<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">142</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>27</b></span> <span class="ft2"><b>Zonenkonformität von Kindertagesstätten in einer Wohnzone.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 26. Januar 2010 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">X. und Y. gegen Kantonsspital Aarau AG (WBE.2008.252).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdegegnerin betreibt auf den Liegenschaften</span><br/> <span class="ft1">Westallee 9 (Parzelle Nr. 1205) und Westallee 13 (Parzelle Nr. 1206)</span><br/> <span class="ft1">zwei Kindertagesstätten. Beide Gebäude wurden zuvor als Personal-</span><br/> <span class="ft1">häuser genutzt. Die jetzt eingerichteten Kindertagesstätten sind von</span><br/> <span class="ft1">6.30 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet. Abends, an Samstagen sowie an</span><br/> <span class="ft1">Sonn- und Feiertagen sind sie geschlossen. Die Kinder werden zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen 6.30 Uhr und 9.00 Uhr gebracht und zwischen 16.00 Uhr und</span><br/> <span class="ft1">19.00 Uhr abgeholt. Die Kinder in der Liegenschaft Westallee 9 sind</span><br/> <span class="ft1">im Kindergarten- und Primarschulalter. An der Westallee 13 werden</span><br/> <span class="ft1">Kinder von drei Monaten bis und mit viertem Lebensjahr betreut.</span><br/> <span class="ft1">Die Westallee 9 hat zehn Plätze, an der Westallee 13 können 14 Kin-</span><br/> <span class="ft1">der betreut werden. Beide Kindertagesstätten verfügen über einen</span><br/> <span class="ft1">Garten, wobei ein Zaun die beiden angrenzenden Gärten trennt. Im</span><br/> <span class="ft1">Garten der Westallee 9 befanden sich zum Zeitpunkt des verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichtlichen Augenscheins vom 24. August 2009 zwei Fuss-</span><br/> <span class="ft1">balltore, ein Sandplatz sowie ein Partyzelt mit drei Bänken, welches</span><br/> <span class="ft1">gemäss der Leiterin der Kindertagesstätten im Herbst entfernt wer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">143</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">den sollte. Ferner befanden sich eine "Experimentierküche", ein von</span><br/> <span class="ft1">den Kindern angelegter Kräutergarten sowie verschiedene Autoreifen</span><br/> <span class="ft1">auf der Nordseite des Gebäudes. Der Garten der Westallee 13 war</span><br/> <span class="ft1">ausgerüstet mit einer Rutschbahn, einem Trampolin, einem Sandplatz</span><br/> <span class="ft1">sowie einer Schaukel. Die Beschwerdegegnerin verfügt über eine</span><br/> <span class="ft1">dritte Kindertagsstätte an der Westallee 19 (östlich der Westallee 13).</span><br/> <span class="ft1">Die Gärten der drei Kindertagesstätten sind durch einen Zaun</span><br/> <span class="ft1">getrennt. Die Kinder können jedoch (mit Erlaubnis der Betreu-</span><br/> <span class="ft1">ungsperson) von einer zur anderen Liegenschaft zirkulieren. Die</span><br/> <span class="ft1">Parzelle Nr. (...) der Beschwerdeführer grenzt unmittelbar nördlich</span><br/> <span class="ft1">an die Parzelle Nr. 1205 (Westallee 9).</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Die umgenutzten Liegenschaften befinden sich gemäss Zonen-</span><br/> <span class="ft1">plan der Stadt Aarau vom 11. Mai 1981 / 11. September 1984 (Stand</span><br/> <span class="ft1">September 2007) in der Wohnzone W3</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span><span class="ft1">, welche der Empfindlich-</span><br/> <span class="ft1">keitsstufe II zugeordnet ist. Gemäss § 6 Abs. 1 der Bau- und Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsordnung (BNO) der Stadt Aarau vom 24. März 2003 / 25. Juni</span><br/> <span class="ft1">2006 sind Wohnzonen in erster Linie für Wohnbauten bestimmt. Der</span><br/> <span class="ft1">Anteil der Wohnnutzung an der realisierten Bruttogeschossfläche hat</span><br/> <span class="ft1">in den Zonen E, W2, W3 und W3</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">mindestens 60 % zu betragen</span><br/> <span class="ft1">(§ 6 Abs. 3 BNO).</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.-3.3. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist, ob der Gemeinderat § 6 BNO richtig angewandt</span><br/> <span class="ft1">hat. Geht es, wie hier, um die Anwendung einer kommunalen Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung, muss berücksichtigt werden, dass die Gemeinden bei der</span><br/> <span class="ft1">Ausscheidung und Definition der verschiedenen Zonen (§ 13 Abs. 1,</span><br/> <span class="ft1">§ 15 Abs. 1 und Abs. 2 BauG) aufgrund von § 106 KV verfassungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtlich geschützte Autonomie geniessen; hierin eingeschlossen ist</span><br/> <span class="ft1">die Anwendung des autonomen Gemeinderechts. Daraus folgt, dass</span><br/> <span class="ft1">sich das Verwaltungsgericht bei der Überprüfung einschlägiger ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderätlicher Entscheide zurückzuhalten hat, zumindest soweit es</span><br/> <span class="ft1">bei den zu entscheidenden Fragen um rein lokale Anliegen geht und</span><br/> <span class="ft1">weder überörtliche Interessen noch überwiegende Rechtsschutz-</span><br/> <span class="ft1">anliegen berührt werden. Die Gemeinde kann sich in solchen Fällen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">144</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bei der Auslegung kommunalen Rechts insbesondere dort auf ihre</span><br/> <span class="ft1">Autonomie berufen, wo eine Regelung unbestimmt ist und verschie-</span><br/> <span class="ft1">dene Auslegungsergebnisse rechtlich vertretbar erscheinen. Die</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Rechtsmittelinstanzen sind hier gehalten, das Ergebnis</span><br/> <span class="ft1">der gemeinderätlichen Rechtsauslegung zu respektieren und nicht</span><br/> <span class="ft1">ohne Not ihre eigene Rechtsauffassung an die Stelle der gemein-</span><br/> <span class="ft1">derätlichen zu setzen. Die Autonomie der Gemeindebehörden hat je-</span><br/> <span class="ft1">doch auch in diesen Fällen dort ihre Grenzen, wo sich eine Aus-</span><br/> <span class="ft1">legung mit dem Wortlaut sowie mit Sinn und Zweck des Gesetzes</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr vereinbaren lässt (AGVE 2001, S. 299 f. mit Hinweis).</span><br/> <span class="ft1">3.5.</span><br/> <span class="ft1">3.5.1.</span><br/> <span class="ft1">Wohnzonen sind hauptsächlich für Wohnbauten bestimmt (§ 15</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG i.V.m. § 6 Abs. 1 BNO). Ein bundesweit einheitlicher</span><br/> <span class="ft1">Begriff der Wohnnutzung existiert nicht. Die Wohnnutzung kann in</span><br/> <span class="ft1">erster Linie als eine Reihe verschiedener Zwecke und Tätigkeiten be-</span><br/> <span class="ft1">schrieben werden, zu denen etwa Erholung, Schlafen, Essen und</span><br/> <span class="ft1">Hausarbeit gezählt werden. Darüber hinaus werden der Wohnnut-</span><br/> <span class="ft1">zung auch Einrichtungen für die Freizeitbeschäftigung und andere</span><br/> <span class="ft1">Nutzungen zugerechnet, sofern diese einen hinreichenden Bezug</span><br/> <span class="ft1">zum Wohnen aufweisen (AGVE 2001, S. 301 mit Hinweis; Bernhard</span><br/> <span class="ft1">Waldmann / Peter Hänni, Raumplanungsgesetz, Bundesgesetz vom</span><br/> <span class="ft1">22. Juni 1979 über die Raumplanung [RPG], Bern 2006, Art. 22</span><br/> <span class="ft1">N 25).</span><br/> <span class="ft1">3.5.2.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist zunächst, ob der Betrieb der Kindertagesstätten</span><br/> <span class="ft1">unter den Begriff der Wohnnutzung fällt. Entscheidend ist, was die</span><br/> <span class="ft1">Kindertagesstätten bezwecken und welche Tätigkeiten sie umfassen.</span><br/> <span class="ft1">Die Kinder der Kindertagesstätte verbringen entweder den gan-</span><br/> <span class="ft1">zen oder den halben Tag in den Kindertagesstätten. Sie essen, schla-</span><br/> <span class="ft1">fen, spielen und teilweise besuchen sie den Kindergarten oder die</span><br/> <span class="ft1">Schule. Insofern kann die Nutzung der Kindertagesstätten in Über-</span><br/> <span class="ft1">einstimmung mit den Vorinstanzen durchaus als Wohnnutzung ange-</span><br/> <span class="ft1">sehen werden, zumal die Kinder - wie die Vorinstanz zutreffend aus-</span><br/> <span class="ft1">führt - die gleichen Aktivitäten ausüben wie im Elternhaus. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer erklären denn auch nicht, dass die Tätigkeiten der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">145</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kinder nicht dem Zweck der Wohnzone entsprechen ("Die Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz erachtet Kinderhorte und Kinderspielplätze in der Wohnzone</span><br/> <span class="ft1">als zonenkonform. Im Grundsatz ist dies richtig."). Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer stören sich vielmehr daran, dass nicht Quartierkinder betreut</span><br/> <span class="ft1">werden, sondern die Kinder von Angestellten der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">gegnerin. Woher die betreuten Kinder kommen, spielt jedoch bei der</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung der Frage, ob es sich um eine Wohnnutzung oder eine</span><br/> <span class="ft1">gewerbliche Nutzung handelt, keine entscheidende Rolle. Massge-</span><br/> <span class="ft1">bend ist, dass die Kinder denjenigen Tätigkeiten nachgehen, die dem</span><br/> <span class="ft1">Charakter der Wohnnutzung vollumfänglich entsprechen. Spiel und</span><br/> <span class="ft1">Bewegung sind feste Elemente im Tagesrhythmus eines Kindes,</span><br/> <span class="ft1">weshalb Geräusche spielender Kinder mit der Wohnnutzung un-</span><br/> <span class="ft1">trennbar verbunden sind. Entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer, fehlt es einer Kindertagestätte auch nicht am Element der Dauer.</span><br/> <span class="ft1">Zwar sind nicht jeden Tag die gleichen Kinder anwesend. Es handelt</span><br/> <span class="ft1">sich aber auch nicht um eine stundenweise Betreuung von immer</span><br/> <span class="ft1">wechselnden Kindern. Aufgrund der vorgeschriebenen Mindestbe-</span><br/> <span class="ft1">treuungsverhältnisse ist jedes Kind durchschnittlich zwei Tage bzw.</span><br/> <span class="ft1">vier Halbtage pro Woche anwesend und dies während eines längeren</span><br/> <span class="ft1">Zeitraums. Es ist folglich durchaus gerechtfertigt, von einer auf eine</span><br/> <span class="ft1">gewisse Dauer ausgerichteten Wohnnutzung zu sprechen, auch wenn</span><br/> <span class="ft1">sich diese auf den Tag beschränkt. Dementsprechend werden Kinder-</span><br/> <span class="ft1">tagesstätten in der Wohnzone nach der Praxis der Stadt Aarau gene-</span><br/> <span class="ft1">rell bewilligt ([...]: in der Wohnzone befinden sich [teilweise] das</span><br/> <span class="ft1">[...] mit 60 Plätzen, die [...] mit 34 Plätzen, die [...] mit 24 Plätzen</span><br/> <span class="ft1">sowie die [...] mit 12 Plätzen). Hinzu kommt, dass dem Betrieb der</span><br/> <span class="ft1">Kindertagesstätten im konkreten Fall die Absicht zur Gewinnerzie-</span><br/> <span class="ft1">lung fehlt. Die Kinderkrippen werden betrieben, um die Kinder der</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin während der Arbeitszeit zu be-</span><br/> <span class="ft1">treuen. Es steht somit ein soziales Motiv und nicht ein Erwerbszweck</span><br/> <span class="ft1">im Vordergrund. Es liegt deshalb kein Gewerbebetrieb, sondern eine</span><br/> <span class="ft1">soziale Einrichtung vor, deren Betrieb einer Wohnnutzung entspricht.</span><br/> <span class="ft1">3.5.3.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend erscheint es vor dem Hintergrund der kom-</span><br/> <span class="ft1">munalen Autonomie haltbar, wenn der Stadtrat von einer Wohnnut-</span><br/> <span class="ft1">zung ausgeht. Qualifiziert man den Betrieb der Kindertagesstätten als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">146</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Wohnnutzung, bedarf es keines funktionalen Zusammenhangs zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen dem Betrieb der Kindertagesstätte und der übrigen Wohnnut-</span><br/> <span class="ft1">zung. Ein funktionale Betrachtungsweise ist von vornherein nur bei</span><br/> <span class="ft1">Gewerbebetrieben erforderlich (Waldmann / Hänni, a.a.O., Art. 22</span><br/> <span class="ft1">N 26).</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer erachten das Bauvorhaben auch unter</span><br/> <span class="ft1">lärmschutzrechtlichen Gesichtspunkten als nicht bewilligungsfähig.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">4.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 74 Abs. 1 BV erlässt der Bund Vorschriften über</span><br/> <span class="ft1">den Schutz des Menschen und seiner natürlichen Umwelt vor schäd-</span><br/> <span class="ft1">lichen und lästigen Einwirkungen; er sorgt dafür, dass solche Einwir-</span><br/> <span class="ft1">kungen vermieden werden (Art. 74 Abs. 2 Satz 1 BV). Diesem Auf-</span><br/> <span class="ft1">trag ist mit dem Erlass des USG und der einschlägigen Ausführungs-</span><br/> <span class="ft1">verordnungen entsprochen worden.</span><br/> <span class="ft1">Einwirkungen im Sinne von Art. 74 Abs. 1 BV sind insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen, Strahlen sowie</span><br/> <span class="ft1">Verunreinigungen des Bodens, die durch den Bau oder Betrieb von</span><br/> <span class="ft1">Anlagen oder den Umgang mit Stoffen oder Abfällen erzeugt werden</span><br/> <span class="ft1">(Art. 7 Abs. 1 USG). Gemäss der Rechtsprechung geht es dabei nicht</span><br/> <span class="ft1">nur um den Lärm technischen Ursprungs; der unmittelbar mit dem</span><br/> <span class="ft1">Betrieb einer Anlage verbundene Verhaltenslärm von Menschen und</span><br/> <span class="ft1">Tieren wird ebenfalls erfasst (BGE 123 II 79 = Pra 86/1997, S. 561</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen). Auf solchen Lärm sind das USG und die LSV eben-</span><br/> <span class="ft1">falls anwendbar (Christoph Zäch / Robert Wolf, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Umweltschutzgesetz, 2. Auflage, Zürich 2004, Art. 15 N 40 [nachfol-</span><br/> <span class="ft1">gend Bearbeiter, Kommentar USG]; BGE 123 II 79 = Pra 86/1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 561 mit Hinweis; AGVE 1999, S. 272 mit Hinweis auf den Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid des Verwaltungsgerichts vom 28. Mai 1991, in: URP 6/1992,</span><br/> <span class="ft1">S. 155 ff. betreffend einen Kinderspielplatz).</span><br/> <span class="ft1">4.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Das USG will, entsprechend dem Verfassungsauftrag (Art. 74</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BV), den Menschen und seine natürliche Umwelt gegen</span><br/> <span class="ft1">schädliche und lästige Einwirkungen schützen (Art. 1 Abs. 1 USG;</span><br/> <span class="ft1">siehe dazu Schrade / Loretan, Kommentar USG, Art. 11 N 3, 16,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">16a). Das USG will dabei kein Verhinderungs-, sondern ein Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahmengesetz sein, das seinem Konzept nach die Quellen der Um-</span><br/> <span class="ft1">weltbelastung nicht als solche in Frage stellt; die Nachfrage soll nicht</span><br/> <span class="ft1">untersagt, sondern befriedigt werden, wobei aber gleichzeitig die den</span><br/> <span class="ft1">Umweltschutzanforderungen entsprechenden Vorkehren getroffen</span><br/> <span class="ft1">werden sollen (Pra 80/1991, S. 179; BGE 124 II 233). In diesem Sin-</span><br/> <span class="ft1">ne sind Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, un-</span><br/> <span class="ft1">abhängig von der bestehenden Umweltbelastung frühzeitig so weit</span><br/> <span class="ft1">zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlich tragbar ist (sog. Vorsorgeprinzip gemäss Art. 1 Abs. 2 und</span><br/> <span class="ft1">Art. 11 Abs. 2 USG; Art. 7 Abs. 1 lit. a und Art. 8 Abs. 1 LSV; siehe</span><br/> <span class="ft1">BGE 126 II 305 ff. und 118 Ib 238 sowie AGVE 1999, S. 272 f., je</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweisen). Allerdings gibt es Geräusche, die nicht mit emis-</span><br/> <span class="ft1">sionsbeschränkenden Massnahmen reduziert werden können, ohne</span><br/> <span class="ft1">dass damit der eigentliche Zweck der Tätigkeit in Frage gestellt wür-</span><br/> <span class="ft1">de. Dazu sind auch kindliche Lautäusserungen beim Spiel im Freien</span><br/> <span class="ft1">zu zählen. Solche Geräusche können nicht völlig verboten, sondern</span><br/> <span class="ft1">im Wesentlichen nur einschränkenden Betriebszeiten unterstellt wer-</span><br/> <span class="ft1">den, wobei eine Interessenabwägung zwischen dem Ruhebedürfnis</span><br/> <span class="ft1">der Bevölkerung und dem Interesse an der lärmverursachenden</span><br/> <span class="ft1">Tätigkeit vorzunehmen ist (Entscheid des Verwaltungsgerichts Zü-</span><br/> <span class="ft1">rich vom 8. April 2004 [VB.2004.00035], Erw. 4.1; BGE 126 II 369).</span><br/> <span class="ft1">4.1.3.</span><br/> <span class="ft1">Auf einer zweiten Stufe setzt das USG bei den Immissionen an:</span><br/> <span class="ft1">Die Emissionsbegrenzungen werden verschärft, wenn feststeht oder</span><br/> <span class="ft1">zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft1">bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden (Art. 11</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 USG). Als Massstab für die Beurteilung der schädlichen oder</span><br/> <span class="ft1">lästigen Einwirkungen dienen Immissionsgrenzwerte (Art. 13 - 15</span><br/> <span class="ft1">USG). Der Bundesrat hat solche Immissionsgrenzwerte für den</span><br/> <span class="ft1">Strassenverkehrslärm, den Eisenbahnlärm, den Lärm der Regional-</span><br/> <span class="ft1">flughäfen und Flugfelder, den Industrie- und Gewerbelärm, den</span><br/> <span class="ft1">Lärm von Schiessanlagen sowie den Lärm von Militärflugplätzen</span><br/> <span class="ft1">festgelegt (Anhänge 3-8 zur LSV); für den Lärm öffentlicher Ein-</span><br/> <span class="ft1">richtungen wie Schul- und Sportanlagen tat er dies nicht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">148</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Die streitbetroffenen Kindertagesstätten bzw. die dazugehörigen</span><br/> <span class="ft1">Kinderspielplätze stellen unbestrittenermassen ortsfeste Anlagen im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von Art. 7 Abs. 7 USG dar, durch deren Betrieb Lärmimmis-</span><br/> <span class="ft1">sionen verursacht werden.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Lärmimmissionen ortsfester Anlagen sind grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">anhand der vom Bundesrat festgelegten Belastungsgrenzwerte zu be-</span><br/> <span class="ft1">urteilen. Für die Lärmbelastung durch Begegnungs- und Kinder-</span><br/> <span class="ft1">spielplätze hat er keine Grenzwerte festgelegt. Fehlen Belastungs-</span><br/> <span class="ft1">grenzwerte, so beurteilt die Vollzugsbehörde die Lärmimmissionen</span><br/> <span class="ft1">im Einzelfall anhand der Kriterien, die den gesetzlichen Belastungs-</span><br/> <span class="ft1">grenzwerten (Planungs-, Immissions- und Alarmwerte) zu Grunde</span><br/> <span class="ft1">liegen (vgl. Art. 15, 19 und 23 USG). In der hier interessierenden</span><br/> <span class="ft1">Zone mit Empfindlichkeitsstufe II entspricht den Planungswerten ein</span><br/> <span class="ft1">Immissionsniveau, bei dem nach richterlicher Beurteilung höchstens</span><br/> <span class="ft1">geringfügige Störungen auftreten dürfen (BGE 126 II 368 ff. mit</span><br/> <span class="ft1">Hinweisen; 123 II 335; BGE vom 4. März 2002 [1A.73/2001], in:</span><br/> <span class="ft1">URP 16/2002, S. 105). Das Ausmass der Störung hängt ab vom Cha-</span><br/> <span class="ft1">rakter des Lärms, dem Zeitpunkt und der Häufigkeit seines Auf-</span><br/> <span class="ft1">tretens sowie von der Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelastung</span><br/> <span class="ft1">der Zone, in der die Immissionen auftreten. Aufgrund richterlicher</span><br/> <span class="ft1">Erfahrung ist zu beurteilen, ob eine unzumutbare Störung vorliegt.</span><br/> <span class="ft1">Dabei ist nicht auf das subjektive Lärmempfinden einzelner Personen</span><br/> <span class="ft1">abzustellen, sondern eine objektivierte Betrachtung unter Berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigung von Personen mit erhöhter Empfindlichkeit (Art. 13</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 USG) vorzunehmen (BGE 126 II 368 ff. mit Hinweisen; 123</span><br/> <span class="ft1">II 335; BGE vom 4. März 2002 [1A.73/2001], in: URP 16/2002,</span><br/> <span class="ft1">S. 105). Allein der Umstand, dass sich einige wenige Nachbarn durch</span><br/> <span class="ft1">den Lärm belästigt fühlen, belegt also noch keine unzulässige</span><br/> <span class="ft1">Lärmbelastung (BGE 123 II 86).</span><br/> <span class="ft1">4.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer beantragen die "Beiziehung" einer Lärm-</span><br/> <span class="ft1">prognose. Der Antrag wird einzig mit allgemeinen rechtlichen Aus-</span><br/> <span class="ft1">führungen und Hinweise auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">begründet.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">149</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die kantonale Behörde ist verpflichtet, die Lärmimmissionen</span><br/> <span class="ft1">ortsfester Anlagen anhand einer Lärmprognose zu ermitteln, wenn</span><br/> <span class="ft1">sie Grund zur Annahme hat, dass die Belastungsgrenzwerte über-</span><br/> <span class="ft1">schritten sind oder ihre Überschreitung zu erwarten ist (Art. 25</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 USG, Art. 36 Abs. 1 LSV). Die Ermittlungspflicht gilt grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich auch bei Anlagen, deren Lärmimmissionen direkt aufgrund</span><br/> <span class="ft1">von Art. 15 USG zu beurteilen sind.</span><br/> <span class="ft1">Im konkreten Fall liesse sich zwar der Schallpegel des hier zur</span><br/> <span class="ft1">Diskussion stehenden Verhaltenslärms spielender Kinder ermitteln,</span><br/> <span class="ft1">es besteht jedoch kein rechtlich verbindlich vorgegebenes und wis-</span><br/> <span class="ft1">senschaftlich anerkanntes Mess- und Beurteilungsverfahren für diese</span><br/> <span class="ft1">Lärmart. Es fehlt überdies an Grenzwerten, die auf ein solches Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren abgestimmt sein müssten und nach denen das Messresultat</span><br/> <span class="ft1">beurteilt werden könnte. Ein Lärmgutachten wäre daher von be-</span><br/> <span class="ft1">schränktem Nutzen. Die Behörde darf die Immissionen in solchen</span><br/> <span class="ft1">Fällen auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen und ohne Gutachten</span><br/> <span class="ft1">beurteilen. Sie soll sich dieser Verantwortung nicht entziehen, indem</span><br/> <span class="ft1">sie den wertenden Entscheid darüber, ob die Immissionen als erheb-</span><br/> <span class="ft1">lich störend einzustufen sind oder nicht, einem Akustikbüro über-</span><br/> <span class="ft1">trägt. Sie hat die Gesamtumstände des konkreten Einzelfalles selber</span><br/> <span class="ft1">abzuwägen, wobei sie dem Charakter des Lärms, dem Zeitpunkt und</span><br/> <span class="ft1">der Häufigkeit seines Auftretens sowie der Lärmempfindlichkeit</span><br/> <span class="ft1">bzw. Lärmvorbelastung der Zone Rechnung tragen muss. Diese Be-</span><br/> <span class="ft1">urteilung kann in Fällen der vorliegenden Art ohne Unterstützung</span><br/> <span class="ft1">von Akustikern erfolgen. Es lässt sich daher nicht beanstanden, dass</span><br/> <span class="ft1">der Stadtrat auf ein Lärmgutachten verzichtet hat.</span><br/> <span class="ft1">4.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Den Charakter des Lärms beschrieb die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">anlässlich der verwaltungsgerichtlichen Augenscheinsverhandlung</span><br/> <span class="ft1">als Jauchzen, Johlen und Schreien der Kinder. Gemäss den benach-</span><br/> <span class="ft1">barten Zeuginnen umfasst der Lärm Schreien, Heulen, Kreischen,</span><br/> <span class="ft1">Weinen, Brüllen, Rufen und Quietschen. Die Beschwerdeführer - wie</span><br/> <span class="ft1">auch die Zeuginnen - beklagen sich somit generell über den Lärm,</span><br/> <span class="ft1">den die Kinder beim Spielen im Garten erzeugen. Derartiger Lärm</span><br/> <span class="ft1">passt jedoch vom Charakter her in eine Wohnzone. Kinder sollen in</span><br/> <span class="ft1">Wohnzonen die Möglichkeit haben, sich im Freien zu bewegen und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">150</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zu spielen. Sie gehören mit allen ihren lauten und leisen Äusserun-</span><br/> <span class="ft1">gen zum Wohnen und sind in einer Wohnzone zu akzeptieren, auch</span><br/> <span class="ft1">wenn sie auf einem Platz zum Spielen zusammenkommen und des-</span><br/> <span class="ft1">halb mit einem erhöhten Lärmpegel zu rechnen ist (Entscheid der</span><br/> <span class="ft1">Baurekurskommission Zürich vom 30. März 2004, in: URP 2004,</span><br/> <span class="ft1">S. 347). Lärm, der von seinem Charakter her dieser üblichen Ge-</span><br/> <span class="ft1">räuschkulisse entspricht, wird von der Mehrheit der Bevölkerung</span><br/> <span class="ft1">auch in einer ruhigen Wohnzone als ortsüblich und deshalb nicht als</span><br/> <span class="ft1">störend empfunden (Urs Walker, Umweltrechtliche Beurteilung von</span><br/> <span class="ft1">Alltags- und Freizeitlärm, in: URP 1/2009, S. 82; siehe auch</span><br/> <span class="ft1">BGE vom 7. März 2005 [1A.241/2004], Erw. 2.5.4. mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft1">VGE III/46 vom 28. August 2007, S. 11 f.). Derartiger Lärm hat</span><br/> <span class="ft1">somit grundsätzlich als sozialadäquat zu gelten und muss in einer</span><br/> <span class="ft1">Wohnzone hingenommen werden.</span><br/> <span class="ft1">Störend und rechtlich relevant wird derartiger Lärm erst, wenn</span><br/> <span class="ft1">er eine besondere Lautstärke annimmt. Das ist hier nicht der Fall.</span><br/> <span class="ft1">Die zwei strittigen Kindertagesstätten an der Westallee 9 und 13</span><br/> <span class="ft1">bieten insgesamt 24 Plätze an. Berücksichtigt man noch die angren-</span><br/> <span class="ft1">zende Tagesstätte in der Zone Oe (Westallee 19), sind es 46 Plätze.</span><br/> <span class="ft1">Die Konzentration aller Kinder auf einer Parzelle ist entgegen der</span><br/> <span class="ft1">Ansicht der Beschwerdeführer unwahrscheinlich, zumal alle drei</span><br/> <span class="ft1">Kindertagesstätten über einen grossen Garten verfügen, welche je-</span><br/> <span class="ft1">weils unterschiedliche Spielgeräte aufweisen. Geht man mit den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführern von acht bis (an schönen Sommertagen und bei</span><br/> <span class="ft1">Schnee) 20 im Freien spielenden Kindern aus, lässt sich die Situation</span><br/> <span class="ft1">noch mit einem kleineren Spielplatz vergleichen, welcher in einer</span><br/> <span class="ft1">Wohnzone üblich und objektiv nicht störend ist.</span><br/> <span class="ft1">4.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Zum Zeitpunkt und der Häufigkeit des Lärms: Der gleiche</span><br/> <span class="ft1">Lärm stört nachts mehr als am Tag, und er stört auch stärker während</span><br/> <span class="ft1">der Erholungszeiten am Wochenende oder abends als während der</span><br/> <span class="ft1">Arbeitszeiten (Walker, a.a.O., S. 82).</span><br/> <span class="ft1">Die Kinder werden montags bis freitags zwischen 6.30 Uhr und</span><br/> <span class="ft1">9.00 Uhr in die Kindertagesstätte gebracht und zwischen 16.00 Uhr</span><br/> <span class="ft1">und 19.00 Uhr abgeholt. Die Kinder der Westallee 9 besuchen die</span><br/> <span class="ft1">Schule oder den Kindergarten und halten sich höchstens an schul-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">151</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">freien Nachmittagen oder ab ca. 16.00 Uhr im Freien auf. Die Kinder</span><br/> <span class="ft1">der Westallee 13 sind je nach Programm und Witterung jeweils mor-</span><br/> <span class="ft1">gens und nachmittags nach dem Mittagsschlaf im Garten. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">Aussage einer Zeugin anlässlich der verwaltungsgerichtlichen Au-</span><br/> <span class="ft1">genscheinsverhandlung ist der Lärm zwischen 17.00 Uhr und</span><br/> <span class="ft1">18.00 Uhr am schlimmsten. Laut Beschwerdeführerin tritt der Lärm</span><br/> <span class="ft1">von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr auf, wobei von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr</span><br/> <span class="ft1">die Mittagsruhe eingehalten werde. Der Lärm tritt somit ausserhalb</span><br/> <span class="ft1">der Zeiten auf, die durch das Polizeireglement der Stadt Aarau vom</span><br/> <span class="ft1">14. April 1980 speziell geschützt sind (vgl. § 12 des erwähnten Reg-</span><br/> <span class="ft1">lements). Hinzu kommt, dass die Entstehung des Lärms sowie dessen</span><br/> <span class="ft1">Wahrnehmung von der Witterung und von der Jahreszeit abhängig</span><br/> <span class="ft1">ist.</span><br/> <span class="ft1">Somit zeigt sich, dass der Lärm nicht in Zeiten auftritt, welche</span><br/> <span class="ft1">normalerweise zur Entspannung und Erholung genutzt werden. Die</span><br/> <span class="ft1">Ruhezeiten am Mittag und am Abend werden vielmehr eingehalten.</span><br/> <span class="ft1">Die Lärmimmissionen konzentrieren sich auf eine Zeitspanne, in der</span><br/> <span class="ft1">auch lärmintensivere Tätigkeiten des Arbeitslebens vorgenommen</span><br/> <span class="ft1">werden. Diesem Umstand ist bei der Beurteilung besonderes Ge-</span><br/> <span class="ft1">wicht beizumessen. Das Spiel der Kinder im Freien werktags wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend einer begrenzten Anzahl Stunden (insbesondere nachmittags)</span><br/> <span class="ft1">erweist sich als eine zum Wohnen gehörende Aktivität, welche nicht</span><br/> <span class="ft1">als störend bezeichnet werden kann.</span><br/> <span class="ft1">4.3.4.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist ferner die Lärmempfindlichkeit und die Lärmvor-</span><br/> <span class="ft1">belastung der Zone, in welcher der Lärm auftritt. Im konkreten Fall</span><br/> <span class="ft1">befinden sich die überbauten Liegenschaften der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">in der Zone E, für welche die Empfindlichkeitsstufe II gilt (§ 5 Abs.</span><br/> <span class="ft1">2 BNO, Zonenplan der Stadt Aarau; Art. 43 Abs. 1 lit. b LSV). Die</span><br/> <span class="ft1">Zone E ist für den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern bestimmt</span><br/> <span class="ft1">(§ 6 Abs. 2 BNO). Es sind nur stilles Gewerbe und Quartierläden</span><br/> <span class="ft1">zulässig (Anhang zur BNO). In solchen Zonen, die überwiegend dem</span><br/> <span class="ft1">Wohnen dienen, ist auf die Wohnqualität Rücksicht zu nehmen. Aber</span><br/> <span class="ft1">auch in Zonen, die dem Wohnen dienen, kommt es jedoch zu</span><br/> <span class="ft1">Lärmimmissionen, beispielsweise wie hier durch spielende Kinder,</span><br/> <span class="ft1">die hinzunehmen sind (vgl. vorne Erw. 4.3.2.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">152</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Eine relevante Lärmvorbelastung liegt trotz des angrenzenden</span><br/> <span class="ft1">Kantonsspitals nicht vor, worüber sich alle Verfahrensbeteiligten ei-</span><br/> <span class="ft1">nig sind.</span><br/> <span class="ft1">4.3.5.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend erlaubt die heutige Situation betreffend die</span><br/> <span class="ft1">Kindertagesstätten an der Westallee 9 und 13 den Schluss, dass</span><br/> <span class="ft1">höchstens eine geringfügige Störung vorliegt und somit das zulässige</span><br/> <span class="ft1">Immissionsniveau (noch) nicht überstiegen wird. Der Entscheid der</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz ist insofern nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">4.4.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen bleibt, ob die Emissionen durch vorsorgliche Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen begrenzt werden können (Art. 11 Abs. 2 USG). Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer haben subeventualiter beantragt, die Baubewilligun-</span><br/> <span class="ft1">gen seien mit Auflagen zu versehen. Denkbar seien etwa die Aufla-</span><br/> <span class="ft1">gen, dass sich maximal sechs Kinder auf dem Kinderspielplatz auf-</span><br/> <span class="ft1">halten dürfen oder dass die Mittagsruhe von 12.00 Uhr - 13.30 Uhr</span><br/> <span class="ft1">einzuhalten sei (keine Kinder im Freien).</span><br/> <span class="ft1">4.4.1.</span><br/> <span class="ft1">In beiden Kindertagesstätten werden gleichzeitig 24 Kinder be-</span><br/> <span class="ft1">treut (vgl. vorne Erw. 1). Die verlangte Beschränkung würde bedeu-</span><br/> <span class="ft1">ten, dass man an warmen Sommertagen nur einem Teil der betreuten</span><br/> <span class="ft1">Kinder erlauben würde, sich draussen aufzuhalten, was weder prakti-</span><br/> <span class="ft1">kabel noch den Kindern zumutbar ist. Im Hinblick darauf, dass der</span><br/> <span class="ft1">Kinderlärm nur werktags, ausserhalb der im Polizeireglement spe-</span><br/> <span class="ft1">ziell geschützten Ruhezeiten auftritt und sich die Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">nur dann gestört fühlen, wenn sie sich selber im Garten befinden,</span><br/> <span class="ft1">erweist sich die beantragte Massnahme als unverhältnismässig. Den</span><br/> <span class="ft1">Kindern soll die Möglichkeit gegeben werden, sich im Freien zu be-</span><br/> <span class="ft1">wegen und zu spielen. Es entspricht dem Zweck einer Kindertages-</span><br/> <span class="ft1">stätte, den Kindern eine optimale Betreuung (welche zweifelsohne</span><br/> <span class="ft1">auch die Möglichkeit umfasst, sich im Freien aufzuhalten) zu bieten.</span><br/> <span class="ft1">Das Ruhebedürfnis der Beschwerdeführer vermag eine generelle</span><br/> <span class="ft1">Beschränkung der Anzahl Kinder, die sich im Garten aufhalten dür-</span><br/> <span class="ft1">fen, nicht zu rechtfertigen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">153</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer verlangen, dass die Mittagsruhe zu ge-</span><br/> <span class="ft1">währleisten sei. Einzig die Kinder der Westallee 13 essen im Freien,</span><br/> <span class="ft1">wofür ein Holztisch im Garten aufgestellt wurde. Die Kinder essen</span><br/> <span class="ft1">um 11.30 Uhr bis 12.00 Uhr und halten danach einen Mittagsschlaf.</span><br/> <span class="ft1">Die Kinder der Westallee 9 nehmen das Essen im Haus ein. Anläss-</span><br/> <span class="ft1">lich der verwaltungsgerichtlichen Augenscheinsverhandlung erklärte</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin, von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr sei kein Lärm</span><br/> <span class="ft1">zu hören. Vor diesem Hintergrund lässt sich die beantragte Auflage</span><br/> <span class="ft1">nicht rechtfertigen.</span><br/> <span class="ft1">(Hinweis: Das Bundesgericht hat eine Beschwerde gegen diesen</span><br/> <span class="ft1">Entscheid abgewiesen, soweit es darauf eintrat; Urteil vom</span><br/> <span class="ft1">6. September 2010 [1C_148/2010]).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>