Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 4. Dezember 2013 (810 13 159) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Edgar Schürmann, Christian Haidlauf , Gerichtsschreiber i.V. Michael Blattner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertr eten durch Alain Joset , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und We gweisung (RRB Nr. 684 vom 23. April 2013) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ wurde 1980 in der Schweiz geboren und ist im Besitz einer Niederlassungsbewilligung. Zwischen 1986 und 1996 hielt er sich in der Türkei auf, wo er die Schule besuchte. 1999 heiratete er in der T ürkei, wo im Jahr 2001 auch die gemein- same Tochter zur Welt kam. In der Folge reisten die Ehe frau und die Tochter in die Schweiz Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach und im Jahr 2004 definitiv in die Türkei zurück. I m Jahr 2005 wurde die Ehe in der Türkei geschieden. B. Im Zeitraum zwischen Januar 2004 und Juni 2012 fiel A .____ strafrechtlich mehrfach negativ auf: Am 28. Januar 2004 erfolgte eine Verurt eilung des Bezirksgerichts Aarau wegen Verletzung sowie grober Verletzung der Verkehrsregeln . Am 28. April 2004 wurde er vom Be- zirksstatthalteramt Liestal wegen Vergehen gegen das Waff engesetz und Verletzung der Ver- kehrsregeln verurteilt. Am 23. Januar 2008 erliess das Bezirksstatthalteramt Liestal gegen A.____ einen Strafbefehl wegen Sachbeschädigung. Das Ministère public du canton du Jura verurteilte ihn am 19. August 2008 wegen grober Verkehrsregelverletzung. Am 27. August 2008 wurde er von der Staatsanwaltschaft des Kantons Uri wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (qualifizierte Blutalkoholkonzentration) verurteilt. A m 10. September 2009 erging eine Strafver- fügung des Kantons Luzern wegen Überschreitens der Höchst geschwindigkeit. Am 30. September 2009 wurde er von der Polizei wegen ein er Haftstrafe aus dem Kanton Uri (Nichtbezahlung einer Geldstrafe) angehalten. Am 16. bzw. 18. November 2009 erfolgten An- zeigen wegen Drohung und Beschimpfung bzw. wegen Tätli chkeiten und Sachbeschädigung. Das Bezirksstatthalteramt Arlesheim verurteilte A.____ m it Strafbefehl vom 28. Januar 2010 wegen mehrfacher Verletzung von Verkehrsregeln, Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Vereite- lung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, pflichtwidrigen Verhaltens bei Un- fall, mehrfachen Führens eines nicht betriebssicheren Fa hrzeugs, mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis oder trotz Entzugs, mehrfachen Tätlichkei ten, Sachbeschädigung, Hausfrie- densbruchs und falscher Anschuldigung zu einer Geldstraf e von 150 Tagessätzen à Fr. 20.-- sowie einer Busse von Fr. 1'500.--. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 21. Dezember 2011 wurde er wegen falscher Anschuldigun g zu einer Geldstrafe von 45 Ta- gessätzen à Fr. 30.-- verurteilt. Am 5. Juni 2012 erg ing ein Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt wegen Diebstahls, mehrfacher Beschimpfung, mehrfacher Drohung, Nötigung, mehrfacher falscher Anschuldigung, mehrfacher Verletz ung der Verkehrsregeln, mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Vereitelung von Ma ssnahmen zur Feststellung der Fahrun- fähigkeit, pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall, meh rfacher Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis und trotz Entzugs sowie missbräuch- licher Verwendung von Ausweisen und Schildern. A.____ wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à Fr. 30 .-- sowie einer Busse von Fr. 500.-- verurteilt. C. Mit Schreiben vom 14. Februar 2006 wurde A.____ vom Amt für Migration Basel- Landschaft (AfM) unter Bezugnahme auf die strafrechtlich e Verurteilung vom 28. Januar 2004, die von der Sozialhilfebehörde gewährte Unterstützung i n der Höhe von Fr. 71‘126.55 sowie sechs Betreibungen in der Höhe von Fr. 8‘082.30 und se chs Verlustscheine in der Höhe von Fr. 32‘645.20 verwarnt. A.____ wurde ersucht, seinen Lebensunterhalt selbstständig zu bestrei- ten und seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen . Zudem wurde er darauf hingewie- sen, dass ein Ausländer aus der Schweiz ausgewiesen werden könne, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft worden se i, wenn sein Verhalten und seine Haltung darauf schliessen liessen, dass er nicht gewillt o der fähig sei, sich in die geltende Ord- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nung einzufügen oder wenn er der öffentlichen Wohltä tigkeit fortgesetzt und in erheblichem Masse zur Last falle. D. Mit Verfügung vom 27. November 2012 widerrief da s AfM – nach Gewährung des rechtlichen Gehörs – die Niederlassungsbewilligung von A.____ und wies diesen aus der Schweiz weg. Bei A.____ sei mit der Verurteilung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe der Widerrufs- grund der längerfristigen Freiheitsstrafe gegeben. Zu dem erfülle er durch seine zahlreichen Verstösse gegen das Strafgesetzbuch und das Strassenverkehr sgesetz sowie durch die zahl- reichen Betreibungen und Verlustscheine auch den Widerr ufsgrund des schwerwiegenden Verstosses gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit. E. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Alain Joset, mit Einga- be vom 7. Dezember 2012 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Er beantragte, dass die vorgenannte Ve rfügung aufzuheben und ihm die Nie- derlassungsbewilligung zu belassen sei. Eventualiter sei i hm zumindest eine Aufenthaltsbewilli- gung zu erteilen; unter o/e-Kostenfolge. F. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 684 vom 23. A pril 2013 wies der Regierungsrat die Beschwerde von A.____ ab und verfügte dessen Wegweisung aus der Schweiz. Der Widerrufsgrund der längerfristigen Freiheitsstrafe liege unbestrittenermassen durch die vom Strafgericht des Kantons Basel-Stadt mit Urteil vom 5. J uni 2012 verhängte zweijährige Frei- heitsstrafe vor. Im Weiteren erfülle A.____ auch den Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verstosses gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung. A.____ sei zwischen Januar 2004 und 18. Januar 2012 (recte: 5. Juni 2012) insgesamt ne un Mal verurteilt worden sei, wobei der Diebstahl das schwerste Delikt darstelle. Zudem seien aufgr und zahlreicher Strassenverkehrs- delikte insgesamt acht Administrativmassnahmen verfügt wor den. Angesichts der Unbelehrbar- keit von A.____ in Bezug auf die Strassenverkehrsdelikte sei von einer künftigen Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auszugehen. Zu Unr echt leite dieser aus der teilbedingt verhängten Freiheitsstrafe eine gute Legalprognose ab. Der positive Führungsbericht aus dem Strafvollzug habe keinen Einfluss auf die Prüfung, da e ine gute Führung von Strafgefangenen generell erwartet werde. Aus der geltend gemachten Al koholabstinenz lasse sich ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal Alkoholkonsum wäh rend dem Strafvollzug grundsätz- lich untersagt sei und sich eine Alkoholabstinenz erst nach V erstreichen einiger Zeit ab der Haftentlassung verifizieren lasse. Inzwischen weise A.____ 38 Betreibungen in der Höhe von Fr. 87'511.35 sowie 30 offene Verlustscheine im Umfang von Fr. 82'127.70 auf. Damit offenbare er Gleichgültigkeit gegenüber seinen finanziellen Verpflichtungen. Angesichts der 22-jährigen Aufenthaltsdauer habe A.___ _ ein gewichtiges Interesse am Ver- bleib in der Schweiz. Nach bundesgerichtlicher Rechtspre chung könnten indessen eine schlechte Integration und ein negatives persönliches Verh alten eine lange Aufenthaltsdauer relativieren. Selbst bei Ausländern der zweiten Generat ion sei eine Wegweisung bei Gewalt-, Sexual- oder Betäubungsmitteldelikten bzw. bei wiederh olter Straffälligkeit nicht ausgeschlos- sen. Daneben habe auch die Beurteilung der Rückfallge fahr ein gewisses Gewicht. Angesichts Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der wiederholten Delinquenz, der zweijährigen Freihe itsstrafe sowie der Tatsache, dass sich A.____ weder durch Verwarnungen noch Verurteilungen von weiteren Straftaten habe abhalten lassen, erweise sich die angefochtene Verfügung auch unt er dem Aspekt der Aufenthaltsdauer als verhältnismässig. Da A.____ über keine Berufsausbildung verfüge, kaum für längere Zeit gearbeitet habe und in der Vergangenheit sowie aktuell von der Sozialhilfebeh örde unterstützt worden sei bzw. werde, spreche auch die allgemeine Wirtschafts- und Arbeitsmarkt lage gegen einen Verbleib in der Schweiz. Das persönliche Verhalten müsse in Anbetracht de r zahlreichen strafrechtlichen Ver- urteilungen als sehr negativ bezeichnet werden. Das Woh lverhalten im Strafvollzug sei zwar positiv zu werten; daraus lasse sich jedoch nicht ohne Weit eres ableiten, dass bei ihm keine Rückfallgefahr mehr bestehe. Insgesamt sei A.____ schlec ht integriert; sein Integrationsgrad stimme nicht ansatzweise mit seiner langen Anwesenheitsd auer überein. Im Weiteren sei ihm eine Rückkehr in die Türkei trotz wirtschaftlicher und s ozialer Schwierigkeiten zumutbar, zumal er die türkische Sprache beherrsche und noch jung, gesund und vollkommen arbeitsfähig sei. Die Beziehungen zu seinen Verwandten und Bekannten in der Schweiz könnten durch gegen- seitige Besuche und moderne Kommunikationsmittel gepfle gt werden. Schliesslich liege kein Härtefall vor. G. Gegen diesen Beschluss erhob A.____, nach wie vor ver treten durch Advokat Alain Joset, mit Schreiben vom 6. Mai 2013 Beschwerde beim K antonsgericht Basel-Landschaft, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, dass der Entscheid des Regierungsrats vom 23. April 2013 sowie die Verfüg ung des AfM vom 27. November 2012 aufzuheben und das AfM anzuweisen sei, ihm die Niederl assungsbewilligung zu belassen bzw. ihm eine solche zu erteilen. Eventualiter sei ihm eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Der vorliegenden Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung in sofern zu gewähren, als dem Be- schwerdeführer zu gestatten sei, den Entscheid des Kantons gerichts in der Schweiz abzuwar- ten; alles unter o/e-Kostenfolge. Für das Verfahren vo r Kantonsgericht beantragte der Be- schwerdeführer die Bewilligung der unentgeltlichen Pro zessführung sowie Verbeiständung durch Advokat Alain Joset. In seiner ergänzenden Beschwe rdebegründung vom 9. Juli 2013 hielt der Beschwerdeführer – mit Ausnahme des Antrags auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – vollumfänglich an seinen Rechtsbegehren fest. Der Beschwerdeführer bestrei- tet, den Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verstosses geg en die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch seine strafrechtlichen Verurteilungen er füllt zu haben. Trotz der in der Türkei absolvierten Schulzeit habe er als Ausländer der zweite n Generation zu gelten, weshalb eine Wegweisung nur bei besonders schweren Gewalt-, Sexual- oder Betäubungsmitteldelikten bzw. wiederholter Delinquenz in Betracht falle. Im vorlieg enden Fall seien nur Delikte von relativer Schwere verübt worden, wobei der Diebstahl das schwerste Delikt darstelle. Viele seiner Delikte habe der Beschwerdeführer unter Alkoholeinfluss begangen, von dessen Konsum er sich gänz- lich losgesagt habe. Die vom Regierungsrat unter dem Aspekt der Aufenthaltsdauer vorge- nommene Würdigung erweise sich als einseitig. Im Weite ren seien auch das seit der Tatbege- hung bestehende Wohlverhalten des Beschwerdeführers sowi e der Umstand, dass mit Strafur- teil vom 5. Juni 2012 erstmals eine Freiheitsstrafe gege n ihn verhängt worden sei, zu berück- sichtigen. Zusammenfassend hätten die privaten Interessen des Beschwerdeführers insbeson- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dere wegen seiner äusserst langen Aufenthaltsdauer ein das öffentliche Interesse überwiegen- des Gewicht. Der Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verst osses gegen die öffentliche Si- cherheit und Ordnung sei auch nicht durch seine Verschul dung erfüllt, da die Schuldenwirt- schaft alleine keinen Widerruf rechtfertige und im Wei teren bloss aufgrund der Schuldenhöhe ohne weitere Anhaltspunkte nicht von einer Mutwilligkei t des Schuldenmachens ausgegangen werden könne. Zu Unrecht habe der Regierungsrat die A bsicht des Beschwerdeführers, eine Ausbildung zu absolvieren und seine Schulden zurückzuzahle n, ausser Acht gelassen. Der Be- schwerdeführer habe nach seiner Entlassung aus dem Strafvo llzug eine Anstellung gefunden. Schliesslich seien auch die Voraussetzungen einer Härtefallbewilligung gegeben. H. In seiner Vernehmlassung vom 23. Juli 2013 schloss der Regierungsrat unter Verweis auf seine Ausführungen im angefochtenen Entscheid auf Abweisung der Beschwerde unter o/e- Kostenfolge. I. Mit Verfügung vom 12. August 2013 überwies das Kanto nsgericht den Fall der Kam- mer zur Beurteilung. J. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Besch werdeführer, sein Rechtsvertre- ter sowie Noah Birkhäuser als Vertreter des Regierungsrats teil. Die Parteien halten vollumfäng- lich an ihren Rechtsbegehren fest. Der Beschwerdeführer reicht dem Gericht eine Arbeitsbestä- tigung, ein Zwischenzeugnis, eine Lohnabrechnung sowie eine aktualisierte Honorarnote seines Rechtsvertreters ein. Der Regierungsrat legt dem Gericht einen aktuellen Betreibungsregister- auszug des Beschwerdeführers vor. Auf die Ausführungen d er Parteien wird – sofern erforder- lich – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgeset zlicher Ausschlusstatbestand vorliegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtene n Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Da auch die ü brigen Sachurteilsvorausset- zungen gemäss §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde vom 6. Mai 2013 einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemä ss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht dagegen − abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen − untersagt ( § 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und die damit verbundene Wegweisung zu Recht erfolgt sind. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzt oder wenn sie keiner solchen bedarf (vgl. Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005). Die zuständige kantonale Behörde entscheidet gemäss Art. 18 ff. AuG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermes- sen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder oh ne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsan- spruch auf die Gewährung einer Anwesenheitsbewilligung hat die ausländische Person grund- sätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (vgl. BGE 133 I 185 E. 2.3; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslän- derrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 7.84 ff.). 4.2 Aus dem Niederlassungsabkommen zwischen der Schweiz und der Türkischen Repub- lik vom 13. Dezember 1930 (SR 0.142.117.632) lässt sich kein selbständiger staatsvertraglicher Aufenthaltsanspruch zugunsten des Beschwerdeführers ablei ten, denn Art. 1 des Abkommens hält ausdrücklich fest, dass die einschlägigen fremdenpoli zeilichen Regelungen des innerstaat- lichen Rechts vorbehalten sind (vgl. auch Urteil des BG er 2A.473/2006 vom 24. Januar 2007 E. 2.2.2). Es sind entsprechend die Bestimmungen des Au G, vorbehältlich anderer völkerrecht- licher Verträge, anwendbar. 5.1 Die Niederlassungsbewilligung verleiht grundsätzlich einen unbefristeten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz und ist ohne Bedingungen zu erteilen (vgl. Art. 34 Abs. 1 AuG). Der von der Niederlassungsbewilligung grundsätzlich eing eräumte gesetzliche Anspruch auf Anwesenheit gilt indes nicht absolut. Bei Vorliegen e ines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG kann die Niederlassungsbewilligung entzogen werden. Die Niederlassungsbewilligung von Aus- ländern, die sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, kann nur aus Gründen von Art. 63 Abs. 1 lit . b und Art. 62 lit. b AuG widerrufen wer- den (Art. 63 Abs. 2 AuG). Da sich der Beschwerdeführer unbestrittenermassen während mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufgehalten hat, ist im Fol- genden das Vorliegen von Widerrufsgründen nach Art. 6 3 Abs. 1 lit. b und Art. 62 lit. b AuG zu prüfen. 5.2.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 lit. b AuG kann die Niederlassungsbe- willigung widerrufen werden, wenn die Ausländerin od er der Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in diesem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere unterjährige St rafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 137 II 297 E. 2, 135 II 377 E. 4 .2). Keine Rolle spielt, ob die Sanktion be- dingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurd e (Urteil des BGer 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.2 Mit der Verurteilung zu einer teilbedingten Fr eiheitsstrafe von zwei Jahren durch das Strafgericht des Kantons Basel-Stadt ist vorliegend eine längerfristige Freiheitsstrafe ausge- sprochen worden und der Widerrufsgrund von Art. 63 Ab s. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 lit. b AuG gegeben, was vom Beschwerdeführer zu Recht nicht in Frage gestellt wird. 5.3.1 Ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist a uch möglich, wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährdet hat (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Die Praxis geht hiervon aus, wenn der Ausländer durch sein Handeln beso nders hochwertige Rechtsgüter ver- letzt oder in Gefahr gebracht hat, sich von strafrechtlich en Massnahmen nicht beeindrucken lässt und sich im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zeigt, dass er auch künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die Rechtsordnung zu hal ten (BGE 137 II 297 E. 3; Urteil des BGer 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.2). Der Widerruf des schwerwiegenden Verstosses gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung kann auch durch eine Summierung von Verstössen, die für sich genommen für einen Widerruf nicht ausreichen würden, gerechtfer- tigt sein, wenn die betroffene Person mit ihrem (negativen) Verhalten objektiv zeigt, auch künftig weder willens noch fähig zu sein, sich in die geltende R echtsordnung einzufügen (vgl. BBl 2002 3810). In solchen Fällen besteht auch bei Personen mit Niederlassungsbewilligung ein gewich- tiges öffentliches Interesse an deren Entfernung und Fernhaltung. Ob eine ausländische Person willens und in der Lage ist, sich in die hier geltende Ordnung einzufügen, ist anhand einer Ge- samtbetrachtung seines Verhaltens zu beurteilen (BGE 13 7 II 297 E. 3.3). Ferner kann gemäss Rechtsprechung und Lehre auch die mutwillige Nichterfü llung öffentlich-rechtlicher (z.B. Steu- ern, Krankenkassenprämien) oder privatrechtlicher (z.B. Mietzinsen, Prämien privater Versiche- rungen) Verpflichtungen in bedeutendem Umfang einen Verstoss gegen die öffentliche Ordnung darstellen (vgl. Urteil des BGer 2C_273/2010 vom 6. Okto ber 2010 E. 3.3; S ILVIA HUNZIKER in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über d ie Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, Rz. 19 zu Art. 63 i.V.m. Rz. 36 f. zu Art. 62). 5.3.2 In Anbetracht des Umstands, dass der Beschwerdefüh rer zwischen Januar 2004 und Juni 2012 insgesamt neun Mal strafrechtlich verurteilt wu rde und aufgrund seiner zahlreichen Strassenverkehrsdelikte acht Administrativmassnahmen gegen ihn verfügt wurden, erwog die Vorinstanz, dass das Verhalten des Beschwerdeführers zugleich als schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sin ne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten sei. Der Beschwerdeführer bestreitet demgegenüber das V orliegen dieses Widerrufsgrunds, da er nur Delikte von relativer Schwere verübt habe. Aus de n Akten ergibt sich indes, dass der Beschwerdeführer bereits wenige Jahre nach seiner erne uten Einreise in die Schweiz straf- rechtlich negativ in Erscheinung getreten ist und seither regelmässig und wiederholt delinquiert hat. Er ist deswegen zu zahlreichen Bussen und Geldstra fen sowie mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 5. Juni 2012 zu einer Freihei tsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Der Beschwerdeführer delinquierte mehrheitli ch im Strassenverkehr. Selbst wenn ein- zelne dieser Delikte als geringfügig erscheinen mögen, i st deren Vielzahl mehr als bedenklich und zeugt von einer inakzeptablen Geringschätzung und Gle ichgültigkeit gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung. Im Übrigen sind diese Deli kte aufgrund des grossen Gefähr- dungspotentials, welches dem Führen eines Motorfahrzeu gs eigen ist (vgl. BGE 122 II 359 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3a), nicht zu verharmlosen. Insbesondere durch die zahlreichen Verurteilungen wegen gro- ber Verkehrsregelverletzung, Fahrens in fahrunfähigem Zu stand sowie Fahrens trotz Führer- ausweisentzug hat der Beschwerdeführer andere Verkehrste ilnehmer wiederholt und erheblich an Leib und Leben gefährdet. Angesichts der im Strafu rteil attestierten absoluten Unbelehrbar- keit und Uneinsichtigkeit des Beschwerdeführers hinsichtl ich der Strassenverkehrsdelikte (vgl. Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 5. Ju ni 2012 S. 34) ist auch von einer zukünftigen Bedrohung der öffentlichen Ordnung und Sic herheit auszugehen (vgl. auch Urteil des BGer 2C_241/2011 vom 9. März 2012 E. 3.1). 5.3.3 Wie bereits ausgeführt, kann auch die mutwilli ge Nichterfüllung öffentlich- oder privat- rechtlicher Verpflichtungen in bedeutendem Umfang eine n Verstoss gegen die öffentliche Ord- nung darstellen. Im vorliegenden Fall hat der Beschwe rdeführer bereits wenige Jahre nach sei- ner erneuten Einreise in die Schweiz damit begonnen, sich zu verschulden. Gemäss dem an- lässlich der heutigen Parteiverhandlung eingereichten B etreibungsregisterauszug vom 4. Dezember 2013 sind auf den Namen des Beschwerdeführe rs seit dem 11. August 2003 37 Betreibungen im Gesamtbetrag von Fr. 87‘129.15 und s eit dem 10. November 2003 50 (davon 32 offene) Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 112‘550.70 registriert. Die Verschuldung hat sowohl seit dem Zeitpunkt der Verfügung des AfM vom 27. November 2012 als auch seit dem regierungsrätlichen Beschluss vom 23. April 2013 erneut zugenommen. So wies der Beschwer- deführer gemäss Betreibungsregisterauszug vom 31. Januar 2 006 sechs Betreibungen im Um- fang von Fr. 8‘092.30 und sechs Verlustscheine im Betrag von Fr. 32‘645.20 und gemäss Be- treibungsregisterauszug vom 13. März 2013 bereits 38 Betre ibungen in der Höhe von Fr. 87‘511.35 und 48 (davon 30 offene) Verlustscheine im Umfang von Fr. 110‘100.15 auf. Der Beschwerdeführer hat sich in den vergangenen Jahren som it stetig und in erheblichem Aus- mass weiter verschuldet. Obschon er vom AfM mit Schreiben vom 14. Februar 2006 ausdrück- lich dazu angehalten wurde, seinen finanziellen Verpfl ichtungen nachzukommen, blieb er von dieser, seine Niederlassungsbewilligung betreffende And rohung unbeeindruckt und häufte wei- ter Schulden an. Der Beschwerdeführer macht an der he utigen Parteiverhandlung geltend, seit April 2013 monatlich Fr. 500.-- an Schulden zurückzubezahl en. Die vorgebrachte Schuldentil- gung schlägt sich jedoch nicht im Ausmass der behaupteten Rückzahlungsraten im aktuellen Betreibungsregisterauszug des Beschwerdeführers nieder. De r Beschwerdeführer begründet dies mit zusätzlichen, nicht in Betreibung gesetzten Schul den. Es ist zudem festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht bereits nach Androhung des Widerrufs seiner Niederlassungsbewil- ligung vom 14. Februar 2006, sondern erst nach dem reg ierungsrätlichen Entscheid vom 23. April 2013 mit der Sanierung seiner Schulden begann. Angesichts seines bisherigen Verhal- tens muss darauf geschlossen werden, dass der Beschwerdefüh rer in dieser Hinsicht nicht ge- willt bzw. fähig ist, sich in die hiesige Rechtsordnung einzufügen. 5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdefüh rer die Rechtsordnung sowohl in wiederholter als auch in erheblicher Weise u nd unbeeindruckt von strafrechtlichen Verurteilungen, administrativen Massnahmen sowie ausd rücklicher Verwarnung missachtet hat und damit zeigt, auch künftig weder gewillt noch fähi g zu sein, sich an die in der Schweiz gel- tende Gesetzgebung zu halten. Angesichts der wiederholt en Straffälligkeit des Beschwerdefüh- rers sowie seiner hohen Verschuldung ist die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen, dass Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch der Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. b A uG vorliegt. Dabei kann offen gelassen werden, ob dieser Widerrufsgrund durch die wiederhol te Straffälligkeit des Beschwerdeführers bzw. die Nichterfüllung der öffentlich- und privatrechtlichen Verpflichtungen alleine erfüllt ist. 6.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 A uG führt nicht zwingend zum Entzug der Niederlassungsbewilligung. Vielmehr rechtfe rtigt sich der Widerruf und die damit verbundene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) n ach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Massnahme im Einzelfall gestützt auf eine u mfassende Güterabwägung verhält- nismässig erscheint. Dabei sind alle Umstände des Einzelfa lls zu berücksichtigen und die öf- fentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegenein ander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Rz. 3 zu Art. 51; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Rz . 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwä- gung zwischen den sich gegenüberstehenden privaten Interessen am Belassen der Bewilligung und den öffentlichen Interessen an deren Widerruf, w obei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Zur Beurteilung der Frage, ob dies der Fall ist, sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergange ne Zeitraum, das Verhalten des Aus- länders während diesem, der Grad seiner Integration b zw. die Dauer der bisherigen Anwesen- heit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nach teile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3). Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländer s, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar nur mit besonderer Zurückhaltung wid errufen werden, doch ist dies bei wie- derholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn er hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht h at (vgl. Urteil des BGer 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.3). Bei schweren Straftaten , Rückfall und wiederholter Delin- quenz, insbesondere bei Gewalt- und Betäubungsmittelde likten, besteht ein wesentliches öf- fentliches Interesse, zur Aufrechterhaltung der Ordnun g bzw. Verhütung von (weiteren) Strafta- ten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (BGE 139 I 31 E. 2.3.1, 137 II 233 [nicht publ.] E. 3.1). Was das Fernhalteinteresse anbetrifft, so muss gemäss der bundesgerichtlichen Recht- sprechung bei schweren Straftaten selbst ein geringes Rest risiko weiterer Delinquenz nicht in Kauf genommen werden (BGE 139 I 31 E. 2.3.2, 130 II 176 E. 4.2 ff. mit Hinweisen). 6.2 Somit bleibt nachfolgend anhand der dargelegten Rechtslage zu prüfen, ob unter Be- rücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Fal les die öffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbewilligung die privaten In teressen des Beschwerdeführers an ei- nem Verbleib in der Schweiz überwiegen. 6.3.1 Ausgangspunkt für die Schwere des Verschuldens un d die vorzunehmende ausländer- rechtliche Interessenabwägung ist die vom Strafgericht ver hängte Strafe. Der Beschwerdefüh- rer wurde mit rechtskräftigem Urteil des Strafgerichts de s Kantons Basel-Stadt vom 5. Juni 2012 des Diebstahls, der mehrfachen Beschimpfun g, der mehrfachen Drohung, der Nö- tigung, der mehrfachen falschen Anschuldigung, der meh rfachen Verletzung von Verkehrsre- geln, des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand ( Motorfahrzeug, qualifizierte Blutalko- holkonzentration), der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall, der mehrfachen Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gebrauch, des mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis ode r trotz Entzug sowie der miss- bräuchlichen Verwendung von Ausweisen und Schildern schuld ig erklärt und zu einer teilbe- dingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Gemäss den Feststellungen des Strafgerichts ging der Beschwerdeführer zusammen mit seinen Mittäter n im Hauptanklagepunkt des Dieb- stahls planmässig vor. Bei der Planung habe der Beschwerd eführer von Anfang an mitgewirkt, währenddem er sich bei der Tatausführung vornehm im Hi ntergrund habe halten können, um sich alsdann beim Opfer als unbeteiligter Freund und Helfer auszugeben. Er habe damit ein eigentliches Doppelspiel gespielt, was verdeutliche, dass er nur auf seinen eigenen Vorteil be- dacht sei. Das Motiv für den Diebstahl habe dabei einer seits in pekuniären Interessen bestan- den und andererseits habe die Täterschaft dem Opfer ein en Denkzettel verpassen wollen. Ins- gesamt kam das Strafgericht zum Schluss, dass das Verschulde n des Beschwerdeführers schwer wiege. In Bezug auf die Strassenverkehrsdelikte stu fte es das Verschulden des Be- schwerdeführers gar als sehr schwer ein, da er diesbezüglich als absolut unbelehrbar und un- einsichtig bezeichnet werden müsse. Die zahlreichen administrativen Massnahmen, die letztlich in einem zeitlich unbegrenzten Führerausweisentzug gipfelten, hätten bei ihm offensichtlich kei- nerlei Eindruck hinterlassen. Auch habe er nicht davor zurückgeschreckt, sich der Strafverfol- gung zu entziehen, indem er sich mit fremden Ausweisen l egitimiert oder andere Personen be- schuldigt und damit gar Freunde oder Familienangehöri ge in Strafverfahren hineingezogen ha- be. Das strafrechtlich relevante Verhalten des Beschwerde führers belastet sein Ansehen auch in ausländerrechtlicher Sicht in schwerem Ausmass, zumal mi t dem Strafgericht von einem er- heblichen Verschulden auszugehen ist, was bereits in der Höhe der verhängten Freiheitsstrafe von zwei Jahren zum Ausdruck kommt. Der Beschwerdeführer hat in rücksichtsloser Weise mitgeholfen, aus niederem Anlass einen Menschen perfide unter Verwendung von Tricks in dessen Wohnung zu bestehlen. Dabei hat er jede Möglichke it ausgeschöpft, um seine Position zum Selbstschutz sowohl gegenüber dem Opfer, den Mittäte rn als auch gegenüber den Straf- verfolgungsbehörden zu verbessern. Aus der Verurteilung des Strafgerichts des Kantons Basel- Stadt lässt sich auf eine ausgeprägte Geringschätzung und Gleichgültigkeit gegenüber elemen- taren Rechtsgütern Anderer schliessen. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die zahlreichen Verurteilungen im Bereich des Strassenverkehrs, wo mit de m Strafgericht von einer absoluten Uneinsichtigkeit und Unbelehrbarkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Keine der ausge- sprochenen Sanktionen bzw. Administrativmassnahmen vermochte n ihn davon abhalten, sich trotz Führerausweisentzug und teilweise zusätzlich in fa hrunfähigem Zustand hinter das Lenk- rad eines Motorfahrzeugs zu setzen. Erschwerend kommt hinzu, dass er sich regelmässig der Strafverfolgung entziehen wollte und auch nicht davor zurückschreckte, sich mit Ausweisen anderer Personen zu legitimieren und diese eines straf baren Verhaltens zu bezichtigen. Seit seiner Wiedereinreise in die Schweiz ist der Beschwerdeführer somit fortgesetzt strafrechtlich in Erscheinung getreten, wobei seine deliktischen Handlungen von stetig zunehmender krimineller Energie geprägt gewesen sind. Zudem ist zu berücksichtigen, dass er bei der Begehung sämtli- cher Delikte volljährig war und sein strafbares Verhalten somit nicht auf jugendliche Leichtfertig- keit zurückgeführt werden kann. Trotz Vorstrafen und lauf enden Probezeiten delinquierte er jeweils unverdrossen weiter, was von einer ausserordentl ichen Uneinsichtigkeit und Unbelehr- barkeit sowie einer Geringschätzung gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung insgesamt zeugt. Da sich der Beschwerdeführer weder durch Sanktionen der Strafverfolgungsbehörden noch durch administrative Massnahmen oder durch die fremdenpolizeiliche Verwarnung im Jahr Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2006 beeindrucken und von weiteren Straftaten abhalten liess, entsteht von ihm das Bild eines uneinsichtigen Gewohnheitsdelinquenten, der die ihm g ewährten Chancen nicht zu nutzen ver- mochte und bei welchem die in einem Rechtsstaat zur Ver fügung stehenden Sanktionen au- genscheinlich wirkungslos sind. 6.3.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, der 12-monatige Strafvollzug im Anschluss an die Verurteilung vom 5. Juni 2012 habe ihn nunmehr geläu tert. Er habe keine Kontakte mehr zu seinem früheren Kollegenkreis und beabsichtige, seine Feh ler wiedergutzumachen. Heute ver- kehre er ausschliesslich mit seiner Freundin und seinen Fami lienangehörigen. Seine wiederer- worbene Anstellung auf Stundenlohnbasis beim vormaligen Arbeitgeber stelle faktisch eine Vollzeitbeschäftigung dar. Nach der Begleichung seiner Schulden wolle er eine Berufsausbil- dung als Automonteur absolvieren. Bei der Begehung de r Strassenverkehrsdelikte habe seine Alkoholproblematik stets eine gewichtige Rolle gespielt. Von diesem problematischen Alkohol- konsum habe er sich gänzlich lossagen können. Zudem sei bere its das Strafurteil von einer nicht ungünstigen Legalprognose ausgegangen. Zunächst gilt es in dieser Hinsicht festzuhalten, dass na ch der Rechtsprechung der Rückfallge- fahr bzw. der Wahrscheinlichkeit eines künftigen Wohlver haltens ausserhalb des Geltungsbe- reichs des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenscha ft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Frei- zügigkeitsabkommen, FZA; SR 0.142.112.681) vom 21. Juni 1999 keine zentrale Bedeutung zukommt (Urteil des BGer 2C_331/2010 vom 16. September 2010 E. 3.3; Urteil des BGer 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 3.3.1; vgl. auch BGE 130 II 176 E. 4.2). Die Legalprognose wird zwar auch in Fällen von Drittstaatsangehörigen i m Rahmen der Interessenabwägung mit- berücksichtigt, ist aber nicht allein ausschlaggebend (vgl . Urteil des BGer 2C_296/2011 vom 25. August 2011 E. 3.3). Bei einem schweren Verschulden der ausländischen Person hat eine günstige Legalprognose zudem regelmässig nur geringe Ausw irkungen auf die Interessenab- wägung, zumal im Zusammenhang mit schweren Straftate n selbst ein relativ geringes Restrisi- ko nicht hingenommen werden muss (Urteil des BGer 2C_282 /2012 vom 31. Juli 2012 E. 2.5; Urteil des BGer 2C_477/2008 vom 24. Februar 2009 E. 2.3 mit Hinweis). Hinzu kommt, dass für Legalprognosen in fremdenpolizeilicher Hinsicht mit B lick auf das im Vordergrund stehende Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ein strengerer Beurteilungsmassstab zum Tragen kommt als im strafrechtlichen Sanktionenrecht (Urt eil des BGer 2C_218/2011 vom 4. Januar 2012 E. 3.3.1; BGE 120 Ib 129 E. 5b). Mit Blick auf die Vorgeschichte bleiben im vor- liegenden Fall trotz der Beteuerungen des Beschwerdefü hrers nicht auszuräumende Zweifel daran bestehen, ob er sich zukünftig wohl verhalten wir d. Zwar beurteilt das Strafgericht seine Prognose hinsichtlich des Diebstahls als erstes Vermögensde likt des Beschwerdeführers zu- mindest als nicht schlecht. Bezüglich der Strassenverkehrsd elikte bezeichnet ihn das Strafge- richt jedoch als absolut uneinsichtig und unbelehrbar. Auch im Hinblick auf die Anschlussdelikte wie falsche Anschuldigung, Drohung und Nötigung wird de m Beschwerdeführer keine gute Prognose gestellt, zumal sich dieses Verhalten wie ein roter Faden durch seine Vorakten ziehe. Letztlich habe für ihn keine einheitliche Prognose ge stellt werden können. So ist das Gericht denn auch entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers nicht vorbehaltlos von einer güns- tigen Legalprognose ausgegangen, sondern hat den geäusserten Bedenken vielmehr ausdrück- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich dadurch Rechnung getragen, dass es eine lange Prob ezeit von vier Jahren anordnete (vgl. Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 5. Juni 2012 S. 36). Offensichtlich haben aber weder die laufenden strafrechtlichen Probezeiten noch die Verwarnung durch das AfM vom 14. Februar 2006 noch die Beziehung zu den ihm nahe stehenden Personen den Be- schwerdeführer davon abgehalten, zum wiederholten Mal in erheblichem Mass gegen die öf- fentliche Sicherheit und Ordnung zu verstossen. Dass dabe i der geltend gemachten Alkoholp- roblematik eine für die Deliktsbegehung wesentliche Rol le zukommen soll, ist jedenfalls aus dem Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 5. Juni 2012 nicht ersichtlich. Der Führungsbericht der Strafvollzugsbehörde gibt zudem w enig Aufschluss über die Rückfallge- fahr. Eine gute Führung im Straf- bzw. Massnahmenvollzu g wird von der verurteilten Person generell erwartet und lässt angesichts der dort vorhan denen, verhältnismässig engmaschigen Betreuung keine verlässlichen Rückschlüsse auf das künftige Verhalten in Freiheit zu (Urteil des BGer 2C_197/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 4.2; vgl . auch BGE 137 II 233 E. 5.2.2). Ebenso wenig kann das Wohlverhalten in der seit der let zten strafrechtlichen Verurteilung ver- strichenen Zeit entscheidwesentlich zu seinen Gunsten berücksichtigt werden, stand er doch im fraglichen Zeitraum unter dem Druck des hängigen ausländ errechtlichen Verfahrens. In Anbe- tracht der genannten Gesamtumstände ist demnach von einem weiterhin bestehenden Restrisi- ko eines Rückfalls auszugehen. 6.3.3 Die Schwere des Verschuldens, die langjährige Del inquenz sowie das Restrisiko eines Rückfalls begründen ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Fernhaltung des Beschwer- deführers aus der Schweiz. Nach dem Gesagten besteht ein erhebliches öffentliches Interesse daran, die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdefüh rers zu widerrufen und ihn aus der Schweiz wegzuweisen. 6.4 Bei der Ermittlung der privaten Interessen des Besch werdeführers am Verbleib in der Schweiz ist ihm zunächst darin zu folgen, dass sich sein Lebensmittelpunkt trotz der 10-jährigen Schulzeit in der Türkei zwischen seinem 6. und seinem 16. Lebensjahr eindeutig in der Schweiz befindet und er seine sozialen Kontakte praktisch ausschli esslich zu hier lebenden Personen pflegt. Seine Freundin, seine Eltern, seine Schwester, sein Bruder sowie zwei Onkel und Neffen leben hier. Die Schweiz und das hiesige familiäre Umfel d verlassen zu müssen, würde ihn und sein soziales Umfeld gewiss hart treffen und seine Zukunft spläne vereiteln. Ebenso von Belang ist der Umstand, dass er über eine Arbeitsstelle verfügt , die ihm ein relativ gesichertes Ein- kommen bietet, welches er bei einer Wegweisung verliere n würde. Zusammenfassend ist von einem gewichtigen privaten Interesse des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen. 6.5 Dem genannten öffentlichen Interesse an einer Wegw eisung des Beschwerdeführers sind die soeben erwähnten privaten Interessen am Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass seine Nie derlassungsbewilligung aufgrund der langen Aufenthaltsdauer nur mit Zurückhaltung widerr ufen werden soll. Ob er trotz seiner – während der prägenden Jugendjahre stattgefundenen – 1 0-jährigen Auslandsabwesenheit als Ausländer der zweiten Generation zu gelten hat, kann d abei offen gelassen werden, zumal der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung auch bei Ausl ändern, die nicht der zweiten Generati- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht on angehören, nur zurückhaltend vorzunehmen ist, wenn die se ausgesprochen lange hier ge- lebt haben (vgl. Urteil des BGer 2A.570/2004 vom 19. Januar 2005 E. 3.2). Demnach ist bereits in Bezug auf seine lange Aufenthaltsdauer von einem gew ichtigen Interesse des Beschwerde- führers am Verbleib in der Schweiz auszugehen. Ihm ist j edoch entgegenzuhalten, dass er be- reits wenige Jahre nach seiner erneuten Einreise in die Schweiz und in den nachfolgenden Jah- ren regelmässig wiederkehrend mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Angesichts der zahlrei- chen strafrechtlichen Verurteilungen sowie der hohen Ve rschuldung ist das persönliche Verhal- ten des Beschwerdeführers als überwiegend negativ zu werten. Bezüglich seiner Integration ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer fliessend deutsch spricht und in beruflicher Hinsicht inzwischen – trotz fehle nder Berufsausbildung – einer gere- gelten Erwerbstätigkeit nachgeht. Zuvor fand er jedoch über lange Zeit keinen vollumfänglichen Anschluss auf dem Arbeitsmarkt. Vielmehr war seine bish erige Erwerbstätigkeit durch zahlrei- che längere Unterbrüche geprägt und er musste über nic ht unerhebliche Zeiträume von der Sozialhilfebehörde unterstützt werden. Seine Integra tion in der Schweiz kann angesichts der wiederholten Delinquenz nicht als gelungen bezeichnet werden. Vielmehr scheint es ihm trotz langem Aufenthalt am Verständnis für die Respektierung der hiesigen Rechtsordnung zu man- geln. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts vermag eine schlechte Integration eine lange Aufenthaltsdauer denn auch zu relativieren (vgl. Urteil des BGer 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 3.3.2). In Anbetracht der genannten Umstände stimmt der Integrationsgrad des Beschwerdeführers keineswegs mit seiner langen Aufenthaltsdauer überein. Eine Rückkehr in die Türkei wäre zweifellos mit persönlic hen und wirtschaftlichen Nachteilen sowohl für den Beschwerdeführer selbst als auch für die i hm nahestehenden Personen verbun- den. Trotzdem erscheint sie gesamthaft betrachtet zumutba r, zumal der Beschwerdeführer die türkische Sprache spricht und ihm die Türkei von seiner Sch ulzeit und dem dort absolviertem Militärdienst bekannt ist. Es kann also davon ausgegangen werden, dass ihm die dortigen kultu- rellen und sozialen Gepflogenheiten nicht völlig frem d sind. Anfängliche Schwierigkeiten im Zu- sammenhang mit der Übersiedlung in die Türkei sind inso fern zu relativieren, als der Be- schwerdeführer aufgrund der dort lebenden Verwandtschaf t väterlicherseits nicht völlig auf sich alleine gestellt wäre. Auch wenn der Kontakt mit diese n Familienangehörigen gemäss seinen Angaben nicht sehr eng ist, so dürften sie ihm bei der W iedereingliederung doch behilflich sein. Wie der Regierungsrat zudem zutreffend ausführte, kann die Beziehung zu seinen Verwandten und Bekannten in der Schweiz auch durch gegenseitige Besuche sowie telefonische oder elekt- ronische Kontakte aufrechterhalten werden. 6.6 In Würdigung der gesamten Umstände kommt das Gerich t zum Schluss, dass das öf- fentliche Interesse an einer Fernhaltung des Beschwerdef ührers dessen privates Interesse an einem weiteren Verbleib in der Schweiz überwiegt. Auch wenn die Wegweisung den Beschwer- deführer empfindlich trifft, so erweist sich der Widerru f der Niederlassungsbewilligung ange- sichts der schweren und wiederholten Delinquenz und der d adurch entsprechend gewichtigen öffentlichen Sicherheitsinteressen im Ergebnis trotz der langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz als verhältnismässig. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Der Beschwerdeführer beruft sich in seiner Beschwerd e vor dem Kantonsgericht zu Recht nicht auf den in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zu m Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 199 9 garantierten Anspruch auf Ach- tung des Privat- und Familienlebens. Das Recht auf Acht ung des Familienlebens kann verletzt sein, wenn einem Ausländer, dessen Familienangehörige h ier weilen, die Anwesenheit unter- sagt und damit das Familienleben vereitelt wird. Das ge schützte Familienleben beschränkt sich dabei grundsätzlich auf die Kernfamilie, namentlich die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (vgl. BGE 129 II 11 E. 2). Ge ht es um Personen, die nicht der eigentli- chen Kernfamilie zuzurechnen sind, setzt eine schützenswert e familiäre Beziehung voraus, dass der um die fremdenpolizeiliche Bewilligung ersuchen de Ausländer vom hier Anwesen- heitsberechtigten wegen körperlicher oder geistiger Invalidität oder schwerer Krankheit, die eine dauernde Betreuung nötig macht, in einem eigentliche n Abhängigkeitsverhältnis steht (vgl. BGE 120 Ib 261 E. 1d). Der Beschwerdeführer ist volljä hrig und gehört somit nicht mehr der besonders geschützten Kernfamilie an. Er steht auch nic ht in einem besonderen Abhängig- keitsverhältnis zu seiner Familie. Aus dem Anspruch auf Sch utz des Privatlebens ergibt sich sodann ein Recht auf Verbleib im Land nur unter beson deren Umständen. Eine lange Anwe- senheit und die damit verbundene normale Integration genügen hierzu nicht. Es sind vielmehr besonders intensive Beziehungen beruflicher oder gesellsch aftlicher Natur erforderlich (vgl. BGE 130 II 286 E. 3.2.1). Solche qualifizierten Bindu ngen zur Schweiz liegen im Fall des Be- schwerdeführers nicht vor. 8. Bei der gegebenen Interessenlage waren die Vorinsta nzen vorliegend auch nicht ge- halten, aus Gründen der Verhältnismässigkeit anstelle des Widerrufs der Niederlassungsbewil- ligung und der Wegweisung eine mildere Massnahme anzuordnen. Als solche sieht das Gesetz ohnehin einzig die Androhung des Widerrufs vor (Art. 96 Abs. 2 AuG; vgl. Z ÜND /A RQUINT , a.a.O., Rz. 8.31 und 8.36). Nachdem das AfM mit Schrei ben vom 14. Februar 2006 bereits einmal eine solche Androhung ausgesprochen hatte, ohne dass sie irgendeinen erkennbaren Effekt auf den Beschwerdeführer zeitigte, erwiese sich e ine erneute Verwarnung nicht als taug- liches Mittel zur Verwirklichung der öffentlichen Sicherhe itsinteressen. Als milderes Mittel aus- geschlossen ist sodann – entgegen der vom Beschwerdeführe r vertretenen Ansicht – die even- tualiter beantragte Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Auch wenn es sich beim Widerruf der Niederlassungsbewilligung im Sinne von Art. 63 AuG im Unterschied zur altrechtlichen Auswei- sung nicht zugleich um eine Entfernungs- und Fernhaltema ssnahme handelt, welche per se im Widerspruch zur Erteilung einer Anwesenheitsbewilligung stünde, geht es gemäss der ständi- gen Praxis des Bundesgerichts nicht an, beim Vorliegen ein es Widerrufsgrundes, welcher alle Bewilligungsarten betrifft, den fremdenpolizeilichen Status vom Niedergelassenen zum Aufent- halter zu ändern. Wenn der Beschwerdeführer einen Widerrufsgrund gesetzt hat und der Wider- ruf verhältnismässig ist, dann sind nämlich auch die Vorau ssetzungen zur Erteilung einer Auf- enthaltsbewilligung nicht erfüllt (Urteil des BGer 2C _268/2011 vom 22. Juli 2011 E. 7.2; Urteil des BGer 2C_254/2010 vom 15. Juli 2010 E. 4.3; jeweil s mit weiteren Hinweisen). Der Eventu- alantrag auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ist somit abzuweisen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Der Regierungsrat hat ebenfalls die Voraussetzungen für die Erteilung einer Härtefall- bewilligung im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG zu treffend gewürdigt und das Vorliegen eines Härtefalls – unter Verweis auf die Ausführungen betre ffend die Ermessens- und Verhältnismäs- sigkeitsprüfung – zu Recht verneint. Die mit einer Rückke hr verbundenen anfänglichen Schwie- rigkeiten bei der Eingliederung im Heimatland genügen nämlich nicht, um vorliegend einen Här- tefall anzunehmen. 10. Zusammengefasst erweisen sich der Widerruf der Nieder lassungsbewilligung des Be- schwerdeführers und seine Wegweisung aus der Schweiz als ve rhältnismässig. Der Regie- rungsrat hat entsprechend den rechtlichen Anforderunge n die öffentlichen Interessen, die per- sönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration i m Rahmen einer umfassenden Interes- senabwägung berücksichtigt. Anhaltspunkte dafür, dass er d as ihm zustehende Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hätte, bestehen keine. Der W iderruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schwe iz erfolgten nach dem Gesag- ten zu Recht, was zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde führt. 11. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrensko sten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unter liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind d ie Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- dem unterlegenen Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- zu verrechnen. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eine s Anwalts bzw. einer Anwältin eine an- gemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Parteikosten sind demzu- folge wettzuschlagen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des Urteils zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- verrechnet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 3. Februar 2014 Beschwe rde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_129/2014) erhoben.