Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. April 2017 (720 17 16 / 96) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte und Gutachten Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Monica Armesto , Adv o- katin, indemnis, Spalenberg 20, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1955 geborene A.____ war vom 4. Januar 1993 bis 31. Januar 2015 bei der H.____ AG tätig. Am 3. Juni 2015 meldete sich A.___ _ unter Hinweis auf psychische Be- schwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversiche rung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und der erwerbl ichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft nach durchgeführtem Vorbescheidver fahren mit Verfügung vom 30. Novem- ber 2016 das Rentenbegehren ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Monica Armesto, am 16. Januar 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es s ei die angefochtene Verfügung aufzuhe- ben und die IV-Stelle zu verpflichten, ihr mit Wirkung ab dem 1. Juni 2015 eine ganze Invaliden- rente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 100 % auszurichten; unter o/e Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Januar 2017 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihrer Eingabe e ine Beurteilung von Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 20. Januar 2017 bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 16. Januar 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti- gen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vo r, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch ein e psychische Gesundheitsbeeinträchti- gung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also n icht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumut bar oder – als alternative Vorausset- zung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 1 65; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.2.1 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Le iturteil BGE 141 281 ff. seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Le iden (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) revidiert hat. Eine Einschränkung der Leist ungsfähigkeit kann danach weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Ge- sundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Rentenanspruch – in Nachachtung der ver- fassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 de r Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Recht sgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem namentlich aus medizini- scher, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutun g nicht weiter fest. Anstelle des bis- herigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rah- men wird im Regelfall anhand von auf den funktionelle n Schweregrad bezogenen Standardindi- katoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen erg ebnisoffen und symmetrisch beur- teilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfakto ren wie den vorhandenen Ressour- cen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 3.2.2 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei den genannten Gesundheitsschäden beachtlichen Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indi- katoren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behand lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffen- den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsent wicklung und der Persönlichkeits- struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Im drit- ten Indikatoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen ver haltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität sniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederun gsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 296 ff. E. 4). 3.2.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und damit ve rgleichbare Leiden können somit eine Invalidität nur begründen, wenn die funktionelle n Auswirkungen der medizinisch festge- stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfal l anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegende r Wahrscheinlichkeit in einem an- spruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind. Fehlt es daran , hat die Folgen der Beweislo- sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 308 E. 6). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. In der vorliegenden Angele genheit ist strittig, ob die vorhandene me- dizinische Aktenlage für die Beurteilung des Gesundheitsz ustandes der Beschwerdeführerin ausreichend ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unter- lagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). 5.3.1 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehend er Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.3.2 Zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit d er Berichte und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen wird der Grundsatz betont, w onach ein Anstellungsverhältnis die- ser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befan- genheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diese n Berichten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten exter- ner Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berück- sichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtig keit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5.3.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arb eitsfähigkeit der Beschwerde- führerin liegen im Wesentlichen folgende ärztlichen Unterlagen vor: 6.1 Im Bericht der C.____ vom 23. Mai 2014 sind als Dia gnosen eine ängstlich (vermei- dende) Persönlichkeitsstörung (ICD 10 F60.6) sowie eine arterielle Hypertonie aufgeführt. In der Beurteilung wird festgehalten, die Versicherte zeige deutliche interaktionelle Auffälligkeiten, die sich in Form von anklammerndem Verhalten, gesteigerten Trennungsängsten, einem geringen Selbstbewusstsein und einem mangelnden Durchsetzungsver mögen zeigen würden und sich aufgrund ihrer Persistenz im biographischen Längsschnitt mit der Diagnose einer ängstlich (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung in Übereinstimmung bringen liessen. 6.2 Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt mit Arztbericht vom 14. Februar 2015 zu Handen der Krankenversicherung als Dia gnose eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion (ICD 10 F41.2) bei vorbeste hender phopischer Störung (ICD 10 F.40) fest. Die Beschwerdeführerin neige seit vielen Jahren zu Ängstlichkeiten und Angstan- fällen mit psychosomatischen Herzbeschwerden, die vom langj ährigen Hausarzt Dr. med. E.____, FMH Allgemeinmedizin, behandelt worden seien und später auch in den Psychiatri- schen Diensten Baselland mit Hilfe von Dolmetschern. In der ersten Konsultation bei ihr im Ok- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tober 2014 habe die ängstlich-depressive Reaktion nach der im Juni angeblich wegen Personal- reduktion erfolgten Kündigung im Vordergrund gestand en. Hauptsymptome seien depressive Stimmung, Schlafstörungen mit wiederkehrenden Albträu men betreffend die Arbeitsstelle, eine starke Zunahme der vorbestehenden allgemeinen Ängstlichkeit und Selbstunsicherheit und von verschiedenen phobischen Ängsten gewesen. Sie habe sich nich t allein aus dem Haus getraut und habe einige Male von der Tochter zu ihr begleite t werden müssen. Jetzt sei die Versicherte in der Lage, allein zu ihr zu kommen und habe etwas Ab stand von der traumatisierenden Kün- digung gewonnen. Zur Zeit und bis auf weiteres sei sie für Erwerbstätigkeiten arbeitsunfähig. Die vom Hausarzt eingeleitete medikamentöse Therapie mi t Deanxit und Concor habe sich gut bewährt. Dazu würden regelmässige psychiatrische Gespräche geführt. 6.3 Mit Bericht vom 28. Februar 2016 führte Dr. D.___ _ folgende Diagnosen mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit an: Rezidivierende depressi ve Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD 10 F33.10), bestehend seit Juni 2014, Agoraphobie mit Panikstörung (ICD 10 F40.01), seit mehreren Jahren, Verschlechterung seit Juni 2014, äng stliche Persönlichkeitsstörung (ICD 10 F60.6). Die Versicherte zeige eine ängstlich-depressive St immungslage mit psychomotorischer Unruhe. Inhaltlich würden ihre Gedanken um ihre allge meine Ängstlichkeit und ihre Angst vor allen neuen Ereignissen kreisen. Es bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 80 % sowohl in ihrer früheren Tätigkeit wie in alte rnativen Tätigkeiten seit Juni 2014. Die Prog- nose sei ungünstig. 6.4 Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, nahm mit Gutachten vom 23. März 2016 zu Handen der I.___ Stellung. Als Diagnose m it Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hält Dr. F.____ eine (Akten-)anamnestisch generalisierte Angststörung (ICD 10 F41.1) fest. Oh- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gibt er differ entialdiagnostisch eine aktenanamnestisch ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD 10 F60. 6), eine differentialdiagnostische Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (IC D 10 F68.0), eine akten- anamnestisch rezidivierende depressive Störung, gegenwärt ig weitgehend remittiert (ICD 10 F33.4) sowie anamnestisch eine spezifische Phobie (insbeson dere Fahrstuhl fahren; ICD 10 F40.2) an. In seiner zusammenfassenden Beurteilung füh rt Dr. F.____ aus, gegenwärtig sei eine weitgehend remittierte depressive Episode, aktenanamnestisch im Rahmen einer rezidivie- renden depressiven Störung (ICD 10 F33.4) feststellbar gewesen. Ein sogenanntes „somati- sches Syndrom“ habe nicht festgestellt werden können. Die Prognose einer depressiven Episo- de sei bei Inanspruchnahme angemessener medizinischer M assnahmen grundsätzlich „gut“, die gegenwärtig stattfindende psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung etwa einmal pro Monat sei diesem Störungsbild grundsätzlich angemessen. We iter sei eine generalisierte Angststörung (ICD 10 F41.1), aktenanamnestisch bestehend seit ca. 10 Jahren, zu erwähnen, welche möglicherweise im Zusammenhang mit einer beru flichen Umstrukturierung dekompen- siert sei. Die Beschwerdeschilderung der Versicherten sei t rotz mehrfacher Nachfrage im Hin- blick auf die Ausprägung und die wahrgenommenen Symptom e, im Beisein einer Dolmetsche- rin, vage und ausweichend geblieben, was erstaune und Z weifel am Ausmass der beklagten Beschwerden, dies in Kombination mit dem Ergebnis aus d er Beschwerdevalidierung mittels SFSS, aufkommen lasse. Aufgrund der Schilderung der Versicherten, dass sie Angst davor habe, einen Fahrstuhl zu benutzen, nachdem sie einmal in einem „eingesperrt“ gewesen sei, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei formal eine spezifische Phobie (ICD 10 F40.2) zu nenn en. Die weitgehend remittierte de- pressive Episode begründe ebenso wenig eine Arbeitsunfähigkeit wie eine sogenannte Entwick- lung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen. Die Au swirkungen der generalisierten Angststörung, differentialdiagnostisch der ängstlich-verme idenden Persönlichkeitsstörung, wür- den unter Berücksichtigung des Längsschnittverlaufs, der Angaben in den vorliegenden Akten, aber auch der Ergebnisse der aktuellen Exploration, ei ne Arbeitsunfähigkeit von 10 % (von 100 %) in Bezug auf eine Tätigkeit mit erhöhtem zwischen menschlichem Kontakt, permanen- tem Zeit- und Termindruck, hohem Publikumsverkehr, Vera ntwortungsübernahme für Personen sowie Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Anp assungs- und Umstellungsfähigkeit be- gründen. Für Tätigkeiten mit wenig intensivem zwischenme nschlichem Kontakt, wozu die zu- letzt ausgeübte Tätigkeit zu zählen sei, sei hingegen kein e Arbeitsunfähigkeit anzunehmen, dies unter ausdrücklicher Berücksichtigung des Längsschnittverlaufs. 6.5 Mit Schreiben vom 7. Mai 2016 an die G.____ nahm Dr. D.____ Stellung zum Gutach- ten von Dr. F.____. Sie hielt dazu fest, die mehrmals w iederholte Bemerkung des Gutachters, die Beschreibungen der Versicherten seien vage, ausweich end und ungenau (sie könne nicht erklären, wie sie sich fühle) seien nicht eine Folge von f ehlenden Krankheitssymptomen, son- dern Ausdruck einer sehr beschränkten Fähigkeit, sich verba l – sogar in der eigenen Mutter- sprache – auszudrücken, dies bei einer Person mit wenig in tellektuellen Ressourcen. ln einer Prüfungssituation, wie dies von der Versicherten in der a ls sehr lange erlebten Gutachtensit- zung wahrgenommen worden sei, seien Verunsicherung und Angst besonders stark und die verbale Ausdrucksmöglichkeit noch limitierter als sonst. Auch sei das "demonstrative, appellati- ve und gelegentlich theatralische Verhalten mit Einsetz ung von Mimik und Gestik" als Zeichen der ungenügenden verbalen Ausdrucksmöglichkeit zu verstehen und keineswegs als Aggrava- tion oder gar Simulation. Ein psychologischer Test habe offenbar eine absichtliche Erz eugung oder Übertreibung von körperlichen oder psychischen Symptomen gezeigt. Auch dieser Vorwurf korreliere überhaupt nicht mit den Feststellungen in den therapeutischen Sit uationen bei ihr und beim Hausarzt. Es handle sich hier offenbar um eine Fehlinterpretation des Gutachters eines psychopathalogi- schen Befundes als Aggravation. Ausserdem entbehre die Be merkung, die Diskrepanz zwi- schen Beurteilung des Gutachters und jener der behandel nden Ärzte sei durch die (Über)ldentifizierung zu verstehen, jeder Grundlage. 6.6 Der RAD-Arzt Dr. B.____ führte in seinem Bericht vo m 9. August 2016 aus, es würden mehrere sich zum Teil erheblich unterscheidende Aussagen z ur Arbeitsfähigkeit der Versicher- ten vorliegen. Zweifelsfrei bestehe bei der Versichert en seit vielen Jahren ein ängstlich- vermeidendes Verhalten. Dennoch sei sie seit 1993 (und b is 20014) einer Vollzeit-Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin bei der H.____AG nachgegangen. Die von der Versicherten als ungerecht empfundene Kündigung des langjährigen Arbeitsplatzes h abe die von verschiedenen Ärzten übereinstimmend beschriebene depressive Symptomatik sicher m it verursacht bzw. erheblich begünstigt. Zu den in den Akten vorliegenden Stellung nahmen von Dr. D.____ sei aus RAD- Sicht festzuhalten, dass die von ihr gestellten Diagnosen zwar grundsätzlich nachvollzogen werden könnten, dass aber von ihrer Seite in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten kaum auf relevante Kontextfaktoren (so z.B. au f das Alter der Versicherten oder etwa auf ihre kaum vorhandenen Kenntnisse der deutschen S prache) eingegangen werde. Hin- gegen sei das Gutachten von Dr. F.____ umfassend und n achvollziehbar. Die relevanten Kon- textfaktoren wie auch allgemein die Standardindikatore n würden diskutiert. Die Aussagen die- ses Gutachtens zur Arbeitsfähigkeit seien aus RAD-Sicht pla usibel hergeleitet und könnten nachvollzogen werden. 6.7 Am 25. Oktober 2016 nahm Dr. B.____ an Hand des Gutachtens von Dr. F.____ eine Überprüfung der Standardindikatoren vor und gelangte zum Schluss, dass Dr. F.____ in ausrei- chender Weise auf diese eingegangen sei. 6.8 Mit Bericht vom 20. Januar 2017 nahm Dr. B.____ St ellung zu den in der Beschwerde gegen das Gutachten von Dr. F.____ vorgebrachten Einwä nden. Er hielt insbesondere fest, dass dieser die Ausführungen der Behandler im Hinblick auf die bei der Versicherten bestehen- den Ängste ausführlich wiedergegeben und diskutiert habe. Insbesondere sei er ausführlich auf einen Bericht von Dr. D.____ eingegangen, in dem eine leichtgradige Besserung der Ängste der Versicherten beschrieben werde. Auch die gutachterliche Untersuchung bzw. Befragung der Versicherten im Rahmen der Begutachtung gehe ausführli ch auf die Frage der bei ihr beste- henden Ängste ein. Wenn die Angaben der Versicherten gegenüber dem Gutachter in dieser Hinsicht offensichtlich teilweise sehr vage geblieben seien, so könne dieser Umstand nicht dem Gutachter angelastet werden. Es könne auch nicht von ein em generellen Unvermögen der Ver- sicherten ausgegangen werden, ihre Symptomatik gegenüber dem Gutachter in angemessener Weise darzulegen. Der Gutachter habe auch die Mimik u nd Gestik der Versicherten nicht als „Aggravation oder gar Simulation“ interpretiert. 7. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 30. November 2016 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits fähigkeit der Versicherten vollum- fänglich auf das Gutachten von Dr. F.____ vom 23. März 2 016 sowie die Einschätzungen des RAD-Arztes Dr. B.____ vom 9. August 2016. Sie ging dem zufolge davon aus, dass weder eine bestehende noch eine drohende Invalidität im Sinne de s Invalidenversicherungsgesetzes vor- liege und ihr aus medizinischer Sicht eine Tätigkeit wi e die zuletzt ausgeübte als Betriebsmitar- beiterin sowie jede andere Tätigkeit ohne erhöhtem zwischenmenschlichem Kontakt, perma- nentem Zeit- und Termindruck, grossem Publikumsverkehr, Verantwortungsübernahme für Per- sonen sowie Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an di e Anpassungs- und Umstellungsfähig- keit ganztags ohne Einschränkungen zumutbar sei. Diese vor instanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, die aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien lieg en hier keine vor. Das Gutachten von Dr. F.____ weist weder formale noch inhaltliche Mängel a uf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streiti gen Belange umfassend, es beruht auf allseiti- gen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschw erden, es ist in Kenntnis der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situati on ein, es setzt sich mit den vorhande- nen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es vermag in den Schlussfolge- rungen zu überzeugen. An dieser Einschätzung ändert a uch die Tatsache nichts, dass das Gutachten von Dr. F.____ zu Handen der I.____ und nicht der IV-Stelle erstellt wurde. Zudem werden die Schlussfolgerungen von Dr. F.____ auch von Dr. B.____ bestätigt. Ebensowenig vermögen die Beurteilungen von Dr. D.____ und Dr. E._ ___ Zweifel am Gutachten von Dr. F.____ zu begründen. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen , dass die Schlussfolgerungen so- wohl von Dr. D.____ als auch von Dr. E.____ mit Zurückhaltung zu würdigen sind, da der Erfah- rungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass behandelnde Ä rzte aufgrund ihrer auftragsrechtli- chen Vertrauensstellung eher zu Gunsten ihrer Patiente n aussagen. Zudem ist festzuhalten, dass es sich bei Dr. E.____ nicht um einen Psychiater hand elt. Bezüglich den Stellungnahmen von Dr. D.____ hat der RAD-Arzt Dr. B.____ zutreffend ausgeführt, dass die von ihr gestellten Diagnosen zwar grundsätzlich nachvollzogen werden könnten, dass aber von ihrer Seite in Be- zug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Ver sicherten kaum auf relevante Kontextfakto- ren eingegangen worden sei. In seinem Gutachten vom 23. März 2016 hielt Dr. F.___ _ in Bezug auf die Beurteilung von Dr. D.____ im Bericht vom 28. Februar 2016 fest, dass im Vergleich zwischen den “angegebe- nen Beschwerden“ und den von Dr. D.____ genannten er hobenen Befunde auffalle, dass diese in erheblichem Umfang die subjektiven Angaben der Versi cherten nenne. Es würden indessen kaum objektive Befunde beschrieben, anhand derer die ge nannten Diagnosen, etwa eine mit- telgradige depressive Episode, nachvollzogen werden könnten. Dies deute darauf hin, dass Dr. D.____ eine kritisch distanzierte Position als neutrale Sa chverständige vernachlässige und sich mit der Versicherten „(über)identifiziert“ habe. Weite r erläuterte Dr. F.____, weshalb die gestell- ten Diagnosen nicht zutreffen bzw. sich nicht im von Dr. D.____ angegebenen Masse auf die Arbeitsunfähigkeit auswirken (S. 38 ff. des Gutachtens) . Auch der Vorwurf der Beschwerdefüh- rerin Dr. F.____ sei wegen sprachlichen Unvermögens seit ens der Beschwerdeführerin – was sich in übertriebener Mimik und Gestik äussere – zu Unrecht von einer Aggravation ausgegan- gen, ist nicht stichhaltig. Dr. F.____ hielt im Gutacht en fest, die Versicherte habe klar, flüssig und strukturiert kommuniziert. Diese Aspekte seien währen d der gesamten Exploration stabil geblieben. Weiter führte er jedoch aus, sie habe sich of tmals appellativ, demonstrativ und gele- gentlich theatralisch verhalten und dabei auch mehrfach ihre Mimik und Gestik eingesetzt, um das von ihr Gesagte zu „unterstreichen“ (S. 27 des Gutacht ens). Auch aus den Vorakten ergibt sich, dass bei der Beschwerdeführerin nicht in erster Lin ie sprachliche Unzulänglichkeiten be- stehen. Vielmehr scheint die Beschwerdeführerin aufgrund kognitiver Defizite nicht in der Lage, körperliche Symptome als psychische Problematik zu erkennen. E ntgegen dem Vorwurf der Beschwerdeführerin ist Dr. F.____ nicht wegen sprachlicher Probleme oder übertriebener Mimik und Gestik von einer Aggravation ausgegangen. Ledigli ch im Zusammenhang mit dem SFSS- Test, welcher von der Beschwerdeführerin mit einer Dolme tscherin bearbeitet wurde, hat Dr. F.____ festgehalten, ein absichtliches Erzeugen, resp. Üb ertreiben körperlicher oder psychi- scher Symptome („Malingering“) könne durch das Testresult at belegt werden (S. 28 des Gut- achtens). Des Weiteren führte der RAD in seiner Stellungnahme vom 20. Januar 2017 zu Recht aus, dass sich Dr. F.____ entgegen dem Vorwurf der Beschw erdeführerin genügend mit dem Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bericht der C.____ vom 23. Mai 2014 (S. 30 - 33 des G utachtens) – wie im Übrigen auch mit allen anderen vorliegenden relevanten Arztberichten – auseinander gesetzt hat. Die Beschwer- deführerin bringt ausserdem vor, sie habe ihre Stelle verloren, weil die Arbeitgeberin umgezo- gen sei und dies eine erhebliche Dekompensation ausgel öst habe. Dieser Umstand sei vom Gutachter nicht gewürdigt worden. Auch diesbezüglich fü hrte der RAD zutreffend aus, Dr. F.____ habe im Gutachten ausführlich die Angaben der Versicherten zu ihrer Kündigung wie- dergegeben (S. 18 des Gutachtens), auf Seite 30 nochma ls den Verlauf zusammengefasst und auch die Ausführungen von Dr. E.____ zu dieser Themat ik wiedergegeben (S. 36 des Gutach- tens). Damit hat Dr. F.____ den Umständen, die gemäss Beschwerdeführerin zum Stellenver- lust geführt haben, genügend Rechnung getragen. Im Ü brigen ist auch nicht zu beanstanden, dass Dr. F.____ auf eine Fremdanamnese verzichtet hat, da er die vorliegenden Ausführungen der Behandler, seine persönliche Befragung sowie die bei der Untersuchung und Behandlung gemachten Beobachtungen als genügende Beurteilungsgrundlage erachtete. Ebenfalls nicht ins Gewicht fällt, dass Dr. F.____ se lbst keine explizite Prüfung anhand der Standardindikatoren vorgenommen hat. Gemäss bundesger ichtlicher Praxis ist dies nicht not- wendig, vielmehr muss sich aus den medizinischen Unterlage n ergeben, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesund heitsschäden resultieren (vgl. oben E. 3.2.3). Gestützt auf das Gutachten wurden die relevan ten Standardindikatoren durch den RAD- Arzt Dr. B.____ in überzeugender Weise medizinisch gewürd igt. Dabei zeigt sich, dass die Be- schwerdeführerin über genügend Ressourcen verfügt und sie deshalb nicht über die von Dr. F.____ festgestellte Arbeitsunfähigkeit hinaus eingeschränkt ist. 8.1 Gestützt auf die obigen Ausführungen ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das Gutachten von Dr. F.____ abgestellt hat. Demzufolge ist der Beschwerdeführerin aus me- dizinisch-theoretischer Sicht die Ausübung einer leidensan gepassten Tätigkeit im Umfang von 90 % zumutbar. Für Tätigkeiten mit wenig intensivem zwischenmenschlichem Kontakt, wozu die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Betriebsmitarbeitern in der H.____ AG gehört, ist hingegen keine Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. 8.2 Da der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin na ch dem Gesagten unter 40 % liegt, hat die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 30. November 2016 einen Rentenan- spruch der Versicherten zu Recht abgelehnt. Die hiergege n erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens seit 1. Juli 2016 einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht