Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. März 2017 (710 17 331 / 66) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Anspruch einer Versicherten mit einer hochgradigen Sehschwäche auf eine Hilflosenent- schädigung der AHV Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schä- fer Parteien A.____, vertreten durch B.____ gegen Ausgleichskasse Swissmem , Pfingstweidstrasse 102, Postfach 615, 8037 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A. Die 1932 geborene A.____ ist Bezügerin einer Alt ersrente der Eidgenössischen Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV). Am 18. März 2 011 hatte sie sich, damals noch C.____ (ZH) wohnhaft, zum Bezug einer Hilflosenentschädigung der AHV angemeldet. Gestützt auf die Abklärungsergebnisse der IV-Stelle Zürich sprach ih r die Ausgleichskasse Swissmem (nachfol- gend: Ausgleichskasse) mit Verfügung vom 18. Mai 20 11 rückwirkend ab 1. Januar 2011 eine Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades zu. Am 16. Oktober 2016 gelangte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____ unter Hinweis, dass sich ihr Gesundheitszustand sei t Mai 2016 stark verschlechtert ha- be, mit einem Gesuch um Erhöhung der Hilflosenentschäd igung an die Ausgleichskasse. Gleichzeitig gab sie in ihrem Gesuch an, dass sie am 28. Oktober 2016 in das Wohn- und Pfle- geheim D.____ in E.____ (BL) eintreten werde. Aufgr und dieses Hinweises teilte die IV-Stelle Zürich der Ausgleichskasse mit Schreiben vom 9. Novembe r 2016 vorerst einmal mit, dass ab 1. Dezember 2016 aufgrund des Heimeintritts der Versich erten kein Anspruch mehr auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades bestehe. In der Folge gelangte die IV-Stelle Zürich im Rahmen ihrer Abklärungen zum Schluss, dass weiterhin e ine Hilflosigkeit leichten Grades be- stehe. Die Entschädigung entfalle jedoch aufgrund des He imaufenthaltes der Versicherten. Ge- stützt auf diese Einschätzung der für die Bemessung der H ilflosigkeit materiell zuständigen IV- Stelle lehnte die Ausgleichskasse mit Verfügung vom 19. Januar 2017 das Erhöhungsgesuch der Versicherten vom 16. Oktober 2016 ab. Daran hielt die Ausgleichskasse auf Einsprache der Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 13. Juni 2017 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch ihre Tochter B.____, am 3. Juli 2017 Beschwerde beim Sozialversicherun gsgericht des Kantons Zürich. Da- rin beantragte sie, es sei die Ausgleichskasse zu verpflichten , ihr eine Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit mittleren Grades ab Revisionsdatum (“10/2017“, richtig: 2016) zu leisten. C. Mit Beschluss vom 13. Juli 2017 trat das Sozialversicher ungsgericht des Kantons Zü- rich auf die Beschwerde mangels örtlicher Zuständigkeit n icht ein. Gleichzeitig hielt es fest, dass die Sache nach Eintritt der Rechtskraft an das Kanton sgericht Basel-Landschaft zur Wei- terbehandlung überwiesen werde. Nachdem dieser Beschluss unangefochten in Rechtskraft erwachsen war, überwies das Sozialversicherungsgericht des K antons Zürich die Angelegen- heit am 2. Oktober 2017 dem hiesigen Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). D. Obwohl das Kantonsgericht die Ausgleichskasse mit Sch reiben vom 3. Oktober 2017 und 22. November 2017 zur Vernehmlassung aufgefordert hatte, reichte diese keine Vernehm- lassung ein; stattdessen beschränkte sie sich auf die Zustellun g der in der Sache ergangenen Akten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmungen laut Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgeset zes über die Alters- und Hinterlas- senenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 auf die Alters- und Hinterlassenenversi- cherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide d er Ausgleichskassen beim zu- ständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhob en werden. Örtlich zuständig ist, soweit es sich - wie vorliegend - nicht um einen Einspra cheentscheid einer kantonalen Aus- gleichskasse handelt, nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend hat die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin ihren Wohnsitz im Oktober 2016 von C.____ (ZH) nach E.____ (BL) ver- legt. Dieser Umzug erfolgte zeitlich vor der Erhebung der vo rliegend zu beurteilenden Be- schwerde, so dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgerich t als Versicherungsgericht als einzi- ge gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Eins pracheentscheide der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachli ch zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. 1.2 Die Versicherte reichte ihre Beschwerde vom 3. Juli 2017 - wie in der Rechtsmittelbe- lehrung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 13. Juni 2017 angegeben - beim Sozial- versicherungsgericht des Kantons Zürich ein. Dieses trat mit Beschluss vom 13. Juli 2017 man- gels örtlicher Zuständigkeit auf die Beschwerde nicht ein . Gestützt auf Art. 58 Abs. 3 ATSG, wonach das angerufene kantonale Versicherungsgericht, das sich als unzuständig erachtet, die Beschwerde ohne Verzug an das zuständige Versicherungsge richt weiterzuleiten hat, überwies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die Angel egenheit nach Eintritt der Rechts- kraft seines Beschlusses dem hiesigen Kantonsgericht zur Beha ndlung. Zu ergänzen ist in die- sem Zusammenhang, dass mit der rechtzeitigen Einreichung der Beschwerde bei der unzu- ständigen Behörde die Beschwerdefrist gewahrt wird (Ar t. 60 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 39 Abs. 2 ATSG). Somit ist auf die Beschwerde der Versicherten vom 3. Juli 2017 einzutre- ten. 2.1 Gemäss Art. 43 bis Abs. 1 Satz 1 AHVG haben Bezüger von Altersrenten ode r Ergän- zungsleistungen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die in schwerem, mittlerem oder leichtem Grad hilflos sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als hilflos gilt eine Person, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrich- tungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlich en Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Nach Art. 43 bis Abs. 1 bis AHVG entfällt der Anspruch auf die Entschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades bei einem Aufenthalt im Heim. Als Heim im Sinne dieser Bestimmung gilt jede Einrichtung, die von einem Kanton als Heim anerkannt wi rd oder über eine kantonale Betriebs- bewilligung als Heim verfügt (Art. 66 bis Abs. 3 der Verordnung über die Alters- und Hinterlas- senenversicherung [AHVV] vom 31. Oktober 1947). Die Bem essung der Hilflosigkeit zuhanden der Ausgleichskassen obliegt den IV-Stellen (Art. 43 bis Abs. 5 Satz 2 AHVG). 2.2 Nach Art. 43 bis Abs. 3 AHVG beträgt die monatliche Entschädigung für eine Hilflosigkeit schweren Grades 80 Prozent, für eine Hilflosigkeit mittle ren Grades 50 % und für eine Hilflosig- keit leichten Grades 20 Prozent des Mindestbetrages der Altersrente nach Art. 34 Abs. 5 AHVG. Für die Bemessung der Hilflosigkeit erklären Art . 43 bis Abs. 5 Satz 1 AHVG die Bestim- mungen des IVG und Art. 66 bis Abs. 1 AHVV die Art. 37 Abs. 1, Abs. 2 lit. a und b sowie Abs. 3 lit. a-d der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 für sinnge- mäss anwendbar. Demnach gilt laut Art. 37 Abs. 1 IVV di e Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fa ll, wenn sie in allen alltäglichen Lebens- verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die H ilfe Dritter angewiesen ist und über- dies der dauernden Pflege oder der persönlichen Über wachung bedarf. Mittelschwer ist die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hilflosigkeit gemäss Art. 37 Abs. 2 IVV, wenn die versich erte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen Lebensverrichtu ngen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a), oder i n mindestens zwei alltäglichen Lebensverrich- tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (lit. b). Sc hliesslich gilt die Hilflosigkeit nach Art. 37 Abs. 3 IVV als leicht, wenn die versicherte Pers on trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässi g in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a), einer dauernd en persönlichen Überwachung bedarf (lit. b), einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und beson ders aufwendigen Pflege bedarf (lit. c), oder wegen einer schweren Sinnesschädigung ode r eines schweren körperlichen Ge- brechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstlei stungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (lit. d). 2.3 Das Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicher ungen (BSV) über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH, i n der vorliegend anwendbaren, seit 1. Ja- nuar 2015 gültigen Fassung) regelt in den Ziff. 8057 ff. verschiedene sog. “Sonderfälle von leichter Hilflosigkeit“. So gelten beispielsweise gemäss Ziff. 8064 KSIH die Voraussetzungen einer leichten Hilflosigkeit im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV bei Blinden und hochgradig Sehschwachen als erfüllt. Eine hochgradige Sehschwäche ist dabei nach Massgabe von Z iff. 8065 KSIH anzunehmen, wenn ein korrigierter Fernvisus v on beidseitig weniger als 0,2 oder wenn beidseitig eine Einschränkung des Gesichtsfeldes au f 10 Grad Abstand vom Zentrum (20 Grad horizontaler Durchmesser) vorliegt (Gesichtsfel dmessung: Goldmann-Perimeter Mar- ke III/4). Bestehen gleichzeitig eine Verminderung der Sehschwäche und eine Gesichtsfeldein- schränkung, ohne dass aber die Grenzwerte erreicht werden , so ist eine hochgradige Seh- schwäche anzunehmen, wenn sie die gleichen Auswirkungen wie eine Visusverminderung oder Gesichtsfeldeinschränkung vom erwähnten Ausmass haben. Die s gilt auch bei anderen Beein- trächtigungen des Gesichtsfeldes (z.B. sektor- oder sichelför mige Ausfälle, Hemianopsien, Zentralskotome). 2.4 Zu ergänzen bleibt, dass Ziff. 8056 KSIH einen sog . “Sonderfall von schwerer Hilflosig- keit“ umschreibt. Danach gelten Taubblinde und Taube m it hochgradiger Sehschwäche als schwer hilflos. Durch die Kombination dieser beiden schw eren Sinnesschädigungen, bei wel- cher das Fehlen oder die Beeinträchtigung des einen S innes nicht mit dem anderen kompen- siert werden kann, werden mehrere relevante Lebensaktivi täten der Betroffenen tangiert. Sie beeinflusst deren Alltag dergestalt, dass sie als schwere B ehinderung zu qualifizieren ist, so- dass den Betroffenen ohne weitere Abklärungen eine Ent schädigung für eine Hilflosigkeit schweren Grades zusteht. 3.1 Wie den Akten entnommen werden kann, hatte sich di e Versicherte im März 2011 zum Bezug einer Hilflosenentschädigung der AHV angemeldet . Die IV-Stelle Zürich stellte in der Folge im Rahmen ihrer Abklärungen fest, dass bei der Ve rsicherten eine hochgradige Seh- schwäche nach Massgabe von Ziff. 8065 KSIH und somit eine Sonderfall von leichter Hilflosig- keit vorliege. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach die Ausgleichskasse der Versicherten mit Verfügung vom 18. Mai 2011 rückwirkend ab 1. Januar 2011 eine Hilflosenentschädigung leich- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Grades zu. Am 16. Oktober 2016 gelangte die Versi cherte unter Hinweis, dass sich der Ge- sundheitszustand seit Mai 2016 stark verschlechtert habe, m it einem Gesuch um Erhöhung der Hilflosenentschädigung bzw. um Zusprache einer Hilflosene ntschädigung für eine Hilflosigkeit (mindestens) mittleren Grades an die Ausgleichskasse. Glei chzeitig gab sie in ihrem Gesuch an, dass sie am 28. Oktober 2016 in das Wohn- und Pflege heim D.____ in E.____ eintreten werde. Aufgrund dieses Hinweises teilte die im Zeitpu nkt der Einreichung des Erhöhungsge- suchs für die Bemessung der Hilflosigkeit materiell zustän dige IV-Stelle Zürich der Ausgleichs- kasse mit Schreiben vom 9. November 2016 vorerst einmal mit, dass ab 1. Dezember 2016 aufgrund des Heimeintritts der Versicherten kein Anspr uch mehr auf eine Hilflosenentschädi- gung leichten Grades bestehe. 3.2 In ihrem Gesuch vom 16. Oktober 2016 gab die Versi cherte als gesundheitliche Beein- trächtigungen die starke Seheinschränkung, eine Gangunsic herheit, Schwindel, eine Herz- schwäche und eine allgemeine Schwäche an. Diese Beeinträ chtigungen würden seit ca. 2005 bestehen, wobei es im Mai 2016 zu einer starken Versch lechterung gekommen sei, welche ei- nen stationären Spitalaufenthalt und eine vorübergeh ende Betreuung im Alterszentrum F.____ in C.____ erforderlich gemacht habe. Hilfe sei beim An- und Auskleiden, neu ab Mai 2016 beim Essen, bei der Körperpflege und beim Verrichten der Notdurft, sowie schon seit Dezember 2009 bei der Fortbewegung und bei der Pflege gesellschaftl icher Kontakte notwendig. Am 11. No- vember bestätigte Dr. med. G.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, dass diese Angaben über die Hilflosigkeit mit ihren Feststellungen übereinstimmen würden. Gestützt auf diese Unterlagen gelangte die IV-Stelle Zürich in ihrem Beschluss vom 19. Januar 2017 zur Auffassung, dass weiterhin eine Hilflosigkeit leichten Grades bestehe. D ie Entschädigung entfalle jedoch auf- grund des Heimaufenthaltes der Versicherten. Mit einer gleichentags erlassenen Verfügung lehnte die Ausgleichskasse deshalb das Erhöhungsgesuch der Versicherten vom 16. Oktober 2016 ab. 3.3 Im Rahmen des Einspracheverfahrens ersuchte die IV -Stelle Zürich das Wohn- und Pflegeheim D.____ um Auskünfte zur Hilflosigkeit der Versicherten. Im entsprechenden, am 24. März 2017 erstatteten Fragebogen gab die zuständige Betreuungsperson an, die Versicher- te benötige Hilfe beim An- und Auskleiden, beim Essen und bei der Körperpflege. Ebenso brau- che sie dauernde Pflege beim Richten der Medikamente sow ie bei der Fortbewegung und Pfle- ge gesellschaftlicher Kontakte (“schwach auf den Beinen, im Freien mit Rollstuhl, im Haus mit Rollator“). Dr. med. H.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, bestätigte auf dem Formular, dass diese Angaben der Betreuungsperson zum Ausmass der Hilflo sigkeit zutreffen würden. Gleich- zeitig wies er ergänzend darauf hin, dass die Beschwerdef ührerin vor allem wegen ihres sehr eingeschränkten Visus auf Hilfe angewiesen sei. Zusätzlich bestünden aber auch eine deutliche Gangunsicherheit und ein Schwindel, ein Diabetes Mellit us Typ II, eine hypertensive Kardiopa- thie, eine chronische Niereninsuffizienz und eine deutlich e Presbyakusis beidseits. Diese Lei- den werden im Übrigen auch im Überweisungsschreiben de s früheren Hausarztes Dr. med. I.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, an Dr. G.____ vom 17. Oktober 2016 aufgelistet. Zu- dem werden darin als weitere Diagnosen eine Gonarthro se beidseits und eine depressive Ver- stimmung genannt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Die IV-Stelle Zürich gelangte in der Folge (auch) in Berücksichtigung dieser zusätzlich eingeholten Unterlagen zur Auffassung, dass die Vorausset zungen für eine Hilflosenentschädi- gung mittleren Grades nicht erfüllt seien. Die Ausgle ichskasse wies deshalb die Einsprache der Versicherten mit dem vorliegend angefochtenen Einsprachee ntscheid vom 13. Juni 2017 ab. Dieser vorinstanzlichen Beurteilung kann nun allerdings n icht gefolgt werden. Die zuständige Betreuungsperson des Wohn- und Pflegeheims D.____ hat a m 24. März 2017 bestätigt, dass die Versicherte beim An- und Auskleiden, beim Essen, bei der Körperpflege sowie bei der Fort- bewegung und der Pflege gesellschaftlicher Kontakte ni cht nur wegen der Sehschwäche, son- dern auch aus anderen Gründen - insbesondere wegen einer Bewegungseinschränkung, akuter Sturzgefahr und einem Schwindel bzw. einer Gangunsiche rheit - auf Hilfe angewiesen sei. Zu- dem haben sowohl Dr. G.____ als auch Dr. H.____ bestä tigt, dass diese Angaben der Betreu- ungsperson zum Ausmass der Hilflosigkeit zutreffen würden. Wenn die Beschwerdeführerin also tatsächlich trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in vier und somit in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen im Sinne von Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, so hat sie Anspruch au f eine Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit mittelschweren Grades. 4.1 Auch die Ausgleichskasse anerkennt im angefochtene n Einspracheentscheid, dass die Beschwerdeführerin in mindestens vier alltäglichen Leben sverrichtungen (An- und Auskleiden, Essen, Körperpflege, Fortbewegung) eingeschränkt ist. Sie lehnt einen Anspruch der Versicher- ten auf eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades a ber trotzdem ab. Zur Begründung stellt sie sich auf den Standpunkt, dass die Versicherte bei drei der sechs Lebensverrichtungen (An- und Auskleiden, Essen, Fortbewegung) aufgrund ihrer Sehschwäche regelmässig und erheblich auf Dritthilfe angewiesen sei. Einzig bei der Körper pflege beruhe die Einschränkung auf einer anderen Diagnose. Dem Gesuch um Erhöhung der Hilflosenentschädigung könne aber nur ent- sprochen werden, wenn bei drei Lebensverrichtungen eine erhebliche Dritthilfe aufgrund einer anderen Diagnose als der Sehschwäche notwendig sei. 4.2 Dieser Argumentation der Ausgleichskasse liegt die Au ffassung zu Grunde, dass hochgradig Sehschwachen zwar ohne weitere Abklärungen - als Sonderfall für leichte Hilflosig- keit im Sinne von Ziff. 8064 KSIH - eine Hilflosenen tschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades zugesprochen werden dürfe, eine höhergradige Hi lflosenentschädigung allein aufgrund dieser Beeinträchtigung könne einer betroffenen Person aber nicht zugesprochen werden. Da- mit ein Anspruch auf eine höhere Hilflosenentschädigu ng bejaht werden könne, müsse die er- hebliche Dritthilfe zusätzlich in mindestens drei weiter en Lebensverrichtungen durch ein ande- res medizinisches Leiden notwendig sein. Dies lässt sich nun aber den massgebenden, vorste- hend (vgl. E. 2.1 und 2.2 hiervor) wiedergegebenen G esetzes- und Verordnungsbestimmungen nicht entnehmen. Ebenso ist auch Ziff. 8064 KSIH nicht in diesem leistungseinschränkenden Sinne zu verstehen. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht einwendet, ist die genannte Ziffer des KSIH als “Beweiserleichterungs“-Regel bei hochgradig Sehschwachen gedacht, und zwar in dem Sinne, dass bei den Betroffenen weitere Abkläru ngen zur Zusprechung einer Hilflo- senentschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades nicht als notwendig erachtet werden. Sie soll aber nicht, wie dies im vorliegenden Fall gesch ehen ist, dazu führen, den Weg zu einer Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit mittelschw eren oder schweren Grades zu versper- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren, selbst wenn die Voraussetzungen hierfür vorliegen würden. Andernfalls würden hochgradig sehschwache Versicherte im Vergleich zu Personen ohne Sehe inschränkung, die eine Hilflo- senentschädigung beanspruchen können, schlechter gestellt. 4.3 Aus dem Gesagten folgt als Zwischenergebnis, dass die V ersicherte, welche unbestrit- tenermassen in vier alltäglichen Lebensverrichtungen (An - und Auskleiden, Essen, Körperpfle- ge, Fortbewegung) regelmässig und erheblich auf Dritth ilfe angewiesen ist, ab 1. Oktober 2016 - dem Monat, in welchem das Revisionsbegehren gestellt wurde (vgl. dazu Art. 88 bis Abs. 1 lit. a IVV) - mindestens (vgl. dazu E. 5 hiernach) Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit mittelschweren Grades hat. 4.4 Zu ergänzen bleibt der Vollständigkeit halber, d ass der angefochtene Entscheid auch dann nicht bestätigt werden könnte, wenn man der Auff assung der Ausgleichskasse folgend davon ausgehen würde, dass bei hochgradig Sehschwachen ein Anspruch auf eine höhere Hilf- losenentschädigung nur dann bejaht werden kann, wenn di e erhebliche Dritthilfe zusätzlich in mindestens drei weiteren Lebensverrichtungen durch ander e Gesundheitsbeeinträchtigungen notwendig ist. Wie oben ausgeführt, liegt bei der V ersicherten nicht nur eine hochgradige Seh- schwäche vor, darüber hinaus ist sie auch durch eine Gangu nsicherheit und einen Schwindel beeinträchtigt und sie leidet an einem Diabetes Melli tus Typ II, einer hypertensiven Kardiopa- thie, einer chronischen Niereninsuffizienz und einer de utlichen Presbyakusis beidseits (vgl. die Angaben von Dr. H.____ vom 24. März 2017). Aufgrund de r aktuell vorhandenen Akten kann jedenfalls nicht abschliessend entschieden werden, ob bei der Versichertenn die Hilfe in den vier betroffenen alltäglichen Lebensverrichtungen (An- u nd Auskleiden, Essen, Körperpflege, Fortbewegung) tatsächlich vorwiegend wegen der mangeln den Sehkraft notwendig ist oder ob die Dritthilfe in einzelnen Bereichen vielmehr (auch) wegen der vorstehend genannten zusätzli- chen Gesundheitsbeeinträchtigungen erforderlich ist. Um dies beurteilen zu können, wären sei- tens der für die materielle Anspruchsprüfung zuständig en IV-Stelle weitere Abklärungen not- wendig gewesen. Diese hat aber vor ihrem Entscheid weder eine Abklärung der Hilflosigkeit vor Ort durch eine unabhängige fachkundige Person in Auftra g gegeben noch eine einlässlichere ärztliche Beurteilung der entsprechenden Fragen einge holt. Daraus folgt, dass der angefochte- ne Einspracheentscheid auch dann aufgehoben werden müsst e, wenn man der Argumentation der Ausgleichskasse folgen würde. In diesem Fall müsste di e Angelegenheit gleichzeitig zur weiteren Abklärung des massgebenden (medizinischen) Sachver halts an die Beschwerdegeg- nerin zurückgewiesen werden. 5. Wie bereits weiter oben festgehalten (vgl. E. 2.4 h iervor), umschreibt Ziff. 8056 KSIH einen sog. “Sonderfall von schwerer Hilflosigkeit“. Dana ch gelten Taubblinde und Taube mit hochgradiger Sehschwäche als schwer hilflos, sodass den B etroffenen ohne weitere Abklärun- gen eine Entschädigung für eine Hilflosigkeit schweren Grades zusteht. Den Akten kann ent- nommen werden, dass die Versicherte an einer deutlichen Presbyakusis, also an einer deutli- chen „Altersschwerhörigkeit“ beidseits leidet. Über das a ktuelle Ausmass dieser Beeinträchti- gung enthalten die medizinischen Unterlagen keinerlei A ngaben. So kann aber auch nicht aus- geschlossen werden, dass ein Sonderfall im erwähnten Si nne vorliegt, bei welchem ohne Wei- teres Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für ein e Hilflosigkeit schweren Grades besteht. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Angelegenheit ist deshalb zur weiteren Abklärung de s aktuellen Ausmasses der deutlichen beidseitigen Presbyakusis und zur Beurteilung der Frage , ob die Beschwerdeführerin im Lichte der Regelung von Ziff. 8056 der KSIH allenfalls Ansp ruch auf eine Hilflosenentschädigung für eine schwere Hilflosigkeit hat, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 6. Zusammenfassend folgt als Ergebnis, dass der angefochte ne Einspracheentscheid der Ausgleichskasse aufzuheben und festzustellen ist, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Oktober 2016 mindestens Anspruch auf eine Hilflose nentschädigung für eine mittelschwere Hilflosigkeit hat. Im Übrigen ist die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und Beurteilung der Frage, ob die Beschwerdeführerin in Anwendung der Reg elung von Ziff. 8056 KSIH Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für eine schwere Hilflo sigkeit hat, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die vorliegende Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten zu versteh en, die einer Beschwerde führen- den versicherten Person im gerichtlichen Verfahren für d en Beizug einer Rechtsanwältin bzw. eines Rechtsanwaltes entstanden sind. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin zwar obsiegt, da sie sich jedoch nicht anwaltlich hat vertreten lassen, en tfällt ein Anspruch auf Ersatz der Partei- kosten im Sinne der genannten Bestimmung. Die ausserorde ntlichen Kosten des Verfahrens können demnach wettgeschlagen werden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid der Ausgleichskasse Swissmem vom 13 . Juni 2017 aufgehoben und festgestellt wird, dass die Beschw erdeführerin mit Wirkung ab 1. Oktober 2016 mindestens Anspruch auf e ine Hilflo- senentschädigung für eine mittelschwere Hilflosigkeit hat . Im Übrigen wird die Angelegenheit zur weit eren Abklärung und Beurteilung der Frage, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Hilf losenent- schädigung für eine schwere Hilflosigkeit hat, an die Be schwerdegeg- nerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht