A bteilung III C -177/2006 {T 0/2} U rteil vom 14. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Trom m er; R ichterin Avenati-C arpani; G erichtsschreiber Birgelen. T._______ Beschw erdeführer, Zustelldom izil: M ._______ gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisesperre B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer (geb. 1. Juli 1947) ist indischer Staatsangehöriger und lebt in den Vereinigten Arabischen Em iraten. Am 10. M ai 2006 w urde er auf dem Flughafen Zürich-Kloten grenzpolizeilich kontrolliert, als er die Schw eiz R ichtung D ubai verlassen w ollte. D abei stellte sich heraus, dass er über kein Visum für die Schw eiz verfügte. In der Folge w urde er beim Statthalteram t Bülach verzeigt. B. G estützt auf diesen Sachverhalt verhängte das Bundesam t für M igration (BFM , nachfolgend: Vorinstanz) m it Verfügung vom 31. M ai 2006 gegen den Beschw erdeführer eine zw eijährige Einreisesperre. Zur Begründung führte es aus, der Betroffene habe durch seine Einreise ohne Visum in gro- ber W eise gegen frem denpolizeiliche Vorschriften verstossen. C . D as Statthalteram t Bülach sprach den Beschw erdeführer in einer Strafver- fügung vom 12. Juni 2006 der Einreise ohne Visum schuldig und belegte ihn gestützt auf Art. 23 Abs. 6 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer (AN AG , SR 142.20) m it einer Busse in H öhe von Fr. 350.--. D . G egen die vorinstanzliche Verfügung vom 31. M ai 2006 erhob der Be- schw erdeführer am 5. Juli 2006 beim Eidgenössischen Justiz- und Polizei- departem ent (EJPD ) Beschw erde. D arin ersucht er um vollständige Aufhe- bung der Einreisesperre, eventualiter um Kürzung ihrer D auer. Zur Be- gründung m acht er sinngem äss geltend, die M assnahm e sei nicht verhält- nism ässig bzw . angem essen. Er sei Leiter des W erksbetriebs in einer U n- ternehm ung der Zem entindustrie und pflege viele G eschäftsbeziehungen m it Firm en in der Schw eiz. In dieser Eigenschaft habe er für den 7. M ai 2006 eine G eschäftsreise nach Italien und gleich anschliessend in die Schw eiz planen m üssen. Vorgängig habe er sich m it den Einreisem odalitä- ten befasst. D ie auf der Internetseite des Schw eizerischen G eneralkonsu- lats in D ubai aufgeführten Inform ationen habe er so verstanden, dass er aufgrund seines W ohnsitzes und des Besitzes eines gültigen Visum s, w el- ches für m ehrm alige Einreisen in die Schengen-Staaten berechtigte, kein Visum für die Schw eiz benötigte. In dieser Annahm e sei er von Italien kom m end m it dem M itarbeiter eines Schw eizer G eschäftspartners einge- reist und dabei nicht kontrolliert w orden. Für seinen anschliessenden, le- diglich zw ei Tage dauernden Aufenthalt in Zürich sei er gebüsst w orden. Seiner R echtsm itteleingabe legte der Beschw erdeführer unter anderem den Ausdruck einer Internetseite m it Visainform ationen und die Kopie ei- nes an ihn gerichteten Antw ortschreibens des Schw eizerischen G eneral- konsulats vom 4. Juli 2006 bei. E. D ie Vorinstanz hält in ihrer Vernehm lassung vom 11. O ktober 2006 an der angefochtenen Verfügung fest und beantragt die Abw eisung der Be- schw erde. D em Beschw erdeführer w äre zuzum uten gew esen, die von ihm elektronisch abgerufenen Visainform ationen – die er im Ü brigen falsch ver- standen habe – bei der Schw eizerischen Vertretung in D ubai noch bestäti-3 gen zu lassen. D ie M assnahm e selbst sei zu R echt erfolgt und entspreche der Praxis. F. D er Beschw erdeführer hat auf die Einreichung einer R eplik verzichtet. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Einreise- sperre unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 AN AG i.V.m . Art. 31 und Art. 33 lit. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit dieses G esetz nichts anderes bestim m t. D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 lit. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist als Verfügungsadressat gem äss Art. 48 Vw VG zur Beschw erdeführung legitim iert. Auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde ist daher einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. D ie eidgenössische Behörde kann, für höchstens drei Jahre, die Einreise- sperre verhängen über Ausländer, die sich grobe oder m ehrfache Zuw ider- handlungen gegen frem denpolizeiliche oder andere gesetzliche Bestim - m ungen und gestützt darauf erlassene behördliche Verfügungen haben zu- schulden kom m en lassen. W ährend der Einreisesperre ist dem Ausländer jeder G renzübertritt ohne ausdrückliche Erm ächtigung der verfügenden Behörde untersagt (Art. 13 Abs. 1 Satz 2 und 3 AN AG ). G estützt auf die erw ähnte gesetzliche G rundlage kann eine Fernhaltem assnahm e verhängt w erden, w enn der Ausländer objektiv gegen frem denpolizeiliche Vorschrif- ten verstossen hat und ihm sein G esetzesverstoss zum Vorw urf gereicht. Als grob im Sinne von Artikel 13 Absatz 1 Satz 2 AN AG ist eine Zuw ider- handlung gegen frem denpolizeiliche Bestim m ungen - unabhängig vom Verschulden des Ausländers - im m er dann zu qualifizieren, w enn sie zent- rale, für das Funktionieren der frem denpolizeilichen O rdnung w ichtige Be- reiche berührt. 3. Ausländische Staatsangehörige sind zur Anw esenheit in der Schw eiz be- rechtigt, w enn sie hierfür eine Bew illigung besitzen oder w enn sie keiner solchen bedürfen (Art. 1a AN AG ). D er rechtm ässig eingereiste Ausländer darf sich w ährend der für ihn geltenden Anm eldefrist ohne besondere be- hördliche Bew illigung in der Schw eiz aufhalten, ebenso nach richtig erfolg-4 ter Anm eldung bis zum Entscheid über das G esuch um Erteilung einer Be- w illigung. Vorbehalten bleiben die im Einzelfall getroffenen abw eichenden Verfügungen der zuständigen Behörden (Art. 1 Abs. 1 der Vollziehungsver- ordnung vom 1. M ärz 1949 zum Bundesgesetz über Aufenthalt und N ieder- lassung der Ausländer [AN AV, SR 142.201]). D ie Einreise eines Auslän- ders ist dann rechtm ässig, w enn die Vorschriften über den Besitz von Aus- w eisschriften, das Visum , die G renzkontrolle usw ., beobachtet w orden sind und der Einreise kein persönliches Verbot, w ie Ausw eisung, Einreisesper- re, Einreisebeschränkung entgegenstand (Art. 1 Abs. 2 AN AV). Zur Einrei- se bedarf ein Ausländer eines gültigen und anerkannten Passes. Abw ei- chende R egelungen in bilateralen oder m ultilateralen Abkom m en bleiben vorbehalten (Art. 2 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211]). Fer- ner benötigt er ein Visum , sofern er nicht von dieser Pflicht befreit ist (Art. 3 und 4 VEA). 4. Für einen der in Art. 11 Abs. 1 VEA genannten Einreisezw ecke benötigen unter anderem Inhaber eines gültigen R eisepasses der Vereinigten Arabi- schen Em irate kein Visum zur Einreise in die Schw eiz, sofern sie schon über ein gültiges Schengenvisum verfügen (Art. 4 Abs. 2 lit. d VEA). Aus der entsprechenden Form ulierung ergibt sich klar, dass nur Staatsbürger des betroffenen Staates, nicht aber dort aufenthaltsberechtigte Bürger ei- nes D rittstaates von dieser Ausnahm eregelung erfasst sind. 5. D er Beschw erdeführer ist indischer Staatsangehöriger und hat in den Ver- einigten Arabischen Em iraten bloss W ohnsitz. Als solcher hätte er nach dem bisher G esagten zur Einreise in die Schw eiz ein entsprechendes schw eizerisches Visum benötigt. Seine Einreise und der nachfolgende Auf- enthalt ohne ein solches Visum w aren illegal, w as w eiter auch nicht bestrit- ten w ird. 6. 6.1 D er Beschw erdeführer m acht geltend, er habe die Inform ationen auf der Internetseite des Schw eizerischen G eneralkonsulats in D ubai so verstan- den, dass für einen Aufenthalt in der Schw eiz nicht nur Staatsbürger der Vereinigten Arabischen Em irate, sondern auch in diesem Land aufenthalts- berechtigte Bürger eines D rittstaates von der Visum spflicht ausgenom m en seien, falls sie über ein Schengenvisum verfügen. Er beruft sich m it ande- ren W orten auf einen R echtsirrtum . 6.2 D er vom Beschw erdeführer edierte Auszug aus dem Internet kann (selbst w enn er von der Schw eizerischen Vertretung in D ubai stam m t, w as auf- grund der vorgelegten Form nicht überprüft w erden kann) nicht in seinem Sinne interpretiert w erden. D er Inform ationstext spricht klar von „U .A.E. N ationals“, nicht von Bürgern eines D rittstaates m it Aufenthaltsrecht in den Vereinigten Arabischen Em iraten (U AE). 6.3 Für die Verhängung einer Einreisesperre ist ein vorsätzlicher Verstoss ge- gen frem denpolizeiliche Bestim m ungen nicht erforderlich. Es genügt, w enn dem Ausländer eine Zuw iderhandlung im Sinne einer Sorgfaltspflichtverlet-5 zung zugerechnet w erden kann. Eine solche Zurechenbarkeit ist vorlie- gend offensichtlich gegeben. D enn vom Beschw erdeführer w äre zu erw ar- ten gew esen, dass er sich die R ichtigkeit seiner Annahm e vom Schw eizeri- schen G eneralkonsulat in D ubai hätte bestätigen lassen. D ass dieser W eg gangbar gew esen w äre, bestätigt sein nachträgliches Schreiben vom 27. Juni 2006 an diese Vertretung, w elches am 4. Juli 2006 und dam it um - gehend beantw ortet w urde. 6.4 Illegale Einreise und illegaler Aufenthalt haben schon deshalb als grobe Zuw iderhandlung im Sinne von Artikel 13 Absatz 1 Satz 2 AN AG zu gelten, w eil die verletzten Bestim m ungen von tragender Bedeutung für das Funkti- onieren der ausländerrechtlichen O rdnung sind. M it seinem Verhalten hat der Beschw erdeführer dem nach den Fernhaltegrund der groben Zuw ider- handlung gegen frem denpolizeiliche Bestim m ungen gesetzt. 7. 7.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Einreisesperre dem G rundsatz nach sow ie von ihrer D auer her in richtiger Ausfüllung des Erm essens ergangen und ange- m essen ist. M assgebliche G esichtspunkte sind dabei die Besonderheiten des ordnungsw idrigen Verhaltens, die persönlichen Verhältnisse des Ver- fügungsbelasteten sow ie die w ertende G ew ichtung der sich daraus erge- benden öffentlichen und privaten Interessen. 7.2 An der Einhaltung der frem denpolizeilichen O rdnung im Allgem einen und der Einreisevorschriften im Besonderen besteht ein gew ichtiges öffentli- ches Interesse. D ie Einreisesperre w irkt hier einerseits generalpräventiv, indem sie andere Ausländerinnen und Ausländer angesichts der nachteili- gen Folgen dazu anhält, sich an die Einreise- und Aufenthaltsvorschriften des G astlandes zu halten. Andererseits ist eine spezialpräventive Zielset- zung der M assnahm e darin zu sehen, dass sie die Betroffenen erm ahnt, inskünftig den für sie geltenden R egeln nachzuleben. Eine konstante und konsequente Praxis der Verw altungsbehörden ist unabdingbar, w enn es darum geht, der frem denpolizeilichen O rdnung N achachtung zu verschaf- fen. Im vorliegenden Fall besteht durchaus ein öffentliches Interesse an der Fernhaltung des Beschw erdeführers. D ieses w ird jedoch durch m ehre- re Elem ente relativiert: So hat der Beschw erdeführer nicht etw a vorsätz- lich, sondern fahrlässig gehandelt, w as auch vom Strafrichter entspre- chend gew ürdigt w urde (Verurteilung nicht gestützt auf Art. 23 Abs. 1, son- dern gestützt auf Art. 23 Abs. 6 AN AG ; vgl. dazu auch VALEN TIN R O SC H AC H ER , D ie Strafbestim m ungen des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N ieder- lassung der Ausländer, C hur/Zürich 1991, S. 134). Selbst bei der dem Be- schw erdeführer vorgew orfenen Fahrlässigkeit gilt zu berücksichtigen, dass er - w enn auch in ungenügender W eise - zum indest versucht hat, sich über die geltenden Vorschriften ins Bild zu setzen. Kom m t hinzu, dass er sich nur gerade zw ei Tage in der Schw eiz aufgehalten hat und ihm – hätte er sich darum bem üht – m it grosser W ahrscheinlichkeit ein Visum zur Einrei- se erteilt w orden w äre. Schliesslich gilt zu bedenken, dass der Beschw er- deführer aufgrund seiner G eschäftsbeziehungen m it Schw eizer U nterneh- m en ein besonderes persönliches Interesse daran haben dürfte, auch in 6 naher Zukunft ohne zusätzliche R estriktionen in die Schw eiz einreisen zu können. D ass er die notw endigen Lehren aus dem Zw ischenfall gezogen hat, ist nicht ernsthaft zu bezw eifeln. 7.3 Eine Abw ägung der gegenläufigen Interessen führt zum Ergebnis, dass die Einreisesperre dem G rundsatz nach zu bestätigen ist. Angesichts der kon- kreten U m stände erscheint die M assnahm e aber in der ausgesprochenen D auer als hart und es kann davon ausgegangen w erden, dass die er- w ünschte W irkung m it der bisherigen D auer erw irkt w erden konnte. Es er- scheint daher gerechtfertigt, die M assnahm e auf den Zeitpunkt des vorlie- genden U rteils zu befristen. In diesem U m fang liegt eine Verletzung von Bundesrecht vor (Art. 49 Bst. a Vw VG ) und ist die Beschw erde teilw eise gutzuheissen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer Verfahrenskosten teilw eise aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). In Anw en- dung von Art. 1, Art. 2 und Art. 3 lit. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungs- gericht (VG KE, SR 173.320.2) sind sie auf Fr. 400.-- festzusetzen. Eine (reduzierte) Parteientschädigung ist nicht auszurichten, w eil nicht davon auszugehen ist, die Beschw erdeführung sei m it verhältnism ässig hohen Kosten verbunden gew esen (Art. 64 Abs. 1 Vw VG sow ie Art. 7 Abs. 4 VG KE). D ispositiv S. 77 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird teilw eise gutgeheissen und die am 31. M ai 2006 ge- gen T._______ verhängte Einreisesperre w ird m it sofortiger W irkung auf- gehoben. 2. D em Beschw erdeführer w erden Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 400.-- auferlegt. Sie w erden von dem am 14. Septem ber 2006 geleisteten Kos- tenvorschuss in der H öhe von Fr. 600.-- in Abzug gebracht. D ie D ifferenz von Fr. 200.-- w ird dem Beschw erdeführer zurückerstattet. 3. Es w ird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben, m it den Akten R ef.-N r. 2 231 451 zur Ver- anlassung der notw endigen M utationen im R IPO L) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: A. Im oberdorf L. Birgelen Versand am :