<h2>SubmittedText<h2><p>Wie Anfang Dezember 2000 bekannt wurde, hat das Bundesamt für Statistik (BFS) in den letzten Monaten den Teuerungsindex falsch berechnet. Dieser Fehler hat vermutlich erhebliche Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft, wird doch dieser Index u. a. regelmässig für die Berechnung von Konjunkturprognosen oder als Grundlage für Lohnverhandlungen zwischen den Sozialpartnern verwendet. In den Medien war die Rede von möglichen Folgekosten in der Höhe von mehreren hundert Millionen Franken. Die Fehlberechnungen des Teuerungsindexes wurden nicht etwa im Rahmen von internen Kontrollen, sondern durch externe Experten aufgedeckt.</p><p>Wie das zurzeit mit der eidgenössischen Volkszählung beschäftigte BFS der Bevölkerung zu Recht zu bedenken gibt, ist die amtliche Statistik als Informations- und Entscheidungsgrundlage in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen, wie etwa in der Verkehrsplanung (Pendlerstatistik), in der Altersvorsorge (demographische Prognosen) oder im Gesundheitswesen (Spitalstatistik) von eminenter Bedeutung. Fehler in diesen statistischen Grundlagen hätten enorme Folgen für grosse Teile der heutigen Bevölkerung wie auch für zukünftige Generationen.</p><p>Es liegt auf der Hand, dass sich vor diesem Hintergrund nicht nur Fragen nach den unmittelbaren und mittelbaren Folgen dieses Fehlers stellen, sondern ebenso nach der Qualität der übrigen vom BFS publizierten Daten.</p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Welches sind die unmittelbaren und mittelbaren wirtschaftlichen Folgen dieser Fehlberechnung des Teuerungsindexes?</p><p>2. Wie sicher sind die übrigen vom BFS regelmässig publizierten Daten?</p><p>3. Wie geht das BFS bei der Qualitätssicherung und bei der Qualitätskontrolle seiner Produkte vor?</p><p>4. Was unternimmt das BFS, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich bewusst, dass der Qualität statistischer Informationen eine grosse Bedeutung zukommt. Deshalb hat das für die meisten statistischen Ergebnisse auf Bundesebene zuständige Bundesamt für Statistik (BFS) schon immer dem Problem der Qualitätssicherung und der Qualitätskontrolle, die zum statistischen Handwerk gehören, die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt. Das BFS hat auch Sofortmassnahmen eingeleitet, um die Qualitätssicherung bei der Berechnung des Landesindexes der Konsumentenpreise zu verbessern.</p><p>Zu den einzelnen Fragen nimmt der Bundesrat folgendermassen Stellung:</p><p>1. Der Berechnungsfehler des Landesindexes der Konsumentenpreise wirkte sich insbesondere in den Monaten September und Oktober aus (in den vorangegangen Monaten, von Juni 2000, nach der Umstellung auf die neue Basis, bis August 2000 waren die Auswirkungen minim). Das BFS korrigierte den Fehler umgehend und orientierte am 30. November 2000 die Öffentlichkeit sehr rasch. Damit standen vielen Entscheidungsträgern noch rechtzeitig vor Jahresende die korrekten Ergebnisse zur Verfügung.</p><p>Dank dieser Informationspraxis sowie der raschen Korrektur des Fehlers sind gemäss gegenwärtigem Informationsstand des Bundesrates keine wirtschaftlichen Folgen bekannt. Allfällige, gemäss heutiger Einschätzung jedoch kaum zu erwartende wirtschaftliche Auswirkungen des Berechnungsfehlers könnten indessen erst auf der Grundlage der wirtschaftlichen Eckdaten der Jahre 2000 und 2001 geschätzt werden.</p><p>2. Die Daten des BFS gelten in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen als zuverlässig und sind sicher. Der Fehler beim Landesindex der Konsumentenpreise ist denn auch der erste schwerwiegende Vorfall im BFS in einem Zeitraum von mindestens zwanzig Jahren, der von den Verantwortlichen des BFS überblickt werden kann.</p><p>Es muss allerdings betont werden, dass es - wie die Panne beim Landesindex der Konsumentenpreise zeigt - keine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Eine solche wäre unbezahlbar und würde zu einer markanten Verzögerung der Veröffentlichungen mit ebenfalls schwerwiegenden negativen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft führen. Das BFS strebt demzufolge unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und dem Gebot einer möglichst grossen Aktualität eine adäquate und optimale Sicherheit an.</p><p>3. Qualitätssicherung und Qualitätskontrollen werden in allen Fachbereichen und bezüglich aller relevanter Teilschritte durchgeführt. Als zentrale Beispiele sind zu erwähnen: Überprüfung der Methodik, Vollständigkeitskontrollen der erhobenen Daten, Plausibilitätskontrollen der statistischen Daten und Ergebnisse, Kontrolle und Evaluation der Analyse und der Diffusion statistischer Informationen.</p><p>Die Qualitätssicherung und Qualitätskontrollen richten sich bezüglich Umfang und Tiefe nach unterschiedlichen Kontrollniveaus, je nach Gebiet und nach dem Anforderungsprofil an die statistischen Informationen.</p><p>4. Das BFS ist sich seit jeher bewusst, dass die Qualität und die Qualitätskontrolle zu einem wesentlichen Element der statistischen Produktion gehört.</p><p>Um bei zunehmender Komplexität und Vernetzung in der amtlichen Statistik das Qualitätsmanagement indessen weiterzuentwickeln, zu verbessern und zu systematisieren, wurde auf Januar 2000 die Stelle eines Qualitätsleiters im BFS besetzt. Dabei geht es nicht nur um die Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle im Sinne der Verbesserung von statistischen Endergebnissen, sondern auch um Qualitätsverbesserungen im Bereich der Prozesse, der Führung sowie im Einsatz des Personals und adäquater Sachmittel. Ziel ist es folglich, im BFS die Philosophie eines modernen Total-Quality-Management zu verankern.</p><p>Im Hinblick auf den Kontrollumfang und die Kontrolltiefe (siehe Ziff. 3) wird das BFS mittelfristig für jede Informationskategorie eine kohärente, systematische und fallspezifische Qualitätsmanagement-Policy weiterentwickeln. Bereits heute werden in den Statistikbereichen Qualitätsanforderungen gestellt, die im Hinblick auf einen stufengerechten Idealzustand indessen zu verbessern sind.</p>  Antwort des Bundesrates.