<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2004.00067</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=204130&amp;W10_KEY=4467141&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2004.00067</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 07.04.2004</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">1. Abteilung/1. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Administrativmassnahmen im Strassenverkehr</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Führerausweisentzug</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Reduktion eines Warnungsentzugs wegen überlanger Verfahrensdauer von 10 auf 6 Monate<br/><br/>Die Dauer des Warnungsentzugs ist zu reduzieren (oder gegebenenfalls ist auf einen Entzug sogar ganz zu verzichten), wenn zwischen dem massnahmeauslösenden Ereignis und dem Entscheid der Vorinstanz relativ viel Zeit verstrichen ist, den Lenker an der langen Verfahrensdauer keine Schuld trifft und er sich in der Zwischenzeit wohl verhalten hat (E. 2.2). Die Angemessenheit der Verfahrensdauer ist aufgrund folgender Kriterien zu ermitteln: Bedeutung der Sache für den Beschwerdeführer, Komplexität des Falls, Verhalten des Beschwerdeführers, Behandlung des Falls durch die Behörden (E. 3.3). Darf im Administrativverfahren auf die Sachverhaltsermittlungen des Strafverfahrens abgestellt werden, ist ein Rekursverfahren von deutlich über 2 Jahren übermässig lang (E. 3.3.1). Ob die Dauer des Führerausweisentzugs zu reduzieren ist oder ob der Entzug ganz zu unterbleiben hat, ist im Einzelfall unter Berücksichtigung des erzieherischen Charkaters der Massnahme abzuwägen: Kriterien bilden dabei die Schwere der massnahmeauslösenden Delikte einerseits und der Zeitablauf anderseits. Bei der Beurteilung des Zeitablaufs sind die strafrechtlichen Verjährungsregeln sinngemäss beizuziehen insofern der Entzug strafähnlich ist. Ein zwischenzeitliches Wohlverhalten des Beschwerdeführers ist zu seinen Gunsten zu berücksichtigen (E. 3.4). Teilweise Gutheissung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEHANDLUNGSFRIST">BEHANDLUNGSFRIST</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ENTZUGSDAUER">ENTZUGSDAUER</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTSVERZÃGERUNG">RECHTSVERZÃGERUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Besonderes Verwaltungsrecht (ohne...) ST: STRASSENVERKEHRSRECHT">STRASSENVERKEHRSRECHT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERFAHRENSDAUER">VERFAHRENSDAUER</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WARNUNGSENTZUG">WARNUNGSENTZUG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 29 Abs. I BV</span><br/><span class="gerade">Art. 6 Abs. I EMRK</span><br/><span class="ungerade">§ 4a VRG</span><br/><span class="gerade">§ 27a Abs. I VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b><span>I. </span></b><span> </span></p> <p class="Sachverhalt2"><b><span>A. </span></b><span>Am Samstag, den 11. MÃ¤rz 2000, ca. 18 Uhr 20, nach vorgÃ¤ngigem Konsum von mehreren Flaschen Spezialbier, lenkte E den auf seine Frau eingelÃ¶sten Personenwagen auf der L-Strasse in X stadteinwÃ¤rts. Ungeachtet der allgemeinen HÃ¶chstgeschwindigkeit von 50 km/h fuhr er mindestens 30 km/h schneller. Auf der HÃ¶he des Einkaufzentrums M verlor E wÃ¤hrend eines AusweichmanÃ¶vers die Kontrolle Ã¼ber das Fahrzeug und verursachte einen Selbstunfall mit erheblichem Sachschaden. Ohne sich um die ihm obliegenden Pflich­ten nach einem Unfall mit Sachschaden zu kÃ¼mmern, entfernte er sich von der Unfallstelle.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Bezirksanwaltschaft X bestrafte E deshalb mit Strafbefehl vom 19. Januar 2001 wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln, der Vereitelung einer Blutprobe und pflicht­widrigen Verhaltens bei Unfall mit 60 Tagen GefÃ¤ngnis. Die GewÃ¤hrung des bedingten Strafvollzugs fiel ausser Betracht, da E mit Strafbefehl der Bezirksanwaltschaft Y vom 23. MÃ¤rz 1998 wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand mit 21 Tagen GefÃ¤ngnis bestraft worden war. Der bedingte Vollzug dieser Strafe wurde widerrufen.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b><span>B. </span></b><span>Aufgrund des gleichen Sachverhalts entzog die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit des Kantons ZÃ¼rich (Strassenverkehrsamt, Abteilung Administrativmassnahmen) E mit VerfÃ¼gung vom 11. Juli 2001 den FÃ¼hrerausweis fÃ¼r die Dauer von zehn Monaten.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>II. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Den gegen die EntzugsverfÃ¼gung gerichteten Rekurs vom 13. August 2001, mit dem E eine prozessual begrÃ¼ndete RÃ¼ckweisung zur Neubeurteilung durch die Vorinstanz sowie die Reduktion der Entzugsdauer auf sechs Monate verlangte, wies der Regierungsrat des Kantons ZÃ¼rich mit Entscheid vom 17. Dezember 2003 ab.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>III. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Mit Beschwerde vom 9. Februar 2004 gelangte E an das Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des FÃ¼hrerausweisentzugs. Das Strassenverkehrsamt schloss namens der Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit am 18. Februar 2004 auf Abweisung, die Staatskanzlei stellte am 9. MÃ¤rz 2004 den nÃ¤mlichen Antrag namens des Regierungsrats.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Parteivorbringen sowie die ErwÃ¤gungen des angefochtenen Regierungsratsbeschlusses werden â soweit erforderlich â nachstehend wiedergegeben.</span></p> <p class="Zwischentitel"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>1. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>1.1 </span></b><span>Die grundsÃ¤tzliche ZustÃ¤ndigkeit des Verwaltungsgerichts zur Beurteilung von Beschwerden gegen administrative Massnahmen im Strassenverkehr findet ihre Grundlage in § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG). Die Behandlung entsprechender Beschwerden erfolgt gemÃ¤ss § 38 Abs. 2 lit. a VRG durch den Einzelrichter. Nach § 38 Abs. 3 Satz 2 VRG ist die einzelrichterliche Beurteilung indessen ausgeschlossen, wenn Entscheide des Regierungsrats angefochten sind. Nachdem Letzteres hier der Fall ist, hat die GeschÃ¤ftserledigung in Dreierbesetzung zu erfolgen (vgl. § 38 Abs. 1 VRG).</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>1.2 </span></b><span>Der Antrag in der Beschwerde auf Verzicht eines Entzugs geht Ã¼ber den Antrag im Rekurs auf Reduktion hinaus. Diese Erweiterung des Antrags stÃ¼tzt sich jedoch auf die RÃ¼ge einer wesentlichen Verfahrensvorschriftsverletzung durch die Rekursinstanz, weshalb nicht von einer unzulÃ¤ssigen Erweiterung des Antrags gesprochen werden kann.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>2. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b><span>Der BeschwerdefÃ¼hrer macht mit der Beschwerde einzig geltend, dass der Regierungsrat den Grundsatz der Verfahrensbeschleunigung verletzt habe. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sei eine zu lange Verfahrensdauer bei der Festsetzung der Dauer des FÃ¼hrerausweisentzugs zu berÃ¼cksichtigen, eventuell sei sogar von der Anordnung eines Entzugs abzusehen. An den noch mit dem Rekurs vorgebrachten Begehren und EinwÃ¤nden wurde dagegen nicht mehr festgehalten.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.2 </span></b><span>Die Parteien haben im Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV]; § 4a VRG). Bei der Beurteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer ist zunÃ¤chst zu berÃ¼cksichtigen, dass mit dem Warnungsentzug eine Besserung des FahrzeugfÃ¼hrers bzw. eine BekÃ¤mpfung der RÃ¼ckfallgefahr erreicht werden soll (Art. 30 Abs. 2 Verkehrszulassungsverordnung vom 27. Oktober 1976). Aufgrund seines prÃ¤ventiven und erzieherischen Charakters muss der Warnungsentzug gemÃ¤ss bundesgerichtlicher Rechtsprechung mit der Verkehrsregelverletzung in einem <i>angemessenen zeitlichen Zusammenhang </i>stehen (BGE 120 Ib 504 E. 4b). Ist dieser Zusammenhang nicht mehr gegeben, muss gegebenenfalls die gesetzliche Mindestentzugsdauer unterschritten (BGE 127 II 297 E. 3b; 120 lb 504, 510 E. 4e) oder sogar gÃ¤nzlich von einer Massnahme abgesehen werden (vgl. den Sachverhalt in BGE 115 Ia 159, 162). FÃ¼r eine Reduktion der Entzugsdauer bzw. einen gÃ¤nzlichen Verzicht mÃ¼ssen aufgrund der zitierten Rechtsprechung folgende Voraussetzungen erfÃ¼llt sein:</span></p> <p class="Urteilstext"><span>-<span> </span></span><span>Zwischen dem massnahmeauslÃ¶senden Ereignis und dem Entscheid der letzten Instanz ist relativ viel Zeit verstrichen;</span></p> <p class="Urteilstext"><span>-<span> </span></span><span>den BeschwerdefÃ¼hrer trifft an dieser langen Verfahrensdauer keine Schuld (oder positiv ausgedrÃ¼ckt: das Prozessverhalten des BeschwerdefÃ¼hrers muss nachvollziehbar sein; vgl. EGMR, 26. Oktober 1988, Martins Moreira, 11371/85, § 49, http://hudoc.echr.coe.int: "natural and understandable");</span></p> <p class="Urteilstext"><span>-<span> </span></span><span>der BeschwerdefÃ¼hrer hat sich in der Zwischenzeit wohl verhalten.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Diese Voraussetzungen sind im Folgenden zu prÃ¼fen.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>3. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.1 </span></b><span>Der BeschwerdefÃ¼hrer weist daraufhin, dass er sich seit dem Vorfall vom 11. MÃ¤rz 2000 wohl verhalten habe. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Beschwerdeantwort nicht geltend gemacht, dass es an der Voraussetzung des Wohlverhaltens in der Zwischenzeit fehlt. Die <i>dritte</i> Voraussetzung ist somit erfÃ¼llt.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.2 </span></b><span>Die <i>zweite</i> Voraussetzung ist ebenfalls erfÃ¼llt. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafÃ¼r, dass der BeschwerdefÃ¼hrer die LÃ¤nge des Administrativverfahrens (teilweise) "mitverursacht" hat. Er ist fÃ¼r die Dauer des Verfahrens vor Regierungsrat nicht verantwortlich; er war insbesondere nicht gehalten, das Administrativverfahren durch eigene Handlungen â gleichsam "gegen sich selbst" (BGE 127 II 297, 301 E. 3d) â voranzutreiben.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.3 </span></b><span>Damit ist nun zu prÃ¼fen, ob die <i>erste</i> Voraussetzung der Ã¼berlangen Verfahrensdauer erfÃ¼llt ist. Zwischen dem massnahmeauslÃ¶senden Ereignis (11. MÃ¤rz 2000) und dem angefochtenen Entscheid (17. Dezember 2003) liegen 3 Jahre und 9 Monate. Ob diese Verfahrensdauer als Ã¼berlang zu gelten hat, bemisst sich zunÃ¤chst aufgrund der anwendbaren Verfahrensordnung. EnthÃ¤lt diese eine Behandlungsfrist, ist in erster Linie darauf abzustellen (vgl. etwa BGE 108 Ia 165 E. 2b). Bestehen keine gesetzlichen Behandlungsfristen, sind die konkreten UmstÃ¤nde des Einzelfalles zu berÃ¼cksichtigen (vgl. BGE 127 II 297, 300 E. 3d). Da der Warnungsentzug eine strafrechtliche Anklage im Sinne von Art. 6 Abs. 1 EuropÃ¤ische Menschenrechtskonvention (EMRK) darstellt (BGE 121 II 22 E. 3b), sind fÃ¼r die Bestimmung der Angemessenheit der Verfahrensdauer folgende, vom EuropÃ¤ischen Gerichtshof fÃ¼r Menschenrechte entwickelte Kriterien zu berÃ¼cksichtigen: Bedeutung der Sache fÃ¼r den BeschwerdefÃ¼hrer, KomplexitÃ¤t des Falles, Verhalten des BeschwerdefÃ¼hrers sowie Behandlung des Falles durch die BehÃ¶rden (EGMR, 28. Juni 1978, KÃ¶nig, 6232/73, § 99, http://hudoc.echr.coe.int; Ãbersicht bei Mark E. Villiger, Handbuch der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention, 2. A., ZÃ¼rich 1999, Rz. 459 ff.). Dabei ist zunÃ¤chst (E. 3.3.1) die Dauer der einzelnen Verfahrensabschnitte und anschliessend (E. 3.3.2) die Dauer des Verfahrens als Ganzes zu beurteilen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist der Zeitablauf nicht als absolute GrÃ¶sse zu verstehen, da er z.B. durch den Gang der Untersuchung oder das Ergreifen von Rechtsmitteln unterschiedlich beeinflusst werden kann. Entscheidend ist die Analyse des Verfahrens dahingehend, ob dem Beschleunigungsgebot konsequent nachgelebt wurde.</span></p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.3.1 </span></b><span>Vom Selbstunfall bis zum Erlass des Strafbefehls am 19. Januar 2001 vergingen etwas mehr als zehn Monate. Im Strafverfahren mussten zahlreiche Beteiligte als Zeugen einvernommen werden. Das Strafverfahren wurde von den Ermittlungs- und UntersuchungsbehÃ¶rden bis zum Erlass des Strafbefehls ohne Zweifel mit der notwendigen BefÃ¶rderlichkeit vorangetrieben. Es erweist sich nicht als Ã¼bermÃ¤ssig lang. Dass das Administrativverfahren so lange sistiert bleiben musste, ist nach der Rechtsprechung des Bun­des­gerichts in Kauf zu nehmen, da die Ergebnisse des Strafverfahrens wegen der umfassenden Verteidigungsrechte und den auf die Untersuchung spezialisierten Ermittlungsorganen abzuwarten sind (BGE 119 Ib 158 2c/cc).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Das Strassenverkehrsamt erhielt Ende Februar 2001 vom Abschluss des Strafverfahrens Kenntnis. Bis zur Zustellung der EntzugsverfÃ¼gung Anfang Juli 2001 vergingen etwas mehr als vier Monate. Auch diese Dauer erweist sich nicht als Ã¼bermÃ¤ssig lang, da dem BeschwerdefÃ¼hrer nach Abschluss des Strafverfahrens zunÃ¤chst das rechtliche GehÃ¶r im Administrativverfahren eingerÃ¤umt werden musste (von welchem er trotz Fristerstreckung schliesslich keinen Gebrauch machte, was allerdings auf die Verfahrensdauer ohne Auswirkung blieb).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Vom Abschluss des Schriftenwechsels (Rekursvernehmlassung vom 3. September 2001) bis zum Entscheid des Regierungsrates vergingen etwas mehr als 2 Jahre und 3 Monate. Diese Dauer ist zunÃ¤chst an der Behandlungsfrist in der anwendbaren Verfahrensordnung (§ 27a Abs. 1 VRG) zu messen. Danach entscheiden Rekursinstanzen innert 60 Tagen seit Abschluss der Sachverhaltsermittlungen. Im vorliegenden Fall konnte der Regierungsrat vollumfÃ¤nglich auf die eingehende Ermittlung des Sachverhalts durch die StrafverfolgungsbehÃ¶rden abstellen. Eigene Sachverhaltsermittlungen waren im Administrativverfahren aufgrund der Rechtsprechung (BGE 119 Ib 158 E. 3c/aa) klarerweise nicht mehr erforderlich. Bei der Frist in § 27a Abs. 1 VRG handelt es sich zwar um eine Ordnungs- und nicht um eine Verwirkungsfrist (Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 27a N. 10). Gerade in komplizierteren Verfahren wird sich die Frist in aller Regel als zu kurz erweisen, weshalb der RekursbehÃ¶rde denn auch die MÃ¶glichkeit eingerÃ¤umt wird, den Parteien die Nichteinhaltung der Frist anzuzeigen (§ 27a Abs. 2 VRG). Die Behandlungsfrist ist jedoch als eines der hauptsÃ¤chlichen Kriterien zu berÃ¼cksichtigen, wenn es um die Bestimmung der angemessenen Verfahrensdauer im Sinne von Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Abs. 1 EMRK geht. Deshalb ist zunÃ¤chst festzuhalten, dass die Behandlungsfrist vor Regierungsrat vorliegend um mehr als das 13fache Ã¼berschritten wurde.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>FÃ¼r die Beurteilung der Verfahrensdauer ist weiter die <i>Bedeutung </i>der Sache <i>fÃ¼r den BeschwerdefÃ¼hrer</i> zu berÃ¼cksichtigen. Der FÃ¼hrerausweisentzug wurde fÃ¼r eine Dauer von zehn Monaten angeordnet. Diese Massnahme tangiert die persÃ¶nliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) zwar in relativ einschneidender Weise, bedeutet jedoch etwa im Vergleich zu einer Haftstrafe oder einem Berufsverbot einen eher leichten Eingriff. Allein aufgrund dieses Kriteriums wÃ¤re eine Ã¼ber zweijÃ¤hrige Verfahrensdauer an sich noch nicht zu beanstanden. Als weiteres Kriterium ist indessen die <i>KomplexitÃ¤t des Falls</i> zu berÃ¼cksichtigen. Hier fÃ¤llt auf, dass der Regierungsrat nicht nur in Bezug auf den Sachverhalt, sondern auch in Bezug auf die rechtliche WÃ¼rdigung auf den Strafbefehl abzustellen hatte (BGE 119 Ib 158 E. 3c/bb). Hinsichtlich des Tatbestands der Vereitelung der Blutprobe konnte der Regierungsrat ohne weiteres von der strafrechtlichen (Art. 91 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 [SVG]) auf die massnahmenrechtliche Qualifikation (Art. 16 Abs. 3 lit. g SVG) schliessen. Dies gilt auch fÃ¼r die weiteren UmstÃ¤nde. Der Fall erwies sich damit nach Abschluss des Strafverfahrens weder in Bezug auf den Sachverhalt noch auf die rechtliche Beurteilung als sonderlich komplex. Die Verfahrensdauer steht in einem MissverhÃ¤ltnis zur KomplexitÃ¤t des Falls. Weiter hatte der <i>BeschwerdefÃ¼hrer</i> durch sein <i>Verhalten</i>, wie bereits erwÃ¤hnt (E. 3.2), an der Verfahrensdauer vor Regierungsrat keinerlei Verschulden. Als Letztes ist schliesslich die <i>Behandlung</i> des Falles <i>durch die Rekursinstanz</i> zu prÃ¼fen. Hier fÃ¤llt in Betracht, dass fÃ¼r die Zeit zwischen Abschluss des Schriftenwechsels und Entscheid der Vorinstanz aus den Akten keinerlei Verfahrenshandlungen hervorgehen. Unter BerÃ¼cksichtigung der genannten Kriterien erweist sich die Dauer des Rekursverfahrens als zu lang. </span></p> <p class="Erwgung3"><b><span>3.3.2 </span></b><span>Betrachtet man das Verfahren in seiner ganzen Dauer, ist eine Verletzung des Beschleunigungsgebots festzustellen. Die Sistierung des Administrativverfahrens bis zum Abschluss des Strafverfahrens dient der sorgfÃ¤ltigen â und in aller Regel fÃ¼r die EntzugsbehÃ¶rde verbindlichen â AbklÃ¤rung des Sachverhalts durch die StrafbehÃ¶rden. Steht das Resultat jedoch erst einmal fest, haben VerwaltungsbehÃ¶rde und Rechtsmittelinstanzen das Administrativverfahren mit der notwendigen BefÃ¶rderlichkeit zu erledigen (vgl. BGE 127 II 297, 301 E. 3d). Anderenfalls fÃ¼hrt der Dualismus von Straf- und Entzugsverfahren zu einer Ã¼berlangen Verfahrensdauer (Andreas Kley, Die Anwendung der Garantien des Art. 6 EMRK auf Verfahren betreffend den FÃ¼hrerausweisentzug, in: RenÃ© Schaffhauser [Hrsg.], Aktuelle Fragen des Straf- und Administrativmassnahmenrechts im Strassenverkehr, St. Gallen 1995, S. 99, 122). Die Pflicht zur Verfahrensbeschleunigung wurde im vorliegenden Fall durch die Vorinstanz verletzt. Damit sind alle von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aufgestellten Voraussetzungen (E. 2.2) fÃ¼r eine Reduktion der Dauer der Massnahme oder gar einen gÃ¤nzlichen Verzicht auf den Ausweisentzug erfÃ¼llt. Damit ist im Folgenden zu prÃ¼fen, welche der beiden MÃ¶glichkeiten zu wÃ¤hlen ist.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.4 </span></b><span>AbzuwÃ¤gen ist die Schwere der vom BeschwerdefÃ¼hrer begangenen massnahmeauslÃ¶senden Delikte einerseits und der Zeitablauf anderseits: Je geringer der Unrechtsgehalt ersterer ist, desto grÃ¶sseres Gewicht kommt dem Zeitablauf zu. Der BeschwerdefÃ¼hrer hat in alkoholisiertem Zustand zufolge eines Geschwindigkeitsexzesses einen schweren Selbstunfall verursacht und sich anschliessend der Blutprobe, mit deren Anordnung er zwei­fellos rechnen musste, entzogen. Es kann dem Zufall zugeschrieben werden, dass weit schlimmere Folgen (auch fÃ¼r Dritte) ausblieben. BezÃ¼glich der Vereitelung der Blutprobe fÃ¤llt zudem ins Gewicht, dass der BeschwerdefÃ¼hrer durch den einschlÃ¤gigen Vorfall aus dem Jahre 1997, bei dem er in alkoholisiertem Zustand gefahren ist, belastet wird. Was den <i>Zeitablauf</i> betrifft, so sind zu dessen Beurteilung â insofern der Warnentzug strafÃ¤hnlich ist â die strafrechtlichen VerjÃ¤hrungsregeln sinngemÃ¤ss beizuziehen (vgl. BGE 127 II 297 E. 3d). FÃ¼r zwei der drei TatbestÃ¤nde (Grobe Verletzung der Verkehrsregeln [Art. 90 Ziff. 2 SVG] und Vereitelung der Blutprobe [Art. 91 Abs. 3 SVG]) ist die strafrechtliche VerjÃ¤hrung gemÃ¤ss Art. 70 Abs. 3 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (in der bis zum 30. September 2002 gÃ¼ltigen Fassung) noch nicht eingetreten. Ein vollstÃ¤ndiger Verzicht fÃ¤llt damit ausser Betracht. Die Verfahrensdauer erweist sich zwar als Ã¼berlang, rechtfertigt aber keine vollstÃ¤ndige Aufhebung (vgl. auch BGE 120 Ib 504: Dauer von insgesamt fÃ¼nfeinhalb Jahren; zwei Entscheide des kantonalen Rekursgerichts wurden jeweils vom Bundesgericht aufgehoben). Wohl kann der BeschwerdefÃ¼hrer den Ausweisentzug zufolge Zeitablaufs nur mehr schwer mit dem Tatbestand des pflichtwidrigen Verhaltens in Verbindung bringen. Die Schwere der erneuten Verfehlung rechtfertigt es allerdings, dass sie dem BeschwerdefÃ¼hrer aus erzieherischen GrÃ¼nden auch heute noch vor Augen gehalten wird. Allerdings ist bei der Bemessung der Entzugsdauer dem Zeitablauf dennoch Rechnung zu tragen. Der vom BeschwerdefÃ¼hrer zwischenzeitlich erbrachte Tatbeweis hinsichtlich korrekten Fahrverhaltens ist zu seinen Gunsten zu berÃ¼cksichtigen. Die vom BeschwerdefÃ¼hrer erneut geltend gemachte und von der Vorinstanz bereits angemessen berÃ¼cksichtigte Massnahmeempfindlichkeit im Zusammenhang mit seiner BerufsausÃ¼bung ist nicht nochmals einzubeziehen.</span></p> <p class="Erwgung2"><span>In AbwÃ¤gung aller dieser UmstÃ¤nde ist die Entzugsdauer auf sechs Monate zu reduzieren und damit dem Eventualantrag des BeschwerdefÃ¼hrers zu entsprechen. Eine RÃ¼ckweisung an die Vorinstanz bzw. die Beschwerdegegnerin entfÃ¤llt, da das Verwaltungsgericht selbst entscheidet (§ 63 Abs. 1 VRG).</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>4. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Demnach ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der angefochtene Entscheid sowie derjenige der Beschwerdegegnerin sind aufzuheben. Damit sind die <i>Kosten des Rekursverfahrens</i> neu zu verlegen. Aufgrund des Unterliegerprinzips (§ 13 Abs. 2 Satz 1 VRG) wÃ¤ren diese an sich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Vorliegend fÃ¤llt jedoch in Betracht, dass die Ã¼berlange Verfahrensdauer allein durch den Regierungsrat verursacht wurde. Damit sind die Kosten des Rekursverfahrens gestÃ¼tzt auf das Verursacherprinzip (§ 13 Abs. 2 Satz 2 VRG) je zur HÃ¤lfte dem BeschwerdefÃ¼hrer sowie dem Regierungsrat aufzuerlegen. Hingegen ist bei der Verlegung der <i>Gerichtskosten</i> zu berÃ¼cksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrem Abweisungsantrag in der Beschwerdeantwort der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht genÃ¼gend Rechnung trug und mit ihrem Festhalten an der von ihr festgesetzten Entzugsdauer teilweise unterlegen ist. Damit sind die Gerichts­kosten entsprechend dem Unterliegerprinzip je hÃ¤lftig dem BeschwerdefÃ¼hrer und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die Voraussetzungen fÃ¼r die Zusprechung einer ParteientschÃ¤digung sind nicht erfÃ¼llt (§ 17 Abs. 2 VRG).</span></p> <p class="Zwischentitel"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Urteilstext"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Regierungsrates vom 17. Dezember 2003 sowie die VerfÃ¼gung des Strassenverkehrsamtes vom 11. Juli 2001 werden aufgehoben.</span></p> <p class="Einzug2"><span> Dem BeschwerdefÃ¼hrer wird der Ausweis fÃ¼r die Dauer von sechs Monaten entzogen. Der Vollzug der Massnahme ist Sache des Strassenverkehrsamts.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Kosten des Rekursverfahrens werden je zur HÃ¤lfte dem BeschwerdefÃ¼hrer und dem Regierungsrat auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 2'060.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4.<span> </span></span><span>Die Gerichtskosten werden dem BeschwerdefÃ¼hrer und der Beschwerdegegnerin je zur HÃ¤lfte auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5.<span> </span></span><span>Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6.<span> </span></span><span>Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht erhoben werden.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7.<span> </span></span>â¦</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>