<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2023-09-04-9C_17-2023.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>9C_17/2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 4. September 2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>III. öffentlich-rechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Parrino, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Stadelmann, </div> <div class="para">Bundesrichterin Scherrer Reber, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Seiler. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________ AG, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Gerhard Hofmann, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), Direktionsbereich Strafverfolgung, </div> <div class="para">Taubenstrasse 16, 3003 Bern. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Einfuhrabgaben, Abgabeperioden 2016 und 2017, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, Abteilung I, vom 22. November 2022 (A-1876/2021). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.a.</b> Die A.________ AG mit Sitz in U.________/ZH bezweckt insbesondere die Fabrikation, den Export/Import, den Handel und den Vertrieb von Lebensmitteln aller Art sowie von Wein, Bier, Obstwein, Schaumwein, Spirituosen und gebrannten Wassern. Sie verfügt über eine Vertriebsstelle in V.________/GE. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.b.</b> Am 24. Januar 2017 wurde ein Fahrzeug nach dem Grenzübertritt in Ligornetto/TI von der Grenzwache angehalten und einer Zollkontrolle unterzogen. Die Grenzwache hatte den Fahrer, B.________, der von seiner Frau begleitet wurde, schon früher mit einem anderen Fahrzeug bei der Grenze in Novazzano/TI bemerkt. Bei der Kontrolle entdeckte die Grenzwache 507.8 kg aus Italien importierte und nicht zur schweizerischen Zollbehandlung angemeldete Lebensmittelprodukte (Fleisch und Käse). B.________ war Inhaber der Einzelfirma "C.________" mit Sitz in W.________/TI, die vom ggg September 2014 bis am hhh Oktober 2019 (Löschung) im Handelsregister des Kantons Tessin eingetragen war. Sie bezweckte unter anderem den Handel und den Vertrieb von Lebensmitteln und Konsumgütern. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.c.</b> Die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV; seit dem 1. Januar 2022: Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG), Zollkreisdirektion Lugano, Sektion Zollfahndung (seit dem 1. Januar 2022: Direktionsbereich Strafverfolgung des BAZG, Zollfahndung Süd) leitete eine Zollstrafuntersuchung ein. Diese führte zur Feststellung, dass B.________ und seine Frau zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 24. Januar 2017 (Zeitpunkt der Zollkontrolle) 30'905.10 kg Käse und Fleischwaren ohne Zollanmeldung und ohne Einfuhrsteuer (Zoll von Fr. 262'084.80 und Einfuhrsteuer von Fr. 18'737.-) aus Italien in die Schweiz importiert hatten. Diese in Italien gekauften italienischen Spezialitäten wurden hauptsächlich importiert, um Schweizer Kunden zu beliefern, die entweder direkt bei der Einzelfirma in W.________ oder über einen ihrer drei Vertreter, die jeweils eine Sprachregion abdeckten, bestellt worden waren. Die A.________ AG in U.________ und ihre Vertriebsstelle in V.________ bestellten separat bei der D.________ Sàrl mit Sitz in X.________/VD (seit dem 13. April 2021; vormals: Y.________/VD). Die D.________ Sàrl leitete dann die Bestellungen an die Einzelfirma von B.________ weiter. Die Lebensmittel wurden jeweils direkt nach U.________ und V.________ geliefert. Die von der Einzelfirma ausgestellten Rechnungen wurden jeweils separat von der A.________ AG, der Vertriebsstelle und der D.________ Sàrl beglichen. </div> <div class="para">Aus der Prüfung der Buchhaltung der Einzelfirma von B.________ ergab sich, dass die A.________ AG im fraglichen Zeitraum Waren aus Italien bestellt, bezahlt und geliefert bekommen hatte, die zu keinem Zeitpunkt der gesetzlich vorgeschriebenen Zollbehandlung unterzogen worden waren. Die EZV (bzw. das BAZG) stützte sich auf folgende acht Rechnungen betreffend den Sitz der A.________ AG in U.________: Nr. iii vom 16. Februar 2016, Nr. jjj vom 28. Juni 2016, Nr. kkk vom 15. September 2016 und Nr. lll vom 7. November 2016. Diese Rechnungen betrafen 1'329.45 kg italienische Fleischwaren (u.a. Rohschinken) mit einem Wert von Fr. 22'334.68. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verpflichtete die EZV (bzw. das BAZG) die A.________ AG mit Verfügung vom 19. März 2021 zur Bezahlung von 14'978.35, bestehend aus Zoll in Höhe von Fr. 12'430.35, Einfuhrsteuer zu 2.5 % in Höhe von Fr. 869.90 sowie Verzugszinsen in Höhe von Fr. 1'678.10. Eine Beschwerde hiergegen wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 22. November 2022 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom 12. Januar 2023 beantragt die A.________ AG die Aufhebung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. November 2022 und der Nachforderungsverfügung des BAZG vom 19. März 2021. </div> <div class="para">Das Bundesgericht hat die Akten eingeholt, ohne einen Schriftenwechsel anzuordnen (<span class="artref">Art. 102 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Als Endentscheid in einer Angelegenheit des öffentlichen Rechts unterliegt das angefochtene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nach Art. 82 lit. a in Verbindung mit <span class="artref">Art. 86 Abs. 1 lit. a und <artref id="CH/173.110/90" type="start"></artref>Art. 90 BGG</span><artref id="CH/173.110/86/1/a" type="end"></artref> der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten. Die Beschwerdeführerin ist nach <span class="artref">Art. 89 Abs. 1 BGG</span> zur Beschwerde legitimiert. Sie hat ihre Beschwerde formgerecht und rechtzeitig eingereicht (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/100/1" type="start"></artref>Art. 42 und 100 Abs. 1 BGG</span><artref id="CH/173.110/42" type="end"></artref>). Unzulässig ist ihre Beschwerde indessen, soweit sie die Aufhebung der Nachforderungsverfügung des BAZG (bzw. der EZV) vom 19. März 2021 begehrt. Diese ist nämlich im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aufgegangen und gilt insoweit als mitangefochten (Devolutiveffekt; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=28&amp;from_date=29.08.2023&amp;to_date=17.09.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-II-142%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page142">BGE 134 II 142</a> E. 1.4; Urteil 9C_229/2023 vom 20. Juli 2023 E. 1.1). Im Übrigen ist auf die Beschwerde einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (<span class="artref">Art. 105 Abs. 1 BGG</span>). Eine Berichtigung oder Ergänzung der vorinstanzlichen Feststellungen ist von Amtes wegen (<span class="artref">Art. 105 Abs. 2 BGG</span>) oder auf Rüge hin (<span class="artref">Art. 97 Abs. 1 BGG</span>) möglich. Von den tatsächlichen Grundlagen des vorinstanzlichen Urteils weicht das Bundesgericht jedoch nur ab, wenn diese offensichtlich unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von <span class="artref">Art. 95 BGG</span> beruhen und die Behebung des Mangels für den Verfahrensausgang zudem entscheidend sein kann (<span class="artref">Art. 97 Abs. 1 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=28&amp;from_date=29.08.2023&amp;to_date=17.09.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-I-135%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page135">BGE 142 I 135</a> E. 1.6). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet "willkürlich" (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=28&amp;from_date=29.08.2023&amp;to_date=17.09.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-III-115%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page115">BGE 140 III 115</a> E. 2). Eine entsprechende Rüge ist hinreichend zu substanziieren (<span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>; vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=28&amp;from_date=29.08.2023&amp;to_date=17.09.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-I-73%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page73">BGE 147 I 73</a> E. 2.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin anerkennt die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zur Nachleistungspflicht gemäss Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0) und den solidarisch haftenden Nachleistungspflichtigen gemäss <span class="artref">Art. 12 Abs. 2 VStrR</span>. Sie macht jedoch geltend, die Vorinstanz habe in diesem Zusammenhang den Sachverhalt offensichtlich unrichtig festgestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.1.</b> Die Vorinstanz hat festgestellt, dass das BAZG diejenigen Waren "aus dem Verfahren ausgeschlossen" habe, die B.________ verzollt habe. Für den Nachweis der Identität der importierten und gelieferten Waren habe sich das BAZG insbesondere auf vier Rechnungen gestützt, die zwischen dem 16. Februar und dem 7. November 2016 an die Beschwerdeführerin adressiert gewesen seien, sowie auf Produkte, die von B.________ geliefert worden seien. Es sei erstellt und lasse sich nicht bestreiten, dass diese Fleischprodukte vorgängig von B.________ über die Grenze gebracht worden seien (vgl. angefochtenes Urteil E. 5.3.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.</b> Die Beschwerdeführerin rügt im Wesentlichen, es sei nicht genügend nachgewiesen worden, dass die ihr im Rahmen der streitbetroffenen Lieferungen zugeführten Produkte nicht ordnungsgemäss verzollt gewesen seien. Es habe schliesslich auch verzollte Produkte gegeben. Wie das BAZG diese verzollten Produkte ausgeschlossen habe, sei unklar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.3.</b> Die Vorinstanz hat der Unterinstanz folgend angenommen, dass anhand der Rechnungen überprüft werden könne und worden sei, ob die gelieferten Produkte ordnungsgemäss verzollt worden seien (vgl. auch Verfügung der EZV vom 19. März 2021 S. 3). Nach allgemeiner Lebenserfahrung ist es ohne Weiteres plausibel, dass die auf den Rechnungen enthaltenen Informationen zu den Lieferungen (Mengen, Daten, etc.) einen solchen Abgleich erlauben. Umgekehrt bringt die Beschwerdeführerin keinerlei Anhaltspunkte dafür vor, dass die ihr gelieferten Produkte ordnungsgemäss verzollt gewesen sein könnten. Unter diesen Umständen lässt sich die tatsächliche Würdigung der Vorinstanz jedenfalls nicht als offensichtlich unrichtig bezeichnen. Sie hält also der bundesgerichtlichen Überprüfung stand und ist für das Bundesgericht verbindlich (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/105/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/105/1" type="start"></artref>Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/105/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin rügt - neben der offensichtlich unrichtigen bzw. willkürlichen (<span class="artref">Art. 9 BV</span>) Feststellung des Sachverhalts - ausdrücklich keine Rechtsverletzungen nach Art. 95 f. BGG. Da das angefochtene Urteil jedenfalls nicht an offensichtlichen Rechtsmängeln leidet, erübrigen sich Weiterungen in dieser Hinsicht (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=28&amp;from_date=29.08.2023&amp;to_date=17.09.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-I-135%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page135">BGE 142 I 135</a> E. 1.5). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Die Gerichtskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). Es ist keine Parteientschädigung geschuldet, da das BAZG nicht Stellung zu nehmen brauchte und ohnehin keinen Anspruch auf Parteientschädigung hat (<span class="artref">Art. 68 Abs. 3 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) und dem Bundesverwaltungsgericht, Abteilung I, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 4. September 2023 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der III. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Parrino </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Seiler </div> </div></body></html>