Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. November 2014 (710 14 221 / 277) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung AHV-rechtliche Qualifikation einer Tätigkeit als selbständige oder unselbständige Er- werbstätigkeit / Voraussetzungen eines Statutwechsels bei Entgelten, auf welchen be- reits Sozialversicherungsbeiträge erhoben wurden Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. André Becht , Adv o- kat, St. Alban-Ring 249, 4052 Basel B.____ GmbH , , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. André Becht, Advokat, St. Alban-Ring 249, 4052 Basel gegen AHV -Kasse Coiffure & Esthétique , Wyttenbachstrasse 24, Pos t- fach, 3000 Bern 25, Beschwerdegegnerin Beigeladene C.____ Betreff Beiträge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit einer “Vereinbarung“ und einem “Zusatzvertrag“ vom 7. Dezember 2012 beauftrag- te A.____, Inhaberin der Einzelfirma Praxis D.____, C. ____ „in ihrem Studio in E.____ bei Kun- den Anwendungen in professioneller Cosmetologie durchzu führen.“ Ihre Honorare aus dieser Beschäftigung rechnete C.____ als Selbständigerwerbende bei der Ausgleichskasse Basel- Landschaft ab. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2013 löste A.____ das Vertragsverhältnis mit C.____ mit sofortiger Wirkung auf. Im März 2014 prüfte die Ausgleichskasse Basel-Landschaft au f Ersuchen von C.____ das Ver- tragsverhältnis zwischen A.____ als Inhaberin der Einzelfi rma Praxis D.____ und C.____ aus AHV-rechtlicher Sicht. Dabei gelangte sie zur Auffassung , dass es sich bei der zwischen den beiden Parteien vereinbarten Tätigkeit um eine unsel bständige Erwerbstätigkeit handle. Nach- dem die Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique, bei welcher A.____ bis Ende Februar 2013 und die B.____ GmbH ab 1. März 2013 - als Arbeitgeberinne n - angeschlossen waren bzw. sind, Kenntnis von dieser durch die Ausgleichskasse Basel-Landsch aft vorgenommenen Beurteilung der sozialversicherungsrechtlichen Stellung von C.____ erhalten hatte, forderte sie A.____ bzw. die B.____ GmbH auf, ihr den AHV-pflichtigen Lohn von C.____ zu melden. Mit zwei Veranlagungsverfügungen vom 12. Juni 2014 erh ob die Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique bei A.____ auf den im Jahr 2012 und in de n Monaten Januar und Februar 2013 an C.____ entrichteten Entgelten nachträglich AHV/IV/EO/ ALV/FAK-Beiträge zuzüglich Verwal- tungskosten und Zinsen und zwar in der Höhe von Fr. 8‘123 .05 für die Abrechnungsperiode vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012 und von Fr. 1‘ 517.45 für die Abrechnungsperiode vom 1. Januar 2013 bis 28. Februar 2013. Mit einer we iteren Veranlagungsverfügung vom selben Tag erhob die Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique sodann bei der B.____ GmbH auf den vom 1. März 2013 bis 31. Oktober 2013 an C.____ ent richteten Entgelten nachträglich AHV/IV/EO/ALV/FAK-Beiträge zuzüglich Verwaltungskosten un d Zinsen in der Höhe von Fr. 6‘413.20. Die von A.____ und der B.____ GmbH geg en die jeweiligen Verfügungen erhobe- nen Einsprachen wies die Ausgleichskasse Coiffure & Esthét ique mit drei Einspracheentschei- den vom 10. Juli 2014 ab. B. Gegen diese drei Einspracheentscheide erhob Advokat Dr. André Becht namens und im Auftrag von A.____ und der B.____ GmbH am 30. Juli 2014 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) mit dem Rechtsbegehren, die ange- fochtenen Einspracheentscheide seien aufzuheben. Eventualiter seien die jeweiligen Bruttoein- kommen und damit die entsprechenden Beiträge um minde stens 15 % oder nach Ermessen des Gerichts zu reduzieren; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 6. August 2014 lud das Kantonsgeri cht die von den angefochtenen Beitragsverfügungen mitbetroffene C.____ zum vorliegenden Beschwerdeverfahren bei. D. In ihrer Vernehmlassung vom 11. August 2014 wies die Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique darauf hin, dass sie bei der Beitragsfesetsetzu ng die Lohnangaben von C.____ Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht übernommen habe, da A.____ diesbezüglich jegliche Mitwi rkung verweigert habe. Im Übrigen habe sie ihren Einspracheentscheiden nichts hinzuzufügen. E. In ihrer Stellungnahme vom 2. September 2014 äusse rte sich C.____ dahingehend, dass sie den Einspracheentscheiden der Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique zustimme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmungen laut Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgeset zes über die Alters- und Hinterlas- senenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 auf die Alters- und Hinterlassenenversi- cherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide d er Ausgleichskassen beim zu- ständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhob en werden. Örtlich zuständig ist, soweit es sich - wie vorliegend - nicht um einen Einspra cheentscheid einer kantonalen Aus- gleichskasse handelt, nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung i hren Wohnsitz hat. Vorliegend befin- den sich sowohl der Wohnsitz der Beschwerdeführerin A.___ _ als auch der Sitz der Beschwer- de führenden B.____ GmbH im Kanton Basel-Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übri- gen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde vom 30. Juli 2014 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist die Beitragspflicht der beiden Beschwerdeführerinnen für die in den Perioden vom 1. Januar 2012 bis 28. Februar 2013 bzw. vom 1. März 2013 bis 31. Okto- ber 2013 an die Beigeladene ausgerichteten Entgelte. Die Frage der Beitragspflicht hängt da- von ab, ob die betreffenden Entgelte massgebenden Loh n im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG darstellen und somit als Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zu betrachten sind, oder ob es sich bei den Entschädigungen um Gegenleistungen für eine selbständige Erwerbstä- tigkeit handelt. 2.1 Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwer bstätiger richtet sich unter ande- rem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkommen als solches aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit zu qu alifizieren ist (Art. 5 und 9 AHVG so- wie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und H interlassenenversicherung [AHVV] vom 31. Oktober 1947). Laut Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als ma ssgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmt e Zeit geleistete Arbeit. Als Einkom- men aus selbständiger Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2..2 Die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder un selbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, beurteilt sich praxisgemäss nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftli chen Gegebenheiten. Die zivilrechtli- chen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhal tspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbei tgeber in betriebswirtschaftlicher bzw. arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kei n spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch kein e einheitlichen, schematisch an- wendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wi rtschaftlichen Leben anzutreffenden Sach- verhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung ei nes Erwerbstätigen jeweils unter Würdi- gung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale bei- der Erwerbsarten zutage treten, muss sich der Entscheid o ft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 122 V 171 E. 3a mit Hinweisen). 2.3 Charakteristische Merkmale einer selbständigen Erwer bstätigkeit sind die Tätigung erheblicher Investitionen, die Benützung eigener Geschäf tsräumlichkeiten sowie die Beschäfti- gung von eigenem Personal. Das spezifische Unternehmerrisi ko besteht dabei darin, dass un- abhängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, welche die versicherte Person selber zu tragen hat. Für die Annahme selbständiger Erwerbstätigkeit s pricht sodann die gleichzeitige Tätigkeit für mehrere Gesellschaften in eigenem Namen, ohne ind essen von diesen abhängig zu sein. Massgebend ist dabei nicht die rechtliche Möglichkeit, Arb eiten von mehreren Auftraggebern anzunehmen, sondern die tatsächliche Auftragslage (BGE 122 V 172 E. 3c mit Hinweisen). Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist dagegen auszugehen, wenn die für den Arbeitsvertrag typi- schen Merkmale vorliegen, d.h. wenn der Versicherte Dien st auf Zeit zu leisten hat, wirtschaft- lich vom "Arbeitgeber" abhängig ist und während der Ar beitszeit auch in dessen Betrieb einge- ordnet ist, praktisch also keine andere Erwerbstätigkeit ausüben kann. Indizien dafür sind das Vorliegen eines bestimmten Arbeitsplans, die Notwendigke it, über den Stand der Arbeiten Be- richt zu erstatten, sowie das Angewiesensein auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirtschaft- liche Risiko des Versicherten erschöpft sich diesfalls in der (alleinigen) Abhängigkeit vom per- sönlichen Arbeitserfolg oder, bei einer regelmässig ausgeübten Tätigkeit, darin, dass bei Dahin- fallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnliche Situation eintritt, wie dies beim Stellenverlust ei- nes Arbeitnehmers der Fall ist (BGE 122 V 172 f. E. 3c mit Hinweisen). 3.1 Vorliegend ist nicht viel über das Rechtsverhältni s zwischen den Beschwerdeführerin- nen und der Beigeladenen bekannt. Insbesondere ist von Seiten der Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique diesbezüglich nichts über den Sachverhalt zu erfahren. Sie begnügt sich in den Erwägungen ihre Entscheide, auf die durch die Ausglei chskasse Basel-Landschaft vorgenom- mene Beurteilung der sozialversicherungsrechtlichen Stellu ng der Beigeladenen zu verweisen. Aktenkundig sind allerdings die - auch ohne zusätzliche Erklärungen seitens der Ausgleichs- kasse Coiffure ° & Esthétique ziemlich aussagekräftigen - vertraglichen Abmachungen (“Verein- barung“ und “Zusatzvertrag“), welche A.____ als Inhaber in der Einzelfirma Praxis D.____ und die Beigeladene am 7. Dezember 2012 geschlossen haben. Für das Vorliegen einer unselb- ständigen Erwerbstätigkeit der Beigeladenen spricht aufg rund der genannten “Vereinbarung“, dass die Beschwerdeführerin als „Auftraggeberin“ der Be igeladenen die erforderlichen Räum- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichkeiten, die Einrichtungen, das Material und die Beh andlungsgegenstände zur Verfügung stellt. Auch der umschriebene Tätigkeitsbereich, der z ahlreiche alltägliche Arbeiten wie Kun- denbetreuung, Produkte-Beratung, Tagesabrechnung und T erminplanung sowie das Öffnen und Schliessen der Praxis umfasst, deckt sich mit den in ein em typischen Anstellungsverhältnis anfallenden Aufgaben. Für eine selbständige Erwerbstä tigkeit der Beigeladenen spricht, dass sich der Umfang des „Auftrags“ grundsätzlich aus der zeit lichen Verfügbarkeit der Beauftragten ergibt. Andererseits fällt aber ins Gewicht, dass er sich gleichzeitig auch nach dem Kundenauf- kommen richten soll, und dass eine 70 %-ige „Wochentätig keit“ vereinbart worden ist, um grös- sere monatliche Schwankungen zu vermeiden. Von diesem Gru ndsatz dürfen die Parteien nur im gegenseitigen Einvernehmen abweichen. Das Risiko der Beigeladenen wiederum besteht darin, dass sie bei fehlender Arbeit auch kein Honorar erzielt. Unkosten in Bezug auf die Miete der Geschäftsräumlichkeiten etc. entstehen der Beigelad enen keine. Im Weiteren spricht auch die Regelung, in welcher der Beigeladenen lediglich d er Bezug von unbezahlten Ferien zuge- standen wird, ebenfalls noch nicht für eine selbständige Tätigkeit, zumal die Beigeladene in der Wahl ihrer Ferienzeit durch betriebliche Vorgaben ei ngeschränkt wird. Sodann wird im “Zusatz- vertrag“ zwar explizit festgehalten, dass die Beigeladene selbständig erwerbend und in einem Mandatsverhältnis für die Praxis tätig sei, im Anschluss d aran werden aber wiederum typische Aufgaben aufgelistet, aus denen ersichtlich ist, dass sich die Beschwerdeführerin das Recht vorbehält, die Entscheidungen für das Geschäft zu treffe n. Schliesslich wird im “Zusatzvertrag“ nochmals verdeutlicht, dass die Beigeladene „mindestens 7 0 % der offiziellen Arbeitszeit“ für die Praxis zur Verfügung zu stellen hat. Während der rest lichen Zeit stehe es der Beigeladenen frei, „welche anderen Tätigkeiten sie beruflich ausübt .“ Im nächsten Abschnitt des “Zusatzver- trages“ wird dann das der Beigeladenen für ihre Tätig keit zustehende Entgelt explizit als “Lohn- zahlung“ bezeichnet, was nochmals als weiterer Hinweis f ür das Vorliegen einer unselbständi- gen Erwerbstätigkeit zu werten ist. 3.2 Aus den zwischen A.____ als Inhaberin der Einzelfir ma Praxis D.____ und der Beige- ladenen am 7. Dezember 2012 geschlossenen Vereinbarunge n wird deutlich, dass die für eine unselbständige Erwerbstätigkeit sprechenden Kriterien e indeutig überwiegen. Die Beigeladene ist im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Praxis - abgesehen von ein paar untergeordneten Details in Bezug auf die Betreuung von Kunden ausserhalb der Öf fnungszeiten und auf die Behandlung von Bekannten und Verwandten - im üblichen Ausmass eines Anstellungsverhältnisses wei- sungsgebunden gewesen. Es sind die für einen Arbeitsvert rag typischen Merkmale gegeben, demgemäss liegt klar eine unselbständige Erwerbstätigke it der Beigeladenen vor. An dieser Beurteilung vermögen die Vorbringen der Beschwerdefü hrerinnen nichts zu ändern. Insbeson- dere ist nicht ausschlaggebend, dass die Parteien die Ver einbarungen ausdrücklich als “Auf- trag“ und die Vertragsparteien als “Auftraggeberin“ u nd als “Beauftragte“ bezeichnet haben. Faktisch - und darauf ist abzustellen - haben sie nach de m Gesagten ein Arbeitsverhältnis be- gründet. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführeri nnen kann sodann auch keine Rede davon sein, dass „im Falle einer solchen nachträglichen Uminterpretation der Tätigkeit“ von ei- nem fehlenden Konsens unter den Parteien und somit von einem fehlenden Vertrag überhaupt auszugehen wäre. Es bleibt zu wiederholen, dass es unerh eblich ist, wie die Parteien den Ver- trag bezeichnet haben; massgebend sind vielmehr der wir kliche Wille der Parteien und vor al- lem die gelebten Verhältnisse und diese beinhalten vo rliegend alle wesentlichen Merkmale ei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nes Arbeitsvertrages. Die übrigen Einwände der Beschwer deführerinnen sind ebenfalls nicht stichhaltig. Ob die Beigeladene die Auflösung der Ver einbarung mit sofortiger Wirkung akzep- tiert hat, ist ebenso wenig massgebend wie der Umstand , dass sie eine „eigene Geschäftsver- sicherung gehabt hat“. Ebenfalls nicht ausschlaggebend fü r die Qualifikation der vorliegend strittigen Tätigkeit ist sodann, dass die Beigeladene im fraglichen Zeitraum bei der Ausgleich- kasse Basel-Landschaft als Selbständigerwerbende erfasst gew esen ist und dass sie dieser - als Selbständigerwerbende - Beiträge entrichtet hat. Auf diesen Einwand wird aber immerhin weiter unten im Zusammenhang mit der Bemessung des Umf angs der Beitragspflicht der Be- schwerdeführerinnen zurückzukommen sein (vgl. E. 4.4 und 4.5 hiernach). 4. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beigeladene die Entgelte, die ihr von den Be- schwerdeführerinnen entrichtet worden sind, bereits mit der Ausgleichskasse Basel-Landschaft als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit abgerechnet und darauf die anfallenden So- zialversicherungsbeiträge bezahlt hat. Fraglich ist daher, ob und unter welchen Voraussetzun- gen die Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique die gleiche n Entgelte zum Gegenstand einer erneuten, anderslautenden Verwaltungsverfügung machen durfte. 4.1 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG, der gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 AHVG auf die Alters- und Hinterlassenenversicherung anwe ndbar ist, kann der Versicherungs- träger eine formell rechtskräftige Verfügung in Wiede rerwägung ziehen, wenn sie zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeut ung ist. Im Rahmen der prozessualen Revision ist die Verwaltung verpflichtet, auf einen for mell rechtskräftigen Entscheid zurückzu- kommen, wenn neue Tatsachen oder Beweismittel entdeckt werden, die geeignet sind, zu einer andern rechtlichen Beurteilung zu führen (Art. 53 Ab s. 1 ATSG; BGE 121 V 4 E. 6 mit Hinwei- sen). 4.2 Aus den erwähnten Bestimmungen von Art. 53 Abs. 1 u nd 2 ATSG folgt, dass es in jenen Fällen, in denen über die in Frage stehenden S ozialversicherungsbeiträge bereits eine formell rechtskräftige Verfügung vorliegt, für den We chsel des Beitragsstatuts einen Rückkom- menstitel braucht (Wiedererwägung oder prozessuale Revisi on). Nur wenn sich die formell rechtskräftige Verfügung, mit welcher bestimmte Entgel te als Einkommen aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit qualifiziert wurd en, als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist, oder wenn neue Tatsachen oder neue Be- weismittel entdeckt werden, die geeignet sind, zu eine r andern rechtlichen Beurteilung zu füh- ren, ist es zulässig, eine rückwirkende Änderung des Beitr agsstatuts betreffend die gleichen Entgelte vorzunehmen. Geht es indes nicht um einen rü ckwirkenden, sondern um einen nur für die Zukunft wirkenden Wechsel des Beitragsstatuts, greift grundsätzlich die freie erstmalige Prüfung der Statusfrage unter Beachtung der gebotene n Zurückhaltung in Grenzfällen (Zeit- schrift für die Ausgleichskassen [ZAK] 1989, S. 440/E. 2b) . Betrifft die Frage des Statuswech- sels sowohl Entgelte, auf welchen bereits Sozialversicherung sbeiträge erhoben wurden, als auch solche, die noch nicht Gegenstand einer Verfügung waren, ist für jenen Teil, über den eine formell rechtskräftige Verfügung vorliegt, zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Wiederer- wägung oder für eine prozessuale Revision gegeben sind, während das Beitragsstatut für die übrigen bisher nicht erfassten Entgelte frei zu prüfen ist (BGE 121 V 4 f. E. 6). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 In gefestigter Rechtsprechung hält das Bundesger icht auch in einem neueren Urteil (Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2010 AHV Nr. 12 S. 42 E. 3.4) an der vor- stehend wiedergegebenen Rechtsprechung gemäss BGE 121 V 1 ff. fest. Dies hat zur Folge, dass in Abweichung von der Regel, wonach die Wiedererwä gung von derjenigen Verwaltungs- behörde vorgenommen wird, welche die ursprüngliche Verfügung erlassen hat, eine bisher nicht beteiligte Ausgleichskasse die von einer anderen Ausgle ichskasse erlassene Verfügung in Wiedererwägung ziehen kann (vgl. U ELI KIESER , Bemerkungen zu BGE 121 V 1, in: Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 1995 S. 1083 ff.; vgl. dazu auch das Urteil des Kantonsgerichts, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht [KGE SV], vom 14. März 2007 [710 06 169], E. 4 ff.). Dabei han- delt es sich jedoch weniger um ein rechtsdogmatisches, als vielmehr um ein systembedingtes Problem, indem eben für den Beitragsbezug allenfalls verschiedene Ausgleichskassen zustän- dig sind, je nachdem, ob Einkommen aus unselbständiger oder aus selbständiger Erwerbstätig- keit vorliegt. Dies gilt umso mehr, als gemäss Art. 39 AHVV (in Verbindung mit Art. 14 Abs. 4 lit. c AHVG) die Ausgleichskassen verpflichtet sind, nicht oder zu wenig entrichtete Beiträge nachzufordern (BGE 122 V 173 E. 4b). 4.4 Aus den Akten ergibt sich, dass die Beigeladene di e vorliegend zur Diskussion stehen- den Entgelte gegenüber der Ausgleichskasse Basel-Landschaft als Einkommen aus selbständi- ger Erwerbstätigkeit deklariert hat und dass diesbezügl ich bereits formell rechtskräftige Verfü- gungen der genannten Ausgleichskasse vorliegen. Dessen ungeachtet sind im vorliegenden Fall die Wiedererwägungsvoraussetzungen für ein Zurückko mmen auf die bereits verfügten Beiträge aus selbständiger Erwerbstätigkeit gegeben, bestehen doch nach dem oben Gesagten (vgl. E. 3.2 hiervor) bezüglich des unselbständigen Char akters der Tätigkeit der Beigeladenen für die beiden Beschwerdeführerinnen keine Zweifel. Die Berichtigung ist zudem erheblich. 4.5 Aufgrund der in der vorstehend zitierten bundesger ichtlichen Rechtsprechung zum rückwirkenden Wechsel des Beitragsstatuts vorgeschriebenen V orgehensweise, kann die Aus- gleichskasse nun allerdings nicht - wie sie dies vorliegen d getan hat - einfach eine Beitragsver- fügung für unselbständige Erwerbstätige erlassen, wen n für die gleichen Entgelte bereits Bei- träge aus selbständiger Erwerbstätigkeit erhoben worden sind. Die Ausgleichkasse hat zuerst eine Bereinigung der bereits von der betroffenen Per son für diese Entgelte erhobenen Beiträge aus selbständiger Erwerbstätigkeit durchzuführen. Dabei sind die bereits als Selbständigerwer- bende bezahlten Beiträge im Umfang der Arbeitnehmer beiträge der nachgeforderten paritäti- schen Beiträge anzurechnen (Urteil X. des Bundesgerichts vom 26. Januar 2012, 9C_459/2011, E. 6.3.2 mit Hinweisen). Erst im Anschluss an diese Berei nigung kann die Ausgleichskasse über die Höhe der Nachzahlungsverfügungen neu befinden . Diese Vorgehensweise hat auch die Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique im vorliegenden Fall einzuhalten. Zu ergänzen bleibt, dass die Beschwerdeführerinnen im Rahmen dieser Neufestsetzung der Beiträge mitwir- kungspflichtig sein werden, indem sie die Höhe der der Beigeladenen entrichteten Entgelte of- fenzulegen haben. 4.6 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Be schwerde in dem Sinne gut- zuheissen ist, als die Einspracheentscheide der Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique vom Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Juli 2014 aufzuheben sind und die Angelegenheit an die genannte Ausgleichskasse zurück- zuweisen ist, damit diese über den Umfang der Beitrags pflicht der beiden Beschwerdeführerin- nen im Sinne der Erwägungen neu verfüge. 5. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. 5.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung und neuer Beur- teilung an die Verwaltung zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Par- tei als (vollständig) obsiegende und der Versicherungstr äger als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 5.2 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 5.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerinnen die obsiegenden Parteien sind, ist ihnen eine Parteientschädigung zu Lasten der Ausgleichsk asse Coiffure & Esthétique zuzu- sprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen hat in seiner Honorarnote vom 22. Oktober 2014 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 13,75 Stunden sowie Auslagen von Fr. 49.70 geltend gemacht. Die detaillie rte Abrechnung beinhaltet nun allerdings auch Bemühungen von 7,25 Stunden und Auslagen von Fr. 37.--, die im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens bis zum Erlass der angefochtenen Einsprachee ntscheide erbracht worden bzw. angefallen sind. Bei der Bemessung der Parteientsc hädigung für das versicherungsge- richtliche Verfahren kann aber nur der im Rahmen des eigentlichen Beschwerdeverfahrens, d.h. der nach der Zustellung der Einspracheentscheide entstandene Auf wand berücksichtigt wer- den. Dies bedeutet, dass vorliegend aus der Honorarnote vom 22. Oktober 2014 lediglich der für den Zeitraum nach dem 14. Juli 2014 (Zustellung der Einspracheentscheide) ausgewiesene Aufwand von 6,5 Stunden, der sich umfangmässig in Anbet racht der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen als angemessen erweist, und die ab diesem Zeitpunkt entstandenen Auslagen von Fr. 12.70 entschädigt werden können. Die Bemühungen sind zu dem in Sozial- versicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Demnach ist den Beschwerdeführerinnen eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1’637.70 (6,5 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Aus- lagen von Fr. 12.70) zu Lasten der Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique zuzusprechen. 6. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die Einsprache- entscheide der Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique vom 10. Juli 2014 aufgehoben werden und die Angelegenheit an die Ausgleichs- kasse Coiffure & Esthétique zurückgewiesen wird, damit di ese über den Umfang der Beitragspflicht von A.____ und der B._ ___ GmbH im Sinne der Erwägungen neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Ausgleichskasse Coiffure & Esthétique hat den Be schwerdeführe- rinnen eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1 ‘637.70 (inkl. Auslagen) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der AHV-Kasse Coiffure & Esthétique am 06.02.2015 Be- schwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_109/2015 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht