Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Dezember 2018 (715 18 248 / 352) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen zu spät eingereichter Arbeitsbemü- hungen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n i.V. Martina Somogyi Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen KIGA Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach , 4133 Pratteln 1 , Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1964 geborene A.____ meldete sich am 31. Jan uar 2018 beim Regionalen Ar- beitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlu ng an und erhob am 7. Februar 2018 An- spruch auf Arbeitslosenentschädigung bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft (Arbeitslosenkasse) ab 31. Januar 2018. Mit Verfügung vom 12. Juni 2018 stellte das RAV Mün chenstein A.____ ab 1. Juni 2018 wegen fehlender Arbeitsbemühungen für elf Tage in der Ans pruchsberechtigung ein. Hiergegen erhob sie am 22. Juni 2018 Einsprache, die vom Kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht (KIGA) Baselland mit Entscheid vom 31. Juli 2018 teilwe ise gutgeheissen wurde. Das KIGA prüfte die Angemessenheit der Sanktion und kam zum Schl uss, dass acht Einstelltage ange- messen seien. B. Gegen den Entscheid des KIGA richtet sich die vorlieg ende Beschwerde, welche A.____ am 6. August 2018 beim Kantonsgericht Basel-Lan dschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), erhob. Sie beantragte, der Entscheid vom 31. Juli 2018 sei vollum- fänglich aufzuheben und es sei von einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen feh- lender Arbeitsbemühungen abzusehen. Zur Begründung b rachte sie im Wesentlichen vor, dass sie trotz Krankheit und Auszug aus der langjährigen Fami lienwohnung ihrem Berater drei Ar- beitsbemühungen für die Kontrollperiode Mai 2018 ha be zukommen lassen. Zwar sei die Zu- stellung der Arbeitsbemühungen per E-Mail erst um 9 Uh r 35 am sechsten Tag des Folgemo- nats Juni 2018 erfolgt. Dennoch könne sie als rechtzeiti g angesehen werden, da ihr Berater die E-Mail nicht vor dem Vormittag des 6. Juni 2018 hätte bearbeiten können. C. Das KIGA schloss mit Vernehmlassung vom 24. Oktober 201 8 auf teilweise Gutheis- sung der Beschwerde. Es beantragte die Reduktion der Ein stelltage von acht Tagen auf sieben Tage. Zur Begründung wurde vorgebracht, dass die Erh öhung der fünf Einstelltage aufgrund erstmals verspäteter Arbeitsbemühungen zu Unrecht um drei weitere Einstelltage erfolgt sei. Eine der drei Vorsanktionen hätte nicht berücksichtigt werden dürfen. Die am 15. Februar 2017 erfolgte Einstellung wegen mangelnder Arbeitsbemühungen sei in eine Zeit gefallen, für die der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung negiert worden sei. In der Folge seien die Einstelltage nie vollzogen worden. Zu Unrecht hätten sie aber in de r Berechnung der Vorsanktionen Ein- gang gefunden. Sollte das Gericht wider Erwarten nicht von fehlenden (bzw. zu spät eingereich- ten) Arbeitsbemühungen ausgehen, so beantragte das KIGA eventualiter eine Rückweisung zur inhaltlichen Prüfung der Arbeitsbemühungen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art . 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische A rbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 kann der Bundesrat die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts i n Abweichung von Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Ok- tober 2000 regeln. Laut Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenver- sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31 . August 1983 ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Versicherungsgericht desselben Kantons zuständig. Anfechtun gsobjekt des vorliegenden Ver- fahrens bildet ein Einspracheentscheid, den das KIGA als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art . 85 AVIG erlassen hat, sodass die örtliche Zuständigkeit d es Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ver- sicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig . Auf die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 6. August 2018 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob das KIGA die Beschwerdefüh- rerin zu Recht für die Dauer von acht Tagen in der An spruchsberechtigung eingestellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 183.50 beläuft sich der Streitwe rt somit auf Fr. 1'468.--. Die Angelegen- heit ist folglich präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arb eitsamts alles Zumutbare unterneh- men, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bish erigen Berufes. Sie muss die Bemü- hungen nachweisen können. Bei der Beurteilung der F rage, ob sich eine versicherte Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nu r die Quantität, sondern auch die Quali- tät ihrer Bewerbungen von Bedeutung (BGE 112 V 217 E . 1b mit Hinweisen; Urteil des Bun- desgerichts vom 7. August 2006, C 90/06, E. 1 mit Hinw eisen). Gemäss der Verwaltungspraxis werden in der Regel durchschnittlich zehn bis zwölf Bewe rbungen pro Monat verlangt, wobei stets auch die Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. April 2005, C 10/05, E. 2.3.1). Dabei sind di e persönlichen Umstände und Möglichkei- ten der versicherten Person zu beachten wie Alter, Sch ul- und Berufsausbildung sowie die Usanzen des für sie in Betracht fallenden Arbeitsmarkts (BGE 120 V 78 E. 4a). Die ungenügen- den Arbeitsbemühungen müssen für die verlängerte Arbe itslosigkeit kausal sein. Dies ist nicht der Fall, wenn die versicherte Person innert nützlicher F rist trotzdem eine neue Anstellung fin- det (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 38). 2.2 Die versicherte Person muss sich möglichst frühzeitig, sp ätestens jedoch am ersten Tag, für den sie Arbeitslosenentschädigung beansprucht, persön lich bei ihrer Wohngemeinde oder der vom Kanton bestimmten zuständigen Amtsstelle zur Ar beitsvermittlung melden und von da an die Kontrollvorschriften des Bundesrats befolgen (Art. 17 Abs. 2 AVIG). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitsl osenkasse respektive die kantonale Amtsstelle die Einstellung in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung bezweckt mit hin eine angemessene Mitbeteili- gung der versicherten Person an jenem Schaden, den sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung natürlich und adäquat kausal zugefügt hat (BGE 124 V 227 E. 2b; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juni 2011, 8C _271/2011, E. 2.2). Die Einstellung hat folglich die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern könne n. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensp rinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bun desverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, Basel/Genf/München 2016, S. 2511 ff.). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3.1 Gemäss Art. 26 AVIV muss sich die versicherte Person ge zielt um Arbeit bemühen, in der Regel in Form einer ordentlichen Bewerbung (Abs. 1). Sie muss den Nachweis der Arbeits- bemühungen für jede Kontrollperiode spätestens am fü nften Tag des folgenden Monats oder am ersten auf diesen Tag folgenden Werktag einreichen. Die Arbeitsbemühungen werden nicht mehr berücksichtigt, wenn sie die Frist verstreichen lässt und keinen entschuldbaren Grund geltend macht (Abs. 2). Die zuständige Amtsstelle über prüft die Arbeitsbemühungen der versi- cherten Person monatlich (Abs. 3). Das Bundesgericht ha t diese geänderte Verordnungsbe- stimmung als gesetzmässig beurteilt. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann di- rekt ausgesprochen werden, wenn die Arbeitsbemühungen ni cht innert der Frist von Art. 26 Abs. 2 AVIV eingereicht werden, ohne dass eine zusätzliche Frist gewährt werden muss. Es spielt keine Rolle, ob die Belege später, zum Beispiel in einem Einspracheverfahren, vorgelegt werden (BGE 139 V 164). 2.3.2 Mittels Abgabe des Formulars "Nachweis der persön lichen Arbeitsbemühungen" wird die versicherte Person darauf aufmerksam gemacht, dass di e Arbeitsbemühungen nicht be- rücksichtigt werden können, wenn sie die Frist verstreichen lässt und keinen entschuldbaren Grund geltend macht. Von einer Setzung einer Nachfrist wird – ausser bei objektiver Verhinde- rung – abgesehen (AVIG-Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirtschaft [seco] vom Januar 2013 [nachfolgend: AVIG-Praxis] Rz. B324 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten erg ebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Verweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Zu beachten ist, dass der Un tersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig ausschl iesst. Im Sozialversicherungspro- zess tragen die Parteien in der Regel eine Beweislast nu r insoweit, als im Falle der Beweislo- sigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei auszufall en hat, die aus dem unbewiesen ge- bliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese B eweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der z umindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO i.V.m. Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht darf eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, w enn sie von ihrem Bestehen über- zeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, S. 135). I m Sozialversi- cherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Bew eisgrad der überwiegenden Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eine s bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als d ie wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195 E. 2; 121 V 47 E. 2a; 121 V 208 E. 6b). 4. Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin ihre Arbei tsbemühungen für den Monat Mai 2018 dem RAV Münchenstein rechtzeitig übergeben hat. In d iesem Zusammenhang ist darauf hin- zuweisen, dass die versicherte Person die Arbeitsbemühunge n spätestens am letzten Tag der Frist – in casu am 5. Juni 2018 – dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post übergeben haben muss (AVIG-Praxis Rz. B324). Gemäss den Akten stellte die Beschwerdeführerin ihrem Berater drei Arbe itsbemühungen am 6. Juni 2018 um 9 Uhr 35 per E-Mail zu. Damit ist die Zustellung unbest rittenermassen knapp zehn Stunden zu spät erfolgt. Wenn die Beschwerdeführerin moniert, da ss ihr Berater die Arbeitsbemühungen auch bei rechtzeitiger Zustellung nicht vor dem Morgen d es 6. Juni 2018 geprüft hätte, ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Zustellung zu spät er folgt ist. Dementsprechend sind die Arbeitsbemühungen nicht mehr zu berücksichtigen, es sei d enn die Beschwerdeführerin könne einen entschuldbaren Grund vorbringen. 5.1 Es ist somit zu prüfen, ob die Vorbringen der Beschw erdeführerin einen entschuldba- ren Grund für den verspäteten Nachweis der Arbeitsbem ühungen für den Monat Mai 2018 bil- den. An das Vorliegen entschuldbarer Gründe werden gr undsätzlich strenge Anforderungen geknüpft. Es können nur gewichtige Gründe anerkannt werden wie etwa höhere Gewalt, Krank- heit oder Unfall, die es der versicherten Person in un vorhersehbarer Weise verunmöglichen, ihren Pflichten nachzukommen (vgl. Urteil des Verwaltun gsgerichts des Kantons Zug vom 28. Juli 2005, S 2005/72, E. 2.2). Sie liegen demnach nur vor, wenn die säumige Partei aus hinreichenden, objektiven oder subjektiven Gründen davo n abgehalten worden ist, fristgerecht zu handeln oder eine Vertretung zu bestellen und wenn ihr auch keine Nachlässigkeit vorzuwer- fen ist. Es muss sich um Gründe von einigem Gewicht handeln (vgl. auch MERKLI /A ESCHLIMANN /H ERZOG , Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 43 N 8 f.). Im Rahmen der Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsab klärung hat die versicherte Person hierfür zweckdienliche Beweismittel beizubringen (BGE 124 V 239 E. 4 b/bb). 5.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei im Mai 2 018 teils zu 100 %, teils zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Ausserdem sei sie nach 22 Jahre n aus der grossen Familienwohnung ausgezogen. Den Umzug habe sie aufgrund geringer fin anzieller Mittel alleine bewältigen müs- sen. Trotz dieser Umstände habe sie dennoch drei Arbeitsbemühungen nachweisen können. 5.3 Pract. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie , attestierte mit Arztzeugnis vom 3. Mai 2018 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 16 . April 2018 bis 6. Mai 2018. Mit ei- nem weiteren Arztzeugnis vom 3. Mai 2018 bestätigte er zudem eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % im Zeitraum vom 7. Mai 2018 bis 13. Mai 2018. Z wischen 14. Mai 2018 und 3. Juni 2018 sei seine Patientin laut Arztzeugnis vom 9. Mai 2018 weiterhin zu 50 % arbeitsunfähig. Gemäss Arztzeugnis vom 14. Juni 2018 habe die 50%-ige Arbeitsun fähigkeit vom 18. Juni 2018 bis Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Juli 2018 weiterbestanden. Ab 2. Juli 2018 sei sie gemäss Arztzeugnis vom 2. Juli 2018 wie- der voll arbeitsfähig. 5.4 Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem Einsprachee ntscheid vom 31. Juli 2018 davon aus, dass gemäss der AVIG-Praxis nur eine ausgewiesene vollständige Arbeitsunfähigkeit eine versicherte Person von der Pflicht zur Stellensuche zu befr eien vermag. Auch könne für eine solche Zeit die Einreichehandlung nicht erwartet werden . Da im vorliegenden Fall nur für den Zeitraum vom 16. April 2018 bis zum 6. Mai 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei, sei die Beschwerdeführerin nach diesem Zeitraum de r Pflicht zur Stellensuche und der Ob- liegenheit zur rechtzeitigen Einreichung der Nachweise beim zuständigen RAV unterlegen. Mangels 100%-iger Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vom 1 . Juni 2018 bis zum 5. Juni 2018 habe von ihr eine rechtzeitige Zustellung der Arbeitsbemühungen verlangt werden können. 5.5.1 Primär ist festzustellen, dass die AVIG-Praxis in Rz. B320 zwar festhält, dass während krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit auf den Nachweis von Arbeitsbemühungen zu verzichten ist. Es wird jedoch nicht ausgeführt, ob e s sich dabei um eine volle Arbeitsunfä- higkeit handeln muss. Das Bundesgericht führte dazu aus, dass es dem Versicherte n, der im relevanten Zeitraum der möglichen Einreichehandlung zu 50 % in der Arbeitsfähigkeit einge- schränkt ist, aus gesundheitlichen Gründen ohne weiteres m öglich ist, das geforderte Formular innert der unter aArt. 26 Abs. 2 bis AVIV noch vorgesehenen Nachfrist der Verwaltung zuzustel - len. Es weist zudem darauf hin, dass sogar zu 100 % arbei tsunfähige versicherte Personen für die Zeit der bestehenden Arbeitsunfähigkeit nicht zwa ngsläufig von der Pflicht zur Stellensuche befreit sind (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Septembe r 2006, C 164/05, E. 7). Erst Recht muss diesfalls bei einer teilweisen Arbeitsunfähigkeit di e rechtzeitige Zustellung der Arbeitsbe- mühungen an den RAV-Berater zumutbar sein. Mit Arztzeu gnis vom 9. Mai 2018 wurde der Beschwerdeführerin vom 14. Mai 2018 bis 3. Juni 2018 e ine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit attes- tiert. Im relevanten Zeitraum der möglichen Einreicheh andlung (1. Juni 2018 bis 5. Juni 2018) war sie folglich an zwei Tagen zu 100 % und an drei Tag en zu 50 % arbeitsfähig, womit ihr die rechtzeitige Zustellung der Arbeitsnachweise zumutbar war. 5.5.2 Weiter zu berücksichtigen ist das Urteil 8C_365/2016 , in welchem das Bundesgericht in Erwägung 4.3 ausführte, dass die Versicherte während der Zeit ihrer Arbeitsunfähigkeit ad- ministrative Formalitäten, insbesondere zwei Bewerbung en, bewerkstelligen konnte und es ihr damit ohne weiteres möglich gewesen wäre, die Bewerbun gen rechtzeitig bei ihrem Berater selbst abzugeben oder durch eine Drittperson abgeben zu lassen. Im vorliegenden Fall erstellte die Beschwerdeführerin drei Bewerbungen. Verfasst worde n sind sie am 15., 16. und 22. Mai 2018. Laut Arztzeugnis von pract. med. B.____ vo m 9. Mai 2018 war die Beschwerde- führerin im Zeitraum vom 14. Mai 2018 bis 3. Juni 2018 zu 50 % arbeitsunfähig. Damit wäre es ihr trotz teilweiser Arbeitsunfähigkeit also möglich g ewesen, Bewerbungen zu schreiben. Umso mehr hätte ihr sodann die rechtzeitige Zustellung ihrer Arbeitsbemühungen an den RAV-Berater möglich gewesen sein müssen. Damit ist der Beschwerdege gnerin zuzustimmen, dass die vor- liegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen keinen entschuldbaren Grund für die verspätete Zustellung der Arbeitsbemühungen darstellen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 Wenn die Beschwerdeführerin weiter moniert, dass es ihr aufgrund des Auszugs aus der langjährigen Familienwohnung nicht möglich war, d ie Arbeitsbemühungen rechtzeitig ihrem Berater zuzustellen, so kann ihr in dieser Hinsicht nicht gefolgt werden. Ein Umzug vermag die Aufhebung der arbeitsversicherungsrechtlichen Pflichten n icht zu rechtfertigen (Urteil des Bun- desgerichts vom 22. Juni 2007, C 258/06, E. 4.3; B ARBARA KUPFER BUCHER , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insol venzentschädigung, 4. Auflage, Zü- rich/Basel/Genf 2013, Art. 30 S. 174). 5.7 Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdeführe rin den Nachweis ihrer im Mai 2018 getätigten Arbeitsbemühungen ohne entschuldba ren Grund nicht innert der Frist ge- mäss Art. 26 Abs. 2 AVIV eingereicht hat. Die Verwaltu ng durfte daher mit gutem Grund davon ausgehen, dass keine Arbeitsbemühungen unternommen und somit die Schadenminderungs- pflicht verletzt wurde, weshalb sie die Beschwerdeführeri n zu Recht gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat (vgl. BGE 139 V 89 E. 6.2). 6.1 In einem nächsten Schritt gilt es die angemessene Dauer der Einstellung zu prüfen. Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem Verschulden, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Bei der Festlegung der Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung besteht für d ie anwendenden Behörden ein relativ grosser Ermessensspielraum. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abtei- lung des Kantonsgerichts bzw. deren präsidierende Person b ei Präsidialentscheiden die ange- fochtene Verfügung zwar auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen, sie greift jedoch bei der Beurteilung der durch die Vorinstanz angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspielraum ein. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesan wendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 141 V 365 E. 2.4). 6.2 Bei der Beurteilung dieses Ermessens ist im Einzelfa ll der vom seco als Aufsichtsbehör- de der Durchführungsorgane der Arbeitslosenversicherung herausgegebene Einstellraster zu berücksichtigen, welcher die Gewährung einer möglichst einheitlichen Rechtsanwendung in den Kantonen zum Ziel hat (vgl. NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 862). Der Einstellraster sieht für erstma li- ge zu spät eingereichte Arbeitsbemühungen während der Kontrollperiode bei leichtem Ver- schulden eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung vo n fünf bis neun Tagen vor (vgl. AVIG-Praxis Rz. D79 "Einstellraster" unter 1.E). 6.3 Die Beschwerdegegnerin ging im Einspracheentscheid vo m 31. Juli 2018 davon aus, dass eine Einstellung von acht Tagen angemessen sei. Zur Begründung brachte sie vor, dass die Einstelldauer von fünf Tagen für die erstmals verspä tete Einreichung der Arbeitsbemühun- gen gemäss Art. 45 Abs. 5 AVIV verlängert werde, wenn in den letzten zwei Jahren bereits Ein- stelltage gesprochen werden mussten. Im vorliegenden Fa ll seien drei Verfügungen des RAV vom 15. Februar 2017 (mangelhafte Arbeitsbemühungen vor Arbeitslosigkeit), vom 4. April 2018 (fehlende Arbeitssuchbemühungen vor Arbe itslosigkeit) und vom 4. April 2018 (fehlende Arbeitssuchbemühungen Monat Februar 2018) in die Beurteilung miteinzubeziehen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auch wenn die Verfügung vom 12. Juni 2018 noch eine Einstelldauer von elf Tagen vorsah, sei eine Reduktion auf acht Einstelltage in Würdigung aller Umstände, insbesondere der wiederhol- ten Pflichtverletzungen und in Nachachtung von Art. 45 Abs. 5 AVIV, als angemessen zu be- trachten und entsprächen dem leichten Verschulden. 6.4 In seiner Vernehmlassung vom 24. Oktober 2018 beant ragte das KIGA nunmehr die Reduktion der Einstelltage von acht auf sieben Tage. Es anerkannte die von der Beschwerde- führerin geltend gemachte Rüge, dass die Erhöhung de r fünf Einstelltage wegen erstmals zu spät eingereichten Arbeitsbemühungen nicht korrekt erfolgt sei. Die Verfügung vom 15. Februar 2017 wegen mangelnder Arbeitsbemühungen vor Stellenlo sigkeit falle in eine Zeit, für die der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung negiert worden se i. In der Folge seien diese Einstell- tage nie vollzogen worden, hätten aber in die Berechn ung der Vorsanktionen Eingang gefun- den. Es seien deshalb nur die beiden Einstellungsverfüg ungen vom 4. April 2018 straferhöhend ins Verschulden miteinzubeziehen, womit eine Einstelldaue r von sieben Tagen angemessen sei. Diesem Antrag ist stattzugeben. Gemäss der in Art. 26 Abs. 2 AVIV statuierten Fiktion ist die Beschwerdeführerin so zu behandeln, als hätte sie kei ne Arbeitsbemühungen nachgewie- sen. Die Vorinstanz hat mit der Einstellungsdauer von sieb en Tagen (fünf Tage wegen erstma- lig verspäteten Nachweises von Arbeitsbemühungen und je weils ein Tag für die beiden Vor- sanktionen vom 4. April 2018) den konkreten Umständen des Einzelfalls durch aus Rechnung getragen. Da im Übrigen keine weiteren Umstände ersicht lich sind, die ein weitergehendes Ab- weichen vom erwähnten Einstellraster des seco nahe legen würden, erweist sich die von der Beschwerdegegnerin beantragte Einstellung in der Ansp ruchsberechtigung von sieben Tagen als angemessen. 6.5 Daran ändern auch die Ausführungen der Beschwerde führerin nichts, wenn sie in der Beschwerde vom 6. August 2018 geltend macht, dass sie die Verspätung als sehr geringfügig und folgenlos betrachte, weshalb eine Sanktion in der Höhe von fünf Einstelltagen nicht ge- rechtfertigt sei. Ihr ist zuzustimmen, dass die Verspätung der Einreichehandlung sehr gering ist. Das Bundesgericht führte im Entscheid 8C_64/2012, E. 3.1 , aus, dass das kantonale Gericht den Rahmen seines Ermessens gewahrt hatte, indem es die Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung auf einen Einstelltag mit der Begründung reduziert hatte, dass es sich um eine erst- malige und nur kurze Verspätung bei der Einreichung d er Arbeitsbemühungen gehandelt habe. Im vorliegenden Fall handelt es sich zwar um eine sehr ku rze Verspätung von lediglich zehn Stunden. Selbst bei einer rechtzeitigen Zustellung hä tte der RAV-Berater die am Vormittag des 6. Juni 2018 um 9 Uhr 35 zustellten Arbeitsbemühunge n wohl nicht früher bearbeitet. Dennoch kommt diese Rechtsprechung nicht zur Anwendung, da es sich gemäss den Akten nicht um die erste Einstellung in der Anspruchsberechtigung handelt. Zudem hat das Bundesgericht lediglich eine Willkürprüfung vorgenommen. Es gilt zu beachten, d ass das kantonale Gericht nur mit Zu- rückhaltung in das Ermessen der Vorinstanz eingreift. Dazu besteht vorliegend kein Anlass. 6.6 Zusammenfassend ist damit nicht zu beanstanden, dass di e Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin wegen verspätet eingereichter Arbe itsbemühungen in der Anspruchsbe- rechtigung eingestellt hat. Die in der Vernehmlassung beantragte Einstelldauer von sieben Ta- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen erweist sich als angemessen. Die Beschwerde ist damit entsprechend dem Antrag der Be- schwerdegegnerin teilweise gutzuheissen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern teilweise gutgeh eissen, als in Abände- rung des Einspracheentscheids des KIGA Baselland vom 31. Ju li 2018 die Einstellungsdauer von acht Tagen auf sieben Tage he rabgesetzt wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht