Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Januar 2016 (715 15 277 / 9) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung; die Beschwerdeführerin hat durch ihr Verhal- ten ihre Entlassung eventualvorsätzlich in Kauf genommen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1985 geborene A.____ war zuletzt seit 30. No vember 2006 im Umfang von 100% und nach der Geburt ihres Sohnes ab 1. September 20 12 im Umfang von 50% bei der B____AG als Verkäuferin angestellt. Mit Schreiben v om 11. Juni 2014 kündigte die Arbeitgebe- rin das Arbeitsverhältnis per 31. August 2014. Am 1 7. Juni 2014 meldete sich A.____ beim Re- gionalen Arbeitsvermittlungszentrum X.____ (RAV) zu r Arbeitsvermittlung an und erhob glei- chentags bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Bas elland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. September 2014. Mit Verfügung vom 13. November 2014 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstve rschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Septem- ber 2014 für 36 Tage in der Anspruchsberechtigung e in. Die hiergegen erhobene Einsprache Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht hiess die Einspracheinstanz des KIGA Baselland, Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Entscheid vom 10. Juli 2015 teilweise gut und reduzierte die Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung von 36 auf 22 Tage. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 28. August 2015 Beschwerde beim Kantons- gericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 10. Juli 2015 sei die Beschwerde gegnerin zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen zu bezahlen. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, das ihr zur Last gelegte Verhalten sei nicht hinreichend erstellt. C. In ihrer Vernehmlassung vom 13. November 2015 schloss d ie Arbeitslosenkasse auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arb eitslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde vom 28. August 2015 ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vorl iegend, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht für die Dauer von 22 Tagen in der Anspruchsberechtigung einge- stellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 75.30 beläuft si ch der Streitwert somit auf Fr. 1‘656.60, weshalb die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältni smässigkeits- und Verschul- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Kol- ler/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwalt ungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, Rz. 822 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeits- losigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitsl osigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielha ft Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selb stverschuldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Ver- letzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgebe rin Anlass zur Auflösung des Arbeitsver- hältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). D ie Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt kei ne fristlose Auflösung des Arbeitsverhält- nisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obliga- tionenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht unbe- dingt eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten inn erhalb und ausserhalb des Be- triebs berechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urte il des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozia lrechtliche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Dabei müssen nicht zwingend Beanstandungen in beruflicher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweise, dass cha- rakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Ar beitnehmer für den Betrieb als untrag- bar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (BG E 112 V 244, E. 1). Selbstverschulde- te Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt also immer dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objekti ven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009 , 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen, publ. in: ARV 2009 S. 264). 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Intern ationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslo sigkeit vom 21. Juni 1988 (Überein- kommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Okto ber 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Ver- dienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitsei nstellung ohne Unterbrechung des Be- schäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 200 0, C 53/00). Aufgrund des grundsätzli- chen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Üb ereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Per- son, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urte il des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 2.4 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit . a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen mu ss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der An- spruchsberechtigung erfolgen (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberech- tigung, Zürich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Ju ni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesgericht – unter Hinweis auf den im Strafrecht gel tenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvorsatz und bewusste Fahrlässigkeit auf der Wissensseite übereinstimmen, indem dem Täter die Möglichkeit, das Risiko der Tatbestandsverwirklichung bewusst ist. Die entscheidende Differenz liegt auf der Willensseite. Auch wer die Mö glichkeit der Tatbestandsverwirklichung erkennt, kann sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegsetzen, d.h. darauf vertrauen bzw. mit der Einstellung handeln, dass schon nichts passieren werde (bewusste Fahrlässigkeit). Demgegen- über erfordert der Eventualvorsatz, dass der Täter sich fü r die Tatbestandsverwirklichung ent- scheidet, sie in Kauf nimmt. Weitestgehend ausser Frage stehen dürfte das Willenselement nur, wenn der Täter die Tatbestandsverwirklichung für so nahe liegend hält, dass die Bereitschaft, sie als Folge seines Verhaltens hinzunehmen, vernünftige rweise nicht mehr bezweifelt werden kann; oder wenn sie ihm, im eigentlichen Sinn des Worte s, erwünscht oder recht war, wie wohl auch noch im Falle schierer Gleichgültigkeit. Als Faustre gel formuliert: dass der Täter die Tat- bestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, liegt grun dsätzlich näher, je wahrscheinlicher es ihm erschien, dass sie eintreten könnte, und je wenig er er sie innerlich ablehnte, und umge- kehrt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 20 08, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hin- weis). Zu den Umständen, die allenfalls auf eventualvor sätzliches Verhalten schliessen lassen, gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Ta tbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggrün de des Täters und die Art der Tathand- lung. Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf dessen Wil len schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich auf drängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnah me des Erfolgs ausgelegt werden kann. Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, be trifft innere Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der f estgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt erscheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwa ltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mi twirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 200 3, S. 446 f., 489 f.; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1978, S. 135). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bundesge- richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die ob ligatorische Arbeitslosenversi- cherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 1998, S. 77). Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sach- verhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 12 5 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die A nwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00 , E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last g elegte Verhalten in beweismäs- siger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellun g ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. O ktober 2002, C 392/00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr . 72 S. 220 E. 3b/bb; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). 3.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt we rden (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versi- cherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt wurde. Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin und dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitneh mers geschlossen werden, wenn die Ar- beitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 20 01, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 4. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin zur Kündig ung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV mithin die Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu tragen hat. Insbesondere ist zu prüfen, ob der Beschwerde führerin zu Recht ein vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt wurde. 5. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folg t dar: 5.1 Mit Schreiben vom 11. Juni 2014 wurde das Arbeitsve rhältnis durch die Arbeitgeberin ohne Angabe des Grundes gekündigt. Am 30. Juni 2014 hatte die Versicherte das Erstgespräch beim RAV. Dabei wurde als Grund für die Kündigung „n icht (mehr) vereinbare Arbeitszeiten nach [der] Mutterschaftspause“ angegeben. In der Arbei tgeberbescheinigung vom 3. Septem- ber 2014 wurde demgegenüber lediglich auf die schriftliche Verwarnung vom 25. Juni 2013 und das Kündigungsschreiben vom 11. Juni 2014 hingewiesen. Im Schreiben vom 25. Juni 2013 hielt die ehemalige Arbeitgeberin fest, die Versicherte sei bereits im März 2013 darauf aufmerk- sam gemacht worden, dass sie mit ihrer Arbeitseinstellun g nicht mehr zufrieden sei. Ihr Verhal- ten habe sich seither nicht geändert. Sie wurde aufgefo rdert, ihren Einsatz in Bezug auf Ord- nung, Aufmerksamkeit, Einsatzbereitschaft und Zusammenar beit im Team deutlich zu verbes- sern, ansonsten die Arbeitgeberin gezwungen sei, das Arb eitsverhältnis aufzulösen. Auf Nach- frage der Arbeitslosenkasse sagte die Vizedirektorin der B ____AG am 13. Oktober 2014 aus, sie hätten den Eindruck gehabt, dass die Versicherte seit der Geburt ihres Kindes nur noch we- gen des Lohnes arbeiten würde. Arbeitsmoral und Einstel lung hätten nicht mehr genügt. Trotz Verwarnung habe sich keine Besserung eingestellt (Akten notiz vom 13. Oktober 2014; act. 139). 5.2 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hielt die Versiche rte am 28. Oktober 2014 fest, dass die Verwarnung vom 25. Juni 2013 verjährt sei. Weiter seien weder eine Zielvereinbarung ge- troffen noch in zeitlicher Hinsicht Vorgaben gemacht worden. Nach Angaben des Filialleiters sei das Vorgehen der Arbeitgeberin hinsichtlich der Verwarn ung nicht korrekt gewesen; er selbst hätte keine Kündigung ausgesprochen. Sie sei zwar schri ftlich verwarnt worden, habe aber nie Gelegenheit gehabt, ihren Standpunkt darzulegen. Ent gegen den Angaben im Kündigungs- schreiben vom 11. Juni 2014 hätten keine Gespräche stattgefunden. 5.3 Weiter liegt das Arbeitszeugnis der ehemaligen Arbe itgeberin vom 31. August 2014 vor. Demnach habe es die Versicherte verstanden, die Kundscha ft kompetent zu beraten und zu bedienen. Mit den Leistungen der Versicherten sei man sehr zufrieden gewesen. Ihr Umgang mit Kunden, Vorgesetzten und Mitarbeitenden sei freundlich und korrekt gewesen. 5.4 In ihrer Einsprache vom 15. Dezember 2014 gegen die Verfügung vom 13. November 2014 brachte die Versicherte, vertreten durch ihren Va ter C.____, vor, ab 1. September 2012 seien die Arbeitszeiten mündlich vereinbart worden. In der Folge habe die Versicherte die Kin- derbetreuung längerfristig organisiert. Kurzfristige ausserordentliche Arbeitseinsätze resp. kurz- fristige Änderungen der Einsatztage seien deshalb aus or ganisatorischen Gründen nicht mög- lich gewesen. Vor diesem Hintergrund könne ihr keinesfal ls mangelnde Flexibilität vorgeworfen werden. Nach der Reduktion des Arbeitspensums sei sie du rch eine Vorgesetzte zunehmend nachteilig behandelt worden. So seien ihr Arbeiten aufgetragen worden, die eigentlich durch die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht übrigen Mitarbeitenden hätten erledigt werden solle n. Eine Verschlechterung der Arbeitsmoral und der Arbeitseinstellung sei daher kaum verwunderlich. Weiter wies sie darauf hin, dass an- lässlich der Verwarnung am 25. Juni 2013 weder Massnahme n vereinbart noch in zeitlicher Hinsicht Vorgaben gemacht worden seien. Gegenüber der Geschäftsleistung habe sie zu den Vorwürfen nie Stellung nehmen können. Der Filiallei ter sei mit der Kündigung nicht einverstan- den gewesen und habe versucht, diese zu verhindern. Der wahre Grund für die Kündigung sei aus den Unterlagen nicht ersichtlich; zu vermuten seie n persönliche Motive der Entscheidungs- träger. 5.5 Auf Anfrage der Arbeitslosenkasse hielten der CEO u nd der Filialleiter der ehemaligen Arbeitgeberin am 3. Juni 2015 im Wesentlichen fest, d ass mit der Versicherten wegen ihrer Ar- beitseinstellung mehrere Unterredungen durchgeführt worden seien. So sei sie von der stellver- tretenden Filialleiterin im März 2013 mündlich verwarnt worden. Im Rahmen eines weiteren Ge- sprächs am 25. Juni 2013 sei eine schriftliche Verwarnung erfolgt. Auch anlässlich des Jahres- gesprächs am 9. Dezember 2013 seien Motivation und Engag ement der Versicherten themati- siert worden. Schliesslich sei sie im März/April 2014 vom Filialleiter erneut aufgefordert worden, ihren Arbeitseinsatz zu verbessern. Die Versicherte habe wiederholt den geplanten Arbeitsein- satz kurzfristig abgesagt, was zu Spannungen im Team gef ührt habe. Die Behauptung der Ver- sicherten, es seien mit ihr keine Gespräche geführt word en, sei nicht zutreffend. Zudem sei die Aussage, wonach der Filialleiter mit der Kündigung ni cht einverstanden gewesen sei, nicht kor- rekt. Zwar habe er die Auflösung des Arbeitsvertrages au fgrund der Leistungen der Versicher- ten im Verkauf bedauert, ihr Verhalten habe aber die sen Schritt unumgänglich gemacht. Als zuständiger Filialleiter trage er für die Kündigung die Verantwortung. Weiter habe die Versicher- te im Rahmen der Gespräche nicht nur Gelegenheit ge habt, sich zu äussern, sie wurde dazu aufgefordert. Dabei habe sie jeweils versprochen, ihre persönliche Situation zu prüfen und zu verbessern. Die Aussage der Versicherten, es sei ihr zusätzl iche Arbeit auferlegt worden, sei nicht nachvollziehbar. In einem kleinen Team würden Fun ktionen und Aufgaben wechselseitig erledigt. 5.6 Gemäss Protokoll des Jahresgesprächs vom 9. Dezember 2013 wurden folgende Ziel- vereinbarungen getroffen: „mehr Motivation und Engage ment“, „Verlässlichkeit im Team“ und „persönliche Stärken im Team nutzen“. Hinsichtlich der Ar beitsweise habe die Versicherte die Erwartungen hinsichtlich Auffassungsgabe, Lernwille, Zuv erlässigkeit, Belastbarkeit und Selb- ständigkeit erfüllt. Betreffend Engagement, Motivatio n und Initiative seien die Erwartungen nur teilweise erfüllt. In Bezug auf die Arbeitsqualität ( Exaktheit, organisatorische Fähigkeiten, Ge- wissenhaftigkeit, Geschwindigkeit und Systemkenntnisse) habe die Versicherte die Erwartun- gen – abgesehen vom Beurteilungskriterium „Genauigkei t“ – vollständig erfüllt. Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kunden sei loyal, höflich u nd freundlich. Bezüglich Hilfsbereit- schaft und ihrem Verhalten gegenüber dem Team habe sie die Erwartungen nur teilweise er- füllt. 5.7 In ihrer Stellungnahme vom 15. Januar 2015 bestrit t die Versicherte nicht, dass im März 2013 eine Verwarnung erfolgt war. Es sei aber – entge gen der Darstellung der ehemaligen Ar- beitgeberin – kein weiteres Gespräch mit Übergabe ei ner schriftlichen Verwarnung erfolgt. Zwar Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei am 9. Dezember 2013 das Jahresgespräch durchgeführt worden. Es seien jedoch weder eine gegenseitig unterzeichnete Zielvereinbarungen noc h Fristen festgelegt worden. Die kurz- fristigen Änderungen der Arbeitseinsätze seien famili är begründet und unumgänglich gewesen. Sie habe die Arbeitgeberin aber stets weisungsgemäss und frühzeitig informiert. Wenn ein Kind an einem Einsatztag erkranke, sei die Wahrscheinlichkeit gering, sofort eine Betreuungsperson zu finden. Wenn das Kind morgens krank erwache, habe die Mutter das Recht, mit ihm den Arzt aufzusuchen. Sie sei stets bemüht gewesen, ihren arbeit svertraglichen Pflichten nachzukom- men. Die Aussagen des Filialleiters seien widersprüchlich . So habe er sich nach erfolgter Kün- digung überrascht gezeigt und ihr gegenüber ausgesagt , dass bei der Kündigung nicht korrekt vorgegangen worden sei. Weiter seien die Verwarnungen nur mündlich erfolgt und es sei auf ihre Äusserungen nicht eingegangen worden. Insgesamt se i kein Fehlverhalten ihrerseits nach- gewiesen, welches eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung rechtfertigen würde. 6.1 In pflichtgemässer Würdigung der vorstehend erwähnt en Verfahrensakten ist hinrei- chend erstellt, dass die Beschwerdeführerin durch ihr Ver halten der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gab. Aufgrund der glaub würdigen Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin ist davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh rerin wegen ihres Verhaltens am Arbeitsplatz aus sachlich gerechtfertigten Gründen mehrfach verwarnt worden war und sie trotz Wissens um diese Missbilligung ihr Verhalten nicht geände rt hatte, womit sie der Arbeitgeberin Anlass zur Kündigung gab. Neben mangelnder Motivation und Engagement wurden der Be- schwerdeführerin auch mangelnde Aufmerksamkeit und das w iederholte kurzfristige Absagen von geplanten Arbeitseinsätzen vorgeworfen. Diese Tatsachen führten zur schriftlichen Verwar- nung, welche mit einer Kündigungsandrohung als Ausdru ck der Ernsthaftigkeit der Äusserung ergänzt wurde. Die schriftliche Verwarnung vom 25. Juni 2013 war klar formuliert und nach der Aktenlage sachlich begründet. Insgesamt besteht kein Grund , an den Aussagen der Arbeitge- berin zu zweifeln, und die Beschwerdeführerin bestreite t weder eine Verschlechterung der Ar- beitsmoral resp. der Arbeitseinstellung (vgl. E. 5.4 hie rvor) noch die Tatsache, dass sie wegen ihres Verhaltens verwarnt worden war. Bei dieser Sachla ge durfte sie nicht darauf vertrauen, dass die Verwarnung für sie ohne Folge bleibe. Da die Versicherte für den Fall, dass sie sich nicht an die Weisungen/Abmachungen hält, mit der Künd igung rechnen musste, und diese in Kauf nahm, ist ihr Verhalten als (eventual)vorsätzlich zu bezeichnen. 6.2 Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, vermag zu keinem anderen Ergebnis zu führen. Der Einwand, es seien keine Gespräche durchgefü hrt worden und sie habe sich nach der Verwarnung nichts zu Schulden kommen lassen, üb erzeugt aufgrund der klaren An- gaben der ehemaligen Arbeitgeberin nicht. Dies gilt umso mehr, als kein Interesse der Arbeit- geberin ersichtlich ist, die Versicherte in einem ungünst igen Licht erscheinen zu lassen. Die Tatsache, dass die Versicherte aufgrund ihrer guten Lei stung als Verkäuferin geschätzt wurde, die Kündigung aber wegen ihrem Verhalten am Arbeits platz unumgänglich machte, stellt kein Widerspruch dar. Ein widersprüchliches Verhalten des für die Kündigung verantwortlichen Filial- leiters ist ebenfalls nicht ersichtlich. Soweit die Versiche rte auf ihre Pflichten als Mutter eines Kleinkindes hinweist, ist mit der Beschwerdegegnerin fes tzuhalten, dass die Kinderbetreuung so organisiert sein muss, dass sie ihren arbeitsvertragliche n Pflichten in aller Regel nachkom- men kann. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Beschw erdeführerin durch ihr Verhalten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht am Arbeitsplatz ihre Entlassung durch die Arbeitgeberi n zumindest eventualvorsätzlich in Kauf nahm. Daran ändert schliesslich auch die Tatsache nichts, dass im Arbeitszeugnis vom 31. Au- gust 2014 das Verhalten der Versicherten als korrekt bezei chnet wurde, sind doch bei der Wür- digung von Arbeitszeugnissen wegen der üblichen Verklausulierung Vorbehalte anzubringen. 6.3 Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdefüh rerin mit ihrem Verhalten das Risiko, arbeitslos zu werden, zumindest eventualvorsätzlich in Kauf nahm. Ein pflichtwidriges Verhalten derselben ist in beweismässiger Hinsicht klar ausgewiesen und ein Verschulden an ihrer Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG und Art. 44 Abs. 1 AVIV demnach zu bejahen. Unter diesen Umständen hatte sie die Arbeit slosenkasse zu Recht wegen selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit vorübergehend in der Anspruchsberechtigung eingestellt. 7.1 Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtig ung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchste ns 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einste llung in der Anspruchsberechtigung ab- gestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31- 60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens fällt die Arbeitslosenkas- se ihren Entscheid nach pflichtgemässem Ermessen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversi- cherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts die angef ochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen. Sie greift jedoch bei d er Beurteilung der von der Arbeitslosen- kasse angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Z urückhaltung in deren Ermes- sensspielraum ein. 7.2 Vorliegend hatte die Arbeitslosenkasse das Verhalten der Versicherten als schweres Verschulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer vo n 31-60 Tagen zur Folge hätte, setzte aber die Dauer der Einstellung auf 22 Tage fest. Dab ei unterschritt sie den grundsätzlichen Sanktionsrahmen für ein schweres Verschulden und berücksichtigte zu Gunsten der Beschwer- deführerin, dass sie ein Kleinkind zu betreuen hat und g ewisse Probleme am Arbeitsplatz be- standen. Insgesamt ist die auf 22 Tage festgelegte Einste llung in der Anspruchsberechtigung angemessen und sachlich gerechtfertigt. Das Kantonsgerich t sieht keinen Anlass, in die vorge- nommene Bemessung korrigierend einzugreifen. Vielmehr hat die Arbeitslosenkasse den Um- ständen des vorliegenden Einzelfalls Rechnung getragen. Der angefochtene Einspracheent- scheid vom 10. Juli 2015 ist unter diesen Umständen zu best ätigen und die dagegen gerichtete Beschwerde abzuweisen. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht