<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 10 S.45</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft1"><b>10</b></span> <span class="ft1"><b>Art. 13 BGFA: Entbindung vom Berufsgeheimnis</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Entbindung einer Anwältin vom Berufsgeheimnis, damit diese allfällige</b></span><br/> <span class="ft1"><b>vormundschaftliche Massnahmen einleiten kann, wenn ihre Klientin ge-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>mäss ärztlichem Zeugnis in Bezug auf das Scheidungsverfahren momen-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tan nicht (ver-)handlungsfähig ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid der Anwaltskommission vom 24. Juni 2008 i.S. M.W.</span><br/> <span class="ft2">(AVV.2008.25)</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3.</span><br/> <span class="ft4">Die faktische Unmöglichkeit, mit der Klientin Kontakt aufzu-</span><br/> <span class="ft4">nehmen, ist vorliegend der Grund für das Entbindungsgesuch. Die</span><br/> <span class="ft4">Gesuchstellerin kann ihre Klientin nicht erreichen und sich nicht mit</span><br/> <span class="ft4">ihr besprechen. Dies kommt auch im Arztzeugnis vom 5. Juni 2008</span><br/> <span class="ft4">zum Ausdruck, in welchem ausgeführt wird, dass sie "aufgrund ihres</span><br/> <span class="ft4">Gesundheitszustandes aus ärztlicher Sicht bis auf Weiteres nicht dazu</span><br/> <span class="ft4">in der Lage ist, sich mit dem laufenden Scheidungsverfahren bewusst</span><br/> <span class="ft4">auseinander zu setzen und notwendige Entscheidungen zu treffen"</span><br/> <span class="ft4">(Gesuchsbeilage [GB] 2). Aus naheliegenden Gründen muss deshalb</span><br/> <span class="ft4">auf die vorgängige Einräumung des rechtlichen Gehörs für die Klien-</span><br/> <span class="ft4">tin in diesem Fall verzichtet werden.</span><br/> <span class="ft4">4.</span><br/> <span class="ft4">4.1. - 4.2.</span><br/> <span class="ft4">[...]</span><br/> <span class="ft4">4.3.</span><br/> <span class="ft4">[...]</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">46</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">5.</span><br/> <span class="ft4">5.1. - 5.2.</span><br/> <span class="ft4">[...]</span><br/> <span class="ft4">5.3.</span><br/> <span class="ft4">Aufgrund des Aufenthalts ihrer Klientin in einer psychiatrischen</span><br/> <span class="ft4">Klinik ist diese vorliegend für die Gesuchstellerin nicht erreichbar.</span><br/> <span class="ft4">[...]</span><br/> <span class="ft4">Aufgrund der Ausführungen der Gesuchstellerin ist zudem auch</span><br/> <span class="ft4">zu befürchten, dass sie nicht im Besitz aller notwendigen Unterlagen</span><br/> <span class="ft4">ist, die dem Gericht eingereicht werden müssten. Die vom Gerichts-</span><br/> <span class="ft4">präsidenten angedrohte Folge, wenn innert angesetzter Frist keine</span><br/> <span class="ft4">Klageantwort eingereicht wird, nämlich die Fortführung des Verfah-</span><br/> <span class="ft4">rens mit Erlass der Beweisanordnung und Vorladung zur Hauptver-</span><br/> <span class="ft4">handlung, könnte für die Klientin in gewissen Bereichen zu einem</span><br/> <span class="ft4">Rechtsverlust führen. Nicht alle Punkte in einem Scheidungsver-</span><br/> <span class="ft4">fahren unterliegen der Offizialmaxime.</span><br/> <span class="ft4">Im Interesse der Klientin ist es demnach zweifellos, dass je-</span><br/> <span class="ft4">mand an ihrer Stelle - soweit überhaupt möglich - die notwendigen</span><br/> <span class="ft4">Entscheidungen trifft und gegebenenfalls die nötigen Unterlagen be-</span><br/> <span class="ft4">sorgt. Dies kann aber nicht die Gesuchstellerin sein, jedenfalls nicht</span><br/> <span class="ft4">allein gestützt auf die Anwaltsvollmacht. Ihre Aufgabe ist es nicht,</span><br/> <span class="ft4">anstelle der Klientin zu entscheiden, sondern diese zu beraten und für</span><br/> <span class="ft4">sie gemäss ihren Weisungen zu handeln.</span><br/> <span class="ft4">Gemäss telefonischen Ausführungen der Gesuchstellerin stellt</span><br/> <span class="ft4">sich im Scheidungsverfahren die Frage nach dem Scheidungswillen</span><br/> <span class="ft4">grundsätzlich nicht mehr, da gestützt auf Art. 114 ZGB geklagt wird</span><br/> <span class="ft4">und die zweijährige Trennungsfrist bereits abgelaufen ist. Die Klien-</span><br/> <span class="ft4">tin kann sich somit der Scheidung gar nicht mehr widersetzen. Es</span><br/> <span class="ft4">stehen aber - insbesondere für ihre Zukunft - wichtige Entscheidun-</span><br/> <span class="ft4">gen im Verfahren an. Da der Gerichtspräsident offenbar, trotz mo-</span><br/> <span class="ft4">mentaner, ärztlich bezeugter (Ver-) Handlungsunfähigkeit der Klien-</span><br/> <span class="ft4">tin / Beklagten in Bezug auf die Scheidung nicht bereit ist, das</span><br/> <span class="ft4">Verfahren zu sistieren oder einen Prozessbeistand zu bestellen, liegt</span><br/> <span class="ft4">es zweifellos im Interesse der Klientin, dass die Gesuchstellerin in</span><br/> <span class="ft4">die Lage versetzt wird, selber bei der Vormundschaftsbehörde um die</span><br/> <span class="ft4">notwendigen Massnahmen zu ersuchen. Dafür muss sie aber vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">47</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Anwaltsgeheimnis entbunden werden. Ihr Antrag ist somit in diesem</span><br/> <span class="ft4">Umfang gutzuheissen.</span><br/></div> </div> </body> </html>