B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6834/2011 U r t e i l v o m 2 9 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richter Jean-Daniel Dubey, Gerichtsschreiberin Giulia Santangelo. Parteien F._______, vertreten durch lic. iur. Evelyne Suter, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreiseverbot. C-6834/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein 1992 geborener kanadischer Staatsangehö - riger, wurde am 23. Oktober 2011 bei der beabsichtigten Ausreise im Flughafen U._______ kontrolliert. Dabei wurde festgestellt, dass er sich über den bewilligungsfreien Aufenthalt im Schengen-Raum aufhielt. B. In der unmittelbar darauf von der Kantonspolizei U._______ durchgeführ- ten Befragung gestand der Beschwerdeführer, am 11. November 2010 über den Flughafen U._______ in die Schweiz eingereist zu sein und das Land seither (mit Ausnahme eines Ausfluges zu Freunden nach Deutsch- land) nicht mehr verlassen zu haben. Während seiner Anwesenheit in der Schweiz habe er sich die ganze Zeit bei seiner im Kanton S._______ wohnhaften Schwester aufgehalten. Über die Einreisevorschriften habe er sich vorgängig nicht informiert; er habe nicht gewusst, dass er sich schon zu lange in der Schweiz aufgehalten habe. Der Beschwerdeführer wurde von der Kantonspolizei über die Rapporte r- stattung an die zuständigen Behörden informiert und über Folgen straf - und administrativrechtlicher Art ins Bild gesetzt. Auch wurde er auf die Möglichkeit einer Fernhaltemassnahme hingewiesen und erhielt hierzu Gelegenheit zur Stellungnahme. Anschliessend verliess er das Land. C. Gestützt auf diesen Sachverhalt verfügte die Vorinstanz am 31. Oktober 2011 über den Beschwerdeführer ein zweijähriges Einreiseverbot. Zur Begründung führte sie unter Bezugnahme auf Art. 67 AuG aus, bei der Ausreisekontrolle sei festgestellt worden, dass sich der Beschwerdeführer während mehr als dreissig Tagen über den bewilligun gsfreien Aufenthalt hinaus illegal im Schengen -Raum aufgehalten habe. Gemäss ständiger Praxis und Rechtsprechung liege ein ernstzunehmender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ord nung vor. Einer allfälligen Beschwerde entzog die Vorinstanz vorsorglich die aufschiebende Wirkung. Des w eite- ren wies sie in der Verfügung darauf hin, dass das Einreiseverbot – ge- stützt auf eine Ausschreibung im Schengener Informationssystem SIS – Wirkung für das gesamte Gebiet der Schengener Mitgliedstaaten entfalte. Die Eröffnung erfolgte via Schweizerisches Generalkonsulat in Toronto, welches die Verfügung an den Beschwerdeführer weiterleitete. C-6834/2011 Seite 3 D. Am 10. November 2011 wurde der Beschwerdeführer mit Strafbefehl des Statthalteramtes Bülach des widerrechtlichen Verweilens oder Passierens des Schengen-Landes Schweiz nach Ablauf des bewilligungsfreien Au f- enthaltes von 90 Tagen im gesamten Schengen -Raum im Sinne von Art. 115 Abs. 1 Bst. a und b und Abs. 3 sowie Art. 120 Abs. 1 Bst. a des Aus- ländergesetzes vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) für schuldig befunden und zu einer Busse von Fr. 350.- verurteilt. Der Strafbefehl er- wuchs unangefochten in Rechtskraft. E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 1 9. Dezember 2011 gelangte d er Be- schwerdeführer über seine Rechtsvertreterin an das Bundesverwaltungs- gericht. Darin beantragt er, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, eventualiter in ihrer Dauer auf höchstens drei Monate zu befristen. In for- meller Hinsicht rügt d er Beschwerdeführer eine Verletzung seines An- spruchs auf rechtliches Gehör , indem die Vorinstanz ihrer Begründung s- pflicht nicht nachgekommen sei und sich mit einer pauschalen Festste l- lung als Begründung begnügt habe. Dieser Mangel habe die Aufhebung der angefochtenen Ver fügung zur Folge. Sollte das Bundesverwaltung s- gericht dieser Argumentation nicht folgen, so wäre die Fernhaltemas s- nahme wegen fehlerhafter Ermessensausübung und wegen U nverhält- nismässigkeit dennoch gänzlich aufzuheben. Zwar habe er sich mit rund acht Monaten während einer längeren Periode über den bewilligungsfre i- en Zeitraum hinaus in der Schweiz aufgehalten, doch habe er nicht a b- sichtlich sondern in blosser Unkenntnis und damit höchst fahrlässig g e- handelt. Er habe auch nicht vor, in Zukunft erneut ge gen ausländerrecht- liche Vorschriften zu verstossen. Dies genüge nicht für den Erlass eines Einreiseverbots. Durch den pauschalisierten Verweis auf Art. 67 AuG h a- be sich die Vorinstanz gerade nicht mit dem konkreten Einzelfall ause i- nandergesetzt und dadurch das ihr zustehende pflichtgemäss ausz u- schöpfende Ermessen geradezu ignoriert. Er sei zuvor nie negativ in E r- scheinung getreten. Es bestehe daher kein (schwerwiegendes) öffentl i- ches Interesse an seiner Fernhaltung. Vor diesem Hintergrund, wie auch im Licht e der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung sei ein zweijähriges Einreiseverbot mit Geltung für den gesamten Schengen - Raum unverhältnismässig. Das von ihm verübte Unrecht sei bereits a n- gemessen durch den ausgefällten Strafbefehl geahndet worden. Er ver- füge über nahe Familienangehörige in der Schweiz und Europa. Es mü s- se ihm möglich sein zum Zwecke von Familienbesuchen oder allenfalls zu Studienzwecken weiter nach Europa einreisen zu können. C-6834/2011 Seite 4 F. In ihrer Vernehmlassung vom 25. April 2012 schliesst die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde. G. In einer Replik vom 29. Mai 2012 hält der Beschwerdeführer seinerseits an den Anträgen und deren Begründung fest. H. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgeset- zes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Au s- nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das BFM, das mit der A n- ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts a n- deres bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsbetroffene r zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Streit- sache endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er -C-6834/2011 Seite 5 messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes sowie – soweit nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt wer - den (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundes- recht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt se i- nes Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3. 3.1 Vorweg rügt der Beschwerdeführer i n formeller Hinsicht die Verle t- zung des rechtlichen Gehörs , indem die angefochtene Verfügung ung e- nügend begründet worden sei. Gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG sind die Be- hörden verpflichtet, schriftli che Verfügungen zu begründen. Die Begrü n- dungspflicht ist Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos- senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Sie soll verhindern, dass die Behörden sich von unsachlichen Motiven leiten lassen, und es der betro f- fenen Person ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Eine sachgerechte Anfechtung ist nur möglich, wenn sich sowohl die Partei wie auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen w e- nigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die B e- hörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständli- chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen G e- sichtspunkte beschränken. Die Anforderungen an die Begründung sind umso höher, je weiter der Entscheidungsspielraum der entscheidenden Behörde und je komplexer die Sach - und Rechtslage ist (vgl. BVGE 2007/27 E. 5.5.2 und BGE 133 I 270 E. 3.1 S. 277 je mit Hin weisen, so- wie FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHWANK, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, N 17 ff. zu Art. 35; ebenso LORENZ KNEUBÜHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 4 ff. zu Art. 35 VwVG). Eine Verletzung des Gehörsanspruchs führt grundsätzlich zur Aufhe bung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vori n- stanz. Im Falle der Verletzung der Begründungspflicht kann der Mangel C-6834/2011 Seite 6 auf Rechtsmittelebene geheilt werden, wenn die Vorinstanz die En t- scheidsgründe in einer den gesetzlichen Anforderungen genügenden Weise dar legt und die Rechtsmittelinstanz der betroffen en Partei im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels die Möglichkeit einräumt, sich dazu zu äus sern (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 19 ff. zu Art. 35 mit Hinweisen). 3.2 Die Begründung der angefochtenen Verfügung ist in der Tat knapp ausgefallen und zieml ich summarisch gehalten. Die Vorinstanz verweist darin in allgemeiner Form auf die illegale Anwesenheit des Beschwerd e- führers nach Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes, derentwegen sie im Einklang mit Praxis und Rechtsprechung eine Fernhaltemassnahme von zwei Jahren für angezeigt erachtet. Die massgebenden Gründe ge- hen daraus aber ohne weiteres hervor und erweisen sich im vorliegenden Kontext als ausreichend. Die a nwendbare Rechtsgrundla ge "Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung" wurde sodann explizit auf- geführt. Eine solche Begründung ermöglicht durchaus die sachgerechte Anfechtung der Verfügung (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-5458/2010 vom 3. November 2011 E. 3.2). Damit erweist sich die erho- bene Rüge der Gehörsverletzung als unbegründet. 4. 4.1 Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die Unverletzlichkeit der objekt i- ven Rechtsordnung und der Rechts güter Einzelner (BBl 2002 3809; vgl. auch RAINER J. SCHWEIZER / PATRICK SUTTER / NINA WIDMER, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Si cherheits- und Ordnungsrecht des Bundes, SBVR Bd. III/1, Basel 2008, Teil B Rz. 13 mit Hinweisen). In diesem Sinne liegt nach Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zu- lassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201) ein Ve r- stoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung un ter anderem dann vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche V erfügungen mis s- achtet werden. Widerhandlungen gegen Normen des Ausländerrechts fal- len ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und können als solche ein Einreiseverbot nach sich ziehen (vgl. BBl 2002 3813). 4.2 Für die Verhängung eines Einreiseverbots ist kein vorsätzlicher Ve r- stoss gegen ausländerrechtliche Bestimmungen erforderlich. Es genügt, wenn der ausländischen Person eine Sorgfaltspflichtverletzung zug e- rechnet werden kann. Unkenntnis oder Fehlinterpretation der Einreise - C-6834/2011 Seite 7 und Aufenthaltsvorschriften stellen normalerweise keinen hinreichenden Grund für ein Absehen von einer Fernhaltemassnahme dar. Jeder Au s- länderin und jedem Ausländer obliegt, sich über bestehende Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit ausländerrechtlichen Vorschriften ins Bild zu s etzen und sich im Falle von Unklarheiten bei der zuständigen Stelle zu informieren (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-7263/2008 vom 31. August 2010 E. 4.1 S. 6 mit Hinweis). 4.3 Wird gegen eine Person, die nicht das Bürgerrecht eines Mitgliedstaa- tes der Europäischen Union besitzt (Drittstaatsangehörige), ein Einreis e- verbot nach Art. 67 AuG verhängt, wird diese Person gestützt auf Art. 94 Abs. 1 und Art. 96 des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durc h- führung des Überein kommens betreffend den schr ittweisen Abbau der Kontrollen an den gemein samen Grenzen (Schengener Durchführung s- übereinkommen [SDÜ], Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19 -62) und Art. 16 Abs. 2 und 4 des Bundesgesetzes vom 13. Juni 2008 über die polizeilichen Informationssysteme des Bundes (BPI, SR 361) in der Regel im Schengener Informationssystem ([SIS], vgl. dazu Art. 92 ff. SDÜ) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Diese Ausschreibung bewirkt dem Grundsatz nach, dass der betroffenen Person die Einreise in das H o- heitsgebiet der Schengen -Mitgliedstaaten verboten ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst d und Art. 13 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäi - schen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemein- schaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1 - 32]). Vorbehalten bleibt die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten, einer sol - chen Person aus humanitären Gründen oder Gründen des nationalen I n- teresses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen die Einreise in das eigene Hoheitsgebiet zu gestatten (Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK) bzw. ihr zu diesem Zweck ein Schengen -Visum mit räumlich be - schränkter Gültigkeit auszustellen (Art. 25 Abs. 1 Bst. a [ii] der Vor - ordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex], Abl. L 243 vom 15. September 2009). 5. 5.1 Ausländische Personen, die in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, bedürfen für einen Aufenthalt von bis zu drei Monaten inne r- halb eines Zeitraums von sechs Monaten nach der Einreise keiner Bewi l- ligung, und sie müssen sich nicht anmelden (bewilligungsfreier Aufenthalt; Art. 10 AuG und Art. 9 VZAE). Die Einreisevoraussetzungen nach Art. 5 C-6834/2011 Seite 8 AuG müssen während des gesamten bewilligungsfreien Aufenthalts erfüllt sein (Art. 9 Abs. 2 VZAE). An die Höchstaufenthaltsdauer von drei Mon a- ten anrechenbar sind dabei Aufenthalte in der Schweiz und im übrigen Schengen-Raum. Das ergibt sich aus dem Vorrang des Schengen-Rechts (Art. 2 Abs. 4 AuG) und der Tatsache, dass sich im Anwendungsbereich des Schengen -Rechts visumspflichtbefreite Drittausländer höchsten drei Monate innerhalb einer Frist von sechs Monaten vom Datum der ersten Einreise an im Hoheitsgebiet der Schengen-Staaten frei bewegen dürfen, und auch das nur, wenn und solange sie die Einreisevoraussetzungen des Art. 5 Abs. 1 SGK erfüllen (Art. 20 Abs. 1 SDÜ). 5.2 Der Beschwerdeführer hielt sich unbestrittenermassen vom 11. No- vember 2010 bis zum 23. Oktober 2011 im Schengenraum auf, ohne die- sen Aufenthalt in rechtlich relevanter Weise zu unterbrechen und ohne sich anzumelden bzw. ohne die dazu erforderliche Bewilligung einzuholen (Art. 12 AuG bzw. Art. 10 Abs. 2 AuG). Es steht ausser Frage, dass er damit den bewilligungsfrei zulässigen maximalen Aufenthalt um mehr als acht Monate überzogen hat. Wie es sich mit der Rechtmässigkeit seiner Einreise verhält (d er Beschwerdeführer behauptet, anlässlich seiner Ein- reise noch nicht die Absicht gehabt zu haben, sich länger als drei Monate in der Schweiz bzw. im Schengen -Raum aufzuhalten) muss nicht a b- schliessend beurteilt werden, denn der illegale Aufenthalt bildet unter dem Gesichtspunkt von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG hinreichenden Anlass für die Verhängung einer Fernhaltemassnahme. Immerhin ist darauf zu verwe i- sen, dass die Einreisevoraussetzungen von Art. 5 Abs. 1 SGK für eine Einreise in das Hoheitsgebiet der Schengen-Staaten während der ganzen Dauer des Aufenthaltes in diesem Raum erfüllt sein müssen (Art. 20 Abs. 1 SDÜ; vgl. auch die bereits erwähnte landesrechtliche Regelung in Art. 9 Abs. 2 VZAE). 6. 6.1 Es bleibt zu prüfen, ob die angeordnete Massnahme in richtiger Aus - übung des Ermessens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit steht dabei im Vordergrund. Unter diesem Gesichts - punkt ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem öffentli - chen Interesse an der Massnahme einerseits und den von der Mass - nahme beeinträchtigten privaten Interessen der Betroffenen andererseits. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonde r- heiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Ver - hältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der Überlegungen (vgl. statt vieler ULRICH HÄFELIN / GEORG MÜLLER / FELIX C-6834/2011 Seite 9 UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich / St. Gallen 2010, Rz. 613 ff.). 6.2 Das Fehlverhalten de s Beschwerdeführers wiegt objektiv nicht leicht. Es beinhaltet die Missachtung ausländerrechtliche r Normen, welchen im Interesse einer funktionierenden Rechtsordnung zentrale Bedeutung z u- kommt. Aber auch was die subjektive Seite anbelangt, ist das Verhalten des Beschwerdeführers nicht zu bagatellisieren. So hielt er sich unbestrit- tenermassen nach Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthalt es von drei Monaten noch weitere gut acht Monate in der Schweiz auf. Selbst wenn er – wie von ihm behauptet – davon ausgegangen sein sollte, sich unu n- terbrochen während der gesamten elf Monaten im Schengen-Raum auf- halten zu dürfen, kann er daraus nichts zu s einen Gunsten ableiten. Das öffentliche Interesse an seiner befristeten Fernhaltung lässt sich mit den von ih m geltend gemachten Umständen (Aufenthalt ausschliesslich bei Familienangehörigen und Freunden, keine sonstige Delinquenz, Ausreise aus eigenem Ant rieb, fehlende Wiederholungsgefahr) nicht ernsthaft in Frage stellen. Nach dem bisher Gesagten ist dem öffentlichen Interesse an einer zeitlich befristeten Fernhaltung grosses Gewicht beizumessen. 6.3 Was die persönlichen Interessen de s Beschwerdeführers daran b e- trifft, ohne besondere Restriktionen in die Schweiz einreisen zu können, so geht er offenbar irrtümlicherweise davon aus, das Einreiseverbot gelte absolut und verunmögliche von vornherein jeglichen persönlichen Kontakt zu seinen Familienangehörigen namentlich seiner Schwester innerhalb der Schweiz. Gemäss Art. 67 Abs. 5 in fine AuG kann die verfügende B e- hörde (also das BFM) das Einreiseverbot vorübergehend aufheben, wenn humanitäre oder andere wichtige Gründe bestehen. Hinsichtlich seines privaten Interesses an einem Studienaufenthalt gilt anzumerken, dass der Beschwerdeführer genügend Möglichkeiten hat ausserhalb des Sche n- gen-Raumes eine Ausbildung zu absolvieren und er in dem Sinne nicht auf die hiesigen Einrichtungen angewiesen ist. 6.4 Eine wertende G ewichtung der sich entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen führt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das auf zwei Jahre befristete Einreiseverbot sowohl vom Grundsatz her als auch in Bezug auf seine Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutze der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt. Sie entspricht auch der Praxis in vergleichbaren Fällen (vgl. anstelle vieler Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C-6834/2011 Seite 10 C-1667/2010 vom 21. März 2011, C -6017/2010 vom 19. A pril 2011 und C-5458/2010 vom 3. November 2011). 7. Aus vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verf ü- gung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt; sie ist auch angemessen (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind de m Beschwerdeführer die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv Seite 11 C-6834/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt und mit dem am 21. März 2012 geleisteten Kostenvorschuss in gle i- cher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Akten retour) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Teuscher Giulia Santangelo Versand: