B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-8002/2016 U r t e i l v o m 3 . M ä r z 2 0 1 7 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Arthur Brunner. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 23. November 2016 / N (…). E-8002/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer ist eritreischer Staatsangehöriger und hatte sei- nen letzten Wohnsitz in B._______ (Zoba Debub, Subzoba Adi Quala). Ei- genen Angaben zufolge verliess er sein Heimatland im April 2014 und ge- langte über den Sudan nach Libyen. Von Libyen aus überquerte er in einem Boot das Mittelmeer und kam mit Hilfe der Küstenwache in Italien an Land. Über Vicenza und Mailand reiste er am 16. Oktober 2014 in die Schweiz ein, wo er am Tag darauf um Asyl nachsuchte. Am 28. Oktober 2014 wurde er summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Die ausführliche Anhörung zu den Asylgründen fand am 15. Mai 2015 statt. A.b Im Rahmen dieser Befragungen machte der Beschwerdeführer im We- sentlichen geltend, 2004 sei im Laufe seines zwölften Schuljahr es in C._______ festgestellt worden, dass er aus medizinischen Gründen für den Militärdienst untauglich sei. Er sei daraufhin ausgemustert worden und habe eine entsprechende behördliche Bestätigung erhalten; auf Anwei- sung der Regierung hin sei ihm die Ausm usterungskarte 2007 abgenom- men und stattdessen ein befristeter, verlängerbarer Passierschein ausge- stellt worden. Zwischen 2008 und 2010 sei er trotz Vorlage des Passier- scheins drei Mal angehalten, überprüft und teilweise geschlagen worde n. Nach kurzer Dauer habe er jedoch jeweils wieder nach Hause gehen kön- nen. Danach sei es zu keinen Problemen mehr gekommen. Im Mai 2013 sei er trotz seiner Untauglichkeit aufgefordert worden, sich dem Militär- dienst zu stellen. Er sei daraufhin sofort nach D._______ geflohen, wo er für ein Jahr versteckt gelebt und in der Goldförderung gearbeitet habe. Weil die Behörden ihn zu Hause nicht angetroffen hätten, sei seine Mutter an seiner statt für zwei Wochen in Haft genommen worden. Im Februar 2014 sei er jedoch nach Hause zurü ckgekehrt, um seine Frau zu heiraten. Da- nach habe er sich ohne Behelligungen zu Hause aufhalten können. Am 15. April 2014 habe er erneut eine Aufforderung erhalten, sich am 16. April 2014 in E._______ dem Militärdienst zu stellen. Erneut habe er sich für einige Tage versteckt. Weil er nicht in den Militärdienst habe einrücken wol- len, habe er sich zur illegalen Ausreise entschlossen. B. Mit Verfügung vom 23. November 2016 – eröffnet am 24. November 2016 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus E-8002/2016 Seite 3 der Schweiz. Aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea schob es den Vollzug der Wegweisung gleichzeitig zu Guns- ten einer vorläufigen Aufnahme auf. C. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2016 (Poststempel: 23. Dezember 2016) focht der Beschwerdeführer die Verfügung des SEM vom 23. November 2016 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. In prozessua- ler Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde beigelegt war eine Bestätigung der Gemeinde F._______ vom 15. Dezember 2016, wonach der Beschwerdeführer mit wirtschaftli- cher Hilfe unterstützt werde. D. Am 28. Dezember 2016 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein- gang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 A sylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer E-8002/2016 Seite 4 Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). Dass dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gewährt wird (vgl. unten, E. 6), die Beschwerde also als nicht aussichtslos zu qualifizieren ist, steht einer Behandlung der Beschwerde im Verfahren nach Art. 111 Bst. e AsylG in bestimmten Konstellationen nicht entgegen. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn sich die Beschwerde aufgrund neuer Erkenntnisse oder einer geänderten Rechtsauffassung während des Beschwerdeverfahrens als offensichtlich unbegründet er- weist (vgl. Urteil des BVGer E -8098/2015 vom 26. April 2016, E. 2.2.2). Zwar decken sich die Begriffe der Aussichtslosigkeit (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und der offensichtlichen Unbegründetheit (Art. 111 Bst. e AsylG) materiell weitgehend. Für die Prüfung der offensichtlichen Unbegründetheit (Art. 111 Bst. e AsylG) ist jedoch der Urteilszeitpunkt massgebend, während für die Beurteilung der Aussichtslosigkeit der Beschwerdebegehren (Art. 65 Abs. 1 VwVG) auf den Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung abzustellen ist (BGE 133 III 614 E. 5). Insofern ist nic ht ausgeschlossen, dass eine als nicht aussichtslos zu beurteilende Beschwerde – wie hier – als offensicht- lich unbegründet abgewiesen wird. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 3.2 Beruft sich eine Person darauf, dass durch ihre illegale Ausreise (sog. Republikflucht) oder durch ihr Verhalten nach der Ausreise aus dem Hei- mat- oder Herkunftsstaat (insbesondere durch politische Exilaktivitäten) eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, hat sie begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Her- kunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit vom fraglichen Umstand er- fahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrecht- lich relevanter Weise ver folgt würde (Urteil des BVGer E -5232/2015 vom 3. Februar 2015, E. 5.3). E-8002/2016 Seite 5 Durch Republikflucht zum Flüchtling wird demzufolge, wer sich aufgrund der unerlaubten Ausreise mit Sanktionen seines Heimatstaates konfrontiert sieht, die bezüglich ihrer Art, ihres Ausmasses und der politischen Motiva- tion des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen (CARONI/GRASDORF-MEYER/OTT/SCHEIBER, Migrationsrecht, 3. Aufl. 2014, S. 239, 241). Solch subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 3.3 Das Bundesverwaltungsgericht ging in seiner bisherigen Rechtspre- chung davon aus, dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver Nachfluchtgrund anzusehen war, weil illegal Ausgereiste bei einer Rück- kehr nach Eritrea mit erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen mussten (vgl. Urteil des BVGer D -3892/2008 vom 6. April 2010, E. 5.3.3). Diese Rechtsprechung wurde jüngst aufgege ben. Das Bundesverwal- tungsgericht kam im Urteil D -7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Refe- renzurteil publiziert) nach einer eingehenden quellengestützten Lageana- lyse (E. 4.6-4.11) zum Schluss, dass die bisherige Praxis, wonach eine il- legale Ausreise per se zur Flüchtlingseigenschaft führte, nicht mehr auf- rechterhalten werden könne (E. 5.1). Es sei nicht mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung drohe (a.a.O.). Nicht asylrelevant sei auch die Möglichkeit, dass jemand nach der Rück- kehr in den Nationaldienst eingezogen werde; ob eine drohende Einzie- hung in den Nationaldienst unter dem Blick winkel von Art. 3 EMRK und Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betreffe die Frage der Zulässigkeit bzw. Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (a.a.O.). Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedürfe es neben der illega- len Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Verschär- fung des Profils und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver- folgungsgefahr führen könnten (E. 5.2). 3.4 Eine asylsuchende Person muss diese zusätzlichen Anknüpfungs- punkte nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 E-8002/2016 Seite 6 AsylG). Glaubhaft g emacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege- ben hält (Art. 7 Abs. 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüch- lich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge- fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG). Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zweifel. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sach- verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine ob- jektivierte Sichtweise abzustellen. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdi- gung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände ge- gen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1). 3.5 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung im Asylpunkt im Wesentlichen damit, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er sich vor seiner Ausreise der Wehrdienstpflicht entzogen habe . Seine Befürchtung, in Zukunft trotz Dienstuntauglichkeit in den Militärdienst eingezogen und wegen Wehrdienstverweigerung bestraft zu werden, sei nicht asylrelevant. Den drei Anhaltungen zwischen 2008 und 2010 mangle es an der erforderlichen Intensität, um als asylrechtlich beachtliche ernst- hafte Nachteile qualifiziert zu werden. Auch die illegale Ausreise aus Eritrea sei aufgrund einer aktuellen Lageeinschätzung zur Behandlung von Rück- kehrern asylrechtlich unbeachtlich. 3.5.1 In Bezug auf die angebliche Wehrdienstverweigerung vor der Aus- reise hielt die Vorinstanz fest, es falle auf, dass der Beschwerdeführer die Vorladungen in der ausführlichen Anhörung zunächst nicht erwähnt habe. Er habe lediglich behauptet, dass in dieser Zeit selbst Frauen mit Kindern und vom Militärdienst ausgemusterte Personen wie er aufgefordert worden seien, ein Gewehr zu tragen. Erst auf die Frage hin, die Aufforderung kon- kret zu beschreiben, habe er ausgesagt, eine schriftliche Vorladung erhal- ten zu haben. Die diesbezügliche Schilderung – insbesondere der zweiten Vorladung – sei jedoch kurz und oberflächlich ausgefallen und habe nicht den Eindruck vermittelt, dass er das Geschilderte persönlich erlebt habe. So habe er diesbezüglich in genereller Manier ausgesagt, dass die Regie- rung durch Verordnung beschlossen habe, jede Person müsse ein Gewehr tragen und dass deswegen viele Leute ausgereist seien; er selber habe sich zur Ausreise entschlossen, weil er nicht habe inhaftiert werden wollen. E-8002/2016 Seite 7 Die Schilderung der zweiten Vorladung sei darüber hinaus widersprüchlich ausgefallen. So habe er beispielsweise verschiedene Angaben zum Auf- enthaltsort seiner Ehefrau zum Zeitpunkt des Erhalts der Vorladung ge- macht. Insgesamt habe er den Ablauf der Ereignisse inhaltlich und chrono- logisch nicht so schildern können, dass sich ein nachvollziehbares Bild der Geschehnisse ergebe. Es erstaune überdies, dass er trotz der Vorladung im Mai 2013 und eines darauffolgenden gescheiterten Festnahmeversuchs wenige Monate später – im Februar 2014 – für die Heirat in sein Heimatdorf habe zurückkehren können, ohne von den Behörden entdeckt worden zu sein. 3.5.2 Bezüglich der Befürchtung des Beschwerdeführers trotz Dienstun- tauglichkeit zukünftig ins eritreische Militär eingezogen zu werden, liegt ge- mäss Vorinstanz keine begründete Furcht im Sinne von Art. 3 AsylG vor. Er sei 2004 als militärdienstuntauglich eingestuft worden und im Besitz ei- nes entsprechenden Zeugnisses. Die Vorladungen in den Jahren 2013 und 2014 hätten sich als unglaubhaft erwiesen. Gemäss der Rechtsprechung vermöge alleine die Furcht, früher oder später trotz Dienstuntauglichkeit in den Militärdienst eingezogen oder bei Wehrdienstverweigerung bestraft zu werden, keine Furcht vor asylrelevanter Verfolgung zu begründen. Für die Gewährung von Asyl reiche es nicht aus, bloss zu befürchten, irgendwann einmal für den Militär- und Arbeitsdienst aufgeboten zu werden. 3.5.3 In Bezug auf die Furcht vor Verfolgung aufgrund der illegalen Aus- reise führte die Vorinstanz aus, gemäss aktuellen Erkenntnissen sei die Behandlung von Rückkehrern hauptsächlich davon abhängig, welchen Na- tionaldienst-Status sie vor ihrer Ausreise gehabt hätten. Zudem spiele eine Rolle, ob die Rückkehr nach Eritrea freiwillig oder unter Zwang erfolge. Für freiwillige Rückkehrer würden die eritreischen Straftatbestände für eine il- legale Ausreise nicht zur Anwendung gebracht. Interne Richtlinie n sähen vielmehr vor, dass sie straffrei in ihre Heimat zurückkehren könnten, wenn zuvor gewisse Forderungen der eritreischen Behörden erfüllt seien (na- mentlich die Bezahlung der Diasporasteuer). Personen, die ihre nationale Dienstpflicht nicht erfüllt hätten, müssten zudem ein sogenanntes Reuefor- mular unterzeichnen. Davon befreit seien insbesondere Personen, die das dienstpflichtige Alter noch nicht erreicht hätten, a us dem Nationaldienst entlassen oder von der Nationaldienstpflicht befreit worden seien. Im Falle des Beschwerdeführers sei festzuhalten, dass er gemäss Akten wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Militärdienst entlassen worden sei und über ein entsprechendes Zeugnis verfüge. Aus den Akten seien E-8002/2016 Seite 8 keine Hinweise ersichtlich, dass er bei einer Rückkehr ernsthafte Nachteile zu gewärtigen hätte. 3.6 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, aufgrund seiner Schilderun- gen in den Befragungen sei von der Glaubhaftigkeit einer Wehrdienstver- weigerung auszugehen. Weil Wehrdienstverweigerer in Eritrea als poli ti- sche Gegner qualifiziert würden und ihm bei einer Rückkehr mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Inhaftierung drohe, erfülle er die Flüchtlingseigen- schaft und sei ihm Asyl zu gewähren. Auch aufgrund der illegalen Ausreise erfülle er die Flüchtlingseigenschaft. Die Einwände des Beschwerdeführers verfangen nicht. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die ausführlichen und wohlbegründeten Er- wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. oben, E. 3.5.1-3.5.3). Er- gänzend weist das Gericht auf Folgendes hin: 3.6.1 Bezüglich der Unglaubhaftigkeit einer Wehrdienstverweigerung fällt auf, dass der Beschwerdeführer in der ausführlichen Anhörung – im Unter- schied zur BzP – fast durchgängig lediglich davon sprach, er habe die Auf- forderung erhalten, eine Waffe zu tragen. Dies ist nach Auffassung des Ge- richts nicht gleichzusetzen mit einer Aufforderung, in den Militärdienst ein- zurücken. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass gemäss Be- schwerdeführer auch Mütter mit Kindern dazu aufgefordert wurden, Waffen zu tragen (vgl. Akten des Asylverfahrens, A19/18, F 69), kann es durchaus sein, dass keine eigentliche Einziehung in den Militärdienst in Frage stand. So oder anders vermochte der Beschwerdeführer jedoch nicht glaubhaft zu machen, dass ihm aufgrund der angeblichen Vorladu ngen nach E._______ in irgendeiner Art und Weise ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohten. 3.6.2 Die Vorinstanz weist in der Begründung ihrer Verfügung bezüglich der Asylrelevanz einer befürchteten zukünftigen Einziehung in den eritrei- schen Militär dienst auf ein Urteil der ehemaligen Asylrekurskommission (ARK) aus dem Jahr 2006 hin, nach welchem es für die Annahme der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreicht, dass die betroffene Person im dienstfähigen Alter ist und fürchtet, irgendwann ausgehoben zu werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ehemaligen Asylrekurskommis- sion [EMARK] 2006 Nr. 3, E. 4.10). Diese Rechtsprechung ist nach wie vor gültig und wurde vom Bundesverwaltungsgericht übernommen (vgl. dazu jüngst Urteil des BVGer D-632/2017 vom 23. Februar 2017, E. 5.1.2). Das E-8002/2016 Seite 9 Gericht sieht keinen Anlass, im vorliegenden Fall von dieser Rechtspre- chung abzuweichen. 3.6.3 Die Frage der Zulässigkeit der Praxisänderung des SEM bezüglich der flüchtlingsrechtlichen Beurteilung der illegalen Ausreise aus Eritrea ist vom Bundesverwaltungsgericht nach Eingang der vorliegenden Be- schwerde geklärt worden. Das Gericht kommt im bereits erwähnten Urteil zum Schluss, dass allein aufgrund einer illegalen Ausreise keine begrün- dete Furcht vor asylrechtlich beachtlicher Verfolgung angenommen werden kann (ausführlich dazu Urteil des BVGer D -7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 4.6 -5.1 [vgl. oben, E. 3.3]). Vielmehr sind zusätzliche Anknüp- fungspunkte nötig, die der Beschwerdeführer nach dem Gesagten nicht glaubhaft machen konnte. 3.7 Wie die Vorinstanz kommt das Gericht deshalb zum Schluss, dass der Beschwerdeführer keine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG geltend machen kann. Die Vorinstanz hat daher zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abge- lehnt. 4. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (A rt. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. Die von der Vorinstanz wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs verfügte vor- läufige Aufnahme bleibt dadurch unberührt. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom E-8002/2016 Seite 10 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aus den vorstehenden Erwä- gungen ergibt sich jedoch, dass seine Rec htsbegehren im Beschwerde- zeitpunkt nicht als aussichtslos betrachtet werden konnten, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) in Anbetracht seiner prozessualen Bedürftigkeit (vgl. die Bestäti- gung der Gemeinde F._______ vom 15. Dezember 2016) gutzuheissen ist. Dementsprechend verzichtet das Gericht auf die Erhebung von Verfah- renskosten. Der Antrag um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses ist mit vorliegendem Endentscheid gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) E-8002/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Arthur Brunner Versand: