Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 1. Dezember 2020 (400 20 215) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Eheschutz; Ehegattenunterhalt (Art. 176 Abs. 1 Ziff . 1 ZGB); Grundsatz: Vollständige An- rechnung des tatsächlich erzielten Einkommens, welch es unter dem Blickwinkel der Rechtsprechung zum hypothetischen Einkommen nicht zugemutet werden könnte, wenn die finanziellen Mittel nicht ausreichen, den Gesamt bedarf beider Haushalte zu decken; Zulässigkeit von Ausnahmen Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader; Gerichtsschreiber Rageth Clavadetscher Parteien A. ____ , vertreten durch Advokatin Angela Gantner, Kasernenstrasse 22a, Post- fach 569, 4410 Liestal, Klägerin gegen B. ____, vertreten durch Advokat Dieter Roth, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beklagter und Berufungskläger Gegenstand Eheschutz Berufung gegen das Urteil der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 19. August 2020 A. Die Ehegatten A. ____ und B. ____ heirateten am TT.MM.JJJJ. Sie haben einen gemein- samen Sohn, C. ____, geboren am TT.MM.JJJJ. Mit Eingabe vom 27. Februar 2020 gelangte die Ehefrau, vertreten durch Advokatin Angela Gantner an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost (Zivilkreisgericht) und ersuchte um Eheschutz zur Regelung des Getrenntlebens. Die Eheschutz- verhandlung vor dem Zivilkreisgerichtspräsidium fand am 19. August 2020 statt. Mit Urteil eben- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht falls vom 19. August 2020 bewilligte die Zivilkreisgerich tspräsidentin den Ehegatten das Ge- trenntleben. Zudem stellte sie fest, dass die Parteien das Getrenntleben durch Auszug der Ehe- frau aus der ehelichen Liegenschaft bereits am TT.MM.JJJJ aufgenommen hätten (Dispositiv- Ziffer 1). Die eheliche Liegenschaft wurde für die Dauer des Getrenntlebens dem Ehemann und dem Sohn zur Nutzung zugewiesen (Dispositiv-Ziffer 2). Der Sohn der Ehegatten, C. ____, wurde für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut de s Ehemannes gestellt (Dispositiv-Ziffer 3). Es wurde festgestellt, dass Mutter und Sohn ein Recht auf persönlichen Kontakt hätten. Zur Re- gelung des Besuchsrechts des nicht obhutsberechtigten Elt ernteils wurde eine Erziehungsbei- standschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 315a Abs. 1 ZGB errichtet und die zustän- dige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) beauftragt, einen Beistand oder eine Bei- ständin zu ernennen. Das Zivilkreisgericht wies dem Beist and bzw. der Beiständin die Aufgabe zu, den Kindsvater bei der Aufgleisung und Organisation einer kinderpsychiatrischen Behandlung von C. ____ zu unterstützen und nach sorgfältiger Abklärung beim behandelnden Arzt der Kinds- mutter sowie beim Kinderpsychiater von C. ____ den persönlichen Kontakt zwischen der Kinds- mutter und dem Kind wiederaufzunehmen (Dispositiv-Ziffer 4). In den weiteren Dispositiv-Ziffern 5 bis 7 des Urteils vom 19. August 2020 regelte die Vo rinstanz den Unterhalt für die Dauer des Getrenntlebens gemäss Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB, indem festgestellt wurde, dass mangels wirt- schaftlicher Leistungsfähigkeit der Ehefrau auf die Festlegung eines Kindesunterhaltsbeit rages verzichtet werde. Zudem wurde der in einem Pensum von 100% arbeitstätige Ehemann auf Basis seines Einkommens von monatlich CHF 5’605.00 netto (inkl. anteilsmässigem 13. Monatslohn) verpflichtet, der Ehefrau mit Wirkung ab April 2020 fü r die weitere Dauer des Getrenntlebens einen monatlichen und monatlich vorauszahlbaren Unterh altsbeitrag von CHF 1’005.00 zu be- zahlen. Die Vorderrichterin bewilligte beiden Ehegatten die unentgeltliche Rechtspflege und fällte abschliessend für das erstinstanzliche Eheschutzverfahren den Kostenentscheid. B. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2020 erhob der Ehemann (B erufungskläger), vertreten durch Advokat Dieter Roth, gegen den erstinstanzlichen Eheschu tzentscheid vom 19. August 2020 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, Berufung und beantragte, was folgt: « 1. Es sei das Urteil des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaf t Ost vom 19. August 2020 in den Ziffern 5 (Grundlagen der Unterhaltsberechnung) und 7 (Unterhaltspflicht des Ehemannes) aufzuheben und es sei in Abänderung des angefochtenen Eheschutzurteils: a) davon auszugehen, dass als Grundlage für die Unterh altsberechnung beim Ehemann ein Nettoeinkommen von CHF 5’105.00 pro Monat angerechnet wird (ohne 13. Monats- lohn, ohne Boni, Gratifikation und Zulagen). b) bis auf weiteres davon abzusehen, dass der Berufun gskläger einen monatlichen Unter- haltsbeitrag an die Berufungsbeklagte leisten muss; eve ntualiter sei dieser Unterhalts- beitrag auf maximal CHF 205.00 festzusetzen. 2. Subeventualiter sei das Urteil vom 19. August 2020 in den Ziffern 5 und 7 aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 3. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Berufungsbe klagten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Es sei dem Berufungskläger für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung mit dem Unterzeichneten zu bewilligen.» Zur Begründung liess der Berufungskläger im Wesentlichen ausführen, die Vorinstanz habe im angefochtenen Unterhaltsentscheid dem Umstand keine Rechnung getragen, dass er als allein- erziehender Elternteil, welcher in einem 100%-Pensum arbeite, einer Mehrfachbelastung ausge- setzt sei. Es sei ihm nicht zumutbar, wenn er gemäss der zi vilkreisgerichtlichen Unterhaltsbe- rechnung bei voller Erwerbstätigkeit und vollständiger Bestreitung des Barunterhalts des gemein- samen Sohnes auf das Existenzminimum gesetzt werde. Gemäss bu ndesgerichtlicher Praxis wäre ihm aktuell grundsätzlich ein Arbeitspensum von 50 % zuzumuten. Da eine entsprechende Reduktion beim aktuellen Arbeitgeber nicht möglich sei, dürfe er nicht dafür bestraft werden, wenn er in einem Vollpensum weiterarbeite. Eine Reduktion auf ein Arbeitspensum von 80%, was er zudem für den kommenden Monat in Betracht ziehe, hätte bereits eine Lohneinbusse von rund CHF 1’000.00 zur Folge, so dass an die Ehefrau kein Unte rhalt mehr bezahlt werden könnte. Sollte die Berufungsinstanz seinem Antrag auf Aufhebun g der Unterhaltspflicht gegenüber der Ehefrau nicht folgen, wäre der Unterhaltsberechnung ein Einkommen ohne anteilsmässigen 13. Monatslohn von lediglich CHF 5’105.00 zugrunde zu lege n. Bei seinem Grundbedarf seien zu- sätzlich zur Krankenversicherungsprämie für die obligatorische Versicherung nach KVG von mo- natlich CHF 255.00 die Prämien der Zusatzversicherung nach VVG von monatlich CHF 22.00 zu berücksichtigen. Zudem sei der Betrag für selbst zu trag ende Gesundheitskosten (Franchise, Selbstbehalt nicht gedeckte Arztkosten) höher, als von der Vorinstanz zugestanden. Ebenso sei der Grundbedarf des Sohnes in den Positionen Gesundheitskosten, Fremdbetreuungskosten und Kosten für Schule, Freizeit und Hobbys im angefochtenen Entscheid zu tief berechnet. Der durch Arbeit, Haushaltführung und Kinderbetreuung mehrfachb elastete Berufungskläger gerate auf- grund des Unterhaltsentscheids der Vorinstanz unter einen grossen finanziellen Druck, was sich im Ergebnis auch für den Sohn nachteilig auswirke. Es sei deshalb angezeigt, dass ihm bei der Unterhaltsberechnung über das Existenzminimum hinaus ei n gewisser Spielraum einzuräumen sei. C. Die Ehefrau und Berufungsbeklagte, vertreten durch Ad vokatin Angela Gantner, erstattete ihre Berufungsantwort am 14. Oktober 2020 und beantra gte die Abweisung der Berufung, unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Berufungsklägers. Zudem ersuc hte auch sie um unentgeltliche Rechtspflege für das Rechtsmittelverfahren. Zur Begründ ung liess sie zusammenfassend aus- führen, der Vorinstanzentscheid sei nicht zu beanstanden, weil dieser der ehelichen Unterstüt- zungs- und Beistandspflicht des Berufungsklägers gegenüber der Berufungsbeklagten Rechnung trage. Vorliegend sei kein Grund ersichtlich, weshalb de r Berufungskläger seiner ehelichen Un- terhaltspflicht nicht oder nur eingeschränkt nachkommen müsste. Die Berufungsbeklagte befindet sich krankheitsbedingt in einer schwierigen Lage und kön ne nicht selbst für ihren gebührenden Bedarf aufkommen. Deshalb sei die Beistandspflicht des B erufungsklägers umso höher zu ge- wichten. Dieser habe hierfür alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen auszuschöpfen. Die Behauptung der Unzumutbarkeit der Unterhaltspflicht se i sodann neu und im Verfahren vor der Vorinstanz nicht vorgebracht worden, weshalb dieselbe im Berufungsverfahren als unzulässiges Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Novum nicht zu hören sei. Dasselbe gelte für die als Beilagen zur Berufung eingereichten Unter- lagen (Leistungsabrechnungen der Krankenkasse des Beruf ungsklägers und des Sohnes). Für eine Nichtberücksichtigung des anteiligen 13. Monatslohne s in der Unterhaltsberechnung be- stehe unterhaltsrechtlich kein Raum. Für höhere Gesundheitskosten, als von der Vorinstanz be- reits berücksichtigt, würde es an einem hinreichenden Nachweis durch den Berufungskläger be- züglich Grund, Regelmässigkeit und Bezifferung mangeln. Die Zusatzversicherungskosten seien im Rahmen des Existenzbedarfs praxisgemäss nicht zu berücksichtigen. Zudem bestritt die Be- rufungsbeklagte weitergehende Kosten für Hobbys und den durch den Berufungskläger geltend gemachten Mehrbetrag für Drittbetreuungskosten. Zudem stellte sie in Abrede, dass der Beru- fungskläger gemäss der angefochtenen Unterhaltsberechnung auf das Existenzminimum verwie- sen worden sei, da die Vorinstanz mehrere Positionen zu dessen Gunsten berücksichtigt habe, ohne dass diese genügend substantiiert worden seien. D. Nach erfolgtem Schriftenschluss gemäss kantonsgerichtlicher Verfügung vom 19. Oktober 2020 ging beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, eine weitere Eingabe der Berufungsbeklagten vom 20. Oktober 2020 ein. Mit Hilfe eines im parallel zum vorliegenden Be- rufungsverfahren geführten Beschwerdeverfahren über die Beistandschaftserrichtung (Verfahren Nr. 400 20 217) vom beschwerdeführenden Ehemann ins Recht gelegten Bericht des Schulpsy- chologischen Dienstes wollte die Berufungsbeklagte nachweisen, dass der Berufungskläger (und C. ____) neuerdings mit der neuen Freundin und deren Sohn zusammen im selben Haushalt lebten. Dies wurde vom Berufungskläger in seiner Stellungnahme vom 2. November 2020 bestrit- ten. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivi lrecht, erreichte sodann eine weitere Eingabe der Berufungsbeklagten vom 25. November 2020, mit welcher diese die Rechtsmitte- linstanz darüber in Kenntnis setzte, dass gemäss Verfügung der IV-Stelle Basel-Stadt vom 17. November 2020 für C. ____ rückwirkend ab 1. September 2019 eine Kinderrente von monatlich CHF 243.00 zugesprochen worden sei. Zusätzlich seien durch die IV Nachzahlungen von weite- ren rund CHF 3’000.00 an den obhutsberechtigten Kindsvater für vergangene Perioden vor dem 1. September 2019 geleistet worden. Entsprechend werde beantragt, das zusätzliche eigene Ein- kommen des Kindes von CHF 243.00 monatlich bei der Prüf ung der Leistungsfähigkeit des Be- rufungsklägers zu berücksichtigen. Erwägungen 1. Gegen einen Endentscheid in einem Eheschutzverfahren wie dem vorliegenden des Zivil- kreisgerichts vom 19. August 2020, mit welchem in den Dispositiv-Ziffern 5 und 7 gestützt auf Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZG B) über die Unterhaltspflicht des Berufungsklägers gegenüber seiner berufungsbeklagten Ehe frau für die Dauer des Getrenntle- bens befunden wurde, ist die Berufung gestützt auf Art . 308 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) zulässig, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechts- begehren mindestens CHF 10’000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Bei Unterhaltsbeiträgen als wiederkehrende Leistungen gilt der Kapitalwert als St reitwert. Sind Leistungen mit ungewisser Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder unbeschränkter Dauer streitig, wird auf den zwanzigfachen Betrag der einjährigen Leistung abgestellt (Art. 92 ZPO). Der Berufungskläger wollte sich im vorinstanzlichen Verfahren bei seiner Bereitschaft behaften lassen, der Berufungsbeklagten ei nen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 520.00 zu bezahlen, wobei hiervon nach seinem Antrag noch zusätzlich bei ihm anfallende Gesundheitskosten in Abzug zu bringen seien (vgl. Erwägung unter „Tatsachen“ I Ziff. 8 des be- gründeten Zivilkreisgerichtsurteils vom 19. August 2020). Die Berufungsbeklagte beantragte für sich einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 1’510.00. Betragsmässig strittig waren somit mindestens CHF 1’000.00 monatlich. Die Dauer der streitigen Unterhaltspflicht ist vorliegend als unbestimmt einzustufen, zumal diese für eine unbestimmt e Dauer des Getrenntlebens der Par- teien oder bis zu einer heute noch nicht absehbaren Abänderung Bestand hat. Daraus ergibt sich, dass die für eine Berufung geltende Streitwertgrenze bei einer Kapitalisierung des strittigen mo- natlichen Betrags nach dem zwanzigfachen Jahresbetreffnis gemäss Art. 92 ZPO insgesamt bei Weitem überstiegen wird (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Massnahm en zum Schutz der ehelichen Ge- meinschaft unterliegen dem summarischen Verfahren (Art. 271 lit. a ZPO). Die Berufung ist daher schriftlich und begründet innert zehn Tagen seit Zustell ung des begründeten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründ ung bei der Rechtsmittelinstanz einzu- reichen (Art. 314 Abs. 1 i.V. mit Art. 311 Abs. 1 ZPO). Dem Berufungskläger wurde die nachträg- liche Begründung des Urteils der Zivilkreisgerichtspräsidentin Ost vom 19. August 2020 gemäss Sendungsverfolgung der Schweizerischen Post am 21. September 2020 zugestellt. Die 10-tätige Berufungsfrist endete demnach am 1. Oktober 2020. Die Berufung vom 1. Oktober 2020, welche gleichentags bei der Schweizerischen Post zuhanden des Kan tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, zum Versand aufgegeben wurde, wurde demnach fristgerecht erhoben (Art. 142 Abs. 1 i.V.m. Art. 143 Abs. 1 ZPO). Gemäss § 5 Abs. 1 lit. a EG ZPO ist das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beurteil ung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreisgerichte, die im summarischen Verfahren ergangen sind, sachlich zu- ständig. Gemäss Art. 310 ZPO kann mit Berufung unrichti ge Rechtsanwendung und unrichtige Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz gerügt w erden. In seiner Berufung bean- standet der Berufungskläger die erstinstanzliche Unterhalt sberechnung in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht, indem die Rechtsmittelinstanz im vor liegenden Fall über die Frage seiner Unterhaltspflicht als solcher und der Anrechnung seines a nteiligen 13. Monatslohnes befinden sowie einzelne Bedarfspositionen bei ihm und beim gemeinsamen Sohn C. ____ überprüfen soll. Diese Rügen stellen mithin allesamt zulässige Berufungsgründe im Sinne von Art. 310 ZPO dar. Aufgrund des Begehrens des Berufungsklägers um unentge ltliche Rechtspflege wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beim Rechtsmittelkläger verzichtet. Da demnach sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt sind (vgl. Art. 59 ZPO), ist auf die Berufung vom 1. Oktober 2020 einzutreten. 2.1 Neue Tatsachen und Beweismittel können im Berufungsver fahren grundsätzlich nur noch in den Schranken von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt werden, wenn sie ohne Verzug vorge- bracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Die Berufung dient nicht dazu, die prozessualen Säumnisse einer Partei Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu korrigieren oder das vorinstanzliche Verfahren zu wiederholen. Jede Partei, welche neue Tat- sachen oder Beweismittel einreicht, hat zu behaupten und zu beweisen, dass dies ohne Verzug geschieht. Sie muss zusätzlich darlegen und beweisen, dass sie umsichtig und sorgfältig gehan- delt hat, sie aber dennoch keine frühere Kenntnis von de n neu vorgebrachten Tatsachen und Behauptungen hatte (Entscheid des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, 400 2014 81 E. 3). Einschränkend zu Art. 317 ZPO hat d as Bundesgericht zudem die analoge Anwendung von Art. 229 Abs. 3 ZPO, wonach neue Tatsachen und Beweismittel in Verfahren mit geltender Untersuchungsmaxime bis zur Urteilsberatung je derzeit vorgebracht werden können, lediglich für Berufungsverfahren zu Kinderbelangen mit geltender strenger oder uneingeschränk- ter Untersuchungsmaxime bejaht (BGE 144 III 349 E. 4.2 .1). Beim Ehegattenunterhalt im Ehe- schutzverfahren (Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB) gilt indes sen die eingeschränkte Untersuchungs- maxime (Art. 271 lit. a in Verbindung mit Art. 272 ZPO). Im Gegensatz zu solchen Prozessen mit uneingeschränktem Untersuchungsgrundsatz, also mit Sachverhaltserforschung von Amtes we- gen, ist die Novenschranke im Sinne von Art. 317 ZPO i n Verfahren wie dem vorliegenden, in welchem der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist, zu beachten (Entscheid des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, 400 16 125 E. 3). 2.2 Die Behauptung des Berufungsklägers, er stehe davor, s eine Erwerbstätigkeit demnächst zu reduzieren, weil ihm die Mehrfachbelastung aus Arbeit stätigkeit, Kindsbetreuung und Haus- haltführung nicht zumutbar sei, stellte dieser erstmals im Rechtsmittelverfahren auf. Ebenso erst Thema im kantongerichtlichen Verfahren ist die behauptete, daraus resultierende Einkommens- einbusse von monatlich mindestens CHF 1’000.00, welche gleichbedeutend mit dem Verlust sei- ner Fähigkeit zur Leistung eines Unterhaltsbeitrages a n die Berufungsbeklagte sei. Auch führt der Berufungskläger in seiner Berufung nirgends aus, weshalb er seinen im Rechtsmittelverfah- ren neu eingenommenen Standpunkt, der auf Tatsachen b asiert, welche sich bereits vor Ab- schluss des erstinstanzlichen Verfahrens konkretisiert haben, nicht zu einem früheren Zeitpunkt hätte vorbringen können. Zumal auch sonst keine entschuldbaren Gründe im Sinne von Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO für das verspätete Vorbringen auszuma chen sind, ist der Berufungsbeklagten beizupflichten, dass diese erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragenen Tatsachen im Berufungs- entscheid nicht mehr zu berücksichtigen sind. Dies muss umso mehr gelten, als der Berufungs- kläger vor den beiden Instanzen unterschiedliche Anträge gestellt hat, ohne den daraus hervor- gehenden Widerspruch in seiner Berufung aufzulösen. Woll te sich dieser beim Zivilkreisgericht noch bei der Bereitschaft zur Leistung eines Unterhalt sbeitrages von CHF 520.00 behaften las- sen, ersuchte er die Rechtsmittelinstanz mit derselben Begründung einer bestehenden Mehrfach- belastung, ihn von seiner Unterhaltspflicht gänzlich zu befreien. 2.3 Die als Nachweis weiterer Gesundheitskosten des Berufungsklägers edierte Leistungsab- rechnung der Krankenkasse ereilt dasselbe novenrechtliche Schicksal. Deren Erstellungsdatum fällt in die Zeit vor Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens (vgl. Abrechnung D. ____ vom 29. April 2020; Beilage 5 zur Berufung vom 1. Oktober 202 0), ohne dass der Berufungskläger zur Verspätung der Einbringung ins Verfahren berufungsweise eine Erklärung abgegeben hätte. Da- raus folgt, wie die Berufungsbeklagte in ihrer Berufungsantwort zurecht darauf hingewiesen hat, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass auch dieses Beweismittel für den Berufungsentscheid aufgrund des Novenverbots gemäss Art. 317 ZPO unberücksichtigt bleiben muss. 2.4 Soweit die Berufungsinstanz die Leistungsfähigkeit des Berufungsklägers mit Blick auf den strittigen Ehegattenunterhalt zu beurteilen hat, spielt auch die Zusammensetzung und die Höhe des Grundbedarfs des gemeinsamen Sohnes der Parteien ein e Rolle. Der Berufungskläger hat wegen der unbestritten mangelnden Leistungsfähigkeit der nicht obhutsberechtigten Berufungs- beklagten vollständig für den Barunterhalt von C. ___ _ aufzukommen. Da hierbei Fragen des Kindesunterhalts tangiert sind (Art. 276 ZGB), gilt ge mäss der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine Novenschranke, so dass die in diesem Zusammenhang mit Berufung neu vorgetragenen Tatsachen und eingereichten Beweise bei der Entscheidfindung im Berufungsver- fahren uneingeschränkt zu berücksichtigen sind. Demnach sind die unter Ziffer 3.5.3 gemachten Ausführungen in der Berufung zu weiteren Gesundheitsk osten und Kosten für Schule, Freizeit und Hobbys des Sohnes und die dazu angerufenen Beweismittel (Beilagen 6 und 7 zu Gesund- heitskosten) zu hören bzw. zuzulassen. 2.5 Unter novenrechtlichen Gesichtspunkten als zulässig einzustuf en sind die Eingaben der Berufungsbeklagten vom 20. Oktober und 25. November 20 20 sowie diejenige des Berufungs- klägers vom 2. November 2020. In der erstgenannten Eingabe beruft sich die Berufungsbeklagte für die neue Behauptung eines unterhaltsrelevanten Konkubinats des Berufungsklägers auf einen Bericht des Schulpsychologischen Dienstes Basel-Landschaft, welcher zwar vom 20. Mai 2020 datiert. Zugleich machte sie jedoch geltend, von diesem erst im Parallelrechtsmittelverfahren 410 20 217 Kenntnis erhalten zu haben, was der Berufungsklä ger in seiner Stellungnahme vom 2. November 2020 nicht bestritten hat. Die Tatsache des IV-Kinderrentenbezugs sodann, mitgeteilt in der Eingabe der Berufungsbeklagten vom 25. November 2020, stützt sich auf den entspre- chenden Entscheid der IV-Stelle Basel-Stadt vom 17. N ovember 2020. Dieses echte Novum wurde gestützt auf Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO rechtzeitig in den Berufungsprozess eingebracht und ist im vorliegenden Rechtsmittelentscheid somit zu berücksichtigen. Auch die auf das vorliegende Verfahren Bezug nehmenden Tatsachenbehauptungen des B erufungsklägers gemäss Eingabe vom 2. November 2020 sind auf Geschehnisse nach Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens, mithin auf echte Noven, zurückzuführen. Die geltend gem achten höheren Hobby-Kosten für C. ____ gehen auf eine Rechnung des Fussballclubs E. ____ vom 19. Oktober 2020 zurück und die Unterlagen zu den neuen Krankenkassenprämien aufgrund der herabgesetzten Franchise mit Gültigkeit ab Januar 2021 datieren vom 5. und 29. Oktober 2020. Somit ist auch die Eingabe des Berufungsklägers vom 2. November 2020 samt den erwähnten Urkundenbeweismitteln für den Berufungsentscheid zu berücksichtigen. 2.6 Der Berufungskläger machte in seiner Berufung im Eventualstandpunkt geltend, in der Un- terhaltsberechnung sollte der anteilsmässige 13. Monatslo hn unberücksichtigt bleiben für den Fall, dass nicht von einer gänzlichen Unzumutbarkeit der Unterhaltszahlung an die Berufungsbe- klagte ausgegangen werde. Im erstinstanzlichen Verfahren liess allerdings auch der Berufungs- kläger den 13. Monatslohn in seinen Unterhaltsberechnun gen pro rata temporis vorbehaltslos Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einfliessen. Dies wirft novenrechtliche Fragen auf, we lche indessen offenbleiben können. Wie nachstehend aufgezeigt wird, ist mit der Einkommenserm ittlung des unterhaltspflichtigen Beru- fungsklägers die Rechtsfrage verbunden, ob von ihm unter den gegebenen besonderen Umstän- den erwartet werden darf, in einem Vollpensum zu arbeiten oder ob ihm dies unterhaltsrechtlich nicht zumutbar ist und somit von einem Überobligatorium auszugehen ist. Je nach Befund erweist sich der Erstinstanzentscheid als rechtsfehlerhaft, so dass dieser durch den vorliegenden Beru- fungsentscheid entsprechend zu korrigieren wäre. 3.1 Die Vorinstanz verpflichtete den Berufungskläger zur Leistung eines Ehegattenunterhalts- beitrages an die Berufungsbeklagte von monatlich CHF 1’005.00. Ausgangspunkt bei der Unter- haltsberechnung bildete das Einkommen des Unterhaltspflichtigen von monatlich CHF 5’605.00 netto (inkl. 13. Monatslohn, ohne Zulagen, ohne Sunrise-Abo). Sodann brachte die Vorderrichte- rin den Grundbedarf des Berufungsklägers von CHF 2’809 .00 und denjenigen des Sohnes von CHF 1’791.00 (nach Kinderzulagen) in Abzug, woraus der genannte Unterhaltsbeitrag zugunsten der Berufungsbeklagten resultierte. 3.2 Der Berufungskläger monierte die erstinstanzliche Unterhaltsberechnung zunächst in recht- licher Hinsicht insofern, als seiner Mehrbelastung aus Arbe it, Haushalt und Kinderbetreuung keine Beachtung geschenkt wurde. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn ihm bei Anrechnung sei- nes Einkommens aus Vollzeiterwerbstätigkeit lediglich da s Existenzminimum belassen werde. Der vorinstanzliche Entscheid sei dahingehend zu korrigi eren, dass ihm zumindest der anteils- mässige 13. Monatslohn im Umfang von CHF 500.00 zu belass en sei, damit er wie in früheren Jahren zum Jahresende Steuern bezahlen und andere Lasten tragen könne, welche im laufenden Monatsbudget keinen Platz gefunden hätten. Demgemäss sei sein unterhaltsrelevantes Einkom- men auf CHF 5’105.00 festzusetzen. 3.3 Die Berufungsbeklagte entgegnete, es entspreche gefestigter Lehre und Rechtsprechung, dass der 13. Monatslohn Bestandteil des Einkommens des Unterhaltspflichtigen bilde und für die Frage seiner Leistungsfähigkeit vollumfänglich zu berü cksichtigen sei. Es werde zudem bestrit- ten, dass der Berufungskläger mit dem Urteil der Vorinstanz auf das absolute Existenzminimum gesetzt worden sei. Trotz Vorliegen einer Unterdeckung des Familienunterhalts seien ihm vom Zivilreisgericht Bedarfs- und Einkommensposten angerechnet worden, welche das Existenzmini- mum übersteigen würden. Dies sei der Fall bei den nicht vollständig substantiierten Gesundheits- kosten des Berufungsklägers und des Sohnes, den unsubstantiierten Kosten für das Hobby des Sohnes und den nur teilweise nachvollziehbaren Kinderbetreuungskosten. Aussen vor gelassen seien die vom Arbeitgeber übernommenen Handy-Abokosten geblieben, obwohl diese teilweise im Grundbetrag enthalten seien. 3.4 Wird der gemeinsame eheliche Haushalt aufgehoben, so hat der Richter auf Begehren ei- nes Ehegatten sowohl den Ehegattenunterhalt als auch den Kinderunterhalt zu regeln (Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Das Gesetz schreibt dem Sachrichter kei ne bestimmte Methode zur Unter- haltsbemessung vor (BGE 128 III 411 E. 3.2.2). Dieser geniesst im Rahmen des grossen Ermes- sens bei der Unterhaltsfestsetzung denn auch relativ weitreichende Freiheiten in der Gewichtung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der relevanten Kriterien. Immerhin sollte er sich gegebenenfalls zur angewandten Methode äus- sern und diese begründen (BGer 5A_589/2009 vom 24. N ovember 2009 E. 2.3; Schwenzer, in: FamKomm Scheidung, Bern 2011, 2. Aufl., N 69 zu Art. 125 ZGB). Der Unterhaltsentscheid der Vorinstanz orientiert sich für die Frage der Leistungsf ähigkeit des Unterhaltsschuldners an der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach einem Unterhaltspflichtigen für alle familienrecht- lichen Unterhaltskategorien und in Abweichung zum Gleichbehandlungsgrundsatz stets das be- treibungsrechtliche Existenzminimum zu belassen sei mit der Folge, dass die Unterhaltsberech- tigten das ganze Manko zu tragen haben (BGE 140 III 337 mit Hinweis auf BGE 121 I 97 und div. weitere Entscheide). Ohne die Berechnungsmethode näher zu erwägen, schritt das Zivilkreisge- richt vorliegend zur Berechnung und sprach der Berufungsbeklagten einen für sie nicht bedarfs- deckenden Unterhaltsbeitrag zu. Dass die Vorinstanz dab ei, wie die Berufungsbeklagte angibt, den familienrechtlichen Grundbedarf des Unterhaltspfl ichtigen aufgrund besonderer Umstände bewusst grosszügig ermittelt habe, ist ohne entsprechende Erwägungen nicht erkennbar. Zutref- fend ist aber, dass bei der Festsetzung des Unterhalts gr undsätzlich vom tatsächlich erzielten Einkommen des Unterhaltspflichtigen auszugehen ist. Dabei ist vom Nettogesamteinkommen mit sämtlichen Bestandteilen auszugehen. Insbesondere ist auch ein 13. Monatslohn anteilsmässig zu berücksichtigen, sofern gemäss der betreffenden arbeitsve rtraglichen Zusicherung ein ent- sprechender Anspruch auf Auszahlung besteht (beispielhaf t BGer 5A_686/2010 E. 2.3). Unter diesem Gesichtswinkel ist das vorinstanzliche Vorgehen zunäch st nicht zu beanstanden, zumal die Tatsache, dass der Berufungskläger gegenüber seinem Arbeitgeber Anspruch auf einen 13. Monatslohn hat, unter den Parteien unstrittig ist. Leistet der unterhaltspflichtige Ehegatte jedoch einen überdurchschnittlichen Einsatz, also deutlich mehr, als ihm unter Berücksichtigung der kon- kreten Umstände zugemutet werden kann, stellt sich die Fr age, ob diesfalls das gesamte dabei erzielte Einkommen oder nur ein Teil desselben in die Unterhaltsberechnung einzufliessen hat. Letzteres wird gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung stets geschützt, wenn der angerech- nete Teil ausreicht, um die Kosten der beiden Haushalte zu decken. Umgekehrt erachtete es das Bundesgericht als nicht bundesrechtswidrig, das tatsächlich erzielte Einkommen einer Ehegattin, welches dieser unter dem Blickwinkel eines hypothetischen Einkommens in Anbetracht der Kin- derbetreuung wohl nicht zugemutet werden könnte, vollumfänglich anzurechnen, da im betreffen- den Fall die finanziellen Verhältnisse der Parteien zur Deckung des Gesamtbedarfs beider Haus- halte nicht ausreichte (BGer 5A_816/2014 E. 2.3) . Diese im Grundsatz nachvollziehbare Recht- sprechung ist nach Ansicht des Kantonsgerichts allerdings für jeden Einzelfall auf ihre Einschlä- gigkeit hin zu überprüfen. Ausnahmen müssen bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig blei- ben. Im vorliegenden Fall wurde der gemeinsame achtj ährige Sohn der Parteien während der Dauer des Getrenntlebens der alleinigen Obhut des Be rufungsklägers anvertraut. Der persönli- che Kontakt zwischen Mutter und Kind war zum Zeitpunkt des Erstinstanzentscheids unterbro- chen und eine Wiederaufnahme desselben sollte gemäss Erstinstanzurteil behutsam und in Ab- sprache mit dem behandelnden Arzt der Mutter und dem Kinderpsychiater angegangen werden. Auf die aussergewöhnlichen Vorfälle, welche sich auf die gesamte Familie nachhaltig belastend auswirken, wird an dieser Stelle nicht mehr näher eingegangen, sondern hierzu auf die entspre- chenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen („Erwägungen“ II Ziff. 4 des be- gründeten Zivilkreisgerichtsurteils vom 19. August 2020). Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abteilung Zivilrecht, geht davon aus, dass sich die Betreuung und Erziehung des Sohnes für den Berufungskläger nicht nur aufgrund der psychischen Belastung, sondern auch administrativ über- durchschnittlich aufwändig gestaltet. Dies ist aufgrund der Akten anzunehmen, weil regelmässig Fahrten sowie Termine für schulische Abklärungen und für verschiedene Therapien (Ergothera- pie und psychiatrische Behandlung) wahrzunehmen sind, welche mit der Schule und Freizeitak- tivitäten, wie Fussballtraining und Schwimmunterricht, koordiniert werden müssen. Hinzu kom- men Haushaltarbeiten und eigene private Termine für Arztbesuche, welche gemäss unbestritten gebliebenen Angaben des Berufungsklägers in der Berufu ng jüngst aufgrund einer Tumor-Er- krankung und eines Unfalls vermehrt angefallen sind. Im Weiteren fällt ins Gewicht, dass die Unterdeckung bei der Berufungsbeklagten verhältnismässig h och ausfällt, weil sie einen hohen Grundbedarf ausweist. Dies wiederum ist dem Umstand gesc huldet, dass sie derzeit in einer kostenintensiven Institution für betreutes Wohnen lebt und abgesehen vom Bezug einer ganzen IV-Rente von monatlich CHF 609.00 krankheitsbedingt kei n Erwerbseinkommen erzielen kann. Die Berufungsbeklagte ist deswegen auch ausserstande, an den Unterhalt des Sohnes C. ____ einen finanziellen Beitrag zu leisten. Der Berufungskläger leistet somit nicht nur den vollständigen Naturalunterhalt, sondern hat auch den gesamten Barunterhalt des Sohnes alleine zu bestreiten. Dass vor diesem Hintergrund die eheliche Beistands- un d Unterstützungspflicht des Berufungs- klägers gegenüber der Berufungsbeklagten höher einzustufen ist, als die Zumutbarkeit einer Er- werbstätigkeit für den Unterhaltspflichtigen nach den Kriterien zum hypothetischen Einkommen, ist bezogen auf den vorliegenden Fall deshalb nicht ein zusehen. Umgekehrt ist offen, ob eine freiwillige Reduktion des Arbeitspensums durch den Ber ufungskläger, welches sich streng an dem im Kindesunterhaltsrecht vom Bundesgericht postulie rten Schulstufenmodell (BGE 144 III 481) orientiert, tel quel und betragsmässig im vollen Umfang auf die Unterhaltsplicht gegenüber der Berufungsbeklagten durchschlagen könnte. Die Besonderheit des vorliegenden Falles gebie- tet deshalb zusammenfassend, eine angemessene Korrektur bei der Einkommenshöhe auf Sei- ten des Berufungsklägers vorzunehmen. Dem Berufungskläger wird dabei attestiert, einer Mehr- fachbelastung zu unterliegen, welche nicht durch finan ziellen Druck zu verstärken ist. Aus den vorinstanzlichen Akten ist zudem ersichtlich, dass der Berufungskläger lange vor Aufnahme des Getrenntlebens eine Reduktion seiner Erwerbstätigkeit anstrebte. Dies muss aus dem Arbeits- vertrag mit der F. ____ AG vom 28. November 2018 mit A rbeitsbeginn 1. Dezember 2018 ge- schlossen werden, wo ein vorgesehenes Arbeitspensum von 80% festgehalten wurde (Beilage 3 zur Eingabe des Berufungsklägers vom 20. März 2020 ad acta Zivilkreisgericht Verfahren Nr. 120 20 371). Ob er je in reduziertem Pensum arbeitete, i st zwar nicht bekannt. Dieser Sachverhalt zeigt allerdings, dass dem Berufungskläger nicht vorgeworfen werden kann, die Frage der Unzu- mutbarkeit einer vollen Erwerbstätigkeit bzw. das Argum ent der Mehrfachbelastung vorgescho- ben und aus prozesstaktischen Gründen zum Nachteil der unterhaltsansprechenden Berufungs- beklagten eingebracht zu haben. Der Berufungskläger leistet in der Tat einen überdurchschnittli- chen Einsatz, um den familiären Verpflichtungen nachzuko mmen. Weil die Berufungsbeklagte ihrerseits dringend auf finanzielle Unterstützung angewi esen ist, kann nun aber die Entlastung des Berufungsklägers gemessen am Zumutbaren nach Schulstufenmodell nur eine relative sein. Die vom Berufungskläger berufungsweise beantragte, betr agsmässige Entlastung im Umgang Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht des 13. Monatslohnes von CHF 500.00 erscheint deshalb nach Ansicht des Kantonsgerichts Ba- sel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, angemessen. Zu unt erstreichen gilt es sodann, dass dem Berufungskläger dadurch nicht ein persönlicher Bonus zur freien Verfügung zugehalten wird. Viel- mehr wird ihm dadurch ermöglicht, in der Unterhaltsb erechnung beim Bedarf nicht berücksich- tigte, laufende Steuern zu bezahlen. Ebenso wird er die frei werdenden Mittel für die Bestreitung laufender Kosten verwenden müssen, welche nicht zum fam ilienrechtlichen Grundbedarf hinzu- gerechnet werden können, aber nachweislich anfallen (wie Versicherungsprämien der Zusatzver- sicherung nach VVG oder weitere Hobby-Kosten von C. ____ ; vgl. dazu die nachstehenden Er- wägungen). Somit ist die Berufung ist in diesem Punkt gutzuheissen und beim Berufungskläger für die Unterhaltsberechnung einkommensseitig ein Netto-Betrag von CHF 5’105.00 einzusetzen. 4.1 Zu den zusätzlichen Gesundheitskosten beim Bedarf des Berufungsklägers von monatlich CHF 258.00 (nebst den Prämien der obligatorischen Kran kenversicherung nach KVG von CHF 255.00 pro Monat) erwog das Zivilkreisgericht, dieser Betrag ergebe sich aus der Franchise der Krankenversicherung von monatlich maximal CHF 208.00 (max. CHF 2’500.00 pro Jahr ge- mäss Grundversicherungspolice / 12 Monate) und dem Selbst behalt von rund CHF 50.00 pro Monat (max. CHF 700.00 pro Jahr / 12 Monate). Gesundheitskosten seien dem Berufungskläger anzurechnen, da aufgrund seiner aktuellen Gesundheitspr obleme (insbesondere Rippenbruch und Tumor) bereits selbstzutragende Gesundheitskosten angefallen seien und in diesem Zusam- menhang auch zukünftig selbstzutragende Gesundheitskost en zu erwarten seien. Für den mo- natlichen Betrag von CHF 258.00 übersteigende Gesundh eitskosten gebe es keine Anhalts- punkte. 4.2 Der Berufungskläger machte in seiner Berufung geltend, nebst den Prämien seiner Kran- kenversicherung nach KVG müssten ihm monatlich CHF 22.00 für Prämien seiner Zusatzversi- cherung nach VVG, CHF 266.65 für Franchise und Selbstb ehalt sowie CHF 50.00 für nicht ge- deckte Arzt- und Apothekerkosten zugestanden werden. Wenn er die Zusatzversicherung kündi- gen müsste, würden bei ihm erheblich höhere Gesundheit skosten anfallen. Die Berufungsbe- klagte bestritt, dass dem Berufungskläger höhere zusätzliche Gesundheitskosten anfallen wür- den, als von der Vorinstanz berücksichtigt. Krankenkassenpr ämien gemäss VVG gehörten zu- dem nicht zum Grundbedarf. 4.3 Für die Beurteilung der geltend gemachten höheren G esundheitskosten muss die mit der Berufung eingereichte Leistungsabrechnung der Krankenversicherung des Berufungsklägers un- berücksichtigt bleiben, zumal diese in Missachtung des Nove nverbots gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO ediert wurde (vgl. Erwägung unter Ziffer 2.3 hie vor). Der Berufungskläger nahm sodann in seiner Berufung keinen Bezug auf die vorinstanzliche Feststellung, dass für höhere Gesundheits- kosten als CHF 258.00 keine Anhaltspunkte bestünden, sondern behauptete lediglich gegentei- lig, die ihm zugestandenen CHF 258.00 reichten nicht aus. Zwar behauptete er einen Mehrbetrag von CHF 50.00 für selbst zu tragende Arzt- und Apothekerkosten. Über den Grund dieser angeb- lichen zusätzlichen, auch künftig regelmässig anfallenden Kosten schwieg er sich ebenso aus, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie zum Umstand, weshalb allfällige Behandlungen und Medikamente notwendig seien und wes- halb die entsprechenden Kosten nicht von der (Grund-)V ersicherung übernommen würden. Im Weiteren fallen Prämien für die Zusatzversicherung gem äss VVG grundsätzlich nicht in den fa- milienrechtlichen Grundbedarf. Eine Berücksichtigung solc her Kosten wird gemäss höchstrich- terlicher Rechtsprechung bei guten finanziellen Verhä ltnissen oder zur Abdeckung bzw. Versi- cherung weit höherer, ohne Versicherungszusatz selbst zu tragender Kosten ausnahmsweise als zulässig erachtet. Allerdings ist ein konkreter Grund für den Abschluss der Zusatzversicherung anzugeben und die dadurch erzielte Kosteneinsparung n achzuweisen (BGer 5A_321/2016 E. 4.3). Vorliegend besteht kein solcher Ausnahmefall. Die Unterhaltsberechnung weist eine Unter- deckung im Bedarf der Berufungsbeklagten auf. Sodann fehlen konkrete Angaben und Nach- weise über den Grund und die Höhe der angeblichen Ko steneinsparung durch die Zusatzversi- cherung. Die Berufung erweist sich in diesem Punkt somit als unbegründet. Gemäss Novenein- gabe des Berufungsklägers vom 2. November 2020, wird sod ann einerseits seine Krankenkas- senprämien für die Grundversicherung ab Januar 2021 stei gen (CHF 374.75). Andererseits senkte der Berufungskläger in seiner neuen Krankenversicher ung seine Franchise (auf CHF 300.00). Der Selbstbehalt wird 10% betragen. Auf ei ne zusätzliche Berechnungsperiode kann allerdings bei der vorliegend im Summarium zu erfolgenden Unterhaltsfestsetzung verzichtet wer- den, zumal sich die Gesundheitskosten auch mit den geänderten Versicherungsbedingungen ins- gesamt auch im kommenden Jahr in ähnlicher Höhe, wie bisher, bewegen werden. 5.1 Im Bedarf des Sohnes C. ____ wurden vorinstanzlich selbst zutragende Gesundheitskosten in Höhe von CHF 150.00 pro Monat berücksichtigt. Beim Sohn seien bereits Zahnarztkosten an- gefallen und es sei mit weiteren selbstzutragenden Gesundheitskosten zu rechnen. Es sei davon auszugehen, dass trotz des von der Kantonsärztin gutgeheissenen Subventionsgesuchs ein ge- wisser Anteil an den im Zusammenhang mit der geplanten kieferorthopädischen Behandlung ent- stehenden Kosten von ca. CHF 11’000.00 selbst zu bezahl en seien. Im Weiteren würden auch aufgrund der aufzugleisenden kinderpsychiatrischen Behandlung selbstzutragende Gesundheits- kosten anfallen. Unter Berücksichtigung, dass keine Belege über die konkrete Höhe der zukünftig selbstzutragenden Kosten vorliegen würden und auch unkl ar bleibe, in welchem Zeitrahmen diese Kosten dann zu bezahlen seien, rechtfertige es sich , dem Kind zurzeit einen monatlichen Betrag von CHF 150.00 für Gesundheitskosten anzurechnen. 5.2 Der Berufungskläger monierte, beim Sohn würden erheb lich höhere Kosten (für Zahnarzt, Augenarzt oder Ergotherapie und Beistandschaft) anfal len. Auch beim Sohn würden die nicht gedeckten Arztkosten nochmals steigen, wenn der Berufungskläger die aktuelle Zusatzversiche- rung kündigen müsste. Die höheren Gesundheitskosten werd en durch die Berufungsbeklagte wiederum bestritten. 5.3 Zu den zusätzlichen Gesundheitskosten des Sohnes gilt es das Ähnliche zu erwägen, wie zu denjenigen des Berufungsklägers. Anders als dort werden zwar Gründe für anfallende Zusatz- kosten genannt. Eine bezifferte, substantiiert vorgetragene Rüge, weshalb die von der Vorinstanz berücksichtigten CHF 150.00 monatlich unter diesem Titel für den Sohn nicht ausreichten, hat Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Berufungskläger jedoch nicht erhoben, weshalb der vorinstanzliche Entscheid in diesem Punkt zu schützen ist. 6.1 Weiter setzte die Vorinstanz im Bedarf des Sohnes CHF 50.00 für Hobbys ein, welche von der Berufungsbeklagten zugestanden worden seien. Der Be rufungskläger machte berufungs- weise für Hobbys, Freizeit und Schule CHF 100.00 gelte nd. Die Berufungsbeklagte entgegnete in der Berufungsantwort, Kosten für Hobbys und Freizeit seien im Existenzbedarf zwar nicht zu berücksichtigen. Trotzdem beantragte sie, die zivilkreisger ichtliche Bedarfsberechnung für C. ____ zu bestätigen. 6.2 Aus den Vorakten ist ersichtlich, dass der Berufungskläger i m erstinstanzlichen Verfahren Schulungskosten von CHF 50.00 und Kosten für Hobbys von CHF 30.00 jeweils pro Monat, zu- sammen demnach CHF 80.00 beim Bedarf des Sohnes einges etzt wissen wollte (Unterhaltsbe- rechnung gemäss Beilage 3 zur Stellungnahme vom 11. Mai 2020 ad acta Zivilkreisgericht Ver- fahren Nr. 120 20 371). Weshalb nun im Rechtsmittelverfahren CHF 100.00 beansprucht werden, wurde nicht erklärt. Ein Betrag von monatlich CHF 50.00 als zu berücksichtigende Freizeitkosten wurden von der Berufungsbeklagten zugestanden. Dass der Berufungskläger im erstinstanzli- chen Verfahren Schulungskosten von CHF 50.00 geltend gemacht hatte, blieb im angefochtenen Entscheid unerwähnt. Im Weiteren darf als notorisch bez eichnet werden, dass auch in öffentli- chen Schulen für die Eltern Kosten anfallen. Soweit ersichtlich, liess sich die Berufungsbeklagte zu den fraglichen Schulungskosten nicht vernehmen. Da da s Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, keinen Anlass hat, ohne Begründung in der Berufung im Berufungsentscheid höhere Kosten zuzugestehen, als bei der Vorinstanz geltend gemacht, werden beim Bedarf von C. ____ für Hobbys, Freizeit und Schule insgesamt CHF 80.00 eingesetzt. 7. Die für die Fremdbetreuung von C. ____ anfallenden Kosten (Tagesmutter und Ferienbe- treuung) veranschlagte die Vorinstanz im Bedarf des Soh nes mit CHF 1’000.00, wovon CHF 200.00 für Ferienbetreuung anfallen würden. Dies entspreche den übereinstimmenden Aus- führungen der Parteien. Wiederum ohne konkrete Begründung und ohne Bezugnahme zum an- gefochtenen Entscheid setzte der Berufungskläger in seiner Rechtsmitteleingabe CHF 1’100.00 als Drittbetreuungskosten ein mit dem knappen Vermerk, d ass CHF 1’000.00 insbesondere in denjenigen Monaten nicht ausreichten, in welchen Schulferien seien, ohne dass der Berufungs- kläger selbst Ferien habe. In diesen Wochen müsse die Dri ttbetreuerin auch etwas mit C. ____ unternehmen, was zusätzliche Auslagen herbeiführe. Wede r wird erörtert, weshalb erstinstanz- lich kein höherer Betrag als CHF 1’000.00 gefordert w urde, noch wird konkret aufgezeigt, dass die vorinstanzlich eingesetzten CHF 800.00 zuzüglich CHF 200.00 für die Ferienbetreuung nicht ausreichen sollten. Dass die von der Vorderrichterin hier berücksichtigten CHF 1’000.00 monat- lich zu tief sein könnten, ist im Übrigen auch aufgrund der Akten nicht nachvollziehbar. Die im Recht liegenden Abrechnungen der Tagesmutter für die Kalenderwochen 2 bis 6 2020 (Beilage 10 zur Eingabe des Berufungsklägers vom 20. März 2020 ad acta Zivilkreisgericht Verfahren Nr. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 120 20 371) lassen eher darauf schliessen, dass der Betrag von CHF 1’000.00 inklusiv Mehrkos- ten während den Schulferien zu Gunsten des Berufungsklägers aufgerundet wurde. Zusammen- fassend ist die Berufung in diesem Punkt somit abzuweisen. 8.1 In ihrer Eingabe an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, vom 20. Ok- tober 2020 machte die Berufungsbeklagte geltend, aus einem Abklärungsbericht des Schulpsy- chologischen Dienstes vom 26. Mai 2020 gehe hervor, dass i m Haushalt des Berufungsklägers und C. ____ die neue Freundin zusammen mit deren Sohn eingezogen sei. Daraus ergebe sich, dass die Ressourcen des Berufungsklägers durch die Kostenred uktion zufolge Lebensgemein- schaft mit einer weiteren erwachsenen Person und deren Sohn sowie durch die gemäss der all- gemeinen Lebenserfahrung bestehende Möglichkeit, sich be i der Betreuung von C. ____ von seiner neuen Lebenspartnerin mindestens in einem gewisse n Rahmen unterstützen zu lassen, erheblich höher seien, als bislang angenommen. Umso weniger rechtfertige es sich, von der Un- terhaltsberechnung der Vorinstanz abzuweichen. Der Berufungskläger bestritt, dass die behaup- tete Lebensgemeinschaft bestehe. Es bestehe zwar ein freundschaftlicher Kontakt zu der im Be- richt des Schulpsychologischen Dienstes gemeinten Person. Die Bekanntschaft sei aber bisher nicht über einige gegenseitige Besuche hinausgekommen. Zum damaligen Zeitpunkt möge ein gewisser Zweckoptimismus gerade auch seitens C. ____ damit verbunden gewesen sein, dass er sich erhofft habe, dass diese Bekannte des Vaters bald bei ihnen einziehen möge. Der Beru- fungskläger habe schon damals sich im Sinne einer Option geäussert, dass die Dame «vermutlich ganz zu ihnen ziehen» werde. Solches sei nie erfolgt. D ie Bekannte sei weder beim Berufungs- kläger eingezogen, noch in Langenbruck angemeldet, noch halte sie sich häufig bei ihm auf. 8.2 Abgesehen vom erwähnten Bericht, nannte die Berufun gsbeklagte für das behauptete, je- doch vom Berufungskläger bestrittene Konkubinat keine we iteren Beweise. Zudem lässt der zi- tierte Bericht, wie der Berufungskläger zutreffend entg egnete, keinen entsprechenden Schluss zu. Bestenfalls lässt sich daraus eine Absichtserklärung oder ein Wunsch für einen Zusammen- zug entnehmen. Zumal für den Bestand eines Konkubinat s keine Hinweise bestehen, hat die entsprechende Behauptung der Berufungsbeklagten für den vorliegenden Unterhaltsentscheid im Rechtsmittelverfahren keine Relevanz. 9. Zusammenfassend ist die Berufung teilweise gutzuheissen, i ndem für die Unterhaltsbe- rechnung von einem tieferen Einkommen des Unterhaltspf lichtigen auszugehen ist und der Be- darf des Sohnes um die Position der Schulungskosten zu erweitern ist. In den übrigen Punkten ist die Berufung abzuweisen. Unter Berücksichtigung der als Noven im Rechtsmittelverfahren zu berücksichtigende IV-Kinderrente von monatlich CHF 243.0 0 als Kindseinkommen und der IV- Rente (pro memoria von CHF 609.00) als Ersatzeinkomm en bei der Berufungsbeklagten ergibt sich somit für die Dauer des Getrenntlebens ein monatlich und monatlich vorauszahlbarer Ehe- gattenunterhaltsbeitrag von CHF 718.00, wobei für die Berechnung im Einzelnen auf die diesem Entscheid angehängte Unterhaltsberechnungstabelle verwiesen wird. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Abschliessend bleibt über die Verteilung der Prozesskost en des Berufungsverfahrens, be- stehend aus den Gerichtskosten sowie der Parteientschädig ung (Art. 95 Abs. 1 ZPO), zu befin- den. Massgebend für die Regelung der Kostenfolgen sind die Bestimmungen der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Berufungsverfahren gelten, da im Gesetz für das Rechtsmittelverfahren keine spezi- ellen Kostenvorschriften enthalten sind. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei auferlegt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozess- kosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Gemäss Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO kann das Gericht zudem in familienrechtlich en Verfahren von diesen Grundsätzen abweichen und die Kosten nach Ermessen verteilen. Keine der Parteien obsiegt im vorliegenden Fall mit ihren Anträgen überwiegend, was bei Berufun gen in Eheschutzverfahren, in welchen erstmals über den Unterhalt für die Dauer des Getrenntlebens zu befinden ist, nicht untypisch ist. Es rechtfertigt sich deshalb, die Gerichtskosten des Beru fungsverfahrens unter den Parteien je hälftig aufzuteilen. Zudem hat jede Partei für ihre Parteikosten des Rechtsmittelverfahrens selbst aufzukommen. Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V. mit § 8 Abs. 1 lit. h des Gebührentarifs (GebT; SGS BL 170.31) auf pauschal CHF 1’500.00 festzusetzen. Weil beiden Parteien mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 19. Oktober 2020 die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt wurde, gehen die Gerichtskosten zu Lasten des Staates und es sind die Parteivertreter für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter des Berufungsklägers, Advokat Dieter Roth , reichte seine Honorarnote mit Ein- gabe vom 2. November 2020 ein. Darin stellte er für das Berufungsverfahren einen Aufwand von 8,75 Stunden (à CHF 200.00) zuzüglich Auslagen von CHF 62.00 und 7,7 % MWSt, gesamthaft CHF 1’952.15, in Rechnung. Advokatin Angela Gantner als Parteivertreterin der Berufungsbe- klagten liess dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei lung Zivilrecht, ihre Honorarnote mit Eingabe vom 20. Oktober 2020 zukommen und machte eine Entschädigung von CHF 967.80 (4,2 Stunden à CHF 200.00 zuzüglich Auslagen von CHF 58.60 und 7,7 % MWSt) geltend. Beide Rechnungen sind sowohl tarifkonform als auch der Streit sache angemessen. Der Rechtsvertre- terin ist zusätzlich ihr Aufwand für die Noveneingabe vom 25. November 2020 zu entschädigen, welcher gemäss Honorarnote vom 20. Oktober 2020 naturge mäss noch nicht in Rechnung ge- stellt wurde. Demnach ist ihr eine Stunde à CHF 200. 00 zuzüglich 7,7 % MWSt bzw. zusätzlich CHF 215.40 zu vergüten. Die aus der Gerichtskasse auszubez ahlenden Honorare, jeweils inkl. Auslagen und MWSt, belaufen sich demnach auf CHF 1’952.15 zu Gunsten von Advokat Dieter Roth und auf CHF 1’183.20 zu Gunsten von Advokatin Angela Gantner. Die Parteien sind sodann darauf aufmerksam zu machen, dass sie gemäss Art. 123 ZPO zur Nachzahlung von Gerichts- und Anwaltskosten verpflichtet sind, sobald sie dazu in der Lage sind. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens. Demnach wird erkannt: Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Berufung werden die Disp ositiv-Ziffern 5 und 7 des Urteils der Zivilkreisgerichtspräsidentin Basel- Landschaft Ost vom 19. August 2020 (Verfahren Nr. 120 20 371 I) aufgehoben und durch folgenden Entscheid ersetzt: « 5. Grundlage der Unterhaltsberechnung bildet ein Nettoeinkommen des Ehemannes pro Monat von CHF 5’105.00 (ohne 13. Monatslohn und ohne Zulagen, vor Steuern), ein Ersatzeinkomm en der Ehefrau von monatlich CHF 609.00 (ganze IV-Rente) und ein Einkommen von Da- vid-Conner von monatlich CHF 443.00 (CHF 200.00 Kinderzulage und CHF 243.00 IV-Kinderrente). 7. Der Ehemann hat der Ehefrau mit Wirkung ab 1. April 2020 für die Dauer des Getrenntlebens einen monatlichen und monatli ch vorauszahlbaren Unterhaltsbeitrag von CHF 718.00 zu bezahlen. Grundlage für diesen Unterhaltsbeitrag bildet die di esem Entscheid al s integrierender Bestandteil angeheftete Unterhaltsberechnungsta- belle.» 2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren von CHF 1 ’5 00.00 wird den Parteien je zur Hälfte auferlegt bzw. geht zufolg e bewilligter unent- geltlicher Rechtspflege zu Lasten des Staates. 3. Zufolge bewilligter unentgeltlicher Rechtspflege werde n den Rechtsver- tretern der Parteien folgende Honorare aus der Gerichtskasse ausbezahlt (jeweils inkl. Auslagen und MWSt): Advokat Dieter Roth, Liestal: CHF 1’952.15 Advokatin Angela Gantner, Liestal: CHF 1’183.20 4. Die Parteien sind zur Nachzahlung der Gerichts- und Anwaltskosten aus dem Berufungsverfahren verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage sind . Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Ver- fahrens. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiber Rageth Clavadetscher