B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-2972/2025 U r t e i l v o m 2 7 . J u n i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichterin Susanne Genner, mit Zustimmung von Richter Gregor Chatton; Gerichtsschreiberin Selina Schmid. Parteien A._______, geboren am (…), Russland, vertreten durch MLaw Cyril Treichler, Rechtsschutz für Asylsuchende, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 9. April 2025 / N (…). F-2972/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 6. März 2025 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck - Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 6. November 2024 in Kroatien und am 5. Dezember 2024 in Österreich um Asyl ersucht hatte. B. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rahmen des persönlichen Dublin-Gesprächs am 20. März 2025 ersuchte die Vorinstanz am 21. März 2025 die kroatischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdefüh- rers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festle- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglie dstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig ist (Dublin -III-VO). Die kroatischen Behörden hiessen das Ersu- chen am 3. April 2025 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. C. Mit Verfügung vom 9. April 2025 (eröffnet am 15. April 2025) trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Überstellung nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. D. Die Vorinstanz trat mit drei weiteren Verfügungen vom gleichen Tag auf die Asylgesuche der Eltern ( B._______ und C._______), und der zwei minderjährigen Brüder ( D._______ und E._______; allesamt N [ …]), der Grossmutter ( F._______; N […]) sowie des volljährigen Bruders des Beschwerdeführers ( G._______; N [ …]) nicht ein und ordnete deren Wegweisung an. E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 24. April 2025 gelangte der Beschwerdefüh- rer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und auf das Asylgesuch einzut reten (gemeint: die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten). Eventua- liter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur voll- ständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vor - instanz zurückzuweisen. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wir- kung zu erteilen und die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden seien im F-2972/2025 Seite 3 Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich anzuweisen, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugs- handlungen abz usehen. Es sei das Beschwerdeverfahren mit den Be- schwerdeverfahren der Grossmutter ( N […]) sowie der Eltern und Ge- schwister (N […] und N […]) koordiniert zu behandeln. Es sei ihm die un- entgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses zu verzichten. F. Auch gegen die drei weiteren Verfügungen wurden Beschwerden beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht (F -2960/2025 [ B._______, C._______, D._______ und E._______]; F -2956/2025 [ F._______]; F - 2965/2025 [G._______]). G. Am 25. Ap ril 2025 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori- schen Vollzugsstopp an. H. Mit Zwischenverfügung vom 6. Mai 2025 erteilte die Instruktionsrichterin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung, wies den Antrag um koordi- nierte Behandlung des vorliegenden mit den übrigen Beschwerdeverfahren ab und ersuchte die Vorinstanz , Kroatiens Zustimmung zum Wiederauf- nahmegesuch einzureichen oder allenfalls auszuführen, weshalb sich diese nicht in den Akten befinde («eine Vernehmlassung im Sinne der Er- wägungen»). I. Die Vorinstanz liess sich am 12. Mai 2025 vernehmen. Der Beschwerde- führer reichte keine Replik ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 31 ff. VGG) und die Sachurteilsvoraussetzungen sind er- füllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Das Gericht entscheidet über die Beschwerde endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). F-2972/2025 Seite 4 1.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ein er zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 2. 2.1. Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, dass gemäss Art. 20 Abs. 5 Dub- lin-III-VO grundsätzlich Kroatien für die Weiterführung des Verfahrens und gegebenenfalls für die Behandlung des Asylverfahrens des Beschwerde- führers zuständig ist, dass das kroatische Asylsystem rechtsprechungsge- mäss keine systemischen Mängel aufweist, aufgrund derer die Zuständig- keit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO a uf die Schweiz überginge, und dass vorliegend keine völkerrechtlichen Vollzugshindernisse ersichtlich sind, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin- III-VO verpflichten würden. Dabei hat sie die Vorbringen des Beschwerde- führers – wonach er in Kroatien als Tschetschene dem H._______ über- stellt und danach ermordet würde – berücksichtigt und rechtsprechungs- konform gewürdigt. Darüber hinaus hat die Vorinstanz in rechtsfehlerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) zukommen- den Ermessens von einem freiwilligen Selbsteintritt der Schweiz abgese- hen. Sie ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch d es Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG seine Wegweisung nach Kroatien an- geordnet. Zur näheren Begründung wird auf die Erwägungen der Vo- rinstanz verwiesen. 2.2. Was der Beschwerdeführer auf Rechtsmittelebene vorbringt, ver mag nichts an der Richtigkeit der angefochtenen Verfügung zu ändern. Seine Ausführungen sowie die wiedergegebenen Berichte zur Situation in Kro - atien und zum Refoulement-Verbot vermögen keine systemischen Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO zu belegen. Sodann sind den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Die reine Befürchtung, wonach ihm bei einer Überstellung nach Kroatien eine Rückschaffung nach Russland drohe, genügt jedenfalls nicht, um die grundsätzliche Vermutung umzustossen, wonach Kroatien seinen F-2972/2025 Seite 5 völkerrechtlichen Verpflichtungen im Rahmen eines Asylverfahrens nach - kommt. 2.3. Indem die Vorinstanz die Zustimmung zum Wiederaufnahmeersuchen durch Kroatien nicht in den Akten geführt und weder dem Beschwerdefüh- rer noch dem Bundesverwaltungsgericht zugänglich gemacht hat, hat sie sowohl den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 VwVG) als auch die Aktenführungspflicht verletzt. Durch die nach- trägliche Zustellung der Antwort Kroatiens an den Beschwerdeführer hatte dieser die Möglichkeit, sich im Rahmen der Replik dazu zu äussern, wovon er keinen Gebrauch gemacht hat. Die Verletzung des Anspruchs auf recht- liches Gehör wurde damit nachträglich geheilt. 3. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 9. April 2025 nicht zu beanstanden und die Beschwerde ist abzuweisen. 4. Mit dem vorliegenden Urteil fällt die aufschiebende Wirkung der Be- schwerde dahin. 5. Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um un- entgeltliche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen ist. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest- zusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-2972/2025 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan- tonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Susanne Genner Selina Schmid Versand: