<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2016.00048</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=217107&amp;W10_KEY=13013507&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2016.00048</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 05.04.2017</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Ãbriges Verwaltungsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Tierversuche</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Tierversuche. [Messung neuronaler Ableitungen im präfrontalen Cortex von Rhesusaffen während des Lösens visueller Aufgaben, um Erkenntnisse im Bereich der Grundlagenforschung sowie Hinweise für die Behandlung neuropsychiatrischer Störungen zu erlangen. Die Tierversuchskommission entschied, das Gesuch sei bewilligungsfähig, das Veterinäramt erteilte die Bewilligung unter Auflagen. Dagegen beschritten drei Mitglieder der Tierversuchskommission den Rechtsmittelweg.] Der Regierungsrat nahm zu Unrecht die sachliche Zuständigkeit für die Rekursbehandlung in Anspruch. Aus prozessökonomischen Gründen ist indes von der Aufhebung seines Entscheids und der Überweisung an die eigentlich zuständige Gesundheitsdirektion abzusehen, da der Mangel von den Parteien nicht gerügt wurde, ein materieller Entscheid gefällt werden kann und der angefochtene Entscheid namentlich nicht nichtig ist (E. 2). Keine Befangenheit des Regierungsrats (E. 3.1). Es ist kein unabhängiges Fachgutachten einzuholen. Es kann auf die Stellungnahme der Tierversuchskommission abgestützt werden, und der massgebliche Sachverhalt erscheint aufgrund der Akten hinreichend liquid. Dass den zahlreichen Parteigutachten nicht der Beweiswert eines vom Gericht in Auftrag gegebenen Gutachtens zukommt, ändert daran nichts (E. 3.3). Die Tierversuchskommission ist ein unabhängiges Fachorgan. Ihrer Begutachtung kommt erhebliches Gewicht zu, vom Ergebnis darf nur aus triftigen Gründen abgewichen werden. Den Protokollen lässt sich jedoch nicht zu allen Sachfragen eine nachvollziehbare, vollständige und widerspruchsfreie Begründung entnehmen, weshalb ihrer Stellungnahme nicht durchwegs erhöhtes Gewicht zuzusprechen ist (E. 4.2). Verwaltungsverordnungen sind als Auslegungshilfen zu berücksichtigen, denen dann erhebliches Gewicht zukommt, wenn sie technischer Natur und damit Ausdruck besonderer Fachkenntnis sind (E. 4.3). Den von den Parteien eingereichten Gutachten und Stellungnahmen von Fachpersonen kommt grundsätzlich der Beweiswert von Parteivorbringen zu. Sie sind gemäss dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung zu prüfen (E. 4.4). Rechtliche Grundlagen. Das revidierte Tierschutzgesetz sollte das Schutzniveau im Vergleich zum früheren Recht weder senken noch erhöhen. Dies schliesst jedoch nicht aus, dass der Tierschutz neu in einzelnen Normen stärker gewichtet wird. Begriff der Tierwürde (E. 5). Das Versuchsziel steht im Zusammenhang mit der Erhaltung oder dem Schutz des Lebens und der Gesundheit von Mensch und Tier und lässt neue Kenntnisse über grundlegende Lebensvorgänge erwarten (finale Unerlässlichkeit); dabei sind zwingend Primaten einzusetzen (instrumentale Unerlässlichkeit; E. 7). Der Versuch verspricht Erkenntnisse im Bereich der Grundlagenforschung und einen potenziellen klinischen Nutzen (E. 8). Abwägung des Nutzens des Forschungsprojekts gegen die den Tieren zuzufügenden Belastungen (Dauer des Versuchs, Flüssigkeitsrestriktion, Schwierigkeit der Aufgabenstellung, Transfer in den Primatenstuhl, chirurgische Eingriffe, Kopfhalterung, Gesundheitskontrolle) unter Bezugnahme auf ein früheres, gerichtlich beurteiltes Gesuch. Insgesamt ist von einer gewissen Entlastung der Tiere verglichen zum Präzedenzfall auszugehen (E. 9.3). Der Versuch wurde zu Recht dem Schweregrad 3 zugeordnet (E. 9.4). Prüfung der Beeinträchtigung der Tierwürde: Die Kopfhalterung ist kein tiefgreifender Eingriff in das Erscheinungsbild, keine übermässige Instrumentalisierung der Tiere (E. 9.5). Gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn erleiden die Versuchstiere keine unverhältnismässige Belastung (E. 10). Die Rechtsmittelerhebung durch die Tierversuchskommission oder Kommissionsminderheit stellt eine Behördenbeschwerde dar. Die Beschwerdeführenden sind demnach nicht persönlich mit den Kosten zu belasten. Diese sind vielmehr dem Beschwerdegegner 1 aufzuerlegen, dem die Tierversuchskommission administrativ angegliedert ist und der für sie die Ausgabenkompetenz wahrnimmt (E. 11). Teilweise Gutheissung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AFFEN">AFFEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEFANGENHEIT">BEFANGENHEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BELASTUNG">BELASTUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEWILLIGUNGSERTEILUNG">BEWILLIGUNGSERTEILUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ERSCHEINUNGSBILD">ERSCHEINUNGSBILD</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FINALE UNERLÃSSLICHKEIT">FINALE UNERLÃSSLICHKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FORSCHUNGSFREIHEIT">FORSCHUNGSFREIHEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GRUNDLAGENFORSCHUNG">GRUNDLAGENFORSCHUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GUTACHTEN">GUTACHTEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GÃTERABWÃGUNG">GÃTERABWÃGUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INSTRUMENTALE UNERLÃSSLICHKEIT">INSTRUMENTALE UNERLÃSSLICHKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INSTRUMENTALISIERUNG">INSTRUMENTALISIERUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KLINISCHER NUTZEN">KLINISCHER NUTZEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: NICHTIGKEIT">NICHTIGKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PARTEIGUTACHTEN">PARTEIGUTACHTEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PRIMATEN">PRIMATEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTLICHES GEHÃR">RECHTLICHES GEHÃR</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTSGLEICHHEIT">RECHTSGLEICHHEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTSMITTELWEG">RECHTSMITTELWEG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SACHLICHE ZUSTÃNDIGKEIT">SACHLICHE ZUSTÃNDIGKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHIZOPHRENIE">SCHIZOPHRENIE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHWEREGRAD">SCHWEREGRAD</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Besonderes Verwaltungsrecht (ohne...) ST: TIERSCHUTZ">TIERSCHUTZ</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TIERVERSUCH">TIERVERSUCH</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TIERVERSUCHSKOMMISSION">TIERVERSUCHSKOMMISSION</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TIERWÃRDE">TIERWÃRDE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT">VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERSUCHSZIEL">VERSUCHSZIEL</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERWALTUNGSVERORDNUNG">VERWALTUNGSVERORDNUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WAFFENGLEICHHEIT">WAFFENGLEICHHEIT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 8 Abs. I BV</span><br/><span class="gerade">Art. 9 BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 29 Abs. I BV</span><br/><span class="gerade">Art. 29 Abs. II BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 120 Abs. II BV</span><br/><span class="gerade">§ 4 Abs. II KTSchG</span><br/><span class="ungerade">§ 5 Abs. I KTSchG</span><br/><span class="gerade">§ 12 Abs. II KTSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 3 lit. a TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 3 lit. c TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 17 TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 18 Abs. I TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 19 Abs. III TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 19 Abs. IV TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 20 Abs. I TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 20 Abs. II TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 34 Abs. I TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 136 Abs. II TSchV</span><br/><span class="ungerade">Art. 137 Abs. I TSchV</span><br/><span class="gerade">Art. 24 TVV</span><br/><span class="ungerade">Art. 26 TVV</span><br/><span class="gerade">§ 66 Abs. I lit. b VOG RR</span><br/><span class="ungerade">§ 7 Abs. I VRG</span><br/><span class="gerade">§ 19b Abs. I VRG</span><br/><span class="ungerade">§ 19b Abs. II lit. b VRG</span><br/><span class="gerade">§ 19b Abs. III VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 1 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>3. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="77" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=33256" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">VB.2016.00048</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 3. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">5. April 2017</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Rudolf Bodmer<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Tamara NÃ¼ssle, Ersatzrichter Martin Bertschi, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiber Cyrill Bienz.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1. Dr. A, </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2. Dr. B, </span></p> <p class="MsoNormal"><span>3. lic. iur. C, </span></p> <p class="MsoNormal"><span>alle vertreten durch RA D und/oder RA E, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrende, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1. VeterinÃ¤ramt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2. Prof. F, </span></p> <p class="MsoNormal"><span>3. Dr. G, </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2â3 vertreten durch RA H und/oder RA I, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Tierversuche,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Urteilstext">Prof. F (als Bereichsleiter) und Dr. G (als Versuchsleiter; heute Prof. Dr.) reichten am 2. April 2014 ein Gesuch (Nr. 01; datiert vom 15. MÃ¤rz 2014) um Bewilligung eines Tierversuchs mit dem Titel "Neural population dynamics underlying higher brain function in non-human primates" bzw. dem Kurztitel "Higher brain function in monkeys" ein. Es handelte sich um die zweite Version eines zuvor zurÃ¼ckgezogenen Gesuchs. Gegenstand der Untersuchung soll der prÃ¤frontale Cortex sein, ein Teil der Grosshirnrinde, der fÃ¼r die Entscheidfindung, das ArbeitsgedÃ¤chtnis und die kognitive Kontrolle verantwortlich sein dÃ¼rfte. Untersucht werden soll der Zusammenhang des Verhaltens von Neuronenpopulationen im prÃ¤frontalen Cortex mit kontextabhÃ¤ngigem Verhalten. Der Versuch bezweckt Erkenntnis im Bereich der Grundlagenforschung sowie Hinweise fÃ¼r die Behandlung<i> </i>neuropsychiatrischer StÃ¶rungen. Im Experiment sollen neuronale Ableitungen im prÃ¤frontalen Cortex von Rhesusaffen wÃ¤hrend des LÃ¶sens visueller Aufgaben, die kontextabhÃ¤ngige Entscheidungen verlangen, gemessen werden. Zu diesem Zweck sollen zwei Tieren in je zwei Operationen eine Kopfhalterung in den SchÃ¤del sowie neu entwickelte Multielektrodenarrays, welche die AktivitÃ¤t der Neuronen aufzeichnen, implantiert werden. Nach der ersten Operation sollen die Tiere daran gewÃ¶hnt werden, mittels der Kopfhalterung im sogenannten Primatenstuhl fixiert zu sitzen, und sie sollen in einer mehrmonatigen Trainingsphase die von ihnen zu lÃ¶senden Aufgaben erlernen. Auf die zweite Operation soll die mehrmonatige Versuchsphase folgen, in der die Tiere die erlernten Aufgaben lÃ¶sen und die Messungen durchgefÃ¼hrt werden sollen. Die Tiere sollen zur Arbeit angehalten werden, indem ihnen bei korrekter AusfÃ¼hrung der Aufgaben ihr LieblingsgetrÃ¤nk tropfenweise verabreicht wird, was bedingt, dass die FlÃ¼ssigkeitsaufnahme ausserhalb der Versuche beschrÃ¤nkt wird. Falls die gesammelten Daten nicht ausreichen, sollen in einer weiteren Operation Multielektrodenarrays auch in die zweite GehirnhÃ¤lfte implantiert werden; zudem soll bei Bedarf noch ein drittes, als Reserve bezeichnetes Tier eingesetzt werden.</p> <p class="Urteilstext">Die zur Begutachtung des Gesuchs beigezogene kantonale Tierversuchskommission<i> </i>entschied am 17. Juni 2014 mit 7 gegen 4 Stimmen, das Gesuch sei bewilligungsfÃ¤hig. Mit VerfÃ¼gung vom 22. Juli 2014 erteilte das VeterinÃ¤ramt die Bewilligung (Nr. 02) unter Auflagen.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Am 19. August 2014 erhoben drei Mitglieder der Tierversuchskommission (Dr. A, Dr. B und lic. iur. C) bei der Gesundheitsdirektion Rekurs gegen die Tierversuchsbewilligung Nr. 02 und verlangten deren Aufhebung. Die Gesundheitsdirektion Ã¼berwies die Akten der Staatskanzlei, welche sinngemÃ¤ss die ZustÃ¤ndigkeit des Regierungsrats bejahte. Mit Entscheid vom 2. Dezember 2015 wies der Regierungsrat den Rekurs ab.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Hiergegen erhoben Dr. A, Dr. B und lic. iur. C am 25. Januar 2016 Beschwerde an das Verwaltungsgericht. Materiell beantragten sie, es sei der Entscheid des Regierungsrats vom 2. Dezember 2015 aufzuheben und die Tierversuchsbewilligung Nr. 02 nicht zu erteilen, unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten der Beschwerdegegner bzw. des Kantons ZÃ¼rich.</p> <p class="Urteilstext">Das VeterinÃ¤ramt (Beschwerdegegner 1) beantragte in seiner Beschwerdeantwort vom 7. April 2016 Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden kÃ¶nne. Prof. F und Prof. Dr. G (Beschwerdegegner 2 und 3) beantragten in ihrer Beschwerdeantwort vom 15. April 2016, die Beschwerde sei abzuweisen, unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten der BeschwerdefÃ¼hrenden, eventualiter zulasten des Kantons ZÃ¼rich. Der Regierungsrat beantragte in seiner Vernehmlassung Abweisung der Beschwerde. An ihren materiellen AntrÃ¤gen hielten die Parteien in ihren weiteren Eingaben fest.</p> <p class="Urteilstext">In der Replik vom 1. Juni 2016 stellten Dr. A, Dr. B und lic. iur. C den Verfahrensantrag, es sei fÃ¼r die Beurteilung der GÃ¼terabwÃ¤gung und der fÃ¼r diese relevanten Sachverhaltselemente wie auch zur Frage der TierwÃ¼rde je ein unabhÃ¤ngiges Fachgutachten einzuholen. Das VeterinÃ¤ramt nahm in seiner Duplik vom 13. Juli 2016 dazu nicht Stellung; Prof. F und Prof. Dr. G verzichteten in ihrer Duplik vom 22. Juli 2016 auf einen expliziten Antrag zu dieser Frage.</p> <p class="Urteilstext">Dr. A, Dr. B und lic. iur. C reichten am 25. Au­gust 2016 eine Triplik ein. Das VeterinÃ¤ramt Ã¤usserte sich nicht mehr zu dieser Stellungnahme; Prof. F und Prof. Dr. G teilten am 27. September 2016 unter Verweisung auf ihre frÃ¼heren Eingaben den Verzicht auf eine weitere Stellungnahme mit.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde nach § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG; LS 175.2) zustÃ¤ndig.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Die Beschwerdelegitimation der drei BeschwerdefÃ¼hrenden ergibt sich aus § 12 Abs. 2 des Kantonalen Tierschutzgesetzes vom 2. Juni 1991 (KTSchG; LS 554.1), wonach neben der Tierversuchskommission auch mindestens drei gemeinsam handelnde Mitglieder der Kommission rekurs- und beschwerdeberechtigt sind.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Die Beschwerdefrist ist unter BerÃ¼cksichtigung des Fristenstillstands gemÃ¤ss § 71 VRG in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 lit. c der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (SR 272) gewahrt. Da auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b><i> </i></p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Die obere Rechtsmittelinstanz prÃ¼ft von Amtes wegen, ob die Prozessvoraussetzungen bei der unteren Rechtsmittelinstanz gegeben waren (VGr, 9. Juni 2016, VB.2015.00631, E. 1.2; Martin Bertschi in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [Kommentar VRG], Vorbem. zu §§ 19â28a N. 57). Der Rekurs wurde gemÃ¤ss der Rechtsmittelbelehrung in der angefochtenen VerfÃ¼gung an die Gesundheitsdirektion gerichtet, die jeweils Ã¼ber Rekurse gegen Tierversuchsbewilligungen entschieden hatte (es handelt sich um mindestens vier FÃ¤lle; vgl. Gieri Bolliger/Antoine F. Goetschel, Die Wahrnehmung tierlicher Interessen im Straf- und Verwaltungsverfahren, ZÃ¼rich etc. 2011, S. 71 f.; VGr, 23. Dezember 2004, VB.2004.00206, Ziff. II; BGE 135 II 384 lit. B; BGE 135 II 405 lit. B). Mit Schreiben vom 28. August 2014 gelangte die Gesundheitsdirektion aufgrund von Zweifeln an ihrer sachlichen ZustÃ¤ndigkeit an die Staatskanzlei mit der Bitte um PrÃ¼fung der ZustÃ¤ndigkeit des Regierungsrats und gegebenenfalls Anhandnahme des Rekursverfahrens. Die Staatskanzlei nahm in der Folge namens des Regierungsrats das Rekursverfahren an die Hand und fÃ¼hrte es durch, ohne sich je explizit zur ZustÃ¤ndigkeitsfrage zu Ã¤ussern. Auch der Regierungsrat geht im angefochtenen Entscheid nicht auf die Frage ein. Im Folgenden ist zunÃ¤chst die ZustÃ¤ndigkeit des Regierungsrats materiell zu prÃ¼fen.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Das VeterinÃ¤ramt verfÃ¼gt seit dem 1. Januar 1998 Ã¼ber die Entscheidkompetenz im eigenen Namen. GemÃ¤ss der allgemeinen Regelung des Instanzenzugs im Verwaltungsrechtspflegegesetz ist demnach die Direktion Rekursinstanz, unter Vorbehalt einer abweichenden gesetzlichen Regelung. (Vgl. Anhang 3 Ziff. 5.1 in Verbindung mit § 66 Abs. 1 lit. b der Verordnung Ã¼ber die Organisation des Regierungsrates und der kantonalen Verwaltung vom 18. Juli 2007 [VOG RR; LS 172.11] und § 38 Abs. 4 des Gesetzes Ã¼ber die Organisation des Regierungsrates und der kantonalen Verwaltung vom 6. Juni 2005 [LS 172.1]; zuvor § 4 lit. f der Delegationsverordnung vom 10. Dezember 1997 [OS 54, 449] bzw. § 3 der Delegationsverordnung vom 9. Dezember 1998 [OS 54, 919] in Verbindung mit § 13 Abs. 2 des Gesetzes betreffend die Organisation und GeschÃ¤ftsordnung des Regierungsrates und seiner Direktionen vom 26. Februar 1899 in der Fassung vom 8. Juni 1997 [aOG RR; OS 54, 268]; § 19b Abs. 2 lit. b Ziff. 1 und Abs. 3 VRG in der Fassung vom 22. MÃ¤rz 2010; zuvor § 4, § 19 Abs. 1 und § 19b Abs. 1 VRG, letztere Bestimmung in der Fassung vom 8. Juni 1997 [OS 54, 268].)</p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>WÃ¤hrend die Vorinstanz nicht begrÃ¼ndet, weshalb sie die ZustÃ¤ndigkeit in Anspruch nimmt, verweist die Gesundheitsdirektion im Schreiben vom 28. August 2014 auf den Wortlaut von § 12 Abs. 2 KTSchG, der die Tierversuchskommission oder mindestens drei gemeinsame handelnde Kommissionsmitglieder "im Bewilligungsverfahren fÃ¼r Tierversuche zum Rekurs an den Regierungsrat und zur Beschwerde an das Verwaltungsgericht berechtigt" erklÃ¤rt. Wenn § 12 Abs. 2 KTSchG eine vom Normalinstanzenzug abweichende ZustÃ¤ndigkeit vorsieht, kommt dieser Regelung gemÃ¤ss § 19b Abs. 3 VRG der Vorrang zu.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.3.1 </span></b>Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen mÃ¶glich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden, dies unter BerÃ¼cksichtigung aller Auslegungselemente, namentlich von Sinn und Zweck sowie der dem Text zugrunde liegenden Wertung. Wichtig ist ebenfalls der Sinn, der einer Norm im Kontext zukommt. Vom klaren, das heisst eindeutigen und unmissverstÃ¤ndlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen werden, nÃ¤mlich wenn triftige GrÃ¼nde dafÃ¼r vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt. Solche GrÃ¼nde kÃ¶nnen sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Sinn und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit anderen Vorschriften ergeben (BGE 142 V 129 E. 5.2.1; 140 II 129 E. 3.2).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.3.2 </span></b>Der Wortlaut von § 12 Abs. 2 KTSchG ist nicht eindeutig: Fixiert man sich auf den isolierten Wortlaut dieses Absatzes, kÃ¶nnte der Bestimmung sogar die unsinnige Bedeutung entnommen werden, der Regierungsrat sei nur dann Rekursinstanz, wenn der Rekurs von der Tierversuchskommission oder deren Mitgliedern erhoben wurde, nicht aber, wenn er von den Gesuchstellenden â oder Dritten â eingereicht wurde (so die Gesundheitsdirektion im Schreiben vom 28. August 2014). Jedenfalls insoweit kann der Wortlaut nicht zum Nennwert genommen werden. Zudem lÃ¤sst der Wortlaut offen, ob § 12 Abs. 2 KTSchG das Bestehen des Rekurses an den Regierungsrat voraussetzt oder ob die Bestimmung diesen Rekurs selber vorsieht.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.3.3 </span></b>§ 12 KTSchG regelt das erstinstanzliche Verwaltungs- und das Rechtsmittelverfahren bezÃ¼glich der Tierversuchsbewilligungen nicht umfassend; er legt vielmehr die Befugnisse der Tierversuchskommission bzw. der Kommissionsmitglieder im Verfahren fest (Abs. 1 und 2) und enthÃ¤lt eine besondere Regelung in Bezug auf die aufschiebende Wirkung (Abs. 3, ursprÃ¼nglich Abs. 4). In der ursprÃ¼nglichen Fassung hielt sodann der damalige Abs. 3 fest, dass die Beschwerde an das Verwaltungsgericht selbst dann gegeben sei, wenn sie nach der damaligen allgemeinen Regelung des kantonalen Rechtsmittelwegs zugunsten der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht entfallen wÃ¤re (OS 51, 728). Offenkundiger Zweck von § 12 KTSchG ist somit die Normierung einiger spezifischer Fragen in ErgÃ¤nzung und teilweiser AbÃ¤nderung der allgemeinen Normierung des Rechtsmittelverfahrens. Zu prÃ¼fen ist allerdings, ob die Bestimmung auch eine eigenstÃ¤ndige Regelung der BehÃ¶rdenzustÃ¤ndigkeit enthÃ¤lt.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.3.4 </span></b>Die ErwÃ¤hnung des Regierungsrats in § 12 Abs. 2 KTSchG nimmt offensichtlich auf § 5 Abs. 1 und § 12 Abs. 1 KTSchG Bezug, wonach die zustÃ¤ndige Direktion die Bewilligungen gemÃ¤ss eidgenÃ¶ssischer Tierschutzgesetzgebung erteilt und der Tierversuchskommission die Gesuche fÃ¼r die Tierversuche mit erhÃ¶htem Schweregrad zur Begutachtung vorlegt. Wenn eine Direktion erstinstanzlich entscheidet, sind Rekurse grundsÃ¤tzlich an den Regierungsrat zu richten, gemÃ¤ss der allgemeinen Regel, dass Anordnungen der unteren BehÃ¶rde an die obere weitergezogen werden kÃ¶nnen (heute § 19b Abs. 1 VRG in der Fassung vom 22. MÃ¤rz 2010; zuvor § 19 Abs. 1 VRG). Im Zeitpunkt des Erlasses des kantonalen Tierschutzgesetzes verfÃ¼gten die Direktionen nur bei Vorliegen einer speziellen gesetzlichen ErmÃ¤chtigung und die Amtsstellen grundsÃ¤tzlich gar nicht Ã¼ber Entscheidungsbefugnis (Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 19 N. 71). Entsprechend traf das VeterinÃ¤ramt seine Anordnungen im Namen der Direktion (Peter Wirth, Gesetzgebung und Vollzug im Bereiche der Tierversuche, Bern 1991, S. 197 Fn. 2). § 12 Abs. 2 KTSchG nannte somit ursprÃ¼nglich einfach die Rekursinstanz, die sich aus der Regelung der erstinstanzlichen ZustÃ¤ndigkeit und den allgemeinen Regeln Ã¼ber den Rechtsweg ergab. Im Zug der Teilrevision des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 8. Juni 1997 wurde dem Regierungsrat mit § 13 Abs. 2 aOG RR die Befugnisse eingerÃ¤umt, Angelegenheiten den Direktionen oder Amtsstellen zur Erledigung zu Ã¼bertragen und festzulegen, ob die Amtsstellen im eigenen oder im Namen der Direktion entscheiden. GestÃ¼tzt auf diese gesetzliche Grundlage wurde auch dem VeterinÃ¤ramt erstinstanzliche Entscheidungsbefugnis zugesprochen (vgl. E. 2.2). Es gibt keine Anzeichen dafÃ¼r, dass die ErwÃ¤hnung der Direktion in § 5 Abs. 1 KTSchG diese Delegation ausschliesst. Wenn der Nennung des Regierungsrats in § 12 Abs. 2 KTSchG eine eigenstÃ¤ndige Bedeutung zuzugestehen wÃ¤re, hÃ¤tte sich ihr Gehalt mit dem Wechsel der erstinstanzlichen ZustÃ¤ndigkeit von der Direktion zum Amt verÃ¤ndert: Die Rekursinstanz wÃ¼rde nun nicht mehr entsprechend den allgemeinen Regeln, sondern im Sinn einer Sonderregelung bezeichnet. Es finden sich keine Hinweise, dass dies je beabsichtigt war.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.3.5 </span></b>Der einzigen substanziellen Ãusserung zum Thema in den Materialien ist im Gegenteil zu entnehmen, dass in § 12 Abs. 2 KTSchG der Regierungsrat genannt wird, weil nach § 5 Abs. 1 KTSchG die erstinstanzliche ZustÃ¤ndigkeit bei der Direktion lag und der Regierungsrat Ã¼blicherweise zum Entscheid Ã¼ber Rekurse gegen VerfÃ¼gungen der Direktionen zustÃ¤ndig ist (Prot. KR 1987â1991, S. 12470 [Votum Chanson]; vgl. auch Antrag und Weisung des Regierungsrates vom 30. August 1989 zur Volksinitiative "fÃ¼r ein Klage- und Kontrollrecht im Tierschutz" und zum Erlass eines Kantonalen Tierschutzgesetzes, ABl 1989 II 1617 ff., 1637 f.; Prot. KR 1987â1991, S. 11549 ff.). Als spÃ¤ter mit dem Gesetz Ã¼ber die Anpassung des kantonalen Verwaltungsverfahrensrechts vom 22. MÃ¤rz 2010 der Ã¼berholte damalige § 12 Abs. 3 KTSchG gestrichen wurde (OS 65, 390, 414), fand keine Diskussion zu Abs. 2 statt (vgl. Prot. KR 2007â2011, S. 10248). Dass sich der Gesetzgeber je bewusst fÃ¼r den ungewÃ¶hnlichen Instanzenzug vom Amt an den Regierungsrat entschieden hÃ¤tte, ist nicht ersichtlich. Dies spricht dafÃ¼r, dass die Anpassung von § 12 Abs. 2 KTSchG an den Normalinstanzenzug nur aus Unachtsamkeit unterblieb und dass dieser Absatz stets nur zur Rekurs- und Beschwerdelegitimation, nicht aber zur ZustÃ¤ndigkeit fÃ¼r die Rekursbehandlung eine eigenstÃ¤ndige Regelung enthalten sollte. In diesem Zusammenhang kann angemerkt werden, dass jÃ¼ngst eine Vorlage des Regierungsrats eben diese Unachtsamkeit offenlegte, indem neu die Tierschutzkommission als Rekursinstanz gegenÃ¼ber Anordnungen des VeterinÃ¤ramts im Bereich des Tierschutzrechts bezeichnet wurde, ohne dass das VerhÃ¤ltnis dieser Regelung zu § 12 Abs. 2 KTSchG geklÃ¤rt worden wÃ¤re (vgl. § 15a KTSchG gemÃ¤ss Antrag und Bericht des Regierungsrates vom 11. Februar 2015 zur Erledigung der Motionen KR-Nr. 68/2011 betreffend Gewaltentrennung im VeterinÃ¤rbereich und KR-Nr. 85/2011 betreffend [...] Tierschutzkommission [...], KR-Nr. 5168/2015 [ABl Nr. 8, 27. Februar 2015, Meldungsnr. 102889]; die Bestimmung wurde vom Kantonsrat nicht aufgenommen, vgl. Prot. KR 2015â2019, S. 4705 ff.).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.3.6 </span></b>Eine historische und systematische Auslegung ergibt somit, dass § 12 Abs. 2 KTSchG keine selbstÃ¤ndige Bezeichnung der Rekursinstanz enthÃ¤lt, sondern nur im Zusammenhang mit der Regelung der Rekurs- und Beschwerdelegitimation der Tierversuchskommission bzw. der Kommissionsmitglieder diejenige Rekursinstanz nennt, die sich aus der ursprÃ¼nglichen Festlegung der erstinstanzlichen ZustÃ¤ndigkeit in § 5 Abs. 1 KTSchG und der allgemeinen Regelung des Rekurswegs ergab. Mit der Delegation der erstinstanzlichen Entscheidungskompetenz an das VeterinÃ¤ramt hat die Nennung des Regierungsrats als Rekursinstanz in § 12 Abs. 2 KTSchG ihren Sinn verloren; der Gesetzgeber hat niemals bezweckt, mit § 12 Abs. 2 KTSchG vom Normalinstanzenzug abzuweichen. Dass die Bestimmung bisher nicht korrigiert wurde, ist darauf zurÃ¼ckzufÃ¼hren, dass das Problem bislang nicht bemerkt wurde. Insofern lÃ¤sst sich von einem Versehen des Gesetzgebers sprechen. Es sind auch keine GrÃ¼nde ersichtlich, die fÃ¼r die ZustÃ¤ndigkeit des Regierungsrats sprechen wÃ¼rden. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.3.7 </span></b>Als Fazit ist festzuhalten, dass der Wortlaut von § 12 Abs. 2 KTSchG insofern nicht den Sinn der Norm wiedergibt und damit nicht massgeblich ist, als er den Regierungsrat zur Rekursinstanz erklÃ¤rt. Zum gleichen Ergebnis kommt Ã¼brigens auch die Lehre (vgl. die beilÃ¤ufige Bemerkung bei Isabelle HÃ¤ner/Gieri Bolliger/Antoine F. Goetschel, Geheimhaltungspflicht von Mitgliedern der Tierversuchskommissionen, ZÃ¼rich etc. 2011, S. 17). Der Regierungsrat nahm daher zu Unrecht die sachliche ZustÃ¤ndigkeit fÃ¼r die Rekursbehandlung in Anspruch.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b>Fraglich ist, ob der angefochtene Entscheid wegen der fehlenden sachlichen ZustÃ¤ndigkeit der Vorinstanz aufzuheben ist.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.4.1 </span></b>Die Praxis ist nicht einheitlich: Teils wird der Entscheid einer sachlich oder funktionell unzustÃ¤ndigen Vorinstanz ohne Weiteres aufgehoben (BGr, 12. Juni 2012, 8C_852/2011, E. 4.5; VGr, 20. MÃ¤rz 2013, VB.2012.00629, E. 2.5). Das geschieht manchmal selbst dann, wenn die vorinstanzliche ZustÃ¤ndigkeit von den Parteien nicht beanstandet, sondern von Amts wegen geprÃ¼ft wurde (VGr, 8. MÃ¤rz 2005, VR.2005.00001, E. 2.2 und 4). Teils wird die Nichtigkeit als einziges Kriterium verwendet (BGE 137 III 217 E. 2.4.3), jedenfalls dann, wenn die fehlende ZustÃ¤ndigkeit nicht gerÃ¼gt wurde (VGr, 24. November 2011, VB.2011.00474, E. 2.2). Laut anderen Entscheiden kann die ProzessÃ¶konomie den Verzicht auf die Aufhebung gestatten, wenn der vorinstanzliche Entscheid nicht nichtig ist, die UnzustÃ¤ndigkeit der Vorinstanz nicht gerÃ¼gt wurde und die Aktenlage einen materiellen Entscheid zulÃ¤sst (BGr, 2. April 2013, 2C_487/2012, E. 1.2.1 und 1.2.5 mit Hinweis; Thomas FlÃ¼ckiger in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz [VwVG], 2. A., ZÃ¼rich etc. 2016, Art. 7 N. 24; vgl. auch VGr, 19. September 2002, VB.2002.00197, E. 2a). Teils werden sinngemÃ¤ss die Regeln Ã¼ber die Heilung von GehÃ¶rsverletzungen angewendet (BVGr, 5. Februar 2015, A-2654/2014, E. 2.4 und 4.4).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.4.2 </span></b>Es ist der Rechtsprechung zu folgen, wonach aus prozessÃ¶konomischen GrÃ¼nden von der Aufhebung des Entscheids der unzustÃ¤ndigen Vorinstanz und von der Ãberweisung an die zustÃ¤ndige Instanz abgesehen werden kann, wenn der Mangel von den Parteien nicht gerÃ¼gt wurde und ein materieller Entscheid gefÃ¤llt werden kann. Im Ergebnis wird damit zwar der Grundsatz durchbrochen, wonach die ZustÃ¤ndigkeitsvorschriften des Ã¶ffentlichen Rechts zwingend sind (zum Beispiel FlÃ¼ckiger, Art. 7 N. 49). Wenn das Interesse sÃ¤mtlicher Parteien an einer befÃ¶rderlichen Verfahrenserledigung die entgegenstehenden Anliegen â namentlich das LegalitÃ¤tsprinzip und die Rechtssicherheit, gegebenenfalls etwa auch das Interesse am Entscheid durch eine fachkundige BehÃ¶rde â Ã¼berwiegt, kann diese Folge allerdings in Kauf genommen werden. Eine Schranke ist jedoch die Nichtigkeit: Wenn der angefochtene Entscheid an einem so schweren ZustÃ¤ndigkeitsmangel leidet, dass er nichtig ist, muss dies zwingend festgestellt und die DurchfÃ¼hrung des Verfahrens vor der zustÃ¤ndigen Instanz ermÃ¶glicht werden.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.4.3 </span></b>Damit Nichtigkeit anzunehmen ist, muss nach der sogenannten Evidenztheorie ein besonders schwerer Mangel vorliegen; der Mangel muss offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar sein, und die Nichtigkeit darf die Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefÃ¤hrden. Sachliche und funktionelle UnzustÃ¤ndigkeit fÃ¼hrt zur Nichtigkeit, ausser wenn der verfÃ¼genden BehÃ¶rde auf dem betreffenden Gebiet allgemeine Entscheidungsgewalt zukommt und die Nichtigkeit nicht die Rechtssicherheit gefÃ¤hrdet (BGE 137 III 217 E. 2.4.3; Ulrich HÃ¤felin/Georg MÃ¼ller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. A., ZÃ¼rich/St. Gallen 2016, Rz. 1098; Kaspar PlÃ¼ss, Kommentar VRG, § 5 N. 38).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.4.4 </span></b>Der Regierungsrat ist die oberste leitende und vollziehende BehÃ¶rde des Kantons (Art. 60 Abs. 1 der Verfassung des Kantons ZÃ¼rich vom 27. Februar 2005). Er ist gemÃ¤ss dem Normalinstanzenzug ordentliche Rekursinstanz gegen Anordnungen der Direktionen (§ 19b Abs. 1 und Abs. 2 lit. a Ziff. 1 VRG). Diese entscheiden unter Vorbehalt einer abweichenden Norm im eigenen Namen (§ 66 Abs. 1 VOG RR), was die ZustÃ¤ndigkeit des Regierungsrats als Rekursinstanz auslÃ¶st. Insofern kann von einer allgemeinen Entscheidungsgewalt des Regierungsrats im Bereich des Rekurswesens gesprochen werden. Unerheblich ist somit, dass sich eine solche nicht aus dem Evokations- bzw. Selbsteintrittsrecht der hierarchisch Ã¼bergeordneten VerwaltungsbehÃ¶rde ergibt, das im Rechtsmittelverfahren ausgeschlossen ist. Die Rechtssicherheit spricht im vorliegenden Fall ebenfalls gegen die Annahme der Nichtigkeit: Die zustÃ¤ndige Gesundheitsdirektion hat den Rekurs selber zur PrÃ¼fung der ZustÃ¤ndigkeit und allfÃ¤lligen Behandlung an den Regierungsrat weitergeleitet, und die Verfahrensbeteiligten haben sich vorbehaltlos auf das Verfahren vor dem Regierungsrat eingelassen (vgl. BGE 136 II 489 E. 3.3). Zudem nennt § 12 Abs. 2 KTSchG gemÃ¤ss seinem Wortlaut â der allerdings den Sinn der Bestimmung unzutreffend wiedergibt â den Regierungsrat als Rekursinstanz, sodass nicht von einem offensichtlichen und schweren ZustÃ¤ndigkeitsfehler auszugehen ist. Angesichts der genannten UmstÃ¤nde ist der angefochtene Entscheid nicht nichtig.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.4.5 </span></b>In der AbwÃ¤gung Ã¼berwiegen sodann die Interessen, die gegen eine Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids mangels ZustÃ¤ndigkeit und eine Ãberweisung der Sache an die zustÃ¤ndige Rekursinstanz, die Gesundheitsdirektion, sprechen: Die Gesundheitsdirektion und der Regierungsrat haben in nachvollziehbarer AbstÃ¼tzung auf den Gesetzeswortlaut, also in guten Treuen, das Rekursverfahren vor dem Regierungsrat veranlasst bzw. durchgefÃ¼hrt; die Verfahrensbeteiligten haben sich darauf eingelassen. Zu berÃ¼cksichtigen ist weiter, dass es sich um ein umfangreiches und langwieriges Verfahren handelt, das mittlerweile seit der Gesuchseinreichung drei Jahre hÃ¤ngig ist (ohne BerÃ¼cksichtigung des erstinstanzlichen Verfahrens betreffend die erste Version des Gesuchs, das mit dessen RÃ¼ckzug endete). Die Sache ist zudem spruchreif. Diese GrÃ¼nde Ã¼berwiegen gegenÃ¼ber den Interessen an der Einhaltung der gesetzlichen ZustÃ¤ndigkeitsordnung und am Entscheid durch die Gesundheitsdirektion als einer BehÃ¶rde, die zwar nicht fachkundig ist, aber mit der Materie besser vertraut als der Regierungsrat. Daran vermag auch nichts zu Ã¤ndern, dass das Ermessen der RekursbehÃ¶rde massgeblichen Einfluss auf das Verfahren haben kann (vgl. VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 4.3 und 9.3.2). Zwar kann die ErmessensausÃ¼bung durch den unzustÃ¤ndigen Regierungsrat nicht relevant sein, doch kann gegebenenfalls auf die ErmessensbetÃ¤tigung des erstinstanzlich entscheidenden, fachkundigen VeterinÃ¤ramts abgestellt werden.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>2.4.6 </span></b>Es ist allerdings festzuhalten, dass Rekurse betreffend Tierversuchsbewilligungen zukÃ¼nftig wieder von der Gesundheitsdirektion zu behandeln sind â in Anwendung von § 19b Abs. 2 lit. b Ziff. 1 VRG und ungeachtet des Wortlauts von § 12 Abs. 2 KTSchG.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden werfen sÃ¤mtlichen Mitgliedern des Regierungsrats Befangenheit vor, weil der Regierungsrat am 11. MÃ¤rz 2015 (RRB Nr. 217 Ziff. 13 und Dispositiv-Ziff. 13) fÃ¼r die Anpassung des Aussengeheges zur Primatenhaltung Projektierungskosten von Fr. 60'000.- bewilligt hat. Die Anpassungen sollen im Hinblick auf den streitigen, im Zeitpunkt des regierungsrÃ¤tlichen Beschlusses erstinstanzlich bewilligten Versuch vorgenommen werden; die Kosten werden auf rund Fr. 500'000.- geschÃ¤tzt. Das Vorbringen ist verspÃ¤tet, weil ein Ablehnungsgrund unverzÃ¼glich nach der Kenntnisnahme geltend gemacht werden muss (BGE 136 I 207 E. 3.4); die auf Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV]) gestÃ¼tzten Ausnahmen zu dieser Regel greifen im vorliegenden Fall nicht (vgl. VGr, 28. Mai 2015, VB.2014.00722, E. 3.2). Die Voraussetzungen der Vorbefassung im Sinn von § 5a Abs. 1 VRG sind zudem auch materiell nicht erfÃ¼llt: Eine Vorbefassung lÃ¤ge nur vor, wenn die beiden Verfahren die gleiche Angelegenheit und eine Ã¤hnliche oder gleiche Fragestellung betrÃ¤fen (vgl. VGr, 28. Mai 2015, VB.2014.00722, E. 2.2; Regina Kiener in: Kommentar VRG, § 5a N. 25; Benjamin Schindler, Die Befangenheit der Verwaltung, ZÃ¼rich etc. 2002, S. 149 f.). Dies ist hier nicht der Fall, ungeachtet dessen, dass zwischen den beiden RegierungsratsbeschlÃ¼ssen insoweit ein Zusammenhang besteht, als sich die Projektgenehmigung auf den Tierversuch bezieht, dessen Bewilligung damals im Rekursverfahren vor dem Regierungsrat hÃ¤ngig war.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden machen geltend, dass die Vorinstanz ihren Anspruch auf rechtliches GehÃ¶r (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention [EMRK]) sowie die Untersuchungsmaxime (§ 7 Abs. 1 VRG) verletzt habe, indem sie relevante Vorbringen zum Sachverhalt nicht berÃ¼cksichtigt habe. Sie leiten daraus allerdings keinen Antrag auf RÃ¼ckweisung an die Vorinstanz ab. Ob der Anwendungsbereich von Art. 6 Ziff. 1 EMRK Ã¼berhaupt betroffen ist, kann offenbleiben, wie sich aus dem Folgenden ergibt. Die BeschwerdefÃ¼hrenden begrÃ¼nden ihre RÃ¼ge im Wesentlichen damit, dass die Vorinstanz in bestimmten Punkten ungeprÃ¼ft die Ansicht der Beschwerdegegner Ã¼bernommen habe und nicht auf die AusfÃ¼hrungen der BeschwerdefÃ¼hrenden eingegangen sei. Es wird jedoch nicht vorgebracht und ist auch nicht ersichtlich, welche Beweismittel die Vorinstanz nicht gewÃ¼rdigt hÃ¤tte oder zusÃ¤tzlich hÃ¤tte einholen mÃ¼ssen. Auch genÃ¼gt die BegrÃ¼ndungsdichte des vorinstanzlichen Entscheids den Anforderungen, die sich aus dem Anspruch auf rechtliches GehÃ¶r ergeben. Dies gilt auch unter BerÃ¼cksichtigung der KomplexitÃ¤t des Falles (vgl. PlÃ¼ss, § 10 N. 27): Die BegrÃ¼ndung darf sich auf jene Aspekte beschrÃ¤nken, welche die BehÃ¶rde aus sachlich haltbaren GrÃ¼nden als wesentlich betrachtet. Nicht erforderlich ist deshalb, dass sich die BegrÃ¼ndung mit allen Parteistandpunkten einlÃ¤sslich auseinandersetzt und jedes Vorbringen ausdrÃ¼cklich widerlegt (PlÃ¼ss, § 10 N. 25 mit Hinweisen). Anzumerken ist, dass beide Parteien im Rekursverfahren â ebenso wie vor Verwaltungsgericht â umfangreiche Rechtsschriften und zahlreiche Beweismittel einlegten, weshalb sich von selbst versteht, dass die Vorinstanz sich auf die fÃ¼r den Fall massgeblichen Vorbringen beschrÃ¤nkte. Eine Verletzung des rechtlichen GehÃ¶rs liegt somit nicht vor. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden beantragen die Einholung je eines unabhÃ¤ngigen Fachgutachtens zur Beurteilung der einzelnen fÃ¼r die GÃ¼terabwÃ¤gung relevanten Sachverhaltselemente und der TierwÃ¼rde sowie zur GÃ¼terabwÃ¤gung selbst.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.3.1 </span></b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden begrÃ¼nden ihren Antrag im Wesentlichen mit dem Grundsatz der Waffengleichheit bzw. der Gleichbehandlung der Parteien, der aus Art. 8 Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK abgeleitet wird und die UnterstÃ¼tzung der schwÃ¤cheren Partei durch geeignete Massnahmen fordert. Die Waffengleichheit ist insoweit herzustellen, als alle Parteien die gleichen prozessualen Chancen haben sollen, mit ihren materiellen Standpunkten durchzudringen; eine umfassende Gleichstellung ist nicht anzustreben (Bertschi, Vorbem. zu §§ 19â28a N. 38). Die Waffengleichheit verschafft grundsÃ¤tzlich keinen Anspruch auf ein Gerichtsgutachten, doch kann sich die Notwendigkeit eines solchen aus dem Recht der Parteien ergeben, mittels eigener Beweismittel die ZuverlÃ¤ssigkeit und SchlÃ¼ssigkeit von Parteigutachten der Gegenpartei infrage zu stellen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.3â4.7; vgl. auch Alfred KÃ¶lz/Isabelle HÃ¤ner/Martin Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. A., ZÃ¼rich etc. 2013, Rz. 211). Die Beschwerdegegner 2 und 3 verfÃ¼gen laut den BeschwerdefÃ¼hrenden Ã¼ber weitreichende finanzielle Mittel und sind mit Fachkolleginnen und -kollegen vernetzt, was ihnen ermÃ¶glicht habe, zahlreiche Parteigutachten einzureichen. Diese Ressourcen stÃ¼nden den BeschwerdefÃ¼hrenden nicht zur VerfÃ¼gung. In diesem Zusammenhang verweisen diese auf ein Schreiben der Gesundheitsdirektion vom 11. August 2014, das die Kosten, welche die BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼r die Rechtsmittelverfahren geltend machten, als nicht nachvollziehbar und die Einholung von Parteigutachten als nicht sinnvoll bezeichnet. Ob die Gesundheitsdirektion die Kosten der BeschwerdefÃ¼hrenden fÃ¼r die Rechtsmittelverfahren zu tragen hat, ist streitig; die Sache wurde ebenfalls vor das Verwaltungsgericht gebracht (VB.2016.00042). Der Ausgang jenes Verfahrens kann vorliegend allerdings nicht entscheidend sein, weil die BeschwerdefÃ¼hrenden jedenfalls nicht sicher mit der KostenÃ¼bernahme durch den Staat rechnen konnten und dies ihre ProzessfÃ¼hrung beeinflusst haben mag. Welche finanziellen Mittel den BeschwerdefÃ¼hrenden tatsÃ¤chlich â etwa aufgrund von Kostengutsprachen Dritter â zur VerfÃ¼gung stehen, ist dem Verwaltungsgericht nicht bekannt, aber auch nicht relevant. Massgeblich ist, dass im vorliegenden Verfahren kein Einfluss eines allfÃ¤lligen Unterschieds in Bezug auf die finanziellen Ressourcen bemerkbar ist: Auch die BeschwerdefÃ¼hrenden haben verschiedene Parteigutachten und Stellungnahmen eingereicht, und sie sind in der Lage, mit eigenen Beweismitteln die Parteigutachten der Gegenseite in Zweifel zu ziehen. Es bestehen keine Anzeichen dafÃ¼r, dass sie sich nicht genÃ¼gend Chancen verschaffen konnten, mit ihren materiellen Standpunkten gehÃ¶rt zu werden. Sie kÃ¶nnen demnach aus der Gleichbehandlung der Parteien nichts zugunsten ihres Verfahrensantrags ableiten.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.3.2 </span></b>Nach § 7 Abs. 1 VRG kÃ¶nnen SachverstÃ¤ndige beigezogen werden, was angezeigt ist, wenn zur AbklÃ¤rung des relevanten Sachverhalts besondere Sachkenntnisse erforderlich sind, Ã¼ber welche die entscheidende BehÃ¶rde nicht verfÃ¼gt. Beim Entscheid, ob ein Gutachten erforderlich ist, kommt der BehÃ¶rde ein erhebliches Ermessen zu (PlÃ¼ss, § 7 N. 66 f.). Im vorliegenden Fall kann sich das Verwaltungsgericht zum einen auf die Stellungnahme der fachkundigen Tierversuchskommission abstÃ¼tzen (vgl. E. 4.2); zum andern erscheint der massgebliche Sachverhalt aufgrund der Akten hinreichend liquid. Dass den zahlreichen Parteigutachten nicht der Beweiswert eines vom Gericht in Auftrag gegebenen Gutachtens zukommt (E. 4.4), Ã¤ndert daran nichts. Im Ãbrigen wÃ¤ren kaum sachverstÃ¤ndige Personen aufzufinden, welche die massgeblichen Sachverhaltselemente aus einer Ã¼bergreifenden Gesamtsicht bewerten kÃ¶nnten (vgl. auch VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 5.1.6). Zu den Rechtsfragen, namentlich zur Auslegung des Rechtsbegriffs der TierwÃ¼rde und zur rechtlichen Ebene der GÃ¼terabwÃ¤gung, darf ohnehin kein Gutachten eingeholt werden (PlÃ¼ss, § 7 N. 68 mit Hinweisen).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.3.3 </span></b>Der Antrag der BeschwerdefÃ¼hrenden auf Einholung eines unabhÃ¤ngigen Fachgutachtens ist somit abzuweisen.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen â einschliesslich rechtsverletzende Ermessensfehler â sowie eine fÃ¼r den Entscheid erhebliche unrichtige oder ungenÃ¼gende Sachverhaltsfeststellung gerÃ¼gt werden (§ 50 in Verbindung mit § 20 Abs. 1 VRG). Eine Ermessenskontrolle steht dem Gericht â unter Vorbehalt hier nicht spielender Ausnahmen (§ 50 Abs. 2 VRG) â nicht zu. Mit dem Ausschluss der Ermessenskontrolle verbunden ist grundsÃ¤tzlich auch die Respektierung des Beurteilungsspielraums, der den VerwaltungsbehÃ¶rden bei der Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe zustehen kann (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 4.3.1; vgl. auch Marco Donatsch in: Kommentar VRG, § 50 N. 28 ff.).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Die Parteien werfen die Frage auf, welcher Stellenwert der Stellungnahme der Tierversuchskommission zukommt, insbesondere wenn sich innerhalb der Kommission eine Minderheit von mindestens drei Personen formiert, der das Rekurs- und Beschwerderecht im Sinn von § 12 Abs. 2 KTSchG zusteht. Die BeschwerdefÃ¼hrenden nehmen eine Pflicht zu weiterfÃ¼hrenden AbklÃ¤rungen an, wenn eine Minderheit der Tierversuchskommission ernsthafte Zweifel an der Stellungnahme der Mehrheit vorbringt; dies gelte besonders angesichts eines strukturellen Ungleichgewichts in der Zusammensetzung der Kommission, in welcher die Forschungsinteressen dominierten. Die Beschwerdegegner 2 und 3 berufen sich dagegen darauf, dass die Empfehlung der Tierversuchskommission als des gesetzlich eingesetzten Fachgremiums massgeblich sei.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.2.1 </span></b>Das Bundesgericht bezeichnet die Tierversuchskommission als unabhÃ¤ngiges Fachorgan (vgl. heute Art. 34 Abs. 1 Satz 1 des eidgenÃ¶ssischen Tierschutzgesetzes vom 16. Dezember 2005 [TSchG; SR 455]). Ihrer Begutachtung komme erhebliches Gewicht zu, und es dÃ¼rfe nur aus triftigen GrÃ¼nden vom Ergebnis abgewichen werden. Die Ãbernahme der entsprechenden Rechtsprechung, die etwa fÃ¼r die EidgenÃ¶ssische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) entwickelt worden sei und auch auf fachspezialisierte bundesgerichtliche Vorinstanzen angewendet werde, drÃ¤nge sich geradezu auf. Hinzu komme, dass sie auf Verordnungsstufe (heute: Art. 139 Abs. 4 Satz 2 TSchV) positivrechtlich geregelt sei, indem vorgesehen sei, dass ein Abweichen vom Antrag der Tierversuchskommission begrÃ¼ndet werden mÃ¼sse (BGE 135 II 384 E. 3.4.1; zurÃ¼ckhaltender: VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 4.1 f.). Der Ansicht des Bundesgerichts ist zu folgen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.2.2 </span></b>Das Rekurs- und Beschwerderecht der Kommissionsminderheit, dessen Wahrnehmung das Bundesgericht als wichtige Ã¶ffentliche Aufgabe bezeichnet (BGE 135 II 384 E. 1.2.3), Ã¤ndert hieran nichts: Es handelt sich um ein Verfahrensrecht, mit dem indirekt auch die ÃberprÃ¼fung der Position der Kommissionsmehrheit verlangt werden kann. Es verschafft der Kommissionsminderheit die MÃ¶glichkeit, den RechtsmittelbehÃ¶rden formelle und materielle Kritik an der Stellungnahme der Kommission vorzutragen; es relativiert aber das besondere Gewicht der Begutachtung durch die Kommission nicht.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.2.3 </span></b>Triftige GrÃ¼nde, um von einem Gutachten abzuweichen, liegen etwa vor, wenn gewichtige, zuverlÃ¤ssig begrÃ¼ndete Tatsachen oder Indizien die Ãberzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschÃ¼ttern (BGr, 10. Oktober 2014, 1C_893/2013, E. 5.3.3; BGE 132 II 257 E. 4.4.1) oder wenn das Gutachten in seiner Sachverhaltsfeststellung oder BegrÃ¼ndung IrrtÃ¼mer, Unklarheiten, LÃ¼cken oder WidersprÃ¼che enthÃ¤lt (VGr, 11. August 2016, VB.2016.00012, E. 2.3; PlÃ¼ss, § 7 N. 146; vgl. auch BGE 136 II 539, E. 3.2; als Beispiel BGE 125 II 591 E. 7d, wo Auslassungen und wenig eingehende Sachverhaltsfeststellungen bemÃ¤ngelt wurden). </p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.2.4 </span></b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden machen ein strukturelles Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Kommission geltend, weil die Interessen der Forschung bevorzugt wÃ¼rden. Dies werde dadurch gefÃ¶rdert, dass seit 2011 die WahlvorschlÃ¤ge fÃ¼r die Kommissionsmitglieder, die der UniversitÃ¤t ZÃ¼rich und der ETH ZÃ¼rich angehÃ¶ren, zentral von den Rektoraten zusammengestellt wÃ¼rden. In der Literatur findet sich in allgemeiner Formulierung die Ã¤hnliche Kritik, verschiedene Kantone besetzten die Tierversuchskommissionen nur mit wissenschafts- und wirtschaftsfreundlichen Personen, womit sie unzulÃ¤ssigerweise die verfassungsrechtlichen Vorgaben unterliefen (Christoph Errass, in: Bernhard Ehrenzeller et al. [Hrsg.], Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, ZÃ¼rich etc. 2014, Art. 80 Rz. 26). Die Vorbringen vermÃ¶gen das gesetzeskonforme Funktionieren der Tierversuchskommission allerdings nicht infrage zu stellen: Zu Recht machen die BeschwerdefÃ¼hrenden nicht geltend, dass die Kommission nicht gemÃ¤ss den Vorgaben von Art. 34 Abs. 1 TSchG sowie § 4 Abs. 1 und 2 KTSchG besetzt sei. Von den acht Personen, die im Zeitpunkt der Abstimmung Ã¼ber das streitige Gesuch der Kommission angehÃ¶rten und nicht den Tierschutzorganisationen entstammten, waren sieben gemeinsam vom VizeprÃ¤sident fÃ¼r Forschung und Wirtschaftsbeziehungen der ETH ZÃ¼rich und vom Prorektor Medizin und Forschung der UniversitÃ¤t ZÃ¼rich vorgeschlagen worden. Dazu gehÃ¶rten fÃ¼nf Bisherige und ein am Ethikzentrum der UniversitÃ¤t ZÃ¼rich tÃ¤tiger Theologe. Ein weiteres Mitglied war auf Vorschlag der Gesellschaft der ZÃ¼rcher TierÃ¤rzte gewÃ¤hlt worden. Damit waren die beiden Hochschulen zusammen zwar anteilsmÃ¤ssig sehr stark vertreten, doch kann nicht von einem Verstoss gegen § 4 Abs. 2 KTSchG ausgegangen werden, der ihnen eine angemessene Vertretung zusichert, ohne eine Obergrenze vorzusehen. Die Behauptung der fehlenden Sachkunde in Ethikfragen geht aufgrund der Kommissionsmitgliedschaft des erwÃ¤hnten Ethikers fehl. Die entsprechende Vorgabe von § 4 Abs. 1 KTSchG ist mit dieser Besetzung erfÃ¼llt. Zudem geht es nicht an, den in der Kommission vertretenen Fachleuten fÃ¼r Versuchstierkunde und Tierversuche im Sinn von § 4 Abs. 1 KTSchG generell Voreingenommenheit in ethischen Fragen zu unterstellen, wie dies die BeschwerdefÃ¼hrenden sinngemÃ¤ss tun. Es bestehen auch keine Anhaltspunkte fÃ¼r das allfÃ¤llige Fehlen der persÃ¶nlichen UnabhÃ¤ngigkeit bei einzelnen Kommissionsmitgliedern.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.2.5 </span></b>Darauf, ob die Meinung des Gremiums intern jeweils korrekt ermittelt wurde und ob triftige GrÃ¼nde zum Abweichen von der Begutachtung durch die Kommission vorliegen, ist bei der Behandlung der einzelnen Sachfragen einzugehen. Die wesentliche Problematik ist hier jedoch vorweg zu erwÃ¤hnen: Anders als die ENHK und spezialisierte Vorinstanzen begrÃ¼ndet die Tierversuchskommission ihre Ansicht nicht schriftlich in einem Gutachten bzw. Entscheid. AntrÃ¤ge der Gesamtkommission an das VeterinÃ¤ramt werden Ã¼ber das Protokoll gestellt; nur wenn die Kommission eine Bewilligungsverweigerung beantragt, ist die BegrÃ¼ndung im Protokoll festzuhalten (§ 20 des Reglements der Kantonalen Tierversuchskommission vom 18. Juni 2013 [R-KTVK; www.veta.zh.ch]). Im vorliegenden Fall hat die Kommission Ã¼ber die einzelnen Aspekte des Tierversuchs gemÃ¤ss einem detaillierten Kriterienkatalog und insofern nachvollziehbar abgestimmt. Die Kritik der BeschwerdefÃ¼hrenden, die Anwendung dieses Katalogs habe die Entscheidfindung verfÃ¤lscht, bezieht sich auf Teilbereiche; nur insoweit ist darauf zurÃ¼ckzukommen (vgl. E. 8.1.2, 9.5.1), wÃ¤hrend die Diskussion unter den Parteien Ã¼ber die Eignung dieses Katalogs und die GrÃ¼nde fÃ¼r dessen spÃ¤tere Ãberarbeitung im Ãbrigen nicht massgeblich ist. Relevant ist jedoch, dass sich die MehrheitsbeschlÃ¼sse, auf denen die Stellungnahme der Kommission beruht (§ 17 Abs. 3 R-KTVK), kaum je auf eine klar von der ganzen Mehrheit gebilligte BegrÃ¼ndung zurÃ¼ckfÃ¼hren lassen; nur zum Teil ging ihnen Ã¼berhaupt eine Diskussion direkt voraus. Vor der Beschlussfassung hatte die Kommission das Gesuch (bzw. dessen spÃ¤ter zurÃ¼ckgezogene erste Fassung) an vier Sitzungen in wenig strukturierten Diskussionen besprochen. Dabei verzeichnen die Protokolle auch unqualifizierte Bemerkungen, wobei solche im Verlauf einer kollektiven Entscheidfindung sowie in mÃ¼ndlichen Auseinandersetzungen unausweichlich und daher prinzipiell nicht geeignet sind, die Expertise der Beteiligten infrage zu stellen. Den Protokollen lÃ¤sst sich jedoch nicht zu allen Sachfragen eine nachvollziehbare, vollstÃ¤ndige und widerspruchsfreie BegrÃ¼ndung entnehmen. Das vom Beschwerdegegner 1 im Rekursverfahren angefÃ¼hrte Vertrauen in die Erfahrung und die Fachkompetenz der Kommissionsmitglieder vermag eine solche BegrÃ¼ndung nicht zu ersetzen. Entsprechend kann der Stellungnahme der Kommission nicht durchwegs erhÃ¶htes Gewicht zugesprochen werden.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.2.6 </span></b>Das Abstellen auf eine nicht schlÃ¼ssige Expertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusÃ¤tzlichen Beweiserhebungen kann gegen das Verbot willkÃ¼rlicher BeweiswÃ¼rdigung (<span class="artref">Art. 9 BV</span>) verstossen (BGE 136 II 539 E. 3.2 mit Hinweisen). Die RÃ¼ge der BeschwerdefÃ¼hrenden, die Vorinstanzen seien in WillkÃ¼r verfallen, indem sie sich auf die Stellungnahme der Tierschutzkommission stÃ¼tzten, statt der Ansicht der Kommissionsminderheit zu folgen oder weitere SachverhaltsabklÃ¤rungen zu treffen, fÃ¤llt inhaltlich mit der BeschwerdebegrÃ¼ndung zusammen und ist nicht gesondert zu behandeln.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Das Gericht berÃ¼cksichtigt Verwaltungsverordnungen als Auslegungshilfen, denen dann erhebliches Gewicht zukommt, wenn sie technischer Natur und damit Ausdruck besonderer Fachkenntnis sind (Donatsch, § 50 N. 56 mit Hinweisen). Ihre Anwendung durch die Vorinstanzen und die Tierversuchskommission prÃ¼ft das Verwaltungsgericht daraufhin, ob allfÃ¤llige Missachtungen einer Verletzung des Rechtsgleichheitsgebots oder des Vertrauensschutzes gleichkommen (Art. 8 Abs. 1 bzw. Art. 9 BV; Donatsch, § 50 N. 54 mit Hinweisen). Als Verwaltungsverordnungen anzusehen sind vorliegend die undatierte "Anleitung GÃ¼terabwÃ¤gung" des Bundesamts fÃ¼r Lebensmittelsicherheit und VeterinÃ¤rwesen (BLV; www.blv.admin.ch: Tiere: Tierversuche: Schweregrad und GÃ¼terabwÃ¤gung) sowie die Ethischen GrundsÃ¤tze und Richtlinien fÃ¼r Tierversuche der Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche der Akademien der Wissenschaften Schweiz (im Folgenden: Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche, Richtlinien) in der 3. Auflage von 2005 (www.akademien-schweiz.ch: Publikationen: Archiv: Richtlinien und Empfehlungen). In diesem Zusammenhang ist auf § 1 R-KTVK zu verweisen, welcher die Tierversuchskommission zur Beachtung der Richtlinien fÃ¼r Tierversuche der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften und der Richtlinien der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz verpflichtet. Verlautbarungen der BehÃ¶rden und Institutionen, die nicht als Verwaltungsverordnungen zu betrachten sind, sind von allen Instanzen und von der Tierversuchskommission als Hilfsmittel der Auslegung beizuziehen. Dies betrifft ErlÃ¤uterungen, InformationsbroschÃ¼ren, Posi­tionspapiere und dergleichen, vorliegend namentlich die ebenfalls undatierte Schrift "GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen" des BLV (www.blv.admin.ch: Tiere: Tierversuche: Schweregrad und GÃ¼terabwÃ¤gung).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden und die Beschwerdegegner 2 und 3 haben verschiedene Gutachten und Stellungnahmen von Fachpersonen eingereicht. Diesen kommt grundsÃ¤tzlich der Beweiswert von Parteivorbringen zu. Sie sind allerdings gemÃ¤ss dem Grundsatz der freien BeweiswÃ¼rdigung (§ 7 Abs. 4 VRG) zu prÃ¼fen; ihnen ist der Beweiswert nicht bereits deshalb abzusprechen, weil sie von einer Partei stammen (PlÃ¼ss, § 7 N. 148; VGr, 17. November 2016, VB.2016.00406, E. 4.3.1; BGE 137 II 266 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). Ihre Massgeblichkeit hÃ¤ngt davon ab, ob sie den Sachverhalt umfassend berÃ¼cksichtigen, inwieweit sie schlÃ¼ssig, widerspruchsfrei und nachvollziehbar begrÃ¼ndet sind und inwieweit Indizien gegen ihre ZuverlÃ¤ssigkeit vorliegen (vgl. Bernhard Waldmann, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Art. 19 N. 16; BGE 125 V 351 E. 3a). Wenn sich die SachverstÃ¤ndigen beilÃ¤ufig auch zu Fragen Ã¤ussern, die ausserhalb ihres Fachgebiets liegen, braucht dies allein noch keinen Hinweis auf die UnzuverlÃ¤ssigkeit der sachkundigen AusfÃ¼hrungen darzustellen. Je nach den UmstÃ¤nden â etwa aufgrund des Stellenwerts oder der Pointiertheit solcher PositionsbezÃ¼ge oder im Zusammenhang mit anderen MÃ¤ngeln des Gutachtens â kann sich aus derartigen Bemerkungen allerdings ein Eindruck der Voreingenommenheit ergeben, dessentwegen auch die ZuverlÃ¤ssigkeit der fachspezifischen AusfÃ¼hrungen zu relativieren oder allenfalls sogar zu verneinen ist (fÃ¼r ein Beispiel vgl. Asylrekurskommission, VPB 66/2002 Nr. 85 E. 6c). In diesem Sinn sind im Folgenden die von den Parteien eingereichten Parteigutachten und Stellungnahmen zu berÃ¼cksichtigen, wobei auf die einzelnen Dokumente nur insoweit explizit Bezug zu nehmen ist, als sie fÃ¼r die zu behandelnde Frage erheblich sind. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Streitig ist vorliegend die Bewilligung fÃ¼r einen Tierversuch im Sinn von Art. 3 lit. c Ziff. 1 TSchG. Tierversuche bedÃ¼rfen einer Bewilligung (Art. 18 Abs. 1 TSchG). Versuche, die dem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gen, es in Angst versetzen, sein Allgemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chtigen oder seine WÃ¼rde in anderer Weise missachten kÃ¶nnen, sind auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken (Art. 17 TSchG). Ein Tierversuch ist insbesondere unzulÃ¤ssig, wenn er gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn dem Tier unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gt oder es in unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Angst versetzt (Art. 19 Abs. 4 TSchG). Im Rahmen eines Tierversuchs dÃ¼rfen einem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den nur zugefÃ¼gt werden, soweit dies fÃ¼r den verfolgten Zweck unvermeidlich ist (Art. 20 Abs. 1 TSchG). Die Anforderungen an die VersuchsdurchfÃ¼hrung, die Voraussetzungen fÃ¼r belastende Tierversuche im Sinn von Art. 17 TSchG und die Bewilligungsvoraussetzungen werden in Art. 135â138 und 140 der eidgenÃ¶ssischen Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV; SR 455.1) nÃ¤her umschrieben.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Die Rechtsprechung zu den frÃ¼heren, Ã¤hnlich gelagerten FÃ¤llen beruhte noch auf dem frÃ¼heren Bundesrecht (Tierschutzgesetz vom 9. MÃ¤rz 1978 und Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981 [aTSchV]; vgl. BGE 135 II 384 E. 2.3; VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB. 2007.00156, E. 2). Die BeschwerdefÃ¼hrenden machen geltend, dass das heute in Kraft stehende Recht demgegenÃ¼ber wesentliche VerschÃ¤rfungen im Bereich des Tierschutzes aufweise. Insbesondere sei der Begriff der TierwÃ¼rde auf Gesetzes- und Verordnungsstufe konkretisiert worden. Die Vorinstanz hÃ¤lt dagegen fest, dass das anwendbare Gesetzesrecht "in Bezug auf die Tierversuche â mit Ausnahme der BerÃ¼cksichtigung der TierwÃ¼rde â keine massgeblichen Ãnderungen erfahren hat". Auch die Beschwerdegegner weisen die Ansicht der BeschwerdefÃ¼hrenden zurÃ¼ck.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>5.2.1 </span></b>GemÃ¤ss der Botschaft vom 9. Dezember 2002 zur Revision des Tierschutzgesetzes (BBl 2003, 657 ff.; Botschaft TSchG) sollte das Schutzniveau im Vergleich zum frÃ¼heren Recht weder gesenkt noch erhÃ¶ht werden (BBl 2003, 659, 665). Jedenfalls bei der Regelung der Tierversuche folgte die Bundesversammlung diesem Grundsatz, ungeachtet einiger ErgÃ¤nzungen, besonders der Verlagerung des damaligen Art. 61 Abs. 3 lit. d aTSchV (zurÃ¼ckgehend auf die Revision vom 23. Oktober 1991 [AS 1991, 2349, 2353]) von der Verordnungs- auf die Gesetzesstufe (heute: Art. 19 Abs. 4 TSchG; vgl. Amtl. Bull. StR 2004, 613, NR 2005, 749 ff.). Insoweit ist dem Bundesgericht zu folgen, wenn es (in anderem Zusammenhang, nÃ¤mlich zur Bestimmung des intertemporal anwendbaren Rechts) festhielt, das neue Tierschutzgesetz habe keine VerschÃ¤rfung gebracht (BGE 135 II 384 E. 2.3; ebenso: Gieri Bolliger/Michelle Richner/Andreas RÃ¼ttimann, Schweizer Tierschutzstrafrecht in Theorie und Praxis, ZÃ¼rich etc. 2011, S. 38). Dies schliesst nicht aus, dass der Tierschutz neu in einzelnen Normen stÃ¤rker gewichtet wird. Sollten die BeschwerdefÃ¼hrenden jedoch vorbringen wollen, dass bei GÃ¼terabwÃ¤gungen im Bereich der Tierversuche die Tierschutzinteressen generell stÃ¤rker zu gewichten wÃ¤ren als nach dem frÃ¼heren Recht, kÃ¶nnte ihnen â unter Vorbehalt der Normierung der TierwÃ¼rde (dazu sogleich E. 5.2.3 f.) â nicht gefolgt werden.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>5.2.2 </span></b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden machen geltend, eine wesentliche VerschÃ¤rfung der Anforderungen an den Tierschutz sei auf Verordnungsstufe erfolgt. Diese Ansicht ist zurÃ¼ckzuweisen: Die von den BeschwerdefÃ¼hrenden angefÃ¼hrten neuen Verordnungsbestimmungen belegen die Behauptung nicht. Es wÃ¤re auch mit dem LegalitÃ¤tsprinzip nicht vereinbar, wenn der Verordnungsgeber dergestalt von den Absichten des Gesetzgebers abweichen wÃ¼rde. Von vornherein irrelevant sind die Bemerkungen zu Dichte und Umfang der neuen Regelungen, weil sich daraus keine RÃ¼ckschlÃ¼sse auf den Inhalt ziehen lassen. Auch aus der von den BeschwerdefÃ¼hrenden angefÃ¼hrten StÃ¤rkung des Vollzugs lÃ¤sst sich nicht ableiten, dass materielle Ãnderungen zugunsten des Tierschutzes eingefÃ¼hrt wurden. Die nicht begrÃ¼ndete Bemerkung des Bundesrats, das neue Tierschutzgesetz habe "das Wohl der Tiere merklich verbessert" (Botschaft vom 7. September 2011 zur Ãnderung des Tierschutzgesetzes, BBl 2011, 7055 ff., 7056), kÃ¶nnte sich auf die Verbesserung des Vollzugs beziehen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>5.2.3 </span></b>Das aktuelle Tierschutzgesetz unterscheidet sich vom frÃ¼heren Recht durch die Nennung der WÃ¼rde des Tiers im Zweckartikel (Art. 1 TSchG). Der Begriff wird in Art. 3 lit. a TSchG definiert. Im Abschnitt Ã¼ber Tierversuche wird der Begriff in Art. 17 TSchG ausdrÃ¼cklich erwÃ¤hnt; demnach sind Tierversuche, welche die WÃ¼rde des Tiers missachten kÃ¶nnen, auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken. </p> <p class="Erwgung4"><b>5.2.3.1 </b>Die TierwÃ¼rde lÃ¤sst sich auf die WÃ¼rde der Kreatur zurÃ¼ckfÃ¼hren, die in Art. 120 Abs. 2 BV in Bezug auf die Gentechnologie im Ausserhumanbereich genannt wird (vgl. BGE 135 II 384 E. 3.1, 4.6.1 S. 403; 135 II 405 E. 4.3.4 S. 414 f.). GemÃ¤ss der Lehre entspricht die RÃ¼ckfÃ¼hrung des Tierschutzes auf die WÃ¼rde einer Verschiebung vom Pathozentrismus, wonach die EmpfindungsfÃ¤higkeit massgeblich ist, zum Biozentrismus, wonach die Lebewesen um ihrer selbst willen rechtlich zu berÃ¼cksichtigen sind (Gieri Bolliger, Animal Dignity Protection in Swiss Law â Status Quo and Future Perspectives, ZÃ¼rich etc. 2016, S. 66; Errass, Art. 80 Rz. 8 ff.; Peter Krepper, TierwÃ¼rde im Recht â am Beispiel von Tierversuchen, AJP 2010, S. 303 ff., 308; vgl. Art. 3 lit. a TSchG, wonach die WÃ¼rde den Eigenwert des Tiers bezeichnet, der im Umgang mit ihm beachtet werden muss). Im Vergleich zum alten Recht ist die Legaldefinition der TierwÃ¼rde nach Art. 3 lit. a TSchG zu beachten, die den Katalog der EingriffstatbestÃ¤nde ausdehnt: Der WÃ¼rdebegriff umfasst zum einen die bisherigen Schutzobjekte des Tierschutzrechts, nÃ¤mlich die Abwesenheit von Schmerzen, Leiden, SchÃ¤den und Angst bzw. das Allgemeinbefinden; er ist aber weiter und schliesst neben diesen pathozentrischen (also an der EmpfindungsfÃ¤higkeit orientierten) auch nicht-pathozentrische Aspekte ein, die der Bundesrat als den "rein ethischen Bereich" der TierwÃ¼rde bezeichnet (Botschaft TSchG, BBl 2003, 675; vgl. auch Liliane SchÃ¤rmeli/Alain Griffel, Basler Kommentar, 2015, Art. 80 BV N. 11 f.). Artikel 3 lit. a TSchG nennt die Erniedrigung, den tiefgreifenden Eingriff in das Erscheinungsbild oder die FÃ¤higkeiten sowie die Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung. Diese zusÃ¤tzlichen Erscheinungsformen von WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigungen sind in den GÃ¼terabwÃ¤gungen zu beachten; insofern hat die Revision des Tierschutzgesetzes den Schutzbereich und die in den AbwÃ¤gungen zu beachtenden Gesichtspunkte erweitert. Auf die konkrete Bedeutung dieser Kategorien ist zurÃ¼ckzukommen, wobei in jenem Zusammenhang auch nÃ¤her auf die TierwÃ¼rde einzugehen ist (vgl. E. 9.5).</p> <p class="Erwgung4"><b>5.2.3.2 </b>Was die Terminologie betrifft, soll hier â der nicht ganz konsequenten Begriffsverwendung des Tierschutzgesetzes folgend â von einer Missachtung der TierwÃ¼rde dann die Rede sein, wenn die Belastung eines Tiers nicht durch Ã¼berwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann und demnach unzulÃ¤ssig ist (insoweit gleich: Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche der Akademien der Wissenschaften Schweiz, WÃ¼rde des Tieres und GÃ¼terabwÃ¤gung im Schweizerischen Tierschutzgesetz, Positionspapier, Bern 2010, S. 5 [www.akademien-schweiz.ch: Publikationen: Stellungnahmen; im Folgenden: Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche, Positionspapier]; Peter Kunzmann, Die "WÃ¼rde des Tieres" â Grund oder Gegenstand einer GÃ¼terabwÃ¤gung?, Tierethik 2011, Heft 3, S. 56 ff., 60). Die Belastung des Tiers bzw. der Eingriff in den Schutzbereich der TierwÃ¼rde nach Art. 3 lit. a TSchG wird auch als WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigung oder -verletzung bezeichnet (insoweit a.<span> </span>M.: Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche, Positionspapier, S. 5).</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b>Zur Beantwortung der Frage, ob die Bewilligung des umstrittenen Tierversuchs zu schÃ¼tzen ist, muss zunÃ¤chst geprÃ¼ft werden, ob bestimmte notwendige Voraussetzungen gegeben sind (E. 7). Sodann ist eine umfassende AbwÃ¤gung der vom Gesetzgeber bezeichneten GÃ¼ter â Kenntnisgewinn oder Ergebnis des konkreten Tierversuchs einerseits, Belastung der Tiere anderseits â vorzunehmen (vgl. besonders Art. 19 Abs. 4 TSchG; Art. 137 Abs. 1 und Art. 140 Abs. 1 lit. b TSchV). Hierzu sind diese GÃ¼ter zunÃ¤chst zu gewichten (E. 8 f.) und anschliessend gegeneinander abzuwÃ¤gen (E. 10; vgl. BGE 135 II 405 E. 4). In Bezug auf den Versuchszweck, die Versuchsanordnung, den angestrebten Nutzen und die Belastung der Tiere weist der vorliegende Fall Parallelen zu demjenigen auf, der dem Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 27. MÃ¤rz 2008 im Verfahren VB.2007.00156 sowie BGE 135 II 405 zugrunde lag, weshalb in der Folge auf diesen PrÃ¤zedenzfall Bezug genommen wird. In den genannten Urteilen schÃ¼tzten das Verwaltungsgericht und hierauf das Bundesgericht die Bewilligungsverweigerung durch die Gesundheitsdirektion gemÃ¤ss der Stellungnahme der Tierversuchskommission.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.2 </b>Die Parteien berufen sich verschiedentlich auf andere Gesuchsverfahren. Insbesondere verweisen die Beschwerdegegner 2 und 3 zu ihren Gunsten auf einen Entscheid des Beschwerdegegners 1 vom 4. April 2007. Wie auch die Vorinstanz feststellte, ist diese Bewilligungserteilung bereits deshalb nicht von Interesse, weil sie noch vor den massgeblichen Entscheiden des Verwaltungs- und des Bundesgerichts erging, die daher nicht berÃ¼cksichtigt werden konnten. Allgemein gilt, dass die Praxis des Beschwerdegegners 1 fÃ¼r das Verwaltungsgericht nur zu beachten wÃ¤re, soweit sich dies aus bestimmten RÃ¼gen ergÃ¤be, namentlich wenn Verletzungen der Rechtsgleichheit oder des Vertrauensschutzes (Art. 8 Abs. 1 bzw. Art. 9 BV) durch Abweichungen von der bisherigen Rechtsanwendung geltend gemacht wÃ¼rden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Praxis des Beschwerdegegners 1 bindet das Verwaltungsgericht nicht, vielmehr ist im vorliegenden Verfahren einer ihrer AnwendungsfÃ¤lle zu Ã¼berprÃ¼fen. Dies schliesst nicht aus, dass zur WÃ¼rdigung von Sachverhaltselementen die frÃ¼heren Tierversuche berÃ¼cksichtigt werden (vgl. E. 9.3.5).</p> <p class="Erwgung2"><b>6.3 </b>Der Beschwerdegegner 1 bewilligte den streitigen Tierversuch mit verschiedenen Auflagen. Namentlich wurde fÃ¼r mehrere Elemente die Einholung einer zusÃ¤tzlichen Zustimmung des Beschwerdegegners 1 verlangt. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>6.3.1 </span></b>Unter den Parteien ist umstritten, inwieweit die von einer zusÃ¤tzlichen Zustimmung abhÃ¤ngigen Versuchselemente im vorliegenden Verfahren zu berÃ¼cksichtigen sind. Betroffen sind gemÃ¤ss der erstinstanzlichen VerfÃ¼gung folgende Bestandteile: Der Einsatz des dritten Tiers (auch Reservetier genannt) ist erst nach vorgÃ¤ngiger schriftlicher Zustimmung zulÃ¤ssig, um die bereits vor der Trainingsphase und unter Angabe der GrÃ¼nde zu ersuchen ist. Sodann ist die Zustimmung zu einer weiteren (dritten) Operation fÃ¼r Versuche auf der zweiten HemisphÃ¤re erforderlich, wobei sie von der Kondition des betroffenen Tiers abhÃ¤ngig gemacht wird. Schliesslich wird fÃ¼r die Unterschreitung des bewilligten Minimums der tÃ¤glichen FlÃ¼ssigkeitsaufnahme eine schriftliche Zustimmung benÃ¶tigt, die unter Angabe der GrÃ¼nde und der Notwendigkeit zu beantragen ist.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>6.3.2 </span></b>Diese zusÃ¤tzlichen Zustimmungen werden nicht mehr von einer umfassenden GÃ¼terabwÃ¤gung abhÃ¤ngig gemacht, sondern von der PrÃ¼fung einzelner Voraussetzungen, Ã¼ber die erst im Lauf des Tierversuchs Gewissheit erlangt wird. Dies ergibt sich in Bezug auf die notwendige Zustimmung zu Operationen fÃ¼r Versuche auf der zweiten HemisphÃ¤re aus der Formulierung der Auflage selbst, wonach die Zustimmung (nur noch) von der Kondition des betroffenen Tiers abhÃ¤ngig gemacht wird. Was den Einsatz des dritten Tiers und die zusÃ¤tzliche FlÃ¼ssigkeitsrestriktion betrifft, wÃ¤re es widersinnig, fÃ¼r die jeweilige Zustimmung eine erneute umfassende GÃ¼terabwÃ¤gung vorzunehmen: Dies wÃ¼rde implizieren, dass die Bewilligung des gesamten Versuchs noch in relativ spÃ¤ten Stadien verweigert werden kÃ¶nnte, womit sich bereits vorgenommene Trainings, Operationen und ArbeitseinsÃ¤tze als nutzlos erweisen wÃ¼rden. Die zusÃ¤tzliche Zustimmung kann also sinnvollerweise nur von der PrÃ¼fung abhÃ¤ngig gemacht werden, ob die Verwirklichung des bereits als Ã¼berwiegendes Interesse erkannten Forschungsnutzens die in der Auflage vorgesehene zusÃ¤tzliche Belastung von Tieren voraussetzt. Wenn die Belastungen, die eine zusÃ¤tzliche Zustimmung des Beschwerdegegners 1 voraussetzen, nicht als Gegenstand der streitigen Bewilligung aufzufassen wÃ¤ren, mÃ¼sste im Ãbrigen auch der Forschungsnutzen relativiert werden: Die zusÃ¤tzlichen Belastungen, insbesondere der Einsatz des dritten Tiers, werden nur dann nÃ¶tig, wenn mit der bereits definitiv bewilligten Versuchsanordnung keine ausreichenden Ergebnisse erzielt werden kÃ¶nnen. Der Eintritt des Forschungsnutzens hÃ¤tte als entsprechend unsicher zu gelten. Aus diesen Ãberlegungen folgt, dass der Nutzen und die Belastungen, die sich aus den genannten drei von einer weiteren Zustimmung abhÃ¤ngigen Versuchselementen ergeben kÃ¶nnen, vorliegend zu beachten sind. Dabei ist zu berÃ¼cksichtigen, dass ungewiss ist, ob den Tieren diese zusÃ¤tzlichen Belastungen zugefÃ¼gt werden.</p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>7.1 </b>Belastende Tierversuche sind auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken (Art. 17 TSchG). Der Tierversuch soll ultima ratio bleiben (BGE 135 II 384 E. 3.2.3 mit Hinweis). Zu unterscheiden ist zwischen "finaler" und "instrumentaler" UnerlÃ¤sslichkeit des Tierversuchs. Mit "finaler UnerlÃ¤sslichkeit" wird die Unentbehrlichkeit des Versuchszwecks bezeichnet, mit "instrumentaler UnerlÃ¤sslichkeit" die methodische Notwendigkeit des Tierversuchs zum Erreichen des konkreten Zwecks (vgl. BGE 135 II 384 E. 3.2.2, und VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 6.2, je mit Hinweisen). Die finale UnerlÃ¤sslichkeit wird in Art. 137 Abs. 1 und Art. 138 TSchV (in Verbindung mit Art. 19 Abs. 3 TSchG) geregelt: in der erstgenannten Bestimmung werden die zulÃ¤ssigen Versuchsziele aufgezÃ¤hlt, die letztgenannte schliesst einige (hier nicht interessierende) Versuchszwecke als unzulÃ¤ssig aus. </p> <p class="Erwgung2"><b>7.2 </b>Die Forschungsfreiheit steht der TierwÃ¼rde gleichrangig gegenÃ¼ber (BGE 135 II 405 E. 4.3.1). Sie ist als Ausfluss der Wissenschaftsfreiheit (Art. 20 BV) grundrechtlich geschÃ¼tzt und kann grundsÃ¤tzlich einen Eingriff in die TierwÃ¼rde rechtfertigen (vgl. VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 2.2; vgl. auch BGE 135 II 385 E. 3.1). Der Nutzen des Forschungsprojekts muss mangels gesetzlicher oder anderweitig anerkannter MassstÃ¤be einer interdisziplinÃ¤ren Beurteilung vorrangig anhand der fachspezifischen Beurteilung des Forschungsziels und der Wissenschaftlichkeit der Methode bewertet werden. Deshalb und im Licht der Forschungsfreiheit wÃ¤re es den rechtsanwendenden BehÃ¶rden verwehrt, aufgrund einer â zum Beispiel philosophischen â Grundsatzkritik den Nutzen einer Wissenschaftsrichtung â hier: der Neurowissenschaften â generell in Zweifel zu ziehen (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 6.4).</p> <p class="Erwgung2"><b>7.3 </b>GemÃ¤ss dem Gesuch bezweckt der streitige Versuch ein besseres VerstÃ¤ndnis neuronaler Mechanismen, die kognitiven BeeintrÃ¤chtigungen bei neuropsychiatrischen StÃ¶rungen zugrunde liegen. Konkret sollen die AktivitÃ¤ten von Neuronenpopulationen im prÃ¤frontalen Cortex wÃ¤hrend des Treffens kontextabhÃ¤ngiger Entscheidungen sowie die Frage der Notwendigkeit der AktivitÃ¤ten im prÃ¤frontalen Cortex fÃ¼r kontextabhÃ¤ngiges Verhalten untersucht werden. Damit erfÃ¼llt das Versuchsziel zwei der drei alternativen Voraussetzungen von Art. 137 Abs. 1 TSchV, indem es im Zusammenhang mit der Erhaltung oder dem Schutz des Lebens und der Gesundheit von Mensch und Tier steht (lit. a) und neue Kenntnisse Ã¼ber grundlegende LebensvorgÃ¤nge erwarten lÃ¤sst (lit. b). Folglich ist die finale UnerlÃ¤sslichkeit gegeben.<i> </i>Die Tierversuchskommission hat mit zehn Stimmen ohne Gegenstimme bejaht, dass ein zulÃ¤ssiges Versuchsziel im Sinn von Art. 137 TSchV vorliege. Die BeschwerdefÃ¼hrenden ziehen dies auch nicht in Zweifel.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.4 </b>Weiter ist die instrumentale UnerlÃ¤sslichkeit des streitigen Tierversuchs zu prÃ¼fen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>7.4.1 </span></b>Die instrumentale UnerlÃ¤sslichkeit kommt in Art. 20 Abs. 2 TSchG zum Ausdruck, demzufolge Versuche an evolutiv hÃ¶herstehenden Tieren nur durchgefÃ¼hrt werden dÃ¼rfen, wenn der Zweck nicht mit evolutiv niedriger stehenden Tierarten erreicht werden kann und keine geeigneten Alternativmethoden vorhanden sind. Im Einzelnen ist nach Art. 137 TSchV zu belegen, dass das Versuchsziel mit Verfahren ohne Tierversuche, die nach dem Stand der Kenntnisse tauglich sind, nicht erreicht werden kann (Abs. 2), dass die Methode unter BerÃ¼cksichtigung des neusten Standes der Kenntnisse geeignet ist, das Versuchsziel zu erreichen (Abs. 3), und dass die kleinste notwendige Anzahl Tiere eingesetzt sowie die geringstmÃ¶gliche Belastung der Tiere angestrebt wird (Abs. 4 lit. a). In der Begrifflichkeit der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsprÃ¼fung handelt es sich um die Voraussetzungen der Eignung und der Erforderlichkeit (Andreas Kley/Martin Sigrist, GÃ¼terabwÃ¤gung bei Tierversuchen â Intentionen des Gesetzgebers und erste Anwendungen, in: Hans Sigg/Gerd Folkers [Hrsg.], GÃ¼terabwÃ¤gung bei der Bewilligung von Tierversuchen, ZÃ¼rich 2011, S. 35 ff., 39; vgl. auch BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 5 f.). In diesem Zusammenhang ist ferner auf die "Prinzipien der 3 R (Replacement, Reduction, Refinement)" zur mÃ¶glichst weitgehenden EinschrÃ¤nkung von Tierversuchen hinzuweisen: das Vermeiden von Tierversuchen durch Einsatz alternativer Methoden, die Verminderung der Anzahl verwendeter Tiere und die Verfeinerung der Methoden zur Entlastung der Tiere und zur Verminderung des Leidens (Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche, Richtlinien, Ziff. 2.5). Die Forderung nach "Replacement" wird in Art. 20 Abs. 2 TSchG und Art. 137 Abs. 2 TSchV, jene nach "Reduction" und "Refinement" in Art. 137 Abs. 4 lit. a TSchV aufgenommen. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>7.4.2 </span></b>Die Tierversuchskommission hat an ihrer Sitzung vom 17. Juni 2014 jeweils mit den zehn Stimmen aller anwesenden Mitglieder â also ohne Gegenstimme â bejaht, dass ausreichend dargelegt worden sei, weshalb fÃ¼r den Versuch zwingend Primaten eingesetzt werden mÃ¼ssten, und dass die geringstmÃ¶gliche Anzahl Tiere eingesetzt werde. Mit acht gegen zwei Stimmen bejahte sie, dass die Methodik nach dem neuesten Stand der Kenntnisse geeignet sei, das Versuchsziel zu erreichen, und dass die Tiere der geringstmÃ¶glichen Belastung ausgesetzt seien.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>7.4.3 </span></b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden bestreiten die instrumentale UnerlÃ¤sslichkeit des streitigen Versuchs, indem sie die Eignung von neurologischen Versuchen an Primaten als Beitrag bei der Suche nach BehandlungsmÃ¶glichkeiten fÃ¼r psychische Krankheiten des Menschen generell anzweifeln und indem sie rÃ¼gen, es seien keine Alternativen zum streitigen Versuch geprÃ¼ft werden. Auch die von ihnen eingereichten Stellungnahmen stellen die streitigen Versuche auf dieser grundsÃ¤tzlichen Ebene infrage. Damit wird die Grundsatzdebatte Ã¼ber den Nutzen von Primatenversuchen fÃ¼r die Erforschung neuropsychiatrischer Krankheiten aufgenommen, die im vorliegenden Verfahren nicht gefÃ¼hrt werden kann (zur Bedeutung der Versuche mit nicht-humanen Primaten fÃ¼r die Neurowissenschaften und insbesondere fÃ¼r die Therapie neuropsychiatrischer StÃ¶rungen sowie zu den Aussichten fÃ¼r eine vollstÃ¤ndige Ersetzung durch alternative Methoden vgl. nur European Commission, Scientific Committee on Health and Environmental Risks [SCHER], The need for non-human primates in biomedical research, production and testing of products and devices, BrÃ¼ssel 2009, S. 17 ff., 24 f.).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>7.4.4 </span></b>Wenn davon auszugehen ist, dass Tierversuche geeignet sein kÃ¶nnen, um zu Therapien gegen psychische Krankheiten des Menschen beizutragen, ergibt sich ohne Weiteres, dass fÃ¼r den fraglichen Versuch zwingend Primaten einzusetzen sind. Die Tierschutzkommission hat dies denn auch einstimmig bejaht. Es folgt bereits daraus, dass nur hochentwickelte SÃ¤ugetiere Ã¼ber einen prÃ¤frontalen Cortex verfÃ¼gen, der demjenigen des Menschen genÃ¼gend nahesteht. Die von den Beschwerdegegnern 2 und 3 eingereichten Privatgutachten bzw. Stellungnahmen sind insoweit unmissverstÃ¤ndlich. Der Kognitionswissenschafter Prof. Z schreibt zudem, dass die an seinem Institut (UniversitÃ¤t OsnabrÃ¼ck) betriebenen und von den BeschwerdefÃ¼hrenden angefÃ¼hrten neurobiologischen Forschungen am Menschen allein nicht ausreichten, sondern im Gegenteil auf die Forschung an nicht-humanen Primaten angewiesen seien. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>7.4.5 </span></b>Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die instrumentale UnerlÃ¤sslichkeit des streitigen Versuchs zu bejahen ist.</p> <p class="Erwgung1"><b>8. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>8.1 </b>Bei der Gewichtung des Nutzens des Tierversuchs sind kumulativ sowohl der Kenntnisgewinn im Bereich der Grundlagenforschung als auch ein klinischer Nutzen zu berÃ¼cksichtigen. Zu diesem Zweck sind die beiden Elemente â im Bewusstsein der FragwÃ¼rdigkeit einer starren Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung â soweit mÃ¶glich auseinanderzuhalten (BGE 135 II 405 E. 4.3.1 f.; VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 6.5.5 und 7.2.2). Welches Gewicht ihnen im VerhÃ¤ltnis zueinander zukommt, braucht hier nicht vertieft zu werden.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>8.1.1 </span></b>Dass der Tierversuch einen Erkenntnisgewinn im Bereich der Grundlagenforschung generieren wÃ¼rde, wird nicht angezweifelt. Von den zehn an der betreffenden Sitzung anwesenden Mitgliedern der Tierversuchskommission bewerteten sieben den zu erwartenden Erkenntnisgewinn "fÃ¼r die Wissensmehrung in diesem Forschungsbereich" als sehr hoch, ein weiteres Mitglied hielt ihn fÃ¼r hoch. Es ist kein Anlass ersichtlich, um von dieser EinschÃ¤tzung abzuweichen. In diesem Zusammenhang kann auch angemerkt werden, dass acht der anwesenden zehn Kommissionsmitglieder annahmen, die Resultate der Studie wÃ¼rden verÃ¶ffentlicht.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>8.1.2 </span></b>Umstritten ist der zu erwartende klinische oder therapeutische Nutzen. Laut den BeschwerdefÃ¼hrenden hat sich die Tierversuchskommission zu dieser Frage gar nicht geÃ¤ussert. Die Beschwerdegegner machen nicht geltend, dass die Abstimmung Ã¼ber die Chancen der "Wissensmehrung in diesem Forschungsbereich" sich nicht nur auf die Grundlagenforschung, sondern auch auf die klinische Anwendbarkeit bezog, worauf auch die Fragestellung nicht hindeutet. Sie berufen sich jedoch darauf, dass die Kommission zudem darÃ¼ber abgestimmt habe, ob der Versuch "verwertbare Aussagen" liefere. In der Sitzung der Tierversuchskommission vom 17. April 2014 wurde Ã¼ber folgende Frage abgestimmt: "Ist das Umfeld, die Einbettung, die QualitÃ¤t der Forschergruppe so, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit verwertbare Aussagen herauskommen [?]" Auf einer vierstufigen Skala bewerteten acht Mitglieder diese Wahrscheinlichkeit als sehr hoch. Aufgrund der Fragestellung ist davon auszugehen, dass die Kommissionsmitglieder ihre Stimme nicht â oder zumindest nicht in erster Linie â zur klinischen Verwertbarkeit der Versuchsresultate, sondern zu den Eigenschaften der Forschergruppe abgaben. Sie gingen also insofern nicht nach der Anleitung GÃ¼terabwÃ¤gung des BLV vor, die als festzustellende und zu gewichtende schutzwÃ¼rdige Interessen unter anderem "Wissensvermehrung" und "Gesundheit von Mensch und/oder Tier" aufzÃ¤hlt (S. 3), womit sie die Kriterien von Art. 137 Abs. 1 lit. a und b TSchV aufnimmt, die wiederum mit dem abstrakten Erkenntnisgewinn und der klinischen Anwendbarkeit gleichgesetzt werden kÃ¶nnen. Dies gilt ungeachtet dessen, dass in der Diskussion zur Bewertung des Versuchsziels â in anderem Zusammenhang â auf die Anleitung GÃ¼terabwÃ¤gung des BLV Bezug genommen wurde. Die Tierschutzkommission Ã¤usserte sich also â entgegen der Ansicht der Beschwerdegegner und der Vorinstanz â nicht zum Anwendungsnutzen, und ihre Stellungnahme kann in diesem Punkt nicht berÃ¼cksichtigt werden.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>8.1.3 </span></b>GemÃ¤ss dem Gesuch steht das Vorhaben im Zusammenhang sowohl mit biologischen (einschliesslich medizinischen) Untersuchungen im Bereich der Grundlagenforschung als auch mit Krankheiten beim Menschen, konkret mit Nerven- und GeistesstÃ¶rungen. Im Versuch soll die Hypothese der Forscher zum Funktionieren des prÃ¤frontalen Cortex Ã¼berprÃ¼ft werden, was letztlich zu einer Entwicklung neuer Behandlungsmethoden fÃ¼hren werde. Angestrebt wird also ein indirekter klinischer Nutzen, aber keine unmittelbare Anwendbarkeit der erwarteten Ergebnisse in der Therapie.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>8.1.4 </span></b>Die Beschwerdegegner 2 und 3 haben verschiedene Parteigutachten und Stellungnahmen von Neurologen, Psychiatern, Kognitions- und Neurowissenschaftern eingereicht.</p> <p class="Erwgung4"><b>8.1.4.1 </b>Diese Stellungnahmen betonen den derzeitigen Mangel an geeigneten Therapien und die AbhÃ¤ngigkeit weiterer Behandlungsfortschritte namentlich bei Schizophrenie von einem besseren VerstÃ¤ndnis des prÃ¤frontalen Cortex, das mit Primatenversuchen erreicht werden kÃ¶nne. Sie sind teils eher allgemein gehalten. Nur teilweise wird zudem deutlich, welche Unterlagen den Verfassern vorlagen: Auf das Gesuch der Beschwerdegegner 2 und 3 stÃ¼tzen sich Prof. Y, Prof. X sowie mÃ¶glicherweise Prof. W, Prof. V und Prof. Z. Dagegen bezieht sich Prof. U auf eine Darstellung des geplanten Experiments durch den Beschwerdegegner 3 persÃ¶nlich. Aus der Stellungnahme von Prof. T ergibt sich nicht, dass Unterlagen Ã¼ber das konkrete Projekt beigezogen worden wÃ¤ren. </p> <p class="Erwgung4"><b>8.1.4.2 </b>Eine detailliertere Darstellung der ZusammenhÃ¤nge findet sich namentlich im Parteigutachten von Prof. Y, der etwa ausfÃ¼hrt, dass Schizophreniepatienten im Bereich der kontextabhÃ¤ngigen Entscheidungen beeintrÃ¤chtigt sind und dass der prÃ¤frontale Cortex dabei involviert ist. Den AusfÃ¼hrungen von Prof. U und von Prof. T ist zu entnehmen, weshalb die Erforschung bestimmter Hirnareale auf dem Niveau kleiner Zellpopulationen von Bedeutung ist. Zur Wahrscheinlichkeit der Entwicklung neuer Therapien gestÃ¼tzt auf die Forschungsergebnisse Ã¤ussern sich die Wissenschafter vorsichtig; am weitesten geht Prof. X, demzufolge ein "VerstÃ¤ndnis gestÃ¶rter prÃ¤frontaler Funktionen bei Versuchstieren, und hier insbesondere nicht-humanen Primaten [...] direkt auf den Menschen Ã¼bertragen werden" kÃ¶nne, "was mit grosser Wahrscheinlichkeit zu kausalen Therapieoptionen fÃ¼hren wird". Selbst aus dieser Stellungnahme geht allerdings klar hervor, dass es sich um indirekte Wirkungen handelt, die erhofft oder erwartet werden: Unmittelbarer Zweck des Tierversuchs ist ein besseres VerstÃ¤ndnis des Funktionierens des prÃ¤frontalen Cortex, und dieses VerstÃ¤ndnis kann wiederum zu neuen therapeutischen AnsÃ¤tzen beitragen. In diesem Rahmen werden teils nennenswerte Erwartungen in Bezug auf die Ergebnisse des streitigen Tierversuchs geÃ¤ussert. Weil zumindest aus den erwÃ¤hnten Stellungnahmen klar wird, weshalb konkret diese Erwartungen an den streitigen Tierversuch gestellt werden, ist auch zu verneinen, dass dessen positive Beurteilung allein wegen der MÃ¤ngel der vorhandenen TherapiemÃ¶glichkeiten und nicht auch um seinetwillen erfolgt. Die Stellungnahmen sind in sich schlÃ¼ssig und stimmen auch untereinander Ã¼berein.</p> <p class="Erwgung4"><b>8.1.4.3 </b>Zu prÃ¼fen ist, ob die fachspezifischen Aussagen einiger Autoren dadurch entwertet werden, dass diese sich in den abschliessenden Bemerkungen zu weiteren Gesichtspunkten Ã¤ussern wie etwa zum Niveau des Tierschutzes in der Schweiz, zur Bedeutung des Wissenschaftsstandorts ZÃ¼rich oder zur konkreten Belastung der Versuchstiere. Ãusserungen zur Belastung durch die Operationen aus Ã¤rztlicher Sicht â im Vergleich mit Operationen am Menschen â und allenfalls auch Bemerkungen zur Belastung der Affen kÃ¶nnen teils noch als durch die Expertise der Betreffenden abgedeckt gelten. Aus dem Stellenwert der Bemerkungen innerhalb der Stellungnahmen sowie ihrem Inhalt und Tonfall ergeben sich keine Hinweise, um die Sachkunde der Neurologen und Psychiater bei der Beurteilung des allfÃ¤lligen klinischen Nutzens der Versuche infrage zu stellen. Manche Formulierungen, die an Empfehlungsschreiben erinnern, deuten jedoch auf einen Mangel an kritischer Distanz hin (so bei Prof. U, Prof. V und Prof. Z und besonders deutlich im Schreiben verschiedener amerikanischer Wissenschafter.</p> <p class="Erwgung4"><b>8.1.4.4 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden erheben den Vorwurf der Voreingenommenheit, weil die Parteigutachter dem kollegialen Netzwerk der Beschwerdegegner 2 und 3 entstammten und viele â aber nicht alle â von ihnen selber Tierversuche durchfÃ¼hrten. Beide Vorbringen erscheinen als zu pauschal.</p> <p class="Erwgung4"><b>8.1.4.5 </b>Es ist folgendes Fazit zu ziehen: Ein Beizug der Stellungnahmen als auf Sachkunde beruhende Parteigutachten wird durch die MÃ¤ngel nicht verunmÃ¶glicht, weil diese die Expertise der Verfasser nicht in einem hierfÃ¼r ausreichenden Mass infrage zu stellen vermÃ¶gen. Ãbrigens widersetzen sich auch die BeschwerdefÃ¼hrenden einer BerÃ¼cksichtigung der Stellungnahmen als Parteigutachten nicht. Inhaltlich lÃ¤sst sich den Parteigutachten die mehr oder weniger ausgeprÃ¤gte Erwartung entnehmen, der fragliche Tierversuch kÃ¶nne indirekt zur Entwicklung von Therapien gegen Schizophrenie beitragen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>8.1.5 </span></b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden bestreiten den therapeutischen Nutzen unter Hinweis auf einige Stellungnahmen (einer Psychiaterin, eines oder einer anonymen Studierenden im Bereich der Neuropsychiatrie, einer VeterinÃ¤rmedizinerin und eines Philosophen), welche die NÃ¼tzlichkeit von Primatenversuchen in der neurobiologischen Forschung in Zweifel ziehen, wobei sinngemÃ¤ss das Argument im Vordergrund steht, dass es sich bei den neuropsychiatrischen Erkrankungen um komplexe, unverstandene ZustÃ¤nde bzw. AblÃ¤ufe handle, zu deren VerstÃ¤ndnis das neuronale Geschehen in einer bestimmten Hirnregion bei nicht-humanen Primaten keine entscheidenden AufschlÃ¼sse liefern kÃ¶nne. Mangels BegrÃ¼ndung kaum aussagekrÃ¤ftig ist die in einem einzigen, per E-Mail Ã¼bermittelten Satz ausgedrÃ¼ckte Skepsis eines emeritierten Professors fÃ¼r Klinische Psychiatrie gegenÃ¼ber dem therapeutischen Nutzen des Versuchs. Letztlich widerlegen die von den BeschwerdefÃ¼hrenden vorgebrachten Zweifel am klinischen Nutzen des strittigen Versuchs die EinschÃ¤tzungen der von den Beschwerdegegnern 2 und 3 eingebrachten Stellungnahmen nicht: ZunÃ¤chst ist unbestritten, dass dieser Nutzen sich nur indirekt aus dem Versuch ergeben kann und nicht gewiss vorausgesagt werden kann. Sodann ist nicht erforderlich, dass die Forschungsergebnisse die Schizophrenie vollstÃ¤ndig oder allein erklÃ¤ren kÃ¶nnten; es genÃ¼gt die Aussicht, dass sie zu neuen TherapiemÃ¶glichkeiten beitragen kÃ¶nnten.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>8.1.6 </span></b>Nicht einzugehen ist auf die Diskussion zwischen den Parteien Ã¼ber den Nutzen von Experimenten an nicht-humanen Primaten fÃ¼r die Behandlung neuropsychiatrischer Krankheiten im Allgemeinen oder in Bezug auf andere Krankheiten als die Schizophrenie. FÃ¼r den konkreten Entscheid kann nur massgeblich sein, dass der Bundesgesetzgeber eine GÃ¼terabwÃ¤gung im Einzelfall verlangt (vgl. auch VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 7.2.1). Die Primatenversuche mÃ¶gen nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wissenschaftlich umstritten sein, doch reichen die Zweifel an ihrem Nutzen nicht aus, um diese gesetzliche Vorgabe infrage zu stellen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>8.1.7 </span></b>Der FÃ¶rderung des BeschwerdefÃ¼hrers 3 durch verschiedene Stiftungen sowie den Referenzschreiben zu seinen Gunsten sind keine im vorliegenden Zusammenhang beachtlichen Informationen zu entnehmen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>8.1.8 </span></b>Als Fazit ist festzuhalten, dass der streitige Versuch neben Erkenntnissen im Bereich der Grundlagenforschung auch einen potenziellen klinischen Nutzen verspricht. Im Vergleich zum Fall, der in BGE 135 II 405 entschieden wurde, ist das Gesuch etwas stÃ¤rker auf die klinische Anwendbarkeit ausgerichtet (vgl. VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 7.2.2). Die Parteigutachten lassen â unter Beachtung ihrer MÃ¤ngel â den Schluss zu, dass der zu erwartende Kenntnisgewinn jedenfalls nicht geringer ist als im PrÃ¤zedenzfall (insoweit ist die EinschÃ¤tzung der Vorinstanz, die den erwarteten Kenntnisgewinn bzw. Nutzen hÃ¶her einstuft, zu korrigieren). FÃ¼r die hier vorzunehmende GÃ¼terabwÃ¤gung genÃ¼gt dieser Befund.</p> <p class="Erwgung1"><b>9. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>9.1 </b>Gegen den Nutzen des Forschungsprojekts sind die den Tieren zuzufÃ¼genden Belastungen abzuwÃ¤gen. Die UnzulÃ¤ssigkeit unverhÃ¤ltnismÃ¤ssiger Belastung wird in Art. 3 lit. a und Art. 17 TSchG auf die WÃ¼rde des Tiers zurÃ¼ckgefÃ¼hrt. GemÃ¤ss der Delegation in Art. 136 Abs. 2 TSchV definiert Art. 24 der Tierversuchsverordnung des BLV vom 12. April 2010 (TVV; SR 455.163) fÃ¼r Eingriffe oder Massnahmen im Rahmen von Tierversuchen Belastungskategorien, die das ZufÃ¼gen von Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den, das Versetzen in Angst und die BeeintrÃ¤chtigung des Allgemeinbefindens abdecken. GemÃ¤ss Art. 26 TVV sind fÃ¼r die Beurteilung der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit eines Versuchs die Belastungen nach Art. 24 (und dem hier nicht interessierenden Art. 25) TVV sowie weitere Belastungen der Tiere zu berÃ¼cksichtigen, die diese durch Erniedrigung, durch tiefgreifende Eingriffe in ihr Erscheinungsbild oder ihre FÃ¤higkeiten oder durch Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung erleiden. Im Sinn dieser Bestimmungen und der Anleitung GÃ¼terabwÃ¤gung des BLV (S. 2 f.) hat die Tierversuchskommission zunÃ¤chst die Belastungskategorie mit Bezug auf den pathozentrisch definierten Schutzbereich (Schmerzen, Leiden, SchÃ¤den, Angst, BeeintrÃ¤chtigungen des Allgemeinbefindens) bestimmt und hernach die nicht-pathozentrischen Kriterien des tiefgreifenden Eingriffs in das Erscheinungsbild sowie der Erniedrigung und Ã¼bermÃ¤ssigen Instrumentalisierung einzeln geprÃ¼ft. Dieses Vorgehen, das den nicht-pathozentrischen Gesichtspunkten tendenziell grÃ¶sseres Gewicht gibt, ist nicht zu beanstanden und im Folgenden zu Ã¼bernehmen.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.2 </b>Belastungen von Tieren durch Eingriffe oder Massnahmen im Rahmen von Tierversuchen werden in vier Belastungskategorien eingeteilt (Art. 24 TVV in Verbindung mit Art. 136 Abs. 2 TSchV). GrundsÃ¤tzliche Ãnderungen gegenÃ¼ber der Rechtslage vor Inkrafttreten der Tierversuchsverordnung sind nicht festzustellen (vgl. dazu VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 8.1 f.; Bundesamt fÃ¼r VeterinÃ¤rwesen [BVET; heute: BLV], Einteilung von Tierversuchen nach Schweregraden vor Versuchsbeginn [Belastungskategorien], Allgemeine LeitsÃ¤tze und Beispiele zur analogen Klassierung weiterer Versuche, Information Tierschutz 1.04, Bern 1994 [www.blv.admin.ch: Tiere: Rechts- und Vollzugsgrundlagen: Hilfsmittel und Vollzugsgrundlagen: Fachinformationen und MerkblÃ¤tter: Versuchstiere]). Die Tierversuchskommission hat den streitigen Versuch unter den Schweregrad 3 (schwere Belastung; Art. 24 lit. d TVV) subsumiert, wobei sich eine Minderheit von fÃ¼nf Kommissionsmitgliedern (von elf) ebenso wie der Beschwerdegegner 1 fÃ¼r Schweregrad 2 (mittlere Belastung; Art. 24 lit. c TVV) aussprach. GestÃ¼tzt hierauf wurde in der Bewilligung festgehalten, dass das Gesuch in den prospektiven Schweregrad 3 eingeteilt werde. Dem Sitzungsprotokoll der Tierversuchskommission ist nicht zu entnehmen, dass die Belastung nÃ¤her aufgeschlÃ¼sselt worden wÃ¤re, indem im Sinn von Art. 3 lit. a TSchG zwischen Schmerzen, Leiden, SchÃ¤den und Angst unterschieden worden wÃ¤re.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.3 </b>Das streitige Gesuch ist mit demjenigen vergleichbar, welches Gegenstand der Urteile des Verwaltungsgerichts vom 27. MÃ¤rz 2008 im Verfahren VB.2007.00156 und des Bundesgerichts vom 7. Oktober 2009 (BGE 135 II 405) war. Die Parteien berufen sich denn auch auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen beiden Gesuchen. Die im frÃ¼heren Fall geprÃ¼fte Belastung kann im vorliegenden Verfahren als Referenz- oder Richtwert dienen. GrundsÃ¤tzlich dem Entscheid der Vorinstanz folgend, erklÃ¤rte das Verwaltungsgericht damals die Belastung der Tiere wÃ¤hrend der eigentlichen Versuchsphase fÃ¼r massgeblich. Als wesentliche kumulative Belastungen bezeichnete es die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion einerseits, die Versuchsarbeit anderseits, wobei es die letztere Belastung in drei Komponenten aufgliederte: in die fÃ¼r die Arbeit erforderliche Konzentration, das Sitzen im Primatenstuhl sowie die Fixierung des Kopfes (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 8.3). Das Bundesgericht schÃ¼tzte diese Ansicht (vgl. BGE 135 II 413 E. 4.3.3). Unter den Parteien ist umstritten, ob und inwieweit im vorliegenden Fall Erleichterungen im Vergleich zur damaligen Belastung vorgesehen sind. Dies ist nun im Einzelnen zu prÃ¼fen. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.1 </span></b>Die Beschwerdegegner machen geltend, dass die Dauer der Versuchssitzungen kÃ¼rzer sei und durchschnittlich 1,5 Stunden, hÃ¶chstens aber 3 Stunden betrage, gegenÃ¼ber durchschnittlich 2,5 bis 3 Stunden und hÃ¶chstens 4,5 Stunden im PrÃ¤zedenzfall (vgl. VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, Ziff. I.A). Entgegen der ursprÃ¼nglichen Behauptung der BeschwerdefÃ¼hrenden definiert das Gesuch die Maximaldauer von drei Stunden als eines von zwei alternativen Abbruchkriterien (neben bestimmten Anzeichen des Unwillens), womit die VerkÃ¼rzung ausgewiesen ist. GemÃ¤ss dem Gesuch kommt allerdings die auf eine Viertelstunde veranschlagte Zeit fÃ¼r die Kopffixierung und den Unterhalt des Implantats zu den drei Stunden hinzu. Der Grund fÃ¼r die VerkÃ¼rzung ist laut den Beschwerdegegnern 2 und 3, dass die Multielektroden-Mikroarrays permanent am Tier verblieben und nicht mehr vor jeder Versuchssitzung neu eingebaut werden mÃ¼ssten. Dies bedeutet, dass die Dauer des Aufenthalts im Primatenstuhl merklich verkÃ¼rzt wird, nicht aber die eigentliche Arbeitszeit. Ungeachtet dieser letzteren Relativierung liegt eine Erleichterung vor.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.2 </span></b>In zwei Parteigutachten zur Ethik von Tierversuchen wird darauf hingewiesen, dass den Tieren StromstÃ¶sse zugefÃ¼gt werden, was im Vergleichsfall nicht geschah. GemÃ¤ss den AusfÃ¼hrungen im Gesuch verursachen die StromstÃ¶sse keine Unannehmlichkeiten und werden gut ertragen; andernfalls wÃ¼rden sie beendet. Die beiden Gutachten kommen zu unterschiedlichen SchlÃ¼ssen: Prof. S hÃ¤lt sie fÃ¼r unbedenklich, Prof. R hÃ¤lt eine schwere Verletzung der subjektiven Interessen der betroffenen Affen fÃ¼r wahrscheinlich. In der Tierversuchskommission wurde dieser Aspekt nicht thematisiert. Die BeschwerdefÃ¼hrenden werfen die Frage nicht direkt auf. Angesichts der entgegengesetzten Meinungen in den Gutachten erscheint eine zusÃ¤tzliche Belastung nicht ausgewiesen. Weil weder die fachkundige Kommission noch die BeschwerdefÃ¼hrenden die StromstÃ¶sse beachtet haben, ist davon auszugehen, dass dieser Punkt von untergeordneter Bedeutung ist. Unter diesen UmstÃ¤nden ist auf weitere SachverhaltsabklÃ¤rungen von Amtes wegen zu verzichten.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.3 </span></b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden bringen zutreffend vor, dass die Gesamtversuchsdauer lÃ¤nger sei als im PrÃ¤zedenzfall. Dort wÃ¤ren fÃ¼r die Trainings- und Versuchsphase insgesamt bis zu 24 Monate vorgesehen gewesen, im vorliegenden Fall sind es gemÃ¤ss den Angaben im Gesuch 29 fÃ¼r den ersten und 26 bis 32 Monate fÃ¼r den zweiten Affen, wenn die UnterbrÃ¼che von rund vier Monaten nicht miteingerechnet werden. Der Einwand der Beschwerdegegner 2 und 3, dass beim frÃ¼heren Gesuch die vier Monate dauernde AngewÃ¶hnung und das Training des Transfers zum Primatenstuhl nicht einberechnet worden seien, widerspricht der Sachverhaltsdarstellung des Bundes- und des Verwaltungsgerichts (BGE 135 II 405 lit. A; VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, Ziff. I.A). Ob damals die UnterbrÃ¼che mitberÃ¼cksichtigt wurden, ergibt sich daraus nicht, kann aber offenbleiben: Jedenfalls ist eine lÃ¤ngere Gesamtversuchsdauer von mindestens zwei bis zu acht Monaten einkalkuliert. Hierin ist eine ErhÃ¶hung der Belastung zu sehen, wobei allerdings nicht von einer linearen Zunahme ausgegangen werden kann. Dass die Gesamtdauer der Belastung relevant ist, kann der Definition der Belastungskategorien in Art. 24 TVV entnommen werden, wo zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Belastungen unterschieden wird (zur Relevanz der Dauer vgl. auch Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche, Richtlinien, Ziff. 3.2). Auch aus Art. 135 Abs. 7 und 8 TSchV, die sich gegen das Andauern permanenter Belastungen und die Wiederholung schwerer Belastungen nach einem Versuchsende richten, kann gefolgert werden, dass das schweizerische Tierschutzrecht die GewÃ¶hnung nicht als Belastungsreduktion anerkennt. In den Stellungnahmen zur GehÃ¶rsgewÃ¤hrung an den Beschwerdegegner 3 bewerteten Ã¼brigens auch drei Mitglieder der Tierversuchskommission die lange Gesamtdauer ausdrÃ¼cklich als belastungserhÃ¶hend.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.4 </span></b>DemgegenÃ¼ber ist der Ansicht der Beschwerdegegner 2 und 3 nicht zu folgen, wonach eine lÃ¤ngere Dauer nicht zu einer hÃ¶heren Belastung fÃ¼hre, was sinngemÃ¤ss auf die zunehmende Vertrautheit der Tiere mit der Situation bzw. auf die GewÃ¶hnung zurÃ¼ckgefÃ¼hrt wird. Dies wÃ¤re widersinnig, weil im Ergebnis kurz- und langfristige Belastungen nicht mehr unterschieden werden kÃ¶nnten und die GewÃ¶hnung an eine Belastung mit der Abwesenheit von Belastungen gleichgesetzt wÃ¼rde. Daran Ã¤ndern auch die von den Beschwerdegegnern 2 und 3 eingelegten Beweismittel nichts: eine Studie (Animal Procedures Committee, Review of the Assessment of Cumulative Severity and Lifetime Experience in Non-Human Primates Used in Neuroscience Research, November 2013) sowie ein Parteigutachten, das 2010 in einem Verfahren betreffend ein Tierversuchsvorhaben vor dem Oberverwaltungsgericht der Freien Hansestadt Bremen (OVW Bremen) eingereicht wurde. Die Studie des Animal Procedures Commitee kommt zum Schluss, dass die Belastung der Rhesusaffen durch die einzelnen Versuchskomponenten im Fall wiederholter DurchfÃ¼hrung gleichbleibt oder sogar aufgrund von GewÃ¶hnung sinkt; daraus kann allerdings nicht geschlossen werden, dass eine Wiederholung von Belas­tungen bei der Bestimmung des Schweregrads nicht berÃ¼cksichtigt werden sollte. Im erwÃ¤hnten Parteigutachten fÃ¼hrt Prof. Q vom Deutschen Primatenzentrum aus, es seien keinerlei additiven Effekte durch die Summe und Kombination der verschiedenen Massnahmen und durch die langjÃ¤hrige Dauer der Tierversuche festzustellen. Er stÃ¼tzt seine Folgerungen auf eine Beobachtung des Verhaltens sowie Blutuntersuchungen und klinische Untersuchungen, die auf einen guten Allgemein- und Gesundheitszustand der Tiere schliessen liessen. Es muss hier offenbleiben, ob auf diese Weise alle SchÃ¤den sowie Schmerzen, Leiden und Angst grundsÃ¤tzlich adÃ¤quat erfasst werden kÃ¶nnen. Jedenfalls stellt die schweizerische Praxis nicht auf die erwÃ¤hnten Kriterien ab, sondern auf eine wertende AbschÃ¤tzung des Belastungsgrads einzelner Eingriffe (vgl. BVET; BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 9 f.).<i> </i>Im vorliegenden Verfahren ist demnach weder das Parteigutachten noch das unter anderem auf dieses abgestÃ¼tzte Urteil beachtlich (OVG Bremen, 11. Dezember 2012, OVG 1 A 180/10 und 1 A 367/10; geschÃ¼tzt durch Beschluss des deutschen Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2014, BVerwG 3 B 29.13, www.bverwg.de). Nicht zu prÃ¼fen sind unter diesen UmstÃ¤nden die Zweifel der BeschwerdefÃ¼hrenden an der Unvoreingenommenheit des Gutachters, die sich daraus ergeben, dass das Deutsche Primatenzentrum selber Tierversuche mit nicht-humanen Primaten durchfÃ¼hrt und als einzige Einrichtung in Deutschland fÃ¼r wissenschaftliche Zwecke Primaten zÃ¼chtet und liefert (www.dpz.eu/de). </p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.5 </span></b>Die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion stellt eine grÃ¶ssere Belastung dar als im PrÃ¤zedenzfall. Damals war das Minimum der tÃ¤glich zur VerfÃ¼gung stehenden FlÃ¼ssigkeit bei 40 ml pro Kilogramm KÃ¶rpergewicht festgelegt worden, in der vorliegend streitigen Gesuchsbewilligung liegt es bei 20 ml, wobei der Beschwerdegegner 1 â wie schon im PrÃ¤zedenzfall â die Unterschreitung des festgelegten Werts bewilligen kann, wenn die Notwendigkeit dafÃ¼r dargelegt wird (VGr, 28. MÃ¤rz 2007, VB.2007.00156, E. 8.4.1). Die VerstÃ¤rkung der Belastung ist allerdings zu relativieren: Bereits in der Bewilligung Nr. 03 vom 4. April 2007 (die hier im Ãbrigen nicht interessiert; vgl. E. 6.2) wurde ein Minimum von 20 ml verfÃ¼gt, was der Beschwerdegegner 1 damit rechtfertigt, dass gemÃ¤ss den schlÃ¼ssigen Angaben des damaligen Versuchsleiters eine minimale Limite von 40 ml den notwendigen Druck auf die Tiere zur AufgabenlÃ¶sung nicht auszuÃ¼ben vermochte. Diese BegrÃ¼ndung des Beschwerdegegners 1 in der Stellungnahme zum Rekurs wurde von den BeschwerdefÃ¼hrenden nicht bestritten und ist durch die Akten belegt; ihr ist ungeachtet dessen zu folgen, dass sie im Beschwerdeverfahren von den Beschwerdegegnern nicht mehr aufgenommen wurde. Mit dem nun bewilligten Minimum von 20 ml soll also ein Ã¤hnlicher Druck erzeugt werden, wie man ihn seinerzeit anscheinend zu Unrecht vom Minimum von 40 ml erwartete. Dagegen ist den Beschwerdegegnern 2 und 3 nicht zu folgen, wenn sie die Belastung durch die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion anscheinend grundsÃ¤tzlich infrage stellen wollen, was sie damit begrÃ¼nden, dass der in der Regel limitierte Zugang zu Wasser fÃ¼r die Affen "wenn Ã¼berhaupt, nur eine relativ geringfÃ¼gige Belastung" darstelle. Es ist nicht allein das den Affen wÃ¤hrend der Versuchssitzungen verabreichte LieblingsgetrÃ¤nk, das diese zur Teilnahme anhÃ¤lt; die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion ist ebenso unerlÃ¤ssliche Voraussetzung. Dies wird auch im Gesuch klar ausgewiesen. Die von den Beschwerdegegnern 2 und 3 herbeigezogene Studie sagt nichts anderes aus. Selbst wenn die Gesundheit der Affen auch lÃ¤ngerfristig nicht beeintrÃ¤chtigt wird, spricht dies nicht gegen das Vorliegen einer Belastung. Die von der Vorinstanz sowie den Beschwerdegegnern 2 und 3 erwÃ¤hnte Beobachtung der Tiere, damit bei Durst Gegenmassnahmen getroffen werden kÃ¶nnen, stellt nichts weiter dar als die Einhaltung der Vorgaben von lit. B der Standard Operating Procedure (SOP) "Termination criteria for working sessions and limits of water deprivation in macaque monkey experiments" des VeterinÃ¤ramts vom 13. Februar 2005 (vgl. den ausdrÃ¼cklichen Hinweis auf die SOP in der Rekursduplik des Beschwerdegegners 1). Diese Regeln galten schon im PrÃ¤zedenzfall (vgl. VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 8.4.3), und ihre Befolgung ist daher nicht als Erleichterung zu bewerten. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.6 </span></b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden machen geltend, dass der Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellung hÃ¶her sei als im PrÃ¤zedenzfall, was sich aus der langen Lerndauer ergebe. Die Beschwerdegegner 2 und 3 wenden dagegen ein, dass sich die lÃ¤ngere Lernzeit nicht aus einem hÃ¶heren Schwierigkeitsgrad ergebe, sondern aus der grÃ¶sseren Zahl zu erlernender Aufgaben. Ein grÃ¶sserer Schwierigkeitsgrad erscheint demnach nicht genÃ¼gend belegt. Er ergibt sich auch nicht aus der verstÃ¤rkten FlÃ¼ssigkeitsreduktion, ungeachtet dessen, dass Schwierigkeitsgrad und Ausmass der FlÃ¼ssigkeitsrestriktion korrelieren (so wird im Gesuch erwÃ¤hnt, dass die Schwierigkeit der Aufgabenstellung und das Ausmass der FlÃ¼ssigkeitsreduktion aufeinander abzustimmen sind: Die Senkung des Minimums von 40 ml auf 20 ml pro Kilogramm KÃ¶rpergewicht ist darauf zurÃ¼ckzufÃ¼hren, dass sich die weniger einschneidende Limite als nicht wirksam erwies (E. 9.3.5).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.7 </span></b>Eine deutliche Erleichterung sieht der Beschwerdegegner 1 darin, dass die Tiere nicht mehr mit einer FÃ¼hrungsstange und einem Halsband in den Primatenstuhl gebracht werden. Diese Art des Transfers in den Primatenstuhl wurde in den frÃ¼heren Verfahren nicht thematisiert und weder vom Verwaltungsgericht noch vom Bundesgericht berÃ¼cksichtigt; sie ist jedoch aktenkundig, und es ist unbestritten, dass eine Erleichterung vorliegt. Diese ergibt sich daraus, dass auf die Affen kein physischer Zwang ausgeÃ¼bt wird, und liegt ungeachtet dessen vor, dass bereits der Versuchsleiter im frÃ¼heren Verfahren ausfÃ¼hrte, er Ã¼be faktisch keinen Zwang aus und fÃ¼hre die Stange beim Transfer nur zur Sicherheit mit. Auf die unter den Parteien umstrittene Frage, ob bei der selbstÃ¤ndigen Bewegung der Affen in den TransferkÃ¤fig und von dort in den Primatenstuhl von Freiwilligkeit die Rede sein kann, braucht nicht eingegangen zu werden.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.8 </span></b>Bei den chirurgischen Eingriffen ergeben sich Erleichterungen aufgrund des Verzichts auf die Implantation einer Ableitungskammer und auf eine dauerhafte Ãffnung der SchÃ¤deldecke (ausfÃ¼hrlich die Rekursantwort des Beschwerdegegners 1). Die verbleibenden Operationsrisiken, die von den BeschwerdefÃ¼hrenden angefÃ¼hrt werden, Ã¤ndern hieran nichts. Es bestehen auch keine Anzeichen, dass die Tierversuchskommission eine fehlerhafte EinschÃ¤tzung vornahm, als sie die Operationen einstimmig als mittlere Belastung (Schweregrad 2) einstufte. Hingegen sieht das streitige Gesuch allenfalls die Vornahme einer dritten Operation vor (zwecks Einpflanzung der Multielektrodenarrays in die zweite HemisphÃ¤re), wobei dies ungewiss ist und der Zustimmung des Beschwerdegegners 1 bedÃ¼rfte. Gegebenenfalls stellte dies eine Steigerung der Belastung gegenÃ¼ber dem PrÃ¤zedenzfall dar (vgl. BGE 135 II 405 lit. A; zur Frage der BerÃ¼cksichtigung der Kumulation vgl. E. 9.4.2).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.9 </span></b>Ebenso wird die Verbesserung der Kopfhalterung im Grundsatz anerkannt. Wie der Beschwerdegegner 1 einrÃ¤umt, kÃ¤me im Fall eines Versagens der neuen Methode allerdings die alte Methode zum Einsatz. Die subsidiÃ¤re Verwendung der alten Methode wurde bewilligt; die Erleichterung fÃ¼r die Versuchstiere muss daher als unsicher gelten. Daran Ã¤ndert nichts, dass die Beschwerdegegner 2 und 3 nach MÃ¶glichkeit die neue Halterung verwenden wollen, wie sie in ihren Eingaben betonen. Im Ãbrigen verneinen die Beschwerdegegner, dass die Kopfhalterung einen Schaden im Sinn eines Verlusts an Funktionen oder sozialem Verhalten verursache: GemÃ¤ss dem Beschwerdegegner 1 tolerierten die Tiere die Kopfhalterung sehr gut; diese behindere weder das artgerechte Verhalten im Allgemeinen noch im Besonderen die Kommunikation mit Artgenossen oder mit Menschen. Dieser Befund wird von den BeschwerdefÃ¼hrenden infrage gestellt. Die Frage kann offengelassen werden, weil jedenfalls keine schwerere Belastung als im PrÃ¤zedenzfall gegeben wÃ¤re.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.10 </span></b>Die Beschwerdegegner 2 und 3 machen Verbesserungen bei der Gesundheitskontrolle der Versuchstiere geltend.<i> </i>Diese wird in Art. 135 Abs. 4 TSchV geregelt. Diese allfÃ¤llige Erleichterung erscheint von untergeordneter Bedeutung.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.3.11 </span></b>Zusammenfassend: Im Vergleich zum Gesuch, das Gegenstand des PrÃ¤zedenzfalls bildete (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156 bzw. BGE 135 II 405), enthÃ¤lt das vorliegende Gesuch einige Erleichterungen zugunsten der Versuchstiere: Die Versuchssitzungen dauern weniger lang, die Tiere gelangen selbstÃ¤ndig in den Primatenstuhl, die Operationen und die Kopffixierungen sind weniger belastend, wobei die Erleichterung bei der Kopffixierung nicht gesichert ist und allenfalls eine zusÃ¤tzliche Operation vorgenommen wird. Dagegen ist die Gesamtdauer des Versuchs lÃ¤nger. Die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion ist zwar nominal stÃ¤rker, doch ist dies darauf zurÃ¼ckzufÃ¼hren, dass im PrÃ¤zedenzfall eine fÃ¼r die gewÃ¼nschte Belastung zu wenig einschneidende Limite angesetzt wurde. Insgesamt ist von einer gewissen Entlastung der Tiere im Vergleich zum PrÃ¤zedenzfall auszugehen.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.4 </b>Anhand der bisherigen ErwÃ¤gungen ist im Folgenden zu prÃ¼fen, ob die Tierversuchskommission und die Vorinstanzen zu Recht den streitigen Versuch dem Schweregrad 3 zugeordnet haben.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.4.1 </span></b>Die Beschwerdegegner 2 und 3 fÃ¼hren aus, dass die Subsumtion unter Schweregrad 3 nur wegen eines Verfahrensfehlers bestehen blieb. Das trifft nicht zu: Die Tierversuchskommission ging mit sechs gegen fÃ¼nf Stimmen von Schweregrad 3 aus. Dabei wurde die im Voraus per E-Mail abgegebene Stimme der BeschwerdefÃ¼hrerin 3 berÃ¼cksichtigt. Die MÃ¶glichkeit der schriftlichen Stimmabgabe war an der vorherigen Sitzung vereinbart worden. An der Sitzung vom 17. Juni 2014 wurde zunÃ¤chst beschlossen, die ablehnende Stimme der BeschwerdefÃ¼hrerin 3 fÃ¼r die Gesamtabstimmung zu berÃ¼cksichtigen; da sie sich jedoch "nicht zu allen Punkten der Entscheidungsliste" geÃ¤ussert habe, sollten "keine weiteren Ãusserungen diesbezÃ¼glich berÃ¼cksichtigt werden". Bei der Abstimmung Ã¼ber den Schweregrad wurde die Stimme der BeschwerdefÃ¼hrerin 3 allerdings doch mitgezÃ¤hlt, was die Beschwerdegegner 2 und 3 im Rekursverfahren bemÃ¤ngelt haben. Inwieweit die Stimme der BeschwerdefÃ¼hrerin 3 zu berÃ¼cksichtigen sei, kann offenbleiben, denn der Entscheid fÃ¼r Schweregrad 3 hÃ¤tte sich andernfalls aus dem Stichentscheid der KommissionsprÃ¤sidentin ergeben. Im Nachgang zur Sitzung vom 17. Juni 2014 sprach sich der Beschwerdegegner 1 in einem E-Mail an die Kommissionsmitglieder fÃ¼r die Zuteilung zu Schweregrad 2 aus, worauf per E-Mail fÃ¼nf Kommissionsmitglieder â darunter die PrÃ¤sidentin â mitteilten, dass sie diese EinschÃ¤tzung gutheissen wÃ¼rden oder akzeptieren kÃ¶nnten, wÃ¤hrend sich drei Kommissionsmitglieder fÃ¼r den Schweregrad 3 bzw. die GÃ¼ltigkeit der Abstimmung aussprachen. Die Abstimmung wurde nicht wiederholt, und der E-Mail-Verkehr Ã¤ndert nichts am Abstimmungsergebnis. Der Beschwerdegegner 1 teilte in der Folge den Versuch dem prospektiven Schweregrad 3 zu.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.4.2 </span></b>Die einzelnen Belastungen wurden von der Mehrheit der Tierversuchskommission mit Schweregrad 1 (Training) und 2 (Operationen sowie Versuchsphase) angegeben, wobei in Bezug auf die Versuchsphase vier Mitglieder fÃ¼r Schweregrad 3 votierten. Die Tierversuchskommission als Gremium ging somit ohne Weiteres davon aus, dass eine Kumulation von Belastungen zu einem hÃ¶heren Schweregrad fÃ¼hren kann, als ihn die einzelnen Belastungen aufweisen. Dasselbe lÃ¤sst sich den Ãusserungen einzelner Kommissionsmitglieder sowie des Beschwerdegegners 1 entnehmen. SinngemÃ¤ss ist die Kommission wie folgt vorgegangen: Sie hat den Versuch in Komponenten aufgeteilt, diese aufgrund von IntensitÃ¤t und Dauer der Belastung beurteilt und schliesslich deren kumulative Wirkung berÃ¼cksichtigt, Ã¤hnlich wie dies in der Lehre gefordert wird (vgl. Hanno WÃ¼rbel, Beurteilung von Leiden bei Tieren, in: Hans Sigg/Gerd Folkers [Hrsg.], GÃ¼terabwÃ¤gung bei der Bewilligung von Tierversuchen, ZÃ¼rich 2011, S. 95 ff., 99). Dieses Vorgehen Ã¼berzeugt. Das Parteigutachten von Prof. Q, das 2010 fÃ¼r ein Verfahren vor dem OVW Bremen erstellt und im vorliegenden Verfahren von den Beschwerdegegnern 2 und 3 eingereicht wurde, ist nicht geeignet, die EinschÃ¤tzung der Tierversuchskommission infrage zu stellen: Wenn darin jegliche additiven Effekte in Bezug sowohl auf die Dauer der einzelnen belastenden Elemente als auch auf deren Kombination ausgeschlossen werden, lÃ¤sst sich dies â ebenso wie die Gewichtung insgesamt â hÃ¶chstens mit der verwendeten Methode erklÃ¤ren, die in der schweizerischen Praxis nicht zur Anwendung kommt. Auch ist die Tierversuchskommission zu Recht der Ansicht des zustÃ¤ndigen Bundesamts nicht gefolgt: GemÃ¤ss BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 10, ist die jeweils grÃ¶sste Einzelbelastung entscheidend, und die einzelnen Belastungen kÃ¶nnten nicht zu einer Gesamtsumme addiert werden, die unter UmstÃ¤nden die Zuordnung zu einer hÃ¶heren Belastungsstufe rechtfertige. Dies wird damit begrÃ¼ndet, dass es sich bei der Festlegung der "Gewichtungsklassen" nicht "um eine graduelle, sondern um eine lexikographische Abstufung" handle. Diese rein formelle BegrÃ¼ndung ist nicht nachvollziehbar, weil das Ordnungsschema nicht der Klassierung als solcher dient, sondern der Erfassung realer Belastungen realer Tiere im Hinblick auf eine GÃ¼terabwÃ¤gung. Zwar versteht sich von selber, dass die Belastungen nicht einfach addiert werden kÃ¶nnen (dass also drei Belastungen des Schweregrads 1 nicht etwa einer Belastung des Schweregrads 3 gleichkommen). Doch kann die Kumulation von Belastungen nicht adÃ¤quat erfasst werden, wenn sie nicht unter UmstÃ¤nden zur Einstufung in einen hÃ¶heren Schweregrad fÃ¼hren kann. Der hier ohnehin nicht direkt anwendbare Art. 4 Abs. 2 der Verordnung des BLV vom 4. Dezember 2014 Ã¼ber den Tierschutz beim ZÃ¼chten (VTZ; SR 455.102.4), wonach fÃ¼r die Zuordnung eines Tiers zu einer Belastungskategorie das am stÃ¤rksten belastende Merkmal oder Symptom entscheidend ist, kann aus den genannten GrÃ¼nden nicht den Ausschlag geben. Entsprechend ist auch nicht daran festzuhalten, dass wiederholte Handlungen an Tieren den Schweregrad dann nicht erhÃ¶hen kÃ¶nnen, wenn sich das Tier in der Zwischenzeit weitgehend erholen kann (so noch VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 8.2 f., gestÃ¼tzt auf BVET, Ziff. 46).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.4.3 </span></b>Zu prÃ¼fen ist schliesslich, ob die Einteilung unter Schweregrad 3 im Vergleich zum PrÃ¤zedenzfall haltbar ist. Bereits in jenem Fall war die Zuteilung zu Schweregrad 2 oder 3 innerhalb der Tierversuchskommission umstritten gewesen. Die Kommission hatte sich schliesslich mit einer Mehrheit von sechs gegen fÃ¼nf Stimmen fÃ¼r Schweregrad 2 ausgesprochen. Die Gesundheitsdirektion als Rekursinstanz wies den Versuch dem Schweregrad 3 zu, womit sie gemÃ¤ss dem Verwaltungsgericht ihren Beurteilungsspielraum nicht Ã¼berschritt (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 8.3.2, 8.3.5). Aus dem Gerichtsentscheid geht hervor, dass die Belastung jedenfalls eher im unteren Bereich dessen anzusiedeln war, was noch eine Einteilung in Schweregrad 3 rechtfertigte (vgl. VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 8.3 f., besonders 8.4.4). Das Bundesgericht nahm in etwas verkÃ¼rzender Interpretation der entsprechenden ErwÃ¤gungen an, dass das Verwaltungsgericht "vom Schweregrad 3 â allenfalls 2 â ausgegangen" sei, was es nicht infrage stellte (BGE 135 II 405 E. 4.3.3). Bei erheblichen Erleichterungen im Vergleich zum frÃ¼heren Gesuch liesse sich daher im vorliegenden Fall eine Einteilung in Schweregrad 3 nicht mehr rechtfertigen, unabhÃ¤ngig davon, dass ein grosser Beurteilungsspielraum besteht (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 8.4.4). Die Entlastung erscheint jedoch nicht derart gross, dass die Zuordnung des Versuchs zum Schweregrad 3 durch die Tierversuchskommission und die Vorinstanzen umzustossen ist. Immerhin muss wiederum von einem eigentlichen Grenzfall ausgegangen werden, worauf auch das StimmenverhÃ¤ltnis in der Kommission und die abweichende Ansicht des Beschwerdegegners 1 hinweisen.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.5 </b>Sodann ist die EinschÃ¤tzung der nicht-pathozentrischen Elemente der TierwÃ¼rde durch die Tierversuchskommission und die Vorinstanzen zu prÃ¼fen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.5.1 </span></b>Die BeschwerdefÃ¼hrenden werfen der Tierversuchskommission vor, die Praxis des Bundesgerichts missachtet zu haben, indem sie sich auf die pathozentrischen Gesichtspunkte konzentriert habe. Zudem hÃ¤tten einzelne Mitglieder Sinn und Tragweite der ethischen Teilfragen verkannt. Die Tierversuchskommission stimmte darÃ¼ber ab, ob ein tiefgreifender Eingriff in das Erscheinungsbild oder eine Erniedrigung bzw. Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung vorliege; die Mehrheit der Kommission verneinte beide Fragen (mit acht gegen zwei bzw. mit sieben gegen drei Stimmen).<i> </i>Damit prÃ¼fte sie das Vorliegen zweier nicht-pathozentrischer Kriterien, die in Art. 3 lit. a TSchG vorgesehen sind, gemÃ¤ss der Anleitung des Bundesamts (BLV, Anleitung GÃ¼terabwÃ¤gung, S. 2; vgl. auch BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 7 f.). Von der Haltung der fachkundigen Tierversuchskommission in Sachfragen ist nur bei Vorliegen triftiger GrÃ¼nde abzuweichen (E. 4.2). An dieser Stelle ist allerdings zunÃ¤chst festzuhalten, dass die Auslegung der Rechtsbegriffe in Art. 3 lit. a TSchG Sache der RechtsanwendungsbehÃ¶rden ist. Sodann ergibt sich aus den Sitzungsprotokollen, dass die Kommission sowohl den Begriff der TierwÃ¼rde als auch die nicht-pathozentrischen BeeintrÃ¤chtigungen kaum diskutiert hat. Auch kann ausgeschlossen werden, dass sich die Bewertungen der Kommission vor dem Hintergrund allgemein anerkannter Anschauungen in Wissenschaft oder Gesellschaft von selbst verstÃ¼nden. Eine juristische Praxis zu den nicht-pathozentrischen Kriterien von Art. 3 lit. a TSchG, der die Kommission hÃ¤tte folgen kÃ¶nnen, besteht nicht. Der Stellungnahme der Kommission zu den nicht-pathozentrischen Kriterien fehlt es also an einer BegrÃ¼ndung, weshalb sie die RechtsanwendungsbehÃ¶rden nicht zu binden vermag. Die Frage, wie allfÃ¤llige nicht-pathozentrische Belastungen unter dem Gesichtspunkt der TierwÃ¼rde zu bewerten sind, ist daher im Folgenden frei zu prÃ¼fen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.5.2 </span></b>Bei der "WÃ¼rde" des Tiers im Sinn von Art. 3 lit. a TSchG handelt sich um einen ethisch geprÃ¤gten Rechtsbegriff. Das Gesetz definiert ihn als "Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm [dem Tier] geachtet werden muss". Die WÃ¼rde des Tiers wird nach Art. 3 lit. a TSchG missachtet, wenn eine Belastung nicht durch Ã¼berwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann, woraus folgt, dass ihr Schutz nicht absolut ist (vgl. etwa Margot Michel, Die WÃ¼rde der Kreatur und die WÃ¼rde des Tieres im schweizerischen Recht, Natur und Recht 2012, S. 102 ff., 108; Klaus Peter Rippe, "WÃ¼rde des Tieres" aus rechtsphilosophischer Sicht, Tierethik 2011, Heft 3, S. 8 ff., S. 13 f.; SchÃ¤rmeli/Griffel, Art. 80 N. 11). Im Sinn einer Neuerung gegenÃ¼ber dem frÃ¼heren Recht nennt Art. 3 lit. a TSchG nicht nur sogenannte pathozentrische Belastungen (Schmerzen, Leiden, SchÃ¤den, Angst) als Eingriffe in die TierwÃ¼rde, sondern auch nicht-pathozentrische, nÃ¤mlich die Erniedrigung, den tiefgreifenden Eingriff in das Erscheinungsbild oder die FÃ¤higkeiten sowie die Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung. Im Folgenden ist die rechtliche Bedeutung dieser Begriffe zu bestimmen, wÃ¤hrend die in der Literatur diskutierten philosophischen Grundlagen nur soweit zu beachten sind, als dies dafÃ¼r notwendig ist. Nicht einzugehen ist auf Grundsatzkritik an der Eignung der TierwÃ¼rde zur Beurteilung von Tierversuchen (vgl. das von den Beschwerdegegnern 2 und 3 eingereichte Gutachten von Dr. P, S. 1 ff.), weil der Gesetzgeber diese Frage mit der Verwendung des Begriffs positiv beantwortet hat.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.5.3 </span></b>Richtschnur der Auslegung muss zum einen sein, dass mit der Revision des Tierschutzgesetzes keine fundamentale Verschiebung der Gewichte hin zum Tierschutz bzw. zu den tierlichen Interessen bezweckt wurde, und zum andern, dass die ErwÃ¤hnung der nicht-pathozentrischen Belastungen in Art. 3 lit. a TSchG keinen Sinn ergÃ¤be, wenn den entsprechenden Begriffen keine eigenstÃ¤ndige Bedeutung zukÃ¤me. Die beiden Ansatzpunkte stehen nicht in einem Gegensatz zueinander: Die Rechtsprechung im Bereich des Tierschutzes hat sich bereits vor dem Inkrafttreten des geltenden Tierschutzgesetzes auf die WÃ¼rde der Kreatur gemÃ¤ss Art. 120 Abs. 2 BV bezogen (BGE 135 II 384 E. 3.1, 4.6.1 S. 403 f.; BGE 135 II 405 E. 4.3.4 S. 414 f.; VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 2.2, 9.5). Mit dem Katalog der nicht-pathozentrischen Elemente der WÃ¼rde, der neu im Tierschutzgesetz Aufnahme fand, wurde der WÃ¼rdebegriff allerdings stÃ¤rker biozentrisch fundiert sowie erweitert und konkretisiert, was seine Umsetzung in konkreten AnwendungsfÃ¤llen erleichtert. Insofern kann den nicht-pathozentrischen WÃ¼rdekriterien selbstÃ¤ndige Bedeutung zukommen, ohne dass dies eine weitgehende Neubewertung der dem Tierschutzgesetz zugrunde liegenden Prinzipien und Zwecke zur Folge haben muss. Diese eigenstÃ¤ndige Bedeutung impliziert einerseits, dass die nicht-pathozentrischen Elemente nicht auf einer pathozentrischen Belastung aufzubauen brauchen. Sonst handelte es sich gerade nicht mehr um einen (in den Worten des Bundesrats) "rein ethischen Bereich", der den "biologischen Schutzbegriffen" gegenÃ¼bergestellt werden kann (Botschaft TSchG, BBl 2003, 675). Anderseits folgt daraus nicht, dass sich aus demselben Sachverhaltselement nicht sowohl eine nicht-pathozentrische als auch eine pathozentrische WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigung ergeben kann, die bei der AbwÃ¤gung kumuliert zu berÃ¼cksichtigen sind.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.5.4 </span></b>Den Materialien zum Tierschutzgesetz ist direkt wenig zum Begriff der TierwÃ¼rde oder zu den nicht-pathozentrischen Eingriffen zu entnehmen. Der Bundesrat weist darauf hin, dass die Definition der TierwÃ¼rde auf einem Vorschlag der Ethikkommission fÃ¼r die Gentechnik im ausserhumanen Bereich (heute: Ethikkommission fÃ¼r die Biotechnologie im Ausserhumanbereich; EKAH) beruhe (Botschaft TSchG, BBl 2003, 674). Er nimmt damit Bezug auf deren "Stellungnahme zur Konkretisierung der WÃ¼rde der Kreatur im Rahmen der geplanten Revision des Tierschutzgesetzes" (Bern 1999; vgl. S. 2 f.) und die gemeinsame Stellungnahme der EKAH und der EidgenÃ¶ssischen Kommission fÃ¼r Tierversuche (EKTV), der zufolge die "Anerkennung des Eigenwertes verlangt, dass das Tier um seiner selbst willen in seinen artspezifischen Eigenschaften, BedÃ¼rfnissen und Verhaltensweisen respektiert wird" (EKAH/EKTV, Die WÃ¼rde des Tieres, Bern 2001, S. 6 [beide Dokumente unter www.ekah.admin.ch: Stellungnahmen und Berichte]). Die Kommissionen stellten zudem fest, dass das von ihnen zur Diskussion gestellte Kriterium der Erniedrigung "sehr vom Menschen her gedacht" sei; in der praktischen Umsetzung komme "hier vor allem ein erzieherischer Aspekt zum Ausdruck, der sich ganz allgemein in einem Respekt vor dem Eigenwert des Tieres zeigt" (EKAH/EKTV, S. 7). In Bezug auf die WÃ¼rde der Kreatur im Sinn von Art. 120 Abs. 2 BV fÃ¼hrte der Bundesrat zum heutigen Art. 8 Abs. 1 des Gentechnikgesetzes vom 21. MÃ¤rz 2003 (GTG; SR 814.91) aus, deren Achtung bedeute, "im Umgang mit Tieren und Pflanzen dafÃ¼r besorgt zu sein, dass diese jene Funktionen und FÃ¤higkeiten ausÃ¼ben kÃ¶nnen, die Wesen ihrer Art in der Regel ausÃ¼ben (namentlich Wachstum, Fortpflanzung, Bewegung, soziale FÃ¤higkeiten)" (Botschaft vom 1. MÃ¤rz 2000 zu einer Ãnderung des Bundesgesetzes Ã¼ber den Umweltschutz, BBl 2000, 2391 ff., 2405). Zum einen kann diesen AusfÃ¼hrungen ebenso wie Art. 8 Abs. 1 GTG entnommen werden, dass die artspezifischen Eigenschaften, Funktionen, FÃ¤higkeiten, BedÃ¼rfnisse, Lebens- und Verhaltensweisen den Massstab bilden sollen, anhand dessen die TierwÃ¼rde zu konkretisieren ist. Zum andern zeigen sie nicht nur auf, dass sich die ethisch fundierten Anforderungen der TierwÃ¼rde selbstverstÃ¤ndlich an die menschliche Rechtsgemeinschaft bzw. an deren Mitglieder in ihrem Verhalten gegenÃ¼ber den Tieren richten; sie deuten zudem darauf hin, dass solche Anforderungen allenfalls sogar losgelÃ¶st von den tierlichen Eigenschaften, BedÃ¼rfnissen und Verhaltensweisen bestehen kÃ¶nnten. Wenn der Bundesrat in Bezug auf die nicht-pathozentrischen Belastungen von einem "rein ethischen Bereich" spricht (Botschaft TSchG, BBl 2003, 675), schliesst er die letztgenannte Interpretation jedenfalls nicht aus.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.5.5 </span></b>Die Rechtsprechung und die Literatur sind sich soweit ersichtlich einig, dass die TierwÃ¼rde auf die artspezifischen Eigenschaften, Funktionen, FÃ¤higkeiten, BedÃ¼rfnisse, Lebens- und Verhaltensweisen Bezug nimmt (BGE 135 II 405 E. 4.3.4 S. 414; Bolliger, S. 45 f.; Kley/Sigrist, S. 38; SchÃ¤rmeli/Griffel, Art. 80 N. 42; so auch Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche, Richtlinien, Ziff. 2.6). Dabei wird durch die TierwÃ¼rde das einzelne Tier geschÃ¼tzt, nicht etwa nur die Art (Errass, Art. 80 Rz. 9; BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 2). Dass das betreffende Tier Ã¼ber ein subjektives Bewusstsein der WÃ¼rdeverletzung verfÃ¼gt, darf nicht vorausgesetzt werden, weil dann eine StÃ¶rung des Wohlbefindens verlangt wÃ¼rde, womit den nicht-pathozentrischen gegenÃ¼ber den pathozentrischen Kriterien keine genÃ¼gende selbstÃ¤ndige Bedeutung mehr zukÃ¤me (so im Ergebnis auch BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 8; Bolliger/Richner/RÃ¼ttimann, S. 48; Rippe, S. 13, 22; SchÃ¤rmeli/Griffel, Art. 80 N. 42, sowie eine Mehrheit der von den Parteien zu diesen Fragen eingereichten Gutachten: vgl. Prof. S, die allerdings offen lÃ¤sst, ob die Tiere nicht eine Art Konzeption ihres betroffenen Interesses haben mÃ¼ssten; Prof. R; a.<span> </span>M. wohl Prof. O fÃ¼r den nur tierliche Interessen massgeblich sind). DarÃ¼ber hinaus wird in der Literatur teils sinngemÃ¤ss die Ansicht vertreten, dass eine Verletzung der TierwÃ¼rde allein aufgrund der Verwerflichkeit einer menschlichen Haltung gegenÃ¼ber dem Tier angenommen werden kÃ¶nne, ohne dass sie einen Zusammenhang mit dessen artspezifischen Eigenschaften, BedÃ¼rfnissen und Verhaltensweisen aufweisen mÃ¼sse (vgl. Bolliger, S. 49, 76 f., betreffend Erniedrigung durch den Sprachgebrauch in Publikationen und Reden bzw. den Umgang mit toten Tieren; vgl. auch Katharina Friedli, So arbeitet die Arbeitsgruppe "WÃ¼rde des Tieres", in: BVET, 2. Tierschutzbericht, Bern 2012 [www.bundespublikationen.admin.ch], S. 28 f., 29, zur Erniedrigung). Ob dies zutrifft oder ob damit das Konzept der TierwÃ¼rde Ã¼berdehnt wird, kann hier offenbleiben.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.5.6 </span></b>Die nicht-pathozentrischen WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigungen gemÃ¤ss Art. 3 lit. a TSchG sind auch bei Tierversuchen relevant, ungeachtet dessen, dass sie in Art. 17 Abs. 1 und Art. 19 Abs. 4 TSchG nur implizit und in Art. 20 Abs. 1 TSchG gar nicht erwÃ¤hnt werden (vgl. Art. 26 TVV; BLV, Anleitung GÃ¼terabwÃ¤gung, S. 2 f.; BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 7 ff.; Krepper, S. 306, 308). Die AufzÃ¤hlung von Art. 3 lit. a TSchG kann nicht abschliessend sein (so auch Bolliger/Richner/RÃ¼ttimann, S. 47; sinngemÃ¤ss auch BLV, Anleitung GÃ¼terabwÃ¤gung, S. 3), weil die TierwÃ¼rde verlangt, dass der Eigenwert des Tiers in einer GÃ¼terabwÃ¤gung berÃ¼cksichtigt wird: Der generelle Ausschluss weiterer WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigungen im Voraus wÃ¼rde eine derartige GÃ¼terabwÃ¤gung im konkreten Fall verunmÃ¶glichen und damit dem Grundsatz der TierwÃ¼rde widersprechen. Die Nennung von WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigungen in Art. 3 lit. a TSchG konkretisiert die TierwÃ¼rde; sie kann jedoch diese weder abschliessend definieren noch allfÃ¤llige nicht erfasste Teilaspekte vom Schutz der WÃ¼rde ausschliessen. Im vorliegenden Fall werden allerdings nur folgende, in Art. 3 lit. a TSchG explizit erwÃ¤hnte WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigungen geltend gemacht: ein tiefgreifender Eingriff in das Erscheinungsbild und eine Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung bzw. eine Erniedrigung; weitere Eingriffe in die TierwÃ¼rde sind auch nicht ersichtlich. Einzig das Vorliegen der genannten Belastungen ist daher im Folgenden zu prÃ¼fen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.5.7 </span></b>ZunÃ¤chst ist danach zu fragen, ob ein tiefgreifender Eingriff in das Erscheinungsbild gegeben ist.</p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.7.1 </b>Der tiefgreifende Eingriff in das Erscheinungsbild oder die FÃ¤higkeiten im Sinn von Art. 3 lit. a TSchG dÃ¼rfte in der Regel zugleich als Schaden im Sinn derselben Bestimmung zu qualifizieren sein, der als BeeintrÃ¤chtigung von artspezifischen Eigenschaften, Funktionen und Lebensweisen definiert wird (BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 7). Dem Bundesamt ist darin zuzustimmen, dass der tiefgreifende Eingriff in die FÃ¤higkeiten nach Art. 3 lit. a TSchG stets mit einem Schaden zusammenfÃ¤llt (BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 7); entgegen seiner Ansicht schliesst dies jedoch eine selbstÃ¤ndige, kumulative BerÃ¼cksichtigung nicht aus (vgl. E. 9.5.3).<i> </i>Auch eine tiefgreifende VerÃ¤nderung des Erscheinungsbilds, die nicht zugleich einen Schaden darstellt, ist von vornherein nur dann denkbar, wenn das Erscheinungsbild in fragwÃ¼rdiger Weise nicht den Eigenschaften zugerechnet wird. </p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.7.2 </b>Laut dem Bundesamt kann von einem tiefgreifenden Eingriff in das Erscheinungsbild gesprochen werden, wenn die VerÃ¤nderung zu einem Funktionsverlust fÃ¼hrt sowie wenn sie dauerhaft oder sogar irreversibel ist, wobei bezeichnenderweise dasselbe Beispiel angefÃ¼hrt wird wie bei den SchÃ¤den, nÃ¤mlich das Coupieren des Schwanzes oder der Ohren bei Hunden (BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 7 f.). Ob die beiden Elemente kumulativ oder alternativ vorliegen sollen, ergibt sich aus der Definition nicht. Die Beschwerdegegner gehen davon aus, dass ein tiefgreifender Eingriff in das Erscheinungsbild einen Verlust an Funktionen oder sozialen Verhaltensweisen voraussetze, womit die Definitionselemente kumulativ vorliegen mÃ¼ssten (so auch Rippe, S. 23 f.; offenlassend Prof. N in seinem Gutachten zuhanden der Beschwerdegegner 2 und 3). Dies Ã¼berzeugt jedoch nicht, weil damit der tiefgreifende Eingriff in das Erscheinungsbild stets eine (zusÃ¤tzliche) pathozentrische Komponente aufweisen mÃ¼sste und die Voraussetzungen gegenÃ¼ber denjenigen des Schadens sogar noch verschÃ¤rft wÃ¼rden. FÃ¼r einen tiefgreifenden Eingriff in das Erscheinungsbild muss im Gegenteil eine dauerhafte, genÃ¼gend schwerwiegende Ã¤usserliche VerÃ¤nderung genÃ¼gen. Zu Recht ziehen die BeschwerdefÃ¼hrenden den â nicht direkt anwendbaren â Anhang 1 Ziff. 4 (in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1) VTZ zum Vergleich heran, wonach Dauerhaftigkeit und Entstellung (bzw. IrreversibilitÃ¤t und starke Entstellung) den tiefgreifenden Eingriff in das Erscheinungsbild ausmachen (je nachdem im Sinn der Belastungskategorie 2 oder 3). Nicht zu folgen ist denn auch Prof. O und Prof. S, die in ihren Gutachten fÃ¼r die Beschwerdegegner 2 und 3 die Ansicht vertreten, als tiefgreifender Eingriff in das Erscheinungsbild kÃ¤men â ausser pathozentrischen Belastungen â nur genetische Modifikationen infrage. Als Beispiel eines tiefgreifenden Eingriffs in das Erscheinungsbild, der nicht zugleich einen Schaden darzustellen braucht, wird die Injektion von Farbstoffen in Fische genannt (Bolliger, S. 52 f.; Bolliger/Richner/RÃ¼ttimann, S. 49; EKAH, S. 2). Dagegen erreicht das Frisieren eines Pudels die vorauszusetzende IntensitÃ¤t und Dauerhaftigkeit nicht (vgl. BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 8).</p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.7.3 </b>Im vorliegenden Fall wÃ¼rde das Erscheinungsbild der fÃ¼r den streitigen Versuch gebrauchten Affen verÃ¤ndert, indem ihnen operativ eine Kopfhalterung implantiert wird. Fraglich ist, ob es sich dabei um eine tiefgreifende VerÃ¤nderung des Erscheinungsbilds handelt, die im Sinn von Art. 3 lit. a TSchG als Eingriff in die TierwÃ¼rde zu qualifizieren ist. Nach den obigen ErwÃ¤gungen ist nicht entscheidend, ob ein Verlust an Funktionen oder sozialem Verhalten vorliegt, was jedoch gegebenenfalls als zusÃ¤tzlicher Schaden zu berÃ¼cksichtigen wÃ¤re (vgl. dazu E. 9.3.9). Die Voraussetzung der Dauerhaftigkeit ist hier gegeben. Der Einwand der Beschwerdegegner 2 und 3, dass die Kopfhalterungen nach dem Ende der Versuche entfernt werden kÃ¶nnten, missachtet den Sachverhalt: GemÃ¤ss dem Gesuch sollen die Affen nach der Beendigung des Versuchs entweder in einem neuen Versuch verwendet oder, wenn dies nicht mÃ¶glich ist, eingeschlÃ¤fert werden. Sollte retrospektiv die Zuordnung des Versuchs zum Schweregrad 3 bestÃ¤tigt werden, wÃ¼rde eine erneute Verwendung der Tiere in einem anderen, ebenso belastenden Versuch durch Art. 135 Abs. 8 TSchV ausgeschlossen sein, sodass sie nach Abschluss des Versuchs wohl getÃ¶tet wÃ¼rden. So oder so wÃ¼rden jedoch die Kopfhalterungen nicht entfernt.</p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.7.4 </b>Schliesslich bleibt zu prÃ¼fen, ob das Ausmass oder die Sichtbarkeit der VerÃ¤nderung gravierend genug ist, damit von einem tiefgreifenden Eingriff in das Erscheinungsbild die Rede sein kann. In diesem Zusammenhang kann hilfsweise wiederum auf Anhang Ziff. 4 VZT Bezug genommen werden, wo eine Entstellung vorausgesetzt wird. Menschliches Ã¤sthetisches Empfinden kann allerdings nicht sinnvoll zur Bewertung einer WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigung herangezogen werden (Rippe, S. 24; a.<span> </span>M. Bolliger/Richner/RÃ¼ttimann, S. 49; Prof. N. Daraus ist zu schliessen, dass massgeblich auf quantitative und funktionale Kriterien abzustellen ist. Bei der vorliegend zu beurteilenden Kopfhalterung handelt es sich um einen im SchÃ¤del verankerten Metallstift von 2 cm LÃ¤nge, was mit der durchschnittlichen KopfrumpflÃ¤nge mÃ¤nnlicher Rhesusaffen von 53 cm (de.wikipedia.org/wiki/Rhesusaffe) ins VerhÃ¤ltnis zu setzen ist: Der Stift erscheint zwar nicht dominant, aber deutlich sichtbar. Zu berÃ¼cksichtigen ist sodann die Funktion: Die Kopfhalterung dient der Fixierung des Kopfes wÃ¤hrend der Versuchssitzungen, in denen sich die Tiere im Primatenstuhl befinden, und damit der Unterbindung artspezifischer Verhaltensweisen. Zwar trifft zu, was ein Mitglied der Tierschutzkommission vor der Abstimmung bemerkte: Die Kopfhalterung ist eine deutlich geringfÃ¼gigere BeeintrÃ¤chtigung des Erscheinungsbilds als andere Eingriffe, etwa die "dorsal window chamber" (oder "dorsal skinfold chamber") bei Nagern (bei der die Haut des RÃ¼ckens fÃ¼r medizinische Untersuchungen am lebenden Objekt in einen Metallrahmen gespannt wird). Doch schliesst die Existenz noch gravierenderer Eingriffsmethoden die Qualifikation als tiefgreifender Eingriff in das Erscheinungsbild nicht aus. </p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.7.5 </b>Die Kopfhalterung ist vorliegend nicht als tiefgreifender Eingriff in das Erscheinungsbild zu bewerten. Die Tierversuchskommission und der Beschwerdegegner 1 werden die Frage bei der Behandlung allfÃ¤lliger kÃ¼nftiger Gesuche anhand der hier dargestellten Kriterien zu beurteilen haben. Diese kÃ¶nnen wie folgt zusammengefasst werden: Der tiefgreifende Eingriff in das Erscheinungsbild setzt keinen (weiteren) Schaden im Sinn von Art. 3 lit. a TSchG â etwa eine StÃ¶rung der Funktionen oder des sozialen Verhaltens â voraus; massgebend sind die Kriterien der Dauerhaftigkeit und der Entstellung, wobei Letztere nicht aus Ã¤sthetischer Sicht zu wÃ¼rdigen ist, sondern nach quantitativen und funktionalen Gesichtspunkten.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>9.5.8 </span></b>Der Gehalt des Kriteriums der Ã¼bermÃ¤ssigen Instrumentalisierung im Sinn von Art. 3 lit. a TSchG liegt ebenfalls nicht auf der Hand. </p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.8.1 </b>GrundsÃ¤tzlich enthÃ¤lt jede Tierzucht, jede Tierhaltung und jeder Tierversuch Elemente der Instrumentalisierung, die als Ã¼bermÃ¤ssig zu bezeichnen sind, wenn in der GÃ¼terabwÃ¤gung die entgegengesetzten Interessen und Gesichtspunkte Ã¼berwiegen. Ginge es allein darum, wÃ¤re die ErwÃ¤hnung der Ã¼bermÃ¤ssigen Instrumentalisierung in Art. 3 lit. a TSchG jedoch Ã¼berflÃ¼ssig. Umgekehrt ist zu verneinen, dass eine Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung die GÃ¼terabwÃ¤gung von vornherein ausschliessen kann, weil damit bestimmten tierlichen GÃ¼tern oder Interessen absoluter Vorrang zugesprochen wÃ¼rde, was sich nach der einhelligen Ansicht nicht aus der TierwÃ¼rde ergeben kann (E. 9.5.2).</p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.8.2 </b>Definitionen des Bundesamts und der Lehre machen die Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung an der NichtberÃ¼cksichtigung oder ungenÃ¼genden BerÃ¼cksichtigung des eigenen Guts oder der eigenen BedÃ¼rfnisse und Interessen des Tiers fest (BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 8; Bolliger/Richner/RÃ¼ttimann, S. 48; Rippe, S. 22; vgl. auch Prof. N, der in einer ErgÃ¤nzung seines Gutachtens fÃ¼r die Beschwerdegegner 2 und 3 von konsequenter Verdinglichung spricht). Andernorts wird die "StÃ¶rung des tierlichen Organismus" durch die Nutzung als AnknÃ¼pfungspunkt betrachtet (Peter Kunzmann, Die WÃ¼rde des Tieres â zwischen Leerformel und Prinzip, Freiburg/MÃ¼nchen 2007, S. 115 [im Folgenden: Kunzmann, WÃ¼rde]). Als selbstÃ¤ndiges Kriterium ergibt die Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung allerdings nur Sinn, wenn sie das VernachlÃ¤ssigen oder UnterdrÃ¼cken des eigenen Guts, des Eigenwerts, des Eigenlebens oder der Eigenart des Tiers meint, ohne dass einerseits pathozentrische Belastungen zwingend vorauszusetzen wÃ¤ren und ohne dass anderseits bei der Konkretisierung bereits auf das Ergebnis der GÃ¼terabwÃ¤gung Bezug zu nehmen wÃ¤re. Unter die Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung kÃ¶nnten demnach etwa gentechnische VerÃ¤nderungen oder Arten der Zucht oder Dressur fallen, die das Tier in einem nicht mehr hinnehmbaren Ausmass auf den zu erfÃ¼llenden Zweck ausrichten, ohne dass es selber dies subjektiv als nachteilig empfinden mÃ¼sste. Schliesslich werden auch bestimmte Praktiken der TÃ¶tung von Tieren der Ã¼bermÃ¤ssigen Instrumentalisierung zugerechnet, wobei diese Zuordnung vor allem vom Ausmass und den Motiven der Handlung abzuhÃ¤ngen scheint (vgl. Kunzmann, WÃ¼rde, S. 116 f. mit Hinweis, zur routinemÃ¤ssigen TÃ¶tung mÃ¤nnlicher KÃ¼ken nach dem SchlÃ¼pfen; Rippe, S. 22, sieht darin einen Fall der Erniedrigung).</p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.8.3 </b>Fraglich ist das vorauszusetzende Ausmass der Instrumentalisierung. WÃ¤hrend in der Lehre regelmÃ¤ssig eine gÃ¤nzliche oder weitreichende Instrumentalisierung vorausgesetzt wird, lassen die von den BeschwerdefÃ¼hrenden eingereichten Gutachten im Ergebnis die Instrumentalisierung als solche oder die Anwendung von Zwang genÃ¼gen (vgl. Prof. R; Dr. M, dessen Stellungnahme nicht bloss als Parteigutachten zu bewerten ist, weil sie die Minderheitsmeinung des einzigen Ethikers in der Tierversuchskommission zu einer Frage aus dessen eigenem Fachbereich wiedergibt). WÃ¼rde man die Anforderungen an die Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung aber zu niedrig ansetzen, hÃ¤tte dies letztlich zur Folge, dass belastende Elemente hÃ¤ufig doppelt zu berÃ¼cksichtigen wÃ¤ren (was im Gutachten von Dr. M mit Bezug auf die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion ausdrÃ¼cklich vertreten wird). Dies wÃ¤re zwar insofern unproblematisch, als dasselbe Versuchselement grundsÃ¤tzlich fÃ¼r zwei Belastungskriterien eine Rolle spielen kann (vgl. E. 9.5.3). Doch wÃ¼rde eine regelmÃ¤ssige doppelte BerÃ¼cksichtigung belastender Elemente entweder zu einer massgeblichen ErhÃ¶hung der tierschutzrechtlichen Anforderungen fÃ¼hren, was nicht mit dem Willen des Gesetzgebers zu vereinbaren wÃ¤re (E. 5.2), oder zu einer Entwertung der Kriterien von Art. 3 lit. a TSchG, falls die Praxis in der abschliessenden GÃ¼terabwÃ¤gung diesen trotz ihrer Vermehrung doch kein wesentlich grÃ¶sseres Gewicht zugestehen sollte.</p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.8.4 </b>Die Formen der Erniedrigung, welche die BeschwerdefÃ¼hrenden bzw. der von ihnen beigezogene Gutachter in einzelnen Versuchselementen sehen (vgl. sogleich E. 9.5.8.5), lassen sich kaum von der Ã¼bermÃ¤ssigen Instrumentalisierung trennen. Deshalb sind sie im vorliegenden Zusammenhang zu behandeln und ist auf das Kriterium der Erniedrigung hier im Ãbrigen nicht weiter einzugehen. Die Tierversuchskommission hat ebenfalls (in Anwendung von BLV, Anleitung GÃ¼terabwÃ¤gung, S. 2 f.) Erniedrigung und Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung zusammen behandelt, was im vorliegenden Fall korrekt war. GemÃ¤ss BLV, GÃ¼terabwÃ¤gung: ErlÃ¤uterungen, S. 8, soll dies allgemein gelten; Ã¼berzeugender ist jedoch die Lehrmeinung, wonach es sich um Ã¼berlappende Kriterien handelt (Rippe, S. 22; sinngemÃ¤ss auch Bolliger/Richner/RÃ¼ttimann, S. 48 f.).</p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.8.5 </b>Als problematisch unter dem Gesichtspunkt der Instrumentalisierung mag gerade erscheinen, dass diese von den Tieren wohl nicht als solche erkannt werden kann, weil â gemÃ¤ss der Auskunft des Versuchsleiters â ein VertrauensverhÃ¤ltnis zu ihnen begrÃ¼ndet wird, um ihnen ein Verhalten anzutrainieren, das letztlich ihren eigenen Interessen widerspricht. Bis zu einem gewissen Grad ist eine solche Instrumentalisierung allerdings jeder Dressur bzw. jedem Training von Tieren inhÃ¤rent. Die BeschwerdefÃ¼hrenden sehen eine Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung in der Wasserrestriktion und der Implantierung einer Kopfhalterung. Sie machen ferner eine Erniedrigung der Tiere geltend, weil die besonderen kognitiven FÃ¤higkeiten der Affen gegen diese selbst gerichtet wÃ¼rden, worin auch der Gutachter Dr. M eine Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung sieht. Prof. R erkennt darÃ¼ber hinaus eine Erniedrigung in verschiedenen weiteren Versuchselementen.</p> <p class="Erwgung4"><b>9.5.8.6 </b>Die Wasserrestriktion, die Kopfhalterung und die Ausnutzung der besonderen kognitiven FÃ¤higkeiten der Rhesusaffen sind zweifellos Instrumentalisierungen. Weshalb gerade diese Elemente ein Ãbermass der Instrumentalisierung begrÃ¼nden sollten, ist allerdings nicht einzusehen. Das hierfÃ¼r notwendige Ausmass erreichen sie nicht. Auch die gesamte Versuchsanordnung â der Aufbau eines VertrauensverhÃ¤ltnisses zu den Tieren, um sie zum Handeln gegen ihre eigenen Interessen zu bewegen â erfÃ¼llt die Voraussetzungen nicht: In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Instrumentalisierung nicht umfassend ist, weil die Trainings und Versuche nicht das gesamte Leben der Tiere ausmachen, deren Haltungsbedingungen im Ãbrigen unter den gegebenen UmstÃ¤nden als artgerecht bezeichnet werden kÃ¶nnen. Aus den genannten GrÃ¼nden ist eine Ã¼bermÃ¤ssige Instrumentalisierung zu verneinen, was im Ergebnis auch der Ansicht der Tierschutzkommission und der Vorinstanzen entspricht.</p> <p class="Erwgung1"><b>10. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>10.1 </b>In der abschliessenden GÃ¼terabwÃ¤gung ist zu prÃ¼fen, ob die Versuchstiere gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn eine unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Belastung erleiden (vgl. Art. 19 Abs. 4 TSchG; BGE 135 II 405 E. 4.3.4).</p> <p class="Erwgung2"><b>10.2 </b>Aus der Neuausrichtung des Tierschutzgesetzes auf die WÃ¼rde des Tiers lÃ¤sst sich nicht ableiten, dass das Verfassungsprinzip der WÃ¼rde der Kreatur in einer vom Gesetzgeber bewusst offen belassenen GÃ¼terabwÃ¤gung gegenÃ¼ber den anderen relevanten Verfassungsprinzipien und ‑rechten systematisch zu bevorzugen ist; diese vom Verwaltungsgericht unter der Geltung des frÃ¼heren Rechts festgehaltene Ãberlegung ist nach wie vor gÃ¼ltig (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 9.5.1). Nicht zu Ã¼berzeugen vermag die von den BeschwerdefÃ¼hrenden angefÃ¼hrte Literaturmeinung, wonach Eingriffe in die TierwÃ¼rde nur dann gerechtfertigt sind, wenn das damit verfolgte Ziel "wesentlich hÃ¶her zu gewichten ist" als die konkreten Belastungen der Tiere (Bolliger/Richner/RÃ¼ttimann, S. 49): Sie entbehrt der Logik, weil im Umkehrschluss zu folgern wÃ¤re, dass die TierwÃ¼rde sich in der AbwÃ¤gung selbst gegen Ã¼berwiegende â aber eben nicht wesentlich Ã¼berwiegende â Interessen durchsetzen kÃ¶nnte. Die Forschungsfreiheit und die WÃ¼rde der Kreatur stehen sich gleichrangig gegenÃ¼ber (E. 7.2); in der GÃ¼terabwÃ¤gung sind ihre Konkretisierungen gleichermassen zu berÃ¼cksichtigen.</p> <p class="Erwgung2"><b>10.3 </b>Die FÃ¶rderung des Beschwerdegegners 3 durch den SNF ist entgegen der Ansicht der Beschwerdegegner 2 und 3 nicht relevant fÃ¼r die GÃ¼terabwÃ¤gung (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 9.2.2): Der SNF beurteilt nur die wissenschaftliche QualitÃ¤t und Qualifikation und nimmt insbesondere bei Tierversuchsprojekten keine ethische Beurteilung vor; er gibt die FÃ¶rdermittel erst frei, wenn die notwendigen Bewilligungen vorliegen (vgl. Art. 17 des Beitragsreglements des Schweizerischen Nationalfonds vom 14. Dezember 2007 [heute: Art. 24 des Beitragsreglements des Schweizerischen Nationalfonds vom 27. Februar 2015; www.snf.ch: Der SNF: ProjektfÃ¶rderung]; SNF, Der Schweizerische Nationalfonds [SNF] und wissenschaftliche Tierversuche, August 2014, Ziff. 2.4 [www.snf.ch: Der SNF: Tierversuche]).</p> <p class="Erwgung2"><b>10.4 </b>Zu berÃ¼cksichtigen ist die Anzahl der verwendeten Versuchstiere (vgl. Art. 137 Abs. 4 lit. a TSchV; BGE 135 II 384 E. 4.6.1 S. 403; Ethikkommission fÃ¼r Tierversuche, Richtlinien, Ziff. 4.2). Der an sich zutreffende Einwand, der Eigenwert eines einzelnen Tiers werde nicht weniger stark verletzt, wenn nur es selbst oder nur wenige Tiere belastet wÃ¼rden (Prof. R), Ã¤ndert nichts daran, dass die Anzahl der belasteten Tiere ins Gewicht fallen muss. Das streitige Gesuch sieht die geringe Anzahl von zwei Versuchstieren vor, wobei zusÃ¤tzlich allenfalls ein drittes Tier gebraucht wÃ¼rde, wenn die erhobene Datenmenge nicht ausreichen wÃ¼rde. Es werden damit auch weniger Tiere gebraucht als im PrÃ¤zedenzfall, in dem vier Tiere vorgesehen worden waren (BGE 135 II 405 lit. A).</p> <p class="Erwgung2"><b>10.5 </b>Das Bundesgericht beachtet bei der GÃ¼terabwÃ¤gung die "sehr starke genetische und sinnesphysiologische NÃ¤he zum Menschen", welche die nicht-humanen Primaten aufweisen, und misst ihr einiges Gewicht zu (BGE 135 II 405 E. 4.3.4 S. 414). Es stÃ¼tzt sich dabei auf verschiedene Bestimmungen, die auf die Entwicklungsstufe bzw. Hierarchie der Tiere abstellen (vgl. die heutigen Art. 2 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 2 TSchG).</p> <p class="Erwgung3"><b><span>10.5.1 </span></b>Der Ansatz des Bundesgerichts, der die Hierarchiestufe sowie die genetische und sinnesphysiologische NÃ¤he zum Menschen berÃ¼cksichtigt, wird in der Literatur sowie in Gutachten teils kritisiert (Peter Kunzmann/Nikolaus Knoepffler, Primaten. Ihr moralischer Status, Bern 2011, S. 37 f. [www.ekah.admin.ch: Externe Gutachten: Buchreihe "BeitrÃ¤ge zur Ethik und Biotechniologie"]; Alex Mauron/Samia Hurst, Ethische Fragen zu Tierversuchen und Analyse der Situation in der Schweiz, S. 10 f., Anhang 1 zum Bericht Nr. 293 vom 13. Dezember 2011 des [Freiburger] Staatsrats an den Grossen Rat zum Postulat 2069.10 Petitionskommission Ã¼ber die Untersuchung der Tierversuche an der UniversitÃ¤t Freiburg im Allgemeinen und an Primaten im Besonderen [www.fr.ch]; Prof. O). Entsprechende Kritik wird Ã¼brigens auch an Art. 8 der Richtlinie 2010/63/EU des EuropÃ¤ischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2010 zum Schutz der fÃ¼r wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere (ABl L 276/33 vom 20. Oktober 2010) geÃ¼bt, der besondere Schutzbestimmungen fÃ¼r nicht-humane Primaten vorsieht (vgl. Matthias Cornils, Reform des europÃ¤ischen Tierversuchsrechts, Berlin 2011, S. 132 ff.). Auf diese Kontroverse ist hier nicht inhaltlich einzugehen: Zum einen ergibt sich die Relevanz der Hierarchiestufe aus dem Gesetz (vgl. Art. 20 Abs. 2 TSchG). Zum andern kommt der TierwÃ¼rde nicht-humaner Primaten auch aufgrund der kognitiven FÃ¤higkeiten sowie der Leidens- bzw. EmpfindungsfÃ¤higkeit grosser Stellenwert zu (Prof. O). Teils wird auch das besondere Selbstbewusstsein hervorgehoben (Kunzmann/Knoepffler, S. 86 ff., zur erhÃ¶hten "Subjekthaftigkeit", kritisiert von Michel, S. 108 Fn. 92; vgl. auch das Gutachten von Dr. M, wo vom spezifischen "In-der-Welt-Sein" die Rede ist). Anzumerken ist, dass Ãhnlichkeiten dieser Eigenschaften mit solchen des Menschen durchaus im Zusammenhang mit der phylogenetischen NÃ¤he der nicht-humanen Primaten zum Menschen stehen, ungeachtet dessen, dass sie in womÃ¶glich vergleichbarer Weise auch bei anderen Tieren vorkommen. Entgegen den Annahmen einiger SachverstÃ¤ndiger kommt eine besondere BerÃ¼cksichtigung der TierwÃ¼rde nicht-humaner Primaten weder einer Relativierung der MenschenwÃ¼rde nach Art. 7 BV gleich (so aber anscheinend Mauron/Hurst, S. 12) noch der Erhebung der Primaten Ã¼ber das Tierreich hinaus (so auch Prof. N; wohl a.<span> </span>M. Dr. Dr. P in jene Richtung auch Kley/Sigrist, S. 42 f.). Zusammenfassend: Die besondere Stellung der nicht-humanen Primaten ist unbestritten, wobei sich die vom Bundesgericht hervorgehobene BerÃ¼cksichtigung der Hierarchiestufe und der NÃ¤he zum Menschen aus dem Gesetz ableiten lÃ¤sst, im Ergebnis jedoch nicht entscheidend wÃ¤re.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>10.5.2 </span></b>Den Protokollen der Tierversuchskommission ist zu entnehmen, dass dieser die Bundesgerichtspraxis bekannt war und sie sich mit der Verwendung von Primaten explizit auseinandersetzte. Unter diesem Aspekt besteht daher kein Anlass, von der Stellungnahme der Kommission abzuweichen. </p> <p class="Erwgung2"><b>10.6 </b>Zu den einzelnen relevanten Elementen der GÃ¼terabwÃ¤gung ist zusammenfassend festzuhalten: Im Vergleich zum PrÃ¤zedenzfall (BGE 135 II 405 bzw. VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156) erscheint beim vorliegend streitigen Gesuch der Forschungsnutzen jedenfalls nicht geringer (E. 8.1.8). Die pathozentrische Belastung entspricht zwar wiederum dem Schweregrad 3, ist aber als etwas weniger schwer einzustufen (E. 9.3.11, 9.4.3). Die nicht-pathozentrischen Elemente der TierwÃ¼rde sind aufgrund der Ãnderung der Rechtsgrundlagen neu einzubeziehen; allerdings sind die betreffenden Kriterien hier nicht erfÃ¼llt (E. 9.5.7.5, 9.5.8.6). Die Anzahl der zu verwendenden Tiere (2, allenfalls 3) ist im Vergleich zum frÃ¼heren Gesuch (4 Tiere) geringer (E. 10.4). Die einzelnen Unterschiede zum PrÃ¤zedenzfall kÃ¶nnen nicht schematisch gegeneinander aufgerechnet werden.</p> <p class="Erwgung2"><b>10.7 </b>Zu prÃ¼fen ist, ob ein Anlass dafÃ¼r besteht, von der EinschÃ¤tzung der Tierversuchskommission abzuweichen.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>10.7.1 </span></b>GrÃ¼nde zur Abweichung von der Stellungnahme der sachkundigen Kommission wÃ¤ren: Befangenheit; IrrtÃ¼mer, Unklarheit, LÃ¼cken, WidersprÃ¼che oder unzutreffende Sachverhaltsfeststellungen; andere Tatsachen oder Indizien, die sie zu entkrÃ¤ften vermÃ¶gen (PlÃ¼ss, § 7 N. 146 mit Hinweisen; vgl. E. 4.2.3). Vorliegend sind der Kommission mangelhaftes Vorgehen bloss bei der Bewertung des klinischen Nutzens und der nicht-pathozentrischen WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigungen vorzuwerfen. Diese MÃ¤ngel rechtfertigen es jedoch nicht, die WÃ¼rdigung der Kommission umzustossen, weil bei der Bewertung der einzelnen Gesichtspunkte und in der GÃ¼terabwÃ¤gung ein weiter Beurteilungsspielraum besteht (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 9.1) und weil die materielle ÃberprÃ¼fung der fraglichen Aspekte nicht zu deren gegenteiliger Beurteilung gefÃ¼hrt hat.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>10.7.2 </span></b>Dass im vorliegenden Fall die GÃ¼terabwÃ¤gung trotz vergleichbarem Sachverhalt zu einem anderen Ergebnis fÃ¼hrt als in BGE 135 II 405 bzw. VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, stellt keinen Widerspruch zu jenen Entscheiden dar. Zum einen erscheint dies aufgrund des mindestens gleich grossen Forschungsnutzens und der insgesamt geringeren Belastung im Ergebnis haltbar. Zum andern ist die Funktion der gerichtlichen Kontrolle zu beachten, die grundsÃ¤tzlich nur eine Richtschnur und einen Rahmen darstellen kann, wenn es wie hier um eine offene GÃ¼terabwÃ¤gung geht. So kam denn auch die Verweigerung der Tierversuchsbewilligung im frÃ¼heren Fall dadurch zustande, dass das Verwaltungs- und das Bundesgericht die GÃ¼terabwÃ¤gung der jeweiligen Vorinstanz schÃ¼tzten. Das Verwaltungsgericht begrÃ¼ndete seinen Entscheid ausdrÃ¼cklich damit, dass die Vorinstanz ihren Beurteilungsspielraum nicht Ã¼berschritten habe (VGr, 27. MÃ¤rz 2008, VB.2007.00156, E. 9.6). Das Bundesgericht machte sich zwar das Ergebnis der AbwÃ¤gung zu eigen (BGE 135 II 405 E. 4.3.4 S. 415 letzter Satz), verwies aber andernorts ebenfalls auf den erheblichen Ermessensspielraum sowie auf das grosse Gewicht der Stellungnahme der Tierversuchskommission (BGr, 7. Oktober 2009, 2C_421/2008, E. 2.2.2, 3.4 [nicht in BGE 135 II 405 publiziert]; BGE 135 II 405 E. 4.3.4 S. 413). Es wurden keine starren Schranken (gewissermassen "rote Linien") in Bezug auf einzelne Kriterien formuliert.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>10.7.3 </span></b>An diesem Ergebnis Ã¤ndert auch nichts, dass neu konkrete nicht-pathozentrische Elemente der TierwÃ¼rde zu beachten sind, weil mit der Revision des Tierschutzgesetzes keine wesentliche Verschiebung der Gewichte zugunsten des Tierschutzes angestrebt wurde. Angesichts dessen und angesichts der insgesamt etwas geringeren Belastung und der geringeren Anzahl zu verwendender Tiere im Vergleich zum frÃ¼heren Fall hat der Beschwerdegegner 1 seinen Ermessensspielraum nicht Ã¼berschritten, als er gemÃ¤ss der Stellungnahme der Tierversuchskommission die Bewilligung erteilte. Es wird namentlich Sache der Tierversuchskommission sein, die nicht-pathozentrischen WÃ¼rdebeeintrÃ¤chtigungen in der weiteren Praxis zu konkretisieren; dieses Entwicklungspotenzial genÃ¼gt aber nicht, um im vorliegenden Fall die Tierversuchsbewilligung zu verweigern.</p> <p class="Erwgung2"><b>10.8 </b>Aufgrund der obigen ErwÃ¤gungen ist die Beschwerde im Hauptpunkt abzuweisen.</p> <p class="Erwgung1"><b>11. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>11.1 </b>Die Gerichtskosten sind nach dem Unterliegerprinzip zu verteilen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG). Auch Gemeinwesen und Amtsstellen kÃ¶nnen Kosten auferlegt werden (PlÃ¼ss, § 13 N. 46). Bei der Rechtsmittelerhebung durch die Tierversuchskommission oder eine Kommissionsminderheit handelt es sich um eine BehÃ¶rdenbeschwerde; die Mitglieder, die von der Rechtsmittelbefugnis Gebrauch machen, handeln als BehÃ¶rdenmitglieder, was selbstverstÃ¤ndlich auch dann gilt, wenn es einzig die drei auf Vorschlag der Tierschutzorganisationen gewÃ¤hlten Mitglieder sind (vgl. zur BegrÃ¼ndung VGr, 5. April 2017, VB.2016.00042, E. 4.3 mit Hinweisen). Die BeschwerdefÃ¼hrenden sind demnach nicht persÃ¶nlich mit den Kosten zu belasten. Diese sind vielmehr dem Beschwerdegegner 1 aufzuerlegen, dem die Tierversuchskommission administrativ angegliedert ist und der fÃ¼r sie auch die Ausgabenkompetenz wahrnimmt (AnhÃ¤nge 2 und 5 in Verbindung mit § 3 bzw. 16 der Organisationsverordnung der Gesundheitsdirektion vom 27. Oktober 2011 [SR 172.110.5]). Keine andere LÃ¶sung ergibt sich aus einem Hinweis in der Literatur (Bolliger/Goetschel, S. 60), wonach die Verfahrenskosten auf die Staatskasse gingen bzw. das Verfahren unentgeltlich sei, weil unklar bleibt, worauf sich dieser stÃ¼tzt und bezieht. Auf die KostenhÃ¶he wirkt sich im Sinn der Billigkeit reduzierend aus, dass die BeschwerdefÃ¼hrenden Ã¶ffentliche Interessen vertreten und der Beschwerdegegner 1 an der Rechtsmittelerhebung nicht beteiligt war (vgl. PlÃ¼ss, § 16 N. 40, 64).</p> <p class="Erwgung2"><b>11.2 </b>Den Beschwerdegegnern 2 und 3 ist nach § 17 Abs. 2 VRG eine ParteientschÃ¤digung zuzusprechen. Diese ist aus denselben GrÃ¼nden, die fÃ¼r die Kostenauferlegung bestimmend sind, dem Beschwerdegegner 1 aufzuerlegen.</p> <p class="Erwgung2"><b>11.3 </b>Die Vorinstanz hat die Kosten des Rekursverfahrens sowie eine ParteientschÃ¤digung an die Beschwerdegegner 2 und 3 den BeschwerdefÃ¼hrenden persÃ¶nlich zu je einem Drittel, unter solidarischer Haftung fÃ¼r den Gesamtbetrag, auferlegt. Die BeschwerdefÃ¼hrenden fechten diese Anordnungen selbst fÃ¼r den Fall ihres Unterliegens an. GemÃ¤ss den obigen ErwÃ¤gungen ist die Kostenauferlegung an die BeschwerdefÃ¼hrenden als Privatpersonen nicht haltbar, und der angefochtene Entscheid ist insoweit abzuÃ¤ndern. Die HÃ¶he der Verfahrenskosten und der ParteientschÃ¤digung wird grundsÃ¤tzlich nicht beanstandet und erscheint angemessen. </p> <p class="Erwgung2"><b>11.4 </b>Die geringfÃ¼gige Korrektur der Nebenfolgen des vorinstanzlichen Entscheids rechtfertigt keine andere Verteilung der Kosten und der ParteientschÃ¤digung im Verfahren vor Verwaltungsgericht.</p> <p class="Urteilstext"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Dispositiv-Ziff. II und III des angefochtenen Entscheids werden insoweit aufgehoben, als die Kosten des Rekursverfahrens und die ParteientschÃ¤digung den BeschwerdefÃ¼hrenden auferlegt werden. Im Ãbrigen wird die Beschwerde abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Kosten des Rekursverfahrens, bestehend aus einer StaatsgebÃ¼hr von Fr. 3'000.- sowie den AusfertigungsgebÃ¼hren von Fr. 602.-, und die ParteientschÃ¤digung zugunsten der Beschwerdegegner 1 und 2 von insgesamt Fr. 3'000.- fÃ¼r das Rekursverfahren werden dem Beschwerdegegner 1 auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 6'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 410.-- Zustellkosten,<br/> Fr. 6'410.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner 1 auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Der Beschwerdegegner 1 wird verpflichtet, den Beschwerdegegnern 2 und 3 eine ParteientschÃ¤digung von insgesamt Fr. 3'000.- (inkl. MWST) zu bezahlen, zahlbar innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Urteils.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14 einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>