Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. November 2017 (720 17 245 / 305) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Beweiswürdigung im Zusammenhang mit einem verwaltungsexternen Gutach- ten; Verwertbarkeit auf einem theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt bejaht. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1977 geborene A.____ ist verheiratet und Mut ter zweier Kinder. Im Dezember 2003 meldete sie sich unter Hinweis auf Hüftbeschwe rden erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug in Fo rm von beruflichen Massnahmen an. Mit Verfügung vom 31. März 2004 verneinte die IV-Stelle des Kantons Solothurn einen Leistungs- anspruch infolge Nichterfüllung der versicherungsmässigen Voraussetzungen. Von Juli bis Sep- tember 2008 war A.____ als Lagermitarbeiterin für d ie Firma B.____ und ab 1. November 2009 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis Ende Januar 2010 als Reinigungs- und Servicemitarbeit erin in einem Restaurant tätig. Am 30. August 2010 meldete sie sich unter Hinweis auf psychi sche Probleme sowie eine Beinpro- these erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. Nach Ab klärung der gesundheitlichen, erwerb- lichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) bei der Versicherten in Anwendung der gemischten Bemessungsmethode einen Invaliditätsgrad von 2%. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte sie den Anspruch auf eine IV-Rente mit Verfügung vom 18. September 2012 ab. Eine hiergegen erhobene B eschwerde wies das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherung srecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 7. Februar 2013 ab. B. Am 6. Januar 2015 stellte die Versicherte unter Hin weis auf ein Schielen und Kopf- schmerzen, Knieprobleme, Rückenschmerzen, eine Hüftdyspl asie sowie psychische Probleme ein erneutes Leistungsgesuch bei der IV. Nach Abklärung der erwerblichen und gesundheitli- chen Verhältnisse verneinte die IV-Stelle in Anwendun g der allgemeinen Methode des Ein- kommensvergleichs mit Verfügung vom 12. Juli 2017 eine n Leistungsanspruch gestützt auf ei- nen ermittelten IV-Grad von 20%. C. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokatin Raffaella Biaggi, am 17. August 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie b eantragte, die IV-Stelle sei in Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung zu verpflichten, ihr die gesetzliche Invalidenrente auszurich- ten. Ferner sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung zu bewilligen, alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen geltend machen, dass das bidiszip- linäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ nicht be weistauglich sei. Einerseits sei es veral- tet, nachdem sie sich am 29. Mai 2016 bei einem Stolpe runfall eine Achillessehnenruptur zuge- zogen und am 6. August 2017 einen erneuten Suizidversuch begangen habe. Andererseits sei namentlich das psychiatrische Teilgutachten nicht verwertba r, weil es im diametralen Wider- spruch zu den übrigen fachärztlichen Beurteilungen stehe . Selbst der rheumatologische Gut- achter habe das Verhalten der Versicherten als auffällig beurteilt. Auch im Bericht der Klinik E.____ sei lediglich ein halbes Jahr vor der Exploratio n durch den psychiatrischen Gutachter eine psychotherapeutische Behandlung als dringend indizi ert erachtet worden. Da die Umstän- de der externen Isolation und des psychotischen Erlebens u nverändert seien, hätte der psychi- atrische Gutachter nicht von einer stabilen Remission d er Depression ausgehen dürfen, zumal nur wenige Monate zuvor noch eine mittelschwere depre ssive Episode diagnostiziert worden sei. Auch der rheumatologische Gutachter berücksichtige die multiplen körperlichen Beeinträch- tigungen zu wenig und gehe von einem unrealistischen Ar beitsplatzprofil aus. Selbst auf einem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt sei nicht ersichtl ich, welche Tätigkeit die Beschwer- deführerin mit ihren Einschränkungen noch ausüben könne. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 3. Oktob er 2017 unter Hinweis auf eine Aktenbeurteilung ihres regionalärztlichen Dienstes (RAD) vom 28. September 2017 auf Abwei- sung der Beschwerde. Zusammenfassend brachte sie vor, dass während der Zeit der Hospitali- sation im August 2017 eine vorübergehende volle Arbei tsunfähigkeit bestanden habe. Zuvor und danach entspreche der Gesundheitszustand der Einschätz ung im psychiatrischen Teilgut- achten. Der psychiatrische Gutachter habe dabei ausführlich zu den übrigen fachärztlichen Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schätzungen Stellung genommen. Auf einem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt stünde der Beschwerdeführerin weiterhin ein relativ breiter Fächer verschiedenster Hilfsarbeitertätigkei- ten offen. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten. 2. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erla ss der angefochtenen Verfü- gung vom 12. Juli 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpun kt bildet rechtsprechungsgemäss die zeit- liche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar beitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 hat die versicherte Person Anspr uch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad b estimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.5 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.6 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somi t weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.7 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsp rechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiter en Hinweisen). Berichten versiche- rungsinterner medizinischer Fachpersonen und (Akten-)Beri chten von Sachverständigen, die nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt werde n, erkennt die Rechtsprechung ebenfalls Beweiswert zu. Es ist allerdings zu betonen, dass ihnen pr axisgemäss nicht dieselbe Beweis- kraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungs- träger in Auftrag gegebenen Gutachten zukommt (BGE 135 V 469 ff. mit Hinweis). 3.8 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genüg t den Beweisanforderungen nicht (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweise n; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 451 Rz 43 ff.). 4. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführer in Anspruch auf eine IV-Rente be- sitzt und in diesem Zusammenhang, wie hoch ihre Restarb eitsfähigkeit ausfällt. Die IV-Stelle stützte sich bei der Beantwortung dieser Frage im Wesent lichen auf das von ihr in Auftrag ge- gebene bidisziplinäre Verwaltungsgutachten von Dr. med . C.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin vom 5. November 2015, und von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie vom 11. November 2015. 4.1 Dr. C.____ diagnostiziert in seinem rheumatologische n Teilgutachten vom 5. Novem- ber 2015 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine ch ronische Hüftschmerzproblematik bei Sta- tus nach einer Beckenosteotomie und einer inter-trochantä rer Femurosteotomie 1980 bei kon- genitaler Hüftdysplasie, Status nach Hüft-Teilprothese links am 24. November 2000 bei sekun- därer Coxarthrose sowie bei Beinlängenverkürzung links u nd muskulärer Dysbalance vom Be- ckengürteltyp, ferner ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei Skoliose und Beckenschief- stand links im Umfang von rund vier Zentimetern infolge Beinlängenverkürzung links bei begin- nenden degenerativen Veränderungen (Chondrose L5/S1), ferner eine beginnende Gonarthro- se und Femoropatellararthrose links bei leichtem Flexio ns- und Extensionsdefizit sowie Status nach distaler Reinsertion des Ligamentum patellae bei posttraumatischer Patella alta links am 26. Juli 2000 und schliesslich eine chronische Schulterschmer zproblematik rechts bei Status nach einem Sturz vom 16. Juli 2014 mit Schulterkontusion rechts ohne Verletzung der Rotato- renmanschette. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit s eien ein Status nach Schädelkontusion Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht am 16. Juli 2014, ein chronischer Kopfschmerz vom Spannung styp, ein Status nach Chevron- Osteotomie und Lateral release links bei symptomatischem Ha llux valgus links am 4. Juli 2007, dissoziative Krampfanfälle sowie ein hoher Astigmatus be idseits, die Esotropie und Hypotropie rechts, der bitemporale Quadrantenausfall sowie ein S tatus nach Schiel-Operation rechts 1998 zu erheben. Zusammengefasst kommt der Gutachter zum Sch luss, dass die Schulterproblema- tik rechts gegenüber den Voruntersuchungen neu sei. Die Rücken- und Hüftproblematik links sowie die Knieproblematik links seien bekannt und bereit s bestens dokumentiert. Die Befunde würden von den Voruntersuchungen nicht differieren. Bi ldgebend sei in Bezug auf die rechte Schulter eine geringe Tendinopathie der Supraspinatu ssehne, aber keine Ruptur der Rotato- renmanschette nachweisbar. Die Ursache der Schmerzen in d er rechten Schulter sei schwierig zu erklären. Es handle sich um eine chronische weichteilrh eumatische Schmerzsymptomatik. Von einer relevanten Schonung der rechten Schulter se i nicht auszugehen, da keine Atrophien vorliegen würden. Auch der subjektive Leidensdruck ersche ine im Bereich der Schulter gering. Die Schmerzintensität werde von der Explorandin mit V AS 3-4 angegeben, während die Rü- cken- und Hüftschmerzen VAS 6-7 erreichen würden. Die Exp lorandin habe keineswegs ver- zweifelt, sondern vielmehr richtiggehend "aufgestellt" und freundlich gewirkt und habe sehr leb- haft kommuniziert. Dies sei insofern auffällig, als ei n wesentlich grösserer Leidensdruck zu er- warten gewesen wäre. Zwischen den subjektiven Schmerzanga ben und den objektiven Befun- den bestünden zwar Diskrepanzen, es entstehe aber nicht d er Eindruck einer Aggravation oder Simulation. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei fe stzustellen, dass die Versicherte vor ihrem Unfall vom 16. Juli 2014 in einer körperlich sehr leich ten und sitzenden Arbeit ein Arbeitspen- sum von 100% absolviert habe. Diese Arbeit, die in der Kontrolle von Zigarren bestanden habe, sei ihr nach wie vor vollumfänglich zuzumuten. Das Profil dieser Arbeit sei allerdings wesentlich geringer gewesen als das bereits zuvor im April 2011 gu tachterlich definierte Profil. Für eine derartig leichte Tätigkeit resultiere deshalb eine höh ere Arbeitsfähigkeit. Für eine Tätigkeit, bei welcher die Explorandin das Belastungslimit der rechten Schulter nicht überschreiten müsse und mit dem rechten Arm auf Tischhöhe arbeiten könne, bestehe bezogen auf ein Ganzta- gespensum daher ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Grundsätzlich aber habe das da- mals schon formulierte Belastungsprofil weiterhin Geltu ng. So seien körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Eine lei chte wirbelsäulenbelastende und ge- lenkbelastende Tätigkeit mit Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten bis 5 kg, selten bis 10 kg, durchgeführt in Wechselbelastung, abwechslungsweise sitzen d, stehend wie auch gehend, sei der Explorandin im Umfang von 80% zumutbar. Aufgrund der Augensituation seien ihr ausser- dem keine Tätigkeiten mit hohen visuellen Anforderung en zumutbar. Aufgrund der Schulter- problematik habe vom 16. Juli 2014 bis zum 16. März 20 15 eine volle Arbeitsunfähigkeit be- standen. Ab dem 17. März 2015 bestehe wieder eine Arbe itsfähigkeit im Umfang von 80% in dem bereits früher angegebenen Profil bzw. von 100% i n einer sehr leichten Arbeit wie die zu- vor ausgeübte Kontrolle von Zigarren. 4.2 Im psychiatrischen Teilgutachten vom 11. November 201 5 stellt Dr. D.____ aus psy- chiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine gegenwärtig vollständig remittierte, rezidivierende depressive Stö- rung zu erheben. Aufgrund des objektiven Psychostatus hät ten in der aktuellen Untersuchung jegliche relevante Affektpathologie und damit jegliche depressive Symptomatik ausgeschlossen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden können. Diskrepant dazu stünden die subjektiven An gaben der Explorandin, die von einer traurigen Grundstimmung, Müdigkeit und einer Fr eud- sowie Lustlosigkeit berichte, so dass von einem nicht unerheblichen sekundären Krankheitsg ewinn auszugehen sei. Mit einiger Wahrscheinlichkeit habe ihre Selbsteinschätzung mit einer zugrundeliegenden Tendenz zu ei- ner dissoziativen Abwehr zu tun. Die Versicherte sei zwische n 1999 und 2003 mehrfach wegen einer depressiven Symptomatik hospitalisiert gewesen. Hin tergrund der Symptomatik seien ei- nerseits die schon früh aufgetretene Hüftproblematik un d andererseits die schwierigen psycho- sozialen Umstände in der Türkei gewesen, namentlich der V ersuch ihres Vaters, sie mit einem wesentlich älteren Mann zu verheiraten. Schon früh hab e sie eine dissoziative Abwehr mit Be- wusstlosigkeitsepisoden entwickelt. Heute würden diese Ep isoden ungefähr nur noch alle drei Monate auftreten, so dass die Abwehr nicht ausgeprägt se i. Die halluzinatorisch anmutenden akustischen und optischen Phänomene seien klassisch dissoziati ve Phänomene, die häufig bei Patienten mit psychischer Traumatisierung auftreten würd en. Mit einer eigentlichen psychoti- schen Störung hätten sie aber nichts zu tun. Hinweise für eine gravierende und vital bedrohen- de Traumatisierung der Explorandin in ihrer Heimat wü rden nicht vorliegen. Deshalb könne von einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer anh altenden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung oder von einer komplexen posttraum atischen Belastungsstörung keine Rede sein. Auch die als Panikattacken beschriebenen Angstz ustände seien Ausdruck dissozia- tiver Zustände, ebenso wie die Angabe der Versicherten, dass sie seit dem Unfall im Juli 2014 ihren rechten Arm nicht mehr benutzen könne. Es bestehe zwar eine dissoziative Abwehr, nicht aber eine eigentliche dissoziative Störung, die von klini scher Relevanz wäre. Ebenso wenig bestehe eine Persönlichkeitsstörung, weil die entsprechen den Kardinalkriterien nicht erfüllt sei- en. Namentlich fehle es an Hinweisen für regelmässige Ko nflikte oder sonstige interaktionelle Schwierigkeiten. Die Versicherte sei seit zehn Jahren verh eiratet, habe zwei Kinder und führe eine stabile Beziehung. Sie besuche regelmässig eine am bulante psychiatrische Behandlung und werde mit einem Antidepressivum sowie einem niedr ig dosierten Antipsychotikum behan- delt. Dadurch würden die dissoziativen Symptome gut reduzi ert, so dass die Symptome keine klinische Relevanz und damit auch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben würden. Zu- sammenfassend sei festzustellen, dass bei der Explorandin vollständig erhaltene qualitative Funktionsfähigkeiten vorliegen würden. Sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in jeder Verweistätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100%. 5.1 Festzustellen ist, dass das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ ein insgesamt schlüssiges und kongruentes Bild betreffend die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin ergibt. Dieses Gutachten erfüllt all e rechtsprechungsgemässen Vorausset- zungen an ein beweiskräftiges Verwaltungsgutachten. Wie oben ausgeführt (Erwägung 3.4 f. hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ei ngeholten Gutachten externer Spezi- alärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beob achtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Die beiden fraglichen Teil-Gutachten sind – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird – für die streitigen Belange umfassend. Sie beruhen au f allseitigen Untersuchungen, berück- sichtigen alle geklagten Beschwerden und sind in Kenntni s aller relevanten Vorakten abgege- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben worden. Sie setzen sich detailliert nicht nur mit de n übrigen ärztlichen Einschätzungen ins- besondere der behandelnden Fachärzte, sondern auch mit den diskrepanten Angaben der Ver- sicherten auseinander. Damit leuchten sie in der Darlegu ng der medizinischen Zusammenhän- ge und der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Die Gutachter nehmen schliesslich eine nachvollziehbare Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. Dabei kommen sie nachvollziehbar zum Schluss, dass die Versicherte aus gesamt medizinischer Sicht in einer leichten Verweistätigkeit im Umfang von mindestens 80% arbeitsfähig ist. 5.2 Die Beschwerdeführerin bringt verschiedene Einwänd e gegen diese beiden Teil- Gutachten vor. Sie lässt zunächst geltend machen, diese seien veraltet. Das fragliche bidiszipli- näre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ war im Mo ment des Erlasses der angefochtenen Verfügung ein Jahr und neun Monate alt. Dieser Umstan d alleine genügt nicht, dessen Beweis- wert zu beeinträchtigen oder gar aufzuheben. Erforder lich wäre vielmehr der Nachweis einer zwischenzeitlich eingetretenen anhaltenden Verschlechterun g. Eine solche Verschlechterung macht die Beschwerdeführerin insofern geltend, als sie einerseits darauf hinweist, dass sie nach ihrer Exploration durch die Dres. C.____ und D.__ __ am 29. Mai 2016 einen Stolperunfall mit einer Achillessehnenruptur erlitten habe. Andererseits habe sie nur knapp einen Monat nach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung einen weiteren Suizidversuch unternommen. 5.2.1 Was zunächst die Ende Mai 2016 erlittene Ruptur der Achillessehne betrifft, so hat diesbezüglich sicherlich eine unfallbedingte Verschlechter ung der gesundheitlichen Verhältnis- se vorgelegen. Diese war allerdings nur vorübergehender Natur. So ist dem Bericht der Klink F.____ vom 29. August 2016 – mithin drei Monate nach dem erlittenen Unfall – zu entnehmen, dass die verletzte Achillessehne am Ausheilen sei, und die Versicherte anlässlich der Verlaufs- kontrolle am 23. August 2016 diesbezüglich keine Beschwerd en mehr beklagt habe. Ihre anamnestischen Angaben beschränkten sich bereits dazumal a uf ihre intermittierenden Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (IV-Dok 21 6, S. 9 f). Nachdem bereits die voran- gehende Verlaufskontrolle am 16. August 2016 von Seit en der Achillessehne eine stetige Bes- serung sowie einen regulären Verlauf ergeben hatte (I V-Dok 249, S. 3), und die entsprechende Behandlung in der Folge offenbar anfangs September 2016 abgeschlossen worden war (IV-Dok 213), hat letztlich auch der behandelnde Arzt angegeben, dass die Versicherte bei einer körper- lich angepassten Tätigkeit, welche die Achillessehne nich t über das übliche Mass belaste, seit Dezember 2016 nicht mehr eingeschränkt gewesen sei. Unt er diesen Umständen aber ist nicht zu beanstanden, dass ihr nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt drei Monate nach dem Unfall ab September 2016 wieder eine Arbeitsfähigkei t im Umfang von 80% zunächst in einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit und ab Dezember 2016 wie der eine unbeschränkte Arbeitsfä- higkeit attestiert worden ist (IV-Dok 211 und 254). Da mit ist festzuhalten, dass die erlittene Achillessehnenruptur nicht zu einer dauerhaften, releva nten Verschlechterung der gesundheitli- chen Verhältnisse geführt hat. 5.2.2 In Bezug auf die geltend gemachte Verschlechterung der psychiatrischen Verhältnisse ist dem Austrittsbericht der G.____ vom 21. September 2 017 zu entnehmen, dass sich die Ver- sicherte vom 7. bis 14. August 2017 in stationärer Behand lung befunden habe. Zu diagnostizie- ren sei eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärt ig schwerer Episode ohne psychoti- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Symptome. Die Patientin sei aufgrund eines selbstgef ährdenden Verhaltens eingewiesen worden. Sie habe sich als Belastung für ihre Familie ge sehen. Ihr IV-Antrag sei abgelehnt wor- den, was bei ihr eine Verzweiflung ausgelöst habe. Anf änglich sei sie zutiefst niedergestimmt und hoffnungslos gewesen. Sie habe mehrmals wiederholt , dass die einzige Lösung darin be- stünde, aus dem Leben zu scheiden. Unter aktivem Einbez ug der Angehörigen habe sich die affektive Situation im Verlaufe der folgenden Tage de utlich verbessert. Die Patientin habe sich mit aufgehellterer Stimmung sowie zukunftsorientierten , lebensbejahenden Gedanken präsen- tiert und sich von einer suizidalen Absicht deutlich dist anziert. Im Zuge dieser Besserung habe der einvernehmliche Austritt vollzogen werden können. Der Beurteilung zufolge bestehe eine Anpassungsstörung mit kurzer depressiver Reaktion im Rahmen psychosozialer Belastungsfak- toren und körperlicher Einschränkungen sowie anamnesti sch eine rezidivierende depressive Störung. Nebst diesen Angaben kann auch dem Bericht der Klinik F.____ vom 10. August 2017 entnommen werden, dass die Versicherte einen IV-Entsche id erhalten habe, dessen Inhalt sie letztlich nicht mehr habe ertragen können. Mit Blick auf diese Aktenlage erscheint der Suizid- versuch der Versicherten offensichtlich aber als eine Reakt ion auf die vorliegend angefochtene Verfügung der IV-Stelle. Es ist in diesem Zusammenhang zunächst daran zu erinnern, dass lediglich jener Sachverhalt massgebend ist, wie er sich b is zum Erlass der angefochtenen Ver- fügung vom 12. Juli 2017 entwickelt hat (Erwägung 2 hiervor). Eine erst im Nachgang dazu ein- getretene Verschlechterung der psychiatrischen Verhältni sse kann in zeitlicher Hinsicht daher nicht mehr berücksichtigt werden. Unabhängig davon ist di e Versicherte als Folge ihres abge- lehnten IV-Leistungsgesuchs aber in eine nur vorübergehende psychische Krise geraten, da sie eine Anpassungsstörung mit lediglich kurzer depressiver Rea ktion erlitten hat (Austrittsbericht der G.____ vom 21. September 2017). Ihre anfängliche Suizidalität und depressive Reaktion haben sich während ihrer Hospitalisation vom 7. August bis 14. August 2017 offenbar weitge- hend und rasch zurückgebildet. Eine dauerhafte Verschlecht erung der psychiatrischen Verhält- nisse, welche die Schlussfolgerungen im bidisziplinären Gutachten der Dres. C.____ und D.____ in Frage stellen würde, ist unter diesen Umständen nicht dargetan. 5.3 Die Beschwerdeführerin wendet weiter ein, dass nam entlich das psychiatrische Teilgut- achten von Dr. D.____ nicht beweistauglich sei, weil e s im diametralen Widerspruch zu den übrigen fachärztlichen Beurteilungen stehe. So habe sogar Dr. C.____, der nicht Psychiater sei, in seinem rheumatologischen Teilgutachten das Verhalten der Beschwerdeführerin insofern als auffällig beurteilt, als er aufgrund der multiplen k örperlichen Beeinträchtigungen einen höheren Leidensdruck erwartet habe. Auch die Klinik E.____ sei i m Rahmen eines einmonatigen statio- nären Aufenthalts zum Schluss gekommen, dass die Beschwer deführerin nur noch in einem geschützten Rahmen eingesetzt werden könne. Der Krankhe itsverlauf zeige, dass die Be- schwerdeführerin immer wieder auch sehr schwere Episoden einer Depression durchlebt habe. Dr. D.____ sei daher zu Unrecht von einer stabilen Remi ssion ausgegangen, zumal noch weni- ge Monate zuvor eine mittelschwere Episode in der Klinik E.____ beobachtet worden sei. 5.3.1 Die Bemerkung von Dr. C.____ in seinem rheumato logischen Teilgutachten, wonach die Versicherte anlässlich seiner Exploration keinesfalls verzweifelt, sondern vielmehr richtiggehend „aufgestellt“ gewirkt habe, ist entgegen der von der B eschwerdeführerin vertretenen Auffassung dahingehend zu verstehen, dass der rheumatologische Gutachter damit lediglich zum Ausdruck Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebracht hat, dass er aufgrund der medizinischen Akten eine verzweifelte oder schwer leidende Explorandin erwartet hätte. Seine Formulierung, dass die Versicherte entgegen dieser Erwar- tung vielmehr einen lebhaften Eindruck hinterlassen hat , bedeutet mit anderen Worten nichts anderes, als dass der rheumatologische Gutachter die Ver sicherte als psychisch ausgeglichen und unauffällig beurteilt hat. Seine Einschätzung sti mmt insofern mit der fachpsychiatrischen Beurteilung von Dr. D.____ überein, wonach ein vollstä ndig blander Psychostatus erhoben werden konnte (IV-Dok 176, S. 19). Daraus kann die Beschw erdeführerin mithin nichts zu ihren Gunsten ableiten. 5.3.2 Hinsichtlich des Einwands, die psychiatrische Beurte ilung von Dr. D.____ stehe in dia- metralem Widerspruch zu den übrigen fachpsychiatrischen B eurteilungen, ist darauf hinzuwei- sen, dass der psychiatrische Experte in seinem Teilgutachten überaus sorgfältig und ausführlich auf sämtliche psychiatrischen Berichte und Vorgutachten in den medizinischen Akten einge- gangen ist. Dabei hat er überzeugend darlegt, weshalb die abweichenden Diagnosen und Zu- mutbarkeitsbeurteilungen unzutreffend sind. Darauf kan n verwiesen werden (a.a.O., S. 24 bis 29). Was insbesondere die von der Beschwerdeführerin angerufene Berichterstattung der Klinik E.____ betrifft, so ist mit Blick zunächst auf die somatisc hen Verhältnisse eine Kongruenz mit den gutachterlichen Einschätzungen von Dr. C.____ festzust ellen. Hier wie dort wird der Versi- cherten diesbezüglich eine leidensangepasste Tätigkei t ganztags attestiert (IV-Dok 161, S. 3). In Bezug sodann auf das Argument einer abweichenden Einschätzung der psychiatrischen Ver- hältnisse findet sich im betreffenden Austrittsbericht d er Klinik E.____ vom 4. März 2015 ledig- lich eine Verdachtsdiagnose auf eine Psychose respektive eine Borderline-Störung gemäss Aktenbefund. Diese Verdachtsdiagnose stützt sich offenbar a uf die hausärztliche Diagnostik vom 1. März 2012 (IV-Dok 85, S. 8 f.), welche jedoch nich t weiter begründet und als fraglich bezeichnet worden ist. Wenn der psychiatrische Experte in seinem Teilgutachten vom 11. November 2015 nunmehr davon ausgeht, dass ein Akten- Übertrag derart unbegründeter Verdachts-Diagnosen über Jahre hinweg die Gefahr berg e, dass in der Folge von einer psychi- schen Störung ausgegangen wird, die jedoch gar nie be standen hat, ist dies nicht zu beanstan- den. Es findet sich in den übrigen Akten jedenfalls kein erlei Begründung, weshalb die Versi- cherte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit tatsächlich an einer Psychose bzw. einer Persön- lichkeitsstörung leiden würde. Die objektiven Untersuchung sbefunde der Klinik E.____, auf de- ren Bericht sich die Versicherte beruft, belegen denn a uch das Gegenteil und decken sich ge- radezu mit den Ergebnissen, zu welchen auch Dr. D.____ anlässlich seiner Exploration vom 28. Oktober 2015 gelangt ist: So hat auch die Klinik E.____ festgehalten, dass die Psychomotorik unauffällig ausgefallen sei, die psychischen Grundfunktionen intakt seien und sich insbesondere keine Anzeichen für ein psychotisches Erleben finden lassen (Anhang psychosomatisches Kon- silium vom 13. März 2015, IV-Dok 161, S. 3). Obschon die Versicherte ein dysfunktionales Ver- haltensmuster in Form eines starken Schonverhaltens aufweist, geht aus dem Bericht der Klinik E.____ klar deren Bereitschaft hervor, dagegen anzukämp fen. Damit übereinstimmend kommt auch Dr. D.____ zum Schluss, dass zweifelsohne zwar eine Tendenz zur dissoziativen Konflikt- bewältigung vorliege, eine eigentliche dissoziative Stö rung von klinischer Relevanz jedoch ver- neint werden müsse. Die entsprechende Begründung des psychi atrischen Experten, wonach kein Hinweis für eine gravierende und vital bedrohende Traumatisierung ersichtlich ist, ist schlüssig und deckt sich mit der übrigen Aktenlage. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Vorliegend beruhen die Einschätzung der medizinische n Situation und die Beurteilung der strittigen Restarbeitsfähigkeit der Versicherten au f einer umfassenden und schlüssigen Würdigung durch die Dres. C.____ und D.____. Deren E inschätzung führt insgesamt zu einem nachvollziehbaren Ergebnis. Da sich dem Gesagten zufolge in den übrigen medizinischen Ak- ten keine Anhaltspunkte befinden, welche diese versicheru ngsexternen Schlussfolgerungen in Zweifel ziehen können, ist dem Untersuchungsgrundsatz im h ier vorliegenden Fall Genüge ge- tan und es kann in antizipierter Beweiswürdigung von weiteren Abklärungen abgesehen werden (BGE 136 I 236 E. 5.3, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E . 3c in fine mit Hinweisen). Zusammenfas- send ist die IV-Stelle gestützt auf das bidisziplinäre Gut achten der Dres C.____ und D.____ demnach zu Recht davon ausgegangen, dass der Beschwerde führerin in einer körperlich leich- ten wechselbelastenden Tätigkeit weiterhin ein Arbeitsp ensum von mindestens 80% zumutbar ist. 5.5 Die Beschwerdeführerin stellt sich schliesslich auf den Standpunkt, dass aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen keine Verwertbarkeit i m ersten Arbeitsmarkt gegeben sei. Begründend verweist sie insbesondere auf die Aussagen der Klinik E.____, wonach sie nur noch in einem geschützten Rahmen eingesetzt werden könn e und eine psychotherapeutische Behandlung dringend indiziert wäre. 5.5.1 Im Rahmen der Invaliditätsbemessung darf bei der Bestimmung des trotz gesundheitli- cher Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einko mmens nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsge- legenheit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form mög- lich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch ni cht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbei tgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vorneherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 2 .1; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) hält von sei ner Struktur her einen Fächer verschie- denartiger Stellen offen, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intel- lektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperli chen Einsatzes. Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der versicherten Person auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeit en der Verwertung ihrer Restarbeits- fähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). 5.5.2 Ausgehend von diesen Grundsätzen kann kein fehle nder Zugang der Beschwerdefüh- rerin zum Arbeitsmarkt im Sinne von Art. 16 ATSG begründet werden. Aus dem von ihr angeru- fenen Bericht der Klinik E.____ geht gerade nicht he rvor, dass sie nur noch in einem geschütz- ten Rahmen eingesetzt werde kann; formuliert wird led iglich eine Empfehlung für ein Arbeits- training im geschützten Rahmen (IV-Dok 161, S. 11). Massgebend aber ist, dass auch die Klinik E.____ davon ausgeht, dass lediglich eine leichte bis mitt elschwere Leistungsminderung vor- liegt (IV-Dok 161, S. 11). Dass die Versicherte in der Lage ist, die gutachterlich erhobene Rest- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht arbeitsfähigkeit im Umfang von mindestens 80% auch tat sächlich zu verwerten, zeigt schliess- lich der Umstand, dass sie zuletzt eine Tätigkeit im Umfang von 100% ausgeübt hat, deren An- forderungsprofil noch leichter ausgefallen ist als die ihr nunmehr zugemutete Verweistätigkeit (rheumatologisches Teilgutachten von Dr. C.____, IV-Do k 175, S. 45). An der Verwertbarkeit der gutachterlich attestierten Restarbeitsfähigkeit ist unter diesen Umständen nicht zu zweifeln. 6.1 Wie eingangs erwähnt (oben, Erwägung 3.4 hiervor) , ist der Invaliditätsgrad bei er- werbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergle ichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Dieser ist zwischen den Parteien zu Recht grundsätzlich unbestritten geblieben. Auf der Basis des Totalwerts der Tabelle TA1 der Lohnstrukturerh ebung LSE 2012 (Kompetenzniveau 1, Spalte Frauen) resultiert ein an die die Lohnentw icklung (+ 1,7%) und an die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden angepasstes Validene inkommen von Fr. 52‘319.—. Aus der Gegenüberstellung mit dem anhand derselben Parame ter zu bemessenden Invalidenein- kommen für leichte Arbeiten resultiert bei einem Leistu ngsvermögen von 80% eine Erwerbsein- busse von Fr. 10‘464.— und damit ein IV-Grad von 20%. Ein Rentenanspruch ist mangels Er- reichens des hierfür massgebenden Schwellenwerts (oben, E rwägung 3.1 hiervor) somit aus- geschlossen. 6.2 Daran ändert auch nichts, dass über die ärztliche Bezeichnung der massgebenden Zumutbarkeitsbeurteilung hinaus zusätzlichen Einschränkungen mit einem leidensbedingten Abzug bis maximal 25% Rechnung getragen werden kann. Im vorliegenden Fall liesse sich ein leidensbedingter Abzug von mehr als 10% nicht begründen. So rechtfertigt der Verlust der Mög- lichkeit zur Verrichtung von Schwerarbeit allein keinen Abzug (Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2009, 9C_492/2008, E. 3.3). Nebst dem Augenle iden der Versicherten, welches aller- dings lediglich Tätigkeiten der Präzisionsmontage ausschli esst (rheumatologisches Gutachten von Dr. C.____ vom 5. November 2015, S. 45), und der B erücksichtigung der Teilzeitkompo- nente sind keine Kriterien ersichtlich, die einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würden. So nehmen sowohl die Bedeutung des Alters als auch di ejenige der Dienstjahre – mithin auch der Berufserfahrung – ab, je niedriger das Anforderu ngsprofil ist, weshalb diese Faktoren bei einfachen und repetitiven, dem Kompetenzniveau 1 (vorma ls Anforderungsprofil 4) der LSE entsprechenden Tätigkeiten grundsätzlich keinen Anlass zu einem Abzug vom Tabellenlohn geben (BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Damit bleibt es bei ei nem IV-Grad unter 40%. Die Vorinstanz hat den Rentenanspruch der Versicherten im Ergebnis demnach zu Recht verneint, weshalb die hiergegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1'000.— festgelegt . Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist die Beschwerdeführerin unterlegen, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerle gen sind. Ihr ist allerdings mit verfah- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht rensleitender Verfügung vom 30. August 2017 die unent geltliche Prozessführung bewilligt wor- den, weshalb die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin mit prozessleitender Verfügung vom 30. August 2017 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertret erin bewilligt worden ist, hat deren Ent- schädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.— pro Stunde. Gemäss § 18 Abs. 1 und 2 TO ist das Honorar mangels fristgerecht eingereichter Honorarnote von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen. Im Quervergleich mit ähnlich gelagerten Fällen, in welchem die Ergebnisse eines externen Verwal- tungsgutachtens mit den übrigen medizinischen Akten zu sicht en waren, ist der angefallene Aufwand auf insgesamt acht Stunden zuzüglich eine Pausc hale für Auslagen in der Höhe von Fr. 50.— festzusetzen. Der Rechtsvertreterin der Beschwer deführerin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘782.— (acht Stunden à Fr. 200.— zu züglich Auslagen von Fr. 50.— sowie 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewä hrt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘782.— (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet.