Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. April 2015 (720 11 230) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anwendungsfall von Art. 21 Abs. 1 ATSG: Kürzung des Anspruchs auf eine ganze Invali- denrente um 50 % aufgrund Herbeiführung der invalidisierenden psychischen Gesund- heitsschädigung bei Ausübung eines Verbrechens gegenüber der ehemaligen Arbeitge- berin (Diebstahl/Veruntreuung am Arbeitsplatz); Auswirkungen einer Persönlichkeitsstö- rung und einer depressiven Erkrankung auf das beim Kürzungsmass zu berücksichti- gende Verschulden; Kürzung der Kinderrenten gestützt auf Art. 21 Abs. 2 ATSG verneint Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Philipp A. d'Hondt, Rechtsanwalt, Kellerhals Anwälte, Hirschgässlein 11, Postfach 257, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____, vertreten durch Daniel Levy, A dvokat, Bahnhofstrasse 5, Postfach 1607, 4133 Pratteln 1 Betreff IV-Rente / Rückweisung (Urteil BG v. 10.6.2 011) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1971 geborene B.____ arbeitete vom 12. Juli 1 999 bis 15. Oktober 2003 als Tank- wart/Kassier bei der C.____. Das Arbeitsverhältnis löste die C.____ fristlos auf. Sie warf B.____ zusammen mit drei anderen Personen Diebstahl bzw. Verun treuung am Arbeitsplatz vor. Am 20. Dezember 2004 meldete sich der Versicherte unter H inweis auf ein Trauma und eine De- pression bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach einem Arbeitseinsatz in der D.____ in X.____ tei lte die IV-Stelle Basel-Landschaft dem Versicherten mit Verfügung vom 16. Januar 2006 mit, dass die beruflichen Massnahmen abge- schlossen seien und deshalb die Rente geprüft werde. Daraufhin klärte sie die erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse ab und sprach dem Versicher ten am 12. August 2009 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % ab 1. Oktober 20 04 eine ganze Invalidenrente zu (insge- samt 3 Verfügungen). B. Gegen diese Verfügungen der IV-Stelle erhob die A.____, vertreten durch die Advokaten Prof. Dr. Daniel Staehelin und Philipp A. d'Hondt, am 11. September 2009 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, mit d em Antrag, es auf die Zusprechung einer Invalidenrente zu verzichten. Zur Begründung wurd e angeführt, dass anhand der von der ehemaligen Arbeitgeberin veranlassten Videoaufnahmen am Arbeitsplatz dem Versicherten strafbare Handlungen nachweisbar seien. Anders als im Strafverfahren seien diese Aufzeich- nungen im IV-Verfahren beweisrechtlich verwertbar. Die Verhaftung und die Hausdurchsuchung seien nicht geeignet, beim Versicherten eine psychische Ge sundheitsbeeinträchtigung mit Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit zu verursachen. Der Ver sicherte sei deshalb ein "Scheininvalider", der die begutachtenden Ärzte getäuscht habe. Sollte t atsächlich ein invalidisierender Gesund- heitsschaden vorliegen, müsste die Invalidenrente gestützt auf Art. 21 Abs. 1 des Bundesgeset- zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrecht s (ATSG) vom 6. Oktober 2000 verweigert werden. Denn einen allfälligen Invaliditätsfall habe der Versicherte durch die vorsätz- liche Ausübung eines Vergehens selbst herbeigeführt. C. Mit Urteil vom 18. Juni 2010 wies das Kantonsgericht die Beschwerde ab. Es kam zum Schluss, es gebe keine sachlichen Gründe, um von der Erke nntnis im Strafverfahren, wonach die Videoaufnahmen als Beweismittel nicht zulässig seien, abzuweichen. Dementsprechend könnten dem Versicherten keine strafbaren Handlungen n achgewiesen werden. Die medizini- schen Gutachten, die dem Versicherten eine 100%ige Arbe itsunfähigkeit attestierten, seien überzeugend und schlüssig, weshalb darauf abzustellen sei. Art. 21 Abs. 1 ATSG komme selbst bei Nachweis der dem Versicherten vorgeworfenen Delikte nicht zur Anwendung, da es am sachlichen und zeitlichen Zusammenhang zwischen der psychisch en Erkrankung des Versi- cherten und den strafbaren Handlungen fehle. D. Gegen dieses Urteil reichte die A.____ durch ihre R echtsvertreter Beschwerde ans Bun- desgericht ein. Am 10. Juni 2011 hiess die II. sozialrech tliche Abteilung des Bundesgerichts die Beschwerde gut und wies die Sache in Aufhebung des Urt eils des Kantonsgerichts vom 18. Juni 2010 ans Kantonsgericht zurück, damit es über de n Anspruch des Versicherten im Sinne der Erwägungen neu entscheide. Zur Begründung führte das Bundesgericht im Wesentli- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen aus, dass die Videoaufnahmen - entgegen der Ansicht des Kantonsgerichts - ein recht- mässiges Beweismittel seien und deshalb in die Beweiswürd igung einbezogen werden müss- ten. Aufgrund der Aufzeichnungen sei zu beurteilen, ob der Versicherte die ihm vorgeworfenen Delikte vorsätzlich begangen habe. Je nach Ergebnis müsse d as Kantonsgericht den medizini- schen Sachverhalt ergänzend abklären und danach vorfragew eise eine Aufhebung oder Kür- zung der Leistungen im Sinne von Art. 21 Abs. 1 ATSG prüfen. E. Am 30. Juni 2011 zog das Kantonsgericht die vom E._ __ am ehemaligen Arbeitsplatz des Versicherten erstellten Videoaufnahmen bei. Mit Verfüg ung vom 8. August 2011 stellte es fest, dass das Bezirksgericht Liestal (heute: Zivilkreisgericht Ost) in seinem Urteil vom 17. November 2010 nach einer stichprobeweisen Vorführung von Videosequenzen und den Ausführungen des Privatdetektivs zum Schluss gekommen sei, dass sich der Versiche rte während seiner Arbeits- einsätze mehrfach zum Nachteil der C.____ bereichert h abe. Somit sei die fristlose Kündigung durch die Arbeitgeberin gerechtfertigt gewesen. Nachdem der Versicherte gegen das zivilrecht- liche Urteil Appellation erhoben hatte, sistierte das K antonsgericht am 29. August 2011 im Ein- verständnis der Parteien das vorliegende Verfahren bis zur rechtskräftigen Erledigung des beim Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, hängigen Appellat ionsverfahrens. Als das Urteil des Kan- tonsgerichts, Abteilung Zivilrecht, vom 13. September 2 011 in Rechtskraft erwachsen war, hob die Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts d ie Sistierung des Verfahrens am 19. Dezember 2011 auf. F. Zwischenzeitlich sistierte die IV-Stelle gestützt auf d as bundesgerichtliche Urteil vom 10. Juni 2011 mit Verfügung vom 14. September 2011 di e Auszahlung der Invalidenrente an den Versicherten. Die dagegen erhobene Beschwerde wies d as Kantonsgericht mit Urteil vom 23. Februar 2012 rechtskräftig ab. G. Mit Eingabe vom 17. Januar 2012 nahm die IV-Stell e Stellung zum bundesgerichtlichen Urteil vom 10. Juni 2011 und zum Entscheid des Kantonsg erichts, Abteilung Zivilrecht, vom 13. September 2011, mit welchem das Urteil des Bezirksger ichts Liestal vom 17. November 2010 bestätigt wurde. Aufgrund der vorliegenden Abklä rungen und Beweismitteln sei erwiesen, dass der Versicherte die ihm vorgeworfenen Delikte vorsät zlich begangen habe. Die gesetzli- chen Voraussetzungen für eine Kürzung oder Verweigerun g der Invalidenrente seien damit er- füllt. Die Beschwerde sei deshalb gutzuheissen und es sei festzustellen, dass der Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente zu Unrecht bejaht worden sei. H. Der Versicherte machte durch seinen Rechtsvertreter i n seiner Eingabe vom 18. Januar 2012 geltend, dass die Urteile des Bundesgerichts und d es Kantonsgerichts, Abteilung Zivil- recht, nicht zu einer Verweigerung bzw. Kürzung seines Re ntenanspruchs führen könnten. Das Bundesgericht habe bestätigt, dass er seit Oktober 2003 zu 100 % arbeitsunfähig sei. In Anbe- tracht der Deliktsumme von Fr. 437.70 liege aufgrund deren Geringfügigkeit lediglich eine Über- tretung vor. Eine solche falle aber nicht in den Anwe ndungsbereich von Art. 21 Abs. 1 ATSG. Ausserdem sei der für die Kürzung bzw. Verweigerung de r Rente notwendige Kausalzusam- menhang zwischen den psychischen Beeinträchtigungen und den Delikten nicht gegeben. Wei- ter ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. In ihrer Stellungnahme vom 9. März 2012 beantrag te Advokat d'Hondt im Namen und im Auftrag der A.____, es sei in Aufhebung der Verfügung en der IV-Stelle vom 12. August 2009 auf die Zusprechung bzw. Ausrichtung einer Invalidenrente in Anwendung von Art. 21 Abs. 1 ATSG zu verzichten; unter o/e Kostenfolge. Er verwies im Wesentlichen auf die Ausführungen des Bundesgerichts im Urteil vom 10. Juni 2011 und schl oss sich diesen vollumfänglich an. Nach wie vor vertrete sie den Standpunkt, dass es sich um e ine "missbräuchlich geltend ge- machte Scheininvalidität" handle und beim Versicherten nie eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Selbst wenn eine Invalidität bestehen würde, kö nne nach Beizug der Videoaufnahmen, der restlichen Beweismitteln sowie unter Berücksichtigung der hier massgebenden rechtskräfti- gen Gerichtsurteile nur der Schluss gezogen werden, dass d er Versicherte die Invalidität unter Begehung eines Verbrechens selbst herbeigeführt habe. Aufgrund der Schwere der deliktischen Handlungen sowie dem gegebenen nahen zeitlichen und s achlichen Zusammenhang zwischen dem Fehlverhalten und dem Eintritt der Arbeitsunfähi gkeit müssten Rentenleistungen aufgrund von Art. 21 Abs. 1 ATSG verweigert werden. J. Mit Verfügung vom 20. März 2012 bewilligte das Kanto ngericht dem Versicherten die un- entgeltliche Prozessführung und Verbeiständung. K. Anlässlich der Urteilsberatung vom 7. März 2013 kam da s Gericht zum Schluss, anhand der Videoaufnahmen sei rechtsgenüglich nachgewiesen, dass der Versicherte strafbare Hand- lungen begangen habe. Da die nachgewiesene Deliktsumme über Fr. 300.-- liege, seien diese gemäss dem Schweizerischen Strafgesetzbuch (StGB) vom 21 . Dezember 1937 als Verbre- chen zu qualifizieren. Damit liege die zweite in Art. 21 Abs. 1 ATSG aufgeführte Tatbestandsva- riante (Herbeiführung oder Verschlimmerung des Versicherungsfalls bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens) vor. Da zudem gemäss den bundesgerichtlichen Ausfüh- rungen der enge zeitliche und sachliche Zusammenhang zwi schen den strafbaren Handlungen und der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu bejahen se i, seien die Voraussetzungen für eine Kürzung oder Verweigerung der Rente erfüllt. In welch em Mass eine Invalidenrente zu kürzen oder zu verweigern sei, bestimme sich nach dem Verschulden der versicherten Person, dessen Umfang aber aufgrund der Aktenlage nicht zuverlässig be urteilt werden könne. Zudem seien Kinderrenten von einer Verweigerung oder Kürzung ausg enommen. Zur Bemessung der Kin- derrente sei die Kenntnis des Anspruchs auf eine Invali denrente des Versicherten erforderlich. Dafür fehle es aber an einer verlässlichen medizinischen Zu mutbarkeitsbeurteilung, da die me- dizinischen Fachpersonen in ihren Beurteilungen vorwiegen d davon ausgegangen seien, dass der Versicherte keine strafbaren Handlungen begangen h abe. Sie hätten somit den Gesund- heitszustand des Versicherten aufgrund eines falschen Sachve rhalts beurteilt. Für diesen Fall habe das Bundesgericht das Kantonsgericht zur Anordnung e ines neuen psychiatrischen Gut- achtens angehalten. Unter diesen Umständen sei das Verfa hren auszustellen und es sei ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, welche s den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Versicherten unter der Berücksic htigung der Tatsache beurteile, dass dieser die ihm vorgeworfenen Delikte begangen habe un d demzufolge die Verhaftung und die fristlose Entlassung gerechtfertigt gewesen seien. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht L. Nachdem sich die Parteien nicht auf eine Gutachterpe rson einigen konnten, bestimmte das Kantonsgericht mit Verfügung vom 17. Juni 2013 die F.____ als Gutachterstelle. Der Auf- trag wurde im Einverständnis der Parteien am 30. Juli 2013 der F.____ erteilt. M. Die F.____ teilte am 8. Oktober 2013 mit, dass die psychiatrische Begutachtung am 6. November 2013 durch Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychologie, erfolge. Die F.____ reichte das von Dr. G.____ verfasste Gutachten vom 3 1. Dezember 2014 schliesslich am 15. Januar 2014 ein. Der Gutachter kam zum Schluss, d ass der Versicherte in einer lei- densangepassten Tätigkeit aufgrund einer narzisstischen Per sönlichkeitsstörung und einer per- sistierenden depressiven Episode auf dem freien Arbeitsm arkt maximal zu 20 % leistungsfähig sei. N. In der Eingabe vom 4. Februar 2014 führte die IV- Stelle unter Hinweis auf den Bericht des Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 3. Februar 2014 an, dass das Gerichtsgutachten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an ein Gutachten erfülle, weshalb darauf abzustellen sei. Aufgrund des engen sachlichen und zeitlichen Zusam menhangs zwischen dem relevanten Eintritt der Arbeitsunfähigkeit und der vom Versicherte n verübten vorsätzlichen Straftat sei ein Leistungsanspruch des Versicherten in Anwendung von Art. 21 Abs. 1 ATSG zu verneinen. O. Der Versicherte wies in seiner Stellungnahme vom 17. Februar 2014 darauf hin, dass er gemäss Gerichtsgutachten an erheblichen psychischen Beeinträchtigungen leide, die unabhän- gig davon, ob er die ihm zur Last gelegten Straftate n begangen habe oder nicht, eingetreten seien. Ferner halte der Gutachter fest, dass keine Hin weise für eine Simulation oder Aggravati- on beständen. Zudem verneine er auch, dass der Versicherte bewusst das Risiko in Kauf ge- nommen habe, eine psychische Krankheit zu entwickeln. Dami t sei erstellt, dass er Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. P. Am 19. März 2014 machte die A.____ im Wesentlichen geltend, dass die Beurteilung von Dr. G.____ nicht zuverlässig genug sei, um darauf abste llen zu können. Sie beanstandete das Gutachten in mehreren Punkten und beantragte deshalb die Anordnung einer zweiten Begut- achtung, bei welcher Dr. G.____ auf die Kritikpunkte n äher eingehen und die von ihr 14 formu- lierten Ergänzungsfragen beantworten solle. Sollte da s Gericht von einer Zweitbegutachtung absehen, werde der Gutachter ersucht, die Ergänzungsf ragen in einem Nachtrag zum Gutach- ten zu beantworten. Q. Mit Verfügung vom 23. März 2014 wies das Gericht die Beweisanträge der Versicherte zurzeit ab und überliess den Entscheid darüber dem Dreiergericht. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Versichert en B.____ auf eine Invalidenrente und zwei Kinderrenten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Das Kantonsgericht legte in seinem Urteil vom 18. Juni 2010 die Rechtsgrundlagen zur Beurteilung des Rentenanspruchs dar. Es wird darauf verwiesen. Im Rahmen der Sachverhalts- feststellung stellte sich das Kantonsgericht im zitierten U rteil auf den Standpunkt, dass die am Arbeitsplatz ohne Wissen des Versicherten aufgenommenen Videoaufnahmen als Beweismittel nicht zulässig seien. In der Folge verzichtete es darauf, diese zu sichten und bei der Würdigung der medizinischen Berichte zu berücksichtigen. Das Bundesgeri cht erwog dagegen in seinem Urteil vom 10. Juni 2011, dass die fraglichen Aufnahmen grundsätzlich zulässige Beweismittel seien, um die dem Versicherten vorgeworfenen Delikte un d damit den rechtserheblichen Sach- verhalt nachzuweisen (E. 6.8 und 8). Es wies die Sache deshalb ans Kantonsgericht zurück, um die Videoaufnahmen beizuziehen und entsprechend zu würd igen. Im Rahmen des Instruktions- verfahrens wurden die Videoaufnahmen am 30. Juni 2011 beigezogen, auf deren Sichtung wurde jedoch mit Verfügung vom 20. März 2012 abgeseh en. Zur Begründung wurde angeführt, dass anlässlich der Hauptverhandlung vom 17. November 201 0 vor dem damaligen Bezirksge- richt Liestal Videosequenzen zusammen mit dem Privatdete ktiv H.____ des E.____ stichpro- beweise vorgeführt und mit den Kassenstreifen sowie An gaben in den Auswertungsprotokollen der Videoüberwachung abgeglichen worden seien. Unter d iesen Umständen seien die mit den Videoaufnahmen im Zusammenhang stehenden Beweise hin reichend erhoben werden, wes- halb sich eine nochmalige Sichtung nicht aufdränge. Es ste he damit fest, dass der Versicherte die Delikte begangen habe. Dieser in der Verfügung da rgelegten Auffassung schloss sich das Kantonsgericht in seiner Urteilsberatung vom 7. März 201 3 an. Aufgrund der Videoaufzeich- nungen könnten dem Versicherten Manipulationen in Hö he von Fr. 437.70 zum Nachteil der C.____ und somit strafbare Handlungen im Sinne von Ar t. 138, 139 und/oder 147 StGB nach- gewiesen werden. Alle Straftaten seien mit einer Str afdrohung von mehr als drei Jahren Ge- fängnis verbunden, weshalb sie als Verbrechen zu qualifizieren seien. 1.2 Gemäss Art. 21 Abs. 1 ATSG können Geldleistungen vo rübergehend oder dauernd ge- kürzt oder in schweren Fällen verweigert werden, wenn die versicherte Person den Versiche- rungsfall vorsätzlich oder bei vorsätzlicher Ausübung ei nes Verbrechens oder Vergehens her- beigeführt oder verschlimmert hat. Indem der Versichert e Verbrechen ausübte, ist die zweite Tatbestandsvariante dieser Bestimmung (Herbeiführung ode r Verschlimmerung des Versiche- rungsfalls bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens od er Vergehens) erfüllt. Die zweite Voraussetzung, wonach ein sachlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Eintritt des Versicherungsfalls und dem Verbrechen erforderlich ist, b ejahte das Bundesgericht in seinem Urteil vom 10. Juni 2011 (vgl. E. 7.3 - 7.3.3). An diese Feststellungen ist das Kantonsgericht bei einer Rückweisung durch das Bundesgericht zur Neubeurtei lung gebunden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007, I 671/06, E. 2.3). Aufgrund dieser Sachlage sind die Voraussetzungen (Verbrechen sowie sachlicher und enger Zu sammenhang) für eine Kürzung oder Verweigerung der Invalidenrente nach Art. 21 Abs. 1 ATSG erfüllt. 2.1 In beweisrechtlicher Hinsicht stellte das Bundesgerich t in seinem Urteil vom 10. Juni 2011 weiter fest, dass sich bei Nachweis der von der A.___ _ behaupteten Delikte eine erneute psychiatrische Beurteilung aufdränge (E. 8 des zitierten Urteils). In der Folge kam das Kantons- gericht in seinem Beschluss vom 7. März 2012 zum Schluss, dass d ie Anordnung eines neuen psychiatrischen Gutachtens notwendig sei. Die bisher beguta chtenden Fachpersonen hätten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Gesundheitszustand des Versicherten aufgrund eines fal schen Sachverhalts beurteilt. Denn sie seien grundsätzlich davon ausgegangen, dass der Versicherte keine strafbaren Hand- lungen begangen habe. In Nachachtung des bundesgerich tlichen Urteils beauftragte das Kan- tonsgericht die F.____ mit der psychiatrischen Begutachtung des Versicherten. 2.2.1 Der Gutachter Dr. G.____ diagnostizierte in sei nem Gutachten vom 31. Dezember 2013 eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8), differentialdiagnostisch eine kombi- nierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) mit narzissti schen und dependenten Persönlich- keitsanteilen sowie eine persistierende depressive Episode schwankend zwischen leichter und mittelgradiger Ausprägung (ICD-10 F32.0/F32.1). Dab ei stehe die Persönlichkeitsstörung im Vordergrund. Der Versicherte scheine bis zu seiner fristl osen Entlassung beruflich funktioniert zu haben. Allerdings gebe es Hinweise, dass bereits vorher Auffälligkeiten in der Funktionalität vorgelegen haben könnten, welche auf eine Persönlichk eitsstörung hindeuteten. In diesem Zu- sammenhang seien die gescheiterte Berufslehre und die zahlreichen dokumentierten Stellen- wechsel zu erwähnen. Der Versicherte könne jedoch nichts über konflikthafte Anteile erzählen. Auch fremdanamnestisch gebe es Anhaltspunkte für eine P ersönlichkeitsstörung. Die jüngere Schwester des Versicherten habe gegenüber Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, über eine seit jeher bestehende schwierige Persö nlichkeitsstruktur berichtet. Ausserdem habe der Versicherte bis zum 30. Altersjahr bei seinen Eltern und erst während zwei Jahren vor der Eheschliessung alleine gelebt. Gemäss seinen Angaben habe er nur Kinder, weil seine Ehefrau sie gewollt habe. Er habe keinen emotionalen Bezug zu ihnen und auch die Beziehung zu seiner Ehefrau habe sich seit Oktober 2003 nicht mehr stabilisiert. Für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung sprächen die charakteristischen und da uerhaften inneren Erfahrungs- und Verhaltensmuster, die stark von der Norm abweichen. Sein Verhalten sei unflexibel, unan- gepasst und unzweckmässig. Die Art der Impulskontrolle und der Bedürfnisbefriedigung sowie der Umgang mit anderen Menschen seien sehr auffällig. Seine Wahrnehmungen und seine ei- gene Rolle seien gestört. So habe der Versicherte anlä sslich des eskalativen Gesprächs mit Prof. Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie , sein dysfunktionales Verhalten nicht unterbrechen können, obwohl er über die negativ en Konsequenzen informiert gewesen sei. Im weiteren Verlauf habe der Versicherte im Rahme n der beruflichen Massnahmen zwar kooperiert, deren Weiterführung sei jedoch aufgrund fehlenden Durchhaltevermögens und sozi- alen Kompetenzen nicht möglich gewesen. Er externalisi ere zudem alle Ursachen für die nega- tiven Aspekte seines Lebens, was bei einer narzisstischen Kon stellation typisch sei. Eine nar- zisstische Kognition der Selbstwahrnehmung zeige sich deutl ich bei der Befunderhebung des Beck-Depressions-Inventars, bei welchem er alle auf eigene Aspekte hindeutenden Faktoren negiert habe. Er fühle sich nicht bestraft, nicht als Ve rsager, sei nicht von sich enttäuscht und habe nicht das Gefühl, schlechter als andere zu sein. Er ve rneine Schuldgefühle, was zu den mittelschweren depressiven Symptomen kontrastiere, die nor malerweise mit Schuld- und Insuf- fizienzgefühlen verbunden seien. Personen mit einer nar zisstischen Persönlichkeitsstörung neigten zu einer spezifischen Abwehr bedrohlicher zwischenmenschlicher Erfahrungen; d.h. sie spalteten ab. Das Abspalten der eigenen Anteile in Bezu g auf Verantwortung sei beim Versi- cherten ausserordentlich stark ausgeprägt. Seine Beziehu ngsgestaltung trage dependente Zü- ge und er zeige ein äusserst mangelhaftes Einfühlungs vermögen gegenüber seinen Kindern und seiner Frau. Die dependenten Anteile zeigten sich unter anderem durch das lange Wohnen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei den Eltern und der Feststellung, dass bei supportiven therapeutischen Interventionen an- lässlich von Hospitalisationen und bei engmaschigen Betreu ungen in der Tagesklinik sowie beim behandelnden Psychiater jeweils eine Verbesserung d es Gesundheitszustandes zu be- obachten sei. In den Akten seien zudem fremdaggressive P hantasien dokumentiert. In der Un- tersuchung habe er auch angedeutet, dass er sich teilwei se nicht sicher sei, ob er sich oder andere töten müsse. Dazu leide der Versicherte an einer depressiven Krankheit. Aktuell zeige er eine depressive Mimik und eine verhaltene Psychomotorik. Er habe das Interesse und die Freude an Beziehungen und Tätigkeiten verloren. Zudem sei der Antrieb vermindert und er äussere immer wieder Suizidgedanken. Er klage über Unschlüssigkeit und Denkblockaden. Das Selbstwertgefühl sei nur hinsichtlich seiner Attraktivi tät eingeschränkt. Aufgrund seiner Lebens- situation wäre aber ein weitergehender Einbruch des Se lbstwertgefühls zu erwarten gewesen. Dass es nicht dazu gekommen sei, sei mit seiner Persönlichke itsstörung erklärbar. Die diskre- ten psychotischen Symptome mit Wahrnehmungsstörungen und die überwertigen Ideen stellten keine eigenständige Erkrankung aus dem schizophrenen For menkreis dar. Sie entsprächen vielmehr solchen Symptomen, die bei chronischer gedanklich er Einengung und chronischen depressiven Störungen aufträten. 2.2.2 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte Dr. G._ ___ aus, dass der Versicherte aufgrund der Persönlichkeitsstörung stark in seiner Leistungsfähigkei t beeinträchtigt sei. Er könne des- halb seine bisherige Tätigkeit nicht mehr ausführen. Aufgrund seiner unrealistischen Selbstein- schätzung, seiner rigiden Einengung im Denken und seine r konzeptuellen Rigidität bestehe auch in einer Verweistätigkeit eine deutlich eingeschrä nkte Leistungsfähigkeit. Er brauche eine enge Führung und eine Arbeit, bei welcher strafrecht lich relevante Handlungen vermieden wer- den könnten. Der Versicherte sei aufgrund seiner Einschrä nkungen nicht in der Lage, verant- wortungsvolle Tätigkeiten mit Selbstverantwortung wah rzunehmen. Insgesamt könne daher maximal von einer 20%igen Leistungsfähigkeit ausgegang en werden. In einem geschützten Arbeitsplatz wäre ein initiales Pensum von 50 % zu diskuti eren. Ob die fristlose Kündigung und das Strafverfahren gerechtfertigt gewesen seien oder ni cht, ändere nichts an der gutachterli- chen Beurteilung. Für den Versicherten und den Krankhe itsverlauf sei das subjektive Erleben der Reaktion der Umgebung ausschlaggebend. In dieser Hi nsicht sei seine realistische Ein- schätzungsfähigkeit schwer beeinträchtigt. 2.2.3 Zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit äusserte sich d er Gutachter dahingehend, dass die Persönlichkeitsstörung schon vor Oktober 2003 bestanden hab e, sich aber nicht wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe. Die fristlose E ntlassung, die Verhaftung und die Haus- durchsuchung im Oktober 2003 habe der Versicherte in ei nem derart kränkenden Ausmass erlebt, dass das "Fass übergelaufen" sei. Aufgrund seine r Persönlichkeitsstörung habe er kli- nisch dekompensiert und sei dabei derart destabilisiert worden, dass er seither zu 100 % ar- beitsunfähig sei. Die nach dem Ereignis im Oktober 2003 gut dokumentierte Entwicklung einer depressiven Störung sei psychopathologisch nachvollziehbar. 3.1 Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gerichtsgu tachten der freien richterlichen Be- weiswürdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden d ie Vollständigkeit, die Nachvollziehbar- keit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob das Gutachten alle Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverh alt stützt und den Befund ausreichend begründet. In Sachfragen weicht das Gericht jedoch "nich t ohne zwingende Gründe" von einer gerichtlichen Expertise ab (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingehol- tes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Sch lussfolgerungen gelangt. Eine ab- weichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusse- rungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig gen ug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberex- perten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexper tise vom Ergebnis des Gerichtsgut- achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinwei- sen). 3.2.1 Das Gericht sieht keine zwingenden Gründe, von den Schlussfolgerungen des Gutach- ters Dr. G.____ abzuweichen. Sein Gutachten vom 31. Dezember 2013 ist für die streitigen Be- lange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchun gen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und es leuchtet in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Zudem erfüllt es die Vorgabe des Gerichts, dass die Begu tachtung unter der Prämisse zu erfol- gen habe, dass der Versicherte strafbare Handlungen beg ing und deswegen die fristlose Ent- lassung, die Verhaftung und die Hausdurchsuchung gerechtfertigt waren. So hielt der Experte in der Einleitung auf Seite 2 des Gutachtens fest, dass dem Versicherten die ihm vorgeworfenen Delikte hätten nachgewiesen werden können. Auf Seite 14 wies er sodann darauf hin, dass er den Versicherten aufgrund der "Neubeurteilung der Deliktlage" psychiatrisch zu beurteilen habe. Weiter geht aus dem Gutachten auf Seite 21 hervor, da ss er den Versicherten - entgegen der Ansicht der A.____ - mit dessen deliktischen Handlungen ko nfrontierte. Da der Versicherte ein strafbares Handeln negierte und der Gutachter feststellt e, dass dieser aufgrund seiner Persön- lichkeitsstörung nicht in der Lage sei, sein unrechtmässige s Handeln realitätsbezogen wahrzu- nehmen, bestand für ihn kein Anlass für weitere solche Konfrontationen. 3.2.2 Die A.____ möchte aus der nicht einheitlichen Di agnostik der Vorgutachter Fehldiagno- sen und eine daraus resultierende nicht fachgerechte Beh andlung und Medikation ableiten. In dieser Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass die von den Vo rgutachtern gestellten Diagnosen grundsätzlich nicht erheblich von denjenigen des Gutacht ers Dr. G.____ (= Narzisstische Per- sönlichkeitsstörung ICD-10 F60.8 [Differentialdiagnose: kombinierte Persönlichkeitsstörung F61.0] und persistierende depressive Episode, schwankend zwischen leicht und mittelgradig ICD-10 F32.0/32.1) abweichen. So stellten - bis auf die Ärzteschaft der K.____ (heute: L.____) - sämtliche Fachpersonen eine ICD-10 kodierte Diagnose au s der Hauptgruppe der affektiven Krankheiten bzw. der Untergruppe der depressiven Störu ngen (F32 – F33; vgl. Gutachten von Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2 0. April 2009 und von Dr. I.____ vom 27. Mai 2005 und 30. Oktober 2005, Berichte von Pr of. Dr. J.____ vom 14. Mai 2005, von Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3 0. Januar 2005 und der O.____ vom 21. Mai 2004). Wie dem von Dr. G.____ beigezogene n Abklärungsbericht der L.____ vom 24. Juni 2013 zu entnehmen ist, kamen die behandelnden Ärzte der P.____, L.____, wo der Versicherte seit 19. Juni 2013 behandelt wird, entgege n ihren früheren Einschätzungen zum Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schluss, dass eine depressive Störung zu diagnostizieren sei. Sie führten deshalb eine leichte bis mittelgradige depressive Episode ICD-10 F.32.10 als Diagnose auf. Dr. N.____ und Dr. I.____ diagnostizierten nebst der depressiven Erkranku ng eine psychische Störung aus der Hauptgruppe der Persönlichkeits- und Verhaltensstörunge n (ICD-10 F6). Dr. I.____ äusserte bereits in seinem Gutachten vom 27. Mai 2005 den Verd acht, dass beim Versicherten eine vor- bestehende Psychopathologie bestehe. Aus diesem Grund fü hrte er als Differentialdiagnose eine narzisstische Persönlichkeitsstörung mit erheblicher K ränkbarkeit (ICD-10 F60.80) auf. Diese Verdachtsdiagnose bestätigte er aufgrund einer erneuten Untersuchung ein halbes Jahr später (vgl. Verlaufsgutachten vom 30. Oktober 2005). Dam it stimmt seine Diagnosestellung grundsätzlich mit derjenigen von Dr. G.____ überein. E inzig der Schweregrad der depressiven Störung war bei der damaligen Untersuchung bei Dr. I .____ noch ausgeprägter als bei Dr. G.____, weshalb er die Diagnose einer mittelgradi gen depressiven Episode stellte. Dass Prof. Dr. J.____ und die Ärzteschaft der O.____ als Diag nose lediglich eine depressive Störung aufführten, könnte darauf zurückzuführen sein, dass eine P ersönlichkeitsstörung nicht zu vor- schnell diagnostiziert werden sollte, da sie einerseits e ine gravierende psychische Erkrankung darstellt und andererseits eine starke negative moralische Prägung hat (vgl. P ROF . DR. MED . VOLKER FAUST , Persönlichkeitsstörungen, in: Psychiatrie heute, Seelische Störungen erkennen, verstehen, verhindern, behandeln, abrufbar unter: www. psychosoziale-gesundheit.net/- psychiatrie/persoenlichkeit.html). Dazu kommt, dass diese Er krankung schwierig von anderen psychischen Störungen abzugrenzen ist (vgl. J OSEF SCHÖPF , Psychiatrie für die Praxis, Ber- lin/Heidelberg 2003, S. 278). Was die vom erstbehandelnden Psychiater Dr. N.____ und von der Ärzteschaft der K.____ ge- stellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ICD-10 F43.1 anbelangt, wies Dr. G.____ zu Recht darauf hin, dass es dafür an einem traumatischen Ereignis von ausseror- dentlicher Schwere fehle. Die Fachpersonen der K.____ waren sich dessen bewusst, weshalb sie ihre Diagnosestellung mit Bericht vom 7. Dezember 2006 dahingehend korrigierten, dass sie ebenfalls von einer Persönlichkeitsstörung (gemischten Per sönlichkeitsstörung mit abhängigen narzisstischen und ängstlichen Anteilen) ausgingen. Dami t weicht ihre Diagnose nicht mehr wesentlich von derjenigen des Gutachters der F.____ ab . So wurde auch im von Dr. G.____ zugezogenen Abklärungsbericht der L.____ vom 24. Juni 201 3 nur noch eine anamnestisch beschriebene posttraumatische Belastungsstörung angeführt, was darauf hindeutet, dass sie bei ihren Untersuchungen keine solche Diagnose mehr stel len konnten. Damit bleibt nur noch Dr. N.____, der an der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung festhielt. Hierzu ist jedoch anzuführen, dass Dr. N.____ seine Diagnosen nich t abschliessend festlegte. Dies zeigt sich darin, dass er eine posttraumatische Belastungsstörun g oder eine schwere depressive Episode diagnostizierte (vgl. Bericht vom 31. Januar 2005). Unter diesen Umständen kann aber von einer Falschdiagnose keine Rede sein. Selbst wenn Dr . N.____ nach Vorliegen des Gut- achtens der F.____ der Meinung wäre, die posttraumat ische Belastungsstörung sei die zutref- fende Diagnose, kann daraus nichts zu Ungunsten des Ver sicherten abgeleitet werden. In der psychiatrischen Praxis werden öfters psychische Beeinträchti gungen, die im Anschluss an ein traumatisches Ereignis auftreten, fälschlicherweise als post traumatische Belastungsstörungen klassifiziert (vgl. SCHÖPF , a.a.O., S. 217). Dieser Tatsache trugen die nachfol genden Fachärzte insofern Rechnung, als sie – bis auf die Ärzteschaft der K .____ - die von Dr. N.____ gestellte Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht posttraumatische Belastungsstörung überprüften und nicht mehr als Diagnose aufführten. Damit ist davon auszugehen, dass der Versicherte nicht an einer p osttraumatischen Belastungsstö- rung leidet. Weiter ist festzustellen, dass Dr. N.____ als einziger Facharzt die depressive Epi- sode als schwer einstufte. Dazu ist zu bemerken, dass Dr. G._ ___ diese Einschätzung zu Be- ginn der Behandlung aufgrund der schweren Symptomati k als nachvollziehbar erachtete (vgl. S. 28 des Gutachtens). Aufgrund des von Dr. G.____ besch riebenen subjektiven Empfindens des Versicherten bezüglich der Ereignisse am 15. Oktob er 2003 und der Folgen auf dessen psychischen Gesundheitszustand ist diese Ansicht nachvollziehbar. Dazu kommt, dass Prof. Dr. J.____ rund ein Jahr später immer noch eine depressive St örung mittelschwerer bis schwerer Ausprägung diagnostizierte (vgl. Bericht von Prof. Dr. J.____ vom 14. Mai 2005). Die von Dr. N.____ gestellte Diagnose einer andauernde n Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung ICD-10 F62 setzt eine extreme psychische B elastung voraus, die mehr als 2 Jahre dauert (vgl. S CHÖPF , a.a.O., S. 285). Dr. G.____ verneinte das Vorliegen einer andau- ernden Persönlichkeitsveränderung mit Verweis auf das F ehlen einer solchen andauernden Extrembelastung zu Recht. Dass Dr. N.____ eine andere D iagnose innerhalb der ICD-10 Hauptgruppe F6 stellte, lässt noch lange nicht auf eine Fehldiagnose schliessen. Den Persön- lichkeitsstörungen aus dieser Gruppe ist gemein, dass die daran erkrankten Personen auffällige Charaktermerkmale aufzeigen. So bestehen unflexible, unangepasste Verhaltensweisen in wei- teren Lebensbereichen, welche seit der Adoleszenz oder dem frühen Erwachsenenalter vor- handen sind. Diese Verhaltensweisen führen zu Schwierigk eiten im Kontakt zu den Mitmen- schen und bei der Arbeit. Da sich die Kriterien einzelner Krankheiten oft überschneiden, ist eine präzise Diagnosestellung nicht immer möglich (vgl. SCHÖPF , a.a.O., S. 287). Dr. G.____ wies im vorliegenden Fall in diesem Sinne auch darauf hin, dass sich die Symptomatik bei andauernden Persönlichkeitsänderungen nach Extrembelastung und diej enige bei Persönlichkeitsstörungen nur geringfügig voneinander unterscheiden. Was die von Dr. N.____ und der L.____ diagnosti- zierte narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73 .1) anbelangt, ist zu beachten, dass die mit der ICD-10-Kodierung Z73.1 versehene Dia gnose "akzentuierte Persönlichkeitszü- ge" lediglich einen Zusatzfaktor darstellt. Sie beschrei bt zwar den Gesundheitszustand einer Person, aber keine Krankheit oder Schädigung, weshalb si e bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit ausser Betracht fällt (vgl. Urteil des Bundesgeri chts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.2.2; S CHÖPF , a.a.O., S. 277). Immerhin zeigten Dr. N.____ und d ie Ärzteschaft der L.____ mit dieser Diagnose auf, dass beim Versicherten au ffällige narzisstische Charakterzüge vorliegen, welche der von Dr. G.____ diagnostizierten na rzisstischen Persönlichkeitsstörung zu Grunde liegen (vgl. zu den Merkmalen der narzisstischen Per sönlichkeitsstörung: S CHÖPF , a.a.O., S. 284). Bei der von den behandelnden Ärzten der L.____ aufgeführten andauernden Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F62.9) handelt es sich um eine Verdachtsdiagnose, womit keine abschliessende Beurteilung vorliegt. Aufgrund dies er Ausführungen ergibt sich, dass die Diagnosen der beteiligten Fachpersonen nicht derart vo neinander abweichen, wie es die A.____ geltend macht. 3.2.3 Im Zusammenhang mit der Diagnostik ist auf die S chwierigkeit hinzuweisen, dass im Fachgebiet der Psychiatrie klare Abgrenzungen zwischen den psychiatrischen Krankheitsbil- dern allgemein nur beschränkt vorgenommen werden können , da genügende Kenntnisse über Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ätiologische und pathogenetische Faktoren fehlen und an der Genese psychischer Störungen sehr komplexen Einflüsse beteiligt sind. Psychiatrische Diagno sen weisen deshalb nie die glei- che Validität wie somatischen Diagnosen auf (vgl. RENATO MARELLI , Das psychiatrische Gutach- ten, in: Psyche und Sozialversicherung, Gabriela Riemer- Kafka [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2014, S. 79; SCHÖPF , a.a.O., S. 3). Das Bundesgericht erkannte die Problematik und stellte fest, dass bei psychischen Krankheiten eine exakte Diagnose nich t entscheidend sei. Vielmehr komme es auf deren Auswirkungen auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit der versicherten Per- son an (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 201 5, 8C_538/2014, E. 4.2.2; vgl. auch MARELLI , a.a.O., S. 85). 3.2.4 In Bezug auf die Medikation ist anzuführen, dass im psychiatrischen Bereich die Phar- makotherapie auf symptomatischer Ebene erfolgt; eine e rkrankungsspezifische Pharmaka exis- tiert nicht (vgl. SIEGFRIED SCHARMANN /P ASCAL R. VAN QUEKELBERGHE . Persönlichkeits- und Ver- haltensstörungen, Ulrich Fetzner [Hrsg.], in: Psychiatr ie, Psychosomatik und Psychotherapie, S. 9). Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen erfolgt in erster Linie mit psychotherapeuti- schen Verfahren (z.B. psychoanalytische oder tiefenpsycholog ische Therapie) oder mit einer kognitiven Verhaltenstherapie. Nur in wenigen Fällen ko mmt es zum Einsatz von Psychophar- maka. Diese bewirken jedoch nur eine Milderung von Sympt omen. Sie können gegebenenfalls bestimmte Verhaltensweisen, die in Form einer Persönlich keitsstörung auftauchen, abschwä- chen oder verbessern. Treten andere komorbide Störungen wie Depressionen hinzu, so werden antidepressiv wirksame Medikamente verschrieben. Es gibt som it nur eine symptomorientierte Therapie; eine psychopharmakologische Behandlung speziell für Persönlichkeitsstörungen ist nicht bekannt. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass alle Antidepressiva gegen das depressive Gesamtsyndrom und nicht gegen einzelne Depressionssymptome w irken (S CHÖPF , a.a.O., S. 148). Da die bei einer Depression verabreichten An tidepressiva nicht sofort wirken, werden zur Überbrückung oft zusätzlich Benzodiazepine verabreicht, wegen ihrer Abhängigkeitsgefahr jedoch nur über eine kurze Zeit. Bei starker Ängstlich keit oder Gehemmtheit werden angstlö- sende Medikamente wie nebst bestimmten Antidepressiva au ch Neuroleptika eingesetzt (vgl. NORBERT NEDOPIL /J ÜRGEN LEO MÜLLER , Forensische Psychiatrie, Klinik, Begutachtung und Be- handlung zwischen Psychiatrie und Recht, Stuttgart 2012, S. 231; F AUST , a.a.O., abrufbar un- ter: www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/-persoenlichkeit.html). 3.2.5 Gemäss den medizinischen Berichten wurden dem Ver sicherten Antidepressiva (Trittico, Seralin, Sertralin, Surmontil, Gladem, Seropiram un d Efexor), Neuroleptika (Truxal, Quetiapin und Seroquel) und zu Beginn der Behandlung Benzodiaze pine (Temesta und Xanax Retard) sowie ein Sedativum (Somnium) verabreicht. Diese Psychopharmaka zielen auf die Behandlung der geklagten und fachärztlich beobachteten depressiven Symptome und/oder der Abschwä- chung der durch die Persönlichkeitsstörung bedingten Ver haltensauffälligkeiten ab (vgl. www.compendium.ch). Unter diesen Umständen stellt sich die Frage einer falschen Medikation nicht. Selbst wenn Dr. N.____ und die Ärzteschaft der K .____ ihre Therapie auf eine posttrau- matische Belastungsstörung ausgerichtet hätten, kann daraus keine Falschbehandlung abgelei- tet werden. Die Therapie einer posttraumatischen Bela stungsstörung unterscheidet sich nicht wesentlich von derjenigen der Persönlichkeitsstörung. Be i beiden psychischen Störungen wer- den kognitive Verhaltenstherapien eingesetzt und bei g leichzeitigem Vorliegen einer depressi- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ven Symptomatik Antidepressiva abgegeben (vgl. S CHÖPF , a.a.O., S. 217). Was die Compli- ance des Versicherten anbelangt, ist auf den Bericht von Prof. Dr. J.____ vom 14. Mai 2005 hinzuweisen. Da er mutmasste, dass der Versicherte seine Med ikamente nicht regelmässig einnahm, veranlasste er eine Blutuntersuchung. Diese wa r negativ, womit sich sein Verdacht nicht bestätigte. Dr. G.____ hatte daher - entgegen d er Ansicht der A.____ - keinen Anlass, anlässlich seiner Begutachtung das Blutbild erneut zu untersuchen; zumal die Behandlung einer Persönlichkeitsstörung nicht von einer regelmässigen Medi kamenteneinnahme abhängig ist. Dazu kommt, dass die anderen Ärzte nie eine mangelnde Co mpliance des Versicherten fest- stellten. Aufgrund dieser Ausführungen ergibt sich, d ass vorliegend keine Anhaltspunkte beste- hen, dass eine falsche Behandlung bzw. Medikation vorliegt . Auch wenn dafür entsprechende Anhaltspunkte vorliegen würden, ist nicht ersichtlich, was die A.____ daraus ableiten möchte. Es wird daher verzichtet, auf die diesbezüglichen Einwände der A.____ weiter einzugehen. 3.2.6 Die A.____ bezweifelt, dass nach der fristlosen E ntlassung und der Verhaftung ab 15. Oktober 2003 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit e ingetreten sei. Sie hält es für unwahr- scheinlich, dass dieses Ereignis bei einem Versicherten, der während Jahren ohne wesentli- chen Krankheitsabsenzen gearbeitet habe, eine psychische Störung hervorrufen könne, welche unmittelbar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit begrü nde. Diese Frage beschäftigte bereits Dr. I.____. In seinem Gutachten vom 27. Mai 2005 erklär te er, er gehe aufgrund fremdanam- nestischer Angaben davon aus, dass der Versicherte an eine r Persönlichkeitsstörung leide, welche ihren Anfang in der Kindheit genommen habe. D as Vorliegen einer Persönlichkeitsstö- rung schliesse nicht aus, dass die betroffene Person arbe iten könne. Wahrscheinlich habe der Versicherte bei der Ausübung seiner Arbeit bereits gewi sse Auffälligkeiten (Kränkungen, Belei- digungen) gezeigt, welche aber retrospektiv nicht überp rüfbar seien. Fest stehe jedoch, dass der Versicherte Instabilitäten zeige, die mit der Persön lichkeitsstörung einhergehen. Durch die Anschuldigungen strafrechtlicher Delikte sei der Versicherte derart "gekränkt" worden, dass sich der psychische Zustand plötzlich verschlechtert habe und bis heute persistiere. Zum gleichen Schluss kam Dr. G.____ anlässlich seiner Begutachtung. Auc h er stellte eine auffällige Persön- lichkeitsstruktur mit stark erhöhter Kränkbarkeit des Versicher ten fest. Das Ereignis am 15. Ok- tober 2003 habe den Versicherten aufgrund seines ausserh alb jeglicher Norm liegenden sub- jektiven Empfindens erschüttert. Die erlebte Kränkung ha be ihn destabilisiert, wodurch sich die Symptomatik der Persönlichkeitsstörung massiv verstärkte. Dadurch seien seine Flexibilität und seine Umstellfähigkeit vollständig aufgehoben worden. A llein dies und die unrealistische Selbsteinschätzung reichten aus, um die Arbeitsfähigkeit einzubüssen. Dieses Verhalten und deren Auswirkungen auf die Arbeits fähigkeit sind - wie die A.____ zu Recht ausführt - auf den ersten Blick nicht nachvollziehb ar. Der plötzliche Verlust der Arbeitsfä- higkeit ab 15. Oktober 2003 ist jedoch aufgrund der na rzisstischen Persönlichkeitsstörung er- klärbar. Dr. G.____ zeigte in seinem Gutachten deutlich auf, dass die Auswirkungen des Ereig- nisses vom 15. Oktober 2003 auf den Versicherten allein a us dessen Sicht zu betrachten sei. Da sein Verhalten aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung stark von der Norm abweiche, könn- ten die Auswirkungen des Ereignisses auf den psychischen Gesundheitszustand nicht am Mas- sstab eines durchschnittlichen, gesunden Menschen gemessen we rden. Aufgrund der Akten bestehen keine Zweifel an der diesbezüglichen gutachterl ichen Beurteilung, zumal die behan- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht delnden Ärzte die gleichen Auffälligkeiten beim Versiche rten feststellten und ihn deshalb ar- beitsunfähig schrieben. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Vorgutachter den Ver- sicherten aufgrund eines falschen Sachverhalts beurteilten , da dessen Wahrheitsgehalt für ihn unerheblich ist. Ebenso wenig bestehen zwingende Gründ e von der gutachterlichen Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit, wonach die Leistungsfähigkeit etwas weniger eingeschränkt sei als in der zuletzt ausgeübten Arbeit, abzuweichen. Zur Begründung führte der Gutachter einleuchtend an, dass der Versicherte in der T agesklinik eine einfache, gut struktu- rierte und engmaschig begleitete Arbeit lediglich zu 5 0 % ausführen könne. Durch seine deut- lich eingeschränkte Durchhaltefähigkeit, der schwankenden depressiven Symptomatik, der un- realistischen Selbsteinschätzung im Hinblick auf seine eigenen Handlungen im sozialen Bereich bestehe höchstens eine 20%ige Leistungsfähigkeit in der freien Wirtschaft. Diese Zumutbar- keitsbeurteilung wird von den Parteien auch nicht beans tandet. Es ist deshalb davon auszuge- hen, dass ab 15. Oktober 2003 keine Arbeitsfähigkeit be stand. Spätestens ab Untersuchungs- zeitpunkt (= 6. November 2013) war es ihm möglich, eine leidensangepasste Arbeit im Umfang von 20 % auszuüben. 3.3.1 Die A.____ ist der Ansicht, dass mehrere wesentlich e Fragen nicht oder nicht genügend beantworten seien. Sie beantragte, deshalb eine erneu te Begutachtung, eventualiter die Unter- breitung ihrer 14 formulierten Ergänzungsfragen an d en Gutachter. Hierzu ist festzustellen, dass eine Zweitbegutachtung aufgrund der Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens nicht erforder- lich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juli 2014, 8C_834/2013, E. 7.1). Hinsichtlich der Ergänzungsfragen hat die A.____ gemäss bundesgerichtlicher Praxis aufgrund ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör zwar das Recht, bei Vorliegen ein es Gutachtens dem Experten ergän- zende Frage zu stellen. Das Gericht muss aber nicht jede F rage unbesehen an den Gutachter zur Beantwortung weiterleiten. Vielmehr darf es sich da rauf beschränken, ihm lediglich die für den Einzelfall erheblichen Fragen zu unterbreiten. D as Gericht darf von der Beantwortung der Ergänzungsfragen durch den Experten absehen, wenn davo n keine neuen entscheidwesentli- chen Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des Bunde sgerichts vom 18. Juli 2014, 8C_834/2013, E. 5.1 und vom 6. Oktober 2014, 8C_386/ 2014, E. 4.3). Von der Unterbreitung der Ergänzungsfragen an den Gutachter ist vorliegend abzusehen. Die nachfolgenden Erwä- gungen werden aufzeigen, dass die Ergänzungsfragen der A.____ bereits beantwortet sind o- der die Antwort irrelevant ist. 3.3.2 Im Einzelnen beanstandet die A.____ in der Erg änzungsfrage lit. a, dass aus dem Gut- achten nicht klar hervorgehe, welche Unterlagen und Beweismittel dem Experten zur Verfügung gestanden hätten. In dieser Hinsicht ist auf das Schreibe n des Kantonsgerichts vom 30. Juli 2013 hinzuweisen, welchem zu entnehmen ist, dass dem Gutachter sämtliche Akten des vorlie- genden versicherungsrechtlichen Verfahrens überlassen wurde n. Darunter befand sich auch das Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juni 2011 (9C_785/2 010). Die Sichtung der zivilrechtli- chen Unterlagen aus der arbeitsrechtlichen Streitigkeit ist - entgegen der Ansicht der A.____ - für die medizinische Begutachtung nicht erforderlich, we il aus den dem Gutachter zur Verfü- gung stehenden Akten hervorgeht, dass dem Versicherten a ufgrund der Videoaufnahmen die Straftatbestände des Diebstahls und der Veruntreuung nachgewiesen werden konnten und deshalb die fristlose Kündigung gerechtfertigt war. De sgleichen ist aus ihnen zu ersehen, dass Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht das arbeits- und strafrechtliche Verfahren abgeschlossen ist (vgl. Frage lit. b). Weiter ist frag- lich, inwiefern die von der IV-Stelle verfügte Sistier ung der Invalidenrente für eine medizinische Beurteilung von Relevanz ist. Die diesbezügliche Frage l it. c wird auch nicht substantiiert, wes- halb sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen. In Bezug auf die Frage lit. d (Möglichkeit einer genauen Diagnosestellung und der Feststellung einer 10 0%igen Arbeitsunfähigkeit per 15. Ok- tober 2003) ergibt sich die Antwort aus Erwägung 3.2. 6, weshalb deren Unterbreitung an den Gutachter nicht erforderlich ist. Die Fragen lit. e u nd f zielen darauf ab, Auskunft über die zeitli- che Entwicklung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und der depressiven Störung zu erhalten bzw. über den Zeitpunkt, in welchem die diag nostizierten Erkrankungen ein invalidisie- rendes Ausmass erreichten. Die Antworten auf diese Fra gen können dem Gutachten von Dr. G.____ entnommen werden und wurden ebenfalls in Erwägung 3.2.6 dargelegt. Die Fragen lit. g - k betreffen die Medikation und die Complianc e des Versicherten sowie die Folgen einer möglichen Falschbehandlung. Auf diese Thematik ist berei ts in Erwägung 3.2.4 und 3.2.5 ein- gegangen worden, weshalb darauf verwiesen wird. Die F rage lit. l - n beziehen sich auf eine mögliche Simulation des Versicherten. Dr. G.____ verneinte deutlich sowohl ein aggravierendes als auch simuliertes Verhalten des Versicherten. Aus seine n Ausführungen auf Seite 32 des Gutachtens geht hervor, dass der Versicherte keinen konzeptionellen Zugang zu seiner Persön- lichkeitsstörung habe; demzufolge kann er diese auch nicht simulieren. Hinsichtlich der depres- siven Störung ergaben sich gemäss Dr. G.____ desgleichen keine Hinweise für eine Simulati- on. In dieser Hinsicht stellte er sogar fest, dass der Ve rsicherte aufgrund der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gewisse Teilsymptome dissimuliere (= bewusstes Herabspielen, Ver- schweigen oder Verleugnen von Krankheiten oder Krankheitssymptomen). Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und stimmen mit der medizinischen Akt enlage überein. Sämtliche Fach- ärzte gelangten zu den gleichen Befunden (so unter ande rem Konzentrations- und Gedächtnis- störungen, Blockaden, eingeschränkte Aufmerksamkeitsfähigkei t, eingeengtes formales Den- ken, herabgesetzte Stimmungsfähigkeit, Insuffizienzgefühle , emotionale Leere, Nervosität) und zur gleichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Wesentl iche Inkonsistenzen in der Biographie, im Alltagsverhalten oder in der Beschwerdeschilderung wurden weder von Dr. G.____ noch von den Vorgutachtern festgestellt. Dass der Versicherte seine Beeinträchtigungen bei allen betei- ligten Fachärzten über lange Jahre konstant und gleich simuliert, ist – wie Dr. med. Q.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, zutreffend festst ellte - unwahrscheinlich (vgl. RAD- Bericht vom 18. Juni 2007). Daran ändern auch die tats achenwidrigen oder ausweichenden Angaben des Versicherten im straf- und arbeitsrechtlichen Verfahren nichts. Gemäss den Aus- sagen des Gutachters ist der Versicherte nicht fähig, die Unrechtmässigkeit seines Handelns richtig wahrzunehmen. Aufgrund dieser Ausführungen be stehen keine Anhaltspunkte für ein simuliertes Verhalten des Versicherten. Konkrete Hinweise dafür vermag die A.____ auch nicht darzulegen. Damit kann eine Simulation des Versicherten - wenn auch nicht mit Sicherheit -, aber doch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgesch lossen werden. Demzufolge besteht auch kein Anlass, weitere diesbezügliche Abklärungen zu veranlassen. 3.3.3 Die A.____ macht im Zusammenhang mit der Simu lation weiter geltend, dass die psy- chiatrische Beurteilung lediglich 2 ¼ Stunden gedauert habe, was für eine sorgfältige Begutach- tung angesichts der komplexen Fragestellung und der faktisc hen Unmöglichkeit, dass drei am gleichen Tag fristlos entlassene Personen - darunter auc h der Versicherte - nahezu gleichzeitig Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychisch erkrankten, zu kurz erscheine. Hierbei ist zu berücksich tigen, dass sich die Beurtei- lung des Gutachters nicht nur auf die persönliche Unter suchung des Versicherten stützt. Dem Experten standen darüber hinaus diverse, bisher zum Gesun dheitszustand des Versicherten erstellte medizinische Akten zur Verfügung, die es ihm dur chaus ermöglichten, eine nicht auf eine Momentaufnahme beschränkte Beurteilung abzugeben . Nicht zuletzt konnte er sich an- hand der zahlreichen psychiatrischen Begutachtungen ein umfassendes Bild über den Krank- heitsverlauf und die Symptomatik machen. Die A.____ verkennt, dass es für den Aussagegehalt eines Gutachtens nicht auf die Dauer der Behandlung ankommen kann. Massgeblich ist viel- mehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Erg ebnis schlüssig ist (vgl. U LRICH MEYER - BLASER , Rechtliche Vorgaben an die medizinische Begutachtung, in: Schaffhauser/ Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 23 f.). Da keine konkreten Hinweise vorliegen, die gegen die Zuverlässigkeit des Gut- achtens von Dr. G.____ sprechen, kann die A.____ aus dem Einwand, die Begutachtung sei zu kurz, nichts zu ihren Gunsten ableiten. Mangels Inkonsisten zen oder anderen Anhaltspunkten für eine Simulation ist davon auszugehen, dass der Versi cherte tatsächlich aufgrund des Ereig- nisses vom 15. Oktober 2003 in einem invalidisierenden A usmass erkrankte. Unter diesen Um- ständen erübrigt sich auch die Anordnung eines Verlaufsg utachtens. Die von der A.____ auf- geworfene Frage, ob bei den beiden anderen Personen, welche ebenfalls seit der fristlosen Kündigung an psychischen Beeinträchtigungen leiden, ei ne Simulation vorliegt, ist nicht im vor- liegenden, sondern in den entsprechenden Verfahren zu prüfen. 3.4 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass das Gutach ten von Dr. G.____ die recht- sprechungsgemässen Anforderungen an ein Gerichtsgutachten erfüllt, weshalb darauf abge- stellt werden kann. Die von der A.____ vorgebrachten Einwände vermögen keine Zweifel an der Beweistauglichkeit dieses Gutachtens zu erheben. Es kann de shalb in antizipierter Beweiswür- digung auf die Anordnung eines Zweit- bzw. Verlaufsgu tachtens und die Unterbreitung der von der A.____ formulierten Ergänzungsfragen an den Guta chter verzichtet werden. Aufgrund des beweiskräftigen Gutachtens ist festzustellen, dass der Ve rsicherte aufgrund seiner Persönlich- keitsstörung und der depressiven Erkrankung seit 15. Oktobe r 2003 in der bisherigen Arbeit als Tankwart und Kassier vollständig arbeitsunfähig ist. Spät estens seit Begutachtung durch Dr. G.____, d.h. 6. November 2013, besteht ausschliessli ch in einer leidensadaptierten Ver- weistätigkeit eine 20%ige Arbeitsfähigkeit. 4.1 Zu prüfen sind die erwerblichen Auswirkungen der ge sundheitlichen Beeinträchtigungen. Nach Art. 16 ATSG hat die Invaliditätsbemessung bei er werbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu erfolgen. Dazu wird das Er werbseinkommen, das die versi- cherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be- handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durc h eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalid eneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie ni cht invalid geworden wäre (Vali- deneinkommen). Als Erstes stellt sich die Frage, ob de r Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit von 20 % auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt wirtschaftli ch verwerten kann. Beim ausgegli- chenen Arbeitsmarkt handelt es sich um eine theoretische G rösse, so dass nicht leichthin an- genommen werden kann, die verbliebene Leistungsfähigkei t sei unverwertbar (vgl. Urteil des Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bundesgerichts vom 8. Januar 2013, 8C_724/2012, E. 4.3 ). Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes beinhaltet nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält , und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzung en wie auch hinsichtlich des körperli- chen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4 mit Hinweisen). Er u mfasst auch sogenannte Nischenar- beitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen behinderte Personen mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rech nen können (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Dabei darf jedoch nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von Art. 16 ATSG gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt prak- tisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistisch em Entgegenkommen eines durch- schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden e iner entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht) vom 10. M ärz 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hin- weisen). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzel fall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwe rten oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; AHI 1998 S. 291 E. 3b). Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheits- schadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- u nd Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die Persönlichkeitsstruktur, v orhandene Begabungen und Fertig- keiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendb arkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2012, 9C_153/2011, E. 3 mit Hinweisen). 4.2 Nach der Beurteilung des hier massgebenden Gutach ten von Dr. G.____ vom 31. De- zember 2013 besteht für die bisherige Tätigkeit als Ta nkwart und Kassier keine und für eine leidensangepasste Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 20 %. In der Verweistätigkeit müs- se aber aufgrund der deutlich beeinträchtigten Durchha ltefähigkeit während des 20%igen Pen- sums die Möglichkeit bestehen, Pausen einzulegen. Wegen d er schwankenden depressiven Symptomatik sei zu erwarten, dass über mehrere Monate ei ne eingeschränkte Kontinuität der Leistungen des Versicherten bestehe. Zudem sei zu berücksicht igen, dass dieser durch seine unrealistische Einschätzung seiner Handlungen eine enge F ührung und Kontrolle brauche; er sei auch nicht in der Lage, verantwortungsvolle Tätigk eiten auszuführen. Bei dieser Zumutbar- keitsbeurteilung ist zu beachten, dass es sich dabei um eine rein theoretische Arbeitsfähigkeit handelt. Von Bedeutung ist, dass der Gutachter berufl iche Massnahmen nur an einem ge- schützten Arbeitsplatz, aber nicht in der freien Wirtschaf t in Betracht zieht. Der Versicherte be- dürfe einer engen Betreuung wie er sie in der P.____ erhalte. Zudem bestehe die Gefahr von fremdaggressiven Verhalten, so dass er unter ständiger Beobachtung stehen müsse. Ein derart hoher Betreuungsaufwand kann aber keinem potentielle n Arbeitgeber zugemutet werden. Eine Gesamtbetrachtung der genannten Einschränkungen und Be lastungsfaktoren ergibt, dass Tä- tigkeiten im ausgeglichenen Arbeitsmarkt für den Versicher ten kaum vorhanden sind und ihm das Finden einer Stelle nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich ist. Damit ist die Restarbeitsfähigke it des Versicherten nicht mehr ver- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht wertbar. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollstän- dige Erwerbsunfähigkeit vor (vgl. Urteil des Bundesge richts, vom 21. August 2006, I 831/05, E. 4.1.1 mit Hinweisen). Demzufolge beträgt der Invaliditätsgrad des Versicherten 100 %. 4.3 Gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG in der bis Ende 20 07 gültig gewesenen Fassung bzw. der seit dem 1. Januar 2008 in Kraft stehenden Regelun g von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in we lchem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen war. Aufgrund der medizinischen Akten des vorlie genden Falles steht fest, dass der Versicherte ab 15. Oktober 2003 vollständig arbeitsunfähi g war. Das "Wartejahr" im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG bzw. Art. 28 Abs. 1 lit. b I VG begann somit im Oktober 2003 zu laufen, weshalb der Beginn des Rentenspruchs auf den 1. Oktober 2 004 festzusetzen ist, was im Übri- gen mit den Rentenverfügungen der IV-Stelle vom 12. August 2009 übereinstimmt. Damit hat der Versicherte ab 1. Oktober 2004 grundsätzlich Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. 5.1 Das Bundesgericht stellte in seinem Urteil vom 10. Ju ni 2011 (9C_785/2010) verbindlich fest, dass die Invalidenrente des Versicherten zu kürzen od er zu verweigern sei, wenn die dem Versicherten vorgeworfenen Delikte nachgewiesen werden könnten (vgl. E. 8 des zitierten Ur- teils). Da dieser Nachweis vorliegt, unterliegt die Invalidenrente des Versicherten einer Kürzung oder sie kann allenfalls sogar verweigert werden. In wel chem Mass eine Invalidenrente zu kür- zen oder ob die Leistung zu verweigern ist, bestimmt sich nach dem Verschulden der versicher- ten Person. Das Gesetz sagt nicht, was unter Verschulden zu verstehen ist, insbesondere wann ein schwerer Fall vorliegt, welcher eine Leistungsverweige rung rechtfertigt. Das strafrechtliche Verschulden kann allenfalls Ausgangspunkt bei der Umschrei bung von zur Kürzung oder Ver- weigerung einer Rente gestützt auf Art. 21 Abs. 1 ATS G Anlass gebenden Verhaltensweisen sein. Darauf kann aber in der Regel nicht abgestellt werden. Die Kürzung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen ist eine verwaltungsrechtliche Sanktion. Sie bezweckt den Schutz der Versicherung vor ungerechtfertigter Inanspruchnahme und hat nicht pönalen Charakter (BGE 134 V 319 f, E. 4.5.1.1, 129 V 359 E. 3.2 in f ine, 119 V 249 E. 4b in fine). Die Versiche- rung soll nicht über Gebühr mit Schäden belastet werde n, welche die Betroffenen bei Anwen- dung der ihnen zumutbaren Sorgfalt hätten vermeiden können (BGE 135 V 319 f. E. 4.5.5.1, 111 V 187 E. 2a, 114 V 192 E. 4b/bb). 5.2 In der Praxis sind Fälle von Leistungsverweigerungen selten. Im nicht veröffentlichten Urteil vom 30. Juni 1997 (I 50/97) bestätigte das Bun desgericht die vorinstanzliche Verweige- rung einer Invalidenrente bei einem Versicherten, welcher sich überwiegend wahrscheinlich seit 1990 selbst verstümmelte. Ebenso sah das Bundesgericht in BGE 135 V 315 die Rentenver- weigerung als gerechtfertigt im Fall eines Versicherten, welcher bei einer gewaltsamen Aus- einandersetzung zwischen zwei Personengruppen mit Einsatz vo n Schusswaffen schwere Kör- perverletzungen erlitt. Der Versicherte habe mit seinem aggressiven Vorgehen einen entschei- denden Anteil an der Entstehung des Raufhandels gehabt . Dagegen kürzte das Bundesgericht die Witwenrente einer Frau lediglich um 50 %, welche des Totschlags an ihrem Ehemann schuldig gesprochen und unter Berücksichtigung der in einem entschuldbaren Putativnotstand erfolgten Tatbegehung zu einer bedingt aufgeschobenen Gefängnisstrafe von achtzehn Mona- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten mit einer Probezeit von drei Jahren verurteilt wur de (vgl. BGE 125 V 237). Im Lichte dieser Rechtsprechung ist eine gänzliche Leistungsverweigerung so mit nur zulässig, wenn das Ver- schulden als besonders schwer zu betrachten ist (vgl. U ELI K IESER , ATSG-Kommentar, Zü- rich/Basel/Genf 2009, Art. 21 Rz. 33 mit Hinweis auf BGE 106 V 24). 5.3 Bei der Prüfung des Verschuldens im Sinne von Art. 2 1 Abs. 1 ATSG ist in objektiver Hinsicht grundsätzlich allein das abstrakte oder konkrete G efährdungspotential für die versi- cherte Person selber von Bedeutung. Subjektiv ist die Vo rgehensweise, namentlich die Rück- sichtslosigkeit des Verhaltens, insofern beachtlich, als da durch die Gefahr sich selber ernstlich und irreversibel zu verletzen oder allenfalls von Dritten verletzt zu werden, erst geschaffen oder erhöht wird (BGE 134 V 320 E. 4.5.1.1). Nicht erford erlich ist eine richtige Vorstellung von der genauen Art des durch das vorwerfbare Verhalten eingega ngenen Gesundheitsrisikos (BGE 111 V 195 E. 4b). Nur so weit reicht der Vorwurf, der eine Leistungskürzung oder sogar die Verweigerung der Leistung rechtfertigt. Die Beurteil ung hat aufgrund der gesamten Umstände des konkreten Falles zu erfolgen (BGE 134 V 315, E. 4.5.11. 5.4.1 Vorliegend stellt sich die Frage, inwieweit dem Versicherten der Eintritt der invalidisie- renden Gesundheitsbeeinträchtigung vorgeworfen werden kann bzw. dieser für den Versicher- ten voraussehbar war. Dr. G.____ führte zu dieser Frage aus, dass der Versicherte aus medizi- nischer Sicht den eingetretenen psychischen Gesundheitsschade n nicht habe voraussehen können. Diese Auffassung vertrat im Übrigen Dr. Q.____ gestützt auf das Gutachten von Dr. I.____ vom 6. Dezember 2006 bereits im Jahr 2007 (vg l. RAD-Stellungnahme vom 18. Juni 2007). Dagegen ist davon auszugehen, dass der Versicherte wusste oder hätte wissen müssen, dass gegenüber einem Arbeitgeber verübte Delikte arb eits- und strafrechtliche Konsequenzen haben; zumal die Persönlichkeitsstörung im Zeitraum sein er strafbaren Handlungen noch nicht derart ausgeprägt war, dass er hierfür keine realität sbezogene Einschätzung hätte vornehmen können. Er musste damals damit rechnen, dass er aufgrund seines deliktischen Verhaltens frist- los entlassen würde und polizeiliche Untersuchungen stattf inden würden. Insofern hatte er die Strafverfolgungsmassnahmen, die fristlose Entlassung, die Arbeitslosigkeit, die damit verbun- denen finanziellen Schwierigkeiten sowie die soziale Äc htung selbst verschuldet. Eine solche Situation stellt erfahrungsgemäss für jede betroffene P erson eine psychische Belastung dar. Auch wenn dem Versicherten der Eintritt seiner starken p sychischen Beeinträchtigungen nicht in vollem Umfang als voraussehbar angerechnet werden kann , so trägt er doch insofern ein Verschulden am Eintritt seines Gesundheitsschadens, als er mit seinem deliktischen Verhalten, das Risiko psychisch zu erkranken bzw. seine Krankheit zu fördern, steigerte. 5.4.2 Bei der Beurteilung der Frage, ob die Rente d es Versicherten zu verweigern bzw. zu kürzen ist, darf das strafrechtliche Verschulden nicht völli g ausser Acht gelassen werden. Ein solches Vorgehen steht auf den ersten Blick nicht im Einkla ng mit den gesetzgeberischen Ab- sichten; denn aus den Gesetzesmaterialien geht klar hervo r, dass der Gesetzgeber bei der Rentenkürzung bzw. -verweigerung keinen Strafcharakter zukommen lassen wollte (vgl. BBl 1958 II 1163 ff.). In diesem Sinne bekräftigen Lehre und Rechtsprechung stets, dass die Ver- weigerung und die Kürzung von IV-Leistungen nicht auf p önalen Überlegungen beruhen. Sie bezwecken nicht, ein schuldhaftes Verhalten sühnen zu lasse n, um der anspruchsberechtigten Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Person damit einen "Denkzettel" zu erteilen. Eine Leist ungsverweigerung bzw. -kürzung ist so- mit nicht Selbstzweck zur Diskriminierung des missbilligten Verhaltens der fehlbaren versicher- ten Person (vgl. MAX ANDRIN BUNDI , Die Invalidenversicherung und deren Leistungssauschluss sowie Rentenkürzung wegen Verschuldens des Behinderten, D isentis/Mustér 1994, S. 339 f.). In den bundesgerichtlichen Entscheiden wird jedoch immer wieder Bezug auf das strafrechtli- che Verschulden genommen. So mass auch das Bundesgericht in seinem Urteil vom 10. Juni 2011 dem Deliktserfolg Bedeutung zu, indem es als ausser ordentlich stossend bezeichnete, wenn eine versicherte Person, die ihren Arbeitgeber best ehle, deshalb fristlos entlassen und in der Folge deswegen arbeitsunfähig werde, für die auf seinen Diebstahl zurückzuführende Inva- lidität noch eine ungekürzte Invalidenrente beziehen kön ne (vgl. Erwägung 7.3.3 des zitierten Urteils). Wenn in Gerichtsentscheiden Bezug auf die Tatsa che genommen wird, dass die sozi- alversicherungsrechtlichen Sanktionen keinen pönalen Char akter haben, sind Formulierungen, die wie strafrechtliche Sanktionen klingen, nicht anders zu verstehen, als sie bezwecken, der Selbstverantwortung der versicherten Person und der Sol idarität Rechnung zu tragen (vgl. Bundi, a.a.O., S. 340). In diesem Sinne ist das strafre chtliche Verschulden gemäss Vorgabe des bundesgerichtlichen Urteils vom 11. Juni 2011 bei der Verschuldensfrage zu berücksichti- gen. Das Verschulden des Versicherten wiegt jedoch im Hinb lick auf die in Erwägung 5.2 dar- gestellten Fälle nicht so schwer, als ihm die Rente verwei gert werden könnte. Eine vollständige Leistungsverweigerung wäre allenfalls dann in Betracht zu ziehen, wenn der Versicherte hätte voraussehen können, dass er infolge seines deliktischen Handelns derart psychisch beeinträch- tigt wird, dass er zu 80 % erwerbsunfähig ist; dies ist v orliegend jedoch nicht der Fall. Unter Berücksichtigung, dass die invalidisierende Krankheit des V ersicherten teils auf unverschulde- ten pathogenen Faktoren und teils auf ein von ihm zu ver antwortendes Verhalten beruht, recht- fertigt sich dagegen eine Kürzung der Invalidenrente ermessensweise im Umfang von 50 %. 6.1 Gemäss Art. 21 Abs. 2 ATSG werden Geldleistungen für Angehörige oder Hinterlassene nur gekürzt oder verweigert, wenn diese den Versicherungsfall vorsätzlich oder bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführ t haben. Mit dieser Bestimmung kommt den unschuldigen Angehörigen ein gewisser finanzi eller Schutz zugute; das Fehlverhal- ten einer versicherten Person kann den unterhaltsberechti gten Familienangehörigen ja nicht vorgehalten werden. Der mit den Leistungskürzungen unte r anderem angestrebte Schutz der Solidargemeinschaft vor den finanziellen Folgen pflich twidriger Verhaltensweisen tritt somit ge- genüber dem partiellen Schutz der Angehörigen zurück (vgl . ALEXANDRA R UMO -JUNGO , Die Leistungskürzung oder -verweigerung gemäss Art., 37 - 39 UVG, Freiburg 1993, S. 209). 6.2 Gemäss den Akten hat der Versicherte zwei Kinder (R. ____, geboren am 28. Juli 2006 und S.____, geboren am 16. Oktober 2008; vgl. Versicherungspolicen der T.____ und Beschei- nigung U.____ vom 24. Januar 2011). Demgemäss hat der Versicherte gestützt auf Art. 35 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Anspruch auf zwei Kinderrenten. Weil den Kindern kein tatbeständliches Handeln im Sinne von Art. 21 Abs. 2 ATSG angelastet werden kann, sind die Kinderrenten von der Kürzung ausgenommen. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Versicherte ab 1. Oktober 2004 gestützt auf das Gutachten von Dr. G.____ vom 31. Dezember 2013 grundsätzlich Anspruch auf eine ganze Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invalidenrente (Invaliditätsgrad = 100 %) hat. Da die Voraussetzungen gemäss Art. 21 Abs. 1 ATSG erfüllt sind, ist diese um 50 % zu reduzieren. Die Kinderrenten sind ungekürzt ab Ren- tenbeginn auszurichten. Demzufolge ist die IV-Stelle zu verpflichten, dem Versicherten ab 1. Oktober 2004 zwei ganze Kinderrenten und eine um 50 % reduzierte ganze Invalidenrente auszuzahlen. Dabei sind die bereits erfolgten Zahlungen mit der nachzuzahlenden Invalidenren- te zu verrechnen. Die Beschwerde der A.____ ist daher teilweise gutzuheissen. 8.1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. In ständiger Praxis des Kantonsge richts werden die Verfahrenskosten auf Fr. 600.-- festgelegt. Nach § 20 Abs. 3 des Geset zes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Re- gel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. 8.1.2 Das Bundesgericht legte vorliegend in seinem Urt eil vom 10. Juni 2011 in prozessualer Hinsicht fest, dass die A.____ Drittbeschwerdeführerin con tra Adressat sei, d.h. der beigelade- ne Versicherte sei Gegenpartei, da sein Rentenanspruch Streitgegenstand sei. Er sei somit als Beschwerdegegner zu behandeln (vgl. E. 1.2 des zitierte n Urteils mit Hinweisen; vgl. auch BERNHARD WALDMANN , in: Bundesgerichtsgesetz, Basler Kommentar, Uebersax/W iprächtiger [Hrsg.], Basel 2011, zu Art. 89 Rz. 20). Als Beschwerdegegner trifft den Versicherten grundsätz- lich eine Kostenpflicht. Daran ändert auch nichts, dass er im vorliegenden Verfahren als Beige- ladener bezeichnet wurde. 8.1.3 Die Gerichtskosten werden aufgrund der Anträge der Beschwerde führenden Partei, gemessen am Ergebnis der Anfechtung der angefochtenen IV-Verfügungen verlegt. Die A.____ obsiegt teilweise, indem die Ausrichtung des Rentenansp ruchs des Versicherten zwar nicht gemäss ihrem Antrag verweigert, aber doch um die Hälfte gekürzt wird. In diesem hälftigen Um- fang unterliegen als Beschwerdegegner die IV-Stelle un d der Versicherte, der um Ausrichtung der ihm zugesprochenen ganzen Invalidenrente ersuchte. D ass die IV-Stelle im während des vorliegenden Verfahrens gleich der A.____ die Verweig erung der Rente beantragte, führt zu keinem anderen Ergebnis, da auf Anträge der Beschwerdeg egner bei der Kostenverlegung kei- ne Rücksicht genommen wird (BGE 123 V 156). Aufgrund dieses Prozessausgangs unterliegen sämtliche beteiligte Parteien somit im selben Umfang, weshalb es sich rechtfertigt, ihnen die Verfahrenskosten zu gleichen Teilen, d.h. je Fr. 200.--, aufzuerlegen. In diesem Zusammen- hang ist allerdings zu beachten, dass gemäss § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vor- behältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VP O - keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz teilweisen Unterlie- gens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Der A._ ___ und dem Versicherten werden damit Verfahrenskosten in der Höhe von je Fr. 200.-- a uferlegt. Der von der A.____ geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- (Valuta 21. September 2009 ) wird mit den ihr auferlegten Ver- fahrenskosten verrechnet. Der zu viel geleistete Kostenvo rschuss in Höhe von Fr. 400.-- wird ihr zurückerstattet. Da dem Versicherten mit Verfügung vo m 20. März 2012 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, werden die Verfah renskosten vorläufig auf die Gerichts- kasse genommen. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungst räger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Mit BGE 139 V 502 E. 4.4 stellte das Bundesgericht Kri terien auf, die bei der Beurteilung der Frage zu berücksichtigen sind, ob die Kosten eines Gerichtsg utachtens der Verwaltung aufer- legt werden können. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unter- suchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigke it, eine Gerichtsexpertise anzu- ordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio nen der Fall: Wenn ein manifester Wider- spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztl ichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründet e Argumente entkräftet habe (BGE 135 V 469 E. 4.4; siehe auch BGE 139 V 226 E. 4 und Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juni 2013, 8C_71/2013, E. 2); wenn die Verwaltung zur Klä rung der medizinischen Situation not- wendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine E xpertise abgestellt habe, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundla ge nicht erfülle (BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwaltung dagegen den Untersuchungsg rundsatz respektiert und ihre Auf- fassung auf objektive konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Gerichtsgutach- tens an sie nicht gerechtfertigt, aus welchen Gründen d ies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens). 8.2.2 Vorliegend sprach die IV-Stelle dem Versichert en gestützt auf das psychiatrische Ober- gutachten von Dr. N.____ vom 20. April 2009, die beide n Gutachten sowie die Stellungnahmen von Dr. I.____ vom 27. Mai 2005, 6. Dezember 2006 und 29. Februar 2008 dem Versicherten gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % mit Wirku ng ab 1. Oktober 2003 eine ganze Inva- lidenrente zu. In Kenntnis der vom Versicherten verübten Straftraten prüfte der RAD-Arzt Dr. Q.____ bereits im Jahr 2007, ob ein Kausalzusammenh ang zwischen den psychischen Be- einträchtigungen und den Delikten bestehe; er verneint e dies (vgl. Stellungnahme vom 18. Juni 2007). Das Obergutachten von Dr. N.____ bestätigte den vorgesehenen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, weshalb die Frage einer Verwei gerung oder Kürzung der Rente nicht mehr aufgegriffen wurde. Das Kantonsgericht erachtete in seinem Urteil vom 18. Juni 2010 den medizinischen Sachverhalt als genügend abgeklärt und leh nte desgleichen eine Verweigerung bzw. Kürzung der Invalidenrente mangels Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen ab. Erst mit der durch das Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juni 2011 erfolgten Rückweisung der An- gelegenheit zur erneuten Beurteilung des Rentenanspru chs stellte sich heraus, dass der medi- zinische Sachverhalt weiterer Abklärungen bedurfte, wesha lb sich die Anordnung eines Ge- richtsgutachtens aufdrängte (vgl. Beschluss des Kantonsgerichts vom 7. März 2013). Unter die- sen Umständen kann aber der IV-Stelle nicht vorgeworfen werden, dass sie eine wesentliche Frage nicht abgeklärt habe oder sich auf eine Beurteilung stützte, welche den rechtsprechungs- gemässen Erfordernissen an einen ärztlichen Bericht nicht genügen würde. Auch standen der Einschätzung von Dr. N.____ nicht wesentliche anderslauten de ärztliche Beurteilungen entge- gen. Damit kann der IV-Stelle keine Verletzung des Unt ersuchungsgrundsatzes vorgeworfen werden. Dass das Gerichtsgutachten für die abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Versicherten unerlässlich war, ist für die Überwälzung von Gutachtenskosten allein nicht hinreichend (vgl. BGE 140 V 76 E. 6.2.2). Demzufolge gehen die Kosten für das Gutachten der F.____ vom 31. Dezember 2013 in Höhe von Fr. 4'195.75 zu Lasten der Gerichtskasse (vgl. Honorarrechnung vom 16. Januar 2014). 8.3.1 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die (ganz oder t eilweise) obsiegende Beschwerde füh- rende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Mi t dieser Formulierung wird klargestellt, dass Versicherungsträgern - mit Ausnahme der Fälle mutwi lliger beziehungsweise leichtfertiger Prozessführung - kein Parteientschädigungsanspruch zusteht (vgl. KIESER , a.a.O., Art. 61 Rz. 114; vgl. auch Art. 68 Abs. 3 des Bundesgerichtsgeset zes über das Bundesgericht [BGG] vom 17. Juni 2005; BGE 126 V 143). Das gilt grundsätzlich a uch für die Trägerinnen oder Versiche- rer der beruflichen Vorsorge (BGE 128 V 124 E. 5b, 1 26 V 143 E. 4a, 118 V 158 E. 7, 117 V 349 E. 8 mit Hinweis). Demgemäss haben sowohl die A.____ als auch die IV-Stelle bei (teilwei- sem) Obsiegen keinen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Versicherten steht dagegen bei einer teilweisen Gutheissung der Beschwerde grunds ätzlich eine reduzierte Parteientschä- digung zu. 8.3.2 Der Rechtsvertreter des Versicherten machte in sein er Honorarnote vom 3. April 2014 für die Jahre 2011 - 2013 einen zeitlichen Aufwand von insgesamt 8 Stunden und für das Jahr 2014 einen solchen von 2,25 Stunden geltend, was sich umf angmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen v on insgesamt Fr. 116.50 (Fr. 90.50 [2011 - 2013] und Fr. 26.-- [2014]). In Anbetracht d es prozessrechtlichen Ausgangs rechtfertigt es sich, den von der A.____ zu entrichtenden Anteil auf d ie Hälfte des geltend gemachten Zeit- aufwandes (4 Stunden [2011 - 2013] und 1,125 Stunde n [2014]) und der Auslagen (Fr. 45.25 [2011 - 2013] und Fr. 13.-- [2014]) festzusetzen. In Anwendung des seit 1. Januar 2004 im Re- gelfall anzuwendenden Stundenansatzes von Fr. 250.-- h at der Versicherte Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1'446.65 [Fr. 1'128.85 [2011 - 2013] und Fr. 317.80 [2014] inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteue r. Im Übrigen sind die ausserordentli- chen Kosten wettzuschlagen. 8.3.3 Da dem Versicherten mit Verfügung vom 20. März 2012 ebenfalls die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser im Umfang seines Unterliegens, d.h. 4 Stunden (2011 - 2013) und 1,125 Stunden (2014) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Das Honorar für Anwältinnen und Anwälte beträgt bei unentgeltlicher Verbei- ständung für den bis Ende 2013 erbrachten Aufwand Fr. 180.-- pro Stunde (§ 3 Abs. 2 der Ta- rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 [TO], in der bis 31. De- zember 2013 gültig gewesenen Fassung) und für den ab 1 . Januar 2014 erbrachten Aufwand Fr. 200.-- pro Stunde (§ 3 Abs. 2 TO, in der seit 1. Januar 2014 geltenden Fassung). Dem Rechtsvertreter ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'083.50 (4 Stunden à Fr. 180.-- [2011 - 2013] und 1,125 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Ausl agen von Fr. 45.25 (2011 - 2013) und Fr. 13.-- (2014) und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3.4 Der Versicherte wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gema cht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 8.3.5 Der Rechtsvertreter des Versicherten ersuchte in seinem Schreiben vom 16. April 2012, dass der in den Jahren 2009 und 2010 angefallene Aufwa nd von Fr. 590.70 (2 Stunden inkl. Auslagen von Fr. 49.-- und Mehrwertsteuer; vgl. Honor arnote vom 29. Januar 2010) im Verfah- ren 720 09 258 zum für die unentgeltliche Verbeiständ ung geltenden Tarif zu entschädigen sei. In jenem Verfahren stellte der Versicherte kein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Ein solches wurde erstmals im vorliegenden Verfahren gestellt. Ein Gesuch kann rückwirkend bewilligt werden, wenn bereits damals die ma ssgebenden Kriterien erfüllt waren (KIESER , a.a.O., S. 790). Aus den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass der Versicherte in den Jahren 2009 und 2010 prozessual bedürftig war. Aus sein em Schreiben vom 18. Januar 2012 geht hervor, dass er im Jahr 2010 Invalidenrenten inkl . Kinderrenten in Höhe von rund Fr. 40'000.-- erhielt und seine Ehefrau ein Nettojahresei nkommen von Fr. 14'158.-- erzielte. Dass sich die finanzielle Situation auch im Jahr 2011 nicht än derte, zeigt sich darin, dass er im an- schliessenden bis Mitte 2011 hängigen bundesgerichtlichen Verfahren nicht um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ersuchte, weshalb ihm das B undesgericht Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 500.-- auferlegte. Erst nachdem die IV-S telle mit Verfügung vom 14. September 2011 seine Rente sistierte, gelangte der Versicherte in eine finanzielle Notlage. Das Kantonsge- richt bewilligte in der Folge im Verfahren 720 11 35 1 (Rentensistierung) mit Verfügung vom 7. Oktober 2011 die unentgeltliche Rechtspflege. Unte r diesen Umständen ist davon auszuge- hen, dass in den Jahren 2009 und 2010 noch keine prozessuale Bedürftigkeit bestand, weshalb im vorliegenden Verfahren die unentgeltliche Verbeist ändung für das Verfahren 720 09 258 nicht bewilligt werden kann. Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde vom 11. September 2009 wird in dem Sinne teilweise gutgeheissen, als die Verfügungen der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 12. August 2009 aufgehoben werden und festgestellt wir d, dass der Beigeladene mit Wirkung ab 1. Oktober 2004 Anspruch a uf eine um 50 % gekürzte ganze Invalidenrente und auf zwei ungekür zte Kinder- renten hat. 2. Der Beschwerdeführerin und dem Versicherten werden Verfahrenskos- ten in der Höhe von je Fr. 200.-- auferlegt. Die Ver fahrenskosten der Beschwerdeführerin werden mit dem im Verfahren 720 0 9 258 geleis- teten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechne t. Der zu viel bezahlte Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- wird ihr zurück- erstattet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung im vorliegen- den Verfahren werden die dem Versicherten auferlegten Verfahrens- kosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung durch die F.____ in Höhe von insgesamt Fr. 4'195.75 gehen zu Lasten der Gerichtskasse. 4. Die Beschwerdeführerin hat dem Versicherten eine r eduzierte Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 1'446.65 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g im vorliegen- den Verfahren wird Advokat Daniel Levy für das kantonale Beschwer- deverfahren ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'083.5 0 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 5. Das Gesuch des Versicherten um Bewilligung der unen tgeltlichen Verbeiständung mit Advokat Daniel Levy als Rechtsvertreter im Ver- fahren 720 09 258 wird abgewiesen. Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdeführerin am 14. September 2015 und vom Beigeladenen am 10. September 2015 Beschwerde beim Bundesgericht ( 9C_634/2015 und 9C_665/2015 ) erhoben.