Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Juni 2012 (720 12 73 / 153) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente (Würdigung des medizinischen Sachverhaltes) Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch B runo Muggli, Advokat, Hauptstrasse 53, Postfach 564, 4127 Birsfelden gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1983 geborene, zuletzt als Personalberater bei der B.____ AG tätig gewesene A.____ meldete sich am 26. Mai 2010 unter Hinweis auf einen „Hörsturz, Taubheit auf der rech- ten Seite, Schwindel und Druck im Kopf“ bei der Eidge nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem sie die gesundheitlichen u nd die erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte die IV-Stelle Basel-Landsc haft beim Versicherten einen Invaliditäts- grad von 25 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte die IV-Stelle - nach Durchführung des Vor- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bescheidverfahrens - mit Verfügung vom 7. Februar 2012 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokat Bruno Muggli n amens und im Auftrag von A.____ am 24. Februar 2012 Beschwerde beim Kantonsge richt, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ein interdisziplinäres Gutachten anzuordnen, welche s sich über die Arbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers mit Blick auf die geklagten Schmerzen (Druck im Kopf) äussere. Eventualiter sei der Fall an die Vorinstanz zurückzuweisen mit dem Au ftrag, ein interdisziplinäres Gutachten betreffend die geklagten Schmerzen (Druck im Kopf) erst ellen zu lassen und weitere Abklärun- gen vorzunehmen, insbesondere die Arbeitsfähigkeit anha nd der Einvernahme des Arbeitge- bers zu objektivieren. Zudem sei die Auftragserteilung u nd Fragestellung für das interdisziplinä- re Gutachten dem Beschwerdeführer im Sinne der Gewähr ung des rechtlichen Gehörs zu un- terbreiten; alles unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 11. April 2012 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 24. Februar 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Bei den medizinischen Akten des vorliegenden Falles finden sich zahlreiche Arztberichte verschiedenster Fachrichtungen, die sich zum Gesundheitszustan d und - zumindest teilweise - zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten äussern. Zu erwähnen sind etwa die Berichte von Dr. med. C.____, Oto-Rhino-Laryngologie FMH, vom 25. September 2009, von Prof. Dr. med. D.____, Neurologie FMH, vom 5. November 2009 und 2. Dezember 2009, von Dr. med. E.____, Augenarzt FMH, vom 24. November 2009, von Dr. med. F. ____, Innere Medizin, Endokrinolo- gie/Diabetologie FMH, vom 21. Januar 2010, von Dr. me d. G.____, Neurologie FMH, vom 10. Februar 2010, der Klinik H.____ vom 15. Juni 2010 und mehrere Berichte des Hausarztes Dr. med. I.____, Allgemeine Medizin FMH. Diesen Berich ten kann übereinstimmend entnom- men werden, dass sich für den vom Versicherten geklagten persistierenden “Druck im Kopf“ keine organische Ursache hat finden lassen. 5.2 Seit 31. Mai 2010 ist der Beschwerdeführer bei Dr . med. K.____, Psychiatrie und Psy- chotherapie FMH, in Behandlung. Dieser diagnostizierte in seinen Berichten vom 12. Oktober 2010 und 15. Januar 2011 beim Versicherten eine anhal tende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Der Versicherte sei deswegen seit 31. Mai 2010 bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig. 5.3 Da die vorstehend genannten Berichte nach Auffassung der IV-Stelle keine abschlies- sende Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbe itsfähigkeit des Versicherten zulies- sen, entschloss sich die IV-Stelle, zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhaltes bei Dr. med. L.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein psychiatrisches Gutachten in Auf- trag zu geben, welches dieser am 24. Oktober 2011 ersta ttete. Darin hielt der Experte als Diag- nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine somatoforme Störung (ICD-10 F45.8) bei Sta- tus nach anhaltender Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und bei rechtsseitigem Gehörverlust fest. Anlässlich der Begutachtung habe der Explorand angegeben, dass der “Druck im Kopf“ im Vor- dergrund der Beschwerden stehe. Dieser sei wechselnd ausg eprägt und dauerhaft spürbar. In seiner Beurteilung gelangte Dr. L.____ zur Auffassung, dass die diagnostischen Kriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung nicht (mehr) ausreichend erfüllt seien. Die Aus- prägung der Störung sei objektiv als maximal leicht einzu stufen; sie erkläre auch die geringe depressive Verstimmung. Zusammenfassend sei somit von einer somatoformen Störung (ICD- 10 F45.8) auszugehen. Diese begründe aus medizinischer S icht „keine relevante (>20 % von 100 %) längerfristige Arbeitsunfähigkeit.“ Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Gemäss den vorstehend wiedergegebenen Diagnosen lei det der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht entweder laut der Einschätzung des be handelnden Arztes Dr. K.____ an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) oder aber gemäss der Diag- nose des Gutachters Dr. L.____ an einer somatoformen S törung (ICD-10 F45.8). In diesem Zusammenhang gilt es festzuhalten, dass diese beiden Diagnosen als solche noch keine Invali- dität begründen. Vielmehr besteht nach der bundesgerich tlichen Rechtsprechung eine Vermu- tung, dass die genannten Leiden oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die ver- sicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang m it den Schmerzen notwendigen Res- sourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, en tscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Festst ellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgeben d sein können auch weitere Fak- toren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ei n mehrjähriger, chronifizierter Krank- heitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Sym ptomatik ohne länger dauernde Rückbil- dung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; e in verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlas- tenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Schei- tern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder s tationären Behandlung (auch mit un- terschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (BGE 130 V 352). Je mehr dieser Kriterien zutreffen u nd je ausgeprägter sich die entsprechen- den Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zu- mutbare Willensanstrengung zu verneinen (U LRICH MEYER -BLASER , Der Rechtsbegriff der Ar- beitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialver sicherung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gallen 2003, S. 77; BGE 131 V 50 f.). 6.2 Der Experte Dr. L.____ hat sich in seinem Gutachte n anhand der genannten Kriterien ausführlich mit der Frage auseinander gesetzt, ob dem Versicherten die Schmerzüberwindung zumutbar sei. Gestützt auf seine Untersuchungen ist er dabei zur Auffassung gelangt, dass dies der Fall sei. So werde eine Komorbidität von erhebli cher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer in den Akten aus psychiatrischer Sicht ausdrücklich verne int und eine solche sei auch anlässlich seiner aktuellen Untersuchung nicht zu erkennen gewesen. Die Teilnahme am sozia- len Leben sei, wenn auch subjektiv beeinträchtigt, nicht in allen Belangen des Lebens krank- heitsbedingt wesentlich behindert. So lägen z.B. regelmässige berufliche und soziale Aktivitäten vor. Schliesslich könne auch ein verfestigter, therapeuti sch nicht mehr angehbarer innerseeli- scher Verlauf einer Konfliktbewältigung solange nicht angenommen werden, als beim Exploran- den bislang die therapeutischen Massnahmen nicht weitgeh end ausgeschöpft worden seien. Schliesslich sei im Fall des Versicherten auch eine fehlen de Kapazität zur Verarbeitung inner- psychischer Konflikte nicht begründbar. 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 7. Februar 2012 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähi gkeit des Versicherten auf die Er- gebnisse, zu denen Dr. L.____ in seinem psychiatrischen Gu tachten vom 24. Oktober 2011 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelangt ist. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Besch werdeführer die Ausübung einer adaptierten Tätigkeit, d.h. einer Arbeit, in welcher kein Richtungshören notwendig sei, vollum- fänglich zuzumuten sei. Diese Beurteilung der Vorinsta nz ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen de s Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Der Gutachter hat den Versicherten eingehend unter- sucht, er geht in seinem ausführlichen Bericht einlässlich auf dessen Beschwerden ein, er ver- mittelt dadurch ein umfassendes Bild über den Gesundheit szustand und er nimmt eine schlüs- sige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vor . Zudem setzt er sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinand er, insbesondere zeigt er ausführlich und nachvollziehbar auf, dass und weshalb das Leiden des Versicherten als somatoforme Stö- rung (ICD-10 F45.8) und nicht - wie vom behandelnden Psychiater postuliert - als anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) zu qualifizie ren ist. Schliesslich legt er auch überzeugend dar, dass der Beschwerdeführer über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt und ihm deshalb die Schmerzüberwindung zumutbar ist. 7.2 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geeign et, die ausschlaggebende Beweis- kraft des Gutachtens von Dr. L.____ in Frage zu stellen. Insbesondere kann der Versicherte aus der abweichenden Einschätzung der Arbeitsfähigkei t durch den behandelnden Psychiater Dr. K.____ nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dieser atte stiert dem Versicherten, wie oben ausgeführt, seit 31. Mai 2010 und bis auf Weiteres ei ne vollständige Arbeitsunfähigkeit. Bei der Würdigung dieser Beurteilung kann man sich jedoch des E indrucks nicht erwehren, dass sich Dr. K.____ letztlich durch die subjektive Einschätzung des Beschwerdeführers hat leiten lassen, der sich selber nicht mehr bzw. nur in sehr geringem Au smass für arbeitsfähig hält. Gemäss den schlüssigen Ausführungen des Gutachters Dr. L.____ lä sst sich diese (Selbst-) Einschät- zung aber aus medizinischer Sicht nicht objektivieren. Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer, dass im Rahmen der Abklärung des Rentenanspruchs auch sei n (neuer) Arbeitgeber hätte be- fragt werden müssen. Dieser könne bestätigen, dass dem Versicherten „eine höhere Belastung als 20 %“ nicht zumutbar sei. Auf diese Einschätzung kann a ber ebenfalls nicht abgestellt wer- den. Der Beschwerdeführer übersieht, dass nach der bun desgerichtlichen Rechtsprechung die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitss chaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit grundsätzlich dem begutachtenden Arzt und nicht den Fachleuten der Be- rufsberatung bzw. der beruflichen Eingliederung oder gar dem Arbeitgeber obliegt (Urteil S. des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_332/2009, E. 3.4; vgl. auch E. 4.1 hiervor). 7.3 Lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen nach dem Gesagten eine zuverläs- sige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu, so kann sowohl auf die vom Beschwerdeführer beantra gte Anordnung eines interdis- ziplinären Gutachtens als auch auf die von ihm als notwe ndig erachtete Befragung seines Ar- beitgebers verzichtet werden. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pfl icht der Behörde zur Beweisabnahme. Be- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht weise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs in dessen nur über jene Tatsa- chen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, da ss die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend ab- geklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzich tet werden. Die damit verbundene an- tizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgeri chtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8. Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hi ervor), ist der Invaliditätsgrad bei er- werbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergle ichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfü gung vom 7. Februar 2012 den erforderli- chen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anha nd der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 73'500.-- und des zumutbaren Invalideneinkommens von Fr. 55'247.-- einen Invaliditätsgrad von 25 % ermitt elt. Die konkrete Berechnung erweist sich grundsätzlich als rechtens, weshalb diesbezüglich auf die en tsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 7. Februar 2012 verwiesen werden kann. Fragen kann man sich einzig, ob vorliegend bei der Bemessung des Invalidene inkommens überhaupt ein Abzug vom Tabellenlohn (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hin weisen und 124 V 322 E. 3b/aa) vorzu- nehmen ist. Die IV-Stelle hat dem Versicherten einen solchen in der Höhe von 10 % gewährt. Wie es sich damit verhält, kann letztlich aber offen blie ben, führt der Einkommensvergleich in jedem Fall doch zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von weniger als 40 %. 9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle e inen Rentenanspruch des Versi- cherten zu Recht abgelehnt hat. Die gegen die betreff ende Verfügung vom 7. Februar 2012 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht