B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5169/2009 U r t e i l v o m 9 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro; Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, geboren am (…), Georgien, vertreten durch Sararard Arquint, Fürsprecher, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Juli 2009 / N (…). E-5169/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess die Beschwerdeführerin ihren He i- matstaat im Mai 2005 oder 2006 und reiste nach B._______, wo sie während dreier Jahre lebte. Am 27. Januar 2009 reiste sie unter U m- gehung der Grenzkontrolle in die Schweiz ein und ersuchte gleiche n- tags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl. Anlässlich der Kurzbefragung vom 5. Februar 2009 im EVZ und der Anhörung vom 30. Juni 2009 zu den Asylgründen machte sie im W e- sentlichen geltend , sie sei (…) und habe wäh rend zehn Jahren in D._______ eine (…) geführt. Ihr Ehemann sei ein (…) und (…) gewe- sen. Seit 2000 sei er von Unbekannten beziehungsweise Behörde n- mitgliedern zur Zahlung hoher Summen erpresst worden. Im Jahre 2002 sei er gestorben. Sie vermute, dass er von den Erpressern u m- gebracht worden sei. Nach seinem Tod sei ihr Sohn von den gleichen Männern erpresst worden. Nachdem er das Land verlassen habe, hä t- ten die Verfolger der Beschwerdeführerin seit anfangs 2003 jeden Tag in (…) angerufen und 50 '000 Dollar ver langt, ansonsten sie entführt und getötet werde. Deswegen habe sie mit Hilfe ihres Sohnes Ende 2004 die Wohnung verkauft und im Jahre 2005 (…) aufgelöst. Ihr Sohn habe ihr eine Arbeitsstelle in B._______ organisiert, weshalb sie nach B._______ gegangen sei. Dort sei sie krank geworden und habe an (…) operiert werden müssen. Da sie danach nicht meh r habe arbeiten können und Hilfe gebra ucht habe, sei sie zu ihrem Sohn in die Schweiz gekommen, damit er sie nun unterstütze. Als Beweismittel reichte sie verschiedene (…) Medizinalakte ein. B. Mit Verfügung vom 15. Juli 2009 (eröffnet am 17. Juli 2009) stellte das Bundesamt fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht , und lehnte das Asylgesuch a b. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz und ordne- te den Vollzug an . Es forderte die Beschwerdeführerin auf, die Schweiz bis am 9. September 2009 zu verlassen und beauftragte den Kanton E._______ mit dem Vollzug. Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid damit, dass die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an die Glaubhaftigkeit nicht ge- nügten, weshalb deren Asylrelevanz nicht geprüft wer den müsse. Die E-5169/2009 Seite 3 Wegweisungsanordnung begründete das Bundesamt damit, dass di e- se gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG die Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs darstelle, und der Wegweisungsvollzug sei zulässig zu- mutbar und möglich. C. Mit Eingabe vom 14. August 2009 reichte die Beschwerdeführerin eine Beschwerde ein. Da diese nicht rechtsgenüglich war, wurde sie mit Zwischenverfügung vom 19. August 2009 – unter Androhung des Nichteintretens – aufgefordert, innert sieben Tagen ab Erhalt, eine Be- schwerdeverbesserung einzureichen. D. Mit Eingabe ihres zwischenzeitlich mandatierten Rechtsvertreters vom 27. August 2009 reichte die Beschwerdeführerin eine Beschwerdever- besserung ein, in welcher sie beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, es sei ihr die F lüchtlingseigenschaft zuzuerkennen, even- tuell sei die angefochten e Verfügung aufzuheben und an die Vo rin- stanz zu weiteren Sachverhaltsabklärungen zurückzuweisen, subeven- tuell sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie, die der Beschwerde zukommende aufschiebende Wi r- kung zu bestätigen und ihr die unentgeltliche Rechtspflege unter Ve r- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie Beiordnung e i- ner amtlichen Verbeiständung zu gewähren. Für die Begründung wird, soweit wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen. E. Mit Zwischenverfügung vom 2. September 2008 stellte die Instrukt i- onsrichterin fest, dass der Beschwerde die aufschiebende Wirkung nicht entzogen wurd e, weshalb die Beschwerdeführerin den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. Weiter hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal- tungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) – unter Vorbehalt einer nachträg- lichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse – gut und verzichtete entsprechend auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Dagegen wies sie das Gesuch um unentgeltliche Beiordnung einer Rechtsve r- tretung ab. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung bis zum 17. September 2009 eingeladen. E-5169/2009 Seite 4 F. Mit Vernehmlassung vom 4. September 2009, die der Beschwerdefü h- rerin am 8. September 2009 zur Kenntnis gebracht wurde, beantragte das Bundesamt die Abweisung der Beschwerde. G. Mit Zwischenverfügung vom 26. Oktober 2011 wurde der Beschwerde- führerin Einsicht in die Akten gewährt. Gleichzeitig wurde ihr Gelege n- heit gegeben, bis zum 9. November 2011 allenfalls eine Beschwerd e- ergänzung und ein Arztzeugnis einzureichen. H. Mit Schreiben vom 9. November 2011 wurde ein ärztliches Zeugnis vom 1. April 2011 eingereicht. I. Mit Schreiben vom 12. Dezember 2011 liess die Beschwerdeführerin drei Arztberichte vom 19. April 2011, 3. Mai 2011 und 9. August 2011 den Akten zukommen. J. Die Beschwerde des Sohnes der Beschwerdeführerin wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 31. Oktober 2011 rechtskräftig abgelehnt (E-841/2008). K. Mit Verfügung des BFM vom 10. Februar 2012 wurde das vom Sohn der Beschwerdeführerin ges tellte Gesuch um Verlängerung der Au s- reisefrist vom 29. Januar 2012, weil er seine Mutter am (…) März 2012 zur neuesten (…)-Untersuchung begleiten wolle, bis zum 31. März 2012 erstreckt. E-5169/2009 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser be i Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, so dass das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Fall en d- gültig entscheidet. 1.3. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 und 105 AsylG). 1.4. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die B e- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä n- derung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat E-5169/2009 Seite 6 oder im Land, in dem s ie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Relig i- on, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nac h- weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft g e- macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vo r- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist R echnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4. 4.1. Zur Begründung der Ablehnung des Asylgesuchs führte das Bun - desamt im We sentlichen an, die Vorbringen der Beschwerdefüh rerin seien unglaubhaft, weil sie in zentralen Punkten zu wenig konkret, d e- tailliert und differenzi ert dargelegt seien und somit den Eindruck ve r- mitteln würden, dass sie das Geschilderte nicht selbst erlebt habe. So hätte sie angesichts der unzähligen Drohanrufe und aufgrund der I n- formation ihres Ehemannes und zu einem späteren Zeitpunkt seitens ihres Sohnes erwartungsgemäss präzisierende Angaben über die Ver- folger beziehungsweise Erpresser machen können. Dazu sei sie j e- doch nicht imstande gewesen (vgl. A20, S. 6). Sodann habe die Beschwerdeführerin erklärt, die Verfolger hätten während Jahren täglich i n (…) in D._______ telefoniert. Es sei jedoch davon auszugehen, dass sie niemals derart geduldig gewesen wären, sondern vielmehr längst zur Tat geschritten wären und ihre Drohungen wahr gemacht hätten. Ebenfalls sei realitätsfremd, dass die Verfolger nie in ihre Eigentumswohnung in D._______ telefoniert hätten. Ferner mangle es an Realkennzeichen, da die Beschwerdeführerin ihre Schil- derungen auf das Anführen von Allgemeinplätzen reduziert habe. Ins- besondere habe sie keine Angaben darüber machen können, was sie E-5169/2009 Seite 7 dem Erpresser beim letzten Telefongespräch gesagt habe, nachdem dieser ihr angedroht habe, dass sie entführt werde, wenn sich ihr Sohn nicht bei ihnen melde. Überdies habe sich die Beschwerdeführerin in Widersprüche verstrickt, da sie bei der Bundesan hörung gesagt habe, (…) in D._______ an- fangs 2005 aufgelöst und in der Folge bei Verwandten in F._______ gewohnt zu haben. Seitdem sie nicht mehr in D._______ gewohnt ha- be, hätten die Drohanrufe aufgehört (A20, S. 4). Demgegenüber habe sie bei der EVZ-Befragung zu Protokoll gegeben, sie habe bis zu ihrer Ausreise aus Georgien Drohanrufe erhalten (A1/S. 7). Die Vorbringen hielten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass ihre Relevanz nicht geprüft werden müsse. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe rügte die Beschwerdeführerin vorab, dass die Vorinstanz der Untersuchungsmaxime nicht nachgekommen sei, da die sich zwingend stellende Fragen hinsichtlich ihres Gesundheit s- zustandes nicht abgeklärt w orden seien. Sodann werde aus dem a n- gefochtenen Entscheid nicht klar, ob die Vorins tanz die flüchtlingsrele- vanten Umstände der Ethnie, der Religion, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe weiter abgeklärt habe. Sie sei russisch - freundlich ausgerichtet, habe in der Ukraine studiert und sich mehrfach in Moskau aufgehalten. Wie bei ihrem Sohn mache der angefochtene Entscheid den Eindruck, dass nicht wirklich nach den Gründen der b e- hördlichen Sch ikanen und Erpressungen und Bedrohungen gefragt und in diese Richtung untersu cht worden sei. So könne der Staat ke i- nen Schutz gewähren, da er aufgrund mangelnder Institutionen und der Korruption dazu nicht in der Lage sei. Wie ihr Sohn sei sie von den Behördenmitgliedern in der Weise erpresst worden, dass das freie b e- rufliche Fortkommen nicht mehr möglich gewesen sei. Auch habe sie Angst um ihr Leben haben müssen. Ihre Angaben seien glaubhaft. Sie sei nochmals zu befragen und es sei ihr Gelegenheit zu geben, auf konkret benannte Widersprüche zu reagieren. Rein zei tliche Unsti m- migkeiten der Vorgaben seien nicht von vornherein als unglaubhaft zu werten. Die Vorinstanz habe auch die Begründungspflicht verletzt, da sie die übereinstimmenden Angaben der Beschwerdeführerin mit den- jenigen ihres Sohnes nicht verglichen habe. Aufgrund der feh lenden weiteren nachforschenden Befragung habe das Bundesamt auch das rechtliche Gehör verletzt. Die Drohanrufe in (…) seien nicht rea litäts- fremd, vielmehr sei dadurch das Führen des Betriebs massiv e r-E-5169/2009 Seite 8 schwert oder sogar verunmöglichst worden. Das Nichtvors prechen beim in Frage stehenden Justizapparat könne nicht als ungenügendes sich Zurwehrsetzen verstanden werden. Die Situation in Georgien sei äusserst gespannt und russisch -freundliche Bevölkerungsteile würden zusätzlichem innerstaatlichen Druck unterliegen. 5. 5.1 Zu den formellen Rügen der Beschwerdeführerin ist vorab Folgendes festzustellen: Es trifft zu, dass die Beschwerdeführerin mit den Widersprüchen zu ih- ren eigenen Aussagen nicht konfrontiert worden ist . Selbst wenn ein Asylgesuchsteller mit Widersprüchen in seinen eigenen Aussagen möglichst konfrontiert werden sollte, um ihm Gelegenheit zu geben, diese allenfalls zu erklären, ergibt sich dieser Grundsatz aus der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sach- verhaltes, stellt jedoch keinen eigentlichen verfahrensrechtlichen A n- spruch im Sinne des rechtlichen Gehörs dar (vgl. EMARK 1994 Nr. 13 E. 3b). Zudem hat das BFM seine Begründung in der Verfügung vom 15. Juli 2009 derart abgefasst, dass d ie Beschwerdeführerin diese auf Beschwerdeebene anfechten konnte (vgl. auch dazu BGE 112 Ia 110 sowie ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Proze s- sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, N. 2.20). Das Bundesamt hat daher - entgegen den Ausführungen in der Beschwe r- de - seine Begründungspflicht und das rechtliche Gehör nicht verletzt, wenn es die Beschwerdeführerin nicht bereit s während de r Befragun- gen auf die Widersprüche in ihren Schilderungen aufmerksam machte. 5.2 Weiter wurde in der Beschwerde gerügt, dass die Vori nstanz die Untersuchungsmaxime verletzt habe, weil sie den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht eingehend abgeklärt habe. Wie im Verwaltungsverfahren allgemein, gilt auch im Asylverfahren der Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollständigen und richt i- gen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Diese behördliche Untersuchungspflicht wird durch die den Asylsuchenden gestützt auf Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkung s- pflicht eingeschränkt, wobei die Gesuchsteller insbesondere ihre Ide n- tität offenzulegen und bei der Anhörung der Behörde alle Gründe mi t- zuteilen haben, die für die Asylgewährung relevant sein könnten E-5169/2009 Seite 9 (BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734, BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 356 f.). Ferner verlangt der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG), dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und erns t- haft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich en t- sprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Für das Asylverfahren wird der A nspruch auf rechtliches Gehör in Art. 29 AsylG, der vorschreibt, dass Asylsuchende zu den Asylgründen mündlich anzuhören sind, näher konkretisiert. Die Anhörung soll Gewähr bieten, dass die asylsuchende Person ihre Asylgründe vollständig darlegen kann und diese von der Asylbehörde korrekt erfasst werden, wobei die mündliche Befragung insbesondere auch dazu dient, gezielte Rückfragen zur Erhebung des Sachverhalts zu stellen und Missverständnisse zu klären (BVGE 2007/30 E. 5.5.1 und 5.5.2 S. 365 f.; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, B a- sel/Frankfurt a.M.1990, S. 256 f.). Schliesslich soll die Begründung der Verfügungen dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegeb e- nenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich s o- wohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragwei- te des Entscheides ein Bild machen können, wobei sich die verfüge n- de Behörde allerdings nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsg e- genstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe- nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschüt z- ten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es bei der Frage der Gewährung des Asyls – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f., EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1. S. 256). Vorliegend ist die Vorinstanz aufgrund der Parteiauskünfte (vgl. Art. 12 Bst. b VwVG) offensichtlich davon ausgegangen, dass der rechtse r- hebliche Sachverhalt als erstellt gelten könne und keine weiteren B e- weismassnahmen zu ergreifen seien. So gilt ein Sachverhalt erst dann als unvollständig festgestellt, wenn in der Begründung des Entsche i- des ein rechtswesentlicher Sachumstand übergangen, beziehung s- weise überhaupt nicht beachtet wird (vgl. F RITZ GYGI, Bundesverwa l- tungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 286). Das BFM äusserte sich hingegen rechtsgenüglich zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin anlässlich der durchgeführten Befragungen. Insbesondere forderte es sie unmittelbar vor seiner Entscheidfindung auf, ein Arztzeugnis einzu-E-5169/2009 Seite 10 reichen, was sie getan hat und dies auch entsprechend im Entscheid gewürdigt wurde. Von einer Verletzung des Untersuchungsgrundsa t- zes im Rahmen einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes kann demnach nicht ausgega n- gen werden. Auch der Umstand, dass die Vorinstanz nach Würdigung der Vorbringen respektive der aktuellen Situation in Georgien zu einem anderen Schluss als die Beschwerdeführerin gekommen ist, stellt noch keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dar. 5.3 Letztlich vermag d ie Beschwerdeführerin auch mit der Rüge der mangelnden Begründungsdichte beziehungsweise unzureichenden Sachverhaltsermittlung (recte: Gehörsverletzung) als Folge davon, dass die Vorinstanz die Angaben ihres Sohnes mit den Ihrigen nicht verglich, nicht zu überzeugen . Das BFM würdigte zwar, dass die An- gaben des Sohnes aufgrund unsubstantiierter, widersp rüchlicher und realitätsfremder Angaben als kaum glaubhaft zu beurteilen seien , be- schränkte sich jedoch bei der Würd igung der Vorbringen darauf, sein Asylgesuch aufgrund asylrechtlich nicht relevanter Angaben abzuwei- sen. Die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin wurden von der Vo r- instanz, wie bereits unter Ziffer 4.1 ausgeführt, als überwiegend nicht glaubhaft beurteilt. Dabei handelte es sich um Erlebnisse die sich vor- wiegend nach der Ausreise de r Beschwerdeführerin ereignet haben sollen. Das BFM hätte Aussagen zum gleichen Sachverhalt zwar ver- gleichen können, allerdings hätte es bei der Auflistung von Ungereimt- heiten zwischen ihren Aussagen und denjenigen ihres Sohnes eine vorgängige Konfrontation bedürft (vgl. EMARK 1994 Nr. 14). Da jedoch die beiden BFM-Verfügungen nicht gleichzeitig ergangen sind und die Verfügung des Sohnes vom 28. Januar 2008 bereits ein Jahr vor der Einreichung des Asylg esuchs der Beschwer deführerin (27. Januar 2009) erfolgte, verzichtete das BFM zu Recht , die Aussagen zu ve r- gleichen, zumal es sich hier nur um alleinige Konfrontation zu den Aussagen des Sohnes handeln würde. (Gleichzeitig muss indessen festgehalten werden, dass somit der Beschwerdeführerin kein Nachteil entstanden ist, da dadurch auch eine Prüfung zu [allfällig] divergieren- den Aussagen zum gleichen Sachverhalt zwischen der Beschwerd e- führerin und ihrem Sohn entfallen ist). Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass insgesamt kein Anlass besteht, die Beschwerdeführerin nochmals anzuhören und die ange- fochtene Verfügung wegen Verletzung formellen Rechts aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. E-5169/2009 Seite 11 6. 6.1 Im Folgenden ist sodann zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall das Asyl gesuch der Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat. 6.1.1 Hinsichtlich der geltend gemachten Ausreisegründe kommt das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der Akten in Übereinsti m- mung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es de r Beschwerdeführe- rin nicht gelungen ist, eine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit a n- stehende Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. 6.1.2 Vorab ist der Argumentation der Vorinstanz zuzustimmen, wo- nach die Aussagen der Beschwerdeführerin zu den angeblichen Droh- anrufen sehr vage und undifferenziert erfolgt sind . Sie enthalten auch keine Realkennzeichen (so insbesondere Detailreichtum der Schild e- rung, freies assoziatives Erzählen, Interaktionsschilderung sowie i n- haltliche Besonderheiten), was jedoch gerade mit Blick auf die geltend gemachten Sachverhaltselemente erwartet werden dürfte, zumal es sich bei den wiederholten Drohanrufen um einschneidende Ereignisse handeln sollte , die erfahrungsgemäss besonders gut im Gedächtnis haften bleiben. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann diesbezü g- lich auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen in der ang e- fochtenen Verfügung verwiesen werden. Ferner trifft zwar zu, wie es in der Beschwerde angeführt wird, dass für das Vorgehen einer erpre s- sender Person oder eines Verfolgers kein objektives Kriterium besteht, andererseits ist zu bemerken, dass tägliche, vier Jahre lang dauernde Drohanrufe wohl kaum ein taugliches Mittel gewesen wären, um d as erwünschte Ziel zu erreichen und zum Geld zu kommen. Ebenfalls wä- re nicht logisch, w enn die Erpresser ihre Drohungen nur telefonisch durchgeführt und nicht einmal (allenfalls nur zur Einschüchterung) ver- sucht hätten, diese in die Tat umzusetzen. Es wird zwar nicht in Abre- de gestellt, dass möglicherweise der Ehemann der Be schwerdeführe- rin, da er ein (…) und (…) gewesen sein soll, zur Geldzahlung aufg e- fordert worden sein könnte , indes wurde nicht glaubhaft dargelegt , dass nach seinem Tode und der Einstellung beziehun gsweise Zerstö- rung des Betriebs sowie nach der Ausreise ihres Sohnes, weiterhin in beschriebener Intensität Summen von 50'000 Dollar von der B e- schwerdeführerin verlangt worden sind. Überdies wäre nicht einzuse- hen, warum die Erpresser mit den Drohanrufen hätten aufhören sollen, nachdem die Beschwerdeführerin zu ihr em Neffen nach F._______ E-5169/2009 Seite 12 gegangen sei, zumal es für jene ein Leichtes gewesen wäre, sie bei ih- ren Verwandten ausfindig zu machen. 6.1.3 Soweit ferner in der Beschwerde argumentiert wird, die Erpre s- ser hätten deswegen nur in der Praxis und nicht bei der Beschwerde- führerin zu Hause angerufen, um das Führen des Betriebes in (…) zu stören, muss dies als (unbehelfliche) Schutzbehauptung gewertet we r- den, da es nicht zutrifft, dass sich eine bedrohte Person im Privaten durch Nichtabnahme des Telefons besser sch ützen könnte. Überdies machte die Beschwerdeführerin diesbezüglich in den Befragungen keine Angaben. Nach dem Gesagten sind somit die Drohanrufe im ge- schilderten Ausmass als nicht glaubhaft zu erachten. 6.1.4 In der Beschwerde w urde weiter behauptet, die Beschwerdefüh- rerin sei russisch-freundlich ausgerichtet und habe in der Ukraine st u- diert, weshalb dies ebenfalls ein Grund für eine Verfolgung darstellen könnte. Hierzu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin während der Befragungen nichts in dieser Hinsicht geltend machte, weshalb diese Darlegung die Vermutung aufkommen l ässt, dass in der B e- schwerde versucht wird, eine "Minderheitsproblematik" zu konstrui e- ren, zumal es sich bei der Beschwerdeführerin um eine ethnische G e- orgierin handelt und 84 % der ca. 4,6 Mio Einwohner ethnische Geo r- gier sind, die zu der orthodoxen georgischen Apostelkirche angehören. Somit gehört die Beschwerdeführerin sowohl ethnisch als auch religiös eindeutig zur der dort wohnenden Mehrheit an, weshalb die Behaup- tung, dass sie Minderheitsprobleme auch Grund zur Verfolgung seien , ins Leere stossen. Im Zusammenhang mit der Ausreise der Beschwerdeführerin ist wahr- scheinlicher, dass sie (…) wegen ihres Alters, immerhin was sie bei der (…)aufgabe (…) alt, aufgelöst hat und deswegen auch ihre Wo h- nung verkauft hat und nach B._______ übersiedete, weil sie sich dort eine bessere medizinische Behandlung als in Georgien erhoffte. 6.2 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Schilderungen der Beschwerdeführerin die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu erfüllen vermögen und es ihr daher nicht gelungen ist, das Vorliegen einer Verfolgung als übe r- wiegend wahrscheinlich darzustel len. Die auf Beschwerdeebene au f- geführten Einwände vermögen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen. Das BFM hat demnach ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt. E-5169/2009 Seite 13 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ei n- heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtl i- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung e i- ner solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgeset- zes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und der vormaligen ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingse i- genschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der st rikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslä n- ders in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie G e- fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). E-5169/2009 Seite 14 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übe r- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere gra u- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs stellte das Bundesamt fest, dass sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben würden, der Beschwerdeführerin drohe im Falle einer Rückkehr in den He i- matsstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behand- lung. Weder die in Georgien herrschende politische Situation n och an- dere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit der Rückführung dorthin sprechen. Gleiches gelte für die angeführten gesundheitlichen Pro b- leme, zumal sie sich gemäss ärztlichem Bericht vom 5. Juli 2009 in e i- nem gesundheitlich guten Allgemeinzustand mit gün stiger medizin i- scher Prognose befinde. Ihrem Wunsch, bei ihrem Sohn wohnen zu können, könne nicht entsprochen werden, da dieser über keinen ges i- cherten Aufenthalt verfüge. Zudem habe sie ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz in F._______. Schliesslich se i der Vollzug der We g- weisung technisch möglich und praktisch durchführbar. 8.4 Hiezu machte die Beschwerdeführerin geltend, dass sie stark a n- geschlagen und auf umfangreiche ärztliche Betreuung und Kontrollen angewiesen sei. Die ärztliche Versorgung in Geo rgien, insbesondere bei älteren Personen, sei nicht gut. 8.5 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non - Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft e r- füllen. Da es der Beschwerdeführer in nicht gelungen ist, eine asy l- rechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu m a- chen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrüc k- schiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Georgien ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. E-5169/2009 Seite 15 8.6 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde- führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Georgien dort mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti- Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete G e- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter od er unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weite- ren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in G e- orgien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der We g- weisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen B e- stimmungen zulässig. 8.7 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Auslän derinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter V orbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 8.8 Eine Rückkehr nach Georgien ist vor dem Hintergrund der dort herrschenden Situation als zumutbar zu erachten. Den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts zufolge besteht in Georgien seit der Beendigung des Krieges mit Russland im Jahre 2008 keine Situa tion allgemeiner Gewalt, und es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr einer konkreten G e- fährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt wäre. Der We g- weisungsvollzug nach Georgien erweist sich somit a ls generell zumut- bar. 8.9. Soweit die Beschwerdeführerin auf ihre gesundheitliche Situation hingewiesen und entsprechende ärztliche Berichte zu den Akten g e- reicht hat, ist Folgendes festzuhalten: E-5169/2009 Seite 16 8.9.1 Gemäss den Aussagen der Beschwerdeführerin (vgl. A20/8, Antworten 23 -24) w urde sie im Juli 2007 und im Dezember 2008 in B._______ an (…) und (…) operiert. Es wurde ihr (…). Gemäss ärztli- chem Bericht vom 5. Juli 2009 konnte ihr im April 2009 ein (…) ambu- lant entfernt werden. Sie soll sich in einem guten Allgemeinzustand mit günstiger medizinischer Prognose befinden. Wegen hohe n Blutdrucks wurden Medikamente verordnet und es sollte eine (…) Untersuchung stattfinden. Im ärztlichen Bericht vom 1. April 2011 wurden neu (…) mit keiner akuten oder subakuten Läsion (Schädigung) diagnostiziert. I m weiteren ärztlichen Bericht vom 19. April 2011 wurde zum aktuellen Zeitpunkt von einer Operation abgesehen und eine medikamentöse Therapie für die (…) Beschwerdesymptomatik eingeleitet. Bei klinisch stabilem Verlauf werde bei der nächsten Kontrolle eine (…)- Untersuchung vorgesehen. Im ärztlichen Bericht vom 3. Mai 2011 wur- de als Beurteilung und Procedere festgehalten, dass aufgrun d des Al- ters der Patientin, der geringen Symptomatik und bei minimaler (…) eine Behandlung der (…) nicht indiziert sei. Im Vordergrund steh e die Behandlung von (…)schmerzen. Da ein operativer Angriff als wenig Er- folg versprechend erachtet wurde, wurde zunächst eine medikamentö- se Therapie mit (…) unter Kontrolle der (…) vorgeschlagen. Zur Quan- tifizierung der (…) wurde eine (…) Untersuchung vorgeschlagen. Soll- ten – so der Arztbericht - bis da die (…) Schmerzen nicht bessern, könnte allenfalls eine (…) in Betracht gezogen werden mit dem Ziel, die Schmerzen so zu reduzieren und (…). Am 30. Mai 2011 wurde in der (…) eine (…), eine (…) diagnostiziert. Da die Patientin im Alltag ordentlich zurechtkomme, wünsche sie keine (…). Im letzten Ambul a- toriumsbericht vom 9. August 2011 wurde aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin eine deutliche Verbesserun g der (…) festgestellt. Hinweise auf neue (…) Defizite, (…) oder (…) seien nicht eruierbar. Als Beurteilung und Procedere wurde aufgrund der Verbesserung des kli- nischen Zustandes keine Änderung im Behandlungsvorgehen vorg e- nommen und eine Verlaufsbeobachtung vorgeschlagen. Bei weiterhin klinisch stabilem Verlauf wurde die nächste Kontrolle für am (…) März 2012 vorgesehen. 8.9.2 Angesichts der obgenannten ärztlichen Befunde und Beurteilu n- gen steht fest, dass die Beschwerdeführerin zwar (…) hat, aber durch die medikamentöse Behandlung ihr Zustand als stabil zu bezeichnen ist. Verschlechterungen hat es bis anhin nicht gegeben und sie wird of- fensichtlich ihren nächsten Arzttermin im März 2012 wahrnehmen kön- nen. Gemäss de n ärztlichen Unterlagen findet sich die Beschwerd e-E-5169/2009 Seite 17 führerin gut zurecht, sodass sie nicht einmal (…) benötigt. Sie musste in der Schweiz auch nicht stationär behandelt werden, sondern alle ärztlichen Besuche konnte n ambulant durchgeführt werden. Somit ist davon auszugehen dass sie bei einer Rückkehr nach Georgien keiner unmittelbaren und schweren Gefährdung ausgesetzt ist , und e s sind den Akten keine konkreten Anhaltspunkte zu entnehmen , die darauf schliessen lassen würden, dass d ie attestierten Gesundheitsbe- schwerden der Beschwerdeführerin grundsät zlich nicht auch im He i- matland behandelbar wären, zumal vorliegend eine benötigte medika- mentöse Behandlung als ausreichend zu bezeichnen ist. 8.9.3 Die Beschwerdeführerin stammt aus D._______, wo sich mehre- re private Einrichtungen befinden. Eine der bedeutendsten Kliniken in D._______ ist das (…). Mit finanzieller Hilfe (…) konnten wesentliche Teile der Klinik während der vergangenen Jahre renoviert und mode r- nisiert werden , so dass sie hinsichtlich der U nterbringung und der technischen und fachlichen Ausstattung auch höheren Ansprüchen ge- recht wird. Die medizinische Versorgung ausserhalb von D._______ ist zwar mit der medizinischen Versorgung in Mitteleuropa nicht zu ve r- gleichen. In diesem Zusammenhang ist jedoch darauf hinzuweisen, dass aufgrund gesundheitlicher Probleme eines abgewiesenen Asy l- bewerbers nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine notwendige medizinische B e- handlung im Heimatland nicht zur Verfüg ung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des G e- sundheitszustandes der betroffenen Person führt. Dabei wird als w e- sentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung e r- achtet, welche zur Gewährleistung ei ner menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist. Wenn die notwendige Behandlung im Heimat - oder Herkunftsstaat sicherge- stellt ist, so ist der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu beurteilen (vgl. GABRIELLE STEFFEN, Droit aux soins et rationnement, Bern 2002, S. 81 f. und 87; EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). 8.9.4 Zur persönlichen Situation der Beschwerdeführerin ist festzuhal- ten, dass es sich zwar vorliegend um eine (…) Frau handelt. Sie ist je- doch in Georgien nicht auf sich alleine gestellt, da sie einen Sohn hat, der (…) Ausbildung hat und mit dem sie, wie sie mehrmals während der Befragungen beteuerte, zusammenleben will (vgl. A20/8, Antwor-E-5169/2009 Seite 18 ten 20-21). Seine Asylbeschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts vom 31. Oktober 2 011 rechtkräftig abgelehnt. Sein G e- such um Verlängerung der Ausreisefrist, weil er seine Mutter beim nächsten Untersuchungstermin am (…) März 2012 begleiten wolle, wurde gutgeheissen und die Ausreisefrist bis zum 31. März 2012 e r- streckt. In der gleichen Verfügung wurde dem Sohn , der offenbar b e- reits Vorbereitungen für seine Ausreise getroffen hat, auch mitgeteilt, dass wenn er seine Mutter nicht allein in der Schweiz zurücklassen wolle, diese die Möglichkeit habe, ihre Beschwerde zurückzuziehen, freiwillig mit ihm in ihre Heimat zurückzukehren und medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen. Da ihre Beschwerde jedoch mit heut i- gem Entscheid abgewiesen wird, erübrigt sich ein Rückzug der B e- schwerde. Der Beschwerdeführerin steht es - wie es das BFM bereits vorgeschlagen hat - jedoch offen im Rahmen der individuellen Rüc k- kehrhilfe zusätzliche medizinische Hilfeleistungen zu beantragen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung vom 11. A u- gust 1999 über Finanzierungsfragen (AsylV 2, SR 142.312). Darüber hinaus hat die Beschwerde führerin in F._______ einen Neffen, bei dem sie bereits vor ihrer Ausreise gewohnt hat und der ein ausgebilde- ter Arzt ist. 8.9.5 Im Sinne einer Gesamtwürd igung ist somit davon auszugehen , dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Sohn nach Georgien zurück- kehren und dort auf ein tragbares Beziehungsnetz zurückgreifen sowie medizinisch behandelt werden kann. Unter diesen Umständen ist die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzug – trotz bestehender gesund- heitlicher Probleme – zu bejahen. 8.9.6 Die Beschwerdeführerin ist im Besitze einer Ide ntitätskarte und es obliegt ihr, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates weitere, für eine Rückkehr notwendige Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). Eine konkrete und a n- dauernde Einschränkung der Reisefähigkeit aus medizinischen Grü n- den ist den bei den Akten liegenden Berichten nicht zu entnehmen, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch unter diesen Umständen auch als möglich zu bezeichnen ist. 8.9.7 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zu- lässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine E-5169/2009 Seite 19 Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Das Bundesamt ist anzuweisen , die Ausreisefristen der Beschwerd e- führerin und ihres Sohnes zeitlich zu koordinieren. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Zwischenverf ü- gung vom 2. September 2009 ihr Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde, sind keine Kosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) E-5169/2009 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das BFM wird angewiesen, die Ausreisefrist der Beschwerdeführerin mit derjenigen ihres Sohnes zu koordinieren und diesem allenfalls eine erneute Fristerstreckung zu gewähren. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand: