B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1368/2013 U r t e i l v o m 1 7 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), Togo, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. März 2013 / N (…). D-1368/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Vorinstanz wies das erste Asylgesuch der Beschwerdeführerin, einer Staatsangehörigen aus Togo, mit Verfügung vom 30. September 2009 ab und ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz sowie den Vollzug an . D as Bundesverwaltungsgericht wies die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde mit Urteil D-6779/2009 vom 11. Januar 2010 ab . D ie zuständigen kantonalen Behörden teilten dem BFM mit Schreiben vom 8. Januar 2011 mit, die Beschwerdeführerin s ei seit dem 2. Novem ber 2010 verschwunden. F ür den weiteren Inhalt des ersten Asylverfahrens ist auf die Akten zu verweisen. B. Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin ihr Heimatland am 21. November 2011 erneut, reiste nach B._______ und gelangte von dort am 25. April 2012 über den Luftweg nach C._______, von wo sie am folgenden Tag unter Beihilfe einer Drittperson wieder in die Schweiz ei n- reiste, wo sie am gleichen Tag erneut um Asyl nachsuchte. Anlässlich der Kurzbefragung im Empfangs - und Verfahrenszentrum D._______ vom 14. Mai 2012 sowie der direkten Bundesanhörung vom 15. Februar 2013 machte sie zur Begründung ihres Asylgesuchs im W e- sentlichen geltend, sie sei nach ihrer Rückkehr ins Heimatland erneut wegen der politischen Aktivitäten ihr es Sohnes Verfolgungsmassnahmen seitens der togolesischen Regierung ausgesetzt gewesen. Diese habe ihr Haus zerstört und ihr drei Vorladungen zukommen lassen. Aus Angst vor einer Verhaftung und Inhaftierung habe sie sich erneut entschlossen, ihr Heimatland zu verlassen. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen gab sie ein Foto eines zerstörten Hauses und drei Vorladungen zu den Akten. Für die weiteren Vorbringen ist auf die Akten zu verweisen. C. Das BFM trat auf das zweite Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit Ver- fügung vom 6. März 2013 – eröffnet am 8. März 2013 – nicht ein und ord- nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an . Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. D-1368/2013 Seite 3 D. Die Beschwerdeführerin erhob mit Eingabe vom 14. März 2013 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Sache sei mit der verbindlichen Anweisung, einen ordentlichen Entscheid zu fällen und ihr in der Schweiz Schutz zu gewähren, an das BFM zurückzuweisen. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege unter Einschluss des Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung wird – soweit für den Entscheid erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen näher einzugehen sein. Der Beschwerde lagen verschiedene Kopien von ärztlichen Berichten bei. E. Die vorinstanzlichen Akten des laufenden Verfahrens gingen am 18. März 2013 beim Bundesverwaltungsgericht ein. F. Mit Zwischenverfügung vom 18. April 2013 wurde das BFM zur Vernehm- lassung eingeladen. G. In seiner Vernehmlassung vom 29. April 2013 stellte das BFM fest, dass keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorlägen, welche eine Änderung des Standpunktes rechtfert igten könnten. Das BFM hielt vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. H. Mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2013 wurde der Beschwerdeführerin die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt. Davon machte sie keinen Gebrauch. I. Mit Zwischenverfügung vom 19. Juni 2013 wurde das BFM zur ergänze n- den Vernehmlassung eingeladen. J. Mit Eingabe vom 27. Juni 2013 reichte die Beschwerdeführerin die Kopie einer Todesanzeige zu den Akten und legte dar, dass die verstorbene Person die einzige Kontaktperson im Heimatland gewesen sei. Sie verf ü- ge nun über kein Beziehungsnetz mehr. D-1368/2013 Seite 4 K. Mit Eingabe vom 24. Juli 2013 gab die Beschwerdeführerin die Kopie der Todesbestätigung der zuvor erwähnten Person ab. L. In seiner zweiten Vernehmlassung vom 2 4. September 2013 stellte das BFM erneut fest, dass keine neuen erheblichen Tatsachen oder Bewei s- mittel vorlägen, welche eine Änderung des Standpunktes rechtfertigten könnten. Wiederum hielt es vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. M. Mit Zwischenverfügung vom 30. September 2013 wurde die Beschwerde- führerin zur Eingabe einer Stellungnahme eingeladen. N. Mit Eingabe vom 10. Oktober 2013 wurde einerseits um Fristerstreckung zur Einreichung der Stellungnahme und andererseits um Gewährung der Einsicht in die Beschwerdeakten des ersten Asylverfahrens ersucht. O. Mit Zwischenverfügung vom 16. Oktober 2013 wurden die Gesuche um Fristerstreckung und um Akteneinsicht gutgeheissen. P. Mit Eingabe vom 24. Oktober 2013 nahm di e Beschwerdeführerin zur zweiten Vernehmlassung des BFM Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn e von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s-D-1368/2013 Seite 5 lieferungsersuchens des Staates, vor welch em die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Be - schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 – 35 As ylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdei n- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5 S. 116). Demnach enthält sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie de n Nichtein- tretensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen m a- teriellen Prüfung, hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sa- che zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73), 3.2 Indessen prüft die Vo rinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs materiell, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. D-1368/2013 Seite 6 4. 4.1 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylverfahren er- folglos durchlaufen haben oder während des hängigen Asyl verfahrens in den Heimat - oder Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser es gebe Hinweise, dass in der Zwischenzeit Ereignisse ein getreten sind, die g e- eignet sind, die Flüc htlingseigenschaft zu begründen oder die für die G e- währung vorübergehenden Schutzes relevant sind. 4.2 Der Prüfung, ob Ereignisse eingetreten sind, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, ist der Flüchtlingsbegriff gemäss Art. 3 AsylG zugrunde zu legen, wobei auf das Asylgesuch dann nicht einzutreten ist, wenn eines der Elemente des Flüchtlingsbegriffs gemäss Art. 3 AsylG offensichtlich nicht erfüllt ist (vgl. BVGE 2008/57 E. 3.3) , und ein gegenüber der Glaubhaftmachung reduzierter Bewe ismassstab a n- zuwenden ist, was bedeutet, dass auf das Asylgesuch einzutreten ist, wenn sich Hinweise auf ernsthafte Nachteile im Sinne des Flüchtling s- begriffs ergeben, die nicht zum Vorneherein hal tlos sind (vgl. BVGE 2008/57 E. 3.2), 4.3 Hinweise im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG sind genügend substanziiert vorzubringen, damit die Asylbehörden auf ein zweites Asy l- gesuch einzutreten haben, was vorliegend nicht der Fall ist, wie die nac h- folgenden Erwägungen zeigen: 4.3.1 Die Beschwerdeführerin gab zwar an, sie habe die Schweiz im N o- vember 2010 verlassen, sei nach E._______ und von dort nach F._______ und G._______ weitergereist, habe sich mal hier und mal dort während vier oder fünf Monaten beziehungsweise während zwei bis drei Monaten aufgehalten und sei im Mai oder Juni 2011 in ihr Heimatland z u- rückgekehrt. Indessen reichte sie keine Beweismittel für ihre Rückreise in ihr Heimatland zu den Akten und gab äusserst substanzlose Angaben über den Reiseweg zu Protokoll (vgl. Akte B8/12 S. 5 f. und Akte B17/15 S. 4 f.), weshalb die geltend gemachte Rückreise zu bezwei feln ist. Unter diesen Umständen bestehen an der erneu ten dargelegten Verfolgung im Heimatland erhebliche Zweifel. 4.3.2 Diese werden noch dadurch bestärkt, dass sie die gleichen Verfo l- gungsgründe wie im ersten Asylverfahren angab, welche schon damals als nicht glaubhaft betrachtet wurden. D-1368/2013 Seite 7 4.3.3 An dieser Einschätzung vermögen die eingereichten Fotos nichts zu ändern, zumal allein aus einem abgebildeten beschädigten Haus nicht auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin zu schlie s- sen ist und vorliegend die Fotos allein nicht zu belegen vermögen, dass es sich um ihr Haus gehandelt haben soll und dass es aus den von ihr vorgebrachten Gründen zerstört worden ist. 4.3.4 Zudem ist die Echtheit der zu den Akten gereichten Vorladungen in Frage zu stellen, da es sich – wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat – auf den ersten Blick ersichtlich und damit offensichtlich um Kopien von Dokumenten handelt, die nachträglich mit den Personalien der B e- schwerdeführerin versehen worden sind, weshalb Zweifel am Inhalt di e- ser Dokumente angebracht erscheinen. 4.3.5 Im Übrigen brachte die Beschwerdeführerin ihre Vorbringen pa u- schal, substanzlos und realitätsfremd vor . So konnte sie beispielsweise nicht angeben, woher die Polize i ihre aktuelle Adresse gekannt haben soll. 4.4 Insgesamt ergeben sich aus dem geltend gemachten Sachverhalt zahlreiche Ungereimtheiten, welche gegen offensichtliche Hinweise auf in der Zwischenzeit eingetretene Ereignisse im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG sprechen. Somit sind die Vorbringen der Beschwerdeführerin offensichtlich haltlos, weshalb keine Hinweise auf in der Zwischenzeit eingetretene Ereignisse vorliegen, die geeignet sind, die Flüchtlingse i- genschaft zu begründen, oder für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. 4.5 An dieser Würdigung des Sachverhalts vermögen die weiteren Au s- führungen in der Beschwerde oder die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern. 4.6 Das BFM ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das zweite Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein - getreten. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). D-1368/2013 Seite 8 5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltu ngsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148; BVGE 2011/24 E. 10.2). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweize rischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. D-1368/2013 Seite 9 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be- schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsh o- fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folteraus- schusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaf t machen, dass ihr im Fall einer Rüc k- schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist der Beschwerdeführerin indessen nicht gelungen. Auch die al l- gemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt d en Wegwe i- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.4.1 Bezüglich der allgemeinen Situation in Togo ist festzuhalten, dass keine Situation allgemeiner Gewalt oder Krieg herrscht, wesha lb der Wegweisungsvollzug grundsätzlich als zumutbar gilt. 6.4.2 Gestützt auf die Aktenlage steht nicht mit hinreichender Wah r- scheinlichkeit fest, wo sich die Beschwerdeführerin seit dem Abschluss des ersten Asylverfahrens in der Schweiz tatsächlich au fgehalten hat. Diesbezüglich sind ihre Angaben substanzlos geblieben, weshalb sie D-1368/2013 Seite 10 nicht glaubhaft erscheinen. Es vermag nicht zu überzeugen, dass die B e- schwerdeführerin nicht konkret und detailliert Auskunft darüber geben konnte, von wann bis wann sie sich vor der zweiten Reise in die Schweiz wo oder bei wem und wie lange aufgehalten haben soll. Damit sind ihre Aussagen in einem wesentlichen Punkt nicht glaubhaft. 6.4.3 Angesichts der notorisch bekannten weitverzweigten verwand t- schaftlichen Verhältnisse in Togo und der langen Dauer, während der sich die Beschwerdeführerin vor ihren Asylgesuchen in der Schweiz in ihrem Heimatland aufhielt, kann ihr nicht geglaubt werden, sie verfüge dort über kein soziales Beziehungsnetz, welches sie im Fall ihrer Rückkehr unte r- stützen könnte. Vielmehr ist auch diesbezüglich mit dem BFM übereinz u- stimmen, dass davon auszugehen ist, sie wolle ihr Beziehungsnetz im Heimatland den schweizerischen Asylbehörden gegenüber verschweigen, um sich aufgrund ihres Alters und ihre s Gesundheitszustandes ein Auf- enthaltsrecht in der Schweiz zu verschaffen. An dieser Einschätzung vermögen die Kopien einer Todesanzeige nichts zu ändern, zumal nicht belegt oder glaubhaft gemacht ist, dass es sich bei der darin erwähnten Person um die einzige Bekannte im Heimatland gehandelt haben soll. Im Übrigen konnte der Beschwerdeführerin bereits anlässlich des ersten Asylverfahrens nicht geglaubt werden, sie verfüge über kein tragfähiges Beziehungsnetz. Insgesamt sind aus den Akten keine überzeugenden Angaben ersichtlich, gestützt auf welche von einem fehlenden Bezi e- hungsnetz auszugehen wäre. 6.4.4 Die unglaubhaften Aussagen über ihre Aufenthaltsort e vor der Wie- dereinreise in die Schweiz und über ihr Beziehungsnetz im Heimatland bestätigen die Annahme, dass die Beschwer deführerin ihr soziales B e- ziehungsnetz – im engeren oder im weiteren Sinn – nicht offenlegen will. Folglich ist zu ihren Ungunsten davon auszugehen, dass ein solches im Heimatland vorhanden ist. 6.4.5 Des Weiteren kann der Beschwerdeführerin nicht geglaubt werde n, sie habe im Heimatland keine gesicherte Wohnsituation. An dieser Ei n- schätzung vermögen die Kopien eines zerstörten Hauses nichts zu ä n- dern, da diese Beweismittel nichts belegen können, zumal nicht feststeht, dass es sich um das ehemalige Wohnhaus der Be schwerdeführerin ge- handelt habe. Ebenso wenig kann dem Beweismittel entnommen werden, wann, unter welchen Umständen und aus welchem Grund es zerfiel oder zerstört wurde. D-1368/2013 Seite 11 6.4.6 Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme ist festzuhalten, dass der im Arztbericht vom 8. Oktober 2012 ausgewiesene H._______ im Heimatland medikamentös behandelt werden kann, wie die Abklärungen des BFM anlässlich seiner Vernehmlassungen ergeben h a- ben. Zudem sind die infolge der in der Schweiz vorgenommenen I._______ erforderlichen Medikamente i n Togo erhältlich und die in di e- sem Zusammenhang notwendigen Kontrolluntersuchungen alle sechs bis zwölf Monate dort durchführbar. Die Medikamente sind in J._______, wo- her die Beschwerdeführerin kommt, erhältlich , und für die Kont rollunter- suchungen kann sie sich in dieser Stadt in zwei mögliche Kliniken K._______ begeben. Die Einwände der Beschwerdeführerin, sie verfüge nicht über die nötigen finanziellen Ressourcen, müsse alles aus der eig e- nen Tasche bezahlen, habe keine Krankenve rsicherung und könne nur beschränkt von der medizinischen Rückkehrhilfe profitieren, weshalb sie nach kurzer Zeit in eine Notlage gerate, vermögen nicht zu überzeugen. Insbesondere ist es der Beschwerdeführerin zuzumuten, sich aufgrund ih- rer früheren Tätigkeit als Krankenschwester wieder um eine Arbeitsstelle zu bemühen, um f ür die Kosten der benötigten Medikamente und Unte r- suchungen aufzukommen zu können. Ihr Einwand, sie werde aufgrund ih- res Alters und ihres Gesundheitszustandes keine Arbeit finden, verma g nicht zu überzeugen, da eine Frau mit Berufserfahrung im Alter von 56 Jahren auch unter den gegebenen Umständen arbeiten kann, und folglich der Gesundheitszustand weder zur Arbeitsunfähigkeit noch zu einer No t- lage führt. Der Einwand, sie habe bloss als ungelernte Krankenschwester gearbeitet, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, da sie vor ihrer ersten Reise in die Schweiz gemäss ihren Aussagen offenbar auch ohne abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachfrau die Tätigkeit als Krankenschwester ausüben konnte. Somit vermögen die geltend g e- machte angeblich fehlende Ausbildung, das Alter und der Gesundheitszu- stand nicht grundsätzlich zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Die Beschwerdeführerin benötigt im Heimatland täglich Med i- kamente (L._______, M._______ und N._______ je eine Dosierung) und muss alle sechs bis zwölf Monate die O._______ überprüfen lassen. L._______ enthält den Wirkstoff P ._______, welcher in Schachteln zu 30 Stück je nach Stärke zwischen Fr. 1.60 und Fr. 3.30 erhältlich ist. 30 Stück N._______ kosten zwischen Fr. 9.– und Fr. 9.20. Der in M._______ enthaltene Wirkstoff Q._______ ist in Togo ebenfalls erhältlich. Da es sich um ein rezeptfreies Schmerzmittel handelt, das auch in der Schweiz ve r- hältnismässig günstig zu kaufen ist, kann mit vergleichsweise niedrigen Kosten in Togo gerechnet werden. Ausserdem ist nicht davon auszug e- hen, dass die Beschwerdeführerin heute immer noch täglich eine Dosis D-1368/2013 Seite 12 benötigt. Somit beläuft sich der monatliche finanzielle Aufwand für M edi- kamente in der Grössenordnung zwischen Fr. 12. – und 14.–. Die jährli- chen Kosten betragen zwi schen Fr. 144.– und Fr. 168. –. Dazu kommen jährliche Ausgaben für ärztliche beziehungsweise labortechnische Ko n- trollen in der Höhe zwischen Fr. 43.– (im öffentlichen Spital) beziehungs- weise Fr. 49.– (im Privatspital) bei einer Kontrolle pro Jahr und Fr. 86.– oder Fr. 98.– bei zwei Kontrollen pro Jahr. Damit im Fall der Beschwerde- führerin eine adäquate medizinische Behandlung gewährleistet ist, ben ö- tigt sie somit j ährlich zwischen im günstigsten Fall Fr. 187.– und im te u- ersten Fall Fr. 266.–. Der gesetzliche Mindestlohn in Togo beträgt Fr. 66.– während medizinische Assisten ten in den medizinischen Zentren zw i- schen Fr. 94. – und 151. – verdienen (vgl. Wageindicator.org, Minimum Wages in Togo with effect from January 1, 2012, 2013, abgerufen am 30. Oktober 2013; Santé -Education, Les contractuels des CMS et USP du Togo mécontents de leur salaire, 15. Februar 2012, abgerufen am 30. Ok- tober 2013). Bei einem Jahreseinkommen von mindestens Fr. 792. – und höchstens Fr. 1'812. – beträgt der Anteil der Gesundheitskosten für die Beschwerdeführerin somit ungefähr zwischen zwanzig und dreissig Pr o- zent ihres Einkommens, je nachdem, welche Medikamente sie kauft und wo sie sich behandeln lässt, beziehungsweise wie hoch ihr Lohn ausfa l- len wird. Dieser Anteil mag zwar hoch erscheinen, ist indessen zu relat i- vieren. Einerseits kann die Beschwerdeführerin – sofern sie sich darum bemüht, was zumutbar ist – medizinische Rückkehrhilfe beantragen, mit welcher sie in den ersten Monaten die medizinischen Kosten begleichen kann; andererseits kann ihr – wie schon mehrmals erwähnt – nicht g e- glaubt werden, dass sie kein Beziehungsnetz im Heimatland hat, was insbesondere auch im Hinblick auf die im Vergle ich zu den anstehenden Gesundheitskosten sehr teuren Reisen in die Schweiz zu sehen ist. Ihr Einwand, diejenige Person, welche ihr die Reisen bezahlt habe, sei g e- storben und nun habe sie niemanden mehr, der sie unterstütze, vermag nicht zu überzeugen, wie aus den vorangehenden Erwägungen hervor- geht. 6.4.7 Damit liegen – trotz des Alters und der gesundheitlichen Probleme – genügend begünstigende Faktoren vor, um von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgehen zu können. Insbesondere ist aufgrund der vorange henden Erwägungen insgesamt anzunehmen, dass die B e- schwerdeführerin in ihrem Heimatland über ein tragfähiges Beziehung s- netz verfügt, das ihr bei ihrer Rückkehr behilflich sein kann und sie unter- stützen wird. Zudem hat sie den grösseren Teil ihres bisherigen Lebens in ihrem Heimatland verbracht, wo sie mit der Sprache, der Kultur und der D-1368/2013 Seite 13 Lebensweise bestens vertraut ist. Ausserdem ist ihre Erkrankung auch im Heimatland behandelbar, wie die vorangehenden Erwägungen gezeigt haben. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass sie nach ihrer Rück- kehr nach Togo in eine existenzielle Notlage geraten wird. 6.4.8 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht ( Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem sich gezeigt hat, dass das vorliegende Beschwerdeverfahren nicht aussichtslos war und von der Bedürftigkeit der Besc hwerdeführerin auszugehen ist , wird das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgehei s- sen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet. Das Gesuch um Erlass eines Kostenvorschusses ist gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) D-1368/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: