B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2330/2016 U r t e i l v o m 8. J u l i 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Petra Vonschallen. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 14. März 2016 / N (…). E-2330/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger und ethni- scher Hazara – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 10. Mai 2012 und reiste via Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland und Italien am 4. Juni 2013 in die Schweiz ein, wo er noch am selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 26. Juni 2013 fand in Basel die Befragung zur Person (BzP; vgl. Akten SEM A5/10) statt. Das SEM (vormals Bundesamt für Mig- ration BFM) hörte den Beschwerdeführer am 4. August 2014 sowie am 18. Januar 2016 zu seinen Asylgründen an (vgl. A16/18 und A19/17). B. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei in B._______ (Provinz Ghazni) geboren, wo seine Familie noch immer wohne. Im Jahre 2007 habe er an der (…) in Kabul seinen Schulabschluss gemacht und anschliessend in Kabul wäh- rend vier Jahren am (…). Nach erfolgreichem Studien abschluss habe er während zehn Monaten als Computerspezialist für das Unternehmen C._______. in Kandahar gearbeitet, welches unter anderem für (…) zu- ständig sei. Im Mai 2012 seien er und ein Arbeitskollege auf dem Heimweg von Taliban-Mitgliedern angehalten und bedroht worden. Diese hätten sie aufgefordert, ihre Arbeit niederzulegen respektive mit den Taliban zu ko- operieren, indem sie die Taliban informieren sollten, wenn sich die Truppen verschieben würden. Die Taliban hätten sie fotografiert und ihre Arbeitsi- dentifikationskarten einbehalten. In den darauffolgenden Wochen sei er mehrmals von den Taliban kontaktiert und bedroht worden. Etwa einen Mo- nat später seien er und ein Arbeitskollege wiederum auf dem Heimweg von vermummten Männern auf Motorrädern mit Schusswaffen angegriffen wor- den. Sein Kollege habe schwere Schussverletzungen erlitten. Er selbst habe flüchten können. Daraufhin habe er sich während vier Tagen bei ei- nem Freund versteckt, von wo aus er seinen Arbeitgeber und seinen Vater über den Vorfall informiert habe. Sein Vater habe dann die Ausreise orga- nisiert. Da die Taliban Fotos von ihm sowie seine Arbeitsidentifikationskarte hät- ten, müsse er bei einer Rückkehr nach Afghanistan um sein Leben und um dasjenige seiner Familie fürchten. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachstehenden Erwägungen verwiesen. E-2330/2016 Seite 3 C. Mit Verfügung vom 14. März 2016 wies das SEM das Asylgesuch des Be- schwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. D. Mit Eingabe vom 15. April 2016 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung des SEM aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hi nsicht stellte er den Antrag auf Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege samt Kostenvorschussverzicht. E. Mit Zwischenverfügung vom 27. April 2016 wurde das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen und der Beschwerde- führer gleichzeitig aufgefordert, bis zum 13. Mai 2016 einen Kostenvor- schuss von Fr. 600.– zu leisten, welcher innert Frist bezahlt worden ist. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist dah er zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist E-2330/2016 Seite 4 durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gr uppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Leb ens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 4.2 Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne dieser Bestimmung liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die Furcht hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu- kunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunk te für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in ver- gleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur E-2330/2016 Seite 5 Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Zudem muss fest- stehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte Person über keine inner- staatliche Schutzalternative verfügt (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6; 2011/50 E. 3.1.1 f.; 2008/4 E. 5.2, mit weiteren Hinweisen). 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG genügen noch eine asylrelevante Ver- folgung nach Art. 3 AsylG darstellen. 5.2 5.2.1 Das SEM erachtet zunächst das Zusammentreffen mit den Taliban als unglaubhaft. Es falle auf, dass sich der Beschwerdeführer bei der Schil- derung der Vorbringen in Widersprüche verstrickt habe. Unter anderen habe er bei der BzP von vier Männern auf zwei Motorrädern und anschlies- send bei der Anhörung von sechs Personen auf drei Motorrädern gespro- chen. Auf Vorhalt hin sei es ihm nicht gelungen, eine plausible Erklär ung für die abweichende Darstellung zu liefern. Zudem seien seine Ausführun- gen zu den relevanten Ereignissen vage und schemenhaft geblieben. Seine Aussagen würden keinerlei Realkennzeichen, wie eine detaillierte Schilderung, freies assoziatives Erzählen, Interaktionsschilderungen sowie inhaltliche Besonderheiten, enthalten. In der Beschwerde wird an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen festgehal- ten. Er könne sich den Widerspruch nur damit erklären, dass er sich wäh- rend der BzP nicht gut gefühlt habe und in ei ner sehr schlechten psychi- schen Verfassung gewesen sei. Bei dem Vorfall habe es sich um ein höchst traumatisches Erlebnis gehandelt. Er habe während des Überfalls Todes- ängste gehabt. Es sei sehr schwierig, sich klar an ein solches Ereignis zu E-2330/2016 Seite 6 erinnern. Auch habe der Überfall zum Zeitpunkt der BzP schon mehr als ein Jahr zurückgelegen. 5.2.2 Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass die Vorbringen des Beschwer- deführers äusserst konstruiert wirken. Nebst den fehlenden Realkennzei- chen in seinen Schilderungen fehlt es den Ausführungen auch an einer in- neren Logik und Nachvollziehbarkeit. So ist es unter anderem nicht plausi- bel, wieso die Taliban, welche zu viert beziehungsweise zu sechst gewesen sein sollen, seinen Arbeitskollegen angeschossen hätten, den Beschwer- deführer selbst aber gleichzeitig laufen gelassen hätten. Weiter lassen auch weitere Ungereimtheiten an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers zweifeln. So gab er auf Nachfrage hin zu Protokoll, dass er sich nicht über das Schicksal seines Arbei tskollegen habe infor- mieren können, da er seine SIM-Karte mit sämtlichen Kontaktdaten zerstört habe (vgl. A16/18 F89, F90 und F94). Hingegen war es ihm anscheinend durchaus möglich, einen anderen Arbeitskollegen in Kandahar zu kontak- tieren, damit dieser ihm Dokumente zuschicken konnte (vgl. A19/17 F115). Ebenfalls sind die zeitlichen Angaben nicht nachvollziehbar, da diese teil- weise nur sehr vage und teilweise widersprüchlich sind. So gab er bei- spielsweise bei der BzP an, dass er am 10. Mai 2012 Afghanistan verlas- sen habe (vgl. A5/10 Rz. 5.01). Der Überfall soll jedoch erst am 5. Juni 2012 stattgefunden haben (vgl. A5/10 Rz. 7.01). Überdies stimmen auch die Altersangaben seiner Geschwister bei der Befragung und bei der zwei- ten Anhörung nicht überein (vgl. A5/10 Rz. 3.01 und A19/17 F11). Der Ge- samteindruck, der durch die vagen, nicht detaillierten sowie widersprüchli- chen Schilderungen entsteht, lässt die Vorbringen des Beschwerdeführers insbesondere zu dem Überfall durch die Taliban und die damit zusammen- hängende Flucht unglaubhaft erscheinen. Ebenfalls geht das Bundesver- waltungsgericht mit der Vorinstanz einig, dass das anwaltliche Schreiben als Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert einzustufen ist, zumal dieses Schreiben auch keine Details über den Vorfall mit den Taliban enthält (vgl. A17). 5.3 5.3.1 Weiter verneint die Vorinstanz vorliegend auch die Flüchtlingseigen- schaft nach Art. 3 AsylG. In Afghanistan würden sich Gruppen von Perso- nen definieren lassen, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Ri- siko einer Verfolgung durch die Taliban ausgesetzt seien. Dazu würden un- ter anderem Personen gehören, die der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft nahestehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen würden, sowie westlich orientierte oder der afghanischen E-2330/2016 Seite 7 Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht entsprechende Perso- nen. Bei der Beurteilung entsprechender Risikoprofile gelte es insbeson- dere das Interesse der Taliban an der betreffenden Person abzuklären, über was für ein Profil die Person verfüge und ob bereits ernsthafte Nach- teile erlitten worden seien. Vorliegend könne dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass er im Zusammenhang mit seiner Anstellung als Computerspezialist bei einem lokalen Unternehmen bereits ernsthafte Nachteile erlitten habe, mithin einer Verfolgung durch die Taliban ausge- setzt gewesen sei. Seine Angaben dazu, weshalb die Taliban gerade an ihm ein spezielles Interesse haben sollten, hätten wenig zu überzeugen vermocht. Er habe sich mit dem allgemein gültigen Hinweis darauf be- gnügt, die Taliban seien stets auf Informanten angewiesen, um Anschläge zu planen. An jungen Leuten würden diese dabei ein spezielles Interesse haben. Darauf angesprochen, ob er in seiner Position denn überhaupt Zu- gang zu solchen Informati onen gehabt habe, seien seine Antworten sehr vage und ausweichend geblieben. Es sei davon auszugehen, dass er seine Verbindung zu den in der Region stationierten Truppen zumindest über- spitzt dargestellt habe. Würde tatsächlich ein Austausch in dem vom Be- schwerdeführer behaupteten Umfang stattgefunden haben, könne davon ausgegangen werden, dass er dazu einigermassen substantiierte Aus- künfte hätte liefern können. Insgesamt verfüge der Beschwerdeführer nicht über ein derartiges Profil, dass von einer Identifik ation durch die Taliban ausgegangen werden müsse, welche in absehbarer Zukunft und mit hin- länglicher Wahrscheinlichkeit zu einer asylrelevanten Verfolgung führen würde. Ferner würden die geschilderten Anschläge auf seinen Vater nicht ihn persönlich treffen , sondern eben seinen Vater als offizielle Militärper- son. Den Akten seien weiter keine Hinweise zu entnehmen, dass er oder ein anderes Familienmitglied in diesem Zusammenhang irgendwelche Nachteile erlitten hätten oder in Zukunft solche befürchten müssten. Der Beschwerdeführer hingegen hat in der Rechtsmitteleingabe erneut seine Nähe zu den afghanischen nationalen Truppen sowie den ISAF - Truppen betont. Sein Arbeitsort habe sich auf dem Gelände (…) von Kan- dahar befunden, wo regelmässig Truppen stationiert gewesen seien. We- gen seiner guten Englischkenntnisse habe er ab und zu als Dolmetscher zwischen den Soldaten der afghanischen nationalen Sicherheitskräfte und den ISAF-Truppen fungiert. Allerdings habe sich dies in der Regel auf in- formelle Treffen wie beis pielsweise Pausen oder Freizeitaktivitäten be- schränkt. So habe er keinen direkten Einblick in die Tätigkeiten der Trup- pen gehabt. Er sei aber teilweise über Transporte und Truppenverschie- bungen informiert gewesen. Durch seine Tätigkeit bei seinem Arbeitgeber, E-2330/2016 Seite 8 welcher von einer amerikanischen Unternehmung beauftragt worden sei, sei er ständig in Gefahr gewesen, von den Taliban festgenommen oder gar getötet zu werden. Der Beschwerdeführer verweist diesbezüglich auf die UNHCR-Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs af- ghanischer Asylsuchender vom 6. August 2013. 5.3.2 Die Vorinstanz ist zu Recht zum Schluss gelangt, dass der Beschwer- deführer nicht über ein derartiges Profil verfügt, dass von einer Identifika- tion durch die Taliban ausgegangen werden müsste, welche in absehbarer Zukunft und mit hinlänglicher Wahrscheinlichkeit zu einer asylrelevanten Verfolgung führen würde. Der Beschwerdeführer hat weder eine Position innerhalb der Unternehmung, bei welcher er über für die Taliban interes- sante Informationen verfügen würde, noch eine Bedrohung durch die Tali- ban vor seiner Ausreise glaubhaft darlegen können (vgl. auch E. 5.2.2 hier- vor). Überdies sind weder andere Mitarbeiter (vgl. A16/18 F64) noch nach seiner Flucht die Familie durch die Taliban bedroht worden, was wiederum auf das Fehlen einer flüchtlingsrechtlich relevanten Bedrohung schliessen lässt. 5.4 Es erübrigt sich an dieser Stelle , noch näher auf die Beschwerdevor- bringen sowie die eingereichten Beweismittel einzugehen, da diese an der Gesamtbeurteilung nichts zu ändern vermögen. 6. Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, eine asylrelevante Verfolgungssituation darzutun, weshalb das SEM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. Es besteht schliesslich auch keine Veranlassung, die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. 7. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord- net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). E-2330/2016 Seite 9 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 8.2 8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Da dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft zukommt, ist das flücht- lingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrecht- lichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Im Lichte dieser Bestimmungen sind keine Anhaltspunkte da für auszu- machen, der Beschwerdeführer wäre im Falle einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt. Der Wegweisungsvollzug ist demnach zulässig. 8.2.2 Der Wegweisungsvollzug kann für Ausländerinnen und Ausländer un- zumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Bezüglich der allgemeinen Lage in Afghanistan hat das Gericht in BVGE 2011/7 festgestellt, dass in weiten Teilen des Landes eine derart schlechte Sicherheitslage herrsche und derart schwierige humanitäre Bedingungen bestehen würden, dass die Situation insgesamt als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei indes die Situation in der Hauptstadt Kabul zu unterschei- den. Der Vollzug dorthin könne als zumutbar erachtet werden, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden Mann handle, der dort über ein tragfähiges soziales Netz verfüge, das ihn bei der Heimkehr un- terstützen könne (BVGE 2011/7 E. 9.9). Diese Praxis hat nach wie vor Gül- tigkeit (Urteile des BVGer E -3124/2016 vom 17. Juni 2016; D -2086/2016 vom 11. Mai 2016; D -5168/2015 vom 16. November 2015; E -5014/2015 vom 28. Oktober 2015). Zwar ist gegen über der Lageanalyse in BVGE E-2330/2016 Seite 10 2011/7 von einem Anstieg der Anschläge sowie von einer steigenden Kri- minalität auszugehen. Insgesamt lässt sich jedoch nicht auf eine Situation allgemeiner Gewalt in Kabul schliessen. 8.3 Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt ha t, handelt es sich bei dem Beschwerdeführer um einen (…)-jährigen, alleinstehenden und gesunden Mann, welcher eigenen Angaben zufolge in Kabul während mindestens drei Jahren die Schule und anschliessend während vier Jahren das (…) besucht hat (vgl. A16/18 F37 und F116; A19/17 F48 sowie A17) und wäh- rend dieser Zeit auch in Kabul in einer Wohngemeinschaft gewohnt hat (vgl. A16/18 F114; A19/17 F42 ff.). Das Bundesverwaltungsgericht geht mit der Vorinstanz einig, dass insgesamt der Eindruck entsteht, dass der B e- schwerdeführer seine wahren (Familien -)Verhältnisse und insbesondere sein Beziehungsnetz in Kabul zu verschleiern versucht, indem er jegliche Sozialbeziehungen während und nach der Schul e beziehungsweise dem Studium in Kabul abstreitet. Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu jener Zeit in Kabul sind weder nachvollziehbar noch substanziiert. Um Wie- derholungen zu vermeiden, wird diesbezüglich auf die Erwägungen der Vo- rinstanz verwiesen. In der Annahme der Vorinstanz, dass der Beschwerde- führer in Kabul übe r ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt, liegt keine Verletzung der Beweiswürdigung vor, sodass die Vorinstanz zu Recht von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Kabul ausgegangen ist. 8.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheb lichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. E-2330/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Petra Vonschallen Versand: