B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-623/2013/wif U r t e i l v o m 2 6 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Gérard Scherrer, Richter Daniel Willisegger, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Constance Leisinger. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Annegret Lautenbach-Koch, Rechtsanwältin, Peyer Partner Rechtsanwälte, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Januar 2013 / N (…). D-623/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – sri-lankischer Staatsangehöriger, tamilischer Ethnie – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 26. Juni 2009 und gelangte über Italien und Frankreich am 27. August 2009 in die Schweiz , wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrens- zentrum (EVZ) Basel um Asyl nachsuchte. Dort wurde ihm – ebenfalls noch am gleichen Tag – ein in seiner Muttersprache verfasstes Informati- onsblatt ausgehändigt, mit welchem er zur Herausgabe von Identitätsd o- kumenten innerhalb von 48 Stunden aufgefordert wurde. Mit seiner U n- terschrift bestätigte der Beschwerdeführer, den Inhalt der Informationen verstanden zu haben. Am 8. September 2009 wurde der Beschwerdefüh- rer im EVZ Basel summarisch zu seinem Reiseweg und den Asylgründen befragt; die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen führte das BFM am 1. Oktober 2009 durch. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdefüh rer im Wesentlichen geltend, er stamme ursprünglich aus B._______ (Provinz Jaffna), wo er, abgesehen von einem Aufenthalt in C._______ in den Jah- ren von 1998 bis 2001, von seiner Geburt bis zum Mai 2006 gelebt habe. In B._______ habe er sein Einkommen damit bestritten, de n Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) Lautsprecher für deren Propaganda- Anlässe zu vermieten. Auch d er sri -lankischen Armee habe er im Jahr 2004 einmal Lautsprecher für eine Sportveranstaltung vermietet. Seitens der LTTE sei ihm dies jedoch untersagt worden, weshalb er spätere A n- fragen von Seiten der Armee jeweils mit der Begründung abgewiesen ha- be, seine Lau tsprecher seien bereits an Zivilpersonen für Familienfeste vermietet. Im Jahr 2006 habe ihm die Armee nach einer erneuten Ableh- nung einer Anfrage jedoch vorgehalten, die LTTE zu unterstützen . Abge- sehen davon, dass man seine Personalien notiert habe, sei dies jedoch zunächst ohne Konsequenzen für ihn geblieben. Nachdem sich die LTTE ins Vanni-Gebiet habe zurückziehen müssen, habe die Armee damit b e- gonnen, sich an vermeintlichen LTTE-Sympathisanten zu rächen. Aus Angst davor, ebenfalls solchen Behelligungen ausgesetzt zu sein, habe er sich deshalb im Mai 2006 nach D._______ ins Vanni-Gebiet abgesetzt. Auch dort habe er weiterhin von der Vermietung seiner Lautsprecher und Verstärker gelebt. Als die Armee auch in dieses Gebiet vorgerückt sei, habe er sich im April 2008 weiter in die Regio n E._______ begeben und sei von dort aus im März 2009 nach F._______ geflüchtet. Nachdem ab- sehbar gewesen sei, dass die LTTE den Kampf gegen die Armee auch in D-623/2013 Seite 3 diesem Gebiet verlieren würde, habe er versucht, das Kampfgebiet zu verlassen, da er um sein Leben gefürchtet habe. Jedoch h ätten junge Männer zu diesem Zeitpunkt das Gebiet auf Geheiss de n LTTE nicht mehr verlassen dürfen. Auf Rat eines ihm bekannten LTTE-Kaders, mit dem er geschäftlich verbunden gewesen sei, habe er sich daher de n LTTE als vermeintlicher Selbstmordattentäter zur Verfügung gestellt und sich versehen mit einer Sprengstoffweste am 16. April 2009 in Richtung des feindlichen Gebietes begeben . Statt den Sprengstoff zu zünden , ha- be er sich unterwegs der Kleider und seiner Sprengstoffweste entledigt und sich anschliessend dem sri-lankischen Militär ergeben. Von den Mil i- tärkräften sei er in der Folge bis 6. Mai 2009 in einem Lager festgehalten worden. Während seiner Haft sei en ihm die Augen ständig verbunden gewesen und er sei überdies schwer misshandelt worden. Die zum Teil massiven Misshandlungen hätten ihn zu gewissen Aussagen bewegt . So habe er unter anderem ein ihm bekanntes Geldversteck der LTTE verr a- ten. Ge gen eine Geldzahlung, welche sein in Colombo lebender Onkel geleistet habe, sei er schliesslich freigekommen. Nach seiner Freilassung habe er sich nach G._______ im Raum Colombo zu seinem Onkel beg e- ben. Dort sei er von der Polizei am 2. Juni 2009 festgenommen worden, da er keine Anmeldekarte besessen habe. Er sei jedoch gleichentags freigelassen worden, nachdem sein Onkel abermals Geld für seine Fre i- lassung gezahlt habe. Besagter Onkel habe auch seine A usreise aus dem Heimatstaat organisiert. Am 29. Juni 2009 habe er Sri Lanka mit Hil- fe eines Schleppers verlassen. Im EVZ gab der Beschwerdeführer die Kopie eines Geburtsscheines (Nr. …) ab; andere Ausweis- oder Identitätspapiere reichte er nicht zu den Akten. In diesem Zusammenhang führte er anlässlich der Anhörungen aus, er habe im Heimatstaat einen im Jahr 2004 ausgestellten und noch gültigen Reisepass besessen , diesen jedoch dort zurückgelassen. Zwar habe er diesbezüglich seine Familie kontaktiert ; diese habe ihm jedoch mitgeteilt, dass sie den Pass nach seiner Ausreise dem Schlepper auf dessen Verlangen hin ausgehändigt habe. Auch sei er im Besitz einer Identitätskarte gewesen. Mit dieser habe er den Heimatstaat zwar verlas- sen; die Identitätskarte sei jedoch auf der langen Überfahrt nach Europa mit dem Schiff so durchnässt worden, dass sie nicht mehr lesbar gew e- sen sei, weshalb er sie weggeworfen habe. B. Am 30. Oktober 2009 reichte der Beschwerdeführer beim Migrationsamt D-623/2013 Seite 4 des Kantons Aargau einen Geburtsregisterauszug sowie eine Post-Identi- ty Card (…) im Original ein. C. Mit Verfügung vom 28. Januar 2013 – eröffnet am 30. Januar 2013 – trat das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 27. August 2009 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ein. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers und forderte ihn – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz bis 27. Febru- ar 2013 zu verlassen. Zur Begründung des Nichteintretens auf das Asy l- gesuch hielt es fest, der Beschwerdeführer habe innert der ihm eing e- räumten Frist von 48 Stunden keine Reise - oder Identitätspapiere abg e- geben und keine entschuldbaren Gründe für dieses Versäumnis vorge- bracht. Seine Vorbringen seien zudem einerseits von ihm nicht glaubhaft dargetan worden und andererseits als nicht asylrelevant zu werten. Er e r- fülle somit die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht. Zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der F lüchtlingseigen- schaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses seien in seinem Fall aufgrund der Aktenlage nicht erforderlich. D. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – mit Eingabe vom 6. Februar 2013 Be schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verf ü- gung sei aufzuheben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vo r- instanz zurückzuweisen, eventualiter seien die Dispositivziffern 2 bis 4 der Verfügung aufzuheben und er vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. In formeller Hinsicht wurde um Einsicht in die vollständigen Akten und Ansetzung eines zweiten Schriftenwechsels für den Fall eines materiellen Entscheids ersucht. Auf die Begründung im Einzelnen wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Mit der Beschwerde eingereicht wurde ein Themenpapier der Schweizeri- schen Flüchtlingshilfe vom 22. September 2011, Rainer Mattern: "Sri Lan- ka: Situation für aus dem Norden und Osten stammende TamilInnen in Colombo und für RückkehrerInnen nach Sri Lanka". E. Mit Verfügung vom 11. Februar 2013 stellte die zuständige Instruktion s- richterin fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in D-623/2013 Seite 5 der Schweiz abwarten könne, verzichtete auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses und übermittelte der Vorinstanz die Akten zur Vernehmla s- sung. F. Mit Vernehmlassung vom 13. Februar 2013 hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Im Wei- teren wurde festgehalten, dass der Rechts vertreterin zusätzlich zu den mit der angefochtenen Verfügung bereits zugestellten Akten am 13. Feb- ruar 2013 auch Einsicht in sämtliche als unwesentlich oder dem B e- schwerdeführer bekannt qualifizierten Akten gewährt worden sei. G. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 18. Februar 2013 zur Kenntnis gebracht und ihm Frist zur Einreichung einer allfälligen Re p- lik gesetzt. H. Ein Gesuch um Fristverlängerung vom 5. März 2013 wurde mangels zu- reichender Gründe für eine Fristerstreckung und vor dem Hinter grund, dass es sich um ein beschleunigtes Verfahren handle, im beantragten Umfang abgewiesen und dem Beschwerdeführer zur Einreichung einer Stellungnahme eine kurze Nachfrist von drei Tagen ab Erhalt der Verf ü- gung gesetzt. I. Am 11. März 2013 wurde n eine entsprechende Stellungnahme des B e- schwerdeführers sowie verschiedene Lohnausweise zu den Akten g e- reicht. Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen Bezug genommen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e-D-623/2013 Seite 6 hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG n ichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor dem BFM teilgenom - men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist mithin einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 – 35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdei n- stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5). Die Be- schwerdeinstanz enthält sich demnach – sofern sie den Nichteintre - tensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen mate - riellen Prüfung sondern hebt die angefocht ene Verfügung auf und weist die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1). Indessen ist im Fall des Nichteintretens auf ein Asylg e- such gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG über das Nichtbe-D-623/2013 Seite 7 stehen der Flü chtlingseigenschaft abschliessend materiell zu entsche i- den, soweit dies im Rahmen einer s ummarischen Prüfung möglich ist , weshalb diesbezüglich im Beschwerdeverfahren – ungeachtet der vorzu- nehmenden Überprüfung eines formellen Nichteintretensentscheids – grundsätzlich auch die Flüchtlingseigenschaft Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1). Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vor- genommen. weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 4. 4.1 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 48 Stun- den nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitätspapiere abg e- ben. 4.2 Keine Anwendung findet Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG, wenn Asyl su- chende glaubhaft machen können, dass sie aus entschuldbaren Gründen nicht in der Lage sind, innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitätspapiere abzugeben (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder wenn sich aufgrund der Anhörung erweist, dass zu - sätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder ei- nes Wegweisungsvollzugshindernisses nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG). Diese, einen Nichteintretensentscheid nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG ausschliessenden Gründe, sind alternativer Natur; sofern einer der genannten Gründe erfüllt ist, gelangt Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG nicht zur Anwendung (vgl. BVGE 2010/2 E. 7.4). 5. 5.1 Zur Begründung seines Nichteintretensentscheids hielt das BFM fest, der Beschwerdeführer habe den Asylbehörden zum Nachweis der Ident i- tät eine am 14. April 2004 abgelaufene Post -Identitätskarte sowie seine Geburtsurkunde eingereicht. Dabei handle es sich jedoch nicht um Reise- oder Identitätspapiere im Sinne von Art. 1 lit. b und c der Asylveror d- nung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 (AsylV1). Die Post - Identitätskarte sei keine offizielle Identitätskarte und ausserdem bereits im Jahr 2004 abgelaufen. Weder diese noch die Geburtsurkunde würden zur Einreise in andere Staaten berechtigen. Der Beschwerdeführer habe s o- dann auch nicht geltend machen können, dass er aus entschuldbaren D-623/2013 Seite 8 Gründen nicht in der Lage gewesen sei, innert der eingeräumten Frist von 48 Stunden Reise - und Identitätspapiere vorzulegen. Seine Erklärung, wonach die Familie seinen Pass nach seiner Ausreise einem Schl epper habe übergeben müssen, würde keinen Sinn ergeben. Ebenso sei u n- glaubhaft, dass die Identitätskarte des Beschwerdeführers derart durc h- nässt gewesen sein solle, dass sie vollkommen unleserlich geworden sei, zumal sri-lankische Identitätskarten in der R egel laminiert seien. Zudem sei es absolut unglaubhaft, dass jemand seine Identitätskarte, welche sein einziges Ausweispapier sei, einfach so wegwerfe, weil es unleserlich sei. Es könne zudem nicht geglaubt werden, dass der Beschwerdeführer die Reise von S ri Lanka bis in die Schweiz ohne Pass geschafft haben solle. 5.2 Unter dem Begriff “Reise - oder Identitätspapier“ im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG sind Dokumente und Ausweise zu verstehen, welche von den heimatlichen Behörden hauptsächlich zum Zwecke d es Ident i- tätsnachweises ausgestellt worden sind und die sowohl eine zweifelsfreie Feststellung der Identität – einschliesslich der Staatsangehörigkeit – als auch den allfälligen Vollzug der Wegweisung der asylsuchenden Person ermöglichen. Diese Anforderungen erfüllen regelmässig Reisepässe und Identitätskarten, nicht aber zu anderen Zwecken ausgestellte Dokumente wie insbesondere Führerausweise, Berufs- und Schulausweise sowie Ge- burtsurkunden (vgl. BVGE 2007/7). 5.3 Zutreffend hat die Vorinstanz festgestellt, dass die vom Beschwerde- führer eingereichte Geburtsurkunde nicht als „Reise- oder Identitätsp a- pier“ im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG zu qualifizieren ist, da sie nicht zum Zweck des Identitätsnachweises ausgestellt wurde und weder mit einer Fotograf ie versehen ist, noch biometrische Daten enthält, wes- halb es nicht möglich ist, über einen optischen oder andersgearteten Ver- gleich die im Dokument aufgeführten Merkmale wie Name, Staatsange- hörigkeit, Geburtsdatum etc. dem Beschwerdeführer zuverlässig zuzuord- nen. Bei der im Original eingereichten Post-Identity Card (PIC), handelt es sich hingegen um ein offizielles sri-lankisches Dokument, welches Per- sonen, die das sech zehnte Lebensjahr noch nicht erreicht haben, zum Nachweis der Identität durch das Postal-Department ausgestellt wird. Die PIC wird als offizieller Nachweis der persönlichen Identifikation gebraucht und ist als offizielle Form der Identifizierung in Sri Lanka anerkannt (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilf e, Bern 15. Oktober 2007, Rainer Mattern "Sri Lanka, Identitätsausweise" m.w.H). Sie ist denn auch mit einer Fot o- graphie und Angaben zur Person des Beschwerdeführers (Name, Täti g-D-623/2013 Seite 9 keit, Adresse, Geburtsdatum, Grösse, spezielle Merkmale) versehen, und kann damit zweifelsfrei dem Beschwerdeführer zugeordnet werden, trägt offizielle Stempelungen, was ihre Fälschung erschwert, und auch die Durchführung der Rückschaffung scheint trot z Ablaufs der Gültigkeit (… ) ohne grösseren administrativen Aufwand gewährleistet. Insgesamt dürfte damit die eingereichte PIC als Identitätspapier im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG qualifizier t werden können (vgl. BVGE 2007/7 E. 6). Ange- sichts der nachfolgenden Ausführungen kann diese Frage jedoch letztlich offen bleiben. 5.4 Der Beschwerdeführer hat die PIC ohnehin erst am 30. Oktober 2009 zuhanden der kantonalen Vollzugsbehörde abgegeben (act. A12) und mithin nicht, wie gesetzlich bestimmt, innerhalb von 48 Stunden nach Ein- reichung des Asylgesuchs. Damit ist die Grundvoraussetzung für einen Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt. 5.5 Im Verfahren konnte der Beschwerdeführer überdies nicht glaub - haft machen, dass er aus entschuldbaren Gründen nicht in der Lage gewesen sein soll , innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise - oder Identitätspapiere abzugeben (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG). Zutreffend führte das BFM im diesem Zusammenhang aus, dass die Er- klärungen des Beschwerdeführers zum Verbleib seines Passes und sei- ner National Identity Card, welche ihm nach Erreichen des sech zehnten Lebensjahres ausgestellt worden war, nicht plausibel erscheinen. Insb e- sondere vermag nicht einzuleuchten, dass der Beschwerdeführer seine Identitätskarte bei seiner Reise nach Europa mit sich getrage n, jedoch später weggeworfen haben will. Soweit er in diesem Zusammenhang ge l- tend macht, die Identitätskarte sei durchnässt und damit unleserlich g e- worden, vermag auch dies nicht einzuleuchten , verweist das BFM doch zutreffend darauf, dass entsprechende sr i-lankische Ausweise laminiert sind. Sodann erweisen sich auch die Ausführungen des Beschwerdefü h- rers zu seinem Reiseweg als vage (act. 1 S. 6). Der Beschwerdeführer machte zudem im vorinstanzlichen Verfahren keine Gründe geltend, wann und unter welchen Um ständen er in den Besitz der im vorinstanzli- chen Verfahren am 30. Oktober 2009 eingereichte Post-Identity Card ge- langt ist, und warum es ihm nicht möglich gewesen sein soll, diese bereits bei seiner Asylgesuchstellung einzureichen. Zu den Umständen der nach- träglichen Beschaffung äusserte er sich auch im Beschwerdeverfahren nicht. Insgesamt ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdefü h-D-623/2013 Seite 10 rer sowohl die Angaben zu seinem tatsächlichen Reiseweg als auch die- jenigen zum Verbleib seiner Identitätspapiere bewuss t falsch dargestellt hat, was nach dem Willen des Gesetzgebers sanktioniert werden soll (vgl. BVGE 2010/2 E. 5 S. 24 ff.). 6. 6.1 Im Rahmen der Begründung seines Entscheids hielt das BFM da r- über hinaus fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaf t gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht und es seien auf Grund der Aktenlage auch keine zusätzlichen Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingse i- genschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses erforderlich , weshalb auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei. 6.1.1 Insgesamt würden sich die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als stereotyp erweisen und wenig glaubhaft erscheinen. Insbesondere die Schilderungen der Umstände seiner Flucht aus dem von de n LTTE kon- trollierten Gebiet sei en konfus und widersprüchlich. So habe der B e- schwerdeführer angegeben, ein höherrangiges LTTE -Mitglied habe ihm angeraten, eine Sprengstoffweste zu tragen, sich dieser jedoch später zu entledigen und sich der Armee zu ergeben. Anlässlich seiner Anhörung im EVZ habe er besagte Weste jedoch mit keinem Wort erwähnt sondern ausschliesslich von Kleidern der "Black Tigers" gesprochen. Auch habe der Beschwerdeführer nicht plausibel machen können, warum die LTTE gerade ihm eine Sprengstoffweste hätte aushändigen soll en, seien Selbstmordattentäter doch keine Personen, denen man einfach so eine Sprengstoffweste überreiche, weil sie gerade in die richtige Richtung g e- hen würden. Weiter sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die Umstände seiner Festnahme durch die Arm ee glaubhaft darzulegen. Zu- dem hätte die Armee ihn wohl kaum nach 20 Tagen gehen lassen, wenn sie ihn tatsächlich für einen Selbstmordattentäter gehalten hätten. Als ebenfalls unglaubhaft erweise sich sodann das Vorbringen des B e- schwerdeführers, er sei in Colombo durch die Polizei verhaftet worden. Hätte die Polizei tatsächlich den Verdacht gehabt, dass der Beschwerd e- führer in Machenschaften der LTTE verwickelt sei, hätten sie ihn nicht noch am selben Tag wieder aus der Haft entlassen. Auch wenn man das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe de n LTTE Lautsprecher für Veranstaltungen ausgeliehen, als wahr unterstellen würde, sei festzuhal- ten, dass d ie LTTE von sehr vielen Personen unterstützt worden sei und sich der Beschwerdeführer durch seine Kontakte mi t den LTTE nicht von der Masse abhebe. Auch habe die Unterstützung lediglich darin besta n- den, dass er de n LTTE zu seinem eigenen Profit Lautsprecher vermietet D-623/2013 Seite 11 habe, weshalb er über kein spezielles LTTE -Profil verfüge und eine be- gründete Furcht vor Verfolgu ng in diesem Zusammenhang nicht bejaht werden könne. Da der Beschwerdeführer eine Verfolgungssituation nicht habe glaubhaft machen können, sei auch davon auszugehen, dass er bei den Behörden nicht als LTTE-Angehöriger registriert sei. 6.1.2 Im Hinblick auf den in der Folge angeordneten Wegweisungsvollzug erwog die Vorinstanz im Wesentlichen, weder aus den Aussagen des Be- schwerdeführers noch aus den Akten würden sich Anhaltspunkte dafür er- geben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtl i- cher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. Novem- ber 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lasse – unter Verweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24) – den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen. Seit der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und der LTTE im Mai 2009 zu Ende gega n- gen sei, befinde sich das gesamte Land wieder unter Regierungskontro l- le. Die allgemeine Sicherheitslage habe sich seither deutlich verbessert. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers erweise sich nach dem Gesagten im asyl- und völkerrechtlichen Sinn als zulässig. Der Wegweisungsvollzug in die Ostprovinz sei grundsätzlich zumutbar. Mit Ausnahme des Vanni - Gebietes erweise sich der Wegweisungsvollzug sodann auch in die Nord- provinz als zumutbar, wobei sich eine sorgfältige Be urteilung der indiv i- duellen Zumutbarkeitskriterien aufdränge. Der Beschwerdeführer habe zuletzt in F._______, E._______, mithin im Vanni-Gebiet gelebt, weshalb das Vorliegen einer innerstaatlichen Wohnsitzalternative zu prüfen sei . Der Beschwerdeführer stamme ursprünglich aus B._______, Jaffna. Dort habe er abgesehen von zwei Unterbrüchen von seiner Geburt an bis ins Jahr 2006 gelebt. Seine Eltern und drei seiner Geschwister würden i m- mer noch dort leben. Der Beschwerdeführer verfüge damit über ein trag - fähiges Beziehungsnetz ausserhalb des Vanni -Gebietes. Der Vollzug er - weise sich daher als zumutbar, da weder die vor Ort herrschende Sicher - heitslage in Jaffna noch individuelle Gründe gegen einen Wegweisungs - vollzug sprechen würden. Zudem habe der Beschwe rdeführer einen On- kel in Colombo, welcher ihm bei seine n Festnahmen geholfen und ihn fi- nanziell unterstützt habe; es könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer auch weiterhin auf dessen Unterstützung zählen könne. D-623/2013 Seite 12 6.2 Im Folgenden ist demnach z u prüfen, ob das BFM zu Recht gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG nicht auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers eingetreten ist. 6.2.1 Der Gesetzgeber hat mit der Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a i.V.m. Abs. 3 Bstn. b und c AsylG ein Summarverfahren geschaff en, in welchem über das Bestehen beziehungsweise das Nichtbestehen der Flüchtlingseigenschaft abschliessend materiell befunden wird, soweit dies im Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist. Einzutreten ist auf das Asylgesuch dann, wenn bereits aufgrun d einer summarischen Pr ü- fung festgestellt werden kann, dass die asylsuchende Person die Flüch t- lingseigenschaft im Sinne der Definition von Art. 3 AsylG offensichtlich er- füllt (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG). Nicht einzutreten ist auf das Asylgesuch demgegenüber, wenn bereits aufgrund einer summarischen Prüfung und ohne weitere Abklärungen festgestellt werden kann, dass die asylsuchen- de Person die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfüllt bezie- hungsweise keine Wegweisungsvollzugshindernisse vorliegen. Die Offen- sichtlichkeit der fehlenden Flüchtlingseigenschaft kann sich dabei aus der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen, aber auch aus der fehlenden Asylrel e- vanz ergeben (vgl. BVGE 2007/8). Kann aufgrund einer summarischen materiellen Prüfung nicht abschlies- send festgestellt werden, ob die asylsuchende Person offensichtlich Flüchtling ist oder offensichtlich nicht Flüchtling ist, ist auf das Asylgesuch gestützt auf Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG zwecks weiterer, im ordentlichen Verfahren vorzunehmender Abklärungen zur Feststellung der Flüchtling s- eigenschaft oder von Wegweisungsvollzugshindernissen einzutreten, w o- bei sich im Hinblick auf Wegweisungsvollzugshindernisse der Bedarf we i- terer Abklärungen auf die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvol l- zugs zu beziehen hat (vgl. BVGE 2009/50 E. 5-8). Ein Nichteintretensent- scheid ist somit dann ausgeschlossen, wenn das Fehlen der Flüchtling s- eigenschaft oder der Vollzugshindernisse nicht offenkundig ist, bezi e- hungsweise wenn zusätzliche Abklärungen jeglicher Art nötig erscheinen oder der Entscheid einer einlässlichen Begründung bedarf. Damit soll nach dem gesetzgeberischen Willen sichergestellt werden, dass in di e- sem verkürzten Verfahren die Gefahr der vorschnellen falschen Einschät- zung einer Situation in rechtli cher und/oder sachlicher Hinsicht ausg e- schlossen werden kann. Zusätzliche Abklärungen in diesem Sinne we r- den nach gefestigter Rechtsprechung dahingehend definiert, dass ein Nichteintretensentscheid bereits dann ausgeschlossen ist, wenn weitere (auch interne) sachliche Abklärungen zum Beispiel zur politischen Lage in D-623/2013 Seite 13 einem bestimmten Land, zur Situation einer bestimmten Bevölkerung s- gruppe oder zu einem bestimmten Ereignis nötig werden, aber auch dann, wenn sich in rechtlicher Hinsicht Fragen stellen, die nicht ohne wei- tere Prüfung beantwortet werden können. Solche Abklärungen müssen nicht zwingend einen Niederschlag in den Akten finden . Vielmehr ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu prüfen, ob die Flüchtlingseige n- schaft und das Vorliegen von Wegweisungsvol lzugshindernissen offen- kundig und ohne grossen Begründungsaufwand ausgeschlossen wer den kann (vgl. BVGE 2007/8 E. 5.6.3-5.7). Schliesslich bemisst sich die Beur- teilung, ob die Flüchtlingseigenschaft oder die Wegweisungsvollzugshi n- dernisse offenkundig fehlen, nicht zuletzt auch daran, dass im vorinstanz- lichen Verfahren in solchen Fällen in der Regel eine 10 -tägige Entschei- dungsfrist und die summarische Entscheidbegründung genügen müssen (vgl. Art. 37 Abs. 1 AsylG). 6.2.2 Zunächst ist festzustellen, dass das Asylge such des Beschwerd e- führers vom August 2009 datiert . Der vorinstanzliche Entscheid erging mithin nach mehr als dreijähriger Hängigkeit des Gesuches. Eine derart lange Verfahrensdauer legt bereits an sich den Schluss nahe, dass das BFM die Voraussetzungen fü r einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG nicht als erfüllt ansah . Das BFM hat denn im angefochtenen Entscheid auch keine Gründe , insbesondere auch kein missbräuchliches Verhalten des Beschwerdeführers, geltend gemacht, aufgrund derer sich ein Nichteintreten trotz derart langer Verfahrensdauer rechtfertigt. 6.2.3 Festzustellen ist in diesem Zusammenhang denn auch, dass die S i- tuation in der Herkunftsregion des Beschwerdeführers im Zeitpunkt seiner Asylgesuchstellung von den Asylbehörden praxisgemäss als äusserst un- sicher qualifiziert wurde und eine Gefährdung von tamilischen Rückke h- rern nicht ausgeschlossen werden konnte. Erst di e seither in Sri Lanka vonstattengegangene Entwicklung machte eine Neubeurteilung der Asyl - und Wegweisungspraxi s notwendig. Das Bundesverwaltungsgericht hat eine umfassende Länderanalyse in seinem Grundsatzentscheid vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24) vorgenommen. In diesem Zusammen- hang hat es festgestellt, dass es auch zum heutigen Zeitpunkt Personen- kreise gibt, welche seit Beendigung des militärischen Konfliktes einer e r- höhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt we r- den, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu h aben, ebenso wie abgewiesene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum D-623/2013 Seite 14 LTTE-Kader (siehe die ausführliche Darstellung der Personengrup pen in BVGE 2011/24 E. 8). Die Vorinstanz selbst hat nach Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgericht ebenfalls umfassende Abklärungen in Bezug auf die Situation in Sri Lanka getroffen. Insbesondere eine vom 5. bis 18. September 2010 in Sri Lanka durchgeführte Dienstreise von Vertr e- tern des BFM, deren Er kenntnisse in einem internen Dienstreisebericht vom Oktober 2010 Niederschlag gefunden haben, dient als Grundlage für die aktuelle Lagebeurteilung im Hinblick auf die Asyl - und Wegweisungs- praxis des BFM. Auch wenn die Vorinstanz auf diese Erkenntnisse in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung nicht explizit Bezug nimmt, so liegen sie der Einschätzung dennoch offensichtlich zugrunde. So stellte die Vorinstanz bei der Beurteilung der Vorbringen, welche sie nicht per se als unglaubhaft erachtet hat, fest, dass der Beschwerdeführer wegen sei- ner Hilfstätigkeit für die LTTE zum heutigen Zeitpunkt keiner Risikogruppe mehr zuzuordnen sei und nahm damit auf die seit 2009 eingetretenen Veränderungen der Sicherheitslage Bezug. Im Hinblick auf die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs stützt sich d ie Vorinstanz sodann explizit auf die vorgenommene umfassende Lagebeurteilung des Bundes- verwaltungsgerichts zur Sicherheitslage in Sri Lanka. Aufgrund dieser seit Hängigkeit des Asylgesuchs umfassenden Abklärungen in Bezug auf die veränderte Lage in Sri Lanka, welche Grundlag e des vorliegenden En t- scheides bilden, rechtfertigt sich e in Nichteintreten sentscheid in keiner Weise, sondern war die Vorinstanz gehalten, die Beurteilung der Asylvor- bringen im Rahmen eines ordentlichen Verfahrens vorzunehmen. 6.2.4 Hinzu kommt, dass im Zusammenhang mit der Prüfung der Flüch t- lingseigenschaft des Beschwerdeführers die Vorinstanz schrittweise ei n- zelne Vorbringen des Beschwerdeführers abhandelte und in einer eing e- henden Analyse aufzeigt, weshalb sie die betreffenden Angaben des B e- schwerdeführers als nicht nachvollziehbar und widersprüchlich erachte. Sie vermag allerdings mit ihren teilweise mutmassenden und nicht ohne Weiteres nachvollziehbaren Argumenten nicht verständlich zu machen, inwiefern sich bereits im Rahmen einer bloss summarischen Prüfung des Asylgesuches die Erkenntnis ergeben soll, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfüllt bzw. seine Vorbringen nicht asylrelevant sein sollen. Der von der Vorinstanz betriebene Begrü n- dungsaufwand und die Detai lbezogenheit der Erwägungen deuten im Gegenteil darauf hin, dass für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers eine vertiefte Prüfung seiner Angaben unumgänglich war. D-623/2013 Seite 15 6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM im Laufe des vor- liegenden Asylverfahrens nicht nur zahlreiche weitere Abklärungen in B e- zug auf die asylrechtlich wie auch völkerrechtlich relevante Gefährdung s- lage von Tamilen in Sri Lanka vornahm, sondern in seinen Erwägungen auch den Rahmen einer summarischen Prü fung der Glaubhaftigkeit und der Asylrelevanz der Vorbringen deutlich sprengte. Gemäss Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG hätte damit Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG keine Anwendung fin- den dürfen. Das BFM ist demnach zu Unrecht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetr e- ten. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 28. Januar 2013 ist aufzuheben und die Sache an das BFM zur Neu- beurteilung im Sinne der Erwägungen zurückzuweisen. 7. 7.1 Bei die sem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). 7.2 Als obsiegende Partei hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ent - schädigung für die ihm durch das Beschwerdeverfahren erwachsenen notwendigen und verhältnismässi g hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] ). Seitens der Rechtsvertreterin wurde keine Kostennote eingereicht (Art. 14 Abs. 1 VGKE). Auf die Einforderung von einer sol - chen kann indes verzichtet werden, da sich der notwendige Zeitauf - wand mit hinreichender Genauigkeit abschätzen lässt (Art. 10 Abs. 1 VGKE). Die Vertretungskosten (vgl. Art. 9 VGKE) sind deshalb auf - grund der Akt en festzusetzen und auf insgesamt Fr. 800.– (inkl. Ausla - gen und Mehrwertsteuer) zu bemessen (Art. 14 Abs. 2 und Art. 10 Abs. 2 VGKE). Das Bundesamt ist anzuweisen, dem Beschwerdefüh - rer diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-623/2013 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung vom 28. Januar 2013 wird aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung von Fr. 800.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Constance Leisinger Versand: