B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-5405/2011 U r t e i l v o m 26 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Vera Marantelli (Vorsitz), Richterin Franziska Schneider, Richter Ronald Flury, Gerichtsschreiberin Bianca Spescha. Parteien X._______, Deutschland vertreten durch Y._______, Beschwerdeführerin, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2, Vorinstanz. Gegenstand Invalidenrente. B-5405/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1958 geborene, in ihrer Heimat wohnhafte deutsche Staatsangehör i- ge X._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) war in der Schweiz e r- werbstätig und entrichtete dementsprechend die Beiträge an die obligato- rische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung. Zuletzt arbeite- te sie als […] bei der […] in […] (vgl. IV act. 12). Am 25. Juni 2010 melde- te sich die Beschwerdeführerin über den deutschen Versicherungsträger bei der IV -Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend: Vori n- stanz) zum Leistungsbezug an (vgl. IV act. 5). B. In der Folge holte die Vorinstanz verschiedene Unterlagen wirtschaftl i- chen Inhalts ein und nahm folgende medizinische Unterlagen zu den A k- ten: – Arztbericht von Dr. med. A._______, Dr. med. Dipl. Psych. B._______ und Dr. med. C._______, Zentrum für P sychiatrie […], vom 29. März 2010 (IV act. 14); – Arztbericht von Dr. med. A._______ und Dr. med. D._______, Zent- rum für Psychiatrie […], vom 23. Juli 2010 (IV act. 26); – Arztbericht von Dr. med. E._______ vom 12. Oktober 2010 (IV act. 27); – Nervenärztliches Gutachten von Dr. med. F._______ vom 3. Februar 2011 (IV act. 28). C. Anschliessend legte die Vorinstanz das Dossier der Ärztin des Regional Ärztlichen Dienstes der Vorinstanz (nachfolgend: RAD) Dr. med. G._______, Fachärztin Allgemein e Medizin, zur Beurteilung vor, welche ihrerseits noch eine Stellungnahme von Dr. med. H._______, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, einholte. Die RAD -Ärztin Dr. med. G._______ stellte in ihrem Schlussbericht vom 7. Juni 2011 folgende Hauptdiagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F20.2) mit/bei – Vd.a. ausgeprägtem amnestischem Syndrom (ICD-10: F10.6) B-5405/2011 Seite 3 – alkoholtoxischem hirnorganischem Psychosyndrom (ICD-10: F06) – fortgeschrittener fronto -temporaler und zerebellär betonter Hirnatr o- phie (CT 7. 04. 10) – mittelgradiger depressiver Episode (07/2010) (ICD-10: F 32.1) – möglicher geringgradiger Leberverfettung (DD. Alkoholbedingt) – aktenanamnestisch klinischen Hinweisen für Leberzirrhose (Spider-Nävi, Jugularvenenstauung, Dr. med. E._______, 10/2010) – aktenanamnestisch Hinweise auf eine distal betonte Polyneuropathie (aufgehobene Muskeleigenreflexe an Beinen, Gangunsicherheit, feinschlägiger Tremor der Hände) Des Weiteren stellte sie folgende Nebendiagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: – aktenanamnestisch Folsäuremangel, Pollenallergie, Sinustachykardie, verlängerte QT-Zeit, Status nach vorübergehendem Harnwegsinfekt (03/2010) Ergänzend führte die RAD -Ärztin Dr. med. G._______ aus, dass die B e- schwerdeführerin aufgrund einer langjährigen Alkoholabhängigkeit wah r- scheinlich an einem amnestischen Syndrom mit ausgeprägten Ei n- schränkungen im kognitiven Bereich und auf der Verhaltensebene sowie an körperlichen Problemen wie Zit tern und Gangunsicherheit leide. Aus ärztlicher Sicht müsse deshalb eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeg- licher Erwerbstätigkeit spätestens ab dem letzten effektiven Arbeitstag am 25. Januar 2010 bestätigt werden. Es bestünde eine gewisse Möglichkeit, dass der Gesundheitszustand bei konsequenter und vollständiger Alk o- holabstinenz sich innert einem Jahr bessern könnte, weshalb sich em p- fehle, einerseits von der Beschwerdeführerin eine Alkoholabstinenz zu verlangen und andererseits einen neuen psychiatrischen Befundbericht in einem Jahr anzufordern (vgl. IV act. 32). D. Mit Vorbescheid vom 17. Juni 2011 stellte die Vorinstanz der Beschwe r- deführerin nach Ablauf des Wartejahres ab 1. Januar 2011 eine ganze In- validenrente in Aussicht. Sie habe jedoch festgest ellt, dass die Erwerb s- fähigkeit der Beschwerdeführerin durch eine Alkoholentziehungskur ve r- bessert werden könnte, weshalb die Invalidenrente mit der Verpflichtung der Beschwerdeführerin verbunden sei, mit ihrem Arzt Kontakt aufz u- nehmen und sich einer solch en Entziehungskur zu unterziehen. Anläs s-B-5405/2011 Seite 4 lich der nächsten Revision würde sie prüfen, ob die Beschwerdeführerin sich der auferlegten Behandlung unterzogen habe und von ihrem zustä n- digen Arzt einen Bericht über ihren Gesundheitszustand verlangen. Bei nicht durchgeführter Behandlung würde in Anwendung von Art. 21 Abs. 4 ATSG entschieden werden. E. Mit Schreiben vom 4. Juli 2011 reichte die Beschwerdeführerin ein ärztl i- ches Attest von Dr. med. E._______, Facharzt Allgemeine Medizin, ein, worin dieser bestätigt, dass bereits im Jahr 2010 eine Entgiftung und A l- koholentzugsbehandlung durchgeführt worden sei und die Beschwerd e- führerin seither keinen Alkohol mehr konsumiert habe (vgl. IV act. 37 und 38). F. Mit Verfügung vom 30. August 2011 bestätigte die Vorinstanz ih ren Vor- bescheid vom 17. Juni 2011 und spra ch der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2011 eine ganze Invalidenrente - verbunden mit der Verpflich- tung sich einer Entziehungskur zu unterziehen - zu (vgl. IV act. 44). G. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 29. September 2011 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Zur Begründung bringt sie einerseits vor, die anrechenbare Beitragsdauer sei nicht richtig festgestellt worden, da das Arbeitsverhältnis bei der […] bis zum 31. J a- nuar 2011 bestanden habe. Andererseits sei die Auflage, sich einer Alk o- holentziehungskur zu unterziehen aufzuheben, denn eine solche Thera- pie sei bereits von 19. März 2010 bis 16. Juli 2010 mit Erfolg bi s zum heutigen Tag durchgeführt worden. Eine weitere Entziehungskur sei d a- her jedenfalls derzeit nicht geboten. H. Mit Vernehmlassung vom 31. Mai 2012 führt die Vorinstanz aus, dass die Ausgleichskasse […] nach entsprechenden Abklärungen das individuelle Konto der Beschwerdeführerin bis Ende 2011 nachgeführt habe. Das im Januar 2011 erzielte Erwerbseinkommen könne jedoch in Anwendung von Art. 29bis AHVG i.V.m. Art. 52 AHVV bei der Rentenberechnung nicht berücksichtigt werden, weshalb es bei der bisherigen Re ntenberechnung verbleibe. Die Vorinstanz beantragt in diesem Sinne die Abweisung der Beschwerde bzw. die Bestätigung der angefochtenen Verfügung. B-5405/2011 Seite 5 I. In ihrer Replik vom 4. Juli 2012 macht die Beschwerdeführerin geltend, dass im Versicherungsverlauf des Jahres 2010 die Monate September bis Dezember fehlen würden. Der Beschwerdeführerin stünde ein zusätzl i- ches Beitragsjahr zu, wenn diese Zeiten, in denen sie weiter in ihrem A r- beitsverhältnis gestanden habe und für welche Beiträge geleistet worden seien, berücksichtigt würden. Des Weiteren rügt die Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz zur Auflage, sich einer Alkoholentziehungskur zu u n- terziehen, nicht Stellung genommen habe. J. Mit Duplik vom 18. Juli 2012 hält die Vorinstanz an ihren Antr ägen fest und füh rt unter anderem aus, dass im Sinne der Schadenminderung s- pflicht, die IV -Stelle auch zukünftig von der Beschwerdeführerin fordern dürfe, dass zumutbare Heilbehandlungen zu unterziehen seien, sofern sie zur Erwerbsfähigkeit beitragen würden. K. Auf die weite ren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterl a- gen wird – sofern erforderlich und rechtserheblich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalide n- versicherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügu n- gen der IV -Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Indes findet das Verwaltungsverfahrensgesetz aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den allgeme inen Teil des B-5405/2011 Seite 6 Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversich e- rung (Art. 1a – 26bis und 28 – 70) anwendbar, soweit das IVG nicht au s- drücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. 1.3 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Verf ü- gung der Vorinstanz vom 30. August 2011. Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingereicht (Art. 60 ATSG). Als Adressatin der angefoch- tenen Verfügung ist die Beschwerdeführerin besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder Aufhebung (Art. 59 ATSG). Damit ist auf die Beschwerde, nachdem auch der geforderte Kos- tenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, einzutreten. 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit, wenn nicht eine kantonale B e- hörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat (Art. 49 VwVG). 2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der B e- gehren der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die B e- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gu t- heissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer B e- gründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. HÄBERLI, in: Waldmann/Weissenberger, Praxiskommentar VwVG, Art. 62 N 40). 2.3 Im Sozialversicherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, s o- fern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei s- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mö g- lichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlich s- te würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). 3. Vorab ist zu prüfen, welche Rechtsnormen im vorliegenden Verfahren zur Anwendung gelangen. B-5405/2011 Seite 7 3.1 Die Beschwerdeführerin besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und wohnt in Deutschland, sodass vorliegend das am 1. Juni 2002 in Kraft ge- tretene Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft e i- nerseits und der Europäischen Gemeinschaft andererseits über die Fre i- zügigkeit vom 21. Juni 1999 (Freizügigkeitsabkommen, nachfolgend: FZA, SR 0.142.112.681) anwendbar ist (Art. 80a IVG). Das Freizügi g- keitsabkommen setzt die verschiedenen bis dahin geltenden bilatera len Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und den einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union insoweit aus, als darin derselbe Sachbereich geregelt wird (Art. 20 FZA). Gemäss Art. 8 Bst. a FZA werden die Systeme der sozialen Sicherhe it koordiniert, um insb e- sondere die Gleichbehandlung aller Mitglieder der Vertragsstaaten zu gewährleisten. Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 (EWG, SR 0.831. 109.268.1) haben die Personen, die im Gebiet eines Mitgliedstaates wohnen, für die diese Verordnung gilt, die gleichen Rechte und Pflichten aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mi t- gliedstaates wie die Staatsangehörigen dieses Staates selbst, soweit be - sondere Bestimmungen dieser Verordnung nichts anderes vorsehe n. Da- bei ist im Rahmen des FZA und der Verordnung auch die Schweiz als „Mitgliedstaat“ zu betrachten (Art. 1 Abs. 2 von Anhang II des FZA). Dem- nach richten sich die Bestimmung der Invalidität, die Berechnung des I n- validitätsgrades und der Rentenhöhe auch n ach dem Inkrafttreten des FZA nach schweizerischem Recht (BGE 130 V 253 E. 2.4), insbesondere dem IVG, der IVV, dem ATSG sowie der entsprechenden Verordnung vom 11. September 2002 (ATSV, SR 830.11). Noch keine Anwendung finden vorliegend auch die am 1. Ap ril 2012 in Kraft gesetzten Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Pa r- laments und Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit sowie (EG) Nr. 977/2009 des Europäischen Parl a- ments und Rates vom 16. September 2009 z ur Festlegung der Modalit ä- ten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die der Systeme der sozialen Sicherheit. 3.2 Nach den allgemeinen intertemporalen Regeln sind in verfahren s- rechtlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend, welche i m Zeit- punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2). In materiellrechtlicher Hinsicht sind diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts Ge l- tung haben (BGE 130 V 329 E. 2.3). Ein al lfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab die-B-5405/2011 Seite 8 sem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata temporis; vgl. BGE 130 V 445). Damit finden im vorliegenden Verfahren grundsätzlich jene schweizerischen Rechtsvorschriften Anwendung, die bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 30. August 2011 in Kraft standen (B e- stimmungen der 5. IV-Revision). Noch keine Anwendung findet vorliegend das am 1. Januar 2012 in Kraft getret ene erste Massnahmepaket de r 6. IV-Revision (AS 2011 5659). 3.3 Bezüglich der vorliegend auf Grund von Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG zu berücksichtigenden ATSG -Normen zur Ar - beitsunfähigkeit (Art. 6), Erwerbsunfähigkeit (Art. 7), Invalidität (Art. 8) und zur Bestimmun g des Invaliditätsgrades (Art. 16) hat das Schweize - rische Bundesgericht (vormals Eidgenössisches Versicherungsgericht [EVG]) erkannt, dass es sich bei den in Art. 3 -13 ATSG enthaltenen L e- galdefinitionen in aller Regel um eine formellgesetzliche Fassung de r höchstrichterlichen Rechtsprechung zu den entsprechenden Begriffen vor In-Kraft-Treten des ATSG handelt und sich inhaltlich damit keine Änd e- rung ergibt, weshalb die hierzu entwickelte Rechtsprechung übernommen und weitergeführt werden kann (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.1, 3.2 und 3.3). 4. Die Beschwerdeführerin stellt die Zusprechung der ganzen Invalidenrente ab 1. Januar 2011 nicht in Frage. Sie rügt jedoch zum einen die Berec h- nung der Beitragsdauer, da die Monate September bis Dezember 2010 nicht berücksichtigt worden seien, und verlangt sinngemäss eine Beric h- tigung ihres individuellen Kontos. Zum anderen rügt sie die von der Vorin- stanz auferlegte Schadenminderungspflicht. 5. Zunächst ist daher zu prüfen, ob die Vorinstanz bei der Berechnung der Invalidenrente der Beschwerdeführerin die Beitragsdauer korrekt berüc k- sichtigt hat. 5.1 Gemäss Art. 36 Abs. 2 IVG sind für die Berechnung der ordentlichen Renten die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters - und Hinterlassenenversicherung (AHVG , SR 831.20) sinngemäss anwendbar. Gemäss Art. 29 bis Abs. 1 AHVG werden die Renten grundsätzlich nach Massgabe der Beitragsjahre und des durchschnittlichen Jahreseinko m- mens der rentenberechtigten Person zwischen dem 1. Januar nach B-5405/2011 Seite 9 Vollendung des 20. Altersj ahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalles berechnet. Die vorliegend strittigen Beitragsjahre bestimmen sich gemäss Art. 29 ter Abs. 2 AHVG nach der Anzahl der Jahre, in welchen die Person selbst AHV/IV-Beiträge geleistet hat, ihr Ehegatte gemäss Art. 3 Abs. 3 AHVG mindestens den doppelten Minimalbeitrag geleistet hat oder Erziehungs - oder Betreuungsgutschriften angerechnet werden können. Da die B e- schwerdeführerin unbestrittenermassen weder einen Anspruch auf Betreuungsgutschriften hat noch verheiratet ist, wird auf Art. 29 ter Abs. 2 Bst. b und c im Folgenden nicht eingegangen. Die Beitragsjahre werden gemäss Art. 30 ter AHVG aufgrund der Einträge im individuellen Konto der Beschwerdeführerin berechnet. Art. 140 Abs. 1 Bst. d der Verordnung vom 31. Oktober 1947 über die Alters - und Hinter- lassenenversicherung (AHVV, SR 831.101) schreibt vor, dass das indiv i- duelle Konto das Beitragsja hr und die Beitragsdauer in Monaten umfa s- sen muss (BGE 107 V 7 E. 3 b). Ein volles Beitragsjahr liegt gemäss Art. 50 AHVV vor, wenn eine Person insgesamt länger als elf Monate im Sinne von Artikel 1a oder 2 AHVG versichert war und während dieser Zeit den Mindestbeitrag bezahlt hat. Bei Eintritt des Versicherungsfalls kann eine Berichtigung von Eintragu n- gen im individuellen Konto nur verlangt werden, soweit deren Unrichti g- keit offenkundig ist oder dafür der volle Beweis erbracht wird (Art. 141 Abs. 3 AHVV; BGE 117 V 261 E. 3). Damit wird jedoch keine Beweise r- schwernis herbeigeführt, sondern gemäss bundesgerichtlicher Rech t- sprechung gilt der ebenfalls im Sozialversicherungsrecht anwendbare Un- tersuchungsgrundsatz. Dies hat zur Folge, dass die Verwaltungsbehörd e und im Streitfall das Gericht für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen haben, wobei die Untersu- chungspflicht ihr Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien findet (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hin weisen). Im Fall der Beweislosigkeit fällt jedoch der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die daraus Rechte ableiten will (BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). 5.2 Unbestrittenermassen ist vorliegend für die Jahre 1991 bis 2009 ei ne vollständige Beitragsdauer von 19 Jahren ausgewiesen. Für das Jahr 2010 hat die Beschwerdeführerin mit einer Gesamteinkommenssumme von Fr. […] den AHV-Mindestbetrag zweifelsohne erfüllt. Das Jahr 2010 B-5405/2011 Seite 10 könnte in Anwendung von Art. 50 AHVV als zusätzliche s Beitragsjahr an- gerechnet werden, wenn die Beschwerdeführerin im genann ten Jahr während 11 Monaten AHV-versichert gewesen wäre, was nachfolgend zu prüfen ist. 5.2.1 Die Vorinstanz stützt sich auf den Auszug aus dem individuellen Konto und geht davon aus, dass für das Jahr 2010 k ein volles Beitrag s- jahr vorliege , da die Beschwerdeführerin nur während 9 Monaten AHV - versichert gewesen sei (vgl. IV act. 59). 5.2.2 Die Beschwerdeführerin geht demgegenüber davon aus, dass ihr Arbeitsverhältnis bei der […] in […] bis 31. Januar 2011 gedauert habe und sie somit für das Jahr 2010 ein zusätzliches volles Beitragsjahr erfü l- le. 5.2.3 Aus dem bei den Akten liegenden Aufhebungsvertrag zwischen der […] und der Beschwerdeführerin vom 29. April 2011 geht hervor, dass – im Nachgang zu der bereits erfolgten Kündigung vom 25. Januar 2010 – das Arbeitsverhältnis nun doch rückwirkend auf den 31. Januar 2011 au f- gelöst wurde. Dabei wurde explizit festgehalten, dass der Arbeitsvertrag vom 10. Dezember 2002 auf den 31. Januar 2011 beendet wird. Fo lglich war die Beschwerdeführerin bis 31. Januar 2011 bei der […] in […] ange- stellt und daher für das ganze Jahr 2010 obligatorisch AHV-versichert. 5.3 Als Zwischenergebnis kann festgehalten werden, dass sich der Ei n- trag im individuellen Konto der Beschwerdef ührerin demnach in Bezug auf die Beitragsdauer als offensichtlich nicht korrekt erweist, weshalb vor- liegend eine Berichtigung des individuellen Kontos notwendig ist. Unter Berücksichtigung eines vollständigen Beitragsjahres im Jahr 2010 resu l- tiert daher eine Beitragsdauer von insgesamt 20 Jahren. 6. Anschliessend ist zu prüfen, ob die in der angefochtenen Verfügung vom 30. August 2011 von der Vorinstanz auferlegte Massnahme in Form einer Alkoholentziehungskur gerechtfertigt ist. 6.1 Entzieht oder widersetzt sic h eine versicherte Person einer zumutb a- ren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentl i- che Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglic h- keit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutb a- re dazu bei, so können ihr gemäss Art. 21 Abs. 4 Satz 1 ATSG die Lei s- tungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. B-5405/2011 Seite 11 Damit der Versicherungsträger diese Rechtsfolgen eintreten lassen kann, muss er aber vorgängig das in Art. 21 Abs. 4 Satz 2 ATSG vorgeschrie- bene Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchführen, d.h. er hat die vers i- cherte Person schriftlich zu mahnen, sie auf die Rechtsfolgen hinzuwe i- sen und ihr eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Sinn und Zweck des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens ist es, die versicherte Person in j e- dem Fall auf die möglichen nachteiligen Folgen ihres Widerstandes g e- gen die vorgesehenen Massnahmen aufmerksam zu machen und sie so in die Lage zu versetzen, in Kenntnis aller wesentlichen Faktoren ihre Entscheidung zu tref fen (BGE 122 V 220). Innerhalb der gesetzten Frist und im Wissen um die angedrohten Folgen, soll die versicherte Person entscheiden, ob sie ihre bisherige Verweigerungshaltung aufgeben will. Die versicherte Person soll mit anderen Worten nicht Folgen eines Ver- haltens tragen, über dessen Auswirkungen sie sich möglicherweise keine Rechenschaft abgelegt hat ( KIESER, ATSG -Kommentar, Z ü- rich/Basel/Genf 2003, Art. 21 Rz. 68). Die Rechtsprechung hat die Durch- führung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens für den Bereic h der Invali- denversicherung als zwingend erforderlich erklärt (BGE 122 V 218 ff.). 6.2 Im Rahmen der Rentenverfügung vom 30. August 2011 forderte die Vorinstanz die Beschwerdeführerin auf, sich einer Alkoholentziehungskur zu unterziehen. Weiter geht aus der g enannten Verfügung hervor, dass das Ergebnis der Behandlung bei der nächsten Rentenrevision überprüft werde. Sollte die Beschwerdeführerin die vorgeschlagene Behandlung nicht durchgeführt haben, müsse sie mit den in Art. 21 Abs. 4 ATSG er- wähnten Rechtsfolgen rechnen. 6.3 Im vorliegenden Fall hat d ie Vorinstanz der Beschwerdeführerin einstweilen eine Invalidenrente zugesprochen und die von ihr geforderte Massnahme in Form einer Alkoholentziehungskur als Auflage formuliert. Somit hat sie faktisch das Mahn - und Bedenkzeitverfahren eingeleitet. In solchen Fällen ist für die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht Voraussetzung, dass die Vorinstanz insbesondere aufgrund medizin i- scher Abklärungen zum Schluss gelangt, dass eine bestimmte Massna h- me zur Minderung der Arbeitsunfähigkeit führen kann. Diese Prognose muss mindestens mit dem Grad der Wahrscheinlichkeit gesichert sein, die blosse Möglichkeit genügt zur Auferlegung einer Massnahme in Form einer Alkoholentziehungskur grundsätzlich nicht. 6.4 Die auferlegte Massnahme in Form einer Alkoholentziehungskur stützt sich insbesondere auf die Stellungnahme der RAD -Ärztin Dr. med. B-5405/2011 Seite 12 G._______ vom 7. Juni 2011, welche ausführte, dass eine gewisse Mö g- lichkeit bestehe, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdefü h- rerin bei konsequenter und vollständiger Alkoholabstinenz innert eines Jahres verbessern könnte (vgl. IV act. 32 S. 8). Im Rahmen ihrer Einwä n- de vom 4. Juli 2011 gegen den Vorbescheid vom 17. Juni 2011 reichte die Beschwerdeführerin ein Schreiben von Dr. med. E._______ vom 30. Juni 2011 ein, wonach die Beschwerdeführerin bereits eine längere stationäre Alkoholentziehungsbehandlung von 19. März 2010 bis 16. Juli 2010 a b- solviert und seither keinen Alkohol mehr k onsumiert habe (vgl. IV act. 35 ff.). Die Vorinstanz führte in ihrer Duplik vom 18. Juli 2012 aus, dass sie auch zukünftig von der Beschwerdeführerin fordern dürfe, sich einer zumutbaren Heilbehandlung zu unterziehen, sofern sie zur Verbesserung der Erwerbsfähigkeit beitrage. 6.5 Aufgrund der vorliegenden – und mangels anderslautenden – Arztbe- richte ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin seit Abschluss ihrer stationären Alkoholbehandlungskur am 16. Juli 2010 alkoholabst i- nent ist. Die Stellungnahme der RAD -Ärztin Dr. med. G._______ vom 7. Juni 2011 erscheint daher unter dem Blickwinkel, dass die Beschwerd e- führerin zu diesem Zeitpunkt bereits seit über einem Jahr keinen Alkohol konsumierte, als nicht nachvollziehbar. Zusätzlich geht die RAD-Ärztin Dr. med. G._______ lediglich von einer gewissen Möglichk eit der Gesun d- heitsverbesserung aus, was nach dem Dargelegten nicht genügt. Des Weiteren bleibt auch offen, von welcher Verbesserung der Arbeitsfähigkeit die Vorinstanz im Revisionszeitpunkt ausgeht, falls sich die Beschwerd e- führerin der Behandlung nicht u nterziehen würde und welche Rechtsfo l- gen (Einstellung oder Kürzung) diesfalls konkret eintreten würden. Eine Bedenkzeit wird sinngemäss bis zur nächsten amtlichen Revision eing e- räumt. Wann diese genau stattfinden soll, wird in der angefochtenen Ve r- fügung nicht genannt. 6.6 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Auflage der Schadenminderungspflicht in verschiedener Hinsicht zu wenig konkret i- siert wurde, da zum einen der durch die Massnahme erwartete Umfang der Verbesserung nicht angegeben wurde, zum anderen der Zeitraum der Bedenkfrist nicht genau definiert wurde und schliesslich auch die konkr e- ten Rechtsfolgen nicht angedroht wurden. Unter diesen Umständen g e- nügt die Auflage der Schadenminderungpflicht den Anforderungen an das Mahn- und Bedenkzeitverfahren nicht. B-5405/2011 Seite 13 7. Die Beschwerde erweist sich als begründet, weshalb sie gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfügung vom 30. August 2011 ist aufzuheben und die Sache ist an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Auflage, die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Einwände gegen die Schadenmind e- rungspflicht zu prüfen und soweit sie daran festhält, im Sinne der Erw ä- gung zu konkretisieren. Des Weiteren ist festzustellen, dass im individuel- len Konto der Beschwerdeführerin für das Jahr 2010 eine Beitragsdauer von 12 Monaten besteht. Der entsprechende Eintrag im individuellen Konto der Beschwerdeführerin ist dementsprechend zu berichtigen. A n- schliessend hat die Vorinstanz unter Berücksichtigung der massgebe n- den anrechenbaren Beitragsdauer eine Neuberechnung der Invalidenren- te vorzunehmen und eine neue Verfügung zu erlassen. 8. Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten sowie eine allfällige Parteientschädigung. 8.1 Angesichts des Obsiegens der Beschwerdeführerin sind keine Verfah- renskosten zu erheben (Art. 63 Ab s. 1 sowie 2 VwVG; vgl. BGE 132 V 215 E. 6.1). Der bereits geleistete Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 400.– wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 8.2 Der obsiegenden Beschwerdeführerin ist eine v on der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), welche mangels Kostennote aufgrund der Akten zu bestim- men ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Das de r Beschwerdeführerin zu entschä- digende Honorar bestimmt sich nach dem notwendigen Zeitaufwand ihrer nichtanwaltlichen Vertreterin (Art. 10 Abs. 1 und 2 VGKE). Unter Berück- sichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwands erachtet das Bundesverwaltungsgericht ein zu entschädigendes Honorar von Fr. 300.– (inklusive Auslagen, ohne Mehrwertsteuer) für angemessen. B-5405/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Es wird festgestellt, dass im individuellen Konto der Beschwerdeführerin für das Jahr 2010 eine Beitragsdauer von 12 Monaten zu erfolgen hat. 3. Die angefochtene Verfügung vom 30. August 2011 wird aufgehoben. Die Sache wird an die Vorinstanz zurückgewiesen, damit diese im Sinne der Erwägungen neu verfüge. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der von der Beschwerdefüh- rerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400. – wird ihr nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 5. Die Vorinstanz wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 300.– auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein, Beilage: Rückerstattungsformular) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde) – das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV (Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Vera Marantelli Bianca Spescha B-5405/2011 Seite 15 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die U n- terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 2. Oktober 2012