<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">C 37/00 Md </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>IV. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Signorell </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 16. März 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">J.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt </div> <div class="para">I.________, </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Lagerhaus- </div> <div class="para">strasse 19, Winterthur, Beschwerdegegner, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Mit Verfügung vom 3. August 1999 stellte das Amt </div> <div class="para">für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich J.________ für </div> <div class="para">14 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Beschwerdeweise liess J.________ die Aufhebung der </div> <div class="para">Einstellungsverfügung beantragen. Sodann ersuchte er um Ge- </div> <div class="para">währung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes. </div> <div class="para"> Mit Zwischenverfügung vom 13. Januar 2000 wies das So- </div> <div class="para">zialversicherungsgericht des Kantons Zürich das Gesuch um </div> <div class="para">unentgeltliche Prozessführung mangels genügender Substanzi- </div> <div class="para">ierung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse ab </div> <div class="para">(Ziffer 1) und ordnete einen zweiten Schriftenwechsel </div> <div class="para">(Ziffer 2) an. </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde lässt J.________ </div> <div class="para">beantragen, Ziff. 1 der Zwischenverfügung sei dahingehend </div> <div class="para">abzuändern, dass ihm ein unentgeltlicher Rechtsbeistand für </div> <div class="para">das Verfahren vor dem Sozialversicherungsgericht des Kan- </div> <div class="para">tons Zürich beizugeben sei. Im Weiteren verlangt er auch </div> <div class="para">für das Verfahren vor dem Eidgenössischen Versicherungsge- </div> <div class="para">richt einen unentgeltlichen Rechtsbeistand. </div> <div class="para"> Das Sozialversicherungsgericht verzichtet auf eine </div> <div class="para">Stellungnahme. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Der kantonale Entscheid über die Verweigerung der </div> <div class="para">unentgeltlichen Rechtspflege gehört zu den Zwischenverfü- </div> <div class="para">gungen, die einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil be- </div> <div class="para">wirken können. Er kann daher selbstständig mit Verwaltungs- </div> <div class="para">gerichtsbeschwerde beim Eidgenössischen Versicherungsge- </div> <div class="para">richt angefochten werden (Art. 5 Abs. 2 in Verbindung mit </div> <div class="para"><span class="artref"><artref id="CH/172.021/45/1" type="start"></artref>Art. 45 Abs. 1 und 2 lit. h VwVG</span><artref id="CH/172.021/45/2/h" type="end"></artref> sowie <span class="artref"><artref id="CH/173.110/97/128" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/97/1" type="start"></artref>Art. 97 Abs. 1 und </span></div> <div class="para">128 OG<artref id="CH/173.110/97/128" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/128" type="end"></artref>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=02.03.2000&amp;to_date=21.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F100-V-61%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page62">BGE 100 V 62</a> Erw. 1, 98 V 115). </div> <div class="para"> Da es sich beim angefochtenen Entscheid nicht um die </div> <div class="para">Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen </div> <div class="para">handelt, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht nur zu </div> <div class="para">prüfen, ob der vorinstanzliche Richter Bundesrecht verletzt </div> <div class="para">hat, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- </div> <div class="para">messens, oder ob der rechtserhebliche Sachverhalt offen- </div> <div class="para">sichtlich unrichtig, unvollständig oder unter Verletzung </div> <div class="para">wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt worden ist </div> <div class="para">(Art. 132 in Verbindung mit Art. 104 lit. a und b sowie </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Nach der Rechtsprechung (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=02.03.2000&amp;to_date=21.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-V-228%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page229">BGE 114 V 229</a> Erw. 3b mit </div> <div class="para">Hinweisen) besteht in allen Zweigen der bundesrechtlichen </div> <div class="para">Sozialversicherung auch für das kantonale Beschwerdeverfah- </div> <div class="para">ren ein Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung. Er gilt </div> <div class="para">also selbst dort, wo weder die kantonale noch die bundes- </div> <div class="para">rechtliche (z.B. Arbeitslosenversicherung) Verfahrensord- </div> <div class="para">nung einen solchen vorsehen. Ob und unter welchen Voraus- </div> <div class="para">setzungen in einem kantonalen Beschwerdeverfahren im Ar- </div> <div class="para">beitslosenversicherungsbereich ein Anspruch besteht, beur- </div> <div class="para">teilt sich nach Bundesrecht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=02.03.2000&amp;to_date=21.03.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-360%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page362">BGE 110 V 362</a> Erw. 1b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- a) Die Vorinstanz lehnte das Gesuch für die Gewäh- </div> <div class="para">rung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes mangels hinrei- </div> <div class="para">chender Substanziierung ab. Der Beschwerdeführer habe zwar </div> <div class="para">innert - zweimal verlängerter - Frist das Formular "Gesuch </div> <div class="para">um unentgeltliche Rechtsvertretung" eingereicht. Doch habe </div> <div class="para">er es unterlassen, die verlangten Angaben der Gemeindebe- </div> <div class="para">hörde einzuholen, eine Abrechnung der Arbeitslosenkasse </div> <div class="para">oder der Fürsorgebehörde und den Mietvertrag einzureichen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Der Beschwerdeführer rügt aktenwidrige tatsächliche </div> <div class="para">Annahmen der Vorinstanz, es liege keine Abrechnung der Ar- </div> <div class="para">beitslosenkasse vor und es könnten die Einkommens- und Ver- </div> <div class="para">mögensverhältnisse einerseits und die monatlichen Ausgaben </div> <div class="para">andererseits nicht hineichend festgestellt werden. Bei den </div> <div class="para">Akten liege eine Abrechnung der Arbeitslosenkasse, aus wel- </div> <div class="para">cher sich ergebe, dass der Anspruch des Beschwerdeführers </div> <div class="para">auf Arbeitslosenentschädigung am 30. Juli 1999 geendet ha- </div> <div class="para">be. Das Beharren auf einem Stempel der Gemeinde sei ein </div> <div class="para">überspitzter Formalismus. Sodann sei aktenmässig belegt, </div> <div class="para">dass der Gesuchsteller von seiner schweizerischen Ehefrau </div> <div class="para">getrennt lebe und deshalb quellensteuerpflichtig sei. Unbe- </div> <div class="para">rücksichtigt gelassen habe die Vorinstanz zudem, dass dem </div> <div class="para">Beschwerdeführer im parallel verlaufenden Ehescheidungspro- </div> <div class="para">zess die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden </div> <div class="para">sei, obschon seine finanziellen Verhältnisse im damaligen </div> <div class="para">Zeitpunkt noch eher besser gewesen seien. Die Behauptung, </div> <div class="para">die Bedürftigkeit sei zu wenig belegt, widerspreche daher </div> <div class="para">der Aktenlage diametral. Sofern das kantonale Gericht er- </div> <div class="para">gänzende oder weitere Angaben als unerlässlich betrachte, </div> <div class="para">wäre sie verpflichtet gewesen, eine angemessene Nachfrist </div> <div class="para">anzusetzen. Sodann verletze die Vorinstanz die Beweisre- </div> <div class="para">geln, wenn sie verlange, dass der Beweis des Nichtvorlie- </div> <div class="para">gens eines Einkommens zu führen sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass vor- </div> <div class="para">liegend die prozessuale Bedürftigkeit nicht hinreichend be- </div> <div class="para">legt ist. Dass der Beschwerdeführer einkommenslos sei soll, </div> <div class="para">ergibt sich aus den Akten entgegen seiner Darstellung </div> <div class="para">nicht. Vielmehr bestehen Hinweise dafür, dass er Mittel aus </div> <div class="para">der kantonalen Arbeitslosenhilfe beziehen könnte (vgl. Mit- </div> <div class="para">teilungssatz der Meldung der Arbeitslosenkasse GBI vom </div> <div class="para">3. August 1999), worauf im angefochtenen Entscheid deutlich </div> <div class="para">hingewiesen wird ("eine Abrechnung der Arbeitslosenkasse </div> <div class="para">oder der Fürsorgebehörden"). Unbelegt ist auch die Behaup- </div> <div class="para">tung des Beschwerdeführers, er unterliege der Quellensteu- </div> <div class="para">erpflicht. Über beide Punkte könnte die Gemeindebehörde </div> <div class="para">Auskunft geben, weshalb schon aus diesen Überlegungen nicht </div> <div class="para">zu beanstanden ist, dass auf einer Bestätigung der Angaben </div> <div class="para">durch die Gemeinde beharrt wird. Ein überspitzter Formalis- </div> <div class="para">mus liegt darin nicht. Nicht belegt sind unbestrittenermas- </div> <div class="para">sen die Mietzinskosten, aber auch die behaupteten Auslagen </div> <div class="para">für Telefon und Fernsehen. </div> <div class="para"> Soweit die Vorinstanz die geltend gemachte prozessuale </div> <div class="para">Bedürftigkeit daher zwar zu Recht als nicht belegt behan- </div> <div class="para">delt, ohne indessen diesbezüglich zusätzliche Abklärungen </div> <div class="para">vorzunehmen, namentlich auch ohne den Beschwerdeführer zur </div> <div class="para">näheren Substanziierung aufzufordern, hat sie aber den </div> <div class="para">rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span>; nicht veröffentlichtes Urteil K. vom </div> <div class="para">14. April 1998 [U 6/98]), weshalb Ziff. 1 der Verfügung vom </div> <div class="para">13. Januar 2000 aufzuheben ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Gemäss Praxis (SVR 1994 IV Nr. 29 S. 76 Erw. 4) </div> <div class="para">werden in Verfahren, welche die Frage der Gewährung der un- </div> <div class="para">entgeltlichen Rechtspflege für das kantonale Gerichtsver- </div> <div class="para">fahren zum Gegenstand haben, keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para">Zufolge Obsiegens steht dem Beschwerdeführer eine Partei- </div> <div class="para">entschädigung zu (Art. 159 Abs. 1 in Verbindung mit <span class="artref">Art. </span></div> <div class="para">135 OG). Diese geht zu Lasten des Kantons Zürich, da der </div> <div class="para">Gegenpartei im Verfahren um die Bewilligung der unentgelt- </div> <div class="para">lichen Verbeiständung keine Parteistellung zukommt (RKUV </div> <div class="para">1994 Nr. U 184 S. 78 Erw. 5). Damit wird das Gesuch um un- </div> <div class="para">entgeltliche Verbeiständung im Verfahren vor dem Eidgenös- </div> <div class="para">sischen Versicherungsgericht gegenstandslos. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne </div> <div class="para"> gutgeheissen, dass Dispositiv-Ziff. 1 der angefochte- </div> <div class="para"> nen Verfügung vom 13. Januar 2000 aufgehoben und die </div> <div class="para"> Sache an das Sozialversicherungsgericht des Kantons </div> <div class="para"> Zürich zurückgewiesen wird, damit dieses, nach erfolg- </div> <div class="para"> ter Aktenergänzung im Sinne der Erwägungen, über den </div> <div class="para"> Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung neu ent- </div> <div class="para"> scheide. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Der Kanton Zürich hat dem Beschwerdeführer für das </div> <div class="para"> Verfahren vor dem Eidgenössischen Versicherungsgericht </div> <div class="para"> eine Parteientschädigung von Fr. 2500.- zu bezahlen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Amt für Wirt- </div> <div class="para"> schaft und Arbeit, Arbeitslosenversicherung, Zürich, </div> <div class="para"> dem Staatssekretariat für Wirtschaft und dem Kanton </div> <div class="para"> Zürich zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 16. März 2000 </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>