200 17 816 IV GRD/SCM/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 13. November 2017 Verwaltungsrichter Grütter, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Schütz Gerichtsschreiberin Schädeli A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 8. August 2017 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1961 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) meldete sich am 23. Mai 2014 unter Hinweis auf eine Arthrose bzw. chroni- sche Schmerzen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV, Antwortbeilagen [AB] 4). Im Rahmen der erwerblichen und medizinischen Abklärungen holte die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) insbesondere zwei Berichte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 30. November 2016 (AB 62) und 1. März 2017 (AB 69) sowie einen Abklärungsbericht Haushalt vom 31. März 2017 (AB 70) ein. Gestützt darauf stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 5. April 2017 (AB 71) bei einem Status von 47 % Erwerb und 53 % Haushalt sowie einem Invaliditätsgrad von 55 % die Zusprache einer vom 1. November 2014 bis 31. Juli 2015 befristeten halben Rente in Aussicht. Nach Prüfung des dagegen erhobenen Einwands (AB 75) inklusive Ein- gang einer (weiteren) Stellungnahme des Bereichs Abklärungen (AB 77) verfügte sie am 8. August 2017 (AB 79) wie vorbescheidweise angekün- digt. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, am 14. September 2017, Beschwerde. Sie lässt die folgenden Anträge stellen: 1. Die Verfügung vom 8. August 2017 der Eidgenössischen Invalidenversicherung, IV-Stelle des Kantons Bern, sei aufzuheben. 2. Das hypothetische Valideneinkommen von Frau A.________ sei auf der Basis von 100 % zu berücksichtigen und der Invaliditätsgrad sei dementsprechend für eine 100%ige Erwerbstätigkeit festzulegen. 3. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vervollständigung der Sachverhaltsfeststel- lungen an die Vorinstanz zurückzuweisen und der Invaliditätsgrad sowie der ent- sprechende Rentenanspruch seien nach den Erkenntnissen der ergänzten Ab- klärungen neu zu berechnen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 3 Am 22. September 2017 reichte die Beschwerdeführerin das mit der Be- schwerde in Aussicht gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein und beantragte, bis zum entsprechenden Entscheid sei von der Einholung eines Kostenvorschusses abzusehen und es sei ihr Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt beizuordnen. Mit Beschwerdeantwort vom 13. Oktober 2017 beantragt die Beschwerde- gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Erwägungen: 1. 1.1Die angefochtene Verfügung ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Verfügun- gen. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gege- ben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs- rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer- de einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 8. August 2017 (AB 79). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente und Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 4 dabei insbesondere, ob der medizinische Sachverhalt hinreichend abge- klärt wurde. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). In Streitigkei- ten, die weder von grundsätzlicher Bedeutung noch von grosser Tragweite sind, können sie auf dem Zirkulationsweg auch Mehrheitsbeschlüsse fas- sen (Art. 56 Abs. 5 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 5 sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 2.4Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenan- spruchs als auch anlässlich einer Rentenrevision stellt sich unter dem Ge- sichtspunkt von Art. 8 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditäts- bemessungsmethode (Art. 16 ATSG sowie Art. 28a Abs. 2 und 3 IVG). Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige oder als Nichterwerbstätige einzustufen ist – was je zur Anwendung einer ande- ren Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betäti- gungsvergleich, gemischte Methode) führt –, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine ge- sundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 141 V 15 E. 3.1 S. 20, 125 V 146 E. 2c S. 150). Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Er- werbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet wer- den könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 504 E. 3.3 S. 508). 3. 3.1Umstritten ist namentlich der Status der Beschwerdeführerin resp. der Umfang, in welchem sie als Gesunde erwerbstätig wäre (vgl. E. 2.4 hiervor). Während die Beschwerdegegnerin von einer hypothetischen Er- werbstätigkeit von 47 % und einem Haushaltsanteil von 53 % ausgeht (AB 70/6f., 77/2, 79/5), stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, sie wäre im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig (Beschwerde S. 2 f.). 3.2Anlässlich der Erhebung vom 31. März 2017 gab die Beschwerde- führerin gegenüber der Abklärungsperson an, dass sie im Gesundheitsfall zu 80 % bis 100 % arbeiten würde, aber wenn ihr jemand eine Stelle für ein 60%- oder 70%-Pensum anbieten würde, sie auch diese annehmen würde. Auf Wiederholung bestätigte sie, dass sie zwischen 60 % und 100 % arbei- ten würde, je nach Stelle. Die Tätigkeit bei der C.________ würde sie wahrscheinlich weiterhin ausüben, da es ihr gefallen habe und sie als Un- gelernte den ... Kurs habe machen dürfen. In der Jugendzeit sei es ihr Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 6 grösster Wunsch gewesen, eine Ausbildung als ... zu machen, aber sie habe keine Lehrstelle gefunden (AB 70/5). Gemäss den Angaben im Fra- gebogen für Arbeitgebende vom 12. Juni 2014 (AB 15) leistete die Be- schwerdeführerin im Jahr 2011 in der bei der C.________ seit Mai 2010 inngehabten Tätigkeit 484 Arbeitsstunden bzw. erzielte einen Jahresver- dienst von Fr. 13‘196.60, im Jahr 2012 bei 450 Stunden einen solchen von Fr. 12‘171.50 (AB 15/2, 15/4). Dies entspricht bei einer allgemeinen be- trieblichen Arbeitszeit von 41 Stunden pro Woche jeweiligen Pensen zwi- schen 20 % und 25 %. In der Zeit vom 1. Februar 2012 bis 31. Januar 2013 arbeitete die Beschwerdeführerin gemäss den weiteren Angaben der ehe- maligen Arbeitgeberin wöchentlich durchschnittlich 17.48 Stunden, was einem Pensum von gerundet 43 % entspricht (vgl. AB 15/3). Übereinstim- mend damit gab die Beschwerdeführerin anlässlich des Erstgesprächs bei der IV am 2. Juli 2014 an, dass die letzte Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 45 % (8 - 20 h/Woche) ausgeübt worden sei und ihr Pensum bei guter Gesundheit 50 % betragen würde (AB 18/1). Diese sogenannten sponta- nen "Aussagen der ersten Stunde" sind in der Regel unbefangener und zuverlässiger als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47, 115 V 133 E. 8c S. 143; RKUV 2004 U 515 S. 420 E. 1.2). Die Abklärungsperson würdigte die gesamten Umstände im Bericht vom 31. März 2017 (AB 70) umfas- send. In der Folge wurde auch in der im Rahmen des Einwandverfahrens eingeholten weiteren Stellungnahme des Bereichs Abklärungen vom 6. Juli 2017 zu Recht festgehalten, dass die Statusfrage ausführlich begründet worden sei und keine neuen Erkenntnisse vorlägen, welche zu einer ande- ren Beurteilung führten (AB 77/2). Insgesamt sind bezüglich des Status der Beschwerdeführerin keine klar feststellbaren Fehleinschätzungen der fach- lich kompetenten und sich näher am konkreten Sachverhalt befindlichen Abklärungsperson auszumachen, womit für das Gericht keine Veranlas- sung besteht, in deren diesbezügliches Ermessen einzugreifen (vgl. BGE 140 V 543 E. 3.2.1 S. 547, 130 V 61 E. 6.2 S. 63). 3.3Nach dem Dargelegten ist der von der Verwaltung angenommene Status mit einem Erwerbsanteil von 47 % und einem Haushaltsanteil von 53 % (AB 70/6f., 77/2, 79/5) nicht zu beanstanden. Damit ist die Invali-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 7 ditätsbemessung nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) vor- zunehmen. 4. 4.1In medizinischer Hinsicht stützte sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 8. August 2017 (AB 79) massgeblich auf die Einschätzungen der RAD-Ärztin Dr. med. D.________ (ehemals H.________), Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 30. November 2016 (AB 62) und 1. März 2017 (AB 69). 4.1.1Dr. med. D.________ führte im Bericht vom 30. November 2016 (AB 62) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen auf (AB 62/4): •Rotatorenmanschettenläsion, Bicepspathologie und AC-Gelenksarthrose beidseits mit : - Status nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion sowie Bicepstenotomie, Bur- sektomie und Acromioplastik sowie AC-Gelenksresektion rechts vom 7. Januar 2016 - Status nach arthroskopischer Rotatorenmanschettenrekonstruktion sowie Bi- cepstenotomie, Bursektomie und Acromioplastik mit AC-Gelenksresektion links vom 20. März 2015 Aktuell: •Verdacht auf Deltoideusruptur rechts (OP geplant) •Status nach Thrombose bzw. Thrombophlebitis im M. soleus rechts Weiter stellte sie diverse Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (AB 62/4f.). Es bestünden weiterhin Einschränkungen für die Beweglichkeit der oberen Extremitäten, insbesondere Abduktion und Rotation. Nach der Thrombose im rechten Unterschenkel seien Störungen des Gangbildes zu erwarten. In der angestammten Tätigkeit im ... könne ab 27. Juli 2015 nur noch eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von zuletzt 50 %, unterbrochen durch die neuerliche Operation vom 7. Januar 2016, angenommen werden. Es könne vollumfänglich auf die Einschätzung der behandelnden Spezialis- ten abgestellt werden. In einer angepassten, wechselbelastenden, vorwie- gend sitzenden Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten, ohne Zwangshaltungen wie Bücken, Knien oder Kauern, ohne Umwelteinflüsse Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 8 wie Zugluft, Kälte oder Nässe, ohne vorwiegende Überkopfarbeiten und ohne Handeinsatz auf Brusthöhe, ohne absturzgefährdete Arbeiten sowie Steigen auf Gerüsten, Leitern oder Dächern und ohne Schicht- und Fliess- bandarbeit bestehe sechs Wochen nach der Operation vom 20. März 2015 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Die beschriebenen persistierenden Be- schwerden an der rechten Schulter seien wohl zum einen gegebenenfalls auf einen im MRI vom 25. Juni 2016 sichtbaren Deltoideus-Defekt zurück- zuführen, der durch eine Überlastungsreaktion entstanden sein könne (AB 62/5). Zum anderen liessen die Berichte der behandelnden Ärzte auf eine mangelnde Compliance bezüglich der Einnahme von Schmerzmitteln schliessen, denn nach den lokalen Injektionen sei jeweils eine Schmerz- besserung angegeben worden. Es könne im Rahmen der Schadenminde- rungspflicht sicher erwartet werden, dass die Beschwerdeführerin die ver- ordneten schmerzlindernden Massnahmen wie Medikation und physikali- sche Therapie ausschöpfe, was von den behandelnden Spezialärzten des Spitals F.________ bereits mit Schreiben vom 25. Februar 2016 (vgl. AB 51) moniert worden sei. Bei Anwendung einer konsequenten Schmerz- therapie sei eine deutliche Besserung der Schmerzsituation innerhalb von 14 Tagen möglich (AB 62/6). 4.1.2Im Bericht vom 1. März 2017 (AB 69) diagnostizierte Dr. med. D.________ eine Sekundärruptur der Rotatorenmanschette rechts bei offe- ner Refixation des anterolateralen M. deltoideus am 17. Oktober 2016 so- wie einen Status nach subakutem Hirninfarkt des Mediastromgebietes am 14. Oktober 2016 rechts. Zum Bericht von Dr. med. E.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 1. Dezember 2016 (vgl. AB 66/6f.) führte die RAD-Ärztin aus, es wür- den keine dauerhaften funktionellen Einschränkungen beschrieben. Selbst nach dem Mediainfarkt vom 14. Oktober 2016 habe ein guter Zustand er- zielt werden können (AB 69/2). Das am 30. November 2016 formulierte Zumutbarkeitsprofil (AB 62/5 bzw. E. 4.1.1 hiervor) behalte weiterhin seine Gültigkeit. Es werde lediglich durch die Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der Operation der Schulter sowie des Schlaganfalls ausser Kraft gesetzt. Nach der Operation vom 17. Oktober 2016 (vgl. AB 67) sei eine dreimonatige Arbeitsunfähigkeit schlüssig, da es sich um einen Rezidiv-Eingriff gehandelt habe. Darüber hinaus sei bei komplikationslosem postoperativem Verlauf Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 9 keine weitere Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Die zeitnahe Therapie des Schlaganfalls habe zu einer Restitution geführt, so dass auf dieser Grund- lage keine Arbeitsunfähigkeit über den 28. Februar 2017 hinaus resultiere (AB 69/3). 4.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1). 4.2.1Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 4.2.2Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be- gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Glei- ches gilt, wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wieder- holt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Miss- trauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 10 scheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unpartei- lichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354). 4.2.3Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärzt- liches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichba- ren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165 E. 3.3.2). Soll allerdings ein Versicherungsfall ohne Einholung eines exter- nen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Insbesondere sind die von der versicher- ten Person aufgelegten Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte mitzuberücksichtigen. Wird die Schlüssigkeit der Feststellungen der versi- cherungsinternen Fachpersonen durch einen nachvollziehbaren Bericht eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, so genügt der pauschale Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung (BGE 125 V 351 E. 3a cc S. 353) nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Vielmehr wird das Gericht entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an den Versi- cherungsträger zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 135 V 465 E. 4.4 - 4.6 S. 469). 4.3Hinsichtlich der Zusammenfassung der Krankengeschichte führten die Ärzte des Spitals F.________ im Bericht vom 13. März 2014 (AB 23/10ff.) aus, die Beschwerdeführerin leide seit Juni 2013 unter zu- nehmenden Schmerzen in der linken Schulter. Es sei bereits sechs Mal infiltriert worden, worauf es jeweils zu einer sechs bis acht Wochen andau- ernden Besserung gekommen sei. Im rechten Daumengrundgelenk beste- he seit vier Jahren eine Arthrose, der Daumensattelgelenkersatz sei 2011 erfolgt (vgl. auch Operation vom April 2012 [AB 23/20]), seitdem bestünden intermittierend Schmerzen. Zudem würden seit Oktober 2013 Schmerzen in der rechten Schulter vorliegen. Insgesamt sei die Beschwerdeführerin im Alltag stark behindert, so dass sie ihre Erwerbstätigkeit im Juni 2013 habe aufgeben müssen (AB 23/12). Am 6. Oktober 2014 wurde die rechte Schul- ter operiert (AB 31/4), wobei sich der postoperative Verlauf gut gestaltete Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 11 (AB 31/2f., 37/3). Auch die Operation vom 20. März 2015 (AB 39/4f.) verlief problemlos (AB 39/6). Am 4. März 2015 erfolgte eine weitere Infiltration intraartikulär sowie des AC-Gelenks rechts (AB 47/5), wozu sechs Wochen postoperativ auf der linken Seite ein regelrechter Verlauf festzustellen war, bezüglich der rechten Schulter die Beschwerden aber nahezu wieder auf dem selben Niveau wie vor der Infiltration waren (AB 47/4). Zwei im Jahr 2015 innerhalb von zwei Monaten durchgeführte Infiltrationen der rechten Schulter brachten jeweils Linderung (AB 47/2). Am 7. Januar 2016 fand rechts ein weiterer operativer Eingriff statt (vgl. AB 52), wozu die Ärzte des Spitals F.________ sowohl am 25. Februar 2016 als auch am 15. April 2016 festhielten, dass weiterhin ausgeprägte Schmerzen vorhanden seien (AB 54/4, 54/6). Schmerzmittel nahm die Beschwerdeführerin bei diversen Unverträglichkeiten jedoch nicht ein (AB 54/6) und die von den Ärzten emp- fohlene Umstellung auf die hausinterne Physiotherapie lehnte sie ab (AB 54/5). Am 13. April 2016 wurde eine weitere Infiltration (rechts) vorge- nommen (AB 54/2), was zunächst (während ca. sechs Wochen [AB 57/4]) zu einer sehr guten Schmerzregredienz und entsprechend guter Beweg- lichkeit führte (AB 57/6). Im August 2016 bestanden bei Ruptur weiterhin ausgeprägte Schmerzen und die Indikation zu einer operativen Versorgung war gegeben (AB 57/2f.). Nach deren Vornahme am 17. Oktober 2016 (AB 67) waren im Dezember 2016 kaum mehr Schmerzen, jedoch noch ein deutliches Kraftdefizit vorhanden (AB 66/6f.); in der Zwischenzeit war aber ein Hirninfarkt hinzugetreten (vgl. AB 66/8, 66/11). Unter Würdigung der gesamten Umstände kann die von der RAD-Ärztin in einer angepassten Tätigkeit seit Mai 2015 – und lediglich unterbrochen durch eine dreimonatige Arbeitsunfähigkeit nach der Operation vom 17. Oktober 2016 – attestierte vollständige Arbeitsfähigkeit (AB 62/5, 69/3) nicht unbesehen übernommen werden. Dr. med. E.________, Spital F.________, bezeichnete die gesundheitliche Situation insbesondere bei Status nach Hirninfarkt (am 31. Oktober 2016 [vgl. AB 66/8, 66/11]) als kompliziert (AB 66/7). Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der behandeln- den Ärzte weicht von derjenigen der RAD-Ärztin ab. Einerseits bestehen Differenzen zu den vom Hausarzt Dr. med. G.________, Praktischer Arzt sowie Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, mehrfach bzw. langjährig attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeiten (vgl. AB 66/3, 75/7, 75/14-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 12 16, 75/19, 75/22-24, 75/26-28, 75/34-36), weiter aber auch zu der von den Ärzten der Neurologie des Spitals F.________ vom 4. November 2016 bis 14. Mai 2017 attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit (AB 75/5). Ande- rerseits führte auch der behandelnde Orthopäde Dr. med. E.________ die vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 29. November 2016 bis 26. Februar 2017 weiter (AB 66/7, vgl. auch AB 75/6). Gleichzeitig empfahl er eine min- destens dreimonatige Weiterführung der Physiotherapie zur sukzessiven Kräftigung (AB 66/7). Wie sich der Therapieverlauf und -erfolg hinsichtlich der Schulterbeschwerden, aber auch in Bezug auf den im Oktober 2016 erlittenen Hirninfarkt gestaltete, lässt sich den medizinischen Akten nicht entnehmen, womit derzeit keine abschliessende Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit möglich ist. 5. Nach dem Dargelegten ist der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung vom 8. August 2017 (AB 79) ist daher in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sa- che an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese zwecks Fest- legung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit und des Leistungs- profils eine (zumindest orthopädisch-neurologische) Begutachtung veran- lasse und anschliessend über den Rentenanspruch der Beschwerdeführe- rin neu befinde. Dabei wird sie allenfalls auch die Einschränkungen im Ab- klärungsbericht Haushalt vom 31. März 2017 (AB 70) neu zu prüfen haben. 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 13 Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). 6.2Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge- setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit- sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Nach der Rechtsprechung gilt es unter dem Gesichtspunkt des (bundesrechtlichen) Anspruchs auf eine Parteientschädigung im Streit um eine Sozialversicherungsleistung bereits als Obsiegen, wenn die versicher- te Person ihre Rechtsstellung im Vergleich zu derjenigen nach Abschluss des Administrativverfahrens insoweit verbessert, als sie die Aufhebung einer ablehnenden Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Ver- waltung zu ergänzender Abklärung und neuer Beurteilung erreicht (BGE 137 V 57 E. 2.1 S. 61). In der Kostennote vom 27. Oktober 2017 macht Rechtsanwalt B.________ für das vorliegende Verfahren einen zeitlichen Aufwand von 20.82 Stunden geltend. Im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen sowie unter Berücksich- tigung der fünf Seiten umfassenden Beschwerde, dem einfachen Schrif- tenwechsel sowie dem Umstand, dass Rechtsanwalt B.________ die Be- schwerdeführerin bereits im Einwandverfahren vertrat (vgl. AB 75), erweist sich dies als zu hoch. Mit Blick auf die Bedeutung und die Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens sowie in Anbetracht der in ver- gleichbaren Fällen gesprochenen Entschädigungen ist der Zeitaufwand ermessensweise auf 13 Stunden zu kürzen. Entsprechend ist die Parteien- tschädigung auf Fr. 3‘640.-- (13 Stunden x Fr. 280.--), zuzüglich Auslagen von Fr. 101.-- und die Mehrwertsteuer von Fr. 299.30 (8 % von Fr. 3‘741.-- ), insgesamt ausmachend Fr. 4‘040.30, festzusetzen. Diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu ersetzen. 6.3Bei diesem Verfahrensausgang ist das Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege dahingefal- len. Folglich ist das entsprechende Verfahren als gegenstandslos gewor- den vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben (MERKLI/AESCHLIMANN/HER- ZOG, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 39 N. 1).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Nov. 2017, IV/17/816, Seite 14 Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Bern vom 8. August 2017 aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 4‘040.30 (inkl. Auslagen und MWSt.), zu ersetzen. 4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben. 5. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.