B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-5867/2014 U r t e i l v o m 1 3 . O k t o b e r 2 0 1 5 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______, Zustelladresse: B._______, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-5867/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die aus Myanmar stammende, 1992 geborene C._______ (nachfolgend: Gesuchstellerin) beantragte am 4. Juni 2014 bei der Schweizerischen Bot- schaft in Bangkok ein Schengen-Visum für einen dreimonatigen Aufenthalt bei A._______ (nachfolgend: Gastgeber beziehungsweise Beschwerde- führer) im Kanton Zürich (Akten der Vorinstanz [nachfolgend SEM act.] 4/37). Der Gastgeber war bereits zuvor – mit einem Einladungsschreiben vom 7. April 2014 – an die Schweizer Vertretung in Bangkok gelangt. Darin führte er aus, bei der Eingeladenen handle es sich um seine Freundin. Sie lebten seit ihrer ersten Begegnung im Februar 2013 zusammen in Mae Sot (Thai- land) im Haus seiner verstorbenen Frau , wo er ein lebenslanges Wohn- recht geniesse. Sie seien ein Team und würden sich gegenseitig unterstüt- zen. Die Gesuchstellerin studiere Thailändisch an einer Sprachschule in Chiang Mai (Thailand). Geplant sei ein dreimonatiger gemeinsamer Feri- enaufenthalt in der Schweiz; er wolle der Gesuchstellerin seine Familie vor- stellen und ihr kulturelle Sehenswürdigkeiten zeigen. Sie werde nach dem geplanten Ferienaufenthalt mit ihm zusammen die Schweiz fristgerecht wieder verlassen, da sie ja bei ihm wohne und ihr Sprachstudium beenden möchte. Er garantiere für sämtliche Kosten im Zusammenhang mit dem Ferienaufenthalt der Ges uchstellerin in der Schweiz und auch für deren fristgerechte Wiederausreise (SEM act. 4/22). B. Mit Formularentscheid vom 4. Juni 2014 lehnte es die schweizerische Ver- tretung in Bangkok ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begrün- dete ihre Haltung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für die fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen - Raum nach einem Ferienaufenthalt. Zudem bestünden Zweifel am geltend gemachten Aufenthaltszweck (SEM act. 1/5). C. Gegen diesen Entscheid erhob der Gastgeber am 10. Juni 2014 Einspra- che beim damaligen Bundesamt für Migration (BFM, seit 1. Januar 2015 Staatssekretariat für Migration SEM). Er begründete den Schritt sinnge- mäss damit, dass die Befürchtungen und Zweifel der schweizerischen Ver- tretung nicht gerechtfertigt seien. Er habe seinen Lebensmittelpunkt seit zehn Jahren in Thailand. Trotzdem komme er noch sporadisch in die Schweiz, um hier persönliche Angelegenheiten zu erledigen. Während des C-5867/2014 Seite 3 nun geplanten Aufenthalts wolle er das Haus verkaufen, das er hier noch besitze. Zudem müsse er jeden Herbst zu einer medizinischen Routine- Untersuchung in die Schweizerische Epilepsie-Klinik EPI in Zürich. Es sei ihm auch von Ärzten empfohlen worden, sich auf Reisen begleiten zu las- sen. Zudem wolle er seine Partnerin seinen beiden in der Schweiz leben- den Söhnen vorstellen. Schliesslich möchte er seine Partnerin auch mit der schweizerischen Kultur bekannt machen und ihr Europa zeigen. Er über- nehme sämtliche Reisekosten. Zu den persönlichen Verhältnissen der Ge- suchstellerin hielt der Gastgeber fest, diese habe "ohne Papiere" als Schneiderin in der Nähe seines thailändischen Wohnortes gearbeitet. Nun sei sie Studentin und habe eine thailändische Aufenthaltsbewilligung, die am 3. März 2015 um ein weiteres Jahr verlängert werden könne. Sie habe in Myawaddy (einer knapp 10 km vom Wohnort des Beschwerdeführers entfernten Grenzstadt in Myanmar) jüngere Geschwister, die dort bei den Grosseltern lebten. Er sorge für deren Unterhalt. Die Gesuchsteller in un- terstütze ihn in allen Belangen, und trotz des grossen Altersunterschiedes gehe es ihnen gut. Er werde auch in Zukunft für die Existenzsicherung der Gesuchstellerin besorgt sein (SEM act. 1/7). D. Mit Verfügung vom 14. August 2014 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertretung, wonach Zweifel am wahren Aufenthaltszweck bestünden und die an- standslose und fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellerin nach ei- nem Aufenthalt im Schengen-Raum nicht als gesichert betrachtet werden könne. Die Gesuchstellerin stamme aus einer Region, aus der als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhält- nisse ein starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. Die Gesuchstelle- rin selbst sei jung, ledig, habe keine Kinder und befinde sich noch im Stu- dium. Entsprechend seien weder berufliche noch familiäre oder gesell- schaftliche Verpflichtungen auszumachen, welche das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise nach einem Aufenthalt in der Schw eiz be- ziehungsweise im Schengen-Raum als gering erscheinen liessen. Komme hinzu, dass die Gesuchstellerin gemäss den Angaben der Schweizer Ver- tretung schon einmal erfolglos ein Visum für Aus tralien beantragt habe (SEM act. 5/43). Die Verfügung wurde dem B eschwerdeführer gemäss Mitteilung der Schweizer Botschaft in Bangkok am 28. September 2014 eröffnet. C-5867/2014 Seite 4 E. Dagegen gelangte der Gastgeber mit einer Beschwerde vom 28. Septem- ber 2014 (Eingang bei der Schweizer Vertretung in Bangkok am 1. Oktober 2014) an das Bu ndesverwaltungsgericht. Implizit beantragt e er darin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Ausstellung des ge- wünschten Visums. Zur Begründung macht e er sinngemäss geltend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die Wiederausreise der Ge- suchstellerin nach einem Ferienaufenthalt nicht gesichert wäre. Er habe mit ihr seit Anfang 2013 eine Partnerschaft und er habe dafür gesorgt, dass sie – nachdem sie zuvor als Näherin illegal in Thailand gearbeitet habe – nun einen Pass und einen geregelten Aufenthalt in seiner Wahlheimat habe und dass sie ein Sprachstudium absolvieren könne. Er sei auf ihre Beglei- tung schon aus gesundheitlichen Gründen angewiesen, sei er doch 1998 schwer verunfallt und leide seither an Epilepsie. Als Gründe für den Auf- enthalt in der Schweiz erwähnte er erneut eine Untersuchung in der Klinik EPI in Zürich und den Wunsch, seine Partnerin seinen Söhnen vorstellen zu können. Zum Visumsantrag der Gesuchstellerin für eine Einreise nach Australien führte er aus , seine Söhne hätten damals in Perth Ferien ver- bracht, und er und seine Partnerin hätten diese dort besuchen wollen. F. Mit unaufgefordert eingereichter Eingabe an das Bundesverwaltu ngsge- richt vom 6. Januar 2015 (Datum des Poststempels) legt e der Beschwer- deführer erneut dar, weshalb seine Partnerin ihn in die Schweiz begleiten sollte. Es falle ihm schwer, Reisen alleine anzutreten. G. Die Vorinstanz verzichtete in ihrer Vernehmlassung vom 16. Januar 2015 darauf, zur Beschwerde inhaltlich Stellung zu nehmen und beantragte de- ren Abweisung. H. Die Vernehmlassung der Vorinstanz wurde dem Beschwerdeführer mit Be- gleitschreiben vom 27. Januar 2015 zur Kenntnis gebracht. I. In einer weiteren Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 1. Juli 2015 machte der Beschwerdeführer geltend, es sei zwingend, dass er von der Gesuchstellerin begleitet werde. C-5867/2014 Seite 5 J. Mit einer Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 28. Juli 2015 schliesslich teilte der Beschwerdeführer mit, dass sich mit dem jüngsten Regierungswechsel das Bewilligungsprozedere für den Aufenthalt der Ge- suchstellerin in Thailand geändert habe. Der Antrag müsse neu bei der französischen Botschaft in Myanmar gestellt werden. Vermutlich könne "in jedem Fall nach 180 Tagen ein neues Gesuch eingereicht werden und diese" seien "am 4. Dezember 2014 abgelaufen". K. Auf den weiteren Akteninhalt und die zusammen mit der Beschwerde ein- gereichten Belege (nebst Kopien von Vorakten zwei undatierte, offensicht- lich aus dem Jahre 2008 stammende ärztliche Berichte sowie ein Dauerre- zept des Schweizerischen Epilepsie-Zentrums in Zürich, datiert vom 26. September 2014) wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG , welche von einer der in Art. 33 VGG aufgeführten Behörden erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfü- gungen des BFM bzw. SEM, die im Einspracheverfahren gegen die Ve r- weigerung eines Schengen-Visums ergehen. In dieser Materie entscheidet das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes- sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantona le Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. C-5867/2014 Seite 6 Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever- fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis- sen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver- hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer Staatsangehörigen aus Myanmar um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen Aufent- halt in der Schweiz zugrunde. Da sich d ie Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen k ann und die beab- sichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schen- gen-Besitzstand und die dazugehörigen gem einschaftsrechtlichen Recht- akte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge- setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraus- setzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten ver- pflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset- zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5; a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Caroni / Gächter / Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän- der, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). C-5867/2014 Seite 7 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen- Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, de- ren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz ei- nes Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsan- gehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt ver- fügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über ei- nen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Perso- nen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105/1 vom 13.04.2006], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufent halts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfol- gend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informati- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar- stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristgerecht wie- der zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 C-5867/2014 Seite 8 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederaus- reise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einrei- seerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfü llt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Grün- den, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehö- rigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht er- füllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestat- tet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Aufgrund ihrer Staats zugehörigkeit unterliegt die Gesuchstellerin der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 [ABl. L 81 vom 21.03.2001 ; zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV]). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Hei- matland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin als nicht genügend gesichert. Zur Einschätzung entsprechender Risiken sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreise- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit po- litisch oder wirtschaftlich vergleichsweise u ngünstigen Verhältnissen kön- nen ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem C-5867/2014 Seite 9 Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. 5.3 5.3.1 Die Gesuchstellerin lebte zwar im Zeitpunkt des Visumsantrags in Thailand, sie ist aber – wie erwähnt – Staatsangehörige von Myanmar. Ob- wohl dieser Staat reich an Ressourcen (grosse Erdgasvorräte, Hölzer, Kup- fer, Edelsteine und andere Rohstoffe sowie grosse Wasserkraftreserven und umfangreiche landwirtschaftliche Nutzflächen) ist und sein wirtschaft- liches Potenzial als enorm eingeschätzt wird, leidet die Wirtschaft immer noch unter erheblichen strukturellen Defiziten und wird von einem wenig produktiven Agrarsektor dominiert. Die allgemeine Infrastruktur (z.B. Ver- kehrsverbindungen, Energieversorgung und Telekommunikation) ist insbe- sondere ausserhalb der Städte unterentwickelt und stellt daher ein massi- ves Investitionshindernis dar. In Myanmar ist Armut weit verbreitet. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze. Beson- ders gravierend ist die Situation in den schwer zugänglichen Siedlungsge- bieten in den Grenzregionen sowie in der zentralen Trockenzone. 60,8 % der arbeitenden Bevölkerung sind sogenannte working poor; sie verdienen mit ihrer Arbeit weniger als zwei USD pro Tag. Der Anteil der Unterbeschäf- tigten wird auf mindestens ein en Drittel der arbeitenden Bevölkerung ge- schätzt, und über die Zahl der Arbeitslosen kann keine Angabe gemacht werden, weil diese von der Regierung nicht ermittelt wird. Die schlechte sozioökonomische Situation führt zu einer Abwanderung von Arbeitskräf- ten ins Ausland (Quellen: Deutsches Auswärtiges Amt < http://www.aus- waertiges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinformationen > Myanmar > Wirtschaftspolitik, Stand: Mai 2015; Human Development Re- port 2014 < http://hdr.undp.org/en > countries > Auswahl Myanma r > Employment_and_Vulnerability, beide Seiten besucht im September 2015). 5.3.2 Vor dem Hintergrund der dargelegten wirtschaftlichen Lage und der daraus resultierenden Abwanderung aus Myanmar ist nicht zu beanstan- den, dass die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederaus- reise von Besucherinnen und Besuchern aus dem betreffenden Staat all- gemein als hoch einschätzt. 5.4 Bei der Risikoanalyse sind jedoch nicht nur die allgemeinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im C-5867/2014 Seite 10 Heimat- oder Herkunftsland beispielsweise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durch- aus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. An- dererseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat beziehungsweise in ih- rem Herkunftsland keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer be- willigten Einreise als hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 23-jährige, ledige und kinderlose junge Frau aus Myanmar. Über ihre verwandtschaftlichen Ver- hältnisse ist nur gerade bekannt, dass in ihrer Heimat in der Nähe zur thai- ländischen Grenze noch jüngere Geschwister zusammen mit den Grossel- tern leben. Daraus zu schliessen dürfte ein gewisser Bezug zu ihrer Her- kunftsregion noch bestehen. Andererseits hielt sich die Gesuchstellerin vor ihrer Einlassung mit dem Beschwerdeführer offenbar schon längere Zeit nicht mehr in Myanmar, sondern in Thailand auf und ging dort einer Er- werbstätigkeit als Schneiderin nach; dies alles ohne entsprechende aus- länderrechtliche Regelung. 6.2 Die Gesuchstellerin stammt offensichtlich aus eher ärmlichen Verhält- nissen. Inzwischen steht sie wirtschaftlich gesehen in einem Abhängig- keitsverhältnis zum Beschwerdeführ er. Ihr Aufenthalt in Thailand ist oder war – aus entsprechenden Einträgen in den vom Beschwerdeführer edier- ten Kopien ihres Reisepasses zu schliessen – bis anfangs März 2014 ge- regelt; offenbar zu Studienzwecken. Wie es sich damit seither verhält, ergibt sich aus den Akten nicht. In seiner letzten Eingabe vom 15. Juli 2015 deutete der Beschwerdeführer lediglich an, dass das Bewilligungsregime für Aufenthalte wie denjenigen der Gesuchstellerin in Thailand in der Zwi- schenzeit geändert habe und er sich über di e aktuelle Regelung selbst nicht ganz im Klaren sei. Es kann unter diesen Umständen nicht ohne Wei- teres davon ausgegangen werden, dass der Aufenthalt der Gesuchstellerin in Thailand nach wie vor und auf längere Zeit hinaus gesichert ist. Ebenso wenig kann angenommen werden, die Gesuchstellerin könnte nach einem mehrmonatigen Auslandaufenthalt ohne Weiteres nach Thailand zurück- kehren. 6.3 Der Beschwerdeführer bezeichnet die Gesuchstellerin als seine Part- nerin, mit der er seit dem Jahr 2013 zusammenlebt und die er seinen Ver- wandten in der Schweiz vorstellen möchte. Zudem macht er unter Verweis auf ärztliche Dokumente geltend, aus gesundheitlichen Gründen auf ihren C-5867/2014 Seite 11 Beistand angewiesen zu sein. Zwischen den Beiden besteht ein Altersun- terschied von 42 Jahren. Kommt hinzu, dass sie gemäss den Ausführun- gen der Schweizerischen Vertretung in Bangkok in einer Notiz vom 31. Juli 2014 im damaligen Zeitpunkt keine gemeinsame Sprache beherrschten. Ob sich daran in der Zwischenzeit mit den von der Gesuchstellerin besuch- ten thailändischen Sprachkursen etwas geändert hat, lässt sich anhand der vorhandenen Akten nicht beurteilen. Tatsache ist, dass unter den gegebe- nen Umständen nicht von einer gefestigten und ausgeglichenen partner- schaftlichen Beziehung im eigentlichen Sinne ausgegangen werden kann. Das Verhältnis mag für die junge Gesuchstellerin momentan stimmen, wie sie sich aber – einmal im Schengen-Raum angekommen – verhalten würde bzw. welche mittel - und langfristigen Lebensziele sie verfolgt, lässt sich nicht erahnen. 6.4 Vor dem vorstehend dargelegten allgemeinen und persönlichen Hinter- grund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass keine hinreichende Ge- währ für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuch- stellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Beurteilung än- dert die Tatsache nichts, dass der Beschwerdeführer die rechtzeitige Rück- kehr der Gesuchstellerin zugesichert hat. In seiner Eigenschaft als Gast- geber kann er zwar für gewisse finanzielle Risiken (Lebensunterhaltskos- ten während des Besuchsaufenthalts, allfällige Kosten für Unfall und Krankheit sowie Rückreisekosten) Garantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten seines Gastes (vgl. BVGE 2009/27 E. 9). 6.5 Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. E. 4.5 vorstehend) sind nicht ersich tlich. Zwar macht der Beschwerdeführer geltend, für ärztliche Kontrollen regelmässig einmal jährlich in die Schweiz einreisen zu müssen und bei diesen Reisen wegen seiner gesundheitlichen Beschwerden auf eine Begleitung angewiesen zu sein. Dabei fällt allerdings auf, dass dieser Aspekt vom Beschwerdeführer anfänglich überhaupt nicht erwähnt und später in seinen Eingaben mehr und mehr betont wurde, ohne dass die edierten ärztlichen Belege entspre- chende Ausführungen enthielten. Im Gegenteil: Die eingereichten Arztbe- richte stammen offensichtlich aus dem Jahre 2008 und das vom Schwei- zerischen Epilepsie -Zentrum in Zürich am 26. September 2014 ausge- stellte jährliche Dauerrezept lässt – nicht zuletzt aufgrund dessen Adres- sierung an den Beschwerdeführer in der Schweiz – die Vermutung zu, die- ser sei in der Zwischenzeit ohne die Gesuchstellerin in die Schweiz gereist. Alles in allem kann nicht davon ausgegangen werden, eine Begleitung des C-5867/2014 Seite 12 Beschwerdeführers zu ärztlichen Kontrollen in der Schweiz sei aus medi- zinischen Gründen zwingend erforderlich und könne nur durch die Gesuch- stellerin wahrgenommen werden. 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 8. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten de m Be- schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv S. 13 C-5867/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Akten Ref-Nr. […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand: