BRKE III Nr. 38/1997 vom 19. März 1997 in BEZ 1997 Nr. 12 6. Beim projektierten Gebäude Nr. 1 liegen der auf der Nordostseite g eplante, 2 m tiefe Vorbau und insbesondere auch die an dessen Rand situierte, vom Erdge- schoss in den Garten führende Treppe innerhalb des nach Art. 17 und 28 BauO g e- genüber dem rekurrentischen Grundstück zu beachtenden Gren zabstandes von 5 m. Die Vorinstanz bewilligte diese Unterschreitung gestützt auf § 260 Abs. 3 PBG, w o- nach einzelne Vor sprünge bis 2 m in den Abstandsbereich hineinragen dürfen, E r- ker, Balkone und de rgleichen jedoch auf höchstens einem Drittel der betreffenden Fassadenlänge. Streitig ist diesbezüglich, ob der Treppenabgang abstandsrechtlich relevant sei; im Bejahung sfalle wäre das nach der erwähnten Bestimmung zulässige Mass überschritten. § 260 PBG setzt, namentlich auch mit Bezug auf die in Abs. 3 erwähnten ei n- zelnen Vorsprünge, eine Abstandspflicht stillschweigend voraus. Nur wenn diese gegeben ist, unterliegen Vo rsprünge der Beschränkung, dass sie höch s tens 2 m in den Abstandsb ereich hineinragen dürfen. Nach Auffassung der Vorinstanz und der privaten Rekursgegner soll diese Einschränkung für die vorliegend zu beurteilende Treppe nicht gelten. Unüberdeckte Aussentreppen stellen indessen nicht a priori A n- lagen (Vorinstanz) bzw. Bauteile (private Rekursgegner) dar, die keinen Abstand s- vorschriften unterliegen. Dies gilt ungeachtet dessen, dass derartige Treppen keinen Witterungsschutz bieten und i hnen deshalb nach der Legaldefinition in § 2 der Al l- gemeinen Bauverordnung (ABV) keine Gebäudequalität zukommt. An der in dem von den privaten Rekursgegnern zitierten En tscheid (BRKE 1 Nr. 685/1988 = BEZ 1988 Nr. 54) vertretenen Auffassung, w onach sich die Grenz - und Gebäudea b- standsvorschriften ausschliesslich auf Bauten und Anlagen beziehen, die den G e- bäudebegriff erfül len, kann nicht festgehalten werden. Aussen(Vor-)treppen sind vielmehr dann als bau - und abstandsrechtlich relevante Gebäudeteile a nzusehen, wenn sie mit der Hauptbaute räumlich, baulich und funktionell eng verbunden sind (vgl. ZBI 70, S. 433). Dies ist mit Bezug auf (unüberdeckte) Aussentreppen, welche dem Gebäudezugang dienen, im Regelfall zu bejahen. Vorliegend steht allerdings nicht eine den Zugang zu einem Ha uptgebäude er- möglichende, sondern lediglich eine dem W ohnkomfort (zusätzlicher Gartenzugang vom Balkon her) dienende Treppe zur Beurteilung. Ob diese als selbständiger Ba u- teil oder als Teil des in den Abstandsbereich ragenden Balkonvorbaus zu qualifizi e- ren sei, ist in an aloger Anwendung der vorstehend für Zugangstreppen genannten Kriterien zu entscheiden. Es ist mit anderen W orten darauf abzustellen, ob die Tre p- pe mit dem Balkonvorbau räumlich, baulich und funktionell eng verbunden sei. Dies ist zu bejahen; die ansonsten kaum denkbare Treppe ist als Bestandteil des Balko n-- 2 - vorbaus anzusehen und daher bei der Ermittlung von dessen Breite mitzuberüc k- sichtigen. Es ist nicht zu übersehen, dass § 260 Abs. 3 PBG in nicht bloss margin a- lem Umfang und mehr, als dies fü r sonstige Abstandsvorschriften zutrifft, auch nachbarliche Interessen berührt. Es verbietet sich daher, die fragliche Norm zulasten der betroffenen Nachbarn zu extensiv auszulegen. Die diesbezüglichen rekurrentischen Einwände erweisen sich mithin als b e- gründet. Der Mangel lässt sich ohne weiteres heilen, indem der angefochtene Beschluss insoweit aufgehoben wird, als damit die Gartentreppe beim Gebäude Nr. 1 bewilligt wurde.