<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 14 S.61</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">61</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>14</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 22 FZG; Art. 124, 148 Abs. 2 ZGB</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ist der Vorsorgefall nach Rechtshängigkeit des Scheidungsverfahrens und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>noch vor Erlass des Scheidungsurteils eingetreten, muss vom Scheidungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>richter eine Entschädigung i.S.v. Art. 124 ZGB festgelegt werden. Die Tei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lung der Freizügigkeitsleistungen ist diesfalls nicht mehr möglich und das</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Versicherungsgericht zur Festsetzung der Entschädigung nicht befugt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 16. Okto-</span><br/> <span class="ft3">ber 2007 i.S. T.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Ist bei einem oder beiden Ehegatten vor Rechtskraft des Schei-</span><br/> <span class="ft1">dungsurteils ein Vorsorgefall eingetreten, ist eine Teilung der Aus-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">62</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">trittsleistung unmöglich. Diesfalls ist eine angemessene Entschädi-</span><br/> <span class="ft1">gung geschuldet (Art. 124 Abs. 1 ZGB; Ueli Kieser, Ehescheidung</span><br/> <span class="ft1">und Eintritt des Vorsorgefalles der beruflichen Vorsorge - Hinweise</span><br/> <span class="ft1">für die Praxis, AJP 2001 157 f.). Die Höhe der Entschädigung ist</span><br/> <span class="ft1">vom Scheidungsrichter festzusetzen (unpubl. Urteil des Eidgenössi-</span><br/> <span class="ft1">schen Versicherungsgerichts [EVG] vom 23.</span> <span class="ft1">Februar 2006</span><br/> <span class="ft1">[B 131/04], Erw. 3.3 = SZS 2007 163).</span><br/> <span class="ft1">Der Vorsorgefall Invalidität gilt in dem Zeitpunkt als eingetre-</span><br/> <span class="ft1">ten, in welchem erstmals ein Anspruch auf eine Rentenleistung erho-</span><br/> <span class="ft1">ben werden kann; nicht massgebend ist somit der Beginn der Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">unfähigkeit (unpubl. Urteil des EVG vom 30. März 2005 [B 107/03]</span><br/> <span class="ft1">= SZS 2006 S. 141; Kieser, a.a.O., S. 157).</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall wurde das Scheidungsverfahren von den</span><br/> <span class="ft1">Parteien beim Bezirksgericht X. am 2. Juni 2004 anhängig gemacht.</span><br/> <span class="ft1">Das Scheidungsurteil wurde am 26. Januar 2006 gesprochen und ist</span><br/> <span class="ft1">am 18. Dezember 2006 in Rechtskraft erwachsen. Bezüglich Teilung</span><br/> <span class="ft1">der Guthaben der beruflichen Vorsorge kam im Scheidungsverfahren</span><br/> <span class="ft1">keine Einigung der Parteien zustande, sodass das Bezirksgericht das</span><br/> <span class="ft1">Teilungsverhältnis festlegte und die Sache sodann gemäss Art. 142</span><br/> <span class="ft1">ZGB zur betragsmässigen Festsetzung der zu teilenden Austrittsleis-</span><br/> <span class="ft1">tung an das Versicherungsgericht überwies.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Vorbescheid der IV-Stelle Bern vom 24. Mai 2007 mel-</span><br/> <span class="ft1">dete sich der Beklagte am 21. Juni 2005 zum Bezug von IV-Leistun-</span><br/> <span class="ft1">gen an. Das Gesuch wurde in dem Sinne behandelt, als eine ganze</span><br/> <span class="ft1">Invalidenrente für die Zeit vom 1. August 2005 bis 28. Februar 2007</span><br/> <span class="ft1">zugesprochen wurde. Der Vorsorgefall i.S.v. Art. 124 ZGB trat somit</span><br/> <span class="ft1">am 1. August 2005 ein (vgl. Erw. 2.2. vorstehend). Zu diesem Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt war das Scheidungsverfahren bereits hängig, jedoch noch kein</span><br/> <span class="ft1">Scheidungsurteil ergangen. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Ist der Vorsorgefall nach Rechtshängigkeit des Scheidungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens eingetreten, das Scheidungsurteil bei Zusprechung der Ren-</span><br/> <span class="ft1">tenleistungen aber bezüglich der Teilung der Austrittsleistungen be-</span><br/> <span class="ft1">reits formell rechtskräftig, so kann gestützt auf Art. 148 Abs. 2 ZGB</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">63</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die Revision des entsprechenden Teils des Scheidungsurteils verlangt</span><br/> <span class="ft1">werden (Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen Scheidungs-</span><br/> <span class="ft1">recht, Zürich 1999, N 6 zu Art. 124 ZGB). Wurde die Teilung der</span><br/> <span class="ft1">Austrittsleistungen im Scheidungsverfahren nicht mittels Vereinba-</span><br/> <span class="ft1">rung zwischen den Parteien festgelegt sondern liegt nur eine vom</span><br/> <span class="ft1">Gericht autoritativ bestimmtes Teilungsverhältnis vor, fehlt es an ei-</span><br/> <span class="ft1">nem formell rechtskräftigen Urteil betreffend einer zahlenmässigen</span><br/> <span class="ft1">Teilung der Austrittsleistungen, so dass die Prozessüberweisung an</span><br/> <span class="ft1">das Versicherungsgericht nötig wird (Art. 122 und 141 f. ZGB). Ist</span><br/> <span class="ft1">der Vorsorgefall vor Erlass des Scheidungsurteils eingetreten, so</span><br/> <span class="ft1">fehlte es im Grunde genommen an der Voraussetzung für eine Pro-</span><br/> <span class="ft1">zessüberweisung. Wäre der Eintritt des Vorsorgefalls im Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">des Scheidungsverfahrens bereits sicher gewesen, so hätte von Amtes</span><br/> <span class="ft1">wegen eine angemessene Entschädigung nach Art. 124 Abs. 1 ZGB</span><br/> <span class="ft1">festgesetzt werden müssen. Somit ist davon auszugehen, dass die</span><br/> <span class="ft1">Prozessüberweisung hinfällig wird und über die angemessene Ent-</span><br/> <span class="ft1">schädigung ein Nachverfahren vor dem nach Art. 135 Abs. 1 ZGB</span><br/> <span class="ft1">zuständigen Gericht durchzuführen ist (Sutter/Freiburghaus, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">N 10 zu Art. 124 ZGB).</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Vornahme der</span><br/> <span class="ft1">Teilung der Austrittsleistung aufgrund des beim Beklagten am 1. Au-</span><br/> <span class="ft1">gust 2005 eingetretenen Vorsorgefalles unmöglich. Auf telefonische</span><br/> <span class="ft1">Nachfrage teilte die Pensionskasse Y. mit, das Freizügigkeitskonto</span><br/> <span class="ft1">des Beklagten sei nunmehr gesperrt und es könne keine Auszahlung</span><br/> <span class="ft1">mehr vorgenommen, d.h. keine Durchführbarkeitserklärung abgege-</span><br/> <span class="ft1">ben werden; dies unbesehen davon, dass die IV eine befristete Invali-</span><br/> <span class="ft1">denrente zugesprochen habe.</span><br/> <span class="ft1">Da der Vorsorgefall nach Rechtshängigkeit des Scheidungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens und noch vor Erlass des Scheidungsurteils eingetreten ist, ob-</span><br/> <span class="ft1">liegt es dem Scheidungsrichter, über die Entschädigung i.S.v.</span><br/> <span class="ft1">Art. 124 ZGB zu befinden; das Versicherungsgericht ist hiezu nicht</span><br/> <span class="ft1">befugt (vgl. unpubl. Urteil des EVG vom 23. Februar 2006</span><br/> <span class="ft1">[B 131/03], Erw. 3.3.). (...) Da die Teilung unmöglich geworden ist,</span><br/> <span class="ft1">d.h. vom Versicherungsgericht nicht vorgenommen werden kann, ist</span><br/> <span class="ft1">die Klage abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>