B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5155/2021 U r t e i l v o m 2 1 . J a n u a r 2 0 2 2 Besetzung Richterin Chiara Piras (Vorsitz), Richterin Constance Leisinger, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Elia Menghini, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Rechtsverzögerung / Rechtsverweigerung (Wiedererwä- gungsverfahren) / N (…). D-5155/2021 Seite 2 Sachverhalt: I. A. A.a A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) ersuchte am 24. September 2015 um Asyl in der Schweiz. Mit Verfügung des SEM vom 19. Oktober 2017 wurde sein Asylgesuch abgewiesen und gleichzeitig die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug angeordnet. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6939/2017 vom 3. Juni 2019 abgewiesen. A.b Mit Eingabe vom 30. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer ein Wie- dererwägungsgesuch beim SEM ein, welches mit Verfügung vom 13. Au- gust 2019 abgewiesen wurde. Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4671/2019 vom 22. Oktober 2019 wurde d ie gegen den Wiedererwägungsentscheid erhobene Be- schwerde ebenfalls abgewiesen. II. B. B.a Am 6. September 2021 reichte der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertret ung – ein weiteres Wiedererwägungsgesuch beim SEM ein. Er beantragte, es sei auf das Wiedererwägungsgesuch ein- zutreten und die Dispositivziffern 4 und 5 der ursprünglichen vorinstanzli- chen Verfügung vom 19. Oktober 2017 in Wiedererwägung zu ziehen, und es sei festzustellen, dass für das Wiedererwägungsverfahren r elevante, massgebliche neue Beweise und Umstände entstanden seien. Der Vollzug der Wegweisung sei auszusetzen und es sei während der Dauer des Ver- fahrens auf Vollzugsmassnahmen zu verzichten. Weiter seien die Vollzugs- behörden anzuweisen, bis zum rech tskräftigen Entscheid über das Wie- dererwägungsgesuch von einer Überstellung nach Afghanistan abzuse- hen. Sodann sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung nach Af- ghanistan unzulässig sei oder, eventualiter respektive subeventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar oder unmög- lich und der Beschwerdeführer vorläufig in der Schweiz aufzunehmen sei. Im Wiedererwägungsgesuch wurde im Wesentlichen geltend gemacht, die Sicherheitslage in Afghanistan habe sich seit dem Ergehen der Verfügung D-5155/2021 Seite 3 vom 19. Oktober 2017 fundamental geändert und massgeblich verschlech- tert. In diesem Zusammenhang wurde auf verschiedene internationale Be- richte sowie auf einen Beitrag des Schweizer Fernsehens (SRF) verwie- sen. Zudem habe das SEM über den Bloggingdienst Twitter am 11. August 2021 mitgeteilt, dass Rückführungen nach Afghanistan wegen der verän- derten Situation im Land bis auf weiteres ausgesetzt würden. Unter diesen Umständen sei vorliegend eine erneute Prüfung der Wegweisungsvoll- zugshindernisse angezeigt. Der Vollzug der Wegweisung sei deshalb un- zulässig, unzumutbar und unmöglich. Dem Gesuch wurde unter anderem eine anonymisierte Fassung einer Ver- fügung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom 2. August 2021 beigelegt. B.b Am 8. September 2021 reichte der Beschwerdeführer eine als Korri- gendum betitelte Eingabe zum Wiedererwägungsgesuch vom 6. Septem- ber 2021 zuhanden des SEM ein und verwies auf einen Bericht der Schwei- zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zu Afghanistan. C. Am 9. September 2021 verfügte die Vorinstanz gestützt auf Art. 111b Abs. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) im Sinne einer vorsorglichen Massnahme die einstweilige Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung zuhanden der zuständigen kantonalen Behörde. Gleich- zeitig hielt sie fest, dass Vorbereitungshandlungen weiterhin getroffen wer- den könnten. D. Mit Eingabe vom 9. November 2021 er kundigte sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bei der Vorinstanz nach dem Stand des Verfah- rens und bat um zeitnahe Behandlung des eingereichten Gesuches . Gleichzeitig informierte er, dass widrigenfalls eine Rechtsverweigerungs- respektive eine Rechtsverzögerungsbeschwerde beim Bundesver wal- tungsgericht eingereicht werde. Sodann wies er auf Art. 111b Abs. 2 AsylG hin, wonach Entscheide über Wiedererwägungsgesuche in der Regel in- nerhalb von zehn Arbeitstagen nach Gesuchseinreichung z u fällen seien. Zwischenzeitlich seien jedoch 46 Arbeitstage vergangen, womit die Ord- nungsfrist um ein Fünffaches überschritten sei. Zudem habe die Vorinstanz am 11. August 2021 über Twitter verlauten lassen, dass keine neuen Weg- weisungsvollzüge nach Afghanistan mehr verfügt würden. Ferner habe die D-5155/2021 Seite 4 Vorinstanz mit einem Entscheid vom 22. September 2021 eines Mandan- ten des Rechtsvertreters die Wegweisung aufgrund der allgemeinen Lage als unzumutbar erklärt und diesem eine vorläufige Aufnahme gewährt. Die- selben Grundsätze müssten auch für V erfahren gelten, welche mit einem ausserordentlichen Rechtsmittel eingeleitet worden seien. E. Mit Schreiben vom 25. November 2021 beantwortete die Vorinstanz die Verfahrensstandanfrage des Beschwerdeführers und bat um Verständnis, dass ein Entscheid erst gefällt werden könne, wenn dies die Lage in Afgha- nistan zulasse. Die Mitteilung des SEM vom 11. August 2021, wonach Wegweisungsvollzüge nach Afghanistan ausgesetzt blieben, sei weiterhin in Kraft. In Fällen, bei welchen ein Mehrfach- oder Wiedererwägungsge- such gestellt und der Wegweisungsvollzug verfügt worden sei, könne auf- grund der derzeit unstabilen Lage noch nicht abschliessend beurteilt wer- den, ob der Wegweisungsvollzug für gewisse Personengruppen zukünftig unzumutbar sein werde oder, ob gewisse Personengruppen bei einer Rückkehr nach Afghanistan in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt werden könnten. F. Mit einer als Rechtsverweigerungs- / Rechtsverzögerungsbeschwerde be- titelten Eingabe vom 26. November 2021 gelangte der Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Feststell ung einer Rechtsverweigerung durch die Vorinstanz. Als Eventualantrag stellte er das Begehren, dass eine Rechtsverzögerung festzustellen sei. Die Vor - instanz sei an zuweisen, das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerde- führers ohne weitere Verzögerung und innerhalb von zehn Arbeitstagen zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht beantragte er die unentgeltliche Rechtpflege und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde wurde eine Kostennote beigelegt. G. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 29. November 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 6 AsylG). H. Mit Zwischenverfügung vom 30. November 2021 erhielt die Vorinstanz die Gelegenheit zur Stellungnahme, welche sie mit Vernehmlass ung vom 7. Dezember 2021 in Anspruch nahm. D-5155/2021 Seite 5 I. Mit Zwischenverfügung vom 8. Dezember 2021 erhielt der Beschwerdefüh- rer die Gelegenheit zur Replik. Er replizierte mit Eingabe vom 9. Dezember 2021. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun- desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge- richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundes- gesetz vom 17. Juni 2005 über das Bun desgericht [BGG, SR 173.110]; Art. 105 AsylG). Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtba- ren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu- ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun- desgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu Art. 46a VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorliegenden Rechtsverweigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerde zu- ständig. 1.2 Rechtsverweigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Be- schwerdelegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Behörde zu- vor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflich- tet ist, in Verfügungsform zu handeln und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.). D-5155/2021 Seite 6 Der Beschwerdeführer ersuchte mit Eingabe vom 6. September 2021 um die Wiedererwägung der SEM-Verfügung vom 19. Oktober 2017 hinsicht- lich des Wegweisungsvollzuges. Über dieses Gesuch hat das SEM in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Eine solche ist bis anhin nicht ergangen. Der Beschwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung legiti- miert. 1.3 Beschwerde gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzö gern einer Verfügung kann jederzeit geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die zeitliche Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben. Bietet eine bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung objektiv begründeten Anlass für eine Rechtsverweigerungs - oder Rechtsverzögerungsbe- schwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Vielmehr muss die Beschwerde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemes- sen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, namentlich nach der der betroffenen Person zumutbaren Sorgfaltspflicht. Jene muss darlegen, dass sie zur Zeit der Beschwerdeeinreichung ein schutzwürdiges – mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzögerten Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden Rech ts- verzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜH- LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.23). Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu beanstan- den. Das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers ergibt sich aus der mutmasslich verzögerten Amtshandlung der Vorinstanz und am Erge- hen eines zeitnahen Entscheids, worum er in seiner Verfahrensstandan- frage gebeten hat, sowie aus der Tatsache, dass die Vorinstanz in der Sa- che noch nicht verfügt hat. 1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein- gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverweigerungs- respektive Rechts- verzögerungsbeschwerde einzutreten. 1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.6 Beim Verfahren, dessen Verzögerung geltend gemacht wird, handelt es sich um ein Wiedererwägungsverfahren. 2. Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich D-5155/2021 Seite 7 vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverweigerungs- res- pektive Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist es die Sache mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht dazu befugt, sich dazu zu äussern, wie gegebenenfalls ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sollen, da es – Spezial- konstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen Be- hörde entscheiden darf, andernfalls der Instanzenzug verkürzt und m ög- licherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten verletzt würden (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2, m.w.H.). 3. 3.1 Das Verbot der Rechtsverweigerung respektive Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn eine Behörde sich weigert, eine Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu aufgrund der einschlägigen Rechtsnormen verpflichtet wäre (vgl. Urteil des BVGE E -3553/2021 vom 1. November 2021 E. 3.1) . Darüber hinaus hat jede Person Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsga- rantien gelten für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.). 3.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei einer formellen Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Behörde nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objek- tiv noch als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Um- stände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Kom- plexität der Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Be- hörden, die Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie ein- zelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 und 5.2 m.w.H.). 3.3 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge- setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt, wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes- sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; D-5155/2021 Seite 8 103 V 190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Be- urteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen (vgl. etwa das Urteil des BVGer E -1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2 m.w.H.). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer monierte , sein Wiedererwägungsgesuch vom 6. September 2021 sei trotz der am 9. November 2021 eingereichten Ver- fahrensstandanfrage, verbunden mit der Bitte um unverzügliche B ehand- lung, nach wie vor beim SEM hängig. Er verwies dabei auf Art. 111b Abs. 2 AsylG, wonach Entscheide über Wiedererwägungsgesuche in der Regel innerhalb von zehn Arbeitstagen nach Gesuchseinreichung zu fällen seien. Zwischenzeitlich seien jedoch 46 Arbeitstage vergangen und die Ord- nungsfrist von zehn Tagen sei demensprechend um ein Fünffaches über- schritten worden. Vorliegend handle es sich zudem um einen eindeutigen Fall, bei welchem sich keine komplexen Sachverhalts- oder Rechtsfragen stellten. Es sei stossend, dass die Vorinstanz die Lage in Afghanistan im Rahmen der Prüfung des Wegweisungsvollzugs als generell unzumutbar erachte, die identische sowie individuelle Situation des Beschwerdeführers im Wiedererwägungsverfahren jedoch als unklar bezeichne. Auch habe die Vorinstanz am 11. August 2021 entschieden, dass weder Rückführungen noch Wegweisungsvollzüge nach Afghanistan durchgeführt würden, wobei diese Praxis nach wie vor in Kraft sei. Asylgesuche von afghanischen Staatsangehörigen, welche die Voraussetzungen für einen Schutzsta- tus in der Schweiz erfüll ten, würden weiterhin entschieden. Fälle von Personen jedoch, deren Schutzbedarf zurzeit aufgrund der unklaren Lage in Afghanistan nicht abschliessend beurteilt werden könne, wür- den zurückgestellt, da sich die Lage in Afghanistan nach wie vor nicht hinreichend stabilisiert habe, um eine Aussage dazu zu treffen, ob der Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan in Zukunft für gewisse Per- sonengruppen zumutbar sein werde. Diese vorinstanzliche Argumentation gehe fehl. Sodann habe diese nicht nach Personengruppen, sondern ein- zelfallbezogen zu entscheiden . Die Begründung stelle in Verbindung mit der überschrittenen Ordnungsfrist im Sinne von Art. 111b Abs. 2 AsylG zu- dem eine offensichtliche Rechtsverweigerung oder zumindest eine Rechts- verzögerung dar. 4.2 Die Vorinstanz beg ründete ihre Vorgehensweise in der Vernehmlas- sung damit, dass sie aufgrund der aktuellen Lage in Afghanistan mit diver- sen Herausforderungen bei der Behandlung afghanischer Asylgesuche D-5155/2021 Seite 9 konfrontiert sei. Am 11. August 2021 sei entschieden worden, dass Weg- weisungsvollzüge nach Afghanistan bis auf weiteres ausgesetzt wü rden. Dieser Entscheid sei nach wie vor in Kraft und Asylgesuche von afghani- schen Staatsangehörigen, welche die Voraussetzungen für einen Schutz- status in der Schweiz erfüll ten, würden weiterhin entschieden. Hingegen würden Fälle von Personen, deren Schutzbedarf zurzeit aufgrund der un- klaren Lage in Afghanistan nicht abschliessend beurteilt werden könne, ak- tuell zurückgestellt. Wie bereits anlässlich des Antwortschreibens zur Ver- fahrensstandanfrage vom 25. November 2021 ausgeführt worden sei , habe sich die Lage in Afghanistan noch nicht hinreichend stabilisiert, um eine Aussage dazu zu treffen, ob der Vollzug der Wegweisung nach Afgha- nistan in Zukunft für gewisse Pe rsonengruppen zumutbar sein werde. Diese Fälle würden erst geregelt werden können, wenn die Lage vor Ort dies eine Einschätzung zulasse. 4.3 In der Replik kritisierte der Beschwerdeführer, dass kein sachlich ge- rechtfertigter Grund dafür vorliege, weshalb Wegweisungsvollzugshinder- nisse im Rahmen von Wiedererwägungsverfahren anders als diejenigen von laufenden Asylverfahren behandelt würden, obwohl bei beiden eine identische Situation vorliege. Ferner sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz noch keine abschliessende Lageanalyse habe durchführen können, obwohl die SFH in der Lage gewesen sei, einen ausführlichen Be- richt über die aktuelle Lage in Afghanistan zu publizieren. 5. 5.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass d as Gericht die aktuelle politische Lage und die Sicherheits- und Menschenrechtslage in Afghanistan fortwäh- rend beobachtet. Es hat diesbezüglich auch zur Kenntnis genommen, dass das SEM aufgrund der Veränderung der Situation in Afghanistan infolge der faktischen Machtübernahme der Taliban und der damit verbundenen unübersichtlichen Lage im Land seine Asylpraxis hat anpassen müssen. Im aktuellen Zeitpunkt sind noch einige Unk larheiten vorhanden und es kann nicht von stabilen Verhältnissen ausgegangen oder auf abschätzbare Zukunftsprognosen abgestützt werden, die eine zuverlä ssige Einschät- zung und Festlegung der Wegweisungspraxis bei abgewiesenen afghani- schen Asylsuchenden ermöglichen würden (vgl. Urteil des BVGer E-5175/2021 vom 13. Dezember 2021 E. 5.2.1). 5.2 Das Gericht erachtet es deshalb nicht nur als nachvollziehbar, sondern als unvermeidbar, dass nicht alle unterschiedlichen Fallkonstellationen von D-5155/2021 Seite 10 afghanischen Asylverfahren innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Ord- nungsfrist für die Behandlung von Wiedererwägungsgesuchen von zehn Arbeitstagen haben definiert werden und das weitere, allenfalls differen- zierte Vorgehen bei den unterschiedlichen Fallkonstellationen hat bestimmt werden können. Aufgrund der örtlich unterschiedlichen länderspezifischen Begebenheiten in Afghanistan ist vielmehr davon auszugehen, dass die Einschätzung der verschiedenen Risikogruppen und der provinzweise un- terschiedlichen Begebenheiten in Afghanistan mit einigen Unwägbarkeiten verbunden ist und noch länger dauern wird. Die Verhältnisse haben sich in den vergangenen Monaten und Wochen ständig veränd ert, weshalb wei- terhin Abklärungsbedarf zur Einschätzung des künftigen Vorgehens beim Wegweisungsvollzug besteht (vgl. Urteil des BVGer E -5175/2021 vom 13. Dezember 2021 E. 5.2.2). 6. 6.1 Der Beschwerdeführer monierte die zulange Verfahrensdauer seines am 6. September 2021 eingereichten Wiedererwägungsgesuches und das Überschreiten eines Fünffachen der im Gesetz vorgesehenen Ordnungs- frist von zehn Tagen. Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, sind vorliegend weder die Dauer des Verfahrens noch die Vorgehensweise der Vorinstanz zu bemängeln. 6.2 Die Vorinstanz blieb seit dem Einreichen des Wiede rerwägungsge- suchs vom 6. September 2021 nicht untätig, sondern hat bereits am 9. September 2021 zuhanden des zuständigen kantonalen Migrationsam- tes den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Afghanistan im Sinne einer vorsorglichen Massnahme ausgesetzt (vgl. Bst. C). Auch wurde die Anfrage zum Verfahrensstand vom 9. November 2021 am 25. November 2021 beantwortet und es wurde begründet, weshalb das Gesuch des Beschwerdeführers noch nicht hat bearbeitet werden können. Von einer formellen Rechtsverweigerung (vgl. BGE 135 I 6 E. 2.1) kann vorliegend somit nicht gesprochen werden. 6.3 Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz nicht untätig geblieben ist und zwischenzeitlich weitere Abklärungen vorgenommen so- wie die Ereignisse in Afghanistan weiterhin engmaschig beobachtet und verfolgt. Diese Massnahmen, von welchen der Beschwerdeführer zwar keine Kenntnis hatte, dürften auch einige Zeit in Anspruch genommen ha- ben. Sodann dürfte es sich anhand der aktuell rapide verändernden Lage und der sich teilweise überstürzenden Ereignisse in Afghanistan als äus- serst schwierig erweisen, die genauere Definition von Personengruppen D-5155/2021 Seite 11 mit Risikoprofilen im Hinblick auf die Festlegung einer einigermassen nach- haltigen Wegweisungspraxis zu eruieren (vgl. Urteil des BVGer D -5175/ 2021 vom 13. Dezember 2021 E. 5.3.3). Von einer Rechtsverzögerung durch die Vorinstanz kann ebenfalls nicht die Rede sein. 6.4 Zusammenfassend kommt das Gericht deshalb zum Schluss, dass vor- liegend die Behandlungsdauer des Wiedererwägungsverfahrens des Be- schwerdeführers als angemessen und gerechtfertigt erscheint. Aufgrund der vorangehenden Erwägungen erweist sich die knapp dreimonatige Be- handlungsdauer als angemessen und ist nicht zu beanstanden, zumal nicht ersichtlich ist, dass die Vorinstanz die Behandlung des Wiedererwä- gungsgesuches des Beschwerdeführers verweigerte oder unrechtmässig verzögerte. 7. Nach dem Gesagten erweist sich die Rechtsverw eigerungs- respektive Rechtsverzögerungsbeschwerde im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung am 26. November 2021 als unbegründet und ist abzuweisen. Die Vor - instanz ist jedoch angehalten, das Verfahren rasch einem Entscheid zuzu- führen. 8. 8.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich nach obigen Erwägun- gen als aussichtslos, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG , trotz einer allfällig bestehenden prozessualen Bedürftigkeit, abzuweisen ist. Das Gesuch, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, ist mit dem vorliegenden Ent- scheid gegenstandslos geworden. 8.2 Die Kosten des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5155/2021 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Chiara Piras Martina von Wattenwyl Versand: