B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3523/2018 U r t e i l v o m 8. J u l i 2 0 1 9 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richterin Barbara Balmelli, Richter Jürg Marcel Tiefenthal, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), Eritrea, vertreten durch MLaw Sonia Lopez Hormigo, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 24. Mai 2018 / N_______. D-3523/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, stammend aus dem Dorf B._______ (Zoba C._______; Subzoba D._______), verliess Eri trea eigenen Angaben zu- folge im (...) und gelangte am 9. Juni 2015 illegal in die Schweiz. Am glei- chen Tag suchte er im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ um Asyl nach, wo am 14. Juli 2015 die Befragung zur Person (BzP) stattfand. Am 10. Oktober 2016 wurde der Beschwerdeführer vom SEM angehört. A.b Zur Begrü ndung seines Asylgesuchs machte d er Beschwerdeführer geltend, er habe im Jahre (...) die Schule abgebrochen und sich in der Folge zum Priester ausbilden lassen. Danach habe er als Pfarrer in der Kirche in B._______ gearbeitet. Im (...) sei er von der Verwaltung wieder- holt mündlich aufgefordert worden, Militärdienst zu leisten und eine Waffe zu tragen. Da er sich jedoch geweigert und vergeblich auf seine Arbeit zum Wohle der Kirchgemeinde verwiesen habe, sei seine Weigerung vermu- tungsweise an die Behörde von F._______ weitergeleitet worden. Darauf- hin hätten ihn Soldaten zuhause gesucht, er habe sich zu diesem Zeitpunkt aber in der Kirche aufgehalten. Insgesamt sei er von (...) bis zur Ausreise im (...) zehn Mal gesucht worden, wobei die Soldaten in Abständen zwi- schen zwei und vier Wochen erschienen seien. Da die Soldaten auf ihrem Weg zur Dorfverwaltung jeweils von anderen Einwohnern nach dem Grund ihres Erscheinens gefragt worden seien, hätten die mit ihm befreundeten Einwohner von der Suche nach ihm erfahre n und ihn jeweils vorgewarnt, so dass er sich immer frühzeitig in den Wäldern habe verstecken können. Zwischendurch habe er sich wieder nach Hause begeben, was in der Regel nachts oder nach vorgängiger Kontrolle möglich gewesen sei. Da er nicht mehr in Ruhe gelassen worden sei, habe er sich zusammen mit einem Kol- legen kurzfristig zur Ausreise entschieden. Zu Fuss seien sie innerhalb von drei Tagen nach G._______ gelangt. Nach seiner illegalen Ausreise sei seine Ehefrau inhaftiert worden. A.c Am 21. August 2018 reichte der Beschwerdeführer (Nennung Beweis- mittel) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 24. Mai 2018 lehnte das SEM das Asylgesuch des Be- schwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz so- wie den Vollzug an. D-3523/2018 Seite 3 C. Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 18. Juni 2018 Be- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, es sei der an- gefochtene Entscheid aufzuheben , seine Flüchtlingseigenschaft festzu- stellen und ihm Asyl zu gewähren . Eventualiter sei die Flüchtlingseig en- schaft festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Subeven- tualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Unmöglichkeit respek- tive die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses und um amtliche Rechtsverbeiständung. Der Beschwerde lagen (Aufzählung Beweismittel) bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2018 hiess der vormals zuständige Instruktionsrichter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung samt Erlass des Kostenvorschusses sowie der amtlichen Ver- beiständung gut und ordnete dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei. E. Mit Eingabe vom 23. Juli 2018 legte der Beschwerdeführer (Nennung Be- weismittel) ins Recht. F. Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Beschwerdever- fahren am 28. September 2018 zur Behandlung auf Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger übertragen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. D-3523/2018 Seite 4 Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde (Art. 105 und 108 Abs . 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014726 E. 5). 1.5 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 2.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dar gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.). D-3523/2018 Seite 5 3. 3.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht- lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. Es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen glaubhaft zu machen, dass er für den Militärdienst aufgeboten worden sei und wegen seiner Weige- rung behördliche Probleme bekommen habe. So kontrastiere seine Aus- sage, dass er mehrheitlich versteckt gewesen sei, mit seinem Vorbringen, wonach er bei Gelegenheit für die Kirche gearbeitet habe. Weiter sei davon auszugehen, dass die eritreischen Behörden gezi elt gegen Militärdienst- verweigerer vorgehen würden. Vor dem Hintergrund des geschilderten ho- hen Verfolgungsinteresses der Militärbehörden müsse davon ausgegan- gen werden, dass er früher oder später in Gewahrsam genommen worden wäre, zumal er sein Versteck mehrmals verlassen habe, um nach Hause zu gehen oder in der Kirchgemeinde tätig zu sein. Die diesbezüglichen Aussagen seien auch widersprüchlich ausgefallen, so zur Anzahl der Su- chen nach seiner Person und zu seinem Versteck. Darum seien die Schil- derungen bezüglich seiner Ausreise als unglaubhaft zu erachten. Es sei nicht plausibel, dass er sich nicht auf seine Ausreise vorbereitet und nichts über diese gewusst haben wolle, bedinge doch eine solch lange, be- schwerliche und gefährlich e Reise eine sorgfältige Planung. Auch wenn seinen Angaben zufolge sein mit ihm geflüchteter Freund einen besseren Orientierungssinn besessen habe, gehe aus den Akten nicht hervor, dass sie den Weg gekannt respektive sich im Vorfeld der Reise mit der Routen- wahl auseinandergesetzt hätten. Es sei nicht nachvollziehbar, wie sie ohne Vorbereitung, ohne Ortskenntnisse und ohne jemanden gefragt zu haben, den Weg in der Dunkelheit gefunden hätten. Bezeichnenderweise seien die Angaben zur Ausreise aus Eritrea unsub stanziiert und stereotyp aus- gefallen und würden kaum Realkennzeichen enthalten, so beispielsweise der Beschrieb des Reisewegs. Ergänzend sei festzuhalten, dass ein lega- les Verlassen Eritreas grundsätzlich lediglich mit einem gültigen Reisepass und einem zusätzlichen Ausreisevisum – welche nur unter sehr restriktiven Bedingungen erteilt würden – möglich sei. Der Beschwerdeführer habe grundsätzlich das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen zu bewei- sen oder zumindest glaubhaft zu machen, wovon er trotz d er nur einge- schränkten legalen Ausreisemöglichkeiten aus Eritrea nicht entbunden werde. Die Gesamtwürdigung führe zum Schluss, dass der Beschwerde- führer sich auf eine konstruierte und wenig plausible Asylbegründung ab- stütze und das Geschilderte nicht oder zumindest nicht im vorgebrachten D-3523/2018 Seite 6 Kontext erlebt haben könne. Alleine die geltend gemachte illegale Ausreise vermöge im Übrigen – selbst bei Wahrunterstellung – keine Furcht vor ei- ner künftigen asylrelevanten Verfolgung zu begründen. 3.2 Demgegenüber wendet d er Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitte- leingabe im Wesentlichen ein, seine Vorbringen würden den Anforderun- gen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG genügen. Wohl liege ein Widerspruch bezüglich der von ihm genannten Häufigkeit der Suchen nach seiner Person durch die Soldaten vor. Jedoch habe er bereits anläss- lich der Anhörung erklärt, dass er bei der BzP angehalten worden sei, sich kurz zu fassen, und dass es sich bei dieser Unstimmigkeit um ein Missver- ständnis handle. In der Tat habe er mit dem Ausd ruck "mindestens zehn- mal" gemeint, dass die Soldaten etliche Male gekommen seien. Er habe diese fehlerhafte Protokollierung in der BzP entweder übersehen oder diese sei ihm falsch (rück -)übersetzt worden. Da er dies nicht beweisen könne, müsse er den Widerspruch gegen sich gelten lassen. Jedoch seien auch Fehler bei der Protokollierung nicht gänzlich auszuschliessen. Diese Widersprüche alleine vermöchten nicht die Glaubhaftigkeit sämtlicher Aus- sagen in Frage zu stellen, zumal er im Rahmen der Anhörung detai llierte und überzeugende Angaben gemacht habe. Ferner sei die Würdigung sei- ner Aussagen zum militärischen Aufgebot und den Verstecken, die es ihm ermöglich hätten, sich mehrere Monate dem Zugriff der Soldaten zu ent- ziehen, nicht haltbar. Seine Vorbringen seien im eritreischen Kontext plau- sibel und würden mit öffentlich zugänglichen Quellen und Berichten korres- pondieren, so der Umstand, dass Geistliche seit dem Jahr (...) nicht mehr vom Militärdienst freigestellt seien und es zahlreichen Dienstverweigerern gelinge, sich längerfristig dem behördlichen Zugriff zu entziehen. Sodann lägen keine Hinweise für eine legale Ausreise aus Eritrea vor, zumal er we- der aus einer wohlhabenden Familie stamme noch Beziehungen zu Regie- rungskreisen habe. Er sei durchaus in der Lage gewesen, die Fluchtroute und den Grenzübergang relativ detailliert zu beschreiben. Ausserdem er- laube das von der Vorinstanz bemängelte Fehlen von Realkennzeichen keine Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der entsprechenden Aussagen. Wohl seien seine Antworten zur Ausreise generell eher knapp ausgefallen. Es ergebe sich insgesamt aber doch ein mit persönlichen Eindrücken aus- geschmücktes Bild von der Situation, in welcher er sich befunden habe. Die bei der Anhörung anwesende Hilfswerkvertretung habe seine Schilde- rungen als gänzlich glaubhaft eingestuft. Vorliegend entstehe der Eindruck, dass das SEM lediglich die gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechenden Elemente gewichtet habe. Da die von ihm vorgebrachte Wei-D-3523/2018 Seite 7 gerung Militärdienst zu leisten insgesamt als glaubhaft zu erachten sei, er- fülle er deswegen und wegen der illegalen Ausreise die Flüchtlingseigen- schaft. Die Verfolgungsgefahr sei im Zeitpunkt der Ausreise nach wie vor aktuell gewesen und es stehe ihm auch keine innerstaatliche Fluchtalte r- native zur Verfügung. Die Voraussetzungen von Art. 3 AsylG seien somit erfüllt und es bestünden auch keine Asylausschlussgründe gemäss Art. 53 AsylG. 4. 4.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung ausführlich darge- legt, weshalb die Vorbringen des Besc hwerdeführers zum militärischen Aufgebot und der sich daraus ergebenden behördlichen Probleme wider- sprüchlich, ungereimt und unsubstanziiert sind und damit insgesamt den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht genü- gen. 4.1.1 Soweit der Beschwerdeführer für die Bewertung seiner Aussagen in der BzP auf deren Kürze und damit implizit auf die in den Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3 enthaltenen Grundsätze hinweist, ist Folg endes zu bemerken: Trotz des summarischen Charakters der BzP ist es gemäss ständiger Rechtsprechung zulässig, Widersprüche für die Beurteilung der Glaubhaf- tigkeit heranzuziehen, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum – res- pektive in der BzP – in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung bei der Vorinstanz diametral abwei- chen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits im Empfangszent- rum zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H; EMARK 1993 Nr. 3). In der angefochtenen Verfügung hat sich das SEM nicht in unzulässiger Weise auf das Protokoll der BzP abgestützt und zu Recht angeführt, dass sich der Beschwerdeführer – im Gegensatz zu den späteren Anhörungen – zur Anzahl Suchen nach seiner Person und zu seinem Versteck erheblich widersprochen hat (vgl. act. A 4/11 S. 6 f.; A17/16 S. 7 f., und S. 10). Der Beschwerdeführer vermag in der Rechtsmitteleingabe mit Blick auf dieses Aussageverhalten keine plausiblen Erklärungen zu seiner Entlastung vor- zubringen. Seine Behauptung, wonach er bei der BzP angehalten worden sei, sich kurz zu fassen, und dass es sich bei dieser Unstimmigkeit um ein Missverständnis handle und er diese fehlerhafte Protokollierung in der BzP entweder übersehen habe oder diese falsch (rück -)übersetzt worden sei, erweist sich angesichts obiger Ausführungen und des Umstands, dass ihm D-3523/2018 Seite 8 das Protokoll der BzP in seiner Muttersprache rückübersetzt wurde, er die Korrektheit und Wahrheit seiner Ausführungen unterschriftlich bestätigte und explizit anführte, den Dolmetscher gut zu verstehen, als unbegründet (vgl. act. A4/11 S. 2 und S. 7 f.). Auch sind weder dem Protokoll der BzP noch demjenigen der Anhörung Anzeichen zu entnehmen, welche an deren Verwertbarkeit zweifeln oder darauf schliessen lassen würden, der Be- schwerdeführer habe den Befragungen nicht folgen können. Im Übrigen werden die vom SEM eingesetzten Dolmetscher und Dolmet- scherinnen hinsichtlich ihrer sprachlichen Fähigkeit und charakterlichen Eignung sorgfältig geprüft und sind angehalten, ihre Arbeit objektiv zu ver- richten. Es ist ihnen verwehrt, Aussagen zusammenzufassen oder zu in- terpretieren wie auch in eigener Regie Fragen zu stellen. Vor diesem Hin- tergrund sind am pauschalen Einwand einer möglicherweise fehlerhaften Übersetzung überwiegende Zweifel anzubringen. Eine Kritik am Dolmet- scher wurde überdies im Rahmen der BzP nicht angebracht. Das Bundes- verwaltungsgericht verkennt nicht grundsätzlich, dass es bei Übersetzun- gen zu Fehlern kommen kann. Es wurde jedoch oben dargelegt, dass vor- liegend nicht davon auszugehen ist. 4.1.2 Soweit der Beschwerdeführer einwendet, dass alleine die obigen Wi- dersprüche nicht geeignet seien, seine sämtlichen Schilderungen als un- glaubhaft erscheinen zu lassen, ist festzustellen, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid nebst den bereits genannten, noch weitere Un- stimmigkeiten aufgeführt hat, die sie zum Schluss kommen lies s, die wie- derholten Aufgebote zum Militärdienst und die aus seiner Weigerung resul- tierenden Probleme könnten nicht geglaubt werden. In diesem Zusammen- hang führte das SEM zu Recht an, dass die Aussagen, wonach er wegen der behördlichen Suche mehrheitlich versteckt gewesen sei, er aber gleich- zeitig bei Gelegenheit für die Kirche gearbeitet haben wolle, voneinander abweichen. Daran vermag der Hinweis in der Rechtsmitteleingabe, wo- nach seine Vorbringen im eritreischen Kontext plausibel und mit öffentlich zugänglichen Quellen und Berichten korrespondieren würden, nichts zu ändern. Soweit in den zitierten Quellen festgehalten wird, dass Geistliche seit dem Jahre (...) nicht mehr vom Militärdienst freigestellt seien, ist anzu- merken, dass das SEM in seinem Entscheid diese Aussagen nicht bestritt beziehungsweise nicht behauptete, der Beschwerdeführer hätte wegen seiner Funktion in der Kirchgemeinde freigestellt werden müssen. Auch der auf Seite 7 der Beschwerdeschrift enthaltene Hinweis auf einen Bericht des SEM (Focus Eritrea, Update Nationaldienst und illegale Ausreise, 22. Juni D-3523/2018 Seite 9 2016), wonach es zahlreichen Dienstverweigerern gelinge, sich längerfris- tig den Kontrollen respektive dem Zugriff der Soldaten zu entziehen, ver- mag zu keiner anderen Einschätzung zu führen. So wird darin auf Seite 25 als Fazit festgehalten, dass d ie eritreischen Behörden und Sicherheits- kräfte nicht mehr die Kapazitäten zu haben scheinen, alle Dienstverweige- rer systematisch zuhause aufzusuchen, um sie zu verhaften oder zu rek- rutieren. Dennoch komme dies in Einzelfällen immer noch vor, insbeson- dere bei Personen, die ein Aufgebot in den militärischen Teil des National- diensts erhalten haben. Vorliegend macht der Beschwerdeführer ein sol- ches Aufgebot geltend und führte überdies eine wiederholte und – nach seiner Version in der Anhörung – über mehrere Monate sich hinziehende gezielte Suche nach seiner Person an (vgl. act. A17/16 S. 7 und 10). Unter diesen Umständen erscheint sein Verhalten, sich trotz dieser Suchen nach seiner Person wiederholt in die Kirche – und damit in die Öffentlichkeit – begeben zu haben, um dort zu arbeiten, als nicht nachvollziehbar, zumal er dadurch bewusst ein sehr hohes Risiko einging, von den Behörden ver- haftet zu werden. Der Beschwerdeführer schildert in seiner Anhörung, wie er jeweils von anderen Dorfbewohnern vor dem Erscheinen der Soldaten gewarnt worden sei (vgl. act. A17/16 S. 7). Diesen Ausführungen ist aber entgegenzuhalten, dass sie nicht den Feststellungen im erwähnten SEM - Bericht sowohl zur Vorgehensweise der Behörden als auch dem Verhalten der Warnenden entsprechen (vgl. a.a.O. S. 23 f.). Zudem ist davon auszu- gehen, dass die Soldaten bereits bei ihrer zweiten Suche nach dem Be- schwerdeführer zwecks Eruierung dessen Adresse nicht mehr den geschil- derten Umweg über di e Verwaltung hätten gehen müssen und sich auch kaum mehr auf die angeführte Weise von den Dorfbewohnern nach dem Zweck ihres Aufenthalts hätten ausfragen lassen. 4.1.3 Im Weiteren ist der Vorinstanz beizupflichten, dass die Schilderungen bezüglich der Ausreise jegliche Substanz vermissen lassen und der Aus- reiseentschluss plötzlich und ohne jegliche Vorbereitung geschehen sein soll (vgl. act. A17/16 S. 11 ff.). Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht vermochte der Beschwerdeführer weder die Fluchtroute noch den Grenzübergang «relativ detailliert» zu beschreiben. Lediglich die Ausfüh- rungen, dass es dunkel gewesen sei, sie immer geradeaus gelaufen seien, sie nicht gewusst hätten, wo sie entlang gelaufen seien, sich einfach auf ihr Glück verlassen hätten, s ein mit ihm reisender Kollege wohl bessere Auskünfte darüber geben könne, sie sich tagsüber versteckt und geschla- fen hätten und vor dem Grenzübergang auf sie geschossen worden sei, vermögen in keiner Weise das Bild eines tatsächlich erlebten Sachverhalts D-3523/2018 Seite 10 zu vermitteln und könnten in ihrer Beliebigkeit auch von einer am Gesche- hen gänzlich unbeteiligten Drittperson ohne Weiteres nacherzählt werden. Diesbezüglich vermag der Einwand, wonach das vom SEM bemängelte Fehlen von Realkennzeichen keine Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der entsprechenden Aussagen erlaube, nicht zu überzeugen, zumal vorlie- gend keine Hinweise bestehen, gemäss welchen der Beschwerdeführer wegen Hemmungen, Angst, Nervosität oder Gedächtnismangel an der Wiedergabe eines detailreichen u nd mit Realkennzeichen versehenen Sachverhaltsvortrags gehindert worden wäre. Aus der eingereichten Be- stätigung des UNH CR vom 18. Juli 2018 ist sodann lediglich ersichtlich, dass der Beschwerdeführer am (...) in einem Flüchtlingscamp in G._______ registriert wurde; zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen betreffend Fluchtweg und Grenzübertritt lassen sich daraus jedoch keinerlei Schlüsse ziehen, weshalb das Dokument diesbezüglich keine Beweiskraft zu entfal- ten vermag. 4.1.4 Soweit der Beschwerdeführer sodann darauf verweist, die Hilfswerk- vertretung habe seine Ausführungen als detailliert, schlüssig und glaubhaft wahrgenommen, handelt es sich dabei um eine persönliche Einschätzung der Hilfswerkvertretung hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine solche Einschätzung wird vom gesetzlichen Auf- trag und Kompetenzumfang nach aArt. 30 Abs. 4 AsylG nicht erfasst, son- dern ist Aufgabe der Vorinstanz und letztlich des Gerichts. Sodann wurden am Schluss der Anhörung vorliegend durch die Hilfswerkvertretung keine Einwände angemeldet und mit Blick auf weitere Sachverhaltsabklärungen keine Anregungen gemacht. 4.2 Die Vorbringen in der Beschwerdeschrift vermögen insgesamt das vom SEM als unglaubhaft erachtete Aufgebot für den eritreischen Militärdienst, eine diesbezüglich sich daran anschliessende wiederholte behördliche Su- che und die geltend gemachte illegale Ausreise nicht in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Das SEM ist im Ergebnis somit zu Recht zum Schluss gekommen, dass die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers un- glaubhaft sind. 5. 5.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer we- gen seiner Ausreise aus Eritrea bei einer Rückkehr dorthin – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe – befürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. D-3523/2018 Seite 11 5.2 Durch Republikflucht wird zum Flüchtling, wer wegen illegaler Ausreise Sanktionen des Heimatstaats befürchten muss, die bezüglich ihrer Intensi- tät ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen (vgl. BVG E 2009/29). 5.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im als Referenzurteil publi- zierten Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der Frage befasst, ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, allein des- wegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Unter Bezug- nahme auf die konsultierten Quellen hat es festgestellt, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise per se zur Flüchtlingseigenschaft führe, nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Aus der im Urteil vorge- nommenen Analyse ergebe sich, dass zahlreiche Personen, welche illegal aus Eritrea ausgereist seien, relativ problemlos in ihre Heimat hätten zu- rückkehren können. Daher sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Aus- reise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung drohe. Eine geltend ge- machte Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG er- scheine allein aufgrund einer illegalen Ausreise nicht mehr als objektiv be- gründet. Nicht asylrelevant sei auch die Möglichkeit, dass jemand nach der Rückkehr in den Nationaldienst eingezogen werde, da es sich dabei nicht um eine Massnahme handle, die aus asylrechtlich relevanten Motiven er- folge; ob eine drohende Einziehung in den Nationaldienst unter dem Blick- winkel von Art. 3 EMRK und Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betreffe die Frage der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs. Ein erhebliches Risiko einer Bestrafung bei einer Rückkehr ge- stützt auf asylrelevante Motive sei nur dann anzunehmen, wenn neben der illegalen Ausreise weitere Faktoren zu bejahen seien, welche die asylsu- chende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen würden (vgl. a.a.O. E. 5.1). 5.3 Den Akten des vorliegenden Verfahrens sind solche zusätzlichen Ge- fährdungsfaktoren nicht zu entnehmen. Nachdem sich die vom Beschwer- deführer vorgebrachten Vorfluchtgründe als unglaubhaft erwiesen haben, liegen keine konkreten Hinweise auf Anknüpfungspunkte vor, welch e ihn auf Seiten des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen las- sen könnten. Die Frage der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise kann da- mit letztlich offenbleiben. 5.4 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 respektive Art. 54 AsylG D-3523/2018 Seite 12 darzutun. Das SEM hat demnach zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 6. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings- eigenschaft zu. Daher ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtstel- lung der Flüchtlinge (FK, SR. 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 7.1.1 In der Beschwerde wird die Auffassung vertreten, der Wegweisungs- vollzug sei angesichts der drohenden Einziehung in den eritreischen Nati- onaldienst und einer damit verbunden Verletzung von Art. 3 und Art. 4 EMRK als unzulässig zu betrachten. Aufgrund des Alters des Beschwerde- führers erscheint seine Befürchtung, bei einer Rückkehr in den National- dienst eingezogen zu werden, als plausibel (vgl. zur eritreischen Muste- rungspraxis das Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 13.2-13.4). 7.1.2 Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei anstehen- der Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesverwal- tungsgericht in einem Koordinationsentscheid geklärt worden (vgl. BVGE 2018 VI/4). Das Gericht hat die Zulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangsar- beitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots des D-3523/2018 Seite 13 Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung oder Strafe (Art. 3 EMRK) geprüft und bejaht (vgl. a.a.O. E. 6.1.5.2). Es kann auf die Ausführungen im genannten Urteil verwiesen werden. 7.1.3 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Wegweisungsvollzug ist folglich als zulässig zu betrachten. 7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Aus- länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.2.1 Die droh ende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst führt mangels einer hinreichend konkreten Gefährdung nicht generell zur Fest- stellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.2). 7.2.2 Gemäss aktueller Rech tsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs- weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge- gangen werden. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig, jedoch haben sich in jüngster Zeit die Lebensbedingungen in einigen Be- reichen verbessert. So haben sich die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zugang zu Wasser und zur Bildung stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthaf te ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz- bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch in der früheren Rechtsprechung sind begünstigende indi- viduelle Faktoren indessen nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). Seit der Einreichung der Be- schwerde haben sich überdies weitere Verbesserungen ergeben; nament- lich haben Äthiopien und Eritrea ein Friedensabkommen geschlossen (vgl. D-3523/2018 Seite 14 Neue Zürcher Zeitung, Trotz Friedensabkommen in Eritrea – Asylpraxis bei Eritreern ändert sich vorerst nicht, 11. Juli 2018). 7.2.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen und gesun- den Mann mit mehrjähriger Schulbildung und einer Ausbildung zum Pfarrer, der seinen Lebensunterhalt und denjenigen seiner Familienangehörigen durch Arbeit in (Nennung Erwerbstätigkeit) verdiente (vgl. act. A17/16 S. 2 ff.; A4/11 S. 4). Seine Angehörigen (...) leben nach wie vor in seiner Her- kunftsregion in Eritrea. Es ist deshalb davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr mit Unterstützung seiner Familie eine gesicherte Wohnsituation und Möglichkeiten zur Wiedereingliederung – auch in beruflicher Hinsicht – vorfindet. Dementsprechend sind ke ine besonderen Umstände ersicht- lich, aufgrund derer von einer Existenzbedrohung ausgegan gen werden müsste. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.3 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh- rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr spricht jedoch praxisgemäss für die Feststellung der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG. Es obliegt da- her dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Hei- matstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu be- schaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu erachten ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich betrachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angef ochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwi-D-3523/2018 Seite 15 schenverfügung vom 26. Juni 2018 das Gesuch um unentgeltliche Pro- zessführung gutgeheissen. Zwar ist der Beschwerdeführer seit dem Januar 2019 als Betriebsmitarbeiter erwerbstätig. Jedoch ist er angesichts der kur- zen Zeit der Erwerbstätigkeit und der dabei erzielten geringen Einkünfte noch immer als bedürftig zu erachten. Deshalb ist vorliegend am Ergebnis der oben erwähnten Verfügung festzuhalten und auf die Erhebung von Ver- fahrenskosten zu verzichten. 9.2 Mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2018 wurde ausserdem das Ge- such um amtliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen. De r amtlich be- stellten Rechtsbeiständin ist demnach zulasten der Gerichtskasse ein Ho- norar für ihre Bemühungen auszurichten In der mit der Rechtsmittelein- gabe eingereichten Honorarnote wird ein als angemessen zu erachtender Aufwand von 420 Minuten geltend gemacht. Darin nicht berücksichtigt ist der Aufwand für die Eingabe vom 23. Juli 2018 (Nachreichung Beweismit- tel), der auf eine halbe Stunde veranschlagt wird. Es ergibt sich demnach ein Gesamtaufwand von 450 Minuten respektive siebeneinhalb Stunden. Bei amtlicher Vertretung wird in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht -anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter ausgegangen (Art. 8 Abs. 2, Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). D er un- entgeltlichen Rechtsbeiständin ist demnach insgesamt zulasten des Bun- desverwaltungsgerichts ein amtliches Honorar von Fr. 1125.– (inkl. Ausla- gen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3523/2018 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichtskasse eine Ent- schädigung von Fr. 1125.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber Versand: