Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. August 2015 (715 15 87) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Bejahung der Vermittlungsfähigkeit einer versicherten Person, die vorwiegend in der Baubranche tätig ist; kein Anwendungsfall der Rechtsprechung, die versicherte Perso- nen betrifft, welche bewusst nur saisonale Beschäftigungen eingehen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch R affaella Biaggi, Advoka- tin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen KIGA Baselland , Postfach , 4133 Pratteln 1 , Beschwerdegegnerin Betreff Vermittlungsunfähigkeit A. Der 1982 geborene A.____ arbeitet seit Ende Juli 2 011 über das Temporärbüro B.____ als Strassenbauer/Tiefbauarbeiter mit Unterbrüchen für verschiedene Einsatzfirmen. Aufgrund der häufig gekündigten Anstellungen infolge Auftragsrückgangs meldete sich A.____ wiederholt zum Leistungsbezug bei der Arbeitslosenversicherung an. So erfolgte auch eine Anmeldung am 18. November 2013, nachdem er vom 2. April 2013 bis 15. November 2013 über die B.____ bei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der C.____ einen Arbeitseinsatz hatte. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2013 machte ihn das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum Liestal (RAV) da rauf aufmerksam, dass er mehrmals über die Temporärfirma B.____ für Einsatzfirmen täti g gewesen sei, bei welchen mit saisonal bedingten Arbeitsunterbrüchen zu rechnen sei. Es stelle sich daher die Frage, ob er diese Un- terbrüche in der Arbeitstätigkeit bewusst in Kauf gen ommen habe und daher als nicht vermitt- lungsfähig betrachtet werden müsse. Es wurde ihm sodann dargelegt, welche Bemühungen um eine neue Arbeitsstelle bei einer erneuten Anmeldung zum Taggeldbezug von ihm erwartet würden. Ab 3. März 2014 konnte er wiederum einen Arbe itseinsatz bei der C.____ leisten. Die- se Stelle wurde ihm am 17. September 2014 per 31. Okt ober 2014 gekündigt. Am 22. Oktober 2014 meldete er sich erneut zur Arbeitsvermittlung und am 6. November 2014 zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung ab 1. November 2014 an. Mit V erfügung vom 19. Dezember 2014 sprach das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arb eit Baselland (KIGA) die Vermitt- lungsfähigkeit von A.____ ab 3. November 2014 ab. Dar an hielt die Einspracheinstanz des KIGA auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 6. Februar 2015 fest. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 3. März 2015 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt), mit den Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Vorinstanz zu verurteilen, dem Versicherten die gesetzlichen Leistungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung wurde angeführt, dass der Versicherte - entgegen den Aus- führungen der Vorinstanz - durchaus bereit sei, eine u nbefristete Dauerstelle anzunehmen. Er sei ein sehr motivierter und engagierter Arbeitnehmer , der jede sich bietende Gelegenheit er- greife, um zu arbeiten. Er nehme eine Arbeitslosigkei t im Winter nicht bewusst im Kauf. Viel- mehr bemühe er sich, seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit Besuchen von Kursen zu ver- bessern. Er finde jedoch immer nur Arbeiten in der Ba ubranche, weil er dort bislang gearbeitet habe und Kompetenz nachweisen könne. Unter diesen Umstä nden könne seine Vermittlungs- fähigkeit nicht abgesprochen werden. Es treffe aber zu, dass er seine Pflicht, während der Kün- digungsfrist ausreichende Arbeitsbemühungen zu tätigen, verletzt habe. Diese Pflichtverletzung könne jedoch nicht zur Verneinung der Vermittlungsfäh igkeit führen, sondern müsse mit Ein- stelltagen sanktioniert werden. C. In seiner Vernehmlassung vom 20. April 2015 beantrag te das KIGA die Abweisung der Beschwerde. Es wies darauf hin, dass die Ablehnung der V ermittlungsfähigkeit auf der bundes- gerichtlichen Rechtsprechung zu den "Überwinterern" beru he. Der Versicherte sei mehrmals daraufhin hingewiesen worden, dass er zur Vermeidung von Beschäftigungseinbrüchen im Win- ter alles unternehmen müsse, um rechtzeitig eine Dauer stelle oder zumindest eine die in der Bau- und Baunebenbranche beschäftigungsarme Wintersaison überbrückende Erwerbstätigkeit zu finden. Solche Vorkehrungen habe der Versicherte ab er nicht getroffen. Da der Versicherte mit der B.____ am 16. Januar 2015 einen neuen Einsa tzvertrag per 19. Januar 2015 abge- schlossen habe, sei eventualiter die Dauer der abgesproch enen Vermittlungsfähigkeit auf den 18. Januar 2015 zu begrenzen. Am 24. April 2015 rei chte das KIGA zur Vervollständigung der Akten den zwischen dem Versicherten und der B.____ geschlosse nen Einsatzvertrag vom 16. April 2015 ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Der Versicherte liess durch seine Rechtsvertreterin am 29. April 2015 ausführen, dass er dem Eventualantrag der Vorinstanz folgen könne. Im Übrigen hielt er aber an seiner Be- schwerde fest. E. Mit Duplik vom 20. Mai 2015 verwies das KIGA auf ihr e bisherigen Eingaben und bean- tragte weiterhin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obli gatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserl asses die Kontrollpflicht erfüllt. Da der Versicherte der Kontrollpflicht im Kanton Baselland na chgeht, ist die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen. Laut § 54 Abs. 1 lit. a de s Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 b eurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Ka ntons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 AT SG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht ein- gereichte Beschwerde vom 3. März 2015 ist einzutreten. 2.1 Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahre ns bildet die Frage, ob dem Versicherten zu Recht ab 3. November 2014 die Vermitt lungsfähigkeit abgesprochen wurde mit der Folge, dass dieser ab diesem Zeitpunkt keine Arbei tslosenentschädigung beanspruchen kann. Dabei sind sich die Parteien einig, dass die Vermit tlungsfähigkeit aufgrund des Arbeits- einsatzes des Versicherten per 19. Januar 2015 lediglich für die Zeit vom 3. November 2014 bis 18. Januar 2015 zu prüfen ist. 2.2 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der Alters- und Hinterlassenversicherung (AHV) er- reicht hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfül- lung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), v ermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontroll- vorschriften erfüllt (Art. 17). 2.3 Die arbeitslose Person ist vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Einglied erungsmassnahmen teilzunehmen (Art. 15 Abs. 1 AVIG). Zur Vermittlungsfähigkeit gehört dem nach auch die persönliche Bereitschaft, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältni ssen während der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 123 V 216 E. 3 mit Hinweisen). Die Be reitschaft der versicherten Person, eine neue Stelle anzutreten, ist aufgrund objektiver Kriterien zu prüfen. Der Wille allein oder die bloss verbal erklärte Vermittlungsbereitschaft der versich erten Person genügen nicht (BGE 122 V 266 f. E. 4). Vielmehr ist die versicherte Person geh alten, sich der öffentlichen Arbeitsvermitt- lung zur Verfügung zu stellen, angebotene zumutbare Arb eit anzunehmen und sich intensiv nach einer zumutbaren Stelle umzusehen (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversiche- rung, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches Bundesverw altungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel/Genf/München 2007, S. 2261 Rz 270 mit Hinweisen). 2.4 Wesentliches Merkmal der Vermittlungsfähigkeit ist die Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle (ARV 2004 Nr. 13 S. 126 E. 2.3 mit Hinw eis; Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht] vom 17. Ju ni 2003, C 272/02). Nach höchstrichterli- cher Rechtsprechung sind Personen, die bewusst nur saisona le Arbeitsverhältnisse eingehen und deren Arbeitsbemühungen sich stets auf zeitlich be fristete Stellen beschränken, nicht ver- mittlungsfähig (ARV 2000 Nr. 29 S. 150, 2005 Nr. 19 S. 212 E. 2.2). Disponiert ein Arbeitneh- mer oder eine Arbeitnehmerin bewusst so, dass sich immer w ieder kurze Unterbrüche der Er- werbstätigkeit ergeben, nimmt er bzw. sie die entsprech enden Verdiensteinbussen freiwillig in Kauf (ARV 2005 Nr. 19 S. 213 E. 2.3). Um der Schaden minderungspflicht zu genügen, muss eine versicherte Person ihre Arbeitsbemühungen auf ber ufsfremde Dauerstellen ausdehnen, wovon sie weder Alter noch Ausbildung und bisherige T ätigkeit oder die wirtschaftliche Lage entbinden (ARV 2000 Nr. 29 S. 150). Die bisherigen A rbeitsbemühungen können Aufschluss über die subjektive Bereitschaft geben, Einkommenseinbuss en während der Übergangszeit zu vermeiden (Urteil des Bundesgerichts vom 16. April 2013, 8C_1030/2012, publiziert in: ARV 2013 S. 347 ff. E. 2; Urteil des EVG vom 24. Dezember 2004, C 157/04, publiziert in: ARV 2005 S. 211 ff. E. 2.2; je mit weiteren Hinweisen). 2.5 Die Beurteilung der Vermittlungsfähigkeit hat pr ospektiv und aufgrund einer gesamthaf- ten Würdigung der für die Anstellungschancen im Einzel fall wesentlichen, objektiven und sub- jektiven Faktoren zu erfolgen. Ausser dem Umfang des für d ie versicherte Person in Betracht fallenden Arbeitsmarktes ist auch die Art der gesuchten zumutbaren Arbeit von Bedeutung (ARV 1992 Nr. 2 S. 74 f. E. 1b und 3, 1991 Nr. 3 S. 24 E. 3a). 3.1 Das KIGA stellt sich im Einspracheentscheid vom 6. Fe bruar 2015 im Wesentlichen auf den Standpunkt, es sei davon auszugehen, dass der Versich erte keine Dauerstelle suche. Er habe jeweils im Herbst von der Temporärfirma B.____, ü ber welche er seit August 2011 bei verschiedenen Unternehmen als Bauarbeiter tätig gewesen sei, eine Kündigung wegen Be- schäftigungsrückgangs erhalten. Er habe deshalb auch im Herbst 2014 mit einer Kündigung rechnen und sich rechtzeitig um eine Dauerstelle bemühen müssen. Dies umso mehr, als er mit dem Informationsschreiben vom 17. Dezember 2013 und an lässlich des Beratungsgesprächs vom 6. Februar 2014 ausdrücklich auf seine Pflicht zur S tellensuche und die Überprüfung der Vermittlungsfähigkeit im Falle ungenügender Arbeitsb emühungen hingewiesen worden sei. Er sei somit darüber informiert gewesen, dass er monatlich mindestens acht Arbeitsbemühungen in den letzten drei Monaten vor dem zu erwartenden sa isonalen Unterbruch in der Erwerbstä- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tigkeit oder vor Beendigung des befristeten Arbeitsvertra ges nachzuweisen habe. Die Bemü- hungen hätten zudem in Branchen oder auf Anstellungen zu erfolgen, die nicht von saisonalen Unterbrüchen betroffen seien. Aufgrund der eingereicht en Arbeitsbemühungen könne nicht da- rauf geschlossen werden, dass er ernsthafte Bemühungen u nternommen habe, eine nicht von saisonalen Beschäftigungsunterbrüchen betroffene Anstel lung zu finden. Der Versicherte habe nach Erhalt der Kündigung erstmals am 23. Oktober 2014 zwei telefonische, nicht überprüfbare Anfragen bei Baufirmen getätigt. Desgleichen habe er sich im November 2014 hauptsächlich bei Baufirmen beworben und dabei die quantitativen V orgaben nicht eingehalten. Darüber hin- aus seien sie auch in qualitativer Hinsicht ungenügend , da er lediglich telefonische Stellenan- fragen getätigt habe. Arbeitsbemühungen hätten in d er Regel schriftlich zu erfolgen und müss- ten sich auf offene Stellen beziehen. Zudem könnten sie nicht konkret überprüft werden. In der Vernehmlassung vom 20. April 2015 hielt das KIGA mit Verweis auf das Urteil des Bundesge- richts vom 22. Februar 2013, 8C_937/2012 (Vermittlung sfähigkeit bei sog. Überwinterern) an den Ausführungen des angefochtenen Einspracheentscheides fest. 3.2.1 Der Versicherte bestreitet nicht, dass seine Arbeit sbemühungen nach Erhalt der Kün- digung am 17. September 2014 ungenügend gewesen seien . In der Tat bewarb sich der Versi- cherte erstmals telefonisch am 23. Oktober 2014 bei der Firma D.____ als Strassenbauer. Die zweite telefonische Bewerbung als Strassenbauer fand am 2 8. Oktober 2014 bei der E.____ statt. Mit den erst im Oktober 2014 begonnenen Stelle nbemühungen erfüllt der Versicherte die Vorgaben gemäss Informationsschreiben vom 17. Dezember 2014 nicht, wonach er bereits 3 Monate vor dem zu erwartenden Beschäftigungsrückgang Arbeitsbemühungen hätte nach- weisen sollen. Zudem sind zwei auf die Baubranche beschr änkte Stellenbewerbungen im Mo- nat Oktober 2013 sowohl in qualitativer und quantitat iver Hinsicht ungenügend. Im Monat No- vember 2014 erfolgten 7 telefonische Stellenanfragen, 6 davon waren in der Baubranche. Damit sind die Anforderungen an die Stellenbemühungen für diesen Monat quantitativ knapp nicht erfüllt; qualitativ sind sie eindeutig ungenügend (vgl. Nachweis der persönlichen Arbeitsbemü- hungen vom 28. November 2014). Am 28. November 2014 h atte der Versicherte das Erstge- spräch beim RAV. Dabei wurde mit dem Versicherten vere inbart, dass er im Monat Dezember 2014 und Januar 2015 mindestens 8 Arbeitsbemühungen auch ausserhalb der Baubranche einzureichen habe. Im Monat Dezember 2014 trug er 8 Ar beitsbemühungen ein, wovon jedoch der vom 15. bis 19. Dezember 2012 absolvierte Kurs zum Ba umaschinenführer für Kleinbagger und Kleinmaschinenfahrzeuge nicht als Arbeitsbemühung a ngerechnet werden kann, handelt es sich doch bei einem Kursbesuch nicht um eine Stellenb ewerbung. Von den 7 verbleibenden Arbeitsbemühungen sind 5 Stellenanfragen in Branchen erfolgt, die von Saisonalität oder ande- ren Unterbrüchen betroffen sind (vgl. Nachweis der persö nlichen Arbeitsbemühungen für De- zember 2014). Demgemäss sind im Monat Dezember 2014 nur die quantitativen Anforderungen an die Stellenanfragen nicht erfüllt. Seine Arbeitsb emühungen im Januar 2015 sind dagegen weder in quantitativer noch qualitativer Hinsicht zu b eanstanden, erfüllt er mit 13 Stellennach- weisen in 12 Betrieben ausserhalb der Baubranche die Vorgaben. Dass er den Nachweis seiner Arbeitsbemühungen im Januar 2015 zu spät einreichte, bedeutet nicht, dass diese ungenügend sind. Damit ist festzuhalten dass der Versicherten die Auf lagen an die Arbeitsbemühungen ge- mäss Schreiben vom 17. Dezember 2013 in den Monaten O ktober bis Dezember 2014 nicht erfüllt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.2 Im Zusammenhang mit den Arbeitsbemühungen ist d arauf hinzuweisen, dass telefoni- sche Stellenanfragen - entgegen der Ansicht der Vorinsta nz - nicht per se ungenügend sind. Andernfalls dürfte auf dem Formular "Nachweis der pers önlichen Arbeitsbemühungen" von den möglichen Bewerbungsformen die Rubrik "telefonisch" nich t aufgeführt werden. Dazu kommt, dass anlässlich des Beratungsgesprächs vom 28. November 2014 m it dem Versicherten ver- einbart wurde, dass er in den Monaten Dezember 2014 u nd Januar 2015 mindestens 8 Arbeits- bemühungen einzureichen habe. Ob diese schriftlich, pe rsönlich oder telefonisch zu erfolgen haben, wurde dem Versicherten überlassen. Aus dem von der Vorinstanz zitierten Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2007 (C 16/07) ist jedenf alls nicht zu entnehmen, dass telefo- nische Stellenbewerbungen ungenügend sind. Dagegen tri fft es zu, dass gemäss dieser bun- desgerichtlicher Rechtsprechung sich eine versicherte Person in erster Linie für ausgeschriebe- ne Stellen zu bewerben hat. Gleichzeitig wird aber au ch ausgeführt, dass Bewerbungen auf Stellen ohne konkrete Angebote hinsichtlich einer Abklä rung, ob eine Stelle frei sei, sinnvoll sein könnten (vgl. Erwägung 3.1 des zitierten Urteils). A ufgrund der vom Versicherten einge- reichten Stellenbemühungen kann aufgrund der vereinzel ten Begründungen für die Absagen wie "keine offene Stelle", "kein Bedarf" oder "keine Arbeit" angenommen werden, dass es sich bei den entsprechenden Stellenanfragen um solche Blin dbewerbungen handelt. Ob dieser Um- stand ausreicht, um die Arbeitsbemühungen allein deswege n als ungenügend zu qualifizieren, ist fraglich. Jedenfalls sah sich die zuständige RAV-Berat erin anlässlich des Gesprächs vom 28. November 2014 nicht dazu veranlasst, die vom Versiche rten im Oktober und November 2013 nachgewiesenen Arbeitsbemühungen zu beanstanden, weil sie nicht auf offene Stellen hin erfolgt sind (vgl. Ziffer 7 des Protokolls vom 28. November 2014). 3.3.1 Es ist der Vorinstanz beizupflichten, dass fortdauern d ungenügende Bemühungen um eine neue Stelle ein wesentlicher Hinweis darauf sein kö nnen, dass die versicherte Person (während einer bestimmten Zeitspanne) nicht gewillt i st, ihre Arbeitskraft anzubieten, was zur Verneinung der Vermittlungsfähigkeit führt (Urteil d es Bundesgerichts vom 16. April 2013, 8C_966/2012, E. 2.2; NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2262 Rz. 272). Im Allgemeinen ist aber eine un- zureichende Stellensuche nur Ausdruck davon, dass die versich erte Person ihrer Schadenmin- derungspflicht ungenügend nachkommt (BGE 112 V 218 E. 1b; ARV 1996/97 Nr. 19 S. 101 E. 3b, Nr. 8 S. 31 E. 3 je mit Hinweisen). Für die A bsprache der Vermittlungsfähigkeit aufgrund ungenügender Arbeitsbemühungen bedarf es gemäss höchstri chterlicher Rechtsprechung be- sonders qualifizierender Umstände. Erst wenn sich eine ve rsicherte Person trotz Einstellung in der Anspruchsberechtigung nach Art. 30 Abs. 1 lit. c AV IG über längere Zeit hinweg nicht um eine neue Stelle bemüht, darf angenommen werden, es fehle ihr an der Vermittlungsbereit- schaft. Sind aber immerhin gewisse Anstrengungen der versicherten Person festzustellen, kann grundsätzlich nicht auf fehlende Vermittlungsbereitschaft geschlossen werden, es sei denn, dass trotz des äusseren Scheins nachweislich keine Absicht z ur Wiederaufnahme einer Arbeit- nehmertätigkeit bestanden hat (Urteil des EVG vom 10. November 2000, C 65/00, E. 3b). 3.3.2 Vorliegend steht fest, dass die vom Versicherten n achgewiesenen Stellenbewerbungen in den Monaten Oktober bis Dezember 2014 den Vorgaben nicht entsprechen. Von wiederholt ungenügenden Arbeitsbemühungen kann jedoch nicht gesp rochen werden. Denn den Akten ist Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht zu entnehmen, dass er in den vorangegangen Jahren die Auflagen der Vorinstanz nicht einhielt; er wurde deswegen auch nie mit Einstelltagen gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG sankti- oniert. Dagegen ist im hier massgebenden Zeitraum fest zustellen, dass seine Arbeitsbemühun- gen zu Beginn den Anforderungen nicht genügten. So be gann er nach Erhalt der Kündigung im September 2014, erst im Oktober 2014 und damit verspäte t sich zu bewerben. Dabei waren seine Stellenanfragen quantitativ und qualitativ ungen ügend. Im November 2014 verbesserten sich seine Arbeitsbemühungen dahingehend, als er berei ts 7 Stellenanfragen tätigte. Das Erst- gespräch vom 28. November 2013 zeigte sodann insofern Wirkung, als er seine Stellensuche in den Monaten Dezember 2014 und Januar 2015 vereinbarun gsgemäss auf Betriebe ausdehnte, die nicht saisonabhängig waren. Während er im Dezember 2014 anstelle von den 8 geforderten Arbeitsbemühungen nur 7 vorlegte, wies er im Januar 2015 deren 13 nach. Aus dieser verän- derten Verhaltensweise ist zu schliessen, dass er sich inten siv bemühte, eine Arbeitsstelle zu finden. Unter diesen Umständen kann aufgrund ungenüge nden Arbeitsbemühungen nicht von vornherein auf fehlende Vermittlungsbereitschaft geschl ossen werden (Urteil des Bundesge- richts vom 16. April 2013, 8C_1030/2012, E. 4.3). Die ungenügenden quantitativen und qualita- tiven Arbeitsbemühungen sind vielmehr gemäss Art. 30 Abs . 1 lit. c AVIG mit Einstelltagen zu sanktionieren. 4.1 Kann die Vermittlungsbereitschaft wegen ungenügen der Arbeitsbemühungen nicht verneint werden, ist zu prüfen, ob der Versicherte subjektiv tatsächlich eine Dauerstelle anstreb- te und im Hinblick darauf all jene Vorkehrungen traf, die man zwecks Vermeidung von Arbeits- losigkeit vernünftigerweise von ihm erwarten durfte (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2013, 8C_937/2012). Aus den Akten gibt es keine Hinw eise, dass er bevorzugt saisonale Stel- len suchte und seine Arbeitslosigkeit in den Wintermona ten bewusst in Kauf nahm. Aufgrund der Tatsache, dass er mit dem Temporärbüro vorwiegend u nbefristete Einsatzverträge ab- schloss, ist vielmehr davon auszugehen, dass er gewillt war, eine unbefristete Festanstellung zu finden. Seinen Nachweisen von Arbeitsbemühungen ist a uch nicht zu entnehmen, dass er sich für befristete Stellen interessierte. Seit dem Erstg espräch vom 28. November 2014 unter- nahm er Anstrengungen, nicht nur Beschäftigungen in d er Baubranche, sondern auch Tätigkei- ten als Verkäufer, Lagerist, Logistiker, Reinigungs- un d Produktionsmitarbeiter zu suchen. Er beschränkte sich auch nicht mehr auf telefonische Bewerbu ngen, sondern sprach bei den po- tentiellen Arbeitgebern persönlich vor. Mit seiner seit her intensivierten Stellensuche machte er deutlich, dass er bereit ist, eine Dauerstelle anzunehmen . Bei dieser Sachlage kann ihm - trotz mehrjährigen befristeten Arbeitseinsätzen - die Verm ittlungsfähigkeit nicht abgesprochen wer- den (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. April 2013, 8C_966/2012). 4.2 An diesem Ergebnis ändert auch das vom KIGA zitiert e Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2013, 8C_937/2012, nichts. Das Bundesgeri cht verneinte in dieser Angelegenheit die Vermittlungsfähigkeit des Versicherten, welcher wäh rend den Sommermonaten immer als Eisenleger arbeitete, letztlich mit dem Hinweis darauf, dass dieser sich nicht genügend um eine Dauerstelle bemüht habe. Der Sachverhalt im Urteil d es Bundesgerichts vom 22. Februar 2013 ist jedoch mit dem vorliegenden nicht identisch. Jener Versicherte arbeitete seit September 2007 fast ununterbrochen im gleichen Betrieb. Jewei ls im Herbst erhielt er aufgrund der unsi- cheren Auftragslage die Kündigung. Im vorliegenden Fal l war der Versicherte nicht immer im Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gleichen Bauunternehmen tätig. Er konnte deshalb nicht darauf vertrauen, dass er von den Ein- satzfirmen von Jahr zu Jahr wieder angestellt wird. Z udem hatte er nicht nur in den Wintermo- naten beschäftigungslose Zeiten. So war er im Juni bis Juli 2012, im September 2012 und im März 2013 arbeitslos. Die Kündigungen wurden somit nicht nur im Hinblick auf die Wintermona- te, in denen in der Baubranche erfahrungsgemäss weni ger Aufträge eingehen, ausgesprochen worden. Die Schlussfolgerungen des Bundesgerichts im Ent scheid vom 22. Februar 2013 zu den sogenannten Überwinterern können deshalb nicht au f den vorliegenden Fall übertragen werden. 5. Zusammenfassend ist aufgrund der vorstehenden Ausführ ungen festzuhalten, dass beim Versicherten die Vermittlungsfähigkeit im Sinne von Art. 15 Abs. 1 AVIG vom 3. November 2014 bis 18. Januar 2015 zu bejahen ist. Die gegen de n Einspracheentscheid vom 6. Februar 2015 erhobene Beschwerde ist dahingehend gutzuheissen, a ls die Angelegenheit zur Prüfung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 AVIG an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfah rens entsprechend, ist dem ob- siegenden Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zu Lasten des KIGA zuzusprechen. Seine Rechtsvertreterin machte in ihrer Honorarnote vo m 22. Juni 2015 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 12,083 Stunden gelte nd. Dieser Aufwand erweist sich um- fangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Der ausgewiesene Zeitaufwand ist zu dem in Sozialversiche rungsprozessen für durchschnittli- che Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 117.--. Dem Be- schwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'388.85 (inkl. Ausla- gen von Fr. 117.-- und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten des KIGA zuzusprechen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid vom 6. Februar 2015 aufgehoben und festge- stellt wird, dass der Beschwerdeführer vermittlungsfähig ist. Die Angelegenheit wird zur Prüfung der übrigen Anspr uchsvorausset- zungen ab 3. November 2014 und zum Erlass einer neuen Verfügung an das KIGA Baselland zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das KIGA Baselland hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung in Höhe von Fr. 3'388.85 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteu- er) auszurichten. Gegen diesen Entscheid wurde vom KIGA Baselland am 6. November 2015 Beschwerde beim Bundesgericht ( 8C_825/2015 ) erhoben.