Baurekursgericht des Kantons Zürich 2. Abteilung G.-Nr. R2.2020.00192 BRGE II Nr. 0021/2021 Entscheid vom 16. Februar 2021 Mitwirkende Abteilungspräsident Peter Rütimann, Ersatzrichter Frank Kessler Arcon, Baurichter Adrian Bergmann, Gerichtsschreiberin Nicole Herzig in Sachen Rekurrentinnen 1. H. S. […] 2. A. AG […] beide vertreten durch […] gegen Rekursgegnerschaft 1. Baukommission X […] vertreten durch […] 2. K. T. und A. P. T. […] vertreten durch […] betreffend Beschluss der Baukommission […] ; Abweisung Gesuch um Ert eilung des Hammerschlagsrechts […] ______________________________________________________ R2.2020.00192 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Beschluss vom 6. Juli 2020 wies die Baubehörde X das Gesuch von H. S. sowie der A. AG um Erteilung des Hammerschlagrechts zugunsten des Grundstücks Kat.-Nr. 1, L.-Strasse 1 , und zulasten des Grundstücks Kat.-Nr. 2, P.-Strasse 1 in X ab. B. Hiergegen wandten sich H. S. sowie die A. AG mit gemeinsamer Rekurs- schrift vom 19. August 2020 an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und stellten folgende Anträge: "1. Der Beschluss vom 6. Juli 2020 sei vollumfänglich aufzuheben und es sei den Rekurrenten und ihren Hilfspersonen die Berechtigung zu ertei- len, das Grundstück der Rekursgegner, Kat. -Nr. 2 während der Dauer der Bauarbeiten auf dem Grundstück L. -Strasse 1 (Kat.-Nr. 1) zu be- fahren gegen Zusprechung einer angemessenen Entschädigung, wel- che mit Fr. 3.00 pro Tag der Inanspruchnahme festzulegen sei. 2. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der Rekursgegner – unter solidarischer Haftung; eventualiter zu Lasten der Gemeinde X , subeventualiter zu Lasten der Baukommission der Gemeinde X." C. Mit Verfügung vom 24. August 2020 wurde vom Rekurseingang Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. D. Die Baukommission X beantragte mit Rekursantwort vom 24. September 2020 die Abweisung des Rekurses, unter Kosten- und Entschädigungsfol- gen zu Lasten der Rekurrentinnen. R2.2020.00192 Seite 3 Die Eigentümer des Grundstücks Kat.-Nr. 2, K. T. und A. P. T. (Rekursgeg- nerschaft 2), stellten mit Stellungnahme vom 24. September 2020 folgende Anträge: "1. Der Rekurs der Rekurrentinnen vom 19. August 2020 sei vollumfäng- lich abzuweisen. 2. Eventualiter sei der Rekursgegnerschaft 2 bei partieller oder vollum- fänglicher Gutheissung des Rekurses der Rekurrentinnen vom 19. Au- gust 2020 eine Entsch ädigung durch die Rekurrentinnen von Fr. 179.00 pro Tag, an welchem irgendeine Inanspruchnahme des Grundstücks der Rekursgegnerschaft 2 stattfindet, zuzusprechen. 3. Ebenfalls eventualiter sei die partielle oder vollumfängliche Gutheis- sung des Rekurses der Rekurrentinnen vom 19. August 2020 mit der Auflage zu verbinden, dass während der gesamten Dauer der Bauar- beiten auf der Liegenschaft L. -Strasse 1 , X, jederzeit mittels Sicher- heitspersonal gewährleistet wird, dass Personen (insbesondere spielende Kinder) auf dem in Anspruch genommenen Privatweg der Liegenschaft P .-Strasse 1, X, durch den Baustellenverkehr in keiner Weise gefährdet werden. 4. Ebenfalls eventualiter sei die Gutheissung des Rekurses der Rekurren- tinnen vom 19. August 2020 auf den absolut notwendigen Umfang zu beschränken, d.h. ausschliesslich auf solche vorab genau bezeichne- ten Transporte, die unmöglich auf irgendeine andere Art und Weise bewerkstelligt werden können. In diesem Zusammenhang sei den Re- kurrentinnen die Auflage zu erteilen, dass jeder einzelne dieser Trans- porte der Rekursgegnerschaft 2 mit einer Vorlaufzeit von 10 Werktagen schriftlich bekanntgegeben werden muss, ansonsten die Inanspruch- nahme des Grundstücks der Rekursgegnerschaft 2 jeweils verweigert werden darf. 5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich gesetzlicher MWST von 7,7 % auf der Prozessentschädigung, zu Lasten der Rekur- rentinnen, in solidarischer Haftbarkeit." E. Mit Replik vom 21. Oktober 2020 passte die Rekurrentschaft ihre Anträg e wie folgt an: "1. Der Beschluss vom 6. Juli 2020 sei vollumfänglich aufzuheben und es sei den Rekurrenten und ihren Hilfspersonen die Berechtigung zu ertei- len, das Grundstück der Rekursgegner, Kat. -Nr. 2 während der Dauer der Bauarbeiten auf dem Grundstück L.-Strasse 1 (Kat.-Nr. 1) zu be- fahren gegen Zusprechung einer angemessenen Entschädigung, wel- che mit Fr. 3.00 pro Tag der Inanspruchnahme festzulegen sei. R2.2020.00192 Seite 4 Eventualiter sei der Beschluss vom 6. Juli 2020 vollumfänglich aufzu- heben und es sei den Rekurrenten und ihren Hilfspersonen die Berech- tigung zu erteilen, das Grundstück der Rekursgegner, Kat.- Nr. 2 wäh- rend der Dauer der Bauarbeiten auf dem Grundstück L.-Strasse 1 (Kat.-Nr. 1) für den Transport von schweren Lasten, welche nicht von Hand oder mittels Schubkarren auf die Baustelle gebracht werden kön- nen, zu befahren gegen Zusprechung einer angemessenen Entschädi- gung, welche mit Fr. 3.00 pro Tag der Inanspruchnahme festzulegen sei. 2. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der Rekursgegner – unter solidarischer Haftung; eventualiter zu Lasten der Gemeinde X , subeventualiter zu Lasten der Baukommission der Gemeinde X." F. Die Parteien blieben mit Dupliken vom 16. November 2020 bzw. Triplik vom 4. Dezember 2020 und Quadruplik vom 17. Dezember 2020 bei ihren An- trägen. Es kommt in Betracht: 1. Die Rekurrentinnen sind als Gesuchstellerinnen ohne Weiteres im Sinne von § 338a des Planungs - und Baugesetzes (PBG) zur Rekurserhebung legitimiert. Da auch die übrigen formellrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten. 2. Das rekurrentische Grundstück, Kat. -Nr. 1, liegt jeweils in zweiter Bautiefe zur westlich verlaufenden L. -Strasse und zur östlich parallel dazu verlau- fenden W.-Strasse. Westlich des Baugrundstücks zweigen die M. -Strasse R2.2020.00192 Seite 5 in südlicher Richtung und nordwestlich des Baugrundstücks die P. -Strasse in nördlicher Richtung von der L. -Strasse ab. Von der P. -Strasse wiederum führt von Norden her eine Privatstrasse über die Grundstücke Kat.-Nrn. 2, 3 und 4 bis an die nordwestlichen Eckbereich des Baugrundstücks. Während die Grundstücke Kat. -Nrn. 3 und 4 über ein uneingeschränktes Fuss - und Fahrwegrecht zu Lasten des Grundstücks Kat.-Nr. 2 verfügen, ist dies beim Grundstück Kat.-Nr. 1 nicht der Fall. Das rekurrentische Grundstück ist im westlichen Bereich mit einem Wohn- haus überbaut. Mit Beschluss vom 17. Juni 2019 wurde der Rekurrent- schaft die Baubewilligung zur Erstellung eines Aussenpools mit Anpassung der Umgebungsgestaltung auf dem östlichen Teil ihres Grundstücks erteilt. Im Baustelleninstallationsplan hielt die Bauherrschaft fest, der Bauplatz werde auf dem Grundstück Kat.-Nr. 4 eingerichtet, welches ebenfalls im Ei- gentum von H. S. stehe und über ein uneingeschränktes Fahrwegrecht über das Grunds tück Kat.-Nr. 2 verfüge. Daraufhin wurde die Baufreigabe erteilt und es wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Gegen die Nutzung ihres Grundstücks als Zufahrt setzte sich die Rekurs- gegnerschaft 2 zur Wehr. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden, wes- halb die Rekurrentschaft das strittige Gesuch um Erteilung eines Hammer- schlagrechts stellte. 3. Die Rekurrentinnen machen zusammengefasst geltend, das Baugrundstück sei weder von der L. -Strasse noch von der W.-Strasse aus mit Fahrzeugen zugänglich. Auch das Aufs tellen eines permanenten Krans sei auf diesen Strassen oder der P .- und der M.-Strasse nicht machbar. Die täglichen Transporte könnten jedoch auch nicht gebündelt und durch einen Spezial- kran erledigt werden. Die einzige Möglichkeit, das Baumaterial auf das Grundstück zu bringen, sei die bestehende Zufahrt über das Grundstück der Rekurrentschaft 2. 4. Die Vorinstanz wies das Gesuch ab. Dies mit der Begründung, das Ham- merschlagsrecht gelte gemäss Lehre und Rechtsprechung nur für benach- R2.2020.00192 Seite 6 barte Grundstücke. Sinn des Hammerschlagsrecht sei es, Bauarbeiten und Reparaturen entlang der Grundstücksgrenze erledigen zu können und es belaste daher grundsätzlich nur gegenseitig unmittelbar aneinanderstos- sende Grundstücke. Es könne hingegen nicht als Ersatz für fehlende Durchfahrtsrechte dienen. Zudem erweise sich die vorgesehene Beanspruchung des Nachbargrund- stücks nicht als zwingend notwendig. Die Baustelle könne mittels eines Krans bedient werden. Praktisch tägliche Transporte seien nicht erforder- lich, zumal die Baustel le über einen Bauplatz auf der Nachbarparzelle ver- füge, auf welchem auch ein kleiner Kran montiert werden könnte. Für die Realisierung des geplanten Aussenpools erscheine eine gebündelte Bedie- nung mit wenigen Kraneinsatztagen ausreichend. 5. Gemäss § 229 PBG ist jeder Grundeigentümer berechtigt, Nachbargrund- stücke zu betreten und vorübergehend zu benutzen, soweit es, Vorberei- tungshandlungen eingeschlossen, für die Erstellung, die Veränderung oder den Unterhalt von Bauten, Anlagen, Ausstattungen und Ausrüst ungen nötig ist und soweit dadurch das Eigentum des Betroffenen nicht unzumutbar ge- fährdet oder beeinträchtigt ist (Abs. 1). Dieses Recht ist möglichst scho- nend und gegen volle Entschädigung auszuüben (Abs. 2). Nach § 230 Abs. 1 PBG ist die Inanspruchnahme dem Betroffenen vom Ansprecher genau und rechtzeitig schriftlich mitzuteilen (Abs. 1). Stimmt der Betroffene innert 30 Tagen seit der Mitteilung nicht zu oder einigen sich die Beteiligten nicht über die Entschädigung, entscheidet auf Begehren des Ansprechers die örtliche Baubehörde in raschem Verfahren über die Zulässigkeit des Begehrens und über die Entschädigung (Abs. 2). Mit ihrem Entscheid gemäss § 230 Abs. 2 PBG greift die Behörde unmittel- bar in private Eigentumsrechte von am Bauvorhaben nicht beteili gten Dritt- personen ein. Dieser Eingriff dient vor allem dem privaten Interesse des Bauherrn an der Realisierung seines Bauvorhabens. Daher hat sich die In- anspruchnahme stets auf das in räumlicher und zeitlicher Hinsicht Notwen- dige zu beschränken. R2.2020.00192 Seite 7 Es ist d er Sinn des Hammerschlagsrechts, dass es einem Grundeigentü- mer erlaubt, Arbeiten an seiner Grenzbaute oder Grenzvorrichtung auf de- ren grenznah an das Nachbargrundstück anstossenden Seite auszuführen. Die Zweckbestimmung des Hammerschlagsrechts ist nach her rschender Lehre und Praxis auf einen schmalen Landstreifen entlang der Grenze be- schränkt. Das Hammerschlagsrecht wird entsprechend auch Leiterrecht genannt und wird in Anspruch genommen, wenn an der Aussenwand des eigenen Hauses, welches an der Grenze zum Nachbargrundstück steht, ei- ne Reparatur vorzunehmen und dazu eine Leiter anzustellen ist, um darauf stehend einen Nagel einzuschlagen. In Art. 695 des Zivilgesetzbuches (ZGB) wird dieses Recht als eine Befugnis des Grundeigentümers bezeich- net, "zum Zweck der Bewirtschaftung oder Vornahme von Ausbesserungen und Bauten das nachbarliche Grundstück zu betreten". Mit dem Hammerschlagsrecht belastet sind deshalb je gegenseitig nur un- mittelbar aneinanderstossende Grundstücke. Das unterscheidet es bei- spielsweise von Weg- und Durchleitungsrechten (Dominik Bachmann, Das Hammerschlagsrecht, in: PBG aktuell 4/2014, S. 9). Über das unmittelbare Nachbargrundstück hinaus greift das Recht nur, wenn das direkt benach- barte so schmal ist, dass der zulässige schmale Streifen f ür den Hammer- schlag über dieses hinausreicht (Paul-Henri Steinauer, La mise à constribu- tion du fonds voisin lors de travaux de construction, in: Baurecht, Zeitschrift für Baurecht und Vergabewesen BR/DC 1990 (Heft 2), S. 32/33). Entspre- chend wird die Meinung des Kantonsgerichts Wallis, wonach auch eine Baupiste über mehrere benachbarte Grundstücke unter das Hammer- schlagsrecht fallen könne, von der Lehre nicht geteilt (vgl. Dominik Bach- mann, S. 9 zum Entscheid TCV C1 13 49 vom 20. Juni 2013 des Kantons- gerichts Wallis). Dieser Lehrmeinung ist grundsätzlich angesichts des Sinnes und Zwecks des Hammerschlagsrechts zu folgen. Es stellt sich die Frage, ob es sich bei der vorliegend strittigen Baustelle um eine Situation handelt, welche aus- nahmsweise eine andere Si chtweise erforderlich machen würde. Dabei ist festzuhalten, dass der Baubehörde bei der Beantwortung der Frage, ob und in welchem Umfange die Beanspruchung eines Drittgrundstückes notwen- dig ist, ein erheblicher Ermessensspielraum zukommt. R2.2020.00192 Seite 8 6. Die vorliegend strittige Situation besteht darin, dass das Baugrundstück über einen mit einer Dienstbarkeit gesicherten Fussweg (Treppe) von Wes- ten von der M. -Strasse aus über das Nachbargrundstück Kat. -Nr. 5 er- schlossen ist. Eine Zufahrt mit Fahrzeugen ist zwar von Norden her faktisch vorhanden, jedoch rechtlich nicht gesichert. Da jedoch die Distanz zur nächsten Strasse unbestrittenermassen weniger als 80 m beträgt (§ 4 Abs. 1 der Zugangsnormalien [ ZN]), lieg t für das Grundstück kein Erschlies- sungsmangel vor. Von Bundesrechts wegen muss die befahrbare Strasse nicht bis zum Baugrundstück oder gar zu jedem einzelnen Gebäude rei- chen; es genügt, wenn Benützer und Besucher mit dem Motorfahrzeug o- der einem öffentlic hen Verkehrsmittel in hinreichende Nähe gelangen und von dort über einen Weg zum Gebäude oder zur A nlage gehen können (BGE 136 III 130, E. 3.3.2; vgl. Eloi Jeannerat in: Heinz Aemisegger/Pierre Moor/Alexander Ruch/Pierre Tschannen [Hrsg.], Praxiskommentar RPG: Nutzungsplanung [Praxiskommentar RPG], Art. 19 Rz. 23) . Das Baugrund- stück ist auch ohne die Nutzung des Grundstücks der Rekursgegner- schaft 2 erreichbar, wenn auch nur zu Fuss. Zudem befindet sich der Bau- installationsplatz keine 30 m von der westlich v erlaufenden L.-Strasse ent- fernt und wäre mit einem Pneukran ohne Weiteres erreichbar. Die restli- chen ca. 20 m zur eigentlichen Baustelle sind mangels Zufahrt so oder so ohne Fahrzeuge zu bewerkstelligen. Zudem wurde ein Teil der Bauarbeiten (mehrheitlicher Aushub, Erstellen der Stützmauern; vgl. Fotos act. 28.1) be- reits ausgeführt. Bei den restlichen Arbeiten werden unbestreitbar noch Ma- terial und Maschinen benötigt. Dass diese einen monatelangen täglichen Bedarf an einem Kran erforderlich machen sollten, wie es die Bauherrschaft geltend macht, ist jedoch nicht nachvollziehbar, zumal ein Aussenpool und nicht ein ganzes Gebäude erstellt werden soll. Bei entsprechender Koordi- nation der Baustelle liesse sich die Anzahl Tage, an denen ein Kran bean- sprucht würde, minimieren. Dass die dafür nötigen Kosten in keinem Ver- hältnis zu den Fr. 3.-- pro Tag, welche die Rekurrentschaft der Rekursgeg- nerschaft 2 eventualiter anbietet, stehen, ist offensichtlich. Ebenso erhöht sich der logistische und vermutlich auch der zeitl iche Aufwand. Nichtsdes- totrotz ist festzuhalten, dass es sich nicht um eine Parzelle handelt, auf der ohne die gewünschte Beanspruchung der Zufahrt nicht gebaut werden könnte. Das Grundstück der Rekursgegnerschaft 2, welches sich in einem Abstand von rund 40 m zum Baugrundstück befindet, muss somit nicht zwingend mitbenutzt werden, weshalb eine derart starke Ausweitung des R2.2020.00192 Seite 9 Hammerschlagsrechts auch nicht ausnahmsweise als gerechtfertigt er- scheint. Der Entscheid der Vorinstanz ist somit in diesem Punkt zu bes täti- gen. Nicht auszuschliessen ist, dass das Fahrwegrecht für die Zufahrt zu dem auf dem dienstbarkeitsberechtigten Nachbargrundstück geplanten Baustel- leninstallationsplatz genügt, zumal offenbar auch die Parkierungsmöglich- keiten für das rekurrentische Ge bäude auf dieser Parzelle bestehen. Hier- bei handelt es sich jedoch um eine privatrechtliche Frage, mit welcher die Parteien auf den Zivilweg zu verweisen sind, da sie keine für die Klärung des Hammerschlagsrechts nötige Grundlage bildet. 7. Die Rekurrentschaft macht weiter geltend, die in Dispositiv -Ziffer 2 des an- gefochtenen Beschlusses aufgeführten Kosten seien unverhältnismässig und überhöht. Insbesondere dürften die Leistungen der von der Gemeinde beigezogenen Rechtsanwältin nicht weiterbelastet werden und der geltend gemachte Bearbeitungsaufwand der Gemeinde sei mit 16 Stunden über- höht. 8. Gebühren sind ein Entgelt für eine bestimmte, vom Pflichtigen veranlasste Amtshandlung oder für die Benutzung einer öffentlichen Anstalt (Verwal- tungs- bzw. Benutzungsgebühren). Mit Ausnahme der so genannten Kanz- leigebühren (Gebühren von geringer Höhe für eine keinen besonderen Aufwand erfordernde Verwaltungstätigkeit) bedürfen Gebühren vorbehält- lich einer zulässigen Rechtssetzungsdelegation einer Grundlage in einem Gesetz im formellen Sinne, mit welcher die wesentlichen Elemente der Ge- bühr festzulegen sind. Gebühren unterliegen neben dem Gesetzmässigkeitsprinzip auch dem Kostendeckungsprinzip und dem Äquivalenzprinzip. Das Kostendeckungs- prinzip besagt, dass die Gebühr enerträge für einen bestimmten Verwal- tungszweig den Gesamtaufwand nicht oder jedenfalls nicht wesentlich überschreiten dürfen. Hieraus lässt sich indes nicht etwa ableiten, dass für jedes einzelne Geschäft des betreffenden Verwaltungszweiges eine kos- R2.2020.00192 Seite 10 tendeckende Gebühr erhoben werden kann oder muss. Im Rahmen der anzuwendenden Gebührenerlasse und der sich aus dem Äquivalenzprinzip ergebenden Schranken sind die Gemeinden bei der Verteilung der Ge- samtkosten auf einzelne gebührenpflichtige Handlungen vielmehr r elativ frei. Aus dem Äquivalenzprinzip, welches namentlich das Verhältnismäs- sigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Ab. 3 der Bundesverfassung [BV]) konkretisiert, ergibt sich, dass die Höhe der Gebühr im Einzelfall in einem vernünftigen Verhältnis zum Wert der staatlichen Leistung stehen muss. Dieser Wert bestimmt sich nach dem (nicht notwendigerweise wirtschaftli- chen) Nutzen, welchen die Leistung dem Pflichtigen bringt, oder aber nach dem Kostenaufwand der konkreten Inanspruchnahme der Verwaltung im Verhältnis zum gesamten Aufwand des betreffenden Verwaltungszweiges (vgl. Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungs- recht, 8. Aufl., Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 2758 ff. und 2785 ff.). Mit dem neuen Gemeindegesetz vom 20. April 2015 ( GG), welches am 1. Januar 2018 in Kraft trat, mussten alle Gemeinden des Kantons Zürich ihre Gebühren selbst regeln, da der bisherige § 63 des Gemeindegesetzes und die regierungsrätliche Gebührenverordnung ( VOGG) aufgehoben wur- den. Gestützt auf diese geänderte Ausgangslage hat die Gemeindever- sammlung X am 27. November 2017 eine neue kommunale Gebührenver- ordnung (GebVO Gemeinde) erlassen, welche in den Art. 19 und 20 die Berechnung der Baubewilligungsgebühren wie folgt regelt: "Bauwesen Art. 19 Grundlage 1 Für baurechtliche Entscheide, für Baukontrollen und für weitere Leistungen im Bauwesen werden Bearbeitungs - und Bewilligungsgebühren erhoben. 2 Die Gebührenansätze, speziell die zu verrechnenden Stundenansätze der Verwaltungsangestellten, die näheren Bestimmungen zu den einzelnen Gebühren sowie Abwei- chungen aufgrund höheren oder geringeren Aufwandes er- lässt der Gemeinderat im Gebührentarif. Art. 20 Gebührenbemessung 1 Die Baubewilligungsgebühren bemessen sich nach Auf- wand. Falls aufgrund der Komplexit ät zusätzliche externe Dienstleistungen (z.B. Raumplaner/Rechtsanwalt/Brand- schutzexperte etc.) für Gutachten und Expertisen notwendig werden, erfolgt die ergänzende Verrechnung nach effekti- R2.2020.00192 Seite 11 vem Aufwand der extern beauftragten Firma u nter Berück- sichtigung des Äquivalenzprinzips. 2 Für die notwendige Behandlung der Gesuche durch die Baukommission oder den Gemeinderat werden zusätzlich pauschalisierte Gebühren bis höchstens Fr. 800.-- erhoben. 3 Auch die übrigen Gebühren im Bauwesen werden nach Aufwand bemessen. Art. 21 Gebührenrahmen 1 Die Gebühr für die Prüfung eines Baugesuches und für den Entscheid über das Vorhaben beträgt bis zu 20'000 Franken. (…) 6 Ausserhalb von Baubewilligungsverfahren beträgt die Ge- bühr für Kontrollen und behördliche Anordnungen höchstens 10'000 Franken." 9. Zwar ist es zulässig, Hilfspersonen für die Beurteilung eines Baugesuches hinzuzuziehen. D adurch entsteht jedoch stets nur ein internes Verhältnis zwischen der Gemeinde und dieser Person. Entsprechend sind die Rech- nungen korrekterweise an das kommunale Bauamt zu richten. Diese Auf- wendungen dürfen gegebenenfalls auch bei der Bemessung der Gebüh- renhöhe mitberücksichtigt werden. Da sich der Aufwand der externen Per- son jedoch je nach Art und Umfang des Auftrages der Gemeinde nicht un- bedingt mit dem Aufwand decken muss, der bei der Baugesuchsbehand- lung objektiverweise anfällt, darf der mit der Rechnung der Hilfsperson ein- geforderte Betrag nicht einfach an die Bauherrschaft weiterverrechnet wer- den. Es ist zu prüfen, ob dieser Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum kantonalen Rahmen stehe und ob er im Einzelfall der Bedeutung des Geschäfts angemessen ist. Entsprechend ist auch Art. 20 Abs. 1 GebVO anzuwenden. Zwar kann der genannte Aufwand für das konkrete Ver fahren als Grundlage herbeigezogen werden, die adäquate Gebührenbemessung ist aber in jedem Fall vorzunehmen und im Rahmen der Schlussabrech- nung zu erläutern. Infolge dieser Erkenntnisse ist die streitbetroffene Gebühr enabrechnung zu korrigieren und das E rgebnis in Bezug auf das Äquivalenzprinzip zu über- prüfen. Die verlangte Gebü hr für die Bearbeitung des streitbetroffenen G e- R2.2020.00192 Seite 12 suchs um Inanspruchnahme eines Drittgrundstücks wurde von der Vo- rinstanz auf Fr. 6'120.-- angesetzt. Sie setzt sich gemäss dem angefochte- nen Entscheid wie folgt zusammen: Fr. 200.-- für zwei Baukommissionssit- zungen, Fr. 2'160.-- für 16 Bearbeitungsstunden à Fr. 135.-- durch die Ge- meinde und Fr. 3'760.-- für die Leistung der beauftragten Rechtsanwältin. Letztere Kosten dürfen wie ausgeführt nicht direkt auf den Gesuchsteller überwälzt werden. Vielmehr ist das Anfallen externer Kosten in der Gebüh- renberechnung adäquat zu berücksichtigen. Dabei ist festzuhalten, dass es sich beim strittigen Gesuch um eine Einzelfrage handelt, bei welcher de r Rekurrentschaft zuzustimmen ist, dass der Aufwand der Gemeinde und die zusätzliche Leistung der Rechtsanwältin eher hoch erscheinen, auch wenn hierzu Abklärungen und Schriftenwechsel erforderlich waren. Zwar bewegt sich die erhobene Gesamtgebühr im Rahmen von Fr. 10'000.-- gemäss Art. 21 Abs. 6 GebVO. Allerdings erscheint eine Ansetzung in der oberen Hälfte des Rahmens nicht verhältnismässig zum gestellten Gesuch. Unter Be- rücksichtigung des Äquivalenzprinzips ist von einer vollen Verrechnung des gemeindeinternen sowie des externen Aufwandes abzusehen und die Ge- bühr um ein Drittel dieser Kosten (Fr. 5'920.-- / 3 = Fr. 1'973.35) auf Fr. 4'146.65 (Fr. 3'946.65 + Fr. 200.--) zu kürzen. 10. Zusammenfassend ist der Rekurs deshalb teilweise gutzuheissen und die verlangte Gebühr auf Fr. 4'146.65 zu kürzen. Im Übrigen ist der Rekurs ab- zuweisen. 11. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten zu fünf Sechsteln den solida- risch haftenden Rekurrierenden und zu einem Sechstel der die zu korrigie- renden Gebühren erhebenden Baukommission X aufzuerlegen (§ 13 VRG). Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwal- tungsgerichts (GebV VGr ) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach seinem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimmbaren Streitwert oder dem tatsächlichen Streitinteresse fest. Liegt wie hier ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträg t die Ge- richtsgebühr in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 R2.2020.00192 Seite 13 Abs. 2 GebV VGr). Bei der Bemessung der Gebührenhöhe steht der Re- kursinstanz ein grosser Ermessensspielraum zu (Kaspar Plüss, in: Kom- mentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.). Demnach ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 3'500.-- festzusetzen. 12. Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei- ner angemessenen Entschädigung für die Umtriebe der Gegenpartei ver- pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach- verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte o- der den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Umtriebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. Stehen sich im Verfahren private Parteien mit gegensätzlichen Begehren gegenüber, so wird die Gemeinde im Falle des Unterliegens in der Regel nicht entschädigungspflichtig (§ 17 Abs. 3 VRG). Umgekehrt entfällt im Fal- le des Obsiegens auch ein entsprechender Entschädigungsanspruch. Gründe, von dieser Regel abzuweichen, sind vorliegend nicht gegeben. Demnach ist der Vorinstanz keine Umtriebsentschädigung zuzusprechen. Der mehrheitlich unterlie genden Rekurrentschaft kommt ebenfalls keine Umtriebsentschädigung zu. Was die Rekursgegnerschaft 2 betrifft, so ist festzuhalten, dass der Beizug eines Rechtsbeistandes in aller Regel als Grund für die Zusprechung einer Umtriebsentschädigung einzustufen i st (VB.2003.00093 vom 16. Oktober 2003, E. 3.1). Demnach ist ihr vorliegend zulasten der Rekurrentschaft eine Umtriebsentschädigung zuzusprechen. Angemessen erscheint ein Betrag von Fr. 1'000.--. Da die Umtriebsentschädigung pauschal festgelegt wird, entfällt die Zusprechung eines Mehrwertsteuerzusatzes von vornherein (BRKE II Nrn. 0247 und 0248/2007 in BEZ 2007 Nr. 56; www.baurekursgericht-zh.ch). […]