Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Januar 2015 (725 11 275 / 9) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Rückforderung zu Unrecht ausgerichteter Versicherungsleistungen; relative Verwir- kungsfrist infolge zumutbarer Kenntnis aller zur Rückforderung führender Umstände nicht eingehalten; keine Bindung an spätere, strafgerichtliche Erkenntnisse. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch David Schnyder , Adv o- kat, Sternengasse 4, Postfach, 4010 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Rückforderung A. Der 1965 geborene A.____ arbeitete seit März 199 5 als Geschäftsführer in der Garage A.____ GmbH in B.____. In dieser Eigenschaft war er bei der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt SUVA gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 3. Juni 1996 erlitt er bei einem Verkehrsunfall ein e HWS-Distorsion. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Ver sicherungsleistungen. Mit Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 24. Oktober 2000 sprach sie dem Versicherten aufgrund der Unfallfolgen ab 1. Oktober 2000 eine monatliche Rente im Umfang von Fr. 1‘109.— sowie e ine Integritätsentschädigung im Um- fang von Fr. 19‘440.— zu. In der Folge erhöhte sie den für die IV-Rente massgebenden Invalidi- tätsgrad vergleichsweise ab 1. Oktober 2000 auf 45%. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 25. April 2003 für die Zeit vom 1. Juni 1997 bis 31. März 1998 eine ganze IV-Rente und ab 1. April 1998 eine halbe IV-Rente zu. Auf Ein- sprache des Versicherten hin gewährte sie dem Versicherten mit Einspracheentscheid vom 22. September 2004 ab 1. Januar 2004 eine Dreiviertelrente der IV. B. Zwischen dem 1. September 2005 bis 12. September 20 05 sowie dem 30. September 2005 bis 1. Oktober 2005 wurde der Versicherte von der C.____ als Haftpflichtversicherer der unfallverursachenden Fahrzeughalterin observiert. Dabei stellte sich heraus, dass der Versi- cherte scheinbar problemlos in seiner Garage arbeiten un d im Ausland an Autorennen teilneh- men konnte. Gestützt auf diese Erkenntnisse erstattete d ie C.____ am 25. April 2006 Strafan- zeige gegen den Versicherten. Dieser wurde in der Folge zwischen dem 30. Juni 2006 und dem 28. Juli 2006 erneut durch die Polizei observiert. C. Aufgrund dieser neu bekannt gewordenen Tatsachen stel lte die SUVA mit Schreiben vom 19. Januar 2007 die Ausrichtung ihrer Rentenleistu ngen mit sofortiger Wirkung ein. Am 14. Februar 2007 erhob sie gegenüber dem Bezirksstatthal teramt D.____ eine Adhäsionsklage im Umfang bisher ausgerichteter Versicherungsleistungen d er SUVA und der IV von Fr. 729‘814.—. Am 7. Mai 2007 korrigierte sie ihre ad häsionsweise geltend gemachte Scha- denersatzforderung unter Vorbehalt allfälliger Mehrforderungen auf Fr. 680‘390.—. D. Mit Mitteilung vom 29. Juni 2007 zeigte die IV-St elle dem Versicherten aufgrund der auch ihr neu bekannt gewordenen Tatsachen die Sistier ung der laufenden IV-Rente an. Daran hielt sie mit Schreiben vom 9. September 2008 fest. Mit Verfügung vom 6. Oktober 2008 bestä- tigte die IV-Stelle die sofortige Sistierung der Ausr ichtung weiterer Rentenleistungen mit Wir- kung per 29. Juni 2007. E. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2008 hielt die SUVA an ihrem Schreiben vom 19. Januar 2007 fest und bestätigte bis auf weiteres die Einstellu ng ihrer Rentenleistungen. Hiergegen er- hob der Versicherte am 1. Dezember 2008 Einsprache. F. Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Landsch aft (Strafgericht) vom 3. Septem- ber 2010 wurde der Versicherte unter anderem wegen g ewerbsmässigen Betrugs zu einer be- dingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie zu einer Busse von Fr. 700.— verurteilt. Die Schadenersatzforderung der SUVA im Umfang von Fr. 680 ‘390.— wurde in das verwaltungs- rechtliche Verfahren verwiesen. Gegen dieses Urteil ap pellierte der Versicherte mit Eingabe vom 17. September 2010. Die Staatsanwaltschaft schloss sich mit Eingabe vom 22. September 2010 der Appellation an. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Verfügung vom 5. November 2010 forderte die SUVA von A.____ zu Unrecht ausge- richtete Versicherungsleistungen im Umfang von Fr. 378‘8 00.— zurück. Hiergegen erhob der Versicherte am 8. Dezember 2010 Einsprache. H. Mit Einspracheentscheid vom 7. Juli 2011 wies die SUV A die sowohl gegen ihre Verfü- gung vom 28. Oktober 2008 betreffend die Einstellung der Versicherungsleistungen als auch gegen ihre Verfügung vom 5. November 2010 betreffen d die Rückforderung zu Unrecht ausge- richteter Versicherungsleistungen erhobenen Einsprachen a b. Zur Begründung hielt sie zu- sammenfassend fest, dass der Versicherte seine Beschwerden d en Ärzten und der SUVA ge- genüber vorgetäuscht habe. Weder sei während der Taggeldperiode von einer vollen Arbeitsun- fähigkeit noch von einer 45%-igen Erwerbsunfähigkeit für die Zeit danach auszugehen. I. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Davi d Schnyder, Advokat, am 10. Au- gust 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er beantragte , der angefochtene Einspracheent- scheid sei vollumfänglich aufzuheben. Die Rückforderung d er SUVA im Umfang von Fr. 378‘800.— sei entsprechend aufzuheben. J. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 19. September 2011 wurden die Verfahrensan- träge des Beschwerdeführers, es sei der Beschwerde die au fschiebende Wirkung zuzuerken- nen und es sei das Verfahren bis zum Abschluss des Strafverf ahrens zu sistieren, abgewiesen. Mit Vernehmlassung vom 17. November 2011 schloss die SUV A auf Abweisung der Beschwer- de. Zusammenfassend hielt sie fest, dass der Beschwerdefüh rer die Ausrichtung von Versiche- rungsleistungen im Umfang von Fr. 378‘800.— durch irref ührende und täuschende Angaben gegenüber den ihn behandelnden Ärzten erwirkt habe. I m Rahmen des gegen ihn eingeleiteten Strafverfahrens sei offenkundig geworden, dass er ab Ap ril 2005 diverse Autorennen bestritten habe. Ausserdem habe er bereits in den Jahren 1997 und 1998 in seinem Betrieb Arbeiten ver- richtet, welche keinerlei körperliche Einschränkungen erahnen liessen. Mit Replik vom 3. Januar 2012 bzw. Duplik vom 20. Februar 2012 hielten sowohl der Beschwerdeführer als auch die Be- schwerdegegnerin an ihren Rechtsbegehren und den entsprechenden Begründungen fest. K. Nachdem eine amtliche Erkundigung des Kantonsgerichts ergeben hatte, dass mit ei- nem appellationsgerichtlichen Strafurteil erst Ende Jul i 2012 gerechnet werden könne, wurde das Verfahren mit verfahrensleitender Verfügung vom 21. Februar 2012 bis zum Abschluss des vor dem Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, hängige n Strafverfahrens sistiert. Gegen dessen Urteil vom 25. Juni 2012 erhob der Beschwerdeführer be im Bundesgericht Beschwerde in Strafsachen, worauf das rubrizierte Verfahren mit verfa hrensleitender Verfügung vom 7. Januar 2013 schliesslich bis zum Abschluss des vor Bundesgericht hängi gen Strafverfahrens sistiert wurde. Mit Urteil des Bundesgerichts 12. November 2013 wurde die Beschwerde des Versicher- ten in Strafsachen teilweise gutgeheissen. Das Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, wurde aufgehoben, und die Sache wurde zur neuen Entsch eidung an die Vorinstanz zurückge- wiesen. L. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 14. April 201 4 wurde die Sistierung des vorste- henden Verfahrens aufgehoben, und es wurden die vollst ändigen Strafakten zum Verfahren Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht beigezogen. In ihrer Stellungnahme vom 14. Mai 2014 hielt die SUVA an ihren bereits dargeleg- ten Standpunkten fest, wonach der Beschwerdeführer spät estens seit Dezember 1998 die aus- gerichteten Versicherungsleistungen zu Unrecht bezogen h abe. Diese seien daher im Rahmen der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision zurückzuerstatten. Der Beschwerdeführer hielt in seiner Stellungnahme vom 14. Mai 2014 seine rseits an der Gutheissung der Beschwer- de fest. M. Anlässlich der Urteilsberatung vom 3. Juli 2014 wurd e den Parteien der Vorschlag un- terbreitet, das strittige Beschwerdeverfahren vergleichswe ise zu erledigen. Nachdem der Be- schwerdeführer den gerichtlichen Vergleichsvorschlag abge lehnt hatte, wurden die Parteien aufgefordert, sich zur Frage einer allfälligen Verwir kung der strittigen Rückforderung zu äus- sern. Mit Stellungnahme vom 26. September 2014 machte die SUVA geltend, dass mitnichten von einer Verwirkung ihres Rückforderungsanspruchs ausgegan gen werden könne. Zur Be- gründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass sie erst nach Vorliegen des erstinstanzlichen Strafurteils vom 3. September 2010 über genügende Ken ntnis ihres Rückforderungsanspruchs verfügt habe. Der Beschwerdeführer verzichtete mit Eingab e vom 27. Oktober 2014 auf eine Stellungnahme. Sämtliche Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben si ch – soweit sie für den Entscheid von Bedeutung sind – aus den nachfolgenden Erwägungen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den A llgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindun g mit Art. 60 Abs. 1 ATSG und Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicheru ng (UVG) vom 20. März 1981 kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim zus tändigen kantonalen Versiche- rungsgericht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die ver sicherte Person zur Zeit der Be- schwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Gemäss § 54 Abs. 1 l it. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht des Kantons Basel-Landschaft als einzige geri chtliche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträ ger gemäss Art. 56 ATSG. Das Kantonsgericht ist somit sachlich und örtlich für die Be handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur jene Rechts- verhältnisse zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwa ltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung oder eines Einspracheentsch eids - Stellung genommen hat. Insoweit bestimmen die Verfügung bzw. der Einspracheentscheid de n beschwerdeweise weiterziehba- ren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an eine m Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit kei ne Verfügung bzw. kein Einsprache- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht entscheid ergangen ist (BGE 125 V 414 E. 1a mit Hinweisen). Vorliegend hat die SUVA mit Ver- fügung vom 28. Oktober 2008 ihre laufenden Rentenleistungen per 19. Januar 2007 sistiert und die Ausrichtung weiterer Versicherungsleistungen ab diesem Zeitpunkt damit vorsorglich unter- brochen. Zweck ihrer Sistierungsverfügung war es somit, die Wirksamkeit einer allenfalls noch zu treffenden, definitiven Rentenaufhebung sicherzustell en. Diese vorsorgliche Leistungsein- stellung hat sie mit Einspracheentscheid vom 7. Juli 2011 bestätigt. Bildet die Verfügung der SUVA vom 28. Oktober 2008 und mit ihr der vorliegend angefochtene Einspracheentscheid vom 7. Juli 2011 nicht nur Ausgangspunkt, sondern auch Rahmen und Begrenzung des Streit- gegenstandes, ergibt sich für das vorstehende Beschwerdever fahren, dass in Ermangelung eines entsprechenden Anfechtungsobjekts eine definitive L eistungseinstellung nicht verfah- rensgegenständlich ist. Die richterliche Überprüfung hat sich demnach einzig auf die Fragen der vorsorglichen Leistungseinstellung per 19. Januar 2007 u nd der am 5. November 2010 verfüg- ten und einspracheweise bestätigten Rückforderung der bis zu diesem Zeitpunkt ausgerichteten Versicherungsleistungen zu beschränken. Auf die form- un d fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist insoweit einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist zunächst die Rechtmässigkeit der vorsorglichen Einstellung der Versicherungsleistungen per 19. Januar 2007. 2.1 Der Zweck vorsorglicher Massnahmen besteht darin, die Wirksamkeit einer erst später zu treffenden definitiven Anordnung sicherzustellen. Vor sorgliche Massnahmen stehen im Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach raschem Handel n einerseits und – da der Sach- verhalt infolge der Dringlichkeit meist nur summarisch abg eklärt werden kann - der Wahrheits- findung und damit der richtigen Rechtsanwendung andere rseits (vgl. ALFRED KÖLZ / ISABELLE HÄNER , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bu ndes, 2. Auflage, Zürich 1998, Rz 330 ff.). Weder das ATSG noch das UVG enthalt en Bestimmungen in Bezug auf die Voraussetzungen vorsorglicher Massnahmen, weshalb gemäss Art. 55 Abs. 1 ATSG grundsätz- lich die Regelung des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1 968 über das Verwaltungsverfah- ren (VwVG) zur Anwendung gelangt. Das VwVG regelt jedoch lediglich die vorsorglichen Mass- nahmen im Zusammenhang mit einem Beschwerdeverfahren (Art. 55 f. VwVG). Es bietet hin- gegen keine ausdrückliche Grundlage für den Erlass vorsorgli cher Massnahmen im Rahmen des Verwaltungsverfahrens. Die gesetzliche Grundlage lässt sich jedoch gemäss BGE 117 V 185 durch einen Analogieschluss aus Art. 56 VwVG ableiten (vgl. FRANZ SCHLAURI , Die vorsorg- liche Einstellung von Dauerleistungen der Sozialversiche rung, in: Schaffhauser/Schlauri, Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 196 f.). Nach BGE 121 V 116 ff. sind vorsorgliche Massnahmen - nunmehr mi t Verweis auf Art. 79 des Bundesge- setzes über den Bundeszivilprozess (BZP) vom 4. Dezember 1947 (vgl. dazu SCHLAURI , a.a.O., S. 202 ff.) - zulässig. Art. 79 Abs. 1 lit. b BZP sieht vor, dass vorsorgliche Verfügungen getroffen werden können zur Abwehr eines drohenden, nicht leicht wieder gutzumachenden Nachteils. Zu beachten ist dabei die Verhältnismässigkeit der Massnahme. Insbesondere dürfen keine über- wiegenden privaten oder öffentlichen Interessen entg egenstehen (vgl. VPB 1995 Nr. 3, E. 3; vgl. auch BGE 122 II 364). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nachdem das Bezirksstatthalteramt D.____ wegen Verdac hts auf Versicherungsbetrug am 6. Mai 2006 ein Untersuchungsverfahren gegen den Ve rsicherten eröffnet hatte (vgl. SUVA Akten Dok 158), bestätigte die SUVA mit Verfügung vom 28. Oktober 2008 gestützt auf eine Strafanzeige der C.____ vom 25. April 2006 die bereits am 19. Januar 2007 eröffnete Sistierung weiterer Versicherungsleistungen (vgl. SUVA-Akten Dok 151, 152 und 157). Die dagegen erho- bene Einsprache wies sie im vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid vom 7. Juli 2011 ab (vgl. a.a.O., S. 8, ad Ziffer 3d). Eine solche vorübergehende Einstellung der Versicherung sleistungen stellt grundsätzlich einen erheblichen Einschnitt in die Einkommenssituation der ve rsicherten Person dar. Massgebend für die Beurteilung, ob die vorsorgliche Leistungsein stellung der SUVA rechtmässig war, ist al- lerdings der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des ange fochtenen Einspracheentscheids vom 7. Juli 2011 entwickelt hat (BGE 129 V 4 E. 1.2). U nter diesem retrospektiven Blickwinkel stand das Interesse der Beschwerdegegnerin, eine allfäl lige Rückforderung wegen der damit verbundenen administrativen Erschwernisse und der Gefahr der Uneinbringlichkeit nach Mög- lichkeit zu vermeiden, demjenigen des Beschwerdeführers geg enüber, während der Dauer des damaligen Untersuchungs- und Strafverfahrens nicht von Leistungen der Fürsorge abhängig zu werden. Für den Fall, dass die Prozessaussichten des Beschwe rdeführers im Hauptverfahren nicht eindeutig positiv zu gewichten gewesen wären, wär e das Interesse der Beschwerdegeg- nerin an der Vermeidung administrativer Umtriebe und Verhinderung von Rückforderungsaus- fällen höher zu gewichten gewesen als dasjenige des Besc hwerdeführers, nicht in eine Notsitu- ation zu geraten (Urteil des EVG vom 8. August 2003, I 426/05, E. 2.3 mit Hinweisen auf BGE 105 V 269 E. 3, AHI 2000, S. 185). 2.3 Aufgrund der Anklageschrift der C.____ (vgl. SUVA A kten Dok 147) bestand aus da- maliger Sicht bereits im Zeitpunkt der Verfügung der SUVA vom 28. Oktober 2008 ein gewichti- ger Verdacht auf ein strafrechtlich relevantes Verhal ten des Beschwerdeführers. Bereits dazu- mal haben diverse Anhaltspunkte dafür gesprochen, dass sic h dessen Arbeitsfähigkeit erheb- lich verbessert hat, ohne dass der Versicherte diesen Umstan d allerdings der SUVA gemeldet hatte. Aufgrund dieser Ausgangslage müssen die Prozessaussi chten des Beschwerdeführers im Hauptverfahren rückblickend eindeutig als negativ beur teilt werden. Es kann in dieser Hin- sicht auf die auch für das vorliegende Verfahren massgebenden Erwägungen im Urteil des Kan- tonsgerichts vom 26. August 2009 betreffend das Parall elverfahren des Beschwerdeführers gegen die IV-Stelle verwiesen werden (vgl. a.a.O., Ve rfahren 720 08 343, E. 4.2 ff.), welches die SUVA ihrerseits am 17. September 2010 zu ihren Akt en genommen hat (vgl. SUVA Akten Dok 177). Das Interesse der SUVA an der Vermeidung von Umtrieben und Verlustrisiken im Zusammenhang mit allfälligen Rückforderungen im Vergl eich zu demjenigen des Versicherten, nicht in eine finanzielle Notlage zu geraten, war ret rospektiv umso schwerer zu gewichten, als mit Urteil vom 3. September 2010 auch das Strafgericht festgestellt hatte, dass die bisher aus- gerichteten sozialversicherungsrechtlichen Leistungen angesic hts der observierten Aktivitäten des Versicherten seit dem 7. April 2005 keinesfalls meh r im bisher erbrachten Umfang geschul- det seien. Der Versicherte habe seit seinem Unfall anfangs Juni 1996 sowohl Ärzte als auch die Versicherungsinspektoren vielmehr systematisch und arglistig über seinen Gesundheitszustand getäuscht (vgl. Urteil des Strafgerichts vom 3. September 2010, SUVA Akten Dok 184, S. 7 und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 36). Es ist im Ergebnis daher auch im vorliegenden Fall nicht zu beanstanden, dass die SUVA gestützt auf den Stand der damaligen Ermittlungen un d in Kenntnis der ihr am 17. Juni 2011 zugegangenen Erwägungen des Strafgerichts in dessen Urte ilsbegründung die vorsorgliche Einstellung weiterer Versicherungsleistungen per 19. Jan uar 2007 einspracheweise geschützt hat. Die Beschwerde ist in diesem Punkt demnach abzuweisen. 3. Strittig und zu prüfen bleibt, ob die SUVA zu Rech t den Betrag von Fr. 378‘800.— zurück- gefordert hat. 3.1 Die Zusprechung von sozialversicherungsrechtlichen Leist ungen erfolgt grundsätzlich durch Verfügung (Art. 49 Abs. 1 ATSG). Steht diese mit den massgebenden rechtlichen oder tatsächlichen Grundlagen nicht mehr in Übereinstimmung , stellt sich die Frage einer Korrektur dieser Verfügung. Unter solchen Umständen kann in Betrac ht gezogen werden, eine rückwir- kende oder eine nur für die Zukunft wirkende Korrektur vorzunehmen. Zielsetzung ist es, die gesetzliche Ordnung wieder herzustellen (BGE 122 V 227). 3.2 Art. 25 Abs. 1 ATSG knüpft die Rückerstattungspflicht an einen unrechtmässigen Bezug der Leistung. Die Rückforderung zu Unrecht ausbezahlte r Leistungen ist mit Blick auf die Wie- derherstellung der gesetzlichen Ordnung - nebst den hie r nicht interessierenden Ausnahmen einer Anpassung der Leistung nach Art. 17 ATSG oder de m gänzlichen Fehlen einer die Leis- tung zusprechenden Verfügung - nur zulässig, wenn die Voraussetzungen der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision der ursprünglichen Verfüg ung erfüllt sind (BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinweisen). Dies gilt auch unter der Her rschaft des Art. 25 ATSG, der an die Stelle der spezialgesetzlichen Rückerstattungsnormen getreten i st (BGE 130 V 319 f. E. 5.2 mit Hin- weisen). So lässt Art. 53 ATSG einerseits die Wiedererw ägung formell rechtskräftiger Verfü- gungen zu, wobei allerdings die zweifellose Unrichtigke it der Verfügung vorausgesetzt wird. Darunter fallen rechtliche wie sachliche Mängel (Art. 53 Abs. 2 ATSG); anderseits ist eine Revi- sion vorzunehmen, wenn neue Tatsachen oder Beweise zu ei ner anderen rechtlichen Beurtei- lung führen (Art. 53 Abs. 1 ATSG). Wird eine solche rü ckwirkende Korrektur einer Verfügung vorgenommen, entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese wer- den damit - im Nachhinein - zu unrechtmässigen Leistung en (BGE 122 V 138; U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich 2003, Art. 25 Rz 2 ff.). 3.3 Was die prozessuale Revision betrifft, müssen formell rechtskräftige Verfügungen ge- mäss Art. 53 Abs. 1 ATSG dann in Revision gezogen werden , wenn die versicherte Per- son oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erheb liche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Als "neu" gelten Tatsachen, welche sich bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren noc h tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig waren, verwirklicht haben, jedoch der um Revision e rsuchenden Person trotz hinrei- chender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsa chen müssen ferner erheblich sein, d.h. sie müssen geeignet sein, die tatbeständliche Grundlage d es angefochtenen Urteils zu verän- dern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu eine r andern Entscheidung zu führen. Be- weismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tat- sachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen, aber zum Nachteil der Gesuch stellenden Person u nbewiesen geblieben sind. Ent- scheidend ist ein Beweismittel, wenn angenommen werden muss, es hätte zu einem andern Urteil geführt, falls das Gericht im Hauptverfahren hi evon Kenntnis gehabt hätte (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Januar 2007, U 68/06, E. 2.2 mit Hinweisen). 3.4 Die SUVA stellt sich in ihrer Stellungnahme vom 14. Mai 2014 auf den Standpunkt, dass ihre Leistungsausrichtung spätestens ab Ende des Jahres 1 998 im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG zweifellos zu Unrecht erfolgt sei. Mit den im Stra fverfahren gefällten Urteilen lägen zu- dem auch neue Tatsachen gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG vor. Der Beschwerdeführer vertritt in seiner Beschwerdebegründung vom 10. August 2011 demgege nüber die Auffassung, dass der für eine Rückforderung erforderliche Rechtsgrund fehle. Wie aufzuzeigen sein wird, kann vor- liegend allerdings offen bleiben, ob, in welcher Höhe und insbesondere unter welchem Titel der Versicherte die bisher ausgerichteten Leistungen der SUVA zu Unrecht bezogen hat. 4.1 Gemäss Art. 25 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistu ngen zurückzuerstatten. Art. 25 Abs. 2 Satz 1 ATSG bestimmt, dass der Rückforder ungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kennt nis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung d er einzelnen Leistung, erlischt. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung herg eleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massgebend (Art. 25 Abs. 2 letzter Satz ATSG). Die Fristen von Art. 25 Abs. 2 ATSG sind gewah rt, wenn vor Ablauf der massgebenden Frist eine Rückerstattungsverfügung ergeht und der rückerstattungspflichtigen Person zugestellt wird (BGE 119 V 434). Durch den Begriff des "Erlöschens" bringt der Gesetzgeber zum Aus- druck, dass nicht eine unterbrechbare Verjährungsfrist, so ndern eine Verwirkungsfrist besteht, was der Weiterführung der bisherigen Rechtsprechung gl eichkommt (BGE 133 V 582, 119 V 433). 4.2 Art. 25 Abs. 2 ATSG entspricht dem bisherigen Rech t von aArt. 47 Abs. 2 des Bundes- gesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung ( AHVG) vom 20. Dezember 1946 und aArt. 82 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947. Nach der vormals zu diesen Bestimmu ngen entwickelten Rechtspre- chung beginnt die einjährige Verwirkungsfrist in dem Zeitpunkt zu laufen, in dem die zuständige Verwaltungsstelle bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufm erksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen (Urteil des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts [EVG; nunmehr: Bundesgericht, sozialre chtliche Abteilungen] vom 17. November 2005, C 245/05, E. 4.1). Unter dem Ausdruck " Kenntnis erhalten hat" ist gemäss der hierzu entwickelten Rechtsprechung daher auch mit Bli ck auf Art. 25 Abs. 2 ATSG jener Zeitpunkt zu verstehen, in welchem die Verwaltung bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerk- samkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen (BGE 112 V 181 E. 4a). 4.3 Um die Voraussetzungen für eine Rückerstattung beu rteilen zu können, müssen der Verwaltung alle im konkreten Einzelfall erheblichen Umst ände zugänglich sein, aus deren Kenntnis sich der Rückforderungsanspruch nicht nur dem Gru ndsatz nach, sondern auch in Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht seinem Ausmass gegenüber einem bestimmten Rückerstattungspf lichtigen ergibt (BGE 108 V 50, ZAK 1983 S. 113). Für die Beurteilung des Rückforderungsanspruchs genügt es da- her nicht, dass der Verwaltung bloss Umstände bekannt wur den, die möglicherweise zu einem Rückerstattungsanspruch führen können, oder dass dieser An spruch bloss dem Grundsatz nach, nicht aber in masslicher Hinsicht feststeht (BGE 11 1 V 16 E. 3). Vor Erlass der Rücker- stattungsverfügung muss vielmehr die Gesamtsumme der unr echtmässig ausbezahlten Leis- tungen feststellbar sein (BGE 111 V 19, E. 5). Die mit BGE 110 V 304 begründete Praxis, wo- nach der Beginn der einjährigen Verwirkungsfrist unte r dem Gesichtspunkt der von der Verwal- tung geforderten Aufmerksamkeit zu bestimmen ist, hat nicht nur bei der Beantwortung der Fra- ge zu gelten, ob die von einem Dritten erstattete Meldung die erforderliche Kenntnis der Verwal- tung auszulösen vermag. Sie ist sinngemäss auch auf die vo n der Verwaltung in der Folge zu treffenden Abklärungen auszudehnen. Die Verwaltung hat die ihr zumutbare Aufmerksamkeit deshalb insbesondere auch bei den sich allenfalls auf drängenden Erhebungen anzuwenden, damit ihre noch ungenügende Kenntnis derart vervollständ igt wird, dass ein allfälliger Rückfor- derungsanspruch die nötige Bestimmtheit erlangt. Wenn sie nicht die erforderlichen Anstren- gungen unternimmt, um sich über ihre noch ungenügend bestimmte Forderung innert absehba- rer Zeit ein klares Bild zu verschaffen, darf sich diese S äumnis nicht zu Ungunsten der Versi- cherten auswirken. In einem solchen Fall ist der Beginn der Verwirkungsfrist vielmehr auf jenen Zeitpunkt festzusetzen, in welchem die Verwaltung ih re unvollständige Kenntnis mit dem erfor- derlichen und zumutbaren Einsatz so hätte ergänzen kön nen, dass der Rückforderungsan- spruch die nötige Bestimmtheit erhält und der Erlass ein er Verfügung möglich wird (BGE 122 V 270, 112 V 181 E. 4a/b, 110 V 306 f. E. 2b in fine; SVR 2001 IV Nr. 30). 5.1 Vorab ist zu prüfen, ob angesichts der strafrechtlich en Verurteilung des Versicherten (vgl. oben, ad Sachverhalt, Ziffer L.) in Abweichung zur Bestimmung von Art. 25 Abs. 2 ATSG allenfalls eine längere strafrechtliche Verwirkungsfrist Anwendung findet. Dies ist zu verneinen. Liegt bereits ein verurteilendes oder freisprechendes Strafurteil vor, so ist die über den Rück- forderungsanspruch befindende Behörde daran gebunden. Die Verwaltung und gegebenenfalls das Sozialversicherungsgericht haben vorfrageweise nur dan n selbst darüber zu befinden, ob sich die Rückforderung aus einer strafbaren Handlung herleitet und der Täter dafür strafbar wä- re, falls und soweit es an einem Strafurteil fehlt (U rteil des Bundesgerichts vom 19. Dezember 2011, 9C_131/2011, E. 6.1). Vorliegend liegt mit de m Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts vom 12. November 2013 ein rechtskräftiges Ur teil vor, mit welchem der Be- schwerdeführer vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs zum Nachteil der SUVA mangels Garantenstellung freigesprochen worden ist (vgl. a.a.O., E. 2.4.7). Obschon der Versicherte die SUVA aufgrund der ihm obliegenden gesetzlichen Meldep flichten über seinen verbesserten Gesundheitszustand hätte orientieren müssen, kann im bl ossen Entgegennehmen der von ihr ausgerichteten Versicherungsleistungen keine Täuschungsha ndlung zu Lasten der SUVA er- kannt werden (vgl. a.a.O., E. 2.4.1). Fehlt es in Bezu g auf das nunmehr zur Diskussion stehen- de, identische Verhalten des Versicherten somit an eine r objektiv strafbaren Handlung, so ist das Sozialversicherungsgericht an den in diesem Zusammenhan g erfolgten strafrechtlichen Freispruch gebunden (Urteil des Bundesgerichts vom 19. D ezember 2011, 9C_131/2011, E. 6.1). Eine im Vergleich zu Art. 25 Abs. 2 ATSG abweichende, strafrechtliche Verwirkungsfrist kann deshalb keine Anwendung finden. Daran vermag nichts zu ändern, dass der Beschwerde- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht führer mit Blick auf das ihm vorgeworfene Handeln wegen Betrugsversuchs zu Lasten der C.____ rechtskräftig verurteilt worden ist (vgl. a.a.O., 2.5.1). 5.2 Nachdem die SUVA von der Strafanzeige der C.____ vom 25. April 2006 Kenntnis erlangt hatte (vgl. SUVA Akten Dok 147), wurde sie seitens des zust ändigen Bezirksstatthalteramts D.____ am 17. August 2006 um Aktenedition ersucht (vgl . SUVA Akten Dok 149). Auf Nachfra- ge vom 19. Januar 2007 wurde sie in der Folge darüber orientiert, dass gegen den Versicherten mittlerweile ein Strafverfahren eröffnet worden sei (vgl. Aktennotiz vom 19. Januar 2007, SUVA Akten Dok 151). Zugleich nahm die SUVA davon Kenntnis, dass sie sich am Strafverfahren beteiligen könne, hierfür aber ihre begründeten und bereits quantifizierten Ansprüche adhäsi- onsweise geltend zu machen habe (vgl. Aktennotiz der SUVA vom 19. Januar 2007, SUVA Ak- ten Dok 151). Noch gleichentags erstellte die SUVA eine n umfassenden Leistungs-Bordereau betreffend die an den Versicherten seit dessen Unfall vom 3. Juni 1996 ausgerichteten Heilkos- ten und Taggelder. Diesem Leistungsbordereau legte sie ihre detaillierten Taggeldabrechnun- gen bis und mit 19. Januar 2007 zu Grunde (vgl. SUVA A kten Dok 154). Am 13. Februar 2007 erstellte sie eine weitere Übersicht unter Berücksichtigung der an den Versicherten ausgerichte- ten Rentenleistungen. Dabei errechnete sie ein Total aller bisher ausgerichteten Leistungen von Fr. 378‘800.— (vgl. SUVA Akten Dok 155). Mit Schreiben vo m 14. Februar 2007 machte die SUVA zu Handen des Bezirksstatthalteramts D.____ adhäsionsweise eine Schadenersatzforde- rung von Fr. 729‘814.— geltend. Diese Forderung setzte sich zusammen aus Fr. 378‘800.— für bisher erbrachte Leistungen der SUVA, den darauf bis 1. März 2007 entfallenden Zinsen im Umfang von Fr. 124‘219.— sowie den Leistungen der Invali denversicherung im Umfang von total Fr. 246‘545.— (recte: Fr. 749‘564.—), abzüglich be reits eingenommene Regresszahlungen im Umfang von Fr. 69‘750.—. In Kenntnis sowohl der Str afanzeige der C.____ als auch der be- reits aktenkundigen Überwachungsberichte (vgl. SUVA-Akten Dok 146) hielt sie zur Begrün- dung ihrer Adhäsionsklage fest, dass der Versicherte seine Beschwerden den Ärzten und der SUVA gegenüber zwecks Erhalts von Versicherungsleistungen vorgetäuscht habe. In Tat und Wahrheit sei er jedoch vollständig arbeitsfähig und bed ürfe keiner Heilbehandlung. Zur Sub- stantiierung ihrer Schadenersatzforderung verwies sie au f die „genauen Grundlagen“, wie sie sich aus den beigelegten Taggeld- und Heilkostenabrechnu ngen, der Auflistung ihrer weiteren Leistungen und dem „Leistungsbekanntgabeblatt“ der I V ergeben würden (vgl. SUVA-Akten Dok 157). 5.3 Aus dem Gesagten erhellt, dass der SUVA spätestens im Zeitpunkt ihrer Schadenersatz- forderung vom 14. Februar 2007 alle im konkreten Einzel fall erheblichen Umstände zugänglich waren, aus deren Kenntnis sich ihr Rückforderungsanspruch gegenüber dem Beschwerdeführer nicht nur dem Grundsatz nach, sondern insbesondere auch in seinem Ausmass ergeben hat. Hierfür spricht nicht nur die Tatsache, dass die von ihr dazumal adhäsionsweise geltend ge- machte Schadenersatzforderung im Umfang von Fr. 378‘800 .— dem nunmehr strittigen Rück- forderungsbetrag entspricht (vgl. Verfügung der SUVA vo m 5. November 2010, SUVA-Akten Dok 181). Relevant ist vielmehr der Umstand, dass die SUV A ihre Forderung bereits dazumal anhand einer detaillierten Leistungsübersicht samt um fassenden Einzelbelegen, wie sie der strittigen Rückforderung auch heute noch zu Grunde lieg en, exakt zu beziffern in der Lage war (vgl. Verfügung der SUVA vom 5. November 2010, SUVA-A kten Dok 181). Die Gesamtsumme Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht der von ihr bis zur vorsorglichen Leistungseinstellung vom 19. Januar 2007 unrechtmässig aus- bezahlten Leistungen im Umfang von Fr. 378‘800.— war demnach nicht nur quantifizierbar, sondern stand im Detail am 14. Februar 2007 vielmehr b ereits abschliessend fest (BGE 111 V 19, E. 5). Aus Sicht der SUVA bestanden ab diesem Zeitpunkt daher keine Zweifel mehr in Bezug auf den Umfang ihrer Rückforderung. Für diese Sichtweise spricht im Weiteren, dass die SUVA mit Schreiben vom 7. Mai 2007 den ihrer Adhäsionsklage zu Grunde liegenden Rechenfehler anschliessend zu berichtigen in der Lage war , an ihrer Schadenersatzforderung im Grundsatz nach jedoch weiterhin festgehalten hat ( vgl. SUVA-Akten Dok 159). Spätestens ab diesem Zeitpunkt hätte die SUVA bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit dem- nach nicht nur erkennen müssen, dass die Voraussetzungen fü r eine Rückerstattung bestehen; den Akten zufolge hatte sie seit dem 14. Februar 2007 davon vielmehr definitive Kenntnis. Für den Beginn des einjährigen Fristenlaufs gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG ist somit auf den 14. Feb- ruar 2007 abzustellen, womit im Zeitpunkt, als die SUV A ihre Rückerstattungsforderung vom 5. November 2010 verfügt hat, die einjährige Verwirku ngsfrist aber offensichtlich längst verstri- chen war. 5.4. Die SUVA stellt sich in ihrer Stellungnahme vom 26 . September 2014 auf den Standpunkt, dass ihre Rückforderungsverfügung umgehend nach Vorliegen des erstinstanzlichen Strafurteils vom 3. September 2010 erlassen worden sei und deshalb mitnichten von einer Verwirkung ih- res Rückforderungsanspruchs auszugehen sei. Diese Auffassung vermag nicht zu überzeugen. Nachdem sich die SUVA zwecks Wahrung ihrer Rechte mit Eing abe vom 14. Februar 2007 im Strafverfahren als Zivilklägerin konstituiert hatte, bes ass sie in qualitativer Hinsicht bereits um- fassende Kenntnis über die für ihre Rückforderung releva nten Umstände. So bestätigte sie in ihrer Adhäsionsklage vom 14. Februar 2007, aufgrund der Strafanzeige der Basler sowie der Überwachungsberichte davon auszugehen, dass der Versiche rte seine Beschwerden den Ärz- ten und der SUVA gegenüber vorgetäuscht habe, um Versi cherungsleistungen zu erhalten. Der Versicherte sei vollständig arbeitsfähig und bedürfe keiner Heilbehandlungen. Angesichts dieser unmissverständlichen Ausführungen kann jedenfalls nicht g esagt werden, dass der Verwaltung im Zeitpunkt ihrer Adhäsionsklage vom 14. Februar 2007 bloss nur ansatzweise bekannt gewe- sen wäre, dass die gesundheitlichen Verhältnisse des Versich erten und dessen bisheriges Ver- halten möglicherweise zu einem Rückerstattungsanspruch fü hren würden. Anhand der von ihr im Frühjahr 2006 zu den Akten genommenen Observationse rgebnissen (vgl. SUVA-Akten Dok 146) war entgegen den Ausführungen in der Vernehmla ssung der SUVA (vgl. a.a.O., ad Ziffer 11) vielmehr bereits dazumal offenkundig, dass der Beschwer deführer ab April 2005 diverse Autorennen bestritten und damit auch die SUVA über se ine gesundheitlichen Verhältnisse ge- täuscht hatte. 5.5 Die SUVA bringt im Weiteren vor, mangels strafrecht lichen Expertenwissens erst nach Vorliegen des erstinstanzlichen Strafurteils vom 3. Septe mber 2010 über genügende Kenntnis ihres Rückforderungsanspruchs verfügt zu haben. Es ist jed och daran zu erinnern, dass unter dem Ausdruck " Kenntnis erhalten hat" jener Zeitpunkt zu verstehen ist, in welchem die Verwal- tung bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Vor- aussetzungen für eine Rückerstattung bestehen (vgl. BGE 112 V 181 E. 4a). Damit verbietet es sich, den Zeitpunkt der erforderlichen Kenntnis durch die Verwaltung mit der Eröffnung einer Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht (straf-)gerichtlichen Beurteilung gleichzusetzen. Anders zu entscheiden hiesse, eine richterliche Beurteilung an die Stelle der zumutbaren Sachverhaltsermittlung durch die Verwaltung treten zu lassen. Ein solches Vorgehen würde letztlich der Rechtspre chung zuwider laufen, dass für die Wahrung von Verwirkungsfristen ausschliesslich der Erlass ei ner Rückerstattungsverfügung des Sozialversicherungsträgers massgebend ist (BGE 119 V 434 E. 3c). Wie die SUVA in ihrer Stellungnahme vom 14. Mai 2014 (vgl. a.a.O., S. 2) sel bst betont, gelten für die sozialversiche- rungsrechtliche Rückerstattung einerseits und die strafrechtliche Verantwortlichkeit andererseits gesonderte Voraussetzungen. Entgegen der von ihr vertr etenen Auffassung (vgl. Stellungnahme der SUVA vom 26. September 2014, S. 2 a. E.) spielt es in Bezug auf die zumutbare Kenntnis gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG demnach kei ne Rolle, ob und in welchem Umfang die staatlichen Strafgerichte im Vergleich zum Sozialversicherungsträger allenfalls über ein (höheres) Expertenwissen im Strafrecht verfügen. 5.6 Hinzu tritt, dass das Bezirksstatthalteramt D.____ die SUVA mit Mitteilung vom 7. Mai 2007 über den Abschluss des Untersuchungsverfahrens gegen d en Versicherten informiert und ihr das Recht eingeräumt hatte, bis 18. Mai 2007 Einsich t in die strafrechtlichen Untersu- chungsakten zu nehmen (vgl. SUVA-Akten Dok 158). Damit ab er hätte die SUVA die Möglich- keit besessen, ihre vorliegend behauptete, nur unvollstä ndige Kenntnis mit dem erforderlichen und zumutbaren Einsatz bereits dazumal derart zu ergänzen, dass ihr Rückforderungsanspruch bis spätestens zum 18. Mai 2007 die nötige Bestimmtheit erhalten und der Erlass ihrer Rückfor- derungsverfügung möglich geworden wäre (BGE 122 V 270 , 112 V 181 E. 4a/b, 110 V 306 f. E. 2b in fine; SVR 2001 IV Nr. 30). Selbst wenn dem Standpunkt der SUVA folgend davon aus- gegangen würde, dass erst im Rahmen des Strafverfahrens o ffenkundig geworden wäre, dass der Beschwerdeführer ab April 2005 diverse Autorennen b estritten hatte (vgl. Vernehmlassung der SUVA vom 17. November 2011, ad Ziffer 11), wäre d ie strittige Rückforderung zu spät gel- tend gemacht worden: Es ist in diesem Zusammenhang auf das Aktengutachten von Dr. E.____, FMH Chirurgie, vom 19. August 2009 zu Hand en des Strafgerichts hinzuweisen, in welchem der Gerichtsgutachter den Versicherten für voll erwerbsfähig qualifiziert hat (vgl. a.a.O., Beilage zur Vernehmlassung der SUVA vom 17. November 2011, S. 8 f.). Dieses Gerichtsgutachten wurde der SUVA als Adhäsionsklägerin i m Rahmen des strafgerichtlichen Verfahrens indes bereits am 21. August 2009 zur Kenntn isnahme zugestellt (vgl. Rubrum, a.a.O., S. 1). Nachdem die SUVA seither von den entspr echenden gutachterlichen Schlussfol- gerungen Kenntnis hatte, erweist sich ihre erst am 5. N ovember 2010 erlassene Rückforde- rungsverfügung unter diesem Blickwinkel somit als ebenfalls verspätet. 6. Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die SUVA ber eits im Zeitpunkt der ad- häsionsweisen Geltendmachung ihrer Rückforderung gegenü ber dem Bezirksstatthalteramt D.____ am 14. Februar 2007 über rechtsgenügliche Kenn tnis verfügt hat, dass und in welchem Umfang die Voraussetzungen für eine Rückerstattung der bis zum 19. Januar 2007 an den Ver- sicherten zu Unrecht ausgerichteten Versicherungsleistungen bestehen. Ihre Erkenntnisse hätte sie sodann im Rahmen der Akteneinsicht nach Abschluss des Un tersuchungsverfahrens bis spätestens am 18. Mai 2007 weiter konkretisieren können. Für den Beginn des einjährigen Fris- tenlaufs gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG ist somit allerspätes tens auf Ende Mai 2007 abzustellen, womit im Zeitpunkt, als die SUVA ihre Rückerstattungsfor derung vom 5. November 2011 ver- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht fügte, die einjährige Verwirkungsfrist aber verstrichen war. Es ist demnach festzuhalten, dass die SUVA die bis zum 19. Januar 2007 ausgerichteten Ve rsicherungsleistungen zu Unrecht zurückgefordert hat. Soweit darauf eingetreten werden kann, ist die Beschwerde bei diesem Ergebnis insofern gutzuheissen, als festgestellt wird, da ss die Rückforderung der SUVA ver- wirkt ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Für das vorliegende Verfahren sind deshalb keine Kosten zu erhe- ben. Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist dem Beschwerdefüh- rer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschw erdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honor arnote vom 8. Januar 2015 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 14,17 Stu nden sowie Auslagen von Fr. 61.80 geltend gemacht, was angesichts des doppelten Schriftenw echsels und der diversen Stellung- nahmen umfangmässig nicht zu beanstanden ist. Seine Bemühungen sind zu dem in der Hono- rarnote ausgewiesenen Stundenansatz von Fr. 230.— zu e ntschädigen. Demnach ist dem Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘585.75 (14,17 Stunden à Fr. 230.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 61.80 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit darauf einzutreten ist, wird der Eins pracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt vom 7. Juli 2011 in Gut- heissung der Beschwerde aufgehoben und es wird festgeste llt, dass deren Rückforderung verwirkt ist. Im Übrigen wird die B eschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt hat dem Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘ 585.75 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.