Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Januar 2016 (720 15 158 / 28) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung medizinischer Unterlagen, Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der halben IV-Rente Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Caroline Franz Wal d- ner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1971, absolvierte von 1989 bis 1 992 eine Lehre als Herrenkonfekti- onsverkäufer und war danach zwei Jahre in diesem Be ruf tätig. Von 1994 bis 1999 arbeitete er als angelernter Maler und studierte von 1998 bis 20 01 an der Kunst- und Medienschule B.____ bildende Kunst. Mit Gesuch vom 24. November 2000 meldete er sich aufgrund einer Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) bei der Schweizerisch en Invalidenversicherung (IV) zum Leis- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsbezug an. In der Folge wurden ihm von der IV-Ste lle des Kantons B.____ (IV-Stelle B.____) Eingliederungsmassnahmen zugesprochen und von 2003 bis 2004 wurde er zum Vi- deoproducer umgeschult. Nach einer Phase der Arbeitslo sigkeit arbeitete er von Oktober 2005 bis Oktober 2006 an der Staatlichen Akademie der bilde nden Künste in C.____. Von 2010 bis März 2013 war er selbständig erwerbend und stellte Kunstdrucke her. Im Zusammenhang mit seiner rheumatischen Entzündungserkrankung traten beim Versicherten seit dem Jahr 2000 rezidivierende Depressionen auf. Am 3 . Oktober 2013 meldete er sich bei der IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. In der Folge wurden Eingliederungsmassnahmen durchgeführt, die jedo ch scheiterten. Die IV-Stelle beauf- tragte daraufhin Dr. med. D.____, Facharzt FMH für Psych iatrie und Psychotherapie, und Dr. med. E.____, Facharzt FMH Rheumatologie und FMH Inner e Medizin, mit der psychiatrisch- rheumatologischen Begutachtung des Versicherten. Gestützt auf die gutachterlichen Schluss- folgerungen und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügung vom 25. März 2015 mit Wirkung ab dem 1. Juni 2014 eine halbe IV-Rente zu, basie- rend auf einem IV-Grad von 57 %. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Dr . Caroline Franz Waldner, Behin- dertenforum, mit Eingabe vom 5. Mai 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, und beantragte, es sei die Verfügung vom 25. März 2015 aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab dem 1. Juni 2 014 eine ganze Rente zuzusprechen, unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er die Bewilligung der unentgeltli- chen Prozessführung und Verbeiständung mit Advokatin Dr. Franz Waldner beantragen. C. Mit Eingabe vom 5. Mai 2015 liess der Beschwerdefüh rer in Ergänzung der Beschwer- de beantragen, es seien den behandelnden Psychiater di e Kosten für die Erstellung der ärztli- chen Berichte vom 24. Februar 2015 und vom 29. April 2015 zu vergüten. D. Mit Verfügung des instruierenden Präsidenten wurde dem Beschwerdeführer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Dr. Franz Waldner als Rechtsvertreterin bewilligt. E. Mit Eingabe vom 17. Juni 2015 informierte die Rech tsvertreterin das Gericht über die neueste gesundheitliche Entwicklung des Beschwerdeführers u nter Hinweis auf weitere ärztli- che Berichte. Mit Eingabe vom 1. Juli 2015 schliesslich wu rde der Austrittsbericht des Spitals F.____ vom 18. Juni 2015 zu den Akten gereicht. F. Mit Vernehmlassung vom 20. Juli 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin unter Hin- weis auf die eingeholten Stellungnahmen von Dr. D.__ __ vom 23. Juni 2015, von Dr. E.____ vom 15. Juni 2015 und von RAD-Arzt Dr. med. G.____, Fa charzt für Orthopädie und Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, vom 9. Juli 2015, die Abweisung der Beschwerde. G. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten d er Beschwerdeführer mit Replik vom 17. September 2015 und die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 13. Oktober 2015 (unter Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinweis auf den Bericht von Dr. G.____ vom 12. Oktober 2015) an ihren Anträgen und Begrün- dungen fest. H. Mit Einreichung ihrer Honorarnote zog die Rechtsver treterin des Beschwerdeführers den Antrag zurück, wonach den behandelnden Ärzten ein Honorar zuzusprechen sei. Auf die Vorbringen der Parteien und die zu würdigen den medizinischen Akten wird – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nachfolgen den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 5. Mai 2015 ist demnach einzu treten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (BGE 129 V 53 E. 1.1). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundes- gericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der g esundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a). Zur Annahme einer durch eine psychisch e Gesundheitsbeeinträchtigung ver- ursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass di e versicherte Person nicht hinrei- chend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob an zunehmen ist, die Verwertung der Ar- beitsfähigkeit sei ihr sozialpraktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungna hmen eine wichtige Grundlage für die Be- urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Schliesslich ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht dara uf hinzuweisen, dass der Sozial- versicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist . Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklär ung des rechtserheblichen Sachver- halts zu sorgen (BGE 125 V 193 E. 2). 5.1 Zur Beurteilung der Rentenfrage liegen folgende wesentliche medizinische Unterlagen vor: 5.2 Dr. med. H.____, Facharzt FMH für Innere Medizin u nd Rheumatologie, diagnostiziert mit Bericht vom 29. Oktober 2013 einen Morbus Bechtere w und rezidivierende depressive Epi- soden, gegenwärtig schwere Episode. In Bezug auf die Ar beitsfähigkeit hält er fest, dass auf- grund der Gesamtsituation die Arbeitsfähigkeit bei ca . 50 % liege. Es bestünden körperliche Einschränkungen in Form einer verminderten Belastbarkeit des Achsenskeletts und Schmerzen im Rahmen der Entzündungsreaktion. Gegebenenfalls sei e ine weitere Einschränkung durch die psychiatrische Diagnose bedingt. Bei Kontrolle der Entzündungsaktivität könne formal- medizinisch für eine leichte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80-100 % angenommen werden. 5.3 Mit Bericht vom 26. November 2013 halten Dr. med. I.____, Psychiatrie und Psycho- therapie FMH, und pract. med. J.____, Psychiatrie und P sychotherapie FMH, Klinik K.____, als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, ge- genwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, seit zehn Jahren, sowie eine Spon- dylitis ankylosans seit ca. 1995 fest. Der Patient befinde sich in regelmässiger Behandlung, mindestens einmal wöchentlich. Er werde auch psychopharma kologisch behandelt. Die Ar- beitsunfähigkeit betrage sei dem 19. Juni 2013 100 %. Trotz Prognose einer Zustandsstabilisie- rung auf aktuellem Niveau werde auf eine leichte Zusta ndsverbesserung der Depression hinge- arbeitet, sodass die Arbeitsunfähigkeit aufgrund der p sychiatrischen Diagnose letztendlich zwi- schen 60-70 % zu liegen kommen könne. Aufgrund der rezidi vierenden Depression bestünden Einschränkungen im Bereich der Zeitdauer sowie der Inte nsität der Arbeitsleistung. Die vermin- derte Leistungsfähigkeit sei auf die Depression zurückzuführen und dem damit einhergehenden Leistungsknick, welcher unter anderem durch Antriebslosigke it, Verlangsamung der Arbeitsab- läufe und tendenzieller Meidung von komplexeren Aufga ben sowie von sozialen Kontakten ge- kennzeichnet sei. 5.4 In der Folge beauftragte die Beschwerdegegnerin D r. D.____ und Dr. E.____ mit der psychiatrisch-rheumatologischen Begutachtung des Beschwerde führers. Dr. D.____ gelangt in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 25. August 2014 zur Auffassung, dass eine rezidivie- rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige E pisode, zu diagnostizieren sei, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Der Antrieb sei verm indert, der Explorand sei depressiv und psychisch vermindert belastbar. Er klage auch über leichte Konzentrationsstörungen, die aller- dings nicht hätten objektiviert werden können. Er zei ge einen sozialen Rückzug, eine erhöhte Ermüdbarkeit und fühle sich zunehmend auch im sozialen Ko ntext unsicher. In der bisherigen Tätigkeit als Verkäufer, Maler, Videoproducer und Ku nstdrucker sowie in jeder anderen berufli- chen Tätigkeit bestehe seit Juni 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. E.____ diagnostiziert im rheumatologischen Teilgu tachten vom 20. Oktober 2014 mit Aus- wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Spondylitis ankyl osans (Erstdiagnose 1998) mit axialem Befall: ISG-Arthritis beidseits, klinisch Verdacht auf B efall der Wirbelsäule, Enbrel seit Juli 2007 laufend, 3-Phasen-Skelettszintigraphie vom 18. Septemb er 2014 ohne Uptakes, laborserolo- gisch hingegen Entzündungsaktivität (CRP 22 mg/I). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei- en ein Ganzkörperschmerzsyndrom, multifaktoriell bedingt (einerseits entzündlich-rheumatolo- gische Erkrankung, andererseits Teilkomponente durch psych osoziale Belastung, psychiatri- sche Erkrankung) sowie radiomorphologisch medio linkslateral e Diskusherniationen C3/4 und C4/5, medio rechtslaterale Herniation C5/6, breitbasig mediane Protrusion bis Herniation L5/S1. Dr. E.____ kommt zum Schluss, dass für mittelschwere bis schwere Arbeiten keine Arbeitsfä- higkeit bestehe. Für körperlich leichte Tätigkeiten ohn e Heben, Stossen oder Ziehen über 7.5 kg, keinen dauernden Arbeiten in Zwangsstellungen w ie nur sitzend, nur stehend, vorn- übergebeugt oder repetitiv bückend, mit der HWS dauern d inkliniert oder rekliniert und mit den Armen nicht dauernd über Schulterhöhe, bestehe eine A rbeitsfähigkeit von 80 % bezogen auf ein Ganztagespensum. Die Einschränkung auf ein nur 80 % -iges Pensum definiere sich durch die entzündlich-rheumatologische Grunderkrankung, auch wenn diese zum Teil bildgebend nicht nachweisbar sei. Dennoch sei diese in früheren J ahren nachweisbar gewesen. Auch das nur partielle Ansprechen auf Enbrel und das leicht erh öhte CRP untermauere die klinische Krankheitsaktivität. Diese Einschätzung gelte ab Untersuchungsdatum. Anlässlich der telefonischen Konsensbesprechung vom 22. Aug ust 2014 gelangen die beiden Gutachter zum Schluss, dass in einer idealen rheumatolo gisch-definierten Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % ab Juni 2013 gelte. 5.5 Dem Abschluss- und Verlaufsbericht der Klinik K.____ vom 24. September 2014 be- treffend den Tagesklinikaufenthalt des Versicherten vom 23. Juni 2014 bis 10. September 2014 ist zu entnehmen, dass der Grund für die Anmeldung eine rezidivierende depressive Störung gewesen sei. Ziel sei es gewesen, eine Tagesstruktur zu et ablieren und die depressive Symp- tomatik zu behandeln. Diagnostiziert wird eine rezidivie rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome. Zudem wurde der Verdacht einer kombinierten Persönlichkeitsstörung erhoben. Der Versicherte habe den Aufenthalt abgebrochen. Bei Austritt sei die depressive Störung nicht wesentlich gebessert gewesen. 5.6 Dr. I.____ und med. pract. J.____ diagnostiziere n in ihrer Stellungnahme zum Gutach- ten von Dr. D.____ vom 24. Februar 2015 eine rezidivie rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, seit mindestens zeh n Jahren in chronifizierter Form, in den letzten zwei Jahren zunehmend in schwergradi ger Ausprägung auftretend sowie eine Spondylitis ankylosans seit 1995. Dr. D.____ sehe die Einordnung der Diagnose zu einer mittelgradigen oder schweren Depression eher auf funktio neller Seite (es sei noch kein Klinik- eintritt erfolgt, es erfolgten regelmässige Spaziergäng e mit dem Hund, der Patient pflege seine Wohnung). Dies stehe im Widerspruch zu den Diagnosekr iterien nach ICD-10 mit drei erfüllten Haupt- und sechs erfüllten Zusatzsymptomen, die die Schwer e der Depression des Patienten belegen würden. Es müsse seit Juni 2013 von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausgegangen werden. Bei gutem Verlauf und Stabilisierung in den nächsten Jahren sei es vielleicht möglich, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass sich eine niedrigprozentige Arbeitsfähigkeit zwischen 10 % bis maximal 30 % ergebe. Dr. med. L.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und med. pract. J.____ äussern sich mit Bericht vom 29. April 2015 zudem zur eingeschränkten Fu nktionalität im Alltag und zur einge- schränkten Nachtruhe sowie zur Medikation des Patienten. 5.7 Dr. med. N.____, FMH Rheumatologie und FMH Physik alische Medizin und Rehabilita- tion, hält mit Stellungnahme vom 15. Mai 2015 fest, dass die rheumatische Erkrankung auf- grund der sehr nachvollziehbaren und differenzierten B eschwerdeschilderung aktiv und nicht unter Kontrolle sei. Dr. E.____ gehe gestützt auf di e Skelettszintigraphie von einem weitgehend inaktiven Geschehen aus. Die derzeitigen Beschwerden de s Patienten würden jedoch auf ein aktives Entzündungsgeschehen hinweisen. Zudem sei die Szi ntigraphie als Untersuchungsme- thode bei dieser Art der Erkrankung wegen der geringen Sensitivität ungenügend. Aufgrund der grossen Entzündungsschmerzen, die vor allem in Ruhe und nachts auftreten würden und damit eine effektive Tag- und Nachtruhe weitgehend verunmöglichten, sei derzeit von einer Arbeitsfä- higkeit von höchstens 30 % auszugehen. 5.8 Dr. E.____ nimmt mit Schreiben vom 15. Juni 2015 Stellung zur vorliegenden Be- schwerde vom 5. Mai 2015, namentlich zum Einwand des Besc hwerdeführers, es sei nicht nachvollziehbar, dass er das CRP von 22 mg/I auf die Ent zündungsaktivität der Erkrankung zurückgeführt habe und trotzdem von einem gut kontrollie rten Krankheitsbild ausgehe. Dabei verweist Dr. E.____ grundsätzlich auf S. 21 seines Gutach tens und die Skelettszintigraphie, welche völlig normal ausgefallen sei. 5.9 Weiter liegt ein Austrittsbericht des Spitals M.___ _, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohren- krankheiten, betreffend den Aufenthalt des Beschwerdefü hrers vom 25. Mai bis 31. Mai 2015 vor (Bericht vom 18. Juni 2015). Dort wird unter Hin weis auf die bekannten Diagnosen zudem eine Peripher vestibuläre Funktionsstörung rechts diagn ostiziert. Der Patient habe erstmals un- ter kontinuierlichem Drehschwindel mit Übelkeit und Erb rechen gelitten. Das MRI des Neuro- kraniums vom 28. Mai 2015 habe keinen Nachweis einer Ra umforderung, keine Ischämie, kei- ne pathologische Anreicherung im Kleinhirnbrückenwink el beidseits gezeigt. Es habe eine Ar- beitsunfähigkeit aus HNO-Sicht vom 25. Mai bis 8. Juni 2015 bestanden. 5.10 Dr. D.____ nahm ebenfalls zur Beschwerde Stellung. Mit Bericht vom 23. Juni 2015 hält er fest, dass es bei der Beurteilung der Arbeitsfä higkeit nicht entscheidend sei, ob eine mit- telgradige oder schwere depressive Episode diagnostiziert w erde. Der Verlauf der depressiven Störung sei naturgemäss schwankend, sodass es bei chronisch depressiven Patienten im Ver- lauf zu leichten, mittelgradigen oder schweren depressiven Episoden kommen könne. 5.11 Mit Stellungnahme vom 3. August 2015 halten Dr. I.____ und pract. med. J.____ er- neut fest, dass der Patient sei dem 19. Juni 2013 aufgr und der psychischen Beeinträchtigung zu 100 % arbeitsunfähig sei. Der Patient weise neben der chronisch rezidivierenden Depression eine Persönlichkeitsakzentuierung narzisstischer Ausprägung auf. Die Diagnoseschwelle einer Persönlichkeitsstörung sei nicht erreicht. Die behandelnd en Psychiater nehmen weiter Stellung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Funktionsniveau im Alltag, zum sozialen Rückzug des Pa tienten und erklären, weshalb es bis heute nicht zu einer stationären psychiatrischen Hospitalisation gekommen sei. 5.12 Mit Bericht vom 18. August 2015 hält Dr. N.____ f est, dass ein aktiver Morbus Bech- terew trotz maximaler Behandlung mit einem TNF-Alpha Blocker und einem nichtsteroidalen Antirheumatikum vorliege. Einerseits sei eine kleine, ab er doch deutliche aktive Läsion in einer MRI Untersuchung festgestellt worden, trotz der aktuelle n Behandlung und trotzdem, dass der Patient vor nicht allzu langer Zeit eine Behandlung m it hochdosiertem Kortison im Rahmen ei- nes Schwindels gehabt habe. Sie müsse der Argumentatio n von Dr. E.____, dass die Ske- lettszintigraphie in der Lage sei, die Inaktivität der Erkrankung zu belegen, widersprechen. Heu- te sei die MRI Untersuchung die Standarduntersuchung fü r die Dokumentation der Aktivität des Morbus Bechterew. Mit Schreiben vom 17. Juli 2015 hält D r. N.____ fest, dass das MRI den Verdacht auf eine noch vorhandene Aktivität des Morbus Bechterew bestätigt habe. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefocht enen Verfügung vom 25. März 2015 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und de r Arbeitsfähigkeit des Beschwerde- führers vollumfänglich auf das psychiatrisch-rheumatologische Gutachten von Dr. D.____ und Dr. E.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Be schwerdeführer ab Juni 2013 eine den körperlichen Leiden adaptierte Tätigkeit im Umfang von 50 % zumutbar sei. Der Beschwer- deführer ist der Auffassung, dass diesen beiden Teil-Gu tachten kein rechtsgenüglicher Be- weiswert zukomme, da sie den medizinischen Einschätzungen d er behandelnden Psychiater Dr. I.____ und pract. med. J.____ sowie der behandel nden Rheumatologin Dr. N.____ wider- sprechen würden. 6.2 Bevor die Einwände des Beschwerdeführers im Einzeln en zu prüfen sind, ist darauf hinzuweisen, dass der Sachverhalt massgebend ist, wie er si ch bis zum Erlass der angefochte- nen Verfügung vom 25. März 2015 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsge- mäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsb efugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Damit sind spätere ärztliche Berichte grundsätzlich unbeachtlich, es sei denn, sie würden Rückschlüs- se auf eine frühere Zeitspanne zulassen. Tatsachen, die den Sachverhalt seit Erlass der Verfü- gung verändert haben, sollen im Normallfall Gegenstan d eines neuen Verwaltungsentscheids sein (BGE 130 V 140 E. 2.1). Die Schwindel- und Krei slaufprobleme, die sich erstmals im Juni 2015 bemerkbar gemacht haben, sind eindeutig nach Ve rfügungserlass aufgetreten, weshalb sie bei der Prüfung der Rentenfrage nicht zu berücksichtigen sind. 6.3.1 Die Würdigung der vorerwähnten medizinischen Ber ichte zeigt, dass die involvierten psychiatrischen Fachärzte grundsätzlich zur gleichen Diagnos e gelangt sind. Da sie aber den Schweregrad der Depression unterschiedlich beurteilen, schätzen sie die Auswirkungen dersel- ben auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ande rs ein. Während Dr. D.____ von einer mittelgradigen depressiven Episode ausgeht, diagnostizieren Dr. I.____ und pract. med. J.____ eine schwergradige depressive Episode. In seiner Stellung nahme vom 23. Juni 2015 schliesst Dr. D.____ das Vorliegen einer schweren depressiven Episo de erneut unter Hinweis auf die vom Beschwerdeführer geschilderten Aktivitäten aus. Der B eschwerdeführer könne den Haus- halt noch selbst besorgen, mache Einkäufe, pflege besc hränkt soziale Kontakte, habe die psy- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht chiatrische Tagesklinik besucht, kümmere sich um seinen Hund un d koche regelmässig. Dem- gegenüber legen Dr. I.____ und pract. med. J.____ dar , dass beim Beschwerdeführer drei Hauptsymptome sowie sechs Zusatzsymptome gemäss ICD-10 erfü llt seien, was einer schwer- gradigen depressiven Störung entspreche. Ihrer Einschätzung nach sei vorliegend die gedrück- te Grundstimmung mit tiefer Traurigkeit, Gefühlen de r Verzweiflung und innerer Leere, ohne erkennbaren Anlass (1. Hauptsymptom) gegeben. Zudem bestehe ein umfassender Interessen- verlust (Anhedonie), welcher praktisch alle Lebensberei che umfasse und sich insbesondere beim ausgeprägten sozialen Rückzug zeige. Wichtige Interessengebiete, wie das Verfolgen von kreativen Hobbies, seien kaum mehr verfolgt worden (2. Hauptsymptom). Als 3. Hauptsymptom müsse von einer ausgeprägten Verminderung des Antriebs u nd von Energielosigkeit gespro- chen werden. Das Gefühl einer starken inneren Müdigkei t und Energielosigkeit erschwere jegli- che Aktivität. Selbst bei der Pflege der Wohnung falle es dem Patienten teilweise tage- bis wo- chenlang schwer, entsprechende Ziele wie Fensterputzen od er Staubsaugen umzusetzen. Als weiteres Beispiel sei das Kochen zu erwähnen. Der Patient habe dies früher mit grosser Freude gemacht, heute könne er dem nur noch punktuell nachge hen. Häufig berichte er von Nahrung im Kühlschrank, welche er trotz grosser finanzieller Not ungebraucht wegwerfe, da er nicht die Energie habe zu kochen. 6.3.2 Betrachtet man die drei Hauptsymptome gemäss dem g egenwärtig verwendeten Klas- sifikationssystem ICD-10 (gedrückte depressive Stimmung; Inte ressenverlust und Freudlosig- keit; Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit), so ist d avon auszugehen, dass Dr. D.____ – wie auch Dr. I.____ und pract. med. J.____ – das Vorl iegen einer gedrückten depressiven Stimmung als gegeben erachtet. Hingegen bezweifelt Dr. D.____ gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers, dass ein umfassender Interessenverlust (2. Hauptsymptom) und damit eine schwere depressive Episode vorliegen. 6.3.3 Gegen eine vollumfängliche Interessenlosigkeit spri cht, dass sich der Beschwerdefüh- rer gegen einen stationären Aufenthalt in einer psychi atrischen Klinik entschieden hatte, um für seinen Hund da zu sein. Wenn der Hund tatsächlich überlebenswichtig im Sinne einer Therapie ist, dann zeugt dies von noch vorhandenem Interesse und Verantwortungsgefühl beim Be- schwerdeführer. Betreffend den Besuch der Tagesklinik fin den sich unterschiedliche Angaben in den Akten. Gegenüber Dr. D.____ gibt er an, dass er froh um die Tagesstruktur in der Ta- gesklinik sei. Im Austrittsbericht der Klinik K.____ vom 24 . September 2014 wird hingegen fest- gehalten, dass der Patient das Gefühl gehabt habe, nicht von der Behandlung zu profitieren und keine Verbesserung des Zustands wahrzunehmen, weshalb der Aufenthalt am 10. September 2014 abgebrochen worden sei. In der Replik vom 17. September 2015 wird auf S. 2 ausgeführt, dass der Beschwerdeführer den Aufenthalt in der Tageskl inik nicht einfach so aufgegeben ha- be, sondern dass er mit den täglichen Anforderungen vo r dem Hintergrund rheumatischer Schmerzen und Schlafstörungen überfordert gewesen sei. Die Haushaltsführung wird ebenfalls unterschiedlich geschildert. Ob der Beschwerdeführer woc henlang die Wohnung nicht staub- sagt, wie er angibt, kann nicht überprüft werden. Fest steht jedoch, dass er sich gegenüber Dr. D.____ nicht als verwahrlost geschildert hat. Weiter gib t er gegenüber Dr. D.____ an, Musik zu hören; auch dieses Verhalten deutet auf ein gewisses Mass an Interesse hin. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Betrachtet man die vorgenannten Alltagsaktivitäten des Beschwerdeführers, erscheint die Beur- teilung von Dr. D.____, dass kein vollständiger Interessen verlust in allen Lebensbereichen und damit keine schwere Episode vorliegt, nachvollziehbar. Damit ist auch die Einschätzung von Dr. D.____, dass der Beschwerdeführer aufgrund des verminder ten Antriebs, der psychisch ver- minderten Belastbarkeit, der erhöhten Ermüdbarkeit sowi e der zunehmenden Unsicherheit im sozialen Kontext zu 50 % in seiner Arbeitsfähigkeit eing eschränkt ist, als schlüssig. Die Be- schwerdegegnerin hat daher für die Beurteilung des psych iatrischen Gesundheitszustands des Beschwerdeführers und der Restarbeitsfähigkeit zu Recht a uf die Beurteilung von Dr. D.____ abgestellt. 6.4.1 In rheumatologischer Hinsicht wird vom Beschwerde führer unter Hinweis auf die Beur- teilung von Dr. N.____ bestritten, dass der Morbus Bech terew durch die eingesetzte Basisthe- rapie gut unter Kontrolle sei. Dr. N.____ beruft sich bei ihrer Beurteilung auf die Beschwerde- schilderung des Beschwerdeführers, auf das Vorliegen von erhöhten CRP-Werten und auf die Ergebnisse des MRI der ganzen Wirbelsäule und beider ISG vom 24. Juni 2015. Sie schätzt die Arbeitsfähigkeit auf höchstens 30 % ein. Dr. E.____ ko mmt ebenfalls zum Schluss, dass ein entzündlich-rheumatologisches Krankheitsbild bestehe. Tr otz durchgeführter Basistherapie sei eine leichte Entzündungsaktivität vorhanden, welche sich i m Labor nachweisen lasse. Eine schwere Entzündungsaktivität liege hingegen nicht vor, an sonsten das Szintigramm oder das MRI Veränderungen gezeigt hätten. Zudem könnten nicht alle Schmerzen, die der Beschwerde- führer bei der Untersuchung angegeben habe, dem entzü ndlichen Krankheitsbild angelastet werden. Aufgrund der Präsentation und auch nach Rückspr ache mit Dr. D.____ seien diese auch durch ein psychiatrisches Krankheitsbild zu erklären. Es bestehe daher überlagernd ein Ganzkörperschmerzsyndrom, das multifaktoriell bedingt sei ( Gutachten Dr. E.____, S. 20 und 21). 6.4.2 Die Würdigung der rheumatologischen Berichte zei gt einerseits, dass keine radikuläre Reizsituation besteht (vgl. Gutachten Dr. E.____, S. 20) . Weiter stellte Dr. E.____ fest, dass sich keine eindeutigen Synovitiden finden lassen würden. Gemäss Beurteilung von Dr. E.____ habe das MRI vom 14. Juni 2013 keine Hinweise für ein en tzündliches Krankheitsbild ergeben. Es hätten sich altersentsprechende degenerative Verände rungen im Bereich der Hals- und der Lendenwirbelsäule gezeigt. An den ISG sei der Verdacht auf eher ältere Veränderungen im Sinne einer bilateralen alten ISG-Arthritis erhoben worden (Gutachten Dr. E.____, S. 20). Um die Schmerzsituation genauer definieren zu können und um feststellen zu können, wo entzünd- liche Veränderungen vorhanden sind, gab Dr. E.____ in der Folge eine 3-Phasen- Skelettszintigraphie in Auftrag. Diese dokumentierte keinerlei Destruktion im Sinne einer aktiven Zerstörung des Skeletts. 6.4.3 Bildgebend und klinisch lassen sich somit nur leichte Befunde feststellen. Dr. E.____ bestreitet nicht, dass ein entzündliches Geschehen vorliegt . Er berücksichtigt dieses und hält fest, dass schwere und mittelschwere Arbeiten nicht mehr zumutbar seien und nur noch eine Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten im Umfang von 80 % bestehe. Dr. N.____ ihrerseits legt nicht dar, weshalb sie eine Einschränkung der Arbeitsfäh igkeit von 70 % als erforderlich erach- tet. Eine Würdigung der Akten zeigt zudem, dass bildgeb end im Wesentlichen die gleichen Be- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht funde vorliegen wie anlässlich der Abklärungen im Jahr 2007. Damals gingen die medizinischen Fachpersonen davon aus, dass eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ganztags zumutbar sei. Aufgrund der nicht stabilen Entzündungssituation erachteten sie aber ein reduziertes Leistungs- rendement von 20 % als angemessen (Gutachten vom 16. No vember 2007 des Begutach- tungszentrums O.____ AG, S. 7). In Anbetracht dieser Umst ände, namentlich des Ganzkörper- schmerzsyndroms, das von Dr. N.____ nicht berücksichtigt wurde , ist letztlich nicht ausschlag- gebend, welche der bildgebenden Methoden geeigneter ist, ein leicht entzündliches Geschehen darzustellen. Entscheidend ist, dass es sich um eine leichte Entzündungsaktivität handelt. Da- mit rechtfertigen sich keine grundsätzlichen Zweifel an d er Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht durch Dr. E.____. 6.5 Die Gutachten von Dr. D.____ und Dr. E.____ weisen somit weder formale noch inhalt- liche Mängel auf. Sie erscheinen insgesamt als sehr ausfü hrlich, berücksichtigen sämtliche me- dizinische Unterlagen, beinhalten eine umfassende Anamn ese, beruhen auf gründlichen Unter- suchungen, nehmen Stellung zu anderen ärztlichen Einschät zungen und zeigen nachvollzieh- bar auf, weshalb beim Beschwerdeführer eine Einschränku ng von 50 % in der Arbeitsfähigkeit besteht. Insgesamt sind die Gutachten vollständig und auch in den Ergebnissen schlüssig und nachvollziehbar. Sie genügen daher sowohl formal als auch inhaltlich den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweistaugliches Gutachten (vgl. dazu Er wägung 4.4 hiervor). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist daher die Beweiskraft der Beurteilungen von Dr. D.____ und Dr. E.____ nicht in Zweifel zu ziehen, weshalb be i der Beurteilung des vorliegend massge- benden medizinischen Sachverhalts darauf abgestellt werd en kann. Es besteht somit kein An- lass zu weiteren medizinischen Abklärungen. 7. Die Beschwerdegegnerin nahm in der Verfügung vom 2 5. März 2015 einen Einkom- mensvergleich vor und ermittelte einen IV-Grad von 57 %. Die von der Beschwerdegegnerin anhand lohnstatistischer Angaben berechneten Vergleichse inkommen wurden vom Beschwer- deführer nicht beanstandet. Nachdem sich aus den Akten ke ine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine detaillierte Ause inandersetzung mit den durch die Be- schwerdegegnerin ermittelten Vergleichseinkommen sowie d er Berechnung des IV-Grads. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die entsprechende n Ausführungen der Beschwerdegeg- nerin in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Demnach hat die Beschwerdegegne- rin dem Beschwerdeführer in der angefochtenen Verfüg ung zur Recht eine halbe Rente zuge- sprochen. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich a ls unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 8.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewi lligung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten i n Berücksichtigung des bundesrechtli- chen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nac h § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in a ngemessenem Ausmass auferlegt. Vor- liegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei , weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerd ings mit Verfügung vom 6. Mai 2015 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus d iesem Grund werden die Verfahrenskos- ten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Verbei ständung mit seiner Rechtsvertreterin Dr. Franz Waldner bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1. Januar 2014 geltenden F assung) beträgt das Honorar bei unent- geltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 23. November 2015 für d as vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 19 Stunden und 5 Minuten geltend gemacht. Zu beachten ist, dass vorprozessualer Aufwand (Position vom 9. März 2015: 45 Minuten) praxisg emäss nicht berücksichtigt werden kann. Folglich bleibt ein Aufwand von 18 Stunden und 2 0 Minuten zu entschädigen, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalt s- und Rechtsfragen als angemes- sen erweist. Der Rechtsvertreterin ist somit ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘960.-- aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufme rksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘960.-- (inkl. 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gericht skasse ausge- richtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht