U rteil vom 21. Septem ber 2007 M itw irkung: R ichter König, R ichter Lang, R ichterin Teuscher G erichtsschreiberin C hastonay 1. A ._______, Irak, 2. B ._______, Irak, 3. C ._______, Irak, 4. D ._______, Irak, 5. E._______, Irak, alle vertreten durch R echtsanw alt Peter Frei, (Adresse), Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), vorm als Bundesam t für Flüchtlinge (BFF), Q uellen- w eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 4. A pril 2005 betreffend A syl und W egw eisung / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l A bteilung V E -4018/2006 {T 0/2}2 Sachverhalt: I. A. D ie Beschw erdeführer, Kurden aus F._______/N ordirak, verliessen ihren H eim at- staat nach eigenen Angaben am 24. O ktober 1999 und gelangten über den G ._______, die H ._______ sow ie w eitere, ihnen unbekannte Staaten am 15. N ovem ber 1999 in die Schw eiz und reichten gleichentags ein Asylgesuch ein. Am 19. N ovem ber 1999 w urden sie im Em pfangszentrum (früher Em pfangsstelle) I._______ erstm als kurz befragt. Für den Aufenthalt w ährend des Asylverfahrens w urden die Beschw erdeführer dem Kanton J._______ zugew iesen. Am 17. D ezem ber 1999 w urden die Beschw erdeführer von der zuständigen kantonalen Behörde jew eils ausführlich zu ihren Asylgründen angehört. Zur Begründung ihrer Asylgesuche m achten die Beschw erdeführer im W esentli- chen Folgendes geltend: D er Beschw erdeführer habe in K._______, das unter der Kontrolle der "Patriotischen U nion Kurdistan" (PU K) stehe, gelebt. Er gehöre zum L._______-Stam m und sei seit 1991 Sym pathisant, seit 1993 M itglied der PU K gew esen. Er habe unter anderem w egen seines Vaters Problem e gehabt; so sei er einm al als Kind m it der ganzen Fam ilie festgenom m en w orden. Im Jahre 1991, nach dem Aufstand in Kurdistan, sei der Vater vom Saddam -R egim e zum Tode verurteilt w orden. Im Jahre 1996 habe der Beschw erdeführer geheiratet; seine Ehefrau gehöre dem Stam m der M ._______ an. Ihre Eltern seien zw ar gegen die Verbindung gew esen, hätten dies aber w egen des dam aligen Einflusses der PU K nicht öffentlich kundgetan. N achdem die "Kurdische D em okratische Partei" (KD P) K._______ erobert gehabt habe, habe ein O nkel der Beschw erdeführerin, Funktionär der KD P, die Tötung der Beschw erdeführer gefordert. Aus diesem G rund sow ie w egen der M itgliedschaft des Beschw erdeführers zur PU K hätten sie K._______ im August 1996 verlassen und seien nach F._______ gezogen. D ort hätten sie von einer Tante des Beschw erdeführers erfahren, dass die KD P den Befehl zu ihrer Erm ordung erteilt habe. N ach dem Friedensschluss zw ischen der KD P und der PU K im Jahr 1998 hätten sie daher auch in F._______ Sanktionen seitens der KD P befürchtet. Zudem hätten die der KD P zugehörigen Fam ilienm itglieder der Beschw erdeführerin den Ehem ann w egen seiner PU K- M itgliedschaft m it dem Tode bedroht. Aus diesen G ründen hätten sie im Septem ber 1999 den H eim atstaat verlassen. Zum Beleg der Vorbringen reichten die Beschw erdeführer m ehrere Arztberichte sow ie die Todesurkunde des Vaters des Beschw erdeführers zu den Akten. B. M it Verfügung vom 4. M ai 2000 stellte das Bundesam t fest, die Vorbringen der Be- schw erdeführer genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte die Asylgesuche ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung der Be- schw erdeführer aus der Schw eiz und ordnete den W egew eisungsvollzug an. D er 3 Vollzug in den zentralstaatlich kontrollierten Teil des Iraks w urde ausgeschlossen. C . Am 5. Juni 2000 liessen die Beschw erdeführer gegen diese Verfügung bei der da- m als zuständigen Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) Beschw erde ein- reichen. Im R ahm en eines erw eiterten Schriftenw echsels - nachdem der M utter und drei Brüdern des Beschw erdeführers in der Schw eiz in erster Instanz Asyl ge- w ährt und die vorläufige Aufnahm e des Vaters zufolge U nzulässigkeit des Vollzugs der W egw eisung verfügt w orden w ar - hob die Vorinstanz am 2. M ai 2001 ihre Ver- fügung vom 4. M ai 2000 w iedererw ägungsw eise auf und nahm das Asylverfahren w ieder auf. In der Folge w urde die Beschw erde vom 5. Juni 2000 als gegenstandslos gew or- den abgeschrieben. D . Am (D atum ) w urden (...) N ._______ und O ._______ in der Schw eiz geboren. II. E. M it Verfügung vom 4. April 2005 stellte das Bundesam t erneut fest, die Vorbringen der Beschw erdeführer genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte deren Asylgesuche ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung der Beschw erdeführer aus der Schw eiz. D er Vollzug der W egw eisung w urde als unzum utbar beurteilt und die Beschw erdeführer w urden vorläufig in der Schw eiz aufgenom m en. F. M it Beschw erde vom 3. M ai 2005 an die AR K liessen die Beschw erdeführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigen- schaft und die G ew ährung des Asyls beantragen; eventuell sei die U nzulässigkeit des Vollzugs der W egw eisung festzustellen. W eiter w urde die unentgeltliche R echtspflege unter Beiordnung eines unentgeltlichen R echtsbeistands in der Per- son ihres R echtsvertreters beantragt. Auf die Begründung der R echtsbegehren w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. G . M it Verfügung vom 11. M ai 2005 w ies der Instruktionsrichter der AR K das G esuch um Beiordnung eines unentgeltlichen R echtsbeistands ab. H insichtlich des G esu- ches auf Erlass der Verfahrenskosten w urde auf einen späteren Zeitpunkt verw ie- sen. H . D as Bundesam t hielt in der Vernehm lassung vom 27. M ai 2005 an seiner Verfü-4 gung fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. D iese Stellungnahm e w urde den Beschw erdeführern am 6. Juni 2005 zur Kenntnis gebracht. I. Am 10. Juli 2007 w urde dem R echtsvertreter zur Einreichung einer Kostennote Frist angesetzt. D er R echtsvertreter reichte diese am 11. Juli 2007 per Fax zu den Akten. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Ver- w altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Be- hörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängig gew esenen R echtsm ittel. D as neue Verfahrensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; die Beschw erdeführer sind legitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. 3.1 G em äss Art. 2 Abs. 1 AsylG gew ährt die Schw eiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person anerkannt, w enn sie in ihrem H eim at- staat oder im Land, w o sie zuletzt w ohnte, w egen ihrer R asse, R eligion, N ationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestim m ten sozialen G ruppe oder w egen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften N achteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen N achteilen ausgesetzt zu w erden. Als ernsthafte N achteile gel- ten nam entlich die G efährdung von Leib, Leben oder Freiheit sow ie M assnahm en, die einen unerträglichen psychischen D ruck bew irken; den frauenspezifischen 5 Fluchtgründen ist R echnung zu tragen (Art. 3 AsylG ). 3.2 W er um Asyl nachsucht, m uss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zum in- dest glaubhaft m achen. D iese ist glaubhaft gem acht, w enn die Behörde ihr Vor- handensein m it überw iegender W ahrscheinlichkeit für gegeben hält. U nglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich w idersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeb- lich auf gefälschte oder verfälschte Bew eism ittel abgestützt w erden (Art. 7 AsylG ). 4. 4.1 D ie Vorinstanz hielt in ihrer Verfügung fest, die Aussagen des Beschw erdeführers hinsichtlich der geltend gem achten Bedrohung durch die Fam ilie der Beschw erde- führerin sow ie durch die KD P seien unsubstanziiert. W eiter sei nicht glaubhaft, dass die Beschw erdeführer in Kenntnis der Todesdrohungen noch m ehr als zw ei Jahre lang im N ordirak geblieben seien - dies entspreche nicht dem Verhalten von tatsächlich m it dem Tod bedrohten Personen. Ebenso realitätsfrem d erscheine das geschilderte Vorgehen der Fam ilie der Beschw erdeführerin und das Vorbringen, w onach einzig die verschiedene Stam m eszugehörigkeit U rsache der angeblichen Fam ilienfehde gew esen sei. H insichtlich des Todes des Vaters des Beschw erde- führers sei der Todesurkunde nicht zu entnehm en, dass dieser auf die behauptete Fehde zurückzuführen sei; dem D okum ent zufolge sei der Vater von Terroristen erschossen w orden. 4.2 In der Beschw erde w ird dagegen ausgeführt, die Beschw erdeführer seien letzt- m als M itte D ezem ber 1999 zu ihren Asylgründen befragt w orden. D ie Erstbefra- gungen in der Em pfangsstelle hätten dam als nicht einm al eine Stunde gedauert. D am it könne kaum von einer um fassenden Sachverhaltsabklärung gesprochen w erden. D ies gelte auch und m assgeblich für die Q ualität der kantonalen Befra- gungen. D ie Vorinstanz hätte im w ieder aufgenom m enen Verfahren ergänzende Abklärungen, nam entlich eine direkte Anhörung vornehm en m üssen, um so den Beschw erdeführern G elegenheit zu geben, sich ergänzend zum Sachverhalt zu äussern. Indem das Bundesam t seiner Abklärungspflicht nicht nachgekom m en sei, m üsse es sich vorw erfen lassen, einerseits die ungenügende Substanziierung m it- verschuldet, andererseits den Sachverhalt nicht hinreichend und um fassend abge- klärt zu haben. 4.2.1 D er Beschw erdeführer stam m e aus einer Fam ilie des P._______-Stam m es, der seit Jahrzehnten m it der PU K von D jalal Talabani - des heutigen Staatspräsidenten - verbündet sei. Im Alter von 18 Jahren habe der Beschw erdeführer sich der PU K angeschlossen. D ies habe w esentlich dazu beigetragen, dass die dem Stam m der M ._______ angehörende Fam ilie der Ehefrau diese Eheschliessung verurteilt und die Beschw erdeführer daher m it dem Tod bedroht habe. 4.2.2 D er Vater des Beschw erdeführers sei als w ichtiger H eerführer im N ordirak seit der G ründung der PU K in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts an zahlrei- chen bew affneten Auseinandersetzungen zw ischen PU K, KD P und dem R egim e von Saddam H ussein beteiligt gew esen. Im Jahr 1989 sei der Vater vom zentral-6 staatlichen R egim e festgenom m en und zur Zusam m enarbeit m it der irakischen Ar- m ee gezw ungen w orden, habe aber w eiterhin geheim e Kontakte zur PU K unterhal- ten. Seine Peshm erga sei beim kurdischen Aufstand im Jahr 1991 zu den Kurden übergelaufen und habe bei der Eroberung respektive Befreiung von K._______ eine w ichtige R olle gespielt. D er Vater habe danach seine Kom m andofunktionen in geringerer Intensität w eiter ausgeübt und sei im Juni 1998, nachdem er m ehreren Anschlägen entkom m en sei, in die Schw eiz gelangt. Im Jahr 2001 sei der Vater vom Schutzbereich der Flüchtlingskonvention ausgeschlossen w orden. D ie Ehe- frau und die gem einsam en m inderjährigen Kinder seien als Flüchtlinge anerkannt und ihnen sei Asyl gew ährt w orden. D er Vater des Beschw erdeführers habe in der Folge die Schw eiz w ieder verlassen, sei trotz der Sicherheitslage und eines schw eren H erzleidens in den N ordirak zurückgekehrt und habe ein Jahr lang unbe- helligt in F._______ gelebt. Etw a drei M onate vor seiner Erm ordung M itte Januar 2005 sei er an den angestam m ten W ohnsitz in K._______ zurückgekehrt. D ie Erm ittlungen hätten ergeben, dass es sich beim Anschlag auf den Vater um einen gezielten Akt gehandelt habe; die Täterschaft habe bis heute nicht erm ittelt w erden können. D ie diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz w ürden dem gegenüber den Eindruck verm itteln, es habe sich um einen U nfall oder ein Versehen gehandelt, w as vorliegend jedenfalls nicht zutreffe. Zudem sei festzuhalten, dass sich heute alle G eschw ister des Beschw erdeführers m it einer Ausnahm e nicht m ehr im Irak aufhalten w ürden, sondern in der Schw eiz oder in den N iederlanden als Flüchtlinge anerkannt w orden seien. Vor dem H intergrund dieser fam iliären H erkunft des Beschw erdeführers lasse sich auch das Verbot der Eheschliessung beziehungsw eise die dam it verbundenen D rohungen leichter verstehen. D iese seien als Ergebnis einer jahrzehntelangen politischen - allenfalls auch finanziellen - R ivalität der beiden Fam ilienverbände zu sehen. D ie Angehörigen des M ._______-Stam m es gehörten traditionell der KD P an und w ürden seit Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in steter Konkurrenz m it den der PU K verbundenen Stäm m en stehen. D ie Angaben der Be- schw erdeführer verm ittelten dabei entgegen der Auffassung der Vorinstanz den Eindruck eigenen Erlebens und w ürden durchaus logisch und plausibel sow ie m it den lokalen und regionalen Verhältnissen vereinbar erscheinen. D ie D rohungen der Fam ilie der Beschw erdeführerin sow ie die G efahr von Seiten der KD P seien insgesam t überw iegend w ahrscheinlich. Allfällige noch bestehende Zw eifel seien durch eine ergänzende Anhörung der Beschw erdeführer auszuräu- m en. 4.2.3 D ass die Beschw erdeführer trotz bekannter Todesdrohungen nach ihrer Ehe- schliessung w eiterhin im N ordirak geblieben seien, stehe einerseits in Zusam m en- hang m it der schw ierigen G eburt des ersten Kindes. Andererseits habe der Be- schw erdeführer bis zur Ausreise seines Vaters, der Stam m esführer der P._______ gew esen sei, auf dessen Schutz zählen können. D am it seien die Beschw erdefüh- rer bis M itte 1998 vor direkten Ü bergriffen der m it der KD P verbundenen Fam ilien- m itglieder der Beschw erdeführerin einigerm assen sicher gew esen. Zudem sei zu berücksichtigen, dass bis zum Einm arsch der alliierten Truppen im Frühjahr 2003 die H errschaftsbereiche von PU K und KD P klar getrennt gew esen seien, m ithin die 7 hochrangigen Führer und deren nächsten Angehörige im H errschaftsbereich der jew eiligen Parteien m ehr oder w eniger unbehelligt hätten leben können. N achdem sich die KD P und die PU K im H inblick auf die W ahlen des provisorischen Parla- m entes in adm inistrativen Belangen und im Sicherheitsbereich verbündet hätten, habe sich die G efährdungslage für die Beschw erdeführer m assiv gesteigert. Zu- dem habe die KD P seit 2003 ihren Einfluss im N ordirak erheblich konsolidieren und steigern können. So habe sie als lokalen R egierungschef einen M ._______ an die M acht bringen können. D er O nkel der Beschw erdeführerin sei m ittlerw eile (...) der KD P-Peshm erga gew orden; sein W ort habe Befehlsgew alt. D am it könnten dessen D rohungen gegen die Beschw erdeführer nicht nur als Ü bergriffe privater D ritter gesehen w erden, da dieser nicht nur Verw andter, sondern w ichtiges M itglied des M ._______-Stam m es und (...) der KD P sei. D iese Fakten habe die Vorinstanz nie zutreffend gew ürdigt. Insgesam t m üssten die befürchteten Ü bergriffe unter dem Aspekt der m angelnden Sicherheit im gesam ten N ordirak unter dem Titel "begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung" gew ürdigt w erden. D ie diesbezüglich geschilderte G efährdung sei nach dem M ordanschlag auf den Vater des Beschw erdeführers aktueller denn je. Zw ar sei die heutige Sicherheitslage im N ordirak deutlich besser als in den übrigen, früher zentralstaatlich regierten G ebieten. D ie Sicherheitskräfte, w elche sich aus Peshm erga-Verbänden der PU K und der KD P zusam m ensetzten, seien auch zur Schutzgew ährung verpflichtet. Indessen m üsse von einem m angelnden Schutzw illen respektive Schutzinteresse ausgegangen w erden, zum al in erster Linie die allgem eine Sicherheit und diejenige der staatlichen Funktionäre vorgehe. Vor diesem H intergrund könnten blosse Parteim itglieder selbst bei hohem G efährdungsrisiko keine Leibw ächter der PU K erhalten. Ausserdem könne nicht von einer funktionierenden Polizei und Justiz und dam it nicht von einem genügenden Sicherheitspotenzial ausgegangen w erden. D am it sei die körperliche Integrität der Beschw erdeführer ernstlich bedroht. Eine R ückkehr in den kurdisch dom inierten N orden sei ausgeschlossen; eine innerstaatliche Fluchtalternative sei ebenfalls nicht vorhanden. 4.2.4 D ie Vorinstanz habe sodann nicht einm al erw ähnt, dass der Beschw erdeführer zahlreiche, in der Schw eiz als Flüchtlinge anerkannte G eschw ister habe. So habe der Bruder Q ._______ (N _______) Asyl erhalten. Eine D urchsicht der Akten des Bruders w ürde aufzeigen, dass von zw ei Brüdern, die m it den selben G ründen der selben Situation zu unterschiedlichen Zeitpunkten entflohen seien, einer in der Schw eiz Asyl erhalten habe, der andere vorläufig aufgenom m en w orden sei. D am it habe die Vorinstanz den G rundsatz der G leichbehandlung verletzt. 4.3 N ach beantragtem Beizug der Verfahrensakten des Vaters R ._______ (N _______), des Bruders S._______ (N _______) und des Bruders Q ._______ ist bezüglich des Vorw urfs, die Vorinstanz habe bezüglich Q ._______ und dem Beschw erdeführer den G rundsatz der G leichbehandlung verletzt, festzustellen, dass nam entlich die Asylvorbringen des Bruders Q ._______ und des Beschw erdeführers sich inhaltlich nicht w irklich vergleichen lassen. Zw ar m achen beide geltend, w egen des politisch exponierten Vaters gefährdet und verfolgt w or- den zu sein. Q ._______ w ar jedoch selber zusätzlich exponiert, indem er als Vorsitzender des kurdischen Sicherheitsdienstes in K._______ tätig w ar, in dieser Funktion G eheim dienstaktivitäten entfaltete und dabei entlarvt w urde. Ein solches 8 politisches Profil w eist der Beschw erdeführer als einfaches M itglied der PU K nicht auf. Folglich kann nicht davon die R ede sein, die Vorinstanz habe im vorliegend zu beurteilenden Asylgesuch das G ebot der G leichbehandlung verletzt. 4.4 Zur Frage der G laubhaftigkeit der Vorbringen ist Folgendes festzustellen: N icht be- stritten ist, dass der Beschw erdeführer aus einer politischen Fam ilie stam m t. Ins- besondere der Vater w eist ein exponiertes Profil als hoher Funktionär der PU K auf, und der Bruder Q ._______ hat sich seinerseits politisch erheblich betätigt. Sodann erscheinen die Vorbringen glaubhaft, w onach die Beschw erdeführer w egen ihrer Eheschliessung in eine Fam ilienfehde geraten sind. D ass diese Eheschliessung zw ischen dem - dem L._______-Stam m angehörigen - Beschw erdeführer und der - dem Stam m der M ._______ angehörigen - Beschw erdeführerin für diese zu Schw ierigkeiten geführt hat, w ird nam entlich durch die Befragungsprotokolle im D ossier des Vaters bestätigt. Sow eit die Vorinstanz hier eine Verfolgung unter an- derem desw egen bezw eifelt, w eil die Beschw erdeführer trotz Bedrohungssituation noch über zw ei Jahre im N ordirak geblieben seien, verm ögen die diesbezüglichen Erklärungen in der Beschw erde diese Zw eifel plausibel auszuräum en. So ist nach- vollziehbar, dass die Beschw erdeführer sich unm ittelbar nach der Eheschliessung aufgrund der dam aligen Vorm achtstellung der PU K in K._______ sicher fühlen konnten, w eil der Vater des Beschw erdeführers ranghohes M itglied der PU K w ar. N ach dem Einm arsch der KD P in K._______ w ichen die Beschw erdeführer im August 1996 nach F._______ aus. Im (D atum ) w urde das erste Kind geboren, m ithin ist auch nachvollziehbar, dass die Beschw erdeführer (zunächst) in F._______ blieben, zum al sie sich hier im H errschaftsbereich der PU K befanden und daher w enigstens bis Septem ber 1998 - dem Zeitpunkt als die KD P und die PU K ein Abkom m en hinsichtlich eines Friedensschlusses schlossen - und in der ersten Zeit danach einigerm assen sicher fühlen konnten. Entgegen den vorinstanzlichen Ausführungen haben die Beschw erdeführer sodann nicht angegeben, einzig die verschiedene Stam m eszugehörigkeit sei U rsache der Fam ilienfehde gew esen. Vielm ehr hat nam entlich der Beschw erdeführer bei den m ündlichen Befragungen dargelegt, die Problem e seien sow ohl w egen des Vaters als auch w egen seiner Eheschliessung entstanden (vgl. Protokoll Em pfangsstelle, S. 4; Protokoll Frem denpolizei, S. 9). D ie aufgrund der H eirat entstandene Fam ili- enfehde ist gem äss Auffassung des Bundesverw altungsgerichts vorliegend insbe- sondere im Kontext der politischen Führungsfunktion des Vaters des Beschw erde- führers innerhalb der PU K zu sehen und gew innt vor diesem H intergrund w eiter- gehende Bedeutung. 4.5 4.5.1 Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung ist anzunehm en, w enn konkreter An- lass zur Annahm e besteht, letztere hätte sich - aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus- reise - m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verw irklicht und w erde sich - auch aus heutiger Sicht - m it ebensolcher W ahrscheinlichkeit in ab- sehbarer Zukunft verw irklichen. Eine bloss entfernte M öglichkeit künftiger Verfol- gung genügt nicht; es m üssen konkrete Indizien vorliegen, w elche den Eintritt der erw arteten N achteile als w ahrscheinlich und dem entsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. Entscheide und M ittei- lungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2004 N r. 1 E. 6a S. 9 9 m .w .H .; W ALTE R KÄLIN , G rundriss des Asylverfahrens Basel/Frankfurt a.M . 1990 S. 143 ff.). Begründete Furcht vor Verfolgung enthält eine subjektive und eine objektive Kom ponente. D ie subjektive Furcht vor Verfolgung m uss auch objektiv begründet sein, das heisst sie m uss angesichts der tatsächlichen Situation gerechtfertigt erscheinen. M assgebend für die Bestim m ung der begründeten Furcht ist allerdings nicht allein, w as ein durchschnittlich em pfindender M ensch angesichts der geschehenen oder drohenden Verfolgungsm assnahm en zu R echt em pfunden hätte. D iese rein objektive Betrachtungsw eise ist zusätzlich durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das W issen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. D abei hat derjenige, der bereits früher staatlicher Verfolgung ausgesetzt w ar, objektive G ründe für eine ausgeprägtere subjektive Furcht als jem and, der erstm als in Kontakt m it staatlichen Sicherheitskräften kom m t (vgl. EM AR K 1993 N r. 11 E. 4c S. 71 f.; 2000 N r. 9 E. 5a S. 78; AC H ER M AN N ALBER TO / H AU S AM M AN N C H R ISTIN A, H andbuch des Asylrechts, 2. Aufl., Bern/Stuttgart, 1991, S. 108). 4.5.2 Vor diesem H intergrund ist festzustellen, dass allein die geltend gem achte Fam ili- enfehde als solche w ohl nicht bereits zur Annahm e einer begründeten Furcht im oben erw ähnten Sinne führen, m ithin sich asylrechtlich nicht in relevanter W eise ausw irken w ürde. Vielm ehr w äre es den Beschw erdeführern diesbezüglich grund- sätzlich zum utbar gew esen, gegen allfällige N achstellungen seitens der Fam ilie der Beschw erdeführerin die zuständigen staatlichen O rgane um Schutz zu ersu- chen respektive die D rohungen dort zur Anzeige zu bringen. D iese Feststellung gilt selbst vor dem H intergrund des zw ischenzeitlich erfolgten "Schulterschlusses" zw i- schen der KD P und der PU K. D ie beiden kurdischen Verw altungseinheiten sind zw ar m ittlerw eile offiziell in den irakischen G esam tstaat integriert und Teil dessel- ben gew orden (vgl., auch zum Folgenden, EM AR K 2006 N r. 19 S. 208 ff.). D ie tat- sächlichen Verhältnisse haben sich jedoch kaum verändert. D em kurdischen N ord- teil des Landes w ird vom irakischen Staat w eitgehende Autonom ie zugestanden; w ährend w eniger w ichtige M inisterien bereits vereinigt w orden sind, bleiben na- m entlich Schlüsselm inisterien w ie Finanzen, Planung und insbesondere Staats- schutz und Polizei w ährend m indestens einer zw eijährigen Ü bergangsfrist noch im jew eiligen Autonom iebereich der KD P und PU K. In diesen kurdisch verw alteten G ebieten des N ordirak stellt sich zudem die Sicherheitslage im Vergleich zum übri- gen Staatsgebiet des Irak deutlich besser dar, w ohl nicht zuletzt deshalb, w eil dort ein relativ stabiles Sicherheitssystem von Polizei und G eheim dienst besteht. D iese O rganisationseinheiten sind bestrebt, ihre Bürger vor Ü bergriffen zu schützen res- pektive solche entsprechend zu ahnden. D am it hätten die Beschw erdeführer in F._______, w ohin sie sich im August 1996 begeben haben, dort w ohl w eiterhin hinreichend Sicherheit erw arten können. D iese Feststellung w ird dadurch bestätigt, dass selbst der Vater des Beschw erdeführers nach seiner freiw illigen R ückkehr Ende 2003 unbehelligt ein Jahr in F._______ leben konnte. Sodann könnte w ohl auch alleine aufgrund des persönlichen politischen H intergrunds des Beschw erdeführers nicht auf das Vorliegen einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung geschlossen w erden, zum al der Beschw erdeführer sich als einfaches M itglied der PU K nicht exponiert hat, seit 1996 im H oheitsgebiet dieser O rganisation leben konnte und dort nicht m it N achstellungen rechnen m usste. 4.5.3 H ingegen ist vorliegend in einer G esam tw ürdigung zu berücksichtigen, dass beide 10 Beschw erdeführer jew eils aus politischen Fam ilien stam m en, w obei diese Fam ilien in ihren D om änen m assgebenden Einfluss haben und/oder hatten. So ist respekti- ve w ar der Vater des Beschw erdeführers H eerführer im N ordirak und ranghohes Kaderm itglied der PU K. Er kehrte trotz vorläufiger Aufnahm e in den Irak zurück. In der Folge w urde er Anfang 2005 auf der R oute von Bagdad in den N ordirak O pfer eines Anschlages, w obei aufgrund der Akten davon ausgegangen w erden kann, dass es sich w ohl tatsächlich um eine gezielte und geplante Aktion gehandelt hat. W eiter hat ein politisch aktiver Bruder des Beschw erdeführers in der Schw eiz Asyl erhalten; die M utter und w eitere G eschw ister des Beschw erdeführers sind auf- grund des politisch-m ilitärischen Profils des Vaters in der Schw eiz ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt w orden und haben Asyl erhalten. Einzig ein Bruder des Be- schw erdeführers ist unter nicht völlig geklärten U m ständen vor Abschluss des erst- instanzlichen Asylverfahrens in den Irak zurückgekehrt. Vor dem H intergrund der jew eiligen fam iliären H erkunft der Beschw erdeführer, aufgrund der glaubhaft geschilderten Bedrohungen seitens des einflussreichen O nkels der Beschw erdeführerin, denen sie bereits im Jahr 1996 innerstaatlich aus- zuw eichen versuchten, sow ie angesichts des Anschlags auf den Vater des Be- schw erdeführers im Jahr 2005 w ird die von den Beschw erdeführern geäusserte (subjektive) Furcht vor künftiger Verfolgung im N ordirak aus flüchtlingsrechtlich re- levanten M otiven objektiv nachvollziehbar. Eine unter dem Sicherheitsaspekt valable innerstaatliche Fluchtalternative ist vor dem H intergrund der aktuellen Situation im G esam tstaat Irak nicht gegeben. 4.5.4 D ie Frage, ob der Bedrohung durch den O nkel der Beschw erdeführerin, w elcher (...) der KD P in K._______ ist, staatlicher C harakter zukom m t, kann angesichts der neuen R echtsprechung (vgl. G rundsatzurteil EM AR K 2006 N r. 18 zur Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure) offen bleiben. 4.6 Zusam m enfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschw erdeführer zu U nrecht verneint hat. D ie Beschw erdeführer haben glaubhaft gem acht, dass sie im Irak zukünftige asylrechtlich relevante Verfolgung in begründeter W eise befürchten m üssen. Sie erfüllen daher die Flüchtlingseigen- schaft. 4.7 Aus den Akten sind keine H inw eise ersichtlich, die auf einen Asylausschlussgrund schliessen lassen w ürden; den Beschw erdeführern ist nach dem G esagten Asyl zu gew ähren. 5. D ie Beschw erde ist gutzuheissen und die angefochtene Verfügung vom 4. April 2005 ist im Asyl- und W egw eisungspunkt aufzuheben. D ie Vorinstanz ist anzuw ei- sen, die Beschw erdeführer als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen in der Schw eiz Asyl zu gew ähren. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Beschw erdeverfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 Vw VG ). D as G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG w ird dam it gegenstandslos und es 11 ist darüber nicht zu befinden. 6.2 D ie Beschw erdeinstanz kann der ganz oder teilw eise obsiegenden Partei von Am - tes w egen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erw achsene notw endige und verhältnism ässig hohe Kosten zusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 Vw VG ). D er R echtsvertreter hat am 11. Juli 2007 eine angem essen erscheinende Kostennote eingereicht. D ie zu entrichtende Parteientschädigung w ird som it auf Fr. 2'150.-- (inkl. aller Auslagen und M ehrw ertsteuer) festgelegt. (D ispositiv nächste Seite)12 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D ie Verfügung des BFM vom 4. April 2005 w ird aufgehoben. 3. D as BFM w ird angew iesen, den Beschw erdeführern Asyl zu gew ähren. 4. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. D as BFM w ird verpflichtet, den Beschw erdeführern für das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2'150.-- zu entrichten. 6. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N ._______) - das Am t für M igration des Kantons J._______ ad (N um m er) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: M arkus König Eveline C hastonay