B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5728/2017 U r t e i l v o m 9 . A p r i l 2 0 1 8 Besetzung Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiberin Arta Rapaj. Parteien A._______, geboren am (…), Staat unbekannt, vertreten durch MLaw Roman Schuler, Rechtsanwalt, substituiert durch MLaw Natalie Perino-Bowman, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 31. August 2017 / N (…). E-5728/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, eigenen Angaben zufolge afghanischer Staatsan- gehöriger und ethnischer Hazara , suchte am 18. Oktober 2015 im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum B._______ um Asyl nach, wobei er angab, im Jahr (…) geboren und damit minderjährig zu sein. B. Am 23. Oktober 2015 führte das Kantonsspital Frauenfeld im Auftrag des SEM eine radiologische Knochenaltersanalyse zur Überprüfung der Alters- angabe des Beschwerdeführers durch. Die Untersuchung ergab ein wahr- scheinliches Alter von 19 Jahren oder mehr. C. Am 27. Oktober 2015 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Person und dem Reiseweg befragt (Befragung zur Person BzP). Dabei gab er an, er wisse nicht, wann er geboren sei . Gemäss der Aussage seiner Mutter sei er (…) Jahre alt, wobei sie sein genaues Geburtsdatum ebenfalls nicht ken- nen würde. In der Folge gewährte das SEM d em Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zum Ergebnis der Knochenaltersanalyse. Dieser erklärte sich damit einverstanden, dass er im weiteren Verfahren als volljährige Per- son behandelt und ihm folglich keine Vertrauensperson zur Seite gestellt werde. D. D.a Anlässlich der Bundesanhörung am 8. August 2017 machte der Be- schwerdeführer geltend, in C._______, einem Dorf im afghanischen Dis- trikt Jaghuri in der Provinz Ghazni geboren zu sein. Er führte im Wesentli- chen aus, sein Vater sei während des Krieges zwischen den Hazara und den Paschtunen von einem Grossgrundbesitzer beschuldigt worden, des- sen Bruder getötet zu haben. Nachdem die Taliban – zu welchen der Grossgrundbesitzer guten Kontakt gehabt habe – Einzug in Afghanistan gehalten hätten, sei das Haus seiner Familie gestürmt und sein Vater von den Taliban umgebracht worden. Aus Angst vor weiteren Vergeltungsmass- nahmen sei seine Mutter zusammen mit seinem Onkel väterlicherseits und ihm, dem damals (…) oder (…) Jahre alten Beschwerdeführer, aus Afgha- nistan nach Pakistan geflüchtet. Sie hä tten fortan illegal in Quetta gelebt . Dort sei sein heute (…)-jähriger Bruder zur Welt gekommen. Sein Onkel sei vor etwa (…) Jahren verstorben. Nach seiner Ausreise aus Afghanistan sei auch seine Mutter verstorben. Aufgrund seines illegalen Status und sei- ner Zugehörigkeit zur Minderheit der Hazara seien die Lebensbedingungen E-5728/2017 Seite 3 in Quetta sehr schwierig gewesen. Er habe deswegen auch keine öffentli- che Schule besuchen dürfen. Der Beschwerdeführer gab weiter zu Proto- koll, dass er weder afghanische noch pakistanis che Identitätsdokumente besitze. Seine Mutter habe ihre afghanischen Identitätsdokumente (Tazkira) auf der Flucht nach Pakistan verloren und danach keine neuen mehr beantragt. Die Familie sei auch nicht im Besitz einer afghanischen Flüchtlingskarte oder einer sogenannten „Proof of Registration Card“ ge- wesen. Auch habe sie sich nie durch die UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees ; Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen) registrieren lassen. Betreffend eine mögliche Rückkehr nach Afghanistan gab der Beschwer- deführer zu Protokoll, dass er sich heute noch vor Vergeltungsmassnah- men seitens des Grossgrundbesitzers, welcher für den Tod seines Vaters verantwortlich gewesen sei, fürchte. Weil er kein afghanisches Identitäts- dokument besitze, könne er nicht nach Afghanistan zurückkehren . Aber auch nach Pakistan könne er nicht zurückkehren, weil die pakistanische Regierung Afghanen zurückschicke und weil er als Hazara in Quetta um sein Leben fürchten müsse. D.b Der Beschwerdeführer gab ke ine Identitätsdokumente zu den Akten. Er stellte jedoch in Aussicht, zum Nachweis seiner afghanischen Staatsan- gehörigkeit und seines Aufenthaltes in Pakistan eine Schulbestätigung sei- nes Bruders und eine Friedhofsregistrierung seiner in Quetta beigesetzten Mutter nachzureichen. E. Gemäss Eintrag im zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) legte das SEM das Geburtsdatum des Beschwerdeführers auf den 1. Januar 1997 fest. F. Mit Eingabe vom 23. August 2017 reichte der Beschwerdeführer die an- lässlich der Anhörung in Aussicht gestellten Dokumente, eine Schulbestä- tigung seines Bruders und eine Friedhofsregistrierung seiner Mutter (je in Kopie), zu den vorinstanzlichen Akten. G. Mit Verfügung vom 31. August 2017, eröffnet am 8. September 2017, ver- neinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, wies E-5728/2017 Seite 4 sein Asylgesuch ab und verfügte – unter gleichzeitiger Anordnung des Voll- zugs – seine Wegweisung aus der Schweiz. H. Mit Eingabe vom 9. Oktober 2017 liess der Beschwerdeführer durch seinen bevollmächtigten Rechtsvertreter gegen den vorinstanzlichen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben. Er beantragt die vollumfängliche Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Anwei- sung des SEM, die vorläufige Aufnahme anzuor dnen; eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und zur Neubeurtei- lung an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung des bevollmächtigten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. Schliesslich sei ihm eine Frist zur Einreichung von Belegen aus dem Ausland anzusetzen, wobei er vorab eine Kopie seiner afghanischen Tazkira und eine diesbezügliche Ver- lustmeldung beziehungsweise eine Anmeldung zur Ausstellung eines Dup- likats (ebenfalls in Kopie) zu den Beschwerdeakten reichte. I. Mit Schreiben vom 12 . Oktober 2017 setzte die zuständige Instruktions- richterin den Beschwerdeführer darüber in Kenntnis, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. J. Mit Zwischenverfügung vom 24. Oktober 2017 hiess die Instruktionsrichte- rin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ebenfalls hiess sie das Gesuch um Gewährung der amtlichen Verbeiständung gut und stellte dem Beschwerdeführer in der Person von MLaw Roman Schuler einen amtlichen Rechtsbeistand bei. Der Beschwerdeführer wurde gleich- zeitig aufgefordert, die in Aussicht gestellten Beweismittel innert einer Frist von 30 Tagen einzureichen. K. Mit Eingabe vom 9. November 2017 liess der Beschwerdeführer ein auf seinen Namen lautendes Duplikat seiner Tazkira (im Original; inklusive Übersetzung), einen Antrag auf Ausstellung eines Duplikats (in Kopie) und einen Zustellbeleg einer Postsendung aus Kabul (im Original ; inklusive Auszug Track & Trace) sowie eine Kostennote zu den Akten reichen. E-5728/2017 Seite 5 L. Mit Zwischenverfügung vom 13. November 2017 überwies die Instruktions- richterin die vorinstanzlichen Akten und die Beschwerdeakten dem SEM und forderte es gleichzeitig auf, sich innert Frist vernehmen zu lassen. M. Das SEM liess sich mit Eingabe vom 16. November 2017 vernehmen. N. Mit Replik vom 6. Dezember 2017 äusserte sich der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung der Vorinstanz und reichte eine aktualisierte Kostennote zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Verfügung des SEM vom 31. August 2017 ist, soweit sie die Flücht- lingseigenschaft und die Ablehnung des Asylgesuchs betrifft (Ziff. 1 und 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung), nicht angefochten worden E-5728/2017 Seite 6 und damit in Rechtskraft erwachsen. Auch ist die Anordnung der Wegwei- sung als solche (Ziff. 3 des Dispositivs) grundsätzlich nicht mehr zu über- prüfen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet somit lediglich die Frage, ob die Wegweisung zu vollziehen oder ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Wegweisungsvollzugspunkt nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe zunächst Ver- fahrensfehler geltend. Nachdem diese – bei Begründetheit – zur Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an das SEM zu führen hätten, sind diese vorab zu prüfen. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer hält daran fest, im Jahr (…) geboren und im Zeitpunkt der Einreichung des Asylgesuches minderjährig gewesen zu sein. Er erhebt in diesem Zusammenhang den Einwand, das SEM habe in unzulässiger Weise noch vor der BzP eine Knochenaltersanalyse in Auf- trag gegeben, obwohl keine Hinweise auf eine Volljährigkeit bestanden hät- ten (Beschwerde, S. 6). Das SEM habe sich sodann ausschliesslich auf die Ergebnisse dieser Analyse gestützt und sei – nachdem es sich bei der vor- liegend angewendeten Methode nach GREULICH und PYLE um ein simples Verfahren handle, welches umstritten sei, weil diese nicht auf alle ethni- schen Gruppen anwendbar sei – zu Unrecht von seiner Volljährigkeit aus- gegangen (Beschwerde, S. 7-9). Damit habe das SEM seine Verfahrens- rechte, namentlich das Rech t auf prioritäre Behandlung nach Art. 17 Abs. 2bis AsylG und das Recht auf Beizug e iner Vertrauensperson nach Art. 17 Abs. 3 AsylG, verletzt (Beschwerde, S. 10). 5.2 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken; insbesondere müssen sie ihre Identität offenlegen und Reise- papiere sowie Identitätsausweise abgeben (Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit, welche zumin- dest glaubhaft zu machen ist (Art. 7 AsylG), liegt im Asylverfahren alleine bei der gesuchstellenden Person. Die Vorinstanz hat nicht zusätzlich die Richtigkeit der Volljährigkeit zu beweisen (vgl. Urteil des BVGer E -6883/ 2016 vom 28. November 2016 E. 2.3; Ent scheidungen und Mitteilungen E-5728/2017 Seite 7 der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 19 E. 8 b, 2001 Nr. 22 E. 3 b und 2004 Nr. 30 E. 5.3.3). Im Asylverfahren wird lediglich Beweis darüber geführt, ob die gesuchstellende Person tatsächlich min- derjährig ist und nicht darüber, welches ihr genaues Geburtsdatum ist. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung aller Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangabe sprechen, vorzunehmen (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.4; vgl. zum Ganzen auch etwa die Urteile des BVGer E -2488/2017 vom 20. Juni 2017 E. 4.3.2, BVGer D-6422/2016 vom 10. Januar 2017 E. 5.5.). Im ordentlichen Asyl- und Wegweisungsverfahren ist es sodann zulässig, vor der einlässlichen Anhörung zu den Asylgründen und ohne Beiordnung einer Vertrauensper- son vorfrageweise über die Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend ge- machten Minderjährigkeit zu befinden, wenn Zweifel an den Altersangaben der asylsuchenden Person bestehen (vgl. EMARK 2004 Nr. 30). Bei Feh- len rechtsge nüglicher Identitätsausweise kann im Rahmen der Feststel- lung des Sachverhalts mit Unterstützung wissenschaftlicher Methoden – beispielsweise Knochenaltersanalysen (Art. 17 Abs. 3bis AsylG) – abgeklärt werden, ob die Altersangabe der asylsuchenden Person dem tatsächlichen Alter entspricht (Art. 7 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 AsylV1, SR 142.311). 5.3 Das Vorgehen des SEM, die Glaubhaftigkeit der nicht belegten Minder- jährigkeit vorfrageweise zu überprüfen und zu diesem Zweck noch vor der BzP eine Knochenaltersanalyse durchzuführen, ist nicht zu beanstanden. Entgegen der Annahme des Beschwerdeführers bestanden nämlich durch- aus Hinweise, aufgrund derer sich die Vorinstanz zur Vornahme weiterer Untersuchungen veranlasst sehen durfte. So gab d er Beschwerdeführer anlässlich der Gesuchseinreichung am 18. Oktober 2015 an, im Jahr (…) geboren zu sein, wobei er den Tag und Monat seiner Geburt offen liess (act. A1/2). Sodann konnte er weder anlässlich der Gesuchseinreichung noch anlässlich der BzP seinen Geburtsort nennen (act. A1/2; act. A8/11, S. 3). Bezüglich seines Alters erklärte er in wenig nachvollziehbarer Weise, dass er (erst) nach seiner Ausreise aus Pakistan seine Mutter telefonisch kontaktiert und sich nach seinem Alter erkundigt habe. Sie habe ihm mit- geteilt, dass er (…) Jahre alt sei (act. A8/11, S. 3). Er reichte weder Identi- tätspapiere noch andere Dokumente, welche Rückschlüsse auf seine Iden- tität oder sein Alter zugelassen hätten, zu den Akten. Diesen Umstand er- klärte er mit der wenig plausiblen Aussage, wonach er nie solche Doku- mente gehabt und auch nicht beantragt habe (act. A8/11, S. 6). E-5728/2017 Seite 8 5.4 Aus der Vernehmlassung vom 16. November 2017 geht hervor, dass sich das SEM bei der Annahme, der Beschwerdeführer habe seine Minder- jährigkeit nicht glaubhaft machen können, massgeblich (aber nicht nur) auf die am 23. November 2015 durchgeführte radiologisc he Knochenalters- analyse stützte (Beschwerdedossier, act. 7, S. 2) . Diese ergab ein wahr- scheinliches Knochenalter von 19 oder mehr Jahren (act. A6/2). Nach Pra- xis des Bundesverwaltungsgerichts lassen die Ergebnisse einer radiologi- schen Knochenaltersbestimmu ng keine sicheren Schlüsse auf die Voll - oder Minderjährigkeit zu. Sie weisen – wie der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde zu Recht einwendet – generell nur einen beschränkten Aus- sagewert zur Bestimmung des tatsächlichen Alters auf, wobei sich diese Aussagen insbesondere auf die Situation beziehen, wonach das behaup- tete Alter im Vergleich zum festgestellten Knochenalter innerhalb der nor- malen Abweichung von zweieinhalb bis drei Jahren liegt. Allerdings gilt das Ergebnis der Handknochenanalyse dann al s Beweismittel, mit welchem der Nachweis erbracht wird, dass die asylsuchende Person über ihr Alter zu täuschen versucht hat, wenn der Unterschied zwischen dem angegebe- nen Alter und dem festgestellten Knochenalter mehr als drei Jahre beträgt (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.2, 2001 Nr. 23 E. 4.b, 2000 Nr. 19 E. 7 und 8; Urteil des BVGer D-5785/2015 vom 20. März 2016 E. 3.3.1 m.w.H.). Der Unterschied zwischen dem im Zeitpunkt der Durchführung der Hand- knochenanalyse angegeben Alter ([…] Jahre und […] Monate) zum ermit- telten Alter beträgt vorliegend mindestens (…) Jahre und (…) Monate und damit mehr als drei Jahre. Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist dieser Unterschied demnach als gewichtiges Indiz für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers zu werten. 5.5 Zu prüfen ist, ob es dem Beschwerdeführer gelingt, seine behauptete Minderjährigkeit mittels des nachgereichten und im September 2017 aus- gestellten Duplikat s seiner afghanischen Tazkira (Beschwerdedossier, act. 4, Beilage 1) nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Da- nach soll der Beschwerdeführer im Jahr (…) (…) Jahre alt gewesen sein. 5.5.1 Bezüglich der Beschaffung des nachträglich eingereichten Doku- ments führte d er Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er habe nach Erhalt des negativen Asylentscheides seinen in Pakistan wohnhaften Nachbarn damit beauftragt, dieses Dokument in Afghanistan zu besorgen. Der Nachbar sei daraufhin in die Provinz Ghazni nach Afghanistan gereist und habe dort bei der zuständigen Behörde vorgesprochen. Er habe den Namen des Vaters sowie des Grossvaters des Beschwerdeführers nennen E-5728/2017 Seite 9 können, worauf die Behörde bestätigt habe, dass nicht nur der Vater und Grossvater, sondern auch der Beschwerdeführer selbst in den entspre- chenden Registern vermerkt sei. Auf Grundlage dieser Registrierung habe dem Nachbarn ein Duplikat seiner Tazkira ausgestellt und ein offizieller Re- gisterauszug mitgegeben werden können (Beschwerde, S. 5). 5.5.2 Das SEM führte dazu im Wesentlichen aus , der Beschwerdeführer sei zu Beginn des Asylverfahrens mehrfach darauf aufmerksam gemacht worden, dass er umgehend Ausweispapiere nachzureichen habe. Es sei bezeichnend, dass er sich trotz wiederholter Aufforderung nicht sogleich um die Beschaffung von Ausweisdokumenten bemüht ha be. Zudem wür- den diesbezüglich Ungereimtheiten bestehen. So gehe aus der Tazkira nicht hervor, wie die Angabe zum Alter, wonach der Beschwerdeführer im Jahre (…) (…) Jahre alt gewesen sei, im Jahre 2017 zustande gekommen sei. Überdies sei es für eine Tazkira üblich, dass die Altersangabe auf dem Ausstellungsjahr und nicht einem beliebig gewählten Jahr beruhen würde. Gemäss der eingereichten Verlustmeldung beziehungsweise dem Antrag auf Ausstellung eines Duplikats sei die ursprüngliche Tazkira sodann durch einen Brand vernichtet worden. Der Beschwerdeführer habe aber stets er- klärt, über kein afghanisches Ausweisdokument zu verfügen und nie ein solches Dokument besessen zu haben. Ohnehin komme den eingereich- ten Dokumenten kaum Beweiskraft zu. Es sei nämlich be kannt, dass af- ghanische Identitätsdokumente leicht käuflich erwerbbar und überdies leicht fälschbar seien. Insgesamt gehe das SEM davon aus, dass es sich beim nachgereichten Dokument um eine Fälschung handle (Beschwerde- dossier, act. 7, S. 1 f.). 5.5.3 Dem hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegen, er habe schon seit seiner Einreise in die Schweiz versucht, Ausweisdokumente zu beschaffen. Damit sei aber eine kostspielige und gefährliche Reise seines Nachbarn von Pakistan nach Afghanistan verbunden gewesen, weshalb er das Duplikat erst im Beschwerdeverfahren habe einreichen können. So- dann sei die Altersangabe auf dem Dokument nicht etwa „zufällig gewählt“. Es sei üblich, dass sich die Altersangabe auf das Ausstellungsdatum be- ziehe. Die Vorinstanz ve rkenne, dass es sich beim eingereichten Doku- ment um ein Duplikat der Tazkira handle. Letztere sei im Jahr (…) ausge- stellt worden. Er selbst sei bis vor kurzem davon ausgegangen, dass er über keine afghanischen Ausweisdokumente verfügt habe. Weil Familien- angehörige und er selbst in den lokalen Registern vermerkt gewesen seien, wisse er nun, dass sein Vater vor der Ausreise aus Afghanistan die Tazkira beantragt habe. Der Nachbar habe vor Ort einen Grund für die verlorene E-5728/2017 Seite 10 Tazkira angeben müssen, weshalb er angegeben habe, diese sei bei einem Brand vernichtet worden. Nur auf diese Weise sei die Ausstellung eines Duplikats möglich gewesen. Soweit sich das SEM weiter auf den Stand- punkt stelle, es handle sich bei der nachgereichten Tazkira um eine Fäl- schung, könne ohne Bezeichnung jeglicher Fälschungsmerkmale nicht de- ren Beweiswert abgesprochen werden (Beschwerdedossier, act. 9). 5.5.4 Bei der Tazkira handelt es sich um ein amtliches Identitätspapier in Afghanistan, das neben einer Fotografie des Inhabers, dessen Namen, den Namen des Vaters und des Grossvaters sowie das Geburtsdatum und den Geburtsort des Inhabers beinhaltet. Tazkiras weisen jedoch hinsicht- lich verschiedener Merkmale keine Konsistenz auf und sind oft nicht voll- ständig ausgefüllt. Es handelt sich dabei – wie die Vorinstanz zutreffend festhält – nicht um ein fälschungssicheres Dokument, weshalb hinsichtlich der Frage der Identität von Inhabern eines solchen Dokuments praxisge- mäss von einem reduzierten Beweiswert auszugehen ist. Indessen ist es nicht statthaft, eine Tazkira ohne genauere Betrachtung als gefälscht zu deklarieren (vgl. BVGE 2013/30 E. 4.2.2, m.w.H.). Hinsichtlich des Alters eines Asylgesuchstellers ist zudem darauf hinzuweisen, dass auf der Tazkira in der Regel kein Geburtsdatum genannt, sondern lediglich festge- halten wird, der Inhaber sei im Ausstellungsjahr in einem bestimmten Alter gewesen. Soweit vorliegend im Jahr (…) tatsächlich eine Tazkira für den Beschwerdeführer ausgestellt worden sein sollte, wäre es somit – entge- gen der Auffassung der Vorinstanz – nicht unüblich, wenn sich das ange- gebene Alter auf dem Duplikat ebenfalls auf das Jahr (…) und nicht auf das Jahr 2017, dem Ausstellungsjahr des Duplikats, bezieht. Das nachge- reichte Dokument kann folglich nicht schon deshalb als Fälschung bezeich- net werden. 5.5.5 Dem SEM ist aber insoweit zuzustimmen, als der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren stets zu Protokoll gegeben hat, keine Identi- tätsdokumente zu besitzen beziehungsweise solche nie besessen zu ha- ben (act. A8/11, S. 6; act. A19/17, F7, F10). Ebenfalls ist dem SEM darin zuzustimmen, dass sich der Beschwerdeführer trotz wiederholter Aufforde- rung durch das SEM nicht sogleich um die Beschaffung von Ausweisdoku- menten bemühte. Er verhält sich in diesem Punkt jedenfalls widersprüch- lich, wenn er im vorinstanzlichen Verfahren vorbringt, er könne seine Iden- tität nicht durch Dokumente belegen, weil er keine solchen besitze bezie- hungsweise nie im Besitz solcher Dokumente gewesen sei und sich bis dahin nicht einmal Gedanken über die Ausstellung einer Tazkira oder an- derer afghanischer Dokumente gemacht habe (act. A19/17, F109, F120), E-5728/2017 Seite 11 im Beschwerdeverfahren dann aber behauptet, er versuche seit seiner An- kunft in der Schweiz, Ausweisdokumente zu beschaffen. Von der Bemü- hung, sich über seinen N achbarn nachträglich eine Tazkira ausstellen zu lassen, war im vorinstanzlichen Verfahren seitens des Beschwerdeführers jedenfalls noch keine Rede. Es mutet sodann seltsam an, dass er erst nach Erhalt des negativen Asylentscheides von dieser Möglichkeit Gebrauch ge- macht haben will, nachdem er bereits im vorinstanzlichen Verfahren mehr- fach auf die Wichtigkeit solcher Dokumente hingewiesen wurde. 5.5.6 Hinzu kommt, dass die Tazkira beziehungsweise ein entsprechendes Duplikat weder aus dem Ausland beantragt – die Person muss für den An- trag und die Ausstellung immer nach Afghanistan reisen – noch legal durch eine verwandte Vertretungsperson – im vorliegenden Fall handelt es sich beim Nachbarn nicht einmal um eine verwandte Person – vor Ort beschafft werden kann (vgl. SFH [Schweizerische Flüchtlingshilfe], Schnellrecherche vom 11. Februar 2016 zu Afghanistan: Antrag und Ausstellung einer Tazkira im Ausland, S. 1 und 3). Leben keine Verwandten mehr in Afgha- nistan oder sind im Ausland lebende Verwandte nicht bereit, nach Afgha- nistan zu reisen, ist der Erhalt einer Tazkira somit nicht möglich (vgl. dazu Flüchtlingsrat Berlin, Stellungnahme zur Beschaffung einer neuen oder verlorenen afghanischen Tazkira vom Ausland aus, http://www.fluechtlings- rat-berlin.de/lepton/media/pdf/Sonstiges/Tazkiras_besorgen.pdf, abgeru- fen am 12. März 2018). 5.5.7 Das Bundesverwaltungsgericht geht aufgrund dieser Ausführungen und aufgrund des Umstandes, dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP selbst n icht darauf beharrte, minderjährig zu sein, sich sogar aus- drücklich damit einverstanden erklärte, im weiteren Verfahren als volljäh- rige Person behandelt zu werden (act. A8/11, S. 3), davon aus, dass es sich beim eingereichten Duplikat der Tazkira nicht um ein authentisches Dokument handelt. Der Beschwerdeführer kann daraus deshalb nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dasselbe gilt bezüglich des nachgereichten Re- gisterauszuges, welcher nur in Kopie vorliegt und dessen Überprüfung so- mit ohnehin nicht möglich ist. 5.6 Nachdem keine stichhaltigen Indizien ersichtlich sind, welche für die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers sprechen, gelangt d as Bundes- verwaltungsgericht im Rahmen einer Gesamtwürdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers und der bei den Akten liegenden Dokumente zum Schluss, dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits im Zeit- punkt der Gesuchseinreichung volljährig war. Das SEM hat zu Recht die E-5728/2017 Seite 12 von ihm geltend gemachte Minderjährigkeit als unglaubhaft ein geschätzt und auf die Beiordnung einer Vertrauensperson verzichtet. Ebenfalls war das SEM nicht gehalten, den vorliegenden Fall i.S.v. Art. 17 Abs. 2bis AsylG prioritär zu behandeln. 6. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, das SEM habe seine glaub- haften Aussagen betreffend seinen Herkunftsort und den Ausreisegrund aus Afghanistan nicht (genügend) berücksichtigt (Beschwerde, S. 11). Da- mit macht er vornehmlich eine Verletzung seines Rechts auf Prüfun g der Parteivorbringen, mithin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. 6.1.1 Gemäss Art. 32 VwVG haben die Behörden die Pflicht, die Vorbrin- gen einer Partei tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Ent- scheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentli- chen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich w iderlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 6.1.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers geht aus der an- gefochtenen Verfügung hervor, dass das SEM seine wesentlichen Vorbrin- gen gewürdigt hat und eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres mög- lich war. Zunächst fasst das SEM im Sachverhalt, welchen sie ihren Erwä- gungen zugrunde gelegt hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers kor- rekt zusammen und führt unter anderem die von ihm angegebene Herkunft und den Ausreisegrund an (act. A23/9, S. 2). Betreffend den Nachweis sei- ner afghanischen Staatsangehörigkeit hält die Vorinstanz in ihren Erwä- gungen sodann fest, dass der Beschwerdeführer keine Identitätspapiere eingereicht habe, welche diese Behauptung in irgende iner Form stützen respektive belegen könnten (act. A23/9, S. 5). Entgegen der Annahme des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz die entsprechenden Aussagen also sehr wohl berücksichtigt, diese jedoch nicht als glaubhaft qualifiziert. So- weit der Beschwerdefü hrer diesbezüglich zu einem anderen Schluss ge-E-5728/2017 Seite 13 langt, liegt darin keine Verletzung des Rechts auf Prüfung der Parteivor- bringen beziehungsweise eine Verletzung der Begründungspflicht als Teil- gehalt des rechtlichen Gehörs vor. Vielmehr betrifft dies eine Frage der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts, auf welche im Rahmen der ma- teriellen Prüfung näher einzugehen ist. 7. Nachdem sich die formellen Rügen als unbegründet erweisen, besteht keine Veranlassung, den vorinstanzlichen Entscheid aus formellen Grün- den aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügli- che Rechtsbegehren ist abzuweisen. 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis das gleiche Beweismass wie bei der Flüchtlingsei- genschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis mög- lich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 11.148). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wen n völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. E-5728/2017 Seite 14 Infolge der auf den Vollzugspunkt beschränkten Anfechtung ist die Fest- stellung, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er- füllt, in Rechtskraft erwachsen. Das Non-refoulement-Prinzip im Sinne der vorgenannten flüchtlingsrechtlichen Bestimmungen ist daher nicht tangiert. 9. 9.1 Die Vorinstanz kam in ihrer angefochtenen Verfügung zum Schluss, dass der Beschwerdeführer weder seine afghanische Staatsangehörigkeit noch seinen illegalen Aufenthalt in Pakistan habe glaubhaft machen kön- nen. Sie führte hierzu im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe kein Identitätsdokument eingereicht, welche seine diesbe züglichen Be- hauptungen in irgendeiner Form stützen respektive belegen könne, womit er seine Mitwirkungspflicht verletzt habe. Die nachgereichte Schulbestäti- gung seines jüngeren Bruders gebe in keiner Weise Aufschluss über seine Staatsangehörigkeit oder diejenige seines Bruders. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft darlegen können, dass er als afghanischer Staatsan- gehöriger ohne Dokumente und ohne jegliche R egistrierung in Pakistan gelebt habe. Seine Aussagen würden vielmehr darauf schliessen lassen, dass er nicht gewillt sei, seine aufenthaltsrechtliche Situation in Pakistan offenzulegen. Er habe die Folgen seiner unglaubhaften Identitätsangaben und der Unglaubhaftigkeit seines Sachverhaltsvortrags zu tragen, indem vermutungsweise davon auszugehen sei, es stünden einer Wegweisung nach Pakistan, seinem bisherigen Aufenthaltsort, keine Vollzugshinder- nisse entgegen. Im Übrigen sei der Beschwerdeführer jung, gesund und verfüge über mehrjährige Arbeitserfahrung, weshalb auch keine individuel- len Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen würden. Schliess- lich sei es ihm zuzumuten, sich bei der zuständigen Vertretung die allenfalls benötigten Reispapiere zu beschaffen. Damit erweise sich der Vollzug als zumutbar, möglich und durchführbar. 9.2 Der Beschwerdeführer stellt sich in seiner Beschwerde demgegenüber auf den Standpunkt, dass er seine afghanische Staatsangehörigkeit sehr wohl habe glaubhaft machen können. Er führt weiter aus, dass er in Afgha- nistan über keine legale Wohnsitzmöglichkeit und über kein tragfähiges Be- ziehungsnetz verfüge. Hinzu komme, dass er weder lesen noch schreiben könne, der Minderheit der Hazara zugehöre und sich weiterhin vor Vergel- tungsmassnahmen seitens des Grossgrundbesitzers fürchte, weshalb eine Wegweisung nach Afghanistan insgesamt nicht zumutbar sei. Bezüglich seines illegalen Aufenthaltes in Pakistan führt er sodann aus, dass er die- sen ebenfalls habe glaubhaft machen können. W eil ihm deswegen jeder- zeit die Rückschiebung nach Afghanistan drohe und dort – mit Ausnahme E-5728/2017 Seite 15 seines minderjährigen Bruders – keine Familienangehörigen leben wür- den, erweise sich eine Wegweisung nach Quetta, Pakistan, ebenfalls als nicht zumutbar. 10. 10.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten eben- falls zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer insgesamt nicht gelun- gen ist, seine n illegalen Aufenthalt in Pakistan glaubhaft zu machen. Bei der heutigen Aktenlage steht auch nicht mit Sicherheit fe st, dass es sich bei ihm überhaupt um einen afghanischen Staatsangehörigen handelt. 10.1.1 Zunächst ist festzuhalten, dass das im Beschwerdeverfahren einge- reichte Duplikat einer afghanischen Tazkira keinen Nachweis dafür bildet, dass der Beschwerdeführer tatsächlich aus Afghanistan stammt (vgl. dazu Ausführungen in de r Erwägung 5.5). An seinen Angaben, wonach er in C._______ geboren worden sein soll, ergeben sich sodann erste Zweifel. Dies deshalb, weil der Beschwerdeführer anlässlich der BzP erklärte, er kenne seinen genauen Geburtsort nicht, weil er Afghanistan bereits mit (…) oder (…) Jahren verlassen habe (act. A8/11, S. 3). In der Anhörung führte er demgegenüber aus, seine Mutter habe ihm gesagt, dass er in C._______ geboren sei (act. A19/17, F37, F39). Hätte der Beschwerdefüh- rer seinen genauen Geburtsort tatsächlich wie vorgebracht von seiner Mut- ter erfahren, so wäre er auch anlässlich der BzP ohne weiteres in der Lage gewesen, diesen zu benennen. 10.1.2 Der Beschwerdeführer erklärte anlässlich der Anhörung sodann, keine Dokumente in Bezug auf seinen Aufenthalt in Pakistan zu besitzen. So sei er nicht im Besitz einer Flüchtlingskarte gewesen. Auch habe er sich nie beim UNHCR registrier en lassen (act. A19/17, F 15, F18, F20, F52, F54). Danach gefragt, weshalb er nicht im Besitz einer Flüchtlingskarte sei, führte er aus, er sei sehr jung gewesen und habe keine Informationen dar- über, weshalb seine Familie keine entsprechende Karte beantragt habe (act. A19/17, F19). Seine Mutter sei Hausfrau gewesen und habe nicht ge- wusst, wo sie eine solche Flüchtlingskarte hätte beantragen können (act. A19/17, F21, F22, F25, F26, F36). Diese Erklärungen überzeugen vorliegend nicht, weil der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge nicht nur mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder, sondern auch mit einem Onkel väterlicherseits in Quetta zusammengelebt haben soll (act. A19/17, F60). Auch bei der Annahme, dass seine Mutter und der Be- schwerdeführer selbst nicht in der Lage gewesen sein sollten, sich über die E-5728/2017 Seite 16 Möglichkeiten einer Legalisierung des Aufenthaltes in Pakistan zu informie- ren und die dafür notwendigen Schritte in die Wege zu leiten, scheint nicht plausibel, dass nicht zumindest sein Onkel sich um eine entsprechende Legalisierung gekümmert hätte. Letztlich wäre aber auch vom Beschwer- deführer, der im Ausreisezeitpunkt vermutungsweise volljährig war, zu er- warten gewesen, dass er sich zumindest über den Erhalt einer Flüchtlings- karte oder die Registrierungsmöglichkeiten afghanischer Flüchtlinge infor- miert. Schliesslich ist auch der weitere Erklärungsversuch auf Beschwer- deebene, wonach seine Familie sich nicht habe registrieren lassen können, weil damit das Risiko einer Wegweisung verbunden gewesen sei ( Be- schwerdedossier, act. 9, S. 3), nicht plausibel. Dies deshalb, weil ein ille- galer Aufenthalt im Vergleich dazu ein grösseres Risiko birgt, auf der Strasse aufgegriffen und abgeschoben zu werden. 10.1.3 Gegen einen illegalen Status in Pakistan spricht weiter der Um- stand, dass der Onkel des Beschwerdeführers offensichtlich einer geregel- ten Erwerbstätigkeit nachgehen konnte ( act. A19/17, F90), und dass die Familie des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit dem Tod des On- kels, welcher durch einen Arbeitsunfall gestorben sein soll, eine Geldleis- tung seines Arbeitgebers erhalten haben will (act. A19/17, F80, F131). Im Übrigen machte der Beschwerdeführer bezüglich des Todeszeitpunktes seines Onkels widersprüchliche Aussagen. So führte er in der BzP aus, dieser sei vor (…) Jahren verstorben (A8/11, S. 5). In der Anhörung erklärte er demgegenüber, sein Onkel sei bereits vor (…) Jahren im (…) umgekom- men (A19/17, F80). 10.1.4 Die Frage, ob er jemals eine Schule besucht habe, verneinte der Beschwerdeführer in der Anhörung und führte hierzu aus, er habe während ein bis eineinhalb Jahren am Koranunterrich t teilgenommen (act. A19/17, F31, F32). Danach gefragt, weshalb er den Koranunterricht nicht länger besucht habe, erklärte er, es habe daran gelegen, weil die Familie immer wieder umgezogen sei (act. A19/17, F33). Diese Erklärung ist nicht verein- bar mit der Erklärung in der Anhörung, wo der Beschwerdeführer ausführte, er habe mit seiner Familie immer im Quartier D._______ in Quetta, Hazara- Town, gelebt (act. A19/17, F47-49). Sie seien zwar immer wieder umgezo- gen, dies jedoch lediglich „von einer Gasse zur and eren“ ( act. A19/17, F46). Es ist vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar, weshalb ihm der weitere Besuch des Koranunterrichtes nicht möglich gewesen sein sollte. Zu Recht bemerkte die Vorinstanz in diesem Zusammenhang, dass es vor- liegend nicht nachvollziehbar ist, weshalb es dem Beschwerdeführer im E-5728/2017 Seite 17 Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder verwehrt gewesen sein soll, über- haupt eine Schule zu besuchen (angefochtene Verfügung, S. 4) . Dazu führte der Beschwerdeführer in der Anh örung aus, der Nachbar, welcher gleichzeitig Besitzer des von ihm bewohnten Hauses gewesen sei und zu welchem die Familie ein gutes Verhältnis gepflegt habe, habe sich – nach- dem sein Bruder alleine in Quetta zurückgeblieben sei – darum bemüht, dass dieser eine Schule habe besuchen können (act. A19/17, F90, F94, F95). Diese Erklärung hält die Vorinstanz für wenig überzeugend und führt hierzu aus, dass sein Bruder gemäss der eingereichten Schulbestätigung bereits die sechste Klasse besuche und es daher nicht logisch erscheine, dass der Beschwerdeführer selbst nie habe zur Schule gehen können (an- gefochtene Verfügung, S. 4). Dem ist zuzustimmen. So erklärte der Be- schwerdeführer in der Anhörung, er habe keine Schule besuchen können, weil er nicht im Besitz von Do kumenten gewesen sei (act. A19/17, F34). Diese Begründung ist nicht nachvollziehbar, zumal es nach Kenntnis des Gerichts durchaus möglich und üblich ist, dass afghanische Flüchtlinge in Quetta, welche über keinen geregelten Status verfügen, die Schule besu- chen. Diesbezüglich ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass sich die Hazara in Quetta weitgehend selbst organisiert haben und eigene Schulen führen, welche ihre Kinder auch ohne Dokumente besuchen können (vgl. u.a. Afghanistan Research and Evaluation Unit AREU, Afghans in Quetta – Settlements, Livelihoods, Support Networks and Cross-Border Linkages, Januar 2006, https://areu.org.af/wp -content/uploads/2015/12/604E-Af- ghans-in-Quetta-CS-web.pdf, abgerufen am 13. März 2018). Die Begrün- dung auf Beschwerdeebene, wonach der Bruder als Vollwaise nur mithilfe des Nachbars die Schule habe besuchen können und aufgrund seines Al- ters direkt in eine höhere Klasse eingestuft worden sein soll, überzeugt schliesslich nicht, zumal sein Bruder zuvor noch nie eine Schule besucht haben soll (Beschwerde, S. 11). 10.2 Mit der Vorinstanz ist gestützt auf die vorstehenden Ausführungen zu- sammenfassend festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer eingereich- ten Dokumente nicht als rechtsgenüglich und beweistauglich gelten kön- nen und seine Angaben zur Herkunft und insbesondere zu seinem Aufent- haltsstatus in Pakistan unglaubhaft ausge fallen sind. Seine Identität und seine Staatsangehörigkeit sowie seine persönlichen Verhält nisse stehen bis heute nicht fest. Durch die Verheimlichung seiner wahren Identität und Herkunft verunmöglicht er die Prüfung seiner Staatsangehörigkeit und sei- nes Status am bisherigen Aufenthaltsort. Es kann nicht Sache der Behör- den sein, bei fehlenden, unter Umständen von Asylsuchenden bewusst E-5728/2017 Seite 18 vorenthaltenen Hinweisen nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernis- sen zu forschen. Insofern hat die betreffende Person d ie Folgen der Ver- heimlichung ihrer Identität und der persönlichen Umstände zu tragen, in- dem vermutungsweise davon ausgegangen wird, es spreche nichts gegen eine Rückkehr an den tatsächlichen Herkunftsort (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2; vgl. ferner BVGE 2014/12 E. 6 [zweiter und dritter Absatz]). Das SEM ist folglich zu Recht zum Schluss gelangt, dass keine wegwei- sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Auf- enthaltsort bestehen. 10.3 Angesichts der Unglaubhaftigkeit sämtlicher Vorbrin gen des Be- schwerdeführers hat das SEM nach dem Gesagten zu Recht das Vorliegen von konkreten Hinweisen auf eine Gefährdung im Sinn von Art. 83 Abs. 3 oder Abs. 4 AuG verneint und deshalb den Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat als zulässig und zumutbar qualifiziert. 10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 11. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert. Eine Anordnung der vorläu- figen Aufnahme fällt vorliegend ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem unterlie- genden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwi- schenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Oktober 2017 wurde diesem jedoch die unentgeltliche Prozessführung gewährt. Aufgrund der Akten ist heute auch nicht von einer Veränderung der finanziellen Ver- hältnisse auszugehen, weshalb von der Erh ebung der Verfahrenskosten abzusehen ist. 12.2 Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 24. Oktober 2017 wurde das Gesuch um eine amtliche Verbeiständung gutgeheissen und dem Be- schwerdeführer Rechtsanwalt Roman Schuler als amtlicher Rechtsbei- stand beigeordnet. Ihm ist ein amtliches Honorar für die notwendigen Auf- wendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten (vgl. Art. 110a Abs. 1 E-5728/2017 Seite 19 AsylG i.V.m. Art. 9-14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte mit Eingabe vom 5. Dezember 2017 eine aktu- alisierte Kostennote ein, welche einen Vertretungsaufwand von 12.25 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300. – ausweist. Bei amtlicher Vertretung wird in der Regel von ein em Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht -anwaltliche Rechtsvertreter und Rechtsvertreterinnen sowie von Fr. 200.– bis Fr. 220.– bei Rechtsvertretern oder Rechtsvertre- terinnen mit Anwaltspatent ausgegangen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), wobei nur der notwendige Aufwand entschädigt wird (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Der in der Kostennote zur Anwendung gebrachte Stunden- ansatz ist im Rahmen des amtlichen Honorars somit auf Fr. 200.  zu kür- zen. Der geltend gemachte Zeitaufwand erweist sich für den vorliegenden Fall hingegen als angemessen. Das zu entschädigende Honorar beläuft sich damit auf Fr. 2450.–. Hinzu kommen die ausgewiesenen Barauslagen von Fr. 35.90, die Übersetzungskosten von Fr. 185.20 und ein Mehrwertsteuerbetrag von Fr. 213.70 (8% von Fr. 2671.10). Das zu ent- schädigende Honorar von insgesamt Fr. 2885.– geht zulasten der Ge- richtskasse des Bundesverwaltungsgerichts. (Dispositiv nächste Seite) E-5728/2017 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Ho- norar von Fr. 2885.– entrichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Arta Rapaj Versand: