Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Februar 2019 (715 18 289 / 44) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung: Unzumutba rkeit der Weiterführung der Ar- beitsstelle aus gesundheitlichen Gründen anhand von ärztlichen Beurteilungen nachge- wiesen (Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG; 44 Abs. 1 lit. b AVIV) Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1974 geborene A.____ war seit 8. Mai 2012 be im B.____ als agogischer Betreuer im C.____ in einem 80%-Pensum angestellt. Mit Schre iben vom 28. September 2017 kündigte er das Arbeitsverhältnis per 31. Dezember 2017. Am 30. November 2017 meldete er sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum Münchenstein (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und er- hob bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basellan d (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung ab dem 1. Januar 2018. Mit Verfügung Nr. 580/2018 vom 6. März Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2018 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstver schuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Januar 2018 für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Zur Begründung brachte sie vor, dass der Versicherte seine Arbeitsstelle gekündigt habe, ohne dass ihm eine neue Stelle ver- traglich zugesichert gewesen sei. Mit Entscheid vom 15. Au gust 2018 hiess die Einsprach- einstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft, die gegen die Verfügung vom 6. März 2018 vom Versicherten erhobene Einsprache teilw eise gut und reduzierte die Einstell- dauer auf 24 Tage. In der Begründung führte sie im W esentlichen aus, dass dem Versicherten der Verbleib an seiner bisherigen Arbeitsstelle weiterh in zuzumuten gewesen wäre. Die medizi- nischen Unterlagen würden eine Unzumutbarkeit aus gesun dheitlichen Gründen nicht rechts- genüglich belegen. Die Probleme am Arbeitsplatz, die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und das Verhalten des Arbeitgebers seien jedoch verschuldensmin dernd, weshalb eine Reduktion der Einstelldauer um 7 Tage von 31 auf 24 Tage angezeigt sei. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 12. Septembe r 2018 Beschwerde ans Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons gericht). Er beantragte, es sei in Auf- hebung des Einspracheentscheids vom 15. August 2018 festzu stellen, dass die Arbeitslosigkeit nicht selbstverschuldet sei. Folglich sei von Einstelltagen abzusehen; unter o/e-Kostenfolge, wobei die Kosten für den Arztbericht vom 3. September 2 018 der Arbeitslosenkasse zu über- binden seien. Zur Begründung machte er sinngemäss gelte nd, dass ein weiterer Verbleib im C.____ seine Gesundheit gefährdet hätte. Die Einstellung der Taggeldleistungen sei deshalb zu Unrecht erfolgt. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 26. Oktober 2018 auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend kommt der Versicherte seine Kontrollpflichten im K anton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicheru ngsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kanto nsgerichts gegeben ist. Auf die im Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 12. September 2018 ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO in der bis 31. Dezember 2018 gültig gewesenen Fassung entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozi alversicherungsrecht des Kantonsge- richts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorlie- genden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberec htigung im Umfang von 24 Tagen bei einem Taggeld von Fr. 222.65 und damit ein Streitwer t von Fr. 5'343.60 zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Streitig ist, ob der Versicherte zu Recht infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde. 2.2 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.3 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und so weit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in ei nem nach den persönlichen Umstän- den und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.4 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzu legen ist. Die Zumutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/ bb mit Hinweisen; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben , bis sie eine neue Stelle gefunden Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 116). Die Zumutbarkeit der Fortführung eines Arbeitsver hältnisses beurteilt sich nach den kon- kreten Umständen. Medizinische Gründe müssen durch ein ei ndeutiges Arztzeugnis oder Gut- achten belegt sein (BGE 124 V 238 E. 4b/bb). 2.5 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Ar t. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige ("volontairement") Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund ("sans motif légitime") sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30 . April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf fo lgende Grundsätze hinzuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltun gsgerichtsbeschwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versi cherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Festste llung des rechtserheblichen Sachver- haltes zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinw eisen). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten erg ebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Zu prüfen ist, ob dem Versicherten ein Verschulden an seiner Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV anzulasten ist. 4.2.1 In der Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschäd igung vom 30. November 2017 gab der Versicherte an, dass er seine Arbeitsstelle im C .____ Ende September 2017 per 31. Dezember 2017 gekündigt habe. Als Grund für die Kündigung führte er aus, dass drei Mit- arbeitende, darunter die jetzige Teamleiterin, Anfan g 2017 seine Ex-Teamleiterin gemobbt hät- ten. Ab Mai 2017 sei auch er zum Mobbing-Opfer geworde n und in der Folge aus gesundheitli- chen Gründen krankgeschrieben worden. Als einzige Möglich keit für eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes habe er nur noch die Kündigung gese hen. Weiter führte er in der An- meldung zur Frage aus, ob er im Zeitpunkt der Kündigun g oder während der Kündigungsfrist wegen Krankheit an der Arbeitsleistung verhindert gewe sen sei, dass er aufgrund eines Burn- outs und psychischen Symptomen vom 14. August 2017 bis 15 . Oktober 2017 krankgeschrie- ben gewesen sei. 4.2.2 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs legte der Versich erte am 26. Februar 2018 dar, dass er seit 2012 im C.____ mit Jugendlichen und junge n Erwachsenen mit einer psychischen Beeinträchtigung und/oder einem delinquenten Hinter grund arbeite. Trotz der zeitlich an- spruchsvollen Schichtarbeit und der herausfordernden Auf gaben habe er grundsätzlich gerne und erfolgreich seine Arbeit ausgeübt. Nachdem seine frühere Vorgesetzte aufgrund von Span- nungen und Konflikten mit einzelnen Teammitgliedern gekündigt habe, habe sich durch den Wechsel in der Teamleitung auf teamdynamischer und emot ionaler Ebene einiges verändert. Zunehmend sei er als agogischer Betreuer vom dem aus vorw iegend Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen bestehenden Team nicht mehr erwünscht gewesen. Er habe sich ausge- grenzt und nicht mehr wertgeschätzt gefühlt. Die fehl ende Wertschätzung ergebe sich deutlich aus dem Vergleich der Zwischenzeugnisse seiner früheren und jetzigen Teamleiterin, habe letz- tere doch seine Leistungen plötzlich erheblich schlechter beurteilt (vgl. Zwischenzeugnisse vom 3. Mai 2017 und 5. Dezember 2017). Er interpretiere diesen Verlauf als Folge eines Konflikts auf der Teamebene sowie zwischen ihm und der neuen Tea mleiterin. Aufgrund dieser Situation seien bei ihm im Sommer 2017 Schlafstörungen, Angstzust ände, Magenbeschwerden, Durch- fall und Herzrasen aufgetreten. Zudem sei seine Impulskon trolle "instabil" geworden. Er habe schliesslich eine Beratung bei der D.____ AG und medizini sche bzw. psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen müssen. Mitte August 201 7 habe er an einer Sitzung einen Nervenzusammenbruch erlitten. Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, die hohen Anforderun- gen an seine Aufgaben zu erfüllen und wie gewohnt q ualitativ hochstehende Arbeit zu leisten. In der Folge sei er krankgeschrieben worden. Er habe si ch sehr um eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes bemüht. Mit der Zeit habe er bemer kt, dass er dies nur mit einem Stel- lenwechsel erreichen könne. So habe er Ende September 2017 seine Stelle wegen unzumutba- ren Arbeitsbedingungen per Ende 2017 gekündigt. 4.2.3 In seiner Beschwerde machte der Versicherte wieder um geltend, dass er während des Arbeitsverhältnisses mit dem B.____ im Laufe des Jahres 2 017 an schwerwiegenden Gesund- heitsproblemen gelitten habe, welche im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit im C.____ gestanden hätten. Auf Anraten seiner behandeln den Ärztin habe er schliesslich gekün- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht digt, da der Verbleib an der Arbeitsstelle seine Gesun dheit gefährdet hätte. Vor 2017 habe es nie Probleme bei seiner Arbeit gegeben. Das Arbeitsklima sei respektvoll gewesen und er habe immer sehr gute Arbeitsbeurteilungen erhalten. Nach einem Wechsel der Teamleitung sei es zu sehr belastenden Mobbingsituationen im Team gekommen. Er selbst sei als agogischer Be- treuer vom Team ausgegrenzt worden und sei mit Arbeit überhäuft worden, welche er quantita- tiv und qualitativ nicht mehr habe erledigen können. Di es habe sich dann auch mit einer zuvor nie gekannten schlechten Beurteilung im Zwischenzeugnis vo m 5. Dezember 2017 niederge- schlagen. Er habe begonnen, unter gesundheitlichen Be einträchtigungen zu leiden. Die belas- tende Situation am Arbeitsplatz habe sich derart zugespitzt, dass er bei einer Sitzung im August 2017 zusammengebrochen sei. In der Folge habe sich seine Symptomatik verschlimmert. Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, einen geregelten Rhy thmus aufrecht zu erhalten und seiner Verantwortung gegenüber den Klienten gerecht zu werden. Mit medizinischer und psychothera- peutischer Unterstützung sei es ihm gelungen, mit der Sit uation umzugehen. Nachdem er wie- der gestärkt an den Arbeitsplatz zurückgekehrt sei, habe er bemerkt, dass sich nichts verändert habe. Es seien wieder schwere gesundheitliche Störungen aufgetreten. Seine Ärztin habe ihm schliesslich eindringlich geraten, seine Arbeitsstelle zu kündigen. 4.3 Der ehemalige Arbeitgeber gab in seiner Arbeitg eberbescheinigung vom 9. Januar 2018 die genauen Umstände der Kündigung nicht an. Er führte lediglich an, dass der Versicher- te das Arbeitsverhältnis aus persönlichen Gründen gekünd igt habe. Dem Kündigungsschreiben des Versicherten vom 28. September 2017 ist kein Kündigu ngsgrund zu entnehmen. Allerdings liegt ein undatiertes Schreiben des Versicherten an "E .____" vor, welchem zu entnehmen ist, dass der Versicherte aufgrund des drastisch veränderten Arb eitsklimas im C.____ seit Anfang 2017 und den damit verbundenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekündigt habe. Weiter wird im Schreiben der D.____ AG vom 5. September 2018 bestätigt, dass er im November 2015 und von Juli 2017 bis Dezember 2017 Beratungsgespräche wegen Schwierigkeiten am Arbeits- platz in Anspruch genommen habe. 4.4.1 In medizinischer Hinsicht attestierte die Hausärztin, Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, dem Versicherten wegen Krankheit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 14. August 2017 bis 29. September 2017 (vgl. Arztzeug nisse vom 15. August 2017, 8. und 22. September 2017). Kurz vor Erlass der Einstellungsverf ügung vom 6. März 2018 legte Dr. F.____ in ihrem Bericht vom 1. März 2018 dar, dass d er Versicherte durch die durchgeführ- ten Umstrukturierungen am Arbeitsplatz (Kaderwechsel, U mverteilung der Aufgaben) in seiner Funktion als sozialpädagogischer Betreuer zunehmend am Ar beitsplatz belastet worden sei. Im August 2017 habe er an einer Sitzung einen Nervenzusam menbruch erlitten. Aufgrund nachfol- gender Schlafstörungen, Symptomen von Panikattacken, eine r Erschöpfungsdepression (be- ginnendes Burnout) sowie ausgeprägten schmerzhaften Muskel verspannungen sei er vom 14. August 2017 bis 29. September 2017 nicht mehr arb eitsfähig gewesen. Mit einem beglei- tenden Jobcoaching, einer Psychotherapie und Hausarztkon sultationen sei es gelungen, den Versicherten weitgehend zu stabilisieren. Nachdem er im O ktober 2017 wieder an seinen Ar- beitsplatz zurückgekehrt sei, habe sich seine schlechte Arbe itssituation eher verschärft. Der Schicht- und Nachtdienst sei zunehmend belastender gew orden. Zudem habe sich die zu be- treuende Klientschaft derart geändert, dass sich ein zu sätzliches Aufgabenfeld ergeben habe. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Vorgesetzten zeigten sich nicht bereit, eine Lösun g für die belastende Situation des Versi- cherten zu finden. Um einen Rückfall der Panikattacken und der depressiven Symptomatik zu verhindern, habe sie dem Versicherten nahe gelegt, die Kündigung einzureichen. Am 30. Au- gust 2018 präzisierte Dr. F.____ ihren Bericht vom 1. Mä rz 2018 dahingehend, dass der Versi- cherte nach dem im August 2017 erlittenen Nervenzusammen bruch zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei. Er habe nebst den im Bericht vom 1. März 201 8 genannten gesundheitlichen Stö- rungen auch an Antriebslosigkeit, an Anhedonie, an ei nem Stimmungstief, an Müdigkeit und an Diarrhoe gelitten. Nachdem der Versicherte Ende Septe mber 2017 wieder an seinen Arbeits- platz zurückgekehrt sei, sei die ganze Symptomatik wieder auf getreten. Die Diarrhoe und die Schlafstörungen hätten sich verstärkt. Die fehlende Wert schätzung seiner Arbeit und die man- gelnde Bereitschaft des Kaders, eine konstruktive Lösung zu suchen, hätten beim Versicherten Ohnmachtsgefühle erzeugt und Panikattacken mit Herzrasen, Schweissausbrüchen und Schwindel getriggert. Die Symptomatik sei klar im Zusamme nhang mit dem Arbeitsfeld zu se- hen. Ein Verbleib am Arbeitsplatz hätte zur Chronifizi erung der Panikattacken, zur Manifestie- rung des Burnouts mit Langzeitarbeitsunfähigkeit und einer erschwerten Wiedereingliederung geführt, was aus medizinischer Sicht nicht zumutbar und unverantwortbar gewesen wäre. 4.4.2 Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapi e, und die Fachpsychologin H.____ bestätigten in ihrem Kurzbericht vom 3. Septem ber 2018, dass der Versicherte vom 18. September bis 31. Dezember 2017 aufgrund der Prob leme am Arbeitsplatz bei ihnen in Be- handlung gestanden habe. Schwerpunkt und Inhalt der T herapie seien die Entstehungsmecha- nismen und die Auswirkungen der Bedrängung am Arbeitsplatz gewesen. Der Versicherte habe über ein sich verschlechterndes bis feindseliges Arbeitsklima und eine sich seit Anfang 2017 zunehmend dysfunktional entwickelnde Kommunikation an se iner Arbeitsstelle berichtet. Dadurch sei er stark unter Druck gestanden und habe sich b lockiert sowie ausgegrenzt gefühlt. Sie hätten beim Versicherten im Wesentlichen Angst, Pani k, starke innere Unruhe, Grübeln, Reizbarkeit, Vergesslichkeit, Gedächtnis- und Antriebsschw ierigkeiten mit gleichzeitiger Ratlo- sigkeit, motorische Unruhe, Schlafstörungen mit Albträ umen, Stimmungsschwankungen mit Deprimiertheit und Niedergeschlagenheit feststellen kön nen. Diese ausgeprägte psychische Symptomatik und die körperlichen Stresssymptome würden auf eine depressive Entwicklung und eine Dekompensationsgefahr für eine Erschöpfungsdep ression hinweisen und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit begründen. Mit der Kündig ung habe er eine weitere psychische Verschlechterung und eine Dekompensation vermeiden wollen. 5.1 Vorliegend steht unbestrittenermassen fest, dass de r Versicherte das Arbeitsverhältnis mit dem B.____ am 28. September 2017 per 31. Dezembe r 2017 auflöste, ohne dass ihm zum damaligen Zeitpunkt von anderer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gewesen wäre. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsbere chtigung beurteilt sich demgemäss da- nach, ob dem Versicherten ein Verbleiben an der bishe rigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewesen wäre (vgl. Erwägung 3.4 hiervor). 5.2 Aus den Berichten von Dr. F.____ geht klar und un missverständlich hervor, dass dem Versicherten ein weiterer Verbleib im C.____ aus gesund heitlichen Gründen nicht mehr zuge- mutet werden konnte. Dr. F.____ führte eindrücklich au s, dass die von ihr beschriebene Symp- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tomatik des Versicherten im direkten Zusammenhang mit d er belastenden Situation am Ar- beitsplatz stand. Aufgrund ihrer Befunde kam sie zum Er gebnis, dass die Arbeit im C.____ zu einer Gesundheitsschädigung geführt habe, welche sich auch in Zukunft nicht durch geeignete Vorkehren hätte vermeiden lassen. Ihre Einschätzung deckt sic h auch mit der fachärztlichen Beurteilung von Dr. G.____ und der Psychologin H.____ vom 3. September 2018. Mit den Beur- teilungen von Dr. F.____ lässt sich die Unzumutbarkeit de r Weiterführung der Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen klar belegen (vgl. BGE 124 V 238 E. 4b/bb; Urteil des Bundesge- richts vom 13. März 2013, 8C_943/2012, E. 3.4). Darauf folgt, dass die verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung des Versicherten zu Unrecht erfolgt ist. 5.3 An diesem Ergebnis ändern auch die Vorbringen de r Arbeitslosenkasse nichts. Es trifft zwar zu, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein sch lechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitsko llegen grundsätzlich keine Unzu- mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu be gründen vermögen (Urteil des Bun- desgerichts vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 2). Bei S chwierigkeiten wie Auseinandersetzun- gen, Stresssituationen und dergleichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicherung einer neuen Anschlu ssstelle aufzugeben. Auch belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz rechtfertigen für sich all ein grundsätzlich keine vorzeitige Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses (Urteil des Eidgenössischen Ver sicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Die Arbeitslosenkasse übersieht jedoch, dass der Versicherte mit den ärztlichen B erichten – insbesondere mit den Beurteilungen von Dr. F.____ vom 1. März 2018 und 30 . August 2018 - nachweisen kann, dass ihm die Weiterarbeit im C.____ aus gesundheitlichen G ründen nicht mehr zumutbar war. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, an den Ausführungen de r behandelnden Fachpersonen zu zweifeln. Dies wird von der Arbeitslosenkasse auch zu Recht nicht geltend gemacht. 5.4 Auch der Widerspruch zwischen den Angaben des Versicher ten und von Dr. F.____ in Bezug auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeitsperioden ( vgl. Erwägungen 5.2.1 und 5.4.1) sowie hinsichtlich der Tatsache, dass der Versicherte entgegen s einen Angaben bereits gekündigt hatte, als seine Ärztin ihm dazu riet, ändern nichts da ran, dass das Fortführen des Arbeitsver- hältnisses bis zum Antritt einer neuen Arbeitsstelle dem Versicherten gemäss ärztlicher Ein- schätzung nicht zumutbar war. 5.5 Es ist möglich, dass es sich – wie die Arbeitslosenkasse ge ltend macht - sich bei dem vom Versicherten vorgebrachten Mobbing-Vorwurf nicht um ein Mobbing im rechtlichen Sinn handelt. Daraus lässt sich jedoch nichts zu Ungunsten des Versicherten ableiten. Es bleibt da- bei, dass die Arbeit im C.____ Ursache seiner Krankheit war und dem Versicherten das Fortfüh- ren der dortigen beruflichen Tätigkeit bis zum Antritt einer neuen Stelle aus ärztlicher Sicht nicht zugemutet werden konnte. 5.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die Arbeit im C.____ für den Versicher- ten als unzumutbar im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c A VIG erweist. Der Tatbestand des Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist demnach nicht erfüllt, weshalb e ine Einstellung in der Anspruchsberechti- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung nicht in Betracht fällt. Demgemäss ist der Einspracheentscheid der Vorinstanz aufzuheben und die Beschwerde gutzuheissen. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Parteientschädigungen sind nicht auszurichten. 6.2 Der Versicherungsträger hat die Kosten der Abklärun g zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat (vgl. Art. 45 Abs. 1 ATSG). Erfolgte keine Anordnung von Mass- nahmen, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn d ie Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträ glich zugesprochener Leistungen bilden (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2015, N 19 zu Art. 45). Im vor- liegenden Beschwerdeverfahren beantragte der Versicherte , es sei die Arbeitslosenkasse zu verpflichten, die Kosten für den Arztbericht von Dr. G.__ __ und der Psychologin H.____ vom 3. September 2018 in Höhe von Fr. 70.-- zu übernehmen . Es zeigte sich aber, dass das Kan- tonsgericht mit oder ohne diesen Bericht zum gleichen Schluss gekommen wäre. Mit anderen Worten war die hier fragliche ärztliche Beurteilung fü r die Entscheidfindung nicht unerlässlich, weshalb von einer Überbindung der Kosten auf die Arbeitslosenkasse abzusehen ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland vom 15. August 2 018 aufge- hoben und es wird festgestellt, dass die Einstellung in der Anspruchs- berechtigung zu Unrecht erfolgt ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der Antrag des Beschwerdeführers, die Kosten für d en Arztbericht von Dr. med. G.____ und der Psychologin H.____ vom 3. Septe mber 2018 in Höhe von Fr. 70.-- der Arbeitslosenkasse zu überbind en, wird abge- lehnt.