Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. November 2016 (810 16 162) ____________________________________________________________________ Strassen und Verkehr Warnungsentzug des Führerausweises Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Irmgard Mostert Meier Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Bruno Muggli, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Warnungsentzug des Führerausweises (RRB Nr. 0792 vom 31. Mai 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ fuhr am 20. Juni 2015 in einem Lieferwage n lveco mit Sachentransportanhä- nger (Zentralachsanhänger) auf der Autobahn A3 von St . Gallen nach Pratteln, als er in Frick einer Polizeipatrouille der Kantonspolizei Aargau auffiel. Eine Kontrollwägung des Lieferwagens mit Anhänger ergab folgende Überlastungen: - Lieferwagen: Betriebsgewicht überschritten um 477 kg beziehungsweise 13.63 %, Stützlast überschritten um 172 kg beziehungsweise 172 %; - Sachentransportanhänger: Deichsellast überschritten u m 172 kg beziehungsweise 172 %. B. Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg veru rteilte A.____ mit Strafbefehl vom 27. Juli 2015 wegen In-Verkehr-Bringens eines Fahrzeuge s mit Übergewicht sowie Überschrei- tens der zulässigen Deichsel- und Stützlast gestützt u.a. auf Art. 96 Abs. 1 lit. c des Strassen- verkehrsgesetzes (SVG) vom 19. Dezember 1958 sowie wegen In-Verkehr-Bringens bringen eines Fahrzeuges in nicht vorschriftsgemässem Zustand gemäss Art. 93 Abs. 2 lit. a zu einer Busse von Fr. 2'200.--. Der Strafbefehl ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. C. Die Polizei Basel-Landschaft, Administrativmassnahmen (Polizei), teilte A.____ mit Schreiben vom 25. November 2015 im Rahmen der Gewährun g des rechtlichen Gehörs mit, dass sie erwäge, ihm als administrative Massnahme den Führerausweis für drei Monate zu ent- ziehen. D. Mit Verfügung vom 11. Januar 2016 entzog die Polize i A.____ den Führerausweis we- gen schwerer Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG für die Dauer von drei Monaten. Mit Schreiben vom 15. Januar 2016 teilte Br uno Muggli, Advokat, als Vertreter von A.____ der Polizei mit, dass er das Schreiben vom 25. November 2015 nie erhalten habe und die Verfügung damit an einem Mangel bezüglich des rechtlichen Gehörs leide. E. Die Polizei zog mit Verfügung vom 19. Januar 2016 d ie Verfügung vom 11. Januar 2016 in Wiedererwägung und widerrief diese aufgrund des nicht gewährten rechtlichen Gehörs. Mit gleichem Datum wurde A.____ bzw. seinem Anwalt das rechtliche Gehör gewährt. Mit Schreiben vom 8. Februar 2016 liess sich A.____ vernehmen. Gemäss seinen Ausführungen liege eine schwere Verletzung der Verkehrsregeln weder in objektiver noch in subjektiver Hin- sicht vor. Er beantragte, es sei auf eine Massnahme zu ve rzichten unter o/e-Kostenfolge oder eine begründete Verfügung zu erlassen. F. Mit Verfügung vom 12. Februar 2016 entzog die Pol izei A.____ den Führerausweis wegen schwerer Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Ab s. 1 lit. a SVG für die Dauer von drei Monaten und forderte ihn auf, diesen bis spätestens am 19. April 2016 der Polizei per Ein- schreiben zuzustellen. Zur Begründung führte die Polizei das Überschreiten der zulässigen Stütz- und Deichsellast um je 172 %, begangen am 20. Ju ni 2015 mit einem Lieferwagen mit Anhänger auf der Autobahn A3 in Frick, sowie den Stra fbefehl der Staatsanwaltschaft Rheinfel- den-Laufenburg vom 27. Juli 2015 an. Gegen diese Verf ügung erhob A.____, immer noch ver- treten durch Bruno Muggli, Advokat, mit Eingabe vom 2 9. Februar 2016 Beschwerde beim Re- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 11. Januar 2016 unter o/e-Kostenfolge. G. Der Regierungsrat wies mit Regierungsratsbeschluss (RRB ) Nr. 0792 vom 31. Mai 2016 die Beschwerde ab und verfügte, dass A.____ bis am 30. Juni 2016 der Polizei seinen Führerausweis zuzustellen habe. H. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, weiterhin ver treten durch Bruno Muggli, Advo- kat, am 9. Juni 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beant ragt, der Entscheid des Regierungsra- tes vom 31. Mai 2016 sei aufzuheben und der Beschwerdeführer sei mit einer Verwarnung nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zu belegen, alles unter o /e-Kostenfolge zu Lasten des Staates. Zu- dem stellt er einen Beweisantrag auf Anordnung einer technischen Expertise über die Frage nach dem Bruchverhalten der Stützvorrichtung und der De ichsel bei einer Überbelastung von 172 kg. I. Mit Vernehmlassung vom 4. Juli 2016 schliesst der Recht sdienst des Regierungsrats auf Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsrechtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Anfechtungsob- jekt der vorliegenden Beschwerde ist der Regierungsratsbeschluss Nr. 0792 vom 31. Mai 2016. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ei n spezialgesetzlicher Ausschlus- statbestand vorliegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsge richts zur Beurteilung der Angelegen- heit gegeben. Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Besch werde befugt, wer durch die angefoch- tene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Der Beschwerdef ührer ist Adressat des angefochte- nen Entscheids und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die weite- ren formellen Voraussetzungen gemäss §§ 43 ff. VPO erf üllt sind, ist auf die vorliegende Be- schwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht dagegen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen - untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Im Rechtsbegehren der Beschwerde vom 29. Februar 201 6 an den Regierungsrat ver- langte der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügu ng der Polizei vom 11. Januar 2016, die er auf dem Deckblatt seiner Eingabe auch als Beschw erdegegenstand bezeichnet hatte. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eine polizeiliche Verfügung dieses Datums hatte zwar exi stiert, sie war jedoch von der Polizei mit Verfügung vom 19. Januar 2016 aufgrund des nicht g ewährten rechtlichen Gehörs widerru- fen worden. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind R echtsbegehren nach Treu und Glauben auszulegen, insbesondere im Licht der dazugeh örigen Begründung. Eine sichtlich un- gewollte oder unbeholfene Wortwahl schadet dem Beschwer deführer nicht (BGE 137 III 617 E. 6.2; Urteile des Bundesgerichts 1C_751/2013 vom 4. A pril 2014 E. 1.1; 1C_339/2008 vom 24. September 2008 E. 1.2). Vorliegend hat der anwa ltlich vertretene Beschwerdeführer im vor- instanzlichen Verfahren - wörtlich genommen - eine bere its widerrufene Verfügung angefoch- ten, womit es eigentlich an einem gültigen Anfechtung sobjekt mangelte. Aus seinen Ausführun- gen in der Beschwerdebegründung speziell zur Frage der Fristenwahrung geht indes hervor, dass der Beschwerdeführer eigentlich die Verfügung vom 12 . Februar 2016 anfechten wollte, die er der Beschwerde auch beigelegt hatte. Der Regi erungsrat hat sich mit dieser Problematik nicht auseinandergesetzt. Er ist in seinem Beschluss vom 31. Mai 2016 stillschweigend, aber im Ergebnis zu Recht auf das offensichtlich Gewollte einge gangen und hat weder im Sachverhalt noch in den Erwägungen Bezug auf die widerrufene Ve rfügung vom 11. Januar 2016 genom- men. 4.1 Streitgegenstand bildet die Frage, ob der Führer ausweisentzug für die Dauer von drei Monaten zu Recht erfolgte. Der Beschwerdeführer macht d iesbezüglich geltend, dass keine schwere Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln gemäss Ar t. 16c Abs. 1 lit. a SVG vorliege. Der Fall sei vielmehr nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG a ls leichte Widerhandlung zu behandeln und maximal mit einer Verwarnung zu ahnden. 4.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen der leichten, mitte lschweren und schweren Wi- derhandlung (Art. 16a-c SVG). Nach Art. 16a Abs. 1 lit . a SVG begeht eine leichte Wider- handlung, wer durch die Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Ver schulden trifft. Die fehlbare Person wird verwarnt, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und kei- ne andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 1 6a Abs. 2 und 3 SVG). In besonders leichten Fällen wird auf jegliche Massnahme verzichtet (Art. 16a Abs. 4 SVG). Gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG begeht eine mittelschwere Widerhand lung, wer durch Verletzung von Ver- kehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer her vorruft oder in Kauf nimmt. Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird der Ausweis für minde stens einen Monat entzogen (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG). Leichte und mittelschw ere Widerhandlungen werden als einfache Verkehrsregelverletzungen im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG erfasst (BGE 135 II 138 E. 2.4). Eine schwere Widerhandlung begeht, wer durch grobe V erletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorru ft oder in Kauf nimmt (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit ander er ist dabei nicht erst bei einer konkreten, sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährd ung gegeben (BGE 131 IV 133 E. 3.2). Nach einer schweren Widerhandlung, welche einer groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG entspricht (BGE 132 II 234 E. 3 ), wird der Führerausweis für mindes- tens drei Monate entzogen (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Aus der Verfügung der Polizei vom 12. Februar 2016 geht hervor, dass gemäss kanto- naler Praxis und nach Rücksprache mit den technischen Expe rten der Polizei Basel-Landschaft bei einer Überschreitung des Gesamtgewichtes, der Stütz - und/oder der Deichsellast um bis zu 49 % eine Verwarnung (leichte Widerhandlung), bis 99 % ein Führerausweisentzug von min- destens 1 Monat (mittelschwere Widerhandlung) und ab 100 % ein Führerausweisentzug von mindestens 3 Monaten (schwere Widerhandlung) ausgespro chen wird. Der Beschwerdeführer rügt, dass die vorgenommene Massnahmenfestsetzung die indi viduellen Umstände nicht be- rücksichtige und deshalb nicht geeignet sei, die getroffene Massnahme zu rechtfertigen. 5.1 Die Annahme einer schweren Widerhandlung erforder t kumulativ eine qualifizierte ob- jektive Gefährdung und ein qualifiziertes Verschulden. In objektiver Hinsicht wird verlangt, dass die Verkehrssicherheit ernsthaft gefährdet wurde. Dabei genügt nach der Rechtsprechung eine erhöhte abstrakte Gefährdung, die vorliegt, wenn in Anbetracht der jeweiligen Verhältnisse des Einzelfalls der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verletzung nahe liegt. Subjek- tiv erfordert der Tatbestand der groben Verkehrsregelve rletzung ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schwe res Verschulden, bei fahrlässiger Begehung grobe Fahrlässigkeit (BGE 131 IV 133 E. 3.2; Urteile des Bundesgerichts 1C_588/ 2015 vom 14. April 2016 E. 2.2; 1C_3/2015 vom 26. Au gust 2015 E. 4.2; 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 3.2; H ANS GIGER , SVG Kommentar Strassenverkehrsgesetz mit weiteren Erlassen, 8. Aufl., Zürich 2014, Art. 16c SVG N 4). 5.2 Gemäss Sachverhaltsfeststellung der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg im Strafbefehl vom 27. Juli 2015 fuhr der Beschwerdeführe r am 20. Juni 2015 in einem Lieferwa- gen mit Zentralachsanhänger auf der Autobahn A3 in R ichtung Basel, als er in Frick einer Poli- zeipatrouille der Kantonspolizei Aargau auffiel. Bei d er Kontrollwägung des Lieferwagens mit Anhänger wurden Überschreitungen der Stütz- und Deichse llast um je 172 % sowie eine Über- schreitung des Betriebsgewichts des Lieferwagens um 13.63 % festgestellt. 5.3 Nach Art. 29 SVG dürfen Fahrzeuge nur in betriebssi cherem Zustand in Verkehr ge- setzt werden. Dies bedingt insbesondere, dass die Fahrzeug e oder Fahrzeugkombinationen nicht überladen werden und die Ladung sachgemäss verteilt und gesichert wird (vgl. Art. 30 Abs. 2 SVG; GIGER , a.a.O., Art. 30 SVG N 7). Die Bestimmungen werden konkretisiert in Art. 67 der Verkehrsregelnverordnung (VRV) vom 13. November 196 2, der die maximalen Gewichte und Lasten definiert. Diese Normen tragen zur Sicherheit im Strassenverkehr bei, insbesondere auch auf Autobahnen, wo die Verkehrsteilnehmer mit ho hen Geschwindigkeiten unterwegs sind. Es handelt sich dabei um wichtige Verkehrsvorschriften (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_588/2015 vom 14. April 2016 E. 2.3; 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 4.1; 1C_456/ 2011 vom 28. Februar 2012 E. 3.1). 5.4 Der Regierungsrat erwog in seinem Entscheid, die m assive Überlastung im Bereich der Stütz- und Deichsellast um 172 % berge sehr hohe Gefah ren. Die Überlastung habe Auswir- kungen auf die Stabilität und auf das Bremsverhalten ( erhöhte Schleudergefahr, reduzierte Sta- bilität und Manövrierbarkeit) des Zugfahrzeuges und d es Anhängers. Des Weiteren könne die falsche Lastenverteilung dazu führen, dass die Kupplung o der die Deichsel brechen und sich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Anhänger verselbstständigen könne. Durch die massive Überlastung sei ein Materialversa- gen bereits bei geringen Geschwindigkeiten grundsätzlich und erst recht bei hohen Geschwin- digkeiten, wie sie auf den Autobahnen gefahren werden, möglich. Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, dass diese Aussage falsch sei. Unfal lexperten widersprächen dieser These, ein Materialbruch bei dieser Überlastung sei als nahezu ausgeschlossen anzusehen. Aus diesem Grund könne nur die gutachterliche Beurteil ung die Frage der erhöhten abstrakten Gefährdung beantworten. 5.5 Die Beurteilung, ob eine erhöhte abstrakte Gefäh rdung vorliegt, hängt von den konkre- ten Umständen des Einzelfalls ab (vgl. E. 5.1). Das Bund esgericht hat sich bereits in mehreren Entscheiden mit der Frage einer Gefährdung der Verkeh rssicherheit durch die Überschreitung von zulässigen Lasten und Gewichten im Strassenverkehr bef asst. Im Entscheid 1C_588/2015 vom 14. April 2016 beurteilte das Bundesgericht die Überschreitung der Stütz- und Deichsellast um 271 % bzw. 346 % als schwere Widerhandlung, ebenso ur teilte es im Urteil 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 in Bezug auf eine Überschreitung der Deichsellast bei einem Sachen- transportanhänger um 132 %, der Stützlast um 190 %, der Anhängerlast um 12,5 % und des Betriebsgewichts um 12,5 %. Im Urteil 1C_3/2015 vom 26. August 2015 ging es bei einer Über- schreitung der Stütz- und Deichsellast um 404 % bzw. 152 % von einer erhöhten abstrakten Gefahr für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer und von einer schweren Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG aus. Es erachtete dabei eine verminderte Bremsleistung sowie die Möglichkeit eines Bruchs der Anhängervorrichtun g aufgrund der erheblichen Überbe- lastung als plausibel. Dies insbesondere dann, wenn di e Verkehrssituation ein brüskes Ab- bremsen oder abrupte Lenkmanöver erfordere. Das Bundesge richt ging bei einer derart massi- ven Überschreitung der Stütz- und Deichsellast von einer ernsthaften Gefährdung der Ver- kehrssicherheit aus, ansonsten die vorgeschriebenen Grenzwerte für die zulässigen Lasten un- sachgemäss tief angesetzt wären, wofür es keine Anhaltspunkte gebe. Es befand, dass ein Ab- brechen bzw. Schleudern des Anhängers insbesondere auf Autobahnen, auf denen mit hohen Geschwindigkeiten gefahren werde, schwerwiegende Folge n für die übrigen Verkehrsteilneh- mer haben könne (Urteile des Bundesgerichts 1C_588/2015 vom 14. April 2016 E. 2.5; 1C_3/2015 vom 26. August 2015 E. 4.5; 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 4.2). 5.6 Der vorliegende Fall ist mit diesen Urteilen verg leichbar: Der Beschwerdeführer war mit einer Fahrzeugkombination auf der Autobahn unterwegs und die festgestellten Überschreitun- gen der Stütz- und Deichsellast bzw. des Betriebsgewichts bewegen sich in ähnlichem Rah- men. Gemäss Bundesgericht ist die massive Überbelastung der Anhängerkupplung bzw. -deichsel geeignet, eine Gefährdung oder Verletzung d er Verkehrssicherheit herbeizuführen, und zwar in einer Art und Weise, dass Leib und Leben sowie das Vermögen der übrigen Ver- kehrsteilnehmer durch die mögliche Verursachung von Unfäl len zu Schaden kommen können (Urteil des Bundesgerichts 1C_588/2015 vom 14. April 20 16 E. 2.5). Aufgrund der klaren bun- desgerichtlichen Rechtsprechung erübrigt sich die Einholu ng der beantragten technischen Ex- pertise. Die Vorinstanz ging deshalb zu Recht von einer e rhöhten abstrakten Gefahr für die Si- cherheit anderer aus. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Subjektiv ist für das Vorliegen einer schweren Wider handlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erforderlich, dass dem Täter aufgrund eines rücksichtsl osen oder sonst wie schwerwie- gend regelwidrigen Verhaltens zumindest eine grobe Fa hrlässigkeit vorgeworfen werden kann. Grobe Fahrlässigkeit kommt nicht nur dann in Betracht, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist; sondern auch, wenn er die Ge- fährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht. In diesem Fall wird vorausgesetzt, dass das Nichtbedenken der Gefährdung anderer auf Rücksichtslosigkeit beruht (BGE 131 IV 133 E. 3.2). 6.2 Wer einen Zentralachsanhänger mit sich führt, muss ü ber die für dessen Handhabung erforderlichen Grundkenntnisse verfügen und der bei diesen Gefährten naturgemäss besonders wichtigen Ausbalancierung der Ladung das erforderliche A ugenmerk schenken (Urteil des Bun- desgerichts 1C_3/2015 vom 26. August 2015 E. 4.5). Al s Lenker war der Beschwerdeführer für die Einhaltung der Verkehrsvorschriften und damit auch fü r das korrekte Beladen des von ihm mitgeführten Anhängers vollumfänglich verantwortlich (vgl . Art. 26 Abs. 1 SVG, Art. 57 Abs. 1 VRV). Sein Einwand, dass er nur einen Teil der Strecke als Chauffeur übernommen habe und beim Beladen nur dabei war und nicht selbst beladen habe, vermag ihn deshalb nicht zu entlas- ten (vgl. D ORIS BÜHLMANN , in: Niggli/Probst/Waldmann [Hrsg.], Basler Kommentar zum Stras- senverkehrsgesetz, Basel 2014, Art. 96 SVG N 87; G IGER , a.a.O., Art. 96 SVG N 8). Die Bela- dung des Anhängers war dermassen unausgewogen und eine Überladung so offensichtlich, dass sie sofort ins Auge sprang, was sich auch aus der si ch bei den Akten befindlichen Fotodo- kumentation klar ergibt. Die falsche Beladung des Anhän gers hätte vom Beschwerdeführer bei Ausübung der in dieser Situation erforderlichen Aufme rksamkeit und seiner Kontrollpflicht ohne weiteres erkannt werden können und müssen. Der Beschwer deführer muss sich den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit gefallen lassen, und zwar gleichgültig darum, ob er die Fahrt ausführ- te, obwohl er die Grundregeln für Handhabung solcher Anhänger pflichtwidrig nicht kannte, oder ob er sie kannte und sich darüber sorgfaltswidrig hinwegsetzte. 6.3 Die Vorinstanz ist demnach zu Recht von einer schwer en Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen. Die Entzugsdauer liegt bei einer schweren Widerhandlung bei mindestens drei Mona ten (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG), sie darf nicht unterschritten werden (BGE 135 II 138 E. 2 .2.1). Die Beschwerde ist somit abzuwei- sen. 7. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten. Sie werden in der Regel und in ange messenem Ausmass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei, nicht jedoch der Vor instanz, auferlegt. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in d er Höhe von Fr. 1'400.-- zu ver- rechnen. Ausgangsgemäss sind die Parteikosten wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat seinen Führerausweis späte stens 30 Tage nach Rechtskraft dieses Urteils der Polizei Basel-Landschaft , Adminis- trativmassnahmen, Brühlstrasse 43, 4415 Lausen, mit ein geschriebe- nem Brief zuzustellen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.