B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-58/2014 U r t e i l v om 2 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________, geboren (…), Staat unbekannt, angeblich eritreischer Herkunft, vertreten durch lic. iur. Bettina Schwarz, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, (…) Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2013 / N________ D-58/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 2. Juli 2012 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 17. Juli 2012 und der einlässlichen Anhörung vom 1. November 2013 - fortgesetzt am 25. N o- vember 2013 - im B.________ gab die Beschwerdeführerin zur Begrü n- dung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen an, sie sei eritreische Staatsa n- gehörige und in C._______ geboren, habe jedoch von ihrem dritten bis zum elften Lebensjahr in Äthiopien gelebt. Die Beschwerdeführerin brachte vor, sie sei im Alter von drei Jahren mit ihrem Onkel väterlicherseits D.________ nach Äthiopien ( …) gezogen, während ihre krebskranke Mutter in C.______ zurückgeblieben sei. In den folgenden Jahren habe sie bei ihrem Onkel gelebt und sei von di e- sem zwischen dem neunten und zwölften Lebensjahr mehrfach vergewal- tigt worden. Im Jahre 1999 sei sie zusammen mit ihrem Onkel nach Erit- rea deportiert worden und in der Folge habe sie bis zu deren Tod im Ja h- re 2002 bei ihrer Mutter in E._______ gewohnt. Nach dem Tod ihrer Mut- ter sei sie alleine gewesen und habe sich den Angehörigen der Pfings t- gemeinde angeschlossen. Anlässlich einer Versammlung sei sie zusa m- men mit anderen Anwesenden von den Sicherheitsbehörden verhaftet und geschlagen worden und habe danach sechs Mo nate im Gefängnis verbracht. Unter den schwierigen Haftbedingungen habe sie sowohl ph y- sisch wie auch psychisch gelitten, sei suizidgefährdet gewesen und w e- gen ihres angeschlagenen körperlichen Zustands einmal ins Spital in C._______ gebracht worden. Ohne Schwierigkeiten sei ihr die Flucht aus dem Spital gelungen. Auf der Strasse habe sie mit Hilfe von Passanten telefonisch ihren Onkel von ihrer Flucht unterrichtet, worauf sie von di e- sem nach E._______ gebracht worden sei. Danach habe ihr der Onkel 2002 die Reise von Eritrea in den Sudan organi siert und bezahlt , wobei H. selbst in Eritrea geblieben sei. Im Weiteren gab die Beschwerdeführerin an, sie sei nach der Einreise in den Sudan von einem beziehungsweise von zwei unbekannten Männern vergewaltigt worden. Bis zu ihrer Ausreise im Juli 2012 habe sie ohne Un- terbruch im Sudan gelebt. B. Im Zusammenhang mit dem Nachweis der Identität machte die B e-D-58/2014 Seite 3 schwerdeführerin geltend, nie eine Identitätskarte besessen zu haben (vgl. BFM -Protokoll A6 S. 5) beziehungsweise nac h der Deport ation im Jahre 2000 habe Onkel D._______. in E._______ für sie eine Identität s- karte beantragt und abgeholt (vgl. A13 S. 4), indessen sei ihr diese von Soldaten wieder abgenommen worden (vgl. A13 S. 4), und nie eine D e- portationskarte besessen zu haben (vgl. A13 S. 6), beziehungsweise die Deportationskarte in E.________ zurückgelassen zu haben (A5 S. 5). C. Mit – am 6. Dezember 2013 eröffneter – Verfügung vom 2. Dezember 2013 lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, ordne- te deren Weg weisung an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumu t- bar und möglich, wobei es aufgrund der widersprüchlichen Schilderung der Vorbringen die geltend gemachte eritreische Staatsangehörigkeit als unglaubhaft erachtete, hingegen einen Wegweisungsvollzug na ch Eritrea ausschloss. D. Mit Eingabe vom 3. Januar 2014 an das Bundesverwaltungsgericht erhob die Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid Beschwerde. Dabei e r- suchte sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht unter anderem um Gewä h- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses. E. Der damals zuständige Instruktionsrichter verzichtete mit Zwischenverf ü- gung vom 15. Januar 2014 antragsgemäss auf das Erheben eines Ko s- tenvorschusses mit dem Hinweis, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. F. In seiner Vernehmlassung vom 5. Februar 2014 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. Die Verne hmlassung wurde der Beschwe r- deführerin am 12. Februar 2014 zugestellt, unter Ansetzung einer Frist zur Replik bis zum 27. Februar 2014. G. Mit Eingabe 21. Februar 2014 ersuchte die neu mandatierte Recht s- vertreterin der Beschwerdeführerin um Gewährung der une ntgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG und um Erstreckung der D-58/2014 Seite 4 mit Zwischenverfügung vom 12. Februar 2014 gewährten Frist zur Replik bis zum 14. März 2014. In der Zwischenverfügung vom 26. Februar 2014 wies der Instruktion s- richter in Bes tätigung der Zwischenverfügung vom 15. Januar 2014 da r- auf hin, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zei t- punkt entschieden werde, und dass Art. 110 a des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) gemäss der entsprechenden Übergangsbestimmung auf das vorliegende Beschwerdeverfahren nicht anwendbar sei. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung nach Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde mangels Notwendigkeit abgewiesen. Der Rechtsvertreterin wurde antragsgemäss eine Kopie der Vernehmlassung des BFM vom 5. Februar 2014 zugestellt und die Frist zur Einreichung einer Replik bis zum 14. März 2014 e r- streckt. H. Mit Replik vom 13. März 2014 nahm die Rechtsvertreterin unter Einre i- chung eines ärztlichen Berichtes des F._______ vom 24. Februar 2014 zu den vorinstanzlichen Argumenten Stel lung. Am 9. April 2014 wurde ein weiterer ärztlicher Bericht des F._________ 14. März 2014 eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 VGG beu rteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwer de- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. D-58/2014 Seite 5 1.2. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den fr auenspezifi- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. Das BFM zog aufgrund der genannten massiven Widersprüche – und in Berücksichtigung der offensichtlich nur sehr bescheidenen passiven Tigrinya-Kenntnisse der Beschwerdeführerin – deren geltend gemachte eritreische Staatsangehörigkeit und angesichts auch diesbezüglich wider- sprüchlicher Aussagen ebenso die weiteren Vorbringen (Verhaftung w e- gen Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinde, Vergewaltigung) in Zweifel. D-58/2014 Seite 6 5. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen in ihrer Beschwerde ein, sie habe sich anlässlich der Befragung wegen ihrer schlechten psychischen Verfassung nicht konzentrieren können. Mit Eingaben der Rechtsvertrete- rin vom 13. März 2014 und 9. April 2014 wurden ärztliche Berichte des F._________ vom 24. Februar 2014 und 14. März 2014 eingereicht, worin eine Posttraumatische Belastungsstörung (ICD -10: F43.1) und eine a n- dauernde Persönlichkeitsveränderung (ICD-10:F62.0) diagnostiziert we r- den. 6. Die auf Beschwerdeebene vorgebrachten Erklärungen vermögen inde s- sen die von der Vorinstanz dargelegten zahlreichen massiven Widersprü- che in den Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht zu entkräften. 6.1. Die Beschwerdeführerin machte insbesondere widersprüchliche Aus- sagen hinsichtlich ihrer eritreischen Identitätskarte beziehungsweise D e- portationskarte, des Zeitpunktes der Deportation von Äthiopien nach Eri t- rea und des anschliessenden Wohnortes sowie ihrer Flucht aus dem Sp i- tal und der in Äthiopien wohnhaften Verwandten. Abweichend von der Aussage anlässlich der Erstbefragung, wonach sie nie eine Id entitätskar- te besessen habe (vgl. BFM -Protokoll A6 S. 5), gab sie im Rahmen der Anhörung an, nach der Deporta tion im Jahre 2000 habe Onkel D._______ in E._______ für sie eine Identitätskarte beantragt und abg e- holt (vgl. A13 S. 4), indessen sei ihr diese vo n Soldaten wieder abg e- nommen worden (vgl. A13 S. 4). Im Weiteren gab sie an, nie eine Depo r- tationskarte besessen zu haben (vgl. A13 S. 6), beziehungsweise die D e- portationskarte in E.________ zurückgelassen zu haben (A5 S. 5). 6.2. Ebenfalls abweichend von der A ussage im Rahmen der Erstbefr a- gung, wonach sie im Jahre 2000 beziehungsweise 2001 von Äthiopien nach Eritrea deportiert worden sei (vgl. A6 S. 4), machte sie anlässlich der Anhörung geltend, im Jahre 1999 deportiert worden zu sein (vgl. A16 S. 5). Schliesslich gab sie einerseits an, nach der Deportation zwei bis drei Jah- re in C.______ bei ihrer Mutter gelebt zu haben (vgl. A16 S. 5), und ande- rerseits machte sie geltend, ihre Mutter habe zeitlebens in E._______ gewohnt (vgl. A13 S. 6). D-58/2014 Seite 7 Zur Vermeidung von Wi ederholungen kann auf die zutreffenden Erw ä- gungen der Vorinstanz verwiesen werden kann. 6.3. Das widersprüchliche Aussageverhalten der Beschwerdeführerin in zentralen Vorbringen kann mit der psychisch labilen Verfassung und schwerwiegenden früheren Erlebnissen nicht plausibel erklärt werden, zumal sich aus den Befragungsprotokollen keine konkreten Hinweise darauf ergeben, dass die Urteilsfähigkeit der Beschwerdeführerin anläs s- lich der Befragungen derart eingeschränkt gewesen wäre, dass deren Prozessfähigkeit in Frage hätte gestellt werden müssen. 6.4. An dieser Einschätzung vermag die mit der Beschwerde eingereichte Passkopie nichts zu ändern, da die Identität der Beschwerdeführerin nicht belegt ist und daher unabhängig von der Frage der Echtheit des Dok u- mentes nicht überprüfbar ist, ob es sich wie behauptet bei der in der Passkopie genannten Person um die Mutter der Beschwerdeführerin handelt. 7. 7.1. Der Beschwerdeführerin gelingt es somit nicht, die F lüchtlingseigen- schaft glaubhaft zu machen, weshalb das BFM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. 7.2. Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine auslä n- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erte i- lung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.w.H.). Die Wegwei- sung wurde demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet. 8. 8.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i-D-58/2014 Seite 8 sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig stens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2. Wegweisungshindernisse sind grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht findet jedoch nach Treu und Glauben ihre Grenzen in der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es kann daher nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfäll i- gen Wegweisungshindernissen zu forschen (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2 S. 4 f.). In Übereinstimmung mit den v orinstanzlichen Ausführungen ist für den vorliegenden Fall festzuhalten, dass es den Asylbehörden nicht möglich ist, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Verhältnisse der Beschwerdeführerin zur Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung zu äussern, da die Beschwerdeführerin gegenüber den Asylbehörden unglaubhafte Angaben zu ihren persönl i- chen Verhältnissen, zu ihrer Herkunft sowie zum Nicht-Besitz äthiopischer Dokumente gemacht hat. 8.3. Aufgrund der Aktenlage ersc heint es wahrscheinlich, dass die B e- schwerdeführerin die äthiopische Staatsangehörigkeit besitzt. Wurde sie tatsächlich – wie von ihr geltend gemacht – im Jahre 1988 in Asmara, der Hauptstadt der damaligen äthiopischen Provinz Eritrea geboren, so wu r- de sie damals als äthiopische Staatsangehörige verzeichnet. Wer als (ethnischer) Eritreer oder als (ethnische) Eritreerin nach der Unabhängi g- keit Eritreas im Jahre 1992 die eritreische Nationalität annehmen wollte, musste 1993 am Unabhängigkeitsreferendum teilne hmen. Nach dem Ausbruch des eritreisch -äthiopischen Grenzkonflikts im Jahr 1998 wurde den am Referendum teilnehmenden Personen die äthiopische Staatsa n- gehörigkeit entzogen und sie wurden fortan seitens des äthiopischen Staates als Eritreer betrachtet. Pers onen, die am Referendum nicht tei l- genommen hatten, wurden aus äthiopischer Sicht hingegen weiterhin als Äthiopier betrachtet und erhielten in der Regel äthiopische Dokumente. Für die Beschwerdeführerin, die zum Zeitpunkt des Referendums erst fünf Jahre alt und somit am Referendum nicht teilnahmeberechtigt war, ergibt sich aus dem Gesagten, dass sie nach wie vor die äthiopische Staatsangehörigkeit besitzt. Wie das BFM in seiner angefochtenen Verfügung indessen zutreffend festhielt, sind nebst Äthiopien auch andere Heimat- oder Herkunftsländer D-58/2014 Seite 9 (wenn auch, aufgrund der Aktenlage, eher unwahrscheinlich) denkbar. Die Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin ist daher unbekannt, zumal auch die von ihr als Beweis für ihre Identität eingereichten Papiere – wie vorstehend dargelegt (vgl. oben Ziff. 6.4 der Erwägungen) – nicht geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung des Sachverhaltes zu führen. Die Beschwerdeführerin hat die Folgen der von ihr nicht rechtsgenüglich nachgewiesenen tatsächlichen Iden tität und Herk unft zu tragen , indem davon auszugehen ist, es würden einer Wegweisung nach Äthiopien – wo sie vermutungsweise zumindest ein Aufenthaltsrecht besitzt – keine Voll- zugshindernisse im Sinnen von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 – 4 AuG entgegenstehen (vgl. Entscheide und Mitteilungen der Schweize- rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 1 E. 3.2.2. S. 4f.), 8.4. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der P raxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.5. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaub haft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerde -D-58/2014 Seite 10 führerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsh o- fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folteraus- schusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rüc k- schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien , Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127, mit weit eren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unz u- lässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.6. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkun ftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Angesichts des Aussageverhaltens der Beschwerdeführerin, welche an ihrer unglaubhaften Behauptung, sie stamme aus Eritrea, festhält und damit ihre wahre Herkunft verschweigt, kann es, worauf bereits in E. 8.3 hingewiesen wurde, grundsätzlich nicht Sache de r Asylbehörden sein, nach allfälligen Wegweisungshindernissen in mutmasslichen Herkunft s- ländern zu forschen. Da indessen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass Äthiopien der effektive Heimatstaat der Beschwe r- deführerin ist, gilt es zuminde st in summarischer Weise festzustellen, ob in Bezug auf diesen Staat offenkundige Wegweisungshindernisse best e- hen. Dies wird vom Gericht verneint. In Aethiopien herrscht weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/25). Im weiteren ist es aufgrund des widersprüchlichen Aussageverhaltens der Beschwerdeführerin nicht mög-D-58/2014 Seite 11 lich, konkrete Einschätzungen vorzunehmen, ob sie in ihrem Heimatstaat über ein Beziehungsnetz verfügt. Zumindest ist festzustellen, dass hi n- sichtlich Äthiopien auch in Berücksichtigung der geltend gemachten ps y- chischen Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin keine offensichtlichen Vollzugshindernisse bestehen. Was die von ärztlichen Zeugnissen dok u- mentierten psychischen Probleme der Beschwerdeführerin bet rifft, so stellen diese keinen zwingenden Grund dar, um den Vollzug der Wegwei- sung als unzumutbar zu erachten. Zwar soll nicht in Abrede gestellt we r- den, dass die psychiatrische Versorgung in Äthiopien prekär ist; indessen besteht zumindest in Addis Abeba eine rudimentäre psychiatrische Infr a- struktur. Diese Einschätzung vermag auch der Bericht der Schweizer i- schen Flüchtlingshilfe [SFH] vom 5. September 2013 nicht in Frage zu stellen. Im Weiteren besteht die Möglichkeit, der Beschwerdeführerin auf Gesuch hin medizinische Rückkehrhilfe zu gewähren (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). 8.7. Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin nach Äthiopien (oder in einen nicht auszuschliessend en anderen Staat) ist schliesslich möglich, da sich aufgrund der Akten keine Vollzugshindernisse erge ben (Art. 83 Abs. 2 AuG). Es obliegt der Beschwerdeführerin, bei der Beschaf- fung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515). 8.8. Nach dem Gesagten ist der vom BFM verfügte Vollzug der Wegwe i- sung zu bestätigen. 9. Der Beschwerdeführerin ist es demnach nicht gelungen, darzutun, inwie- fern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt oder den rechtse r- heblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären deren Kosten grundsätzlich der Beschwerde führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen hat diese mit der Beschwerde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. Aufgrund der Aktenlage ist von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen und ihr Begehren erschien im Zeitpunkt der Beschwerdeei n- reichung als nicht aussichtslos, weshalb das Gesuch um Gewährung der D-58/2014 Seite 12 unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen ist und keine Verfahrenskosten zu erheben sind. (Dispositiv nächste Seite) D-58/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nac h Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: