Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. Oktober 2018 (715 18 181 / 291) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ein fehlerhaftes Verhalten des Beschwerdeführers ist nicht ausgewiesen, weshalb es an der beweismässigen Voraussetzung für eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit fehlt. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Christof Enderle, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Sarah Brutschin , Advok a- tin, Picassoplatz 8, Postfach 330, 4010 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1967 geborene A.____ war zuletzt seit dem 16 . Oktober 2017 bei der B.____AG als Director Consulting angestellt. Am 21. November 201 7 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeits- verhältnis per 28. November 2017. Am 24. November 2017 meldete sich A.____ beim Regiona- len Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) X.____ zur Arb eitsvermittlung an und erhob ab 29. No- vember 2017 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Mit Verfügung Nr. 528/2018 vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 28. Februar 2018 stellte ihn die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) ab dem 29. November 2017 wegen selbstverschuldeter Arbeitslo sigkeit für 24 Tage in der An- spruchsberechtigung ein. Daran hielt sie auch auf Einspra che des Versicherten hin mit Ent- scheid vom 27. April 2018 fest. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Sarah Brutschin, am 28. Mai 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschw erde sei der Einspracheentscheid vom 27. April 2018 vollumfänglich aufzuheben; unter o/e -Kostenfolge. Zur Begründung hielt er im Wesentlichen fest, dass ihn kein Verschulden an der Bee ndigung des Anstellungsverhältnisses mit der B.____AG und der in der Folge eingetretenen Arbeitslosigkeit treffe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 27. August 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obli gatorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide au s dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversi cherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgeric ht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kon trollpflicht erfüllt. Vorliegend kam der Beschwerdeführer seinen Kontrollpflichten im Kant on Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist . Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 28. Mai 2018 ist einzutreten. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einst ellung in der Anspruchsberechti- gung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Perso n hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/ Tschan- nen/Uhlmann, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversi- cherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeits- losigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitsl osigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielha ft Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selb stverschuldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Ver- letzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgebe rin Anlass zur Auflösung des Arbeitsver- hältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). D ie Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt kei ne fristlose Auflösung des Arbeitsverhält- nisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obliga- tionenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht unbe- dingt eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten inn erhalb und ausserhalb des Be- triebs berechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urte il des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozia lrechtliche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Intern ationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslo sigkeit vom 21. Juni 1988 (Überein- kommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Okto ber 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Ver- dienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitsei nstellung ohne Unterbrechung des Be- schäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 200 0, C 53/00). Aufgrund des grundsätzli- chen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Üb ereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Per- son, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urte il des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 2.4 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit . a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen mu ss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung erfolgen (J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zü- rich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesge- richt – unter Hinweis auf den im Strafrecht geltenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvor- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht satz und bewusste Fahrlässigkeit auf der Wissensseite überein stimmen, indem dem Täter die Möglichkeit, das Risiko der Tatbestandsverwirklichung bewusst ist. Die entscheidende Differenz liegt auf der Willensseite. Auch wer die Möglichkeit de r Tatbestandsverwirklichung – hier der Arbeitgeberkündigung – erkennt, kann sich, selbst leicht fertig, über sie hinwegsetzen, d.h. da- rauf vertrauen bzw. mit der Einstellung handeln, dass sc hon nichts passieren werde (bewusste Fahrlässigkeit). Demgegenüber erfordert der Eventualvor satz, dass der Versicherte sich für die Tatbestandsverwirklichung entscheidet, sie in Kauf nimmt. Weitestgehend ausser Frage stehen dürfte das Willenselement nur, wenn der Versicherte d ie Kündigung durch den Arbeitgeber für so naheliegend hält, dass die Bereitschaft, sie als Folge seines Verhaltens hinzunehmen, ver- nünftigerweise nicht mehr bezweifelt werden kann; oder wenn sie ihm, im eigentlichen Sinn des Wortes, erwünscht oder recht war, wie wohl auch noch i m Falle schierer Gleichgültigkeit. Als Faustregel formuliert: Dass der Versicherte die Tatbestan dsverwirklichung in Kauf genommen hat, liegt grundsätzlich näher, je wahrscheinlicher es ihm erschien, dass sie eintreten könnte, und je weniger er sie innerlich ablehnte, und umgekeh rt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2008, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hinweis). Zu den Umständen, die allenfalls auf eventualvorsätzliches Verhalten schliessen lassen, gehören die Grösse des dem Versicherten bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwer e der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Versicherten und die Art der Tath andlung. Das Gericht darf vom Wissen des Versicherten auf dessen Willen schliessen, wenn sich i hm der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Wa s der Versicherte wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft innere Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen der Schluss auf E ventualvorsatz berechtigt erscheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urt eil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwa ltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärunge n vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mi twirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2014 , S. 542, 598; F RITZ GYGI , Bun- desverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_552/2008, E. 2 mit Hinweis). Im Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichke it eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensa bläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die Anwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00, E. 3a). Praxisgemäss muss da s der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar fest- stehen, ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. Oktober 2002, C 392/ 00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). 4. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zur Kündigung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Ver- bindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV mithin die Ei nstellung in der Anspruchsberechtigung zu tragen hat. Insbesondere ist zu prüfen, ob dem Beschwe rdeführer zu Recht ein (eventu- al)vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt wurde. 5.1 Aufgrund der vorliegenden Unterlagen stellt sich de r rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: 5.2 Der Beschwerdeführer war ab dem 1. September 2015 bei der C.____AG als Senior Manager im Personalwesen tätig. Am 17. November 2016 kündigte die Arbeitgeberin das Ar- beitsverhältnis infolge Umstrukturierung per 31. Mai 2017. Im Rahmen eines Sozialplans wurde am 17. November 2016 ein bis 31. August 2017 befristet er COACH-Arbeitsvertrag vereinbart, welcher am Tag nach Ablauf der ordentlichen Kündigungs frist des bisherigen Arbeitsvertrags in Kraft trat. Vereinbarungsgemäss konnte dieser Vertrag i m gegenseitigen Einvernehmen unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist jeweil s auf ein Monatsende aufgelöst werden. Der Beschwerdeführer war vom 21. Dezember 2016 bis 31. März 2017 krankheitsbedingt ar- beitsunfähig. Am 13. Januar 2017 stellte ihn die C.__ __AG ab dem Zeitpunkt der Wiedererlan- gung der Arbeitsfähigkeit frei. Gleichzeitig wurde de r Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass er unverzüglich schriftlich informieren müsse, falls er vor Ablauf des Vertrags eine neue Stelle antrete oder eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnehme. In einem solchen Fall werde das Anstellungsverhältnis am Kalendertag vor Aufnahme der neuen Tätigkeit beendet. Am 14./17. März 2017 wurde ein weiterer befristeter COA CH-Arbeitsvertrag bis spätestens 30. November 2017 vereinbart. 5.3 Ab dem 16. Oktober 2017 war der Beschwerdeführer bei der B.____AG als Director Consulting angestellt. Am 21. November 2017 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 28. November 2017. Im Antrag auf Arbeitslosenentsc hädigung vom 24. November 2017 äusserte sich der Beschwerdeführer nicht zum Grund der Kündigung. In der Arbeitgeberbe- scheinigung vom 1. Dezember 2017 gab die ehemalige Arb eitgeberin an, dass der Versicherte weiterhin bei seiner früheren Arbeitgeberin angestell t gewesen sei. Auf Nachfrage der Be- schwerdegegnerin führte die B.____AG am 9. Januar 2018 (Eingang) aus, sie hätten am Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. November 2017 von der C.____AG erfahren, dass der Versicherte bis zum 30. November 2017 noch bei dieser angestellt gewesen sei, was der V ersicherte ihr gegenüber jedoch ver- schwiegen habe. In der Folge habe sie das Arbeitsverhältnis aufgelöst. 5.4 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs gab der Versicherte am 21. Februar 2018 an, dass die C.____AG aufgrund eines von ihr verschuldeten Fehler s den Lohn über den Austrittszeit- punkt hinaus ausbezahlt habe. In der beigelegten E-Mail vom 22. November 2017 bestätigte ein Mitarbeiter der Personalabteilung der C.____AG, dass der Beschwerdeführer über seinen Aus- tritt aus der C.____AG resp. das neue Arbeitsverhältnis ab 16. Oktober 2017 rechtzeitig infor- miert habe. Die Information sei intern nicht korrekt weitergeleitet und falsch verarbeitet worden, wofür er sich in aller Form entschuldige. Nebenbei verw ies er auf das Schreiben vom 13. Januar 2017, wonach der Antritt einer neuen Stel le vor Vertragsende der C.____AG schrift- lich mitzuteilen sei. Dies habe dazu geführt, dass von Se iten der C.____AG die notwendigen Schritte zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 15. Okt ober 2017 nicht ausgelöst worden seien. 5.5 Mit Verfügung Nr. 528/2018 vom 28. Februar 2018 stellte die Arbeitslosenkasse den Versicherten ab dem 29. November 2017 wegen selbstverschu ldeter Arbeitslosigkeit für 24 Ta- ge in der Anspruchsberechtigung ein. In seiner dagege n gerichteten Einsprache vom 10. März 2018 hielt der Versicherte im Wesentlichen fest, dass e r die C.____AG rechtzeitig über den Austritt resp. das neue Arbeitsverhältnis informiert habe. Der beigelegten E-Mail vom 9. Oktober 2017 ist zu entnehmen, dass er den besagten Mitarbeiter der Personalabteilung der C.____AG gebeten hatte, seinen Austritt aus der C.____AG per 15. Oktober 2018 vorzubereiten. 6.1 Die Arbeitslosenkasse folgte den Darstellungen des Be schwerdeführers nicht und be- gründete den angefochtenen Einspracheentscheid vom 27. A pril 2018 damit, dass die Mittei- lung an die C.____AG vom 9. Oktober 2018 der erforde rlichen Schriftform nicht genügt habe. Dies hätte der Beschwerdeführer aufgrund seiner berufli chen Tätigkeit wissen müssen. Daher trage er zumindest eine Mitverantwortung dafür, dass sei ne Austrittsmeldung nicht weiterverar- beitet worden sei. Zudem hätte er spätestens Ende Okto ber 2017, nachdem ihm die C.____AG weiterhin den vollumfänglichen Lohn ausgerichtet hatte, klar sein müssen, dass das Arbeitsver- hältnis nicht aufgelöst war. Hätte er sich rechtzeitig um die Angelegenheit gekümmert, wäre ihm die neue Stelle mit überwiegender Wahrscheinlichkeit n icht gekündigt worden. Unter den gege- benen Umständen sei die Kündigung der B.____AG nachvo llziehbar. Bei dieser Sachlage sei ein Selbstverschulden an der Arbeitslosigkeit zu bejahen. 6.2 Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf d en Standpunkt, dass eine förmli- che Kündigung des COACH-Arbeitsvertrags nicht notwendig g ewesen sei und er entsprechend der gelebten Praxis in der C.____AG davon habe ausgehe n dürfen, dass die Mitteilung per E- Mail erfolgen könne. Zudem sei er nach Erhalt der Loh nrechnung Oktober 2017 davon ausge- gangen, dass die Meldung seines Austritts im Lohnlauf jen es Monats noch nicht verarbeitet worden sei und im Monat November 2017 eine Korrektura brechnung erfolgen würde, was in Fällen von falschen Lohnauszahlungen der Praxis der C.__ __AG entspreche. Selbstverständ- lich habe er den zu viel ausbezahlten Lohn zurückerstatt et. Die C.____AG habe die Verantwor- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung für die fehlende Bearbeitung der Austrittsmeldun g übernommen. Er selbst habe bis zum Gespräch mit der B.____AG vom 21. November 2017 keinen Anlass gehabt, davon auszuge- hen, dass ihn die C.____AG über den 15. Oktober 2017 hinaus als Mitarbeiter geführt habe. Ein eventualvorsätzliches Handeln liege nicht vor. 7. Der Auffassung von Arbeitslosenkasse kann nicht beigepfl ichtet werden. Wie in Erwägung 3.2 hiervor ausgeführt, muss die selbstverschuldete Kündig ung in beweismässiger Hinsicht klar feststehen, damit eine Einstellung in Betracht kommt. Di es bedeutet, dass es vorliegend nicht darum geht, welcher Ereignisablauf als überwiegend wah rscheinlich anzusehen ist, sondern darum, ob das fehlerhafte Verhalten des Beschwerdeführe rs erstellt ist (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 3. März 2016, 8C_22/2016, E. 6.1 mit Hinwe is). Ein Verschulden im vorstehend umschriebenen Sinn, das dem Beschwerdeführer in Bezug auf den Eintritt der Arbeitslosigkeit zur Last zu legen wäre, ist nicht gegeben. Die Tatsache, dass die Austrittsmeldung des Be- schwerdeführers vom 9. Oktober 2017 nicht korrekt weiterge leitet resp. falsch verarbeitet wor- den war, kann dem Beschwerdeführer jedenfalls nicht zu m Vorwurf gereichen. Dies gilt umso mehr, als ein Mitarbeiter der Personalabteilung der C .____AG mit E-Mail vom 22. November 2017 den rechtzeitigen Erhalt der Austrittsmeldung best ätigte und sich beim Beschwerdeführer für die fehlerhafte Weiterverarbeitung derselben entsch uldigte. Damit hat die C.____AG die Verantwortung für die fehlende Bearbeitung der Aust rittsmeldung übernommen und die Be- hauptung der Vorinstanz, die Austrittsmeldung vom 9. Ok tober 2018 habe der erforderlichen Schriftform nicht genügt, weshalb den Beschwerdeführer zumindest eine Mitverantwortung für die Situation treffe, ist widerlegt. Zudem ist dem B eschwerdeführer darin beizupflichten, dass eine förmliche Kündigung des COACH-Arbeitsvertrags nicht erforderlich war und er aufgrund der Formulierung im Freistellungsschreiben vom 13. Janua r 2017 davon ausgehen durfte, dass für die Beendigung des laufenden Arbeitsvertrags mit d er C.____AG eine einfache schriftliche Mitteilung ausreichend war. Dass dafür – wie die Beschw erdegegnerin annimmt – ein Schrei- ben mit einer rechtgültigen Unterschrift erforderlich gewesen wäre, lässt sich aus dem Wortlaut im Freistellungsschreiben vom 13. Januar 2017 nicht abl eiten. Vielmehr ist aufgrund der Tatsa- che, dass die C.____AG Fehler einräumte, davon auszugeh en, dass die Austrittsmeldung per E-Mail ausreichend war und der gelebten Praxis der C.__ __AG entsprach. Vor diesem Hinter- grund ist weder ein Fehlverhalten des Beschwerdeführers e rsichtlich noch hatte er bis zum Ge- spräch mit der B.____AG vom 21. November 2017 Anlass, davo n auszugehen, dass ihn die C.____AG noch als Mitarbeiter führte. Entgegen der A uffassung der Vorinstanz besteht auch kein Grund, an den glaubhaften Angaben des Beschwerdefü hrers zu zweifeln, wonach er nach Erhalt der Lohnrechnung Oktober 2017 davon ausgegangen sei, dass die Meldung seines Aus- tritts noch nicht verarbeitet war und der Praxis der C.____AG entsprechend im Folgemonat eine Korrekturabrechnung erfolgen würde. Insgesamt liegt nich ts vor, was auf ein klar ausgewiese- nes fehlerhaftes Verhalten des Beschwerdeführers schliessen lassen würde. Folglich fehlt es an der beweismässigen Voraussetzung für eine Einstellung nac h Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV. Eine Einstellung ist demna ch nicht möglich. Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten gutzuheissen und der angefochtene Ein spracheentscheid vom 27. April 2018 ist aufzuheben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskos- ten zu erheben. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspr echen. Die Rechtsvertreterin machte in ihrer Honorarnote vom 10. September 2018 f ür das vorliegende Beschwerdeverfah- ren einen Zeitaufwand von 7 Stunden und 10 Minuten geltend, was in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen angemessen ist. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozial- versicherungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der Ta- rifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. Novem ber 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 154.90. Dem Be- schwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘096.45 (7,166 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 154.90. zuzügl ich 7,7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefo chtene Einspracheent- scheid vom 27. April 2018 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2’096.45 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht