B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-442/2013/wif U r t e i l v o m 4 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren (…), und deren Kind B._______, geboren (…), Kolumbien, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 2. November 2012 / N (…). D-442/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin und ihr Sohn – kolumbianische Staatsangehöri- ge mit aktuellem Wohnsitz in C._______ – ersuchten mit schriftlicher Ein- gabe vom 2. Juli 2011 die Schweizer Botschaft in C._______ ([nachfol- gend: Die Botschaft] Eingang bei der Botschaft am 14. Juli 2011) um Be- willigung der Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl. B. Die Beschwerdeführenden machten im Wesentlichen geltend, zwei Onkel der Beschwerdeführerin – führende Gemeindevertreter, die sich politisch engagiert hätten – seien von der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo (FARC-EP) am (…) und (…) getötet wor- den. In der jüngeren Vergangenheit seien sie bedroht und verfolgt wo r- den. Ein anderer Onkel der Beschwerdeführerin habe im Januar 2010 ein Drohschreiben der FARC -EP erhalten, worin die gesamte Familie auf dem gesamten Hoheitsgebiet Kolumbiens zum Militärz iel erklärt w orden sei. Infolgedessen habe dieser am 15. Januar 2010 St rafanzeige gegen die FARC -EP eingereicht. Seither würden sie ständig den Wohnsitz wechseln und es tunlichst vermeiden, eine Alltagsroutine einkehren zu lassen. So hätten sie von Janu ar 2010 bis Oktober 2010 für jeweils ein paar Monate an verschiedenen Orte n in der Provinz D.______ gewohnt, seien sodann für November und Dezember 2010 in die Provinz E.______ und für Januar und Februar 2011 in die Provinz F.______ gezogen. Seit März 2011 wohnten die Beschwerdeführenden an wechselnden Adressen in C._______. Sie seien nirgends in Kolumbien mehr sicher, wobei sich der Konflikt auch auf die umliegenden Staaten ausgeweitet habe, we s- halb sie für sich, ihre Mutter und deren Mann, ihre Brüder und für den Onkel, dessen Ehefrau und deren Kinder um Asyl ersuche. Sie habe kei- ne Familienangehörigen im Ausland. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden Fot o- kopien der kolumbianischen Identitätskarte der Beschwerdeführerin, die Geburtsurkunde des Sohnes, die Totenscheine der beiden Onkel, den Obduktionsbericht des einen Onkels sowie dessen Bestattungsgenehm i- gung, sowie eine Kopie der am 15. Januar 2010 eingereichten Strafa n- zeige und des im Januar 2010 erhaltenen Drohschreibens zu den Akten. C. Mit Begleitschreiben vom 14. Juli 2011 übermittelte die Botschaft die Ak- ten zuständigkeitshalber an das BFM, wobei ergänzend darauf hingewi e-D-442/2013 Seite 3 sen wurde, dass für die Mutter (N …) und den Onkel (N …) ebenfalls Ver- fahren eröffnet worden seien. D. Mit via die Botschaft zugestellter Zwischenverfügung vom 23. Februar 2012 teilte das BFM den Beschwerdeführenden mit, es erachte den en t- scheidrelevanten Sachverhalt, namentlich aufgrund der schriftlichen B e- gründung des Asylgesuchs und der beigelegten ausführlichen Dokume n- tation als erstellt, weshalb eine Anhörung (recte: Befragung) a uf der Bot- schaft nicht notwendig erscheine. Im Weiteren erwäge das Bundesamt – unter Berücksichtigung der Akten, der zu beachtenden Aspekte und des ihm zukommenden weiten Ermessensspielrau mes – das Asylgesuch der Beschwerdeführenden abzuweisen und ihnen die Einreise in die Schweiz zu verweigern. Insbesondere erachte es die Möglichkeit einer anderweit i- gen Schutzsuche als gegeben. Gleichzeitig räumte das BFM den B e- schwerdeführenden die Gelegenheit ein, sich hierzu innert 30 Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügungen zu äussern, ansonsten aufgrund der b e- stehenden Aktenlage entschieden werde. E. Die Botschaft übermittelte dem Bundesamt mit Schreiben vom 2. April 2012 die bei ihr am 26. März 2012 eingegangene Stellungnahme der Be- schwerdeführenden vom 2. März 2012. Die Beschwerdeführenden führ- ten aus, dass sich die Situation in ihrem Heimatort massiv verschlechtert habe. Im Dezember 2011 habe die FARC -EP die Gemeinde G._______ und ihren Heimatort eingenommen und ihr Haus niedergebrannt. F. Mit durch die Botschaft an die Beschwerdeführenden versandter und ih- nen am 27. November 2012 zugegangener Verfügung vom 2. November 2012 verweigerte ihnen das BFM die Einr eise in die Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, dass der kolumbianische Staat grundsätzlich über eine funktionierende und e f- fiziente Schutzinfrastruktur, insbesondere über einen funktionierenden Polizeiapparat sowie über ein Rechts - und Justizsystem, verfüge. Auch könne die Schutzwilligkeit des Staates als gegeben erachtet werden, da er die Aktivitäten der Guerilla im Rahmen des Möglichen bekämpfe. Die geltend gemachten Drohungen oder Verfolgungsmomente seien nicht persönlich gegen die Beschwerdeführenden gerichtet, da die Beschwer- deführenden auch nicht landesweit bekannte P ersönlichkeiten seien. Es sei deshalb nicht davon auszugehen, dass sie von ihren Verfolgern an e i-D-442/2013 Seite 4 nem beliebigen Ort ausfindig gemacht werden könnten. Es sei nicht von einer akuten Gefährdung der Beschwerdeführe nden auszugehen und es sei ihnen zuzumuten, si ch in eine andere Region Kolumbiens zu beg e- ben, wo die FARC-EP nicht so stark vertreten sei. Aus diesem Grund kön- ne nicht von einer unmittelbaren Gefährdung im Sinne des Asylgesetzes ausgegangen werden, weshalb die Beschwerdeführenden auch nicht des Schutzes der Schweizer Behörden bedürfen. Ferner sei es ihnen möglich und zumutbar, gegebenenfalls in einem anderen Land als der Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise in einem der Nachbarstaaten Kolumbiens, welche sowohl das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) als auch das entspr e- chende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 1967 ratifiziert hätten; besonders nahe Beziehungen zur Schweiz seien in ihre m Asylgesuch nicht geltend gemacht worden. G. Mit am 26. Dezember 2012 bei der Botschaft eingetroffene r und von die- ser an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleiteter spanischsprachiger Eingabe vom 3. Dezember 2012, der eine Übersetzung in Französisch beilag (Posteingang beim Bundesverwaltungsgericht am 29. Januar 2013) erhoben die Beschwerdeführenden gegen die Verfügung des BFM vom 2. November 2012 Beschwerde. Dabei beantragten sie sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Gewährung von Asyl beziehungsweise die Bewilligung der Einreise in die Schweiz. Zur Begründung wurde im Wesen tlichen geltend gemacht, die Auslöschung ihrer gesamten Familie sei das erklärte Ziel der FARC -EP . Die beiden Onkel hätten vor ihrer Ermordung dieselben Drohschreiben erhalten. Die Beschwerdeführerin setze sich, wie auch ihre beiden verstorbenen Onkel, für die Menschenrechte ein, weshalb sie akut gefährdet sei. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden – je- weils in Kopie – die Identitätskarte der Beschwerdeführerin, eine Bestät i- gung der kolumbianischen Behörden vom 8. Juni 2012 betreff end der Registrierung der Beschwerdeführenden im Opferregister sowie eine Bestätigung der kolumbianischen Behörden vom April 2012 betreffend der Registrierung der Beschwerdeführerin und weiterer Familienangehörigen im Register betreffend Schadenersatz für Opfer zu den Akten. D-442/2013 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nic ht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Frage eines Auslieferung s- gesuches stellt sich vorliegend nicht, weil sich d ie Beschwerdeführenden in Kolumbien aufh alten, und demnach das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die bei der Vo rinstanz eingereichten Unterlagen sind nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst (vgl. Art. 70 Abs. 1 der Bundesve r- fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) . Der Beschwerdeschrift wurde eine Übersetzung in französi- scher Sprache beigelegt. Das Bun desverwaltungsgericht hat aus pr o- zessökonomischen Gründen ohne präjudizielle Wirkung vorliegend im Sinne einer begründeten Ausnahme eine interne Übersetzung der in sp a- nischer Sprache verfassten, wesentlichen V orakten und de r auf B e- schwerdeebene eingereichten Beweismittel vorgenommen. Der vorli e- gende Entscheid ergeht in deutscher Sprache (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und ha ben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 D-442/2013 Seite 6 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richter oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten ( Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach verhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wu r- den unter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asy l- gesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen ha l- ten jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änd e- rung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Ar- tikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fa s- sung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bishe- rigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. 3.2 In formeller Hinsicht ist festzuhalten, dass e in Asylgesuch gemäss aArt. 19 AsylG im Au sland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden konnte, die es mit einem Beric ht an das Bundesamt überwies (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ver fahrens bei der schweizer i- schen Vertretung im Aus land sah aArt. 10 der Asyl verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durc h- führe ( aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1). War dies nicht möglich, so wurde die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgr ünde schriftlich festzuhal- ten ( aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Allerdings konnte sich eine Befragung b e- ziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als en t- scheidreif erstellt ers chien; der asylsuchenden Person war aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu e i- nem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). Sodann war das Bundesamt in jedem Fall D-442/2013 Seite 7 gehalten, den Verzicht auf eine Befragung in der anfechtbaren Verfügung zu begründen (BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7). 3.3 Die Beschwerdeführenden wurden von der Vertretung in C._______ nicht mündlich befragt. Sie legten ihre Vorbringen in ihrem Asylgesuch vom 2. Juli 2011 schriftlich dar und dokumentiert en sie unter Beifügung zahlreicher Beweismittel. Ausserdem wurde ihnen mit Zwischenverfügung des BFM vom 23. Februar 2012 das rechtliche Gehör im Hinblick auf die in Erwägung gezogene Abweisung en des Gesuchs gewährt. Davon machten die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 2. März 201 2 Gebrauch. Der Verzicht auf eine Befragung wurde in den angefochtenen Verfügungen begründet, weshalb diesbezüglich das Vorgehen des BFM nicht zu beanstanden ist. 3.4 3.4.1 Für die Beurteilung einer asylrelevanten Verfolgung ist nach der ak- tuell vorhandenen Furcht zu fragen und dabei zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung besteht und begründet ist. Eine erlittene Verfolgung beziehungsweise eine begründete Furcht vor künftiger Ve rfol- gung auf dem ganzen Gebiet Kolumbiens muss grundsätzlich im Zei t- punkt des Asylentscheids aktuell sein. Aus dem verfassungsmässigen Anspruch auf das rechtliche Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV) ergibt sich zwar noch keine Pflicht der Behörden, zu allen im Verfahren vorgetrage- nen Elementen ausführlich Stellung zu nehmen; die Behörden dürfen sich bei der Begründung auf die für den Entscheid wesentlichen Gesicht s- punkte beschränken. Der Untersuchungsgrundsatz betrifft die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes der Strei t- sache. Er fordert aber dort eine eingehende Amtsermittlung, wo es sac h- verhaltsgerecht erscheint. Die urteilende Instanz soll somit in eigener Verantwortung beweismässig die tatsächlichen Geschehnisse und Geg e- benheiten (Urteilsgrundlagen) ermitteln, aus denen sich die Rechtsfolgen ergeben (vgl. dazu FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 206). 3.4.2 Nach Prüfung der Akten fällt auf, dass sämtliche Eingaben und D o- kumente der Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren in spa- nischer Sprache vorliegen. Weder forderte die Vorinstanz die Beschwe r- deführenden unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht auf, für Überse t- zungen der Unterlagen besorgt zu sein, noch kümmerte sie sich selber für die Übersetzung der Unterlagen – und seien es nur deren wesentl i- chen Passagen – nicht einmal in einer zusammenfassenden Kurzversion; D-442/2013 Seite 8 für jemanden, der des Spanischen nicht mächtig ist, ist es unmöglich, sich ein Bild der Akten zu verschaffen. Damit wäre für da s Gericht eine sachgerechte Beurteilung des Sachverhaltes und der angefochtenen Ver- fügungen eigentlich nicht möglich. Aufgrund der einlässlichen , aus- schliesslich spanischen , Ausführungen der Beschwerdeführenden in i h- rem schriftlichen Asylgesuch und den wei teren Eingaben sowie der zah l- reichen eingereichten Beweismittel könnte der Sachverhalt – wie das BFM in den angefochtenen Verfügungen ausführt – als erstellt betrachtet werden. Indessen lässt sich in keiner Art nachvollziehen, aufgrund we l- cher Überlegungen das BFM in dies em ausschliesslich spanischsprachi- gen Gesuch seine Meinung bilden beziehungsweise der mate rielle Ent- scheid ergehen konnte. 3.5 3.5.1 Die Verletzung der Feststellung des richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes respektive die daraus resultierende Verletzung des A n- spruchs auf rechtliches Gehör rührt daher, dass die von den Beschwerde- führenden im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Unterlagen nicht in eine Amtssprache übersetzt wurden, was folglich auf einer unsorgfält i- gen Verfahrensführung beruht. 3.5.2 Es stellt sich die Frage, ob die festgestellte Verletzung geheilt we r- den kann oder ob die angefochtenen Verfügungen kassiert werden mü s- sen. Das BFM ist aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen gehalten, das rechtliche Gehör zu gewähren. Die Aufhebung ein er Verfügung des Bu n- desamtes, welche ohne Einhaltung dieser Verfahrensvorschrift zustande gekommen ist, erscheint dennoch nicht in jedem Fall zwingend (En t- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommiss i- on [EMARK] 1999 Nr. 3 E. 3c; zur P raxis des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die Frage der Heilung von Verfahrensmängeln siehe BVGE 2007/30 E. 8.2 und im gleichen Sinne auch BVGE 2007/27 E. 10.1, wobei gemäss letzterem Entscheid eine Heilung die Ausnahme bleiben soll), so- fern aufgrund der Akten davon ausgegangen werden kann, dass der asylsuchenden Person in materieller Hinsicht kein Nachteil erwachsen ist. Diese Voraussetzung ist gegeben, wenn der entscheidwesentliche Sac h- verhalt aufgrund der schriftlichen Begründung des Asylgesuches un d all- fälliger Beweismittel als hinreichend erstellt zu erachten ist und der asy l- suchenden Person zumindest auf Beschwerdeebene die Möglichkeit o f- fenstand, sich nochmals einlässlich zu ihren Asylgründen zu äussern. Zu- dem sind in den Fällen von Art. 30 Abs. 2 VwVG weitere Ausnahmen D-442/2013 Seite 9 denkbar, namentlich wenn beispielsweise Gefahr im Verzug ist (Art. 30 Abs. 2 Bst. e VwVG). 3.5.3 Das BFM gab den Beschwerdeführenden die Gelegenheit, sich zum absehbaren negativen Entscheid zu äussern. Gleichzeitig geht aus de r angefochtenen Verfügung hervor, dass die Vorinstanz darauf hinwies, dass die zu den Akten gereichten Dokumente am Ausgang des Verfa h- rens nichts zu ändern vermöchten (s. dort Abschnitt II, Ziff. 3). Aufgrund der Art und des Inhalts der Beweismittel sowie des Umstan des, dass von den Beschwerdeführenden in diesem Zusammenhang keine weiterg e- henden Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe gemacht wurden, sind die vom BFM in der Tat zwar pauschal gezogenen Schlussfolgerungen schliesslich nicht zu beanstanden. Sodann kon nten die Beschwerdefüh- renden zu ihrer Beziehung zur Schweiz und in Bezug auf allfällige Vorb e- halte gegen einen Wegzug in eine andere Provinz Kolumbiens respektive in eines der Nachbarländer mehrmals und ausreichend Stellung nehmen. Der rechtserhebliche wesentliche Sachverhalt erscheint, namentlich auch aufgrund der auf Beschwerdestufe eingeholten Übersetzungen, demnach als erstellt. Die mehrfachen Gelegenheiten, ihre Argumente ausführlich darzulegen, nahmen die Beschwerdeführenden zuletzt in ihrer einen un- veränderten Sachverhalt beschlagenden Beschwerdeschrift wahr. Bei dieser Sachlage besteht kein Anlass zu weitergehenden Sachverhaltsa b- klärungen. Es ist davon auszugehen, dass selbst nach Kassation der a n- gefochtenen Verfügungen und der Durchführung eines Schriftenwechsels der bereits bekannte oder ein kaum veränderter Sachverhalt zur Neub e- urteilung durch die Vorinstanz anstehen würde. Demnach ist nicht e r- kennbar, dass den Beschwerdeführenden durch einen materiellen En t- scheid im jetzigen Zeitpunkt ein Nachteil erwachsen würde. 3.5.4 Aufgrund der aktuellen Aktenlage besteht für die Beschwerdefüh- renden somit bloss in formeller Aussicht auf Erfolg; in materieller Hinsicht sind ihre Begehren hingegen als aussichtslos zu qualifizieren. Es rech t- fertigt sich daher, ihr Gesuch auf der Grundlage des bekannten Sachve r- halts materiell endgültig zu beurteilen. Mit diesem Vorgehen wird auch bezweckt, dass die Beschwerdeführenden an ihrem Wohnort wegen de s hängigen Verfahrens in der Schweiz nicht unnötig lange Zeit mögliche r- weise grösseren Gefahren und Risiken ausgesetzt sind (Art. 30 Abs. 2 Bst. e VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht, das in Sachverhalts - und Rechtsfragen volle Kognition hat, kommt vorliegend zum Schluss, dass die Interessen der Beschwerdeführenden an einem schnellen materiellen Entscheid wegen der nicht zu unterschätzenden Gefährdungslage höher D-442/2013 Seite 10 zu gewichten sind als ihre Interessen an der Abwicklung eines in formeller Hinsicht völlig fehlerfreien erstinstanzlichen Verfahrens (Kassation der angefochtenen Verfügungen, Rückversetzung in das erstinstanzliche Ver- fahren, Behebung des formellen Mangels durch die Vorinstanz, ungewi s- ses Datum der neuen Entscheide durch die Vorinstanz). Zudem wäre, wie vorstehend schon erwähnt, wohl ein (neues) erstinstanzliches Verfahren zu erwarten, das wegen unveränderter materieller Sachlage mit grösster Wahrscheinlichkeit wiederum zur Verweigerung der Einreise in d ie Schweiz und zur Abweisung des Asylgesuchs führen würde . Im Sinne e i- ner aufgrund des vorliegenden Sachverhalts begründeten A usnahme ist daher – ohne präjudizielle Wirkung – in materieller Hinsicht zu prüfen, ob das BFM den Beschwerdeführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz verwehrte und ihr Asylgesuch abwies. 4. 4.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 4.2 Bei diesem Entscheid gelten restriktive Voraussetzungen für die Ertei- lung einer Einre isebewilligung, wobei den Behörden ein weiter Erme s- sensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Bezi e- hungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2e-g S. 131 ff.; die dort beschriebene Praxis hat nach bloss redaktionellen Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit). Ausschlaggebend für die Ertei- lung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffe- nen Personen, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Si n- ne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am Auf- enthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärungen zugemutet werden kann. Die Einreise ist aber selbst im Falle einer all fälligen Schutzbedürf- tigkeit zu verweigern, wenn Asylausschlussgründe vorliegen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/10). D-442/2013 Seite 11 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zu nächst zum Schluss, dass grundsätzlich nicht davon ausgegangen werden kann, der kolumbian i- sche Staat verfüge über eine funktionierende und effiziente Schutzinfr a- struktur, insbesondere über einen funktionierenden Polizeiapparat sowie über ein Rechts- und Justizsystem (vgl. Bericht des Human Rights Cou n- cil vom 12. September 2011 "[…] those who take up leade rship roles in the search of justice are frequently targeted by the guerillas, neo-paramili- taries and state actors. Unfortunately, those responsible for these viol a- tions are rarely brought to justice perpetuating a culture of impunity […]" . Aufgrund der von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Bedr o- hung durch Angehörige der FARC -EP kann nicht leichthin davon ausg e- gangen werden, sie könnten sich in einer anderen Region innerhalb K o- lumbiens möglichen Übergriffen diese r Personen entziehen. Dennoch kann die Einschätzung der Vorinstanz bezüglich der akuten, unmittelb a- ren Gefahr, der die Beschwerdeführenden in Kolumbien ausgesetzt sind, geteilt werden. Aufgrund der Akten besteht nämlich kein Anlass zur A n- nahme, es handle sich bei ihnen um bekannte Persönlic hkeiten, welche aufgrund einer exponierten Stellung gegebenenfalls auch über die La n- desgrenzen hinaus mit Nachstellungen zu rechnen hätten. 5.2 Die Vorinstanz stellte ferner zutreffend fest, die Beschwerdeführenden hätten in ihren Gesuchen keine besonders nah en Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht. Dieser Sachverhaltsumstand ist denn auch un- bestritten. Im Weiteren erwog das BFM zu Recht, dass es den Beschwer- deführenden bei dieser Sachlage nach konstanter Rechtsprechung zu- zumuten sei, in einem anderen, Kolu mbien geografisch, kulturell und sprachlich näher liegenden südamerikanischen Land um Asylge währung nachzusuchen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind beispielsweise die Nac h- barstaaten Brasilien, Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als auch d es betreffenden Zusatzprotokolls vom 31. Januar 1967; Venezuela wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht ratifiziert, wohl aber das Protokoll. Diese Länder verfügen mit Ausnahme Venezuelas über ein eigenes, gesetzlich geregeltes Verfahren zur Anerkennun g von Flüchtlingen. Zudem halten sie sich gemäss den Erkenntnissen des Bu n- desverwaltungsgerichts grundsätzlich a n das Gebot des Non -Refoule- ment von Art. 33 FK, auch wenn als Einschränkung festgestellt werden muss, dass es in den Grenzgebieten – insbesondere in denjenigen zu Panama und Venezuela – in den letzten Jahren zu unkontrollierten Rüc k- schiebungen durch die Grenzbehörden gekommen ist. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche spricht D-442/2013 Seite 12 im Weiteren die Möglichk eit der visumsfreien Einreise nach Brasilien, Ecuador und Peru sowie der Umstand, dass jährlich mehrere tausend ko- lumbianische Staatsangehörige in den Nachbarländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort zu einem beträchtlichen Teil auch ta tsächlich als Flüchtlinge anerkannt werden. Insgesamt ergeben sich keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, es sei de n Be- schwerdeführenden praktisch unmöglich oder objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat – insbesondere in einen der Nach barstaaten Ko- lumbiens – zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 und 1997 Nr. 15). 5.3 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob d ie Beschwer- deführenden in Kolumbien tatsächlich einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sind oder sich allenfa lls den geltend gemachten Drohungen seitens der Verfolger durch eine innerstaatliche Wohnsitzve r- legung dauerhaft entziehen könnten. 5.4 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Be- schwerdeführenden aufgrund der Akten über keine konkrete Beziehungs- nähe zur Schweiz verfüg en, hingegen die Möglichkeit der anderweitigen Schutzsuche haben. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz gestützt auf das Subsidiaritätsprinzip den Beschwerdeführenden zu Recht die E r- teilung einer Einreisebewilligung verweigert und d as Asylgesuch abg e- wiesen. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung bezüglich der unrichtigen Feststellung des rechterheblichen Sachverhalts respektive der daraus resultierenden Verletzung des rechtlichen Gehörs Bundesrecht verletzt. Das Bundesverwaltungsgericht kommt aber zum Schluss, dass vorliegend aufgrund der speziellen Situation ein schneller materieller Entscheid höher zu gewichten ist als (sich zwangsläufig über eine gewisse Zeit hinz iehendes) Kassationsverfahren. Der rechtserhebli- che Sachverhalt ste ht korrekt und vollständig fest und die angefochtene Verfügung erweist sich im Ergebnis als angemessen (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich de n Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Aus verwaltungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom D-442/2013 Seite 13 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend auf die E r- hebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-442/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Den Beschwerdeführenden werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige schweizerische Vertretung. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: