<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 117 S.517</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">517</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Nichtwiederwahl</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>117 Nichtwiederwahl. Anspruch auf Entschädigung.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Wird der Entscheid einer nach bisherigem Recht zuständigen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Rechtsmittelinstanz nach Inkrafttreten des Personalgesetzes</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eröffnet, beurteilt sich die Zuständigkeit der nächsthöheren In-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stanz nach dem Personalgesetz (Erw. I/1/c).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Dem Personalrekursgericht ist es verwehrt, eine Wiederwahl</b></span><br/> <span class="ft3"><b>anzuordnen. Auf den entsprechenden Antrag der Beschwerde-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>führerin darf nicht eingetreten werden (Erw. I/2/a).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Gemeindeangestellte, welche durch Verfügung angestellt sind,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>haben im Falle einer ungerechtfertigten Entlassung oder</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Nichtwiederwahl einen Entschädigungsanspruch analog zu</b></span><br/> <span class="ft3"><b>§ 12 PersG (Erw. I/2/b/aa); das entsprechende Begehren muss</b></span><br/> <span class="ft3"><b>im Beschwerdeverfahren gestellt werden (Erw I/2/b/bb).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Kognition des Personalrekursgerichtes; Ermessensüberprü-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fung bejaht (Erw. I/3).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Im Beschwerde- und Klageverfahren vor Personalrekursge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>richt werden auch bei Streitwerten unter Fr. 30'000.-- Kosten</b></span><br/> <span class="ft3"><b>erhoben; keine analoge Anwendung von Art. 343 OR und § 369</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ZPO (Erw. III/1).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 17. Dezember 2001 /</span><br/> <span class="ft5">21. Januar 2002. in Sachen J.B. gegen den Entscheid des Departements des</span><br/> <span class="ft5">Innern des Kantons Aargau (Gemeindeabteilung) vom 27.</span> <span class="ft5">Juni 2001</span><br/> <span class="ft5">(BE.2001.50002).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">Die Beschwerdeführerin wurde im Jahre 1998 im Alter von 68</span><br/> <span class="ft7">Jahren als Blockflötenlehrerin für das Schuljahr 1998/1999 an die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">518</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Musikschule U. gewählt. Für die Schuljahre 1999/2000 und</span><br/> <span class="ft7">2000/2001 erfolgte je eine Wiederwahl.</span><br/> <span class="ft7">Am 22. Januar 2001 erliessen der Gemeinderat und die Schul-</span><br/> <span class="ft7">pflege U. einen Beschluss betreffend Nichtwiederwahl. Dagegen</span><br/> <span class="ft7">liess die Beschwerdeführerin am 1. März 2001 Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft7">schwerde beim Departement des Innern führen. Mit Entscheid vom</span><br/> <span class="ft7">27. Juni 2001 wies das Departement des Innern (Gemeindeabteilung)</span><br/> <span class="ft7">die Beschwerde ab.</span><br/> <span class="ft7">Gegen diesen Entscheid liess die Beschwerdeführerin am</span><br/> <span class="ft7">24. Juli 2001 fristgerecht Beschwerde beim Regierungsrat des Kan-</span><br/> <span class="ft7">tons Aargau einreichen und beantragen, die Verfügung des Gemein-</span><br/> <span class="ft7">derates U. sowie der Entscheid des Departementes des Innern des</span><br/> <span class="ft7">Kantons Aargau sei aufzuheben und sie sei als Musikschullehrerin</span><br/> <span class="ft7">wiederzuwählen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeur-</span><br/> <span class="ft7">teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Anlässlich der Verhand-</span><br/> <span class="ft7">lung vom 17. Dezember 2001 liess die Beschwerdeführerin sub-</span><br/> <span class="ft7">eventualiter beantragen, es sei festzustellen, dass ihre Nichtwieder-</span><br/> <span class="ft7">wahl widerrechtlich gewesen sei und es sei ihr eine Entschädigung</span><br/> <span class="ft7">von sechs Monatslöhnen zu bezahlen.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">I. 1. a) Der lehrplanmässige Instrumentalunterricht wird an der</span><br/> <span class="ft7">Oberstufe der Volksschule erteilt (§ 1 Verordnung über den Instru-</span><br/> <span class="ft7">mentalunterricht vom 14. März 1988 [SAR 421.391]). Über den</span><br/> <span class="ft7">lehrplanmässigen Unterricht hinaus können die Gemeinden für die</span><br/> <span class="ft7">musikalische Grundschulung besondere Einrichtungen führen (§ 17</span><br/> <span class="ft7">SchulG). Musikschulen für die Unter- und Mittelstufe sind somit</span><br/> <span class="ft7">kommunale Institutionen; deren Lehrkräfte werden folglich von der</span><br/> <span class="ft7">Gemeinde nach kommunalem Recht angestellt.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss (Wieder-) Wahlverfügung für das Schuljahr 2000/2001</span><br/> <span class="ft7">wurde die Beschwerdeführerin gewählt für das Fach "Blockflöte US"</span><br/> <span class="ft7">(= Blockflöte Unterstufe). Entsprechend den obigen Ausführungen</span><br/> <span class="ft7">war sie somit Gemeindeangestellte. Dies ergibt sich auch daraus,</span><br/> <span class="ft7">dass sie nicht auf der kantonalen Lohnliste figuriert und die Wahlver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">519</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">fügung nicht vom Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS)</span><br/> <span class="ft7">bestätigt werden musste.</span><br/> <span class="ft7">b) Es ist unbestritten, dass das Anstellungsverhältnis der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführerin mit der Gemeinde U. öffentlichrechtlicher Natur</span><br/> <span class="ft7">war und nicht auf Vertrag, sondern auf Verfügung basierte. Gemäss</span><br/> <span class="ft7">§ 48 Abs. 1 PersG gelten bei Streitigkeiten aus einem öffent-</span><br/> <span class="ft7">lichrechtlichen Arbeitsverhältnis zwischen Gemeinden und ihren</span><br/> <span class="ft7">Mitarbeitenden die Bestimmungen über das gerichtliche Klage- und</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeverfahren gemäss §§ 39 und 40 PersG; das Schlich-</span><br/> <span class="ft7">tungsverfahren nach § 37 PersG entfällt. Gegen die Verfügung des</span><br/> <span class="ft7">letztinstanzlich zuständigen Organs der Gemeinde kann somit direkt</span><br/> <span class="ft7">beim Personalrekursgericht Beschwerde geführt werden. Damit</span><br/> <span class="ft7">entfällt der bisherige Instanzenweg (1. Rechtsmittelinstanz: Depar-</span><br/> <span class="ft7">tement des Innern, Gemeindeabteilung; 2. Rechtsmittelinstanz: Re-</span><br/> <span class="ft7">gierungsrat; vgl. § 109 GG).</span><br/> <span class="ft7">c) Das Personalgesetz trat auf den 1. April 2001 in Kraft (Re-</span><br/> <span class="ft7">gierungsratsbeschluss vom 27. September 2000, AGS 2000, S. 248).</span><br/> <span class="ft7">Die Übergangsbestimmungen enthalten in Bezug auf den Rechts-</span><br/> <span class="ft7">schutz für das Personal von Gemeinden keine ausdrücklichen Vor-</span><br/> <span class="ft7">schriften.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind neue Ver-</span><br/> <span class="ft7">fahrensvorschriften grundsätzlich sofort und uneingeschränkt anzu-</span><br/> <span class="ft7">wenden, wenn die Kontinuität des materiellen Rechts dadurch nicht</span><br/> <span class="ft7">gefährdet wird und Übergangsbestimmungen nicht ausdrücklich</span><br/> <span class="ft7">etwas anderes vorsehen (BGE 115 II 101). In Bezug auf Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft7">telverfahren wird auf den Zeitpunkt der Eröffnung der anfechtbaren</span><br/> <span class="ft7">Verfügungen und Entscheide abgestellt: Findet die Eröffnung vor</span><br/> <span class="ft7">dem Inkrafttreten des neuen Prozessrechtes statt, so findet das alte,</span><br/> <span class="ft7">im andern Falle das neue Recht Anwendung (Alfred Kölz, Intertem-</span><br/> <span class="ft7">porales Verwaltungsrecht, in: ZSR 102 (1983) II, S. 222 ff. mit Hin-</span><br/> <span class="ft7">weisen). Für die Zuständigkeitsfrage folgt daraus, dass die vor dem</span><br/> <span class="ft7">Inkrafttreten des neuen Rechts mit einem Rechtsmittel befasste In-</span><br/> <span class="ft7">stanz zuständig bleibt, auch wenn das neue Recht die Zuständigkeit</span><br/> <span class="ft7">anders ordnet, und dass sich die Zuständigkeit der nächsthöheren</span><br/> <span class="ft7">Instanz jedenfalls dann nach Massgabe des neuen Rechts beurteilt,</span><br/> <span class="ft7">wenn dieses in Kraft getreten ist, bevor die Rechtsmittelfrist zu lau-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">520</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">fen begonnen hat (BVR 1986, S. 263 mit Hinweisen). Diesen Darle-</span><br/> <span class="ft7">gungen entspricht die Regelung in § 87 VRPG, wonach die beim</span><br/> <span class="ft7">Inkrafttreten des Verwaltungsrechtspflegegesetzes bereits angehobe-</span><br/> <span class="ft7">nen Verfahren nach bisherigem Recht zu Ende geführt werden und</span><br/> <span class="ft7">sich für Verfügungen und Entscheide, die nach Inkrafttreten des</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsrechtspflegegesetzes eröffnet werden, die Weiterzieh-</span><br/> <span class="ft7">barkeit und das Verfahren in der Rechtsmittelinstanz nach neuem</span><br/> <span class="ft7">Recht bestimmt.</span><br/> <span class="ft7">Es besteht kein Grund, im Zusammenhang mit den Rechts-</span><br/> <span class="ft7">schutzbestimmungen des Personalgesetzes von den dargelegten</span><br/> <span class="ft7">Grundsätzen bzw. der Regelung in § 87 VRPG abzuweichen. Die</span><br/> <span class="ft7">Weiterziehbarkeit des angefochtenen Entscheids des Departements</span><br/> <span class="ft7">des Innern richtet sich somit nach dem Personalgesetz, da er erst</span><br/> <span class="ft7">nach dessen Inkrafttreten eröffnet wurde.</span><br/> <span class="ft7">d) Aufgrund der obigen Erwägungen ergibt sich, dass die Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführerin Gemeindeangestellte war und sich das Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deverfahren nunmehr, d.h. nach der Eröffnung des angefochtenen</span><br/> <span class="ft7">(Beschwerde-) Entscheids, nach dem Personalgesetz richtet. Dem-</span><br/> <span class="ft7">entsprechend ist das Personalrekursgericht zur Behandlung der vor-</span><br/> <span class="ft7">liegenden Streitsache zuständig.</span><br/> <span class="ft7">2. a) Die Beschwerdeführerin verlangt im Hauptpunkt, sie sei</span><br/> <span class="ft7">für die Amtsperiode 2001/2002 wiederzuwählen bzw. es sei ihre</span><br/> <span class="ft7">entsprechende Wiederwahl durch die zuständigen Gemeindeorgane</span><br/> <span class="ft7">anzuordnen. Es ist zu prüfen, ob das Personalrekursgericht befugt ist,</span><br/> <span class="ft7">eine Wiederwahl anzuordnen bzw. selbst vorzunehmen, mithin, ob</span><br/> <span class="ft7">auf den Hauptantrag der Beschwerdeführerin eingetreten werden</span><br/> <span class="ft7">darf.</span><br/> <span class="ft7">aa) Wie bereits ausgeführt, war die Beschwerdeführerin nach</span><br/> <span class="ft7">kommunalem Recht angestellt. Auf die an den Schulen von U. täti-</span><br/> <span class="ft7">gen Musiklehrer findet das Reglement über das Anstellungsverhält-</span><br/> <span class="ft7">nis der Musiklehrer und des Schulleiters der Musikschule U. vom</span><br/> <span class="ft7">2.</span> <span class="ft7">Dezember 1994 (RAM) Anwendung (§ 1). Sofern dieses</span><br/> <span class="ft7">Reglement eine Frage nicht regelt, ist das Dienst- und</span><br/> <span class="ft7">Besoldungsreglement der Gemeinde U. vom 23. November 1990</span><br/> <span class="ft7">(DBR) anzuwenden (§ 2 RAM). Enthalten diese Reglemente Lücken,</span><br/> <span class="ft7">gelten nach § 50 GG sinngemäss die Bestimmungen des kantonalen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">521</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Personalrechts, d.h. insbesondere das Personalgesetz. Die</span><br/> <span class="ft7">Verordnung über das Verfahren zur Besetzung der Lehrstellen und</span><br/> <span class="ft7">zur Wahl der Lehrer an der Volksschule vom 14. September 1987</span><br/> <span class="ft7">(Lehrerwahlverordnung; SAR 411.113), das Dekret über das</span><br/> <span class="ft7">Dienstverhältnis und die Besoldung der Lehrer an öffentlichen</span><br/> <span class="ft7">Schulen vom 24. November 1971 (Lehrerbesoldungsdekret I; SAR</span><br/> <span class="ft7">411.110) und das Dekret über das Dienstverhältnis und die</span><br/> <span class="ft7">Besoldungen der Fachlehrer, Lehrbeauftragten und Stellvertreter, die</span><br/> <span class="ft7">Entschädigung für die Schulämter, den freiwilligen Schulsport und</span><br/> <span class="ft7">die Überstunden an öffentlichen Schulen vom 5. November 1991</span><br/> <span class="ft7">(Lehrerbesoldungsdekret II; SAR 411.120) kommen hingegen nicht</span><br/> <span class="ft7">zur Anwendung, da sie sich ausschliesslich auf die Lehrerinnen und</span><br/> <span class="ft7">Lehrer an den öffentlichen Schulen des Kantons beziehen.</span><br/> <span class="ft7">bb) Gemäss § 5 Ziff. 2 RAM besteht kein Anspruch auf Wie-</span><br/> <span class="ft7">derwahl. Diese Formulierung ist Ausdruck der älteren Lehre und</span><br/> <span class="ft7">Rechtsprechung, wonach die Wahlbehörde völlig frei war, ob sie</span><br/> <span class="ft7">einen Beamten wiederwählen wolle oder nicht (Matthias Michel,</span><br/> <span class="ft7">Beamtenstatus im Wandel, Diss. Zürich 1998, S. 136). Seit längerer</span><br/> <span class="ft7">Zeit ist jedoch anerkannt, dass die Wahlbehörde das Willkürverbot</span><br/> <span class="ft7">nach Art. 9 BV (vgl. auch Art. 4 aBV) und den Grundsatz der Aus-</span><br/> <span class="ft7">übung des pflichtgemässen Ermessens beachten muss. Eine Nicht-</span><br/> <span class="ft7">wiederwahl darf somit nur aus einem sachlichen Grund erfolgen; ein</span><br/> <span class="ft7">wichtiger Grund oder gar ein Verschulden ist jedoch im Gegensatz</span><br/> <span class="ft7">zur vorzeitigen Entlassung während der Amtsdauer nicht erforderlich</span><br/> <span class="ft7">(AGVE 1989, S. 117, 1982, S. 485; Peter Köfer, Das Recht des</span><br/> <span class="ft7">Staatspersonals im Kanton Aargau, Zürcher Diss., Aarau 1980,</span><br/> <span class="ft7">S. 113; Peter Hänni, Beendigung öffentlicher Dienstverhältnisse, in:</span><br/> <span class="ft7">Thomas Geiser / Peter Münch, Stellenwechsel und Entlassung, Basel</span><br/> <span class="ft7">/ Frankfurt a.M. 1997, S. 179). Nach der neueren einhelligen Lehre</span><br/> <span class="ft7">ergibt sich daraus ein bedingter Anspruch auf Wiederwahl, sofern der</span><br/> <span class="ft7">Beamte dem Amt genügt und weiterhin genügen wird (Michel,</span><br/> <span class="ft7">a.a.O., S. 141; Köfer, a.a.O., S. 113; Evi Schwarzenbach Heusser,</span><br/> <span class="ft7">Das Personalrecht des Kantons Thurgau, Diss. Zürich 1998, S. 119,</span><br/> <span class="ft7">138; Hänni, a.a.O., S. 180; Tobias Jaag, Verwaltungsrecht des Kan-</span><br/> <span class="ft7">tons Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, S. 178; Michael Merker,</span><br/> <span class="ft7">Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aar-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">522</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">gauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Zürich 1998,</span><br/> <span class="ft7">§ 55 N 31).</span><br/> <span class="ft7">Die Gemeinden sind grundsätzlich frei in der Ausgestaltung ih-</span><br/> <span class="ft7">res Personalrechts (§ 50 GG), jedoch nur im Rahmen des Bundes-</span><br/> <span class="ft7">und des kantonalen Rechts (Ulrich Häfelin / Georg Müller, Grundriss</span><br/> <span class="ft7">des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage. Zürich 1998, Rz.</span><br/> <span class="ft7">1101). Indem das kommunale Recht in § 5 Ziff. 2 RAM einen An-</span><br/> <span class="ft7">spruch auf Wiederwahl ausschliesst, widerspricht es verfassungsmäs-</span><br/> <span class="ft7">sigen Grundsätzen, insbesondere dem Willkürverbot nach Art. 9 BV.</span><br/> <span class="ft7">Daher ist dieser Bestimmung die Anwendung zu versagen (vgl. Mer-</span><br/> <span class="ft7">ker, a.a.O., § 68 N 54). Grundsätzlich haben somit auch die Beam-</span><br/> <span class="ft7">tinnen und Beamten der Gemeinde U. einen bedingten Anspruch auf</span><br/> <span class="ft7">Wiederwahl.</span><br/> <span class="ft7">cc) aaa) Die Konsequenz einer widerrechtlichen Nichtwieder-</span><br/> <span class="ft7">wahl kann grundsätzlich darin bestehen, dass die Rechtsmittelinstanz</span><br/> <span class="ft7">entweder die Wiederwahl anordnet oder die Widerrechtlichkeit fest-</span><br/> <span class="ft7">stellt und eine finanzielle Abgeltung zuspricht (Michel, a.a.O., S. 311</span><br/> <span class="ft7">ff.). Im Kanton Aargau liess sich bisher eine effektive Wiederwahl</span><br/> <span class="ft7">auf dem Rechtsmittelweg nicht durchsetzen. Vor Inkrafttreten des</span><br/> <span class="ft7">Personalgesetzes konnten grundsätzlich nur disziplinarische und</span><br/> <span class="ft7">administrative Entlassungen ans Verwaltungsgericht weitergezogen</span><br/> <span class="ft7">werden. Dabei war das Verwaltungsgericht nicht befugt, die Entlas-</span><br/> <span class="ft7">sung aufzuheben; es konnte lediglich feststellen, ob die Entlassung</span><br/> <span class="ft7">gerechtfertigt war oder nicht. Im zweiten Fall konnte im anschlies-</span><br/> <span class="ft7">senden Klageverfahren eine Entschädigung verlangt werden (§§ 52,</span><br/> <span class="ft7">55, 59 Abs. 2, 63 Ziff. 3 der damals gültigen Fassung des Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsrechtspflegegesetzes; AGVE 1982, S. 110 ff.; Merker, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft7">§ 55 N 11 f. mit Hinweisen). Nichtwiederwahlverfügungen konnten</span><br/> <span class="ft7">vom Verwaltungsgericht nur auf formelle Fehler überprüft werden</span><br/> <span class="ft7">(§§ 52, 53 VRPG). Auch in diesen Fällen wurde in Anwendung von</span><br/> <span class="ft7">§ 59 Abs. 2 VRPG eine Wiedereinstellung durch das Gericht als</span><br/> <span class="ft7">ausgeschlossen erachtet (AGVE 1989, S. 114, 1986, S. 141). Das</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsgericht hielt sich demnach in keinem Fall für zuständig,</span><br/> <span class="ft7">eine Entlassungs- bzw. Nichtwiederwahlverfügung aufzuheben, son-</span><br/> <span class="ft7">dern stellte höchstens deren Widerrechtlichkeit fest. Die Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsbehörden waren zwar befugt, Nichtwiederwahlverfügungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">523</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">auch auf materielle Fehler zu überprüfen (§ 45 VRPG), sie wandten</span><br/> <span class="ft7">jedoch § 59 Abs. 2 VRPG analog an (AGVE 1993, S. 536 f. betref-</span><br/> <span class="ft7">fend eine kommunale Angestellte). Die Rechtsprechung wurde in</span><br/> <span class="ft7">den genannten Entscheiden durchwegs damit begründet, dass mit</span><br/> <span class="ft7">Rücksicht auf das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arbeit-</span><br/> <span class="ft7">geber und Arbeitnehmer einer Behörde nicht zugemutet werden</span><br/> <span class="ft7">solle, einen entlassenen bzw. nicht wiedergewählten Beamten gegen</span><br/> <span class="ft7">ihren Willen weiter im Dienst zu behalten. (Anmerkung: Im Folgen-</span><br/> <span class="ft7">den wird sowohl für Entlassungen als auch für Nichtwiederwahlen</span><br/> <span class="ft7">der Oberbegriff "Entlassung" verwendet.)</span><br/> <span class="ft7">bbb) Gemäss Personalgesetz werden kantonale Mitarbeitende,</span><br/> <span class="ft7">sofern sie nicht vom Volk oder vom Grossen Rat auf Amtsdauer</span><br/> <span class="ft7">gewählt werden, ausschliesslich vertraglich angestellt (§ 3 PersG).</span><br/> <span class="ft7">Eine Kündigung erfolgt dementsprechend nicht in der Form einer</span><br/> <span class="ft7">Verfügung, sondern ist vertraglicher Natur (§ 48 Abs. 2 PLV). Ver-</span><br/> <span class="ft7">tragliche Streitigkeiten sind im Klageverfahren zu beurteilen (§ 39</span><br/> <span class="ft7">lit. a PersG). Bereits aus dieser prozessualen Konzeption ergibt sich,</span><br/> <span class="ft7">dass grundsätzlich keine Aufhebung der Kündigung verlangt werden</span><br/> <span class="ft7">kann. Hinzu kommt die ausdrückliche materiell-rechtliche Bestim-</span><br/> <span class="ft7">mung in § 12 PersG, wonach bei widerrechtlich erfolgter Kündigung</span><br/> <span class="ft7">dem Betroffenen lediglich ein Entschädigungsanspruch zusteht. Das</span><br/> <span class="ft7">vertraglich angestellte Personal besitzt somit auch nach neuem Per-</span><br/> <span class="ft7">sonalgesetz im Falle einer widerrechtlichen Auflösung des Dienst-</span><br/> <span class="ft7">verhältnisses keinen Anspruch auf eine Wiedereinstellung. Der Ge-</span><br/> <span class="ft7">setzgeber begründete diese Lösung entsprechend der erwähnten frü-</span><br/> <span class="ft7">heren Rechtsprechung damit, dass es aufgrund des besonderen Ver-</span><br/> <span class="ft7">trauensverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der</span><br/> <span class="ft7">Praxis erfahrungsgemäss schwierig sei, den Betroffenen auf eine für</span><br/> <span class="ft7">alle Seiten befriedigende Art und Weise weiter zu beschäftigen (Bot-</span><br/> <span class="ft7">schaft des Regierungsrates vom 19. Mai 1999 zur 1. Beratung des</span><br/> <span class="ft7">Personalgesetzes [Botschaft I Personalgesetz], S. 21; Protokoll des</span><br/> <span class="ft7">Grossen Rates vom 19. Oktober 1999, S. 2252 f. und vom 16. Mai</span><br/> <span class="ft7">2000, S. 3050 f.).</span><br/> <span class="ft7">ccc) Die materiellen Bestimmungen des Personalgesetzes be-</span><br/> <span class="ft7">ziehen sich grundsätzlich nur auf kantonale Mitarbeitende. Es wird</span><br/> <span class="ft7">somit weiterhin Gemeindeangestellte geben, welche per Verfügung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">524</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">angestellt bzw. gewählt und folgerichtig per Verfügung entlassen</span><br/> <span class="ft7">werden. Zudem ist bekannt, dass es zumindest zur Zeit auch kanto-</span><br/> <span class="ft7">nale Mitarbeitende gibt (z.B. Kantonsschullehrer, vgl. Verfügung des</span><br/> <span class="ft7">Präsidenten des Personalrekursgerichts vom 19. Juni 2001 i.S. A.</span><br/> <span class="ft7">K.), welche entgegen der Konzeption von § 3 PersG nicht vom Volk</span><br/> <span class="ft7">oder vom Grossen Rat auf Amtsdauer gewählt und dennoch mittels</span><br/> <span class="ft7">Verfügung und nicht mittels Vertrag angestellt sind.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Personalgesetz können sämtliche personalrechtlichen</span><br/> <span class="ft7">Verfügungen der kantonalen Anstellungsbehörden (§§ 38 und 40</span><br/> <span class="ft7">PersG) sowie der Gemeinden (§ 48 PersG) - somit auch Entlassungs-</span><br/> <span class="ft7">und Nichtwiederwahlverfügungen - mit Beschwerde an das</span><br/> <span class="ft7">Personalrekursgericht weitergezogen werden. § 59 VRPG wurde mit</span><br/> <span class="ft7">Inkrafttreten des Personalgesetzes aufgehoben (§ 50 Abs. 2 PersG);</span><br/> <span class="ft7">eine prozessrechtliche Bestimmung, welche die Aufhebung einer</span><br/> <span class="ft7">rechtswidrigen Entlassungsverfügung ausschliessen würde, existiert</span><br/> <span class="ft7">nicht mehr.</span><br/> <span class="ft7">Obwohl nunmehr alle Verfügungen mit Beschwerde an das Per-</span><br/> <span class="ft7">sonalrekursgericht weitergezogen werden können und keine aus-</span><br/> <span class="ft7">drückliche Einschränkung gemäss dem aufgehobenen § 59 VRPG</span><br/> <span class="ft7">mehr besteht, bleibt nach Auffassung einer Mehrheit des Gerichts die</span><br/> <span class="ft7">Anordnung der Wiedereinstellung von rechtswidrig entlassenen, mit</span><br/> <span class="ft7">Verfügung angestellten Mitarbeitenden ausgeschlossen. Massgebend</span><br/> <span class="ft7">für diese Beurteilung ist vorab, dass die prozessuale Konzeption</span><br/> <span class="ft7">nicht mit materiellrechtlichen Folgen verknüpft werden darf. Der</span><br/> <span class="ft7">Grundsatz, wonach sämtliche personalrechtlichen Verfügungen letzt-</span><br/> <span class="ft7">instanzlich an das Personalrekursgericht weiterziehbar sind, ist unab-</span><br/> <span class="ft7">hängig davon gewährleistet, ob das Gericht eine Wiedereinstellung</span><br/> <span class="ft7">vornehmen oder bloss die Widerrechtlichkeit feststellen kann (mit</span><br/> <span class="ft7">Entschädigungsfolge). Entsprechend ist aufgrund der generellen</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdemöglichkeit nicht zwingend darauf zu schliessen, dass</span><br/> <span class="ft7">die Widerrechtlichkeit eine Aufhebung der Verfügung zur Folge</span><br/> <span class="ft7">haben muss. Dies gilt um so mehr, als sich aus den Materialien er-</span><br/> <span class="ft7">gibt, dass §§ 55 und 59 VRPG nur deshalb gestrichen wurden, weil</span><br/> <span class="ft7">der Gesetzgeber auch Disziplinarfälle neu dem Personalrekursgericht</span><br/> <span class="ft7">unterstellen wollte (Botschaft I Personalgesetz, S. 32).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">525</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Das Personalgesetz enthält keinerlei Bestimmungen betreffend</span><br/> <span class="ft7">die materiell-rechtlichen Folgen einer erfolgreichen Beschwerde</span><br/> <span class="ft7">gegen eine widerrechtliche Entlassungs<i>verfügung</i> (betreffend die</span><br/> <span class="ft7">materiell-rechtlichen Folgen einer erfolgreichen Klage gegen eine</span><br/> <span class="ft7">widerrechtliche Kündigung vgl. demgegenüber § 12 PersG). Es liegt</span><br/> <span class="ft7">somit eine Gesetzeslücke vor (vgl. Häfelin / Müller, a.a.O., Rz. 200</span><br/> <span class="ft7">f.; Hans Rudolf Schwarzenbach-Hanhart, Grundriss des allgemeinen</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsrechts, 11. Auflage, Bern 1997, S. 62 f.). Es besteht nicht</span><br/> <span class="ft7">der geringste Hinweis darauf, dass der kantonale Gesetzgeber den</span><br/> <span class="ft7">Grundsatz, dass in einem Rechtsmittelentscheid keine Wiederein-</span><br/> <span class="ft7">stellung angeordnet werden kann, hätte aufgeben bzw. nur auf ver-</span><br/> <span class="ft7">traglich angestellte Mitarbeitende hätte beschränken wollen. Dies gilt</span><br/> <span class="ft7">um so mehr, als der massgebende Grundgedanke, wonach aufgrund</span><br/> <span class="ft7">des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Arbeitgeber und</span><br/> <span class="ft7">Arbeitnehmer die Anordnung einer Weiterbeschäftigung nicht op-</span><br/> <span class="ft7">portun ist (vgl. oben lit. bbb), in gleichem Masse für sämtliche, auf</span><br/> <span class="ft7">Vertrag oder auf Verfügung beruhende Anstellungsverhältnisse Gel-</span><br/> <span class="ft7">tung beansprucht. Entsprechend muss die erwähnte Gesetzeslücke</span><br/> <span class="ft7">dadurch geschlossen werden, dass es dem Personalrekursgericht</span><br/> <span class="ft7">grundsätzlich verwehrt ist, eine widerrechtliche Entlassungsverfü-</span><br/> <span class="ft7">gung aufzuheben und die Wiedereinstellung anzuordnen. Dabei kann</span><br/> <span class="ft7">vorliegend offen gelassen werden, ob sich eine Ausnahme rechtfer-</span><br/> <span class="ft7">tigt, wenn das kommunale Recht ausdrücklich statuiert, dass eine</span><br/> <span class="ft7">widerrechtliche Entlassung die Wiedereinstellung zur Folge habe.</span><br/> <span class="ft7">Ebenfalls offen bleiben kann, inwiefern eine (unechte) Ausnahme zu</span><br/> <span class="ft7">bejahen ist in Fällen, in denen die Verfügung nichtig ist (Merker,</span><br/> <span class="ft7">a.a.O., § 59 N 14; Verwaltungsgericht Zürich, in: ZBl 102 / 2001,</span><br/> <span class="ft7">S. 583 f.).</span><br/> <span class="ft7">ddd) Eine Minderheit des Gerichts hält demgegenüber dafür,</span><br/> <span class="ft7">dass fehlerhafte Verfügungen nach einem allgemeinen Grundsatz des</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsrechts auf Anfechtung hin in der Regel aufzuheben sind</span><br/> <span class="ft7">(Michel, a.a.O., S. 311 mit Hinweisen). Wird eine rechtswidrige Ver-</span><br/> <span class="ft7">fügung, mit welcher das Dienstverhältnis beendet werden soll, auf-</span><br/> <span class="ft7">gehoben, so hat dies den Fortbestand desselben zur Folge (vgl. Ver-</span><br/> <span class="ft7">waltungsgericht Zürich, in: ZBl 102 / 2001, S. 611). Soll auf kom-</span><br/> <span class="ft7">munaler Ebene von diesem Grundsatz abgewichen werden, muss</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">526</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">diese Rechtsfolge ausdrücklich gesetzlich verankert sein, zumindest</span><br/> <span class="ft7">durch eine explizite Verweisung auf § 12 PersG oder auf das Obliga-</span><br/> <span class="ft7">tionenrecht (Michel, a.a.O., S. 314; Andreas Keiser, Das neue Perso-</span><br/> <span class="ft7">nalrecht - eine Herausforderung für die Zürcher Gemeinden, in: ZBl</span><br/> <span class="ft7">102 / 2001, S. 564, 568). Eine Bestimmung, wonach es der Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsjustiz verwehrt ist, die Entlassung aus dem Dienstverhältnis</span><br/> <span class="ft7">rückgängig zu machen, gibt es nach der Streichung von § 59 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">VRPG nicht mehr. Von der Mehrheit des Gerichts wird diese Argu-</span><br/> <span class="ft7">mentation abgelehnt, weil sie eine explizite gesetzliche Ausnahme-</span><br/> <span class="ft7">bestimmung als nicht zwingend notwendig erachtet.</span><br/> <span class="ft7">dd) Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es dem Personalrekurs-</span><br/> <span class="ft7">gericht gemäss dem klaren gesetzgeberischen Willen auch unter dem</span><br/> <span class="ft7">neuen Personalrecht grundsätzlich versagt ist, Entlassungsverfügun-</span><br/> <span class="ft7">gen aufzuheben und Wiedereinstellungen anzuordnen (vgl. vorste-</span><br/> <span class="ft7">hend Erw. cc/ccc). Ebensowenig kann das Personalrekursgericht eine</span><br/> <span class="ft7">Rückweisung an die Vorinstanz im Sinne von § 58 VRPG mit der</span><br/> <span class="ft7">Anweisung versehen, es sei eine Wiedereinstellung vorzunehmen, da</span><br/> <span class="ft7">ihm selber - wie gesehen - diese Befugnis nicht zusteht. Auf die An-</span><br/> <span class="ft7">träge der Beschwerdeführerin auf Wiederwahl bzw. auf Rückweisung</span><br/> <span class="ft7">zur Wiederwahl darf somit nicht eingetreten werden.</span><br/> <span class="ft7">b) Der Vertreter der Beschwerdeführerin hat erstmals an der</span><br/> <span class="ft7">Verhandlung als Subeventualbegehren beantragt, es sei festzustellen,</span><br/> <span class="ft7">dass die Nichtwiederwahl der Beschwerdeführerin widerrechtlich</span><br/> <span class="ft7">gewesen sei, und es sei der Beschwerdeführerin eine Entschädigung</span><br/> <span class="ft7">zuzusprechen. Es fragt sich, ob auf diese neuen Anträge der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführerin eingetreten werden darf.</span><br/> <span class="ft7">aa) aaa) Wird einer Mitarbeiterin bzw. einem Mitarbeiter ge-</span><br/> <span class="ft7">kündigt und erweist sich die Kündigung nachträglich als widerrecht-</span><br/> <span class="ft7">lich, besteht gemäss § 12 PersG ein Anspruch auf eine Entschädi-</span><br/> <span class="ft7">gung analog zu Art. 336a OR. Die §§ 7 - 13 PersG beziehen sich</span><br/> <span class="ft7">ausschliesslich auf Angestellte, d.h. auf Mitarbeiterinnen und Mitar-</span><br/> <span class="ft7">beiter, deren Arbeitsverhältnis durch öffentlich-rechtlichen Arbeits-</span><br/> <span class="ft7">vertrag auf unbefristete oder befristete Dauer begründet wird. Der</span><br/> <span class="ft7">erwähnte Entschädigungsanspruch gemäss § 12 PersG gilt somit</span><br/> <span class="ft7">gemäss Gesetzeswortlaut nur für vertraglich angestellte Mitarbei-</span><br/> <span class="ft7">tende des Kantons. Es stellt sich folglich die Frage, ob auch den an-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">527</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">deren Personalkategorien des Kantons sowie dem Gemeindeperso-</span><br/> <span class="ft7">nal, dessen Anstellungsverhältnis auf Verfügung und nicht auf Ver-</span><br/> <span class="ft7">trag beruht, ein Entschädigungsanspruch analog § 12 PersG zusteht.</span><br/> <span class="ft7">bbb) Es kann vorliegend offen gelassen werden, inwieweit die</span><br/> <span class="ft7">Regelung von § 12 PersG analog auf kantonale Beamtinnen und</span><br/> <span class="ft7">Beamte im Sinne des neuen Personalrechts (§§ 32 ff. PersG) An-</span><br/> <span class="ft7">wendung findet, insbesondere bei einer ungerechtfertigten Auflösung</span><br/> <span class="ft7">des Arbeitsverhältnisses gemäss § 35 PersG oder bei einer unge-</span><br/> <span class="ft7">rechtfertigten Entlassung aus dem Amt gemäss § 36 PersG.</span><br/> <span class="ft7">Die Kategorie der kantonalen Mitarbeitenden, welche nicht vom</span><br/> <span class="ft7">Volk oder vom Grossen Rat auf Amtsdauer gewählt wurden und</span><br/> <span class="ft7">deren Anstellungsverhältnis dennoch auf einer Verfügung beruht, ist</span><br/> <span class="ft7">- wie bereits erwähnt (lit. a/cc/ccc) - im Personalgesetz nicht vorge-</span><br/> <span class="ft7">sehen. Offensichtlich wurde ihre Existenz vom Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft7">schlechterdings übersehen; vgl. Botschaft I Personalgesetz, S. 11:</span><br/> <span class="ft7">"Mit Ausnahme der vom Volk oder vom Grossen Rat gewählten</span><br/> <span class="ft7">Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei welchen sich der Beamtensta-</span><br/> <span class="ft7">tus notwendigerweise aufdrängt, wird in sämtlichen Personalgruppen</span><br/> <span class="ft7">und sämtlichen Dienstbereichen vollumfänglich auf das Angestell-</span><br/> <span class="ft7">tenverhältnis übergegangen." Der Umstand, dass die erwähnte Per-</span><br/> <span class="ft7">sonalkategorie übersehen wurde, zeigt, dass man sie nicht bewusst</span><br/> <span class="ft7">vom Entschädigungsanspruch nach § 12 PersG ausnehmen wollte.</span><br/> <span class="ft7">Effektiv ist kein Grund ersichtlich, weshalb dieser (quantitativ gerin-</span><br/> <span class="ft7">gen) Kategorie von Angestellten im Falle einer ungerechtfertigten</span><br/> <span class="ft7">Auflösung des Dienstverhältnisses kein Entschädigungsanspruch</span><br/> <span class="ft7">zustehen sollte. Dies gilt um so mehr, als ihnen auch nach altem</span><br/> <span class="ft7">Recht gestützt auf § 59 Abs. 2 i.V.m. § 60 Ziff. 3 VRPG ein entspre-</span><br/> <span class="ft7">chender Anspruch zustand. Schliesslich würde der Rechtsschutz in</span><br/> <span class="ft7">der Form der Beschwerdemöglichkeit gegen eine ungerechtfertigte</span><br/> <span class="ft7">Entlassung weitestgehend seines Sinnes beraubt, wenn das Gericht</span><br/> <span class="ft7">weder eine Wiedereinstellung vornehmen noch eine Entschädigung</span><br/> <span class="ft7">zusprechen könnte (vgl. lit. a/cc/ccc hievor), sondern lediglich dazu</span><br/> <span class="ft7">befugt wäre, die Widerrechtlichkeit der Auflösung des Dienstver-</span><br/> <span class="ft7">hältnisses festzustellen. Aus all diesen Gründen erscheint es zwin-</span><br/> <span class="ft7">gend, § 12 PersG auf die nicht vom Volk oder Grossen Rat auf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">528</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Amtsdauer gewählten, aber dennoch mit Verfügung angestellten</span><br/> <span class="ft7">kantonalen Mitarbeitenden analog anzuwenden.</span><br/> <span class="ft7">Dieselben Überlegungen gelten auch in bezug auf Gemeindean-</span><br/> <span class="ft7">gestellte, welche per Verfügung angestellt sind. Auch dieser Katego-</span><br/> <span class="ft7">rie von Angestellten stand nach altem Recht im Falle einer unge-</span><br/> <span class="ft7">rechtfertigten Entlassung ein Entschädigungsanspruch zu (vgl. oben),</span><br/> <span class="ft7">und es besteht auch hier nicht das geringste Indiz dafür, dass der</span><br/> <span class="ft7">kantonale Gesetzgeber ihn hätte streichen wollen. Schliesslich würde</span><br/> <span class="ft7">auch hier der Rechtsschutz weitgehend inhaltsleer, wenn beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deweise lediglich ein Feststellungsbegehren gestellt werden könnte.</span><br/> <span class="ft7">Bei Gemeindeangestellten, deren Anstellung auf Verfügung beruht</span><br/> <span class="ft7">und welche widerrechtlich entlassen werden, ist somit § 12 PersG</span><br/> <span class="ft7">ebenfalls analog anwendbar.</span><br/> <span class="ft7">bb) Damit ist weiter zu prüfen, auf welchem Weg eine Entschä-</span><br/> <span class="ft7">digung geltend gemacht werden muss. Vor Inkrafttreten des Perso-</span><br/> <span class="ft7">nalgesetzes musste ein zu Unrecht entlassener Beamter zunächst</span><br/> <span class="ft7">Beschwerde erheben. Das Verwaltungsgericht stellte in seinem Ent-</span><br/> <span class="ft7">scheid lediglich fest, ob die Entlassung gerechtfertigt war oder nicht.</span><br/> <span class="ft7">Um eine Entschädigung zu erhalten, musste der Betroffene allenfalls</span><br/> <span class="ft7">zusätzlich Klage erheben (§ 59 Abs. 2, § 60 Ziff. 3 VRPG). Da § 59</span><br/> <span class="ft7">VRPG mit dem neuen Personalgesetz aufgehoben wurde, fragt es</span><br/> <span class="ft7">sich, ob das Personalrekursgericht nur einen Feststellungsentscheid</span><br/> <span class="ft7">fällen oder zusätzlich eine Entschädigung zusprechen kann.</span><br/> <span class="ft7">aaa) Nach dem Wortlaut von § 39 lit. a PersG ist das Klagever-</span><br/> <span class="ft7">fahren ausgeschlossen, da ein Entschädigungsbegehren aufgrund</span><br/> <span class="ft7">einer unrechtmässigen Entlassungsverfügung nicht unter den Begriff</span><br/> <span class="ft7">der "vertraglichen Streitigkeit" fällt. Andererseits liegt keine separate</span><br/> <span class="ft7">Verfügung der Anstellungsbehörde vor, welche sich explizit über den</span><br/> <span class="ft7">Entschädigungsanspruch äussern würde.</span><br/> <span class="ft7">Bei Entlassungsverfügungen ist die vermögensrechtliche Folge</span><br/> <span class="ft7">des Lohnverlustes für den Entlassenen automatisch in der entspre-</span><br/> <span class="ft7">chenden Anordnung mit enthalten (Bea Rotach Tomschin, Die Revi-</span><br/> <span class="ft7">sion des Zürcher Verwaltungsrechtspflegegesetzes, in: ZBl 98/1997,</span><br/> <span class="ft7">S. 452 FN 82). Einer zusätzlichen Verfügung über die geltend ge-</span><br/> <span class="ft7">machten Forderungen bedarf es daher nicht; vielmehr liegt mit der</span><br/> <span class="ft7">Entlassungsverfügung bereits auch ein Beschwerdeobjekt betreffend</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">529</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Entschädigung vor. Daraus ergibt sich, dass die Feststellung der Wi-</span><br/> <span class="ft7">derrechtlichkeit einer Entlassung und die entsprechende Entschädi-</span><br/> <span class="ft7">gung gleichzeitig mit Beschwerde verlangt werden müssen (vgl.</span><br/> <span class="ft7">Alfred Kölz / Jürg Bosshart / Martin Röhl, Kommentar zum Ver-</span><br/> <span class="ft7">waltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft7">1999, § 79 N. 2). Es ist demnach ausgeschlossen, eine Entschädi-</span><br/> <span class="ft7">gungsforderung im Klageverfahren geltend zu machen oder diesbe-</span><br/> <span class="ft7">züglich eine separate beschwerdefähige Verfügung zu verlangen.</span><br/> <span class="ft7">bbb) Eine gleichzeitige Behandlung beider Begehren ist auch</span><br/> <span class="ft7">aus Gründen der Verfahrensökonomie angezeigt. Einzige Vorausset-</span><br/> <span class="ft7">zung für eine Entschädigung ist die Widerrechtlichkeit einer Entlas-</span><br/> <span class="ft7">sung. Die Höhe der Entschädigung wird vom Richter unter Würdi-</span><br/> <span class="ft7">gung aller Umstände festgesetzt (§ 12 PersG i.V.m. Art. 336 a OR).</span><br/> <span class="ft7">Die Festsetzung einer Entschädigung im Rahmen des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">verfahrens gegen die Entlassungsverfügung verursacht damit keinen</span><br/> <span class="ft7">erheblichen zusätzlichen Aufwand. Es würde sich daher nicht recht-</span><br/> <span class="ft7">fertigen, die Entschädigungsforderung analog zum früheren § 59</span><br/> <span class="ft7">VRPG in ein nachfolgendes Klageverfahren zu verweisen. Die da-</span><br/> <span class="ft7">malige Doppelspurigkeit des Verfahrens wurde denn auch in der</span><br/> <span class="ft7">Literatur kritisiert (Merker, a.a.O., § 59 N 19). Hingegen ist ein all-</span><br/> <span class="ft7">fälliges Begehren um Schadenersatz aus Staatshaftung zwingend in</span><br/> <span class="ft7">einem separaten Verfahren zu beurteilen, da in diesem Falle neben</span><br/> <span class="ft7">der Widerrechtlichkeit der Entlassung abzuklären wäre, ob ein Scha-</span><br/> <span class="ft7">den vorliegt.</span><br/> <span class="ft7">ccc) Im Übrigen kann beispielsweise auch im Kanton Zürich</span><br/> <span class="ft7">das Verwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren nicht einen blossen</span><br/> <span class="ft7">Feststellungsentscheid treffen, sondern muss im gleichen Verfahren</span><br/> <span class="ft7">über die vermögensrechtlichen Folgen entscheiden (Kölz / Bosshart /</span><br/> <span class="ft7">Röhl, a.a.O., § 80 N 4).</span><br/> <span class="ft7">ddd) Zusammenfassend ergibt sich, dass ein Feststellungsbe-</span><br/> <span class="ft7">gehren und eine Entschädigungsforderung gleichzeitig mit der An-</span><br/> <span class="ft7">fechtung der Entlassungsverfügung im Beschwerdeverfahren geltend</span><br/> <span class="ft7">gemacht werden müssen.</span><br/> <span class="ft7">cc) Der Beschwerdeantrag kann nach Ablauf der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">frist nicht mehr beliebig geändert werden. Dies ergibt sich aus der</span><br/> <span class="ft7">sog. Eventual- bzw. Konzentrationsmaxime, welche besagt, dass die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">530</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Parteien ihre Angriffs- und Verteidigungsmittel nur in dem dafür</span><br/> <span class="ft7">vorgesehenen Prozessabschnitt vorbringen können und später nicht</span><br/> <span class="ft7">mehr nachholen dürfen (Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege,</span><br/> <span class="ft7">2. Auflage, Bern 1983, S. 67). Das Verwaltungsgericht leitet die Un-</span><br/> <span class="ft7">zulässigkeit der Beschwerdeänderung nach Ablauf der Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft7">frist insbesondere aus Sinn und Zweck von § 39 Abs. 2 Satz 1 VRPG</span><br/> <span class="ft7">("Die Beschwerdeschrift muss einen Antrag [...] enthalten") ab; an-</span><br/> <span class="ft7">dernfalls hätte die Bestimmung kaum einen vernünftigen Sinn</span><br/> <span class="ft7">(AGVE 1976, S. 317).</span><br/> <span class="ft7">Nach der herrschenden Lehre ist der Antrag auf Entschädigung</span><br/> <span class="ft7">im Antrag auf Wiederwahl nicht mitenthalten, sondern stellt etwas</span><br/> <span class="ft7">qualitativ Anderes, ein sog. "aliud", dar (Gygi, a.a.O., S. 253; Attilio</span><br/> <span class="ft7">Gadola, Die reformatio in peius vel melius in der Bundesverwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsrechtspflege - eine Übersicht der neuesten Rechtsprechung, in:</span><br/> <span class="ft7">AJP/PJA 1998, S. 60; René Rhinow / Heinrich Koller / Christina</span><br/> <span class="ft7">Kiss, Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bun-</span><br/> <span class="ft7">des, Basel / Frankfurt a.M. 1996, Rz. 1590; anderer Meinung: An-</span><br/> <span class="ft7">dreas Keiser, Rechtsschutz im öffentlichen Personalrecht nach dem</span><br/> <span class="ft7">revidierten Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, in:</span><br/> <span class="ft7">ZBl 99 / 1998, S. 215). Insofern erscheint fraglich, ob das Subeven-</span><br/> <span class="ft7">tualbegehren, das erst nach Ablauf der Rechtsmittelfrist gestellt</span><br/> <span class="ft7">wurde, zulässig ist bzw. ob darauf eingetreten werden darf. Die Frage</span><br/> <span class="ft7">kann indessen aufgrund der nachfolgenden Erwägungen im vorlie-</span><br/> <span class="ft7">genden Fall offen bleiben.</span><br/> <span class="ft7">dd) <i>(Aufgrund der unrichtigen Rechtsmittelbelehrung im vorin-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>stanzlichen Entscheid ist in concreto dennoch auf das Entschädi-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>gungsbegehren einzutreten.)</i></span><br/> <span class="ft7">3. Die Kognition umschreibt, in welcher Art und Weise der</span><br/> <span class="ft7">Richter die vorgebrachten Rügen zu beurteilen hat. Eine freie oder</span><br/> <span class="ft7">umfassende Kognition bedeutet, dass das Gericht umfassend prüfen</span><br/> <span class="ft7">und somit sein Ermessen an dasjenige der vorhergehenden Instanz</span><br/> <span class="ft7">setzen darf. Eine beschränkte Kognition besteht, wenn dem Gericht</span><br/> <span class="ft7">in gewissen Bereichen keine Überprüfungsbefugnis zukommt. Ist die</span><br/> <span class="ft7">Kognition auf die Sachverhalts- und Rechtskontrolle beschränkt, darf</span><br/> <span class="ft7">das Gericht die Ausübung des Ermessens, welches der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft7">zukommt, nicht überprüfen (Andreas Keiser, Justiziabilität personal-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">531</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">rechtlicher Entscheide, in: Peter Helbling / Tomas Poledna, Personal-</span><br/> <span class="ft7">recht des öffentlichen Dienstes, Bern 1999, S. 511ff.; Walter Kälin,</span><br/> <span class="ft7">Das Verfahren der Staatsrechtlichen Beschwerde, 2. Auflage, Bern</span><br/> <span class="ft7">1994, S. 157 ff.).</span><br/> <span class="ft7">a) Gemäss § 42 Abs. 2 PersG sind für die Organisation und das</span><br/> <span class="ft7">Verfahren vor Personalrekursgericht die für das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft7">geltenden Vorschriften anwendbar, soweit keine abweichenden Vor-</span><br/> <span class="ft7">schriften bestehen. Das Personalgesetz enthält keine ausdrücklichen</span><br/> <span class="ft7">Vorschriften betreffend die Kognition des Personalrekursgerichts.</span><br/> <span class="ft7">Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist in § 56 VRPG um-</span><br/> <span class="ft7">schrieben. Danach überprüft das Verwaltungsgericht im Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deverfahren die Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverlet-</span><br/> <span class="ft7">zungen (Abs. 1). Eine Überprüfung der Handhabung des Ermessens</span><br/> <span class="ft7">erfolgt nur, wenn dies ausdrücklich bestimmt ist; die entsprechenden</span><br/> <span class="ft7">Fälle sind in § 56 Abs. 2 lit. a - l VRPG aufgelistet.</span><br/> <span class="ft7">Aufgrund der fehlenden ausdrücklichen Kognitionsbestimmung</span><br/> <span class="ft7">im Personalgesetz, des Verweises in § 42 Abs. 2 PersG sowie des</span><br/> <span class="ft7">Grundsatzes von § 56 Abs. 1 VRPG erscheint der Schluss nahelie-</span><br/> <span class="ft7">gend, dass das Personalrekursgericht lediglich befugt ist, die Fest-</span><br/> <span class="ft7">stellung des Sachverhaltes sowie Rechtsverletzungen zu überprüfen.</span><br/> <span class="ft7">Es fällt indessen auf, dass das Einführungsgesetz zum Auslän-</span><br/> <span class="ft7">derrecht einen umfassenden Verweis auf das Verwaltungsrechtspfle-</span><br/> <span class="ft7">gegesetz enthält (§ 2 EGAR), die Einschränkung der Kognition des</span><br/> <span class="ft7">Ausländerrekursgerichts auf die Überprüfung von Sachverhaltsfest-</span><br/> <span class="ft7">stellung sowie Rechtsverletzungen aber ausdrücklich statuiert (§ 9</span><br/> <span class="ft7">Abs. 2 EGAR). Anderseits verweist das Landwirtschaftsgesetz eben-</span><br/> <span class="ft7">falls auf die für das Verwaltungsgericht geltenden Bestimmungen</span><br/> <span class="ft7">(§ 40 Abs. 3 LwG-AG) und hält gleichzeitig fest, dass die landwirt-</span><br/> <span class="ft7">schaftliche Rekurskommission auch das Ermessen überprüft. Der</span><br/> <span class="ft7">Gesetzgeber erachtete es somit als unumgänglich, trotz des Verwei-</span><br/> <span class="ft7">ses auf das Verwaltungsrechtspflegegesetz bzw. das verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft7">richtliche Verfahren in den erwähnten Erlassen die Kognition der</span><br/> <span class="ft7">beiden (ebenfalls kantonal letztinstanzlichen) Spezialverwaltungsge-</span><br/> <span class="ft7">richte ausdrücklich zu regeln. Daraus lässt sich schliessen, dass die</span><br/> <span class="ft7">Frage der Kognition vom Verweis in § 42 Abs. 2 PersG nicht erfasst</span><br/> <span class="ft7">wird bzw. diesbezüglich - mangels expliziter Regelung im Personal-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">532</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">gesetz - eine Gesetzeslücke vorliegt. Hierfür spricht auch der Um-</span><br/> <span class="ft7">stand, dass § 56 VRPG insofern in sich geschlossen ist, als sich der</span><br/> <span class="ft7">Ausnahmekatalog von Abs. 2 ausdrücklich nur auf Fälle von § 52</span><br/> <span class="ft7">VRPG bezieht, mithin ausschliesslich auf Fälle, welche vom Ver-</span><br/> <span class="ft7">waltungsgericht beurteilt werden.</span><br/> <span class="ft7">b) aa) In der Botschaft des Regierungsrats vom 16. Februar</span><br/> <span class="ft7">2000 zur 2. Beratung des Personalgesetzes (Botschaft II Personalge-</span><br/> <span class="ft7">setz) wurde in Bezug auf die Kognition Folgendes festgehalten: "Im</span><br/> <span class="ft7">Zusammenhang mit der Schaffung des Personalrekursgerichtes</span><br/> <span class="ft7">wurde vereinzelt die Frage der Überprüfungsbefugnis aufgeworfen.</span><br/> <span class="ft7">Auf Grund der vorliegenden Konzeption wird das Personalrekursge-</span><br/> <span class="ft7">richt über eine umfassende Kognition im Sinne der Ermessenskon-</span><br/> <span class="ft7">trolle verfügen. Dies ist vor allem in denjenigen Fällen eine Selbst-</span><br/> <span class="ft7">verständlichkeit, wo keine Rechtsmittelinstanz dem Personalrekurs-</span><br/> <span class="ft7">gericht vorgelagert ist (Klageweg). Der Aufwand der Rechtsmittelin-</span><br/> <span class="ft7">stanzen für den einzelnen Fall wird damit erheblich sein. Das Gericht</span><br/> <span class="ft7">wird entscheiden, ob es sich in denjenigen Fällen, in welchen eine</span><br/> <span class="ft7">Vorinstanz mit voller Kognition prüft und entscheidet, Zurückhaltung</span><br/> <span class="ft7">bei der Prüfung des Ermessens auferlegen will" (S. 22).</span><br/> <span class="ft7">Ebenfalls ausdrücklich bejaht wurde die Ermessenskognition</span><br/> <span class="ft7">durch das Personalrekursgericht im Begleitenden Bericht des Fi-</span><br/> <span class="ft7">nanzdepartements zum Vernehmlassungsentwurf Lohndekret vom</span><br/> <span class="ft7">16. Dezember 1998: "Die Rechtsmittelinstanz soll in der Lage sein,</span><br/> <span class="ft7">die Streitigkeiten sowohl im Hinblick auf die Sachverhaltsfeststel-</span><br/> <span class="ft7">lung, das Ermessen wie auch bezüglich der korrekten Rechtsanwen-</span><br/> <span class="ft7">dung zu überprüfen" (S. 15).</span><br/> <span class="ft7">Im Rahmen der Beratung des Personalgesetzes in der nichtstän-</span><br/> <span class="ft7">digen Grossratskommission "Personalvorlagen" wurden seitens der</span><br/> <span class="ft7">Vertreter der Verwaltung zum Teil gegenteilige Angaben gemacht</span><br/> <span class="ft7">(vgl. die Aussagen des Chefs Rechtsdienst Regierungsrat anlässlich</span><br/> <span class="ft7">der 29./30. Sitzung vom 17. März 2000, Kommissions-Protokoll</span><br/> <span class="ft7">S. 545 f.). Insbesondere gegenüber dem erwähnten, unmissverständ-</span><br/> <span class="ft7">lich formulierten Botschaftstext (die Botschaften werden stets vom</span><br/> <span class="ft7">Gesamtregierungsrat verabschiedet und sämtlichen Grossrätinnen</span><br/> <span class="ft7">und Grossräten zugestellt) kann indessen den singulären gegenteili-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">533</span></div> <div class="page" id="S17"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">gen Aussagen in der zuständigen Grossratskommission zum</span><br/> <span class="ft7">Vornherein nur eine untergeordnete Bedeutung zugemessen werden.</span><br/> <span class="ft7">bb) Im Klageverfahren stellt sich die Frage der Kognition des</span><br/> <span class="ft7">Gerichts nicht, da in diesem Bereich kein Verwaltungshandeln vor-</span><br/> <span class="ft7">ging, welches auf seine Rechtmässigkeit überprüft werden muss</span><br/> <span class="ft7">(Markus Metz, Der direkte Verwaltungsprozess in der Bundesrechts-</span><br/> <span class="ft7">pflege, Basel 1980, S. 154; Michael Merker, Rechtsschutzsysteme im</span><br/> <span class="ft7">neuen öffentlichen Personalrecht, in: Helbling / Poledna, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft7">S. 485). Dem Personalrekursgericht kommt somit im Klageverfahren</span><br/> <span class="ft7">stets eine umfassende Kognition zu. In diesem Zusammenhang fällt</span><br/> <span class="ft7">auf, dass sich in den Materialien keine Textstelle finden lässt, wo-</span><br/> <span class="ft7">nach die Kognition im Klageverfahren im Vergleich zum Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deverfahren unterschiedlich wäre. Vielmehr wurde von Regierungs-</span><br/> <span class="ft7">rätin Stéphanie Mörikofer-Zwez vor der zuständigen Grossratskom-</span><br/> <span class="ft7">mission ausdrücklich festgehalten: "Die Frage, ob man mit einem</span><br/> <span class="ft7">Verfahren [scil.: dem Klage- oder dem Beschwerdeverfahren] eine</span><br/> <span class="ft7">Chance hat, hängt nicht vom gewählten Verfahren ab, sondern wir</span><br/> <span class="ft7">stellen hier lediglich die Weichen für den zu wählenden Rechtsweg.</span><br/> <span class="ft7">Die Grundfrage, ob jemand einen Anspruch hat, muss auf dem</span><br/> <span class="ft7">Klage- und Beschwerdeweg gleich zu beantworten sein" (31./32. Sit-</span><br/> <span class="ft7">zung vom 4. April 2000, Kommissions-Protokoll S. 551). Auch</span><br/> <span class="ft7">insofern legen die Materialien den Schluss nahe, dass im Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deverfahren eine Ermessenskontrolle erfolgen soll.</span><br/> <span class="ft7">cc) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Materialien</span><br/> <span class="ft7">für eine Ermessenskognition des Personalrekursgerichts im Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeverfahren sprechen. Ein besonderes Gewicht kommt dabei</span><br/> <span class="ft7">der Botschaft II zum Personalgesetz zu.</span><br/> <span class="ft7">c) aa) Gemäss § 36 Abs. 1 PLV sind für die Lohnanpassungen</span><br/> <span class="ft7">innerhalb des sog. Leistungsbandes massgebend:</span><br/> <span class="ft7">" a) die für die Leistungshonorierung verfügbare Lohn-</span><br/> <span class="ft7">summe,</span><br/> <span class="ft7">b) die auf Grund des jährlichen Gesprächs erfolgte Beur-</span><br/> <span class="ft7">teilung der Leistungen der Mitarbeiterin oder des Mitar-</span><br/> <span class="ft7">beiters,</span><br/> <span class="ft7">c) die aktuelle Lohnposition der Mitarbeiterin oder des</span><br/> <span class="ft7">Mitarbeiters innerhalb des Leistungsanteils,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">534</span></div> <div class="page" id="S18"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">d) das pflichtgemässe Ermessen der Anstellungsbehörde."</span><br/> <span class="ft7">Aus der Bestimmung ergibt sich, dass bei der konkreten Lohn-</span><br/> <span class="ft7">festsetzung dem Ermessen der Anstellungsbehörde eine erhebliche</span><br/> <span class="ft7">Bedeutung zukommt. Dies gilt um so mehr, als die verfügbare Lohn-</span><br/> <span class="ft7">summe sowie die aktuelle Lohnposition im Voraus feststehen und die</span><br/> <span class="ft7">Leistungsbeurteilung anhand des DIALOG-Gesprächs nur eine sehr</span><br/> <span class="ft7">grobe Differenzierung ergibt (Beurteilungen A, B, C oder D). Inso-</span><br/> <span class="ft7">fern lässt sich in teleologischer Auslegung aus dem Umstand, dass</span><br/> <span class="ft7">der Leistungslohn für justiziabel erklärt wurde<i>,</i> darauf schliessen,</span><br/> <span class="ft7">dass dem Personalrekursgericht in diesem Bereich die Ermessens-</span><br/> <span class="ft7">kognition zusteht; ansonsten würde der Grundsatz der Justiziabilität</span><br/> <span class="ft7">zu wesentlichen Teilen unterlaufen.</span><br/> <span class="ft7">bb) Im Weiteren erscheint relevant, dass mit dem neuen Perso-</span><br/> <span class="ft7">nalgesetz der Beamtenstatus abgeschafft und ein Leistungslohn mit</span><br/> <span class="ft7">einer Lohnspanne eingeführt wurde, welche mit 40% relativ gross</span><br/> <span class="ft7">ist. Als Gegenstück zu diesen liberalen Regelungen sollte der</span><br/> <span class="ft7">Rechtsschutz ausgebaut werden (vgl. stellvertretend für diverse</span><br/> <span class="ft7">Stellen in den Materialien die Aussagen von Regierungsrätin Stéfanie</span><br/> <span class="ft7">Mörikofer-Zwez an der Sitzung der nichtständigen Grossrats-</span><br/> <span class="ft7">kommission "Personalvorlagen" vom 17. März 2000, Kommissions-</span><br/> <span class="ft7">protokoll S. 544).</span><br/> <span class="ft7">Mit der Abschaffung des Beamtenstatus wurde grundsätzlich</span><br/> <span class="ft7">auch das Disziplinarrecht abgeschafft. "Der repressive verwaltungs-</span><br/> <span class="ft7">rechtliche Sanktionszweck erscheint heute als obsolet, nachdem mit</span><br/> <span class="ft7">der Abschaffung der Amtsdauer die Rechtsbeziehung zwischen Staat</span><br/> <span class="ft7">und Angestellten geändert wird. Das Vertragsrecht bietet diesbezüg-</span><br/> <span class="ft7">lich genügend Sanktionsmöglichkeiten" (Botschaft I Personalgesetz,</span><br/> <span class="ft7">S. 4). Nach altem Recht konnten disziplinarische Verfügungen be-</span><br/> <span class="ft7">treffend vorzeitige Entlassung, Einstellung im Amt oder Versetzung</span><br/> <span class="ft7">ins Provisorium an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden;</span><br/> <span class="ft7">dieses nahm eine vollumfängliche Überprüfung inklusive Ermes-</span><br/> <span class="ft7">senskognition vor (§ 56 Abs. 3 i.V. mit § 55 VRPG, welcher mit dem</span><br/> <span class="ft7">neuen Personalgesetz aufgehoben wurde).</span><br/> <span class="ft7">Ausgehend davon, dass mit dem Personalgesetz der Rechts-</span><br/> <span class="ft7">schutz ausgebaut werden soll und dass bis anhin bezüglich einzelner</span><br/> <span class="ft7">Disziplinarmassnahmen eine gerichtliche Überprüfung mit Ermes-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">535</span></div> <div class="page" id="S19"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">senskognition möglich war, ergibt sich, dass auch in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft7">vertraglichen Sanktionsmöglichkeiten, welche anstelle der Diszi-</span><br/> <span class="ft7">plinarmassnahmen treten (keine Lohnerhöhung bzw. Lohnreduktion,</span><br/> <span class="ft7">Kündigung), eine Ermessenskontrolle durchzuführen ist. Ein Ver-</span><br/> <span class="ft7">zicht auf die Ermessensüberprüfung würde demgegenüber einen</span><br/> <span class="ft7">Abbau des Rechtsschutzes bedeuten.</span><br/> <span class="ft7">cc) In Bezug auf die Gemeinden erscheint wesentlich, dass nach</span><br/> <span class="ft7">bisherigem Recht sowohl die erste (Departement des Innern, Ge-</span><br/> <span class="ft7">meindeabteilung, § 109 GG) als auch die zweite Beschwerdeinstanz</span><br/> <span class="ft7">(Regierungsrat, § 109 GG) das Ermessen überprüften (§ 49 VRPG).</span><br/> <span class="ft7">Es wäre auch aus diesem Grund ein deutlicher Abbau des Rechts-</span><br/> <span class="ft7">schutzes, wenn das Personalrekursgericht als nunmehr einzige (kan-</span><br/> <span class="ft7">tonale) Beschwerdeinstanz (§ 48 Abs. 1 PersG) keine Ermessens-</span><br/> <span class="ft7">überprüfung vornehmen würde.</span><br/> <span class="ft7">dd) Zusammenfassend spricht die teleologische Auslegung da-</span><br/> <span class="ft7">für, dass dem Personalrekursgericht eine Ermessenskognition zu-</span><br/> <span class="ft7">steht.</span><br/> <span class="ft7">d) Ein Quervergleich zeigt, dass auf Bundesebene die Personal-</span><br/> <span class="ft7">rekurskommission, welche ein Gericht im Sinne von Art. 6 EMRK</span><br/> <span class="ft7">darstellt, das Ermessen überprüft (VPB 64.39, Erw. 3/a). In den</span><br/> <span class="ft7">Kantonen sind demgegenüber die Gerichte weitestgehend darauf</span><br/> <span class="ft7">beschränkt, die Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverlet-</span><br/> <span class="ft7">zungen zu überprüfen (vgl. Michel, a.a.O., S. 342). Dabei erscheint</span><br/> <span class="ft7">indessen wesentlich, dass die Konzeptionen der einzelnen Personal-</span><br/> <span class="ft7">gesetze sehr unterschiedlich sind (Beamtenstatus oder Vertragsver-</span><br/> <span class="ft7">hältnis; Spanne des Leistungslohnes; mehr oder weniger ausgebaute</span><br/> <span class="ft7">Mitarbeiterbeurteilung u.a.).</span><br/> <span class="ft7">In der Literatur wird die Ermessenskognition im Personalrecht</span><br/> <span class="ft7">sehr unterschiedlich beurteilt bzw. zum Teil befürwortet (vgl. u.a.</span><br/> <span class="ft7">Merker, Rechtsschutzsysteme, a.a.O., S. 480 f.), zum Teil abgelehnt</span><br/> <span class="ft7">(vgl. u.a. Peter Helbling, Rechtliche Aspekte der leistungsabhängigen</span><br/> <span class="ft7">Besoldung in: Leistungslohn im öffentlichen Dienst, Schriftenreihe</span><br/> <span class="ft7">der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften,</span><br/> <span class="ft7">Band 27, Bern 1994, S. 129 f.). Soweit in der Lehre darauf</span><br/> <span class="ft7">hingewiesen wird, dass der der Ermessenskontrolle zugängliche</span><br/> <span class="ft7">Leistungslohn auf einer regelmässig stattfindenden Mitarbeiterbeur-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">536</span></div> <div class="page" id="S20"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">teilung in der Verwaltung beruhen müsse (vgl. Felix Hafner, Öffent-</span><br/> <span class="ft7">licher Dienst im Wandel, in: ZBl 93 / 1992, S. 481 ff. S. 489), ist</span><br/> <span class="ft7">festzuhalten, dass diese Voraussetzung im Kanton Aargau neuerdings</span><br/> <span class="ft7">gegeben ist.</span><br/> <span class="ft7">Dementsprechend lässt sich festhalten, dass sich im Hinblick</span><br/> <span class="ft7">auf die Frage, ob dem Personalrekursgericht eine Ermessensüberprü-</span><br/> <span class="ft7">fung zustehen soll oder nicht, weder aus dem Quervergleich mit an-</span><br/> <span class="ft7">deren Personalerlassen noch aus der Literatur relevante Aussagen</span><br/> <span class="ft7">ableiten lassen.</span><br/> <span class="ft7">e) Zusammenfassend ergibt sich, dass die historische sowie die</span><br/> <span class="ft7">teleologische Auslegung dafür sprechen, dass dem Personalrekursge-</span><br/> <span class="ft7">richt eine Ermessenskontrolle zustehen soll. Dies legt den Schluss</span><br/> <span class="ft7">nahe, dass der Verweis von § 42 Abs. 2 PersG auf die für das Ver-</span><br/> <span class="ft7">waltungsgericht geltenden Vorschriften sich nicht auch auf § 56</span><br/> <span class="ft7">VRPG bzw. die Frage der Kognition bezieht. Vielmehr ist von einer</span><br/> <span class="ft7">planwidrigen Unvollständigkeit des Gesetzes (sog. Lücke) auszuge-</span><br/> <span class="ft7">hen und diese derart zu füllen, dass dem Personalrekursgericht die</span><br/> <span class="ft7">Ermessenskognition zugestanden wird.</span><br/> <span class="ft7">In diesem Zusammenhang darf nicht übersehen werden, dass</span><br/> <span class="ft7">die umfassende Überprüfung von (Personal-)Führungsentscheiden</span><br/> <span class="ft7">nicht unproblematisch ist. Das Personalrekursgericht wird sich daher</span><br/> <span class="ft7">im Rahmen der Ermessenskognition eine entsprechende Zurückhal-</span><br/> <span class="ft7">tung auferlegen müssen (vgl. hierzu die Praxis der Personalre-</span><br/> <span class="ft7">kurskommission des Bundes, dargestellt in: VPB 60.8, Erw. 3). Die</span><br/> <span class="ft7">Frage einer derartigen Zurückhaltung ist indessen erst in einem</span><br/> <span class="ft7">zweiten Schritt zu beantworten (vgl. nachstehend Erw. II/2/b) und</span><br/> <span class="ft7">darf die Prüfung nicht beeinflussen, ob dem Personalrekursgericht</span><br/> <span class="ft7">eine Ermessenskognition zusteht oder nicht.</span><br/> <span class="ft6"><i>(...)</i></span><br/> <span class="ft7">III. 1. Gemäss § 41 PersG i.V.m. § 33 Abs. 2 VRPG sind im Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeverfahren in der Regel dem Unterliegenden Kosten aufzu-</span><br/> <span class="ft7">erlegen. Es fragt sich allerdings, ob die Regelung von Art. 343 OR,</span><br/> <span class="ft7">wonach bei Streitwerten unter Fr. 30'000.-- keine Kosten auferlegt</span><br/> <span class="ft7">werden dürfen, analog anwendbar ist.</span><br/> <span class="ft7">a) § 41 PersG erklärt das Schlichtungsverfahren gemäss § 37</span><br/> <span class="ft7">PersG als kostenlos. Im Übrigen wird auf die Bestimmungen des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">537</span></div> <div class="page" id="S21"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Verwaltungsrechtspflegegesetzes verwiesen. In Bezug auf die Kosten</span><br/> <span class="ft7">im Beschwerdeverfahren verweist § 33 Abs. 4 VRPG auf das Verfah-</span><br/> <span class="ft7">renskostendekret, welches die Bemessung der Gerichts- bzw. Staats-</span><br/> <span class="ft7">gebühr regelt. Bezüglich der Kosten im Klageverfahren verweist</span><br/> <span class="ft7">§ 37 VRPG auf das Zivilrechtspflegegesetz, welches in § 100 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">ebenfalls auf das Verfahrenskostendekret (§§ 7 ff.) verweist. Auf-</span><br/> <span class="ft7">grund dieser Bestimmungen ergibt sich, dass im Gegensatz zum</span><br/> <span class="ft7">Schlichtungsverfahren sowohl das Beschwerde- als auch das Klage-</span><br/> <span class="ft7">verfahren grundsätzlich kostenpflichtig sind.</span><br/> <span class="ft7">Die Materialien zum Personalgesetz geben bezüglich der Frage</span><br/> <span class="ft7">der Kostenpflicht nur knappe Hinweise. Gemäss Botschaft I Perso-</span><br/> <span class="ft7">nalgesetz, S. 29, soll das Verfahren vor dem Personalrekursgericht</span><br/> <span class="ft7">nicht kostenlos sein und sich nach dem Verwaltungsrechtspflegege-</span><br/> <span class="ft7">setz richten. Gegenüber der grossrätlichen Kommission wurde sei-</span><br/> <span class="ft7">tens Dr. Ulrich Siegrist, Regierungsrat, erwähnt, dass das Verfahren</span><br/> <span class="ft7">nach der Schlichtungskommission kostenpflichtig sei (vgl. Kommis-</span><br/> <span class="ft7">sionsprotokoll vom 6. Juli 1999, S. 159: "Bis und mit der Schlich-</span><br/> <span class="ft7">tungskommission ist es gratis, dann wird es kostenpflichtig."). Zu-</span><br/> <span class="ft7">sammenfassend kann aus den Materialien geschlossen werden, dass -</span><br/> <span class="ft7">in Übereinstimmung mit dem Gesetzeswortlaut - grundsätzlich Ver-</span><br/> <span class="ft7">fahrenskosten zu erheben sind.</span><br/> <span class="ft7">b) Art. 343 Abs. 3 OR bestimmt, dass in arbeitsrechtlichen Ver-</span><br/> <span class="ft7">fahren bis zur Streitwertgrenze von Fr. 30'000.-- den Parteien keine</span><br/> <span class="ft7">Gebühren oder Auslagen des Gerichts auferlegt werden dürfen. We-</span><br/> <span class="ft7">der das Personalgesetz noch das Verwaltungsrechtspflegegesetz ent-</span><br/> <span class="ft7">halten eine entsprechende Regelung. Die Materialien geben ebenfalls</span><br/> <span class="ft7">keinen Hinweis darauf, dass die Streitwertgrenze gemäss Art. 343</span><br/> <span class="ft7">Abs. 3 OR im Verfahren vor Personalrekursgericht anwendbar wäre.</span><br/> <span class="ft7">Ausgehend davon, dass das Beschwerde- sowie das Klageverfahren</span><br/> <span class="ft7">gemäss § 38 ff. PersG grundsätzlich kostenpflichtig sind, drängt sich</span><br/> <span class="ft7">der Schluss auf, dass im Unterschied zum arbeitsgerichtlichen Ver-</span><br/> <span class="ft7">fahren auch bei Verfahren mit einem Streitwert unter Fr. 30'000.--</span><br/> <span class="ft7">Verfahrenskosten erhoben werden müssen.</span><br/> <span class="ft7">aa) Gemäss § 369 ZPO werden im arbeitsgerichtlichen Verfah-</span><br/> <span class="ft7">ren bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- weder Gerichtskosten</span><br/> <span class="ft7">erhoben noch Parteikosten ersetzt (soweit ersichtlich wurde die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">538</span></div> <div class="page" id="S22"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Streitwertgrenze noch nicht an die revidierte obligationenrechtliche</span><br/> <span class="ft7">Bestimmung angepasst). Das öffentliche Dienstrecht ist (auch) Ar-</span><br/> <span class="ft7">beitsrecht. Insofern lässt sich argumentieren, aufgrund der Verweise</span><br/> <span class="ft7">in § 42 Abs. 2 PersG und § 37 VRPG auf die (Kosten-) Bestimmun-</span><br/> <span class="ft7">gen der Zivilprozessordnung gelange § 369 ZPO zur Anwendung;</span><br/> <span class="ft7">die darin vorgesehene Kostenbefreiung gelte somit auch im (Klage-)</span><br/> <span class="ft7">Verfahren vor Personalrekursgericht (vgl. Merker, a.a.O., § 67 N 60</span><br/> <span class="ft7">ff.).</span><br/> <span class="ft7">Das Verwaltungsgericht hat in seiner bisherigen Rechtspre-</span><br/> <span class="ft7">chung zur Frage der Kostenbefreiung in personalrechtlichen Verfah-</span><br/> <span class="ft7">ren § 369 ZPO nie angewandt. Der entsprechende Verzicht wurde</span><br/> <span class="ft7">indessen nicht ausdrücklich begründet.</span><br/> <span class="ft7">§ 369 ZPO befindet sich im Zweiten Teil der Zivilprozessord-</span><br/> <span class="ft7">nung mit der Bezeichnung "Die besondere Zivilgerichtsbarkeit".</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 352 ZPO sind die Arbeitsgerichte besondere Zivilgerichte.</span><br/> <span class="ft7">§§ 354 ff. ZPO beinhalten somit spezifische Bestimmungen für das</span><br/> <span class="ft7">Arbeitsgericht als besonderes Zivilgericht. Hinzu kommt, dass (auch)</span><br/> <span class="ft7">das Rechtsschutzverfahren gemäss Personalgesetz spezifisch geregelt</span><br/> <span class="ft7">ist. Dieses Verfahren ist gegenüber demjenigen vor Arbeitsgericht</span><br/> <span class="ft7">wesentlich verschieden (vgl. insbesondere den unterschiedlichen</span><br/> <span class="ft7">Instanzenzug mit Zweiteilung Klage- / Beschwerdeverfahren sowie</span><br/> <span class="ft7">die spezielle Funktion der Schlichtungskommission). Aus diesen</span><br/> <span class="ft7">Gründen erscheint es naheliegend, den spezifischen Rechtsschutz bei</span><br/> <span class="ft7">personalrechtlichen Streitigkeiten als im Personalgesetz abschlies-</span><br/> <span class="ft7">send geregelt zu betrachten und subsidiär (d.h. nach Massgabe der</span><br/> <span class="ft7">entsprechenden Verweise) lediglich die allgemeinen Bestimmungen</span><br/> <span class="ft7">des Verwaltungsrechtspflegegesetzes bzw. der Zivilprozessordnung</span><br/> <span class="ft7">zur Anwendung zu bringen. Dies gilt um so mehr, als im Rahmen der</span><br/> <span class="ft7">regierungsrätlichen Botschaften zum Personalgesetz als auch in den</span><br/> <span class="ft7">Beratungen in Kommission und Plenum des Grossen Rates nie von</span><br/> <span class="ft7">einer Analogie zum Verfahren vor Arbeitsgericht die Rede war. Da-</span><br/> <span class="ft7">raus lässt sich schliessen, dass der Gesetzgeber sie auch nicht beab-</span><br/> <span class="ft7">sichtigte.</span><br/> <span class="ft7">bb) Wird Art. 343 OR im Bereich des öffentlichen Arbeitsrechts</span><br/> <span class="ft7">nicht angewandt, so ergibt sich daraus eine Schlechterstellung der</span><br/> <span class="ft7">öffentlichrechtlichen Angestellten im Verhältnis zu den privatrechtli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">539</span></div> <div class="page" id="S23"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">chen. Es ist den öffentlichrechtlichen Angestellten verwehrt, ohne</span><br/> <span class="ft7">Kostenrisiko die Streitsache durch ein Gericht beurteilen zu lassen</span><br/> <span class="ft7">(die Schlichtungskommission stellt keine Gerichtsinstanz dar, da sie</span><br/> <span class="ft7">keine Entscheidungsbefugnis hat, sondern lediglich Empfehlungen</span><br/> <span class="ft7">abgibt). Die Schlechterstellung erscheint stossend, da dem Staat ge-</span><br/> <span class="ft7">genüber seinen Angestellten die selbe "Machtstellung" zukommt wie</span><br/> <span class="ft7">dem privaten Unternehmen gegenüber seinen Arbeitnehmern (Felix</span><br/> <span class="ft7">Hafner, Rechtsnatur der öffentlichen Dienstverhältnisse, in: Helbling</span><br/> <span class="ft7">/ Poledna, a.a.O., S. 206). Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft7">kamen denn auch bei Streitigkeiten aus dem öffentlichrechtlichen</span><br/> <span class="ft7">Dienstverhältnis die Kostenregelungen für Streitigkeiten aus dem</span><br/> <span class="ft7">privatrechtlichen Arbeitsverhältnis per Analogie zur Anwendung.</span><br/> <span class="ft7">Das Verwaltungsgericht führte aus, dass aufgrund des verfassungs-</span><br/> <span class="ft7">mässigen Gebots rechtsgleicher Behandlung die Kostenbefreiung</span><br/> <span class="ft7">gemäss Art. 343 OR auch bei öffentlichrechtlichen Personalstreitig-</span><br/> <span class="ft7">keiten gelten müsse (AGVE 1974, S. 163).</span><br/> <span class="ft7">Demgegenüber erscheint wesentlich, dass das öffentlichrechtli-</span><br/> <span class="ft7">che und das privatrechtliche Arbeitsverhältnis in verschiedenen</span><br/> <span class="ft7">Punkten ungleich ausgestaltet sind. Zudem sind - wie gesehen - die</span><br/> <span class="ft7">entsprechenden Rechtsschutzverfahren in mehreren Punkten unter-</span><br/> <span class="ft7">schiedlich geregelt. Diese Unterschiede rechtfertigen Differenzierun-</span><br/> <span class="ft7">gen in Bezug auf die Verfahrenskosten, ohne dass dadurch das Gebot</span><br/> <span class="ft7">der Rechtsgleichheit verletzt wäre. Aus dem besagten Grundsatz</span><br/> <span class="ft7">kann somit nicht abgeleitet werden, dass es zwingend wäre, die Re-</span><br/> <span class="ft7">gelung von Art. 343 Abs. 2 OR im Verfahren vor Personalrekursge-</span><br/> <span class="ft7">richt anzuwenden.</span><br/> <span class="ft7">cc) Das Vorliegen einer Gesetzeslücke (planwidrige Unvoll-</span><br/> <span class="ft7">ständigkeit des Gesetzes) im Zusammenhang mit der Frage der</span><br/> <span class="ft7">Kostenlosigkeit im Sinne von Art. 343 Abs. 3 OR muss insbesondere</span><br/> <span class="ft7">aus zwei Gründen verneint werden: Der Grosse Rat beschloss am</span><br/> <span class="ft7">9. Mai 2000 (mithin eine Woche vor der Verabschiedung des Perso-</span><br/> <span class="ft7">nalgesetzes) die Leitsätze zur Justiz- und Verwaltungsrechtspflege-</span><br/> <span class="ft7">reform (Projekt Justizreform 2, GR.99.343). Leitsatz 3 hält fest:</span><br/> <span class="ft7">"Rechtsmittelverfahren sollen in keinem Bereich stets uneinge-</span><br/> <span class="ft7">schränkt kostenlos zur Verfügung stehen. Soweit diesem Leitsatz</span><br/> <span class="ft7">Bundesrecht entgegensteht, sind Bemühungen, dieses zu revidieren,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">540</span></div> <div class="page" id="S24"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">zu unterstützen." Entsprechend kann nicht davon ausgegangen wer-</span><br/> <span class="ft7">den, dass die Frage des kostenlosen Verfahrens während der Geset-</span><br/> <span class="ft7">zesberatung "vergessen gegangen" wäre; vielmehr erscheint nahelie-</span><br/> <span class="ft7">gend, dass bewusst keine Kostenbefreiung vorgesehen wurde. Weiter</span><br/> <span class="ft7">erklärte der Grosse Rat am 21. März 2000 die Standesinitiative "zur</span><br/> <span class="ft7">Einführung der Entgeltlichkeit der Verfahren im Bereich Arbeits-</span><br/> <span class="ft7">recht" für erheblich. Auch daraus ist zu schliessen, dass im Personal-</span><br/> <span class="ft7">gesetz bewusst keine Kostenbefreiung vorgesehen wurde.</span><br/> <span class="ft7">Schliesslich besteht kein Hinweis darauf, dass der Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft7">einen zwingenden Konnex zwischen der Kostenregelung im arbeits-</span><br/> <span class="ft7">gerichtlichen Verfahren und demjenigen im Verfahren vor Personal-</span><br/> <span class="ft7">rekursgericht gesehen hätte. Mit anderen Worten besteht kein Anlass</span><br/> <span class="ft7">zur Annahme, der Gesetzgeber hätte für die Dauer der Hängigkeit</span><br/> <span class="ft7">der Standesinitiative bzw. für den Fall ihres Misserfolges eine ana-</span><br/> <span class="ft7">loge Anwendung von Art. 343 Abs. 3 OR festlegen wollen. Dies ist</span><br/> <span class="ft7">insofern nachvollziehbar, als - wie gesehen - das arbeitsgerichtliche</span><br/> <span class="ft7">Verfahren und dasjenige vor Personalrekursgericht nicht rechtsgleich</span><br/> <span class="ft7">ausgestaltet sind.</span><br/> <span class="ft7">dd) Allgemeine Rechtsgrundsätze sind Rechtsnormen, die we-</span><br/> <span class="ft7">gen ihrer allgemeinen Tragweite in allen Rechtsgebieten, im öffentli-</span><br/> <span class="ft7">chen Recht wie im Privatrecht, Geltung haben. Allgemeine Rechts-</span><br/> <span class="ft7">grundsätze sind von den Verfassungsgrundsätzen zu unterscheiden.</span><br/> <span class="ft7">Sie stehen auf der Stufe der Gesetze. Der Gesetzgeber kann deshalb -</span><br/> <span class="ft7">anders als bei Verfassungsgrundsätzen - Einschränkungen und Modi-</span><br/> <span class="ft7">fikationen vorsehen. Sie dienen der Ausfüllung von Lücken des ge-</span><br/> <span class="ft7">schriebenen Rechts (Häfelin / Müller, a.a.O., Rz. 142 ff.).</span><br/> <span class="ft7">Die Kostenbefreiung unterhalb der Streitwertgrenze von Art.</span><br/> <span class="ft7">343 Abs. 3 OR gilt nicht nur für Streitigkeiten aus privatrechtlichen</span><br/> <span class="ft7">Arbeitsverhältnissen, sondern ist auch bei Streitigkeiten aus öffent-</span><br/> <span class="ft7">lichrechtlichen Arbeitsverhältnissen verbreitet. Von der Personalre-</span><br/> <span class="ft7">kurskommission des Bundes werden nach konstanter Praxis keine</span><br/> <span class="ft7">Kosten erhoben, wenn die Streitwertgrenze von Art. 343 Abs. 3 OR</span><br/> <span class="ft7">nicht erreicht ist; dieselbe Praxis verfolgte das Bundesgericht vor der</span><br/> <span class="ft7">Schaffung der Personalrekurskommission (vgl. VPB 60.73 Erw. 5,</span><br/> <span class="ft7">59.2 Erw. 5; BGE 108 Ib 424). Auf die Praxis des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft7">richts wurde bereits verwiesen. § 80b des zürcherischen Verwal-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Nichtwiederwahl</span> <span class="page_no">541</span></div> <div class="page" id="S25"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">tungsrechtspflegegesetzes schreibt explizit die Kostenbefreiung un-</span><br/> <span class="ft7">terhalb der Streitwertgrenze von Fr. 20'000.-- vor. Anderseits besteht</span><br/> <span class="ft7">weder nach dem bernischen Verwaltungsrechtspflegegesetz noch</span><br/> <span class="ft7">nach der Praxis hierzu eine entsprechende Kostenbefreiung. In</span><br/> <span class="ft7">Rechtsprechung und Lehre lässt sich - soweit überschaubar - keine</span><br/> <span class="ft7">Aussage finden, wonach der Kostenbefreiung im Sinne von Art. 343</span><br/> <span class="ft7">Abs. 3 OR die Bedeutung eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes zu-</span><br/> <span class="ft7">kommen würde.</span><br/> <span class="ft7">Unabhängig davon, ob der umstrittenen Kostenbefreiung der</span><br/> <span class="ft7">Status eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes beigemessen werden</span><br/> <span class="ft7">kann, ist wesentlich, dass eine Anwendung nur auf dem Wege der</span><br/> <span class="ft7">Lückenfüllung in Betracht käme; eine Lücke liegt aber - wie gesehen</span><br/> <span class="ft7">- nicht vor. Tatsächlich ergibt sich aber, dass der Regelung kaum der</span><br/> <span class="ft7">Status eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes beigemessen werden</span><br/> <span class="ft7">kann. Ebensowenig kommt Art. 343 Abs. 3 OR eine derart prioritäre</span><br/> <span class="ft7">Bedeutung zu, dass gestützt darauf geschlossen werden müsste, der</span><br/> <span class="ft7">Gesetzgeber sei stillschweigend (sowie abweichend von den er-</span><br/> <span class="ft7">wähnten Beschlussfassungen betreffend Leitsatz 3 des Projekts</span><br/> <span class="ft7">Justizreform 2 sowie betreffend Standesinitiative) von dessen An-</span><br/> <span class="ft7">wendbarkeit ausgegangen.</span><br/> <span class="ft7">c) Zusammenfassend ergibt sich, dass aufgrund des Gesetzes-</span><br/> <span class="ft7">wortlauts sowie der Materialien, welche je keine gegenteiligen Aus-</span><br/> <span class="ft7">sagen enthalten, davon auszugehen ist, dass im Verfahren vor dem</span><br/> <span class="ft7">Personalrekursgericht keine Kostenbefreiung i.S. von Art. 343 OR</span><br/> <span class="ft7">zur Anwendung gelangt. § 369 ZPO bezieht sich ausschliesslich auf</span><br/> <span class="ft7">das arbeitsgerichtliche Verfahren und ist nicht anwendbar. Eine Ge-</span><br/> <span class="ft7">setzeslücke liegt nicht vor. Aus dem Gebot der Rechtsgleichheit lässt</span><br/> <span class="ft7">sich keine analoge Anwendung der genannten obligationenrechtli-</span><br/> <span class="ft7">chen Bestimmung ableiten, ebensowenig kommt ihr die Bedeutung</span><br/> <span class="ft7">eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes zu. Somit sind auch bei Streit-</span><br/> <span class="ft7">werten von weniger als Fr. 30'000.-- Verfahrenskosten zu erheben.</span><br/> <span class="ft7">Dieses Resultat mag stossend wirken. Insbesondere erscheint</span><br/> <span class="ft7">schwer verständlich, weshalb das neue Personalrecht eine breite An-</span><br/> <span class="ft7">lehnung an das Obligationenrecht sucht, in der Frage der Verfahrens-</span><br/> <span class="ft7">kosten aber davon abweicht. Für die rechtsuchenden Mitarbeitenden</span><br/> <span class="ft7">muss dies brüskierend wirken. Zudem stellt nach breit abgestützter</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">542</span></div> <div class="page" id="S26"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Überzeugung die Aussicht, mit Gerichtskosten konfrontiert zu wer-</span><br/> <span class="ft7">den, vor allem für die schwächere Partei ein nicht zu unterschätzen-</span><br/> <span class="ft7">des Hindernis dar, das im Widerspruch zu Sinn und Zweck der mate-</span><br/> <span class="ft7">riellen Sozialschutzbestimmungen - wozu auch das Arbeitsrecht</span><br/> <span class="ft7">gehört - steht (Parlamentarische Initiative Arbeitsrecht, Erhöhung der</span><br/> <span class="ft7">Streitwertgrenze für kostenlose Verfahren, Bericht der Kommission</span><br/> <span class="ft7">für Rechtsfragen des Nationalrates vom 8. Mai 2000, Punkt 4.1.1</span><br/> <span class="ft7">Erläuterungen des Entwurfs [Kommissionsmehrheit]). Es ist zumin-</span><br/> <span class="ft7">dest fragwürdig, wenn in einem singulären Bereich von dieser Auf-</span><br/> <span class="ft7">fassung abgewichen wird. Soweit die massgebende obligationen-</span><br/> <span class="ft7">rechtliche Regelung nicht geändert wird, erschiene folglich eine</span><br/> <span class="ft7">analoge Regelung naheliegend. Zuständig für deren Erlass wäre aber</span><br/> <span class="ft7">einzig der Gesetzgeber.</span><br/></div> </div> </body> </html>