{"Signatur": "CH_BVGE_001", "Spider": "CH_BVGer", "Datum": "2010-02-24", "PDF": {"Datei": "CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2011-32_2010-02-24.pdf", "URL": "https://jurispub.admin.ch/publiws/download;jsessionid=5A4A4B581F62A974CB66EEC2D58F1325?decisionId=8634dcd5-bdc6-4c9a-bed9-39a4f03b0c99", "Checksum": "e491061d3d9a42355fc1b2c66c4a0c5f"}, "Scrapedate": "2025-09-08", "Num": ["BVGE 2011/32"], "Kopfzeile": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Bundesverwaltungsgericht 24.02.2010 BVGE 2011/32"}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Bundesverwaltungsgericht 24.02.2010 BVGE 2011/32"}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Bundesverwaltungsgericht 24.02.2010 BVGE 2011/32"}], "Meta": [{"Sprachen": ["de"], "Text": "Eidgenossenschaft Bundesverwaltungsgericht "}, {"Sprachen": ["fr"], "Text": "Conf\u00e9deration Bundesverwaltungsgericht "}, {"Sprachen": ["it"], "Text": "Confederazione Bundesverwaltungsgericht "}, {"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Abteilung II"}], "Abstract": [{"Sprachen": ["de", "fr", "it"], "Text": "Kartelle | \nKartellrecht. Sanktion wegen angeblichem Missbrauch der markt\u00adbeherrschenden\nStellung durch Erzwingung unangemessener Termi\u00adnierungspreise im Mobilfunk. Auskunfts\u00adpflicht.\nSelbstbelas\u00adtungs\u00adverbot. Marktstellung. Markt\u00admacht\u00admissbrauch im Kontext der bundesrechtlichen\nWertparit\u00e4tskontrollen: Fehlendes Erzwingungs\u00adpotential innerhalb des fern\u00admelderechtlich\nregulierten Rahmens. Unzu\u00adl\u00e4ssigkeit einer (rechtspolitischen) L\u00fccken\u00adf\u00fcllung.\nGrund\u00adsatz\u00adurteil.\n\nArt.&#160;4 Abs.&#160;2, Art.&#160;7 Abs.&#160;1 i.&#160;V.&#160;m. Art.&#160;7\nAbs.&#160;2 Bst.&#160;c, Art.&#160;40 und Art.&#160;49a Abs.&#160;1\nKG. Art.&#160;11 Abs.&#160;3 Verordnung vom 17.&#160;Juni 1996 \u00fcber die Kontrolle von Unternehmenszusammenschl\u00fcssen.\naArt.&#160;11 FMG. Art.&#160;21 OR. Art.&#160;13 P\u00fcG. Art.&#160;157 StGB. Art.&#160;30 Abs.&#160;1\nBV. Art.&#160;6 Abs.&#160;1 und 2, Art.&#160;7 Abs.&#160;1 EMRK.\n\n1.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;\nDie verh\u00e4ngte Sanktion ist eine \u00ab&#160;strafrechtliche Anklage&#160;\u00bb ge\u00adm\u00e4ss\nArt.&#160;6 Abs.&#160;1 EMRK (E.&#160;4.2). Tragweite des in Art.&#160;7 Abs.&#160;1 Satz&#160;1 EMRK\nverankerten Bestimmtheits\u00adgebots bezie\u00adhungsweise Lega\u00adlit\u00e4tsprinzips (E.&#160;4.3).\nArt.&#160;7 Abs.&#160;1 KG verletzt f\u00fcr sich alleine Art.&#160;7 Abs.&#160;1 Satz&#160;1 EMRK (E.&#160;4.5.2),\nhingegen ist Art.&#160;7 Abs.&#160;2 Bst.&#160;c KG mit Blick auf das vorge\u00adworfene tat\u00adbestandsm\u00e4s\u00adsige\nVerhalten hin\u00adreichend bestimmt (E.&#160;4.5.2). Das Wissen, beim Weiterf\u00fchren eines Verhaltens\nein kartellrecht\u00adliches Sanktionsri\u00adsiko zu tragen, schliesst trotz ge\u00adne\u00adralklausel\u00adhafter\nUmschreibung des Tatbestandes eine Sank\u00adtion nicht aus (E.&#160;4.6). Art.&#160;7 Abs.&#160;1 KG\nund Art.&#160;7 Abs.&#160;2 Bst.&#160;c KG bilden zusammengenommen eine gen\u00fcgende gesetz\u00adliche\nGrund\u00adlage gem\u00e4ss Art.&#160;7 Abs.&#160;1 EMRK (E.&#160;4.8, E.&#160;11.1.3).\n\n2.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;\nNach Art.&#160;6 Abs.&#160;1 EMRK reicht es aus, wenn eine Sanktions\u00adverf\u00fcgung von einem\nGericht be\u00adurteilt werden kann, das seine Kognition EMRK-konform wahrnimmt; das Bundesverwal\u00adtungsgericht\nist ein solches Ge\u00adricht (E.&#160;5.5). Eingehende Dar\u00adlegung der Kognition des Bundesverwaltungs\u00adgerichts\n(E.&#160;5.6).\n\n3.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;\nDie Frage, welche Grenzen das Selbstbelastungsverbot nach Art.&#160;6 Abs.&#160;1 und 2 EMRK einem\nUnter\u00adnehmen bez\u00fcglich seiner kartellgesetzlichen Mit\u00adwirkungspflicht generell und einzelfall\u00adunabh\u00e4ngig\nsetzt, kann hier offengelassen werden (E.&#160;5.7.5). Keine Verletzung des Aussageverweigerungsrechts,\nsoweit Aus\u00adkunftsbegehren vorbehaltlos beant\u00adwortet werden; einzig (an\u00adfechtbare) Auskunftsverf\u00fc\u00adgungen\nk\u00f6nnten eine un\u00ader\u00adlaubte Aus\u00ad\u00fcbung von Zwang dar\u00adstellen, soweit damit\nunzul\u00e4ssige Fragen mit Sanktionsfolgen durchgesetzt werden sollen (E.&#160;5.7.5.1.1).\n\n4.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;\nDer relevante Markt setzt den Rahmen zur Analyse der Frage der Marktbeherrschung. Auf seine Festlegung\nkann nicht ver\u00adzichtet werden (E.&#160;9.2.3). Obwohl die Mobilterminierung einen notwendigen Bestandteil\nf\u00fcr das Anbieten von Telefonie\u00addienst\u00adleistungen auf der Endkundenebene darstellt, kann\nsie einen auf die Vorleistungsebene begrenzten Markt bilden. Interdependen\u00adzen zwischen Vor\u00adleistungs-\nund Endkundenm\u00e4rkten k\u00f6nnen bei der Marktanalyse ber\u00fccksichtigt und der Einfluss des nach\u00adgelagerten\nMarkts eruiert werden (E.&#160;9.5.2). Aus der Sicht der Fernmeldedienstanbieterinnen (FDA) bestehen\nweder nachfrage- noch angebotsseitige Substitutionsm\u00f6glichkeiten zur Termi\u00adnie\u00adrung eines\nAnrufs in ein bestimmtes Mobilfunknetz (E.&#160;9.5.3). Ebenso wenig verf\u00fcgen die Endkunden der\nFDA \u00fcber M\u00f6glich\u00adkeiten, die Mobilterminierungsleistungen der Mobilfunk\u00adanbiete\u00adrinnen\nzu umgehen (E.&#160;9.5.4).\n\n5.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;\nBeurteilung von aktuellem und potenziellem Wettbewerb auf dem relevanten Markt f\u00fcr die Terminierung\nvon Anrufen im Be\u00adreich der Sprachtelefonie in das eigene Mobilfunknetz (E.&#160;10.4). Disziplinierende\nKr\u00e4fte wirkten vorliegend weder vom nachgela\u00adgerten Markt noch von der Marktgegenseite her\n(E.&#160;10.6.4, E.&#160;10.7.3&#160;ff.). Der Ein\u00adfluss der fernmelderechtlichen Rahmen\u00adordnung\nauf den Hand\u00adlungsspielraum der betroffenen Unterneh\u00admen bildet kein Krite\u00adrium f\u00fcr\ndie Beurteilung der marktbe\u00adherrschenden Stel\u00adlung, sondern ist bei der W\u00fcrdigung der\nMissbrauchsfrage zu be\u00adr\u00fcck\u00adsichtigen (E.&#160;10.8, E.&#160;12.3.1). Auch aus angeblichen\nVer\u00adlusten aus dem Terminierungsgesch\u00e4ft im Terminierungs\u00adverkehr zwi\u00adschen Mobilfunknetzen\nl\u00e4sst sich keine Einschr\u00e4n\u00adkung des Ver\u00adhaltens\u00adspielraums auf dem rele\u00advanten\nMarkt ableiten. Un\u00adtaug\u00adlichkeit des zur Begr\u00fcndung des Ver\u00adlustes herangezo\u00adgenen\nNetto\u00adzah\u00adlungs\u00admodells (E.&#160;10.9). Best\u00e4\u00adtigung des Vorliegens einer markt\u00adbeherrschenden\nStellung (E.&#160;10.11).\n\n6.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;\nW\u00fcrdigung des vorgeworfenen Ausbeutungsmissbrauchs bei Ter\u00adminierungspreisen. Art.&#160;7\nAbs.&#160;1 und Abs.&#160;2 Bst.&#160;c KG werden im Lichte des Streitgegenstandes betrachtet und in\nZusammen\u00adhang mit allen preis\u00adbezogenen und im konkreten Fall potenziell an\u00adwend\u00adbaren\nbun\u00addesrecht\u00adlichen Wertparit\u00e4tskontrollen gestellt (E.&#160;11). Um den Anfor\u00adderungen\nan das Be\u00adstimmtheitsgebot be\u00adziehungs\u00adweise das Legalit\u00e4tsprinzip nach Art.&#160;7\nAbs.&#160;1 Satz&#160;1 EMRK zu ent\u00adsprechen, ist vorliegend der Gehalt von Art.&#160;7 Abs.&#160;2\nBst.&#160;c KG im Lichte der obligationen-, preis\u00ad\u00fcber\u00adwa\u00adchungs- und fern\u00admelderecht\u00adlichen\nWertparit\u00e4tskontrollen zu bestimmen (E.&#160;11.3).\n\n7.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;\nBei der Beurteilung einer allf\u00e4lligen Preisausbeutung wird zuerst die Frage der Erzwingung\ngepr\u00fcft, namentlich ob f\u00fcr die Markt\u00adgegenseite eine Zwangslage tats\u00e4chlich bestand\n(E.&#160;12.1). Art.&#160;7 Abs.&#160;1 i.&#160;V.&#160;m. Abs.&#160;2 Bst.&#160;c KG sch\u00fctzt einzig\ndie einem Marktbeherrscher als Vertragspartnerin direkt gegen\u00fcberste\u00adhende (\u00ab&#160;ausgelieferte&#160;\u00bb)\nMarktgegenseite vor Preisaus\u00adbeutung (E.&#160;12.3.1). Auf \u00ab&#160;norma\u00adlen&#160;\u00bb,\nvon der Vertragsfreiheit beherrsch\u00adten beziehungsweise nicht interdependent vernetzten oder regu\u00adlierten\nM\u00e4rkten beinhaltet die marktbeherrschende Stellung dem Wesen nach zwingend auch die M\u00f6glichkeit,\n\u00ab&#160;unwi\u00adder\u00adsteh\u00adlichen Zwang&#160;\u00bb auszu\u00fcben, (E.&#160;11.3.1.3,\nE.&#160;12.3.2). Der regulatorische Rahmen von aArt.&#160;11 Abs.&#160;1 FMG zerst\u00f6rt das Erzwingungs\u00adpotenzial\neines interkonnektionsver\u00adpflichteten Unternehmens, indem die Verhandlungsmacht der die Termi\u00adnierung\nnach\u00adfra\u00adgen\u00adden Marktgegenseite erheblich gest\u00e4rkt wird durch die M\u00f6glich\u00adkeit,\nbei der Eidgen\u00f6ssischen Kommuni\u00adka\u00adtions\u00adkom\u00admission ein Gesuch um Preisfestsetzung\n(aArt.&#160;11 Abs.&#160;3 FMG) einzureichen (E.&#160;11.3.4, E.&#160;12.3.3.2&#160;ff., E.&#160;12.5.1).\n\n8.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;\nIm Lichte von Art.&#160;7 Abs.&#160;1 Satz&#160;1 EMRK ist es dem Bundes\u00adver\u00adwaltungsgericht\nverwehrt, im Interesse der Endkunden den An\u00adwendungsbereich des kartellgesetzlichen Preisausbeutungstat\u00adbestandes\ndurch eine richterrechtliche, \u00ab&#160;l\u00fcckenf\u00fcllende&#160;\u00bb Ausle\u00adgung auszudehnen\n(E.&#160;12.4.2 und 12.5.2).\n\n"}], "ScrapyJob": "446973/32/2119", "Zeit UTC": "08.09.2025 01:52:27", "Checksum": "f3e0682221cf511a9bed88d359eefdf5"}