Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 16. Dezember 2014 (470 14 266) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Untersuchungshaft Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Hele- na Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft , Grenzacher- strasse 8, Postfach 810, 4132 Muttenz, Beschwerdegegner Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdegegnerin Gegenstand Untersuchungshaft (Beschwerde gegen den Entscheid des Zwangsmassnahmenge- richts Basel-Landschaft vom 13. November 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen einer gegen A.____ geführten Untersuchung betreffend die Straftatbestände des gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sach beschädigung und des mehrfachen Hausfriedensbruchs verfügte das Zwangsmassnahmenger icht Basel-Landschaft mit Entscheid vom 13. März 2014 auf Antrag der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, vom 12. März 2014 Untersuchungshaft für di e vorläufige Dauer von drei Monaten bis zum 9. Juni 2014. Im weiteren Verlauf der Untersuch ung stellte der Beschuldigte mit Datum vom 5. Mai 2014 ein Gesuch um Haftentlassung, welch es er aber mit Schreiben vom 14. Mai 2014 wieder zurückzog. Parallel dazu beantragte die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 9. Mai 2014 die Verlängerung der Haft. Mit Entschei d vom 19. Mai 2014 erkannte das Zwangs- massnahmengericht, dass das Verfahren betreffend Ha ftentlassung zufolge Rückzugs abge- schrieben und der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Verlängerung der Untersuchungshaft teil- weise gutgeheissen und diese vorläufig bis zum 9. S eptember 2014 verlängert werde. Mit Schreiben vom 15. August 2014 stellte der Beschuldi gte wiederum ein Gesuch um Haftentlas- sung. Demgegenüber beantragte die Staatsanwaltschaft zunächst mit Eingabe vom 20. August 2014 die Abweisung des Haftentlassungsgesuchs und s odann mit Datum vom 1. September 2014 die Haftverlängerung für die vorläufige Dauer von drei Monaten. In der Folge vereinigte das Zwangsmassnahmengericht die beiden Verfahren be treffend Haftentlassung und Haftver- längerung und verfügte mit Entscheid vom 1. Septemb er 2014, dass erstens das Haftentlas- sungsgesuch abgewiesen und zweitens in teilweiser G utheissung des Antrages der Staatsan- waltschaft die Untersuchungshaft vorläufig für die Dauer von zwei Monaten bis zum 9. Novem- ber 2014 verlängert werde. Diesen Entscheid bestäti gte das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, mit Beschluss vom 6. Oktober 2014 in Abweisung der entsprechenden Beschwerde des Beschuldigten vom 4. September 2014. Auf die gegen den Beschluss des Kantonsgerichts vom 6. Oktober 2014 erhobene Beschw erde des Beschuldigten vom 18. Okto- ber 2014 trat das Bundesgericht mit Urteil vom 24. Oktober 2014 nicht ein. Mit Eingabe vom 3. November 2014 stellte die Staatsanwaltschaft wie derum ein Haftverlängerungsgesuch und beantragte dabei, die Untersuchungshaft sei um die vorläufige Dauer von zwei Monaten zu ver- längern. Mit Datum vom 10. November 2014 nahm die R echtsvertreterin des Beschuldigten Stellung zum Haftverlängerungsantrag und begehrte, es sei dieser auf freien Fuss zu setzen. Mit Entscheid vom 13. November 2014 erkannte das Zw angsmassnahmengericht schliesslich, dass in Gutheissung des Antrages der Staatsanwaltsc haft die Untersuchungshaft vorläufig für die Dauer von zwei Monaten bis zum 9. Januar 2015 v erlängert werde. Auf die Begründung sowohl dieses Entscheids als auch der vorgängig gen annten und der nachfolgenden Eingaben Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Beschlusses einge- gangen. B. Gegen den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts B asel-Landschaft vom 13. November 2014 erhob der Beschuldigte mit Eingab e vom 15. November 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Str afrecht, und stellte dabei die folgenden Rechtsbegehren: Es sei der angefochtene Entscheid a ufzuheben und zur Neubeurteilung zu- rückzuweisen (Ziff. 1) und es seien die Kosten des Verfahrens dem Staat aufzuerlegen (Ziff. 2). C. Demgegenüber beantragte die Staatsanwaltschaft Bas el-Landschaft, Allgemeine Haupt- abteilung, mit Eingabe vom 28. November 2014 die vo llumfängliche Abweisung der Beschwer- de. D. Ebenso stellte die Vorinstanz in ihrer Stellungnah me vom 28. November 2014 den Antrag, die Beschwerde sei unter o/e Kostenfolge vollumfänglich abzuweisen. E. Mit zwei Eingaben vom 3. Dezember 2014 nahm der Be schwerdeführer jeweils replizie- rend Stellung zu den Stellungnahmen der beiden Besc hwerdegegner, ohne jedoch neuerliche konkrete Anträge zu stellen. Erwägungen 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts, Abteilung Strafrecht, als Be- schwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Be schwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StP O. Nach Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Entscheide des Zwangs massnahmengerichts in den in diesem Gesetz vorgesehenen Fällen. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Er- messens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung ( lit. a); die unvollständige oder unrichti- ge Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie U nangemessenheit (lit. c). Nach Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich od er mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Die Legitimation Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beschwerdeführers zur Ergreifung des Rechtsmitt els schliesslich wird in Art. 222 StPO so- wie Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Nachdem der ange fochtene Entscheid ein taugliches An- fechtungsobjekt darstellt, der Beschwerdeführer bes chwerdelegitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Begründungspflicht nachgekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die Beschwerde einzutreten. 1.2 Im vorliegenden Verfahren ist in erster Linie stri ttig, ob die Vorinstanz das rechtliche Ge- hör des Beschuldigten verletzt hat, indem sie ihm n icht die Möglichkeit gegeben hat, persönlich zum Haftverlängerungsantrag der Staatsanwaltschaft Stellung zu nehmen, und was die Folgen sind, sollte eine Gehörsverletzung zu bejahen sein. 2.1 Der Beschwerdeführer begründet seine Beschwerde im Wesentlichen damit, dass ihm das Zwangsmassnahmengericht das rechtliche Gehör ve rweigert habe, indem es entgegen Art. 227 Abs. 3 StPO lediglich seiner Verteidigerin und nicht auch zusätzlich ihm Gelegenheit gegeben habe, zum Haftverlängerungsantrag der Staat sanwaltschaft Stellung zu nehmen. Er sei zunächst davon ausgegangen, dass seine eigenstä ndig verfasste Stellungnahme ebenfalls in die Entscheidung eingeflossen sei, was aber bereits aus zeitlichen Gründen gar nicht möglich gewesen sei. Da er nicht bereits durch das Aufzwing en der Untersuchungshaft entmündigt sei, ersetze die Stellungnahme seiner Verteidigerin nich t seine eigene. Zudem habe die Vorinstanz eine Rechtsverweigerung begangen, indem sie ihn von der Möglichkeit ausgeschlossen habe, an einer ihn betreffenden Verfahrenshandlung teilzu nehmen. Die Handlungsweise des Zwangsmassnahmengerichts stelle einen derart schwerwiegenden Verstoss gegen Verfahrens- grundsätze dar, dass es angezeigt sei, dies explizit formal festzustellen. 2.2 Demgegenüber ist die Staatsanwaltschaft unter Verw eisung auf die Stellungnahme der Vorinstanz der Ansicht, es entspreche der mehrjähri gen Praxis des Zwangsmassnahmenge- richts, dass bei Haftverlängerungsgesuchen (nur) die Verteidigung zur Stellungnahme aufgefor- dert werde. Weil es sich bei den Fällen, in welchen es um Haftverlängerungen gehe, jeweils um Fälle notwendiger Verteidigung handle, seien sowohl die Verteidigungsrechte wie auch das rechtliche Gehör der beschuldigten Person gewahrt, wenn grundsätzlich die Verteidigung zur Frage der Haftverlängerung angehört werde. Dies sei insbesondere in casu der Fall, da der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 11. November 2014 zwar behaupte, dass eine Haft- entlassung sich allemal rechtfertigen würde, jedoch in seiner Eingabe sich in keinem Punkt zu den Voraussetzungen der Haft vernehmen lasse. Somit nehme er gar keine Stellung zum Ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht längerungsgesuch der Staatsanwaltschaft. Eine Berücksichtigung seiner Eingabe hätte deshalb mit Sicherheit keinerlei Einfluss auf die vorliegende Begründung des angefochtenen Entscheids gehabt. Eine Zurückweisung zur Neubeurteilung sei daher weder notwendig noch sinnvoll. 2.3 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihrer Stellung nahme im Wesentlichen aus, das Zwangsmassnahmengericht verzichte seit dem 1. April 2013 bei Verfahren betreffend Verlänge- rung von Untersuchungshaft auf die Zustellung des A ntrags der Staatsanwaltschaft an den Be- schuldigten; dieser werde vielmehr nur noch der Ver teidigung zur Stellungnahme übermittelt. Einerseits solle verhindert werden, dass für die En tscheidfrist gemäss Art. 227 Abs. 5 StPO je nach Zustelldatum der Instruktionsverfügung verschi edene Fristen gälten. Andererseits müsste Beschuldigten ausländischer Muttersprache zunächst der Antrag der Staatsanwaltschaft und danach deren Stellungnahme wieder auf Deutsch übers etzt werden, wodurch je nach Sprache und Verfügbarkeit von Dolmetschern angesichts der k urzen Frist von fünf Tagen ein terminge- rechter Entscheid erheblich erschwert, wenn nicht g ar ausgeschlossen wäre. Im vorliegenden Fall habe zudem die notwendige Verteidigerin genüge nd Zeit gehabt, sich mit dem Beschwer- deführer abzusprechen, und eine Berücksichtigung de r Stellungnahme des Beschuldigten vom 11. November 2014 hätte am angefochtenen Entscheid nichts geändert. 3.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich dir ekt aus Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 EMRK. Den Umfang des Geh örsanspruchs bestimmt zunächst das anwendbare Verfahrensrecht. Ergibt sich in der gesetzlichen Ausgestaltung eine Lücke, so grei- fen die unmittelbar aus den erwähnten Bestimmungen der BV und der EMRK fliessenden Ver- fahrensgarantien ein, wobei der Anspruch aus Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK in seiner Tragweite nicht über das in Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 32 Abs. 2 BV gewährte Recht hinausgeht (vgl. R OBERT HAUSER / ERHARD SCHWERI / KARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 2005, § 55 N 25 f., mit Verweis auf die Praxi s). Der Anspruch auf rechtliches Gehör soll das Spannungsfeld zwischen Staat und Individuum entschärfen, die Wahrung der menschlichen Würde im Verfahren gewährleisten und insbesondere durch Mitwirkungsrechte verhindern, dass der Einzelne zum blossen Objekt des staatlichen Han delns wird (H AUSER / SCHWERI / HARTMANN , a.a.O., § 55 N 3, mit Verweis auf die Praxis). Ge genstand des Anspruchs auf recht- liches Gehör ist unter anderem das Äusserungsrecht, welches die Behörde verpflichtet, den Betroffenen von dem ihrer Entscheidung zugrunde zu legenden Sachverhalt und von allen dem Gericht eingereichten Eingaben und Vernehmlassungen Kenntnis und gleichzeitig Gelegenheit zur Äusserung dazu zu geben. Ferner ist die Behörde gehalten, von der Erklärung des Gehör- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Notiz zu nehmen und sie – soweit sie erheblich ist – zu würdigen. Im Rahmen eines Haft- prüfungsverfahrens gewährleistet Art. 5 Ziff. 4 EMR K den Anspruch, auf die Vernehmlassung der Strafverfolgungsbehörde zu replizieren, und dies selbst dann, wenn die Behörde keine neu- en Argumente vorgebracht hat (H AUSER / SCHWERI / HARTMANN , a.a.O., § 55 N 5, mit Verweis auf die Praxis; vgl. auch H ANS VEST / SALOME HORBER , in: Basler Kommentar zur Schweizeri- schen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 1 ff. zu Art. 107 StPO, mit zahlreichen Hinweisen). Nach Art. 107 Abs. 1 StPO haben die Parteien Anspru ch auf rechtliches Gehör, sie haben na- mentlich das Recht, Akten einzusehen (lit. a) und s ich zur Sache und zum Verfahren zu äus- sern (lit. d). In Anwendung von Art. 108 Abs. 1 lit . a StPO können die Strafbehörden das rechtli- che Gehör einschränken, wenn der begründete Verdach t besteht, dass eine Partei ihre Rechte missbraucht. Gemäss Art. 227 Abs. 3 StPO gibt das Z wangsmassnahmengericht im Rahmen des Haftverlängerungsverfahrens der beschuldigten Person und ihrer Verteidigung Gelegenheit, die ihm vorliegenden Akten einzusehen und innert dr ei Tagen schriftlich zum Haftverlänge- rungsgesuch der Staatsanwaltschaft Stellung zu nehmen. In casu macht der Beschwerdeführer geltend, die Vorinstanz habe Art. 227 Abs. 3 StPO u nkorrekt angewendet. Aus der Botschaft des Bundesrates vom 21. Dezember 2005 ergeben sich keine Hinweise, welche der Interpreta- tion dieser Bestimmung dienlich wären. In Art. 227 Abs. 3 StPO wird – wie übrigens auch in Art. 225 Abs. 2 StPO, Art. 226 Abs. 2 StPO und Art. 228 Abs. 3 StPO – ausdrücklich festgehal- ten, dass der beschuldigten Person und ihrer Vertei digung Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben ist, wobei in diesem Zusammenhang die Betonun g auf dem Wort "und" liegt. Es trifft zwar zu, dass sich die bei einem Haftverlängerungsv erfahren zwingend gegebene notwendige Verteidigung in Wahrnehmung der Rechte des Inhaftie rten in aller Regel zu vernehmen lassen hat, um sich nicht dem Vorwurf der mangelnden Verte idigung auszusetzen, dies ändert aber nichts daran, dass sich der Gesetzgeber in Bezug au f das Haftverfahren vor dem Zwangs- massnahmengericht für die vorgängig zitierte Wortwahl entschieden hat. Nach Ansicht des Kan- tonsgerichts kann dies semantisch nicht anders gede utet werden, als dass damit ein selbst- ständiger Anspruch der beschuldigten Person auf Akt eneinsicht und Gelegenheit zur Stellung- nahme begründet wird (vgl. M ARKUS HUG / ALEXANDRA SCHEIDEGGER , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage , Zürich 2014, N 6 ff. zu Art. 225 StPO, DIESELBEN , a.a.O., N 7 zu Art. 227 StPO). Dies macht nicht z uletzt deshalb Sinn, weil aufgrund der sehr kurzen gesetzlichen Frist von lediglich dr ei Tagen häufig nicht gewährleistet ist, dass sich die Verteidigung nach Eingang des Haftverlängerungsantrags in ausreichendem Masse mit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der beschuldigten Person im Hinblick auf die zu verfassende Stellungnahme austauschen kann. Abgesehen davon handelt es sich bei Haftentscheiden um behördliche Massnahmen, welche sehr tief in die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen eingreifen, weshalb es als ange- zeigt erscheint, dass diesen die Möglichkeit einger äumt wird, sich unabhängig von der Stel- lungnahme ihrer Verteidigung persönlich vernehmen zu lassen. Es ist zwar nicht zu übersehen, dass diese Regelung zu praktischen Problemen führen kann, namentlich bei umfangreichen Akten und fremdsprachigen beschuldigten Personen. A llfällige praktische Probleme bei der Umsetzung können aber nicht dazu führen, dass das Ä usserungsrecht des Beschuldigten von vornherein beschnitten wird. Nötigenfalls ist hinzu nehmen, dass die (Ordnungs-)Frist von fünf Tagen in Abs. 5 von Art. 227 StPO überschritten werden muss. Festzuhalten ist an dieser Stelle zudem, dass die Problematik dadurch etwas gemildert wird, als nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts für eine fremdsprachige beschuldigte Person kein grundrechtlich geschützter Anspruch auf eine integrale Übersetzung sämtlicher Akten besteht (HUG / SCHEIDEGGER , a.a.O., N 9 zu Art. 225 StPO mit Verweis auf BGE 115 Ia 65, 118 Ia 464, 121 Ia 204). Indem also die Vorinstanz in casu dem Beschwerdeführer keine Geleg enheit zur persönlichen Stellungnahme zum Haftverlängerungsantrag der Staatsanwaltschaft gegeben hat, ohne dass ein Missbrauch dieses Rechts im Sinne von Art. 108 Abs. 1 lit. a StPO geltend gemacht wird oder ersichtlich ist, hat sie dessen Anspruch auf rechtliches Gehör bezüg lich des ihm zustehenden Äusserungs- rechts nach Art. 29 Abs. 2 BV sowie Art. 107 Abs. 1 lit. d StPO verletzt. 3.2 Das Recht, angehört zu werden, ist nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung formeller Natur. Dessen Verletzung führt ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels grundsätzlich zur Gutheissung der Bes chwerde und zur Aufhebung des ange- fochtenen Entscheids. Allerdings kann nach dem Bund esgericht eine nicht besonders schwer- wiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs als gehe ilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor der Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann, wie dies in casu bei der Beschwerdeinstanz der Fall ist. Unter diesen Voraussetzungen ist darüber hinau s selbst bei einer schwerwiegenden Verlet- zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem d er Anhörung gleichgestellten Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beur teilung der Sache nicht zu vereinbaren wä- ren. Allerdings darf die erstinstanzliche Behörde nicht darauf vertrauen, dass von ihr missachte- te Verfahrensrechte systematisch nachträglich gehei lt werden, ansonsten die für das erstin- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht stanzliche Verfahren vorgesehenen prozessualen Gara ntien ihren Sinn verlieren (P ATRICK GUIDON , in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafpro zessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 6a zu Art. 397 StPO, mit Verweis auf BGE 13 7 I 195 E. 2.3.2, 136 V 117 E. 4.2.2.2, 133 I 201 E. 2.2; A NDREAS J. KELLER , in: Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafpr o- zessordnung, 2. Auflage, Zürich 2014, N 4 zu Art. 3 97 StPO, mit Verweis auf BGE 126 V 130 E. 2b, 132 V 387 E. 5.1). Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz nach Ansich t des Kantonsgerichts zwar das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt, allerdings ha ndelt es sich dabei nicht um eine schwer- wiegende Verletzung, nachdem die notwendige Verteid igerin unbestrittenermassen Einblick in die massgeblichen Akten gehabt und fristgerecht ein e Stellungnahme zum Haftverlängerungs- antrag der Staatsanwaltschaft eingereicht hat, womi t die Verteidigungsrechte des Beschwerde- führers zweifellos vollumfänglich gewahrt worden si nd. Da selbst bei schwerwiegenden Verlet- zungen des rechtlichen Gehörs gemäss der Praxis des Bundesgerichts eine Heilung zulässig ist (wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalist ischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse d er betroffenen Partei an einer beförderli- chen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wär en), muss dies bei einer nicht schwerwie- genden Verletzung, wie sie in casu gegeben ist, sel bstverständlich umso mehr gelten. Hinzu kommt vorliegend, dass sich die beschuldigte Person im Beschwerdeverfahren hat äussern können und das Kantonsgericht über eine volle Kogni tion verfügt. Ausserdem käme eine Auf- hebung und Rückweisung des angefochtenen Entscheids des Zwangsmassnahmengerichts unter Berücksichtigung der persönlichen Stellungnah me des Beschwerdeführers vom 11. No- vember 2014 einem prozessualen Leerlauf gleich, was dem Beschleunigungsgebot in Haftsa- chen und damit letztlich dem Interesse des Beschuld igten widersprechen würde. Infolgedessen ist die nicht schwerwiegende Verletzung des rechtli chen Gehörs des Beschwerdeführers als im Beschwerdeverfahren geheilt zu erachten, womit nach folgend materiell zu prüfen ist, ob das Zwangsmassnahmengericht zu Recht die Voraussetzungen zur Haftverlängerung bejaht hat. 4.1 Bei einer Haftverlängerung nach Art. 227 StPO müss en die gesetzlichen Voraussetzun- gen für die Zulässigkeit der Untersuchungshaft weit erhin erfüllt sein. Gemäss Art. 221 Abs. 1 StPO sind Untersuchungs- und Sicherheitshaft nur zu lässig, wenn die beschuldigte Person ei- nes Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig ist und ernsthaft zu befürchten ist, dass sie sich durch Flucht dem Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (lit. a); oder dass sie Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht beeinträchtigen (lit. b); oder dass sie durch Verbr echen oder schwere Vergehen die Sicherheit anderer erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten verübt hat (lit. c). Nach Abs. 2 von Art. 221 StPO ist Haft auch zulässi g, wenn ernsthaft zu befürchten ist, eine Person werde ihre Drohung, ein schweres Verbrechen auszuführen, wahrmachen. Überdies hat die Haft wie alle strafprozessualen Zwangsmassnahme n verhältnismässig zu sein (Art. 197 StPO) und sie darf nicht länger dauern als die zu e rwartende Freiheitsstrafe (Art. 212 Abs. 3 StPO). Das Gericht hat zu prüfen, ob aufgrund der aktuelle n Untersuchungsergebnisse genügend kon- krete Anhaltspunkte für eine Straftat und eine Bete iligung der beschuldigten Person an dieser Tat vorliegen. Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen lässt nur wenig Raum für ausgedehnte Beweismassnahmen. Zur Schuldfrage hat der Haftricht er jedenfalls weder ein eigentliches Be- weisverfahren durchzuführen noch dem erkennenden Strafrichter vorzugreifen (M ARC FORSTER , in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafproze ssordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 3 zu Art. 221 StPO, mit Hinweisen). Beim Haftgrund de r Fluchtgefahr geht es um die Sicherung der Anwesenheit der beschuldigten Person im Verfahr en. Nach der Praxis des Bundesgerichts (BGer 1B_285/2014 vom 19. September 2014 E. 3.3; BG er 1B_172/2013 vom 13. Juni 2013 E. 2.2) braucht es für die Annahme von Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich die beschuldigte Person, wenn sie in Freiheit wäre, der Strafe durch Flucht entziehen wür- de. Im Vordergrund steht dabei eine mögliche Flucht ins Ausland, denkbar ist jedoch auch ein Untertauchen im Inland. Für die Annahme von Fluchtg efahr genügt die Höhe der dem Beschul- digten drohenden Freiheitsstrafe für sich allein ni cht. Fluchtgefahr darf nicht schon angenom- men werden, wenn die Möglichkeit der Flucht in abst rakter Weise besteht. Vielmehr müssen konkrete Gründe dargetan werden, die eine Flucht ni cht nur als möglich, sondern als wahr- scheinlich erscheinen lassen. Die Höhe der drohende n Freiheitsstrafe kann immer nur neben anderen, eine Flucht begünstigenden Tatsachen heran gezogen werden (BGE 125 I 60 E. 3a, mit Hinweisen). Nebst der Schwere der drohenden San ktion müssen die konkreten Umstände des betreffenden Falles, insbesondere die gesamten Lebensverhältnisse des Beschuldigten, in Betracht gezogen werden; namentlich sind die familiären und sozialen Bindungen des Beschul- digten, dessen berufliche Situation, Schulden, priv ate und geschäftliche Kontakte ins Ausland sowie sein Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu berücksichtigen. Auch psychische Auffälligkeiten, die auf eine besondere Neigung zu Impulsausbrüchen bzw. Kurzschlusshandlungen schliessen lassen, können die Wahrscheinlichkeit von Fluchtver halten indizieren (BGer 1B_285/2014 vom 19. September 2014 E. 3.3; vgl. FORSTER , a.a.O., N 5 zu Art. 221 StPO, mit Hinweisen). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gemäss Art. 237 StPO ordnet das zuständige Gericht anstelle der Untersuchungs- oder Si- cherheitshaft eine oder mehrere mildere Massnahmen an, wenn sie den gleichen Zweck wie die Haft erfüllen (Abs. 1). Mögliche Ersatzmassnahmen s ind unter anderen die Sicherheitsleistung (Abs. 2 lit. a), die Ausweis- und Schriftensperre ( Abs. 2 lit. b) und die Auflage, sich regelmässig bei einer Amtsstelle zu melden (Abs. 2 lit. d). Nac h der bundesgerichtlichen Praxis ist bei blos- sen Ersatzmassnahmen für Haft grundsätzlich ein wen iger strenger Massstab an die Annahme des besonderen Haftgrunds der Fluchtgefahr anzulegen als bei strafprozessualem Freiheitsent- zug, denn Untersuchungshaft stellt eine deutlich sc härfere Zwangsmassnahme dar als blosse Ersatzmassnahmen wie Ausweis- und Schriftensperren oder Meldepflichten (BGE 133 I 27 E. 3.3). Derartige Ersatzmassnahmen sind allerdings nicht nur weniger einschneidend, sondern auch weniger wirksam. Sie können daher zwar einer gewissen Fluchtneigung der beschuldigten Person vorbeugen, sind aber bei ausgeprägter Flucht gefahr unzureichend (BGer 1B_285/2014 vom 19. September 2014 E. 3.4, BGer 1B_632/2011 vom 2. Dezember 2011 E. 5.5). 4.2 Im vorliegenden Fall ist der dringende Tatverdacht bezüglich der Straftatbestände des gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbesc hädigung und des mehrfachen Haus- friedensbruchs, begangen zwischen dem 23./24. Septe mber 2011 und dem 10. März 2014, aufgrund der Aktenlage – namentlich der an den vers chiedenen Tatorten aufgefundenen DNA- Spuren und Schuhabdruckspuren des Beschuldigten, de r bei ihm sichergestellten Utensilien sowie des modus operandi – zweifellos zu bejahen, w ie dies bereits die Vorinstanz in ihren Ent- scheiden vom 13. März 2014, 19. Mai 2014, 1. Septem ber 2014 und 13. November 2014 sowie auch das Kantonsgericht im Beschluss vom 6. Oktober 2014 erkannt hat. Diesem Ergebnis vermag der Beschwerdeführer nichts entgegenzusetzen . Unerheblich ist dabei die mutmassli- che Deliktsanzahl, immerhin anerkennt der Beschuldi gte im vorliegenden Verfahren der Haft- überprüfung das Bestehen eines dringenden Tatverdachts bezüglich sieben Straftaten. Hinsichtlich des Vorliegens eines besonderen Haftgr undes ist zunächst festzustellen, dass die Vorinstanz die von der Staatsanwaltschaft ursprüngl ich ebenfalls ins Feld geführten Haftgründe der Fortsetzungs- und der Kollusionsgefahr nicht un tersucht hat, weshalb das Kantonsgericht ebenfalls darauf verzichtet, diese näher zu prüfen. Nach geltendem Recht reicht das Vorliegen eines besonderen Haftgrundes aus und in casu ist de r Haftgrund der Fluchtgefahr ohne Weite- res zu bejahen, was denn vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird und sich daher wie folgt summarisch begründen lässt: Die gegen den Bes chwerdeführer erhobenen Tatvorwürfe – Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht namentlich derjenige des gewerbsmässigen Diebstahls und des mehrfachen Hausfriedens- bruchs bezüglich bewohnter Liegenschaften – wiegen schwer und der Beschuldigte muss des- halb, insbesondere auch unter Berücksichtigung sein er mehreren einschlägigen Vorstrafen, mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe rechnen. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte deutscher Staatsangehöriger ist und zudem weder über eine fam iliäre noch über eine soziale oder eine berufliche Beziehung zur Schweiz verfügt. Weiter is t zu erwägen, dass der Beschwerdeführer offenbar nur zum Delinquieren in die Schweiz eingereist ist und darüber hinaus ein nach wie vor gültiges Einreiseverbot gegen ihn vorliegt. Unter diesen Umständen besteht in einer gesamthaf- ten Würdigung nicht nur in abstrakter Weise die Mög lichkeit der Flucht, vielmehr sind ganz er- hebliche objektive Anhaltspunkte für eine ausgeprägte Fluchtgefahr gegeben. Schliesslich ist auch die Verhältnismässigkeit der Untersuchungshaft mangels geeigneter Er- satzmassnahmen – einzeln wie auch in Kombination – gewahrt. Angesichts der ausgeprägten Fluchtgefahr vermögen weder die in Art. 237 Abs. 2 StPO exemplarisch aufgelisteten noch all- fällige weitere Ersatzmassnahmen gemäss Art. 237 Ab s. 1 StPO den gleichen Zweck wie die Haft zu erfüllen (vgl. grundsätzlich zur Frage der Wirksamkeit von Ausweis- und Schriftensper- ren oder Meldepflichten zur Bannung der Fluchtgefah r BGer 1B_18/2012 vom 27. Januar 2012 E. 3.3.3). Ebenso ist die Haft auch in zeitlicher H insicht nicht zu beanstanden, nachdem sich der Beschwerdeführer seit dem 10. März 2014 und dam it seit etwas mehr als neun Monaten in Haft befindet und dadurch die bisher ausgestandene Haftdauer angesichts der dem Beschwer- deführer zur Last gelegten Tatbestände unter Berück sichtigung der mehreren einschlägigen Vorstrafen noch nicht in grosse zeitliche Nähe der bei einer Verurteilung zu erwartenden Frei- heitsstrafe gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB gerückt is t. Dies gilt selbst dann, wenn man den Erwä- gungen des Beschwerdeführers in der Stellungnahme v om 10. November 2014 folgen würde und zu seinen Gunsten lediglich von einem dringende n Tatverdacht bei sieben Einbruchdieb- stählen ausgehen würde. An diesem Resultat, wonach alle Voraussetzungen zur Haftanordnung bzw. Haftverlängerung erfüllt sind, vermag weder die persönliche Stellung nahme des Beschuldigten vom 11. November 2014 noch seine Beschwerde vom 15. November 2014 etwas zu ändern. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass einerseits die Vorinstanz tatsächlich das rechtli- che Gehör des Beschuldigten verletzt hat, indem sie ihm keine Gelegenheit zur persönlichen Stellungnahme zum Haftverlängerungsantrag der Staat sanwaltschaft gemäss Art. 227 Abs. 3 Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht StPO gegeben hat, dass andererseits aber dieser nic ht schwerwiegende Mangel im Beschwer- deverfahren vor dem Kantonsgericht geheilt worden i st und im Übrigen alle Voraussetzungen zur Haftverlängerung erfüllt sind, weshalb die Besc hwerde mit dem Begehren, es sei der ange- fochtene Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts Bas el-Landschaft vom 13. November 2014 aufzuheben und zur Neubeurteilung zurückzuweisen, abzuweisen ist. 5. Bei diesem Verfahrensausgang würden nach Art. 428 Abs. 1 StPO die ordentlichen Kos- ten des Beschwerdeverfahrens grundsätzlich zu Laste n des Beschuldigten gehen. Nachdem das Kantonsgericht jedoch tatsächlich eine – wenn a uch folgenlos bleibende – Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers durch die Vorinstanz festgestellt hat, rechtfertigt es sich aus Gründen der Billigkeit, auf die Erhebung v on Verfahrenskosten zu verzichten (vgl. G UIDON , a.a.O., N 6a zu Art. 397 StPO, mit Hinweisen). Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Für das Beschwerdeverfahren werden keine ordent lichen Kosten er- hoben. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann