Kantonsgericht von Graubünden Dretgira chantunala dal Grischun Tribunale cantonale dei Grigioni Ref.: Chur, 02. November 2015 Schriftlich mitgeteilt am: ZK1 15 11/19 10. Dezember 2015 (Mit Urteil 5A_81/2016 vom 02. Mai 2016 hat das Bundesgericht die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde abgewiesen, soweit darauf einzutreten war.) Entscheid I. Zivilkammer Vorsitz Brunner RichterInnen Michael Dürst und Schnyder Aktuarin Aebli In den zivilrechtlichen Beschwerden der X._____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Suenderhauf, Gäuggelistrasse 16, 7002 Chur, gegen den Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Engadin/Südtäler vom 17. Dezember 2014, mitgeteilt am 19. Dezember 2014, sowie die Verfügung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Engadin/Südtäler vom 29. Januar 2015, gleichentags mitgeteilt, in Sachen der Beschwerdeführerin gegen Y._____, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Pius Fryberg, Quaderstrasse 8, 7000 Chur, betreffend gemeinsame elterliche Sorge und Festlegung des persönlichen Verkehrs, hat sich ergeben:Seite 2 — 43 I. Sachverhalt A. X._____ und Y._____ sind die unverheirateten Eltern der am _____2010 geborenen A._____. Die Eltern lebten nie in einem gemeinsamen Haushalt. Y._____ anerkannte seine Vaterschaft am 9. Dezember 2010 vor dem Zivil- standsamt Z._____. A._____ stand ab ihrer Geburt unter der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter. B.1. Bereits seit den ersten Lebensmonaten von A._____ lag das Besuchs- und Ferienrecht zwischen den getrennt lebenden Kindseltern im Streit, weshalb dies- bezüglich am 12. September 2011 ein Beschluss der damaligen Vormundschafts- behörde der Kreise Z._____ erging. Demgemäss wurde dem Kindsvater das Recht eingeräumt, A._____ bis zu ihrem fünften Altersjahr jeweils am ersten und dritten Samstag eines jeden Monats von 9.30 Uhr bis 19.00 Uhr - in einvernehmli- cher Absprache allenfalls auch am Sonntag - und jeden Donnerstagnachmittag von 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr auf seine Kosten zu sich auf Besuch zu nehmen. Zu- dem wurde er berechtigt, mit A._____ jeweils eine Woche Ferien im Sommer (Ju- li/August), eine Woche im Herbst (Oktober) sowie jeweils die Osterfeiertage von Gründonnerstag bis Ostermontag zu verbringen. Ab dem sechsten Altersjahr von A._____ soll das Besuchsrecht auf das erste und dritte Wochenende jedes Mo- nats von Freitagabend 18.00 Uhr bis Sonntagabend 19.00 Uhr sowie auf zwei Wochen Ferien im Sommer und je wahlweise eine Woche Ferien im Frühling oder Herbst erweitert werden. 2. Auf Beschwerde von Y._____ hin modifizierte das Bezirksgericht Maloja das Besuchsrecht mit Entscheid vom 14. März 2012 dahingehend, dass der Kindsvater A._____ jeweils am ersten und dritten Samstag eines jeden Monats von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr sowie jeden Donnerstagnachmittag während mindes- tens drei Stunden besuchen sowie je eine Woche im Sommer, im Herbst und im Frühling zu sich in die Ferien nehmen dürfe. Im Übrigen wurde die von der Vor- mundschaftsbehörde der Kreise Z._____ getroffene Regelung bestätigt. Im Weite- ren wies das Bezirksgericht Maloja die damalige Vormundschaftsbehörde an, zur Sicherstellung der korrekten Ausübung des Besuchsrechts eine Besuchsrechts- beistandschaft nach Art. 308 ZGB zu errichten. Gegen diesen Entscheid führte X._____ am 7. Mai 2012 Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden, wel- che mit Urteil vom 9. Oktober 2012 abgewiesen wurde. Sowohl die getroffene Be- suchsrechtsregelung als auch die Anordnung einer Besuchsrechtsbeistandschaft wurden im konkreten Fall als angemessen bzw. indiziert erachtet (vgl. Urteil der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden ZK1 12 27 E. 3 und 4).Seite 3 — 43 3. Am 19. November 2012 liess Y._____ dem Bezirksgericht Maloja ein Ge- such betreffend Vollzug des Urteils einreichen mit dem Begehren, X._____ sei unter Androhung der Straffolgen gemäss Art. 292 StGB anzuhalten, ihm die Ausü- bung des richterlich festgesetzten Besuchsrechts zu gestatten. X._____ beantrag- te mit Eingabe vom 15. Januar 2013 die kostenfällige Abweisung des Gesuchs. Mit Schreiben vom 26. Februar 2013 wandte sich Y._____ sodann an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Engadin/Südtäler und ersuchte diese um Anordnung von Massnahmen zum Vollzug des zugesprochenen Besuchsrechts. C. Die KESB Engadin/Südtäler - welche mit Inkraftsetzung des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrechts am 1. Januar 2013 an die Stelle der vormals zu- ständigen Vormundschaftsbehörde trat - errichtete mit Entscheid vom 11. März 2013 für A._____ eine Beistandschaft in Besuchsrechtsangelegenheiten nach Art. 308 Abs. 2 ZGB und setzte B._____, Berufsbeistandschaft der Kreise Z._____, als Beiständin ein. Im Einzelnen wurden ihr die Aufgaben zugewiesen, die Kontakte zwischen A._____ und ihrem Vater entsprechend dem Urteil des Be- zirksgerichts Maloja zu organisieren und zu überwachen, im Konfliktfall konkrete Lösungen festzulegen, innert drei Monaten sechs Besuche zu begleiten und der Behörde darüber schriftlich Bericht zu erstatten sowie mit den Eltern einen Ferien- plan auszuarbeiten. D. In der Folge kam es bei der Umsetzung des Besuchsrechts zu erheblichen Schwierigkeiten, welche auch durch die Beiständin nicht ausgeräumt werden konnten, zumal das Verhalten der Eltern durch Widerstand auf der einen und For- derungen auf der anderen Seite geprägt war. Ferner wurde sowohl die Arbeit der KESB als auch jene der Beiständin seitens der Eltern fortwährend kritisiert. E.1. X._____ stellte bei der KESB Engadin/Südtäler am 28. August 2013 ein Gesuch um Abänderung der Regelung des persönlichen Verkehrs mit den Anträ- gen, dem Kindsvater bis zum vierten Geburtstag von A._____ ein begleitetes Be- suchsrecht jeweils für jeden ersten und dritten Samstagmorgen von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr einzuräumen. Ab dem vierten Geburtstag bis zum Schuleintritt sei er zu berechtigen, seine Tochter jeden ersten und dritten Sonntag während dreieinhalb Stunden zu sehen und nach erfolgtem Schuleintritt sei das Recht auf persönlichen Verkehr anzupassen. Mit Schreiben vom 18. Oktober 2013 forderte Y._____ das Bezirksgericht Maloja auf, sein Gesuch um Vollstreckung des Gerichtsurteils (vgl. vorstehend B.3.) möglichst förderlich zu behandeln, und äusserte sich im selben Schreiben ebenfalls zum Abänderungsgesuch von X._____. Auf das Vollstre- ckungsgesuch wurde mit Entscheid des Bezirksgerichts Maloja vom 28. Oktober Seite 4 — 43 2013 nicht eingetreten, da die KESB für die Anordnung von Vollstreckungsmass- nahmen sachlich zuständig sei. 2. Am 13. November 2013 ersuchte X._____ die KESB, das Besuchsrecht zwischen A._____ und dem Kindsvater superprovisorisch und hernach im Rah- men vorsorglicher Massnahmen bis zum rechtskräftigen Entscheid über die Abän- derung des Besuchsrechts zu sistieren oder eventualiter ab Februar 2014 an- tragsgemäss (vgl. vorstehend E.1.) neu zu regeln. Die KESB trat mit prozesslei- tendem Entscheid vom 15. November 2013 mangels Dringlichkeit nicht auf das Gesuch um Erlass (super)provisorischer Massnahmen ein. 3. Mit Eingabe vom 9. Dezember 2013 liess X._____ bei der KESB Enga- din/Südtäler ein Präzisierungs-Gesuch zur Abänderung der Regelung des persön- lichen Verkehrs einreichen, worin sie beantragte, es sei ein kinderpsychiatrisches Gutachten einzuholen, welches Auskunft über das zumutbare Besuchsrecht zwi- schen A._____ und dem Kindsvater gebe. Bis zum Vorliegen dieses Gutachtens sei dem Vater ein Besuchsrecht entsprechend den Anträgen im Abänderungsge- such vom 28. August 2013 zu gewähren. F.1. Am 7. April 2014 wurden beide Elternteile von der KESB Engadin/Südtäler namentlich bezüglich des Wechsels der Beistandsperson sowie betreffend die Abänderung des Besuchsrechts angehört. Mit Entscheid der KESB vom 14. April 2014 wurde der seitens von Y._____ gestellte Antrag auf Wechsel der Beiständin abgewiesen und B._____ als Beiständin bestätigt. Nachdem die am 28. April 2014 in Besuchsrechtsangelegenheiten durchgeführte Einigungsverhandlung zwischen den Eltern scheiterte, erkannte die KESB mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 22. Mai 2014, dass der Vater A._____ jedes zweite Wochenende jeweils für ins- gesamt acht Stunden zu sich auf Besuch nehmen dürfe, Übernachtungen aber explizit ausgeschlossen würden. Dies gelte auch für die drei Wochen Ferien pro Jahr, womit sich das Ferienrecht in täglichen mindestens vierstündigen Besuchen erschöpfe. Sodann wurde X._____ unter Androhung der Straffolgen nach Art. 292 StGB aufgefordert, diesem Entscheid Folge zu leisten. Den Eltern wurde überdies die Weisung erteilt, sich im Zeitrahmen von einem Jahr während mindestens zwölf Sitzungen durch Fachpersonen der Kinder- und Jugendpsychiatrie (kjp) Graubün- den beraten zu lassen. 2. Hiergegen liess Y._____ am 24. Juni 2014 Beschwerde an das Kantonsge- richt von Graubünden führen mit dem Antrag, ihm sei das Besuchs- und Ferien- recht weiterhin entsprechend dem Urteil des Bezirksgerichts Maloja vom 14. März Seite 5 — 43 2012 zu gewähren, welches durch das Kantonsgericht am 9. Oktober 2012 bestätigt wurde. X._____ erhob gegen den vorerwähnten Entscheid ebenfalls Be- schwerde beim Kantonsgericht und beantragte, dass dem Vater ein zweiwöchent- liches Besuchsrecht von zwei Stunden einzuräumen sei, wobei dieses für ein Jahr begleitet auszugestalten sei. Von einem Ferienrecht wie auch von einer Andro- hung der Straffolgen nach Art. 292 StGB sei abzusehen. 3. Mit Entscheid vom 18. November 2014 hiess das Kantonsgericht die Be- schwerde von Y._____ teilweise gut, während die Beschwerde von X._____ mit gleichem Entscheid abgewiesen wurde (vgl. ZK1 14 82/84). Das Kantonsgericht sah keinen Anlass, die mit Urteil des Bezirksgerichts Maloja vom 14. März 2012 getroffene bzw. durch das Kantonsgericht am 9. Oktober 2012 bestätigte Be- suchs- und Ferienrechtsregelung anzupassen. Es gelangte zum Ergebnis, dass sich mangels einer massgeblichen Veränderung der Umstände keine neue Rege- lung - insbesondere keine Abschaffung des Donnerstagsbesuchsrechts sowie kein Ausschluss von Übernachtungen - aufdrängt. Dieser Entscheid erwuchs unange- fochten in Rechtskraft. G.1. Zwischenzeitlich stellte Y._____ am 29. Juli 2014 bei der KESB Enga- din/Südtäler gestützt auf Art. 298b ZGB den Antrag auf Erteilung der gemeinsa- men elterlichen Sorge. Anlass hierfür bildete nach seinen eigenen Angaben der Umstand, dass ihm die Einsicht in die Patientenakten seiner Tochter mit der Be- gründung, nicht Inhaber der elterlichen Sorge zu sein, mehrfach verwehrt worden sein soll (vgl. ZK1 15 11 act. E.2 3). Daraufhin eröffnete die KESB ein entspre- chendes Abklärungsverfahren. Die Kindsmutter wurde hierzu am 11. August 2014 von der Behörde angehört und reichte am 15. September 2014 eine schriftliche Stellungnahme ein, worin sie auf eine Ablehnung der gemeinsamen elterlichen Sorge schliessen liess. Sie führte insbesondere aus, dass die vorgebrachte Be- gründung von Y._____ zweifelhaft erscheine und sie zudem nicht vorgängig über das Gesuch informiert worden sei, was die fehlende Kooperation der Eltern wider- spiegle. Vorliegend bestehe seit der Geburt von A._____ eine dauerhafte Hoch- konfliktsituation, was sich unter anderem in unzähligen Gerichtsverfahren zwi- schen den Eltern niedergeschlagen habe. Die anhaltende Konfliktsituation gebiete, auf die gemeinsame elterliche Sorge zu verzichten. Im Weiteren weist sie auf die Folgen hin, die bei einem allfälligen Versterben ihrerseits eintreten würden, und führt als Gründe gegen eine gemeinsame elterliche Sorge die ihrer Ansicht nach instabilen Lebensverhältnisse des Kindsvaters, seine Ortsabwesenheit, die Uner- fahrenheit im Umgang mit der gemeinsamen Tochter, seine gesundheitlichen Pro- bleme und die angeblich durch ihn ausgeübte psychische Gewalt ins Feld (vgl. Seite 6 — 43 ZK1 15 11 act. E.2 14). Y._____ wies diese Vorwürfe in seiner Replik vom 10. Ok- tober 2014 allesamt zurück. Die Konfliktsituation sei einzig und allein auf die Ver- weigerungshaltung der Mutter zurückzuführen, was sich nicht zu Ungunsten des Vaters auf das Sorgerecht auswirken dürfe. In ihrer Duplik vom 31. Oktober 2014 bestritt X._____ die Ausführungen der Gegenpartei und hielt an den Vorbringen gemäss ihrer Eingabe vom 15. September 2014 fest. 2. Y._____ wurde am 17. November 2014 von der KESB angehört. Den Eltern wurde sodann die Möglichkeit eingeräumt, an der Behördensitzung vom 15. De- zember 2014 persönlich vorzusprechen, wovon beide Elternteile Gebrauch mach- ten. Auf eine Anhörung von A._____ wurde altersbedingt verzichtet. Mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 17. Dezember 2014, mitgeteilt am 19. Dezember 2014, erkannte die KESB Engadin/Südtäler was folgt: „1. X._____ (Mutter) und Y._____ (Vater) wird für A._____ die gemein- same elterliche Sorge erteilt (Art. 298a Abs. 1 ZGB). 2. Die Verfahrenskosten für diesen Entscheid werden auf Fr. 1'040.– festgesetzt und den Eltern von A._____ je hälftig auferlegt (X._____, Mutter: Fr. 520.– / Y._____, Vater: Fr. 520.–). Sie sind innert 30 Ta- gen zu bezahlen. 3. (Rechtsmittelbelehrung) 4. (Mitteilung).“ 3. Gegen diesen Entscheid liess X._____ am 21. Januar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden (ZK1 15 11) mit folgenden Anträgen erhe- ben: „I. Rechtsbegehren 1. Ziff. 1 und 2 des Dispositivs des Entscheides der Kindes- und Er- wachsenenschutzbehörde KESB Engadin/Südtäler vom 17. Dezem- ber 2014 seien vollumfänglich aufzuheben. 2.1. A._____ sei weiterhin unter der alleinigen elterlichen Sorge der Mut- ter zu belassen und der Antrag des Beschwerdegegners auf gemein- same elterliche Sorge abzuweisen. 2.2 Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhaltes und zu neuem Entscheid, insbesondere auch zur Frage der Anrech- nung der Erziehungsgutschriften, an die KESB Engadin/Südtäler zurückzuweisen. 2.3 Subeventualiter sei für den Fall der Abweisung der Beschwerde an- zuordnen, dass die Erziehungsgutschriften ausschliesslich der Be- schwerdeführerin anzurechnen seien. 3. Die Kosten des Verfahrens vor der KESB Engadin/Südtäler seien dem Beschwerdegegner aufzuerlegen, eventualiter seien die Verfah- renskosten dem Kanton Graubünden/KESB zu überbinden.Seite 7 — 43 4. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien dem Beschwerdegeg- ner zu überbinden, eventualiter seien diese auf die Staatskasse (Kan- ton Graubünden/KESB) zu nehmen. 5. Der Beschwerdegegner sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin sämtliche Parteikosten des Beschwerdeverfahrens vor Kantonsge- richt zu entschädigen. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin zulasten des Kantons Graubünden/KESB eine Parteientschädigung für ihre Vertretungskos- ten im Beschwerdeverfahren zuzusprechen. II. Verfahrensantrag Es sei eine mündliche Verhandlung mit Parteivortritt durchzuführen. III. Beweisanträge 1. Es sei eine Begutachtung, welche die Auswirkungen einer allfälligen gemeinsamen elterlichen Sorge auf das Kindeswohl von A._____ aufzeigt, anzuordnen. 2. Es sei aus den Händen des [recte: der] kjp Graubünden, Zweigstelle O.3_____, ein Verlaufsbericht über die Behandlung von A._____ ein- zuholen. 3. Es seien aus den Händen des Beschwerdegegners folgende Akten edieren zu lassen: - alle Miet- und Untermietverträge für den Zeitraum 2010 bis heute - aktueller Mietvertrag mit Herrn C._____, O.1_____ - medizinische Arbeitsunfähigkeitsbestätigungen für den Zeitraum 2013 - 2015 - Unterlagen über allfällige IV-Anmeldung - sämtliche Arbeitsverträge ab 2013 insbesondere bezüglich Unter- richtstätigkeit für das D._____, L.1_____, und Unterrichtstätigkei- ten (Langlaufunterricht E._____, O.1_____, und Privatskiunterricht bei F._____, O.2_____) - aktualisierte Unterlagen über Einkommen und Vermögen - Suchbemühungen für einen Arbeitsplatz im Zeitraum 2013 - 2015 4. Es seien aus Händen der Berufsbeistandschaft Z._____, Beiständin B._____ und G._____, KJBE O.4_____, Verlaufsberichte über den Vollzug des Besuchs- und Ferienrechtes ab Juni 2014 bis heute und eine Einschätzung bezüglich einer allfälligen Gefährdung des Kin- deswohls als Folge der GES (gemeinsamen elterlichen Sorge) einzu- holen. 5. Es sei sämtlichen Beweisanträgen zu entsprechen, welche im Kon- text der vorliegenden Beschwerde explizit genannt werden.“Seite 8 — 43 4. Mit Schreiben vom 2. Februar 2015 liess die Beschwerdeführerin die Fest- legung des persönlichen Verkehrs durch die KESB vom 29. Januar 2015 (vgl. da- zu nachfolgend H.), einen Bericht der kjp Graubünden vom 27. Januar 2015 sowie einen Verlaufsbericht über den Besuchstag vom 25. Januar 2015 nachreichen. 5. Sowohl der Beschwerdegegner als auch die KESB Engadin/Südtäler lies- sen mit Beschwerdeantwort vom 23. Februar bzw. 26. Februar 2015 die Abwei- sung der Beschwerde beantragen, soweit darauf eingetreten werden könne. Die KESB verwies in ihrer Eingabe insbesondere auf den Bericht der Fachstelle „Kin- der und Jugendliche begleiten, betreuen, bestärken“ (KJBE) O.4_____ vom 12. Januar 2015 betreffend den Verlauf der Besuchskontakte. 6. Mit Replik vom 27. April 2015 nahm die Beschwerdeführerin dazu Stellung und hielt im Übrigen unverändert an ihren Rechtsbegehren fest. Zudem reichte sie dem Kantonsgericht bereits vorgängig mittels mehrerer zusätzlicher Schreiben diverse Aktenstücke ein, welche die laufende Sachverhaltsentwicklung darstellen und dokumentieren sollten. 7. Die vom Beschwerdegegner am 1. Juni 2015 eingereichte Duplik, in wel- cher die Rechtsbegehren ebenfalls unverändert blieben, veranlasste die Be- schwerdeführerin zur Einreichung ihrer Triplik vom 15. Juni 2015. H.1. Unter dem Titel „Festlegung des persönlichen Verkehrs“ stellte die KESB Engadin/Südtäler den Kindseltern bereits am 29. Januar 2015 ein Schreiben mit Anhang zu, in welchem sie sich auf das Urteil des Kantonsgerichts vom 18. No- vember 2014 bezog (vgl. vorstehend F.3.) und einen Zeitplan für die Besuchskon- takte für die Dauer vom 1. Februar bis zum 31. August 2015 festlegte. Ab dem 1. September 2015 seien die Termine sodann von der Beistandsperson jeweils halbjährlich verbindlich festzulegen. Gemäss dem Schreiben der KESB sind dieser Anordnung am 27. Januar 2015 persönliche Gespräche vorausgegangen und die Parteien erhielten Gelegenheit zur Stellungnahme. 2. Hiergegen liess X._____ mit Eingabe vom 9. Februar 2015 Beschwerde an das Kantonsgericht von Graubünden führen (ZK1 15 19), wobei sie folgende Rechtsbegehren stellte: „1.1 Es sei festzustellen, dass folgende Anordnungen/Festlegungen des persönlichen Verkehrs Y._____/A._____ der KESB Engadin/Südtäler vom 29. Januar 2015 nichtig sind: - Festlegung eines Besuchsrechtes ab 01. April 2015 und 01. Au- gust 2015 jedes 1. und 3. Wochenende im Monat von Samstag 09.00 h - Sonntag 17.00 h (mit Übernachtung)Seite 9 — 43 - wöchentlich oder vierzehntäglich einen Nachmittag werktags während mindestens drei Stunden mit Wirkung ab 01. August 2015 - Osterfeiertage (Gründonnerstag - Ostermontag) vor dem 6. Alters- jahr von A._____ 1.2 Eventualiter seien folgende Festlegungen des persönlichen Verkehrs gemäss Verfügung KESB Engadin/Südtäler vom 29. Januar 2015 aufzuheben: - Festlegung eines Besuchsrechtes ab 01. April 2015 und 01. Au- gust 2015 jedes 1. und 3. Wochenende im Monat von Samstag 09.00 h - Sonntag 17.00 h (mit Übernachtung) - wöchentlich oder vierzehntäglich einen Nachmittag werktags während mindestens drei Stunden mit Wirkung ab 01. August 2015 - Osterfeiertage (Gründonnerstag - Ostermontag) vor dem 6. Alters- jahr von A._____ - Festlegung der Besuchstage auf jeden 2. und 4. Samstag im Mo- nat ab März 2015 2.1 Es sei in Aufhebung des angefochtenen Entscheides der KESB vom 29. Januar 2015 gerichtlich anzuordnen und die KESB Enga- din/Südtäler anzuweisen, den [recte: die] kjp zur Stützung von A._____ und deren Eltern in Zusammenhang mit dem Vollzug der Besuchskontakte ab Februar 2015 (2. und 4. Samstag im Monat von 09.00 h - 17.00 h, jeweils Donnerstagnachmittag 3 Stunden) bzw. ab März 2015 (jeden 1. und 3. Samstag im Monat von 09.00 h - 17.00 h, jeweils Donnerstagnachmittag 3 Stunden) beratend beizuziehen, für den Vollzug und die Umsetzung der Besuchskontakte geeignete Empfehlungen einzuholen und allfällige Empfehlungen des [recte: der] kjp im Sinne von Kindesschutzmassnahmen umzusetzen. 2.2 Es sei gerichtlich anzuordnen, dass versuchsweise eine erste Über- nachtung und der Vollzug des Ferienrechtes erst auf der Grundlage einer frühestens am 31. Juli 2015 stattfindenden Standortbestimmung mit den Eltern, dem KBJE [recte: der KJBE] und befürwortenden Empfehlungen des [recte: der] kjp durch die KESB angeordnet wer- den darf. 2.3 Die KESB sei gerichtlich anzuweisen, in Zusammenhang mit den Be- suchskontakten ab Februar 2015 mindestens einmal monatlich mit dem [recte: der] kjp Kontakt zu halten und sich über den Verlauf der Beratungsgespräche kjp/Eltern von A._____ regelmässig orientieren zu lassen. 3. Eventualiter sei die Sache in Aufhebung des angefochtenen Ent- scheides der KESB vom 29. Januar 2015 zur weiteren Abklärung, insbesondere zwecks Einholung entsprechender Empfehlungen des [recte: der] kjp Graubünden oder einer anderen Fachstelle und Neu- festsetzung des persönlichen Verkehrs Vater/A._____ an die KESB zurückzuweisen. 4. Es sei der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen, soweit dieser nicht ohnehin von Gesetzes wegen eine solche zukommt.Seite 10 — 43 5. Das Verfahren sei bis zum Entscheid der KESB, ob sie in der Sache selbst formell neu verfügt, zu sistieren. 6. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdegegners, eventualiter zulasten des Kantons Graubün- den/KESB, zuzüglich 8% Mehrwertsteuer.“ 3. Mittels prozessleitender Verfügung des Vorsitzenden der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts vom 10. Februar 2015 wurden Y._____ sowie die KESB Enga- din/Südtäler zur Vernehmlassung aufgefordert, wobei Letztere darauf hingewiesen wurde, dass die Beschwerde bis zum Erlass einer anderslautenden Verfügung gestützt auf Art. 450c ZGB aufschiebende Wirkung entfalte. 4. Mit Schreiben vom 16. Februar 2015 teilte die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht mit, dass die KESB auf ihre getroffenen Besuchsanordnungen nicht mehr zurückkomme und daher von einer Sistierung des Beschwerdeverfah- rens abzusehen sei. Dem beigelegten Schreiben der Behörde vom 10. Februar 2015 lässt sich entnehmen, dass die Festlegungen vom 29. Januar 2015 ihrer Auf- fassung zufolge keine Ausweitung des Besuchsrechts beinhalten würden, weshalb darüber nicht nochmals beschwerdefähig verfügt werden könne. Die Eltern seien überdies persönlich informiert und angehört worden. 5. Der Beschwerdegegner stellte mit Beschwerdeantwort vom 9. März 2015 den Antrag, die Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Zudem sei ihr die aufschiebende Wirkung zu entzie- hen. Ebenso beantragte die KESB Engadin/Südtäler in ihrer Beschwerdeantwort vom 13. März 2015 die Abweisung der Beschwerde, sofern darauf eingetreten werden könne. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien nach Gesetz zu ver- legen. Im Übrigen wies die KESB darauf hin, dass bei ihr ein Verfahren betreffend den Wechsel der Beistandsperson pendent sei. 6. In ihrer Replik vom 27. April 2015 nahm die Beschwerdeführerin zu diesen Ausführungen Stellung und ersuchte erneut um eine Sistierung des Beschwerde- verfahrens ZK1 15 19, da vor der KESB ein Verfahren betreffend Kindsschutz- massnahmen, zurückgehend auf einen sich anlässlich des Besuchskontakts vom 4. April 2015 ereigneten Vorfall, hängig und demnach offen sei, ob die Behörde überhaupt an den angefochtenen Anordnungen vom 29. Januar 2015 festhalte. 7. Mit Duplik vom 1. Juni 2015 beantragte der Beschwerdegegner, den Sistie- rungsantrag abzuweisen. Da dem Vater der persönliche Verkehr mit seiner Toch- ter nicht unbegründet verweigert werden dürfe, sei in dieser Angelegenheit umge- hend ein Entscheid zu treffen. Hierzu äusserte sich die Beschwerdeführerin Seite 11 — 43 nochmals in ihrer Triplik vom 15. Juni 2015. Zudem legten die Parteien, insbeson- dere die Beschwerdeführerin, auch in diesem Beschwerdeverfahren wiederum ausserhalb der Rechtsschriften laufend neue zusätzliche Aktenstücke, welche teilweise mit den im Verfahren ZK1 15 11 eingereichten Dokumenten identisch sind, ins Recht. I. Unterdessen stellte X._____ bei der KESB Engadin/Südtäler, im Nachgang zum Besuchskontakt vom 4. April 2015, am 7. April 2015 ein Gesuch um Anord- nung eines superprovisorischen Besuchsstopps. Gleichentags beantragte Y._____ der KESB, weitere Kindesschutzmassnahmen zu erlassen, ohne diese näher zu spezifizieren. Die Schilderungen der Eltern über die Ereignisse vom 4. April 2015 divergieren. Jedenfalls konnte die Übergabe von A._____ nicht wie vorgesehen an einem neutralen Ort stattfinden, sondern es wurde ein Treffen in der Wohnung des Vaters vereinbart. Als sich die Mutter nach rund einer Stunde verabschieden wollte und daraufhin nochmals in die Wohnung zurückkehrte, soll es im Beisein von A._____ zu einem heftigen Streit zwischen den Eltern, begleitet von Handgreiflichkeiten, gekommen sein. In der Folge erstatteten sowohl X._____ als auch Y._____ jeweils Strafanzeige gegeneinander. Mit Entscheid des instruie- renden Behördenmitglieds vom 9. April 2015 wurde das Gesuch um superproviso- rische Anordnung eines Besuchsstopps abgewiesen und den Eltern gegenseitig die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt. Nach Eingang der beiden Stel- lungnahmen vom 15. April 2015 erkannte die KESB mit Entscheid der Kollegial- behörde vom 28. Mai 2015 auf eine Abweisung des beantragten Besuchsstopps. Die Eltern wurden zugleich angewiesen, die von der kjp Graubünden organisierten Therapie- und Gesprächsangebote ab dem 6. Juni 2015 und anschliessend vier- zehntäglich wahrzunehmen. Die Mutter wurde überdies angewiesen, den entspre- chenden Instruktionen für die begleiteten Besuchsübergaben Folge zu leisten und die kjp wurde ersucht, der Behörde bis Ende August 2015 einen Kurzbericht über die Entwicklung der Besuchsrechtsausübung einzureichen. J. Nachdem sowohl der Leiter der Berufsbeistandschaft Z._____ am 9. Januar 2015 als auch die Eltern gemeinsam am 27. Januar 2015 bei der KESB Enga- din/Südtäler den Antrag stellten, B._____ sei als Beiständin aus ihrem Amt zu ent- lassen, kam die KESB diesem Begehren mit Entscheid vom 26. Mai 2015 nach und übertrug das Mandat auf H._____, Berufsbeistandschaft Z._____. K. Mit Schreiben vom 21. Oktober 2015 informierte die KESB Enga- din/Südtäler die Parteien darüber, dass sie nun definitiv beabsichtige, ein interven- tionsorientiertes Gutachten bei der kjp Graubünden unter der Führung von lic. phil. Seite 12 — 43 I._____ in Auftrag zu geben. Dies sei bereits vor rund einem Jahr erwogen und dann allerdings aufgrund des positiven Verlaufs der Besuche eingestellt worden. Den Eltern wurde Gelegenheit eingeräumt, sich sowohl zum vorgeschlagenen Gutachter als auch zum erstellten Fragenkatalog zu äussern. L. Auf die weiteren Ausführungen in den Akten, im angefochtenen Entscheid sowie in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Er- wägungen eingegangen. II. Erwägungen 1. Gemäss Art. 125 lit. c ZPO kann das Gericht selbständig eingereichte Kla- gen zwecks Vereinfachung des Verfahrens vereinigen. In gleicher Weise können auch die von mehreren Parteien als Rechtsmittelkläger ergriffenen Rechtsmittel im gleichen Verfahren behandelt werden (Adrian Staehelin, in: Sutter-Somm/Hasen- böhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 2. Aufl., Zürich 2013, N 5 zu Art. 125 ZPO). Voraussetzung ist, dass die zu vereinigenden Klagen Gemeinsamkeiten oder Zusammenhänge aufweisen, da vermieden werden soll, dass die gleichen Fragen Gegenstand verschiedener Pro- zesse bilden (vgl. Julia Gschwend/Remo Bornatico, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2013, N 14 zu Art. 125 ZPO). Im vorliegenden Fall wird einerseits ein Entscheid der Kindesschutzbehörde über die gemeinsame elterliche Sorge und andererseits eine Festlegung derselben betreffend den persönlichen Verkehr angefochten. Art. 298b Abs. 3 ZGB sieht vor, dass die Kindesschutzbehörde zusammen mit dem Entscheid über die elterliche Sorge die übrigen strittigen Punkte, vorbehältlich der Klagen auf Leistung des Unterhalts, regelt. Unter diesen übrigen Punkten sind, analog zu Art. 298 Abs. 2 ZGB, die Obhut, der persönliche Verkehr und die Be- treuungsanteile zu verstehen (vgl. Ingeborg Schwenzer/Michelle Cottier, in: Hon- sell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, 5. Aufl., Basel 2014, N 6 zu Art. 298b ZGB). Vorliegend verhält es sich so, dass für die Kindesschutz- behörde abgesehen vom Vollzug des persönlichen Verkehrs nichts mehr zu regeln blieb, zumal über Mass und Umfang des Besuchsrechts rechtskräftig gerichtlich entschieden wurde. Der Vollzug des im richterlichen Entscheid angeordneten Be- suchsrechts bildet aber ebenfalls Teil der Kinderbelange, welche in die Zuständig- keit der Kindesschutzbehörde fallen (vgl. Art. 450g ZGB sowie nachstehend E. 2b). Da die Anfechtungsobjekte von derselben Behörde stammen, dieselben Parteien involviert sind, die von der Beschwerdeinstanz zu treffenden Entscheide Seite 13 — 43 auf dem gleichartigen Sachverhalt beruhen bzw. insoweit zusammenhängen, als dass es um Kinderbelange geht und mithin das Kindeswohl als Leitprinzip gilt und dieselben Verfahrensgrundsätze anwendbar sind, rechtfertigt es sich, die beiden unter den Prozessnummern ZK1 15 11 und ZK1 15 19 geführten Beschwerdever- fahren zu vereinigen. 2.a) Zum einen wird vorliegend ein Entscheid der KESB Engadin/Südtäler ange- fochten, der sich auf eine Bestimmung des Kindesrechts - Art. 298b ZGB, der un- ter dem Titel „Wirkungen des Kindesverhältnisses“ steht - stützt. Für derartige Ver- fahren gelten die Bestimmungen über das Verfahren vor der Erwachsenenschutz- behörde sinngemäss (Art. 314 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 443 ff. ZGB). Gegen Entscheide der Kindesschutzbehörde kann somit gestützt auf Art. 450 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB beim zuständigen Gericht Beschwerde erho- ben werden. Nach Art. 60 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch (EGzZGB; BR 210.100) ist das Kantonsgericht von Graubünden die einzige kantonale Beschwerdeinstanz. Die Beschwerdefrist beträgt gemäss Art. 450b Abs. 1 ZGB 30 Tage seit Mitteilung des Entscheids der KESB. Die Be- schwerde ist beim Gericht schriftlich und begründet einzureichen (Art. 450 Abs. 3 ZGB). Zur Beschwerde legitimiert sind nach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB die am Verfahren beteiligten Personen. Am Verfahren beteiligt sind neben den von der Anordnung der KESB direkt betroffenen Personen auch alle weiteren Personen, die sich im erstinstanzlichen Verfahren vor der KESB tatsächlich beteiligt haben oder denen zumindest der Entscheid zugestellt wurde. Im Bereich des Kindes- schutzes können nebst den Kindern auch deren Eltern betroffene Personen sein (Hermann Schmid, Erwachsenenschutz Kommentar, Zürich 2010, N 20 f. zu Art. 450 ZGB; Daniel Steck, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar Er- wachsenenschutz, Basel 2012, N 29 f. zu Art. 450 ZGB). Vorliegend ist die Mutter X._____ als Verfahrensbeteiligte im Sinne von Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB offen- sichtlich beschwerdelegitimiert. Zudem erweist sich die Beschwerde vom 21. Ja- nuar 2015 als frist- und formgerecht, weshalb darauf einzutreten ist. b) Zum anderen wird eine als „Festlegung des persönlichen Verkehrs“ be- zeichnete Anordnung der KESB Engadin/Südtäler angefochten, welche sich auf den Entscheid des Kantonsgerichts von Graubünden vom 18. November 2014 bezieht, mittels welchem die mit Urteil des Bezirksgerichts Maloja vom 14. März 2012 getroffene bzw. durch das Kantonsgericht am 9. Oktober 2012 bestätigte Besuchs- und Ferienrechtsregelung beibehalten wurde. Die entsprechende Fest- legung der KESB ist mit keiner Rechtsmittelbelehrung versehen und auch ansons- ten fehlen in der Anordnung selbst wie auch im beigelegten Schreiben Anhalts-Seite 14 — 43 punkte, welche auf eine Anfechtbarkeit derselben schliessen lassen würden. In- dessen ist der Auffassung der Beschwerdeführerin, dass es sich hierbei um eine beschwerdefähige Vollstreckungsanordnung handelt, zu folgen. Gemäss Art. 450g Abs. 1 ZGB vollstreckt die KESB die Entscheide auf Antrag oder von Amtes we- gen. Dies gilt sowohl für erstinstanzliche Entscheide als auch für Entscheide der Beschwerdeinstanz. Falls die Vollstreckung einer Massnahme nicht direkt im zu vollstreckenden Entscheid angeordnet wird (vgl. Art. 450g Abs. 2 ZGB), hat die KESB formell eine Vollstreckungsverfügung zu erlassen (Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, BBI 2006 7001 ff., Ziff. 2.3.3, S. 7089; vgl. auch Kurt Affolter, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 61 zu Art. 450g ZGB; Daniel Steck, in: Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKommentar Erwachsenenschutz, Bern 2013, N 3 sowie N 8 zu Art. 450g ZGB; derselbe, in: Rosch/Büchler/Jakob [Hrsg.], Erwachsenenschutz- recht, 2. Aufl., Basel 2015, N 3g zu Art. 450g ZGB). Eine solche Verfügung ist mit dem ordentlichen, im Kindes- und Erwachsenenschutzrecht anwendbaren Rechtsmittel und damit mit Beschwerde gemäss Art. 450 ff. ZGB anfechtbar (Kurt Affolter, a.a.O., N 66 zu Art. 450g ZGB). Dementsprechend unterliegt die Be- schwerde gegen eine Vollstreckungsverfügung ebenfalls einer 30-tägigen Frist (Art. 450b Abs. 1 ZGB) sowie einer Begründungspflicht (Art. 450 Abs. 3 ZGB). Die vorliegend eingereichte Beschwerde vom 9. Februar 2015 erfüllt die an sie gestell- ten Frist- und Formerfordernisse. Überdies ist die Beschwerdelegitimation von X._____ als Verfahrensbeteiligte nach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB wiederum ohne Weiteres zu bejahen. Auch auf die zweite Beschwerde kann entsprechend einge- treten werden. c) Für das Kantonsgericht als einzige kantonale Beschwerdeinstanz (Art. 60 Abs. 1 EGzZGB) besteht uneingeschränkte Kognition. Das heisst, mit der Be- schwerde können gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Ziff. 2) und die Unangemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Gegen Entscheide der KESB stellt die Beschwerde ein vollkommenes Rechtsmittel dar, womit das An- fechtungsobjekt in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend überprüft wer- den kann (vgl. Botschaft, a.a.O., Ziff. 2.3.3, S. 7085; Hermann Schmid, a.a.O., N 1 zu Art. 450a ZGB). Sodann finden gemäss Art. 60 Abs. 3 EGzZGB die Bestim- mungen der ZPO über neue Tatsachen und Beweismittel keine Anwendung, was als Ausfluss der im Verfahren vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde geltenden Untersuchungs- und Offizialmaxime (Art. 446 ZGB) anzusehen ist. Die-Seite 15 — 43 se Verfahrensgrundsätze gelangen von Bundesrechts wegen auch im Beschwer- deverfahren zur Anwendung (Christoph Auer/Michèle Marti, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 38 zu Art. 446 ZGB; Hermann Schmid, a.a.O., N 7 zu Art. 446 ZGB; Daniel Steck, FamKommen- tar, a.a.O., N 7 zu Art. 446 ZGB). Somit gelten im Beschwerdeverfahren gegen kindes- und erwachsenenschutzrechtliche Entscheide in Bezug auf die Kognition der Beschwerdeinstanz und die Zulässigkeit von Noven keine Einschränkungen. Vorliegend können daher sowohl die neu eingereichten Aktenstücke der Be- schwerdeführerin (ZK1 15 11 act. B.1-B.61; ZK1 15 19 act. B.1-B.56) als auch je- ne des Beschwerdegegners (ZK1 15 11 act. C.1-C.3; ZK1 15 19 act. C.1-C.21) Berücksichtigung finden. d) Gemäss Art. 450c ZGB hat die Beschwerde gegen Entscheide der KESB aufschiebende Wirkung, sofern die Behörde oder die gerichtliche Beschwerdein- stanz nichts anderes verfügt, was vorliegend nicht getan wurde. Die Beschwerde hemmt damit im Umfang der Beschwerdeanträge den Eintritt der Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit von Gesetzes wegen (Daniel Steck, FamKommentar, a.a.O., N 4 zu Art. 450c ZGB). Der Antrag der Beschwerdeführerin im Verfahren ZK1 15 19, wonach der Beschwerde gegen die Vollstreckungsanordnung die aufschie- bende Wirkung zu erteilen sei, erweist sich nach dem Gesagten als obsolet, da ihr eine solche ohnehin zukommt. Ein Entzug der aufschiebenden Wirkung, wie ihn der Beschwerdegegner beantragt, fällt hingegen von vornherein immer nur bei Gefahr im Verzug und Dringlichkeit in Betracht (vgl. Thomas Geiser, in: Gei- ser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 7 zu Art. 450c ZGB). Da das Besuchsrecht trotz Anfechtung der entsprechenden Voll- streckungsverfügung jeweils in Absprache zwischen den Eltern und der Beiständin bzw. den Behördenmitgliedern umgesetzt worden ist und mehrheitlich regelmässi- ge Besuchskontakte stattgefunden haben, sind vorliegend keine Gründe ersicht- lich gewesen, die einen sofortigen Vollzug der mittels der angefochtenen Verfü- gung festgelegten Besuchstermine notwendig gemacht hätten. Dem Antrag des Beschwerdegegners, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu entzie- hen, ist deshalb nicht entsprochen worden. Er wird zudem mit der Mitteilung des Hauptentscheids gegenstandslos. 3.a) Im Folgenden gilt es vorab auf den im Verfahren ZK1 15 11 gestellten An- trag der Beschwerdeführerin auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung mit Parteivortritt einzugehen. Für das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdein- stanz gelten primär die bundesrechtlichen Verfahrensbestimmungen des ZGB und subsidiär die vom Kanton erlassenen Verfahrensbestimmungen. Sofern weder das Seite 16 — 43 ZGB noch das EGzZGB etwas geregelt haben, sind die Schweizerische Zivilpro- zessordnung sowie die entsprechenden kantonalen Ausführungsbestimmungen sinngemäss anwendbar (vgl. Art. 450f ZGB und Art. 60 Abs. 2 EGzZGB). Grundsätzlich wäre die Durchführung einer Verhandlung bei einer Beschwerde gegen einen kindes- und erwachsenenschutzrechtlichen Entscheid aufgrund der Anwendbarkeit der ZPO mithin möglich. Zu beachten ist, dass hierbei aber kein direkter Zusammenhang mit der zivilprozessualen Beschwerde nach Art. 319 ff. ZPO besteht, bei welcher eine mündliche Verhandlung zwar nicht vollends ausge- schlossen ist, jedoch die absolute Ausnahme bildet (vgl. Dieter Freiburg- haus/Susanne Afheldt, in Sutter/Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kom- mentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 2. Aufl., Zürich 2013, N 5 zu Art. 327 ZPO). Es ist im Einzelfall zu entscheiden, ob die Verfahrensbestim- mungen der ZPO über die Berufung oder jene über die Beschwerde sinngemäss anzuwenden sind (Daniel Steck, Basler Kommentar, a.a.O., N 9 zu Art. 450 ZGB; vgl. auch Christoph Auer/Michèle Marti, a.a.O., N 13 zu Art. 450f ZGB). Zwar ist insbesondere aufgrund der nach Art. 450a Abs. 1 ZGB bestehenden vollen Kogni- tion der Beschwerdeinstanz davon auszugehen, dass die Verfahrensbestimmun- gen der Berufung generell näher liegen. Indessen ist die Durchführung einer mündlichen Verhandlung auch im Berufungsverfahren nicht zwingend vorgesehen (vgl. Art. 316 Abs. 1 ZPO). Es liegt somit im Ermessen der Beschwerdeinstanz, ob sie eine mündliche Hauptverhandlung durchführen möchte. Massgeblich für die- sen Entscheid ist, ob von einem Parteivortritt erwartet werden kann, dass er zu einer zusätzlichen Klärung des Sachverhalts beiträgt. Dies trifft im vorliegenden Fall nicht zu. Zum einen kennt das Kantonsgericht den Sachverhalt und die Hal- tung der Parteien, welche sich offensichtlich nicht wesentlich verändert hat, bereits aus früheren Verfahren (ZK1 14 82/84, ZK1 14 54, ZK1 13 125, ZK1 12 58 und ZK1 12 27). Zum anderen sind die Akten der KESB und die Rechtsschriften in den vorliegenden beiden Verfahren sehr umfangreich und lassen einen Entscheid oh- ne zusätzliche Ausführungen der Parteien ohne Weiteres zu. Schliesslich haben die Parteien - insbesondere die Beschwerdeführerin - im Beschwerdeverfahren nebst den eigentlichen Rechtsschriften zahlreiche weitere Schreiben mit neuen Aktenstücken und Beweismitteln eingereicht, um ihre Standpunkte zu untermau- ern und das Kantonsgericht vollständig zu dokumentieren. Deshalb ist nicht er- sichtlich, welche dem Gericht noch nicht bekannten entscheidrelevanten Vorbrin- gen anlässlich einer mündlichen Hauptverhandlung vorgetragen werden könnten, womit auf die Durchführung einer solchen zu verzichten und der entsprechende Verfahrensantrag der Beschwerdeführerin abzuweisen ist.Seite 17 — 43 b/aa) Bevor die Beweisanträge der Beschwerdeführerin behandelt werden, ist vorerst darzulegen, worum es bei der Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sor- ge sowohl generell als auch bezogen auf den vorliegenden Fall geht. Gemäss Art. 301 Abs. 1 ZGB, welcher den Inhalt der elterlichen Sorge betrifft, leiten die Eltern mit Blick auf das Wohl des Kindes seine Pflege und Erziehung und treffen unter Vorbehalt seiner eigenen Handlungsfähigkeit die nötigen Entscheidungen. Dies bezieht sich grundsätzlich auf die Konstellation, in der beide Eltern das Kind gemeinsam betreuen. Im vorliegenden Fall ist indes seitens des Vaters unbestrit- ten, dass A._____ weiterhin von der Mutter betreut werden und - vorbehältlich der Ausübung des persönlichen Verkehrs durch den Vater - unter deren Obhut stehen soll. Bei einer solchen Ausgangslage sieht das Gesetz in Art. 301 Abs. 1 bis ZGB vor, dass der betreuende Elternteil allein entscheiden kann, wenn die Angelegen- heit alltäglich oder dringlich ist (Ziff. 1) oder der andere Elternteil nicht mit vernünf- tigem Aufwand zu erreichen ist (Ziff. 2). Indem von der Notwendigkeit einer Eini- gung abgesehen wird, kann verhindert werden, dass dauernde Streitigkeiten um alltägliche Angelegenheiten die Beziehung des Kindes zu seinen Eltern belasten oder dringliche bzw. für das Kind wichtige Entscheide nicht gefällt werden können (Ingeborg Schwenzer/Michelle Cottier, a.a.O., N 3a zu Art. 301 ZGB). Der Auffas- sung der Beschwerdeführerin, wonach der Begriff der alltäglichen Entscheidungen eng ausgelegt werde und die Eltern daher grundsätzlich alles, was das Kind be- treffe, gemeinsam entscheiden müssten (vgl. Beschwerde IX. Ziff. 3.4), kann nicht ohne Weiteres zugestimmt werden. Alltägliche Angelegenheiten wie Fragen der Ernährung, der Bekleidung und Freizeitgestaltung des Kindes fallen grundsätzlich in die Alleinentscheidungsbefugnis der Mutter als Obhutsinhaberin. Nicht alltägli- chen Charakter haben dagegen Angelegenheiten, die das Leben des Kindes in einschneidender Weise prägen, wobei etwa ein Schul- oder Konfessionswechsel des Kindes, medizinische Eingriffe oder die Ausübung von Hochleistungssport zu nennen sind (Botschaft zu einer Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Elterliche Sorge] vom 16. November 2011, BBI 2011 9077 ff., Ziff. 2.1, S. 9106 f.; Ingeborg Schwenzer/Michelle Cottier, a.a.O., N 3c zu Art. 301 ZGB; vgl. auch BGE 136 III 353 E. 3.2). Unter den vorliegenden Umständen bedeutet dies, dass dem Vater durch die Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge le- diglich ein qualifizierteres Recht eingeräumt wird, als ihm durch das nach Art. 275a Abs. 1 ZGB erteilte Recht auf Information und Auskunft ohnehin bereits zusteht. Gemäss der vorgenannten Bestimmung sollen Eltern ohne elterliche Sor- ge über besondere Ereignisse im Leben des Kindes benachrichtigt und vor Ent- scheidungen, die für die Entwicklung des Kindes wichtig sind, angehört werden. Diese wichtigen Entscheidungen decken sich mit den vorerwähnten, im Zusam-Seite 18 — 43 menhang mit Art. 301 Abs. 1 bis ZGB aufgeführten Fallbeispielen von nicht alltägli- chen Entscheidungen. Dem Beschwerdegegner steht damit bereits heute, auch ohne elterliche Sorge, bei für die Entwicklung des Kindes wesentlichen Entschei- dungen zwar kein Mitentscheidungsrecht, aber immerhin ein Mitspracherecht zu (Ingeborg Schwenzer/Michelle Cottier, a.a.O., N 4 f. zu Art. 301 ZGB). bb) Die elterliche Sorge beinhaltet das Recht und die Pflicht, für das persönli- che Wohl des Kindes zu sorgen, es gesetzlich zu vertreten und das Kindesvermö- gen zu verwalten. Dabei sorgen die Eltern nicht nur für den Unterhalt, sondern auch für die Erziehung und persönliche Entwicklung des Kindes. Bei der elterli- chen Sorge handelt es sich demnach um ein sogenanntes Pflichtrecht der Eltern; umfasst wird die Gesamtheit der elterlichen Verantwortlichkeit und Befugnisse ge- genüber dem Kind (vgl. Ingeborg Schwenzer/Michelle Cottier, a.a.O., N 2 f. zu Art. 296 ZGB; Heinz Hausheer/Thomas Geiser/Regina E. Aebi-Müller, Das Famili- enrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 5. Aufl., Bern 2014, Rz. 17.67; Cyril Hegnauer, Grundriss des Kindesrechts und des übrigen Verwandtschafts- rechts, 5. Aufl., Bern 1999, Rz. 25.02 f.; BGE 136 III 353 E. 3.1). Ein Teil der elter- lichen Sorge ist das Obhutsrecht, wobei dem Obhutsinhaber nebst der Bestim- mung des Aufenthaltsorts die tägliche Betreuung, Pflege und Erziehung des Kin- des obliegt (BGE 136 III 353 E. 3.2). Der Inhalt der elterlichen Sorge ist entspre- chend den gegebenen Verhältnissen individuell festzulegen. Dies geht aus ver- schiedenen gesetzlichen Bestimmungen hervor. So sieht Art. 298a ZGB für un- verheiratete Eltern vor, dass die gemeinsame elterliche Sorge durch eine gemein- same Erklärung derselben zustande kommt. In dieser Erklärung haben sich die Eltern über die Obhut, den persönlichen Verkehr oder die Betreuungsanteile sowie über den Unterhaltsbeitrag für das Kind zu verständigen (Abs. 1 und 2). Wenn sich ein Elternteil weigert, die Erklärung über die gemeinsame elterliche Sorge abzu- geben, kann gemäss Art. 298b Abs. 1 ZGB die Kindesschutzbehörde angerufen werden. In ihrem Entscheid muss diese nebst der Anordnung der gemeinsamen elterliche Sorge oder der Beibehaltung bzw. Übertragung der Alleinsorge auch die übrigen strittigen Punkte regeln (Art. 298b Abs. 3 ZGB). Ändern sich die Verhält- nisse, so hat die KESB gemäss Art. 298d ZGB eine neue Regelung zu treffen, welche sich auf die Zuteilung der elterlichen Sorge an sich beziehen oder sich auch auf die Anpassung von einzelnen inhaltlichen Bestandteilen davon (Obhut, persönlicher Verkehr, Betreuungsanteile) beschränken kann. Ist der Inhalt der gemeinsamen elterlichen Sorge durch die abgegebene Erklärung der Eltern oder durch den behördlichen Entscheid einmal definiert, kann dieser ohne Zustimmung des andern Elternteils oder ohne neuen Entscheid der zuständigen Behörde we-Seite 19 — 43 der einseitig ausgeweitet noch eingeschränkt werden. Da die Obhut über A._____ im vorliegenden Fall unbestrittenermassen bei der Mutter liegt, diese - abgesehen von der Besuchsrechtsausübung durch den Vater - die alleinige Betreuung des Kindes wahrnimmt und die Unterhaltsbeiträge offenbar zu keinen Problemen An- lass geben, bezieht sich der Anteil des Vaters an der gemeinsamen elterlichen Sorge nebst dem persönlichen Verkehr auf das Mitentscheidungsrecht in Angele- genheiten, die das Leben von A._____ in einschneidender Weise prägen. Unter dieser Ausgangslage sind im Folgenden die Beweisanträge der Beschwerdeführe- rin zu prüfen. c/aa) Die Beschwerdeführerin stellt im vorliegenden Verfahren verschiedene Be- weisanträge, da sie der Auffassung ist, die KESB Engadin/Südtäler habe die er- forderlichen Sachabklärungen im Sinne von Art. 446 Abs. 2 ZGB nicht getätigt. Sie weist insoweit zutreffend darauf hin, dass auch vor der Rechtsmittelinstanz der Untersuchungsgrundsatz gilt (vgl. vorstehend E. 2c). Zunächst beantragt die Be- schwerdeführerin, es sei eine Begutachtung, welche die Auswirkungen einer allfäl- ligen gemeinsamen elterlichen Sorge auf das Kindeswohl aufzeige, anzuordnen. Zwischenzeitlich hat sich die KESB Engadin/Südtäler gemäss dem in den Akten liegenden Schreiben vom 21. Oktober 2015 (vgl. ZK1 15 19 act. D.27.1) dazu ent- schieden, eine interventionsorientierte Begutachtung bei der kjp Graubünden unter der Leitung von lic. phil. I._____ in Auftrag zu geben. Auch wenn der Gutach- tensauftrag gemäss dem Entwurf des Fragenkatalogs (vgl. ZK1 15 19 act. D.27.2) nicht direkt auf die Prüfung der Auswirkungen der elterlichen Sorge abzielt, son- dern aufgrund der Besuchsrechtsprobleme angeordnet wird, so soll dabei den- noch die familiäre Gesamtsituation und die gegenseitige Beziehungsgestaltung untersucht werden, wobei insbesondere auf die Befindlichkeit und Interessenlage von A._____ eingegangen wird und sich dementsprechend auch die Empfehlun- gen des Gutachters hinsichtlich der künftigen Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs und allfälligen weitergehenden begleitenden Massnahmen am Wohle von A._____ zu orientieren haben. Eine zusätzliche Begutachtung von A._____ über die Folgen der gemeinsamen elterlichen Sorge für das Kindeswohl erscheint unter diesen Umständen nicht notwendig. Im Übrigen ist auch nicht einzusehen, inwiefern eine Mitentscheidungskompetenz des Vaters bei gewichtigen, das Kind betreffenden Fragen für dieses schädlich sein könnte. Die Konflikte zwischen den Eltern treten bezüglich des Besuchsrechts auf. Dieses Problem bleibt jedoch un- abhängig von der Anordnung der gemeinsamen elterlichen Sorge bestehen, da dem Vater in jedem Fall ein Recht auf persönlichen Verkehr mit seiner Tochter zusteht (vgl. dazu auch nachfolgend E. 4d/ee).Seite 20 — 43 bb) Im Weiteren beantragt die Beschwerdeführerin, es sei ein Verlaufsbericht aus den Händen der kjp Graubünden einzuholen. Da derartige Verlaufsberichte bereits bei den Akten liegen (vgl. ZK1 15 11 act. E.2 28 [Bericht vom 27. Januar 2015], ZK1 15 19 act. C.8 [Bericht vom 9. April 2015] sowie act. B.57 [Bericht vom 8. Oktober 2015]) dürfte sich der Antrag als hinfällig erweisen. Ausserdem bezie- hen sich diese Berichte primär auf die Ausübung des Besuchsrechts und stehen damit nicht in direktem Zusammenhang mit der Erteilung der gemeinsamen elterli- chen Sorge. Angemerkt sei, dass die kjp Graubünden bzw. der Psychologe J._____ auf Initiative der Mutter und nicht etwa seitens der KESB beigezogen worden ist. cc) Die Beschwerdeführerin verlangt sodann diverse, die Wohn-, Gesundheits-, Finanz- und Arbeitssituation des Beschwerdegegners betreffende Unterlagen zur Edition. Aus den umfangreichen Akten der KESB ergeben sich keine Anhaltspunk- te, dass diesbezüglich mit dem Beschwerdegegner etwas nicht in Ordnung sein sollte, was Einfluss auf den Entscheid betreffend die gemeinsame elterliche Sorge haben könnte. A._____ soll auch nicht beim Vater wohnen und Übernachtungen im Rahmen der Besuchsrechtsausübung sind erst probeweise geplant. Insbesondere im Zusammenhang mit der interventionsorientierten Begutachtung soll der Zeitpunkt für Übernachtungen festgelegt und auch die Lebenssituation jedes Elternteils näher beleuchtet werden (vgl. ZK1 15 19 act. D.27.2). Ferner kommt der Beschwerdegegner den Unterhaltsverpflichtungen bezüglich seiner Tochter offenbar nach. dd) Schliesslich stellt die Beschwerdeführerin den Antrag, bei der Berufsbei- standschaft Z._____ und der KJBE O.4_____ Verlaufsberichte über den Vollzug des Besuchs- und Ferienrechts ab Juni 2014 einzuholen. Auch solche Berichte befinden sich bereits bei den Akten (vgl. insbes. ZK1 14 82/84 act. E.2 115 [Ak- tennotiz des stellvertretenden Beistands vom 31. Juli 2014], act. E.2 120 [E-Mail der Beiständin vom 19. August 2014] sowie ZK1 15 19 act. E.1 125 [Stellungnah- me der Beiständin vom 15. Oktober 2014]). Im Entscheid des Kantonsgerichts vom 18. November 2014 betreffend die Abänderung des Besuchsrechts (ZK1 14 82/84) wurden die entsprechenden Berichte grösstenteils verarbeitet. Überdies betreffen sie nur den persönlichen Verkehr, weshalb sich daraus für die Zuteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge entgegen der Auffassung der Beschwerdefüh- rerin nicht unmittelbar etwas ableiten lässt. Im Ergebnis sind damit sämtliche Beweisanträge der Beschwerdeführerin mangels Entscheidrelevanz abzuweisen.Seite 21 — 43 4.a) Die Beschwerdeführerin macht hinsichtlich des Verfahrens betreffend die Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge zunächst geltend, dass die ihr zuge- stellten Verfahrensakten offensichtlich unvollständig gewesen seien und auch ein Aktenverzeichnis gefehlt habe. Daher sei der KESB Engadin/Südtäler eine Verlet- zung der Dokumentationspflicht vorzuwerfen. Es erscheine zudem unumgänglich, das Aktenmaterial sämtlicher zwischen den Parteien geführter Verfahren beizu- ziehen. In ihrer Beschwerdeantwort weist die KESB diesen Vorwurf zurück, die Akten seien vollständig geführt und auch ein entsprechendes Aktenverzeichnis sei erstellt worden. Aufgrund des umfangreichen Aktenmaterials seien der Beschwer- deführerin lediglich diejenigen Akten, welche in direktem Zusammenhang mit dem Gesuch um Erteilung der gemeinsamen Sorge stünden, zugestellt worden. Gemäss Art. 449b Abs. 1 ZGB haben die am Verfahren beteiligten Personen An- spruch auf Akteneinsicht, was als Ausfluss der verfassungsmässigen Garantie auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV gilt (vgl. Christoph Auer/Michèle Marti, a.a.O., N 3 zu Art. 449b ZGB). Als Gegenstück des Akteneinsichtsrechts besteht eine Aktenführungspflicht der Behörde. Alles, was zur Sache gehört und ent- scheidwesentlich sein kann, ist in den Akten festzuhalten. Entsprechend müssen alle entscheidrelevanten Unterlagen systematisch erfasst werden, so dass grundsätzlich das gesamte Aktendossier eingesehen werden kann. Das Aktenein- sichtsrecht bezieht sich auf sämtliche verfahrensbezogenen Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden (vgl. BGE 132 V 387 E. 3.1; 130 II 473 E. 4.1; Daniel Steck, FamKommentar, a.a.O., N 5 zu Art. 449b ZGB). Ein Recht auf Herausgabe oder Zustellung der Akten besteht nicht, wird den Rechtsanwälten in der Praxis indessen oft gewährt (Christoph Auer/Michèle Marti, a.a.O., N 7 zu Art. 449b ZGB mit weiteren Hinweisen). Der Beschwerdeführerin bzw. ihrem Rechtsvertreter wurde vorliegend das ganze Aktendossier betreffend das Verfah- ren um Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge zugestellt. Ebenso wurde ein Aktenverzeichnis angefertigt (vgl. Akten ZK1 15 11 act. E.2 24). Es wäre insbe- sondere an der Beschwerdeführerin gelegen, Einsicht in die Akten der übrigen Verfahren zu verlangen, sofern sie dies als notwendig erachtet hätte. Ihr wurde mithin nicht etwa das Einsichtsrecht verweigert. Das Vorgehen der KESB lässt sich nach dem Gesagten nicht beanstanden. Anzumerken ist, dass im vorliegen- den Beschwerdeverfahren antragsgemäss auch die Akten weiterer Verfahren (ZK1 15 19 sowie ZK1 14 82/84) beigezogen worden sind. b) Hauptstreitpunkt unter den Parteien bildet vorliegend, ob ihnen die gemein- same elterliche Sorge über A._____ zu erteilen ist. Mit Entscheid der KESB Enga- din/Südtäler vom 17. Dezember 2014 wurde die elterliche Sorge, welche bisher Seite 22 — 43 der Mutter allein zustand, den Eltern gemeinsam zugesprochen. Die KESB ging in ihren Erwägungen davon aus, dass einem Elternteil gemäss der bundesrätlichen Botschaft zum revidierten Recht die gemeinsame elterliche Sorge nur dann vor- enthalten werden dürfe, wenn die Behörde Anlass hätte, sie ihm gleich wieder zu entziehen. Der Massstab, den die KESB ihrem Entscheid zugrunde legen müsse, decke sich damit neu mit jenem von Art. 311 ZGB. Demnach müsse für die Ent- ziehung der elterlichen Sorge ein Grund nach Art. 311 ZGB vorliegen, welcher eine Gefährdung des Kindeswohls zur Folge hätte. Zu prüfen sei nicht, ob die ge- meinsame elterliche Sorge dem Kindeswohl entspreche, sondern vielmehr ob sie dem Kindeswohl widerspreche. In den parlamentarischen Beratungen sei die An- sicht vertreten worden, dass nebst den in Art. 311 ZGB aufgeführten Gründen ins- besondere ein Dauerkonflikt zwischen den Eltern, der das Kind in seiner Entwick- lung beeinträchtige und zu Loyalitätskonflikten führe, für die Zuteilung der alleini- gen elterlichen Sorge sprechen könne. Unbestritten sei, dass die Eltern von A._____ in einem Dauerkonflikt stünden. Aus einer Uneinigkeit der Eltern resultie- re allerdings noch keine erhebliche Kindeswohlgefährdung. Eine solche setze vielmehr voraus, dass eine zu fällende Entscheidung für die Wahrung des Kin- deswohls dringend erforderlich sei. Derartige Entscheidungen seien vorderhand nicht ersichtlich. Überdies könnten Pattsituationen bei Elternkonflikten unter ge- wissen Voraussetzungen durch die Behörde behoben werden. Wie sich die El- ternarbeit künftig entwickeln werde, sei unklar. Jedenfalls sei bezüglich der Stel- lung von Prognosen hinsichtlich der Kooperationsfähigkeit bzw. -unfähigkeit der Eltern bei der Klärung von zentralen Fragen im Rahmen der gemeinsamen elterli- chen Sorge Zurückhaltung geboten. c) Gemäss dem neuen Recht der elterlichen Sorge, welches am 1. Juli 2014 in Kraft getreten ist, gilt die gemeinsame elterliche Sorge als Regelfall, unabhängig vom Zivilstand der Eltern sowie dem Stadium der Beziehung (Botschaft elterliche Sorge, a.a.O., Ziff. 1.5.1, S. 9092; Peter Breitschmid, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Aufl., Basel 2014, N 5 zu Art. 133 ZGB). Allerdings erhalten unverheiratete Eltern die gemeinsame elterliche Sorge nicht automatisch durch die Anerkennung des Kindes durch den Vater. Vielmehr ist zusätzlich eine gemeinsame Erklärung der Eltern (vgl. Art. 298a ZGB) oder ein Entscheid der Kindesschutzbehörde (vgl. Art. 298b ZGB) notwendig (Ingeborg Schwenzer/Michelle Cottier, a.a.O., N 8b zu Art. 296 ZGB). Wie bereits erwähnt entsprach es jedoch der Absicht des Gesetzgebers, die gemeinsame elterliche Sorge als Regelfall einzuführen, während die alleinige elterliche Sorge die Aus- nahme bleiben soll (vgl. Ingeborg Schwenzer/Michelle Cottier, a.a.O., N 3 zu Art. Seite 23 — 43 298b ZGB). Ist die Erklärung betreffend die gemeinsame elterliche Sorge von der Mutter nicht erhältlich, so kann sich der Vater an die KESB wenden (Art. 298b Abs. 1 ZGB), wie dies im vorliegenden Fall geschehen ist. Die Behörde hat die gemeinsame elterliche Sorge zu verfügen, sofern nicht zur Wahrung des Kindes- wohls an der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter festzuhalten oder die alleinige elterliche Sorge dem Vater zu übertragen ist (Art. 298b Abs. 2 ZGB). Aufgrund der bundesrätlichen Botschaft und den Äusserungen im Parlament war zunächst un- klar, ob die gemeinsame elterliche Sorge nur verweigert werden darf, wenn zu- gleich ein Grund für deren Entziehung im Sinne von Art. 311 Abs. 1 ZGB (Uner- fahrenheit, Krankheit, Gebrechen, Ortsabwesenheit, Gewalttätigkeit oder Ähnli- ches) gegeben ist. Das Bundesgericht hat diese Frage zwischenzeitlich in seinem Entscheid 5A_923/2014 vom 27. August 2015 (zur Publikation vorgesehen) ge- klärt. Es kam in Übereinstimmung mit der Lehre zum Schluss, dass für die Allein- zuteilung der elterlichen Sorge gemäss Art. 298 ff. ZGB nicht dieselben Voraus- setzungen wie für den gestützt auf Art. 311 ZGB als Kindesschutzmassnahme verfügten Entzug des Sorgerechts gelten. Vielmehr könne beispielsweise auch ein schwerwiegender elterlicher Dauerkonflikt oder die anhaltende Kommunikations- unfähigkeit eine Alleinzuteilung des Sorgerechts gebieten, wenn sich der Mangel negativ auf das Kindeswohl auswirke und von einer Alleinzuteilung eine Verbesse- rung erwartet werden könne (Urteil des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. Au- gust 2015 E. 4.6 [zur Publikation vorgesehen]; vgl. auch Ingeborg Schwen- zer/Michelle Cottier, a.a.O., N 14 zu Art. 298 ZGB sowie N 10 zu Art. 298b ZGB; Andreas Bucher, Elterliche Sorge im schweizerischen und internationalen Kontext, in: Rumo-Jungo/Fountoulakis [Hrsg.], Familien in Zeiten grenzüberschreitender Beziehungen, Zürich 2013, S. 10 f.; Urs Gloor/Jonas Schweighauser, Die Reform des Rechts der elterlichen Sorge - eine Würdigung aus praktischer Sicht, in: Fam- Pra 1/2014, S. 6 f.; Heinz Hausheer/Thomas Geiser/Regina E. Aebi-Müller, a.a.O., Rz. 17.88 f. und 17. 168; Wilhelm Felder/Heinz Hausheer/Regina E. Aebi- Müller/Erica Desch, Gemeinsame elterliche Sorge und Kindeswohl, in: ZBJV 11/2014, S. 893 f.; Thomas Geiser, Wann ist Alleinsorge anzuordnen und wie ist diese zu regeln?, in: ZKE 3/2015, S. 239 f.). Erforderlich sei aber in jedem Fall eine Erheblichkeit und Chronizität des Konflikts oder der gestörten Kommunikati- on. Punktuelle Auseinandersetzungen oder Meinungsverschiedenheiten, wie sie in allen Familien vorkommen und insbesondere mit einer Trennung oder Scheidung einhergehen könnten, dürften angesichts des mit der Gesetzesnovelle klarerweise angestrebten Paradigmenwechsels nicht Anlass für eine Alleinzuteilung der elterli- chen Sorge sein. Bei einem schwerwiegenden, aber singulären Konflikt sei im Sinne der Subsidiarität zu prüfen, ob nicht ein richterlicher Entscheid über einzelne Seite 24 — 43 Inhalte des Sorgerechts bzw. eine richterliche Alleinzuweisung spezifischer Ent- scheidungsbefugnisse in den betreffenden Angelegenheiten ausreiche, um Abhilfe zu schaffen. Die Alleinzuteilung des elterlichen Sorgerechts müsse eine eng be- grenzte Ausnahme bleiben (Urteil des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. Au- gust 2015 E. 4.7 [zur Publikation vorgesehen]). d/aa) Vorliegendenfalls kann festgehalten werden, dass beim Vater keine derart schwerwiegenden Gründe bestehen, wie sie in Art. 311 ZGB genannt werden, so dass die Zuteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge von vornherein ausge- schlossen erscheinen würde. Die Beschwerdeführerin versucht allerdings, derarti- ge Gründe vorzubringen. Im Einzelnen macht sie geltend, dass es seitens des Vaters am Nachweis verlässlicher Betreuungsverhältnisse mangle. So sei nicht einmal rechtsgenüglich nachgewiesen, dass er über eine eigene Wohnung in der Schweiz verfüge, in welcher die Besuchskontakte angemessen umgesetzt werden könnten. Im Weiteren führt sie an, dass sich sein Lebensmittelpunkt zumindest partiell in L.1_____ befinde, wo er auch mit einem Pensum von acht Stunden pro Woche als Lehrer tätig sei. Ein Wohnsitz in der Schweiz bestehe nur auf dem Pa- pier. Es sei weder eine stabile Arbeits- bzw. Wohnsituation noch eine soziale Ver- netzung des Beschwerdegegners im Z._____ ausgewiesen. Diese Argumente ge- hen an der Sache vorbei. Die vorgebrachten Einwände betreffen primär die Obhut, d.h. die Betreuung des Kindes im Alltag, welche vorliegend unbestrittenermassen bei der Mutter liegt. Für die Zuweisung der (gemeinsamen) elterlichen Sorge an den nicht obhutsberechtigten Elternteil hingegen sind die Lebensumstände nur insoweit massgebend, als dadurch das Wohl des Kindes und seine Entwicklung gefährdet werden könnten. Vorliegend ist nicht ersichtlich, weshalb der Beschwer- degegner nicht in der Lage sein sollte, seine Verantwortung als Vater wahrzuneh- men und die prägenden Entscheidungen im Leben von A._____ unter Berücksich- tigung ihrer Interessen und Bedürfnisse sowie im Hinblick auf ihre optimale Ent- wicklung und Entfaltung gemeinsam mit der Mutter zu treffen. Eine Teilzeiter- werbstätigkeit im Ausland schadet ebenso wenig wie der Umstand, dass er bei einem Kollegen wohnen und am Wohnort der Tochter nicht stark vernetzt sein soll. Was seine partielle Ortsabwesenheit betrifft, so ist nicht einzusehen, weshalb er bei Entscheidungen, welche im Rahmen der elterlichen Sorge anstehen, nicht auch telefonisch oder per E-Mail kontaktiert werden kann. Zudem weilt der Be- schwerdegegner offensichtlich sehr regelmässig im Z._____, ansonsten die Be- suchskontakte mit der Tochter nicht stattfinden könnten. Ebenso können die Kon- takte offenbar problemlos in der von ihm in O.1_____ bewohnten Wohnung durchgeführt werden, was insbesondere die in den Akten befindlichen Fotoauf-Seite 25 — 43 nahmen zeigen (vgl. ZK1 15 11 act. C.3). Des Weiteren geht die Beschwerdefüh- rerin beim Beschwerdegegner von Unerfahrenheit aus, da er angeblich über die elementarsten Bedürfnisse seiner Tochter nicht Bescheid wisse. Angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdegegner bereits Vater einer Tochter ist und daher Erfahrung in Kinderbelangen sammeln konnte, vermag dies nicht zu überzeugen. Auch berichtet weder die KESB noch die Beiständin über eine Unerfahrenheit des Vaters im Umgang mit A._____. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass sich der Beschwerdegegner gemäss eigenen Angaben in psychiatrischer Behandlung befinde und aus psychischen Gründen zu 50% krankgeschrieben sei. Die Feststellung der KESB, beim Beschwerdegegner sei keine psychische Beein- trächtigung ersichtlich, welche die Ausübung der elterlichen Sorge nachteilig be- einflusse, sei nicht aktenmässig abgestützt, worin eine Verletzung der Dokumenta- tions- und Untersuchungspflicht liege. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass auch die Untersuchungspflicht ihre Grenzen findet. Die KESB hat gemäss Art. 446 Abs. 2 ZGB die erforderlichen Erkundigungen einzuholen und die notwendigen Beweise zu erheben. Demnach sind alle notwendigen und geeigneten Abklärun- gen vorzunehmen, um den rechtlich relevanten Sachverhalt zu ermitteln (Daniel Steck, FamKommentar, a.a.O., N 10 zu Art. 446 ZGB). Es erscheint nachvollzieh- bar, dass sich der Beschwerdegegner freiwillig ärztliche Hilfe gesucht hat, um - wie er selbst erklärt - die Besuchsrechtsproblematik zu verarbeiten sowie die Hal- tung der Mutter zu verstehen und damit besser umgehen zu können. Dass der Beschwerdegegner aus psychischen Gründen krankgeschrieben sein soll, wird sodann in keiner Weise belegt. Ohne ersichtliche Anhaltspunkte bestand für die KESB kein Anlass, ein Gutachten zur Feststellung der, lediglich auf vagen Be- hauptungen der Beschwerdeführerin beruhenden, psychischen Beeinträchtigung des Vaters einzuholen. Darüber hinaus lastet die Beschwerdeführerin dem Be- schwerdegegner auch Gewaltausübung an, indem es einerseits zu verbalen Dro- hungen sowie Verunglimpfungen und andererseits zu physischen Übergriffen - er habe A._____ die Fingernägel so kurz geschnitten, dass sie blutunterlaufen gewe- sen seien und diese während mehrerer Tage an feinmotorischen Störungen gelit- ten habe - gekommen sei. Auch diese Schilderungen gründen einzig auf Behaup- tungen der Beschwerdeführerin und werden vom Beschwerdegegner klar bestrit- ten. Die angeblichen Vorfälle stehen im Zusammenhang mit den Auseinanderset- zungen um das Besuchsrecht, wobei davon auszugehen ist, dass sie im Zustand offensichtlicher emotionaler Erregung überinterpretiert worden sind. Jedenfalls handelt es sich nicht um Vorgänge, welche einer Erteilung der gemeinsamen elter- lichen Sorge a priori entgegenstehen würden. Schliesslich weist die Beschwerde- führerin darauf hin, dass der Beschwerdegegner im Falle ihres Ablebens oder ei-Seite 26 — 43 ner allfälligen Handlungsunfähigkeit die elterliche Sorge allein ausüben könnte. Vor dem Hintergrund, dass faktisch keine tragfähige Beziehung zwischen Vater und Tochter bestehe, würde das eine akute Kindeswohlgefährdung bedeuten. Bei diesem Einwand handelt es sich lediglich um ein konstruiertes Szenario, wobei - für den Fall, dass es denn überhaupt eintreten sollte - entsprechende Massnah- men zur Verfügung stünden, um einer etwaigen Kindeswohlgefährdung zu begeg- nen. Ferner sei die Erziehungsfähigkeit des Beschwerdegegners laut der Be- schwerdeführerin im Grundsatz in Frage zu stellen, wobei sie in diesem Zusam- menhang einen Besuchskontakt vom Sommer 2014 erwähnt, anlässlich welchem sich A._____ auf dem Spielplatz nicht von ihr habe trennen wollen. Ebenso kann dem Vater die Erziehungsfähigkeit nicht abgesprochen werden, nur weil A._____ anfänglich Mühe bekundet hat, sich von ihrer Mutter als primäre Bezugsperson zu lösen. Zudem wird gerade seitens der kjp Graubünden, welche die Mutter beige- zogen hat, die Erziehungskompetenz beiden Elternteilen zuerkannt (vgl. ZK1 15 11 act. B.49). Die Vorbringen der Beschwerdeführerin zielen nach dem Gesagten ins Leere. bb) Zu prüfen bleibt somit, ob der zweifellos bestehende Dauerkonflikt zwischen den Eltern betreffend das Besuchs- und Ferienrecht des Vaters vorliegend einen Grund für die Beibehaltung der alleinigen Sorge der Mutter darstellt. Die KESB hat diese Frage ebenfalls geprüft und ist zur Auffassung gelangt, dass sich aus einer Uneinigkeit der Eltern allein noch keine erhebliche Kindeswohlgefährdung ergebe. Wie sich die weitere Elternarbeit zwischen Mutter und Vater entwickeln werde, sei derzeit noch nicht absehbar. Gewisse Pattsituationen bei Elternkonflikten könnten sodann unter bestimmten Voraussetzungen durch die Behörde gelöst werden. Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, dass sich die aktenmässig dokumentierte Unversöhnlichkeit der Eltern unzweifelhaft auch auf das Kind auswirke. Im Falle der Anordnung der gemeinsamen elterlichen Sorge seien angesichts der vorhan- denen Differenzen unmittelbar negative Auswirkungen auf das Kindeswohl zu er- warten. Bereits die bis anhin geführten zahlreichen Verfahren hätten bei A._____ zu exorbitanten Belastungen geführt, weshalb sie seit November 2014 in Behand- lung bei der kjp Graubünden stehe, in deren Zusammenhang bei ihr eine mittlere bis schwere Trennungsangst (ICD-10: F93.0) diagnostiziert worden sei. Durch die Einräumung der gemeinsamen elterlichen Sorge werde zusätzliches Konfliktpo- tenzial geschaffen, wobei voraussehbar sei, dass A._____ Opfer dieser Konfliktsi- tuation werde und ihre Entwicklung prägend in einem negativen Sinne beeinflusst werde. Wenn wie im vorliegenden Fall bereits erstellt sei, dass sich die Eltern mangels Kooperationsbereitschaft und- fähigkeit über den grössten Teil der in ih-Seite 27 — 43 rer beider Verantwortung liegender Fragen nicht einigen könnten, entspreche die gemeinsame elterliche Sorge nicht dem Kindeswohl. Zur Verdeutlichung führt die Beschwerdeführerin beispielhaft an, der Beschwerdegegner habe sein Gesuch um gemeinsame elterliche Sorge ohne Rücksprache instanziiert und die Umsetzung der Besuchskontakte sei nur mit Hilfe der Beiständin bzw. einer zusätzlichen Per- son, welche die Übergaben begleitet habe, möglich gewesen. Sodann sei die Auf- fassung der KESB, dass unter Berücksichtigung des Kindesalters aktuell keine wesentlichen Entscheidungen anstünden, unhaltbar. Des Weiteren wirft die Be- schwerdeführerin dem Beschwerdegegner vor, den Antrag auf gemeinsame elter- liche Sorge nur deshalb gestellt zu haben, um ihr Steine in den Weg zu legen, was einem Rechtsmissbrauch gleichkäme. In der Replik bringt die Beschwerdeführerin vor, dass sich der Dauerkonflikt zwischen den Parteien während des hängigen Beschwerdeverfahrens nochmals akzentuiert habe. Der Beschwerdegegner räumt zwar seinerseits ebenfalls ein, dass es sich um eine äusserst konfliktträchtige Si- tuation handle. Er stellt sich indessen auf den Standpunkt, dass dies nicht als Ar- gument gegen die gemeinsame elterliche Sorge verwendet werden dürfe, zumal es die Mutter zu vertreten habe, dass die Eltern nicht miteinander kooperieren könnten. Andernfalls hätte es der obhutsberechtigte Elternteil jeweils in der Hand, das gemeinsame Sorgerecht zu verhindern. Der Beweggrund des Beschwerde- gegners liege allein darin, dass er ein Vater mit allen Rechten und Pflichten sein möchte und nicht nur ein Zahlvater, der seine Tochter hin und wieder besuchen dürfe. cc) Wie bereits erwähnt ist die gemeinsame elterliche Sorge vorrangig dem Kindeswohl verpflichtet. Dieses Ziel wird verfehlt, wenn ein Elternteil die gemein- same Sorge zu Obstruktionszwecken missbraucht und dazu benutzt, dem andern Elternteil das Leben schwer zu machen. Vorliegend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdegegner sich am Leben seiner Tochter nicht nur im Rahmen des Besuchsrechts beteiligen, sondern bezüglich der nicht alltäglichen Fragen mitent- scheiden möchte. Dies kann ihm nicht zum Vorwurf gemacht bzw. als rechtsmiss- bräuchlich bezeichnet werden. Wie vorstehend dargelegt (vgl. E. 4c) soll von der gemeinsamen elterlichen Sorge abgesehen werden, wenn ein chronifizierter El- ternkonflikt das Kindeswohl beeinträchtigt. Liegt ein solch schwerer Konflikt vor, so ergibt sich die Kindeswohlgefährdung aus der dysfunktionalen Beziehungsdyna- mik der Eltern und kann durch die Zuteilung der alleinigen Sorge an einen Eltern- teil insofern entschärft werden, als dass auch die nicht alltäglichen und nicht dring- lichen Entscheide durch diesen allein gefällt werden können (Ingeborg Schwen- zer/Michelle Cottier, a.a.O., N 14 zu Art. 298 ZGB). Gründe, wie ein tiefes Miss-Seite 28 — 43 verständnis, fortwährende Streitigkeiten und Ähnliches, welche die Beziehung zwischen den Eltern unmittelbar zerstören, werden in der Regel ebenfalls vom Kindesinteresse erfasst, weil sie notwendigerweise als Reflexwirkung auch das Kind betreffen. Die Differenzen können so stark sein, dass es besser erscheint, die elterliche Sorge nur einem Elternteil zuzuweisen, um das Kind aus dem Kon- flikt herauszuhalten (Andreas Bucher, a.a.O., S. 11 und S. 13 mit weiteren Hinwei- sen). Das Kindeswohl wird bei gemeinsamer Sorge nicht optimal gewährleistet, wenn die Eltern zwar je einzeln erziehungsfähig, aber nicht in der Lage sind, ge- meinsame Entscheidungen zu fällen und sich in grundlegenden Fragen zu eini- gen, so dass das betroffene Kind letztlich zum Spielball der elterlichen Auseinan- dersetzungen wird (Wilhelm Felder/Heinz Hausheer/Regina E. Aebi-Müller/Erica Desch, a.a.O., S. 897; Heinz Hausheer/Thomas Geiser/Regina E. Aebi-Müller, a.a.O., Rz. 17.89). Im Ergebnis bleibt es dabei, dass von der gemeinsamen elterli- chen Sorge nur abgewichen werden darf, wenn dies im Interesse des Kindes liegt, also eine andere Lösung das Wohl des Kindes ausnahmsweise besser wahrt (vgl. Botschaft elterliche Sorge, a.a.O., Ziff. 1.3.1, S. 9087 und Ziff. 2.1, S. 9102). dd) Die in den Akten liegenden Berichte dokumentieren den bestehenden Kon- flikt um das Besuchsrecht. Vorab ist das Schreiben der Berufsbeistandschaft Z._____ vom 9. Januar 2015 zu erwähnen, in welchem der Leiter der Berufsbei- standschaft ausführt, dass die Zusammenarbeit zwischen der Beiständin und den Eltern aufgrund der grossen Differenzen zwischen Letzteren überdurchschnittlich viel zeitliche Ressourcen benötigt habe. Er ersuchte die KESB daher um Entlas- tung der Beiständin und, um der Besuchsrechtsumsetzung eine neue Chance zu geben, das Mandat auf eine andere Person zu übertragen (vgl. ZK1 15 19 act. E.1 160). Sodann geht aus dem Verlaufsbericht der KJBE vom 12. Januar 2015 be- treffend die begleiteten Besuche im Zeitraum von Oktober 2014 bis Januar 2015 hervor, dass es den Anschein habe, die Kindsmutter wolle das Besuchsrecht aus Sorge um ihre Tochter verhindern, obschon sich diese beim Vater wohl fühle und er einen liebevollen Umgang mit ihr pflege. Seitens der Begleiterin wurde der Ein- druck erweckt, dass die Mutter kein Interesse daran habe, Vater und Tochter rei- bungslose Besuche zu ermöglichen. Nach den Besuchen würde sie in ihren zahl- reichen E-Mails jeweils diverse Vorwürfe gegen den Vater und die Begleiterin er- heben. Die Mutter traue dem Vater die Betreuung nicht zu und bekunde grosse Mühe, ihre Tochter loszulassen, obschon beim Vater im Umgang mit A._____ kei- ne Mängel festgestellt werden könnten, welche das Verhalten der Mutter erklären würden (vgl. ZK1 15 11 act. E.2 27 bzw. ZK1 15 19 act. E.1 140). Dem Bericht der kjp Graubünden vom 27. Januar 2015 lässt sich entnehmen, dass A._____ mit der Seite 29 — 43 derzeitigen Besuchssituation überfordert sei, zumal sie einem massiven Interes- sengemenge ausgesetzt sei. Angesichts des Getrenntlebens der Eltern könne sich das Kind bei einem Zugehen auf den Vater nicht der wohlwollenden Zustimmung der Mutter rückversichern, womit die Reaktion einer tiefgreifenden Bindungs- und Trennungsangst einhergehe. Deshalb werde ein behutsames Vorgehen empfoh- len (vgl. ZK1 15 11 act. E.2 28 bzw. ZK1 15 19 act. E.1 145). Anzumerken ist, dass in diesem Bericht keine Diagnose nach ICD-10 gestellt wurde. Eine solche wurde erst auf Drängen der Mutter durch den behandelnden Psychologen abge- geben und zwar lediglich per SMS (vgl. ZK1 15 11 act. B.31, emotionale Störung mit Trennungsangst [ICD-10 F93.0]), ohne dass sie in einen Bericht der kjp Ein- gang gefunden hat. Jedenfalls wird diese Bindungs- und Trennungsangst von der Beschwerdeführerin in ihren Rechtsschriften mehrfach hervorgehoben und als schwerwiegende Erkrankung bezeichnet. Gemäss ihrer Darstellung (vgl. Be- schwerde IX. Ziff. 3.4) beziehe sich die Angst von A._____ auf den Vater, was in- des in den Akten keine Stütze findet. Dass A._____ unter der Situation leidet, ist durchaus verständlich, da sie die Spannungen zwischen den Eltern anlässlich der Ausübung der Besuche beim Vater spürt und sich in einer Zwangslage befindet - einerseits geht sie gerne zum Vater und fühlt sich bei diesem wohl, andererseits nimmt sie jedoch die Missbilligung der Mutter wahr. Solche auftretenden Loya- litätskonflikte sind bis zu einem gewissen Grad als dem Besuchsrecht inhärente Erscheinung hinzunehmen, zumal die positiven Aspekte regelmässiger Besuche beim anderen Elternteil die negativen Aspekte der anfänglichen Beunruhigungen und möglichen Belastungen überwiegen (BGE 131 III 209 E. 5 und 130 III 585 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Ebenso weist die kjp Graubünden in ihrem Schreiben vom 9. April 2015 darauf hin, dass eine kontinuierliche Weiterführung der Besuche beim Vater aus entwicklungspsychologischer Sicht von A._____ not- wendig sei und eine Unterbrechung der bisherigen Kontinuität die Trennungs- angstsymptome verstärken könnte (vgl. ZK1 15 19 act. C.8), womit im Umkehr- schluss die Trennungsangst durch regelmässige Besuche mutmasslich gemildert wird. Schliesslich gibt die kjp in ihrem Bericht vom 8. Oktober 2015 zuhanden der KESB die Empfehlung ab, dass in Bezug auf die Besuchskontakte weiterhin ein kleinschrittiges, der aktuellen Belastbarkeit von A._____ angepasstes, aber steti- ges Vorgehen angezeigt sei und die Übergaben weiterhin von einer Drittperson begleitet werden sollen (vgl. ZK1 15 19 act. B.57). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass nach wie vor Differenzen zwischen den Eltern bestehen und sich die Besuchsrechtsausübung noch immer schwierig gestaltet, aber zumindest mehrheitlich regelmässige Kontakte - wenn auch noch ohne Übernachtungen und Ferien - zwischen Vater und Tochter stattfinden. Entsprechend erhielt der Vorsit-Seite 30 — 43 zende der I. Zivilkammer anlässlich eines Telefonats mit dem Leiter der KESB En- gadin/Südtäler am 20. Oktober 2015 die Auskunft, dass in den letzten Monaten sechs bis sieben regelmässige Besuchskontakte von je rund acht Stunden hätten durchgeführt werden können. Die Übergaben und Übernahmen von A._____ seien jeweils begleitet gewesen, wobei die Übergaben durch die Mutter an die Begleit- person relativ problemlos abgelaufen seien. Der Vater zeige sich sehr erfreut über den Besuchsverlauf, während die Mutter gegenüber der KESB immer noch gewis- se Vorbehalte äussere, sich allerdings aufgrund der nach Art. 292 StGB angedroh- ten Straffolgen zurückhalte. Damit lässt sich zumindest eine erste positive, wenn auch noch nicht gefestigte Entwicklung, feststellen. ee) Die Tatsache, dass in Bezug auf das Besuchsrecht ein anhaltender Eltern- konflikt vorliegt, führt mithin noch nicht zur Anordnung der Alleinsorge. Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, ob das Kindeswohl die Übertragung der elterlichen Sorge an einen Elternteil gebietet und der Konflikt dadurch entschärft werden kann. Die Beschwerdeführerin verweist in ihrem eingereichten Schreiben vom 1. September 2015 auf die Medienmitteilung des Bundesgerichts zum vorerwähnten Entscheid (5A_923/2014 vom 27. August 2015 [zur Publikation vorgesehen]), welcher den Massstab für eine Alleinzuteilung der elterlichen Sorge konkretisiert. In diesem Entscheid ging es zwar ebenfalls um nicht verheiratete Eltern mit einer etwa gleichaltrigen Tochter. Indessen lebten die Eltern anfänglich in demselben Haus- halt und einigten sich in einer Vereinbarung, welche von der Vormundschafts- behörde genehmigt wurde, auf die gemeinsame Ausübung der elterlichen Sorge. Im Zuge der Trennung wurde die gemeinsame elterliche Sorge wegen fehlender Kooperationsfähigkeit und Kommunikationsschwierigkeiten aufgehoben und die alleinige elterliche Sorge bei der Mutter belassen. Die Spannungen bezogen sich auf alle möglichen Lebensbereiche des nunmehr getrennten Paars, namentlich auf das berufliche Engagement des ehemaligen Partners, die Vernachlässigung von Unterhaltspflichten, den wiederholten Wohnorts- und Partnerschaftswechsel, die Taufe der Tochter, das Stechen von Ohrlöchern, das Veröffentlichen von Bildern auf Facebook sowie diverse Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit Ferienauf- enthalten. Das Bundesgericht geht in diesem Leitentscheid von einem Konflikt mit Ausnahmecharakter aus, der sich über die Jahre zunehmend verhärtet hat. Die permanente Uneinigkeit der Eltern in sämtlichen Lebensbelangen der Tochter ha- be bei dieser zu einem zunehmenden Loyalitätskonflikt und zu Verunsicherung geführt und das Kindeswohl konkret beeinträchtigt (vgl. Medienmitteilung vom 27. August 2015, ZK1 15 11 act. D.24). Ein umfassender und schwerwiegender Dauerkonflikt bzw. eine anhaltende Kommunikationsunfähigkeit der Eltern kann Seite 31 — 43 damit die Verweigerung der gemeinsamen elterlichen Sorge rechtfertigen, sofern sich dies negativ auf das Kindeswohl auswirkt und von einer Alleinzuteilung eine Verbesserung erwartet werden kann. Entsprechend hat auch das Zürcher Oberge- richt, welches beim besagten Entscheids als Vorinstanz auftrat, festgehalten, dass ein Dauerkonflikt nur in Ausnahmefällen die Zuteilung der Alleinsorge rechtfertige und zwar dann, wenn die Regelung der Betreuung des Kindes (Betreuungsanteile der Eltern bzw. Obhut und persönlicher Verkehr) nicht ausreiche, um dem Konflikt zu begegnen, und die Alleinsorge den Dauerkonflikt tatsächlich aufhebe oder zu mildern vermöge. Könnten sich die Eltern im Fall gemeinsamer elterlicher Sorge bei gemeinsam zu fällenden Entscheidungen nicht einigen, liesse sich allenfalls durch Kindesschutzmassnahmen nach Art. 307 ff. ZGB rasch eine Lösung her- beiführen (Beschluss und Urteil der II. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Zürich PQ140022-O/U vom 15. Oktober 2014 E. 3.2). Bezieht sich der Konflikt isoliert nur auf eine spezifische Angelegenheit, so weist der Entscheid des Bun- desgerichts in die Richtung, dass allenfalls durch richterlichen Entscheid oder Al- leinzuweisung spezifischer Entscheidungsbefugnisse Abhilfe geschafft werden kann, ohne dass die gemeinsame elterliche Sorge verweigert werden muss. Prüft man im vorliegenden Fall die umfangreichen Akten der KESB, so ergibt sich dar- aus, dass sich die Konfliktsituation zwischen den Eltern in erster Linie auf das dem Vater zustehende Besuchs- und Ferienrecht bezieht. Wie sich auch dem Ent- scheid des Kantonsgerichts vom 18. November 2014 entnehmen lässt (vgl. Ent- scheid der I. Zivilkammer ZK1 14 82/84 insbes. E. 4c), geht es im Grundsatz dar- um, dass die Mutter das Besuchsrecht einschränken, wenn nicht gar gänzlich un- terbinden will, während der Vater sein Recht auf persönlichen Verkehr einfordert. Daraus ergeben sich Streitigkeiten und Vorwürfe aller Art. Es lässt sich indessen nicht zweifelsfrei schliessen, dass sich der Konflikt auch auf andere, für die Ent- wicklung von A._____ wichtige Entscheidungen überträgt, welche die Eltern im Rahmen der gemeinsamen elterlichen Sorge zu fällen hätten. Entsprechend kann nicht gesagt werden, dass das Funktionieren der gemeinsamen elterlichen Sorge im gelebten Alltag ausgeschlossen ist. Sodann würde dem nicht sorgeberechtigten Elternteil auch bei Beibehaltung der alleinigen elterlichen Sorge weiterhin das übli- che Besuchsrecht zustehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.5 [zur Publikation vorgesehen]; Wilhelm Felder/Heinz Haus- heer/Regina E. Aebi-Müller/Erica Desch, a.a.O., S. 902). Da sich die Kontroverse zwischen den Eltern vorliegend primär auf die Ausübung des Besuchs- und Feri- enrecht bezieht, vermag die Anordnung bzw. Beibehaltung der alleinigen Sorge der Mutter den Konflikt auch nicht zu entschärfen. Es fehlt mithin an der erforderli- chen Kausalität (vgl. dazu auch Entscheid des Berner Obergerichts vom 17. Sep-Seite 32 — 43 tember 2014, publiziert in CAN 2/2015 Nr. 25 E. 3). Das Kindeswohl gebietet es nach Auffassung des Kantonsgerichts damit nicht, die Alleinsorge bei der Mutter zu belassen. Auch wenn die Kooperationsbereitschaft bis anhin - insbesondere was das Besuchsrecht angeht - nur sehr beschränkt vorhanden war, darf von den Eltern erwartet werden, dass sie in Kindesangelegenheiten im Interesse von A._____ künftig in einem Mindestmass zusammenwirken. Die gemeinsame Sorge sollte die Eltern dazu motivieren, ihre Kooperationsfähigkeit zu verbessern, um der Tochter eine ruhige und gedeihliche Entwicklung zu ermöglichen (vgl. Entscheid des Berner Obergerichts vom 17. September 2014, publiziert in CAN 2/2015 Nr. 25 E. 5). Es sollte den Eltern, welchen das Wohl von A._____ am Herzen liegt und die beide Verantwortung für sie übernehmen wollen, möglich sein, wichtige Entscheidungen für ihre Tochter im Sinne des Kindeswohls in vernünftiger Art und Weise zu beurteilen und zu einer gemeinsamen, tragfähigen Lösung zu kommen, ohne dass jedes Mal die zuständige Behörde angerufen werden muss. Zudem dürften sich die im Rahmen der elterlichen Sorge zu treffenden Entscheidungen in einem überschaubaren Bereich bewegen. Das Besuchs- und Ferienrecht des Va- ters ist wie dargelegt gerichtlich festgelegt worden. Derzeit bestehen wohl unbe- strittenermassen noch Probleme bei der Umsetzung dieses Rechts, was sich ins- besondere anhand des Vorfalls vom 4. April 2015 zeigt, als die Übergabe von A._____ nicht durch die Begleitperson vorgenommen werden konnte, sondern durch die Mutter erfolgte und sich die Eltern dabei in einen Streit verwickelten und im Nachgang gegenseitig heftige Vorwürfe erhoben (vgl. vorstehend Sachverhalt I.). Nichtsdestotrotz darf davon ausgegangen werden, dass sich diese Konfliktsi- tuation mit zunehmendem Alter von A._____ und mithilfe von professioneller Un- terstützung mildern wird. Gerade die seitens der KESB in die Wege geleitete inter- ventionsorientierte Begutachtung bietet eine Chance für die Eltern, ihre Differen- zen anzugehen und auszuräumen. Denn bei einem solchen Begutachtungspro- zess werden sie ebenfalls eingebunden, zumal Diagnostik, Beratung und Interven- tion im Sinne eines mediativen Vorgehens miteinander verknüpft werden. Es han- delt sich um eine Art Kombination von Begutachtung und Pflichtmediation. Ziel des interventionsorientierten Gutachtens ist die Erarbeitung eines kindesorientierten Konsenses zwischen den relevanten Akteuren im Familiensystem unter Einbezie- hung des Kindes. Ein interventionsorientiertes Gutachten eignet sich gerade bei ausgesprochen hartnäckigen Besuchs- oder Sorgerechtsstreitigkeiten, sowie auch in Fällen, in welchen bereits verschiedene Strategien erfolglos waren (vgl. Liselot- te Staub, Interventionsorientierte Gutachten als Handlungsalternative bei hochkon- fliktigen Trennungs-/Scheidungsfamilien, in: ZKE 1/2010, S. 37 f. und S. 46; Daniel Rosch, Bedeutung und Standards von sozialarbeiterischen Gutachten bzw. gut-Seite 33 — 43 achtlichen Stellungnahmen in kindes[schutz]rechtlichen Verfahren, in: AJP 2/2012, S. 178 f.). Ferner weist der Beschwerdegegner zu Recht darauf hin, dass es stos- send erscheinen würde, wenn durch eine konsequente Kooperationsverweigerung in Bezug auf die Ausübung des persönlichen Verkehrs die Alleinsorge erzwungen werden könnte. Gerade wenn ein Elternteil den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil boykottiert, gilt es sorgfältig zu prüfen, ob der Entscheid über die elterli- che Sorge dadurch nicht in die Hände des kooperationsunwilligen Elternteils ge- legt und die Verweigerungshaltung letztlich „belohnt“ wird (Wilhelm Felder/Heinz Hausheer/Regina E. Aebi-Müller/Erica Desch, a.a.O., S. 899). Da das Kantonsge- richt im vorliegenden Fall nach eingehender Prüfung zum Schluss gelangt, dass das Kindeswohl durch die alleinige Sorge der Mutter nicht besser gewahrt wird und eine solche auch nicht zur Konfliktentschärfung beiträgt, ist in Bestätigung des Entscheids der KESB Engadin/Südtäler vom 17. Dezember 2014 auf die gemein- same elterliche Sorge zu erkennen. ff) Ergänzend ist anzumerken, dass es der Gesetzgeber abgelehnt hat, ein spezifisches Verfahren für die Lösung von allfälligen Konflikten bei der Ausübung der elterlichen Sorge einzurichten. Ein behördliches oder gerichtliches Eingreifen ist nur möglich, wenn die Uneinigkeit bzw. der Elternkonflikt das Kindeswohl ge- fährdet, womit die Massnahmen des Kindesschutzes nach Art. 307 ff. ZGB zur Verfügung stehen. Als denkbare Massnahmen sind dabei etwa die Anordnung einer Beratung oder Pflichtmediation, die Erteilung einer Weisung, die Einsetzung einer Beistandsperson oder die punktuelle Übertragung der Alleinentscheidungs- befugnis zu nennen. Die Zuteilung der alleinigen elterlichen Sorge fällt erst als ultima ratio in Betracht und wäre im Rahmen eines Abänderungsverfahrens gemäss Art. 298d Abs. 1 ZGB zu verfügen (vgl. Ingeborg Schwenzer/Michelle Cot- tier, a.a.O., N 3g f. zu Art. 301 ZGB; Heinz Hausheer/Thomas Geiser/Regina E. Aebi-Müller, a.a.O., Rz. 17.126 ff.). e) Von den Parteien unbestritten ist, dass im Zusammenhang mit der Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge auch darüber zu befinden ist, welchem Eltern- teil die Erziehungsgutschriften bei der AHV anzurechnen sind (vgl. Art. 29 sexies des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10] und Art. 52fbis Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenen- versicherung [AHVV; SR 831.101]). Die KESB Engadin/Südtäler hat dies in ihrem Entscheid vom 17. Dezember 2014 wohl versehentlich unterlassen. Die Be- schwerdeführerin stellt - für den Fall der Bestätigung der gemeinsamen elterlichen Sorge - den Antrag, dass die Betreuungsgutschriften ausschliesslich ihr zuzuspre- chen seien. Der Beschwerdegegner räumt in seiner Beschwerdeantwort ein, dass Seite 34 — 43 darüber noch ein Entscheid ausstehend sei (vgl. Beschwerdeantwort II. Ziff. 19). Dabei wehrt er sich nicht explizit gegen den Antrag der Mutter um alleinige An- rechnung der Erziehungsgutschriften. Gemäss Art. 52fbis Abs. 2 AHVV rechnet das Gericht oder die Kindesschutzbehörde jenem Elternteil, der das gemeinsame Kind zum überwiegenden Teil betreut, die ganze Erziehungsgutschrift an. Wird das Kind von beiden Eltern zu gleichen Teilen betreut, ist die Gutschrift hälftig aufzutei- len. Es gilt mithin insbesondere zu berücksichtigen, welcher Elternteil seine Er- werbstätigkeit im Hinblick auf die Betreuung des Kindes stärker einschränkt. Demjenigen Elternteil, der voraussichtlich den überwiegenden Teil der Betreu- ungsleistung erbringt, ist die gesamte Erziehungsgutschrift anzurechnen (vgl. Merkblatt Erziehungsgutschriften der AHV, gültig ab 1. Januar 2015, unter < htt- ps://www.ahv-iv.ch/p/1.07.d>; Thomas Geiser, Umsetzung der gemeinsamen el- terlichen Sorge durch die Gerichte, in AJP 8/2015, S. 1106). Angesichts der vor- liegenden Ausgestaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge, bei welcher die Mut- ter die Obhut ausübt und damit die überwiegende Betreuung übernimmt (vgl. vor- stehend E. 3b), ist es ohne Weiteres gerechtfertigt, ihr die Erziehungsgutschriften vollumfänglich zuzusprechen. Der Entscheid der KESB ist somit in diesem Sinne zu ergänzen. 5.a) Im Weiteren werden von der Beschwerdeführerin die Anordnungen der KESB Engadin/Südtäler betreffend die „Festlegung des persönlichen Verkehrs“ vom 29. Januar 2015 angefochten. Wie erwähnt ist über das Besuchsrecht bereits richterlich entschieden worden, so dass es für die KESB - abgesehen von der Vollstreckung des persönlichen Verkehrs - nichts mehr zu regeln gab. Das Kan- tonsgericht bestätigte am 9. Oktober 2012 (ZK1 12 27) den Entscheid des Be- zirksgerichts Maloja vom 14. März 2012, wonach der Vater A._____ jeweils am ersten und dritten Samstag eines jeden Monats von 09.00 Uhr bis 17.00 Uhr sowie jeden Donnerstagnachmittag während mindestens drei Stunden besuchen sowie je eine Woche im Sommer, im Herbst und im Frühling zuzüglich die Tage von Gründonnerstag bis Ostermontag zu sich in die Ferien nehmen darf. Ab dem sechsten Altersjahr von A._____ soll das Besuchsrecht auf das erste und dritte Wochenende jedes Monats von Freitagabend 18.00 Uhr bis Sonntagabend 19.00 Uhr sowie zwei Wochen Ferien im Sommer und je wahlweise eine Woche Ferien im Frühling oder Herbst erweitert werden. Mit Entscheid vom 22. Mai 2014 änderte die KESB Engadin/Südtäler die Besuchsrechtsregelung auf Gesuch der Mutter hin in verschiedenen Punkten ab und schloss Übernachtungen beim Vater explizit aus. Eine von diesem dagegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht am 18. November 2014 teilweise gut (ZK1 14 82/84), hob die von der KESB an-Seite 35 — 43 geordneten Änderungen auf und erkannte, dass die mit Entscheid des Bezirksge- richts Maloja vom 14. März 2012 getroffene und mit Urteil des Kantonsgerichts von Graubünden vom 9. Oktober 2012 bestätigte Besuchsrechtsregelung weiter- hin Gültigkeit behalte. Gleichzeitig brachte das Kantonsgericht zum Ausdruck, dass das Besuchsrecht nicht abrupt, sondern behutsam umzusetzen sei. Dies gel- te insbesondere für das Ferienrecht und die damit verbundenen Übernachtungen beim Vater. So sei etwa eine erste Übernachtung versuchsweise im Rahmen ei- nes Wochenendbesuchs durchzuführen (vgl. E. 4b/cc). Die Beiständin habe die Besuchskontakte zu überwachen, bei der Organisation der Termine mitzuwirken und diese im Streitfall festzulegen. Von einer Begleitung der Besuche sei abzuse- hen; die KESB habe lediglich zu prüfen, ob die Übergaben durch eine Fachperson begleitet werden sollten (vgl. E. 4b/dd). Dieses Urteil ist unangefochten in Rechts- kraft erwachsen. b/aa) Am 29. Januar 2015 hat die KESB Engadin/Südtäler den Eltern von A._____ unter dem Titel „Festlegung des persönlichen Verkehrs“ ein Schreiben mit Anhang zugestellt. Darin nahm sie Bezug auf das rechtskräftige Urteil des Kantonsgerichts vom 18. November 2014, in welchem wie dargelegt auf eine be- hutsame, stufenweise Umsetzung des Besuchsrechts erkannt worden ist. Sodann legte die KESB „gestützt auf die eingangs erwähnten Grundlagen“ ab dem 1. Fe- bruar 2015 einen Zeitplan für die Ausübung des Besuchsrechts und die näheren Modalitäten fest, wobei ab dem 1. April 2015 an den Besuchswochenenden auch Übernachtungen beim Vater vorgesehen wurden. Des Weiteren hielt die Behörde fest, dass die Begleitung der Übergaben ab dem 1. Februar 2015 schrittweise ab- zubauen und darauf spätestens nach Auswertung der ersten gemeinsamen Feri- enwoche, welche im Sommer 2015 stattfinden solle, ganz zu verzichten sei. Ab dem 1. September 2015 seien die Termine sodann von der Beistandsperson halb- jährlich (Periode A, dauernd vom 1. März bis 31. August, und Periode B, dauernd vom 1. September bis zum 28. Februar) verbindlich festzulegen, wobei die Eltern jeweils in die Terminplanung einbezogen und ihnen die Terminvorschläge zur Stel- lungnahme zugestellt würden. bb) Hiergegen erhob die Mutter am 9. Februar 2015 Beschwerde an das Kan- tonsgericht und beantragte die Nichtigerklärung, eventualiter die Aufhebung der Anordnungen der KESB und ersuchte insbesondere um Beizug der kjp Graubün- den für die Umsetzung des Besuchsrechts (vgl. vorstehend Sachverhalt H.2.). In der Begründung wird ausgeführt, die Anordnungen der KESB gingen weit über reine Vollstreckungsmassnahmen gemäss Art. 450g ZGB hinaus. Zudem seien sie unter qualifizierter Verletzung des rechtlichen Gehörs zustande gekommen. Es sei Seite 36 — 43 unverständlich, dass die KESB „im stillen Kämmerlein“ Besuchsmodalitäten defi- niere, die sich teilweise nicht an die gerichtlich festgesetzten Rahmenbedingungen des persönlichen Verkehrs halten würden, ohne dass den Eltern überhaupt die Möglichkeit eingeräumt worden sei, sich hierzu vorgängig sachbezogen zu äus- sern. Der KESB sei überdies eine schwerwiegende Verletzung der Untersu- chungspflicht vorzuwerfen, da sie vor dem Hintergrund des Schreibens der kjp Graubünden vom 27. Januar 2015 keine Erkundigungen und Empfehlungen bei den Ärzten der kjp eingeholt habe. Der Entscheid der KESB sei daher bereits aus verfahrensrechtlichen Gründen aufzuheben. Im Weiteren wird zum Ausdruck ge- bracht, A._____ sei mit einer Besuchsrechtsumsetzung, wie sie von der KESB festgelegt worden sei, überfordert. Die KESB habe dem Beschwerdegegner mit Wirkung ab dem 1. April 2015 und damit bevor A._____ das sechste Altersjahr erreicht habe dauerhaft ein erweitertes Besuchsrecht mit Übernachtungen ein- geräumt, was einen Eingriff in die rechtskräftige gerichtliche Beurteilung darstelle. Gleichermassen verhalte es sich mit der Ausweitung des Besuchsrechts auf die Osterfeiertage, welche dem Vater gemäss richterlichem Entscheid auch erst ab dem sechsten Altersjahr zustehe. Der Beschwerdegegner hält demgegenüber fest, dass die KESB Engadin/Südtäler lediglich das von den Gerichten festgelegte Besuchs- und Ferienrecht konkretisiert und keine Ausweitung desselben vorge- nommen habe. cc) Wie dargelegt (vgl. vorstehend E. 2b) vollstreckt die Erwachsenenschutz- behörde bzw. - aufgrund der Verweisung in Art. 314 Abs. 1 ZGB - die Kindes- schutzbehörde gemäss Art. 450g ZGB Entscheide auf Antrag oder von Amtes we- gen und ordnet mit einer Vollstreckungsverfügung die erforderlichen Massnahmen an. Dem von der KESB Engadin/Südtäler aufgesetzten Schreiben mit vollstre- ckungsrechtlichem Inhalt vom 29. Januar 2015 fehlen formell wichtige Elemente einer Verfügung. Zum einen geht daraus nicht hervor, in welcher Komposition sie erlassen wurde. Zum anderen ist nur das Begleitschreiben, nicht aber die Verfü- gung selbst unterzeichnet und es mangelt an einer Rechtsmittelbelehrung. Dass die Anordnung nicht als Verfügung bezeichnet und mit keiner Rechtsmittelbeleh- rung versehen worden ist, ist letztlich unbeachtlich, da die Beschwerdeführerin offensichtlich ungeachtet dessen in der Lage war, das gerichtliche Verfahren zur Überprüfung der Vollstreckungsmassnahmen einzuleiten. Die Vorinstanz ist in- dessen darauf hinzuweisen, dass solche Anordnungen künftig in Form einer Ver- fügung sowie in ordentlicher Besetzung (vgl. dazu sogleich E. 5b/dd) zu erlassen sind.Seite 37 — 43 dd) Die Beschwerdeführerin moniert, dass die Vollstreckungsmassnahmen un- ter Verletzung ihres rechtlichen Gehörs angeordnet worden seien. Gemäss herr- schender Lehre ist den von der Vollstreckung betroffenen Personen vor Erlass der Verfügung das rechtliche Gehör zu gewähren, wobei Art. 446 - 449b ZGB sowie - gestützt auf Art. 450f ZGB, soweit die Kantone nichts anderes vorsehen - sinn- gemäss die Bestimmungen von Art. 335 ff. ZPO anwendbar sind (Kurt Affolter, a.a.O., N 61 zu Art. 450g ZGB; Daniel Steck, FamKommentar, a.a.O., N 8 zu Art. 450g ZGB; derselbe, Erwachsenenschutzrecht, a.a.O., N 3g zu Art. 450g ZGB). Den Parteien ist somit eine Frist zur Stellungnahme zu den geplanten Voll- streckungsmassnahmen anzusetzen und allenfalls sind sie zur Behördensitzung vorzuladen. Vorliegend hat die KESB Engadin/Südtäler die Parteien per E-Mail vom 15. Januar 2015 um Vereinbarung eines Termins gebeten, insbesondere um die Festlegung des persönlichen Verkehrs zu besprechen (vgl. ZK1 15 19 act. B.9). Die Beschwerdeführerin gibt selbst an, dass sie am 27. Januar 2015 von der KESB empfangen worden sei, doch eine eigentliche Anhörung habe nicht stattgefunden und es sei auch kein Protokoll angefertigt worden. Vielmehr sei ihr nebst dem Verlaufsbericht der KJBE vom 12. Januar 2015 ein vom 27. Januar 2015 datiertes Dokument über die Festlegung des persönlichen Verkehrs, welches den Parteien in der Folge unverändert zugestellt und von der Beschwerdeführerin alsdann angefochten wurde, ausgehändigt worden. Der Beschwerdegegner sei- nerseits erklärt, dass die Eltern hinsichtlich der Besuchsrechtsfestlegung persön- lich informiert und angehört worden seien, ohne jedoch nähere Angaben dazu zu machen. Auch wenn es wünschenswert gewesen wäre, dass die KESB die Eltern anlässlich einer Behördensitzung zu den geplanten Besuchsrechtsfestlegungen im Sinne von Art. 447 Abs. 1 ZGB angehört bzw. - zur Dokumentation und Überprüf- barkeit - darüber ein Protokoll erstellt hätte, kann nicht gesagt werden, dass die Parteien vollends übergangen worden sind. Es hat zumindest, wie die Beschwer- deführerin selbst einräumt, vorgängig ein informatives Gespräch stattgefunden (vgl. ZK1 15 19 act. B.15) und den Eltern ist gemäss Schreiben vom 29. Januar 2015 die Möglichkeit gewährt worden, zu den Anordnungen bis am 13. Februar 2015 Stellung zu nehmen. Ob die KESB das rechtliche Gehör der Eltern betref- fend die Festlegung der Besuchskontakte in hinreichender Weise gewahrt hat, kann indessen offen gelassen werden, da sich die Anordnungen aus dem nachfol- genden Grund ohnehin als mangelhaft erweisen. Wie die Beschwerdeführerin zu- treffend geltend macht, ist aus der angefochtenen Verfügung nicht ersichtlich, in welcher Besetzung sie erlassen worden ist. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass vorliegend keine Ausnahme von der Kollegialzuständigkeit bestehe und die Verfahrensleitung daher nicht in Einzelkompetenz über eine Aus-Seite 38 — 43 dehnung des Besuchsrechts befinden dürfe. Gemäss Art. 440 Abs. 2 ZGB hat die KESB ihre Entscheide mit mindestens drei Mitgliedern zu fällen, wobei die Kanto- ne für bestimmte Geschäfte Ausnahmen vorsehen können. Der Kanton Graubün- den hat von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und in Art. 59b und Art. 59c EGzZGB gewisse Geschäfte des Kindes- und Erwachsenenschutzes an das in- struierende Behördenmitglied delegiert und damit dessen Einzelzuständigkeit zu- gewiesen. Die Anordnung von Vollstreckungsmassnahmen gemäss Art. 450g ZGB fällt aber nicht darunter, womit hierfür die ordentliche Dreierbesetzung gilt. Das Begleitschreiben der KESB vom 29. Januar 2015 zur Festlegung des persönlichen Verkehrs wurde vom Leiter der KESB, K._____, und vom KESB Mitglied L._____ unterzeichnet, während die Verfügung selbst nicht unterzeichnet ist. Weder aus diesem Schreiben noch aus der Verfügung geht hervor, dass die KESB die ent- sprechenden Vollstreckungsmassnahmen als Kollegialbehörde erlassen hätte. Mangels Wahrung der Zuständigkeitsordnung sind die Festlegungen des persönli- chen Verkehrs - soweit sie sich aus zeitlicher Sicht nicht ohnehin bereits als ge- genstandslos erweisen - mithin aufzuheben und die Angelegenheit wird für die zukünftige Festlegung des persönlichen Verkehrs mit der Aufforderung zur Einhal- tung der Verfahrensbestimmungen, insbesondere des Art. 440 Abs. 2 sowie Art. 447 Abs. 1 ZGB, an die Vorinstanz zurückgewiesen. Die Beschwerdeführerin dringt somit mit ihrem Eventualantrag, wonach die angefochtene Verfügung auf- zuheben und zur Neufestsetzung des persönlichen Verkehrs an die KESB zurück- zuweisen ist, durch. c) Die Parteien haben sich in ihren Rechtsschriften im Übrigen auch in materi- eller Hinsicht ausführlich mit den Vollstreckungsanordnungen befasst. Um allfällige weitere Beschwerden zu vermeiden, rechtfertigen sich daher einige grundsätzliche Ausführungen zu den Besuchsrechtsfestlegungen der KESB Engadin/Südtäler. Es versteht sich von selbst, dass der Sachentscheid im Rahmen des Vollstreckungs- verfahrens nicht mehr anfechtbar und dementsprechend auch nicht überprüfbar ist (Kurt Affolter, a.a.O., N 62 sowie N 66 zu Art. 450g ZGB mit Verweis auf BGE 120 Ia 369 E. 2 und 107 II 301 E. 7). Der zu vollstreckende Entscheid darf auch nicht etwa indirekt materiell überprüft werden, indem die Vollstreckung auf Dauer ver- weigert wird. Allerdings kann es sich unter Umständen rechtfertigen, eine Vollstre- ckungsverfügung im Interesse des Kindeswohls mit Auflagen oder Bedingungen zu versehen, welche ausnahmsweise einer materiellen Änderung des Sachent- scheids gleichkommen können, jedoch nur in inhaltlich und zeitlich beschränktem Umfang. Bei einer dauerhaften Änderung der Besuchsrechtsordnung muss hinge- gen der Sachrichter neu entscheiden (Urteile des Bundesgerichts 5A_288/2008 Seite 39 — 43 vom 22. August 2008 E. 3 sowie 5A_547/2007 vom 19. Dezember 2007 E. 5.1 f.). Nach dem Gesagten bleibt es den Parteien jedenfalls verwehrt, mit der Anfech- tung der Vollstreckungsanordnungen den Inhalt des rechtskräftigen Sachent- scheids in Frage zu stellen, weshalb auf entsprechende Vorbringen nicht einzutre- ten wäre. Angefochten werden können indessen Massnahmen der KESB, welche sie unter Berücksichtigung des durch das Sachurteil gesetzten Rahmens, aber unter Betätigung eigenen Ermessens erlässt. Diesfalls kann eine allfällige Ermes- sensüberschreitung gerügt werden. Ein Beschwerdegrund lässt sich auch darin erblicken, wenn die KESB mit ihren Vollstreckungsanordnungen den vom Sach- richter vorgegebenen Rahmen verlassen sollte. Im vorliegenden Fall hat das Kan- tonsgericht mit Entscheid vom 18. November 2014 die Besuchs- und Ferienrechts- regelung des Bezirksgerichtsurteils vom 14. März 2012 bzw. des Kantonsgerichts- entscheids vom 9. Oktober 2012 bestätigt. Gleichzeitig wurde in den Erwägungen aber festgehalten, dass die Umsetzung des Besuchsrechts behutsam unter einem schrittweisen Ausbau zu erfolgen habe (vgl. Entscheid der I. Zivilkammer ZK1 14 82/84 E. 4b/cc). Die KESB Engadin/Südtäler hat die diesbezüglichen Erwägungen grösstenteils in ihren Anordnungen vom 29. Januar 2015 wiedergegeben und da- mit den Rahmen der Vollstreckungsverfügung richtig abgesteckt. Eine allfällige Uneinigkeit bei der Festlegung der Termine für die Besuchswochenenden kann durch vorherige Absprache bzw. Stellungnahmen der Parteien vermieden werden, wie dies die KESB unter dem Titel „Termine“ für die durch die Beiständin vorzu- nehmenden Terminabsprachen vorgesehen hat. Nicht zu beanstanden ist des Weiteren, dass die KESB allmählich auch Besuchswochenenden mit Übernach- tung einplant. Dies hat entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nichts mit einer vorzeitigen Umsetzung der Besuchsrechtsregelung ab dem sechsten Altersjahr von A._____ zu tun, zumal sowohl bereits das Bezirksgericht Maloja in seinem Entscheid vom 14. März 2012 als auch das Kantonsgericht im Urteil vom 9. Oktober 2012 zum Ausdruck brachten, dass A._____ darauf hinzuführen sei, über Nacht bei ihrem Vater zu bleiben, und Übernachtungen im Rahmen von Wochenendbesuchen so bald als möglich und nicht erst im Alter von sechs Jahren in die Wege geleitet werden sollen (vgl. Entscheid des Bezirksgerichts Maloja E. 2c sowie Urteil der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden ZK1 12 27 E. 3c/aa). In Anbetracht, dass A._____ am 29. November 2015 das fünfte Al- tersjahr erfüllt hat - nunmehr somit im sechsten Altersjahr steht - und unterdessen Tagesbesuche von rund acht Stunden stattfinden können, stellen Übernachtungen den nächsten Schritt dar. Zudem dient dies auch dazu, die Ausübung des Ferien- rechts vorzubereiten, welches Übernachtungen beim Vater beinhaltet (vgl. Ent- scheid der I. Zivilkammer der Kantonsgerichts von Graubünden ZK1 14 82/84 vom Seite 40 — 43 18. November 2014 E. 4b/cc). Dass der Vater auch die Osterfeiertage von Grün- donnerstag bis Ostermontag mit seiner Tochter verbringen darf, ergibt sich aus dem Beschluss der Vormundschaftsbehörde Z._____ vom 12. September 2011 in Verbindung mit dem Entscheid des Bezirksgerichts Maloja vom 14. März 2012 und dem Urteil des Kantonsgerichts vom 9. Oktober 2012. Dies gilt bereits, bevor A._____ das sechste Altersjahr erfüllt hat (vgl. Ziff. 1 des Beschlusses der Vor- mundschaftsbehörde der Kreise Z._____ vom 12. September 2011 und Disposi- tivziffer 3 des Entscheids des Bezirksgerichts Maloja vom 14. März 2012). Bean- tragt wird von der Beschwerdeführerin sodann wiederholt, dass die Vollstre- ckungsanordnungen entsprechend den Empfehlungen bzw. unter Einbezug der kjp Graubünden zu erlassen seien. Das Kantonsgericht hat es in seinem Ent- scheid vom 18. November 2014 ins Ermessen der KESB gestellt, ob die Unter- stützung durch die Beiständin ausreicht, um die Ausübung der Besuchskontakte an den gerichtlich festgelegten Rahmen heranzuführen, oder ob hierzu weitere Massnahmen, wie etwa die Durchführung eines interventionsorientierten Gutach- tens, notwendig erscheinen (vgl. E. 4d). Die KESB hat vorerst auf die Durch- führung eines solchen Gutachtens verzichtet und wollte offenbar abwarten, ob die Unterstützung durch die Beistandsperson bei der Organisation der Besuchstermi- ne und jene der KJBE bei den Übergaben bzw. Übernahmen von A._____ ausrei- chende Massnahmen darstellen, was grundsätzlich nicht beanstandet werden kann. Gemäss dem Schreiben der KESB an die Rechtsvertreter der Parteien vom 21. Oktober 2015 soll nunmehr eine interventionsorientierte Begutachtung bei lic. phil. I._____ von der kjp Graubünden veranlasst werden (vgl. ZK1 15 19 act. D.27.1). Damit sind die entsprechende Anträge der Beschwerdeführerin als obsolet zu betrachten. 6. Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Beschwerde im Verfahren ZK1 15 11 abzuweisen und der Entscheid der KESB Engadin/Südtäler vom 17. Dezember 2014 betreffend die Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge zu bestätigen ist. Da durch die Beibehaltung der alleinigen Sorge der Mutter der Dauerkonflikt um das Besuchsrecht nicht ausgeräumt und das Kindeswohl da- durch nicht besser gewahrt werden kann, rechtfertigt es sich nach Auffassung des Kantonsgerichts im vorliegenden Fall nicht, von der gesetzgeberischen Grundkon- zeption der gemeinsamen elterlichen Sorge abzuweichen. Der Entscheid der KESB ist einzig in Bezug auf die Erziehungsgutschriften zu ergänzen. Die Be- schwerde im Verfahren ZK1 15 19 ist dagegen aufgrund des prozessualen Man- gels, welcher der Vollstreckungsverfügung vom 29. Januar 2015 anhaftet, gutzu-Seite 41 — 43 heissen und zum Erlass einer neuen Anordnung an die KESB Engadin/Südtäler zurückzuweisen. 7. Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Die vorinstanzliche Kos- tenregelung, insbesondere die gestützt auf Art. 63 Abs. 2 EGzZGB vorgenomme- ne hälftige Kostenverteilung zwischen den Parteien im Verfahren betreffend die elterliche Sorge, ist ohne Weiteres so zu belassen. Die Kosten der beiden Be- schwerdeverfahren werden vorliegend auf insgesamt CHF 5'000.-- festgesetzt, wobei in Anbetracht des Aufwands 3/4 (CHF 3'750.--) auf das Beschwerdeverfah- ren ZK1 15 11 betreffend die gemeinsame elterliche Sorge und 1/4 (CHF 1'250.--) auf das Beschwerdeverfahren ZK1 15 19 betreffend die Vollstreckung des persön- lichen Verkehrs entfallen. In Bezug auf die Grundsätze der Kostenauflage im kin- desschutzrechtlichen Beschwerdeverfahren verweist Art. 60 Abs. 2 EGzZGB auf die Bestimmungen der Schweizerischen ZPO. Gestützt auf Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten für das Verfahren ZK1 15 11 damit der Beschwerdefüh- rerin auferlegt, welche mit ihren Anträgen zur Hauptsache - der Eventualantrag auf Ergänzung des Entscheids hinsichtlich der AHV-Erziehungsgutschriften, mit wel- chem die Beschwerdeführerin durchzudringen vermochte, fällt dabei aufgrund des verursachten, geringfügigen Aufwands nicht massgeblich ins Gewicht - unterlegen ist. Mangels Einreichung einer Honorarnote wird die Parteientschädigung des Be- schwerdegegners nach richterlichem Ermessen festgesetzt (vgl. Art. 105 Abs. 2 ZPO und Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten [Honorarverordnung, HV; BR 310.250]). Vorliegend erscheint angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen so- wie unter Berücksichtigung der eingereichten Rechtsschriften für das Beschwer- deverfahren ZK1 15 11 eine aussergerichtliche Entschädigung von gesamthaft CHF 2'000.-- (inkl. Barauslagen und MwSt.) als angemessen. Im Beschwerdever- fahren ZK1 15 19 muss die angefochtene Verfügung der KESB Engadin/Südtäler vom 29. Januar 2015 aufgrund eines Zuständigkeitsfehlers aufgehoben werden, weshalb es ungerechtfertigt wäre, die Kosten den Parteien anzulasten. Die Ge- richtskosten von CHF 1'250.-- gehen mithin zu Lasten des Kantons Graubünden, welcher die Beschwerdeführerin für den notwendigen Aufwand (vgl. Art. 96 ZPO in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 EGzZPO und Art. 2 Abs. 2 Ziff. 2 HV) aussergericht- lich ermessensweise mit CHF 1'500.-- (inkl. Barauslagen und MwSt.) zu entschä- digen hat (vgl. zur Parteientschädigungspflicht des Staats in kindes- und erwach- senenschutzrechtlichen Verfahren Entscheid des Einzelrichters in Zivilsachen des Kantonsgerichts von Graubünden ERZ 14 340 vom 14. Januar 2015 E. 9). Dem Seite 42 — 43 Beschwerdegegner ist indessen keine Entschädigung zu Lasten des Kantons zu- zusprechen, zumal er mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen ist.Seite 43 — 43 III. Demnach wird erkannt: 1. Die Beschwerde im Verfahren ZK1 15 11 wird abgewiesen. 2. Der Entscheid der KESB Engadin/Südtäler vom 17. Dezember 2014 wird dahingehend ergänzt, dass die Erziehungsgutschriften gemäss AHVG voll- umfänglich der Mutter X._____ angerechnet werden. 3. Die Beschwerde im Verfahren ZK1 15 19 wird gutgeheissen, die angefoch- tenen Anordnungen vom 29. Januar 2015 werden aufgehoben und die Sa- che wird im Sinne der Erwägungen zur neuen Entscheidung an die KESB Engadin/Südtäler zurückgewiesen. 4.a) Die Kosten der beiden Beschwerdeverfahren (ZK1 15 11/19) von insgesamt CHF 5'000.-- gehen zu 3/4 (CHF 3'750.--) zu Lasten der Beschwerdeführe- rin. Dieser Kostenanteil wird ab den von der Beschwerdeführerin bezahlten Kostenvorschüssen bezogen. Der Restbetrag von CHF 1'250.-- wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids durch das Kantonsgericht erstattet. Der Anteil von 1/4 (CHF 1'250.--) verbleibt beim Kanton Graubünden. b) Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das Verfahren ZK1 15 11 mit CHF 2'000.-- (inkl. Barauslagen und MwSt.) aussergerichtlich zu entschädigen. c) Der Kanton Graubünden hat die Beschwerdeführerin für das Verfahren ZK1 15 19 mit CHF 1'500.-- (inkl. Barauslagen und MwSt.) aussergerichtlich zu entschädigen. 5. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 72 BGG Beschwerde in Zivil- sachen an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und Art. 90 ff. BGG. 6. Mitteilung an:Kantonsgericht von Graubünden Dretgira chantunala dal Grischun Tribunale cantonale dei Grigioni