<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">161</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>29</b></span> <span class="ft3"><b>Tempo-30-Zonen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Im Einführungszeitpunkt müssen Massnahmen geprüft und angeordnet</b></span><br/> <span class="ft3"><b>werden, die zur Einhaltung der neuen Höchstgeschwindigkeit notwendig</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sind.</b></span><br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 7. April 2017, i.S. A.</span><br/> <span class="ft4">gegen Departement Bau, Verkehr und Umwelt sowie Gemeinderat B.</span><br/> <span class="ft4">(WBE.2016.275)</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">(...) Der Wortlaut von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung über die</span><br/> <span class="ft1">Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen vom 28. September</span><br/> <span class="ft1">2001 (SR 741.231.3) ist eindeutig. Zur Einhaltung der angeordneten</span><br/> <span class="ft1">Höchstgeschwindigkeit sind <i>nötigenfalls</i> weitere Massnahmen zu er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">162</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">greifen. Die Bestimmung bildet eine klare gesetzliche Grundlage,</span><br/> <span class="ft1">welche die Gemeinde verpflichtet, weitere Massnahmen (z.B. Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrsberuhigungselemente) anzuordnen, wenn dies zur Einhaltung</span><br/> <span class="ft1">der neu einzuführenden Höchstgeschwindigkeit nötig ist. Ebenso klar</span><br/> <span class="ft1">hält Art. 6 der Verordnung zudem fest, dass die realisierten - will</span><br/> <span class="ft1">heissen nötigen - Massnahmen spätestens nach einem Jahr überprüft</span><br/> <span class="ft1">werden und <i>zusätzliche</i> Massnahmen zu ergreifen sind, wenn die</span><br/> <span class="ft1">angestrebten Ziele nicht erreicht wurden.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat erklärte weder die in den Gutachten enthalte-</span><br/> <span class="ft1">nen Massnahmenpläne für verbindlich, noch wurden diese im Sinne</span><br/> <span class="ft1">des kantonalen Fachberichts korrigiert und ergänzt. Vielmehr will er</span><br/> <span class="ft1">die Tempo-30-Zonen mit einem Minimum an Investitionen um-</span><br/> <span class="ft1">setzen. (...) Der Gemeinderat begründete den Verzicht auf die von</span><br/> <span class="ft1">den Gutachtern und/oder kantonalen Fachinstanz als notwendig</span><br/> <span class="ft1">erachteten Massnahmen nicht bzw. führte diesbezüglich nur finan-</span><br/> <span class="ft1">zielle Interessen an. Im Einspracheentscheid hielt er (ohne Quellen-</span><br/> <span class="ft1">angaben) fest, dass während in den Einführungsjahren von Tempo-</span><br/> <span class="ft1">30-Zonen ein ganzer Massnahmenkatalog baulicher Anpassungen</span><br/> <span class="ft1">gefordert worden sei, sich im Rahmen der aufsichtsrechtlichen sowie</span><br/> <span class="ft1">der gerichtlichen Beurteilungspraxis in den vergangenen Jahren der</span><br/> <span class="ft1">Trend abgezeichnet und bestätigt habe, dass im Rahmen der</span><br/> <span class="ft1">aktuellen Neueinführung von Tempo-30-Zonen nur die Minimal-</span><br/> <span class="ft1">voraussetzungen (Eingangstore und Bodenmarkierungen) voraus-</span><br/> <span class="ft1">gesetzt würden und erst im Rahmen der Überprüfung der Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme bei effektivem Bedarf ein Ausbau mittels baulicher Elemente</span><br/> <span class="ft1">notwendig werde. Der Gemeinderat erachte es folglich als zweck-</span><br/> <span class="ft1">mässig und angemessen, im Einführungsjahr mit einem Minimum an</span><br/> <span class="ft1">Investitionen die Tempo-30-Zonen umzusetzen. Sollte sich zeigen,</span><br/> <span class="ft1">dass nach erfolgter Überprüfung mit entsprechenden Geschwindig-</span><br/> <span class="ft1">keitsmessungen effektiv ergänzende bauliche Massnahmen mit</span><br/> <span class="ft1">Fahrbahnverengungen notwendig seien, dann seien diese in einer</span><br/> <span class="ft1">zweiten Phase an einzelnen wenigen Orten umzusetzen. Vorerst sei</span><br/> <span class="ft1">der zwingende Bedarf nicht ausgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat verkennt, dass sowohl die Gutachten als auch</span><br/> <span class="ft1">die kantonale Fachinstanz den "zwingenden Bedarf" bejaht haben</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">163</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bzw. diverse Massnahmen als notwendig im Sinne von Art. 5 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">der Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen</span><br/> <span class="ft1">erachteten. Der Gemeinderat war daher gehalten, die vorgeschlage-</span><br/> <span class="ft1">nen Massnahmen zu prüfen und dabei dem gewichtigen öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Interesse der Verkehrssicherheit gebührend Rechnung zu tragen.</span><br/> <span class="ft1">Schliesslich hätte er begründen müssen, aus welchen triftigen (nicht</span><br/> <span class="ft1">nur finanziellen) Gründen, er von den Gutachten und dem kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Fachbericht abweicht. Kann die Einhaltung der neu angeordneten</span><br/> <span class="ft1">Geschwindigkeit nur durch weitere Massnahmen sichergestellt wer-</span><br/> <span class="ft1">den, darf dies - entgegen der Auffassung der Vorinstanzen - nicht auf</span><br/> <span class="ft1">den Zeitpunkt der Nachkontrolle hinausgeschoben werden. Die Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrssicherheit gebietet es, notwendige Massnahmen bereits bei der</span><br/> <span class="ft1">Einführung umzusetzen. Die Auffassung der Vorinstanz (und des Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderats), wonach "erst zu gegebener Zeit" abzuklären ist, welche</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen zur Erreichung des Ziels wo am wirksamsten sind, ist</span><br/> <span class="ft1">nicht nachvollziehbar und widerspricht dem eindeutigen Wortlaut der</span><br/> <span class="ft1">Verordnung. (...)</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten hat der Gemeinderat die ihm gemäss Art. 5</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 der Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die Begeg-</span><br/> <span class="ft1">nungszonen obliegende Interessenabwägung nicht vorgenommen. Er</span><br/> <span class="ft1">hat nicht geprüft, welche Massnahmen zur Einhaltung der angeord-</span><br/> <span class="ft1">neten Höchstgeschwindigkeit notwendig sind bzw. die gemäss Gut-</span><br/> <span class="ft1">achten und Fachbehörden erforderlichen Massnahmen nur aus finan-</span><br/> <span class="ft1">ziellen Gründen und nicht aus verkehrstechnischen Aspekten abge-</span><br/> <span class="ft1">lehnt. Sein Entscheid ist daher rechtsfehlerhaft. Die Beurteilung der</span><br/> <span class="ft1">im Einführungszeitpunkt notwendigen Massnahmen wurde auch von</span><br/> <span class="ft1">der Vorinstanz nicht nachgeholt, sondern unzulässigerweise auf den</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der Nachkontrolle hinausgeschoben.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>