Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Juni 2019 (720 18 177 / 163) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Befristung des Rentenanspruchs aufgrund gutachterlich prognostizierter Steigerung der Arbeitsfähigkeit; Rückweisung der Angelegenheit zur Neufestsetzung der Rentenleistun- gen für die Zeit nach dem befristeten Rentenanspruch. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Erich Züblin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1977 geborene A.____ meldete sich am 27. Janua r 2015 (Eingang) unter Hinweis auf eine chronische Depression bei der Eidgenössischen Inval idenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse wurden dem Versicherten verschiedene berufliche Massnahmen zugesproche n. Mit Mitteilung der IV-Stelle Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Basel-Landschaft (IV-Stelle) vom 29. November 2016 mussten die beruflichen Massnahmen auf- grund fehlender Eingliederungsfähigkeit abgebrochen werden. In der Folge lehnte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 24. April 2018 einen Rentenan- spruch von A.____ aufgrund Nichterfüllens des Wartejahres ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Erich Züblin, Advokat, mit Ein- gabe vom 25. Mai 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte e r, es sei die Verfügung vom 24. April 2018 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene Gutachten von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, aus verschiedenen Gründen nicht be- weiskräftig sei. C. Am 18. Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer eine e rgänzende Stellungnahme sowie sein Schreiben vom 25. Mai 2018 an Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dipl.-Psych. D.____ und die entsprechende Antwort von Dr. C.____ und Dipl.-Psych. E.____ vom 13. Juni 2018 ein. D. In ihrer Vernehmlassung vom 7. August 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 18. Oktober 2018 g elangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhande- nen medizinischen Akten nicht möglich sei. Das Gericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur Klärung des medizinischen Sachverhalts ein Gerichtsgutachten einzuholen. F. Mit Schreiben vom 24. Oktober 2018 beauftragte das Kantonsgericht PD Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit einem monodisziplinären Gutachten, welches am 30. Januar 2019 erstattet wurde. Die Parteien erhi elten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutachtens und zur Frage zu äussern, wie sich dessen Ergebnisse auf den Leistungs- anspruch des Versicherten auswirken würden. Der Beschwerde führer machte am 7. Februar 2019 hiervon Gebrauch, wobei er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, dass die zustän- dige Pensionskasse und die Stiftung X.____ zum Beschwerdeverfahren beizuladen seien, da die rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit in Abweichung zu den gutachterlichen Ausführungen spätes- tens im Juni 2013 eingetreten sei. Die IV-Stelle wied erum liess sich am 20. Februar 2019 zum Gutachten und dessen Auswirkungen auf den Leistungsanspru ch vernehmen, wobei sie eine weitere Beurteilung von Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärzt- licher Dienst beider Basel (RAD), vom 19. Februar 2019 ins Recht legte. G. Mit prozessleitender Verfügung vom 25. Februar 2019 lehnte die instruierende Präsiden- tin des Kantonsgerichts den Antrag des Beschwerdeführers auf Beiladung der zuständigen Pen- sionskasse und der Stiftung X.____ ab. Mit Blick auf die Anmeldung zum Leistungsbezug vom 27. Januar 2015 sei die IV-Stelle nicht gehalten gew esen, die Arbeitsfähigkeit des Versicherten Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor dem 14. Juli 2014 einer näheren Prüfung zu unterziehen. Hinsichtlich weiter zurückliegender Zeiten würden verbindlichkeitsrechtlich massgebende Feststellungen und Beurteilungen der IV- Organe rechtsprechungsgemäss von vornherein ausser Betracht fallen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem Inva liditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem st rukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksi chtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ander- seits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einord- nung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer recht- lich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbr ingen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E . 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 3. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So führte das Bund esgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von den Ein schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfü- gung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizi nisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Gleichwohl wie bei Gutachten externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insbesondere einem von ihm eingeholten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zuerkennen, solange "nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit" der Exper- tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.). Schli esslich lässt es die Natur des Begutach- tungsauftrags eines amtlich bestellten fachmedizinischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E . 2b), ein Administrativ- oder Gerichtsgut- achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn andere Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urtei l des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom G ericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelan gt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Mei nungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigke it des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Ober- expertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutach- tens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 24. April 2018 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes im Wesentlichen auf das Gutachten von Dr. B.____ vom 11. Juli 2017. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Beschwerdeführer seit Januar 2015 eine Arbeitstätigkeit im Umfang von 80% in einem ähnl ichen Bereich wie bisher zuzumuten sei, weshalb die Bedingungen des Wartejahres nicht erfüllt seien. Den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund einge- hender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ei nsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebn issen gelangen, ist bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverläs- sigkeit der Expertise sprechen (vgl. E. 4.3 hiervor). Anlässlich der in dieser Angelegenheit erfolg- ten Urteilsberatung vom 18. Oktober 2018 gelangte da s Kantonsgericht nun allerdings zur Auf- fassung, dass diesem Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. Anlass, an den entsprechenden Schlussfolgerungen des Gutachtens zu zwe ifeln, gab in erster Linie der Um- stand, dass sich Dr. B.____ bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hauptsächlich auf die beruf- liche Vergangenheit des Versicherten stützte. Dabei gel angte er zur Auffassung, dass es dem Versicherten bis 2013 trotz seiner seit der Jugend besteh enden Persönlichkeitsstörung möglich gewesen sei, im Umfang von 80-100% einer Erwerbstätigk eit nachzugehen. Demgegenüber konnten anhand der Aktenlage einige Anhaltspunkte dafü r ausgemacht werden, denen zufolge Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht es dem Versicherten aufgrund seiner Persönlichkeitsstörun g nicht mehr möglich war, sich der Arbeitswelt anzupassen. Ferner hat der Versicherte auch im Rahmen der beruflichen Massnah- men erhebliche Probleme gehabt. Schliesslich mangelte e s dem Gutachten auch an einer Aus- einandersetzung mit der Argumentation der behandelnden Psychologin D.____, wonach das wie- derholte benannte „nicht Willens sein“ des Versicherten zu grossen Teilen als störungsimmanen- tes Verhalten im Rahmen der Persönlichkeitsstörung anzus ehen sei. Nachdem sich mit Be- schluss des Kantonsgerichts vom 18. Oktober 2018 die Einholung eines psychiatrischen Gutach- tens somit als unerlässlich erwiesen hatte, steht nunmeh r das gerichtliche Gutachten von Dr. F.____ im Zentrum der medizinischen Beurteilung. 5.2 In seinem Gutachten vom 30. Januar 2019 diagnostizi ert Dr. F.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit anankastischen, selbstunsiche- ren und narzisstischen Anteilen (ICD-10 F61.0) sowie ein e rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1). O hne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diag- nostiziert er Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F10.24), Störungen durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, Vollremission (ICD-10 F13.202) sowie einen Status nach Panikstörung (ICD-10 F41.0), 2013. Zur Entwicklung der innerpsychischen Struktur des Exploranden hätten das idealisierte Bild seines beruflich sehr erfolgreichen, introvertierten Vaters und der protegierende überbehütende Erziehungsstil der Mutter insofern beigetragen, als dadurch ein gewisser narzisstischer Überbau begünstigt worden sei. Die fehlende Auseinandersetzung mit der äusseren Welt habe es ihm verunmöglicht, sich als stabiles Subjekt in der Gesellschaft zu erleben. Damit habe sich ein fal- sches Selbst entwickelt, welches sich immer abheben müsse von anderen Personen und deren Leistungen. Trotz des zurückgezogenen Einzelgängertums des Exploranden sei eine Störung aus dem Autismus-Spektrum auszuschliessen. Die Berufsanamne se mute zunächst unauffällig an, bei genauerer Betrachtung falle aber auf, dass der Explorand immer das Gefühl gehabt habe, bessere Informatikkenntnisse zu besitzen als seine Arbeitskol legen, gleichzeitig aber immer Zweifel gehabt habe, ob seine Arbeit genüge, was zu stä ndiger Nachkontrolle seiner Arbeit ge- führt habe, um allfällige Kritik, die er nicht adäqua t hätte verarbeiten können, zu vermeiden. Dadurch habe sich sein Arbeitstempo verlangsamt, was zu K ritik und zu Abmahnungen seitens seiner Vorgesetzten geführt habe. Den dadurch entstand enen Druck habe er jeweils durch die eigene Kündigung beendet. Der Beschwerdeführer habe konstant einen grossen Aufwand betrei- ben müssen, um im ersten Arbeitsmarkt integriert zu bleiben. Um etwas Entlastung zu gewinnen, habe er stets in einem reduzierten Pensum von 80% gearb eitet. Personen mit einer Persönlich- keitsstörung seien nicht selten in der Lage, im ersten A rbeitsmarkt über Jahre zu bestehen, bis das labile Gleichgewicht derart erschüttert werde, dass die Bewältigungsstrategien nicht mehr greifen könnten. Die Omnipotenz des Vaters habe eine rseits die Insuffizienz des Exploranden zwar unterhalten, andererseits habe die Identifikation mit seinem Vater den Exploranden auch befähigt, im ersten Arbeitsmarkt zu bestehen. Erst die Stellenkündigung im Juli 2012 zusammen mit dem Tod des Vaters habe zum Einsturz des narzisstischen Überbaus und zur depressiven Symptomformation geführt. Ähnlich auffällig wie die B erufsanamnese sei die Beziehungsanam- nese des Exploranden. Er habe seit 22 Jahren keine partnerschaftliche Beziehung mehr gepflegt und auch kein anderweitiges Beziehungsnetz aufgebaut. Kontakte pflege er einzig zu seiner Mut- ter und zu seinem Bruder, von denen er wisse, dass sie ihm wohlgesinnt seien. Es liege somit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine regelrechte Bindungsstörung vor. Die Kardinalkriterien für eine Persönlichkeitsstörung, wo- nach ab verhältnismässig frühem Alter zentrale Bereiche d er privaten, sozialen und beruflichen Anamnese nachhaltig und relevant tangiert seien, seie n beim Exploranden zweifelsohne erfüllt. Für eine anankastische Persönlichkeitsstörung seien sieben der acht möglichen und vier der er- forderlichen Kriterien und für eine narzisstische Persönl ichkeitsstörung seien vier bis fünf der sechs möglichen und der vier erforderlichen Kriterien e rfüllt. Damit liege eine kombinierte Per- sönlichkeitsstörung mit anankastischen, selbstunsicheren und narzisstischen Anteilen vor. Was die Affektpathologie angehe, so hätten sich im objektiven Psychostatus zunächst keine Auffällig- keiten gezeigt, im Verlauf der weiteren Begutachtung se i aber eine depressive Grundstimmung und eine Affektverarmung deutlich hervorgetreten. Der Explorand habe zunehmend hilf- und rat- los, verloren und in seinem affektiven Leiden vollkommen authentisch imponiert. Die gegenwär- tige Affektpathologie entspreche einer mittelgradigen depressiven Episode, wobei sie im Ver- gleich zur zugrundeliegenden primären Persönlichkeitspa thologie sowohl klinisch als auch hin- sichtlich der Arbeitsfähigkeit eine untergeordnete Rel evanz habe. Die psychosozialen Belas- tungsfaktoren der seit über zwei Jahren bestehenden Arbeitslosigkeit und des fehlenden sozialen Netzwerkes seien nicht invaliditätsfremd, da der Explor and aufgrund seiner Persönlichkeitsstö- rung nicht in der Lage sei, ein Einkommen zu generieren und ein soziales Netz zu etablieren. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hält der Gutachter fest, dass beim Exploranden eine gewichtige Dekonditionierung bestehe und er zurzeit zu 100% arbeitsunfähig sei. Er benötige berufliche Mas- snahmen, um in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren, wobei nach einem Zeitraum von sechs Monaten sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Situation präsentieren werde, in welcher beim Exploranden Funktionsfähigkeiten aus psychiatrischer Sicht in der Höhe von 50% bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt reetabliert sein sollten. Dabei seien aber hauptsächliche Gruppenarbei- ten zu vermeiden. Vielmehr sei eine Arbeit im Backoffice-Bereich zu ermöglichen ohne Kunden- kontakte und ohne allzu häufige Kontakte mit Mitarbeit ern. Ausserdem müsse der Vorgesetzte über die Problematik des Exploranden informiert sein un d dafür Verständnis aufbringen. Mul- titask-Aufgaben seien zu vermeiden. Ferner müsse dem Exploranden ermöglicht werden, Arbei- ten zu Ende zu führen, bevor ihm neue Aufgaben übertragen würden. Aufgaben mit höherer Ver- antwortung seien zu vermeiden. Eine Arbeit mit diesen E inschränkungen sei dem Exploranden sowohl im angestammten Bereich der Informatik wie auch in jeder Verweistätigkeit nach einer sechsmonatigen beruflichen Massnahme im Umfang von 50% zumutbar. Inwiefern es im weiteren Krankheitsverlauf möglich sei, diese Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu steigern, könne zum aktuellen Zeitpunkt nicht beurteilt werden. Anlässli ch der Begutachtung sei der Explorand sehr kooperativ gewesen, es gebe keine Hinweise auf Inkonsistenzen. Der Explorand sei zuletzt bis im Dezember 2016 im ersten Arbeitsmarkt tätig gewese n, wobei fraglich sei, ob die letzte Anstellung von Mai 2015 bis September 2016 als Äquivalent einer Arbeitsstelle im ersten Arbeits- markt einzustufen sei. Unklar sei ferner, wie sich die Arb eitsfähigkeit seit März 2012 entwickelt habe. Diesbezüglich seien die Akten nicht ausreichend. Dr. C.____ habe eine Arbeitsunfähigkeit seit Juni 2014 attestiert, wobei unklar bleibe, wieso dieser Zeitpunkt ausgewählt worden sei. Ins- gesamt könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgehalten werden, dass die aktuelle Ar- beitsunfähigkeit im Umfang von 100% seit Januar 2017 bestehe. 6.1 Mit Stellungnahme vom 7. Februar 2019 macht der B eschwerdeführer geltend, dass ge- stützt auf das Gutachten von Dr. F.____ von einer vollst ändigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei, wobei er in Abweichung zu den gutachterlichen Ausführungen die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente bereits mit Wirkung ab Juni 2013 beantragt. Demgegenüber stellt sich die IV-Stelle mit Eingabe vom 20. Februar 2019 mit Verweis auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. G.____ vom 19. Februar 2019 auf den Standpunkt, dass aus mehreren Gründen nicht darauf abgestellt werden könne. 6.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), weich t das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend besteht kein Anlass, von den Ergebnissen des zitierten Gutachtens von Dr. F.____ abzuweichen. Das Gu tachten ist umfassend und die darin dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die jewei ls vorgenommenen Schlussfolge- rungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Der Gutach ter hat den Versicherten persönlich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und geht einlässlich auf seine Angaben und Beschwerden ein. Er setzt sich zudem fundiert mit den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten, namentlich mit dem Gutachten von Dr. B.___ _, auseinander und begründet abwei- chende Einschätzungen in überzeugender Weise. 6.3 Der Gutachter vermag insbesondere anhand einer ausführlichen Diskussion der in- nerpsychischen Struktur des Versicherten und einer eingehe nden Würdigung der Berufsanam- nese schlüssig zu begründen, dass die für eine Persönlichkeitsstörung zentralen Kriterien erfüllt und erheblich tangiert sind. Entgegen der von der IV- Stelle mit Verweis auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. G.____ vertretenen Auffassung trifft es dabei gerade nicht zu, dass der Be- rufsanamnese des Versicherten keinerlei Auffälligkeiten entnommen werden können. Dieser Ein- wand gründet vielmehr auf einem Ersteindruck, wie er au ch vom Gutachter beschrieben wird. Eine Auseinandersetzung mit den vom Gutachter differenziert aufgezeigten Schwierigkeiten hin- sichtlich des beruflichen Werdegangs wird dabei vollständ ig ausgeblendet. Wenn zur Bekräfti- gung dieses Standpunktes vorgebracht wird, der Versicherte sei es jeweils selbst gewesen, der die Arbeitsverhältnisse aufgelöst habe, so werden dabei die gutachterlichen Ausführungen aus- ser Acht gelassen, wonach der Versicherte nach bereits erfolgten Abmahnungen damit stets einer drohenden Kündigung zuvorkommen wollte. Gleichermassen verhält es sich mit dem neben der Berufstätigkeit verfolgten Wirtschaftsstudium, welches vo n der IV-Stelle ebenfalls als einer auf- fälligen Berufsanamnese entgegenstehend angeführt wird. So bleibt dabei unberücksichtigt, dass der Versicherte das Studium nach nur einem Jahr abgebr ochen, gleichwohl aber auch im Rah- men seiner darauffolgenden Stellen sein Pensum nie übe r 80% gesteigert hat. Dabei bekräftigt der Gutachter wiederholt, dass relevante Beeinträchtigungen in der Berufsanamnese nicht zwin- gend bedeuten würden, dass keine Berufstätigkeit vorlie ge, sondern vielmehr mit hohem Auf- wand eine Berufsfähigkeit aufrechterhalten werde. Unter diesen Umständen läuft denn auch zu- gleich die in diesem Zusammenhang vorgebrachte Kritik ins Leere, wonach sich der Gutachter mit der Berufsanamnese des Versicherten nicht wirklich auseinandergesetzt habe. 6.4 Auch die weiteren Vorbringen der IV-Stelle vermö gen die ausschlaggebende Beweis- kraft des Gerichtsgutachtens nicht in Frage zu stellen . Auf der Grundlage der RAD-Beurteilung beanstandet wird ferner, dass die klassifikatorischen Vorg aben zur Stellung der Diagnose einer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mittelgradigen Depression nicht erfüllt seien. Es ist der IV-Stelle zwar dahingehend beizupflich- ten, als die Voraussetzungen für das Vorliegen der Di agnose einer Depression mittelgradiger Ausprägung nicht allzu ausführlich begründet werden. D er Gutachter konnte aber eines der af- fektive Störungen kennzeichnenden Hauptsymptome, nämlich eine Veränderung der Affektivität in Form einer Affektverarmung und pathologisch ausgel enkter Befunde im Rahmen der die in- nerpsychische Vitalität widerspiegelnden Parametern (Mi mik und Gestik, Psycho- und Sprach- motorik, Denktempo, kognitive Leistungen etc.) nachweisen (vgl. hierzu Gerichtsgutachten, S. 36). In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass für die Belange der Invalidenversiche- rung ohnehin nicht die Diagnose, sondern vielmehr die sozial-praktische Auswirkung der Erkran- kung, mithin die gutachterlichen Feststellungen zur Arbeitsfähigkeit massgebend sind (vgl. BGE 141 V 281 E. 7; Urteil des Bundesgericht vom 23. April 2019, 9C_184/2019, E. 4.2 und vom 27. September 2017, 8C_820/2016, E. 5.4). Was diese funktionellen Auswirkungen anbelangt, so gilt es der IV-Stelle zunächst entgegenzuhalten, dass die dem Versicherten noch möglichen Aktivi- täten der Diagnose einer Depression mittelgradigen Ausmasses nicht zwingend entgegenstehen, zumal mit den angeführten Aktivitäten – tägliches Autofahren, mehr als fünf Stunden vor dem PC verbringen und Kontakt zur Mutter pflegen – der Allt ag des Versicherten bereits erschöpfend be- schrieben ist. Letztlich kommt der Frage, ob die festgeste llten Aktivitäten sich mit der besagten Diagnose vereinbaren lassen, aber keine ausschlaggebende Bedeutung zu. So weist der Gut- achter wiederholt darauf hin, dass die depressive Symptomatik sekundäre Folge der Persönlich- keitsstörung sei und sowohl klinisch als auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit keine bzw. eine geringe Relevanz habe. Er präzisiert hierzu weiter, dass es nachvollziehbar sei, wenn Dr. B.____ die Affektpathologie als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aufgelistet habe, wenn sie vollständig remittiert sei. Da es sich um eine rezidivierende depressive Störung handle, die bislang immer wieder exazerbiert sei, habe sie rein formal bei vorausgesetztem ausreichend hohem Schweregrad eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gehabt (Gerichtsgutachten, S. 36, 37). Funktionelle Beeinträchtigungen bestehen im Wesen tlichen durch die diagnostizierte Per- sönlichkeitsstörung. Soweit die IV-Stelle schliesslich vorbringt, es würde dem Gutachten diesbe- züglich an einer bundesrechtskonformen Prüfung der Stand ardindikatoren mangeln, kann ihr ebenfalls nicht beigepflichtet werden. Es trifft zwar zu , dass der Gutachter in formeller Hinsicht nicht den vom Bundesamt für Gesundheit entworfenen Fragenkatalog verwendet. Dessen unge- achtet lassen sich dem Gutachten alle erforderlichen Angaben für die Prüfung der Frage entneh- men, ob sich ein invalidisierender Gesundheitszustand anhand der Standardindikatoren verifizie- ren lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2018, 8C_449/2017, E. 4.2.2 und 4.3). Der Gutachter setzt sich mit der Biographie, dem beruflichen Werdegang, der sozialen Anamnese und der Familienanamnese sowie den Alltagsaktivitäten des Versicherten hinreichend auseinan- der und es werden die verbleibenden Ressourcen und Fähigkeiten im Rahmen der ausführlichen Prüfung der ICF-APP-Kriterien aufgeführt und gewicht et (vgl. Gerichtsgutachten, S. 39 ff.). Ins- gesamt erlaubt das Gutachten von Dr. F.____ eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Lichte der massgeblichen Indikatoren. 7. Nach dem Gesagten ist im Sinne eines Zwischenergebnisse s festzuhalten, dass für die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf das über- zeugende Gutachten von Dr. F.____ abgestellt werden kann. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Was die im Weiteren zu prüfende Frage nach dem B eginn der anspruchsrelevanten Aus- wirkung des psychischen Leidens auf die Arbeitsfähigkeit angeht, so sind vorliegend – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – ebenso keine Gründe ersichtlich, die es rechtfertigen würden, von den überzeugenden gutachterlichen Ausführungen abzuweichen. Der Gutachter ge- langt im Rahmen einer ausführlichen Auseinandersetzung zu dieser Frage nachvollziehbar zum Ergebnis, dass der besagte Zeitpunkt auf den 1. Januar 2017 festzulegen sei, weil die vorliegen- den medizinischen Unterlagen hierzu kein schlüssiges Erge bnis präsentieren würden (vgl. Ge- richtsgutachten, S. 43, 44 und E. 6.2 hiervor). Die Au ffassung des Beschwerdeführers, wonach er in seiner Arbeitsfähigkeit seit Ende März 2012, späte stens jedoch seit Juni 2013, erheblich eingeschränkt sei, lässt sich anhand der medizinischen Aktenlage nicht stützen. So ändert auch die Tatsache, derzufolge der Gutachter die Kündigung des Arbeitsverhältnisses per März 2012 als in einem Zusammenhang stehend zur Persönlichkeitsstörung erachtet, nichts daran, dass es in diesem Zeitraum an einer nachvollziehbar begründet en echtzeitlich dokumentierten Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit fehlt. In Übereinstimmung mit den schlüssigen gutachterlichen Aus- führungen bleibt unklar, weshalb Dipl.-psych. D.____ und Dr. C.____ in ihrem Bericht vom 7. April 2015 den Beginn der Arbeitsunfähigkeit in der angest ammten Tätigkeit auf Juni 2014 festlegen. Gleichermassen verhält es sich für die vom Beschwerdeführer angerufene RAD-Beurteilung vom 26. Juli 2017, aus der nicht hervorgeht, worauf die darin attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100% in der Zeit von Juni 2013 bis Dezember 2016 gründet. Mit dem Gutachter ist somit davon auszu- gehen, dass der Beschwerdeführer seit 1. Januar 2017 i n seiner Arbeitsfähigkeit erheblich ein- geschränkt ist. Weil ein allfälliger Rentenanspruch erst entsteht, nachdem der Versicherte wäh- rend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchsch nittlich mindestens im Umfang von 40% arbeitsunfähig gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), ist damit zugleich gesagt, dass der frühestmögliche Rentenbeginn vorliegend auf den 1. Januar 2018 zu liegen kommt. 8.2 Der Beschwerdeführer beantragt schliesslich gestützt au f das Gutachten von Dr. F.____ die Ausrichtung einer (unbefristeten) ganzen Rente (vgl. E. 6.1 hiervor). Dies unter Berufung auf die Ungewissheit der darin prognostizierten Steigerun g der Arbeitsfähigkeit. Dem Beschwerde- führer ist zwar dahingehend beizupflichten, als jeder Pr ognose eine gewisse Unsicherheit inhä- rent ist. Gestützt auf seine umfassende Beurteilung äussert der Gutachter jedoch ohne jeglichen Vorbehalt seine Prognose, wonach zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der invaliditätsbedingten De- konditionierung eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bestehe, dem Versicherten aber nach Durchführung von beruflichen Massnahmen während einer D auer von sechs Monaten eine lei- densadaptierte Tätigkeit im Ausmass von 50% zumutbar sei. Angesichts dieser präzisen Aussa- gen hinsichtlich der ziffernmässigen Höhe einer künftigen Steigerung der Arbeitsfähigkeit recht- fertigt es sich, den aus der vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit resultierenden Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bis zum Zeitpunkt der Beendigung der beruflichen Massnamen binnen einer sechsmonatigen Dauer von vornherein zu befristen. Dabei haben vom Beschwerdeführer zu ver- tretene zeitliche Verzögerungen administrativer oder organisatorischer Natur bei dieser Frist aus- ser Acht zu bleiben. Dem Gesagten zufolge hat der Beschwerdeführer somit vom 1. Januar 2018 bis zum Abschluss einer mindestens sechs Monate dauernden beruflichen Massnahme Anspruch auf eine befristete ganze Invalidenrente. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Nachdem die Beschwerdegegnerin von der Nichterfüll ung des Wartejahres ausgegan- gen war, hat sie in ihrer Verfügung vom 24. April 20 18 auf Abklärungen in erwerblicher Hinsicht mit entsprechender Durchführung eines Einkommensvergl eichs verzichtet. Was den Leistungs- anspruch im Anschluss an die befristete ganze Invalidenrente anbelangt, so ist die Angelegenheit daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach Durchführung der entspre- chenden beruflichen Massnahmen den Invaliditätsgrad auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 50% neu berechnet. Gestützt darauf wird sie erneut über den Leistungsanspruch des Beschwer- deführers zu befinden haben. Die Frage, ob und in wel chem Umfang dem Beschwerdeführer zusätzlich ein leidensbedingter Abzug zu gewähren ist, liegt dabei im Ermessen der IV-Stelle. 9. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Di e angefochtene Verfügung der IV-Stelle ist aufzuheben und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer vom 1. Januar 2018 bis zum Abschluss der mindestens sechs Monate dauernden beruflichen Massnahmen Anspruch auf eine ganze Rente hat. Für die Zeit danach ist die Angelegenheit im Sinne vorstehender Er- wägungen zur Neufestsetzung der Rentenleistungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. 10. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Die Ver- fahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in de r Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hat deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.- sind somit der IV- Stelle aufzuerlegen. Der Beschwerdeführer erhält seinen bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 10.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für die gerichtlich e Begutachtung ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dieser Bestimmung zufolge hat der Versicherungsträger die Kosten der Ab- klärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so hat er deren Kosten dennoch zu überne hmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestand teil nachträglich zugesprochener Leistungen bildeten. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht al s notwendig erachteten Beweismassnah- men an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen MEDAS- Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend ist das Kan- tonsgericht anlässlich seiner Urteilsberatung vom 18. Oktober 2018 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Es kann in dieser Hinsicht vollumfänglich auf die Erwägungen im Be schluss des Kantonsgerichts vom 18. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Oktober 2018 verwiesen werden. In Anbetracht der dort erwogenen Umstände war die gerichtli- che Begutachtung durch Dr. F.____ nicht nur angezeigt, sondern unerlässlich. Es tritt hinzu, dass das gerichtliche Gutachten nunmehr zweifellos die Grundlage für die dem Beschwerdeführer zu- zusprechende Invalidenrente bildet. Im Lichte der geschilderten Rechtsprechung sind die daraus resultierenden Kosten, welche sich gemäss den Honorarrechn ungen vom 29. und 30. Januar 2019 auf insgesamt Fr. 6‘570.10 belaufen, demnach der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 10.3 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO steht dem obsiegenden Beschwe rdeführer eine Parteient- schädigung zu. Der Honorarnote vom 4. März 2019 zufolge beläuft sich der geltend gemachte Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren auf i nsgesamt 18 Stunden und 35 Minuten, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen grundsätzlich als an- gemessen erweist. Der der Honorarnote beigelegten Des ervitenkarte ist allerdings zu entneh- men, dass sich darunter kleinere Bemühungen befinden, welche auf den Kontakt des Rechtsver- treters mit der Rechtsschutzversicherung zurückzuführen sind. Dieser Aufwand würde im Falle einer nicht Rechtsschutz versicherten Person nicht anfallen und kann daher nicht berücksichtigt werden. Aus diesem Grund sind die Bemühungen im Zusammenhang mit der Rechtsschutzver- sicherung im Umfang von insgesamt 1 Stunde und 10 Minu ten sowie die damit verbundenen Auslagen in Abzug zu bringen. Damit ergibt sich ein zu berücksichtigender Aufwand von insge- samt 17 Stunden und 25 Minuten. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozes- sen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘820.80 (17 Stunden und 25 Minuten à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 122.- - sowie 7.7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die angefoch tene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 24. April 2018 wird aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer vom 1. Janu ar 2018 bis zum Abschluss der mindestens sechs Monate dauernden beru flichen Massnahmen Anspruch auf eine ganze Rente hat. Für die Zeit danach ist die Angelegenheit zur Festsetzung der Rentenleistunge n im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückzuweisen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 6‘570.10 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4‘820.80 (inkl. Ausla gen und Mehr- wertsteuer zu bezahlen).