Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. Juli 2020 (810 20 109) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Daniel Häring, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer B.____ , Beschwerdeführerin C.____ , Beschwerdeführerin beide Beschwerdeführerinnen vertreten durch A____ gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde D.____ , Vorinstanz Betreff Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft mit E inkommens- und Ver- mögensverwaltung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D.____ vom 20. Februar 2020) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Das Alterszentrum E.____ reichte mit E-Mail vom 23. November 2019 bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D.____ (KESB) eine Gefähr dungsmeldung betreffend das Ehepaar F.____, geboren 1933, und G.____, geboren 1939, ein. Begründet wurde die Meldung mit erneuten Zahlungsrückständen für die monatlichen Heimkosten des Ehepaares in der Höhe von Fr. 39'110.40. Seit dem Heimeintritt im Jahr 201 5 sei es immer wieder zu Zahlungsproble- men gekommen, weshalb das Alterszentrum um Prüfung einer Beistandschaft bitte. B. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2019 erteilte die KE SB der Sozialberatung E.____ einen Abklärungsauftrag betreffend die Situation von F.____ und G.____. Mit Eingabe vom 29. Januar 2020 reichte die Sozialberatung E.____ den Abklärungsbericht ein. Darin wurde festgehalten, dass mit dem Vorsorgeauftrag vom 20. Sept ember 2019 die drei gemeinsamen Kinder von F.____ und G.____, C.____, B.____ und A. ____, für deren Personensorge, Vermö- genssorge und Vertretung im Rechtsverkehr bevollmächtigt worden seien. B.____ und A.____ hätten die finanzielle Situation ihrer Eltern nicht r egelmässig überprüft und keine notwendigen Massnahmen ergriffen. Die Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit der Eltern sei B.____ und A.____ erst durch die Gefährdungsmeldung aufgefallen. Das Ehepaar F.____ und G.____ sei ursprünglich vermögend gewesen. Die beiden Ferienhäuse r im Tessin und im Jura hätten die Eltern den beiden Kindern geschenkt. Die Liegenschaft i n E.____ sei ebenfalls zu gleichen Tei- len an B.____ und A.____ übertragen worden. Aufgrun d der fehlenden Bankauszüge seien die konkreten Vorgänge der Eigentumsübertragungen nicht ü berprüfbar. Unklar sei auch, weshalb der Verkaufserlös der Liegenschaft in E.____ und die laufenden monatlichen Einnahmen den Lebensbedarf des Ehepaares nicht mehr decken würden. C. ____ sei in den Vorsorgeaufträgen lediglich erwähnt, bei den Eigentumsübertragungen je doch nicht aktiv beteiligt gewesen. Es bestehe der Verdacht, dass die vorgenommenen Eigentumsü bertragungen widerrechtliche Erbvorbezüge darstellen würden. Aufgrund der komplexen juristischen Situation werde empfoh- len, eine juristische Fachperson mit dem Fall zu beauf tragen, damit die ursprüngliche Vermö- genssituation wiederhergestellt werden könne und die G eschwister dazu bewogen werden könnten, die beiden Ferienhäuser zu verkaufen. Zusammen m it dem Verkaufserlös der Ferien- häuser könnten die monatlichen Einnahmen den Lebensbedarf des Ehepaars für eine bestimm- te Zeit sicherstellen. C. Am 11. Februar 2020 wurde G.____ im Alterszentrum E.____ von der KESB angehört. D. B.____ und A.____ wurden am 11. Februar 2020 von der KESB zur vorliegenden An- gelegenheit angehört. Beide seien mit der Errichtung einer Beistandschaft nicht einverstanden und würden die Angelegenheiten ihrer Eltern weiterh in selber erledigen wollen. Es wurde ver- einbart, dass B.____ der KESB innert einigen Tagen ei ne Rückmeldung betreffend die Errich- tung der Beistandschaft geben werde. E. Mit E-Mail vom 18. Februar 2020 informierten B.__ __ und A.____ die KESB darüber, dass sie mit der Bank Kontakt aufnehmen würden, um mit Hilfe einer Hypothek ihre beiden von den Eltern erhaltenen Darlehen in der Höhe von je F r. 70'000.-- zurückzahlen zu können. So könnten sie die Schulden ihrer Eltern gegenüber dem Al terszentrum E.____ vollständig beglei- chen. B.____ und A.____ baten die KESB um Aufschub de s Entscheids über die Errichtung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Beistandschaft, bis die Abklärungen mit der Bank a bgeschlossen seien, was voraussicht- lich 14 Tage in Anspruch nehmen werde. F. Am 19. Februar 2020 wurde F.____ im Alterszentrum E.____ von der KESB zur vorlie- genden Angelegenheit angehört. G. C.____ wurde am 20. Februar 2020 telefonisch von d er KESB angehört. Sie gab an, keine Beistandschaft für ihre Eltern zu wollen. Die Ange legenheiten seien weiter von B.____ und A.____ zu erledigen. Sie selber könne sich aufgrund der grossen Distanz nicht darum kümmern. H. Mit Entscheid vom 20. Februar 2020 stellte die KESB fest, dass die Vorsorgeaufträge von F.____ und G.____ vom 20. September 2019 nicht wirksam seien (Ziffer 1). Für F.____ und G.____ wurde eine Vertretungsbeistandschaft mit Einkomme ns- und Vermögensverwaltung nach Art. 394 Abs. 1 i.V.m. Art. 395 Abs. 1 ZGB erri chtet (Ziffer 2) und den verbeiständeten Personen wurde der Zugriff auf das Konto bei der Raif feisenbank entzogen (Ziffer 3). Die Bei- standsperson wurde gestützt auf Art. 9 Abs. 2 VBVV erm ächtigt, die umfassende Verwaltung aller Bankkonten und solche der Postfinance ohne jegliche Mitwirkung der verbeiständeten Per- son und der Erwachsenenschutzbehörde vorzunehmen. Von den Finanzinstituten dürfen von der verbeiständeten Person selbst keine Unterschriften eingeholt werden (Ziffer 4). Der Bei- standsperson wurde gemäss Art. 391 Abs. 3 ZGB die Befugnis erteilt, soweit nötig, die Post der verbeiständeten Person zu öffnen (Ziffer 5). Als Beistan dsperson wurde H.____, Sozialdienst E.____, ernannt (Ziffer 6). Einer allfälligen Beschwerde gegen die Ziffern 1 bis 7 wurde gestützt auf Art. 450c ZGB die aufschiebende Wirkung entzogen. Z ur Begründung wurde im Wesentli- chen festgehalten, dass F.____ und G.____ in ihrer Urt eilsfähigkeit stark eingeschränkt und nicht in der Lage seien, ihre Angelegenheiten selber zu regeln. Diese Aufgaben hätten sie so- dann vor mehreren Jahren an ihre Kinder übertragen. B ei den Altersheimrechnungen von F.____ und G.____ bestünden jedoch hohe Ausstände, welche A.____ und B.____ nicht aufge- fallen seien. Das Vermögen des Ehepaares habe sich unte r ungewöhnlichen Umständen in Form von Grundstücksübertragungen innert kurzer Zeit drast isch vermindert. Zudem sei die Sache mit den Ergänzungsleistungen nach wie vor ungeklä rt und mit der Gemeinde habe be- züglich Übernahme der Finanzierung des Heimaufenthaltes keine Kontaktaufnahme stattgefun- den. Demzufolge sei die finanzielle Situation des Eh epaares höchst prekär und der Aufenthalt im Alterszentrum E.____ gefährdet. Es sei offensichtlich, dass die mit der Vorsorge von F.____ und G.____ beauftragten A.____ und B.____ für diese Aufgabe nicht geeignet seien. Da auch C.____ gegenüber der KESB erklärt habe, dass sie sich ni cht um die Belange ihrer Eltern kümmern könne, da sie zu weit weg wohne, scheide sie eb enfalls aus. Der Vorsorgeauftrag vom 20. September 2019 könne somit zufolge ungeeignete r Beauftragter nicht validiert werden und es sei eine externe Beistandsperson einzusetzen. I. Mit Eingabe vom 3. April 2020 erhoben A.____ sowi e B.____ und C.____, beide vertre- ten durch A.____, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte n, es sei der Entscheid der KESB vom Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 20. Februar 2020 aufzuheben und der Beschwerde sei di e aufschiebende Wirkung zu erteilen; unter o/e-Kostenfolge. J. Mit Eingabe vom 20. April 2020 nahm die KESB Stell ung zum Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und beantragte dessen Abweisung. K. Mit Verfügung vom 27. April 2020 wurde der Antrag auf Wiederherstellung der auf- schiebenden Wirkung abgewiesen. L. Die KESB liess sich mit Eingabe vom 6. Mai 2020 in der Hauptsache vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. M. Mit Verfügung vom 25. Mai 2020 wurde der Fall de r Kammer zur Beurteilung überwie- sen und festgestellt, dass das Urteil schriftlich eröffnet werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheide einer Erwachse nenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 de s kantonalen Gesetzes über die Ein- führung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. Novembe r 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgeri cht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). 2. Nach § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 wendet das Gericht d as Recht von Amtes wegen an. Es prüft insbesondere, ob die Eintretensvoraussetzungen erf üllt sind. Diese umschreiben die Er- fordernisse, die erfüllt sein müssen, damit ein Begehren im Verfahren vor dem Kantonsgericht materiell behandelt werden kann. Eine dieser Sachent scheidvoraussetzungen ist die Be- schwerdebefugnis. Sie umschreibt die Berechtigung eines R echtssubjekts, ein bestimmtes Rechtsmittel zu ergreifen (R ENE RHINOW /HEINRICH KOLLER /CHRISTINA KISS /DANIELA THURNHERR /DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 1092 ff.). 3. Die Mutter der Beschwerdeführenden, G.____, ist am 18. März 2020 verstorben. Die Beschwerde wurde mit Schreiben vom 3. April 2020 eing ereicht und bezieht sich somit nur auf den Vater der Beschwerdeführenden, F.____. 4.1 Nach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB sind zunächst Perso nen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind. Am Verfahren beteiligt sind die von der Anordnung einer Erwach- senenschutzbehörde direkt betroffenen Personen, mithin die schutzbefohlenen, hilfsbedürftigen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Personen, die durch den Entscheid unmittelbar berührt si nd und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung haben (L ORENZ DROESE /D ANIEL STECK , in: Gei- ser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Schweizeri schen Zivilgesetzbuch, 6. Auflage, Basel 2018, N 29 zu Art. 450 ZGB; Urteil des Bundesg erichts 5A_979/2013 vom 28. März 2014 E. 6). Die Beschwerdeführenden haben die vorliegende Beschwerde in eigenem Namen und ohne Hinweis auf ein Vertretungsverhältnis für F.___ _ erhoben. Vom angefochtenen Entscheid in erster Linie direkt betroffen ist jedoch F.____. Die Beschwerdeführenden sind vom angefoch- tenen Entscheid hingegen nicht direkt betroffen und gel ten somit nicht als am Verfahren betei- ligte Personen, was eine Beschwerdeberechtigung gestützt auf Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB aus- schliesst. 4.2 Zur Beschwerde zugelassen ist nach Art. 450 Abs. 2 Z iff. 2 ZGB jedoch auch, wer der betroffenen Person nahesteht, dadurch geeignet erscheint , deren Interessen wahrzunehmen, und mit der Beschwerde auch tatsächlich die Interessen der betroffenen Person verfolgt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_746/2016 vom 5. Apr il 2017 E. 2.3.2). Es handelt sich dabei nach Lehre und Rechtsprechung um Personen, welche die b etroffene Person zufolge Ver- wandtschaft oder Freundschaft oder wegen ihrer Funktion oder beruflichen Tätigkeit (Arzt, So- zialhelfer, Priester oder Pfarrer etc.) gut kennen und kraft ihrer Eigenschaften sowie kraft ihrer Beziehungen zu dieser als geeignet erscheinen, deren Inte ressen zu wahren. Eine Rechtsbe- ziehung ist nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr die faktische Verbundenheit (DROESE /S TECK , a.a.O., N 32 ff. zu Art. 450 ZGB; BGE 137 III 67 E. 3.4.1). Das Wort "Naheste- hen" meint eine auf unmittelbarer Kenntnis der Persön lichkeit des Betroffenen beruhende, von diesem bejahte und von Verantwortung für dessen Ergehe n geprägte Beziehung, die den Drit- ten geeignet erscheinen lässt, Interessen des Betroffen en wahrzunehmen. Diese Beziehung bzw. die Anforderungen daran, die unmittelbare Kennt nis der Persönlichkeit des Betroffenen, die Bejahung durch den Betroffenen und die Verantwor tung für das Ergehen des Betroffenen müssen in der Beschwerdebegründung glaubhaft gemacht w erden (Urteil des Bundesgerichts 5A_663/2013 vom 5. November 2013 E. 3.2; P ATRICK FASSBIND , in: Kren Kostkiewicz/Wolf/ Amstutz/Fankhauser [Hrsg.], Orell Füssli Kommentar Schweize risches Zivilgesetzbuch, 3. Auflage, Zürich 2016, N 2 zu Art. 450 ZGB). Die B eschwerdeführenden sind die Kinder des direkt betroffenen F.____ und gelten damit als diesem nahestehende Personen. Mit Blick auf die Verfahrensakten und mangels gegenteiliger Hinweise erscheinen die Beschwerdeführenden vorliegend als geeignet zur Wahrnehmung der Interessen i hres Vaters. Die Beschwerdeführen- den werfen dem eingesetzten Beistand einen Interessenkon flikt vor. Sie machen geltend, die Gemeinde habe eigene finanzielle Interessen, da diese d ie Heimkosten ihres Vaters überneh- men müsste, sollte dieser nicht die finanziellen Mitte l dazu haben. Vor dem Hintergrund, dass es sich vorliegend um eine Laienbeschwerde handelt, ist zugunsten der Beschwerdeführenden davon auszugehen, dass sie auch tatsächlich die Interessen ihres Vaters wahrnehmen, obschon sie dies nicht explizit ausführen. Die Beschwerdefü hrenden sind somit gestützt auf Art. 450 Abs. 2 Ziffer 2 ZGB zur Anfechtung des Entschei ds der KESB befugt. Da auch die üb- rigen formellen Voraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 6.1 Die Beschwerdeführenden rügen die Verletzung ihr es Anspruchs auf rechtliches Ge- hör. Die Vorinstanz habe es unterlassen, sie zur beabsichti gten Errichtung einer Beistandschaft für F.____ anzuhören. Mit E-Mail vom 18. Februar 2020 hätten die Beschwerdeführenden bei der KESB um eine Verlängerung der Frist zur Gewährun g des rechtlichen Gehörs verlangt, da- mit sie noch weitere Abklärungen in Bezug auf die Finan zen vornehmen könnten. Das Frister- streckungsgesuch sei von der KESB nicht beantwortet word en. Zudem sei der Anspruch auf rechtliches Gehör dadurch verletzt worden, dass die KESB d ie Beschwerdeführenden nicht zur Person des Beistands angehört habe. Die Beschwerdeführenden hätten erstmals mit Entscheid vom 20. Februar 2020 erfahren, wer als Beistand für F. ____ eingesetzt werde. Mit dieser Per- son seien sie jedoch nicht einverstanden. 6.2.1 Art. 446 Abs. 1 ZGB verpflichtet die Behörde, den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln, und verankert damit den Untersuchungsgrunds atz. Die Bestimmung enthält keine detaillierten Regeln über die Art und Weise der Sachv erhaltsermittlung. Sie sieht lediglich in allgemeiner Weise vor, die Behörde habe die erforde rlichen Erkundigungen einzuholen und die notwendigen Beweise zu erheben. Wie sie das bewerkstel ligt, ist ihr überlassen. Zu beachten hat sie freilich die in der Verfassung verankerten Verf ahrensrechte (vgl. L UCA MARANTA / CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivil- gesetzbuch, 6. Auflage, Basel 2018, N 6 ff. zu Art. 446 ZGB). Gesetzlich vorgeschrieben ist eine persönliche (mündliche) Anhörung der betroffenen Person; vorbehalten sind Fälle, in de- nen eine solche Anhörung unverhältnismässig wäre (Art. 4 47 Abs. 1 ZGB). Die übrigen Verfah- rensbeteiligten (d.h. andere als die betroffene Person) haben keinen Anspruch auf eine persön- liche Anhörung (R OLAND FANKHAUSER /N ADJA FISCHER , Die Stellung nahestehender Personen im Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, FamPra.ch 2019, S. 1076; M ARANTA /A UER /M ARTI , a.a.O., N 9 zu Art. 447 ZGB). Ferner begründet Art. 401 Abs. 2 ZGB, welcher besagt, dass die KESB bei der Wahl des Beistands soweit tunlich, Wünsche der Angehörigen oder anderer na- hestehender Personen berücksichtigen soll, kein Anhörungsr echt für die Angehörigen bzw. die nahestehenden Personen (PATRICK FASSBIND , a.a.O., N 3 zu Art. 401 ZGB; R UTH E. REUSSER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zi vilgesetzbuch, 6. Auflage, Basel 2018, N 27 zu Art. 401 ZGB). In der vorliegenden Ang elegenheit ist F.____ die betroffene Per- son und er wurde von der KESB am 19. Februar 2020 im Alterszentrum E.____ persönlich an- gehört. Dies wird von den Beschwerdeführenden zu Recht n icht bestritten. Die Beschwerdefüh- renden gelten nicht als betroffene Personen, weshalb ihnen kein Anspruch auf eine persönliche Anhörung gestützt auf Art. 447 ZGB zusteht. Ebenfalls können sie kein Anhörungsrecht aus Art. 401 Abs. 2 ZGB ableiten. Die KESB hörte die Besc hwerdeführenden dennoch am 11. Februar bzw. am 20. Februar 2020 persönlich an. Eine Verletzung von Art. 447 ZGB bzw. von Art. 401 Abs. 2 ZGB liegt nicht vor. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.2 Art. 447 ZGB geht über den verfassungsrechtlich en Mindeststandard in Art. 29 BV hin- aus. Letzterer räumt keinen Anspruch darauf ein, dass d ie Anhörung mündlich durchzuführen ist (BGE 134 I 140 E. 5.3). Der Anspruch auf rechtlich es Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV umfasst das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zur Sache zu äussern (BGE 136 I 184 E. 2.2. 1; 135 II 286 E. 5.1; 126 V 130 E. 2b). Die Parteien haben dabei insbesondere Anspruch a uf Äusserung zur Sache vor Fällung des Entscheids, auf Abnahme ihrer erheblichen, rechtzeit ig und formrichtig angebotenen Be- weise und auf Mitwirkung an der Erhebung von Beweisen oder zumindest auf Stellungnahme zum Beweisergebnis (BGE 141 V 557 E. 3.1; BGE 140 I 99 E. 3.4). Der Anspruch, ihre Einwän- de rechtzeitig vorbringen zu können, bevor ein Entschei d zu ihrem Nachteil gefällt wird, steht den Parteien im verfahrensrechtlichen Sinne zu, aber au ch allen Dritten, deren Rechte berührt sind (BGE 143 III 65 E. 3.2; 142 III 116 E. 3.2). Di e Beschwerdeführenden monieren eine Ver- letzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör in Bezug a uf die Errichtung der Beistandschaft und bezüglich der Person des eingesetzten Beistands. Weder die Errichtung einer Beistand- schaft noch die Auswahl der einzusetzenden Beistandsperson t angiert die Rechtsstellung der Beschwerdeführenden. Sie gelten vorliegend zwar als nahestehende Personen des Betroffenen und sind zur Beschwerdeerhebung legitimiert, jedoch n ur, weil sie die Interessen ihres Vaters geltend machen. Rechte der Beschwerdeführenden sind vorli egend nicht berührt. Davon abge- sehen hat die KESB den Beschwerdeführenden die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt, welche mit den Anhörungen vom 11. Februar bzw. 20. Feb ruar 2020 wahrgenommen wurde. Zusätzlich wurde von der Sozialberatung E.____ ein Abkl ärungsbericht zur vorliegenden Situa- tion verfasst, wobei die Beschwerdeführenden ebenfall s persönlich befragt wurden (vgl. Abklä- rungsbericht vom 29. Januar 2020). Die bemängelte unterlassene Bearbeitung ihres Fristerstre- ckungsgesuchs stellt somit keine Verletzung des Anhörungsansp ruchs dar. Ferner galt die be- antragte Fristerstreckung der Abklärung von finanziellen Angelegenheiten, welche die Frage der Beistandschaftserrichtung nicht beeinflussen und davon unab hängig zu regeln sind. Die Be- schwerdeführenden wurden zur Errichtung der Beistandschaft umfassend angehört, obschon sie keinen Anspruch darauf haben. Eine Verletzung des An spruchs auf rechtliches Gehör ge- stützt auf Art. 29 Abs. 2 BV liegt nicht vor. 6.2.3 Zusammenfassend ist erstellt, dass den Beschwerdeführe nden in der vorliegenden Angelegenheit weder in Bezug auf die Errichtung eine r Beistandschaft noch in Bezug auf die Auswahl der einzusetzenden Beistandsperson ein rechtlic h geschützter Anhörungsanspruch zusteht, womit keine Verletzung des Anspruchs auf rechtli ches Gehör vorliegt. Dessen unge- achtet wurden die Beschwerdeführenden im Rahmen des Abkl ärungsverfahrens durch die KESB und den Sozialdienst E.____ zur vorliegenden Sache angehört. 7.1 In materieller Hinsicht rügen die Beschwerdeführe nden, dass der eingesetzte Beistand nicht geeignet sei, da er in einem Interessenkonflikt stehe. Der Beistand arbeite für die Ge- meinde E.____. Diese Gemeinde habe jedoch eigene fin anzielle Interessen, da sie die Kosten für das Altersheim übernehmen müssten, sollte das Geld des Ehepaares nicht ausreichen. Zu- dem arbeite A.____ als Inhaber einer Brockenstube mit dem Sozialdienst E.____ zusammen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Gemäss Art. 400 ZGB ernennt die Erwachsenenschutzb ehörde als Beistand oder Bei- ständin eine natürliche Person, die für die vorgesehene n Aufgaben persönlich und fachlich ge- eignet ist, die dafür erforderliche Zeit einsetzen kann und die Aufgaben selber wahrnimmt (Abs. 1). Die Erwachsenenschutzbehörde sorgt dafür, dass d er Beistand oder die Beiständin die erforderliche Instruktion, Beratung und Unterstützu ng erhält (Abs. 3). Das Gesetz um- schreibt nicht im Einzelnen, was unter "geeignet" zu ve rstehen ist. Die Wahl der Beistandsper- son hängt stark von den Umständen des Einzelfalles und d en zu erfüllenden Aufgaben ab, weshalb der KESB bei ihrem Entscheid ein grosses Ermesse n zusteht (REUSSER , a.a.O., N 11 zu Art. 400 ZGB). 7.3 Als eingesetzter Beistand ist H.____ verpflichtet, seine Aufgaben im Interesse der ver- beiständeten Person zu erfüllen und bei der Amtsausfü hrung, soweit tunlich, auf die Meinung der betroffenen Person Rücksicht zu nehmen und deren Willen zu achten (Urteil des Bundesge- richts 5A_580/2012 vom 28. November 2012 E. 5.4; K URT AFFOLTER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 6. Aufla ge, Basel 2018, N 2 zu Art. 406 ZGB). An dieser gesetzlichen Verpflichtung ändert der Umstan d, dass H.____ in der Abteilung Sozia- les der Gemeinde E.____ als Arbeitnehmer angestellt ist , nichts und dieses Arbeitsverhältnis hat keinen Einfluss auf sein Mandat als Beistand. Ferne r unterstehen auch Berufsbeistände neben der hierarchischen Aufsicht des Dienstes, bei dem sie angestellt sind, der Aufsicht und den Weisungen der Erwachsenenschutzbehörde (M ATHIAS MAUCHLE , Das Rechtsverhältnis zwischen dem Beistand und der Erwachsenenschutzbehörde, R iU – Recht in privaten und öf- fentlichen Unternehmen, Band 27, 2019, N 112; vgl. Ar t. 410 ff. ZGB). Hinweise darauf, dass H.____ in einem Konflikt stehen könnte zwischen den Inte ressen von F.____ und den finanziel- len Interessen der Gemeinde, sind weder ersichtlich noch von den Beschwerdeführenden rechtsgenüglich dargetan. Dass das Schreiben des Beistand s vom 23. März 2020, in welchem er die Beschwerdeführenden um Begleichung der ausstehend en Heimrechnungen ihres Vaters bis zum 31. März 2020 bat, kurz nach dem Ableben von G.____ verschickt wurde, dokumentiert keine Befangenheit des Beistands. Vielmehr soll die Beza hlung der offenen Rechnungen den Heimaufenthalt von F.____ sichern und diesen vor einer Betreibung schützen. Weiter ist das Vorbringen der Beschwerdeführenden, dass A.____ als Inh aber einer Brockenstube mit dem Sozialdienst E.____ berufliche Verbindungen habe, nich t geeignet, das Mandatsverhältnis zwi- schen H.____ und F.____ in Frage zu stellen. Davon abge sehen, geht weder aus der Be- schwerde noch aus den Akten hervor, dass es bisher zu Schwie rigkeiten zwischen der Bro- ckenstube und dem Sozialdienst E.____ gekommen oder die ses Berufsverhältnis vorbelastet wäre. 7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerde führenden von der KESB zur vorliegenden Angelegenheit angehört wurden und keine Verletzung des Anspruchs auf rechtli- ches Gehör gegeben ist. Ferner gehen sowohl aus den Akt en als auch aus den Vorwürfen der Beschwerdeführenden keine Anhaltspunkte hervor, um an d er grundsätzlichen, persönlichen oder fachlichen Eignung des eingesetzten Beistands und an seiner Unparteilichkeit und Profes- sionalität zu zweifeln. In ihrer Beschwerde beantragen die Beschwerdeführenden, es sei der Entscheid der KESB vom 20. Februar 2020 aufzuheben. D amit beantragen sie sinngemäss auch die Aufhebung der übrigen Entscheidziffern. Es wi rd jedoch in keiner Weise dargetan, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht weshalb sie die übrigen Punkte im angefochtenen Entsche id der KESB anfechten bzw. inwie- fern diese rechtswidrig und demzufolge aufzuheben wär en. Auch aus den vorliegenden Akten lassen sich keine Hinweise dafür entnehmen, dass der vorl iegende Entscheid in irgendeiner Art mangelhaft ist. Die Beschwerde ist demzufolge vollumfänglich abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht koste npflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 A bs. 3 VPO). Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- vorliegen d den Beschwerdeführenden aufzuerle- gen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in derselben Höhe zu verrechnen. Die Parteikos- ten sind gemäss § 21 VPO wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden den Be- schwerdeführenden auferlegt und mit dem geleisteten K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin