B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4673/2018 U r t e i l v o m 7. J u l i 2 0 2 0 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richterin Mia Fuchs, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Cora Dubach, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 16. Juli 2018 / N (…). D-4673/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein sri -lanki- scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie , aus B._______, Provinz Jaffna, stammend, am 21. März 2016 legal sein Heimatland. Am 30. März 2016 reiste er in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Am 6. April 2016 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Basel zu seinem Reiseweg und sum marisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 5. Juli 2018 fand die Bundesanhörung zu den Asylgründen statt. B. Der Beschwerdeführer brachte hinsichtlich seines Lebenslaufs vor, er habe bis zu seinem 15. Lebensjahr in B._______ gelebt. Nachdem die sri - lankische Armee Jaffna angegriffen habe, sei er ins Vanni-Gebiet gezogen und habe während zwei Jahren von 1996 bis 1998 dort gelebt. Nach seiner Rückkehr aus dem Vanni -Gebiet sei er einmal in einem Militärcamp festgehalten und erst nach zwei Tagen wieder freigelassen worden. Danach habe er in C._______ und D._______ gelebt, wo er zwar die Schule besucht , jedoch weder seinen A -Level-Abschluss beendet noch eine Ausbildung absolviert habe. Schliesslich sei er erne ut nach B._______ gezogen und habe dort mit seiner Ehefrau und den (…) Kindern bis zu seiner Ausreise gelebt. In der Nähe seines Hauses habe er eine kleine (…) eröffnet und rund zehn Angestellte beschäftigt. Im Januar 2015 habe er s eine (…), welche sich unmittelbar neben einem Militärcamp befunden habe, vergrössert und zwei weitere Mitarbeiter, welche entfernte Verwandte seiner Ehefrau gewesen seien, angestellt. Diese seien Mitglieder der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gewesen, bevor sie ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen hätten. Zur Begründung seines Asylgesuches brachte er im Wesentlichen vor, dass ihn im Frühling 2015 Angehörige des gegenüberliegenden Militär- Camps für den (…) auf dem Hof der Militäranlage angefragt hätten. Es sei ihm nahegelegt worden, er solle diese Arbeit unentgeltlich ausführen. Als er sich geweigert habe, sei er von ihnen beschuldigt worden, Verbindungen zu Mitgliedern der LTTE zu pflegen und diese finanziell zu unterstützen. In Folge sei seine (…) regelmässig durch die Behörden kontrollier t worden, indem Angehörige des Militärs fast täglich vorwiegend die beiden neu ein- gestellten Mitarbeiter befragt hätten . Auch seien sie rege lmässig zu ihm D-4673/2018 Seite 3 nach Hause gekommen, um ihm verschiedene Fragen zu stellen. Schliess- lich sei er sechs oder sieben Mal für Befragungen ins Militärcamp vorgela- den und von Mitarbeitern des CID (Criminal Investigation Departement) be- fragt worden. Auch seine Ehefrau habe man drei bis vier Male vorgeladen, wobei sie während einer Befragung im Juni 2015 sexuell belästigt worden sei. Deshalb habe er diesen beiden Mitarbeitern, welche ehemalige Mit- glieder der LTTE gewesen seien, gekündigt sowie schliesslich den Auftrag für den (…) ausgeführt. Danach sei seine Ehefrau von den sri -lankischen Behörden in Ruhe gelassen worden. Er sei jedoch weitere Male vorgeladen worden, wobei ihm gedroht worden sei, ihn verschwinden zu lassen oder ihn zu erschiessen. Es sei ihm wie- derholt vorgeworfen worden, die LTTE finanziell zu unterstütz en. Zudem sei er zum Sinn und Zweck seines damaligen Aufenthalts im Vanni-Gebiet befragt und es sei ihm verboten worden, sich ausserhalb des Dorfes zu begeben. Ab Ende Oktober 2015 habe er den Vorladungen keine Folge mehr geleistet. Daraufhin sei er praktisch täglich von Mitarbeitern des CID zu Hause aufgesucht so wie auf der Strasse beobachtet und kontrolliert worden. Nachdem ihm ein ehemaliger Bekannter, welcher im Militärcamp von B._______ als Armeeangehöriger gearbeitet habe, geraten habe, aus- zureisen, habe er die noch offenen Aufträge an seinen Onkel weitergege- ben und gleichzeitig vergeblich versucht, die (…) zu verkaufen. Er habe seine Ehefrau mit den Kindern zu ihren Eltern nach D._______ geschickt, um sie vor weiteren Belästigungen durch die sri -lankischen Behörden zu schützen. Eine Woche nach seiner A usreise im Frühling 2016 sei von Mitarbeitern des CID eine hohe Geldforderung an seinen Onkel eingegangen, welche dieser in der Folge bezahlt habe. Weiter sei auch dieser Onkel von Mitar- beitern des CID verhört worden. Schliesslich sei dieser aufgrund des von den Verhören verursachten Stresses verstorben. Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Der Beschwerdeführer legte seine Identitätskarte, eine Kopie seine r Identitätskarte der Armee, eine Wohnsitzbestätigung, die Lizenz zur Berechtigung, selbständig eine (…) zu führen, ein Bestätigungsschreiben eines Parlamentsmitglieds – datiert vom 2. Februar 2017 –, seine Geburtsurkunde, diejenige seiner Ehefrau sowie die der vier Kinder , ein Reintegrationsschreiben eines ehemaligen Mitarbeiters , verschiedene D-4673/2018 Seite 4 Fotos und Zeitungsartikel sowie die Todesanzeige seines verstorbenen Onkels zu den Akten. Weiter reichte er einen Arztbericht vom 26. Februar 2018 des Universitätsspitals E._______ sowie eine Einladung zu einem Gesprächstermin beim Psychosozialen Dienst PSD vom 19. Januar 2018 ein. C. Mit Verfügung vom 16. Juli 2018 – eröffnet am 17. Juli 2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug. D. Der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – focht mit Eingabe vom 15. August 2018 die Verfügung des SEM beim Bunde s- verwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkenn en und ihm sei Asyl zu ge- währen. Als Eventualantrag stellte er das Begehren, ihm sei wegen Unzu- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewäh- ren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor- schusses. Weiter beantragte er die Beiordnung rubrizierter Rechtsvertre- terin als amtliche Rechtsbeiständin. E. Mit Zwischenverfügung vom 22. August 2018 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert der ihm gesetzten Frist eine Fürsorgebestätigung ein- zureichen oder einen Kostenvorschuss zu leisten. F. Mit Schreiben vom 24. August 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestätigung sowie einen USB-Stick mit einem Film betreffend die Wohn- und Arbeitsverhältnisse in seinem Haus respektive seiner (…) in B._______ sowie einige Fotos nach. G. Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2018 wurde Frau Cora Dubach an- tragsgemäss als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, eine Vernehmlassung einzureichen. D-4673/2018 Seite 5 H. Die Vorinstanz nahm mit ihrer Vernehmlassung vom 31. August 2018, wel- che dem Beschwerdeführer am 4. September 2018 zur Kenntnis gebracht wurde, Stellung zu d en Widersprüchen bezüglich der V erhöre des Be- schwerdeführers. Der erst auf Beschwerdeebene eingereichte USB -Stick mit verschiedenen Fotos sowie einer Videoaufnahme würden über keinen Beweiswert verfügen und seine dargelegte Verfolgung nicht belegen. Wei- ter hielt sie an ihren Erwägungen fest. I. In der Replik vom 28. September 2018 verwies der Beschwerdeführer hin- sichtlich der Interpretation von Widersprüchen auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) hin und hielt er- gänzend fest, dass der Verkauf seiner zwischenzeitlich stillgelegten (…) durch die Angehörigen der Armee verhindert werde. Auch würden die An- gehörigen seiner Familie nach wie vor regelmässig schikaniert und befragt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). D-4673/2018 Seite 6 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Ar t. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs- weise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingsei genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, die Vorbringen in Bezug auf das Interesse der sri-lankischen Behörden am Be- schwerdeführer sei en nicht überzeugend dargelegt worden und seine Schilderungen würden stereotyp sowie nicht selbst erlebt wirken. Deshalb halte seine geltend gemachte Verfolgung den Anforderungen an die Glaub-D-4673/2018 Seite 7 haftigkeit nicht stand. Gleichzeitig würden seine vorgebrachten Verfolgun- gen den Kriterien an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügen, da sie keine genügende Intensität im Sinne des Asylgesetzes aufweisen würden. Es sei zwar davon auszugehen, dass die Zivilbevölkerung in Norden und Osten von Sri Lanka nach wie vor überwacht werde, jedoch erscheine das geltend gemachte Interesse de s CID an seiner Person sowie der damit verbundene, enorme Aufwand in Bezug auf die regelmässigen Kontrollen und Überwachungen als zweifelhaft, zumal es nicht einleuchte, warum ihm täglich die gleic hen Fragen hätten gestellt werden sollen. Den Behörden hätte anhand seiner Aussagen logischerweise schnell bewusst werden müssen, dass er weder über relevante Information zu den LT TE verfüge noch selber eine Verbindung zu ihnen aufweise. Wäre tatsächlich ein sol- cher Verdacht vorhanden gewesen, wäre er festgenommen worden. Auch erscheine das Interesse an den beiden ehemaligen und rehabilitierten Mit- arbeitern übertrieben, denn wären sie tatsächlich der Mithilfe des Wieder- aufbaus der LTTE verdächtigt worden, wären auch sie mit Sicherheit von den Behörden festgenommen worden. Seine Schilderungen der Verhöre seien wenig detailreich ausgefallen. Auch auf Nachfrage habe er keine prä- ziseren Auskünfte zu den Geschehnissen wiedergeben können, sondern habe nur ausweichend geantwortet, er könne sich nicht mehr an alles er- innern, da er viele schlimme Sachen erlebt habe. Ebenfalls habe er die Kontrollen in seinem Haus durch die sri-lankischen Behörden nicht lebens- nah schildern können . Zudem sei es zu widersprüchlichen Angaben hin- sichtlich der Dauer und Anzahl seiner Befragungen und zu deren seiner Ehefrau gekommen, welche nicht haben aufgelöst werden können. Seine Vorbringen, man habe nach seiner Ausreise von seinem Onkel eine hohe Geldforderung verlangt, wirke nachgeschoben, weil er diesen Umstand nicht bereits anlässlich der BzP erwähnt habe. Weiter habe es wider- sprüchliche Angaben im Zusammenhang mit seiner Ausreise sowie seinem Reisepass respektive den darin erhaltenen Visa gegeben. Diese voneinan- der abweichenden Aussagen würden den Schluss zulassen, er sei auf an- dere als die von ihm angegebene Weise in die Schweiz gelangt. Ferner würden auch die eingereichten Unterlagen weder über einen Be- weiswert verfügen noch seien sie dazu geeignet, eine Verfolgung zu bele- gen. Zudem weise das vom 2. Februar 2017 datierte Schreiben des Parla- mentsmitglieds Widersprüche zu seinen eigenen Aussagen auf und sei le- diglich als reines Gefälligkeitsschreiben zu werten. D-4673/2018 Seite 8 Seine geltend gemachten Verfolgungen und Schikanen durch die sri-lanki- schen Behörden würden keine asylrelevanten Verfolgungshandlungen dar- stellen. Er weise kein Risikoprofil auf, da er bis auf eine zweitägige Inhaf- tierung im Jahr 1998 bis zu den Ereignissen im Frühling 2015 nie übermäs- sig von den Behörden behelligt worden sei. Auch sei aufgrund seiner Schil- derungen nicht ersichtlich , dass seine Familienangehörigen eine Verbin- dung zu den LTTE gehabt hätten, wobei auch die Tatsache, dass einer sei- ner Cousins den Heldentod gestorben sei, für die heimatlichen Behörden nicht relevant gewesen sei. Schliesslich stehe auch einem Wegweisungsvollzug nichts im Weg, da er über kein erhöhtes Risi koprofil verfüge und keine individuellen Wegwei- sungshindernisse vorhanden seien. Er verfüge über langjährige Arbeitser- fahrung, über eine gesicherte Wohnsituation und über gute finanzielle Ver- hältnisse sowie über ein umfassendes familiäres Beziehungsnetz im Hei- matland. Auch sei seine (…) Behandlung gemäss dem Arztbericht vom 26. Februar 2018 abgeschlossen und die empfohlenen alljährlichen Kon- trollen könnten ebenso im Heimatland durchgeführt werden. 4.2 Der Besc hwerdeführer machte bezüglich seine r angeblich wider- sprüchlich Aussagen zwischen der BzP und der Anhörung zu den Asylgrün- den geltend, es sei nicht legitim, diese Widersprüche so bedeutend wie vorliegend zu gewichten, da Widersprüche in der BzP nur dann relevant seien, wenn sie zur Abklärung der Flüchtlingseigenschaft dienen w ürden und dies auch nur dann, wenn diese Aussagen diametral voneinander ab- weichen würden, was jedoch vorliegend nicht der Fall sei . Auch habe ein Entscheid des EGMR dargelegt, dass aufgrund der speziellen verfahrens- rechtlichen Situation im Asylverfahren au ftretenden Widersprüchen im Zweifel nicht zu viel Gewicht beigemessen werde n dürfe. Deshalb seien seine Schilderungen glaubhaft. Ausserdem seien zwischen der BzP und der Anhörung zu den Asylgründen mehr als zwei Jahre vergangenen, was das Vorhandensein gewisser Unklarheiten in seinen Aussagen verständ- lich und nachvollziehbar mache. Zudem sei es in zeitlicher und quantitati- ver Hinsicht in Bezug auf die Verhöre nicht zu widersprüchlichen Aussagen gekommen, da die Vorinstanz es unterlassen habe, zwischen «informel- len», kürzeren, in der (…) durchgeführten und zu Hause sowie «formellen», längeren Befragungen im Militärcamp zu diff erenzieren. Dasselbe gelte auch für die angeblich widersprüchlichen Angaben in Bezug auf die Ver- höre seiner Ehefrau. Diesen unterschiedlichen Arten von Verhören habe die Vorinstanz nicht Rechnun g getragen, weshalb seine diesbezüglichen Erläuterungen den Anschein von widersprüchlichen Angaben erwecke n D-4673/2018 Seite 9 würden. Zudem dürfe ihm nicht zur Last gelegt werden, dass die Schilde- rungen zu den Verhören nicht detailreicher ausgefallen seien, da ihm die heimatlichen Behörden immer wieder die gleichen Fragen gestellt hätten. Gerade dieser Umstand zeuge von einer glaubhaften Darstellung, denn mithilfe dieser repetitiven Fragen würden die Behörden eine Drucksituation erzeugen wollen. Zudem sei zu berücksichtigen, dass er sich während die- ser V erhöre in einer Extremsituation befunden habe, weshalb es auch nachvollziehbar sei, sich nicht mehr an alle Details erinnern zu können. Hinsichtlich der Zweifel der Vorinstanz am Interesse der sri-lankischen Be- hörden am Beschwerdeführer sei entgegenzuhalten , dass er einerseits aufgrund der Einstellung der beiden ehemaligen LTTE -Mitglieder, ander- seits wegen des (…) in den direkten Fokus der Behörden gelangt sei. Zu- sammen mit seiner Verhaftung nach seiner Rückkehr aus dem Vanni-Ge- biet liege der Schluss der heimatlichen Behörden nahe, dass er Verbindun- gen zu den LTTE aufweise und seine (…) ein Treffpunkt für weitere ehe- malige LTTE-Mitglieder sei. Als Inhaber des Geschäfts habe er diese Be- suche toleriert, weswegen ihm die Behörden eine Verbindung zu den LTTE unterstellen würden. Ein weiteres diesbezügliches Indiz, dass er verdächtig erscheine, sei, dass ihm im mer dieselben Fragen gestellt wo rden seien, wobei man ihm nicht geglaubt habe, nicht mit den LTTE in Verbindung zu stehen. Die Vorinstanz verkenne ausserdem, dass die beiden neu einge- stellten Mitarbeiter ehemalige ranghohe Mitglieder der LTTE gewesen seien und dass diese weiterhin eine Gefahr für den Staat dars tellen wür- den. Auch wenn er de facto kein Interesse an einem Wiederaufbau der LTTE aufweise, so sei ihm durch die sri-lankischen Behörden gerade die- ses Interesse unterstellt worden. Weiter würden zwar die eingereichten Beweismittel seine Verfolgung nicht direkt belegen, jedoch seine Glaubwürdigkeit untermauern. Hinsichtlich des eingereichten Schreibens des Parlamentsmitgliedes sei klarzustellen, dass dieses Schreiben auf Wunsch seiner Ehefrau verfasst worden sei und dementsprechend nicht seine persönliche Situation darstelle. Schliesslich seien seine Vorbringen nicht nur glaubhaft, sondern auch asyl- relevant, da er und seine Familienangehörigen von den sri-lankischen Be- hörden während Monaten beobachtet, kontrolliert und befragt worden seien und ihm zudem vorgeworfen worden sei, eine direkte Verbindung zu den LTTE zu haben. Ausserdem sei ihm anlässlich seines letzten Verhörs mit weiteren Konsequenzen sowie mit dem Tod gedroht worden. Auch wenn die einzelnen Eingriffe für sich alleine kein e genügende Intensität D-4673/2018 Seite 10 aufwiesen, so würden sie in ihrer Gesamtheit dennoch zu einem flücht- lingsrechtlich relevanten psychischen Druck führen. Da er aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit und wegen seiner angeblichen politischen Ein- stellung gezielt bis zu seiner Ausreise einer Verfolgung ausgesetzt gewe- sen sei, erfülle er die Flüchtlingseigenschaft. Ferner verfüge er über ein erhöhtes Risikoprofil, indem er sich zu den be- reits erfolgten behördlichen Verfolgungen durch seine Ausreise verdächtig gemacht ha be. Zudem sei zu beachten, dass auch nach seiner Flucht seine Familienangehörigen dem Druck der Behörden ausgesetzt seien und regelmässig von ihnen befragt würden. Bei einer Rückkehr ins Heimatland sei er mit hoher Wahrscheinlichkeit einer asylrelevanten Verfolgung ausge- setzt, weshalb ein Wegweisungsvollzug unzulässig wäre. 4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest , die Argumentation des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit den in der Beschwerde vorgebrachten Unterschieden zwischen «informellen» u nd «formellen» Verhören als Erklärung zur Auflösung der Widersprüche sei nicht überzeu- gend. Dasselbe gelte auch für die widersprüchlichen Angaben zu den Ver- hören seiner Ehefrau. Überdies würden die auf einem USB -Stick einge- reichten Fotos sowie die Videoaufnahme keinen Beweiswert für seine Ver- folgung aufweisen. 4.4 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Replik zu den angeblichen Widersprüchen, seine minimal abweichenden Aussagen (vier bis fünf Ver- höre anlässlich der BzP und sechs bis sieben Verhöre in der Befragung zu den Asylgründen) dürften nicht zu einer Begründung der Unglaubhaftigkeit führen. Er verwies erneut auf ein Leiturteil des EGMR, aus welchem her- vorgehe, dass sich das Berufen auf kleine Widersprüche als menschen- rechtswidrig erweise. Ferner versuche seine Familie in Sri Lanka, die (…) zu verkaufen, was je- doch bisher verhindert worden sei, nämlich, indem seine Mutter, welche als einzige noch im Haus in B._______ wohnhaft sei, durch die sri -lankische Armee schikaniert und regelmässig nac h seinem Verbleib befragt werde. Diese Umstände würden potentielle Käufer abschrecken. D-4673/2018 Seite 11 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesonder e dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt s ind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5.2 In ihrem Entscheid zweifelte die Vorinstanz an der Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Beschwerdeführers. Insbesondere seien die von ihm beschriebenen Verhöre durch die sri-lankischen Behörden in vielerlei Hin- sicht stereotyp und wenig lebensnah ausgefallen. Dieser Einschätzung kann sich das Bundesverwaltungsgericht nicht anschliessen. So fällt auf, dass er in der freien Erzählung anlässlich der Anhörung zu den Asylgrün- den sehr ausführlich und mit Realkennzeichen versehen seine Erlebnisse respektive seine Verhöre darlegte. Er gab neben präzisen Zeitangaben ge- naue Daten zu den relevanten Ereignissen wieder, korrigierte sich bezüg- lich des letzten Verhöres seiner Ehefrau nach einer kurzen Überlegpause hinsichtlich seiner gemachten Zeitangabe und setzte die se gleichzeitig in den Kontext mit dem täglichen Schulschluss sei ner Kinder (vgl. act. A18/25, F49). Besonders realitätsnah und dementsprechend erwähnens- wert ist, dass er sich in seinen Erzählungen zu keinen Übertreibungen hin- reissen liess, sondern vielmehr die Subtilität, mit welcher die betreffenden D-4673/2018 Seite 12 Behörden Druck gegen ihn ausgeübt haben, beschrieb. So legte er dar, wiederholt und fast täglich von den sri-lankischen Behörden befragt oder beobachtet worden zu sein. O bwohl diese ihm drohten, ihn zu schlagen, sei es nie dazu gekommen (vgl. act. A18/25, F49). Ferner schilderte er die regelmässigen Kontrollen in seinem Haus und in der (…) als übliche sowie unproblematische Behördenmassnahmen. Weiter überzeugt seine lebens- nahe Überlegung, warum er nicht umgehend nach der ersten Befragung seiner Ehefrau diese u nd die Kinder weggeschickt habe, sondern davon ausgegangen sei , dass solche Befragungen in Sri Lanka üb lich seien , ebenso wie die Schilderung bezüglich den Befragungen seiner beiden neu eingestellten Mitarbeiter, welche er als «eher normal» beschrieben hat (vgl. act. A18/25, F62, F65, F121; F71). Weiter erläuterte er in nachvollziehbarer Weise, wie sich diese regelmässigen Befragungen und Kontrollen der Be- hörden zugetragen haben. Obwohl eine gewisse Knappheit in seinen Aus- sagen zu erkennen ist, ist insgesamt dennoch von deren Glaubhaftigkeit auszugehen und festzuhalten, dass er, wenn er die Ereignisse, insbeson- dere die Befragungen, nicht selbst erlebt hätte, kaum auch erwähnt hätte, dass die Behörden teilweise freundlich u nd nett mit ihm umgegangen seien. Schliesslich kann auch seine Darstellung der letzten Befragung sei- ner Ehefrau – von ihm als schlimmstes Ereignis bezeichnet – als ausführ- lich und emotional beschrieben werden (vgl. act. A18/25, F100; F49; F95; F100 - 103; F116 - 121). Dass er sich nach den sexuellen Belästigungen seiner Ehefrau dazu entschlossen hat, den Auftrag für das Militärcamp aus- zuführen, um seine Ehefrau vor weiteren Übergriffen zu schützen , wirkt nachvollziehbar und schlüssig. Hinsichtlich der von der Vorinstanz angeführten Widersprüche zur Anzahl der Verhöre ist zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer zwar zuerst er- klärt hat, drei oder vier Mal im Militärcamp befragt worden zu sein, um spä- ter jedoch – unaufgefordert – zu berichtigen, man habe ihn sechs oder sie- ben Mal befragt. Zu der auch als unbedeutend zu qualifizierenden Abwei- chung in Bezug auf die zeitliche und quantitative Angabe der Verhöre sei- ner Ehefrau ist zu erwähnen, dass er sich diesbezüglich bereits während der BzP selbst korrigierte (vgl. act. 6/13, F7.01). Zudem ist festzustellen, dass, obwohl zwischen der BzP und der Anhörung zu den Asylgründen eine Zeitspanne von mehr als zwei Jahren liegt, er die wesentlichen Sach- verhaltselemente sowie die Details dennoch übereinstimmend wiederge- geben hat. D-4673/2018 Seite 13 Schliesslich ist es – entgegen der Argumentation der Vorinstanz – nach- vollziehbar, dass es zu so vielen Befragungen, Kontrollen und Observie- rungen gekommen ist, zumal sich das Camp gerade gegenüber der (…) befindet und sich die Möglichkeit einer wiederkehrenden Kontrolle bei die- ser Lage geradezu aufdrängt. Hingegen ist der Vorinstanz in Bezug auf die eingereichten Beweismittel zuzustimmen. So vermögen die Unterlagen be- treffend die (…), die Todesanzeige seines Onkels, die Zeitungsausschnitte über verschiedene getötete Personen sowie die Videoaufnahmen kein Ver- folgungsinteresse der heimatlichen Behörden am Beschwerdeführer zu be- legen. Schliesslich ist das Schreiben des Parlamentsmitgliedes vom 2. Februar 2017 als nicht sachd ienlich zu qualifizieren, zumal es auf Wunsch seiner Ehefrau ausgestellt worden war und über keinen hohen Be- weiswert verfügt. 5.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorbringen des Be- schwerdeführers als insgesamt glaubhaft zu qualifizieren sind. 6. 6.1 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Nachstellungen durch die verschiedenen sri-lanki- schen Behörden Nachteile im Sinne des Asylgesetzes respektive einen un- erträglichen psychischen Druck zu begründen vermögen. 6.2 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht- lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG kann von staat- lichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person ei- ner landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem ande- ren Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwi- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE D-4673/2018 Seite 14 2013/11 E. 5.1.1, 2010/28 E. 3.3.1.1, 2010/57 E. 2, 2008/12 E. 5, j eweils mit weiteren Hinweisen). 6.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk- lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be- drohung vorhanden sein, die bei jedem Men schen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungs- massnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen). 6.4 Hinsichtlich der Kontrollen und Befragungen, welchen der Beschwer- deführer während eines Zeitraumes von rund zehn Monaten und bis zu seiner Ausreise gegen Ende März 2015 ausgesetzt war, ist festzustellen, dass diese keine Verfolgungshandlungen im Sinne des Asylgesetzes dar- stellen, wie nachfolgend zu zeigen ist. Die regelmässigen Kontrollen in sei- ner (…) betrafen in einer ersten Periode vorwiegend seine beiden Mitar- beiter, welche ehemalige LTTE-Mitglieder waren. Gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers seien diese Kontrollen normal und nicht besorg- niserregend gewesen, insbesondere, weil es bereits zuvor, seit der Eröff- nung seiner (…), zu regelmässigen Kontrollen gekommen sei (vgl. act. A18/25, F49, 66, 70, 74 , 82), was mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die Lage der (…) neben dem Militärcamp zurückzuführen ist. Hierzu ist anzu- fügen, dass es verschiedenen Quellen zufolge im Norden und im Osten von Sri Lanka aus Sicherheitsgründen zu regelmässigen Registrierungen von rehabilitierten LTTE-Mitgliedern kommen kann, wobei die registrierten Personen und teilweise auch deren Arbeitgeber in Folge Kontrollen und Überwachungen durch die zivilen und militärischen Behörden ausgesetzt sind (Landinfo, Human rights and security issues concerning the Tamil po- pulation in Colombo and the Northern Province, 07.12.2012, https://land- info.no/asset/2321/1/2321_1.pdf, S.21ff., abgerufen am 8. Juni 2020). Vor- liegend ist nicht ersicht lich, inwiefern dem Beschwerdeführer oder den beiden Mitarbeitern aufgrund dieser Kontrollen Nachteile entstan-D-4673/2018 Seite 15 den sind. Wären die sri-lankischen Behörden tatsächlich der Ansicht gewe- sen, dass er und seine Angestellten – wie in der Beschwerde dargelegt – aufgrund von Verbindungen zu den LTTE und deren finanzielle Unterstüt- zung eine Gefahr für den Staat darstellen würden, hätte er sich nicht un- problematisch noch so lange in seinem Heimatdorf aufhalten können . Es blieb bei gleichbleibenden Kontrollen und kam zu keinen weiteren nachtei- ligen Handlungen durch die sri -lankischen Behörden. So ist auch festzu- stellen, dass einer der beiden ehemaligen Mitarbeiter weiterhin unbehelligt, ausser einer Meldepflicht unterstehend, im Heimatdorf des Beschwerde- führers lebt (vgl. act. A18/25, F182-184). Weiter ist festzuhalten, dass er in einer nächsten Periode, nämlich erst durch die Weigerung, unentgeltlich für das seiner (…) gegenüberliegende Militär-Camp den ihm angebotenen Baua uftrag auszuführen, beschuldigt wurde, mit den LTTE in Verbindung zu stehen (vgl. act. A18/25, F75, 80). In derselben Zeitspanne haben – gemäss der Aktenlage – die behördlichen Belästigungen seiner Ehefrau begonnen, welche jedoch nach der Anhand- nahme des Bauauftrages aufgehört haben, und diese nicht mehr aufgebo- ten wurde, sich den Behörden zur Verfügung zu stellen . Schliesslich ist festzuhalten, dass er weder aufgrund der sechs- bis siebenmaligen Befra- gungen im Militär-Camp (vgl. act. A18/25, F93) noch durch das Verweigern an der Teil nahme von weiteren Befragungen (ab Ende Oktober 2015 ) schwerwiegenden Nachteilen ausgesetzt war, zumal er trotz seiner Weige- rung, sich für weitere Verhöre im Militärcamp zu melden, unbehelligt noch rund fünf Monate bis zur Ausreise im März 2016 in seinem Heimatdorf ge- lebt hatte (vgl. act. A18/25, F130-139). Letztendlich basiert seine Motiva- tion zur Ausreise auf seiner Vermutung, dass etwas gegen ihn im Gange sei sowie auf dem Ratschlag seines ehemaligen Schulkollegen, welcher im gegenüberliegenden Militär-Camp arbeitete, auszureisen (vgl. act. A18/25, F136). Es erscheint zwar durchaus nachvollziehbar, dass sich der Beschwerde- führer aus subjektiver Sicht vor weiteren unangenehmen Kontrollen oder Überwachungsaktionen gefürchtet hat und es ihm widerstrebt haben muss, über Kunden und neue Besucher Auskunft geben zu müssen (vgl. act. A18/25, F143-145). Aus objektiver Sicht ist jedoch nicht zu erkennen, in- wiefern er deshalb einer reellen Gefahr oder einem unerträglichen psychi- schen Druck ausgesetzt gewesen sein soll. Obwohl die regelmässigen Kontrollen und die Überwachung durch das sri- lankische Militär sowie die Schwierigkeit, die (…) zum jetzigen Zeitpunkt zu D-4673/2018 Seite 16 verkaufen, äusserst unangenehm sind, ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Lage seiner (….) den Schikanen von (kor- rupten) Behördenangehörigen ausgesetzt gewesen war , welche mittels Druck versucht haben, gü nstig oder gar unentgeltlich zum Bau ihres (…) zu gelangen. Wie auch aus der Beschwerdeschrift hervorgeht, handelte es sich beim Bauauftrag und den darauffolgenden Problemen um Erpressung durch die Angehörigen des Armeecamps. Es entsteht insgesamt der Ein- druck, dass die Behörden eine Anschuldigung konstruiert haben, um ihn wegen des Bauauftrags unter Druck zu setzen, was auf die Lage seiner (…) zurückzuführen ist. Hätten die Behörden ih n tatsächlich der Verbin- dung zu den LTTE verdächtigt, hätte er nicht noch rund fünf Monate nach dem Ignorieren weiterer Vorladungen unbehelligt in seinem Heimatdorf le- ben können. Eine fehlende Verfolgung wird zudem durch die Tatsache ver- stärkt, als dass er problemlos mit seinem Reisepass aus Sri Lanka ausrei- sen konnte, weshalb auch nicht davon auszugehen ist, dass er über ein erhöhtes Risikoprofil verfügt. 6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein konkreter Anlass ersicht- lich ist , der Beschwerdeführer wäre zum Zeitpunkt der Ausreise Verfol- gungsmassnahmen im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt gewesen. 7. 7.1 Weiter ist zu prüfen, ob Nachfluchtgründe vorliegen und dem Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr ins Heimaltland mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen. 7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teilnahme an exilpoli- tischen regimekritischen Handlungen und um das Vorliegen früherer Ver- haftungen durch die sri -lankischen Behörden, übliche rweise im Zusam- menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sogenannte stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1– 8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, D-4673/2018 Seite 17 unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspa- piere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise zurückgeführt wer- den oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (soge- nannte schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach- ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen- den Person ergeben. Dabei zieht es i n Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatis- mus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 7.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi- denten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa -Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential- candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März 2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema- ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge- gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er best reitet die Anschuldigun- gen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja- paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.ani- news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha- mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753/, abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten be- fürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa- ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020). D-4673/2018 Seite 18 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein- zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol- gen besteht. 7.4 Der Beschwerdeführer weist keine stark risikobegründenden Faktoren auf, welche eine Wegweisung als unzulässig ersche inen lassen würden . Wie bereits dargelegt (vgl. Erwägung 6.4), lassen sich die mehrmaligen Befragungen durch den CID keinen flüchtlingsrelevanten Verfolgungs- massnahmen zuordnen, sondern dienten vor allem zur Kontrolle seiner bei- den neu eingestellten Mitarbeiter mit einer LTTE-Vergangenheit. Auch die Unterstellung, er selber weise Nähe zu den LTTE auf, hörte mit dem Beginn des Tempelbaus auf und es sind ihm nach der Verweigerung, weiteren Ver- hören Folge zu leisten, während der letzten fünf Monate vor seiner Aus- reise keine Nachteile entstanden. Deshalb ist nicht davon auszugehen, dass er durch die sri-lankischen Behörden tatsächlich verdächtigt wird, den LTTE nahe zu stehen. Ferner geht aus den Akten nicht hervor, dass er in Sri Lanka strafrechtlich verfolgt wäre oder ein Haftbefehl gegen ihn ausge- stellt ist und er deshalb auf der sog. «Stoplist» figurieren würde. Weiter sind auch keine schwach risikobegründenden Faktoren erkennbar, zumal er le- gal mit eigenem Pass ausgereist ist (vgl. act. A6/13, F5.01), keinen exilpo- litischen Aktivitäten nachgeht und über keine offensichtlichen Narben ver- fügt. 7.5 Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko aus- gesetzt wäre und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG be- fürchten müsste. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. D-4673/2018 Seite 19 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. D-4673/2018 Seite 20 9.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Fol- terausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück- schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur- teil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitua- tion in Sri Lanka lässt den We gweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 9.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä- ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen , wiederholt befasst (vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien vom 31. Mai 2011, 41178/08; T.N. gegen Dänemark vom 20. Januar 2011, 20594/08; P .K. gegen Däne- mark vom 20. Januar 2011, 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien vom 17. Juli 2008, 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge- gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann- ten „Background Check“ (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. D-4673/2018 Seite 21 9.5 Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, glaubhaft darzulegen, er werde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer flüchtlingsrechtlich relevan- ten Verfolgung ausgesetzt. Der Vollzug der Wegweisung ist im Sinne der asyl- und völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.7 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge- walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenzur- teilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine akt uelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei- sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie- gen von individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan- densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so- wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation. 9.8 Der Beschwerdeführer stammt aus der Nordprovinz und verfügt über mehrjährige Berufserfahrung als selbstständig erwerbender (…) welcher im Besitz einer eigenen (…) im Heimatland ist. Auch wenn er aufgrund der ungünstigen Lage neben einem Militärcamp Schwierig keiten mit seinem Betrieb gehabt hat, so ist es ihm dennoch möglich, an einem anderen Ort mit seinen noch vorhandenen Maschinen aus der alten (…) ein neues Ge- schäft aufzubauen. Auch die Einnahmen der eigenen Grundstücke mit Ko- kosplantagen ermöglichen es ihm, allfällige finanzielle Engpässe zu über- brücken. Ausserdem verfügt er über ein breites familiäres Netz. Seine Ehe- frau und die vier gemeinsamen Kinder sowie zwei Brüder und die Mutter können ihn bei einer Reintegration unterstützen. Auch aus medizinischer Sicht sind keine Gründe ersichtlich, welche gegen einen Wegweisungsvoll- zug sprechen. Gemäss dem (…) Bericht vom 26. Februar 2018 ist die Be- handlung abgeschlossen. Seine sechs Monate dauernde Gesprächsthera- pie beim Psychosozialen Dienst (…) in E._______ sei abgeschlossen, da er keine weiteren Termine mehr erhalten habe und es ihm bessergehe (vgl. D-4673/2018 Seite 22 act. A18/25, F5-6). Weitere gesundheitliche Probleme macht er nicht gel- tend, zumal keine weiteren medizinischen Unterlagen eingereicht worden sind. Nach dem Ge sagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.9 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.10 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Verfügung vom 22. August 2018 gutgeheissen wurde, werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 12. Mit Eingabe vom 15. August 2018 reichte die Rechtsbeiständin eine Kos- tennote in der Höhe von Fr. 2’918.– ein, welche eine Eröffnungspauschale beinhaltet. Sie ging von einem Aufwand von 13,5 Stunden (ohne Replik) von einem Stundenansatz von Fr. 200.– sowie zwei Stunden für Dolmet- scherdienste aus. Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2018 war darauf aufmerksam gemacht worden, dass bei einer nicht-anwaltlichen Vertretung bei einer amtlichen Rechtsvertretung in der Regel von einem Stundenan- satz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die Eröffnungspauschale wird praxisgemäss nicht D-4673/2018 Seite 23 vergütet. Das Honorar ist entsprechend anzupassen , der Stundenansatz auf Fr. 150.– herabzusetzen und der amtlichen Rechtsbeistä ndin ein Ho- norar von Fr. 2’343.– (inklusive Auslagen, nicht mehrwertsteuerpflichtig ) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-4673/2018 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird vom Bundesverwaltungsgericht ein Honorar in der Höhe von Fr. 2’343.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. 5. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Martina von Wattenwyl Versand: