<h2>SubmittedText<h2><p>Die Fälle von Meningokokken-Infektionen im Militär sind in den letzten Jahren in beängstigendem Masse angestiegen. Während im Jahre 1999 zwei Fälle bekannt wurden, waren es im vergangenen Jahr vier Fälle. In den ersten Monaten des laufenden Jahres sind bereits fünf Infektionsfälle aufgetreten. Meningokokken sind jene lebensgefährlichen Erreger, die zu einer Hirnhautentzündung oder zu einer Blutvergiftung führen können. Nicht immer überleben die Betroffenen.</p><p>Die relativ häufig eintretende, spontane Verschlimmerung des Zustandes eines Erkrankten bedingt eine intensive und kompetente Betreuung. Zu spätes Erkennen der Infektion kann zu schwerwiegenden bleibenden Schäden, ja gar zum Tod führen.</p><p>Ich frage den Bundesrat:</p><p>1. Mit welchen Massnahmen sind die Militärärzte auf die Gefahren von Meningokokken-Infektionen sensibilisiert worden?</p><p>2. Wie kann sichergestellt werden, dass Patienten, für welche eine Meningokokken-Infektion nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, keinesfalls in Situationen gelangen können, in welchen auf eine Veränderung des Zustandes nicht unverzüglich reagiert werden kann? Bestehen diesbezügliche Anweisungen für militärische Schulen und Kurse für die Regelung von Wochenendurlauben oder die Freizeit des Pflegepersonals? Unter welchen Bedingungen kann in derartigen Fällen eine vorsorgliche Einweisung in ein Zivilspital zwecks permanenter Überwachung angeordnet werden?</p><p>3. Ist die Frage von Impfungen für die Truppe studiert worden, und, wenn ja, mit welchem Ergebnis?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Hirn und das Rückenmark sind von einer Schutzhülle, die eine glasklare Flüssigkeit (Liquor) enthält, umgeben. Auf diese Weise ist das äusserst verletzliche Nervengewebe gegen äussere Einflüsse einigermassen geschützt. Bei der Hirnhautentzündung (Meningitis) handelt es sich um eine entzündliche Krankheit dieser Hülle, hervorgerufen durch verschiedene Bakterien oder Viren. Im Folgenden wird von durch eine bestimmte Bakteriengruppe, den Meningokokken, hervorgerufenen Krankheitsformen gesprochen.</p><p>Der Meningokokkus ist ein mikroskopisch kleines Lebewesen (Bakterium). Es werden verschiedene Gruppen von Meningokokken unterschieden; die wichtigsten werden mit den Buchstaben A, B und C bezeichnet.</p><p>Bis 1998 war die Gruppe B am häufigsten nachweisbar. 1999 traten die Gruppen B und C erstmals etwa gleich häufig auf. Im Moment ist es so, dass die Gruppe C weiter im Vormarsch ist, was in Bezug auf die Impfungen wichtig ist.</p><p>Das Reservoir für diese Bakterien ist die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums des Menschen. Ungefähr 5 bis 10 Prozent der gesunden Bevölkerung tragen die Meningokokken mit sich herum. Die Übertragung geschieht durch Sprechen, Husten usw., bei engem Kontakt. Warum gewisse Menschen dann plötzlich erkranken, ist nicht sicher bekannt. Man weiss lediglich, dass die Krankheit am ehesten an Orten ausbricht, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten (Kasernen, Kinderheime, Internate usw.). Befallen werden vor allem Kinder und Jugendliche.</p><p>Es gibt grundsätzlich zwei Verlaufsformen bei der durch Meningokokken hervorgerufenen Erkrankung:</p><p>- Die eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis) mit Kopfschmerzen, Nackenstarre, Fieber und Lichtscheu. Sie lässt sich in der Regel mit Antibiotika behandeln.</p><p>- Die blitzartig verlaufende Blutvergiftung (Sepis), die innerhalb von wenigen Stunden zu einem schweren Krankheitsbild mit Bewusstlosigkeit, Blutungen in die Haut und Schock führt, weil sich die Bakterien im Körper massiv vermehren und verschiedene Organe schädigen können. Ihre Prognose ist ohne früh einsetzende Behandlung ernst.</p><p>Die Anfangssymptome dieser Krankheit sind äusserst vielfältig und unspezifisch. Es können Zeichen wie bei einem grippalen Infekt auftreten, aber auch Übelkeit, Unwohlsein und anderes. Der Truppenarzt muss beim kleinsten Anzeichen an eine durch Meningokokken hervorgerufene Krankheit denken. Da sich die Meningokokken im Liquor (Hirnflüssigkeit) ausserordentlich rasch vermehren, muss mit der Behandlung ohne Verzug begonnen werden. Der Truppenarzt hat dafür konkrete Vorschriften der Untergruppe Sanität.</p><p>Der Bundesrat nimmt zu den Fragen wie folgt Stellung:</p><p>1. Das Meningokokken-Problem ist seit Jahren bekannt. Entsprechend setzen sich die Militärärzte, die immer auch Zivilärzte sind, schon in der zivilen Aus- und Weiterbildung mit diesem Problem intensiv auseinander. Im Militär kann also davon ausgegangen werden, dass dieses Krankheitsbild bei den Truppenärzten bekannt ist. Zusätzlich aber werden die angehenden Schulärzte in ihrem Vorbereitungskurs für den Praktischen Dienst in der Rekrutenschule (Fachdienstkurs FDK 1) noch einmal explizit und ausführlich auf diese Problematik aufmerksam gemacht.</p><p>Das Vorgehen bei einer Meningokokken-Erkrankung wurde vom Oberfeldarzt in verschiedenen Vorschriften (Weisung des Oberfeldarztes Nr. 51, von 1998; Regl 59.23, Truppenarztdienst vom 1. Mai 2000) für alle Militärärzte verbindlich geregelt.</p><p>2. Eine der Problematiken der Meningokokken-Erkrankung liegt in den unspezifischen Anfangssymptomen. Selbstverständlich ist es so, dass im Militär ein fiebriger Patient auf die Krankenabteilung gehört und dort von einem Arzt untersucht wird. Hat der Arzt auch nur den leisesten Verdacht auf eine Meningokokken-Infektion, so wird der Patient unverzüglich in ein ziviles Spital eingewiesen.</p><p>Die Angehörigen der Armee werden angehalten, sich im Wochenendurlaub bei medizinischen Problemen beim Hausarzt bzw. Notfallarzt zu melden. Bereits während der Woche erkrankte Angehörige der Armee bleiben, falls sie nicht reisefähig sind, über das Wochenende in der Krankenabteilung. Die medizinische Versorgung in den Krankenabteilungen ist dann auch über das Wochenende gewährleistet. Die Urlaubsregelung für die Sanitätssoldaten entspricht derjenigen der Truppe.</p><p>Eine "vorsorgliche Einweisung" ergibt bei den oben genannten unspezifischen Anfangssymptomen der Erkrankung keinen Sinn, ansonsten die meisten Menschen mit grippalen Infekten hospitalisiert werden müssten. Erst die ärztliche begründete Verdachtsdiagnose rechtfertigt im Zivilen und entsprechend auch im Militär die sofortige Hospitalisation.</p><p>3. Wir besitzen heute leider nur einen Impfstoff gegen die Gruppen A und C. Patienten, die mit Meningokokken der Gruppe B befallen werden, sind trotz Impfung weiterhin ungeschützt. Verschiedene Armeen führen eine Impfung durch, dies aber in Gebieten, wo die Gruppe B praktisch nicht vorkommt. Weil die Gruppe C in Kosovo häufig ist, empfehlen wir den Angehörigen von Swisscoy die Impfung. In der Schweiz ist die Häufigkeit der Gruppe C zurzeit noch zu gering, um eine sofortige Impfung zu empfehlen.</p><p>Bei dieser Frage orientiert sich die Armee an den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). So steht die Untergruppe Sanität für das Problem der Meningokokken-Impfung in engem Kontakt mit den Impfexperten des BAG. Das BAG hat klare, international abgestützte Richtlinien, in welchen Situationen (Häufung der Fälle in einer Region innerhalb eines definierten Zeitintervalles) eine Impfung empfohlen wird.</p><p>An weiteren Massnahmen gibt es zurzeit nur die Möglichkeit der Umgebungsprophylaxe mit einem Antibiotikum bei Auftreten eines Meningokokkenfalles. Eine antibiotische Prophylaxe, z. B. während der ganzen Dauer einer Rekrutenschule, ist aber nicht sinnvoll. Eine länger dauernde Antibiotikumabgabe führt zur so genannten Resistenzentwicklung, d. h., das Medikament verliert seine Wirksamkeit. Zudem hinterlässt die vorübergehende Verabreichung von Antibiotika keinen bleibenden Schutz.</p>  Antwort des Bundesrates.