B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-1978/2023 U r t e i l v om 1 8 . A p r i l 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; Gerichtsschreiber Daniel Grimm. Parteien A._______, geboren am (…), Burundi, vertreten durch MLaw Mara Todeschini, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Nordwestschweiz, Freiburgerstrasse 50, 4057 Basel, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 27. März 2023 / (…). F-1978/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin ersuchte am 18. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der «Eurodac» -Datenbank ergab, dass sie am 13. Oktober 2022 illegal in Kroatien in das Hoheitsge- biet der Dublin-Staaten eingereist und dort daktyloskopisch erfasst worden war (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 8). B. Im Rahmen des Dublin -Gesprächs gewährte das SEM der Beschwerde- führerin am 16. Dezember 2022 das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Wegweisung dorthin sowie zum medizinischen Sachver- halt. Hierbei erklärte sie im Wesentlichen, in Kroatien (wohl von den Grenz- behörden) mit anderen aufgegriffen und aufgefordert worden zu sein, eine Stunde im Matsch zu sitzen. Danach sei ein geschlossenes Fahrzeug ge- kommen, das alle abgeholt und an einen unbekannten Ort gebracht habe, wo sie eingesperrt worden seien. Auch habe sie nicht gewusst, um welche Tageszeit dies geschehen sei. Wegen ihrer Menstruation habe sie darum gebeten, einen Raum mit Privatsphäre benutzen zu dürfen, um ihre Binden wechseln zu können. Dies habe man ihr jedoch verweigert. Nachts sei sie dann wieder in ein geschlossenes Fahrzeug gebracht und an einem ande- ren Ort abgesetzt worden, wo sie zur Abgabe der Fingerabdrücke gezwun- gen worden sei. Anschliessend habe man sie in einen Raum mit vielen an- deren Menschen geführt. Zu essen habe sie nichts bekom men. Stattdes- sen sei sie am nächsten Morgen durch Fusstritte geweckt worden. Man habe ihr sieben Tage gegeben, um das Land zu verlassen und ihr Telefon sei zerstört worden. Einen Asylantrag habe sie in Kroatien keinen gestellt. Zum Gesundheitszustand gab die Beschwerdeführerin an, dass es ihr gut gehe. Wohl gebe es ein Problem mit dem Arm, sie sei aber noch nicht zum Arzt gegangen. Auch habe sie psychische Probleme. Sie könne nachts nicht schlafen und würde gerne zum Psychiater. Zudem leide sie unter sehr viel Stress. Sie sei bei «MedicHelp» gewesen, wo man ihr Medikamente gegen ihre Einschlafprobleme gegeben habe. Besagte Probleme seien aber wieder aufgetaucht. Trotzdem habe sie sich nicht mehr an «Medic - Help» gewandt. Ausserdem leide sie an Augenproblemen. Sie sie deswe- gen beim Arzt gewesen, habe aber noch keine Brille erhalten. Die Augen- probleme führten auch zu Kopfschmerzen. F-1978/2023 Seite 3 Die zugewiesene Parteivertretung nahm aus Kapazitätsgründen nicht am Dublin-Gespräch teil, erhielt im Anschluss daran das Gespräch sprotokoll indes umgehend zugestellt. Die Beschwerdeführerin war mit diesem Vor- gehen einverstanden (SEM act. 13). C. Ebenfalls am 16. Dezember 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Be- hörden aufgrund des «Eurodac»-Treffers um Übernahme der Beschwerde- führerin gemäss Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO [SEM act. 15]). D. Am 19. Dezember 2022 ging bei der Vorinstanz ein vom 16. Dezember 2022 datierendes Schreiben der zugewiesenen Rechtsvertretung ein. Da- rin beantragte sie, ihre Mandantin sei bei einer psychologischen Sprech- stunde anzumelden, da es ihr psychisch nicht gut gehe. Sie habe sich des- wegen an die Pflege gewandt, sei dort aber mit der Begründung vertröstet worden, dass zuerst die Sehstörung behandelt werde (SEM act. 17). E. Mit Eingabe vom 5. Januar 2023 fügte die zugewiesene Parteivertretung in Ergänzung zum Dublin -Gespräch vom 16. Dezember 2022 an, dass die Beschwerdeführerin bei einem ersten Einreiseversuch nach Kroatien von den dortigen Behörden gewaltsam nach Bosnien und Herzegowina zurück- gedrängt worden sei. Zudem wies sie darauf hin, dass der psychische Zu- stand ihrer Mandantin nach wie vor schlecht und eine Anmeldung für eine psychologische Sprechstunde noch nicht erfolgt sei (SEM act. 19). F. Am 24. Februar 2023 stellte die Vorinstanz fest, dass das am 16. Dezem- ber 2022 den kroatischen Behörden übermittelte Übernahmeersuchen in- nert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin -III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet geblieben sei (SEM act. 20). G. Wegen Juckreizes am ganzen Körper nahm die Beschwerdeführerin an- fangs J anuar 2023 einen Arzttermin wahr. Aufgrund fortbestehender F-1978/2023 Seite 4 Schlafprobleme wandte sie sich zudem ab und zu an die Pflege des Bun- desasylzentrums, wo sie jeweils pflanzliche S chlafmedikamente erhielt (SEM act. 21 und 22). H. Mit Verfügung vom 27. März 2023 (eröffnet am 3. April 2023) trat die Vor- instanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, verfügte ihre Überstellung nach Kroatien und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kan- ton Graubünden mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte de r Be- schwerdeführerin die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 28 und 29). I. Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 12. April 2023 beantragte die Beschwerdeführerin, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf ihr Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. Eventua- liter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neu- beurteilung an das SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, Erlass vorsorgli- cher Massnahmen, Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses (BVGer act. 1). J. Am 13. April 2023 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstel- lung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). F-1978/2023 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür- diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da- her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite- rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätz lich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 4. Die Beschwerdeführerin bemängelt in formeller Hinsicht, unter Verweis auf Art. 37 AsylG sowie Art. 21 und 23 Dublin-III-VO, eine verspätete Entschei- deröffnung. Sodann rügt sie, das SEM habe den Sachverhalt in Bezug auf ihre individuelle Situation bei einer möglichen Rückkehr nach Kroatien, ins- besondere vor dem Hintergrund der ihr dort widerfahrenen schlechten Be- handlung, nicht vertieft geprüft. Auch die geltend gemachten gesundheitli- chen Beschwerden habe es unzureichend abgeklärt. Dadurch liege eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes vor. Schliesslich habe die F-1978/2023 Seite 6 Vorinstanz mit ihren textbausteinartigen Ausführungen die Begründungs- pflicht verletzt. 4.1 Art. 37 AsylG bezieht sich laut Wortlaut auf Konstellationen, in denen der angefragte Dublin-Staat dem Ersuchen um Überstellung ausdrücklich zustimmte. Vorliegend liessen die kroatischen Behörden das ihnen übe r- mittelte Übernahmeersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vor- gesehenen Frist unbeantwortet, was die Vorinstanz mit Verfristungsschrei- ben vom 24. Februar 2023 so festhielt. Unabhängig davon erscheint die Zeitspanne bis zu dem am 3. April 2023 e röffneten Nichteintretensent- scheid vom 27. März 2023 im Kontext von Art. 37 AsylG zwar vergleichs- weise lang, es ist jedoch nicht angezeigt, die angefochtene Verfügung des- wegen aus formellen Gründen an das SEM zurückzuweisen. 4.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 106 Abs. 1 AsylG gerügt werden. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten- widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdi gt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid we- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 4.3 Das SEM hat den rechtserheblichen Sachverhalt im angefochtenen Nichteintretensentscheid hinreichend abgeklärt. Es hat sich unter Bezug- nahme auf die Schilderungen der Beschwerdeführerin mit ihrer individuel- len Situation, der von ihr angeführten schlechten Behandlung in Kroatien (bspw. Fusstritte, kein Erhalt von Essen, Verweigerung von Privatsphäre trotz Menstruation), den ihr offenstehenden Möglichkeiten, sich dort gegen ungerechte oder rechtswidrige Behandlung zu wehren und ein Asylgesuch einzureichen sowie der allgemeine n Situation inklusive der Push -Back- Problematik – unter Hinweis auf mehrere Abklärungen der Schweizer Ver- tretung in Kroatien – auseinandergesetzt. Auch die geltend gemachten ge- sundheitlichen Probleme hat die Vorinstanz in ihre Erwägungen miteinbe- zogen und daraus im Hinblick auf allfällige Vorkehren ihre Schlüsse gezo- gen (im Einzelnen siehe SEM act. 28). Die Frage der Notwendigkeit einer psychologischen Abklärung betrifft derweil nicht den Untersuchungsgrund- satz als solchen, sondern bildet Gegenstand der materiell-rechtlichen Be- urteilung (Beweiswürdigung bzw. antizipierte Beweiswürdigung). F-1978/2023 Seite 7 4.4 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3). Mit dem Ge- hörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit al- len Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (BGE 143 III 65 E. 5.2). 4.5 Auch dieser verfahrensrechtlichen Anforderung hat das SEM Genüge getan. So hat es – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – eine Einzelfallprüfung vorgenommen, indem es nach Prüfung und Würdigung der Parteivorbringen nachvollziehbar aufgezeigt hat, von welchen Überle- gungen es sich – gerade auch in individueller Hinsicht – leiten liess (vgl. angefochtene Verfügung, Ziff. II S. 2 ff.). Dabei musste es sich nicht aus- drücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Ge- sichtspunkte beschränken (BGE 143 III 65 E. 5.2). So finden sich in den Erwägungen der Vorinstanz Ausführungen zum Verhalten der kroatischen Grenzbehörden der Beschwerdeführerin gegenüber, zur Frage einer Ket- tenabschiebung und zu derjenigen des Vorliegens von systemischen Män- geln im kroatischen Asyl- und Aufnahmesystem sowie zu den Möglichkei- ten der Beschwerdeführerin, sich gegen unkorrektes Verhalten zu wehren. Auch zu medinischen Belangen hat sich das SEM, wie erwähnt, geäussert, weshalb es der Betroffenen ohne weiteres möglich war, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanzlichen Entscheides zu machen und diesen sachgerecht anzufechten. Dass sie die Auffassung und Schlussfolgerun- gen der Vorinstanz hinsichtlich deren Erkenntnisse zu Kroatie n und der Würdigung ihrer Aussagen nicht teilt, ist keine Verletzung des rechtlichen Gehörs, sondern betrifft die materielle Beurteilung der vorgebrachten Über- stellungshindernisse. 4.6 Die formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache zur Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist daher abzuweisen. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des F-1978/2023 Seite 8 Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt di e Dublin-III-VO zur Anwen- dung. 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitg liedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 5.3 Im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskri- terien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Si- tuation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in ei- nem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Die Dublin-III-VO räumten den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 6. Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der «Euro- dac»-Datenbank ergab, dass sie am 13. Oktober 2022 in Kroatien aufge- griffen und gleichentags daktyloskopisch erfasst worden war (SEM act. 8). Das SEM ersuchte die kroatischen Behörden deshalb am 16. Dezember 2022 um Übernahme der Beschwerdefü hrerin gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO (SEM act. 15). Diese liessen das Ersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, womit sie ihre Zuständigkeit implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin -III-VO). Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens ist somit gegeben und wird auf Be- schwerdeebene auch nicht bestritten. 7. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es we- sentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnah- mebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU -Grund- rechtecharta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden. 7.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche F-1978/2023 Seite 9 oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), und es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem davon ausgegangen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi- schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna- tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 7.2 In seinem Referenzurteil E -1488/2020 vom 22. März 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die seit dem Referenzurteil D -1611/2016 vom 22. Mär z 2016 bestehende Praxis der grundsätzlichen Zulässigkeit von Dublin-Überstellungen nach Kroatien, unabhängig davon, ob es sich dabei um ein "Take-Charge-" (Aufnahme) oder ein "Take-Back-" (Wieder- aufnahme) Verfahren handelt; es sei nicht davon auszugehen, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO aufweisen würden, die eine Überstellung von Gesuchstellenden generell als unzulässig erscheinen liessen (vgl. a.a.O. E. 9.5). Das Gericht hielt fest, der Verdacht eines – angesichts der Situation in Kro- atien auf den ersten Blick nicht unbegründeten – Gefährdungszusammen- hangs zwischen Push-backs und Dublin-Rückkehr lasse sich aufgrund der verfügbaren Informationen und Erkenntnisse nicht erhärten (vgl. a. a.O. E. 9.4.2 ff.). Zum heutigen Zeitpunkt bestünden keine genügenden Anzei- chen, die befürchten lassen würden, Dublin -Rückkehrende würden ohne Eröffnung und Durchführung eines Asylverfahrens aus Kroatien rechtswid- rig ausgeschafft. Insbesondere sei aufgrund dieser Ausgangslage nicht da- von auszugehen, dass solches systematisch geschehen würde. Aufgrund der verfügbaren Informationen gebe es letztlich keine Anhaltspunkte, wo- nach Take-Charge-Konstellationen diesbezüglich anders zu beurteilen wä- ren als Take-Back-Verfahren, beziehungsweise dass für die erste Katego- rie eine erhöhte Gefährdung von Abschiebungen ohne Durchführung eines Asylverfahrens bestehen würde (vgl. a.a.O. E. 9.4.4). Im Ergebnis sei da- von auszugehen, dass Gesuchstellende, welche gestützt auf die Dublin-III- VO nach Kroatien überstellt würden, Zugang zum dortigen Asylverfahren erhielten; dies unabhängig davon, ob die gesuchstellende Person im Rah- men eines Take -Charge- oder Take -Back-Verfahrens überstellt werde. F-1978/2023 Seite 10 Insbesondere bestehe keine beachtliche Wahrscheinlichkeit, die Überstell- ten würden der Gefahr einer Verletzung ihrer aus dem Refoulement-Verbot fliessenden Rechte ausgesetzt werden (vgl. a.a.O. E. 9.5). Zu diesen Schlussfolgerungen gelangte das Gericht in Kenntnis der in der Rechtsmit- teleingabe zitierten Urteile des Verwaltungsgerichts Braunschweig vom 24. Mai 2022 und des Verwaltungsgerichts Stuttgart vom 2. September 2022 (vgl. a.a.O. E. 9.4.2). 7.3 Sodann lassen die von der Beschwerdeführerin bei ihrer illegalen Ein- reise nach Kroatien geltend ge machten Vorkommnisse (keine geschlech- tergerechte Behandlung; Wecken mit Fusstritten; kein Erhalt von Essen; Zerstörung des Mobiltelefons ) nicht den Schluss zu, sie hätte bei einer Überstellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine unmensch- liche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU-Grundrechtecharta zu gewärtigen. Gegen das Fehlverhalten von einzelnen Polizeibeamten könnte sie im Übrigen in Kroatien rechtlich vorgehen, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen. Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist nicht per se auf systemische Schwachstellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. etwa Urteile des BVGer F-1883/2023 vom 12. April 2023 E. 7.3 oder E-5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 7.4 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III- VO – auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde erwähnten Quel- len, in welchen das kroatis che Asylwesen kritisiert wird (so etwa: Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 13. September 2022; Bericht des Europäischen Komitees zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe [CPT] vom 3. Dezember 2021; Auskunft Centre for Peace Studies Zagreb vom 3. Februar 2023; Be- richte von Médecins du Monde, Border Crossing Spielfeld und der Croatian Journalists Association [Beschwerdebeilage 3]) – nicht gerechtfertigt. 8. Weiter ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugshindernisse nach Art. 3 EMRK (oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrecht- lichen Bestimmung) bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ergeben würden. 8.1 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen F-1978/2023 Seite 11 völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso- nen in der Situation der Beschwerdeführerin nachkommt und insbesondere die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens - und der Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. bspw. Urteile des BVGer E -1515/2023 vom 23. März 2023; E -5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2; je m.H.). Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die vom Betroffenen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). D ie Beschwerdeführerin vermag jedoch kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die kroatischen Behörden wür- den sich weigern, sie aufzunehmen und einen allfälligen Antrag auf inter- nationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu ent- nehmen, Kroatien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non -Refoule- ment missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG ge- fährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. 8.2 Die kroatischen Behörden haben der Aufnahme der Beschwerdeführe- rin implizit zugestimmt und sich damit bereit erklärt, die Verantwortung für ein allfälliges Asylverfahren zu übernehmen. Ausserdem hat die Betroffene nicht dargetan, die sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Kroatien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 Folterkonvention (SR 0.105) führen könnten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Ein- schränkung wäre die Beschwerdeführerin nötigenfalls gehalten, sich an die dortigen Behörden zu wenden und die ih r zustehenden Aufnahmebedin- gungen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Dies gilt auch in Bezug auf die geltend gemachte schlechte Behandlung seitens der kroatischen Behörden, 8.3 Was den medizinischen Sachverhalt angeht, so kann ein e zwangs- weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Ein solcher würde voraussetzen, dass eine bereits schwer kranke Person durch die Abschiebung mit dem realen Risiko kon frontiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund- heitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde F-1978/2023 Seite 12 (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 8.4 Eine solche Situation liegt nicht vor. Die Beschwerdeführerin klagte an- lässlich des Dublin-Gesprächs über Probleme mit ihrem Arm und den Au- gen. Ferner erwähnte sie Kopfschmerzen und Schlafprobleme. Auch gab sie an, dass es ihr psychisch nicht gut gehe und sie viel Stress habe (SEM act. 13). Aus den aktenkundigen medizinischen Unterlagen geht hervor, dass sie am 5. Januar 2023 wegen Juckens am ganzen Körper ärztlich behandelt wurd e und zur Linderung Medikamente verschrieben erhielt (SEM act. 22). Am 24. Februar 2023 vorgenommene Abklärungen bei der Pflege des Bundesasylzentrums ergaben zudem, dass sie sich dort wegen Schlafproblemen ab und zu gemeldet und man ihr jeweils pflanzliche Me- dikamente mitgegeben hatte. Wegen psychischer Probleme soll sie sich entgegen der Darstellung der zugewiesenen Parteivertretung allerdings nicht bei der Pflege gemeldet haben (SEM act. 21). Auch im Fragekatalog des Berichts zum Arztbesuch vom 5. Januar 2023 ist lediglich davon die Rede, dass sie sich gestresst, niedergeschlagen und müde fühle. Damit gelingt es ihr nicht, nachzuweisen, dass sie nicht reisefähig sei oder eine Überstellung nach Kroatien ihre Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Ihr Gesundheitszustand vermag eine Unzulässigkeit im Sinne der vorstehend zitierten restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Die von ihr gel- tend gemachten gesundheitlichen Probleme sind auch nicht von einer der- artigen Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgesehen werden müsste. 8.5 Die Beschwerdeführerin wurde, wie bereits erwähnt, in der Schweiz medizinisch versorgt und unterzog sich einmal einer ärztlichen Untersu- chung. Dem SEM waren ihre gesundheitlichen Probleme – auch diejenigen psychischer Natur – bekannt. In Bezug auf das Vorliegen einer schwerwie- genden Erkrankung wären von zusätzlichen medizinischen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen (zur antizipierten Beweis- würdigung vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 oder BGE 136 I 229 E. 5.3). Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz diesbezüglich keine weiteren Vorkehren (beantragt wurden psychologische Abklärungen bzw. eine psychologische Sprechstunde ) getroffen hat. Die auf Beschwerde- ebene erhobene Rüge der unvollständigen Feststellung des medizinischen Sachverhalts erweist sich somit als nicht stichhaltig 8.6 Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Kroatien über eine ausrei- chende medizinische Infrastruktur sowie namentlich ein genügendes F-1978/2023 Seite 13 Angebot für psychische Betreuung verfügt (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-423/2023 vom 31. Januar 2023 m.w.H.). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Kroatien der Beschwerdeführerin eine adäquate medizinische Be- handlung verweigern würde. Darüber hinaus trägt die Vorinstanz dem ak- tuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bei der Organisation der Überstellung nach Kroatien Rechnung, indem sie die dortigen Behör- den vor der Überstellung über ihren Zustand und eine allfällig notwendige medizinische Behandlung informiert. Dies ist vorliegend geschehen, figu- rieren die Diagnosen ( Schlafprobleme, Juckreiz, «Gibt psychische Prob- leme an, aber nicht in Behandlung» ) doch in der Beschreibung der Über- stellungsmodalitäten (SEM act. 27). 8.7 Nach dem Ausgeführten konnte die Beschwerdeführerin kein konkretes und ernsthaftes Risiko dartun, dass ihre Überstellung nach Kroatien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Ein notwendi- ger Selbsteintritt gebietet sich daher nicht. 9. Gemäss Praxis des Bundesverwaltung sgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin- weise auf e inen Ermessensmissbrauch oder ein Über - respektive Unter- schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 10. Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes- sensklauseln von A rt. 17 Dublin -III-VO. Somit bleibt Kroatien der für die Behandlung des Asylgesuches de r Beschwerdeführerin zuständige Mit- gliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 11. Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. Da sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 12. Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. F-1978/2023 Seite 14 13. Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses gegenstandslos geworden. Der am 13. April 2023 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil dahin. 14. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, da die Beschwerde – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen ist. Somit sind die Voraussetzun- gen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt; die Verfahrenskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 750. – festzusetzen (Art. 1 –3 des Regleme nts vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-1978/2023 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Daniel Grimm Versand: F-1978/2023 Seite 16 Zustellung erfolgt an: – die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein) – die Vorinstanz, zu den Akten (…) – das Amt für Migration und Zivilrecht des Kantons Graubünden (in Ko- pie)