B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5514/2018 U r t e i l v o m 2 8 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______, geboren am [...], Syrien, und B._______, geboren am [...], mutmasslich staatenlos, syrisch-kurdischer Herkunft, sowie deren Kinder C._______, geboren am [...], Syrien, D._______, geboren am [...], Syrien, und E._______, geboren am [...], Syrien, [...], Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 28. August 2018 D-5514/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden stammen aus Syrien, sind Angehörige der kur- dischen Volksgruppe und hatten ihren letzten Wohnsitz in der Stadt al - Qamishli (arabisch; kurdisch: Qamişlo) in der Provinz al -Hasakah (kur- disch: Hesîçe). Der Beschwerdeführer (Ehemann) und die drei minderjäh- rigen Kinder C._______, D._______ und E._______ sind syrische Staats- angehörige. Die Beschwerdeführerin (Ehefrau) wurde gemäss ihren eige- nen Angaben in Syrien als sogenannte Maktuma (unregistrierte Auslände- rin) behandelt, weshalb sie staatenlos sei. Gemäss ihren weiteren Anga- ben verliessen die Beschwerdeführenden ihren Herkunftsstaat gemeinsam mit ihren beiden Töchtern F._______ [...] und G._______ [...] im Sommer 2014 in Richtung Türkei, wo sie sich bis zum 18. November 2015 aufhiel- ten. Am 26. November 2015 reisten sie aus Deutschland kommend unkon- trolliert in die Schweiz ein und ersuchten gleichentags beim damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen um Asyl. Das Staatssek- retariat für Migration (SEM) führte in Bezug auf den Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin am 30. November 2015 jeweilige Befragungen zur Person durch und hörte sie am 21. September 2017 zu den Gründen ihrer Asylgesuche an. Zwischenzeitlich wurden die Beschwerdeführenden für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Zürich zugewiesen. B. B.a Die Beschwerdeführenden machten anlässlich ihrer Anhörungen zum einen geltend, sie hätten während längerer Zeit wegen des rechtlichen Sta- tus der Beschwerdeführerin als Maktuma Probleme mit den syrischen Be- hörden gehabt. Der Beschwerdeführerin seien wegen ihres Status grund- legende staatsbürgerliche und zivile Rechte verweigert worden. Zudem habe es lange gedauert, bis die vier jüngeren Kinder die syrische Staats- angehörigkeit erhalten hätten, und die älteste Tochter G._______ sei als Maktuma immer noch staatenlos. Zu diesen Schwierigkeiten hätten zudem auch die politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers beigetragen. B.b Der Beschwerdeführer brachte des Weiteren vor, er habe seit dem Jahr 1988 ein "kurdisches Büro" geführt, in dem kurdische Bücher gesam- melt und verschiedene kulturelle Anlässe veranstaltet worden seien. Auch habe das Büro eine Zeitschrift herausgegeben, in welcher Texte von kurdi- schen Schriftstellern veröffentlicht worden seien. Im Jahr 2008 hätten die syrischen Sicherheitsbehörden mit Verfahren gegen den Beschwerdefüh- rer selbst und mehrere Angehörige seiner Familie begonnen. Dabei seien D-5514/2018 Seite 3 insgesamt neun Familienmitglieder festgenommen worden, darunter er selbst, drei seiner Brüder, mehrere Cousins und ein Schwager. Dabei sei ihm vorgeworfen worden, einer kurdischen politischen Organisation anzu- gehören. Ab 2008 habe er sich drei (sic) Jahre lang auf der Flucht befun- den, sei jedoch im Jahr 2010 schliesslich doch von den syrischen Sich er- heitskräften verhaftet worden. Man habe ihn in verschiedenen Gefängnis- sen in al-Qamishli und bei Damaskus festgehalten, wo er verhört und mehr- fach gefoltert worden sei. Am 22. Dezember 2011 sei er schliesslich, ohne dass gegen ihn ein Urteil ergangen sei, wieder freigelassen worden. Nach seiner Freilassung habe er gemeinsam mit einer weiteren Person eine Or- ganisation namens "H._______" gegründet, welche sich für die Rechte der Kurden eingesetzt habe. Auch habe er, nachdem in Syrien die Unruhen begonnen hä tten, wiederholt an Demonstrationen der Kurden in al - Qamishli teilgenommen. Nach seiner Freilassung habe er zwar keinen di- rekten persönlichen Kontakt mit den syrischen Sicherheitsbehörden mehr gehabt. Jedoch seien in diesem Zeitraum viele Menschen ermordet wor- den, und er habe deshalb auch um seine eigene Sicherheit gefürchtet. Er habe damit rechnen müssen, das gleiche Schicksal zu erleiden wie der im Jahr 2011 ermordete kurdische Politiker Mashaal Tammo, der mit ihm in- haftiert gewesen sei. B.c Die Beschwerdeführerin machte anlässlich ihrer Anhörung über das bereits Gesagte hinaus im Wesentlichen weiter geltend, wegen ihres Ehe- mannes seien mehrmals Razzien im Haus der Familie durchgeführt wor- den. Sie hätten deswegen in ständiger Angst gelebt. Neben ihrem Ehe- mann hätten auch verschiedene Verwandte, die sich ebenfalls an kurdi- schen Treffen beteiligt hätten, Probleme mit den syrischen Sicherheitsbe- hörden gehabt. Nach der Freilassung ihres Ehemannes und dem Beginn der Unruhen in Syrien habe sie sich mit ihrer (namentlich nicht näher be- zeichneten) Tochter an Demonstrationen beteiligt. Gemeinsam mit weite- ren Personen habe sie für die Organisation "H._______" Plakate angefer- tigt, die sie dann bei den Kundgebungen mit sich getragen hätten. Des Weiteren habe sie in einem Frauenhaus der syrisch-kurdischen Partei PYD (Partiya Yekitîya Demokrat; Demokratische Einheitspartei) mitgearbeitet. Im Übrigen habe sie mit den syrischen Sicherheitsbehörden keine konkre- ten persönlichen Schwierigkeiten gehabt. B.d Im Rahmen ihrer Befragungen gaben die Beschwerdeführenden unter anderem verschiedene Dokumente in Bezug auf ihren Rechtsstatus in Sy- rien, Beweismittel betreffend die Inhaftierung des Beschwerdeführers und D-5514/2018 Seite 4 dessen Militärdienst sowie Photographien in Bezug auf ihre Teilnahme an politischen Kundgebungen in Syrien zu den Akten des Asylverfahrens. C. Mit Verfügung vom 28. August 2018 lehnte das SEM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab. Gleichzeitig ordnete es wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. Zur Begründung der Ablehnung der Asylgesuche führte das Staatssekre- tariat im Wesentlichen aus, die betreffenden Vorbringen der Beschwerde- führenden seien nicht asylrelevant. D. Mit Eingabe an das SEM vom 19 . September 2018 ersuchten die Be- schwerdeführenden um Einsicht in die Akten des Asylverfahrens. Diesem Ersuchen entsprach das Staatssekretariat mit Schreiben vom 24. Septem- ber 2018. E. Mit Eingabe ihres damaligen Rechtsvertreters an das SEM vom 21. Sep- tember 2018 stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Anerkennung der Staatenlosigkeit. F. Mit Eingabe vom 26. September 2018 fochten die Beschwerdeführenden den Asylentscheid des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei be- antragten sie die Auf hebung der genannten Verfügung und die Anerken- nung als Flüchtlinge verbunden mit der Gewährung des Asyls, eventualiter die vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge. In prozessualer Hinsicht ersuch- ten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. G. Mit Zwischenverfügung der damals zuständigen Instruktionsrichterin vom 19. Oktober 2018 wurde das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung vorbehältlich der Einreichung einer Fürsorgebestätigung mit Frist bis zum 5. November 2018 gutgeheissen. Weiter wurde den Beschwerdeführenden mitgeteilt, die Behandlung des Verfahrens erfolge in Koordination mit den ebenfalls beim Bundesverwaltungsgericht anhängig gemachten Be- schwerdeverfahren der beiden volljährigen Töchter F._______ (D-5515/2018) und G._______ (D-5552/2018). D-5514/2018 Seite 5 H. Mit Eingabe vom 5. November 2018 reichten die Beschwerdeführenden die verlangte Fürsorgebestätigung ein. I. Mit Vernehmlassung vom 22. Juli 2020 hielt das SEM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. J. Mit Zwischenverfügung vom 6. August 2020 wurde den Beschwerdefüh- renden in Bezug auf die Vernehmlassung der Vorinstanz das Replikrecht erteilt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge- gen Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) durch das SEM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Perso- nen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor wel- chem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über- gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen- dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen S achverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf ihre frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). D-5514/2018 Seite 6 3. 3.1 Die Beschwerdeeingabe richtet sich ausschl iesslich gegen die Ableh- nung der Asylgesuche, die Feststellung des SEM, die Beschwerdeführen- den würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, sowie die Anordnung der Wegweisung. Die Frage des Vollzugs der Wegweisung bildet damit nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. 3.2 Der vorliegende Entscheid ergeht gleichzeitig mit den Urteilen betref- fend F._______ (D-5515/2018) und G._______ (D-5552/2018). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re- ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus - gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings- eigenschaft, wenn die Be hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das SEM begründete die Ablehnung der Asylgesuche in der angefoch- tenen Verfügung im Wesentlichen damit, die betreffenden Vorbringen der Beschwerdeführenden seien asylrechtlich nicht relevant. Diese Beurteilung ist als zutreffend zu erachten. 5.2 Dies gilt zunächst für das Vorbringen, die Beschwerdeführerin – und mit ihr auch die Kinder bis zu deren Erlangung der syrischen Staatsange- hörigkeit – sei aufgrund ihres rechtlichen Status als sogenannte Maktuma (unregistrierte Ausländerin) in Syrien verschiedenen Diskriminierungen ausgesetzt gewesen. Wie auch die Vorinstanz festgehalten hat, ist die Be- völkerungskategorie der Maktumin (Pluralform), welche der kurdischen D-5514/2018 Seite 7 Ethnie angehören, aufgrund des Umstands, dass ihnen in Syrien die Staatsangehörigkeit und verschiedene damit verbundene Rechte verwei- gert werden, teilweise erheblichen Einschränkungen und Diskriminierun- gen unterworfen. Diese Probleme erreichen jedoch in der Regel nicht die Schwelle ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG und sind somit in asylrechtlicher Hinsicht nicht relevant (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 23 E. 4d; aus der darauf gestützten ständigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts insbesondere das Urteil D -3842/2013 vom 28. November 2013 E. 6.3; zuletzt D-7108/2018 vom 6. Dezember 2019 E. 5.3.1). Die Beschwerdeführerin selbst macht im Zusammenhang mit ih- rem Status als Maktuma keine individuelle Verfolgungssituation geltend, die ein Abweichen von dieser allgemeinen Praxis im vorliegenden Einzel- fall rechtfertigen könnte. 5.3 5.3.1 In Bezug auf die Asylvorbringen des Beschwerdeführers wurde von der Vorinstanz nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen, dass sich dieser in den Jahren 2010 bis 2011 im Gewahrsam der syrischen Sicherheitskräfte befand. Jedoch gelangte das SEM zum Schluss, dass zwischen den da- mals erlebten Verfolgungsmassnahmen und der Ausreise aus Syrien im Sommer 2014 weder in zeitlicher no ch in sachlicher Hinsicht ein ausrei- chend enger Kausalzusammenhang bestehe. Zum Zeitpunkt der Ausreise seien seit der Haft des Beschwerdeführers bereits rund drei Jahre vergan- gen gewesen, wobei er nach der Haftentlassung keine weitere n Kontakte mit den syrischen Sicherheitskräften gehabt habe. Es sei somit nicht davon auszugehen, dass er zum heutigen Zeitpunkt noch Verfolgungsmassnah- men seitens des syrischen Staates zu befürchten habe. 5.3.2 Auch dieser Einschätzung der Vorinstanz ist zu folgen. Dabei ist her- vorzuheben, dass der Beschwerdeführer nach seiner Freilassung aus der Haft zwar eine Organisation namens " H._______" gegründet haben will, welche sich für die Re chte der Kurden eingesetzt habe, und in der Folge zudem wiederholt an Demonstrationen zugunsten der kurdischen Sache in al-Qamishli teilgenommen habe. Dennoch hatte er während eines Zeit- raums von drei Jahren bis zur Ausreise im Sommer 2014 keine konkreten persönlichen Probleme mit den syrischen Sich erheitsbehörden mehr. An- gesichts dessen kann ausgeschl ossen werden, dass seitens der staatli- chen Sicherheitskräfte im massgeblichen Zeitraum vor der Ausreise aus dem Heimatstaat nach wie vor ein asylrechtlich relevantes Verfolgungsin-D-5514/2018 Seite 8 teresse am Beschwerdeführer bestand. Insbesondere ist auch nicht er- sichtlich, weshalb der Beschwerdeführer, der offensichtlich ein in keiner Weise vergleichbares politisches Profil aufwies, einer Gefährdung hätte ausgesetzt sein sollen wie der bekannte, am 7. Oktober 2011 getötete kur- dische Politiker Mashaal Tammo. 5.3.3 Im Übrigen ist zu erwähnen, dass das SEM im Rahmen der Vernehm- lassung festhielt, der Beschwerdeführer habe im vorinstanzlichen Verfah- ren die Kopie eines handschriftlichen Gerichtsprotokolls des Strafgerichts von al-Hasakah vorgelegt, gemäss weIchem seine Unschuld festgestellt und seine Haftentlassung beantragt worden sei. Die Beschwerdeführen- den haben das ihnen mit Zwischenverfügung vom 6. August 2020 erteilte Replikrecht nicht genutzt. Angesichts des zuvor bereits Gesagten erübrigt es sich jedoch ohnehin, auf den Inhalt des genannten Beweismittels näher einzugehen. 5.4 Soweit die Beschwerdeführerin betreffend, ist festzustellen, dass sie zwar geltend machte, sie habe – wie auch ihre Kinder – unter den Razzien der syrischen Sicherheitskräfte geli tten, die ihrem Ehemann vor dessen Verhaftung gegolten hätten. Im Übrigen machte sie aber keine Verfol- gungsmassnahmen geltend, die sich auf sie selbst oder die Kinder bezo- gen hätten. Dies gilt insbesondere auch für den massgeblichen Zeitraum zwischen der E ntlassung des Beschwerdeführers aus der Haft im Jahr 2011 und der Ausreise der Familie aus Syrien im Sommer 2014. Auch die Beschwerdeführerin berichtete im Zusammenhang mit der Beteiligung an politischen Demonstrationen im fraglichen Zeitraum von keinen asylrecht- lich relevanten Problemen mit den Behörden des staatlichen syrischen Re- gimes. 5.5 Hinsichtlich der Vorbringen der Beschwerdeführenden, welche sich auf den Zeitraum zwischen der Haftentlassung des Beschwerdeführers im Jahr 2011 und der Ausreise aus Syrien im Sommer 2014 beziehen, ist im Übrigen festzustellen, dass nach Erkenntnissen des Bundesverwaltungs- gerichts jedenfalls im Jahr 2014 weite Teile des Distrikts al -Qamishli von der syrisch-kurdischen Partei PYD und deren bewaffneten Organisation YPG (Y ekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten) kontrolliert wurden, während sich die Sicherheitskräfte des staatlichen Regimes weit- gehend zurückgezogen hatten (vgl. dazu BVGE 2015/3 E. 6.7.5.3 sowie das länderspezifische Referenzurteil D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.9.3). Auch unter diesem Gesichtspunkt erscheint es als unwahr- scheinlich, dass der Beschwerdeführer nach seiner Freilassung aus der D-5514/2018 Seite 9 Haft durch die syrischen Sicherheitsbehörden im Jahr 2011 im massgebli- chen Zeitraum vor der Ausreise aus Syrien in al-Qamishli noch Behelligun- gen von staatlicher Seite zu befürchten hatte. 5.6 Schliesslich ist im Sinne einer Ergänzung festzuhalten, dass aufgrund der Angaben der Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren nicht ausreichend nachvollziehbar ist, weshalb die syrischen Behörden seit dem Jahr 2008 gegen den Beschwerdeführer und verschiedene Ver- wandte – auch wenn seine Haft von 2010 bis 2011 nicht grundsätzlich in Zweifel zu ziehen ist – in der geltend gemachten Weise vorgingen. Zwar brachte der Beschwerdeführer bei seiner Anhörung vor, er habe sich be- reits seit dem Jahr 1988 im Rahmen eines eigenen "kurdischen Büros" für die Sache der syrischen Kurden engagiert, indem er kurdische Bücher ge- sammelt, kulturelle Anlässe veranstaltet und eine Zeitschrift herausgege- ben habe. Jedoch machte der Beschwerdeführer über diese allgemeinen Aussagen hinaus keinerlei konkrete Angaben, die eine Beurteilung der Frage zulassen würden, welche Inhalte und welches Ausmass das be- hauptete Engagement tatsächlich hatte. Völlig unklar bleibt auch, weshalb der Beschwerdeführer seine angeblichen Aktivitäten für die kurdische Sa- che – die zweifellos seitens des syrischen Regimes nicht unbeachtet hät- ten bleiben können – während zwanzig Jahren unbehelligt ausführen konnte, bis die syrischen Sicherheitskräfte im Jahr 2008 aus ebenso un- klaren Gründen mit Verfahren gegen den Beschwerdeführer selbst und mehrere Angehörige seiner Familie begonnen haben sollen. Auch in Bezug auf die behauptete Gründung einer Organisation namens "H._______" und die Teilnahme an politischen Kundgebungen als Angehörige dieser Grup- pierung im Zeitraum nach der Haftentlassung des Beschwerdeführers im Jahr 2011 machten weder er selbst noch die Beschwerdeführerin – über die allgemeine Aussage hinaus , die Organisation habe die Verankerung der Rechte der Kurden in der syrischen Verfassung angestrebt – irgend- welche konkrete Angaben, welche eine Beantwortung der Frage zulassen würden, ob das angebliche politische Engagement tatsächlich erfolgte oder nicht, beziehungsweise welche Ausmasse es gegebenenfalls hatte. Dabei ist hervorzuheben, dass die Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren zwar verschiedene Beweismittel abgaben. Diese Dokumente beziehen sich aber ausschliesslich auf ihren Rechtsstatu s in Syrien, die Inhaftierung des Beschwerdeführers und dessen Militärdienst sowie – an- hand einiger Photographien – die Teilnahme an politischen Kundgebun- gen. Jedoch wurden keinerlei Beweismittel vorgelegt, welche die behaup- teten langjährigen kulturellen Aktivitäten oder – über die blosse Teilnahme an Demonstrationen hinaus, an welchen sich eine Vielzahl von Menschen D-5514/2018 Seite 10 beteiligte – ein konkretes und individuelles politisches Engagement bele- gen könnten. Angesichts der Feststellung, dass die Vorbringen der Be- schwerdeführenden aus den aufgeführten Gründen als asylrechtlich nicht relevant zu erachten sind, kann auf eine weitere Erörterung der Frage, ob die behaupteten kulturellen und politischen Aktivitäten der Beschwerdefüh- renden glaubhaft sind, jedoch verzichtet werden. 5.7 Zusammenfassend erweist sich somit, dass das SEM zutreffender- weise zur Einschätzung gelangt ist, die Beschwerdeführenden hätten keine asylrelevanten Vorfluchtgründe glaubhaft gemacht. Die Vorinstanz hat folg- lich die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 6. Mit der Beschwerdeschrift wird unter dem Titel "Rückkehrsituation und Nachfluchtgründe" geltend gemacht, registrierte und gesuchte Personen sowie politische Aktivisten seien bei der Einreise nach Syrien einer Gefähr- dung von Leib und Leben ausgesetzt. Wie soeben festgestellt, ist aufgrund der Vorbringen, welche sich auf den Zeitraum vor der Ausreise aus Syrien beziehen, von keiner asylrechtlich relevanten Gefährdung der Beschwer- deführenden auszugehen. Konkrete Angaben dazu, weshalb subjektive Nachfluchtgründe – welche erst durch die Flucht aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen des Verhaltens nach der Ausreise eine Gefähr- dung im Sinne von Art. 3 AsylG begründen – vorliegen sollen, werden durch die Beschwerdeführenden nicht gemacht. Auf die Frage, ob subjektive Nachfluchtgründe gegeben sind, ist folglich nicht weiter einzugehen. 7. 7.1 Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asyl- gesuch hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 AsylG). Vorliegend hat der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung er- teilt, und es besteht auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen und wurde demnach von der Vorinstanz zu Recht angeordnet. 7.2 Im vorliegenden Fall ist im Übrigen anzumerken, dass sich aus den angestellten Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerdeführen- den seien zum heutigen Zeitpunkt angesichts der allgemeinen Situation in Syrien in ihrem Heimat - beziehungsweise Herkunftsstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage im Falle der Beschwerdeführen-D-5514/2018 Seite 11 den ausschliesslich auf die allgemeine in Syrien herrschende Bürger- kriegssituation zurückzuführen, welche durch die Vorinstanz mit Verfügung vom 28. August 2018 im Rahmen der Anordnung der vorläufigen Auf- nahme wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung berücksich- tigt wurde. 8. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass der – einzig bezüglich der Ziffern 1‒3 des Dispositivs angefochtene – Asylentscheid des SEM das Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist folglich ab- zuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indes- sen wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltli- che Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfü- gung vom 19. Oktober 2018 gutgeheissen. Somit haben die Beschwerde- führenden keine Verfahrenskosten zu tragen. 10. Im Übrigen ist das SEM darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihres damaligen Rechtsvertreters vom 21. September 2018 ein Gesuch um Anerkennung der Staatenlosigkeit stellte. Dieses Gesuch ist bis zum heutigen Zeitpunkt unbehandelt geblieben und mithin beim Staatssekretariat hängig. (Dispositiv nächste Seite) D-5514/2018 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Mia Fuchs Martin Scheyli Versand: