Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. September 2016 (720 16 151) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Der Beweiswert eines externen Verwaltungsgutachtens im Zusammenhang mit den Aus- wirkungen einer an einer Borderline-Störung erkrankten Versicherten erweist sich in An- betracht der mangelhaften Auseinandersetzung mit der beruflichen und sozialen Anam- nese als ungenügend. Rückweisung zur ergänzenden Abklärung des medizinischen Sachverhalts an die Vorinstanz. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Philippe Häner , Adv o- kat, Advokatur & Rechtsberatung TRIAS AG, Salinenstrasse 25, Postfach, 4133 Pratteln 1 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ stellte erstmals am 16. Februar 2007 unte r Hinweis auf psychische Probleme ein Leistungsgesuch bei der Eidgenössischen Invalidenve rsicherung (IV). Mit Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. Dezember 2009 wies die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) das Leistungsgesuch auf- grund eines nach der gemischten Methode ermittelten I V-Grads von 32% ab. Am 25. August 2014 stellte die Versicherte unter Hinweis auf ihre psych ischen Probleme ein weiteres Leis- tungsgesuch. Nach Abklärung der gesundheitlichen, erwerb lichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse verfügte die IV-Stelle am 18. April 201 6 aufgrund eines nach der allgemeinen Me- thode ermittelten IV-Grads von 50% die Zusprache einer halben IV-Rente mit Wirkung ab 1. März 2015. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokat Philippe Häner, am 10. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, dass ihr in Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung rückwirkend per 1. März 2015 die gesetzlichen Leistungen auf der Basis eines IV-Grads von 70% zuzusprechen seien. Eventualiter sei hinsichtlich des Umfangs der psychiatrisch be- dingten Einschränkung ihrer Arbeitsfähigkeit ein Oberg utachten anzuordnen und der Umfang der psychiatrisch bedingten Einschränkung der Arbeitsfähi gkeit von Amtes wegen abzuklären. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht , dass die Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit durch die B.____ von derjenigen des Gutachters Dr. C.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, abweiche. Ausserdem stehe die aktuelle Be urteilung von Dr. C.____ im Wider- spruch zu dessen eigenen, früheren Einschätzung vom 12. März 2009. Aufgrund der Rücken- beschwerden sei zudem eine somatische Begutachtung ange zeigt. Mit Eingabe vom 10. Mai 2016 (recte: 12. Mai 2016) liess die Beschwerdeführerin einen aktuellen Arztbericht von Dr. med. D.____, med. pract., vom 10. Mai 2016 nachreichen. C. Nachdem der Beschwerdeführerin mit verfahrensleitende r Verfügung vom 13. Mai 2016 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt worden war, reichte sie am 20. Juni 2016 diverse wei- tere ärztliche Unterlagen im Zusammenhang mit einem am 19. Mai 2016 erlittenen Verkehrsun- fall ein. D. Die IV-Stelle schloss unter Hinweis auf eine Stellung nahme ihres regional-ärztlichen Dienstes (RAD) mit Vernehmlassung vom 21. Juli 2016 auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Eingaben vom 9. September 2016 und vom 12. Sep tember 2016 liess die Be- schwerdeführerin diverse weitere ärztliche Unterlagen einreichen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung d es Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti- gen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Zu prüfen ist, in welcher Höhe die Beschwerdeführ erin Anspruch auf eine IV-Rente besitzt. Strittig in diesem Zusammenhang ist insbesonder e, in welchem Ausmass sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] bleib t folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spreche n (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weite- ren Hinweisen). 3.4 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozialversiche- rungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge setz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforde rungen nicht. Das Gericht hat viel- mehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 121 V 47 E. 2a; ZAK 1986 S. 189 f. E. 2c). Ein An- spruch auf Leistungen besteht nur, wenn die Voraussetz ungen dafür mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit erfüllt sind (ZAK 1983 S. 259). 3.5 Nach ständiger Rechtsprechung hat das Sozialversicherung sgericht die Gesetz- mässigkeit angefochtener Verwaltungsverfügungen in der R egel nach dem Sachverhalt zu be- urteilen, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vorg elegen hat (BGE 130 V 140 E. 2.1, 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Daraus folgt, dass für die Beurteilung der künftig massgeben- den Verhältnisse grundsätzlich jener medizinische Sachverh alt massgebend ist, wie er im Zeit- punkt des Erlasses der angefochtenen Rentenverfügung der IV-Stelle vom 18. April 2016 vor- gelegen hat. Es ist deshalb bereits an dieser Stelle d arauf hinzuweisen, dass allenfalls gesund- heitliche Beeinträchtigungen, welche auf den am 19. Mai 2016 erlittenen Verkehrsunfall zurück- zuführen sind, im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfah rens unberücksichtigt bleiben müssen. Auf die in diesem Zusammenhang von der Beschwerd eführerin am 20. Juni 2016, 9. September 2016 und am 12. September 2016 eingereich ten medizinischen Unterlagen, welche die seit dem Auffahrunfall im Mai 2016 neu aufgetret enen Beschwerden insbesondere an der Halswirbel- und Brustwirbelsäule sowie an den Schultern und am ISG betreffen, ist daher nicht weiter einzugehen. 4.1 Im Zentrum der medizinischen Aktenlage steht das Ver waltungsgutachten vom 5. Juni 2015, welches die IV-Stelle zur Abklärung des Gesundheit szustandes und zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Dr. C.____ in Auftrag gegeben hat. Daraus geht hervor, dass die Versicher- te bereits 2008 und 2009 durch Dr. C.____ begutachtet worden sei. Damals seien eine rezidi- vierende Störung und eine Panikstörung diagnostiziert sowie eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50% attestiert worden. In den letzten Jahren sei di e Explorandin nur gelegentlich einer be- ruflichen Tätigkeit nachgegangen. Aufgrund häufiger Absenzen habe sie wiederholt Arbeitsstel- len verloren und befinde sich seit Juni 2013 in ambula nter psychotherapeutischer Behandlung in der Psychiatrie Baselland. Dort sei der Verdacht au f eine emotional-instabile Persönlichkeits- störung sowie eine rezidivierende depressive Störung diag nostiziert worden. Eine medikamen- töse Behandlung werde nicht durchgeführt. Den anamnes tischen Angaben zufolge gehe es ihr seit Herbst 2014 schlechter. Seit rund einem Jahr leide sie auch unter Schmerzen im unteren Teil des Rückens. Sie nehme regelmässig Schmerzmittel e in. Sie leide seit 20 Jahren unter Panikattacken, welche sich in Herzrasen, Atemnot, und einer Angst, tot umzufallen, äusserten. Sie habe während Jahren stets im Gastgewerbe gearbeitet. Die letzte Stelle im Restaurant ihrer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mutter habe sie 2010 aufgegeben. Zuletzt habe sie von A pril bis September 2014 in einem 40%-Pensum bei einer Tankstelle gearbeitet. Auch dort h abe sie zahlreiche Absenzen ver- zeichnet, da sie keinen Antrieb und keine Energie habe aufbringen können, ihre Wohnung zu verlassen. Dem psychiatrischen Befund zufolge sei die Stimmung der Explorandin anlässlich der Untersu- chung ausgeglichen und die Psychomotorik lebhaft gewesen. Antriebsstörungen hätten sich keine finden lassen. Die Explorandin habe von Ängsten un d Panikattacken berichtet. Sie habe einen wachen Eindruck hinterlassen, sei bewusstseinsklar gew esen und habe sich differenziert ausgedrückt. Während der Untersuchung habe sie keine Zei chen von Konzentrationsschwäche gezeigt. Sie habe einen klaren und guten Bezug zur Re alität und zu ihrer Person, habe sich gegenüber der Umgebung klar abgrenzen können. Sie habe keine Zwangsgedanken geäussert, habe nicht über Ängste berichtet und keine Phobien erw ähnt. Es hätten sich aus ihren Schilde- rungen keine Hinweise auf Veränderungen der Stimmung und des Antriebes während des Ta- gesverlaufs ergeben. Zu diagnostizieren seien eine Pani kstörung, eine gegenwärtig remittierte rezidivierende depressive Störung sowie differentialdiagn ostisch eine emotional instabile Per- sönlichkeitsstörung. Der gutachterlichen Gesamtbeurteilung von Dr. C.____ ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht von Bed eutung sei, ob die depressiven Verstim- mungen und die Angstattacken im Rahmen einer Borderli ne-Störung oder im Rahmen einer depressiven Störung und Angststörung gesehen würden. Die depressive Störung sei eher ge- ringgradig ausgeprägt. Die Explorandin klage über Sch lafstörungen, die aber auch damit zu- sammen hängen würden, dass sie den Alltag eher passiv verb ringe. Sie sei in der Lage, Auto zu fahren. Das Ausmass der Panikstörung sei naturgemäss schw ierig zu beurteilen. Die Explo- randin sei aber in der Lage gewesen, 2014 an einer T ankstelle zu arbeiten. Dabei sei sie natur- gemäss mit zahlreichen Kunden belastet gewesen. Sie hab e diese Stelle während einigen Mo- naten ausüben können. Dies lasse darauf schliessen, dass di e Panikattacken nicht besonders ausgeprägt seien und dass sie mehrheitlich in der Lage se i, einer regelmässigen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. In den bisherigen Tätigkeiten im Gastgewerbe, in anderen Hilfstätigkei- ten sowie in jeder sonstigen beruflichen Tätigkeit be stehe aus psychiatrischer Sicht eine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit von 50%. Die Explorandin schätze sich als nicht mehr als ar- beitsfähig ein. Diese Einschätzung lasse sich durch die psy chiatrischen Befunde nicht hinrei- chend objektivieren. Trotz ihrer Panikattacken sei sie in d er Lage, sich ausser Haus zu bewe- gen, sich um ihre Kinder zu kümmern. Sie sei im Jahre 20 14 in der Lage gewesen, während Monaten an einer Tankstelle Teilzeit zu arbeiten, was m it einer schweren Panikstörung oder einer ausgeprägten Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht vereinbar wäre. Auch leide sie nicht unter einer schweren Störung der Emotions- und Impulsko ntrolle. Es könne von ihr verlangt werden, dass sie ihre Emotionen und Impulse soweit kontr olliere, dass eine geregelte Arbeits- leistung im Umfang von 50% möglich sei. 4.2 Bei den medizinischen Akten des vorliegenden Falls sind sodann die folgenden Berich- te von Relevanz zu berücksichtigen: Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.1 Gemäss Arztbericht von Dr. med. E.____, FMH Rhe umatologie, Physikalische Medizin und Innere Medizin, vom 22. Juni 2014 seien bei der Ve rsicherten eine chronische Lumbalgie unter anderem mit einer breitbasigen Diskushernie L5/S1 sowie mit leichtgradigen Spondylarth- rosen sowie ein subacromiales Impingement der rechten Schu lter zu diagnostizieren. Klinisch, labortechnisch und radiologisch gebe es keine Anhaltspu nkte für ein primär-entzündliches Krankheitsbild. Die Beschwerden seien am ehesten mechanisch-degenerativer Natur. 4.2.2 Gemäss Bericht der B.____ vom 12. Dezember 2014 h abe sich der bereits früher di- agnostizierte Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung im Verlauf der aktuel- len Behandlung erhärtet. Die Versicherte habe die Ten denz, unerwartet und ohne Berücksichti- gung von Konsequenzen zu handeln und sich in Streiterei en und Konflikte mit anderen zu ver- wickeln. Sie neige zu Wutausbrüchen und habe Schwierig keiten in der Beibehaltung von Hand- lungen, die nicht unmittelbar belohnt würden. Zudem bestehe bei ihr eine launische und unbe- ständige Stimmung. Sie weise Störungen und eine Unsich erheit bezüglich ihres Selbstbildes und ihrer Ziele auf und neige dazu, sich auf intensive, aber instabile Beziehungen einzulassen, was emotionale Krisen zur Folge habe. Sie beschreibe a nhaltende Gefühle von Leere. Die be- schriebenen depressiven Episoden, die Überforderungsgefüh le und die damit zusammenhän- genden Panikattacken seien als Folge der zu diagnostizie renden Borderline-Störung einzuord- nen. Seit Behandlungsbeginn Ende Juni 2013 habe sie d rei verschiedene Arbeitsstellen inne gehabt, welche sie jeweils aufgrund von Überforderungsge fühlen habe aufgeben müssen. Dies habe damit zu tun, dass ihre Fähigkeit, sich an Regeln zu halten und Termine verabredungs- gemäss einzuhalten, aufgrund ihrer Überforderungsgef ühle und Panikattacken eingeschränkt sei. Deutlich eingeschränkt sei auch die Fähigkeit, den Tag und die anstehenden Arbeitsaufläu- fe sinnvoll zu strukturieren. Die Versicherte habe grosse S chwierigkeiten, sich im Verhalten, Denken und im Erleben wechselnden Situationen anzupass en. Weiter sei die Fähigkeit, hinrei- chend ausdauernd und während der üblicherweise erwarteten Zeit einer Tätigkeit nachzugehen und ein durchgehendes Leistungsniveau aufrechtzuerhalte n, stark eingeschränkt. Das sich im- mer wiederholende Muster, eine Arbeitsstelle längerfri stig nicht halten zu können, sei durch die emotional instabile Persönlichkeitsstörung bedingt. Sei t dem 10. Oktober 2014 sei die Versi- cherte bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig. Seit dem 20. November 2014 befinde sie sich zwecks Krisenintervention und Stabilisierung in tagesklinisch er Behandlung, wodurch der Ten- denz des Rückzugs entgegen gewirkt und eine noch grössere K rise habe verhindert werden können. Aufgrund der Verschlechterung der bereits früh er festgehaltenen Symptome und der damit zusammenhängenden schwerwiegenden Auswirkungen au f die Arbeitsfähigkeit der Ver- sicherten werde eine erneute Prüfung des früher abgelehnten Leistungsgesuchs beantragt. 4.2.3 Gemäss Arztbericht des Spitals F.____ vom 12. Febru ar 2015 seien unter anderem ein Lumbovertebralsyndrom bei lumbaler Hyperlordose und aktivierter Osteochondrose zu diagnos- tizieren. Bereits vorgängige radiologische Abklärungen hä tten eine ausgeprägte und fortge- schrittene Osteochondrose, eine Diskushernie L5/S1 sowie eine mässige Spondylarthrose L1- L3 beidseits gezeigt. Komplizierend für die Schmerzsympto matik sei eine bekannte Borderline- Störung gewesen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.4 Gemäss Arztbericht des Spitals F.____ vom 4. Juni 201 5 sei die Versicherte zur Schmerztherapie zugewiesen worden. Am 19. Mai 2015 sei eine intraartikuläre Facettenblocka- de L5/S1 allerdings ohne schmerzreduzierenden Effekt durch geführt worden. Weitere Mass- nahmen seien ausstehend. Zu Prognose und zur Arbeitsf ähigkeit könne aufgrund des bisheri- gen Kenntnisstands keine Stellung bezogen werden. 4.2.5 Dem Arztbericht von Dr. D.____ vom 17. Juli 2015 ist zu entnehmen, dass die Versi- cherte in psychiatrischer Hinsicht an rezidivierenden depre ssiven Episoden, an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline, ei ner Panikstörung und einer Somatisie- rungsstörung leide. Die Versicherte befinde sich seit 1986 in psychiatrischer Therapie. Es seien seither wenig gut funktionierende Zeiten zu verzeichne n. Immer wieder seien Dekompensatio- nen, Panikattacken und ein Rückzug aus der Arbeitswelt und aus dem Sozialleben zu verzeich- nen gewesen. Nach mittlerweile 29 Jahren bestehender Problematik unter permanenter Thera- pie persistiere die Situation. Von April 2014 bis Juni 2014 sei sie zuletzt als Betriebsmitarbeite- rin an einer Tankstelle und zuvor im Sommer für wenig e Wochen am Empfang in einer Versi- cherung tätig gewesen. Die bisherige Tätigkeit an der Tankstelle sei medizinisch nicht mehr zumutbar. Wenn die Patientin es schaffe zur Arbeit zu ko mmen, wäre eine behinderungsange- passte, sehr leichte Tätigkeit im Umfang von drei Stunde n täglich möglich. Mit einer Wiederauf- nahme der beruflichen Tätigkeit bzw. einer Erhöhung d er Einsatzfähigkeit sei wenn überhaupt eher nur kurzfristig zu rechnen. Das Konzentrationsverm ögen und das Auffassungsvermögen seien infolge eines Gedankenkreisens auch psychisch eingesch ränkt. Die Patientin sei schnell überfordert, sie benötige einen geschützten und bekann ten Rahmen. Sie sei nicht belastbar. Die Fahrtauglichkeit sei gegeben. 4.2.6 Gemäss Beurteilung von Dr. med. G.____, FMH Psychi atrie und Psychotherapie, regi- onalärztlicher Dienst beider Basel, vom 19. August 2015 beruhe das Gutachten von Dr. C.____ von Juni 2015 auf einem umfassenden Aktenstudium und ein er eigenen fachärztlichen Unter- suchung. Die Diagnosen und die Arbeitsfähigkeit seien p lausibel begründet worden. Der Gut- achter habe ausführlich zu den Einschätzungen anderer Ärzte Stellung bezogen. Es seien keine Diagnosen erkennbar, welche nicht bereits im Gutachten von Dr. C.____ vom Juni 2015 res- pektive aus den bisherigen Akten bekannt gewesen seien. E ine markante Änderung des Ge- sundheitszustands seit 2009 sei nicht erkennbar. Die Arbeitsfähigkeit sei als unverändert einzu- stufen. In somatischer Hinsicht könne auf die vorhandene n Akten abgestützt werden, wonach schwere rückenbelastende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien. Solchen Belastungen sei die Versicherte jedoch weder als Hausfrau noch als Serviceaushilfe ausgesetzt gewesen. 4.2.7 Gemäss Kurzbericht von Dr. D.____ vom 8. Januar 2016 hätten sich die limitierenden Rückenschmerzen in den letzten Wochen medikamentös recht g ut kontrollieren lassen. Die Patientin werde durch die Rückenbeschwerden weiterhin eingeschränkt bleiben, habe aber deutlich an Lebensqualität gewonnen. Anders verhalte es sich in Bezug auf die psychische Si- tuation. In den letzten Monaten habe die Versicherte p ermanent unter diversen Beschwerden gelitten und notfallmässig Hilfe gesucht. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.8 Dem Arztbericht von Dr. med. H.____, Allgemeinme dizin und Psychosomatik, vom 15. Januar 2016 ist zu entnehmen, dass die Krise der Pati entin im Oktober 2014 durch die Trennung von ihrem Partner ausgelöst worden sei. Gemä ss Dr. C.____ sei auch die Krise im Jahre 2008 vor dem Hintergrund von Auseinandersetzunge n mit der Mutter zu sehen. Es sei davon auszugehen, dass in der Zeit von 2008 und 2014 noch andere Krisen stattgefunden ha- ben. Bereits die beiden Krisen in den Jahren 2008 un d 2014 würden zeigen, dass der Verlauf vorwiegend durch zwischenmenschliche Situationen gekennzeic hnet sei. Dies sei sehr typisch für Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Es müssen auch in Zukunft mit weiteren Krisen ge- rechnet werden. 4.2.9 Dem Kurzbericht von Dr. D.____ vom 9. Septemb er 2016 zufolge habe sich die psy- chische Situation der Versicherten verschlechtert, seit sie die psychiatrische Tagesklinik wieder verlassen habe. Die Patientin habe den psychischen Halt u nd ihre Struktur verloren, wodurch sie angstgetrieben wiederum vermehrt notfallmässig med izinische Hilfe suche. Parallel komme es immer häufiger zu Panikattacken. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 18. April 2016 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfäh igkeit der Versicherten auf die Er- gebnisse, zu denen Dr. C.____ im Rahmen seines Verwaltu ngsgutachtens vom 5. Juni 2015 gelangt war. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführerin in psychiatrischer Hinsicht die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit im Um fang von 50% zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange keine konkreten Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen. Solche Zweifel liegen hier nun allerdings vor, denn das Gutachten erweist sich in diversen Punkten als widersprüchlich und unklar. 5.2 Als nicht nachvollziehbar erweist sich zunächst die gutach terliche Befunderhebung. Die Aussage des Gutachters, dass sich aus den Schilderungen der Versicherten keine Hinweise auf Veränderungen ihres Antriebes ergeben, widerspricht der eigenen Feststellung, dass die Explo- randin über Antriebslosigkeit geklagt habe (Gutachten v on Dr. C.____ vom 5. Juni 2015, S. 11, Ziffer 7) und ihr Antrieb vermindert sei (a.a.O., S . 13, Ziffer 8.1). Tatsächlich ist den anamnesti- schen Angaben zu entnehmen, dass es der Versicherten manch mal schwer falle, sich für den Haushalt zu motivieren. Ein unauflösbarer Widerspruch resultiert auch aus den gutachterlichen Erwägungen, dass sich keine Hinweise auf eine Veränderu ng der Stimmung ergeben haben (a.a.O., S. 10, Ziffer 4), obschon auch hier den anam nestischen Erhebungen zu entnehmen ist, dass die Stimmung der Versicherten schwanke, die Explora ndin reizbar und sehr eifersüchtig sei (a.a.O., S. 9, Ziffer 3.9). Die gutachterlichen S chlussfolgerungen können daher schon des- halb nicht überzeugen, weil sie den anamnestischen Ang aben widersprechen. Ein weiterer Wi- derspruch findet sich schliesslich in den Aussagen des Gutachte rs in Bezug auf die von der Versicherten geklagten Ängste. So ist dem psychiatrischen Be fund einerseits zu entnehmen, dass die Versicherte von Ängsten berichte; andererseits soll sie nicht über Ängste berichtet ha- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben (a.a.O., S. 10). Ob diese Widersprüche auf eine u nsorgfältige Exploration oder eine unzu- längliche Ausarbeitung des Gutachtens zurückzuführen sind, kann an dieser Stelle dahingestellt bleiben. Die vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sachverhalts vermag unter diesen Umständen jedenfalls nicht zu überzeugen. 5.3 Bei der Beurteilung der psychiatrischen Verhältnisse steht die Frage im Vordergrund, ob und in welchem Umfang die Versicherte aufgrund einer e motional-instabilen Persönlichkeitsstö- rung vom Typ Borderline in ihrer Arbeitsfähigkeit ei ngeschränkt ist. In diesem Zusammenhang misst Dr. C.____ der Frage, ob die geklagten Angstattac ken im Rahmen einer Borderline- Störung gesehen werden müssen, allerdings keine Bedeutung zu (a.a.O, S. 12). Diese Aussage ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Bei der Borderlin e-Störung handelt es sich grundsätzlich um ein schwerwiegendes psychiatrisches Krankheitsbild, das d urch Impulsivität und durch die In- stabilität von Emotionen und Stimmung, der Identität sowie zwischenmenschlichen Beziehun- gen charakterisiert ist. Sie wird oft von Depressionen un d Angststörungen begleitet und ist durch eine geringe Frustrationstoleranz gekennzeichnet (J. SCHÖPF , Psychiatrie für die Praxis, 2. Aufl. Berlin / Heidelberg 2003, S. 282). Angesicht s dieser Notorietäten ist aber von zentraler Bedeutung, in welchem Umfang die geklagten und in den übrigen Akten bereits früh dokumen- tierten Ängste der Versicherten als eine Folge der von der im Bericht der Psychiatrie Baselland vom 12. Dezember 2014 sorgfältig dargelegten Diagnose einer Borderline-Störung die Arbeits- fähigkeit der Versicherten einschränken. Von besonderer Re levanz ist in diesem Zusammen- hang, dass eine unvorhersehbare und launenhafte Stimm ung und die damit einhergehende Instabilität sozialer Verpflichtungen gerade auch in de r Arbeitswelt ins Gewicht fallen. Eine sol- che, der fraglichen Persönlichkeitsstörung inhärente In stabilität bedarf daher einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit der Berufs- und Sozialanamnese der Betroffenen. Diese ist im Gutach- ten von Dr. C.____ vorliegend aber unterblieben, obsc hon sich der Rückzug der Versicherten nicht nur aus der Arbeitswelt, sondern auch aus dem Sozia lleben wie ein roter Faden durch deren Krankengeschichte zieht (Arztbericht von Dr. D.____ vom 17. Juli 2015). Den Akten zu- folge war die Versicherte bereits im Sommer 2013 nur f ür wenige Wochen arbeitstätig (Arztbe- richt von Dr. D.____ vom 17. Juli 2015). Auch die dokume ntierten Krisen zuvor waren vorwie- gend durch zwischenmenschliche Konflikte gekennzeichnet, wie sie typischerweise bei Border- line-Störungen auftreten (Arztbericht von Dr. H.____ vo m 15. Januar 2016). Wenn Dr. C.____ davon ausgeht, dass die nur wenige Monate dauernde, letzte Tätigkeit an einer Tankstelle dafür spreche, dass die Versicherte mehrheitlich in der Lage sei , trotz der geklagten Panikattacken einer regelmässigen beruflichen Tätigkeit nachzugehen, greift seine Argumentation daher nicht nur zu kurz, sondern vermag in Gegenüberstellung mit d en sorgfältigen Feststellungen im Be- richt der B.____ vom 12. Dezember 2014 nicht zu überzeug en. Die simple Aussage des Gut- achters, dass sich die seit Jahren nur unregelmässige berufl iche Tätigkeit nicht durch eine psy- chiatrische Störung im engeren Sinne erklären lasse, stel lt unter den gegebenen Umständen jedenfalls keine genügende Auseinandersetzung mit den a nderslautenden Meinungen der be- handelnden Fachärzte dar. 5.4 Die Beschwerdeführerin bringt schliesslich vor, dass be i ihr multiple somatische Be- schwerden insbesondere in rheumatologischer Hinsicht vorlie gen würden. Die IV-Stelle hätte ihren Gesundheitszustand deshalb im Rahmen eines polydi sziplinären Gutachtens abklären Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht lassen müssen. Dieser Einwand erweist sich als berechtigt. Wie das Bundesgericht in BGE 139 V 349 ff. festgehalten hat, existieren zwar kein e festen Kriterien zur allgemeingültigen Abgrenzung der Anwendungsfelder der verschiedenen Kat egorien von Expertisen, da die gros- se Vielfalt von Begutachtungssituationen eine gewisse Flexibilität erfordere. Gleichzeitig hat das Bundesgericht aber betont, dass die umfassende administra tive Erstbegutachtung - und um eine solche handelt es sich hier mit Blick auf das erneu te Rentengesuch - regelmässig polydis- ziplinär zu erfolgen habe (S. 352 E. 3.2 des genannten Entscheids). Aus der Wendung “regel- mässig“ folgt zwar, dass nicht in jedem Fall, bei welchem die versicherte Person an gesundheit- lichen Beeinträchtigungen aus verschiedenen Fachrichtungen leidet, ein polydisziplinäres Gut- achten einzuholen ist. Die Beschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang aber zutref- fend geltend, dass eine polydisziplinäre Begutachtung i nsbesondere dann sinnvoll ist, wenn es darum geht, die Wechselwirkungen verschiedener gesundheit licher Beeinträchtigungen zu be- urteilen. Eine solche Gesamtbeurteilung setzt in der Regel eine fachübergreifende Meinungsbil- dung voraus. Auch im hier zu beurteilenden Fall liegt eine solche Konstellation vor. Die Be- schwerdeführerin leidet nebst nicht abschliessend geklärten psychischen Beschwerden auch an limitierenden Beschwerden des Bewegungsapparats. Sie b efindet sich deshalb bereits seit län- gerer Zeit in fachärztlicher Behandlung (Arztberichte Spital F.____ vom 12. Februar und 4. Juni 2015), und der RAD geht davon aus, dass schwere rückenbe lastende Tätigkeiten nicht mehr zumutbar sind (RAD-Bericht von Dr. G.____ vom 19. August 2015). Erschwerend tritt hinzu, dass es bei diesen Beeinträchtigungen im Verlaufe der B ehandlung nur teilweise zu Verbesse- rungen gekommen ist (Arztbericht Spital F.____ vom 4. Juni 2015) und dass aus fachärztlicher Sicht zur Arbeitsfähigkeit noch keine Stellung bezogen w erden konnte. Schliesslich ist zu be- rücksichtigen, dass auch Dr. C.____ in seinem Gutachten vom 5. Juni 2015 davon ausgeht, dass zur Arbeitsfähigkeit auch aus somatischer Sicht Stellung genommen werden muss (a.a.O., S. 13). Vor diesem Hintergrund erweist es sich als unzureichend, den medizinischen Sachverhalt in somatischer Hinsicht abschliessend gestützt auf die Aktenbe urteilung des RAD-Arztes vom 19. August 2015 festzustellen. Diesem fehlt es, wie die Versicherte in ihrer Beschwerde zu Recht beanstanden lässt, letztlich an der hierfür erford erlichen Gesamtsicht. Zur Abklärung des Gesundheitszustandes und insbesondere der Arbeitsfähigke it ist unter den geschilderten Um- ständen vielmehr eine polydisziplinäre Begutachtung der Beschwerdeführerin notwendig gewe- sen. 6. Mit BGE 137 V 210 ff. hat das Bundesgericht die bish erige ständige Rechtsprechung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die freie Wahl hatte, bei festgestellter Abklärungsbe- dürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuw eisen oder aber selber zur Herstel- lung der Spruchreife zu schreiten, geändert. Es hat e rkannt, dass die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einzuholen hat und eine Rückweisung an die IV-Stelle nur noch in Ausnahmefällen erfolgen soll. Da es Aufgabe der V erwaltung und nicht der Beschwer- deinstanz ist, für eine erstmalige vollständige Erhebun g des massgebenden Sachverhaltes be- sorgt zu sein, liegt ein solcher Ausnahmefall etwa vor , wenn ein relevanter Aspekt des medizi- nischen Sachverhaltes durch die Verwaltung nicht rechtsg enügend abgeklärt worden ist. Glei- ches gilt, wenn sich die Verwaltung auf ein Gutachten stützt, welches die medizinische Situation Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der versicherten Person nur unzureichend wiedergibt. Bei de Punkte sind nach dem vorstehend Gesagten in casu gegeben. Somit aber ist eine Rückweisung an die IV-Stelle vorzunehmen. Die angefochtene Verfügung vom 18. April 2016 ist im Ergeb nis daher aufzuheben und die Angele- genheit ist zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zur ückzuweisen. Diese hat den Gesund- heitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Rahmen einer polydisziplinären Be- gutachtung neu abklären zu lassen, in deren Rahmen die Gutachterinnen und Gutachter insbe- sondere auch allfälligen Wechselwirkungen zwischen den ei nzelnen Leiden und deren Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit erhöhte Beachtung zu sc henken und über diesen Aspekt im Rahmen einer interdisziplinären Konsensbeurteilung zu befinden haben werden. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer zusätzlichen medizinischen Abklärungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Rentenanspruch der Versicherten neu zu befind en haben. Die vorliegende Beschwer- de ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verf ahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Honorarnote vom 9. September 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 12 ½ Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angeme ssen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.— zu e ntschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 162.—. Der Beschwerde- führerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der H öhe von Fr. 3‘549.95 (12 ½ Stunden à Fr. 250.- + Auslagen von Fr. 162.— zuzüglich 8 % Mehrw ertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 8.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil K. des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil K. des Bundesge- richts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 18. April 2016 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V-Stelle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘549.95 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht