BRKE I Nr. 564/1992 vom 15. Mai 1992 in BEZ 1992 Nr. 25 Die Vorinstanz hat nebenbestimmungsweise statuiert, dass die W ohnungen im streitbetroffenen Mehrfamilienhaus nich t mehrheitlich nach dem Sektor Nor d- ost/Nordwest orientiert werden dürfen. 3. b) Gemäss § 301 Abs. 1 PBG (in der Fassung vom 1. September 1991) dür- fen Wohnräume von Meh rzimmerwohnungen gesamthaft mit den gesetzlich nötigen Fenstern nicht mehrheitlich gegen den Sektor Nor dost/Nordwest gerichtet sein. Aus dem Wortlaut und dem Zweck der Bestimmung ergibt sich, dass sich deren Erfüllung einzig nach der geographischen Orientierung der W ohnzimmerfenster bestimmt. Die Anordnung der Räume selber spielt dabei keine R olle und lässt sich denn auch im Gegensatz zu derjen igen der Fenster nicht eindeutig definieren. Das vorinstanzliche Verbot der mehrheitlichen Orientierung der W ohnungen nach dem Sektor Nor d- ost/Nordwest kann daher nur als Verbot einer derartigen Anordnung der Fensterflä- chen verstanden werden. Im vorliegenden Falle sind auf jedem der drei Vollgeschosse des Mehrfamilie n- hauses je eine 2 -Zimmer-, 3 -Zimmer- und 4 -Zimmerwohnung geplant. Die 3-Zimmerwohnungen sind im nordwestlichen Gebäudeteil vorgesehen. Die in d en Bauplänen als Wohn- und Essräume bezeichneten Zimmer weisen eine Bodenfläche von 23 m 2 und eine Fensterfläche von 7,50 m 2 auf. Als Fenster dienen zum e inen kleinflächige Öffnungen in der Nordostfassade und zur Hauptsache verglaste sü d- westseitige Zugänge zu den Terrassen in den unteren Geschossen bzw. zum Balkon im obersten Geschoss. Aus der Überlegung, dass unter den "gesetzlich nötigen Fenstern" nicht deren Anzahl, sondern deren Gesamtfläche zu verstehen ist, welche gemäss § 302 Abs. 2 PBG wenigstens ei nen Zehntel der Bodenfläche zu betragen hat, erfüllen die W ohn- und Essräume der geplanten 3 -Zimmerwohnungen mit dem grosszügigen Terrassen - bzw. Balkonzugang auf der Südwestseite die Vorausset- zung von § 301 Abs. 1 PBG ohne weiteres. Die beiden anderen Zimmer weisen eine Bodenfläche von 11 bzw. 14 m 2 und eine Fensterfläche von je 1,4 m2 auf. Jedes die- ser Zimmer soll über zwei gleich grosse gegen Nordosten gerichtete Fen ster verfü- gen. c) Von der altrechtlichen Fassung (vom 7. September 1975) unterscheidet si ch der neurechtliche § 301 Abs. 1 PBG insofern, als nicht mehr W ohn- und Schlafräu- me von der Beschränkung erfasst werden, sondern nurmehr die Wohnräume allein. Mit dieser Modifizierung sollte die Möglichkeit geschaffen werden, Schlafräume auch im Sektor Nordost/Nordwest einzurichten, wo sie vielfach besser vor Lärm geschützt - 2 - sind (vgl. Protokoll der Kommission zur Beratung des Berichtes und Antrages des Regierungsrates vom 11. Oktober 1989 betreffend die Änderung des Planungs- und Baugesetzes, S. 314). Gege n die Herausnahme der Schlafräume aus dem Schut z- bereich von § 301 PBG scheint auch die Vorinstanz an sich keine Bedenken zu h a- ben. Die Überlegungen des Gesetzgebers, dass bei den überwiegend in der Nacht genutzten Schlafräumen dem Lärmschutz eine grössere Bedeutung zukommt als der ausreichenden Besonnung, sind denn auch überzeugend. W ie die Rekurrenten ric h- tig bemerken, kann durch diese Lockerung überdies die Anordnung immissionrech t- licher Massnahmen erleichtert (vgl. Art. 31 Abs. lit. b LSV) und die Erhalt ung von Wohnraum gesichert werden (vgl. § 6 lit. b des Gesetzes über die Erhaltung von Wohnraum für Familien und § 7 der dazugehörigen Verordnung). Die Vorinstanz b e- fürchtet vielmehr, die individuelle Benutzung der einzelnen Räume durch die jeweil i- gen Bewohner könnte zu einer Aufhebung oder Minderung der Schutzwirkung dieser Vorschrift führen. Diese Gefahr bestehe dann, wenn die einzelnen Räume nicht ihrer in den Bauplänen umschriebenen Funktion gemäss genutzt würden. So könne es geschehen, dass die mehrhei tlich gegen Nordost/Nordwest gerichteten Räume in den Bauplänen zwar als Schlafzimmer bezeichnet wür den, den Bewohnern in Wahr- heit jedoch ausschliesslich oder zumindest nebenbei zu W ohnzwecken dienten. Der Umgehung von § 301 Abs. 1 PBG könne nur so entgege ngewirkt werden, dass als Wohnräume im Sinne dieser Bestimmung alle Räume angesehen würden, die nicht als Küche oder Sanitärräume ausgestaltet seien, mithin auch die Schlafräume. Die Möglichkeit, die W ohnräume widerrechtlich der Schutzwirkung von § 301 Abs. 1 PBG zu entziehen, bestand bereits nach altem Recht, da die Fensterflächen der Wohn- und Schlafräume nicht im einzelnen, sondern nur gesamthaft nicht meh r- heitlich nach dem Sektor Nordost/Nordwest gerichtet sein durften. So war es zulä s- sig, die Fensterfl ächen der W ohnräume mehr - oder sogar ganzheitlich nach dem Sektor Nordost/Nordwest auszurichten, sofern die übrigen nicht nach diesem Sektor gerichteten Fensterflächen der W ohn- und/oder Schlafräume mehr als die Hälfte der gesetzlichen Gesamtminimalfläche ausmachten. In den meisten Fällen wurde diese Konstellation allerdings durch die Grösse oder Ausrüstung der ei nzelnen Räume verhindert, welche deren Funktion zum voraus bestimmten. Auch unter der Her r- schaft des neuen Rechts wird die von der Vorinstanz befü rchtete Umgehung von § 301 PBG aus dem gleichen Grund auf wenige Einzelfälle beschränkt sein. Die Wohnungen werden in der Regel so konzipiert, dass die grösseren Räume zu Wohnzwecken und die kleineren als Schlafzimmer dienen sollen. Die Zweckbesti m- mung der einzelnen Räume kann sich aber auch aus ihrer Anordnung ergeben, so etwa wenn der offene Zugang zwischen zwei Räumen deren Funktion als W ohn- und Esszimmer geradezu aufdrängt. Überdies werden die W ohnräume oftmals durch z u- sätzliche Besonderheiten oder spe zielle Ausrüstungsgegenstände wie z.B. den vo r- gelagerten Gartensitzplatz, den Balkon, die Terrasse oder das eingebaute Ch eminee als solche charakterisiert. In allen diesen Fällen wird der Bauherr oder Arch itekt, im Wissen um die entsprechende n Wünsche der Wohnungsbenutzer, die für W ohn- zwecke vorgesehenen Räume von vornherein gegen die sonnigere W est- oder Süd- seite anordnen. Auch im vorliegenden Fall ist die Funktion der einzelnen Räume in den 3-Zimmerwohnungen durch deren Grösse und das Vorhandensein einer Terras- se bzw. ' eines Balkons von vornherein bestimmt. Da der W ohnungsbenutzer im Normalfall kein Interesse an der Umgehung von § 301 PBG hat, bietet die Bene n- nung der einzelnen Räume in den Bauplänen somit in der wei taus grössten Zahl der - 3 - Fälle ausreichend Garantie für die Erhaltung der der Norm innewohnenden Schut z- funktion. Für die Ausdehnung des Begriffes "W ohnräume" auf die Schlafzimmer, wie dies die Vorinstanz für unentbehrlich hält, besteht daher weder eine gesetzliche Grundlage, noch drängt sie sich a us Gründen der Praktikabilität auf. W ürde der A n- sicht der Vorinstanz beigepflichtet, käme dies der Aufhebung der im Zuge der Rev i- sion vom 1. September 1991 erfolgten Änderung von § 301 Abs. 1 PBG gleich. D a- mit würde auf dem W ege der Gesetzesanwendung die altrechtliche Regelung wieder eingeführt und die vom Gesetzgeber angestrebte Lockerung im nachhinein veru n- möglicht. d) Die geplanten 3-Zimmerwohnungen erfüllen somit die Voraussetzungen von § 301 Abs. 1 PBG, weshalb der Rekurs in diesem Punkte gutzuheissen ist.