B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-750/2013 U r t e i l v o m 11 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Gian- nakitsas, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiber Tobias Grasdorf. Parteien A._______, geboren (…), Serbien, vertreten durch Marc Spescha, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl); Verfügung des BFM vom 14. Januar 2013 / N (…). E-750/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein serbischer Staatsangehöriger und Ange- höriger der Ethnie der "Ägypter" , gelangte am (…) 1991 im Alter von (…) im Kreise s einer Familie in di e Schweiz. Das Asylgesuch vom gleichen Tag wurde vom damaligen Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute BFM) mit Verfügung vom 2. Juni 1992 abgewiesen und die Familie aus der Schweiz weggewiesen. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwe r- de wurde mit Urteil der damaligen Schweizerischen Asylrekurskommissi- on (ARK) vom 7. Juli 1995 abgewiesen. A.b Am 16. Mai 2000 wurde der Beschwerdeführer zusammen mit seiner Familie vom BFF gestützt auf die sog. "Humanitäre Aktion 2000" (HUMAK 2000) vorläufig aufgenommen. A.c Mit Verfügung vom 20. März 2002 wies das BFF ein zweites Asylge- such vom 5. November 1999 ab, stellte fest, dass die Familienmitglieder die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten , und wies sie aus der Schweiz weg. Zufolge der bereits verfügten vorläufigen Aufnahme prüfte das BFM die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs nicht mehr. B. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2007 an den Beschwerdeführer stellte das BFM unter Bezugnahme auf umfangreiche Polizeiakten fest, dieser habe in jüngerer Zeit mehrfach un d wied erholt zu Klagen Anlass gegeben . Deshalb erwog das Bundesamt, seine vorläufige Aufnahme aufzuheben , und gab ihm Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Nach Eingang der Ste l- lungnahme teilte das BFM ihm am 5. Dezember 2007 mit, es erachte die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme im Moment als nicht gerechtfertigt. Im Falle einer neuerlichen Delinquenz behalte es sich jedoch vor, eine Aufhebung erneut zu prüfen. C. C.a Am 5. November 2012 schrieb das BFM dem Beschwerdeführer, es erwäge, seine vorläufige Aufnahme wegen verschiedener strafrechtlicher Verurteilungen aufzuheben, und gab ihm Gelegenheit zur Stellungnahme. C.b Mit Schreiben vom 19. November 2012 führte der Beschwerdeführer aus, er wohne in der Schweiz seit er (…) sei, habe hier die Schule b e- sucht und eine Ausbildung gemacht. Er kenne nichts andere s als die Schweiz und sei nie wi eder in Serbien oder in Kosovo gewesen. Auch E-750/2013 Seite 3 seine ganze Familie wohne in der Schweiz. Als Albaner der ägyptischen Minderheit sei er gleichermassen für Serben und für Kosovaren ein Feindbild. Zudem habe er familiäre Verpflichtungen seiner Mutter gege n- über, die gesundheitlich angeschlagen sei. C.c Mit Verfügung vom 14. Januar 2013 hob das BFM die vorläufige Aufna h- me des Beschwerdeführers auf und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. D. D.a Mit Eingabe vom 13. Februar 2013 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Ver- fügung sei aufzuheben und es sei ihm die vorläufige Aufnahme zu belas- sen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung und um unentgeltliche Rechtsverbeiständung. D.b Am 12. April 2013 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und lehnte das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab. Gleichzeitig forderte es den Beschwerdeführer auf, dem Gericht einen aktuellen Strafregister- auszug, die gegen ihn ergangenen Urteile sowie einen Therapiebericht einzureichen. D.c Am 22. April 2013 teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit, die Strafanstalt B._______, wo sich Letzterer zur Zeit befinde, habe ihn informiert, dass er keinen Therapiebericht bestellen könne, sondern dass ein solcher vom Gericht angefordert werden müsse . Er reichte a m 22. Mai 2013 einen aktuellen Strafregisterauszug und die geforderten U r- teile ein und machte weitere Ausführungen zur Situation des Beschwe r- deführers. D.d Das Gericht ersuchte die Strafanstalt B._______ am 16. September 2013, einen Therapiebericht der den Beschwerdeführer behandelnden Therapeutin einzureichen. Am 25. September 2013 kam die Strafanstalt diesem Ersuchen nach. Am 21. Oktober 2013 nahm der Beschwerdefü h- rer dazu Stellung. D.e Am 25. Oktober 2013 lud das Gericht das BFM zur Vernehmlassung ein. Dieses nahm am 11. November 2013 Stellung zur Beschwerde. Die Replik des Beschwerdeführer datiert vom 16. Dezember 2013. E-750/2013 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundes gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM g e- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichtes. Es ist keine Ausnahme betreffend das Sachgebiet gegeben (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Ausländerrechts betreffend die vorläufige Aufnahme endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Soweit sich die angefochtene Verfügung mittelbar auch auf Anor d- nungen des BFF im Zusammenhang mit der HUMAK 2000 bezieht, ist auf die ARK-Rechtsprechung hinzuweisen, die ihre diesbezügliche Zustän- digkeit in einem Grundsatzurteil (Entscheide und Mitteilungen der Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 1 E. 1b) begründet hat. Diese Praxis ist auch in Bezug auf die Zuständigkeit des Bundesve r- waltungsgerichts zur Beurteilung des vorliegenden Falles gültig. 1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legiti miert (Art. 112 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländ e- rinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20] i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 49 VwVG). 3. 3.1 Mit der Verfügung vom 2. Juni 1992, die mit Urteil der ARK vom 7. Juli 1995 in Rechtskraft erwuchs, wurde der Beschwerdeführer aus der Schweiz weggewiesen (Art. 44 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ). Am 16. Mai 2000 wurde in Anwendung des E-750/2013 Seite 5 Bundesratsbeschlusses vom 1. März 2000 betreffend die sog. HUMAK 2000 der Vollzug der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme ausgesetzt. Gegen die Aufhebung dieser vorläufigen Aufnahme durch Verfügung des Bundesamtes vom 14. Januar 2014 richtet sich die vorli e- gende Beschwerde. Die gesetzliche Gru ndlage der HUMAK 2000 ist w e- der Art. 44 Abs. Abs. 2 AsylG noch der ehemalige Art. 44 Abs. 3 alt AsylG, sondern Art. 56 Abs. 1 und Art. 66 Abs. 1 AsylG (vgl. EMARK 2002 Nr. 1 E. 1d und EMARK 2001 Nr. 20). Daraus ergibt sich, dass der im Rahmen der HUMAK 200 0 angeordneten vorläufigen Aufnahme – die gewissermassen eine Kategorie sui generis bildet – auch keine ausdrücklichen gesetzlichen Aufhebungsgründe z u- geordnet sind (gemäss geltendem Recht) beziehungsweise waren (so- weit hier auf das ehemalige Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Auf- enthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAG, BS 1 121] Bezug zu nehmen ist). Gleichzeitig ist aber auszuschliessen, dass nach dem Willen des Gesetzgebers eine gestützt auf die besondere Bundesratskompetenz gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 66 Abs. 1 AsylG angeordnete vorläufige Aufnahme nicht aufgehoben werden kann, würde dies doch eine in keiner Art und Weise zu rechtfertigende Ungleichbehandlung , nämlich eine B e- vorzugung gegenüber den anderen Kategorien , bedeuten. Deshalb ist von einer analogen Anwendbarkeit der gesetzlich vorgegebenen Aufh e- bungsgründe (früher des ANAG, heute des AuG) auszugehen. 3.2 Die am 1. Januar 2008 in Kraft getretene übergangsrechtliche B e- stimmung von Art. 126 a Abs. 4 AuG sieht vor, dass für Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung des AsylG vom 16. Dezember 2005 und des AuG den Ersatzstatus der vorläufigen Aufnahme besassen, das neue Recht gilt. Diese spezielle Regel geht der allgemeinen Regel von Art. 126 Abs. 1 AuG vor. Für die Frage der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme ist vorliegend somit Art. 84 Abs. 1–3 AuG anwendbar. 4. 4.1 Das BFM begründet die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme in der angefochtenen Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer sowohl den Aufhebungsgrund von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG (strafrechtliche Verurtei- lung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe), als auch denjenigen von Bst. b des gleichen Artikels (erheblicher und wiederholter Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz ) erfüllt. Be züglich der Verhältnismässigkeit einer Aufhebung der vorläufigen Aufnahme führt das Bundesamt aus, der Beschwerdeführer sei seit dem Jahr 2000 bis E-750/2013 Seite 6 Ende 2010 wiederholt mit dem Strafgesetz in Konflikt geraten. Da das [Gericht C._______ in Kanton E._______] in seinem Urteil vom (…) 2011 zum Schluss gekommen sei, dem Beschwerdeführer könne keine beso n- ders günstige Prognose gestellt werden, bestehe ein grosses öffentliches Interesse am Vollzug der Wegweisung. Obwohl der Beschwerdeführer praktisch sein ganzes Leben in der Schweiz verbracht habe, habe er sich in der Schweiz sozial nicht entscheidend zu integrieren vermocht. Die Beziehungen zu seinen Familienangehörigen in der Schweiz schienen nicht sehr eng zu sein und auch sonst seien keine sozialen Banden a k- tenkundig. Der B eschwerdeführer habe die Realschule ohne Abschluss verlassen und anschliessend als (…) gearbeitet. Im Jahr 2005 habe er eine Lehre (…) gemacht, danach sei er jedoch wieder längere Zeit ohne Anstellung gewesen. Dass er heute – gemeint ist der Zeitpunkt der ange- fochtenen Verfügung: 14. Januar 2013 – über eine Anstellung in einer (…)firma verfüge, sei zwar positiv zu werten, vermöge das insgesamt n e- gative Bild jedoch nicht wesentlich zu ändern. Seine Berufserfahrung in der Schweiz werde ihm zudem in seinem Hei matland nützlich sein. Seine ursprüngliche Muttersprache dürfte ihm kaum gänzlich fremd sein, wes- halb es ihm zuzumuten sei, sich die allenfalls verloren gegangene Sprachkompetenz wieder anzueignen. Die ambulante medizinische Ve r- sorgung von (…)-Patienten sollte schliesslich auch in Serbien gewährleis- tet sein. Damit überwiege das öffentliche Interesse an einer Aufhebung der vorläufigen Aufnahme die entgegenstehenden privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz. Deshalb sei die Aufhebung der vorläuf i- gen Aufnahme verhältnismässig. Der Vollzug sei auch als zulässig zu e r- achten, da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und keine Anhaltspunkte für eine Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen rechte und Grun d- freiheiten (EMRK, SR 0.101) und Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) vorlägen. 4.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in der Beschwerdeschrift, die Auf- hebung der vorläufigen Aufnahme sei nicht verhältnismässig. Er sei ein Angehöriger der zweiten Ausländergeneration, sei mit (…) Jahren in die Schweiz eingereist und seither – seit 22 ½ Jahren – nie mehr im U r- sprungsland seiner Eltern gewesen. Seine Muttersprache Albanisch ve r- stehe er nur passiv und höchst notdürftig; Serbisch, die Sprache seines Vaters spreche er gar nicht. Als Angehöriger der ägyptischen Minderheit sei er in Serbien verfemt und marginalisiert. Auch habe er in Serbien kei- ne Familienangehörigen. Zu seinen Familienangehörigen in der Schweiz E-750/2013 Seite 7 habe er hingegen sehr enge Beziehungen, so zu seinen getrennt lebe n- den Eltern und insbesondere zu seinen (…) Geschwister, die die Schwei- zer Staatsangehörigkeit besässen. Er könne nach der Verbüssung des Strafvollzugs, in welchem er sich zur Zeit befinde, mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zusammen wohnen. Zudem habe er für die Zeit nach dem Strafvollzug einen Arbeitsvertrag bei m (…)unternehmen (…). Wegen seiner (…) Erkrankung werde er seit 2003 (…) behandelt; es kön- ne nicht damit gerechnet werden, dass er in Serbien die nötige Kontrolle und Betreuung erhielte. Der Beschwerdeführer bringt vor, eine Interessenabwägung gestützt auf Art. 8 Abs. 2 EMRK falle zu seinen Guns ten aus und verweist dabei auf das Urteil Maslov gegen Österreich des Europäischen Gerichtshof s für Menschenrechte (EGMR). So habe er in seinem Herkunftsland überhaupt keine Bezugspersonen mehr, jeglicher Kontakt zu seinem Herkunftsland sei abgebrochen, er gehöre zu einer verfemten ethnischen Minderheit, spreche die örtliche Sprache nicht und sei gesundheitlich angeschlagen. Von Belang sei zudem, dass er vor rund drei Jahren letztmals deliktisch in Erscheinung getreten sei. Die Verurteilung wegen mehrfacher Nötigung und Drohung im Jahr 2012 gehe auf einen Beziehungskonflikt mit seiner damaligen Freundin zurück, von der er sich längst getrennt habe, so dass diesbezüglich keine Rückfallgefahr bestehe. Für eine günstige Lega l- prognose spreche zudem seine Zugängl ichkeit und Öffnung im Strafvol l- zug. Auch seine Betäubungsmittelabhängigkeit habe er weitgehend über - wunden. In der Eingabe vom 22. Mai 2013 ergänzte der Beschwerdeführer, sein einziges soziales Netz, auf das er existenziell angewiesen sei, seien se i- ne Mutter und seine (…) Geschwister. Obwohl ihn dieser soziale Rückhalt bisher nicht von deliktischen Tätigkeiten abgehalten habe, sei absehbar, dass er ohne diese Stütze, auf sich allein gestellt und in einem für ihn völ- lig fremden Land nicht existenzfähig wäre. Es bestehe eine ausserg e- wöhnliche Abhängigkeit von seiner Mutter und seinen Geschwistern, weshalb der Entzug der vorläufigen Aufnahme in den kombinierten Schutzbereich des Privat- und Familienlebens nach Art. 8 EMRK eingrei- fen würde. Deshalb sei der Vollzug der Wegweisung nicht nur unzumu t- bar sondern auch unzulässig. 4.3 Dem Bericht betreffend Verlauf der Suchttherapie, den der den B e- schwerdeführer betreuenden Suchttherapeut der Strafanstalt B._______ beim Bundesverwal tungsgericht einreichte, ist zu entnehmen, dass der E-750/2013 Seite 8 Beschwerdeführer seit April 2013 wöchentliche Sitzungen mit dem Sucht- berater hatte. Er sei bereit, sich auf eine intensive und länger andauernde Suchtbehandlung einzulassen, um seinen Drogenkonsum in den Griff zu bekommen. Er zeige sich in den Gesprächen offen und habe einen guten Zugang zu einer konstruktiven Zusammenarbeit gefunden. Nach läng e- rem Bemühen sei es ihm auch gelungen, auf Drogen zu verzichten. Auch der Versuch einer Deliktaufarbeitung und das Angehen seiner Autoritäts- problematik hätten in der Therapie Platz gefunden. Der Therapeut schätzt den Beschwerdeführer als beziehungsfähig ein, weshalb er mit den delikt- und suchtrelevanten Themen konfrontierbar geworden sei. Ihm sei mit der Zeit bewusst geworden, dass er sein Verhalten ändern müsse, da ihm ansonsten grosse Nachteile entstünden. Im Grunde neige er allerdings dazu, sich zu überschätzen und über seine Grenzen zu gehen. Es falle ihm zudem schwer, sich an die Regeln zu halten und er neige dazu, seine Regelverstösse zu bagatellisieren. 4.4 In seiner Stellungnahme zu d iesem Bericht stellte der Beschwerd e- führer fest, der Verlauf der Urinprobe -Kontrollen bekräftige, dass er auf dem Weg in die vollständige Suchtfreiheit sei. Dass er hierbei auf sac h- kundige Hilfe angewiesen sei, dies aber anerkenne und die Hilfe tatsäc h- lich annehme, belege seine persönliche Wandlung und die Begründetheit einer günstigen Legalprognose. In neueren Urteilen des EGMR komme der Verwurzelung im Aufenthaltsstaat und familiären Bindungen in diesem bei gleichzeitigem Fehlen solcher Bindungen im Herkunftsland eine übe r- ragende Bedeutung bei. Er verweist dazu auf zwei Urteile des EGMR und ein Urteil des Bundesgerichts. Die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme würde zudem angesichts de s prekären Gesundheitszustandes des B e- schwerdeführers gegen Art. 3 EMRK verstossen. 4.5 In seiner Vernehmlassung führte das BFM aus, der Beschwerdeführer habe ausschliesslich im Erwachsenenalter delinquiert. Dies im Gegensatz zur Konstellation im Fall Maslov g egen Österreich. Er verfüge in der Schweiz auch nicht über private Bindungen gesellschaftlicher oder beru f- licher Natur. Die mangelnde soziale Integration zeige sich gerade daran, dass er langjährig und wiederholt delinquiert habe. Seine Eltern seien von Serbien in die Schweiz eingewandert, weswegen davon ausgegangen werden könne, dass sie ihre Kultur, Sitten und Gebräuche nicht vollu m- fänglich abgelegt hätten , und dass der Beschwerdeführer dadurch mit diesen sowie mit der albanischen Sprache vertraut sei. Der Beschwerde- führer habe deshalb und auch dank der in der Schweiz absolvierten E-750/2013 Seite 9 (…)lehre die Möglichkeit, in Serbien oder im Kosovo auch ohne ein dorti- ges Beziehungsnetz Fuss zu fassen. Obwohl der Beschwerdeführer nach dem ersten Verfahren um Aufhebung der vorläufigen Aufnahme im Jahr 2007 gewusst habe, dass im Falle e i- ner neuerlichen Delinquenz die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme drohe, habe er keine Anstalten gemacht, delinquenzfrei zu leben. Entg e- gen seiner Ansicht sei die Legalprognose unter Berücksichtigung des Be- richts der Strafanstalt B._______ ganz und gar nicht positiv. In Serbien und Kosovo würden Personen nicht mehr allein wegen ihrer Zugehöri g- keit zu einer Minderheit verfolgt. Es gebe in Serbien auch neurologische Kliniken, die eine Behandlung von (…)-Patienten anböten. 4.6 In seiner Replik führte der Beschwerdeführer aus, er sei als faktisch gefestigter Anwesender zu beurteilen, da seine Anwesenheit faktisch als Realität hingenommen wurde respektive aus objektiven Gründen hing e- nommen werden musste . Auch bei Ausländern der zweiten Generation seien aufenthaltsbeendende Massnahmen nicht generell ausgeschlo s- sen. Es sei unbestritten, dass er ein hohes öffentliches Interesse an se i- ner Wegweisung begründet habe. Dass er die Taten nicht als Jugendl i- cher, sondern als junger Erwachsener begangen habe, führe nicht zu e i- ner Bagatellisierung derselben, aber doch zu einer Relativierung, weil sie noch als Ausdruck einer retardierten Sozialisation erscheinen würden. Er habe zudem eine sehr schwierige Beziehung zu seinem Vater gehabt, der die Familie im Stich gelassen habe. Es könne auch nicht von einer Ve r- trautheit mit der Kultur, Sitten und Gebräuchen seiner Eltern ausgega n- gen werden. Er spreche zwar etwas Albanisch, könne es hingegen weder lesen noch schreiben . Serbisch spreche er gar nicht. Die Anlehre, die er in der Schweiz gemacht habe, könne ihm zwar hier auf dem Arbeitsmarkt von Nutzen sein. In Serbien sei die Arbeitslosigkeit von jungen Erwac h- senen jedoch bei 50%. Unterdessen seien seit der letzten Tatbegehun g bereits rund vier Jahre vergangen, während denen er sich gut verhalten habe. Es sei ihm auch die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug g e- währt worden, das Amt für Justiz und Gemeinden attestiere ihm grund- sätzlich ein gutes Vollzugsverhalten. Die Legalprognose falle nach dem Amt "nicht ungünstig" aus. Er sei nach seiner bedingten Entlassung am (…) 2013 wieder zu seiner Mutter und einer seiner Schwestern nach D._______ zurückgekehrt. Über die Bewährungshilfe in D._______ werde er weiterhin die Suchtthera pie besuchen und an einem Urinprogramm teilnehmen. Damit seien die no t-E-750/2013 Seite 10 wendigen Massnahmen eingeleitet, um die Delinquenzfreiheit nachhaltig zu sichern und eine baldige gewerbliche Integration zu ermöglichen. 5. Nach Art. 84 Abs. 3 AuG i.V.m. Art. 83 Abs. 7 AuG kann das BFM die vor- läufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Vol l- zugs aufheben, wenn die weggewiesene Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt wurde (Bst. a erster Teilsatz), wenn gegen sie eine strafrechtliche Massnahme i.S. von Art. 64 oder 61 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) angeordnet wurde (Bst. a zweiter Teilsatz) oder wenn sie e r- heblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung i n der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder äussere Sicherheit gefährdet (Bst. b). Die für die Anordnung einer ausländerrechtlichen Massnahme zuständ i- gen Behörden berücksichtigen bei der Ermessensausübung die öffe ntli- chen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer (Art. 96 AuG). 5.1 Der Ausschlussgrund (Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme) von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG setzt voraus, dass eine Person zu einer länger- fristigen Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt wurde. Das Bundes- gericht hat den Begriff der "längerfristigen Freiheitsstrafe" i .S. von Art. 62 Bst. b AuG (und damit auch den gleichlautenden Begriff von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG) dahingehend konkretisiert, dass darunter im Sinne eines fes- ten Grenzwertes eine Freiheitsstrafe von mehr als ei nem Jahr zu verst e- hen ist ( BGE 135 II 377 E. 4.2). Dieser Praxis folgt das Bundesverwa l- tungsgericht im Bereich seiner endgültigen Entscheidkompetenz (vgl. Ur- teile des Bundesverwaltungsgerichts D -1972/2009 vom 11. August 2011, E. 4.4, und D -5522/2009 vom 17. November 2011, E. 4.1.1). Unter einer längerfristigen Freiheitsstrafe nach Art. 62 Bst. b AuG (und damit nach Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG) dürfen zudem kürzere Freiheitsstrafen nicht zusammengerechnet werden, sondern das Kriterium ist nur erfüllt, wenn eine sich aus einem einzigen Urteil ergebende Strafe die Dauer von e i- nem Jahr überschreitet (vgl. BGE 137 II 297 E. 2.3). 5.1.1 Der Beschwerdeführer hat seit dem Jahr 2000 immer wieder gegen das Strafgesetz verstossen. Insbesondere fallen zwei Verurteilungen aus den Jahren 2008 und 2010 ins Gewicht. E-750/2013 Seite 11 Am (…) 2008 wurde der Beschwerdeführer vom Kantonsgericht D._______ des Raubes, der einfachen Körperverletzun g, der Tätlichkeit, der Drohung, der unrechtmässigen Aneignung, der Hehlerei, der Porn o- graphie, des mehrfachen Ungehorsams im Betreibungsverfahren, der mehrfachen Widerhandlung und Übertretung gegen das Betäubungsmi t- telgesetz, der Widerhandlung gegen das W affengesetz, der mehrfachen Übertretung des Transportgesetzes, der Verletzung der Verkehrsregeln, des mehrfachen Fahrens trotz Entzug s des Führerausweises und des Missbrauchs von Ausweisen und Schriften für schuldig befunden. Er wu r- de dafür zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten und einer Busse von Fr. 900.– verurteilt. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 15 Monaten bedingt aufgeschoben, mit einer Probezeit von vier Jahren. Der Verurteilung zugrunde lag insbesondere ein Vorfall vom (…) 2006, bei de m der Beschwerdeführer mit drei anderen Personen einen Mann zusammengeschlagen hatte, dem sie Marihuana und Geld stehlen wol l- ten. Dabei bedrohten sie das Opfer mit der Luftpistole des Beschwerde- führers, die nicht geladen war, und entwendeten ihm Fr. 2900.–. Bei den Drogendelikten handelte es sich um d ie mehrmalige Abgabe von Joints an andere Personen, um den einmaligen Verkauf eines halben Gramms Kokain und den mehrmaligen Verkauf von Ecstasy -Pillen sowie um Ei n- kauf respektive unentgeltliche E ntgegennahme von Marihuana, H a- schisch und Kokain zum Eigenkonsum. Am (…) 2012 wurde der Beschwerdeführer vom Obergericht des Kantons E._______ der mehrfachen Nötigung, der Drohung, der Hehlerei, des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz, u nd der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes für schuldig befunden. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, zudem wurde der vom Kantonsgericht D._______ gewährte bedingte Strafvollzug von 15 Monaten widerrufen. Dieser Verurteilung lag ein Vorfall vom (…) 2010 in der Stadt F._______ zugrunde. Dabei hatte der Beschwerdeführer se i- ne ehemalige Freundin im Ausgang am Arm gepackt und sie gegen ihren Willen in ein Auto gedrückt. Später hinderte er sie am Aussteigen, indem er sie an den Haaren festhielt. Während der Fahrt nahm er ihr das Mobi l- telefon weg und droht e unter anderem, sie nackt im Schnee stehen zu lassen. Nach einem Aufenthalt in einer Bar brachte er sie in seine Woh- nung, wo sie bis am (…) blieb, da sie sich aufgrund seiner Drohun gen nicht traute, sie zu verlassen, obwohl die Wohnung nicht abgeschlossen und der Beschwerdeführer nicht immer anwesend war. E-750/2013 Seite 12 5.1.2 Der Beschwerdeführer war ein erstes Mal vom 31. August 2011 bis zum 25. Oktober 2012 im Strafvollzug. Seit dem 3. Januar 2013 ist er in der Strafanstalt B._______. Am 12. Dezember 2013 wurde er bedingt aus dem Strafvollzug entlassen; das Strafende ist am 13. Oktober 2014. 5.1.3 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er zu einer längerfristi- gen Freiheitsstrafe i .S. von Art. 83 Abs. 7 B st. a AsylG v erurteilt wurde. Ob er auch den Tatbestand von Art. 83 Abs. 7 Bst. b AsylG erfüllt, kann offen bleiben, da es sich um alternative Voraussetzungen der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme handelt. Die Voraussetzungen für eine Aufh e- bung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit sind damit grund- sätzlich erfüllt. Zu prüfen bleibt die Verhältnismässigkeit der Massnahme. 5.2 Der Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme respektive deren Au f- hebung muss verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfas sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 96 Abs. 1 AuG). Dabei ist das Interesse der Schweiz, den B e- schwerdeführer zur Verhinderung von zukünftigen kriminellen Handlu n- gen aus der Schweiz fernzuhalten , dessen privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegenüber zu stellen. Zu berücksichtigen sind dabei namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens, die seit der Tat vergangene Zeit und das Verhalten des Betroffenen in dieser P e- riode, der Grad seiner Integration, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile. Es ist nicht von einer schematischen Betrachtungsweise auszugehen, sondern auf die gesamten Umstände des Einzelfalls abzustellen ( vgl. BGE 135 II 377 E. 4.3, BGE 134 II 1 E. 2.2 m.w.H.; Urteile des Bundesverwaltung s- gerichts D-1808/2010 vom 21. September 2010, E. 6.1, und D-5522/2009 vom 17. November 2011, E. 5.1). 5.2.1 Zugunsten des Beschwerdeführers fällt zunächst seine sehr lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz ins Gewicht. Der heute (…)-jährige Be- schwerdeführer hält sich seit (…) 1991, mithin seit über 22 Jahren in der Schweiz auf. Somit hat er seine gesamte Adoleszenz hier durchlebt und wurde im hiesigen Kulturkreis sozial isiert. Er war seit seiner Einreise in die Schweiz nie in Serbien oder in Kosovo, auch nicht besuchshalber. Ebenfalls zugunsten des Beschwerdeführers ist zu berücksichtigen, dass seine engere Verwandtschaft in der Schweiz wohnt. Der Beschwerdefüh- rer hat in Serbien, soweit aktenkundig, keine Verwandten und keine B e- kannten, womit die Möglichkeiten einer sozialen Integration nach einer allfälligen Rückkehr beschränkt sind. E-750/2013 Seite 13 Die berufliche Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz ist teil- weise erfolgt . Er hat , ohne die obligatorische Schulzeit abzuschliessen, (…) gearbeitet und eine Anlehre als (…) gemacht. Er hat zudem einen vom 10. Mai 2013 datierten Arbeitsvertrag eingereicht, demgemäss er nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug eine Arbeitsstelle mit Voll- beschäftigung beim (…)unternehmen (…) antreten kann. Über die darge- legte berufliche Tätigkeit hinaus scheint der Beschwerdeführer nur wen i- ge soziale Beziehungen in der Schweiz geknüpft zu haben, zumindest macht er keine solchen geltend. Er macht hingegen geltend, die Bezi e- hungen zu seinem kriminellen Umfeld abgebrochen zu ha ben, was – wenn sich diese Einstellung nach seiner (bedingten) Haftentlassung durch sein Handeln bewahrheitet – positiv zu werten ist. Schliesslich ist die Situation zu berücksi chtigen, die der Beschwerdefü h- rer bei einer Rückkehr nach Serbien antreffen würde. Angehörige ethni- scher Minderheiten, zu denen auch die "Ägypter" gehören, sind in Se r- bien erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Diskriminierungen ausge- setzt. Insbesondere liegt in Serbien die Arbeitslosenquote bei diesen Minderheiten bei circa 60 Prozent. Zudem sind diese ethnischen Minde r- heiten nach wie vor mit Diskriminierungen in den Bereichen Wohnen, Schulbildung, Fürsorge, Gesundheitsvorsorge sowie bei der Registri e- rung konfrontiert (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.7.2). Der Beschwerdeführer verfügt in Serbien weder über Verwandte noch Bekannte. Er spricht kein Serbisch, versteht aber Albanisch, das er auch leidlich spricht. Seine An- lehre in der Schweiz dürfte ihm in Serbien be i der Suche nach einer A r- beitsstelle angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nur von sehr beschränk- tem Nutzen sein. Unter diesen Umständen sind d ie Chancen, dass er in Serbien eine Arbeit findet, mit der er seine Existenz finanzieren kann, sehr gering. Ebenso dürfte er es nicht einfach haben, eine angemessene Unterkunft zu finden und die Medikamente (…) und allenfalls ärztliche Begleitung zu erhalten. 5.2.2 Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer rechtskräftig zu zwei län- gerfristigen Strafe n verurteilt wurde , lässt das öffentliche Interesse am Wegweisungsvollzug und somit an der Aufhebung der vorläufigen Au f- nahme des Beschwerdeführers per se gewichtig erscheinen. Dabei ist darauf zu verweisen, dass bei beiden Vorkommnissen wertvolle Recht s- güter wie die körperli che und psychische Unversehrtheit Dritter betroffen waren und der Beschwerdeführer eine erhebliche Gewaltbereitschaft zeigte. So schlug er (…) 2008 zusammen mit drei anderen Personen in einem organisierten Versuch, Geld und Marihuana zu rauben, auf eine E-750/2013 Seite 14 Person ein. Dabei kam auch die Luftpistole des Beschwerdeführers zum Einsatz – auch wenn nicht der Beschwerdeführer sie verwendete und sie nicht geladen war. Beim Vorfall (…) 2010 übte der Beschwerdeführer zu- dem erhebliche psychische Gewalt gegen eine ehemal ige Freundin aus, indem er ihr gegen über massive Drohungen ausstiess, die diese offen- sichtlich sehr ernst nahm. Die Verurteilungen zu einmal 30 Monaten und einmal 15 Monaten Haft sind denn auch hoch ausgefallen. Der B e- schwerdeführer wurde zudem über eine lange Zeitspanne (2000 bis 2010) immer wieder straffällig und war bei den erwähnten gravierendsten Vorfällen 2008 und 2010 bereits volljährig (22 respektive 24 Jahre alt). Der Beschwerdeführer verweist zu seiner Entlastung auf die schwierige Beziehung zu s einem Vater, der ihn und die Familie im Stich gelassen habe. Auch wenn dem Beschwerdeführer zugestanden werden kann, dass diese Umstände – zusammen mit den grundsätzlichen Schwierigkei- ten des Heranwachsens zwischen zwei Kulturen – sein Aufwachsen in der Schweiz und die Integration in die hiesigen Verhältnissen erschwert haben, vermag dies die Bedeutung und Schwere der begangenen Delikte nicht entscheidend zu relativieren, insbesondere da er diese über einen langen Zeitraum und weit über seine Jugendjahre hinaus beging. Die Prognose bezüglich der Gefahr, dass der Beschwerdeführer erneut straffällig wird, fällt zudem nur knapp positiv aus. Der Bericht zum Verlauf der Suchttherapie der Strafanstalt B._______ hält fest, es habe der Ver- such einer Deliktsaufarbeitung stattgefunden, und hält dem Beschwerd e- führer zugute, er sei mit den delikt- und suchtrelevanten Themen konfron- tierbar geworden. Der Bericht schliesst jedoch mit der Aussage, im Gru n- de neige der Beschwerdeführer dazu, sich zu überschätzen, es falle ihm schwer, sich an die Regeln zu halten und er neige dazu, seine Regelve r- stösse zu bagatellisieren. Gemäss der Verfügung vom 14. November 2013, mit der dem Beschwerdeführer die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug gewährt wurde, erscheint die Legalprognos e für den B e- schwerdeführer "noch als belastet, jedoch nicht als völlig ungünstig". G e- gen eine persönliche Nachreifung während des Strafvollzugs sprächen die vielen Disziplinierungen wegen Regelverstössen. Positiv ins Gewicht falle, dass er an einem Antiagg ressions- und Stressbewältigungstraining teilgenommen und eine Suchttherapie besucht habe, die er auch nach der Entlassung weiterführen wolle. Insgesamt besteht damit die Chance, dass der Beschwerdeführer die Lehren aus dem Strafvollzug gezogen hat und sic h tatsächlich bemüht, in Zukunft straffrei zu bleiben. Gleichzeitig bleiben aufgrund seiner langjährigen Delinquenz erhebliche Zweifel da r-E-750/2013 Seite 15 an, ob ihm dies tatsächlich ge lingen wird, hat er doch bereits die ihm g e- währte "zweite Chance" nach dem Aufhebungsver fahren durch das BFM 2007 nicht genutzt, sondern ist im Gegenteil erst danach grob straffällig geworden. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe vor rund drei Jahren zu- letzt ein Delikt begangen ([…] 2010), mag zwar zutreffen, ist aber insofern stark zu relativieren, als er mehr als zwei dieser drei Jahre im Strafvollzug verbrachte. Auch die Behauptung, es bestehe keine Rückfallgefahr, da die Nötigung im […] 2010 auf einen Konflikt mit seiner damaligen Freu n- din zurückgehe, von der er sich längst getrennt habe, vermag nicht zu überzeugen. Diese Tat lässt die Gewaltbereitschaft des Beschwerdefü h- rers klar erkennen , und es bestehen erhebliche Zweifel daran, ob er in Zukunft in einer ähnlichen Situation nicht w ieder gewalttätig werden wür- de. 5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das öffentliche Interesse am Vollzug der Wegweisung die persönlichen Interessen des Beschwerd e- führers am Verbleib in der Schweiz überwiegt. Die Aufhebung der vorläu- figen Aufnahme aufgrund der deliktischen Tätigkei ten des Beschwerd e- führers ist somit verhältnismässig. 6. Die vorläufige Aufnahme kann jedoch nur aufgehoben werden, wenn der Wegweisungsvollzug zulässig ist. Dies ergibt sich daraus, dass die Au s- nahme von der Anordnung der vorläufigen Aufnahme nach Art. 83 Abs. 7 AsylG nur die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbar keit und Unmö g- lichkeit betrifft und die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs völker- rechtliche Pflichten der Schweiz betrifft, die in jedem Fall zu beachten sind. Will das BFM eine zu einem früheren Zeitpunkt verfügte vorläufige Aufnahme wegen Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit aufheben, muss es in jedem Fall die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs prüfen. Erweist sich dieser als unzulässig, ist die vorläufige Aufnahme (neu aufgrund U n- zulässigkeit) zu belassen. Der Vollzug ist unzulässig, wenn völkerrechtl i- che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entg e- genstehen. 6.1 Der Beschwerdeführer macht insbesondere gelte nd, der Vollzug se i- ner Wegweisung verstosse gegen das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens nach Art. 8 EMRK. E-750/2013 Seite 16 6.2 Art. 8 EMRK garantiert jeder Person ein Recht auf Achtung des Pr i- vat- und Familienlebens. Das Recht gilt nicht absolut, Einschränkungen sind nach Abs. 2 jedoch nur zulässig, soweit sie gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale oder öffentl i- che Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechte r- haltung der Ordnung, zur Verhütung von St raftaten, zum Schutz der G e- sundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten a n- derer notwendig sind. Der EGMR betont in seiner Rechtsprechung, dass jeder Staat in den Grenzen seiner internationalen Verpflichtungen das Recht habe, die Ei n- reise von Ausländerinnen und Ausländern in sein Land und deren Aufent- halt zu kontrollieren. Die EMRK garantiert kein Recht auf Einreise und Verbleib in einem bestimmten Land und Mitgliedstaaten der EMRK haben das Recht, im Interesse der Sicherung der öffen tlichen Ordnung, Auslän- der auszuweisen, die strafrechtlich verurteilt worden sind. Solche En t- scheidungen müssen jedoch mit Art. 8 EMRK vereinbar sein. Einen abso- luten Schutz vor Ausweisung kann aus Art. 8 EMRK nicht abgeleitet we r- den (EGMR, Üner gegen die Niederlande, Beschwerde-Nr. 46410/99, Ur- teil vom 18. Oktober 2006, § 54 f.). 6.3 In den Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens fal- len in erster Linie Beziehungen innerhalb der Kernfamilie (Beziehung zwi- schen Eltern und minderjährigen Kindern u nd zwischen Ehegatten ). I n zweiter Linie können auch Beziehungen zu Verwandten ausserhalb der Kernfamilie oder nicht rechtlich begründete familiäre Verhältnisse in den Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens falls, wenn zu diesen Personen eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte B e- ziehung besteht . Namentlich das Zusammenleben in einem gemeins a- men Haushalt, eine finanzielle Abhängigkeit , speziell enge familiäre Ba n- de oder die Übernahme von Verantwortung für eine minderjährige Person sind Hinweise auf ein geschütztes Familienleben ( vgl. ALBERTO ACHER- MANN/MARTINA CARONI, Einfluss der völkerrechtlichen Praxis auf das schweizerische Migrationsrecht, in: Übersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, N. 6.27). Der Beschwerdeführer ist ledig und hat keine Kinder . Er ist heute (…) Jahre alt, weshalb die Kontakte zu seiner Mutter und seinen Geschwi s- tern nicht ohne Weiteres als geschützte Beziehungen i.S. von Art. 8 EMRK zu bewerten sind . Der blosse Umstand, dass er vorbringt, er wer- de nach dem Strafvollzug wieder bei seiner Mutter und einer Schwester E-750/2013 Seite 17 wohnen, und er habe gegenüber seiner Mutter Unterstützungspflichten, die er jedoc h nicht weiter konkretisiert, vermag keine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung zu diesen Personen zu begrü n- den. Entgegen seinen Ausführungen ist der Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens – und damit auch der kombinierte Schutzbereich von Privat - und Familienleben – nach Art. 8 EMRK durch die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme und den Vollzug der Wegwe i- sung nicht berührt. 6.4 6.4.1 Art. 8 EMRK schützt auch das Recht , Beziehungen mit Personen ausserhalb der Familie und mit der Aussenwelt im Allgemeinen einzuge- hen, zu entwickeln und zu erhalten ; diese Beziehungen kön nen unter Umständen Aspekte der sozialen Identität einer Person darstellen. Die Gesamtheit sozialer Beziehungen zwischen niedergelassenen Auslän- dern ("settled migrants", "immigrés établis") und der Gemeinschaft, in der sie leben, bildet einen Teil des Konzepts des Privatlebens i .S. von Art. 8 EMRK. Unabhängig vom Bestehen eines geschützten Familienlebens im Sinne der Konvention bildet die Ausweisung eines niedergelassenen Aus- länders eine Einschränkung des Rechts auf Achtung des Privatlebens nach Art. 8 EMRK. Solche Einschränkungen sind nur zulässig, wenn sie nach den Bedingungen von Art. 8 Abs. 2 EMRK gerechtfertigt sind, wozu insbesondere die Verhältnismässigkeit der Massnahme gehört (vgl. EGMR, Maslov gegen Österreich, Beschwerde -Nr. 1638/03, Urteil vom 23. Juni 2008, § 63 ff.). Zur Beurteilung der Verhältnismässigkeit der Ausweisung eines jungen Erwachsenen, der noch keine eige ne Familie gegründet hat , müssen bei der Zulässigkeitsprüfung die folgenden Kriterien berücksichtig werden: die Art und Schwere der begangenen Straftaten, die Dauer der Anwesen- heit des Beschwerdeführers im Land, aus dem er ausgewiesen werden soll, die seit der Begehung der Straftaten vergangene Zeit u nd sein Betragen in dieser Zeit sowie die Stabilität der sozialen, kul turellen und familiären Beziehungen mit dem Aufenthaltsland und dem Zielland. Zu- dem kann das Alter der betroffenen Person in Bezug auf die genannten Kriterien eine Rolle spielen, zum Beispiel bei der Beurteilung der Schwere der begangenen Straftaten. Bezüglich der Dauer des Aufenthaltes im Gaststaat muss einbezogen werden, ob die betroffene P erson bereits als Kind oder Jugendlicher einreiste, oder sogar dort geboren wurde, oder ob sie im Erwachsenenalter einreiste. Die besondere Situation von Auslä n- dern, die ihre Kindheit ganz oder grösstenteils im Aufenthaltsland ve r-E-750/2013 Seite 18 bracht haben, dort aufgezo gen wurden und dort ihre Bildung erhielten, muss gehörig berücksichtigt werden . Zusammengefasst müssen bei nie- dergelassenen Ausländern, die ihre Kindheit und Jugend ganz oder grösstenteils legal im Aufenthaltsstaat verbracht haben, sehr ernsthafte Gründe für eine Ausweisung vorliegen, damit diese gerechtfertigt werden kann (EGMR, Maslov gegen Österreich, a.a.O., § 71 ff.). Das Bundesgericht sieht den Schutzbereich des Rechts auf Achtung des Familienlebens nur berührt, wenn besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Bindungen gesellschaftlicher oder b e- ruflicher Natur beziehungsweise entsprechend ver tiefte soziale Bezi e- hungen zum ausserfamiliären beziehungsweise ausserhäuslichen B e- reich bestehen (BGE 130 II 281 E. 3.2.1). 6.4.2 Der Beschwerdeführer kam am (…) 1991 – im Alter von (…) Jahren – mit seiner Familie in die Schw eiz. Seither, das heisst seit 22 Jahren, wohnt er in der Schweiz. Seit dem 16. Mai 2000 ist er in der Schweiz vor- läufig aufgenommen. Er hat hier die Schule besucht und eine Anlehre als (…) gemacht. Seine ganze Familie wohnt in der Schweiz. Er war nie in Serbien oder in Kosovo und hat keine Verwandten oder Bekannten dort. Damit handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen Ausländer der zweiten Generation. In den 22 Jahren seines Aufenthalt in der Schweiz hat er sich zwangsläufig bis zu einem gewissen Mass in der Schweiz i n- tegriert, hat er hier doch die entwicklungsmässig wichtigen Jahre als Kind und als Jugendlicher und seine Schulzeit verbracht. Der vom BFM ange- führte Automatismus, der Beschwerdeführer sei straffällig geworden, was seine mangelnde Integration in der Schweiz zeige, ist in dieser absoluten Form nicht statthaft, ergäbe sich daraus doch der Umkehrschluss , dass Schweizer Bürger in der Schweiz nicht straffällig werden. Trotz seines sehr langen Aufenthaltes in der Schweiz ist der Beschwerde- führer jedoch nicht als niedergelassener Ausländer im Sinne der Rech t- sprechung des EGMR zu betrachten. Er verfügte in der Schweiz nie über eine Aufenthaltsbewilligung, geschweige denn über eine Niederlassung s- bewilligung. Auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass eine Person mit vorläufiger Aufnah me als niedergelassener Ausländer im Sinne der EGMR-Rechtsprechung betrachtet werden könnte, ist dies beim B e- schwerdeführer nicht der Fall . Insbesondere wurde er im Rahmen des ersten vom BFM durchgeführten Verfahren s zur Aufhebung der vorläuf i- gen Aufnahme am 5. Dezember 2007 ausdrücklich darauf aufmerksam E-750/2013 Seite 19 gemacht, dass ihm im Falle einer neuerlichen Delinquenz die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme drohe. Zudem wäre es ihm durchaus möglich gewesen, eine Aufenthaltsbewilligung, eine Niederlassungsbewilligung oder gar das Schweizer Bürgerrecht zu erhalten, was der Umstand zeigt, dass seine (…) Geschwister Schweizer Staatsange hörige sind und die Mutter im Einbürgerungsverfahren steht. Der Grund, dass der Beschwe r- deführer keinen sichereren Aufenthaltsstatus hat, liegt genau darin, dass er seit dem Jahr 2000 immer wieder gegen das Strafrecht verstiess . Un- ter diesen Umständen würde es im vorliegenden Fall dem Zweck der vor- läufigen Aufnahme des Beschwerdeführers diametral zuwiderlaufen, den Aufenthalt des Beschwerdeführers als gefestigt zu qualifizieren. Die seit der Begehung der Straftaten vergangene Zeit – nämlich etwas mehr als drei Jahre (die letzte strafrechtlich beurteilte Straftat fand […] 2010 statt) – ist angesichts des Erwachsenenalters des Beschwerdefü h- rers nicht besonders lang und vermag auch angesichts de r 25 Monate, die er in dieser Zeitspanne im Strafvollzug verbracht hat, wenig auszusa- gen über seine gegenwärtige Einsicht, Absicht und Befähigung zu eine m deliktfreien und sozialverträglichen Verhalten in der hiesigen Alltagsge- sellschaft. Zur Zeit befindet er sich im Zustand der bedingten Entlassung; das Strafende ist am 13. Oktober 2014. Sein Betragen während des Strafvollzugs – gemäss Bericht kam es zu vielen Disziplinierungen wegen Regelverstössen – ist jedenfalls noch nicht derart vielversprechend, als dass daraus ohne Weiteres auf eine guten weiteren Verlauf geschlossen werden könnte. Da es dem Bundesverwaltungsgericht verwehrt ist, se i- nen Entscheid für einen Zeitraum von beispielsweise zwei Jahren auszu- setzen, so dass die Resozialisierung und Wiedereingliederung des B e- schwerdeführers ins gesellschaftliche und berufliche Umfeld seriös g e- prüft werden könnte, sind für das Gericht allein die Umstände, wie sie sich im heutigen Zeitpunkt darstellen, entscheidend. Damit ist als Resultat der Beurteilung der Verhältnismässigkeit der A us- beziehungsweise Wegweisung festzustellen, dass die Aufhebung der vor- läufigen Aufnahme im Fall des Beschwerdeführers das Recht auf Schutz des Privatlebens nach Art. 8 EMRK nicht berührt. Es liegt damit kein Ei n- griff in das Recht auf Schutz des Privat - und Familienlebens nach Art. 8 EMRK vor. 6.5 Mit Verfügung vom 2. Juni 1992 stellte das BFF fest, der Beschwerde- führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Diese Feststellung wur de mit Urteil der ARK vom 7. Juli 1995 rechtskräftig und in der Verfügung des E-750/2013 Seite 20 BFM vom 20. März 2002, mit der das zweite Asylgesuch des Beschwe r- deführers abgewiesen wurde, bestätigt. Daher findet das in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlin- ge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtling s- rechtlichen Refoulement -Verbots im vorl iegenden Verfahren keine A n- wendung. Sodann ergeben sich aus den Ausführungen des Beschwerde - führers und den übrigen Akten keine glaubhaften Hinweise auf eine me n- schenrechtswidrige Behandlung, die ihm in Serbien drohen könnte, so dass auch das menschenrechtliche Refoulement -Verbot nicht tangiert ist (Art. 3 EMRK). Auch dass der Beschwerdeführer (…) auf eine regelmäs- sige Medikation angewiesen ist, lässt den Vollzug der Wegweisung nach Serbien nicht als problematisch i .S. von Art. 3 EMRK erscheinen, da die notwendigen Medikamente in Serbien erhältlich sind und es dem B e- schwerdeführer auch möglich sein sollte – wenn auch anfänglich wohl nur mit der finanziellen Hilfe seiner Verwandten in der Schweiz – diese zu be- schaffen. 6.6 Der Vollzug der Wegweisung ist damit zulässig. 7. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reis e- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da ihm j e- doch die unentgeltliche Prozessführung gewährt worden ist, ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-750/2013 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Tobias Grasdorf Versand: