Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Februar 2012 (720 11 402 / 58) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Gemischte Methode Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Samuel Baader Parteien H.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Katrin Plattner, Behin- dertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.1954.8530.03) A. H.____, geboren 1954, absolvierte ursprünglich eine Ausbildung zur Spitalgehilfin. Ab 1978 arbeitete sie an diversen Orten als Büroangestellte. Am 12. Dezember 1994 kam ihr Sohn F.____ zur Welt, weshalb sie in der Folge nicht mehr arbeitete. Nach der Trennung von ihrem damaligen Freund und Kindsvater geriet sie 1995 in di e Sozialhilfeabhängigkeit. Ab dem 1. September 1997 arbeitete sie in einem Reisebüro i n Allschwil und anschliessend bis zum 30. April 2005 bei der M.____ AG, ebenfalls in Allschwil. Vom 1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2007 arbeitete sie in einem 30% Pensum bei W.____ Tr ansporte, Allschwil. Ab dem 1. Januar Seite 2 2008 stand sie in einem Arbeitsverhältnis mit der C.__ __, welches sie aus gesundheitlichen Gründen mit Schreiben vom 18. Dezember 2008 kündigte. Mit Schreiben vom 16. Januar 2009 meldete sich H.____ bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-S telle der Sozialversicherungsan- stalt Basel-Landschaft (IV-Stelle) ihre gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt und zudem berufliche Massnahmen durchgeführt hatte, ermi ttelte sie bei ihr einen Invaliditäts- grad von 21%, weshalb ihr Anspruch auf eine IV-Rente mit Verfügung vom 5. Oktober 2011 verneint wurde. B. Dagegen erhebt H.____, vertreten durch lic. iur Ka trin Plattner, Rechtsdienst für Behin- derte (Behindertenforum), am 3. November 2011 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde . Sie beantragt die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei mit Wirkung ab A ugust 2009 eine Dreiviertelsrente zuzu- sprechen; alles unter o/e Kostenfolge. Dies begründet sie mit dem Umstand, dass sie im Ge- sundheitsfall 100% erwerbsfähig wäre, weshalb die al lgemeine Bemessungsmethode des Ein- kommensvergleichs anzuwenden sei. Ausgehend von den Ergebni ssen der medizinischen Ab- klärungen sei ihr ab Juni 2009 eine Erwerbstätigkeit gesu ndheitsbedingt zu 50% zumutbar, nachdem sie zuvor seit August 2008 zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. Somit habe sie unter Vornahme des wegen der verminderten Stressbelastung ric htigerweise anerkannten leidensbe- dingten Abzugs von 10% bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% ab August 2009 An- spruch auf Ausrichtung einer Dreiviertelsrente. Sodann sei ihr die unentgeltliche Prozessfüh- rung zu bewilligen. C. Mit Verfügung vom 7. November 2011 des Präsidenten des Kantonsgerichts wird H.____ für das vorliegende Verfahren die unentgeltli che Prozessführung bewilligt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. D. Mit Schreiben vom 21. November 2011 lässt sich die IV-S telle vernehmen und beantragt die Ablehnung der Beschwerde. Dabei stellt sie fest, dass grundsätzlich nur die Bemessungs- methode des Einkommensvergleichs angefochten wurde und nicht die medizinische Beurteilung der gesundheitlichen Verhältnisse. In ihrer angefochtenen Verfügung habe sie die Zumutbarkeit einer 100%-Tätigkeit nicht in Abrede gestellt. Das Arg ument, H.____ hätte in einem 100%- Pensum arbeiten müssen, damit sie nicht mehr auf Sozialhi lfeleistungen angewiesen gewesen wäre, sei nicht schlüssig: Wäre sie gesundheitlich nicht beeinträchtigt, so würde gar keine Sozi- alhilfeabhängigkeit bestehen. Folglich sei die Wahl der gemischten Methode mit Anteil Erwerb 60% und Haushalt 40% nicht zu beanstanden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Seite 3 Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten vom 3. November 2011 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 2.4 Bei nichterwerbstätigen versicherten Personen, welch e in einem Aufgabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Er werbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen A ufgabenbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 2.5 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig si nd oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- Seite 4 tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen u nd der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte M ethode der Invaliditätsbemes- sung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten a nzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden gan ztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätz en für Erwerbstätige zu bemes- sen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 3.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- messung führt –, ergibt sich nach konstanter Rechtsprechu ng des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesger icht, sozialrechtliche Abteilungen) aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränd erten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Bei im Hau shalt tätigen versicherten Personen im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben geg enüber Kindern, das Alter, die berufli- chen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönli chen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemä ss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 5. Oktober 2011) entwickelt haben, wobei für die hypo- thetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozial- versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden W ahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c, 117 V 194 E. 3b, je mit Hinwei sen; Urteil M. des EVG vom 13. November 2002, I 58/02, E. 1.2). 3.2 Während die Beschwerdegegnerin davon ausgeht, dass die Versicherte als Gesunde zu 60% einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen wür de und zu 40% im Haushalt be- schäftigt wäre, was zur Anwendung der gemischten Methode führe, macht die Versicherte in ihrer Beschwerde geltend, sie wäre ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100% erwerbstä- tig, weshalb die Bemessung der Invalidität nach der al lgemeinen Methode des Einkommens- vergleichs zu erfolgen habe. 3.3 Anlässlich der Befragung zur Ermittlung der Erwer bstätigkeit (sog. Haushaltsabklärung) gab die Beschwerdeführerin am 11. Januar 2011 an, sie würde im Gesundheitsfall wie bisher in einem Pensum von 60% arbeiten. Im Rahmen des Vorbescheid verfahrens machte sie dagegen erstmals geltend, sie würde im Gesundheitsfall einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen. In Bezug auf die anderslautende hiervor genannte schriftli che Erklärung der Versicherten macht ihre Rechtsvertreterin in der Beschwerde vom 3. November 2011 geltend, die von einer Haus- haltsabklärung betroffenen Personen seien sich meist nicht im Klaren, was die Frage nach dem Umfang der Erwerbstätigkeit bedeutet. Soweit ersichtlich, gab es anlässlich der Haushaltsabklä- rung keine Anzeichen von Verständigungsschwierigkeiten un d es ist nicht ersichtlich, weshalb die Aussage der Versicherten, sie würde als Gesunde im gleichen Umfang wie bisher ihrer Er- werbsfähigkeit nachgehen, auf einem Missverständnis beruhen sollte. Dies gilt umso mehr, weil sich ihre finanzielle Situation bis zum Zeitpunkt der Befragung nicht verbessert hat und sie nach wie vor auf die Unterstützung der Sozialhilfe angewiese n war. Um für ihren Unterhalt und den- Seite 5 jenigen ihres Sohnes selbst aufzukommen, hätte sie bereits bei ihrem letzten Stellenantritt 2008 ein Vollzeitpensum annehmen müssen. Es ist nicht ersichtl ich, weshalb sie nun plötzlich freiwil- lig eine Arbeitsstelle zu 100% suchen würde, auch wenn glaubhaft ist, dass sie ihre Sozialhilfe- abhängigkeit grundsätzlich psychisch belastet. Diesen Umstan d vermag die Beschwerdeführe- rin nicht damit zu entkräften, dass die Sozialhilfebehö rde sie, um sich von der Sozialhilfeunter- stützung abzulösen, mit Schreiben vom 30. März 2011 dazu zwingen würde, eine Stelle im Vollzeitpensum anzunehmen. Dem vorgenannten Schreiben der Sozialhilfebehörde kann ledig- lich entnommen werden, dass einer Sozialhilfeempfängerin in einer vergleichbaren Situation ein 100%-Pensum zugemutet werden könne. Eine eigentliche V erpflichtung konkreter Natur, dass die Beschwerdeführerin ein volles Pensum absolvieren müss te, enthält dieses Schreiben je- doch nicht. Da ihr Sohn bei ihrem letzten Stellenant ritt bereits 13 Jahre alt und entsprechend nicht mehr auf eine intensive Betreuung angewiesen war – woran auch die vorübergehend hö- here Betreuungsintensität infolge des Todes seines besten Freundes nichts zu ändern vermag – ist festzustellen, dass sich die persönliche Situation de r Beschwerdeführerin seit 2008 nicht massgebend verändert hat. Unter Berücksichtigung dieses Umst andes wirkt ihre ursprüngliche Aussage, sie würde weiterhin im gleichen Umfang wie bi sher ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen, überzeugender als ihre nachträgliche Erklärung, wonach si e im Gesundheitsfall nunmehr voll erwerbstätig wäre. Schliesslich ist auch der Einfluss ihrer Rechtsvertreterin nicht zu unterschät- zen, welche sie auf die für sie nachteiligen Auswirkungen ihrer Aussage aufmerksam gemacht hat. Somit ist die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgegangen, die Beschwerdeführerin werde auch weiterhin einer 60%-igen Teilzeittätigkeit nachgehen. 3.4 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist folglich festzuh alten, dass die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin sowohl bezüglich der Beurteilung der Statusfrage und der damit zusammenhängenden Methodenwahl als auch in Bezug auf der Festlegung der Anteile Erwerbstätigkeit (60%) und der Haushaltstätigkeit (40%) nicht zu beanstanden ist. 4. Folglich ist im Rahmen der Ermittlung des Invalidit ätsgrades noch zu prüfen, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 6 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfal lversicherung entwickelten Grundsätze fin- den für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendun g (Urteil A. des EVG vom 9. Au- gust 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5.1 Dr. med. Hanspeter O.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte mit Bericht vom 19. April 2010 seit Jahren bestehende Panikattacken, w elche im Laufe der Zeit zu einer Depression geführt hätten und sich auch auf die Arbeit sfähigkeit auswirken würden. Ohne Aus- wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit würden ein interm ittierendes Colon irritabile, ein rezidivieren- des cervico-thoraco Vertebralsyndrom und seit Jahren eine Varicosis bestehen. 5.2 Mit Arztbericht vom 30. Juni 2010 stellte Dr. med. B .____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, bei der Beschwerdeführerin eine majore Dep ression mit chronischem Verlauf und Somatisierungen, eine generalisierte Angststörung sowie Panikattacken fest. Die Beschwerde- führerin wurde von ihm ab Oktober 2008 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben. 5.3 Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem psy- chiatrischen Gutachten vom 2. Dezember 2010 eine die Arbe itsfähigkeit beeinflussende rezidi- vierende depressive Störung mit einer gegenwärtig leich ten Episode (ICD-10 F33.0) und eine Seite 7 Panikstörung (ICD-10 F41.0). Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit leide sie an einer somatoformen autonomen Funktionsstörung des unteren Gastr ointestinaltraktes (ICD-10 F45.32). Die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit im Pflegebereich bezifferte Dr. G.____ mit 100% ab August 2008. In einer leidensadaptierten, kauf männischen Tätigkeit bestehe eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit in der Zeit von August 20 08 bis Mai 2009 und eine Arbeitsunfähig- keit von 50% ab Juni 2009. 5.4 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten in Bezug auf den erwerblichen Anteil auf die Ergeb- nisse, zu denen Dr. G.____ in seinem fachärztlichen Gutachten vom 2. Dezember 2010 gelangt war. Sie ging demzufolge davon aus, dass es der Beschwer deführerin zumutbar sei, eine lei- densadaptierte Tätigkeit in einem 50%-igen Arbeitspensu m auszuüben. Diese Einschätzung ist nicht zu beanstanden. Das Gericht hat bei der Einschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung zwar grundsätzlich auch den potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte Rechnung zu tragen. Auf der anderen Seite lässt es die unter- schiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisc h tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmed izinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten per se in Frage zu stellen und zu m Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Ebenfalls ist in Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. D as Gutachten von Dr. G.____ vom 2. Dezember 2010 erfüllt die rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien an ein umfassendes Administrativgutachten, weshalb ihm voller Beweiswert zukommt. Es berücksichtigt alle geklag- ten Beschwerden der Versicherten und ist in Kenntnis ein er vollständigen Anamnese verfasst worden. Sodann basiert es auf eigenen Untersuchungen und erweist sich als schlüssig begrün- det und widerspruchsfrei. Dr. B.____ attestiert der Beschwerdeführerin in seinem Bericht vom 30. Juni 2010 zwar eine höhere Arbeitsunfähigkeit (vgl . hiervor E. 5.2). Dieser Einschätzung kann jedoch nicht gefolgt werden. So widerspricht sich der behandelnde Psychiater, wenn er der Versicherten in diesem Bericht seit Oktober 2008 ei ne vollständige Arbeitsunfähigkeit attes- tiert, in seinem Bericht vom März 2009 jedoch von einer Restarbeitsfähigkeit von 20% bis 30% ausgeht. Als nicht minder widersprüchlich erweist sich ab er auch der Bericht vom 19. Oktober 2009, in welchem Dr. B.____ einerseits die Wiederaufna hme einer beruflichen Tätigkeit vorläu- fig verneint, andererseits aber eine behinderungsgerechte Tätigkeit im Umfang von drei bis vier Stunden täglich als weiterhin zumutbar qualifiziert. Zu sammenfassend kann den Aussagen des behandelnden Psychiaters deshalb nicht gefolgt werden, demgegenüber auf das widerspruchs- freie Gutachten von Dr. G.____ abgestellt werden kann. 6. Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 2.3 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung den erforderliche n Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 35'794.-- und des Seite 8 zumutbaren Invalideneinkommens von Fr. 23'657.-- einen Invaliditätsgrad von 33.91% ermittelt. Die konkrete Berechnung, die von der Versicherten in de r vorliegenden Beschwerde nicht be- anstandet wird, erweist sich als rechtens. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die entspre- chenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der Ver fügung vom 5. Oktober 2011 ver- wiesen werden. 7.1 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsbere ich hat die Beschwerdegegnerin eine Haushaltabklärung in Auftrag gegeben. Gemäss der b undesgerichtlichen Rechtsprechung stellt die in Art. 69 Abs. 2 IVV vorgesehene Abklärung a n Ort und Stelle eine grundsätzlich ge- eignete und im Regelfall genügende Basis dafür dar, u nter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse die Unmöglichkeit der versicherten Person festzustellen, sich im bisherigen Aufga- benbereich zu betätigen. Im Rahmen der Haushaltabkläru ng werden die im Haushalt anfallen- den Arbeitsprozesse von einer qualifizierten Abklärungspe rson, deren fachliche Kompetenz vorausgesetzt wird (vgl. dazu BGE 128 V 93 f. E. 4 und 130 V 62 f. E. 6.1 und 6.2), an Ort und Stelle einzeln besprochen und allfällige Einschränkun gen werden im jeweiligen Bereich fest- gehalten. Von den Ergebnissen einer solchen Abklärung i st nur ausnahmsweise abzuweichen, handelt es sich doch bei der Einschätzung der Behinderung en im Rahmen eines Betätigungs- vergleichs um einen Ermessensentscheid (vgl. BGE 114 V 316, 98 V 131). 7.2 Vorliegend hielt Dr. G.____ bei Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsbereich in seinem psychiatrischen Gutachten fest, es liege keine Einschränkung vor. Die Beschwerdegeg- nerin ermittelte dagegen am 11. Januar 2011 in ihrem Abklärungsbericht eine Einschränkung im Haushalt von 2,2%. Diese ist, zumal durch die Beschwerdeführerin unbestritten geblieben, nicht zu beanstanden. 8. In Anwendung der gemischten Methode der Invalidität sbemessung ergibt sich auf Grund des Gesagten in Berücksichtigung der zeitlichen Beanspruchung von 60% im Erwerbs- und von 40% im Haushaltsbereich bei einer Einschränkung im Haus haltsbereich von 2.2% und einer solchen im Erwerbsbereich von 33.91% insgesamt einen Invali ditätsgrad von 21,22% bzw. ge- rundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 21%. Da dieser Wert unter dem für einen Rentenanspruch gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG mindesten s erforderlichen IV-Grad von 40% liegt, hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch d er Versicherten zu Recht abgelehnt. Die gegen die betreffende Verfügung vom 5. Oktober 20 11 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in Seite 9 angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind . Ihr ist nun allerdings mit Verfügung vom 7. November 2011 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 9.2 Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 7 . November 2011 lediglich die unentgeltliche Prozessführung bewilligt, weil § 22 A bs. 2 VPO den Kreis der Personen, die als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt werden können, a uf Anwälte und Anwältinnen be- schränkt. Da die Rechtsvertreterin diese Voraussetzung nic ht erfüllt, sind die ausserordentli- chen Kosten dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht