<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">402</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>75</b></span> <span class="ft4"><b>Feuerungskontrolle</b></span><br/> <span class="ft6">-</span> <span class="ft4"><b>Natur der Aufsichtsanzeige</b></span><br/> <span class="ft6">-</span> <span class="ft4"><b>Gebührentarif für die Leistungen des Kaminfegers, Brandschutzbe-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>auftragten und Feuerungskontrolleurs</b></span><br/> <span class="ft6">-</span> <span class="ft4"><b>Gebühr für administrative Arbeiten des kommunalen Feuerungskon-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>trolleurs bei Vornahme der Feuerungskontrolle durch das private</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Servicegewerbe</b></span><br/> <span class="ft8">Aus der Aufsichtsanzeigebeantwortung des Regierungsrats vom 25. März</span><br/> <span class="ft8">2015 i.S. H.B. gegen Gemeinderat S. (RRB Nr. 2015-000320).</span><br/> <span class="ft10"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Die zweite Aufsichtsanzeige vom 13. Dezember 2014 betrifft</span><br/> <span class="ft1">teilweise Beanstandungen, welche H.B. bereits in seiner ersten Auf-</span><br/> <span class="ft1">sichtsanzeige vom 7. März 2014 vorgetragen hat und Gegenstand der</span><br/> <span class="ft1">regierungsrätlichen Beantwortung vom 13. August 2014 (RRB</span><br/> <span class="ft1">Nr. 2014-000823 = AGVE 2014 S. 452 ff.) gebildet haben. Nachdem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">403</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Gemeinderat S. in der Folge zwar gegenüber H.B. einräumte,</span><br/> <span class="ft1">dass "die Rügen des Gebührentarifs berechtigt sind", andererseits</span><br/> <span class="ft1">aber festhielt und publizierte, "die angewendeten Tarife entsprechen</span><br/> <span class="ft1">den geltenden Normen und erfahren keine Anpassung", ist verständ-</span><br/> <span class="ft1">lich, dass H.B. sich veranlasst sah, seine Rügen teilweise zu</span><br/> <span class="ft1">wiederholen. Da sowohl der Anzeigende als auch der Gemeinderat S.</span><br/> <span class="ft1">den Regierungsratsbeschluss Nr. 2014-000823 erhalten haben, wird</span><br/> <span class="ft1">im Folgenden vorausgesetzt, dass die damaligen Ausführungen den</span><br/> <span class="ft1">Beteiligten bekannt sind und grundsätzlich keiner Wiederholung</span><br/> <span class="ft1">bedürfen. Sie bilden - soweit sie vom Gemeinderat S. noch nicht be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigt und umgesetzt sind - integrierenden Bestandteil dieser</span><br/> <span class="ft1">Beantwortung. Der Regierungsrat wiederholt sich nachfolgend nur,</span><br/> <span class="ft1">soweit es für die Verständlichkeit seiner zusätzlichen Ausführungen</span><br/> <span class="ft1">erforderlich ist bzw. soweit seine früheren Ausführungen möglicher-</span><br/> <span class="ft1">weise missverstanden wurden.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">H.B. hat in seiner Aufsichtsanzeige drei konkrete Anträge ge-</span><br/> <span class="ft1">stellt, wie der Regierungsrat entscheiden soll und der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">S. hat beantragt, die "Aufsichtsbeschwerde sei vollumfänglich abzu-</span><br/> <span class="ft1">weisen".</span><br/> <span class="ft1">Damit verkennen die beiden Verfahrensbeteiligten offenbar die</span><br/> <span class="ft1">Natur der Aufsichtsanzeige, bei welcher es sich nicht um ein ordent-</span><br/> <span class="ft1">liches Rechtsmittelverfahren handelt, in welchem Parteianträge gut-</span><br/> <span class="ft1">geheissen oder abgewiesen werden, worauf allenfalls noch die Mög-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit zu einem Weiterzug an eine Oberinstanz besteht. Bei der</span><br/> <span class="ft1">Aufsichtsanzeige handelt es sich vielmehr um einen blossen Rechts-</span><br/> <span class="ft1">behelf, der es jeder Person ermöglicht, jederzeit Tatsachen, die im</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Interesse ein Einschreiten von Amtes wegen gegen Be-</span><br/> <span class="ft1">hörden und deren Mitarbeitende erfordern, der Aufsichtsbehörde</span><br/> <span class="ft1">anzuzeigen (§ 38 Abs. 1 VRPG). Handelt sie nicht rechtsmissbräuch-</span><br/> <span class="ft1">lich, hat die anzeigende Person aber nur Anspruch auf Beantwortung;</span><br/> <span class="ft1">sie besitzt - anders als bei der Ergreifung eines formellen Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft1">tels - weder Parteirechte noch Anspruch auf materielle Behandlung</span><br/> <span class="ft1">ihrer Eingabe (§ 38 Abs. 2 VRPG). Die Aufsichtsanzeige dient des-</span><br/> <span class="ft1">halb in erster Linie dazu, die Aufsichtsbehörden auf Pflichtverletzun-</span><br/> <span class="ft1">gen der unterstellten Behörden sowie von Mitarbeitenden aufmerk-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">404</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sam zu machen. Der Umfang dieser Aufsicht ist entsprechend der</span><br/> <span class="ft1">Natur der Aufsichtsanzeige jedoch beschränkt auf den Geschäftsgang</span><br/> <span class="ft1">und die pflichtgemässe Ausübung der Funktionen durch die Behör-</span><br/> <span class="ft1">den sowie ihrer Mitglieder. Die Aufsichtsbehörde greift sodann nur</span><br/> <span class="ft1">dort ein, wo durch den beanstandeten Verwaltungsakt bzw. die Amts-</span><br/> <span class="ft1">führung klares Recht verletzt ist, wesentliche Verfahrensvorschriften</span><br/> <span class="ft1">oder öffentliche Interessen offensichtlich missachtet worden sind, so-</span><br/> <span class="ft1">fern der betreffende Entscheid nicht gleichzeitig mit einem Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittel angefochten wurde. Sofern ein Rechtsmittel zur Verfügung</span><br/> <span class="ft1">steht, ist die Aufsichtsanzeige im Grundsatz subsidiär und wird ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend nicht behandelt (vgl. A</span><span class="ft8">LFRED</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft8">ÖLZ</span><span class="ft1">/I</span><span class="ft8">SABELLE</span> <span class="ft1">H</span><span class="ft8">ÄNER</span><span class="ft1">/</span><br/> <span class="ft1">M</span><span class="ft8">ARTIN</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft8">ERTSCHI</span><span class="ft1">, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft1">pflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 777; so-</span><br/> <span class="ft1">wie zur unveränderten Rechtslage: A</span><span class="ft8">NDREAS</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft8">URREN</span><span class="ft1">, Die Auf-</span><br/> <span class="ft1">sichtsbeschwerde im Verwaltungsverfahren, insbesondere nach aar-</span><br/> <span class="ft1">gauischem Recht, Diss. Basel 1978, S. 145 ff.; A</span><span class="ft8">TTILIO</span> <span class="ft1">R.</span> <span class="ft1">G</span><span class="ft8">ADOLA</span><span class="ft1">,</span><br/> <span class="ft1">Das verwaltungsinterne Beschwerdeverfahren, Diss. Zürich 1991,</span><br/> <span class="ft1">S. 156 ff.; M</span><span class="ft8">ICHAEL</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft8">ERKER</span><span class="ft1">, Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG,</span><br/> <span class="ft1">Diss. Zürich 1998, N 10 ff. zu § 59a; AGVE 1993 S. 630).</span><br/> <span class="ft1">Der Anzeigende wurde deshalb schon im früheren Aufsichtsan-</span><br/> <span class="ft1">zeigeverfahren darauf hingewiesen, dass es nicht Aufgabe des Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrats sein kann, im Rahmen eines Aufsichtsanzeigeverfahrens</span><br/> <span class="ft1">sämtliche Gebühren des vom Gemeinderat S. erlassenen Tarifs wie</span><br/> <span class="ft1">bei einer abstrakten Normenkontrolle auf Einhaltung des übrigen</span><br/> <span class="ft1">kommunalen, des kantonalen und eidgenössischen Rechts zu über-</span><br/> <span class="ft1">prüfen und eine Beurteilung vorzunehmen, ob das Kostendeckungs-</span><br/> <span class="ft1">und das Aequivalenzprinzip bei jeder einzelnen Gebühr eingehalten</span><br/> <span class="ft1">sind. Im Aufsichtsanzeigeverfahren werden grundsätzlich auch keine</span><br/> <span class="ft1">mangelhaften kommunalen Erlasse kassiert. Die Aufsichtsbehörde</span><br/> <span class="ft1">schreitet vielmehr nur ein, wenn klares Recht verletzt ist, wobei üb-</span><br/> <span class="ft1">licherweise bloss zur Behebung der Mängel aufgefordert wird, wofür</span><br/> <span class="ft1">eine angemessene Frist eingeräumt werden kann, wo dies angezeigt</span><br/> <span class="ft1">ist. Nur im Unterlassungsfall oder bei offensichtlich fehlender</span><br/> <span class="ft1">Bereitschaft zur Mängelbehebung ordnet der Regierungsrat die</span><br/> <span class="ft1">Ersatzvornahme und in dringenden Fällen allenfalls vorläufige Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen an. Erst bei beharrlicher Weigerung, den Anordnungen der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">405</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Aufsichtsbehörde in wichtigen Angelegenheiten Folge zu leisten</span><br/> <span class="ft1">oder wenn aus anderen Gründen eine gesetzmässige und geordnete</span><br/> <span class="ft1">Verwaltung nicht mehr gewährleistet ist, kommen allenfalls Diszipli-</span><br/> <span class="ft1">narmassnahmen, der Entzug der Selbstverwaltung und die Bestellung</span><br/> <span class="ft1">eines oder mehrerer Sachwalter in Frage (vgl. §§ 100-104</span><br/> <span class="ft1">Gemeindegesetz).</span><br/> <span class="ft1">Wenn H.B. jedoch vom konzessionierten Kaminfeger und Feue-</span><br/> <span class="ft1">rungskontrolleur eine vom Gemeinderat oder von der Einwohnerge-</span><br/> <span class="ft1">meindeversammlung festgesetzte Gebühr auferlegt wird, die ihm</span><br/> <span class="ft1">übersetzt scheint, für die er keine genügende gesetzliche Grundlage</span><br/> <span class="ft1">zu erkennen vermag oder die er aus anderen Gründen als rechtswid-</span><br/> <span class="ft1">rig erachtet, kann er eine anfechtbare Verfügung verlangen und dage-</span><br/> <span class="ft1">gen eine ordentliche Beschwerde erheben. Im Rahmen dieses</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsbeschwerdeverfahrens besteht dann die Möglichkeit der</span><br/> <span class="ft1">inzidenten Normenkontrolle durch den Regierungsrat gemäss § 90</span><br/> <span class="ft1">KV, wonach der Regierungsrat gehalten ist, Erlassen die Anwendung</span><br/> <span class="ft1">zu versagen, die Bundesrecht oder kantonalem Verfassungs- oder</span><br/> <span class="ft1">Gesetzesrecht widersprechen. Es erfolgt aber eine blosse Nichtan-</span><br/> <span class="ft1">wendung und nicht eine Aufhebung der als rechtwidrig beurteilten</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen. Ferner können Vorschriften verwaltungsrechtlicher</span><br/> <span class="ft1">Natur in Erlassen von Gemeinden dem Verwaltungsgericht jederzeit</span><br/> <span class="ft1">zur Prüfung auf ihre Übereinstimmung mit übergeordnetem Recht</span><br/> <span class="ft1">unterbreitet werden (vgl. §§ 70 ff. VRPG). Das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">hebt die angefochtenen Bestimmungen, die übergeordnetem Recht</span><br/> <span class="ft1">widersprechen, auf und kann befristete Übergangsregelungen erlas-</span><br/> <span class="ft1">sen (§ 73 Abs. 1 und 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1</span><br/> <span class="ft1">Wenn die Gemeinde, ein Gemeindeangestellter oder eine von</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinde beauftragte oder konzessionierte Privatperson in Aus-</span><br/> <span class="ft1">führung von Bundes- oder kantonalem Recht im Bereich des Brand-</span><br/> <span class="ft1">schutzes und der Feuerungskontrolle tätig wird, stellt sich die Frage,</span><br/> <span class="ft1">ob die entstehenden Kosten aus dem Steueraufkommen der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde zu tragen oder mittels Gebühren auf die verursachenden Pri-</span><br/> <span class="ft1">vatpersonen ganz oder teilweise zu überwälzen sind. Bei Feuerungs-</span><br/> <span class="ft1">kontrollen, die nicht nur zum Zweck des Brandschutzes, sondern</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">406</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">auch im Interesse der Luftreinhaltung erfolgen, gilt gemäss Art. 2</span><br/> <span class="ft1">USG grundsätzlich das Verursacherprinzip, wonach derjenige, der</span><br/> <span class="ft1">gesetzlich vorgeschriebene Massnahmen verursacht, die Kosten da-</span><br/> <span class="ft1">für trägt. Selbst wenn Bundesrecht oder kantonales Recht die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinden zu behördlichen Tätigkeiten verpflichten, können die</span><br/> <span class="ft1">dadurch entstehenden Kosten aber nur dann in Form von Gebühren</span><br/> <span class="ft1">den Verursachenden überbunden werden, wenn dafür eine genügende</span><br/> <span class="ft1">gesetzliche Grundlage besteht. Solange eine genügende Rechts-</span><br/> <span class="ft1">grundlage fehlt, bleibt es bei der Kostendeckung aus Steuermitteln.</span><br/> <span class="ft1">In der Regel ist für die Gebührenerhebung ein kantonales Gesetz</span><br/> <span class="ft1">oder ein kommunales Gebührenreglement der Einwohnergemeinde-</span><br/> <span class="ft1">versammlung oder des Einwohnerrates erforderlich, welches den</span><br/> <span class="ft1">Kreis der Gebührenpflichtigen (Subjekt der Abgabe), den gebüh-</span><br/> <span class="ft1">renbegründenden Tatbestand bzw. die gebührenbegründende behörd-</span><br/> <span class="ft1">liche Tätigkeit und die Höhe der Gebühr zumindest in den Grundzü-</span><br/> <span class="ft1">gen festlegt, so dass die zu bezahlende Gebühr im Einzelfall konkret</span><br/> <span class="ft1">bestimmt werden kann. Gemäss § 78 Abs. 1 KV sind alle wichtigen</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen, insbesondere diejenigen, welche die Rechte und</span><br/> <span class="ft1">Pflichten der Bürgerinnen und Bürger festlegen, in der Form des Ge-</span><br/> <span class="ft1">setzes zu erlassen. Auch der Regierungsrat darf Recht setzende Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmungen nur in der Form der Verordnung erlassen, wenn Zweck</span><br/> <span class="ft1">und Grundsätze der inhaltlichen Gestaltung der Verordnung bereits in</span><br/> <span class="ft1">einem Gesetz oder Dekret festgelegt sind (§ 91 Abs. 2 KV). Dement-</span><br/> <span class="ft1">sprechend ist auf Gemeindeebene grundsätzlich die Gemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung bzw. bei Organisation mit Einwohnerrat der Letztere für</span><br/> <span class="ft1">den Erlass von Reglementen zuständig, in denen Gebühren und Bei-</span><br/> <span class="ft1">träge festgelegt werden (§ 20 Abs. 2 lit. i und § 66 Gemeindegesetz).</span><br/> <span class="ft1">3.2</span><br/> <span class="ft1">Das BSG enthält betreffend die Abgaben für behördliche Tätig-</span><br/> <span class="ft1">keiten des kommunalen Kaminfegers und Feuerungskontrolleurs fol-</span><br/> <span class="ft1">gende Rechtsgrundlagen:</span><br/> <span class="ft8">"§ 23 Kaminfegertarif</span><br/> <span class="ft12"><sup>1</sup></span> <span class="ft8">Der Gemeinderat legt den Tarif fest, nach dem der Kaminfeger für</span><br/> <span class="ft8">die ihm übertragenen Reinigungsarbeiten einschliesslich der Kon-</span><br/> <span class="ft8">trollen der Feuerungs- und Rauchabzugsanlagen Rechnung stellen</span><br/> <span class="ft8">darf.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">407</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft12"><sup>2</sup></span> <span class="ft9">Der Regierungsrat bestimmt den Höchsttarif, dessen Struktur für die</span><br/> <span class="ft8">Gemeindetarife verbindlich ist.</span><br/> <span class="ft8">§ 24 Gebührenpflicht</span><br/> <span class="ft12"><sup>1</sup></span> <span class="ft9">Für die Behandlung von Gesuchen um Erteilung von Bewilligungen</span><br/> <span class="ft8">und die Ausübung von Kontroll- und Vollstreckungsfunktionen im</span><br/> <span class="ft8">Sinne dieses Gesetzes kann die Gemeinde Gebühren erheben.</span><br/> <span class="ft12"><sup>2</sup></span> <span class="ft9">Für kantonale Gebühren erlässt der Regierungsrat einen entsprechen-</span><br/> <span class="ft8">den Tarif im Rahmen des Dekretes über die durch den Staat zu bezie-</span><br/> <span class="ft8">henden Gebühren."</span><br/> <span class="ft1">Im Anwendungsbereich von § 23 BSG ist der Gemeinderat zum</span><br/> <span class="ft1">Erlass eines kommunalen Gebührentarifs ermächtigt und verpflich-</span><br/> <span class="ft1">tet. Der Erlass des Gebührentarifs durch den Gemeinderat statt die</span><br/> <span class="ft1">Gemeindeversammlung ist zulässig, weil die gebührenpflichtigen be-</span><br/> <span class="ft1">hördlichen Tätigkeiten, die gebührenpflichtigen Personen und die</span><br/> <span class="ft1">Höhe der Gebühren durch das Brandschutzgesetz, den Richttarif für</span><br/> <span class="ft1">Kaminfegerarbeiten der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen</span><br/> <span class="ft1">vom 7. Juni 1995 und den Kantonalen Höchsttarif für Kaminfegerar-</span><br/> <span class="ft1">beiten vom 25. Oktober 1995 bereits relativ detailliert festgelegt</span><br/> <span class="ft1">sind; zudem ist die Struktur des regierungsrätlichen Höchsttarifs für</span><br/> <span class="ft1">die Gemeindetarife verbindlich. Der Kaminfegertarif gilt gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 23 BSG nicht nur für Reinigungsarbeiten, sondern explizit auch für</span><br/> <span class="ft1">Kontrollen der Feuerungs- und Rauchabzugsanlagen, wobei die</span><br/> <span class="ft1">Feuerungskontrolle im Hinblick auf den Brandschutz und den</span><br/> <span class="ft1">Umweltschutz gemäss Art. 13 LRV sowie § 30 Abs. 3 lit. b EG UWR</span><br/> <span class="ft1">in der Regel in einem einzigen Arbeitsgang erfolgt und deshalb auch</span><br/> <span class="ft1">gemeinsam und einheitlich nach Kaminfegerhöchsttarif zu verrech-</span><br/> <span class="ft1">nen ist. Nur wo die Feuerungskontrolle zum Zweck des Umwelt-</span><br/> <span class="ft1">schutzes (personell und zeitlich getrennt von der brandschutztech-</span><br/> <span class="ft1">nisch motivierten behördlichen Feuerungskontrolle durch die kon-</span><br/> <span class="ft1">zessionierte Person) durch das private Servicegewerbe erfolgt, ist der</span><br/> <span class="ft1">Kaminfeger(höchst)tarif nicht zu berücksichtigen, weil das private</span><br/> <span class="ft1">Servicegewerbe den Preis für seine Leistungen mit dem Heizungsei-</span><br/> <span class="ft1">gentümer oder der Heizungsbetreiberin nach Privatrecht frei</span><br/> <span class="ft1">vereinbaren kann. Der Kaminfegertarif als Zwangstarif kommt dage-</span><br/> <span class="ft1">gen zur Anwendung, wenn der konzessionierte Kaminfeger oder</span><br/> <span class="ft1">Feuerungskontrolleur die Feuerungskontrolle vornimmt und der Preis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">408</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Leistung nicht frei vereinbart, sondern staatlich rechtssatzmässig</span><br/> <span class="ft1">bestimmt wird.</span><br/> <span class="ft1">Im Anwendungsbereich von § 24 BSG darf nicht der Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derat, sondern nur die Gemeindeversammlung oder der Einwohnerrat</span><br/> <span class="ft1">ein Gebührenreglement erlassen. Das Gebührenreglement darf aber</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 24 Abs. 1 BSG nur für die Behandlung von Gesuchen um</span><br/> <span class="ft1">Erteilung von Bewilligungen und die Ausübung von weiteren Kon-</span><br/> <span class="ft1">troll- und Vollstreckungsfunktionen im Sinne des Brandschutzgeset-</span><br/> <span class="ft1">zes Gebühren vorsehen. Gebühren für Feuerungskontrollen gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 23 BSG hat also der Gemeinderat im Rahmen des Kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Höchsttarifs für Kaminfegerarbeiten in einem kommunalen Tarif</span><br/> <span class="ft1">festzusetzen, während Gebühren für andere Kontroll- und Voll-</span><br/> <span class="ft1">streckungsfunktionen im Sinne von § 24 des Brandschutzgesetzes</span><br/> <span class="ft1">von der Gemeindeversammlung oder vom Einwohnerrat in einem</span><br/> <span class="ft1">Gebührenreglement festzusetzen sind.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1</span><br/> <span class="ft1">Nach der regierungsrätlichen Beantwortung der ersten Auf-</span><br/> <span class="ft1">sichtsanzeige vom 7. März 2014 hat der Gemeinderat S. am 10. No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2014 den vom Kaminfeger H.K. entworfenen und vom Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat mit Protokollauszug vom 6. Januar 2014 erstmals geneh-</span><br/> <span class="ft1">migten Tarif entsprechend den regierungsrätlichen Weisungen in for-</span><br/> <span class="ft1">meller Hinsicht überarbeitet. Er hat den Tarif unter anderem in zwei</span><br/> <span class="ft1">separate Tarife aufgeteilt, mit dem Briefkopf des Gemeinderates</span><br/> <span class="ft1">versehen, für die Zeit vom 1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2017 an-</span><br/> <span class="ft1">wendbar erklärt, auf den 10. November 2014 datiert und publiziert.</span><br/> <span class="ft1">Der mit "Kaminfegertarif Amtsperiode 2014 - 2017" überschriebene</span><br/> <span class="ft1">Kaminfegertarif beschränkt sich darauf, den Stundenlohn auf den</span><br/> <span class="ft1">Maximalbetrag von Fr. 79.80 gemäss regierungsrätlichem Kaminfe-</span><br/> <span class="ft1">gerhöchsttarif festzulegen, was nicht zu beanstanden ist. Fälsch-</span><br/> <span class="ft1">licherweise wird aber dieser Kaminfegertarif nur für die Reini-</span><br/> <span class="ft1">gungsarbeiten anwendbar erklärt, weil für die ebenfalls unter den Ka-</span><br/> <span class="ft1">minfegertarif fallenden Kontrollen der Feuerungs- und Rauchabzugs-</span><br/> <span class="ft1">anlagen (vgl. § 23 BSG) ein separater "Gebührentarif gültig ab</span><br/> <span class="ft1">01.01.2014 bis 31.12.2017 für Feuerungs- und Brandschutzkontrol-</span><br/> <span class="ft1">len" vom 10. November 2014 erlassen wurde.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">409</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4.2</span><br/> <span class="ft1">Auffallend und rechtsetzungstechnisch problematisch ist zu-</span><br/> <span class="ft1">nächst die rückwirkende Inkraftsetzung beider Tarife auf den</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 2014. Eine Rückwirkung ist gemäss bundesgerichtlicher</span><br/> <span class="ft1">Praxis (BGE 125 I 182, 186; 122 V 405, 408; 119 Ia 254, 257 ff.) nur</span><br/> <span class="ft1">ausnahmsweise zulässig, wenn eine ganze Reihe von Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft1">gen kumulativ erfüllt sind. So muss die Rückwirkung unter anderem</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich angeordnet oder nach dem Sinn des Erlasses klar ge-</span><br/> <span class="ft1">wollt sein. Ferner muss die Rückwirkung zeitlich mässig sein. Die</span><br/> <span class="ft1">Rückwirkung ist insbesondere nur zulässig, wenn sie durch triftige</span><br/> <span class="ft1">Gründe gerechtfertigt ist. Fiskalische Gründe genügen grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">nicht, es sei denn, die öffentlichen Finanzen seien in Gefahr</span><br/> <span class="ft1">(BGE 119 Ia 254, 258; 102 Ia 69, 73). Auch § 24 der Kantonsver-</span><br/> <span class="ft1">fassung erklärt die Rückwirkung von Erlassen als unzulässig, wenn</span><br/> <span class="ft1">sie zu einer unverhältnismässigen Belastung führt.</span><br/> <span class="ft1">Diese Voraussetzungen dürften vorliegend kaum erfüllt sein.</span><br/> <span class="ft1">Eine Gebühr für Kaminfegerarbeiten, Feuerungs- und Brandschutz-</span><br/> <span class="ft1">kontrollen kann somit erst erhoben werden, nachdem die dafür erfor-</span><br/> <span class="ft1">derliche Rechtsgrundlage durch das zuständige kommunale Rechtset-</span><br/> <span class="ft1">zungsorgan formell korrekt und in Übereinstimmung mit dem höher-</span><br/> <span class="ft1">rangigen eidgenössischen und kantonalen Recht erlassen und publi-</span><br/> <span class="ft1">ziert worden ist (vgl. §§ 7 und 9 des Gesetzes über die amtlichen</span><br/> <span class="ft1">Publikationsorgane, Publikationsgesetz, PuG, vom 3. Mai 2011 für</span><br/> <span class="ft1">das kantonale Recht). Auch die Recht setzenden Beschlüsse des zu-</span><br/> <span class="ft1">ständigen Gemeindeorgans bedürfen vor der Anwendung der Ver-</span><br/> <span class="ft1">öffentlichung im Publikationsorgan der Gemeinde; das gebieten</span><br/> <span class="ft1">schon die Postulate der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes,</span><br/> <span class="ft1">welche erfordern, dass die Betroffenen die gültigen Normen rasch</span><br/> <span class="ft1">und ohne Hindernisse auffinden können (vgl. § 26 Abs. 2 Gemein-</span><br/> <span class="ft1">degesetz; A</span><span class="ft8">NDREAS</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft8">AUMANN</span><span class="ft1">, Aargauisches Gemeinderecht,</span><br/> <span class="ft1">3. Aufl., Zürich 2005, S. 498). Allerdings muss ein kommunaler Ge-</span><br/> <span class="ft1">bührentarif nicht auf eine Amtsperiode befristet werden. Hat das zu-</span><br/> <span class="ft1">ständige Gemeindeorgan einmal einen unbefristeten Tarif gültig</span><br/> <span class="ft1">erlassen und publiziert, bleibt dieser in Kraft, bis er durch das zustän-</span><br/> <span class="ft1">dige Gemeindeorgan aufgehoben oder geändert wird. Trotz formeller</span><br/> <span class="ft1">und materieller Mangelhaftigkeit der vom Gemeinderat am 6. Januar</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">410</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2014 und 10. November 2014 erlassenen Tarife durften und dürfen</span><br/> <span class="ft1">also Gebühren vorher und nachher erhoben werden, die allenfalls ein</span><br/> <span class="ft1">älterer und formell wie materiell rechtsgültig erlassener kommunaler</span><br/> <span class="ft1">Erlass vorsieht, sofern er noch in Kraft, d.h. weder infolge Befristung</span><br/> <span class="ft1">abgelaufen noch formgültig aufgehoben ist oder war. Zu denken ist</span><br/> <span class="ft1">etwa an die Gebührenordnung der Gemeinde S. vom 3. März 1994.</span><br/> <span class="ft1">4.3</span><br/> <span class="ft1">Beim vom Gemeinderat S. am 10. November 2014 beschlosse-</span><br/> <span class="ft1">nen "Gebührentarif gültig ab 01.01.2014 bis 31.12.2017 für Feue-</span><br/> <span class="ft1">rungs- und Brandschutzkontrollen" fällt ferner auf, dass der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat als kompetenzbegründende Rechtsgrundlage des Erlasses</span><br/> <span class="ft1">§ 24 Abs. 1 des Brandschutzgesetzes angibt. Nach dem vorstehend</span><br/> <span class="ft1">Gesagten ist aber im Anwendungsbereich von § 24 BSG nur die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeversammlung von S. zum Erlass eines Gebührenreglements</span><br/> <span class="ft1">zuständig. Der Gemeinderat darf gestützt auf § 24 Abs.1 BSG kein</span><br/> <span class="ft1">Recht setzen. Der gemeinderätliche Gebührentarif leidet somit schon</span><br/> <span class="ft1">an einer fehlenden oder zumindest fehlerhaft angegebenen Rechts-</span><br/> <span class="ft1">grundlage. Der Gemeinderat hätte sich vielmehr auf § 23 Abs. 1 BSG</span><br/> <span class="ft1">stützen müssen. Bei seiner Rechtsetzung wäre er aber dann an den</span><br/> <span class="ft1">Kaminfegerhöchsttarif gebunden gewesen (§ 23 Abs. 2 BSG). Offen-</span><br/> <span class="ft1">bar wollte der Gemeinderat die Limitierungen des Kaminfeger-</span><br/> <span class="ft1">höchsttarifs umgehen, hat er doch die Gebühren unverändert über-</span><br/> <span class="ft1">nommen, die der Regierungsrat in der Aufsichtsanzeigebeantwortung</span><br/> <span class="ft1">vom 20. August 2014 als überhöht und als mit dem Kaminfe-</span><br/> <span class="ft1">gerhöchsttarif unvereinbar bezeichnet hatte. Entsprechend dem</span><br/> <span class="ft1">Pressebericht sollten die bisher angewendeten Tarife keine An-</span><br/> <span class="ft1">passung erfahren, sondern weiterhin unverändert angewendet wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Der Gemeinderat sieht dies jedoch nicht als renitentes Verhal-</span><br/> <span class="ft1">ten, sondern als eine in guten Treuen erfolgte Fehlinterpretation des</span><br/> <span class="ft1">komplexen Gebührenrechts. Es ist deshalb klar zu stellen und im</span><br/> <span class="ft1">Sinne des Aufsichtsanzeigers festzuhalten, dass der gesamte "Gebüh-</span><br/> <span class="ft1">rentarif gültig ab 01.01.2014 bis 31.12.2017 für Feuerungs- und</span><br/> <span class="ft1">Brandschutzkontrollen" schon deshalb formungültig ist, weil er ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf § 24 Abs. 1 BSG durch das unzuständige Gemeindeorgan</span><br/> <span class="ft1">erlassen wurde. Der Gemeinderat war zwar befugt, gestützt auf § 23</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BSG einen kommunalen Kaminfegertarif zu erlassen. Unzu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lässig sind in diesem Fall jedoch - wie schon in der ersten Aufsichts-</span><br/> <span class="ft1">anzeigebeantwortung (RRB Nr. 2014-000823 = AGVE 2014 S. 452</span><br/> <span class="ft1">ff.) festgehalten - pauschale Gebühren, welche aufgrund des damit</span><br/> <span class="ft1">verbundenen Arbeitszeitaufwandes zu einem Stundenlohn von über</span><br/> <span class="ft1">Fr. 79.80 führen (z.B. pauschal Fr. 28.- für administrative Aufwen-</span><br/> <span class="ft1">dungen des amtlichen Feuerungskontrolleurs bei Vornahme der</span><br/> <span class="ft1">Feuerungskontrolle Oel/Gas durch das private Gewerbe oder ein</span><br/> <span class="ft1">Stundenansatz von Fr. 88.- für Beratungen und Besprechungen im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen von Brandschutzabnahmen und -kontrollen). Unzulässig</span><br/> <span class="ft1">sind mangels Rechtsetzungsbefugnis des Gemeinderates - wie schon</span><br/> <span class="ft1">im RRB Nr. 2014-000823 festgehalten - zudem alle unter dem Titel</span><br/> <span class="ft1">"Brandschutzkontrollen/-Bewilligungen" aufgeführten Gebühren, bei</span><br/> <span class="ft1">welchen der Gemeinderat als Rechtsgrundlage die Gebührenordnung</span><br/> <span class="ft1">vom 23. April 1996 angegeben hat. Gemäss Ziffer 4 der von der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindeversammlung S. am 3. März 1994 beschlossenen und vom</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rat am 23. April 1996 genehmigten Gebührenordnung der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde S. sind im Bereich des Brandschutzes folgende Gebühren</span><br/> <span class="ft1">zu entrichten:</span><br/> <span class="ft9">"Für die Behandlung von Brandschutzgesuchen sowie für Brand-</span><br/> <span class="ft8">schutzkontrollen, Feuerschau, feuerpolizeiliche Abnahmekontrollen,</span><br/> <span class="ft8">Kontrolle von Feuerungs- und Tankanlagen und bauliche Kontrollen</span><br/> <span class="ft8">pro Gesuch bzw. Gebäude oder Anlage, entsprechend dem erforderli-</span><br/> <span class="ft8">chen Verwaltungsaufwand</span><br/> <span class="ft8">a) Gesuch um Erteilung von Brandschutzbewilligungen Fr. 150.-</span><br/> <span class="ft8">bis Fr. 1200.-</span><br/> <span class="ft8">b) Bewilligungen und Baukontrollen bei Feuerungsanlagen</span><br/> <span class="ft8">Fr. 150.- bis Fr. 400.-</span><br/> <span class="ft8">c) Abnahmekontrollen Fr. 150.- bis Fr. 400.-"</span><br/> <span class="ft1">Die Bestimmung enthält - wie schon mit RRB Nr. 2014-000823</span><br/> <span class="ft1">festgestellt - keine Ermächtigung des Gemeinderates, ergänzende,</span><br/> <span class="ft1">abweichende oder detailliertere Gebührenregelungen für Brand-</span><br/> <span class="ft1">schutzkontrollen zu erlassen. Bedarf die Gebührenordnung der</span><br/> <span class="ft1">Ergänzung oder detaillierteren Regelung, weil z.B. eine Mindestge-</span><br/> <span class="ft1">bühr von Fr. 150.- im Einzelfall das Kostendeckungs- oder das</span><br/> <span class="ft1">Aequivalenzprinzip verletzt, ist dies Sache der Gemeindeversamm-</span><br/> <span class="ft1">lung. Eine vom Gemeinderat vorgenommene Änderung und Ergän-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">412</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zung der Gebührenordnung ist rechtlich unbeachtlich. Periodisch,</span><br/> <span class="ft1">alle zwei Jahre vorzunehmende Feuerungskontrollen bei unveränder-</span><br/> <span class="ft1">ten Anlagen sind zudem keine Bau- oder Abnahmekontrollen bei</span><br/> <span class="ft1">Feuerungsanlagen im Sinne von lit. b oder c der Gebührenordnung,</span><br/> <span class="ft1">welche einmalig nach Bewilligung und Installation oder Änderung</span><br/> <span class="ft1">einer Feuerungsanlage erfolgen.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1</span><br/> <span class="ft1">Wie der Gemeinderat S. selbst festgestellt hat, ist die kommu-</span><br/> <span class="ft1">nale Rechtsetzung im Gebührenbereich und namentlich in Brand-</span><br/> <span class="ft1">schutz- und Umweltschutzangelegenheiten komplex. Eine kleine Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde, die in ihrer Verwaltung keine Juristen beschäftigt, wird nicht</span><br/> <span class="ft1">umhin kommen, sich professionell beraten zu lassen, wenn sie nicht</span><br/> <span class="ft1">Gefahr laufen will, neue Fehler zu begehen. Das bedeutet aber nicht,</span><br/> <span class="ft1">dass sie - wie vom Aufsichtsanzeiger gefordert - bei ihrer Rechtset-</span><br/> <span class="ft1">zung von Juristen der kantonalen Verwaltung quasi zwangsweise zu</span><br/> <span class="ft1">begleiten und zu kontrollieren ist. Für die zwangsweise Ersatzvor-</span><br/> <span class="ft1">nahme durch den Kanton, die Einsetzung eines Sachwalters oder</span><br/> <span class="ft1">ähnlich einschneidende Massnahmen besteht noch kein Anlass. Der</span><br/> <span class="ft1">geplante Erlass einer vollständigen neuen Gebührenordnung durch</span><br/> <span class="ft1">die Gemeindeversammlung dürfte aber eine derart intensive juristi-</span><br/> <span class="ft1">sche Begleitung erfordern, dass der Rahmen einer üblichen freiwilli-</span><br/> <span class="ft1">gen und kostenlosen Beratung durch kantonale Angestellte gesprengt</span><br/> <span class="ft1">würde. Es erscheint bei der gegebenen Sachlage als angezeigt, wenn</span><br/> <span class="ft1">die Gemeinde die Hilfe eines auf Gebührenfragen und Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">recht spezialisierten Experten in Anspruch nimmt, genau so wie es</span><br/> <span class="ft1">auch im Bereich der Raumplanung oder bei anderen komplexen</span><br/> <span class="ft1">kommunalen Aufgaben üblich ist, externe Fachkräfte bei der Ausar-</span><br/> <span class="ft1">beitung von Entwürfen beizuziehen. Da offenbar auch weitere, be-</span><br/> <span class="ft1">nachbarte Gemeinden einen entsprechenden Rechtsetzungsbedarf ha-</span><br/> <span class="ft1">ben, dürfte sich eine Zusammenarbeit anbieten, wodurch die Kosten</span><br/> <span class="ft1">verteilt werden können. Der Gemeinderat S. ist im Übrigen nicht ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtet, bereits auf die nächstmögliche Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft1">vom Sommer 2015 der Gemeindeversammlung eine neue Gebühren-</span><br/> <span class="ft1">ordnung zum Beschluss zu unterbreiten, da die Vorbereitung des Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäfts mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte. Die Gemeinde muss</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">413</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aber in Kauf nehmen, dass es ihr einstweilen verwehrt ist, Gebühren</span><br/> <span class="ft1">für behördliche Tätigkeiten zu erheben, für die derzeit eine genü-</span><br/> <span class="ft1">gende Rechtsgrundlage fehlt.</span><br/> <span class="ft1">5.2</span><br/> <span class="ft1">Im Hinblick auf den Erlass einer neuen kommunalen Gebühren-</span><br/> <span class="ft1">ordnung ist der Gemeinderat S. auf Fehlbeurteilungen hinzuweisen,</span><br/> <span class="ft1">welche in der Aktennotiz "Kaminfegertarif Amtsperiode 2014/17 -</span><br/> <span class="ft1">Überprüfung" enthalten sind. Die Aktennotiz, welche am Ende auf</span><br/> <span class="ft1">den 3. Oktober 2014 datiert ist, aber das Ergebnis einer Besprechung</span><br/> <span class="ft1">vom 28. Oktober 2014 von Vertretern der Gemeinderäte S., B. und V.</span><br/> <span class="ft1">mit dem konzessionierten Kaminfeger H.K. der drei Gemeinden wie-</span><br/> <span class="ft1">dergeben soll, enthält die falsche Feststellung, Feuerungskontrollen</span><br/> <span class="ft1">seien nicht dem regierungsrätlichen Kaminfegerhöchsttarif unter-</span><br/> <span class="ft1">stellt. Nach dem klaren Wortlaut von § 23 BSG gilt der Kaminfe-</span><br/> <span class="ft1">ger(höchst)tarif nicht nur für die Reinigungsarbeiten, einschliesslich</span><br/> <span class="ft1">der mit dieser Aufgabe verbundenen Meldung von feuerpolizeilichen</span><br/> <span class="ft1">Mängeln, die der Richttarif für Kaminfegerarbeiten der Vereinigung</span><br/> <span class="ft1">kantonaler Feuerversicherungen vom 7. Juni 1995 vorsieht, sondern</span><br/> <span class="ft1">auch für "Kontrollen der Feuerungs- und Rauchabzugsanlagen", also</span><br/> <span class="ft1">für Feuerungskontrollen die zwar ursprünglich nur feuerpolizeilich</span><br/> <span class="ft1">bzw. brandschutztechnisch motiviert waren, heute aber gleichzeitig</span><br/> <span class="ft1">(und nicht als separat zu vergütende, zusätzliche Arbeit) auch im</span><br/> <span class="ft1">Interesse des Umweltschutzes erfolgen. Auch gemäss § 1 des Kamin-</span><br/> <span class="ft1">fegerhöchsttarifs gilt der Stundenansatz von Fr. 79.80 für alle in § 23</span><br/> <span class="ft1">BSG aufgeführten Arbeiten, also nicht nur für Reinigungsarbeiten,</span><br/> <span class="ft1">sondern auch für die Feuerungskontrollen. Der Höchsttarif von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 79.80 wurde im Übrigen im Jahre 2014 auf Antrag des Aargaui-</span><br/> <span class="ft1">schen Kaminfegermeisterverbandes überprüft. Die eidgenössische</span><br/> <span class="ft1">Preisüberwachung hat den bisherigen maximalen Stundenansatz wei-</span><br/> <span class="ft1">terhin für angemessen erachtet und eine Erhöhung abgelehnt, wes-</span><br/> <span class="ft1">halb auf eine Revision des Kaminfegerhöchsttarifs verzichtet wurde.</span><br/> <span class="ft1">5.3</span><br/> <span class="ft1">Ferner geht aus dem Protokoll der Besprechung vom 28. Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 2014 hervor, dass in den Gemeinden S., B. und V. weiterhin (und</span><br/> <span class="ft1">offenbar neu ohne Erwähnung im kommunalen Gebührentarif) eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gebühr von Fr. 43.- bei Feuerungskontrollen durch externe Firmen</span><br/> <span class="ft1">erhoben werden soll. Dazu heisst es im Protokoll:</span><br/> <span class="ft9">"Die bemängelten CHF 43.- beim Tarif 'Gebühr bei Kontrolle</span><br/> <span class="ft8">durch externe Firma (ohne Vignette)' wurde nur aus Transparenz-</span><br/> <span class="ft8">gründen aufgeführt. Wird die Feuerungskontrolle durch das Service-</span><br/> <span class="ft8">gewerbe durchgeführt, muss der Rapport mit einer gültigen Vignette</span><br/> <span class="ft8">(Abgabe durch die KFA) versehen werden. Diese Vignette muss für</span><br/> <span class="ft8">den entsprechenden Betrag (CHF 43.00) bei der KFA bezogen wer-</span><br/> <span class="ft8">den. Damit werden die Kosten für administrative Arbeiten und Stich-</span><br/> <span class="ft8">proben abgegolten. Der Rapport wird anschliessend dem zuständigen</span><br/> <span class="ft8">amtlichen Feuerungskontrolleur(in) der Gemeinde zuzustellen."</span><br/> <span class="ft1">Die verwendete Abkürzung "KFA" steht für die irreführende</span><br/> <span class="ft1">Bezeichnung "Koordinationsstelle Feuerungskontrolle Aargau". Es</span><br/> <span class="ft1">handelt sich dabei aber weder um eine kantonale Behörde noch um</span><br/> <span class="ft1">eine vom Kanton Aargau mit Vollzugsaufgaben im Bereich der Feue-</span><br/> <span class="ft1">rungskontrolle beauftragte private Firma. Zuständig für den Vollzug</span><br/> <span class="ft1">der Vorschriften über den Umweltschutz betreffend Luftreinhaltung</span><br/> <span class="ft1">bei Öl- und Gasfeuerungsanlagen mit einer Feuerungswärmeleistung</span><br/> <span class="ft1">bis 1 Megawatt sowie bei Feststofffeuerungen mit einer Feuerungs-</span><br/> <span class="ft1">wärmeleistung bis 70 Kilowatt sind nämlich die Gemeinden (§ 30</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 lit. b EG UWR). Hinter der "KFA" verbirgt sich effektiv eine</span><br/> <span class="ft1">Dienstleistung der I. bzw. der I. AG, welche im Auftrag von etlichen</span><br/> <span class="ft1">aargauischen Gemeinden Vignetten an das Servicegewerbe verkau-</span><br/> <span class="ft1">fen. Das Servicegewerbe soll die Vignette auf den Feuerungskon-</span><br/> <span class="ft1">trollrapport kleben und die Vignetten-Kosten von Fr. 43.- (welche</span><br/> <span class="ft1">teilweise noch durch Beschaffungskosten des Servicegewerbes und</span><br/> <span class="ft1">deren Mehrwertsteuer zusätzlich erhöht werden) sollen dem Eigentü-</span><br/> <span class="ft1">mer oder der Betreiberin der Heizungsanlage vom Servicegewerbe in</span><br/> <span class="ft1">Rechnung gestellt werden. Bei fehlender Vignette auf dem Feu-</span><br/> <span class="ft1">erungskontrollrapport soll der amtliche Feuerungskontrolleur die</span><br/> <span class="ft1">Gebühr ersatzweise direkt vom Heizungseigentümer oder der</span><br/> <span class="ft1">Anlagebetreiberin beziehen ("Gebühr bei Kontrolle durch externe</span><br/> <span class="ft1">Firma ohne Vignette"). Der Erlös aus dem Vignettenverkauf wird</span><br/> <span class="ft1">von der "KFA" aufgeteilt. Fr. 30.- gehen an den kommunalen Feue-</span><br/> <span class="ft1">rungskontrolleur für seinen administrativen Aufwand und Fr. 10.-</span><br/> <span class="ft1">beansprucht die "KFA" für den Vignettenverkauf. Die restlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">415</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Fr. 3.- sind die Mehrwertsteuer auf Fr. 40.-. Da weder das Bundes-</span><br/> <span class="ft1">recht noch das kantonale Recht diese Vignette vorschreiben und eine</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgrundlage für die Erhebung der entsprechenden Gebühr vorse-</span><br/> <span class="ft1">hen, müsste wegen der Vollzugszuständigkeit der Gemeinden für die</span><br/> <span class="ft1">Feuerungskontrolle eine Rechtsgrundlage im Gemeinderecht ge-</span><br/> <span class="ft1">schaffen werden. Selbst wenn aber das zuständige Gemeindeorgan</span><br/> <span class="ft1">eine Vignettengebühr von Fr. 43.- bzw. eine Gebühr von Fr. 43.- bei</span><br/> <span class="ft1">fehlender Vignette im kommunalen Gebührenreglement vorsehen</span><br/> <span class="ft1">würde, müsste diese wegen Missachtung des Kostendeckungs- und</span><br/> <span class="ft1">Aequivalenzprinzips als unzulässig beurteilt werden, wie der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat bereits mit RRB Nr. 2014-000823 vom 20. August 2014</span><br/> <span class="ft1">(Erw. 5.4 = AGVE 2014 S. 458 ff.) festgestellt hat.</span><br/> <span class="ft1">Es würde also nichts nützen, wenn die Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft1">eine Gebühr in dieser Höhe in einem Gebührenreglement festsetzen</span><br/> <span class="ft1">würde. Das Kostendeckungsprinzip bedeutet, dass der Gesamtertrag</span><br/> <span class="ft1">der Gebühren die gesamten Kosten des betreffenden Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">zweigs nicht übersteigen darf. Nach dem Aequivalenzprinzip muss</span><br/> <span class="ft1">die Höhe der Gebühr im Einzelfall in einem vernünftigen Verhältnis</span><br/> <span class="ft1">stehen zum Wert, den die staatliche Leistung für die Abgabepflichti-</span><br/> <span class="ft1">gen hat. Erfolgt die Feuerungskontrolle durch das private Servicege-</span><br/> <span class="ft1">werbe, füllt dieses auch den Feuerungskontrollrapport aus und beur-</span><br/> <span class="ft1">teilt die Einhaltung der Anforderungen der Luftreinhaltung bzw. den</span><br/> <span class="ft1">Sanierungsbedarf zuhanden des Feuerungskontrolleurs, so dass dem</span><br/> <span class="ft1">amtlichen Feuerungskontrolleur nur noch ein kleiner administrativer</span><br/> <span class="ft1">Aufwand für die Erfassung der erfolgten Feuerungskontrolle ent-</span><br/> <span class="ft1">steht, welcher eine Entschädigung in der Grössenordnung von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 10.- und nicht Fr. 30.- oder gar Fr. 43.- rechtfertigt</span><br/> <span class="ft1">(RRB Nr. 2014-000823, Erw. 5.4). Unangemessen ist auch eine Ent-</span><br/> <span class="ft1">schädigung der "KFA" bzw. der I. in der Höhe von Fr. 10.- für den</span><br/> <span class="ft1">Verkauf der Vignette. Wenn eine Gemeinde z.B. die Gebühr für die</span><br/> <span class="ft1">Kehrichtabfuhr mittels auf die Kehrichtsäcke zu klebenden Vignetten</span><br/> <span class="ft1">löst, kann sie die Gebühr für die Kehrichtentsorgungskosten auch</span><br/> <span class="ft1">nicht um Fr. 10.- pro Sack für den Vignettenverkauf vermehren. Bei</span><br/> <span class="ft1">einem kostensparenden Vignettenverkauf durch die Gemeindever-</span><br/> <span class="ft1">waltung oder das in der Gemeinde ansässige Gewerbe entstehen</span><br/> <span class="ft1">kaum Vertriebskosten pro Vignette von über Fr. 1.-. Die "KFA" er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bringt zwar für den Preis von Fr. 10.- noch eine zusätzliche Dienst-</span><br/> <span class="ft1">leistung, indem sie die vom Servicegewerbe an die "KFA" gesandten</span><br/> <span class="ft1">Feuerungskontrollrapporte an die amtlichen Feuerungskontrolleure</span><br/> <span class="ft1">weiterleitet. Das Servicegewerbe könnte den Feuerungskontroll-</span><br/> <span class="ft1">rapport aber auch direkt an den Feuerungskontrolleur senden oder</span><br/> <span class="ft1">ihn dem Heizungsbetreiber zwecks Weitergabe an den konzessionier-</span><br/> <span class="ft1">ten Feuerungskontrolleur aushändigen. Die Zustellung an den Feue-</span><br/> <span class="ft1">rungskontrolleur auf dem unnötigen Umweg über B. (Sitz der I. AG)</span><br/> <span class="ft1">bringt dem Heizungsbetreiber keinen Zusatznutzen, den er zu</span><br/> <span class="ft1">entschädigen hätte. Das gleiche gilt für die aufwändige Vignettenbe-</span><br/> <span class="ft1">schaffung in B. Wenn die Gemeinde also mit der Fr. 43.- kostenden</span><br/> <span class="ft1">Vignette der "KFA" eine unnötig aufwändige Lösung trifft, kann sie</span><br/> <span class="ft1">die entstehenden Kosten nicht entgegen dem Aequivalenzprinzip auf</span><br/> <span class="ft1">den Bürger oder die Bürgerin überwälzen, selbst wenn dafür eine</span><br/> <span class="ft1">Grundlage im kommunalen Gebührenrecht geschaffen wird. Die nur</span><br/> <span class="ft1">bei Vornahme der Feuerungskontrolle durch das private Servicege-</span><br/> <span class="ft1">werbe zu bezahlende Vignettengebühr von Fr. 43.- verzerrt überdies</span><br/> <span class="ft1">den Wettbewerb zwischen dem Kaminfeger/Feuerungskontrolleur ei-</span><br/> <span class="ft1">nerseits und dem privaten Servicegewerbe andererseits, indem sie die</span><br/> <span class="ft1">Dienstleistung des Servicegewerbes einseitig verteuert.</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten erweist sich die erneute Aufsichtsanzeige</span><br/> <span class="ft1">von H.B. vom 13. Dezember 2014 als berechtigt. Der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">S. hat zwar zunächst beschlossen und in einer Pressemitteilung ver-</span><br/> <span class="ft1">kündet, die vom Regierungsrat beanstandeten Gebühren würden wei-</span><br/> <span class="ft1">terhin unverändert angewandt. Auf die verständlicherweise entrüstete</span><br/> <span class="ft1">Reaktion des Aufsichtsanzeigers hin hat er sich aber vom regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rätlichen Rechtsdienst beraten lassen und die Bereitschaft erklärt, die</span><br/> <span class="ft1">bestehenden Mängel nun baldmöglichst zu beheben. Entsprechend</span><br/> <span class="ft1">hat er sich auch in seiner Stellungnahme zur Aufsichtsanzeige vom</span><br/> <span class="ft1">19. Januar 2015 geäussert.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat verlässt sich deshalb darauf, dass der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat S. nun die in den beiden Aufsichtsanzeigebeantwortungen</span><br/> <span class="ft1">enthalten Hinweise für die Mängelbehebung nutzt und loyal umsetzt.</span><br/> <span class="ft1">Ein weitergehendes Einschreiten von Aufsichts wegen oder gar eine</span><br/> <span class="ft1">Ersatzvornahme erscheinen daher zurzeit (noch) nicht als erforder-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lich. In diesem Sinne wird der Aufsichtsanzeige zwar Folge gegeben,</span><br/> <span class="ft1">aber vorläufig von weiteren aufsichtsrechtlichen Massnahmen ab-</span><br/> <span class="ft1">gesehen.</span><br/> <span class="ft1">Da sich die Aufsichtsanzeige als berechtigt erweist, werden dem</span><br/> <span class="ft1">Anzeigenden keine Kosten auferlegt (§ 38 Abs. 3 VRPG).</span><br/></div> </div> </body> </html>