Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Mai 2015 (720 14 335 / 126) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenaufhebung bestätigt mittels substituierter Begründung durch das Gericht; anläss- lich der erstmaligen Rentenzusprache lag ein somatisches Leiden vor, weshalb eine Ren- tenaufhebung gestützt auf lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen nicht in Frage kommt; da aber erheblich verbesserter Gesundheitszustand, Rentenaufhebung gestützt auf Art. 17 ATSG im Ergebnis bestätigt Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A. ____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ war seit Dezember 1994 bei der Firma B.__ __ in einem Pensum von zehn Stun- den pro Woche als Raumpflegerin angestellt, als sie sich am 8. September 1998 unter Hinweis Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf eine chronische Polyarthritis bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug anmeldete und die Ausrichtung einer IV-Rent e beantragte. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) sprach der Versicherten nach Vorna hme der Abklärungen mit Verfügung vom 18. Juni 1999 mit Wirkung ab dem 1. Januar 1998 ein e ganze Rente, eine Zusatzrente für den Ehemann und drei Kinderrenten zu. In Anwendung d er allgemeinen Bemessungsmethode des Einkommensvergleichs hatten eine 100 %-ige Erwerbseinbusse und ein IV-Grad von 100 % resultiert. Eine von Amtes wegen durchgeführte Revision im Jahr 2002 schloss die IV-Stelle mit der Mitteilung vom 15. April 2003 ab. Der Versicherte n wurde mitgeteilt, dass die ganze Rente unverändert ausgerichtet werde. Weitere Revisionen von Amtes wegen wurden ebenfalls un- verändert abgeschlossen (vgl. Mitteilungen der IV-Stell e vom 31. Mai 2006 und vom 25. Juni 2010). Im August 2012 wurde eine weitere Revision von Amtes wegen eingeleitet, wobei auch ein bidisziplinäres rheumatologisches/psychiatrisches Gutachte n bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie, eingeholt wurde, nachdem der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. E.____ , Innere Medizin und Rheumatologie FMH, keinen Bericht eingereicht hatte. Gestützt auf d ie gutachterliche Beurteilung und nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren hob die IV-Stelle die Rente von A.____ mit Verfügung vom 18. September 2014 auf. Begründet wurde die Rent enaufhebung mit den Schlussbestim- mungen der Änderung vom 18. März 2011 (lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen der am 18. März 2011 beschlossen Änderung des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 [6. IV-Revision, erstes Massnahmen paket, gültig seit 1. Januar 2012), da den vorliegenden medizinischen Unterlagen keine obje ktivierbaren Befunde entnommen hätten werden können und da keine weiteren Kriterie n vorgelegen hätten, die eine Schmerz- überwindbarkeit in Frage gestellt hätten. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dani el Altermatt, am 20. Oktober 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei lung Sozialversicherungsrecht und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügun g und die Feststellung, dass sie nach wie vor Anspruch auf eine Invalidenrente im bisherige n Umfang habe; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wird im Wesentlichen vorgetragen, dass das bidisziplinäre Gutachten bei Dr. D.____ und Dr. C.____ in Auftrag gegeben worden sei, ohne der Beschwerdeführerin vorgängig die Möglichkeit einzuräumen, selbst eigene Gutachtervo rschläge zu unterbreiten. Damit sei der Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör ve rletzt worden. Diese Gehörsverlet- zung müsse die Unverwertbarkeit des Gutachtens zur Folge ha ben. Im Weiteren sei das Gut- achten auch materiell mangelhaft, da von den behandel nden Ärzten Dr. E.____ und Dr. F.____ keine aktuellen Berichte eingeholt worden seien. Das Gut achten basiere somit nicht auf aktuel- len medizinischen Berichten. Schliesslich sei auch die Revisi on gestützt auf die Schlussbe- stimmungen der 6. IV-Revision unzulässig, da die Beschwer deführerin unter objektivierbaren gesundheitlichen Beschwerden – degenerativen Kniegele nksveränderungen und Status nach Oligoarthritis – leide. Die angefochtene Verfügung sei daher nichtig. C. Mit Vernehmlassung vom 8. Januar 2015 beantragte di e Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs habe nicht stattgefunden, da die Beschwerdeführerin darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass sie Ausstands- und Ab- lehnungsgründe geltend machen und Zusatzfragen stellen könne. Ein Anspruch auf konsensua- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht le Bestimmung der Gutachter bestehe nach Praxis des Kanto nsgerichts nicht. In Bezug auf die Anwendung der Schlussbestimmungen sei der Beschwerdeführerin dahingehend zuzustimmen, dass diese vorliegend nicht angewendet werden könnten, d a die Rente ursprünglich gestützt auf eine somatische Diagnose zugesprochen worden sei. St attdessen sei aber eine Revision gestützt auf Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allg emeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 zulässig und vorliegend auch korrekterweise vorzuneh- men. Der Gesundheitszustand habe sich seit der erstmalige n Rentenzusprechung wesentlich verbessert. D. Mit Stellungnahme vom 17. März 2015 hielt die Bes chwerdeführerin an ihrem Stand- punkt fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 20. Oktober 2014 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in die der Beschwerdeführerin seit dem 1. Januar 1998 ausgerichtete ganze IV-Rente zu Recht aufgehoben hat. 3.1 Vorweg ist die formale Rüge der Beschwerdeführerin zu prüfen, ihr rechtliches Gehör sei dadurch verletzt worden, dass ihr nicht die Möglichkei t eingeräumt worden sei, Gutachter- vorschläge zu machen. 3.2 Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung unter Verweis auf ein kantons- gerichtliches Präjudiz zu Recht ausführt, besteht bei bidisziplinären Gutachten kein Rechtsan- spruch auf konsensuale Bestimmung der Gutachter (Urteil des Kantonsgerichts vom 6. Februar 2014, 720 13 270/40, E. 4.2 mit weiterem Hinweis). L ediglich in Bezug auf alle zulässigen Ein- wendungen hat die Beschwerdegegnerin konsensorientiert vorzugehen. Diesen Anforderungen hat die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Fall entsprochen. So hat sie namentlich vor Ertei- lung des Gutachterauftrags die Beschwerdeführerin darau f hingewiesen, dass sie Ausstands- und Ablehnungsgründe gegen die Gutachter geltend mach en und auch Zusatzfragen stellen könne (Schreiben vom 30. Oktober 2012, IV act. 32). Ein e Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt daher nicht vor. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 4.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] bleib t folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 4.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 4.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4.5 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Dennoch erachtet es die bundesge- richtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Bew eiswürdigung als vereinbar, in Be- zug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutach ten Richtlinien für die Beweis- würdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammens tellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 Die Beschwerdegegnerin hat in Bezug auf die Beschwe rdeführerin einerseits ein ätio- logisch-pathogenetisch unklares syndromales Zustandsbild ohn e nachweisbare organische Grundlage angenommen und die Rente gestützt auf die Schlussbestimmungen der 6. IV- Revision aufgehoben. Andererseits hat sie aber auch gestü tzt auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. D.____ und Dr. C.____ eine Verbesserung des Gesundheitszustands festgestellt. 6.2 Eine Rentenaufhebung gestützt auf die Schlussbesti mmungen der 6. IV-Revision setzt voraus, dass die Rente gestützt auf ein unklares Beschwer debild ohne somatische Grundlage zugesprochen wurde. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht e inwendet und auch die Be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung einräumt, wur de die Rente damals im Juni 1999 nicht wegen eines unklaren Beschwerdebilds, sondern aufg rund einer seronegativen chroni- schen Polyarthritis zugesprochen. Damit fällt eine Rent enaufhebung gestützt auf die Schluss- bestimmungen der 6. IV-Revision von vornherein ausser Bet racht. Das Gericht kann aber ge- mäss bundesgerichtlicher Praxis Verfügungen mit einer subst ituierten Begründung schützen, sofern die Voraussetzungen für einen anderen Rückkommenstit el erfüllt sind (Urteil des Bun- desgerichts vom 5. September 2014, 9C_31/2014, E. 5). 6.3 Nachdem die Beschwerdegegnerin eine wesentliche Ver besserung des Gesundheits- zustands geltend macht, sind die Voraussetzungen der Revisi on gemäss Art. 17 ATSG zu prü- fen. 7.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 7.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet dabei die letzte (der versi cherten Person eröffnete) rechtskräftige Ver- fügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren tenanspruchs mit rechtskonformer Sach- verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eine s Einkommensvergleichs (bei An- haltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen A uswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). 7.3 Vorliegend sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwer deführerin mit Verfügung vom 18. Juni 1998 rückwirkend ab 1. Januar 1999 eine ganz e IV-Rente zu. In der Folge führte die Beschwerdegegnerin von Amtes wegen mehrere Renten revisionsverfahren durch, in denen sie jeweils unveränderte Verhältnisse feststellte. Eine einlässliche materielle Prüfung des Ren- tenanspruchs mit einer vertieften Abklärung des medizin ischen Sachverhaltes erfolgte dabei letztmals anlässlich der erstmaligen Rentenzusprechung. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beur- teilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend ange fochtenen Verfügung vom 18. Sep- tember 2014 allenfalls eine Änderung in den tatsächlich en Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerichteten IV-Rente rechtfertigt, bildet dem- nach die Situation, wie sie gemäss der ursprünglichen Ve rfügung im Juni 1999 bestand. Da- mals wurde der Beschwerdeführerin gestützt auf einen Ber icht von Dr. E.____ vom 6. März 1999 eine ganze IV-Rente ab 1. Januar 1998 – basiere nd auf einem IV-Grad von 100 % – zu- gesprochen (Verfügung vom 18. Juni 1999, IV act. 4). Dr. E.____ diagnostizierte eine Oligo- bis Polyarthritis mit deutlicher Einschränkung der Gebrauchs fähigkeit und Belastbarkeit insbeson- dere der Hände und Arme. In Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hielt er fest, dass eine Erwerbstätigkeit derzeit nicht zumutbar sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4.1 Medizinische Grundlage der vorliegend angefochte nen Verfügung bildet das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene bidisziplinäre Gutachten von Dr. D._____ und Dr. C.____ vom 10. Mai 2013 (IV act. 37). Im psychiatrischen Teilgutachten stellt Dr. C.____ keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähi gkeit. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit würden chronische Schmerzen mit körper lichen und psychischen Anteilen so- wie Probleme in der Beziehung zum Ehepartner bestehen . Der Gutachter hält fest, dass die Schmerzen der Explorandin sich nur zu einem Teil durch körperliche Störungen erklären lassen würden, so dass für den nicht erklärbaren Teil eine soma toforme Schmerzstörung zu diagnosti- zieren sei. Der Schweregrad der Schmerzstörung sei aber leichtgradig. Im Hinblick darauf, dass keine Depression zu diagnostizieren sei, lasse sich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht nicht begründen, ebenso wenig bestehe eine Verminderung der Leis- tungsfähigkeit. Nachdem die Explorandin seit 2010 wede r psychotherapeutische noch psycho- pharmakologische Behandlung beansprucht habe, sei von einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands seit Anfang 2010 auszugehen. Im rheumatologischen Teilgutachten diagnostiziert Dr. D. ____ mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit einen Status nach Oligoarthritis mit aktuell zwar erhöhtem unspezifischem Entzün- dungsparameter unklarer Ursache, aber bei fehlenden Z eichen aktiver Gelenksentzündungen. Ferner würden eine beginnende degenerative Kniegele nksentzündung rechts, eine Meniskopa- thie medial, eine asymptomatische Teilruptur des medial en Kollateralbandes sowie eine Baker- Zyste vorliegen. Ende der 1990-iger Jahre seien bei de r Explorandin Oligoarthritiden an der linken Hand aufgetreten. Diese entzündlichen Veränderu ngen hätten sich aber wieder zurück- gebildet, so dass im Frühjahr 2002 die durchgeführte B asistherapie wieder habe abgesetzt werden können. In der Folge sei es zwar immer wieder zu entzündlichen Veränderungen ge- kommen, welche eine Kortison-Therapie notwendig gema cht hätten. Das Schmerzerleben sei aber somatisch überwiegend nicht mehr erklärbar gewesen. Aufgrund der Oligoarthritis- Beschwerden könne die Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 1. Januar 1997 bis zum Frühjahr 2002 bestätigt werden. Ab dem Frühjahr 2002 könne au s rheumatologischer Sicht keine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit mehr begründet werden. Aufgrund weiterer Diagnosen an der linken Schulter und am linken Knie sei es zwischenzeitli ch zu vorübergehenden Phasen mit einer Arbeitsunfähigkeit gekommen, die aber retrospektiv nicht mehr datiert werden könnten. Es sei dabei aber von wenigen Monaten auszugehen. Die aktuellen Befunde am rechten Knie wür- den einen vermehrten Pausenbedarf mit Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 20 % be- gründen. Nicht mehr zumutbar seien der Explorandin T ätigkeiten mit Bewegungen, die wieder- holt oder ständig auf oder über der Schulterhorizont alen auszuführen seien, ferner Überkopfar- beiten und Tätigkeiten auf den Knien oder mit gebeu gten Knien oder verbunden mit wiederhol- tem Treppensteigen sowie Arbeiten über längere Zeit oder repetitiv in reklinierter oder vorn- übergeneigter Position und/oder verbunden mit wiederh olten Bück- oder Torsionsbewegungen. Ständig mittelschwere und auch schwere körperliche Belas tungen seien der Explorandin seit 2004 andauernd nicht mehr zumutbar, ebenso Tätigkeiten mit spezifischer Belastung der linken Schulter, der Kniegelenke und der Hals- oder Lendenwi rbelsäule. Für adaptierte wechselbelas- tende und körperlich vorwiegend leichte Tätigkeiten best ehe seit Anfang 2010 noch eine Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % wegen erhöhten Pausenbedarfs. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anlässlich der bidisziplinären Gesamtbeurteilung (IV act. 37, S. 17/28) kommen die Gutachter zum Schluss, dass ab 2010 die rheumatologische Beurteilung als bidisziplinäre Gesamtbeurtei- lung der Arbeitsfähigkeit vollumfänglich übernommen werden könne, da ab diesem Zeitpunkt aus psychiatrischer Sicht aufgrund der Besserung des Gesu ndheitszustands keine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit mehr bestanden habe. 7.4.2 Das Gutachten von Dr. D.____ und Dr. C.____ vom 10. Mai 2013 erscheint insgesamt sehr ausführlich, berücksichtigt sämtliche medizinischen Unte rlagen, beinhaltet eine umfassen- de Anamnese, beruht auf gründlichen Untersuchungen, n immt Stellung zu den früheren ärztli- chen Einschätzungen und zeigt nachvollziehbar auf, dass si ch sowohl der rheumatologische wie auch der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdefüh rerin seit der ursprünglichen Rentenzusprache wesentlich verbessert haben. Insgesamt ist d as Gutachten vollständig und auch in seinen Ergebnissen schlüssig und nachvollziehbar. Es genügt daher sowohl formal als auch inhaltlich den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweistaugliches Gutachten (vgl. dazu Erwägung 5.2 hiervor), so dass darauf abgestellt werden kann. 7.4.3 Die Beschwerdeführerin wendet ein, dass auf das Gu tachten nicht abgestellt werden könne, weil keine aktuellen Berichte der behandelnden Ä rzte Dr. E.____ und Dr. F.____ einge- holt worden seien. Das Gutachten basiere daher nicht auf aktuellen medizinischen Berichten. Dazu ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin im V orfeld mehrfach versuchte, einen Be- richt von Dr. E.____ erhältlich zu machen, allerdings vergeblich. Auch der Gutachter Dr. D.____ versuchte, direkt mit Dr. E.____ in Kontakt zu treten, offenbar ebenfalls ohne Erfolg. Nachdem die Beschwerdeführerin von den Gutachtern ausführlich exploriert wurde, kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse aktuell un d korrekt sind. Es gibt keine Hin- weise auf abweichende ärztliche Einschätzungen. Auch die B eschwerdeführerin reichte trotz entsprechender Ankündigung keinen aktuellen Bericht von Dr. E.____ ein. Aufgrund des Schweigens von Dr. E.____ kann nicht auf einen inhaltlichen Mangel des Gutachtens geschlos- sen werden. Das Schweigen ist im Gegenteil eher als Indi z zu lesen, dass der Hausarzt Dr. E.____ der Beschwerdeführerin keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestieren kann. Was die Rüge des fehlenden Berichts von Dr. F.____ ange ht, so ist festzustellen, dass die Be- schwerdeführerin erstmals im Vorbescheidverfahren überhaupt erwähnt hat, in einem Therapie- verhältnis zu Dr. F.____ zu stehen, so dass die Gutachter von diesem Therapieverhältnis noch gar keine Kenntnis haben konnten (IV act. 57). Im Üb rigen ist auch bis heute noch keine Bestä- tigung über den Bestand einer Therapie bei Dr. F.___ _ eingegangen, geschweige denn eine vom Gutachten abweichende Beurteilung. Auch unter der Ägide des Untersuchungsgrundsat- zes besteht keine Pflicht der Beschwerdegegnerin, von sich aus beim behandelnden Arzt eine Beurteilung nachzufordern, solange keine Hinweise vorlieg en, dass das Gutachten mangelhaft ist oder der behandelnde Arzt eine andere Auffassung v ertritt. Vielmehr ist es der Beschwerde- führerin ihm Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht zumutbar, selbst einen solchen Bericht einzu- reichen. Dies hat aber die Beschwerdeführerin bis heute nicht getan. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5 Insgesamt ist daher zum Ergebnis zu gelangen, dass ge stützt auf das schlüssige Gut- achten von Dr. D.____ und Dr. C.____ vom 10. Mai 2013 eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands gegenüber dem Zeitpunkt der erstmali gen Rentenzusprechung nachge- wiesen ist. Die Voraussetzungen der Revision gemäss Art. 1 7 ATSG sind daher erfüllt. Ausge- hend von der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 20 % resultiert – wie die Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung zutreffend ausführt – ein IV-G rad von 20 %. Selbst wenn der Be- schwerdeführerin noch ein leidensbedingter Abzug von 10- 15 % zugestanden würde, läge der IV-Grad immer noch unter der rentenrelevanten Limite von 40 %. 8. Nachdem die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Beg utachtung (Mai 2013) länger als 15 Jahre Rentenleistungen bezogen hat, ist schliesslich zu pr üfen, ob der Beschwerdeführerin vorgängig Eingliederungsmassnahmen angeboten worden sin d. Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin am 21. Januar 2014 (IV act. 48) ein entsprechendes Gespräch mit der Beschwerdeführerin führte. Anlässlich des Gesprächs äusserte sich die Beschwerdefüh- rerin offenbar dahingehend, dass sie sich zu Eingliederun gsmassnahmen subjektiv nicht in der Lage fühle. Gleichentags noch eröffnete die Beschwerde gegnerin mit eingeschriebenem Schreiben ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren mit dem Hi nweis, dass bei fehlender Bereit- schaft zu Wiedereingliederungsmassnahmen innert Frist die Rentenleistungen aufgehoben würden (IV act. 49). Die Beschwerdeführerin meldete sich darauf nicht mehr bei der Beschwer- degegnerin (IV act. 54). Gemäss bundesgerichtlicher Rech tsprechung hat die Beschwerdegeg- nerin damit die erforderlichen Schritte unternommen (Urteil des Bundesgerichts vom 24. April 2015, 9C_68/2015, E. 5.1). 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass seit der erstmaligen R entenzusprechung vom 18. Juni 1999 eine wesentliche Verbesserung des Gesundhei tszustands eingetreten ist, wes- halb die Voraussetzungen für eine Revision im Sinne von Art. 17 ATSG erfüllt sind. Der IV-Grad beträgt heute nurmehr 20 %, weshalb ein Anspruch auf e ine IV-Rente zu verneinen ist. Die von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügun g vom 18. September 2014 angeord- nete Rentenaufhebung erweist sich daher als rechtens, wa s zur Abweisung der dagegen erho- benen Beschwerde führt. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmen s einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen u nd mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zu verrechnen sind. Die auss erordentlichen Kosten sind dem Pro- zessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht