B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5081/2013 U r t e i l v o m 1 9 . D e z e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______, geboren [...], sowie dessen Kinder B._______, geboren [...], und C._______, geboren [...], mutmasslich staatenlos, syrisch-kurdischer Herkunft, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M., Advokatur Kanonengasse, Militärstrasse 76, Postfach, 8021 Zürich, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 9. August 2013 D-5081/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden sind syrischer Herkunft kurdischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in Damaskus. Der Beschwerdeführer (Vater) ist nach eigenen Angaben ein sogenannter "Ajnabi" ("Ausländer" bzw. vom syr i- schen Sta at nicht als Staatsbürger anerkannter Kurde) und stammt ur- sprünglich aus Dêrik (kurdische bzw. aramäische Bezeichnung; arabisch al-Malikiyah; Provinz al-Hasakah). Gemäss Aussage des Beschwerdefüh- rers verliess er Syrien mit seiner damaligen Ehefrau (D._______, Asylver- fahrensdossier [...]) und den gemeinsamen Kindern B._______ und C._______ am 5. März 2009 in Richtung Türkei. Am 24. Mai 2009 reiste der Beschwerdeführer in Begleitung seiner damaligen Ehefrau unkontrol- liert in die Schweiz ein und stellte gleichentags beim Empfangs- und Ver- fahrenszentrum Kreuzlingen für sich und seine Kinder Asylgesuche. Am 3. Juni 2009 wurde der Beschwerdeführer dort summarisch zu seinen Asylgründen befragt und anschliessend mit seiner Familie für die Dauer des Asylverfah rens dem Kanton Zürich zugewiesen. Am 22. Juni 2010 hörte ihn das Bundesamt für Migration (BFM) eingehend zu den Gründen seines Asylgesuchs an. B. Das Asylgesuch der damaligen Ehefrau des Beschwerdeführers , D._______, wurde durch das Bundesamt in einem gesonderten Verfahren behandelt. Die Ehe des Beschwerdeführers mit D._______ wurde durch Urteil des Bezirksgerichts E._______ vom 21. Mai 2013 geschieden, w o- bei die gemeinsamen Kinder B._______ und C._______ unter die elterli- che Sorge des Beschwerdeführers gestellt wurden. C. Der Beschwerdeführer machte anlässlich seiner Befragungen im Wesent- lichen geltend, eine Schwester seiner Ehefrau namens F._______ sei seit rund zwanzig Jahren bei der PKK (Partiya Karkerên Kurdistan; A rbeiter- partei Kurdistans). Es handle sich bei dieser Schwägerin um eine militär i- sche Kommandantin der PKK, die sowohl in Syrien als auch in der Türkei den jeweiligen Behörden bekannt sei. Vor einiger Zeit sei F._______ ver- wundet und anschliessend zunächst nach Zakho im Nordirak gebracht worden, wo man sie aber nicht erfolgreich habe behandeln können. Des- wegen sei sie schliesslich Ende Dezember 2008 ins Haus des Beschwer- deführers in Damaskus gelangt, wo sie durch einen Freund des B e- schwerdeführers, der Arzt sei, behandelt worden sei. Der Beschwerdefüh-D-5081/2013 Seite 3 rer habe befürchtet, jemand könnte F._______ verraten, und habe sie deshalb im Januar 2009 an einen anderen Ort gebracht. Jedoch seien am 20. Januar 2009 Angehörige des syrischen politischen Sicherheits diensts "Amen Siasi" gekommen und hätten sein Haus durchsucht. Dabei hätten die Beamten eine Tasche mit Akten gefunden, die F._______ gehört hät- ten. Man habe ihn wie auch seine Ehefrau mitgenommen und auf einen Posten gebracht. Seine Ehefrau sei gleichentags wieder freigelassen worden. Er selbst sei jedoch während zehn Tagen auf dem Posten fes t- gehalten worden, wobei er gefoltert worden sei. Man habe von ihm ve r- langt, seine Schwägerin auszuliefern. Er habe schliesslich zugestimmt, worauf man ihn freigelassen und ihm die Telephonnummern zweier rang- hoher Offiziere gegeben habe, mit der Aufforderung, dort an zurufen. In den folgenden Wochen sei er insgesamt dreimal erneut zu einem Posten gebracht worden, wo er wiederum verhört, bedroht, geschlagen und zur Auslieferung seiner Schwägerin aufgefordert worden sei. In der Folge h a- be er sich mit seiner Familie zur Ausreise aus Syrien entschlossen. Im Zeitraum nach seiner Ausreise sei F._______ durch die syrischen Behör- den verhaftet und möglicherweise an die Türkei ausgeliefert w orden. Er selbst sei zwar nicht Mitglied der PKK gewesen und habe sich auch nicht für politische Belange interessiert. Jedoch seien in seiner Familie mehr e- re Personen für die Partei aktiv gewesen, und er habe ebenfalls einen monatlichen Geldbetrag gespendet. Auch wenn er F._______ zuvor nicht persönlich gekannt habe, sei es eine familiäre Verpflichtung gewesen, sie in seinem Haus aufzunehmen. Anlässlich der eingehenden Anhörung gab der Beschwerdeführer als Beweismittel den Ausdruck eines im Internet veröffentlichten Artikels betreffend die Verhaftung von F._______ zu den Akten. D. D.a Mit Schreiben vom 12. Juni 2009 ersuchte das BFM die schwei zeri- sche Botschaft in Syrien um Abklärung der Fragen, ob der Be schwerde- führer syrischer Staatsbürger sei, ob er einen syrischen Pass besitze, ob er Syrien legal ver lassen habe u nd ob er durch die syrischen Be hörden gesucht werde. D.b Mit Schreiben vom 5. Januar 2010 teilte die Botschaft dem BFM mit, der Name des Beschwerdeführers sei unbekannt, er sei bei den syr i- schen Migrationsbehörden nicht registriert und werde in Syrien nicht b e- hördlich gesucht. D-5081/2013 Seite 4 D.c Mit Schreiben vom 8. September 2010 teilte das BFM der schweize- rischen Botschaft in Syrien mit, in der Zwischenzeit habe der Beschwe r- deführer ein Dokument eingereicht, das i hn als Ajnabi ausweise, und bat um Abklärung der Echtheit des betreffenden Schriftstücks. D.d Mit Schreiben vom 11. Januar 2011 teilte die Botschaft dem BFM mit, das Dokument sei echt, und der Beschwerdeführer werde durch die syr i- schen Behörden nicht gesucht. E. Mit Verfügung vom 9. August 2013 (eröffnet am 12. August 2013) lehnte das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab. Gleichzeitig ordnete es wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vor- läufige Aufnahme in der Schweiz an. Zur Begründung der Ablehnung der Asylgesuche führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die betreffen- den Vorbringen des Beschwerdeführers seien entweder nicht glaubhaft oder nicht asylrelevant. F. Mit Eingabe an das BFM vom 20. August 2013 ersuchten die Beschwe r- deführenden durch ihren Rechtsvertreter um Einsicht in ihre Asylverfa h- rensakten. Diesem Antrag entsprach das Bundesamt mit Schreiben vom 21. August 2013. G. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 11. September 2013 fochten die Beschwerdeführenden die Verfügung des BFM beim Bundesverwa l- tungsgericht an. Dabei beantragten sie die Aufhebung der Ziffern 1–3 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung, die Feststellung ihrer Flüch t- lingseigenschaft und die Gewährung des Asyls . In prozessualer Hinsicht beantragten sie, es seien ihnen die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie die unentgeltliche Rechtsve r- beiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG zu gewähren. Weiter stellten sie den Antrag, das Bundesamt sei anzuweisen, bezüglich der Anerke n- nung ihrer St aatenlosigkeit eine separate Verfügung zu erlassen. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wese ntlich, in den Erwägungen eingegangen. H. Mit Zwischenverfügung vom 18. September 2013 hiess der zuständige Instruktionsrichter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Si n-D-5081/2013 Seite 5 ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG vorbehältlich des Nachreichens einer Fü r- sorgebestätigung bis zum 3. Oktober 2013 gut. Das Gesuch um unent- geltliche Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde ab- gelehnt. I. Mit Eingabe vom 2. Oktober 2013 (Datum des Poststempels) wurde frist- gerecht eine Fürsorgebestätigung eingereicht. J. Mit Vernehmlassung vom 28. Oktober 2013 hielt das BFM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragt e die Abweisung der B e- schwerde. Den Beschwerdeführenden wurde davon mit Schreiben vom 4. November 2013 Kenntnis vermittelt. K. Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 12. November 2014 wurde eine Honorarabrechnung eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden gegen Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) durch das BFM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwa l- tungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Pe r- sonen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Mit Beschwerde an das Bunde sverwaltungsgericht können im A n- wendungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, ei n- schliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sac h- verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-5081/2013 Seite 6 2. Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf ihre frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3. 3.1 Die Beschwerdeeingabe richtet si ch ausschliesslich gegen die Ableh- nung des Asylgesuchs, die Feststellung des BFM, die Beschwerdefü h- renden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, sowie die Anordnung der Wegweisung. Die Frage des Vollzugs der Wegweisung bildet damit nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. 3.2 3.2.1 Im vorliegenden Verfahren wird unter anderem der Antrag gestellt, das BFM sei anzuweisen, bezüglich der Anerkennung der Staatenlosig- keit der Beschwerdeführenden eine separate Verfügung zu erlassen. Da- bei wird in der Beschwerdeschrift vorgebracht, die Vorinstanz habe sich in der angefochtenen Verfügung zwar damit auseinandergesetzt, ob die Staatenlosigkeit der Beschwerdeführenden geeignet sei, die Flüchtling s- eigenschaft zu begründen, wobei dies verneint worden s ei. Dem sei grundsätzlich nichts entgegenzuhalten; es stelle sich jedoch die Frage, ob die Beschwerdeführenden als Staatenlose zu anerkennen seien. 3.2.2 Diesbezüglich ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführenden frei steht, sich mit dem Begehren, die von ihnen geltend gemachte Sta a- tenlosigkeit sei anzuerkennen, an das hierfür zuständige BFM zu wenden (vgl. für die diesbezüglich geltenden rechtlichen Bestimmungen im Ei n- zelnen BVGE 2014/5). Jedoch wird von den Beschwerdeführenden weder vorgebracht, sie hätten ein solches Gesuch gestellt, noch ergibt sich aus den vorliegenden Akten ein entsprechender Hinweis. Ohnehin waren die Rechtsfragen in Bezug auf die Anerkennung der Staatenlosigkeit nicht Gegenstand des erstinstanzlichen Asylverfahrens und der entspreche n- den Verfügung des BFM, und sie können somit auch nicht Verfahrensge- genstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sein. Auf den genann- ten Antrag ist daher nicht einzutreten. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Ras - se, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen D-5081/2013 Seite 7 Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthafte n Nachtei- len ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausge - setzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefähr - dung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner - träglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei sen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flücht - lingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vo r- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich w i- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM stützte die Ablehnung der Asylgesuche in der angefoch te- nen Verfügung auf die Einschätzung, die betreffenden Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft ausgefallen. Dabei wies es zum einen darauf hin, der Beschwerdeführer sei nach eigen en Aussagen vom politischen Sicherheitsdienst "Amen Siasi" festgenommen und während einiger Tage festgehalten worden, nachdem in seinem Haus politische Unterlagen seiner Schwägerin gefunden worden seien . Dieses Vorbri n- gen müsse als realitätsfern bezeichnet werden, indem davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer während langer Zeit inhaftiert worden wäre, hätte es sich bei seiner Schwägerin tatsächlich um ein militantes Mitglied der PKK gehandelt. Weiter sei auch nicht nachvollziehbar, we s- halb der Beschwerdeführer anlässlich seiner Anhörungen im vorinstanzli- chen Verfahren die erlittene Folter nicht gleich zu Beginn und als zentr a- les Element seiner Aussagen erwähnt habe, sondern zuerst davon g e- sprochen habe, was ihm bei seiner Inhaftierung für Fragen ges tellt wor- den seien. Schliesslich habe der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Befragungen im vorinstanzlichen Verfahren krass widersprüchliche Anga- ben gemacht. 5.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richti g- keit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwi e- gen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. E i-D-5081/2013 Seite 8 ne wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfo l- gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiie r- te, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schi lderung der dar- gelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer ta t- sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Or i- ginalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglau b- haft wird eine Schilderung von Erle bnissen insbesondere bei wechsel n- den, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeu r- teilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Subs tantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönl i- che Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller spr e- chen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdi- gung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f., BVGE 2010/57 E. 2.3, Entsche idungen und Mit- teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1, EMARK 1996 Nr. 27 E. 3c/aa, EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). 5.3 Es ist festzustellen, dass die soeben aufgeführten Kriterien der Glaubhaftmachung mit Blick auf die Asylvorb ringen des Beschwerdefü h- rers – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – als erfüllt zu erachten sind. Die Schilderungen des Beschwerdeführers zur Aufnahme und medi- zinischen Versorgung von F._______ in seinem Haus in Damaskus, zu seiner Festnahme und Inhaft ierung durch den syrischen Geheimdienst Idarat al-Amn as-Siyasi (Abteilung für politische Sicherheit) sowie zur wei- teren Bedrohung seitens dieser Behörde nach seiner ersten Freilassung zeichnen sich durch einen erheblichen Detailreichtum aus und sind durchgehend lebensnah ausgefallen. Dabei erscheinen die betreffenden Angaben auch kohärent und somit insgesamt plausibel. An dieser Ei n- schätzung vermögen auch jene Aspekte, die durch die Vorinstanz als zweifelhafte Punkte genannt werden, nichts zu ändern. Dabei ist z u- nächst festzustellen, dass die vom BFM als "krass" bezeichneten Wide r- sprüche sich auf vergleichsweise geringfügige Abweichungen in Bezug auf zeitliche Angaben (so etwa zum Zeitpunkt der Ankunft von F._______ in seinem Haus, die zwischen "Ende Dezemb er 2008" und "vielleicht fünfzehn Tage nach Silvester " variieren , wobei zwischen den jeweiligen Befragungen ein Jahr lag). Zu berücksichtigen ist zudem, dass diese ver- einzelten Widersprüche in der angefochtenen Verfügung in keiner Weise D-5081/2013 Seite 9 mit den vorhandenen positiven Glaubhaftigkeitsindizien abgewogen wu r- den. Es erscheint in unzulässiger Weise selektiv, aufgrund solcher Ei n- zelheiten auf die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen als Ganzes zu schlie s- sen, während die sonstigen, überwiegend zugunsten der Glaubhaftig keit sprechenden Faktoren unberücksichtigt bleiben. Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer angab, nach zehn Tagen wieder aus der Haft en t- lassen worden zu sein, ist offensichtlich nicht geeignet, die Glaubhafti g- keit seiner Inhaftierung und die dafür vorgebrachten Gründe zweifelhaft erscheinen zu lassen. Schliesslich ist auch nicht ersichtlich, inwiefern von konkretem Belang sein sollte, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Befragungen nicht an erster Stelle seine Folter durch den syr i- schen Gehei mdienst erwähnte, ist dieser Umstand doch in psycholog i- scher Hinsicht ohne weiteres mit entsprechenden individuellen Schut z- mechanismen erklärbar. Zu erwähnen ist im Übrigen, dass die Ergebni s- se der Abklärungen durch die schweizerische Botschaft in Syrien, wonach der Beschwerdeführer nicht als behördlich gesucht registriert sei, die g e- schilderten Probleme mit dem syrischen Geheimdienst keineswegs aus- zuschliessen vermögen. Im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller Glau b- haftigkeitsindizien erscheint die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Bedrohung durch den Geheimdienst Idarat al -Amn as-Siyasi daher über- wiegend als glaubhaft. 5.4 Nachdem die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als glaubhaft zu erachten sind, ist ausserdem auch von deren asylrechtlichen Relevanz auszugehen. Dies gilt zum einen bereits für den Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers aus Syrien am 5. März 2009. Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass die politische und menschenrechtliche Lage in S y- rien seither erhebliche Veränderungen erfahren hat (vgl. anstelle vie ler etwa Amnesty International, Report 2013, London 2013, S. 258 ff.; H u- man Rights Watch [HRW], World Report 2014 – Syria, Januar 2014; dies., Razed to the Ground – Syria's Unlawful Neighborhood Demolitions 2012– 2013, Januar 2014; Int ernational Crisis Group [ICG], Syria's Metastas i- sing Conflicts. Middle East Report N°143, Juni 2013; United Nations H u- man Rights Council, Report of the Independent International Commission of Inquiry on the Syrian Arab Republic, Version vom 12. Februar 201 4; ebd., Version vom 13. August 2014; U. S. Congressional Research Se r- vice, Armed Conflict in Syria: Overview and U. S. Response, Version vom 10. September 2014; U. S. Department of State/Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, 2013 Country Reports on Human Rights Prac- tices: Syria, Februar 2014 ). Mit Blick auf die Situation des Beschwerd e- führers genügt dabei die Feststellung, dass sich die Gefährdungslage al-D-5081/2013 Seite 10 ler tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner des staatlichen syrischen Regimes seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 in massiver Wei- se verschärft hat. Wie durch eine Vielzahl von Berichten belegt ist, gehen die staatlichen syrischen Sicherheitskrä fte gegen tatsächliche oder ve r- meintliche Regimegegner mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit vor. Personen, die als regimefeindlich eingestellt erachtet werden, sind in grosser Zahl von Verhaftung, Folter und willkürlicher Tötung betroffen (vgl. UNHCR, International Protection Considerations with regard to pe o- ple fleeing the Syrian Ara b Republic, Update III, vom 27. Oktober 2014; HRW, Torture Archipelago. Arbitrary Arrests, Torture and Enforced Disap- pearances in Syria’s Underground Prisons since M arch 2011, Juli 2012; dies., Syria: Witnesses Corroborate Mass Deaths in Custody Claims, A u- gust 2014 ). Mit anderen Worten haben Personen, die durch die staatl i- chen syrischen Sicherheitskräfte als Gegner des Regimes identifiziert werden, eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich rel e- vanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt. Die individuel- le Gefährdung des Beschwerdeführers, dessen Asylgründe auf Ereigni s- se zurückgehen, die zeitlich vor dem Ausbruch des derzeitigen Konflikts in Syrien lie gen, hat sich daher mit weit überwiege nder Wahrscheinlich- keit noch erhöht. Es erweist sich somit, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Syrien ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hätte. 6. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdefüh- rer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt . Gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG kommt somit ausserdem auch seinen beiden Kindern ein Anspruch auf Anerkennung als Flüchtlinge zu. Folglich ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit auf sie eingetreten werden kann (vgl. E. 3.2.2). Das BFM ist ausserdem anzuweisen, die Beschwerdeführe n- den als Flüchtlinge zu an erkennen und ihnen in der Schweiz Asyl zu g e- währen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 7.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsiege n- den Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zu- gesprochen werden (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parte i-D-5081/2013 Seite 11 entschädigung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) und die angesichts des Auf wan- des als angemessen erscheinende Kostennote des Rechtsvertreters vom 12. November 2014 ist die Parteientschädigung auf Fr. 2'330.– (inkl. Aus- lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Dieser Betrag ist den B e- schwerdeführenden durch das BFM zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) D-5081/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird, und die Verfügung des BFM vom 9. August 2013 wird aufgehoben. 2. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden Asyl zu gewä h- ren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Den Beschwerdeführenden wird eine Parteientschädigung von Fr. 2'330.– zugesprochen, die ihnen durch das BFM zu entrichten ist. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand: