Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. März 2018 (720 17 398 / 64) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung zu weiteren medizinischen Abklärungen Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1953 geborene A.____ arbeitete seit 22. Juni 1992 als LKW-Chauffeur bei der B.____ AG. Nachdem bei ihm im Dezember 2008 eine Kr ebserkrankung diagnostiziert worden war, konnte er diese Tätigkeit nicht mehr ausüben. Am 5. Oktober 2009 meldete sich A.____ unter Hinweis auf diese Krebserkrankung und verschi edene weitere gesundheitliche Beein- trächtigungen bei der Eidgenössischen Invalidenvers icherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft klärte in der Folge die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse ab. Dabei ermittelte sie - in medizini scher Hinsicht im Wesentlichen gestützt auf die Ergebnisse eines Gutachtens der academy of swis s insurance medicine (asim) vom 1. Juli Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2010 - beim Versicherten ab 15. Dezember 2009 (Ablau f des Wartejahres) einen Invaliditäts- grad von 100%, ab 1. Februar 2010 einen solchen von 54 % und ab 23. April 2010 einen Invali- ditätsgrad von 9 %. Mit der Begründung, dass sich der V ersicherte erst am 5. Oktober 2009 zum Leistungsbezug angemeldet und ein Rentenanspruch somit frühestens ab 5. April 2010 bestanden habe, sprach die IV-Stelle A.____ gestützt a uf die ermittelten Invaliditätsgrade mit Verfügung vom 18. März 2011 für den Zeitraum vom 1. April 2010 bis 31. Juli 2010 eine befris- tete halbe Rente zu. Gleichzeitig hielt sie fest, dass ab 1. August 2010 kein Rentenanspruch mehr bestehe. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 19. September 2011 meldete sich A.____ - wiederum unter Hinweis auf verschiedene ge- sundheitliche Beeinträchtigungen - erneut bei der IV- Stelle zum Leistungsbezug an. Mit Verfü- gung vom 17. September 2012 trat die IV-Stelle jedoc h auf dieses neue Leistungsbegehren nicht ein. Zur Begründung machte sie geltend, der Versi cherte habe mit seinem neuen Gesuch nicht glaubhaft gemacht, dass sich die tatsächlichen Verh ältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten. Gegen diese Verfügung erho b A.____, vertreten durch Rechtsan- walt Denis G. Giovannelli, Beschwerde beim Kantonsgeric ht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). In der Folge teilte die IV-St elle gestützt auf eine Beurteilung von pract. med. C.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 21. Dezember 2012 dem Kantonsgerich t am 4. Januar 2013 mit, die erneute Überprüfung des Sachverhalts habe ergeben, dass für die B eurteilung des Gesundheitszustan- des des Versicherten weitere medizinische Abklärungen erfo rderlich seien. Seit der Erstellung des asim-Gutachtens vom 1. Juli 2010 seien die Diagnosen ei ner “cancer related fatigue“ und einer mittelgradigen depressiven Episode hinzugekommen, welche durch fachärztliche Zeug- nisse ausreichend belegt seien. Dadurch sei eine Verschlecht erung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht. Man habe deshalb die Nichteintret ensverfügung vom 19. September 2012 mit einer neuen Verfügung vom 4. Januar 2013 lite pendente „zwecks weiterer Abklärungen des medizinischen Sachverhaltes durch die IV-Stelle“ aufgehoben. Gestützt auf diese Ausführungen und einen entsprechenden Antrag der IV-Stelle schrieb das Kantonsgericht das Beschwerde- verfahren (Verfahren-Nr. 720 12 320) mit Präsidialbes chluss vom 28. Februar 2013 als gegen- standslos ab. Mit Schreiben vom 25. Mai 2016 reichte Rechtsanwalt De nis G. Giovannelli der IV-Stelle ver- schiedene aktuelle Arztberichte ein. Aus denen ergebe sich, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seines Mandanten mehr als evident sei. Er ersuche deshalb um Aus- richtung der entsprechenden Leistungen. Gestützt auf di e in der Folge vorgenommenen medi- zinischen Abklärungen erliess die IV-Stelle - nach durchg eführtem Vorbescheidverfahren - am 25. Oktober 2017 eine Verfügung, mit welcher sie A.____ gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % ab 1. Februar 2017 eine ganze Rente zusprach. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 23. November 2017 Beschwerde beim Kan- tonsgericht. Darin beantragte er, es sei die angefocht ene Verfügung dahingehend aufzuheben, dass die IV-Stelle zu verpflichten sei, ihm ab dem 1. Aug ust 2010 eine ganze IV-Rente zuzu- sprechen. Zudem sei ihm für das Beschwerdeverfahren die u nentgeltliche Rechtspflege zu be- willigen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Dezember 2017 bean tragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Zudem legte sie ihren Ausführungen eine Beurteilung von Dr. med. D.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, RAD beider Basel , vom 11. Dezember 2017 und eine “Aktennotiz“ von pract. med. C.____ vom 13. Dezember 2017 bei. D. Mit Verfügung vom 19. Januar 2018 bewilligte das K antonsgericht dem Beschwerde- führer gestützt auf die nachgereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 23. November 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c). 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Mit Verfügung vom 25. Oktober 2017 sprach die IV-S telle dem Versicherten unter Hin- weis auf einen seit 18. Februar 2016 bestehenden Invali ditätsgrad von 100 % rückwirkend ab 1. Februar 2017 eine unbefristete ganze Rente zu. In m edizinischer Hinsicht stützte sie sich bei ihrem Entscheid im Wesentlichen auf die Arztberichte von Dr. med. E.____, Innere Medizin FMH, vom 17. Mai 2016 und 5. Dezember 2016, der Klini k F.____ vom 28. April 2016, der Reha-Klinik G.____, vom 17. August 2016 und des Spital s H.____ vom 2. Mai 2016 und 21. September 2016 sowie auf eine Beurteilung der m edizinischen Akten durch den RAD-Arzt Dr. D.____ vom 19. Juli 2017. Aus diesen medizinischen U nterlagen ergebe sich, so die Schlussfolgerung der IV-Stelle, dass der Versicherte auf grund verschiedenster, zum Teil Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigungen seit 18. Februar 2016 in allen Tätigkeiten bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig sei. Diese vorinstan zliche Beweiswürdigung ist, zumal keine abweichenden (fach-) ärztlichen Einschätzungen des medizin ischen Sachverhalts vorliegen, nicht zu beanstanden. Sie wird auch vom Versicherten in seiner Beschwerde nicht in Frage ge- stellt. Somit kann, was den medizinischen Sachverhalt ab 1 8. Februar 2016 betrifft, von zusätz- lichen Ausführungen abgesehen werden und es bei der F eststellung sein Bewenden haben, dass der Versicherte unbestrittenermassen zumindest ab 1. Februar 2017 Anspruch auf eine unbefristete ganze Rente hat. Diesbezüglich ist die Re ntenverfügung der IV-Stelle vom 25. Ok- tober 2017 nicht zu beanstanden. 3.2 Der Versicherte beantragt in der vorliegenden Besch werde, es sei ihm ab 1. August 2010 eine ganze IV-Rente zuzusprechen. In diesem Zusammenha ng ist er jedoch auf die Be- stimmung von Art. 29 Abs. 1 IVG hinzuweisen, wonach der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistung sanspruchs entstehen kann. Wie dem Sachverhalt zu entnehmen ist, hatte sich der Ve rsicherte zwar bereits am 5. Oktober 2009 bei der IV-Stelle zum Bezug einer Rente angemel det. Dieses Verfahren fand allerdings mit dem Erlass der unangefochten in Rechtskraft erwachse nen Verfügung vom 18. März 2011, mit welcher die IV-Stelle dem Versicherten für den Zei traum 1. April 2010 bis 31. Juli 2010 eine befristete halbe Rente zusprach, seinen Abschluss. Am 19. September 2011 meldete sich der Versicherte dann unter Hinweis auf verschiedene gesundheit liche Beeinträchtigungen wiede- rum bei der IV-Stelle zum Rentenbezug an. Dieses neue L eistungsbegehren bildet, nachdem die IV-Stelle die zwischenzeitlich erlassene Nichteintret ensverfügung vom 19. September 2012 mit einer neuen Verfügung vom 4. Januar 2013 lite pendente „zwecks weiterer Abklärungen des medizinischen Sachverhaltes durch die IV-Stelle“ aufgehoben hat, den Ausgangspunkt des vor- liegenden Beschwerdeverfahrens. Auch wenn vorliegend d ie Neuanmeldung relativ rasch nach Abschluss des ersten Verfahrens erfolgte, gelangt im Zusam menhang mit der zweiten Anmel- dung die erwähnte Bestimmung von Art. 29 Abs. 1 IVG (erneut) zur Anwendung. Da die Leis- tungsanmeldung am 19. September 2011 erfolgte, kann demnach der Rentenanspruch des Versicherten frühestens ab 1. März 2012 entstehen. 4. Nach dem Gesagten ist im Folgenden zu prüfen, ob de r Versicherte (auch) im Zeitraum zwischen 1. März 2012 und 31. Januar 2017 Anspruch auf eine Rente hat. 5.1 Laut Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG hat der Versicheru ngsträger im Hinblick auf die Er- mittlung des Rentenanspruchs die notwendigen Abklärung en von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die medizi nische Abklärung der objektiven Ge- sundheitsschäden bildet dabei eine unabdingbare gesetzl ich verankerte Voraussetzung für die Zusprache einer Leistung der Invalidenversicherung (Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen M itteln er den rechtserheblichen Sach- verhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat e r einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungs- grundsatz hat der Versicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungs- anspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 126 V 360 E. 5b) entscheiden kann. Dabei kommt Sachverständigengutachten eine mass- gebende Rolle zu (Urteil F. des Bundesgerichts vom 12. März 2010, 9C_28/2010, E. 4.1 mit Hinweisen). 5.2 Insbesondere bei der Feststellung des Gesundheitszustan des und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verw altung (und im Beschwerdefall das Ge- richt) auf medizinische Unterlagen angewiesen. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeit sunfähig ist. Im Weiteren sind die ärzt- lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurt eilung der Frage, welche Arbeitsleistun- gen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversiche- rungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an fö rmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi alversicherungsgericht alle Be- weismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be urteilung des streitigen Rechtsan- spruchs ge-statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 6.1 Die IV-Stelle lehnt einen (erneuten) Rentenanspr uch des Versicherten vor dem 1. Feb- ruar 2017 unter Hinweis auf die Ergebnisse des asim-Gu tachtens vom 1. Juli 2010 ab. Auf die damalige Einschätzung der Gutachter, wonach der Versiche rte für körperlich leichte bis mittel- schwere Tätigkeiten seit dem 23. April 2010, dem Datum der Untersuchungen in der asim, wie- der voll arbeitsfähig gewesen sei, könne für den vor liegend zu beurteilenden Zeitraum (1. März 2012 bis 31. Januar 2017) nach wie vor abgestellt werde n. Es treffe zwar zu, dass Prof. Dr. med. I.____, Chefarzt der Abteilung Psychosomatik des Spit als H.____, in seinem Bericht vom 20. April 2012 im Gegensatz zu den asim-Gutachtern explizit die Diagnose einer “cancer related fatigue“ gestellt habe. In diesem Zusammenhang sei abe r anzumerken, dass die Gutachter in ihrer Beurteilung ausdrücklich auf eine vom Exploranden geklagte allgemeine Müdigkeit und Kraftlosigkeit verwiesen und festgestellt hätten, dass diese nicht nur im Zusammenhang mit der diagnostizierten Anpassungsstörung, sondern auch und vor allem mit der Tumorerkrankung an sich gesehen werde. Grundsätzlich sei für die Beurteilung eines Gesundheitszustandes und der resultierenden medizinischen Arbeitsfähigkeit nicht di e ausgewiesene Diagnose ausschlagge- bend, massgebend hierfür seien vielmehr eine eingehende Anamneseerhebung, eine umfas- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sende medizinische Untersuchung sowie eine gesamtmedizinisch e Beurteilung des medizini- schen Sachverhalts. Diese Anforderungen erfülle das asim- Gutachten. Sodann sei auch die psychiatrische Symptomatik im asim-Gutachten gewürdigt worden. Was die vom behandelnden Psychiater Dr. med. J.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, im Bericht vom 15. Oktober 2010 diagnostizierte mittelgradige depressive Episode b etreffe, sei festzuhalten, dass aus heu- tiger Sicht verschiedene Behandlungsoptionen offen geb lieben seien, so dass die mittelgradige depressive Episode damals nicht als austherapiert und als ni cht therapieresistent angesehen werden könne. Zudem werde über eine weitere psychiatrisc he Behandlung in der Beschwerde nichts erwähnt, so dass davon ausgegangen werden müsse, d ass die mittelgradige depressive Episode zwischenzeitlich remittiert sei. Eine Arbeitsunfä higkeit aufgrund einer psychiatrischen Störung könne also weder für die Vergangenheit noch für den Zeitraum zwischen Erstellung des Gutachtens und dem Erlass der angefochtenen Verfügung anerkannt werden. 6.2 Dieser vorinstanzlichen Beurteilung des medizinischen Sachverhalts kann in Bezug auf den vorliegend zur Diskussion stehenden Zeitraum nicht gefo lgt werden. So beruht die Beweis- würdigung etwa in Bezug auf die im Raum stehenden psyc hischen Gesundheitsbeeinträchti- gungen nicht auf medizinischen Abklärungen, sondern ausschl iesslich auf unbelegten Annah- men. Den Akten lässt sich jedenfalls nichts zu den Fragen entnehmen, wie lange der Versicher- te eine psychiatrische Behandlung bei Dr. J.____ oder al lenfalls bei einem anderen Facharzt in Anspruch genommen hat, und ob bzw. wann es tatsächlich zu der behaupteten Remission der depressiven Erkrankung gekommen ist. Ebenfalls nicht zu über zeugen vermag die heutige Ar- gumentation der IV-Stelle, wonach die Auswirkungen der im Jahr 2012 explizit diagnostizierten “cancer related fatigue“ im asim-Gutachten vom 1. Juli 2010 bereits vollumfänglich mitberück- sichtigt worden seien. Die asim-Gutachter haben diesbezüg lich vielmehr festgehalten, dass die chronische Müdigkeit des Exploranden auch aus internistisch -onkologischer Sicht beurteilt wer- den sollte (vgl. S. 11 des Gutachtens, oben). Entspreche nde zusätzliche Abklärungen sind da- mals aber - trotz dieser Empfehlung - unterblieben. 6.3 Aus dem Gesagten folgt, dass die vorhandene Aktenla ge keine abschliessende Beur- teilung der strittigen Frage zulässt, ob der Versicherte (auch) im Zeitraum zwischen 1. März 2012 und 31. Januar 2017 Anspruch auf eine Rente hat . Der relevante medizinische Sachver- halt bedarf diesbezüglich weiterer Abklärung und die Angelegenheit ist zu diesem Zwecke an die IV-Stelle zurückzuweisen. Da sich der Gesundheitszusta nd des Versicherten seit Februar 2016 infolge neu aufgetretener gesundheitlicher Beein trächtigungen massiv verändert und ver- schlechtert hat, dürfte eine erneute Begutachtung des Beschwerdeführers in Bezug auf den hier massgeblich interessierenden Zeitraum kaum zielführend sei n. Die IV-Stelle wird vielmehr in erster Linie zu klären haben, bei wem der Versicherte seit seiner Neuanmeldung zum Renten- bezug in ärztlicher Behandlung gestanden hat. Anschliesse nd wird sie durch Rückfragen und/oder den Beizug medizinischer (Kranken-) Akten bei den behandelnden Ärztinnen und Ärz- ten den Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf d ie Arbeitsfähigkeit des Versicher- ten retrospektiv zu beurteilen haben. Selbstverständlich steht es der IV-Stelle frei, den relevan- ten medizinischen Sachverhalt zusätzlich auch durch anderwe itige Vorkehren, die sie als ge- eignet erachtet, weiter zu klären. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Für die Richtigkeit einer Rückweisung der Angelegen heit zur Abklärung des massge- benden medizinischen Sachverhalts spricht sodann ein weite rer wesentlicher Grund. Wie der obigen Sachverhaltsschilderung entnommen werden kann, h atte die IV-Stelle ihre in der vorlie- genden Angelegenheit ursprünglich ergangene Nichteint retensverfügung vom 19. September 2012 mit einer neuen Verfügung vom 4. Januar 2013 li te pendente „zwecks weiterer Abklärun- gen des medizinischen Sachverhaltes durch die IV-Stelle“ aufgehoben. Sie stützte ich damals auf eine Beurteilung des RAD-Arztes pract. med. C.____ vom 21. Dezember 2012, in welcher dieser ausgeführt hatte, dass seit der Erstellung des asi m-Gutachtens vom 1. Juli 2010 die durch fachärztliche Zeugnisse ausreichend belegten Diagno sen einer “cancer related fatigue“ und einer mittelgradigen depressiven Episode hinzugekom men seien. Dadurch sei eine Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht. F ür die Beurteilung des Gesund- heitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten s eien deshalb, so das damalige Fazit der IV-Stelle, weitere, durch sie vorzunehmende medizin ische Abklärungen erforderlich. Dies führte in der Folge dazu, dass das Kantonsgericht das da malige, gegen die Nichteintretensver- fügung vom 19. September 2012 gerichtete Beschwerdever fahren (Verfahren-Nr. 720 12 320) mit Präsidialbeschluss vom 28. Februar 2013 als gegenstand slos abschrieb. Entgegen ihrer damals ausdrücklich vertretenen Auffassung nahm die IV-Stelle in der Folge aber - aus welchen Gründen auch immer - keinerlei medizinische Abklärungen vor, bis der Versicherte im Mai 2016 (!) eine weitere massive Verschlechterung seines Gesu ndheitszustandes melden liess. Diese Untätigkeit der Beschwerdegegnerin stellt nicht n ur eine Verletzung des in Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG normierten Untersuchungsgrundsatzes dar, won ach der Versicherer die im Hin- blick auf die Ermittlung des Rentenanspruchs erforderlichen Abklärungen vorzunehmen hat, sie steht auch in klarem Widerspruch zu ihrer damaligen ge genüber dem Versicherten und dem Kantonsgericht abgegebenen Erklärung, wonach sie die An gelegenheit zwecks weiterer Abklä- rungen des medizinischen Sachverhaltes in das Verwaltungsverfahren zurücknehme. Aufgrund dieser Zusicherung durfte der Versicherte zweifellos dara uf vertrauen, dass die IV-Stelle hin- sichtlich der damals im Vordergrund stehenden Leiden ze itnah zusätzliche medizinische Abklä- rungen vornehmen werde. Der Umstand, dass sich die Abkläru ngen, die damals angezeigt ge- wesen wären, nunmehr - Jahre später - aufgrund einer zw ischenzeitlich eingetretenen, auf an- deren Ursachen beruhenden massiven Verschlechterung des Gesundheitszustands des Versi- cherten deutlich komplizierter gestalten, darf sich desha lb nicht zu dessen Lasten auswirken und er vermag insbesondere die IV-Stelle nicht von de r nachträglichen Vornahme der erforder- lichen Abklärungen zu entlasten. Auch vor diesem Hinter grund erweist sich eine Rückweisung der Angelegenheit an die IV-Stelle zur Abklärung des massgebenden medizinischen Sachver- halts als richtig. 7. Als Ergebnis ist demnach festzuhalten, dass die angefo chtene Verfügung vom 25. Ok- tober 2017 aufzuheben ist. Die Angelegenheit ist - insbesondere im Hinblick auf die Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicherten für den Zeitraum zwische n 1. März 2012 und 31. Janu- ar 2017 - zur Abklärung des massgebenden medizinischen Sac hverhalts an die IV-Stelle zu- rückzuweisen. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer medizinisch en Abklärungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Rentenanspruch des Versicherten n eu zu befinden haben. Die vorlie- gende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend hätte d eshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstan zen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Aufgrund dieser Be- stimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterlie gens nicht für die Verfahrenskosten auf- zukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden P rozess keine Verfahrenskosten er- hoben werden. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten zu versteh en, die einer Beschwerde führen- den versicherten Person im gerichtlichen Verfahren für d en Beizug einer Rechtsanwältin bzw. eines Rechtsanwaltes entstanden sind. Vorliegend hat der Beschwerdeführer zwar obsiegt, da er jedoch seine Angelegenheit selber vor Gericht vertret en hat, entfällt ein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten im Sinne der genannten Bestimmung. Die ausserordentlichen Kosten des Ver- fahrens können demnach wettgeschlagen werden. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 25. Okto ber 2017 auf- gehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht