BRKE IV Nr. 0126/2005 vom 11. August 2005 in BEZ 2005 Nr. 45 Am 5. Juni 2001 bewilligte die Baubehörde X der A AG den Neubau einer Aut o- waschanlage mi t 6 Plätzen und 4 Staubsaugerplätzen im 24 -Stunden-Betrieb. Die fragliche Anlage liegt in der viergeschossigen Wohnzone mit Gewerbeerleic hterung W4G, angrenzend an eine dreigeschossige Wohnzone mit Gewerbeerleic hterung WG3. In beiden Zonen gilt die Empfind lichkeitsstufe III. Auf Klagen eines Nachbarn hin überprüfte die Baubehörde nach Inbetriebnahme der Autowaschanlage die davon ausgehenden Emissionen und beschränkte die Betriebszeiten mit Beschluss vom 20. Januar 2005 wie folgt: Montag bis Freitag: 06.00 bis 22.00 Uhr Samstag, Sonntag und öffentliche Ruhetage: 07.00 bis 19.00 Uhr Die A AG erhob hiergegen Rekurs und beantragte bezüglich der Betriebszeiten folgende Änderung des angefochtenen Beschlusses: Montag bis Samstag: 06.00 bis 22.00 Uhr Sonntag und öffentliche Ruhetage: 07.00 bis 21.00 Uhr Aus den Erwägungen: 4. Ortsfeste Anlagen dürfen nur errichtet werden, wenn die durch diese Anl agen erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten (Art. 25 Abs. 1 des Umweltschutzgesetz es, USG, und Art. 7 Abs. 1 lit. b der Lär m- schutzverordnung, LSV). Die Planungswerte ergeben sich vorliegend aus Anhang 6 LSV über den Industrie - und Gewerbelärm in Verbindung mit der Festlegung der Empfindlichkeitsstufe im Zonenplan. Sodann gebietet das Vo rsorgeprinzip, dass die Lärmimmissionen einer neuen ortsfesten Anlage so weit zu b egrenzen sind, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tra gbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG und Art. 7 Abs. 1 lit. a LSV). Bei dem am 5. Juni 2001 unter Au flagen bewilligten Waschcenter ha ndelt es sich um eine neue Anlage, die sich an den Planungswerten zu messen hat. Die d a- mals bestehenden Waschboxen der alten Anlage hinter dem Gebäude F-Strasse 21a wurden umgenutzt (Staubsaugerplätze, Toilettenanlage, Kios kerweiterung), und a n- stelle des südwestlich davon gelegenen Schopfes mit den Staubsaugerplätzen wu r- de ein neues Gebäude mit 6 Waschboxen errichtet. Die bauliche Ausgestaltung wu r- de total neu konzipiert. Auch die lärmmässige Ausrichtung gegenüber den umlieg en- den Wohngebäuden hat sich eingreifend verändert. Eine abstrakte Garantie auf den Bestand einer Waschanlage auf dem Baugrundstück gibt es nicht. Es lag offensich t- lich keine Änderung einer vor Inkrafttreten der Lär mschutzverordnung am 1. April - 2 - 1987 bestehe nden Anlage vor, welche nur dem Vorsorgeprinzip bzw. den Immiss i- onsgrenzwerten unterworfen wäre (Art. 8 LSV). Dem seinerzeit von der Bauher r- schaft zwecks Nachweises der Einhaltung der Planungswerte eingeholten Lärmgu t- achten der B AG vom 7. August 2001 lag denn auch keine andere Auffassung zugrunde. Die vom Lärmgutachten getrennt ausgewiesenen, aufgrund von Messu n- gen bei der bestehenden Anlage eingesetzten Mittelungspegel für die einzelnen B e- triebsvorgänge (Waschanlage mit sechs Boxen, Manöver - und Wegfahrge räusche) wurden um die Korrekturfaktoren erhöht und energetisch addiert. (Den Geräuschen der Staubsaugeranlage wurde kein Einfluss auf den Beurteilungspegel der lärmem p- findlichen Räume beigemessen, da sie durch das Gebäude abgedeckt würden.) Es ergaben sic h nach dem Gu tachten unter Berücksichtigung der Abstandsdämpfung für den massgebenden, von den Waschboxen zwischen 41 und 47 m entfernten B e- urteilungspunkt (Gebäude des Beigeladenen) ermittelte Werte von 56 dB(A) am Tag bzw. 49 dB(A) während der Nacht. Nac h dieser Lärmprognose wurden die massg e- benden Planungswerte Tag (07.00 bis 19.00 Uhr) von 60 dB(A) und Nacht (19.00 bis 07.00 Uhr) von 50dB(A) respektiert. In der Folge wurde der 24 -Stunden-Betrieb der neuen Waschanlage erlaubt, die Anlage realisiert und der Betrieb aufgenommen. 5. Auf Interventionen des Beigeladenen hin unterzog die Baubehörde die von der Autowaschanlage ausgehenden Emissionen einer erneuten Prüfung und schränkte schliesslich mit dem angefochtenen Beschluss die Betriebszeiten ein. Das wegen der Lärmklage von der Bauherrschaft wiederum bei der B AG eingeholte (E r- gänzungs-)Gutachten vom 21. September 2004 kommt nun aufgrund von Messu n- gen zu einem Beurteilungspegel von 52.2 dB(A) für die Nachtperiode. Es wurde eine durchgehende Messung zwische n 18.00 und 07.10 Uhr vorgenommen. Die mes s- technische bzw. messmethodische Schwierigkeit besteht vorliegend in den verschi e- denen Fremdgeräuschen. So fällt neben den Immissionen der Autowaschanlage permanenter Strassenve rkehrslärm sowie der Lärm von den Zug sdurchfahrten auf dem nahe gelegenen Trassee der SBB an. Eine weitgehe nde Ausblendung des Strassenlärms konnte durch die Positionierung des Mikr ofons an der Ostfassade statt an der der Strasse zugewandten Südfassade des betro ffenen Gebäudes mit dem nahezu identischen Aspektwinkel zu den zu untersuchenden Lärmquellen e r- reicht werden. Hinzu kommt, dass das Areal oftmals (auch während der Messungen) als Treffpunkt benutzt wird und dadurch der Pegel verfälscht werden kann. Aus di e- sem Grund konnte die aus der Sc halldruckpegel-/Zeitmessung ermittelte Betriebszeit von 608 Minuten nicht eindeutig der Aut owaschanlage zugeordnet werden. Es wurde deshalb trotz einer durchgehenden Messung eine Pegelkorrektur K4 veranschlagt. Die Betriebszeit wurde aufgrund der Zählerabl esungen an der Waschanlage und e i- nes Zuschlages von 16 Prozent für die Zu- und Wegfahrten auf ca. 350 Minuten wäh- rend der Nachtperiode festgesetzt, woraus eine Korrektur von 3.1 dB(A) resultiert. 6. Das Gutachten erscheint insgesamt durchaus aussagekräftig und schlüssig. Der gemessene Wert deckt sich in etwa mit dem prognostizierten. Die Diff erenz von 3.2 dB(A) zwischen dem berechneten und den auf Messungen vor Ort während des Betriebes basierend Wert rührt zur Hauptsache aus der Nichtberüc ksichtigung einer Pegelkorrektur K2 von 2 dB(A) für schwach hörbaren Tongehalt beim (Teil - )Beurteilungspegel Waschanlage im ersten Gutachten. Der Betrag der Pegelkorrekturen K2 (Tongehalt des Lärms, Ziffer 33 Abs. 2 A n- hang 6 LSV) und K3 (Impulsgehalt des Lärms, Ziffer 33 A bs. 3 A nhang 6 LSV) ist - 3 - abhängig von der Hörbarkeit von Reintönen bzw. von Impulsen (Schlägen) im eigent- lichen Geräusch am Immissionsort. Mit den Zuschlägen, welche die Werte +2, +4 oder +6 annehmen können, soll versucht werden, eine störungsgerechte Beurt eilung vorzunehmen. Dabei kommt der Vollzugsbehörde ein erheblicher Ermessensspie l- raum zu. Die vom Lärmkläger seinerzeit angerufene Abteilung Gewerbepolizei/ Lärmb e- kämpfung der Stadt X setzt in ihrem Bericht über Lärmmessungen vom 19. Septe m- ber 2003 für di e Tonhaltigkeit der durch das Druckwasser verursachten Zischgerä u- sche einen Zuschlag für Tonhaltigkeit von 4 dB(A) ein. In der Tabelle auf Seite 2 oben ist allerdings versehentlich ein Wert von 2 dB(A) aufgeführt. Das ausgewiesene Rechenergebnis von 50.1 d B(A) stimmt jedoch nur, wenn entsprechend der textl i- chen Erläuterungen mit einem Korre kturwert von 4 dB(A) operiert wird. Ebenso wird im vom Beigeladenen in Auftrag gegebenen Gutachten C vom 2. Juni 2004, welches zu einem Beurteilungspegel Nacht von 58.1 d B(A) gelangt, mit dem nämlichen Z u- schlag – jedenfalls in der Nacht – gerechnet (am Tag wird ein Zuschlag von nur 2 dB[A] eingesetzt). Grundsätzlich gilt, dass grosse Pegelkorrekturen für den Inform a- tionsgehalt der Störung nur in begründeten Fällen veransch lagt werden, da der I n- dustrie- und Gewerbelärm durch den allgemeinen Ko rrekturfaktor K1 von 5 dB(A) schon vorbelastet ist. Typischerweise hohe Pegelko rrekturen von 4 oder 6 dB(A) für den Tongehalt ergeben sich bei Quietschgeräuschen oder bei Motorsägen ode r Frä- sen. Ein Zuschlag für Tongehalt von 2 dB(A) entspricht im Übrigen gängiger Praxis bei Autowaschanlagen und trägt dem Lärmtypus ausreichend Rechnung. 7. Trotz allem ergibt sich somit aufgrund des Gutachtens der Bauherrschaft bei einer durchgehenden Öf fnung des Betriebes ein Nachtwert über dem Pl anungswert. Daran dürfte auch die verfügte, unbestrittene Reduktion der Öffnung szeiten nichts ändern. Entscheidend für den Beurteilungspegel ist nämlich die reine B etriebszeit, d.h. die Zeitspanne, während der d ie Anlage Lärm emittiert, und nicht die Öffnung s- zeit. Nur wenn sich die auf die Nachtperiode verteilte Waschzeit (inkl. Zu - und Weg- fahrten) von heute 350 Minuten aufgrund der Reduktion der Öf fnungszeit drastisch verringern würde, wirkte sich dies auf den Beurteilungspegel massgebend aus. In der Zeitspanne zwischen 22.00 und 06.00 Uhr werden offensichtlich nur wenige Fah r- zeuge gewaschen. Eine Reduktion des Beurteilungspegels Nacht um 3 dB(A) b e- dingte aber eine Halbierung der gesamten Waschzeit zwischen 19.00 und 07.00 Uhr, eine zu einer exakten Einhaltung des Planungswertes fü hrende Reduktion um 2.2 dB(A) erforderte immer noch eine Verringerung der Waschzeit um 40 Prozent. Es kann nach den Angaben der Rekurrentin über die Frequentierung der Anlage, welche sich mit den Erhebungen des Beigelad enen decken, ausgeschlossen werden, dass zwischen 22.00 und 06.00 Uhr die Hälfte der Waschzeit anfällt. Vielmehr muss damit gerechnet werden, dass sich ein Teil der Kundschaft an die eingeschränkten Öf f- nungszeiten anpasst und der Ausfall partiell in den Abendstunden kompensiert wird. Es bestehen ernsthafte Anhaltspunkte dafür, dass der Planungswert Nacht auch mit den verfügten Betriebszeiteneinschränkungen (leicht) übe rschritten wird, wobei zu berücksichtigen ist, dass jedes Gutachten – auch wenn es auf Messungen basiert – mit gewissen Restunsicherheiten behaftet ist.- 4 - 8. Zu den beiden anderen, bereits erwähnten Gutachten bleibt Folgendes zu erwähnen: Der Bericht über Lärmmessungen der Gewerbepolizei ist wenig umfa s- send. Als G rundlage dient eine 12 -minütige Messung bei der dem Beigeladenen nächst gelegenen Waschbox. Danach ergibt sich bei einer Nachtbetriebszeit bzw. Laufdauer von 37 Minuten ein Beurteilungspegel von 50.1 dB(A) bzw. bei korre kter Veranschlagung einer Pegelkorre ktur K2 (To ngehalt) von 2 (statt 4) dB(A) ein Wert von nur noch 48.1 dB(A). Die übrigen Lärmquellen werden nicht miteinbez ogen. Das Gutachten ist unzureichend. Demgegenüber weist das vom Lärmkläger in Auftrag gegebene Gutachten C e i- nen Beurteilungspegel Na cht von 58.1 dB(A) aus. Es wurde zunächst ein Mitte lwert gebildet zwischen drei Messungen, während denen eine, zwei bzw. drei Waschb o- xen in Betrieb waren. Hernach folgten die üblichen Korrekturen, wobei für den To n- gehalt ein um 2 dB(A) zu hoher Zuschlag er folgte und die Zeitkorrektur aufgrund e i- ner durchschnittlichen nächtlichen Gesamtbetriebsdauer auf 168 Min uten errechnet wurde. Es liegen keine Angaben vor, inwieweit der Strassenlärm ausgeblendet wu r- de. Weiter ist der gewählten Methode entgegenzuhalten, d ass prinzipiell Teilbeurtei- lungspegel der einzelnen Lärmquellen nach Massgabe der LSV zu ermitteln sind und diese anschliessend energetisch zu addieren sind. Dies bedeutet insbesondere, dass jede Waschboxe einzeln zu gewichten ist (Emission und Korrekturfa ktor für Betriebs- dauer dieser Box). Zu bemerken bleibt, dass die Expertisen sehr unterschiedliche Beurteilungsp e- gel Nacht ergeben haben {B AG [Prognose]: 49 dB(A), B AG [Schallpegelmessu n- gen]: 52.2 dB(A), Gewerbepolizei: 50 dB(A), C: 58.1 dB(A)}. Weitere U ntersuchun- gen und Analysen der Gutachten können indessen unterbleiben, da sich b ereits auf Grund des Gutachtens der Betreiberin ein Wert ergibt, der die Massna hmen der Baubehörde rechtfertigt. 9. Die aufgezeigten Mechanismen sowie die ermittelten Werte ver anschauli- chen, dass die gesetzlichen Planungswerte durchaus sinnvoll auf Industrie - und Ge- werbebetriebe zugeschnitten sind. Waschanlagen der vorliegenden Art können den Planungswert Tag in der Empfindlichkeitsstufe III auch im Umfeld von Wohnba uten zumeist problemlos einhalten, wogegen der um 10 dB(A) tiefere Nachtwert nur bei einer Kumulation von günstigen Annahmen und einem nicht allzu intensiven Aben d- betrieb respektiert werden könnte. Falls auf lärmempfindliche Räume in der näheren Umgebung Rücksicht zu nehmen ist, erweist sich ein Abendbetrieb vielfach als pro b- lematisch, von einem 24-Stunden-Betrieb ganz zu schweigen. 10. Zudem ist neben den Planungswerten das Vorsorgeprinzip nicht ausser Acht zu lassen. Das Verwaltungsgericht hat in einem Präzedenzfall den Abendbetrieb e i- ner Waschanlage mit drei Selbstbedienung swaschboxen, einem LKW -Waschplatz und drei Staubsaugerplätzen in Y trotz Einhaltung der Planungswerte gestützt auf das Vorsorgeprinzip untersagt (VB.2001.00111 vom 12. September 2001, www.vgrzh.ch). Zur Begründung führte das Gericht aus, die Planungswerte (Em p- findlichkeitsstufe II) seien nur knapp eingehalten, das Waschcenter grenze an eine Wohnzone und die Umgebung sei bereits durch Strassen -, Eisenbahn- und Gewer- belärm stark belastet. Zudem wurde sogar der Sonntagsbetrieb generell verboten, da dann auf ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis der Bevölkerung Rücksicht zu nehmen sei.- 5 - (In der Folge differenziert die BRK IV hinsichtlich des Beginns der Nachtphase zwischen den verschiedenen Lärmarten und hält fe st, dass ein den Tageswe rten entsprechender Gewerbelärm nach 19.00 Uhr nicht mehr toleriert werden kö nne. Die Zulassung des Abendbetriebes bis 22.00 Uhr und des Frühbetriebes ab 06.00 Uhr unter der Woche durch die Baubehörde sei als eher grosszügig zu we rten, wogegen das Verbot des Abendbetriebes an Samstagen und Sonntagen sowie des Frühb e- triebes an Samstagen nicht zu beanstanden sei.)