Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 21. Juni 2022 (460 21 181) ____________________________________________________________________ Strafrecht Drohung etc. / Strafzumessung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Allgemeine Delikte, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ , vertreten durch Advokat Moritz Gall, Liatowitsch & Partner, Elisabethenstrasse 28, Postfach 425, 4010 Basel, Privatkläger B.____ , Privatkläger gegen C.____ , vertreten durch Advokat Dr. Matthias Aeberli, Freie Strasse 82, Postfach 340, 4010 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Versuchte einfache Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand etc. (Berufung des Beschuldigten gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10. Juni 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.a Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10. Ju ni 2021 wurde C.____ der mehr- fachen, teilweise versuchten Körperverletzung, der mehrf achen, teilweise versuchten Drohung, der versuchten Nötigung, des Hausfriedensbruchs sowie de r mehrfachen Beschimpfung schul- dig gesprochen und ‒ als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 29. März 2021 ‒ zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie zu eine r Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu jeweils CHF 30.-- (bzw. zu einer Ersatzfrei heitsstrafe von zehn Tagen im Falle der Nichtbezahlung der Geldstrafe und deren Uneinbring lichkeit auf dem Betreibungsweg) ver- urteilt; dies in Anwendung von Art. 123 Ziff. 1 StGB (teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 177 Abs. 1 StGB, Art. 180 Abs. 1 StGB (te ilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 181 StGB (in Verbindung mit Art. 22 Abs . 1 StGB), Art. 186 StGB, Art. 34 StGB, Art. 36 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 2 St GB sowie Art. 49 Abs. 1 und Abs. 2 StGB. Ferner wurde der Beschuldigte bei seiner Anerkennung behaftet, CHF 567.80 Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins seit dem 27. Februar 2019 an A.____ zu leisten. Darüber hinaus wurde er dazu verurteilt, CHF 500.-- Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 24. Februar 2018 an A.____ zu bezahlen, wobei dessen Mehrforderung abgewies en wurde. Ausserdem wurde der Beschuldigte dazu verpflichtet, A.____ gemäss Art. 433 Ab s. 1 lit. a StPO eine Parteientschädi- gung in der Höhe von CHF 4'253.20 zu bezahlen. Schliessl ich wurde der Beschuldigte dazu verurteilt, in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 3'051.-- und der Geri chtsgebühr von CHF 6'000.--, zu tra- gen. Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachf olgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Entscheids eingegangen. A.b Mit weiterem Urteil des Strafgerichts vom 11. Juni 2021 in Ergänzung zu demjenigen vom 10. Juni 2021 wurde entschieden, dass das Honorar des amt lichen Verteidigers von C.____ in der Höhe von insgesamt CHF 7'051.45 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) unter Vorbe- halt der Rückzahlungsverpflichtung des Beschuldigten nac h Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Ge- richtskasse entrichtet wird. Dieses Urteil betreffend Ent schädigung der amtlichen Verteidigung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. B. Gegen das Urteil des Strafgerichts vom 10. Juni 2021 h ingegen meldete der Beschuldigte mit Schreiben vom 15. Juni 2021 die Berufung an, wobe i er in seiner Berufungserklärung an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrech t, vom 4. August 2021 darlegte, dass Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht er die Verurteilung wegen mehrfacher, teilweise vers uchter Drohung, versuchter Nötigung, Hausfriedensbruchs sowie wegen mehrfacher Beschimpfung anfechte und diesbezüglich einen Freispruch beantrage. Des Weiteren richte sich die Berufung gegen die Höhe des Strafmasses, die Verurteilung zu einer Genugtuung an A.____ sowie gegen die an den Genannten zu bezah- lende Parteientschädigung. C. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine H auptabteilung (neu: Hauptabtei- lung Allgemeine Delikte) teilte in ihrer Stellungnahme vom 16. August 2021 mit, sie stelle weder einen Antrag auf Nichteintreten noch erkläre sie die An schlussberufung. Mangels einer Beru- fungsbegründung werde sodann auf eine weitergehende Berufungsantwort verzichtet. D. Der Privatkläger A.____ begehrte in seiner Stellungn ahme vom 2. Februar 2022 die kos- tenpflichtige Abweisung der Berufung. E. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 3. September 2021 wurde das mündliche Verfah- ren angeordnet; ausserdem wurden der Beschuldigte sowie die Staatsanwaltschaft zur kan- tonsgerichtlichen Berufungsverhandlung geladen, demgeg enüber wurde den Privatklägern die Teilnahme an der Berufungsverhandlung ins freie Ermessen gestellt. In der Folge wurde auf die Einholung weiterer Stellungnahmen verzichtet. Mit Ver fügung vom 20. Juni 2022 wurde den Parteien ausserdem angezeigt, dass in Abänderung der u rsprünglich vorgesehenen Besetzung der Spruchkörper für die Verhandlung vom 21. Juni 202 2 aus Präsident Enrico Rosa, Richterin Helena Hess (Referentin) und Richter Stephan Gass (anst elle von Richterin Susanne Afheldt) besteht. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung sind der Be schuldigte mit seinem Rechtsver- treter Advokat Dr. Matthias Aeberli sowie Thea Bäntel i als Vertreterin der Staatsanwaltschaft anwesend. Auf die von den Anwesenden getätigten Ausfüh rungen wird wiederum, soweit erfor- derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 Formalien Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungs- instanz zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmittels ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Nach Art. 398 Ab s. 1 StPO ist die Berufung zulässig ge- gen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Ver fahren ganz oder teilweise abge- schlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO könne n mit der Berufung gerügt wer- den: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung un d Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststel- lung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überpr üfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Ge- stützt auf Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst di e Berufung dem erstinstanzlichen Ge- richt innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schrift lich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die Legitimation des Beschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normier t. Nachdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, der Beschuldigte berufungslegitimiert ist, zu- lässige Rügen erhebt und die Rechtsmittelfristen gewahr t hat sowie der Erklärungspflicht nach- gekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf dessen Berufung einzutreten. 1.2 Verfahrensgegenstand a) Gegen das erstinstanzliche Urteil hat lediglich der Besch uldigte ein Rechtsmittel ergriffen, wobei er dieses im Rahmen seiner Berufungserklärung auf die Verurteilung wegen mehrfacher, teilweise versuchter Drohung, versuchter Nötigung, Hausfriedensbruchs und wegen mehrfacher Beschimpfung sowie die Höhe des Strafmasses (Ziff. 1 des angefochtenen Urteils), die Ver- pflichtung zu einer an den Privatkläger A.____ zu leiste nden Genugtuung (Ziff. 3 des angefoch- tenen Urteils) sowie auf die Verurteilung zu einer an den Genannten zu bezahlenden Parteient- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigung (Ziff. 4 des angefochtenen Urteils) beschränkt hat. Anlässlich der mündlichen Par- teiverhandlung vor dem Kantonsgericht hat der Beschuldi gte sodann den Vorwurf der mehrfa- chen Beschimpfung ausdrücklich anerkannt und infolgedessen seine Berufung im Umfang die- ses Vorhaltes reduziert. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StP O bilden damit im vorliegenden Beru- fungsverfahren nur noch die vorgängig zitierten Punkte Ge genstand der richterlichen Überprü- fung (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO sowie Art. 399 Abs. 4 StPO). b) Namentlich nicht mehr zu prüfen sind damit ‒ ungeachtet des Umstandes, wonach der Berufungskläger im Rahmen des Parteivortrages entsprechende Ausführungen hierzu vorbringt ‒ der Schuldspruch wegen mehrfacher, teilweise versuchter Körperverletzung und wegen mehr- facher Beschimpfung (Ziff. 1 des angefochtenen Urteils) sowie die Behaftung des Beschuldigten bei dessen Anerkennung, A.____ CHF 567.80 Schadenersa tz zuzüglich Zins von 5 % seit dem 27. Februar 2019 zu bezahlen (Ziff. 3 des angefochtenen Urteils). 2. Standpunkte der Parteien 2.1 Beschuldigter (...) 2.2 Staatsanwaltschaft (...) 3. Verfahrensgrundsätze, Beweiswürdigung und Sachver halt 3.1 Verfahrensgrundsätze (...) Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Beweiswürdigung (...) 3.3 Sachverhalt (...) 4. Tatbestand der mehrfachen, teilweise versuchten Drohung (zum Nachteil des Pri- vatklägers A.____) 4.1 a) Hierzu hat die Vorinstanz dargelegt, in Bezug auf Zif f. 1.1 der Anklageschrift sei zu erwä- gen, dass die Äusserungen des Beschuldigten, er werde de n Privatkläger erwischen, ihn auf- schlitzen und abstechen, zweifelsfrei schwere Drohungen d arstellten und durchaus geeignet seien, eine Person in Angst und Schrecken zu versetzen . Da der Privatkläger jedoch angege- ben habe, durch die fraglichen Ausdrücke weniger Angs t bekommen als sich vielmehr geärgert zu haben, sei er tatsächlich nicht in Angst und Schrecken versetzt worden. Insofern liege eine versuchte Tatbegehung gemäss Art. 180 StGB in Verbindu ng mit Art. 22 Abs. 1 StGB vor und der Beschuldigte sei entsprechend zu verurteilen. Im Hinblick auf Ziff. 1.5 der Anklageschrift sei hingegen zu konstatieren, dass der Beschuldigte den Pri vatkläger in Angst und Schrecken ver- setzt habe, indem er mit Worten und Gesten gedroht hab e, ihm den Hals aufzuschlitzen, wodurch er sich der (vollendeten) Drohung nach Art. 180 StGB schuldig gemacht habe. b) Der Beschuldigte bestreitet, dass er mehrfach Drohunge n ausgestossen haben soll. Sei- ner Ansicht nach liege kein stringentes Aussageverhalte n des angeblich Geschädigten vor. Ab- gesehen davon sei nicht ersichtlich, weshalb er den Vorw urf zu Unrecht negieren sollte, nach- dem er denjenigen der Körperverletzung anerkannt habe. c) Die Staatsanwaltschaft begründet ihren Antrag auf Best ätigung des angefochtenen Urteils damit, dass die inkriminierten Tathandlungen durch Zeug innen wahrgenommen worden seien, womit die Aussagen des Privatklägers eine objektive Stütze fänden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 a) Gestützt auf Art. 180 Abs. 1 StGB wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden durch schwere D rohung in Schrecken oder Angst ver- setzt. Der Angriff der Täterschaft zielt auf die Beeint rächtigung der Psyche einer Person. Sie verletzt den inneren Frieden bzw. das Sicherheitsgefühl ihres Opfers durch die Erzeugung von Schrecken oder Angst, indem sie ihm ein künftiges Übel a nkündigt oder in Aussicht stellt, des- sen Zufügung sie direkt oder indirekt als von sich abhängi g hinstellt. Der Tatbestand verlangt keine Willensbeeinträchtigung des Opfers. Das Gesetz versteht unter einer Drohung nicht bloss eine ausdrückliche Erklärung des Drohenden, sondern jegli ches Verhalten, durch welches das Opfer vom Drohenden bewusst in Schrecken oder Angst ver setzt wird. Unwesentlich ist, ob der Drohende seine Drohung ernst meint, ob er zur Verwirkl ichung des angedrohten Übels über- haupt in der Lage wäre oder ob er sich zur Drohung so nstwie einer Täuschung bedient. Der Tatbestand ist vollendet, wenn das Opfer in seinem Siche rheitsgefühl tatsächlich schwer beein- trächtigt wird. Die Verfolgung eines weiteren Ziels wi rd nicht vorausgesetzt. Auf der subjektiven Seite erforderlich ist Vorsatz bzw. Eventualvorsatz. Wird die schwere Drohung erfolglos geäus- sert, weil das Opfer wider Erwarten nicht in Schrecken oder Angst verfällt, so handelt es sich um einen strafbaren Versuch (V ERA DELNON / BERNHARD RÜDY , in: Basler Kommentar, Straf- recht II, 4. Auflage, Basel 2019, N 10 ff. zu Art. 180 StGB, mit Hinweisen). b) Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eine s Verbrechens oder Vergehens be- gonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende od er tritt der zur Vollendung der Tat gehören- de Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten , so kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Nach dem Wortlaut der Norm mu ss der Täter mit der Ausführung der Tat begonnen haben. Dies erfordert implizit, dass er zuvor ei nen auf ihre Begehung gerichteten Entschluss gefasst hat. Vom vollendeten Delikt unterscheid et sich der Versuch dadurch, dass der objektive Tatbestand nur zum Teil verwirklicht wird, während der subjektive Tatbestand hier wie dort erfüllt sein muss. Zum Tatentschluss gehört stet s der Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. Erfordert der Tatbestand zusätzlich subjektive Un rechtsmerkmale, so müssen nach einhelliger Auffassung auch sie gegeben sein. Gemäss de r Praxis des Bundesgerichts wird zum Beginn der Ausführung jede Tätigkeit gerechnet, d ie nach dem Plan, den sich der Täter gemacht hat, auf dem Weg zum Erfolg den letzten entscheidenden Schritt darstellt, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen ä usserer Umstände, die eine Weiterver- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht folgung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1; M ARCEL ALEXANDER N IGGLI / STEFAN MAEDER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Base l 2019, N 1 ff. zu Art. 22 StGB, mit Hinweisen). Art. 22 Abs. 1 StGB umfasst sowohl den taugli- chen wie auch den untauglichen Versuch und stellt alle Ve rsuchsarten in der Rechtsfolge gleich, mit Ausnahme des untauglichen Versuchs aus grobem Unverstand, welcher nach Art. 22 Abs. 2 StGB straflos bleibt (NIGGLI / MAEDER , a.a.O., N 44 zu Art. 22 StGB). 4.3 Im Hinblick auf die Beweiswürdigung ist in casu Folgendes zu erwägen: a) aa) In Bezug auf die Vorwürfe gemäss Ziff. 1.1 der Ankla geschrift hat der Beschuldigte an- lässlich seiner Einvernahme durch die Polizei Basel-Landschaft, Mobile Polizei Ost, vom 9. April 2018 (act. 265 ff.) wie auch im Rahmen der Konfronta tionseinvernahme mit dem Privatkläger durch die Staatsanwaltschaft vom 18. Oktober 2018 (act. 281 ff.) die fraglichen Anklagepunkte in genereller Form bestritten. Vor dem Strafgericht (act. S 255) hat der Beschuldigt e dargelegt, er habe mit dem Privatkläger diskutieren wollen und diesen auch beschimpft, es stimme ab er nicht, dass er zu diesem Zeit- punkt gedroht habe, ansonsten er ja hinausgeschickt worden wäre. Gleichermassen hat der Beschuldigte vor dem Kantonsgerich t (Protokoll KG S. 5) deponiert, er habe dem Privatkläger nie gedroht, ihn abzustechen. bb) Der Privatkläger hat anlässlich der Einvernahme als Auskun ftsperson durch die Polizei, Hauptposten Binningen, vom 13. März 2018 (act. 215 ff. ) zu Protokoll gegeben, er habe dem Beschuldigten gesagt, dieser könne in seinem Lokal ein Bier haben, aber die Regeln seien klar, er wolle keinen Stress. Der Beschuldigte habe hierauf geantwortet, es gebe null Stress, da sie ja Frieden hätten. Vielleicht eine Stunde später sei der Beschuldigte an der Bar gestanden und habe mit ihm reden wollen, um Frieden zu schliessen. Er habe ihm gesagt, dass es an diesem Tag nicht in Frage komme, da er bei der Arbeit und der Laden angesichts der Fasnacht voll sei. Er solle nächste Woche vorbeikommen, dann könnten sie gerne miteinander reden. Das Ganze habe sich zwei- bis dreimal wiederholt. Nachdem der Be schuldigte mehrmals Bier geholt habe, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe er begonnen, beleidigend zu werden, weil er sei nen "Kopf nicht habe durchsetzen kön- nen". Er sei neben ihm gestanden, habe Drohgebärden g emacht, habe sich ihm mit dem Kopf genähert und zu ihm gesagt, er erwische ihn auf der G asse, er schlitze ihn auf und steche ihn ab. Er könne sich in X.____ nicht verstecken. Weiter habe er ihn mit Schimpfworten eingedeckt. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten durch die Staatsanwaltschaft vom 18. Oktober 2018 (act. 281 ff.) hat der Privatkläger ausgeführt, der Beschuldigte habe im- mer wieder mit ihm reden wollen und sei dann fortla ufend wütender geworden. Er habe ihm gedroht, dass er ihn auch in Y.____ finden und umnie ten werde. Dies habe ihn geärgert, aber nicht in Angst versetzt. Vor dem Strafgericht (act. S 245 f.) hat der Privatkläg er dargelegt, der Beschuldigte habe ihm gedroht, es sei vorbei, wenn er ihn mal in der Stadt treffe. Die genauen Wörter wisse er nicht mehr, aber der Beschuldigte habe Sachen gesagt in dem Sinne, dass er sich täusche, wenn er das Gefühl habe, es sei vorbei, irgendwann kriege er i hn und bringe ihn um. Die Gestik sei klar gewesen. b) aa) In Bezug auf Ziff. 1.5 der Anklageschrift hat der Besc huldigte anlässlich seiner Einver- nahme durch die Staatsanwaltschaft vom 9. Januar 201 9 (act. 331 f.) deponiert, er habe keine Drohgebärden gemacht und nur gewollt, dass der Privatkl äger zum Reden herauskomme. Dies sei vielleicht falsch interpretiert worden. Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme mit dem Privat kläger durch die Staatsanwaltschaft vom 18. Oktober 2018 (act. 281 ff.) hat der Beschuldigt e zu Protokoll gegeben, er sei zunächst nach Hause gegangen, habe sich umgezogen und seiner Fre undin gesagt, er gehe schauen, wie es A.____ gehe. Die Türe der Bar sei bereits geschl ossen gewesen, weshalb er an das Fenster geklopft habe. Er habe dem Privatkläger lediglich zugewinkt, er solle zur Türe kommen, damit sie die Sache besprechen könnten. Er habe ihm aber nicht gedroht. Am Fenster sei D.____ gesessen, welcher ihm ein Zeichen gegeben habe, aufzuhören und es bleiben zu las- sen. In der Folge habe er D.____ aufgefordert, herau szukommen, weil er sehr aufgewühlt ge- wesen sei. Dies habe D.____ getan und ihm vorgeschlagen, zusammen nach Hause zu gehen. Er habe nicht gedroht und nur reden wollen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vor dem Strafgericht hat der Beschuldigte ausgeführt, er habe mit dem Privatkläger nochmals reden wollen. Er habe sich beruhigt gehabt und den Pr ivatkläger aufgefordert, aus der Bar her- auszukommen. Er habe aber nicht gedroht, auch nicht mit Gesten. Er habe ihn natürlich be- schimpft, aber keine Morddrohungen geäussert (act. S 255 f.). Vor dem Kantonsgericht hat der Beschuldigte ausgesagt, er gebe zu, dass er vor dem Lokal Sachen herumgeworfen und den Privatkläger auch beschimpf t habe; er bestreite aber, eine Geste gemacht zu haben, dass er ihm die Kehle durchschneiden wolle (Protokoll KG S. 5 f.). bb) Der Privatkläger hat anlässlich der Einvernahme als Ausku nftsperson durch die Polizei, Hauptposten Binningen, vom 13. März 2018 (act. 223 f.) ausgesagt, der Vorfall habe sich gegen 05:00 Uhr zugetragen. Sie hätten bereits Feierabend gemacht und seine Freunde seien noch zu einem Umtrunk bei ihm gewesen. Der Beschuldigte habe gegen die Fenster geschlagen, ihn als "Sauhund" beschimpft und gerufen, er (der Privatklä ger) solle herauskommen, er (der Be- schuldigte) wolle ihn aufschlitzen. Das habe er persönl ich gehört. Der Beschuldigte habe draussen Gesten im Sinne von die "Kehle aufschlitzen" ge macht und ihn aufgefordert, heraus- zukommen. Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme mit dem Besc huldigten durch die Staatsanwalt- schaft vom 18. Oktober 2018 (act. 281 ff.) hat der Priva tkläger deponiert, das Lokal sei bereits geschlossen gewesen. Er habe dann für seine Freunde und seine Lebenspartnerin gekocht. Sie hätten sich im Hauptrestaurant beim Eingang aufgehalte n. Mit dem Rücken zum Ladenfenster seien E.____ und dessen Freundin gesessen. An der Stirnseite habe sich F.____ befunden, mit dem Rücken zum Haupteingang. Seine Partnerin und er seien Richtung Fenster gesessen. Plötzlich habe es einen Riesenknall gegeben und der B eschuldigte sei beim Seiteneingang im Garten gestanden. Dabei habe er gerufen, er (der Pri vatkläger) solle herauskommen; ausser- dem habe er eine Handbewegung wie einen Schnitt übe r den Hals gemacht. Er und die anwe- senden Frauen hätten sich durch das Verhalten des Beschul digten bedroht gefühlt, weil dieser unberechenbar sei. Er sei durch dessen Drohungen und Gesten in Angst und Schrecken ver- setzt worden. Aus diesem Grund hätten er und seine Freu ndin auch nicht bei ihm zu Hause in X.____ übernachtet, sondern seien mit dem Taxi zu ihrer Wohnung nach Y.____ gefahren. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vor dem Strafgericht hat der Privatkläger zu Protokoll gegeben, er sei mit Freunden im Restau- rant zusammengesessen und habe gegessen, als der Beschuldig te zurückgekehrt sei. Dieser habe alles, was er gefunden habe, gegen die Scheibe g eworfen. Dabei habe der Beschuldigte geschrien, er solle herauskommen. Ausserdem habe er Wört er benutzt im Sinne von, dass er ihn irgendwann erwische. Auch die Gestik sei klar gewesen , dass er ihn umbringen wolle (act. S 245 f.). cc) E.____ hat anlässlich seiner Einvernahme als Auskunftsper son durch die Polizei, Haupt- posten Binningen, vom 28. März 2018 (act. 247 ff.) au sgesagt, der Beschuldigte sei ca. gegen 04:30 Uhr zur Bar zurückgekehrt. Von draussen habe er zu erst auf ihn und dann auf die Türe gezeigt. Er habe es aber abgelehnt, diesem die Türe zu öffnen. Daraufhin habe der Beschuldig- te eine kleine Kiste genommen und diese gegen das Fenst er geworfen. Dadurch seien alle An- wesenden erschrocken. Er sei hierauf in die Küche gegan gen und habe dem Privatkläger ge- sagt, er solle die Polizei rufen. Der Beschuldigte sei p rovokativ und aggressiv gewesen; Dro- hungen habe er aber nicht mitbekommen. dd) F.____ hat anlässlich ihrer telefonischen Befragung dur ch die Polizei, Mobile Polizei Ost, vom 29. März 2017 (act. 145 f.) erzählt, der Beschuldigt e sei gegen 04:30 Uhr oder 05:00 Uhr nochmals zur Bar zurückgekommen. Sie hätten zu diesem Zei tpunkt schon geschlossen ge- habt, seien aber noch anwesend gewesen. Der Beschuldig te habe draussen vor der Bar her- umgeschrien. Dann habe er eine Plastikkiste gepackt und di ese mit Wucht gegen ein Fenster geworfen. Dahinter sei ein Tisch gewesen, an welchem sie gesessen hätten. Sie wisse nicht mehr genau, was er geschrien habe. Ausserdem habe der Beschuldigte gestikuliert und auch ein Zeichen gemacht, indem er seine Hand am Hals durchg ezogen habe. Das habe alles be- drohlich gewirkt und ihnen Angst gemacht. Wahrscheinlic h habe dies alles dem Privatkläger gegolten, welcher dann wieder die Polizei gerufen habe. ee) G.____ hat anlässlich der telefonischen Befragung durch die Polizei, Mobile Polizei Ost, vom 29. März 2017 (act. 147 f.) sowie insbesondere im Rah men ihrer Einvernahme als Zeugin durch die Staatsanwaltschaft vom 23. November 2018 (act. 311 ff.) zu Protokoll gegeben, als die Gäste gegangen seien, hätten sie den Abend ausklinge n lassen. Als sie im Saal unterwegs gewesen sei, um etwas zu holen, sei etwas Schweres geg en die Scheibe geknallt worden. Sie habe dann gesehen, wie der Beschuldigte draussen gestand en und zu A.____ hin Gesten ge- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht macht habe im Sinne von "Halsabschneiden". Der Beschuldig te habe dann einzeln auf alle ge- zeigt und immer wieder mit der Hand quer über den Ha ls dasselbe Zeichen gemacht. Er habe mit dem Zeigefinger über den Hals gestrichen, es sei ei ne Art halsaufschlitzende Bewegung gewesen. Dies habe er mehrmals wiederholt. Sie habe daraufhin Angst bekommen. Sie habe ja gesehen, zu was der Beschuldigte fähig gewesen sei, und habe deshalb richtig Panik gehabt. Verbale Drohungen habe sie hingegen nicht mitbekommen. c) aa) Gestützt auf die vorgängig zitierten Aussagen verbleibe n nach Dafürhalten des Kantons- gerichts im Hinblick auf Ziff. 1.1 der Anklageschrift kein e vernünftigen Zweifel am inkriminierten Sachverhalt. So sind die Depositionen des Privatklägers i nsgesamt als authentisch, lebensnah, detailreich und widerspruchsfrei zu qualifizieren. Dar über hinaus weisen sie zahlreiche Realkri- terien auf und sind zudem eingebettet in das Gesamtbi ld des im Zusammenhang mit den Tat- beständen der Körperverletzung sowie der (mehrfachen) B eschimpfung erstellten und vom Be- schuldigten anerkannten Sachverhalts, womit sie als übera us glaubhaft erscheinen. Die Vor- bringen des Beschuldigten erschöpfen sich demgegenüber i m pauschalen Bestreiten der Vor- würfe, womit diese angesichts der zweifellos stattgefund enen verbalen und körperlichen Ausei- nandersetzung als wenig glaubhaft zu bezeichnen sind. D ies gilt umso mehr, als kein Grund ersichtlich ist, weshalb die Vorwürfe nicht der Realitä t entsprechen sollten bzw. warum der Pri- vatkläger den Beschuldigten in diesem Punkt zu Unrecht bela sten sollte, nachdem der schwer- wiegendere Vorwurf der Körperverletzung unbestritten ist. Vielmehr scheint es ‒ nicht zuletzt unter Berücksichtigung von Ziff. 2 der Anklageschrift ‒ einem typischen Verhaltensmuster des Beschuldigten zu entsprechen, verbal und körperlich übe rgriffig zu werden, sobald sich sein Gegenüber seinem Ansinnen nach einem "klärenden" Gespr äch verschliesst. Infolgedessen ist erstellt, dass der Beschuldigte in der Nacht vom 24. Feb ruar 2018 auf den 25. Februar 2018 in der Bar "H.____" in X.____ im Rahmen der Auseinande rsetzung mit dem Privatkläger diesem gedroht hat, ihn zu töten bzw. "umzunieten", indem er ihn aufschlitze oder absteche. bb) Gleichermassen verbleiben in Bezug auf Ziff. 1.5 der A nklageschrift keine vernünftigen Zweifel daran, dass der inkriminierte Sachverhalt erste llt ist. Auch hier sind die Depositionen des Privatklägers insgesamt als authentisch, lebensnah, det ailreich und widerspruchsfrei zu qualifizieren. Zudem weisen sie zahlreiche Realkriterien auf und sind eingebettet in das Ge- samtbild des im Zusammenhang mit den Tatbeständen der K örperverletzung sowie der (mehr- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht fachen) Beschimpfung erstellten und vom Beschuldigten an erkannten Sachverhalts, womit sie als überaus glaubhaft erscheinen. Hinzu kommt, dass die diesbezüglichen Aussagen des Pri- vatklägers durch die ebenfalls sehr glaubhaften Depositio nen der Zeugin G.____ (zu deren Be- fragung dem Beschuldigten im Übrigen das Konfrontatio nsrecht eingeräumt worden ist [vgl. act. 411]) in Bezug auf die Geste des "Halsabschneidens" vollumfänglich bestätigt werden. Die Einwände des Beschuldigten beschränken sich abermals auf das pauschale Bestreiten der Vorwürfe und sind damit angesichts der nachgewiesenen Beg leitumstände wenig glaubhaft. Zudem ist wiederum kein Grund ersichtlich, weshalb diese nicht der Realität entsprechen soll- ten bzw. warum der Privatkläger und die Zeugin den Beschuldigten in diesem Punkt zu Unrecht belasten sollten, nachdem der schwerwiegendere Vorwurf der Körperverletzung unbestritten ist. Auch in diesem Zusammenhang ist es überdies darum geg angen, dass sich der Privatkläger nicht auf ein Gespräch mit dem Beschuldigten eingelassen hat und dieser in der Folge ausfällig geworden ist. Somit ist erstellt, dass der Beschuldigte in der Nacht vom 24. Februar 2018 auf den 25. Februar 2018, ca. um 04:30 Uhr, vor der Bar "H.____" in X.____ nach der in der glei- chen Nacht zu einem früheren Zeitpunkt stattgefundene n Auseinandersetzung mit dem Privat- kläger diesem mit Gesten angedroht hat, ihm die Kehle aufzuschlitzen. 4.4 a) Gestützt auf den erstellten Sachverhalt ist in Bezug au f Ziff. 1.1 der Anklageschrift zu konstatieren, dass der Beschuldigte dem Privatkläger mit d er Androhung, diesen "umzunieten" bzw. aufzuschlitzen oder abzustechen im Sinne der Praxis u nd herrschenden Lehre ein künfti- ges Übel in Aussicht gestellt hat, dessen Zufügung er dir ekt als von sich abhängig hat erschei- nen lassen. Nicht fraglich ist ausserdem, dass der Beschul digte hierbei vorsätzlich gehandelt hat. Nachdem sich allerdings der Privatkläger bloss über d ie Äusserungen des Beschuldigten geärgert hat, wider Erwarten jedoch nicht in Schrecken oder Angst verfallen ist, ist der objektive Tatbestand nicht erfüllt, weshalb es sich bei der Tath andlung des Beschuldigten im Ergebnis "lediglich" um einen strafbaren Versuch der Drohung handelt. b) Im Hinblick auf Ziff. 1.5 der Anklageschrift ist dem nach gewiesenen Sachverhalt folgend festzustellen, dass der Beschuldigte dem Privatkläger mi t der Geste, diesem die Kehle aufzu- schlitzen im Sinne der Praxis und herrschenden Lehre ein künftiges Übel in Aussicht gestellt hat, dessen Zufügung er direkt als von sich abhängig hat erscheinen lassen. In diesem Fall ist ausserdem der Privatkläger durch das Verhalten des Beschul digten tatsächlich in Angst und Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schrecken versetzt worden. Unzweifelhaft ist sodann, dass der Beschuldigte hierbei vorsätzlich gehandelt hat. Folglich sind in diesem Kontext sowohl d er objektive wie auch der subjektive Tatbestand erfüllt, womit von einem vollendeten Delikt auszugehen. In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen ist demnach der Beschuldigte in Abweisung sei- ner diesbezüglichen Berufung und in Bestätigung des angefochtenen Urteils der mehrfachen, teilweise versuchten Drohung nach Art. 180 StGB (teilw eise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB) zum Nachteil des Privatklägers A.____ schuldig zu erklären. 5. Tatbestand des Hausfriedensbruchs (zum Nachteil d es Privatklägers A.____) 5.1 a) In Bezug auf den rubrizierten Anklagepunkt hat die Vo rinstanz erkannt, indem der Be- schuldigte der Aufforderung des Privatklägers, das Geträn k zu bezahlen und das Lokal (sofort) zu verlassen, nicht nachgekommen sei und stattdessen die tä tliche Auseinandersetzung mit diesem gesucht und ihn zu Boden geschlagen habe, habe er den fraglichen Tatbestand ge- mäss Art. 186 StGB erfüllt und sei entsprechend schuldig zu erklären. b) Der Beschuldigte ist demgegenüber der Ansicht, es sei festzuhalten, dass er, selbst wenn A.____ ein Hausverbot ausgesprochen haben sollte, di eses unter den fraglichen Umständen nicht gehört habe, weshalb er vom diesbezüglichen Vorwurf freizusprechen sei. c) Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft seien die Aussage n der Privatklägerschaft glaubhafter als diejenigen des Beschuldigten, zumal es ä usserst lebensnah sei, dass A.____ den Beschuldigten des Lokals verwiesen habe, nachdem dies er begonnen habe, Ärger zu ma- chen. Gestützt hierauf sei der entsprechende Schuldspruch zu bestätigen. 5.2 Nach Art. 186 StGB begeht einen Hausfriedensbruch und wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen abgeschlossenen Raum eines H auses oder in einen unmittelbar zu einem Hause gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder G arten oder in einen Werkplatz un- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtmässig eindringt oder, trotz der Aufforderung eine s Berechtigten, sich zu entfernen, darin verweilt. Durch Art. 186 StGB geschütztes Rechtsgut ist das Hausrecht, d.h. die Befugnis, über die bestimmten Räume ungestört zu herrschen und darin den eigenen Willen frei zu betätigen. Geschützt wird das Hausrecht als Freiheit, selbst zu bestim men, wer sich in den eigenen Räu- men aufhalten darf. Das Unrecht des Hausfriedensbruchs liegt nicht in der Pflicht, den Raum zu verlassen, sondern im Unrecht des Eindringens oder Verwe ilens im Raum durch die uner- wünschte Person. Berechtigter ist derjenige, dem die V erfügungsgewalt über die Räume zu- steht, gleichgültig, ob jene auf einem dinglichen oder obligatorischen Recht oder auf einem öf- fentlich-rechtlichen Verhältnis beruht. Eindringen ist d as Betreten der geschützten Bereiche gegen den Willen des Berechtigten. Die Art des Eindringens ‒ heimlich, offen oder gewaltsam ‒ spielt keine Rolle. Der Wille des Berechtigten kann ausdrücklich oder konkludent zum Ausdruck gebracht werden oder aus den Umständen hervorgehen. Da s Hausrecht ermächtigt den Be- rechtigten, Personen, die mit seinem Willen den gesch ützten Raum betreten haben, nachträg- lich wieder wegzuweisen. Hausfriedensbruch in der Fo rm des unrechtmässigen Verweilens trotz Aufforderung des Berechtigten setzt voraus, dass der Täter im Haus oder Raum, aus dem er sich entfernen soll, während einer gewissen Dauer v erbleibt und dadurch nach aussen zu erkennen gibt, dass er sich um das Verbot nicht kümmert. A uf der subjektiven Seite erforderlich ist Vorsatz bzw. Eventualvorsatz (V ERA DELNON / BERHARD RÜDY , in: Basler Kommentar, Straf- recht II, 4. Auflage, Basel 2019, N 5 ff. zu Art. 186 StGB, mit Hinweisen). 5.3 a) In Bezug auf den in casu rechtserheblichen Sachverhalt ist im Einzelnen Folgendes zu erwägen: aa) Der Beschuldigte hat anlässlich seiner Einvernahme durch die Polizei, Mobile Polizei Ost, vom 9. April 2018 (act. 265 ff.) sowie im Rahmen der K onfrontationseinvernahme mit dem Pri- vatkläger durch die Staatsanwaltschaft vom 18. Oktober 20 18 (act. 281 ff.) ausgeführt, er habe damals ja eigentlich Lokalverbot gehabt. Er habe den P rivatkläger gefragt, ob er in das Lokal dürfe, was dieser bestätigt habe. Er sei dann nur ein mal an die Bar gegangen, um mit ihm zu reden. Dabei habe er vom Privatkläger eine Entschuldigung erwartet. Dieses Gespräch habe er schon mehrmals in der Vergangenheit gesucht. Der Priv atkläger habe ihn aber immer wieder abgeblockt, was ihn sehr aufgeregt habe. Der Privatkläg er habe an der Bar gesagt, er habe keine Zeit, was er als herablassend empfunden habe. Spät er habe er gewollt, dass der Privat- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht kläger bei ihm einkassiere, weil er sich über dessen Behandlung genervt habe. Es stimme, dass er gesagt habe, er wolle mit dem Chef reden. Dieser sei dann wie eine Furie nach hinten ge- kommen und habe ihn angeschrien. Er sei aufgestanden, worauf der Privatkläger ihm einen Tritt gegen das Schienbein verpasst habe. Daraufhin habe er ihn mit der rechten offenen Hand gegen den Kopf geschlagen. Der Privatkläger sei dann the atralisch nach hinten auf den Boden gefallen, aber sofort wieder aufgestanden. Er habe ei nen Stuhl aufgehoben und ihn wegge- schossen, ohne aber jemanden zu treffen. Er sei dann fre iwillig nach draussen gegangen, wo- bei ihn seine Freundin und ein Kollege namens I.____ begleitet hätten. Weiter hat der Beschuldigte vor dem Strafgericht zu Pro tokoll gegeben, der Privatkläger sei schreiend wie eine Furie zu ihm gekommen und habe ihn gegen das Schienbein getreten, wo- raufhin er ihn als Reaktion einmal geschlagen habe. Na chdem ihn die Leute festgehalten hät- ten, habe er den Stuhl, welchen er in der Hand gehalten habe, auf den Boden geworfen und sei gegangen (act. S 255). Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht h at der Beschuldigte deponiert, der Privatkläger sei auf ihn zugestürmt, habe ihn angeschrien und ihn gegen das Bein getreten. Er habe diesen bloss mit dem Arm abgewehrt; den Stuhl hab e er ebenfalls nicht nach ihm gewor- fen. Ebenso habe er nie gedroht, ihn abzustechen. Auch habe der Privatkläger ihm kein Lokal- verbot auferlegt. Vielmehr sei er von sich aus aufgesta nden und hinausgegangen. Es könne zwar sein, dass er das Lokalverbot überhört habe, aber e r sei sowieso von sich aus gegangen (Protokoll KG S. 5). bb) Der Privatkläger hat anlässlich der Einvernahme als Auskun ftsperson durch die Polizei, Hauptposten Binningen, vom 13. März 2018 (act. 215 ff.) vorgebracht, seine Lebenspartnerin G.____ und der Angestellte E.____ hätten den Beschuldigten aufgefordert, er solle das von ihm konsumierte Getränk "Fröschli" zum Preis von CHF 6.50 be zahlen. Daraufhin habe der Be- schuldigte ausrichten lassen, dass er nicht gedenke, dieses z u bezahlen. Vielmehr gehe das Getränk zu Lasten des Privatklägers bzw. wenn er es bezahlt haben wolle, müsse er zum Be- schuldigten gehen. Er sei dann in den Saal gegangen, wo der Beschuldigte an einem runden Tisch gesessen haben. Er habe zu diesem gesagt, dass er die CHF 6.50 zahlen solle und dass dann gut sei. Hierauf sei der Beschuldigte aufgestande n und habe gesagt: "Du kannst mich am Arsch lecken und gleich ‟Lämpe ‟ haben mit mir." Aufgrund dieses Verhaltens habe er i hn Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht nochmals zum Zahlen aufgefordert sowie dass er dann sei n Lokal verlassen solle. Darauf habe sich der Beschuldigte ihm bedrohlich genähert und gesagt , er mache gar nichts. Er habe den Beschuldigten in der Folge mit der linken Hand auf d ie Seite geschoben und ihm mitgeteilt, dass er jetzt die Schnauze voll habe und die Polizei hol e. Als Reaktion darauf sei der Beschul- digte einen Schritt zurückgegangen, habe den Klappst uhl genommen und diesen ihm entge- gengeworfen. Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme mit dem Besc huldigten durch die Staatsanwalt- schaft vom 18. Oktober 2018 (act. 281 ff.) hat der Priva tkläger ferner zu Protokoll gegeben, der Beschuldigte sei mit seiner Partnerin J.____ hereingeko mmen und habe gefragt, ob es okay sei, das Lokal zu betreten. Da dieser freundlich gewese n sei, sei er damit einverstanden gewe- sen, dass der Beschuldigte ein paar Bier bei ihm getrun ken habe. Irgendwann sei er an die Bar gekommen und habe mit ihm über ihre Probleme reden wollen. Er habe ihm gesagt, dass er an diesem Tag keine Zeit habe und auch nicht möchte. Dessen Stimmung sei daraufhin negativ geworden. Später sei seine Freundin gekommen, welche b ei ihm in der Bar ausgeholfen habe, und habe gesagt, dass der Beschuldigte sein Getränk nic ht bezahlen wolle. Dieser habe ge- sagt, dass er persönlich das Geld bei ihm holen müsse. D araufhin sei er zum Achtertisch ge- gangen, an welchem der Beschuldigte gesessen habe, und habe ihn aufgefordert, zu bezahlen und das Lokal zu verlassen. Dieser sei dann aufgestanden und habe ihn verbal und mit den Fäusten bedroht. Er habe ihm gesagt, er solle keine P robleme machen, worauf der Beschuldig- te einen Klappstuhl gepackt und versucht habe, diesen "ü ber ihn zu ziehen". Er habe den Stuhl mit der linken Hand reflexartig abgewehrt, worauf di eser gegen einen hinter ihm liegenden Zapfhahn geflogen sei. Es sei alles sehr schnell gegang en. Er habe vom Beschuldigten zwei Faustschläge gegen die linke Wange bekommen und sei zu B oden gefallen, habe sich aber sofort wieder fangen können. In der Folge habe er ge sagt, dass es reiche und er die Polizei verständige. Dann sei der Beschuldigte von seinem Kolle gen I.____ nach draussen begleitet worden. Vor dem Strafgericht hat der Privatkläger deponiert, der Beschuldigte habe eigentlich Hausver- bot gehabt, er habe ihn aber hereingelassen, da dieser sehr anständig gewesen sei. Er habe zu ihm gesagt, dass er keinen Stress machen dürfe. Im Verla ufe des Abends sei die Stimmung dann gekippt und der Beschuldigte habe sich geweigert, bei den anderen Angestellten zu zah- len und von ihm verlangt, bei diesem persönlich zu er scheinen. Er sei zum Beschuldigten ge- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht gangen und habe diesen aufgefordert, zu zahlen und da s Lokal zu verlassen. Daraufhin habe der Beschuldigte einen Plastikstuhl nach ihm geworfen und ihn geschlagen. Schliesslich sei der Beschuldigte von einem ehemaligen Nachbarn hinausgebracht worden (act. S 245 ff.). cc) Die Lebenspartnerin des Privatklägers, G.____, hat anlä sslich der telefonischen Befra- gung durch die Polizei, Mobile Polizei Ost, vom 29. Mä rz 2017 (act. 147 f.) sowie insbesondere anlässlich ihrer Einvernahme als Zeugin durch die Staat sanwaltschaft vom 23. November 2018 (act. 311 ff.) zu Protokoll gegeben, aufgrund der Art und Weise wie sich der Beschuldigte be- wegt habe, habe sie Angst bekommen, dass etwas passiere wü rde, da er sehr aggressiv ge- wirkt habe. Den Schlag des Beschuldigten selbst habe sie nicht gesehen, dafür aber, wie sich A.____ wieder vom Boden hochgerappelt habe. Der Pri vatkläger habe sich deeskalierend ver- halten und nur gesagt, dass der Beschuldigte sofort se in Restaurant verlassen solle. A.____ habe dann den Beschuldigten nochmals dazu aufgefordert, weil er gewusst habe, dass es an- sonsten noch schlimmer werde. Erst dann sei der Beschuldig te gegangen und die Situation habe sich entspannt. dd) I.____ hat anlässlich seiner Einvernahme als Auskunftsperso n durch die Polizei, Haupt- posten Binningen, vom 26. März 2018 (act. 231 ff.) dep oniert, der Beschuldigte sei am Tisch neben ihm gesessen und alle seien schon ziemlich betrunk en gewesen. Er habe nur mitbe- kommen, dass der Beschuldigte aufgestanden und der Privat kläger umgefallen sei. Da er ge- wusst habe, dass die beiden im Streit gelegen hätten, habe er den Beschuldigten gepackt und ihn hinausgebracht. Er habe nicht mehr mitbekommen, a ls dass zwischen den Beiden eine Sa- che gelaufen sei; allerdings habe er bereits am Morgen mit Trinken angefangen und zum fragli- chen Zeitpunkt nur noch einen Tunnelblick gehabt. b) Im Rahmen der konkreten Beweiswürdigung verbleibt nach Ansicht des Kantonsgerichts auch hier kein Raum, an den glaubhaften Aussagen des P rivatklägers, namentlich denjenigen anlässlich seiner Einvernahme vom 13. März 2018 zu zweife ln. Diese zeitnahen Ausführungen erweisen sich als authentisch, lebensnah, detailreich und sowohl in selbst als auch im Vergleich zu den weiteren Depositionen des Privatklägers als wide rspruchsfrei; ausserdem sind sie ge- kennzeichnet durch Realkriterien und eingebettet in das Gesamtbild des im Zusammenhang mit den Tatbeständen der Körperverletzung sowie der (mehrfa chen) Beschimpfung erstellten und vom Beschuldigten anerkannten Sachverhalts. Gestützt werde n diese Angaben sodann durch Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht die ebenfalls sehr glaubhaften Zeugenaussagen von G.____ . Ferner ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Vorwürfe nicht der Realität entsprechen so llten bzw. warum der Privatkläger den Beschuldigten in diesem Punkt zu Unrecht belasten soll te, nachdem der schwerwiegendere Vorwurf der Körperverletzung unbestritten ist. Vielme hr erscheint es nur als logisch, dass der Privatkläger das im Grundsatz schon bestehende und nur un ter der Bedingung, dass sich der Beschuldigte zu benehmen weiss, vorübergehend aufgehobe ne Lokalverbot wieder erneuert hat, nachdem sich der Berufungskläger geweigert hat, sein Getränk zu bezahlen und stattdes- sen ganz offensichtlich eine Konfrontation mit dem Priva tkläger angestrebt hat, weil sich dieser nicht auf ein Gespräch mit dem Beschuldigten hat einla ssen wollen. An diesem Resultat ver- mögen die Vorbringen des Beschuldigten nichts zu ändern. Zwar hat dieser tatsächlich insoweit "freiwillig" die Lokalität verlassen, als er von I.____ hinausbegleitet worden ist, dies allerdings erst nach der mehrmaligen Aufforderung durch den Priva tkläger sowie erst nachdem er diesen zugestandenermassen beschimpft und geschlagen hat. Infolge dessen ist der Sachverhalt ge- mäss Ziff. 1.2 der Anklageschrift ohne Weiteres nachgewi esen, womit erstellt ist, dass der Be- schuldigte in der Nacht vom 24. Februar 2018 auf den 25. Februar 2018 im Rahmen der verba- len und körperlichen Konfrontation mit dem Privatkläger trotz des unmissverständlichen Appells, das Getränk zu bezahlen und die Bar "H.____" umgehend zu verlassen, in dessen Lokalität für die Zeitdauer der von ihm provozierten Auseinandersetzun g verweilt ist. Dass er dabei das ausgesprochene Hausverbot überhört haben will, muss un ter den konkreten Umständen als Schutzbehauptung zurückgewiesen werden, zumal dem Beschuldigten gemäss seinen eigenen Aussagen bekannt gewesen ist, dass das bereits bestehende Lokalverbot bloss vorübergehend und nur unter der Prämisse, dass er sich anständig verhä lt, was er ganz offensichtlich nicht ge- tan hat, ausser Kraft gesetzt worden ist. 5.4 Gestützt auf den erstellten Sachverhalt ist es erwiesen, d ass der Beschuldigte entgegen den in Form von mehrfacher Aufforderung ausdrücklich zum Ausdruck gebrachten Willen des berech- tigten Privatklägers, sich sofort aus dessen Lokal zu entf ernen, während einer gewissen Dauer in der Bar "H.____" verblieben ist und während dieser Zeit den Betroffenen beschimpft und ge- schlagen hat. Damit bestehen keine Zweifel, dass er in Verletzung des Hausrechts als gesicher- tem Rechtsgut im Sinne des Gesetzes unrechtmässig im gesch ützten Raum verweilt ist. Dass er dabei mit Vorsatz gehandelt hat, steht gleichermassen ausser Frage. Infolgedessen hat der Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschuldigte entgegen seiner Ansicht sowohl den objekt iven wie auch den subjektiven Tatbe- stand von Art. 186 StGB erfüllt. Gemäss diesen Erwägungen ist der Beschuldigte in Abwei sung seiner diesbezüglichen Beru- fung und demnach in Bestätigung des angefochtenen Urt eils des Hausfriedensbruchs zum Nachteil des Privatklägers A.____ nach Art. 186 StGB schuldig zu erklären. 6. Tatbestand der versuchten Nötigung (zum Nachteil des Privatklägers B.____) 6.1 a) Das Strafgericht hat den Beschuldigten des Weiteren hin sichtlich Ziff. 2.2 der Anklage- schrift der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig erklärt und diesbezüglich dargelegt, dessen Drohun g, er werde den Privatkläger B.____ "kalt machen", wenn dieser die Polizei verständige , stelle die Androhung eines ernstli- chen Nachteils dar. Der Beschuldigte habe damit ausdrückl ich bezweckt, dass der Privatkläger es unterlasse, die Polizei zu informieren. Nachdem sich d ieser aber nicht nach dem Willen des Beschuldigten verhalten und trotzdem die Polizei geru fen habe, liege nur der Versuch einer Nötigung vor. b) Der Beschuldigte ist demgegenüber der Auffassung, es se i nicht einsichtig, weshalb er einerseits den Faustschlag zulasten des Privatklägers B.___ _ zugebe, andererseits aber zu Unrecht abstreiten sollte, diesen bedroht zu haben, ni cht zur Polizei zu gehen. Ihm sei es da- mals vielmehr egal gewesen, ob der Betroffene die Polizei verständige oder nicht. c) Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Zusammenhang au f eine Stellungnahme verzichtet. 6.2 a) Nach Art. 181 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu dre i Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Be- schränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Der Tatbestand schützt die Freiheit der Willensbildung un d Willensbetätigung des Einzelnen. Der Taterfolg besteht darin, dass eine andere Person dazu veranlasst wird, sich entsprechend dem Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Willen des Täters zu verhalten. Das abgenötigte Verhalt en kann darin bestehen, dass das Op- fer eine bestimmte Handlung vornimmt, eine bestimmte Handlung unterlässt oder aber darin, dass das Opfer das Verhalten des Täters oder eines Dritt en duldet. Die Tathandlung besteht darin, dass der Täter Gewalt anwendet, dem Opfer erns tliche Nachteile androht oder auf ande- re Weise seine Handlungsfreiheit beschränkt. Gewalt i st die physische Einwirkung auf den Kör- per des Opfers, die geeignet ist, die Willensfreihei t zu beeinträchtigen. Welches Mass an Zwangswirkung erforderlich ist, entscheidet sich aufgrund der Umstände des Einzelfalls. Eine Androhung ernstlicher Nachteile liegt vor, wenn nach der Darstellung des Täters der Eintritt des Nachteils als von seinem Willen abhängig erscheint und we nn die Androhung geeignet ist, den Betroffenen in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Ob der Täter das angedrohte Übel tatsächlich bewirken will oder kann, ist irrelevant. Ern stlich sind die angedrohten Nachteile, wenn diese geeignet sind, auch eine verständige Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen. Die Generalklausel der anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit bedarf einer restriktiven Auslegung. Erfasst sind allein Verhaltensweisen , denen eine den Alternativen der Gewaltanwendung und der Androhung ernstlicher Nachtei le vergleichbare Zwangswirkung zu- kommt. Die Tathandlung muss ursächlich dafür sein, dass si ch das Opfer in der vom Täter ge- wünschten Art und Weise verhält. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei beding- ter Vorsatz genügt. Eine weitergehende Absicht ist nich t vorausgesetzt. Die Rechtswidrigkeit der Nötigung ist nur gegeben, wenn diese positiv begrü ndet werden kann. Rechtswidrig ist eine Nötigung dann, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum erstreb- ten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn d ie Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbrä uchlich oder sittenwidrig ist. Vollendet ist die Nötigung, wenn sich das Opfer dem W illen des Täters entsprechend verhält (WOLFGANG WOHLERS / GUNHILD GODENZI / STEPHAN SCHLEGEL , Schweizerisches Strafgesetz- buch, Handkommentar, 4. Auflage, Bern 2020, N 1 ff. zu Art. 181 StGB, mit zahlreichen Hinwei- sen). b) (...) 6.3 a) Bei der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts sind folgende Beweise und Indi- zien zu würdigen: Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht aa) Der Beschuldigte hat anlässlich seiner Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 9. Januar 2019 (act. 377 ff.) zu Protokoll gegeben, e r habe den Privatkläger anfänglich nicht provozieren wollen, aber er habe ihm von Anfang an ge sagt, dass sie "die Sache klären" müss- ten. Dabei habe er nicht Schläge gemeint, sondern e ine verbale Auseinandersetzung. Der Pri- vatkläger habe dann mit den Drohgebärden angefangen, indem er sich vor ihm aufgestellt und die Fäuste mit ausgebreiteten Armen gemacht habe. I n diesem Moment sei er "durchgefallen" und habe auf den Privatkläger eingeschlagen. Dieser sei auf den Boden gefallen, und er sei mit dem Fahrrad davongefahren. Dann habe er noch einmal gewendet, sei kurz zu ihm zurückge- fahren, habe ihn beschimpft und sei wieder weggefahren. Es stimme nicht, dass er ihm gedroht haben soll, nicht die Polizei zu rufen. Vor dem Strafgericht hat der Beschuldigte ausgeführt, er habe die Nerven verloren. Er habe drei Jahre lang gewartet und es sei nicht einmal ein e Entschuldigung vom Privatkläger gekom- men. Dieser sei aggressiv gewesen und habe gesagt, sie könnten das klären. Dabei sei der Privatkläger aufgestanden. Er habe gedacht, jetzt gehe es los, da habe er ihn gleich stoppen wollen. Es sei zutreffend, dass er mit dem Fahrrad umge kehrt sei und ihn beschimpft habe. Aber er habe nicht "mit Leuten" gedroht und auch nic ht, dass er ihn "kalt mache". Er habe ja keine Bande und brauche auch keine Leute. Er habe bl oss gesagt, der Privatkläger habe es verdient, dass es so weit gekommen sei (act. S 257). Vor dem Kantonsgericht hat der Beschuldigte deponiert, er habe dem Privatkläger nicht ge- droht, diesen "kaltzumachen", wenn er die Polizei ruf e. Er sei so in Rage gewesen, dass er gar nicht über die Polizei nachgedacht habe (Protokoll KG S. 6). bb) Der Privatkläger B.____ hat anlässlich seiner Einvernah me als Auskunftsperson durch die Polizei, Polizeihauptposten Pratteln, vom 8. Oktober 2018 (act. 365 ff.) zu Protokoll gegeben, er habe vor dem Bruderholzspital auf einer Sitzbank gewart et. Plötzlich sei der Beschuldigte mit dem Fahrrad zu ihm hingefahren und habe ihn angespr ochen. Dabei habe der Beschuldigte gesagt, dass er "das" jetzt klären wolle. Als er nicht darauf reagiert habe, habe der Beschuldigte mehrmals mit der Faust gegen seine rechte Gesichtshälfte geschlagen. Dabei sei ein Stück von seinem rechten Schneidezahn abgebrochen. Danach habe d er Beschuldigte ihm noch zwei weitere Faustschläge gegen den rechten Hinterkopf verpa sst. Darauf sei er von der Sitzbank auf den Boden gefallen. Anschliessend sei er wieder au fgestanden. Dessen Freundin habe Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht dann dem Beschuldigten gesagt, er solle aufhören. Daraufhin habe der Beschuldigte sein Fahr- rad genommen und sei weggefahren. Als er in der Folge beim Brunnen gesessen habe, sei der Beschuldigte nochmals zurückgekommen und habe im gedroht : "lüt jo nid dr Polizei a suscht mach ich dich chalt, ich han mini Lüt". Vor dem Strafgericht hat der Privatkläger vorgebracht, er habe vor dem Spital gewartet, als der Beschuldigte aufgetaucht sei und zu ihm gesagt habe, e r wolle "das" jetzt regeln. Dann habe dieser sein Fahrrad hingeworfen und mehrfach auf ihn eingeschlagen. Der Beschuldigte habe erst gestoppt, als ihn dessen Freundin dazu aufgefordert habe. Ihm sei schwindlig gewesen und er habe sich beim Brunnen hingesetzt. Dann sei der Besc huldigte nochmals aufgetaucht und habe ihn gewarnt, dass er ihn "kalt mache", wenn er d er Polizei was sage. Als er nochmals ge- kommen sei, habe der Beschuldigte gesagt, er "mache ihn kalt", wenn er die "Bullen" informie- re, er habe seine Leute. Er kenne bei Beschuldigten vo m Hörensagen Geschichten, weshalb er die Drohung ernst genommen habe (act. S 251 f.). cc) K.____ hat als Auskunftsperson gegenüber der Polizei, P olizeihauptposten Pratteln, ge- mäss Protokoll vom 21. November 2018 (act. 341 f.) telef onisch ausgesagt, er habe am 7. Oktober 2018 um ca. 16:30 Uhr vor dem Bruderholzsp ital auf seine Schwester gewartet und sei ca. 15 Meter vom Privatkläger entfernt auf einer Si tzbank gesessen. Dabei habe er gese- hen, wie ein tätowierter Mann auf dem Fahrrad zu di esem hingefahren sei. Er habe gehört, wie der Mann auf dem Fahrrad zum Privatkläger gesagt habe , dass er "das" jetzt regeln wolle. Der Privatkläger habe hierauf nicht reagiert. In der Folge habe der tätowierte Mann dem Privatkläger mehrere Faustschläge gegen den Kopf versetzt. Eine Frau, welche mit dem tätowierten Mann unterwegs gewesen sei, sei ca. 20 Meter entfernt steheng eblieben und habe das ganze Ge- schehen von dort beobachtet. Nachdem der Mann einige Sch läge ausgeteilt habe, habe die Frau zu ihm gesagt, er solle aufhören. Der tätowier te Mann sei zu diesem Zeitpunkt sehr ag- gressiv gewesen. Danach hätten sich der Mann und seine B egleiterin mit dem Fahrrad in eine unbekannte Richtung entfernt. b) Im Rahmen der konkreten Beweiswürdigung verbleibt nach Ansicht des Kantonsgerichts wiederum kein Raum, an den glaubhaften Aussagen des P rivatklägers, namentlich anlässlich seiner Einvernahme vom 8. Oktober 2018 zu zweifeln. Diese zeitnahen Ausführungen erweisen sich als authentisch, lebensnah, detailreich und sowohl in selbst als auch im Vergleich zu den Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteren Depositionen des Privatklägers als widerspruchsfr ei. Ferner sind sie gekennzeichnet durch Realkriterien und eingebettet in das Gesamtbild des im Zusammenhang mit dem Tatbe- stand der Körperverletzung erstellten und vom Beschuldi gten anerkannten Sachverhalts. Ge- stützt werden diese Aussagen ausserdem im Kern durch diej enigen von K.____. Ferner ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Vorwürfe nicht der Reali tät entsprechen sollten bzw. warum der Privatkläger den Beschuldigten in diesem Punkt zu Unrecht belasten sollte, nachdem der schwerwiegendere Vorwurf der Körperverletzung unbestritt en ist. Vielmehr passt das beschrie- bene Verhalten des Beschuldigten zu demjenigen, welches er bereits im Anklagepunkt 1 an den Tag gelegt hat. Auch dort hat der Beschuldigte eine An gelegenheit aus der Vergangenheit im Zusammenhang mit seiner damaligen Freundin klären wollen und ist in Rage geraten, kulminie- rend in Drohungen sowie tätlichen Übergriffen, nachde m sein Gegenüber nicht auf sein Anlie- gen eingegangen ist. Der Beschuldigte seinerseits verma g nichts zu seiner Entlastung vorzu- bringen als eine generelle und angesichts der übrigen erstellten Sachverhalte in dieser pau- schalen Form unglaubhafte Bestreitung der Vorwürfe. De mnach gilt der Sachverhalt gemäss Ziff. 2.2 der Anklageschrift als nachgewiesen, womit da von auszugehen ist, dass der Beschul- digte dem Privatkläger am 7. Oktober 2018, ca. um 16:30 Uhr, auf dem Vorplatz zum Hauptein- gang des Kantonsspitals Bruderholz, nachdem er diesen mi t Faustschlägen traktiert hatte, an- gedroht hat, ihn "kaltzumachen", falls dieser die Polizei verständige. 6.4 Bei der rechtlichen Beurteilung des erstellten Sachverha lts ist zunächst festzuhalten, dass die Vorderrichter es versäumt haben, die Rechtswidrigkeit d er Nötigung, deren Vorliegen bekann- termassen positiv zu begründen ist, darzulegen. Abgesehe n von diesem im vorliegenden Ver- fahren zu heilenden Mangel bestehen jedoch keine Zw eifel, dass der Beschuldigte mit dem im Streit stehenden Terminus ("kalt machen") ‒ zumal unter Berücksichtigung des gesamtheitli- chen Konnexes, in welchem er vorgebracht worden ist ‒ dem Privatkläger ernstliche Nachteile angedroht hat, d.h. solche, welche geeignet gewesen sind, auch eine verständige Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen, um diesen von d er Verständigung der Polizei abzu- halten. Der Privatkläger hat denn die fragliche Drohun g auch durchaus ernst genommen. Wie- derum nicht zu bezweifeln ist, dass der Beschuldigte vorsä tzlich gehandelt hat. Die Rechtswid- rigkeit der Tathandlung ergibt sich sodann daraus, dass sowohl die vom Beschuldigten verwen- deten Mittel als auch der angestrebte Zweck offensichtlic h unerlaubt gewesen sind. Nachdem sich der Privatkläger jedoch nicht nach dem Willen des B eschuldigten verhalten und am Folge- Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht tag die Polizei eingeschaltet hat, ist der objektive Ta tbestand nicht erfüllt, womit die Tathand- lung im Versuchsstadium steckengeblieben ist. Demnach ist die diesbezügliche Berufung des Beschuldigten in Bestätigung des angefochtenen Urteils abzuweisen und dieser in Anwendung von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB der versuchten Nötigung zum Nachteil des Priva tklägers B.____ schuldig zu erklä- ren. 7. Strafzumessung 7.1 Theoretische Erwägungen a) Das Berufungsgericht fällt ‒ soweit es auf das Rechtsmittel eintritt ‒ ein neues Urteil, wel- ches das erstinstanzliche ersetzt (Art. 408 StPO; BGE 143 IV 408 E. 6.1; 142 IV 89 E. 2.1; BGer 6B_848/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 2.2). Ange sichts der Natur der Berufung als re- formatorisches Rechtsmittel hat das Kantonsgericht eine eigene Strafe festzusetzen und nach- vollziehbar zu begründen. Nach der Praxis des Bundesgerich ts kann es sich nicht mit einer Überprüfung der erstinstanzlichen Strafzumessungserwägu ngen anhand der Einwände des Beschwerdeführers begnügen (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3). Die Möglichkeit, im Rechtsmittelver- fahren auf die Begründung der Erstinstanz zu verweisen, ändert daran nichts (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; BGer 6B_848/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 2. 2; 6B_502/2019 vom 27. Februar 2020 E. 3.3.1 und 3.4; 6B_798/2020 vom 16. September 2020 E. 2; je mit Hinweisen). b) Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe innerha lb des massgebenden Strafrah- mens nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönli- chen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Le ben des Täters (Abs. 1). Das Ver- schulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefäh rdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründe n und Zielen des Täters sowie da- nach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage ge- wesen ist, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) Das Gericht bewertet das Verschulden ausgehend von der objektiven Tatschwere. Diese ist zunächst danach zu bestimmen, wie stark das betroffen e Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Dabei sind das Ausmass des Erfolgs, die Gefährdung, d as Risiko sowie die Art und Weise des Tatvorgehens zu berücksichtigen. Von Bedeutung sind auch die Intensität der durch die Tat und Tatausführung offenbarten kriminellen Energie sow ie die Grösse des Tatbeitrags bei meh- reren Tätern und die hierarchische Stellung (H ANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 91 ff. zu Art 47 StGB). Bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere bilden namentlich die Bewegg ründe und Ziele des Täters, der bei der Tat aufgewendete Wille, das Motiv sowie das Mass an E ntscheidungsfreiheit massgebende Strafzumessungskriterien (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 115 ff. zu Art. 47 StGB). Das Ge- richt hat die objektive Tatschwere zu bewerten und in den Urteilserwägungen anzugeben, ob diese aufgrund der Beurteilung der subjektiven Tatschwere reduziert, bestätigt oder erhöht wer- den soll. Dabei muss es gemäss Art. 50 StGB festhalten , welche die für die Strafzumessung erheblichen Umstände sind und wie es diese gewichtet. Hi erzu muss das Gericht in seinem Urteil darlegen, welche verschuldensmindernden und wel che verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteins chätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 144 IV 313 E. 1.2; 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich eingehen, die es – ohne dass die s ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von ge ringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 144 IV 313 E. 1.2; 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings muss das Gericht das Gesamtverschulden qua- lifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschuldens im Urteil ausdrücklich benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schwe regrad auszugehen ist (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, mittelschwer, schwer, sehr schw er). Im Übrigen betont das Bundesge- richt in seiner Rechtsprechung, dass die Formulierung des Verschuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen müsse n (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.1; 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). d) In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe , die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu b estimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufg rund wesentlicher Täterkomponenten, Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht d.h. tatunabhängiger Strafzumessungsfaktoren, erhöht oder reduziert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7; 134 IV 132 E. 6.1). e) Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen di e Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zu der Stra- fe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhö hen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden. Die Vorschrift von Art. 49 Abs. 1 StGB legt somit die Rechtsfolgen fest, die einen Täter treffen, der denselben Straftatbestand mehrfach oder mehre- re verschiedene Straftatbestände verletzt hat. Die Vorschr ift regelt das methodische Vorgehen der Strafzumessung im Konkurrenzfall aber nur rudiment är; ihr selbst lässt sich nicht entneh- men, wann die Voraussetzungen gleichartiger Strafen erfüllt sind, was die schwerste Straftat ist und wie diese zu ermitteln und erhöhen ist (BGE 144 IV 217 E. 3.2). f) Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Geldstrafe und Freiheitstrafe sind kei ne gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Ungleichartige Strafen sind kumul ativ zu verhängen. Das Gericht kann auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkre ten Fall für jeden einzelnen Norm- verstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (sogenannt e konkrete Methode). Dass die anzu- wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Stra fen vorsehen, genügt nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 2.2; 142 IV 265 E. 2 .3.2; 138 IV 120 E. 5.2; BGer 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 3.2). g) Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist in einem ersten Schritt anhand der abstrakten Strafdrohung des Gesetzes der Str afrahmen für die schwerste Straftat zu ermitteln. Sind mehrere Straftatbestände mit gleich em Strafrahmen zu beurteilen, ist von derjenigen Straftat auszugehen, die im konkreten Fall die höchste Strafe nach sich zieht (H ANS MATHYS , Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, N 485). Die tat- und täterange- messene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlich en Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Dieser Rahme n ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten U mständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffass ung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üb lichen Zumessungskriterien festzuset- zen wäre. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, wen n aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). h) In einem zweiten Schritt hat das Gericht die Einsatzstr afe für die schwerste Tat innerhalb des betreffenden gesetzlichen Strafrahmens nach der ob jektiven und subjektiven Tatschwere bzw. den Tatkomponenten festzusetzen (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2; 127 IV 101 E. 2b). Dabei hat das Gericht eine vorläufige Gesamteinschätzung im Sinne einer hypothetischen Einsatzstrafe vorzunehmen, wobei das Verschulden im Rahmen einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, m ittelschwer, schwer, sehr schwer) zu be- stimmen und in der Begründung des Urteils zu nennen ist (BGE 136 IV 55 E. 5.7). i) In einem dritten Schritt sind die übrigen Delikte – w iederum anhand der Tatschwere bzw. den Tatkomponenten entsprechend den vorstehenden Ausfü hrungen – zu beurteilen, wobei für jede zusätzliche Straftat, derentwegen der Beschuldigte verurteilt wird, unter Berücksichtigung des jeweiligen Verschuldens eine hypothetische Einzelstrafe zu ermitteln ist. Mithin sind für jede (zusätzliche) konkrete Tat die angemessene Strafhöhe sowi e die passende Strafart zu bestim- men (BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E 1.1.1 und E. 1.4; BGer 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4; 6B_1071/2019 vom 5. Novemb er 2020 E. 3.3.2). Anschliessend ist zu prüfen, aus welchen der festgelegten Einzelstrafen e ine Gesamtstrafe zu bilden ist bzw. Ge- samtstrafen zu bilden sind. Soweit für mehrere zu beurte ilende Straftaten jeweils gleichartige Strafen als angemessen erscheinen, ist unter Berücksichtigu ng des Asperationsprinzips eine hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche dieser Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E. 1.4; BG er 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4). Bei der Bemessung der Gesamtstrafe müssen die e inzelnen Straftaten innerhalb des (allenfalls erweiterten) Strafrahmens gesamthaft gewü rdigt werden. Dabei sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbstständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenh eit der verletzten Rechtsgüter und die Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Deliktes wird dabei geringer zu veranschlagen sein, wenn die Delikte z eitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4; B Ger 6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2). Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht j) Die einzelnen Tathandlungen müssen vor der Bildung ein er allfälligen Gesamtstrafe in einem selbstständigen Schritt vorab gewürdigt werden ( BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). Die enge Verknüpfung der einzelnen D elikte entbindet nicht von dieser Vorge- hensweise (BGer 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.4). Wenngleich bei der Bemessung der hypothetischen Gesamtstrafe die einzelnen Straftaten in einem selbstständigen Schritt gewür- digt werden müssen, ist bei Vorliegen einer Tatserie eine punktuelle Kategorisierung gleichge- lagerter Delikte (z.B. nach Schadenshöhe oder Tatvorgeh en) nicht ausgeschlossen. Sie hat sich aber immer am Mass des der konkreten Tat immanenten Verschuldens zu orientieren. Eine gemeinsame Bewertung unterschiedlicher Taten widersprich t der Gesamtstrafenbildung nach dem Asperationsprinzip (BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). k) Gelangt das Gericht nach der sogenannten konkreten M ethode im Rahmen der Strafzu- messung bei der Festsetzung selbstständiger Einzelstrafen für den einzelnen Gesetzesverstoss auf 180 Strafeinheiten oder weniger, ist ausser einer Freiheitsstrafe auch die Ausfällung einer Geldstrafe möglich (Art. 34 Abs. 1 StGB). Mit der Be stimmung von Art. 41 StGB hat der Ge- setzgeber für Strafen unter sechs Monaten eine gesetzlich e Prioritätsordnung zu Gunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen eingeführt (G ORAN MAZZUCCHELLI , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 36a zu Art. 4 1 StGB, mit Hinweisen; BGE 137 IV 312 E. 2.4; 134 IV 97 E. 4.2.2; 134 IV 82 E. 4.1). So ka nn das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe nur erkennen, wenn eine solche geb oten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten , oder wenn eine Geldstrafe voraus- sichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 lit. a und lit. b StGB). Mithin ist die Wahl der Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe näher zu begründen (Art. 41 Abs. 2 StGB). Vorbe- halten bleibt die Freiheitsstrafe anstelle einer nicht bezahlten Geldstrafe (Art. 41 Abs. 3 StGB). Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtigstes Kriteri um die Zweckmässigkeit einer bestimm- ten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2; 134 IV 82 E. 4.1). l) Nach der Festlegung der hypothetischen Gesamtstrafe(n) für sämtliche Delikte sind schliesslich die Täterkomponenten zu berücksichtigen. Bei de r Bestimmung der Täterkompo- nenten kann es sich rechtfertigen, die einzelnen Aspekte g esamthaft für sämtliche begangenen Taten zu würdigen, sofern diese für alle Delikte in gl eicher oder vergleichbarer Weise Geltung Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht beanspruchen (BGer 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1; 6B_496/2011 vom 19. November 2021 E. 4.2). Die Täterkomponenten umfa ssen die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren, insbesondere Reue und Einsicht oder ein Geständnis (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 92 ff. zu Art. 47 StGB). m) Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täte r begangen hat, bevor er wegen einer anderen Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren H andlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Die Bestimmung will im Wesentlichen das Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz gewährleisten. Der Täter , der mehrere gleichartige Strafen ver- wirkt hat, soll nach einem einheitlichen, für ihn relativ günstigen Prinzip der Strafschärfung beur- teilt werden, unabhängig davon, ob die Verfahren ge trennt durchgeführt werden oder nicht. Der Täter soll damit trotz Aufteilung der Strafverfolgung in mehrere Verfahren gegenüber jenem Täter, dessen Taten gleichzeitig beurteilt worden sind, nicht benachteiligt und so weit als mög- lich auch nicht bessergestellt werden (BGE 138 IV 113 E. 3.4.1; 142 IV 265 E. 2.3.1). n) Die Rechtsprechung stellt für die Frage, ob überhaup t und in welchem Umfang (d.h. ganz oder teilweise) das Gericht eine Zusatzstrafe aussprechen muss, auf das Datum der ersten Verurteilung im ersten Verfahren ab (sogenanntes Erstur teil, bei welchem es sich oftmals, aber nicht zwingend um das erstinstanzliche Urteil handelt). Demgegenüber ist für die Bemessung bzw. die Höhe der Zusatzstrafe das rechtskräftige Urteil i m ersten Verfahren massgebend. Das Gericht muss sich in einem ersten Schritt somit fragen, ob die neue Tat vor der ersten Verurtei- lung im ersten Verfahren begangen worden ist. Bejaht es dies, hat es eine Zusatzstrafe auszu- sprechen, für deren Bemessung es in einem zweiten Schritt prüfen muss, ob der Schuldspruch und das Strafmass des ersten Urteils rechtskräftig sind. Ver neint es die erste Frage, ist das neue Delikt mit einer selbstständigen Strafe zu ahnden. Für die Beantwortung der ersten Frage (Anwendbarkeit des Asperationsprinzips) ist unerheblich, ob später das erste Urteil (mangels Berufung oder nach Abweisung eines kassatorischen Rechtsmi ttels) oder dasjenige der Rechtsmittelinstanz in Rechtskraft erwächst oder ob nach e iner Kassation des erst- oder zweit- instanzlichen Urteils gar neu entschieden werden muss. Massgebend ist das Datum des Erstur- teils. Auf das Datum des Ersturteils ist auch abzustelle n, wenn dieses später im Rechtsmittel- verfahren reformiert wird (BGE 138 IV 113 E. 3.4.2 f.; MATHYS , a.a.O., N 525). Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht o) Liegen die Voraussetzungen für eine Zusatzstrafe vor, setzt das Gericht zunächst eine hypothetische Gesamtstrafe fest. Es hat sich zu fragen, we lche Strafe es ausgesprochen hätte, wenn es sämtliche Delikte gleichzeitig beurteilt hätte. Dabei hat es nach den Grundsätzen von Art. 49 Abs. 1 StGB zu verfahren. Bei retrospektiver Kon kurrenz hat das Gericht ausnahmswei- se mittels Zahlenangaben offenzulegen, wie sich die von i hm zugemessene Strafe quotenmäs- sig zusammensetzt (J ÜRG -BEAT ACKERMANN , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 167 zu Art. 49 StGB, mit Hinweisen; B GE 142 IV 265 E. 2.3.3). Liegt der Ge- samtstrafe der neu zu beurteilenden Taten die schwerste Straftat zugrunde, ist diese um die Grundstrafe angemessen zu erhöhen, wobei die infolge Asperation eintretende Reduzierung der rechtskräftigen Grundstrafe von der Strafe für die n eu zu beurteilenden Delikte abzuziehen ist und die Zusatzstrafe ergibt (ACKERMANN , a.a.O., N 169 zu Art. 49 StGB, mit Hinweisen; BGE 142 IV 265 E. 2.4.4). 7.2 Konkrete Erwägungen a) Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung bringt der Beschu ldigte vor, gestützt auf die beantragten Schuldsprüche sowie die zugestandenen Deli kte sei er zu einer bedingten Geld- strafe von 180 Tagessätzen (mit unbestimmter Höhe) zu ver urteilen. Demgegenüber begehrt die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Strafmasses. b) In casu ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte im vorlieg enden Verfahren sowie unter Berücksichtigung des nicht angefochtenen Teils des vorinsta nzlichen Urteils der mehrfachen, teilweise versuchten Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), der mehrfachen, teilweise versuchten Drohu ng (Art. 180 StGB, teilweise in Ver- bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), der versuchten Nötig ung (Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), des Hausfriedensbruchs (Art. 186 StGB) sowie der mehrfachen Be- schimpfung (Art. 177 StGB) schuldig erklärt wird. Die De liktsmehrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmen s, ist aber innerhalb des ordentlichen Rahmens strafschärfend zu gewichten. Nach Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Um- stand, wonach die strafbaren Handlungen teilweise nic ht zum Erfolg geführt haben, strafmil- dernd berücksichtigen. Zu beachten ist sodann, dass der Be schuldigte mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 29. März 2021 wegen f ahrlässiger Körperverletzung Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtskräftig zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Tagen verurteilt worden ist (act. A 31), nachdem er sämtliche der vorliegend zu beurteilenden D elikte begangen hatte. Infolgedessen ist zum genannten Strafbefehl eine Zusatzstrafe auszusprechen. c) Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kanton sgericht zunächst den Straf- rahmen nach der abstrakt schwerwiegendsten Straftat zu be stimmen. Vorliegend weisen so- wohl der Tatbestand der Körperverletzung wie auch derjenige der Drohung, der Nötigung sowie des Hausfriedensbruchs den nämlichen abstrakten Strafra hmen ‒ Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe ‒ auf. Demgegenüber sieht die Beschimpfung als Sanktion srahmen lediglich eine Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen vor. Unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren ist in concreto die Körperverletzung gemäss Ziff . 1.4 der Anklageschrift als das schwerwiegendste Delikt zu erachten, weshalb für diese Straftat eine Einsatzstrafe festzusetzen ist. d) In casu ist festzustellen, dass die Vorinstanz zum wiederho lten Male keine bundesrechts- konforme Strafzumessung vorgenommen hat. So ist deren Vorgehensweise in Bezug auf die vorgenommene Gesamtbetrachtung sowohl hinsichtlich der F estlegung der Einsatzstrafe als auch bezüglich der Straferhöhung für die weiteren De likte nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Ganzen BGer 6B_1422/2019 vom 28. Mai 2021 E . 6.4.1) unzulässig. Vielmehr müs- sen die einzelnen Tathandlungen vor der Bildung einer allfälligen Gesamtstrafe in einem selbst- ständigen Schritt vorab gewürdigt werden (BGer 6B_99 8/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). Die enge Verknüpfung der einzelnen Delikt e entbindet nicht von dieser Vorgehens- weise (BGer 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.4). Ein e gemeinsame Bewertung unter- schiedlicher Taten widerspricht der Gesamtstrafenbildung n ach dem Asperationsprinzip (BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). Das Kan tonsgericht hat das Strafgericht ver- schiedentlich auf die hinlänglich bekannten gesetzlichen Gr undlagen und Vorgaben des Bun- desgerichts hingewiesen. Trotzdem hält im vorliegenden Fall die Strafzumessung den entspre- chenden Bestimmungen wiederum nicht stand. Unter diesen Umständen behält sich das Kan- tonsgericht künftig vor, in ähnlich gelagerten Konstellationen keine reformatorischen Entscheide mehr zu fällen, sondern zwecks Wahrung der Parteirechte u nter gleichzeitiger Gewährung des Instanzenzuges entsprechend fehlerbehaftete erstinstanzliche Urteile zu kassieren und die An- gelegenheit an die Vorderrichter zurückzuweisen zur Vo rnahme einer korrekten Strafzumes- sung. Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht e) Bei der Festlegung der Einsatzstrafe für den Tatbest and der Körperverletzung gemäss Ziff. 1.4 der Anklageschrift ist auf der Seite der obje ktiven Tatkomponenten zu Lasten des Be- schuldigten zu würdigen, dass dieser aus völlig nichtigem Anlass ‒ bloss weil ihm ein Gespräch verweigert worden ist ‒ im Rahmen einer von ihm selbst provozierten Auseinandersetzung sein Gegenüber unvermittelt und unverhältnismässig heftig att ackiert und dieses dabei mit einem oder mehreren Faustschlägen gegen den Kopf zu Boden geschlagen hat, was bei ungünstigem Verlauf zweifellos zu ganz erheblichen Verletzungen hät te führen können. Demgegenüber wirkt sich entlastend aus, dass der Privatkläger beim inkriminiert en Übergriff tatsächlich nur leicht verletzt worden ist, indem bei ihm eine Gesichtsprellung sowie Druckdolenzen über dem linken Jochbein, dem linken Kiefergelenk und der rechten Schult er sowie ein wackeliger Zahn diag- nostiziert worden sind. Auf Grund dieser Umstände stuft d as Kantonsgericht die objektive Tat- schwere noch als leicht ein. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten ein direktvorsätzliches Handeln anzulasten, was leicht zu seinen Ungunsten zu w erten ist. Dies wird jedoch wiederum relativiert durch den Fakt, wonach Anlass für die ganze Auseinandersetzung offenbar eine bis- lang nicht verarbeitete Vorgeschichte zwischen dem Beschuldi gten und dem Privatkläger ge- wesen ist, welche Ersteren zum Tatzeitpunkt emotional be lastet hat. Im Ergebnis hat die sub- jektive Schwere der Tat keinen Einfluss auf das objektive Tatverschulden. Gestützt auf diese Erwägungen ist das Verschulden des Berufungsklägers bezüglich der Körperverletzung gemäss Ziff. 1.4 der Anklageschrift noch als leicht einzustufen, was unter Beachtung des abstrakten Strafrahmens zu einer Einsatzstrafe von 90 Strafeinhei ten führt. In Bezug auf die Wahl der Sanktionsart ist zu konstatieren, dass hinsichtlich der vorli egend zu beurteilenden Tathandlung unter Berücksichtigung der Zweckmässigkeiten von Freiheits- und Geldstrafe und der damit verbundenen präventiven Effizienz auf den Täter angesic hts der zahlreichen und teilweise ein- schlägigen Vorstrafen sowie der hierdurch manifestierten Unbelehrbarkeit nur eine Freiheits- strafe in Betracht kommt. Dies gilt aufgrund des äusserst engen Zusammenhangs aller Tat- handlungen untereinander nachfolgend für alle Delikte mit Ausnahme der Beschimpfungen, welche von vornherein nur mit einer Geldstrafe sanktio niert werden können. Im Resultat ist da- mit eine hypothetische Einsatzstrafe von drei Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. f) Bei der Ermittlung der Einzelstrafe für die versuchte Körperverletzung gemäss Ziff. 1.3 der Anklageschrift ist betreffend die objektive Tatschwere gl eichermassen wie schon vorgängig un- ter lit. e zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte aus völlig nichtigem Anlass im Rahmen einer Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht von ihm selbst provozierten Auseinandersetzung seinem G egenüber unvermittelt einen ca. 3,6 Kilogramm schweren Klappstuhl, bestehend aus einem Sta hlrahmen und einer Kunststoffver- bindung, angeworfen bzw. diesen damit geschlagen hat, w as bei ungünstigem Verlauf zweifel- los zu erheblichen Verletzungen hätte führen können. Re lativierend wirkt sich hingegen aus, dass der Privatkläger den Klappstuhl mit seinem linken Ar m hat abwehren können und in der Folge nicht verletzt worden ist, weshalb es auch nur bei einer versuchten Tathandlung geblie- ben ist. In Anbetracht hiervon ist die objektive Tatschwe re als leicht zu qualifizieren. In subjekti- ver Hinsicht ist dem Beschuldigten wiederum ein direktvo rsätzliches Handeln anzulasten, was jedoch entkräftet wird durch die als Anlass dienende, nicht verarbeitete Vorgeschichte zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger. Folglich wirkt sich die subjektive Schwere der Tat nicht auf das objektive Tatverschulden aus. Demnach ist das Verschulden des Berufungsklä- gers bezüglich der versuchten Körperverletzung gemäss Ziff. 1.3 der Anklageschrift als leicht zu werten. Nachdem als Strafart unter Berücksichtigung der präventiven Effizienz nur eine Frei- heitsstrafe in Frage kommt, führt dies unter Beachtung des abstrakten Strafrahmens zu einer Asperation der Einsatzstrafe um 30 Strafeinheiten bzw. einen Monat Freiheitsstrafe. g) Bei der Bestimmung der Einzelstrafe für die Drohung gemäss Ziff. 1.5 der Anklageschrift ist betreffend die objektive Tatschwere gleichermassen wie schon vorgängig unter lit. e zu be- rücksichtigen, dass der Beschuldigte aus völlig nichtigem Anlass in der Fortsetzung einer von ihm selbst provozierten Auseinandersetzung den Privatkläg er erneut angegangen ist und die- sen ‒ nachdem er ihn bereits niedergeschlagen und verletzt hatte ‒ mit der Geste, dass er ihm den Hals aufschlitzen werde, in Angst und Schrecken versetzt hat. Relativierend wirkt sich hier aus, dass der Beschuldigte die vorangegangene Konfrontat ion offenbar noch nicht verarbeitet hat. In Anbetracht hiervon ist die objektive Tatschwere als leicht zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten wiederum ein direktvorsätzli ches Handeln anzulasten, was je- doch entkräftet wird durch die als Anlass dienende, nich t verarbeitete Vorgeschichte zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger. Folglich wirkt sich die subjektive Schwere der Tat nicht auf das objektive Tatverschulden aus. Demnach ist das Verschulden des Berufungsklä- gers bezüglich der Drohung gemäss Ziff. 1.5 der Anklages chrift als leicht zu werten. Nachdem als Strafart unter Berücksichtigung der präventiven Eff izienz nur eine Freiheitsstrafe in Frage kommt, führt dies unter Beachtung des abstrakten Strafrah mens zu einer weiteren Asperation um 20 Strafeinheiten bzw. 20 Tage Freiheitsstrafe. Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht h) Bei der Festlegung der Einzelstrafe für die versucht e Drohung gemäss Ziff. 1.1 der Ankla- geschrift ist betreffend die objektive Tatschwere gleichermassen wie schon vorgängig unter lit. e zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte aus völlig nichti gem Anlass im Rahmen einer von ihm selbst provozierten Auseinandersetzung dem Privatkläger gedroht hat, diesen umzubrin- gen, indem er ihn absteche bzw. aufschlitze. Relativieren d ist zu würdigen, dass der Privatklä- ger tatsächlich nicht in Angst und Schrecken versetzt wo rden ist, weshalb es nur bei einer ver- suchten Tathandlung geblieben ist. In Anbetracht hiervo n ist die objektive Tatschwere als sehr leicht zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Be schuldigten wiederum ein direktvorsätz- liches Handeln anzulasten, was jedoch entkräftet wird du rch die als Anlass dienende, nicht ver- arbeitete Vorgeschichte zwischen dem Beschuldigten und de m Privatkläger. Folglich wirkt sich die subjektive Schwere der Tat nicht auf das objektive Ta tverschulden aus. Demnach ist das Verschulden des Berufungsklägers bezüglich der versuchten Dro hung gemäss Ziff. 1.1 der An- klageschrift als sehr leicht zu werten. Nachdem als Strafa rt unter Berücksichtigung der präven- tiven Effizienz nur eine Freiheitsstrafe in Frage kommt, führt dies unter Beachtung des abstrak- ten Strafrahmens zu einer weiteren Asperation um zehn Strafeinheiten bzw. zehn Tage Frei- heitsstrafe. i) Bei der Ermittlung der Einzelstrafe für den Hausfrie densbruch gemäss Ziff. 1.2 der Ankla- geschrift ist betreffend die objektive Tatschwere gleichermassen wie schon vorgängig unter lit. e zu berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte im Rahmen eine r von ihm selbst provozierten Auseinandersetzung unmittelbar vor dem tätlichen Überg riff trotz mehrfacher Aufforderung durch den berechtigten Privatkläger geweigert hat, dessen Lokalität zu verlassen. Anderseits ist hierbei zu würdigen, dass das unberechtigte Verweilen i n der Bar tatsächlich nur von relativ kurzer Dauer gewesen ist. In Anbetracht hiervon ist die o bjektive Tatschwere als sehr leicht zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigt en wiederum ein direktvorsätzliches Handeln anzulasten, was jedoch entkräftet wird durch die als Anlass dienende, nicht verarbeite- te Vorgeschichte zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkl äger. Folglich wirkt sich die subjektive Schwere der Tat nicht auf das objektive Tatve rschulden aus. Demnach ist das Ver- schulden des Berufungsklägers bezüglich des Hausfriedensb ruchs gemäss Ziff. 1.2 der Ankla- geschrift als sehr leicht zu werten. Nachdem als Strafart unter Berücksichtigung der präventiven Effizienz nur eine Freiheitsstrafe in Frage kommt, führ t dies unter Beachtung des abstrakten Strafrahmens zu einer weiteren Asperation um zehn Str afeinheiten bzw. zehn Tage Freiheits- strafe. Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht j) Bei der Bestimmung der Einzelstrafe für die Körperver letzung gemäss Ziff. 2.1 der Ankla- geschrift ist auf der Seite der objektiven Tatkomponente n zu Lasten des Beschuldigten zu wür- digen, dass dieser aus völlig nichtigem Anlass ‒ auch in diesem Fall bloss weil ihm ein Ge- spräch verweigert worden ist ‒ im Rahmen einer von ihm selbst provozierten Auseinande rset- zung sein Gegenüber unvermittelt und unverhältnismässig h eftig attackiert und dieses dabei wiederum mit mehreren Faustschlägen gegen den Kopf zu Boden geschlagen hat, was bei un- günstigem Verlauf zweifellos zu ganz erheblichen Verle tzungen hätte führen können. Relativie- rend wirkt sich hingegen aus, dass auch dieser Privatkläger beim inkriminierten Übergriff tat- sächlich nur leicht verletzt worden ist, indem bei ihm zwe i ca. 3 × 3 Zentimeter grosse Hämato- me am rechten Hinterkopf sowie Absplitterungen an zwei S chneidezähnen diagnostiziert wor- den sind. Auf Grund dieser Umstände stuft das Kantonsgeri cht die objektive Tatschwere noch als leicht ein. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldig ten ein direktvorsätzliches Handeln an- zulasten, was leicht zu seinen Ungunsten zu werten ist. D ies wird jedoch wiederum abge- schwächt durch den Fakt, wonach Anlass für die ganze Ausein andersetzung offenbar eine bis- lang nicht verarbeitete Vorgeschichte zwischen dem Beschul digten und dem zweiten Privatklä- ger gewesen ist, welche Ersteren zum Tatzeitpunkt emotion al belastet hat. Infolgedessen wirkt sich die subjektive Schwere der Tat nicht auf das objektiv e Tatverschulden aus. Gestützt auf diese Erwägungen ist das Verschulden des Berufungsklägers b ezüglich der Körperverletzung gemäss Ziff. 2.1 der Anklageschrift noch als leicht einzus tufen. Nachdem als Strafart unter Be- rücksichtigung der präventiven Effizienz nur eine Freiheit sstrafe in Frage kommt, führt dies un- ter Beachtung des abstrakten Strafrahmens zu einer wei teren Asperation um 60 Strafeinheiten bzw. zwei Monate Freiheitsstrafe. k) Bei der Festlegung der Einzelstrafe für die versuchte Nötigung gemäss Ziff. 2.2 der An- klageschrift ist betreffend die objektive Tatschwere gle ichermassen wie schon vorgängig unter lit. j zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte aus völlig nichtigem Anlass in der Fortsetzung einer von ihm selbst provozierten Auseinandersetzung d en Privatkläger erneut angegangen ist und diesem ‒ nachdem er ihn zuvor niedergeschlagen und verletzt h atte ‒ gedroht hat, ihn zu töten, falls er die Polizei informieren würde. Relativierend ist zu würdigen, dass der Privatkläger ungeachtet der Drohung am Folgetag dennoch die Polize i verständigt hat, weshalb es nur bei einer versuchten Tathandlung geblieben ist. In Anbetr acht hiervon ist die objektive Tatschwere als sehr leicht zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht i st dem Beschuldigten wiederum ein di- Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht rektvorsätzliches Handeln anzulasten, was jedoch entkräfte t wird durch die als Anlass dienen- de, nicht verarbeitete Vorgeschichte zwischen dem Beschuld igten und dem Privatkläger. Folg- lich wirkt sich die subjektive Schwere der Tat nicht au f das objektive Tatverschulden aus. Dem- nach ist das Verschulden des Berufungsklägers bezüglich der versuchten Nötigung gemäss Ziff. 2.2 der Anklageschrift als sehr leicht zu werten. Nachdem als Strafart unter Berücksichti- gung der präventiven Effizienz nur eine Freiheitsstrafe in Frage kommt, führt dies unter Beach- tung des abstrakten Strafrahmens zu einer weiteren Asp eration um 20 Strafeinheiten bzw. 20 Tage Freiheitsstrafe. l) Bei der Ermittlung der Einzelstrafe für die fahrlässi ge Körperverletzung gemäss dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 29 . März 2021 ist betreffend die objektive Tatschwere zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte am 6. Ap ril 2020 um ca. 15:50 Uhr in Y.____ einen Lieferwagen zunächst ordnungsgemäss in ei nem Parkfeld am rechten Strassen- rand parkiert, dann aber beim Verlassen des Fahrzeuges di e Fahrertüre dieses Lieferwagens ohne Rücksicht auf einen herannahenden Fahrradfahrer u nd somit unter Missachtung der Vor- sichts- und Aufmerksamkeitspflichten geöffnet hat, wodurch der Fahrradfahrer in diese durch den Beschuldigten geöffnete Fahrertüre hineingefahren ist und sich durch den folgenden Sturz mehrere Verletzungen (Riss am rechten Ohrläppchen, lin ksseitige Prellung der Hüfte sowie Schnittwunde am linken Ellenbogen) zugezogen hat. In Anbetracht des Ausgeführten ist die objektive Tatschwere als leicht einzustufen. Die subjekti ven Tatkomponenten sind bei dem in casu zu würdigenden Fahrlässigkeitsdelikt neutral zu gewicht en, womit sich die subjektive Schwere der Tat nicht auf das objektive Tatverschulden auswirkt. Demnach ist das Verschulden des Berufungsklägers bezüglich der fahrlässigen Körperverletzung gemäss dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 29. März 2021 als lei cht zu werten. Nachdem als Strafart wiederum nur eine Freiheitsstrafe in Frage kommt, füh rt dies unter Beachtung des abstrakten Strafrahmens zu einer weiteren Asperation um 15 Strafeinheiten bzw. 15 Tage Freiheitsstrafe. m) Nach diesen Erwägungen ist für sämtliche zu beurteilen den Delikte (mit Ausnahme der Beschimpfungen, vgl. nachfolgend lit. r) unter Berücksich tigung des Asperationsprinzips eine tatbezogene hypothetische Gesamtstrafe von achteinhalb Monaten Freiheitsstrafe festzulegen. n) In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob diese tatb ezogene Gesamtstrafe aufgrund der besonderen Täterkomponenten anzupassen ist. Einleitend f estzuhalten ist hierbei, dass die Seite 38 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesbezüglich massgeblichen Faktoren Vorleben, persönlich e Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren für alle vorgängig geschilderten Straftaten grundsätzlich gleichermassen gelten. In diesem Zusammenhang ist zu e rwägen, dass der Beschuldigte am 1.____ in Y.____ geboren und zusammen mit seinen Elt ern und seiner jüngeren Schwester in X.____ und später in Z.____ in geregelten Verhältnissen aufgewachsen ist. Nach der obligatori- schen Schule hat er zunächst eine Maurerlehre begonnen, welche er aber, nicht zuletzt auf- grund seiner Drogensucht, abgebrochen hat. Danach hat er verschiedentlich temporär gearbei- tet. Zum heutigen Zeitpunkt ist er, wiederum temporä r, als Asbestsanierer tätig. Aktuell verdient der Beschuldigte im Rahmen seiner unregelmässigen Beschäf tigung rund CHF 4'000.-- pro Monat; daneben hat er gemäss eigenen Angaben ca. CHF 2 00'000.-- Schulden. In familiärer Hinsicht ist zu bemerken, dass der Beschuldigte zusammen mit seiner ehemaligen Freundin einen inzwischen erwachsenen Sohn hat. Eine besondere Str afempfindlichkeit ist nicht zu er- kennen. Hinsichtlich des Gesundheitszustandes des Beschuldigt en liegen keine Umstände vor, welche Anlass zu besonderen Bemerkungen geben würden. Zu berücksichtigende Reue oder Einsicht werden nicht vorgebracht. Vielmehr schiebt der Beschuldigte nach wie vor die Verant- wortung für seine Tathandlungen den Privatklägern zu, w elche angeblich nicht bereit gewesen seien, Vorkommnisse aus der Vergangenheit mit ihm zu klä ren. Dies alles ist soweit neutral zu werten. Erheblich zu Ungunsten des Beschuldigten sprechen demgegenüber die aktenkundigen Vorstrafen (gemäss dem Strafregisterauszug vom 20. Mai 2022). So ist dieser mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 11. März 2013 weg en mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln, Vereitelung von Massnahmen zur Festste llung der Fahrunfähigkeit und pflichtwidrigem Verhalten bei einem Unfall zu einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu jeweils CHF 70.-- verurteilt worden. Weiter ist der Beschuldigte mit Entscheid des Strafge- richtspräsidiums Basel-Stadt vom 4. November 2013 wegen e infacher Körperverletzung, mehr- facher Drohung und Nötigung zu einer unbedingten Frei heitsstrafe von sieben Monaten verur- teilt worden. Zudem ist der Beschuldigte mit Strafbefe hl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 19. Februar 2016 wegen Sachbeschädigung, mehrfacher Nötigung, mehrfachen Hausfrie- densbruchs, geringfügigen Diebstahls sowie Verstosses geg en das Betäubungsmittelgesetz zu gemeinnütziger Arbeit im Umfang von 496 Stunden verurt eilt worden. Schliesslich ist der Be- schuldigte mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel -Stadt vom 29. März 2021 wegen fahr- lässiger Körperverletzung zu einer unbedingten Freihe itsstrafe von 30 Tagen verurteilt worden. Letzteres Verdikt macht deutlich, dass dem Beschuldigten auch nach den vorliegend inkrimi- nierten Ereignissen offensichtlich kein Wohlverhalten attestiert werden kann. In Anbetracht hier- Seite 39 http://www.bl.ch/kantonsgericht von drängt sich aufgrund der besonderen Täterkomponenten eine Anpassung der tatbezogenen Gesamtstrafe im Sinne einer Erhöhung um eineinhalb Monate Freiheitsstrafe auf. o) Tat- und täterunabhängige Strafzumessungsfaktoren (Ve rletzung des Beschleunigungs- gebotes nach Art. 5 StPO; Zeitablauf gemäss Art. 48 l it. e StGB) sind in casu keine zu berück- sichtigen, womit sich in Würdigung sämtlicher Tat- und T äterkomponenten eine hypothetische Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten als angemessen erweist. p) Von dieser hypothetischen Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten ist die rechtskräftige Grundstrafe von 30 Tagen bzw. einem Monat Freiheitsstra fe gemäss dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 29. März 2021 in Abz ug zu bringen, was im Ergebnis zu einer definitiven Zusatzstrafe von neun Monaten Freiheitsstrafe zum genannten Entscheid führt. In diesem Sinne ist in teilweiser Gutheissung der Ber ufung des Beschuldigten und entspre- chender Abänderung des angefochtenen Urteils der Beruf ungskläger im vorliegenden Verfah- ren zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten zu verurteilen. q) Bei diesem Strafmass ist der bedingte Strafvollzug nach Art. 42 Abs. 1 StGB grundsätz- lich möglich. Vorliegend ist aber Art. 42 Abs. 2 StGB z u beachten, wonach der Aufschub, wenn der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Ta t zu einer bedingten oder unbedingten Frei- heitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt worde n ist, nur zulässig ist, wenn besonders günstige Umstände vorliegen. Für die Berechnung der F ünfjahresfrist sind der Zeitpunkt der Verurteilung und jener der neuen Tat massgebend (R OLAND M. S CHNEIDER / ROY GARRÉ , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 201 9, N 95 zu Art. 42 StGB). Nach den vor- stehenden Erwägungen zu den Vorstrafen des Beschuldigte n steht fest, dass dieser mit Ent- scheid des Strafgerichtspräsidiums Basel-Stadt vom 4. Nove mber 2013 wegen einfacher Kör- perverletzung, mehrfacher Drohung und Nötigung zu eine r unbedingten Freiheitsstrafe von sie- ben Monaten verurteilt worden ist. Die vorliegend zu beurteilenden Delikte haben am 24./25. Februar 2018 sowie am 7. Oktober 2018 und dam it innerhalb von fünf Jahren seit der letzten Verurteilung stattgefunden, weshalb in casu i n Anwendung von Art. 42 Abs. 2 StGB be- sonders günstige Umstände vorliegen müssten, um einen Auf schub zu rechtfertigen. Solche sind ohne jeden Zweifel nicht gegeben. Angesichts der mehrfachen und teilweise einschlägigen Delinquenz (trotz teilweiser Bewährungshilfe), seiner fehlenden längerfristigen beruflichen Per- spektive, seines mangelnden festen Wohnsitzes, der offensi chtlichen Gewalt- und Suchtmittel- Seite 40 http://www.bl.ch/kantonsgericht problematik sowie der nicht bestehenden familiären ode r anderweitigen sozialen Unterstützung muss die Legalprognose beim Beschuldigten als sehr schlecht bezeichnet werden. Infolgedes- sen ist die definitive Zusatzstrafe von neun Monaten unbe dingt auszusprechen. Damit kommt im Übrigen die von ihm begehrte Anordnung von Bewähr ungshilfe von vornherein nicht in Be- tracht (vgl. Art. 44 Abs. 2 StGB). r) Bei der Bestimmung der Strafeinheiten für die jewei ligen Beschimpfungen ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die zu bewertenden Tathandl ungen in einem äusserst engen Konnex zueinander stehen. Nach erfolgter Einzelasperation de r entsprechenden Einheiten in jeweiliger Bewertung der objektiven Tatschwere ist zu veranschlagen , dass die vom Beschuldigten ver- wendeten Begriffe "Arschloch" und "Schafseckel" im Ra hmen eines emotional aufgeladenen Streits gefallen sind. Gestützt hierauf ist die objektive Tatschwere jeweils als sehr leicht einzu- stufen. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten vorzuwerfen, dass er jeweils direktvorsätz- lich gehandelt hat, was in concreto neutral zu gewichte n ist, weshalb die subjektive Schwere der Tat das objektive Tatverschulden jeweils nicht relati viert. In Bezug auf die Wahl der Sankti- onsart ist angesichts des abstrakten Strafrahmens festzuste llen, dass nur eine Geldstrafe ver- hängt werden kann. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips ergibt dies ‒ nachdem sich diesbezüglich weder aufgrund der besonderen Täterkomp onenten noch gestützt auf tat- und täterunabhängige Strafzumessungsfaktoren eine Anpassung aufdrängt ‒ für die mehrfache Tatbegehung im Ergebnis eine Gesamtgeldstrafe von zehn T agessätzen. Bezüglich der Höhe des einzelnen Tagessatzes ist angesichts der bescheidenen wi rtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten der Mindestansatz von CHF 30.-- gemäss Ar t. 34 Abs. 2 StGB festzulegen. Die- se Geldstrafe ist, wie bereits im Zusammenhang mit der Freiheitsstrafe erkannt, angesichts der sehr schlechten Legalprognose des Beschuldigten unbedingt zu verhängen. Soweit die Geld- strafe nicht bezahlt wird und diese auch auf dem Betreib ungsweg nicht einbringlich ist, tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von zehn Tagen (Art. 36 Abs. 1 StGB). s) Zusammenfassend ist der Beschuldigte in teilweiser Guthe issung seiner Berufung und damit in entsprechender Abänderung des angefochtenen Ur teils der mehrfachen, teilweise ver- suchten Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB, teil weise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), der mehrfachen, teilweise versuchten Drohung (A rt. 180 Abs. 1 StGB, teilweise in Ver- bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), der versuchten Nötig ung (Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), des Hausfriedensbruchs (Art. 186 StGB) sowie der mehrfachen Be- Seite 41 http://www.bl.ch/kantonsgericht schimpfung (Art. 177 StGB) schuldig zu sprechen und ‒ als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 29. März 2021 ‒ zu einer unbedingt vollziehbaren Frei- heitsstrafe von neun Monaten sowie zu einer ebenfalls un bedingt vollziehbaren Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je CHF 30.-- (bzw. im Falle der Nich tbezahlung der Geldstrafe und der Uneinbringlichkeit auf dem Betreibungsweg zu einer Ersa tzfreiheitsstrafe von zehn Tagen) zu verurteilen. 8. Zivilforderungen 8.1 Genugtuung an den Privatkläger A.____ a) Diesbezüglich hat die Vorinstanz erwogen, der Privatklä ger lege nicht dar, welcher Art und von welchem Ausmass die erlittene immaterielle Unbil l sei. Andererseits sei offenkundig, dass der Beschuldigte durch die Delikte (insbesondere die K örperverletzung und die Drohung) eine immaterielle Unbill in Form von Schmerzen und An gst verursacht habe. Angesichts der erlittenen Verletzungen erreiche diese vorliegend knap p das Ausmass, ab welchem praxisge- mäss eine Genugtuung zugesprochen werde. Folglich erschei ne es angemessen, dem Privat- kläger eine solche in der Höhe von CHF 500.-- zuzüglich 5 % Zins seit dem 24. Februar 2018 zuzusprechen und den Beschuldigten zur entsprechenden Beza hlung zu verurteilen. Die dar- über hinausgehende Forderung sei hingegen abzuweisen. b) Der Beschuldigte hat die Verurteilung zur Leistung e iner Genugtuung an A.____ ange- fochten und diesbezüglich ausgeführt, er sei damit nich t einverstanden, weil die Vorgeschichte mit diesem belastet sei und der Privatkläger überdies mi t einem Tritt gegen ihn die Auseinan- dersetzung begonnen habe. c) Nach der Praxis des Bundesgerichts kann gemäss Art. 47 OR bei einer Körperverletzung das Gericht unter Würdigung der besonderen Umstände de r verletzten Person eine angemes- sene Geldsumme als Genugtuung zusprechen. Die Genugtuun g bezweckt den Ausgleich für erlittene seelische Unbill. Ihre Bemessung richtet sich im Wesentlichen nach der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der A uswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, dem Grad des Verschuldens des Haftpflichtig en, einem allfälligen Selbstverschul- Seite 42 http://www.bl.ch/kantonsgericht den des Geschädigten sowie der Aussicht auf Linderung d es Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrags. Die Festsetzung der Höhe der Genug tuung ist eine Entscheidung nach Bil- ligkeit und beruht auf richterlichem Ermessen. Sie ist ni cht schematisch vorzunehmen, sondern muss dem Einzelfall angepasst werden (BGer 6B_857/2015 vom 21. März 2016 E. 3.2; 6B_768/2014 vom 24. März 2015 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 141 IV 97). d) Im vorliegenden Fall steht aufgrund der nicht angefo chtenen erstinstanzlichen Verurtei- lung wegen Körperverletzung fest, dass der Privatkläge r A.____ durch die Tathandlungen des Beschuldigten folgende Verletzungen erlitten hat: eine Gesichtsprellung links, eine Druckdolenz über dem linken Jochbein, über dem linken Kiefergelen k und dem linken Tragus mit feinem Hämatom über dem Kiefergelenk, einen wackeligen Zahn s owie eine Druckdolenz über der rechten Schulter. Dieses Verletzungsbild stellt zweifellos eine immaterielle Beeinträchtigung dar und rechtfertigt in der Folge die grundsätzliche Zusp rechung einer Genugtuung. Allerdings hat bereits die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, dass d er Privatkläger es versäumt hat, seinen Anspruch näher zu substantiieren. Dies hat zur Folge, dass lediglich von einem knappen Erreichen der eine Ausgleichszahlung rechtfertigenden Ei ngriffsintensität auszugehen ist. Ge- stützt auf diese Erkenntnis ist die Höhe der Genugtuung u nter Berücksichtigung der bekannten konkreten Umstände nach Ermessen des Kantonsgerichts auf e inen Betrag in der Höhe von CHF 300.-- festzusetzen (zuzüglich 5 % Zins seit dem 24. Februar 2018). Nicht zu berücksichti- gen ist hierbei der Einwand des Beschuldigten, wonach d ie Vorgeschichte zwischen ihm und dem Privatkläger belastet sei, nachdem er in keiner Weis e darlegt, inwiefern dieser Umstand Auswirkungen auf die Festlegung der spezifischen Genugtuun gshöhe haben sollte. Abgesehen davon könnte dieser Fakt schon deshalb nicht zugunsten de s Beschuldigten gewürdigt werden, weil sich dieser angesichts der in diesem Zusammenhang b ereits gegen ihn ergangenen Straf- befehle und Urteile (vgl. den Strafbefehl der Staatsa nwaltschaft Basel-Landschaft vom 31. Ja- nuar 2012, wonach der Beschuldigte wegen einfacher Körp erverletzung, geringfügiger Sachbe- schädigung und Drohung zum Nachteil von A.____ zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu jeweils CHF 50.-- sowie zu einer Busse von CHF 1'200.-- verurteilt wor- den ist [act. 19 ff.]; ausserdem ist der Beschuldigte mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel- Stadt vom 4. November 2013 unter anderem wegen Drohu ng zum Nachteil des Privatklägers schuldig gesprochen worden [act.25 ff.]) offensichtlich zu einem ganz wesentlichen Anteil hier- für verantwortlich zeigt. Ebenfalls nicht zu beachten ist die Behauptung des Beschuldigten, wo- nach der Privatkläger den Streit mit einem Tritt provoziert haben soll. Diesbezüglich ist vielmehr Seite 43 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter Verweis auf die entsprechenden Erwägungen der Vo rinstanz zum nicht angefochtenen Tatbestand der einfachen Körperverletzung (E. I.2.1.2 S. 6) festzustellen, dass der Beschuldigte die tätliche Auseinandersetzung gesucht und auch begonnen hat. Infolgedessen wird der Beschuldigte in teilweiser Gutheissung seiner diesbezüglichen Berufung und entsprechender Abänderung des erstinstanzlichen Urt eils dazu verurteilt, CHF 300.-- Ge- nugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 24. Februar 2018 an A.____ zu bezahlen. 8.2 Parteientschädigung an den Privatkläger A.____ a) Unter diesem Titel haben die Vorderrichter den Beschul digten in Anwendung von Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO dazu verurteilt, dem Betroffenen gestützt auf die Honorarnote dessen Rechts- vertreters sowie unter Berücksichtigung eines reduzierten S tundenansatzes von CHF 230.-- einen Betrag in der Höhe von insgesamt CHF 4'253.20 ( inklusive Hauptverhandlung, Weg, Nachbesprechung, Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. b) Der Beschuldigte hat seine diesbezügliche Berufung d ahingehend begründet, dass die Verpflichtung zur Leistung von Schadenersatz im Sinn e der verhängten vollen Parteientschädi- gung angesichts des Verhältnisses zwischen der ursprünglichen Forderung und der tatsächlich zugesprochenen Genugtuung zu hoch sei, zumal der Schaden ersatz in der Höhe von rund CHF 500.-- immer zugestanden gewesen sei. c) Die Privatklägerschaft ist Partei im Strafverfahren (Ar t. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Als Privat- klägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich e rklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Geschädigt im Sinne von Art. 118 Abs. 1 StPO ist, wer durch die Straftat in seinen Re chten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Der Strafantrag ist der Erklär ung nach Art. 118 Abs. 1 StPO gleichge- stellt (Art. 118 Abs. 2 StPO). Die geschädigte Person ka nn sich gemäss Art. 119 Abs. 2 lit. a und lit. b StPO als Straf- und/oder Zivilklägerin am S trafverfahren beteiligen. Strafkläger ist, wer die Verfolgung und Bestrafung der für die Straftat verantwortlichen Person verlangt (Art. 119 Abs. 2 lit. a StPO), Zivilkläger, wer adhäsionsweise priva trechtliche Ansprüche geltend macht, die aus der Straftat abgeleitet werden (Art. 119 Abs. 2 lit. b StPO). Kommt es zu einer Verurtei- lung der beschuldigten Person, obsiegt die Privatklägersc haft als Strafklägerin. Gestützt auf Seite 44 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO ist sie für die ihr im Zusa mmenhang mit der Strafklage erwachsenen Kosten der privaten Verteidigung zu entschädigen. Geschuld et ist nach dem Wortlaut von Art. 433 Abs. 1 StPO eine angemessene Entschädigung fü r notwendige Aufwendungen. Die Aufwendungen im Sinne von Art. 433 Abs. 1 StPO betref fen in erster Linie die Anwaltskosten, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfahren selbst verursacht worden und für die Wah- rung der Interessen der Privatklägerschaft notwendig gewesen sind (vgl. zum Ganzen BGE 139 IV 102 E. 4.1 ff.). Was unter einer angemessenen Entsch ädigung für notwendige Aufwendun- gen zu verstehen ist, wird von der Rechtsprechung nicht abschliessend umschrieben. Beim Entscheid hierüber verfügt das Gericht über ein weites Ermessen (BGer 6B_981/2017 vom 7. Februar 2018 E. 4.3.1 f.; Y VONA GRIESSER , in: Kommentar zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung, 3. Auflage, Zürich / Basel / Genf 2020, N 1b ff. zu Art. 433 StPO, mit Hinweisen). d) In casu steht gestützt auf die Verfahrensakten und namen tlich das Verhandlungsprotokoll des Strafgerichts vom 10. Juni 2021 (act. S 239 ff., in sbesondere S 263) fest, dass sich der Rechtsvertreter des sich als Straf- und Zivilkläger am Strafverfahren beteiligenden Privatklägers (vgl. act. 99) anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhan dlung sowohl zum Straf- wie auch zum Zivilpunkt geäussert hat. Angesichts der vorinstanzlichen Verurteilungen, bestätigt durch den vorliegenden Entscheid des Kantonsgerichts, ergeben si ch sodann keine Zweifel, dass der Privatkläger im Zivilpunkt teilweise und im Strafpunkt ganz überwiegend obsiegt hat. Hieraus folgt, dass er grundsätzlich Anspruch auf eine angemessen e Entschädigung für die notwendi- gen Aufwendungen seines Rechtsvertreters hat. Als notwendi ge Aufwendungen gelten dabei aber nicht sämtliche vom Anwalt erbrachte Leistungen, s ondern nur diejenigen, welche entwe- der wesentlich zur Abklärung der Strafsache beigetragen haben oder die im Hinblick auf die sich stellenden rechtlichen Fragen gerechtfertigt erschei nen. Nach Dafürhalten des Kantonsge- richts betrifft dies ‒ nebst den Auslagen und der ausgewiesenen Mehrwertsteu er ‒ vorliegend bloss diejenigen Aufwendungen, welche im Zusammenhang m it der Teilnahme an der erstin- stanzlichen Hauptverhandlung sowie einer entsprechenden Vorbereitungszeit hierzu stehen. In Anbetracht hiervon berechnet sich die angemessene Entschädi gung in concreto wie folgt: drei- einviertel Stunden Aufwand für die Hauptverhandlung p lus eine Stunde Aufwand für den Weg plus eine Stunde Aufwand für die Urteilseröffnung pl us pauschal zwei Stunden Vorbereitungs- zeit zu jeweils CHF 230.--/h (= CHF 1'667.50) plus Auslagen (= CHF 15.90) plus Mehrwertsteu- er (= CHF 129.60), was im Ergebnis einen Betrag von C HF 1'813.-- ergibt. Folglich hat der Be- Seite 45 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldigte dem Privatkläger A.____ unter dem Titel von Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO eine Ent- schädigung im genannten Umfang von CHF 1'813.-- zu entrichten. Demnach wird der Beschuldigte in teilweiser Gutheissung seiner diesbezüglichen Berufung und entsprechender Abänderung des erstinstanzlichen Urteils dazu verurteilt, A.____ gemäss Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO eine reduzierte Parteient schädigung in der Höhe von insgesamt CHF 1'813.-- (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 9. Kostenfolge 9.1 Kantonsgericht a) Nach Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Ko sten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Bei vorli egendem Verfahrensausgang ‒ indem die Berufung des Beschuldigten in dem Sinne teil weise gutgeheissen wird, als sowohl das Strafmass (von zehn auf neun Monate Freiheitsstrafe) wie auch die an den Privatkläger zu leistende Genugtuung (von CHF 500.-- auf CHF 300.--) und Entschädigung (von CHF 4'253.20 auf CHF 1'813.--) reduziert werden, im Übrigen jedoch dessen Rechtsmittel namentlich in Be- zug auf die vollumfänglich zu bestätigenden Schuldsprüche abgewiesen wird ‒ rechtfertigt es sich, die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 9'100.-- (beinhal- tend eine Gebühr von CHF 9'000.-- [sechs Stunden Verha ndlung zu jeweils CHF 1'500.--/h] sowie pauschale Auslagen von CHF 100.--) im Umfang von 80 % (= CHF 7'280.--) zu Lasten des Berufungsklägers und im Umfang von 20 % (= CHF 1'820.--) zu Lasten des Staates zu ver- teilen. b) Im Hinblick auf die ausserordentlichen Kosten ist zu erken nen, dass dem Rechtsvertreter des Beschuldigten, Advokat Dr. Matthias Aeberli, zufolg e Bewilligung der amtlichen Verteidi- gung für das Berufungsverfahren gestützt auf dessen Honorarnote vom 20. Juni 2022 ein Hono- rar in der Höhe von insgesamt CHF 2'912.55 (inklusive zwei einviertel Stunden Hauptverhand- lung, eineinhalb Stunden Urteilseröffnung sowie Nachb esprechung und eine Stunde Weg [je- weils zu CHF 200.--/h], Auslagen und CHF 208.25 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates aus- gerichtet wird. Der Beschuldigte wird zur Rückzahlung de r Entschädigung der amtlichen Vertei- Seite 46 http://www.bl.ch/kantonsgericht digung im Umfang von 80 % (= CHF 2'330.05) an den Ka nton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 9.2 Strafgericht Nachdem schliesslich die Berufung des Beschuldigten im kan tonsgerichtlichen Verfahren im Hinblick auf die zur Anklage gebrachten Sachverhalte un d die daraus resultierenden Verurtei- lungen vollumfänglich abgewiesen wird, besteht keine Ve ranlassung, an der erstinstanzlichen Kostenverteilung eine Änderung vorzunehmen. Seite 47 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vo m 10. Juni 2021, lautend: "1. C.____ wird der mehrfachen, teilweise versuchten Körp erverlet- zung, der mehrfachen, teilweise versuchten Drohung, d er ver- suchten Nötigung, des Hausfriedensbruchs sowie der mehrfa - chen Beschimpfung schuldig gesprochen und als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel- Stadt vom 29. März 2021, zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten, sowie zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 30.00 verurteilt, im Falle der Nichtbezahlung der Geldstrafe und deren Unein- bringlichkeit auf dem Betreibungsweg tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen, in Anwendung von Art. 123 Ziff. 1 StGB (teilw. i.V.m . Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 177 Abs. 1 StGB, Art. 180 Abs. 1 StGB (teilw. i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 181 StGB i.V.m. Ar t. 22 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 34 StGB, Art. 36 Abs. 1 St GB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 2 StGB sowie Art. 49 Abs. 1 und Ab s. 2 StGB. 2. Der beschlagnahmte Klappstuhl wird dem Privatkläger A. ____ zurückgegeben. Dem Privatkläger wird nach Rechtskraft des Ur- teils vom Fund- und Verwertungsdienst, Oristalstrasse 100 , 4410 Liestal eine Frist zur Abholung gesetzt, unter An drohung der Verwertung/Vernichtung des Gegenstandes im Unter las- sungsfalle. 3. Der Beurteilte wird bei seiner Anerkennung behafte t, CHF 567.80 Schadenersatz zzgl. 5% Zins seit dem 27. Februar 2019 an A.____ zu bezahlen. Seite 48 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Beurteilte wird dazu verurteilt, CHF 500.00 Gen ugtuung zzgl. 5% Zins seit dem 24. Februar 2018 an A.____ zu b ezah- len. Die Mehrforderung wird abgewiesen. 4. Der Beurteilte wird dazu verurteilt, A.____ gemäss Ar t. 433 Abs. 1 lit. a StPO eine Parteientschädigung in Höhe vo n CHF 4'253.20 zu bezahlen. 5. Der Beurteilte trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfah - rens von CHF 3'051.00 und der Gerichtsgebühr von CHF 6'000.00. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtli che Gebühr auf CHF 3'000.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT)." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuldigten i n den Ziffern 1, 3 und 4 wie folgt geändert : 1. C.____ wird der mehrfachen, teilweise versuchten Körp erverlet- zung, der mehrfachen, teilweise versuchten Drohung, de r ver- suchten Nötigung, des Hausfriedensbruchs sowie der mehrf a- chen Beschimpfung schuldig gesprochen und als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Ba sel- Stadt vom 29. März 2021, zu einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten , sowie zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 30.-- verurteilt, im Falle der Nichtbezahlung der Geldstrafe und der Une inbring- lichkeit auf dem Betreibungsweg tritt an deren Stelle eine Er- satzfreiheitsstrafe von 10 Tagen, in Anwendung von Art. 123 Ziff. 1 StGB (teilw. i.V.m . Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 177 Abs. 1 StGB, Art. 180 Abs. 1 StGB (teilw. Seite 49 http://www.bl.ch/kantonsgericht i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 181 StGB i.V.m. Ar t. 22 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 34 StGB, Art. 36 Abs. 1 St GB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 2 StGB sowie Art. 49 Abs. 1 und Ab s. 2 StGB. 3. Der Beschuldigte wird bei seiner Anerkennung behafte t, CHF 567.80 Schadenersatz zzgl. 5 % Zins seit dem 27. Februar 2019 an A.____ zu bezahlen. Der Beschuldigte wird dazu verurteilt, CHF 300.-- Genugtuung zzgl. 5 % Zins seit dem 24. Februar 2018 an A.____ zu b ezah- len. Die Mehrforderung wird abgewiesen. 4. Der Beschuldigte wird dazu verurteilt, A.____ gemäss Ar t. 433 Abs. 1 lit. a StPO eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von CHF 1'813.-- (inklusive Auslagen und Mehrwertsteu- er) zu bezahlen. Im Übrigen wird das angefochtene Urteil bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 9'100.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 9'000. -- sowie Auslagen von CHF 100.--) gehen im Umfang von 80 % (= CHF 7'280.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umf ang von 20 % (= CHF 1'820.--) zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung für das Berufungs- verfahren wird dem Rechtsvertreter des Beschuldigten, Advokat Dr. Matthias Aeberli, ein Honorar in der Höhe von i nsgesamt CHF 2'912.55 (inklusive Hauptverhandlung, Weg, Auslage n und CHF 208.25 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Der Beschuldigte wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung im Umfang von 80 % (= CHF 2'33 0.05) an den Kanton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es sei ne wirt- Seite 50 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist rechtskräftig.