<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2023.00542</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=223694&amp;W10_KEY=13045535&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2023.00542</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 06.12.2023</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 01.05.2024 formell erledigt.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Schwere gesundheitliche Probleme: Nachehelicher Härtefall (Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG)? [Der Beschwerdeführer ist in getrennter Ehe mit einer EU-Bürgerin verheiratet. Er leidet an einer paranoiden Schizophrenie und an einer Alkoholabhängigkeit. Es wurde für ihn eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung angeordnet. Seit seiner letzten Entlassung aus der Psychiatrischen Klinik lebt er in einem Pflegewohnheim.] Auch schwere gesundheitliche Probleme können als wichtige Gründe im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG anerkannt werden, wenn sie so gravierend sind, dass eine Rückkehr ins Herkunftsland aus medizinischer Sicht unhaltbar erscheint. Der nacheheliche Härtefall muss in Kontinuität bzw. Kausalität zur gescheiterten Ehegemeinschaft und dem damit verbundenen abgeleiteten Aufenthalt stehen (E. 2.3). Leidet die nachgezogene Person bereits vor der Einreise an einer schweren Erkrankung, fehlt es an einem Konnex zur später geschlossenen Ehe. Ebenso, wenn sich die Krankheit erst nach der Trennung manifestiert. Zu prüfen ist somit, ob die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers erstmals während der Ehe aufgetreten sind (zeitlicher Aspekt) und ob ein hinreichender Zusammenhang zur Ehe besteht (sachlicher Aspekt). Der Beschwerdeführer litt bereits vor der Ehe an akustischen Halluzinationen; die Alkoholabhängigkeit bestand seit 20 Jahren. Ein Konnex zwischen der Erkrankung und der Ehe mit der EU-Bürgerin ist damit weder in zeitlicher noch in sachlicher Hinsicht gegeben. Es liegt daher kein Anwendungsfall von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG vor (E. 2.4). Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG? (E. 3). Beim Gesundheitszustand handelt es sich um ein Kriterium in der Gesamtwürdigung (E. 3.6) Darstellung der Rechtsprechungspraxis zur Behandlung psychischer Erkrankungen in der Türkei (E. 3.6.1). In der Türkei bestehen sowohl ambulante als auch stationäre Behandlungsmöglichkeiten. Es bestehen keine Hinweise darauf, dass die Steuerungsfähigkeit des Beschwerdeführers derart eingeschränkt wäre, dass er die dort bestehenden Angebote nicht zu nutzen wüsste. Wohl besteht eine Beistandschaft, doch vermochte der Beschwerdeführer seine Steuerungsfähigkeit trotz seiner Erkrankung auszuschöpfen. Ferner ist auf die Möglichkeit von Erwachsenenschutzmassnahmen auch in der Türkei hinzuweisen. Dank seiner IV-Rente, die in die Türkei exportiert werden kann, wird ihm der Zugang zur medizinischen Versorgung auch finanziell ermöglicht. Bei einer Rückkehr in die Türkei ist somit nicht mit einer drastischen und lebensbedrohenden Verschlechterung des Gesundheitszustands zu rechnen. (E. 3.6.2). Abweisung. Gewährung uP/URB </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AUFENTHALTSBEWILLIGUNG">AUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEHANDLUNGSMÃGLICHKEIT">BEHANDLUNGSMÃGLICHKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESUNDHEITLICHE PROBLEME">GESUNDHEITLICHE PROBLEME</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESUNDHEITSZUSTAND">GESUNDHEITSZUSTAND</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: HÃRTEFALLBEWILLIGUNG">HÃRTEFALLBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: MEDIZINISCHE NOTLAGE">MEDIZINISCHE NOTLAGE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: NACHEHELICHER HÃRTEFALL">NACHEHELICHER HÃRTEFALL</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PSYCHISCHE PROBLEME">PSYCHISCHE PROBLEME</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHIZOPHRENIE">SCHIZOPHRENIE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TÃRKEI">TÃRKEI</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 30 Abs. I lit. b AIG</span><br/><span class="gerade">Art. 50 Abs. I lit. b AIG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=64293" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2023.00542</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">6. Dezember 2023</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Elisabeth Trachsel, Verwaltungsrichterin Viviane Sobotich, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Jsabelle Mayer. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner, </span></b></p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung,</span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">A, geboren 1978, tÃ¼rkischer StaatsangehÃ¶riger, hat aus einer frÃ¼heren Beziehung drei minderjÃ¤hrige Kinder (geboren 2006, 2008 und 2010), die in C (TÃ¼rkei) leben. Am 26. Oktober 2011 reiste er in die Schweiz ein. GestÃ¼tzt auf die zuvor in der TÃ¼rkei geschlossene Ehe mit der in der Schweiz niedergelassenen tÃ¼rkischen StaatsangehÃ¶rigen D (geboren 1959) erteilte ihm der Kanton Aargau im November 2011 eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau. Nachdem die Ehe A/D am 29. August 2017 geschieden wurde, verweigerte das Amt fÃ¼r Migration und Integration des Kantons Aargau (MIKA) mit VerfÃ¼gung vom 23. Oktober 2017 die VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung von A. Die hiergegen erhobenen Rechtsmittel blieben erfolglos (vgl. letztinstanzliches Urteil des Verwaltungsgerichts Aargau vom 24. Oktober 2018 [WBE.2018.172]). Nach einem Umzug in den Kanton ZÃ¼rich stellte A am 12. Februar 2018 ein Gesuch um Kantonswechsel. Noch wÃ¤hrend der Dauer des Verfahrens heiratete er am 15. November 2018 die in der Schweiz aufenthaltsberechtigte portugiesische StaatsangehÃ¶rige E (geboren 1972). Das Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich erteilte A am 13. Februar 2020 eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA. Im Dezember 2019 fÃ¼gte sich dieser anlÃ¤sslich einer Festnahme im Zusammenhang mit hÃ¤uslicher Gewalt Schnittwunden zu. Am 18. Dezember 2019 wurde gegenÃ¼ber A eine FÃ¼rsorgerische Unterbringung (FU) in der Klinik I angeordnet. Die Ehegatten A/E gaben das eheliche Zusammenleben am 1. Juli 2020 auf. Kurz nach der Trennung folgte ein weiterer stationÃ¤rer Aufenthalt von A in der Klinik I (22. Juli 2020 â 13. August 2020), anlÃ¤sslich dessen eine paranoide Schizophrenie sowie eine AlkoholabhÃ¤ngigkeit diagnostiziert wurden. Die Kindes- und ErwachsenenschutzbehÃ¶rde (KESB) ordnete fÃ¼r A schliesslich am 3. September 2020 eine Vertretungsbeistandschaft mit VermÃ¶gensverwaltung nach Art. 394 in Verbindung mit Art. 395 des Zivilgesetzbuchs (ZGB) an, welche u.a. die Aufgabe umfasst, stets fÃ¼r eine geeignete Wohnsituation besorgt zu sein und fÃ¼r das gesundheitliche Wohl und fÃ¼r hinreichende medizinische Betreuung zu sorgen. A musste weitere Male in der Klinik I hospitalisiert werden, namentlich im Dezember 2020 sowie vom 14. Oktober 2021 bis 28. Oktober 2021. Seit seiner letzten Entlassung aus der Klinik I lebt er in der Institution F. Aufgrund seiner Erkrankung erhÃ¤lt er seit dem 1. Juli 2021 eine volle Invalidenrente. </p> <p class="Urteilstext">Am 28. Juni 2022 stellte A ein Gesuch um VerlÃ¤ngerung seiner Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA. Das Migrationsamt wandte sich am 5. Juli 2022 an die Ehegatten, um die UmstÃ¤nde der Trennung zu erfragen. Nach GewÃ¤hrung des rechtlichen GehÃ¶rs wies das Migrationsamt das VerlÃ¤ngerungsgesuch mit VerfÃ¼gung vom 15. Mai 2023 ab und wies A aus der Schweiz weg. Zum Verlassen der Schweiz setzte es ihm eine Frist bis 15. August 2023.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Einen hiergegen erhobenen Rekurs wies die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion mit Entscheid vom 15. August 2023 ab. A wurde eine neue Frist bis 15. November 2023 angesetzt, binnen derer er die Schweiz zu verlassen habe. Seine Gesuche um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands blieben erfolglos.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 15. September 2023 beantragte A (nachfolgend: der BeschwerdefÃ¼hrer) dem Verwaltungsgericht, der vorinstanzliche Entscheid sei unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen aufzuheben und seine Aufenthaltsbewilligung sei zu verlÃ¤ngern. Ferner sei ihm die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung zu gewÃ¤hren und ihm in der Person von Rechtsanwalt B ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. </p> <p class="Urteilstext">WÃ¤hrend die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion auf Vernehmlassung verzichtete, ging keine Beschwerdeantwort des Migrationsamts ein. </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2">Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen einschliesslich Ermessensmissbrauch, ErmessensÃ¼ber- und -unterschreitung und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden, nicht aber die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheids (§ 50 in Verbindung mit § 20 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</p> <p class="Erwgung1"><b><span>2. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b><span>GemÃ¤ss Art. 2 Abs. 2 des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG)</span><span> </span><span>gilt dieses Gesetz fÃ¼r StaatsangehÃ¶rige eines Mitgliedstaats der EuropÃ¤ischen </span>Gemeinschaft<span> (heute EuropÃ¤ische Union [EU]) und ihre FamilienangehÃ¶rigen nur insoweit, als das FreizÃ¼gigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA) keine </span>abweichenden<span> Bestimmungen enthÃ¤lt oder das AIG gÃ¼nstigere Bestimmungen vorsieht.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>GestÃ¼tzt auf Art. 7 lit. d und e FZA in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 und 2 lit. a Anhang I FZA haben Ehegatten von EU-StaatsangehÃ¶rigen mit Aufenthaltsrecht in der Schweiz ungeachtet der eigenen StaatsangehÃ¶rigkeit das Recht, bei diesen Wohnung zu nehmen und eine ErwerbstÃ¤tigkeit auszuÃ¼ben. Dieses abgeleitete Aufenthaltsrecht knÃ¼pft an den formellen Bestand der Ehe an und darf grundsÃ¤tzlich nicht vom Erfordernis des Zusammenlebens abhÃ¤ngig gemacht werden (vgl. BGE 130 II 113 E. 8 f.; EuGH, 13. Februar 1985, Rs. 267/83, Diatta, Slg. 1985, 567 ff., N. 18 ff.). Der abgeleitete Aufenthaltsanspruch steht jedoch unter dem Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs: Demnach erscheint es rechtsmissbrÃ¤uchlich, sich auf eine lediglich formell fortbestehende Ehe zu berufen, wenn dies ausschliesslich (noch) dazu dient, auslÃ¤nderrechtliche Zulassungsvorschriften zu umgehen. Dies ist bei einer getrennten, definitiv gescheiterten und inhaltsleeren Ehe zu vermuten. Da bei rechtsmissbrÃ¤uchlicher Berufung auf die inhaltsleer gewordene Ehe die Bewilligungsvoraussetzungen entfallen (Nichteinhalten einer mit der VerfÃ¼gung verbundenen Bedingung), kann sodann gestÃ¼tzt auf Art. 23 der Verordnung vom 22. Mai 2002 Ã¼ber den freien Personenverkehr (VFP) und Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG die Aufenthaltsbewilligung widerrufen oder nicht (mehr) verlÃ¤ngert werden, da das FreizÃ¼gigkeitsabkommen diesbezÃ¼glich keine eigenen abweichenden Bestimmungen enthÃ¤lt (vgl. zum Ganzen BGE 130 II 113 E. 9; BGE 139 II 393 E. 2.1).<span> Der nacheheliche Aufenthalt ist im FZA nicht geregelt, richtet sich aber aufgrund des Diskriminierungsverbots von Art. 2 FZA grundsÃ¤tzlich nach den Bestimmungen, die fÃ¼r FamilienangehÃ¶rige von Schweizerinnen und Schweizern gelten, sofern der aus einem EU-Staat stammende (Ex-)Ehegatte, von welchem sich das eheliche Aufenthaltsrecht abgeleitet hatte, in der Schweiz weiterhin anwesenheitsberechtigt ist (BGE 144 II 1 E. 4.7; vgl. auch BGr, 13. MÃ¤rz 2017, 2C_536/2016, E. 3.3).</span></p> <p class="Urteilstext">Der BeschwerdefÃ¼hrer ist zwar formell noch mit einer portugiesischen StaatsangehÃ¶rigen verheiratet; die Ehe ist aber spÃ¤testens seit 1. Juli 2020 definitiv getrennt. Der nacheheliche Aufenthalt richtet sich daher nicht mehr nach dem FreizÃ¼gigkeitsabkommen, sondern nach den <span>innerstaatlichen Regeln des AIG.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b><span>Der BeschwerdefÃ¼hrer beruft sich in erster Linie auf einen Aufenthaltsanspruch gemÃ¤ss Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG: </span>Nach dieser Bestimmung besteht nach AuflÃ¶sung der Ehe oder der Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 AIG weiter, wenn wichtige persÃ¶nliche GrÃ¼nde einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Wichtige persÃ¶nliche GrÃ¼nde kÃ¶nnen namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefÃ¤hrdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG). Der HÃ¤rtefall muss sich auf die Ehe und den damit verbundenen Aufenthalt beziehen, weil Art. 50 Abs. 1 AIG von einem Weiterbestehen des Anspruchs nach Art. 42 und 43 AIG spricht (BGE 137 II 345 E. 3.2.3; VGr, 23. Januar 2020, VB.2019.00564, E. 4.2.1). Der nacheheliche HÃ¤rtefall muss somit in KontinuitÃ¤t bzw. KausalitÃ¤t zur gescheiterten Ehegemeinschaft und dem damit verbundenen (abgeleiteten) Aufenthalt stehen (BGE 140 II 289 E. 3.6.1; BGr, 22. MÃ¤rz 2023, 2C_498/2022, E. 4.1; VGr, 3. Mai 2023, VB.2023.00122, E. 2.2.1). Auch schwere gesundheitliche Probleme kÃ¶nnen als wichtige GrÃ¼nde im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG anerkannt werden, wenn sie so gravierend sind, dass eine RÃ¼ckkehr ins Herkunftsland aus medizinischer Sicht unhaltbar erscheint (vgl. dazu BGr, 3. September 2018, 2C_467/2018, E. 2.1; VGr, 31. MÃ¤rz 2022, VB.2021.00475; Marc Spescha in: derselbe et al. [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. A., ZÃ¼rich 2019, Art. 50 AIG N. 31; Thomas Hugi Yar in: Alberto Achermann et al. [Hrsg.], Von Trennungen, HÃ¤rtefÃ¤llen und Delikten â AuslÃ¤nderrechtliches rund um die Ehe- und Familiengemeinschaft, Jahrbuch fÃ¼r Migrationsrecht 2012/2013, Bern 2013, S. 31 ff., S. 90). Ob dies der Fall ist, hÃ¤ngt im Wesentlichen von den BehandlungsmÃ¶glichkeiten im Herkunftsland ab (BGr, 21. November 2019, 2C_512/2019, E. 6.1; BGr, 1. Oktober 2015, 2C_317/2015, E. 5.2). Der blosse Umstand, dass das Gesundheits- oder Sozialversicherungswesen in einem anderen Staat nicht mit jenem in der Schweiz vergleichbar ist und die hiesige medizinische Versorgung einem hÃ¶heren Standard entspricht, hat jedoch nicht bereits die Unzumutbarkeit einer RÃ¼ckkehr in die frÃ¼heren VerhÃ¤ltnisse zur Folge (BGE 139 II 393 E. 6). Aus medizinischer Sicht ist dann von einem wichtigen Grund auszugehen, wenn die ungenÃ¼gende MÃ¶glichkeit der Behandlung im Heimatland eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich ziehen wÃ¼rde (BGr, 3. September 2018, 2C_467/2018, E. 2.1). </p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b>Die Vorinstanz schloss die Anwendung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG im vorliegenden Fall aus, da zwischen der Erkrankung des BeschwerdefÃ¼hrers und der gescheiterten Ehegemeinschaft kein ersichtlicher Konnex bestehe. </p> <p class="Erwgung2">Eine schwere Krankheit kann grundsÃ¤tzlich als Grund fÃ¼r einen nachehelichen HÃ¤rtefall anerkannt werden (siehe E. 2.3). Leidet die nachgezogene Person bereits vor der Einreise an einer schweren Erkrankung, fehlt es an einem Konnex zur spÃ¤ter geschlossenen Ehe (vgl. BGr, 20. August 2009, 2C_216/2009, E. 4.2). Ebenso, wenn sich die Krankheit erst nach der Trennung manifestiert (vgl. dazu VGr, 11. MÃ¤rz 2015, VB.2015.00002, E. 2.6 [nicht auf www.vgr.zh.ch verÃ¶ffentlicht]). Denn ist der Anspruch nach Art. 50 AIG bereits untergegangen, weil es etwa am Zusammenwohnen fehlte, ohne dass wichtige GrÃ¼nde fÃ¼r das Getrenntleben gegeben gewesen wÃ¤ren, kann der Anspruch nach Art. 50 AIG regelmÃ¤ssig nicht wieder aufleben (BGE 137 II 345 E. 3.2.3; BGr, 18. August 2020, 2C_335/2020, E. 3.2). Ein klarer Zusammenhang zwischen gesundheitlichen EinschrÃ¤nkungen und ehebedingtem Aufenthalt wird etwa dann bejaht, wenn diese gerade Folge des Ehelebens sind, z.B. psychische Probleme aufgrund eines konfliktreichen Ehelebens (Thomas Geiser/Felix Blocher/Marc Busslinger in: Peter Uebersax et al. [Hrsg.], AuslÃ¤nderrecht, HandbÃ¼cher fÃ¼r die Anwaltspraxis [HAP], 3. A., Basel 2022, Rz. 23.322). Zu prÃ¼fen ist somit, ob die gesundheitlichen Probleme des BeschwerdefÃ¼hrers erstmals wÃ¤hrend der Ehe aufgetreten sind (zeitlicher Aspekt) und ob ein hinreichender Zusammenhang zur Ehe besteht (sachlicher Aspekt). AnlÃ¤sslich der polizeilichen Befragung vom 23. Mai 2019 gaben die Ehegatten noch Ã¼bereinstimmend an, dass der Ehemann an keinerlei gesundheitlichen Problemen oder AbhÃ¤ngigkeiten leide. In einem an das Migrationsamt gerichteten E-Mail vom 6. Dezember 2019 schrieb der BeschwerdefÃ¼hrer, die gleichzeitige Suche nach einer Wohnung und einer Arbeitsstelle schlage ihm auf die Psyche, sodass er gegen schwere Depressionen zu kÃ¤mpfen habe. An der polizeilichen Befragung vom 17. Dezember 2019 gab er an, «psychisch vÃ¶llig niedergeschlagen» zu sein; er kÃ¶nne «Ã¼berhaupt nicht mehr klar denken». Die Ehefrau gab gleichentags gegenÃ¼ber der Polizei an, ihr Ehemann trinke Alkohol wie Wasser und sei Alkoholiker. Am 18. Dezember 2019 erfolgte die erste FÃ¼rsorgerische Unterbringung in der Klinik I. GemÃ¤ss Austrittsbericht der Klinik I vom 1. September 2020 leide der BeschwerdefÃ¼hrer seit drei bis vier Jahren an akustischen Halluzinationen in Form von StimmenhÃ¶ren, Verfolgungserleben sowie KÃ¶rperhalluzinationen (eigenanamnestisch); die AlkoholabhÃ¤ngigkeit bestehe seit ca. 20 Jahren. Vorliegend akzentuierte sich die paranoide Schizophrenie (in Kombination mit der Suchterkrankung) wÃ¤hrend der Ehe mit E derart, dass im Dezember 2019 eine FÃ¼rsorgerische Unterbringung notwendig wurde. Das erstmalige Auftreten der psychischen Erkrankung des BeschwerdefÃ¼hrers datiert allerdings gemÃ¤ss Austrittsbericht der Klinik I vom 1. September 2020 seit weit vor der Ehe mit E. Die Alkoholsucht bestand gar seit zwei Jahrzehnten. Ein Konnex zwischen der Erkrankung und der Ehe mit E ist damit weder in zeitlicher noch sachlicher Hinsicht gegeben. Insbesondere ist auch nicht ersichtlich, dass die Ehe A/E gerade wegen der psychischen Erkrankung gescheitert wÃ¤re, wie der BeschwerdefÃ¼hrer in der Beschwerde vorbringt. Ursache fÃ¼r ihre Eheprobleme war gemÃ¤ss Angaben der Ehefrau in der Befragung vom 17. Dezember 2019, dass sie allein fÃ¼r den Lebensunterhalt habe aufkommen mÃ¼ssen und es auch zu TÃ¤tlichkeiten (seinerseits) gekommen sei. Der BeschwerdefÃ¼hrer seinerseits gab bei der Befragung an, es sei vor der Trennung zu viel Streit und TÃ¤tlichkeiten (ihrerseits) gekommen. Dass die Krankheit ursÃ¤chlich fÃ¼r die Trennung gewesen sei, ist daher nicht nachgewiesen. Bei dieser Sachlage durfte die Vorinstanz zu Recht einen Anwendungsfall von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG verneinen.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Nachdem eine Anspruchsbewilligung nach Art. 50 AIG zu verneinen ist, bleibt zu prÃ¼fen, ob ein schwerwiegender persÃ¶nlicher HÃ¤rtefall im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG vorliegt.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Bei der Beurteilung, ob eine Aufenthaltsbewilligung wegen eines schwerwiegenden persÃ¶nlichen HÃ¤rtefalls im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG zu erteilen ist, sind nach Art. 31 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 Ã¼ber Zulassung, Aufenthalt und ErwerbstÃ¤tigkeit (VZAE) namentlich die Integration der gesuchstellenden Person, die FamilienverhÃ¤ltnisse, die finanziellen VerhÃ¤ltnisse, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der Gesundheitszustand und die MÃ¶glichkeiten fÃ¼r eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat zu berÃ¼cksichtigen. FÃ¼r die Bejahung eines HÃ¤rtefalls mÃ¼ssen die Kriterien nach Art. 31 VZAE nicht kumulativ erfÃ¼llt sein, vielmehr ist eine GesamtwÃ¼rdigung aller UmstÃ¤nde vorzunehmen. Bei Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG handelt es sich um eine Ausnahmebestimmung. Die auslÃ¤ndische Person muss sich in einer persÃ¶nlichen Notlage befinden; ihre Lebens- und Daseinsbedingungen mÃ¼ssen gemessen am durchschnittlichen Schicksal von AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤ndern in gesteigertem Mass infrage gestellt sein bzw. die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung einen schweren Nachteil zur Folge haben. Die Anerkennung eines persÃ¶nlichen HÃ¤rtefalls setzt jedoch nicht voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz der einzige mÃ¶gliche Ausweg aus der Notlage darstellt. Umgekehrt begrÃ¼ndet allein die Tatsache, dass die auslÃ¤ndische Person sich seit lÃ¤ngerer Zeit in der Schweiz aufhÃ¤lt, hier sozial und beruflich gut integriert ist und ihr Verhalten zu keinen Klagen Anlass gegeben hat, fÃ¼r sich allein keinen schwerwiegenden persÃ¶nlichen HÃ¤rtefall. Die Beziehung der Gesuchstellenden zur Schweiz muss darÃ¼ber hinaus vielmehr so eng sein, dass man von ihnen nicht verlangen kann, in einem anderen Land â insbesondere im Heimatland â zu leben (vgl. BGE 130 II 39 E. 3 = Pra 93 [2004] Nr. 140). </p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Art. 30 Abs. 1 AIG ist als Kann-Vorschrift formuliert. Da die Anwendung dieser Bestimmung im Ermessen der MigrationsbehÃ¶rden liegt, vermittelt sie keinen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Bei der ErmessensausÃ¼bung haben die MigrationsbehÃ¶rden gemÃ¤ss Art. 96 Abs. 1 AIG die Ã¶ffentlichen Interessen und die persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnisse sowie den Grad der Integration der AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤nder zu berÃ¼cksichtigen. DiesbezÃ¼glich ist zu beachten, dass das Verwaltungsgericht die ErmessensausÃ¼bung nur auf Missbrauch, Ãber- oder Unterschreitung hin Ã¼berprÃ¼fen darf. DemgegenÃ¼ber ist die RÃ¼ge der Unangemessenheit nur zulÃ¤ssig, wenn eine â hier fehlende â Gesetzesbestimmung dies vorsieht.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.4 </b>Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, trotz Erkrankung des BeschwerdefÃ¼hrers sei nicht von einer konkreten Gefahr auszugehen, dass er bei einer RÃ¼ckkehr in die TÃ¼rkei aufgrund fehlender angemessener BehandlungsmÃ¶glichkeiten oder fehlenden Zugangs zu Behandlungen einer ernsthaften, rapiden und irreversiblen Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgesetzt sei, die intensives Leiden oder eine wesentliche Verringerung der Lebenserwartung nach sich ziehe. Die medizinische Versorgung in der TÃ¼rkei sei gemÃ¤ss Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Juli 2015 (C-384/2013, E. 6.6.3) grundsÃ¤tzlich gewÃ¤hrleistet. Gerade im psychiatrischen Bereich basiere die medizinische Versorgung auf staatlichen SpitÃ¤lern und medizinischen Einrichtungen unterschiedlicher GrÃ¶ssen. So seien in Istanbul ambulante und stationÃ¤re neurologische, psychiatrische und psychologische Behandlungen, kurzzeitige und langfristige klinische psychiatrische Betreuung, eine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Einrichtung und auch eine psychiatrische Langzeitbetreuung chronisch psychotischer Patienten mÃ¶glich. Angeboten wÃ¼rden diese unter anderem im staatlichen Cerrahpasa Medical School Hospital. Psychiatrische und psychologische Therapien seien auch auf psychiatrischen Abteilungen regionaler UniversitÃ¤tskliniken oder RegionalspitÃ¤ler in grÃ¶sseren StÃ¤dten des Lands mÃ¶glich; in Gaziantep beispielsweise auf den entsprechenden Abteilungen der Sahinbey UniversitÃ¤ts- und Forschungsklinik Gaziantep. Das tÃ¼rkische Gesundheitswesen garantiere psychisch kranken Menschen auch den Zugang zu Gesundheitsdiensten und Beratungsstellen. Die Versorgung mit Medikamenten (auch â¦) sei garantiert, solange die Patienten versichert seien oder selber fÃ¼r die Kosten aufkommen wÃ¼rden. Sofern notwendig, sei der BeschwerdefÃ¼hrer auf dem Flug in seine Heimat Ã¤rztlich zu begleiten und es wÃ¤re in Zusammenarbeit mit der Schweizer Vertretung vor Ort und den zustÃ¤ndigen Stellen der Vorinstanz sicherzustellen, dass die WeiterfÃ¼hrung einer spezifischen Behandlung â auch im Hinblick auf eine mÃ¶gliche SuizidalitÃ¤t â im Heimatstaat im Zeitpunkt des Vollzugs effektiv gewÃ¤hrleistet sei. Dass der BeschwerdefÃ¼hrer sodann in der Heimat keinen Familienanschluss mehr finde, sei unwahrscheinlich. Denn dort lebten seine fÃ¼nf Geschwister, seine Mutter und seine drei minderjÃ¤hrigen Kinder. Die Familie kÃ¶nne ihm bei der Reintegration unterstÃ¼tzend zur Seite stehen. Sollte eine Unterbringung bei seinen FamilienangehÃ¶rigen nicht mÃ¶glich sein, bestehe auch in der TÃ¼rkei die MÃ¶glichkeit, in einer Wohneinrichtung zu leben. Das «Prospect House Project» sei ein alternatives Pflegemodell als ErgÃ¤nzung zu Pflege- und Rehabilitationsinstitutionen. Dabei werde Pflegebetreuung in kleinen Gruppen in HÃ¤usern oder Wohnungen fÃ¼r psychisch und physisch beeintrÃ¤chtigte Personen geleistet, fÃ¼r welche eine Pflegebetreuung zuhause bei der Familie nicht mÃ¶glich sei. Ferner werde der BeschwerdefÃ¼hrer seine IV-Rente in die Heimat exportieren kÃ¶nnen, womit er nicht mittellos sein werde und fÃ¼r seine Gesundheitskosten aufkommen kÃ¶nne. ZusÃ¤tzlich kÃ¶nne er von seinen Familienmitgliedern finanziell unterstÃ¼tzt werden. Soweit eine mÃ¶gliche VulnerabilitÃ¤t des BeschwerdefÃ¼hrers wegen seiner VerbeistÃ¤ndung bestehe, sei anzumerken, dass auch gemÃ¤ss tÃ¼rkischem Zivilgesetz die MÃ¶glichkeit der Errichtung einer Beistandschaft bestehe. Eine Wegweisung erscheine insgesamt zumutbar: Der BeschwerdefÃ¼hrer habe bis zu seinem 33. Altersjahr in der TÃ¼rkei gelebt. Er spreche die Landessprache und sei mit den Sitten und GebrÃ¤uchen nach wie vor vertraut. Hier sei er wiederholt straffÃ¤llig geworden und habe mehrfach betrieben werden mÃ¼ssen und Sozialhilfe bezogen. FamiliÃ¤re Interessen fÃ¼r einen Verbleib bestÃ¼nden nicht. Offensichtlich lebe er vÃ¶llig zurÃ¼ckgezogen und pflege keinerlei sozialen Kontakte. Die deutsche Sprache beherrsche er nicht. Einer ErwerbstÃ¤tigkeit gehe er seit Jahren nicht nach. Die Integration sei als gescheitert zu erachten. Ein schwerwiegender HÃ¤rtefall liege damit nicht vor. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.5 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer bringt dagegen vor, es sei unbestritten, dass die paranoide Schizophrenie eine ernsthafte gesundheitliche BeeintrÃ¤chtigung darstelle. Die Vorinstanz komme unter Bezugnahme auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2015 zum Schluss, er kÃ¶nne auch in der TÃ¼rkei adÃ¤quat behandelt werden. Die Behandlungen wÃ¼rden aber vorwiegend in SpitÃ¤lern angeboten; nach dem European Observatory on Health Systems and Policies bestehe zudem ein Mangel an Ressourcen im Bereich der BehandlungsmÃ¶glichkeiten. Es erscheine daher alles andere als sicher, dass er in der TÃ¼rkei innert nÃ¼tzlicher Frist in den Genuss einer dringend notwendigen psychiatrischen Behandlung komme. Vielmehr sei zu befÃ¼rchten, dass eine nahtlose WeiterfÃ¼hrung der Therapie nicht realistisch sei, was zu einem RÃ¼ckfall fÃ¼hren werde, der erhebliche Konsequenzen fÃ¼r seine Gesundheit haben kÃ¶nne bis hin zu SuizidalitÃ¤t. GemÃ¤ss dem in den Akten liegenden medizinischen Consulting des Staatssekretariats fÃ¼r Migration (SEM) heisse es weiter, dass die tÃ¼rkische Strategie fÃ¼r die Behandlung psychisch kranker Menschen eher kurze, stationÃ¤re Klinikaufenthalte vorsehe und auf eine UnterstÃ¼tzung oder Betreuung zuhause in einem familiÃ¤r-verwandtschaftlichen Umfeld baue. Ein solches familiÃ¤r-verwandtschaftliches Umfeld habe er gerade nicht: Sein Vater lebe in Aserbaidschan; seine Kinder in der TÃ¼rkei seien noch minderjÃ¤hrig. Die Vorinstanz verkenne insgesamt, dass es nicht um eine Reintegration im Heimatland gehe, sondern darum, ihm ein langfristig stabiles und tragfÃ¤higes Umfeld bieten zu kÃ¶nnen, welches als Fundament fÃ¼r die psychiatrische Behandlung diene. Ein solches Umfeld kÃ¶nnten ihm aber weder seine minderjÃ¤hrigen Kinder, noch seine wiederverheiratete und betagte Mutter noch sein Bruder, der eine eigene Familie zu unterhalten habe, bieten. Schliesslich sei es auch absolut unrealistisch, dass er, der vÃ¶llig zurÃ¼ckgezogen lebe, mit seinem Krankheitsbild in der TÃ¼rkei problemlos ein neues soziales Umfeld aufbaue. Der Aufbau eines sozialen Umfelds wÃ¼rde viel Zeit in Anspruch nehmen; er sei jedoch auf ein stabiles Umfeld ab dem ersten Tag seiner RÃ¼ckkehr angewiesen. Die von der Vorinstanz zitierte Wohneinrichtung verfÃ¼ge erst Ã¼ber acht HÃ¤user und der Bericht weise auf den Mangel an staatlichen Pflegeinstitutionen hin. Es sei eher unwahrscheinlich, dass er gerade dort einen Platz finden werde. Ohne stabiles und unterstÃ¼tzendes familiÃ¤res Umfeld und ohne Unterbringung in einer Pflegeinstitution werde er kaum in der Lage sein, die notwendige psychiatrische Behandlung konsequent weiterzufÃ¼hren. Vielmehr werde ihm der Mangel an Struktur den Boden unter den FÃ¼ssen wegziehen, sodass er innert kÃ¼rzester Zeit den Halt verlieren und seine psychische Erkrankung wieder aufbrechen werde. Entfalle aber die dringend indizierte psychiatrische Behandlung, sei seine Gesundheit ernsthaft in Gefahr. Es liege daher ein schwerwiegender persÃ¶nlicher HÃ¤rtefall vor. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.6 </b>Vorab ist nÃ¤her auf den Gesundheitszustand des BeschwerdefÃ¼hrers einzugehen; hierbei handelt es sich um ein Kriterium in der GesamtwÃ¼rdigung, die bei der Beurteilung eines schwerwiegenden persÃ¶nlichen HÃ¤rtefalls vorzunehmen ist (siehe E. 3.2). </p> <p class="Erwgung3"><b>3.6.1 </b>Das Bundesverwaltungsgericht geht in stÃ¤ndiger Rechtsprechung davon aus, dass die Behandlung psychischer Erkrankungen in der TÃ¼rkei sowohl stationÃ¤r als auch ambulant landesweit mÃ¶glich sei, wobei im Bedarfsfall auch moderne Psychopharmaka zur VerfÃ¼gung stÃ¼nden (vgl. etwa BVGr, 20. September 2023, D-4762/2023, E. 7.4.4). Namentlich sei in tÃ¼rkischen Gross- und ProvinzhauptstÃ¤tten der Zugang zu Gesundheitsdiensten, Beratungsstellen und Behandlungseinrichtungen fÃ¼r psychische Leiden gewÃ¤hrleistet (BVGr, 24. Oktober 2022, E-2030/2022, E. 7.1.3; BVGr, 17. November 2021, D-5655/2020, E. 9.3.2; BVGr, 12. Juni 2018, E-1948/2018, E. 7.3.5.3). Auch in Bezug auf die Behandlung einer Schizophrenie in der TÃ¼rkei wird nicht per se von einer medizinischen Notlage ausgegangen (BVGr, 5. September 2022, D-2184/2021, E. 7.4.3). Das Verwaltungsgericht kam ebenfalls zum Schluss, dass eine Schizophrenie-Erkrankung in der TÃ¼rkei adÃ¤quat behandelt werden kÃ¶nne (VGr, 21. MÃ¤rz 2018, VB.2017.00875, E. 5.4). Es verneinte daher eine medizinische Notlage, was das hernach angerufene Bundesgericht bestÃ¤tigte (BGr, 19. November 2018, 2C_417/2018, E. 7.4). Auch vermochte der EuropÃ¤ische Gerichtshof fÃ¼r Menschenrechte (EGMR) im Fall <i>Tatar gegen die Schweiz</i> (Urteil vom 14. April 2015, Rs. 65692/12) in der Wegweisung des an paranoider Schizophrenie leidenden BeschwerdefÃ¼hrers in die TÃ¼rkei keine Verletzung von Art. 3 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) erblicken: Der verbeistÃ¤ndete BeschwerdefÃ¼hrer litt an einer schweren paranoiden Schizophrenie, welche ihm verunmÃ¶glichte, seine paranoiden Ideen von der RealitÃ¤t zu unterscheiden. Er lebte in der Schweiz in einem Wohnheim mit psychiatrischem Betreuungsangebot und Ãberwachung und war nach Ansicht der Experten dauerhaft unfÃ¤hig, auf eigene Faust zu leben. Der EGMR erachtete die vorhandenen psychiatrischen Einrichtungen als ausreichend, insbesondere im Zusammenspiel mit der von den Schweizer BehÃ¶rden sorgfÃ¤ltig geplanten RÃ¼ckkehr. Auch im Fall <i>Savran gegen DÃ¤nemark</i> (Urteil der Grossen Kammer vom 7. Dezember 2021, Rs. 57467/15) hatte der EGMR die Wegweisung eines paranoid-schizophrenen BeschwerdefÃ¼hrers in die TÃ¼rkei zu prÃ¼fen, welcher nach eigenen Angaben weder Ã¼ber ein familiÃ¤res noch ein anderes soziales Netzwerk in der TÃ¼rkei verfÃ¼gte (vgl. Savran gegen DÃ¤nemark, Rz. 88). Die Grosse Kammer des Gerichtshofs erwog, obwohl die paranoide Schizophrenie eine ernsthafte psychische Erkrankung sei, kÃ¶nne nicht nachgewiesen werden, dass es bei einer RÃ¼ckkehr in die TÃ¼rkei zu einer ernsthaften und schnellen, irreversiblen Verschlechterung des Gesundheitszustands komme, die zu einem intensiven Leiden oder zu einer signifikanten VerkÃ¼rzung der Lebenserwartung fÃ¼hre (Savran gegen DÃ¤nemark, Rz. 143). </p> <p class="Erwgung3"><b>3.6.2 </b>GemÃ¤ss Arztbericht von Dr. med. G vom 16. Dezember 2022 behandelt er den BeschwerdefÃ¼hrer seit dem 11. Januar 2021 psychotherapeutisch; die Sitzungen fÃ¤nden regelmÃ¤ssig in 2â3-wÃ¶chigen AbstÃ¤nden statt. Dank der Therapie habe eine leichte StabilitÃ¤t erreicht werden kÃ¶nnen und ein therapeutisches Vertrauen entwickelt werden kÃ¶nnen. Der BeschwerdefÃ¼hrer habe sogar seine Notfallnummer verlangt, damit er sich dort bei Verschlechterung melden kÃ¶nne. Dr. med. G habe den Patienten auch in seiner Unterkunft besucht und mit dem zustÃ¤ndigen Betreuer gesprochen. Der BeschwerdefÃ¼hrer lebe dort sehr zurÃ¼ckgezogen und pflege keine Kontakte mit den Mitbewohnern, bleibe stÃ¤ndig in seinem Zimmer und hole seine Medikamente und das Essen. Sonst wÃ¼rden sie ihn nicht sehen und wÃ¼rden auch nicht mit ihm kommunizieren. Aus psychiatrischer Sicht brauche der BeschwerdefÃ¼hrer regelmÃ¤ssig Ã¤rztliche und medikamentÃ¶se Behandlung. Er brauche einen Vertrauten, damit er in die Behandlung gehe. In der TÃ¼rkei habe er diese MÃ¶glichkeiten nicht. Es gebe keine ambulanten Behandler. Der BeschwerdefÃ¼hrer mÃ¼sste in das stÃ¤dtische Krankenhaus gehen. Dort werde er nicht klarkommen und seine Behandlung abbrechen und keine Medikamente mehr einnehmen. Dadurch werde sich seine Krankheit verschlimmern und mit diesem Stress werde er sich weiter verletzen (Lebensgefahr). Diese Ã¤rztlichen AusfÃ¼hrungen in Bezug auf die BehandlungsmÃ¶glichkeiten in der TÃ¼rkei stehen im Widerspruch zur oben zitierten Rechtsprechung, wonach in der TÃ¼rkei sowohl ambulante als auch stationÃ¤re BehandlungsmÃ¶glichkeiten bestehen (siehe E. 3.6.1). Es bestehen auch keine Hinweise darauf, dass die SteuerungsfÃ¤higkeit des BeschwerdefÃ¼hrers derart eingeschrÃ¤nkt wÃ¤re, dass er die dort bestehenden Angebote nicht zu nutzen wÃ¼sste. Wohl besteht eine Beistandschaft, doch vermochte der BeschwerdefÃ¼hrer seine SteuerungsfÃ¤higkeit trotz seiner Erkrankung auszuschÃ¶pfen. So trat er gemÃ¤ss Austrittsbericht der Klinik I vom 15. November 2021 freiwillig in die Klinik I ein und sei der Patient krankheitseinsichtig und therapiemotiviert. Unter dem Medikament â¦ remittierte die psychotische Symptomatik weitestgehend. Weiter besucht der BeschwerdefÃ¼hrer seit Januar 2021 regelmÃ¤ssig die externen Therapiesitzungen bei Dr. med. G. Es darf daher angenommen werden, dass der BeschwerdefÃ¼hrer auch in der TÃ¼rkei entsprechende Therapieangebote selbstÃ¤ndig organisieren und nutzen kann. Sollte dies nicht der Fall sein, weist die Vorinstanz zutreffend auf die MÃ¶glichkeit von Erwachsenenschutzmassnahmen in der TÃ¼rkei hin (vgl. BGr, 27. April 2022, 5A_226/2021, E. 3.1; siehe insbesondere Art. 405 ff. und Art. 429 ff. des tÃ¼rkischen Zivilgesetzbuchs, Gesetz Nr. 4721 vom 22.11.2001, abrufbar unter https://www.mevzuat.gov.tr/MevzuatMetin/1.5.4721.pdf). Auch eine fÃ¼rsorgerische Unterbringung ist im tÃ¼rkischen Zivilgesetzbuch vorgesehen (siehe Art. 432 des tÃ¼rkischen Zivilgesetzbuchs). Entscheidend ist weiter, dass der BeschwerdefÃ¼hrer seine ganze monatliche IV-Rente in der HÃ¶he von Fr. 642.- wird in die TÃ¼rkei exportieren kÃ¶nnen (vgl. Art. 10 Ziff. 1 und 2 des Abkommens vom 1. Mai 1969 zwischen der Schweiz und der Republik TÃ¼rkei Ã¼ber soziale Sicherheit, SR 0.831.109.763.1). Damit wird ihm der Zugang zur medizinischen Versorgung auch finanziell ermÃ¶glicht. Das Medikament â¦ ist in privaten Apotheken der TÃ¼rkei vorhanden (siehe Medizinisches Consulting SEM vom 15. August 2019). Bei einer RÃ¼ckkehr in die TÃ¼rkei ist somit nicht mit einer drastischen und lebensbedrohenden Verschlechterung des Gesundheitszustands zu rechnen. Ob er bei seiner RÃ¼ckkehr realistische Chancen aufweist, um in eine private Wohneinrichtung wie das von der Vorinstanz zitierte Prospect House Project zu ziehen, kann damit offenbleiben.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.7 </b>Neben dem Gesundheitszustand ist die lange Aufenthaltsdauer des BeschwerdefÃ¼hrers in der Schweiz zu berÃ¼cksichtigen: Dieser hÃ¤lt sich bereits seit zwÃ¶lf Jahren in der Schweiz auf. Die lange Aufenthaltsdauer korreliert nicht mit der sprachlichen und sozialen Integration des BeschwerdefÃ¼hrers: GemÃ¤ss Austrittsbericht der Klinik I vom 15. November 2021 war das EintrittsgesprÃ¤ch aufgrund der Sprachbarriere nur eingeschrÃ¤nkt mÃ¶glich; der BeschwerdefÃ¼hrer spricht einzig TÃ¼rkisch. Ãber familiÃ¤re oder soziale Kontakte in der Schweiz verfÃ¼gt er nicht (vgl. Austrittsbericht der Klinik I vom 1. September 2020, S. 3). Die wirtschaftliche Integration kann als gescheitert betrachtet werden, nachdem er zuletzt im Juli 2018 (siehe E-Mail des BeschwerdefÃ¼hrers vom 6. Dezember 2019) arbeitstÃ¤tig war und sechs offene Verlustscheine in der HÃ¶he von Fr. 17'043.65 aufweist sowie Fr. 61'415.30 Sozialhilfe bezog (Oktober 2020 bis Juni 2021). In der TÃ¼rkei leben drei BrÃ¼der und zwei Schwestern des BeschwerdefÃ¼hrers, wobei er nur mit einem Bruder (H) Kontakt habe. Ebenfalls in der TÃ¼rkei wohnt seine Mutter, welche heute ca. 59/60 Jahre alt ist (vgl. Befragung des BeschwerdefÃ¼hrers vom 24. Mai 2019, Frage 14). Seine drei noch minderjÃ¤hrigen Kinder leben ebenfalls in der TÃ¼rkei, mit welchen der BeschwerdefÃ¼hrer regelmÃ¤ssigen Kontakt hat. Der BeschwerdefÃ¼hrer weist damit ein familiÃ¤res Beziehungsnetz in der TÃ¼rkei auf, wÃ¤hrend er in der Schweiz Ã¼berhaupt keine sozialen Kontakte pflegt. Insgesamt sind keine Ã¼berwiegenden Bindungen zur Schweiz ersichtlich und durfte die Vorinstanz das HÃ¤rtefallgesuch in zulÃ¤ssiger Weise abweisen. </p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Urteilstext">Nach dem Gesagten liegt auch kein Vollzugshindernis aufgrund einer medizinischen Notlage vor (vgl. Art. 83 Abs. 4 AIG). Aus den Akten geht jedoch hervor, dass der BeschwerdefÃ¼hrer Suizidversuche hinter sich hat und sich mehrere Male selbst verletzte (vgl. Austrittsbericht der Klinik I vom 15. November 2021). <span>Zwar genÃ¼gt gemÃ¤ss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die wegweisungs- oder krankheitsbedingte Gefahr, dass die betroffene Person bei einer Aufenthaltsbeendigung ihrem Leben ein Ende setzen kÃ¶nnte, fÃ¼r sich allein nicht, um die Wegweisung bzw. den Vollzug bereits als unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig oder unzulÃ¤ssig erscheinen zu lassen (BGr, 13. August 2018, 2D_14/2018, E. 7 auch zum Folgenden). Die schweizerischen BehÃ¶rden sind generell (auch ausserhalb des Anwendungsbereichs von Art. 3 EMRK) gehalten, im Rahmen der konkreten RÃ¼ckkehrmassnahmen alles ihnen Zumutbare vorzukehren, um medizinisch bzw. betreuungsmÃ¤ssig sicherzustellen, dass das Leben und die Gesundheit der rÃ¼ckkehrpflichtigen Person mÃ¶glichst nicht beeintrÃ¤chtigt wird; sie sind verfassungsrechtlich jedoch nicht gehalten, im Hinblick auf kritische psychische Krankheitsbilder, die auch im Heimatland behandelt werden kÃ¶nnen, in Abweichung von den gesetzlichen Vorgaben einem Gesuch auf Erteilung bzw. VerlÃ¤ngerung der Anwesenheitsberechtigung zu entsprechen (vgl. BGE 139 II 393 E. 5.2.2; BGr, 19. November 2018, 2C_417/2018, E. 7.4; VGr, 2. Dezember 2020, VB.2020.000580, E. 5). </span><span>Der Vollzug der Wegweisung muss in solchen FÃ¤llen sorgfÃ¤ltig geplant und durchgefÃ¼hrt werden. Allenfalls ist die MÃ¶glichkeit einer vorgÃ¤ngigen fÃ¼rsorgerischen Unterbringung (Art. 426 ff. ZGB) in zeitlicher NÃ¤he zum Wegweisungsvollzug, eine Ã¤rztliche Begleitung auf dem Flug oder eine Ãbergabe an bzw. eine Kontaktaufnahme mit entsprechenden Spezialisten im Heimatland zu prÃ¼fen. Der Beschwerdegegner ist angehalten, den Vollzug der Wegweisung im vorliegenden Fall sorgfÃ¤ltig zu planen und den vorstehend genannten Vorgaben Rechnung zu tragen. </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Dies fÃ¼hrt zur Abweisung der Beschwerde. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer unterliegt, weshalb ihm die Gerichtskosten aufzuerlegen sind (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG). Eine ParteientschÃ¤digung ist ihm nicht zuzusprechen (§ 17 Abs. 2 VRG).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer beantragt fÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Verfahren die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung sowie die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands gestÃ¼tzt auf § 16 Abs. 1 und Abs. 2 VRG. GestÃ¼tzt auf die Akten hat er als mittellos zu gelten. In Anbetracht der ernsthaften Erkrankung und der langen Aufenthaltsdauer des BeschwerdefÃ¼hrers in der Schweiz erscheint sein HÃ¤rtefallgesuch nicht offensichtlich aussichtslos, weshalb ihm fÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Verfahren die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung und RechtsverbeistÃ¤ndung zu gewÃ¤hren ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>Unentgeltlichen RechtsbeistÃ¤nden wird der notwendige Zeitaufwand nach den StundenansÃ¤tzen des Obergerichts fÃ¼r die amtliche Verteidigung entschÃ¤digt. Dabei werden die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses berÃ¼cksichtigt. Auslagen werden separat entschÃ¤digt (§ 9 Abs. 1 der GebÃ¼hrenverordnung des Verwaltungsgerichts vom 3. Juli 2018 [GebV VGr]). Als erforderlich ist jener Zeitaufwand zu betrachten, den auch eine nicht bedÃ¼rftige Person von ihrer Rechtsvertretung vernÃ¼nftigerweise erwartet hÃ¤tte und zu dessen Zahlung sie bereit gewesen wÃ¤re, um ihre Rechte im Verfahren zu wahren. § 3 der Verordnung Ã¼ber die AnwaltsgebÃ¼hren vom 8. September 2010 (AnwGebV) sieht bei anwaltlicher Vertretung einen Stundensatz von Fr. 220.- vor; bei nicht anwaltlicher Vertretung wird der Stundenansatz in der Regel halbiert (vgl. VGr, 4. Oktober 2023, VB.2023.00491, E. 3.2 [nicht auf www.vgr.zh.ch verÃ¶ffentlicht]).</p> <p class="Erwgung2">Rechtsanwalt B macht in seiner Honorarnote vom 9. November 2023 einen Aufwand von 6,75 Stunden Ã Fr. 220.- pro Stunde (total Fr. 1'485.-) geltend, wobei die Nachbearbeitung des Falls nach Ergehen des Urteils bereits miteingerechnet ist. Dieser zeitliche Aufwand erscheint angemessen. Ebenso gerechtfertigt sind die geltend gemachten Auslagen von Fr. 5.30. Dies ergibt einen zu entschÃ¤digenden Aufwand von Fr. 1'605.05 (inklusive Mehrwertsteuer).</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext">Der vorliegende Entscheid kann mit Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) angefochten werden, soweit ein Rechtsanspruch auf eine fremdenpolizeiliche Bewilligung geltend gemacht wird. Ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG offen. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Dem BeschwerdefÃ¼hrer wird fÃ¼r das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung gewÃ¤hrt und in der Person von Rechtsanwalt B ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Gerichtskosten werden dem BeschwerdefÃ¼hrer auferlegt, jedoch einstweilen zufolge GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung auf die Gerichtskasse genommen. Die Nachzahlungspflicht des BeschwerdefÃ¼hrers nach § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Rechtsanwalt B wird fÃ¼r das Beschwerdeverfahren mit Fr. 1'605.05 (inklusive Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschÃ¤digt. Die Nachzahlungspflicht des BeschwerdefÃ¼hrers gemÃ¤ss § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde im Sinn der ErwÃ¤gungen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Urteilstext">8. Mitteilung an â¦</p> <p class="Urteilstext"> </p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>