<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 34 S.196</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">196</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"> <p><span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>34</b></span> <span class="ft2"><b>Wahl der richtigen Verfahrensart.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Vergabestelle hat vorgängig der Ausschreibung des Auftrags eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>möglichst zuverlässige Schätzung der mutmasslichen Auftragssum-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>me nach sachlichen Kriterien und aufgrund allfälliger Erfahrungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werte vorzunehmen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 17. Dezember 2008 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen E. AG gegen den Regierungsrat (WBE.2008.296)</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 8 Abs. 1 lit. a SubmD sind Aufträge im offenen oder</span><br/> <span class="ft1">selektiven Verfahren zu vergeben, wenn der geschätzte Wert des Ein-</span><br/> <span class="ft1">zelauftrags bei Aufträgen des Bauhauptgewerbes Fr. 500'000.-- und</span><br/> <span class="ft1">bei Lieferungen, Dienstleistungen und Aufträgen des Bauneben-</span><br/> <span class="ft1">gewerbes Fr. 250'000.-- übersteigt. Aufträge sind gemäss § 8 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">lit. a bis c SubmD im Einladungsverfahren zu vergeben, wenn der</span><br/> <span class="ft1">geschätzte Wert des Einzelauftrags folgenden Betrag übersteigt:</span><br/></p> </div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <br/> <span class="ft1">- Fr. 300'000.-- bei Aufträgen des Bauhauptgewerbes;</span><br/> <span class="ft1">- Fr. 150'000.-- bei Dienstleistungen und Aufträgen des Baune-</span><br/> <span class="ft1">bengewerbes;</span><br/> <span class="ft1">- Fr. 100'000.-- bei Lieferungen.</span><br/> <span class="ft1">Erreicht der geschätzte Wert des Einzelauftrags den Betrag für</span><br/> <span class="ft1">das Einladungsverfahren nicht, kann der Auftrag freihändig vergeben</span><br/> <span class="ft1">werden (§ 8 Abs. 3 lit. a SubmD). Eine freihändige Vergabe erfolgt</span><br/> <span class="ft1">auch in den in § 8 Abs. 3 lit. b bis m SubmD genannten Fällen. In</span><br/> <span class="ft1">den Fällen von § 8 Abs. 3 SubmD kann die Vergabestelle eine</span><br/> <span class="ft1">Wettbewerbssituation dadurch schaffen, dass sie ohne öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Ausschreibung verschiedene Anbietende nach ihrer Wahl zur</span><br/> <span class="ft1">Einreichung eines Angebots einlädt.</span><br/> <span class="ft1">Für die Wahl des richtigen Verfahrens massgebend ist einerseits</span><br/> <span class="ft1">die Art des zu vergebenden Auftrags (Bauauftrag, Lieferung,</span><br/> <span class="ft1">Dienstleistung) und anderseits der Wert des konkreten Auftrags bzw.</span><br/> <span class="ft1">das Auftragsvolumen. Massgebend ist der vor der Ausschreibung</span><br/> <span class="ft1">geschätzte Auftragswert und nicht der Wert des später bei der Verga-</span><br/> <span class="ft1">be berücksichtigten Angebots. Die Vergabestelle hat somit vorgängig</span><br/> <span class="ft1">der Ausschreibung des Auftrags eine Schätzung der mutmasslichen</span><br/> <span class="ft1">Auftragssumme nach sachlichen Kriterien und aufgrund allfälliger</span><br/> <span class="ft1">Erfahrungswerte vorzunehmen. Es hat sich dabei um eine zuverläs-</span><br/> <span class="ft1">sige und sorgfältige Schätzung zu handeln. Insbesondere darf dabei,</span><br/> <span class="ft1">um die Bestimmungen über die Schwellenwerte einzuhalten, nicht zu</span><br/> <span class="ft1">knapp kalkuliert werden; die Behörde hat sich eher an die obere</span><br/> <span class="ft1">Bandbreite der Schätzung zu halten (Peter Galli / André Moser /</span><br/> <span class="ft1">Elisabeth Lang / Evelyne Clerc, Praxis des öffentlichen Beschaf-</span><br/> <span class="ft1">fungsrechts, 1. Band: Landesrecht, 2. Auflage, Zürich / Basel / Genf</span><br/> <span class="ft1">2007, Rz. 180 ff.). Die eidgenössische Mehrwertsteuer wird bei der</span><br/> <span class="ft1">Berechnung des Auftragswerts nicht berücksichtigt (§ 8 Abs.</span> <span class="ft1">5</span><br/> <span class="ft1">SubmD).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">198</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.-2.2. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin macht in erster Linie geltend, die Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabebehörde habe zu Unrecht ein freihändiges Verfahren durchge-</span><br/> <span class="ft1">führt. Sie sei ihrer Pflicht, eine sorgfältige und vorsichtige, d.h.</span><br/> <span class="ft1">grosszügige Kostenschätzung vorzunehmen, nicht nachgekommen.</span><br/> <span class="ft1">Dies müsse zur Aufhebung des erteilten Zuschlags und zur Neu-</span><br/> <span class="ft1">durchführung eines offenen oder selektiven Vergabeverfahrens</span><br/> <span class="ft1">führen. Sodann weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass sie</span><br/> <span class="ft1">aufgrund der Tatsache, dass ein freihändiges Verfahren durchgeführt</span><br/> <span class="ft1">worden sei, bei der Einreichung ihrer Offerte davon ausgegangen sei,</span><br/> <span class="ft1">es werde eine IT-Lösung im Bereich bis zu Fr. 150'000.-- gesucht.</span><br/> <span class="ft1">Aus diesem Grund habe sie ein Angebot unter Fr. 150'000.-- einge-</span><br/> <span class="ft1">reicht (bereinigt bzw. inklusive Zusatzwünsche der Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">Fr. 190'000.--). Sie habe darauf vertrauen dürfen, dass die Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">behörde das von ihr gewünschte Produkt und dessen Kosten pflicht-</span><br/> <span class="ft1">gemäss evaluiert habe und dabei zum Schluss gekommen sei, dass</span><br/> <span class="ft1">sie an einer eher einfachen - aber ohne Weiteres funktionstüchtigen</span><br/> <span class="ft1">und praktikablen - IT-Lösung unter Fr. 150'000.-- interessiert gewe-</span><br/> <span class="ft1">sen sei.</span><br/> <span class="ft1">Demgegenüber ist die Vergabebehörde der Ansicht, aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der getroffenen, detaillierten und sorgfältigen Abklärungen habe sie</span><br/> <span class="ft1">bei der Eröffnung des Verfahrens in guten Treuen davon ausgehen</span><br/> <span class="ft1">dürfen, dass die Angebote unter dem massgeblichen Schwellenwert</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 150'000.-- liegen würden. Diese Annahme sei insbesondere</span><br/> <span class="ft1">auf den beiden vorliegenden Kostenschätzungen fundiert gewesen,</span><br/> <span class="ft1">die keine erheblichen betragsmässigen Differenzen aufgezeigt hätten.</span><br/> <span class="ft1">Die Verfahrenswahl sei aufgrund dieser Einschätzungen korrekt</span><br/> <span class="ft1">gewesen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">199</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist, ob die Schätzung der mutmasslichen Kosten</span><br/> <span class="ft1">durch die Vergabebehörde richtig vorgenommen worden ist. Nach</span><br/> <span class="ft1">deren Darstellung in der Vernehmlassung waren im Vorfeld der</span><br/> <span class="ft1">Submission ab Mitte 2007 mit mehreren potentiellen Anbietern</span><br/> <span class="ft1">Gespräche geführt worden, um die vorhandenen informationstech-</span><br/> <span class="ft1">nischen Möglichkeiten sowie die anfallenden Kosten der Implemen-</span><br/> <span class="ft1">tierung einer IT-Lösung abzuschätzen. In diesem Kontext habe die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin am 30. Oktober 2007 eine Kostenzusammen-</span><br/> <span class="ft1">stellung mit einmaligen Kosten von Fr. 119'200.-- (ohne optionale</span><br/> <span class="ft1">Spezialentwicklungen) präsentiert. Die A. habe an ihrer Präsentation</span><br/> <span class="ft1">vom 9. November 2007 Kosten in der Höhe von rund Fr. 110'000.--</span><br/> <span class="ft1">in Aussicht gestellt. Gestützt auf der Grundlage dieser summarischen</span><br/> <span class="ft1">Kostenschätzungen sowie auf weitere Abklärungen habe sich die</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde für ein freihändiges Verfahren unter Einbezug der</span><br/> <span class="ft1">beiden genannten Anbieterinnen entschieden.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund dieser Angaben der beiden angefragten Unternehmen</span><br/> <span class="ft1">konnte die Vergabebehörde zwar darauf schliessen, dass eine Infor-</span><br/> <span class="ft1">matiklösung mit (einmaligen) Kosten unterhalb des Schwellenwerts</span><br/> <span class="ft1">für das Einladungsverfahren, d.h. Fr.</span> <span class="ft1">150'000.--, grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">realisierbar ist. Zugleich musste ihr aber bewusst sein, dass es sich</span><br/> <span class="ft1">dabei nur um eine einfache Basis- bzw. Minimallösung handeln</span><br/> <span class="ft1">konnte. Dies ergibt sich insbesondere aus der Kostenzusammen-</span><br/> <span class="ft1">stellung der Beschwerdeführerin: Die Kosten für die drei Basismo-</span><br/> <span class="ft1">dule betragen Fr. 119'200.--. Mit den optional angebotenen Erwei-</span><br/> <span class="ft1">terungen (automatische Synopsenerstellung, Fussnotenduplikations-</span><br/> <span class="ft1">elimination, Konkordanzliste und Historie) belaufen sich die Kosten</span><br/> <span class="ft1">jedoch bereits auf Fr. 146'400.--, liegen also nurmehr knapp unter-</span><br/> <span class="ft1">halb des Schwellenwerts für das Einladungsverfahren. Aber auch die</span><br/> <span class="ft1">Tatsache, dass das schliesslich für den Zuschlag berücksichtigte An-</span><br/> <span class="ft1">gebot der A. Kosten von rund Fr. 260'000.-- nach sich zieht, während</span><br/> <span class="ft1">an der Präsentation von der A. noch Kosten von (lediglich)</span><br/> <span class="ft1">Fr. 110'000.-- genannt wurden, lässt einzig den Schluss zu, dass sich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">200</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">deren ursprüngliche Kostenschätzung ebenfalls (offenbar entspre-</span><br/> <span class="ft1">chend dem ursprünglich geäusserten Wunsch der Vergabebehörde)</span><br/> <span class="ft1">auf eine Minimallösung bezog.</span><br/> <span class="ft1">2.4.3.</span><br/> <span class="ft1">Als Zwischenergebnis durfte die Vergabebehörde aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">beiden einverlangten Kostenschätzungen zwar davon ausgehen, dass</span><br/> <span class="ft1">eine Minimal- oder Basislösung zu unterhalb des Schwellenwerts lie-</span><br/> <span class="ft1">genden einmaligen Anschaffungskosten erhältlich sein würde. Je-</span><br/> <span class="ft1">doch musste ihr bereits zu jenem Zeitpunkt klar sein, dass zusätz-</span><br/> <span class="ft1">liche Anforderungen und Wünsche sehr rasch dazu führen würden,</span><br/> <span class="ft1">dass der für eine freihändige Vergabe zulässige Schwellenwert über-</span><br/> <span class="ft1">schritten wird.</span><br/> <span class="ft1">2.5.</span><br/> <span class="ft1">2.5.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Vergabestelle erstellte in der Folge ein Pflichtenheft, in des-</span><br/> <span class="ft1">sen Ziffer 5 die Anforderungen an das einzureichende Angebot</span><br/> <span class="ft1">detailliert umschrieben sind. Bestandteil des Pflichtenhefts war</span><br/> <span class="ft1">sodann ein "Anforderungskatalog", in dem diese Anforderungen</span><br/> <span class="ft1">wiederholt und als "Zuschlagskriterien" bezeichnet wurden.</span><br/> <span class="ft1">2.5.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin reichte am 29. April 2008 ein Angebot</span><br/> <span class="ft1">ein mit einmaligen Kosten in Höhe von Fr. 171'600.--. (...)</span><br/> <span class="ft1">Das Angebot der A. vom 24. April 2008 nennt einmalige Kosten</span><br/> <span class="ft1">in der Höhe von Fr. 259'600.--. (...)</span><br/> <span class="ft1">Beide Angebote liegen deutlich über dem für die Zulässigkeit</span><br/> <span class="ft1">einer freihändigen Vergabe massgebenden Schwellenwert von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 150'000.--. Das Angebot der A. überschreitet sogar den Schwel-</span><br/> <span class="ft1">lenwert von Fr. 250'000.--, der eine öffentliche Ausschreibung des</span><br/> <span class="ft1">Auftrags in einem offenen oder selektiven Verfahren notwendig</span><br/> <span class="ft1">macht. Den Kostenunterschied zwischen den beiden Angeboten</span><br/> <span class="ft1">begründet die Vergabebehörde damit, dass die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">entgegen den Anforderungen im Pflichtenheft mit Fixpreisen arbeite,</span><br/> <span class="ft1">während die A. in Übereinstimmung mit dem Pflichtenheft von</span><br/> <span class="ft1">einem Kostendach bzw. maximalen Kosten ausgehe. Die auffällige</span><br/> <span class="ft1">Differenz bei den Kosten der Konvertierung liege in erster Linie</span><br/> <span class="ft1">darin begründet, dass bei E. die Datenkonvertierung maschinell</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vorgenommen werde, dabei aber ein massiv höherer Aufwand seitens</span><br/> <span class="ft1">der Auftraggeberin zur Kontrolle der konvertierten Daten notwendig</span><br/> <span class="ft1">sei. Der Einsatz interner Ressourcen bei der Konvertierung durch A.</span><br/> <span class="ft1">sei gering, da die Konvertierung durch A. manuell und mit</span><br/> <span class="ft1">juristischem Personal vorgenommen werde.</span><br/> <span class="ft1">Sodann hält die Vergabebehörde fest, das von der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin vorgebrachte, aber effektiv nicht offerierte Angebot in der</span><br/> <span class="ft1">Höhe von Fr. 130'400.-- genüge den Anforderungen gemäss Pflich-</span><br/> <span class="ft1">tenheft bei weitem nicht. Aber auch das um die Zusatzoptionen und</span><br/> <span class="ft1">Spezialentwicklungen erweiterte Angebot der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">genügt den Anforderungen des Pflichtenhefts nicht, stellt die Verga-</span><br/> <span class="ft1">bebehörde diesbezüglich doch ausdrücklich fest, die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin habe ausreichend Gelegenheit erhalten, ihr Angebot zu op-</span><br/> <span class="ft1">timieren und nachzubessern. Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe ihr</span><br/> <span class="ft1">klar sein müssen, dass ihre eher einfache und knapp funktions-</span><br/> <span class="ft1">tüchtige Lösung nicht den Anforderungen der Staatskanzlei entspro-</span><br/> <span class="ft1">chen habe. Mit diesen Ausführungen anerkennt die Vergabebehörde,</span><br/> <span class="ft1">dass die Anforderungen, wie sie im Pflichtenheft enthalten sind, über</span><br/> <span class="ft1">eine einfache Basislösung, wie sie den beiden Kostenschätzungen</span><br/> <span class="ft1">zugrunde lagen, deutlich hinausgehen. Folglich hätte ihr bereits bei</span><br/> <span class="ft1">der Ausarbeitung des Pflichtenhefts bewusst sein müssen, dass die</span><br/> <span class="ft1">vorhandenen Kostenschätzungen für die Bestimmung des tatsächlich</span><br/> <span class="ft1">massgeblichen Auftragswerts von keiner bzw. nur noch von sehr</span><br/> <span class="ft1">beschränkter Bedeutung sein konnten und zwar einzig dahingehend,</span><br/> <span class="ft1">dass wegen der deutlich umfangreicheren Anforderungen an die zu</span><br/> <span class="ft1">beschaffende Informatiklösung zwangsläufig auch mit deutlich</span><br/> <span class="ft1">höheren Kosten zu rechnen sein musste. Der Argumentation der Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabebehörde, sie habe bei der Eröffnung des Verfahrens in guten</span><br/> <span class="ft1">Treuen davon ausgehen dürfen, dass die Angebote unter dem mass-</span><br/> <span class="ft1">geblichen Schwellenwert von Fr. 150'000.-- liegen würden, kann</span><br/> <span class="ft1">deshalb nicht gefolgt werden. Vorliegend ist die Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">auch keineswegs durch im Vergleich zu den Kostenschätzungen un-</span><br/> <span class="ft1">erwartet hohe Offertpreise (bei in etwa gleichgebliebenen Leistungs-</span><br/> <span class="ft1">anforderungen) "überrascht" worden. Vielmehr liegt der Grund für</span><br/> <span class="ft1">die deutlich höheren Kosten darin, dass die Vergabebehörde im Ver-</span><br/> <span class="ft1">gleich zu den Grundlagen der Kostenschätzungen eben auch we-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sentlich höhere Anforderungen an die zu offerierende Lösung gestellt</span><br/> <span class="ft1">hat. Mithin musste sie davon ausgehen, dass die Offertpreise</span><br/> <span class="ft1">zwangsläufig wesentlich höher ausfallen würden als die Kosten-</span><br/> <span class="ft1">schätzungen. Die Beschwerdeführerin weist durchaus zu Recht dar-</span><br/> <span class="ft1">auf hin, es gehe nicht an, "dass die Vergabebehörde (...) eine Kosten-</span><br/> <span class="ft1">schätzung für einen Kleinwagen erstellt, gestützt darauf das</span><br/> <span class="ft1">freihändige Verfahren wählt und dann - ohne 'Wechsel' in die zutref-</span><br/> <span class="ft1">fende Verfahrensart - einen Luxuswagen im überschwelligen Be-</span><br/> <span class="ft1">reich beschafft, da dieser ihre Bedürfnisse noch besser abdeckt". Die</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle hätte im vorliegenden Fall bereits anlässlich der Er-</span><br/> <span class="ft1">stellung des Pflichtenhefts die Schätzung der mutmasslich anfallen-</span><br/> <span class="ft1">den Kosten aufgrund ihrer zwischenzeitlich gesteigerten Anforde-</span><br/> <span class="ft1">rungen an die Informatik-Lösung entsprechend anpassen bzw. neu</span><br/> <span class="ft1">festlegen müssen.</span><br/> <span class="ft1">Die Offerte der A. beläuft sich auf Fr. 259'600.-- und diejenige</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin auf Fr. 171'600.-- (inkl. Zusatzoptionen und</span><br/> <span class="ft1">Spezialentwicklungen). Letzterer Betrag erhöhte sich im Nachgang</span><br/> <span class="ft1">an die von der Vergabebehörde geäusserten Optimierungswünsche</span><br/> <span class="ft1">um weitere Fr. 10'000.-- auf Fr. 183'000.--, entsprach aber - laut</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle - dennoch nicht den funktionalen und technologischen</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen. Hingegen erfüllt das Angebot der A. gemäss Verga-</span><br/> <span class="ft1">bebehörde die gestellten Anforderungen vollumfänglich, weist aber</span><br/> <span class="ft1">einmalige Kosten von Fr. 260'000.-- aus, d.h. liegt sogar über dem</span><br/> <span class="ft1">Schwellenwert, der die Durchführung eines offenen oder selektiven</span><br/> <span class="ft1">Verfahrens mit öffentlicher Auftragsausschreibung erforderlich</span><br/> <span class="ft1">macht. Eine sachgerechte Schätzung des Auftragswerts (für den im</span><br/> <span class="ft1">Pflichtenheft umschriebenen Auftrag) hätte somit davon ausgehen</span><br/> <span class="ft1">müssen, dass der massgebende Schwellenwert zumindest des Einla-</span><br/> <span class="ft1">dungsverfahrens, wenn nicht sogar des offenen oder selektiven Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens, erreicht würde und ein freihändiges Verfahren mit höchster</span><br/> <span class="ft1">Wahrscheinlichkeit nach nicht zulässig sein konnte. In Bezug auf den</span><br/> <span class="ft1">Beschaffungsgegenstand, wie er sich im Pflichtenheft dokumentiert,</span><br/> <span class="ft1">lag somit keine zuverlässige Kostenschätzung vor.</span><br/> <span class="ft1">2.6.</span><br/> <span class="ft1">Damit steht fest, dass sich die freihändige Vergabe vorliegend</span><br/> <span class="ft1">nicht auf § 8 Abs. 3 lit. a SubmD stützen lässt. Andere Ausnahme-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">203</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tatbestände i.S.v. § 8 Abs. 3 lit. b bis m SubmD, die eine freihändige</span><br/> <span class="ft1">Vergabe zulässig erscheinen lassen, werden von der Vergabebehörde</span><br/> <span class="ft1">nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>