<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2002.00304</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=106927&amp;W10_KEY=13013575&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2002.00304</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 13.11.2002</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/Einzelrichter</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Straf- und Massnahmenvollzug</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Vollzug der Landesverweisung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Beim Entscheid über den Vollzug der Landesverweisung (hier: des Ehemanns einer Doppelbürgerin der Schweiz und eines EU-Landes) ist einzig massgebend, wo die Resozialisierungschancen besser sind. Abgrenzung der Voraussetzungen von Fernhaltemassnahmen nach ANAG und Freizügigkeitsabkommen (E. 2a) sowie der strafrechtlichen Landesverweisung und der fremdenpolizeilichen Ausweisung (E. 2b). Die Resozialisierungschancen des Beschwerdeführers sind wegen seiner Heirat und seines hier lebenden Kindes in der Schweiz besser (E. 2c). Gutheissung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Besonderes Verwaltungsrecht (ohne...) ST: ANORDNUNG IM STRAF- UND MASSNAHMENVOLLZUG">ANORDNUNG IM STRAF- UND MASSNAHMENVOLLZUG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: AuslÃ¤nderrecht ST: AUFENTHALTSBEWILLIGUNG">AUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AUSWEISUNGSGRUND">AUSWEISUNGSGRUND</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EHELICH">EHELICH</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: LANDESVERWEISUNG">LANDESVERWEISUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PROBEWEISER AUFSCHUB">PROBEWEISER AUFSCHUB</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RESOZIALISIERUNG">RESOZIALISIERUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RESOZIALISIERUNGSCHANCE">RESOZIALISIERUNGSCHANCE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Ãbrige Rechtsgebiete UR: Straf- und Strafprozessrecht ST: STRAFRECHT, ALLGEMEINER TEIL">STRAFRECHT, ALLGEMEINER TEIL</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VATERSCHAFT">VATERSCHAFT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 7 lit. I ANAG</span><br/><span class="gerade">Art. 10 lit. IV ANAG</span><br/><span class="ungerade">Art. 7 lit. d FZA</span><br/><span class="gerade">Art. 3 Anhang I FZA</span><br/><span class="ungerade">Art. 5 Anhang I FZA</span><br/><span class="gerade">Art. 41 lit. Ziff.1 I StGB</span><br/><span class="ungerade">Art. 55 lit. II StGB</span><br/><span class="gerade">§ 43 lit. I g VRG</span><br/><span class="ungerade">§ 43 lit. II VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. A, alias C, geboren 1978, wurde von der Bezirks­­anwaltschaft Affoltern am 23. Juli 1998 wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz vom 26. MÃ¤rz 1931 Ã¼ber Aufenthalt und Niederlassung der AuslÃ¤nder (ANAG) mit sieben Tagen GefÃ¤ngnis un­ter Anrechnung von einem Tag Polizeiverhaft und Ansetzung einer Probezeit von zwei Jah­ren, welche spÃ¤ter widerrufen wurde, bestraft. Am 16. Novem­ber 1999 wurde er von der Bezirksanwaltschaft BÃ¼lach unter anderem wegen Ãbertretung von Art. 19a Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 1 Abs. 5 des BetÃ¤ubungsmittelgesetzes vom 3. Oktober 1951 (BetmG) mit zwei Monaten GefÃ¤ngnis unbedingt und einer Busse von Fr. 500.- bestraft. Mit Urteil des Bezirksgerichts BÃ¼lach vom 29. MÃ¤rz 2001 wurde er wegen mehrfacher Zu­wi­derhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-6 und mehrfacher Ãbertretung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG sowie Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG mit sieben Monaten GefÃ¤ngnis unter Anrechnung von 63 Tagen Untersuchungshaft und einer Busse von Fr. 3'000.- bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde nicht aufgeschoben. Mit Urteil des Bezirksgerichts ZÃ¼rich vom 5. Oktober 2001 wurde er der Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 4 ANAG, der Hinderung einer Amtshandlung im Sinn von Art. 286 des Strafgesetzbuchs (StGB) und der Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Art. 27 Abs. 1 des Waffengesetzes vom 20. Juni 1997 schuldig gesprochen und unter Anrechnung von 150 Tagen Untersuchungshaft mit zehn Monaten Ge­fÃ¤ngnis unbedingt bestraft. Zudem wurde er fÃ¼r die Dauer von fÃ¼nf Jahren des Landes verwiesen, wobei der Vollzug der Nebenstrafe nicht aufgeschoben wurde.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Auf Gesuch von A um vorzeitige Entlassung hin wurde mit Ver­fÃ¼gung des Amtes fÃ¼r Justizvollzug, Strafvollzugsdienst, vom 15. Januar 2002 angeordnet, Ersteren unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren bedingt aus dem Strafvollzug zu entlassen, frÃ¼hes­tens jedoch am 14. Februar 2002. Der Vollzug der Landesverweisung wurde nicht aufgeschoben. Am 14. Februar 2002 wurde A bedingt entlassen und ausgeschafft.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Mit Eingabe vom 20. Februar 2002 (und ErgÃ¤nzung vom 24. April 2002) liess A gegen die VerfÃ¼gung des Amtes fÃ¼r Justizvollzug vom 15. Januar 2002 bei der Direktion der Justiz und des Innern Rekurs erheben mit dem Antrag, der Vollzug der Landesverweisung sei probeweise aufzuschieben. Zur Hauptsache liess er auf die mittlerweile erfolgte Ehe­schliessung mit D, welche Schweizerin und zugleich auch spanische StaatsangehÃ¶rige ist, hinweisen, aber auch auf den Umstand, dass in der Schweiz ein Kind von ihm aus einer anderen Beziehung lebt. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Direktion der Justiz und des Innern wies mit VerfÃ¼gung vom 23. Juli 2002 den Rekurs ab.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>III. In der Folge gelangte A mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht und stellte die AntrÃ¤ge, die VerfÃ¼gung der Direktion der Justiz und des Innern vom 23. Juli 2002 sei aufzuheben und es sei das Amt fÃ¼r Justizvollzug des Kantons ZÃ¼rich anzuweisen, den Voll­zug der Landesverweisung probeweise aufzuschieben. Er verwies auf die in der Schweiz be­stehenden familiÃ¤ren Beziehungen und machte unter anderem geltend, vorliegend sei das seit dem 1. Juni 2002 in Kraft stehende Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schwei­zerischen Eidgenossenschaft einerseits und der EuropÃ¤ischen Gemein­schaft und ih­ren Mitgliedstaaten andererseits Ã¼ber die FreizÃ¼gigkeit (FreizÃ¼gigkeitsabkom­men, FZA) an­wendbar. GemÃ¤ss Art. 7 lit. d in Verbindung mit Art. 3 Anhang I FZA habe er den Anspruch, bei seiner Ehefrau Wohnung zu nehmen, da die Voraussetzungen zum Er­greifen einer Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme zum Schutz der Ã¶ffentlichen Ordnung und Si­cherheit gemÃ¤ss der Richtlinie 64/221/EWG vom 25. Februar 1964 (EG-ABl P 56 vom 4. April 1964, S. 850 ff.) vorliegend nicht gegeben seien. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Direktion der Justiz und des Innern beantragte in der am 30. September 2002 eingegangenen Vernehmlassung die Abweisung der Beschwerde mit dem Hinweis, es erstaune, dass sich der BeschwerdefÃ¼hrer zu einer RÃ¼ckkehr in sein Heimatland bereit erklÃ¤rt habe, obwohl er seine heutige Ehefrau bereits seit lÃ¤ngerem kannte. Das Amt fÃ¼r Justizvoll­zug beantragte ebenfalls die Abweisung der Beschwerde und stellte sich auf den Standpunkt, die Voraussetzungen fÃ¼r Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen seien auch gemÃ¤ss dem FreizÃ¼gigkeitsabkommen erfÃ¼llt. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Die Einzelrichterin zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. a) § 43 Abs. 1 lit. g in Verbindung mit Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) lÃ¤sst die Beschwerde gegen Anordnungen in Straf- und Polizeistrafsachen, einschliesslich Vollzug von Strafen und Massnahmen, unter anderem zu, so­­weit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht offen steht (vgl. auch § 27 Abs. 2 des kantonalen Straf- und Vollzugsgesetzes vom 30. Juni 1974 [StVG]).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Das Bundesgericht bejaht seine ZustÃ¤ndigkeit betreffend den Vollzug der Landesverweisung bei bedingter Entlassung (Art. 55 Abs. 2 StGB; BGE 118 IV 221 E. 1a, 122 IV 56; Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 43 N. 23 f.). Somit ist die ZustÃ¤ndig­keit des Verwaltungsgerichts gegeben.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Die Behandlung der Beschwerde fÃ¤llt in die einzelrichterliche Kompetenz, da es um eine Anordnung aufgrund der §§ 16, 17 Satz 1 und 21 StVG in Verbindung mit den §§ 1 f. und 5 lit. a der Justizvollzugsverordnung vom 24. Oktober 2001 geht (§ 38 Abs. 2 lit. b VRG).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen gemÃ¤ss den §§ 50 f. VRG Rechtsverletzungen (einschliesslich Ermessensmissbrauch, ‑Ã¼berschreitung und ‑unter­schrei­tung) sowie die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des (entscheidungswesentlichen) Sachverhalts gerÃ¼gt werden. Dem Verwaltungsgericht ist demgemÃ¤ss die ErmessensÃ¼berprÃ¼fung versagt (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 50 N. 81 und N. 91 letztes Beispiel).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. Vorab ist â gerade weil der BeschwerdefÃ¼hrer neu grundsÃ¤tzlich Anspruch auf den Verbleib bei seiner hier lebenden Ehefrau hÃ¤tte, welche im Besitz der schweizerischen und spanischen StaatsangehÃ¶rigkeit ist â auf das VerhÃ¤ltnis zwischen strafrechtlicher Landesverweisung einerseits und fremdenpolizeilicher Ausweisung sowie Aufenthaltsbewilligung andererseits einzugehen. Diese ZusammenhÃ¤nge sind bei der PrÃ¼fung, ob dem BeschwerdefÃ¼hrer der probeweise Aufschub der Landesverweisung zu gewÃ¤hren sei oder nicht, mitzuberÃ¼cksichtigen, da sie fÃ¼r die Frage seiner Zukunftsgestaltung und damit einhergehend seiner BewÃ¤hrungsaussichten von unmittelbarer Bedeutung sind. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>a) Sowohl Art. 7 Abs. 1 ANAG als auch Art. 7 lit. d in Verbindung mit Art. 3 Anhang I FZA geben dem auslÃ¤ndischen Ehegatten eines Schwei­zer BÃ¼rgers beziehungs­weise eines StaatsangehÃ¶rigen der Vertragsstaaten grundsÃ¤tzlich Anspruch, bei diesem leben zu dÃ¼rfen. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>aa) GemÃ¤ss Art. 7 Abs. 1 Satz 3 ANAG erlischt der Anspruch, wenn ein Ausweisungsgrund gemÃ¤ss Art. 10 Abs. 1 ANAG vorliegt, worunter insbesondere der Ausweisungs­grund der gerichtlichen Bestrafung wegen eines Verbrechens oder Vergehens fÃ¤llt (Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG). Das Bundesgericht hat den Grenzwert, von welchem an in der Regel keine Bewilligungen mehr erteilt werden, bei zwei Jahren Freiheitsstrafe angesetzt, wenn die mit einem Schweizer oder einer Schweizerin verheiratete auslÃ¤ndische Person um eine erstmalige Bewilligung ersucht oder nach nur kurzer Aufenthaltsdauer die Ver­­lÃ¤ngerung ihrer Bewilligung beantragt (BGE 120 Ib 6 E. 4b S. 14, 110 Ib 201). Diese "Zwei-Jahres-Regel" wurde allerdings vom EuropÃ¤ischen Gerichtshof fÃ¼r Menschenrechte mit Urteil vom 2. August 2001 (Nr. 54273/00, hudoc.echr.coe.int) in Sachen Boultif nicht geschÃ¼tzt beziehungsweise relativiert. Bei jenem BeschwerdefÃ¼hrer handelte es sich um ei­nen algerischen StaatsangehÃ¶rigen, der einen Mann brutal zusammengeschlagen hatte, um an dessen Geld zu gelangen, und deswegen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden war. Der Gerichtshof nahm an, dass fÃ¼r die schweizerische Ehefrau ein Leben in Algerien unzumutbar sei, ferner dass der BeschwerdefÃ¼hrer nur noch eine vergleichs­wei­se geringe Gefahr fÃ¼r die Ã¶ffentliche Ordnung darstellte, nachdem er sich wÃ¤hrend sechs Jah­ren bis zu seiner Ausreise nichts mehr hatte zuschulden kommen lassen und auch sonst als resozi­alisiert gelten konnte. Ansonsten deckten sich aber die Ausweisungskriterien weit­gehend mit jenen des Bundesgerichts (vgl. dazu Andreas ZÃ¼nd, Beendigung der auslÃ¤nderrechtlichen Anwesenheitsberechtigung, in: Bernhard Ehrenzeller [Hrsg.], Ak­tuelle Fragen des schweizerischen AuslÃ¤nderrechts, St. Gal­len 2001, S. 127 ff., insbe­sondere S. 171). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>bb) Nach Art. 5 Anhang I FZA dÃ¼rfen die aufgrund des Abkommens eingerÃ¤umten Rechte nur durch Massnahmen, die aus GrÃ¼nden der Ã¶ffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind, eingeschrÃ¤nkt werden, wobei unter anderem die Richtlinie Nr. 64/221/EWG massgebend ist. Danach vermag eine Gesetzesverletzung fÃ¼r sich allein (wie schon bisher) keine fremdenpolizeilichen Massnahmen zu begrÃ¼nden. Nach der stÃ¤ndigen Praxis des EuropÃ¤ischen Gerichtshofs muss zusÃ¤tzlich eine tatsÃ¤chliche und hinreichend schwere GefÃ¤hrdung vorliegen, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berÃ¼hrt. Schwerwiegende Taten wie Gewaltdelikte sind jedenfalls Straftaten, welche die "Grundinteressen der Gesellschaft" berÃ¼hren. Im Einzelfall kann bereits aus einer einmaligen Verur­teilung etwa wegen Drogenhandels hervorgehen, dass die fÃ¼r die Entfernungsmassnahmen notwendige GefÃ¤hrdung der Grundinteressen der Gesellschaft gegeben ist. Dabei ist die aus dem Verhalten der betroffenen Person zum Ausdruck kommende GesamtpersÃ¶nlichkeit zu berÃ¼cksichtigen. Bei schwerwiegenden Delikten kann je nach der Wichtigkeit der zu schÃ¼tzenden Interessen der Allgemeinheit bei der Wiederholungsgefahr ein etwas tieferer Massstab angesetzt werden (Zusatzbotschaft I vom 27. Mai 1992 zur EWR-Botschaft, BBl 1992 V 1 ff., 349; vgl. auch Martin Nyffenegger, GrundzÃ¼ge des FreizÃ¼gigkeitsabkom­mens unter besonderer BerÃ¼cksichtigung der Ãbergangsbestimmungen, in: Bernhard Ehrenzeller [Hrsg.], Aktuelle Fragen des schweizerischen AuslÃ¤nderrechts, St. Gallen 2001, S. 79 ff., insbesondere S. 95). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Die strafrechtliche Landesverweisung hat einen anderen Zweck als die fremdenpolizeiliche Ausweisung. Bei VerhÃ¤ngung der Ersteren stehen strafrechtliche Gesichtspunk­te im Vordergrund, wÃ¤hrend dem Entscheid der VerwaltungsbehÃ¶rde Ã¼ber die Auswei­sung fremdenpolizeiliche Kriterien zugrunde liegen. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>aa) Die strafrechtliche Landesverweisung ist Nebenstrafe und Sicherungsmassnahme zugleich. Dem Sicherungszweck kommt neben dem Strafzweck im Rahmen der VerhÃ¤n­gung der Nebenstrafe Bedeutung zu; indessen bleibt er unberÃ¼cksichtigt, wenn Ã¼ber den probeweisen Aufschub der Landesverweisung gemÃ¤ss Art. 55 Abs. 2 StGB entschieden wird. FÃ¼r diese Frage ist allein Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB massgebend, wobei zu prÃ¼fen ist, ob Vorleben und Charakter des Verurteilten erwarten lassen, er werde durch den Aufschub der Landesverweisung von weiteren Verbrechen und Vergehen abgehalten (BGE 114 Ib 1 E. 3a mit Hinweis). Strafrechtlich entscheidend ist der Resozialisierungsgedanke, nÃ¤mlich die Frage, ob die Schweiz oder das Heimatland die gÃ¼nstigere Voraussetzung fÃ¼r eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft biete (BGE 122 IV 56 E. 3a mit Hin­weisen). Zu berÃ¼cksichtigen sind dabei namentlich die persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnisse, die Beziehungen zur Schweiz, die FamilienverhÃ¤ltnisse, die ArbeitsmÃ¶glichkeiten und die soziale Integration (vgl. Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. A., ZÃ¼rich 1997, Art. 55 N. 6 mit Hinweisen).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>bb) DemgegenÃ¼ber steht fÃ¼r die FremdenpolizeibehÃ¶rde das Interesse der Ã¶ffentlichen Ordnung und Sicherheit im Vordergrund (BGE 125 II 105 E. 2b+c, 114 Ib 1 E. 3a, je mit Hinweisen).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>cc) WÃ¤hrend bei NichtverhÃ¤ngung einer Landesverweisung beziehungsweise bei deren probeweisem Aufschub die fremdenpolizeiliche Ausweisung immer noch mÃ¶glich ist, bindet eine unbedingte Landesverweisung im Sinn von Art. 55 StGB die FremdenpolizeibehÃ¶rden (Art. 10 Abs. 4 ANAG), und der AuslÃ¤nder, gegen den eine solche ausgesprochen worden ist, kann auch dann keine Aufenthaltsbewilligung erhalten, wenn er mit einer Schweizerin verheiratet ist (BGr, 10. Juli 2001, 6A.25/2001, E. 2b, www.bger.ch; BGE 124 II 289 E. 3).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) aa) Der inzwischen mit einer Schweizerin verheiratete BeschwerdefÃ¼hrer wurde insgesamt zu 19 Monaten und 7 Tagen Freiheitsstrafe verurteilt und erreicht damit die Gren­­ze der (vom EuropÃ¤ischen Gerichthof ohnehin kritisch gewÃ¼rdigten) "Zwei-Jahres-Regel" fÃ¼r eine Ausweisung nicht, wobei im Zusammenhang mit einer allfÃ¤lligen fremdenpolizeilichen Ausweisung, welche nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist, wohl auch zu be­achten wÃ¤re, dass der Ehefrau bei Eheabschluss die Ã¼ber den BeschwerdefÃ¼hrer verhÃ¤ng­te unbedingte Landesverweisung voll bewusst war und sie somit in Kauf nahm, vom Ehemann getrennt leben zu mÃ¼ssen. Ausserdem war sie in das Verfahren, welches mit Urteil des Bezirksgerichts BÃ¼lach vom 29. MÃ¤rz 2001 seinen Abschluss fand, involviert. Der BeschwerdefÃ¼hrer hatte unter anderem seiner heutigen Frau in der Zeit von ca. MÃ¤rz 1999 bis Juni 1999 in mehreren Malen insgesamt 20-30 Gramm Kokain geschenkt. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>bb) Im Weiteren dÃ¼rfte fraglich sein, ob die vom BeschwerdefÃ¼hrer begangenen De­likte die gemÃ¤ss Art. 5 Anhang I FZA fÃ¼r eine EinschrÃ¤nkung der Rechte erforderliche Schwere erreicht haben. Eine detaillierte Grenzziehung, wann genau aus GrÃ¼nden der "Ã¶ffent­lichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit" gemÃ¤ss Art. 5 Anhang I FZA die aufgrund des Abkommens eingerÃ¤umten Rechte eingeschrÃ¤nkt werden dÃ¼rfen, und AusfÃ¼hrungen da­rÃ¼ber, inwieweit das entsprechende Ergebnis einen Einfluss auf die im Raum stehende Frage des probeweisen Aufschubs der Landesverweisung haben kÃ¶nnte, brauchen vorliegend indessen nicht gemacht zu werden, wie sich sogleich zeigen wird.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>cc) Der BeschwerdefÃ¼hrer ist mittlerweile mit einer hier lebenden schweizerisch-spanischen DoppelbÃ¼rgerin verheiratet und diese ist gewillt, fÃ¼r seinen Unterhalt aufzukom­men, solange er keine Arbeit hat. Sie verfÃ¼gt Ã¼ber ein festes AnstellungsverhÃ¤ltnis und Ã¼ber eine eigene Wohnung. Es lÃ¤sst sich nicht widerlegen, dass die Ehe tragfÃ¤hig ist. Die Eheleute kennen sich seit lÃ¤ngerem. Die Heirat erfolgte, obwohl die Ehefrau wusste, dass der BeschwerdefÃ¼hrer verurteilt worden war und sich damit einhergehende Schwierigkeiten der Beziehung in den Weg stellen wÃ¼rden. Dennoch reiste sie nach Albanien, um ihn zu heiraten. Sie hat den BeschwerdefÃ¼hrer dort schon mehrfach besucht. Wenn auch nicht zu verkennen ist, dass sie in das Verfahren, welches in das Urteil des Bezirksgerichts BÃ¼lach vom 29. MÃ¤rz 2001 mÃ¼ndete, involviert war und daher gewisse Beden­ken bezÃ¼glich der BewÃ¤hrungsaussichten des BeschwerdefÃ¼hrers beim Zusammenleben mit seiner Frau nicht vollstÃ¤ndig aus dem Weg gerÃ¤umt werden kÃ¶nnen, Ã¼berwiegen dennoch die UmstÃ¤nde, welche fÃ¼r bessere Resozialisierungschancen in der Schweiz sprechen, erheblich. Jene strafrechtlich relevanten Sachverhalte, nÃ¤mlich das Verschenken von Kokain an seine heutige Frau, fielen in die Ã¼ber drei Jahre zurÃ¼ckliegende Zeit von ca. MÃ¤rz 1999 bis Juni 1999. Im Weiteren ist zu berÃ¼cksichtigen, dass nicht mehr davon auszugehen ist, dass der BeschwerdefÃ¼hrer und seine Ehefrau BetÃ¤ubungsmittel konsumieren. Als fÃ¼r die Beurteilung der Resozialisierungschancen in der Schweiz massgeblicher Umstand ist namentlich die durch die Heirat erfolgte Verlagerung der vorrangigen familiÃ¤ren Beziehung von Albanien in die Schweiz zu nennen. Dass sich der BeschwerdefÃ¼hrer anlÃ¤sslich der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug zur Ausreise bereit erklÃ¤rte, sagt entgegen der Ansicht der Vorinstanz nichts Entscheidendes Ã¼ber die Beziehung aus. Nicht zu verken­nen ist auch die Tatsache, dass ein Kind des BeschwerdefÃ¼hrers aus einer anderen Beziehung in der Schweiz lebt. Wenn auch davon auszugehen ist, dass der BeschwerdefÃ¼hrer zu diesem Kind bisher keine oder keine wesentliche Beziehung gehabt hat, so lÃ¤sst sich nicht widerlegen, dass dies primÃ¤r auf Ã¤ussere UmstÃ¤nde zurÃ¼ckzufÃ¼hren war. Immerhin hat der BeschwerdefÃ¼hrer anlÃ¤sslich der Verhandlung vor dem Bezirksgericht ZÃ¼rich danach gefragt, ob er trotz Landesverweisung ein Visum erhalten kÃ¶nnte, um das Kind zu be­suchen. Aus­serdem hat er versucht, in Kontakt zu seiner Tochter zu treten. Der Wunsch des Vaters, den Kontakt zu seinem Kind herzustellen und zu vertiefen, sollte nicht leichthin ohne nÃ¤here AbklÃ¤rung der UmstÃ¤nde als blosse Schutzbehauptung abgetan werden (vgl. BGE 116 IV 283 E. 2c). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>In GesamtwÃ¼rdigung all dieser UmstÃ¤nde ergibt sich, dass der BeschwerdefÃ¼hrer durch die Aufrechterhaltung des Vollzugs der Landesverweisung Ã¼beraus hart getroffen wÃ¼rde und seine ResozialisierungsmÃ¶glichkeiten beeintrÃ¤chtigt wÃ¤ren, welche jedoch gerade durch die Beziehung zu seiner hier lebenden und berufstÃ¤tigen Frau sowie zu seinem Kind gegeben wÃ¤ren. Diese wichtigen persÃ¶nlichen Beziehungen mÃ¼ssen hier den Ausschlag geben, wo im Ãbrigen keine speziellen GrÃ¼nde fÃ¼r wesentlich bessere Resozialisierungschancen in Albanien sprechen; schliesslich ist die Vorinstanz bei der WÃ¼rdigung der Ã¼brigen massgeblichen Gesichtspunkte, insbesondere der Chancen des BeschwerdefÃ¼hrers auf dem Arbeitsmarkt, selber nur zum Schluss gekommen, die Integrationschancen in Albanien seien "[z]umindest ... nicht schlechter als in der Schweiz", wogegen nichts einzuwen­den ist. Die angefochtene Entscheidung steht demnach im Widerspruch zum Erfordernis, die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug derart zu gestalten, dass eine erneute Straf­fÃ¤lligkeit mÃ¶glichst vermieden werden kann (BGE 116 IV 283 E. 2d). Es ist daher die Grenze des Ermessens, dessen PrÃ¼fung dem Verwaltungsgericht nicht zusteht, Ã¼berschritten worden, weshalb gestÃ¼tzt auf die gemachten ErwÃ¤gungen der vor- und teilweise der erst­instanzliche Entscheid aufzuheben sind (BGE 116 IV 283 E. 2a). Da die VollzugsbehÃ¶r­de mit dem probeweisen Aufschub der Landesverweisung Bedingungen verknÃ¼pfen kann (GÃ¼nter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, Strafen und Massnahmen, Bern 1989, S. 210), ist die Sache direkt an die Erstinstanz zurÃ¼ckzuweisen (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 64 N. 6). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>An dieser Stelle ist nochmals ausdrÃ¼cklich darauf hinzuweisen, dass die GewÃ¤hrung des probeweisen Aufschubs der Landesverweisung die FremdenpolizeibehÃ¶rden weder da­ran hindert, allenfalls eine Ausweisung zu verhÃ¤ngen, noch dazu verpflichtet, dem mit einer Einreisesperre behafteten BeschwerdefÃ¼hrer eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. ... </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet die Einzelrichterin:</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1.<span> </span></span><span>Die Beschwerde wird gutgeheissen. Dispositiv-Ziffern I und II der VerfÃ¼gung der Direk­tion der Justiz und des Innern des Kantons ZÃ¼rich vom 23. Juli 2002 sowie der fettgedruckte Teil von Dispositiv-Ziffer I bezÃ¼glich des Vollzugs der gerichtlichen Landes­verweisung und Dispositiv-Ziffer III der VerfÃ¼gung des Amts fÃ¼r Justizvollzug des Kantons ZÃ¼rich, Strafvollzugsdienst, vom 15. Januar 2002 werden aufgehoben.<br/> <br/> Die Sache wird im Sinn der ErwÃ¤gungen zum Neuentscheid an das Amt fÃ¼r Justizvollzug des Kantons ZÃ¼rich, Strafvollzugsdienst, zurÃ¼ckgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>...</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>