B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4724/2013 U r t e i l v o m 2 8 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien 1. A._______, geboren (…), Eritrea, 2. B._______, geboren (…), Eritrea, zur Zeit im Flüchtlingslager C._______ in Äthiopien, beide vertreten durch D._______, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 6. August 2013 / N (…). E-4724/2013 Seite 2 Sachverhalt: A.a Dem heutigen Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden, D._______, gewährte das BFM am 6. Mai 2010 auf Gesuch vom 15. September 2008 hin Asyl in der Schweiz . Am 21. Februar respektive 9. Dezember 2011 bewilligte das BFM auf Gesuch hin die Einreise dessen Ehefrau E._______ und der gemeinsamen Tochter zwecks Familienvereinigung. Die Ehefrau stellte nach der Einreise am 20. März 2012 ein eigenes Asyl- gesuch, das mit Verfügung des BFM vom 2 5. Juni 2012 gutgeheissen wurde. Mit Eingabe vom 19. Juni 2012 (Poststempel) erkundigte sich der heutige Rechtsvertreter beim BFM, ob seine minderjährigen Geschwister, die heutigen Beschwerdeführenden, (sowie der im […] aufhaltende volljähri- gen Bruder) bereits in der Schweiz seien oder – falls nicht – ob ihn das BFM dabei unterstützen könne, sie in die Schweiz zu holen. Zur Begrü n- dung brachte er vor, sie befänden sich im äthiopischen Flüchtlingslager F._______ (recte wohl: C._______), wo die Gefahr von Entführungen und Geiselnahmen bestehe. Sein Bruder G._______(nachfolgend: E.K.) sei bereits Opfer einer Geiselnahme geworden und werde auf ägyptischem Gebiet (…) festgehalten. Der Eingabe lag ein vom 1. Juni 2012 datierter Spendenaufruf bei, in dem er erwähnte, er werde von der Volksgruppe H._______ mit einer Lösegeldforderung erpresst, weil diese seinen Br u- der E.K. entführt habe. A.b Mit Schreiben vom 11. Juli 2012 forderte das BFM vom Rechtsvertre- ter weitere Auskünfte über die Personalien der Geschwister und Fotoauf- nahmen. Anschliessend würden die Asylgesuche nach den gesetzlichen Bestimmungen behandelt. A.c Mit Schreiben vom 16. Juli 2012 erwähnte der Rechtsvertreter einen weiteren Bruder ( I._______, nachfolgend : A.K.), der sich ebenfalls im F._______-Lager aufhalte, und schloss diesen sinngemäss in die Anträge seiner Geschwister mit ein. Das Verfahren dieses mündigen Bruders wurde vom BFM als eigenständiges Verfahren weitergeführt (N […]). A.d Mit Schreiben vom 24. Juli und 9. Oktober 2012 liess der Rechtsver- treter dem BFM die Information zukommen, E.K. sei in einem Gefängnis im (…) gewesen und misshandelt worden ( Schläge am ganzen Kö rper, Verbrennungen an den Fingern ). Er befinde sich nun in einem Spital in (…). Es gehe ihm schlecht und es bestehe die Gefahr einer Rückschaf-E-4724/2013 Seite 3 fung nach Eritrea. Er ersuchte um eine rasche Behandlung des sen Asyl- und Einreisegesuchs. Die anderen drei Geschwister seien immer noch im F._______-Lager in Äthiopen. A.e Mit Schreiben vom 13. März 2013 wies das BFM den Rechtsvertreter darauf hin, d ass es sich beim Stellen eines Asylgesuchs um ein relativ höchstpersönliches Recht handle und es bislang an einer klar den Ge- schwistern zurechenbare Willensäusserung fehle, mit welcher diese zu erkennen geben, in der Schweiz wegen einer asylrelevanten Verf olgung um Schutz zu ersuchen. D as BFM räumte dem Rechtsvertreter Gelegen- heit ein, eine vo n seinen Geschwistern persönlich verfasste Asylbegrün- dung oder zumindest eine von ihnen unterzeichnete Stellungnahme zum beigelegten Fragenkatalog des BFM einzureichen, ansonsten auf ihr Asylgesuch nicht eingetreten werde. Die im beigelegten Fragek atalog aufgeführten spezifischen Fragen zum Aufenthalt in Eritrea, zu Familie n- angehörigen und Verwandten in Drittstaaten, zu Ereignissen, die zur Aus- reise aus Eritrea geführt hätten, sowie zum Aufenthalt in Äthiopien seien von ihnen in persönlich abgefassten Stellungnahmen zu beantworten oder wenigstens eigenhändig zu unterzeichnen. A.f Mit Begleitschreiben vom 26. März 2013 reichte der Rechtsvertreter eine von den Beschwerdeführenden unterzeichnete Antwort zum Frag e- katalog ein, zusammen mit den Anträgen um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Asylgewährung. Dem Schreiben ist u.a. zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden sich als Flüchtlinge in Äthiopien befä n- den, sich bei ihrer Ankunft beim United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) gemeldet hätten und dem Flüchtlingscamp C._______ zugeteilt worden seien, wo sie sich noch immer befänden. Gemäss der beigelegten Bestätigung des UNHCR vom (…) 2013 (Foto- kopie) gelten die Beschwerdeführenden seit (…) 2012 als eritreische Flüchtlinge in Äthiopien. Weiter lag dem Schreiben eine zur UNHCR - Bestätigung passende Rationierungskarte (Kopie) , zwei Identitätskarten (Kopien) und eine Bestätigung der Post bei. A.g Die minderjährigen Beschwerdeführenden machten in ihrem Antwort- schreiben vom 26. März 2013 geltend, die die Probleme hätten bereits im Oktober 2006 mit der Flucht des Bruders (…) begonnen. Später seien sie zusätzlich wegen ihrer mündigen Brüder E.K. (heute Aufenthalt in […], vorher in einem Gefängnis in […]) und A.K. (Desertion, heute Aufenthalt in Äthiopien) in Eritrea in gravierende Schwierigkeiten und zusammen mit den Eltern unter Druck gerat en. Sie seien mit Gefängnisstrafen bedroht E-4724/2013 Seite 4 worden, falls sich die zwei Brüder nicht bei den eritreischen Behörden melden sollten. Die Eltern hätten das Lösegeld für den entführten und in- zwischen freigelassenen E.K. bezahlt und seien nun verarmt: Sie besäs- sen nichts mehr, hätten ihren Wohnsitz verloren und verfügten nicht übe r genügend Nahrungsmittel. Die Beschwerdeführenden hätten Eritrea auch verlassen, weil sie dort keine Gelegenheit hätten, etwas zu lernen, und da sie eines Tages gezwungen gewesen wären, für ein verhasstes Regime auf unendliche Zeit in den Militärdienst zu gehen. Sie seien – wie schon ihre Brüder E.K. und der Beschwerdeführer – in ihren aktuellen Aufen t- haltsländern als Flüchtlinge anerkannt. In Äthiopien, wohin sie am 1. April 2012 illegal gelangt seien, hätten sie keinen richtigen Schutz; sie sie hät- ten Angst vor Misshandlungen, Organentnahmen und Entführungen so- wie vor einer Rückschiebung nach Eritrea durch die äthiopischen Behör- den beziehungsweise vor der Rückholung durch den eritreischen G e- heimdienst. A.h Mit Schreiben vom 30. Juni 2013 erinnerte der Rechtsvertreter an das im Vorjahr für seine Geschwister gestellte Asylgesuch und wies dar- auf hin, dass E.K. sich in Ägypten in einer schwierigen Situation befinde. Eritreische Staatsbürger seien dort Entführungen, Misshandlungen und religiöser Diskriminierung seitens der Behörden und der Bevölkerung ausgesetzt. Die Beschwerdeführenden befänden sich, zusammen mit ih- rem volljährigen Bruder A.K. , weiterhin im Flüchtlingslager in Äthiopien, wo sie als unbegleitete Minderjährige keinen Schutz hätten. Er wiederhol- te, dass es in Äthiopien zu Misshandlungen, Organ entnahmen, Entfüh- rungen und illegalen Ausschaffungen durch äthiopische Behörden und heimlichen Rückführungen durch den eritreischen Geheimdienst komme. A.i Mit einer E -Mail vom 16. Juli 2013 an das BFM behaupte te der Rechtsvertreter, er habe für seine Geschwister vor zwei Jahren um Asyl ersucht und bat um einen baldigen Entscheid. B. Mit Verfügung vom 6. August 2013 , ihrem Rechtsvertreter zu einem u n- bekannten Zeitpunkt 2013 eröffnet (Rückschein fehlt bei den Akten), ver- weigerte das BFM den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. C. Mit Eingabe vom 21. August 2013 (Datum des Poststempels: 22. August 2013) liessen die Beschwerdeführenden über ihren Rechtsvertreter beim E-4724/2013 Seite 5 Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichen mit den sinngemässen Anträgen, die angefochtenen Verfügung sei aufzuheben und es sei ihnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. Ihrer Eingabe lagen Fotokopien der angefochtenen Verfügung, des BFM -Schreibens vom 20. März 2013 und der Antwort des Rechtsvertreters vom 26. März 2013 bei. D. D.a In einem im Beschwerdeverfahren des Bruders A.K. (…) eingereich- ten Schreiben vom 4. September 2013 teilte der Rechtsvertreter unter anderem mit, A.K. habe seine Flucht fortgesetzt und befinde sich nun in der libyschen Stadt (…), wo er mit vielen anderen Eritreern in einem Haus in haftähnlichem Hausarrest lebe. D.b In einem weiteren Schreiben vom 13. November 2013 ( Datum des Poststempels: 14. November 2013; Eingang beim Gericht: 18. November 2013) liessen die Beschwerdeführenden über ihren Rechtsvertreter mit- teilen, die Sachlage habe sich insofern etwas verändert, als der sich in Libyen befindende A.K. seit zwei Wochen nicht mehr unter Hausarrest stehe, sondern mit drei Landsleuten in einer Wohnung wohne. Er plane die gefährliche Überfahrt nach Italien. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus - nahme i .S. von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsg e- richt ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie- gend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bund esgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Für Asylgesuche aus dem Ausland, die vor dem 29. September 2012 (Inkrafttreten der Dringlichen Änderungen vom 28. September 2012, mit welchen das Auslandverfahren abgeschafft wurde; AS 2012 5359) gestellt E-4724/2013 Seite 6 wurden, gilt das Asylgesetz nach der alten Fassung: In diesen Fällen sind weiterhin dessen Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 (a lt AsylG; Über- gangsbestimmung zur Änderung des AsylG vom 28. September 2012) anwendbar. Die Beschwerde ist vor dem Hintergrund dieser altrechtlichen Bestimmungen zu beurteilen. 1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahr en vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legi timiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.5 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichtet. 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen Asyl, sofern keine Asylausschlussgründe i.S. von Art. 50 ff. AsylG vorliegen. Flüchtlinge i.S. von Art. 3 AsylG sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner- träglichen psychischen Druck bewirken. Frauenspezifischen Fluchtgrün- den ist Rechnung zu tragen. 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den E-4724/2013 Seite 7 Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge fälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Ein Asylgesuch kann gemäss alt Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist ( alt Art. 20 Abs. 1 AsylG); d as Gesuch kann auch direkt beim BFM eingereicht werden (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3). Hinsichtlich des Verfahrens bei der schweizerischen Vertretung im Au s- land sieht Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfah- rensfragen (AsylV 1; SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Ist eine solche Anhörung nicht möglich, ist die asylsuchende Person gemäss Art. 10 Abs. 2 AsylV 1 aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten. 3.2 Gemäss alt Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asy l- suchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sac h- verhalts, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Auf- enthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen . Bei di e- sem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreiseb e- willigung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Ausschlaggebend ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Per son, mithin die Prüfung der Fr a- gen, ob eine Gefährdung i .S. von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsa b- klärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3 ff.). 3.3 Nach alt Art. 52 AsylG kan n einer Person, die sich im Ausland befi n- det, das Asyl verweigert werden, wenn ihr zugemutet werden kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwendung dieser Bestimmung ist gemäss Praxis (vgl. BVGE 2011/10 E.3.3 m.w.H.) in einer Gesamtschau zu prüfen, ob es aufgrund aller Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den angesichts der best e- henden Gefährdung erforderlichen Schutz gewähren soll. Dazu sind n a- mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit de r Schut z- gewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit der a n- derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Diese Voraussetzungen sind restriktiv zu verstehen, und die Behörden verfügen über einen weiten Ermessensspielraum. Hält sich eine asylsuchende Person bereits in e i- nem Drittstaat auf, ist im Sinn e einer Vermutung davon auszugehen, sie E-4724/2013 Seite 8 habe dort bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort er- langen und ein weiterer Verbleib im Drittstaat sei ihr zuzumuten. Diese Vermutung kann sich allenfalls sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat als auch auf die Zumutbarkeit de r Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. 4. 4.1 Zur Begründung der Ablehnung des Einreise- und Asylgesuchs führte das BFM aus, d ie Beschwerdeführenden hätten vor ihrer Ausreise aus Eritrea keine ernstzunehmenden konkreten Schwierigkeiten mit den eri t- reischen Behörden gehabt und es hätten ihnen auch keine solchen g e- droht. Sie hätten mit den eritreischen Militärbehörden keinen Kontakt ge- habt. Zwar seien sie nach ihrer Darstellung wegen der Flucht von Ge- schwistern von den Behörden unter Druck gesetzt und mit Gefängnis b e- droht worden. Dass es nach 2006 zu konkreten Übergriffen oder Vorfällen gekommen sei, sei den Akten nicht zu entnehmen. Insgesamt würden keine glaubhaften Anhaltspunkte existierten, dass die Beschwerdefü h- renden im Zeitp unkt ihrer Ausreise aus Eritrea von einreiserelevanten Nachteilen bedroht gewesen seien oder solche erlitten hätten oder dass ihnen "ein (weiterer) Verbleib im Sudan " (gemeint ist wohl: Äthiopien) nicht zugemutet werden könnte. Sie seien im selben Lager (Äthiopien) wie ihr volljähriger Bruder A.K. – in den Briefen vom 19. Juni, 16. Juli und 9. Oktober 2012 wird jeweils das Lager F._______ als Aufenthalt genannt, in der Antwort zum Fragebogen steht hingegen, sie hätten stets im Flüchtlingslager C._______ gelebt. Als r egistrierte Flüchtlinge sei ihnen der weitere Aufenthalt in diesem Flüchtlingslager zuzumuten. Die illegale Ausreise aus Eritrea oder andere subjektive Nachfluchtgründe würden keinen Grund für eine Einreisebewilligung bilden. 4.2 In ihrer Beschwerde liessen die beiden Beschwerdeführenden aus- führen, ihre Probleme in Eritrea rührten vom Verhalten ihrer Brüder E.K. und A.K. her. Sollten sich ihre Geschwister nicht den eritreischen Behö r- den stellen, würden ihnen Gefängnisstrafen drohen. Ausserdem seien die Eltern durch die hohe Lösegeldforderung zur Freilassung von E.K . ver- armt: Sie besässen nichts mehr und könnten sich auch nicht mehr au s- reichend ernähren . Ausserdem würde den Beschwerdeführenden eines Tages der Militärdienst drohen, das heisst ein unendlich langer Dienst für ein verhasstes Regime, was es ihnen auch verunmöglichen würde, etwas zu lernen oder zu arbeiten. Im Flüchtlingslager in Äthiopien gebe es ke i- nen Schutz. Als unbegleitete Minderjährige würden sie sich vor Entfü h- rungen fürchten. Folglich sei ihnen Einreise in die Schweiz zu bewilligen. E-4724/2013 Seite 9 5. 5.1 Gemäss der Praxis zu alt Art. 20 AsylG und Art. 10 AsylV 1 ist die asylsuchende Person auch in Auslandverfahren in der Regel zu befragen. Davon kann nur abgewichen werden, wenn eine Befragung fakti sch oder aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen unmöglich ist. Kann die Befragung nicht durchgeführt werden, ist die gesuchstellende Person – soweit möglich und notwendig – mittels individualisiertem und konkretisiertem Schreiben aufzuforder n, ihre Gründe schriftlich zu ne n- nen. Das Bundesamt ist gehalten zu begründen, weshalb von einer B e- fragung abgesehen worden ist (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8). 5.2 Die Beschwerdeführenden sind nicht durch Angehörige der Schweizer Botschaft befragt worden. Das BFM hat den Verzicht auf eine persönliche Befragung in der angefochtenen Verfügung damit begründet, eine Anhö- rung sei aus Kapazitätsgründen nicht möglich, da die Botschaft aufgrund der stark gestiegenen Anzahl von Asylgesuchen, des begrenzten Pe r- sonalbestandes und der fehlenden Voraussetzungen im sicherheitstec h- nischen und räumlichen Bereich zur Durchführung von Befragungen nicht in der Lage sei. Das BFM hat den Beschwerdeführenden m it Schreiben vom 13. März 2013 den Verzicht auf eine Befragung mitgeteilt und ihnen Gelegenheit gegeben, sich zum Asylgesuch schriftlich zu äussern , n a- mentlich mittels Beantwortung eines Fragenkatalogs. 5.3 Das nachvollziehbar begründete Vorgehen der Vorinstanz entspricht der aufgezeigten Ausnahmepraxis und ist nicht zu beanstanden. 6. 6.1 Vorab ist festzustellen, dass eine allfällige vergangene Verfolgung der Beschwerdeführenden in Eritrea nur dann bedeutsam wäre, wenn sie auch heute noch andauern würde oder konkrete Hinweise auf eine z u- künftige Verfolgung bestünden, zumal es bei der Bewilligung zur Einreise in die Schweiz nicht darum geht, früher in Eritrea erlittenes Unrecht aus- zugleichen. Die Bedrohungen durch die eritreischen Behörden oder das Militär wegen der untergetauchten Brüder E.K. und A.K. sind, wie von der Vorinstanz in der ange fochtenen Verfügung zu Recht erkannt, mit der Ausreise de r Beschwerdeführenden nach Äthiopien als beendet zu b e- trachten; ein andauerndes Verfolgungsinteresse der eritreischen Behö r- den an den in Äthiopien lebenden Beschwerdeführenden ist nicht ersich t- lich. Damit besteht kein genügend enger zeitlicher und inhaltlicher Ka u- salzusammenhang zwischen der allenfalls erlebten Verfolgung oder Be- drohung in Eritrea und dem aktuellen Gesuch um Einreisebewilligung. E-4724/2013 Seite 10 6.2 Zu prüfen ist die Frage, ob ihnen der Verbleib in ihren Aufenthaltsland Äthiopien weiterhin zuzumuten ist (alt Art. 52 Abs. 2 AsylG). Dies wird vom Rechtsvertreter in Abrede gestellt wird, da seine minderjährigen b e- schwerdeführenden Geschwister in Äthiopien keinen ausreichenden Schutz hätten. Dem Gericht erscheint es aufgrund der Vorbringen der Beschwerdeführer nicht als objektiv unzumutbar, dass sie den in Äthiopien bestehenden Schutz weiterhin in Anspruch n ehmen. Sie sind dort als anerkannte Flüchtlinge nicht in Gefahr, verfolgt oder nach Eritrea zurückg eschickt zu werden. Es gibt keine Hinweise für ihnen konkret drohende oder relevan- te Nachteile, zumal nicht geltend gemacht wurde, dass sie sich in irgen d- einer Weise hervorgetan haben. Sollten sie sich durch gewisse Personen oder Vorkommnisse bedroht fühle n oder sollte sich in sozialer, gesel l- schaftlicher oder medizinischer Hinsicht ein Notfall ergeben, k önnen sie sich an die nächste Vertretung des UNHCR oder die äthiopischen Behör- den wenden. Da A.K. sich den Angaben des Rechtsvertreters zufolge mittlerweile in Libyen aufhält (vgl. Sachverhalt sub D.), ist die Argumenta- tion des BFM dahin gehend zu korrigieren, dass sich die Beschwerdefüh- renden nun ohne ihren älteren Bruder A.K. im Lager C._______ in Äthio- pien aufhalten. Ihre diesbezüglichen Aussagen betreffend die Gefahren einer Entführung oder Rückschaffung durch eritreische oder äthiopische Behördenvertreter sind blosse Behauptungen und erscheinen mangels konkreter Indizien nicht real. Zudem besteht in Äthiopien eine starke erit- reische Diaspora . Objektiv existiert für d ie Beschwerdeführenden keine Gefahr vor Verfolgung, Entführung, Überstellung oder Rückführung . Auf- grund ihrer fehlenden politischen Profil e und des Umstands, dass sie beim Verlassen ihres Heimatlandes noch minderjährig waren , ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Sicherheitsorgane Eritreas oder Äthiopiens ein Interesse haben sollten, sie mit Gewalt nach Eritrea zurückzuführen. Weder die allgemeine gesundheitliche, soziale und menschenrechtliche Situation in Äthiopien noch die im Verfahren von A.K. eingereichten zu- sätzlichen Dokumente lassen eine andere Einschätzung der Sachlage zu. Vielmehr geniessen sie als anerkannte Flüchtlinge in Äthiopien de n nöti- gen Schutz und werden diesen auch weiterhin erhalten. Ausserdem be- stehen im Lager Kontaktmöglichkeiten zu ihren Geschwistern im Ausland und anderen Verwandten, welche in der Lage sein werden, ihre zweifellos missliche Lage durch Unterstützungen zu mildern . Mithin bedürfen d ie Beschwerdeführenden mangels Schutzbedürftigkeit keiner Schutzgewäh- rung durch die Schweiz. E-4724/2013 Seite 11 6.3 Der Anknüpfungspunkt mit ihrem älteren Bruder in der Schweiz, ihrem Rechtsvertreter, ist bei dieser Sachlage nicht entscheidend. Wohl ist d a- mit eine gewisse Beziehungsnähe zur Schweiz dargetan, die aber nicht derart bedeutsam ist , als dass ihretwegen trotz fehlender Schutzbedürf- tigkeit eine Schutzgewährung durch die Schweiz ins Auge zu fassen wäre. 6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht das Asylgesuch der Beschwerdeführenden abgelehnt und ihnen die Einreise in die Schweiz verweigert hat. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist daher abzuweisen. 8. Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten grundsätzlich de n Be- schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs- ökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 B st. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist auf die Erhebung von Kosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-4724/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: