<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 131 S.611</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">611</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Strafvollzug</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>131 Besuchsrecht des Rechtsanwalts.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die angeordneten Massnahmen zur Eingangskontrolle in die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Strafanstalt stellen verfügungsfähige Anweisungen dar, welche</b></span><br/> <span class="ft3"><b>eines entsprechenden Rechtsschutzes bedürfen (Erw. 1 a und</b></span><br/> <span class="ft3"><b>b).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Eine direkte Anfechtungsmöglichkeit der Eingangskontrollen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>besteht mangels Intensität des Rechtsschutzinteresses</b></span><br/> <span class="ft3"><b>allerdings nicht; es muss vorerst um den Erlass einer</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Verfügung bei der hiefür kompetenten Stelle ersucht werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 1 c).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Zulässigkeit einer Feststellungsverfügung im vorliegenden Fall</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2 b).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Das Begehren des Beschwerdeführers vor Regierungsrat, es sei</b></span><br/> <span class="ft3"><b>festzustellen, dass die Anweisung der Strafanstalt, den Hosen-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gurt und die Schuhe auszuziehen, rechtswidrig gewesen sei,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stellt keine unzulässige Beschwerdeänderung dar (Erw. 2 c).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die angeordneten Kontrollmassnahmen erweisen sich unter</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den damals gegebenen Umständen als rechtmässig (Erw. 3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Regierungsrates vom 23. Mai 2001 in Sachen S.S. gegen De-</span><br/> <span class="ft5">partement des Innern.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">S.S. besuchte am (...) einen Klienten in der Kantonalen Strafan-</span><br/> <span class="ft7">stalt. Dabei veranlasste der Vollzugsangestellte und Portier folgende</span><br/> <span class="ft7">Kontrollen: Passieren des Metalldetektors bzw. Magnetbogens,</span><br/> <span class="ft7">Durchleuchten der Aktentasche, Ausziehen und Durchleuchten der</span><br/> <span class="ft7">Jacke, Ausziehen des Hosengurtes sowie Ausziehen und Durch-</span><br/> <span class="ft7">leuchten der Schuhe. Mit Schreiben vom 13. Juli 2000 erhob S.S.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">612</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Beschwerde beim Departement des Innern des Kantons Aargau und</span><br/> <span class="ft7">stellte die Begehren, die Strafanstalt sei anzuweisen, Rechtsanwälte</span><br/> <span class="ft7">und Rechtsanwältinnen bei Besuchen von ihren Klienten überhaupt</span><br/> <span class="ft7">nicht zu kontrollieren; eventuell seien Rechtsanwältinnen und</span><br/> <span class="ft7">Rechtsanwälte höchstens durch den Metalldetektor gehen zu lassen.</span><br/> <span class="ft7">Die Abteilung Strafrecht des Departementes des Innern nahm diese</span><br/> <span class="ft7">Eingabe lediglich als Aufsichtsbeschwerde entgegen und beantwor-</span><br/> <span class="ft7">tete sie am 22. September 2000 in abweisendem Sinne. Dagegen</span><br/> <span class="ft7">erhob S.S. (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 28. September 2000</span><br/> <span class="ft7">Beschwerde beim Regierungsrat und stellte die folgenden Rechtsbe-</span><br/> <span class="ft7">gehren: Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Strafan-</span><br/> <span class="ft7">stalt sei anzuweisen, künftig bei Anwaltsbesuchen auf die Anordnung</span><br/> <span class="ft7">- ausser bei konkretem Verdacht auf eine strafbare Handlung - den</span><br/> <span class="ft7">Hosengurt und die Schuhe auszuziehen, zu verzichten. Es sei ferner</span><br/> <span class="ft7">festzustellen, dass der Realakt der Strafanstalt vom (...) den</span><br/> <span class="ft7">Hosengurt und die Schuhe auszuziehen, rechtswidrig war.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">1. a) Die zu beurteilende Beschwerde vom 28. September 2000</span><br/> <span class="ft7">richtet sich gegen das Antwortschreiben der Vorinstanz vom 22.</span><br/> <span class="ft7">September 2000. Diese führt darin aus, die Besuchspraxis einer Voll-</span><br/> <span class="ft7">zugsanstalt als solche habe keinen Verfügungscharakter und könne</span><br/> <span class="ft7">daher nicht mit einer verwaltungsrechtlichen Beschwerde angefoch-</span><br/> <span class="ft7">ten werden. Auch ergäbe sich aus der Beschwerdebegründung nicht,</span><br/> <span class="ft7">inwieweit vorliegend besonders achtbare Rechtsschutzinteressen</span><br/> <span class="ft7">verletzt sein sollten. Damit seien die Voraussetzungen für ein Ein-</span><br/> <span class="ft7">treten auf die verwaltungsrechtliche Beschwerde nicht gegeben. Ge-</span><br/> <span class="ft7">mäss § 59a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsrechtspflegegesetz, VRPG) vom 9. Juli 1968 könne hingegen</span><br/> <span class="ft7">jede Person jederzeit Tatsachen, die im öffentlichen Interesse ein</span><br/> <span class="ft7">Einschreiten gegen Behörden und Beamte bzw. Beamtinnen von</span><br/> <span class="ft7">Amtes wegen erfordern, der Aufsichtsbehörde anzeigen. In der Folge</span><br/> <span class="ft7">behandelte die Vorinstanz die förmliche Eingabe des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führers vom 13. Juli 2000 als Aufsichtsbeschwerde; sie kam sodann</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">613</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">zum Schluss, dass keine Gründe für ein aufsichtsrechtliches Ein-</span><br/> <span class="ft7">schreiten gegenüber der Strafanstalt (...) ersichtlich seien; ein for-</span><br/> <span class="ft7">meller Nichteintretensentscheid erging allerdings nicht.</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer moniert im Wesentlichen, die Auffas-</span><br/> <span class="ft7">sung der Vorinstanz, wonach die Besuchspraxis einer Vollzugsanstalt</span><br/> <span class="ft7">keinen Verfügungscharakter habe und daher nicht mit Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft7">beschwerde angefochten werden könne, erweise sich als falsch. Ge-</span><br/> <span class="ft7">mäss bundesgerichtlicher Praxis bestehe die Möglichkeit, eine Fest-</span><br/> <span class="ft7">stellungsverfügung über die Grundrechtskonformität eines umstritte-</span><br/> <span class="ft7">nen Realaktes zu verlangen. Art. 25 des Bundesgesetzes über das</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG) sähe auf</span><br/> <span class="ft7">Bundesebene einen entsprechenden Anspruch ausdrücklich vor. Es</span><br/> <span class="ft7">gäbe keinen Anlass, im Kanton Aargau davon abzuweichen. Im Üb-</span><br/> <span class="ft7">rigen sei in der Lehre anerkannt, dass Akte, die grundsätzlich geeig-</span><br/> <span class="ft7">net seien, in die Rechtsstellung der einzelnen Personen einzugreifen,</span><br/> <span class="ft7">in Verfügungsform ergingen, unabhängig davon, ob sie als Tathand-</span><br/> <span class="ft7">lung oder als normativer Akt in Erscheinung träten. Zudem aner-</span><br/> <span class="ft7">kenne die Vorinstanz selbst, dass das Recht zum freien Verkehr des</span><br/> <span class="ft7">Rechtsanwaltes oder der Rechtsanwältin mit der Klientschaft eine</span><br/> <span class="ft7">Bundesvorschrift gemäss Art. 46 Abs. 3 des Schweizerischen Straf-</span><br/> <span class="ft7">gesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB) sei. Die Nichteinhal-</span><br/> <span class="ft7">tung dieser Bundesnorm sei "mit Nichtigkeitsbeschwerde beim</span><br/> <span class="ft7">Schweizerischen Bundesgericht anfechtbar". Somit gehe es nicht an,</span><br/> <span class="ft7">dass die Vorinstanz meine, sie könne diese Frage, welcher Grund-</span><br/> <span class="ft7">rechtscharakter zukomme, lediglich auf dem Wege der Aufsichtsbe-</span><br/> <span class="ft7">schwerde behandeln und abweisen.</span><br/> <span class="ft7">Zu klären ist somit zunächst, ob die Vorinstanz zu Recht ledig-</span><br/> <span class="ft7">lich unter aufsichtsrechtlichen Gesichtspunkten auf die Eingabe des</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführers vom 13. Juli 2000 eingegangen ist bzw. - damit</span><br/> <span class="ft7">eng verbunden - welche (Rechts-)Natur den angeordneten Eingangs-</span><br/> <span class="ft7">kontrollen zukommt.</span><br/> <span class="ft7">b) aa) Mit Verwaltungsbeschwerde anfechtbar sind grundsätz-</span><br/> <span class="ft7">lich Verfügungen und Entscheide (§ 38 Abs. 1 VRPG). Das Vorliegen</span><br/> <span class="ft7">eines solchen Anfechtungsobjekts bildet Voraussetzung dafür, dass</span><br/> <span class="ft7">auf eine Verwaltungsbeschwerde eingetreten und diese materiell</span><br/> <span class="ft7">behandelt werden darf (vgl. Michael Merker, Kommentar zu den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">614</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">§§ 38-72 VRPG, Zürich 1998, Vorbem. zu § 38 N 1 ff. und N 20 zu</span><br/> <span class="ft7">§ 38).</span><br/> <span class="ft7">Verfügungen und Entscheide sind verbindliche Anordnungen</span><br/> <span class="ft7">einer Verwaltungsbehörde in Einzelfällen, die Rechte oder Pflichten</span><br/> <span class="ft7">begründen oder deren Bestand, Nichtbestand oder Umfang feststel-</span><br/> <span class="ft7">len; es wird durch sie ein konkretes und individuelles Rechtsverhält-</span><br/> <span class="ft7">nis in verbindlicher, in der Regel erzwingbarer Weise rechtsgestal-</span><br/> <span class="ft7">tend oder feststellend geregelt; unter "Entscheid" wird dabei das im</span><br/> <span class="ft7">Rechtsmittelverfahren ergangene Erkenntnis über eine angefochtene</span><br/> <span class="ft7">Verfügung verstanden (vgl.</span> <span class="ft7">Merker, a.a.O., N 4 und N 20 zu § 38).</span><br/> <span class="ft7">Abzugrenzen sind Verfügungen insbesondere von den Realak-</span><br/> <span class="ft7">ten: Realakte sind auf einen tatsächlichen Erfolg ausgerichtetes</span><br/> <span class="ft7">staatliches Handeln; sie begründen in der Regel keine Rechte und</span><br/> <span class="ft7">Pflichten der Privaten und dienen unmittelbar der Erfüllung von</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsaufgaben. Beispiele hiefür bilden etwa die Wasserver-</span><br/> <span class="ft7">sorgung, die Kehrichtabfuhr oder der Stassenunterhalt (vgl. Ulrich</span><br/> <span class="ft7">Häfelin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft7">rechts, 3. A., Zürich 1998, N 704).</span><br/> <span class="ft7">Nebst Verfügungen und Realakten bedient sich die Verwaltung</span><br/> <span class="ft7">noch weiterer Handlungsformen (vgl. etwa</span> <span class="ft7">Häfelin/Müller,</span> <span class="ft7">a.a.O., N</span><br/> <span class="ft7">694 ff.). Vorliegend ist insbesondere auf die sog. verfahrensfreien</span><br/> <span class="ft7">Regelungsakte zu verweisen: Darunter werden Tatbestände verstan-</span><br/> <span class="ft7">den, bei welchen Rechtswirkungen losgelöst von einem Verfügungs-</span><br/> <span class="ft7">verfahren eintreten, d.h. wo Akte <i>Rechtsfolgen</i> setzen<i>,</i> ohne die be-</span><br/> <span class="ft7">troffene Person mit den Mitteln des Verfügungsverfahrens vorgängig</span><br/> <span class="ft7">der Tatbestandsverwirklichung am Regelungsakt beteiligen zu lassen</span><br/> <span class="ft7">und ihr einen entsprechenden Rechtsschutz zu geben (vgl. Lukas</span><br/> <span class="ft7">S. Brühwiler-Frésey, Verfügung, Vertrag, Realakt und andere ver-</span><br/> <span class="ft7">waltungsrechtliche Handlungssysteme, Bern 1984, N 440, 442). Ver-</span><br/> <span class="ft7">fahrensfreie Regelungsakte setzen an der Nahtstelle zwischen nor-</span><br/> <span class="ft7">mativer und faktischer Wirklichkeit Rechtsfolgen fest, <i>ohne präven-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>tiven Rechtsschutz</i> zu gewähren. Als Beispiele lassen sich etwa Ver-</span><br/> <span class="ft7">kehrsanordnungen von Polizeibeamten oder Polizeibeamtinnen, so-</span><br/> <span class="ft7">fort mit Erlass wirkenden Demonstrationsverbote, Anordnungen im</span><br/> <span class="ft7">Rahmen der Sitzungspolizei einer Behörde oder Massnahmen einer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">615</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Lehrperson gegenüber einer Schülerin oder einem Schüler aufführen</span><br/> <span class="ft7">(vgl. Brühwiler-Frésey,</span> <span class="ft7">a.a.O., N</span> <span class="ft7">452,</span> <span class="ft7">446).</span><br/> <span class="ft7">bb) Auch wenn sich die Eingangskontrolle vorliegend zwar</span><br/> <span class="ft7">primär und überwiegend in ein einer tatsächlichen Aktion mani-</span><br/> <span class="ft7">festiert, erweist sich diese letztlich doch als reale Komponente eines</span><br/> <span class="ft7">dieser Handlung zugrundeliegenden Regelungsaktes gegenüber dem</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer, die angeordneten Kontrollmassnahmen zu dulden</span><br/> <span class="ft7">bzw. sich etwa mittels Ausziehen des Hosengurtes oder der Schuhe</span><br/> <span class="ft7">aktiv daran zu beteiligen (vgl. Roland Plattner-Steinmann,</span> <span class="ft7">Tatsächli-</span><br/> <span class="ft7">ches Verwaltungshandeln, Zürich 1990,</span> <span class="ft7">S. 114 f.). Zielt eine Tätig-</span><br/> <span class="ft7">keit aber auf die Regelung eines Verwaltungsrechtsverhältnisses, ist</span><br/> <span class="ft7">diese den Verwaltungsrechtshandlungen zuzuordnen (vgl. Plattner-</span><br/> <span class="ft7">Steinmann, a.a.O., S. 124). Damit ist hier entgegen den Ausführun-</span><br/> <span class="ft7">gen der Vorinstanz bereits von einer (verfahrensfreien) <i>Verwaltungs-</i></span><br/> <span class="ft6"><i>rechtshandlung</i> - und nicht von einer Verwaltungstathandlung oder</span><br/> <span class="ft7">einem Realakt - auszugehen. Mit den erwähnten Kontrollmassnah-</span><br/> <span class="ft7">men liegen demnach verfügungsfähige Anordnungen vor; sie könn-</span><br/> <span class="ft7">ten an sich Gegenstand einer beschwerdefähigen Verfügung sein, die</span><br/> <span class="ft7">Beginn, Ende und Umfang der Leistungs- bzw. Duldungspflicht</span><br/> <span class="ft7">festlegen würde (vgl. Plattner-Steinmann,</span> <span class="ft7">a.a.O., S. 122). Dabei kann</span><br/> <span class="ft7">es</span> <span class="ft7">nicht massgebend darauf ankommen, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">in seiner Eingabe vom 13. Juli 2000 eingangs davon spricht, die</span><br/> <span class="ft7">Besuchspraxis der Strafanstalt (...) als solche anzufechten, ergibt sich</span><br/> <span class="ft7">doch aus der Begründung hierzu deutlich, dass er sich im Wesentli-</span><br/> <span class="ft7">chen gegen die ihm gegenüber in seiner Stellung als Rechtsanwalt</span><br/> <span class="ft7">konkret angeordneten Massnahmen innerhalb dieser Praxis zur Wehr</span><br/> <span class="ft7">setzen wollte, um etwa bei zukünftigen Besuchen in der Strafanstalt</span><br/> <span class="ft7">(...) vor entsprechenden Kontrollen bewahrt zu sein. Diese konkret</span><br/> <span class="ft7">angeordneten Massnahmen sind aber als Verwaltungsrechtshandlun-</span><br/> <span class="ft7">gen zu beurteilen, welche eines entsprechenden Rechtsschutzes be-</span><br/> <span class="ft7">dürfen.</span><br/> <span class="ft7">cc) Zu prüfen bleibt nun aber weiter, ob sich der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führer - wie erfolgt - direkt gegen die angeordneten Kontrollakte auf</span><br/> <span class="ft7">dem Rechtsmittelweg zur Wehr setzen konnte oder ob er vorgängig</span><br/> <span class="ft7">den Erlass einer Feststellungsverfügung über deren Rechtmässigkeit</span><br/> <span class="ft7">hätte verlangen müssen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">616</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">c) aa) Auch das aargauische Verwaltungsverfahrensrecht setzt</span><br/> <span class="ft7">wie vorerwähnt für ein Beschwerdeverfahren grundsätzlich das Vor-</span><br/> <span class="ft7">liegen einer Verfügung als Anfechtungsobjekt voraus. Sind nicht alle</span><br/> <span class="ft7">Begriffsmerkmale einer Verfügung erfüllt oder ergehen behördliche</span><br/> <span class="ft7">Akte, die sich auf individuelle Rechtsverhältnisse auswirken, nicht in</span><br/> <span class="ft7">Verfügungsform, ergeben sich Abgrenzungsprobleme; dabei weisen</span><br/> <span class="ft7">gewisse Autoren darauf hin, dass in Grenz- und Zweifelsfällen mass-</span><br/> <span class="ft7">geblich auf das Rechtsschutzinteresse als Hauptkriterium für die</span><br/> <span class="ft7">Abgrenzung der anfechtbaren Hoheitsakte vom übrigen staatlichen</span><br/> <span class="ft7">Handeln abgestellt werden sollte, um den individuellen Rechtsschutz</span><br/> <span class="ft7">gegenüber der Verwaltung tatsächlich zu gewährleisten. Daraus ist</span><br/> <span class="ft7">aber nicht zu schliessen, dass immer dann ein anfechtbarer Hoheits-</span><br/> <span class="ft7">akt gegeben ist, wenn an der Anfechtbarkeit ein Rechtsschutzin-</span><br/> <span class="ft7">teresse besteht; massgeblich ist immer auf die gesetzliche Begriffs-</span><br/> <span class="ft7">bestimmung abzustellen. Das Rechtsschutzinteresse ersetzt somit</span><br/> <span class="ft7">nicht die Begriffsmerkmale einer Verfügung, sondern ist lediglich ein</span><br/> <span class="ft7">im Interpretationsfall beizuziehendes Grundmotiv derselben, wobei</span><br/> <span class="ft7">aber immerhin ein erhöhtes und besonders achtbares Rechts-</span><br/> <span class="ft7">schutzinteresse nachzuweisen ist (vgl. dazu Alfred Kölz/Jürg Boss-</span><br/> <span class="ft7">hart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz</span><br/> <span class="ft7">des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, Vorbem. zu §§ 4-31, N 19;</span><br/> <span class="ft7">Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. A., Bern 1983, S.</span><br/> <span class="ft7">130; Thomas Merkli/Arthur Aeschlimannn/Ruth Herzog, Kommentar</span><br/> <span class="ft7">zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern</span><br/> <span class="ft7">1997, N 2, 27 und 29 zu Art. 49; Walter Kälin, Das Verfahren der</span><br/> <span class="ft7">staatsrechtlichen Beschwerde, 2. Aufl. Bern 1994, S. 116; vgl. auch</span><br/> <span class="ft7">Merker, a.a.O., N 80 zu § 38).</span><br/> <span class="ft7">bb) Selbst wenn vorliegend noch davon ausgegangen würde,</span><br/> <span class="ft7">dass bezüglich der Qualifikation der Eingangskontrollen als Verfü-</span><br/> <span class="ft7">gung ein Grenz- bzw. Interpretationsfall vorläge (vgl. hierzu aber lit.</span><br/> <span class="ft7">b hievor: Qualifikation als sog. verfahrensfreier Regelungsakt),</span><br/> <span class="ft7">müsste die Möglichkeit einer direkten Anfechtung mangels Intensität</span><br/> <span class="ft7">des Rechtsschutzinteresses abgewiesen werden: In die geschlossene</span><br/> <span class="ft7">Strafanstalt (...) werden im Wesentlichen Zuchthaus- und Gefäng-</span><br/> <span class="ft7">nisinsassen, welche in den letzten fünf Jahren bereits eine Zuchthaus-</span><br/> <span class="ft7">oder Gefängnisstrafe von über sechs Monaten verbüssten bzw. erst-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">617</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">mals Bestrafte, die gemein- oder fluchtgefährlich sind, sowie Ver-</span><br/> <span class="ft7">wahrte eingewiesen (vgl. Art. 2 Ziff. 2 und 3 des Konkordats über</span><br/> <span class="ft7">den Vollzug von Strafen und Massnahmen nach dem Schweizeri-</span><br/> <span class="ft7">schen Strafgesetzbuch und dem Recht der Kantone der Nordwest-</span><br/> <span class="ft7">und Innerschweiz [Strafvollzugskonkordat] vom 4. März 1959). Hier</span><br/> <span class="ft7">stellen die Kontrollen der Besuchspersonen mittels Magnetbogen</span><br/> <span class="ft7">(und bei Reaktion desselben auch weitergehende Kontrollen wie</span><br/> <span class="ft7">etwa das Ausziehen der Schuhe oder des Hosengurtes) taugliche und</span><br/> <span class="ft7">geeignete Mittel dar, um die innere Sicherheit und Ordnung inner-</span><br/> <span class="ft7">halb der Anstalt zu gewährleisten. Liegt dabei überhaupt ein grund-</span><br/> <span class="ft7">rechtsrelevanter Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Besuchen-</span><br/> <span class="ft7">den vor, erweist sich dieser aus objektiver Sicht als eher geringfügig.</span><br/> <span class="ft7">Zusätzlich liegt es im Wesentlichen in der Hand der Besuchenden,</span><br/> <span class="ft7">weitergehende Kontrollen (wie z.B. Ausziehen des Hosengurtes) zu</span><br/> <span class="ft7">vermeiden, indem etwa bei der Wahl der Kleider und der mitge-</span><br/> <span class="ft7">brachten Gegenstände darauf geachtet wird, dass der Magnetbogen</span><br/> <span class="ft7">möglichst ohne Reaktion passiert werden kann. Aber auch allfällige</span><br/> <span class="ft7">Eingriffe in die Berufsausübung des Beschwerdeführers bzw. in die</span><br/> <span class="ft7">Verteidigungsrechte seines Klienten (vgl. ebenfalls Erw. 3 hiernach)</span><br/> <span class="ft7">erweisen sich mit den hier zu erduldenden Eingangskontrollen in</span><br/> <span class="ft7">ihrer Intensität und Dauer jedenfalls als solche bloss untergeordneter</span><br/> <span class="ft7">Art. Damit aber erscheint eine direkte Anfechtungsmöglichkeit nicht</span><br/> <span class="ft7">als unabdingbar; dem Beschwerdeführer musste es daher zumutbar</span><br/> <span class="ft7">sein, vorerst um den Erlass einer (Feststellungs-)Verfügung bei der</span><br/> <span class="ft7">hiefür kompetenten Stelle zu ersuchen (vgl. hiezu Erw. 3 hiernach;</span><br/> <span class="ft7">vgl. auch Brühwiler-Frésey, a.a.O., N 450).</span><br/> <span class="ft7">cc) Die Vorinstanz hält in ihrem Entscheid vom 22. September</span><br/> <span class="ft7">2000 (S. 2) demnach zutreffend fest, dass die Voraussetzungen für</span><br/> <span class="ft7">ein Eintreten auf die verwaltungsrechtliche Beschwerde nicht gege-</span><br/> <span class="ft7">ben waren; zwar hat sie keinen förmlichen Nichteintretensentscheid</span><br/> <span class="ft7">gefällt, sondern lediglich in Form eines Antwortschreibens in auf-</span><br/> <span class="ft7">sichtsrechtlicher Hinsicht Stellung genommen. Dies darf dem Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer indes nicht zum Nachteil gereichen und ändert somit</span><br/> <span class="ft7">nichts an der Anfechtbarkeit des Nichteintretensentscheids mittels</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsbeschwerde; auf Grund des Gesagten ist sie aber abzu-</span><br/> <span class="ft7">weisen (zur Anfechtbarkeit vgl. Attilio R. Gadola, Das verwaltungs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">618</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">interne Beschwerdeverfahren, Zürich 1991, S. 293; Gygi, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft7">S. 131;</span> <span class="ft7">Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O., N 5 zu § 19; vgl. auch Merker,</span><br/> <span class="ft7">a.a.O., FN 29 in N 9 zu § 38).</span><br/> <span class="ft7">2. a) Der Beschwerdeführer verlangt vor dem Regierungsrat, es</span><br/> <span class="ft7">sei festzustellen, dass die Anweisung der Strafanstalt (...), den Ho-</span><br/> <span class="ft7">sengurt und die Schuhe auszuziehen, rechtswidrig gewesen sei.</span><br/> <span class="ft7">b) aa) Die Zulässigkeit der Feststellungsverfügung ist auch im</span><br/> <span class="ft7">Kanton Aargau in Lehre und Rechtsprechung unbestritten und bei</span><br/> <span class="ft7">Anwendung von Bundesrecht auch im kantonalen Verfahren vorge-</span><br/> <span class="ft7">schrieben (vgl. Merker, a.a.O., N 26 zu § 38; BGE 120 Ib 355, 117 Ib</span><br/> <span class="ft7">447 f., 114 V 203). Eine Feststellungsverfügung ist dann zu erlassen,</span><br/> <span class="ft7">wenn der Gesuchsteller oder die Gesuchstellerin ein aktuelles, schüt-</span><br/> <span class="ft7">zenswertes - rechtliches, tatsächliches, wirtschaftliches oder ideelles</span><br/> <span class="ft7">- Interesse an der Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens</span><br/> <span class="ft7">eines konkreten öffentlichrechtlichen Rechtsverhältnisses nachwei-</span><br/> <span class="ft7">sen kann und keine öffentlichen oder privaten Interessen entgegen-</span><br/> <span class="ft7">stehen. Ein schutzwürdiges Interesse liegt vor, wenn die tatsächliche</span><br/> <span class="ft7">oder rechtliche Situation der beschwerdeführenden Person durch den</span><br/> <span class="ft7">Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann. Bei fehlendem</span><br/> <span class="ft7">aktuellen Interesse kann eine Rechtmässigkeitsprüfung angezeigt</span><br/> <span class="ft7">sein, wenn Wiederholungsgefahr besteht. Besteht die Möglichkeit,</span><br/> <span class="ft7">alternativ den Erlass einer Gestaltungsverfügung durchzusetzen,</span><br/> <span class="ft7">muss der Feststellungsanspruch verneint werden (zum Ganzen vgl.</span><br/> <span class="ft7">Merker, a.a.O., N 27 ff. und N 129 zu § 38).</span><br/> <span class="ft7">bb) Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, das</span><br/> <span class="ft7">Ausziehen des Hosengurtes sowie das Ausziehen der Schuhe und</span><br/> <span class="ft7">Durchleuchten derselben stelle eine Persönlichkeitsverletzung und</span><br/> <span class="ft7">eine Herabminderung der Würde des Anwaltsberufes dar, und zwar</span><br/> <span class="ft7">insbesondere dann, wenn kein konkreter Verdacht auf eine strafbare</span><br/> <span class="ft7">Handlung bestünde; ausserdem rügt er eine Verletzung von Art. 46</span><br/> <span class="ft7">Abs. 3 StGB.</span><br/> <span class="ft7">An der Feststellung der Grundrechtskonformität der angeord-</span><br/> <span class="ft7">neten Kontrollen bzw. an deren Übereinstimmung mit dem Bundes-</span><br/> <span class="ft7">recht hat der Beschwerdeführer zweifellos ein schutzwürdiges In-</span><br/> <span class="ft7">teresse, wirkt sich die Klärung dieser Fragen doch allenfalls auf</span><br/> <span class="ft7">weitere Anwaltsbesuche desselben in der Strafanstalt (...) aus. Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">619</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">genstand des Feststellungsbegehrens ist die Pflicht des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führers, die Kontrollen zu dulden bzw. im erforderlichen Mass daran</span><br/> <span class="ft7">mitzuwirken, somit ein Rechtsverhältnis. Entgegenstehende öffentli-</span><br/> <span class="ft7">che oder private Interessen sind keine ersichtlich. Auf das Erforder-</span><br/> <span class="ft7">nis eines aktuellen Interesses kann vorliegend verzichtet werden,</span><br/> <span class="ft7">könnte diese Frage aufgrund des fehlenden präventiven Rechtsschut-</span><br/> <span class="ft7">zes doch kaum je überprüft werden (vgl. Erw. 1b hievor; vgl. auch</span><br/> <span class="ft7">BGE 121 I 87 ff., 107 IV 25 ff.). Die Möglichkeit, eine Gestaltungs-</span><br/> <span class="ft7">verfügung durchzusetzen, besteht nicht. Der Regierungsrat kommt</span><br/> <span class="ft7">somit zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein grundsätzlicher</span><br/> <span class="ft7">Anspruch auf Erlass einer Feststellungsverfügung zusteht.</span><br/> <span class="ft7">c) aa) Die Vorinstanz wirft ein, infolge Beschwerdeänderung</span><br/> <span class="ft7">dürfe auf dieses neue Rechtsbegehren des Beschwerdeführers nicht</span><br/> <span class="ft7">eingetreten werden.</span><br/> <span class="ft7">bb) Beschwerdeänderung ist die Änderung des Streitgegenstan-</span><br/> <span class="ft7">des im Rechtsmittelverfahren. Beschwerdeänderungen sind grund-</span><br/> <span class="ft7">sätzlich unzulässig; sie zeichnen sich dadurch aus, dass entweder</span><br/> <span class="ft7">gestützt auf den gleichen Sachverhalt etwas qualitativ anderes ver-</span><br/> <span class="ft7">langt wird oder dass zwar an den formulierten Begehren festgehalten</span><br/> <span class="ft7">wird, die behaupteten Rechtsfolgen aber auf einen anderen, ausser-</span><br/> <span class="ft7">halb des Streitgegenstandes liegenden Sachverhalt abgestützt wer-</span><br/> <span class="ft7">den. Demgegenüber sind quantitative Erweiterungen des Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">debegehrens innerhalb bzw. ohne Veränderung des Streitgegenstan-</span><br/> <span class="ft7">des im verwaltungsinternen Beschwerdeverfahren innerhalb der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdefrist grundsätzlich zuzulassen; der massgebliche Sachver-</span><br/> <span class="ft7">halt, auf den sich die Argumentation der beschwerdeführenden Per-</span><br/> <span class="ft7">son ohne Beschwerdeänderung abstützen kann, ist der zu Beginn des</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeverfahrens eingebrachte Sachverhalt, aus dem die in den</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeanträgen behaupteten Rechtsfolgen abgeleitet werden,</span><br/> <span class="ft7">sowie der Sachverhalt, der mit dem Streitgegenstand in einem engen</span><br/> <span class="ft7">Sachzusammenhang steht. Insoweit können die Anträge quantitativ</span><br/> <span class="ft7">variieren, ohne dass damit zugleich eine Beschwerdeänderung ver-</span><br/> <span class="ft7">bunden ist. Insbesondere prozessökonomische Gründe verbieten</span><br/> <span class="ft7">zudem eine übertriebene Formalisierung des Beschwerdeverfahrens,</span><br/> <span class="ft7">zumal die Verwaltungsbehörden auch nicht an die Beschwerdean-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">620</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">träge der Parteien gebunden sind (§ 43 Abs. 1 VRPG; zum Ganzen</span><br/> <span class="ft7">vgl. Merker, a.a.O., N 12 ff. zu § 39).</span><br/> <span class="ft7">cc) Unzweifelhaft stützt sich das jetzige Feststellungsbegehren</span><br/> <span class="ft7">des Beschwerdeführers auf den von ihm schon zu Beginn des Verfah-</span><br/> <span class="ft7">rens vor der Vorinstanz eingebrachten Sachverhalt, der damit dem</span><br/> <span class="ft7">angefochtenen Entscheid zugrunde liegt. Zwar trifft es tatsächlich zu,</span><br/> <span class="ft7">dass der Beschwerdeführer im erstinstanzlichen Verfahren kein Fest-</span><br/> <span class="ft7">stellungsbegehren bezüglich der Rechtskonformität der angeordneten</span><br/> <span class="ft7">Kontrollen gestellt hat; vielmehr stellte er den Antrag, die Strafan-</span><br/> <span class="ft7">stalt (...) sei anzuweisen, Rechtsanwälte oder Rechtsanwältinnen bei</span><br/> <span class="ft7">Besuch von Klienten überhaupt nicht zu kontrollieren, eventualiter</span><br/> <span class="ft7">höchstens den Magnetbogen passieren zu lassen. Damit brachte er</span><br/> <span class="ft7">aber jedenfalls als behauptete Rechtsfolge bereits zum Ausdruck, die</span><br/> <span class="ft7">durchgeführten Kontrollen erwiesen sich als nicht rechtskonform.</span><br/> <span class="ft7">Das hier zu beurteilende Feststellungsbegehren kann daher als vom</span><br/> <span class="ft7">Streitgegenstand abgedeckte lediglich quantitative und damit zuläs-</span><br/> <span class="ft7">sige Erweiterung der Beschwerde betrachtet werden, zumal es aus</span><br/> <span class="ft7">prozessökonomischen Gründen abwegig wäre, die Angelegenheit an</span><br/> <span class="ft7">die vorbefasste Vorinstanz zum Erlass einer Feststellungsverfügung</span><br/> <span class="ft7">zurückzuweisen. Zusammenfassend erweist sich somit das vom Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer gestellte Feststellungsbegehren als zulässig.</span><br/> <span class="ft7">3. a) aa) Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung</span><br/> <span class="ft7">von Art. 46 Ziff. 3 StGB. Er ist der Ansicht, diese Bestimmung ga-</span><br/> <span class="ft7">rantiere den ungehinderten Zugang zur Klientschaft und gehe damit</span><br/> <span class="ft7">den quantitativen Beschränkungen der Anstaltsordnung vor.</span><br/> <span class="ft7">bb) Art. 46 Ziff. 3 StGB bestimmt, dass dem Rechtsanwalt oder</span><br/> <span class="ft7">der Rechtsanwältin in einem gerichtlichen oder administrativen Ver-</span><br/> <span class="ft7">fahren innerhalb der allgemeinen Anstaltsordnung das Recht zum</span><br/> <span class="ft7">freien Verkehr mit der eingewiesenen Person zusteht, soweit nicht</span><br/> <span class="ft7">eidgenössische oder kantonale Verfahrensgesetze entgegenstehen.</span><br/> <span class="ft7">Weiter bestimmt Art. 5 Abs. 4 der Verordnung (1) zum Schweizeri-</span><br/> <span class="ft7">schen Strafgesetzbuch (VStGB 1) vom 13. November 1973 vorbe-</span><br/> <span class="ft7">hältlich für die Schweiz verbindlicher völkerrechtlicher Regelungen,</span><br/> <span class="ft7">dass die Anstaltsleitung innerhalb der allgemeinen Anstaltsordnung</span><br/> <span class="ft7">Rechtsanwälten oder Rechtsanwältinnen den freien Verkehr mit der</span><br/> <span class="ft7">eingewiesenen Person gestatten kann. Gemäss bundesgerichtlicher</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">621</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Rechtsprechung bedeutet dieses Recht zum freien Verkehr nun einer-</span><br/> <span class="ft7">seits, dass sonst geltende, quantitative Beschränkungen (etwa hin-</span><br/> <span class="ft7">sichtlich Anzahl und Dauer von Besuchen) in Bezug auf die Verbin-</span><br/> <span class="ft7">dung zum Anwalt oder zur Anwältin grundsätzlich nicht zur Anwen-</span><br/> <span class="ft7">dung kommen, und andererseits, dass auf Kontrollen möglichst weit-</span><br/> <span class="ft7">gehend verzichtet wird (vgl. BGE 107 IV 25 ff.). Unzulässig ist es,</span><br/> <span class="ft7">wenn die Verbindung zwischen Anwalt oder Anwältin und Gefange-</span><br/> <span class="ft7">nen durch Beschränkungen der ersten Art unverhältnismässig einge-</span><br/> <span class="ft7">schränkt oder zeitweise sogar aufgehoben wird. Auch die Überwa-</span><br/> <span class="ft7">chung von Gesprächen ist eine erhebliche Behinderung.</span><br/> <span class="ft7">cc) Die hier zu beurteilenden Eingangskontrollen in eine Straf-</span><br/> <span class="ft7">anstalt können unter Sicherheitsgesichtspunkten von vornherein nur</span><br/> <span class="ft7">einen geringfügigen Eingriff darstellen, der die Verteidigungsrechte</span><br/> <span class="ft7">des Strafgefangenen aber auch Rechte des Anwalts oder der Anwäl-</span><br/> <span class="ft7">tin auf freien Verkehr mit der eingewiesenen Person nicht oder nur</span><br/> <span class="ft7">mittelbar berührt. Das Interesse, die Sicherheit und Ordnung des</span><br/> <span class="ft7">Betriebes einer geschlossenen Vollzugsanstalt wie der Kantonalen</span><br/> <span class="ft7">Strafanstalt (...) zu gewährleisten, überwiegt klarerweise das In-</span><br/> <span class="ft7">teresse des Rechtsvertreters oder der Rechtsvertreterin am völlig</span><br/> <span class="ft7">unkontrollierten Zugang zum Mandanten oder zur Mandantin. Auch</span><br/> <span class="ft7">ein Verteidiger oder eine Verteidigerin kann beispielsweise von</span><br/> <span class="ft7">Dritten bedroht oder unter Druck gesetzt werden, Gegenstände, wel-</span><br/> <span class="ft7">che die Sicherheit des Anstaltsbetriebs gefährden können, an den</span><br/> <span class="ft7">Sicherheitskontrollen vorbeizuschleusen. Dass in der Strafanstalt (...)</span><br/> <span class="ft7">- speziell als Anstalt für Vorbestrafte bzw. für erstmals Bestrafte, die</span><br/> <span class="ft7">gemein- oder fluchtgefährlich sind bzw. für Verwahrte ausgestaltet -</span><br/> <span class="ft7">solche Eintrittskontrollen stattfinden, ist somit verhältnismässig und</span><br/> <span class="ft7">mit Art. 46 Ziff. 3 StGB vereinbar, zumal über das Passieren des</span><br/> <span class="ft7">Magnetbogens und das Durchleuchten der Aktentasche hinausge-</span><br/> <span class="ft7">hende Kontrollen nur bei gegebenem Anlass (Reaktion des Magnet-</span><br/> <span class="ft7">bogens) vorgenommen werden.</span><br/> <span class="ft7">Aus der - im Übrigen nicht ausreichend substanziierten - Be-</span><br/> <span class="ft7">hauptung des Beschwerdeführers, dass zahlreiche Vollzugs- und</span><br/> <span class="ft7">Untersuchungsgefängnisse der Schweiz auf Kontrollen jeglicher Art</span><br/> <span class="ft7">bei Rechtsanwälten und Rechtsanwältinnen verzichten, kann dieser</span><br/> <span class="ft7">zudem nichts zu seinen Gunsten ableiten. Gegenteilig ist sogar dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">622</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">in den Akten enthaltenen Entscheid des Polizei- und Militärdeparte-</span><br/> <span class="ft7">mentes des Kantons (...) zu entnehmen, dass sich Anwältinnen und</span><br/> <span class="ft7">Anwälte für den Zutritt zum Untersuchungsgefängnis (...) einer Ein-</span><br/> <span class="ft7">gangskontrolle - zumindest dem Passieren des Magnetbogens - zu</span><br/> <span class="ft7">unterziehen haben. Im Rahmen des Sicherheitsdispositivs einer</span><br/> <span class="ft7">Strafvollzugsanstalt wie derjenigen der Strafanstalt (...) muss es</span><br/> <span class="ft7">darüber hinaus auch zulässig sein, bei entsprechender Reaktion des</span><br/> <span class="ft7">Magnetbogens weitergehende Kontrollen anzuordnen und sich nicht</span><br/> <span class="ft7">nur mit einer Erklärung der betroffenen Person zu begnügen.</span><br/> <span class="ft7">dd) Nachdem hier die über das Passieren des Magnetbogens</span><br/> <span class="ft7">und das Röntgen der Aktentasche hinausgehenden - beanstandeten -</span><br/> <span class="ft7">Kontrollen (Ausziehen des Hosengurtes und der Schuhe) tatsächlich</span><br/> <span class="ft7">nur deshalb angeordnet wurden, weil der Magnetbogen mehrfach</span><br/> <span class="ft7">reagiert hatte, und überdies keine Hinweise dafür vorliegen, dass</span><br/> <span class="ft7">dadurch die Verteidigungsrechte des Beschwerdeführers bzw. seines</span><br/> <span class="ft7">Klienten beeinträchtigt worden wären (vgl. auch Art. 31 f. der Bun-</span><br/> <span class="ft7">desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18.</span><br/> <span class="ft7">April 1999, Art. 6 Ziff. 2 und 3 der Konvention zum Schutze der</span><br/> <span class="ft7">Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1974</span><br/> <span class="ft7">[EMRK] und Art. 14 des Internationalen Paktes über bürgerliche und</span><br/> <span class="ft7">politische Rechte vom 16. Dezember 1966 [UNO-Pakt II]), kommt</span><br/> <span class="ft7">der Regierungsrat zum Schluss, dass von einer Verletzung von Bun-</span><br/> <span class="ft7">desrecht, insbesondere von Art. 46 Ziff. 3 StGB, oder von völker-</span><br/> <span class="ft7">rechtlichen Verträgen keine Rede sein kann.</span><br/> <span class="ft7">b) aa) Der Beschwerdeführer ist weiter der Ansicht, die Anord-</span><br/> <span class="ft7">nung, Hosengurt und Schuhe auszuziehen, stelle einen Eingriff in die</span><br/> <span class="ft7">Persönlichkeitssphäre dar und verletze damit Art. 10 und 13 BV.</span><br/> <span class="ft7">bb) Art. 13 BV schützt die Privatsphäre. Demnach hat jede Per-</span><br/> <span class="ft7">son Anspruch auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer</span><br/> <span class="ft7">Wohnung sowie ihres Brief-, Post- und Fernmeldeverkehrs. Jede</span><br/> <span class="ft7">Person hat überdies Anspruch auf Schutz vor Missbrauch ihrer per-</span><br/> <span class="ft7">sönlichen Daten. Die persönliche Freiheit wird in Art. 10 BV wie</span><br/> <span class="ft7">auch in § 15 der Verfassung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980</span><br/> <span class="ft7">(KV) statuiert. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung schützt das</span><br/> <span class="ft7">Grundrecht der persönlichen Freiheit als zentrales Freiheitsrecht</span><br/> <span class="ft7">nicht nur die Bewegungsfreiheit sowie die körperliche und psychi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">623</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">sche Integrität, sondern darüber hinaus alle Freiheiten, die elemen-</span><br/> <span class="ft7">tare Erscheinungen der Persönlichkeitsentfaltung bilden. Das Bun-</span><br/> <span class="ft7">desgericht hat indessen wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass</span><br/> <span class="ft7">nicht jeder beliebige Eingriff in den persönlichen Bereich eines Men-</span><br/> <span class="ft7">schen die Berufung auf dieses Grundrecht rechtfertigt. Die persönli-</span><br/> <span class="ft7">che Freiheit hat nicht die Funktion einer allgemeinen Handlungsfrei-</span><br/> <span class="ft7">heit, auf die sich die einzelne Person gegenüber jedem staatlichen</span><br/> <span class="ft7">Akt berufen kann, der sich auf die persönliche Lebensgestaltung</span><br/> <span class="ft7">auswirkt. Das Grundrecht der persönlichen Freiheit schützt nicht</span><br/> <span class="ft7">beliebige Freiheiten, sondern nur grundlegende Aspekte der mensch-</span><br/> <span class="ft7">lichen Existenz. Es ist deshalb jeweils eine Grenzziehung des</span><br/> <span class="ft7">Schutzbereichs der persönlichen Freiheit notwendig, wobei die</span><br/> <span class="ft7">Grenze im Einzelfall angesichts von Art und Intensität der Beein-</span><br/> <span class="ft7">trächtigung zu suchen ist (vgl. Jörg Paul Müller,</span> <span class="ft7">Grundrechte in der</span><br/> <span class="ft7">Schweiz, 3. A., Bern 1999, S. 7 ff.; BGE 119 Ia 474, 120 Ia 145,</span><br/> <span class="ft7">149). Ob im konkreten Fall die für die gerechtfertigte Anrufung des</span><br/> <span class="ft7">verfassungsmässigen Persönlichkeitsschutzes notwendige Ein-</span><br/> <span class="ft7">griffsintensität gegeben ist, muss indessen nicht beantwortet werden.</span><br/> <span class="ft7">Selbst bei Bejahung der Eingriffsintensität können sich - wie die</span><br/> <span class="ft7">folgenden Ausführungen zeigen - die angeordneten Kontrollen je-</span><br/> <span class="ft7">denfalls auf eine gesetzliche Grundlage stützen, liegen im öffentli-</span><br/> <span class="ft7">chen Interesse und erweisen sich zudem als verhältnismässig. Offen-</span><br/> <span class="ft7">kundig ist mit dem Ausziehen des Hosengurtes und der Schuhe auch</span><br/> <span class="ft7">nicht der unantastbare Kerngehalt des Persönlichkeitsschutzes betrof-</span><br/> <span class="ft7">fen (vgl. Art. 36 BV).</span><br/> <span class="ft7">cc) Das Recht auf freien Verkehr der Gefangenen mit ihren</span><br/> <span class="ft7">Rechtsvertretern bzw. Rechtsvertreterinnen ist dem Grundsatz nach</span><br/> <span class="ft7">wie hinsichtlich seiner Beschränkungen im unter lit. a hievor näher</span><br/> <span class="ft7">untersuchten Art. 46 Ziff. 3 StGB sowie in Art. 5 Abs. 4 VStGB 1</span><br/> <span class="ft7">geregelt, soweit dies der Natur der Sache nach in einem allgemeinen</span><br/> <span class="ft7">Erlass möglich und geboten ist. Soweit darin das Handeln im Einzel-</span><br/> <span class="ft7">fall der Anstaltsleitung überlassen wurde, ist es dieser auch anheim-</span><br/> <span class="ft7">gestellt, Einschränkungen in Einzelverfügungen oder in einer allge-</span><br/> <span class="ft7">meineren, bestimmte Fallgruppen erfassenden Anstaltsordnung vor-</span><br/> <span class="ft7">zusehen. Die grundlegende gesetzliche Grundlage findet sich aber</span><br/> <span class="ft7">schon in den genannten Bestimmungen. Entscheidend ist alsdann</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">624</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">lediglich, dass die gestützt darauf ergangene Verfügung oder allge-</span><br/> <span class="ft7">meine Anstaltsordnung den Grundgedanken dieser Normen nicht</span><br/> <span class="ft7">verletzt (vgl. BGE 107 IV 28 f.; zum Ganzen vgl. lit. a hievor). Die</span><br/> <span class="ft7">Regelung des Besuchsrechts in der Hausordnung (vgl. Hausordnung</span><br/> <span class="ft7">der Strafanstalt ...), die konkretisierenden Richtlinien für Besuche</span><br/> <span class="ft7">und die Anordnungen im Einzelfall erweisen sich damit entgegen der</span><br/> <span class="ft7">Auffassung des Beschwerdeführers insoweit als bundesrechtskon-</span><br/> <span class="ft7">form und als ausreichend gesetzlich fundiert. Dass sich die angeord-</span><br/> <span class="ft7">neten Kontrollen im Rahmen des Sicherheitsdispositivs einer ge-</span><br/> <span class="ft7">schlossenen Strafanstalt im öffentlichen Interesse bewegen, bedarf</span><br/> <span class="ft7">keiner näheren Ausführungen. Schliesslich erweisen sich die am</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer vorgenommene Sicherheitskontrolle sowie die</span><br/> <span class="ft7">Durchführung der beanstandeten weitergehenden Kontrollmassnah-</span><br/> <span class="ft7">men, nachdem der Magnetbogen mehrfach reagiert hatte, als sachlich</span><br/> <span class="ft7">richtig und verhältnismässig; allfällige Sicherheitsrisiken sind durch</span><br/> <span class="ft7">entsprechende Vorkehren soweit als möglich auszuschalten (vgl. lit. a</span><br/> <span class="ft7">hievor).</span><br/> <span class="ft7">Ob im Übrigen eine elektronische Gesichtserfassung oder eine</span><br/> <span class="ft7">Kontrolle der Schriftstücke tatsächlich rechtswidrig wäre, wie der</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer behauptet, muss hier nicht beantwortet werden;</span><br/> <span class="ft7">dies gilt ebenfalls für die lediglich hypothetische Frage, wie weit die</span><br/> <span class="ft7">Kontrollen hätten gehen dürfen, hätte der Magnetbogen auch nach</span><br/> <span class="ft7">dem Ausziehen des Hosengurtes und der Schuhe noch reagiert.</span><br/> <span class="ft7">c) aa) Der Beschwerdeführer führt weiter aus, nach der bundes-</span><br/> <span class="ft7">gerichtlichen Vorgabe seien Kontrollen weitgehend zu vermeiden, da</span><br/> <span class="ft7">der Anwalt oder die Anwältin als "Diener des Rechts" im weiteren</span><br/> <span class="ft7">Sinn zur Justizverwaltung gehöre.</span><br/> <span class="ft7">Vorweg ist hiezu anzumerken, dass dem angesprochenen Bun-</span><br/> <span class="ft7">desgerichtsentscheid (BGE 107 IV 25 ff.) lediglich zu entnehmen ist,</span><br/> <span class="ft7">dass ein solcher Verzicht bzw. eine solche Beschränkung von Kon-</span><br/> <span class="ft7">trollmassnahmen der Sicherung der Verteidigungsrechte der Gefan-</span><br/> <span class="ft7">genen dienen soll. Die Argumentation des Beschwerdeführers kommt</span><br/> <span class="ft7">dagegen nicht zur Sprache.</span><br/> <span class="ft7">bb) Zwar wird der Verteidiger bzw. die Verteidigerin gelegent-</span><br/> <span class="ft7">lich als "Gehilfe des Richters bzw. Diener des Rechts" bezeichnet</span><br/> <span class="ft7">(vgl. auch § 14 des aargauischen Anwaltsgesetzes [Gesetz über die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">625</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Ausübung des Anwaltsberufes, AnwG] vom 18. Dezember 1984).</span><br/> <span class="ft7">Diese Ausdrucksweise ist insoweit zutreffend, als Anwältinnen und</span><br/> <span class="ft7">Anwälte justizielle Funktionen verrichten und so Teil der Rechts-</span><br/> <span class="ft7">pflege sind (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri, Schweizerisches</span><br/> <span class="ft7">Strafprozessrecht, 3. A., Basel 1997, N 22 zu § 40). Der Anwalt oder</span><br/> <span class="ft7">die Anwältin ist aber immer Verfechter von Parteiinteressen und</span><br/> <span class="ft7">somit einseitig für die jeweilige Klientschaft tätig (BGE 106 Ia 105).</span><br/> <span class="ft7">Dennoch bringen die Gesetze den Anwältinnen und Anwälten im</span><br/> <span class="ft7">Hinblick auf ihre Aufgaben wie auch auf ihre weitestgehende Unab-</span><br/> <span class="ft7">hängigkeit grosses Vertrauen entgegen und gewähren ihnen Vor-</span><br/> <span class="ft7">rechte wie etwa den in Art. 46 Ziff. 3 StGB statuierten freien Verkehr</span><br/> <span class="ft7">mit den Inhaftierten. Dafür wird erwartet, dass die Anwälte und An-</span><br/> <span class="ft7">wältinnen ihre Tätigkeit korrekt ausüben und ihre Vorzugsstellung</span><br/> <span class="ft7">nicht zu verfahrensfremden Zwecken missbrauchen (vgl. BGE 106 Ia</span><br/> <span class="ft7">105; zum Ganzen vgl. Hauser/Schweri, a.a.O., N 23 ff. zu § 40).</span><br/> <span class="ft7">Anwältinnen oder Anwälte, die sich pflichtgemäss für ihre</span><br/> <span class="ft7">Klientschaft einsetzen, können allerdings in eine ernste Konfliktsitu-</span><br/> <span class="ft7">ation geraten, wenn sie z.B. um Weiterleitung eines Schriftstückes an</span><br/> <span class="ft7">einen Gesinnungsfreund gebeten werden oder wenn ihnen ein sol-</span><br/> <span class="ft7">ches von Dritten zur Weiterleitung an den Gefangenen oder die Ge-</span><br/> <span class="ft7">fangene übergeben wird. Schliesslich können auch Dritte sie unter</span><br/> <span class="ft7">Druck setzen oder auch ohne deren Wissen dazu missbrauchen, Ge-</span><br/> <span class="ft7">genstände, welche die Sicherheit des Anstaltsbetriebes gefährden</span><br/> <span class="ft7">können, an den Sicherheitskontrollen vorbeizuschleusen. Eingangs-</span><br/> <span class="ft7">kontrollen - wie vorliegend beanstandet - können in diesem Sinne</span><br/> <span class="ft7">durchaus auch im Interesse der Anwältinnen und Anwälte liegen,</span><br/> <span class="ft7">ohne dass diesen entsprechendes Misstrauen entgegengebracht wer-</span><br/> <span class="ft7">den soll (vgl. BGE 106 Ia 222 E. 3b). Die Würde des Anwaltsberufes</span><br/> <span class="ft7">wird mit solchen Kontrollen nicht herabgewürdigt. Auch diese Rüge</span><br/> <span class="ft7">des Beschwerdeführers zielt somit ins Leere.</span><br/> <span class="ft7">d) Der Regierungsrat kommt damit zum Schluss, dass der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer aus seinen Vorbringen nichts zu seinen Gunsten ab-</span><br/> <span class="ft7">zuleiten vermag und sich die ihm gegenüber anlässlich des Zutritts</span><br/> <span class="ft7">zur Kantonalen Strafanstalt (...) vom (...) angeordneten Kontrollen,</span><br/> <span class="ft7">insbesondere das Ausziehen des Hosengurtes sowie das Ausziehen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">626</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">der Schuhe und Durchleuchten derselben, unter den damals gegebe-</span><br/> <span class="ft7">nen Umständen als rechtmässig erweisen.</span><br/> <span class="ft7">Damit hat der Regierungsrat aber auch zugleich den materiellen</span><br/> <span class="ft7">Gehalt des Aufsichtsbeschwerdeentscheides vom 22. September</span><br/> <span class="ft7">2000 überprüft; dieser ist infolge der Zulässigkeit der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">erweiterung (vgl. Erw. 2 c hievor) in inhaltlicher Sicht im jetzigen</span><br/> <span class="ft7">Feststellungsbegehren des Beschwerdeführers aufgegangen.</span><br/> <span class="ft7">4. a) Die Beschwerde ist somit abzuweisen und der Beschwer-</span><br/> <span class="ft7">deführer wird grundsätzlich kostenpflichtig (§ 33 Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft7">Soweit sich die Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid der</span><br/> <span class="ft7">Vorinstanz richtet, ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass dieser</span><br/> <span class="ft7">bezüglich der Form an einem Mangel gelitten hat. Dem Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer sind daher lediglich fünf Sechstel der entstandenen</span><br/> <span class="ft7">Kosten aufzuerlegen. Der restliche Sechstel ist auf die Staatskasse zu</span><br/> <span class="ft7">nehmen (vgl. § 35 VRPG).</span><br/> <span class="ft7">Das Feststellungsbegehren des Beschwerdeführers vor dem Re-</span><br/> <span class="ft7">gierungsrat erweist sich zwar als zulässig; die materielle Prüfung</span><br/> <span class="ft7">zeigt jedoch, dass sich die Eingangskontrollen der Strafanstalt (...)</span><br/> <span class="ft7">vom (...) als rechtskonform erweisen.</span><br/> <span class="ft7">b) Nachdem der Beschwerdeführer in eigener Sache und in ei-</span><br/> <span class="ft7">genem Namen das Rechtsmittelverfahren führt, entfällt die Ausrich-</span><br/> <span class="ft7">tung einer Parteientschädigung (vgl. § 36 VRPG; vgl. auch AGVE</span><br/> <span class="ft7">1991 S. 153).</span><br/></div> </div> </body> </html>