Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. September 2012 (720 12 118) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilfsmittel Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberin i.V. Eleonor Gyr Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Beschwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel (756.9958.2643.44) A. Die 1952 geborene A.____ leidet seit ihrer Kindh eit an einer Beeinträchtigung ihres Hör- vermögens. Am 24. Februar 2004, resp. 16. Februar 200 6 (Eingang) meldete sie sich bei der IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum B ezug für Hörhilfe, Hörgerätimplantate des Typ Vibrant Soundbridge, beidseits, an. Mit Verfüg ung vom 12. Mai 2004 verfügte die IV- Stelle eine Kostengutsprache für zwei implantierte Hörg eräte vom Typ Vibrant Soundbridge gemäss Indikationsstufe 3 in der Höhe von insgesamt CHF 1 2'372.--. A.____ liess sich in der Folge nur am linken Ohr ein Mittelohrimplantat einset zen und entschied sich bezüglich des rechten Ohres für ein konventionelles Hörgerät. Mit Verf ügung vom 8. Juni 2006 erteilte die IV- Stelle eine Kostengutsprache für ein Hörgerät im Gesam tbetrag von CHF 2'912.95. Am 11. September 2006 teilte die IV-Stelle A.____ mit, dass die Verfügung vom 12. Mai 2004 er- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzt und annulliert werde. Sie entschied, dass die Kosten für die Abgabe eines Mittelohrimplan- tates links im Gesamtbetrag von CHF 5'161.55 übernomme n werde. Die IV-Stelle habe zur Kenntnis genommen, dass entgegen des Antrags nur ein Mittelohrimplantat links eingesetzt und auf der rechten Seite ein konventionelles Hörgerät angepasst worden sei. Am 22. Juni 2011 stellte A.____ bei der IV-Stelle ei n Gesuch für eine Hörhilfe. Mit Schreiben vom 26. August 2011 bat der behandelnde Arzt von A.___ _, Prof. Dr. med. B.____, FMH Oto- Rhino-Laryngologie, um die Kostengutsprache für ein Mittelohrimplantat rechts vom Typ Vibrant Soundbridge. Am 7. November 2011 wurde bei A.____ das Mittelohrim plantat Typ Vibrant Soundbridge am rechten Ohr operativ eingesetzt. Mit Verfügung der IV-Stelle vom 28. März 2012 wurde die Kostenübernahme für das zweite Mittelohrimplantat abgewiesen. B. Die von A.____ dagegen erhobene Beschwerde vom 11. A pril 2012 an das Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) enthält sinnge- mäss das Begehren, die IV-Stelle habe die Kosten für da s bereits eingesetzte Mittelohrimplan- tat rechts zu übernehmen. C. Mit Vernehmlassung vom 13. Mai 2012 schloss die IV-S telle auf Abweisung der Be- schwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Da sämtliche Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, i st auf die frist- und formgerecht beim sachlich wie örtlich zuständigen Gericht eingereichte Beschwerde einzutreten . 1.2 Nach § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsidi erende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts über Streitigkeite n bis zu einem Streitwert von CHF 10'000.--. Vorliegend liegt der Streitwert unte r CHF 10'000.--, die Angelegenheit ist des- halb präsidial zu entscheiden. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die K osten für die Versorgung des rechten Ohrs der Beschwerdeführerin mit einem Mittelohrimplan tat Typ Vibrant Soundbridge zu über- nehmen hat. 3.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versich erte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 lit. d des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Anspruch auf die Abgabe von Hilfsmitteln . Dieser Anspruch bezieht sich gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG auf jene Hilfsmittel, die sie für d ie Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die Schulung , die Ausbildung oder zum Zwecke der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht funktionellen Angewöhnung bedürfen. Unabhängig von e iner allfälligen Erwerbstätigkeit hat der Versicherte gemäss Art. 21 Abs. 2 IVG zudem Anspruch auf Hilfsmittel, welche er infolge seiner Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf. 3.2. In Art. 14 der Verordnung über die Invalidenvers icherung (IVV) vom 17. Januar 1961 hat der Bundesrat die ihm in Art. 21 Abs. 4 IVG übert ragene Kompetenz zur Regelung der Vor- aussetzungen für die Abgabe von Hilfsmitteln dem Eidge nössischen Departement des Innern (EDI) delegiert. Dieses hat gestützt auf diese Subdele gation die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) vo m 29. November 1976 mit der im An- hang aufgeführten Hilfsmittelliste erlassen. Gemäss Art. 2 Abs. 1 HVI besteht im Rahmen der im Anhang der HVI aufgeführten Liste Anspruch auf Hil fsmittel, soweit diese für die Fortbewe- gung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt od er für die Selbstsorge notwendig sind. Art. 2 Abs. 2 HVI hält sodann fest, dass Anspruch auf die mit (*) bezeichneten Hilfsmittel nur bestehe, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstä tigkeit oder der Tätigkeit im Aufgaben- bereich, für die Schulung, Ausbildung, die funktione lle Angewöhnung oder für die in der zutref- fenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannten Tätigkeit notwendig sind. 3.3 Art. 21 IVG beschränkt den Leistungsanspruch ausdrücklich auf Hilfsmittel, die in der entsprechenden Liste enthalten sind. Der Gesetzgeber h at dem Bundesrat damit die Kompe- tenz übertragen, in der aufzustellenden Liste aus der Vi elzahl zweckmässiger Hilfsmittel eine Auswahl zu treffen. Dabei nahm er in Kauf, dass mit ei ner solchen Aufzählung nicht sämtliche sich stellenden Bedürfnisse gedeckt werden. Der Bundesrat oder das Departement sind daher durch das Gesetz nicht verpflichtet, sämtliche Hilfsmitt el, derer ein Invalider zur Eingliederung bedarf, in die Hilfsmittelliste aufzunehmen. Vielmehr kann der Verordnungsgeber eine Auswahl treffen und die Zahl der Hilfsmittel beschränken; dabe i steht ihm ein weiter Gestaltungsspiel- raum zu, da das Gesetz keine weiterführenden Auswahlkri terien enthält. Die Liste der von der Invalidenversicherung abzugebenden Hilfsmittel ist insofer n abschliessend, als sie die in Frage kommenden Hilfsmittelkategorien aufzählt; dagegen ist innerhalb der einzelnen Kategorien je- weils zu prüfen, ob die Aufzählung der einzelnen Hilf smittel ebenfalls abschliessend oder bloss exemplifikatorisch ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 3. Juni 2009, 8C_315/2008, E. 2.5.2 mit Verweis auf BGE 131 V 107 E. 3.4.3 mit Hinweisen) . Lässt sich ein Hilfsmittel keiner der im HVI Anhang aufgeführten Kategorien zuordnen, ist es n icht zulässig, den Anspruch auf Kosten- übernahme durch die Invalidenversicherung direkt aus der Zielsetzung des Gesetzes abzulei- ten, da damit das dem Bundesrat bzw. dem Departement eingeräumte Auswahlermessen durch dasjenige der Verwaltung und des Gerichts ersetzt würde ( vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 18. September 2009, 9C_493/2009, E. 5. und vom 11. M ärz 2008, 8C_127/2007, E 2.2; BGE 131 V 9 E. 3.4.2 mit Hinweisen). 4.1 Gemäss Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmittel n durch die Invalidenversiche- rung (KHMI) (Stand Juli 2011) des Bundesamtes für Sozia lversicherungen (BSV) bedarf es zur Versorgung mit einem Hörgerät einer Empfehlung durch einen von der IV anerkannten Exper- tenarzt. Knochenverankerte oder implantierte Hörgerät e (Cochlea-Implantat, Soundbridge, BAHA u.ä.) setzen sich aus einem implantierten und eine m äusseren, abnehmbaren Teil zu- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sammen. Der äussere Teil stellt ein Hilfsmittel dar und kann im Rahmen von Art. 21 IVG vergü- tet werden. Das Einsetzen des implantierten Teils wird als medizinische Massnahme unter Art. 12 und 13 IVG oder durch die Krankenversicherung übernommen (KHMI, S. 39). 4.2 Das Gericht hat medizinischen Unterlagen nach dem fü r den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) - w ie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie um fassend und pflichtgemäss zu würdi- gen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheid en hat, ob die verfügbaren Un- terlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen R echtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Beri chten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Grü nde anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstell t. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Sit uation einleuchtet und ob die Schluss- folgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 In beweisrechtlicher Hinsicht ist zu berücksichtigen, da ss auf Stellungnahmen des Re- gionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) nur abgestellt werde n kann, wenn sie den allgemeinen be- weisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügen (vgl. Urteil des Eidgenössi- schen Versicherungsgericht (EVG) vom 15. Dezember 2006, I 694/05, E. 2). Sie müssen insbe- sondere in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sein und in der Beschrei- bung der medizinischen Situation und Zusammenhänge ei nleuchten; die Schlussfolgerungen sind zu begründen (BGE 125 V 351 E. 3a). Bezüglich dieser materiellen und formellen Anforde- rungen sind sie im Beschwerdefall gerichtlich überprüfba r (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2009, 9C_ 323/2009, E. 4.3.1 mit Hinweis au f Protokoll der Sitzung der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates vom 11.-13. Januar 2006, S. 101). Genü- gen die Berichte des RAD diesen erwähnten Anforderung en, haben sie einen vergleichbaren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (Urteil des Bunde sgerichtes vom 6. Juli 2009, 9C_204/2009, E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen). 5.1 Zur Beurteilung, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf die Kostenübernahme für ein Mittelohrimplantat Typ Vibrant Soundbridge hat, liegen die folgenden Arztberichte vor: 5.1.1 Gemäss ärztlicher Expertise von Dr. B.____ vom 11. August 2011 trage die Beschwer- deführerin seit fünf Jahren ein Hörgerät am rechten O hr und seit sieben Jahren eine Sound- bridge am linken Ohr. Seit der letzten Versorgung mit Geräten habe die Hörfähigkeit abgenom- men und die Beschwerdeführerin benötige eine Soundbr idge rechts. Die Beschwerdeführerin arbeite bei C.____ in akustisch stark wechselnder Umgebun g und benötige deshalb eine opti- male Geräteversorgung. Der Expertise lag ein Ton- sowie Sprachaudiogramm bei. Mit Schrei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben vom 8. Dezember 2011 führte Dr. B.____ aus, dass die Beschwerdeführerin seit vielen Jahren unter einer hochgradigen, beidseitig sensorineu ralen Schwerhörigkeit leide. Die Versor- gung mit dem akustischen Hörgerät rechts sei für die Besc hwerdeführerin nicht suffizient. Die Indikation sei aus otologischer und audiologischer Sicht klar gegeben. 5.1.2 Die Ärztin pract. med. D.____, Regionaler ärztli cher Dienst beider Basel (RAD), hielt mit Bericht vom 8. November 2011 fest, dass die Vorausse tzungen für eine Versorgung mit ei- ner Soundbridge rechts nicht erfüllt seien. Es sei zwar zu bestätigen, dass sich das Hörvermö- gen der Beschwerdeführerin etwas verschlechtert habe, j edoch links (Hörverlust von 55% auf 61%) mehr als rechts (Hörverlust von 44% auf 49%). Dahe r habe sich die Punktzahl der audio- logischen Kriterien seit 2004 um 4 auf 30 erhöht. Die Punktzahl des sozial-emotionalen Handy- caps habe sich etwas verringert. Im Bereich der beruflic hen Kommunikationsanforderungen sei die akustisch stark wechselnde Umgebung und das unter Neben geräuschen geforderte Sprachverständnis nachvollziehbar (jeweils 5 Punkte), doch erscheine die Punktzahl der übri- gen Items in Anbetracht der Definitionen gemäss den Em pfehlungen für IV-Expertenärzte zur Verordnung und Überprüfung der Anpassung von Hörgerät en (15. Mai 2011) sehr hoch (Kun- den-/Mitarbeiter-Gespräche, Ausbildner-/ Erziehungsfunkt ion 5 Punkte; Berufliche Weiterbil- dungsanlässe 5 Punkte; Schmutzige Hände, spezielle hygieni sche Anforderungen 4 Punkte). Daher sei aus ihrer Sicht die Gesamtpunktzahl von 76 ü berprüfenswert. Gemäss den Empfeh- lungen für IV-Expertenärzte zur Verordnung und Überpr üfung der Anpassung von Hörgeräten und den "Indikationskriterien für implantierbare Hörgeräte - Eine vereinfachte Übersicht für prak- tizierende ORL-Kollegen" von Thomas Linder, Marcel Gärt ner und Peter Oppermann, Stand 2010 (Luzerner Kantonsspital), sei eine Soundbridge ind iziert bei rezidivierender oder chroni- scher Otitis externa, Gehörgangsekzemen (Allergien auf Ot oplastik bei Hörgeräten), Otitis ex- terna stenosans oder Gehörgangsstenosen / Okklusionseffe kte, die das Tragen normaler Hör- geräte verhinderten. Keines dieser Kriterien werde von der Beschwerdeführerin erfüllt; sie sei bisher ausreichend mit einem konventionellen Hörgerät ve rsorgt gewesen. Gemäss den Emp- fehlungen für IV-Expertenärzte zur Verordnung und Übe rprüfung der Anpassung von Hörgerä- ten sei eine Indikation bei Patienten gegeben, die tr otz optimierter binauralen Hörgeräteversor- gung kein ausreichendes Sprachverstehen (insbesondere im St örlärm) erreichen würden und dadurch in ihrem beruflichen und/oder sozialen Umfeld b ehindert seien. Dies sei den Angaben von Dr. B.____ ebenfalls nicht zu entnehmen. Dr. B.___ _ spreche zwar von besseren Resulta- ten und optimaler Versorgung bei der erwünschten binau raler Versorgung mit der Soundbridge, doch habe die Beschwerdeführerin gemäss Art. 21 IVG le diglich Anspruch auf einfache und zweckmässige Versorgung. Deshalb seien die Voraussetzungen für eine Versorgung mit einer Soundbridge rechts nicht erfüllt. Mit Stellungnahme vo m 16. Januar 2012 ergänzte die RAD- Ärztin, dass die Beschwerdeführerin zwar an einer sensori neuralen Schwerhörigkeit leide, je- doch keine Unverträglichkeit von konventionellen Hörg eräten dokumentiert sei, "sie habe über Jahre hinweg ein Hörgerät rechts getragen". Daher sei aus ihrer Sicht keine Soundbridge für das rechte Ohr indiziert. 5.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie seit K indheit an Hörproblemen leide. Sie habe verschiedene Mittel ausprobiert, die nicht geholfen hätten. Vor sieben Jahren hätte ihr Dr. B.____ für beide Ohren eine Soundbridge empfohlen. Beide seien von der IV-Stelle bewilligt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht worden. Da sie nach der ersten Operation habe abwarten wollen, habe sie sich vorübergehend für ein konventionelles Hörgerät für das rechte Ohr ent schieden. Sie höre auf beiden Seiten nicht gleich, deshalb wolle sie auch für das rechte Ohr ei ne Soundbridge. Ihr Arzt habe es ver- säumt, die IV-Stelle für eine Kostengutsprache anzufra gen. In der Annahme, die IV-Stelle wer- de die Kosten übernehmen, sei die zweite Soundbridge bereits implantiert worden. Die neue Soundbridge biete ihr eine deutlich bessere Lebensqual ität. Es sei ihr unmöglich, die hohen Kosten für die Soundbridge zu übernehmen. Mit Schreibe n vom 8. Dezember 2011 nahm ihr behandelnder Arzt, Dr. B.____, dahingehend Stellung, dass die Ablehnung der Kostengutspra- che nicht nur die Beschwerdeführerin, sondern auch ihn ko nsterniere. Die Beschwerdeführerin leide seit vielen Jahren unter einer hochgradigen bei dseitigen sensorineuralen Schwerhörigkeit. Bereits vor sieben Jahren sei die beidseitige Versorgung mit dem Mittelohrimplantat Typ Vibrant Soundbridge beantragt worden. Mit Schreiben der IV-S telle vom 11. September 2006 sei das Gesuch positiv beurteilt und die Kosten für die Abgabe e ines Mittelohrimplantates bewilligt wor- den. Die zwischenzeitliche Versorgung mit dem akustischen Hö rgerät rechts sei für die Be- schwerdeführerin nicht suffizient gewesen. Er und die Be schwerdeführerin seien der Meinung gewesen, dass die Kostenübernahme für die beidseitige Versorgung mit einer Soundbridge, wie bereits vor sieben Jahren angemeldet, kein Problem sein würde. Die Indikation sei aus otologi- scher und audiologischer Sicht klar gegeben. Umso mehr e rstaune die Absage für das zweite Implantat. Das Problem sei nun, dass in Gutgläubigkeit die zweite Soundbridgeoperation bereits am 7. November 2011 vorgenommen worden sei. Die Situa tion sei als so klar beurteilt worden, dass das vorzeitige Operationsdatum zur möglichst raschen V ersorgung mit dem Implantat ge- wählt worden sei. Es werde erst jetzt realisiert, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine schriftliche Zusage für die Kostengutsprache vorgelegen habe. Die Be schwerdeführerin sei nicht in der Lage, die relativ hohen Kosten für die Soundbridge se lbst zu tragen. Die IV-Stelle werde gebe- ten, die Kosten doch noch zu übernehmen. Mit diesem Ent scheid hänge auch die Finanzierung der Operation durch die Krankenkasse ab. 5.3 Die IV-Stelle stützt sich auf die Stellungnahmen d er RAD-Ärztin und lehnt eine Kosten- übernahme für ein Mittelohrimplantat rechts ab. Gemäss den Stellungnahmen der RAD-Ärztin sei ein Mittelohrimplantat Typ Vibrant Soundbridge fü r das rechte Ohr der Beschwerdeführerin nicht indiziert. Folgt man der Richtlinie für ORL-Exper tenärzte zum Abklärungsauftrag zur Ver- gütung von Hörgeräten durch die Sozialversicherung IV un d AHV (Stand 1. Juli 2007), gelten bei vorwiegend sensorineuraler oder kombinierter Schwerh örigkeit mit Unverträglichkeit mit konventionellen Hörgeräten (z.B. Allergie) folgende I ndikationen: rezidivierende, chronische Gehörgangsentzündungen oder rezidivierend infizierte Radikalhöhlen; nässendes Gehörgangs- ekzem, das durch Okklusion des Gehörganges beim Tragen von H örgeräten verstärkt wird; Patienten, die trotz optimierter (binauraler) Hörger äteversorgung kein ausreichendes Sprach- verstehen, insbesondere im Störlärm, erreichen und dadu rch in ihrem beruflichen und/oder so- zialen Umfeld behindert sind. Die Implantation ist ind iziert, wenn die Anpassung von konventio- nellen Hörgeräten, inkl. modifizierte Otoplastiken ode r offene Versorgung, nicht zu einer erfolg- reichen Neuversorgung führten und die bestehenden Gehö rgangsprobleme persistieren. Gera- de die verlangte Unverträglichkeit von konventionellen Hörgeräten kann die Beschwerdeführerin nicht nachweisen. Weder im Arztbericht von Dr. B.____ lassen sich zu einer solchen Unverträg- lichkeit Hinweise finden, noch macht es die Beschwerdefü hrerin geltend. Die Stellungnahmen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der RAD-Ärztin sind in Kenntnis der Vorakten erstellt, l euchten in der Beschreibung der medizi- nischen Situation sowie der Zusammenhänge ein, sind schl üssig und begründet. Sie genügen daher den bundesgerichtlichen Kriterien an ein Arztbericht (vgl. E. 4.2 und 4.3 hiervor). 5.4 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen die Berichte der RAD-Ärztin denn auch nicht in Zweifel zu ziehen. Die Beschwerdeführerin führt vielmehr aus, dass sie gutgläubig in der Annahme, das Kostengesuch werde gutgeheissen, d ie Operation bereits vorgenommen habe, da die IV-Stelle vor sieben Jahren bereits einma l eine Kostengutsprache für zwei Mittel- ohrimplantate ausgesprochen habe. Diese Handlungswei se kann nicht nachvollzogen werden. Die IV-Stelle führte aus, dass es zwar zutreffe, dass am 12 . Mai 2004 zunächst die Kosten- übernahme für die Abgabe von zwei implantierten Hörgeräten Typ Vibrant Soundbridge (Indika- tionsstufe 3) im Gesamtbetrag von CHF 12'372.-- bewill igt worden sei. Beim im Februar 2006 eingereichten Gesuch habe die Beschwerdeführerin jedoc h die Kostenübernahme für ein kon- ventionelles Hörgerät und nicht für zweites Implantat beantragt. Daraufhin habe ihr die IV-Stelle am 8. Juni 2006 die Kostengutsprache für ein Hörgerät rechts gemäss Indikationsstufe 3 in der Höhe von CHF 2'915.95 zugesprochen. Die IV-Stelle hab e die Beschwerdeführerin am 11. September 2006 darüber orientiert, dass die Verfü gung vom 12. Mai 2004 dahingehend ersetzt und annulliert würde, als die Kosten für die A bgabe nur eines Mittelohrimplantates über- nommen werde. Daher habe die Beschwerdeführerin keine swegs gutgläubig von einer Kosten- übernahme für die zweite Soundbridge ausgehen dürfen. Es ist unbestritten, dass die IV-Stelle im Jahre 2004 eine Kostengutsprache für zwei Mittelohrim plantate Typ Vibrant Soundbridge verfügt hat. Da die Beschwerdeführerin jedoch nur ein I mplantat einsetzen liess und sich zu- sätzlich für ein konventionelles Hörgerät entschieden hatte, annullierte die IV-Stelle im Septem- ber 2006 die Verfügung vom 12. Mai 2004. Aufgrund di eses Schreibens konnte die Beschwer- deführerin keineswegs davon ausgehen, dass die IV-Stelle das Implantat für sieben Jahre ohne übernehmen würde. Aus den Akten geht denn auch hervor, dass die Beschwerdeführerin und ihr behandelnder Arzt je ein Gesuch am 22. Juni 2011, resp. 26. August 2011 für die Kosten- übernahme für ein zweites Mittelohrimplantat bei der IV-Stelle eingereicht haben. Weshalb der Kostenentscheid vor der Operation nicht abgewartet wurd e, ist nicht nachvollziehbar. Auch auf- grund der relativ langen Zeitspanne zwischen der erste n Operation und der erneuten Anfrage zur Kostenübernahme durfte die Beschwerdeführerin nicht mehr annehmen, die Kosten würden durch die IV-Stelle fraglos übernommen. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass aufgrund d es Ausgeführten die erforderli- chen Voraussetzungen einer Übernahme der Kosten für ei n Mittelohrimplantat für das rechte Ohr der Beschwerdeführerin nicht erfüllt sind und die IV-Stelle die Kosten für ein solches nicht zu tragen hat. Die Beschwerde wird abgewiesen. 6. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor d em kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- festgesetzt und gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessene m Ausmass auferlegt. Im vorliegenden Verfahren ist die Beschwerdeführerin unterlegene Part ei, weshalb ihr Verfahrenskosten in der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Höhe von CHF 600.-- aufzuerlegen sind. Dieser Betrag wird mit dem geleisteten Kostenvor- schuss in der Höhe von CHF 600.-- verrechnet. Die ausserord entlichen Kosten sind wettzu- schlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 600. 00 erhoben. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der H öhe von CHF 600.00 verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. http://www.bl.ch/kantonsgericht