<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 153 S.669</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">669</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Schulrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>153</b></span> <span class="ft2"><b>Übernahme von Kosten im Rahmen des Sprachheilunterrichtes, d.h.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Dyskalkulie-, Lerntherapie- und Legasthenie-Unterricht.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine Kostentragungspflicht für den Kanton entfällt von vornherein,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wenn der Zusatzunterricht nicht von der Schulpflege, sondern von</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den Eltern aus eigenem Antrieb veranlasst worden ist. Zudem muss</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die therapierende Lehrperson über die erforderliche Ausbildung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bzw. die Anerkennung nach den Vorschriften über die Invalidenver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sicherung verfügen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Dyskalkulie- und Lerntherapie-Unterricht zählen nicht zum Sprach-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>heilunterricht; entsprechenden Kosten dafür werden daher in kei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nem Fall vom Kanton übernommen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Regierungsrates vom 21. August 2002 in Sachen K.F. gegen</span><br/> <span class="ft4">Departement Bildung, Kultur und Sport.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. a) Die Eltern der Beschwerdeführerin verlangen vom Kanton</span><br/> <span class="ft6">Staatsbeiträge für bereits durchgeführten Dyskalkulie- und Legasthe-</span><br/> <span class="ft6">nie-Unterricht bei ihrer Tochter K.</span><br/> <span class="ft6">Die Rechtsgrundlage für eine solche zusätzliche Unterstützung</span><br/> <span class="ft6">zum Schulbesuch einer Regelklasse findet sich im Schulgesetz vom</span><br/> <span class="ft6">17. März 1981 (SchulG) in § 28 unter dem Titel "Sonderschulung".</span><br/> <span class="ft6">b) § 28 Abs. 2 SchulG legt fest, dass zur Sonderschulung auch</span><br/> <span class="ft6">der Sprachheilunterricht gehört. Abs. 4 der genannten Bestimmung</span><br/> <span class="ft6">gibt dem Grossen Rat die Kompetenz, mittels Dekret den Umfang</span><br/> <span class="ft6">der Sonderschulung zu regeln; der genaue Inhalt der Sonderschulung</span><br/> <span class="ft6">sowie die Leitung und den Betrieb der Einrichtungen regelt der Re-</span><br/> <span class="ft6">gierungsrat durch Verordnung. Gestützt auf diese Bestimmung hat</span><br/> <span class="ft6">der Grosse Rat am 23. Juni 1987 das Dekret über die Sonderschulung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">670</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">(SSchD) und der Regierungsrat am 2. Mai 1988 die Verordnung über</span><br/> <span class="ft6">die Sonderschulung erlassen (SSchV). Gemäss § 1 Abs. 1 lit. c</span><br/> <span class="ft6">SSchD umfasst die Sonderschulung Massnahmen pädagogisch-</span><br/> <span class="ft6">therapeutischer Art, namentlich Sprachheilunterricht, die zur Ermög-</span><br/> <span class="ft6">lichung der Teilnahme am Unterricht in einer Regelklasse notwendig</span><br/> <span class="ft6">sind, nach den Vorschriften des Bundesgesetzes über die Invaliden-</span><br/> <span class="ft6">versicherung. Der Regierungsrat hat in seiner Botschaft an den Gros-</span><br/> <span class="ft6">sen Rat vom 8. Dezember 1986 zum Dekret über die Sonderschulung</span><br/> <span class="ft6">zu lit. c ausgeführt, dass ausser dem namentlich erwähnten Sprach-</span><br/> <span class="ft6">heilunterricht (umfassend Logopädie und Legasthenietherapie) zu</span><br/> <span class="ft6">diesen Massnahmen auch Sprachaufbau und Sprachanbahnung für</span><br/> <span class="ft6">schwer Geistigbehinderte, Sondergymnastik (Rhythmik, Eurythmie),</span><br/> <span class="ft6">besondere Förderung Taubblinder, Ablese- und Hörtraining für</span><br/> <span class="ft6">Schwerhörige und heilpädagogische Förderung schwer Geistigbe-</span><br/> <span class="ft6">hinderter gehören. In § 5 SSchV wird ausgeführt, dass der Sprach-</span><br/> <span class="ft6">heilunterricht die Minderung oder Behebung von Störungen der ge-</span><br/> <span class="ft6">sprochenen und geschriebenen Sprache und der Stimme bezweckt.</span><br/> <span class="ft6">Die hier massgeblichen Vorschriften der Invalidenversicherung sehen</span><br/> <span class="ft6">in Art. 9 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung</span><br/> <span class="ft6">(IVV) vom 17. Januar 1961 die Sprachheilbehandlung für Versi-</span><br/> <span class="ft6">cherte nach Art. 8 Abs. 4 Buchstabe e vor, d.h. für sprachbehinderte</span><br/> <span class="ft6">Versicherte mit schweren Sprachstörungen.</span><br/> <span class="ft6">Weiter bestimmt das Schulgesetz in formeller Hinsicht in § 73</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1, dass einzig die Schulpflege über die Einweisung in Sonder-</span><br/> <span class="ft6">schulen - wozu wie oben erwähnt auch der Sprachheilunterricht ge-</span><br/> <span class="ft6">hört - entscheidet. § 12 Abs. 4 SSchV bestimmt in Präzisierung die-</span><br/> <span class="ft6">ser Regelung, dass Kinder mit Sprachstörungen durch die Schul-</span><br/> <span class="ft6">pflege den Sprachheilfachleuten zuzuweisen sind. Die Schulpflege</span><br/> <span class="ft6">hat diese Zuweisung halbjährlich von sich aus zu überprüfen (§ 12</span><br/> <span class="ft6">Abs. 5 SSchV).</span><br/> <span class="ft6">Mit Bezug auf die Durchführung der Sonderschulung und ins-</span><br/> <span class="ft6">besondere der in § 1 Abs. 1 lit. c SSchD genannten pädagogisch-</span><br/> <span class="ft6">therapeutischen Massnahmen bestimmt § 8 Abs. 2 SSchV, dass diese</span><br/> <span class="ft6">durch Sonderschulen und Heime, durch öffentlich-rechtliche oder</span><br/> <span class="ft6">private Träger oder von Einzelpersonen durchgeführt werden kön-</span><br/> <span class="ft6">nen. Dabei ist die Zulassung nach den Vorschriften der Invalidenver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">671</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sicherung erforderlich (§ 8 Abs. 3 SSchV). Gemäss Art. 3 Abs. 1 der</span><br/> <span class="ft6">Verordnung über die Zulassung von Sonderschulen in der Invaliden-</span><br/> <span class="ft6">versicherung (SZV) vom 11. September 1972 müssen die Personen,</span><br/> <span class="ft6">die mit der Durchführung pädagogisch-therapeutischer Massnahmen</span><br/> <span class="ft6">betraut sind, über die für ihre Tätigkeit erforderliche Ausbildung und</span><br/> <span class="ft6">Eignung verfügen.</span><br/> <span class="ft6">2. a) Die Eltern der Beschwerdeführerin haben die Zusatzunter-</span><br/> <span class="ft6">stützung ihrer Tochter unbestrittenermassen aus eigenem Antrieb</span><br/> <span class="ft6">veranlasst. Eine Zuweisung durch die örtliche Schulpflege fehlt.</span><br/> <span class="ft6">Demgemäss entfällt nach dem unter Ziffer 1.b) vorstehend Gesagten</span><br/> <span class="ft6">von vornherein jegliche Leistungs- bzw. Kostenbeitragspflicht des</span><br/> <span class="ft6">Kantons. Daran ändert nichts, dass die Schulpflege gemäss den Aus-</span><br/> <span class="ft6">sagen der Eltern nicht angegangen wurde, weil diese sowie die Leh-</span><br/> <span class="ft6">rerschaft in der Vergangenheit versagt und sie deshalb K. in die Pri-</span><br/> <span class="ft6">vatschule "M." geschickt hätten. Gegen das geltend gemachte Versa-</span><br/> <span class="ft6">gen der kommunalen Behörden stehen Rechtsmittel zur Verfügung.</span><br/> <span class="ft6">Wenn die Eltern der Beschwerdeführerin diese nicht ergreifen, son-</span><br/> <span class="ft6">dern selber die ihnen zweckmässig erscheinenden Massnahmen in</span><br/> <span class="ft6">die Wege leiten, haben sie auch die entsprechenden Folgen zu tragen.</span><br/> <span class="ft6">Mit der in § 73 Abs. 1 SchulG und § 12 Abs. 4 SSchV vorgesehenen</span><br/> <span class="ft6">Zuweisung durch die Schulpflege soll sichergestellt werden, dass die</span><br/> <span class="ft6">Leistungspflicht des Staates nur bei Vorliegen der entsprechenden</span><br/> <span class="ft6">Voraussetzungen und an die dafür zuständigen und ausgebildeten</span><br/> <span class="ft6">Fachleute erfolgt. Nicht zuletzt im Interesse aller Steuerzahlerinnen</span><br/> <span class="ft6">und -zahler soll und darf der Staat nur dann kostenpflichtig werden,</span><br/> <span class="ft6">wenn die dafür vorgesehenen Voraussetzungen - und zwar für alle</span><br/> <span class="ft6">Schülerinnen und Schüler in gleichem Masse - erfüllt sind. Um dies</span><br/> <span class="ft6">zu gewährleisten und damit die Eltern nicht Gefahr laufen, dass sie</span><br/> <span class="ft6">ihre Kinder zu nicht entsprechend ausgebildeten Lehrpersonen</span><br/> <span class="ft6">schicken oder Leistungen veranlassen, deren Kostenübernahme der</span><br/> <span class="ft6">Kanton nicht vorsieht, ist in den genannten Bestimmungen eben</span><br/> <span class="ft6">vorgesehen, dass vorgängig die Schulpflege ihre Zustimmung gibt.</span><br/> <span class="ft6">Hinzu kommt nun im vorliegenden Fall, dass es sich bei den</span><br/> <span class="ft6">von den Eltern veranlassten Zusatzunterstützungen einerseits - ent-</span><br/> <span class="ft6">gegen ihrer Auffassung - nicht um eine staatliche Aufgabe handelt</span><br/> <span class="ft6">und andererseits die eine Lehrperson auch gar nicht über die erfor-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">672</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">derliche Ausbildung zur Durchführung dieses Unterrichts verfügt.</span><br/> <span class="ft6">Was nämlich die Rechnung von Frau Dr. phil. A.-M. A. im Betrag</span><br/> <span class="ft6">von Fr. 3'787.50 anbelangt, handelt es sich um Dyskalkulie-Stunden,</span><br/> <span class="ft6">welche gemäss dem unter Ziffer 1.b) Gesagten nicht unter die vom</span><br/> <span class="ft6">Kanton übernommenen pädagogisch-therapeutischen Massnahmen</span><br/> <span class="ft6">bzw. den Sprachheilunterricht fallen. Aufwendungen für eine derar-</span><br/> <span class="ft6">tige Unterstützung werden in keinem Fall vom Kanton getragen.</span><br/> <span class="ft6">Dasselbe gilt für die von Frau B. durchgeführten Lerntherapiestun-</span><br/> <span class="ft6">den. Soweit in diesem Rahmen gemäss den Aussagen der Therapeu-</span><br/> <span class="ft6">tin die Sprache "angeschaut" und Legasthenie-Therapie erteilt wurde,</span><br/> <span class="ft6">fehlt es Frau B. an der erforderliche Ausbildung bzw. der entspre-</span><br/> <span class="ft6">chenden Anerkennung nach den Vorschriften der Invalidenversiche-</span><br/> <span class="ft6">rung (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft6">b) Soweit die Eltern der Beschwerdeführerin weiter geltend ma-</span><br/> <span class="ft6">chen, es könne wohl nicht sein, dass eine Kostengutsprache seitens</span><br/> <span class="ft6">des Kantons davon abhänge, ob mit der therapierenden Person eine</span><br/> <span class="ft6">Tarifvereinbarung zustande komme, sind sie auf Folgendes hinzu-</span><br/> <span class="ft6">weisen: Sofern ein Kind nicht einer von der Gemeinde angestellten</span><br/> <span class="ft6">Fachperson für Legasthenie bzw. Logopädie zugewiesen werden soll,</span><br/> <span class="ft6">sondern einer freiberuflich tätigen Person, muss natürlich ebenfalls</span><br/> <span class="ft6">sichergestellt werden, dass diese über dieselben Qualifikationen ver-</span><br/> <span class="ft6">fügt. Die Vorinstanz prüft dies im Rahmen einer sog. Tarifvereinba-</span><br/> <span class="ft6">rung, welche beim Zustandekommen die grundsätzliche Berechti-</span><br/> <span class="ft6">gung gibt, Logopädie bzw. Legasthenie auf Kosten des Kantons zu</span><br/> <span class="ft6">einem bestimmten Kostenansatz zu erteilen. Es hängt daher sehr</span><br/> <span class="ft6">wohl davon ab, ob zwischen dem Kanton und einer Fachperson eine</span><br/> <span class="ft6">Tarifvereinbarung zustande kommt, da nur in diesem Fall überhaupt</span><br/> <span class="ft6">eine grundsätzliche Leistungspflicht des Staates entsteht. Damit stellt</span><br/> <span class="ft6">er die erforderliche Qualität des Unterrichts für alle Schülerinnen</span><br/> <span class="ft6">und Schüler in gleichem Ausmasse sicher. Die Vorinstanz schliesst</span><br/> <span class="ft6">im Übrigen dann mit der freischaffenden Person für den konkreten</span><br/> <span class="ft6">Einzelfall eine weitere Vereinbarung ab, in welcher geregelt wird,</span><br/> <span class="ft6">wieviele Stunden zu welchem Ansatz verrechnet werden dürfen.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>