Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. August 2014 (715 14 96 / 215) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ein Leistungsanspruch einer arbeitslosen versichert en Person, die sich mit der Aufnah- me einer selbständigen Erwerbstätigkeit befasst, en tfällt, wenn die Annahme einer un- selbständigen Erwerbstätigkeit aus subjektiver und/ oder objektiver Sicht nicht oder kaum mehr in Frage kommt / Voraussetzungen für eine rückwirkende Korrektur einer Leistungsausrichtung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Simon Rosenthaler, Ad- vokat, Hauptstrasse 12, 4153 Reinach gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32 , 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung / Rückf orderung A. Der 1980 geborene A.____, der seit Mitte Oktober 2006 mehrfach bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (nachfolgend: Arbeitslo senkasse) Taggelder der Arbeitslosenver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherung bezogen hatte, war ab 17. August 2009 bei B. ____ tätig. Diese Stelle wurde ihm am 13. Januar 2012 aus wirtschaftlichen Gründen per Ende Fe bruar 2012 gekündigt. Am 6. Febru- ar 2012 meldete sich A.____ in seiner Wohngemeinde zur Arbeitsvermittlung und bei der Ar- beitslosenkasse zum (erneuten) Bezug von Arbeitslosenentschädigung ab 1. März 2012 an. Die Arbeitslosenkasse erbrachte dem Versicherten in der Folge Taggeldleistungen. Am 25. März 2013 erliess die Arbeitslosenkasse die Verfügu ng Nr. 501/2013, mit welcher sie die Anspruchsberechtigung von A.____ „für die Zeit ab 16. Oktober 2006 wegen selbständiger Erwerbstätigkeit sowie zweifelloser Vermittlungsunfähi gkeit“ ablehnte. Zur Begründung führte die Arbeitslosenkasse im Wesentlichen aus, A.____ sei sei t Jahren Inhaber der Firma C.____ und übe eine selbständige Erwerbstätigkeit aus. Sein V erhalten lasse darauf schliessen, dass er nicht bereit sei, seine selbständige Tätigkeit zu G unsten einer unbefristeten unselbständigen Tätigkeit aufzugeben, so dass seine Vermittlungsfähigkeit verneint werden müsse. Mit einer weiteren Verfügung (Nr. 62/2013) vom 26. März 2013 fo rderte die Arbeitslosenkasse sodann von A.____ die im Zeitraum vom 16. Oktober 2006 bis End e Januar 2013 zu Unrecht bezoge- nen Versicherungsleistungen im Umfang von insgesamt Fr. 31'081.50 zurück. Die von A.____ gegen diese beiden Verfügungen erhoben e Einsprache hiess die Arbeitslosen- kasse mit Einspracheentscheid vom 24. Februar 2014 in dem Sinne teilweise gut, als sie die Anspruchsberechtigung des Versicherten neu rückwirkend ab 1. März 2012 statt ab 16. Oktober 2006 ablehnte und A.____ entsprechend verpflichtete, ihr statt des Betrages von Fr. 31'081.50 die Summe von CHF 12'362.-- zurückzuerstatten. Zur Begründung machte die Arbeitslosenkas- se im Wesentlichen geltend, entgegen den Vorbringen d es Versicherten würden alle Indizien darauf hinweisen, dass dieser während des Bezugs von Arbeitslosentaggeldern regelmässig als Reiseleiter Touren in D.____ durchgeführt habe. Da d ie Website "www.e____.ch" erst seit dem Jahr 2010 betrieben werde, sei eine die Vermittlungs fähigkeit ausschliessende selbständige Tätigkeit aber nicht bereits ab Oktober 2006, sondern erst ab diesem Zeitpunkt rechtsgenüglich erstellt. Im massgebenden Zeitraum ab 2010 seien dem Versicherten erstmals im Anschluss an die per 1. März 2012 erfolgte Neuanmeldung zum Leistun gsbezug wieder Taggelder der Ar- beitslosenversicherung ausgerichtet worden. Die Vermittlun gsfähigkeit des Versicherten könne deshalb erst ab 1. März 2012 und nicht bereits ab Okto ber 2006 abgelehnt werden und ent- sprechend seien lediglich die ab März 2012 ausbezahlten Taggelder zurückzuverlangen. Der Betrag der geltend gemachten Rückforderung reduziere sich dadurch auf Fr. 12'362.--. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Advokat Simon Rosentaler namens und im Auftrag von A.____ am 26. März 2014 Beschwerde beim K antonsgericht, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es se i der angefochtene Entscheid inso- fern aufzuheben, als damit die Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers rückwirkend ab 1. März 2012 abgelehnt und der Beschwerdeführer zur Rück erstattung bezogener Versiche- rungsleistungen verpflichtet werde. Demgemäss sei festzust ellen, dass die Anspruchsberechti- gung des Beschwerdeführers ab 1. März 2012 gegeben gewese n sei und dass insofern die ge- setzlichen Leistungen auszurichten seien bzw. der Beschwerde führer nicht zur Rückerstattung bezogener Leistungen verpflichtet werden könne. Eventu aliter sei die Sache in Aufhebung des angefochtenen Entscheids zur ergänzenden Abklärung des Sachverhalts und Neuentscheidung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/-Kostenfolge. Zu r Begründung liess der Beschwer- deführer im Wesentlichen geltend machen, dass er in Wah rnehmung seiner Schadenminde- rungspflicht Abklärungen und erste Schritte im Hinblick a uf eine mögliche Selbständigkeit un- ternommen habe, die selbständige Tätigkeit habe er a ber noch nicht aufgenommen. Damit sei seine Vermittlungsfähigkeit nicht beeinträchtigt gewe sen. Er habe von 2010 bis Februar 2012 vereinzelt Reisen nach D.____ organisiert, mit denen e r aber keinen Gewinn erzielt habe. Für den hier zur Beurteilung stehenden Zeitraum seien hing egen - mit einer Ausnahme - keine Rei- sen nachgewiesen. Obwohl die Beschwerdegegnerin für re chtsaufhebende Tatsachen beweis- belastet sei, habe sie keine rechtsgenüglichen Nachwei se für eine regelmässige gewinnbrin- gende selbständige Tätigkeit erbringen können. Bei den von ihr erwähnten Informationen auf seiner Homepage handle es sich um Werbung, sie könnten de shalb nicht „für bare Münze“ ge- nommen werden. Aber selbst wenn man den Sachverhalt n achträglich anders interpretieren würde, sei eine Wiedererwägung der ursprünglichen Lei stungsverfügung ausgeschlossen. Es könne jedenfalls nicht gesagt werden, es sei kein vernünft iger Zweifel möglich, dass die ur- sprüngliche Entscheidung falsch gewesen sei. Folglich müsse f estgestellt werden, dass seine Anspruchsberechtigung ab 1. März 2012 gegeben bzw. eine Rückforderung der erbrachten Leistungen ausgeschlossen sei. Am 2. Juni 2014 reichte der Rechtsvertreter des Beschwer deführers einen Einstellungsbe- schluss der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 27. Mai 2014 ein, aus dem hervorgeht, dass das auf Anzeige der Arbeitslosenkasse hin gegen den Beschwerdeführer eingeleitete Strafverfahren eingestellt wurde. C. Mit Vernehmlassung vom 11. Juni 2014 beantragte die Arbeitslosenkasse die Abwei- sung der Beschwerde. D. Am 24. Juni 2014 zog das Kantonsgericht zur Vervollstä ndigung der Unterlagen bei der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft die die vorstehend erwähnte Strafuntersuchung betreffen- den Akten bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die ob ligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Vorliegend hat der Beschwerdeführer seine Kont rollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicher ungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht er hobene - Beschwerde des Versicherten vom 26. März 2014 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die A rbeitslosenkasse im angefochtenen Einspracheentscheid zu Recht die Anspruchsberechtigung des Versicherten rückwirkend ab 1. März 2012 abgelehnt und die im Zeitraum vom März 2 012 bis Januar 2013 ausbezahlten Arbeitslosenentschädigungen in der Höhe von insgesamt Fr. 12‘362.-- zurückgefordert hat. 3.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 3.2 Die arbeitslose versicherte Person ist nach Art. 15 Abs. 1 AVIG vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Ein- gliederungsmassnahmen teilzunehmen. Die allgemeine Ver mittlungsfähigkeit setzt sich somit aus drei Elementen zusammen. Davon sind die Arbeitsfä higkeit sowie die Arbeitsberechtigung objektiver und die Vermittlungsbereitschaft subjektiver N atur. Damit die Anspruchsvorausset- zungen erfüllt sind, müssen die drei Elemente kumulativ erfüllt sein (THOMAS NUSSBAUMER , Ar- beitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisc hes Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel/Genf/ München 2007, S. 2258 Rz 261 mit Hin- weisen). Als Anspruchsvoraussetzung schliesst der Begriff der Vermittlungs(un)fähigkeit gradu- elle Abstufungen aus. Entweder ist die versicherte Perso n vermittlungsfähig, insbesondere be- reit, eine zumutbare Arbeit anzunehmen, oder nicht (BGE 125 V 58 E. 6a). 3.3 Unter Arbeitsfähigkeit im objektiven Sinn ("in der Lage sein") ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, die soziale Eignung und d ie Verfügbarkeit in räumlicher sowie in zeitlicher Hinsicht zu verstehen. Was die zeitliche Verfügba rkeit betrifft, so liegt Vermittlungsun- fähigkeit unter anderem vor, wenn eine versicherte Per son aus persönlichen oder familiären Gründen ihre Arbeitskraft nicht so einsetzen kann ode r will, wie es ein Arbeitgeber normaler- weise verlangt (THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2259 Rz 266 mit Hinweisen). Versicherte, die im Hinblick auf anderweitige Verpflichtungen oder beso ndere persönliche Umstände lediglich während gewisser Tages- oder Wochenstunden sich erwerbli ch betätigen wollen, können nur sehr bedingt als vermittlungsfähig anerkannt werden. D enn sind einer versicherten Person bei der Auswahl des Arbeitsplatzes so enge Grenzen gesetzt, da ss das Finden einer Stelle sehr ungewiss ist, muss Vermittlungsunfähigkeit angenommen wer den (BGE 112 V 327 E. 1a mit Hinweisen). Der Grund für die Einschränkung in den Arb eitsmöglichkeiten spielt dabei keine Rolle (THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2259 f. Rz 266 mit Hinweisen). Zu beach ten ist in die- sem Zusammenhang auch die Rechtsprechung, wonach eine v ersicherte Person, die auf einen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestimmten Termin anderweitig disponiert hat und desh alb für eine neue Beschäftigung nur noch während relativ kurzer Zeit zur Verfügung stünde, in der Regel nicht vermittlungsfähig ist. In einem solchen Fall sind nämlich die Aussichten, zwischen d er Aufgabe der alten und dem Antritt der neuen Stelle von einem dritten Arbeitge ber angestellt zu werden, verhältnismässig gering (BGE 110 V 208 E. 1 mit Hinweisen). 3.4 Das subjektive Element der Vermittlungsfähigkeit besteht in der Ber eitschaft der versi- cherten Person, die Arbeitskraft entsprechend den persönli chen Verhältnissen während der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 123 V 216 E. 3 mi t Hinweisen). Wesentliches Merkmal ist dabei die Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle als Arbeitnehmer. Hierzu genügt die Willenshaltung oder die bloss verbal erklärte Vermittlu ngsbereitschaft nicht. Vielmehr ist die versicherte Person gehalten, sich der öffentlichen Arbeitsve rmittlung zur Verfügung zu stellen, angebotene zumutbare Arbeit anzunehmen und sich intensiv nach einer zumutbaren Stelle um- zusehen (THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2261 Rz 270 mit Hinweisen). 3.5 Die Frage der Vermittlungsfähigkeit ist prospekti v und aufgrund einer gesamthaften Würdigung der für die Anstellungschancen im Einzelfal l wesentlichen, objektiven und subjekti- ven Faktoren zu beurteilen. Ausser dem Umfang des für di e versicherte Person in Betracht fal- lenden Arbeitsmarktes ist auch die Art der gesuchten zumu tbaren Arbeit von Bedeutung (Urteil B. des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_382/2010, E. 3.2; BGE 120 V 387 E. 2). 4.1 Im Lichte der ihr obliegenden Schadenminderungspfl icht ist es nicht zu beanstanden, dass sich eine arbeitslose versicherte Person mit der Mögli chkeit der Aufnahme einer selbstän- digen Erwerbstätigkeit befasst. Unterlässt sie es aber im Hinblick auf dieses Ziel, sich daneben auch in vertretbarem Umfange um eine unselbständige Erwerbstätigkeit zu bemühen, entsteht der Verdacht, dass keine unselbständige Erwerbstätigkeit mehr gesucht wird. Dabei muss der Leistungsanspruch bei der Arbeitslosenversicherung dann end en, wenn die Absicht zur Auf- nahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit so weit f ortgeschritten ist, dass die Annahme einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nicht oder kaum mehr möglich ist. Dies ist der Fall, wenn die aktuellen Bestrebungen vorwiegend in der Vorbereitung der bevorstehenden Aufnahme einer auf Dauer ausgerichteten selbständigen Erwerbstätigke it liegen (Arbeitsrecht und Arbeitslosen- versicherung [ARV] 1993/1994 N 30 S. 212) oder - erst recht - falls die Aufnahme einer solchen, auf Dauer ausgerichteten selbständigen Erwerbstätigkeit - wenn auch anfänglich noch in einem eher kleineren Umfang - bereits erfolgt ist. Verhält e s sich so, ist die versicherte Person als vermittlungsunfähig zu betrachten, gleich wie eine Person, welche eine selbständige Erwerbstä- tigkeit im Haupterwerb ausübt (vgl. auch die Urteile H . des Bundesgerichts vom 24. Februar 2010, 8C_757/2009, E. 2.2 mit Hinweis und S. vom 27. August 2009, 8C_81/2009, E. 3.4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Sinn und Zweck der Arbeitslosenversicherung ist es pr imär, bestehende Arbeitslosig- keit zu bekämpfen. Dazu gehört auch die Unterstützung zu r Förderung der selbständigen Er- werbstätigkeit gemäss Art. 71a ff. AVIG. Danach kann die Arbeitslosenversicherung unter ande- rem Versicherte, die eine dauernde selbständige Erwerbst ätigkeit aufnehmen wollen, durch die Ausrichtung von höchstens 90 Taggeldern während der Plan ungsphase eines Projektes unter- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht stützen (Art. 71a Abs. 1 AVIG). Demgegenüber sollen ab er keine Taggelder während der an- schliessenden Anlaufphase des Geschäfts ausgerichtet werden, denn die Arbeitslosenversiche- rung ist nicht als “Überbrückungshilfe“ bei einem Wechse l von einer unselbständigen in eine selbständige Erwerbstätigkeit konzipiert. Es ist nicht Sache der Arbeitslosenversicherung, das wirtschaftliche Risiko einer selbständig erwerbstätigen Person zu tragen; namentlich ist es nicht ihre Aufgabe, die beim Aufbau einer selbstständigen Er werbstätigkeit anfänglich fehlenden Ein- nahmen zu ersetzen (Urteil S. des Bundesgerichts vom 27. August 2009, 8C_81/2009, E. 3.3; ARV 2010 Nr. 5 S. 138 ff E. 3.2; je mit weiteren Hinweisen). 4.3 Der Entscheid darüber, wann die Planungs- und Vor bereitungsphase einer selbständi- gen Erwerbstätigkeit abgeschlossen ist und wann die regel mässig im Rahmen eines fliessen- den Übergangs nachfolgende Anlaufphase bzw. die (effe ktive) Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit beginnt, ist jeweils wertend im Einzel fall, d.h. mit anderen Worten aufgrund einer individuell-konkreten Betrachtungsweise, zu treffe n, wobei der zuständigen Behörde ein gewisser Ermessensspielraum eingeräumt werden muss (Urteil N. des Bundesgerichts vom 28. August 2007, C 130/06, E. 3.1 mit Hinweisen). Der effektive Markteintritt kann zwar einen Anhaltspunkt für den Abschluss der Planungsphase darstellen, ist jedoch nicht das allein mass- gebende Kriterium. Wegen des in den allermeisten Fäll en fliessenden Überganges zwischen den verschiedenen Phasen ist regelmässig nicht klar, wann genau der Markteintritt erfolgt und ob er überhaupt ohne Unterbruch an die Planungsphase anschliesst. Die Tatsache etwa, dass ein Versicherter eine juristische Person gründet und in das Handelsregister eintragen lässt, in welcher er eine arbeitgeberähnliche Stellung einnimmt , genügt für sich allein nicht, um bereits die Aufnahme einer auf Dauer ausgerichteten und nicht bloss vorübergehenden selbständigen Erwerbstätigkeit zu bejahen. Auch allein aus der Tatsac he, dass jemand eine selbständige Er- werbstätigkeit aufnehmen will und deshalb beispielswei se ein Lokal mietet und namentlich EDV- und Büromaterial erwirbt, darf die Vermittlung sfähigkeit noch nicht verneint werden. Es muss vielmehr unter Berücksichtigung aller Umstände des konkr eten Falls geprüft werden, ob die versicherte Person aus subjektiver Sicht bereit und aus objektiver Sicht in der Lage war, eine entsprechende unselbständige Tätigkeit aufzunehmen. 5.1 Im vorliegenden Fall ist somit im Folgenden aufgru nd einer individuell-konkreten Be- trachtungsweise und in Würdigung aller Umstände zu prüf en, ob die Arbeitslosenkasse die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers per 1. Mär z 2012 zu Recht mit der Begründung verneint hat, dass dieser ab dem genannten Zeitpunkt ein e auf Dauer angelegte selbständige Erwerbstätigkeit ausgeübt habe. Die Arbeitslosenkasse macht diesbezüglich geltend, der Versi- cherte habe als selbständig Erwerbender Touren in D.___ _ organisiert und durchgeführt und damit zum Ausdruck gebracht, dass er weder gewillt noch in der Lage gewesen sei, eine un- selbständige Arbeit anzutreten. 5.2 In sachverhaltlicher Hinsicht ist unbestritten und erw iesen, dass der Beschwerdeführer seit 2010 die Website “www.e____.ch“ betreibt. Auf di eser professionell gestalteten Website bietet der Beschwerdeführer Touren in D.____ an. Aktu ell werden auf der Website keine kon- kreten Reisedaten mehr genannt, während der fragliche n Periode zwischen März 2012 und Januar 2013 waren aber konkrete Reisen aufgeführt, von denen einzelne als “ausgebucht“ und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht andere mit "nur noch wenige Plätze frei" bezeichnet w aren. Ferner gibt der Beschwerdeführer auf der Website an, dass er seit Jahren zwischen D.____ und der Schweiz pendle und langjäh- rige Erfahrung in der Durchführung solcher Reisen ha be. Anlässlich der im Rahmen des Straf- verfahrens durchgeführten Ermittlungen haben sodann ve rschiedene Zeugen bestätigt, dass der Beschwerdeführer für Freunde und Bekannte seit 2010 Gruppenreisen organisiert und teil- weise unter seiner Leitung durchgeführt hat. Im Weite ren ist erwiesen, dass der Beschwerde- führer auch für die Stiftung “F.____“ seine Dienste a ls Reiseleiter anbietet bzw. angeboten hat. Insgesamt entsteht aufgrund dieser nachgewiesenen Sachv erhaltselemente ein Gesamtbild, das deutlich über die Planungs- und Vorbereitungsphase einer selbständigen Erwerbstätigkeit hinausgeht. Mit der Arbeitslossenkasse ist vielmehr von ein er effektiven Aufnahme einer auf Dauer angelegten selbständigen Erwerbstätigkeit auszugehen. Kommt als erschwerendes Indiz dazu, dass der Beschwerdeführer seinen Reisepass, der übe r die Häufigkeit seiner Reisen nach D.____ Aufschluss geben könnte, nie eingereicht ha t und heute angibt, dass er einen neuen Pass habe und der alte nicht mehr vorhanden sei. Letztlich kann aber ohnehin offen bleiben, wie viele Reisen nach D.____ der Beschwerdefüh rer tatsächlich organisiert und durch- geführt hat. Entscheidend ist, wie oben ausgeführt (vgl . E. 4 hiervor), ob der Beschwerdeführer (noch) aus subjektiver Sicht bereit und aus objektiver Sich t in der Lage war, eine unbefristete unselbständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Auf Grund des geschilderten Gesamtbildes, das sich aus den Akten ergibt, ist dies mit der Arbeitslosenkass e zu verneinen. Insbesondere die professionelle Website mit den Reiseangeboten samt den d azugehörigen Informationen und den Hinweisen auf seine langjährige Erfahrung in de r Organisation und Durchführung solcher Reisen sind klare Indizien dafür, dass sich der Beschwerdefü hrer für die Aufnahme einer auf Dauer angelegten selbständigen Erwerbstätigkeit entschieden hat und dass der entsprechende Markteintritt auch schon seit längerem erfolgt ist. Wenn der Beschwerdeführer, wie er heute geltend macht, tatsächlich nur die Absicht hätte, gelegentlich für Freunde und Bekannte Reisen zum Selbstkostenpreis nach D.____ zu organisieren, würde er keiner derartigen Website bedür- fen und auch kaum eine solche unterhalten. Als unbehel flich erweist sich in diesem Zusam- menhang auch der Einwand des Beschwerdeführers, bei de n Informationen auf seiner Website handle es sich um Werbung, sie könnten deshalb nicht „für bare Münze“ genommen werden. Es steht ausser Frage, dass sich der Beschwerdeführer bei der Beurteilung der strittigen Frage, ob er im massgebenden Zeitraum eine auf Dauer angelegte selbständige Erwerbstätigkeit in die Wege geleitet und aufgenommen hat, den Inhalt der se lbst gestalteten Website entgegenhalten lassen muss. Im Weiteren vermag sodann auch sein Argumen t, die selbständige Tätigkeit sei als Schadenminderung geboten gewesen, nicht zu überzeuge n. Der Beschwerdeführer hat nie deklariert, dass er lediglich aus Gründen der Schadenmin derung Reisen nach D.____ organi- siere und durchführe und dass er diese Tätigkeit auch so fort aufgeben würde, sobald er eine Arbeitsstelle finden würde. Keiner weiteren Erörteru ngen bedarf es schliesslich, dass der Be- schwerdeführer seine selbständige Tätigkeit allenfalls ausserhalb der normalen Arbeitszeit hätte ausüben können; eine solche Möglichkeit steht in Anbe tracht der von ihm angebotenen Reise- leitungen vor Ort selbstredend ausser Frage. Aus den genannten Gründen ist deshalb mit der Arbeitslosenkasse die Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdef ührers für den hier interessieren- den Zeitraum (nachträglich) abzulehnen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Wie die Arbeitslosenkasse im angefochtenen Entscheid zutreffend festhält, ist eine rückwirkende Korrektur einer Leistungsausrichtung - unabhä ngig davon, ob die betreffenden Leistungen förmlich oder formlos verfügt worden sind - nun allerdings nur unter den Rückkom- mensvoraussetzungen der prozessualen Revision oder der Wiedererwägung zulässig (vgl. BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinweisen). Die entsprechenden Voraussetzungen werden in Art. 53 ATSG umschrieben. Danach müssen formell rechtskräftige Ve rfügungen und Einspracheent- scheide in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Pe rson oder der Versicherungsträ- ger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (Abs. 1; prozessuale Revision). Zudem kann der Versiche- rungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen ode r Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berich tigung von erheblicher Bedeutung ist (Abs. 2; Wiedererwägung). Bei der Beurteilung, ob ei ne Wiedererwägung wegen zweifelloser Unrichtigkeit zulässig sei, ist vom Rechtszustand auszugehen , wie er im Zeitpunkt des Verfü- gungserlasses bestanden hat, wozu auch die seinerzeitige Rechtspraxis gehört (BGE 125 V 389 f. E. 3). 6.2 Während die Arbeitslosenkasse der Auffassung ist, dass si ch die ursprüngliche, den rechtsbeständig zugesprochenen Taggeldern zu Grunde li egende Bejahung der Vermittlungs- fähigkeit des Beschwerdeführers als zweifellos unrichtig i m wiedererwägungsrechtlichen Sinne erweist, vertritt dieser die Ansicht, dass die betreffen de Wiedererwägungsvoraussetzung in sei- nem Fall nicht bejaht werden dürfe, denn die ursprüng liche Beurteilung der Vermittlungsfähig- keit durch die Arbeitslosenkasse könne jedenfalls nicht al s zweifellos unrichtig bezeichnet wer- den. Dieser Auffassung des Beschwerdeführers kann jedoch nicht beigepflichtet werden. Es trifft zwar zu, dass der Übergang von der Planungs- und Vorbereitungsphase in die nachfolgen- de Anlaufphase der selbständigen Erwerbstätigkeit in d er Regel fliessend erfolgt und der dies- bezügliche Entscheid folglich (auch) Ermessenszüge trägt. Im vorliegenden Fall ist der Eintritt in die Selbständigkeit im fraglichen Zeitraum aber - wie vorstehend aufgezeigt - klar vollzogen worden und erstellt, sodass sich der Schluss der Arbeitslosenkasse auf eine zweifellose Unrich- tigkeit der ursprünglichen Leistungsausrichtung als zulässig e rweist. Die Arbeitslosenkasse hat demnach das Vorliegen der betreffenden Wiedererwägung svoraussetzung zu Recht bejaht. Somit ist aber auch nicht zu beanstanden, dass sie dem V ersicherten die Vermittlungsfähigkeit für den hier interessierenden Zeitraum wiedererwägungsweise abgesprochen hat. 7. Zu prüfen bleibt die Rechtmässigkeit der Rückforderu ng in der Höhe von Fr. 12‘362.--, welche die Arbeitslosenkasse im angefochtenen Einsprachee ntscheid gegenüber dem Versi- cherten für den Zeitraum von März 2012 bis Januar 2013 geltend macht. Gemäss Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 ATSG ist die Ar beitslosenkasse verpflichtet, zu Unrecht ausbezahlte Versicherungsleistungen vom Empfänger zurückzufordern. Wie vorstehend ausge- führt, können unrechtmässig ausgerichtete bzw. bezogene Geldleistungen aber nur dann zu- rückgefordert werden, wenn entweder die für die Wiede rerwägung oder die für die prozessuale Revision bestehenden Voraussetzungen erfüllt sind. Dies i st hier der Fall: Nach dem oben Ge- sagten (vgl. E. 5 und 6 hiervor) erweist sich die ursprüng liche Bejahung der Vermittlungsfähig- keit des Beschwerdeführers als zweifellos unrichtig. Demzuf olge sind die Taggeldleistungen im strittigen Zeitraum von März 2012 bis Januar 2013 zweifel los zu Unrecht ausgerichtet worden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und die Berichtigung der entsprechenden Taggeldabrech nungen ist - in Anbetracht der Höhe des zur Diskussion stehenden Rückforderungsbetrages - auch v on erheblicher Bedeutung. So- mit hat der Beschwerdeführer der Arbeitslosenkasse die en tsprechenden, zu Unrecht bezoge- nen Leistungen gestützt auf Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 ATSG zurück- zuerstatten. Zu ergänzen bleibt, dass (auch) die Höhe der von der Arbeitslosenkasse geltend gemachten Rückforderung nicht zu beanstanden ist. Der betreffende Betrag wird denn auch vom Beschwerdeführer - zu Recht - nicht in Frage gestellt. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Einspr acheentscheid vom 24. Februar 2014, mit welchem die Arbeitslosenkasse die Anspruchsberechtigung des Be- schwerdeführers rückwirkend ab 1. März 2012 abgelehnt und mit dem sie vom Beschwerdefüh- rer die im Zeitraum von März 2012 bis Januar 2013 zu Unr echt ausgerichteten Taggeldleistun- gen in der Höhe von insgesamt Fr. 12‘362.-- zurückgefor dert hat, nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9. Es verbleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 l it. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausser ordentlichen Kosten sind dem Pro- zessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht