Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Juli 2022 (725 22 48 / 158) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Beurteilung der Kausalität; Bemessung der Invalidität Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1960 geborene A.____ war zuletzt seit dem 1. Mai 2017 in einem befristeten Ar- beitsverhältnis bei der B.____GmbH in X.____ als Baua rbeiter ohne abgeschlossene Berufs- ausbildung beschäftigt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungs- anstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 5. Mai 2017 stolperte er auf der Baustelle über ein Kantholz und stürzte aus einer Höhe von ungefähr 1,5 Metern auf einen schräg abfallenden Schotterrasen. Dabei zog er sich gemäss Bericht des Spitals C.____, Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsa pparates, vom 6. Juli 2017 Deckplat- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten-Impressionsfrakturen BWK 3 und 4 und eine distale i ntraartikuläre Radiusfraktur links zu. Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folg en dieses Ereignisses und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Taggelder, Heilbehandlung). N ach Abklärungen qualifizierte sie die darüber hinaus geklagten Beschwerden im Bereich der HWS und der LWS, der linken Schulter und dem linken Ellbogen sowie die psychischen Beschwerden als unfallfremd und erachtete eine Behandlung der Unfallfolgen nicht mehr als not wendig. Mit Schreiben vom 30. Mai 2018 stellte sie die Heilkosten- und Taggeldleistungen per En de Juli 2018 ein. Mit Verfügung vom 24. August 2018 und Einspracheentscheid vom 5. Januar 2022 verneinte sie bei einem Invalidi- tätsgrad von 8 % einen Anspruch auf eine Invalidenre nte und erachtete die Voraussetzungen für eine Integritätsentschädigung als nicht erfüllt. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Nico lai Fullin, am 3. Februar 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte, in Gutheissung der Beschwerde sei der Einsp racheentscheid vom 5. Januar 2022 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm für die Folgen des Unfalls vom 5. Mai 2017 eine Invalidenrente auszurichten. Eventuali ter seien weitere medizinische Abklä- rungen zur Arbeitsfähigkeit zu tätigen und hernach ern eut über den Leistungsanspruch zu ent- scheiden; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass die Un- fallkausalität der Beschwerden im linken Ellbogen sowie in der linken Schulter ungenügend ab- geklärt und zudem die Bemessung der Invalidität fehlerhaft sei. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 25. April 2022 auf Ab- weisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Y.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 3. Februar 2022 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist einzig der Anspruch des V ersicherten auf eine Invalidenrente. Der verneinte Anspruch auf eine Integritätsentschädig ung ist mangels Anfechtung in (Teil-) Rechtskraft erwachsen und deshalb nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeits- unfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilwei ser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge sundheitszustands der versicher- ten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali- denversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus , dass zwischen dem versicher- ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankhei t, Arbeitsunfähigkeit) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 1 77 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, o hne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur glei- chen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspreche nd dieser Umschreibung ist für die Be- jahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforder lich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperl iche oder geistige Integrität der versi- cherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit and eren Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche S törung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruches nicht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Für eine Bejahung der Leistungspflicht des Unfallve rsicherers muss zwischen dem Un- fallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nur ein natürlicher, sondern auch ein adäqua- ter Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtsprechun g hat ein Ereignis dann als adä- quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des einge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als be- günstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinweis). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haft ungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheit- lichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Do ktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (Urteil des Bundesgerichts vo m 3. Dezember 2010, 8C_626/2010, E. 5; BGE 112 V 30 E. 1b). 4.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Be- weisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdige n. Dies bedeutet, dass das Sozial- versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Sit uation einleuchtet und ob die Schluss- folgerungen der Expertin oder des Experten begründet si nd (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. 6.2 Im Bericht des Spitals C.____, Klinik für Orthopädi e und Traumatologie des Bewe- gungsapparats, vom 24. Oktober 2017 wurden linksseitig ei ne posttraumatische Schultersteife (Stadium II) mit/bei Status nach Sturz am 5. Mai 2017, eine Kontusion der HWS/BWS, Deck- plattenimpressionsfrakturen BWK 3 und BWK 4, ein Verda cht auf eine Pseudarthrose BWK 3 und eine distale, intraartikuläre Radiusfraktur links d iagnostiziert. Der Versicherte klage seit ge- raumer Zeit über akute Schulterschmerzen und es sei ihm nicht mehr möglich, den Arm stark zu abduzieren oder zu flektieren. Das Schulterrelief sei symmetrisch. Es bestünden periscapuläre Druckdolenzen und ein endgradiger Kapseldehnungsschmerz. Die Rotatorenmanschette sei kräftig, aber schmerzhaft und der Bellypress-Test sei mit positivem Napoleonzeichen. Der Hook-Test sei negativ. In der Thorax-Computertomographi e vom 6. Mai 2017 seien keine fri- schen ossären Läsionen im Bereich des Sternums objektivierba r. Das Brustbein-Schlüsselbein- Gelenk sei zentriert. Das Röntgenbild der Schulter lin ks vom 9. September 2017 zeige auch keine frischen ossären Läsionen, die Stellung des Schulte rgelenks sei regelrecht. Eine AC- Gelenksluxation sei nicht ersichtlich. 6.3 Am 28. November 2017 wurde der Versicherte kreisär ztlich untersucht. Gleichentags stellte Dr. med. D.____, Facharzt für Orthopädische Chi rurgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, fest, dass der Versicherte am 5. Mai 20 17 eine distale Radiusfraktur links und eine Deckplattenimpressionsfraktur BWK 3 und BWK 4 ohne Hinterkantenbeteiligung erlitten habe. Noch nicht geklärt sei die Kausalität der Beschwer den in der linken Schulter. Aufgrund der guten klinischen Entwicklung und des konsolidierten rad iologischen Befunds sei hinsichtlich des linken Handgelenks der medizinische Endzustand eingetreten. 6.4 Am 14. Dezember 2017 wurde im Institut für Radio logie und Nuklearmedizin des Spitals C.____ eine Magnetresonanztomographie (MRT) der linken Schulter durchgeführt. In der Folge wurde berichtet, dass eine ansatznahe kleine Partialruptu r der Sehne des Musculus Supraspi- natus sowie eine Partialruptur der Sehne des Musculus Sub scapularis am Oberrand über ein Drittel des Querschnitts festgestellt worden seien. Die r estlichen Sehnen der Rotatorenman- schette seien intakt. Es bestünden weder fettige Involu tionen der Muskelbäuche noch Hinweise auf eine Tendinopathie der langen Bizepssehne. Hingege n lägen eine gering aktivierte AC- Gelenksarthrose sowie ein Verdacht auf eine Partialruptur des mittleren glenohumeralen Bands Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und des anterior inferioren Labrums mit Reparations gewebe wie bei einer chronischen GLAD Läsion vor. 6.5 Die Suva beauftragte Dr. med. E.____, FMH Neuro logie, mit einer Beurteilung der Kopf- und Nackenbeschwerden. Am 26. März 2018 diagnostizierte e r ein chronisches zerviko- thorakales Schmerzsyndrom mit zephaler Komponente, einen S tatus nach Sturz am 5. Mai 2017 mit Distorsion und Kontusion von HWS und BWS sowie eine mögliche milde traumatische Hirnschädigung (Commotio cerebri), leichte Deckplatteni mpressionsfrakturen BWK 3 mehr als BWK 4 ohne Anhaltspunkte für eine Myelo- oder Radikulop athie sowie einen Status nach Auto- unfall mit HWS resp. Wirbelsäulen-Distorsionstrauma am 6 . Dezember 2012. Es persistiere ein als chronisch zu bezeichnendes zerviko-thorakales Schmerzsyndrom mit zum Teil – zumindest im Nacken – vorbestehenden Beschwerden nach dem Unfall im Jahr 2012 und akzentuiert – respektive im Bereich der BWS ausgelöst – durch einen S turz vom 5. Mai 2017 mit Distorsion und Kontusion der HWS und BWS. Bildgebend seien Deckp lattenimpressionsfrakturen BWK 3 und BWK 4 festgestellt worden. Eine Kopfschmerzproblematik stünde nicht im Vordergrund und die Ausstrahlungen in den Hinterkopf könnten dem Zervi kalsyndrom im Sinne einer zephalen Komponente zugeordnet werden. Möglicherweise habe der Versicherte eine milde traumatische Hirnschädigung durchgemacht. Er beschreibe eine posttrau matische Gedächtnislücke, wobei keine darauf zurückzuführenden Beschwerden mehr bestünden. Aus neurologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. 6.6 Die Suva beauftragte Prof. Dr. med. F.____, FMH Radiologie, Institut für Radiologie und Nuklearmedizin, mit einer Befundung der MRI-Diagnostik der linken Schultern vom 14. Dezem- ber 2017. Am 5. April 2018 führte er aus, es liege ei ne artikulärseitige Partialruptur der Supra- spinatussehne mit Beteiligung des tendo-ossären Übergangs im Sinne einer PASTA-Läsion vor. Der Musculus supraspinatus selbst zeige keine Hinweise fü r eine Atrophie. Die Subscapula- rissehne sei regelrecht. Ohne MR-Arthrographie könne we der gesagt werden, ob es sich bei den Veränderungen im kranialen Abschnitt dieser Sehne um eine Tendinopathie oder um eine Partialruptur handle, noch könnten Aussagen zu den Läsio nen des Labrums und den glenohu- meralen Ligamenten gemacht werden. Bei diesem Befun d sei eine traumatische Genese von intraartikulären strukturellen Läsionen eher unwahrschei nlich. Die Partialruptur der distalen Supraspinatussehne sei degenerativ und eine traumatisch bedingte Subscapularissehnen- Oberrandläsion eher unwahrscheinlich. 6.7 Am 17. April 2018 hielt der Kreisarzt Dr. D.____ fest, dass das Ereignis vom 5. Mai 2017 mit Abstützen auf beide Vorderarme grundsätzlich nich t geeignet sei, eine Läsion der Rotato- renmanschette im Bereich der linken Schulter zu verursachen oder eine bestehende Läsion der Rotatorenmanschette richtungsgebend zu verschlimmern. Das Unfallereignis sei nicht geeignet, Verletzungen im Bereich des Labrums hervorzurufen. Ein Luxationsereignis im Zusammenhang mit dem Sturz vom 5. Mai 2017 sei nicht dokumentiert. Gemäss der Beurteilung von Prof. Dr. F.____ seien die Partialrupturen der Supra spinatus- und Subscapularissehne eher degenerativen Ursprungs. Das Ereignis vom 5. Mai 2017 h abe überwiegend wahrscheinlich zu keinen strukturell objektivierbaren Läsionen im Bereich des linken Schultergelenkes geführt. Die persistierenden Beschwerden im Bereich der linken Schulter seien daher unfallfremd. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.8 Nach einer weiteren kreisärztlichen Untersuchung hiel t Dr. D.____ am 28. Mai 2018 da- ran fest, dass die Beschwerden im Bereich der linken Schulter unfallfremd seien. Der Versicher- te habe einen Schlag im Bereich des linken Handgelenks und der BWK 3 und BWK 4 mit Frak- turbildung erlitten. Aufgrund der Tatsache, dass die U nfallenergie im Bereich BWK 3 und BWK 4 angekommen sei, sei es im Bereich der HWS und LWS nic ht zu strukturell objektivierbaren Läsionen gekommen. Die Beschwerden in diesem Bereich stünd en ebenfalls nicht im Zusam- menhang zum genannten Unfallereignis. Bezüglich der BWK 3 und BWK 4 sowie des linken Handgelenks sei der medizinische Endzustand erreicht. Die angestammte Tätigkeit im Baustel- lenbereich sei dem Versicherten beschwerdebedingt nicht m ehr zumutbar. Hingegen seien ihm auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mittelschwere, wechselb elastende Tätigkeiten, ohne das Besteigen von Leitern und Gerüsten, Vibrationsbelastung en, repetitive Haltetätigkeiten mit dem linken Handgelenk und ohne vermehrte Rumpfrotationen ganztags zumutbar. 6.9 Das Spital C.____, Klinik für Orthopädie und Tra umatologie des Bewegungsapparates, berichtete am 31. Mai 2018 über einen Verdacht auf ei ne Tenosynovitis der Extensorensehnen am linken Handgelenk sowie eine Epikondylitis humeri r adialis links bei Status nach distaler intraartikulärer Radiusfraktur links am 5. Mai 2017. 6.10 Im Bericht des Sptials C.____, Klinik für Schmerzth erapie, vom 17. August 2018 wurden eine posttraumatische Schultersteife links mit/bei bursalseitiger Partialruptur der Supraspinatus- sehne und Tendinopathie der langen Bicepssehne, eine tr aumatisierte AC-Gelenksarthrose bei Status nach Sturz am 5. Mai 2017, eine subakromiale/int raartikuläre Infiltration am 20. Dezem- ber 2017 ohne signifikante Schmerzbesserung, eine distal e intraartikuläre Radiusfraktur links, ein Zervikobrachialsyndrom und eine Epicondylitis humer i radialis links diagnostiziert. Die rech- te Schulter sei frei beweglich, die linke Schulter wer de bis 95°abduziert/eleviert, Schürzen- und Nackengriff seien möglich. Die Ellenbogengelenke seien f rei beweglich. Das linke Handgelenk sei gegenüber rechts in der Palmar- und Dorsalflexion ge genüber rechts eingeschränkt. Zudem bestünde ein Druckschmerz im Bereich des Epicondylus humeri radialis links. Für den Versi- cherte stünden derzeit die Beschwerden in der linken Schulter im Vordergrund. 6.11 Am 28. August 2018 hielt Dr. D.____ fest, dass d ie Beschwerden im linken Ellbogen unfallfremd seien. Durch das Ereignis vom 5. Mai 2017 se ien in diesem Bereich keine struktu- rell-objektivierbaren Läsionen entstanden. 6.12 Im Bericht des Spitals C.____, Klinik für Orthopäd ie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, vom 24. September 2018 wurden hinsich tlich des Ellbogens links eine Opera- tion nach Hohmann-Wilhelm, mit Débridement des ECRB- Ansatzes, lokaler Denervation, Pro- benentnahme, Dekompression des Nervus radialis im Supina tortunnel links bei posttraumati- scher Epikondylitis humeri radialis und Supinatortunnelsyn drom links mit/bei konservativ be- handelter distaler intraartiukälrer Radiusfraktur links vom 5. Mai 2017 diagnostiziert. 6.13 Die Suva veranlasste im Spital C.____, Institut f ür Radiologie und Nuklearmedizin, ein MRT der linken Schulter. Im Bericht vom 17. Juni 2020 w urden eine seit Dezember 2017 etwas Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zunehmende posteriore Dezentrierung des Humeruskopfs geg enüber dem Glenoid und ein langsam fortschreitender Knorpelschaden, anterior im glenohumeralen Raum eine interponierte bradytrophe Weichgewebsmasse, aber ein kaum erkennbares a nteriores Labrum, eine Rotato- renmanschette mit muskulär leichter Volumenreduktion und beginnender Muskelverfettung, tendinös am Supraspinatus eine ältere artikularseitig e Verletzung des Footprint und weitere oberflächeniche Teilläsionen sowie eine Tendinose an Su bscapularis und Infraspinatus eher gering und ohne Riss festgestellt. 6.14 Am 3. Juli 2020 hielt Dr. D.____ fest, dass die M R-Arthrographie der linken Schulter vom 17. Juni 2020 weiterhin eine Partialruptur der Supraspinatussehne und zudem degenerativ eine bestehende Muskelverfettung im Bereich der linken Schulter zeige. Die Bildgebung sei mit Kon- trastmittel angefertigt worden und stelle im Bereich d es mittleren glenohumeralen Bands eine unfallfremde anatomische Variante im Sinne eines Bufor d-Komplexes dar. Der Befund bestäti- ge, dass die kreisärztlichen Beurteilungen, wonach die Beschwerden in der linken Schulter un- fallfremd seien. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 5. Januar 2022 bei der Beurteilung der Unfallkausalit ät der Beschwerden, des Gesundheitszu- stands und der Leistungsfähigkeit des Versicherten auf d ie kreisärztlichen Beurteilungen vom 28. November 2017, 17. April 2018, 28. Mai 2018, 28. August 2018 und 3. Juli 2020. Sie ging in der Folge davon aus, dass die Beschwerden im Bereich de r HWS und der LWS, in der linken Schulter und im linken Ellbogen sowie die psychischen Beschw erden als nicht unfallkausal zu betrachten, von weiteren ärztlichen Behandlungen betr effend die linksseitigen Handgelenks- und Brustwirbelbeschwerden keine wesentliche Verbesser ung des Gesundheitszustands zu erwarten und dem Versicherten angepasste Verweistätigkeiten ganztags zumutbar seien. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. W ie bereits ausgeführt (vgl. E. 4.2 hiervor), sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderu ngen zu stellen, wenn sich der ange- fochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne me dizinische Unterlagen stützt. Bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit u nd Schlüssigkeit der ärztlichen Feststel- lungen sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Vorlieg end ergibt sich indes nichts, was Zweifel an der Stichhaltigkeit der Angaben des Kreisarzt es Dr. D.____ wecken würde. Die von der Beschwerdegegnerin übernommenen Schlüsse der kreis ärztlichen Erkenntnisse beruhen auf persönlichen Untersuchungen des Versicherten, zusätzlic hen fachärztlichen Abklärungen bei den Dres. E.____ und F.____ (Berichte vom 26. Mä rz 2018 und 5. April 2018; vgl. E. 6.5 f. hiervor), einer im Spital C.____ veranlassten MR-Arthrographie (Bericht vom 17. Juni 2020; vgl. E. 6.13 hiervor) sowie einem sorgfältigen Studium der vorhandenen medizinischen Akten. Die kreisärztlichen Beurteilungen erweisen sich sowohl in der D arlegung der medizinischen Zu- sammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend. Insgesamt erfüllen sie die höchstrichterlichen Beweisanfor derungen und erbringen vollen Be- weis, weshalb darauf abzustellen ist. Demnach war hinsich tlich der linksseitigen Handgelenks- und der Brustwirbelbeschwerden der medizinische Endzusta nd erreicht. Die Beschwerden an der linken Schulter und dem linken Ellbogen stehen hingegen nicht in einem natürlichen und die psychischen Beschwerden nicht in einem adäquaten Kausalzus ammenhang mit dem besagten Ereignis. Die Fortsetzung der bisherigen Tätigkeit auf dem Bau ist dem Beschwerdeführer un- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fallbedingt nicht mehr möglich. Hingegen sind ihm ang epasste Verweistätigkeiten ganztags zu- mutbar. 7.2.1 Was der Beschwerdeführer gegen die Kausalitätsbe urteilung der linken Schulter und des linken Ellbogens vorbringt, verfängt nicht. Zunächst läuft die Argumentation ins Leere, wo- nach die Beschwerdegegnerinn (auch) für diese Beschwer den Versicherungsleistungen er- bracht und damit ihre Leistungspflicht anerkannt habe, weshalb sie nun den Wegfall der Kausa- lität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen m üsse. Vielmehr ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die S chulterbeschwerden links nie anerkannt hatte, weshalb die Rechtsprechung zur Umkehr der Beweislast (SVR 2009 UV Nr. 3 E. 2.2 [8C_354/2007]) auf die vorliegende Konstellation keine Anwendung findet. 7.2.2 Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, aufgru nd des Unfallmechanismus, der Schwe- re des Unfalls sowie der linksseitigen Handverletzung s ei entgegen den kreisärztlichen Darstel- lungen von vornherein einleuchtend, dass neben der lin ken Hand auch die Schulter und der Ellbogen hätten verletzt werden können. Zudem seien in den Berichten des Spitals C.____ eine „posttraumatischen Schultersteife“ attestiert und die El lbogensymptomatik in Zusammenhang mit der Radiusfraktur gebracht worden. Dieser Argumen tation kann nicht beigepflichtet werden. Es trifft zwar zu, dass in den oben zitierten Berichten des Spitals C.____ von einer „posttrauma- tischen Schultersteife“ die Rede ist. Darunter ist aber nicht zwingend eine unfallkausale Schul- tersteife, sondern auch ein eben erst nach dem Unfall e ntstandener Befund zu verstehen. Der Begriff „posttraumatisch“ wird im medizinischen Sprachg ebrauch zwar häufig gleichbedeutend mit „unfallkausal“ verwendet. Nach üblichem, allgemein geläufigem Sprachverständnis wird der Ausdruck „post“ oft aber auch mit der zeitlichen Abfol ge – unter Ausschluss des Verhältnisses von Ursache und Wirkung – in Verbindung gebracht. Bei d ieser Sachlage ist in jedem Einzelfall zu prüfen, welche Bedeutung den Begriffen „post“ bezie hungsweise „posttraumatisch“ beizu- messen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2014, 8C_524/2014, E. 4.3.3 mit Hinwei- sen). Vorliegend fehlt es in sämtlichen oben genannten Berichten der behandelnden Spitalärzte an näheren Ausführungen zur Verursachung der Schulter beschwerden links, weshalb die Ver- wendung des Begriffs „posttraumatisch“ allein, ohne ent sprechende Begründung, noch keinen verlässlichen Anhaltspunkt für eine kausale Bedeutung des Unfalls vom 5. Mai 2017 darstellt (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juli 2011, 8C_189/2011, E. 5.2). Auch die Formulierung „Sta- tus nach Sturz“ betrifft nur eine anamnestische Feststell ung und liefert keine hinreichende Aus- sage zur Frage der Kausalität. Im Übrigen war es auch n icht die Aufgabe der behandelnden Spitalärzte, zur Kausalität Stellung zu nehmen. Sie hat ten vielmehr gestützt auf die erhobenen medizinischen Befunde die geeignete Behandlung durchzu führen. Nachdem auch der konsilia- risch beigezogene externe Radiologe Prof. Dr. F.____ d ie Partialruptur der distalen Supraspi- natussehne als degenerativ und eine traumatisch bedingte Subscapularissehnen- Oberrandläsion als eher unwahrscheinlich erachtete und die MR-Arthrographie der linken Schulter vom 17. Juni 2020 nach Auffassung des Kreisarzt es keine eindeutigen Hinweise auf eine unfallkausale Schulterschädigung ergaben, ist nicht m it überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass eine unfallkausale Ursache für die Schulter beschwerden vorliegt. Vor diesem Hin- tergrund vermögen die Berichte der behandelnden Spitalärzte keinen auch nur geringen Zweifel Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht an der Zuverlässigkeit der kreisärztlichen Beurteilung, won ach die Schulterbeschwerden links nicht unfallkausal seien, zu wecken. 7.2.3 Gleiches gilt hinsichtlich der erstmals über ein Jah r nach dem Unfallereignis im Bericht des Spitals C.____ vom 31. Mai 2018 dokumentierten Besc hwerden im linken Ellbogen. Entge- gen der Auffassung des Beschwerdeführers ergeben sich wed er aus dem Bericht des Spitals C.____ vom 24. September 2018 noch aus demjenigen vom 10. Dezember 2018 nähere Anga- ben zur Ursache der Ellbogenbeschwerden. Bei dieser Sach lage und unter Berücksichtigung, dass bei grösserem zeitlichen Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheit- lichen Beeinträchtigung strengere Anforderungen an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natür- lichen Kausalzusammenhangs zu stellen sind (RKUV 1997 Nr . U 275 S. 191 E. 1c am Ende), leuchtet die Beurteilung des Kreisarztes Dr. D.____ e in, wonach eine Kausalität der geltend gemachten Ellbogenbeschwerden mit dem Unfall vom 5. Mai 2017 zu verneinen sei. 7.3 Nach dem Gesagten ist als Zwischenergebnis festzuhalten , dass keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der kreisärztlichen Beurte ilungen vom 28. November 2017, 17. April 2018, 28. Mai 2018, 28. August 2018 und 3. Juli 2020 bestehen, weshalb in antizipier- ter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreic hen Hinweisen) auf zusätzliche Abklä- rungen verzichtet und davon ausgegangen werden kann, dass in Bezug auf die unfallkausalen Beschwerden an der linken Hand und der BWS der medizi nische Endzustand zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per Ende Juli 2018 erreicht war und die Beschwerden im Bereich der HWS und der LWS, in der linken Schulter und im linken Ellbogen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 5. Mai 2017 zurückzuführen sind. Die kreisärztli- che Beurteilung der Zumutbarkeit wurde vom Beschwerdefü hrer zu Recht nicht beanstandet. Demnach steht fest, dass ihm trotz der unfallbedingten R estbeschwerden angepasste Ver- weistätigkeiten zu 100 % zumutbar sind. 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 18 Abs. 2 UVG). Danach ist der Invalidit ätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, d as die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (lnvalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidit ätsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 8.2.1 Für die Bemessung des Valideneinkommens ist entsc heidend, was die versicherte Per- son im massgebenden Zeitpunkt des frühestmöglichen Renten beginns (hier: 1. August 2018) aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persö nlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ohne Gesundheitssch aden tatsächlich verdient hätte. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Valideneinkommen ist so konkret wie möglich festzusetze n. Da nach empirischer Erfah- rung in der Regel ohne gesundheitliche Beeinträchtigu ng die bisherige Tätigkeit weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung de s Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielt e, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (BGE 1 34 V 322 E. 4.1; Urteil des Bun- desgerichts vom 17. November 2020, 9C_109/2020, E. 2.2. 2). Ausnahmen müssen mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 mit Hinweisen). Ist ein kon- kreter Lohn nicht eruierbar oder hätte die versicherte Person ihre bisherige Stelle auch ohne gesundheitliche Beeinträchtigung verloren, so können d ie Zahlen der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik (BfS) herangezogen w erden (Urteile des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1 und vom 9. Juni 2015, 9C_212/2015, E. 5.4). 8.2.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid bestimmte d ie Suva das Valideneinkommen aufgrund der Tabellenlöhne (LSE 2018, TA1, Wirtschaft szweige 41-43 [Baugewerbe], Männer, Kompetenzniveau 1) und ermittelte für das Jahr 2018 einen an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,3 Wochenstunden angepassten Lohn von Fr. 69'657.-- (Fr. 5'622.-- : 40 x 41,3 x 12). Dem hält der Beschwerdeführer entgegnen, aufgrund seiner langjährigen Berufser- fahrung müsse zwingend das Kompetenzniveau 2 angewendet und das Valideneinkommen mit Fr. 73'369.-- [recte wohl: Fr. 73'869.--] (Fr. 5’962.-- : 40 x 41,3 x 12) beziffert werden. 8.2.3 Diesem Ansinnen des Beschwerdeführers kann nicht be igepflichtet werden. Zwar kön- nen Versicherte ohne (qualifizierte) Berufsausbildung, aber mit in langjähriger praktischer Tätig- keit erworbenem handwerklichen Geschick grundsätzlich in ei nem höheren Kompetenzniveau eingestuft werden (Urteile des Bundesgerichts vom 14. De zember 2011, 9C_800/2011, E. 2.3.2, und vom 13. Dezember 2010, 8C_439/2010, E . 3.3.3). Allerdings hat das Bundesge- richt festgehalten, dass eine mehrjährige Berufserfahrung zwar nicht ausser Acht zu lassen sei, heutzutage indessen in den meisten Berufssparten ein Abschluss oder zumindest (formalisierte) Aus- und Weiterbildungen verlangt würden, was wiederum gegen eine höhere Einstufung spre- che (Urteile des Bundesgerichts vom 14. Dezember 2011, 9 C_800/2011, E. 2.3.2, und vom 23. Juni 2010, 9C_837/2009, E. 3.4). Der Beschwerdefüh rer hat zwar im Kosovo das Gymnasi- um besucht. Er verfügt aber über keinen Berufsabschluss un d über allfällige formale Weiterbil- dungen oder andere erworbene besondere Qualifikationen ist nichts bekannt. Anzeichen für ein berufliches Fortkommen und eine entsprechende Lohnste igerung (z.B. eine geplante oder be- gonnene Weiterbildung oder ein konkretes Stellenangeb ot im Unfallzeitpunkt) liegen ebenfalls nicht vor. Vielmehr spricht die Tatsache, dass er bei der B.____GmbH lediglich temporär ange- stellt war, gegen die Annahme einer fortschreitenden beruflichen Etablierung. Vor diesem Hin- tergrund vermag seine langjährige Berufserfahrung d ie Einstufung in das Kompetenzniveau 2 für sich allein nicht zu rechtfertigen. Dies gilt umso me hr, als der Beschwerdeführer während seiner gesamten beruflichen Laufbahn nie auch nur annä hernd ein Einkommen von Fr. 73'869.-- erzielte, wie dem in den Akten liegenden IK-Auszug vom 7. Juni 2018 (vgl. act. 132 und 244) zu entnehmen ist. Das im angefochtenen Einsp racheentscheid ermittelte Validenein- kommen aufgrund des Kompetenzniveaus 1 von Fr. 69'657. -- ist demnach nicht zu beanstan- den. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist n ach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in we lcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – beson- ders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzun ehmen ist, dass sie die ihr verbleiben- de Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Sozia llohn, gilt grundsätzlich der tatsäch- lich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkom- men gegeben, namentlich weil die versicherte Person nac h Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue E rwerbstätigkeit aufgenommen hat, so sind für die Bemessung des Invalideneinkommen die Tabe llenlöhne heranzuziehen (BGE 143 V 295 E. 2.2). 8.3.2 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, weshalb auch für die Bemessung des Invalideneinkommens auf lohnstatistische Werte der LSE abzustellen ist. Die Beschwerdegegnerin ging innerhalb der TA1 der LSE 2018 vom "Total" der Männerlöhne im Kompetenzniveau 1 und somit von einem Monatslohn von Fr. 5'417.-- aus. Angepasst an die Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden ergibt dies ein Invalideneinkommen von jährlich Fr. 67'766.-- (Fr. 5'417.-- : 40 x 41,7 x 12) . Der Beschwerdeführer beanstandet dieses Vorgehen. Er vertritt die Auffassung, dass gestützt auf die Studien der BASS AG die Löhne von versicherten Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen signifikant tiefer ausfallen würden als die Löhne von gesunden Personen. Angesichts dieser gesundheitlich bedingten Lohnunter- schiede sei es nach den Erkenntnissen der BASS AG angezeig t, bei einem Beizug der LSE vom mittleren Quartil bzw. Median abzuweichen und das un terste Quartil heranzuziehen. Weil die LSE keine Differenzierungen nach dem Gesundheitsz ustand oder der Behinderung der von einer Erwerbseinbusse betroffenen Personen zulasse, würd en sie ein Hindernis namentlich für den Eingliederungsauftrag der Invalidenversicherung da rstellen. In Nachachtung dieser Prob- lematik seien die Tabellenlöhne der LSE soweit wie mö glich anzunähern, und es müsse deren Tabelle TA1 adaptiert werden, weil sie für die Berech nung des Invaliditätsgrads namentlich für Versicherte ohne Berufsausbildung und mit einer gesun dheitsbedingt zumutbaren Restarbeits- fähigkeit im Segment nur noch körperlich leichter Arbeiten letztlich zu hoch ausfalle. 8.3.3 Das Bundesgericht verzichtete in einem Urteil 8C_2 56/2021 vom 9. März 2022 auf eine Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung zur Ermittlung des IV-Grads anhand der Tabellen- löhne der LSE. Namentlich hielt es fest, es könne nich t davon ausgegangen werden, dass das Abstellen auf das unterste Quartil des Tabellenwerts der LSE statt auf deren Medianwert besse- rer Erkenntnis des Gesetzeszwecks, veränderten Verhältnissen o der gewandelter Rechtsan- schauungen entspreche, wie dies für eine Praxisänderung erforderlich wäre. Weiter führte das Bundesgericht aus, dass vom Konzept des ausgeglichenen Arbeit smarkts gemäss Art. 16 ATSG nicht abgewichen werden dürfe, indem stattdessen konkret existierende Erwerbsmög- lichkeiten oder konkrete Arbeitsmarktverhältnisse beigezogen würden. Es sei deshalb weiterhin vom Medianlohn der standardisierten Brutto-Löhne der L SE auszugehen. Unter Berücksichti- gung dieser Rechtsprechung kann der Argumentation des Beschwerdeführers nicht beigepflich- tet werden. Das Abstellen auf die Tabellenlöhne der LSE zwecks Bemessung des Invalidenein- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommens erweist sich nach dem Gesagten als rechtmässig und die von der Beschwerdegegne- rin vorgenommene Berechnung auf der Grundlage der LSE hält einer Überprüfung stand. 8.3.4 Wird das Invalideneinkommen anhand der LSE ermi ttelt, kann der entsprechende Aus- gangswert allenfalls gekürzt werden. Ohne für jedes zur Anwendung gelangende Merkmal se- parat quantifizierte Abzüge vorzunehmen, ist der Einflu ss aller Merkmale auf das Invalidenein- kommen (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjah re, Nationalität/Aufenthalts-kategorie und Beschäftigungsgrad) unter Würdigung der Umstände i m Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Der Abzug darf 25 % nich t übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er messen im Einklang mit den allge- meinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroff en hat, nicht zweckmässigerweise an- ders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetä tigung der Vorinstanz eingegriffen wer- den, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gege benheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend ersche inen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 8.3.5 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin im angef ochtenen Einspracheentscheid bei der Bemessung des Invalideneinkommens einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn von 5 % vorgenommen. Diese Beurteilung erscheint aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerde- führer in einer angepassten Tätigkeit weiterhin vollständig arbeitsfähig ist und die Kriterien Alter, Dienstjahre, Beschäftigungsgrad und Nationalität/Aufen thaltskategorie keinen Abzug rechtferti- gen, zwar eher grosszügig. Er liegt aber dennoch inner halb des Ermessensspielraums, welcher der Beschwerdegegnerin offen stand. Daher besteht für das Gericht kein Anlass, in ihr Ermes- sen einzugreifen. Wird das vorstehend ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 67'766.-- um 5 % gekürzt, so resultiert daraus ein massgebendes Invaliden einkommen von Fr. 64'377.-- (Fr. 67'766.-- x 95 %). 8.4 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalidenein kommen von Fr. 64'377.-- dem Valideneinkommen von Fr. 69'657.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 5'280.--, was einen rentenausschliessenden Invalidit ätsgrad von aufgerundet 8 % ergibt (Art. 18 Abs. 1 UVG; zur Rundungspraxis des Bundesgerich ts: BGE 130 V 121 ff.). Somit hat die Suva einen Anspruch des Versicherten auf eine Rente zu Recht abgelehnt. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Ein spracheentscheid vom 5. Januar 2022 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 10. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Da das UVG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Kosten zu erheben. Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht ausgerichtet. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht