Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 26. Juni 2019 (810 18 283) ____________________________________________________________________ Soziale Sicherheit Ablehnung Unterstützung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Markus Clausen, Hans Furer, Kantonsrichterin Helena Hess , Gerichtsschreiberin i.V. Nathalie Huber Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Sozialhilfebehörde B.____ , Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung Unterstützung (RRB Nr. 1533 vom 16. Oktober 2018) A. A.____ (geb. 1999) befindet sich im dritten Lehrj ahr zur Kauffrau. Sie wohnt gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder beim Vater. A.____ wurde bis Ende Februar 2017 gemeinsam mit ihrem Vater von der Sozialhilfe unterstützt. Nach Erre ichen der Volljährigkeit reichte A.____ am Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 28. Februar 2018 bei der Sozialhilfebehörde B.____ ( SHB) ein Gesuch um Unterstützung ein, welches mit Verfügung vom 9. April 2018 abgelehnt wurde. B. Gegen die Verfügung der SHB vom 9. April 2018 erh ob A.____ am 23. April 2018 Ein- sprache. Diese wies die SHB mit Entscheid vom 16. Mai 2018 ab. C. Am 24. Mai 2018 reichte A.____ beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der SHB vom 16. Mai 2018 ein. D. Mit Beschluss Nr. 1533 vom 16. Oktober 2018 wies der R egierungsrat die Beschwerde vom 24. Mai 2018 ab. E. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 28. Oktober 2018 Beschwerde beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss, es sei eine Neuberechnung ihres Grundbedarfs vorzunehmen, und zwar insofern, als die Kosten für Franchisen und Selbstbehalt sowie die Erwerbsunkosten anzu- rechnen seien, darüber hinaus sei der "Grundbedarf be i Haushalt" dem einer Wohngemein- schaft anzugleichen. F. Mit Vernehmlassung vom 14. November 2018 beantragte die SHB die Abweisung der Beschwerde und verzichtete unter Verweis auf den Einspra cheentscheid auf weitere Ausfüh- rungen. G. In der Vernehmlassung vom 17. Dezember 2018 stellte der Regierungsrat den Antrag, die Beschwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. H. Mit Verfügung vom 10. Januar 2019 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen und das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege bewilligt. I. Mit Schreiben vom 21. Januar 2019 reichte die Beschw erdeführerin unaufgefordert eine Replik ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kant onsgericht zulässig. Eine Be- schwerde muss gemäss § 5 Abs. 1 VPO ein klar umschriebenes Rechtsbegehren enthalten. Im vorliegenden Fall enthält die Beschwerde zwar kein klar umschriebenes Rechtsbegehren, doch macht die Beschwerdeführerin in ihrer Begründung deutl ich, dass sie im Wesentlichen die Auf- hebung des streitgegenständlichen Entscheids sowie die Ne uberechnung der Unterstützungs- leistung verlangt. Mit Blick darauf, dass es sich um eine Laienbeschwerde handelt, ist das Rechtsbegehren als genügend klar zu qualifizieren. Die Beschwerdeführerin ist durch die ange- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht fochtene Verfügung berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder Aufhebung auf. Damit ist die Beschwerdelegitimation zu bejahen und es ist – unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – auf die vorliegende Beschw erde einzutreten, da die weiteren Voraussetzungen gemäss § 43 ff. VPO erfüllt sind. 2. Die Beschwerdeführerin stellt in ihrer Beschwerde vo r Kantonsgericht den Antrag, dass die Berechnung ihrer Unterstützungsleistung "der einer W ohngemeinschaft anzugleichen" sei. Damit verlangt sie, dass bei ihr von einer Wohngemeinscha ft und nicht von einem 3-Personenhaushalt, wie dies die SHB ausgewiesen habe , auszugehen sei. Diesen Einwand bringt sie erstmals vor Kantonsgericht vor. Gegenstand d es Beschwerdeverfahrens vor Kan- tonsgericht kann jedoch nur sein, was bereits Gegenstand des angefochtenen Entscheids war oder nach richtiger Gesetzesanwendung hätte sein sollen (BGE 142 I 155 E. 4.4.2; BGE 136 V 362 E. 3.4.2; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Ve rfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 30. September 2015 [810 15 187] E. 1.2 ; R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER / CHRISTINA KISS /DANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 987 f.). Im regierungsrätli chen Verfahren hat die Beschwerdeführerin die Budgetberechnung hinsichtlich der Franchise und Sel bstbehalte sowie des auswärtigen Es- sens gerügt, die Wohnsituation oder die Annahme einer Wohngemeinschaft hat sie hingegen nicht angesprochen bzw. thematisiert, sodass auf diesen a usserhalb des Streitgegenstands liegenden Antrag bzw. dieses Anliegen nicht einzutreten ist. 3. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nac h § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 4.1 Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, die SHB hab e die ihr obliegende Informa- tionspflicht verletzt, weil sie ihren Vater, als er im Ja nuar 2018 Kontakt mit der SHB aufgenom- men und um einen Besprechungstermin für sie angefragt h abe, nicht darauf hingewiesen habe, dass er sofort ein Gesuch für seine Tochter einreichen m üsse. Wäre er gehörig informiert wor- den, hätte sie ihre Anmeldung bereits im Januar 2018 eingereicht. Die SHB wäre verpflichtet gewesen, sie darüber zu informieren, dass sie ab dem massg eblichen Zeitpunkt (Januar 2018) einen schriftlichen Antrag auf dem vorgegebenen Formul ar stellen müsse. Damit rügt sie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. 4.2 Die formelle Rüge betreffend die Verletzung des r echtlichen Gehörs ist vor einer allfäl- ligen inhaltlichen Beurteilung zu prüfen. Das rechtlich e Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs- recht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Re chtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entschei- des zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringe n, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergeb nis zu äussern, wenn dieses ge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch au f rechtliches Gehör umfasst als Mit- wirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Ver- fahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 143 V 71 E. 4.1; BGE 135 I 279 E. 2.3; BGE 135 II 286 E. 5.1; BGE 132 V 368 E. 3.1, jeweils mit Hinweisen). Vorausset- zung für die Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs ist e ine entsprechende Orientierung der Betroffenen. Erforderlich sind mithin genügende Kennt nisse über den Verfahrensverlauf, was auf das Recht hinausläuft, in geeigneter Weise über die entscheidwesentlichen Vorgänge und Grundlagen vorweg orientiert zu werden. Dabei geht e s nicht nur um formelle Abläufe wie ins- besondere die Abnahme von Beweisen, sondern auch um inhaltliche Anforderungen (vgl. BGE 140 I 99 E. 3.4; KGE VV vom 12. Juni 2019 [8 10 18 236] E. 2.2; GEROLD STEINMANN , in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg .], St. Galler Kommentar zur Schweizeri- schen Bundesverfassung, 3. Auflage, Zürich 2014, N 45 zu Art. 29). 4.3 Gemäss dem Handbuch Sozialhilferecht Basel-Landschaft (Handbuch) gilt ein Gesuch als eingereicht, wenn das ausgefüllte und unterzeichnet e Formular dem Sozialdienst vorliegt, auch wenn noch nicht alle zwingend erforderlichen Unte rlagen beigelegt sind (Handbuch, Ver- sion 5, Ziff. 4.1.3, S. 81). Eine mündliche oder eine per E-Mail eingereichte Anmeldung reicht nicht aus. Wie aus den Akten ersichtlich ist, hat der Vat er der Beschwerdeführerin am 16. Ja- nuar 2018 bei der SHB per E-Mail für seine Tochter um einen Besprechungstermin angefragt. Nachdem dieser Austausch nicht zielführend gewesen war, w andte sich die SHB an die Be- schwerdeführerin, welche mit Erreichen der Volljährigke it für ihre Belange zuständig ist. In die- ser Mitteilung (vgl. E-Mail der SHB an die Beschwerdeführerin vom 13. Februar 2018) wurde sie darauf hingewiesen, sie müsse bei der Gemeinde ein en tsprechendes Anmeldeformular bezie- hen und sich anmelden. Sie könne das Formular aber auch auf der Homepage herunterladen und dieses mit den erforderlichen Unterlagen abgeben. Anschliessend würde man sich mit ihr in Verbindung setzen. In derselben E-Mail wurde die Beschwe rdeführerin dahingehend informiert, dass eine Anmeldung per E-Mail nicht möglich sei. Die A nmeldung der Beschwerdeführerin erfolgte schliesslich am 28. Februar 2018, sodass ihr Anspru ch erst ab März 2018 beurteilt werden konnte. Entgegen der Behauptung der Beschwerde führerin kann somit gestützt auf die Verfahrensakten festgestellt werden, dass sie über das Anmeldeverfahren informiert bzw. orien- tiert wurde. Nach dem Gesagten ist erstellt, dass das Vorgehen der SHB nicht zu bemängeln ist und das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin vorliegend nicht verletzt wurde. 5.1 Zu prüfen ist somit, ob die Ablehnung des Unterstü tzungsgesuchs der Beschwerdefüh- rerin zu Recht erfolgte. 5.2 Nach § 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Sozial- und di e Jugendhilfe (Sozialhilfegesetz, SHG) vom 21. Juni 2001 hat die Sozialhilfe zur Aufgabe , persönlicher Hilfsbedürftigkeit vorzu- beugen, deren Folgen zu lindern oder zu beheben sowie die Selbständigkeit und die Selbsthilfe zu erhalten und zu fördern. Art. 2 Abs. 1 des Bundesges etzes über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (ZUG) vom 24. Juni 1977 bestimmt, dass bedürftig ist, wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeiti g aus eigenen Mitteln aufkommen kann (KGE VV vom 28. August 2018 [810 18 35] E. 4.1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Gemäss § 4 Abs. 1 SHG haben notleidende Personen An spruch auf unentgeltliche Beratung und auf materielle Unterstützung. Nach § 5 Abs. 1 SHG werden Unterstützungen ge- währt, wenn die zumutbare Selbsthilfe oder die gesetzlichen, vertraglichen oder sonstigen Leis- tungen Dritter nicht ausreichen oder nicht rechtzeitig erhältlich sind (Subsidiaritätsprinzip). Das Subsidiaritätsprinzip betont den ergänzenden Charakter d er Sozialhilfe und verlangt, dass zu- nächst alle anderen Möglichkeiten der Hilfe auszuschöpfen sind, bevor staatliche Hilfeleistun- gen erbracht werden. Insbesondere besteht kein Wahlrec ht zwischen den vorrangigen Hilfs- quellen und der öffentlichen Sozialhilfe (F ELIX WOLFFERS , Grundriss des Sozialhilferechts, Bern 1993, S. 71). Vielmehr verpflichtet der Grundsatz der Selbsthilfe als Teil des Subsidiaritätsprin- zips die Hilfe suchende Person, alles Zumutbare zu unter nehmen, um eine Notlage aus eige- nen Kräften abzuwenden oder zu beheben. In Frage komm en insbesondere der Einsatz von vorhandenem Einkommen oder Vermögen sowie der Einsat z eigener Arbeitskraft (vgl. KGE VV vom 23. November 2016 [810 16 68] E. 4.2.2; W OLFFERS , a.a.O., S. 71 f). Das Subsidiaritäts- prinzip stellt demnach auch hier eine zu erfüllende An spruchsvoraussetzung dar (vgl. C LAUDIA HÄNZI , Die Richtlinien der schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, Basel 2011, S. 114). 6.1 Bis zum Ende des zweiten Lehrjahrs erhielt die Besch werdeführerin Unterstützungs- leistungen der Sozialhilfe. Mit Übertritt ins dritte Lehrjahr und Erreichen der Volljährigkeit wurde die Unterstützung mit der Begründung, die Beschwerdef ührerin liege mit ihrem Einkommen Fr. 5.40 über dem Unterstützungsbudget, eingestellt. Die Beschwerdeführerin führt aus, dass es ihr mit einem Überschuss von Fr. 5.40 nicht möglich sei, die anfallenden Kosten für Franchise und Selbstbehalt zu bezahlen. Dies hätte zur Folge, da ss sie Schulden anhäufen würde. Sie macht geltend, dass Selbstbehalt und Franchise zur medizinischen Grundversorgung und somit auch zur materiellen Grundsicherung zu zählen seien un d damit bei der Anspruchsberechnung berücksichtigt werden müssten. Die Anspruchsvoraussetzungen nach dem Handbuch Sozialhil- ferecht könnten nicht auf die Summe von Grundbedarf, Wohnungskosten und Krankenkassen- prämien beschränkt werden. Sie werde schlechter gestell t als Sozialhilfebezüger, wenn die be- reits angefallenen Kosten für Selbstbehalt und Franchise nicht berücksichtigt würden. Dies wür- de dem Gerechtigkeitsgedanken widersprechen. Die Praxis des Kantons Basel-Landschaft, wonach Selbstbehalte und Franchisen nicht in den Grund bedarf miteinbezogen werden, sei rechtlich nicht haltbar. 6.2 Der Regierungsrat führt in seiner Vernehmlassung vo m 17. Dezember 2018 aus, dass es Praxis des Kantons Basel-Landschaft sei, Selbstbehalt und Franchise bei der Beurteilung des sozialhilferechtlichen Bedarfs nicht zu berücksichtigen. Bei der Beurteilung, ob ein Unter- stützungsbedarf vorliege, würden lediglich der Grundbe darf, die Wohnungskosten sowie die Krankenkassenprämien Berücksichtigung finden. Selbstbeh alt und Franchise fielen nicht unter die medizinische Grundversorgung, welche im Grundbedarf Berücksichtigung finde. Denn bei Franchise und Selbstbehalt handle es sich nicht um regelmässige und wiederkehrende Leistun- gen, welche zum vornherein bekannt seien. So seien die Beträge an die Franchise monatlich weder gleichbleibend noch im Voraus bekannt. Könnten b etroffene Personen die Rechnungen für Franchise und Selbstbehalt nicht bezahlen, so seie n sie verpflichtet, Ratenzahlungen oder Erlassgesuche zu beantragen, da offene Rechnungen und S chulden keine Bedürftigkeit be- gründen könnten. Weiter würde es zu Ungleichbehandlung en führen, wenn Selbstbehalt und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Franchise in die Anspruchsberechnung miteinbezogen würd en. Zusätzliche Kosten seien ledig- lich dann zu beachten, wenn diese konstant und wiederke hrend anfielen und im Voraus be- kannt seien. 6.3.1 Gemäss Kap. B.1 der Richtlinien für die Ausgest altung und Bemessung der Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) umfasst die materielle Grundsicherung alle in einem Privathaushalt notwen- digen Ausgabenpositionen, d.h. den Grundbedarf für de n Lebensunterhalt (nach Grösse des Haushaltes abgestuft), die Wohnkosten und die Kosten fü r die medizinische Grundversorgung. Diese sind im Umfang der empfohlenen Beträge bzw. der effektiven Kosten anzurechnen. Nach § 6 SHG werden Unterstützungen an die Aufwendungen fü r den Grundbedarf, eine angemes- sene Wohnung, obligatorische Versicherungen, medizinische Behandlung und Pflege, Tages- betreuung, familienstützende Massnahmen sowie an weite re notwendige Aufwendungen ge- währt (Abs. 1). Die Unterstützungen werden nur an lau fende Aufwendungen gemäss Abs. 1 gewährt. Unterstützungen zur Schuldentilgung können ausnahmsweise, insbesondere für Woh- nungs- oder Gesundheitskosten gewährt werden, um einer bestehenden oder drohenden Not- lage entgegenzuwirken (Abs. 2). Der Regierungsrat re gelt das Mass der Unterstützungen und stuft sie nach der Grösse des Haushalts und Alterskategorie a b. Er kann sich dabei an den SKOS-Richtlinien orientieren (Abs. 3). § 8 ff. der So zialhilfeverordnung (SHV) vom 25. Septem- ber 2001 regeln den Umfang und Mass der Unterstützung (KGE VV vom 23. November 2016 [810 16 68] E. 5.1). Nach § 13 Abs. 1 SHV gelten als A ufwendungen für medizinische Behand- lung und Pflege unter anderem die neben den Krankenve rsicherungsleistungen verbleibenden Franchisen, Selbstbehalte und Patientenbeteiligungen für Pflegeleistungen der Spitex und der Alters- und Pflegeheime (Abs. 1). 6.3.2 Gemäss Handbuch deckt der Grundbedarf pauschal d ie Aufwendungen für Nahrungs- mittel, Kleider, Gesundheitskosten ohne Selbstbehalte und Franchisen etc. ab (vgl. Handbuch, Ziff. 5.3.1, S. 100 mit weiteren Hinweisen). Daraus ka nn geschlossen werden, dass Franchisen und Selbstbehalte grundsätzlich nicht zum Grundbedarf gehören. Unter dem Titel “Medizinische Hilfe und Pflege“ hält das Handbuch fest, dass Gesund heitskosten durch die Sozialhilfe zu übernehmen sind. Es sind dies sowohl Franchisen wie auch Selbstbehalte, welche durch die Krankenversicherung in Rechnung gestellt werden. Die So zialhilfebehörde hat auch Aufwen- dungen zu übernehmen, die von der Krankenkasse nur teilw eise gedeckt werden, und nach Ermessen übrige Kosten, die durch die obligatorische Kra nken- und Unfallversicherung nicht gedeckt sind (Handbuch Sozialhilferecht Basel-Landschaft, Version 5, Ziff. 5.6.1, S. 146). Auch die SKOS-Richtlinien besagen, dass jener Teil der Prämien für die obligatorische Krankenversi- cherung, den bedürftige Personen allenfalls selbst bez ahlen müssen, als Aufwandposition im Unterstützungsbudget zu berücksichtigen sei, ebenso wie die Kosten für Selbstbehalte und Franchisen (SKOS-Richtlinien, 4. überarbeitete Ausgab e, 2005, B.5). Die Sozialhilfe kommt zum Zug, soweit die vorrangigen Sozialversicherungen nich t alles abdecken, was zum medizi- nischen Existenzminimum gehört (G UIDO WIZENT , Die sozialhilferechtliche Bedürftigkeit, Ein Handbuch, Zürich/St.Gallen 2014, S. 317). Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch der Individualisierungsgrundsatz, welcher in enger Beziehung zum Bedarfsdeckungsprinzip steht und besagt, dass die Behörde verpflichtet ist, sich Klar heit über die Ursachen einer Notlage zu verschaffen, denn nur so kann individuell entschieden werden (vgl. WOLFFERS , a.a.O., S. 73). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.3 Der Beschwerdegegner stellt sich auf den Standpun kt, dass die Bedürftigkeit sich aus der Summe von Grundbedarf, Wohnkosten und Krankenkassen prämien ergebe; Schulden und offene Rechnungen könnten keine Bedürftigkeit auslösen. Fraglich ist, ob die Franchisen und Selbstbehalte unter diesen Grundbedarf fallen, wenn sie bereits angefallen sind. Gemäss den SKOS-Richtlinien sind solche Leistungen zur medizinischen G rundversorgung zu zählen. Den Akten kann in diesem Zusammenhang entnommen werden, da ss die Kosten im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung bereits angefallen waren und sich die Kosten der Beschwerdeführerin für Franchise und Selbstbehalt stets im Rahmen von ca. Fr. 120.-- bewegten. Da sie mehrere Rechnungen den Akten beigefügt hat, stellt sich die Fr age, ob diese hätten berücksichtigt wer- den müssen. Darüber hinaus stellt sich im vorliegenden Fall die Frage, ob diese Kosten der Beschwerdeführerin wiederkehrend sind. So hat sie mehrere Belege eingereicht, welche veran- schaulichen, dass bei ihr monatlich anfallende Kosten entst ehen. Auch liegt den Akten ein Schreiben (vgl. Schreiben der C.____ an die behandeln de Ärztin vom 6. Dezember 2017) bei, welchem zu entnehmen ist, dass die Beschwerdeführerin auf eine Behandlung angewiesen sei. Mit Blick auf den Individualisierungsgrundsatz wäre die SHB im vorliegenden Fall gehalten ge- wesen, zu prüfen, ob es sich im vorliegenden Fall rechtf ertigt, Selbstbehalte, die bereits ange- fallen sind, ins Unterstützungsbudget einzubeziehen und b ei der Berechnung der Eintritts- schwelle zum Bezug von Sozialhilfeleistungen zu berücksichti gen, oder ob die Ausgaben für Selbstbehalt und Franchise bei der Beschwerdeführerin regelmässig und wiederkehrend anfal- len und nach § 6 SHG bei der medizinischen Grundversorg ung allenfalls zu berücksichtigen gewesen wären. Die Sache ist demnach an die SHB zurückzuweisen. 7.1 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die K osten für auswärtige Verpflegung seien in die Anspruchsberechnung miteinzubeziehen und zu vergüten. Die Beschwerdeführerin führt aus, es erschliesse sich ihr nicht, weshalb ihr die Erwerbsunkosten bis Ende zweites Lehr- jahr vergütet wurden, mit Übertritt ins dritte Lehrjahr jedoch nicht mehr. Es werde davon ausge- gangen, dass sie ihre Mahlzeiten zu Hause vorbereiten müsse, dies sei jedoch mit einem finan- ziellen Mehraufwand verbunden, sodass zumindest dieser in der Bedarfsdeckung Beachtung finden müsste. 7.2 Wie der Regierungsrat zu Recht ausführt, sind auswä rtig eingenommene Mahlzeiten nur dann zu vergüten, wenn die bedürftige Person keine andere Möglichkeit hat. Das Handbuch Sozialhilferecht des Kantons Basel-Landschaft hält fest , dass die effektiv entstandenen Mehr- kosten übernommen werden, sofern die erwerbstätige, un terstützte Person keine andere Mög- lichkeit hat, als sich in einem Restaurant oder einer K antine zu verpflegen. Anspruch auf Ent- schädigung von Mehrkosten haben Personen beispielsweise dann, wenn sie im Freien arbeiten und während der kälteren Jahreszeiten nicht mehr drau ssen essen können. Gleiches gilt für Personen, welche im Aussendienst tätig sind (Handbuch So zialhilferecht, Version 5, Ziff. 5.8.4, S. 172). Die Beschwerdeführerin macht eine Lehre zur Kauffrau. Sie ist bei diesem Beruf weder den Witterungen ausgesetzt noch hat sie keine andere Möglichkeit als sich in einem Restaurant oder einer Kantine zu verpflegen. Es ist ihr möglich, sich Verpflegung von zu Hause mitzuneh- men und am Arbeitsort zu sich zu nehmen. Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht, we shalb sie zwingend auf eine aus- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wärtige Verpflegung angewiesen sein sollte. Ferner sin d Aufwendungen für Nahrungsmittel be- reits im Grundbedarf enthalten. Demzufolge ist die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht koste npflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 A bs. 3 VPO). Bei diesem Ausgang des Verfahrens, welcher eine Neuberechnung der sozialhi lferechtlichen Unterstützung nach sich zieht, ist die Beschwerdeführerin als obsiegend anzuse hen. Demzufolge sind die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- jeweils zur Hälfte, d.h. im Umfang von je Fr. 700.--, dem Regierungsrat und der Sozialhilfebehörde B.____ aufzu erlegen. Die Parteikosten nach § 21 VPO sind wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regie- rungsrats Nr. 1533 vom 16. Oktober 2018 aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Sozial hilfebehörde B.____ zurückgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe Fr. 1‘400.-- wer den jeweils zur Hälfte, d.h. im Umfang von je Fr. 700.--, dem Regierungsrat und der Gemeinde B.____ auferlegt. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.