<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">367</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>66</b></span> <span class="ft3"><b>Ermessensveranlagung; Rechtsmittelverfahren; Beweismittelausschluss</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(§ 194 Abs. 2 StG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Der Beweismittelauschluss greift nicht in Bezug auf Abzüge, wenn nach</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einer Ermessensveranlagung im Einspracheverfahren eine ordentliche</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Veranlagung (wenn auch mit Korrekturen) gestützt auf die nun einge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>reichte Steuererklärung erfolgt. Der Beweismittelausschluss kommt nur</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">368</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>zur Anwendung, wenn im Einspracheverfahren der Nachweis der offen-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sichtlichen Unrichtigkeit nicht erbracht wurde.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft4">vom 24. November 2016 in Sachen R. + I.S. (3-RV.2016.74).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Verfahren umstritten sind die in der Buchhal-</span><br/> <span class="ft1">tung des Einzelunternehmen S. verbuchten Transitorischen Passiven</span><br/> <span class="ft1">(im Folgenden: TP) per 31. Dezember 2011. Die Steuerkommission</span><br/> <span class="ft1">N. hat diese mangels Nachweises der geschäftsmässigen Begründet-</span><br/> <span class="ft1">heit vollumfänglich zum steuerbaren Einkommen und Vermögen hin-</span><br/> <span class="ft1">zugerechnet. Die Rekurrenten machen geltend, da die TP per</span><br/> <span class="ft1">31. Dezember 2011 nachgewiesen und belegt seien, müsse die Auf-</span><br/> <span class="ft1">rechnung zum steuerbaren Einkommen und Vermögen reduziert wer-</span><br/> <span class="ft1">den.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrenten wurden von der Steuerkommission N. wegen</span><br/> <span class="ft1">Nichteinreichens der Steuererklärung 2011 gemäss § 191 Abs. 3 StG</span><br/> <span class="ft1">nach Ermessen veranlagt. Die Ermessensveranlagung erfolgte zu</span><br/> <span class="ft1">Recht, was von den Rekurrenten nicht bestritten wird.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">4.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Gegen Veranlagungen kann Einsprache erhoben werden. Die</span><br/> <span class="ft1">Einsprache muss einen Antrag enthalten, aus dem hervorgeht, gegen</span><br/> <span class="ft1">welche Punkte der Veranlagung sich die Einsprache richtet. Zudem</span><br/> <span class="ft1">soll die Einsprache eine Begründung enthalten (§ 193 Abs. 1 StG).</span><br/> <span class="ft1">4.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Ist die Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen erfolgt,</span><br/> <span class="ft1">kann sie der Steuerpflichtige nur wegen offensichtlicher Unrichtig-</span><br/> <span class="ft1">keit anfechten (§ 192 Abs. 2 und § 193 Abs. 3 Satz 1 StG; VGE vom</span><br/> <span class="ft1">15. Juli 2009 in Sachen P.L. + C.O.L. [WBE.2009.101]). Der Nach-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">369</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">weis obliegt dabei der steuerpflichtigen Person und ist bereits im</span><br/> <span class="ft1">Einspracheverfahren anzutreten (AGVE 2005 S. 125; VGE vom</span><br/> <span class="ft1">23. Januar 2008 in Sachen E.U. [WBE.2007.342]).</span><br/> <span class="ft1">Die Einsprache gegen eine Ermessensveranlagung ist zu be-</span><br/> <span class="ft1">gründen und muss allfällige Beweismittel nennen (§ 193 Abs. 3 Satz</span><br/> <span class="ft1">2 StG; vgl. dazu ausführlich Urteil der Bundesgerichts vom 29. April</span><br/> <span class="ft1">2009 [2C_579/ 2008] = StE 2009 B 95.1 Nr. 14 = StR 2009 S. 659 =</span><br/> <span class="ft1">ZStP 2009 S. 247). Die Begründung stellt eine Sachurteilsvorausset-</span><br/> <span class="ft1">zung dar, die innerhalb der Einsprachefrist zu erbringen ist (Urteil</span><br/> <span class="ft1">des Bundesgerichts vom 2. Juli 2008 [2C_620/2007] = ZStP 2008</span><br/> <span class="ft1">Nr. 28 = StE 2009 B 95.1 Nr. 13; VGE vom 6. März 2009 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">W.M. [WBE.2008.353]).</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Die ausgefüllte Steuererklärung 2011 mit allen erforderlichen</span><br/> <span class="ft1">Belegen wurde durch die Rekurrenten innerhalb der Einsprachefrist</span><br/> <span class="ft1">eingereicht. Damit wurde unbestritten die Pflicht zur qualifizierten</span><br/> <span class="ft1">Begründung der Einsprache gemäss § 193 Abs. 3 StG erfüllt und die</span><br/> <span class="ft1">Untersuchungspflicht der Steuerkommission N. lebte wieder auf.</span><br/> <span class="ft1">(Im Einspracheverfahren wurden keine Unterlagen zum Nach-</span><br/> <span class="ft1">weis der geschäftsmässigen Begründetheit der geltend gemachten</span><br/> <span class="ft1">Transitorischen Passiven eingereicht.)</span><br/> <span class="ft1">7.</span><br/> <span class="ft1">7.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrenten haben erstmals im Rekursverfahren Unterlagen</span><br/> <span class="ft1">zu den verbuchten TP eingereicht. Es ist zu prüfen, ob diese im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Verfahren berücksichtigt werden dürfen.</span><br/> <span class="ft1">Die Rekurrenten führen dazu im Rekurs aus, der Beweismittel-</span><br/> <span class="ft1">ausschluss sei vorliegend nicht anwendbar, da mit dem Einsprache-</span><br/> <span class="ft1">entscheid keine Ermessensveranlagung mehr vorliege.</span><br/> <span class="ft1">Das KStA äussert sich in der Vernehmlassung nicht zum Be-</span><br/> <span class="ft1">weismittelausschluss. Das Gemeindesteueramt N. verweist in seiner</span><br/> <span class="ft1">Vernehmlassung zwar darauf, dass der Beweismittelausschluss ange-</span><br/> <span class="ft1">droht worden sei. Dennoch hält es zusätzlich fest, dass mit den neu</span><br/> <span class="ft1">eingereichten Unterlagen eine materielle Prüfung nicht möglich sei.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">370</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">7.2.</span><br/> <span class="ft1">Soweit erkennbar, stellt sich dem Spezialverwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">erstmals die Frage, ob der Beweismittelausschluss für geltend ge-</span><br/> <span class="ft1">machte <i>Abzüge</i> gilt, wenn nach einer Ermessensveranlagung im Ein-</span><br/> <span class="ft1">spracheverfahren neu aufgrund der dort korrekt eingereichten</span><br/> <span class="ft1">Steuererklärung eine ordentliche Veranlagung - wenn auch mit</span><br/> <span class="ft1">Korrekturen - erfolgte (...).</span><br/> <span class="ft1">7.3.</span><br/> <span class="ft1">7.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Beweismittel, die in der Einsprache unerwähnt blieben und erst</span><br/> <span class="ft1">im Rekurs- oder Beschwerdeverfahren vorgebracht werden, sind</span><br/> <span class="ft1">unbeachtlich, sofern entweder in der Rechtsmittelbelehrung der Ver-</span><br/> <span class="ft1">anlagungsverfügung oder jedenfalls vor Abschluss des Einsprache-</span><br/> <span class="ft1">verfahrens auf den Beweismittelausschluss ausdrücklich hingewiesen</span><br/> <span class="ft1">wurde und die verspätete Einreichung nicht (ausnahmsweise) ent-</span><br/> <span class="ft1">schuldbar ist. Der Beweismittelausschluss bezieht sich auf alle Be-</span><br/> <span class="ft1">weismittel, nicht nur auf die im Einspracheverfahren klar und ver-</span><br/> <span class="ft1">ständlich umschriebenen und eingeforderten (§ 194 Abs. 2 StG). Der</span><br/> <span class="ft1">Beweismittelausschluss hat einerseits zur Folge, dass neu einge-</span><br/> <span class="ft1">reichte Unterlagen des Steuerpflichtigen unbeachtlich sind, anderer-</span><br/> <span class="ft1">seits jedoch auch, dass die gerichtlichen Rechtsmittelinstanzen keine</span><br/> <span class="ft1">neuen Unterlagen einfordern dürfen (VGE vom 14. Juli 2010 in Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen G.H. [WBE.2009.312]).</span><br/> <span class="ft1">7.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht hat im AGVE 2005 S. 124 = StE 2005</span><br/> <span class="ft1">B 96.12 Nr. 15 zum Beweismittelausschluss das Folgende ausgeführt</span><br/> <span class="ft1">(Kursivschrift nicht im Original):</span><br/> <span class="ft6">"Wenn die Nennung der Beweismittel ausdrücklich vorgeschrieben</span><br/> <span class="ft6">wird, impliziert dies, dass im Rekurs- und im Beschwerdeverfahren keine</span><br/> <span class="ft6">neuen, im Einspracheverfahren nicht angebotenen Beweismittel zulässig</span><br/> <span class="ft6">sind, <i>um den im Einspracheverfahren gescheiterten Nachweis der offen-</i></span><br/> <span class="ft7"><i>sichtlichen Unrichtigkeit der Ermessensveranlagung zu erbringen</i>."</span><br/> <span class="ft1">Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass der Beweismittelaus-</span><br/> <span class="ft1">schluss nur dann greift, wenn die neuen Beweismittel im Rekurs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren zum Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit der</span><br/> <span class="ft1">Ermessensveranlagung eingereicht werden. Wenn dagegen, wie hier,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">371</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">im Einspracheverfahren die offensichtliche Unrichtigkeit der Er-</span><br/> <span class="ft1">messensveranlagung bewiesen wurde und neu aufgrund der nachge-</span><br/> <span class="ft1">reichten Steuererklärung eine ordentliche Veranlagung erfolgte,</span><br/> <span class="ft1">fallen die erschwerten formellen Anforderungen an Rechtsmittel ge-</span><br/> <span class="ft1">gen Ermessensveranlagungen weg.</span><br/> <span class="ft1">7.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Beweismittelausschluss kommt damit vorliegend nicht zum</span><br/> <span class="ft1">Tragen, da im Einspracheverfahren keine Ermessensveranlagung</span><br/> <span class="ft1">mehr erfolgte.</span><br/></div> </div> </body> </html>