B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5410/2011/mel U r t e i l v o m 1 6 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Markus König, Richter Bendicht Tellenbach; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Gabriella Tau, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. August 2011 / N (…). D-5410/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführe rin Sri Lanka am (…) 2011 (…) zusammen mit ihrem Sohn und gelangte am 27. Mai 2011 in die Schweiz, wo sie am selben Datum ein Asylgesuch stellte. Am 7. Juni 2011 führte das BFM die Summarbefragung durch. Die Anhörung fand am 3. August 2011 statt. A.b Die Beschwerdeführerin – eine Tamilin – legte dar, aus C._______ (D._______) zu stammen. Sie habe als Kassiererin in Lebensmittelläden gearbeitet. Im Jahr 20 06 habe sie geheiratet. Sie und ihre Angehörigen hätten unter den eskalierenden Kriegshandlungen ge litten. Ihr Ehemann (…) sei am (…). Mai 2009 in E._______ durch die Sicherheitskräfte abge- führt worden. Man habe ihn (…) verdächtigt, die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu unterstützen und beim Kampf verwundet worden zu sein. Sie sei geschla gen worden und habe ihren Ehemann seither nie mehr gesehen. Sie sei im F._______ in G._______ bei H._______ unter- gekommen. Dort hätten schlimme Zustände geherrscht. Am (…) 2009 sei sie von Angehörigen des Criminal Investigation Department (CID) unter dem Vorwand, sie zu ihrem Mann zu bringen, mitgenommen worden. Sie sei schwerst misshandelt und vergewaltigt worden. Anschliessend sei sie unter Todesdrohungen ins Lager zurückgebracht worden. Der Arzt im L a- ger habe sie am (…). Mai 2009 ins Spital H._______ bringen lassen, oh- ne sie offi ziell aus dem Lager zu entlassen. Im Spital sei sie aber durch CID-Leute eingeschüchtert worden, weshalb sie sich in der Folge mit der Unterstützung eines Familienfreundes an verschiedenen Orten aufgehal - ten habe. Bei einem erneuten Aufenthalt im Spital H._______ sei sie vom CID offiziell zu einer Befragung aufgeboten worden. Aus diesem Grund habe sie der Freund aus dem Spital wi eder weggebracht. Bei Kontrollen durch das CID sei sie immer wieder bedroht worden. Ihre Verletzung am Fuss habe den Argwohn der Sicherheitskräfte geweckt. Ihre Flucht aus dem Camp sei nicht allen kontrollierenden CID -Beamten bekannt gewe- sen, weshalb sie sich mit einer g efälschten ID-Karte mit einer I._______ habe ausweisen können. Im Januar 2011 habe man sie bei einer Kontro l- le aufgefordert, eine Bestätigung des Dorfvorstehers und ihren Ehemann ins Lager zu bringen. Dabei seien auch die Angaben auf de r besagten Identitätskarte notiert worden. Da sie nicht registriert gewe sen sei, habe sie keine Bestätigung vom Dorfvorsteher einholen kön nen. Auch ihren Mann habe sie aus den genannten Gründen nicht mitnehmen können, weshalb sie nicht im Lager erschienen sei. Vielmehr habe sie sich weiter-D-5410/2011 Seite 3 hin ver steckt gehalten. Im März 2011 sei ein Aufruf des Dorfvorstehers zur offiziellen Registrierung ergangen. Eine offizielle Anmeldung sei aber wegen ihrer Herkunft aus D._______ und der Flucht aus dem Lager nicht möglich gewesen. In Anbetracht der sich zuspitzenden Situation habe sie sich zur Ausreise entschlossen. Im Falle der Rückkehr befürchte sie, vom CID, welches sich sicher auch nach ihrem Mann erkundigen würde, u m- gebracht zu werden. A.c Für die eingereichten B eweismittel ist auf die Akten zu verweisen (vgl. die Auflistung auf dem vorinstanzlichen Beweismittelumschlag A 3/1, A 4/11 S. 4 und A 9/10 Antworten 3 ff.). B. B.a Mit Verfügung vom 26. August 2011 – eröffnet am 31. August 2011 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingsei- genschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz. Die Vorinstanz legte dar, die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Misshandlung und Vergewaltigung müssten in den zeitlichen Kontext der allgemeinen Lage während des Bürgerkrieges gestellt werden. In den letzten Kriegswochen sei die tamili - sche Bevölkerung im Norden und Osten des Landes sehr schwierigen Verhältnissen ausgesetzt gewesen. Inzwischen habe sich die Situation grundlegend geändert: Die LTTE seien vernichtend geschlagen und die Anzahl von Gewaltereignissen und Vergewaltigungen sei erheblich z u- rückgegangen. Dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach wie vor mit Übergri ffen durch das CID rechnen müsste, sei wenig wahr - scheinlich. Die geltend gemachten Ereignisse lägen mittlerweile mehr als zwei Jahre zurück. Aus objektiver Sicht sei mithin nicht zu befürchten, dass sie heute noch mit asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen rechnen müsse. An der aktuell fehlenden Asylrelevanz vermöchten die Beweismit- tel nichts zu ändern, da sie lediglich die besagten Vorbringen untermau - ern würden. B.b Wegen der vom BFM gleichzeitig festgestellten Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde die Beschwerdeführerin in der Schweiz vo r- läufig aufgenommen. C. D-5410/2011 Seite 4 C.a Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 29. September 2011 bea n- tragten die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Anerkennung als Fl ücht- linge, die Asylgewährung sowie für den Fall des Un terliegens die unent - geltliche Rechtspfle ge (Art. 65 Abs. 1 und 2 des Ver waltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) samt En t- bindung von der Vor schusspflicht. Bei Guthe issung der Beschwerde sei vorgängig Frist zur Einreichung einer Kostennote anzusetzen. C.b C.b.a Zur Begründung machte die Beschwerdeführerin vorab geltend, Drittpersonen hätten ihr geraten, die eigene LTTE -Mitgliedschaft und die Funktion ihres Mannes in der Orga nisation den Asylbehörden nicht be - kannt zu geben. Bedauerlicherweise habe sie sich – auch wegen ihrer schlechten psychischen Befindlichkeit – darauf eingelassen. C.b.b In Tat und Wahrheit sei von folgendem Sachverhalt auszugehen: Sie habe von 1995 bis 1997 in e inem Büro in J._______ als Buchhalterin der LTTE gearbeitet. Danach sei sie – wie anlässlich der Anhörung ange- geben – bis 2008 in einer Kooperative als Kassiererin tätig gewesen. Die Kooperative habe grosse Geldsummen an die LTTE transferiert. An den Wochenenden habe sie weiterhin im Büro in J._______ gearbeitet. Ihr Ehemann sei bei der Verhaftung ein schon jahrelang aktive s Mitglied der LTTE gewesen. (…). Er habe den LTTE -Namen "K._______" angenom- men. Ihre Verfolgungsvorbringen seien unter diesen Gesichtspunkten neu zu würdigen. Die Glaubhaftigkeit auch der neuen Vorbringen sei zu bej a- hen. Die jetzt eingereichten Dokumente belegten ihre LTTE-Mitgliedschaft und diejenige ihres Mannes. Falls das Ge richt von der Unglaubhaftigkeit der (neuen) Vorbringen ausgehe, sei ihr das rechtliche Gehör zu gewä h- ren. C.b.c Das BFM habe im angefochtenen Entscheid die Asylrelevanz der Vorbringen bestätigt, jedoch eine begründete Verfol gungsfurcht verneint. Diese Sichtweise treffe – unbesehen der nachträglich geltend gemachten Tatsachen – nicht zu. Das BFM stütze sich bei seiner Einschätzung auf zwei veraltete Quellen aus dem Jahr 2010 und gelange zu einer einseiti - gen sowie unvollständigen Lagebeurteilung. Das Bundesverwaltungsge - richt nehme in seiner aktuellen Rechtsprechung eine differenziertere und in gewissen Punkten vom BFM abweichende Lageeinschätzung vor. Wei- teren Quellen zufolge sei die Lage – namentlich in Berücksichtigung der Notstandsgesetze – nach wie vor als angespann t zu bezeichnen. Un ter D-5410/2011 Seite 5 anderem würden auch unter Folter ergangene Ge ständnisse von Betrof - fenen als verwertbar angesehen. Es gebe keine fairen Gerichtsverfah ren und keine unabhängigen Gerichte. Vor diesem Hinter grund und in Anbet- racht weiterer Publikationen, welche ein düsteres Bild der aktuellen Situa- tion vermittelten, könnten die vom BFM erwähnten Ver besserungen im Norden und Osten des Landes nicht nachvollzogen werden. C.b.d Die tamilische Bevölkerung stehe nach wie vor unter dem Genera l- verdacht der Ko llaboration mit den LTTE. Dies gelte auch für die ta - milische Beschwerdeführerin, welche aus L._______ stamme. Sie sei asylrelevant verfolgt worden und habe begründete Furcht vor weite ren derartigen Nachteilen. Dies deshalb, weil sie wie erwähnt aus dem N or- den stamme, wo noch immer jede Person mit vermuteter Verbin dung zu den LTTE gesucht und unter Druck gesetzt werde. Nach dem Ver - folgungsereignis habe sie sich aus dem Lager entfernt und sich zwei Jah- re lang illegal in der H._______ aufgehalten, um auch nach Ende des Bürgerkrieges weiterer Verfolgung zu entkommen. Dies sei vom BFM im angefochtenen Entscheid nicht berücksichtigt worden. Zu dem sei sie ill e- gal ausgereist und habe sich mehrere Jahre lang im Ausland aufgehalten. Ihre in Wirklichkeit unpolitische Haltung ändere nichts daran, dass den zu befürchtenden Zwangsmassnahmen der sri -lankischen Behörden eine politische Motivation zugrunde liege. Im Weiteren sei sie von den Behö r- den wiederholt aufgefordert worden, sich in Hochsi cherheitslagern zu melden und ihren Ehemann mitzunehmen. Ein solcher Befehl sei zuletzt auch auf ihrer Identitätskarte festgehalten worden. Bei ei ner Rückkehr in Sri Lanka würden die Behörden zweifellos die Anmer kung in ihrer ID - Karte besondere Aufmerksamkeit schenken und auf ein verdächtiges Ab- tauchen schliessen. Bei der Wiedereinreise in M._______ riskierten a b- gewiesene Flüchtlinge mit einem laissez -passer strenge Kon trollen. D a- bei werde geprüft, ob die betreffende Person auf einer Liste we gen Terro- rismus Gesuchter stehe. Auch wenn sie nicht aufgelistet sein sollte, sei davon auszugehen, dass die Behörden die Verhaftung ihres Mannes und dessen LTTE-Tätigkeit herausfinden würden. Entsprechend würde sie mit Sicherheit als LTTE -Sympathisantin eingeschätzt werden. Gleichzeitig würden die Behörden realisieren, dass sie vor der Flucht aus Sri Lanka von Mai 2009 bis Januar 2011 abgetaucht gewesen sei. Entspre chend bestehe für sie als Rückkehrerin das Risiko, verhört und ge foltert zu wer- den. Zu berücksichtigen sei ferner, dass CID-Angehörige sie nach der er- littenen Vergewaltigung und Folter unter Drohungen aufgefor dert hätten, nichts vom Erlittenen zu erzählen. Ihr Abtauchen und ihre Ausreise kön n- te von den sri -lankischen Behörden so verstanden wer den, dass sie das D-5410/2011 Seite 6 an ihr begangene Kriegsverbrechen nicht für sich behal ten habe. Ange- sichts der Tatsache, dass auch die Ärzte im Spital davon wüssten, riskiere sie, als unangenehmes Opfer von Kriegsverbrechen oder Verbrechen ge- gen die Menschlichkeit umso mehr ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. C.b.e Gemäss UNHCR gälten für Kriegsbetroffene und traumatisierte Personen, insbesondere Frauen und Kinder, und Tamilinnen, die das Land während des Krieges verlassen und im Ausland ein Asylgesuch ein- gereicht hätten, besondere asylrelevante Risiken bei der Rückkehr. Ihr Ehemann – eine wichtige LTTE -Persönlichkeit – sei wegen LTTE -Mit- gliedschaft am Ende des Krieges festgenommen worden und befinde sich seither im Gewahrsam der Behörden, falls er überha upt noch lebe. Auch wenn sie zweifellos nicht eine wichtige Position in den LTTE einge - nommen habe, weise sie aufgrund ihrer eigenen LTTE -Mitarbeit und der erwähnten LTTE-Tätigkeit ihres Gatten ein Profil auf, welches aus der Sicht der Behörden zu beobachten und zu verfolgen sei. Dies dürfte dazu führen, dass sie auch heute noch im Falle der Rückkehr mit grosser Wahrscheinlichkeit ins Visier der Behörden genommen würde. Nach dem Gesagten habe sie begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen . Eine innerstaatliche Fluchtalternative existiere nicht. Ausserdem bestehe g e- wissen Quellen zufolge nach wie vor ein erhebliches Risiko für ge - schlechtsspezifische Verfolgung. Insgesamt sei mithin festzuhalten, dass weder das vo n der Vorinstanz gezeichnete Bild der al lgemeinen Sicher- heitslage in Sri Lanka noch ihre Analyse der individuellen Situation der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit einer asylrel e- vanten Verfolgung korrekt seien. C.c Der Eingabe lagen Beweismittel für die neuen Vorbringen (ein Inter- netartikel und Fotos sowie ein Arztzeugnis und eine Bestätigung für die Bedürftigkeit) bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 4. Oktober 2011 stellte das Bundesver wal- tungsgericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest, verzichtete auf die Erhe bung eines Kostenvorschusses und hiess das Ge such um Kostenerlass im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Dasjenige gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. E. Mit Vernehmlassung vom 5. Oktober 2011 beantragte das BFM die A b-D-5410/2011 Seite 7 weisung der Beschwerde. Die B eschwerdeführerin weise kein Gefähr - dungsprofil auf, welches im Zeitpunkt des Entscheids mit erheblicher Wahrscheinlichkeit auf eine Verfolgung seitens des sri-lankischen Staates hätte schliessen lassen. Aufgrund der Nichterwähnung der erst im Be - schwerdeverfahren geltend gemachten Sachumstände habe sie die Mi t- wirkungspflicht verletzt. F. Nach gewährter Fristerstreckung hielt die Beschwerdeführe rin mit Replik vom 7. November 2011 unter Hinweis auf BVGE 2011/24 an ihren bisheri- gen Vorbringen fest. Im Sinne von E. 8.1, 8.3 und 8.4 des genannten Ur- teils und in Anbetracht der in der Beschwerde gemachten Ausführungen habe sie begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen. Entgegen der Sichtweise des BFM hätte bereits im Entscheidzeitpunkt gestützt auf die damaligen Vorbringen von dieser Furcht ausgegangen werden müssen. Im Zusammenhang mit der vom BFM gerügten Verletzung der Mitwi r- kungspflicht (verspätetes Vorbringen von Sachverhaltselementen) sei ihre psychische Befindlichkeit zu berücksichtigen; die Falschb eratung durch Drittpersonen im Asylverfahren sei ihr aufgrund ihrer Verletzlichkeit nicht unnötig anzulasten. G. Am 19. April 2012 gab die Beschwerdeführerin weitere Fotos und einen Arztbericht vom 26. März 2012 zu den Akten. Im Begleitschreiben wies sie darauf hin, gemäss Arztbericht könnten ihre Beschwerden zumindest teilweise auf die geltend gemachten Foltermethoden zurückgeführt w er- den. Dies untermauere ihre Verfolgungsgefahr im Sinne von E. 8.3 des zi- tierten Gerichtsurteils. Im Urteil und in weiteren Quellen werde festge - stellt, dass Gewalt gegen Frauen nach wie vor ein grosses Probleme dar- stelle. Falls das Gericht wider Erwart en begründete Furcht im Sinne von Art. 3 AsylG verneine, lägen bei ihr zwingende Gründe im Sinne von Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vor. Im Weiteren kritisierten die Beschwerdeführenden unter Hinweise auf verschiedene Quellen die Er- wägungen im vom BFM erwähnten Dienstreisebericht. H. Mit Eingabe vom 24. August 2012 gab die Beschwerdeführerin einen I n- ternet-Artikel samt französischsprachiger Übersetzung zu den Akten. Dar- in wer de wiederum bestätigt, dass ihr Ehemann eine Führungsperson D-5410/2011 Seite 8 (…) und sein aktuelles Schicksal nicht bekannt sei. Im Weiteren verwies sie erneut auf ihr Gefährdungsprofil. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sac hgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs weise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesr echt, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im D-5410/2011 Seite 9 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifisc hen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen . Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehr - dienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausge setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung der FK (vgl. Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Fr a- ge nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder be - gründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asyl - entscheides ist jedoch im Rahmen der P rüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Si- tuation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu be - rücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.). 5. 5.1 Das BFM hat in seiner Verfügung keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der damaligen Vorbringen der Beschwerdeführerin geäussert, aber ihre begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Entscheidzeitpunkt ver - neint. Aufgrund der protokollierten Aussagen, welche überwiegend su b- stanziiert und in sich stimmig sind, hat auch das Bundes verwaltungsge- richt keinen Anlass, die Glaubhaftigkeit der damaligen Kernvorbringen wie namentlich die erlittene und zielgerichtete behördliche Verfolgung zu b e- zweifeln. D-5410/2011 Seite 10 5.2 Die rechtliche Würdigung der damals bekannten Vorbringen durch die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid erscheint als fragwürdig. So dient die für sich besehen an sich zutreffende Feststellung, dass Benachteil i- gungen wie die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Vergewal- tigung und die dabei erlittenen schweren Misshandlungen im Zusammen- hang mit der Bürgerkriegssituation beziehungsweise der angespannten Lage unmittelbar vor Kriegsende zu sehen seien, bestenfalls der Beurtei- lung der damaligen Menschenrechtssituation. Für die Beurteilung der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit der in concreto geltend gemachten Benachteiligungen und Befürchtungen namentlich auch wegen der Fest - nahme des Mannes ist sie indessen unta uglich. Insbesondere kann die Feststellung des Mehrfachvorkommens gleichgelagerter asylrelevanter Ereignisse ein einzelnes solches Ereignis selbstredend nicht seiner flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit berauben. Da die Beschwerdeführe- rin aber gemäss nachfolgenden Erwägungen gestützt auf die aktuelle Ak- tenlage mit ihren Begehren vollumfänglich durchdringt und ein reformat o- risches Urteil ergeht, erübrigen sich weitere Feststellungen zur vo - rinstanzlichen Argumentation. Auch die Frage, ob die Beschwerdeführerin bereits gestützt auf die damals bekannten Sachver haltselemente im Ent- scheidzeitpunkt begründete Furcht zu attestieren gewe sen wäre, kann somit letztlich offenbleiben. 6. 6.1 Die Beschwerdeführerin hat ihre eigenen Tätigkeiten für die LTTE und diejenigen ihres Mannes erst auf Rekursebene vollumfänglich gel tend gemacht. 6.2 Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht können im Rahmen des Streitgegenstandes Noven geltend gemacht werden (RENÉ RHINOW/HEINRICH KOLLER/CHRISTINA KISS, Öff entliches Prozess - recht und Justizverfassungsrecht des Bundes, 1996, N 1050); es können bisher nicht gewürdigte, bekannte wie auch bis anhin nicht bekannte Sachverhaltsumstände und neue Beweismittel vorgebracht werden ( ALF- RED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 615). Für den Beschwer - deentscheid ist mithin die im Zeitpunkt seiner Ausfällung beste hende Ak- tenlage massgeblich. Die angefochtene Verfügung des BFM hat sich s o- mit nicht nu r vor der im Moment ihres Erlasses gegebenen Sach - und Rechtslage zu behaupten, sondern ausserdem gegenüber den im Verlauf des Beschwerdeverfahrens dazugekommenen Tatsachen und Beweismit- teln zu bewähren. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundes-D-5410/2011 Seite 11 verwaltungsgericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahms weise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere ange zeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein um fassendes Be- weisverfahren durchzuführen ist ( KÖLZ/HÄNER, a.a.O., Rz. 694). Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst herge stellt werden, wenn dies im Einzelfall aus proz essökonomischen Gründen ange bracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs rechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233). 6.3 Die vorinstanzlichen Erwägungen in der Vernehmlassung, welche ein- zig auf die Verletzung der Mitwirkungspflicht durch die B eschwerdeführe- rin hinweisen, und die damit verbundene Weigerung, die Vorbringen auf ihre Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz zu prüfen, greifen mithin offensicht- lich zu kurz. Klar ist zwar, dass die nachträgliche Geltendmachung von ausreiserelevanten Vorfällen deren Glaubhaftigkeit ernsthaft beeinträchti- gen kann. Eine solche Sichtweise ist vorliegend aufgrund der konkreten Verfahrensumstände jedoch zu verwerfen. Es kann offen bleiben, a us welchen Gründen die Beschwerdeführerin erst auf Beschwerdeebene ih- re enge Verbindung mit einem LTTE -Kader offenlegte. G estützt auf die bestehende Aktenlage bestehen jedenfalls keine relevanten Zweifel da r- an, dass die erst auf Beschwerdeebene vorgebrachten spezifischen B e- züge nament lich des Pa rtners der Beschwerdeführerin zu den LTTE grundsätzlich der Wahrheit entsprechen. Die wichtige und öffentliche Po- sition des Eheman nes bei den LTTE vermochte die Beschwerdeführerin durch verschiedene Zeitungsberichte verbunden mit persönlichen Fotos glaubhaft zu machen. Auch d ie Festnahme des Ehemannes durch die Behörden und sein ungewisses Schicksal sind nicht zu bezweifeln. Die Arbeit der Be schwerdeführerin in einer Kooperative für die LTTE dürfte ebenfalls der Wahrheit entsprechen, wobei sie aber zu Re cht einräumt, keine wichtige Position innegehabt zu haben. 7. 7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil BVGE 2011/24 vom 27. Oktober 2011 eine umfassende Lageanalyse der gegenwärtigen Situation in Sri Lanka vorgenommen. Diese Analyse ist für die En tscheid- findung weiterhin massgebend. Es ist somit im vorliegenden Fall zu pr ü- fen, ob die Beschwerdeführerin einer Risikogruppe im Sinne die ses Grundsatzentscheides angehört. D-5410/2011 Seite 12 7.2 Am 19. Mai 2009 verkündete die Regierung Sri Lankas offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE, und Präsident Rajapakse e r- klärte den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet. Das Führungsk a- der der LTTE ist der Medienberichterstat tung zufolge komplett ausg e- löscht wor den. Trotz dieser Ver änderungen gibt es Personenkre ise, die auch nach der Beendigung des militäri schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausge setzt sind. Dazu gehören unter and e- rem Personen, die auch nach Be endigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso An hänger des Ex -Generals Sarath Fon seka, Journalisten und andere in der Medienbran che tätige Personen, international und lokal t ä- tige Vertreter von NGOs, die sich für die Men schenrechte einsetzen oder Verstösse kriti sieren, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzu n- gen sowie Per sonen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen, abgewiesene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE -Kader oder Perso nen, die über beträchtliche finan zielle Mittel verfügen (siehe die aus führliche Darstellung der Personengrup pen im erwähnten Urteil BVGE 2011/24 E. 8). 7.3 Unter Berücksichtigung der soeben skizzierten Rechtsprechung ist die subjektive Verfolgungsfurcht der Beschwerdeführerin auch im aktuel- len Zeitpunkt noch begründet (vgl. dazu auch Bst. C vorstehend). Als of- fenbar nur einfaches Mitglied der LTTE ist sie mit (…) der Organisation li- iert. Deren Schicksal ist nach der Festnahme wie erwähnt ungewiss. Die Beschwerdeführerin hat seit der Festnahme des Partners grundsätzlich versteckt leben müssen und war bis zuletzt gezielten Übergriffen und Ein- schüchterungen seitens des CID ausgesetzt. Ihre Tarnung dürfte im Sinne der Asyl - und Beschwerdevorbringen schliesslich aufgeflogen sein. Sie war bereits ernsthaften und gezielten Nachteilen durch die sri -lankischen Sicherheitsbehörden ausgesetzt und wurde dabei Opfer und Zeugin von schwersten Menschenrechtsverletzungen. Sie i st Partnerin ei nes (…), behördlich festgenommenen und identifizierten LTTE -Mitglieds und zu- dem ist sie ins Ausland abgetaucht. Namentlich wegen der Po sition ihres Mannes müsste sie im Falle der Wiedereinreise mit beachtli cher Wahr- scheinlichkeit mit der Festnahme, einem Verhör verbun den mit der G e- fahr von erneuten Misshandlungen und einer Inhaftierung von einer g e- wissen Dauer rechnen. Ein weiteres – wenn auch untergeordnetes – Ge- fährdungselement erg äbe sich allenfalls auch aus ihren Narben (vgl. A 9/10 Antwort 34), sollten diese noch sichtbar s ein. Der Europäische G e- richtshof für Menschenrechte (EMGR) führte in einem jüngeren Entscheid betreffend Sri Lanka aus, dass Narben eine Person insbesondere dann in D-5410/2011 Seite 13 den Augen der sri-lankischen Behörden als verdächtig erscheinen lassen, wenn diese Narben von Folterungen oder von einem LTTE -Training stammen (EGMR, E.G. v. United Kingdom, Entscheid vom 31. Mai 2011, Application no. 41178/08, § 80; vgl. auch NA. v. United Kingdom, En t- scheid vom 17. Juli 2008, Application no. 25904/07 § 144). 7.4 Aufgrund dieser Gesamtwürdigung ergibt sich, dass d ie Beschwerde- führerin ein Profil aufweist, aufgrund dessen sie für die sri-lankischen Be- hörden als LTTE-Anhängerin wahrgenommen wird und da her einer aktu- ellen Verfolgungsgefahr ausgesetzt ist. Zudem hat sie Menschenrechts - verletzungen erlitten und kann diese bezeugen. Eine innerstaat liche Fluchtalternative besteht offensichtlich nicht, da sich die Ge fährdung be- reits bei der Einreise ergeben würde. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf d ie Beschwerde- führerin sämtliche Kriterien der in Art. 3 AsylG enthaltenen Defi nition als erfüllt zu betrachten und diese demzufolge als Flüchtling anzu erkennen ist. Die vorinstanzliche Verfügung ist dementsprechend auf zuheben und es ist der Beschwerdeführerin mangels Anzeichen für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes (Art. 53 AsylG) in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 8.1 Der minderjährige Sohn der Beschwerdeführerin ist in die Flüchtling s- eigenschaft seiner Mutter einzubeziehen (Art. 51 Abs. 1 AsylG). 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 9.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteient schädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 7 Abs. 1 des Regle - ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent schädigungen vor dem Bundes verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach dem sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage und der An- gaben auf S. 18 der Beschwerde hinreichend zu verlässig abschätzen lässt, er übrigt sich die beantragte Einholung einer Kostennote. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist unter Berücksichti- gung der mass gebenden Be messungsfaktoren von Amtes wegen auf Fr. 2'800.– festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). D-5410/2011 Seite 14 (Dispositiv nächste Seite) D-5410/2011 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 26. August 2011 wird aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteien t- schädigung in der Höhe von Fr. 2'800.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: