzung der Arbeitsfä- higkeit ist nachvollziehbar begründet. Somit ist die Beurteilung im Gutachten der MEDAS I.____ sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhäng e als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend und lässt eine zuverlässige Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit des Versicherten zu. 11.2 Daran vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführe rs nichts zu ändern. Soweit er die Zuverlässigkeit des rheumatologischen Gerichtsgutachters in Frage stellt, kann ihm nicht ge- folgt werden. Vielmehr legte der Gutachter nach eing ehender Anamnese und Untersuchung sowie nach sorgfältiger Würdigung der medizinischen Akt en überzeugend dar, weshalb beim Versicherten das Vorliegen einer rheumatischen Erkrankung resp. einer entzündlich- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht rheumatischen Affektion zu verneinen ist. Hinweise für e ine nicht neutrale Beurteilung des Ge- richtsgutachters sind – entgegen der Ansicht des Beschwerd eführers – nicht ersichtlich. Auch die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des psychiatrische n Gerichtsgutachters ist nachvollziehbar. Abgesehen davon, dass rechtsprechungsgemäss der Erfahrun gstatsache Rechnung zu tragen ist, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen, benennt Dr. C.____ in seinen Berichten keine Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Insgesamt vermögen die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers die ausschlaggebende Beweiskraft des Gerichtsgutachten s nicht in Zweifel zu ziehen. Vielmehr lässt das Gutachten der MEDAS I.____ vom 22. Ma i 2014 eine zuverlässige Beurtei- lung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit des Versicherte n zu, weshalb in antizipierter Beweis- würdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen H inweisen) auf die vom Beschwerdefüh- rer beantragte zusätzliche Abklärung verzichtet werden kann. 12. Nach dem Gesagten sind dem Versicherten aus ärztlicher Sicht angepasste Tätigkeiten im Umfang von 80% zumutbar. Zu beachten ist, dass eine le ichte depressive Episode im Sinne des Diagnosecodes F32.0 nach ICD-10 praxisgemäss keine Kom orbidität von erheblicher Schwere und Ausprägung darstellt (Urteil des Bundesge richts vom 26. September 2011, 8C_420/2011, E. 2.5). Da – nach den Ausführungen de s psychiatrischen Gerichtsgutachters – auch die übrigen von der Rechtsprechung zusätzlich geforderten Kriterien (vgl. E. 3.4.2 hiervor) bei der Beurteilung von pathogenetisch-ätiologisch unkl are Beschwerden nicht erfüllt sind, ist davon auszugehen, dass die Schmerzproblematik überwindbar und dem Versicherten die Auf- nahme einer Erwerbstätigkeit zumutbar ist. Aus diesem G rund erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Einkommensvergleich und es ist mit der IV-Stelle davon auszu- gehen, dass der Versicherte ein rentenausschliessendes Erwe rbseinkommen erzielen könnte. Die angefochtene Verfügung vom 19. März 2013, mit wel cher der Anspruch der Beschwerde- führerin auf eine IV-Rente verneint wurde, ist im Er gebnis nicht zu beanstanden und die dage- gen gerichtete Beschwerde deshalb abzuweisen. 13. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 13.1.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahre ns- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Danach wäre vo rliegend der Versicherte unterliegen- de und die IV-Stelle obsiegende Partei. In diesem Zusammenhang gilt es nun allerdings folgen- de Besonderheit zu berücksichtigen: Hebt das Kantonsge richt eine bei ihm angefochtene Ver- fügung auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterlie gende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). Hält m an sich diese Rechtsprechung vor Augen, so erscheint es richtig, die Beschwerde führende Partei be i der Verlegung der Prozesskosten - unabhängig vom effektiven Verfahrensausgang - auch dan n als obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei zu behandeln, wenn zur Durch führung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Fra ge gekommen wäre, eine sol- che indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfa irness entfallen ist. Eine solche Kons- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tellation liegt hier vor. Bei der nachfolgenden Verle gung der Verfahrens- und der Parteikosten ist deshalb der Versicherte grundsätzlich als obsiegende u nd die IV-Stelle als unterliegende Partei zu behandeln. 13.1.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 in der Regel in angemesse nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 13.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, we nn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nach träglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. B GE 137 V 265 f. E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unter- suchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigke it, eine Gerichtsexpertise anzu- ordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio nen der Fall: Wenn ein manifester Wider- spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztl ichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründet e Argumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt ha be, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwal- tung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive kon- vergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rech tsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Geri chtsgutachtens an sie nicht gerecht- fertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; zum Ganzen : BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hin- weisen). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der Urteilsberatung vom 7. November 2013 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestüt zt auf die damals vorhandene Ak- tenlage nicht möglich war. Wie in Erwägung 8 ausgeführ t, wiesen die vorliegenden medizini- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Akten manifeste Widersprüche auf, die weder von den Gutachtern Dres. F.____ und G.____ noch von der Beschwerdegegnerin genügend entkräft et wurden. Demnach wies das Verwaltungsverfahren Untersuchungsmängel auf, die eine Gerichtsexpertise notwendig mach- ten. Die Kosten des Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss eingereichter Honorarnote vom 22. Mai 2014 auf Fr. 7‘272.80 belaufen, sind unter diesen Umständen der Vorinstanz aufzuerle- gen. 13.3 Angesichts der Tatsache, dass zur Durchführung der vo m Gericht als notwendig erach- teten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage gek ommen wäre, eine solche in- dessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairnes s entfallen ist, ist der Beschwerde füh- renden Person grundsätzlich auch dann eine volle Partei entschädigung zu Lasten der Verwal- tung zuzusprechen, wenn die Beschwerde gestützt auf di e Ergebnisse des Gerichtsgutachtens abzuweisen ist. Demnach ist dem Beschwerde führenden Ver sicherten eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsver treterin des Beschwerdeführers hat in ihren Honorarnoten vom 29. Juli 2013, 7. November 2 013 und 20. Oktober 2014 für das vor- liegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 25,25 Stunden und Auslagen von insge- samt Fr. 346.15 ausgewiesen, was angesichts der sich stellen den Sachverhalts- und Rechts- fragen sowie des Aktenumfangs noch knapp angemessen ist. Damit ist dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteient schädigung in der Höhe von Fr. 7‘191.35 (25,25 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 346.15 zuzüglich 8% MwSt.) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 7‘272.80 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 7‘191.40 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht