<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 87 S.396</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">396</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>87</b></span> <span class="ft2"><b>Abzüge vom Roheinkommen bei Jahressteuer (§ 24 aStG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Abzüge für Aufwendungen, die im Zusammenhang mit Einkünften</b></span><br/> <span class="ft2"><b>entstanden sind, welche unter die Jahressteuer fallen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Ausgeschlossen sind nur die besonderen Abzüge und Steuer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>freibeträge, nicht aber die für die Erzielung des Einkommens</b></span><br/> <span class="ft2"><b>unmittelbar notwendigen Aufwendungen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">22. November 2001 in Sachen B., RV.2001.50116/K 6300</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Der Rekurrent hat am 31. Oktober 1997 von der Winterthur</span><br/> <span class="ft1">Lebensversicherungs-Gesellschaft aus Säule 3a eine Kapitalzahlung</span><br/> <span class="ft1">von Fr. 363'669.-- erhalten. Es ist unbestritten, dass diese Zahlung</span><br/> <span class="ft1">(nach Abzug eines Freibetrages von Fr. 100'000.-- gemäss § 35</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 aStG) grundsätzlich der Jahressteuer gemäss § 34 Abs. 3 lit. b</span><br/> <span class="ft1">aStG unterliegt. Umstritten ist, ob die zur Durchsetzung der den Ri-</span><br/> <span class="ft1">sikoteil der Säule 3a-Versicherung (jährliche Erwerbsausfallrente)</span><br/> <span class="ft1">abdeckenden Kapitalzahlung vom Rekurrenten geltend gemachten</span><br/> <span class="ft1">Anwaltskosten von Fr. 25'176.30 als Gewinnungskosten zum Abzug</span><br/> <span class="ft1">zuzulassen sind.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Das steuerbare Einkommen wird wie folgt ermittelt</span><br/> <span class="ft1">(Baur/Klöti/Koch/Meier/Ursprung, Kommentar zum Aargauer Steu-</span><br/> <span class="ft1">ergesetz, Muri-Bern 1991, N 4 zu den Vorbemerkungen zu §§ 22 - 36</span><br/> <span class="ft1">aStG):</span><br/> <br/> <table> <tr> <td width="350"><span class="ft1">Roheinkommen (Summe aller steuerpflichtigen Einkünfte)</span></td> <td align="right" width="150"><span class="ft1">§ 22</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">./. organische Abzüge (die zur Erzielung der Einkünfte unmittelbar notwendigen Aufwendungen sowie Beiträge an die Säulen 2 und 3a)</span></td> <td align="right"><span class="ft1">§§ 24 - 26</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">= Reineinkommen</span></td> <td></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">./. andere steuerliche Abzüge:</span></td> <td></td> </tr> </table> </div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">397</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <table> <tr> <td width="350"><span class="ft1">- Freibetrag für Zweitverdiener</span></td> <td align="right" width="150"><span class="ft1">§ 17 Abs. 4 + 5</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Rentenfreibeträge</span></td> <td align="right"><span class="ft1">§</span> <span class="ft1">28</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Besitzesdauerabzug</span></td> <td align="right"><span class="ft1">§</span> <span class="ft1">29</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">- besondere Abzüge</span></td> <td align="right"><span class="ft1">§ 30</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">- steuerfreie Beträge</span></td> <td align="right"><span class="ft1">§ 31</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft1">= steuerbares Einkommen</span></td> <td></td> </tr> </table> <br/> <span class="ft1">b) Bei Einkünften wird zwischen periodischen und</span><br/> <span class="ft1">einmaligen Einkünften bloss in der Art der Besteuerung unterschie-</span><br/> <span class="ft1">den. § 34 aStG bestimmt, dass gewisse - an sich gemäss § 22 aStG</span><br/> <span class="ft1">steuerbare - Einkünfte nicht mit der periodisch geschuldeten Ein-</span><br/> <span class="ft1">kommenssteuer, sondern mit einer Jahressteuer zu erfassen sind</span><br/> <span class="ft1">(Baur/Klöti/Koch/Meier/Ursprung, a.a.O., N 5 zu den Vorbemerkun-</span><br/> <span class="ft1">gen zu §§ 22 - 36 aStG). Dabei werden gemäss § 35 Abs. 1 aStG die</span><br/> <span class="ft1">besonderen Abzüge und die steuerfreien Beträge (§ 26 Abs. 1 und 4</span><br/> <span class="ft1">[berufliche Vorsorge], § 30 [besondere Abzüge] und § 31 [steuerfreie</span><br/> <span class="ft1">Beträge]) nicht berücksichtigt, weil dies bereits bei der ordentlichen</span><br/> <span class="ft1">Einkommenssteuer geschieht (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Weg-</span><br/> <span class="ft1">weiser durch das st.gallische Steuerrecht, 5. Auflage, Muri-Bern</span><br/> <span class="ft1">1995, S. 161).</span><br/> <span class="ft1">c) Die Vorinstanz beruft sich zur Begründung der Abweisung</span><br/> <span class="ft1">der Einsprache u.a. auf Art. 83 BVG. Danach sind die Leistungen aus</span><br/> <span class="ft1">Vorsorgeeinrichtungen und Vorsorgeformen nach den Artikeln 80</span><br/> <span class="ft1">und 82 bei den direkten Steuern der Kantone und Gemeinden in</span><br/> <span class="ft5"><b>vollem Umfang</b> als Einkommen steuerbar. Mit dieser Formulierung</span><br/> <span class="ft1">will der Gesetzgeber zum Ausdruck bringen, dass die Leistungen aus</span><br/> <span class="ft1">Vorsorgeeinrichtungen in der vollen Höhe Grundlage für die</span><br/> <span class="ft1">Besteuerung bilden (Grundsatz der vollen Steuerbarkeit). Das heisst</span><br/> <span class="ft1">aber nicht, dass die Leistungen aus Vorsorgeeinrichtungen auch in</span><br/> <span class="ft1">der vollen Höhe steuerbar sind. Wenn die Vorinstanz festhält, das</span><br/> <span class="ft1">BVG kenne keinen Abzug von Gewinnungskosten für Kapital-</span><br/> <span class="ft1">zahlungen aus der Säule 3a, so ist das zwar zutreffend. Für die Frage,</span><br/> <span class="ft1">ob bei der Besteuerung einer Kapitalzahlung aus der Säule 3a Ge-</span><br/> <span class="ft1">winnungskosten zum Abzug zuzulassen seien, ist aber ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">das jeweilige kantonale Steuergesetz massgebend. Die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">beruft sich denn auch auf das aStG und verneint gestützt auf den</span><br/> <span class="ft1">bereits erwähnten § 35 Abs. 1 aStG die Abzugsfähigkeit der zur</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">398</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Eintreibung der fraglichen Kapitalzahlung aufgewendeten Anwalts-</span><br/> <span class="ft1">kosten. Sie übersieht dabei, dass die Anwaltskosten weder unter die</span><br/> <span class="ft1">"besonderen Abzüge" noch unter die "steuerfreien Beträge" fallen,</span><br/> <span class="ft1">welche bei der Jahressteuer beide nicht zu berücksichtigen sind. § 35</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 aStG schliesst demgegenüber die Berücksichtigung der Auf-</span><br/> <span class="ft1">wendungen gemäss § 24 aStG und damit die geltend gemachten</span><br/> <span class="ft1">Anwaltskosten grundsätzlich nicht aus. Für die Nichtberücksichti-</span><br/> <span class="ft1">gung von § 24 aStG bei der Jahressteuer sprechen auch keine steuer-</span><br/> <span class="ft1">systematischen Überlegungen. Es handelt sich zwar bei den in § 24</span><br/> <span class="ft1">aStG explizit aufgeführten Aufwendungen um solche, die von den</span><br/> <span class="ft1">der periodischen Einkommenssteuer unterliegenden Einkünften ab-</span><br/> <span class="ft1">gezogen werden können. Da die Aufzählung in § 24 aStG jedoch</span><br/> <span class="ft1">nicht abschliessend ist, ist auch die Gewährung von Abzügen für</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen, die im Zusammenhang mit Einkünften, welche unter</span><br/> <span class="ft1">die Jahressteuer fallen, möglich. Das gebietet auch der Grundsatz der</span><br/> <span class="ft1">Verhältnismässigkeit der Steuerbelastung nach der wirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft1">Leistungsfähigkeit (vgl. zum Begriff: BGE vom 13. Juni 2000 in</span><br/> <span class="ft1">Sachen Z.). Somit ist das steuerbare Einkommen auch bei Einkünf-</span><br/> <span class="ft1">ten, die gemäss § 34 aStG einer Jahressteuer (statt der ordentlichen</span><br/> <span class="ft1">Einkommenssteuer) unterliegen, grundsätzlich nach dem unter</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 3a dargelegten Schema, also unter Berücksichtigung der Auf-</span><br/> <span class="ft1">wendungen gemäss § 24 aStG, aber ohne Berücksichtigung der "be-</span><br/> <span class="ft1">sonderen Abzüge" und der "steuerfreien Beträge" gemäss § 35 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">aStG, zu ermitteln. Es lässt sich entgegen der Auffassung des</span><br/> <span class="ft1">Rechtsdienstes des Kantonalen Steueramtes aus dem RGE vom</span><br/> <span class="ft1">22.</span> <span class="ft1">April 1999 in Sachen O. nicht ableiten, dass bei den</span><br/> <span class="ft1">Jahressteuern nach §</span> <span class="ft1">34 aStG keine Gewinnungskosten</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigt werden. Es werden vielmehr auch bei den</span><br/> <span class="ft1">Jahressteuern gemäss §</span> <span class="ft1">34 Abs.</span> <span class="ft1">1 lit.</span> <span class="ft1">c aStG auf</span><br/> <span class="ft1">Liquidationsgewinnen im Sinne von § 29 Abs. 1 lit. a aStG die im</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang mit der Liquidation entstandenen Aufwendungen</span><br/> <span class="ft1">gewinnmindernd berücksichtigt. Auch der Umstand, dass</span><br/> <span class="ft1">Kapitalabfindungen aus der Säule 3a durch die Erhebung einer Jah-</span><br/> <span class="ft1">ressteuer zu 40 % des Tarifs (mindestens aber zum Satz von 4 %)</span><br/> <span class="ft1">steuerlich privilegiert werden, schliesst die Berücksichtigung von</span><br/> <span class="ft1">Gewinnungskosten nicht aus.</span><br/></div> </div> </body> </html>