Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 12. September 2012 (810 12 55) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Bruno Gutzwiller, Christian Haidlauf , Gerichtsschreiberin i.V. Eleonor Gyr Parteien A.____ und B.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Stephan Mül- ler, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft , 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung (RRB Nr. 0202 vom 07. Februar 2012) A. Am 2. November 2009 verfügte das Amt für Migratio n Basel-Landschaft (AfM) die Nicht- verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von A.____ und B.____, gestützt wurde diese Verfü- gung durch den Beschluss des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) vom 8. Juni 2010. Eine dagegen erhobene Beschwerde von A.____ und B.____ wurde mit Ur- teil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Ver waltungsrecht (Kantonsgericht) vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 23. März 2011 gutgeheissen und die Sache zur Neubeurte ilung an die Vorinstanz zurückgewie- sen. B. Nach erneuter Prüfung durch das AfM wurden mit Verf ügung vom 20. September 2011 die Aufenthaltsbewilligungen von A.____ und B.____ n icht verlängert und die Ausreise aus der Schweiz bis spätestens zum 31. Dezember 2011 festgesetzt. Begründet wurde dies im Wesent- lichen damit, dass den Beschwerdeführern weder ermessen sweise eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden könne, noch liege ein Härtefall vor. S eit dem Urteil des Kantonsgerichts vom 23. März 2011 habe sich an der finanziellen Situation d er Beschwerdeführer nichts geändert, beide seien nach wie vor vollumfänglich von der Sozialhi lfe abhängig. Ein Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung bestehe nicht, wie das Kantonsge richt bereits festgestellt habe und ein allfälliger Anspruch würde durch das Vorliegen eines Wid errufsgrundes ohnehin erlöschen. Die beiden Beschwerdeführer treffe ein erhebliches Verschuld en an ihrer Sozialhilfeabhängigkeit, sie hätten beide Engagement vermissen lassen, welches von so zialhilfeabhängigen arbeitsfähi- gen Personen erwartet werden dürfe. Die Beschwerdeführ erin habe es trotz langer Anwesen- heitsdauer nicht geschafft, sich in die hiesige Gesellschaft zu integrieren. C. Am 3. Oktober 2011 erhoben A.____ und B.____, ver treten durch Stephan Müller, Ad- vokat, beim Regierungsrat Beschwerde gegen die Verfügun g des AfM vom 20. September 2011. Beantragt wurde, es sei ihnen in Aufhebung der Verfügung die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern, eventualiter sei die Sache an die Vorinsta nz zurückzuweisen. Mit Beschluss vom 7. Februar 2012 wies der Regierungsrat die Beschwerde ab. Im Wesentlichen wurde festgehal- ten, dass sich der Sachverhalt seit dem Urteil des Kanton sgerichts insofern verändert habe, als dass der ältere Sohn von A.____, C.____, am 17. Juni 2 011 eine Niederlassungsbewilligung in Basel erhalten habe. Daher stelle sich die Frage, ob der Schutzbereich von Art. 8 der Konventi- on zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskon- vention, EMRK) vom 4. November 1950 tangiert sei. Dies sei nicht der Fall, da kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Beschwerdeführern und C.____ bestehe. Seit dem Urteil des Kantonsgerichts habe sich keiner der Beschwerdeführer von der Sozialhilfe lösen können. Das AfM habe die ermessensweise Prüfung einer Aufenthal tsbewilligung korrekt ausgeübt und alle Umstände pflichtgemäss gewürdigt. Auch bezüglich d er Abklärung, ob eine Härtefallbewilli- gung erteilt werden könne, habe das AfM eine korrekte Prüfung durchgeführt und da sich der Sachverhalt nicht mehr geändert habe, sei auf die zutr effenden Ausführungen des AfM zu ver- weisen. Die Verhältnismässigkeit sei auch gegeben, da sich die Beschwerdeführer trotz langer Anwesenheitsdauer in der Schweiz nicht genügend integriert hätten. Sie seien nach wie vor von der Sozialhilfe abhängig und würden nicht mit der nö tigen Ernsthaftigkeit nach wirtschaftlicher Selbständigkeit streben. Es sei auch nicht ersichtlich, d ass eine soziale Wiedereingliederung der Beschwerdeführer in ihrem Heimatland stark gefähr det, resp. eine Rückkehr unzumutbar seien. D. Mit Schreiben vom 20. Februar 2012 erhoben A.____ und B.____, wiederum vertreten durch Stephan Müller, Beschwerde ans Kantonsgericht. Sie beantragten die Aufhebung des Regierungsratsbeschlusses vom 7. Februar 2012, die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, eventualiter eine Rückweisung an die Vorinstanz unter o/ e-Kostenfolge und die Bewilligung der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung. Sie führten aus, dass der Beschwerdefüh- rer zwischenzeitlich ein Praktikum angetreten habe, was b eim angefochtenen Regierungsrats- beschluss nicht berücksichtigt worden sei. Die Vorinstanz h abe sich zu wenig mit der Situation im Heimatland auseinandergesetzt, so dass die Begründung , eine Rückkehr sei nicht unzumut- bar, mangelhaft sei. Auch sei nicht belegt, ob der ä ltere Sohn, resp. Halbbruder, die Beschwer- deführer im Heimatland unterstützen könne. Die Begründung, der Beschwerdeführer könne sich in Kamerun zurecht finden, weil er die ersten zehn Le bensjahre dort verbracht habe, sei nicht haltbar. Mit ergänzender Beschwerdebegründung vom 23. März 2012 (Eingang Gericht: 24. April 2012) wurde der Praktikumsvertrag des Beschwe rdeführers eingereicht sowie geltend gemacht, die beiden Beschwerdeführer würden sich nun vo n der Sozialhilfe lösen können, da zwischenzeitlich auch die Beschwerdeführerin eine Arbeitsstelle gefunden habe. E. Mit Vernehmlassung vom 22. Mai 2012 schloss der Regie rungsrat auf Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer habe sein Praktikum er st drei Wochen nach Erlass des angefochtenen Regierungsratsbeschlusses angetreten. Es sei ausserdem fraglich, ob sich die Beschwerdeführer nun wirklich von der Sozialhilfe lösen k önnten, da weder der Arbeitgeber der Beschwerdeführerin bekannt sei, noch ersichtlich sei, wi e viel die Beschwerdeführerin an Ein- kommen erzielen würde. Ob der Beschwerdeführer eine in Aussicht gestellte Lehrstelle antreten könne, sei nicht sicher. F. Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 22. Juni 2012 wurde der Be- schwerdeführer betreffend Schändung schuldig gesprochen und zu 2 3/4 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, wovon 2 Jahre bedingt ausgesprochen wurden. D er Beschwerdeführer hat gegen dieses Urteil Berufung angemeldet. G. Mit Schreiben vom 26. Juli 2012 reichte der Vertret er der Beschwerdeführer den Ar- beitsvertrag der Beschwerdeführerin, Lohnabrechnungen der Monate April und Mai 2012 sowie die Abmeldung der Beschwerdeführerin bei der Sozialhilfebehörde E.____ ein. H. Mit Schreiben vom 23. August 2012 reichten die Beschw erdeführer eine Bestätigung der D.____-Schule für die Ausbildung zum Bürofachdiplom VHS (Beginn: 13. August 2012) des Beschwerdeführers ein. I. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen nebst de n beiden Beschwerdeführern mit ihrem Rechtsvertreter ein Vertreter des Regierungsrates teil. Auf die Ausführungen der Parteien wird, sofern erforderlich, in den folgenden Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand gemäss § 44 VPO noch ein spezialg esetzlicher Ausschlusstatbe- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht stand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgericht s zur Beurteilung der vorliegenden An- gelegenheit gegeben. Die Beschwerdeführer sind vom ang efochtenen Entscheid berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung od er Abänderung. Da im Übrigen auch die weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO, e contrario). 3. Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Strafgeri chts des Kantons Basel-Stadt vom 22. Juni 2012 der Schändung in gemeinsamer Begehung sc huldig gesprochen und zu 2 3/4 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Beschwerdeführer hat gegen dieses Urteil Berufung an- gemeldet. Der Ausgang des vorgenannten Verfahrens ist zur vollständigen Beurteilung des vor- liegenden Sachverhaltes notwendig, stellt doch eine re chtskräftige Verurteilung für sich alleine bereits einen Widerrufsgrund gemäss Art. 62 lit. b Bun desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 dar. Das Verfahre n des Beschwerdeführers B.____ wird daher bis zum rechtskräftigen Entscheid in vorerwähn ter Sache ausgestellt. Nachstehend wird nur auf das Beschwerdeverfahren der Beschwerdeführerin A.____ eingegangen. 4.1 Gemäss Art. 10 und Art. 11 AuG sind Ausländer in d er Schweiz nur dann aufenthalts- berechtigt, wenn ihnen eine entsprechende Bewilligu ng erteilt wurde. In der Regel liegt die Er- teilung und die Verlängerung einer Aufenthaltsbewill igung im Ermessen der Behörde, es sei denn, es bestehe ein gesetzlicher oder völkerrechtlicher A nwesenheitsanspruch (T AMARA NÜSSLE , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Aus- länder (AuG), Bern 2010, Rn 33 zu Art. 33). Dazu ist zunächst festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und Kamerun keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, die ein Aufenthaltsrecht für Staatsangehörige von Kamerun in der Schweiz vorsehen würde. 4.2 Wie bereits mit Urteil des Kantonsgerichts vom 23. M ärz 2011 festgehalten wurde, hat die Beschwerdeführerin grundsätzlich keinen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz und erfüllt zudem den Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängigkeit i m Sinne von Art. 62 lit. e AuG (vgl. E. 5.2 ff. und E. 6.1 ff. des vorgenannten Urteils). Der Regierungsrat hält in seinem Beschluss vom 7. Februar 2012 fest, dass sich bezüglich des Widerrufsgrundes der Sozialhilfeabhängig- keit zwischenzeitlich nichts an der finanziellen Situation der Beschwerdeführerin geändert habe. Der Beschwerdeführerin sei es nicht gelungen, seit dem letzten Urteil des Kantonsgerichts eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, die ihr erlauben würde, sich vollständig von der Sozialhilfe abzu- lösen. Mit Beschwerdeergänzung vom 23. März 2012 (Eingang Geri cht: 24. April 2012) machte die Beschwerdeführerin geltend, sie habe kürzlich eine Stelle antreten können und mit Schrei- ben vom 26. Juli 2012 reichte sie ihren Arbeitsvertrag vom 15. Mai 2012 sowie ein Schreiben Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Sozialhilfebehörde E.____ vom 5. Juni 2012 ein, in dem festgehalten wurde, dass die Be- schwerdeführerin ab dem 1. Juli 2012 nicht mehr von der Sozialhilfe unterstützt werde. 4.3 Die Beschwerdeführerin hat zwischenzeitlich erwiesener massen eine Arbeitsstelle ge- funden. Der Arbeitsvertrag ist jedoch bis zum 23. September 2012 befristet. Anlässlich der heu- tigen Parteiverhandlung hat die Beschwerdeführerin au sgesagt, dass ihr Arbeitsvertrag verlän- gert worden sei. Diese Aussage erscheint jedoch wenig glaubwürdig, da die Beschwerdeführe- rin dies weder mit einem Bestätigungsschreiben des Arbe itgebers, noch einem anderen Doku- ment belegen konnte. Auch ist anzumerken, dass sich die B eschwerdeführerin erst seit Juli 2012 von der Sozialhilfe lösen konnte. Gemäss der von der Beschwerdeführerin eingereichten Lohnabrechnungen ist ersichtlich, dass ihr monatliches Einko mmen ihre Lebenshaltungskosten nicht zu decken vermag. Daher ist zu vermuten, dass die Besc hwerdeführerin innert kürzester Zeit wieder von der Sozialhilfe abhängig sein wird. Es ist festzuhalten, dass sich an der finan- ziellen Situation der Beschwerdeführerin gesamthaft g esehen seit dem letzten Urteil vom 23. März 2012 nichts Wesentliches geändert hat. 5. Die Vorinstanz hat richtigerweise festgestellt, dass d er ältere Sohn der Beschwerdefüh- rerin zwischenzeitlich eine Niederlassungsbewilligung im Kanton Basel-Stadt erhalten hat und demnach zu prüfen ist, ob eine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8 EMRK sowie auf Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV) vom 18. April 1999 zu erteilen sei. Das Recht auf Achtung des Familienlebens kann verletzt sein, wenn eine m Ausländer, dessen Familienange- hörige hier weilen, die Anwesenheit untersagt und dam it das Familienleben vereitelt wird. Das geschützte Familienleben beschränkt sich dabei grundsätzlich auf die Kernfamilie, namentlich die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjähri gen Kindern (vgl. BGE 129 II 13 f. E. 2). Geht es um Personen, die nicht der eigentlichen Kernfa milie zuzurechnen sind, setzt eine schützenswerte familiäre Beziehung voraus, dass der um die fremdenpolizeiliche Bewilligung ersuchende Ausländer vom hier Anwesenheitsberechtigten we gen körperlicher oder geistiger Invalidität oder schwerer Krankheit, die eine dauernde Betreuung nötig macht, in einem eigent- lichen Abhängigkeitsverhältnis steht (vgl. BGE 120 Ib 261 E. 1d). Die in der Schweiz lebenden Söhne der Beschwerdeführerin sind beide volljährig und sie stehen in keinem besonderen Ab- hängigkeitsverhältnis zu der Beschwerdeführerin. Aus de m Anspruch auf Schutz des Privatle- bens ergibt sich sodann ein Recht auf Verbleib im Land nur unter besonderen Umständen. Eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale I ntegration genügen hierzu nicht. Es sind vielmehr besonders intensive Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur erfor- derlich (vgl. BGE 130 II 286 E. 3.2.1). Solche qualif izierten Bindungen zur Schweiz liegen im Fall der Beschwerdeführerin nicht vor. Die Beschwerdefü hrerin hat sich zu Recht nicht auf das nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV geschü tzte Recht auf Achtung des Privat- und Familienleben berufen. 6.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes hat nicht zwing end zur Folge, dass die Nieder- lassungsbewilligung tatsächlich zu widerrufen ist, sonder n gewährt der kantonalen Behörde durch die "Kann-Bestimmung" im Rahmen eines Ermessensent scheids die Möglichkeit, den besonderen Umständen des Einzelfalles angemessen Rechnung zu tragen (vgl. ANDREAS ZÜND / LADINA ARQUINT HILL in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländer - Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht recht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 8.31; S ILVIA HUNZIKER , a.a.O., Rz. 3 zu Art. 63 AuG i.V.m. Rz. 7 zu Art. 62 AuG). Dieses Ermessen darf indessen nicht nach Belieben ausgeübt werden, sondern ist nach den allgemeinen Grundsätzen pflichtgemäss , namentlich unter Beachtung des Willkürverbots und des Grundsatzes der Verhältnismä ssigkeit, wahrzunehmen (vgl. SILVIA HUNZIKER , a.a.O., Rz. 3 zu Art. 63 AuG i.V.m. Rz. 8 zu Art. 62 AuG mit Hinweisen). Mit Urteil des Kantonsgerichts vom 23. März 2011 wurde das AfM aufgef ordert, eine Ermessensprüfung vorzunehmen. Insbesondere sollten die Dauer der Anwesen heit in der Schweiz, der Integrati- onsgrad, die familiären Verhältnisse sowie die Zumutb arkeit der Ausreise sorgfältig abgeklärt und umfassend gewürdigt werden. 6.2 Das AfM hat sich in der Verfügung vom 20. September 2011 eingehend mit der Mög- lichkeit einer ermessensweise zu erteilenden Aufenthaltsbewilligung für die Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Das AfM hat festgehalten, dass die B eschwerdeführerin bezüglich ihrer sozialen Beziehungen zur Schweiz schlecht integriert sei. Sie sei sozial nur notdürftig integriert und verfüge über keinen grossen Freundeskreis, dies habe auch ihr behandelnder Arzt fest- gehalten. Was die Respektierung der rechtsstaatlichen Ordnung anbelange habe sie wiederholt Anlass zu Beanstandungen gegeben, so wurde ihr gegenübe r 1995 wegen grober Zuwider- handlung gegen fremdenpolizeiliche Vorschriften eine Ei nreisesperre verhängt, 2006 sei sie vom Amtsstatthalteramt F.____ wegen Stellenantritts ohn e Bewilligung und Missachtung der Meldepflicht mit einer Busse von CHF 150.00 belegt wor den und es komme hinzu, dass die Beschwerdeführerin über Jahre ihren finanziellen Verp flichtungen nicht nachgekommen sei. Was ihre Deutschkenntnisse anbelange, so habe sie zwar schon mehrere Deutschkurse be- sucht, verfüge aber nach wie vor über mangelnde Kenntni sse. Dies sei unter anderem wohl auch ein Grund für ihre Arbeitslosigkeit. Bezüglich de s Willens zur Teilnahme am Wirtschaftsle- ben könne festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin von 1999 bis 2002 in einem Teil- zeitpensum als Reinigungsmitarbeiterin gearbeitet habe . Seit diesem Zeitpunkt sei es ihr nicht mehr gelungen, sich im hiesigen Arbeitsmarkt zu integri eren. Dies sei wohl nicht nur ihrer man- gelnden Ausbildung und depressiven Erkrankung zuzuschreiben , da sie noch zu 40%-50% ar- beitsfähig sei. Was eine Rückkehr in ihr Heimatland anb elange, so sei sie nach wie vor mit der dortigen Sprache und Kultur vertraut, trotz ihrem la ngen Aufenthalt in der Schweiz. Eine Rück- kehr sei sicher nicht einfach, doch könne sie in der Anfan gszeit auf die Unterstützung ihres in der Schweiz lebenden Sohnes zählen. Auch der Regierungsr at hat sich eingehend mit der Er- messensprüfung auseinandergesetzt und festgehalten, dass das AfM die öffentlichen Interes- sen an einer restriktiven schweizerischen Einwanderungspolit ik stärker gewichtet habe als das private Interesse der Beschwerdeführerin. Dies sei nicht zu beanstanden. Die Beschwerdefüh- rerin verfüge als Coiffeuse nicht über eine in der Sch weiz stark nachgefragte berufliche Qualifi- kation und ihr Integrationsgrad sei gesamthaft als tief anzusehen. Die bestehende Sozialhilfe- abhängigkeit und die ungünstige Prognose würden die G ewichtung der öffentlichen Interessen an einer Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung noch verstärken. 6.3 Im angefochtenen Entscheid vom 7. Februar 2012 ha t der Regierungsrat, welchem volle Kognition im Bereich der Ermessensprüfung zukommt, wie auch das AfM in ihrer Verfü- gung vom 20. September 2011, die in Art. 96 Abs. 1 A uG genannten Kriterien ausführlich ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht prüft, unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Einzelfalls beurteilt und nachvollziehbar begründet. Die Vorinstanzen haben somit ihr Ermessen pflichtgemäss ausgeübt. 7. Des Weiteren ist zu prüfen, ob allenfalls ein Härtef all nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG vor- liegt. Für die Auslegung dieser Bestimmung kann auf die bisherige Härtefallpraxis im Rahmen von Art. 13 lit. f der ehemaligen BVO abgestellt wer den (vgl. M ARC SPESCHA in: Spe- scha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht , 3. aktualisierte Auflage, Zürich 2012, Art. 30 AuG, N 5). Eine solche humanitäre Bewi lligung wird erteilt, wenn beim Ausländer ein schwerwiegender persönlicher Härtefall bejaht wird oder wenn staatspolitische Gründe ge- gen eine Ausweisung sprechen. Gemäss der bundesgerichtlich en Rechtsprechung (vgl. BGE 119 Ib 43 ff. E. 4c) setzt ein massgeblicher Härtefall voraus, dass sich die betreffende ausländi- sche Person in einer persönlichen Notlage befindet. Das b edeutet, dass ihre Lebens- und Da- seinsbedingungen gemessen am durchschnittlichen Schicksal vo n Ausländern in gesteigertem Masse in Frage gestellt sein müssen und die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung für den Betroffenen schwere Nachteile zur Folge hätte. Der Regierungsrat hielt zu Recht fest, dass vor- liegend kein persönlicher Härtefall gegeben sei. Ledi glich die lange Aufenthaltsdauer der Be- schwerdeführerin in der Schweiz und die sich daraus ergeb ende Erschwerung bei einer Rück- kehr in das Heimatland stelle eine gewisse Härte dar. Di e Beschwerdeführerin führt an, der Re- gierungsrat habe sich zu wenig mit der Situation im He imatland auseinandergesetzt und die Begründung sei mangelhaft. Dem kann nicht gefolgt wer den, zumal die Beschwerdeführerin auch nicht ausgeführt hat, inwiefern man zu einem anderen Schluss gelangen müsste. Die Vor- instanz setzte sich mit der Situation in Kamerun ausein ander und hielt auch fest, dass eine Rückkehr nicht einfach werden würde. Dieser Umstand wiegt jedoch nicht schwer genug, um einen persönlichen Härtefall zu begründen. Gesamthaft gesehen ist die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nicht wesentlich benachteiligter als andere Ausländerinnen und Ausländer, die sich ebenfalls nicht mehr in der Schweiz aufhalten dürfen . Die Beschwerdeführerin ist ausser- dem nicht dermassen in der Schweiz integriert, dass ihr eine Rückkehr nach Kamerun nicht zugemutet werden kann. Ihre Gesundheit sowie ihr Alter erlauben es ihr, in Kamerun wieder Fuss zu fassen. Auch sind keine staatspolitischen Gründe ersi chtlich, die eine Rückkehr in die Heimat der Beschwerdeführerin als unzumutbar erscheinen lassen. Es liegt kein persönlicher Härtefall vor. 8.1 In einem letzten Schritt ist zu beurteilen, ob de r Widerruf der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin und die damit verbundene Wegweisun g verhältnismässig sind. Die Ver- hältnismässigkeit umfasst die Eignung, die Erforderlichke it und die Zumutbarkeit der Massnah- me (vgl. U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER /FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. vollständig überarbeitete Auflage, Zürich 2010, N 581 ff.). Den privaten Interessen der ausländi- schen Person stehen die öffentlichen Interessen an einer Fernhaltung insbesondere wegen strafrechtlich relevanten Verhaltens und zum Schutz des i nländischen Arbeitsmarkts und der Überfremdung sowie zur Sicherstellung eines ausgewogene n Bevölkerungsverhältnisses ge- genüber. Intensive familiäre Beziehungen oder die vorgä ngige Asylgewährung vermögen diese öffentlichen Interessen zu relativieren. Das öffentliche Interesse an der Massnahme muss die privaten Interessen der betroffenen Personen überwiegen. Bei der Anordnung der Wegweisung muss der Grad der Integration unter Berücksichtigung der gesamten Umstände des Einzelfalles Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beachtet werden. Zu gewichten sind zudem laut konstanter Praxis des Bundesgerichts vor al- lem die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und die ihm und seiner Familie drohenden Nachte ile (vgl. AuG-Weisungen zum Aus- länderbereich, Version vom 1.07.2009, Ziff. 8.2.1.2). 8.2 Es kann zunächst festgehalten werden, dass die Nichtverl ängerung der Aufenthalts- bewilligung der Beschwerdeführerin geeignet ist, die mit dem AuG verfolgten fremdenpolizeili- chen Interessen zu verwirklichen. Da die verfolgten Zwecke nicht durch eine weniger ein- schneidende Massnahme erreicht werden können, ist auch das zweite Kriterium der Erforder- lichkeit erfüllt. 8.3 Es ist des Weiteren zu prüfen, ob die Massnahme auch verhältnismässig im engeren Sinne ist. Der Regierungsrat hält diesbezüglich fest, da ss die lange Aufenthaltsdauer der Be- schwerdeführerin an und für sich ein gewichtiges privates I nteresse an einem Verbleib in der Schweiz begründen würde. Dagegen spreche jedoch, dass sich die Beschwerdeführerin nicht in einem Masse in der Schweiz integriert habe, wie dies nach so einer langen Anwesenheit erwar- tet werden dürfe. Dies zeige sich in der Sozialhilfeabhä ngigkeit und dem nicht ernsthaften Stre- ben nach wirtschaftlicher Selbständigkeit. Es sei kein Gru nd ersichtlich, weshalb eine Wieder- eingliederung im Heimatland scheitern würde. Das öffe ntliche Interesse an der Vermeidung der Ausrichtung von Sozialhilfe auf unabsehbare Zeit stehe kla r im Vordergrund. Es müsse über- dies beachtet werden, dass in der Schweiz zur Zeit keine N achfrage nach wenig qualifizierten Arbeitskräften und eine restriktive Zulassungspolitik für Drittstaatsangehörige bestehe. Aufgrund der Abwägungen zwischen den privaten Interessen der Besch werdeführerin und den öffentli- chen Interessen gelangte der Regierungsrat zur Auffassun g, dass die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung verhältnismässig sei. Dieser Auffassung ist zu folgen. Für die Beschwer- deführerin spricht einzig und alleine die lange Aufent haltsdauer in der Schweiz. Dagegen fällt ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin trotz ihrer lang en Anwesenheit in der Schweiz sich weder sozial noch wirtschaftlich integrieren konnte und nur über mangelhafte Deutschkenntnis- se verfügt. Die Beschwerdeführerin hat erwiesenermassen eine Arbeitsstelle gefunden. Dieser Arbeitsvertrag ist jedoch befristet und läuft am 23. September 2012 aus. Wie bereits ausgeführt, konnte die Beschwerdeführerin nicht nachweisen, dass ihr Arbeitsvertrag verlängert wurde oder dass sie über eine neue Arbeitsstelle verfügt. Daher ist a bsehbar, dass die Beschwerdeführerin innert kürzester Zeit wieder von der Sozialhilfe abhäng ig werden würde. Eine Rückkehr nach langer Abwesenheit in ihr Heimatland ist - wie der Re gierungsrat zutreffend festgehalten hat - zweifellos mit Schwierigkeiten verbunden. Doch ist kein Gru nd ersichtlich, weshalb ihr eine Rückkehr nach Kamerun nicht zumutbar wäre. Das private In teresse der Beschwerdeführerin an einem Verbleib in der Schweiz vermag die öffentlic hen Interessen nicht zu überwiegen. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich als verhältnismässig. 9. Zusammenfassend steht gestützt auf die Erwägungen fest , dass die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin zu R echt erfolgt ist. Die Beschwerde wird abgewiesen. 10 Im Folgenden ist noch über die Kosten zu entscheiden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.1 Im vorliegenden Verfahren wurde ein Gesuch um Be willigung der unentgeltlichen Pro- zessführung und Verbeiständung eingereicht. Die Bedürftigkeit für das vorliegende Verfahren ist aufgrund der eingereichten Unterlagen nachgewiesen. D ie Beschwerde ist zudem nicht als of- fensichtlich aussichtslos anzusehen und die Notwendigkeit d er Verbeiständung ist gestützt auf die sich im vorliegenden Verfahren stellenden Rechtsfrag en zu bejahen. Die Voraussetzungen von § 22 Abs. 1 und 2 VPO sind damit erfüllt, weshalb d as Gesuch um unentgeltliche Prozess- führung und Verbeiständung mit Stephan Müller, Advokat, zu bewilligen ist. 10.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kanto nsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel und in angemessenem Ausmass ganz oder teilweise der unterliegenden Partei auferlegt. Da vorliegend die Beschwerdeführerin unterlegen ist, g ehen die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 2'100.-- zu ihren Lasten. Die Parteikosten werd en wettgeschlagen (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). 10.3 Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessf ührung und Verbeiständung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse und dem Rechtsve rtreter der Beschwerdeführe- rin ist ein Honorar von CHF 2'560.15 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse auszurichten. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. Das Verfahren des Beschwerdeführers, B.____, wi rd ausgestellt. 2. Die Beschwerde der Beschwerdeführerin, A.____, wird abgewiesen. Die Beschwerdeführerin hat die Schweiz bis spätestens drei ssig Tage nach schriftlicher Eröffnung des begründeten Urteils zu verlassen. 3. Der Beschwerdeführerin wird für das vorliegende Ve rfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbe iständung mit Stephan Müller, Advokat, bewilligt. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 2'100.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der u nentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Ge richtskas- se. 5. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge B ewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertrete r der Be- schwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von CHF 2'560 .15 (inkl. Auslagen und 8% MWSt) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.