B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4739/2020 U r t e i l v o m 2 5 . N o v e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Constance Leisinger, mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiberin Natassia Gili. Parteien A._______, geboren am (…), Kongo (Kinshasa), vertreten durch Rachel Brunnschweiler, Bündner Beratungs- stelle für Asylsuchende, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. August 2020 / N (…). E-4739/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Gemäss Meldung CS-VIS vom 20. Januar 2020 wurde dem Beschwer- deführer am 29. Oktober 2019 auf der Spanischen Botschaft in B._______, Angola, ein Schengen-Visum erteilt, welches vom 24. November 2019 bis am 30. Dezem ber 2019 gültig war. Die Spanische Botschaft stützte sich dabei auf den Antrag des Beschwerdeführers auf Erteilung eines Schen- gen-Visums. Gemäss den dafür eingereichten Unterlagen lautete die Iden- tität angolanischer Staatsangehöriger mit dem Namen C._______, gebo- ren am (…). Er legte bei der Antragseinreichung einen angolanischen Rei- sepass vor. A.b Der Beschwerdeführer ersuchte am 15. Januar 2020 unter der im Rubrum angegebenen Identität in der Schweiz um Asyl. Am 21. Januar 2020 fand im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region D._______ die Perso- nalienaufnahme (PA) statt. Am 24. Februar 2020 wurde er zu seinen Asyl- gründen ein erstes Mal befragt (Art. 26 Abs. 3 AsylG [SR 142.31]). Im Bei- sein seiner zugewiesenen Rechtsvertretung wurde er sodann am 13. März 2020 gemäss Art. 29 AsylG zu seinen Asylgründen angehört. Am 18. März 2020 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Verfahren zugewie- sen. Am 12. Juni 2020 wurde er – im Beisein der rubrizierten Rechtsvertre- terin – ergänzend angehört. Dabei machte er im Wesentlichen folgenden Sachverhalt geltend: Er sei kongolesischer Staatsangehöriger, ethnischer Mukongo und stamme aus E._______. Von Geburt an bis zu seiner Ausreise habe er stets in Kinshasa gelebt, zuletzt in der Gemeinde F._______. Er habe die 3. Sekundarschule im Jahr 2002 beendet, später eine Ausbildung zum (…) absolviert und diese Tätigkeit von 2011 bis 2013 ausgeübt . Seit 2017 sei er Mitglied des «Mouvement de Libération du Congo» (MLC), welches sich 2018 der Koalition LAMUKA angeschlossen habe. Bei der MLC sei er zu- ständig gewesen für die Strategie und Mobilisierung von Jugendlichen, habe immer wieder an Versammlungen teilgenommen und sei am 10. Ja- nuar 2019 auch beim Verfassungsgericht gewesen, wo gegen das Resultat der Präsidentschaftswahl protestiert worden sei. Im Zuge der Ereignisse vom 10. Januar 2019 sei er vor dem Verfassungsgericht festgenommen und zunächst ins «Commissariat Provincial» und anschliessend nach G._______ in Haft gebracht worden. Am 19. Januar 2019 sei ih m mithilfe einer Nicht-Regierungsorganisation die Flucht gelungen und er sei tags da- rauf ausser Landes gereist. Er habe sich danach in Angola aufgehalten, E-4739/2020 Seite 3 zunächst in H._______, dann in B._______. In B._______ sei es ihm ge- lungen, einen angolanischen Pass und ein spanisches Visum zu organisie- ren, mit welchen er im November 2019 über Äthiopien nach Spanien habe reisen können. Von Spanien sei er über Frankreich am 2. Januar 2020 in die Schweiz eingereist. A.c Am 6. April 2020 wurde durch die Fachstelle LINGUA ein Telefonge- spräch in Lingala zur Herkunftsabklärung durchgeführt. Das daraus resul- tierende Gutachten kam zum Schluss, dass der Beschwerdeführer eindeu- tig in der Demokratischen Republik Kongo sozialisiert worden sei. A.d Zur Untermauerung seines Vorbringens reichte der Beschwerdeführer ein Schreiben der Nicht -Regierungsorganisation ACAT RDC (Action des chrétiens pour l’abolition de la torture République Démocratique du Congo) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 27. August 2020 – eröffnet am 28. August 2020 – stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug aus der Schweiz an. C. Mit Eingabe vom 22. September 2020 erhob der Beschwerdeführer – han- delnd durch die rubrizierte Rechtsvertreterin – Beschwerde beim Bundes- verwaltungsgericht und beantragte darin, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und ihm sei unter Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft in der Schweiz Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur Neubeur- teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter sei er wegen Unzumutbarkeit oder Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzug vorläufig aufzunehmen. In formeller Hinsicht ersuchte er ausserdem um Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege unter Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän- din. D. Mit Zwischenverfügung vom 9. Oktober 2020 wies das Bundesverw al- tungsgericht die Anträge um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Beiordnung einer amtlichen Verbeiständung ab und erhob einen Kos- tenvorschuss. E-4739/2020 Seite 4 E. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 23. Oktober 2020 geleistet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. E-4739/2020 Seite 5 4. 4.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht eine Verletzung des recht- lichen Gehörs gerügt. Diese Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls ge- eignet sein könnten, eine Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und Rückweisung an die Vorinstanz zu bewirken (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 4.2 4.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle B efugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit de m Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü- fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein- lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi- derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 4.2.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei- nen Be schwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, a.a.O, Rz. 1043). 4.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz habe es unterlassen, das vorgebrachte Beweismittel materiell zu würdigen mit der Begründung, dass es nicht fälschungssicher sei. Durch die sinngemäss antizipierte Be- weiswürdigung und die mangelhafte Prüfung seiner Glaubhaftigkeit sei der Sachverhalt falsch dargestellt worden. 4.4 Die formelle Rüge erweist sich als unbegründet. Das SEM hat sich mit dem Vorbringen des Beschwerdeführers ausführlich auseinandergesetzt und begründete seinen Entscheid einlässlich. Auch eine willkürliche Be- weiswürdigung ist nicht ersichtlich. Das SEM hat sich inhaltlich mit dem eingereichten Beweismittel und dessen Beweiserheblichkeit auseinander- gesetzt und eine solche im Sinne einer Gesamtbetrachtung verneint. E-4739/2020 Seite 6 4.5 Die Ausführungen in der Beschwerde weisen im Übrigen darauf hin, dass die Rechtsvertreterin die Frage der Würdigung des Sachverhalts mit der Sachverhaltserstellungs- und Begründungspflicht der Vorinstanz ver- mengt. Dass das SEM aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdi- gung der Vorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer erwartet, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung oder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. 4.6 Die formelle Rüge erweist sich als unbegründet, weshalb keine Veran- lassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren ist somit abzuweisen 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe ode r wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 6. 6.1 Die Vorinstanz führte im Wesentlichen aus, dass die Geschehnisse vom 10. Januar 2019 grundsätzlich nicht angezweifelt würden. So sei es E-4739/2020 Seite 7 glaubhaft, dass sich der Beschwerdeführer an diesem Tag mit vielen ande- ren Personen vor dem Verfassungsgericht versammelt und die Urnenwahr- heit eingefordert habe. Die weiteren Vorfluchtgründe, insbesondere die ein- wöchige Inhaftierung und die darauffolgende Flucht, würden aber mehr- heitlich auf dem Vortrag kurzer Sequenzen und Dialoge zwischen dem Be- schwerdeführer und anderen Personen gründen. In Bezug auf seine Inhaf- tierung im «Prison Centrale» in G._______ habe er nur oberflächliche, ste- reotype und vage Ausführungen machen können. Seiner Erzählung wür- den beispielsweise eigene Gedankengänge, Schilderungen von unerwar- teten Ereignissen oder besonders prägnante Beschreibungen des Gefäng- nisalltags fehlen. Auch die Ausführungen zu seiner Flucht und zur Ausreise seien oberflächlich und unpersönlich ausgefallen und es fehle an Real- kennzeichen, Detailreichtum und einer persönlichen Färbung der Ereig- nisse, was auf einen konstruierten Sachverhalt hindeute. Ausserdem habe er Zeitangaben nicht korrekt wiedergeben können und habe das Laisser- Passer, mit welchem er nach Angola gereist sei, erst an der ergänzenden Anhörung erwähnt. In Bezug auf das Schreiben der ACAT RDC, dem ein- zigen eingereichten Beweismittel, sei schliesslich festzuhalten, dass sol- che Schriftstücke erfahrungsgemäss käuflich erwerbbar seien und als Ge- fälligkeitsschreiben herausgegeben würden. Dem Schreiben komme dem- nach kaum ein Beweiswert zu. Insgesamt seien die Vor bringen des Be- schwerdeführers hinsichtlich seine Inhaftierung und Flucht nicht glaubhaft und es sei, auch mangels eines Haftbefehls oder Ähnlichem, davon aus- zugehen, dass der Beschwerdeführer nach der mehrstündigen Inhaftie- rung im «Commissariat Provincial» wieder freigelassen worden sei. Schliesslich sei ohnehin fraglich, ob das von ihm geschilderte Problem nach rund eineinhalb Jahren immer noch bestünde. 6.2 Dem entgegnete der Beschwerdeführer in der Beschwerde, sein Vor- bringen durchaus glaubhaft gemacht zu haben. So habe er eigene psychi- sche Vorgänge geschildert und Details, Nebensächlichkeiten sowie Real- kennzeichen erwähnt. Er habe in seiner freien Erzählung ausführlich und erlebnisgeprägt über die Geschehnisse und die Inhaftierung berichtet. Es sei der geschlossenen beziehungsweise halboffenen Frageweise der Vor- instanz geschuldet, dass er in seinem freien Bericht in der Erzählung ge- hemmt gewesen sei. Die vom SEM bemängelten kurzen Sequenzen seien mithin nicht alleine auf ihn zurückzuführen. Er habe von seinem Gefäng- nisaufenthalt nicht viel erzählen können, weil nicht allzu viel Aufregendes passiert sei und sein Aufenthalt relativ kurz gewesen sei. Die Wiedergabe von Gesprächen sei überdies als Realkennzeichen zu werten. Auch das Eingeständnis von Wissenslücke n, beispielsweise, dass er sich nicht an E-4739/2020 Seite 8 die Dauer des Transfers habe erinnern können, sei ein Realkennzeichen und durchaus nachvollziehbar. Insgesamt habe in seinen drei Anhörungen die Geschehnisse fast widerspruchsfrei wiedergegeben. Dass er bezüglich des Grenzübertritts das Laisser-Passer zunächst unerwähnt gelassen habe, liege daran, dass der Grenzübertritt eine alltägliche Sache sei und in den Anhörungen nicht explizit nach den Dokumenten gefragt worden sei. Auch hinsichtlich der Anzahl seiner Verwandten habe er sich nicht wirklich widersprochen, zumal er an der ersten Anhörung keine abschliessende Aufzählung angebracht habe. Die Widersprüche seien mithin nicht so ein- deutig, wie von der Vorinstanz dargestellt. Vielmehr habe die Vorinstanz von Beginn weg an seiner Glaubwürdigkeit gezweifelt, was sich auch daran zeige, dass eine LINGUA-Analyse durchgeführt worden sei. In Bezug auf die Asylrelevanz sei festzuhalten, dass er ein Mitglied des MLC sei und in der Organisation eine wichtige Funktion innegehabt habe. So habe er Kon- takt zu wichtigen Funktionären gehabt und sei gegen ausse n präsent ge- wesen. Seine Freiheit sei durch seine politische Tätigkeit gefährdet und auch eine Gefährdung von Leib und Leben sei aufgrund der aktuellen Si- tuation im Kongo nicht auszuschliessen. 7. 7.1 Das Gericht teilt nach Prüfung der Akten die von der Vorinstanz geäus- serten Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Ausführungen des Beschwerde- führers zu seinen Asylgründen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (angefochtene Verfügung S. 4 ff.; s.o. E. 6.1). 7.2 So ist der Vorinstanz dahingehend zuzustimmen, dass das Vorbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich der Inhaftierung und der Flucht über weite Teile oberflächlich und unsubstantiiert bleiben und bei der Schilde- rung der Geschehnisse nicht der Eindruck entsteht, dass er diese tatsäch- lich so erlebt hat. So sind vor allem seine Ausführungen zum gesamten Gefängnisaufenthalt substanzlos und auch auf Nachfrage hin detaila rm und knapp ausgefallen (SEM -Vorhaben (…)-48/25 [nachfolgend: act. A48/25] F101 ff.) . Individuelle Eindrücke und Empfindungen fehlen gänzlich (act. A48/25 F135 ff.). Seinen Ausführungen fehlt es auch an Re- alkennzeichen sowie einer zeitlichen und örtlichen Einordnung, beispiels- weise was die Fahrt vom «Palais de la Justice» ins «Commissariat Provin- cial» anbelangt (act. A48/25 F61 ff.) – was insbesondere unter Berücksich- tigung des Umstandes, dass der Beschwerdeführer sein ganzes Leben in Kinshasa verbracht und eigenen Angaben zufolge die Gegend kenne, nicht E-4739/2020 Seite 9 plausibel ist. Einfache Fragen, wie nach dem Ort, an welchem er zum ers- ten Mal von der Polizei befragt worden sei, beantwortete er zunächst aus- weichend (act. A48/25 F80 f.), im späteren Verlauf der Anhörung sodann in unsubstantiierter Weise (act. A48/25 F92). Auch nach den anderen Per- sonen gefragt, die an der Kundgebung festgenommen worden seien, ver- mochte er keine plausiblen Antworten zu geben und wich stattdessen aus (act. A48/25 F56 ff.). Nicht nachvollziehbar ist ferner, dass er nicht auf die anderen vier Personen, die zunächst mit ihm im «Commissariat» gewesen und später ins Gefängnis gebracht worden seien, geachtet habe , obwohl sie bis zu fünf Stunden miteinander verbracht hätten (act. A48/25 F90 ff.). Die von ihm geschilderte Art und Weise, wie er mithilfe verschiedener Per- sonen, die er nicht persönlich gekannt habe, aus dem Gefängnis habe flie- hen können, mutet äusserst seltsam und konstruiert an (s. SEM-Vorhaben (…)-27/14 [nachfolgend: act. A27/14] F27; act. A48/25 F193). Unplausibel erscheinen auch die Umstände, wie er zu einem angolanischen Pass und einem spanischen Visum gekommen sein soll. Seine Ausführungen hin- sichtlich seines Besuchs bei der spanischen Botschaft in Angola und zur Person, die ihm bei der Beschaffung der Papiere geholfen haben soll, sind kaum nachvollziehbar (s. SEM -Vorhaben (…)-30/14 [nachfolgend: act. A30/14] F28 ff.). Des Weiteren ergeben sich, wie bereits von der Vor- instanz festgehalten, aus seinen Vorbringen gewisse Unstimmigkeiten. 7.3 Aufgrund der blossen Teilnahme an der Demonstration vor dem Ver- fassungsgericht ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von den Behörden gesucht wird. So bringt er zwar vor, von seiner Familie vernommen zu haben, dass die Polizei nach seiner Ausreise nach ihm ge- sucht habe (s. act. A27/14 F27 S. 5, F43 f.; act. A48/25 F223). Gleichzeitig sind seine diesbezüglichen Ausführungen vage ausgefallen; er vermochte beispielsweise die Suche nach ihm nicht zeitlich einzuordnen (act. A48/25 F228 f) . Stichhaltige Hinweise, die auf eine behördliche Suche deuten könnten, wie beispielsweise ein Such- oder Haftbefehl, fehlen (vgl. act. A48/25 F170 ff. , F225). Der Beschwerdeführer gründet seine Furcht auf der blossen Vermutung, er werde gesucht, weil er aus dem Gefängnis geflohen sei (act. A27/14 F45), ein Ereignis welches jedoch als unglaub- haft erachtet wird. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, der trotz sei- ner Mitgliedschaft und seines Engagements beim MLC ein niedriges politi- sches Profil aufweist, in den Fokus der kongolesischen Behörden geraten ist und im Heimatstaat in asylrelevanter Weise gesucht oder verfolgt wird. E-4739/2020 Seite 10 7.4 Der Vorwurf des Beschwerdeführers, das SEM sei von Beginn an vor- eingenommen gewesen, was sich an der durchgeführten LINGUA-Analyse zeige, kann schliesslich nicht bestätigt werden. Da der Beschwerdeführer mit einem gefälschten angolanischen Pass mit spanischem Visum einge- reist ist und trotz mehrmaliger Aufforderung der Vorinstanz keine Identitäts- dokumente eingereicht hat , konnte das SEM nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass er tatsächlich , wie von ihm vorgebracht, aus Kongo (Kinshasa) stammt. Die Durchführung einer LINGUA-Analyse war mithin durchaus legitim und kann nicht als Zeichen der Voreingenommenheit der Vorinstanz gewertet werden. 7.5 Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe und das auf vorinstanzli- cher Ebene eingereichte Beweismittel sind zudem nicht geeignet, die Zwei- fel an der Glaubhaftigkeit des Vorbringens auszuräumen. Letzteres betref- fend kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zur Be- weistauglichkeit solcher Beweismittel verwiesen werden. 7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl- gründe nicht geeignet sind, eine asyl - respektive flüchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu be- gründen. Die Vorinstanz hat deshalb zur Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei E-4739/2020 Seite 11 der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heis st, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anha ltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, E-4739/2020 Seite 12 §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunk t nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg- weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim- mungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In Kongo (Kinshasa) herrscht trotz der regelmässigen Unruhen keine Situ- ation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt ( BVGE 2010/57 E. 4.1.1 f.; Urteil des BVGer E-1480/2020 E. 8.4.1). Gemäss Referenzurteil des BVGer E-731/2016 vom 20. Februar 2017 ist der Wegweisungsvollzug nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung der individuellen Umstände in der Regel – selbst bei letztem Wohnsitz der Betroffenen in Kinshasa oder in einer über einen Flughafen verfügenden Stadt im Westen des Landes und bei Vorliegen eines Beziehungsnetzes an diesem Ort – unzumutbar, wenn die Betroffenen (kleine) Kinder in ihrer Begleitung haben, für mehrere Kin- der verantwortlich sind oder sich bereits in einem vorangeschrittenen Alter oder in einem schlechten Gesundheitszustand befinden (a.a.O. E. 7.3.4). 9.5 Der Beschwerdeführer ist ein junger, gesunder Mann und lebte vor sei- ner Ausreise in der Stadt Kinshasa. Er besuchte bis zur dritte n Se- kundarklasse die Schule und absolvierte eine Ausbildung als (…). Er hat im Kongo zwei Kinder von zwei verschiedenen Frauen. Zudem verfügt er eigenen Angaben zufolge über mehrere Geschwister und Halbgeschwister in Kinshasa. Es ist daher davon auszugehen, dass er über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz im Kongo verfügt, welches in der Lage sein sollte, ihn bei der Wiedereingliederung zu unterstützen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.6 Es obliegt sodann dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE E-4739/2020 Seite 13 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.7 Schliesslich steht auch die Corona -Pandemie dem Wegweisungsvoll- zug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt vo- raus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, son- dern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entschei- dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylr ekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona -Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, wel- chem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situa- tion im Heimatland angepasst wird. 9.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Deckung der Kosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-4739/2020 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in dieser Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Natassia Gili Versand: