B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6552/2019 U r t e i l v o m 1 6 . D e z e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Lorenz Noli, Richter William Waeber , Gerichtsschreiberin Linda Mombelli-Härter. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch MLaw Roman Schuler, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 5. November 2019 / N (…). E-6552/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben Ende 2015. Am 31. Januar 2017 reiste er in die Schweiz ein und suchte am darauffolgenden Tag um Asyl nach. Am 8. Februar 2017 wurde er zur Person befragt (BzP). Das vorerst eingeleitete Dublin -Verfahren wurde am 5. April 2017 beendet. Sodann hörte die Vorinstanz den Be- schwerdeführer am 13. Februar 2018 einlässlich zu seinen Asylgründen an. A.b Die Ehefrau und die drei Kind er des Beschwerdeführers reichten be- reits am 17. Oktober 2011 ein Asylgesuch in der Schweiz ein (N […]). Am 11. Februar 2014 wurde dieses von der Vorinstanz abgelehnt. Aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe wurde ih nen die Flüchtlingseigenschaft je- doch gewährt und eine vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs verfügt. A.c Zum Zeitpunkt der Einreise des Beschwerdeführers verfügte er über ein (…) Visum. Zu diesem Umstand sowie zur Tatsache, dass seine Familie bereits in der Schweiz lebte, wurde dem Beschwerdeführer von der Vo- rinstanz mit Schreiben vom 2. März 2017 das rechtliche Gehör gewährt. B. Zur Begründung des Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer geltend, er sei in B._______, Eritrea, aufgewachsen. Dort sowie in C._______ habe er die Schule bis zur elften Klasse besucht. Er habe während der Jahre (…) bis 2011 in Saudi-Arabien gelebt und gearbeitet ([…] Manager, Bereich […]), wo er im Jahr (…) seine Ehefrau geheiratet habe. Auch die (…) ge- meinsamen Kinder seien dort zur Wel t gekommen. Er sei seit Geburt be- ziehungsweise seit dem Jahr (…) Angehöriger der Pfingstgemeinde. Im Jahr 2010 oder 2011 sei er von den saudischen Behörden festgenommen worden, unter dem Vorwurf, den christlichen Glauben in Saudi-Arabien ver- breiten zu wollen. Nach drei Monaten Haft sei er mit seiner Familie nach Eritrea ausgeschafft worden. Die eritreischen Behörden seien über seine Glaubenszugehörigkeit in Kenntnis gesetzt worden. Er habe am Flughafen angegeben, welcher Konfession er angehöre. Zwei Wochen nach seiner Einreise habe er eine behördliche Vorladung erhalten, welcher er nachge- kommen sei. In der Folge sei er für ungefähr zwei Jahre und vier Monate inhaftiert worden. Mitte 2014 habe man ihn aus der Haft entlassen. Danach habe er keinen Kontakt mehr zu den Behörden gehabt respektive er habe sich alle sechs Monate melden müssen. Nach seiner Entlassung habe er E-6552/2019 Seite 3 von der Schwester seiner Frau erfahren, dass diese mit den gemeinsamen Kindern aus Eritrea ausgereist sei. Zunächst habe er sich in C._______ aufgehalten, habe sich dort aber beobachtet gefühlt . Nach vier Monaten sei er aufs Land zu seinen Eltern gezogen. Er habe während rund zwei Jahren bei seinen Eltern gelebt und sich seinem Glauben gewidmet. Er habe regelmässig zwei Glaubensbrüder getroffen. N achdem einer dieser Brüder verhaftet worden sei, sei er im November 2015 mit dem anderen Glaubensbruder in den Sudan ausgereist. Dort habe er den Kontakt zu sei- ner Ehefrau in der Schweiz wiederhergestellt sowie seinen früheren Arbeit- geber in Saudi-Arabien kontaktiert. Über diesen habe er ein Arbeitsvisum erhalten und wieder in Saudi-Arabien arbeiten können. Im Dezember 2016 sei er mit dem Sohn des Arbeitsgebers nach Frankreich gereist. Von dort aus sei er zu seiner Familie in die Schweiz aufgebrochen (sein Arbeitgeber habe nicht gewusst, dass er Familie habe). Sein Handy habe er in Frank- reich verloren beziehungsweise es dort vergessen, weshalb er seine Fa- milie nicht habe kontaktieren und über sein Kommen informieren können. Er beantrage in der Schweiz Asyl, weil er seinen Glauben im Heimatstaat nicht frei ausleben könne und er deswegen verfolgt worden sei bezie- hungsweise werden würde. Als Nachweis seiner Identität gab der Beschwerdeführer seine eritreische Identitätskarte zu den Akten. C. Zur Abklärung seiner Familienverhältnisse wurde dem Beschwerdeführer mehrfach das rechtliche Gehör gewährt. Dieser nahm mit Schreiben vom 24. Juli, 12. September und 7. Oktober 2019 Stellung. Ferner reichte er mit der letztgenannten Eingabe sowie einer weiteren Eingabe vom 23. Oktober 2019 ein Schreiben eines Freundes vom 25. September 2019 sowie je ein Schreiben seiner Söhne (ohne Datum) ein. D. Mit Verfügung vom 5. November 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein As ylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegwei- sungsvollzug an. E. Mit Eingabe vom 6. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundes-E-6552/2019 Seite 4 verwaltungsgericht und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei voll- umfänglich aufzuheben; es sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachver- haltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzu- weisen; eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und die Vorinstanz anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren; subeventualiter sei die Vor- instanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewäh- ren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Mit der Beschwerde wurden eine Auflistung der Treffen des Beschwerde- führers mit seiner Familie im November 2019, mehrere Tickets des öffent- lichen Verkehrs (ÖV), ein Bestätigungsschreiben der « D._______» vom 12. November 2019, ein Berich t der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 9. Februar 2011, ein Arztbericht vom 20. Oktober 2018 sowie eine Fürsorgebestätigung vom 3. Dezember 2019 eingereicht. F. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Dezem- ber 2019 wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses einstweilen verzichtet und festgehalten, über die Gesuche um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. Ferner wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. G. Nach gewährter Fristerstreckung reichte die Vorinstanz eine Vernehmlas- sung vom 10. Januar 2020 ein, in der sie, unter weiteren Ausführungen, an den bisherigen Erwägungen festhielt. H. Mit Instruktionsverfügung vom 15. Januar 2020 wurde dem Beschwerde- führer die Vernehmlassung zugestellt. Ferner wurde ihm Gelegenheit ein- geräumt, innert Frist eine Replik einzureichen. I. Innert erstreckter Frist gab der Beschwerdeführer eine Replik vom 12. Feb- ruar 2020 ein, unter der Beilage von vier Fotoausdrucken von zwei Treffen mit seinen Kindern am 2. und 7. Februar 2020, von Kopien von ÖV Tickets sowie von acht Fragen des Beschwerdeführers mit entsprechenden Ant- worten seiner Kinder. Ferner reichte der Rechtsvertreter eine Kostennote vom 12. Februar 2020 zu den Akten. E-6552/2019 Seite 5 J. Mit Eingabe vom 26. Oktober 2020 wurden – unter zusätzlichen Angaben – ein weiteres Schreiben der «D._______» vom 15. Oktober 2020, ein Fo- toausdruck des Beschwerdefüh rers bei D._______ am 3. Oktober 2020, drei Fotoausdrucke von zwei Treffen mit den Kindern vom 6. und 16. Okto- ber 2020 sowie eine aktualisierte Kostennote vom 26. Oktober 2020 nach- gereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 V GG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, so- weit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vor - instanzlichen Verfügung zu bewirken. E-6552/2019 Seite 6 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Aus dem Akteneinsichtsrecht (Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör) folgt, dass beweiserheblichen Akten, auf die abge- stellt wird, den Beteiligten auf Gesuch hin grundsätzlich offenzulegen sind, damit sich diese wirksam zur Sache äussern k önnen (BGE 132 V 387 E. 3.1, 6.2). 3.3 Der Beschwerdeführer gibt an, die Vorinstanz begründe die negative Verfügung mit dem Verweis auf angeblich widersprüchliche Aussagen sei- ner Ehefrau, ohne ihm Einsicht in die Asylakten seiner Frau zu gewähren. Deren Dossier sei beigezogen und zur Begründung des ablehnenden Ent- scheids verwendet worden. Er müsse Kenntnis vom Asyldossier seiner Frau haben, um ihre Aussagen überprüfen zu können . Sodann sei das SEM dem Antrag auf persönliche A nhörung seiner Kinder nicht nachge- kommen, was gegen Art. 12 Abs. 2 des Übereinkommens über die Rechte der Kinder (KRK; SR 0.107) verstosse. Damit sei das rechtliche Gehör ver- letzt worden. 3.4 Anlässlich der Vernehmlassung gab die Vorinstanz an, dem Beschwer- deführer sei an der Anhörung das rechtliche Gehör zu den Widersprüchen in seinen Vorbringen gewährt worden (SEM-Akte A28 F160–F173). Ferner bestehe kein genereller Anspruch darauf, dass Kinder als Zeugen im Asyl- verfahren des eigenen Vaters befragt würden. Dem Beschwerdeführer sei auch hier das rechtliche Gehör gewährt worden, in dem er die Möglichkeit gehabt habe, Briefe seiner Kinder einzureichen. Diese Möglichkeit, sich zu äussern, hätten seine Söhne wahrgenommen . Deren Anliegen seien ge- hört worden. Die Tochter scheine darauf verzichtet zu haben. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern eine persönliche Befragung der Kinder andere Er- kenntnisse als jene in ihren eigenen Schreiben hervorgebracht hätte. Somit liege keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. 3.5 In der Replik erklärt der Beschwerdeführer erneut, ihm seien die wider- sprüchlichen Aussagen seiner Frau nicht offengelegt worden. Da diese we- gen subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling anerkannt worden sei, müsse er vermuten, dass ein Zusammenhang zu seiner Person vorliege. Da sie verheiratet seien, würden die eritreischen Behörden ihn oder seine Frau bei einer Rückkehr für das Handeln des jeweilig Anderen zur Verant- wortung ziehen. E-6552/2019 Seite 7 3.6 Hierzu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer an der Anhörung auf einen Widerspruch in seinen Aussagen und denjenigen seiner Frau be- ziehungsweise Tochter hingewiesen worden ist. Er ist damit konfrontiert worden und hat die Gelegenheit erhalten, Stellung zu diesem ihm offenge- legten Widerspruch zu nehmen, was er auch getan hat (SEM-Akte A28 F166–168). Ihm wurde der Inhalt der konsultierten Akten respektive der Aussagen der Frau sowie der Tochter aufgezeigt und das rechtliche Gehör dazu gewährt. Er konnte sich vor Erlass der vorinstanzlichen Verfügung rechtsgenüglich zu diesem Punkt äussern, ohne dass er um Einsicht in die entsprechenden Passagen der beigezogenen Protokolle ersucht hätte. In der angefochtenen Verfügung hat die Vorinstanz denselben Widerspruch, zu dem sich der Beschwerdeführer bereits geäussert hat, nochmals er- wähnt. Es hat keine Auseinandersetzung mit weiteren Vorbringen der Ehe- frau stattgefunden. Ferner sind die Kernvorbringen des Beschwerdeführers auch unabhängig von den Aussagen seiner Frau oder Tochter überprüft und als unglaubhaft eingestuft worden. Der Vorinstanz kann somit nicht vorgeworfen werden, dass sie die Asylakten der Ehefrau des Beschwerde- führers, deren Offenlegung im vorinstanzlichen Verfahren nicht beantragt und auch keine Einwilligungserklärung der Ehefrau zur Offenlegung ihres Asyldossiers eingereicht worden ist, nicht von sich aus zur Einsicht ange- boten hat. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs seitens der Vorinstanz ist vorliegend nicht zu erblicken. Ein klarer Antrag auf Einsicht in spezifi- sche Akten der Ehefrau, auf einen Beizug dieser Akten im Beschwerdever- fahren respektive eine entsprechende Einwilligungserklärung zur Offenle- gung ihres Dossiers liegen im Übrigen auch auf Beschwerdeebene nicht vor. Ferner ist die Beurteilung der Asylvorbringen des Beschwerdeführers ohne Ausführungen von aussenstehenden Personen möglich (vgl. unten). Des Weiteren hat die Vorinstanz hinsichtlich der beantragten Anhörung der Kinder in der Vernehmlassung zutreffend darauf hingewiesen, dass im vor- liegenden Verfahren kein Anspruch auf deren Anhörung bestand und den Kindern die Möglichkeit geboten wurde, ihre Ansicht schriftlich darzulegen. Gemäss Art. 12 Abs. 1 KRK haben Kinder, die fähig sind, sich eine Meinung zu bilden, das Recht auf Respektierung ihrer Meinung. Zu diesem Zweck ist dem Kind Gelegenheit zu geben, in allen das Kind berührenden Ge- richts- oder Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine g eeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gehört zu werden (Art. 12 Abs. 2 KRK). Eine ge- setzliche Bestimmung zum Anhörungsrecht des Kindes im Verwaltungsver- fahren findet sich im Schweizer Recht nicht. Das Bundesgericht hat aber anerkannt, dass Art. 12 KRK im fremdenpolizeilichen Verfahren unmittelbar E-6552/2019 Seite 8 anwendbar ist. Die Garantie beinhaltet jedoch nicht zwingend eine persön- liche mündliche Anhörung des Kindes, sondern lediglich eine Anhörung in angemessener Weise, weshalb der Standpunkt des Kindes auch schriftlich zum Ausdruck gebracht werden kann (vgl. Urteile des BVGer E-2702/2021 vom 29. Juni 2021 E. 3.3, D -5114/2018 vom 1. April 2019 E. 4.5.1, je m.w.H.). Vorliegend hat die Vorinstanz den Kindern die Gelegenheit einge- räumt, ihren Standpunkt zum Ausdruck zu bringen. Sie haben entspre- chende Schreiben eingereicht, die von der Vorinstanz berücksichtigt wor- den sind. Ferner hat sich der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Ver- fahren sowie auf Beschwerdeebene mehrfach zur familiären Situation und zum Standpunkt seiner Kinder äussern können. Mithin ist auch hier keine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu erblicken. Insgesamt besteht kein Grund, den Entscheid der Vorinstanz aus formellen Gründen aufzuheben und zur Neubeurteilung zurü ckzuweisen. Das ent- sprechende Begehren ist abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers seien als unglaubhaft be- ziehungsweise nicht asylrelevant (Art. 7 und 3 AsylG) zu qualifizieren, wes- halb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. E-6552/2019 Seite 9 5.1.1 Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden in zentralen Aspek- ten zahlreiche unglaubhafte Elemente aufweisen. An der BzP habe er an- gegeben, er sei von Geburt an Mitglied der Pfingstgemeinde gewesen und seine Familie habe ihm diesen Glauben mitgegeben. An der Anhörung habe er aber gesagt, seine Familie gehöre nicht der Pfingstgemeinde an , ein eritreischer Landsmann habe ihm diesen Glauben nähergebracht. Im Jahr (…) habe er sich der Glaubensrichtung angeschlossen. Auf den Wi- derspruch angesprochen, sei er ausgewichen (SEM -Akten A6 S. 9, A28 F 29 ff., 52 f., 161 f.). Weiter sei er nicht in der Lage gewesen, konkrete Unterschiede zwischen dem christlich -orthodoxen Glauben und demjeni- gen der Pfingstgemeinde zu nennen (namentlich zu Festen) , obwohl er, gemäss Angaben an der Anhörung, mit christlich-orthodoxen Eltern aufge- wachsen sei (SEM-Akte A28 F29 f.). Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb ein Gläubiger nicht wisse, wann und wie er zum Glauben gefunden habe, respektive keine konkreten Aussagen in Bezug auf die beiden Glaubens- richtungen machen könne. Ebenso unglaubhaft sei, wie die eritreischen Behörden von der mutmass lichen Religionszugehörigkeit hätten erfahren sollen. Während der BzP sowie zu Beginn der Anhörung habe der Be- schwerdeführer gesagt, die saudischen Behörden hätten die eritreischen Behörden über die Gründe seiner Ausschaffung informiert und Papiere wei- tergeleitet (SEM-Akten A6 S. 8, A28 F57). Später an der Anhörung habe er angegeben, diese Information in Bezug auf den Glauben habe er selbst den eritreischen Behörden bei der Einreise mitgeteilt, weil seine Religion ihm verbieten würde, zu lügen (SEM -Akte A28 F131 ff.). Weiter sei auch der Zeitpunkt der angeblichen Inhaftierung unglaubhaft. Er selbst habe er- klärt, er sei nach Eritrea ausgeschafft worden, sei zusammen mit der Fa- milie zwei Wochen bei der Schwester der Ehefrau gewesen, bevor er eine polizeiliche Vorladung erhalten habe. Seine Frau habe hingegen erwähnt, er sei am Tag nach der Ankunft in Eritrea verschwunden. Die Tochter habe dargelegt, sie habe ihn, den Beschwerdeführer, letztmals am Flughafen in Saudi-Arabien gesehen. Auf diese Ungereimtheiten angesprochen, sei der Beschwerdeführer bei seinen eigenen Schilderungen geblieben und habe erklärt, die Tochter sei jung gewesen und habe womöglich die genauen Umstände vergessen (SEM-Akte A28 F57 f., 134–139, 166–169). Fakt sei aber, dass seine Schilderunge n den Ausführungen der Ehefrau und der Tochter widersprechen würden. Weiter seien die relativ kurzen Ausführun- gen zur vom Beschwerdeführer geltend gemachten Haftzeit unsubstantiiert ausgefallen (SEM-Akte A28 F56 ff.). Beispielsweise falle auf, dass er seine Mitgefangenen nur pauschal habe beschreiben können. Dass jemand nach angeblich über zwei Jahren Haft seine Mitgefangenen nur stereotypisch darstellen könne und offensichtlich nicht in der Lage sei, diese genauer zu E-6552/2019 Seite 10 charakterisieren, sei nicht nachvollzie hbar und unglaubhaft. Das Vorbrin- gen des Beschwerdeführers, ein Mitglied der Pfingstgemeinde und deswe- gen von den eritreischen Behörden verfolgt und inhaftiert worden zu sein, sei somit nicht glaubhaft. 5.1.2 Weiter mache der Beschwerdeführer geltend, die saudischen Behör- den hätten ihn aufgrund des christlichen Glaubens inhaftiert und ausge- schafft. Diese mutmasslichen Geschehnisse hätten sich nicht im Heimat- staat zugetragen. Mithin hätte der Beschwerdeführer einem religiösen Kon- flikt durch eine freiwillige Rückkehr in sein Heimatland entgehen können. Das Vorbringen sei nicht asylrelevant. Es erübrige sich, auf unglaubhafte Elemente dieses Vorbringens einzugehen. 5.1.3 Schliesslich habe der Beschwerdeführer erklärt, Eritrea illegal verlas- sen zu haben. Da keine weiteren Anknüpfungspunkte, welche ihn in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, ersichtlich seien, vermöge die illegale Ausreise alleine keine Furcht vor künftiger asylrelevanter Verfolgung zu begründen. 5.2 5.2.1 Hiergegen brachte der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz habe es unterlassen, ihn zu fragen, welcher Kirche er im Exil beigetreten sei (es sei die E._______). Dies könne ihm nicht vorgehalten werden. Er wäre in de r Lage gewesen, detailliert von seinem Glauben und der Ausübung zu be- richten. Fälschlicherweise spreche die Vorinstanz auch stets von der Pfingstgemeinde, obwohl bekannt sei, dass es unzählige unterschiedliche Strömungen gebe (mit Verweis auf einen SFH Bericht hierzu). An der BzP sei es bezüglich der Religionszugehörigkeit zu Missverständnissen gekom- men, was auch auf die knappe und ungenügende Übersetzung und die fehlenden Kenntnisse des Übersetzers zurückzuführen sei (SEM -Akte A6 S. 3, 9). Er habe seinen christlichen Glauben von seinen Eltern, nicht aber die Glaubensrichtung der Pfingstgemeinde. Zur E._______ sei er erst in Saudi-Arabien gestossen (SEM -Akte A28 F29 –35). Sodann sei der Vor- wurf, er habe keine konkreten Aussagen zu unterschiedlichen Festen der Glaubensrichtungen machen können, nicht stichhaltig. Es gebe unzählige und für ihn sei entscheidend gewesen, dass diese Feiertage nicht in der Bibel stünden (SEM-Akten A6 S. 9, A28 F98). Es sei auffällig, dass er, der ansonsten eher begriffsstutzig gewesen sei, an der Befragung diesen star- ken Bibelbezug wiederholt hergestellt habe (SEM-Akte A28 F97). Er habe konkret geschildert, wie er wegen seiner Glaubensausübung aufgefallen E-6552/2019 Seite 11 sei. Aufgrund seines Glaubens wolle er sich zudem nicht von seiner Ehe- frau scheiden lassen (SEM-Akte A28 F85 f., 15). Diese Schilderungen lies- sen einzig den Schluss zu, dass er seinen Glauben seit dem Jahr (…) prak- tiziere und die Mitgliedschaft zur Pfings tgemeinde glaubhaft sei . Sodann habe er an der BzP und an der Anhörung angegeben, dass die eritreischen Behörden über die Gründe der Ausschaffung von den saudischen Behör- den informiert worden seien (SEM-Akten A6 S. 8, A28 F131). Dass er bei der Einreise nicht gelogen und selbst die Zugehörigkeit zur Pfingstge- meinde angegeben habe, mache keinen Unterschied mehr. Auch hier sei kein Widerspruch gegeben. Weiter habe sich die Vorinstanz in wesentli- chen Punkten auf Aussagen der Ehefrau gestützt. Diese Aussagen könne er nicht überprüfen, da kein Einverständnis der Frau vorliege. Allerdings habe er widerspruchsfrei geschildert, dass er ungefähr zwei Wochen nach der Rückschaffung inhaftiert worden sei (SEM -Akten A6 S. 8, A28 F57, F134 ff.). Sodann habe er eine subjektive, mit Realkennzeichen versehene Schilderung seiner Haftzeit vorgenommen, welche die Ungerechtigkeit, die er zu erdulden gehabt habe, verdeutliche (SEM-Akte A28 F58, 151). Dies sei ein Indiz für tatsächlich Erlebtes. Auch habe er die Haftorte und die be- sonders einprägenden Ereignisse benennen können (SEM -Akte A28 F58 ff., 139 ff., 153–156). Seine knappen Aussagen seien sodann auf seine fehlenden Ausdrucksmöglichkeiten zurückzuführen. Aufgrund seines Bildungs- und Intelligenzgrades wäre er nicht in der Lage gewesen, eine solche «Geschichte» zu erfinden. Insgesamt habe er die Mehrheit der von der Vorinstanz aufgeführten Ungereimtheiten entkräften und glaubhaft ma- chen können, dass er im Jahr 2011 wegen seiner Zugehörigkeit zu einer verbotenen Kirche für zwei Jahre inhaftiert, gedemütigt und misshandelt worden sei. Mitglieder der E._______ und der Pfingstgemeinde würden in Eritrea verfolgt. Er habe seinem Glauben nicht abgeschworen, obwohl er in der Haft dazu aufgefordert worden sei (SEM-Akte A28 F58), und sei mit einer Meldepflicht entlassen worden. Ferner sei ein Kausalzusammenhang zwischen der Fluchtursache und der Ausreise gegeben. Er habe seinen Glauben nach der Freilassung nicht aufgegeben und sich mit Glaubens- brüdern getroffen. Er habe unter der ständigen Furcht gelebt, erneut inhaf- tiert zu werden. Deshalb sei ihm nur die illegale A usreise als Ausweg ge- blieben (SEM-Akte A28 F70 ff., 101 f.). Bei einer Rückkehr drohe ihm eine Verfolgung aus religiösen Motiven, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft erfülle und ihm Asyl zu gewähren sei. 5.2.2 Zumindest sei er aufgrund der illegalen Ausreise und zusätzlicher An- knüpfungspunkte als Flüchtling vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Er sei nach seiner Rücküberstellung nach Eritrea im Visier der eritreischen E-6552/2019 Seite 12 Behörden gewesen. Diese hätten von seiner religiösen Gesinnung ge- wusst und ihn inhaftiert. Daher stehe ausser Zweifel, dass er als Regime- gegner registriert worden sei und ein geschärftes Profil im Sinne der Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts gehabt habe. Durch seine ille- gale Ausreise habe er sich in höchstem Masse verdächtig gemacht und einem erneuten Zugriff durch die staatlichen Behörden entzogen. Zudem praktiziere er seinen Glauben auch in der Schweiz. Bei einer Rückkehr würde er als missliebige Person eingestuft und wieder inhaftiert werden. 5.3 In der Vernehmlassung führte das SEM aus, aufgrund einer einmaligen Korrektur zu Beginn des Befragungsprotokolls könne nicht auf die Un- kenntnis der dolmetschenden Person geschlossen werden. Zudem sei dem Beschwerdeführer das Protokoll rückübersetzt worden, woraufhin die- ser es unterschrieben habe. Das Protokoll gebe die Situation der Befra- gung somit korrekt wieder. Weiter widerspreche der persönliche Hinter- grund des Beschwerdeführers seiner geltend gemachten, zu bezweifeln- den Begriffsstutzigkeit, zumal er ein Jahrzehnt lang die Schule besucht, als Sales-Manager für eine Zeitung in Saudi-Arabien gearbeitet habe und auch als Dolmetscher für dieses Unternehmen tätig gewesen sei (SEM-Akten A6 S. 5, A28 F37). Sodann habe der Beschwerdeführer eine Mitglied schafts- bestätigung einer evangelischen Freikirche eingereicht. Diese belege seine Glaubenstätigkeit während seiner Zeit in der Schweiz, nicht aber die- jenige (als unglaubhaft eingestufte) im Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatstaat. Da nicht anzunehmen sei, dass die eritreischen Behörden von der Glaubensausübung des Beschwerdeführers in der Schweiz Kennt- nis hätten und in seinem Heimatstaat keine Kollektivverfolgung von Ange- hörigen evangelischer Freikirchen festzustellen sei, weise der Beschwer- deführer kein geschärftes Profil auf, welches ihn in den Aug en der eritrei- schen Behörden als unliebsam erscheinen liesse. 5.4 Der Beschwerdeführer replizierte, bei der Durchsicht des BzP Proto- kolls falle auf, dass verknappt und ungenau protokolliert worden sei. Die Anhörung habe sodann über ein Jahr nach der BzP stattgefunden. Unge- reimtheiten zwischen den Befragungen könnten ihm daher nicht entgegen- gehalten werden. Weiter habe er keinen offiziellen Schulabschluss und habe seine an der BzP angegebenen Sprachkenntnisse überschätzt. Zum angeblich fehlenden geschärft en Profil sei festzuhalten, dass den eritrei- schen Behörden die Ausübung seines Glaubens seit seiner Rückkehr aus Saudi-Arabien bekannt gewesen sei. Ferner lebe er den Glaube n in der Schweiz offen aus und sei nicht in der Lage, diesen im Versteckten zu prak-E-6552/2019 Seite 13 tizieren. Aufgrund der engmaschigen Überwachung der Diaspora sei da- von auszugehen, dass die eritreischen Behörden davon Kenntnis hätten. Schliesslich habe es die Vorinstanz unterlassen, einen Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Frau beziehungswei se seines minderjähri- gen Kindes nach Art. 51 AsylG zu prüfen. Auch wenn er nicht mehr mit sei- ner Ehefrau zusammenlebe, sei das Familienleben und die Beziehung zu den Kindern intakt. 5.5 In der ergänzenden Eingabe führte er mit Hinweis auf ein weiteres Schreiben der D._______ aus, Aktivitäten der eritreischen Gläubigen in der Schweiz würden überwacht und den eritreischen Behörden rapportiert. Über ihn dürfte eine behördliche Fiche bestehen. 6. 6.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Glaubhaf- tigkeit respektive Asylrelevanz im Sinne von Art. 7 und Art. 3 AsylG nicht. Daran vermögen die Ausführungen auf Beschwer deebene nichts zu än- dern. 6.2 Zunächst ist festzuhalten, dass das BzP -Protokoll, entgegen der Dar- stellung des Beschwerdeführers, bis auf eine Korrektur keine Hinweise auf eine mangelhafte Protokollierung oder Übersetzung respektive auf seine nicht näher dargelegte «Begriffsstutzigkeit» enthält. Der Beschwerdeführer hat alle Fragen sinnvoll beantwortet und das Protokoll nach der Rücküber- setzung als korrekt bestätigt. 6.3 An der BzP erklärte der Beschwerdeführer explizit, seit Geburt gehöre er der Pfingstgemeinde an . Damit sei er aufgewachsen. Seine Familie habe ihm den Glauben übergeben (SEM -Akte A6 S. 9). An der Anhörung gab er an, er gehöre erst seit dem Jahr (…) der Pfingstgemeinde an und habe diesen Glauben in Saudi-Arabien angenommen. Wie er den Glauben entdeckt haben will, vermag er nur vage zu erklären (SEM-Akte A28 F29– F32). Auch den Widerspruch konnte er nicht aufklären (SEM -Akte A28 F161 f.). Dass die Vorinstanz stets von de r Pfingstgemeinde gesprochen habe, und nicht wie in der Beschwerde neu vorgebracht v on der «E._______», kann nicht gehört werden, zumal der Beschwerdeführer selbst stets nur von der Pfingstgemeinde berichtet hat. Entsprechend konnte die Vorinstanz den Beschwerdeführer auch nicht nach Details hierzu fragen, vielmehr wäre er verpflichtet gewesen, von sich aus darüber E-6552/2019 Seite 14 zu berichten. Er unterlässt es aber auch auf Beschwerdeebene, entspre- chende vertiefte Angaben zu den von ihm wahrgenommenen Unterschie- den der Glaubensrichtungen zu machen. Sodann vermag zu erstaunen, dass er nach Eritrea ausgeschafft worden sei und die eritreischen Behör- den über seinen Glauben in Kenntnis gesetzt worden seien, er aber zu- nächst problemlos habe einreisen und sich in Eritrea frei habe bewegen können (SEM-Akte A28 F129–135). Erst nach zwei Wochen habe er eine Vorladung erhalten, sich zu melden, woraufhin er direkt in Haft genommen und für über zwei Jahre inhaftiert worden sei. Man habe ihm gesagt, er solle vom Glauben abschwören, dann würde er aus der Haft rauskommen. Dies habe er stets verneint. Dennoch sei er pl ötzlich entlassen worden, wobei er nicht wisse, weshalb (SEM-Akte A28 F56–58). Diese scheinbar grundlose Haftentlassung nach über zwei Jahren , obwohl der Beschwer- deführer bei seinem Glauben geblieben sei, vermag nicht zu überzeugen. Vielmehr ist zu bezweif eln, dass der Beschwerdeführer von den eritrei- schen Behörden aufgrund seines mutmasslichen Glaubens registriert und inhaftiert worden ist, zumal er – entgegen seiner Darstellung – nicht in der Lage war, die zwei Jahre im Gefängnis erlebnisgeprägt und detailreich zu beschreiben (SEM-Akte A28 F151 ff.). Seine Haftschilderungen sind sub- stanzlos ausgefallen, obwohl zu erwarten gewesen wäre, dass er über ein derart einschneidendes Erlebnis nähere, anschauliche Angaben gemacht hätte. Sodann hat er an der BzP angegeben, er sei von April 2010 bis De- zember 2012 in Haft gewesen, während er gemäss Angaben an der Anhö- rung bis Mitte 2014 inhaftiert gewesen sei (SEM-Akten A6 S. 8, A28 F64). Ferner habe er nach der Haftentlassung zwei Jahre lang in Eritrea leben können, ohne persönliche Probleme mit den Behörden gehabt zu haben (SEM-Akte A28 F143). Er sei aus der Stadt weggezogen und schliesslich ausgereist, da man beobachtet werde und man ins Gefängnis komme (SEM-Akte A28 F69–73). Seinen Alltag nach der behaupteten Entlassung vermochte der Beschwerdeführer nur äusserst oberflächlich zu beschrei- ben und zeigte insbesondere keine konkreten und persönlichen Schwierig- keiten wegen seines behaupteten Glaubens auf. Auch die angeblichen Probleme, die er persönlich mit seinen Mitmenschen gehabt habe, nach- dem er aus C._______ zu seinen Eltern in ein Dorf gezogen sei, legte der Beschwerdeführer nicht anschaulich dar (SEM-Akte A28 F85 f., 97 f.). Wei- ter hat der Beschwerdeführer an der BzP erklärt, er sei aus der Haft ent- lassen worden, mit der Auflage, sich alle sechs Monate zu melden. Davon habe er die Nase voll gehabt und sich entschieden, das Land zu verlassen (SEM-Akte A6 S. 8). Eine ernsthafte Gefahr vor Verfolgung scheint er somit im Zeitpunkt seiner Ausreise nicht befürchtet zu haben. Hinzu kommt, dass er diese angebliche Meldepflicht an der Anhörung nicht mehr von sich aus E-6552/2019 Seite 15 erwähnte (SEM-Akte A28 F170 f.). Auch hat er an der Anhörung einen an- deren Ausreisegrund angegeben. Einer seiner Glauben sbrüder im Nach- barsdorf sei festgenommen worden. Ferner habe er selbst seinen Glauben nicht frei ausüben können. Dies habe ihn zur Ausreise bewogen (SEM-Akte A28 F101 f., 174). Insgesamt sind die Asylvorbringen des Beschwerdefüh- rers, die er mit keinen Beweismitteln zu untermauern vermochte, zu wider- sprüchlich, oberflächlich, unpersönlich und unsubstantiiert ausgefallen, um davon ausgehen zu können, er habe von tatsächlich Erlebtem berichtet und sei aufgrund seines Glaubens und der geltend gemachten Zugehörig- keit zur Pfingstgemeinde oder «E._______» ins Visier der eritreischen Be- hörden geraten sowie von ebendiesen registriert und inhaftiert worden . Auch Anhaltspunkte dafür, dass er sein Heimatland wegen begründeter Furcht vor gezielter, religiös motivierter Verfolgung habe verlassen müs- sen, sind nach dem Gesagten nicht ersichtlich. Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea er- lebte asylrelevante Verfolgung oder eine dannzumal bestehende bezie- hungsweise ihm drohende Gefährdung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Im Ausreisezeitpunkt erfüllte er die Flüchtlingseigen- schaft gemäss Art. 3 AsylG demnach nicht. 6.4 Hinsichtlich der geltend gemachten illegalen Ausreise des Beschwer- deführers sowie seiner Glaubensausübung in der Schweiz ist das allfällige Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu prüfen. 6.4.1 Gemäss aktueller Praxis ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlich- keit davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung droht (vgl. Referenzur- teil des BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 4.6 ff., 5.1 f.). Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedarf es neben der illegalen Ausre ise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich re- levanten Verfolgungsgefahr führen können. 6.4.2 Sodann bestätigen verschiedene Quellen eine mögliche Verfolgung durch die eritreischen Behörden aufgrund der Zugehörigkeit zu einer reli- giösen Gruppierung (wie der Pfingstgemeinde). Es hat jedoch nicht gene- rell jedes Mitglied einer der in Eritrea nicht zugelassenen Religionsgemein- schaften mit ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu rechnen. Folglich muss neben der Religionszugehörigkeit auch eine begründete Furcht vor Verfolgung aufgrund dessen glaubhaft gemacht werden. Die Mit- gliedschaft allein genügt nicht, um mit ernsthaften Nachteilen im Sinne von E-6552/2019 Seite 16 Art. 3 AsylG rechnen zu müssen (vgl. Urteil des BVGer E -2602/2019 vom 20. März 2020 E. 6.3.2 m.w.H.). 6.4.3 Wie aus den vorstehenden Erwägungen hervorgeht, konnte der Be- schwerdeführer zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea keine beste- hende oder drohende, asylrechtlich relevante Gefährdung beziehungs- weise Verfolgung aufgrund seiner geltend gemachten Religionszugehörig- keit nachweisen oder glaubhaft machen. Dass die eritreischen Behörden von seinem mutmasslichen Glauben gewusst, ihn im Visier gehabt hätten und er vor seiner Ausreise aufgrund dessen als missliebige Person regis- triert worden wäre, vermochte er ebenfalls nicht glaubhaft darzulegen. Ent- sprechend ist auch nicht anzunehmen, dass er in der Schweiz beobachtet wird und die eritreischen Behörden von seiner geltend gemachten Glau- bensausübung hier Kenntnis genommen hätten. Seine Mitgliedschaft und die Aktivitäten bei (…) (vgl. zwei Bestätigungsschreiben der Kirche) sind sodann nicht derart exponiert, dass davon ausgegangen werden müsste, die eritreischen Behörden hätten davon erfahren. Dass über ihn eine be- hördliche Fiche bestehen soll, ist eine blosse Vermutung. Folglich kann vorliegend – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – nicht von ei- nem geschärften Profil respektive zusätzlichen Anknüpfungspunkten nebst der illegalen Ausreise, welche wie erwähnt alleine keine Furcht vor einer zukünftigen flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung zu begründen ver- mag, ausgegangen werden. 6.5 Zusammenfassend ist sowohl das Vorliegen von Vorfluchtgründen im Sinne von Art. 3 AsylG als auch dasjenige von subjektiven Nachfluchtgrün- den gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen. Das SEM hat die Flüchtlingsei- genschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 6.6 Abschliessend ist zum in der Replik neu vorgebrachten Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft seiner Frau beziehungsweise seines minderjähri- gen Kindes nach Art. 51 AsylG festzuhalten, dass dies nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist. Im Übrigen liegt kein entspre- chendes Gesuch des Beschwerdeführers respektive seiner Ehefrau / sei- nes minderjährigen Sohnes vor, welches hätte geprüft werden können. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den E-6552/2019 Seite 17 Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Vorinstanz führte hinsichtlich der Wegweisung insbesondere aus, die Anwendung von Art. 44 AsylG setze eine gelebte, schützenswerte Be- ziehung voraus. Der Beschwerdeführer habe widersprüchliche Angaben zu seinem Aufenthalt vor der Einreise in die Schweiz sowie zur Beziehung zu seiner Familie gemacht. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er nicht frü- her aktiv versucht habe, nach Europa zu r Familie zu gelangen. Sodann lebe er von seiner Ehefrau getrennt. Diese sei dagegen gewesen, dass der Beschwerdeführer zur Familie ziehe. Die Kinder hätten unterschiedliche Positionen und die Familiensituation sei von Streit und Gewalt geprägt. Ferner sei es dem Beschwerdeführer aufgrund seiner pauschalen Anga- ben nicht gelungen, eine enge emotionale Beziehung namentlich zu sei- nem minderjährigen Sohn W. substantiiert darzulegen. Folglich könne nicht von einer schützenswerten Beziehung gesprochen werden, weshalb sich der Beschwerdeführer nicht auf Art. 44 AsylG, Art. 8 EMRK oder die Kin- derrechtskonvention berufen könne (vgl. angefochtene Verfügung S. 7–9). 7.3 Der Beschwerdeführer entgegnete, eine Wegweisung verstosse gegen sein Recht auf Familienleben, die Kinderrechtskonvention sowie den Grundsatz der Einheit der Familie. Insbesondere zu seinem Sohn W. be- stehe eine enge und tatsächlich gelebte Beziehung. Er sehe seine Kinder regelmässig, trotz der Trennung und der Konflikte in der Familie. Eine Weg- weisung würde zur unwiederbringlichen Trennung führen, da ein persönli- cher Kontakt über die Distanz nicht aufrechterhalten werden könne. 7.4 7.4.1 Im Asyl- und Wegweisungsverfahren ist die Wegweisung nicht zu ver- fügen, wenn ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung be- steht. Die kantonale Ausländerbehörde ist zuständig, über de n Anspruch konkret zu befinden (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Als Anspruchsgrundlage fällt dabei unter anderem Art. 8 EMRK in Betracht, wobei diesbezüglich die bundesgerichtliche Rechtsprechung massgeblich ist. Im Rahmen des vor- liegenden Verfahrens ist daher vorfrageweise zu prüfen (Art. 14 Abs. 1 AsylG), ob sich der Beschwerdeführer auf einen grundsätzlichen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen kann. 7.4.2 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK besagt, dass Ausländerinnen und Ausländern gestützt auf den in Art. 8 EMRK und E-6552/2019 Seite 18 Art. 13 BV gewährleisteten Schutz des Familienlebens ein potenzieller An- spruch auf Aufenthalt in der Schweiz erwächst, wenn eine enge, nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung vorliegt. Zu den Fam ili- enbeziehungen, die unter den Schutz von Art. 8 Abs. 1 EMRK fallen, gehört neben jener zwischen den Ehegatten auch jene zwischen Eltern und ihren minderjährigen Kindern. Hinweise für eine familiäre Beziehung sind das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, eine finanzielle Abhän- gigkeit sowie regelmässige Kontakte oder die Übernahme von Verantwor- tung für eine andere Person. Weiter muss das in der Schweiz lebende Fa- milienmitglied hier über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen (vgl. BGE 139 I 330 E. 2.1). Von einem solchen ist bei schweizerischer Staats- angehörigkeit auszugehen, ebenso bei einer Niederlassungs- oder Aufent- haltsbewilligung, auf deren Verlängerung ein Anspruch besteht (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1 und 3.1; 130 II 281 E. 3.1). In Ausnahmesituationen kann ein faktisches Anwesenheitsrecht ausreichen (vgl. BGE 138 I 246 E. 3.3.1; 130 II 281 E. 3.2 f., u.a. Urteil des BVGer E -3000/2021 vom 15. September 2021 E. 6.3.1 m.w.H.). Ein solches ist unter anderem im Fall von vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen, bei denen eine Aufhebung ihres rechtlichen Status in absehbarer Zukunft nicht anzun ehmen ist, zu bejahen (vgl. BVGE 2017 VII/4 E. 6.3). Die im Asylverfahren angeordnete Wegweisung wird praxisgemäss aufge- hoben, wenn erstens ein potenzieller Anspruch gestützt auf Art. 8 EMRK vorfrageweise bejaht wird, die betroffene Person zweitens an die zustän- dige kantonale Ausländerbehörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung gerichtet hat und dieses Gesuch, drittens, noch hängig ist (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4.2.2; u.a. Urteil des BVGer D -2425/2020 vom 22. Februar 2021 E. 7.2.2). 7.4.3 Der Beschwerdeführer hat keine Aufenthalts- oder Niederlassungs- bewilligung respektive keinen selbständigen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Seine seit dem Jahr 2011 in der Schweiz lebende Familie (Ehe- frau und (…) Kinder) verfügt aber über eine vorläufige Aufnahme, weshalb vorfrageweise zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer daraus einen mögli- chen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz ableiten kann . Da er unbe- strittenermassen seit mehreren Jahren von seiner Ehefrau getrennt ist und lebt sowie (…) Kinder bereits volljährig sind, ist insbesondere die Bezie- hung zwischen ihm und seinem (…) Sohn W. von Relevanz. 7.4.4 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer n ach der Ausreise seiner Frau und Kinder im Jahr 2011 erst Ende 2015, nachdem E-6552/2019 Seite 19 er selbst das Heimatland verlassen habe, wieder in Kontakt mit diesen ge- kommen sei und erfahren habe, dass seine Familie in die Schweiz gereist sei. Dies vermag zu erstaunen, zumal seine im Heimatland lebende Schwägerin, die Schwester seiner Frau, mit dieser nach deren Ausreise in Verbindung gestanden habe (SEM-Akten A6 S. 4, A28 F107 ff.). In der Folge habe er sich, da er habe arbeiten wollen, wieder um ein Arbeitsvisum für Saudi-Arabien – das Land, dass ihn wegen illegaler Glaubensausübung zwangsweise ausgeschafft habe – bemüht und über ein Jahr dort gearbei- tet. Ende 2016 habe er mit seinem Arbeitgeber geschäftlich nach Frank- reich reisen können. Daraufhin habe er sich entschlossen, in die Schweiz zu gelangen. Da rüber habe er seine Familie nicht vorgängig informiert (SEM-Akten A6 S. 4, A28 F37). An der BzP hat er angegeben, zuletzt vor vier bis fünf Monaten Kontakt mit der Familie gehabt zu haben und nicht zu wissen, wo in der Schweiz diese wohnen würde (SEM-Akte A6 S. 4). Zu- nächst erstaunt, dass sich der Beschwerdeführer , wäre die Familien zu- sammenführung stets sein Ziel gewesen, nicht früher um eine Vereinigung mit seiner Familie bemüht hat, obwohl er scheinbar über finanzielle Mittel verfügt habe (SEM-Akte A28 F82 f.). Gemäss seinen Angaben stand er seit dem Jahr 2010 oder 2011 bis zu seiner Ankunft in der Schweiz im Frühjahr 2017 nicht beziehungsweise nur sporadisch mit seiner Familie in Kontakt. Somit war die Kindsmutter über lange Zeit hinweg die Hauptbezugsperson der Kinder im Jugendalter. Eine Vater -Kind-Beziehung konnte während mehrerer für die Kinder prägender Jahre nicht im Sinne einer effektiven Familiengemeinschaft gelebt werden. Seit seinem Aufenthalt in der Schweiz lebt der Beschwerdeführer ebenfalls nicht mit seiner Familie zusammen. Aufgrund dessen kann das Bestehen einer Familieneinheit allerdings nicht unmittelbar verneint werden (vgl. u.a. Urteil des BVGer E-1971/2019 vom 22. Mai 2019 E. 6.2 m.w.H.). Der Be- schwerdeführer gab wiederholt an, er sehe seine Kinder seit seiner Ankunft regelmässig und habe eine enge Beziehung zu diese n, trotz der Konflikte in der Familie. Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer mehrfach Gele- genheit eingeräumt, die wieder aufgenommene Beziehung zu seinen Kin- dern detailliert aufzuzeigen und Beweismittel einzureichen (vgl. Schreiben des Beschwerdeführers im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 16. März 2017, 24. Juli, 12. September und 7. Oktober 2019). Wie die Vorinstanz zurecht festgestellt hat, hat der Beschwerdeführer zwar Angaben zur Be- ziehung gemacht, aber nicht näher dargelegt oder mit Beweismitteln unter- mauert, inwiefern er die Kinder regelmässig sehe und ihre Beziehung eng sei. Wann und mit welcher Regelmässigkeit er namentlich seinen Sohn W. treffe oder höre und er Anteil an dessen Alltag nehme, blieb offen . Auch E-6552/2019 Seite 20 dem Schreiben des Sohnes W. (eingereicht am 7. Oktober 2019) respek- tive dem Schreiben des Freundes K.W. vom 25. September 2019 sind keine vertieften Angaben hinsichtlich der Beziehung zwischen dem Sohn W. und de m Beschwerdeführer zu entnehmen . Auf Beschwerdeebene wurde während der Verfahrensdauer von fast zwei Jahren eine Auflistung von ein paar familiären Terminen während zweier Wochen im November 2019, mehrere nicht näher beschriebene ÖV -Tickets, sieben Fotografien von vier Treffen mit seinen Kindern im Februar sowie Oktober 2020, eine Einkaufsquittung sowie Fragen des Vaters mit Antworten seiner Kinder ein- gereicht. Aus d iesen Dokumenten geht zwar hervor, dass ein gewisser Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und namentlich seinem minder- jährigen Sohn besteht. Wie häufig und eng dieser ausfällt, ist daraus sowie aus den entsprechenden Ausführungen (vgl. Beschwerde S. 17, Replik S. 4 f., ergänzende Eingabe S. 2) aber nicht zu erblicken. Der Beschwer- deführer gibt auch hier nur an, er sehe seine Kinder regelmässig, ohne dies substantiiert darzulegen. Mit welcher Regelmässigkeit der Kontakt stattfin- det, ob er Verantwortung übernimmt und seinen Sohn beispielsweise in schulischen oder beruflichen Belangen, bei Freizeitaktivitäten, allfälligen Arztbesuchen oder in finanzieller Hinsicht unterstützt respektive der Sohn von sich aus den Kontakt zu seinem Vater sucht, ist unklar. Dass vorliegend trotz der getrennten Wohn situation und kaum finanzieller Leistungen die Wiederaufnahme einer tatsächlich gelebten, nahen Vater-Kind-Beziehung angenommen werden kann, geht aus den oberflächlichen Darlegungen des Beschwerdeführers und den eingereichten Beweismitteln nicht in über- zeugender Weise hervor. Es ist im Übrigen nicht aktenkundig, dass der Beschwerdeführer ein Ge- such um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung bei den zuständigen Behör- den eingereicht hätte. 7.5 Angesichts dieser Angaben stellt das Bundesverwaltungsgericht v or- frageweise fest, dass der Beschwerdeführer zum heutigen Zeitpunkt kei- nen potenziellen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz geltend zu ma- chen vermag, ungeachtet der Frage, ob der Sohn W. über ein entsprechen- des Aufenthaltsrecht verfügt. Es bleibt dem Beschwerdeführer jedoch un- benommen, auch nach Ausfällung dieses Urteils einen allfälligen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung mit einem entsprechenden Ge- such bei der zuständigen Behörde geltend zu machen. E-6552/2019 Seite 21 7.6 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Wegweisung vorliegend zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nich t zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.2.1 Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigen- schaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rücksc hiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtstellung der Flüchtlinge (FK, SR. 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist somit – wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrecht- lichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [ FoK, SR 0.105]; Art. 3 und Art. 4 EMRK). 8.2.2 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak- ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf- fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-E-6552/2019 Seite 22 menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzuläs- sig erscheinen. Auch eine allfällige (aufgrund des Alters des Beschwerde- führers unwahrscheinliche) Einberufung in den Militärdienst spricht für sich alleine nicht gegen die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AIG in Verbindung mit Art. 4 und 3 EMRK (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1, u.a. Urteil des BVGer E -1853/2019 vom 15. Sep- tember 2021 E. 8.2.2). Es bleibt darauf hinzuweisen, dass das Bundesver- waltungsgericht die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges – aufgrund des Fehlens eines Rückübernahmeabkommens zwischen der Schweiz und Eritrea – lediglich für freiwillige Rückkehrer beurteilte und die Zulässig- keit zwangsweiser Rückführungen ausdrücklich offengelassen hat (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1.7). 8.2.3 Von einer drohenden Verletzung von Art. 8 EMRK ist nach dem oben Gesagten (vgl. E. 7.3 f.) ebenfalls nicht auszugehen. 8.2.4 Daher ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig zu erachten. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 Die Vorinstanz erachtete den Vollzug der Wegweisung nach Eritrea in allgemeiner und individueller Hinsicht als zumutbar. Namentlich habe der Beschwerdeführer Familienangehörige in der Heimat und eine gute Schul- sowie Berufsbildung. Sodann sei die geltend gemachte (…)verletzung nicht geeignet, den Beschwerdeführer daran zu hindern, seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. 8.3.2 Der Beschwerdeführer legte dar, er habe kein familiäres Beziehungs- netz mehr in der Heimat, welches ihm bei der Reintegration helfen könnte. Seine Eltern seien betagt und die Geschwister nicht bereit, ihn zu unter- stützen. Zudem sei er kein junger gesunder Mann mit guten beruflichen Perspektiven mehr. Eine erfolgreiche berufliche Reintegration sei daher E-6552/2019 Seite 23 ausgeschlossen. Ferner verstosse die Trennung von seinen Kindern gegen das Kindeswohl. Daher sei der Wegweisungsvollzug unzumutbar. 8.3.3 Die in Eritrea herrschende allgemeine Lage spricht nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Laut geltender Rechtsprechung ist in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allge- meiner Gewalt beziehungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig. Namentlich die medizinische Grundversorgung und die Ernährungssituation haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu ver- zeichnen. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Faktoren aber nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. Au- gust 2017 E. 16 f.). Auch eine allfällige Einziehung in den Nationaldienst würde nicht zur Unzumutbarkeit des W egweisungsvollzugs führe n (BVGE 2018 IV/4 E. 6.2.3 ff.). 8.3.4 In casu ist übereinstimmend mit der Vorinstanz festzustellen, dass sich im Fall des Beschwerdeführers aus den Akten keine individuellen Gründe ergeben, welche einen Wegweisungsvollzug nach Eritrea als un- zumutbar erscheinen liessen. Er verfügt unbestrittenermassen über Ver- wandte (Eltern und Geschwister) und Freunde im Heimatland. Vor seiner Ausreise lebte er bei seinen Eltern , die in der Landwirtschaft tätig seien (SEM-Akte A28 F90 ff.), und macht nicht geltend, nicht wieder zu diesen zurückkehren zu können. Sodann hat er jahrelange Schulbildung, Berufs- erfahrung (als […] Manager sowie in der Landwirtschaft) und verfügt über gute Sprachkenntnisse. Mithin ist davon auszugehen, dass er sich, bei ei- ner Rückkehr – bei Bedarf mit Hilfe seiner Familie – in sozialer und wirt- schaftlicher Hinsicht wieder wird integrieren können. Gesundheitliche Be- schwerden, die gegen die Ausübung des erlernten Berufs sprechen oder den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen lassen könnten, er- geben sich aus den Akten nicht (seine […]verletzung dürfte mittlerweile verheilt sein, vgl. Arztbericht vom 20. September 2018). 8.3.5 Sodann verkennt das Bundesverwaltungsgericht nicht, dass zwi- schen dem Beschwerdeführer und namentlich seinem Sohn W. eine Be-E-6552/2019 Seite 24 ziehung besteht. Indessen ist die Kindsmutter nach wie vor als Hauptbe- zugsperson des Jugendlichen zu betrachten (vgl. dazu oben E. 7.3 f.). Es finden keine massgeblichen finanziellen Leistungen durch den Beschwer- deführer statt und er legt nicht dar, inwiefern er die fehlende wirtschaftliche Unterstützungsmöglichkeit anderweitig ausgleichen würde. Eine Wegwei- sung des Beschwerdeführers ist mit dem Kindeswohl (Art. 3 KRK) zu ver- einbaren. Abgesehen davon wird ein regelmässiger Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und seinem (…) Sohn – entgegen seiner Darlegung in der Beschwerdeschrift – durch den Wegweisungsvollzug nicht verunmög- licht. 8.3.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung so- wohl allgemein als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 8.4 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh- rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht aber praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG entgegen. Es ob- liegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1–3 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aus den vorste- henden Erwägungen ergibt sich jedoch, dass seine Rechtsbegehren nicht E-6552/2019 Seite 25 als aussichtslos zu betrachten waren. Aufgrun d der Akten ist zudem von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen (vgl. Fürsorgebestä- tigung vom 3. Dezember 2019). Folglich ist das mit der Beschwerde ge- stellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutzuheissen. Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 10.2 Demgemäss ist auch das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gutzuheissen (aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG) und der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, RA MLaw Roman Schuler, als amtlicher Rechtsbei- stand einzusetzen. Der Rechtsbeistand reichte mit der Eingabe vom 26. Oktober 2020 eine aktualisierte Kostennote ein (13.75 Stunden à Fr. 300.–, Auslagen von Fr. 230.– [inkl. Dolmetscherkosten]). Das Bundes- verwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von höchstens Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), weshalb das Stundenhonorar vor- liegend entsprechend zu kürzen ist. Demnach ist dem amtlichen Rechts- beistand zulasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von gerun- det Fr. 3‘506.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-6552/2019 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung werden gutgeheissen. R A MLaw Roman Schuler wird als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird vom Bundesverwaltungsgericht ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'506.– ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Linda Mombelli-Härter Versand: