B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-700/2021 U r t e i l v o m 6 . J u l i 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. LL.M. Susanne Sadri, Asylhilfe Bern, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Mehrfachgesuch); Verfügung des SEM vom 15. Januar 2021 / N (…). E-700/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 30. März 2020 lehnte das SEM das (erste) Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 8. September 2017 ab und ordnete die Weg- weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an. B. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesver- waltungsgericht mit Urteil E-2294/2020 vom 24. September 2020 ab. C. Mit als «Wiedererwägungsgesuch» bezeichneter Eingabe vom 3. Dezem- ber 2020 an das SEM machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel- tend, er habe sein Engagement für die Anliegen der Tamilen während sei- nes Aufenthaltes in der S chweiz weitergeführt und würde auf Facebook, Instagram und weiteren sozialen Medien Artikel über Menschenrechtsver- letzungen, verschwundene Soldaten und Zivili sten sowie über tamilische Veranstaltungen publ izieren. In letzter Zeit sei sein Facebook-Account mehrfach gesperrt worden. Anfang November 2020 habe er zudem von seiner Familie erfahren, dass sein Vater im Sommer 2020 erneut schriftlich vom CID (Criminal Investiga- tion Departement) vorgeladen worden sei und Informationen über ihn (den Beschwerdeführer) habe preisgeben müssen. Die politische Lage in Sri Lanka habe sich nach den Präsidentschaftswah- len im November 2019 und dem Wahlsieg von Gotabaya Rajapaksa be- sonders verschlechtert. Es herrsche eine Kultur der Überwachung. Die sri- lankische Regierung habe die Meinungsäusserungsfreiheit drastisch ein- geschränkt. Gestützt auf das Anti -Terrorgesetz und die darauf gestützten Notstandsbestimmungen würden willkürlich Menschen festgenommen und ohne jegliche Kontakte nach aussen und ohne Verfahren in Haft gehalten. Der Beschwerdeführer befürchte daher, aufgrund seines früheren Engage- ments für die Anliegen der Tamilen via TNA (Tamil National Alliance) sowie seines politischen Engagements in der Schweiz gezielt Verfolgungsmass- nahmen seitens der sri-lankischen Behörden ausgesetzt zu werden. Ausserdem befinde er sich (…) nach wie vor in medizinischer Behandlung. Trotz aller Vorsichtsmassnahmen habe er sich zudem Ende 2020 mit CO- VID-19 infiziert. (…). Er sei für (…) ans Spitalzentrum B._______ überwie-E-700/2021 Seite 3 sen worden. Auch leide er nach wie vor unter Depressionen und Kopf- schmerzen und werde aufgrund von Stimmungsschwankungen und Sui- zidgedanken weiterhin psychiatrisch behandelt. Diesbezüglich sei gemäss Auskunft der behandelnden Psychiaterin keine Änderung eingetreten. Zur Stützung der Vorbringen reichte er als Beweismittel eine behördliche Vorladung durch das CID vom 9. Juni 2020 (im Original, mit englischspra- chiger Übersetzung), die DHL -Versandtüte (im Original), Meldungen von Facebook betreffend Nutzungseinschränkungen (Ausdrucke), einen La- borbericht vom 20. Oktober 2020 betreffend COVID-19 Infizierung (in Ko- pie), einen hausärztlichen Bericht vom 21. Dezember 2020 (in Kopie) und einen Bericht des Spitalzentrums B._______, (…), vom 17. Dezember 2020 zu den Akten. D. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2020 teilte das SEM dem Beschwerde- führer mit, d ie eingereichte behördliche Vorladung durch das CID vom 9. Juni 2020 sei amtsintern überprüft worden, und gewährte ihm zum we- sentlichen Inhalt des Befunds das rechtliche Gehör. Mit Schreiben vom 6. Januar 2021 reichte er eine Stellungnahme ein. E. Mit Verfügung vom 15. Januar 2021 qualifizierte d as SEM die vom Be- schwerdeführer als «Wiedererwägungsgesuch» bezeichnete Eingabe vom 3. Dezember 2020 insgesamt als Mehrfachgesuch. Es stellte fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies das Mehr- fachgesuch vom 3. Dezember 2020 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an. Zur Begründung der Verfügung führte das SEM aus, den Angaben des Be- schwerdeführers zu den in den verschiedenen sozialen Medien geteilten Artikeln oder zum Zeitrahmen und Umfang seiner Aktivitäten seien keine Details zu entnehmen, weshalb diese als unsubstanziiert und vage zu be- zeichnen seien. Es falle ausserdem auf, dass er während des erstinstanz- lichen Verfahrens weder beim SEM noch beim Bundesverwaltungsgericht politische Tätigkeiten geltend gemacht habe, so dass nicht ohne Weiteres von einem langanhaltenden und intensiven politischen Engagement aus- gegangen werden kö nne. Der Umstand, dass sein Facebook-Account mehrfach gesperrt oder eingeschränkt worden sei, vermöge ebenso wenig ein substanz ielles exilpoli tisches Engagement nachzuweisen. Facebook E-700/2021 Seite 4 sperre Konten, wenn Inhalte gepostet würden, die gegen die Nutzungsbe- dingungen verstossen würden, ein falscher Name verwendet oder eine fal- sche Ident ität vorgetäuscht we rde, wiede rholt Handlungen durchgeführt würden, die gegen die Gemeinschaftsstandards verstoss en würden und daher nicht zulässig seien oder wenn andere Personen zum Zweck von Belästigung, Werbung, Reklame oder anderem nicht erlaubtem Verhalten kontaktiert wü rden ( https://dede.facebook.com/help/IÖ3873106370583; abgerufen am 14. Ja nuar 2020). Aus der Sperrung seines Kontos lasse sich demnach nicht schliessen, dass ihm seitens der srilankischen Behör- den ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des ta- milischen Separatismus zugeschrieben werden könn te. Auf den einge- reichten Ausdrucken sei zudem zu erkennen, dass er sich auf ein Face- book-Benutzerkonto mit dem Namen «C._______» beziehe. Es sei dem- nach nicht ersichtlich, inwiefern allfällige Beiträge auf diesem Konto über- haupt auf ihn zurückgeführt werden könnten. Insgesamt sei demnach nicht davon auszugehen, dass er in seinem Heimatstaat künftig einer flüchtlings- relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer bringe weiter vor, sein Vater sei im Sommer 2020 erneut vorgeladen worden und habe Informationen über ihn preisgeben müssen. Zunächst sei darauf hingewiesen, dass im Urteil des BVGer E-2294/2020 vom 24. September 2020 die Erwägungen des SEM zur Glaubhaftigkeit der von ihm vorgebrachten Verfolgung in Sri Lanka gestützt worden seien (E. 10.1). Eine interne Dokumentenanalyse der von ihm ein- gereichten Vorladung des CID vom 9. Juni 2020 zuhanden sein es Vaters habe ergeben, dass das eingereichte Schreiben nicht dem gesetzlich vor- gesehenen Formular für eine Vorladung durch die sri-lankische Polizei ent- spreche. Zudem sei der Briefkopf im Vergleich zu authentischem Ver- gleichsmaterial der sri -lankischen Polize i unvollständig. Das Dokument werde daher als gefälscht erachtet. Vor diesem Hintergrund sei auf die Prü- fung allfälliger inhaltlicher Fälschungsmerkmale verzichtet worden. Im Rahmen sein er Stellungnah me vom 6. Januar 2021 h abe der Be- schwerdeführer ausgeführt, dass sein Vater dieses Dokument von den sri- lankischen Behörden erhalten und ihm weitergeschickt habe. Er halte das Dokument für echt und könne beim besten Willen nichts über die Unvoll- ständigkeit sagen. Er wolle die schweizerischen Behörden nicht mit einem falschen Dokument in die Irre führen. Sein Vater werde seinetwegen immer wieder belästigt und verhört. Er (der Beschwerdeführer) werde wegen sei- ner politischen Aktivitäten als Terrorist betrachtet und sollte bestraft wer- den. Er habe enorme Angst davor, nach Sri Lanka zurückzukehren, da ihm E-700/2021 Seite 5 dort eine Verfolgungsmassnahme mit unfairem Verhalten und menschen- unwürdigen Handlungen drohe . Das SEM hielt in seiner Verfügung fest, diese Ausführungen vermöcht en die Fälschungsmer kmale offensich tlich nicht zu erklären und seien als blosse Behauptungen zu bezeichnen, die im Weiteren unbelegt geblieben seien. Er vermöge damit die Einschätzung bezüglich der Dokumentenüberprüfung nicht umzustossen. Ergänzend sei anzumerken, dass seine Ausführungen zur Vorladung seines Vaters äus- serst knapp ausgefallen seien (Akte 1082840-7/20, S. 3, 2. Abschnitt). Ins- besondere erstaune der Umstand, dass in keiner Art und Weise ausgeführt worden sei, welche Informationen sein Vater den sri-lankischen Behörden über ihn habe preisgeben müssen. Es erscheine auch nicht plausibel, dass seine Angehörigen ihn nicht zeitnah über diese Vorladung hätten informiert haben sollen, sondern er erst davon erfahren habe, als er selber im No- vember 2020 mit seinen Eltern in Kontakt getreten sei – zumal er sich im Juni 2020 noch im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsge- richt befunden habe und eine solche (falls glaubhafte) Information dessen Ausgang hätte beeinflussen können. Insofern er auf die Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen vom Novem- ber 2019 verweise, sei angemerkt, dass sich das Bundesverwaltungsge- richt in seinem Urteil E-2294/2020 vom 24. September 2020 bereits dazu geäussert habe (E. 10.2.1 f.). Es sei vollumfänglich auf die diesbezüglichen Erwägungen zu verweisen. Das eingereichte Schreiben vermöge demnach die frühere Einschätzung des SEM nicht umzustossen. Auch in Bezug auf seine psychische Erkrankung sei auf die Einschätzung im Urteil des BVGer E-2294/2020 zu verweisen, wonach die Infrastruktur für die Behandlung psychischer L eiden in Sri Lanka vorhanden sei (E. 13.3.3, mit Verweis auf das Urteil des BVGer D -7355/2016 vom 11. Februar 2019 E. 11.5.2 m.w.H.). Im vorliegenden Gesuch gebe der Be- schwerdeführer an, seine Psychiaterin könne lediglich die früheren ärztli- chen Berichte und Diagnosen bestätigen (Akte 1082840-7/20, S. 4, obers- ter Abschnitt). Da diese zum Zeitpunkt des Urteils bereits vorgelegen hät- ten, sei vollumfänglich auf die Einschätzung des SEM im Rahmen der Ver- nehmlassung und die dies bezüglichen Erwägungen des Bundesverwal- tungsgerichts zu verweisen. Bezüglich der geltend gemachten Infizierung des Beschwerdeführers mit dem COVI D-19 Virus sei dem ärztlichen Bericht sein er Hausärztin vom 21. Dezember 2020 zu entnehmen, dass er nicht habe hospitalisiert wer-E-700/2021 Seite 6 den müssen und zurzeit noch Müdigkeit und körperliche Schwäche beste- hen würden. Er gebe zudem an, (…). Hierzu führte das SEM aus, z war könnten diese Beschwerden im Alltag eine gewisse Einschränkung bedeu- ten, es sei aber nicht davon auszugehen, dass er deswegen in seinem Hei- matland in eine med izinische Notlage geraten würde. So lasse sich dem Arztbericht entnehmen, dass sein Allgemeinzustand gut sei und keine Zei- chen für eingeschränkte körperliche oder geistige Funktion bestehen wür- den. Aktuell nehme er keine regelmässigen Arzttermine wahr und es gebe keine Angaben zu einer medikamentösen Therapie. Indes sei er wegen mehrerer Episoden von (…) für (…) ans Spitalzentrum B._______ über- wiesen worden. Es gelte herauszufinden, ob (…). Die Untersuchung sei für Januar 2021 geplant. Im ärztlichen Bericht des Spitalzentrums B._______ vom 17. Dezember 2020 sei diesbezüglich festgehalten, dass (…) beurteilt werde. Im Juli 2020 hätten sich weder (…) noch (…) Hinweise auf eine akute Infektion (…). Vorgeschlagen werde lediglich eine (…) Verlaufskon- trolle im Januar 2021, danach eine weitere (…) nach sechs Monaten. Be- reits im hausärztlichen Bericht vom 21. Dezember 2020 sei die Frage auf- geworfen worden, ob eine (…) auch in Sri Lanka möglich sei. Dabei handle es sich um eine Standarduntersuchung. Die derzeit geltenden provisori- schen Richtlinien für die klinische Behandlung von COVID -19 des sri-lan- kischen Gesundheitsministeriums würden festhalten, dass für (…). Es könne demnach davon ausgegangen werden, dass (…) zumindest in grös- seren Spitälern in Sri Lanka möglich seien. Es sei an dieser Stelle auch darauf verwiesen, dass das Bundesverwal- tungsgericht gemäss seinem Urteil E- 2294/2020 in seiner Rechtsprechung wiederholt von der Behandelbarkeit (…) in Sri Lanka ausgegangen sei, ins- besondere – wie vorliegend – bei günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Das SEM verweise auch auf das Urteil E- 3371/2018 vom 9. Juli 2018 E. 5.3.7, wonach im Norden Sri Lankas das Jaffna Teaching Hospital und das Northern Central Hospital zur Behandlung offen stehen würden (E. 5.3.7). Spezialisten für (…) seien vorhanden (vgl. medizinisches Consulting vom 24. April 2018, S. 2 f.). Es könne demnach an dieser Stelle darauf verzichtet werden, d ie definitiven Ergebnisse der Untersuchung am Spitalzentrum B._______ abzuwarten. F. Mit Rechtsmitteleingabe vom 17. Februar 2021 beantragte der Beschwer- deführer durch seine Rechtsvertreterin , der Entscheid des SEM vom 15. Januar 2021 sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft fest-E-700/2021 Seite 7 zustellen und ihm politisches Asyl gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) zu ge- währen. Es seien die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung aus der Schweiz festzustellen und er sei im Sinne von Art. 84 AIG (SR 142.20) vorläufig aufzunehmen. Es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ein Kostenvorschuss zu erlassen. Mit der Beschwerde wurden als Beweismittel insbesondere ein als von den sri-lankischen Behörden ausgestellte Vorladung vom 12. Januar 2021 be- zeichnetes Dokument im Original mit dessen Übersetzung samt Zustellum- schlag, zudem ein Bericht der UNO vom 27. Januar 2021 und ein Stel- lungspapier der Schweizerische n Flüchtlingshilfe (SFH) vom 5. Februar 2021 sowie eine Terminvereinbarung auf den 30. März 2021 im Spital B._______ zu den Akten gereicht. Zur Begründung der Beschwerde wurde im Wesentlichen vorgebracht, ge- gen die vom SEM in der angefochtenen Verfügung vertretenen Meinung, die exil-politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers würden keine flücht- lingsrelevante Verfolgung in seiner Heimat verursachen und er werde künf- tig nicht ernsthaften Nachteilen ausgesetzt, müsse protestiert werden, weil durch die jetzige Regierung ein politisches Klima von Überwachung und Straflosigkeit (der Verfolger) herrsche. Der neuste Bericht der UNO vom 27. Januar 2021 würde die Angaben des Beschwerdeführers wohl bestäti- gen. Der UNO-Bericht hebe die zunehmende Militarisierung der zivilen Re- gierungsfunktionen, die Aufhebung wichtiger verfassungsmässiger Schutz- massnahmen, die politische Behinderung der Rechenschaftspflicht, eine ausgrenzende Rhetorik, die Einschüchterung der Zivilgesellschaft und die Anwendung von Anti-Terror-Gesetzen hervor. Die SFH habe in ihrer Mittei- lung vom 5. Februar 2021 das SEM aufgefordert, die Entwicklungen in Sri Lanka erneut zu analysieren und demgemäss die Asylpraxis auszusetzen. Die SFH empfehle dem SEM, auf Rückführungen von abgewiesenen Asyl- suchenden nach Sri Lanka zu verzichten. Im Weiteren bezeichne das SEM die eingereichte behördl iche Vorladung als gefälscht. Wie bereits in der Stellungnahme erwähnt, habe der Vater des Beschwerdeführers diese Vorladung von den Behörden erhalten und diese sei auch so dem SEM weitergegeben worden. Weder der Beschwer- deführer noch sein Vater würden über Kenntnisse verfügen, was für ge- setzliche Formulare die Behörden verwenden würden. Ausserdem sei dem Vater des Beschwerdeführers nicht bewusst gewesen, dass er sein en Sohn sofort über diese Vorladung hätte informieren müssen. Wie aus den E-700/2021 Seite 8 Akten bekannt sei, sei der Beschwerdeführer krebskrank und bei unregel- mässigen telefonischen Gesprächen sei es hauptsächlich um sein Befin- den und um seine Genesung gegangen. Als sein Vater gehört habe, dass der Beschwerdeführer die Schweiz verlassen und wahrscheinlich nach Sri Lanka zurückkehren müsse, habe er über die Vorladung und die damit ver- bundene asylrelevante Verfolgung gesprochen. Sein Vater habe erneut eine Vorladung erhalten, welche mit der Beschwerdeeingabe im Original eingereicht werde. Auf Veranlassung der Rechtsvertreterin habe der Vater des Beschwerdeführers auch den Briefumschlag der erhaltenen Vorladung mitgeschickt, um die Echtheit und Korrektheit der eingereichten Beweis- mittel zu beweisen. Der Brief sei vom Hauptpolizeiquartier Colombo (Kri- minalabteilung) nach Jaffna eingeschrieben geschickt worden. Obwohl es ein grosses Risiko für den Vater des Beschwerdeführers gewesen sei, dass sein Eil- Brief von den sri-lankischen Behörden kontrolliert und die Unter- lagen beschlagnahmt un d er zur Rechenschaft gezogen würde, habe er das für sein en Sohn gemacht, um zu beweisen, dass er in der Tat diese Vorladung von sri-lankischen Behörden erhalten habe. Wenn dem SEM ein solcher Versand oder die Formular e noch nicht bekannt seien, heisse es noch lange nicht, dass es sich um ein gefälschtes Dokument handle. An- scheinend gehe die derzeitige Regierung neue Wege und mit neuen Mitteln vor, um ihre Gegner zum Schweigen zu bringen oder zur Verantwortung zu ziehen. Gemäss dem Schreiben verlange die Kriminalpolizei vom Vater des Beschwerdeführers über den Beschwerdeführer (dessen Name im Schrei- ben genannt sei) um einige Aufklärungen. Er solle ihn den Behörden aus- liefern. Wie bereits im Gesuch vom 3. Dezember 2020 erwähnt, schlafe der Vater seit Langem nicht immer zu Hause und verstecke sich hier und dort. Die Mutter des Beschwerdeführers sei aufgrund des unerträglichen Drucks und aufgrund der anhaltenden Diskriminierung und Belästigung en durch die Behörden sowie der Abwesenheit ihres Ehemannes schwer krank ge- worden und habe hospitalisiert werden müss en. Der Beschwerdeführer mache sich grosse Sorge und die Hilflosigkeit bringe ihn physisch und psy- chisch um. Angesichts der bisherig erwähnten Angaben, der alten und mit der Beschwerde eingereichten behördlichen Vorladung sowie des neuen Berichts der UNO seien die Befürchtungen des Beschwerdeführers, gezielt von den sri-lankischen Behörden gesucht und flüchtlingsrelevanten Verfol- gungsmassnahmen ausgesetzt zu werden, objektiv betrachtet, nachvoll- ziehbar und real. Dem Beschwerdeführer drohe bei einer allfälligen Rück- kehr in seine Heimat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit inhaftiert u nd ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden. Da er die behördliche Vorla- dung der Anti-Terror Abteilung nicht befolge, den Behörden bereits akten- kundig sei, das Land ohne gültigen Reisepass verlassen und im Ausland E-700/2021 Seite 9 einen Asylantrag sowie sich politisch e ngagiert habe, würden ihm mit Si- cherheit eine Festnahme mit einem unfairen und mensc henrechtsverlet- zenden Verfahren sowie eine unverhältnismässige Strafe drohen. Aufgrund dieser Sachlage sei der Beschwerdeführer der Meinung, dass er in Sri Lanka in Lebensg efahr schwebe, weshalb der Vollzug der Wegweisung aufgrund landes- und völkerrechtlichen Bestimmungen unzulässig und er in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei. Wie bereits erwähnt und aus den Akten bekannt sei, sei der Beschwerde- führer unter medizinischer Behandlung und Kontrolle. Aufgrund seines Zu- stands gehöre er zu Risiko-Patienten und Gruppen, welche extra hygieni- sche Umgebung benötigen würden. Nach der Infizierung mit dem Covid- 19 Virus leide er (…). Die medizinischen Untersuchungen hätten die Ursa- che noch nicht festlegen können. Der Beschwerdeführer habe für Ende März 2021 einen weiteren Abklärungs- und Kontrolltermin erhalten. Somit sei aus humanitären Gründen, aus Gründen der herrschenden Epidemie von Covid-19 und aus medizinische Gründen eine allfällige Rückkehr nach Sri Lanka mit nicht wiedergutzumachenden Nachteilen für den Beschwer- deführer verbunden. Dadurch sei der Vollzug der Wegweisung technisch und medizinisch nicht zumutbar. G. Mit Zwischenverfügung vom 26. Februar 2021 wurde die Prüfung der Ge- suche um Erlass eines Kostenvorschusses und um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt angesetzt. Der Be- schwerdeführer wurde aufgefordert, innert Frist eine Bestätigung seiner Prozessbedürftigkeit nachzureichen. Die Vorinstanz wurde eingeladen, innert Frist eine Vernehmlassung einzu- reichen. H. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 10. März 2021 eine Bestä- tigung vom 3. März 2021 bezüglich seiner Fürsorgeabhängigkeit bezie- hungsweise des Bezuges der Nothilfe zu den Akten. I. Mit Vernehmlassung vom 24. März 2021 bezog das SEM zur Beschwerde- sache und namentlich zum vom Beschwerdeführer als Beweismittel einge- reichten Dokument Stellung. E-700/2021 Seite 10 Das SEM teilte mit, die auf Beschwerdeebene neu eingereichte Vorladung sei einer internen Dokumentenanalyse durch eine Fachperson unterzogen worden, die in ihrem Consulting zum Ergebnis gekommen sei, dass meh- rere Elemente gegen die Authentizität des Beweismittels sprechen würden. Die Vorladung sei nicht mittels des vorgeseh enen Formulars ausgefertigt worden. Der Briefkopf des Schreibens stimme nicht exakt mit dem verbürg- ten Vergleichsmaterial überein. Der Absender des Schreibens sei unklar. Die Unterschrift stamme von einer Person, die dafür nicht autorisiert sei. Es bestünden inhaltliche Unstimmigkeiten, b eispielsweise betreffend die angeführten Gesetzesartikel. Aufgrund der vielen Unstimmigkeiten sei das eingereichte Schreiben als gefälscht zu erachten. An dieser Einschätzung vermöge auch der eingereichte Übermittlungsumschlag nichts zu ändern. Dass der Vater des Beschwerdeführers seit Langem nicht mehr zuhause schlafe und sich versteckt halten müsse, stelle ausserdem eine reine Be- hauptung dar, die i n keiner Art und Weise belegt wo rden sei. Dasselbe gelte für die angebliche Hospitalisierung der Mutter. Es erwecke im Übrigen erhebliches Erstaunen, dass in der Beschwerde erstmals geltend gemacht worden sei, der Vater des Beschwerdeführers müsse sich seit Langem ver- steckt halten. Diese Behauptung sei als nachgeschoben zu bezeichnen. In Bezug auf den Bericht der UNO vom 27. Januar 2021 sei anzumerken, dass es sich dabei um eine allgemeine Einschätzung der Lage handle, der keine konkreten Angaben in Bezug auf den Beschwerdeführer zu entneh- men seien. Auch wenn eine Akzentuierung der Gefährdungslage für Per- sonen mit einem bestimmten Risikoprofil möglich erscheine, bestehe zum heutigen Zeitpunkt kein Grund zur Annahme, seit dem Machtwechsel in Sri Lanka wären ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsge- fahr ausgesetzt. Ein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zur Prä- sidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen sei aufgrund der Akten indes nicht zu erkennen. Der auf Vernehmlassungsstufe eingereichten Terminvereinbarung mit dem Spitalzentrum B._______ lasse sich zudem lediglich entnehmen, dass am 30. März 2021 eine Nachkontrolle vorgesehen sei. Es bestünden gestützt darauf keine Hinweise, dass sich der Befund seit dem ärztlichen Bericht vom 17. Dezember 2020 geändert hätte. J. Mit Verfügung vom 6. April 2021 räumte das Bundesverwaltungsgericht E-700/2021 Seite 11 dem Beschwerdeführer die Gelegenheit ein, zur Vernehmlassung des SEM innert Frist Stellung zu nehmen. K. In der Replik vom 20. April 2021 wurde im Wesentlichen vorgebracht, das SEM betrachte wie gewöhnlich die eingereichten behördlichen Dokumente als gefälscht. Es sei zu betonen , d ass die Vorgehensweise des SEM schwer zu verstehen sei. Es wolle immer, dass die Asylsuchenden ihre Ein- gaben mit Dokumenten belegen würden, was an und für sich einleuchtend sei, es bezeichne dann aber oft die eingereichten Dokumente als gefälscht. Und wenn man eine Angabe ohne Belege vorlege, stemple das SEM dies als pure Behauptung ab. Der Beschwerdeführer habe über die Hospitali- sierung seiner Mutter genug Dokumente, aber nicht genug Geld für deren Übersetzung. Andererseits kenne man die Reaktion des SEM in solchen Fällen ziemlich gut, nämlich, dass das SEM behaupten würde, «die Hospi- talisierung der Mutter sind keine Hinweise auf eine Verfolgung des Be- schwerdeführers». Trotzdem würden die ärztlichen Berichte eingereicht. In Bezug auf die Situation des Vaters des Beschwerdeführers sei das selbe anzumerken. Einerseits kö nne der Vater kein e behördlichen Dokumente zum Nachweis beschaffen, dass er auf der Flucht sei und sich verstecke. Andererseits sei ein Schreiben von Freunden oder Verwandten, welche ihn beherbergen würden, für das SEM ein Gefälligkeitsschreiben und damit kein Beweis. Darüber hinaus sei über die unangenehme Situation des Va- ters des Beschwe rdeführers im Wiedererwägungsgesuch berichtet wor- den, weil diese Tatsache dem Beschwerdeführer erst nach dem rechtskräf- tigen Asylentscheid bekannt geworden sei. Deshalb sei die Argumentation des SEM unverständlich, diese Behauptung sei als nachgeschoben zu be- zeichnen. Gemäss Ansicht der Beschwerdepartei übersehe das SEM oder ziehe nicht in Betracht, dass möglicherweise von Zeit zu Zeit die Zuständigkeiten neu geregelt und entsprechend neue Formulare mit neuen Bezeichnungen aber auch Abweichungen vom «exakt verbürgten Vergleichsmaterial» er- stellt werden könnten. Aus der Vernehmlassung sei die Kompetenz der be- auftragten Fachperson nicht belegt, und auch nicht, wie diese zur Meinung gekommen sei, die Vorladung sei nicht authentisch. Dass die Fachperson denjenigen, der das Vorladungsformular unterschrieben habe, nicht kenne und genau wisse, dass dieser dafür nicht autorisiert sei, lasse viele Fragen und Zweifel offen. Dazu sei auch sehr fraglich, ob die Fachperson direkte Kontakte und Zugang zu den sri-lankischen Behörden und ihren Formula- ren habe, das heisse, das Vertrauen der Regierung habe beziehungsweise E-700/2021 Seite 12 ein regierungstreuer Anhänger sei, und das Dokument für die Schweizer Asylbehörden unparteiisch und unabhängig überprüfe. Es stelle sich die Frage, ob die Fachperson ein Spion im Auftrag des SEM oder der sri-lan- kischen Regierung sei. Im Weiteren sei die Aussage betreffend inhaltliche Unstimmigkeiten pauschal und nicht belegt. So mit kö nne es dem Be- schwerdeführer nicht zur Last gelegt werden, wenn vielleicht der Verfasser der Vorladung dafür nicht legitimiert gewesen sei. Der Vater habe diese Vorladung per Post erhalten. Der Absender sei auf dem Briefumschlag klar lesbar. Weshalb das SEM beziehungsweise seine Fachperson dies nicht lesen könne, sei verwirrend. Es sei erstaunlich, wie das SEM die Tatsachen, dass der Beschwerdefüh- rer (…) gehabt habe, an Covid -19 infiziert gewesen sei und erneut (…), interpretiere. Wenn es auch der grösste Wunsch des Beschwerdeführers sei, wieder ganz gesund zu werden und zu bleiben, sei sein physischer und psychischer Zustand nicht stabil und dieser könne sich schnell ändern be- ziehungsweise verschlechtern. Es liege auf die Hand, dass erst nach ab- geschlossenen Untersuchungen von Ende März 2021 ein ärztlicher Bericht vorliegen werde. Es seien weitere Untersuchungen ([…]) vorgesehen, da die Ursache (…) (noch) nicht festgestellt worden sei. Deshalb sei, solange kein solcher Bericht vorliege , die Behauptung des SEM , es lägen keine Hinweise vor, dass sich der Befund seit dem ärztlic hen Bericht vom 17. Dezember geändert hätte, unnötig und voreingenommen. In Bezug auf die politische veränderte Situation in Sri Lanka müsse noch- mals betont werden – wie bereits im Wiedererwägungsgesuch dargelegt und weiter in der Beschwerde mit dem neuen Bericht vorgelegt –, dass der Beschwerdeführer sein politisches Engagement aus der Schweiz weiter fortführe. Er sei mehrmals aus dem Facebook ausgesperrt worden. Mit an- deren Worten sei der Beschwerdeführer von den sri-lankischen Behörden als eine Gefahr für die innere Sicherheit abgestempelt, seine Propaganda gegen die sri-lankische Regierung verhindert und sein Vater seinetwegen zur Rechenschaft gezogen worden. Damit bestehe eine konkrete Gefahr an Leib und Leben. L. Mit Zwischenverfügung vom 28. April 2021 stellte die Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts fest, unter Berücksichtigung und Gewich- tung der entscheidwesentlichen Aspekte würden die Beschwerdebegehren als aussichtslos erscheinen, womit es an den materiellen Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin ne von Art. 65 E-700/2021 Seite 13 Abs. 1 VwVG fehle. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wurden ab- gewiesen und der Beschwerdeführer wurde angehalten, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 1'100.– zu leisten. M. Der Kostenvorschuss wurde innert Frist geleistet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG lie gt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel – endgültig. (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). E-700/2021 Seite 14 4. Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung behandelte das SEM die als «Wiedererwägungsgesuch» bezeichnete Eingabe vom 3. Dezember 2020 insgesamt als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG. Ge- genstand der Prüfung unter dem Titel des Mehrfachgesuches ist die Frage, ob sich seit dem Urteil des BVGer E-2294/2020 vom 24. September 2020 neue Sachverhalte ergeben haben und neue Beweismittel entstanden sind, welche zur Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers führen können. Die Qualifikation als Mehrfachgesuch ist vorliegend demnach in- sofern zutreffend, als der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund sei- nes nach dem ergangenen Beschwerdeurteil weitergeführten Engage- ments für die Anliegen der Tamilen auf verschiedenen sozialen Medien und der in letzter Zeit mehrfachen Sperrung seines Facebook-Accounts sei er flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen in seinem H eimatland ausge- setzt. Auch die Frage, ob sich die politische Situation im Heimatland nach dem besagten Urteil derart akzentuiert haben sollte, dass ihn persönlich objektiven Nachfluchtgründe treffen könnten, ist unter dem Aspekt des Mehrfachgesuches zu prüfen. Soweit der Beschwerdeführer hingegen gel- tend macht, sein Vater sei im Sommer 2020 erneut schriftlich vom CID vor- geladen worden und habe Informationen über ihn (den Beschwerdeführer) preisgeben müssen, und er hierzu ein vom 9. Juni 2020 datiertes Beweis- mittel präsentiert, handelt es sich um einen vor dem 24. September 2020 betreffenden Sachverhalt und um ein vor diesem Urteilszeitpunkt entstan- denes Beweismittel. Richtigerweise wäre dieses Beweismittel demnach re- visionsweise zu prüfen gewesen (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG). Die Revision hat der rechtlich vertretene Beschwerdeführer jedoch nicht beantragt. Dar- über hinaus ist festzustellen, dass auch eine Revisionsprüfung zu keinem anderen Ergebnis betreffend die Erheblichkeit des Beweismittels geführt haben dürfte, als zu dem auch das S EM im Rahmen der P rüfung in der angefochtenen Verfügung gelangte, nämlich dass es sich bei dem Doku- ment um eine Fälschung handle, welches die Zweifel an der Glaubhaf- tigkeit der Vorbringen nicht zu verwerfen vermag. Wie nachstehend auszu- führen ist, teilt das Bundesverwaltungsgericht diese Einschätzung vollum- fänglich. 5. 5.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge- hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün- dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 E-700/2021 Seite 15 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei- bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg- lichen psychischen Druck bewirken. 5.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih- res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden (subjektive Nachflu chtgründe), unabhängig davon, ob die Nach- fluchtgründe missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden . Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nach- weisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenom- men (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Ist eine Gefährdung demgegenüber auf- grund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte, entstanden, liegen objek- tive Nachfluchtgründe vor (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.). 5.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub- haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor- handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un- glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit- tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. Das SEM ist mit der Verfügung vom 15. Januar 2021 mit überzeugender Begründung zu r Erkenntnis gelangt , der Beschwerdeführer erfüll e di e Flüchtlingseigenschaft nicht und hat das Mehrfachgesuch vom 3. Dezem- ber 2020 zu Recht abgewiesen. 6.1 Eine interne Dokumentenanalyse des SEM ergab, dass die vom Be- schwerdeführer eingereichte Vorladung des CID vom 9. Juni 2020 zuhan- den seines Vaters nicht dem gesetzlich vorgesehenen Formular für eine Vorladung durch die sri-lankische Polizei entspreche und zudem der Brief- kopf im Vergleich zu authentischem Vergleichsmaterial der sri -lankischen Polizei unvollständig sei, weshalb da s SEM das Dokument als gefälscht erachtete. Auch die neu auf Beschwerdeebene vom 12. Januar 202 1 da- tierte eingereichte Vorladung wurde aufgrund einer internen Dokumen- tenanalyse erneut als gefälschtes Dokument erkannt. Für das Gericht er- geben sich keine Anhaltspunkte, die gegen die Zuverlässigkeit der Prü- fungsergebnisse der Dokumente sprechen könnten. Weder die Einwände E-700/2021 Seite 16 in der Beschwerde noch in der Replik erscheinen tauglich, die Dokumente nicht als Fälschungen zu erkennen. Damit ist offensichtlich, dass der Be- schwerdeführer aus dem entsprechenden Vorbringen keine flüchtlings- rechtlich relevanten Nachteile abzuleiten vermag. 6.2 Das SEM ist namentlich auch offenkundig zur nicht zu beanstanden Einschätzung gelangt, dass der Beschwerdeführer kein substantielles exil- politisches Engagement nachzuweisen vermochte. Um unnötig Wiederho- lungen zu vermeiden, kann vollumfänglich auf die entsprechenden Ausfüh- rungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Entgeg- nungen des Beschwerdeführers vermögen nicht zu überzeugen. Das SEM hat demnach zutreffend darauf geschlossen, dass hinsichtlich der diesbe- züglichen Vorbringen insgesamt nicht davon auszugehen ist, dass der Be- schwerdeführer in seinem Heimatstaat künftig einer flüchtlingsrelevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. Daran vermögen selbstredend der in allge- meiner Form gehaltene Bericht der UNO vom 27. Januar 20 21 und das Stellungspapier der SFH vom 5. Februar 2021 nichts zu ändern. 6.3 Es sind auch aus keinen anderen Gründen hinreichende Anhaltspunkte gegeben, der Beschwerdeführer wäre künftig in seinem Heimatland mit er- heblicher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtl ich relevanten Nachteilen ausgesetzt. Es sind keine Aspekte ersichtlich, dass sich die Situation des Beschwerdeführers diesbezüglich seit dem mit dem Urteil des BVGer E-2294/2020 vom 24. September 2020 abgeschlossenen ordentlichen Asylverfahren in massgeblicher Hinsicht geändert hätte. Mit der Eingabe des Mehrfachgesuches und den Vorbringen und Entgegnungen auf Be- schwerdeebene wird nicht ansatzweise dargetan , dass sich die persönli- che Situation des Beschwerdeführers im Hinblick auf die allgemeine politi- sche Lage in Sri Lanka seit dem Erlass des Urteils des Bundesverwal- tungsgerichts vom 24. September 2020 in einer Art und Weise verändert hätte, welche sich konk ret in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise auf ihn ausgewirkt hätte. 6.4 Es gilt festzuhalten, dass entgegen der im Beschwerdeverfahren ver- tretenen Sichtweise, der Beschwerdeführer müsste befürchten, künftig in seinem Heimatland mit erheblicher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden, aus objektiver Sicht vernünf- tigerweise offenkundig nicht begründet ist. Die entsprechenden Erklä- rungsversuche in der Beschwerde erscheinen nicht tauglich, den in flücht- lingsrechtlicher Hinsicht nicht erfolgversprechenden Sachschilderungen massgebliches Gewicht zu verleihen. E-700/2021 Seite 17 6.5 Insgesamt ergibt sich , dass der Beschwerdeführer keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb nicht als Flüchtling anzuerkennen ist. Das SEM hat das Mehrfa chgesuch somit zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegwei- sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge- richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei- genschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht- liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen- stehen. Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nich trückschiebung findet mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung und es sind keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamil ischen Ethnie noch die allgemeine Menschen- rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig er- scheinen (vgl. Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 f. [als Refe-E-700/2021 Seite 18 renzurteil publiziert]). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen- rechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon aus- zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmensch- liche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom- men werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. Sep- tember 2013, 10466/11, Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine kon- kreten Anhaltspunkte dafür, der Beschwerdeführer hätte bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten, die über einen sogenannten „Backgroundcheck“ (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden oder dass er dadurch persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegwei- sung ist zulässig. 8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzug s ebenfalls zutreffend bejaht. Ihre Schlussfolgerungen sind nicht zu beanstanden. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation all gemeiner Gewalt. Diese Einschätzung gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Situation. Bezüglich der individuellen Verhältnisse des Beschwerdeführers in seinem Heimatland sind keine neuen massgeblichen Aspekte ersichtlich, die sich seit dem Urteil des BVGer E-2294/2020 vom 24. September 2020 ergeben hätten. Auch in medizinischer Hinsicht besteht kein Vollzugshindernis. Das SEM hat sich in der angefochtenen Verfügung ausführlich mit den aktuell geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers ausei- nandergesetzt. Es befand aufgrund eigener gewonnener Erkenntnisse und aufgrund der entsprechenden Rechtsprechung zu Recht, dass die Krank- heitsbilder, an denen der Beschwerdeführer leidet, in Sri Lanka adäquat behandelt werden können. Wie das SEM in antizipierter Beweiswürdigung zutreffend feststellte, konnte e s darauf verzichten, die definitiven Ergeb- nisse der Untersuchung am Spitalzentrum B._______ abzuwarten. Das Gleiche gilt für das Gericht. Zudem ist mit Vormerk festzuhalten, dass der E-700/2021 Seite 19 Beschwerdeführer bis dato keinen aktuellen ärzt lichen Bericht zu den Ak- ten reichte. Eine entsprechende Nachreichung wäre im Rahmen seiner Mit- wirkungspflicht (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG) ohne Weiteres zu erwarten ge- wesen, falls er aus der offenbar Ende März 2021 anges etzten Untersu- chung im Spitalzentrum etwas Massgebliches für das vorliegende Verfah- ren hätte ableiten wollen und können. Die entsprechende Untätigkeit be- züglich der Mitwirkungspflicht ist insbesondere aus dem Umstand aber we- nig nachvollziehbar, wenn der Beschwerdeführer in der Replikschrift dem SEM vorwirft, seine Argumentation sei "unnötig und voreingenommen", so- lange die Ergebnisse des ärztlichen Berichts der Untersuchung von Ende März 2021 nicht vorliege. In Würdigung der massgeblichen Aspekte ist darauf zu schliessen, dass sich der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit einer lebensbedrohlichen Verschlechterung sei- nes Gesundheitszustandes ausgesetzt sehen müsste. Vielmehr kann er mit der Möglichkeit rechnen, sich einer fachärztlichen Behandlung seines Krankheitsbildes anzuvertrauen. Dies wird ihm auch ermöglichen, ein, wenn auch mit Einschränkungen, nicht unerträgliches Leben zu führen, wie es auch aktuell der Fall ist. Von einer konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers im Sinne des Ge- setzes und der Rechtsprechung kann bei einer Rückkehr in sein Heimat- land nicht ausgegangen werden. Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht zumutbar. 8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen- digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat- staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist möglich. 8.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut- bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf- nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das entsprechende Even- tualbegehren ist abzuweisen. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. E-700/2021 Seite 20 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), zumal das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abgewiesen wurde. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-700/2021 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'100.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfah- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Christoph Berger Versand: