<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2021.00596</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=222310&amp;W10_KEY=13013465&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2021.00596</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 26.04.2022</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 29.09.2023 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Familiennachzug</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Abweisung Familiennachzugsgesuch und Widerruf der Niederlassungsbewilligung: Der Beschwerdeführer ist zum dritten Mal verheiratet. Während der zweiten Ehe hat er mit seiner heutigen Ehefrau ein Kind gezeugt. Er ersucht um Nachzug seiner Ehefrau und des gemeinsamen Kindes. Umstritten ist, ob es sich bei den zwei ersten Ehen um Scheinehen gehandelt hat.] Der Sachverhalt lässt sich hinreichend anhand der ergänzten Akten beurteilen, weshalb weder eine mündliche Verhandlung noch eine Zeugenbefragung durchzuführen ist (E. 2). Sowohl bei der ersten Ehe des Beschwerdeführers als auch bei der zweiten liegen gewichtige Indizien dafür vor, dass diese ausschliesslich aus ausländerrechtlichen Motiven geschlossen wurden. Die Verlängerungen der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und die vorzeitige Erteilung der Niederlassungsbewilligung erfolgten unter falschen Angaben (E. 4). Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung erweist sich trotz guter Integration als verhältnismässig. Damit entfällt auch die Grundlage für den Nachzug der Ehefrau und des gemeinsamen Kindes (E. 5). </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=57516" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2021.00596</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">26. April 2022</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Elisabeth Trachsel, Ersatzrichterin Beryl Niedermann, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Linda Rindlisbacher. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1. A, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2. B, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>3. C,</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> Nr. 3 vertreten durch Nr. 1 + 2,</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoBodyText">diese vertreten durch RA D, </p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrende, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Familiennachzug,</span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>A, ein 1984 geborener kubanischer StaatsangehÃ¶riger, reiste am 26. Dezember 2013 in die Schweiz ein und heiratete am 10. MÃ¤rz 2014 in Dietikon die italienische StaatsangehÃ¶rige E, geboren 1975, und erhielt in der Folge eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA fÃ¼r den Kanton ZÃ¼rich. Am 28. Oktober 2014 wurde die Ehe geschieden. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Am 7. Februar 2015 heiratete A die Schweizerin F, geboren 1970, und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau. Im Jahr 2017 wurde in Las Tunas, Kuba, C geboren, das gemeinsame Kind von A und der kubanischen StaatsangehÃ¶rigen B, geboren 1984. Am 19. November 2019 wurde die Ehe zwischen A und F vom Bezirksgericht Winterthur geschieden, nachdem die Ehegatten seit Mitte Mai 2019 getrennt gelebt hatten. Am 27. Januar 2020 wurde A auf Gesuch hin vorzeitig eine Niederlassungsbewilligung erteilt. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Am 20. MÃ¤rz 2020 ersuchte B um eine Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Heirat mit A. Am 4. September 2020 heirateten A und B, in der Folge ersuchte B am 7. September 2020 um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehegatten. Am 15. Dezember 2020 ersuchten die Ehegatten um eine Einreisebewilligung fÃ¼r das gemeinsame Kind C. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>D. </b>Mit Schreiben vom 22. Dezember 2020 gewÃ¤hrte das Migrationsamt A Gelegenheit zur Stellungnahme betreffend Umgehung der auslÃ¤nderrechtlichen Bestimmungen. Mit VerfÃ¼gung vom 27. Mai 2021 widerrief das Migrationsamt die Niederlassungsbewilligung von A und wies das Gesuch von B um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung sowie das Gesuch des gemeinsamen Sohnes C um eine Einreisebewilligung ab. Es wies A und B aus der Schweiz weg und setzte ihnen eine Frist zum Verlassen des schweizerischen Staatsgebiets bis zum 27. August 2021. </p> <p class="Urteilstext"><b>II.</b><br/> A, B und C erhoben am 30. Juni 2021 Rekurs gegen die VerfÃ¼gung des Migrationsamts vom 27. Mai 2021. Die Sicherheitsdirektion wies den Rekurs am 3. August 2021 ab und setzte A und B eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz bis zum 2. November 2021. </p> <p class="Urteilstext"><b>III.<br/> </b>Hiergegen erhoben A, B und C Beschwerde an das Verwaltungsgericht, mit den AntrÃ¤gen, der Entscheid der Vorinstanz vom 3. August 2021 sei aufzuheben und es sei davon abzusehen, die Niederlassungsbewilligung von A zu widerrufen. Weiter sei das Gesuch von B um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gutzuheissen wie auch das Gesuch von C um Erteilung einer Einreisebewilligung. A und B sei der weitere Aufenthalt in der Schweiz zu gewÃ¤hren, alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten des Beschwerdegegners.</p> <p class="Urteilstext">Sodann stellten A, B und C den Antrag, es sei eine mÃ¼ndliche Verhandlung anzuordnen und anlÃ¤sslich dieser sei F anzuhÃ¶ren. </p> <p class="Urteilstext">Das Migrationsamt reichte keine Beschwerdeantwort ein. Die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion verzichtete mit Schreiben vom 9. September 2021 auf Vernehmlassung. </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2">Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen einschliesslich Ermessensmissbrauch, ErmessensÃ¼berschreitung und Ermessensunterschreitung sowie die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhaltsverhalts gerÃ¼gt werden, nicht aber die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheids (§ 50 Abs. 1 in Verbindung mit § 20 Abs. 1 <span>des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]</span>).</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b><b> </b></p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrenden beantragen die DurchfÃ¼hrung einer mÃ¼ndlichen Verhandlung, an welcher die frÃ¼here Ehefrau des BeschwerdefÃ¼hrers 1 anzuhÃ¶ren sei. GemÃ¤ss Art. 6 Abs. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) besteht bei Streitigkeiten Ã¼ber zivilrechtliche AnsprÃ¼che und Verpflichtungen sowie bei strafrechtlichen Anklagen Anspruch auf eine Ã¶ffentliche Verhandlung (V<span>Gr, 18. November 2020, 2C_933/2019, E. 3.2.3; BGE 137 I 128 E. 4.4.2). Ausserhalb des Anwendungsbereichs von Art. 6 Abs. 1 EMRK liegt die DurchfÃ¼hrung einer mÃ¼ndlichen Verhandlung im Ermessen des Verwaltungsgerichts (§ 59 VRG; vgl. Marco Donatsch in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 59 N. 5). Es sieht von einer mÃ¼ndlichen Verhandlung ab, wenn die Akten nach durchgefÃ¼hrtem Schriftenwechsel eine hinreichende Entscheidungsgrundlage bieten. Vorliegend lÃ¤sst sich der Sachverhalt hinreichend anhand der ergÃ¤nzten Akten beurteilen und es ist daher weder eine mÃ¼ndliche Verhandlung noch eine Zeugenbefragung durchzufÃ¼hren. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.1 </b>GemÃ¤ss Art. 2 Abs. 2 des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG) gilt dieses Gesetz fÃ¼r StaatsangehÃ¶rige eines Mitgliedstaats der EuropÃ¤ischen Gemeinschaft (heute EuropÃ¤ische Union [EU]) nur insoweit, als das FreizÃ¼gigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA) keine abweichenden Bestimmungen enthÃ¤lt oder das AIG gÃ¼nstigere Bestimmungen vorsieht. StaatsangehÃ¶rige aus EU-Staaten dÃ¼rfen hierbei nicht aufgrund ihrer StaatsangehÃ¶rigkeit diskriminiert werden (Art. 2 FZA).</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.2 </b>GestÃ¼tzt auf Art. 7 lit. d und e FZA in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 und 2 lit. a Anhang I FZA haben Ehegatten von EU-StaatsangehÃ¶rigen mit Aufenthaltsrecht in der Schweiz ungeachtet der eigenen StaatsangehÃ¶rigkeit das Recht, bei diesen Wohnung zu nehmen und eine ErwerbstÃ¤tigkeit auszuÃ¼ben. Dieses abgeleitete Aufenthaltsrecht knÃ¼pft an den formellen Bestand der Ehe an und darf grundsÃ¤tzlich nicht vom Erfordernis des Zusammenlebens abhÃ¤ngig gemacht werden (vgl. BGE 130 II 113= Pr 93 [2004] Nr. 171, E. 8 f.; EuGH, 13. Februar 1985, Rs. 267/83, Diatta, Slg. 1985, 567 ff., N. 18 ff.). Damit gehen die freizÃ¼gigkeitsrechtlichen AnsprÃ¼che Ã¼ber die innerstaatliche Regelung hinaus, wonach auslÃ¤ndische Ehegatten von Schweizer BÃ¼rgern oder hier niedergelassenen Personen nur Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung haben, wenn die Ehegatten zusammenwohnen (Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 lit. a AIG).</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.3 </b><span>Der Aufenthaltsanspruch des auslÃ¤ndischen Ehegatten nach Art. 3 Abs. 1 und 2 Anhang I FZA steht jedoch unter dem Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs: Demnach erscheint es rechtsmissbrÃ¤uchlich, sich auf eine lediglich formell fortbestehende Ehe zu berufen, wenn diese ausschliesslich (noch) dazu dient, auslÃ¤nderrechtliche Zulassungsvorschriften zu umgehen. Dies ist bei einer getrennten, definitiv gescheiterten und inhaltsleeren Ehe zu vermuten. Eine solche ist insbesondere anzunehmen, wenn der Ehewille mindestens eines Ehegatten definitiv erloschen ist (vgl. BGE 130 II 113= Pr 93 [2004] Nr. 171, E. 4.2 und 9; BGE 139 II 393, E. 2.1; VGr, 21. Februar 2017, VB.2016.00758, E. 2.1).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>3.2.1 </b>AuslÃ¤ndische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern haben Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 4<span>2 Abs. 1 AIG). Nach einem ordnungsgemÃ¤ssen und ununterbrochenen Aufenthalt von fÃ¼nf Jahren haben die Ehegatten Anspruch auf Erteilung der Niederlassungsbewilligung, wenn die Integrationskriterien nach Art. 58a AIG erfÃ¼llt sind. </span></p> <p class="Erwgung3"><b>3.2.2 </b>Eine aufgrund einer Ehe mit einer Schweizerin gestÃ¼tzt auf Art. 42 Abs. 3 AIG erteilte Niederlassungsbewilligung kann gemÃ¤ss Art. 63 Abs. 1 lit. a AIG in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. a AIG widerrufen werden, wenn die Person auslÃ¤ndischer StaatsangehÃ¶rigkeit im Bewilligungsverfahren f<span>alsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen verschwiegen hat, um gestÃ¼tzt darauf den Aufenthalt bzw. die Niederlassung bewilligt zu erhalten (BGE 142 II 265 E. 3.1; BGr, 19. Februar 2019, 2C_403/2018, E. 3 mit weiteren Hinweisen). Der betreffende Widerrufsgrund ist namentlich dann gegeben, wenn die BehÃ¶rde Ã¼ber den fehlenden Willen zur Aufnahme einer tatsÃ¤chlichen ehelichen Lebensgemeinschaft im Sinn von Art. 42 Abs. 1 und 3 AIG getÃ¤uscht wird (sogenannte Schein-, AuslÃ¤nderrechts- oder Umgehungsehe, vgl. BGE 142 II 265 E. 3.1, 135 II 1 E. 4.2; BGr, 17. August 2018, 2C_169/2018, E. 2.1).</span> Eine solche liegt vor, wenn die Ehegatten von vornherein keine echte eheliche Gemeinschaft beabsichtigten, sondern die Beziehung nur aus aufenthaltsrechtlichen Ãberlegungen eingegangen sind (BGE 139 II 393 E. 2.1, mit Hinweisen). Auf eine AuslÃ¤nderrechtsehe kann umgekehrt nicht schon dann geschlossen werden, wenn auslÃ¤nderrechtliche Motive fÃ¼r den Eheschluss mitentscheidend waren. Erforderlich ist, dass der Wille zur FÃ¼hrung der Lebensgemeinschaft im Sinne einer auf Dauer angelegten wirtschaftlichen, kÃ¶rperlichen und spirituellen Verbindung zumindest bei einem der Ehepartner fehlt (BGr, 11. MÃ¤rz 2019, 2C_746/2018, E. 4.2 â mit Hinweisen). </p> <p class="Erwgung3"><b>3.2.3 </b>Als Indizien fÃ¼r das Vorliegen einer Scheinehe gelten insbesondere die UmstÃ¤nde des Kennenlernens und der Beziehung, wie beispielsweise eine Heirat erst kurz nach dem Kennenlernen oder geringe Kenntnisse Ã¼ber den Ehegatten. <span>Sodann kann der Umstand, dass der Ehegatte ohne Heirat keine Aufenthaltsbewilligung hÃ¤tte erlangen kÃ¶nnen, zumindest zusammen mit weiteren Indizien auf eine Scheinehe hinweisen. Weitere Indizien sind z.</span><span> </span><span>B. die kurze Dauer der Bekanntschaft, ein erheblicher Altersunterschied zwischen den Ehepartnern oder die Vereinbarung einer Bezahlung fÃ¼r die Eheschliessung sowie das FÃ¼hren einer ausserehelichen Beziehung (VGr, 10. November 2021, VB.2021.00254, E. 3.3; VGr, 17. April 2019, VB.2019.00180, E. 2.4.2; VGr, 12. Mai 2016, VB.2015.00407, E. 2.3). Im Zusammenhang mit einer ausserehelichen Beziehung ist deren QualitÃ¤t entscheidend. Ein einzelner Seitensprung stellt den Fortbestand einer Ehegemeinschaft noch nicht Frage, indes kann der Nachweis einer parallel gefÃ¼hrten Liebesbeziehung zusammen mit weiteren Indizien den Fortbestand des ehelichen Zusammenlebens ernsthaft in Zweifel ziehen (BGr, 9. Dezember 2019, 2C_718/2019, E. 3.2 mit Hinweisen; VGr, 29. Mai 2019, VB.2019.00207, E. 2.4 (vgl. BGr, 29. August 2013, 2C_75/2013, E. 3.3; BGr, 16. Juli 2010, 2C_205/2010, E. 3.2; VGr, 26. August 2015, VB.2015.00325, E. 5.1)<b>.</b></span></p> <p class="Erwgung3"><b>3.2.4 </b><span>Die vorliegenden Indizien sind im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu wÃ¼rdigen. Die VerwaltungsbehÃ¶rde kann sich daher veranlasst sehen, von bekannten Tatsachen auf unbekannte zu schliessen. Dabei handelt es sich um Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezogen werden. Spricht die Vermutung fÃ¼r eine vorhandene TÃ¤uschungsabsicht im Zeitpunkt der Bewilligungserteilung, obliegt es dem zur Mitwirkung verpflichteten Betroffenen, die Vermutung durch den Gegenbeweis bzw. durch das Erwecken erheblicher Zweifel an deren Richtigkeit umzustÃ¼rzen (BGr, 27. Januar 2020, 2C_950/2019, E. 3.1 â 9. Juni 2008, 2C_60/2008, E. 2.2.2; BGE 130 II 482 E. 3.2 mit Hinweisen; VGr, 26. September 2019, VB.2019.00266, E. 3.1 Abs. 2).</span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>4.1.1 </b><span>Der BeschwerdefÃ¼hrer 1 war in erster Ehe mit einer italienischen StaatsangehÃ¶rigen verheiratet und erhielt aufgrund dieser Ehe in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA. Er konnte sich somit wÃ¤hrend der formellen Dauer seiner Ehe grundsÃ¤tzlich auf einen abgeleiteten Aufenthaltsanspruch nach den genannten Bestimmungen des FZA berufen. Die Ehe hielt bis zur Scheidung indes nur wenige Monate und es bestehen </span>zahlreiche Indizien fÃ¼r eine Scheinehe, <span>weshalb die Berufung auf die Ehe nach dargelegter bundesgerichtlicher Praxis rechtsmissbrÃ¤uchlich erscheint.</span> </p> <p class="Urteilstext">Der BeschwerdefÃ¼hrer 1 konnte sich anlÃ¤sslich der polizeilichen Einvernahme vom 17. August 2020 nicht mehr an das Geburtsdatum seiner ersten Ehefrau erinnern, auch nicht an ihren Jahrgang. In seiner Stellungnahme vom 16. Februar 2021 machte der BeschwerdefÃ¼hrer 1 geltend, er sei anlÃ¤sslich dieser Einvernahme sehr nervÃ¶s gewesen und habe zudem zu Unrecht keinen Dolmetscher erhalten. Letzteres widerspricht der Angabe in der Beschwerdeschrift, wonach der BeschwerdefÃ¼hrer 1 die deutsche Sprache spreche und auch der Tatsache, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 1 das Deutsch-Zertifikat B1 bereits im Jahr 2016 erworben hatte. Zudem erscheint es als weit hergeholt, dass NervositÃ¤t dazu fÃ¼hrt, den Jahrgang der Ehefrau zu vergessen, zumal der BeschwerdefÃ¼hrer 1 ohne Weiteres in der Lage war, die Ã¼brigen Fragen zu verstehen und zu beantworten. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.1.2 </b>Die erste Ehefrau des BeschwerdefÃ¼hrers 1 ist acht Jahre Ã¤lter als dieser, bezog zum Zeitpunkt der Eheschliessung eine IV-Teilrente und erzielte ein Einkommen von rund Fr. 1'570.- pro Monat. UngÃ¼nstige finanzielle VerhÃ¤ltnisse des aufenthaltsberechtigten Ehegatten kÃ¶nnen unter anderem ein Indiz fÃ¼r eine Scheinehe darstellen. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.1.3 </b>Die Ehepartner lernten sich durch den Zwillingsbruder des BeschwerdefÃ¼hrers 1 in dessen Heimatdorf in Kuba kennen. Kurz nach der Eheschliessung des BeschwerdefÃ¼hrers 1 mit seiner ersten Ehefrau meldete sich die Ehefrau des ebenfalls in der Schweiz lebenden Zwillingsbruders des BeschwerdefÃ¼hrers 1 mit einer E-Mail vom 12. Mai 2014 beim Migrationsamt und teilte mit, dass ihr Ehemann seinen Bruder schon immer in die Schweiz habe holen wollen. Er habe sogar gewollt, dass er eine Freundin von ihr heirate, was sie jedoch nicht unterstÃ¼tzt habe. Sodann habe der BeschwerdefÃ¼hrer 1 bis zu seiner Abreise aus Kuba im Dezember 2013 dort eine Freundin gehabt. Diese Aussage ist zurÃ¼ckhaltend zu wÃ¼rdigen, da die Ehefrau des Zwillingsbruders des BeschwerdefÃ¼hrers 1 zum Zeitpunkt des E-Mails von ihrem Ehemann getrennt lebte und es daher mÃ¶glich ist, dass der Mitteilung Rachemotive zugrunde liegen. Dennoch kann aber davon ausgegangen werden, dass es fÃ¼r den BeschwerdefÃ¼hrer 1 nahelag, in die Schweiz ziehen zu wollen, wo bereits sein Zwillingsbruder lebte. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.1.4 </b>Die Ehe wurde bereits nach acht Monaten, am 28. Oktober 2014, geschieden, gemÃ¤ss Angaben des BeschwerdefÃ¼hrers 1, weil die Ehefrau ein Kind von einem anderen Mann erwartete. In einem Schreiben vom 26. November 2014 meldete der BeschwerdefÃ¼hrer 1 dem Migrationsamt, er sei vor etwa zwei Monaten zu seiner neuen Partnerin gezogen, d.<span> </span>h. Ende September 2014, mithin lediglich rund sechs Monate nach der Eheschliessung. Die zweite Ehefrau F sagte gegenÃ¼ber der Kantonspolizei Aargau aus, der BeschwerdefÃ¼hrer 1 sei zwei Monate nach Aufnahme der Beziehung zu ihr gezogen. Daraus ist zu schliessen, dass die Beziehung des BeschwerdefÃ¼hrers 1 zu seiner zweiten Ehefrau lediglich vier Monate nach der Eheschliessung mit der ersten Ehefrau begann. Zudem hat der BeschwerdefÃ¼hrer 1 bereits am 14. November 2014, zwei Wochen nach der Scheidung, das Ehevorbereitungsverfahren fÃ¼r seine zweite Ehe eingeleitet. </p> <p class="Urteilstext">BezÃ¼glich der ersten Ehe des BeschwerdefÃ¼hrers 1 liegen somit gewichtige Indizien dafÃ¼r vor, dass diese ausschliesslich aus auslÃ¤nderrechtlichen Motiven geschlossen wurde. </p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.1 </b>Bereits ca. vier Monate nach der Scheidung heiratete der BeschwerdefÃ¼hrer 1 seine zweite Ehefrau, eine dreizehn Jahre Ã¤ltere Schweizerin, wobei ihm ohne diese Heirat ein Verbleib in der Schweiz unmÃ¶glich gewesen wÃ¤re. Der BeschwerdefÃ¼hrer 1 wusste anlÃ¤sslich seiner polizeilichen Befragung nicht mehr, in welchem Jahr er seine zweite Ehefrau kennengelernt hatte, auch das Datum der Hochzeit konnte er nicht mehr nennen. Sodann hatte er auch lediglich sehr rudimentÃ¤re Kenntnisse Ã¼ber die Familie seiner zweiten Ehegattin. </p> <p class="Urteilstext">Das gemeinsame Kind des BeschwerdefÃ¼hrers 1 und der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 sei nach Angaben des BeschwerdefÃ¼hrers 1 entstanden, nachdem sie sich im Herbst 2016 in Kuba zufÃ¤llig auf der Strasse kennengelernt und einen einmaligen sexuellen Kontakt gehabt hÃ¤tten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die zweite Ehe des BeschwerdefÃ¼hrers 1 weniger als zwei Jahre gedauert. SpÃ¤ter habe die BeschwerdefÃ¼hrerin 2 ihn kontaktiert und ihm mitgeteilt, dass sie ein Kind erwarte. Neun Monate nach der Geburt des Sohnes sei er nach Kuba gereist und habe die Vaterschaft anerkannt. GemÃ¤ss Aussage der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 habe die eigentliche Beziehung zum BeschwerdefÃ¼hrer 1 erst im November 2019 begonnen. In der Folge habe man sich entschlossen, zu heiraten, weshalb sie im Februar 2020 in die Schweiz eingereist sei. </p> <p class="Urteilstext">Der BeschwerdefÃ¼hrer 1 hielt sich nachweislich im April 2016, im Herbst 2016 sowie im MÃ¤rz 2017 in Kuba auf, wobei im MÃ¤rz 2017 seine Mutter nach lÃ¤ngerer Krankheit verstarb, weshalb es als wahrscheinlich erscheint, dass diese Reise damit zusammenhing. Sodann reiste er im ersten Quartal des Jahres 2018 nach Kuba, als er die Vaterschaft anerkannte. AnlÃ¤sslich der ersten Reise begleitete ihn seine Ehefrau F. Im September 2016 reiste er zunÃ¤chst allein nach Kuba, wobei ihm F am 26. Oktober 2016 folgte und sich bis zum 10. November 2016 dort aufhielt. Das Kind mit der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 wurde wÃ¤hrend dieses Aufenthalts des BeschwerdefÃ¼hrers 1 im Herbst 2016 gezeugt, wohl vor der Ankunft der Ehefrau. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.2 </b>Aufgrund der beiden gemeinsamen Reisen des BeschwerdefÃ¼hrers 1 und seiner zweiten Ehefrau nach Kuba im Jahr 2016 kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Ehe in den ersten beiden Jahren tatsÃ¤chlich gelebt wurde. </p> <p class="Urteilstext">Es bestehen darÃ¼ber hinaus keine Hinweise darauf, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 1 und die BeschwerdefÃ¼hrerin 2 bereits vor Herbst 2016 miteinander bekannt waren bzw. dass die Beziehung bereits zum Zeitpunkt der Eheschliessung mit F bestand. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin 2 gab in ihrer polizeilichen Befragung vom 17. August 2020 an, sie fÃ¼hre mit dem BeschwerdefÃ¼hrer 1 seit November/Dezember 2019 eine intime Beziehung, wobei man sich Ende Dezember 2019/Anfang Januar 2020 zur Heirat entschlossen habe. </p> <p class="Urteilstext">Der BeschwerdefÃ¼hrer 1 fÃ¼hrte anlÃ¤sslich seiner polizeilichen Einvernahme aus, er habe zunÃ¤chst lediglich den Kontakt zu seinem Kind gesucht. Ebenso sagte er aus, er habe die BeschwerdefÃ¼hrerin 2 ab ca. Oktober 2018 in den Ferien in Spanien besucht, wo sich diese ab diesem Zeitpunkt aufgehalten hatte, und habe mit ihr Ã¼ber Facebook Kontakt gehabt. Weshalb sich die BeschwerdefÃ¼hrerin 2 ab Oktober 2018 in Spanien aufhielt, wÃ¤hrend das damals einjÃ¤hrige Kind in Kuba blieb, geht aus den Akten nicht hervor. Jedoch hÃ¤tte der BeschwerdefÃ¼hrer 1 ab diesem Zeitpunkt keinen nachvollziehbaren Grund gehabt, die BeschwerdefÃ¼hrerin 2 zu kontaktieren und insbesondere zu besuchen, wenn es ihm lediglich um den Kontakt zu seinem Sohn gegangen wÃ¤re. Somit liegt der Schluss nahe, dass die Beziehung zwischen dem BeschwerdefÃ¼hrer 1 und der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 bereits bestand, als Letztere nach Spanien zog. </p> <p class="Urteilstext">Es erscheint im Ãbrigen nicht als nachvollziehbar, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 1 und die BeschwerdefÃ¼hrerin 2 erst im November/Dezember 2019 eine Beziehung aufnahmen und sich bereits im Januar 2020 â kurz bevor dem BeschwerdefÃ¼hrer 1 eine Niederlassungsbewilligung erteilt wurde â zur Heirat entschieden, ohne dass vorher eine Beziehung bestand. Dem BeschwerdefÃ¼hrer 1 wurde denn auch anlÃ¤sslich seiner polizeilichen Einvernahme vom 17. August 2020 vorgehalten, er fÃ¼hre seit mindestens drei Jahren eine Beziehung mit der BeschwerdefÃ¼hrerin 2, was der BeschwerdefÃ¼hrer 1 nicht bestritt. Die Aussagen des BeschwerdefÃ¼hrers 1 und der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 sind in dieser Hinsicht widersprÃ¼chlich, was ebenfalls den Schluss nahelegt, dass die Beziehung lÃ¤nger andauerte, als die BeschwerdefÃ¼hrenden geltend machen. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.4 </b>Die Reaktion von F, als ihr anlÃ¤sslich der Einvernahme durch die Kantonspolizei Aargau am 17. August 2020 erstmals erÃ¶ffnet wurde, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 1 am 10. Juli 2017 in Kuba Vater eines ausserehelichen Kindes geworden war, erscheint als authentisch und glaubhaft. Es ist daher davon auszugehen, dass ihr die Vaterschaft des BeschwerdefÃ¼hrers 1 bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war. </p> <p class="Urteilstext">Somit ist es durchaus mÃ¶glich, dass seitens F ein echter Ehewille vorhanden war und sie davon ausging, eine gelebte eheliche Beziehung mit dem BeschwerdefÃ¼hrer 1 zu fÃ¼hren. Dies geht auch aus ihrem Schreiben vom August 2021 hervor, indem sie in nachvollziehbarer Weise bestreitet, aus ihrer Sicht eine Scheinehe gefÃ¼hrt zu haben. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.5 </b>Ebenso ist nicht ausgeschlossen, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 1 am Anfang der Ehe den Willen hatte, eine tatsÃ¤chliche eheliche Beziehung mit F zu leben. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sein allfÃ¤lliger Ehewille im Zeitraum zwischen der Zeugung des gemeinsamen Kindes mit der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 im Herbst 2016 und der Einreise der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 nach Spanien im Herbst 2018 erloschen ist und er ab diesem Zeitpunkt plante, eine Ehe mit der BeschwerdefÃ¼hrerin einzugehen und sie und das gemeinsame Kind in die Schweiz nachzuziehen. Dies war ihm jedoch nur mÃ¶glich, indem er zunÃ¤chst an der Ehe mit F festhielt, da die Ehe bei der Zeugung des gemeinsamen Kindes mit der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 weniger als zwei Jahre gedauert hatte und dem BeschwerdefÃ¼hrer 1 bei einer Trennung kein gefestigtes Aufenthaltsrecht vermittelt hÃ¤tte. Es bestehen somit gewichtige Anhaltspunkte dafÃ¼r, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 1 die Ehe nur aus auslÃ¤nderrechtlichen Motiven bis zum Trennungszeitpunkt aufrechterhielt.</p> <p class="Urteilstext">Was er dagegen vorbringt, Ã¼berzeugt nicht. Insbesondere sprechen die Besuche bei der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 in Kuba und in Spanien â wo das Kind nicht zugegen war â dafÃ¼r, dass die Beziehung mit dieser nicht erst nach der Trennung von seiner zweiten Ehefrau aufgenommen wurde. Wenn der BeschwerdefÃ¼hrer 1 sodann geltend macht, er habe sich von seiner zweiten Ehefrau wegen seines unerfÃ¼llten Kinderwunsches getrennt, so ist ihm entgegenzuhalten, dass er ab Juli 2017 Vater eines Kindes war â wenn auch nicht von seiner Ehefrau â und auch bereits aus einer frÃ¼heren Beziehung einen in Kuba lebenden Sohn hat. Zudem war die zweite Ehefrau des BeschwerdefÃ¼hrers 1 bei der Eheschliessung 45 Jahre alt, weshalb er bereits von Anfang an in Kauf nehmen musste, dass die Zeugung eines gemeinsamen Kindes allenfalls erschwert sein kÃ¶nnte. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.6 </b>Die VerlÃ¤ngerungen der Aufenthaltsbewilligung des BeschwerdefÃ¼hrers 1 ab Ende 2016 bzw. nach der Trennung von F im Mai 2019 und die vorzeitige Erteilung der Niederlassungsbewilligung im Januar 2020 erfolgten unter falschen Angaben durch den BeschwerdefÃ¼hrer 1. </p> <p class="Urteilstext">Er hat bewusst die Beziehung zur BeschwerdefÃ¼hrerin 2 und die Existenz eines gemeinsamen Kindes verschwiegen, um zunÃ¤chst die VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung und dann die Erteilung einer Niederlassungsbewilligung zu erreichen, wobei ihm bewusst sein musste, dass dies nicht mÃ¶glich gewesen wÃ¤re, wenn er die Geburt seines Sohnes und die Aufnahme einer Beziehung mit der Kindsmutter erwÃ¤hnt hÃ¤tte. Schliesslich bestehen zahlreiche Indizien dafÃ¼r, dass bereits seine erste Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz auf einer Scheinehe beruhte. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><span>Der Widerruf einer einmal erteilten Bewilligung setzt neben einem Widerrufsgrund auch die VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit desselben voraus. Nach Art. 96 Abs. 1 AIG sind dabei die Ã¶ffentlichen Interessen und die persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnisse sowie die Integration der AuslÃ¤nderin oder des AuslÃ¤nders zu berÃ¼cksichtigen.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b><span>Es besteht grundsÃ¤tzlich ein erhebliches Ã¶ffentliches Interesse am Widerruf von Niederlassungsbewilligungen, die auf einer Scheinehe beruhen (BGr, 22. November 2019, 2C_1044/2018, E. 5).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b><span>Diesem erheblichen Ã¶ffentlichen Interesse sind die privaten Interessen des BeschwerdefÃ¼hrers 1 gegenÃ¼berzustellen. Dabei sind die persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnisse des BeschwerdefÃ¼hrers 1 in Betracht zu ziehen. Als entgegenstehende private Interessen kÃ¶nnen etwa eine lange Anwesenheitsdauer in der Schweiz, die familiÃ¤re Situation bzw. die BeziehungsverhÃ¤ltnisse, die Arbeitssituation, die Integration, die finanzielle Lage, Sprachkenntnisse oder die bei einer RÃ¼ckkehr in das Heimatland drohenden Nachteile ins Gewicht fallen.</span></p> <p class="Erwgung2">Der BeschwerdefÃ¼hrer 1 kann als gut integriert bezeichnet werden. Er bezog nie Sozialhilfe, ist seit Beginn seines Aufenthalts in der Schweiz durchgehend einer ErwerbstÃ¤tigkeit nachgegangen und verfÃ¼gt Ã¼ber gute bis sehr gute Arbeitszeugnisse. Inzwischen arbeitet er in einem festen AnstellungsverhÃ¤ltnis. Zudem hat er ein Deutschzertifikat des Niveaus B1. Es bestehen gegen den BeschwerdefÃ¼hrer 1 keine strafrechtlichen Verurteilungen und keine Betreibungen oder Verlustscheine. Er hat sodann auch familiÃ¤re Bindungen in der Schweiz, da sein Zwillingsbruder hier lebt. </p> <p class="Urteilstext">Der BeschwerdefÃ¼hrer 1 reiste im Alter von 29 Jahren in die Schweiz ein und hÃ¤lt sich seit rund neun Jahren im Land auf, wobei jedoch zu berÃ¼cksichtigen ist, dass seine Anwesenheit zu einem wesentlichen Teil auf eine TÃ¤uschung der BehÃ¶rden zurÃ¼ckzufÃ¼hren ist. Er hat seine Kindheit und Jugend und den grÃ¶sseren Teil seines Erwachsenenlebens in der Heimat verbracht. Bis zu seiner Einreise lebte er in Kuba, wo er auch berufstÃ¤tig war. Es ist davon auszugehen, dass er in Kuba mit der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 â welche das Heimatland erst im Herbst 2018 verlassen hat â leben wird, und mit dem gemeinsamen Sohn, der sich derzeit in der Obhut der Schwiegermutter dort aufhÃ¤lt. Weiter leben ein erwachsener Sohn des BeschwerdefÃ¼hrers 1 und die erste Tochter der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 in Kuba. Der BeschwerdefÃ¼hrer 1 hat sich in den letzten Jahren mehrmals â auch mehrere Wochen â in Kuba aufgehalten und es ist davon auszugehen, dass er in seinem Heimatort auch Ã¼ber die familiÃ¤ren Bindungen hinaus noch sozial verwurzelt ist. Eine berufliche und private Wiedereingliederung im Heimatland dÃ¼rfte ohne Weiteres mÃ¶glich sein. </p> <p class="Urteilstext">Insgesamt erweist sich somit der Widerruf der Niederlassungsbewilligung trotz guter Integration als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig. Nachdem der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des BeschwerdefÃ¼hrers 1 nicht zu beanstanden ist, entfÃ¤llt auch die Grundlage fÃ¼r den Nachzug der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 und des BeschwerdefÃ¼hrers 3.</p> <p class="Urteilstext">Damit ist die Beschwerde abzuweisen.</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2">AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten dem BeschwerdefÃ¼hrer 1 und der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG) und ist ihnen keine ParteientschÃ¤digung zuzusprechen (§ 17 Abs. 2 VRG). </p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Zur Rechtsmittelbelehrung des nachstehenden Dispositivs ist Folgendes zu erlÃ¤utern: Soweit ein Anwesenheitsanspruch geltend gemacht wird, ist die Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) zulÃ¤ssig; ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde gemÃ¤ss Art. 113 ff. BGG offen (Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG). Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen. </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.-</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.-</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden dem BeschwerdefÃ¼hrer 1 und der BeschwerdefÃ¼hrerin 2 je zur HÃ¤lfte auferlegt, unter solidarischer Haftung fÃ¼r <span>die gesamten Kosten.</span></span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen. </span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>