B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3402/2023 U r t e i l v o m 2 9 . J u n i 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richter Grégory Sauder; Gerichtsschreiber Gregory Aloisi. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 7. Juni 2023 / N (…). D-3402/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am 25. März 2023 in der Schweiz um Asyl nach. Auf dem Personalienblatt gab er an, er sei am (…) geboren. A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Euro- dac) vom 28. März 2023 ergab, dass er am (…) illegal in Kroatien einge- reist und dort gleichentags um Asyl ersucht hatte. A.c Am 29. März 2023 beauftragte der Beschwerdeführer die ihm zuge- wiesene Rechtsvertretung mit der Wahrung seiner Interessen. A.d Am 21. April 2023 führte das SEM eine Erstbefragung (Erstbefragung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch. Dabei ge- währte es dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Kroatiens zur Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens, zum Nichteintretensentscheid sowie zur Wegweisung nach Kroatien. Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er wollte nicht nach Kroatien zurück- kehren, andernfalls wäre er gar nicht in die Schweiz gekommen. A.e (…) erstellte im Auftrag des SEM am 4. Mai 2023 ein Altersgutachten (körperliche, radiologische und zahnärztliche Untersuchung/Beurteilung) zur Altersbestimmung. Dieses ergab ein Mindestalter des Beschwerdefüh- rers von 21.6 Jahren zum Zeitpunkt der Untersuchung (3. Mai 2023). Das vom Beschwerdeführer angegebene Alter von (…) sei mit den erhobenen Befunden nicht zu vereinbaren. Er habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit er- reicht. A.f Der Beschwerdeführer reichte am 5. Mai 2023 eine Kopie seiner Ge- burtsregistrierung zu den Akten. A.g Mit Schreiben vom 22. Mai 2023 gewährte das SEM dem Beschwer- deführer das rechtliche Gehör zum Ergebni s des Altersgutachtens, zu Zweifeln an seiner vorgebrachten Identität und zur beabsichtigten Anpas- sung des Geburtsdatums auf den (…) im Zentralen Migrationsinformations- systems (ZEMIS) sowie zu einer allfälligen Wegweisung nach Kroatien . Der Beschwerdeführer hielt in der Stellungnahme vom 26. Mai 2023 am ursprünglichen Geburtsdatum vom (…) fest und machte geltend, er habe schlüssige Angaben zu Geburtsdatum und Alter gemacht. Das SEM werfe ihm zwar zurecht vor, dass er nur vage Angaben gemacht habe, in der D-3402/2023 Seite 3 Würdigung seiner Angaben habe es aber seinen Bildungsstand nicht aus- reichend berücksichtigt. Er habe nie eine Schule besucht, sei Analphabet und auf dem Land aufgewachsen. Darüber hinaus habe es sich bei der EB UMA um die erste Befragung in seinem Leben gehandelt, weshalb er über- fordert und nervös gewesen sei. Trotzdem habe er widerspruchsfreie und nachvollziehbare Aussagen gemacht. Im Weiteren sei das Altersgutachten ein schwaches Indiz für die Volljährigkeit, da es sich lediglich auf zwei Säu- len – auf das Hand- und das Schlüsselbein-Brustbeingelenk – stütze. Nach Einschätzung der Rechtsvertretung und der Fachpersonen UMA bestün- den grosse Zweifel daran, dass er bereits 21 Jahre alt sein solle. Bezüglich Kroatien sei festzuhalten, dass er nach der Überquerung der bosnisch-kro- atischen Grenze sofort von der Polizei fes tgenommen und mit anderen minderjährigen Jungen in eine Zelle eingeschlossen worden sei, wo sie 24 Stunden ohne Essen und Wasser hätten verbringen müssen. Da der Raum zu klein gewesen sei, hätten sie weder auf dem Boden sitzen noch schlafen können. Danach seien ihm die Fingerabdrücke unter Zwang abgenommen worden und er sei mit den anderen Minderjährigen zu einem Bahnhof transportiert worden. Obwohl die kroatischen Behörden ein Asylgesuch re- gistriert hätten, habe ihnen die Polizei gesagt, sie sollten zurück nach Bos- nien gehen. A.h Am 23. Mai 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen am 6. Juni 2023 gut und teilten dem SEM mit, dass der Beschwerdeführer in Kroatien unter den Personalien (…), geboren am (…), bekannt sei. A.i Der Beschwerdeführer reichte am 31. Mai 2023 ein Schreiben seiner Klassenlehrperson zu den Akten, worin diese mitteilte, sie erachte den Be- schwerdeführer aufgrund seines Alters, seines unsicheren Auftretens, sei- ner unselbständigen Arbeitsweise und seines k indlichen Spielverhaltens als minderjährig. A.j Mit Schreiben vom 7. Juni 2023 informierte die Pflege des zuständigen Bundesasylzentrums (BAZ) das SEM, dass der Beschwerdeführer (…) ge- habt habe und diese behandelt worden sei. D-3402/2023 Seite 4 B. Mit Verfügung vom 7. Juni 2023 (eröffnet am 8. Juni 2023) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylge- such des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien an, forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und beauftragte den Kanton (…) mit dem Vollzug der Wegweisung. Zudem stellte es fest, der (…) sei mit Bestreitungsvermerk als Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS registriert worden sowie einer allfälligen Be- schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu und verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Ak- tenverzeichnis. C. Am 8. Juni 2023 teilte die damalige Rechtsvertretung des Beschwerdefüh- rers die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit. D. Der Beschwerdeführer focht die Verfügung des SEM vom 7. Juni 2023 mit Beschwerde vom 14. Juni 2023 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er be- antragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein mate- rielles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur rechts- genüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den zuständigen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien umgehend Obdach, Nahrung, eine adäquate und regemässige medizinische sowie psychologische Behandlung zur Verfü- gung stehe. In formeller Hinsicht beantragt er, die Vollzugsbehörde sei su- perprovisorisch anzuweisen, von einer Überstellung nach Kroatien abzu- sehen, und d er Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen . Zudem sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (inklusive Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses). E. Am 15. Juni 2023 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstel- lung per sofort einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. D-3402/2023 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch hier – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 VGG: Art 83 Bst. D Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungs- adressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts a nderes be- stimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsät zlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 2.3 Die von der Vorinstanz verfügte Anpassung des Geburtsdatums im ZEMIS (vgl. Dispositivziffer 5 der an gefochtenen Verfügung) wurde nicht angefochten. Ein diesbezüglicher Beschwerdewille ergibt sich weder aus einem entsprechenden Antrag noch aus der Begründung der Rechtsmitte- langabe, namentlich auch nicht aus Ziff. VII (vgl. Beschwerdeschrift Be- gründung II 1a Abs. vii S. 6), zumal offenkundig auch jene pauschalen Aus- führungen mit Blick auf die Zuständigkeitsfrage gemäss Art. 8 Abs. 4 Dub- lin-III-VO gemacht worden sind (vgl. Überschrift Ziff. II. 1.»Zuständigkeit gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin -III-VO). Unter Berü cksichtigung der diesbe- züglich noch laufenden Beschwerdefrist wird folglich davon ausgegangen, die vorliegende Beschwerde richte sich ausschliesslich gegen den verfüg- ten Nichteintretensentscheid. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur D-3402/2023 Seite 6 summarisch zu begründen ist (Art. 111 a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech- sels verzichtet. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt Verletzungen der Untersuchungspflicht so- wie der Begründungspflicht und damit den Anspruch auf rechtliches Gehör durch die Vorinstanz. So habe sich das SEM mit textbausteinartigen Aus- führungen und ohne eine individuelle Prüfung vorzunehmen auf den Stand- punkt gestellt, dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gebe, dass das Asyl - und Aufnahmeverfahren in Kroatien Schwachstellen auf- weise oder dass er bei einer Überstellung gravierenden Menschenrechts- verletzungen ausgesetzt würde. Seine Vorbringen, dass er mangelhaft ver- pflegt worden und in einer engen Zelle ohn e Nahrung und Flüssigkeit für 24 Stunden eingesperrt worden sei, dass er in keiner Form eine Rechtsbe- lehrung stattgefunden habe und er nicht über das laufende Asylverfahren informiert worden sei, seien von der Vorinstanz weder geprüft noch gehört worden. Ausserdem seien die Gefahr der Kettenabschiebung, der man- gelnde Zugang zu einer Unterkunft und die fehlende medizinische Betreu- ung in Kroatien nicht vom SEM berücksichtigt worden. Darüber hinaus habe die Vorinstanz bei der Frage der Minderjährigkeit seine Aussagen und Beweismittel, die für eine Minderjährigkeit sprächen, nicht angemessen ge- würdigt. 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieser Anspruch umfasst als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Stand- punkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung an- gemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begrün- dung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.H.). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden s ind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen D-3402/2023 Seite 7 Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Ver- waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 4.3 Das SEM hat in seiner Verfügung nachvollziehbar begründet, aus wel- chen Überlegungen es auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. Es hat sich in seiner Verfügung vom 7. Juni 2023 mit der allgemeinen Lage von Asylsuchenden in Kroatien auseinandergesetzt und auch die diesbezügliche Kritik von nationalen und internationalen Organi- sationen berücksichtigt. Sie hat einlässlich dargelegt, aufgrund von wel- chen Informationen sie zur Schlussfolgerung gelangt ist, dass Dublin - Rückkehrende in Kroatien nicht von der Push -back-Problematik betroffen seien. Der Umstand, dass es die Lage in Kroatien anders einschätzt als vom Beschwerdeführer vertreten, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung oder eine Verletzung der Begründungspflicht. An- lässlich der Begründung ist es – zumindest im Wesentlichen – auf die Aus- sagen des Beschwerdeführers zu seinen Erlebnissen in Kroatien einge- gangen und hat auch bei der Frage des Alters des Beschwerdeführers so- wohl die Aussagen als auch die eingereichten Beweismittel (Kopie des Ge- burtenregisters und das Schreiben der Lehrperson) rechtsgenüglich ge- würdigt. Der Umstand, dass die Vorinstanz nicht jedes Detail der Vorbrin- gen bei der Begründung des Entscheids ausdrücklich erwähnt respektive die geltend gemachten Vorbringen anders gewichtet hat als der Beschwer- deführer, ist nicht als Verletzung des rechtlichen Gehörs zu werten. Die Kritik des Beschwerdeführers tangiert denn auch im Wesentlichen materi- elle und nicht formelle Aspekte. 4.4 Dem Gesagten zufolge erweisen sich die formellen Rügen als unbe- gründet. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung ist abzuweisen. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Im Falle einer unbegleiteten minderjähri- gen Person ohne familiäre Anknüpfungspunkte (zu einem anderen D-3402/2023 Seite 8 Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat. Unbe- gleitete Minderjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8). 6. 6.1 Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Euro- dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 22. März 2023 in Kroatien um Asyl ersucht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die kroatischen Behörden am 23. Mai 2023 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. Nachdem diese das Ersuchen am 6. Juni 2021 akzeptiert haben, ist die staatsver- tragliche Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben. 6.2 6.2.1 Nachdem unbegleitete Minderjährige vom Wiederaufnahmeverfah- ren ausgenommen sind (vgl. E. 5.2 hiervor), bestünde bei Minderjährigkeit des Beschwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezustän- digkeit Kroatiens vorrangige Zuständigkeit der Schweiz. Es ist deshalb zu prüfen, ob das SEM die dargelegte Minderjährigkeit des Beschwerdefüh- rers zutreffend verneint hat. 6.2.2 Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Person zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen, da sie die Beweislast trägt, auch wenn das SEM die entscheidrelevanten Sachverhaltsmomente von Amtes wegen festzustellen hat (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.3 m.w.H.; Urteil des BVGer E-319/2023 vom 24. Januar 2023 E. 5.2.2). Im Rahmen einer Gesamtwür- digung ist eine Abwägung aller Anhaltspunkte vorzunehmen, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangabe sprechen (vgl. BVGE 2009/54 E. 4.1). 6.2.3 Gemäss BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein - res- pektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht je- doch die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersu- chung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per- son geeignet. Relevant für die Beurteilung sind mithin die Ergebnisse be- treffend das festgestellte Mindestalter der Schlüsselbeinanalyse sowie der zahnärztlichen Untersuchung. Medizinische Altersabklärungen stellen – je nach Ergebnis – unterschiedlich zu gewichtende Indizien für das Vorliegen der Minder- respektive Volljährigkeit einer Person dar. Ein starkes Indiz für D-3402/2023 Seite 9 die Volljährigkeit liegt vor, wenn das Mindestalter bei der Schlüsselbein - respektive Skelettaltersanalyse oder der zahnärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt und die sich anhand der beiden Analysen ergebenden Altersspannen überlappen (vgl. a.a.O. E. 4.2.2). Diese Voraussetzungen sind hier erfüllt. Gemäss rechtsmedizinischem Gutachten vom 4. Mai 2023 liegt das Mindestalter des Beschwerdeführers bei der Schlüsselbeinana- lyse 21.6 Jahren und damit über 18 Jahren. Die zahnärztliche Untersu- chung stellte an den Zähnen 1 bis 7 im 3. Quadranten einen vollständigen Abschluss des Wurzelwachstums fest, welche s ab einem Mittleren Alter von 16 Jahren beobachtbar sei. Im Rahmen der zahnärztlichen Untersu- chung wurden keine Altersspannen angegeben, da sich das vorliegende Wurzelwachstum an den Zähnen 1 bis 7 auch im Erwachsenenalter nicht mehr verändert. Die Ergebnisse der beiden Untersuchungen stehen folg- lich nicht im W iderspruch zueinander und die beiden Spannen der mögli- chen Alter überlappen sich (vgl. dazu Urteil des BVGer D -987/2023 vom 30. März 2023 7.2.3 m.w.H.). Damit stellt das Altersgutachten vom 4. Mai 2023 ein starkes Indiz für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers dar. 6.2.4 Der vom Beschwerdeführer zum Beleg seines Alters eingereichten Geburtenregistrierung kann praxisgemäss nur ein geringer Beweiswert beigemessen werden. So enthält das Dokument keine Sicherheitsmerk- male und kann deshalb einfach gefälscht werden. Selbst bei Annahme der Echtheit entsprechender Dokumente aus Afghanistan besteht nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die Möglichkeit, dass die darin enthaltenen zeitlichen Angaben über das Geburtsdatum nicht dem wirklichen Alter entspre chen (vgl. Urteile des BVGer D-1720/2022 vom 21. April 2022 E. 8.3; E-3252/2021 vom 2. September 2021 E. 7.4.3). Der Beweiswert der vorliegenden Geburtenregistrierung wird weiter dadurch geschmälert, dass das Dokument nicht im Original eingereicht wurde. Vor diesem Hintergrund kommt der Geburtenregistrierung nur geringe Beweis- kraft zu. 6.2.5 Der Beschwerdeführer machte mit der Stellungnahme vom 26. Mai 2023 geltend, seine Rechtsvertretung sowie die Fachpersonen UMA hätten an dem vermeintlichen Alter von 21 Jahren grosse Zweifel und würden ihn deutlich jünger einschätzen. Am 31. Mai 2023 reichte er zusätzlich eine Alterseinschätzung seiner Lehrperson ein, die ebenfalls von seiner Minder- jährigkeit ausgeht. Persönliche Einschätzungen des Aussehens und des Verhaltens lassen aber keine eindeutige Schlüsse über das Alter zu. Da sie D-3402/2023 Seite 10 im Gegensatz zur medizinischen Untersuchung keine wissenschaftlich fun- dierte Analyse darstellen, vermögen anderslautende Ergebnisse nicht die Beweiskraft des Altersgutachten infrage zu stellen. 6.2.6 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde vom 14. Juni 2023 (vgl. Ziff. II 1. iii) geltend, er habe die afghanische Botschaft in Genf kontaktiert und stellt das Nachreichen weiterer Beweismittel seiner Minder- jährigkeit in Aussicht, allerdings ohne dabei die entsprechenden Doku- mente und die dafür benötigte Zeit zu benennen. Von den Parteien ange- botene Beweise sind abzunehmen, sofern diese geeignet sind, den rechts- erheblichen Sachverhalt festzustellen (Art. 33 VwVG). Kommt das Gericht indes wie im vorliegenden Fall zur Überzeugung, die Akten erlaubten die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, kann es auf die Erhebung weiterer Beweise verzichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdigung den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV zu verletzen (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 m.H.). Seit der Machtübernahme der Taliban sind die Auslandvertretungen Afgha- nistans nicht mehr in der Lage, Reisepässe auszustellen, da sie die Taliban nicht als legitime Machthaber anerkennen und deshalb mit deren Behörden keinen Kontakt haben (vgl. Landinfo, Oslo. Afghanistan: Utstedelse av do- kumenter ved den afghanske ambassaden i Oslo. 26.08.2022. https://land- info.no/wp-content/uploads/2022/08/Landinfo-respons-Afghanistan-Utste- delse-av-dokumenter-ved den -afghanskeambassaden-i-Oslo- 26082022.pdf 15.12.2022. / BBC, London. Delhi Afghanistan embassy not taking orders from Taliban. 28.06.2022. https://www.bbc.com/news/world- asia-india-61950476 15.12.2022). Auch der Internetauftritt der afghani- schen Botschaft in Genf bestätigt, dass sie bis auf Weiteres nur bereits bestehende Reisepässe verlängert, nicht aber neue ausstellt (vgl. https://www.geneva.mfa.af/en/consular-affairs/passport.html, abgeru- fen am 26.06.2023). Vor diesem Hintergrund ist es fraglich, welche weite- ren Dokumente sich der Beschwerdeführer überhaupt durch die afghani- sche Botschaft in Genf ausstellen lassen könnte, um die angebliche Min- derjährigkeit zu beweisen. Aufgrund des fehlenden Kontakts zum Innenmi- nisterium müsste sich die afghanische Botschaft ausschliesslich auf dieje- nigen Dokumente stützen, welche der Beschwerdeführer auch bei der Vo- rinstanz bereits eingereicht hat. Entsprechende Beurkundungen hätten also eine ebenso geringe Beweiskraft wie diejenigen Dokumente, auf de- ren Grundlage sie zustande kämen. Das Nachreichen weiterer Beweismit- tel ist daher nicht abzuwarten. D-3402/2023 Seite 11 6.2.7 Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung ver- mag auch das Aussageverhalten des Beschwerdeführers das Gericht nicht von seiner Minderjährigkeit zu überzeugen. Seinen vagen Ausführungen fehlt der Detaillierungsgrad, welcher die Aussagen überprüfbar und glaub- haft machen würde. 6.2.8 Die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Alter und die einge- reichten Beweismittel sind somit nicht geeignet, die Resultate aus dem Al- tersgutachten, welches ein starkes Indiz für seine Volljährigkeit darstellt, umzustossen. 6.2.9 Schliesslich haben auch die kroatischen Behörden – bei welchen der Beschwerdeführer im Übrigen mit dem Geburtsdatum (…), mithin ebenfalls als volljährig, registriert ist – das Übernahmeersuchen des SEM am 6. Juni 2023 akzeptiert und somit die Einschätzung des SEM zur Volljährigkeit des Beschwerdeführers geteilt. 6.2.10 Insgesamt gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit dem SEM zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist , die gel- tend gemachte Minderjährigkeit glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, auf die weiteren diesbezüglichen Argumente in der angefochtenen Verfügung und die entsprechenden Entgegnungen in der Beschwerdeschrift einzuge- hen, da sie nicht geeignet sind, eine Änderung dieser Einschätzung zu be- wirken. 6.3 Das SEM ist somit mit einem ordnungsgemässen Wiederaufnahmeer- suchen an die kroatischen Behörden gelangt. 7. 7.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu- ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei- sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand- lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständi g be- stimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be - stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu- ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). D-3402/2023 Seite 12 7.2 Im jüngst ergangenen Referenzurteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, es sei nicht davon auszugehen, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien wiesen sys- temische Schwachstellen im Sinn von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin- III-VO auf. Es bestätigte damit seine seit dem Referenzurteil D-1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende Praxis, wonach Dublin -Überstellungen nach Kroatien grundsätzlich sowohl in "Take -Charge-" (Aufnahme) als auch "Take-Back-" (Wiederaufnahme) Verfahren zulässig sind (vgl. a.a.O. E. 9.5). Ferner hielt das Gericht fest, der Verdacht eines – angesichts der Situation in Kroatien auf den ersten Blick nicht unbegründeten – Gefähr- dungszusammenhangs zwischen Push-backs und Dublin-Rückkehr lasse sich aufgrund der verfügbaren Informationen und Erkenntnisse nicht erhär- ten (vgl. a.a.O. E. 9.4.4). Zum heutigen Zeitpunkt bestünden keine genü- genden Anzeichen, die befürchten liessen, Dublin -Rückkehrende würden ohne Eröffnung und Durchführung eines Asylverfahrens aus Kroatien rechtswidrig ausgeschafft. Noch we niger sei aufgrund dieser Ausgangs- lage davon auszugehen, dass dies systematisch geschehe. Im Ergebnis sei davon auszugehen, dass Gesuchstellende, welche gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt würden, Zugang zum dortigen Asyl- verfahren erhielten. Es bestehe keine beachtliche Wahrscheinlichkeit, die Überstellten würden der Gefahr einer Verletzung ihrer aus dem Refoule- ment-Verbot fliessenden Rechte ausgesetzt (vgl. a.a.O. E. 9.5). 7.3 Für eine Änderung der Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der vom Beschwerdeführer gemachten Äusserungen zu seiner Behandlung in Kroatien keine Veranlassung und auch die Beschwerdevorbringen vermö- gen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht angezeigt. 8. 8.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei von den kroatischen Be- hörden unmenschlich behandelt worden. Die kroatische Polizei habe ihn und andere Mitreisende ohne Nahrung und Flüssigkeit für 24 Stunden ein- gesperrt. Die Zelle sei so klein g ewesen, dass sie weder auf dem Boden sitzen noch schlafen konnten. Ihm seien gegen seinen Willen die Finger- abdrücke abgenommen worden. Bei der Freilassung habe die Polizei sie zu einem Bahnhof transportiert und ihnen gesagt, sie sollten nach Bosnien zurückkehren. Über den Stand und den weiteren Verlauf des Asylverfah- rens sei er nicht informiert worden. Der Beschwerdeführer fordert mit die - sen Vorbringen die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – das Selbsteintritts recht im Landesrecht D-3402/2023 Seite 13 konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. 8.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar- getan, die kroatischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder aufzu- nehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Es gibt auch keinen Grund zur Annahme, die Überstellung des Beschwerdeführers nach Kroatien würde zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen oder Kro- atien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehen- den minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. 8.3 Angesichts der anerkannterweise teils schwierigen Bedingungen in Kroatien, kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer dort bei seiner Ankunft auf schwierige Umstände traf. Nach seiner Rück- überstellung wird er indessen – nachdem sein Asylverfahren dort hängig ist und die kroatischen Behörden seiner Übernahme ausdrücklich zuge- stimmt haben – nicht mehr als Neuankömmling behandelt, sondern in die Asylstrukturen integriert, wo er alle ihm zustehenden Rechte wahrnehmen kann. Gegebenenfalls kann er sich an die zuständigen kroatischen Behör- den wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingung en auf dem Rechtsweg einfordern (Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Dies gilt auch für den Fall, dass er Gewalt durch Behörden erfahren respektive befürchten sollte. Es steht ihm ebenfalls offen, sich an die vor Ort tätigen karitativen Organi- sationen zu wenden. 8.4 Dementsprechend ist nach geltender Rechtsprechung zu Kroatien die Vorinstanz auch nicht gehalten, individuelle Zusicherungen einzuholen. 8.5 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz bei der Anwendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 über e inen Ermessens- spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist auch unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden. D-3402/2023 Seite 14 8.6 Nach dem Gesagten liegen weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, welche die Schweiz zum Selbsteintritt verpflic hten würden, noch Rechtsfehler bei der Ermessenbetätigung. Es liegt folglich kein Grund für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbin- dung mit Art. 17 Dublin -III-VO vor. Kroatien bleibt somit zuständiger Mit- gliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer wiederaufzunehmen. 9. Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Überstellung des Beschwerdeführers nach Kroatien verfügt. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Der am 15. Juni 2023 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegen- den Urteil dahin. 10.2 Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses während des Verfahrens gegenstandlos geworden. 10.3 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da sich die Beschwer debegehren entsprechend den vorstehenden Erwägungen von vornherein als aus- sichtslos erwiesen haben. 10.4 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 –3 des Reg- lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-3402/2023 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Gregory Aloisi Versand: