B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6499/2013 U r t e i l v o m 1 9 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Esther Karpathakis (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. Parteien A._______, gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Oktober 2013 / N (…). E-6499/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein en Heimat- staat am (…) 2012 und reiste über Nepal und unbekannte Länder am (…) 2012 illegal in die Schweiz ein , wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 20. August 2012 fand im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen die Befragung zur Person (BzP , Protokoll in den BFM-Akten: A7/10) und am 15. März 2013 die einlässliche Anhörung zu seinen Au s- reise- und Asylgründen (Protokoll in den BFM-Akten: A22/11) statt. B. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen d a- mit, chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie zu sein. Er sei im Dorf B._______ geboren und aufgewachsen und habe dort bis zu seiner Ausreise als (...) gearbeitet. Am (…) oder. (…) 2012 habe er zusammen mit drei Freunden Plakate "gegen die Chinesen" an leeren Häusern, Geschäften und Bezirksbüros angebracht. Als Polizisten erschienen seien – er vermute, verraten wo r- den zu sein – seien sie weggerannt. Er habe seinen Eltern un d seinem Bruder von diesem Vorfall erzählt und diese hätten ihm gesagt, es drohe ihm nun eine hohe Strafe , weshalb er das Dorf so schnell wie möglich verlassen solle. Dies sei etwa um Mitternacht gewesen. Am darauffolgen- den Tag habe er circa um 5.30 Uhr C._______ verlassen. Dabei sei er mit einem Lastwagen nach D._______ und E._______ und von da aus zu Fuss über die Grenze nach Nepal geflohen. Über unbekannte Länder sei er schliesslich mit dem Flugzeug und dem Zug in die Schweiz gelangt. C. Im Auftrag des BFM wurde am 26. November 2012 durch eine externe sachverständige Person mittels eines Telefon -Interviews eine Sprach - und Herkunftsanalyse mit dem Beschwerdeführer durchgeführt (sog e- nannte Lingua-Analyse; Protokoll in den BFM-Akten: A18/10). Die sach- verständige Person kam in ihrem landeskundlich-kulturellen und linguisti- schen Herkunftsgutachten vom 16. Januar 2013 zum Schluss, beim B e- schwerdeführer handle es sich zwar um einen ethnischen Tibeter, vermut- lich habe er C._______ in jungen Jahren verlassen oder dies sei nur die Heimat seiner Familie, eindeutig sei er aber nicht in der Region C._______/B._______/Volksrepublik China sozialisiert worden , son dern sehr wahrscheinlich in einer exiltibetischen Gemeinschaft in Nepal oder Indien. E-6499/2013 Seite 3 Anlässlich der Anhörung vom 15. März 2013 gewährte das BFM dem Be- schwerdeführer zum Abklärungsergebnis d ieser Lingua -Analyse das rechtliche Gehör. Der Beschwerdeführer hielt dabei an seinen Aussagen fest, in Tibet aufgewachsen zu sein und bis zu seiner Ausreise dort gelebt zu haben. D. Mit Verfügung vom 21. Oktober 2013 stellte das BFM fest, der Beschwer- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den Kanton St. Gallen mit dem Vollzug der Wegweisung. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die seitens des B e- schwerdeführers geltend gemachten Vorbringen hielten den Anforderu n- gen an die Glaubhaftigkeit nicht stand. Diesen Schluss zog das BFM ins- besondere aus den Ergebnissen der Lingua-Analyse, wonach die Kennt- nisse des Beschwerdeführers im landeskundlich -kulturellen Bereich dürf- tig und lückenhaft seien und er auch Fragen zur Tätigkeit als (...) nur un- zulänglich habe beantworten können. Zudem spreche er nicht den Dialekt seiner angeblichen Heimatregion B._______, sondern eher eine Variante der exiltibetischen Koine . Seine Aussagen im Rahmen des gewährten rechtlichen Gehörs hätten diese Feststellungen nicht in Frage zu stellen vermocht. Im Ergebnis sei die Hauptsozialisation des Beschwerdeführers eindeutig ausserhalb der Autonomen Region Tibet bzw. der Volksrepublik China, sehr wahrscheinlich in der tibetischen Exilgemeinschaft in Indien und/oder in Nepal, erfolgt. Angesichts dieser Feststellung werde den von ihm geltend gemachten Ausreise - bzw. Asylgründen jegliche Grundlage entzogen, zumal es sich bei diesen offensichtlich um Standardvorbringen zahlreicher Asylsuchender tibetischer Ethnie handle. Auch seien subjekti- ve Nachfluchtgründe auszuschliessen. Schliesslich sei es dem B e- schwerdeführer aufgrund der unglaubhaften Identitätsangaben und der Unglaubhaftigkeit des Sachverhaltsvortrags auch nicht gelungen, die chi- nesische Staatsangehörigkeit glaubhaft darzulegen, sondern die tatsäch- liche Staatsangehörigkeit sei unbekannt. Ein Vollzug in die V olksrepublik China werde jedoch ausgeschlossen. Aufgrund der Mitwirkungsverle t- zung sei vermutungsweise davon auszugehen, dass dem Vollzug in den tatsächlichen Heimatstaat des Beschwerdeführers keine Vollzugshinde r- nisse entgegenstünden. E. Gegen die Verfügung des BFM erhob der Beschwerdeführer mit Form u-E-6499/2013 Seite 4 lareingabe vom 20 . November 2013 Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht und beantragte mittels vorgedruckter Begehren die Aufh e- bung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingse i- genschaft und die Asylgewährung sowie eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und U n- möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung. In prozessualer Hinsicht ersuchte er unter anderem um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses und um Beigabe eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes. Zur Begründung machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, der Entscheid des BFM stütze sich auf eine fehlerhafte Lingua-Analyse, er habe insbesondere anlässlich des Telefongesprächs andere Aussagen gemacht als das BFM behaupte . Er führte aus, beim BFM einen Termin zur Einsicht in das auf CD -ROM aufgezeichnete Gespräch wahrnehmen zu wollen und beantragte, danach sei ihm Gelegenheit zur Stellungnah- me einzuräumen. Zur Stützung seiner Vorbringen legte er der Beschwerde unter anderem einen Ausdruck einer Ansicht aus Google Maps sowie mehrere Wikip e- dia-Auszüge bei. F. Mit Zwischenverfügung vom 3. Dezember 2013 setzte die zuständige In- struktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts dem Beschwerdefü h- rer unter anderem Frist zur Stellungnahme und verschob die Behandlung der Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung auf einen späteren Zeitpunkt. Gleichzeitig verzich- tete sie vorderhand auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. G. G.a Mit Eingabe vom 6. Dezember 2013 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme in fremder Sprache ein und ersuchte um Erstreckung der Frist zur Übersetzung in die deutsche Sprache. G.b Mit Zwischenverfügung vom 9. Dezember 2013 erstreckt e die I n- struktionsrichterin die Frist um drei Tage und mit Eingabe vom 10. D e- zember 2013 reichte der Beschwerdeführer eine ins Deutsche übersetzte Niederschrift des Telefongesprächs, das als Grundlage de r Lingua- Analyse gedient ha be, zu den Akten. Er machte geltend, daraus gehe hervor, dass er die Fragen zu seiner Heimatregion alle beantwortet habe E-6499/2013 Seite 5 und viele Detail s aus seinem Alltag habe erzählen können. Die Lingua - Fachperson habe seiner Meinung nach nicht den Inhalt des Telefong e- spräches wiedergegeben, und die Niederschrift sei mindestens gleichwer- tig zu behandeln wie die Analyse. H. Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2014 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um unentge ltliche Prozessführung – unter Vorbehalt der Nachreichung eines Bedürftigkeitsbeleges sowie einer gegebenenfalls späteren Änderung in den finanziellen Verhältnissen des Beschwerdefüh- rers – gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das G esuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wies sie ab. I. Mit Eingabe vom 16. Januar 2014 belegte der Beschwerdeführer seine Bedürftigkeit durch eine Fürsorgebestätigung des Sozialamts Gossau vom 16. Januar 2014. J. J.a Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2014 wurde das BFM zur Ver- nehmlassung eingeladen. J.b Mit Vernehmlassung vom 9. Juli 2014 beantragte das BFM die A b- weisung der Beschwerde. Es f ührte ergänzend aus, das Vorbringen des Beschwerdeführers, die Lingua-Analystin habe nicht den Inhalt des Tel e- fongesprächs widergegeben, sei als reine Schutzbehauptung zu werten. Der Behauptung des Beschwerdeführers , sehr wohl den Fluss, welcher durch B._______ fliesse, genannt zu ha ben, nämlich Yarlung Tsangpo, hielt das BFM entgegen, der Yarlung Tsangpo fliesse gerade n icht durch B._______, sondern einer seiner Nebenflüsse ( […]). Offensichtlich habe der Beschwerdeführer die Ortschaft F._______ mit B._______ verwech- selt. Zudem seien auch seine Kenntnisse zu den sich in der Nähe befin d- lichen Klöstern ungenügend. J.c Mit Zwischenverfügung vom 14. Juli 2014 wurde dem Beschwerd e- führer Gelegenheit zur Replik eingeräumt. Mit Schreiben vom 29. J u- li 2014 verzichtete dieser auf eine Stellungnahme. E-6499/2013 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsge richt B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins tanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen den Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders be rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts im Asylbereich und die z u- lässigen Rügen richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Als F lüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder in einem Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anscha uungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, sol - chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den fra u- enspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei sen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flücht - lingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender E-6499/2013 Seite 7 Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor - bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich w i- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richti g- keit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwi e- gen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. E i- ne wesentliche Vorau ssetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfo l- gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiie r- te, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der da r- gelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer ta t- sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Or i- ginalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglau b- haft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechsel n- den, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachges chobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeu r- teilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönl i- che Glaubwürdigkeit usw.), di e für oder gegen den Gesuchsteller spr e- chen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdi- gung der ge samten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vg l. BVGE 2013/11 E. 5.1, BVGE 2012/5 E 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3, Entscheidun- gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1, EMARK 1996 Nr. 27 E. 3c/aa, EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). 4. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach eingehender Prüfung der Ak- tenlage zum Schluss, dass das BFM die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Asyl- und Ausreisegründe zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. E-6499/2013 Seite 8 4.1 Tatsächlich sind die Vorbringen des Beschwerdeführers pauschal, stereotyp und unsubstantiiert ausgefallen; sie vermögen insgesamt nicht den Eindruck zu erwecken, es handle sich bei dem Erzählten um tatsäch- lich erlebte Ereign isse. Insbesondere wird von ihm etwa nicht nachvoll- ziehbar dargelegt, wie er, nachdem er jahrelang als einfacher (...) tätig gewesen sein will, plötzlich zum Entschluss kam, Plakate gegen das ch i- nesische Regime auf zuhängen und dann innerhalb von rund fünfe inhalb Stunden sein Heimatland zu verlassen. Auch dass er, obwohl nach eig e- nen Angaben des Risikos der Aktion bewusst, überhaupt keine Vorbere i- tungshandlungen getroffen habe, ist realitätsfremd (vgl. A 22/11 S. 3, 5) und die Antwort auf die Frage der Hilfswerksvertretung, wie es ihm mö g- lich gewesen sei , die Flucht derart schnell zu organisieren, fällt nicht z u- friedenstellend aus, wenn er einzig angibt, sein Bruder habe das organ i- siert (vgl. A 22/11 S. 6). Schliesslich erstaunt, dass der Beschwerde - führer – selbst vor dem Hintergrund seiner angeblich mangelnden Les e- fähigkeit – überhaupt keine Angaben zur Flugreise machen konnte (vgl. A7/10 S. 6; A22/11 S. 8 f.), zumal die Flughäfen oder Fluglinien sowohl im Flugzeug als auch vor Ort immer wieder bei Ansagen namentlich erwähnt werden. Dem Vorhalt des BFM, die geltend gemachten Asylgründe seien allgemein und nicht anschaulich ausgefallen und liessen auch eine su b- jektiv geprägte Wahrnehmung vermissen , hält der Beschwerdeführer auf Rechtsmittelebene bezeichnenderweise gar nichts entgegen. 4.2 Die aus der vorgenommenen Sprach- und Herkunftsanalyse gewon- nenen Erkenntnisse fügen sich in d ie bisher als unglaubhaft erachtete Sachverhaltsdarstellung ein. Die beauftragte sachverständige Person kam dort zum Schluss, aufgrund ungenügender Kenntnisse im lande s- kundlich-kulturellen Bereich – die insbesondere nicht dem entsprächen, was man von einer einheimischen Person im vorgeblichen Alter, mit dem angegebenen sozialen, ethnischen und Tätigkeitshintergrund des B e- schwerdeführers erwarten könne – könne keine Sozialisation im tibet i- schen Gebiet von B._______ angenommen werden (wenn er auch nicht ganz ausschloss, dass der Beschwerdeführer in jungen Jahren mögl i- cherweise in C._______ gelebt habe). Dieses Ergebnis bestätige insb e- sondere die linguistische Analyse, die zum Schluss führe, der Beschwe r- deführer sei eindeutig nicht in C._______/B._______/G._______/ VR China sozialisiert worden, weil er nicht den Dialekt von B._______, son- dern eine Spielart des exiltibetischen Koine spreche und über nur geringe Chinesisch-Kenntnisse verfüge. Aufgrund der sorgfältigen, ausführlichen und ausgewogenen Begründung in der hier zur Diskussion stehenden Lingua-Analyse gibt es keinen Grund, an den daraus gewonnenen E r-E-6499/2013 Seite 9 kenntnissen zu zweifeln, zumal auch die fachlichen Qualifikation de r sachverständigen Person nicht in Frage steht (vgl. E-2981/2012 E. 4.2.1 m.w.H.). Das BFM kam in der angefochtenen Verfügung schliesslich zu Recht zum Schluss, dem Beschwerdeführer sei es im Rahmen des rech t- lichen Gehörs nic ht gelungen, die Feststellungen der sachverständigen Person in Frage zu stellen und auf die entsprechende Begründung kann verwiesen werden. Das gelingt ihm aber auch auf Beschwerdeebene nicht. So erweist sich insbesondere die nachgereichte Transkription des aufgezeichneten Tele- fongesprächs mit der Lingua -Fachperson als unbehe lflich, die von der Vorinstanz aufgezeigten Zweifeln an den Kenntnissen des Beschwerd e- führers zu seiner angeblichen Herkunft auszuräumen. Zum einen ist nicht ersichtlich, inwiefern die Analyse nicht den Inhalt des G esprächs wieder- geben sollte. Vielmehr scheint die Niederschrift diesen Inhalt gerade zu bestätigen, etwa wenn ihr die Aussage des Beschwerdeführers zu en t- nehmen ist, es gäbe keine berühmten Sänger in Tibet (vgl. Eingabe vom 10. Dezember 2013, zweitletzte Seite der Niederschrift), entgegen seiner Behauptung in der Anhörung, dazu sei er anlässlich des Telefong e- sprächs nicht befragt worden (vgl. A 22/11, S. 8). Zum anderen ist die Aufzeichnung nicht geeignet aufzuzeigen, dass der Beschwerdeführer die Fragen zu seiner Heimatregion sehr wohl alle habe beantworten und viele Details aus seinem Alltag erzählen können, wie er dies in seiner Recht s- mitteleingabe moniert. Vielmehr bestätigt sie erneut das, was ihm entg e- gengehalten wird, nämlich, dass er nur knappe und vage Aussagen g e- macht hat und sein Wissen bezüglich der geltend gemachten Heimatreg i- on insgesamt äusserst oberflächlich und teilweise sogar unrichtig ausge- fallen ist. Namentlich kann etwa auf die Angaben des Beschwerdeführer s zum Fluss in B._______ verwiesen werden, dessen Name er im Rahmen der Lingua-Befragung noch gar nicht hatte nennen können (bzw. hatte er auch angegeben, es gebe gar keine Flüsse in der Umgebung), wogegen er dann bei der Anhörung angab, der Fluss heisse Yarlung Tsangpo (vgl. A22/11 S. 7). Abgesehen davon, dass von einer Person, die ihr ganzes Leben (vorliegend […] Jahre) an einem bestimmten Ort gelebt hat, ohne Weiteres erwartet werden kann, dass sie in der Lage ist, die in der Nähe liegenden Flüsse auf Anhieb nennen zu können – zumal der Beschwerde- führer als ein angeblich in (...) tätiger (...) wesentlich auf Wasser ang e- wiesen war –, erweist sich die anlässlich der Anhörung nachgeschobene Angabe als falsch. So fliesst der Yarlung Tsangpo -Fluss, wie die V orin- stanz in der Vernehmlassung zutreffend ausführt, nicht durch B._______, sondern durch F._______ (ein Kreis des Regierungsbezirks H._______). E-6499/2013 Seite 10 Dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde ausführt, B._______ sei die chinesische Bezeichnung von F._______ – nachdem er in der BzP noch zu Protokoll gegeben hatte, er kenne die chinesische Bezeichnung nicht (vgl. A 7/10, S. 7) – und mit Wikipedia-Ausdrücken zu belegen ve r- sucht, dass sich der Yarlung Tsangpo -Fluss dort befinde, während die chinesische Bezeichnung von B._______ nachweislich I._______ (und eben nicht F._______) ist, bestätigt geradezu die Unglaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. 4.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zwar tib e- tischer Ethnie ist, seine geltend gemachten Vorbringen hinsichtlich des Ortes seiner hauptsächlichen Sozialisation, der illegalen Ausreise aus T i- bet im April 2012 und der ihm aufgrund der Plakataktio n drohenden Ver- folgung sich aber als unglaubhaft erweisen. Es erübrigt sich, auf weitere Einwände in der Beschwerde einzugehen, da sie an dieser Einschätzung nichts zu ändern vermögen. Demzufolge ist für den Zeitpunkt der Ausre i- se keine asylrechtlich relevante Verfolgung dargetan. 5. Das BFM schliesst aus dem Umstand, dass die Haupt sozialisation des Beschwerdeführers nicht in Tibet bzw. in der VR China stattgefunden h a- be und er keine Identitätspapiere eingereicht habe – womit er seine Mi t- wirkungspflicht im Si nne von Art. 8 AsylG verletzt habe –, dass seine Staatsangehörigkeit unbekannt sei. Diesbezüglich ist folgendes festzuhal- ten: 5.1 Zwar ist es nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltung s- gerichts tatsächlich nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Her- kunftsstaaten oder Wegweisungshindernissen bezüglich hypothetischer Herkunftsstaaten zu forschen, wenn eine asylsuchende Perso n ihre Her- kunft v erschleiert und keine eindeutigen Hinweise auf die tatsächliche Staatsangehörigkeit vorliegen. Das BFM verken nt aber, dass vorliegend gewisse Hinweise auf die tatsächliche Staatsangehörigkeit des B e- schwerdeführers bestehen. Zwar hat er seine angebliche Hauptsozialisa- tion in Tibet nicht glaubhaft gemacht (wobei eine eventuelle Erstsozialisa- tion in Tibet von der sachverständigen Person nicht gänzlich ausg e- schlossen wird ). Demgegenüber ist seine tibetische Ethnie nicht strittig und aufgrund der ausführlich und schlüssig begründeten Lingua -Analyse ist mit grosser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Haupts o- zialisation in Nepal oder Indien stattgefunden hat. E-6499/2013 Seite 11 In jahrelanger Praxis gingen die ARK und später das Bundesverwa l- tungsgericht davon aus, dass auf die chinesische Staatsangehörigkeit zu schliessen sei, wenn im Einzelfall als erstellt gelte, dass eine as ylsuchen- de Person tibetischer Ethnie sei, wobei dies selbst dann anzunehmen sei, wenn Hinweise dafür bestünden, dass sie in den exil -tibetischen Gemein- den in Indien oder Nepal gelebt habe, da in der Regel nicht davon ausg e- gangen werden könne Exil -Tibeterinnen und -Tibeter könnten in diesen Ländern die Staatsangehörigkeit erwerben (EMARK 2005 Nr. 1 E. 4.1. - 4.3). In einem jüngeren , zur Publikation vorgesehenen, Länderurteil kam das Bundesverwaltungsgericht nun zwar präzisierend zum Schluss, dass für Angehörige der tibetischen Ethnie sowohl in Nepal als auch in Indien die Möglichkeit besteh e, unter gewissen Bedingungen eine Aufenthalt s- bewilligung zu erhalten, beziehungsweise dass es unter engen Vorau s- setzungen auch möglich sei, die entsprechende Staatsangehörig keit zu erwerben, womit die chinesische Staatsangehörigkeit wegfalle. Allerdings sei davon auszugehen, dass ein grosser Teil der in Nepal und Indien l e- benden Exil -Tibeterinnen und -Tibeter keine neue Staatsangehörigkeit erworben hätten und nach wie vor die chinesische Staatsangehörigkeit besässen (E-2981/2012 vom 20. Mai 2014, E. 5.8). Vorliegend ist nach dem Gesagten nicht gänzlich auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer die chinesische Staatsangehörigkeit besitzt. 5.2 Im soeben zitierten Länderurteil präzisierte das Bundesverwaltung s- gericht seine bisherige Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 allerdings auch dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre He r- kunft verschleierten oder verheimlichten, vermutungsweise davon ausz u- gehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsvollzugsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort spr ä- chen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche ein t i- betische asylsuchende Person durch die Verletzung ihrer Mitwirkung s- pflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respektive in Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG st attfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Pr ü- fung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht. Gleichzeitig hielt es fest, dass für al- le Exil-Tibeterinnen und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung in die VR China auszuschliessen sei, da ihnen dort eine Refoulement -Verletzung drohe (vgl. E-2981/2012 E. 5.8-5.11). E-6499/2013 Seite 12 5.3 Vorliegend ist der Beschwerdeführer, wie erwähnt, unbestrittenermas- sen tibetischer Ethnie. Er hat aber unglaubhafte Angaben zu seiner S o- zialisierung, zu seiner wahren Herkunft und zu seinen bisherigen Aufen t- haltsorten vor der Einreise in die Schweiz gemacht. Dadurch kann insbe- sondere nicht eruiert werden, welchen effektiven Status er im vermuteten Herkunftsstaat Indien oder Nepal innehat, womit namentlich keine Drit t- staatenabklärung im Sinne von Art. 31 a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden kann. Durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft in Bezug auf sein effe k- tives Heimatland verunmöglicht. Somit hat der Beschwerdeführer die ihm obliegende Mitwirkungspflicht verletzt. Die Folgen hat er insofern zu tr a- gen, als seitens der Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da der Beschwerdeführer keine konkreten, glaubhaften H inweise geliefert hat, die gegen eine entsprechende Rückkehr sprechen würden. Da der Beschwerdeführer unbestrittenermassen tibetischer Ethnie ist und dadurch, wie erwähnt, auch die Möglichkeit nicht auszuschliessen ist, dass er die chinesische Staatsangehö rigkeit besitzt, ist vorliegend der Wegweisungsvollzug nach China auszuschliessen, da ihm dort gegeb e- nenfalls eine Refoulement-Verletzung droht. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung des BFM im Ergebnis zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen ist. Allerdings ist der Vollzug der Wegweisung in die VR China auszuschlie s- sen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2014 gutgeheissen wurde und nicht von einer Veränderung in den finan- ziellen Verhältnissen des Beschwerdeführers auszugehen ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-6499/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Ein Wegweisungsvollzug nach China wird ausgeschlossen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Karpathakis Sibylle Dischler Versand: