Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. September 2016 (725 16 52 / 215) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Die Angelegenheit ist zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen an die Vor- instanz zurückzuweisen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Basler Versicherung AG , Aeschengraben 21, Postfach , 4002 Basel , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Manfred Bayerdörfer, Ad- vokat, Rathausstrasse 40/42, 4410 Liestal Betreff Leistungen A. Die 1969 geborene A.____ arbeitete seit Januar 2 009 bei der Basellandschftlichen Kan- tonalbank und war damit bei der Basler Versicherung AG (BASLER) unfallversichert. Am 5. Mai 2009 erlitt A.____ nach einem Fehltritt beim Trampo linspringen eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) am linken Knie. Am 16. Juni 2009 wurde eine Arthroskopie, eine VKB- Rekonstruktion sowie eine partielle mediale Meniske ktomie am linken Knie von A.____ vorge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nommen. Die Rehabilitation verlief problemlos. Die Basler Versicherung AG (BASLER) erbrach- te die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilbehandlu ng und Taggeld) bis zur Wiederher- stellung der vollständigen Arbeitsfähigkeit per 20. Juli 2009. Am 4. Februar 2014 erstattete A.____ wegen erneuter Kniebeschwerden eine Rückfallmeldung. Nach Vornahme der medizinischen Abklärungen lehnte die BASLER eine Leistungspflicht für den gemeldeten Rückfall mit Verfügung vom 22. April 2 015 ab. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die BASLER mit Entscheid vom 14. Januar 2016 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat D aniel Altermatt, mit Schreiben vom 15. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, der Ei nspracheentscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen auch für den Rückfall vom 14. Januar 2014 zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 27. März 2015 beantragte die BASLER, vertreten durch Advokat Dr. Manfred Bayerdörfer, die Abweisung der Beschwerde. D. A.____, wiederum vertreten durch Daniel Altermatt, hielt mit Replik vom 20. Juni 2016 an ihren Rechtsbegehren fest. E. Mit Schreiben vom 14. Juli 2016 hielt die BASLER durch ihren Rechtsvertreter an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in B.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit . a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80% des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). 2.2 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallvers icherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tat bestände dar (Art. 22 UVG; BGE 127 V 457 E. 4b, 118 V 297 E. 2d). Bei einem Rückfall ha ndelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärzt licher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spät folgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen kö nnen. Rückfälle und Spätfolgen schlies- sen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an (Kranken- und Unfallversicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 3. Zwischen den Parteien ist vorweg strittig und zu prüfe n, ob die im Jahr 2009 festge- stellte und am 16. Juni 2009 arthroskopisch behandelte Meniskusläsion mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Folge des Ereignisses vom 5. Mai 2 009 (Fehltritt beim Trampolinsprin- gen) darstellt. Sollte diese Frage bejaht werden, wäre zusätzlich zu prüfen, ob auch die Kausali- tät zwischen der damals erlittenen Meniskusläsion und den nun geltend gemachten Kniebe- schwerden (Rückfallmeldung vom 4. Februar 2014) zu bej ahen ist. Unbestritten ist dagegen, dass die vorliegend zur Diskussion stehenden Kniebeschwerden nicht auf die damals (5. Mai 2009) erlittene Ruptur des vorderen Kreuzbandes bzw. au f die erfolgreich verlaufene Bandre- konstruktion zurückzuführen sind. 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein getretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des na türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliege nden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu befinden Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Da ein Rückfall begrifflich an ein bestehendes Unfa llereignis anschliesst (vgl. E. 4.1 hiervor), kann er eine Leistungspflicht des Unfallversich erers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerze it beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher Kausalzusammenhang b esteht (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Dab ei gilt es klarzustellen, dass der Unfall- versicherer in Bezug auf den geltend gemachten Rückfall nicht auf der Anerkennung des natür- lichen Kausalzusammenhangs beim Grundfall behaftet wer den kann, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. Es oblieg t vielmehr der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen de m neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je grösser der zeitliche Ab stand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung is t, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusa mmenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c in fine). Bei Beweislosigke it fällt der Entscheid zu Lasten der versi- cherten Person aus (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Jul i 2010, 8C_113/2010, E. 2.3; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 5.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie insbeso ndere der Feststellung natürli- cher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist di e rechtsanwendende Behörde re- gelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind ( BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der E rfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic he Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussag en. Bei der Abschätzung des Beweis- werts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswür digung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und um- fassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft w ertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Beha ndlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsg utachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die beh andelnden Ärzte zu anderslauten- den Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und n icht rein subjektiver ärztlicher Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un- gewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 51 4/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Für die Beurteilung der Unfallkausalität sind im We sentlichen folgende ärztliche Berich- te zu berücksichtigen: 6.1 Aus dem Verlaufseintrag von PD Dr. med. C.____, FMH Orthopädie, Chirurgie und Traumatologie, Hirslandenklinik, vom 5. Mai 2009 ergeb en sich folgende Diagnosen: Verdacht auf VKB-Läsion, mediale Meniskusläsion und Zerrung des m edialen Seitenbandes Knie links nach Hyperextensions-Valgisationstrauma vom 5. Mai 2009. 6.2 Am 6. Mai 2009 hielt PD Dr. C.____ eine VKB-Rup tur nach Hyperextensionstrauma vom 5. Mai 2009 sowie eine vertikale Rissbildung am Hint erhorn des medialen Meniskus, Knie links, fest. In seinen Angaben zum Prozedere führte er unter anderem aus, aufgrund der sportli- chen Aktivität einerseits und der Begleitverletzungen m it Knorpelläsionen am medialen Femur- kondylus sowie einer Hinterhornläsion des medialen Meni skus, welche vermutlich nicht durch den Unfall indiziert worden sei, sei die Indikation zur VKB-Rekonstruktion gegeben. 6.3 Im Arthroskopie- und Operationsbericht vom 16. Juni 2009 führte PD Dr. C.____ im Wesentlichen aus, es zeige sich ein femoral abgerissene s vorderes Kreuzband und ein dorsal abgerissener Lappenriss; die Risszone lasse sich wohl nähen, werde aber nicht anheilen. Des- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht halb werde entschieden, eine sparsame Teilmeniskektomie durchzuführen. Die eher degenera- tiv aussehenden Knorpelschäden am Kondylus gegen die Notch hin würden unberührt gelas- sen. Gegen das laterale Vorderhorn hin zeige sich eine Knorpelläsion Grad I-II. 6.4 Nachdem sich die Beschwerdeführerin fünf Jahre spät er wegen erneuten Schmerzen im Knie wieder in ärztliche Behandlung begeben hat, b erichtete Dr. med. D.____, FMH Radio- logie, am 27. Januar 2014 von einer MRI-Untersuchung. Er führte dazu aus, dass eine intakte Plastik des vorderen Kreuzbandes sichtbar sei. Ferner würden eine Chondropathie bis 3° medi- al femoropatellar und an der Patella medial, eine m ediale Meniskusextrusion, am Hinterhorn eine Fissur und zur Wurzel hin eine komplexere Degenera tion und ausserdem ein Kapselscha- den, vermutlich Narbenbildung medial, vorliegen. 6.5 Am 25. Februar 2014 wurde eine Dreiphasenskelett szintigraphie mit SpectCT angefer- tigt. In der Beurteilung hielt Dr. med. E.____, FMH Radiologie, fest, dass deutliche Zeichen ei- ner medialen Überlastung mit Aktivierung des medialen Kompartiments im linken Knie sichtbar seien, ferner eine geringgradige leicht aktivierte medialbetonte Femoropatellararthrose. 6.6 In seinen Berichten vom 30. April, 15. Mai und 1 . Juli 2014 führte PD Dr. C.____ aus, dass die Überlastung des medialen Kompartiments klar die Folge der Knieverletzung und der medialen Teilmeniskektomie bei Status nach Knieverletzun g vor Jahren und nachfolgender Operation sei. Es werde daher eine Rückfallmeldung an die Unfallversicherung erfolgen. 6.7 Die BASLER beauftragte nach erfolgter Rückfallmel dung Dr. med. F.____, FMH Or- thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsa pparates, mit der Erstellung eines Aktengutachtens zur Frage der Unfallkausalität der aktuel len Beschwerden. Mit Gutachten vom 20. März 2015 gelangte Dr. F.____ zum Ergebnis, dass sow ohl degenerative Veränderungen am Innenmeniskus-Hinterhorn als auch an den Gelenkfläche n des linken Knies überwiegend wahrscheinlich vorbestehend gewesen seien. Dies ergebe sich aus der MRI-Untersuchung vom 6. Mai 2009 sowie aus der Operation vom 16. Juni 200 9. Bei der Operation habe man zusätz- lich den leichten offenbar ebenfalls degenerativen S chaden am Vorderhorn des Aussenmenis- kus gefunden. Die vorbestehenden degenerativen Verände rungen am Innenmeniskus würden sich bei den bildtechnischen Nachuntersuchungen im Jahre 2014 stärker ausgeprägt zeigen als 2009. Diese Veränderungen seien offensichtlich der Ausl öser für die erneuten Beschwerden im Januar 2014 gewesen. Unfallkausal sei einzig die Ruptur des vorderen Kreuzbandes gewesen. Die bei der Operation im Jahr 2009 eingesetzte Kreuzb andplastik sei aber nach wie vor intakt und ohne kausalen Konnex zu den heutigen Beschwerden. Es sei zwar richtig, dass durch die Teilentfernung des Innenmeniskus das Fortschreiten von d egenerativen Prozessen im Kniege- lenksbereich gefördert werden könne. Da aber der Lappenriss des Innenmeniskus-Hinterhornes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als vorbestehender Schaden anzusehen sei, hätten im Januar 2014 und auch später keine sonstigen unfallbedingten und behandlungsbedürftigen Ge- sundheitsstörungen vorgelegen. 6.8 PD Dr. C.____ nahm mit Schreiben vom 9. Juni 2015 zum Gutachten von Dr. F.____ zu Handen der Rechtsschutzversicherung der Beschwerdeführeri n Stellung. Die Frage, ob er Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich Dr. F.____ anschliessen könne, müsse er verneinen. Z ur Begründung führte er einerseits den Operationsbericht vom 16. Juni 2009 an. Die damals vorliegende Knorpelläsion habe sich eindeutig am medialen Femurkondylus an dem Teil befun den, der mit der medialen Eminentia artikuliert sei, also nicht in der eigentlichen Belastun gszone, die mit dem medialen Meniskus artikuliere. Heute, sechs Jahre später, würden sich Knorp elläsionen und eine mediale Überlas- tung genau in der Zone finden, in der der mediale M eniskus funktionell nach der medialen Teil- meniskektomie fehle. Andererseits zeige das SpectCT vom 2 5. Februar 2014 eine punktuelle Überlastung genau in der Zone, in der durch den Unfa ll der Meniskus verletzt und leider zum Teil vor sechs Jahren habe entfernt werden müssen. Dieje nige Zone, die damals die Knorpel- schäden gezeigt habe, nämlich am medialen Femurkondylus ge gen die Eminentia hin, sei bio- logisch vollständig ruhig. 6.9 In seinem ergänzenden Gutachten vom 18. Dezember 20 15 nahm Dr. F.____ zu den Ausführungen von PD Dr. C.____ Stellung und führte i m Wesentlichen aus, dass dieser den Lappenriss am Meniskus im Jahr 2009 selbst als vermutlich dege nerativ bedingt beurteilt habe. Der Lappenriss sei noch kein Beweis dafür, dass der Riss un fallbedingt aufgetreten sei. Es sei zwar plausibel, dass die heutigen Knorpelschäden auf die Teilentfernung des Innenmeniskus zurückzuführen seien, da die Teilentfernung aber überwi egend wahrscheinlich wegen eines degenerativen und nicht unfallbedingten Meniskusschadens erfolgt sei, stünden die heutigen Beschwerden in keinem kausalen Zusammenhang mit dem damaligen Unfallschaden. 6.10 Prof. C.____ führte mit Schreiben vom 30. Juni 2016 an den Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin aus, er habe die Äusserung seiner Assistenzärztin im Anschluss an die ambu- lante Kontrolle auf der Notfallstation am 6. Mai 200 9, dass eine Hinterhornläsion des medialen Meniskus vorliege, welche vermutlich nicht durch den Unfall indiziert worden sei, dummerweise mitunterzeichnet. Im MRT vom 6. Mai 2009 sei vom Radiologen eine klaffende vertikale Rissbil- dung des Hinterhornes des medialen Meniskus beschrieben wor den. Entscheidender und sehr viel aussagekräftiger als ein radiologischer Befund und eine Vermutungsäusserung einer Assis- tenzärztin auf der Notfallstation seien arthroskopische Bilder. Auf diesen sei ein klaffender Lap- penriss erkennbar. Eine derartige Rissbildung unterscheide sich grundlegend von einer degene- rativen Läsion. Sowohl der MRT-Befund als auch der int raoperative Arthroskopie-Befund wür- den klar in Richtung einer traumatischen Läsion weisen. 7.1 Die vorliegenden ärztlichen Berichte decken sich dahing ehend, dass die aktuellen Schmerzen durch eine Überlastung des medialen Kompartim ents verursacht werden und dass diese Überlastung auf die Teilentfernung des Innenmeniskus im Jahr 2009 zurückzuführen sei. Strittig bleibt die Kernfrage, ob die Meniskektomie i m Jahr 2009 wegen einer Unfallschädigung des Meniskus oder wegen einer vorbestehenden degenerativ en Schädigung indiziert war. In dieser Frage gehen die Einschätzungen von Dr. F.____ u nd Prof. C.____ diametral auseinan- der. Dr. F.____ begründet die vorbestehende degener ative Schädigung damit, dass im Bericht von Prof. C.____ vom 6. Mai 2009 ebenfalls von einem ve rmutlich nicht unfallindizierten Riss ausgegangen werde und dass auch in anderen Bereichen des Gelenks degenerative Knorpel- schäden sichtbar seien. Prof. C.____ entgegnet, dass die V ermutungsäusserung von einer As- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sistenzärztin stamme und unzutreffend sei; vielmehr sei a ufgrund der Rissbildung, wie sie sich auf dem MRT und den Arthroskopie-Bildern präsentiere, klar von einer traumatischen Läsion auszugehen. Beide Seiten verweisen ausserdem auf Litera turhinweise. Dr. F.____ führt einen Artikel über Meniskuserkrankungen an, demzufolge degenera tive Meniskusverletzungen am häufigsten zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr beobachtet würden. Dabei handle es sich um einen vorzeitigen Verschleiss ohne nachweisbares Trauma, begleitet von Horizontal-, Lappen- oder Komplexrissen. Prof. C.____ verweist auf ein Lehrbu ch zur MRT-Differentialdiagnostik, in welchem ausgeführt wird, dass sich traumatische und degen erative Risse gut differenzieren liessen. Traumatische Risse würden sich bevorzugt bei jüngeren Patienten nach einem adäqua- ten Trauma finden lassen und seien charakteristischerweise vertikal ausgerichtet. Degenerative Risse würden eher bei älteren Patienten in Verbindung mit arthrotischen Strukturalterationen des Kniegelenkes auftreten und seien aufgrund der erhö hten Vulnerabilität des degenerierten Meniskusgewebes eher horizontal ausgerichtet. 7.2 Die Beschwerdeführerin war im Zeitpunkt des Ereign isses im Mai 2009 40-jährig und damit noch nicht eindeutig als ältere Person im medizi nischen Sinne zu qualifizieren. Ferner wurde der Meniskusschaden im Anschluss an einen Unfall diagnostiziert und ausserdem ist der Einriss am Meniskus vertikal, was ebenfalls für eine unfallk ausale Schädigung spricht. Eher auf eine degenerative Schädigung weist die Tatsache hin, d ass andere Teile des Gelenks bereits damals degenerative Knorpelschäden aufgewiesen haben . Zudem gibt es offensichtlich auch Lappenrisse, die degenerativ bedingt sind. Prof. C.____ begründet die Unfallkausalität nun hauptsächlich damit, dass auf dem MRT und den Arthroskop ie-Bildern der unfalltypische Cha- rakter der Rissbildung klar erkennbar sei und Dr. F.____ die Bilder selbst nicht gesehen habe, sondern sich ausschliesslich auf die Befundung der Bilder a bgestützt habe. Dies wird von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten. Sollte nun Dr. F. ____ tatsächlich die Bilder selbst nicht gesehen haben, wovon ausgegangen werden muss, und sollt e es grundsätzlich – wie behaup- tet – möglich sein, anhand des vorhandenen bildgebenden Materials die Genese dieser Schä- digung zu eruieren, so liegt ein Abklärungsdefizit in B ezug auf den wesentlichen medizinischen Sachverhalt vor. Folglich ist bei der vorliegenden Sachlage nicht auszuschliessen, dass mit wei- teren Abklärungen zusätzlich relevante Erkenntnisse zur Unfallkausalität zu gewinnen sind. 8. Insgesamt ergibt sich somit, dass bei der vorliegenden Sachlage der Fall an die Vo- rinstanz zurückzuweisen ist, damit diese bei einem versicherungsexternen Orthopäden ein Gut- achten zur Abklärung der möglichen Unfallkausalität einholt. In diesem Sinne ist die vorliegende Beschwerde gutzuheissen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Beschwerdeführerin als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusp rechen. Der in der Honorarnote vom 8. August 2016 für das vorliegende Verfahren gelten d gemachte Zeitaufwand von insge- samt 11.75 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich ste llenden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann di e in der Honorarnote ausgewie- senen Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 78.50. Ebe nso sind die der Beschwerdeführerin entstandenen Kosten für das Honorar von Prof. C.____ für dessen Bericht vom 30. Juni 2016 in der Höhe von Fr. 200.-- zu ersetzen. Der Beschwerdefü hrerin ist deshalb eine Parteientschädi- gung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 3‘457.25 (11.75 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 78.50 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer und Fr. 200. -- für den Bericht von Prof. C.____ vom 30. Juni 2016) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Ein- spracheentscheid der Basler Versicherung AG vom 14. Janua r 2016 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewies en wird, damit sie, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwä gungen, über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Basler Versicherung AG hat der Beschwerdeführeri n eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘457.25 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer auf den Betrag von Fr. 3‘016.--) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht