B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4016/2013 U r t e i l v o m 24 . S e p t e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Juni 2013 / N (…). D-4016/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin in Begleitung von B._______, ihrem heutigen Ehemann und damaligen Verlobten, die Türkei am 4. beziehungsweise 5. Oktober 2010 und gelangte am 6. Okto- ber 2010 ille gal in die Schweiz, wo sie am 7. Oktober 2010 ein Asylge- such stellte. B. Am 20. Oktober 2010 fand die Befragung zu Person (Kurzbefragung) statt. Dabei machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei türkische Staatsangehörige und stamme aus C._______. Ihre Mutter sei ethnische Kurdin, ihr Vater ethnischer Türke. Sie sei von ihrer Familie unter Druck gesetzt worden, weil sich diese ihrer geplanten Vermählung mit B._______, welcher in der Schweiz über eine Niederlassungsbewilligung C verfüge, widersetzt habe. C. Das BFM trat mit Verfügung vom 30 November 2010 eröffnet am 2. Dezember 201 gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein, ord - nete die Wegweisung nach Österreich an und forderte die Beschwerd e- führerin auf, die Schweiz sofort zu verlassen. Mit Eingabe vom 9. Dezember 2010 liess die Beschwerdeführerin gegen diese Verfügung Beschwerde erheben. D. Am 31. Dezember 2010 hat die Beschwerdeführerin B._______ in der Schweiz geheiratet. E. Mit Urteil des Bundesverwaltungsger ichts D-8478/2010 vom 23. Februar 2011 wurde die Beschwerde gutgeheissen, die Verfügung des BFM vom 30. November 2010 aufgehoben und die Vorinstanz angewiesen, das na- tionale Asylverfahren wieder aufzunehmen. F. Nach der Wiederaufnahme des nationalen Asylverfahrens fand am 7. No- vember 2011 die Anhörung der Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen statt. D-4016/2013 Seite 3 G. Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie habe B._______ im Dezember 2009 heiraten wollen. Ihre Familie habe ihr eine Heirat wiederholt verweigert und insb e- sondere auch mehrmals die entsprechenden Anfragen von B._______ Familie abschlägig beschieden. Darüber hinaus sei sie von mehreren Familienangehörigen, namentlich von ihrem Bruder, geschlagen und mit dem Tod bedroht worden, als sie sich gegen dieses Verbot gewehrt habe. Angesichts dieser Umstände habe sie sich veranlasst gesehen, ihre F a- milie und die Türkei zu verlassen und zu B._______ in der Schweiz zu gelangen. Ende September 2010 habe sie sich auf dem Luftweg von C._______ nach D._______ begeben, von wo aus sie am 5. Dezember 2010 in Begleitung von B._______ über Österreich in die Schweiz gelangt sei. Im Falle einer Rückkehr in die Türkei befürchte sie , von ihrer Familie getötet zu werden, weil sie durch ihre Heirat deren Traditionen missachtet habe. Zum Nachweis ihrer Identität sowie ihrer türkischen Staatsangehörigkeit reichte die Beschwerdeführerin ihren türkischen Reisepass (ausgestellt am 28. April 2010 in C._______) sowie ihre türkische Identitäts karte (ausgestellt am 16. Juni 2010 in E._______ ) zu den Akten. H. Am 11. April 2012 kam die Tochter F._______ in der Schweiz zur Welt , welcher am 22. November 2012 von der zuständigen kantonalen Behörde eine Niederlassungsbewilligung erteilt wurde. I. Mit Verfügung vom 21. Mai 2013 lehnte das BFM das Asylgesuch ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Vorbringen der Be - schwerdeführerin hielten zum einen den Anforderungen an die Glaubhaf- tigkeit gemäss Art. 7 AsylG , zum anderen denjenigen an d ie Flücht - lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Im weiteren hielt das BFM im Hinblick auf die Ehe mit einem türkischen Staatsangehörigen mit Niederlassungsbewilligung "C" fest, der Entscheid über den weiteren Auf- enthalt oder eine allfäl lige We gweisung der Beschwerdeführerin falle in die Zuständigkeit der kantonalen Migrationsbehörden. J. Am 30. Mai 2013 teilte die zuständige Migrationsbehörde dem BFM mit, der von der Beschwerdeführerin erhobene Rekurs gegen die erstinstan z-D-4016/2013 Seite 4 liche Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung sei bereits mit Entscheid des kantonalen Sicherheits - und Justizdepartements vom 27. November 2012 rechtskräftig abgewiesen worden (vgl. A58/10; A59/1). Gleichzeitig ersuchte die zuständige Migrationsbehörde das BFM, die Wegweisung der Beschwerdeführerin im Rahmen des Asylverfahrens zu prüfen (vgl. A59/1). K. Infolgedessen hob das BFM mit Verfügung vom 3. Juni 2013 seinen Ent - scheid vom 21. Mai 2013 auf und nahm das erstinstanzliche Verfahren wieder auf. L. Mit Verfügung vom 13. Juni 2013 – eröffnet am 15. Juni 2013 – lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz an und erachtete den Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich. Zur Begründung wurde mit den inhaltlich gleichen Erwägungen wie in der ursprünglichen Verfügung vom 21. Mai 2013 au s- geführt, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten teils den Anford e- rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, teils denjen i- gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. M. Mit Eingabe vom 15. Juli 2013 an das Bundesverwaltungsgericht liess die Beschwerdeführerin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl b e- antragen. Eventualiter sei die Unzulässi gkeit, allenfalls die Unzumutba r- keit der Wegweisung festzustellen und als Folge davon sei der B e- schwerdeführerin die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e-D-4016/2013 Seite 5 hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist dah er zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Aus- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die B eschwerde führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formge recht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände - rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind ode r begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirk en. Den frauenspezifi- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-D-4016/2013 Seite 6 geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Das BFM führte zur Begründung seines Entscheides zunächst aus, die einschlägigen Schilderungen der Beschwerdeführerin würden insge - samt schematisch erscheinen. So habe ihr die Familie nie einen Grund für die Verweigerung der Heirat gegeben, und die Bes chwerdeführerin wolle sich bei ihrer Familie nie nach einem Grund erkundigt haben. Eine derartige Schilderung erscheine unrealistisch. Es sei vielmehr anzuneh - men, dass die Beschwerdeführerin, die in der Grossstadt C._______ auf- gewachsen und wohnhaft gewesen sei, sich mit Sicherheit zumindest nach dem Grund für die Verweigerung erkundigt hätte. Auch die Schild e- rungen der näheren Umstände der heimlichen Treffen mit ihrem Verlobten während seiner Aufenthalte in der Türke i seien unsubstanziiert ausgefa l- len. Ausserdem lasse sich die gesamte Schilderung der Reisevorbe - reitungen nicht mit einer heimlichen Flucht aus dem Familienverband vereinbaren. Darüber hinaus habe sie sich in Begleitung ihrer Mutter, die sie mittler weile eingeweiht habe, nach G._______ begeben, um ein V i- sum zu erhalten. Da ihre diesbezüglichen Bemühungen fehlgeschlagen seien, sei sie in G._______ mit einem Schlepper in Kontakt getreten, der ihr in der Folge ein gefälschtes Visum besorgt habe. Alsdann sei sie allein und direkt ab C._______ geflogen, was für eine reiseungewohnte und aus ihrem Fa milienverband fliehende Person eher unwahrscheinlich e r- scheine. Schliesslich will die Beschwerdeführerin B._______ erst im Nachhinein von D._______ aus über ihre Flucht orientiert haben, was aufgrund der gesam ten Umstände als ausgesprochen unwahrscheinlich zu qualifizieren sei Da ihren Famili enangehörigen offenkundig bekannt gewesen sei, dass B._______ in der Schweiz wohnhaft sei, und dieser Umstand auf eine erhöhte "Fluchtge fahr" hingedeutet hätte, sei davon auszugehen, dass ihr Reisevorbereitungen, insbesondere die Aufgabe ih- rer Arbeitsstelle, wohl kaum unbemerkt geblieben wären. Angesichts des- sen seien die einschlä gigen Vorbringen der Beschwerd eführerin als in s- gesamt unglaubhaft zu bewerten. 3.2 Zudem seien die Vorbringen der Beschwerdeführerin als asylrechtlich unbedeutsam zu qualifizieren. Bei den sie behelligenden Familienang e- hörigen handle es sich nämlich um P rivate ohne einen Bezug zu staatli -D-4016/2013 Seite 7 chen Stellen. Die Beschwerdeführerin hätte in der Stadt C._______ je- derzeit die Möglichkeit gehabt, zuständige Polizei - oder Behördenstellen oder sons tige geeignete Institutionen (wie etwas Frauen häuser) um Schutz zu ersuchen, was sie indessen unterlassen habe. Die verschiede- nen zuständigen türkischen Behördenstellen seien heutzutage gerade auch gegenüber derartigen Fragestellungen sensibilisiert. Der be hördli- che Schutzwille und die behördliche Schutzfähigkeit seien in diesem Licht klarerweise zu bejah en. Dies gelte insbesondere auch für die rasch wachsende und sich in einem raschen gesellschaftlichen Wandel befin - dende Stadt C._______. Zudem wäre die Beschwerdeführerin keine s- wegs auf sich allein gestellt, zumal ihr Ehemann, der sie bereits in D._______ abgeholt habe, als Inhaber der Niederlassungsbewilligung "C" gegebenenfalls jederzeit von der Schweiz aus in die Türkei hätte reisen können, um die Beschwerdeführerin in ihren Bemühungen zu unterstüt - zen. Diese verfüge zudem über eine innerstaatliche Fluc htalternative, um allfälligen erneuten Übergriffen ihrer Familienangehörigen in C._______ zu entgehen. So wäre es ihr jederzeit möglich, sich in einer anderen türki- schen Grossstadt niederzulassen. Somit sei keine begründete Furcht der Beschwerdeführerin ersichtlich. Die Beschwerdeführerin verfüge zudem über eine gute schulische und berufliche Ausbildung, welche ihr gegebe - nenfalls eine Eingliederung an einem beliebigen Ort in der Türkei weiter - hin erleichtern würde. 4. In der Beschwerde wird der von der Bes chwerdeführerin vorgetragene Sachverhalt wiederholt und, unter Bestreitung der Argumente in der vo - rinstanzlichen Verfügung, dessen Glaubhaftigkeit beteuert. Die Be- schwerdeführerin sei gezwungen gewesen, ihr Heimatland zu verlassen, weil sie wegen der beab sichtigten Heirat mit ihrem heutigen Ehemann von ihrer Familie mit dem Tod bedroht worden sei. Sobald ihre Beziehung bekannt geworden sei, sei sie von ihrer Familie in "Hausarrest" gehalten worden, bis sie eine günstige Gelegenheit benützt habe, um "abzuhauen" (sic); dadurch habe sie gegen die Regeln verstossen, die sie nach Sitten und Gebräuchen ihres Heimatlandes niemals hätte verletzen dürfen. D a- mit habe sie die Ehre ihrer Familie verletzt. Es wird auf das Schicksal e i- ner Cousine der Beschwerdeführerin, H._______, verwiesen, welche sich in einer ähnlichen Situation befunden habe und von ihrer eigenen Familie umgebracht worden sei, nachdem sie ihr Elternhaus verlassen und hei m- lich zu ihrem Freund in D._______ gezogen sei. D-4016/2013 Seite 8 Im Weiteren wird die Auffassung de r Vorinstanz bestritten, wonach die Beschwerdeführerin gegen Bedrohungen durch ihre Familie behördlichen Schutz hätte in Anspruch nehmen können. Es sei eine bekannte Tatsa - che, dass in der Türkei jährlich Hunderte von Frauen dem Ehr enmord zum Opfer fielen. 5. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist die Einschätzung durch die Vorinstanz zu bestätigen, sowohl was die Unglaubhaftigkeit der Vorbrin - gen als auch deren asylrechtliche Unerheblichkeit betrifft. 5.1 Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, ist es überhaupt nicht plausibel und unrealistisch, dass die Familie gegen die Verbindung der Beschwer- deführerin mit dem aus dem gleichen Dorf stammenden B. _______ ein- gestellt gewesen sei, ohne dass sie ihr einen Grund für die Ablehnung angegeben hätte, und dass es der Beschwerdeführerin nicht einmal in den Sinn gekommen wäre, ihre Eltern nach dem Grund für die Ablehnung zu fragen. Schon dies allein legt den Schluss nahe, dass es sich um eine erfundene Geschichte handel t. Dieser Schluss wird verstärkt durch die wenig plausiblen Umstände, wie die Beschwerdeführerin ihre angeblich heimliche (allerdings trotzdem mit Hilfe ihrer Mutter organisierte) Ausreise schilderte. Gleiches gilt für die Schilderung der Beschwerdeführerin ihrer angeblichen heimlichen Treffen mit ihrem heutigen Ehemann, welche, wie die Vorinstanz zu Recht bemerkt, keinerlei Realkennzeichen aufweist. Es kann auf die Einzelheiten in der Begründung der angefochtenen Verfü - gung verwiesen werden. 5.2 Soweit auf Bes chwerdeebene geltend gemacht wird, den türkischen Behörden fehle es sowohl an Schutz - als auch an Willensfähigkeit , die von (häuslicher) Gewalt betroffenen Frauen vor ihren Peinigern zu schüt - zen, ist Folgendes festzuhalten: Im Jahr 1990 wurden die offizie ll als "Gästehäuser" bekannten Frauenhäuser in der Türkei eröffnet, um Hilfe für Opfer von häuslicher verbaler, emotionaler, wirtschaftlicher, sexueller oder körperlicher Gewalt zu bieten. Die Einrichtungen sind bemüht, die Frauen derart zu stärken, dass s ei am Ende wirtschaftliche Unabhängig - keit erlangen können und helfen auch bei der Lösung psychologischer oder sozialer Probleme mit denen sich die Hilfesuchen den konfrontiert sehen (vgl. www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de > Häusliche Gewalt in der Türkei: Rund 11.000 Frauen in staatlicher Obhut, vom 3. Dezember 2012, aufgerufen am 12. August 2013). Das Ministerium arbeitet am Aus- bau der Infrastruktur, um sicherzustellen, dass in jeder türkischen Provinz D-4016/2013 Seite 9 mindestens eine dieser Zufluchtstätte n vorhanden ist. Mit Stand vom 19. November 2012 betrug die Anzahl der türkischen Frauenhäuser 76 (vgl. a.a.O). Auf dem 30. Kongress über die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau in der Türkei (CEDAW) sagte Fatma Şahin, die türkische Familienministerin, dass die Aktionen gegen diejenigen, die Ge- walt gegen Frauen anwenden würden, verstärkt worden seien (vgl. www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de> Familienministerin Şahin: "Häusliche Gewalt ist schlimmer als Rassismus", vom 3. November 2012, aufgerufen am 12. August 2012). Im Jahr 2011 hat die Türkei eine neue europäische Konvention unterzeichnet, mit welcher der Europarat konkret gegen häusliche Gewalt vorgehen will. Die neue europäische Konvention soll Frauen besser vor Gewalt und häuslichen Übergriffen schützen. Die entsprechenden Übereinkunft wurde bei einem Aussenministertreffen des Europarates von 13 Staaten unterzeichnet, unter anderem von Deutsc h- land, Österreich und der Türkei. In dem Dokument verpflichten sich die Staaten erstmals auf ein konkretes Vorgehen gegen häusliche Gewalt (vgl. www.zeit.de > Gesellschaft > Neue Konvention > Europarat be - kämpft Gewalt gegen Frauen, vom 11. Mai 2011 , aufgerufen am 12. Au - gust 2013). Dass die Türkei die Konvention in den Verhandlungen unter- stützt und unterzeichnet hat, gilt als Erfolg (vgl. a.a.O.). So wird denn auch die Konvention von Menschenrechtlern als bahnbrechend be - zeichnet. Ein Vertreter der Organi sation "Human Righs Watch" sagte, es handle sich dabei um das erste, rechtliche verbindliche internationale Do- kument, das einen übergreifenden rechtlichen Rahmen zur Bekämp fung von Gewalt gegen Frauen schaffe (vgl. a.a.O.). Anfang März 2012 wurde in der Türkei ein Gesetz verabschiedet, das Frauen besser vor häuslicher Gewalt schützen soll. Die wichtigste Neuerung dieses Geset zes ist, dass alle Frauen unabhängig von ihrem Beziehungsstatus An recht auf Schutz haben. Ausserdem soll die Polizei nun schneller auf Anzeigen und Hilf e- gesuche durch Betroffene reagieren (vgl. www.big-berlin.info > BIG news- letter Ausgabe 33 // Juni 2012 > Türkei > Neues Ge setz zum Schutz vor häuslicher Gewalt, aufgerufen am 12. August 2013). Ausserdem wurden unter dem Gesetz 6284 über die Verhütung von Ge walt gegen Frauen vorbeugende Massnahmen gegen häusliche Gewalt und Missbrauch g e- regelt (vgl. www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de > Häusliche Gewalt in der Türkei: Rund 11.000 Frauen in staatli cher Obhut, vom 3. Dezember 2012, aufgerufen am 12. August 2013), aufgerufen am 12. August 2013). Zudem wurden unter diesem Gesetz 14 neue Zentren zur Gewaltpräve n- tion und Überwachung (ŞÖNIM) geschaffen, weitere seien geplant, und bis Ende dieses Jahres sollten jede Provinz über eines dieser Zentren verfügen (vgl. a.a.O.). D-4016/2013 Seite 10 Auch wenn es, wie in der Beschwerde vorgebracht und an sich nicht zu bestreiten ist, in der Türkei nach wie vor häufig Ehrenmorde geschehen, so bedeutet dies keineswegs, dass die von bedrohten Frauen innerfamili- ären Übergriffen völlig schutzlos ausge liefert wären. Vielmehr zeigt sich gemäss vorstehenden Ausführungen, dass die türkischen Behörden en t- schlossen sind, gegen das Phänomen der Ehrenmorde effektiv vorzug e- hen und dass sie grundsätzlich auch in der Lage sind, Schutz zu gewä h- ren. Daran vermag au ch der Hinweis auf den Fall einer gewissen H._______ nichts ändern, zumal ohnehin nicht belegt ist, dass es sich bei dem angeblichen Opfer eines Ehrenmordes tatsächlich um eine Verwand- te der Beschwerdeführerin handelt. Entgegen den anderslautenden Au s- führungen auf Beschwerdeebene ist somit in Übereinstimmung mit der Vorinstanz vom behördlichen Schutzwillen und der behördlichen Schut z- fähigkeit auszugehen. Es kann im Übrigen auch hierzu auf die zutreffe n- den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung der Vorins tanz verwie- sen werden. 5.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es de r Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, dass sie in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG erlitten hat, solche bei der Ausreise zu befürchten hatte oder bei einer Rückkehr in die Türkei befürchten müsste. Sie erfüllt somit die Voraussetzungen zur Zuerken - nung der Flüchtlingseigenschart nicht, weshalb die Vorinstanz ihr Asylbe- gehren zu Recht abgelehnt hat. Es erübrigt sich deshalb, auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe sowie die eingereichten Be - weismittel im Einzelnen einzugehen, da sie an obiger Erkenntnis nicht zu ändern vermögen. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 6.2.1 Die Beschwerdeführerin ist seit dem 31. Dezember 2010 mit einem türkischen Staatsangehörigen verheiratet, der im Besitze ei ner Niederlas- sungsbewilligung "C" ist. Damit v erfügt sie grundsätzlich ü ber einen An- spruch auf Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung (vgl. Art. 42 Abs. 2 und Art. 43 Abs. 1 AuG). Nach ständiger Praxis (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der ehemaligen Schweizer i-D-4016/2013 Seite 11 schen Asylreku rskommission [EMARK] 2001 Nr. 21 E. 8.d ), fallen die konkrete Beurteilung des geltend gemachten Anspruchs und damit auch der Entscheid über die Wegweisung in die Zuständigkeit der kantonalen Migrationsbehörden. 6.2.2 Mit Entscheid vom 23. August 2011 hat die zuständige kantonale Behörde der Beschwerdeführerin die Frage eines Anspruchs auf eine Auf- enthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzuges geprüft und die Erteilung einer solchen verweigert. Mit Entscheid des Sicherheits - und Justizdepartementes des Kantons St. Gallen vom 27. November 2012 wurde ein gegen diesen Entscheid erhobener Rekurs abgewiesen. Dieser Entscheid ist von der Beschwerdeführerin offenbar nicht weitergezogen worden. Somit ist die Frage eines Anspruchs auf Aufenthaltsberechtigung verbindlich entschieden (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 S. 178 f.), und damit auch in präjudizieller Weise die Frage der Wegweisung und der Zulässig- keit des Wegweisungsvollzugs unter dem Aspekt von Art. 3 EMRK. Die Wegweisung wurde demnach von der Vorinstanz zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewei - sen, wenn der strikte Beweis möglich is t, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder ei nen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 D-4016/2013 Seite 12 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konve ntion vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zu treffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be- schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in d ie Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in d ie Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127, mit weiteren Hinweisen). Auch di e allgemeine Menschenrechtssituation i n der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Was die Zulässigkeit des Vollzugs unter dem Aspekt von Art. 8 EMRK betrifft, kann auf das in E. 6.2.2 hiervor gesagte verwiesen werden. D-4016/2013 Seite 13 7.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. In der Türkei herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb in kon- stanter Praxis von einer generellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll - zugs dorthin ausgegangen wird. Auch besteht aufgrund der Akten kein Grund zur Annahme, die Beschwerdeführerin gerate im Falle einer Rück - kehr in die Türkei aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation, die den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen liesse. Die Be- schwerdeführerin verfügt über eine 12-jährige Schulbildung und hat vor ihrer Ausreise als Coiffeuse gearbeitet. Ihre gute schulische und berufli - che Ausbildung wird ihr gegebenenfalls eine Eingliederung in der Türkei erleichtern, wo sie gestützt auf die mit ihrer Staatsangehörigkeit verbu n- denen Niederlassungsfreiheit an jedem beliebigen Ort Wohnsitz nehmen kann. In Bezug auf ihre familiäre Konstellation ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz anzumerken, dass die zuständigen kantonalen Behörden das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzuges umfassend und insbesondere unter dem Aspekt von Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Me n- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) geprüft und rech ts- kräftig abgelehnt haben. Infolge der materiellen Rechtskraft des kanton a- len Entscheids konnte dieser Aspekt nicht mehr Gegenstand einer erne u- ten Beurteilung im Rahmen des vorinstanzlichen sowie des vorliegenden Verfahrens sein ("res iudicata"). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-4016/2013 Seite 14 7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefoc htene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist abzuweisen. 9. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist angesichts des vorliegenden Entscheids in der Hauptsache gegenstands- los geworden. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge - samt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4016/2013 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bendicht Tellenbach Ulrike Raemy Versand: