B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-452/2014/plo U r t e i l v o m 29 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Martina Kunert. Parteien A._______, geboren (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Martina Culic, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Dezember 2013 / N (…). D-452/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die aus Teheran stammende iranische Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland eigenen Angaben zufolge zusammen mit ihrer Mutter (B._______, N (…), D-450/2014) Ende Juni respektive Anfangs Juli 2010 und gelangte am 11. Juli 2010 illegal in die Schweiz, wo sie am 16 . Juli 2010 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl ersuchte. A.b Am 5. August 2010 wurde die Befragung zur Person (fortan BZP) durchgeführt, die Anhörung zu den Asylgründen (fortan Anhörung) fand am 15. Oktober 2010 statt. Die A usführungen der Beschwerdeführerin lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ihr Vater sei Mitglied der Volk s- mudjaheddin gewesen und habe ihr sowie ihrem Bruder am Gedenktag der Präsidentschaftswahl vom 11. Juni 2010 mitgeteilt, dass sie am Fol- getag an einer D emonstration teilnehmen würden. Gleichzeitig habe er sie aufgefordert, an dieser Kundgebung – welche nach Geschlechtern ge- trennt durchgeführt worden sei – Flugblätter unter den Demonstranten zu verteilen. Obwohl sie Angst gehabt habe, habe sie ihrem Vater nicht nein sagen dürfen. Am Nachmittag des 12. Juni 2010 sei ihr von ihrem Vater während des Demonstrationszuges aufgetragen worden, die mitgeführten Flugblätter an einer Wand anzubringen und zu fotografieren. Als sie sich in der Folge umge dreht habe, habe sie gesehen, wie Personen ihren Va- ter überfallen hätten. Ihr Bruder sei ihm zu Hilfe geeilt, jedoch zusammen mit dem Vater verprügelt worden. Sie habe nicht mehr weiter gewusst und sei in Panik durch die Menge der Demonstranten geflohen. In einer N e- bengasse habe sie alle Flugblätter in einen Abfallcontainer geworfen. S o- dann habe sie eine Freundin aufgesucht und telefonisch einem Freund ih- res Vaters vom Vorfall berichtet und um Rat gebeten. Dieser habe vera n- lasst, sie zu ihrer Mutter und danach ausser Lande s zu bringen. Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin wird, soweit entscheid- wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. A.c Im Laufe des Verfahrens reichte die Beschwerdeführerin mehrere Beweismittel zu den Akten, darunter ein als Urt eilskopie eines Strafurteils vom 6. März 2011 (fortan Urteil) bezeichnetes Dokument, welchem zufol- ge der Vater der Beschwerdeführerin wegen Beihilfe zur Flucht seiner Tochter und der Unterstützung der terroristischen Gruppe Mudjaheddin zu einer lebenslange n Freiheitsstrafe, 60 Peitschenhieben und einer Gel d- strafe von 330 000 000.– Rial verurteilt worden sei. D-452/2014 Seite 3 B. Nach mehrfachen Erkundigungen nach dem Verfahrensstand liess die Beschwerdeführerin schliesslich Rechtsverzögerungsbeschwerde erh e- ben, welche mit Ent scheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. D e- zember 2013 gutgeheissen wurde. C. Mit Verfügung vom 27. Dezember 2013 – eröffnet am 30. Dezember 2013 – wies das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an. D. Mit Eingabe vom 27. Januar 2014 liess die Beschwerdeführerin B e- schwerde gegen die Verfügung vom 27. Dezember 2013 erheben und beantragen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben; es sei die Beschwerdeführerin als Flüchtling anzuerkennen; es sei der Beschwerde- führerin Asyl zu gewähren und eventualiter sei die Beschwerdeführerin in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In formeller Hinsicht beantragte sie die Gewährung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege. E. Mit Zwischenverfügung vom 7. Februar 2014 verzichtete der Instruktions- richter auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verwies das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege in den Enden t- scheid. F. Am 1. April 2014 reichte die Vorinstanz ihre Vernehmlassung ein, in we l- cher sie an ihren Erwägungen festhielt. Die Beschwerdeführerin liess am 8. April 2014 – Eingangsdatum 9. April 2014 – Replik einreichen. G. G.a Mittels Botschaftsanfrage vom 13. Mai 2014 ersuchte der Instrukt i- onsrichter um weitere Abklärungen das Urteil betreffend, insbesondere ob dem als Urteilskopie bezeichneten Dokument ei n echtes Urteil zugrund e liegt und falls ja, ob aus diesem die verfügende Behörde, die Zusamme n- setzung des Gerichts und das Rechtskraftdatum hervor gehen; ferner, ob der Vater der Beschwerdeführerin zu 6 0 Peitschenhieben und einer l e- benslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde und ob das Urteil rechtskräftig ist. D-452/2014 Seite 4 G.b In der Botschaftsantwort vom 13. Juli 2007 wurden die aufgeworfe- nen Fragen dahingehend beantwortet, dass das Urteil zweifelsohne eine Fälschung sei, weil es sich bezüglich Aufbau und Wortwahl signifikant vom Aufbau und von der in iranischen Urteilen verwendeten Terminologie unterscheide und sich die Artikel, auf welche es sich stütze, nicht auf die angeblichen Straftaten bezögen und weder das Stra fmass noch das Rechtskraftdatum mit der iranischen Strafrechtsordnung übereinstim m- ten. G.c Mittels Zwischenverfügung vom 30. Juli 20 14 gewährte der Instrukt i- onsrichter der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör , um zum Ergeb- nis der Botschaftsabklärung Stellu ng zu nehmen , wies das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege infolge Aussichtslosigkeit ab und erhob einen Kostenvorschuss, der rechtzeitig geleistet wurde. G.d Mit Eingabe vom 31. Juli 2014 – Eingangsdatum 4. August 2014 – liess die Beschwerdeführerin um Ein sicht in die Botschaftsanfrage und um Verlängerung der Frist zur Stellungnahme ersuchen . Die Begehren wurden mit Zwischenverfügung vom 6. August 2014 mit der Begründung abgelehnt, dass der Beschwerdeführerin der wesentliche Inhalt der Bo t- schaftsanfrage – dass es sich beim Urteil um eine Fälschung handelt – zur Kenntnis gebracht wurde und zudem ein öffentliches Interesse daran besteht, dem Missbrauch mit amtlichen Dokumenten vorzubeugen. G.e Mit Eingabe vom 13. August 2014 liess die Beschwerdeführerin au s- führen, dass sie und ihre Familie als juristische Laien mit dem Aufbau und der Wortwahl von iranischen Gerichtsurteilen nicht vertraut seien, dass es sich beim eingereichten Dokument jedoch um das gegen ihren Vater ge- fällte Urteil handle. Sie habe die Telefonnummer des involvierten Anwalts ausfindig machen können, dieser wolle aus Angst vor Repressionen j e- doch keine Bestätigung über die Echtheit des Urteils abgeben. Die Fami- lie der Beschwerdeführerin habe jedoch herausgefunden, dass Richter C._______ das Urteil gegen ihren Vater gefällt habe, der bekanntermas- sen unter Missachtung von Verfahrensrechten, der iranischen Verfassung und internationaler Verträge gegen Journalisten und Politaktivisten en t- scheide. Aus diesem Grund dürfte das Urteil auch von anderen typischen iranischen Gerichtsurteilen abweichen. Die Beschwerdeführerin reichte fünf Zeitungsartikel, gefunden (sic!) am 11. bzw. 13. August 2014, zu den Akten, welche schwerwiegende Verfahrensverletzungen und unverhäl t- nismässig hohe Strafrahmen zum Nachteil von Beschuldigten im Rahmen D-452/2014 Seite 5 von Strafprozessen – teilweise unter Mitwirkung von Richter C._______ – dokumentieren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständ ig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berü hrt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorl iegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). D-452/2014 Seite 6 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen a usgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 4.2.1 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwe i- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlic h- keit für gegeben häl t. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.2.2 Die Realkennzeichen sollen es den entscheidenden Behörden e r- lauben, die Aussagen der asylsuchenden Person möglichst objektiv und rechtsgleich zu beurteilen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit ist al- lerdings ein objektivierter, nicht ein objektiver Massstab anzuwenden: In die Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Vorbringen müssen auch relevan- te individuelle Aspekte der asylsuchenden Person einbezogen werden (Urteil des BVGer E –1917/2014 vom 21. Mai 2014 E 7.1.2 mit Verweis auf EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 ). Entsprechend sind bei der Anwendung des Beweismasses gewisse persönliche Umstände der asylsuchenden Person zu berücksichtigen. Hat diese zum Beispiel überdurchschnittliche Schwierigkeiten, sich klar und strukturiert auszudrücken, und liegen dafür objektive Gründe vor, muss das BFM dies im Rahmen der Beweiswürd i- gung und der Prüfung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen berücksicht i- gen. Solche objektiven Gründe können zum Beispiel in einem tiefen Bi l- dungsniveau, geringen intellektuellen Fähigkeiten, dem Alter oder psychi- schen Problemen liegen. Dies folgt im Übrigen auch aus dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung, der für das gesamte Verwaltungs - und Be- schwerdeverfahren gilt und die Bundesbehörden und -gerichte verpflich- tet, die Beweise frei, umfassend und pf lichtgemäss zu würdigen (Art. 19 D-452/2014 Seite 7 VwVG in Verbindung mit Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP , SR 273] 5. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM das Asylgesuch der Beschwerd e- führerin zu Recht abgelehnt hat. 5.1 Das BFM erachtet die Vorbringen der Beschwerdeführerin im Hinblick auf ihre Ausreise aus dem Iran, die Demonstration und die Haft des V a- ters für unglaubhaft, was es auf die teilweise widersprüchlichen, teilweise zu wenig konkreten Aussagen der Beschwerdeführerin z urückführt. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, wird auf die entsprechenden Erwägungen und die vorinstanzlichen Akten verwiesen. 5.2 Die Beschwerdeführerin lässt in der Beschwerde was folgt ausführen: 5.2.1 Ihr Vater sei Mudjaheddin, weshalb er am (…) während r und drei Jahren inhaftiert gewesen sei. Von seiner Zugehörigkeit zur fraglichen Gruppierung habe sie jedoch erst kurz vor ihrer Flucht in den Iran bzw. der Scheidung der Eltern erfahren, da die Mutter nicht gewollt habe, dass die Kinder unter der politisch en Vergangenheit des Vaters zu leiden hä t- ten. Nach der Scheidung habe sie von den politischen Aktivitäten des Va- ters erfahren, und eines Tages habe er sie aufgefordert, ihn an eine D e- monstration zu begleiten, was sie verweigert habe. Als er sie einige M o- nate später erneut aufgefordert habe, mit ihm demonstrieren zu gehen, habe sie sich ihm nicht widersetzen können, also habe sie ihn zusammen mit ihrem Bruder begleitet. Die Demonstration habe am (…) zwischen der D._______ und der E._______ in Teheran stattgefunden. Die Beschwe r- deführerin sei mit den Frauen mitgelaufen und habe Flugblätter verteilt, auf denen unter anderem "Aufstehen um die Regierung zu stürzen" g e- standen hätte. Der Vater und der Bruder seien mit den Männern mitgelau- fen, als plötzlich fünf bis sechs Leute in Zivilkleidung auf sie losgegangen seien und sie verhaftet hätten. Die Beschwerdeführerin habe es von we i- tem sehen können und habe aufgrund der Distanz zu den Männern fli e- hen können. Aus Angst vor "Leuten der iranischen Regierung " sei sie di- rekt zu einer Freundin gegangen, bei welcher sie übernachtet h abe. Am nächsten Tag sei sie zu ihrer Mutter nach F._______ gereist, die sich we- gen eines anderen Vorfalls habe verstecken müssen. Etwa drei Monate nach ihrer Flucht habe sie erfahren, dass die "iranische Regierung" die Grossmutter väterlicherseits aufgesucht habe, um sich nach dem Verbleib der Beschwerdeführerin zu erkundigen und ihr einen auf sie lautenden D-452/2014 Seite 8 Haftbefehl zu übergeben, der bis zum heutigen Tag nicht habe aufgefu n- den werden können, da die Grossmutter altersbedingt vergesslich sei und sich vor der iranischen Regierung fürchte. Der Stiefvater der Beschwe r- deführerin habe durch einen Kollegen nach dem Haftbefehl und dem G e- richtsurteil gegen den Vater suchen lassen und unter einem Teppich sei dann das Urteil zum Vorschein gekommen, in welchem auch der Name der Beschwerdeführerin erwähnt werde und welches "definitiv" sei. 5.2.2 Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz seien die Asylvorbrin- gen der Beschwerdeführerin glaubhaft und es sei nachvollzie hbar, dass sie die Anzahl der Teilnehmer nicht habe bestimmen können, da diese nicht überschaubar gewesen sei . Ferner lässt sie geltend machen, im Iran sei es üblich, dass Familienangehörige von Inhaftieren über einen langen Zeitraum hinweg in Unkenntnis ü ber deren Aufenthaltsort blieben. Im Übrigen sei es auch nicht unglaubhaft, dass die Tochter nichts Konkre- tes über die politischen Aktivitäten ihres Vaters gewusst habe, da sie diesbezüglich während langer Zeit von der Mutter abgeschottet worden sei und erst relativ spät von seinem Engagement erfahren habe. 5.3 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz kommt das Bundesverwa l- tungsgericht zum Schluss, dass die Asylvorbringen der Beschwerdeführe- rin unglaubhaft sind. Die Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen ergibt sich auch aufgrund der nachfolgenden Erwägungen: 5.3.1 Aus der Botschaftsantwort geht hervor, dass die Beschwerdeführ e- rin ein gefälschtes Urteil zu den Akten hat reichen lassen. Die Ausführu n- gen, wonach das Urteil von einem umstrittenen Richter erlassen worden sei und sich wohl deshalb von den im Iran üblichen Urteilen unterscheide, wirken sich ebenfalls nicht zugunsten der Beschwerdeführerin aus. Selbst ein inhaltlich fragwürdiges Urteil dürfte gewissen formellen Mindestanfo r- derungen und vor allem terminologischen Gepflogenheiten entsprechen, was beim vorliegenden Urteil nicht zutrifft. 5.3.2 Im Zusammenhang mit der Demonstration behauptet die B e- schwerdeführerin, sie habe von weitem sehen können , wie Leute in Zivil- kleidung auf Vater und Bruder losgegangen seien und sie verhaftet hä t- ten, weshalb sie die Flucht ergriffen habe (Beschwerde, S. 3). Anlässlich der Anhörung führte sie jedoch aus, sie habe nicht weit entfernt gesta n- den und beobachten können, wie der Vater und d er Bruder mit Gummi- schlagstöcken und Fusstritten verprügelt worden seien (A12, S. 5). Die Ausführungen, welche anlässlich der Anhörung gemacht wurden, sind D-452/2014 Seite 9 aufgrund der Tatsache, dass angeblich nach Geschlechtern getrennt d e- monstriert wurde, unglaubhaft. Um zu sehen, womit auf Vater und Bruder eingeprügelt worden sein soll , hätte die Beschwerdeführerin sehr nahe am Geschehen positioniert sein müssen , was unter den gegebenen U m- ständen kaum möglich gewesen sein dürfte. Die Eingabe in der B e- schwerde ist insofern unglaubhaft, als dass es bei einer Grossdemonstra- tion aufgrund der gedrängten Menschenmassen und damit zusamme n- hängenden schlechten Sichtverhältnissen praktisch ausgeschlossen ist, zu beobachten, was sich nicht in unmittelbarer Nähe zuträgt. Und schlies- slich spre chen auch die sich bezüglich der Distanz widersprechenden Versionen der Beschwerdeführerin gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbrin- gen. 5.3.3 Ebenfalls unglaubhaft ist, dass sich die Beschwerdeführerin aus Angst, abgehört zu werden, nicht telefonisch nach dem Verbleib ihres Va- ters und Bruder s erkundigen wollte, dass sie jedoch mit ihrer Cousine Email-Kontakt zu eben diesem Thema gepflegt haben soll und so in E r- fahrung gebracht haben will, dass sich die fraglichen Personen noch im Gefängnis befinden (A12, S. 3). Es entspricht der allgemeinen Logik, dass derjenige, der aus Angst vor Überwachungen Telefongespräche u n- terlässt, auch von der Kommunikation via Email absieht, da Emails nicht weniger überwachungsgefährdet sind als Telefonate. 5.3.4 Nicht nachvollziehbar ist auch die Tatsache, dass sich die B e- schwerdeführerin der ersten Aufforderung des Vaters, ihn bei der D e- monstration zu begleiten, offenbar konsequenzenlos widersetzen konnte (Beschwerde, S. 3) , anlässlich der Anhörung jedoch ausführte, sie habe den Vater an die Demonstration begleitet, weil er sie darum gebeten habe und sie ihm nicht habe nein sagen d ürfen (A12, S. 5). Dies ist umso er- staunlicher, als dass die Mutter der Beschwerdeführerin angeblich über genug Autorität und Durchsetzungskraft verfügte, um ihre Kinder der pol i- tischen Beeinflussung des Vaters zu entziehen und die Beschwerdeführe- rin in der Person der Mutter vermutlich auch weiterhin Unterstützung in dieser Sache erfahren hätte. Dass der Vater seine Kinder gegen ihren Willen in seine politischen Aktivitäten einbeziehen wollte, nachdem er sich jahrelang dem Willen der Mutter gebeugt hat te, ist ebenfalls unlogisch und somit unglaubhaft. 5.3.5 Aus den dargelegten Gründen hat die Vorinstanz zu Recht die U n- glaubhaftigkeit der Asylvorbringen konstatiert. D-452/2014 Seite 10 5.4 Angesichts der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen erübrigt sich die Prüfung deren Asylrelevanz. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis mö glich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV , Art. 3 des Überei nkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu D-452/2014 Seite 11 Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerde - führerin in de n Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Iran mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausg e- setzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Me n- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk ») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegwe isungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwe i- sung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti m- mungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.5 Der Vollzug der Wegweisung in den Iran ist aufgrund der aktuellen Si- tuation generell zumutbar. Zudem hat die Vorinstanz zu Recht festgeha l- ten, dass die Beschwerdeführerin über e ine überdurchschnittliche Ausbil- dung (A1, S. 3 f.) und ein breites familiäres und soziales Beziehungsnetz verfügt (A1, S. 3 ff., A12, S. 3), welches ihr bei der Rückkehr in den Iran D-452/2014 Seite 12 behilflich sein kann. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu besch affen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und mög lich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer - deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1126.–, bestehend aus den hälftigen Kosten der Botschaftsabklärung und den üblichen Verfahrenskosten von Fr. 600.–, festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundes verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der geleistete Kostenvorschuss wird zur Begleichung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) D-452/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1126.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt und der in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Martina Kunert Versand: