Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 3. Februar 2022 (810 21 201) ____________________________________________________________________ Übriges Verwaltungsrecht Beschlagnahmung von Katzen / Zweiter Rechtsgang Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Markus Clausen, Hans Furer, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Désirée Stutz , Rechtsan- wältin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Beschlagnahmung von Katzen / Zweiter Rechtsgang (RRB Nr. 690 vom 19. Mai 2020) A. Nach einer Reihe eingegangener Meldungen führte d as Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (ALV) in den Jahren 2018 und 2019 diverse Kontrollen beim Katzenasyl B.____ von A.____ in C.____ durch. In der Folge verfü gte das ALV am 5. April 2019 verschie- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dene Massnahmen. Die von A.____ dagegen erhobenen Rech tsmittel wiesen der Regierungs- rat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) mit Besc hluss (RRB) Nr. 2019-1404 vom 22. Oktober 2019, das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Ab teilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 1. April 2020 (810 2019 296) und das Bundesgericht mit Urteil vom 10. November 2020 (2C_416/2020) im Sinne der Erwägungen kostenpflichtig ab. B. Das ALV führte am 5. August 2019 erneut eine unang emeldete Kontrolle der Katzen- haltung im Katzenasyl B.____ durch. Bei 22 von 57 untersuchten Katzen wurde die Situation als höchst tierschutzrelevant beurteilt (schweres chronisches Lei den und schwere chronische Ver- nachlässigung), woraufhin das ALV aufgrund der hohen T ierschutzrelevanz entschied, die 22 Katzen umgehend superprovisorisch auf Kosten von A.____ z u beschlagnahmen und in eine tierschutzkonforme Haltung und Pflege zu überführen. Der Kantonstierarzt gewährte A.____ vor Ort das rechtliche Gehör und teilte ihm mit, dass im S inne des Tierwohls die aufschiebende Wirkung einer allfälligen Beschwerde gegen diese Sofor tmassnahme entzogen werde. Nach- dem mit Schreiben vom 7. August 2019 A.____ das rechtli che Gehör zur definitiven Beschlag- nahmung der Tiere gewährt worden war und sich dieser a m 22. August 2019 mittels seines Rechtsvertreters geäussert hatte, verfügte das ALV am 3. O ktober 2019 die definitive Be- schlagnahmung der Katzen. C. Gegen die Verfügung des ALV vom 3. Oktober 2019 rei chte A.____ am 17. Oktober 2019 beim Regierungsrat Beschwerde ein. Mit Entscheid vo m 19. Mai 2020 wies der Regie- rungsrat die Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten w urde (Ziff. 1); A.____ wurden Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 500.-- auferlegt (Ziff. 2) und es wurde keine Parteientschädi- gung zugesprochen (Ziff. 3). D. Mit Beschwerde vom 28. Mai 2020 und Beschwerdebegrün dung vom 29. Juli 2020 wandte sich A.____, vertreten durch Christoph Gäumann, Rechtsanwalt, an das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Er stellt die Rechtsbegehren, es seien der Entscheid vom 19. Mai 2020 und die Verfügung des ALV v om 3. Oktober 2019 aufzuheben (Ziff. 1); es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren und es seien damit die Tiere nicht definitiv fremd zu platzieren bzw. zu verkaufen oder zu töten (Ziff. 2); unter o/e- Kostenfolge (Ziff. 3). Zudem beantragte er die Einver nahme von Zeugen sowie die Durchfüh- rung eines Augenscheins und einer Parteibefragung. Er bestritt im Wesentlichen, dass Verstös- se gegen das Tierschutzgesetz vorlägen, welche eine Besc hlagnahmung der Katzen rechtferti- gen würden. Die beschlagnahmten Katzen seien ihm deshalb zurückzugeben. E. Am 2. Juni 2020 wies das Präsidium das ALV an, von V ollzugsmassnahmen abzuse- hen. Mit Verfügung vom 7. September 2020 wurde von Be weismassnahmen abgesehen und die entsprechenden Beweisanträge des Beschwerdeführers wurden abgewiesen. F. Mit Urteil vom 9. Dezember 2020 wies das Kantonsge richt die Beschwerde vom 28. Mai 2020 ab, soweit es darauf eintrat (Ziff. 1). A.____ wurden Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- auferlegt und mit dem geleisteten Ko stenvorschuss in derselben Höhe verrech- net (Ziff. 2). Die Parteikosten wurden wettgeschlagen (Ziff. 3). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Die mit Eingabe vom 17. Februar 2021 erhobene Be schwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten von A.____ hiess das Bundesgericht mit U rteil vom 14. Juli 2021 gut, soweit es darauf eintrat, und hob das Urteil des Kantonsgericht s vom 9. Dezember 2020 auf. Die Sa- che wurde zur Ergänzung des Sachverhalts und zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an das Kantonsgericht zurückgewiesen (Ziff. 1). Es wurde n keine Gerichtskosten erhoben (Ziff. 2) und der Kanton Basel-Landschaft hat dem Besc hwerdeführer für das bundesgerichtli- che Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 2'500.-- zu bezahlen (Ziff. 3). H. Mit Verfügung vom 26. August 2021 holte das Kanton sgericht bei der Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft die Strafakten zum Verfahren MU1 19 2549 ein. I. Mit Schreiben vom 6. September 2021 teilte der bish erige Rechtsvertreter des Be- schwerdeführers mit, dass er sein Mandat per sofort niederlege. J. Desirée Stutz, Rechtsanwältin, teilte mit Schreiben vom 15. September 2021 mit, dass sie vom Beschwerdeführer mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt worden sei, worauf ihr die bisher eingegangenen Akten zur Einsicht zugestellt wurden. K. Mit Verfügung vom 20. Oktober 2021 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und eine Parteiverhandlung mit vorgängigem Augenschein angeordnet. Weiter wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer persönlich zu erscheinen habe und Dr. med. vet. D.____ und Dr. med. vet. E.____ zusätzlich als Ausku nftspersonen zur Parteiverhandlung geladen würden. L. Mit Schreiben vom 15. November 2021 beantragte der Beschwerdeführer die unent- geltliche Rechtspflege. M. Der Beschwerdegegner reichte mit Eingabe vom 16. No vember 2021 eine Kopie der Akten des neuen hängigen Verfahrens betreffend das Gesu ch des Beschwerdeführers auf Er- teilung einer Bewilligung für das Katzenasyl ein. Die e rteilte Bewilligung habe der Beschwerde- führer angefochten, da er mit der Begrenzung auf maximal 30 Katzen nicht einverstanden sei. N. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2021 reichte der Besch werdeführer ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mitsamt den Beilagen ein. O. Das Kantonsgericht hat am 19. Januar 2022 in Anwesen heit des Beschwerdeführers und seiner Rechtsvertreterin, der Kantonstierärztin und einer amtlichen Tierärztin des ALV so- wie der beiden vorgeladenen Auskunftspersonen im Katze nasyl B.____ in C.____ einen Au- genschein durchgeführt. An der anschliessenden Parteiverhan dlung hielten die Parteien an ih- ren schriftlich gestellten Anträgen fest. P. Anlässlich der Parteiverhandlungen vom 19. Januar 2 022 und vom 3. Februar 2022 wurden Dr. med. vet. D.____ und Dr. med. vet. E.___ _ als Auskunftsperson bzw. als Zeuge befragt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Eintretensvoraussetzungen sind, wie bereits im a ufgehobenen Entscheid festge- stellt wurde, gegeben. 2.1 Bei der vorliegenden Angelegenheit handelt es sich um den zweiten Rechtsgang. Das vorgängige Urteil des Kantonsgerichts vom 9. Dezember 202 0 wurde durch das Bundesgericht mit Urteil 2C_169/2021 vom 14. Juli 2021 aufgehoben. Weist das Bundesgericht eine Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurück, ist diese au f diejenige Thematik beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies notwendig ist, um den verbindli- chen Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu tragen. Di e anderen Teile des Urteils ha- ben Bestand und sind in das neue Urteil zu übernehmen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_89/2017 vom 24. November 2017 E. 4.1). 2.2 In seinem Urteil 2C_169/2021 vom 14. Juli 2021 fü hrt das Bundesgericht im Wesentli- chen aus, dass sich gestützt auf die Akten nicht genau sagen lasse, ob die Gebrechen der be- schlagnahmten Katzen von der Haltung des Beschwerdeführ ers stammen würden oder ob die- se gesundheitlichen Probleme aufgrund des Vorlebens der Tiere, die der Beschwerdeführer aus einer prekären Situation gerettet und denen er eine adäquate Zuflucht gegeben habe, bereits vor Eintritt in das Katzenasyl bestanden hätten. Hinsicht lich der Ursachen für den teilweise schlechten Gesundheitszustand der beschlagnahmten Tiere i n der spezifischen Situation eines "Zufluchtheims" sei der massgebende Sachverhalt somit nic ht hinreichend abgeklärt worden. Dieser Aspekt sei für die Beurteilung der Frage, ob de r Beschwerdeführer seine Tiere im Sinne von Art. 24 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes (TSchG) vom 16. Dezember 2005 vernachlässigt habe und somit auch für die Prüfung der Rechtmässigkei t der Beschlagnahme von zentraler Bedeutung. 3. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet demg emäss die Beurteilung der Be- schlagnahme von 22 Katzen, von welchen in der Zwischenze it 17 Katzen verstorben sind. So- weit sich die Beschwerde des Beschwerdeführers auf die Rüc kgabe dieser 17 Katzen bezieht, ist sie somit gegenstandslos geworden. 4.1 Nach Art. 80 Abs. 1 und 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen- schaft (BV) vom 18. April 1999 erlässt der Bund Vorschrif ten zum Schutz der Tiere. Gemäss Art. 120 Abs. 2 BV trägt er der Würde der Kreatur Re chnung. Gemäss Art. 4 Abs. 1 des auf diese beiden Bestimmungen gestützten TSchG hat, wer mi t Tieren umgeht, ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung zu tragen und, soweit es der Verwendungszweck zulässt, für ihr Wohlergehen zu sorgen. Niemand darf ungerechtfer tigt einem Tier Schmerzen, Leid oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten. Das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige Überanstreng en von Tieren ist verboten (Art. 4 Abs. 2 TSchG). Wer Tiere hält oder betreut, muss sie an gemessen nähren, pflegen, ihnen die für ihr Wohlergehen notwendige Beschäftigung und Bew egungsfreiheit sowie soweit nötig Un- terkunft gewähren (Art. 6 Abs. 1 TSchG). Diese materie llrechtlichen Vorschriften des Tier- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schutzgesetzes werden in der Tierschutzverordnung (TSchV) vom 23. April 2008 konkretisiert. So sieht Art. 3 Abs. 1 TSchV vor, dass Tiere so zu halte n sind und mit ihnen so umzugehen ist, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gest ört werden und ihre Anpassungsfähig- keit nicht überfordert wird. Fütterung und Pflege ge lten nach Art. 3 Abs. 3 TSchV dann als an- gemessen, wenn sie nach dem Stand der Erfahrung und de n Erkenntnissen der Physiologie, Verhaltenskunde und Hygiene den Bedürfnissen der Tiere entsprechen. Mit Bezug auf die Pfle- ge hält Art. 5 TSchV fest, dass der Tierhalter das Bef inden der Tiere und den Zustand der Ein- richtungen so oft wie nötig überprüfen muss (Abs. 1 Sa tz 1). Die Pflege soll Krankheiten und Verletzungen vorbeugen und der Tierhalter ist namentl ich dafür verantwortlich, dass kranke oder verletzte Tiere unverzüglich ihrem Zustand entsprec hend untergebracht, gepflegt, behan- delt oder getötet werden (Abs. 2 Satz 1 und 2). Das a rttypische Körperpflegeverhalten darf durch die Haltung nicht unnötig eingeschränkt werden. S oweit es eingeschränkt wird, muss es durch Pflege ersetzt werden (Abs. 3). Bei der Gruppenh altung von Tieren muss die Tierhalterin oder der Tierhalter gemäss Art. 9 Abs. 2 TSchV dem Ver halten der einzelnen Arten und der Gruppe Rechnung tragen (lit. a); soweit nötig für Ausweich ‑ und Rückzugsmöglichkeiten sorgen (lit. b) und für Tiere, die zeitweilig einzeln lebe n, sowie für unverträgliche Tiere separate Unter- künfte oder Absperrgehege bereitstellen (lit. c). 4.2 Art. 24 Abs. 1 TSchG verpflichtet die zuständige B ehörde, unverzüglich einzuschreiten, wenn festgestellt wird, dass Tiere vernachlässigt oder un ter völlig ungeeigneten Bedingungen gehalten werden. Die Behörde kann die Tiere vorsorgli ch beschlagnahmen und auf Kosten der Halterin oder des Halters an einem geeigneten Ort un terbringen. Durch das Instrument des un- verzüglichen Einschreitens gemäss Art. 24 Abs. 1 TSchG ka nn die zuständige Behörde eine gesetzeswidrige Situation sofort beheben, damit das Wo hl der Tiere unverzüglich verbessert wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_416/2020 vom 10. November 2020 E. 4.2.3). Die Mass- nahmen gestützt auf Art. 24 Abs. 1 TSchG können nur ergriffen werden, wenn erstellt ist, dass Tiere vernachlässigt oder unter völlig ungeeigneten Be dingungen gehalten werden. Als Ver- nachlässigung gilt die Missachtung der Fürsorgepflicht gemäss Art. 6 Abs. 1 TSchG, mithin also die Unterlassung einer nach dieser Bestimmung gebotene n Handlung durch eine dafür verant- wortliche Person (Halter oder Betreuer; vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_416/2020 vom 10. November 2020 E. 4.4.1, 2C_878/2019 vom 13. März 2020 E. 2.2). Die Vernachlässigung muss erheblich sein, nicht aber die Folgen des Fehlverhalten s. Ein Tier ist nicht erst dann vernach- lässigt, wenn es nach seinem Zustand nicht mehr lebensfä hig ist oder Gefahr läuft, zu veren- den, sondern schon dann, wenn es unter der fehlenden o der ungenügenden Versorgung und Pflege erheblich leidet oder wenn sein Wohlbefinden in erheblichem Masse eingeschränkt ist. Wie weit die Behörde einschreitet, hängt auch davon ab, ob der Tierhalter im Stande ist, den rechtmässigen Zustand selber wiederherzustellen (Urteil de s Bundesgerichts 2C_ 122/2019 vom 6. Juni 2019 E. 4.2 mit Hinweisen). 5.1 Zu prüfen ist nachfolgend, ob das ALV die 22 Katzen mit Verfügung vom 3. Oktober 2019 zu Recht beschlagnahmt und der Regierungsrat die Rechtmässigkeit dieser Massnahme zu Recht bejaht hat. Dabei gilt speziell zu berücksichtige n, dass das Katzenasyl des Beschwer- deführers unbestrittenermassen ältere, nicht stubenrein e, chronisch kranke, verwilderte sowie psychisch bzw. physisch traumatisierte oder verlassene Katzen aufnimmt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Aus dem Dokument "Situationsbeschrieb: Tierwohl und Tiergesundheit am 5. August 2019" (act. 71), welches im Anschluss an die superprovisori sche Beschlagnahmung am 20. September 2019 durch das ALV erstellt wurde, geht hervor, dass am 5. August 2019 im Katzenasyl 57 Katzen gezählt und triagiert worden seien . Bei 40 Katzen seien gesundheitliche Mängel festgestellt worden. Die grosse Anzahl Katzen, die an Maulschleimhaut- und Zahn- fleischentzündungen oder an Problemen im Zusammenhang mit dem Gebiss gelitten hätten und sich dadurch nicht selber hätten säubern können, sow ie die ebenfalls grosse Anzahl Kat- zen, welche an Augen- und Nasenausfluss gelitten hätte n, habe auf ein chronisches, schwer- wiegendes Managementproblem im Katzenasyl hingedeutet. Die Katzen seien offensichtlich nicht artgerecht betreut worden und hätten aufgrund der fehlenden Betreuung, Pflege und me- dizinischen Therapie tierschutzrelevante Symptome aufgewies en. Viele Katzen hätten zum Zeitpunkt der Beschlagnahme unter dem sog. Katzenschnup fenkomplex gelitten, einer Infekti- onskrankheit, welche durch Viren und Bakterien verursac ht werde. Infolge Stress, hohen Infek- tionsdrucks und schlechter Haltungsbedingungen habe sich diese Infektionskrankheit unter den Katzen im Katzenasyl verbreitet. Breche diese Krankheit in einem Tierheim aus, seien sofortige Quarantäne- und Bekämpfungsmassnahmen angezeigt. Die be troffenen Katzen hätten veteri- närmedizinisch behandelt werden müssen und einer besonde ren pflegerischen Unterstützung bedurft. Dasselbe habe für Tiere gegolten, die Träger von Giardien gewesen seien. Überdies habe eine hohe Anzahl Katzen Ohrmilben aufgewiesen, w as ebenfalls deutlich zeige, dass die Pflege der Katzen und die Hygiene in den Räumlichkeiten stark vernachlässigt worden seien. Diese Erkrankung sei für das Einzeltier sehr belastend (st arker Juckreiz und dadurch bedingtes Kratzen bis zur Selbstmutilation). Durch geeignete Betr euung, Behandlung und Hygiene wäre diese verhindert worden. Bei Tieren mit Einzeltiererkr ankungen (Bauchhernie, Krebs, Innenohr- problematik etc.) seien die Symptome sehr deutlich von aussen zu erkennen gewesen. 5.3 Anlässlich seiner Befragung am 19. Januar 2022 führ t Dr. med. vet. D.____, Belegtier- arzt im Tierheim F.____, aus, dass alle 22 Katzen krank un d teilweise in einem sehr schlechten Zustand gewesen seien. Alle Krankheiten seien behande lbar gewesen und hätten unbedingt behandelt werden müssen, um das Leiden der Tiere zu m ildern und den weiteren Verlauf der Krankheit zu stoppen. Die Ohrenentzündungen und die Ohrmilben seien einfach behandelbar. Die Ohrenmilben würden sich langsam verteilen, was bedeute, dass dieses Problem schon lan- ge bestanden habe und nicht angegangen worden sei. Di e Haltung dieser 22 Katzen sei nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar gewesen, die angemessene Begleitung und das Controlling hätten gefehlt. Zum Katzenschnupfenkomplex hält Dr. me d. vet. D.____ weiter fest, dass dies eine Infektionskrankheit sei, welche behandelbar, aber teilweise nicht heilbar sei. Nicht heilbar sei der Katzenschnupfen, wenn die Gruppen zu gross oder in stabil seien. Der Beschwerdefüh- rer habe im August 2019 keine stabilen Gruppen gehabt. Die kranken Katzen seien nicht isoliert und von den gesunden Katzen getrennt worden, was dazu geführt habe, dass sich der Katzen- schnupfen habe ausbreiten können und eine Heilung der angesteckten Katzen erschwert bzw. unmöglich geworden sei. Gleiches gelte in Bezug auf die Ohrenmilben. Die Katzen seien ver- nachlässigt worden und es sei leicht zu erkennen gewese n, dass die Katzen krank gewesen seien. Sie seien mager gewesen, hätten schlechtes Fell, massive Maulentzündungen, Durchfall und Ohrenmilben gehabt. Zur Liegenschaft des Beschwer deführers, welches anlässlich des Augenscheins am 19. Januar 2022 besichtigt wurde, hält Dr. med. vet. D.____ weiter fest, dass Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dort nicht mehr als 30 Katzen gehalten werden könnten und es kein Vergleich mehr sei zum Zustand im Herbst 2019. Er sei der Ansicht, der Beschwerd eführer wolle das Beste machen, das Controlling im Katzenasyl habe aber gefehlt. Abschl iessend stellte Dr. med. vet. D.____ fest, dass alle 22 Katzen, welche er untersucht habe, behandlungsbedürftig gewesen seien und Krankheiten aufgewiesen hätten, welche bereits vorher hätten behandelt werden können und müssen. Es sei davon auszugehen, dass sich alle 22 Katzen im Katzenasyl des Beschwerde- führers angesteckt hätten. Im September 2019 hätten er und sein Team neun der 22 Katzen erlösen müssen, das Leiden dieser neun Tiere sei nicht me hr mit dem Tierschutz vereinbar ge- wesen, weshalb er sich in Absprache mit dem ALV zu di esem Schritt entschieden habe. Die anderen Katzen hätten sich gut erholt und seien währen d ihres Aufenthaltes im Tierheim auf- grund ihres Alters oder altersbedingter Krankheiten gestorben. Den fünf Katzen, die heute noch lebten, gehe es sehr gut. 5.4 Die amtliche Tierärztin des ALV, med. vet. G.___ _, führt anlässlich der Parteiverhand- lung vom 19. Januar 2022 aus, dass am 5. August 2019 ru nd 60 Katzen untersucht worden seien. Der Infektionsdruck sei wegen der grossen Anzahl Katzen sehr hoch gewesen. Be- schlagnahmt habe man nur die klinisch kränksten Katzen. D ie klinische Symptomatik der Krankheiten habe gezeigt, dass die Katzen über eine längere Zeit vernachlässigt worden seien. Weiter sei die Gruppenzusammensetzung der Katzen schlech t gewesen. Es sei weder nach Alter noch nach bestehenden Krankheiten unterschieden worden und es seien dominante dicke mit dominierten mageren Katzen zusammen gewesen. Sofe rn vorgeschädigte Katzen in ein Heim kämen, müsse man sie zuerst isolieren und anschliessend in einer geeigneten Gruppe angewöhnen. Wichtig sei, die Gruppendynamik gut zu b eobachten, dies gelte insbesondere bei kranken und älteren Katzen. Allenfalls müsse man die Gruppenzusammensetzung ändern. Dies habe der Beschwerdeführer jedoch nicht gemacht. Der Be schwerdeführer habe alte und chro- nisch kranke Tiere bei sich aufgenommen. Um solche Tiere m üsse man sich besonders küm- mern und sie sofort separieren, wenn ansteckende Krank heiten im Bestand zirkulierten. Man müsse diese Tiere schützen. Der Beschwerdeführer sei mehrm als gewarnt worden und man habe ihm aufgezeigt, was er in seinem Katzenasyl ändern müsse. Man habe dem Beschwerde- führer sehr viel Zeit eingeräumt, um die Mängel zu beh eben. Den Tieren sei es jedoch immer schlechter gegangen. 5.5 Die Kantonstierärztin, Dr. med. vet. H.____, füh rt zudem an, dass der Beschwerdefüh- rer keine Bewilligung für sein Katzenasyl gehabt habe. Damals habe man auch noch keine sol- che Bewilligung gebraucht. Mittlerweile habe er ein Gesuch gestellt und ihm sei eine Bewilli- gung für das Halten von 30 Katzen in den Räumlichkeiten des Katzenasyls ausgestellt worden. 5.6 Dr. med. vet. E.____ gibt anlässlich seiner heutige n Befragung an, dass er seit Oktober 2018 der Tierarzt des Katzenasyls sei. Am Anfang habe er im Katzenasyl einen Rundgang ge- macht, um die Katzen genauer anzusehen. In der Praxis seien dann Blutkontrollen durchge- führt, Zähne saniert sowie kleinere Operationen gemach t worden. In der Zeit von April bis Au- gust 2019 sei er zwei Mal im Katzenasyl gewesen. Der Beschw erdeführer habe die Katzen je- weils zu ihm in die Praxis gebracht, da man vor Ort nic ht viel machen könne. Wenn der Be- schwerdeführer ihn ins Katzenasyl bestellt habe, habe er sich die betreffende Katze angeschaut Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und wenn ihm noch etwas bei einer anderen Katze aufge fallen sei, habe er diese auch unter- sucht. Er habe aber nicht bei jedem Besuch alle Katzen untersucht und er habe auch nicht je- den Monat alle Katzen gesehen. Dr. med. vet. E.____ führt weiter aus, dass es in diesem Zu- fluchtsheim nicht eine einzige gesunde Katze gebe und e s bei diesen Tieren nur darum gehe, ob sie sterben müssten oder nicht. Im Katzenasyl habe er Katzen mit Katzenschnupfen festge- stellt. Diese Katzen hätten chronischen Katzenschnupfen g ehabt und seien austherapiert ge- wesen. Es habe sich nur die Frage gestellt, ob diese Tie re eingeschläfert werden müssten oder nicht. Ein bakterieller Katzenschnupfen sei nicht ansteck end. Zudem seien die meisten Katzen gegen Katzenschnupfen geimpft. Den Impfstatus der Kat zen habe er nicht kontrolliert. Er glau- be nicht, dass es einen akuten Ausbruch von Katzenschnupfen gegeben habe. Ohrenmilben gebe es immer in solchen Betrieben. Diese Krankheit we rde behandelt und es wäre gut, wenn man eine Quarantäne machen würde, da die Ohrenmilben hochansteckend seien. Da er nicht alle Katzen gesehen habe, könne er auch nicht beurteil en, ob alle Katzen Ohrenmilben gehabt hätten. Zudem habe er keine Tiere beobachtet, welche n icht in seiner Krankenakte stehen wür- den. Er habe auch den Chip einer Katze nicht abgelesen, bevor er sie untersucht habe. Er habe sich auf die Aussagen des Beschwerdeführers verlassen. Dr. m ed. vet. E.____ gibt weiter an, dass er gewisse Katzen früher einem Tierarzt vorgestellt hätte, als dies der Beschwerdeführer getan habe, er sei aber der Meinung, das Controlling des Katzenasyls obliege dem Inhaber. Zahnprobleme bei Katzen seien so früh wie möglich eine m Tierarzt zu zeigen. Die Gruppen- grösse sei immer ein Problem. Katzen seien keine Rude ltiere. Je kleiner die Katzengruppe sei, desto besser sei dies für die Tiere, insbesondere wenn es einer Katze nicht gut gehe. Die Re- duktion des Bestandes habe sicher etwas gebracht. Den Zu stand der 22 Katzen zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung könne er nicht beurteilen. Zum Hau s, in welchem sich das Katzenasyl befindet, führt Dr. med. vet. E.____ aus, dass die dortigen baulichen Bedingungen im Jahr 2019 sicher an der obersten Grenze gewesen seien für 60 Tiere . Es sei ein grosser Aufwand betrie- ben worden, das Wohnhaus des Beschwerdeführers zu einem Katzenheim umzugestalten, und jetzt sei das Haus in Ordnung für die Katzen. Der Beschwerdeführer sei ihm immer bemüht vor- gekommen und habe alles richtigmachen wollen. Der Beha ndlungs- und Betreuungsaufwand für die Katzen im Asyl hänge stark damit zusammen, wie de r Gesundheitszustand der einzel- nen Katzen sei und wie viele Katzen gleichzeitig behandelt werden müssten. 6.1.1 Dem Beschwerdeführer ist dabei zuzustimmen, dass die Feststellung der Schmerzen oder Leiden der Katzen schwierig ist und Unsicherheiten mit sich bringt (vgl. RITA JEDELHAUSER , Das Tier unter dem Schutz des Rechts, Diss. 2011, S. 241) . Wie sich anlässlich der Parteiver- handlungen gezeigt hat, bestehen auch rund um die Be handlung der tierischen Leiden ver- schiedene Meinungen (vgl. E. 5.3, 5.4 und 5.6 hiervor) . Die beschlagnahmten 22 Katzen wur- den am 5. August 2019 von einer amtlichen Tierärztin u nd deren Team triagiert (vgl. Plädoyer Kantonstierärztin vom 19. Januar 2022, act. 52 und act. 59) und anschliessend im Tierheim F.____ von Dr. med. vet. D.____ mit seinem Team tierm edizinisch untersucht. Dr. med. vet. E.____ gibt an, dass er den Gesundheitszustand der 22 Katzen zum Zeitpunkt der Beschlag- nahme nicht beurteilen könne (vgl. E. 5.6). Zudem hat er die Hälfte der beschlagnahmten Kat- zen nie untersucht (vgl. E. 6.2.3 hiernach). Demzufolge ist zur Beurteilung des Zustands der 22 Katzen zum Zeitpunkt der Beschlagnahme insbesondere auf die Pflegeberichte (act. 63), die Aussagen von Dr. med. vet. D.____, die Aussagen der amtl ichen Tierärztin (vgl. E. 5.4 hiervor) Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und den "Situationsbeschrieb: Tierwohl und Tiergesundh eit am 5. August 2019" (act. 71) abzu- stellen. Den Pflegeberichten vom 5. August 2019 (act. 63 ) lässt sich entnehmen, dass sieben Katzen mit Katzenschnupfen in Quarantäne untergebrac ht und teilweise in Kombination mit Gebisssanierungen behandelt werden mussten. Mehr als die Hälfte der Katzen hatte Nasen- und/oder Augenausfluss. Zwei Katzen wiesen einen schlechte n Allgemeinzustand auf und wa- ren mager. Acht Katzen hatten eine Zahnsanierung dri ngend nötig und teilweise zusätzlich ein Zungengeschwür. Zungengeschwüre wiesen weitere zwei Kat zen auf und drei Katzen mussten aufgrund ihres Verhaltens gesundheitlich abgeklärt werden. Bei allen 22 Katzen wurden Ohren- entzündungen durch Ohrenmilben entweder nachgewiesen oder vermutet. Dr. med. vet. D.____ führte anlässlich seiner Befragung aus, dass der Katzensc hnupfenkomplex insbesondere zu eitrigem Nasenausfluss und massiven schmerzhaften Maulent zündungen bis in den Gaumen führe. Die Katzen seien mit Kot verschmutzt gewesen, we il die Selbstreinigung durch die Maul- entzündungen nicht mehr funktioniert habe. Den Pfleg eberichten vom 5. August 2019 lässt sich ebenfalls entnehmen, dass das Fell bei rund der Hälfte der Katzen dreckig und verfilzt war. Die amtliche Tierärztin gab im Rahmen ihrer Befragung am 19. Januar 2022 an, dass die beschlag- nahmten Katzen klinisch krank gewesen und nur die kränksten mitgenommen worden seien (vgl. E. 5.4 hiervor). Dem "Situationsbeschrieb: Tierw ohl und Tiergesundheit am 5. August 2019" (act. 71) ist ebenfalls zu entnehmen, dass die 22 Tiere aufgrund des sehr schlechten Allgemeinzustands, verbunden mit schlechter Pflege, feh lender oder ungenügender tiermedizi- nischer Betreuung und des Vorliegens ansteckender Infekti onskrankheiten (Katzenschnupfen- komplex, Ohrmilben) beschlagnahmt worden seien (vgl. E . 5.2 hiervor). Gestützt darauf ist er- stellt, dass alle Tierärztinnen und Tierärzte, welche di e 22 Katzen im Zeitraum der Beschlag- nahme untersucht haben, zum Schluss gekommen sind, dass di ese Katzen zum Zeitpunkt der Beschlagnahme klinisch krank waren. 6.1.2 Der Beschwerdeführer bestreitet die Diagnosen in den Pflegeberichten vom 5. August 2019 grundsätzlich nicht. Er bringt dagegen vor, dass die Katzen aufgrund ihres Al- ters oder einer vorbestehenden chronischen Krankheit in einem schlechten gesundheitlichen Zustand gewesen seien und er diese gesundheitlichen De fizite nicht hätte beheben können. Belege, aus welchen der Gesundheitszustand der 22 Katze n beim Eintritt ins Katzenasyl her- vorgeht oder allfällige Vorerkrankungen vermerkt sind, si nd weder in den Akten enthalten noch reicht der Beschwerdeführer solche ein. Der Katzenliste (Stand 9. Oktober 2018, act. 0), lässt sich lediglich entnehmen, weshalb gewisse Tiere ins Ka tzenasyl gekommen sind (Tod der Be- sitzer, Wohnungswechsel der Besitzer, Besitzer im Altershe im, Unsauberkeit, etc.). In seiner Beschwerde listet der Beschwerdeführer in allgemeiner Form diverse Erkrankungen (Nierenun- terfunktion, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes usw.) od er Einschränkungen (extrem scheue, unsaubere, aggressive, blinde, taube Katzen oder Katze n, welchen eine Gliedmasse fehlt) auf, an welchen die Katzen in seinem Katzenasyl leiden würden. Zu keiner der 22 beschlagnahmten Katzen gibt der Beschwerdeführer an, welche chronische L eiden diese gehabt hat und wie die- se Leiden im Zusammenhang mit den im August 2019 tierä rztlich festgestellten Krankheiten steht. Entscheidend ist jedoch, dass die 22 Katzen zum Zei tpunkt der Beschlagnahme klinisch krank waren und aufgrund dieser in E. 6.1 erwähnten K rankheiten beschlagnahmt wurden. Kei- ne der 22 Katzen wurde ausschliesslich wegen den vom Beschw erdeführer allgemein aufge- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht führten Vorerkrankungen beschlagnahmt (vgl. E. 6.1 hi ervor, act. 57, Bilder der Katzen bei der Eintrittskontrolle im Tierheim F.____). 6.2.1 Die vorwiegend alten und chronisch kranken Katzen i m Katzenasyl bedürfen aufgrund ihrer Vorbelastung einer ihrem Zustand angemessenen tie rmedizinischen Überwachung, Be- treuung und intensiven Pflege (vgl. E. 4.1, 5.3 und E . 5.4 hiervor sowie Urteil des Bundesge- richts 2C_416/ 2020 vom 10. November 2020 E. 4.4.4). E s ist namentlich zu vermeiden, dass diese Tiere Stress und grosser Belastung ausgesetzt sind (vgl. E. 5.3 und E. 5.4 hiervor). Wie bereits in der Verfügung des ALV vom 5. April 2019 i n Ziffer 4 verlangt und von der Kantons- tierärztin sowie von Dr. med. vet. D.____ ausgeführt w urde, ist insbesondere auf die Gruppen- zusammensetzung zu achten. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Katzengruppen nicht zu gross und in ihrer Zusammensetzung stabil sind, wodurch d ie Verbreitung von Krankheiten kontrolliert, der Infektionsdruck verringert und der St ress für die einzelnen Tiere deutlich mini- miert werden kann (vgl. E. 5.3, 5.4 und 5.6 hiervor). Im Rahmen der Kontrolle im Katzenasyl am 5. August 2019 wurden mehrere Katzen in den Gängen, dem Treppenhaus und der Futterküche gehalten, wobei die Einrichtungen in diesen Bereichen schlecht gewartet und kaum strukturiert waren (vgl. act. 71). Zudem hielten sich entgegen der A nweisung in Ziffer 6 der Verfügung vom 5. April 2019 die Katzen mehrheitlich in der Futterküch e auf, was aus hygienischen Gründen höchst problematisch ist, da sich Infektionserreger so in der ganzen Katzenpopulation ausbrei- ten können (vgl. act. 71). Der tierärztlich festgestellte bzw. vermutete Ohrenmilbenbefall bei den 22 beschlagnahmten Katzen deutet ebenfalls darauf hin, dass der Beschwerdeführer über län- gere Zeit keine stabilen Katzengruppen hatte und sich die Krankheit somit unkontrolliert aus- breiten konnte (vgl. E. 5.3, 5.4 und 5.6 hiervor). Dies ergibt sich namentlich aus der Triagenliste vom 5. August 2019 (act. 52), wonach die 22 beschlagnah mten Katzen aus allen fünf Aufent- haltsbereichen im Katzenasyl stammen (Treppenhaus, Raum 4, EG 1, EG 2 und OG 2). Entge- gen der Auflage, einen Quarantäneraum im Katzenasyl zu errichten, um infektiöse Katzen iso- lieren zu können (vgl. Verfügung vom 5. April 2015 Ziffer 7), wurden die kranken Katzen im Kat- zenasyl nicht isoliert und von den gesunden Katzen get rennt. Dies hat unter anderem dazu ge- führt, dass sich der Katzenschnupfen insbesondere unter den ungeimpften Katzen ausbreiten konnte und eine Behandlung sowie Erholung der angesteckt en Katzen erschwert bzw. unmög- lich geworden ist (vgl. Plädoyer der Kantonstierärztin am 3. Februar 2022 sowie E. 5.4 und E. 5.3 hiervor). Auch kranke Katzen, welche austherapie rt sind, müssen ihrem Zustand ent- sprechend adäquat untergebracht werden. Nicht nur die am Katzenschnupfenkomplex leiden- den Tiere, sondern auch die anderen kranken Katzen, welche beschlagnahmt wurden, lebten in instabilen Gruppen und waren dadurch unnötigem zusätzli chen Stress (dominante und domi- nierte sowie dicke und dünne Katzen zusammen, vgl. E. 5.4 hiervor), grossen Belastungen durch die hohe Katzendichte und einem grossen Infektion sdruck ausgesetzt. Durch die fehlen- de konsequente Gruppenstruktur und die fehlende Quara ntäne oder Isolation hat der Be- schwerdeführer die ohnehin schon vorbelasteten Tiere we iterem unnötigen Stress ausgesetzt, obschon er wusste, dass seine Katzen chronisch krank, alt u nd teilweise traumatisiert (vgl. Be- schwerde vom 29. Juli 2020) und zudem nicht alle Katzen in seinem Katzenasyl geimpft waren (vgl. Protokoll der Einvernahme des Beschwerdeführers vom 8. April 2021). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.2 Das Fehlen von stabilen Katzengruppen erschwert zud em die Übersicht über rund 60 Katzen und das entsprechende Controlling deutlich. Dad urch kann die jedem Tier zustehende angemessene Pflege nicht sichergestellt werden, sofern ni cht genügend ausgebildetes Perso- nal vorhanden ist. Der Beschwerde ist zu entnehmen, dass i m Katzenasyl eine angelernte Tier- pflegerin (80 – 100% Pensum) sowie eine ehrenamtliche Mitarbeiterin (für Fellpflege und Admi- nistration), welche ein bis zwei Mal in der Woche anwese nd sei, sowie ein Springer im Notfall und eine Tierpflegerin EFZ (Wildtiere) beschäftigt g ewesen seien (vgl. Beschwerdebeilage Nr. 3). Gestützt auf diese Angaben ist davon auszugehen , dass im Zeitpunkt der Beschlagnah- me nur eine ausgebildete Tierpflegerin angestellt war , wobei ihr Arbeitspensum nicht vermerkt ist. Die anderen Mitarbeitenden waren angelernte ode r ungelernte Tierpflegende und in teilwei- se sehr kleinen Pensen oder nur im Notfall anwesend. Z ur Organisation der Tierpflege in sei- nem Katzenasyl hält der Beschwerdeführer fest, dass die F ütterung der Tiere durch ihn erfolge und sich die Angestellten um die Reinigung der Infrast ruktur und die Betreuung der Katzen kümmern würden. Was die Betreuung der Katzen beinhal tet, geht aus den Vorbringen des Be- schwerdeführers hingegen nicht hervor. Auch wenn bei der Betreuung von einem Minimalstan- dart ausgegangen wird, müssen die personellen Ressourcen im Katzenasyl zum Zeitpunkt der Beschlagnahme als ungenügend angesehen werden, um bei jeder einzelnen der rund 60 Kat- zen deren gesundheitlichen Zustand und das Allgemeinb efinden täglich zu überprüfen und all- fällige Mängel oder Krankheiten rasch zu erkennen und z u behandeln (vgl. Ziffer 1 der Verfü- gung vom 5. April 2019 und Urteil des Bundesgerichts 2C _416/2020 vom 10. November 2020 E. 4.4.4). Das zeigt zum einen der Umstand, dass sich di e Katzenpopulation im Katzenasyl er- holen konnte, nachdem der Bestand reduziert worden war und die besonders schwer erkrank- ten Tiere beschlagnahmt worden waren (vgl. act. 75 u nd 75a, Informationsschreiben und Ak- tennotiz betreffend Nachkontrolle durch das ALV am 9. Oktober 2019). Zum anderen wird diese Einschätzung dadurch bestätigt, dass dem Beschwerdeführer mittlerweile eine Bewilligung für eine gewerbsmässige Tierhaltung für lediglich 30 Katzen erteilt wurde, und zwar primär man- gels nötiger personeller Ressourcen zum Halten von mehr Tieren (vgl. Eingabe des Beschwer- degegners vom 16. November 2021). 6.2.3 Seiner Beschwerde legte der Beschwerdeführer le ere Tabellen zu verschiedenen Auf- gaben und zu Anleitungen für Arbeiten im Katzenasyl bei (vgl. Beschwerdebeilage Nr. 4), wel- che jedoch entweder nicht oder vom 25. bzw. 28. Novemb er 2019 datiert sind und somit von der Zeit nach der Beschlagnahme stammen. Obwohl der Be schwerdeführer wiederholt betont, dass er in seinem Katzenasyl insbesondere ältere und c hronisch kranke Katzen aufnimmt, wel- che aufgrund ihres Zustands regelmässig untersucht und kont rolliert werden müssten, macht der Beschwerdeführer keine Angaben zu individuellen Pflege- und Massnahmeplänen oder zum Ablauf und Umfang der medizinischen Behandlung seiner Katzen. Entgegen seinen Angaben in der Beschwerde ist der Beschwerdeführer der Aufforderu ng des ALV, dass alle Katzen des Katzenasyls bis auf weiteres einmal monatlich vom zuständi gen Tierarzt kontrolliert werden müssen (vgl. Verfügung des ALV vom 5. April 2019 Ziffer 2), nicht nachgekommen und Dr. med. vet. E.____ war in der Zeit zwischen April u nd August 2019 nur zwei Mal im Katzen- asyl zur Kontrolle (vgl. Krankenakten B.____ von Dr. med. vet. E.____ und E. 5.6 hiervor). Dr. med. vet. E.____ hat von den 22 beschlagnahmten Ka tzen nur die Hälfte überhaupt jemals untersucht, und von diesen wurden lediglich vier in de n zwei Monaten vor der Beschlagnahme Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Tierarzt vorgestellt. Die Untersuchung der anderen Katzen lag länger als zwei Monate zu- rück (vgl. Krankenakten zum Katzenasyl B.____ von Dr. med. vet. E.____). Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen war eine nach Art. 5 TSchV gefo rderte stabile Überwachung sowie eine individuelle medizinische Pflege und Betreuung de r einzelnen Katzen im Katzenasyl bis zur Kontrolle am 5. August 2019 somit nicht gewährleist et, wodurch die Tiere in ihrem Wohlbe- finden in erheblichem Masse eingeschränkt wurden. 6.3.1 Der Beschwerdeführer konnte während rund eines Ja hres trotz mehrmaliger Aufforde- rungen durch das ALV und der Einrichtung eines Bestan destierarztes die Situation der 22 Kat- zen nicht verbessern. Insbesondere die Zahnprobleme der K atzen waren dem Beschwerdefüh- rer bekannt (vgl. Protokoll der Einvernahme des Beschwe rdeführers vom 8. April 2021). Diese Zahnerkrankungen sind sehr schmerzhaft und zeitnah von einem Tierarzt zu behandeln, da der Krankheitsverlauf schlimmer wird, wenn die Krankheit n icht behandelt wird (vgl. Vernehmlas- sung des ALV an den Regierungsrat vom 4. März 2020 und E. 5.6 hiervor). Allein in den Mona- ten Oktober und November 2019 wurden bei fünf der besch lagnahmten Katzen Zahnsanierun- gen vorgenommen (vgl. Bericht von Dr. med. vet. D.____ vom 26. Dezember 2019), was deut- lich den Handlungsbedarf aufzeigt. Für die Behandelbar keit der Krankheiten spricht zudem, dass die Katzen im Tierheim medizinisch behandelt wurden (vgl. Medikamentenliste "Quarantä- ne Schnupfen" und act. 63) und sie sich während ihres Ti erheimaufenthaltes grösstenteils gut erholt haben (vgl. E. 5.3 hiervor, act. 63). Die fünf noch lebenden Katzen können nach Aussage der Kantonstierärztin mittlerweile sogar vermittelt we rden. Insbesondere Ohrmilben und Zahn- sanierungen waren behandelbar und der Katzenschnupfenko mplex sowie die Giardien hätten mindestens gemildert werden können. Ansteckende Infektio nskrankheiten (Ohrenmilben, Kat- zenschnupfenkomplex, Giardien) wurden nicht bekämpft und ein erneutes Ausbrechen und die Weiterverbreitung insbesondere unter den ungeimpften Katzen wurden durch instabile Grup- penzusammensetzung und fehlende Quarantäne begünstigt (vgl. E. 6.2.2 und E. 6.2.3 hiervor). Tiere mit Gebissproblemen (Zahnstein, Maulschleimhauten tzündungen, offene Zahnwurzel) wurden nur ungenügend therapiert und teilweise nicht oder schon länger nicht mehr einem Tierarzt vorgestellt (vgl. Krankenakte B.____ und Pflege berichte vom 5. August 2019). Dem Einwand des Beschwerdeführers, dass bei gewissen Tieren die medizinische Behandlung un- mittelbar vor der Beschlagnahme begonnen habe, ist entg egenzuhalten, dass der Beschwerde- führer während fast einem Jahr immer wieder auf die gesundheitlichen Mängel seiner Katzen hingewiesen wurde und er eine Behandlung früher hät te beginnen können bzw. müssen. Er macht nicht geltend, dass die Krankheiten erst kurz vor de r Beschlagnahme ausgebrochen sei- en. Auch das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach sic h die Katzen im Tierheim nicht erholt hätten und eine Katze nach zwei Monaten immer n och Augenausfluss gehabt habe, ver- mag nicht zu überzeugen, zumal der Besserungsprozess be i derart fortgeschrittenen unbehan- delten Erkrankungen sicher länger dauert. Vor dem Hinte rgrund der vorstehenden Erwägungen ist erstellt, dass die gesundheitliche Situation der einze lnen Katzen, welche schliesslich zur Be- schlagnahme geführt hat (vgl. E. 6.1 hiervor), teilwei se durch Ansteckung und insbesondere durch ungenügende Pflege im Katzenasyl entstanden ist. 6.3.2 Der Beschwerdeführer nimmt in seinem Katzenasyl ü berwiegend kranke, alte, trauma- tisierte und verwilderte Tiere auf. Diese Tiere müssen aufgrund ihrer Vorbelastung besonders Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht geschützt werden (vgl. E. 5.4 hiervor, Urteil des Bund esgerichts 2C_416/2020 vom 10. November 2020 E. 4.4.4) und es wäre am Beschwerdef ührer gelegen, den kranken Katzen in seinem Katzenasyl die erforderliche Behandlung zukommen zu lassen und sie ihrem Zustand entsprechend unterzubringen und zu pflegen (Art. 5 A bs. 2 TSchV), was in Anbetracht der fest- gestellten gesundheitlichen Verfassung der 22 Katzen (vg l. E. 6.1 hiervor) bei diesen nur unge- nügend erfolgte. Es oblag dem Beschwerdeführer, sein Katzenasyl so zu führen und zu organi- sieren, dass er seiner Fürsorgepflicht in genügendem Masse nachkommen kann. Insbesondere setzt ein grosser Tierbestand einen entsprechend grössere n Personaleinsatz für die tierschutz- konforme Haltung voraus und die Tierhalterpflichten sowi e die Tierschutzbestimmungen müs- sen unabhängig von der Infrastruktur und dem Pflegeauf wand eingehalten werden (vgl. Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 6 Abs. 1 TSchG, J EDELHAUSER , a.a.O., S. 117). In Anbetracht der vorstehend dokumentierten schwerwiegenden Mängel lag im Zeitpun kt der Beschlagnahme keine tier- schutzrechtlich konforme Haltung der 22 Katzen vor. Vielmeh r lag seitens des Beschwerdefüh- rers ein mangelhaftes Controlling vor und der Bestand von damals rund 60 Katzen war zu gross, einerseits gemessen an den zur Verfügung stehenden R äumlichkeiten, andererseits ge- messen an den gegebenen personellen Ressourcen. Dem ALV sowie dem Regierungsrat ist dabei zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer seine Fürsorge pflicht gemäss Art. 6 Abs. 1 TSchG verletzt hat und die 22 beschlagnahmten Katzen im S inne von Art. 24 Abs. 1 TSchG erheblich vernachlässigt wurden. 7.1 Eine definitive Beschlagnahme kommt in Betracht, w enn die zuständige Behörde nach sorgfältiger Prüfung zum Schluss kommt, dass der Tierhalt er auch in Zukunft nicht in der Lage sein wird, angemessen für das Tier zu sorgen (Urteil d es Bundesgerichts 2C_122/2019 vom 6. Juni 2019 E. 4.3). 7.2 Trotz der am 22. Oktober 2018 durch das ALV ergang enen Aufforderung zur Umset- zung der Sofortmassnahmen vom 24. September 2018 sowie einer erneuten Kontrolle des ALV am 1. Februar 2019, anlässlich welcher mehrheitlich kran ke Katzen mit Augen- und Nasenaus- fluss, hervorstehendem drittem Augenlid, stumpfem Fell und reduziertem Allgemeinzustand sowie apathische Katzen (vgl. act. 24 und act. 26) anget roffen wurden, ergab die Kontrolle am 5. August 2019 das gleiche Bild der Katzen im Katzenas yl, was vom Beschwerdeführer grund- sätzlich auch nicht bestritten wird. Der Beschwerdeführer l egt nicht dar und es sind den Akten keine Hinweise dafür zu entnehmen, wie er in der Zeit zwischen Oktober 2018 und August 2019 die erforderlichen Behandlungen gewährleistet hat, de n pflegerischen Bedürfnissen seiner Kat- zen nachgekommen ist und versucht hat, die festgestellt en Leiden zu lindern und allenfalls zu beheben. Vielmehr geht aus den Akten hervor, dass er vo n den 22 beschlagnahmten Katzen nur die Hälfte dem Bestandestierarzt gezeigt und dieser in der Zeit von April bis August 2019 lediglich zwei Mal im Katzenasyl einen Rundgang gemacht hat (vgl. E. 6.2.3 hiervor). Am 2. Mai 2019 führte Dr. med. vet. E.____ im Katzenasyl eine Tr iage durch und bei 16 der 22 Katzen wurden Sofortmassnahmen insbesondere in Bezug auf die Zähne vermerkt (vgl. Tabelle: Triage Katzen, Katzenasyl B.____ 2. Mai 2019). Bis im August 2 019 wurden jedoch nur 4 der 16 Kat- zen bei Dr. med. vet. E.____ in diesem Zusammenhang b ehandelt (vgl. Krankenakten B.____ von Dr. med. vet. E.____). Unklar ist, ob es sich dabei u m aktuelle Sofortmassnahmen gehan- delt hat oder ob die Tabelle nicht aktualisiert wurde und es sich um die Sofortmassnahmen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht handelte, welche bereits in der Triage vom 8. Oktober 2018 festgehalten wurden (vgl. Tabelle: Triage Katzen, Katzenasyl B.____ vom 8. Oktober 2018 u nd vom 7. März 2019 und act. 52). Gemäss Bericht des ALV vom 20. September 2019 war der schlechte Zustand der Katzen auf eine Überforderung des Beschwerdeführers und seiner Mita rbeitenden und/oder auf ungenü- gende Wahrnehmung der bestehenden Probleme zurückzuführ en (act. 71). Angesichts der Verantwortung des Beschwerdeführers für das Wohlergehe n der Katzen in seinem Katzenasyl kommt es jedoch nicht darauf an, aus welchen Gründen e r dieser Verantwortung nicht genü- gend nachgekommen ist. Dem Beschwerdeführer ist dabei zu zustimmen, dass im Rahmen der Kontrolle des ALV vom 9. Oktober 2019 eine Verbesser ung des Zustands im Katzenasyl fest- gestellt wurde. Jedoch wurde diese Entwicklung auf die Be standesreduktion zurückgeführt (vgl. act. 75 und 75a). Der Beschwerdeführer macht weit er geltend, es sei dem ALV nur darum gegangen den Bestand zu reduzieren. Dem ist grundsätzlich nicht zu widersprechen, zumal es dem ALV offenbar darum ging, im Katzenasyl des Beschwerde führers eine tierschutzgerechte Tierhaltung zu erreichen. Dazu gehörte, wie sich gezei gt hat, auch die Reduktion des Tierbe- standes und die Anpassung an die vorhandenen Kapazitäte n. Wie sich anlässlich des Augen- scheins am 19. Januar 2022 gezeigt hat, haben sich der Zu stand und die Hygiene im Katzen- asyl deutlich verbessert, was von den Tierärztinnen und T ierärzten bestätigt wurde (vgl. E. 5.3 und 5.6). Gestützt darauf wurde dem Beschwerdeführer m ittlerweile eine Bewilligung für die Haltung von 30 Katzen ausgestellt (vgl. E. 5.5 und 6 .2.3 hiervor). Die Bewilligung hat der Be- schwerdeführer angefochten und eine Erhöhung der Begre nzung auf 80 Katzen verlangt (vgl. Eingabe des Beschwerdegegners vom 16. November 2021) , was gegen die Einsicht des Beschwerdeführers in seine begrenzteren Kapazitäten spr icht, zumal er bereits mit 60 Katzen nachweislich überfordert war. Weiter hat sich anlässlich d es Augenscheins gezeigt und wurde von der Kantonstierärztin bemängelt, dass der Beschwerdef ührer entgegen den bundesgericht- lich bestätigten Auflagen in der Verfügung vom 5. Apri l 2019 nach wie vor keinen Quarantäne- raum in seinem Katzenasyl hat und leere Tierkäfige in de n Katzenräumen stehen. Einsicht in die desolate Situation im Katzenasyl im August 2019 zei gt der Beschwerdeführer somit nicht und er erklärt die damaligen Gegebenheiten vielmehr m it externen Umständen oder dem Fehl- verhalten anderer (vgl. Protokolle der Einvernahmen d es Beschwerdeführers vom 8. April 2021 und 10. Mai 2021). Gestützt auf die vorstehenden Erwäg ungen hat der Beschwerdeführer im Oktober 2019 keine Gewähr dafür geboten, dass er in d er Lage sein wird, angemessen für die- se 22 Katzen zu sorgen. Gleichzeitig vermag der Beschwerdeführer, insbesondere mit Blick auf die nach wie vor nicht erfüllten Auflagen vom 5. Apr il 2019, auch im jetzigen Zeitpunkt nicht überzeugend darzutun, dass er für mehr als die mittlerw eile bewilligte Katzenzahl eine tier- schutzkonforme Haltung gewährleisten kann. 8.1 Zu prüfen bleibt, ob die mit Verfügung vom 3. Ok tober 2019 getroffene Beschlagnahme der 22 Katzen verhältnismässig ist. Der Grundsatz der Verh ältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV) verlangt, dass behördliche Massnahmen für das Erreichen de s im öffentlichen oder privaten Interesse liegenden Zieles geeignet und erforderlich sind und sich für die Betroffenen als zu- mutbar erweisen (vgl. BGE 137 I 31 E. 7.5; 136 I 87 E . 3.2). Dies gilt auch in Bezug auf Mass- nahmen, die gestützt auf Art. 24 Abs. 1 TSchG angeordne t werden, wie namentlich die Be- schlagnahme von Tieren (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_ 416/2020 vom 10. November 2020 E. 4.2.4, 2C_ 122/2019 vom 6. Juni 2019 E. 5, 2 C_ 1070/2015 vom 26. September 2016 Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 2.4). Bei der Beurteilung, welche Massnahmen im Ei nzelfall am zweckmässigsten sind, kommt der zuständigen Behörde ein gewisser Ermessensspielr aum zu (Urteil des Bundesge- richts 2C_416/2020 vom 10. November 2020 E. 4.2.4). 8.2 Vorliegend besteht ein gewichtiges öffentliches In teresse an einer tiergerechten Hal- tung bzw. am Schutz des Wohlergehens der Tiere (vgl. Art . 80 Abs. 2 lit. a BV; Art. 1 TSchG). Die Beschlagnahme ist ohne Weiteres geeignet, dieses ö ffentliche Interesse zu wahren. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die Beschlagnahme weder erforderlich noch geeignet gewesen sei, da die Katzen trotz Behandlung im Tierheim gestorben seien. Dem kann nicht gefolgt werden. Die Tierhaltung des Beschwerdeführers wurde, wie bereits ausgeführt, wieder- holt von den zuständigen Behörden beanstandet. Dabei wurden verschiedene Massnahmen mehrmals angeordnet (vgl. act. 4, act. 11, act. 24, a ct. 26 und act. 37), darunter eine Tierreduk- tion entsprechend den vorhandenen personellen Ressourcen, die Gewährleistung monatlicher tierärztlicher Hausbesuche sowie die Zusammensetzung gee igneter Katzengruppen. Selbst wenn der Beschwerdeführer einzelnen Aufforderungen na chgekommen ist, war eine nachhalti- ge Verbesserung der Katzenhaltung im August/Oktober 201 9, wie bereits ausgeführt, nicht ge- geben (vgl. E. 7.2 hiervor). Wie ebenfalls dargelegt, zeigt der Beschwerdeführer keine Einsicht in die damalige desolate Situation, sondern beschränk t sich im Wesentlichen darauf, diese zu bestreiten oder herunterzuspielen (vgl. E. 7.2 hiervor) . Den Katzen musste aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands (vgl. E. 5.3 und 5.4 hierv or) die nötige medizinische Behand- lung ermöglicht werden, was vom Beschwerdeführer unter lassen wurde. Schon alleine durch das Zulassen der tierschutzwidrigen Situation im August 2019 hat der Beschwerdeführer ge- zeigt, dass er nicht für den tierschutzgerechten Zustand d er Katzen sorgen konnte oder wollte. Es hätte dem Schutzbedürfnis der 22 Katzen widersprochen, ihre Leiden unbehandelt zu las- sen. Damit war die Beschlagnahme erforderlich, um die stark beeinträchtigten Katzen unver- züglich ihrem Zustand entsprechend unterzubringen, zu pflegen und zu behandeln. Fast die Hälfte der beschlagnahmten Katzen musste im Oktober 201 9 eingeschläfert werden, weil ihr Zustand derart schlecht und mit dem Tierschutz nicht mehr vereinbar war (vgl. act. 76, Informa- tionsschreiben des ALV vom 11. Oktober 2019 und E. 5.3 hiervor) . Einige wenige Katzen sind von Alters wegen verstorben und die fünf noch lebenden Katzen haben sich sehr gut erholt (vgl. E. 5.3 hiervor). Dennoch raten die Kantonstierärztin, die amtliche Tierärztin sowie Dr. med. vet. D.____ von einer Rückgabe dieser fünf Tiere ins Katzenasyl ab. Die fünf Katzen bestünden aus einer Vierergruppe und einem Einzelgänger, was so beibehalten werden müsse. Zudem stelle das Katzenasyl eine vollkommen neue Umgebung dar und eine Umplatzierung dieser Katzen könne Stress verursachen, was zu einem erneuten A usbruch des Katzenschnupfens führen könne. Eine Umplatzierung in das Katzenasyl des Beschwerdeführers entspricht somit nicht dem Wohlergehen der noch lebenden fünf Katzen. Angesichts der bereits verfügten Mass- nahmen und der fehlenden Einsicht des Beschwerdeführers i st mit dem Beschwerdegegner weiter davon auszugehen, dass mildere Massnahmen nicht ge eignet gewesen wären, um die Situation im Katzenasyl zu verbessern. Schliesslich wiegt das öffentliche Interesse am Wohler- gehen der Tiere höher als das Interesse des Beschwerdef ührers an der Katzenhaltung nach seinen eigenen Vorstellungen. Im Ergebnis erweist sich die Beschlagnahme der 22 Katzen un- ter den konkreten Umständen als recht- und verhältnismässig. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen. 10.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Ausgangsgemäss sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'250.-- (inkl. Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 1'102.80 und Aufwandsentschädigung für Dr. med. vet. D.____ in der Höhe von Fr. 1'147. 20) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Dieser ersucht mit Eingabe vom 15. November 2021 für den Fall des Unterliegens um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege. Da ihm die fü r das Verfahren nötigen Mittel fehlen, sein Begehren nicht offensichtlich aussichtslos und der Beizug einer Anwältin zur Wahrung seiner Rechte notwendig erscheint, ist das Gesuch ab Gesuchseinre ichung zu bewilligen (§ 22 VPO). Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'250.-- aus der Gerichtskasse zu bezahlen. Der g eleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'400.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 10.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteienschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der in der Honorarn ote vom 20. Dezember 2021 geltend gemachte Aufwand der Rechtsvertreterin im Umfang von 11.5 Stunden à Fr. 200.-- ist nicht zu beanstanden. Für die Verhandlungen am 19. Januar 202 2 sowie am 3. Februar 2022 werden zusätzlich 9 Stunden à Fr. 200.-- vergütet. Demnach beläu ft sich das Honorar gesamthaft auf Fr. 5'176.50 (inkl. 7.7% MWST und Auslagen in der Höh e von Fr. 706.40). Der Rechtsvertrete- rin des Beschwerdeführers ist somit ein Honorar in der H öhe von Fr. 5'176.50 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) aus der Gerichtskasse auszurichten. Die übr igen Parteikosten sind wettzu- schlagen. 10.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hinge wiesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie ni cht gegenstandslos ge- worden ist. 2. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche R echtspflege wird gutgeheissen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'250.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und gehen zufolge Bewilligung der unentgeltli- chen Prozessführung zu Lasten der Gerichtskasse. Der gele istete Kos- tenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird dem Beschw erdeführer zurückerstattet. 4. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeistä ndung wird der Rechts- vertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Hö he von Fr. 5'176.50 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) aus der Ge richtskasse entrichtet. Die übrigen Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin