<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 90 S.389</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>90</b></span> <span class="ft1"><b>Wiedererwägung (§ 25 Abs. 1 VRPG) von Kostenentscheiden (Änderung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der Rechtsprechung).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Bisherige Praxis (Erw. 2/a).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Gründe für die Praxisänderung (Erw. 2/b).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Vertrauensschutzaspekt (Erw. 2/c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 24. August 2000 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen S. gegen Verwaltungsgericht.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. (Anspruch auf Wiedererwägung allgemein [vgl. AGVE 1998,</span><br/> <span class="ft4">S. 455 mit Hinweisen].).</span><br/> <span class="ft4">2. a) Formell rechtskräftige Rechtsmittelentscheide gelten</span><br/> <span class="ft4">grundsätzlich als nicht wiedererwägbar (Rudolf Weber, Grundsätzli-</span><br/> <span class="ft4">ches zur Wiederaufnahme nach § 27 VRPG, in: Festschrift für</span><br/> <span class="ft4">Dr. Kurt Eichenberger, alt Oberrichter, Beinwil am See, Aarau 1990,</span><br/> <span class="ft4">S. 341 f. mit Hinweisen). Bezüglich der Verfahrens- und Parteikosten</span><br/> <span class="ft4">hatte das Verwaltungsgericht indessen in ständiger Praxis entschie-</span><br/> <span class="ft4">den, dass hier keine Bedenken gegen die Zulassung der Wiedererwä-</span><br/> <span class="ft4">gung bestünden, da der Kostenentscheid des Verwaltungsgerichts für</span><br/> <span class="ft4">die vor diesem entstandenen Kosten ein erstinstanzlicher und kein</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmittelentscheid sei. Bei solchen Entscheiden entfalle auch das</span><br/> <span class="ft4">erwähnte Erfordernis des Vorliegens ,,neuer" Umstände, wenn die</span><br/> <span class="ft4">Wiedererwägung die Bedeutung einer (nachträglichen) Anhörung</span><br/> <span class="ft4">habe; in der Regel könne ja, weil sich der Kostenentscheid nach dem</span><br/> <span class="ft4">Ausgang des Verfahrens richte (§ 33 Abs. 2 VRPG) und stets nur der</span><br/> <span class="ft4">Gesamtentscheid eröffnet werde, zum Kostenpunkt keine Stellung-</span><br/> <span class="ft4">nahme der betroffenen Partei(en) eingeholt werden (AGVE 1989,</span><br/> <span class="ft4">S. 289 f.; 1997, S. 379).</span><br/> <span class="ft4">b) aa) In AGVE 1997, S. 379 f. hat das Verwaltungsgericht die</span><br/> <span class="ft4">Möglichkeit einer Praxisänderung angekündigt. Es hat festgestellt,</span><br/> <span class="ft4">mit der Revision der Zivilprozessordnung und insbesondere auch im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">390</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Hinblick auf die im Rahmen der 1998 in Kraft tretenden Gesetze</span><br/> <span class="ft4">über die Massnahmen zur Erneuerung der Justiz mit der Abschaffung</span><br/> <span class="ft4">des Zwangscharakters des Anwaltstarifs stelle sich die Zulassung der</span><br/> <span class="ft4">Wiedererwägung von Kostenentscheiden im Rechtsmittelverfahren</span><br/> <span class="ft4">unter neuen Gesichtspunkten. Deshalb werde das Plenum die</span><br/> <span class="ft4">bisherige Praxis überprüfen.</span><br/> <span class="ft4">bb) Anlässlich der Plenarsitzung des Verwaltungsgerichts vom</span><br/> <span class="ft4">11. Juni 1999 fasste das Gesamtverwaltungsgericht einstimmig den</span><br/> <span class="ft4">Beschluss, auf Wiedererwägungsgesuche betreffend Kosten sei ins-</span><br/> <span class="ft4">künftig nicht mehr einzutreten. Die Aufgabe der bisherigen Praxis</span><br/> <span class="ft4">wurde unter anderem damit begründet, dass der hauptsächliche</span><br/> <span class="ft4">Grund für die Zulässigkeit der Wiedererwägung, nämlich der Schutz</span><br/> <span class="ft4">der Verfahrensbeteiligten, insbesondere der nicht anwaltlich vertre-</span><br/> <span class="ft4">tenen Beschwerdeführer, vor überraschenden Kosten vor allem im</span><br/> <span class="ft4">Blick auf die Einführung der Kostenvorschusspflicht (§ 34 Abs. 4</span><br/> <span class="ft4">VRPG), aber auch auf die ausdrücklichen Hinweise auf die Kosten-</span><br/> <span class="ft4">folgen in den Rechtsmittelbelehrungen zwischenzeitlich weggefallen</span><br/> <span class="ft4">sei. Auch wurden grundsätzliche dogmatische Bedenken gegen die</span><br/> <span class="ft4">frühere Praxis geäussert.</span><br/> <span class="ft4">c) Eine Praxisänderung einer Behörde oder eines Gerichts darf</span><br/> <span class="ft4">keinen Verstoss gegen Treu und Glauben oder gegen die Rechtssi-</span><br/> <span class="ft4">cherheit darstellen. Bei Verfahrensfragen verdient das Vertrauen in</span><br/> <span class="ft4">die bisherige Auslegung insofern Schutz, als demjenigen, der etwa</span><br/> <span class="ft4">eine Frist- oder Formvorschrift nach der bisherigen Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft4">beachtet hat, aus einer ohne Vorwarnung erfolgten Praxisänderung</span><br/> <span class="ft4">kein Rechtsnachteil erwachsen soll (BGE 103 Ib 197, 201 f.; 122 I</span><br/> <span class="ft4">57, 60 f.; Ulrich Häfelin / Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998, Rz. 423 ff.). Das hier zu</span><br/> <span class="ft4">beurteilende Gesuch um Wiedererwägung des Kostenentscheids</span><br/> <span class="ft4">wurde eingereicht, <i>bevor</i> das Gesamtverwaltungsgericht beschloss,</span><br/> <span class="ft4">dass künftig auf den Kostenpunkt betreffende Wiedererwägungsbe-</span><br/> <span class="ft4">gehren nicht mehr eingetreten werden dürfe. Deshalb vermag die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">391</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">beschlossene Praxisänderung im vorliegenden Fall dem Eintreten auf</span><br/> <span class="ft4">das Gesuch (noch) nicht entgegenzustehen.</span><br/> <span class="ft4">Inskünftig wird das Verwaltungsgericht aber auf Wiedererwä-</span><br/> <span class="ft4">gungsbegehren, welche die verwaltungsgerichtlichen Verfahrens-</span><br/> <span class="ft4">und Parteikosten betreffen, in Änderung seiner früheren Praxis nicht</span><br/> <span class="ft4">mehr eintreten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>