B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6388/2017 U r t e i l v o m 2 3 . A p r i l 2 0 1 8 Besetzung Richterin Andrea Berger-Fehr (Vorsitz), Richter Gérald Bovier, Richterin Barbara Balmelli, Gerichtsschreiberin Maria Wende. Parteien A._______, geboren am (…), (Beschwerdeführerin 1) und ihr Kind B._______, geboren am (…), (Beschwerdeführerin 2) Eritrea, beide vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende (…), Beschwerdeführerinnen, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 10. Oktober 2017 / N (…). E-6388/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerinnen ersuchten am (…) 2015 in der Schweiz um Asyl und machten anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 16. Ok- tober 2015 und der Anhörung vom 6. Juli 2017 im Wesentlichen Folgendes geltend: Die Beschwerdeführerin 1 sei eritreische Staatsangehörige tigrinischer Ethnie und stamme aus C._______, Zoba Maekel. 1997 habe sie geheira- tet und sei nach D._______ gezogen. Nachdem sie ihr erstes Kind im Jahr (…) zur Welt gebracht habe, habe sie sich scheiden lassen. Im Jahr (…) habe sie nochmals geheiratet, da sie sich davor gefürchtet habe, bei einer Razzia mitgenommen zu werden. Im selben Jahr sei sie nach Asmara ge- zogen. Ihr zweiter Ehemann sei Soldat gewesen. Er sei inhaftiert worden und danach aus dem Gefängnis ins Ausland geflüchtet. Soldaten aus sei- ner Einheit hätten zwei Mal bei ihr zu Hause nach ihm gesucht und von ihr verlangt, dass sie ihren Ehemann innerhalb von drei Wochen ausliefere, ansonsten würde sie in Haft genommen werden. Auch sei ihr ihre Rations- karte weggenommen worden. Sie sei zu ihren Eltern geflüchtet. Als die dreiwöchige Frist verstrichen und die Beschwerdeführerin 1 nach Hause zurückgekehrt sei, sei ihr Schloss ausgewechselt und ihre Wohnung ver- schlossen gewesen. Sie habe bei einer Freundin übernachtet und darauf- hin, im August 2013 , Eritrea in Richtung Sud an verlassen und sei über mehrere Länder am (…) 2015 in die Schweiz gelangt. Am (…) sei ihre zweite Tochter zur Welt gekommen. Ihre älteste Tochter lebe bei ihren Eltern. Ihr Ex-Mann sei im Jahr (…) bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen. Im Sommer 2017 habe sie erfahren, dass ihr Ehemann aus dem Sudan nach Eritrea zurückgeführt und dort inhaftiert worden sei. Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin 1 zwei Identitätskarten und den Taufschein ihrer ersten Tochter ein. B. Mit Verfügung vom 10. Oktober 2017 – eröffnet am 12. Oktober 2017 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerinnen und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es ihre Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. E-6388/2017 Seite 3 C. Mit Beschwerde an das Bundesverwalt ungsgericht vom 13. November 2017 beantragten die Beschwerdeführerinnen die Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 1, 4 und 5. Es sei ihnen wegen subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft zuzusprechen und sie seien wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung in den Dispo- sitivziffern 4 und 5 aufzuheben und die Beschwerdeführerinnen wegen Un- zulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges als Auslän- derinnen vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur erneu- ten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hin- sicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung un- ter Verzicht auf die Erhebung eines Koste nvorschusses und um Beiord- nung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. D. Mit Zwischenverfügung vom 21. November 2017 hiess das Bundesverwal- tungsgericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege sowie um amtliche Rechtsverbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E. Mit Schreiben vom 23. November 2017 reichten die Beschwerdef ührerin- nen den Taufschein der Beschwerdeführerin 2 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde un d entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend - endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-6388/2017 Seite 4 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besond ers berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Beschwerdeführerinnen fochten lediglich die Dispositivziffern 1, 4 und 5 an, während die Ziffern 2 (Asyl) und 3 (verfügte Wegweisung) des Dispo- sitivs unangefochten in Rechtskraft erwachsen sind. Auf Beschwerde- ebene stri ttig sind somit lediglich das Vorliegen subjektiver Nachflucht- gründe sowie die Anordnung des Wegweisungsvollzugs. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. Die Beschwerdeführerinnen werfen der Vorinstanz eine Verletzung der Be- gründungspflicht und damit des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie der Untersuchungspflicht vor. 5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieses dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Ent- scheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines sol- chen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubrin- gen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen ge- hört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mit- zuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn die- ses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtli- ches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die ein er Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt E-6388/2017 Seite 5 wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1, BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begr ündung muss so ab- gefasst sein, dass die Betroffenen den Entscheid gegebenenfalls sachge- recht anfechten können. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor- bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge- listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Be- schwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bund es, 3. Auflage, 2013, Rz. 1043). 5.3 Aus der angefochtenen Verfügung ergeben sich keine Anhaltspunkte, die den Schluss zuliessen, die Vorinstanz habe irgendeine dieser Pflichten verletzt. 5.3.1 Dem Vorbringen der Beschwerdeführerinnen, das SEM habe seine Begründungspflicht verletzt, weil es nicht dargelegt habe, welche Wider- sprüche sich im Rahmen der Anhörung in den zeitlichen Angaben ergeben hätten, kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung festgehalten, dass die Angaben bezüglich des Geburtsdatums der Beschwerdeführerin 2 widersprüchlich seien und dabei auf das Proto- koll der Anhörung verwiesen. Aus diesem Verweis wird deutlich, dass sich E-6388/2017 Seite 6 die Vorinstanz auf einen sich innerhalb der Anhörung ergebenden Wider- spruch bezogen hat. 5.3.2 Die Beschwerdeführerinnen machen ferner geltend, die Vorinstanz habe in Bezug auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges eine Pra- xisänderung vorgenommen, diese jedoch nicht genügend begründet . Sie habe nicht dargelegt, aufgrund welcher Quellen und Informationen sie neu- erdings zum Schluss komme, dass sich die allgemeine Lage in Eritrea so geändert habe, da ss eine Wegweisung im Gegensatz zu früheren Ent- scheiden zumutbar sei. Damit habe sie ihre Untersuchungs- und Begrün- dungspflicht verletzt. Die Argumentation der Beschwerdeführerinnen ist unzutreffend. Grundlage der bisherigen Praxis der Asylbehörden in Bezug auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea bildete das Urteil der Asylrekurskom- mission (ARK) vom 18. Mai 2005 (vgl. Entscheidungen und Mitte ilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 12). Die ARK verneinte in diesem Urteil in E. 10.4 das Vorliegen einer Situation all- gemeiner Gewalt in Eritrea (wie bereits in EMARK 2004 Nr. 26). Die ARK und seit 2007 auch das Bundesverwaltungsgericht gehen seither in kon- stanter Praxis davon aus, dass in Eritrea kein Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situation allgemeiner Gewalt herrscht (vgl. Urteile des BVGer D-3350/2016 vom 4. Juli 2016 E. 7.4.1 m. w. H. ; E -1785/2016 vom 18. Januar 2017 E. 6. 3). Für die Bejahung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea wurde gemäss EMARK 2005 Nr. 12 (E. 10.5 – 10.8) voraus- gesetzt, dass begü nstigende individuelle Umstände vorliegen, aufgrund derer gewährleistet ist, dass die betroffene Person nach ihrer Rückkehr nicht zur mittellosen Stadt- oder Landbevölkerung gehört und daher nicht in eine existenzielle Notlage gerät (vgl. Urteil D-3350/2016 E. 7.4.2 m.w.H.). Bis zur im Juni 2016 erfolgten Praxisänderung des SEM zur Frage der asylrechtlichen Relevanz der illegalen Ausreise – vom Bundesverwal- tungsgericht im Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (E. 5.1) bestätigt – war der Vollzug der Wegweisung nach Eritrea nur sehr selten Prozessgegenstand. War die Zumutbarkeit des Vollzugs zu prüfen, wurde diese auch bejaht, w enn die Voraussetzungen gemäss EMARK 2005 Nr. 12 erfüllt waren (vgl. etwa Urteil D-3350/2016 E. 7.6 und 7.7). Die in der Beschwerde erhobene Behauptung, das SEM habe in der angefochtenen Verfügung hinsichtlich der Zumutbarkeit des Vo llzugs der Wegweisung nach Eritrea eine Praxisänderung vorgenommen, diese ungenügend be- gründet und damit die Untersuchungs - und Begründungsplicht verletzt, geht daher fehl. Der Subeventualantrag, die Sache sei zur Neubeurteilung E-6388/2017 Seite 7 an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist demzufolge abzuweisen. Zur aktua- lisierten Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges wird auf E. 10.6 verwiesen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht so- genannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus- schluss des Asyls. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nach- fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Zur Begründung des ablehnenden Entscheids befand die Vorinstanz die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG und die flüchtlingsrechtliche Be- achtlichkeit gemäss Art. 3 AsylG nicht genügend. Es bestünden Widersprü- che bezüglich der Zeitangaben der Beschwerdeführerin 1 und der Frage, wie häufig sie von Soldaten aufgesucht worden sei. Ihre Erklärung, wonach E-6388/2017 Seite 8 ihre bei der BzP anwesen de Tochter krank gewesen sei und viel geweint habe, weshalb die Befragung schlecht gelaufen sei, vermöge nicht zu über- zeugen, da sich auch Widersprüche innerhalb der Anhörung, bei der ihre Tochter nicht anwesend gewesen sei, ergeben hätten. Ihre Ausführungen, insbesondere zu den Besuchen der Soldaten, seien vage und oberflächlich ausgefallen. Ihren Darlegungen würden Realkennzeichen fehlen, was da- rauf schliessen lasse, dass sie das Geschilderte nicht selbst erlebt habe. Unabhängig von der Frage der Glaubhaf tigkeit seien ihre Schilderungen nicht asylrelevant. Ihr Ehemann sei in Eritrea in Haft, weshalb der Grund der von ihr geltend gemachten Bedrohung weggefallen sei. Zudem sei auf- grund des Zeitablaufs von rund vier Jahren seit dem Vorfall nicht davon auszugehen, dass nach wie vor ein Interesse an ihr seitens der Behörden bestehe. Überdies habe ihre Ausreise für ihre Eltern keine Konsequenzen gehabt. Die illegale Ausreise als solche würde für die Annahme einer asyl- relevanten Verfolgung nicht ausreichen. Den Vollzug der Wegweisung erachtete die Vorinstanz als völkerrechtlich zulässig sowie technisch möglich und praktisch durchführbar. In Eritrea herrsche weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Die Be- schwerdeführerin 1 sei jung, gesund und habe nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann während fast zehn Jahren alleine für sich und ihr Kind gesorgt. Sie verfüge über mehrjährige Arbeitserfahrung als Köchin. Sie habe während mehrerer Jahre alleine in Asmara gelebt, wo auch einer ihrer Onkel und eine Sc hwester leben würden. In ihrem Heimatdorf, wel- ches nicht weit entfernt von Asmara liege, würden ihre Eltern, ihre älteste Tochter und ihre Geschwister leben. Der Wegweisungsvollzug nach Eritrea sei daher auch zumutbar. 7.2 Auf Beschwerdeebene konkretisieren die Beschwerdeführerinnen ver- schiedene Punkte ihrer Aussagen und führen aus, dass die Beschwerde- führerin 1 aufgrund der Erkrankung ihrer Tochter, dem Schlafmangel und der Unterbrechungen anlässlich der BzP sich nur schwer auf diese habe konzentrieren können. Entsprechend seien ihre Aussagen anlässlich der BzP mit Zurückhaltung zu werten. Des Weiteren habe sie Schwierigkeiten mit Zahlen und der zeitlichen Einordnung von Ereignissen. Dies zeige sich insbesondere bei ihren Ausführungen zum Geburtstermin ihrer jüngsten Tochter, der im (…) und nicht im (…) zu verorten sei. Sie habe ein tiefes Bildungsniveau und wohl eingeschränkte kognitive Fähigkeiten, was das SEM im Rahmen der Prüfung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht be- achtet habe. Auch sei sie mit dem europäischen Kalender nicht ausrei- chend vertraut. Die unterschiedlichen Zeitangaben zur Geburt ihrer Tochter E-6388/2017 Seite 9 würden somit keine Widersprüche sondern offenkundige Fehler ihrerseits darstellen, welche nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen spre- chen würden. Bezüglich des Zeitpunktes der Flucht ihres Ehemannes sei nachvollziehbar, dass sie Ereignisse, welche sie nicht selbst erlebt habe, zeitlich nicht präzise einordnen könne. Sie kenne den genauen Zeitpunkt seiner Flucht nicht, aber dieser könne aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht mehr als (…) Monate vor ihrer eigenen liegen. In Bezug auf ihre Ant- wort auf die Frage, wie häufig sie von Soldaten a ufgesucht worden sei, liege eine Fehlinterpretation seitens der Vorinstanz vor. Die Soldaten hät- ten sie drei Mal zu Hause aufgesucht, wovon sie zwei Mal zu Hause gewe- sen sei, weshalb sie anlässlich der Anhörung von zwei Besuchen gespro- chen habe. Trotz ihres knapp ausfallenden Erzählstils könnten ihren Aus- sagen verschiedene Realkennzeichen entnommen werden. Sie habe an mehreren Stellen die direkte Rede verwendet und ihre emotionale Wahr- nehmung beschrieben. Insbesondere der Bericht über die Besuche der Soldaten sei substantiiert ausgefallen. Ihre Schilderungen seien glaubhaft. Es sei davon auszugehen, dass sie von den eritreischen Behörden als missliebige Person angesehen werde und durch die illegale Ausreise eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsgefahr geschaffen habe. Der Vollzug der Wegweisung sei unzulässig, weil der Beschwerdeführerin 1 der Einzug in den Nationaldienst drohe, da sie noch nie Militärdienst ge- leistet habe. Dies hätte eine Verletzung des Verbotes der Zwangsarbeit und der Folter zur Folge. Auch sei der Vollzug der Wegweisung als nicht zu- mutbar zu erachten. Im Juni 2016 sei es zu bewaffneten Auseinanderset- zungen mit vielen Todesopfern zwischen Eritrea und Äthiopien gekommen. Entsprechend könne nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin 1 keiner konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Zu- dem sei ihr die Rationskarte weggenommen worden. 8. 8.1 Die Beschwerdeführerin 1 begründet ihre Flüchtlingseigenschaft damit, dass sie illegal aus Eritrea ausgereist sei. 8.2 Das Bundesverwaltungsgericht ging in seiner bisherigen Rechtspre- chung davon aus, dass bei einer illegalen Ausreise aus Eritrea im Falle einer Rückkehr eine Gefahr einer flüchtlingsrechtlich relevanten Bestra- fung bestehe. Im Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 kam das Gericht jedoch zum Schluss, dass sich diese Praxis nicht mehr auf- rechterhalten lasse und eine illegale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreiche. Eine flüchtlingsrechtlich relevante E-6388/2017 Seite 10 Verfolgungsgefahr sei nur dann anzunehmen, wenn zusätzliche Anknüp- fungspunkte vorlägen, welche zu einer Schärfung des Profils führen wür- den (vgl. a.a.O. E. 4.1 und 5.1 f.). 8.3 Es mag in Übereinstimmung mit den Ausführungen der Beschwerde- führerinnen zwar zutreffen, dass gewisse von der Vorinstanz angeführte Widersprüche vermeintlicher Art sind und dass anzunehmen ist, dass die Beschwerdeführerin 1 während der BzP aufgrund der Erkrankung ihrer Tochter Konzentrationsschwierigkeiten hatte. Die Frage der Glaubhaf- tigkeit der Ausführungen der Beschwerdeführerin 1 kann jedoch offen ge- lassen werden, da ihren Darlegungen keine Anknüpfungspunkte, welche sie in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erschei- nen lassen würden, zu entnehmen sind. Die von ihr geltend ge machten Belästigungen seitens eritreischer Soldaten waren durch die Flucht ihres Ehemannes bedingt und hatten zum Ziel, ihn dem Nationaldienst (bezie- hungsweise vorgängig einer Strafe) zuzuführen. Somit war es nicht die Be- schwerdeführerin 1, die im Fokus de r eritreischen Behörden gestanden hat, sondern ihr Ehemann. Nachdem dieser in der Zwischenzeit verhaftet wurde, ist nicht ersichtlich, worin zum heutigen Zeitpunkt das Interesse der eritreischen Behörden an der Beschwerdeführerin 1 liegen sollte. Der Um- stand allein, dass sie den Soldaten den Aufenthaltsort ihres Ehemannes nicht habe nennen können und am Tag, an dem sie ihn hätte ausliefern sollen, nicht zu Hause gewesen sei, vermag nicht zu einer flüchtlingsrecht- lich relevanten Schärfung ihres Profils zu fü hren. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Ereignisse bereits über vier Jahre zurückliegen und den Akten nicht zu entnehmen ist, dass die Handlungen der Beschwer- deführerin 1 irgendwelche Konsequenzen für ihre Familie in Eritrea gehabt hätten. Somit vermag die geltend gemachte illegale Ausreise keine flücht- lingsrechtlich relevante Verfolgungsgefahr zu begründen. 8.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerinnen zu Recht verneint. 9. 9.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 9.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer E-6388/2017 Seite 11 solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG nicht zuläs- sig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Da die Beschwerdeführerinnen die Flüchtlings- eigenschaft nicht erfüllen, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsver- bot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässig- keit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfas- sungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN- Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführ innen eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Be- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). 10.2 Die Beschwerdeführerin 1 macht geltend, dass ihr bei einer Rückkehr nach Eritrea der Einzug in den Nationaldienst drohe, was eine Verletzung von Art. 3 und Art. 4 EMRK darstellen würde. 10.3 Gemäss dem Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2311/2016 vom 17. August 2017 sei bei Personen, die noch keinen Na- tionaldienst geleistet hätten, ohne davon befreit worden zu sein, insbeson- dere bei Personen, die vor Vollendung des 18. Altersjahres aus Eritrea aus-E-6388/2017 Seite 12 gereist seien, davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr in den Na- tionaldienst eingezogen würden. Asylsuchende, die im Rahmen ihrer Aus- führungen glaubhaft darlegen könnten, dass sie vor dem dienstpflichtigen Alter ausgereist seien oder dass sie aus anderen Gründen bis zu ihrer Aus- reise keine Aufforderung zur Leistung des Dienstes erhalten hätten, dürften im Falle der Rückreise verpflichtet sein, den Nationaldienst zu leisten. Da- bei könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass sie vorgängig mit Haft dafür bestraft würden, dass sie sich nicht für den Dienst bereitgehalten hät- ten. Allerdings sei wohl nicht von einer systematischen Inhaftierung aller Rückkehrenden auszugehen, wobei darauf hinzuweisen sei, dass Rück- kehrende ihr Verhältnis zum eritreischen Staat oft durch die Bezahlung der 2%-Steuer und die Unterzeichnung eines Reuebriefes geregelt hätten (vgl. a.a.O. E. 13.2). Demgegenüber bestehe bei Personen, welche die Dienstpflicht bereits er- füllt hätten, keine ernsthafte Gefahr, bei einer Rückkehr wieder in den Na- tionaldienst eingezogen zu werden. Ferner gebe es auch andere Gründe, aufgrund welcher nicht davon auszugehen sei, dass bei einer Rückkehr der Einzug in den Nationaldienst drohe, zumal gewisse Personengruppen existieren würden, die vom Nationaldienst befreit werden könnten. Diesbe- züglich müssten sich allerdings konkrete Hinweise ergeben. Weiter könn- ten darunter auch Personen fallen, die sich bereits seit mehr als drei Jahren im Ausland aufhalten würden und bei denen davon auszugehen sei, dass sie ihre Situation mit dem Heimatstaat durch die Bezahlung der 2%-Steuer und die Unterzeichnung eines Reuebriefes geregelt hätten (sog. Diaspora- Status), weshalb ihnen in absehbarer Zeit ebenfalls kein Einzug drohe (vgl. ebd. E. 13.3 f.). 10.4 Vorliegend ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin 1 bei einer Rückkehr nach Eritrea ein Einzug in den Nationaldienst droht. Sie ist heute (…) Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Sie führte selbst aus, geheiratet zu haben, um einem Einzug in den National- dienst zu entgehen (vgl. vorinstanzliche Akten A19 F19). Bis zu ihrer Aus- reise wurde sie denn auch nicht in den Dienst einberufen (vgl. A19 F176). Die Wahrscheinlichkeit einer Diensteinberufung ist somit in Anbetracht der persönlichen Umstände der Beschwerdeführ erin 1 und selbst unter Be- rücksichtigung einer nach wie vor verbreiteten behördlichen Willkür in der Einberufungspraxis gegenwärtig als äusserst gering einzustufen. Es drängt sich vielmehr der Schluss auf, dass sie als verheiratete Frau und Mutter zweier Kinder vom Militärdienst freigestellt worden ist (vgl. Referenzurteil D-2311/2016 E. 12.5 mit Hinweis auf entsprechende Berichte). Für diese E-6388/2017 Seite 13 Annahme spricht ferner, dass es Hinweise auf eine Altersgrenze von zwi- schen 25 und 27 Jahren für den Einzug von Frau en in den Nationaldienst gibt (vgl. Landinfo - Country of Origin Information Centre, Eritrea: National Service, 20.05.2016, < http://www.refworld.org/ docid/577681224.html > abgerufen am 26.03.2018). Es kann somit offen bleiben, ob der Nationaldienst in E ritrea gegen Art. 3 (Folterverbot) oder Art. 4 Abs. 2 (Verbot der Zwangsarbeit) EMRK verstösst, zumal davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführerin 1 bei einer Rückkehr keine Rekrutierung droht. Sodann ergeben sich aus den Akten auch keine anderen Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdefüh- rerinnen für den Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat dort mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote- nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Auch die allgemeine Men- schenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 10.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 10.6 Das Bundesverwaltungsgericht hat im bereits erwähnten Urteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 in Aktualisierung der bisherigen Praxis der Asylbehörden in Bezug auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs nach Eritrea (vgl. EMARK 2005 Nr. 12) eine eingehende Lageanalyse vorgenommen (vgl. E. 16). Dabei ist das Gericht zum Schluss gelangt, dass in Eritrea weiterhin kein Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situation allge- meiner Gewalt herrscht und demzufolge der Vollzug der Wegweisung ab- gewiesener eritreischer Asylsuchender in ihren Heimatstaat nicht generell als unzumutbar zu erachten ist (vgl. E. 17.2). Gemäss konstanter Prax is liegt eine konkrete Gefährdung im Allgemeinen nicht schon deshalb vor, weil die wirtschaftliche Situation und damit die allgemeinen Lebensbedin- gungen im Heimatstaat schwierig sind und dort beispielsweise Wohnungs- not oder eine hohe Arbeitslosigkeit herrschen (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.6). Im Urteil D-2311/2016 wird erläutert, dass sich die Lebensbedingungen in E-6388/2017 Seite 14 Eritrea seit der Lagebeurteilung in EMARK 2005 Nr. 12 in einigen Berei- chen verbessert haben. Zwar ist die wirtschaftliche Lage im Land nach wie vor sc hwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssitua- tion, der Zugang zu Trinkwasser und Bildung haben sich jedoch stabilisiert. Der Krieg ist seit vielen Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder re- ligiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevölkerung profitiert . Vor diesem Hintergrund sind die er- höhten Anforderungen an den Wegweisungsvollzug gemäss der bisheri- gen Praxis nicht meh r gerechtfertigt. Auch die Situation in Bezug auf die anhaltende Überwachung der Bevölkerung vermag nicht zur Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Angesichts der schwierigen all- gemeinen Lage des Landes bleibt jedoch in jedem Einzelfall zu prüfen, ob besondere Umstände vorliegen, aufgrund derer die betroffene Person nach einer Rückkehr ins Heimatland aus individuellen Gründen in eine existen- zielle Notlage geraten würde . Anders als noch unter der früheren Recht- sprechung sind begünstigende individuelle Faktoren jedoch nicht mehr Vo- raussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. E. 17; vgl. auch BVGE 2014/ 26 E. 8). 10.7 Im vorliegenden Fall sind den Akten keine Hinweise zu entnehmen, aufgrund derer von einer Existenzbedrohung der Beschwerdeführerinnen bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat ausgegangen werden müsste. Der Umstand, dass der Beschwerdeführerin 1 die Rationskarte weggenommen worden sei, vermag daran nichts z u ändern, ist doch davon auszugehen, dass sie auf die Unterstützung ihrer nach wie vor in Eritrea lebenden Fa- milie zurückgreifen kann, wie sie dies bereits in der Vergangenheit getan hat (vgl. A19 F59 ff., F85, F107 und F137). Im Übrigen kann auf die zutref- fenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Auch das Kindes- wohl führt zu keiner anderen Annahme. Nach geltender Rechtsprechung sind bei der Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin- des (KRK, SR 0.107) unter dem Aspekt des Wohls des Kindes namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Be- deutung: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Bezie hungen, E igenschaften seiner Be zugspersonen, Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.). Es ist davon auszugehen, dass die Hauptbezugs- person des rund (…) Kindes seine Mutter ist. In Eritrea halten sich weitere E-6388/2017 Seite 15 Familienangehörige auf, insbesondere die Grosseltern, ein Halbgeschwis- ter sowie mehrere Onkel und Tanten (vgl. A19 F51 und F59 ff.). Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 10.8 Mit Blick auf die Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG ist festzuhalten, dass zwangsweise Rückführungen nach Eritrea derzeit generell nicht möglich sind. Jedoch steht es den Be- schwerdeführerinnen offen, freiwillig in ihren Heimatstaat zurückzukehren, was praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungs- vollzugs entgegensteht. Es obliegt den Beschwerdeführerinnen, sich bei der zuständigen Vertretung ihres Heimatstaats die für eine Rückkehr not- wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist folglich auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtser heblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den B eschwerde- führerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist indes angesichts des mit Zwischenverfügung vom 21. November 2017 gut- geheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten. 13. Der mit Zwischenverfügung vom 21. November 2017 eingesetzte amtliche Rechtsbeistand reichte eine Kostennot e in der Höhe von insgesamt Fr. 1‘190.– (5.5 Stunden à Fr. 200.– plus Fr. 90.– Auslagen) ein. Bei amtli- cher Vertretung geht das Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 E-6388/2017 Seite 16 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Es wird nur der notwendige Aufwand entschädigt (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Es kommt demnach d er reduzierte Stundenansatz von Fr. 150.– zur Anwendung. Der geltend gemacht Aufwand und die in Rech- nung gestellten Auslagen erscheinen angemessen. Das amtliche Honorar für den eingesetzten Rechtsvertreter beträgt damit insgesamt Fr. 915. – (einschliesslich Auslagen) und geht zulasten der Gerichtskasse des Bun- desverwaltungsgerichts. (Dispositiv nächste Seite) E-6388/2017 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Honorar des amtlichen Rechtsbeista ndes wird auf Fr. 915.– festge- setzt und durch die Gerichtskasse vergütet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Andrea Berger-Fehr Maria Wende Versand: