B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6835/2019 U r t e i l v o m 2 7 . A u g u s t 2 0 2 1 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, Gerichtsschreiberin Angela Hefti. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Cora Dubach, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 19. November 2019 / N (…). D-6835/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie – verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge im November 2013. Er gelangte über Dubai, ein afrikanisches Land – und nach einem einjähri- gen Gefängnisaufenthalt in der Ukraine – am 17. November 2015 in die Schweiz, wo er am 18. November 2015 ein Asylgesuch stellte. Am 23. No- vember 2015 wurde er im Rahmen der Befragung zur Person (BzP ) sum- marisch befragt und am 1. November sowie am 17. November 2016 ein- lässlich angehört. Zur Begründung seines Gesuches machte der Beschwerdeführer im We- sentlichen geltend, er sei von 1984 bis Kriegsende Mitglied der LTTE und insbesondere Leibwächter und F ahrer von B._______ (dem Leibwächter von C._______) und während einer kurzen Zeit auch von D._______ – beide Liberation Tigers of Tamil Eelam ( LTTE)-Kader – gewesen. Sein Name sei E._______ gewesen und er habe die Nummer (…) getragen. Im Jahr 1984/1985 habe er durch die LTTE in Indien eine 14-monatige militä- rische Ausbildung erhalten. Im Jahr 1997 habe er seine Ehefrau – ebenfalls ein LTTE-Mitglied – geheiratet. In der letzten Kriegsphase im Jahr 2009 seien er und B._______ bei einer Granatenexplosion verletzt worden. Am (…) 2009 seien sie von den sri-lankischen Sicherheitskräften eingekesselt gewesen und B._______ habe sich mittels Zyankalikapseln das Leben ge- nommen. Der Beschwerdeführer habe sich in der Folge a m (…) 2009 zu- sammen mit seiner Familie und weiteren Zivilisten der sri -lankischen Ar- mee ergeben. Er sei jedoch unmittelbar von der sri-lankischen Armee mit- hilfe von LTTE -Überläufern als LTTE-Mitglied identifiziert und von seiner Familie getrennt worden. Er sei danach registriert und während einem Jahr von der sri-lankischen Armee in verschiedenen Camps inhaftiert worden. Zunächst sei er in einem Gefangenenlager befragt und geschlagen wor- den. Die Befrager hätten dank eines Verräters schon viel über ihn gewusst und vermutet, dass er B._______’s «Personal Assistent» gewesen sei, was er abgestritten habe. Später sei er in ein Camp namens F._______ verlegt und zu Waffen- und Geldverstecken befragt worden; er habe B._______’s Grab sowie LTTE-Camps zeigen müssen. Elf Monate später sei er in einem Camp namens G._______ rehabilitiert worden. Er sei am (…) 2010 freige- lassen worden, da seine rechte Hand und das rechte Bein infolge von Kriegsverletzungen gelähmt seien, weshalb er als invalide qualifiziert wor- den sei. Er habe eine Identitätskarte der Internationalen Organisation für D-6835/2019 Seite 3 Migration (IOM) erhalten und sei folglich während sechs Monaten unter IOM-Schutz gestanden. Während dieser Zeit habe er mit seiner Familie in H._______ – wo er das Haus aus Angst nie verlassen und sich nicht ange- meldet habe – gelebt. Von dort aus habe er am (…) 2010 ein Asylgesuch bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo eingereicht (dieses wurde am 16. Oktober 2013 aufgrund unbekannten Aufenthaltes vom SEM als gegenstandslos abgeschrieben). Ein halbes Jahr nach seiner Entlassung sei sein Haus in I._______, das bis dahin vom Criminal Investigation De- partement (CID) besetzt worden sei, freigegeben worden. Deshalb, und auch weil ihm das IOM in H._______ keinen Schutz mehr bieten konnte, habe er sich fortan mehrheitlich in I._______ aufgehalten und dort auch angemeldet. Er habe aber nicht in seinem eigenen Haus , sondern beim befreundeten Dorfvorsteher übernachtet, für den er Malerarbeiten erledigt und Brennholz gesammelt habe. Er sei vom CID nicht weiter belästigt wor- den, da der Chef des dortigen CID-Büros, ein Freund des Dorfvorstehers, ihn beschützt habe. Angesichts dessen Versetzung in eine andere Stadt und dem damit weggefallenen Schutz habe er das Land aus Furcht vor Entführung oder Verhaftung durch den CID im November 2013 auf dem Luftweg mit seinem eigenen Pass (den ihm der Schlepper in Dubai abge- nommen habe) verlassen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er unter anderem die Kopie einer Haftbestätigung des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK), die Kopie ei- nes Schreibens der IOM, diverse Schreiben von und an die Schweizerische Botschaft in Colombo, ein Foto des Beschwerdeführers mit D._______ so- wie Kopien weiterer Fotos und die Kopie eines Fahndungsaufrufs gegen seine Ehefrau ein. B. Mit Verfügung vom 19. November 2019 – eröffnet am 21. November 2019 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung sowie deren Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 23. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean- tragte die Aufhebung der angefochte nen Verfügung und die Asylgewäh- rung, eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit, allenfalls der Unzu- mutbarkeit, des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen D-6835/2019 Seite 4 Aufnahme in der Schweiz. In formeller Hinsicht ersuchte er um die Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um amtliche Verbeiständung. D. Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2020 stellte die vormals zuständige Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege hiess sie unter der Vorauss etzung des Nach- reichens einer Fürsorgebestätigung gut. E. Mit Eingabe vom 23. Januar 2020 legte die rubrizierte Rechtsvertreterin eine Kostennote sowie eine Fürsorgebestätigung zu den Akten. F. Das Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die im Rubr um erwähnte vorsitzende Richterin umgeteilt. G. Mit Zwischenverfügung vom 10. Mai 2021 bestätigte die neu zuständige Instruktionsrichterin die Gutheissung der Gesuche um Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege und um Verzicht der Erhebung eines Kosten- vorschusses. Gleichzeitig wurde die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtli- che Rechtsbeiständin eingesetzt und die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. H. In seiner Vernehmlassung vom 3. Juni 2021 hielt das SEM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be- schwerde. I. Mit Replik vom 24. Juni 2021 nahm der Beschwerdefüh rer zur Vernehm- lassung Stellung und reichte eine aktualisierte Kostennote zu den Akten. D-6835/2019 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtli ngen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung D-6835/2019 Seite 6 des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 3.3 Personen, die erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat - oder Her- kunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründ e), wird kein Asyl gewährt (vgl. Art. 54 AsylG). 4. 4.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen fest, der Beschwerdeführer habe keine objektiv begründete Furcht vor Verfol- gung. Er sei nach seiner Freilassung nicht weiter von den Behörden behel- ligt worden und habe sich in I._______ trotz offensichtlicher Militärpräsenz und entgegen den Aussagen bei der BzP, sich versteckt gehalten zu haben, in der Gegend frei bewegt. Zudem seien die Behörden über seinen Aufent- haltsort informiert gewesen, da er in I._______ offiziell gemeldet und somit auch dort auffindbar gewesen sei. Obwohl es durchaus möglich sei, dass CID-Leute durch ihre persönliche Haltung oder Bestechung von der Kon- trolle der Einheimischen abgesehen hätten, so sei es doch unwahrschein- lich, dass eine einzelne CID -Person eine konkret gesuchte Person über eine Zeitspanne von mehr als einem Jahr hätte schützen können. Gemäss den Schilderungen des Beschwerdeführers handle es sich bei der Suche nach ihm vielmehr um standardmässige Kontrollmassnahmen, die vom lo- kalen CID-Chef auch hätten verhindert werden können. Bei einem tatsäch- lichen Verfolgungsinteresse hätte das CID zu drastischeren Massnahmen gegriffen und ihn direkt ins Visier genommen. Es sei unwahrscheinlich, dass er aus der Rehabilitation entlassen worden wäre, wenn der Verdacht bestanden hätte, er habe Kenntnisse über versteckte Waffenlager , zumal die Behörden über seine Rolle bei de n LTTE Kenntnis gehabt hätten. Die eingereichten Beweismittel würden sein e Vorbringen zwar untermauern, seien aber ungeeignet, eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung D-6835/2019 Seite 7 zu beweisen. Aufgrund einer Fahndung nach seiner Frau könne der Be- schwerdeführer nichts für sich ableiten. Ausserdem komme der Kopie des entsprechenden Fahndungsaufrufs geringer Beweiswert zu. Abgesehen davon, würden die Angaben zur Ehefrau nicht stimmen und diese sei auf dem Foto nicht erkennbar. Auch im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer wegen der geltend ge- machten LTTE -Verbindungen asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre. Er habe ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen, das gemäss offiziellen Angaben ehemalige LTTE-Mitglieder deradikalisiere und für die Reintegration in die Zivilgesellschaft vorbereite . In der Regel gebe es keine Beschränkung der Bewegungs- und Reisefreiheit für rehabilitierte Personen. Allerdings würden diese von den Sicherheitsbehörden vielfach überwacht, etwa durch Melde- und/oder Unterschriftspflichten, Aufenthalts- kontrollen und Befragungen. Diese Überwachungsmassnahmen und die damit verbundenen Beeinträchtigungen hätten jedoch kein asylrelevantes Ausmass erreicht. Somit habe er keine objektiv begründete Furcht , nach der Rehabilitation Opfer von Verfolgungsmassnahmen zu werden. Bei feh- lender Asylrelevanz könne darauf verzichtet werden, auf allfällige Unglaub- haftigkeitselemente in seinen Vorbringen einzugehen. 4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe hielt der Beschwerdeführer im Wesentli- chen fest, seine Vorbringen seien glaubhaft, da sie über das gesamte Ver- fahren kohärent und detailliert ausgefallen seien und er diese mit den ein- gereichten Beweismitteln untermauert habe. Überdies ergänzte er den Sachverhalt dahingehend, dass er, anders als im vorinstanzlichen Verfah- ren vorgebracht, zwischen 1989 und 1995 in Indien inhaftiert worden sei. Er habe sich anlässlich der Anhörung nicht getraut di es zu sagen, weil er befürchtet habe, aufgrund der Inhaftierung in Indien seine Asylwürdigkeit in der Schweiz zu verlieren. Im Jahr 1989 sei er zusammen mit dem indi- schen Politiker J._______ illegal nach Indien gereist. Seine Schussverlet- zungen seien in Indien medizinisch behandelt worden. Danach habe er kurzzeitig als LTTE-Chef in Indien fungiert, bevor er von den indischen Be- hörden verhaftet worden sei. Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis sei er im Jahr 1995 nach Sri Lanka zurückgekehrt. Der ergänzte Sachverhalt habe keinen Einfluss auf die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen, da er ins Gesamtbild passe. Des Weiteren machte der Beschwerdeführer geltend, er habe ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlitten, da er etliche Male vom CID D-6835/2019 Seite 8 gesucht worden sei und jederzeit mit einer Kontrolle und Inhaftierung habe rechnen müssen. Ausserdem habe er sowohl subjektiv als auch objektiv begründete Furcht vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung. Seine Furcht vor Verfolgung sei subjektiv begründet , da er während einem Jahr in Sri Lanka inhaftiert und mehrfach angehört und gefoltert worden sei. Nachdem er unter Androhung der Folter wegen seiner LTTE-Tätigkeit gestanden habe, habe er ein Asylgesuch bei der Schweizerischen Botschaft in Co- lombo eingereicht. Er sei nur aus der Haft entlassen worden, weil die sri - lankische Regierung unter immensem Druck der Öffentlichkeit gestanden und deshalb Frauen und Invalide aus der Haft entlassen habe. Zudem habe er sich nach seiner Haftentlassung verstecken müssen und sei vom Schutz des Chefs des CID-Büros abhängig und sehr eingeschränkt gewe- sen, weshalb er sich vor künftigen Verfolgungshandlungen gefürchtet habe. Er habe sich nach seiner Entlassung zunächst während eines halben Jahres versteckt, obwohl er damals noch u nter IOM-Schutz gestanden habe. Auch in I._______ habe er sich nicht vollständig frei bewegen kön- nen, sondern habe stets darauf achten müssen, nicht aufzufallen. Dennoch habe er sich etwas in Sicherheit wissen können, da der Chef des CID-Bü- ros ihm versichert habe, er würde in sämtlichen Situationen für ihn einste- hen. Das SEM liege falsch, indem es davon ausgehe, eine einzelne Person hätte ihn nicht schützen können. Denn er sei nach der Versetzung des CID- Chefs in I._______ gesucht worden, habe aber I._______ zwischenzeitlich bereits verlassen. Somit sei festzuhalten, er habe keine absolute Bewe- gungsfreiheit genossen und sei zwei Jahre vom CID-Chef geschützt wor- den. Der Beschwerdeführer verfüge über ein hohes Risikoprofil. Er sei während 25 Jahren Mitglied d er LTTE gewesen und habe in engem Kontakt zur LTTE-Führung gestanden. Der sri -lankische Staat verfüge über sein Ge- ständnis und kenne seine gesamte LTTE -Vergangenheit. Zudem habe er verschiedene grosse Narben an seinem Körper; seine rechte Hand und sein Be in seien schwer verletzt worden . Als Tamile aus der Ostprovinz würde er bereits bei der Einreise systematisch ins Visier der Sicherheits- kräfte geraten und aufgrund fehlender Identitätspapiere befragt werden. Als Rückkehrer aus der Schweiz, einem Zentrum der tamilischen Diaspora, würde er zusätzlich die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen. Die aktuelle Lage in Sri Lanka sei angespannt und der Alltag immer noch stark militarisiert, weshalb sich seine Situation bei einer Rückkehr verschlech- tern würde. Weiter habe er in den vergangenen Jahren immer wieder an Protesten gegen die Regierung teilgenommen. So habe er beispielsweise D-6835/2019 Seite 9 im Jahr 2017 den indischen Politiker J._______ bei Protesten in Genf wie- der getroffen. Zu seiner Familie führte er aus, seine Ehefrau werde seit 2016 ebenfalls von den Behörden gesucht, weil sie aus einem indischen Gefängnis ausgebrochen sei. Seine Ge schwister hätten keinen Kontakt mehr zu ihm, da dies aufgrund seiner LTTE -Vergangenheit gefährlich für sie wäre. 4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, der Beschwerdeführer habe bereits in der Anhörung angegeben, im Jahr 1985 in Indien eine mili- tärische Ausbildung absolviert und dabei sogar ein Kampftraining erhalten zu haben. Dass er diese Informationen preisgegeben habe, wiege ni cht minder schwer in Bezug auf eine allfällige Asylunwürdigkeit, weshalb die Begründung für seinen Nachtrag nicht nachvollziehbar sei. Seine Ergän- zungen, dass er nach der Versetzung des CID -Chefs vom CID gesucht worden sei, seien nachgeschoben. Erstaunlich sei auch, dass er immer bereits weggegangen sei, als sie ihn gesucht hätten. Die erwähnten exil- politischen Tätigkeiten liessen auf kein Risikoprofil schliessen, woran auch das eingereichte Foto mit J._______ nichts zu ändern vermöge. 4.4 In der Replik moniert e der Beschwerdeführer, der Unterschied zwi- schen seiner militärischen Ausbildung und der verschwiegenen Zeit in In- dien betreffe den Umstand, dass er dort inhaftiert worden sei. Aus diesem Grund habe er befürchtet, seine Asylwürdigkeit zu verlieren. Es gehe um seine persönliche Begründung; sein Verhalten sei durchaus nachvollzieh- bar. Weiter bemängelte er, das SEM habe sich nicht dazu geäussert, dass J._______ ihn an der Demonstration in Genf wiedererkannt habe. Schliesslich sei seine Aussage, dass er nach der Versetzung des CID - Chefs gesucht worden sei, nicht nachgeschoben. Diesbezüglich sei er an- lässlich der Anhörung nämlich nicht befragt worden. Es sei nachvollzieh- bar, dass dies vergessen worden sei; es handle sich bloss u m eines von vielen Elementen, das zu seiner Flucht geführt habe. 5. 5.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner langjähri- gen LTTE-Tätigkeit sowie seinen Verbindungen zu hochrangigen LTTE-Ka- dern im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG insgesamt als glaubhaft zu qualifi- zieren sind. Dies wurde denn auch von der Vorinstanz nicht explizit bezwei- felt. D-6835/2019 Seite 10 5.2 Einleitend ist festzuhalten, dass sich seine Vorbringen in der ergänzen- den Anhörung im Jahr 2017 im Wesentlichen mit den Asylvorbringen des im Jahr 201 0 angestrengten Botschaftsverfahren s decken. In seinem Schreiben an die Botschaft hatte er seine Tätigkeit als Fahrer für die LTTE erwähnt sowie die Umstände seiner Festnahme und anschliessenden Re- habilitation. Dass er nicht näher auf seine Tätigkeit als LTTE-Kämpfer be- ziehungsweise Leibwächter eingegangen ist, vermag – da er in jenem Ver- fahren aufgrund unbekannten Aufenthaltes nicht angehört werden konnte – seine insgesamt substantiierten Angaben nicht in Zweifel zu ziehen. 5.3 Die Erzählweise des Beschwerdeführers ist überaus kohärent und strukturiert (vgl. B17 F102 -106). So vermochte er seine Erlebnisse in der Endphase des Krieges anschaulich und detailliert zu beschreiben (vgl. B17 F104-118). Seine Schilderungen enthalten diverse Realkennzeichen, wo- bei er in der Anhörung sichtlich betroffen war und öfters in der direkten Rede antwortete (vgl. B17 F102, F105). Aufgrund seiner konsistenten dies- bezüglichen Ausführungen sowie der eingereichten Fotos ist für glaubhaft zu erachten, dass er als Leibwächter für LTTE-Kader tätig war. Seine Re- habilitation und die Freilassung, untermauert durch Kopien entsprechender IKRK- und IOM-Bestätigungen, sowie die Umstände seines Verbleibs nach Kriegsende erscheinen ebenso glaubhaft. Dabei lassen sich seine Aktivi- täten als Leibwächter und die Darstellungen zur Endphase des Krieges ohne weiteres mit der Berichterstattung in Einklang bringen (vgl. Centre on Conflict, Development and Peacebuilding [CCDP], An Institutional History of the Liberation Tigers of Tamil Eelam [LTTE], 12.2014, http://graduatein- stitute.ch/files/live/sites/iheid/files/sites/ccdp/shared/Docs /Publica- tions/CCDP-Working-Paper-10-LTTE-1.pdf, abgerufen am 13.07.2021). Freilich waren seine Äusserungen über die Verwendung von Waffen und mögliche Kampfhandlungen im Rahmen seiner Tätigkeit als Leibwächter beziehungsweise Kämpfer vergleichsweise vage (B17 F89-F92). In Anbe- tracht der nachfolgenden Erwägungen (vgl. E. 7) kann vorliegend jedoch offenbleiben, inwiefern er in Kampfhandlungen verwickelt war. Ebenso of- fenbleiben kann, ob der Beschwerdeführer in Ind ien kurzzeitig eine lei- tende Funktion innehatte und dort in Haft war, wie er auf Beschwerdeebene geltend machte, oder lediglich eine militärische Ausbildung erhielt. Mit der Vorinstanz ist aber immerhin festzuhalten, dass das Verschweigen einer solchen Haft in Indien gewisse Fragen aufwirft und diese neuen Vorbringen klar im Widerspruch zu den angegebenen Aufenthaltsorten stehen. 5.4 Damit ist im Folgenden davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh- rer während etwa 25 Jahren für hohe LTTE -Kader als Leibwächter tätig D-6835/2019 Seite 11 war. Er ist nach Kriegsende registriert und während einem Jahr inhaftiert und rehabilitiert worden. Sechs Monate nach seiner Freilassung im Jahr 2010 kehrte er nach I._______ zurück, wo er sich während ungefähr zwei Jahren aufhielt, bevor er im November 2013 ausreiste. Es scheint aufgrund der gesamten Umstände auch durchaus nach vollziehbar, dass sich der CID am Ort der Registrierung regelmässig nach dem Verbleib des Be- schwerdeführers erkundigte. Ob es sich dabei jedoch wie vorgebracht um asylrechtlich relevante Verfolgungshandlungen handelte – was vom SEM bestritten wird –, ist nachfolgend zu prüfen. 6. 6.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen- schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs- weise solche im Fall ei ner Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach- teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer l an- desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein (vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.). 6.2 Das Gericht teilt vorliegend die Einschätzung des SEM, dass der Be- schwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise keiner genügend intensiven Ver- folgung ausgesetzt war und auch keine objektiv begründete Furcht vor Ver- folgung hatte. Eine subjektiv empfundene Furcht des Beschwerdeführers aufgrund des im Bürgerkrieg Erlebten ist zwar durchaus verständlich. So ist nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer sic h nach seiner Freilas- sung aus Angst vor den Behörden zunächst versteckt hielt. Bereits sechs Monate nach seiner Freilassung ist der Beschwerdeführer jedoch wieder nach I._______ in sein Haus zurückgekehrt, wo er sich auch registrieren liess. Die Behörden hätten ihm sein Haus wohl kaum zurückgegeben, son- dern ihn bei seiner Rückkehr erneut verhaftet, hätte tatsächlich ein Verfol- gungsinteresse seitens des s ri-lankischen Staates bestanden . Das SEM hat sodann zu Recht festgestellt, dass sich der Beschwerdeführer offen- sichtlich recht frei in der Gegend von I._______ bewegen konnte. Daran ändert auch nichts, dass sich der Beschwerdeführer regelmässig beim Dorfvorsteher aufgehalten habe, hätten die Behörden bei entsprechendem Interesse doch auch dort ohne weiteres seiner habhaft werden können. Mit D-6835/2019 Seite 12 dem SEM ist demnach darin einig zu gehen, dass der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt nicht im Fokus der Behörden gestanden haben kann, die regelmässigen Kontrollen bei seinem Haus sind vielmehr als nicht asyl- rechtlich relevante Kontrollmassnahmen zu qualifizieren. So konnte ihn der lokale CID-Chef denn auch von der Meldepflicht sowie von den regelmäs- sigen Kontrollen entbinden. Es handelte sich somit um die üblichen bei re- habilitierten Personen angewandten Überwachungs - und Kontrollmass- nahmen, welche gemäss Rechtsprechung de s BVGer nicht die Intensität von Art. 3 AsylG erreichen (statt vieler BVGer Urteile E -4901/2015 vom 4. April 2016 E. 3.2 und D-4516/2015 vom 2. Juni 2016 E. 6.1). Auch das Gericht erachtet es vor diesem Hintergrund nicht als wahrscheinlich, dass allein die Versetzung des befreundeten CID -Mitarbeiters dazu geführt hätte, dass der Beschwerdeführer einer Verfolgung ausgesetzt worden wäre. Die angebliche intensive Suche nach dem Beschwerdeführer nach der Versetzung des CID-Beamten wurde denn auch nachgeschoben und nur vage und unsubstanziiert dargestellt. 6.3 Der Beschwerdeführer wurde demnach trotz seiner langjährigen LTTE- Tätigkeit im Jahr 2010 aus der Rehabilitation entlassen und lebte danach offensichtlich ohne massgebliche Probleme in Sri Lanka, bis er im Jahr 2013 das Land mit seinem eigenen Pass – wenngleich mithilfe eines Schleppers – verliess. Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh- rer vorliegend seit erfolgter Rehabilitation keine asylrelevanten Nachteile erlitten hat. Allein aufgrund des Umstandes, dass es trotz erfolgter Reha- bilitation zu erneuten Verhaftungen von Personen mit einem ähnlichen po- litischen Profil gekommen ist, vermag angesichts dieser Erwägungen eine Furcht des Beschwerdeführer nicht als objektiv begründet erscheinen zu lassen. 6.4 Nach dem Gesagten erreicht die geltend gemachte Verfolgung im Zeit- punkt der Ausreise keine Intensität, aufgrund derer der Beschwerdeführer ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten müsste. Gesamt- haft ist daher für den Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer Situation aus- zugehen, welche die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG begrün- den und zur Asylgewährung führen könnte. 7. 7.1 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer – wie geltend gemacht – aufgrund von Risikofaktoren bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu D-6835/2019 Seite 13 befürchten hat, weshalb die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von subjekti- ven Nachfluchtgründen festzustellen wäre. 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1886/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die «Stop -List», Verbindung zu den LTTE, exil- politische Aktivitäten und Vorliegen früherer Verhaftungen) sind als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargeleg- ten Umständen bereits für sich allein g enommen zur Bejahung einer be- gründeten Furcht führen können. Demgegenüber stellen das Fehlen or- dentlicher Identitätsdokumente, gut sichtbare Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der be- treffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachte ilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatis- mus wiederaufleben zu lassen (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.1). 7.3 Vorliegend ist von einer flüchtlingsrelevanten Verfolgungsgefahr bei ei- ner Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka auszugehen. Zwar scheint sein exilpolitisches Engagement – ungeachtet des Treffens mit J._______ in Genf – eher niederschwellig. Aufgrund des eingereichten Fo- tos ist jedoch davon auszugehen, dass der Kontakt mit dem bekannten Politiker eher intensiv war und dies den sri -lankischen Behörden, die bei diesem Anlass zugegen gewesen sein dürften, aufgefallen sein könnte. Vor allem aber stand der Beschwerdeführer als Fahrer und Leibwächter für sehr hohe LTTE-Kader über einen Zeitraum von 25 Jahren in engem Kon- takt mit der LTTE -Führung. In Kombination mit seinem langjährigen Aus- landaufenthalt – er reiste bereits im Jahr 2013 aus – und der Rückkehr ohne gültige Reisedokumente dürfte diese Vergangenheit bei der Wieder- einreise die Aufmerksamkeit der sri -lankischen Behörden auf ihn lenken. Dabei kann nicht ausgeschlossen werden, dass dem Beschwerdeführer aus Sicht der sri-lankischen Behörden ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zugeschrieben und er entsprechend als Ge- fahr für die nach dem Krieg wiedergewonnene Einheit des Landes wahr- genommen würde. Seine knapp einjährige Inhaftierung in verschiedenen D-6835/2019 Seite 14 Camps stellt ein weiteres Indiz für eine Gefährdung dar. Entgegen der Ar- gumentation der Vorinstanz vermag die erfolgte Rehabilitation des Be- schwerdeführers dieses Risiko nicht zu entschärfen (vgl. Urteil des BVGer D-3315/2018 vom 12. Oktober 2020 E.5.2 und SEM, Focus Sri Lanka, Lage ehemaliger Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil E elam [LTTE], vom 15. März 2019, S. 11). Hinzu kommt, dass er verschiedene Narben und Kriegsverletzungen aufweist. Somit erfüllt er mehrere stark sowie ei- nige schwach risikobegründende Faktoren. Insgesamt ist bei einer Rück- kehr des Beschwerdeführers von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver- folgungsgefahr auszugehen. Dies insbesondere, da er lange Zeit in der Schweiz geweilt hat, einem für die tamilische Diaspora wichtigen Exilzent- rum, wo namentlich die LTTE – anders als in anderen europäischen Län- dern – als Organisation nicht verboten ist, und aus diesem Land zurückge- schafft würde (vgl. Urteil des BVGer E-6784/2019 vom 19. Mai 2021 E.5.3). 7.4 Gesamthaft ist es vorliegend überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka – im Sinne von sub- jektiven Nachfluchtgründen – die Zufügung ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu befürchten hätte. 7.5 Damit erfüllt der Beschwerdefüh rer die Flüchtlingseigenschaft, zumal keine konkreten Hinweise auf relevante Ausschlussgründe gemäss Art. 1 Bst. F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) ersichtlich sind. Zwar konnte die Rolle des Beschwerdeführers bei den LTTE nicht gänzlich geklärt werden, zumal er auf Beschwerdeebene Vorbringen nachschob und bezüglich seiner Kampf- handlungen äusserst vage blieb. Immerhin führte der Beschwerdeführer selber aus, eine Kampfausbildung genossen zu haben, sehr hohen LTTE- Kadern auch persönlich nahe gestanden zu haben und weist auch ver- schiedene Verletzungen auf, die auf Kampfeinsätze hindeuten. Gemäss seinen eigenen Angaben wäre er zudem zum Colonel befördert worden. Auf der anderen Seite gab der Beschwerdeführer überzeugend an, insbe- sondere als Leibwächter tätig gewesen zu sein. Auch die relativ kurze Re- habilitationszeit trotz der umfassenden Kenntnisse seiner Rolle seitens der sri-lankischen Behörden lässt eine führende Rolle bei den LTTE aus- schliessen. Eine Asylgewährung bleibt jedoch ausgeschlossen, weil die Flüchtlingsei- genschaft auf subjektiven Nachfluchtgründen beruht (Art. 54 AsylG). Ob ein Asylausschlussgrund nach Art. 53 AsylG vorliegt, kann somit offenblei- ben. D-6835/2019 Seite 15 8. 8.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf ein- tritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen (vgl. Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311] und BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 8.2 Allerdings ist im Sinne einer Ersatzmassnahme das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzliche n Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme zu regeln, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]; BVGE 2009/51 E. 5.4). Für den vorliegenden Fall ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass der Beschwerdeführer subjektive Nachfluchtgründe glaubhaft machen konnte. Der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka erweist sich daher wegen drohender Verletzung des flücht- lingsrechtlichen Gebots des Non -Refoulements (Art. 5 AsylG; Art. 33 Abs. 1 FK) sowie auch mit Blick auf Art. 3 EMRK als unzulässig, da davon ausgegangen werden muss, dass er im Falle seiner Rückkehr ins Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswid- rigen Behandlung ausgesetzt wäre. 9. Die Beschwerde ist gutzuheissen, soweit damit die Feststellung der Flücht- lingseigenschaft und die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung so- wie die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragt wurden. Im Übri- gen ist sie abzuweisen. Die vorinstanzliche Verfügung vom 19. November 2019 ist demnach in den Dispositivziffern 1, 4 und 5 aufzuheben und die Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 10. 10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind gr undsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprec hen D-6835/2019 Seite 16 (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüg- lich seines Antrags auf Gewährung von Asyl unterlegen. Hinge gen hat er bezüglich der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und infolgedessen der Anordnung der vorläufigen Aufnahme obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein Obsiegen zu zwei Dritteln. 10.2 Nach dem Gesagten wären die Verfahrenskosten zu einem Drittel dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Verfügung vom 10. Mai 2021 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde und den Akten keine Veränderungen der finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, hat er vorliegend keine Verfahrenskosten zu tragen. 10.3 Der Beschwerdeführer ist weiter im Umfang seines Obsiegens – hier also zu zwei Dritteln – für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und E ntschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] ). Die aktualisierte Kostennote vom 24. Juni 2021 erscheint den Verfahrensumständen als angemessen. Die Dossiereröffnungspauschale sowie die Aufwendungen für die Erstellung der Kostennote werden jedoch praxisgemäss nicht entschädigt. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–11 VGKE) ist das SEM demnach anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Parteient- schädigung zu zwei Dritt eln, mithin in der Höhe von Fr. 1'717.– (inkl. an- teilsmässige Auslagen; die Parteientschädigung umfasst keinen Mehrwert- steuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten. 10.4 Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 10. Mai 2021 als amtliche R echtsbeiständin beigeordnet worden ist, ist sie im Umfang des Unterliegens – hier also zu einem Drittel – für ihren Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschä- digen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VKGE). Der in der Kostennote ausgewiesene Stundenansatz entspricht dem praxisgemässen Stundenansatz für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter. Somit ist zulasten der Gerichtskasse zu einem Drittel e in amtliches Honorar von Fr. 858.– (inkl. anteilsmässige Auslagen; das amtli- che Honorar umfasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-6835/2019 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Feststellung der Flücht- lingseigenschaft und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling beantragt wur- den. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'717.– auszurichten. 5. Rechtsvertreterin MLaw Cora Dubach wird e in amtliches Honorar von Fr. 858. – ausgerichtet. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Angela Hefti