Abteilung IV D-873/2007 {T 0/2} U r t e i l v o m 2 . S e p t e m b e r 2 0 1 0 Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiber Martin Maeder. A._______, geboren (...), Serbien, vertreten durch Dr. iur. Nicolas Roulet, Advokat, (...), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2006 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-873/2007 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 30. September 2002 in der Schweiz um Asyl nach. Bei der Aufnahme ihrer Personalien führte sie an, sie sei Muslimin, gehöre zur Volksgruppe der Roma, verständige sich am besten in Romanes und spreche daneben auch Serbokroa- tisch. Die ersten siebzehn Lebensjahre habe sie in ihrem Geburtsort C._______ (Grossgemeinde D._______, Kosovo) verbracht, ehe sie im Jahr 1977 in den (...) E._______ (Stadtbezirk F._______) umgezogen sei. Dort habe sie im Jahr 1982 ihren Mann geheiratet, welcher sich im Un terschied zu ihr dem orthodoxen Glauben verschrieben habe. Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei in der ersten Hälfte des Jahres 2002 in einem Abstand von einem Monat zweimal von zwei kahlköpfigen Unbekannten bei ihrer Arbeit auf dem Markt verprügelt worden, weil diese sie für eine Albanerin gehalten hätten. Sie habe deswegen die Polizei in F._______ eingeschaltet, welche jedoch ohne Angabe von Gründen untätig geblieben sei. Früher habe sie sich von Zeit zu Zeit bei ihrer Mutter in Kosovo aufgehalten. Nach deren Tod während des Krieges sei dies nicht mehr möglich gewesen. Über sehr lange Zeit habe sie ihre – in der Schweiz beziehungsweise in Deutschland lebenden – Kinder nicht sehen können. Unter dieser Trennung habe sie stark ge- litten, so dass sie psychisch krank geworden sei. A.b Der Ehemann der Beschwerdeführerin, B._______, reichte hierzulande am 17. Oktober 2002 ein Asylgesuch ein. In den Befragun- gen bezeichnete er sich als Roma christlich-orhodoxen Glaubens. Als Grund für sein Asylgesuch führte er an, weil seine Ehefrau eine aus Kosovo zugezogene muslimische Roma sei, habe es immer wieder Streitigkeiten mit serbischen Bewohnern in E._______ gegeben. Ge- nerell seien sie als Roma permanent die Zielscheibe von Be- schimpfungen, Bedrohungen und Übergriffen serbischer Zivilpersonen gewesen. Persönlich sei er zu Hause von den serbischen Nachbarn und auch am Arbeitsplatz oder auf offener Strasse von Serben bedroht, beleidigt, beschimpft und provoziert worden. Seine Ehefrau sei bei der Arbeit auf dem Markt beschimpft und malträtiert worden, wobei man sie einmal derart zusam mengeschlagen habe, dass sie mehrere Zähne verloren habe. Seite 2D-873/2007 A.c Mit Verfügung vom 30. Oktober 2003 erkannte das damalige Bun- desamt für Flüchtlinge (BFF, seit 2005 Teil des BFM) der Beschwerde- führerin und ihrem Ehemann die Flüchtlingseigenschaft nicht zu und lehnte deren Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den – als zulässig, zumutbar und mög- lich erachteten – Vollzug an. Als Begründung für die Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft führte das Bundesamt zusammenfas send an, die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann vermöchten mit ihren Ge suchsvorbringen einesteils bereits die Vorbedingung des Glaubhaft- machens und anderenteils die materiellrechtlichen Kriterien von Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht zu erfül- len. Betreffend den Vollzug der Wegweisung vertrat das Bundesamt den Standpunkt, dass im Heimatland (Serbien und Montenegro) keine menschenrechtswidrige Strafe oder Behandlung drohe und weder die herrschende politische Situation noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit einer Rückführung dorthin sprächen. A.d Mit Urteil vom 25. September 2006 wies die damalige Schweize- rische Asylrekurskommission (ARK) die am 28. November 2003 gegen die Verfügung des Bundesamts vom 30. Oktober 2003 erhobene Be- schwerde ab. In ihren Erwägungen zur Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs führte die ARK unter anderem aus, Roma lebten in Ser- bien zum Teil in prekären sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen und könnten im Alltag noch immer mit verschiedenartigen Schikanen seitens von Privatpersonen und teilweise auch von Behördenvertretern betroffen sein, wobei derartige Behelligungen mitunter auch in Gewalt- tätigkeiten mündeten. Diese Erschwernisse stellten jedoch im Allge- meinen keine existenzbedrohende Situation dar, welche einen Weg- weisungsvollzug als unzumutbar erscheinen liessen. Aus den Akten er- gäben sich keine Anhaltspunkte, aufgrund derer allenfalls geschlossen werden müsste, die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann seien in Serbien in erhöhtem Mass der Gefahr von Schikanen und Übergriffen ausgesetzt oder gerieten nach einer Rückkehr in ihre Heimat aus indi- viduellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Na- tur in eine existenzbedrohende Situation. In diesem Zusammenhang sei festzuhalten, dass das Bundesamt in seiner Verfügung vom 30. Ok- tober 2003 zutreffend dargelegt habe, weshalb namentlich die zur Be- gründung des Asylgesuches geltend gemach ten Beleidigungen, Be- drohungen und Gewalttätigkeiten gegenüber der Beschwerdeführerin durch Serben nicht glaubhaft geschildert worden seien. Für die Wie- dereingliederung im Heimatland werde unter anderem von Nutzen Seite 3D-873/2007 sein, dass die Beschwerdeführerin ausser ihre Muttersprache Roma - nes auch Serbokroatisch spreche. A.e Mit Schreiben vom 28. September 2006 setzte das BFM der Be- schwerdeführerin und ihrem Ehemann eine bis zum 24. November 2006 laufende Frist zum Verlassen der Schweiz an. A.f Im Rahmen der Beantragung einer individuellen Rückkehrhilfe beim BFM bestätigten die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann am 17. Oktober 2006 mit ihrer Unterschrift, die Schweiz definitiv und selb- ständig zu verlassen. A.g Am 10. November 2006 reichte die Beschwerdeführerin beim BFM einen Bericht der Externen Psychiatrischen Dienste (EPD) G._______ vom 8. November 2006 (mitunterzeichnet vom stellvertretenden Chef- arzt) ein und ersuchte unter Berufung darauf für sich selbst und ihren Ehe mann um Erstreckung der Ausreisefrist bis Frühjahr 2007. A.h Am 23. November 2006 bewilligte das BFM die beantragte Rück- kehrhilfe, bestehend aus einer vom Kanton zu entrichtenden materiel- len Zusatzhilfe und einer nach der Rückkehr durch das Büro der IOM (Internationale Organisation für Migration) in H._______ auszu- zahlenden finanziellen Hilfe. A.i In Beantwortung des Fristerstreckungsgesuchs vom 10. Novem ber 2006 teilte das BFM der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann mit formlosem Schreiben vom 29. No vember 2006 mit, dass die ihnen ein- geräum te Ausreisefrist unverändert bestehen bleibe und sie den An- ordnungen der kantonalen Migrationsbehörde Folge zu leisten hätten. B. Mit Eingabe vom 21. Dezember 2006 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter beim BFM beantragen, es sei ihre "Weg- weisungsverfügung" in Wiedererwägung zu ziehen. Als Begründung führte sie an, wie aus dem eingereichten Bericht der EPD G._______ vom 8. November 2006 hervorgehe, könne ihr ein Vollzug der Wegweisung zum derzeitigen Zeitpunkt aus medizinischen Gründen nicht zugemutet werden. C. Mit Verfügung vom 29. Dezember 2006 – eröffnet am 2. Januar 2007 – wies das BFM das – als solches behandelte – Wiedererwägungsge- Seite 4D-873/2007 such vom 21. Dezember 2006 ab und bestätigte die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des Entscheides vom 30. Oktober 2003. D. Am 1. Februar 2007 (Poststempel) liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwer- de einreichen. Im Hauptpunkt stellte sie das Begehren, es sei die Ver- fügung des BFM vom 29. Dezember 2006 vollumfänglich aufzuheben, die Verfügung vom 30. Oktober 2003 in Wiedererwägung zu ziehen, die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihre vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. Im Eventualpunkt be- antragte sie, es sei die Angelegenheit zur neuen Entscheidung im Sin- ne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht ersuchte sie das Bundesverwaltungsgericht da- rum, der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen, in- dem es den Vollzug der Wegweisung vorläufig und bis auf weiteres aussetze. Im Weiteren ersuchte sie um Kostenauflage nach dem Grad des Durchdringens mit ihren Begehren sowie – eventualiter – um Ge- wäh rung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung durch den von ihr bevollmächtigten Rechtsvertreter. Zusammen mit der Beschwerdeschrift reichte die Beschwerdeführerin eine Kopie des vorerwähnten Berichts der EPD G._______ vom 8. November 2006, die Kopie eines Berichts ihres Hausarztes (FMH allgemeine Medizin) vom 29. Dezember 2006 sowie die Kopie eines Be richts der Kantonalen Psychiatrischen Klinik (KPK) G._______ vom 26. Januar 2007 zu den Akten. E. Mit vorsorglicher Massnahme vom 2. Februar 2007 setzte der Instruk- tionsrichter den Wegweisungsvollzug aus. F. Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2007 bestätigte der Instruktions- richter die Aussetzung des Wegweisungsvollzugs, verlegte die Beurtei- lung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) auf einen späte- ren Zeitpunkt und verzichtete auf die Erhebung eines Verfahrenskos- tenvorschusses. Gleichzeitig wies er das Gesuch um Gewährung der unengeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 2 VwVG (Verbei- ständung) ab und ordnete die Überweisung der Akten an die Vorin- Seite 5D-873/2007 stanz zur Vernehmlassung an, wobei er das BFM unter Hinweis auf die diesbezüglich in der angefochtenen Verfügung unterbliebene Erörte- rung insbesondere einlud, zur medizinischen Versorgung und den Be- handlungsmöglichkeiten im nicht zu Kosovo gehörenden Staatsgebiet von Serbien und insbesondere im Raum H._______ Stellung zu nehmen. G. G.a In seiner Vernehmlassung vom 16. April 2007 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. G.b Mit verfahrensleitender Verfügung vom 17. April 2007 stellte der Instruktionsrichter der Beschwerdeführerin eine Kopie der Vernehm las- sung des BFM zu und gewährte ihr das Recht, bis zum 2. Mai 2007 darauf zu replizieren. G.c Mit Eingabe vom 2. Mai 2007 ersuchte die Beschwerdeführerin um angemessene Erstreckung der Frist zur Einreichung einer Replik. G.d Mit Zwischenverfügung vom 7. Mai 2007 verlängerte der Instruk- tionsrichter die Replikfrist bis zum 22. Mai 2007. G.e In ihrer Replik vom 22. Mai 2007 nahm die Beschwerdeführerin zu den Argumenten des BFM in der Vernehmlassung Stellung und hielt vollumfänglich an den Begehren und Standpunkten in der Beschwerde fest. H. H.a Am 7. Juli 2008 (Poststempel) erkundigte sich die Beschwerdefüh- rerin schriftlich nach dem voraussichtlichen Urteilszeitpunkt. H.b Der Instruktionsrichter teilte der Beschwerdeführerin mit Antwort- schreiben vom 17. Juli 2008 mit, dass aus Rücksicht auf ältere Ge- schäfte mit vergleichbarer oder noch aussergewöhnlicherer Charakte- ristik ein verbindlicher Urteilszeitpunkt nicht genannt werden könne. I. I.aAm 10. Mai 2010 liess die kantonale Migrationsbehörde dem Bun- desverwaltungsgericht einen Bericht vom 6. März 2009 über die ge- sundheitliche Situation der Beschwerdeführerin zukommen, welchen es mit Schreiben vom 4. Dezember 2008 bei einem Diplom-Psycho- logen und (...) in Auftrag gegeben hatte. Seite 6D-873/2007 I.bMit Zwischenverfügung vom 14. Juli 2010 brachte der Instruktions- richter der Beschwerdeführerin den Bericht vom 6. März 2009 zur Kenntnis und räumte ihr das Recht ein, bis zum 3. August 2010 dazu Stellung zu nehmen und allfällige Ergänzungen anzubringen. I.cAuf Ersuchen der Beschwerdeführerin vom 3. August 2010 hin er- streckte der Instruktionsrichter am 4. August 2010 die Frist zur Stel- lungnahme bis zum 19. August 2010. I.dMit Eingabe vom 18. August 2010 liess sich die Beschwerdefüh- rerin zu den Ausführungen im Bericht vom 6. März 2009 vernehmen. Zur Dokumentation ihres derzeitigen Gesundheitszustands reichte sie ein Schreiben der sie behandelnden Spezialärztin (FMH Psychiatrie und Psychotherapie) vom 16. August 2010 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Als eine der Beschwerdeinstanzen im Verwaltungsverfahren des Bun des (vgl. Art. 47 Abs. 1 Bst. b VwVG) beurteilt das Bundesverwal- tungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG . Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG ge- nannten Behörden, zu welchen auch das BFM (Art. 33 Bst. d VGG) zählt. Im Ausnahmen katalog von Art. 32 VGG sind Beschwerden ge- gen Verfügungen auf dem Gebiet des Asylrechts nicht aufgeführt, womit die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts als Beschwer- deinstanz in diesem Bereich gegeben ist (Art. 105 AsylG). Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) bestätigt diese Zuständigkeit und schliesst gleichzeitig die Weiterzugsmöglichkeit an das Bundesgericht aus. 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Ent- scheid jedoch ungeachtet der erhobenen Rügen grundsätzlich in vol- lem Umfang überprüfen. Es stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG) und wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufolge Seite 7D-873/2007 verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt jene Rechtsnormen an- zuwenden, die es als zutreffend erachtet, und ihnen jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. Entscheide des Schweizerischen Bun desverwaltungsgerichts [BVGE] 2007/41 E. 2 S. 529 f.). 2. 2.1 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor dem Bundesamt teilgenommen, ist durch die am 29. Dezember 2006 ergangene Verfü- gung besonders berührt und kann sich auf ein schutzwürdiges Interes- se an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung berufen. Damit ist sie zur Einreichung der dagegen gerichteten Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 2.2 Die Eingabefrist sowie die Anforderungen an Form und Inhalt der Be schwerdeschrift sind gewahrt (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 50 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 3. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht geregelter Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfügende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht. Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Vorausset- zungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abge- leitet. Weist ein Gesuch eine – gemessen am Inhalt des verfassungs- mässigen Wiedererwägungsanspruchs – genügend substanziierte Be- gründung auf, so unterliegt die angerufene Behörde einer Behand- lungspflicht (qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch; vgl. Entscheidun- gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f., BGE 127 I 133 E. 6, jeweils mit weiteren Hinweisen). In einer ersten Variante zieht die zuständige Be- hörde eine selbst getroffene Verfügung in Wiedererwägung, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit Eintritt der Rechtskraft – am Tag nach Ablauf der nicht genutzten Rechtsmittelfrist oder durch bestäti- gendes Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz – in wesentlicher Weise verändert hat und mithin eine Anpassung der (fehlerfreien) Verfügung erforderlich ist, ohne dass deren Gegenstand neu beurteilt wird (frz. "demande d'adaptation"). Sodann können auch eigentliche Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung be - Seite 8D-873/2007 gründen, sofern sie sich auf eine rechtskräftige Verfügung beziehen, die entweder unangefochten geblieben oder deswegen niemals einer materiellen Prüfung unterzogen worden ist, weil das angehobene Be- schwerdeverfahren mit einem formellen Prozessurteil endete. Ein der- artiges Rechtsmittel ist grundsätzlich nach den Regeln des Revisions- verfahrens zu behandeln. Eine wiedererwägungsrechtliche Prüfung greift schliesslich auch für Beweismittel Platz, die sich thematisch auf vor dem ordentlichen Beschwerdeentscheid des Bundesverwaltungs- gerichts eingetretene Tatsachen beziehen, selber aber erst danach entstanden sind (vgl. Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG letzter Halbsatz i.V.m. Art. 45 VGG). Für alle diese Varianten gilt, dass auf das Wiedererwä- gungsgesuch gar nicht erst einzutreten ist, wenn zu dessen Begrün- dung lediglich unsubstanziierte Behauptungen aufgestellt werden und aus der Rechtsschrift die tatsächlichen Anhaltspunkte, die auf das Vor- liegen eines Wiedererwägungsgrundes hindeuten sollen, nicht ersicht- lich sind (zum Ganzen vgl. EMARK 2005 Nr. 25 E. 4.2. S. 227 f., EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen, EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd S. 156). 4. 4.1 Vorliegend wurde im Wiedererwägungsgesuchs vom 21. Dezem- ber 2006 geltend gemacht, ein Vollzug der Wegweisung könne der Be- schwerdeführerin zum derzeitigen Zeitpunkt nicht zugemutet werden. Zur Begründung wurde pauschal auf den Bericht der EPD G._______ vom 8. November 2006 verwiesen, welcher bereits am 10. No vem ber 2006 zur Stützung des Gesuchs um Erstreckung der Ausreisefrist bis Frühjahr 2007 beim BFM eingereicht worden war. Diesem ärztlichen Bericht vom 8. November 2006 zufolge meldete der Hausarzt die Beschwerdeführerin erstmals am 12. April 2005 wegen "psychisch auffälligen Verhaltens mit häufigem unerklärlichem Lachen" zur psy- chiatrischen Evaluation in den EPD G._______ an. Zu einer psychologisch-psychiatrischen Behandlung kam es in der Folge nicht. Nach eigenmächtiger Einnahme einer unbekannten Dosis eines Anti- depressivums wurde die Beschwerdeführerin wiederum am 4. Ok tober 2006 durch den Hausarzt in den EPD angemeldet. Im gleichen Monat verabreichte sich die Beschwerdeführerin zum zweiten Mal vorsätzlich eine Überdosis eines ihr mitgegebenen Antidepressivums. Aufgrund der am 17., 23. und 30. Oktober 2006 sowie am 6. Novem ber 2006 durchgeführten Behandlungsgespräche diagnostizierten der stellver- tretende Chefarzt sowie die behandelnde Psychologin der EPD bei der Beschwerdeführerin eine leichte depressive Episode und äusserten Seite 9D-873/2007 den Verdacht einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Ei- ner Beantwortung der Frage, ob die zweimalige Einnahme einer Über- dosis Psychopharmaka suizidale oder parasuizidale Handlungen dar- stellten, enthielten sich die beiden Fachleute mit der Erklärung, dies sei im Moment nicht klar einschätzbar. Die Reisefähigkeit erachteten sie unter der Voraussetzung als gegeben, dass der bei einer fakti- schen Umsetzung der Wegweisung bestehenden Suizidgefahr mittels spezifischer Instruktion der Fremdenpolizei und – eventuell – Beglei- tung sowie anschliessender Sicherstellung einer Behandlungsmöglich- keit im Herkunftsland begegnet werde. 4.2 In der angefochtenen Verfügung kam das BFM zum Schluss, dass anhand des ärztlichen Berichts vom 8. November 2006 keine – im Ver- gleich zur Situation bei Erlass des Beschwerdeurteils vom 25. Sep - tember 2006 – entscheidwesentlich veränderte Sachlage hergeleitet werden könne. Als mögliche Ursachen für die psychische Verfassung der Beschwerdeführerin würden im Bericht einerseits die Angst vor einer Rückkehr in die Heimat und andererseits ein Vorfall aus dem Jahr 2002 angeführt, bei welchem der Beschwerdeführerin nach ihren Angaben die Zähne ausgeschlagen worden seien. Weil die PTBS sich in der Regel nicht später als sechs Monate nach dem Trauma äussere, bedeutete dies, dass die mit dem gewaltsamen Vorfall im Jahr 2002 zusammenhängenden Symptome sich weit früher hätten manifestieren müs sen als erst im Augenblick des bevorstehenden Wegweisungsvoll- zugs. Sodann deute nichts darauf hin, dass der Bericht auf vertieften Untersuchungen beruhe, wie sie für eine gesicherte Diagnose psychi- scher Störungen wie beispielsweise einer PTBS eigentlich unabding- bar seien. Der behandelnde Arzt relativiere seine diesbezügliche Dia- gnose denn auch selber, weil er eine Retraumatisierungsgefahr an die Be dingung knüpfe, dass die Beschwerdeführerin denn auch tatsäch- lich unter einer PTBS leide. Gemäss ärztlicher Einschätzung sei die Be schwerdeführerin grundsätzlich reisefähig. Depressionen und suizi- dale Tendenzen, welche vor dem Hintergrund eines behördlichen Ent- zugs des Aufenthaltsrechts in der Schweiz bei den betroffenen Perso- nen nicht selten zu beobachten seien, könnten vor der Abreise oder im Rahmen einer adäquaten medizinischen Rückkehrhilfe auch in Kosovo medikamentös behandelt werden. Einer allfälligen vorübergehenden Verschlechterung der Gesundheit der Beschwerdeführerin könne mit einer Anpassung der Medikation entgegengewirkt werden. In Kosovo stünden in psychiatrischen Einrichtungen neben den notwendigen Me- dikamen ten auch eine stationäre und ambulante Behandlung sowie in Seite 10D-873/2007 gewissem Umfang auch eine psychotherapeutische Betreuung zur Ver- fügung. Die Beschwerdeführerin habe die Möglichkeit, sich im Rahmen einer zu beantragenden medizinischen Rückkehrhilfe einen Medika- men tenvorrat mitgeben zu lassen, um allfällige Engpässe in der medi- kamen tösen Versorgung in Kosovo aufzufangen. Zudem verfügten sie und ihr Ehemann über Verwandte im Heimatstaat und hätten nötigen- falls die Möglichkeit, bei den im Ausland lebenden Familienangehöri- gen Unterstützung anzufordern. 5. 5.1 Im Bericht der EPD G._______ vom 8. November 2006 wird die Beschwerdeführerin dahingehend zitiert, dass Symptome wie Durch- schlafstörungen, Albträume, ungewollte Visualisierung des verstorbe- nen Vaters mit anschliessendem Bewusstseinsverlust sowie generell schlechte Stimmung bei ihr schon "seit Jahren" bestünden, "in letzter Zeit" jedoch "deutlich zugenommen" hätten. Die Perspektive einer Rückkehr nach "Jugoslawien" mache ihr grosse Angst und raube ihr den Lebenswillen. Die Beschwerdeführerin legt damit das Hauptgewicht ihrer Vorbringen klar erkennbar auf die Periode nach dem negativen Beschwerdeurteil vom 25. September 2006 (Behandlungsbeginn in den EPD am 17. Ok - tober 2006, deutliche Zunahme der Symptome "in letzter Zeit", wieder aktuell gewordene Rückkehrperspektive als belastender Faktor). Mit anderen Worten macht sie im Kern (vgl. immerhin E. 5.2.1 hiernach) geltend, dass ihr Gesundheitszustand sich seit Abschluss des ordentli- chen Asylverfahrens wesendlich verschlechtert habe und den Vollzug der Wegweisung nunmehr als unzumutbar erscheinen lasse. Wie vom BFM korrekt festgehalten wurde (vgl. Verfügung vom 29. Dezember 2006, S. 1), handelt es sich somit um ein Gesuch um Wiedererwägung im klassischen Sinn der Anpassung (frz. "adaptation") einer ursprüng- lich fehlerfreien rechtskräftigen Verfügung an eine massgeblich verän- derte Sachlage (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 104). Die zumindest irreführende Terminologie in der Beschwerde, wonach das BFM ange- sichts "neuer erheblicher Tatsachen" im Bericht der EPD vom 8. No- vem ber 2006 zu Recht auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten sei (vgl. Beschwerde, S. 6 Ziff. B.13), ist entsprechend zu berichtigen. Bei der Beurteilung der Frage, ob vorliegend eine wesentliche Verän- derung der Sachlage vorliegt, bildet somit der 25. September 2006 als Erlassdatum des Urteils der ARK im vorangegangenen ordentlichen Seite 11D-873/2007 Be schwerdeverfahren die zeitliche Referenz (vgl. EMARK 1995 Nr. 21 E. 1c S. 204). Mit Ergehen jenes materiellen Rechtsmittelentscheids erwuchs die vom Wiedererwä gungsgesuch betroffene Verfügung des Bun desamts vom 30. Oktober 2003 erst in Rechtskraft. Zu bedenken ist in zeitlicher Hinsicht weiter, dass für den vorliegenden Beschwerde- entscheid im Wiedererwägungsverfahren die im Moment seiner Ausfäl- lung bestehende Aktenlage massgeblich ist. Die angefochtene Verfü- gung des BFM vom 29. Dezember 2006 hat sich somit nicht nur vor der im Moment ihres Erlasses gegebenen Sach- und Rechtslage zu behaupten, sondern ausserdem gegenüber den im Verlauf des Be- schwerdeverfahrens dazugekommenen Tatsachen und Beweismitteln zu bewähren. In materieller Hinsicht hat die vorzunehmende komparative Prüfung entlang der Bestimmung von Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über Ausländerinnen und Ausländer [AuG; SR 142.20]) zu verlaufen, nach welcher der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar ist, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen ange- wendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlings- eigenschaft noch jene des völkerrechtlichen Non-Refoulement-Prinzips erfüllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwen dung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wä- ren, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht er- halten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschen- den Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernst- haften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5, BVGE 2009/41 E. 7.1, BVGE 2009/28 E. 9.3.1, jeweils mit weiteren Hinweisen). Bei der hier im Vordergrund stehenden Gefährdungsva- riante der medizinischen Notlage nach Art. 83 Abs. 4 AuG ist beson- ders zu beachten, dass nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn das Fehlen einer not- wendigen medizinischen Behandlung im Heimatland nach der Rück- kehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Ge sundheitszustandes der betroffenen Person führen würde. Dabei Seite 12D-873/2007 wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Be- handlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdi- gen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behand- lung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). 5.2 Im konkreten Fall erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Sach lage mit Blick auf die gesundheitliche Verfassung der Beschwer- deführerin nicht als in einem Masse verändert, dass im Unterschied zur Einschätzung der ARK im Urteil vom 25. September 2006 auf Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu schliessen wäre. 5.2.1Soweit im Wiedererwägungsgesuch und in den Eingaben im Be- schwerdeverfahren unter Verweis auf Arztberichte (betreffend den Be - richt vom 8. November 2006 vgl. E. 5.1 hiervor) und frühere Äusse- rungen der Beschwerdeführerin (so etwa die Aussage in der summa ri- schen Befragung vom 7. Oktober 2002, wonach sie "psychisch krank" geworden sei [vgl. act. A1/8 S. 4]) psychische Probleme in der Zeit vor dem 25. Sep tember 2006 thematisiert werden, stellen sich Abgren- zungsfragen in Bezug auf die Wahl des Rechtsmittels und die Beurtei- lungszuständigkeit. Diesbezüglich ist der Klarheit halber auf die um- fangreiche Rechtsprechung der ARK hinzuweisen, welche vom Bun - desverwaltungsgericht in den Grundsätzen weitergeführt wird (vgl. EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd S. 156, EMARK 1998 Nr. 1 E. 6 S. 10 ff., EMARK 1998 Nr. 3 E. 3a S. 21, EMARK 1998 Nr. 8 E. 3 S. 53 f., EMARK 1995 Nr. 9 E. 5 S. 80 f., EMARK 1995 Nr. 21 E. 1c S. 204). Übertragen auf den vorliegenden Fall hat die Praxis zur Folge, dass gesundheitliche Probleme, die behauptungsgemäss schon vor dem 25. Sep tember 2006 bestanden haben, von der Beschwerdeführerin korrekterweise mit einem Revisionsgesuch gegen das an diesem Tag gefällte Beschwerdeurteil bei der ARK beziehungsweise – ab dem 1. Januar 2007 – beim Bundesverwaltungsgericht (vgl. BVGE 2007/11 E. 3.3 S. 119) hätten geltend gemacht werden müssen (unechte Nova). Im entsprechenden Revisionsverfahren wären auch vor Bundesverwal- tungsgericht die besonderen Bestimmungen von Art. 66 ff. VwVG zur Anwen dung gelangt (vgl. BVGE 2007/11 E. 4.5 und 4.6 S. 120; zur Entschuldbarkeit des verspäteten Vorbringens von mit Schuld- und Schamgefühlen behafteten Erlebnissen auf Grund einer erlittenen Traumatisierung im Anwendungsbereich von Art. 66 Abs. 3 VwVG sie- he BVGE 2007/31 E. 5.1 S. 376 f.). Die im vorliegenden Wiedererwä- Seite 13D-873/2007 gungsverfahren eingereichten, nach dem 25. September 2006 er- stellten Arztberichte wären daher ebenso auf Revisionsgesuch (und nicht auf Wiedererwägungsgesuch) hin zu prüfen gewesen, insoweit sie sich thematisch auf vor dem 25. September 2006 eingetretene Sachumstände beziehen (vgl. im Gegensatz dazu die in Revisionsver- fahren gegen Beschwerdeentscheide des Bundesverwaltungsgerichts anwendbare Regel von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG letzter Halbsatz, siehe vorne E. 3). Ob die diesbezüglichen Tatsachen und Beweismittel sich in einem solchen Revisionsverfahren vor dem Bundesverwal- tungsgericht als erheblich, das heisst als geeignet erwiesen hätten oder erweisen würden, in der Frage der Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs zu einem anderen Entscheid zu führen, braucht hier aus prozessökonomischen Gründen nicht erörtert zu werden. Weil das Wiedererwägungsge such vom 21. Dezember 2006 argumen tativ gera- de auf einer wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustan- des der Beschwerdeführerin seit dem Urteil vom 25. Sep tember 2006 gründet und seine Abweisung durch das BFM sich – aus den nachfol- genden Überlegungen – als rechtmässig erweist, kann nämlich a for- tiori ausgeschlossen werden, dass ein neuer Beschwerdeentscheid im An schluss an eine revisionsweise Aufhebung des Urteils vom 25. Sep - tember 2006 (vgl. Art. 68 Abs. 1 VwVG) im Punkt des Wegweisungs- vollzugs anders ausgefallen wäre oder ausfallen würde. 5.2.2Gleichwohl ist bei der strittigen Frage, ob und – bejahenden- falls – in welchem Ausmass sich der Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin seit dem 25. September 2006 verschlechtert hat, als Ausgangstatsache zu berücksichtigen, dass sich nach Angaben in der Be schwerde (vgl. daselbst, Ziff. B.14 und B.16) die psychischen Pro- bleme der Beschwerdeführerin nicht erst im Zuge der definitiven An- ordnung des Wegweisungsvollzugs, sondern offensichtlich weit vor dem betreffenden Entscheid der ARK vom 25. Septem ber 2006 deut- lich manifestiert haben. So sei eine entsprechende medikamentöse Be handlung gemäss Angaben des Hausarztes im Kurzbericht vom 29. De zember 2006 bereits im Jahr 2004 installiert worden, und es ha- be eine erstmalige psychiatrische Exploration schon im Jahr 2005 stattgefunden. Weil die beiden Selbsttötungsversuche und die darin er- kennbare Suizidalität keine erstmalige psychische Auffälligkeit darstell- ten, sondern zu vorbestandenen psychischen Problemen hinzugetre- ten seien, gehe es an der Sache vorbei, wenn das BFM – so sinnge- mäss die Gegenargumen tation in der Beschwerde – auf die Hypothese einer versuchten Sicherung des Aufenthaltsrechts mittels Vortäu- Seite 14D-873/2007 schung einer Selbstmordgefahr anspiele. Zum Bericht der EPD vom 8. No vember 2006, in dem bereits auf die Gefahr einer Retraumatisie- rung hingewiesen worden sei, komme nun das Fazit der verantwortli- chen Ärzte im Bericht der KPK G._______ vom 26. Januar 2007 hinzu, wonach die Beschwerdeführerin sich in einer schweren depressiven Episode mit Suizidalität bei bestehender PTBS befinde, eine längere Reise derzeit nicht bewältigen könne und einer länger dauernden Therapie in einem geschützten Rahmen bedürfe. Eine solche Therapie sei im Heimatland nicht gewährleistet, weshalb der Vollzug der Weg- weisung aus medizinisch-psychiatrischer Sicht nicht vertretbar sei. Demgegenüber erachtete das BFM in seiner Vernehmlassung vom 16. April 2007 den Wegweisungsvollzug unverändert als zumutbar. Zur Begründung wies es einleitend darauf hin, dass die in der angefoch- tenen Verfügung erwähnten psychiatrischen Einrichtungen in Kosovo in letzter Zeit weiter ausgebaut worden seien. Ergänzend führte es an, im Gegensatz zum – noch nicht vollumfänglich mit schweizerischen Mas sstäben vergleichbaren – Qualitätsstandard in Kosovo sei in Ser- bien und namentlich im Grossraum H._______, wo die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise gelebt habe, dank eines durch die Regierung und internationale Geldgeber alimentierten, dynamischen Reformprozesses kaum noch etwas von den früheren Defiziten feststellbar. Die psychiatrische Versorgung habe sich in den letzten Jahren unter der Leitung des psychiatrischen Zentrums der Universitätsklinik H._______ und des Instituts für Psychiatrie wieder an westeuropäische Standards he rangearbeitet. Dank der Zusammenarbeit der (...) Zentren mit mehreren über das Land verteilten Kliniken würden praktisch flächendeckend alle gängigen Behandlungen angeboten. Dabei werde mit mo dernsten therapeutischen Ansätzen gearbeitet, so auch im staatlichen Sektor, in dem die Behandlung in der Regel kostenlos sei. In ihrer Replik vom 22. Mai 2007 hält die Beschwerdeführerin daran fest, dass ihr der Vollzug der Wegweisung nicht zugemutet werden könne. Obschon sie eingestehen müsse, den derzeitigen Stand der medizinischen Versorgung weder in Kosovo noch in Serbien detailliert zu kennen, gehe sie "aufgrund ihrer Erfahrung" davon aus, dass in ihrer Heimat keine adäquate Versorgung bestehe, welche mit der hier erfahrenen verglichen werden könne. Sowohl das Eidgenössische De- partement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) als auch das Deut- sche Auswärtige Amt wiesen darauf hin, dass die medizinische Versor- Seite 15D-873/2007 gung in Serbien ausserhalb der Grossstädte nicht gewährleistet und die Mitnahme genügender Medikamentenvorräte für Patienten ratsam sei. Primär wegen fehlender finanzieller Mittel seien die gegenwärtigen Kapa zitäten der Gesundheitseinrichtungen in Kosovo begrenzt und in vielfacher Hinsicht unzureichend, um für Einzelpersonen mit psycholo- gischen Störungen eine angemessene Behandlung zu gewährleisten. Aufgrund dessen und nicht zuletzt in Anbetracht der Warnhinweise des EDA müsse zum heutigen Zeitpunkt davon ausgegangen werden, dass die für sie notwendige medizinische Versorgung weder in Kosovo noch in Serbien gewährleistet sei. Der von der kantonalen Migrationsbehörde mit Abklärungen betraute Psychologe hält seinerseits im Bericht vom 6. März 2009 aufgrund ei- nes persönlichen Gesprächs mit der Beschwerdeführerin am 17. Fe- bruar 2009 in teilweiser Anwesenheit ihres Ehemannes und ihrer Schwes ter sowie nach Einsicht in die vorerwähnten ärztlichen Berichte (Hausarzt, EPD und KPK G._______) und eine ärztliche "Stel- lungnahme" vom 22. Juli 2008 fest, es sei äusserst schwer festzustel- len, ob Ereignisse im Heimatland bei der Beschwerdeführerin wirklich eine PTBS hinterlassen hätten. Da dieser Punkt nicht zu klären sei, sei die im Bericht der EPD vom 8. November 2006 gestellte Diagnose des Verdachts auf PTBS die zutreffende, wenngleich auch dieser Befund aufgrund der jetzt vorliegenden Ereignisse nicht vollständig gestützt werden könne. Hingegen könne bestätigt werden, dass bei der Be- schwerdeführerin eine partielle Verwirrung und eine depressive Ver- stimmung vorlägen. Ob eine schwere oder leichte Form einer Depres- sion bestehe, hänge wohl auch von den örtlichen und zeitlichen Um- ständen ab. Im aktuell feststellbaren Zustand einer leichten Verwirrung und Depressivität sei die Beschwerdeführerin durchaus reisefähig. Nach vollzogener Wegweisung sei eine Fortsetzung der medikamentö- sen Therapie mit einem Antidepressivum und einem angstlösenden und schlaffördernden Mittel über genügend lange Zeit unbedingt erfor- derlich, ansonsten mit negativen Komplikationen zu rechnen sei. In der Stellungnahme vom 18. August 2010 wird nach Einsicht in den Bericht vom 6. März 2009 resümiert, dass die seither durchgeführten Ab klärungen kein wesentlich anderes Bild des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ergeben hätten als zum Zeitpunkt der Be- schwerdeerhebung. Die Frage des Vorliegens einer PTBS respektive des blossen Verdachts auf das Vorliegen einer PTBS werde von den behandelnden und begutachtenden Ärzten offensichtlich unterschied- Seite 16D-873/2007 lich gewichtet. Folge man dem Fazit im Bericht vom 6. März 2009, wo- nach diese Frage wohl nicht eindeutig beurteilt werden könne, so sei zu Gunsten der Beschwerdeführerin von einer PTBS auszugehen. Die sie seit dem 4. März 2008 behandelnde Psychiaterin halte in ihrem Schreiben vom 16. August 2010 denn auch fest, dass bei der Be- schwerdeführern eine PTBS mit Persönlichkeitsveränderung, schwe- ren Angstzuständen und depressiven Stimmungsschwankungen vorlie- ge. Wie die Psychiaterin gleichenorts ausführe, habe die "langsame psychische Stabilisierung", zu welcher es bei der Beschwerdeführerin gekommen sei, ihre Ursache nicht nur in der regelmässigen Medika- men teneinnahme, sondern auch in regelmässigen Psychotherapiege- sprächen und der Einbettung in einem geschützten Umfeld in der Schweiz, bestehend aus ihrer Tochter und deren Familie. Nicht ausser Acht gelassen werden dürfe in diesem Zusammenhang, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann zwar beide Angehörige der Roma, jedoch unterschiedlicher Herkunft und religiöser Ausrichtung seien. In Serbien werde die Beschwerdeführerin als Albanerin wahrge- nom men, in Kosovo betrachte man ihren Ehemann als Serben. Sowohl in Serbien als auch in Kosovo könnten die Beschwerdeführerin und ihr Mann kaum vermeiden, als Roma gemischt religiöser Ausprägung ei- ner entsprechenden Diskriminierung ausgesetzt zu werden. Daher müs se davon ausgegangen werde, dass im Fall des Wegweisungs- vollzugs eine regelmässige Medikation mit Psychopharmaka nicht garantiert sei und ebenso wenig eine notwendige regelmässige Gesprächstherapie sichergestellt sei. Die Gesundheit der Beschwerde- führerin sei deshalb bei einer Rückkehr mangels adäquater medizini- scher Versorgung gefährdet. 5.2.3Aus Sicht des Gerichts ist es im Sinn einer ganzheitlichen und nüchternen Beurteilung zunächst angebracht, das Hauptmotiv des Wiedererwägungsgesuchs – erhebliche Verschlechterung des Gesund- heitszustands seit dem 25. September 2006 – nicht losgelöst von dem am 10. November 2006 eingereichten Gesuch um Ausreisefristerstre- ckung (vgl. Prozessgeschichte Bst. A.g) zu betrachten. In der Begrün- dung dieses Gesuchs wurden unter Hinweis auf den ärztlichen Bericht vom 8. November 2006, welcher sechs Wochen später mit dem Wie- dererwägungsgesuch dem BFM erneut als Beweismittel unterbreitet wurde, die Angst der Beschwerdeführerin vor einer Rückkehr nach Serbien und daraus entstehende existenzbedrohliche Schwierigkeiten geltend gemacht. Letztere wurden jedoch im Unterschied zum Wie- dererwägungsgesuch vom 21. Dezember 2006 spezifisch mit dem be- Seite 17D-873/2007 vorstehenden Winter erklärt und zum Anlass für die blosse Bitte ge- nom men, die Wintermonate noch in der Schweiz verbringen zu kön- nen. Gleichzeitig versicherten die Beschwerdeführerin und ihr Ehe- mann dem BFM gegen über explizit ihre Bereitschaft, die Schweiz im nächsten Frühjahr zu verlassen. Bereits am 17. Oktober 2006 hatten sie zudem im Zusammenhang mit der Beantragung einer Rückkehr- hilfe ihren Willen, selbständig in ihre Heimat zurückzukehren, ohne den Vorbehalt eines erbetenen Weiterverbleibs in der Schweiz über die Wintermonate mit ihrer Unterschrift bestätigt. Sodann zeigt sich bei eingehender Prüfung der Akten, dass die – letztlich akademische – Frage, ob das bei der Beschwerdeführerin vorliegende Krankheitsbild nach der internationalen Klassifikation der Krankheiten (IDC-10) als PTBS zu werten ist oder sich mangels aus- reichend(er) zuverlässiger Anhaltpunkte lediglich eine entsprechende Verdachtsdiagnose stellen lässt, sich nicht entscheidend auf die Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im heutigen Zeitpunkt auswirkt. So präsentiert sich in beiden Fällen eine Rückkehr in den Heimatstaat als ein auch unter humanitären Gesichtspunkten vertretbares Szena- rio, durch welches die Beschwerdeführerin kurz- oder mittelfristig kei- ner konkreten Gefährdung ausgesetzt würde. Bei dieser Einschätzung ist vorab klarzustellen, dass die Beschwerde- führerin aufgrund der vorne dargelegten biografischen Merkmale zwei- felsohne als Staatsangehörige von Serbien zu betrachten ist (vgl. dazu das zur Publikation vorgesehene Urteil D-7561/2008 vom 15. April 2010 E. 6.4.2). Das zuständige serbische Ministerium hat denn auch am 21. Februar 2007 auf Antrag des BFM hin schriftlich die Zustim- mung für eine Rückübernahme der Beschwerdeführerin und ihres Ehe- mannes erteilt. Weiter ergibt sich aus den Akten von selbst, dass die Be dingungen sich in Serbien und insbesondere im Raum H._______ im Hinblick auf einen Wegweisungsvollzug für die Beschwerdeführerin günstiger präsentieren als in Kosovo. Dabei gilt es insbesondere zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin zuletzt ihren Wohnsitz in E._______ hatte (vgl. Prozessgeschichte Bst. A.a) und nach dem Tod ihrer Mutter in Kosovo offenbar über keine Verwandten oder anderen Bezugspersonen mehr verfügt. Entgegen der Auffassung in der Eingabe vom 18. August 2010 besteht unter Berücksichtigung aller Umstände ausreichende Gewähr dafür, dass die Beschwerdeführerin im Fall einer Rückkehr nach Serbien wei- Seite 18D-873/2007 terhin Zugriff auf die – nach einhelliger Meinung der Ärzte – benötigten Medikamente (Psychopharmaka) und therapeutischen Gespräche mit einer psychiatrisch geschulten Person hätte. Das BFM weist in der Vernehmlassung vom 16. April 2007 zu Recht auf die Tatsache hin, dass in Serbien und namentlich im Grossraum H._______ dank den An strengungen des psychiatrischen Zentrums der Universitätsklinik H._______ und des Instituts für Psychiatrie eine psychiatrische Versorgung aufgebaut wurde, die mit westeuropäischen Standards vergleichbar ist. Diese Feststellung blieb in der Replik vom 22. Mai 2007 im Wesentlichen unwidersprochen. Ebenso wenig wurde von der Beschwerdeführerin bestritten, dass die modernen therapeutischen Ansätze auch im kostenlosen staatlichen Sektor (Recht auf Gesundheitsversorgung) zur Anwendung gelangen. Die in den ärztlichen Berichten als unabdingbar bezeichnete Kontinuität bezüglich der von der Beschwerdeführerin in der Schweiz in Anspruch genommenen Behandlungsformen erscheint somit hinreichend gewährleistet, zumal auch etwaige sprachliche Barrieren wegfallen dürften. Daran ändert nichts, dass aus glaubwürdigen Quellen nach wie vor Diskriminierungen von aus Kosovo oder Südserbien nach H._______ zugezogenen Roma ohne ordentliche Registrierung bei der Inanspruchnahme des Rechts auf Gesundheitsversorgung publik werden. In diesem Punkt dürfte wiederum als begünstigender Faktor zum Tragen kommen, dass die Beschwerdeführerin bereits zwischen 1977 und 2002 zusammen mit ihrem serbisch-orthodoxen Ehemann in E._______ ansässig war und die serbokroatische Sprache beherrscht. Zudem ist sie im Besitz eines Dokuments vom 14. August 1998, welches ihre Geburt am 24. Mai 1960 in C._______ bescheinigt. Es wird der Beschwerdeführerin beziehungsweise dem sie begleitenden Ehemann obliegen, in einer ersten Phase nach der Rückkehr nach Serbien um eine ordentliche Registrierung besorgt zu sein und damit die Voraussetzung für einen ungehinderten Zugang zu den gesund- heitlichen Einrichtungen zu schaffen (vgl. dazu ausführlich das zur Pu- blikation vorgesehene Urteil D-7561/2008 vom 15. April 2010 E. 8.3.3). Um allfälligen Kom plikationen wie etwa der Pflicht zur Tragung eines Selbstbehalts zu begegnen, besteht für die Beschwerdeführerin zu- dem gestützt auf Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylver- ordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen (AsylV 2, SR 142.312) die Möglichkeit, im Rahmen einer neu zu beantragenden individuellen Rückkehrhilfe finanzielle Unterstützung zur medizinischen Betreuung im Heimatstaat über einen bestimmten Zeitraum hinweg zu erhalten oder sich einen Medikamentenvorrat aus der Schweiz mitge- Seite 19D-873/2007 ben zu lassen. Bei Bedarf liesse sich die Rückkehrhilfe mit der Unter- stützung von IOM H._______ praktisch umsetzen (vgl. Art. 93 Abs. 3 AsylG). Sodann erscheint auch der Hinweis des BFM auf die Mög- lichkeit berechtigt, dass die in der Schweiz lebenden Angehörigen der Beschwerdeführerin (Tochter und Sohn) und ihres Ehemannes nöti- genfalls einen Beitrag dazu leisten, dass die medizinische Betreuung der Beschwerdeführerin auch in Serbien zuteil kommt und die an- spruchsvolle erste Phase nach der Rückkehr ohne konkrete Gefähr- dung verläuft. Was die im Schreiben der Psychiaterin vom 16. August 2010 enthalte- ne Aussage betrifft, wonach sich der psychische Zustand der Be- schwerdeführerin bei einer Ausschaffung erheblich verschlechtern könne und Suizidhandlungen nicht auszuschliessen seien, ist Folgen- des zu erwägen: Es ist leicht nachvollziehbar und notorisch, wenn ein unausweichlich bevorstehender Wegweisungsvollzug bei den damit konfrontierten Asylbewerbern zu einem gewissen psychischen Druck führt. Diesem Druck kommt aber für die Frage der Zumutbarkeit des Weg weisungsvollzugs in der Regel keine Relevanz zu, es sei denn, es liege eine ernsthaft gesundheitsgefährdende psychische Störung le- bensbedrohlichen Ausmasses vor. Vorliegend liegen keine Anhalts- punkte für eine dermassen gravierende Störung vor. Für den Zeitraum der tatsächlichen Rückkehr in den Heimatstaat kann im Übrigen, wie dies auch im mit dem Wiedererwägungsgesuch eingereichten ärztli- chen Bericht vom 8. November 2006 hervorgehoben wurde, einer all- fälligen zeitweiligen Verschlechterung des psychischen Zustandes der Be schwerdeführerin medikamentös und mittels Betreuung durch eine mit der Problematik vertraute Fachperson begegnet werden. 5.3 Das Wiedererwägungsgesuch und die Beschwerde enthalten in Be zug auf die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs (Art. 82 Abs. 3 AuG) keine Begehren und Begründungselemente. Grundsätzlich kann das Bundesverwaltungsgericht eine fehlerhafte Verfügung auch ohne ausdrückliches Begehren zugunsten einer Partei ändern (vgl. Art. 62 Abs. 1 VwVG). Es ist allerdings nicht gehalten, über die Vorbringen der Parteien hinaus den Sachverhalt vollkommen neu zu erforschen noch hat es nach allen möglichen Rechtsfehlern zu suchen; vielmehr prüft es von den Parteien nicht aufgeworfene Rechtsfragen nur dann, wenn hierzu aufgrund bestimmter, sich aus den Akten ergebender Anhalts- punkte hinreichend Anlass besteht (vgl. ANDRÉ M OSER /MICHAEL BEUSCH / LORENZ KNEUBÜHLER , Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Seite 20D-873/2007 Basel 2008, Rz. 1.54 ff.; EMARK 2003 Nr. 15 E. 2.a S. 94). Vorliegend bleibt der Vollständigkeit halber anzufügen, dass die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin kein valables Unzulässigkeitskrite- rium darstellt. So können ganz aussergewöhn liche Um stände („circon- stances très exceptionelles“), wie sie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) im Urteil vom 27. Mai 2008 i.S. N. gegen Grossbritannien [Beschwerde Nr. 26565/05] mit ausführlicher Begrün- dung als Leitprinzip seiner Praxis zur Vereinbarkeit der Abschiebung schwer erkrankter Personen mit den Garantien von Art. 3 EMRK bestä- tigt hat (vgl. a.a.O., § 42-45), klarerweise ausgeschlossen werden. Im Übrigen verpflichtet Art. 3 EMRK einen Konventionsstaat grundsätzlich nicht dazu, bei einer Konfrontation mit Suiziddrohungen von einer zu vollziehenden Weg- oder Ausweisung Abstand zu nehmen. Im konkre- ten Fall besteht hinreichende Gewähr dafür, dass nötigenfalls ge- eignete Massnahmen ergriffen werden könnten mit dem Ziel, die Um- setzung allfälliger Suizidabsichten im Zusammen hang mit der Aus- schaffung zu verhindern (vgl. EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1. S. 212, mit einem Hinweis auf den Entscheid des EGMR vom 7. Ok tober 2004 i.S. Dragan u.a. gegen Deutschland [Beschwerde Nr. 33743/03]). 6. Angesichts der aufgezeigten Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Einwendungen in der Beschwerde und in den Folgeeingaben näher einzugehen, weil diese das Ergebnis der vorliegenden wiedererwä- gungsrechtlichen Prüfung nicht entscheidend zu beeinflussen vermö- gen. Aus demselben Grund kann auf weitergehende Ausführungen zu den eingereichten Beweismitteln verzichtet werden. Der rechtsrelevan- te Sachverhalt erweist sich als genügend abgeklärt, und es kann ohne Willkür vorweg die Annahme getroffen werden, weitere Beweiserhe- bungen vermöchten keine wesentlichen Erkenntnisse zu vermitteln und mithin zu keinem anderen Prüfungsergebnis zu führen (sog. antizi- pierte Beweiswürdigung; vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2, EMARK 2003 Nr. 13 E. 4a S. 84). Aus diesem und den vorne dargelegten Gründen ist von weiteren medizinischen Untersuchungen zur Reisefähigkeit der Be schwerdeführerin abzusehen. Sofern die dahingehende Formulie- rung in der Eingabe vom 18. August 2010 als Antrag gemeint ist, ist dieser abzuweisen. Nach Würdigung aller relevanter Umstände ist als- dann festzuhalten, dass die Vorinstanz das Wiedererwägungs gesuch der Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat. Seite 21D-873/2007 7. Gleichzeitig mit der Beschwerde hat die Beschwerdeführerin ein Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege eingereicht (vgl. Prozessgeschichte Bst. D und F), dessen Beurteilung aussteht. Ge - mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einrei- chung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, so- fern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. In der Zwischenverfü- gung vom 2. April 2007 wurde die Beschwerdeführerin darauf hinge- wiesen, dass nach dem Stand der Akten das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege bereits mangels ausgewiesener Be- dürftigkeit auszuweisen wäre. Im weiteren Verlauf des Beschwerdever- fahrens versäumte es die Beschwerdeführerin, die geltend gemachte prozessuale Bedürftigkeit mit einer aktuellen Fürsorgebestätigung oder auf andere geeignete Weise zu belegen. Demzufolge kann sie nicht als prozessual bedürftig im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gelten. Das Gesuch um Ge wäh rung der unentgeltlichen Rechtspflege ist somit un- abhängig von den Erfolgsaussichten der Beschwerdebegehren abzu- weisen. 8. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die gesamten Kosten dem mit ihren Begehren unterlegenen Beschwerdeführerin zu überbin- den (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Diese sind auf einen Betrag von Fr. 1200.- zu bestimmen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes verwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) Seite 22D-873/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1200.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorlie- genden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an: - den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beila- ge: Einzahlungsschein) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (in Kopie) - (kantonale Migrationsbehörde) (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Martin Maeder Versand: Seite 23