Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. Juni 2020 (810 19 299) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Direkte Bundessteuer 2016 / privilegierte Liquidationsbesteuerung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clau- sen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdefüh- rerin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Beschwerdegegner A.____ und B.____ , vertreten durch Christoph Beer, Advokat Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV , Beigeladene Betreff Direkte Bundessteuer 2016 (Urteil der Abteilung Steuergericht vom 9. August 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Gesuch vom 8. Juni 2018 verlangten A.____ und B.____, vertreten durch C.____, bei der Steuerverwaltung Basel-Landschaft (Steuerverwa ltung) die Revision ihrer Steuerveran- lagung aus dem Jahr 2016. Sie beantragten, es seien d ie Staats-, Gemeinde- und Bundessteu- er 2016 zu revidieren, es sei das ordentliche steuerbar e Einkommen 2016 um Fr. 50'000.-- zu reduzieren und es seien die im Jahr 2016 realisierten st illen Reserven in der Höhe von Fr. 50'000.-- im Rahmen der privilegierten Liquidati onsbesteuerung zu besteuern. Ihr Begehren begründeten sie im Wesentlichen damit, dass die Steuerpflichtigen im Jahr 2016 stille Reserven im Umfang von Fr. 50'000.-- (Reduktion der Rückstellung von Fr. 370'000.-- auf Fr. 320'000.--) realisiert und ordentlich als Einkommen versteuert hätt en. Da die Steuerpflichtigen jetzt ent- schieden hätten, ihre selbständige Erwerbstätigkeit per 31. Dezember 2017 aufzugeben, seien die stillen Reserven der letzten zwei Geschäftsjahre privile giert als Liquidationsgewinne zu ver- steuern. Dies sei eine wesentliche Tatsache, welche ni cht im ordentlichen Veranlagungsverfah- ren habe geltend gemacht werden können, da sie zu diese m Zeitpunkt noch nicht bekannt ge- wesen sei. B. Die Steuerverwaltung wies das Gesuch vom 8. Juni 2018 mit Entscheid vom 15. Februar 2019 ab. Zur Begründung wurde im Wesent lichen ausgeführt, dass Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit der ordentlichen Besteueru ng unterliegen würden, wenn nicht ausnahmsweise ein Liquidationsgewinn bestehe. Ein solche r Gewinn bedinge einen hinrei- chend engen Zusammenhang zwischen Liquidation und Realisation. Ein umfassender Einbezug aller realisierten stillen Reserven könne gesetzgeberisch nicht gewollt sein. Im vorliegenden Fall sei die erforderliche Kausalität zwischen Liquidation u nd Realisation nicht gegeben. Eine Auflö- sung von stillen Reserven zu einem Zeitpunkt, in welche m man noch nichts von einer Liquidati- on gewusst habe, könne nicht in einem Kausalzusammenhan g mit der später erfolgten Liquida- tion stehen. C. Gegen den Entscheid der Steuerverwaltung erhoben A .____ und B.____, nachfolgend vertreten durch Christoph Beer, Advokat, mit Eingabe v om 21. Februar 2019 Beschwerde beim Steuer- und Enteignungsgericht Basel-Landschaft, Abtei lung Steuergericht (Steuergericht). Sie beantragten, die Veranlagung 2016 sei gemäss Revisionsg esuch zu revidieren und die stillen Reserven im Umfang von Fr. 50'000.-- seien gesondert als Liquidationsgewinn zu besteuern; unter o/e-Kostenfolge. D. Mit Entscheid vom 9. August 2019 hiess das Steuergeri cht die Beschwerde im Sinne der Erwägungen teilweise gut und wies die Steuerverwa ltung an, Fr. 28'572.-- privilegiert als Liquidationsgewinn zu besteuern. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Revisionsvoraussetzungen gemäss § 147 f. DBG vorliegend er füllt seien. Namentlich sei der Entscheid, aus der Kollektivgesellschaft auszutreten, gee ignet, den der Veranlagung im Jahr 2016 zugrunde gelegenen Sachverhalt wesentlich zu veränd ern und zu einer anderen Ent- scheidung Anlass zu geben, da jetzt eine privilegierte Be steuerung gemäss § 37b DBG in Be- tracht komme. Ferner würden die per 31. Dezember 201 6 aufgelösten Rückstellungen für die Gipfeltriebernte in der Höhe von Fr. 50'000.-- als sti lle Reserven gelten. Es sei unerheblich, dass diese stillen Reserven nicht im Hinblick auf die Liquidation aufgelöst worden seien und der Liquidationsentscheid zum Zeitpunkt der Reservenauflös ung noch nicht gefällt worden sei. Für Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Gewinnzuteilung bei Kollektivgesellschaften sei jedo ch der Verteilschlüssel im Gesell- schaftsvertrag massgebend. Dieser Verteilschlüssel sehe vor, dass A.____ 3/7, B.____ 1/7 und D.____ 3/7 erhalten würden. Somit seien die aufgelö sten stillen Reserven in der Höhe von Fr. 50'000.-- gemäss dieser Aufteilung zuzuweisen. A.__ __ und B.____ würden demzufolge Fr. 28'572.-- zur privilegierten Besteuerung zugewiesen. E. Die Steuerverwaltung erhob gegen den Entscheid des S teuergerichts vom 9. August 2019 mit Eingabe vom 7. November 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgeri cht). Es wird beantragt, die ange- fochtenen Entscheide des Steuergerichts Nr. 510 19 21 ( Staatssteuer 2016) und Nr. 530 19 14 (Direkte Bundessteuer 2016) seien aufzuheben. Die in de r gleichen Sache ergangenen Ent- scheide der Steuerverwaltung vom 15. Februar 2019 sei en zu bestätigen; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung wird im Wesentlichen ang eführt, dass ein Liquidationsgewinn im Sinne von § 36 bis StG bzw. Art. 37b DBG einen hinreichenden Kausalzusam menhang mit der Realisation von stillen Reserven voraussetze. Im vorliegenden Fall seien gebildete Rückstellun- gen reduziert worden, weil das bisherige Helikopterunte rnehmen für die Gipfeltriebernte abge- löst und durch ein günstigeres Unternehmen ersetzt worde n sei. Die Gipfeltriebernte werde pe- riodisch alle vier Jahre mit einem Helikopter durchgefüh rt, was sehr kostenintensiv sei. Auch nach dem Ausscheiden der Steuerpflichtigen werde die G esellschaft diese Gipfeltriebernte wei- terführen, womit die betreffenden Rückstellungen nach wie vor handelsrechtlich begründet sei- en. Die Reduktion der Rückstellungen für die Gipfeltrie bernte habe somit keinen Zusammen- hang mit der Liquidation der Gesellschaft bzw. dem Auss cheiden der Steuerpflichtigen. Zudem sei die Kollektivgesellschaft per Juni 2018 über den Umw eg einer Einzelfirma in eine Aktienge- sellschaft umgewandelt worden. Das Liquidationsjahr sei somit das Jahr 2018. Zusammen mit dem Liquidationsjahr käme nur das Vorjahr 2017 für ei ne privilegierte Besteuerung von stillen Reserven in Frage. F. Das Steuergericht liess sich mit Eingabe vom 19. Dezem ber 2019 vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Zusätzlich wurde ang eführt, dass die Auflösung von Rückstellungen der Auflösung von stillen Reserven gleichk omme. Anderweitige Möglichkeiten, die eingelegten finanziellen Mittel aus der Firma zur ückzuziehen, hätten aufgrund der finanziel- len Situation der Gesellschaft nicht bestanden. G. Mit Eingabe vom 28. Januar 2020 liessen sich die pri vaten Beschwerdegegner ver- nehmen und beantragten, die Entscheide des Steuergerichts seien aufzuheben und die Steuer- verwaltung sei anzuweisen, die gesamten stillen Reserven im Umfang von Fr. 50'000.-- gemäss Revisionsgesuch als Liquidationsgewinn zu besteuern; un ter o/e-Kostenfolge. Ferner machen sie geltend, sie hätten im Juni 2018 entschieden, ihre E rwerbstätigkeit per Ende 2017 aufzuge- ben und hätten im Jahr 2018 keine Arbeitsleistungen mehr erbracht und keine Entschädigungen mehr bezogen. Bei den betreffenden Rückstellungen für die Helikopterernte handle es sich zum grössten Teil um stille Reserven, die vor vielen Jahren gebildet worden seien. Per 31. Dezem- ber 2015 sei eine Rückstellung von Fr. 370'000.-- vorha nden gewesen. Betriebswirtschaftlich notwendig seien Fr. 0.-- gewesen, da in diesem Jahr d ie Gipfeltriebernte stattgefunden habe. Bei der Reduktion der Rückstellung von Fr. 370'000.-- a uf Fr. 320'000.-- im Geschäftsjahr 2016 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht handle es sich daher um die Auflösung stiller Reserven. Die drei Gesellschafter hätten sich da- rauf geeinigt, die fraglichen stillen Reserven ausschlie sslich den beiden ausscheidenden Ge- sellschaftern zuzuordnen. H. Die Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV liess sich mi t Eingabe vom 23. Dezember 2019 vernehmen und stellt den Antrag, die Beschwerde der Steuerverwaltung vom 7. Novem- ber 2019 sei vollumfänglich gutzuheissen. Zur Begründu ng wird im Wesentlichen ausgeführt, dass die Liquidation der Kollektivgesellschaft offensichtl ich im Jahr 2018 vollzogen worden sei, womit das Geschäftsjahr 2018 das Liquidationsjahr im Sinne von Art. 37b DBG darstelle. Neben dem Geschäftsjahr 2018 komme somit nur noch das Vorjahr (Geschäftsjahr) 2017 für eine privi- legierte Besteuerung der während diesen beiden Geschäf tsjahren realisierten stillen Reserven in Frage. Die im angefochtenen Entscheid gewährte pr ivilegierte Besteuerung von angeblich im Geschäftsjahr 2016 realisierten stillen Reserven verstosse bereits aus diesem Grund gegen Art. 37b DBG. Ferner seien die Rückstellungen für die G ipfeltriebernte per 2016 nicht gänzlich aufgehoben worden, da der Grund für diese Rückstellung en offensichtlich noch bestanden ha- be. Demzufolge seien für die Gipfeltriebernte offensichtlich keine stillen Reserven auf der Rück- stellung aufgelöst, sondern sei die bestehende Rückstellun g in ihrem Umfang angemessen an- gepasst worden, damit sie geschäftsmässig begründet bleibe. Solange Rückstellungen han- delsrechtlich begründet seien, sei die Bildung von stille n Reserven ausgeschlossen. Das Steu- ergericht sei ebenfalls zum Schluss gelangt, dass der Be stand als auch die Auflösung von stil- len Reserven im Umfang von Fr. 50'000.-- im Jahr 2016 nicht erwiesen sei. Unerklärlich sei je- doch, weshalb das Steuergericht dennoch von einer Auflö sung von stillen Reserven ausgegan- gen sei. Dies sei unzulässig gewesen, zumal es an den Ste uerpflichtigen sei, die Vorausset- zungen einer privilegierten Besteuerung zu beweisen. Es sei nicht erkennbar, inwiefern die Auf- lösung der besagten Rückstellung in irgendeiner Art und Weise einen ausserordentlichen Liqui- dationsgewinn darstelle, der nur aufgrund der Aufgab e der selbständigen Erwerbstätigkeit an- gefallen sei. Ein solcher Kausalzusammenhang sei jedoch Voraussetzung für Art. 37 DBG. I. Mit Verfügung vom 23. April 2020 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung im Rah- men einer Urteilsberatung überwiesen. Weiter wurde fe stgestellt, dass die beiden Beschwerde- verfahren Nr. 810 19 298 und Nr. 810 19 299 zusammen behandelt würden, da inhaltlich glei- che Entscheide angefochten seien. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 145 des Bundesgesetzes über die direkt e Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 i.V.m. § 3 der Vollzugsverordnung zum Bun desgesetz über die direkte Bun- dessteuer (Vollzugsverordnung zum DBG) vom 13. Dezember 19 94 und § 131 Abs. 1 des Ge- setzes über die Staats- und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht als letzter kanto- naler Instanz angefochten werden. Die kantonale Steuerve rwaltung ist nach Art. 145 DBG und Art. 141 Abs. 1 DBG i.V.m. § 1 Vollzugsverordnung zum DBG zur Beschwerdeerhebung legiti- miert. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen n ach Art. 140 ff. DBG sowie § 43 ff. des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnun g (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Mit der Beschwerde in Steuersachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Ve rfahrens gerügt werden. Somit kann das Kantonsgericht vorliegend auch die Angemessenhei t des angefochtenen Entscheids überprüfen. Gemäss § 18 Abs. 3 VPO ist das Kantonsgericht bei Beschwerden in Steuersachen nicht an die Begehren der Parteien gebunden und es st ehen ihm die gleichen Befugnisse zu wie den Einschätzungsbehörden. 3.1 Vorliegend ist strittig, ob die Liquidation der K ollektivgesellschaft "E.____" bzw. das Ausscheiden der beiden Gesellschafter A.____ und B.____ einen Revisionsgrund für die direkte Bundessteuer 2016 darstellt. 3.2 Nach der im Steuerrecht allgemein gültigen Regel trägt die Steuerbehörde die Beweis- last für steuerbegründende Tatsachen, während der Bewe is für steueraufhebende oder steuer- mindernde Tatsachen grundsätzlich dem Steuerpflichtige n obliegt und er steuermindernde Tat- sachen nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen h at (BGE 140 II 248 E. 3.5 m.w.H.). Bei der vorliegend geltend gemachten privilegierten Li quidationsbesteuerung handelt es sich um steuermindernde Tatsachen, welche von den privaten Beschwerdegegnern zu belegen sind. 4.1 Gegen die Veranlagungsverfügungen zur Bundes- und Staatssteuer 2016 wurden in- nert der 30-tägigen Frist keine Rechtsmittel erhoben. Diese Veranlagungsverfügungen erwuch- sen somit in Rechtskraft. Die privaten Beschwerdegegner haben nach eigenen Angaben am 6. Juni 2018 entschieden, aus der Kollektivgesellschaft a uszuscheiden und die entsprechende Meldung wurde am 11. Juni 2018 im Tagesregister des Schw eizerischen Handelsamtsblatts (SHAB) publiziert. Ihr Revisionsgesuch reichten die priva ten Beschwerdegegner mit Eingabe vom 8. Juni 2018 bei der Beschwerdeführerin ein, womi t die 90-tägige Frist gemäss Art. 148 DBG eingehalten wurde. 4.2.1 Gemäss Art. 147 Abs. 1 DBG kann eine rechtskräft ige Veranlagung oder ein rechts- kräftiger Entscheid auf Antrag oder von Amtes wegen zugu nsten des Steuerpflichtigen revidiert werden, wenn erhebliche Tatsachen oder entscheidende B eweismittel entdeckt werden (lit. a), wenn die erkennende Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel, die ihr bekannt waren oder bekannt sein mussten, ausser Acht gela ssen oder in anderer Weise we- sentliche Verfahrensgrundsätze verletzt hat (lit. b) oder wenn ein Verbrechen oder Vergehen die Verfügung oder den Entscheid beeinflusst hat (lit . c). Eine Revision ist jedoch ausgeschlos- sen, wenn der Antragsteller als Revisionsgrund vorbringt, was er bei der ihm zumutbaren Sorg- falt schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können (Art. 147 Abs. 2 DBG). 4.2.2 Eine Revision kommt zunächst dann in Frage, wenn erhebliche ("entscheidende") Tat- sachen oder Beweismittel entdeckt werden (Art. 147 Abs. 1 lit. a DBG). Damit soll ein falscher oder unvollständiger Sachverhalt, der einer Veranlagu ng resp. einem Entscheid zugrunde liegt, nachträglich berichtigt oder ergänzt werden. Aufgrund dieses Revisionsgrundes wird der korrek- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht te, entscheidungserhebliche Sachverhalt festgestellt und gestützt darauf soll eine neue Beurtei- lung auf verbesserter Grundlage stattfinden. Der ursprün gliche Mangel einer rechtskräftigen Veranlagung resp. eines rechtskräftigen Entscheids wir d infolge Entdeckung entscheidender Tatsachen oder Beweismittel nachträglich beseitigt (M ARTIN E. LOOSER , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht Bundesg esetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [Komm entar StGH], 3. Auflage, Basel 2017, N 10 zu Art. 51 StGH). 4.2.3 Tatsachen im gegebenen Kontext sind Zustände oder Vorgänge (Ereignisse), die den gesetzlichen Steuertatbestand betreffen. Anlass für ein e Revision sind nur erhebliche Tatsa- chen. Eine Tatsache ist erheblich, wenn sie geeignet is t, den von der rechtsanwendenden In- stanz zugrunde gelegten Sachverhalt rechtsrelevant zu ve rändern und dadurch zu einer ande- ren Entscheidung Anlass zu geben. Als erhebliche Tatsache n, die eine Revision auslösen kön- nen, gelten grundsätzlich diejenigen, die nachträglich entdeckt werden (sog. unechte Noven), nicht aber solche, die nachträglich eingetreten sind. Ech te Noven sind somit grundsätzlich von der Revision ausgeschlossen. Gemäss der bundesgerichtlichen Praxis müssen sich also die Tatsachen, die dem Gesuchsteller nachträglich bekannt wu rden, im Zeitpunkt der Verfügung resp. des Entscheids verwirklicht haben bzw. bereits bestan den haben, den Gesuchstellern aber noch nicht bekannt gewesen sein (vgl. P ETER LOCHER , Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, III. Teil, Art.102-222 DBG, Basel 2015, N 14 zu Art. 147 DBG m.w.H.; FELIX RICHNER /W ALTER FREI /S TEFAN KAUFMANN /H ANS ULRICH MEUTER , Handkommen- tar zum DBG, 3. Auflage, Zürich 2016, N 18 f. zu Art. 147 DBG). 4.3 Vorliegend haben die privaten Beschwerdegegner am 6. Juni 2018 die Aufgabe ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit rückwirkend per 31. Dezemb er 2017 beschlossen. Dieser Ent- scheid ist somit offensichtlich erst nach der für die Vera nlagung des Steuerjahres 2016 mass- gebenden Zeitspanne entstanden. Im Zeitpunkt der Ver anlagung des Jahres 2016 hat der Ent- scheid, aus der Kollektivgesellschaft auszusteigen, noch ni cht bestanden. Dieser Entscheid ist augenscheinlich erst nachträglich gefällt worden und ste llt daher ein echtes Novum dar, wel- ches einen Revisionsgrund gemäss Art. 147 DBG ausschliesst. 5.1.1 Neben den Revisionsgründen in Art. 147 DBG sieht Art. 37b Abs. 1 DBG eine nach- trägliche Herauslösung des Liquidationsgewinnes der le tzten beiden Geschäftsjahre aus rechtskräftigen Veranlagungen von selbständig Erwerbenden , welche die selbständige Er- werbstätigkeit nach dem vollendeten 55. Altersjahr ode r wegen Unfähigkeit zur Weiterführung infolge Invalidität definitiv aufgegeben haben, vor. Art. 37b Abs. 1 DBG schafft insofern eine Privilegierung, als die Summe der realisierten stillen Reserven der letzten beiden Geschäftsjah- re vor der Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit mittels einer Sonderveranlagung zu ei- nem reduzierten Steuersatz und getrennt vom übrigen Ei nkommen besteuert wird (vgl. Art. 37b Abs. 1 DBG). Somit ist der Liquidationsgewinn der Vorp eriode des Liquidationsjahres revisi- onsweise aus deren (rechtskräftig festgesetzter) Bemessungsgrundlage herauszulösen und der privilegierten Besteuerung zuzuführen. Das übrige steuer bare Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit der Vorperiode, welches ordentlich b esteuert bleibt, reduziert sich damit um den Liquidationsgewinn (O LIVIER MARGRAF , Ausgewählte Aspekte des Revisionsverfahrens Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemäss Art. 147-149 DBG, Steuer Revue [StR] 69/2014 S. 76, S. 82; P ETER LOCHER , a.a.O., N 5 zu Art. 37b DBG). Die Bestimmung in Art. 37b DBG wurde im Rahmen der Unternehmens- steuerreform II eingeführt, mit dem Ziel, die infolg e der Progression des Steuertarifs oft als stossend empfundene steuerliche Belastung zu mildern, welche entsteht, wenn die im Laufe der Zeit akkumulierten stillen Reserven im Zuge der Unternehmensliquidation auf einen Schlag auf- gelöst werden (Botschaft zum Bundesgesetz über die V erbesserung der steuerlichen Rahmen- bedingungen für unternehmerische Tätigkeiten und Invest itionen vom 22. Juni 2005 [Botschaft Unternehmenssteuerreformgesetz II]). 5.1.2 Zusammen mit Art. 37b DBG ist die Verordnung üb er die Besteuerung der Liquidati- onsgewinne bei definitiver Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit (LGBV) vom 17. Februar 2010 in Kraft getreten. Nach Art. 37b DBG bemisst sich der Liquidationsgewinn aus der Summe der in den letzten zwei Geschäftsjahren realisierten sti llen Reserven. Als Liquidationsjahr wird dasjenige Geschäftsjahr bezeichnet, in dem die letzte Li quidationshandlung vorgenommen wird (Art. 2 LGBV). Der Zeitpunkt des Abschlusses der Liquidati on ist im Einzelfall zu klären. In der Regel ist eine Liquidation abgeschlossen, wenn die letzte Inkassohandlung eingeleitet ist. Da es sich dabei manchmal um marginale Beträge handeln kann, sollen jedoch auch andere Umstän- de das Ende der Liquidation darstellen können, so zum Beispiel, wenn die Erwerbs- und Ver- kaufstätigkeiten eingestellt und/oder die Arbeitsvertr äge mit den Angestellten aufgelöst werden (Kreisschreiben der ESTV Nr. 28, Besteuerung der Liquid ationsgewinne bei definitiver Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit vom 3. November 2010 [Kreisschreiben Nr. 28], S. 4). Zur Bemessung des Liquidationsgewinnes hält Art. 9 LGBV fe st, dass der übrige Liquidationsge- winn die im Liquidationsjahr und im Vorjahr realisier ten stillen Reserven umfasst. Ist die Veran- lagung des Vorjahres bereits in Rechtskraft erwachsen, so wird sie bei der Anwendung von Art. 37b DBG nach Art. 147 ff. DBG revidiert (vgl. Kreisschrei ben Nr. 28, S. 4 f.; R ICHNER /F REI / KAUFMANN /MEUTER , a.a.O., N 14 zu Art. 37b DBG). Der privilegierten Besteuerung i.S.v. Art. 37b DBG unterliegen demzufolge die realisierten stillen Reserven des Liquidations- und des Vorjahres (Art. 9 LGBV i.V.m. Art. 2 LGBV). 5.2.1 Die Steuererleichterung gemäss Art. 37b DBG sol l nur gewährt werden für Gewinne, die bei der endgültigen Übertragung oder Liquidatio n eines Unternehmens anfallen. Wenn ein Unternehmen während seines Bestandes einen Teil seiner Geschäftsaktiven veräussert und dadurch ausserordentliches Einkommen erzielt, so gilt die ses weiterhin als Bestandteil des ge- samthaft zu besteuernden Nettoeinkommens (vgl. Botschaft Unternehmenssteuerreformgesetz II, S. 4824). Erforderlich ist somit stets ein hinreich ender Kausalzusammenhang zwischen Rea- lisation und Liquidation, wobei sich die Realisation a ls unmittelbare Folge der Liquidation dar- stellt. Ein Beispiel ist die Veräusserung eines unter d em Verkehrswert bewerteten Bürogebäu- des (Anlagevermögen), das aufgrund der beendigten Erw erbstätigkeit nicht mehr benötigt wird. Gleiches gilt für das Warenlager (Umlaufvermögen), da s auf den Nachfolger übertragen wird und bisher zu den Anschaffungskosten bewertet war. In e inem solchen Fall ist unstreitig, dass die Aufdeckung der stillen Reserven einzig auf die Liqu idation zurückzuführen ist. So oder an- ders ist die privilegierte Besteuerung geboten, denn oh ne Liquidation wäre es mutmasslich (zumindest in absehbarer Zeit) zu keiner Realisation der stillen Reserven gekommen. Der buchhalterische Charakter - Umlauf- oder Anlagevermögen - kann mit Blick auf diese Konzepti- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht on keine Rolle spielen. Massgebend ist vielmehr der darg elegte Kausalzusammenhang zwi- schen Liquidation und Realisation (Urteil des Bundesgerichts 2C_302/2018 vom 9. August 2018 E. 2.2.6; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfass ungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 8. März 2019 [810 18 329] E. 5.2.4; Art. 1 Abs. 3 lit. a LGBV). 5.2.2 Wo nicht (nur) die Liquidation zur Realisation der stillen Reserven führt, soll es bei der angestammten Besteuerung bleiben. Entsprechend unterli egen Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit den ordentlichen Regeln, soweit nicht ausnahmsweise ein wahrer Liquidati- onsgewinn im Sinne von Art. 37b DBG gegeben ist. Nichts anderes ergibt sich aus Art. 1 Abs. 3 lit. a LGBV, wonach vom sachlichen Anwendungsbereich de r Verordnung Einkünfte aus selb- ständiger Erwerbstätigkeit und andere Einkünfte, die nicht aus der Liquidation stammen ausge- nommen sind. Mit dieser Formulierung wird der Normgehalt von Art. 37b DBG präzisiert. Mit der Bestimmung in Art. 37b DBG wird die Absicht verfolgt, über Jahre akkumulierte stille Reserven privilegiert auflösen zu können. Nicht beabsichtigt ist hi ngegen die Möglichkeit, willkürlich or- dentliche Einnahmen zu privilegieren (vgl. Urteil des B undesgerichts 2C_302/2018 vom 9. August 2018 E. 2.2.7; KGE VV vom 8. März 2019 [810 18 329] E. 5.2.4). 5.3 Die privaten Beschwerdegegner haben unbestrittenerm assen erst im Mai 2018 mit den Überlegungen zur Aufgabe ihrer selbständigen Erwerbstä tigkeit begonnen. Erst am 6. Juni 2018 haben sie definitiv beschlossen, ihre sel bständige Erwerbstätigkeit aufzugeben. Dementsprechend wurde in der Folge die Kollektivgesell schaft "E.____" im Handelsregister per Tagesregistereintrag vom 11. Juni 2018 in die Einzelfi rma "F.____" umgewandelt. Den Ausfüh- rungen der privaten Beschwerdegegner, wonach sie ihre selbständige Tätigkeit rückwirkend per 31. Dezember 2017 aufgegeben hätten, kann nicht gefolgt werden. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt, kann ein Entschluss zur Aufgabe der Erw erbstätigkeit insbesondere mit Blick auf die Rechtssicherheit grundsätzlich nur für die Z ukunft und die Gegenwart gefasst wer- den. Vor diesem Hintergrund wurden die Aufgabe der s elbständigen Erwerbstätigkeit der priva- ten Beschwerdegegner und die daraus folgende Liquidati on ihrer Kollektivgesellschaft offen- sichtlich im Jahr 2018 beschlossen und vollzogen. Damit stel lt das Geschäftsjahr 2018 das Li- quidationsjahr im Sinne von Art. 37b DBG dar. Folgli ch kommt neben dem Geschäftsjahr 2018 nur das Vorjahr 2017 für eine privilegierte Besteueru ng der während diesen beiden Geschäfts- jahren realisierten stillen Reserven in Frage (vgl. Art . 9 LGBV). Das vorliegend strittige Ge- schäftsjahr 2016 fällt somit nicht mehr in den Anwendu ngsbereich von Art. 37b DBG, was eine privilegierte Besteuerung der in diesem Jahr angeblich realisierten stillen Reserven aus- schliesst. Überdies vermögen die privaten Beschwerdegegne r für die erfolgte Reduktion bzw. Ausbuchung der Rückstellungen für die Gipfeltriebernte im Geschäftsjahr 2016 keinen kausalen Zusammenhang zur Aufgabe ihrer selbständigen Tätigkeit bzw. zur Liquidation der Kollektivge- sellschaft im Jahr 2018 zu begründen. Ein solcher lässt si ch auch aus den vorliegenden Akten nicht entnehmen. Es liegt vielmehr nahe, die Ausbuchu ng der Rückstellungen auf den ordentli- chen Betrieb der Kollektivgesellschaft zurückzuführen, zum al der Entscheid zur Aufgabe der selbständigen Tätigkeit erst im Jahr 2018 gefällt wurde und somit offensichtlich nicht kausal sein konnte für die Reduktion der Rückstellungen im Jahr 2016. Die Reduktion und Ausbuchung wurde unabhängig von der zwei Jahre später erfolgten L iquidation vorgenommen und wäre auch ohne diese erfolgt. Die privaten Beschwerdegegne r geben selber an, dass die Reduktion Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Rückstellungen darauf zurückzuführen sei, dass das bisher für die Gipfeltriebernte vorgese- hene Helikopterunternehmen durch ein günstigeres Unternehmen abgelöst worden sei. Es kann sich insofern bei der Ausbuchung der Rückstellungen für die Gipfelernte im Jahr 2016 nicht um einen Gewinn aus der Liquidation im Jahr 2018 handeln. Eine privilegierte Besteuerung gemäss Art. 37b DBG ist damit auch aus diesem Grund nicht gerechtfertigt. 5.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Voraussetzun gen von Art. 37b DBG nicht erfüllt sind und insbesondere die Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit bzw. die Liquidati- on der Kollektivgesellschaft im Jahr 2018 in keinem Kaus alzusammenhang zur Reduktion und Ausbuchung der Rückstellungen im Jahr 2016 steht. Ein R evisionsgrund für die rechtskräftige Veranlagung der direkten Bundessteuer 2016 liegt nicht vor. Die im angefochtenen Entscheid gewährte privilegierte Besteuerung der Rückstellungsausbuchung in der Höhe von Fr. 28'572.-- für die Gipfeltriebernte im Geschäftsjahr 2016 ist dem zufolge rechtswidrig. Ob es sich bei der Reduktion und Ausbuchung der Rückstellungen für die pe riodisch wiederkehrende Ernte der Gipfeltriebe um eine Realisation von stillen Reserven gehandelt hat, muss demzufolge nicht weiter beurteilt werden. 6. Die vorliegende Beschwerde erweist sich als begründet und ist vollumfänglich gutzu- heissen. Der Entscheid des Steuergerichts vom 9. August 2019 ist demzufolge aufzuheben. 7. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Für die Besch werde an das Kantonsgericht als weitere kantonale Beschwerdeinstanz im Bereich der dir ekten Bundessteuer gelten laut Art. 145 Abs. 2 DBG die Vorschriften von Art. 140 bis 1 44 DBG sinngemäss. Gemäss Art. 144 Abs. 1 DBG werden die Kosten der unterliegenden Parte i auferlegt. Die Höhe der Kosten des Verfahrens wird durch das kantonale Recht bestimmt (Art . 144 Abs. 5 DBG). Die Verfahrens- kosten sind in der Höhe von Fr. 1'400.-- festzulegen. D em Steuergericht sind praxisgemäss keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Den unterliegenden privaten Beschwerdegegnern A.____ und B.____ ist ein Verfahrenskostenanteil im Um fang von Fr. 700.-- aufzuerlegen. Der erhobene Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzu- zahlen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (Art. 145 A bs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwa ltungsverfahren vom 20. Dezember 1968). 8. Die Angelegenheit ist zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens an das Steuergericht zurückzuweisen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d des Steuer- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Steuerge richt, vom 9. August 2019 betreffend die direkte Bundessteuer 201 6 aufgehoben und der Entscheid der kantonalen Steuerverwaltung vom 15 . Februar 2019 bestätigt. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an das Steuer- und Enteignungsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Steuergericht, zurückgewiesen. 3. Den privaten Beschwerdegegnern A.____ und B.____ wird ein Verfah- renskostenanteil in der Höhe von Fr. 700.-- auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘40 0.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin