<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp429200"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>146 IV 185<br/><br/><br/><div class="paraatf">18. Auszug aus dem Urteil der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung i.S. Lauber und Bundesanwaltschaft gegen Valcke und Bundesstrafgericht, Berufungskammer (Beschwerde in Strafsachen)</div> <div class="paraatf">1B_442/2019 vom 18. März 2020</div> <a name="idp430864"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste a</div> <br/><div class="paraatf">Art. 79, Art. 80 Abs. 1 sowie Art. 81 Abs. 1 lit. a und lit. b Ziff. 3 BGG. Zulässigkeit der Beschwerde in Strafsachen gegen Nichteintretensentscheide der Berufungskammer des Bundesstrafgerichtes. <div class="paratf">Die Ausstandsentscheide der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichtes gegen den Bundesanwalt und weitere Angehörige der "Taskforce FIFA" (im Vorverfahren von diversen FIFA-Untersuchungen) wurden vom Bundesanwalt und der Bundesanwaltschaft mit Revisions- und nachträglichem Ausstandsbegehren bei der Berufungskammer des Bundesstrafgerichtes angefochten. Die Berufungskammer trat darauf nicht ein. In der vorliegenden prozessualen Konstellation ist die Beschwerde ans Bundesgericht gegen die Nichteintretensentscheide grundsätzlich zulässig (E. 2). </div> </div> </div> <a name="idp433760"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste b</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 59 Abs. 1, <artref id="CH/312.0/60/3" type="start"></artref>Art. 60 Abs. 3 und <artref id="CH/312.0/410/1" type="start"></artref>Art. 410 Abs. 1 StPO</span><artref id="CH/312.0/60/3" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/59/1" type="end"></artref>; <span class="artref">Art. 37 Abs. 1, <artref id="CH/173.71/38^a" type="start"></artref>Art. 38a und <artref id="CH/173.71/39/1" type="start"></artref>Art. 39 Abs. 1 StBOG</span><artref id="CH/173.71/38^a" type="end"></artref><artref id="CH/173.71/37/1" type="end"></artref>. Revision von Ausstandsentscheiden gegen den Bundesanwalt wegen nachträglich entdeckten Ausstandsgründen gegen einen (an den Ausstandsentscheiden mitwirkenden) Bundesstrafrichter. <div class="paratf">Die Berufungskammer des Bundesstrafgerichtes hat im Revisionsverfahren zu Recht die Verfahrensbestimmungen von Art. 410 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> zur Anwendung gebracht (und nicht diejenigen von <span class="artref"><artref id="CH/173.110/121" type="start"></artref>Art. 121-128 BGG</span><artref id="CH/173.110/128" type="end"></artref>). <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> (Revision wegen nachträglich entdeckten Ausstandsgründen) ist nur auf materielle Straferkenntnisse nach rechtskräftig abgeschlossenem Hauptverfahren (im Sinne von <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span>) anwendbar. Die Nichteintretensentscheide der Berufungskammer halten vor dem Bundesrecht stand (E. 3-6.5). </div> </div> </div> <a name="idp453152"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste c</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 29 Abs. 1 BV</span>; Art. 58 Abs. 2 und <span class="artref"><artref id="CH/312.0/412/3" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/412/1" type="start"></artref>Art. 412 Abs. 1-3 StPO</span><artref id="CH/312.0/412/3" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/3" type="end"></artref>. Rechtliches Gehör. <div class="paratf">Falls sie das Revisions- und nachträgliche Ausstandsgesuch als offensichtlich unzulässig erachtet, darf die Berufungsinstanz auf die Einholung von schriftlichen Stellungnahmen der mitbeteiligten Behörden und Justizpersonen verzichten. Auch eine Verletzung der richterlichen Begründungspflicht ist der Berufungskammer hier nicht vorzuwerfen (E. 6.6). </div> </div> </div> <a name="idp461280"></a> <a name="idp464736"></a> <a name="idp486176"></a> <a name="idp494256"></a> <a name="idp497312"></a> <a name="idp518368"></a> <br/><div> <a name="idp526416"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 187</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page187"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 187</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp533184"></a><span class="bold">A. </span>Der im Rahmen der sogenannten FIFA-Strafuntersuchungen der Bundesanwaltschaft Mitbeschuldigte Jerôme Valcke (nachfolgend: Beschuldigter) reichte am 6. und 26. November 2018 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (BStGer) Ausstandsgesuche ein gegen Bundesanwalt Michael Lauber und weitere Angehörige der sogenannten Taskforce FIFA bei der Bundesanwaltschaft (BA) bzw. Bundeskriminalpolizei. Mit Beschluss BB.2018.190+198 vom 17. Juni 2019 hiess die Beschwerdekammer des BStGer die Ausstandsgesuche teilweise gut, indem sie die gegen den Bundesanwalt, den früheren Leitenden Staatsanwalt des Bundes Olivier Thormann und gegen den Staatsanwalt des Bundes Markus Nyffenegger vorgebrachten Ausstandsgründe als erfüllt erachtete und den Ausstand dieser drei Justizpersonen in den Verfahren gegen den Beschuldigten verfügte. Dem Bundesanwalt legte die Beschwerdekammer in ihrem Beschluss BB.2018.190+198 im Wesentlichen zur Last, dass er drei informelle Treffen mit Vertretern der FIFA nicht habe <a name="page188"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 188</div>protokollieren lassen und dass die Treffen in Hotels bzw. Restaurants stattgefunden hätten.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp537408"></a><span class="bold">B. </span>Am 27. Juni 2019 erhoben sowohl der Bundesanwalt persönlich als auch die BA (als Behörde) bei der Berufungskammer des BStGer ein Revisions- bzw. ein nachträgliches Ausstandsgesuch gegen den Beschluss BB.2018.190+198 bzw. die Angehörigen der Beschwerdekammer, auf welche die Berufungskammer mit Beschluss CR.2019.2 vom 10. Juli 2019 nicht eintrat.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp539168"></a><span class="bold">C. </span>Gegen den Nichteintretensentscheid CR.2019.2 der Berufungskammer des BStGer gelangten sowohl der Bundesanwalt als auch die BA mit Beschwerde in Strafsachen vom 11. September 2019 an das Bundesgericht. Sie beantragen die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und die Anweisung an die Vorinstanz, "auf das Ausstands-/Revisionsgesuch vom 27.06.2019 einzutreten". (...)</div> <div class="paraatf">Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab.</div> <div class="paraatf"> <i>(Auszug)</i> </div> <br/><div> <a name="idp541712"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp542672"></a><span class="bold" id="consideration_2.">2. </span>Das Bundesgericht prüft die Zulässigkeitsvoraussetzungen der Beschwerde von Amtes wegen und mit freier Kognition (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=17&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2020&amp;to_year=2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-IV-196%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page196">BGE 142 IV 196</a> E. 1.1 S. 197; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=17&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2020&amp;to_year=2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-IV-57%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page57">BGE 140 IV 57</a> E. 2 S. 59 mit Hinweisen; vgl. Art. 29 Abs. 1 und Art. 106 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 78 ff. BGG</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp549856"></a><span class="bold" id="consideration_2.1">2.1 </span>Das Bundesgericht beurteilt Beschwerden gegen Entscheide in Strafsachen (<span class="artref">Art. 78 Abs. 1 BGG</span>). Die Beschwerde ist unzulässig gegen Entscheide der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (BStGer), soweit es sich nicht um Entscheide über Zwangsmassnahmen handelt (<span class="artref">Art. 79 BGG</span>). Die Beschwerde ist zulässig gegen Entscheide der Berufungskammer des BStGer (<span class="artref">Art. 80 Abs. 1 BGG</span>).</div> <div class="paraatf">Beim angefochtenen Beschluss handelt es sich nicht um einen Ausstandsentscheid der Beschwerdekammer des BStGer (der gemäss <span class="artref">Art. 79 BGG</span> nicht mit Beschwerde in Strafsachen anfechtbar wäre), sondern um einen (im Revisionsverfahren ergangenen) Nichteintretensentscheid der <i>Berufungskammer</i> des BStGer (in einer von der Beschwerdekammer zuvor beurteilten Ausstandssache). Zwar liesse sich grundsätzlich fragen, ob es die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein konnte, die Anfechtung von (formellen) Revisionsentscheiden in Fällen zuzulassen, bei denen der direkte Beschwerdeweg ans Bundesgericht (in der materiellen Streitsache) ausgeschlossen ist. Nach <a name="page189"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 189</div>dem unzweideutigen Wortlaut von <span class="artref">Art. 80 Abs. 1 BGG</span> steht der Beschwerdeweg jedoch gegen alle Entscheide der Berufungskammer des BStGer grundsätzlich offen. Zudem hat die Vorinstanz hier das Vorliegen von materiellen Revisionsgründen gar nicht geprüft, sondern ist auf das Revisionsgesuch nicht eingetreten.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp563040"></a><span class="bold" id="consideration_2.2">2.2 </span>Auch ein klares Versehen des Gesetzgebers bzw. eine unechte Gesetzeslücke ist hier nicht ersichtlich. Es ist nämlich zu unterscheiden zwischen der materiellen Rechtskontrolle in Ausstandssachen und der bundesgerichtlichen Prüfung der Rechtswege der Strafrechtspflege: Wenn eine Beschwerde in Strafsachen gegen <i>Ausstands</i>entscheide der Beschwerdekammer des BStGer ausgeschlossen ist (<span class="artref">Art. 79 BGG</span>), muss dies nicht per se bedeuten, dass der Gesetzgeber dem Bundesgericht auch noch jegliche Rechtskontrolle über die Anwendung der bundesrechtlichen Bestimmungen betreffend <i>Revision</i> (Art. 410 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span>) entziehen wollte. Die Möglichkeit einer förmlichen Rechtskontrolle kann sich gerade bei <i>Nichteintretens</i>entscheiden aufdrängen, bei denen den Betroffenen eine materielle Prüfung ihres Rechtsstandpunktes verweigert wurde (vgl. <span class="artref">Art. 29 Abs. 1 und <artref id="CH/101/29^a" type="start"></artref>Art. 29a BV</span><artref id="CH/101/29/1" type="end"></artref>). Damit besteht kein ausreichender sachlicher Grund, um in der vorliegenden prozessualen Konstellation vom klaren Gesetzeswortlaut in <span class="artref">Art. 80 Abs. 1 BGG</span> abzuweichen.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp574992"></a><span class="bold" id="consideration_2.3">2.3 </span>Im Rubrum des angefochtenen Nichteintretensentscheides wird zwar lediglich der Bundesanwalt persönlich als Partei und "Gesuchsteller" aufgeführt. Wie sich jedoch aus den Akten ergibt, wurde das vorinstanzliche Gesuch vom 27. Juni 2019 (Revisions- bzw. nachträgliches Ausstandsgesuch) sowohl vom Bundesanwalt persönlich als auch von der BA als Behörde gestellt. Vom angefochtenen Nichteintretensentscheid sind folglich beide Beschwerdeführer (welche eine formelle Rechtsverweigerung und die Verletzung von Verfahrensrechten rügen) unmittelbar in ihrer prozessualen Rechtsstellung betroffen. Ihre Beschwerdelegitimation ist insofern zu bejahen (Art. 81 Abs. 1 lit. a und lit. b Ziff. 3 BGG i.V.m. <span class="artref">Art. 7, <artref id="CH/173.71/9" type="start"></artref>Art. 9 und <artref id="CH/173.71/15/1" type="start"></artref>Art. 15 Abs. 1 StBOG</span><artref id="CH/173.71/9" type="end"></artref><artref id="CH/173.71/7" type="end"></artref> [SR 173.71]).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp581424"></a><span class="bold" id="consideration_2.4">2.4 </span>Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen von <span class="artref">Art. 78 ff. BGG</span> sind grundsätzlich erfüllt und geben zu keinen weiteren Vorbemerkungen Anlass.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp584352"></a><span class="bold" id="consideration_3.">3. </span>In ihrem (summarisch begründeten) angefochtenen Entscheid erwägt die Vorinstanz Folgendes:</div> <div class="paraatf"> <a name="page190"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 190</div>Im Gesuch an die Vorinstanz vom 27. Juni 2019 habe der Bundesanwalt als Revisionsgrund gegen den Beschluss BB.2018.190+198 nachträglich einen Ausstandsgrund gegen Bundesstrafrichter Giorgio Bomio-Giovanascini als Präsident der Beschwerdekammer des BStGer und Vorsitzender des beschlussfassenden Spruchkörpers geltend gemacht, nämlich dessen Befangenheit aufgrund von präjudizierlichen ausserprozessualen Äusserungen. Vom fraglichen Ausstandsgrund wolle der Bundesanwalt erst nach Abschluss des ihn betreffenden Ausstandsverfahrens (BB.2018.190+198) Kenntnis erhalten haben. Im Revisionsverfahren habe er beantragt, dass ein Ausstandsgrund gegen den genannten Bundesstrafrichter festzustellen, der Beschluss BB.2018.190+198 aufzuheben und das Fehlen eines Ausstandsgrundes gegen ihn, den Bundesanwalt, festzustellen sei; eventualiter sei das Ausstandsverfahren einer entsprechenden Neubeurteilung durch die Beschwerdekammer des BStGer zuzuführen.</div> <div class="paraatf">Die Vorinstanz hat auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. Auf das Revisions- und Ausstandsgesuch ist sie nicht eingetreten mit der Begründung, der Ausstandsentscheid BB.2018.190 +198 der Beschwerdekammer sei der Revision (gestützt auf Art. 410 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span>) nicht zugänglich.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp591552"></a><span class="bold" id="consideration_4.">4. </span>Die Beschwerdeführer rügen (in der Hauptsache) eine formelle Rechtsverweigerung (<span class="artref">Art. 29 Abs. 1 BV</span>), da die Vorinstanz "in rechtsfehlerhafter Verkennung der sich aus <span class="artref">Art. 59 Abs. 1 lit. c StPO</span> ergebenden Zuständigkeit" auf das Revisions- und nachträgliche Ausstandsgesuch nicht eingetreten sei. Dabei habe die Vorinstanz (in bundesrechtswidriger Auslegung von <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 und <artref id="CH/312.0/410/1" type="start"></artref>Art. 410 Abs. 1 StPO</span><artref id="CH/312.0/60/3" type="end"></artref> bzw. <span class="artref">Art. 40 StBOG</span>) fälschlich erwogen, dass ein der Revision nicht zugängliches Erkenntnis vorgelegen habe.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp601376"></a><span class="bold" id="consideration_5.">5. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp602416"></a><span class="bold" id="consideration_5.1">5.1 </span>Von den in <span class="artref"><artref id="CH/312.0/56/e" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/56/a" type="start"></artref>Art. 56 lit. a-e StPO</span><artref id="CH/312.0/56/e" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/e" type="end"></artref> genannten Ausstandsgründen abgesehen, tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person in den Ausstand, wenn sie aus anderen Gründen, insbesondere wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand, befangen sein könnte (<span class="artref">Art. 56 lit. f StPO</span>). Zu den in einer Strafbehörde tätigen Personen gehören insbesondere der Bundesanwalt, die Staatsanwälte und polizeilichen Strafverfolger des Bundes sowie die Bundesstrafrichter (vgl. <span class="artref"><artref id="CH/312.0/12" type="start"></artref>Art. 12-14 StPO</span><artref id="CH/312.0/14" type="end"></artref> i.V.m. Art. 2, Art. 4 und <span class="artref"><artref id="CH/173.71/7" type="start"></artref>Art. 7-12 StBOG</span><artref id="CH/173.71/12" type="end"></artref>).</div> <div class="paraatf"> Wird ein Ausstandsgrund nach <span class="artref"><artref id="CH/312.0/56/f" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/56/a" type="start"></artref>Art. 56 lit. a oder f StPO</span><artref id="CH/312.0/56/f" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/f" type="end"></artref> geltend gemacht oder widersetzt sich eine in einer Strafbehörde tätige <a name="page191"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 191</div>Person einem Ausstandsgesuch einer Partei, das sich auf <span class="artref"><artref id="CH/312.0/56/e" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/56/b" type="start"></artref>Art. 56 lit. b-e StPO</span><artref id="CH/312.0/56/e" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/e" type="end"></artref> abstützt, so entscheidet gemäss <span class="artref">Art. 59 Abs. 1 StPO</span> ohne weiteres Beweisverfahren und endgültig: die Beschwerdeinstanz, wenn die Staatsanwaltschaft, die Übertretungsstrafbehörden oder die erstinstanzlichen Gerichte betroffen sind (lit. b), bzw. das Berufungsgericht, wenn die Beschwerdeinstanz oder einzelne Mitglieder des Berufungsgerichts betroffen sind (lit. c). Amtshandlungen, an denen eine zum Ausstand verpflichtete Person mitgewirkt hat, sind aufzuheben und zu wiederholen, sofern dies eine Partei innert 5 Tagen verlangt, nachdem sie vom Entscheid über den Ausstand Kenntnis erhalten hat (<span class="artref">Art. 60 Abs. 1 StPO</span>). Beweise, die nicht wieder erhoben werden können, darf die Strafbehörde berücksichtigen (<span class="artref">Art. 60 Abs. 2 StPO</span>). Wird der Ausstandsgrund erst nach Abschluss des Verfahrens entdeckt, so gelten die Bestimmungen über die Revision (<span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span>). </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp633696"></a><span class="bold" id="consideration_5.2">5.2 </span>Die Beschwerdekammer des BStGer trifft die Entscheide, für welche die StPO die "Beschwerdeinstanz" oder das "Bundesstrafgericht" als zuständig bezeichnet (<span class="artref">Art. 37 Abs. 1 StBOG</span>). Dazu gehören namentlich Ausstandsentscheide nach <span class="artref">Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO</span>. Die übrigen Zuständigkeiten der Beschwerdekammer des BStGer sind in <span class="artref">Art. 37 Abs. 2 StBOG</span> geregelt; darunter fällt insbesondere die Prüfung von Beschwerden in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten (lit. a) oder nach dem VStrR (SR 313.0) (lit. b). Für die Revision, Erläuterung und Berichtigung solcher Entscheide der Beschwerdekammer (nach <span class="artref">Art. 37 Abs. 2 StBOG</span>) gelten die <span class="artref"><artref id="CH/173.110/121" type="start"></artref>Art. 121-129 BGG</span><artref id="CH/173.110/129" type="end"></artref> sinngemäss (<span class="artref">Art. 40 Abs. 1 StBOG</span>). Für die Revision von Entscheiden der Beschwerdekammer nach <span class="artref">Art. 37 Abs. 1 StBOG</span> sind hingegen die einschlägigen Bestimmungen der StPO grundsätzlich anwendbar (insbesondere Art. 410 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span>, vgl. <span class="artref">Art. 39 Abs. 1 StBOG</span>). Über Revisionsgesuche gegen Entscheide der Beschwerdekammer entscheidet die Berufungskammer des BStGer (<span class="artref">Art. 38a StBOG</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp653984"></a><span class="bold" id="consideration_5.3">5.3 </span>Entscheide von Strafbehörden, in denen über Straf- und Zivilfragen materiell befunden wird, ergehen in Form eines Urteils. Die anderen Entscheide ergehen, wenn sie von einer Kollektivbehörde gefällt werden, in Form eines Beschlusses, wenn sie von einer Einzelperson gefällt werden, in Form einer Verfügung. Die Bestimmungen des Strafbefehlsverfahrens bleiben vorbehalten (<span class="artref">Art. 80 Abs. 1 StPO</span>). <a name="page192"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 192</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp658048"></a><span class="bold" id="consideration_5.4">5.4 </span>Wer durch ein rechtskräftiges Urteil, einen Strafbefehl, einen nachträglichen richterlichen Entscheid oder einen Entscheid im selbstständigen Massnahmenverfahren beschwert ist, kann gemäss <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span> die Revision verlangen, wenn a) neue, vor dem Entscheid eingetretene Tatsachen oder neue Beweismittel vorliegen, die geeignet sind, einen Freispruch, eine wesentlich mildere oder wesentlich strengere Bestrafung der verurteilten Person oder eine Verurteilung der freigesprochenen Person herbeizuführen, b) der Entscheid mit einem späteren Strafentscheid, der den gleichen Sachverhalt betrifft, in unverträglichem Widerspruch steht, oder c) sich in einem anderen Strafverfahren erweist, dass durch eine strafbare Handlung auf das Ergebnis des Verfahrens eingewirkt worden ist; eine Verurteilung ist nicht erforderlich; ist das Strafverfahren nicht durchführbar, so kann der Beweis auf andere Weise erbracht werden.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp662304"></a><span class="bold" id="consideration_6.">6. </span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp663344"></a><span class="bold" id="consideration_6.1">6.1 </span>Der Ausstandsentscheid (Beschluss) BB.2018.190+198 der Beschwerdekammer des BStGer erging in Anwendung von <span class="artref">Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 37 Abs. 1, <artref id="CH/173.71/38^a" type="start"></artref>Art. 38a und <artref id="CH/173.71/39/1" type="start"></artref>Art. 39 Abs. 1 StBOG</span><artref id="CH/173.71/38^a" type="end"></artref><artref id="CH/173.71/37/1" type="end"></artref>. Die Vorinstanz hat für den im Revisionsverfahren erlassenen angefochtenen Nichteintretensentscheid daher zu Recht die Bestimmungen von Art. 410 Abs. 1 (i.V.m. Art. 60 Abs. 3) StPO betreffend die Revision zur Anwendung gebracht und nicht diejenigen von <span class="artref"><artref id="CH/173.110/121" type="start"></artref>Art. 121-128 BGG</span><artref id="CH/173.110/128" type="end"></artref> (i.V.m. <span class="artref">Art. 37 Abs. 2 und <artref id="CH/173.71/40/1" type="start"></artref>Art. 40 Abs. 1 StBOG</span><artref id="CH/173.71/37/2" type="end"></artref>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp677248"></a><span class="bold" id="consideration_6.2">6.2 </span>Ausstandsentscheide nach <span class="artref">Art. 59 Abs. 1 StPO</span> sind zwar "endgültig". Der von den Beschwerdeführern (im Revisionsverfahren) angerufene Ausstandsgrund (gegen den Vorsitzenden der Beschwerdekammer des BStGer) bildete jedoch noch nicht Gegenstand des Ausstandsverfahrens BB.2018.190+198, weshalb sich hier die Frage nach der Anwendbarkeit von <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> stellt: Danach gelten die Bestimmungen über die Revision (<span class="artref"><artref id="CH/312.0/410" type="start"></artref>Art. 410-415 StPO</span><artref id="CH/312.0/415" type="end"></artref>), wenn der fragliche Ausstandsgrund "erst nach Abschluss des Verfahrens entdeckt" worden ist. Die Revision kann gemäss <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span> allerdings nur verlangen, "wer durch rechtskräftiges Urteil, einen Strafbefehl, einen nachträglichen richterlichen Entscheid oder einen Entscheid im selbstständigen Massnahmenverfahren beschwert ist".</div> <div class="paraatf"> Im vorliegenden Fall wurde <i>kein</i> solches materielles Verfahren (im Sinne von Art. 410 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO</span>) durchgeführt, geschweige denn rechtskräftig abgeschlossen. Beim <a name="page193"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 193</div>Ausstandsentscheid BB.2018.190+198 handelt es sich vielmehr um einen nicht verfahrensabschliessenden Beschluss im <i>Vorverfahren</i> (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. <span class="artref">Art. 80 Abs. 1 Satz 2 StPO</span>), und das im Revisionsverfahren nachträglich gestellte Ausstandsbegehren richtet sich gegen einen zuvor am <i>Ausstands</i> verfahren (gegen den Bundesanwalt und weitere strafverfolgende Justizpersonen) beteiligten Bundesstrafrichter (vgl. <span class="artref">Art. 59 Abs. 1 lit. c StPO</span>). Gegen entsprechende Beschlüsse und Zwischenentscheide ist die Revision grundsätzlich nicht zulässig; die Anfechtbarkeit nach <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span> beschränkt sich auf rechtskräftige materielle Sachurteile (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=17&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2020&amp;to_year=2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-269%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page269">BGE 141 IV 269</a> E. 2.2.2 S. 271; s.a. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=17&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2020&amp;to_year=2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-35%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page35">BGE 144 IV 35</a> E. 2.2 S. 40 f.; vgl. THOMAS FINGERHUTH, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO] [nachfolgend: ZHK StPO], 2. Aufl. 2014, N. 17zu <span class="artref">Art. 410 StPO</span>; MARIANNE HEER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung [nachfolgend: BSK StPO], 2. Aufl. 2014, N. 19-27 zu <span class="artref">Art. 410 StPO</span>; LAURA JAQUEMOUD-ROSSARI, in: Commentaire romand, Code de procédure pénale suisse [nachfolgend: CR CPP], 2. Aufl. 2019, N. 10-17 zu <span class="artref">Art. 410 StPO</span>; JEANNERET/KUHN, Précis de procédure pénale, 2. Aufl. 2018, Rz. 19118; SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2017, N. 6-8 zu <span class="artref">Art. 410 StPO</span>). </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp709120"></a><span class="bold" id="consideration_6.3">6.3 </span>Die Beschwerdeführer stellen sich allerdings auf den Standpunkt, auch das Ausstandsverfahren BB.2018.190+198 gehöre zu den abgeschlossenen "Verfahren" im Sinne von <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span>. Deshalb müsse auch gegen Ausstandsentscheide im Vorverfahren die Revision gestützt auf nachträglich entdeckte Ausstandsgründe grundsätzlich zulässig sein. <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> sei im Wortlaut ("Abschluss des Verfahrens") offen formuliert. Er umfasse "auch Verfahren, welche mit einem Vor- oder Zwischenentscheid abgeschlossen werden", und ergänze insofern als "lex specialis" den in <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span> geregelten Anwendungsbereich der Revision.</div> <div class="paraatf">Diese Rechtsauffassung widerspricht der bundesgerichtlichen Praxis. Danach gilt die Beschränkung der Revision auf rechtskräftige materielle Sachurteile (<span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span>) auch dann, wenn sich der Gesuchsteller auf einen nachträglichen Ausstandsgrund (gemäss <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span>) beruft (Urteil 6B_30/2018 vom 21. Juni 2018 E. 1.2; s. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=17&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2020&amp;to_year=2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-269%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page269">BGE 141 IV 269</a> E. 2.2.2 S. 271; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=17&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2020&amp;to_year=2020&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-35%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page35">BGE 144 IV 35</a> E. 2.2 S. 41; Urteil 6B_733/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 2.3). Diese Praxis ist zu bestätigen und näher zu begründen: <a name="page194"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 194</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp725584"></a><span class="bold" id="consideration_6.4">6.4 </span>Dass <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> ausdrücklich auf "die Bestimmungen über die Revision" und damit auf <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span> verweist, spricht bereits für eine enge Gesetzesauslegung (im Sinne des Wortlautes der letzteren Bestimmung). Die gegenteilige Interpretation der Beschwerdeführer hätte sodann eine starke Ausweitung der Zulässigkeit der Revision und damit eine erhebliche <i>Komplizierung</i> des Strafverfahrens zur Folge: Wenn bei allen Ausstandsverfahren im Untersuchungsverfahren <i>nachträglich entdeckte</i> Ausstandsgründe (mittels Revisionsgesuch) vorgebracht werden könnten, wäre allein aufgrund des Wortlautes von <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> ("erst nach Abschluss des <i>Verfahrens</i> entdeckt") nur schwer einzusehen, weshalb das Gleiche dann nicht auch bei allen anderen Beschlüssen und Zwischenentscheiden (im Vorverfahren) zulässig sein sollte. Dies spricht zusätzlich für eine <i>restriktive</i> Auslegung im Sinne von Art. 410 Abs. 1 (und Art. 80 Abs. 1) StPO.</div> <div class="paraatf">Zu unterscheiden ist zwischen den Ausstands- und Revisionsgründen einerseits und den mittels Revision anfechtbaren <i>Erkenntnissen</i> anderseits: <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> lässt zwar auch <i>nachträglich</i> entdeckte Ausstandsgründe (als Revisionsgrund) zu, aber keine Erweiterung der mittels Revision anfechtbaren Urteile und materiellen Entscheide (über <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 und <artref id="CH/312.0/80/1" type="start"></artref>Art. 80 Abs. 1 StPO</span><artref id="CH/312.0/410/1" type="end"></artref> hinaus) auf Beschlüsse und Verfügungen. Eine solche Auslegung wird auch in der Literatur (praktisch einhellig) im Ergebnis geteilt (vgl. MARKUS BOOG, in: BSK StPO, N. 5 zu <span class="artref">Art. 60 StPO</span>; ANDREAS J. KELLER, in: ZHK StPO, N. 7 zu <span class="artref">Art. 60 StPO</span>; HEER, in: BSK StPO, N. 14 zu <span class="artref">Art. 410 StPO</span>; SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 6 zu <span class="artref">Art. 60 StPO</span>; JEAN-MARC VERNIORY, in: CR CPP, N. 4 zu <span class="artref">Art. 60 StPO</span>). Dass der Gesetzgeber mit <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> die Anwendbarkeit der Revision - über den Wortlaut von <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span> hinaus - auf sämtliche Ausstandsentscheide des Vorverfahrens (und auf weitere nicht verfahrensabschliessende Zwischenentscheide) hätte erweitern wollen, lässt sich auch den Materialien nicht entnehmen (vgl. BBl 2006 1148-50, 1318 f.; BBl 2008 8166).</div> <div class="paraatf">Über das bereits Dargelegte hinaus kann offenbleiben, ob die Beschwerdeführer (in ihren untersuchungsleitenden Funktionen im Vorverfahren) überhaupt befugt waren, als "Parteien" ein nachträgliches Ausstandsgesuch zu stellen (vgl. Art. 58 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp756064"></a><span class="bold" id="consideration_6.5">6.5 </span>Nach dem Gesagten ist <span class="artref">Art. 60 Abs. 3 StPO</span> (Revision wegen nachträglich entdeckten Ausstandsgründen) nur auf materielle <a name="page195"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 195</div>Straferkenntnisse nach rechtskräftig abgeschlossenem Hauptverfahren (im Sinne von <span class="artref">Art. 410 Abs. 1 StPO</span>) anwendbar. Der angefochtene Nichteintretensentscheid der Berufungskammer des BStGer hält im Ergebnis vor dem Bundesrecht stand.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp761728"></a><span class="bold" id="consideration_6.6">6.6 </span>In verfahrensrechtlicher Hinsicht rügen die Beschwerdeführer schliesslich noch, die Vorinstanz habe darauf "verzichtet", einen Schriftenwechsel durchzuführen und ihren Entscheid zu begründen. Damit verletze sie das rechtliche Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 1 BV</span>).</div> <div class="paraatf">Die Beschwerdeführer konnten ihren Standpunkt bereits im vorinstanzlichen Verfahren ausführlich darlegen. Sie erklären nicht, inwiefern ihr rechtliches Gehör verletzt worden wäre, indem die Vorinstanz im Revisionsverfahren keine Vernehmlassung des Beschuldigten (oder der mitbeteiligten Behörden und Justizpersonen) einholte. Auch eine Verletzung der bundesrechtlichen Bestimmungen zum Revisionsverfahren ist nicht dargetan:</div> <div class="paraatf">Erachtet das Berufungsgericht das Revisionsgesuch als offensichtlich unzulässig, so tritt es darauf nicht ein. Nur falls im Rahmen der vorläufigen Prüfung keine offensichtliche Unzulässigkeit, Unbegründetheit oder materielle Rechtskraft ersichtlich ist, lädt das Berufungsgericht die anderen Parteien und die Vorinstanz zur schriftlichen Stellungnahme ein (<span class="artref"><artref id="CH/312.0/412/3" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/412/1" type="start"></artref>Art. 412 Abs. 1-3 StPO</span><artref id="CH/312.0/412/3" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/3" type="end"></artref>). Im vorliegenden Fall stufte die Berufungskammer des BStGer das Revisionsgesuch als offensichtlich unzulässig ein. Dementsprechend hat sie ihren Nichteintretensentscheid auch nur summarisch begründet. Ein Schriftenwechsel war nicht durchzuführen. Etwas anderes resultiert auch nicht aus den materiellen Vorschriften zum Ausstandsverfahren (<span class="artref"><artref id="CH/312.0/58" type="start"></artref>Art. 58-59 StPO</span><artref id="CH/312.0/59" type="end"></artref>). Da das Revisions- und nachträgliche Ausstandsgesuch gar nicht zulässig war, erübrigte es sich, ein förmliches Rekusationsverfahren einzuleiten und den vom Ausstandsgesuch betroffenen Bundesstrafrichter zu einer Stellungnahme einzuladen (vgl. <span class="artref">Art. 58 Abs. 2 StPO</span>).</div> <div class="paraatf">Ebenso wenig hat die Vorinstanz auf eine Motivation des angefochtenen Entscheides "verzichtet". Ihre Begründung ist zwar summarisch (und eher kurz) ausgefallen. Es lassen sich ihr jedoch die wesentlichen Erwägungen entnehmen, weshalb die Berufungskammer auf das Revisions- und nachträgliche Ausstandsgesuch nicht eingetreten ist. Die Entscheidmotivation hält vor dem grundrechtlichen Anspruch auf rechtliches Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 1 BV</span>) stand. Es ist denn auch nicht ersichtlich, inwiefern sie es den Beschwerdeführern geradezu <a name="page196"></a><div class="center pagebreak">BGE 146 IV 185 S. 196</div>verunmöglicht hätte, den Rechtsweg ans Bundesgericht wirksam zu beschreiten.</div> </div></body></html>