Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Dezember 2016 (725 16 282 / 318) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Der Beschwerdegegnerin gelingt es nicht, den Wegfall der Kausalität nachzuweisen, weshalb sie weiterhin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen hat. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Marco Albrecht , Adv o- kat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen SWICA Versicherungen AG , Römerstrasse 37, Postfach , 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1967 geborene A.____ ist als selbständig Erw erbende bei der Swica Aktiengesell- schaft AG (Swica) freiwillig gegen Unfälle versiche rt. Mit Bagatellunfall-Meldung vom 2. September 2013 teilte sie der Swica mit, sie sei am 5. Mai 2013 auf dem Heimweg in eine Vertiefung der Strasse hineingeraten und habe sich dabei den rechten Fuss übertreten. Am 24. Mai 2013 begab sie sich gemäss UVG-Meldung zur Erstbehandlung der Unfallfolgen zu Dr. med. B.____, FMH Allgemeinmedizin, welcher als Diagnose festhielt: „Verdacht auf ein Dis- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht torsionstrauma OSG rechts“. Am 3. August 2013 ist A.____ über eine unebene Wiese gelaufen und dabei wiederum mit dem rechten Fuss umgeknickt. Seitd em haben die Schmerzen zuge- nommen, so dass ihr ab diesem Datum eine 50%ige, später eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde. Am 30. September 2013 wurde gestütz t auf ein MRI des rechten Fusses ein bone bruise an der Basis am Metatarsale II, eine leicht e Degeneration des Lisfranc-Gelenks II sowie ein bone bruise des Cuneiforme festgestellt. Am 3 . September 2014 wurde im X.____ eine TMT-II-Arthrodese und eine Refixation des Os tibi ale externum durchgeführt. Am 18. März 2015 erfolgte ein weiterer operativer Eingriff. Die Swica erbrachte nach den Unfallereignissen die gesetzlichen Versicherungsleistungen. Mit Verfügung vom 5. Januar 2016 stellte die Swica ihre Leistungen per 10. August 2015 und somit einen Tag vor einem erneuten operativen Eingriff ein. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Beschwerdegegnerin mit Entscheid vom 4. August 2016 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Advokat Marco Alb- recht, mit Schreiben vom 7. September 2016 Beschwerde b eim Kantonsgericht, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, der Einspracheentscheid sei auf- zuheben und die Swica zu verpflichten, ihr weiterhin L eistungen der Unfallversicherung auszu- richten; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Oktober 2016 beantr agte die Swica die Beschwerde sei abzuweisen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Muttenz, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde der Versicherten ist demna ch einzutreten. 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Be schwerdegegnerin ihre Versiche- rungsleistungen für die Folgen der Unfallereignisse vom 5. Mai 2013 bzw. 3. August 2013 zu Recht per 10. August 2015 eingestellt hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein getretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung – Rech tsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, lie gt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (So zialversicherungsrecht – Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusamme nhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfall- versicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbe- dingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu tung verloren haben, also da- hingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Ja nuar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hin- weisen). 2.4 Nach der Rechtsprechung gehören zu den im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UVG massge- benden Ursachen auch Umstände, ohne deren Vorhandensei n die gesundheitliche Beeinträch- tigung nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Eine schadenauslösende traumatische Einwir- kung wirkt also selbst dann leistungsbegründend, wenn de r betreffende Schaden auch ohne das versicherte Ereignis später wohl eingetreten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadenseintritts Conditio sine qua non w ar. Anders verhält es sich, wenn der Unfall nur Gelegenheits- oder Zufallsursache ist, welche ein gegenwärtiges Risiko, mit dessen Realisierung jederzeit zu rechnen gewesen wäre, manife st werden lässt, ohne im Rahmen des Verhältnisses von Ursache und Wirkung eigenständige Bedeut ung anzunehmen (Urteile des Bundesgerichts vom 28. Juli 2009, 8C_456/2009, E. 5.3 und vom 15. Januar 2008, 8C_301/2007, E. 5.1.1 mit Hinweis auf SVR 2007 UV Nr . 28 S. 94, U 413/05 E. 4.2). Einem Ereignis kommt nach dem Gesagten der Charakter einer an spruchsbegründenden Teilursache zu, wenn das aus der potentiellen pathogenen Gesamtursac he resultierende Risiko zuvor nicht dermassen gegenwärtig war, dass der auslösende Faktor g leichsam beliebig und austauschbar erschiene. Dagegen entspricht die unfallbedingte Einwi rkung – bei erstelltem Auslösezusam- menhang – einer (anspruchshindernden) Gelegenheits- od er Zufallsursache, wenn sie auf ei- nen derart labilen, prekären Vorzustand trifft, dass jederzeit mit einem Eintritt der (organischen) Schädigung zu rechnen gewesen wäre, sei es aus eigener D ynamik der pathogenen Scha- densanlage oder wegen Ansprechens auf einen beliebige n anderen Zufallsanlass. Wenn ein alltäglicher alternativer Belastungsfaktor zu annähernd gleicher Zeit dieselbe Gesundheitsschä- digung hätte bewirken können, erscheint der Unfall nicht als kausal signifikantes Ereignis, son- dern als austauschbarer Anlass; es entsteht daher keine L eistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers (Urteile des Bundesgerichts vom 20. Oktober 2011, 8C_380/2011, E. 4.2 und vom 5. April 2007, U 413/05, E. 4.2.3, in: SVR 2007 UV Nr. 28 S. 94). 2.5 Die Beschwerdeführerin hat angegeben, dass sie am 5. Mai 2013 den Fuss vertreten habe und nach vorn auf beide Knie gestürzt sei. Am 3. A ugust 2013 sei beim normalen Gehen auf einer unebenen Wiese ein Knacken im Fuss aufgetrete n, den sie dann wegen Schmerzen sofort nicht mehr habe belasten können. Dies habe zur not fallmässigen Untersuchung in der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht C.____ geführt. Die Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit den beiden Ereignissen. 3. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die S wica zu Recht entschieden hat, dass die von der Versicherten geltend gemachten und ärztlich behandelten Beschwerden ab August 2015 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf die Ereignisse vom 5. Mai bzw. 3. August 2013 zurückzuführen sind. 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wi e alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie, äu sserte in seinem Gutachten vom 31. März 2014 einen dringenden Verdacht auf eine Lisfranc-Läsion im rechten Fuss. Das Ereig- nis vom 5. Mai 2013 sei überwiegend wahrscheinlich die e inzige Ursache der festgestellten ge- sundheitlichen Störung. Es sei zwar möglich, dass bereits gewisse arthrotische Veränderungen im Tarsometatarsal-Gelenk II vorbestanden seien, aber sie seien klinisch stumm gewesen. Die Versicherte sei in ihrer angestammten Tätigkeit zu über 50 % eingeschränkt, während im Sitzen zu verrichtende Tätigkeiten zu 100 % mit voller Leistung möglich seien. 4.2 Im Auftrag der Swica erstattete Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, am 31. März 2015 ihr Gutachten. Sie führte aus, dass anlagebedingte Senk-/Spreizfüsse beidseits mit beid seitigem Hallux valgus, rechts als Rezidiv nach OP und Verkürzung der kleinen Zehe rechts na ch OP bestehe, ausserdem ein Zustand nach zweimaliger Distorsion von Sprunggelenk bzw. Mittelfuss rechts im Sommer 2013 und nach dem Ereignis im August 2013 mit Stressfraktur im Schaft MT II. Die Beschwerden würden sich auf den Mittelfuss medial konzentrieren. Dur ch das Gehen (Laufen) auf nicht ganz planem Untergrund, was kein Unfallereignis darstelle, sei es zur Aktivierung der bereits vorlie- genden Arthrose gekommen, durchaus mit plötzlich einsch iessenden Schmerzen, die in der Folge auch ein Straucheln, gegebenenfalls Sturz ausgelöst hätten. Bei einer solchen aktivierten Arthrose komme es nicht zu einem Hämatom, in der Regel auch nicht zu einer ausgeprägten Schwellung. Die Indikationen zu den durchgeführten T herapiemassnahmen hätten sich bei den bereits vorliegenden degenerativen Veränderungen ergeben, wobei das Wort „posttraumatisch“ unkritisch übernommen worden sei. Eine Zerrung der sehr straffen Bandstrukturen im Mittelfuss habe anhand der Anamnese und der Röntgenaufnahmen ni cht vorgelegen, sodass die Vermu- tung von Dr. D.____ mit einer Verletzung im Lisfranc -Gelenk weder anamnestisch noch klinisch oder radiologisch gestützt werden könne. Der Unfall vom 5 . Mai 2013 sei nicht die einzige Mit- ursache der festgestellten gesundheitlichen Störung. Bei vorbestehenden degenerativen Ver- änderungen des Mittelfusses hätte auch eine Überlastung im Alltag zu den (gleichen) Be- schwerden führen können. Somit sei das Ereignis eine nu r mögliche Mitursache. Spätestens nach vier bis sechs Wochen sei nach den einzeln geschilder ten Ereignissen im Sommer 2013 der Status quo ante erreicht gewesen. Nach dem Ereign is sei keine richtunggebende oder dau- ernde Verschlimmerung einer vorbestehenden Gesundheitssch ädigung aufgetreten. Strukturel- le Verletzungen hätten ausgeschlossen werden können. Unfallbedingt bestehe keine Arbeitsun- fähigkeit, krankheitsbedingt derzeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit; nach entsprechender Einla- gen- und Schuhversorgung sowie Belastungstraining werde eine rasche Steigerung auf 100 % Arbeitsfähigkeit empfohlen. Krankheitsbedingte Einschrä nkungen würden sich ausschliesslich für Tätigkeiten im Gehen und Stehen ergeben. 4.3 Nachdem die Swica eine Einstellung der Leistunge n aus der Unfallversicherung ange- kündigt und der Swica Krankenversicherung weitergegeben hatte, wurde Dr. med. F.____, FMH Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, von der Krankenversicherung mit einer Abklä- rung beauftragt. Dr. F.____ führte – nach Untersuchung der Versicherten – mit Bericht vom 18. Oktober 2015 aus, dass er sich in allen Punkten Dr. D.___ _ anschliesse. Die Schlussfolgerun- gen von Dr. D.____, wonach keine unfallbedingte Arbeit sunfähigkeit vorliege, würden nicht der Realität entsprechen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Der behandelnde Arzt Dr. med. G.____, FMH Orthop ädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates, nahm zu Handen von Dr. F.____ mit Bericht vom 13. Novem- ber 2015 Stellung. Unter Verweis auf den Bericht über die Nachkontrolle gleichen Datums be- stätigte er, dass die schwere OSG-Distorsion zu folgenden D iagnosen und Operationen geführt habe: Laterale Verlängerungsosteotomie Calcaneus, Revision Tibialis posterior-Sehne mit Refi- xation des Os Tibiale externum vom 2. September 2014 und posttraumatisch rezidivierenden Schmerzen TMT II sowie medialer Fussrand bei Os tibiale externum nach schwerem Distorsi- onstrauma rechts am 5. Mai 2013. Die Arthrose am Mittelfuss (TMT II) sei ein posttraumatischer Zustand nach Lisfranc-Verletzung, der im Rahmen der schweren Rück- und Mittelfussdistorsion stattgefunden habe. Der progrediente Knick-/Senkfuss mit einem Os tibiale externum, welches per se angeboren sei, habe sich seit dem Trauma versch lechtert und sei ab 5. Mai 2013 schmerzhaft gewesen. Insofern werde von einem Trauma ausg egangen, welches auch hier die Synostose zwischen Os tibiale externum und Os navikulare trau matisiert habe und es werde auch diesbezüglich auf einem posttraumatischen Geschehen beharrt. Demzufolge werde der Unfallversicherer um Kostenübernahme gebeten. 5. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungseinstellun g mit der Behauptung begründet, es handle sich beim Fussleiden um eine Zufallsdiagnose un d eine Stressfraktur, welche auch bei einem alltäglichen alternativen Belastungsfaktor zu annähernd gleicher Zeit die gleiche Ge- sundheitsschädigung bewirkt hätte. Sie beruft sich also darauf, dass das Ereignis vom 5. Mai 2013 lediglich als Gelegenheits- oder Zufallsursache zu qualifizieren sei und jede andere alltäg- liche Bewegung die gleiche Schädigung hätte auslösen kön nen. Dabei stützt sie sich auf das Gutachten von Dr. D.____. Die Gutachterin hat allerdin gs angegeben, dass der Unfall vom 5. Mai 2013 zwar nicht die einzige, aber doch Mitursache der festgestellten gesundheitlichen Störung gewesen sei. Damit ist der Unfall aber mindest ens eine Teil- und nicht nur Gelegen- heitsursache für die geklagten Beschwerden, weshalb die Beschwerdegegnerin ihre Leistungs- pflicht anfänglich zu Recht bejaht hat. 5.1 Im vorliegenden Fall wurde während einer gewissen Zeit erfolglos eine konservative Behandlung durchgeführt. Im Nachhinein ist gestützt auf die Beurteilung von Dr. G.____ klar geworden, dass die Indikation für die inzwischen durchgefü hrten Operationen durch die Distor- sion am 5. Mai 2013 und die Retraumatisierung am 3. A ugust 2013 gesetzt worden ist. Die Be- schwerdegegnerin geht davon aus, dass die Versicherte am 3. August 2013 wegen eines ein- schiessenden Schmerzes gestürzt ist. Dieses Ereignis wie auch der Vorfall vom 5. Mai 2013 sind zu Recht von keiner Seite als alltägliche Bewegungsa bläufe qualifiziert worden. Ein Vorzu- stand ist nur insofern verzeichnet, als die Versicherte fü nf Jahre vorher eine Hallux valgus- Operation gehabt hat. Diese steht aber in keinerlei Z usammenhang mit den Beschwerden im Mittelfuss, die mit dem Ereignis vom 5. Mai 2013 zumind est symptomatisch geworden sind. Es kann bei vorheriger Beschwerdelosigkeit bei einer aktiven, sportlichen Versicherten nicht ein- fach ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass der O perationsbedarf lediglich bei Gele- genheit der unfallbedingten kurativen und diagnostischen Handlungen entdeckt worden wäre. Denn es liegen keine Hinweise auf einen massiven Vorzust and vor, bei dem eine alltägliche Bewegung zur gleichen Schädigung geführt hätte. Ein solcher massiver Vorzustand kann auch Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht aufgrund der bildgebenden Dokumente angenommen werden. Die Beschwerdegegnerin übersieht zudem, dass eine Arthrose auch erst als Folge e iner unfallbedingten Schädigung auf- treten und darum auch unfallbedingt sein kann. 5.2 Der Versicherten kann sodann nicht zum Nachteil ausge legt werden, dass zunächst eine konservative Behandlung durchgeführt worden ist u nd das Ausmass der Schädigung an- fänglich von ärztlicher Seite nicht richtig eingeschätzt w orden ist. Dass die Operationen erst relativ spät durchgeführt worden sind, ist nicht auf eine Weigerungshaltung der Beschwerdefüh- rerin zurückzuführen und darum steht auch keine Verletzung der Schadenminderungspflicht im Raum. Gewissen Schädigungen ist zudem inhärent, dass sie e rst mit zeitlicher Verzögerung grössere Beschwerden verursachen. Vorliegend ist von einer initialen – sicher teilweisen – Schädigung am 5. Mai 2013 mit Retraumatisierung am 3. August 2013 auszugehen. 5.3 Nachdem die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die erste Zeit nach dem Unfall bis 10. August 2015 bejaht hat, liegt es an ihr , den Wegfall der Kausalität nachzuweisen (vgl. oben E. 2.3). Gestützt auf die vorliegenden medizi nischen Akten kann sie den Status quo sine nicht auf August 2015 festsetzen mit der Begründu ng, es handle sich um einen krankhaf- ten Vorzustand bzw. eine krankhafte Entwicklung. Da es ih r demzufolge nicht gelungen ist, den Wegfall der Kausalität nachzuweisen, hat sie weiterhi n die gesetzlichen Leistungen zu erbrin- gen. 6. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Beschwerdegeg nerin ihre Versiche- rungsleistungen für die Folgen der Unfallereignisse vom 5. Mai und 3. August 2013 zu Unrecht eingestellt hat. Die gegen den betreffenden Einspracheentscheid vom 4. August 2016 erhobene Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Beschwerdeführerin als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusp rechen. Der in der Honorarnote vom 27. Oktober 2016 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Zeitaufwand von insge- samt 10.83 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich ste llenden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann di e in der Honorarnote ausgewie- senen Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 29.50. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 2‘371.15 (10.83 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 29.50 zuzüglich 8 % Mehrwe rtsteuer) zu Lasten der Beschwerde- gegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, der Einsprache entscheid vom 4. August 2016 aufgehoben und festgestellt, dass die Besc hwerde- gegnerin der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leis tungen über den 10. August 2015 hinaus zu erbringen hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘371.85 (inklusive Auslag en und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht