B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5305/2012 U r t e i l v o m 2 0 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, vertreten durch Melanie Aebli, Freiplatzaktion Zürich, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Sep- tember 2012 / N (…). E-5305/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein äthiopischer Staatsangehöriger amharischer Ethnie, reiste eigenen Angaben zufolge via Kenia am 23. Januar 2012 in die Schweiz ein, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszent- rum [EVZ] (...) ein Asylgesuch stellte. Für die Dauer des Verfahrens wur- de er dem Kanton (…) zugeteilt. Anlässlich der Kurzbefragung vom 7. Februar 2012 und der einlässlichen Anhörung vom 2. Juli 2012 zu seinen Ausreise- und Asylgründen machte er im Wesentlichen Folgendes gel - tend: Er habe in B._______ gelebt, wo er seit dem (…) 2008 ein [Geschäft] ge- führt sowie [Tätigkeit] habe. Zu seinem Kundenkreis hätten insbesondere Journalisten der regierungskritischen und mittlerweile v erbotenen C._______, welche insbesondere eng mit dem regierungskritischen Se n- der (…) zusammengearbeitet habe, gezählt. Die Journalisten hätten von seinem [Geschäft] aus telefonischen Kontakt zum Ausland – namentlich zu der Partei Ginbot 7, dem Sender (…) sowie zu einem von der Regi e- rung als Terroristen beschuldigte n und gesuchte n Websiteentwickler – aufgenommen und ihre regimekritischen Artikel von der [Mitarbeiterin] des Beschwerdeführers auf dem Computer schreiben lassen . Des Weiteren sei er Mitglied der vom besagten Websiteentwickler gegründeten Gruppe "(...)" gewesen, mit deren Hilfe er diverse Artikel auf Facebook veröffen t- licht und verbreitet habe. Solche oppositionellen Tätigkeiten habe er auch zusammen mit den Journalisten der C._______ ausgeübt. Als in Äthio- pien ein neues Gesetz erlassen worden sei, gemäss welchem Personen, die sich gegen die Regierung einsetzen würden, als Terroristen betrachtet und zu einer Gefängnisstrafe in Höhe von 15 bis 20 Jahren verurteilt wür- den, seien Journalisten der C._______ am (…) 2011 aufgrund ihrer oppo- sitionellen Ansichten verhaftet worden. Ermittlungen der Untersuchung s- behörde hätten ergeben, dass sie ihre Artikel in seinem Geschäft verfasst und von dort aus Telefonate ins Ausland geführt hätten. Daraufhin habe die Polizei am (…) 2011 sein [Geschäft] in seiner Abwesenheit durchsucht und politische Unterlagen, welche die Journalisten im Internet gefunden und ausgedruckt hätten, sowie Kopien ihrer Originalartikel beschlag- nahmt. Am (…) Juli 2011 sei er festgenommen und auf den (…) Polizei- posten gebracht worden. Man habe ihm vorgeworfen, mit den Journali s- ten kollaboriert und ihnen erlaubt zu haben, von seinem Geschäft aus ins Ausland zu telefonieren, damit ihre Telefonate zu Hause nicht abgehört würden. Die Behörden hätten von ihm – unter Androhung, dass er im Fal-E-5305/2012 Seite 3 le einer Aussageverweigerung mit einer Freiheitsstrafe in Höhe von 25 bis 30 Jahren rechnen müsse – verlangt, hinsichtlich der Aktivitäten der Journalisten als Zeuge vor Gericht auszusagen. Aufgrund sei nes Zuge- ständnisses, dass er vor Gericht gegen die Journalisten aussagen werde, habe man ihn nach drei Tagen freigelassen. Er habe freilich gar nie vor- gehabt, als Zeuge vor Gericht aufzutreten, da er eine gute Beziehung zu den Angeschuldigten gehabt habe und nicht als Verräter habe dastehen wollen; ohnehin sei er selber auch gegen die amtierende Regierung. Zu- dem hätte er, wenn er als Zeuge vor Gericht gegen die Journalisten aus- gesagt hätte, mit diesem Akt sein Sozialleben ruiniert, weil ihn die Gesell- schaft ausgestossen hätte. Aus Angst vor Schwierigkeiten habe er in der Folge sein Geschäft geschlossen, das Inventar verkauft und B._______ mit dem Reisebus Richtung D._______, Äthiopien, verlassen, wo er sich sechs Monate bis zu seiner Ausreise bei [Verwandter] versteckt habe. Die Behörden hätten sich derweil bei der Mutter nach ihm erkundigt und [Ge- schwisterteil, auf dessen Name die Lizenz des Geschäfts gelautet habe] , unter Druck gesetzt, [den Bruder] ausliefern, andernfalls [Geschwisterteil] mit einer Haftstrafe rechnen müsse. [Geschwisterteil] verstecke sich nun auf dem Land. Seine Ehefrau sei bis jetzt seitens der Behörden nicht be- helligt worden. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er seine äthiopische Identitätskar- te sowie den Geburtsschein seines Kindes zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 10. September 2012 – eröffnet am darauffolgenden Tag – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schw eiz sowie den Vollzug der We g- weisung an. Die Vorinstanz begründete die Gesuchsabweisung mit dem Umstand, dass die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdefü h- rers nicht den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) standzuhalten ve r- möchten. Obwohl der Beschwerdeführer zu Protokoll gegeben habe, oppositionelle Journalisten seien regelmässig Kunden seines [Geschäfts] gewesen, ha- be er nur dürftige Angaben in Bezug auf ihre Person machen können. Er habe lediglich erklärt, dass sie Kunden seines Geschäfts gewesen seien. Hinsichtlich ihrer oppositionellen Aktivitäten habe er nur angegeben, sie seien der Öffentlichkeit weitgehend bekannt gewesen und hätten Kontakt zu den ausländischen Medien gepflegt. Weitere Details über die Tätigkei-E-5305/2012 Seite 4 ten und die Einstellung der Journalisten würden jedoch gänzlich fehlen. So kenne der Beschwerdeführer weder deren politischen Ideen noch Zie- le. Auch über den Inhalt der von seiner [Mitarbeiterin] für die Journalisten abgetippten Artikel wisse er praktisch nicht s (vgl. A 16/14 S. 10). Ausser- dem habe er zur Festnahme der Journalisten keine Angaben liefern kön- nen, sondern lediglich angegeben, dass er aus den M edien erfahren ha- be, dass seine Kunden in Haft genommen worden seien. Überdies könne er nicht sagen, wann ge nau die C._______, der Arbeitgeber der Journ a- listen, verboten worden sei ( vgl. A 16/14 S. 3 f.). Die fehlenden Angaben des Beschwerdeführers würden somit den Eindruck vermitteln, dass er die erwähnten Journalisten gar nicht persönlich kenne. Ferner erstaune es, dass er nicht einmal den Nachnamen seiner [Mitarbeiterin] nennen könne (vgl. A 16/14 S. 3). Des Weiteren habe er zwar angegeben, sein Geschäft sei von den Behörden durchsucht worden, jedoch habe er auch hierzu praktisch keine Angaben machen können (vgl. A 16/14 S. 6). Er habe zwar erklärt, dass die Durchsuchung in seiner Abwesenheit erfolgt sei, es sei jedoch anzunehmen, dass sich eine betroffene Person au s- führlich über solch ein wichtiges Ereignis informieren würde. Im Übrigen sei es erstaunlich, dass die Behörden anlässlich der Durchsuchung nicht mit dem Beschwerdeführer hätten sprechen wollen und in der Folge drei Wochen lang zugewartet hätten, um ihn zu treffen b zw. festzunehmen (vgl. A 16/14 S. 6). Die diesbezügliche Rechtfertigung des Beschwerd e- führers, die Behörden hätten ihn während dieser Zeit ausspioniert, sei e i- ne reine Vermutung, welche mit keinerlei weiteren Indizien untermauer t werde (vgl. A 16/14 S. 9). Sodann gebe der Beschwerdeführer zwar in Bezug auf seine Festnahme und d ie Haft einige Details zu Protokoll, j e- doch seien in Würdigung der gesamten Aspekte diese Vorbringen als un- glaubhaft zu beurteilen. So sei nicht ersichtlich, weshalb er mit einer schweren Strafe aufgrund der Zusammenarbeit mit den Journalisten hätte rechnen sollen. Gemäss seinen Angaben hätten die Behörden lediglich von ihm verlangt, vor Gericht aus zusagen. Ferner vermöge seine Erklä- rung, weshalb er eine Aussage vor Gericht abgelehnt habe – er hätte damit sein Sozialleben ruiniert –, keineswegs zu überzeugen , sei doch eine Flucht aus dem Heimatland und eine Trennung von der Familie ein deutlich schlimmeres Ereignis a ls die angebliche Gefahr , seinem Sozial- leben in Äthiopien zu schaden. Überdies sei es nicht nachvollziehbar , dass die Behörden die [Mitarbeiterin] nicht befragt bzw. diese nicht als Zeugin vorgeladen hätten, sei sie doch häufiger in Kontakt mit den Jou r- nalisten gestanden als der Beschwerdeführer. Was sodann die Suchakti- on der Behörden nach der Flucht des Beschwerdeführers betreffe, sei zu beachten, dass er nur sehr dürftig darüber habe berichten können E-5305/2012 Seite 5 (vgl. A 16/14 S. 9). Eine gefährdete Person hätte si ch hingegen ausführ- lich über die für sie wichtigen Ereignisse informiert. Schliesslich erstaune es, dass der Beschwerdeführer nach der geltend gemachten Verfolgung noch weitere sechs Monate in Äthiopien geblieben sei. C. Mit Eingabe vom 9. Oktober 2012 (Da tum Poststempel) erhob die Rechtsvertreterin namens und im Auftrag des Beschwerdeführers beim Bundesverwaltungsgericht gegen die vorinstanzliche Verfügung Be- schwerde und beantragte, der Beschwerdeführer sei als Flüchtling anz u- erkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die vorläufige Aufnahme infolge Unzumutbarkeit oder Unzulässigkeit des Wegwe i- sungsvollzugs anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf Erh e- bung eines Kostenvorschusses sowie um Einräumung einer Nachfrist zur Einreichung von ergänzenden Dokumenten b zw. einer Beschwerdee r- gänzung ersucht. Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt, der Beschwerdeführer habe sowohl die Aktivität der Journalisten plausibel schildern können, als auch Art und Intensität der persönlichen Beziehungen zu den verschiede- nen Personen, die für die Zeitung tätig gewesen seien, klar de finiert (vgl. A 16/14 S. 3). Sodann habe er kurz die Inhalte der Texte, welche die Journalisten verfasst hätten, erwähnt (vgl. A 16/14 S. 10), das Vorgehen der Journalisten überzeugend erklärt (vgl. A 16/14 S. 2) und auch darl e- gen können, weshalb der Journalist E._______ praktisch täglich – auf- grund der Nähe zum Büro der C._______ – sein [Geschäft] aufgesucht habe (vgl. A 16/14 S. 3). Zwar könne dem Beschwerdeführer vorgehalten werden, er habe sich nur wenig zu den konkreten Tätigkeiten der Journ a- listen geäussert, jedoch sei die diesbezügliche Zurückhaltung nachvol l- ziehbar, da ein e kurze I nternetrecherche gezeigt habe, dass es zu den betreffenden Journalisten zahllose Interneteinträge gebe und deren Ver- haftung weltweit bekannt geworden sei ; demnach handle es sich um be- rühmte regierungskritische äthiopische Journalisten, deren Kenntnis durch das BFM der Beschwerdeführer zu Recht habe voraussetzen dü r- fen. Inwieweit er dies als Selbstverständlichkeit angesehen habe, ergebe sich beispielsweise aus seiner Antwort auf die Frage, wie er von der pol i- tischen Aktivität der Journalisten erfahren habe (vgl. A 16/14 S. 4, wonach er angegeben habe, es sei bekannt gewesen, dass sich die Journalisten und die C._______ regierungskritisch geäussert hätten ). Im Übrigen sei er nur an einer Stelle konkret nach der politischen Überzeugung und den E-5305/2012 Seite 6 Ideen der opposit ionellen Journalisten gefragt worden (vgl. A 16/14 S. 10). Zwar sei der Beschwerdeführer gebeten worden, den konkreten Inhalt der Texte und Artikel wiederzugeben, doch hätten sich diese Fr a- gen wiederum auf die Artikel und Texte in der Mehrzahl bezogen und sei- en insofern allgemein geblieben; entsprechend sei auch die Antwort des Beschwerdeführers allgemein ausgefallen. Daraus zu schliessen, er habe gar nicht gewusst, für welche Ideen und Ziele die genannten Journalisten gekämpft hätten, sei nicht statthaft. Zudem sei er inhaltlich nicht in die Tä- tigkeiten der Journalisten involviert gewesen. Dass der Beschwerdeführer zur Festnahme der Journalisten ferner keine Informationen habe liefern können, sei einerseits damit erklärbar, dass er nicht dabei gewesen sei, und habe andererseits damit zu tun, dass die festgenommenen Personen danach im Gefängnis gewesen seien und ihm somit nicht hätten berich- ten können, wie sich die Festnahme abgespielt habe. Ausserdem habe er nie behauptet, den jeweiligen Personen derart nahe gestanden zu sein, dass sie ihn sofort angerufen hätten, um ihm von den Umständen der Festnahme zu berichten. Im Übrigen habe er sowohl in Bezug auf das Datum der Festnahme der Journalisten als auch auf die Frage, wann die C._______ verboten worden sei, A uskunft geben können (vgl. A 16/14 S. 4, 11). Bei entsprechender Gesprächsleitung hätte er noch detaillierte Angaben machen können. Dass er – wie das BFM behauptet habe – ausserdem zur Durchsuchung des [Geschäft] praktisch nichts habe berichten können, sei ebenfalls nicht richtig. Seine Ausführungen zur Untersuchung nach der Verhaftung der Journalisten hätten alles umfasst, was für ihn in der damaligen Situation von Relevanz gewesen sei (Datum und Uhrzeit der Untersuchung, wer sie durchgeführt habe, was man gesagt/gefragt und beschlagnahmt habe; vgl. A 16/14 S. 4ff.) und was ihm seine [Mitarbeiterin] telefonisch mitgeteilt habe. Er habe lediglich nicht angegeben können, wie viele Polizisten die Durchsuchung durchgeführt hätten und wie lange sie geblieben se ien (vgl. A 16/14 S. 6). Des Weiteren könne er mit den ins Recht gelegten Dokumenten belegen, dass er mit den erwähnten Journalisten der C._______ bzw. generell mit einem kritisch -journalistischen Umfeld bekannt und insbesondere über Facebook mit ihnen ver netzt sei. Wenn auch der Hauptvorwurf der äthi o- pischen Behörden die Zusammenarbeit mit den oppositionellen Journalis- ten gewesen sei, habe sich der Beschwerdeführer darüber hinaus auch selber aktiv beteiligt, indem er Mitglied von Facebook -Gruppen gewesen sei, welche regimekritische Berichte zusammengetragen und geteilt hä t-E-5305/2012 Seite 7 ten, um sie ihren Freunden auf dem sozialen Netzwerk zugänglich zu machen. Wie der Beschwerdeführer an diversen Stellen in der Anhörung erklärt habe (A16/14 S. 2, 4ff.), werde jedoch aufg rund eines damals neu erlassenen Dekrets des Parlaments bereits die Zusammenarbeit mit den vom Gesetz bezeichneten terroristischen Gruppierungen oder deren U n- terstützung als krimineller Akt angesehen. Dieses Gesetz sei geschaffen worden, um die Opposition noch effizienter zu unterdrücken und es sei durchaus nicht abwegig, dass zu diesem Zweck für oppositionelle Aktiv i- täten und deren Unterstützung auch unverhältnismässig hohe Strafen angedroht würden. Es sei somit durchaus nachvollziehbar, dass der Beschwer deführer die Aussage vor Gericht abgelehnt habe: Eine Aussage hätte einerseits se i- ner politischen Überzeugung widersprochen und andererseits wäre er bei der Verurteilung der bekannten inhaftierten Journalisten mitverantwortlich für deren langjährige Gefängnisstrafen gewesen sowie als Verräter ange- sehen worden, was sein Sozialleben ruiniert hätte und was er moralisch nicht hätte verantworten können. Dass die [Mitarbeiterin] des Beschwer- deführers in diesem Kontext nicht befragt worden sei, erstaune zwar, j e- doch hätten die äthiopischen Behörden ihre Rolle eventuell unterschätzt und sie aufgrund des Hierarchieverhältnisses als bedeutungs - und a h- nungslos eingestuft. Was den Vorwurf der Vorinstanz, der Beschwerd e- führer habe nicht einmal den Nachnamen seiner [Mitarbeiterin] nennen können, betreffe, sei sodann festzuhalten, dass in Äthiopien die Person a- lien zwecks Individualisierung wie der Nachname oder das Geburtsdatum nicht dieselbe Bedeutung hätten wie in der Schweiz. Der Beschwerdefüh- rer habe seine [Mitarbeiterin] über den gesamten Zeitraum ihrer Anste l- lung ausschliesslich mit ihrem Vornamen angesprochen, weshalb es nachvollziehbar sei, dass er ihren Nachnamen bei der Anhörung nicht präsent gehabt habe; sie heisse im Übrigen (…). Ausserdem seien zwar die Ausführungen des Beschwerdeführers bezüg- lich der Behelligung en seiner Mutter und [Geschwisterteil] nach seiner Flucht nicht sehr ausführlich, jedoch seien alle Fragen beantwortet w or- den, und zwar in ei nem Ausmass, das einem Informationsstand entspre- che, wie man ihn aufgrund einer nachträglichen Auskunft per Telefon er- warten könne. Zudem sei festzuhalten, dass in der Anhörung hierzu auch nicht weiter nachgehakt worden sei, sondern man sich mit den kurzen Antworten zufrieden gegeben habe. E-5305/2012 Seite 8 Schliesslich müsse dem Vorwurf des BFM , es sei nicht einleuchtend, weshalb der Beschwer deführer, nachdem er B._______ verlassen habe, noch sechs Monate bis zur Flucht aus Äthio pien zugewartet habe, entge- gengehalten werden, dass er nach seiner Freilassung nicht mehr nach Hause gegangen, sondern bei Freunden untergetaucht sei. Nach kurzer Zeit sei er zu [Verwandter] geflüchtet, wo er sich zwar vorläufig sicher ge- fühlt, jedoch nur selten das Haus verlassen habe. Sobald [Geschwister- teil] die Flucht für ihn organisiert habe, habe er sein Heimatland verla s- sen. Zur Stützung der geltend gemachten Vorbringen wurden die folgenden Unterlagen eingereicht: - Steuerbelege, - Screenshots von Facebook-Profilen des Beschwerdeführers sowie von aktiven äthiopischen Oppositionellen und ehemalig en Mitarbeitern der C._______, welche mit dem Beschwerdeführer über das Netzwerk be- freundet seien, sowie Screenshots von Facebook-Gruppen, - Wikipedia-Artikel über F._______, - Online-Zeitungsbericht von " (...)", welchem zu entnehmen sei, dass den verhafteten Journalisten der C._______ Haftstrafe bis zu 20 Jahre drohen würden, - Fotographie der [Mitarbeiterin] und des Beschwerdeführers im [Ge- schäft] (in Kopie), - Anti-Terrorism Proclamation No. 652/2009 aus dem Jahr 2009, - Internet-Ausdruck betreffend Ernennung von terroristischen Gruppie- rungen. D. Mit Verfügung vom 18. Oktober 2012 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, der Beschwerdeführer k önne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden und auf ei- nen Kostenvorschuss w erde verzichtet. Im Übrigen forderte es den Be- schwerdeführer auf, innert Frist die in der Beschwerdeeingabe in Aussicht gestellten Beweismittel – samt Übersetzung in eine Amtssprache sowie Zustellcouvert – nachzureichen, wobei bei ungenutzter Frist das B e- schwerdeverfahren aufgrund der aktuellen Aktenlage fortgesetzt werde. E. Mit Eingabe vom 19. November 2012 an das Bundesv erwaltungsgericht E-5305/2012 Seite 9 reichte die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers folgende Beweismit- tel zu den Akten: - Zertifikat der "Cc._______" für den Beschwerdeführer und sein [Ge- schäft], angeblich ausgestellt vom Geschäftsführer G._______ am (…) Juni 2010, - Einladung zur Feier des (…)jährigen Bestehens der "Cc._______" vom (…) Juni 2010 (inklusive englischer Übersetzung), - Vertrag zwischen dem [Geschäft] und der "Cc._______" vom 31. Januar 2010 (inklusive englischer Übersetzung), - Verfügung der äthiopischen Behörden vom (…) 2011 bezüglich (…) [Geschäft] (inklusive englischer Übersetzung), - Fotographien des Beschwerdeführers mit verschiedenen Oppositionel- len (in Kopie), - Aufruf der Facebook -Gruppe "(...)" respektive Zettel, welche vom Be- schwerdeführer zusammen mit den Journalisten der C._______ ange- fertigt worden seien (inklusive englischer Übersetzung), - Monatsabrechnung für die Dienste des [Geschäft] für die C._______ (inklusive Invoice und englischer Übersetzung), - Berichte über G._______. Die Beweismittel seien von der [Geschwisterteil] des Beschwerdeführers, [welches] die meisten der oben aufgeführten Beweismittel aufbewahrt habe, aus Sicherheitsgründen nicht über den postalischen Weg, sondern über eine ihnen von der äthiopisch-orthodoxen Kirche in der Schweiz b e- kannte Person, welche B._______ in die Schweiz gereist sei, geschickt worden. F. Mit Verfügung vom 26. November 2012 lud das Bundesverwaltungsg e- richt das BFM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. G. In seiner Vernehmlassung vom 17. Dezember 2012 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde, da die Rechtsmitteleingabe keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung des vorinstanzlichen Standpunktes zu rechtfertigen vermöchten. Zudem führte es aus, dass es sich bei der Beschwerdeschrift um eine stark e r- gänzte Wiederholung der bereits gemachten Aussagen des Beschwerde- führers handle. In Bezug auf die Kontakte zu den Journaliste n sei nach wie vor festzuhalten, dass sein e Angaben zu ihren konkreten Tätigkeiten E-5305/2012 Seite 10 sehr dürftig seien. Der Umstand, dass er für die Beschwerdeschrift nac h- träglich Informationen im Internet gesammelt habe, ändere nichts an der fehlenden Substanz seiner Aussagen anlässlich der Anhörung. Wenn der Beschwerdeführer derart mit den Journalisten vertraut gewesen wäre, hätte er solche Internetrecherchen gar nicht nötig gehabt, um über ihre Ideen und Texte im Bilde zu sein. Auch sei nach wie vor erstaunlich, dass der Beschwerdeführer nichts über die F estnahme der Journalisten zu be- richten wisse. Falls er tatsächlich einen eng en Kontakt mit ihnen gepflegt hätte, wäre er über ihr Schicksal informiert worden. Sodann vermöchten auch die eingereichten Beweismittel keine enge persönliche Beziehung , sondern l ediglich eine geschäftliche Verbindung zwischen ihm und den Journalisten zu belegen. Hinsichtlich der Facebook-Kontakte sei festzu- halten, dass die Bezeichnung "Friends" noch lange keine tiefe Verbi n- dung zwischen den Beteiligten be lege, hätten doch gewisse öffentliche Personen tausende von sogenannten "Friends" , ohne diesen jemals be- gegnet zu sein. Im Übrigen widerspreche die Benutzung von Facebook der angeblichen Vertraulichkeit der Aktivitäten der Journalisten, sei doch diese Plattform äusserst leicht auszuspionieren. Zwar werde nicht bestrit- ten, dass der Beschwerdeführer in [Geschäft] tätig gewesen sei und auch Journalisten in dieser Lokalität gearbeitet hätten, jedoch bleibe es nach wie vor unglaubhaft, dass er mit ihnen eng zusammengearbeitet habe. In diesem Kontext sei es daher fraglich, ob die äthiopischen Behörden den Beschwerdeführer tatsächlich aufgrund der von ihm zu r Verfügung ge- stellten [Logistik] verfolgt hätten. Die Vorbringen des Beschwerdeführer würden vielmehr den Eindruck hinterlassen, er habe sich von realen E r- eignissen inspirieren lassen, um daraus einen Bericht über eine fiktive enge Zusammenarbeit mit den verhafteten Journalisten und eine daraus entstandene Verfolgung durch die äthiopischen Behörden zu konstrui e- ren. H. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2012 bot das Bundesverwaltungsg e- richt dem Beschwerdeführer Gelegenheit, sich zur Vernehmlassung der Vorinstanz zu äussern. I. In der Replik vom 7. Januar 2013 hielt die Rechtsvertreterin fest, dass mit dem Einreichen der Internet -Berichte auf Beschwerdestufe nicht bea b- sichtigt worden sei, die politischen Ideen und Aktivitäten der Journalisten darzustellen. Es habe lediglich objektiv belegt werden sollen – in der An- nahme, die Journalisten seien dem BFM oder dem Bundesverwaltung s-E-5305/2012 Seite 11 gericht nicht bek annt –, dass es sich bei ihnen um bekannte äthiopische Persönlichkeiten handle. Im Übrigen habe der Beschwerdeführer wä h- rend des Verfahrens nie behauptet, eine tiefe bzw. enge persönliche Bi n- dung zu den be sagten Journalisten zu haben, sondern er habe stets an- gegeben, dass diese Beziehungen geschäftlicher Natur gewesen seien . Seine politischen Probleme seien allerdings gerade durch diese intensi- ven geschäftlichen Beziehungen entstanden. Für die äthiopischen Behör- den dürfte es auch keine Rolle spielen, ob der Beschwerdeführer nun ge- schäftliche oder persönliche Kontakte zu den Journalisten gepflegt habe. Entscheidend dürfte für jene vielmehr sein, ob der Beschwerdeführer e i- nen Beitrag zu regimekritischen Veröffentlichungen geleistet habe, was vorliegend aufgrund der engen geschäftlichen Beziehungen klar zu bej a- hen sei. Ferner liefere das BFM – angesichts der eingereichten Dok u- mente – keine schlüssigen Argumente, welche die geltend gemachte und belegte enge geschäftliche Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und dem C._______-Zirkel zu widerlegen vermö chten. Es stelle sich s o- gar die Frage, ob das BFM, indem es in seiner Vernehm lassung auf die Beweismittel im Einzelnen – die gemäss dem Bundesamt zumindest eine stark ergänzte Wiederholung sein sollten – mit keinem Wort eingehe und auch nicht klar mache, auf welche Beweismittel es sich beziehe, seine Begründungspflicht verletzt habe. J. Mit Eingabe vom 28. Februar 2013 teilte die Rechtsvertreterin dem Bu n- desverwaltungsgericht mit, dass der Beschwerdeführer am (…) 2012 an der Gründung einer Unterstützungsgruppierung (…) in der Schweiz b e- teiligt gewesen sowie zum [Stellung] ernannt und dementsprechend im Gründungsprotokoll erwähnt worden sei. Am (…) 2012 sei die politische Organisation H._______ gegründet worden, welche aus den Nachfolg e- sitzungen der (...)-Unterstützungsgruppierung hervorgehe. Der B e- schwerdeführer habe dabei als [Stellung] der Unterstützungsgruppierung teilgenommen. (…) . Der Beschwerdeführer übernehme als Mitglied der H._______ eine zentrale Rolle im Aufbau der Organisation schweizweit. Des Weiteren sei er im Buch " (...)" von I._______, Mitarbeiter der C._______, welches im Jahr (…) veröffentlich worden sei und gesammel- te Aufsätze enthalte, die unter anderem in der C._______ erschienen sei- en, genannt worden. Er werde im Artikel "[kultureller Aufsatz]" namentlich erwähnt. Dieser Artikel selbst und die Beschreibung des Beschwerdefü h- rers darin h ätten natürlich keine unmittelbare politische Relevanz für das vorliegende Verfahren; die Erwähnung weise allerdings auf subtile Weise E-5305/2012 Seite 12 ein weiteres Mal darauf hin, dass er mit den Journalis ten der C._______ verbunden gewesen sei. Zur Untermauerung der geltend gemachten Vorbringen wurden folgende Dokumente ins Recht gelegt: - Fotographien und Flyer betreffend [Anlass in der Schweiz] 2013, - Dokumente betreffend H._______, - Buch "(...)" von I._______, Mitarbeiter der C._______, veröffentlich im Jahr (…). K. Mit Zwischenverfügung vom 9. September 2013 räumte das Bundesve r- waltungsgericht dem Beschwerdeführer die Möglichkeit ein, sich zur massiven Ungereimtheit zu äussern, dass die mit Eingabe vom 19. N o- vember 2012 eingereichten Beweismittel – Zertifikat der "Cc._______" für den Beschwerdeführer und sein [Geschäft], ausgestellt vom Geschäft s- führer G._______ am (…) Juni 2010; Einladung zur Feier des (…)jährigen Bestehens der " Cc._______" vom (…) Juni 2010 (inklusive englischer Übersetzung); Vertrag zwischen dem [Geschäft] und der " Cc._______" vom (…) Januar 2010 (inklusive englischer Übersetzung) – jeweils das Logo respektive den Stempel der " Cc._______" anstatt der " C._______" aufweisen würden. L. Mit Eingabe vom 24. September 2013 führte die Rechtsvertretung aus, der Beschwerdeführer könne sich die Fehler nicht erklären und realisiere, dass seine Glaubwürdigkeit vo m Bundesverwaltungsgericht deutlich in Frage gestellt werde. Er halte jedoch daran fest, dass es sich trotz der Ungereimtheiten nicht um Fälschungen, sondern um echte Dokumente handle. Die Dokumente seien über den im Verfahren erläuterten Weg zu ihm gelang t bzw. es handle sich tatsächlich um echte Dokumente aus dem (damaligen) Sekretariat der C._______ in B._______. G._______, der als Einziger die Echtheit der Dokumente bestätigen könnte, jedoch wegen jüngster Äusserungen in Misskredit bei der exilpolitisch en Diaspo- ra gefallen sei, sei leider nicht erreichbar. M. Mit Eingabe vom 30. September 2013 an das Bundesverwaltungsgericht reichte die Rechtsvertretung ein undatiertes Schreiben des Vorsitzenden J._______ der neu gegründeten H._______ ins Recht, gemäss we lchem E-5305/2012 Seite 13 die Funktion des Beschwerdeführers detailliert innerhalb der Organisation beschrieben werde und aus welchem hervorgehe, dass der Beschwerd e- führer eine führende Position innehabe und sich mit seiner Arbeit sehr stark exponiere. Sodann wurden ein weiteres Schreiben von J._______, datiert vom (…) Juni 2013, betreffend die H._______ sowie ein Flyer der Organisation betreffend eine Veranstaltung vom (…) 2013 in [Schweiz] eingereicht, auf welchem [Daten] des Beschwerdeführers aufgeführt wur- de. Im Übrigen wurde ebenfalls am 30. September 2013 eine Kostennote ins Recht gelegt. N. Mit Eingaben vom 5. Oktober 2013 und 30. Oktober 2013 wurde auf eine Veranstaltung der H._______ vom (…) 2013 hingewiesen, an welcher der Beschwerdeführer eine Rede gehalten hatte; es wurden entsprechende Fotografien in Kopie sowie der Text der Rede samt englischer Zusa m- menfassung eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal- tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme i.S. von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Ge- biet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung; er ist daher zur Einre i-E-5305/2012 Seite 14 chung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 In der Besc hwerdeschrift wurde in formeller Hinsicht die Frage au f- geworfen, ob die Vorinstanz, indem sie in ihrer Vernehmlassung auf die eingereichten Beweismittel im Einzelnen mit keinem Wort eingehe und auch nicht klar mache, auf welche Beweismittel sie sich beziehe, ihre Be- gründungspflicht verletzt habe. 3.2 In Bezug auf diese verfahrensrechtliche Rüge ist festzuhalten, dass sich die Vorinstanz im Rahmen der Vernehmlassung äussern kann, dazu aber nicht verpflichtet ist . Wenn die Vorinstanz zur Beschwerde und den beigelegten Beweismitteln keine Stellung nimmt , liegt keine Gehörsver- letzung vor, da die Wahrung des rechtlichen Gehörs – namentlich Ab- nahme der Beweise – in Beschwerdeverfahren einzig der Beschwerdei n- stanz obliegt. Im Übrigen kann auf die Einholung einer Vernehmlassung sogar verzichtet werden (vgl. Art. 111a Abs. 1 AsylG). Das BFM hat dem- nach unter dem Gesichtspunkt der Beweisabnahme das Recht des B e- schwerdeführers auf rechtliches Gehör nicht verletzt. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachte i- len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Fre iheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen. Aufgrund der Subsidiarität des E-5305/2012 Seite 15 flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingse i- genschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E.7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2, 2011/51 E. 6). Massgeblich für die Beur- teilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeit punkt des En t- scheides – nicht diejenige im Zeitpunkt der Ausreise –, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begrü n- dete Furcht vor Verfolgung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation im H eimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält (Art. 7 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genü- gend substanziiert, in sich sch lüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erschei - nen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG). Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigun g der Vorbringen e r- gibt, dass die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der asylsuchenden Person sprechen, überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.6, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5, m.w.H.). 5. 5.1 Fraglich ist, ob der Beschwerdeführer bei einer allfälligen Rückkehr in sein Heimatland aufgrund der angeführten Kollaboration mit den oppositi- onellen Journalisten der C._______ sowie Regimegegnern und der gel- tend gemachten fehlenden Kooperation mit den äthiopischen Behörden mit einer la ngjährigen Freiheitsstrafe bzw. mit ernsthaften Nachteilen i m Sinne von Art. 3 AsylG rechnen müsste. Dabei sind die geltend gemac h- ten Vorbringen im länderspezifischen Kontext zu betrachten. E-5305/2012 Seite 16 5.2 [Ausführungen zum Gründer G._______ der C._______]. [Ausführungen, dass Mitarbeiter der C._______ aus Äthiopien geflohen sind]. Die Emigration von G._______ und die Schliessung der C._______ fand im Kontext verstärkter Restriktionen im Medienbereich in Äthiopien statt. Gemäss Freedom House verschlechterte sich das politische und mediale Freiheitsklima im Jahr 2011 dramatisch, als die Regierung angefangen habe, das im Jahr 2009 in Kraft getret ene Anti-Terror-Gesetz als Instr u- ment der Widerstandsunterdrückung extensiv zu gebrauchen. Äthiopien stehe derzeit – nach Eritrea – an zweiter Stelle, was die Inhaftierung von Journalisten betreffe. Während die Verfassung Pressefreiheit garantiere, werde dieses Recht in der Praxis oft eingeschränkt (vgl. Freedom House, Freedom of the Press 2012 – Ethiopia). Das Anti-Terror-Gesetz, gemäss welchem "anyone caught publishing information that could induce readers into acts of terrorism could be jailed for between 10 to 20 years ", führt auch zu Selbstzensur unter äthiopischen Journalisten (vgl. Reuters, Ethi- opian journalists worry after editor flees, vom 28. November 2011). Gemäss Committee to Protect Journalists nahm Äthiopien in Afrika ohnehin stets eine Vorreiterrolle in der Internetzensur ein (vgl. Committee to Protect Journalists, High -tech censorship on the rise in East Africa, vom 29. Juni 2012). Das Internet wird sowohl mit technischen Mitteln als auch durch die Einschüchterung und Inhaftierung von Internetaktivisten zensiert. Äthiopien ist das einzige Land in Subsahara -Afrika, welches ei- nen landesweiten Internetfilter unterhält. Im Jahr 2011 wurde die Internet- zensur (wie die Zensur der Medien allgemein) aus Angst vor Protesten, die vom "Arabischen Frühling" inspiriert werden, verstärkt. Mindestens ein regierungskritischer Blogger wurde 2011 inh aftiert (vgl. Freedom House, Freedom on the Net 2012 – Ehtiopia, September 2012 ). Bereits im Jahr 2005 blockierte die Regierung Nachrichten -Websites und Blog-Seiten. Im April 2012 führte sie ein " far more pervasive and sophisticated blocking system" ein. Seitdem werden mehr und spezifischere Seiten blockiert (zum Beispiel einzelne Facebook -Gruppen, ohne Facebook ganz zu bl o- ckieren; vgl. Committee to Protect Journalists, a.a.O.). Gemäss Committee to Protect Journalists hat die Verfolgung durch die Regierung von 2007 bis 2012 49 äthiopische Journalisten veranlasst, das Land zu verlassen. Im Jahr 2012 wurden neun äthiopische Journalisten, fünf davon in Abwesenheit, "on vague and politicized terrorism charges" zu Haftstrafen in Höhe von acht Jahren bis zu lebenslänglichen Haftstr a-E-5305/2012 Seite 17 fen verurteilt. Ende 2012 waren sechs Journalisten in Äthiopien inhaftiert. [Ausführungen zu C._______]. Im Jahr 2012 wurden namentlich vier Zei- tungen gezwungen zu schliessen (vgl. Committee to Protect Journalists, Attacks on the Press in 2012: Ethiopia, März 2013). 5.3 Nach Durchsicht der Akten und unter Berücksichtigung des lände r- spezifischen Kontextes gelangt das Bundesverwaltungsgericht vorliegend zum Schluss, dass in Würdigung aller Aspekte wesentliche und überwi e- gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers sprechen, zumal zu viele Zweifel an den geltend ge- machten Vorbringen bestehen und diese bei e iner Gesamtbetrachtung keine Ereignisse darstellen, die geeignet sein könnten, seine Flüchtlings- eigenschaft zu begründen. Vorliegend wird nicht in Abrede gestellt – und ist seitens des BFM auch nicht bestritten –, dass der Beschwe rdeführer in seinem Heimatland in [Geschäft] tätig war und auch Journalisten in dieser Lokalität gearbeitet haben. Sodann wurde – wie oben ausgeführt und wie der Beschwerde- führer zutreffend angab – E._______, Journalist der C._______, tatsäch- lich (…) inhaftiert und anschliessend verurteilt. Überdies ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf seine geltend gemachte Fest- nahme und Haft einige Details zu Protokoll gab. Die Vorinstanz führte allerdings zu Recht als gegen die Glaubhaftigkeit des Sachvortrages sprechendes Argument an, dass es überaus erstaune, dass die äthiopischen Behörden nach der Durchsuchung [Geschäft] des Beschwerdeführers drei Wochen zugewartet hätten, um ihn aufzusuchen bzw. festzunehmen (vgl. A 16/14 S. 6). Die diesbezügliche Erklärung des Beschwerdeführers, die Behörden hätten ihn während dieser Zeit aussp i- oniert (vgl. A 16/14 S. 9), vermag dabei nicht zu überzeugen. Weiter gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, die Behörden hätten lediglich von ihm verlangt, vor Gericht aus zusagen. Seine Begründung, weshalb er eine Aussage vor Gericht verweigert habe – er hätte damit sein Sozialle ben ruiniert –, erscheint nicht nachvollziehbar, ist doch – wie die Vorinstanz zutreffend ausführte – eine Flucht aus dem Heimatland und eine Tre n- nung von der Familie ein entscheidenderes Ereignis als die angebliche Gefahr, seinem Sozialleben zu schaden. Ferner erscheint es nicht plausi- bel, dass die Behörden die [Mitarbeiterin] nicht befragt bzw. diese nic ht als Zeugin vorgeladen hätten, zumal sie häufiger in Kontakt mit den Jour- nalisten stand als der Beschwerde führer. Hinsichtlich des Nachnamens der [Mitarbeiterin] ist zu Gunsten des Beschwerdeführers festzuhalten, E-5305/2012 Seite 18 dass der Umstand, dass ihm ihr Nachname in der Anhörung nicht präsent war, nicht derart relevant ist, als dass e r ausschlaggebend ins Gewicht fallen würde. Was sodann die Suchaktion der Behörden nach der Flucht des Beschwerdeführers betr ifft, ist der Vorinstanz beizupflichten, dass hierzu nur dürftige Angaben vorliegen (vgl. A 16/14 S. 9). Die Erklärung des Beschwerdeführers , seine Ausführungen würden einem Informat i- onsstand entsprechen, wie man ihn aufgrund einer nachträglichen Au s- kunft per Telefon erwarten könne, erscheint dabei nicht überzeugend. Es wäre aufgrund der Prägnanz dieses Ereignisses zu erwarten gewesen, dass er sich durch seine Familie ausführlich über die Suchaktion hätte in- formieren lassen und folglich detailliert hätte Auskunft geben können, wie die Beamten vorgegangen seien und was sie genau vom Beschwerdefüh- rer gewollt hätten. Im Übrigen ist es erstaunlich, dass seine Ehefrau eige- nen Angaben zufolge weiterhin ohne jegliche Behelligungen in B._______ lebe, ihrer Arbeit nachgehen könne und bis her keine Probleme mit den Behörden gehabt habe. Des Weiteren lassen die massiven Ungereimthei- ten, dass die mit der Eingabe vom 19. November 2012 eingereichten B e- weismittel – Zertifikat der " Cc._______" f ür den Beschwerdeführer und [Geschäft], angeblich ausgestellt vom Geschäftsführer G._______ am (…) Juni 2010 , Einladung zur Feier des (…)jährigen Bestehens der "Cc._______" vom (…) Juni 2010 sowie Vertrag zwischen [Geschäft] und der " Cc._______" vom (…) 2010 – jeweils das Logo respektive den Stempel der "Cc._______" anstatt der "C._______" aufweisen, erhebliche Zweifel an der Richtigkeit des Vorgebrachten zu und erschüttern das Ge- samtbild respektive die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen. Dabei vermö- gen die entsprechenden Ausführungen des Beschwerdeführers den fest- gestellten Widerspruch nicht zu beseitigen . Auch die eingereichten M o- natsrechnungen für die angeblichen Dienste [Geschäft] für die C._______ sind nicht geeignet, diese Einschätzung umzustossen, da sie insbesonde- re handschriftlich verfasst sind und ihnen somit nur ein geringer Beweis- wert zukommt. Überdies vermögen ebenso die Fotographien des B e- schwerdeführers mit den Journalisten der C._______, der Be richt in e i- nem im Jahr (…) veröffentlichen Buch "(...)" eines Mitarbeiters der C._______, in welchem der Beschwerdeführer namentlich erwähnt sei (Artikel […]), sowie die weiteren eingereichten Beweismaterialien die oben aufgeführten Unstimmigkeiten nicht zu widerlegen. Im Übrigen schliesst sich das Bundesverwaltungsger icht den zutreffenden Ausfü h- rungen des BFM in seiner Vernehmlassung an, wonach insbesondere hinsichtlich der Facebook-Kontakte zu Recht ausgeführt wurde, dass die Bezeichnung "Friends" noch lange keine tiefe Verbindung zwischen den Beteiligten belege. Zwar ist einzuräumen, dass der Beschwerdeführer die E-5305/2012 Seite 19 oppositionelle Szene vermutlich kennt, dieser Umstand allein vermag j e- doch noch keine Asylrelevanz zu entfalten. Gestützt auf das oben Gesagte können vorliegen d Ausführungen zum Umstand unterbleiben, dass sich der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge sechs Monate vor seiner Ausreise bei [Verwandter] aufhalten konnte. 5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei einer Gesamtbetrac h- tung der dargelegten Verfolgungsmassnahmen nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers abgeleitet werden kann . Folglich führen die geltend gemachten Asylvorbringen als solche nicht zur Annahme einer begründ e- ten Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. 5.5 5.5.1 Des Weiteren macht e der Beschwerdeführer mit Verweis auf seine exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz subjektive Nachfluchtgründe gel- tend. Er reichte hierzu folgende Beweismittel ein: Fotographien und Flyer betreffend [Anlass in der Schweiz] vom (…) 2013, Dokumente betreffend den Verein H._______ sowie Fotographien und Rede samt englischer Zusammenfassung betreffend die Veranstaltung der H._______ vom (…) 2013. 5.5.2 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Asylentschei des (BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ueber- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., B a- sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat - oder Her- kunftsstaat – insbesondere durch politische Exilaktivitäten – eine Gefähr- dungssituation erst geschaffen worden ist, beruft sich auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG). Diese begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinn e von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Die vom Gesetzg e- ber bezweckte Bestimmung subjektiver Nachfluchtgründe als Asylau s- schlussgrund verbietet auch ein Addieren solcher Gründe mit Fluchtgrü n- den vor der Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat, die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und zur Asylgewä h- rung ausreichen (vgl. EMARK 1995 Nr. 7 E. 7b und 8). Wer ei ne drohen-E-5305/2012 Seite 20 de Verfolgung wegen exilpolitischen Engagements geltend macht, hat dann begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich releva nter Weise verfolgt würde (BVGE 2009/29 E. 5.1, BVGE 2009/28 E. 7.1, EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1). 5.5.3 Das exilpolitische Engagement des Beschwerdeführers ist vor dem Hintergrund der Situation i n Äthiopien zu betrachten. Hierzu ist auch auf Erwägung 5.2 zu verweisen, in welcher festgehalten wurde, dass in Äthi- opien verstärkte Restriktionen im Medienbereich statt finden und das im Jahr 2009 in Kraft getretene Anti -Terror-Gesetz als Instrument der W ider- standsunterdrückung extensiv gebraucht wird. Im Allgemeinen trifft es zu, dass die äthiopischen Sicherheitsbehörden die Aktivitäten der Exilgemeinschaften im Rahmen ihrer (beschränkten) Mög- lichkeiten überwachen und mittels elekt ronischer Datenbanken registrie- ren. Unter diesen Umständen ist anzunehmen, dass im Ausland agiere n- de Personen, welche erkennbar in oppositionellen Organisationen aktiv waren oder mit ihr sympathisierten, identifiziert werden könnten und im Falle einer Zwangsrückschaffung dem ät hiopischen Sicherheitsdienst be- reits am Flughafen bekannt würden. Demnach dürfte davon auszugehen sein, dass die Sicherheitsorgane eine zwangsweise aus dem Ausland zu- rückgeführte Person, die Anhänger oder Mitglied einer regimekritischen Organisation war oder noch ist, nach wie vor als zu verfolgenden Gegner der Regierung ansehen würden, solange von dieser Person vor ihrer Aus- reise aus dem jeweiligen Gast land kein eindeutiges Bekenntnis zur ve r- fassungsmässigen Ordnung Äthiopiens und eine klare Abkehr von den bisherigen Aktivitäten dieser regimekritischen Organisationen vorliegt. Angesichts der beschränkten Ressourcen des äthiopischen Nachrichte n- dienstes stellt sich die Frage nach der Wahrscheinlichkeit und dem Au s- mass einer allfälligen Überwachung in der Schweiz, welche indessen vor- liegend offenbleiben kann. Von Bedeutung ist dagegen die tatsächliche Erkennbarkeit der behaupteten exilpolitische n Tätigkeit , die Individua li- sierbarkeit des Be schwerdeführers und seine konkrete exilpolitische Tä- tigkeit, denn die äthiopischen Behörden haben nur dann ein Interesse an der Identifizierung einer Person, wenn deren Aktivitäten als konkrete B e- drohung für das politische System wahrgenommen werden. 5.5.4 Die vorliegende Aktenlage lässt entgegen der in der Beschwerde geäusserten An sicht nicht den Schluss zu, die äthiopischen Behörden E-5305/2012 Seite 21 hätten von der exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerdeführers Kenntnis erlangt, zumal keine konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass er tat- sächlich das Interesse auf sich gezogen hat respektive von den Behörden als regimefeindlich identifiziert und registriert worden ist. Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei am (…) 2012 an der Gründung einer Unterstützungsgruppierung (...) in d er Schweiz beteiligt gewe sen, zum [Stellung] ernannt und dementsprechend im Gründungsprotokoll e r- wähnt worden . Zudem sei a m (…) 2012 die politische Organisation H._______ gegründet worden, welche aus den Nac hfolgesitzungen der (…) Unterstützungsgruppierung hervorgehe; er habe dabei als [Stellung] der Unterstützungsgruppierung teilgenommen. (…). Er übernehme als Mitglied der H._______ eine zentrale Rolle im Aufbau der Organisation schweizweit. Ferner gehe aus dem Schreiben des Vorsitzenden J._______ der H._______ hervor, dass der Beschwerdeführer e ine füh- rende Position innehabe und sich mit seiner Arbeit sehr stark exponiere. Überdies sei [Daten] auf einem Flyer der H._______ betreffend eine Ver- anstaltung vom (…) 2013 in [Schweiz], wo er seine in englischer Sprache eingereichte Rede gehalten habe, aufgeführt worden. Ein exponierter exilpolitischer Einsatz, welcher den Beschwerdeführer ins Zentrum des Interesses de r äthiopischen Behörden rücken könnte, ist vorliegend nicht zu verzeichnen , da er weder als besonders exponierte r noch gar als staatsgefährdender Aktivist im Ausland erscheint. Zwar ist dem Bestätigungsschreiben des Vorsitzenden J._______ der H._______ zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer einige Aufgaben für den Ve r- ein übernimmt und auch an der Veranstaltung vom (…) 2013 in [Schweiz] eine Rede gehalten hat . Aber anders als J._______ ist der Beschwerd e- führer weder Zeichnungsberechtigt er noch Mitglied des Vorstands des Vereins. Sodann wird er in diesem Kontext auch nirgends namentlich er- wähnt. Demnach erscheint es , ungeachtet der Überwachungsaktivitäten der äthiopischen Behörden , nicht überwiegend wahrscheinlich, dass di e- se von der exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerdeführers Kenntnis er- langt haben, ihn namentlich identifiziert und registriert haben ; ohnehin verfügen die Behörden lediglich über beschränkte Ressourcen. Es fehlen denn auch jegliche Hinweise darauf, dass gegen den Beschwerdeführer aufgrund seiner exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz in Äthiopien ein Strafverfahren oder andere behördliche Massnahmen eing eleitet worden wären, obwohl die Anklageerhebung gegen abwesende Personen in Äthiopien gerade im Zusammenhang mit im Ausland lebenden regimekr i- tischen Aktivisten nicht unüblich ist. An dieser Stelle ist im Übrigen unter E-5305/2012 Seite 22 Hinweis auf die in Art. 8 AsylG verankerte Mitwirkungspflicht festzuhalten, dass es nicht Sache der schweizerischen Asylbehörden sein kann, jede auch nur ansatzweise und abstrakt mögliche Gefährdungssituation im Heimatland des Beschwerdeführers abzuklären. Auch die übrigen eing e- reichten Unterlagen (undatiertes Schreiben von J._______ betreffend die H._______ sowie Flyer der Organisation betreffend die Veranstaltung vom (…) 2013 in [Schweiz], auf welchem angeblich [Daten] des Be- schwerdeführers aufgeführt worden sei) vermögen obige Einschätzung nicht in Frage zu stellen. Somit ist davon auszugehen , dass die heimatlichen Behörden den B e- schwerdeführer nicht als konkrete und ernsthafte Bedrohung für das pol i- tische System erachten und er deshalb bei einer Rückkehr nach Äthio- pien mit flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung rechnen müsste. Ebe n- so wenig ist anzunehmen, dass er aufgrund seines Auslandaufenthaltes bei seiner Rückkehr vom äthiopischen Staat der subversiven Staatstäti g- keit verdächtigt wird und deswegen eine Verfolgung zu befürchten hat. Folglich ergibt sich, dass auch die geltend gemachten subjektiven Nac h- fluchtgründe keine Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu b e- gründen vermögen. 5.6 Vor dem Hintergrund obiger Erwägungen halten die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft mangels begründeter Furcht vor mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft eintretender Verfolgung nicht stand. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asyl- gesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 7. E-5305/2012 Seite 23 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Ge ltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der F lüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls w e- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148). Demgegenüber genügen Hinweise auf blosse Eve n- tualitäten und vage Möglichkeiten von Vollzugshindernissen nicht. 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehe n (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in e in solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum S chutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar - auf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerd e- führer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nac h- zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG veranke rte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. E-5305/2012 Seite 24 Sodann ergeben sich weder aus den A ussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wä re. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folte r oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 -127, m.w.H.). Auch die allgemeine Mensche n- rechtssituation in Äthiopien, wohin die Rückkehr des Besch werdeführers erfolgen soll, lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der We g- weisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen B e- stimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.4.1 Die schweizerischen Asylbehörden gehen in konstanter Praxis von einer grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Äthi- opien aus. Der zweieinhalb Jahre dauernde Grenzkrieg zwischen Äthi o- pien und Eritrea wurde im Juni 2000 mit einem von der Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) v ermittelten Waffenstillstand und einem von beiden Staaten am 12. Dezember 2000 unterzeichneten Friedensabkom - men beendet. Trotz des Abzugs der UN -Friedenstruppen aus Eritrea im März 2008 und aus Äthiopien im August 2008 ist im heutigen Zeitpunkt nicht von einem offenen Konflikt im Grenzgebiet zwischen diesen beiden Staaten auszugehen, wenn auch gleichzeitig zu bemerken ist, dass eine Lösung der Grenzproblematik und eine Normalisierung zwischen den bei- den Staaten nach wie vor nicht in Sicht ist. Öffentlic h zugänglichen Quel- len zufolge sind die Lebensbedingungen in Äthiopien noch immer prekär. Da viele Haushalte nicht im Stande sind, für die nötigen Nahrungsmittel aufzukommen, ist internationale Unterstützung bei der Nahrungsmittelver- sorgung unerlässlich geworden. Daher sind zur Erlangung einer sicheren E-5305/2012 Seite 25 Existenzgrundlage ausreichend genügend finanzielle Mittel, gefragte b e- rufliche Fähigkeiten sowie intakte familiäre und soziale Netzwerke absolut notwendig (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3 und 8.4 S. 120 f. m.w.H.). Schwierig gestaltet sich die soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederung für a l- leinstehende Frauen. 7.4.2 Der Beschwerdeführer habe eigenen Angaben zufolge zeitlebens in B._______ gelebt, wo er als [Tätigkeit] tätig gewesen sei und [eigenes Geschäft] gehabt habe (vgl. A6/10 S. 4) . Angesichts des Alters und des soweit aktenkundig guten Gesundheitszustandes des jungen Beschwer- deführers sowie sei ner Berufs erfahrung ist davon auszugehen, dass er sich in seiner Heimat wieder in den Arbeitsmarkt integrie ren wird. Betref- fend seine soziale Vernetzung gab er zu Protokoll, dass seine Ehefrau, sein Kind, seine Eltern sowie weitere Verwandte in B._______ leben wür- den (vgl. A6/10 S. 5). Insofern ist anzunehmen, dass für den Beschwe r- deführer vor Ort nach wie vor soziale Anknüpfungspunkte bestehen, er über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt und seine Wohnsituation als gesichert gelten kann. In Anbetracht dieser Faktoren und der persönl i- chen Voraussetzungen d es Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass die soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederung in seinem He i- matland gelingen und er höchstwahrscheinlich in keine existenzbedr o- hende Situation geraten wird. Folglich sind auch keine individuellen Wegweisungshindernisse ersicht - lich, die den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen lassen. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfüg te Wegweisungsvollzug zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus den vorstehenden Erwägungen er gibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. E-5305/2012 Seite 26 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerd e- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem das in der Rechtsmitteleingabe gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Verfügung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 18. Oktober 2012 auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen wurde, ist im Urteilszeitpunkt darüber zu befinden. Die Beschwerdebegehren sind im Zeitpunkt ihrer Einreichung als nicht aussichtslos zu qualifizieren. Aufgrund der Aktenlage muss d er Be- schwerdeführer als bedürftig betrachtet werden, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite) E-5305/2012 Seite 27 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Kosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: