Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. März 2013 (720 12 252) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf IV-Rente Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch S tefanie Mathys-Währer, Advokatin, Kasernenstrasse 22a, Postfach 569, 4410 Liestal gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1966 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. M ärz 2008 als Bau-Facharbeiter bei der B.____AG in Gelterkinden. Am 19. Juni 2008 erlitt er bei einem Selbstunfall mit einem Rau- pentransporter eine offene Fraktur des rechten Schien beins. Die Schweizerische Unfallversi- cherungsanstalt (SUVA) als obligatorische Unfallversicherung kam für die entstandenen Kosten (Taggelder/Heilbehandlung) des Unfalls auf und sprach d em Versicherten am 12. Januar 2011 mit Wirkung ab 1. Februar 2011 eine 16%ige Rente und aufgrund einer Integritätseinbusse von 15% eine Integritätsentschädigung zu. Die gegen diese Verfügung eingereichte Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 28. Juni 2011 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Bereits am 1. Juli 2009 (Eingang) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf den beim Unfall erlittenen Körperschaden bei der Eidgenössi schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-St elle) klärte in der Folge die gesund- heitlichen und die erwerblichen Verhältnisse ab. Mit Verfügung vom 22. Juni 2012 teilte sie dem Versicherten nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit, dass ihm vom 1. Januar 2010 bis 31. Januar 2011 eine befristete ganze Rente ausgerichtet werde. B. Hiergegen richtet sich die Beschwerde, welche der Ver sicherte, vertreten durch Advoka- tin Stephanie Mathys-Währer, am 23. August 2012 beim K antonsgericht erhob. Er beantragte, dass die Verfügung vom 22. Juni 2012 teilweise aufzuhebe n und ihm unbefristet eine ganze Rente auszurichten sei. Eventualiter sei ihm in teilwei ser Aufhebung der Verfügung vom 22. Juni 2012 die ganze Rente mindestens bis Ende 2012 zuzusprechen und die Beschwerde- gegnerin anzuweisen, per 1. Januar 2013 eine Überprüfung der Verhältnisse (Heilungsprozess) vorzunehmen. Subeventualiter sei ihm in teilweiser Aufh ebung der Verfügung vom 22. Juni 2012 ab dem 1. Februar 2011 eine halbe Rente zuzuspre chen. Schliesslich sei ihm die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbei ständung mit der Unterzeichneten zu gewähren. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorge bracht, dass die Vorinstanz im Zeit- punkt des Verfügungserlasses nicht beachtet habe, dass der Heilungsprozess noch nicht abge- schlossen gewesen sei. Weiter wurden auch das der Inval iditätsbemessung zugrunde gelegte Invalideneinkommen und der leidensbedingte Abzug von 15% beanstandet. C. Zur Beschwerde liess sich die IV-Stelle am 4. Septembe r 2012 vernehmen und bean- tragte deren Abweisung. Sie führte im Wesentlichen au s, dass sie aufgrund der beigezogenen SUVA-Akten und weiteren ärztlichen Berichten des Spitals C.____ zurecht davon ausgegangen sei, dass dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht ab November 2010 eine leidensadap- tierte Tätigkeit ganztags zumutbar sei. Ebenso gehe di e Kritik am Invalideneinkommen und am leidensbedingten Abzug fehl. D. Mit Verfügung vom 4. Januar 2013 bewilligte das Ka ntonsgericht dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Mathys- Währer. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht beim sachlich wie ört lich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob der Beschwerdefüh- rer mit Wirkung ab 1. Februar 2011 Anspruch auf eine Rente hat. 2.2 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 3.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbe itsunfähigkeit die durch eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit b edingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (Ulrich Meyer-Blaser , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 323 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI- Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 3.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerich ts [EVG; heute Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 4. In den Akten finden sich nachfolgende Berichte, welche für die Beurteilung des Falles wesentlich sind: 4.1 Im Austrittsbericht des Spitals C.___ vom 21. Juli 200 8 zuhanden des Hausarztes Dr. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, wurden eine isolierte 3° offene Unterschenkelfrak- tur rechts und eine posttraumatische Osteomyelitis sowie ei n Weichteilinfekt nach Arbeitsunfall am 19. Juni 2008 diagnostiziert. Der Beschwerdeführer sei bis sechs Wochen postoperativ zu 100% arbeitsunfähig. 4.2 Am 5. Mai 2009 berichtete PD Dr. med. E.____, F MH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Spital C.____, dass beim Beschwerdeführer seit sei- ner Entlassung aus dem Spital C.____ am 22. Juli 2008 verschiedene operative Eingriffe, wel- che mit der am 19. Juni 2008 erlittenen offenen Unte rschenkelfraktur im Zusammenhang stün- den, vorgenommen worden seien. Der Beschwerdeführer sei bis auf Weiteres zu 100% arbeits- unfähig. 4.3 Am 4. Januar 2010 teilte der Arzt des Regionalen Ä rztlichen Dienstes (RAD), Dr. med. F.____, mit, dass der Beschwerdeführer im Juni 2008 eine offene Unterschenkelfrak- tur erlitten habe. In der Folge habe sich eine chronisch e Osteomyelitis eingestellt, die mehrfach operativ revidiert habe werden müssen. Derzeit sei noch immer keine volle Belastbarkeit gege- ben, so dass seit dem Unfall von einer 100%igen Arbeits unfähigkeit als Bauarbeiter ausgegan- gen werden müsse. Diese Einschätzung sei mit an Sicherhe it grenzender Wahrscheinlichkeit bis Mitte 2010 anzunehmen. In Anbetracht des komplizie rten Verlaufs sei die Tätigkeit als Bau- arbeiter problematisch. Ob in dieser Tätigkeit jemals w ieder eine Arbeitsfähigkeit resultiere, er- achte er als sehr unwahrscheinlich, zumal nun auch noch eine Achsenabweichung in der Infekt- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pseudoarthrose dokumentiert sei. Daher sei derzeit noch kein stabiles medizinisches Gesche- hen ersichtlich, um eine angepasste Tätigkeit zu formuli eren. Es bleibe nur, den weiteren Ver- lauf abzuwarten. 4.4 In Beantwortung der konsiliarischen Anfrage im Rah men der Frühinterventionsphase führte der RAD-Arzt Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, am 19. August 2010 aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund der letzten Berichte des Spitals C.____ nicht mehr in seinem angestammten Beruf tätig sein werde. Generell könne er keine schweren Arbeiten mehr ausüben. Leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit we chselnder Belastung sollten jedoch mög- lich sein. Aus diesem Grund seien berufliche Massnahmen zu prüfen. 4.5 Am 1. November 2010 hielt der SUVA-Kreisarzt Dr. med. H.____, FMH Chirurgie, fest, dass dem Beschwerdeführer überwiegend sitzende Tätigkeit en mit kurzen ebenerdigen gehen- den oder stehenden Intervallen ganztags zumutbar seien. 4.6 Am 15. Dezember 2010 fand eine kreisärztliche Unter suchung statt. Dr. med. I.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bew egungsapparates, diagnostizierte im gleichentags erstellten Bericht einen Status nach (1) iso lierter 3° offener Unterschenkelschaft- fraktur rechts am 19. Juni 2008, (2) Gefässnaht der Art eria tibialis, ausgiebigem Weichteildébri- dement, Fremdkörperentfernung, Knochendébridement un d Markraumspülung der Tibiafraktur sowie Fixateur externe-Anlage am 19. Juni 2008, (3) Se cond look und Biobrane-Wechsel der rechten Tibia am 21. Juni 2008, (4) Third look mit Na ch-Débridement, Fixateur externe- Entfernung und definitive Osteosynthese mittels Dehnloch 4,5 mm LCP sowie gestielter Soleus- Flap zur Defektdeckung am 26. Juni 2008, (5) Second look, Débridement und Muskelnekrose- nentfernung am Unterschenkel rechts am 29. Juni 2008, ( 6) Lappenhebung, Osteosynthesen- materialentfernung, Débridement und Biopsie-Entnahme sowie Anlage eines Ilizarov- Ringfixateurs am Unterschenkel rechts am 3. September 2008, (7) Fixateur externe-Entfernung, Re-Débridement und Osteosynthese mittels Spongiosaplast ik Tibia rechts am 26. September 2008, (8) Lappenhebung, Osteosynthesenmaterialentfernu ng Tibia rechts, Spongiosa- Entnahme Beckenkamm rechts, Osteosynthese mittels Expert-Nai l Tibia am 29. Dezember 2008, (9) Explantation einer Tibianage bei Re-Infekt, Débridement, Biopsie-Entnahme und An- lage des Fixateurs externe am 3. April 2009, (10) Knoch enresektion Tibia rechts am 29. April 2009, (11) Non-Union Unterschenkel rechts bei Status nach Unterschenkelfraktur, Osteo- synthese Unterschenkel rechts mittels vascularisierter Fibul a links am 5. Juni 2009 sowie (12) Fixateur externe-Entfernung und Débridement Unterschenkel rechts am 24. September 2009. In der versicherungsmedizinischen Beurteilung kam Dr. I.____ zum Schluss, dass ein Endzustand vorliege, da klinisch die Infektfreiheit imponiere. Zudem bestehe kein Trainings- und Muskelauf- baubedarf. Zumutbar seien dem Versicherten ganztags vor allem sitzende, leichte, wechselbe- lastende Tätigkeiten ohne Bergauf- und Bergabgehen, ohne Arbeiten in Gefahrenbereichen, ohne mittelschwere und schwere beinbetonte Arbeit, ohn e Nässe, Kälte Zugluft, vermehrte Hit- ze und unter Meiden des Besteigens von Leitern und Gerüsten. 4.7 Zu den Ausführungen des Kreisarztes Dr. I.____ füh rte der RAD-Arzt Dr. G.____ am 24. Januar 2011 aus, dass auf dessen Zumutbarkeitsprofil a bzustellen und davon auszugehen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei, dass dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Novembe r 2010 eine leidensadaptierte Tä- tigkeit zu 100 % zumutbar sei. 4.8 In den Akten findet sich sodann ein weiterer Verl aufsbericht des Spitals C._____ vom 18. März 2011. Unter Nennung der bekannten Diagnosen wurde festgestellt, dass beim Be- schwerdeführer ein unveränderter Zustand vorliege und d ie SUVA von einem Endzustand aus- gehe. Der Beschwerdeführer sei ab 1. November 2010 in einer dem Zumutbarkeitsprofil der SUVA entsprechenden Tätigkeiten einsetzbar. 4.9 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte der Ver sicherte einen Bericht des Spitals C.____, Abteilung K, vom 18. Oktober 2011 ein. Dari n wurde eine Pseudoarthrose am Tibia- schaft rechts nach 3° offener Unterschenkelfraktur im Jahr 2008 mit multiplen Nachoperationen genannt. In der Beurteilung wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer zu 80% arbeitsunfä- hig sei. Zudem könne nicht von einem Fallabschluss gesproch en werden, da deutlich ein mor- phologisches Korrelat für die Beschwerden vorliegen würde. 4.9 Der RAD holt in der Folge mit Schreiben vom 13. Dezember 2011 bei Prof. Dr. E.____, einen Bericht betreffend die Arbeitsfähigkeit des Be schwerdeführers ein. Dieser verwies am 27. Februar 2012 auf den Ambulanzbericht vom 18. März 2011 (vgl. E. 4.7 vorstehend). Dort sei unter Anamnese und Befund detailliert aufgeführt, da ss der Beschwerdeführer seit dem 1. No- vember 2010 eine 100%ige Arbeitfähigkeit in einer le idensadaptierten Tätigkeit ausweise. Demgegenüber bestehe in der angestammte Tätigkeit als B auarbeiter keine Arbeitsfähigkeit mehr. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 22. Juni 2012 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vollum- fänglich auf die Ergebnisse, zu denen die SUVA-Kreisärzte Dres. H.____ und I.____ in ihren Berichten vom 1. November 2010 und 15. Dezember 2010 sowie die Ärzteschaft des Spi- tals C.____ in den vorerwähnten Berichten gekommen war en. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer körperlich adaptierten Tätigkeit ab 1. Novem- ber 2010 zu 100% zumutbar sei. Diese Beurteilung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist den im R ahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor . Die Kreisärzte haben den Beschwerde- führer umfassend und eingehend untersucht. Zudem berücksi chtigen sie die geklagten Be- schwerden sowie die vorbestehenden medizinischen Akten. Weiter leuchten ihre Ausführungen in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und in der Begründung der medizini- schen Beurteilung (Diagnosen, zumutbare Arbeitsfähigkeit) ein. Ebenso ist den Angaben in den Berichten des Spitals C.____, in welchem der Beschwerdeführer seit seinem Unfall am 19. Juni 2008 behandelt wurde, unmissverständlich und klar zu ent nehmen, dass er aufgrund seiner Restbeschwerden in einer leidensadaptierten Tätigkeit, die dem Profil der SUVA-Kreisärzte ent- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht spricht (vor allem sitzende, leichte wechselbelastende T ätigkeiten ohne Bergauf- und Bergab- gehen, ohne Arbeiten in Gefahrenbereichen, ohne mitt elschwere und schwere beinbetonte Ar- beit, ohne Nässe, Kälte und Zugluft sowie ohne vermeh rte Hitze, unter Meiden des Besteigens von Leitern und Gerüsten) zu 100% arbeitsfähig ist. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz auf diese Berichte abgestellt hat. 5.2 Die Vorbringen in der Beschwerde rechtfertigen kei ne andere Betrachtungsweise. So- weit der Beschwerdeführer angibt, dass er weiterhin Beschwerden habe, ist ihm entgegenzuhal- ten, dass dies nicht bestritten wird. Er verkennt hierbei jedoch, dass sich diese Restbeschwer- den nicht auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptier ten Tätigkeit auswirken und deshalb auf die Invaliditätszumessung keinen Einfluss haben. Daran ändert auch die Aussage im Bericht des Spitals C.____, Abteilung K, vom 18. Oktober 2011 nichts, wonach der Fall nicht abgeschlossen sei und auch nicht noch von einer 100%igen Arbeitsfä higkeit ausgegangen werden könne. Zu- nächst widerspricht dieser Bericht sämtlichen anderen Berichten, ohne die gestellten Diagnosen ausführlich zu begründen. Zudem entspricht er nicht den Anforderungen an einen ärztlichen Bericht (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis), da die beh andelnden Ärzte sich im Wesentlichen auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers stützen und sich nicht mit den übrigen ärztlichen Berichten auseinandergesetzt sowie die abweic hende Einschätzung nicht begründet haben. Schliesslich ist die angegebene 80%ige Arbeitsunf ähigkeit weder bewiesen noch ist ersichtlich ist, ob sie sich auf die angestammte oder eine Verweistätigkeit bezieht. Selbst wenn noch ein Heilungsprozess stattfindet, ändert dies nicht s an der bereits ab 1. November 2010 bestehenden Arbeitsfähigkeit von 100%. Damit steht fe st, dass auf die Angaben im Bericht des Spitals C.____, Abteilung K, vom 18. Oktober 2011 nicht abgestellt werden darf. 5.3 Nach dem Gesagten steht fest, dass die Berichte der SUVA-Kreisärzte Dres. H.____ und I.____ vom 1. November 2010 und 15. Dezember 2010 sowie der Ärzteschaft des Spitals C.____ vom 18. März 2011 und vom 27. Februar 2012 ein e zuverlässige Beurteilung des medi- zinischen Sachverhalts und der Arbeitsfähigkeit im Zei tpunkt des Verfügungserlasses am 22. Juni 2012 erlauben. Es ist demnach davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer adaptierten Verweistätigkeit ab 1. November 2010 zu 100% zumutbar ist. 6.1 Gemäss Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad bei e rwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die IV-Stelle ha t in der angefochtenen Verfügung vom 22. Juni 2012 anhand der Gegenüberstellung von Vali den- und Invalideneinkommen fest- gestellt, dass der Beschwerdeführer gestützt auf die med izinische Zumutbarkeitsbeurteilung in der Zeit vom 1. Juli 2009 (Ablauf Wartejahr) bis 1. N ovember 2010 einen Invaliditätsgrad von 100% aufweise. Unter Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG, wonach der Rentenanspruch erst sechs Monate nach Geltendmachung (vorliegend: 1. Juli 2009) entsteht und Art. 88a Abs. 1 IVV, gemäss welchem eine Verbesserung der Erwerbsfähigkei t erst zu berücksichtigen ist, wenn sie mindestens drei Monate angedauert hat und vora ussichtlich andauern wird, richtete die IV-Stelle dem Beschwerdeführer vom 1. Januar 2010 bis 31. Januar 2011 eine ganze Rente aus. Danach verneinte sie aber bei einem unter 40% lie genden Invaliditätsgrad einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente. Konkret stützte die Vorinstanz ihre Invaliditätsbemes- sung auf nachfolgende Unterlagen: Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Zunächst ermittelte die IV-Stelle in ihrer Verfü gung vom 22. Juni 2012 gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerdefüh rers ein Valideneinkommen von Fr. 68'335.-- als Bauarbeiter. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden und wird zurecht nicht bestritten. 6.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist pri mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person ko nkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumu lativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verblei bende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen au s der Arbeitsleistung als ange- messen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der t atsächlich erzielte Verdienst als Invali- denlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens ke ine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen hera ngezogen werden (BGE 129 V 472 ff., 126 V 76 E. 3b mit Hinweisen; RKUV 1999 Nr. U 343 S. 412 f. E. 4b/aa). 6.3.2 Die IV-Stelle stützte das Invalideneinkommen auf die LSE 2010, Tabelle TA1, Privater Sektor, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes 4, Spalte Männer, ab. Den sich hieraus erge- benden Betrag von Fr. 4'901.-- monatlich bei 40 Woche nstunden rechnete die Vorinstanz auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,6 Stunden im Jahr 2010 (vgl. Die Volkswirt- schaft, Ausgabe 09/2011, S. 94, Tabelle B 9.2) um. Au f 12 Monate hochgerechnet ergab dies für die Zeit ab 1. November 2010, nachdem der Beschwerdeführer wiederum 100% arbeitsfähig war, einen Betrag von Fr. 61'164.--. Von dem auf die se Weise festgestellten Invalideneinkom- men zog die Vorinstanz noch 15% wegen invaliditätsbedi ngten Beeinträchtigungen ab, so dass letztlich ein Invalideneinkommen von Fr. 51'990.-- (Fr. 61'164.-- x 85%) resultierte. Aufgrund der nachfolgenden Erwägungen ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden. 6.4.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz habe ein zu hohes Invalideneinkommen angenommen und der leidensbedingte Abzug sei mit 15% zu tief. Aufgrund des Zumutbarkeits- profils könne er nur im Bereich Gastgewerbe und im Dien stleistungssektor tätig sein. Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass bei Versicherten, die na ch Eintritt des Gesundheitsschadens lediglich noch leichte und intellektuell nicht anspruchs volle Arbeiten verrichten können, vom durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn ("Total") für Männer oder Frauen bei einfachen und repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) auszugeh en ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Mai 2006, I 586/05, E. 2.2). Dies ist hier der Fall, denn der Beschwerdeführer ist nach ärztlicher Einschätzung nur noch für sitzende, leichte wech selbelastende Tätigkeiten ohne Bergauf- und Bergabgehen, ohne Arbeiten in Gefahren bereichen, ohne mittelschwere und schwere beinbetonte Arbeit, ohne Nässe, Kälte, Zugluft , vermehrte Hitze und unter Meiden des Besteigens von Leitern und Gerüsten zu 100% arbeitsfäh ig. Damit kommen aber die vom Be- schwerdeführer vorgeschlagenen Tätigkeitsbereiche nicht in Frage. Die Tätigkeit im Gastge- werbe, bei welcher der Beschwerdeführer sehr viel stehen und gehen müsste, widerspricht zu- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem dem ärztlichen Zumutbarkeitsprofil. Die diesbezügliche Kritik an der Invaliditätsbemessung der Vorinstanz durch den Beschwerdeführer geht daher fehl. 6.4.2 Schliesslich beantragt der Beschwerdeführer einen höheren leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn. Die Vorinstanz hat die leidensbeding ten Einschränkungen beim Beschwer- deführer bereits im Umfang von 15% berücksichtigt, was im Rahmen der Angemessenheitskon- trolle und mit Blick auf vergleichbare Fälle nicht zu be anstanden ist (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweisen). Zu beachten ist, dass selbst bei einem Maxima labzug von 25% kein Renten be- gründender Invaliditätsgrad resultieren würde (vgl. E. 6.5 nachfolgend). 6.5. Aus der Gegenüberstellung von Valideneinkommen ( Fr. 68'335.--) und Invalidenein- kommen (Fr. 51'990.--) resultiert ein Invaliditätsgra d von 24% ab 1. November 2011. Die Be- rücksichtigung eines 25%igen leidensbedingten Abzugs vom Invalideneinkommen (Fr. 61'164.-- x 0.75 = Fr. 45'873.--) ergibt einen Invaliditätsgrad von gerundet 33%. Da diese Invaliditätsgra- de unter dem für einen Rentenanspruch mindestens erford erlichen von 40% liegen, hat die IV- Stelle - unter Berücksichtigung der dreimonatigen Anpassu ngszeit von Art. 88a Abs. 2 IVV - einen über Ende Januar 2011 hinausgehenden Rentenan spruch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. Die gegen die Verfügung vom 22. Jun i 2012 erhobene Beschwerde erweist sich daher als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Da der Beschwerdeführer vorliegend die unterlie gende Partei ist, sind ihm die Verfahrens- höhe in dieser Höhe aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführe r ist nun allerdings mit Verfügung vom 4. Januar 2013 die unentgeltliche Prozessführung be willigt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 4. Januar 2013 die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 de r Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Hono rar bei unentgeltlicher Verbeistän- dung Fr. 180.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Besch werdeführers hat in ihrer Honorar- note vom 28. Januar 2013 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 9.75 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'929.95 (9.75 Stunden à Fr. 180.-- zuzüg lich Auslagen von Fr. 32.-- + 8% Mehr- wertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'929.95 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet.