B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2223/2014 U r t e i l v o m 11 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Jean-Pierre Monnet, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiber Tobias Grasdorf. Parteien A._______, geboren (…) (bzw. nach eigenen Angaben […]), angeblich China (Volksrepublik), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. April 2014 / N (…). E-2223/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am 6. März 2014 in der Schweiz um Asyl nach. Am 18. März 2014 befragte ihn das BFM zur Person. Dieser machte dabei unter anderem geltend, bis zu seiner Ausreise nach Nepal in Dorf B._______ im Autonomen Gebiet Tibet, China, gelebt zu haben. A.b Am 31. März 2014 führte die Fachstelle Lingua des BFM mit dem Beschwerdeführer eine Evaluation des Alltagswissens in Bezug auf den Tibet durch. Der Lingua-Bericht datiert vom gleichen Tag. A.c Am 8. April 2014 hörte das Bundesamt den Beschwerdeführer zu seinen Fluchtgründen an und gewährte ihm das rechtliche Gehör zu den Ergebnisse der Alltagswissensevaluation. A.d Mit Verfügung vom 17. April 2014 stellte das BFM fest, der B e- schwerdeführer erfülle die Flü chtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asy l- gesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den zuständ i- gen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. B. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 24. April 2014 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache neu zu beurteilen. Seine Flüchtlingseige n- schaft sei anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen anzuerkennen und er infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei seine vorläufige Aufnahme wegen unzumutbaren und unmöglichen Vollzugs anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgel tlichen Prozessführung und der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde . Die zuständige Behörde sei vorsorglich anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat - oder Herkunftsstaates und jegliche D a- tenweitergabe an denselben zu unterlassen; eventu aliter sei bei erfolgter Datenweitergabe darüber in einer separaten Verfügung zu informieren. C. Mit Zwischenverfügung vom 7. Mai 2014 hiess das Bundesverwaltung s- gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut , w ies das E-2223/2014 Seite 3 BFM an, die Kontaktaufnahme mit den chinesischen Behörden sowie jeg- liche Datenweitergabe an dieselben bis zum Abschluss des Beschwerde- verfahrens zu unterlassen, und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. D. Am 22. Mai 2014 nahm das BFM zur Beschwerde Stellung und am 4. Juni 2014 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen na ch Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Auf- grund der Zuweisung des Beschwerdeführers in die Testphase des Ve r- fahrenszentrums in Zürich kommt zudem die Verordnung vom 4. Sep- tember 2013 über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleuni- gungsmassnahmen im Asylbereich (TestV, SR 142.318.1) zur Anwendung (Art. 1 und Art. 4 Abs. 1 TestV i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist daher zur Einre i- chung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und Art. 38 TestV; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-2223/2014 Seite 4 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachte i- len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung des Leibes, des Leb ens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, der Beschwerdeführer sei zwar tibetischer Ethnie, sei aber zur Hauptsache ausserhalb Tibets sozialisiert worden. Es stützt sich dabei auf eine Evalu- ation der Länderkenntnisse des Beschwerdeführers über Tibet, durchg e- führt von der amtsinternen Fachstelle Lingua, in welcher der Analyst auf Grund des beschränkten und oberflächlichen Wissens des Beschwerde- führers über den Alltag in Tibet die Wahrscheinl ichkeit, dass er in Tibet gelebt habe, als klein bezeichnete. Die vom Beschwerdeführer behaupte- te Minderjährigkeit erachtete das BFM als unglaubhaft. Er habe keine Identitätsdokumente abgegeben und habe angegeben, sein exaktes G e- burtsdatum erst in Nepal vo n seinem Vater erfahren zu haben, was als konstruiert erscheine. Zudem gebe er an, sein Vater habe das Geburtsda- tum "bestimmt", um falsche Papiere machen zu lassen, was ebenfalls darauf hindeute, dass das Datum nicht stimme. Schliesslich habe er sich hinsichtlich seines Schulbesuchs widersprochen. Auch die geltend gemachte Reflexverfolgung im Falle einer Rückkehr nach Tibet sei nicht glaubhaft. Seine Aussagen zu den politischen Tätig- keiten d es Vaters seien dürftig, oberflächlich und stereotyp , und es sei nicht nachvollziehbar, wie sein Vater und er erfahren haben wollten, dass der Vater gesucht werde, weil er sich als Fluchthelfer betätigt habe. E-2223/2014 Seite 5 4.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Beschwerde, der Alltags- spezialist komme aus einem anderen G ebiet und spreche einen anderen Dialekt als er und es sei sehr schwierig für ihn gewesen, ihn zu verste- hen, was er der Person auch gesagt habe. Es habe Missverständnisse bei der Übersetzung gegeben. Zu seinen Fluchtgründen führt der Beschwerdeführer aus, sein Vater ha- be verschiedenen Tibetern geholfen, das Land illegal zu verlassen. Als dies aufgeflogen sei, sei er in grosser Gefahr gewesen. Für ihn als Kind habe es nur die Möglichkeit gegeben, mit seinem Vater mitzugehen. Er sei bei den Interviews sehr ne rvös gewesen und leide darunter, von se i- nem Vater getrennt zu sein. 4.3 In seiner Vernehmlassung führte das BFM aus, der Lingua-Analyst spreche nicht nur den Kham -Dialekt, sondern auch die exiltibetische Ko i- ne, so dass die behaupteten Verständigungsprobleme n icht nachvollzieh- bar seien. Das Interview hätte bei Verständigungsproblemen kaum über eine Stunde gedauert. Auch habe der Beschwerdeführer widersprüchliche Angaben zu seinem Schulbesuch gemacht und die Schilderung seiner Reise in die Schweiz sei offensichtlich unglaubhaft ausgefallen, da er an- gegeben habe, er habe auf seiner Flugreise nie Identitätsdokumente auf sich getragen, da diese stets beim Schlepper geblieben seien. 4.4 In der Replik macht der Beschwerdeführer keine zusätzlichen en t- scheidrelevanten Vorbringen. 5. Vorab ist zu klären, ob das BFM zu Recht von der Volljährigkeit des B e- schwerdeführers ausging. Dieser bezeichnet sich auch in der Beschwe r- deschrift mehrmals als minderjährig respektive Kind , macht dazu aber weder weitere Ausführungen, noch nimmt er Stellung zur Argumentation des BFM. Unter diesen Umständen ist die Schlussfolgerung des BFM, er sei nicht minderjährig, nicht zu beanstanden , zumal die diesbezüglichen Erwägungen nachvollziehbar erscheinen . So hat der Beschwerdeführer erstens keinerlei Identitätsdokumente abgegeben, die sein Geburtsdatum belegen könn ten. Zweitens sind seine Angaben dazu, wie er sein G e- burtsdatum erfahren habe – sein Vater habe ihm das Geburtsdatum erst in Nepal gesagt, er habe es für die Erstellung von Papieren "bestimmt ", habe sich aber sicher richtig erinnert – nicht plausibel. Und drittens macht der Beschwerdeführer widersprüchliche Angaben zu seinem Alter im Zu-E-2223/2014 Seite 6 sammenhang mit seinem Schulbesuch. Auch das Bundesverwaltungsge- richt geht deshalb von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers aus. 6. 6.1 Im Urteil des BVGer E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 (zur Publikation vorgesehen) präzisierte das Bundesverwaltungsgericht seine Praxis be- züglich Tibet (basierend auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 1) dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort beständen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asyls u- chenden Person. Verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung zu seinem effektiven Status in Nepal respektive in Indien, könne namentlich keine Drittstaate n- abklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (a.a.O. E. 5.9 f.). 6.2 Die Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich der angeblichen Verfolgungsgefahr für seinen Vater – und damit im Sinne einer Reflexver- folgung auch für ihn selber – sind, wie das BFM zu Recht ausführt, u n- glaubhaft. Es ist nicht plausibel, dass sein Vater "einigen Personen" zur Flucht verholfen hat respektive ihnen "den Weg" gezeigt hat. Die diesb e- züglichen Ausführungen des Beschwerdeführers sind oberflächlich und unsubstantiiert und machen insgesamt einen konstruierten Eindruck. Se i- ne Aussagen beschränken sich darauf, sein Vater habe verschiedenen t i- betischen Flüchtlingen den Weg über die Grenze nach Nepa l gezeigt. Dies habe er seit zwei bis drei Jahren gemacht, er sei jedoch nicht als Fluchthelfer bekannt gewesen, sondern habe nur "bei Gelegenheit den Flüchtlingen geholfen, den Weg zu finden." Er habe gewusst, dass die Si- tuation in Tibet nicht gut sei, deshalb habe er einfach jedem geholfen, der sich auf die Flucht begeben habe. Zudem sind die Vorbringen des B e- schwerdeführers dazu, wie sein Vater von der Gefahr erfahren habe, un- plausibel. Sein Vater habe vom Mann einer Tante des Beschwerdefü h- rers, der bei der Behörde in C._______ arbeite, erfahren, dass i hn ein Flüchtling, dem er geholfen habe und der in die Hände der Chinesen g e- raten war, verraten habe. Deshalb habe er beschlossen zu fliehen und seinen Sohn mitgenommen. Der Beschwerdeführer kann jedoch nic ht E-2223/2014 Seite 7 angeben, wie der Verwandte heisst, wo er arbeitet – ausser, dass er nicht bei der Polizei arbeite – und wie er an diese Informationen kam. Er sagt lediglich, er habe es wohl von Arbeitskollegen erfahren. 6.3 Wie das BFM zudem zu Recht ausführt ist unglaubh aft, dass der B e- schwerdeführer, wie von ihm behauptet, seine hauptsächliche Sozialisati- on in Tibet erfahren hat und zum von ihm angegebenen Zeitpunkt und in der von ihm angegebenen Weise Tibet verlassen hat. 6.3.1 Dagegen spricht die von der Fachstelle Lingua e rstellte Evaluation des Alltagswissens des Beschwerdeführers. Bei der vom BFM in Auftrag gegebenen Evaluation wurden die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse des Beschwerdeführers geprüft. Der Lingua -Analyst gelangte aufgrund ungenügender geographischer und sprachlicher Kenntnisse des Explo- randen zum Schluss, die Wahrscheinlichkeit, dass Letzterer im behaupte- ten geografischen Raum gelebt habe, sei klein. Die Analyse ist fundiert und die Schlussfolgerungen sin d überzeugend begründet. Zudem beste- hen an der fachlichen Qualifikation des Sachverständigen keine Zweifel, weshalb von der inhaltlichen Richtigkeit und Vollständigkeit des Berichts ausgegangen wird. Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde vor, er habe den Lingua- Analysten beim Gespräch nicht gut verstanden, da diese r einen anderen Dialekt spreche. Seine Behauptung, er habe ihn nicht gut verstanden, weil er selber den zentraltibetischen Dialekt spreche, vermag aus folgen- den Gründen nicht zu überzeuge n: Der Analyst beherrscht gemäss den Angaben zu se inen Qualifikationen nicht nur einen Kham-Dialekt, so n- dern auch die exiltibetische Koine. Diese liegt sprachlich relativ nahe bei dem vom Beschwerdeführer gesprochenen zentraltibetischen Dialekt , so dass zwar einzelne Wörter nicht verstanden w erden, aber gröbere sprachliche Missverständnisse unwahrscheinlich erscheinen . Die Tatsa- che, dass das Gespräch über eine Stunde dauerte, deutet ebenfalls dar- auf hin, dass es keine besonderen Schwierigkeiten bei der Verständigung gegeben hätte. Solche werden vom Lingua-Analysten in seinem Bericht auch nicht erwähnt. Da der Beschwerdeführer in der Anhörung, als er mit den Ergebnissen der Evaluation konfrontiert wurde, keine sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten geltend machte, erscheint seine Kritik als nachgeschoben und damit unglaubhaft, weshalb auf weitere diesbezügl i- che Abklärungen verzichtet werden kann. E-2223/2014 Seite 8 6.3.2 Inhaltlich erscheinen die widersprüchlichen Angaben des B e- schwerdeführer zu seiner Schulzeit besonders gravierend. In der Befr a- gung zur Person gab er an, er sei in Tibet ein Jahr in die Schule gega n- gen, das sei 2003 gewesen, als er 11 oder 12 Jahre alt gewesen sei (BFM-Akte A10 Ziff. 1.17.04 und 4.04). Gemäss dem Lingua -Evalua- tionsbericht gab er im Gespräch jed och an, drei Jahre die Grundschule besucht zu haben, nämlich von 2001 bis 2004 (BFM -Akte A17 S. 1). Die gleiche Angabe machte er in der Anhörung (BFM-Akte A22 F33). Auf den Widerspruch hingewiesen gab er an, er sei in der Befragung zur Person nervös gewesen, da sei ihm "das falsch rausgerutscht ". Diese Aussage vermag den grundlegenden Widerspruch jedoch nicht zu erklären. Auf Beschwerdeebene äussert er sich dazu nicht. Hinzu kommt, dass er ge- mäss dem Lingua -Bericht keine Schuluniform getragen haben will , weil die Schule sehr arm gewesen sei, obwohl gemäss dem Analysten im chi- nesischen Tibet alle Grundschulkinder eine Schuluniform tragen, für die der Staat aufkommt. Sodann sagte der Beschwerdeführer aus, man fahre ein bis zwei Stunden von seinem Dorf in das Dorf, in dem sich die Schule befunden habe. Diese beiden (namentlich genannten) Orte liegen jedoch gemäss dem Analysten nicht mehr als zehn Kilometer auseinander und sind durch eine gute Strasse verbunden. Schliesslich kannte der B e- schwerdeführer gemäss dem Analysten das alljährliche Schulfest nicht. Alle diese Elemente deuten zusätzlich darauf hin, dass der Beschwerd e- führer nicht wie behauptet in Tibet sozialisiert wurde und seine diesb e- züglichen Vorbringen nicht der Wahrheit entsprechen. Schliesslich sprechen weitere Aussagen gegen seine Herkunft aus Tibet , namentlich seine Behauptung, es gebe im Kreis Tingri Wälder, obwohl dieser sich vollständig oberhalb der Wald grenze befindet, seine un plau- siblen Angaben zur Tätigkeit seines Vaters als Händler sowie seine Un- kenntnis der tibetischen Bezeichnung der chinesischen Währung und von im Tibet verwendeten chinesischen Lehnwörtern. Insgesamt kam der Lin- gua-Analyst nachvollziehbarerweise zum Schluss, der Beschwerdeführer verfüge nur über ein beschränktes allgemeines Wissen über den Alltag in Tibet; sobald ein Thema vertieft werde, wisse er nicht mehr Bescheid. 6.4 Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass das BFM zu Recht fes t- stellte, der Beschwerdeführer habe über seine Herkunft täuschende A n- gaben gemacht. Aufgrund der ausführlich und schlüssig begründeten Ver- fügung der Vorinstanz und der Evaluation des Alltagswissens ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der B e- schwerdeführer vor seiner Ankunft in der Schweiz nicht in China, sondern E-2223/2014 Seite 9 in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte exiltibetische G e- meinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Der Beschwerdeführer ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in Nepal aufgewachsen und hat dort bis im Frühjahr 2014 gelebt. Folglich wäre grundsätzlich zu prüfen, ob er über die chinesische Staatsangeh ö- rigkeit verfügt, was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 AsylG mit sich bringen würde, oder die Staatsangehöri g- keit von Nepal (oder Indien) erlangt hat, mit der Folge, dass das Vorliegen asylrelevanter Gefährdung hinsichtlich jenes Staates zu prüfen wäre. 6.5 Wie bereits oben ausgeführt, ist das Gericht mit der Vorinstanz der Auffassung, dass der Beschwerdeführer die Mitwirkungspfli cht in nicht entschuldbarer Weise verletzt hat und dadurch den Behörden nähere A b- klärungen zu seinem tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. Durch die Verletzung dieser Pflicht verunmöglicht er auch die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal (oder Indien) innehat. Er hat die Folgen di e- ses Verhaltens zu verantworten. In diesem Sinne ist seine Berufung auf EMARK 2005 Nr. 1 unbehelflich, da auch bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungswe i- se davon auszugehen ist, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbe- achtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthalt s- ort bestehen (vgl. Urteil E-2981/2012, a.a.O., E. 5.10). 6.6 Zusammenfassend vermag der Beschwerdeführer keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG in Bezug auf die Volksrepublik China nach zu- weisen oder glaubhaft zu machen und kann deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die übrigen Beschwerdevorbringen im Asylpunkt einzugehen. 7. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwe i- sung aus der Schweiz und ordnet den Wegweisungsvollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; BVGE 2011/24 E. 10.1 m.w.H. ). Die We gweisung ist mithin zu Recht verfügt worden. E-2223/2014 Seite 10 8. 8.1 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs stellt sich die Vorinstanz vorli e- gend auf den Standpunkt, da die vom Beschwerdeführer geltend g e- machte Staatsangehörigkeit nicht glaubhaft sei, müsse diese als unb e- kannt gelten. Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägungen. 8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvol l- zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchung s- pflicht findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Beschwerdefü h- rers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshinde r- nissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Der Beschwerdeführer hat durch die Verheimlichung respektive Ve r- schleierung seiner wahren Herkunft seine Mitwirkungspflicht verletzt. Er hat die Folgen dieser Pflichtverletzung insoweit zu tragen, als seitens der Asylbehörden der Schluss zu ziehen ist , es spreche nicht s gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da er keine konkreten glaub- haften Hinweise geliefert hat, die gegen eine solche Rückkehr sprechen. Es ist deshalb davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Voll- zugshindernisse e ntgegen, was insbesondere für Nepal und Indien gilt, welche als mögliche Herkunftsstaaten in Frage kommen. Der Vollzug ist somit sowohl zulässig als auch zumutbar. 8.3 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr alle n- falls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblic hen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da ihm j e- doch unentgeltliche Prozessführung gewährt worden ist, ist auf die Erh e- bung von Verfahrenskosten zu verzichten. E-2223/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Tobias Grasdorf Versand: