B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5178/2013 law/joc U r t e i l v o m 9 . J a n u a r 2 0 1 7 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren am (…), und deren Kinder B._______, geboren am (…) und C._______, geboren am (…) Eritrea, vertreten durch Urs Jehle, Caritas Schweiz, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM); zuvor Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 2. September 2013 / N (…). D-5178/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin A._______ suchte am 21. Februar 2013 in der Schweiz um Asyl nach. (…) später kam ihre Tochter, B._______ zur Welt. Am 4. März 2013 wurde die Beschwerdeführerin im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) D._______ zur Person, zum Reiseweg sowie sum- marisch zu ihren Asylgründen (Befragung zur Person; BzP) befragt. A.b Im Rahmen dieser Befragung gab sie an, in ihrem Heimatland Eritrea habe sie zuletzt in E._______ gelebt. Dort sei sie zwischen 2003 und 2005 an einem Hirntumor erkrankt. Eine medizinische Behandlung sei wegen Medikamentenmangel nicht möglich gewesen. Folglich habe sie sich mit- tels traditioneller Heilmethoden behandeln lassen. Eritrea habe sie am 9. September 2009 verlassen. Sie sei dort während des Militärdienstes in F._______ von ihrem Vorgesetzten, für den sie über zwei Jahre ohne Be- zahlung habe dienen müssen, im Jahre 2008 sexuell missbraucht worden. Als sie zu fliehen versucht habe, habe er sie inhaftieren lassen. Sie sei vom Gefängnis in F._______, wo sie ungefähr ein Jahr verbracht habe, geflüch- tet und mittels Schlepper zunächst nach G._______ und danach nach Khartoum (Sudan) gelangt. Zirka zwei Jahre habe sie im Sudan und an- schliessend bis ungefähr im März 2012 in Libyen gelebt. Im Sudan habe sie in einem Tee- und Kaffeehaus gearbeitet und über einen Flüchtlings- ausweis, ausgestellt durch die Vereinten Nationen, verfügt. Sie habe vom Sudan aus erfolglos versucht, ein Visum für Australien zu erhalten. Im März 2012 sei sie mit dem Schiff von Libyen nach Italien gereist. Die italienischen Behörden hätten sie aus dem Meer gerettet und nach H._______/I._______ gebracht. Danach sei sie in Sizilien in einem Spital gewesen. Zwei Monate später habe man sie nach J._______ gebracht, wo ihr die Fingerabdrücke abgenommen worden seien. Danach sei sie nach Rom gereist und habe dort eine Woche in einem verlassenen Haus ge- wohnt. Anschliessend habe sie oft die Unterkunft gewechselt und bei Be- kannten gewohnt. Ihr Verlobter und Vater ihrer Tochter sei ebenfalls Eritreer und sie habe mit ihm im Sudan und in Libyen gelebt. Letztm als habe sie ihn im September 2012 in Italien gesehen. In Italien habe sie um Asyl nach- gesucht und im Dezember 2012 ein "permesso di soggiorno" (Aufenthalts- bewilligung), gültig für ein paar Monate, erhalten. Ein Asylentscheid sei noch nicht getroffen worden. Auch ihr ehemaliger Verlobter habe in Italien ein Asylgesuch gestellt. Sie seien zusammen im selben Aufnahmezentrum gewesen. Wo er sich derzeit aufhalte, wisse sie nicht. Sie sei von Rom aus via Mailand nach Chiasso gereist. D-5178/2013 Seite 3 A.c Im Rahmen der Kurzbefragung im EVZ wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Überstellung nach Italien gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes in der Fassung gemäss Ziff. I des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 (aAsylG, AS 2006 4745) ge- währt, da sie dort gemäss Abklärungen des SEM am 19. März 2012 in J._______ um Asyl nachgesucht hatte und in der EURODAC-Datenbank registriert worden war. Die Beschwerdeführerin erklärte dazu, in Italien würde sie nichts erhalten. Die notwendigen Mittel zum Überleben, wie eine Unterkunft, Arbeit und Lebensmittel, seien dort nicht vorhanden. Sie wolle nicht nach Italien zurückkehren, da sie dort auf der Strasse leben müsste. B. Am 11. März 2013 ersuchte das BFM im Rahmen eines von ihm eingelei- teten Dublin-Verfahrens die italienischen Behörden um Wiederaufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter. C. Die italienischen Behörden teilten dem BFM mit Schreiben vom 22. März 2013 mit, die Beschwerdeführerin sei in Italien als Flüchtling anerkannt worden, weshalb die Bestimmungen der (damals geltenden) Dublin-II-Ver- ordnung (Verordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied- staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist) nicht zur Anwen- dung gelangten. D. Am 22. März 2013 informierte das BFM die Beschwerdeführerin darüber, dass das Dublin-Verfahren beendet sei und das nationale Asyl- und Weg- weisungsverfahren in der Schweiz durchgeführt werde. E. Die italienischen Behörden erklärten sich mit Schreiben an das BFM vom 16. Juli 2013 bereit, die Beschwerdeführerin und ihre Tochter innerhalb ei- ner Frist von sechs Monaten formlos wieder nach Italien einreisen zu las- sen. F. Am 9. August 2013 hörte das BFM die Beschwerdeführerin einlässlich zu den Asylgründen an. Insbesondere wurden ihr dabei Fragen zu ihrem Auf- enthalt in Italien, dem Ablauf des Asylverfahrens und der Tatsache, dass D-5178/2013 Seite 4 sie dort als Flücht ling anerkannt wurde, gestellt. Dazu führte sie im We- sentlichen aus, sie habe keinen Kontakt zu Familienangehörigen, Freun- den oder Bekannten in der Schweiz oder in Italien. Ihr Freund und Vater ihrer Tochter habe sie nach deren Geburt einmal angerufen. Seither habe er sich nicht mehr gemeldet. Sie habe ihn in Libyen kennengelernt und sei mit ihm mit dem Schiff nach Italien gereist. Es habe Schwierigkeiten gege- ben und viele Menschen seien er trunken. Sie sei beinahe ertrunken. Ihr Freund habe ihr Leben gerettet. Am 18. März 2012 seien sie in H._______ angekommen. Als sie in Italien krank gewesen sei, habe er sie die ganze Zeit unterstützt. Sie sei von ihm schwanger geworden. Er habe sie, wäh- rend sie noch krank gewesen sei, bei einer Person zurückgelassen und sei weggegangen. Nachdem sie in Italien um Asyl nachgesucht habe, sei sie durch die italienischen Behörden kaum unterstützt worden. Mal sei sie bei Personen untergebracht gewesen, mal bei Caritas, mal habe sie auf der Strasse gelebt, obwohl sie schwanger gewesen sei. Sie habe keinen Asyl- entscheid erhalten, sondern nur ein Papier, das "s oggiorno". An den Zeit- punkt könne sie sich nicht erinnern. Sie habe sich damals jedoch noch in einem Camp aufgehalten. Danach sei sie aufgefordert worden, das Camp zu verlassen. Damit habe sich ihre Situation verschlimmert. Sie habe nichts zu Essen oder irgendeine Art Unterstützung erhalten. Sie habe manchmal bei irgendwelchen Eritreern gelebt, die sie nicht gekannt habe und die ihr auf der Strasse begegnet seien. Manchmal habe sie als Obdachlose auf der Strasse gelebt. Danach sei sie krank geworden. Für die Leute, die sie manchmal in Obhut genommen hätten, sei es daher schwieriger geworden. Bei Caritas habe sie, wenn es möglich gewesen sei, ab und zu übernach- tet. Zu Essen habe sie dort aber nicht bekommen. Sie habe die Unterkunft am Morgen jeweils wieder verlassen müssen. Aus diesen Gründen habe sie den Entschluss gefasst, in die Schweiz zu reisen. Sie wolle ein norma- les Leben führen. Dies sei in Italien nicht möglich gewesen. Die Anerken- nung als Flüchtling in Italien nütze nichts, wenn man dort überhaupt keine Möglichkeit erhalte, eine Bleibe un d zu Essen und zu Trinken zu bekom- men, sondern bloss auf die Strasse gesetzt und irgendwelcher Gewalt aus- gesetzt werde. Sie wolle nicht nach Italien zurückkehren. Auch sei sie dort nicht medizinisch behandelt worden. Sie sei an Krebs erkrankt. Sie habe Kopfschmerzen, könne manchmal kaum schlafen und erhalte deswegen Schlaf- und Schmerztabletten. G. Mit Verfügung vom 11. September 2013 – eröffnet am 12. September 2013 – trat das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. a aAsylG auf das Asylgesuch nicht ein und verfügte die Wegweisung der Beschwerdeführerin und ihrer D-5178/2013 Seite 5 Tochter aus der Schweiz nach Italien. Gleichzeitig forderte es die Be- schwerdeführerin auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen , verpflichtete den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte der Beschwerdeführerin die editi- onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. H. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 13. September 2013 erhob die Be- schwerdeführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge- richt Beschwerde und beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, die Schweiz habe von ihrem Recht auf Selbsteintritt Gebrauch zu machen, es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin festzustellen und ihr sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur erneuten Beurtei- lung an das BFM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, die Wegweisung der Beschwerdeführerin sei vorläufig auszu- setzen, es sei eine angemessene Nachf rist zwecks Nachreichung allfälli- ger medizinischer Dokumente anzusetzen und die unentgeltliche Rechts- pflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. Der Eingabe lagen – nebst einer Vertretungsvollmacht und der angefochtenen Verfügung – eine Kopie einer eritreischen Identitätskarte und zwei Artikel der Schweizerischen Flüchtlingshilfe ([SFH], SFH -INFO, Ausgabe Nr. 4/2013: Hinsehen hier werden Men schenrechte missachtet; SFH-Medienmitteilung, Bern, 18. Juli 2013: Zurückhaltung bei Rückführun- gen nach Italien) bei. I. Mit Verfügung vom 19. September 2013 hielt der zuständige Instruktions- richter fest, der Beschwerde komme aufschiebende Wirkung zu, weshalb auf den Antrag, es sei der Vollzug der Wegweisung vorläufig auszusetzen, nicht einzutreten sei. Die Beschwerdeführerin wurde aufgefordert, bis zum 21. Oktober 2013 einen aktuellen ärztlichen Bericht sowie eine Erklärung einzureichen, mit der sie die sie behandelnden Ärzte gegenüber dem Ge- richt und dem BFM von der ärztlichen Sc hweigepflicht entbinde. Die Be- handlung der weiteren Anträge wurde auf einen späteren Zeitpunkt ver- schoben. J. Mit Schreiben vom 20. September 2013 liess die Beschwerdeführerin eine Fürsorgebestätigung einreichen und darauf hinweisen, dass ein erster Ter- min bei einem sozialpsychologischen Dienst anstehe und weitere medizi- nische Abklärungen in Vorbereitung seien. D-5178/2013 Seite 6 K. Mit Eingabe vom 17. Oktober 2013 liess die Beschwerdeführerin einen ärztlichen Kurzbericht der (…) ([…]) K._______ vom 26. September 2013, eine Anmeldung zu einer Röntgenuntersuchung im (…) sowie eine Erklä- rung über die Entbindung der behandelnden Ärzte von ihrer Schweige- pflicht einreichen. Weitere Arztberichte wurden in Aussicht gestellt. Dem Schreiben lag zudem ein Bericht der SFH (Italien: Aufnahmebedingungen, Aktuelle Situation von Asylsuchenden und Schutzberechtigten, insbeson- dere Dublin-Rückkehrenden, SFH, Bern, Oktober 2013) bei. L. Am 30. Oktober 2013 ging beim Bundesverwaltungsgericht ein ärztlicher Bericht des (…) vom 21. Oktober 2013 ein. M. Mit Verfügung vom 10. Januar 2014 hiess der Instruktionsrichter das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage der Beschwerdeführerin – gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde dem BFM Gelegenheit gegeben, bis zum 27. Januar 2014 eine Vernehm- lassung zur Beschwerde einzureichen. N. Das BFM reichte mit Schreiben vom 27. Januar 2014 eine Vernehmlas- sung zu den Akten. O. Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 3. Februar 2014 die Ge- legenheit zur Einreichung einer Replik bis zum 18. Februar 2014 erteilt. P. Die Beschwerdeführerin replizierte mit Schreiben ihres Rechtsvertreters vom 7. Februar 2014. Der Replik lag ein ärztlicher Bericht der (…) vom 23. Januar 2014 bei. Q. Ein weiterer ärztlicher Bericht der (…), verfasst am 8. Mai 2014, wurde durch die Rechtsvertretung dem Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 9. Mai 2014 übermittelt. R. Mit Verfügung vom 20. November 2014 lud der Instruktionsrichter das BFM D-5178/2013 Seite 7 unter Fristansetzung bis zum 1. Dezember 2014 zu einem weiteren Schrif- tenwechsel ein. S. Das BFM liess sich mit Schreiben vom 1. Dezember 2014 vernehmen. T. Der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 3. Dezember 2014 die Gelegenheit gegeben, bis zum 18. Dezember 2014 eine Stellungnahme zur Vernehmlassung des BFM vom 1. Dezember 2014 einzureichen. U. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 16. Dezember 2014 übermittelte die Beschwerdeführerin dem Gericht eine Stellungnahme sowie einen ärzt- lichen Bericht der (…) vom 15. Dezember 2014. V. Mit Eingabe n vom 11. Mai 2015 und vom 13. Oktober 2015 reichte der Rechtsvertreter ein ärztliches Zeugnis vom 28. April 2015 sowie einen psy- chiatrischen Verlaufsbericht der (…) vom 8. Oktober 2015 ein. W. Am (…) wurde die Beschwerdeführerin Mutter rubrizierten Sohnes C._______. X. Mit Verfügung vom 4. Juli 2016 forderte der Instruktionsrichter des Bundes- verwaltungsgerichts die Beschwerdeführerin auf, bis zum 19. Juli 2016 nä- here Angaben zur Vaterschaft ihres am (…) geborenen Sohnes zu erteilen. Y. Mit Schreiben vom 19. Juli 2016 erklärte der Rechtsvertrete r namens der Beschwerdeführerin, der Vater ihres Sohnes C._______ heisse L._______, ein in M._______ geborener Eritreer. Er sei auch der Vater ihrer Tochter B._______. Sie habe bis letztes Jahr keinen Kontakt zu ihm ge- pflegt. Sie habe ihn an einer Hochzeit von gemeinsamen Freunden in N._______ wieder gesehen. L._______ habe seine Tochter anlässlich der Hochzeit das erste Mal gesehen. Nach der Hochzeit habe er die Schweiz in Richtung Deutschland verlassen. Er versuche, in einem anderen Land als Italien Schutz zu erhalten. Der Kontakt zu ihm sei danach abgebrochen. Auf dem Natel sei er nicht mehr zu erreichen gewesen. Von seinem zweiten D-5178/2013 Seite 8 Kind wisse der Vater nichts. Nach Einschätzung des Rechtsvertreters wür- den diese Darstellungen der Beschwerdeführerin zwar auf den ersten Blick nicht glaubhaft erscheinen. Die behandelnde Ärztin, O._______, Fachärz- tin für Psychiatrie und Psychotherapie, habe jedoch in der beiliegenden E- Mail vom 19. Juli 2016 auf entsprechende Anfrage erklärt, dass die Dar- stellungen der Beschwerdeführerin glaubhaft erscheinen würden, da sie ihr gegenüber das gleiche ausgesagt habe. Es gelte gemäss der Psychiaterin ausserdem zu beachten, dass die Einsamkeit und Zurückgezogenheit der Beschwerdeführerin ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung sei. Eine anhaltende psychiatrische Versorgung sei angezeigt. Es habe bisher kei- nen Kontakt zur Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde geg eben (KESB). Die Beschwerdeführerin habe auch nicht versucht, den Kindsvater registrieren zu lassen, da weder zu ihm Kontakt bestehe, noch eine Kin- desanerkennung erfolgen könne, solange er keinen festen Aufenthalt in ei- nem EU -Staat habe. Das alleinige Sorg erecht liege somit bei der Be- schwerdeführerin. Es sei davon auszugehen, dass sie aufgrund der aufge- zeigten Situation in Italien derzeit vom Kindsvater keine Unterstützung er- halten würde. Angesichts der sozialen und medizinisch schwierigen Situa- tion sei ein e Überstellung nach Italien weiterhin als unangemessen und unzumutbar zu beurteilen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM beziehungs- weise das vormalige BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sach- gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor- liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül- tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die D-5178/2013 Seite 9 Beschwerdeführerin hat – mit ihrer Tochter – am Verfahren vor der Vo- rinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie- hungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legi- timiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Einschränkungen (vgl. E. 3) – einzutreten. 1.3 Der in der Schweiz am (…) geborene Sohn C._______ wird in das Be- schwerdeverfahren mit einbezogen. 2. 2.1 Mit Änderung des Asylgesetzes vom 14. Dezember 2012, welche am 1. Februar 2014 in Kraft trat, wurden unter anderem die Bestimmungen be- treffend die Nichteintretensgründe revidiert. In diesem Zusammenhang ist für das vorliegende Verfahren relevant, dass der vormalige Art. 34 Abs. 2 Bst. a gemäss Ziff. I des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 (aAsylG, AS 2006 4745), auf welchen sich die vo rinstanzliche Verfügung vom 2. September 2013 stützt, aufgehoben wurde. Abs. 1 der Übergangs- bestimmungen sieht vor, dass für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung vom 14. Dezember 2012 hängigen Verfahren das neue Recht gilt. Im Urteil des BVGer E-662/2014 vom 17. März 2014 wird in Auslegung dieser Übergangsbestimmung festgehalten, dass auf die noch nicht rechts- kräftigen Verfügungen des BFM, mithin die am 1. Februar 2014 beim Bun- desverwaltungsgericht hängigen Beschwerden, das neue Recht anzuwen- den sei (vgl. a.a.O . E. 2.4.2 f.). W ürde dies indes auch bei vormaligen Nichteintretenstatbeständen getan, welche mit der Gesetzesänderung auf- gehoben wurden, hätte dies zwingend eine Kassation der entsprechenden vorinstanzlichen Verfügungen und einen neuen Entscheid durch die Vo- rinstanz zur Folge. Ein solches Resultat würde dem Willen des Gesetzge- bers auf Vereinfachung und Beschleunigung der Asylverfahren zuwiderlau- fen. Betreffend die aufgehobenen Nichteintretenstatbestände ist daher von einer planwidrigen Unvollständigkeit der Bestimmung von Abs. 1 der Über- gangsbestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 auszugehen. Diese ist durch eine teleologische Reduktion des Sinnes der Bestimmung zu beheben, indem die Beschwerden gegen Verfügungen, die sich auf auf- gehobene Nichteintretenstatbestände beziehen, nach dem im Zeitpunkt des Verfügungserlasses geltenden Recht zu beurteilen sind (vgl. a.a.O. E. 2.4.5). D-5178/2013 Seite 10 2.2 Nachdem das BFM zu Recht festgestellt hat, dass auf die Beschwer- deführerin (und ihre Tochter) keiner der Ausnahmegründe von Art. 34 Abs. 3 aAsylG zutrifft, und diese Feststellung auf Beschwerdeebene nicht bestritten wird, bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin – mit ihren zwi- schenzeitlich zwei Kindern – in einen sicheren Drittstaat nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann , in welchem sie sich vorher aufgehalten hat, und ob der Vollzug der Wegweisung dorthin zulässig, zumutbar und möglich ist. 3. 3.1 Durch das BFM wurde ein sogenanntes Dublin-Verfahren eingeleitet und der Beschwerdeführerin im Rahmen dieses Verfahrens das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Zuständigkeit Italiens (vgl. Art. 34 Abs. 2 Bst. d aAsylG) gewährt (vgl. act. A 9/12 S. 9). Dieses Verfahren, welches die Frage danach beinhaltet, welcher Staat zur inhaltlichen Prüfung eines Asyl- gesuches staatsvertraglich zuständig ist, wurde indes beendet und der Be- schwerdeführerin mitgeteilt, das nationale Asyl- und Wegweisungsverfah- ren werde in der Schweiz durchgeführt (vgl. act. A20/2 S. 1) und damit ihr Asylgesuch durch die Schweiz geprüft. Dies erweist sich als zutreffend, da infolge der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführe- rin durch Italien (vgl. act. A19/ 1) die Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d aAsylG ausgeschlossen ist (vgl. BVGE 2010/56 E. 2.2). Von einem solchen Ausschluss nicht betroffen sind indes weitere Nichteintretenstatbestände wie etwa der vorliegend vom BFM angewandte Art. 34 Abs.2 Bst. a aAsylG (vgl. BVGE 2013/10 E. 7.8). Ein sogenannter Selbstein tritt, wie in einem Dublin-Verfahren für den Fall vorgesehen, dass ein an sich staatsvertrag- lich nicht zuständiger Staat beschliesst, ein Asylgesuch dennoch zu prüfen (vgl. der damals geltende Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO respektive Art. 17 Abs. 1 Satz 1 der nunmehr geltenden Dublin -III-VO [ Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen o- der Staatenlosen in einem Mitgliedst aat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist] ), war demnach nicht Gegenstand d es vo- rinstanzlichen Verfahrens. Auf den entsprechenden Antrag, es sei vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch zu machen, ist daher nicht einzutreten. 3.2 Die angefochtene Verfügung enthält im Übrigen keine Anordnung be- züglich Flüchtlingseigenschaft (Art. 3 AsylG) und Asylgewährung (Art. 2 AsylG), weshalb auf die Beschwerde ebenso nicht einzutreten ist, soweit D-5178/2013 Seite 11 darin beantragt wird, es sei der Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen- schaft zuzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren. 4. Mit der vorliegenden Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werde n (vgl. Art. 106 Abs. 1 des Asylgesetzes in der Fassung gemäss Ziff. I des Bundesgeset- zes vom 16. Dezember 2005 [aAsylG, AS 2006 4745]). 5. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32-35a aAsylG, Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompe- tenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). Das Bundesverwaltungsgericht hebt deshalb die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entschei- dung an die Vorinstanz zurück, sofern es den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet (vgl. BVGE 2011/30 E. 3 S. 568, BVGE 2011/9 E. 5 S. 116). 6. Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das Bun- desrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen; massgebend sind grundsätzlich die tatsächliche n Verhältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1, 2011/1 E. 2). 7. 7.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht geltend gemacht, das BFM habe in medizinischer Hinsicht den Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Die Beschwerdeführerin sei schwer krank und das BFM hätte Abklärungen zu deren Gesundheitszustand treffen müssen. Die Sache sei daher an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese Rüg e erweist sich als unbegründet, weshalb der Antrag abzuweisen ist. Wie das BFM in der Vernehmlassung zu Recht ausführte, reichte die Be- schwerdeführerin trotz Aufforderung im Rahmen der mündlichen Anhörung D-5178/2013 Seite 12 vom 9. August 2013 (vgl. act. A30/9 S. 6) bis zum Erlass der Verfügung vom 2. September 2013 keine ärztlichen Zeugnisse oder Berichte ein, wel- che über ih ren genauen Gesundheitszustand hätten Auf schluss geben können. Dazu wäre sie jedoch im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG verpflichtet gewesen (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2). Erst im Verlauf des Beschwerdeverfahrens und nach ausdrückli- cher Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts in der Verfügung vom 19. September 2013 reichte sie am 17. Oktober 2013 erstmals einen ärzt- lichen Bericht zu den Akten. Den von ihr während der Anhörung dargeleg- ten gesundheitlichen Problemen trug das BFM in der angefochtenen Ver- fügung dennoch – soweit möglich – Rechnung, wobei es – zu Recht – auf die in Italien grundsätzlich ausreichend vorhandenen medizinischen Struk- turen verwies und ausserdem erwog, es werde vor einer Überstellung die italienischen Behörden über eine notwendige medizinische Behandlung in- formieren. In seiner Vernehmlassung fügte es ausserdem bei , vor der Überstellung würde es den italienischen Behörden ein Arztzeugnis über- mitteln, welches über die in der Schweiz eingeleitete und in Italien fortzu- führende Behandlung Aufschluss gebe. 7.2 Soweit zusätzlich in den Eingaben vom 21. Januar 2014 und vom 16. Dezember 2014 mit Hinweis auf die Urteile des BVGer E-6058/2013 vom 21. Januar 2014 und E-6874/2014 vom 8. Dezember 2014 ergänzend gerügt wird, das BFM habe sich nicht mit der konkreten Sit uation der Be- schwerdeführerin und ihrem Kind als verletzliche Personen in Italien be- fasst und damit implizit auch in diesem Punkt den Vorwurf der mangelhaf- ten Sachverhaltsfeststellung erhebt, so verfängt dieser Einwand – wie sich nachstehend zeigt (vgl. E. 10 und E. 11) – ebenfalls nicht. 8. 8.1 Gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. a aAsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wen n eine asylsuchende Person in einen vom Bundesrat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zu- rückkehren kann, in welchem sie sich vor Einreichung des Asylgesuchs in der Schweiz aufgehalten hat. 8.2 Das BFM führte zur Begründung seines Entscheides aus, der Bundes- rat habe Italien als sicheren Drittstaat bezeichnet. Die Beschwerdeführerin habe in Italien am 19. März 2012 um Asyl nachgesucht. Sie habe sich bis zu ihrer Einreise in die Schweiz am 21. Februar 2013 ständig in Italien auf- gehalten und sei gemäss den Informationen der italienischen Behörden durch Italien als Flüchtling anerkannt worden. Italien habe sich zu einer D-5178/2013 Seite 13 Rückübernahme der Beschwerdeführerin und ihrem Kind bereit erklärt. Mit Bezug auf Art. 34 Abs. 3 aAsylG führte es zudem aus, in der Schweiz wür- den keine Personen leben, zu denen die Beschwerdeführerin enge Bezie- hungen habe und es würden sich auch keine Angehörigen von ihr in der Schweiz befinden. Die Beschwerdeführerin sei in Italien zwar als Flüchtling anerkannt worden, es könne aber – wie das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil E-5151/2008 vom 15. August 2008 festgehalten habe, nicht die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein, Asylsuchende in die Ausnah- meklausel von Art. 34 Abs. 3 Bst. b aAsylG einzuschliessen, die den asyl- rechtlichen Schutz nicht benötigten, weil sie diesen bereits in einem Dritt- staat beanspruchten. Das Bundesverwaltungsgericht habe denn auch in BVGE 2010/56 festgehalten, dass die Ausnahmeregelung von Art. 34 Abs. 3 Bst. b aAsylG nicht zum Tragen komme, sofern der asylsuchenden Person bereits Asyl oder vergleichbarer effektiver Schutz in einem vom Bundesrat als verfolgungssicheren bezeichneten Drittstaat gewährt wor- den sei. Es bestünden zudem keine Hinweise darauf, dass in Italien kein effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG be- stehe. Der Vollzug der Wegweisung nach Italien sei zulässig, zumutbar und möglich. 8.3 Auf Beschwerdeebene wird nicht bestritten, dass die Beschwerdefüh- rerin in Italien als F lüchtling anerkannt wurde und eine Aufenthaltsbewilli- gung erhalten hat. Es wird auch nicht behauptet, sie und ihre Kinder wür- den in Italien keinen effektiven Schutz vor Rückschiebung erhalten. Bei Ita- lien handelt es sich zudem gemäss Beschluss des Bundesra tes vom 14. Dezember 2007 (in Kraft seit dem 1. Januar 2008) um einen sicheren Drittstaat und dieser Entscheid wurde bis anhin nicht revidiert. Damit sind die Voraussetzungen zum Erlass eines Nichteintretensentscheids gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. a aAsyG gegeben. Das BFM ist auf das Asylgesuch zu Recht nicht eingetreten. 9. Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge- such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 AsylG). Da der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und kein An- spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. BVGE 2012/31 E. 6.2, E- MARK 2001 Nr. 21 ), steht die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen. Sie wurde demnach vom SEM zu Recht an- geordnet. 10. D-5178/2013 Seite 14 10.1 Das BFM regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme, wenn der Vollzug der Weg- weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2 005 [AuG, SR 142.20]). 10.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gez wungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un menschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf sodann niemand der Folter oder unmenschlicher oder e rniedrigender Strafe oder Behandlung unter- worfen werden. 10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2014/22 E. 7.10). 10.4 Vorliegend ist einzig zu prüfen, ob der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin mit ihren – zwischenzeitlich – zwei Kindern nach Ita- lien durch das BFM zu Recht als zulässig, zumutbar und als möglich qua- lifiziert wurde, nicht etwa aber ein solcher in ihren Heimat- oder Herkunfts- staat. Denn aufgrund des der Beschwerdeführerin von Italien verliehenen Schutzstatus kann sie mit ihren Kindern in diesen sicheren Drittstaat rei- sen, in welchem sie und ihre Kinder – was wie erwähnt, nicht bestritten ist – Schutz vor Rückschiebung in ihr Heimatland im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden können. D-5178/2013 Seite 15 10.5 Das BFM stellte sich in der angefochtenen Verfügung sowie in der Vernehmlassung auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin könne sich hinsichtlich Unterkunft und Unterstützung aufgrund ihres Flüchtlingsstatus auf die von Italien ins innerstaatliche Recht umgesetzte Qualifikationsricht- line (Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 über Normen für die Anerkennung von Drittstaats- angehörigen oder Staatenlosen als Personen mit Anspruch auf internatio- nalen Schutz, für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Perso- nen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewäh- renden Schutzes [Neufassung der vormals geltenden Richtlinie 2004/83/EG vom 10. Juni 2004] berufen. Es bestünden neben staatlichen Strukturen zudem private Hilfsorganisationen. Die italienischen Behörden würden sie und ihre Tochter aufgrund ihrer Verletzlichkeit bezüglich Unter- bringung und Unterstützung bevorzugt behandeln. Eine existenzielle Not- lage sei daher zu verneinen. Es bestünde nicht nur in der Schweiz sondern auch in Italien kein einforderbarer Anspruch auf eine Arbeitsstelle. Infolge Umsetzung der Qualifikationsrichtlinie durch Italien sei auch von einer ge- nügenden medizinischen Grun dversorgung auszugehen. Das BFM trage der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin Rechnung, indem es vor einer Überstellung über die besondere Schutzbedürftigkeit und not- wendige medizinische Behandlung informiere. Aus den Akten sei jedoch nicht ersichtlich, dass sie in der Schweiz in ärztlicher Behandlung gewesen sei. Der Aufforderung auf Einreichung ärztlicher Berichte sei sie nicht nach- gekommen. 10.6 Dem wurde auf Beschwerdeebene unter Bezugnahme auf verschie- dene Situationsberichte sowie das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) Tarakhel vs. Schweiz (Beschwerde Nr. 29217/12) vom 4. November 2014 entgegengehalten, Italien verletzte Art. 3 EMRK sowie die ihm aus der Qualifikationsrichtline zukommenden Pflichten, indem es Schutzbedürftige unmenschlich behandle. Von Italien anerkannte Flüchtlinge seien, wie ein Bericht der SFH vom Oktober 2013 zeige, in Italien noch schlechter gestellt als Asylsu chende und es würden keine Garantien bestehen, dass die Beschwerdeführerin und ihr Kind bei einer Rücküberstellung eine Unterkunft bekommen und das Kind altersge- recht untergebracht würden. Zu beachten gelte es auch, dass alle Anstren- gungen Italiens, die Situation zu verbessern, sich auf Asylsuchende, nicht aber auf anerkannte Flüchtlinge beziehen würden. Bei der Beschwerdefüh- rerin handle es sich aufgrund ihrer psychiatrischen Erkrankung zudem um D-5178/2013 Seite 16 eine verletzliche Person. Aus ärztlicher Sicht werde daher von einem Neu- start in einem anderen Land mit ungesicherten und unzulänglichen Bedin- gungen abgeraten. 10.7 Der Beschwerdeführerin stehen – wie vom BFM zu Recht erwogen – als anerkannter Flüchtling in Italien als Signatarstaat der Flüchtlingskon- vention grundsätzlich alle Rechte aus der FK zu. Dazu gehört die Gleich- behandlung mit italienischen Bürgerinnen und Bürgern beziehungsweise anderen Ausländerinnen und Ausländern, beispielsweise in Bezug auf Zu- gang zu Gerichten, Erwerbstätigkeit, Fürsorge und soziale Sicherheit (vgl. Art. 16–24 FK). Italien ist zudem an die Qualifikationsrichtline gebunden, welche ebenfalls vorschreibt, dass anerkannte Flüchtlinge in Bezug auf den Zugang zu Sozialhilfeleistungen und medizinischer Versorgung den ei- genen Staatsangehörigen grundsätzlich gleichgestellt sind (vgl. Art. 28 und 29 Qualifikationsrichtlinie). Italien hat ausserdem gestützt auf Art. 32 der Qualifikationsrichtlinie dafür zu sorgen, dass anerkannte Flüchtlinge Zu- gang zu Wohnraum unter Bedingungen erhalten, die den Bedingungen gleichwertig sind, die für andere Drittstaatsangehörige gelten, die s ich rechtmässig in Italien aufhalten. Personen mit Flüchtlingsstatus erhalten in Italien eine fünf Jahre gültige Aufenthaltsbewilligung, d ie normalerweise automatisch verlängert wird. Sie erhalten ein Reisedokument, welches Rei- sen ausserhalb Italiens ermöglicht. Ein anerkannter Flüchtling kann seine Familie (Ehepartner, Kinder und Eltern) ohne Einschränkung bezüglich des verfügbaren Einkommens oder der Wohnsituation nachziehen lassen (vgl. SFH: „Aufnahmebedingungen in Italien. Zur aktuellen Situation von As yl- suchenden und Schutzberechtigten, insbesondere Dublin-Rückkehrenden in Italien, Bern, August 2016, S. 33 f. und S. 69 f.; SFH: "Asylverfahren und Aufnahmebedingungen in Italien, Bericht über die Situation von Asylsu- chenden, Flüchtlingen und subsidiär oder humanitär aufgenommenen Per- sonen, mit speziellem Fokus auf Dublin-Rückkehrende, The law students’ legal aid office, Juss-Buss, Norwegen Bern und Oslo, Mai 2011, S. 31; vgl. auch Urteil des EGMR vom 2. April 2013 i.S. Mohammed Hussein und an- dere vs. Niederlande und Italien, Beschwerde Nr. 27725/10, § 37). 10.8 Trotz den ihnen zustehenden Rechten aus der FK stehen die Aufent- haltsbedingungen für von Italien anerkannte Flüchtlinge – ebenso wie die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende – seit geraumer Zeit in der Kritik. So sprach das Hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (Uni- ted Nations High Commissioner for Refugees ; UNHCR) in einem Bericht D-5178/2013 Seite 17 vom Juli 2013 von (weiterhin) bestehenden Mängeln des italienischen Sys- tems, indem es unter anderem hervorhob, das SPRAR-(Sistema di prote- zione per richiedenti asilo e rifugiati [Schutzsystem für Asylsuchende und Flüchtlinge])-System sei aufgrund seiner geringen Kapazität nur einge- schränkt fähig, eine angemessene Unterbringung für alle Personen mit An- spruch auf internationalen Schutz zu sichern. Eine der schwerwiegendsten negativen Folgen dieser Situation sei die Zunahme der Zahl von Flüchtlin- gen und anderen international Schutzberechtigten, die in von Gemeinden unterhaltenen Obdachloseneinrichtungen oder Notunter künften unterge- bracht seien. Zusätzlich lebten eine zunehmende Zahl an international Schutzberechtigten, einschließlich Familien mit Kindern und Personen mit geistigen Behinderungen, in armseligen Verhältnissen in Behelfssiedlun- gen oder besetzten Gebäuden (sogenannten „Hot -Spots”), die in den grossstädtischen Gebieten von Rom, Mailand, Florenz und Turin angesie- delt seien (vgl. UNHCR-Empfehlungen zu wichtigen Aspekten des Flücht- lingsschutzes in Italien, Juli 2013, S. 14 ff.). Die SFH hält im zitierten Bericht vom August 2016 (vgl. E. 10.7) fest, von Italien anerkannte Flüchtlinge würden aufgrund der ihnen erteilten, gültigen Aufenthaltsbewilligung wieder nach Italien einreisen und sich selbständig irgendwo im Land hinbegeben können, jedoch keine Unterstützung erhal- ten, so etwa bei der Suche nach einer Unterkunft (vgl. SFH, a.a.O., S. 33). Das italienische System gehe davon aus, dass Personen mit Schutzstatus selber für sich sorgen könnten und müssten. Es gebe daher nur wenige Aufnahmeplätze für schutzberechtigte Personen, welche in alle r Rege l aber zeitlich begrenzt seien. Deshalb bestehe ein hohes Risiko der Ob- dachlosigkeit, von welchem unter anderem auch Frauen, allein erziehende Mütter, Familien sowie physisch und psychisch bee inträchtigte Personen betroffen seien. Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge (und Asylsuchen- den) in besetzten Häusern, Slums und auf der Strasse seien menschenun- würdig. Sie würden am Rand der Gesellschaft leben, ohne jegliche Per- spektive auf eine Verbesserung ihrer Si tuation. Ihr Alltag sei oft durch die Deckung der Elementarbedürfnisse wie Suche nach Nahrung und einem Schlafplatz bestimmt. Schutzberechtigte seien zwar im Zugang zum Sozi- alsystem den Einheimischen gleichgestellt. Ein Recht auf existenzsi- chernde Sozialhilfebeiträge existiere jedoch nicht, da sich das italienische System stark auf die Unterstützung durch die Familie abstütze. Während Italienerinnen und Italiener bei Bedürftigkeit zumeist auf die Unterstützung ihrer Angehörigen zählen könnten und das System quasi auf der Prämisse D-5178/2013 Seite 18 beruhe, dass die Familie in solchen Fällen einen Beitrag leiste, fehle ge- flüchteten Personen zumeist ein tragfähiges familiäres Netz. Daher seien sie faktisch schlechter gestellt als Einheimische (vgl. SFH a.a.O., S. 49 f.). 10.9 Die al lgemeine Situation von Personen, denen durch Italien der Flüchtlingsstatus zuerkannt wurde, ist demzufolge nicht unproblematisch. Ob allerdings die Beschwerdeführerin und ihre beiden Kinder trotzt der ihnen zustehenden Rechte und Ansprüche aus der FK und der Qualifikati- onsrichtlinie bei einer Rückführung nach Italien – wie auf Beschwerde- ebene gerügt – dort auf sich alleine gestellt und sich selbst überlassen wä- ren, steht vorliegend nicht fest (vgl. E. 11). 11. 11.1 Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs sind grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht fin- det jedoch nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Sub- stanziierungslast trägt (Art.7 AsylG). Es kann nicht Sache der Asylbehör- den sein, nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen, wenn – wie vorliegend – die asylsuchende Person durch unglaubhafte An- gaben eine solche Prüfung verhindert (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10 und E. 6). 11.2 Die Beschwerdeführerin gibt im Rahmen der Befragung zu ihrer Per- son (BzP) vom 4. März 2013 an, sie sei von ihrem Verlobten L._______, einem Eritreer aus P ._______, mit dem sie zwei Jahre zusammen im Su- dan gewesen sei, in Libyen getrennt worden, da sie beide dort in verschie- dene Gefängnisse verbracht worden seien. Sie habe ihn danach nicht mehr gesehen. Letztmals habe sie ihn in Libyen im neunten Monat des Jahres 2012 gesehen (vgl. act. A9/12 S. 3). Im Verlauf derselben Befragung schil- dert sie aber auch, sie habe Eritrea am 9. September 2009 verlassen, sei danach zwei Jahre im Sudan gewesen und dann nach Libyen gereist, wo sie sich bis im März 2012 aufgehalten habe (vgl. act. A9/12 S. 5). Darauf angesprochen, dass sie demnach ihren Verlobten nicht letztmals im Sep- tember 2012 in Libyen gesehen haben könne, antwortet sie ausweichend und vage, es könne sein, dass es in Italien gewesen sei, wo sie ihn zuletzt gesehen habe. Es stimme, sie habe ihn in Italien letztmals gesehen. Auch die weitere Frage, wo sich ihr Verlobter derzeit befinde, beantwortet sie zunächst ausweichend, indem sie erklärt, sie habe ihn in Q._______ (Ita- lien) verlassen (vgl. act. A9/12 S. 5). Erst auf die spätere Frage, ob sie bei einer Überstellung nach Italien mit ihrem Verlobten zusammen sein wolle, D-5178/2013 Seite 19 fügt sie bei, sie wisse nicht, wo er sich derzeit befinde. Er habe nicht einmal eine Aufenthaltserlaubnis (vgl. act. A9/12 S. 6 ). Während sie im Rahmen der BzP erklärte, sie habe mit ihrem Verlobten zusammen im Sudan gelebt, sagt sie in Widerspruch dazu anlässlich der Befragung vom 9. August 2013 aus, sie habe ihren Verlobten (erst) in Libyen kennengelernt (vgl. act. A 30/9 S. 2). Ausserdem gibt sie zu Protokoll, bei der Überfahrt mit dem Boot nach Italien seien sie in Seenot geraten und ihr Verlobter habe ihr Leben gerettet. Er habe sie dann, als sie in Italien erkrankt sei, die ganze Zeit unterstützt (vgl. act. A30/9 S. 2). Eine Aussage, die sich allerdings nicht mit ihrem weiteren Vorbringen vereinbaren lässt, wonach ihr Verlobter sie trotz Krankheit in Italien bei einer Person zurückgelassen habe und fortgegan- gen sei (vgl. act. A30/9 S. 3 f.). Was die Vaterschaft anbelangt , gibt die Beschwerdeführerin zwar sowohl während der BzP vom 4. März 2013 als auch anlässlich der Anhörung vom 9. August 2013 übereinstimmend zu Protokoll, ihr Verlobter sei der Vater ihrer am (…) in der Schweiz geborenen Tochter und er habe ebenfalls in Italien um Asyl nachgesucht (vgl. act. A 9/12 S. 3 u. 6, vgl. act. A30/9 S. 2). Über dessen Verbleib macht sie aber auch im Rahmen der Anhörung keine näheren Angaben. Sie erklärt ledig- lich, nachdem er sie in Italien zurückgelassen habe, habe sie keinen Kon- takt mehr zu ihm gehabt (vgl. act. A 30/9 S. 4). Dies vermag angesichts der Tatsache, dass sie in jenem Zeitraum bereits von ihm schwanger war nicht zu überzeugen. Im Verlauf derselben Anhörung gibt sie denn auch zu Pro- tokoll, dass sie nach der Geburt der Tochter im (…) in telefonischen Kontakt mit dem Kindsvater stand. Dieser habe sie nach der Geburt der gemeinsa- men Tochter in der Schweiz angerufen (vgl. act. A30/9 S. 2). 11.3 Die Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich der BzP bezie- hungsweise der Anhörung sind infolge der erwähnten Widersprüche und dem ausweichenden und vagen Aussageverhalten nicht glaubhaft. Es be- steht der Eindruck, die Beschwerdeführerin unterdrücke – aus welchem Grund auch immer – gewichtige Tatsachen hinsichtlich dem Verbleib ihres Verlobten und Kindsvaters respektive ihrer Beziehung zu diesem und ih- rem bisherigen Zusammenleben mit ihm in Sudan, Libyen und insbeson- dere auch in Italien. Es ist nämlich nicht plausibel, dass ihr Verlobter – der angeblich in Italien ebenfalls um Asyl nachgesucht hatte – sie in Italien ver- lassen hat respektive sie zu diesem – ausser dem angeblichen Telefonat nach der Geburt ihrer Tochter – keinen Kontakt mehr hat. 11.4 Diese Einschätzung wird durch den Umstand erhärtet, dass die Be- schwerdeführerin, die stets darlegte, sie sei eine alleinerziehende Mutter und wisse nichts über de n Verbleib ihres Verlobten, am (…) zum zweiten D-5178/2013 Seite 20 Mal von diesem ein Kind geboren hat . In der Stellungnahme vom 16. Juli 2016 gesteht sie ein, dass sie im let zten Jahr, das heisst im Jahr 2015, ihren Verlobten getroffen hat. Demzufolge hat sie im laufenden Beschwer- deverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht nur ihre Schwanger- schaft verschwiegen, sondern auch, dass sie mit dem Kindsvater in Kon- takt stand. Ihr Erklärungsversuch in der Stellungnahme vom 16. Juli 2016, wonach es sich um ein einmaliges Wiedersehen gehandelt habe , da sie ihn anlässlich einer Hochzeit von gemeinsamen Freunden in N._______ wieder gesehen habe, überzeugt nicht. Diese Darstellung ist im Gesamt- kontext ebenso als unglaubhaft zu werten , wie ihr e weitere Behauptung, ihr Freund wisse nichts vom zweiten Kind, da der Kontakt zu ihm mangels telefonischer Erreichbarkeit nach dessen Ausreise aus der Schweiz wieder abgebrochen sei . Ein solches Aussageverhalten lässt vielmehr darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin (weiterhin) nähere Angaben zur Beziehung zwischen ihr und dem Kindsvater sowie dessen Verbleib und Lebenssituation verschweigt. Der Einschätzung der behandelnde Fachärz- tin O._______, die zum gegenteiligen Schluss gelangt, kann nicht gefolgt werden. Diese führt in ihre r E-Mail vom 19. Juli 2016 aus, die Beschwer- deführerin habe ihr gegenüber das Gleiche ausgesagt. Dies erscheine aus ihrer Sicht glaubhaft, da bei jedem Kontakt dolmetschende Personen aus dem Umfeld der Beschwerdeführerin dabei seien, und es im Gespräch mit der Beschwerdeführerin oft um ihre Einsamkeit und Zurückgezogenheit gehe. Diese Einschätzung überzeugt schon deshalb nicht, weil die Über- setzungen anlässlich der Therapiegespräche nicht von dafür fachlich aus- gebildeten und von der Beschwerdeführerin unabhängigen Personen er- folgten. 11.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nicht glaubhaft ist, die Be- schwerdeführerin sei in Italien von ihrem Freund verlassen worden und un- terhalte keinen Kontakt mehr zu diesem. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie zu diesem sehr wohl noch eine Verbindung unterhalten hat und auch weiterhin unterhält. Die tatsächlichen Lebensumstände, in denen sie sich mit ihrem Verlobten (unter anderem) zusammen in Italien befunden hat sowie auch dessen konkreter Aufenthaltsstatus und Aufenthaltsort, bleiben indes im Dunkeln. Eine zuverlässige Eins chätzung darüber wie sich die Lebenssituation bei einer Rückkehr der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder nach Italien gestaltet wird mangels ihrer Mitwirkung an der Feststellung des diesbezüglich rechtserheblichen Sachverhalts verunmög- licht. Es ist daher nicht (mehr) Sache der Behörden, nach entsprechenden Vollzugshindernissen zu forschen respektive in dieser Hinsicht allfällige Ab- klärungen vorzunehmen. Auf die Einschätzung in der Stellungnahme vom D-5178/2013 Seite 21 19. Juli 2016, wonach davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführe- rin bei einer Rückkehr nach Italien nicht auf Unterstützungsleistungen des Kindsvaters zählen könne, ist daher nicht weiter einzugehen. 11.6 11.6.1 Was letztlich die medizinischen Probleme der Beschwerdeführerin anbelangt, lässt sich feststellen, dass die von ihr behauptete Krebserkran- kung in Form eines Hirntumors, an dem sie 2003 gelitten habe und der in Eritrea ärztlich diagnostiziert worden sei (vgl. act. A9/12 S. 4 f., act. A30/9 S. 6) durch die ärztlichen Untersuchungen in der Schweiz nicht bestätigt werden konnten. Gemäss dem Befund des Kantonsspitals K._______ vom 21. Oktober 2013 (vgl. Beilage zur Eingabe vom 29. Oktober 2013) lag kein Hinweis auf einen Status nach einem Hirntumor respektive eine Hirnpatho- logie vor. Die von der Beschwerdeführerin vorgegebene Hirntumorerkran- kung entspricht somit nicht den Tatsachen. Da demnach nie eine entspre- chende pathologische Erkrankung vorlag, erstaunt auch nicht, dass sie in Italien – wie von ihr kritisiert wurde – keinen medizinischen Massnahmen unterzogen wurde respektive ihr dort nicht geholfen werden konnte (vgl. act. A30/9 S. 6). 11.6.2 Ärztlich bescheinigt wurde der Beschwerdeführerin am 13. Oktober 2016 eine (…) (vgl. Eingabe vom 17. Oktober 2013). Die Behandlung die- ser Hautkrankheit in Form einer (…) ist – soweit überhaupt erforderlich – in Italien indes grundsätzlich ebenso möglich, wie die bei ihr im Weiteren diagnostizierte psychische Erkrankung. Die ihr mit medizinischem Bericht der (…) vom 23. Januar 2014 erstmals attestierte, mittelgradige depressive Störung (ICD10: F 32.1; vgl. Eingabe vom 7. Februar 2014) präsentierte sich gemäss dem letzten psychiatri- schen Bericht der Fachärztin vom 8. Oktober 2015 als Rezidiv (ICD -10 F:33.1; vgl. Eingabe vom 13. Oktober 2015 ). Laut E-Mail der Fachärztin vom 19. Juli 2016 wird die Beschwerdeführerin mittels psychiatrischer Me- dikation sowie Gesprächen, welche im Abstand von drei bis vier Woch en stattfinden, behandelt. Die Medikation wurde wegen der Stillzeit – voraus- sichtlich vorübergehend – eingestellt. Eine Fortsetzung der psychiatrischen Behandlung ist indes auch in Italien möglich, verfügt dieses Land doch über vergleichbare medizinische Stan- dards wie die Schweiz. Aufgrund ihres Schutzstatus hat die Beschwerde- führerin – wie besehen vgl. (E. 10.7) – Anspruch auf den Erhalt medizini- scher Leistungen. Wie in der angefochtenen Verfügung ausgeführt und in D-5178/2013 Seite 22 der Vernehmlassung wiederholt, wird das SEM zudem die italienischen Be- hörden über die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin vor deren Überstellung ausführlich informieren. In der Vernehmlassung wird vom SEM ausserdem angeführt, dass es zwecks Sicherstellung der Fort- führung der Behandlung den italienischen Behörden einen (in Englisch o- der Italienisch abgefassten) aktuellen ärztlichen Bericht übermittel n wird, welcher über die Diagnose und Art der Behandlung Aufschluss gibt. Kon- krete Anhaltspunkte dafür, dass ihr bei einer Rückkehr nach Italien die von ihr benötigte medizinischen Behandlung respektive Medikation verwehrt werden oder sie in eine medizinische Notlage geraten würde, sind damit nicht ersichtlich. Die auf Beschwerdeebene – unter Hinweis auf verschiedene Berichte – pauschal geübte Kritik hinsichtlich Mängel in der medizinischen Versor- gung von anerkannten Flüchtlingen in Italien vermag nicht zu einer ande- ren Betrachtung zu führen. Es ist zwar einzuräumen, dass für von Italien anerkannte Flüchtlinge der Zugang zu medizinischer Versorgung er- schwert sein kann, sofern es sich dabei nicht um die grundlegende Versor- gung oder einen Notfall handelt. Der Zugang zu einem Hausarzt und wei- tergehenden Leistungen hängt nämlich gemäss dem zitierten Bericht der SFH vom August 2016 in der Regel davon ab, ob ein anerkannter Flüchtling einen Wohnsitz (residenza) vorweisen und damit eine Gesundheitskarte (tessera sanitaria) erhältlich machen kann . Da jedoch die konkreten Le- bensumstände der Beschwerdeführerin in Italien mangels ihrer Mitwirkung nicht geklärt sind, erübrigen sich in dieser Hinsicht weitergehende Abklä- rungen. 11.7 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin und ihrer Kin- der erweist sich somit als zulässig, zumutbar und im Übrigen auch als mög- lich. 12. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollstän- dig feststellt und angemessen ist (Art. 106 aAsylG). Die Be schwerde ist demnach abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerdeführerin als unterliegender Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Mit Verfügung vom 10. Januar 2014 wurde D-5178/2013 Seite 23 ihr – unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage – die unent- geltliche Rechtspflege gewährt. Da sie aufgrund der Aktenlage nach wie vor als bedürftig zu erachten ist, sind die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG weiterhin erfüllt. Es sind ihr demnach keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. D-5178/2013 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg Versand: