Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Mai 2020 (720 19 181 / 100) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Wartejahr Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Christl Schaefer- Lötscher, Advokatin, Baselstrasse 11, Postfach 722, 4125 Riehen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1977 geborene A.____ ist gelernte Zoofachhand el-Verkäuferin. Sie ist Mutter einer 2003 geborenen Tochter und arbeitete bis 2011 sporad isch in verschiedenen Branchen teilzeit. Am 24. November 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf Asthma, Arthrose, Schmerzen in den Handgelenken, im Rücken, in den Schultern und Kn ien sowie auf ein psychisches Leiden zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicher ung an. Nach Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse sowie der Ha ushaltssituation und nach Durchfüh- rung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle A._ ___ mit Verfügung vom 16. April 2019 in Anwendung der gemischten Bemessungsmethode mit einer Gewichtung von 80 % Erwerb und 20 % Haushalt eine befristete ganze IV-Rente vom 1 . Januar 2017 bis 31. Mai 2017 bei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem IV-Grad von 82 %, basierend auf einer vollen Arb eitsunfähigkeit während der Zeit vom 10. Oktober 2016 bis Ende Februar 2017. Da ab 1. März 2017 der IV-Grad noch 4 % betrage, verneinte sie einen Rentenanspruch ab 1. Juni 2017. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin M onica Armesto, mit Eingabe vom 28. Mai 2019 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Sie bean- tragte, die Verfügung vom 16. April 2019 sei dahingehend zu ändern, dass ihr vom 1. Juni 2016 bis 31. Dezember 2016 eine halbe IV-Rente, vom 1. Jan uar 2017 bis 31. Mai 2017 eine ganze IV-Rente und mit Wirkung ab dem 1. Juni 2017 wieder eine halbe IV-Rente zu gewähren sei. Eventualiter sei die Verfügung vom 16. April 2019 aufzuheben und die Angelegenheit an die IV- Stelle zurückzuweisen, damit diese nach Vornahme weiterer Abklärungen erneut über ihren Anspruch auf Leistungen entscheide. Zur Begründung wur de im Wesentlichen vorgebracht, dass die IV-Stelle die angefochtene Verfügung einzig a uf Einschätzungen des regionalärztli- chen Dienstes abgestützt habe. Bereits geringe Zweifel a n deren Zuverlässigkeit genügten, um den Beweiswert aufzuheben. Zumindest gegenüber der Beu rteilung des RAD-Psychiaters Dr. med. B.____ seien solche Zweifel angebracht, nachdem dieser einerseits offenbar von einer überholten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausgehe, wenn er sich auf eine fehlende dau- erhafte Therapieresistenz der Depression berufe, und an dererseits übersehe, dass alle behan- delnden psychiatrischen Fachpersonen eine mittelgradige depressive Episode und damit eine Diagnose mit Krankheitswert attestiert hätten. Aktenw idrig und nicht nachvollziehbar sei ferner die Behauptung von Dr. B.____, dass sich die psychiatrische Situation stabilisiert habe. Auf seine Beurteilung könne nicht abgestellt werden, vielmeh r sei aufgrund der mittelgradigen De- pression von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % gemäss B ericht von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 27. Februar 2016 auszu gehen. Eventualiter sei ein exter- nes Gutachten einzuholen. Zusätzlich zur psychiatrischen Pro blematik leide sie nachweislich auch an verschiedenen somatischen Beschwerden. Neben der Handgelenksproblematik be- ständen eine Gonarthrose, LWS-Beschwerden und Beschwerden aufgrund eines Hallux valgus. Trotz entsprechender ärztlicher Berichte habe die IV-Ste lle einen Einfluss der somatischen Di- agnosen auf die Arbeitsfähigkeit verneint, ohne weit ere Abklärungen zu veranlassen. Auch in somatischer Hinsicht bestehe somit ein Abklärungsdefizit, weshalb ein polydisziplinäres Ge- richtsgutachten einzuholen sei. Sollte keine gerichtliche Expertise erfolgen, sei die Angelegen- heit an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie nach Ak tualisierung und Vervollständigung des medizinischen Dossiers über die Ansprüche erneut entscheide. C. Mit Vernehmlassung vom 18. Juli 2019 beantragte di e IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Es sei zutreffend, dass die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung durch verschiedene psychiatrische Fachpersonen gestellt worden sei. Die Akten liessen jedoch darauf schliessen, dass eine graduelle Rückbildung der Symp tome eingetreten sei. Die behan- delnde Psychiaterin, Dr. med. D.____, habe einen schrit tweisen, beruflichen Wiedereinstieg als dringend indiziert erachtet. Damit gehe sie klar von ei nem nicht dauerhaften Gesundheitsscha- den aus. In Bezug auf die geltend gemachten somatische n Beschwerden habe RAD-Arzt Dr. med. E.____, Facharzt für Orthopädie und Traumatologi e des Bewegungsapparates, bereits festgehalten, dass diese keine zusätzlichen Auswirkungen auf die Zumutbarkeit einer adaptier- ten Tätigkeit hätten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. An der Urteilsberatung vom 30. Januar 2020 kam d as Gericht zum Schluss, dass die Grundlage für die Zusprechung einer befristeten IV-R ente in der Verfügung vom 16. April 2019 unzureichend sei. Einerseits sei nicht nachvollziehbar, au f welcher Basis die Vorinstanz das Wartejahr berechnet habe und andererseits sei der me dizinische Sachverhalt ungenügend ab- geklärt. Das Gericht zog deshalb in Erwägung, die Ange legenheit zur weiteren Abklärung mit- tels eines polydisziplinären Gutachtens und anschliessender Neuentscheidung – auch hinsicht- lich des Wartejahres – an die IV-Stelle zurückzuweisen. D amit wären Bestand und Umfang des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin wieder offen und die Möglichkeit einer Verschlechte- rung ihrer Rechtsposition stand im Raum, insbesondere wenn erkannt werden würde, dass das Wartejahr nicht erfüllt wäre. Aus diesem Grund wurde der Fall ausgestellt und der Versicherten Gelegenheit gegeben, ihre Beschwerde zurückzuziehen. Darauf verzichtete sie. E. Mit Schreiben vom 10. Februar 2020 teilte Advokati n Christl Schaefer-Lötscher mit, dass sie die Interessen der Beschwerdeführerin vertrete, da die bisherige Anwältin nach Wahl zur Richterin ab Januar 2020 ihre Sozialversicherungsfälle abgegeben habe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Eine Erwerbsunfähi gkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig si nd, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG (Einkommensvergleich) festgelegt. War en sie daneben auch im Haushalt tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit na ch Art. 28a Abs. 2 IVG (Betätigungsvergleich) ermittelt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbst ätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Haushalt zu bestimmen und der IV-Grad in beiden Berei chen zu bemessen (gemischte Metho- de der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Vo rliegend ging die IV-Stelle davon aus, dass die Versicherte als Gesunde zu 80 % einer ausserhäuslich en Erwerbstätigkeit nachgehen würde und zu 20 % im Haushalt beschäftigt wäre. Diese Aufteilung wird nicht bestritten, wes- halb ohne weiteres darauf abgestellt werden kann. 3.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz zure cht von einer vom 1. Januar 2017 bis 31. Mai 2017 befristeten ganzen IV-Rente ausgegangen ist und einen darüber hinausgehenden Anspruch abgelehnt hat. Voraussetzung für eine Rente ist gemäss Art. 28 IVG einerseits die Erfüllung des Wartejahres. Dies bedeutet, dass die ver sicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist und andererseits danach zu mindestens 40 % invalid ist. Besteht während mindestens 30 auf- einanderfolgenden Tagen eine volle Arbeitsfähigkeit, so wird das Wartejahr unterbrochen und es beginnt erneut zu laufen (Art. 29ter der Verordnu ng über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 3.2 Die IV-Stelle legte gemäss Verfügung vom 16. Apri l 2019 den Beginn des Wartejahres auf den 9. Oktober 2014. An diesem Datum operierte Dr. med. F.____, FMH Chirurgie, die Ver- sicherte am rechten Handgelenk. RAD-Arzt Dr. E.____ ging von einer nachfolgenden 100 %igen Arbeitsunfähigkeit bis 31. Dezember 2014 aus. Ab 1. Januar 2015 sei die Versicher- te wieder in einer angepassten Tätigkeit voll arbeits fähig gewesen und zwar durchgehend bis zum 10. Oktober 2016, als Dr. F.____ einen erneuten op erativen Eingriff am rechten Handge- lenk vorgenommen habe (vgl. RAD-Bericht vom 26. Juli 2017). Das Wartejahr (9. Oktober 1914 bis 9. Oktober 2015) wurde somit nicht erfüllt, sondern bereits im Januar 2015 unterbrochen. 3.3 Neben der somatischen Diagnostik wurde von der Psychia terin Dr. C.____ am 27. Feb- ruar 2016 eine rezidivierende depressive Störung und ei ne Somatisierungsstörung diagnosti- ziert und ab 16. September 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (eventuell 30 %) bis auf wei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht teres attestiert. Würde man auf die Beurteilung von Dr. C.____ abstellen, so wäre das Warte- jahr am 16. September 2016 erfüllt gewesen. Davon schien die IV-Stelle in ihrer Anfrage an den RAD vom 14. März 2017 noch auszugehen. RAD-Arzt pract. med. G.____, Facharzt für Psychi- atrie und Psychotherapie, verneinte jedoch eine psychiatri sch bedingte Arbeitsunfähigkeit mit der Begründung, dass lediglich eine Dekonditionierung vorliege. RAD-Arzt Dr. E.____ kam da- raufhin in seinem Bericht vom 26. Juli 2017 zum Schluss, d ass aus versicherungsmedizinischer Sicht kein massgebender psychischer Gesundheitsschaden vorliege. 3.4 Bei der vorliegenden Aktenlage könnte einzig die attestierte Arbeitsunfähigkeit auf- grund der diagnostizierten, rezidivierenden depressiven St örung die Erfüllung des Wartejahres per 16. September 2016 begründen. In diesem Fall müsste aber per 1. September 2016 zumin- dest eine Invalidität von 40 % und eine Viertelsrente resultieren, um – wie in der angefochtenen Verfügung – von einer Verschlechterung des Gesundheitszusta ndes (infolge einer vollen Ar- beitsunfähigkeit vom 10. Oktober 2016 bis Ende Februar 2017 nach der zweiten Operation durch Dr. F.____) und einer befristeten Rentenerhöhung per 1. Januar 2017 nach Art. 88a Abs. 2 IVV ausgehen zu können. 4.1 Der Bestand der zugesprochenen Leistung sowie jede weitere Leistung hängen somit - unter anderem, aber zuallererst - davon ab, ob das War tejahr erfüllt ist, d.h. ob die Versicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch schnittlich zu mindestens 40 % ar- beitsunfähig gewesen ist. 4.2 Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer ve rsicherten Person ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angew iesen, die ärztliche und gegebenen- falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen habe n. Aufgabe des Arztes oder der Ärz- tin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versichert e Person arbeitsunfähig ist. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situat ion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 1 34 V 231 E. 5.1). Soll ein Versiche- rungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens en tschieden werden, sind an die Beweis- würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver- lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlic hen Feststellungen, sind ergän- zende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1). 4.3 Die Frage, ob die Versicherte das Wartejahr aufgru nd psychischer Einschränkungen erfüllt hat, lässt sich mit den vorliegenden Berichten n icht zuverlässig beantworten. Die RAD- Berichte vom 14. März 2017, 8. Juni 2017 sowie vom 26. Juli 2017 sind diesbezüglich nicht schlüssig. Insbesondere überzeugt die Beurteilung von Dr. B .____ vom 8. Juni 2017 nicht. In den Berichten der Psychiatrie Baselland vom 28. April 20 15, von Dr. C.____ vom 27. Februar 2016 sowie von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psych otherapie, vom 12. Januar 2017 wurde übereinstimmend eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sode diagnostiziert. Zur Arbeitsfähigkeit in zeitlicher und prozentmässiger Hinsicht äusserte sich lediglich Dr. C.____. In Würdigung dieser Berichte hie lt Dr. B.____ fest, dass in Übereinstim- mung mit Dr. D.____ bestätigt werden könne, dass der Versicherten eine somatisch angepass- te Tätigkeit zumutbar sei. Es trifft zu, dass Dr. D._ ___ der Versicherten die bisherige Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht zumutete, allerdings sprach sie dabei von einer eingeschränkten Leis- tungsfähigkeit aufgrund der somatischen und psychischen B eschwerden, deren Umfang noch zu evaluieren sei. Dr. B.____ ging darauf nicht ein u nd begründete auch nicht, weshalb trotz einer mittelgradigen Episode einer rezidivierenden de pressiven Störung keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestehen soll. Der psychiatrische Sa chverhalt erweist sich damit als un- genügend abgeklärt. Dazu kommt, dass der aktuellste psychi atrische Bericht vom Januar 2017 datiert und damit im Zeitpunkt der Verfügung bereits mehr als zwei Jahre alt war. 5. Aber nicht nur in psychiatrischer Hinsicht sind noch Frag en bezüglich der Arbeitsfähig- keit offen, sondern auch in somatischer. Die Beschwerdef ührerin hatte einige Operationen und leidet an verschiedenen körperlichen Beschwerden. So fa nd am 9. Oktober 2014 eine Opera- tion am rechten Handgelenk infolge eines ulnokarpalen Ganglions volar und einer schweren Synovialitis an der tiefen Beugesehne statt (vgl. Bericht von Dr. F.____ vom 13. Oktober 2014). Am 12. Mai 2016 wurde eine Hallux valgus-Fehlstellung am rechten Fuss korrigiert (vgl. Bericht des Universitätsspitals Basel vom 13. Mai 2016). Schliesslic h erfolgte am 10. Oktober 2016 ein Eingriff am rechten Unterarm zur Behandlung von Spätfolgen einer Unterarmfraktur. Dabei wur- den der Processus styloideus ulnae rechts entfernt und de r TFCC stabilisiert, um das Fort- schreiten der Arthrose zwischen Processus styloideus und Triq uetrum zu vermeiden. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ist aber einzig erstellt, dass die Versicherte anlässlich des Eingriffes vom 10. Oktober 2016 längere Zeit arbeitsunfähig war. Dr. F.____ attestierte zwei Tage vor der Operation eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 10. Oktober 2016 bis 31. Januar 2017 und am 2. März 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres (vgl. Berichte vom 8. Oktober 2016 und 2. März 2017). Ohne mit Dr. F.____ Rücksprache zu halten, kam RAD-Arzt Dr. E.____ zum Schluss, dass ab 1. März 2017 wieder eine volle Arbeitsf ähigkeit vorliege. Um die Arbeitsfähig- keit unter Berücksichtigung aller körperlichen Beschwerden zu bestimmen, fehlt es vorliegend demnach an aussagekräftigen Berichten. 6. Im Ergebnis ist somit festzustellen, dass die angefoch tene Verfügung vom 16. April 2019 aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren me dizinischen Sachverhaltsabklärung mittels eines polydisziplinären Gutachtens und anschliessen der Neuentscheidung – auch hin- sichtlich des Wartejahres – an die IV-Stelle zurückzuweise n ist. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Ar t. 69 Abs. 1bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligun g oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht koste npflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterlie genden Partei auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 7.2 Lau Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwe rde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte obsiegende Pa rtei ist, ist ihr eine Parteientschädi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Mit Schreiben vom 10. Februar 2020 teilte Advoka- tin Christl Schaefer-Lötscher den Mandatswechsel mit. Eine allfällige Parteientschädigung wer- de sie an die vorherige Rechtsvertreterin weiterleite n. In ihrer Honorarnote vom 20. August 2020 macht Advokatin Monica Armesto einen Aufwand von 8 ,5 Stunden (inkl. eine Stunde für Studium des Urteils und Besprechung mit Klientschaft) à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 64.90 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Der Beschwerdeführ erin ist deshalb eine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 2'358.50 (inkl. Auslagen un d 7.7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Eine allfällige Aufteilung der Parteientschädigung wird den Anwältinnen überlassen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2. Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 16. April 2019 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vor instanz zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'358.50 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) auszurichten.