<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2024-07-11-7B_76-2024.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>7B_76/2024</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 11. Juli 2024</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>II. strafrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Abrecht, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Hurni, Hofmann, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Forster. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt </div> <div class="para">Dr. Kenad Melunovic Marini, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, </div> <div class="para">Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Technische (akustische) Überwachungen und Genehmigung eines Zufallsfundes aus der ausländischen Überwachung einer Kommunikationsplattform, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen, vom 23. November 2023 (SBK.2023.31). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.a.</b> Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau führt eine Strafuntersuchung gegen A.________ wegen des Verdachts auf qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (banden- und gewerbsmässiger Import und Handel mit grossen Mengen Kokain und Marihuana), Geldwäscherei und Urkundenfälschung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.b.</b> Auf Gesuch der Staatsanwaltschaft vom 3. Dezember 2021 hin, bewilligte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau (ZMG) mit Verfügung vom 8. Dezember 2021 (akustische) technische Überwachungen (<span class="artref">Art. 280 lit. a StPO</span>) in der vom Beschuldigten damals benutzten Wohnung und in dem von diesem verwendeten Fahrzeug, je bis zum 2. März 2022. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.c.</b> Mit Rechtshilfeersuchen vom 25. Mai 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft bei den französischen Strafverfolgungsbehörden via Eurojust (Europol) die Herausgabe sämtlicher Kommunikationsvorgänge (inklusive Nachrichteninhalte, Bilder und Videos) eines Benutzers der Kommunikationsplattform Sky ECC. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.d.</b> In Erledigung des Rechtshilfeersuchens vom 25. Mai 2022 übermittelte Eurojust der Staatsanwaltschaft am 8. Juli 2022 elektronische Aufzeichnungen der Kommunikationsplattform Sky ECC über einen Downloadlink. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.e.</b> Am 16. August 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft beim ZMG (gestützt auf <span class="artref">Art. 278 Abs. 3 StPO</span>) die Genehmigung eines "Zufallsfunds" aus der erfolgten ausländischen Überwachung der Kommunikationsplattform Sky ECC bzw. die Verwendung der rechtshilfeweise übermittelten Aufzeichnungen im Strafverfahren gegen den Beschuldigten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.f.</b> Das ZMG verfügte am 25. August 2022, dass die Ergebnisse der ausländischen Überwachung der Kommunikationsplattform Sky ECC auch im Rahmen der Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft gegen den Beschuldigten wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz verwendet werden dürfen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.g.</b> Die Staatsanwaltschaft teilte dem Beschuldigten mit Schreiben vom 11. Januar 2023 mit, dass sie die Verwendung von Beweismitteln aus diversen Überwachungsmassnahmen durch das ZMG habe genehmigen lassen. Sie liess ihm insbesondere die Verfügungen des ZMG vom 8. Dezember 2021 und 25. August 2022 zukommen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Gegen die ihm am 12. Januar 2023 zugestellten Verfügungen des ZMG vom 8. Dezember 2021 (akustische technische Überwachungen) und 25. August 2022 (Verwendung der rechtshilfeweise übermittelten Aufzeichnungen als "Zufallsfund") erhob der Beschwerdeführer am 23. Januar 2023 Beschwerde beim kantonalen Obergericht. Am 23. November 2023 wies das Obergericht des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen, die Beschwerde ab, soweit diese nicht gegenstandslos geworden war. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Gegen den Entscheid des Obergerichtes vom 23. November 2023 gelangte der Beschuldigte mit Beschwerde vom 22. Januar 2024 an das Bundesgericht. Er beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und der beiden Verfügungen des ZMG vom 8. Dezember 2021 (akustische technische Überwachungen) und 25. August 2022 (Verwendung der rechtshilfeweise übermittelten Aufzeichnungen aus einer ausländischen Kommunikationsüberwachung als "Zufallsfund"). Ausserdem seien die aus den Überwachungen stammenden Dokumente und Datenträger (sowie die auf deren Grundlage produzierten Dokumente und Datenträger) sofort zu vernichten. </div> <div class="para">Am 30. Januar 2024 gingen die kantonalen Akten beim Bundesgericht ein. Am 20. Februar 2024 verzichtete die Vorinstanz auf eine Stellungnahme. Die kantonale Oberstaatsanwaltschaft beantragt mit Vernehmlassung vom 22. Februar 2024 die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer replizierte am 22. März 2024. Am 7. Mai 2024 reichte er unaufgefordert eine weitere Eingabe ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Gegenstand des kantonal letztinstanzlichen angefochtenen Entscheides bilden, erstens, von der Staatsanwaltschaft verfügte und vom ZMG bewilligte, nach Schweizer Strafprozessrecht durchgeführte technische (akustische) Überwachungen (<span class="artref">Art. 80 BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 280 lit. a StPO</span>), und zweitens, ein Genehmigungsentscheid des ZMG - in "analoger" Anwendung von <span class="artref">Art. 274 und <artref id="CH/312.0/278" type="start"></artref>Art. 278 StPO</span><artref id="CH/312.0/274" type="end"></artref> - über die Verwendung von rechtshilfeweise erhobenen elektronischen Beweismitteln aus einer im Ausland erfolgten Überwachung einer Kommunikationsplattform. </div> <div class="para">Als Bewohner der technisch überwachten Wohnung und Halter des überwachten Fahrzeuges ist der Beschwerdeführer von den von ihm nachträglich angefochtenen akustischen Überwachungen unmittelbar und persönlich betroffen. Er ist daher zur Beschwerde legitimiert (<span class="artref">Art. 81 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para">Was die Genehmigung eines "Zufallsfundes" aus der ausländischen Überwachung einer Kommunikationsplattform betrifft, wird die vorinstanzliche Beschwerde des Beschuldigten abgewiesen, soweit sie nicht "als gegenstandslos geworden" abgeschrieben wird. Insofern droht diesem, neben der Verwertung von rechtshilfeweise erhobenen Aufzeichnungen über allfällige private Kommunikationen, auch eine formelle Rechtsverweigerung (vgl. <span class="artref">Art. 29 Abs. 1 und <artref id="CH/101/29^a" type="start"></artref>Art. 29a BV</span><artref id="CH/101/29/1" type="end"></artref>), weshalb ein drohender nicht wieder gutzumachender Rechtsnachteil (<span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span>) und ein aktuelles Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers (<span class="artref">Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG</span>) zu bejahen sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-IV-205%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page205">BGE 149 IV 205</a> E. 1.2 mit Hinweisen; zur BGE-Publikation bestimmtes Urteil 7B_159+160/2022 vom 11. Januar 2024, nicht amtl. publ. E. 1.4). </div> <div class="para">Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen von <span class="artref">Art. 78 ff. BGG</span> sind, von den nachfolgend erörterten Ausnahmen abgesehen, ebenfalls erfüllt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Der Beschwerdeführer ficht zunächst die geheim erfolgten technischen (akustischen) Überwachungen seiner Wohnung und seines Personenwagens zwischen 2. Dezember 2021 und 2. März 2022 nachträglich an (Verfügung des ZMG vom 8. Dezember 2021). Er bestreitet die materiellrechtlichen Voraussetzungen (<span class="artref">Art. 280 lit. a und <artref id="CH/312.0/281" type="start"></artref>Art. 281 StPO</span><artref id="CH/312.0/280/a" type="end"></artref>) der Überwachungen mit technischen Überwachungsgeräten nicht, sondern rügt in diesem Zusammenhang eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (<span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>) bzw. von <span class="artref">Art. 274 Abs. 1 lit. b StPO</span>. Die Staatsanwaltschaft habe ihm und der Vorinstanz nicht alle "Akten früherer Gesuche und Genehmigungsentscheide" betreffend andere Überwachungen vorgelegt, "aus denen sich insbesondere die Begründetheit des dringenden Tatverdachts" ergeben würde. Zwar habe die Staatsanwaltschaft in ihrem Genehmigungsgesuch vom 3. Dezember 2021 auf eine "Vielzahl von geheimen Überwachungsmassnahmen" verwiesen, die zwischen "November 2020 bis März 2021" angeordnet worden seien; die Akten der betreffenden Verfahren habe sie hingegen nicht vorgelegt. Es stehe ihm aber von Bundesrechts wegen ein Anspruch zu auf "lückenlose Dokumentierung und Zustellung aller explizit wie implizit einem Genehmigungsentscheid zugrunde liegenden Gesuche, Entscheide, Unterlagen und Daten". </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> In verfahrensrechtlicher Hinsicht richtet sich die Genehmigung und nachträgliche Anfechtung von technischen Überwachungen nach <span class="artref"><artref id="CH/312.0/274" type="start"></artref>Art. 274-279 StPO</span><artref id="CH/312.0/279" type="end"></artref> (<span class="artref">Art. 281 Abs. 4 StPO</span>). Gemäss <span class="artref">Art. 274 Abs. 1 StPO</span> reicht die Staatsanwaltschaft dem ZMG innert 24 Stunden seit der Anordnung der Überwachung die Anordnungsverfügung zur Genehmigung ein (lit. a) sowie ihre Begründung und die für die Genehmigung wesentlichen Verfahrensakten (lit. b). Ein Anspruch auf Beizug von Beweismitteln aus konnexen - früheren bzw. andere Personen betreffenden - Verfahren und Untersuchungsmassnahmen, die mittelbar zur angefochtenen Überwachung geführt haben, besteht nach der Praxis des Bundesgerichtes, sofern die betreffenden Akten benötigt werden, um die Gesetzmässigkeit der Überwachung zu prüfen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Strafbehörde zur Begründung des dringenden Tatverdachtes (Art. 269 Abs. 1 lit. a i.V.m. <span class="artref">Art. 281 Abs. 4 StPO</span>) auf Zufallsfunde aus einem konnexen Verfahren verweist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=14&amp;from_date=29.06.2024&amp;to_date=18.07.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-IV-40%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page40">BGE 140 IV 40</a> E. 4.2-4.3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> Wie auch der Beschwerdeführer erwähnt, erwägt die Vorinstanz, die dem ZMG von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellten Akten hätten "alle für die Beurteilung des vorliegenden Falls relevanten Dokumente enthalten". Mit Bezug auf die angefochtene Verfügung des ZMG vom 8. Dezember 2021 habe die Staatsanwaltschaft auch dem Beschwerdeführer sowohl die Anordnungsverfügung und den Genehmigungsantrag als auch sämtliche einschlägigen Aktenbeilagen am 24. Januar 2023 nachträglich zugestellt (Art. 274 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 279 StPO</span>). Die dem Beschwerdeführer angeblich nicht vorgelegten Akten beträfen "andere angeordnete bzw. durch das ZMG bewilligte Überwachungsmassnahmen" gegen ihn "und somit nicht die vorliegend in Frage stehende Genehmigung der technischen Überwachung". Zu prüfen sei laut Vorinstanz nur, ob das ZMG die angefochtene technische Überwachung gestützt auf die ihm und nachträglich auch dem Beschwerdeführer zur Verfügung gestellten Akten habe genehmigen dürfen. Inwiefern weitere Unterlagen für die Überprüfung der Rechtmässigkeit der akustischen Überwachungen von entscheiderheblicher Relevanz wären, habe sich ihm, dem Obergericht, aber nicht erschlossen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.</b> Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ergibt sich weder aus dem verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör, noch aus <span class="artref">Art. 274 Abs. 1 lit. b StPO</span>, dass sämtliche Akten aus anderen Überwachungsverfahren schon deshalb automatisch beigezogen und den betroffenen Parteien nachträglich vorgelegt werden müssten, weil diese Verfahren - zur Darstellung der Prozessgeschichte bzw. des Verfahrenskontextes - im angefochtenen Genehmigungsantrag der Staatsanwaltschaft förmlich genannt wurden. Gemäss <span class="artref">Art. 274 Abs. 1 lit. b StPO</span> und der oben dargelegten einschlägigen Praxis des Bundesgerichtes sind für die Genehmigung und nachträgliche Prüfung von Überwachungen nur dann Akten aus anderen Verfahren beizuziehen, wenn diese für die ausreichende Prüfung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Genehmigungsverfügung wesentlich sind. </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer legt nicht nachvollziehbar dar, inwiefern für ihn und die zuständigen Gerichte die Rechtmässigkeit der angefochtenen technischen Überwachung aufgrund der von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Eingaben und Akten nicht überprüfbar gewesen wäre. Dies gilt insbesondere für den dringenden Tatverdacht von qualifizierten Drogendelikten: </div> <div class="para">Wie die Vorinstanz erwägt, hatte die Staatsanwaltschaft am 3. Dezember 2021 beim ZMG die technische (akustische) Überwachung der Innenräume der damaligen Wohnung des Beschwerdeführers und seiner Freundin sowie seines Fahrzeugs beantragt. Die Staatsanwaltschaft habe dargelegt, dass er dringend verdächtig gewesen sei, "in sehr kurzen Abständen grosse Mengen Marihuana und Kokain in der Schweiz verkauft und solche aus dem Ausland nach Europa eingeführt" zu haben. Wie die Vorinstanz erwägt, habe die Überwachung darauf abgezielt, das nicht öffentlich gesprochene Wort abzuhören oder aufzuzeichnen. Dabei handle es sich um einen nach <span class="artref">Art. 280 lit. a StPO</span> zulässigen Überwachungszweck. </div> <div class="para">Da der Beschwerdeführer Anfang Dezember 2021 an die betreffende Adresse gezogen sei und seine ebenfalls dort wohnende Freundin über dessen illegale Geschäfte informiert gewesen sei, habe das Abhören der Innenräume dieser Wohnung auch nicht gegen <span class="artref">Art. 281 Abs. 2 StPO</span> verstossen, zumal die Strafbehörde habe erwarten dürfen, dass der Beschwerdeführer sich in der genannten Wohnung aufhalten und seine Freundin dort über allfällige Drogengeschäfte weiterhin informieren würde. Ebenso wenig sei die Überwachung des Fahrzeugs des Beschwerdeführers zu beanstanden gewesen. Diesbezüglich habe sich die Staatsanwaltschaft namentlich auf den - dem Genehmigungsgesuch vom 3. Dezember 2021 beigelegten und in den Akten befindlichen - Rapport der Kantonspolizei Aargau vom 1. Dezember 2021 gestützt (angefochtener Entscheid, E. 2.2.3). </div> <div class="para">Zum dringenden Tatverdacht qualifizierter Drogendelikte habe das ZMG in seiner Genehmigungsverfügung vom 8. Dezember 2021 erwogen, dass der Beschwerdeführer "neben Marihuana mutmasslich auch mit grossen Mengen Kokain gehandelt" habe. Er habe dabei auch "regelmässig über sehr grosse Geldbeträge - nämlich mutmassliche Erlöse aus dem Drogenhandel - verfügt", welche er "selbst oder über Drittpersonen in Euro gewechselt" habe. Dies ergebe sich aus den Rapporten der Kantonspolizei Aargau vom 17. August und 1. Dezember 2021 sowie dem Observationsbericht der Kantonspolizei vom 20. August 2021, die dem Bewilligungsgesuch ebenfalls beigelegt worden seien. </div> <div class="para">Der dringende Tatverdacht gegen den Beschwerdeführer werde auch noch dadurch erhärtet, dass der Beschwerdeführer (gemäss dem Polizeirapport vom 1. Dezember 2021) teilweise über die ANOM-Plattform kommuniziert habe, welche typischerweise bzw. fast ausschliesslich "in organisierten kriminellen Strukturen verwendet" worden sei. Im Übrigen seien (gemäss demselben Polizeirapport) auch Gespräche über den Telefonanschluss des Beschwerdeführers von der Staatsanwaltschaft abgehört worden, bei welchen es offenbar um den Handel mit grossen Mengen an Kokain gegangen sei. Ebenso bestünden konkrete Hinweise, dass der Beschwerdeführer "im Spätsommer 2021 einen Container - darin versteckt eine grosse Menge an Kokain - über Ghana nach Europa eingeführt" habe, "um später das Kokain in Europa zu verkaufen". Der im Genehmigungsgesuch samt Beilagen dargelegte dringende Tatverdacht sei vom Beschwerdeführer auch im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren "nicht substanziiert bestritten" worden (angefochtener Entscheid, E. 2.2.4.2). </div> <div class="para">Die gegen die technischen (akustischen) Überwachungen erhobenen Gehörsrügen erweisen sich folglich als unbegründet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.1.</b> Der angefochtene Entscheid betrifft sodann die Verwertbarkeit einer rechtshilfeweise erfolgten Überwachung einer Kommunikationsplattform im Ausland (Verfügung des ZMG vom 25. August 2022). Die Vorinstanz bejahte die Verwertbarkeit der betreffenden Aufzeichnungen und wies die dagegen erhobene Beschwerde ab, soweit diese nicht gegenstandslos geworden war. Der Beschwerdeführer macht geltend, das ZMG sei für einen Genehmigungsentscheid gar nicht zuständig gewesen. Ebenso wenig liege ein Zufallsfund im Sinne von <span class="artref">Art. 278 StPO</span> vor. Selbst wenn eine Zuständigkeit gegeben wäre, hätte das ZMG das Gesuch der Staatsanwaltschaft um Genehmigung des betreffenden angeblichen "Zufallsfundes" gestützt auf <span class="artref">Art. 278 StPO</span> abweisen müssen. Die rechtshilfeweise erhobenen Aufzeichnungen seien jedenfalls, entgegen der Ansicht der Vorinstanz, unverwertbar und bereits im Vorverfahren aus den Akten zu entfernen. Der angefochtene Entscheid sei insofern als bundesrechtswidrig aufzuheben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.</b> In seinem zur amtlichen Publikation bestimmten Leiturteil 7B_159+ 160/2022 vom 11. Januar 2024 (betreffend die Kommunikationsplattform ANOM), das ebenfalls den Beschwerdeführer betraf, hat das Bundesgericht entschieden, dass in Fällen wie dem vorliegenden die <span class="artref">Art. 269 ff. StPO</span> nicht anwendbar sind. Ebenso wenig drängt sich eine "analoge" Anwendung von <span class="artref">Art. 274 und <artref id="CH/312.0/278" type="start"></artref>Art. 278 StPO</span><artref id="CH/312.0/274" type="end"></artref> oder die Annahme einer "Gesetzeslücke" auf, mit der de lege lata eine Zuständigkeit des ZMG zur Vorab-Genehmigung der Verwertbarkeit von rechtshilfeweise erlangten Aufzeichnungen begründet werden könnte. Eine offensichtliche Unverwertbarkeit, die bereits im hängigen Untersuchungsverfahren von Amtes wegen festzustellen und durchzusetzen wäre, ist hier nicht dargetan. Dem Sachgericht, das den Endentscheid zu fällen haben wird, ist diesbezüglich auch im vorliegenden Fall nicht vorzugreifen (vgl. zit. BGE 7B_159+160/2022 E. 5.2-5.8). </div> <div class="para">Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt abzuweisen. Es kann offen bleiben, ob auch hier (selbst wenn die Bestimmungen <span class="artref">Art. 269 ff. StPO</span> analog anwendbar wären) jedenfalls kein richterlich zu genehmigender Zufallsfund im Sinne von <span class="artref"><artref id="CH/312.0/278/2" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/278/1" type="start"></artref>Art. 278 Abs. 1-2 StPO</span><artref id="CH/312.0/278/2" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/2" type="end"></artref> vorläge (vgl. zit. BGE 7B_159+160/2022 E. 5.8). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.3.</b> Nach dem Gesagten bestand hier keine Zuständigkeit des ZMG für einen Genehmigungsentscheid gestützt auf Art. 278 i.V.m. <span class="artref">Art. 274 StPO</span>. Die Verfügung des ZMG vom 25. August 2022 ist von Amtes wegen ersatzlos aufzuheben (vgl. zit. BGE 7B_159+160/2022 E. 5.9). Dass die Vorinstanz die Verwertbarkeit der rechtshilfeweise erhobenen Aufzeichnungen im aktuellen Verfahrensstadium bejaht hat, hält im Ergebnis vor dem Bundesrecht stand. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.4.</b> Schliesslich rügt der Beschwerdeführer (auch mit Bezug auf die Erhebung von Überwachungsergebnissen aus dem Ausland) noch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. </div> <div class="para">Zunächst macht er geltend, weder aufgrund des Genehmigungsgesuches der Staatsanwaltschaft vom 16. August 2022 an das ZMG, noch aufgrund der dem Gesuch beigelegten Unterlagen habe verifiziert werden können, ob das ZMG für den Genehmigungsentscheid zuständig gewesen sei und ob es sich bei den im Ausland rechtshilfeweise erhobenen Beweismitteln um einen Zufallsfund im Sinne von <span class="artref">Art. 278 StPO</span> handle. Zur Abklärung dieser Fragen sei insbesondere ein technisches Gutachten nötig gewesen, auf dessen Einholung die Vorinstanz zu Unrecht verzichtet habe. </div> <div class="para">Diese Vorbringen begründen keine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Wie oben (E. 3.2) dargelegt, ergibt sich bereits aus dem Gesetz (<span class="artref">Art. 269 ff. StPO</span>) und der einschlägigen Rechtsprechung des Bundesgerichtes, dass das ZMG in Fällen wie dem vorliegenden nicht für Vorab-Genehmigungen der Verwertbarkeit von rechtshilfeweise erlangten Aufzeichnungen im Vorverfahren zuständig ist. Die Einholung eines technischen Gutachtens war diesbezüglich obsolet. Ob es darüber hinaus auch noch an einem Zufallsfund im Sinne von <span class="artref">Art. 278 StPO</span> fehlen würde, brauchte nicht zusätzlich geprüft zu werden. Soweit sich der Beschwerdeführer sinngemäss sogar auf den Standpunkt stellt, er sei gar nicht der betroffene Benutzer der Kommunikationsplattform bzw. dies sei nicht ausreichend bewiesen, erschiene er als Nichtbetroffener zur Anfechtung der fraglichen Überwachung im Ausland nicht legitimiert (<span class="artref">Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG</span>). Dass die Vorinstanz die fraglichen Beweisanträge des Beschwerdeführers abschlägig behandelt hat, verletzt kein Bundesrecht. Die in diesem Zusammenhang auch noch beiläufig erhobene Rüge der Verletzung der richterlichen Begründungspflicht ist ebenfalls unbegründet, soweit sie ausreichend substanziiert erscheint. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para">Die Verfügung des ZMG vom 25. August 2022 (betreffend die rechtshilfeweise erhobenen Ergebnisse einer ausländischen Überwachung) ist von Amtes wegen aufzuheben. </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer stellt ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Die finanzielle Bedürftigkeit des Gesuchstellers wird ausreichend substanziiert. Da das zur amtlichen Publikation bestimmte Urteil 7B_159+160/2022 vom 11. Januar 2024 erst am 5. Februar 2024 - und somit nach erfolgter neuer Beschwerdeerhebung - an ihn versendet wurde, erschien seine Beschwerde, jedenfalls aus damaliger Sicht, auch noch nicht als von vornherein aussichtslos. Das Gesuch kann daher bewilligt werden (<span class="artref">Art. 64 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wird. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Verfügung vom 25. August 2022 des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau (betreffend die rechtshilfeweise erhobenen Ergebnisse einer ausländischen Überwachung) wird von Amtes wegen aufgehoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.1.</b> Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.</b> Rechtsanwalt Dr. Kenad Melunovic Marini wird als unentgeltlicher Rechtsvertreter ernannt, und es wird ihm für das bundesgerichtliche Verfahren aus der Bundesgerichtskasse ein Honorar von Fr. 1'500.-- entrichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Obergericht des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen, und dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 11. Juli 2024 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. strafrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Abrecht </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Forster </div> </div></body></html>