B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2698/2011 U r t e i l v om 9 . S e p t e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. April 2011 / N (…). D-2698/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus C._______ bei D._______ (Distrikt Jaffna) – suchte am 7. Ja- nuar 2009 in der Schweiz um Asyl nach. B. Er wurde am 14. Januar 2009 zu seiner Person und summarisch zum Reiseweg sowie den Gründen des Asylgesuchs befragt (Befragung zur Person [BzP]). Eine eingehende Anhörung fand am 7. September 2009 statt. C. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen d a- mit, dass er zwar lediglich untergeordnete Hilfeleistungen für die Liberat i- on Tigers of Tamil Eelam (LTTE) übernommen habe, jedoch zwei seiner Brüder einer Unterstützung der LTTE verdächtigt würden, wodurch auch er in den Fokus der Behörden geraten sei. Zudem sei er von militanten Organisationen erpresst worden. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens drei Fotografien, eine CD sowie ein Z u- stellkuvert ein. D. Mit Entscheid vom 7. April 2011 – eröffnet am 11. April 2011 – lehnte das BFM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. E. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. Mai 2011 Beschwerde an das Bundes verwal- tungsgericht. Es wurde die Aufhebung der angefochtenen Verfügung w e- gen Verletzung formellen Rechts und Rückweisung der Sache zur Ne u- beurteilung, eventualiter die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und Rückweisung der Sache an das BFM zur Feststellung des richtigen und vollständigen Sachverhalts und Neubeurteilung verlangt. Subeventu- aliter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigen- schaft festzustellen und dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. S ub- subeventualiter seien die Dispositivziffern 3 und 4 der vorinstanzlichen D-2698/2011 Seite 3 Verfügung aufzuheben und die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde unter anderem um Einsicht in die gesamten Asylakten des Beschwerdeführers, insbesondere in die einge- reichten Beweismittel und den in der angefochtenen Verfügung zitierten Dienstreisebericht des BFM sowie allfällige w eitere Länderanalysen zu Sri Lanka und die Asylakten des Bruders des Beschwerdeführers sowie um eine damit verbundene Frist zur Beschwerdeergänzung er sucht. Im Weiteren wurde die Mitteilung des Spruchkörpers beantragt. Zur Stützung der Vorbringen wurden Au szüge aus dem Internet zur al l- gemeinen Situation in Sri Lanka eingereicht. Auf diese – sowie auf die weiteren im Verfahren eingereichten – Beweismittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. F. Mit Zwischenverfügung vom 18 . Mai 2011 verzichtete der zuständige I n- struktionsrichter auf das Erhe ben eines Kostenvorschusses, stellte dem Beschwerdeführer die Beweismittel im Original zu und gewährte ihm eine damit verbundene Frist zur Beschwerdeergänzung. Im Weiteren stellte er fest, dass über den Antrag um Einsicht in die Asylakten des Bruders des Beschwerdeführers nach Eingang einer entsprechenden Einwilligungse r- klärung des Bruders entschieden werde. Schliesslich teilte er dem B e- schwerdeführer die Zusammensetzung des Spruchkörpers mit. G. In seiner Beschwerdeergänzung vom 3. Juni 2011 reichte der Rechtsver- treter zwei Fotografien ein und hielt an seinem Ersuchen um Einsicht - nahme in den Dienstreisebericht und allfällige weitere Länderinformati o- nen fest. H. Am 14. Oktober 2011 wurde eine weitere Beschwerdeergänzung eing e- reicht, zusammen mit diversen Internetberichten und einem Gesetzestext. I. Mit Zwischenverfügung vom 27. März 2013 wurde festgestellt, die Akten- stücke aus dem Verfahren D -3747/2011 – der BFM-Bericht vom 22. D e- zember 2011 und die diesbezügliche Stellungnahme des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 23. Januar 2012 – würden auch im vorli e- genden Verfahren zu den Akten genommen. Im Weiteren wurde dem B e-D-2698/2011 Seite 4 schwerdeführer die Möglichkeit eingeräumt, sich bis zum 15. April 20 13 ergänzend beziehungsweise abschliessend zur Beschwerdesache zu äussern. J. In seiner Eingabe vom 15. April 2013 reichte der Rechtsvert reter eine weitere Stellungnahme zum Bericht des BFM vom 22. Dezember 2011 im Beschwerdeverfahren D-2793/2011 vom 5. Juni 2012 und zahlreiche Auszüge aus dem Internet zur allgemeinen Situation in Sri Lanka ein. K. Mit Eingabe vom 14. Mai 2013 wurden hinsichtlich des Bruders E._______ des Beschwerdeführers zwei ärztliche Bestätigungsschreiben vom 30. April 2013 und 1. Mai 2013 und ein weiterer Auszug aus dem I n- ternet eingereicht. L. Mit Eingabe vom 28. Mai 2013 wurde eine Einverstän dniserklärung des Bruders zum Beizug seiner Akten ins Recht gelegt und ergänzende Au s- führungen zur Misshandlungsgefahr im Falle einer Rück kehr nach Sri Lanka sowie ein Bericht der UK Border Agency vom Dezember 2012 und ein Bericht von Tamils against Genocide eingereicht. M. Mit Zwischenverfügung vom 13. Juni 2013 wurde dem Beschwerdeführer Einsicht i n die Akten des Bruders gewährt, indem ihm Kopien des vor - instanzlichen Aktenverzeichnisses, des Beweismitteldossiers sowie der BzP und der Anhörung zugestellt wurden, unter Ansetzung einer Frist zur Stellungnahme. N. Am 28. Juni 2013 reichte der Beschwerdeführer eine ergänzende Ste l- lungnahme ein und ersuchte um Zustellung des Asylentscheids seines Bruders. Als Beweismittel w urden eine Kopie der Identitätskarte eines Freundes des Beschwerdeführers sowie ein Zeitungartikel, der über dessen Entfüh- rung berichtet, eingereicht. Des Weiteren wurden sechs Berichte über die aktuelle Lage in Sri Lanka eingereicht. Der positive Asylentscheid des Bruders wurde dem Beschwerdeführer am 2. Juli 2013 zur Kenntnisnahme zugestellt. D-2698/2011 Seite 5 O. Mit Eingabe vom 3. Juli 2013 ersuchte der Beschwerdeführer um eine Zusammenstellung der Gründe, welche zum positiven Asylentscheid des Bruders geführt hätten. Dieses Ersuchen wurde mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 2013 abg e- lehnt. Ein erneutes Gesuch um Zustellung der Entscheidgründe betreffend den Bruder blieb vom Gericht unbeantwortet. P. In der Vernehmlassung vom 17. Juli 2013 äusserte sich die Vorinstanz zu den Vorbringen des Beschwerdeführers. Q. Mit Replik vom 2. August 2013 nahm der Beschwerdeführer zu den Au s- führungen in der Vernehmlassung Stellung. Als Beweismittel wurde ein Bericht von asrilanka.com (…) eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det in diesem Bereich endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsgesuches des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht ( Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-2698/2011 Seite 6 1.3 Die Beschwerde ist form - und fristgerecht eingereicht. Der Be - schwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtl ingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ih rer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor bringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass die sri-lankischen Behörden seinem älteren Bruder F._______, welcher Dich- ter sei, vorgeworfen hätten, seine Lieder seien politischen Inhalts und würden der Unterstützung der LTTE dienen, weshalb sich der Bruder nach Indien abgesetzt habe. In der Folge seien die Familienangehörigen des Geflüchteten unter dem Verdacht, die LTTE zu unterstützen, wiede r- holt von den sri-lankischen Behörden aufgesucht worden. Der Beschwer- deführer sei einmal Mitte 2008 festgenommen und während eines Tages festgehalten worden. Er habe an seinem Wohnort ein Textilgeschäft g e-D-2698/2011 Seite 7 führt und während der Zeit des zwischen de n LTTE und de m sri - lankischen Staat geltenden Friedensabkommens habe er sich regelmä s- sig nach Colombo begeben, um dort Waren zu verkaufen. In dieser Zeit habe er auch Textilien an die LTTE geliefert. Im Vorfeld von Feierlichke i- ten der LTTE habe er für diese Geld bei andern Ladenbesitzern gesa m- melt und die Strassen geschmückt . Während der Friedenszeit im Se p- tember 2007 sei in der nahen Umgebung seines Geschäftes eine Bombe explodiert. Dabei seien sowohl sri -lankische Polizisten als auch Zivilisten verletzt worden. Er und sein jüngster Bruder hätten si ch im Geschäft auf- gehalten. Nach der Explosion seien sie von Angehörigen der Sicherheits- behörden zusammengeschlagen worden, wobei er am Fuss und an den Armen verletzt worden sei. Sein Bruder sei auf einen Stacheldraht gewor- fen worden und habe schwere Verletzungen erlitten, an de ren Folgen er bis heute leide. Sein anderer Bruder G._______ habe Schwierigkeiten mit den Behörden gehabt, weil er in seinem Videogeschä ft Lieder der LTTE gespielt und Verbindungen zu den LTTE unterhalten habe. G._______ sei vor ihm, dem Beschwerdeführer, in die Schweiz gereist und habe um Asyl nachgesucht. Weil verschiedene Leute im Beschwerdeführer eine vermö- gende Person gesehen hätten, habe er nach Ende des Friedensabko m- mens Anrufe erhalten, bei welchen er unter Drohun g zur Geldzahlung aufgefordert worden sei. Er sei auch von einem Mitglied einer tamilischen Partei erpresst worden, welche s ihm gedroht habe, seine ganze Familie zu vernichten. Eines Tages sei er von Angehörigen einer militanten Orga- nisation persönlich aufgesucht und unter Drohung zur Bezahlung eines Geldbetrages aufgefordert wor den. In den nachfolgenden Nächt en seien weisse Vans an seinem Haus vorbeigefahre n und man habe nach ihm gesucht, so dass er aus Angst jeweils in verschiedenen Häusern übe r- nachtet ha be. Er vermute, dass diese Leute mit der Regierung zusa m- menarbeiten würden und man ihm wohl Verbindungen zu den LTTE nachsage. Er habe sich nicht an die Polizei gewandt, da diese Gruppen mit der Polizei zusammenarbeiten würden. Er habe sich dann zur Ausrei- se entschlossen. Mit einer "Clearance", einer Ausreiseerlaubnis der sri - lankischen Behörden zum Verlassen der Halbinsel Jaffna, die er sich vier Monate vor seiner Ausreise vorsichtshalber habe ausstellen lassen, sei er Ende 2008 von H._______ nach Colombo geflogen. Dort habe er sich zwei Monate aufgehalten, bevor er (…) Januar 2009 Sri Lanka verlassen habe. Dabei sei er mit einer sri -lankischen Staatsangehörigen mit Kind gereist, welche ihn als ihren Ehemann ausgegeben und entsprechende Reisedokumente vorgelegt habe. Über Katar sei er nach Italien geflogen und am 7. Januar 2009 illegal in die Schweiz gelangt. D-2698/2011 Seite 8 4. Das BFM erachtete in der angefochtenen Verfügung die Vorbringen des Beschwerdeführers, wegen seine s Bruders von den sri -lankischen B e- hörden behelligt und von Angehörigen militante r Organisationen bedroht und zu Geldzahlungen aufgefordert worden zu sein, als nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG. Zum einen habe der Beschwerdeführer in der Anhörung einmal angeg e- ben, er sei jeweils wegen seines Bruder s, der Gedichte geschrieben und sich nach Indien abgesetzt habe, von den Behörden aufgesucht und mehrmals mitgenommen worden (act. A11 S. 6). An anderer Stelle habe er indessen geltend gemacht, bloss ein einziges Mal mitgenommen wo r- den zu sein (act. A11 S. 11). Diese beiden Aussagen würden sich wi e- derum nicht mit den Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der BzP vereinbaren lassen, wonach er nie in Haft gewesen sei (act. A1 S. 5). Der Bombenanschlag und der anschliessende tätliche Angriff seitens der Be- amten sei in der BzP anders als in der Anhörung geschil dert worden, in- dem nur in der BzP der psychisch auffällige Junge Erwähnung gefunden habe. Schliesslich habe der Beschwerdeführer abweichend von seiner Aussage anlässlich der BzP, wonach er Angehörigen e iner militante n Gruppe versprochen habe, das verlangte Geld umgehend zu be zahlen (act. A1 S. 5), im Rahmen der Anhörung angegeben, eine zehn - bis vier- zehntägige Bedenkfrist verlangt zu haben ( act. A11 S. 10). Auch habe er dort geltend gemacht, eine Geldsumme von 2,5 Millionen sei von ihm g e- fordert worden (vgl. act. A11 S. 10), anlässlich der BzP indessen von 2 Millionen gesprochen (vgl. act. A1 S. 5). Zum anderen sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, g e- naue zeitliche Angaben zu den telefonisc hen Drohungen zu machen. Er habe weder das Datum des ersten noch des letzten diesbezüglichen Vo r- falls sowie deren Häufigkeit angeben können. Auch habe er nur ung e- naue und oberflächliche Angaben hinsichtlich der militanten Organisati o- nen, die Geld von ihm v erlangt hätten, gemacht, obwohl er angeblich b e- reits seit längerer Zeit solchen Übergriffen ausgesetzt gewesen sei. Schliesslich habe er angegeben , regelmässig mit entsprechender "Clea- rance" nach Colombo gereist zu sein und vor seiner Ausreise in Colombo seinen Pass erneuert zu haben (act. A11 S. 3) , was darauf hindeute, dass er in den Augen der Behörden als unbescholtener Bürger gelte. Es könne auch nicht nachvollzogen werden, wieso er gezwungen gewesen sein sollte, für die Ausreise aus seinem Heimatstaat auf die Unterstü t- zung einer sri -lankischen Staatsangehörigen angewiesen gewesen und D-2698/2011 Seite 9 als deren "Ehemann" gereist zu sein. Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer legal und im Besitz seines eigenen Passes Sri Lanka verlassen habe. Die ohne nähere Erklärungen eingereichten Beweismittel ( drei Fotogr a- fien, eine CD sowie ein Zustellkuvert) seien zum Nachweis der Vorbri n- gen nicht geeignet. Auf zwei Fotografien sei eine Person mit Narben auf der Innenseite des rechten Armes abgebildet , die gemäss Angaben des Beschwerdeführers die Spuren der Misshandlungen seines jüngsten Bru- ders zeigen würden (act. A11 S. 3). Seine Vorbringen hinsichtlich d ieser Übergriffe seien jedoch mit Ungereimtheiten behaftet, wodurch sich aus den eingereichten Fotografien nicht darauf schliessen lasse, dass die dort abgebildeten Narben in dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten Zusammenhang entstanden seien. Aus der eingereichten CD mit tamil i- schen Liedern sei nicht ersichtlich, ob und inwiefern diese politischen I n- halts seien und konkret Anlass einer Verfolgung gewesen sein sollten. 5. 5.1 Diesen Erwägungen wurde in der Beschwerde entgegengehalten, dass das BFM in mehrfacher Weise den Grundsatz des rechtliche n Ge- hörs verletzt habe. Das BFM habe es unterlassen, dem Beschwerdefü h- rer Einsicht in die eingereichten Originalbeweismittel sowie in die vom BFM verwendeten Länderberichte insbesondere in den Dienstreisebericht zu verschaffen. Die angefochtene Verfügung verletze auch die Begründungspflicht, indem das BFM keine gründliche Lageanalyse vorgenommen habe und zudem nicht nachvollzogen werden könne, auf welche Quellen es seine Lag e- analyse stütze. M it Bezug auf den Dienstreiseber icht bleibe unklar, we l- che Abklärungen konkret vorgenommen worden seien. Die pauschalen Feststellungen des BFM würden eine sachgerechte Anfechtung veru n- möglichen. Wesentliche Sachverhaltsvorbringen hätten keinen Eingang in die ang e- fochtene Verfügung gefunden. So habe der Beschwerdeführer eigene Un- terstützungsleistungen für die LTTE erwähnt, ohne dass diese vom BFM berücksichtigt worden seien. Überdies habe das BFM die eingereichten Beweise nicht einer fundierten Prüfung unterzogen und den Beschwerd e- führer auch nicht konkret zur Bedeutung u nd zum Inhalt der Beweismittel – wie etwa zum Textinhalt der eingereichten Lieder – befragt, sondern ih- nen in pauschaler Weise jeglichen Beweiswert abgesprochen. Das BFM D-2698/2011 Seite 10 habe den Sachverhalt zudem nur mangelhaft festgestellt, indem sich die Analyse der aktuellen Lage in Sri Lanka lediglich auf die Richtlinie des Hohen Flüchtlingskommissariat s der Vereinten Nationen (UNHCR) vom 5. Juli 2010 stütze und daher weder ein vollständiges noch ein ausgew o- genes Bild der aktuellen Gegebenheiten liefern könne. Diese Richtlinie nehme für sich nicht in Anspruch, ein umfassendes Bild der Situation zu liefern, sondern definiere spezifische Risikogruppe n, welche nach Ei n- schätzung des UNHCR besonderen Schutzes bedürften, halte aber expli- zit fest, das s stets eine einzelfall bezogene Prüfung unter Berücksicht i- gung einschlägiger Länderberichte zu erfolgen habe. Schliesslich habe es das BFM trotz Verweis auf die Richtlinie unterlassen, die Fluchtgeschich- te des Beschwerdeführers auf die in der Richtlinie definierten Risikoprofile hin zu überprüfen. Der Bruder des Beschwerdeführers G._______ habe in der Schweiz Asyl erhalten, was unter dem Aspekt einer Reflexverfolgungsgefahr zu würd i- gen sei. Sollte keine Kassation erfolgen, so sei die Sachverhaltsabklärung im Si n- ne der obigen Ausf ührungen zu ergänzen. Zu diesem Zweck müsse der Beschwerdeführer nochmals angehört werden, und das Gericht müsse aktuelle Länderinformationen beiziehen. In materieller Hinsicht habe das BFM den Sachverhalt unzutreffend g e- würdigt, indem es zu Unrecht von d er Unglaubhaftigkeit der Vorbringen ausgegangen sei. Die widersprüchlichen Aussagen des Beschwerdefü h- rers zur Anzahl der Festnahmen würden sich dadurch erklären lassen, dass es sich bei der betreffenden Formulierung "jeweils festgenommen und mitgenommen" u m die Beschreibung ähnlicher Vorgänge handle. In Anbetracht der im späteren Verlauf der Befragung vorgebrachten Präz i- sierung, mehrmals zuhause aufgesucht und einmal verhaftet worden zu sein, sei diese unscharfe Übersetzung dahingehend zu verstehen, dass er jeweils zuhause aufgesucht und dort festgehalten, jedoch nur einmal mitgenommen worden sei. Der Vorhalt des BFM, den psychisch auffäll i- gen Jungen anlässlich der Explosion , die zum Angriff auf den Beschwe r- deführer und seinen Bruder geführt habe, nur in der BzP , nicht aber in der Anhörung erwähnt zu haben, könne dahingehend widerlegt werden, dass dieser Junge erst geraume Zeit nach der Explosion den Laden verlassen habe und Grund dafür gewesen sei, dass die Polizei gerade in sein G e- schäft gekommen sei. Da di eser Junge für die Verfolgungssituation j e- doch nebensächlich sei, habe der Beschwerdeführer ihn in der Anhörung D-2698/2011 Seite 11 nicht weiter erwähnt. Die widersprüchlichen Angaben zum genauen Geldbetrag, welchen die Erpresser gefordert hätten, seien nicht wesen t- lich. Bei solchen Erpressungen werde üblicherweise – wie im Falle des Beschwerdeführers – kein exakter Geldbetrag, sondern eine Bandbreite angegeben. Weiter gehe die Vorinstanz in unzutreffender Weise davon aus, der Beschwerdeführer habe nur in der Anhörung ausgeführt, sich für die Zahlung eine Frist ausbedungen zu haben, da er auch in der BzP e x- plizit ausgeführt habe, für die Zahlung einen Termin vereinbart zu haben. Das BFM werfe dem Beschwerdeführer zu Unrecht vor, keine genauen Angaben zu den Drohanrufen gemacht zu haben. So habe er den Beginn der Anrufe mit der Aufkündigung des Friedensab kommens am 2. Januar 2008 genau benennen können . Er sei in der Anhörung weder nach der Häufigkeit der Anrufe noch nach dem letzten Anruf gefragt worden, w o- durch dieses Säumnis nu n nicht dem Beschwerdeführer angelastet we r- den könne. Die Ausführungen zur Behelligung durch die paramilitärische Gruppierung sei entgegen dem Vorhalt des BFM realitätsnah ausgefallen, indem der Beschwerdeführer als Realkennzeichen etwa erwähnt habe, dass in der Nähe des Tempels ein weisser Kleinbus geparkt habe und er auch eingestanden habe, den Namen der Gruppierung nicht nennen zu können, zumal es ein leichtes für ihn gewesen wäre, irgendeinen Namen zu nennen. Die Vorinstanz schliesse aus dem Umstand, da ss der Beschwerdeführer mit einer Clearance nach Colombo gereist sei und sich dort einen Pass habe ausstellen lassen, dass er von den Behörden als unbescholtener Bürger betrachtet werde. Das BFM verkenne dabei, dass sich der B e- schwerdeführer die Clearance bereits vier Monate bevor er seinen He i- matort verlassen habe und somit auch vor dem fluchtauslösenden Erei g- nis (Erpressung durch die paramilitärische Gruppierung) beschafft habe. Die Sicherheitskräfte hätten in dieser Zeit ihr Augenmerk auf die militär i- sche Offensive gerichtet und ehemalige LTTE -Unterstützer nicht in de m- selben Masse wie heute verfolgt. Der Beschwerdeführer sei überdies nur auf lokaler Ebene für die LTTE tätig gewesen, wodurch diese Informati o- nen erst verzögert an die Sicherheitskräfte in Colombo gelangt seien. Die Passverlängerung sei, wie in der Anhörung erwähnt, durch einen Freund vorgenommen worden und der Beschwerdeführer sei sich dabei sehr wohl des Verhaftungsrisikos bewusst gewesen. Schliesslich habe der Be- schwerdeführer für die Reise einen Schlepper beauftragt und sei nicht mit seinem eigenen Pass ausgereist. D-2698/2011 Seite 12 Zur Beurteilung der Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers könn e die Richtlinie des UNHCR beigezogen werden, die als Hauptrisikogruppe Personen nenne, welche verdächtigt würden, Verbindungen zu den LTTE zu unterhalten, was auch im Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 1. Dezember 2010 bestätigt werde . Der Beschwerdeführer gehöre dieser Risikogruppe an und erfülle daher die Flüchtlingseige n- schaft. In den Mona ten nach Kriegsende hätten die Sicherheitskräfte im sogenannten Screening -Prozess Informationen von hunderttausenden von Tamilen gesammelt, welche sie zu diesem Zwecke in Lagern fes t- gehalten und teils unter Gewaltanwendung verhört hätten. Weiter sei die sri-lankische Armee aufgrund ihres schnellen Vorstosse s im Bürgerkrieg in den Besitz umfangreicher Akten der LTTE gelangt. Gestützt auf diese Erkenntnisse seien schwarze Listen erstellt worden, welche nun zu Fahndungszwecken eingesetzt würden. Die Behörden w ürden daher im heutigen Zeitpunkt über weit mehr Informationen verfügen, als noch im Mai 2009 und könnten ihre Ressourcen nach Ende des Krieges vermehrt für die Verfolgung ehemaliger LTTE-Unterstützer einsetzen. 5.2 In der ergänzenden Eingabe vom 3. Juni 2011 wurde zu den einge- reichten Beweismitteln ausgeführt, dass diese die Ausführungen des Be- schwerdeführers bestätigen würden. So zeige das erste Foto das Texti l- geschäft des Beschwerdefüh rers. Auf den beiden anderen Fotos sehe man den jüngsten Bruder des Besch werdeführers, welcher nach dem Bombenanschlag ebenfalls verprügelt worden sei und seither unter ps y- chischen Problemen leide. Anhand der Form der länglichen Narbe in der rechten Armbeuge sei ersichtlich, dass diese von einem Stacheldraht stamme, auf welchen der Bruder geworfen worden sei. Auf dem Lichtbild sei auch die verkrampfte Körperhaltung des Bruders ersichtlich , was d a- her rühre, dass aufgrund der Schläge ein Nerv durchtrennt worden sei , und er nun seine Hand nicht mehr richtig bewegen könne. Zusätzlich wurden zwei weitere Fotos eingereicht, welche ebenfalls die Verletzungen des Bruders dokumentieren würden. Das eine zeige die Verletzung am Arm in Grossaufnahme, das andere eine längliche Narbe am Fussknöchel. Auf der CD seien zwei vom Bruder geschriebene Lieder zu hören, die von einem Sänger namens I._______ gesungen würden, den sowohl der B e- schwerdeführer als auch dessen Bruder F._______ seit Längerem ke n- nen würden. I._______ habe bereits mehrmals Lieder für die LTTE g e- sungen, was mit ein Grund gewesen sei, dass die Behörden davon au s-D-2698/2011 Seite 13 gegangen seien, dass auch die Lieder des Bruders für die LTTE seien. (…). 5.3 Am 14. Oktober 2011 wurde vom Rechtsvertreter des Beschwerd e- führers ergänzend vorgebracht, dass sich auch der Europäische G e- richtshof für Menschenrechte (EGMR) den Feststellungen i n den Beric h- ten des UNHCR sowie der SFH angeschlossen habe und für Personen, denen Verbindungen zu den LTTE nachgesagt würden, eine Misshan d- lungsgefahr nach Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) a n- nehme. Der EGMR habe in nicht abschliessender Weise Risikomerkmale definiert. Wende man dieses Prüfungsschema auf den Fall des B e- schwerdeführers an, so sei eine konkrete Gefährdung zu bejahen. Zur Verfolgung von Mitgliedern und Unterstützern der LTTE seien die S i- cherheitsbehörden aufgrund des Prevention of Terrorism Act (PTA) we i- terhin mit weitreichenden Machtbefugnissen ausgestattet, die rechtsstaat- lichen Grundsätzen nicht entsprechen würden. Aufgrund der hohen Pr ä- senz von Geheimdienstleuten am Flughafen sowie einem breiten Netz an Informanten könnten Rückkehrer systematisch überprüft werden. Wä h- rend der Dauer der Abklärungen würden sie (für längere Zeit) in Haft g e- nommen, wo es oft zu Misshandlung en komme. Das heutige Staatsgebil- de Sri Lankas sei weiterhin fest in den Händen derjenigen, die bereits zu Kriegszeigen die Macht inne gehabt und schwere Kriegsverbrechen b e- gangen hätten. Somit könne nicht angenommen werden, dass sich die Si- tuation für Pers onen, die unter LTTE -Verdacht stünden, gebessert habe. Selbst wenn ein Rückkehrer den Flughafen verlassen dürfe, sei er nicht vor Verfolgung sicher, sei es durch staatliche Sicherheitskräfte oder p a- ramilitärische Gruppierungen. Für die weiteren allgemeinen Ausführungen wird auf die Akten verwiesen. 5.4 Mit Eingabe vom 15. April 2013 brachte der Beschwerdeführer nac h- folgende Sachverhaltsergänzung an, welche sich vor acht Monaten (s o- mit ca. im August 2012) zugetragen habe: Der jüng ste Bruder des B e- schwerdeführers, der im September 2007 von den Sicherheitskräften verprügelt worden sei, sei vom Criminal Investigation Department (CID) erneut verhaftet und während vier Tagen festgehalten und befragt wo r- den. Man habe ihn mittels Injektion einer Substanz willenlos gemacht und nach seiner Involvierung und d erjenigen seines Bruders (der Beschwe r- deführer) in den Bombenanschlag vom September 2007 befragt. Man D-2698/2011 Seite 14 habe ihm gesagt, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr zur Verantwortung gezogen würde und habe überdies wissen wollen, wer a l- les Geldleistungen an die LTTE erbracht habe. Daraus ergebe sich, dass der Beschwerdeführer weiterhin im Fokus der Behörden stehe. Der Beschwerdeführer sei zusätzlich zu den bisherigen Ausführungen auch der sozialen Gruppe a bgewiesener tamilischer Asylgesuchsteller zuzurechnen, welche systematisch aufgrund eines Gener alverdachts auf Verbindungen zu den LTTE verfolgt wür den, selbst wenn sie keine pe r- sönlichen Verbindungen zur Organisation hätten. Die gegenwärtige Situation prä sentiere sich deutlich anders als sie im Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Oktober 2011 skizziert worden sei, was insbesondere darauf zurückzuführen sei, dass dem Entscheid veraltete Quellen zugrundeliegen würden . Da die Aut o- nomiebestrebungen der tamilischen Bevölkerung auch nach der militär i- schen Niederlage der LTTE ungebrochen sei en und die Diskriminierung der Tamilen anhalte, werde sich früher oder später eine Nachfolgeorgan i- sation der LTTE konstituieren. Um ein Wiedererstarken der LT TE zu ver- hindern, habe die Regierung ein vielschichtiges System der Überw a- chung (auch im Ausland) , Repression und Propaganda installiert. Dabei seien nicht nur ranghohe LTTE-Mitglieder in asylrelevanter Weise gefähr- det, sondern auch Personen, welche ein we itaus geringeres Profil au f- weisen würden (z.B. Zwangsrekrutierte oder Personen, die zivile Aufg a- ben übernommen hätte n wie etwa Buchhalter, Köche, Fahrer etc.) , oder solche, die lediglich übe r Verwandte und Bekannte bei den LTTE verfügt hätten. Rückkehrer w ürden noch am Flughafen registriert, wodurch sie jederzeit auffindbar und in erhöhtem Masse gefährdet seien. Paramilitär i- sche Gruppen, die oft eng mit den Behörden zusammenarbeiten würden, würden in grossem Ausmass Entführungen und Verschleppungen vo r- nehmen. Diese seien teilweise politisch motiviert und würden sich be i- spielsweise gegen Personen mit Ver bindungen zu den LTTE richten. Oft würden mit Lösegelderpressungen auch wirtschaftliche Zwecke verfolgt , wovon insbesondere vermögende Personen betroffen seien. Hinsichtlich der Gefährdung von Rückkehrern sei auf die von Grossbr i- tannien in jüngster Zeit vorgenommenen Rückschaffungen hinzuweisen. Nachdem es in solchen Fällen vermehrt zu Misshandlungen gekommen sei, habe das oberste britische Gericht 2012 und 2013 Ausschaffungen gestoppt. Der jüngste Ausschaffungsstopp am 27. Februar 2013 sei damit begründet worden, dass die Länderberichte und Richtlinien überarbeitet D-2698/2011 Seite 15 würden und es daher falsch wäre, aufgrund veralteter Informationen zu entscheiden. Wende man diese Erkenntnisse auf die Situation des Beschwerdeführers an, ergebe sich eine konkrete Gefährdung. Er werde auch heute noch als LTTE-Unterstützer gesucht, wodurch angenommen werden könne, das s er in den Informationssystemen der Sicherheitskräfte verzeichnet sei. Bei einer Rückkehr würde er somit unmittelbar festgenommen, was mit einer realen Gefahr von Folter und weiteren unvorhersehbaren Konsequenzen verbunden wäre. Selbst wenn er wieder freigelassen würde, bestünde die Gefahr extralegaler Ge walt und Tötung von Seiten paramilitärischer Gruppierungen. Für die weiteren allgemeinen Ausführungen, welche über weite Strecken bereits in den vorangehenden Eingaben Eingang ins Verfahren fanden, wird auf die Akten verwiesen. 5.5 Mit Eingabe vom 15. April 2 013 reichte der Rechtsvertreter des B e- schwerdeführers eine bereits in einem anderen Verfahren (D-2793/2011) eingereichte Stellungnahme zum Dienstreisebericht des BFM zu den A k- ten, die sich inhaltlich im Wesentlichen mit der ebenfalls zu den Akten ge- nommenen Stellungnahme vom 23. Januar 2012 im Verfahren D-3747/2011 deckt. Darin wurde ausgeführt, dass die eigenen Beobac h- tungen des BFM mit lediglich vier Quellen verglichen worden seien, was eine zu dünne Quellenbasis darstelle. Weiter äussere sich der Dienst rei- sebericht nur zur Praxis derjenigen Länder, welche den Wegweisung s- vollzug als grundsätzlich zumutbar erachten würden, was eine einseitige Auswahl darstelle. Die Erkenntnis, dass es kaum zu Folterungen komme, widerspreche den aktuellsten Länderinformatio nen. In widersprüchlicher Weise und entgegen der Feststellung im Grundsatzurteil des Bundesve r- waltungsgerichts gehe das BFM überdies davon aus, dass adäquater staatlicher Schutz vor paramilitärischen Gruppen bestehe. Fälschliche r- weise werde festgehalten, d ass die Registrierungspflicht in Colombo a b- geschafft worden sei. Vielmehr sei es so, dass die Sicherheitskräfte von den Familienangehörigen von sich im Ausland aufhaltenden Tamilen u m- fassende Auskunft über deren Status verlangen würden. Es werde auch nicht auf den weiterhin geltenden PTA eingegangen. Der Dienstreisebe- richt halte fest, dass Rückkehrer keine Probleme hätten, wobei detaillierte Informationen über die Rahmenbedingungen der Rückkehrer fehlen wü r- den. Dadurch scheide der Bericht als Beurteilungsg rundlage für künftige Fälle aus. Ähnlich verhalte es sich mit den Aussagen zu ehemaligen D-2698/2011 Seite 16 LTTE-Aktivisten. Auch hier werde festgehalten, dass diese keine Probl e- me hätten, ohne genau e Angaben darüber zu machen, wieso keine Ve r- folgung zu befürchten sei. Allerdings gehe das BFM davon aus, dass ehemalige LTTE -Angehörige überwacht würden und es zu gezielten Festnahmen komme. Für die weiteren allgemeinen Vorbringen kann auf die Akten verwiesen werden. 5.6 Mit ergänzender Eingabe vom 14. Mai 2013 hielt der Beschw erdefüh- rer fest, dass sich die Situation für Rückkehrer verschärft habe, was grundsätzlich auch im Urteil E -5198/2011 vom 25. April 2013 bestätigt werde. Um das Risiko eines Rückkehrers beurteilen zu können, müsse man sowohl die Verwirklichungswahrscheinli chkeit als auch das Schäd i- gungspotenzial in Betracht ziehen. Aufgrund der Quellen ergebe sich eine mittlere Verwirklichungswahrscheinlichkeit, was bei einem – im Falle von Misshandlungen im Sinne von Art. 3 EMRK – hohen Schädigungspoten- zial einem hohen Risiko entspreche. 5.7 In der Eingabe vom 28. Mai 2013 brachte der Beschwerdeführer vor, dass zahlenmässig belegt sei, dass es sich bei den misshandelten Rüc k- kehrern nicht um isolierte Einzelereignisse, sondern um ein regelmässi- ges Phänomen handle. 5.8 In der Eingabe vom 28. Juni 2013 wurde nach Einsicht in die Asyla k- ten des Bruders ausgeführt, dass aus den Anhörungen des Bruders s o- wie denjenigen des Beschwerdeführers diverse Parallelen ersichtlich se i- en. Dies widerlege die in der angefochtenen Verfügung festgestellte Un- glaubhaftigkeit. So hätten beide Brüder vorgebracht, dass die Bescha f- fung eines Clearance -Scheins schwierig gewesen sei. Das BFM habe aus dem Besitz des Scheins geschlossen, dass es sich beim Beschwe r- deführer um einen unbescholtenen Bürger handle. Dies werde dahinge- hend widerlegt, dass auch der Bruder ein solches Dokument besessen habe, obwohl er in asyl relevanter Weise verfolgt werde und daher vom sri-lankischen Staat nicht als unbescholtener Bürger betrachtet werde. Das BFM habe festgehalten, es sei un glaubhaft, dass der Beschwerd e- führer mit Hilfe einer muslimischen Frau ausgereist sei. Eben diese Frau werde jedoch auch vom Bruder als Fluchtgehilfin erwähnt. In Übereinstimmung mit den Ausführungen des Beschwerdeführers habe der Bruder vom Textilgeschäft und vom Videoladen berichtet. Der Bruder D-2698/2011 Seite 17 habe zudem ausführlich von seiner eigenen Verhaftung erzählt, welche vom Beschwerdeführer ebenfalls erwähnt worden sei. Schliesslich hätten beide Brüder übereinstimmend von den Problem en des Bruders erzählt, welcher als Dichter tätig gewesen sei. Im Falle des Beschwerdeführers müsse einer Reflexverfolgungsgefahr grosses Gewicht zugemessen werden. Es könne davon ausgegangen werden, dass die sri -lankischen Behörden vom Flüchtlingsstatus d es Bruders wüssten, was auch daraus ersichtlich sei, dass der Beschwerd e- führer nach der Flucht des Bruders vermehrt von Paramilitärs aufgesucht worden sei. Der Bruder habe in der Anhörung von einem gewissen J._______ ge- sprochen, bei welchem es sich um einen gemeinsamen Freund der be i- den Brüder handle. Dieser sei im Mai 2008 von einem weissen Van en t- führt worden und man wisse nicht, wo er sich derzeit aufhalte. Für die allgemeinen Ausführungen wird auf die Akten verwiesen. 6. In der Vernehmlassung vom 17. Juli 2013 äusserte sich die Vorinstanz dahingehend, dass der Beschwerdeführer in den Befragungen keine ind i- viduelle Verfolgung glaubhaft habe darlegen können, und die in der ange- fochtenen Verfügung aufgezeigten Ungereimtheiten durch die Ausführun- gen in der Beschwerdeschrift nicht widerlegt worden seien. Aus den Hilfs- tätigkeiten für die LTTE (Geldeintreiben, Schmücken von Strassen), die er unter Zwang ausgeübt habe, lasse sich kein exponierendes Wirken able i- ten, zumal solche Hilfeleistungen praktisch von de r gesamten Bevölk e- rung erbracht worden seien. Sein Bruder habe zwar in der Schweiz Asyl erhalten, doch stelle sich dessen Profil grundlegend anders dar und b e- ruhe auf glaubhaften Aussagen. Den eingereichten CDs würden sich ke i- ne Hinweise auf eine Gefährdun g entnehmen lassen, zumal die Lieder vordergründig keinen politischen Inhalt aufweisen würden. Dem Arg u- ment, dass sich aufgrund der zahlreichen eingereichten Berichte eine ge- nerelle Gefährdung für tamilische Rückkehrer ergebe, könne nicht gefolgt werden. Bei den bislang registrierten Übergriffen würde es sich um Ei n- zelfälle handeln, bei welchen über die Motive der Sicherheitsbehörden noch wenig bekannt sei. Im Übrigen werde auf die bisherigen Ausführu n- gen verwiesen. D-2698/2011 Seite 18 7. In der Replik vom 2. August 2013 wiederholte der Beschwerdeführer se i- ne bereits vorgebrachten Argumente hinsichtlich der Glaubhaftigkeit und brachte darüber hinaus vor, dass das BFM in seiner Vernehmlassung die Eingaben vom 28. Mai und 28. Juni 2013 unbeachtet gelassen habe, o b- wohl gerade diese einerseits mitentscheidend für die Glaubhaftigkeit se i- en und andererseits belegen würden, dass der Beschwerdeführer bei e i- ner Rückkehr konkret gefährdet sei. Mit dem Nichtbeachten dieser Ei n- gaben habe das BFM konkludent die Richtigkeit der darin gemachten Ausführungen bestätigt. Das BFM führe in der Vernehmlassung aus, dass der Bruder über ein grundlegend anderes politisches Pro fil verfüge. Aus den offengelegten Aktenstücken betreffend den Bruder sei nicht ersichtlich, inwiefern sich dessen Situation von derjenigen des Beschwerdeführers unterscheiden solle. Jener habe vorgebracht, einen Videoladen zu besitzen und dort r e- volutionäre Lieder abgespielt, Unterstützungsleistungen wie Essen und Unterkunft an die LTTE erbracht und einen Bruder zu haben, der LTTE - Lieder gespielt habe. Bei den Unterstützungsleistungen habe er dauernd in der "wir" -Form gesprochen, was zeige, dass die gesamte Familie die LTTE unterstützt habe. Beide Brüder würden überdies ein Reflexverfo l- gungsrisiko aufgrund des älteren Bruders (Dicht er und Musiker) auf wei- sen. Diese Reflexverfolgungsgefahr werde hinsichtlich des Beschwerd e- führers durch den in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Bruder z u- sätzlich verstärkt. Der Beschwerdeführer sei mehreren Risikogruppen z u- zurechnen, indem er die LTT E unterstützt habe, Zeuge von Mensche n- rechtsverletzungen geworden sei (aufgrund des brutalen Angriffs auf ihn und seinen jüngsten Bruder), und ihm nahe Kontakte zu den LTTE unter- stellt würden, da sich sein Bruder als Flüchtling in der Schweiz aufhalte. Die Aussage des BFM, es bestehe kein Generalverdacht bei tamilischen Rückkehrern, sei überholt. So habe das Bundesverwaltungsgericht im Ur- teil E-5198/2011 vom 25. April 2013 in Erwägung 6.2.3 ausgeführt, dass abgewiesene tamilische Asylgesuchsteller unabhängig von einem persön- lichen Profil festgenommen werden könnten. Dennoch habe das Gericht im Urteil E -4947/2011 vom 17. Juli 2013 ausgeführt, dass Rückkehrer zum heutigen Zeitpunkt nicht in genereller Weise Misshandlungen zu be- fürchten hätten. Entgegen dieser Feststellung ergebe sich aus einer Mehrheit der darin zitierten Quellen, dass tamilische Rückkehrer ein Risi- koprofil aufweisen würden. Zudem seien d iverse Berichte, die auf eine generelle Verfolgungsgefahr hinweisen würden, vom Gericht nicht beach-D-2698/2011 Seite 19 tet worden. Durch diese bewusste Unterschlagung relevanter Beweismi t- tel und das Abstützen auf aktenwidrige Be hauptungen lege das Bundes- verwaltungsgericht seinen jüngsten Entscheiden einen unvollständigen und unzureichend abgek lärten Sachverhalt zugrunde und verletze somit den Anspruch auf rechtliches Ge hör, indem es die Begründungspflicht verletze. Die in den bisherigen Eingaben dargelegten Verletzungen des rechtlichen Gehörs würden die Aufhebung der angefochtenen Verfügung re chtferti- gen. Das Bundesverwaltungsgericht sehe jedoch fälschlicherweise in ähnlich gelagerten Fällen fast immer von einer Rückweisung an die Vo r- instanz ab und mache dadurch die Heilung auf Beschwerdestufe zum Regelfall, obwohl dies eigentlich die Ausnahme darstellen sollte. Die Fülle der Verletzung formeller Rechte in der angefochtenen Verfügung sei Aus- druck einer gehäuften unsorgfältigen Verfahrensführung was zwingend zu einer Kassation führen müsse. Wie notwendig die ausführlichen Vorbringen und die Einr eichung der Be- weismittel in den Eingabe n seien, zeige ein Verweis auf das Verfahren D-5013/2011 (N […]). In diesem Verfahren sei ein Beschwerdeführer nach abgewiesener Beschwerde im Juli 2013 nach Sri Lanka zurückgeschafft und dort sofort verhaftet und ge foltert worden. Die entsprechenden Ve r- fahrensakten seien im vorliegenden Fall beizuziehen, zumal daraus die bereits mehrfach angesprochenen Unzulänglichkeiten der veralteten Pra- xis der Schweizerischen Asylbehörden ersichtlich seien. 8. 8.1 Der Beschwerdeführer m acht verschiedene Verletzungen des rechtl i- chen Gehörs geltend, die nach seiner Auffassung die Aufhebung der a n- gefochtenen Verfügung rechtfertigen sollen. 8.2 In diesem Zusammenhang ist zunächst auf das Vorbringen in der B e- schwerdeschrift einzugehen, der Anspr uch auf rechtliches Gehör sei d a- durch verletzt worden, dass dem Beschwerdeführer beziehungsweise seinem Rechtsvertreter durch das BFM trotz entsprechenden Antrags keine vollständige Einsicht in die Akten des Asylverfahrens gewährt wor- den sei; nämlich in die Ergebnisse einer in der angefochtenen Verfügung erwähnten Dienstreise des BFM nach Sri Lanka vom September 2010 und in die beim BFM eingereichten Beweismittel. D-2698/2011 Seite 20 Mit Zwischenverfügung vom 18. Mai 2011 wurden dem Beschwerdeführer die eingereichten Beweismittel im Original zugestellt und ihm Gelegenheit zu einer ergänzenden Eingabe geboten. Dieser Mangel ist somit auf B e- schwerdeebene geheilt worden. Soweit die Ergebnisse der Dienstreise des BFM nach Sri Lanka vom Sep- tember 2010 betreffend, wurde ein entsprechender Antrag durch den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bereits in verschiedenen sonst i- gen Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gestellt, die von aus Sri Lanka stammenden Personen tamilischer Ethnie anhä n- gig gemachten wurden. Zu nennen ist insbesondere das Beschwerdeve r- fahren D-3747/2011, welches mit Urteil vom 13. Juli 2012 abgeschlossen wurde. Im Verlauf jenes Verfahrens wurde mit Zwischenverfügung vom 29. November 2011 aufgrund einer koordinierten Beschlussfassung der Abteilungen IV und V des Bundesverwaltungsgerichts ein entsprechender Antrag auf Einsicht in die Ergebnisse einer durch das BFM im September 2010 durchgeführten Dienstreise nach Sri Lanka gutgeheissen. Mit Zwischenverfügung vom 27. März 2013 wurde der dem Rechtsvertre- ter des Beschwerdeführers bereits bekannte BFM -Bericht vom 22. D e- zember 2011 und die diesbezügliche Stellungnahme des Rechtsvertreters vom 23. Januar 2012 zu den Akten genommen und ihm gleichzeitig die Möglichkeit eingeräumt, sich abschliessend zur Beschwerdesache zu äussern. Mithin wurde auch dieser Mangel auf Beschwerdeebene geheilt. Die vorinstanzliche Verfügung ist auch hinsichtlich der in Art. 35 Abs. 1 VwVG statuierten Begründungspflicht nicht zu bemängeln, indem die Vor- instanz konkrete und sachgerecht anfechtbare Argumente für ihren Ent- scheid nannte (vgl. dazu BGE 134 I 83 E. 4.1, 124 V 180 E. 1a). Unbeachtet bleiben kann schliessl ich die im Rahmen der formellen R ü- gen vorgebrachte appellatorische Kritik an der Begründung des Urteils E-4947/2011 vom 17. Juli 2013, wobei ohnehin unklar bleibt, was der B e- schwerdeführer genau aus diesem Vorbringen für das vorliegende Ve r- fahren ableiten will. 9. 9.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil BVGE 2011/24 vom 27. Oktober 2011 eine umfassende L ageanalyse der gegenwärtigen Situation in Sri Lanka vorgenommen. Diese Analyse ist für die Entschei d- findung weiterhin massgebend. Es ist somit im vorliegenden Fall zu pr ü-D-2698/2011 Seite 21 fen, ob der Beschwerdeführer einer Risikogruppe im Sinne dieses Grundsatzentscheides angehört. Am 19. Mai 2009 verkündete die Regierung Sri Lankas offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE, und Präsident Rajapakse erklärte den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet. Das Führungskader der LTTE ist der Medienberichterstat tung zufolge komplett ausgelöscht wor - den. Trotz dieser Ver änderungen gibt es Personenkreise, die auch nach der Beendigung des militäri schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Pers o- nen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbin dung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex -Generals Sarath Fon seka, Journalisten und andere in der Medienbranche tätige Personen, international und l okal tätige Vertre- ter von NGOs, die sich für die Men schenrechte einsetzen oder Verstösse kritisieren, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Personen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen, abgewie - sene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE -Kader oder Personen, die über beträchtliche finan zielle Mittel verfügen (siehe die ausführliche Darstellung der Personengruppen im erwähnten Urteil BVGE 2011/24 E. 8). Diese Einschätzung behält weiterhin ihre Gültigkeit. Denn au ch gestützt auf neuere Quellen und Berichte unabhängiger Institutionen und Organ i- sationen – und zwar auch diejenigen, welche der Beschwerdeführer zur Begründung seiner Beschwerde im vorliegenden Verfahren eingereicht hat – gilt weiterhin, dass die Wahrscheinlichkeit einer konkreten asylrecht- lich relevanten Gefährdung ein entsprechendes Profil der betreffenden Person voraussetzt (vgl. etwa HUMAN RIGHTS WATCH, World Report 2012, New York 2012, S. 388 ff.; ADRIAN SCHUSTER, SFH, Sri Lanka: Aktuelle Si- tuation. Update, 15. November 2012 ; UNHCR: Eligibility Guidelines for Assessing the International Protection Needs of Asylum Seekers from Sri Lanka, 21. Dezember 2012; INTERNATIONAL CRISIS GROUP, Sri Lanka's North I: The Denial of Minority Rights, Crisis Gro up Asia Report N°219, Colombo/Brüssel 2012). Damit übereinstimmend hielt der EGMR in diver- sen Entscheiden fest, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Fakt o- ren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse. D-2698/2011 Seite 22 Als d erartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächl i- ches LTTE -Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsa uflagen, die U n- terzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die A n- werbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körperna r- ben, die Rück kehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von Identitätspapieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE -Mitglied (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Eine generelle Misshandlungsgefahr sämtlicher tamilischer Rückkehrer, die erfolglos ein Asylverfahren durchlaufen haben, ist somit zu verneinen. Der Antrag des Beschwerdeführers, Datenmaterial ausländischer Asylbe- hörden (insbesondere Grossbritannien s) über das Schicksal von Rüc k- kehrern zuz uziehen, ist daher abzulehnen, da eine Verfolgungsgefahr stets in Würdigung des Einzelfalles zu erfolgen hat und die ausländischen Asylakten keine direkte Verbindung zum vorliegenden Fall aufweisen. Ebenfalls abzulehnen ist das in der Replik zum dritten Ma l gestellte G e- such um Nennung der Gründe, die zum positiven Asylentscheid des Br u- ders geführt hätten, wobei zur Begründung auf die Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 4. Juli 2013 verwiesen werden kann, wonach das BFM im betreffenden Verfahren keinen begründeten Entscheid e r- liess, der ediert werden könnte. Wie nachfolgende Erwägungen zeigen werden, ist der entscheidwesentliche Sachverhalt als erstellt zu erachten, so dass der Antrag des Beschwerdeführers auf zusätzliche Sachverhalt s- abklärungen in Form einer erneuten Anhörung des Beschwerdeführers abzuweisen ist. Schliesslich ist der Antrag abzuweisen, die Verfahrensak- ten D-5013/2011 (N […]) beizuziehen, da diese mangels direkten Z u- sammenhangs keine Erkenntnisse zur persönlichen Gefährdungssituation des Beschwerdeführers liefern können. 9.2 Unter Berücksichtigung der soeben skizzierten Rechtsprechung gilt es nun zu prüfen, ob der Beschwerdeführer auch nach Beendigung des Bürgerkrieges von den Behörden noch als LTTE -Anhänger wahrgenom- men wird und dadurch einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt ist. D-2698/2011 Seite 23 9.3 Der Beschwerdeführer war selbst nie Mitglied der LTTE, sondern u n- terstützte diese lediglich in untergeordneter Weise , indem er Textilien lie- ferte, Geld sammelte und Strassenzüge schmückte . Allein daraus lässt sich kein Risikoprofil begründen, zumal davon auszugehen ist, dass prak- tisch die gesamte dortige Bevölkerung in bestimmter Weise entspreche n- de Kontakte zu den LTTE aufwies und Hilfeleistungen vornahm respektive vornehmen musste. Dennoch ist dieses Element bei der Ev aluierung des Risikoprofils entsprechend zu würdigen. Als weiteres Element brachte der Beschwerdeführer vor, mehrmals z u- hause behördlich aufgesucht und einmal für einen Tag auf den Polize i- posten mitgenommen worden zu sein. Zu Recht wies das BFM auf die unscharfen und teils widersprüchlichen Aussagen des Beschwerdeführers hin. Das Gegenargument in der Beschwerdeschrift, dass "mitnehmen" und "festnehmen" in diesem Zusammenhang keine trennscharfen Begriff- lichkeiten seien und die eigentliche Aussage des Beschw erdeführers da- hingehend zu verstehen sei, mehrmals aufgesucht, jedoch nur einmal mitgenommen worden zu sein, überzeugt nicht . Aus den Aussagen lässt sich der Schluss ziehen, dass die Behelligungen durch die Sicherheitsbe- hörden nur von geringer Intensität g ewesen sind, so dass diesem El e- ment vorliegend auch nur untergeordnetes Gewicht beigemessen werden kann. Im Übrigen besteht in diesem Punkt ein markanter Kontrast zur Fluchtgeschichte des Bruders G._______, welcher sowohl 2006 für einen Tag, als auch 2008 für mehrere Tage festgenommen, misshandelt und erst nach Intervention seiner Verwandten wieder freigelassen wurde (vgl. act. N […] A12 F23 f. und F31 ff. und F61 ff.). Schliesslich brachte der Beschwerdeführer vor, aufgrund zweier seiner Brüder verfolgt zu werden. Sein Bruder G._______ wurde in der Schweiz als Flüchtling anerkannt, da er in den Augen der sri -lankischen Behörden Verbindungen zu den LTTE aufweist. Aufgrund dieses Verdachts wurde er zweimal festgenommen und misshandelt. Ein weiterer Bruder de s B e- schwerdeführers war in Sri Lanka als Dichter tätig. Der Beschwerdeführer wie auch sein Bruder G._______ (vgl. act. N […] A12 F116 ff.) berichteten im Kern übereinstimmend, dass diesem Bruder aufgrund der Dichtertätig- keit Verbindungen zu den LTTE nachgesagt worden seien und er d aher nach Indien habe fliehen müssen. Aufgrund dieser familiären Verbindungen sowie der Hilfeleistungen , die der Beschwerdeführer für die LTTE persönlich vorgenommen hat, kann angenommen werden, dass die sri-lankischen Behörden ihm – wie insbe-D-2698/2011 Seite 24 sondere auch seinem Bruder G._______ – ernstzunehmende Verbindun- gen zu den LTTE nachsagen. Überdies kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer bereits Ziel staatlicher Massnahmen wurde, wenn auch in einem nicht sonderlich intensiven Rahmen. In diesem Zusa m- menhang erscheinen die Ausführungen auf Beschwerdeebene glaubhaft, dass auch nach dem Verlassen des Heimatlandes noch nach dem B e- schwerdeführer gesucht worden sei, wobei die Intensität dieser Suche o f- fenbleiben kann . Daher kann nicht mit genügender Sicherheit ausg e- schlossen werden, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr Ziel behördlicher (Reflex -)Verfolgungsmassnahmen in asylrelevantem Aus- mass werden könnte. In Würdigung der soeben angesprochenen El e- mente ist dem Beschwerdeführer daher ein Profil zu attestieren, aufgrund dessen er von den sri-lankischen Behörden als LTTE -Anhänger wahrge- nommen wird und daher zum heutigen Zeitpunkt objektiv begründete Furcht hat, im Heimatland asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu sein. 10. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf den Beschwerd e- führer sämtliche Kriterien der in Art. 3 AsylG enthaltenen Definition als er- füllt zu betrachten sind und dieser demzufolge als Flüchtling anzuerken- nen ist. Die vorinstanzliche Verfügung ist dementsprechend aufzuheben und es ist dem Beschwerdeführer mangels Anzeichen für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes (Art. 53 AsylG und Art. 1 F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rech tsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 12. Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegend en Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwac h- sene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote einge- reicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indes verzichtet werden, da im vorliegenden Verfahren der Aufwand für das Beschwerdeverfahren zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Da- bei ist zu beachten, dass auf die Zusprechung einer Entschädigung hi n-D-2698/2011 Seite 25 sichtlich der gutgeheissenen Rüge der Verweigerung der Einsicht in den Dienstreisebericht des BFM mit Verweis auf das Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts D-3747/2011 vom 13. Juli 2012 (vgl. dort E. 10.3) zu ve r- zichten ist. Zusätzlich enthalten die Eingaben teils weitschweifige und zu gewissen Teilen redundante Passagen über die allgemeine Situation in Sri Lanka, welche mangels direkten Bezugs zum Beschwerdeführer nicht als notwendiger Aufwand zu betrachten und daher nicht zu entschädigen sind. Dies gilt insbesondere für die nach Ablauf der Beschwerdeschrift und ohne konkreten Anlass eingereichten ergänzenden Eingaben, die – zu einem grossen Teil – in Ermangelung eines ausschlaggebenden Ch a- rakters in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 VwVG für den Ausgang des Ver- fahrens nicht relevant sind und aus diesem Grunde auch nicht einen not- wendigen Aufwand darzustellen vermögen. In Anwendung der genannten Bestimmung und unter Berücksichtigung der massgeblichen Be - messungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist das BFM anzuweisen, de m Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 3'200.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2698/2011 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 7. April 2011 wird aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 3'200.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: