B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6427/2013 U r t e i l v o m 11 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______ (Beschwerdeführerin 1), und deren Kinder, B._______ (Beschwerdeführerin 2), C._______ (Beschwerdeführer 3), Eritrea, c/o Schweizerische Botschaft in Khartum, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 19. Juli 2013 / N (…). E-6427/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, eritreische Staatsangehörige christlich-ortho- doxen Glaubens mit letztem Wohnsitz in Eritrea in D._______, suchten mit Schreiben vom 9 . Februar 2011 an die schweizerische Botschaft in Khartum (Sudan) sinngemäss um Bewilligung der Einreise in die Schweiz sowie um Gewährung von Asyl nach. Mit Schreiben vom 30. Juli 2012 teilte ihnen das BFM unter H inweis auf BVGE 2007/30 mit, die schweizerische Botschaft sei aufgrund der Z u- nahme der eingereichten Asylgesuche, des begrenzten Personalbestands sowie fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räuml i- chen Bereich nicht mehr in der Lage, eine persönliche Befragung durch- zuführen. Aus diesem Grund ersuchte es die Beschwerdeführenden zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts um Beantwortung konkreter Fragen betreffend ihre persönliche Situation, die Asylgründe, den Aufenthalt im Sud an und das Vorhandensein von Familienangehör i- gen in Drittstaaten. Ferner forderte das BFM die Beschwerdeführenden auf, Kopien ihrer Identitätsausweise und Beweismittel zu den Akten zu reichen. Schliesslich wurde ihnen für den Fall, dass den Rechtsbegehren nicht stattgegeben werden könne, Gelegenheit zu abschliessenden B e- merkungen beziehungsweise Einwänden bis zum 30. August 2012 einge- räumt. Das undatierte Antwortschreiben der Beschwerdeführenden traf am 26. August 2012 bei der Botschaft ein. In ihren Eingaben machte die Beschwerdeführerin 1 zur Begründung des Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, sie sei in ärmlicher Umgebung in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Die Schule habe sie besuchen dü r- fen, bis sie im Verlaufe des siebten Schuljahres zur Heirat gezwungen worden sei. Im Mai 2005 seien Angehörige der Armee zu ihr gekommen und hätten nach ihrem Mann gefragt. Sie hätten ihr mitgeteilt, dass dieser nach (…) Jahren aus dem Militärdienst gefloh en sei. Sie sei ohne ihr Ba- by ins Gefängnis gebracht worden, wo man sie mit 15 weiteren Personen etwa eine Woche in einem kleinen Raum festgehalten habe. Während je- ner Zeit sei sie mehrfach befragt und eingeschüchtert worden, da ihr vo r- geworfen worden sei, mit ihrem Mann dessen Flucht geplant zu haben. Schliesslich sei sie aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem sie für den Fall, dass man ihr die Kooperation mit ihrem Mann nachweisen könnte, zur Zahlung einer Kompensation an den eritreischen Staat in de r Höhe von 50'000 eritreischen Nakfa verpflichtet und ihr eingeschärft wor-E-6427/2013 Seite 3 den sei, niemandem zu erzählen, was ihr geschehen sei . Eine Woche nach ihrer Freilassung sei sie vom Gefängnisleiter erneut vorgeladen worden, was sie veranlasst habe, über die Ausreise aus Eritrea nachz u- denken. Am 3. August 2009 habe sie sich zur Flucht entschieden. Sie sei – ohne die Beschwerdeführerin 2 mitzunehmen, die sich gemäss den An- gaben in der vorinstanzlichen Akte A7/11 S. 2 nach wie vor in Eritrea au f- hält – unter einem Vorwand nach E._______ gereist. Von dort aus sei sie auf Umwegen illegal in den Sudan gelangt. Die Behörden in Kassala hä t- ten sie ins Sh agarab Refugee Camp gebracht, wo sie sich von den Str a- pazen der Reise habe erholen können. Nach drei Monaten habe sie ihren Flüchtlingsausweis er halten und sich aufgrund der Unterversorgung im Camp am 28. November 2009 mit weiteren Personen auf den Weg in die Hauptstadt gemacht. In der Nacht, die sie in einem Dorf in der Nähe von Khartum verbracht hätten, habe ein Mann sie in ihrer Muttersprache a n- gesprochen, in einen anderen Raum gebracht und sie vergewaltigt. S o- weit sie sich erinnern könne, hätten sich da nach weitere fünf Männer an ihr vergangen. Später habe sie erfa hren, dass zwei andere Frauen in je- ner Nacht ebenfalls Opfer von Vergewaltigungen geworden seien. Mit diesen zusammen sei sie nach Khartum gegangen, wo sie sich ein Zim- mer geteilt hätten. Nach einiger Zeit habe sich herausgestellt, dass sie aufgrund der Vergewaltigungen schwanger geworden sei. Sie könne sich und ihr Kind nicht selber versorgen, sei wegen der unehe- lichen Schwangerschaft von ihrer Familie verstossen worden und werde deswegen sowie aufgrund ihres Glaubens auch aus der sudanesischen Gesellschaft ausgeschlossen. Zudem befürchte sie, sich mit (...) infiziert zu haben. Um ihre Grundversorgung zu de cken, nehme sie jede Stelle an, die sie bekommen könne. Die meiste Zeit verk aufe sie Tee auf den Strassen Khartums und verstecke sich vor polizeilichen Kontrollen. Zweimal sei sie bereits von der Polizei aufgegriffen und nur gegen Bezah- lung von Schmiergeld freigelassen worden. Die Beamten hätten ihr für den Fall der Nichtbezahlung mit der Deportation nach Eri trea gedroht. Durch ihre in den Kantonen Luzern und Zürich lebenden Verwandten (Bruder und Onkel) habe sie einen Bezug zur Schweiz. Zum Beweis ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin 1 eine Tauf- urkunde betreffend den Beschwerdeführer 3, einen fremdsprachigen Ge- burtsschein, zwei fremdsprachige Ausweise, ein Dokument betreffend e i- nen Interviewtermin am 9. September 2009 und zwei Portraitfotografien (ausser Letztgenanntem alles in Kopie) zu den Akten. E-6427/2013 Seite 4 B. Mit Verfügung vom 19. Juli 2013 – eröffnet am 24. Oktober 2013 – ver- weigerte das BFM den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte deren Asylgesuch ab. C. Die Beschwerdeführenden erhoben mit Eingabe vom 29. Oktober 2013 Beschwerde beim Bundes verwaltungsgericht und beantragten sinng e- mäss die Aufhebung des Entscheids und die Bewilligung der Einreise in die Schweiz zur Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesger ichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Mit dringlicher Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wurden u n- ter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die vor dem Inkrafttreten der Änderu ng vom 28. September 2012 im Ausland gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel (Art. 12 , 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung nach wie vor anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisher i- gen Bestimmungen betref fend das Auslandverfahren anzuwenden. Im Übrigen richtet sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem E-6427/2013 Seite 5 BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG). Diese ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeve r- besserung kann indes verzichtet werden, da der in Englisch verfassten Eingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren B e- gründung zu entnehmen sind, so d ass ohne Weiteres darüber befunden werden kann. Auf die frist - und – vom sprachlichen Mangel abgesehen – formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde kann die Ve rletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG wird ein Ausländer als Flüchtling ane r- kannt, wenn er in seinem Heimatstaat oder im Land, wo er zuletzt woh n- te, wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gr uppe oder wegen seiner politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mass - nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Gemäss altArt. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden. Nach alt Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG ist die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine u n-E-6427/2013 Seite 6 mittelbare Gefahr aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird oder für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein we i- terer Aufenthalt im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint. Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausse t- zungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind n a- mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schut z- gewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur a n- derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128). 4.3 Kann einer asylsuchenden Person, die sich im Ausland befindet, z u- gemutet werden, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen, so stellt dies einen Asylausschlussgrund dar ( alt Art. 52 Abs. 2 AsylG). Hält sich eine asyl suchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, sie habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu ve rbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 19 E. 5 .1 S. 176 f.) wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prüfen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung gefunden hat oder erlangen kann, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und zur Verwe i- gerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar e r- scheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Bei dieser Abwägung sind neben der besondere n Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz auch die Bezi e- hungsnähe zum Drittstaat oder zu anderen Staaten sowie die vorau s- sichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkei ten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat oder in anderen Staaten zu b e- rücksichtigen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2 f. S. 131 f.). E-6427/2013 Seite 7 5. 5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentl i- chen aus, die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts erfordere die Anwesenheit der Beschwerdeführenden in der Schweiz nicht. Au f- grund des vollständig erstellten Sachverhalts könne davon ausgegangen werden, dass keine unmittelbare Gefährdung vorliege, die eine Einreise als notwendig erscheinen liesse. Die Schilderungen im Asylgesuch sowie in der Stellungnahme vom 26. August 2012 liessen darauf schliessen , dass die Beschwerdeführe rin 1 ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden habe. Sie und der Beschwerdeführer 3 befän- den sich indes mittlerweile – wie zahlreiche eritreische Flüchtlinge und Asylbewerber – im Sudan. Die Lage vor Ort sei zwar nicht einfach. De n- noch würden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ihnen ein weit erer Verbleib im Sudan nicht zumutbar oder möglich wäre. Flüchtlinge, die wie die Beschwerdeführenden im Sudan durch das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge ( UNHCR) registriert worden seien, würden einem Flüchtlingslager zugeteilt, wo sie sich aufzuhalten hätten und die nötige Versorgung erhalten würden. Sollte ihre Situation tatsäc h- lich kritisch sein, sei es ihnen daher zuzumuten, wieder in das ihnen z u- gewiesene Flüchtlingslager zurückzukehren. Die Befürchtung, nach Eri t- rea zurückgeschafft zu werden, sei u nbegründet. Gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan durch das UNHCR als Flüchtlinge anerkannt wo r- den seien, gering. Zudem gebe es keine konkreten individuellen Anhalt s- punkte dafür, das s den Beschwerdeführenden eine Rückführung nach Eritrea drohen könnte , zumal sie nicht über ein geeignetes Risikoprofil verfügen würden. Der Aufenthalt in Khartum sei für eritreische Flüchtlinge nicht einfach. Die Hürden für eine zumutbare Existenz seien i m Falle der Beschwerdeführenden jedoch nicht unüberwindbar. Zudem lebe im S u- dan eine grosse eritreische Diaspora, die für in Not geratene Landsleute bereit stehe und Unterstützung biete. Hinsichtlich der Beziehungsnähe zur Schweiz sei zu bemerken, dass die Beschwerdeführenden mit dem Bruder und dem Onkel der Beschwerdeführerin 1 über einen Anknü p- fungspunkt zur Schweiz verfügen würden. Dieser sei jedoch nicht derart gewichtig, dass eine Abwägung der Gesamtumstände dazu führen würde, dass gerade die Schweiz d en erforderlichen Schutz gewähren solle. Mit anderen Worten bedeute die Anwesenheit des Bruders und des Onkels noch keine enge Bindung mit der Schweiz in dem Sinne, dass alt Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht zur Anwendung kommen würde. E-6427/2013 Seite 8 Nach dem Gesagten würden die Beschwerdeführenden den zusätzlichen subsidiären Schutz der Schweiz nicht benötigen. Vielmehr sei es ihnen zuzumuten, im Sudan zu verbleiben. Dementsprechend sei ihnen die Ein- reise in die Schweiz zu verweigern, und das Asylgesuch sei abzulehnen. 5.2 Dagegen bringt die Beschwerdeführerin 1 insbesondere vor, das BFM habe in seiner Begründung unberücksichtigt gelassen, dass sie mit ihrem Kind ohne männlichen Schutz in Khartum lebe und keine Arbeit habe. Sie habe versucht, im Flüc htlingscamp Shagarab zu leben. Dies sei jedoch sehr schwierig gewesen, da es an ausreichender Nahrung, Kochutens i- lien und Holz mangle, keine medizinische Behandlung erhältlich sei, der Kontakt zu Besuchern des Camps verboten sei, es keine Arbeit gebe und aufgrund der Grenznähe die Gefa hr sowohl der Deportation nach Eritrea als auch der Entführung bestehe. Daher sei sie nach Khartum gegangen, wo es jedoch unmöglich sei, ein Auskommen zu finden, da die Lebensun- terhaltskosten unbezahlbar seien. Ferner müsse sie sich vor den unvo r- hersehbaren Kontrollen durch die Polizei in Acht nehmen und fühle sich unsicher und verängstigt. Sie könne ihr Kind nicht alleine lassen, um a r- beiten zu gehen , und es sei ihr mit ihrem Kind nicht erlaubt, als Diens t- mädchen zu arbeiten. Ihr Onkel und ihr Bruder in der Schweiz würden un- ter ihren Lebensumständen leiden und seien bereit, ihr zu helfen. 6. Nach eingehender Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsg e- richt in Übereinstimmung mit dem B FM zum Schluss, dass die Be- schwerdeführenden nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen sind. 6.1 Ob die Beschwerdeführenden 1 und 3 bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sein könnten, kann vorliegend offengelassen werden, da e s ihnen – wie im Nachfolgenden aufgezeigt wird – trotz den zugestandenermassen nicht einfachen Bedingungen im Sudan zuzumuten ist, dort zu verbleiben. Die Beschwerdeführerin 2 befindet sich weiterhin in Eritrea und ist , man- gels gegenteiliger Hinweise in den Akten , dort keiner Gefährdung im Sin- ne des Asylgesetzes ausgesetzt. Die nachfolgende Erwägung beschränkt sich daher auf die Beschwerdeführenden 1 und 3. 6.2 Die Beschwerdeführenden sind durch das UNHCR registrierte Flücht- linge und halten sich seit bald viereinhalb Jahren im Sudan auf. Zwar war die Beschwerdeführerin 1 mit der erlittenen mehrfachen Vergewaltigung durch Männer eines Nomadenstammes dort erheblichen Nachteilen aus-E-6427/2013 Seite 9 gesetzt. In Khartum, wo sie, wie viele andere eritreische Flüchtlinge, mitt- lerweile seit vier Jahren wohnt, war sie gemäss eigenen Angaben hing e- gen konkret einzig von zwei kurzzeitigen Festhaltung en durch die sud a- nesische Polizei betroffen und blieb ansonsten unbehelligt. Die Beschwerdeführerin 1 besuchte die Schule während sieben Jahren und deckte ihre Ausgaben im Sudan bisher mit dem Verkauf von Tee und anderen Gelegenheitsarbeiten, beispielsweise als Kellnerin. Abgesehen von der psychischen Belastung durch die derzeitige Lebenssituation e r- geben sich aus den Akten keine Hinweise auf eine aku te Beeinträcht i- gung ihrer Gesundheit. Hinsichtlich ihrer gegenüber dem BFM geäusse r- ten Befürchtu ng, sich mit (…) angesteckt zu haben, nimmt sie auf B e- schwerdeebene nicht Stellung, so dass nicht von einer Infizierung ausz u- gehen ist. Gemäss ihren Angaben im Asylgesuch und der ergänzenden Eingabe vom 26. August 2012 bewohnte sie gemeinsam mit zwei and e- ren Frauen ein Zimmer. Auf Beschwerdeebene bringt sie nunmehr vor, al- leine zu leben. Das Gericht verkennt nicht, dass die Beschwerdeführerin 1 als alleinst e- hende Mutter besonders verletzlich und erhöhten Schwierigkeiten insb e- sondere bei der Arbeitssuche ausgesetzt ist. Bis anhin ist es ihr jedoch gelungen, sich und ihren Sohn durchzubringen. Davon kann auch weite r- hin ausgegangen werden. Zudem kann sie bei Bedarf mit der Unterstü t- zung der grossen eritreischen Diaspora rechnen. Der im vorinstanzlichen Verfahren geltend gemachte Umstand, sie werde aufgrund ihres christl i- chen Glaubens aus der sudanesischen Gesellschaft ausgeschlossen, vermag für sich alleine keine Asylrelevanz respektive keine Grundlage für die Erteilung einer Einreisebewilligung zu entfalten. Die Beschwerdefüh- renden geniessen sodann weitgehend Schutz vor einer Abschiebung in ihren Heimatstaat Eritrea. Obschon in den letzten Jahren von Deportatio- nen von Eritreern berichtet wurde (vgl. statt vieler die Urteile des Bunde s- verwaltungsgerichts E -6004/2011 vom 25. April 2012 E. 7.2.2 sowie E-5663/2012 vom 6. Dezember 2012 E. 8.3, je mit weiteren Hinweisen), ist eine diesbezügliche Gefahr für die Besch werdeführenden, insbeson- dere angesichts der Zahl von gegen 170'000 eritreischen Flüchtlingen und Asylsuchenden im Sudan, als gering einzustufen. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführe n- den in einer existenziellen Notlage befinden beziehungsweise der weitere Aufenthalt im Sudan mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer so l- chen führen wird. E-6427/2013 Seite 10 6.3 Aufgrund des Dargelegten gelingt es den Beschwerdeführenden nicht, die Regel vermutung umzustossen, wonach sie im Sudan Schutz gefunden haben oder diesen, sofern erforderlich, erlangen könnte n. Dar- an vermag auch der Aufenthalt des Bruders und des Onkels der B e- schwerdeführerin 1 in der Schweiz nichts zu ändern. Diese sind keine Mitglieder ihrer Kernfamilie, weshalb das BFM zutreffend festste llte, es bestehe kein derart gewichtiger Anknüpfungspunkt zur Schweiz, dass e i- ne Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass den Beschwerdeführenden gerade hier der er- forderliche Schutz gewährt werden sollte. Unter diesen Umständen hat das BFM zu Recht die Erteilung einer Einreisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG ). Aus verwal- tungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung der Verfahrenskos- ten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-6427/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und zuständi- ge schweizerische Vertretung. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: