B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-4892/2019 U r t e i l v o m 2 1 . F e b r u a r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Gregor Chatton, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien A._______, vertreten durch Beat Marfurt, Fürsprecher und Notar, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken für X._______ und Y.________. F-4892/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Das aus Bangladesch stammende Ehepaar – Y ._______ (geb. 1987) und X._______ (geb. 1981), nachfolgend: Gesuchsteller – beantragten am 26. Mai 2019 bei der Schweizer Botschaft in Dhaka Schengen-Visa für einen Besuchsaufenthalt vom 31. Mai bis 17. Juni 2019 bei dem im Kanton Freiburg lebenden A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer bzw. Gast- geber; vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 1/42-45 und 2/51). Der Gast- geber hatte zuvor ein entsprechendes Einladungsschreiben zuhanden der Schweizer Vertretung verfasst (SEM act. 1/35). B. Mit Formular-Verfügung vom 27. Mai 2019 lehnte die Botschaft die Visums- anträge ab, da die Absicht einer f ristgerechten Wiederausreise der Ge- suchsteller aus dem Schengen-Raum nicht festgestellt werden könne (SEM act. 1/40-41). C. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 26. Juni 2019 Einsprache (SEM act. 2/74-76). D. Die Vorinstanz wies die Einsprache mit Entscheid vom 21. August 2019 ab. Zur Begründung wurde angeführt, die Absicht der Gesuchsteller, vor Ablauf der Visa aus dem Hoheitsgebiet der Schengen -Mitgliedstaaten auszurei- sen, habe nicht festgestellt werden können. Weder die wirtschaftliche so- wie diepolitische Lage in Bangladesch noch die persönliche Situation der Gesuchsteller würden Gewähr für eine fristgemässe Rückkehr in ihr Hei- matland bieten. Zudem sei der Zweck des beabsichtigten Aufenthalts nicht umfassend dargelegt worden (SEM act. 6/82-87). E. Mit Rechtsmitteleingabe beim Bundesverwaltungsgericht vom 23. Septem- ber 2019 beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der vorinstanz- lichen Verfügung sowie die Ausstellung der Schengen-Visa an die Gesuch- steller; eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht korrekt abgeklärt und aktenwidrig entschieden. D ie Ab- lehnung sei deshalb offensichtlich willkürlich. So sei d ie Vorinstanz unter anderem fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Gesuchsteller F-4892/2019 Seite 3 insgesamt nicht in gefestigten beruflichen und guten wirtschaftlichen Ver- hältnissen lebten. Der Gesuchsteller verdiene jedoch mit seiner Anstellung als Manager in einer Marketingabteilung ein Mehrfaches des jährlichen Durchschnitteinkommens in Bangladesch. Der Umstand, dass seine Ehe- frau nicht arbeite, belege ebenfalls , dass es sich bei den Gesuchstellern um wohlhabende Personen handle. In Bangladesch würden Frauen nur arbeiten, wenn es aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse notwendig sei. Die finanzielle Situation s preche eindeutig für eine fristgerechte Aus- reise der Gesuchsteller. Bezüglich des von der Vorinstanz angezweifelten Aufenthaltszwecks v erweist der Beschwerdeführer auf das Einladungs- schreiben und die Einsprache, welche ausführten, dass die Gesuchsteller als Touristen ihn, den Onkel der Gesuchstellerin, in der Schweiz besuchen wollten. Daneben bringt der Beschwerdeführer v or, dass die Vorinstanz den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, indem sie es unterlas- sen habe, ihn oder den Gesuchsteller vor Erlass der angefochtenen Verfü- gung anzuhören. Jener habe mehrmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er bei F ragen gerne zur Verfügung stehe. Dennoch habe die Vorin - stanz ihren ablehnenden Entscheid darauf abgestützt, dass keine weiteren Angaben gemacht und keine Belege vorgelegt worden seien (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer act.] 1). F. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Oktober 2019 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 6). Mit Schreiben vom 29. Oktober 2019 wurde die vorinstanzliche Stellungnahme dem Beschwerdeführer zur Kenntn is gebracht (BVGer act. 7). G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide bezüglich Schen- gen-Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet F-4892/2019 Seite 4 sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorangegangenen Einspracheverfahren teilgenommen und ist als Gastgeber der Gesuchsteller durch die angefoch- tene Verfügung besonders berührt. Obwohl der fest anberaumte Besuchs- zeitraum inzwischen abgelaufen ist, muss auf ein fortbestehendes Rechts- schutzinteresse geschlossen werden. Dies belegt allein schon die Ei nrei- chung des Rechtsmittels. Der Beschwerdeführer ist daher zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 In der vorliegenden Beschwerdeangelegenheit entscheidet das Bun- desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Mi ssbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün- dung der Begehren nicht gebunden. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.; 2011/43 E. 6.1). 3. Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht die Verletzung seines An- spruchs auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 ff. VwVG) . Obwohl er mehrmals darauf hingewiesen habe, dass er für weitere Fragen jederzeit zur Verfügung stehe, sei e r weder von der Vorinstanz noch von der kantonalen Migrationsbehörde zwecks weiterer Abklärungen kontak- tiert worden. Auch habe es bereits d ie Botschaft unterlassen, weitere Ab- klärungen zu tätigen oder Rückfragen an die Gesuchsteller zu stellen. Den- noch habe die Vorinstanz ihren ablehnenden Entscheid darauf abgestützt, dass keine ausreichenden Informationen und Belege vorlägen (BVGer act. 1). Mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens kann vorliegend auf eine F-4892/2019 Seite 5 vertiefte Abhandlung des Anspruchs auf rechtliches Gehör verzichtet wer- den. Vor diesem Hintergrund ist auf die beschwerdeweise beantragte Par- teibefragung an dieser Stelle ebenfalls nicht näher einzugehen. 4. 4.1 Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch zweier Staatsangehö- riger aus Bangladesch um Erteilung von Visa zu Besuchszwecken für die Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA-Per- sonenfreizügigkeitsabkommen berufen können und die beabsichtigte Auf- enthaltsdauer 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das AIG und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur insoweit zur Anwendung, als die Schengen -Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestim- mungen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 2-5 AIG). 4.2 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge- setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 m.H.). Das Schengen-Recht schränkt die natio- nalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzun- gen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum serteilung vermittelt auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5). 4.3 Drittstaatsangehörige benötigen zur Einreise in den Schengen -Raum für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt berechti- gen, und ein Visum, sofern dieses – wie im Falle der aus Bangladesch stammenden Gesuchsteller – erforderlich ist (vgl. Anhang I zur Verordnung (EU) 2018/1806, ABl. L 303/39 vom 28.11.2018; zum vollständigen Quel- lennachweis vgl. Fussnote zu Art. 8 Abs. 1 VEV). Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten F-4892/2019 Seite 6 Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfü- gen. Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthalts ver- lassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise bieten. Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener In- formationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öf- fentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied- staats darstellen (vgl. zu den Einreisevoraussetzungen: Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3 und 8 VEV i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 [kodifizierter Text] über eine n Gemeinschaftskodex für das Über- schreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenz- kodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23. März 2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfolgend: Visakodex]; CARONI et al., Migrationsrecht, 4. Aufl. 2018, S. 141 ff.). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drit tstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. EGLI/MEYER, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum AuG; 2010, Art. 5 N 33). Die Be- hörden haben daher zu prüfen und Drittstaatsangehörige zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerech- ten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex). Die Gewähr für eine gesicherte Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AIG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5.2). 4.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die vorerwähnten Einreisevor- aussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der in Frage stehende Mitgliedstaat u.a. Gebrauch machen, wenn er es aus humanitä- ren Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund inter- nationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 und Art. 7 VEV, Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; ebenso Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). F-4892/2019 Seite 7 5. Im vorliegenden Fall hält die Vorinstanz die gesicherte fristgerechte Wie- derausreise der Gesuchsteller für nicht gewährleistet. Ausserdem hegt sie Zweifel am Aufenthaltszweck. 5.1 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref- fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab- lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalles zu würdigen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1). An- haltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus- reise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der drittstaatsangehörigen Person ergeben. Namentlich bei Einreisegesu- chen von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, wirtschaftlich und sozial ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Praxis, da die persönl iche Interessenlage in solchen Fällen erfahrungsgemäss häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebe- willigung im Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.). 5.2 Bangladesch verzeichnete in den letzten Jahren ein anhaltendes Wirt- schaftswachstum von jährlich durchschnittlich 6.5%. Parallel dazu erzielte das Land grosse Entwicklungsfortschritte. Der Anteil der Bevölkerung, wel- cher mit weniger als USD 1.90 pro Person und Tag auskommen muss , konnte in den letzten 30 Jahren um 30% auf rund 15% reduziert werden. Trotz bemerkenswerter Fortschritte bei der Armutsbekämpfung leben heute aber noch immer 24 Millionen Menschen unterhalb der Armuts- grenze. Die politischen und sozialen Spannungen in Bangladesch sind hoch. Infolge des anhaltenden Bevölkerungswachstums bei gleichzeitig abnehmenden Landressourcen und oft fehlenden Alternativen zur vorherr- schenden Landarbeit erfährt die Bevölkerung seit einigen Jahren einen er- höhten Verteilungs- und Chancenkonflikt. Auch bestehen zwischen religiö- sen bzw. ethnischen Gemeinschaften latente Spannungen , die sich teil- weise ohne grosse Vorwarnung in lokalen, gewaltsamen Zusammenstös- sen entladen können. Diese Unruhen wurden durch den Zustrom einer Vielzahl von Rohingya-Flüchtlingen aus Myanmar verstärkt. Terroristische Akte sind j ederzeit im ganzen Land möglich (vgl. zum Ganzen «www.eda.admin.ch» > Reisehinweise & Vertretungen > Bangladesch > Reisehinweise für Bangladesch, publiziert am 14. Januar 2019; F-4892/2019 Seite 8 «www.liportal.de» > Bangladesch > Wirtschaft & Entwicklung, Stand: No- vember 2019; «www.worldbank.org» > Where We Work > Bangladesh > Overview, Stand: 15. Oktober 2019; jeweils besucht im Januar 2020). 5.3 Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von Besucherinnen und Besuchern aus Bangladesch allgemein als hoch einschätzt. Allerdings wäre es zu schematisch und nicht haltbar, generell und ohne spezifische Anhaltspunkte ausschliesslich aufgrund der allgemeinen Lage in der Her- kunftsregion auf eine nicht hinreichend gesicherte Wiederausreise zu schliessen. Es gilt vielmehr, über die Situation im Herkunftsland hinaus, die weiteren Umstände ebenfalls zu würdigen. Dabei sind in die Prognose über die Absicht einer gesuchstellenden Person, den Schengen -Raum fristge- recht zu verlassen, deren persönliche, familiäre und berufliche bzw. wirt- schaftliche Situation sowie deren Interessenlage miteinzubeziehen (BVGE 2014/1 E. 6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Pers on im Hei- matland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dies die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines auslän- derrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Ein- reise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1 m.H.; 2009/27 E. 8). 6. 6.1 Bei den Gesuchstellern handelt es sich um ein kinderloses Ehepaar im Alter von 32 bzw. 39 Jahren. Bezüglich ihrer privaten Situation lässt sich den Akten entnehmen, dass die nähere Verwandtschaft beider Gesuchstel- ler ebenfalls in Bangladesch lebt. Lediglich der Onkel der Gesuchstellerin, namentlich der Beschwerdeführer, sowie eine Schwester des Gesuchstel- lers sind in Europa bzw. in Amerika wohnhaft (SEM act. 2/75 und BVGer act. 1). In Anbetracht dessen ist zwar in casu von familiären Bindungen innerhalb des angestammten Lebensumfeldes in Bangladesch auszuge- hen. D arüber hinausgehende Verpflichtungen, die von einer allfälligen Emigration abzuhalten vermöchten, sind jedoch keine erkennbar. 6.2 Vor diesem Hintergrund ist der wirtschaftlichen Situation der Gesuch- steller ein besonderes Augenmerk zu widmen. Der Gesuchsteller gab im Antrag auf Erteilung eines Schengen -Visums an, als Manager bei F-4892/2019 Seite 9 «M._______» zu arbeiten (SEM act. 1/44). Ein Schreiben seines Arbeitge- bers bestätigt, dass er seit über 12 Jahre im Unternehmen beschäftigt ist und zurzeit die Position als […] innehat (SEM act. 2/64). Gemäss einge- reichten Lohnauszügen vom Mai und August 2019 erziel t er ein monatli- ches Einkommen von T k 80'006 bis T k 122'276 (ca. CHF 900 bis CHF 1'400; Beilagen zu BVGer act. 1) . Sein Einkommen liegt somit deut- lich über dem monatlichen Durchschnittseinkommen in Bangladesch, wel- ches rund Fr. 318.- beträgt (vgl. «www.numbeo.com» > Lebenshaltungs- kosten > Bangladesch, Stand: Januar 2020, besucht im Januar 2020). Aus einem eingereichten Kontoauszug der «N._______ Bank» lässt sich weiter entnehmen, dass der Gesuchsteller per 21. Mai 2019 über ein Schlussgut- haben von T k 589'755.38 (ca. Fr. 6'700.-) verfügte. Dieses Guthaben re- sultierte grösstenteils aus einer im April erfolgten Einzahlung in der Höhe von T k 350'000 (ca. Fr. 4'000.-). Der Beschwerdeführer bringt auf Be- schwerdeebene vor, dass sein Bruder diesen Betrag in seinem Auftrag dem Gesuchsteller zwecks Kauf s des Flugtickets und der notwendigen Reiseversicherung überwiesen ha be (BVGer act. 1). Ein weiterer einge- reichter Kontoauszug der «Bank O._______ weist per 2. Mai 2019 ein Schlussguthaben von Tk 64'701.51 (ca. Fr. 740.-) auf (SEM act. 1/20-26). Gemäss Ausführungen der Vorinstanz wurde zudem ein Bankbeleg der Gesuchstellerin mit ein em Saldo von T k 650'000 (ca. Fr. 7'400.-) zu den Akten gelegt. Dieses Konto weise ebenfalls eine im April getätigte grössere Einzahlung von Tk 430'000 (ca. Fr. 4'900.-) auf, deren Herkunft jedoch un- geklärt sei (SEM act. 6/85). Die Gesuchstellerin selbst geht keiner Erwerbs- tätigkeit nach. Den Ausführungen des Beschwerdeführers folgend belege dieser Umstand jedoch, dass es sich bei den Gesuchstellern um wohlha- bende Personen handle, da in Bangladesch Ehefrauen nur arbeiten wür- den, wenn es aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse notwendig sei (BVGer act. 1). Nach Auffassung des Gerichts ist durchaus davon auszu- gehen, dass der Verdienst des Gesuchstellers, welcher sich auf das Drei- bis Vierfache des Durchschnittseinkommens in Bangladesch beläuft, eben- falls den Lebensunterhalt der Gesuchstellerin deckt. Der Gesuchsteller ge- neriert mit seiner mehrjährigen Erwerbstätigkeit nicht nur regelmässige Einkünfte, sondern weist auch eine berufliche Stabilität auf. Die Gesuch- steller dürften somit – entgegen der Auffassung der Vorinstanz und trotz Unterstützungsleistung des Beschwerdeführers – in vergleichsweise stabi- len wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen leben. Aufgrund der Ak- tenlage ist demnach davon auszugehen, dass die Eingeladenen über eine relativ gesicherte Existenz im Heimatland verfügen, die geeignet ist, das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise nach einem Besuchsauf- enthalt in der Schweiz erheblich herabzusetzen. Die Gesuchsteller haben F-4892/2019 Seite 10 sodann lediglich ein Visum für einen achtzehntägigen Besuchsaufenthalt in der Schweiz beantragt. Die Abwesenheit steht im Einklang mit den be- ruflichen Verpflichtungen in Bangladesch und wurde überdies vom Arbeit- geber bescheinigt (SEM act. 1/36). 6.3 Den eingereichten Passkopien ist schliesslich zu entnehmen, dass die Gesuchsteller bereits mehrfach ins Ausland gereist und immer wieder nach Bangladesch zurückgekehrt sind (SEM act. 2/49-63). Zu bedenken gilt es ferner, dass die Initiative zum Besuchsaufenthalt vom Gas tgeber ausging (SEM act. 1/35), andere von ihm eingeladene Verwandte die Schweiz un- bestrittenermassen stets anstandslos verlassen haben und keine nahen Verwandte nach Europa emigriert sind (SEM act. 2/75-76). Auch diese Um- stände sind geeignet, das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise nach dem geplanten Besuchsaufenthalt entscheidend herabzusetzen. 6.4 Aufgrund des Gesagten lassen sich auch die im vorliegenden Fall von der Vorinstanz geäusserten Zweifel am deklarierten Aufenthaltszweck nicht aufrechterhalten. Dass die Gesuchsteller den Beschwerdeführer besuchen und anlässlich dieses befristeten Besuchs ebenfalls die touristischen Se- henswürdigkeiten besichtigen möchten, erscheint jedenfalls nachvollzieh- bar. 7. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass den Gesuchstellern die Er- teilung eines Visums nicht mit der Begründung verweigert werden kann, die Wiederausreise sei nicht gesichert und der Aufenthaltszweck bleibe un- klar. Daran ändert nichts, dass das Risiko für eine Missachtung ausländer- rechtlicher Normen naturgemäss ni e gänzlich ausgeschlossen werden kann. Indem die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt wesentlich anders beurteilt hat, hat sie Bundesrecht verletzt (vgl. Art. 49 Bst. a VwVG). Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung auf- zuheben und die Sache zur neuerlichen Beurteilung an das SEM zurück- zuweisen. Dabei bleibt von der Vorinstanz zu prüfen, ob die übrigen Einrei- sevoraussetzungen erfüllt sind. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), u nd es ist ihm gestützt auf Art. 64 VwVG i.Vm. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht F-4892/2019 Seite 11 (VGKE, SR 173.320.2) zu Lasten der Vorinstanz eine angemessene Par- teientschädigung zuzusprechen, welche unter Berücksichtigung der Akten und vergleichbarer Fälle auf gesamthaft Fr. 1’200.‒ (inkl. Auslagen und MWST) festzulegen ist. (Dispositiv nächste Seite) F-4892/2019 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die angefochtene Verfügung vom 21. August 2019 wird aufgehoben und die Sache zur neuerlichen Abklä- rung und Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück- gewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der gele istete Kostenvor- schuss von Fr. 900.‒ wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Vorinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht e ine Parteientschädigung von Fr. 1’200.‒ auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Formular Zahladresse) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Susanne Stockmeyer Versand: