Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Januar 2022 (720 20 200 / 08) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Caroline Franz Waldner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene A.___ war von Dezember 2007 bis Mitte 2012 als Verkäuferin bei der B.____ GmbH tätig. Nach der Kündigung seitens de r Arbeitgeberin bezog sie von Dezem- ber 2012 bis September 2014 Taggelder der Arbeitslose nversicherung. Am 2. Dezember 2014 meldete sich A.____ unter Hinweis auf ein psychisches Leide n bei der Eidgenössischen Invali- denversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Ab klärung der gesundheitlichen und der erwerblichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft bei der Versicherten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen Invaliditätsgrad von 0 %. Gestützt auf dieses Erge bnis verneinte sie - nach durchgeführ- tem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 17. Apri l 2020 einen Rentenanspruch von A.____. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner, am 19. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsgeri cht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihr mit Wirkung ab 1. November 2015 eine ga nze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei " die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ein Verlaufsgutachten bei Dr. C.____ einzuholen und den Invaliditätsgrad neu zu ermitteln." Ferner ersuchte die Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 25. Mai 2020 bewilligte das Kant onsgericht A.____ gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozess- führung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Adv okatin Dr. Caroline Franz Waldner als Rechtsvertreterin. D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vo m 31. Juli 2020 die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Stellungnahme von Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 24. Juli 2020 bei. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt die Beschwerdeführerin mit Replik vom 24. August 2020 an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesentli- chen bisherigen Vorbringen fest. Die Beschwerdegegneri n wiederum beantragte in ihrer Duplik vom 18. September 2020 nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 12. November 202 0 gelangte das Kantonsgericht zum Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Ang elegenheit gestützt auf die vor- handene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur Klärung der medizinischen Sachlage bei Dr. med. E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein psychiatrisches Gerichtsgutacht en in Auftrag zu geben. Im An- hang zu diesem Beschluss unterbreitete das Kantonsgericht d en Parteien den Entwurf des ent- sprechenden Auftrags und den vorgesehenen Fragenkatalog. Die Parteien erhoben keine Ein- wände gegen die Person des Gutachters. Ebenso verzichtet en sie zwar darauf, Zusatzfragen zu stellen, die Beschwerdegegnerin listete jedoch in ih rer Stellungnahme vom 18. Dezember 2020 einzelne Punkte auf, denen der Gutachter - vor allem im Zusammenhang mit der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit - besondere Aufmerksamkeit zu kommen zu lassen habe. Am 30. De- zember 2020 erging der Begutachtungsauftrag des Kantonsgerichts an Dr. E.____. G. Am 27. April 2021 erstattete Dr. E.____ sein psychia trisches Gerichtsgutachten. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Inhalt des G utachtens und zur Frage zu äussern, wie sich dessen Ergebnisse auf den Leistungsanspruch der Versich erten auswirken würden. Die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdegegnerin reichte am 19. Mai 2021 ihre entsp rechende Stellungnahme ein, die Be- schwerdeführerin äusserte sich am 5. Juli 2021, gleichzei tig legte sie ihren Ausführungen eine Stellungnahme des behandelnden Psychiaters Dr. med. F.__ __, Psychiatrie und Psychothera- pie FMH, vom 24. Juni 2021 bei. In einem abschliessende n Schriftenwechsel äusserten sich in der Folge die Versicherte am 15. Juli 2021 und die B eschwerdegegnerin am 26. Juli 2021 zu den jeweiligen Standpunkten der Gegenpartei. H. Mit Verfügung vom 29. Juli 2021 überwies die instr uierende Präsidentin die Angele- genheit dem Dreiergericht zur (erneuten) Beurteilung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e Beschwerde der Versicherten vom 19. Mai 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 ist die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft ge treten. Weil in zeitlicher Hinsicht grund- sätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 466 E. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 17. April 2020) eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b), sin d im vorliegenden Fall die Bestimmungen des IVG in der bis Ende 2021 geltenden Fassung anwendba r (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweis). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser V ersion wiedergegeben, zitiert und ange- wendet. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2, 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die ander e medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach entschei- dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntn is der Vorakten (Anamnese) abge- geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schl ussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). 3.3.1 So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach de r Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholt es Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Eine abw eichende Beurteilung kann ferner ge- rechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserung en anderer Fachexperten dem Ge- richt als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens a bweichende Schlussfolgerun- gen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). 3.3.2 Im Weiteren ist den im Rahmen des Verwaltungsver fahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.3.3 Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachp ersonen schliesslich kommt nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutacht en. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein V ersicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen au ch nur geringe Zweifel an der Zu- verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen är ztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5 am Ende, mit Hinweis). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 4.2 Zu ergänzen ist, dass das Bundesgericht mit BGE 143 V 418 entschieden hat, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukt urierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses Verfahren de finiert systematisierte Indikatoren, die - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Bela stungsfaktoren einerseits und Kom- pensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - im Reg elfall erlauben, das tatsächlich erreich- bare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch zu beurteilen (BGE 141 V 281 E. 3.6). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostische n Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszusta nds und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das psychiatrische Gutachten vom 6. September 2016 ein. Darin diagnostizie rte der genannte Facharzt als Ge- sundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkungen auf die Arbe itsfähigkeit eine Agoraphobie (ICD-10 F40.0). Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsf ähigkeit erhob er einen Benzodiaze- pin-Dauerkonsum (ICD-10 F13.2). Zur Arbeitsfähigkeit d er Versicherten führte Dr. C.____ aus, die Explorandin werde seit vermutlich November 2014 ganz arbeitsunfähig geschrieben, wobei sie durchaus zwischenzeitlich noch stundenweise Tätigkeiten ausgeübt habe, weswegen im Grunde genommen nicht von einer vollen Arbeitsunfähi gkeit ausgegangen werden könne. Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Explorandin noch nicht in de r Lage, eine ähnliche Tätigkeit wie bisher und auch eine alternative Arbeit in der freien Wirtsch aft zu verrichten. Zuerst müssten Wieder- eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden. Es sei d aher weiterhin von einer vollen Ar- beitsunfähigkeit auszugehen. 5.2 In seiner Stellungnahme vom 27. Oktober 2016 zum Gutachten von Dr. C.____ vertrat der RAD-Arzt Dr. D.____ die Auffassung, dass die darin e rhobene Diagnose der Agoraphobie nachvollziehbar sei. Nicht gefolgt werden könne Dr. C._ ___ jedoch, soweit er der Versicherten eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiere. Diese Einschät zung stehe bereits in Widerspruch zu Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht einigen Ausführungen im Gutachten selber. Sodann erge be sich aus den Schilderungen der Explorandin, dass sie ihre Angstbeschwerden für viele Täti gkeiten im Alltag durchaus überwin- den könne. Weiter würden die Alltagsbeschreibung und d as Funktionsprofil zeigen, dass diese Parameter nicht massgeblich beeinträchtigt seien und da ss die Versicherte einen normalen so- zialen Umgang habe und die anstehenden Aufgaben im hä uslichen und ausserhäuslichen Be- reich erfüllen könne. Anhand der Beschreibung im Gutach ten liege bei der Versicherten dem- nach eine leichte Ausprägung der phobischen Störung vo r, womit sich keine erhebliche und schon gar nicht eine volle Arbeitsunfähigkeit begründen liessen. 5.3 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 17. April 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands der Versicherten auf das psychiatrische Gutachten von Dr. C.____ vom 6. September 2016 und bei der Beurtei lung der Arbeitsfähigkeit auf die Ein- schätzung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 27. Oktober 2016. Dr. C.____ habe, so die Ein- schätzung der IV-Stelle, die Befundlage korrekt erhoben und die von ihm gestellte Diagnose der Agoraphobie sei nachvollziehbar. Nach eingehender Prü fung der Standardindikatoren könne jedoch die volle Arbeitsunfähigkeit, die Dr. C.____ d er Versicherten attestiert habe, nicht über- nommen werden. Gestützt auf die Beurteilung von Dr. D .____ sei vielmehr davon auszugehen, dass bei der Versicherten keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege. 5.4.1 Das Kantonsgericht gelangte anlässlich der ersten U rteilsberatung vom 12. November 2020 zum Schluss, dass den fachärztlichen Beurteilungen der Dres. C.____ und D.____ bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts keine ausschlaggeb ende Beweiskraft zukomme. Es erwog, die Beurteilung von Dr. C.____ vermöge inso weit nicht zu überzeugen, als er der Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit atte stiere. Zum einen sei die betreffende Ein- schätzung lediglich sehr kurz begründet und zum andern se i sie auch widersprüchlich, halte doch Dr. C.____ im selben Abschnitt seines Gutachtens (S. 10, Ziff. VI) gleichzeitig auch fest, dass die Versicherte "durchaus zwischendurch noch stundenwei se Tätigkeiten durchführte, weswegen im Grunde genommen nicht von einer vollen Ar beitsunfähigkeit ausgegangen wer- den kann." Dazu komme, dass das Gutachten von Dr. C.____ auch sonst eher kurz ausgefallen und entsprechend knapp begründet sei. Ebenso sei frag lich, ob es noch die aktuelle medizini- sche Situation der Versicherten wiedergebe, sei die Exp ertise im Zeitpunkt des Verfügungser- lasses (17. April 2020) doch mehr als dreieinhalb Jahr e alt gewesen. Kein ausschlaggebender Beweiswert komme aber auch - so das Kantonsgericht im d amaligen Beschluss weiter - der Beurteilung des RAD-Arztes Dr. D.____ zu, wonach bei der Versicherten keine wesentliche und dauerhafte Arbeitsunfähigkeit vorliege. Bei der bewe isrechtlichen Würdigung dieser Einschät- zung sei vorab daran zu erinnern, dass Berichten und Gu tachten versicherungsinterner Fach- personen nicht derselbe Beweiswert zukomme wie einem i m Verfahren nach Art. 44 ATSG ein- geholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Be- weiswürdigung seien deshalb strenge Anforderungen zu st ellen, wenn ein Versicherungsfall gestützt auf versicherungsinterne ärztliche Feststellungen entschieden werden solle. Bestünden auch nur geringe Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit, so seien ergänzende Ab- klärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5 am Ende, m it Hinweis). Solche Zweifel lägen hier vor, sie würden sich insbesondere aus dem Gutachten von Dr. C.____ ergeben, der zu einer diametral anderslautenden Einschätzung der Arbei tsfähigkeit gelangt sei, aber auch aus Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Berichten des behandelnden Psychiaters Dr. F.____, der von einem erheblich beeinträch- tigten Gesundheitszustand und ebenfalls von einer vollst ändigen Arbeitsunfähigkeit der Versi- cherten ausgehe. 5.4.2 Da die übrigen damals vorliegenden medizinischen Berichte ebenfalls keine ausrei- chende Grundlage für eine abschliessende Beurteilung d er Beschwerde bildeten, beschloss das Kantonsgericht, den Fall auszustellen und eine zusätzl iche Abklärung des medizinischen Sachverhalts im Rahmen eines psychiatrischen Gerichtsguta chtens vornehmen zu lassen. Mit dessen Erstellung wurde in der Folge Dr. E.____ beauftragt. 6.1 Am 27. April 2021 erstattete Dr. E.____ sein Ger ichtsgutachten. Darin erhob er ge- stützt auf eine zweimalige, insgesamt rund viereinhalbst ündige ambulant-psychiatrische Unter- suchung der Explorandin, auf die erhobene Fremdanamnese und auf die medizinische Aktenla- ge als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkei t eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) und eine Agoraphobie (ICD-10 F40.0). Als Diagnosen oh ne Auswirkungen auf die Arbeitsfähig- keit hielt er eine sekundäre Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10 F13.2), einen Verdacht auf eine generalisierte Angststörung (ICD-10; F41.1) und einen Verdacht auf eine rezidivierende depressive Störung mit Hinweisen auf Episoden ca. 1996 un d 2012, aktuell remittiert (ICD-10 F33.4), fest. 6.2.1 In seiner medizinischen Beurteilung äusserte sich Dr . E.____ als erstes zu den funktio- nalen Auswirkungen der objektivierten Befunde und Diagnosen. Er hielt fest, dass die Panikstö- rung und die Agoraphobie funktionale Auswirkungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Die funktionalen Einschränkungen seien dabei hauptsächl ich durch das Vermeidungsverhalten bedingt. Um Ängste und Panikattacken zu vermeiden, hab e die Explorandin ihren Bewegungs- radius und die Benutzung von Verkehrsmitteln (ohne Begleitung) eingeschränkt. Während einer Panikattacke, die bei ihr durchschnittlich etwa zehn Mi nuten daure, komme es zu einer vo- rübergehenden Einengung der Wahrnehmung und des Denkens auf die Angstsymptome. Diese Einengung sei aber zeitlich kurz beschränkt und zwischen de n Attacken seien die Wahrneh- mung und das Denken nicht eingeschränkt. Die Prüfung d er funktionalen Beeinträchtigungen unter Verwendung des Mini-ICF-APP Ratings habe Beei nträchtigungen in den Bereichen "An- passung an Regeln und Routinen", "Proaktivität und Sp ontanaktivitäten", "Widerstands- und Durchhaltefähigkeit" sowie "Mobilität und Verkehrsfähi gkeit" ergeben. Bei der "Flexibilität und Umstellungsfähigkeit" würden sich durch die Panikstörung u nd die Agoraphobie keine direkten Beeinträchtigungen ergeben, hingegen führe die erhö hte subjektive Behinderungsüberzeugung zu rigiden Vorstellungen und einem unflexiblen Verhalt en. Insgesamt sei aus den im Mini-ICF- APP festgestellten funktionalen Beeinträchtigungen zu schliessen, dass der Explorandin auf- grund der psychiatrischen Diagnosen offensichtlich keine volle Arbeitsfähigkeit attestiert werden könne. 6.2.2 In einem nächsten Abschnitt diskutierte der Gutach ter allfällige relevante Persönlich- keits- und Belastungsfaktoren sowie die vorhandenen Ressou rcen. Er hielt fest, dass die sub- jektiv sehr ausgeprägte Behinderungsüberzeugung ein für die berufliche Reintegration hinderli- cher Persönlichkeitsfaktor darstelle. Die Explorandin könne sich eine berufliche Tätigkeit abso- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht lut nicht mehr vorstellen. Sie denke auch, dass sie zu alt sei für eine Wiedereingliederungs- massnahme. Sie scheine sich mit ihrem verminderten Bewegu ngsradius und der Aufgabe einer beruflichen Tätigkeit abgefunden zu haben. Von der p sychiatrischen Behandlung erwarte sie keine wesentliche Veränderung, sondern sie betrachte die Therapie als eine "Lebensbeglei- tung". Dieses passive Verhalten wirke sich in der Therapie und für eine Wiedereingliederung ungünstig aus. Was die Kooperationsbereitschaft betreffe, so entstünden Zweifel an dieser, und zwar insbesondere aufgrund der dezidierten, mit einer nicht überzeugenden Argumentation ver- tretenen Ablehnung einer stationären Behandlung. Zu möglichen Belastungsfaktoren äusserte sich Dr. E.____ dahingehend, dass die Abhängigkeit vom So zialamt und die finanziell enge Si- tuation die Versicherte belasten würden. Zudem seien da s Alter der Explorandin und die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ungünstige Faktoren für die berufliche Wiedereingliederung. Was die Ressourcen der Explorandin betreffe, könne auf deren Schilderungen verwiesen wer- den. So gebe sie an, dass sie bei der Verrichtung ihres H aushalts auf keine Hilfe angewiesen sei. Sie koche gerne zweimal täglich frische Mahlzeiten. Sie sei kreativ, male und fotografiere. Sie habe eine enge Beziehung zu einer Schwester, die sie unterstütze, und sie habe auch ein gutes Verhältnis zu ihrem Sohn. Bei der Prüfung der Ressourcen unter Verwendung des Mini- lCF-APP Ratings würden sich insbesondere Ressourcen in der Konversations- und Kontaktfä- higkeit, der Gruppenfähigkeit, der Fähigkeit zu dyadisch en Beziehungen, der Selbstbehaup- tungsfähigkeit, der Fähigkeit zur Planung und Struktu rierung von Aufgaben, der Fähigkeit zur Selbstpflege und Selbstversorgung und in der Kompeten z- und Wissensanwendung finden. Diese Fähigkeiten passten gut zum Beruf als Verkäuferin. 6.2.3 Im Rahmen der Konsistenzprüfung wies der Gutachte r darauf hin, dass sich in der ak- tuellen Schilderung der Beschwerden der Versicherten ke ine Widersprüche zu der bereits im ersten psychiatrischen Bericht von 2015 aufgeführten Diag nose einer Panikstörung finden wür- den. Ebenso deckten sich die aktuellen subjektiven Angaben mit den von Dr. C.____ im psychi- atrischen Gutachten vom 6. September 2016 gestellten D iagnosen einer Agoraphobie und ei- nes Benzodiazepin-Dauerkonsums. Das berichtete Vermeiden vo n Reisen und die einge- schränkte Nutzung von Verkehrsmitteln ohne Begleitung li essen sich durch die Agoraphobie plausibel erklären. Die Entstehung einer Benzodiazepin-Abhängigkeit wegen einer anhaltenden Angstsymptomatik als Folge einer wenig wirksamen, nicht de n Behandlungsleitlinien entspre- chenden Behandlung der Panikstörung/Agoraphobie sei nach vollziehbar. Sodann stimme die Fremdanamnese mit der Schwester mit den Angaben der Versicherten überein und es hätten sich auch keine Diskrepanzen zwischen den vorgetragenen Be schwerden, dem Auftreten der Versicherten während der Untersuchungen in der Praxis u nd den erhobenen psychopathologi- schen Befunden eruieren lassen. Im Weiteren hätten die Angaben zum Vermeidungsverhalten bei der Exploration durch Nachfragen präzisiert und dur ch konkrete Beispiele und Details ge- stützt werden können. Das agoraphobische Vermeidungsver halten der Versicherten sei aller- dings nicht durchgängig konsequent. Sie berichte, da ss sie in der Lage sei, ihre Ängste teilwei- se zu überwinden, dass sie zum Beispiel zum Einkaufen k urze Strecken mit dem Tram auch alleine fahren könne, dass sie in Begleitung längere Strecken mit dem öffentlichen Verkehr zu- rücklege, dass sie vereinzelt mit dem Zug gereist sei und ein Konzert besucht habe. Diese Fä- higkeiten würden eine Agoraphobie natürlich nicht aussch liessen, aber es seien Belege dafür, dass die Explorandin ihre Ängste für verschiedene Tätigkeiten ausserhalb ihrer Wohnung und in Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer vertrauten Umgebung überwinden könne. Die Diskr epanz bestehe zwischen diesen Fä- higkeiten/Aktivitäten und der subjektiv wahrgenommenen B ehinderung und Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit. Nicht konsistent mit den subjektive n Angaben der Versicherten seien die vom behandelnden Psychiater aufgeführten depressiven Episo den mittleren bis schweren Gra- des. Gemäss seiner Exploration könne zwar auf allfällige depressive Episoden 1996 und 2012 geschlossen werden, Hinweise auf in den letzten Jahren a ufgetretene mittel- bis schwergradige Episoden hätten sich aber nicht finden lassen. 6.2.4 Den bisherigen Verlauf der Behandlung würdigt e der Gutachter dahingehend, dass die in den anerkannten evidenzbasierten Leitlinien empfohle nen psychotherapeutischen und medi- kamentösen Behandlungsmöglichkeiten für eine Panikstörung/Agoraphobie nicht oder zu wenig konsequent durchgeführt worden seien. Es gebe daher tro tz des langen Krankheitsverlaufs im- mer noch Therapieoptionen, durch die bei Motivation u nd Kooperation der Versicherten eine Verbesserung der Angstsymptomatik und eine Verminderung d es Vermeidungsverhaltens er- reicht werden könne. Die aktuell mässig beeinträchtigte W iderstands- und Durchhaltefähigkeit könnte im Rahmen eines Arbeitstrainings mit schrittweise r Erhöhung des Pensums wieder auf- gebaut und die Arbeitsfähigkeit erhöht werden. Unter der Voraussetzung geeigneter, erfolgreich durchgeführter therapeutischer Massnahmen und einer Wied ereingliederungsmassnahme sei bei Motivation und Kooperation der Versicherten im wei teren Verlauf eine Wiederherstellung einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit innerhalb von etwa einem halben Jahr aus psychiatrischer Sicht möglich. Dies entspreche dem Pensum an der letzten Arbe itsstelle. Während der zeitlichen Präsenz am Arbeitsplatz bestehe aus medizinischer Sicht keine verminderte Leistungsfähigkeit. 6.3.1 In seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gel angte Dr. E.____ zum Schluss, dass der Versicherten die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin zumutbar sei unter der Vo- raussetzung, dass eine leilinienkonforme Therapie (Verh altenstherapie und adäquate medika- mentöse Behandlung) der Agoraphobie/Panikstörung vorab angefangen werde. Diese Therapie sollte dann solange weitergeführt werden, bis die ma ximale Arbeitsfähigkeit erreicht und stabili- siert worden sei. Aktuell bestehe aus medizinisch-theoret ischer Sicht eine 50%-ige Arbeitsfä- higkeit als Verkäuferin, wobei der Dekonditionierung b ei der langen Arbeitskarenz Rechnung getragen werde. Bezüglich des Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit wies Dr. E.____ darauf hin, dass seit dem Gutachten vom September 2016 und aktuell im Wesentlichen gleiche psychopatholo- gische Befunde vorliegen würden. Somit könne von einem unveränderten psychischen Zustand seit dem damaligen Gutachten ausgegangen werden. Auf die Frage nach dem Anforderungs- profil eines angepassten Arbeitsplatzes antwortete Dr. E.____, dass die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin gut zu den Fähigkeiten und Ressourcen d er Versicherten passe. Daher müsse die Tätigkeit nicht angepasst werden. Der Explorandin wäre aber auch eine andere Tätigkeit zumutbar, die ein vergleichbares Anforderungsprofil aufweise. 6.3.2 Zu den bei den Akten liegenden abweichenden Ein schätzungen der Arbeitsfähigkeit nahm der Gutachter wie folgt Stellung: Der Beurteilu ng des behandelnden Psychiaters Dr. F.____, wonach bei der Versicherten seit November 20 14 von einer durchgängigen, voll- ständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei, könne er a ufgrund seiner abweichenden Diagno- sen, der anders beurteilten Funktionseinschränkungen u nd der vorhandenen Inkonsistenzen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht beipflichten. Die Beurteilung der Arbeitsfähig keit im psychiatrischen Gutachten vom 6. September 2016 wiederum könne nicht übernommen we rden, weil Dr. C.____ zum einen widersprüchliche Aussagen zur Arbeitsfähigkeit mache und zum andern seine Einschätzung, wonach von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugeh en sei, nicht ausreichend begrün- de. 7.1 In ihrer Stellungnahme vom 19. Mai 2021 zum Gerich tsgutachten von Dr. E.____ ver- trat die IV-Stelle die Auffassung, dass auf dieses abgestellt werden könne. Demnach sei aktuell und auch rückwirkend von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der angestamm- ten Tätigkeit als Verkäuferin auszugehen. Daraus resultiere ein Anspruch auf eine halbe Rente; diese beginne sechs Monate nach der Anmeldung vom 2. Dezember 2014 und somit per 1. Juni 2015 zu laufen. Die Beschwerdeführerin wiederum bestri tt in ihrer Eingabe vom 5. Juli 2021, der sie eine Stellungnahme des behandelnden Arztes Dr. F.____ vom 24. Juni 2021 beilegte, insbesondere die Darstellung des Gerichtsgutachters, wonach bei ihr eine unzureichende medi- zinische Behandlung erfolge. Sodann wies sie darauf hin, dass Dr. E.____ zwar das Vorliegen einer Agoraphobie und einer Panikstörung anerkenne, e r würdige jedoch deren Schwere und insbesondere deren Auswirkungen im Alltag zu wenig. Im W eiteren würden sich die vom Gut- achter genannten Therapieoptionen als nicht umsetzbar e rweisen und die von ihm postulierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit innert eines halben Jahres nach erfolgter Änderung der The- rapie sei rein hypothetisch und angesichts der sehr lang en Krankheitsdauer keinesfalls realis- tisch. Aber selbst wenn veränderte Therapieformen mögl ich wären, würden diese nicht bereits zu Beginn der Therapie zu einer Verbesserung der Situa tion führen, sondern erst nach deren Absolvierung, sodass eine allfällige Arbeitsfähigkeit erst im Anschluss daran als gegeben erach- tet werden könnte. Bis allfällige entsprechende Erfo lge eintreten würden, wäre sie aber mit na- hezu 60 Jahren in einem Alter, das die Umsetzung einer theoretischen Arbeitsfähigkeit als nicht mehr realistisch und damit nicht zumutbar erscheinen liesse . Dies gelte erst recht vor dem Hin- tergrund, dass sie mittlerweile seit neun Jahren nicht mehr im Arbeitsleben stehe und - wie auch der Gutachter ausführe - zunächst berufliche Wiede reingliederungsmassnahmen stattfin- den müssten. Sie halte deshalb am Antrag auf Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. November 2015 fest. Eventualiter sei ihr ab dem genannten Datu m mindestens eine halbe Rente zuzu- sprechen. 7.2 In ihrer abschliessenden Stellungnahme zum Standpun kt der Gegenpartei teilte die Versicherte am 15. Juli 2021 mit, dass sie mit der Rente nausrichtung per 1. Juni 2015 gemäss dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 19. Mai 2015 übereinstimme, im Übrigen jedoch an ihren Anträgen auf Ausrichtung einer ganzen, mindestens aber einer halben Rente festhalte. Die Beschwerdegegnerin ihrerseits machte mit Eingabe vom 26. Juli 2021 geltend, dass weder die Ausführungen der Versicherten vom 5. Juli 2021 no ch die ärztliche Stellungnahme von Dr. F.____ vom 24. Juni 2021 Zweifel am Beweiswert d es Gutachtens von Dr. E.____ und der darin vorgenommenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aufkommen liessen. Es bleibe einzig darauf hinzuweisen, dass - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - im Gerichtsgut- achten bereits zum aktuellen Zeitpunkt wie auch rückwirken d eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit attestiert werde. Eine vorgängige Durchführung von ber uflichen Integrationsmassnahmen wer- de zur Umsetzung dieser 50 %-igen Arbeitsfähigkeit v on Dr. E.____ nicht für notwendig erach- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tet. Lediglich um allenfalls eine 80 %-ige Arbeitsfähigkeit zu erreichen, seien laut dem Gutachter geeignete, erfolgreich durchgeführte therapeutische M assnahmen und eine Eingliederungs- massnahme erforderlich. Diese rein hypothetisch zu erreiche nde 80 %-ige Arbeitsfähigkeit sei allerdings nicht Gegenstand des aktuell zu verfügenden Leistungsentscheids. 8.1 Nach den oben geschilderten Beweismaximen (vgl. E. 3.3.1 hiervor) weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre F achkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise w idersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerun- gen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferne r gerechtfertigt sein, wenn gegensätzli- che Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Geri cht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, s ei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Er- gebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerung en zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). 8.2 Vorliegend ist keiner dieser Gründe für ein Abwei chen vom psychiatrischen Gerichts- gutachten von Dr. E.____ vom 27. April 2021 ersichtlich. Es ist viel mehr festzuhalten, dass dieses die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungs- grundlage in jeder Hinsicht erfüllt: Es weist weder fo rmale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hi ervor) - für die streitigen Belange um- fassend, es stützt sich auf eine sorgfältige, insgesamt ru nd viereinhalbstündige persönliche Un- tersuchung der Explorandin, es berücksichtigt die geklagte n Beschwerden und es ist in Kennt- nis der Vorakten abgegeben worden. Inhaltlich ist das Gu tachten widerspruchsfrei und es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der medizinischen Situation ein. Insbesondere nimmt es eine schlüssige Beurteilung d er Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor und es zeigt auch auf, weshalb diesbezüglich nicht au f die abweichenden fachärztlichen Einschätzungen des Administrativgutachters Dr. C.____ und des behandelnden Arztes Dr. F.____ abgestellt werden kann. 8.3 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, vermag die a usschlaggebende Beweiskraft der Gerichtsexpertise von Dr. E.____ nicht in Frage zu stelle n. Die Versicherte ist der Auffassung, der Gutachter anerkenne zwar - zu Recht - das Vorliegen einer Agoraphobie und einer Panik- störung, er würdige jedoch deren Schwere und insbesond ere deren Auswirkungen im Alltag zu wenig. Dieser Einwand erweist sich als unbegründet, den n Dr. E.____ zeigt, wie oben darge- legt, ausführlich und überzeugend auf, dass die Beschwe rdeführerin ihre angestammte Tätig- keit als Verkäuferin zwar nicht mehr uneingeschränkt verri chten kann, dass sie aber nach wie vor über Ressourcen verfügt, die es ihr erlauben, dies en Beruf oder jede andere Tätigkeit, die ein vergleichbares Anforderungsprofil aufweist, noch im U mfang von 50 % auszuüben. Sodann schliesst die Versicherte aus den gutachterlichen Ausführun gen, dass mit ihr zur Umsetzung der als zumutbar erachteten 50 %-igen Arbeitsfähigkeit vorgängig berufliche Integrationsmass- nahmen durchgeführt werden müssten. Dieser Betrachtun gsweise der Beschwerdeführerin Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann jedoch nicht gefolgt werden. Mit der IV-Stelle i st vielmehr davon auszugehen, dass Dr. E.____ die Explorandin aktuell aus medizinisch-theo retischer Sicht im angestammten Beruf als Verkäuferin und in jeder anderen Tätigkeit, die ei n vergleichbares Anforderungsprofil auf- weist, als zu 50 % arbeitsfähig einstuft. Der Gutachte r macht diese Einschätzung nicht von ei- ner vorgängigen Durchführung von beruflichen und the rapeutischen (Eingliederungs-) Mass- nahmen abhängig. Einzig um wieder eine 80 %-ige Arbeitsfähigkeit zu erreichen wären gemäss Dr. E.____ vorgängig entsprechende, erfolgreich dur chgeführte Massnahmen nötig. Diese al- lenfalls in einem späteren Zeitpunkt anzustrebende 80 %-ige Arbeitsfähigkeit ist nun allerdings - und auch darin ist der IV-Stelle beizupflichten - n icht Gegenstand des aktuellen Rentenent- scheids. 8.4 Zusammenfassend ergibt sich demnach gestützt auf die sc hlüssigen Ergebnisse des Gerichtsgutachtens von Dr. E.___, dass bei der Versicher ten aktuell und rückwirkend von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammte n Tätigkeit als Verkäuferin als auch in jeder anderen Tätigkeit, die ein vergleichbares Anfor derungsprofil aufweist, ausgegangen wer- den kann. 9.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu besti mmen. Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfügung vom 17. April 2020 den erford erlichen Einkommensvergleich vor. Da die Versicherte bereits im Zeitpunkt der Anmeldung zum Leistungsbezug keiner Erwerbstätig- keit mehr nachging und sie auch aktuell keine solche ausübt, ermittelte die IV-Stelle sowohl das Validen- als auch Invalideneinkommen zu Recht unter B eizug der Tabellenlöhne der Schweize- rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für S tatistik (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Dab ei berechnete sie aufgrund ihrer damali- gen Einschätzung, wonach der Versicherten die Ausübung ihrer angestammten Tätigkeit als Verkäuferin weiterhin uneingeschränkt zumutbar sei, sowo hl das Validen- als auch das zumut- bare Invalideneinkommen anhand desselben LSE-Tabellenlohns des Sektors Detailhandel, wo- raus in Anbetracht der damals attestierten vollen Arbeit sfähigkeit in diesem Beruf ein Invalidi- tätsgrad von 0 % resultierte. Nunmehr ist gestützt au f das zwischenzeitlich eingeholte Gerichts- gutachten von Dr. E.____ erstellt, dass der Versicherten d ie Ausübung ihres angestammten Berufs als Verkäuferin zwar weiterhin zumutbar ist, al lerdings kann nicht mehr von einer unein- geschränkten, sondern lediglich noch von einer 50 %-ige n Arbeitsfähigkeit in dieser Tätigkeit ausgegangen werden. Vor diesem Hintergrund können a ber sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin weiterhin u nter Beizug desselben LSE- Tabellenlohns im Sektor Detailhandel ermittelt werden . Da gleichzeitig die Vornahme eines all- fälligen leidensbedingten Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. dazu BGE 146 V 16 E. 4.1 mit zahlrei- chen Hinweisen) nicht angezeigt ist, führt dies im Ei nkommensvergleich auf der Basis einer verbleibenden Arbeitsfähigkeit von 50 % nunmehr zu einem massgebenden Invaliditätsgrad von 50 %. In ihrer Stellungnahme zum Gerichtsgutachten an erkennt die Beschwerdegegnerin die- ses Ergebnis des Einkommensvergleichs und die Versicherte stel lt den auf diese Weise ermit- telten Invaliditätsgrad in ihren Ausführungen zum Geri chtsgutachten zu Recht ebenfalls nicht in Frage. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt in ihrer Eingabe vom 19. Mai 2021 die Auffassung, dass die Versicherte mit Wirkung ab 1. Juni 2015 Anspr uch auf Ausrichtung der halben Rente habe. Dieser Auffassung kann jedoch nicht gefolgt wer den. Die IV-Stelle übersieht, dass der Rentenanspruch gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG unter andere m voraussetzt, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbru ch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (lit. b). Zudem bestimmt Ar t. 29 Abs. 1 IVG, dass der Rentenan- spruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Gelte ndmachung des Leistungsan- spruchs entsteht. In den vorliegenden medizinischen Akten wird der Versicherten ärztlicherseits erstmals im Bericht von Dr. F.____ vom 1. Februar 2015 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, und zwar mit Beginn ab 12. November 2014. Das Wartejahr von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG begann somit am genannten Tag zu laufen und ende te am 11. November 2015. Die IV- Anmeldung erfolgte am 2. Dezember 2014, d.h. mehr al s sechs Monate vor Ablauf des Warte- jahres. Somit hat die Beschwerdeführerin nicht - wie von ihr und der IV-Stelle postuliert - ab 1. Juni 2015, sondern erst ab 1. November 2015 Anspruch auf eine halbe Rente. 9.3 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerde der Versicher- ten teilweise gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfüg ung vom 17. April 2020 ist aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. November 2015 An- spruch auf eine halbe Rente hat. 10. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdeve rfahrens zu befinden. 10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist d ie Beschwerdeführerin obsiegen- de und die IV-Stelle unterliegende Partei. 10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 10.3 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträ ger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die M assnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung dem Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherer aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 2 65 f. E. 4.4.2). Vorliegend war das Gericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 12. November 2020 zum Ergebnis gelangt, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf di e damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Es beschloss deshalb, den Fall auszustellen u nd zur weiteren Klärung des medi- zinischen Sachverhalts ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, Wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, wa r das in der Folge eingeholte Gerichts- gutachten von Dr. E.____ vom 27. April 2021 für eine abschliessende Beurteilung des medizini- schen Sachverhalts unerlässlich. Im Lichte der geschilder ten bundesgerichtlichen Rechtspre- chung sind demnach die Kosten der Begutachtung der IV-St elle aufzuerlegen. Diese Kosten belaufen sich gemäss der Honorarrechnung von Dr. E.____ vom 27. April 2021 auf Fr. 6'800.--. 10.4 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerde- führerin hat in ihren beiden Rechnungen vom 24. Augu st 2020 und 4. August 2021 für das vor- liegende Verfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 4'133.35 geltend gemacht, was sich in Anbe- tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfrage n und in Berücksichtigung, dass im Laufe des Prozesses mehrere Eingaben und Stellungnahmen an das Gericht zu verfassen wa- ren, als angemessen erweist. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der genannten Höhe zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver- fügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 17. April 2 020 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin a b 1. November 2015 Anspruch auf eine halbe Rente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die Kosten der gerichtlichen Begutachtung in der H öhe von Fr. 6'800.-- werden der IV -Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 4'133.35 zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht