Abteilung IV D-5101/2 006 {T 0/2} U r t e i l v o m 1 1 . F e b r u a r 2 0 0 9 Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiber Martin Maeder. 1. A._______, geboren (...), 2. B._______, geboren (...), Türkei, beide vertreten durch Klausfranz Rüst-Hehli, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, (...), Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 31. August 2006 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-5101/2006 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin 1, gemäss eigenen Angaben eine aus der Ortschaft D._______ (Kreis E._______, Provinz Kahraman Maras stammende Kurdin, suchte am 18. No vem ber 2002 zusammen mit ihrem Ehemann, C._______, und der gemeinsamen minderjährigen Tochter B._______ (Beschwerdeführerin 2) in der Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie im Wesentlichen geltend , ihr persönlich sei in der Türkei nichts Schlimmes widerfahren, doch habe ihr Mann in die Schweiz gewollt, weil er - so glaube sie - ab und zu der HADEP (Halkin Demokrasi Partisi [Volkspartei der Demo- kratie]) geholfen habe und auch wegen seines politisch aktiven Bru- ders belästigt worden sei. A.b Das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, seit dem 1. Januar 2005 Teil des BFM) stellte mit Verfügung vom 29. Mai 2003 fest, die Beschwer- deführerinnen und deren Ehemann beziehungsweise Vater erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche mit dieser Be- gründung ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug derselben an. A.c Die Beschwerdeführerinnen und ihr Ehemann beziehungsweise Vater fochten die Verfügung vom 29. Mai 2003 mit Beschwerde vom 30. Juni 2003 in allen Punkten bei der Schweizerischen Asylrekurs- kom mission (ARK) an. A.d Mit Urteil vom 18. April 2006 wies die ARK die Beschwerde voll- umfänglich ab. In den Entscheiderwägungen führte sie unter anderem aus, der Wegweisungsvollzug in die Türkei sei gestützt auf die allge- meine Lage als grundsätzlich zumutbar zu erachten, und ferner lägen auch keine individuellen Unzumutbarkeitsgründe vor, gelte es doch zu bedenken, dass den Beschwerdeführerinnen und ihrem Ehemann be- ziehungsweise Vater eine zumutbare innerstaatliche Aufenthaltsalter- native ausserhalb der Heimatprovinz Kahraman Maras offen stehe, sie das Türkische als ihre Muttersprache bezeichneten und zudem mit ihren Eltern respektive Grosseltern und anderen nahen Verwandten, die nach wie vor in ihrem Heimatland wohnten, daselbst über ein intak- tes Beziehungsnetz verfügten, auf das sie bei ihrer Reintegration zu- rückgreifen könnten. Seite 2D-5101/2006 A.e Das BFF setzte mit Schreiben vom 25. April 2006 den Beschwer- deführerinnen und ihrem Ehemann beziehungsweise Vater eine bis zum 20. Juni 2006 laufende Frist zum Verlassen der Schweiz an. B. B.a Die Beschwerdeführerinnen und ihr Ehemann beziehungsweise Vater reichten am 15. Juni 2006 ein gegen den abweisenden Be- schwerdeentscheid vom 18. April 2006 gerichtetes Revisionsgesuch bei der ARK ein. Im Hauptbegehren ersuchten sie um Aufhebung des angefochtenen Urteils, Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl. Als Beilage zur Gesuchsschrift unterbreiteten sie der ARK unter anderem einen ärztlichen Bericht des Psychiatrischen Zentrums F._______ vom 13. Juni 2006, die wesentliche Aussage enthaltend, die Beschwerdeführerin 1 befinde sich seit dem 6. Juli 2004 - zufolge gewaltsamer Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann - in psychiatrischer Behandlung, und ihr psychischer Zu- stand habe sich insbesondere nach der Festsetzung des spätesten Ausreisetermins auf den 20. Juni 2006 deutlich verschlechtert. B.b Die ARK wies das Revisionsgesuch vom 15. Juni 2006 mit Urteil vom 28. Juni 2006 ab, wobei sie zur Begründung unter Bezugnahme auf den ärztlichen Bericht vom 13. Juni 2006 ausführte, die Beschwer- deführerin 1 habe es ohne Angabe entschuldbarer Gründe unterlas- sen, ihre psychischen Probleme im Rahmen des Beschwerdeverfah- rens geltend zu machen, und bei der Verschlechterung ihres Gesund- heitszustands handle es sich um eine nach Abschluss des ordentli- chen Verfahrens eingetretene Tatsache, welche nicht Gegenstand ei- nes Revisionsverfahrens sein könne, sondern auf Gesuch hin von der Vorinstanz im Rahmen eines allfälligen Wiedererwägungsverfahrens zu prüfen sei. C. C.a Am 11. Juli 2006 liessen die Beschwerdeführerinnen durch ihren Rechtsvertreter eine als "Wiedererwägungsgesuch" bezeichnete Rechtsschrift beim BFM einreichen. Darin beantragten sie zur Haupt- sache die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, im Eventualpunkt die Anordnung der vorläufigen Aufnahme we gen Undurchführbarkeit, insbesondere wegen Unzulässigkeit und Un zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Zur Begründung machte die Beschwerdeführerin 1 geltend, im Jahre 1995 sei sie gegen ihren Willen mit dem ihr flüchtig bekannten C._______ verheiratet worden, Seite 3D-5101/2006 und die Ehe sei von Anfang an nicht harmonisch verlaufen, zumal ihr Ehemann nach drei Jahren eine zweite Frau im Haus einquartiert habe. Seit sie deswegen im Jahre 2004 erstmals die Scheidung ver- langt habe, lebe sie getrennt von ihrem Ehemann. Aufgrund ihrer Wei- gerung, die Ehe fortzusetzen, befürchte sie, bei einer Rückkehr in die Türkei erneut gegen ihren Willen verheiratet zu werden, zumal sie sich ausserstande sehe, ohne Unterstützung der Familie einen menschen- würdigen Lebensunterhalt zu erreichen. Auch könne sie nicht damit rechnen, in der Türkei das Sorgerecht für ihr Kind zugesprochen zu erhalten Ihr Ehemann habe ihr nach Ablehnung des Asylgesuches gar mit der Entführung des gemeinsamen Kindes gedroht, weil er keines- falls in die Türkei zurückzukehren, sondern in einem anderen Staat um Asyl nachzusuchen gedenke. C.b Das BFM überwies das Gesuch vom 11. Juli 2006 in Anwendung von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) an die ARK, welche es als erneutes Gesuch um Revision des Urteils vom 18. April 2006 be- handelte und mit Urteil vom 20. Juli 2006 abwies. Mit demselben Urteil leitete die ARK die Eingabe vom 11. Juli 2006 zur Prüfung unter wie- dererwägungsrechtlichen Gesichtspunkten beziehungsweise allfälligen Behandlung als zweites Asylgesuch an das BFM zurück, mit der Erklä- rung, wie bei der bereits im ersten Revisionsverfahren geltend ge- mach ten Verschlechterung des psychischen Zustandes der Beschwer- deführerin 1 beinhalte auch das Vorbringen in der Eingabe vom 11. Ju- li 2006, wonach ihr Ehemann nach Ablehnung des Asylgesuches gar mit der Entführung des gemeinsamen Kindes gedroht habe, nach Ab- schluss des ordentlichen Verfahrens eingetretene Tatsachen, welche nicht Gegenstand eines Revisionsverfahrens sein könnten. D. D.a Die Beschwerdeführerinnen liessen am 20. Juli 2006 beim BFM ein Wiedererwägungsgesuch einreichen und darin beantragen, die ur- sprüngliche Verfügung vom 29. Mai 2003 sei für sie im Wegweisungs- punkt wiedererwägungsweise aufzuheben, es sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon die vor- läufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen, und in verfahrensrecht- licher Hinsicht sei der Vollzug der Wegweisung mittels vorsorglicher Mass nahme zu sistieren. Zusammen mit der Gesuchseingabe vom 20. Juli 2006 wurde als Beweismittel der schon erwähnte ärztliche Be- richt des Psychiatrischen Zentrums F._______ vom 13. Juni 2006 vor- Seite 4D-5101/2006 gelegt und unter Berufung darauf geltend gemacht, seit dem Urteil vom 18. April 2006 sei insofern eine wesentliche Veränderung der Sach lage eingetreten, als die Beschwerdeführerin 1 - als Folge der insgesamt sechsmaligen Gewaltanwendung durch ihren Ehemann beziehungsweise in der Vergangenheit - an einer PTBS (posttraumati- sche Belastungsstörung) leide und derzeit wegen der Angst vor erneu- ter körperlicher und seelischer Gewalt oder gar vor einem Ehrenmord akut suizidal sei, weshalb sich der Vollzug der Wegweisung für sie und ihre Tochter nunmehr als unzumutbar präsentiere. D.b Das BFM wies mit Zwischenverfügung vom 26. Juli 2006 das Ge- such um vorsorgliche Aussetzung des Wegweisungsvollzugs ab und forderte die Beschwerdeführerinnen unter Fristgewährung bis zum 7. August 2006 auf, ihre pauschal und allgemein formulierten Vorbrin- gen zu substanziieren, insbesondere die konkreten Vorkommnisse und deren zeitlichen Verlauf genau zu beschreiben und allenfalls zu doku- men tieren. D.c Die Beschwerdeführerinnen reichten am 7. August 2006 beim BFM eine Ergänzung des Wiedererwägungsgesuchs ein. D.d Die Beschwerdeführerin 1 machte am 20. August 2006 beim Kan- tonsgericht G._______ nach zweijähriger Trennung von ihrem Ehemann eine Scheidungsklage anhängig. D.e Das BFM wies mit Verfügung vom 31. August 2006 - eröffnet am 1. Sep tember 2006 - das Wiedererwägungsgesuch vom 11. und 20. Juli 2006 ab und bestätigte die Rechtskraft und Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 29. Mai 2003. In seinen Entscheiderwägungen führte es im Wesentlichen aus, von der Beschwerdeführerin 1 sei nicht in genügend substanziierter Form dargelegt worden sei, inwieweit ihre Furcht vor Nachstellungen des Ehemannes oder dessen Familie im Falle einer Rückschiebung als berechtigt angesehen und in dieser Hin- sicht effektiv von einer konkreten Gefährdung ausgegangen werden müsse. E. E.a Der Ehemann beziehungsweise Vater der Beschwerdeführerinnen wurde 4. September 2006 in Ausschaffungshaft versetzt. E.b Auf die für den 5. September 2006 vorgesehene Rückschaffung der Beschwerdeführerinnen in die Türkei wurde verzichtet, nachdem Seite 5D-5101/2006 die Beschwerdeführerin 1 am Abend des 4. September 2006 wegen Suizidabsichten Aufnahme im Psychiatrischen Zentrum in F._______ gefunden hatte. E.c Der Ehemann beziehungsweise Vater der Beschwerdeführerinnen wurde am 6. September 2006 in die Türkei zurückgeschafft. F. Die Beschwerdeführerinnen liessen die Verfügung vom 31. August 2006 mit Beschwerde vom 2. Oktober 2006 (Poststempel) bei der ARK anfechten. In materieller Hinsicht wurde in der Beschwerde die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz aufgrund festzustellender Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beantragt, in verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Ausset- zung des Wegweisungsvollzugs mittels vorsorglicher Massnahme er- sucht. Zusammen mit der Beschwerdeschrift wurden zwei Berichte der die Beschwerdeführerin 1 behandelnden Ärzte im Psychiatrischen Zentrum F._______ vom 14. September 2006 und 29. September 2006 eingereicht. Mit Folgeeingabe vom 6. Ok tober 2006 wurde das Be- weismaterial mit einem Bericht der für die persönliche Betreuung der Beschwerdeführerin 1 einschliesslich der Vorbereitung auf die Rück- kehr in die Türkei zuständigen kantonalen Sozialberaterin vom 3. Ok - tober 2006 ergänzt. G. G.a Der zuständige Instruktionsrichter der ARK wies mit Zwischenver- fügung vom 12. Oktober 2006 die Gesuche um Aussetzung des Voll- zugs der Wegweisung, Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab. Gleichzeitig forderte er die Beschwerde- führerinnen zur Leistung eines Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- bis zum 27. Ok tober 2006, wobei er die Zahlungsaufforderung mit der An- drohung verband, die ARK werde bei ungenutzt abgelaufener Frist auf die Beschwerde nicht eintreten, und ein allfälliges Gesuch um Gewäh - rung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Kostenvorschusserlass oder -reduktion, Ratenzahlung oder Fristverlängerung werde sie - vor- behältlich einer veränderten Sachlage - abweisen und ohne Ansetzung einer Nachfrist auf die Beschwerde nicht eintreten. Seite 6D-5101/2006 G.b Die Beschwerdeführerinnen liessen durch ihren Rechtsvertreter am 27. Ok tober 2006 (Datum der Telefax-Übermittlung und der Post- aufgabe) um "aufschiebende Wirkung und unentgeltliche Rechtspfle- ge" ersuchen. Zur Stützung dieser Anträge reichten sie den vorer- wähn ten Bericht der Sozialberaterin vom 3. Oktober 2006 und ein Schreiben des Rechtsvertreters vom 27. Oktober 2006 an die Vor- mund schaftsbehörde der Gemeinde H._______ zu den Akten. G.c Mit Folgeeingaben vom 2., 3. und 30. November 2006 sowie 1. De zember 2006 wurde die Begründung der am 27. Oktober 2006 gestellten Anträge ergänzt und - in der erstgenannten Eingabe - zu- sätzlich darum ersucht, einen Bericht bei der ärztlichen Leitung des Psychiatrischen Zentrums F._______ über die "Verumständung und Motivierung des Sui zidversuchs" der Beschwerdeführerin 1 einzuholen. Als weitere Beweismittel wurden zwei Aufsätze zum Thema Suizid, ein Auszug aus der Zeitschrift ZAR (Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik, Heft 1/1993), ein Entscheid des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) vom 24 Mai 1974 i.S. I.B. gegen Bundesrepublik Deutschland (Beschwerde-Nr. 6242/73) und ein E-Mail der Organisation „Terre des Femmes“ vom 3. No vem ber 2006 an den Rechtsvertreter als Papierausruck zum Dos- sier gegeben. G.d Mit Zwischenverfügung vom 8. Dezember 2006 hob der Instruk- tionsrichter der ARK seine Zwischenverfügung vom 12. Oktober 2006 wiedererwägungsweise auf und setzte den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerinnen bis zu anders lautender Anordnung aus. Des Weiteren hiess er die Gesuche um wiedererwägungsweise Ge- wäh rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und wiedererwägungsweisen Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut und ordnete die Überweisung der Akten an das BFM zur Vernehmlassung an. G.e Am 22. Dezember 2006 wurde als weiteres Beweismittel das Protokoll einer Befragung eingereicht, welche am 18. Dezember 2006 vor dem Kantongericht von G._______ im Rahmen des hängigen Scheidungsverfahrens mit der Beschwerdeführerin 1 durchgeführt wurde (im Folgenden: Scheidungsprotokoll). Unter Berufung darauf wurde unter anderem argumentiert, die vom Ehemann ausgestossene Todesdrohung gegen die Beschwerdeführerin 1 sei - wie auch die an- Seite 7D-5101/2006 gedrohte Missachtung des Kindeswohl in Bezug auf die Beschwer- deführerin 2 - durch die protokollierten Aussagen erstellt. H. Mit Beginn seiner Tätigkeit am 1. Januar 2007 übernahm das neu zu- ständige Bundesverwaltungsgericht das Beschwerdeverfahren von der ARK. I. Mit Eingaben vom 20. Februar 2007, 1. und 6. April 2007, 1., 25. und 31. Mai 2007 reichten die Beschwerdeführerinnen weitere Beweismittel zur Unterstützung ihrer Vorbringen ein. Es handelt sich dabei um von verschiedenen Fachleuten verfasste Abhandlungen zum Phänomen des Suizids und anderen Themen der Psychiatrie, zur Stellung der Frau im gesellschaftlichen Umfeld im Südosten der Türkei, zur Verbrei- tung der Folter und zur Gewaltanwendung gegen Frauen in der Türkei, zum Phänomen des „Tiefen Staats“ in der Türkei, sodann um Zei- tungsartikel mit Erlebnisberichten türkischer Frauen in der Schweiz (insbes. eine am [...] im „[...]“ unter einem Pseudonym, aber verse- hentlich mit einem Foto veröffentliche Lebensgeschichte der Be- schwerdeführerin 1) und Ausführungen zur Wirkungsweise des „Tiefen Staats“, um einen Auszug aus dem Türkei-Länderbericht 2007 des bri- tischen Innenministeriums sowie um eine Studie der Organisation „Ter- re des Femmes“ zum Thema Ehrenmord. Für die Einzelheiten wie ins- besondere den Publikationszeitpunkt der verschiedenen Texte wird auf die Akten verwiesen. J. J.a Mit verfahrensleitender Verfügung vom 19. Juni 2007 setzte der In- struktionsrichter dem BFM eine bis zum 19. Juli 2007 laufende Frist, um sich zur Beschwerde und deren Ergänzungen vernehmen zu las- sen. J.b In seiner Vernehmlassung vom 13. Juli 2007 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. J.c Mit Eingabe vom 17. Juli 2007 wurden ein die Beschwerdeführe- rin 1 betreffender Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums F._______ vom 25. Juni 2007 und ein Bericht vom 3. Juli 2007 betreffend Frauenhäuser in der Türkei zu den Akten gereicht. Mit separater Post vom gleichen Tag wurde ein Bericht der Kinder- und Seite 8D-5101/2006 Jugendpsychiatrischen Dienste I._______ vom 16. Juli 2007 eingereicht. J.d Mit verfahrensleitender Verfügung vom 17. Juli 2007 gab der In- struktionsrichter den Beschwerdeführerinnen die vorinstanzliche Ver- nehm lassung zur Kenntnis und räumte ihnen das Recht ein, bis zum 2. August 2007 darauf zu replizieren. J.e Am 23. Juli 2007 liessen die Beschwerdeführerinnen um Erstre- ckung der Replikfrist um zwei Wochen ersuchen. J.fMit Verfügung vom 25. Juli 2007 hiess der Instruktionsrichter das Ge such gut und erstreckte die Replikfrist bis zum 16. August 2007. J.g Am 16. August 2007 (Datum der Telefax-Übermittlung) bezogen die Beschwerdeführerinnen Stellung zu den Ausführungen des BFM in der Vernehmlassung vom 13. Juli 2007. Im Wesentlichen verwarfen sie die Argumentation des BFM in allen Punkten und ersuchten um Einho- lung eines Gutachtens betreffend Suizidalität, sofern die Tatsachen als nicht genügend erstellt für die Annahme eines Wegweisungshinder- nisses erachtet würden. Zusammen mit ihrer Stellungnahme reichten sie eine im Internet erschienene Pressemeldung über die Zahl von Ehrenmorden in der Türkei ein. J.h Mit Telefax vom 20. August 2007 ergänzten die Beschwerdefüh- rerinnen ihre Ausführungen in der Replik vom 16. August 2007 und legten ihren Standpunkt zum Bericht der Kinder- und Jugendpsychia- trischen Dienste I._______ vom 16. Juli 2007 dar. K. Mit Urteil des Kantonsgerichts von G._______ vom 6. März 2008 - in Rechtskraft erwachsen am 21. Oktober 2008 - wurde die Ehe zwi- schen der Beschwerdeführerin 1 und C._______ geschieden. Die Be- schwerdeführerin 2 wurde unter die elterliche Sorge der Beschwerde- führerin 1 gestellt. Weiter wurde C._______ verpflichtet, der Mutter an den Unterhalt des Kindes monatlich Fr. 180.-- zu bezahlen. L. Mit Eingabe vom 17. April 2008 reichten die Beschwerdeführerinnen einen aktuellen Zeitungsbericht über die Vergewaltigung und Ermor- dung einer als Friedensbotschafterin auftretenden Frau in der Türkei und über die dortige Haltung gegenüber Ehrenmorden zu den Akten. Seite 9D-5101/2006 M. M.a Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 23. Mai 2008 wurde gel- tend gemacht, dass der Bruder des geschiedenen Ehemannes der Be- schwerdeführerin 1 in J._______ seine von ihm getrennt lebende (...) Ehefrau angeschossen und deren gegenwärtigen Freund erschossen habe. Gleichzeitig wurde beantragt, die Beschwereführerin 1 hierzu zu befragen. M.b Am 3. Juni 2008 liessen die Beschwerdeführerinnen einen Zei- tungsbericht vom (...) zum Dossier geben und führten ergänzend beziehungsweise berichtigend an, die Gewalttat in J._______ sei ge- gen die geschiedene Ehefrau des Urhebers und deren jetzigen Ehe- mann gerichtet gewesen und habe sich am (...) ereignet. N. N.a Mit verfahrensleitender Verfügung vom 5. Juni 2008 überwies der Instruktionsrichter die Akten dem BFM zur Einreichung einer ergän- zenden Vernehmlassung bis zum 4. Juli 2008. N.b Am 8. Juni 2008 reichten die Beschwerdeführerinnen ein umfang- reicheres und mit zusätzlichen Kommentaren des Rechsvertreters ausgestattetes Exemplar der bereits bei den Akten liegenden Studie von „Terre des Femmes“ über den Ehrenmord ein. N.c In seiner ergänzenden Vernehmlassung vom 24. Juni 2008 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. N.d Mit verfahrensleitender Verfügung vom 27. Juni 2008 gab der In- struktionsrichter den Beschwerdeführerinnen die ergänzende Ver- nehm lassung des BFM vom 24. Juni 2008 zur Kenntnis und räumte ihnen das Recht ein, bis zum 14. Juli 2008 darauf zu replizieren. N.e Die Beschwerdeführerinnen reichten am 11. Juli 2008 ihre Stel- lungnahme ein. Als Beleg für ihr Vorbringen, wonach es sich beim Tä- ter von J._______ um den Bruder des geschiedenen Ehemannes der Be schwerdeführerin handle, brachten sie einen Familienregisterauszug als Faxkopie bei. Im Übrigen erneuerten sie ihren Standpunkt, dass eine Wegweisung unter den gegebenen Umständen nicht als zulässig und zumutbar qualifiziert werden könne. N.f Am 24. Juli 2008 wurde das Original des Familienregisterauszugs nachgereicht. Seite 10D-5101/2006 O. Mit Verfügung vom 23. Januar 2009 gab der Instruktionsrichter dem aktuellen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen Gelegenheit, bis zum 2. Febuar 2009 eine Kostennote einzureichen. Innert Frist wurde eine solche nicht eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Als eine der Beschwerdeinstanzen im Verwaltungsverfahren des Bun des (vgl. Art. 47 Abs. 1 Bst. b VwVG) beurteilt das Bundesverwal- tungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG , sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Un ter die Vorinstanzen fallen die in Art. 33 und 34 VGG genannten Be- hörden, zu welchen auch das BFM (Art. 33 Bst. d VGG) zählt. Art. 32 VGG sieht für Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls keine Ausnahme vor, womit die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts als Be- schwerdeinstanz im Asylverfahren gegeben ist (Art. 105 des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110]) be- stätigt diese Zuständigkeit und schliesst gleichzeitig die Weiterzugs- möglichkeit an das Bundesgericht aus. Als Folge der so definierten Zuständigkeit (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG) hat das Bundesverwaltungsgericht per 1. Januar 2007 die Beurteilung der seit dem 2. Oktober 2006 bei der ARK hängig gewesenen Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen einen Wiedererwägungsentscheid des BFM auf dem Gebiet des Asyls übernommen (vgl. Bst. H hiervor). Die- se Beurteilung geschieht nach neuem Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 in fine VGG; Entscheide des Schweizerischen Bundesverwal- tungsgerichts [BVGE] 2007/11 E. 4.2 S. 119), wobei sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Ent- scheid jedoch ungeachtet der erhobenen Rügen grundsätzlich in vol- lem Umfang überprüfen. Es stellt den Sachverhalt von Amtes wegen Seite 11D-5101/2006 fest (Art. 12 VwVG) und es wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufolge verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt jene Rechtsnormen an- zuwenden, die es als zutreffend erachtet, und ihnen jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. BVGE 2007/41 E. 2 S. 529 f.). 2. 2.1 Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor dem BFM teilgenommen, sind durch die am 31. August 2006 ergangene Ver- fügung besonders berührt und können ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung für sich in Anspruch nehmen. Damit sind sie zur Einreichung einer dagegen gerichteten Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 2.2 Die Eingabefrist sowie die Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt (Art. 50 und Art. 52 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 3. 3.1 Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht geregelter Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfü- gende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herr- schender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Vorausset- zungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abge- leitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen). Danach hat die zuständige Behörde eine selbst getroffene Verfügung in Wiedererwä- gung zu ziehen, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit Ein- tritt der Rechtskraft - am Tag nach Ablauf der nicht genutzten Rechts- mittelfrist oder durch bestätigendes Urteil der mit Beschwerde angeru- fenen Rechtsmittelinstanz - in wesentlicher Weise verändert hat und mithin eine Anpassung der (fehlerfreien) Verfügung erforderlich ist, ohne dass deren Gegenstand neu beurteilt wird. Sodann können auch Re visionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen, so- fern sie sich auf eine rechtskräftige Verfügung beziehen, die entweder unangefochten blieb oder deswegen niemals einer materiellen Prüfung unterzogen wurde, weil das angehobene Beschwerdeverfahren mit ei- nem formellen Prozessurteil endete. Ein derartiges, als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist grund- sätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln. Gar Seite 12D-5101/2006 nicht erst einzutreten ist auf ein Wiedererwägungsgesuch dann, wenn zu dessen Begründung lediglich unsubstanziierte Behauptungen auf- gestellt werden und aus der Rechtsschrift die tatsächlichen Anhalts- punkte, die auf das Vorliegen eines Wiedererwägungsgrundes hindeu- ten sollen, nicht ersichtlich sind (zum Ganzen vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK ] 2005 Nr. 25 E. 4.2. S. 227 f., EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen, EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd S. 156). 3.2 Vorliegend präsentiert sich die Prozessgeschichte so, dass die ur- sprüngliche Verfügung des BFF vom 29. Mai 2003, mit welcher das Asylgesuch der Beschwerdeführerinnen abgelehnt und die Wegwei- sung aus der Schweiz einschliesslich des Vollzugs angeordnet worden war, in allen Punkten mit Beschwerde vom 30. Juni 2003 angefochten wurde. Mit der vollumfänglichen Abweisung dieser Beschwerde im Ur- teil vom 18. April 2006 wurde die Rechtskraft der Verfügung vom 29. Mai 2003 besiegelt. In ihrer als „Wiedererwägungsgesuch“ be- zeichneten Eingabe vom 11. Juli 2006, welche nach einer revisions- rechtlichen Prüfung von der ARK mit Urteil vom 20. Juli 2006 zur Be- handlung unter wiedererwägungsrechtlichen Gesichtspunkten an das BFM rücküberwiesen wurde, ersuchten die Beschwerdeführerinnen unter anderem um Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs, mit der Begründung, nach der rechts- kräftigen Ablehnung des Asylgesuchs habe der Ehemann beziehungs- weise Vater wegen Uneinigkeit mit der Beschwerdeführerin 1 über das Stellen eines weiteren Gesuchs in einem Drittstaat mit der Entführung der Beschwerdeführerin 2 gedroht, was gegen die Bestimmungen des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin- des (KRK, SR 0.107) verstosse, und zudem riskiere die Beschwerde- führerin 1 nach der Scheidung von ihrem aufgezwungenen Ehemann bei einer Rückkehr in die Türkei eine erneute Zwangsverheiratung durch ihre Familie, den Verlust des Sorgerechts über die Beschwerde- führerin 2 und ein menschenunwürdiges Leben ohne familiäre Unter- stützung und ausreichenden Unterhalt. Mit weiterem Wiedererwä- gungsgesuch vom 20. Juli 2006 - von jenem Tag mithin, an dem das erste Gesuch vom 11. Juli 2006 durch die ARK zur wiedererwägungs- rechtlichen Prüfung an das BFM rücküberwiesen wurde - beantragten die Beschwerdeführerinnen die Aufhebung der Verfügung vom 29. Mai 2003 im Wegweisungspunkt, die Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegwei sungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. Zur Begründung wurde in der Eingabe vom 20. Juli 2006 Seite 13D-5101/2006 unter Hinweis auf einen beigefügten ärztlichen Bericht vom 13. Juni 2006 im Kern geltend gemacht, seit dem Urteil vom 18. April 2006 sei eine wesentliche Veränderung der Sachlage eingetreten, weil die Be- schwerdeführerin 1 als Folge der Gewaltanwendung durch ihren Ehe- mann an einer PTBS leide und derzeit wegen der Angst vor erneuter körperlicher und seelischer Gewalt oder gar vor einem Ehrenmord akut suizidal sei. Die beiden Eingaben vom 11. und 20. Juli 2006 stellen demnach insoweit ein Gesuch um Wiedererwägung im klassi- schen Sinne der Anpassung (frz. "adaptation") einer rechtskräftigen Verfügung (hier diejenige vom 29. Mai 2003) an eine massgeblich ver- änderte Sachlage dar (vgl. EMARK 2001 Nr. 20 E. 4c.dd S. 156), die Begehren enthaltend, es sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme der Beschwerde- führerinnen in der Schweiz anzuordnen. 4. 4.1 Im Vergleich zur Situation bei Einreichung des Wiedererwägungs- gesuchs am 11. und 20. Juli 2006 und bei Erlass der angefochtenen Verfügung am 31. August 2006 trat bei der Beschwerdeführerin 1 nach der Ausschaffung ihres (damaligen) Ehemannes in die Türkei am 6. Sep tember 2006 die Befürchtung stärker in den Vordergrund, dass dieser seine mehrmals ausgestossenen Drohungen wahr machen und sie im Falle einer Rückkehr aus Gründen der Ehre umbringen könnte. Damit wird die Frage unumgänglich, ob sich die Gefährdungslage der Be schwerdeführerin 1 und ihrer Tochter im Verlauf des Beschwerde- verfahrens derart entwickelt hat, dass durch einen zwangsweisen Voll- zug der rechtskräftigen Wegweisung die menschenrechtliche Garantie des Non-Refoulement von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verletzt würde (zum massgeblichen Zeitpunkt der Beurtei- lung der Frage nach dem Vorliegen einer von Art. 3 EMRK erfassten Gefahr der Misshandlung vgl. M ARKUS SCHEFER /NICOLE SMID , Drohende häusliche Gewalt als Hindernis der Ausweisung und Auslieferung im Rahmen von Art. 3 EMRK, Schweizerische Zeitschrift für Asylrecht und -praxis [ASYL] 1/07, hiernach: SCHEFER /SMID , S. 6, mit zahlreichen Hin- weisen). 4.2 Nach dem Wortlaut von Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung ausge- setzt werden. Der solchermassen garantierte Schutz kommt dabei in jedem Fall zum Tragen: Das Interesse des Individuums, von erhebli- Seite 14D-5101/2006 chen Eingriffen in die körperliche und psychische Integrität verschont zu bleiben, darf nicht zu anderen Interessen in Bezug gesetzt werden, selbst in extremen Fällen nicht, da etwa besondere Eigenschaften der sich darauf berufenden Person und/oder das Gebot der Verhältnismäs- sigkeit eine Güterabwägung nahe legen mögen. Durch den Geltungs- bereich von Art. 3 EMRK abgedeckt sind neben drohenden staatlichen Übergriffen auch Handlungen von privaten Akteuren, wobei eine ent- sprechende Gefahr ebenso im Aufenthaltsstaat wie in einem Drittstaat bestehen kann, was im letzteren Fall aus der Sicht des Aufenthalts- staates ein Abschiebungsverbot bedeutet (menschenrechtliches Non- Refoulement). Geht die Gefahr von Zivilpersonen aus, muss die Ge- wäh rung eines wirksamen Schutzes („protéction appropriée“) durch die Behörden ausgeschlossen erscheinen. Von Art. 3 EMRK werden sodann nur Formen von Misshandlungen erfasst, die eine bestimmte Intensität erreichen. Zusätzlich muss eine konkrete Gefahr ("real risk") vorliegen, dass die betroffene Person solchen Beeinträchtigungen auch wirklich ausgesetzt wird (stellvertretend für viele vgl. das Urteil des EGMR vom 27. Mai 2008 i.S. N. gegen Grossbritannien [Be- schwerde Nr. 26565/05], § 30 f.; EMARK 2002 Nr. 22 E. 4d.aa S. 179 f. und EMARK 2001 Nr. 16 E. 6a S. 122, jeweils mit weiteren Hinweisen). 4.3 Im konkreten Fall wird das Risiko einer gezielten Tötung der Be- schwerdeführerin 1 im Rahmen eines so genannten Ehrenmordes durch den Ex-Ehemann oder jedenfalls von (erneuter) massiver häusli- cher Gewalt (vgl. hierzu die Veranschaulichungen im Scheidungsproto- koll vom 18. Dezember 2006 [S. 5 Mitte], im Begleitfax vom 30 März 2007 zur Beweismitteleingabe vom 1. April 2007 und in der Replik vom 16. August 2007) im Falle einer Rückkehr in die Türkei geltend ge- macht. Damit steht zum einen die Gefahr einer absichtlichen Tötung durch einen privaten Akteur ohne den Hintergrund einer gerichtlichen Verurteilung zur Diskussion, so dass ein Wegweisungsvollzug durch die Schweiz einen Verstoss gegen das von Art. 2 EMRK geschützte Recht auf Leben darstellen könnte (zur Ausdehnung des Schutzes auf Handlungen nichtstaatlicher Akteure im Falle des Grundrechts auf Leben vgl. SCHEFER /SMID , ASYL 1/07, S. 7). Zum anderen weisen die befürchteten Eingriffe in die körperlichen Integrität zweifelsohne das von Art. 3 EMRK geforderte Mindestmass an Schwere (vgl. hierzu SCHEFER /SMID , ASYL 1/07, S. 5 f. und 9 ff.) auf, weshalb sich die nach- folgende Prüfung auf die Aspekte der konkreten Gefahr (E. 4.4) und des wirksamen Schutzes (E. 4.5) beschränkt. Seite 15D-5101/2006 4.4 4.4.1Dass die Angst der Beschwerdeführerin 1 vor einer Ermordung durch ihren Ex-Ehemann nach einer Rückkehr in die Türkei begründet ist, wird in den Gesuchsschriften vom 11. und 20. Juli 2006 und den zahlreichen Eingaben im Beschwerdeverfahren sowohl anhand gene- reller als auch fallspezifischer Faktoren aufzuzeigen versucht. Fallun- abhängig wird etwa unter Bezugnahme auf eine Auskunft der Leiterin des Frauenforschungszentrums an der Universität K._______, aus dem Jahre 2007, wonach in den vergangenen fünf Jahren in der Türkei ungefähr 5400 Frauen Opfer von Ehrenmorden geworden seien und 5000 Frauen Selbstmord begangen hätten, auf die - trotz offiziell zugesicherter Bemühungen um eine Annäherung an die Standards der Europäischen Union (EU) - unvermindert starke Verbreitung von Ehr- verbrechen hingewiesen. Ergänzend wird, unter Berufung auf Auszüge aus dem Türkei-Länderbericht 2007 des britischen Innenministeriums, auf die Kluft aufmerksam gemacht zwischen dem objektiven Erforder- nis nach Schutzeinrichtungen für mit Gewalt konfrontierte türkische Frauen und der landesweit nahezu gänzlich ausgebliebenen Verwirkli- chung entsprechender Projekte, bedingt einerseits durch fehlende fi- nanzielle Mittel, andererseits aber auch durch einen Mangel an politi- schem Willen. Als spezielle Gefährdungsindizien werden sodann offe- ne Todesdrohungen des Ex-Ehemannes gegenüber der Beschwerde- führerin, dokumen tiert im eingereichten Scheidungsprotokoll, ein in ei- ner Schweizer Tageszeitung (Ausgabe des „[...]“ vom [...]) erschiene- ner Schicksalsbericht mit versehentlich unabgedunkeltem Bild der Be- schwerdeführerin 1 sowie insbesondere ein vom Bruder des Ex-Ehe- man nes der Beschwerdeführerin am (...) in J._______ verübtes Ge- waltdelikt hervorgehoben, welches - so der daraus abgeleitete Schluss - den gewaltsamen Umgang und die Skrupellosigkeit innerhalb dieser Familie zum Ausdruck bringe. 4.4.2Eine gesamthafte Würdigung dieser sowie der übrigen aus den Akten greifbaren Umstände führt zum Schluss, dass die Vorausset- zungen, wie sie der EGMR in seiner Praxis zum Erfordernis des „real risk“ entwickelt hat, vorliegend erfüllt sind. Entgegen der vom BFM gewonnenen Erkenntnis (vgl. insbes. die beiden Vernehmlassungen vom 13. Juli 2007 und 24. Juni 2008) weist der konkrete Fall gerade jene spezifische Dichte an Indizien auf, die fernab von blossen Speku- lationen eine reelle Gefahr einer Art. 3 EMRK zuwider laufenden Strafe oder Behandlung entstehen lassen. Zunächst ist in den per SMS vom 30. No vem ber 2006 ausgestossenen Todesdrohungen (vgl. Schei- Seite 16D-5101/2006 dungsprotokoll vom 18. Dezember 2006: „Komm ja nicht in die Türkei. Wenn du kommst, dann bist du fertig. Dein Tod wird in meinen Händen sein. B._______ werde ich von dir wegnehmen. Falls du mir mal begegnest, werde ich dich umbringen.“) sehr wohl ein ernsthaftes In- diz für die Hemmungslosigkeit und Gewaltbereitschaft des Ex-Ehe- man nes der Beschwerdeführerin 1 zu erblicken. Dass dieser eine Wo- che zuvor auf gleichem Weg noch versöhnlichere Töne angeschlagen hatte, kann kaum überzeugender als Anzeichen für eine fehlende Ent- schlossenheit denn für eine vorhandene Unberechenbarkeit interpre- tiert werden. Die Einschätzung des BFM, wonach wegen der wider- sprüchlichen SMS eine Bedrohungslage nicht hinlänglich wahrschein- lich sei, ist nicht nachvollziehbar, zumal die Beschwerdeführerin 1 an- lässlich der Befragung im Scheidungsverfahren über dieses ambivalente Verhal tensmuster ihres Ex-Mannes (vgl. Scheidungsprotokoll, S. 6: „Er hat immer solche Spielchen gemacht.“) detailliert berichtet hatte. Angesichts der Auflagenzahl und breiten Beachtung der Zeitung ist sodann als realistisch anzusehen, dass der im „(...)“ vom (...) erschienene Bericht hierzulande auch Personen erreicht hat, welche die Beschwerdeführerin 1 auf dem versehentlich nicht abgedunkelten Bild wiedererkannt haben. So erwähnte die Beschwerdeführerin 1 in der Befragung im Scheidungsverfahren zwei Onkel, von denen der eine sie massiv unter Druck setze (vgl. Scheidungsprotokoll, S. 6). Zumal im Zeitungsbericht die Todesdrohung in der SMS vom 30. No vember 2006 im Wortlaut wiedergegeben ist, entspricht es einem mehr als denkbaren Szenario, dass der Ex-Ehemann darin - gegebenenfalls mit der Zustimmung männlicher Vertreter aus den beiden Familien oder seinem Bekanntenkreis - einen weiteren entehrenden Akt sehen und in seiner Be reitschaft, bis zum Äussersten zu gehen, zusätzlich bestärkt würde. Weiter kann nach der Einreichung des Familienregisterauszugs kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass der Urheber der Gewalttat von J._______ der Bruder des Ex-Mannes der Beschwerdeführerin 1 ist. Angesichts der vergleichbaren Konfliktlage lässt sich das vom Täter gewählte extreme Vorgehen durchaus als konkreter Hinweis auf die in der Familie des Ex-Ehemannes der Beschwerdeführerin 1 verankerte Denk- und Handlungsweise deuten. Hinzu kommt, dass der Ex-Ehemann selber mit seinen gewaltsamen Übergriffen auf die Be- schwerdeführerin 1 in der Vergangenheit mehrmals unter Beweis gestellt hat, dass er seine emotionalen Impulse nicht zu kontrollieren vermag und vor massiver Gewalt nicht zurückschreckt, wenn er sein Verständnis von Ehre gefährdet sieht. Nicht zum Abbau seines Gefühls Seite 17D-5101/2006 der Kränkung mag im Übrigen beitragen, dass das Scheidungsurteil nunmehr vorliegt und die Beschwerdeführerin 1 so betrachtet die ihm gegenüber verfolgten Ziele erreicht hat. Zu bedenken gilt es schliesslich, dass der Beschwerdeführerin 1 wegen ihrer labilen gesundheitlichen Verfassung (vgl. Austrittsbericht vom 25. Juni 2007), der ihr überantworteten elterlichen Sorge für die Beschwerdeführerin 2, fehlender wirtschaftlicher Mittel und des Mangels an Frauenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen in der Türkei (vgl. eingereichte Studie „Ehrenmord“ von „Terres des Femmes“, S. 12, mit einem Hinweis auf einen Bericht vom 2. Juni 2004 der Organisation „Amnesty Intern- ational“ mit dem Titel „Women confronting family violence“ [AI Index EUR 44/013/2004]) von vornherein nicht zugemu tet werden könnte, sich anderswo als wieder im Umfeld ihrer Familie niederzulas- sen. Dies aber hätte zwangsläufig zur Folge, dass sie dem Einfluss der männlichen Familienmitglieder, allen voran demjenigen ihres eng mit ihrem Ex-Ehemann befreundeten Bruders (vgl. Scheidungsprotokoll, S. 6), ausgesetzt wäre. Damit ist ein genügender Grad an Wahrscheinlichkeit gegeben, dass eine Rückkehr der Beschwerdeführerin 1 in die Türkei deren Ex-Mann in absehbarer Zeit bekannt würde und dieser in einer nach Art. 2 und 3 EMRK verpönten Weise gegen seine frühere Gattin vorgehen würde. 4.5 Auf einen Schutz vonseiten der heimatlichen Behörden vor den drohenden Beeinträchtigungen, der ihr - an westeuropäischen Vorstel- lungen gemessen - mit der nötigen Ernsthaftigkeit gewährt und infol- gedessen seine Wirkung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verfehlen würde, könnte die Beschwerdeführerin 1 kaum zählen. Selbst für den Fall, die türkische Polizei würde in die Durchführung des Wegwei- sungsvollzugs eingebunden und auf die bestehenden Risiken aufmerk- sam gemacht, bestünde keine ausreichende Gewähr dafür, dass die Be schwerdeführerin 1 von der ihr konkret drohenden ehrbezogenen Ge walt verschont bliebe. Ohne die seit dem Jahre 2001 unternomme- nen Reformschritte zur Annäherung an die Aufnahmebedingungen der EU zu verkennen, ist auch aus der heutigen Optik nicht zu übersehen, dass ein eigentlicher Bewusstseinswandel, wie er auf der Ebene der Strafgesetzgebung in Ansätzen zu konstatieren ist, in der türkischen Ge sellschaft und in den Reihen der Sicherheitskräfte nicht stattgefun- den hat (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.2. S. 197 f.). So führen die von Spezialistenseite erhobenen Zahlen von Ehrverbrechen und ande- ren Formen von Gewaltanwendung gegen Frauen in der Türkei (vgl. Seite 18D-5101/2006 eingereichte Agenturmeldung aus dem „St. Galler Tagblatt“ vom 28. März 2007) angesichts der anzunehmen den Dunkelziffer zwangs- läufig zur Erkenntnis, dass vonseiten des türkischen Staates nach wie vor wenig zur Eindäm mung der Ge walt gegen Frauen unternommen wird. Die Organisation „Amnesty International“ (AI) zog noch im er- wähn ten Bericht vom 2. Juni 2004 das ernüchternde Fazit, dass die Gewalt gegen Frauen in der Türkei über weite Strecken toleriert oder gar begrüsst werde, wobei dies von einflussreichen Exponenten der Lokalbevölkerung ebenso wie auf der höchsten Ebene der Regierung und der obersten Gerichtsbarkeit geschehe; die Behörden führten nur in seltenen Fällen ernsthafte Untersuchungen im Anschluss an Klagen von mit Gewalt konfrontierten Frauen durch. Dementsprechend kann vorliegend von der Beschwerdeführerin 1 nicht verlangt werden, dass sie in ihrer Situation die heimatlichen Behörden um Schutz ersucht (vgl. hierzu SCHEFER /SMID , ASYL 1/07, S. 8). Damit besteht vorliegend keine ausreichende Gewähr dafür, dass der türkische Staat willens und in der Lage wäre, die Beschwerdeführe- rin 1 bei einer Rückkehr in die Türkei vor den ihr drohenden privaten Behelligungen zu schützen. Es fehlt in ihrem Fall somit am Erfordernis des wirksamen Schutzes („protéction appropriée“) im Sinne der Praxis des EGMR zu Art. 3 EMRK. 4.6 Aus diesen Überlegungen folgt, dass ein Vollzug der rechtskräfti- gen Wegweisung der Beschwerdeführerein 1 aufgrund von Tatsachen, die nach Eintritt der Rechtskraft durch das Urteil vom 18. April 2006 hinzugekommen sind, gegen Art. 2 und 3 EMRK verstossen würde und somit unzulässig im Sinne von Art. 83 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) wäre. Die Beschwerdeführerin 1 ist folgerichtig in der Schweiz vorläufig aufzunehmen (Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 1 AuG). In Beachtung des Grundsatzes der Familieneinheit (Art. 44 Abs. 1 letzter Halbsatz AsylG, vgl. zur Tragweite EMARK 2004 Nr. 12 E. 7b S. 77, mit einem Hinweis auf das Grundsatzurteil EMARK 1995 Nr. 24) ist auch die Beschwerdeführerin 2, bei der es sich um ihre minderjährige Tochter handelt, in die vorläufige Aufnahme einzu- beziehen. Die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingebrachten Be weisanträge sind damit allesamt als gegenstandslos zu betrachten. 5. Die angefochtene Verfügung vom 31. August 2006 ist nach dem Ge- Seite 19D-5101/2006 sagten aufzuheben, weil darin vom BFM zu Un recht das Fehlen eines Wiedererwägungsgrundes festgestellt wurde. Das BFM ist sodann an- zuweisen, die rechtskräftige Verfügung vom 29. Mai 2003, soweit darin vom BFF mit Wirkung für die Beschwerdeführerinnen der Vollzug der Wegweisung angeordnet worden wurde (Ziffern 4 und 5 im Verfü- gungsdispositiv, den Ehemann beziehungsweise Vater der Beschwer- deführerinnen ausgenom men), wiedererwägungsweise aufzuheben und die Beschwerdeführerinnen in der Schweiz vorläufig aufzuneh- men. 6. 6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde, mit welcher die Aufhe- bung der Verfügung des BFM vom 31. August 2006, die Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die vorläufige Auf- nahme der Beschwerdeführerinnen beantragt wurde, gutzuheissen (zur alternativen Natur der Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung und für die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f.). Diesem Verfah- rensausgang entsprechend sind weder den Beschwerdeführerinnen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG), denen keine Verletzung von Verfahrens- pflichten vorzuwerfen ist (vgl. Art. 63 Abs. 3 VwVG), noch der unter- liegenden Vorinstanz (vgl. Art. 63 Abs. 2 VwVG) Kosten aufzuerlegen. 6.2 Den Beschwerdeführerinnen ist - als vollständig obsiegender Par- tei - für die ihnen im Beschwerdeverfahren erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Weder der heutige noch der vormalige Rechtsvertreter haben eine Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung aufgrund der Akten auf Fr. 1'800.-- festzusetzen (Art. 10 Abs. 2 VGKE) und das BFM anzuweisen ist, den Beschwerdeführerinnen diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) Seite 20D-5101/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung des BFM vom 31. August 2006 wird aufgehoben. 3. Das BFM wird angewiesen, die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Ver- fügung des BFF vom 29. Mai 2003, soweit diese die Beschwerdefüh- rerinnen betreffen, aufzuheben und die Beschwerdeführerinnen vorläu- fig aufzunehmen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführerinnen eine Partei- entschädigung im Betrag von Fr. 1'800.-- auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen (Einschreiben) - den vormaligen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen (zur Kenntnisnahme, in Kopie) - das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie) - (...) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Martin Maeder Versand: Seite 21