Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. September 2017 (745 16 407 / 254) ____________________________________________________________________ Ergänzungsleistungen Beurteilung der Voraussetzungen für die Anrechnung eines Vermögensverzichts nach Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG; Verlust des Gesamtvermög ens im Zusammenhang mit binärem Optionshandel Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Manfred Bayerdör- fer, Advokat, Rathausstrasse 40/42, 4410 Liestal gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Ergänzungsleistungen A. Die 1948 geborene A.____ meldete sich am 12. Jul i 2016 zum Bezug von Ergänzungs- leistungen (EL) an. Nach Abklärung des massgebenden Sachverhalts lehnte die Ausgleichs- kasse Basel-Landschaft mit Verfügung vom 1. August 2016 infolge eines Einnahmeüberschus- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ses einen EL-Anspruch von A.____ ab. Die dagegen erhoben e Einsprache hiess die Aus- gleichskasse mit Entscheid vom 7. November 2016 teilweis e gut. Zur Begründung führte sie aus, dass entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung der erlittene Wertschrif- tenverlust in Höhe von Fr. 200'247.-- nicht als Vermög ensverlust zu qualifizieren sei. Denn für diesen Kapitalverlust sei die Finanzkrise des Jahres 2008 ver antwortlich, welche jedoch für A.____ nicht voraussehbar gewesen sei. Demgegenüber sei der anfangs 2016 aus der Vermö- gensanlage bei der B.____ realisierte Verlust von Fr. 1 34‘337.30 auf ein grobfahrlässiges Ver- halten zurückzuführen und deshalb als Vermögensverzicht anzurechnen. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten du rch Advokat Dr. Manfred Bayerdörfer, am 8. Dezember 2016 Beschwer de ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantrag te sie, es sei der angefochtene Ent- scheid aufzuheben und es sei die Streitsache zur Neuberec hnung des EL-Anspruchs ohne An- rechnung, d.h. ohne Berücksichtigung eines Verzichtsvermög ens, an die Vorinstanz zurückzu- weisen. Zudem sei der Versicherten die unentgeltliche Ve rbeiständung zu bewilligen; unter o/e- Kostenfolge. In der Begründung machte sie im Wesentli chen geltend, dass sie ihr Vermögen erst nach einer längeren einwandfreien "Probezeit" i m Handel mit binären Optionen bei der B.____ auf ein Online-Konto dieser Firma transferiert habe. Dabei habe sie diese Firma nie da- zu ermächtigt, über das transferierte Kapital zu verf ügen oder mit diesem an ihrer Stelle Opti- onsgeschäfte zu tätigen. Dass die Firma ihr Anfang März 2016 die Verfügungsmacht über ihr Handelskonto und somit auch über ihr Vermögen entziehe, habe sie nicht voraussehen können. Es könne ihr deshalb kein grobfahrlässiges Verhalten vorgew orfen werden. Der unfreiwillige Vermögensverlust erfülle damit die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen für die An- nahme eines Vermögensverzichts nicht, weshalb der EL-Anspr uch ohne Anrechnung eines Vermögensverzichts neu festzulegen sei. C. Die Ausgleichskasse beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 27. Januar 2017 die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 2. Februar 2017 wurde der Beschwe rdeführerin die unentgeltliche Verbeiständung bewilligt. E. In der Replik vom 31. März 2016 präzisierte die Besch werdeführerin den Sachverhalt. Zudem führte sie ergänzend an, dass sie sich bei einer S chweizer Kundin der Firma B.____ über deren Seriosität vergewissert habe. F. Die Ausgleichskasse beantragte in ihrer Duplik vom 2 . Mai 2017 weiterhin die Abwei- sung der Beschwerde. Sie hielt daran fest, dass die Besch werdeführerin den Totalverlust ihres Vermögens selbst zu verantworten und zu tragen habe. G. Am 13. September 2017 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter die Beweisverfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vo m 27. Juli 2017, einen Screen- shot der Website der B.____ vom 3. April 2017 und eine n Ausdruck über die Fehlermeldungen beim Versuch, die Website zu öffnen, einreichen. Der Beweisverfügung vom 27. Juli 2017 sei Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu entnehmen, dass nach Auffassung der Staatsanwaltschaft d er hinreichende Tatverdacht bestehe, dass die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit dem Online-Handel betrogen worden sei. Aus dem Screenshot sei ersichtlich, dass mittle rweile der Zugang zum Konto der Beschwerdeführerin bei der B.____ wegen eines angebli ch ungültigen Passworts verweigert werde. H. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Besch werdeführerin, ihr Rechtsvertre- ter sowie ein Vertreter der Ausgleichskasse, teil. Nachde m die Beschwerdeführerin zum Sach- verhalt befragt wurde, hielten die Parteien in ihren Parteivorträgen, an ihren Rechtsbegehren und ihren Ausführungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über Ergänzungsleistungen zur Al- ters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) vom 6. Oktober 2006 auf die Ergän- zungsleistungen anwendbar sind, kann gegen Einspracheentsch eide der Versicherungsträger beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen K antons, in dem die versicherte Per- son zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsg erichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsger icht als Versicherungsgericht als einzi- ge gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Eins pracheentscheide der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachli ch zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 28. Januar 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführe rin beim Online-Börsenhandel einen Verlust praktisch ihres gesamten Vermögens erlitt. Streitig und zu prüfen ist, ob der Kapi- talverlust in Höhe von Fr. 134‘337.30 bei der EL-Bere chnung als Vermögensverzicht zu qualifi- zieren ist. 2.2 Gemäss Art. 9 Abs. 1 ELG entspricht die jährliche EL dem Betrag, um den die aner- kannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen überstei gen. Als Einnahmen angerechnet werden auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzich tet worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG). Der Tatbestand dieser Bestimmung ist erfüllt, wenn der Leistungsansprecher ohne recht- liche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet resp. solches hergegeben hat (BGE 140 V 267 E. 2.2 S. 270, 134 I 65 E. 3.2 S. 70, 131 V 329 E. 4.2 S. 332 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2012, 9C_904/2011, E. 4.1). Die Anrechnung von hypothetischem Einkommen und Vermögen gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG dient primär der Verhinderung von rechtsmi ssbräuchlichem Verhalten, indem Versi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherte nicht zulasten der Sozialversicherung auf Einkommen verzichten oder sich vorhandener Vermögenswerte entäussern sollen. Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG ist damit auch Ausdruck der EL- spezifischen Schadenminderungspflicht, wonach eine versicher te Person ihren Existenzbedarf soweit möglich und zumutbar aus eigener Kraft finanzier en muss. Die Schadenminderungs- pflicht verlangt einen sorgfältigen Umgang mit Einkomme nsquellen und Vermögenswerten, da- mit die EL-spezifische Eigenverantwortung wahrgenommen wird (vgl. R IEMER -KAFKA GABRIELA /W ITTWER AMANDA , Der Verzicht im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG unter besonde- rer Berücksichtigung der Kapitalauszahlung in der zweite n Säule, in: SZS 2013 S. 417 f. mit Hinweisen). 2.3 Ein Vermögensverzicht liegt vor, wenn die Entäusserun g ohne Rechtspflicht und ohne adäquate Gegenleistung erfolgte (BGE 134 I 65 E. 3.2 S. 70, 131 V 329 E. 4.2 S. 332). Die An- lage eines Vermögens ist grundsätzlich kein Vermögensverzi cht (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2001, P 55/05, E. 3.2), ebenso wie das dabei eingegangene Risiko eines Total- verlusts, da dieses prinzipiell bei jeder Vermögensanlage besteht. Dass Anlagen, die eine höhe- re Rendite erwarten lassen, auch eine höhere Ausfallwa hrscheinlichkeit implizieren, ist für sich allein nicht ausschlaggebend. Auch wenn das Risiko einer An lage überdurchschnittlich ist und sicherere Anlagen möglich gewesen wären, ist nicht zwing end ein Vermögensverzicht anzu- nehmen. Der Tatbestand des Vermögensverzichts wurde ursprü nglich aufgenommen, um Fälle zu erfassen, in denen auf Werte verzichtet wurde, um EL zu erwirken. Auf dieses subjektive Element wurde zwar später verzichtet, weil es oft schwierig festzustellen ist. Gleichwohl gilt aber, dass das EL-System in der Regel von den tatsächlich vo rhandenen Mitteln auszugehen und nicht danach zu fragen hat, ob der EL-Ansprecher in der Vergangenheit im Rahmen einer Normalitätsgrenze gelebt hat (im Sinne einer "Lebens führungskontrolle"). Der Vermögensver- zicht muss daher grundsätzlich auf Sachverhalte beschränkt b leiben, in denen bewusst ein Vermögen weggegeben oder zumindest in fahrlässiger Wei se eine risikoreiche Investition getä- tigt wurde, bei welcher von Anfang an mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Verlust des gesamten oder eines Teils des Vermögens gerechnet werden musste, so dass kein vernünftiger Mensch eine solche Anlage getätigt hätte (Urteile des Bundesgerichts vom 5. März 2012, 9C_904/2011, E. 4.1 sowie vom 15. Juni 2010, 9C_180/2010, E. 5.2 und 6 mit Hinweisen). Das eingegangene Risiko muss demjenigen eines Vabanquespiels, bei dem alles aufs Spiel gesetzt wird, gleich kommen (Urteile des Bundesgerichts vom 26. Januar 2007, P 55/05, E. 3.2 sowie vom 26. April 2006, P 16/05, E. 4.1 - 2). 2.4 Fehlt es an einem von Anfang an absehbaren Verlust, kann auf die spätere Entwick- lung höchstens dann abgestellt werden, wenn ein bevorsteh ender, beträchtlicher Verlust für eine breite Anlegerschaft klar erkennbar geworden ist u nd der EL-Ansprecher geradezu grob- fahrlässig wirksame Vorkehren zum Vermögensschutz unterlä sst, die jeder vernünftige Anleger in gleicher Lage getroffen hätte. So stellt die Anla ge eines Vermögens in Festgeldanlagen in Britischen Pfund und in Optionen auf verschiedene Aktien erstklassiger Unternehmen, woraus im Zusammenhang mit der Finanzkrise im Jahr 2008 ein gro sser Verlust resultierte, keinen Vermögensverzicht dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_180/20 10 vom 15. Juni 2010, E. 3. und 6.). Auch die Gewährung eines Darlehens ist für sich allein nicht eine Verzichtshandlung, da ein Anspruch auf Rückzahlung besteht (Urteil des Bundesgericht s vom 22. Januar 2000, P 53/99, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 2b). Ein Verzichtstatbestand ist jedoch anzunehmen, we nn bei einer Geldanlage oder einem Darlehen unter den konkreten Umständen von Anfang an d amit gerechnet werden muss, dass das Geld nicht zurückbezahlt wird (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juni 2010, 9C_180/2010, E. 5.2 mit Kasuistik). Dies ist der Fall, wenn bewusst ei n Vermögen weggegeben oder zumin- dest in fahrlässiger Weise eine risikoreiche Investition g etätigt wurde, bei welcher ein (erhebli- cher) Verlust im Zeitpunkt der Investition sehr wahrschein lich und damit absehbar war (Urteile des Bundesgerichts vom 14. April 2011, 9C_186/2011, E. 3.2 und vom 15. Juni 2010, 9C_180/2010, E. 6). So bejahte das Bundesgericht eine n Vermögensverzicht in einem Fall, in welchem eine Vollmacht erteilt wurde, das Vermögen ohne jede Einschränkung zu verwalten. In der Folge investierte der Bevollmächtigte das ganze Ver mögen in Schuldverschreibungen einer einzigen auf den British Virgin Islands registrierten, nicht börsenkotierten Gesellschaft, welche einen Zins von 12 % versprach. 2.5 Das mit einer Investition verbundene Risiko hängt in erster Linie von der Bonität des Schuldners und der Möglichkeit ab, den Anspruch auf Rückza hlung des angelegten Betrags und Leistung von Zinsen gegebenenfalls durchzusetzen. Wä hrend öffentliche Anleihen westli- cher Industrienationen im Allgemeinen als sicher gelten können, trifft dies bei privaten Unter- nehmen in stark unterschiedlichem Masse zu. Insbesondere Gesel lschaften, deren Struktur nicht oder nicht genügend transparent ist, bieten unte r Umständen nur geringe Gewähr für die Begleichung künftiger Forderungen (Urteile des Bundesg erichts vom 14. April 2011, 9C_186/2011, E. 3.3 und vom 2. Februar 2007, P 12/06, E. 3.3). 3.1.1 Dem umstrittenen Vermögensverzicht liegt zusammenfa ssend folgender Sachverhalt zugrunde: Die Beschwerdeführerin liess sich nach Abschluss eines 6-monatigen Trainings im Börsen-Trading bei der C.____ im Dezember 2015 bei de r B.____ registrieren. Diese Firma ist ein Online-Broker für binäre Optionen (auch digitale Optionen genannt) und weitere Finanzpro- dukte. Sie ist auf den Y.____ registriert; ihr Sitz be findet sich auf den Z.____. Die Firma kon- zentriert sich im Bereich der binären Optionen auf diverse Handelsvarianten, bei denen man auf die Kursentwicklung von Rohstoffen, Indizes, Währungen oder Aktienkursen wettet. Der Handel mit binären Optionen gestaltet sich einfach. In der Re gel wird darauf gewettet, dass ein Basis- wert, wie z.B. der Kurs einer Aktie, nach einer zwischen wenigen Sekunden und Tagen dauern- den Zeitspanne über oder unter dem Wert zum Abschlusszeitp unkt liegt. War die Einschätzung richtig, so erhält man vom Anbieter eine Gewinnquote gutgeschrieben, die regelmässig zwi- schen 40 % und 90 % liegt. War sie dagegen falsch, strei cht der Anbieter den Einsatz komplett ein (vgl. S CHÄFER MICHAEL , Anlegen wie im Casino, in: Neue Zürcher Zeitung vom 21. Januar 2017, online: www.nzz.ch/finanzen/binaere-optionen-anl egen-wie-im-casino-ld.141211). Zu- gang zum Börsenmarkt erlangt man über eine der zahlreich en Handelsplattformen im Netz wie z. B. die B.____. Sobald die Registrierung auf der Pl attform bei einer solchen Firma abge- schlossen ist, wird ein Konto eröffnet, auf welches Geld deponiert werden kann. Von diesem Konto aus erfolgen dann die Investitionen in binäre Optionen. 3.1.2 Vorliegend überwies die Beschwerdeführerin nach der Registrierung am 17. Dezember 2015 auf ihr Konto bei der B.____ einen Betrag von € 250.-- (vgl. Kontoauszug “Deposit“, ID 1703). Als Kontoinhaberin konnte sich die Beschwerdefü hrerin mit einem Passwort auf die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Online-Plattform einloggen. Dort konnte sie offene u nd abgelaufene Positionen, getätigte Ein- zahlungen und Rückzüge sowie den Kontostand einsehen. Zu Beginn handelte die Beschwer- deführerin nur mit geringen Beträgen von € 25.--; ihre Investitionen waren auch erfolgreich. Die- se Geschäfte wurden von der B.____ jeweils korrekt verbuch t (vgl. Kontoauszug "Expired Posi- tions – Ladder“, ID 1315 - 1364). Schliesslich deponier te sie am 1. Februar 2016 auf ihrem Kon- to einen Betrag von € 29‘960.-- (Kontoauszug “Deposit“, ID 2531). Den entsprechenden Auftrag bestätigte die Beschwerdeführerin mit ihrer Unterschrift (vgl. Bestätigung der B.____ vom 1. Februar 2016). Die beiden am gleichen Tag abgeschlossenen Handelsgeschäfte in Höhe von je € 500.-- waren ebenfalls Gewinn bringend. Die entsprechenden Verbuchungen erfolgten wie- derum korrekt (vgl. Kontoauszug "Expired Positions – Ladd er", ID 1814 und 1815). 3.1.3 Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin nahm de r Berater der B.____, D.____, kurz nach der Registrierung im Dezember 2015 telefonisch Kontakt mit ihr auf. In der Folge kontaktierte er sie fast täglich. Er kommentierte ihre getätigten Optionsgeschäfte und lobte sie für ihre Erfolge. Mit der Zeit riet er der Beschwerd eführerin ihre Kapitaleinlage zu erhöhen, weil sie dann von zusätzlichen Dienstleistungen und attraktiven Bonusangeboten profitieren und ausserdem Bankgebühren von jährlich Fr. 1'000.-- einspa ren könne. Zudem bestehe die Mög- lichkeit, bei günstiger Gelegenheit auch einmal eine gr össere Summe rasch für ein Optionsge- schäft einzusetzen. Vor der Kapitalüberweisung liess sich die Beschwerdeführerin von D.____ die Telefonnummer einer Schweizer Kundin geben. Diese gab an, dass sie gute Erfahrungen mit der Firma gemacht habe und sich die Kapitalrückzüge p roblemlos gestaltet hätten. Danach überwies sie am 26. Februar 2016 praktisch ihr gesamtes Ba nkguthaben in Höhe von € 124‘000.-- auf ihr Konto bei der B.____ (vgl. Kredi tkartenrechnung der E.____ vom 17. März 2016 und Bestätigung der B.____ vom 27. Februar 2016 ). Gemäss dem Kontoauszug "Expired Positions - Ladder" schloss sie noch einige Handelsgeschäfte mit bescheidenen Beträgen ab. Am 1. März 2016 wurde ihr auch der versprochene Bonus in Höhe von € 30'000.-- gutgeschrie- ben (vgl. Kontoauszug “Deposit“, ID 3459). Dem Kontoau szug “Expired Positions - Long Term" ist zu entnehmen, dass ab 3. März 2016 von ihrem Konto Beträge von mindestens € 5'000.-- für langfristige Optionen eingesetzt wurden. Es folgten we itere Investitionen in Long Term- Optionen, aber auch unter anderem in die ultrakurzfristigen “Sixty Seconds“-Optionen (vgl. Kon- toauszug “Expired Positions - Sixty Seconds“). Für die Hand elsgeschäfte ab 3. März 2016 gab die Beschwerdeführerin nie ihre Einwilligung. Erfolgl os versuchte sie deswegen ihren Berater D.____ und die B.____ per Telefon sowie E-Mail zu kon taktieren. Den einzigen Kontakt konnte sie über die allgemeine Rufnummer der B.____ herstell en, ohne dabei sachdienliche Auskünfte zu erhalten. Am 1. bzw. 2. März 2016 gelang es ihr noch, dass ihr € 5‘000.--- zurücküberwiesen wurden (vgl. Kreditkartenrechnung der E.____ vom 17. Mä rz 2016; Kontoauszug “Withdrawal“, ID 3461). Die späteren Rücküberweisungssaufträge wurden jedoch nicht mehr ausgeführt (Kon- toauszug “Withdrawal“ ID 3482 - 5794). Ohne Einfluss au f das Geschehen nehmen zu können, musste die Beschwerdeführerin zusehen, wie ihr Guthaben schrumpfte (vgl. Kontoauszüge "Expired Positions - Long Term", “Expired Positions - Sixt y Seconds“, “Expired Positions - Bina- ry Options“ und "Open Positions - Long Term“). Aufgrund der ab Ende April 2016 ins Netz ge- stellten Erfahrungsberichte von anderen Kunden erkannte die Beschwerdeführerin, dass auch andere, darunter die Schweizer Kundin, mit welcher sie zuvor Kontakt hatte, von der B.____ nach dem gleichen Vorgehensmuster um ihre Einlagen geprellt wurden. Dies wird auch von der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchang e Commission) bestätigt (vgl. zu Erfahrungen: B.____ Broker Review 2017 - Truth About B.____ Binary Options Trading Plat- form, online: www.youtube.com/watch?v=qXg6uf5ill4; Wa rnhinweis der SEC "Binary Options and Fraud", online: www.sec.gov/investor/alerts/ia_binary.pdf). Inzwischen ist das Einloggen auf der Webseite bei der B.____ nicht mehr möglich. 3.2 Die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Beschwerdefüh rerin wird von der Ausgleichs- kasse nicht bestritten. Da sich auch aus den Akten keine Hi nweise auf Widersprüche ergeben, ist auf den geschilderten Sachverhalt abzustellen. Es ist demzufolge davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin am 26. Februar 2016 praktisch ih r ganzes Restvermögen auf ihr Konto bei der B.____ überwies und ab 3. März 2016 Transaktio nen über ihr Konto erfolgten, für wel- che sie der B.____ keine Vollmacht erteilte. Dass diese Geschäfte ohne ihr Einverständnis ge- tätigt wurden, zeigt sich unter anderem auch darin, d ass entgegen ihrem bisherigen Vorgehen plötzlich hohe Beträge in Long Term-Optionen und in S ixty Seconds-Optionen investiert wur- den. Ein weiteres Indiz für die Unfreiwilligkeit der Börsengeschäfte ab 3. März 2016 ist die Mel- dung bei der SEC und die am 8. Dezember 2017 bei der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft eingereichte Strafanzeige (vgl. Schreiben der Staatsan waltschaft Basel-Landschaft vom 15. Dezember 2016 sowie Verfügung betreffend Bankauskunft und Edition vom 27. Juli 2017). Da- mit ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab 3. März 2016 keine Verfügungsmacht über ihr Handelskonto bei der B.____ mehr hatte. 3.3 Die Ausgleichskasse stellt sich nun auf den Standpu nkt, dass die Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2008 negative Erfahrungen mit einer p rofessionellen Kapitalanlage bei einer Bank in der Schweiz gemacht habe. Aufgrund des bei der C.____ absolvierten 6-monatigen Trainings verfüge sie zudem über Kenntnisse im Börsenhan del. Sie kenne somit die Risiken des Online-Tradings. Eine Kapitalanlage bei der B.____ sei von Anfang an nicht erfolgsverspre- chend gewesen. Die sehr hohen und unrealistischen Gewinnversprechen (91 % plus Bonus von 350 %) auf gehandelte Wertschriften seien erhebliche Warnsignale, welche auf das hohe Risiko einer Vermögensanlage hinweisen würden. Die Renditeversprechen der B.____ ständen in kei- nem Verhältnis zu den üblichen Renditeaussichten auf dem ordentlichen Kapitalmarkt. Für die Investition ihres Vermögens in den Online-Börsenhandel h ätte die Beschwerdeführerin die Plattform der C.____ benutzen können. Nur um die Verw altungskosten der Bank zu sparen, habe sie ihr Geld in eine Firma investiert, die weder transparent sei noch Sicherheit für die Be- gleichung künftiger Forderungen biete. Ohne den Einst ieg in den Online-Handel hätte sie nicht ihr gesamtes Vermögen verloren. Dazu komme, dass mit eine m Vermögen von lediglich rund Fr. 135'000.-- kein übermässiges Kapitalrisiko eingegange n werden dürfe. Ein bewusster Um- gang mit einem solchen Vermögen sei unabdingbar. Der Verlust einer solchen Kapitalanlage könne jedenfalls nicht auf die EL abgewälzt werden. Au fgrund dieser Umstände könne von ei- nem unfreiwilligen Vermögensverlust keine Rede sein. 3.4 Diese Argumentation greift zu kurz. Es ist zwar der Au sgleichskasse zuzustimmen, dass der binäre Optionshandel ein hohes Verlustrisiko bei nhaltet und die Beschwerdeführerin sich dessen bewusst war. Sie übersieht jedoch, dass die Be schwerdeführerin nur einen kleinen Teil ihres Vermögens in den binären Optionenhandel in vestierte, handelte sie doch stets mit Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bescheidenen Geldbeträgen in Maximalhöhe von € 500.--. Der Vermögensverlust ist denn auch nicht aufgrund der von ihr getätigten Optionsgeschäfte eingetreten, sondern ist vielmehr auf den Verlust der Verfügungsgewalt über ihr Handelskonto bei der B.____ ab 3. März 2016 zurückzu- führen. Eine Vermögensüberweisung stellt für sich allei n noch keine Verzichtshandlung dar, da grundsätzlich ein Anspruch auf Rückzahlung besteht (vgl. Ur teil des Sozialversicherungsge- richts des Kantons Zürich vom 3. April 2013, ZL.2011.001 02, E. 3.1). Ein Verzichtstatbestand im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG ist jedoch anzu nehmen, wenn die Beschwerdeführerin unter den konkreten Umständen von Anfang an damit rech nen musste, dass ihr Geld nicht zu- rückbezahlt wird. Dies ist zu verneinen. Aufgrund der glau bwürdigen und nicht bestrittenen An- gaben der Beschwerdeführerin prüfte diese vor dem Ve rmögenstransfer vom 26. Februar 2016 während längerer Zeit die Seriosität der B.____. Zu Beginn der Nutzung deren Internet- Handelsplattform überwies sie nur € 250.-- auf das Online-Konto. Sie schloss anschliessend mehre Optionsgeschäfte im Höchstbetrag von € 25.-- ab. Erst als sie festgestellt hatte, dass sämtliche Geschäfte korrekt auf ihrem Konto verbucht wurden, überwies sie der B.____ weitere € 29'960.--. Auch hier investierte sie keine höheren Bet räge als € 500.-- in den Optionshandel. Schliesslich vergewisserte sie sich vor der Überweisung persönlich bei einer Kundin der B.____ über deren Erfahrungen mit der Firma. Weiter zeigt e ine Internetrecherche, dass bis Anfang März 2016 noch keine Erfahrungsberichte im Netz waren, w elche vor den dubiosen Geschäfts- tätigkeiten der B.____ warnten. Bis zum Zeitpunkt des V ermögentransfers gab es somit keine Hinweise, dass ihre Aufträge nicht mehr ausgeführt würd en und sie ihre Verfügungsmacht über ihr Vermögen bei der B.____ verlieren könnte. Aufgrun d der bisherigen Erfahrungen durfte sie auch davon ausgehen, dass das Vermögen auf dem Handelsko nto bei der B.____ nach ent- sprechender Auftragserteilung zurückbezahlt wird. Damit w ar es für die Beschwerdeführerin nicht erkennbar, dass sie ihr Vermögen mit der Überweisu ng an die B.____ verliert. Das Vorlie- gen eines Verzichtstatbestands nach Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG ist demzufolge zu verneinen. 3.5 Aufgrund dieses Ergebnisses kann auf eine Überprüf ung der Höhe des Verlusts von Fr. 134‘337.30 verzichtet werden. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführe- rin am 2. März 2016 aufgrund ihres einzigen ausgeführ ten Rücküberweisungsauftrages ein Be- trag von Fr. 5‘597.78 auf ihrem Konto bei der E.____ gutgeschrieben wurde. Diese Gutschrift wird von der Ausgleichskasse nirgends erwähnt, weshalb Zwei fel bestehen, ob sie bei der Be- rechnung der Verlusthöhe berücksichtigt wurde. 4. Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Einspra cheentscheid vom 7. Novem- ber 2016 aufzuheben und die Angelegenheit an die Au sgleichskasse zur Neuberechnung des EL-Anspruchs im Sinne der Erwägungen und Neuverfügung zu rückzuweisen ist. Die vorliegen- de Beschwerde ist demgemäss gutzuheissen. 5.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführ erin obsiegende Partei ist, ist ihr Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Parteientschädigung zu Lasten der Ausgleichskasse z uzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte in seiner Honorarnote vom 29. Juni 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 20,5 Stunden gelten d, was sich in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen er weist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 148.50. Für die Parteiverhand- lung inkl. Vorbesprechung wird zusätzlich ein Stundenaufwa nd von 3,75 Stunden gewährt. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘707.90 (24,25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 148.5 0 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Las- ten der Ausgleichskasse zuzusprechen. 6.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 6.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 6.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wir der Einsprache entscheid der Aus- gleichskasse Basel-Landschaft vom 7. November 2016 aufgeho ben und die Angelegenheit zur Neuberechnung im Sinne de r Erwägungen sowie zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückge- wie sen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten. 3. Die Ausgleichskasse Basel-Landschaft hat der Beschwer deführerin eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 6'707.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Ausgleichskasse Basel-Landschaft am 9. Januar 2018 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahren-Nr. 9C_28/2018 ) erhoben.