<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">487</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>96</b></span> <span class="ft4"><b>Nutzung eines Gemeindesaals</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Untersteht die Benutzung eines Gemeindesaals dem öffentlichen Recht,</b></span><br/> <span class="ft4"><b>ist allen Interessierten in einem offenen Verfahren die Gelegenheit zu ge-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>ben, sich um das Nutzungsrecht zu bewerben. Die Auswahl der Berechtig-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>ten muss nach sachlichen Kriterien erfolgen.</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres,</span><br/> <span class="ft6">Gemeindeabteilung, vom 2. Oktober 2014 in Sachen Z. gegen die Einwohner-</span><br/> <span class="ft6">gemeinde C. (75096/22.8).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">488</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer Z. handelt mit Altmetallen und Zinnwa-</span><br/> <span class="ft1">ren. Für verschiedene Ankaufsveranstaltungen hat er den Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">saal der Gemeinde C. angemietet. Ein Gesuch für zwei weitere ge-</span><br/> <span class="ft1">plante Ankäufe von Edelmetallen im Jahr 2013 hat der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">C. mit der Begründung abgewiesen, dass derartige Veranstaltungen</span><br/> <span class="ft1">mit der Zweckbestimmung des Gemeindesaals nicht vereinbar seien.</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2. a)</span><br/> <span class="ft1">Die Gemeinde C. verfügt über einen eigenen kommunalen Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindesaal. Die Benutzung des Saals wird in einem Reglement des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderats geregelt. Der Gemeindesaal dient der Pflege und För-</span><br/> <span class="ft1">derung des geistigen, kulturellen, bildenden, geselligen und gesell-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Lebens der Gemeinde C. und des Einzugsgebiets (vgl.</span><br/> <span class="ft1">§ 1 des Reglements). Es handelt sich somit beim Gemeindesaal um</span><br/> <span class="ft1">eine öffentliche Sache des Verwaltungsvermögens (Häfelin/Müller/</span><br/> <span class="ft1">Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010,</span><br/> <span class="ft1">N 2333). Die Benutzung des Gemeindesaals steht in erster Linie der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde für deren Veranstaltungen offen und danach im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">der bestimmungsgemässen Nutzung des Saals der Allgemeinheit. In-</span><br/> <span class="ft1">soweit steht er dann Privaten zur Verfügung, welche ihn für eigene,</span><br/> <span class="ft1">mit der Zweckbestimmung vereinbare, Zwecke mieten wollen.</span><br/> <span class="ft1">b)</span><br/> <span class="ft1">Die Vermietung des Gemeindesaals untersteht folglich dem öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlichen Recht. Die Auswahl von Nutzungsberechtigten erfolgt da-</span><br/> <span class="ft1">her in einem geordneten öffentlich-rechtlichen Verfahren. In einem</span><br/> <span class="ft1">solchen Verfahren steht allen potentiellen Bewerbern grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">das gleiche Recht auf Benutzung zu. Das heisst, es ist allen Inte-</span><br/> <span class="ft1">ressierten in einem offenen Verfahren die Gelegenheit zu geben, sich</span><br/> <span class="ft1">um das Nutzungsrecht zu bewerben. Die Auswahl der Berechtigten</span><br/> <span class="ft1">muss nach sachlichen Kriterien erfolgen. Es ist insbesondere der</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz der Rechtsgleichheit, das Gebot der Gleichbehandlung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">489</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">von Konkurrenten und das Willkürverbot zu beachten (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O, N 2336). Allerdings ergibt sich aus</span><br/> <span class="ft1">den Grundrechten kein Anspruch auf eine bestimmte Nutzung.</span><br/> <span class="ft1">3. a)</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall hat die Gemeinde C. im Jahr 2013, ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Auflistung für die Belegung, den Saal auch an 7 Tagen für die</span><br/> <span class="ft1">Durchführung von Warenmärkten vermietet. Es handelt sich dabei</span><br/> <span class="ft1">insbesondere auch um 5 Veranstaltungen mit An- und Verkäufen von</span><br/> <span class="ft1">Goldwaren. Insofern erweist sich die vom Gemeinderat in der ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Verfügung enthaltene Begründung, wonach die Verkaufs-</span><br/> <span class="ft1">veranstaltung des Beschwerdeführers gegen die Zweckbestimmung</span><br/> <span class="ft1">des Gemeindesaals verstossen würde, als nicht stichhaltig. Sodann</span><br/> <span class="ft1">ergibt sich auch aus § 10 des Reglements, dass Veranstaltungen wie</span><br/> <span class="ft1">Ausstellungen, Verkäufe, Lotto, Tombolas, Vorträge und ähnliches</span><br/> <span class="ft1">durchaus zu den bestimmungsgemässen Nutzungsarten des Gemein-</span><br/> <span class="ft1">desaals zu zählen sind. Mit der Abweisung des Nutzungsgesuchs des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers für den 23. September 2013 hat der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">gegen die Bestimmung von § 10 des Benützungsreglements für den</span><br/> <span class="ft1">Gemeindesaal verstossen. Die Verfügung verletzt zudem die Rechts-</span><br/> <span class="ft1">gleichheit, da der Gemeinderat im Jahr 2013 anderen Mitbewerbern</span><br/> <span class="ft1">erlaubt hat, vergleichbare An- und Verkaufsveranstaltungen durch-</span><br/> <span class="ft1">zuführen. Der Ausschluss des Beschwerdeführers erweist sich daher</span><br/> <span class="ft1">als unzulässig.</span><br/></div> </div> </body> </html>