A bteilung V E -5663/2006 koh/fal {T 0/2} U rteil vom 5. Juli 2007 M itw irkung: R ichterin Kojic, R ichter Scherrer, R ichterin Luterbacher G erichtsschreiberin Fankhauser A ._______, N igeria, vertreten durch Frau H elga Kuriger, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 1. Februar 2006 in Sachen Vollzug der W egw eisung / B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er m inderjährige Beschw erdeführer verliess seinen H eim atstaat eigenen Anga- ben zufolge im August 2005 von Lagos in R ichtung Benin, von w o er m it einem Schiff in ein ihm unbekanntes Land gelangte. Von dort reiste er am 8. Septem ber 2005 unter U m gehung der G renzkontrolle in die Schw eiz, w o er am 10. Septem ber 2005 von der Polizei aufgegriffen und befragt w urde. N ach einer Erziehungs- verfügung der Jugendanw altschaft des Bezirks Zürich w egen W iderhandlung ge- gen Art. 23 Abs. 1 alinea 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N ieder- lassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 (AN AG , SR 142.20) in Verbindung m it Art. 1 Abs. 2 der Vollziehungsverordnung zum AN AG vom 1. M ärz 1949 (AN AV, SR 142.201) und nach einer zw eitägigen H aft w urde er am 12. Septem ber 2005 ins Em pfangszentrum Kreuzlingen gebracht, w o er gleichentags ohne Einreichung von Identitätspapieren ein Asylgesuch stellte. Am 19. Septem ber 2005 fand dort die sum m arische Befragung statt. Am 10. Januar 2006 hörte ihn (...)in Anw esenheit einer Vertrauensperson zu seinen Asylgründen an. Anlässlich der Befragungen m achte der aus Port H artcourt stam m ende und der Ethnie der O goni angehörende Beschw erdeführer geltend, er sei Vollw aise und gehöre der Pfingstgem einde an. Er habe sich seit drei oder vier Jahren bei der O r- ganisation "N ational Youth C ouncil of O goni People" (N YC O P), die gegen die R e- gierung käm pfe, engagiert. Bei einer Auseinandersetzung zw ischen den N YC O P- Aktivisten und den Soldaten sei im Jahr 2004 seine M utter erschossen w orden. Im Zusam m enhang m it der Ö lpipeline-Explosion, zu der es im Jahr 2004 infolge ille- galen Anzapfens von Ö l gekom m en sei, sei der Beschw erdeführer m it anderen Personen festgenom m en und w ährend zw ei W ochen in einer Polizeistation in Port H artcourt festgehalten w orden, bis ihm die Flucht gelungen sei. D a er niem anden m ehr gehabt habe - seinen Vater habe er nie gekannt, die M utter habe ihm gesagt, dieser sei gestorben, als er sechs M onate alt gew esen sei – zu dem er hätte hingehen können, habe er im August 2005 seine H eim at verlassen. B. M it Verfügung vom 1. Februar 2006 - eröffnet am 2. Februar 2006 - lehnte das Bundesam t das Asylgesuch m it der Begründung ab, die Vorbringen des Beschw er- deführers hielten den Anforderungen an die G laubhaftigkeit nicht stand. G leichzei- tig verfügte es die W egw eisung des Beschw erdeführers aus der Schw eiz und ord- nete den Vollzug an. C . M it Beschw erde an die Schw eizerische Asylrekurskom m ission (AR K) vom 2. M ärz 2006 beantragte der Beschw erdeführer durch seine R echtsvertreterin, die Ziffern 3 bis 5 der vorinstanzlichen Verfügung betreffend die W egw eisung seien vollum - fänglich aufzuheben. Es sei festzustellen, dass die W egw eisung unzum utbar sei. D er Beschw erdeführer sei vorläufig aufzunehm en. In prozessrechtlicher H insicht ersuchte der Beschw erdeführer - unter Beigabe einer Fürsorgebestätigung vom 3 23. Februar 2006 - um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege, insbeson- dere um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D . M it Zw ischenverfügung vom 14. M ärz 2006 verzichtete die Instruktionsrichterin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und w ies den Beschw erdeführer darauf hin, dass über das G esuch um unentgeltliche R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt befunden w erde. G leichzeitig w urde festgehalten, dass der Beschw erdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schw eiz abw arten könne. E. In ihrer Vernehm lassung vom 6. April 2006 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. F. M it Schreiben vom 25. April 2006 nahm der Beschw erdeführer zur Vernehm las- sung Stellung. G . W egen Verdachts des D rogenhandels verfügte der (...) in Anw endung von Art. 13e AN AG am 26. April 2006 die Ausgrenzung des Beschw erdeführers aus dem Kanton (...). D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorins- tanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. Zu den anfechtba- ren Entscheiden gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängigen R echtsm ittel. Es w endet dabei neues Verfahrensrecht an (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). Auf die am 1. Januar 2007 bereits hängigen Asylverfahren sind zudem die in diesem Zeitpunkt in Kraft getretenen Bestim m ungen der Asylgesetzänderung vom 16. D ezem ber 2005 (vgl. im Einzelnen AS 2006 4767) anw endbar (Abs. 1 der Ü bergangsbestim m ungen zur Änderung vom 16. D ezem ber 2005). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen-4 heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. 2.1 Vorab ist die Frage der Prozessfähigkeit als Sachurteilsvoraussetzung von Am tes w egen zu prüfen (vgl. FR ITZ G YG I, Bundesverw altungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 73). Seinen Angaben zufolge ist der Beschw erdeführer am (...) geboren; bei Einreichung der Beschw erde am 3. M ärz 2006 w ar er daher (...) Jahre alt, m ithin noch m inderjährig, w as vom BFM auch nicht in Frage gestellt w urde. Indessen darf aufgrund der Aktenlage für das vorliegende R ekursverfahren die U rteilsfähigkeit des Beschw erdeführers und dam it seine zivilrechtliche H andlungsfähigkeit (Art. 12 ff. des Schw eizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. D ezem ber 1907 [ZG B, SR 210]) w ie auch seine verfahrensrechtliche Prozess- fähigkeit bejaht w erden (zur Prozessfähigkeit des beschränkt handlungsfähigen U nm ündigen vgl. G YG I, a.a.O ., S. 180; PETER SALAD IN , D as Verw altungsverfahrens- recht des Bundes, Bern 1979, S. 88 f.; ALFR ED KÖ LZ / ISABELLE H ÄN ER , Verw altungs- verfahren und Verw altungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 94; die Anw endbarkeit des Schw eizerischen R echts ergibt sich aus Art. 35 in Verbin- dung m it Art. 20 des Bundesgesetzes über das internationale Privatrecht [IPR G , SR 291]). N ach dem G esagten ist der Beschw erdeführer legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). 2.2 D em unbegleiteten M inderjährigen w urde entsprechend Art. 17 Abs. 3 AsylG für die D auer des Verfahrens eine Vertrauensperson, die dessen R echte w ahrnim m t, beigeordnet, so dass der Anspruch auf rechtliches G ehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 ff. Vw VG i.V.m . Art. 6 AsylG ) gew ahrt ist (siehe Entscheidungen und M ittei- lungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission / EM AR K 1999 N r. 2 und 1998 N r. 13). 3. D ie vorliegende Beschw erde richtet sich einzig gegen den angeordneten W egw ei- sungsvollzug. D ie Ziffern 1 (Verneinung der Flüchtlingseigenschaft) und 2 (Ableh- nung des Asylgesuchs) des D ispositivs der angefochtenen Verfügung sind dem zu- folge m angels Anfechtung in R echtskraft erw achsen. Auch die W egw eisung als solche (Ziffer 3 der vorinstanzlichen Verfügung) ist dam it grundsätzlich nicht m ehr zu überprüfen. G egenstand des vorliegenden Beschw erdeverfahrens bildet som it einzig die Frage, ob entsprechend den R echtsbegehren w egen U nzum utbarkeit des Vollzugs der W egw eisung die vorläufige Aufnahm e anzuordnen ist (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m . Art. 14a Abs. 4 AN AG ). 4. 4.1 Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zu- m utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzli-5 chen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 AN AG ). 4.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 4.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 4.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder ernie- drigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 4.5 D iese Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der W egw eisung (U nzuläs- sigkeit, U nzum utbarkeit, U nm öglichkeit) sind alternativer N atur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der W egw eisung als undurchführbar zu betrachten und die w eitere Anw esenheit in der Schw eiz gem äss den Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln (vgl. EM AR K 2006 N r. 6 E. 4.2. S. 54 f., 2001 N r. 1 E. 6a S. 2). 5. D er Vollzug der W egw eisung kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für die ausländische Person eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 4 AN AG ). D am it w ird zum Ausdruck gebracht, dass aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, insbesondere dann auf den Vollzug der W egw eisung zu verzichten ist, w enn die R ückkehr in den H eim at- oder H erkunftsstaat für die betroffene Person eine konkrete G efährdung bedeutet. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atstaat herrschenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation all- gem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise des Fehlens einer notw endigen m edizinischen Behandlung, ange- nom m en w erden (vgl. EM AR K 2005 N r. 24 E. 10.1 S. 215 m it w eiteren H inw eisen; Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 5.1 Aus der Form ulierung "insbesondere" geht hervor, dass nicht nur eine konkrete G efährdung, sondern auch andere U m stände dazu führen können, dass der Voll- zug der W egw eisung als nicht zum utbar erscheint. Art. 14a Abs. 4 AN AG lässt m ithin R aum , bei der Beurteilung der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges auch Ü berlegungen einfliessen zu lassen, die sich unter dem Aspekt des nach Art. 3 Abs. 1 des Ü bereinkom m ens über die R echte des Kindes vom 20. N ovem ber 6 1989 (KR K, SR 0.107) zu beachtenden Kindesw ohls ergeben können. Im R ahm en der Zum utbarkeitsprüfung ist das Kindesw ohl als gew ichtiger Aspekt zu berück- sichtigen (vgl. EM AR K 1998 N r. 13). 5.2 Für die Asylbehörden ergibt sich daraus die Verpflichtung, von Am tes w egen abzu- klären, w elche Situation sich für den unbegleiteten M inderjährigen im Falle einer H eim kehr realistischerw eise ergeben könnte. In der Praxis ist deshalb nicht nur abzuklären, ob das Kind im Falle der R ückkehr in den H eim at- oder H erkunftsstaat im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG konkret gefährdet w äre, sondern auch, ob das Kind zu seinen Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt w erden kann und ob diese in der Lage sind, seine (dem Alter, der physischen und psychischen Ver- fassung, der H erkunft etc. entsprechenden) Bedürfnisse abzudecken (M AR IO G ATTIKER , D as Asyl- und W egw eisungsverfahren, Bern 1999, S. 111). Können die Angehörigen nicht ausfindig gem acht w erden oder ergibt sich, dass die R ückkehr zu diesen dem Kindesw ohl nicht entspricht, ist w eiter abzuklären, ob das Kind in der H eim at allenfalls in einer geeigneten Anstalt oder bei einer D rittperson unter- gebracht w erden kann. D abei genügt es selbstverständlich nicht, bloss festzustel- len, dass im H eim at- oder H erkunftsland Eltern oder andere Angehörige leben be- ziehungsw eise es im betreffenden Land Einrichtungen gebe, die sich um alleinste- hende Kinder oder Jugendliche küm m ern w ürden. Es ist vielm ehr konkret abzuklä- ren, ob das betreffende Kind tatsächlich in sein fam iliäres U m feld zurückgeführt w erden kann beziehungsw eise ob es - w o das nicht m öglich ist oder nicht dem W ohl des Kindes entspricht - anderw eitig untergebracht w erden kann (vgl. EM AR K 1998 N r. 13 E. 5 S. 95 ff., EM AR K 2006 N r. 24 E. 6.2. S. 258 f., EM AR K 2003 N r. 5 E. 3 S. 35). 5.3 D as BFM (und nicht die kantonale Vollzugsbehörde) hat daher im H inblick auf die Anordnung des Vollzuges der W egw eisung vorgängig auch geeignete M assnah- m en zu treffen, dam it die m inderjährige Person bei ihrer R ückkehr von ihren El- tern, anderen Angehörigen oder von einer Behörde oder Institution, die in der Lage ist, dem Kind bei seiner Ankunft w eiterzuhelfen, in Em pfang genom m en w ird (in diesem Sinne auch U N H C R , G uidelines on Policies and Procedures in D ealing w ith U naccom panied C hildren Seeking Asylum , G enf, Februar 1997, S. 11, N 9.4 sow ie G ATTIKER , a.a.O ., S. 111), w o dies in Anbetracht des Alters des Betroffenen und dam it im Interesse des Kindes erforderlich erscheint. H ingegen können die R ückreisem odalitäten w ie insbesondere die Begleitung der M inderjährigen sow ie Zeitpunkt und O rt der Ü bergabe (inklusive Absprache m it der in Em pfang neh- m enden Person) durchaus erst im unm ittelbaren Vorfeld der R ückkehr geregelt w erden. D a es sich dabei um blosse Vollzugsm odalitäten handelt, bleibt es dem BFM überlassen, inw iew eit es die diesbezüglich notw endigen Schritte selbst vor- nim m t oder diese dem für den Vollzug zuständigen Kanton überlässt (vgl. EM AR K 1998 N r. 13 E. 5e/bb S. 100). 6. 6.1 N ach Ansicht der Vorinstanz kann sich der Beschw erdeführer nicht direkt auf die Kinderrechtskonvention berufen. Aus dieser ergäben sich keine einem W egw ei- sungsvollzug entgegegenstehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen. D er Be- schw erdeführer befinde sich an der Schw elle zur Volljährigkeit. Aufgrund seiner 7 unglaubhaften Angaben zum Tod seiner Eltern könne von deren Anw esenheit aus- gegangen w erden. Sodann lebten seinen Angaben zufolge Freunde in Port H ar- court. W eiter hielten sich Tanten und O nkel verstreut in seinem H eim atland auf. Zudem spiele insbesondere im afrikanischen R aum die D orf- bzw . W ohngem ein- schaft eine w ichtige gesellschaftliche R olle. Som it könne er auch auf die U nter- stützung der D orf- oder Q uartierbew ohner und seines Bekannten- oder Freundes- kreises zählen und sich - nicht zuletzt auch dank seines Schulbesuchs - auf ein bestehendes soziales Beziehungsnetz stützen. W eiter sei er in Port H arcourt so- zialisiert w orden und spreche neben Englisch die lokale Sprache. Er verfüge som it über ein soziales Beziehungsnetz. Folglich liege bei einer R ückkehr in den H eim at- staat keine G efährdung im Sinne von Art. 14a AN AG vor. Sodann habe die AR K in EM AR K 1999, N r. 27 festgehalten, dass sich die politische Situation in N igeria seit der M achtübernahm e durch G eneral Abubakar im Som m er 1998 w esentlich ver- bessert habe. Zudem sei durch die dem okratische W ahl von Präsident O basanjo am 30. M ai 1999 eine langjährige M ilitärherrschaft abgelöst w orden. G em äss die- ser Einschätzung könne bezüglich N igeria unter den heute bestehenden Verhält- nissen som it nicht von einer Situation allgem einer G ew alt oder von kriegerischen Ereignissen gesprochen w erden, w elche für den Beschw erdeführer bei seiner R ückkehr eine konkrete G efährdung darstellen w ürden. U nter diesen U m ständen erw eise sich die R ückkehr des Beschw erdeführers nach N igeria als zum utbar. 6.2 In der R echtsm itteleingabe w ird zur U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs pri- m är auf die vorrangige Berücksichtigung des Kindesw ohls im Sinne von Art. 3 KR K hingew iesen. U nter diesem Aspekt seien säm tliche U m stände einzubeziehen und zu w ürdigen, die im H inblick auf eine W egw eisung w esentlich erscheinen w ürden. Entgegen den Erw ägungen der Vorinstanz sei der Beschw erdeführer erst sech- zehn Jahre und zw ei M onate alt. Sodann beruhe die Existenz der Eltern einzig auf einer Annahm e des Bundesam tes. Entgegen den diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz könne der Beschw erdeführer auf kein bestehendes Beziehungs- netz, das für ihn verantw ortlich w äre, zurückgreifen, er w äre bei einer R ückkehr nach N igeria völlig auf sich allein gestellt und m üsste versuchen, selbst für sich zu sorgen. Angesichts der fehlenden Berufsaubildung sei es dem m inderjährigen Beschw erdeführer nicht m öglich, eine m enschenw ürdige Existenz aufzubauen. H inzu kom m e, dass die Situation im N iger-D elta aktuell äusserst bedenklich sei und seine Sicherheit m assiv gefährdet w äre. D as BFM habe es unterlassen abzuklären, ob es für den Beschw erdeführer in N igeria geeignete U nterbringungs- und Betreuungsstrukturen gebe. 6.3 In ihrer Vernehm lassung führt die Vorinstanz aus, dass, trotz den Anschlägen auf die Ö lindustrie durch örtliche G ruppen, nicht von einer Situation allgem einer G e- w alt oder kriegerischen Auseinandersetzungen gesprochen w erden könne. Ferner w eist das BFM darauf hin, dass der Beschw erdeführer keine Identitätspapiere ein- gereicht habe, so dass seine Identität und die effektiven R eisedaten nicht feststün- den. Bezüglich des Beziehungsnetzes verw eist die Vorinstanz auf ihre Erw ägun- gen in der angefochten Verfügung. 6.4 In ihrer Stellungnahm e hebt die R echtsvertreterin nochm als das fehlende Bezie- hungsnetz hervor und w eist nachdrücklich darauf hin, dass es sich beim Be- schw erdeführer um einen sechzehnjährigen Knaben handle, w eshalb das Kindes- w ohl bei der W egw eisung berücksichtigt w erden m üsse. D ie Annahm e des BFM , 8 der Beschw erdeführer könne auf irgendw elche im H eim atland verstreute Tanten und O nkel zurückgreifen, sei unhaltbar und w iderspreche jeglicher völkerrechts- konform en Auslegung des Kindesw ohls. Es sei Tatsache, dass der Beschw erde- führer bei seiner R ückkehr nach N igeria auf kein gesichertes soziales N etz zurück- greifen könne, und das BFM es unterlassen habe, abzuklären, ob es für den Be- schw erdeführer in N igeria geeignete U nterbringungs- und Betreuungsstrukturen gebe. 7. 7.1 Vorliegend geht auch die Vorinstanz von der M inderjährigkeit des Beschw erdefüh- rer aus; aus diesem G rund kann im Folgenden angenom m en w erden, dass das von ihm angegebene G eburtsdatum vom (...) der W ahrheit entspricht. 7.2 Aufgrund der Erw ägungen in der angefochtenen Verfügung, der Vernehm lassung sow ie der Aktenlage ergibt sich, dass das BFM vorliegend keine Abklärungen be- züglich der fam iliären Verhältnisse des Beschw erdeführers in seinem H eim atland vorgenom m en hat. Seinen Entscheid hat es auf die Aussagen des Beschw erdefüh- rers sow ie auf allgem eine soziologische Betrachtungen über die fam iliären G ege- benheiten im afrikanischen Lebensraum abgestützt. D er Beschw erdeführer hat zw ar seine Identität nicht belegt und die Angaben zur politischen Tätigkeit, Fest- nahm e und dem R eisew eg hat die Vorinstanz zu R echt als der allgem einen Erfah- rung zuw iderlaufend beziehungsw eise als w idersprüchlich und daher als unglaub- haft bezeichnet. D er Beschw erdeführer hat im m er die gleichen Angaben bezüglich seiner Verw andten gem acht. D em nach sei sein Vater verstorben, als er sechs M o- nate alt gew esen sei und er kenne niem anden aus dessen Fam ilie. D ie M utter, die m it seinem Vater nicht verheiratet gew esen sei, sei w ährend der U nruhen im Jahre 2004 erschossen w orden. G eschw ister habe er keine. Er habe lediglich die Schw ester der M utter gekannt, die nach den U nruhen im Jahre 2004 geflüchtet sei und er w isse nicht, w o sie sich nun befinde. Von anderen Verw andten w isse er nicht, w o sich diese befänden. Vor diesem H intergrund bleibt die Frage nach einem Beziehungsnetz ungeklärt. D abei darf nicht ausser Acht gelassen w erden, dass bei M inderjährigen generell w eniger hohe Anforderungen an einen w iderspruchsfreien Sachvortrag gestellt w erden dürfen (vgl. EM AR K 1999 N r. 2, Erw . 6d). D em nach ist aufgrund der gegenw ärtigen Aktenlage davon auszugehen, dass der im m er noch m inderjährige Beschw erdeführer in seinem H eim atort Port H artcourt, w o er seit seiner G eburt bis zur Ausreise gelebt hat, über keine Ver- w andten und som it über kein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt, auf das er bei seiner R ückkehr zurückgreifen könnte. Ü ber w eitere Verw andte ist nichts bekannt. Ebensow enig kann ohne nähere Abklärungen davon ausgegangen w erden, dass er auf die U nterstützung der D orf- bzw . W ohngem einschaft oder eines Bekannten- oder Freundeskreises zählen könnte. D ie Vorinstanz ist sodann der Frage nicht nachgegangen, ob eine Institution im H eim atland allenfalls den Beschw erdeführer aufnehm en und ihn bis zur Erreichung der Volljährigkeit betreuen oder ihn zum indest bei der W eiterreise zu allfälligen Verw andten unterstützen könnte. D am it hat das BFF den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt und den zuvor form ulierten Anforderungen für die R ückführung M inderjähriger nicht genügt (vgl. oben Ziff. 5).9 7.3 Beschw erden gegen Verfügungen des BFM über die Verw eigerung des Asyls und die W egw eisung haben grundsätzlich reform atorischen und nur ausnahm sw eise kassatorischen C harakter (Art. 105 Abs. 1 und Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 61 Abs. 1 Vw VG ). R eform atorische Entscheidung setzt indessen Entscheidungsreife, insbe- sondere eine genügende Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, voraus. D ies ist vorliegend hinsichtlich der Zum utbarkeit des Vollzugs der W egw eisung für einen M inderjährigen nicht gegeben, w eshalb die angefochtene Verfügung – so- w eit sie nicht in R echtskraft erw achsen ist – aufzuheben und die Sache zur N eu- beurteilung im Sinne der Erw ägungen an die Vorinstanz zurückzuw eisen ist. D iese hat den Beschw erdeführer dem nach vorläufig aufzunehm en, oder einen Kontakt m it allenfalls noch lebenden Fam ilienangehörigen herzustellen und die Zum utbar- keit seiner R ückführung dorthin aufzuzeigen, oder aber auf konkrete W eise darzu- legen, w elche in N igeria tätige O rganisation den Beschw erdeführer bis zum Errei- chen der Volljährigkeit in einer den w eiter oben dargelegten Kriterien entsprechen- den W eise betreuen kann. 8. N ach dem G esagten ist die Beschw erde im Sinne der Erw ägungen gutzuheissen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ), w eshalb das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echts- pflege nach Art. 65 Abs. 1 Vw VG gegenstandslos ist. 9. Einem obsiegenden Beschw erdeführer ist in Anw endung von Art. 64 Abs. 1 Vw VG sow ie Art. 7 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 (VG KE, SR 173.320.2) für die ihm erw achsenen notw endigen und verhältnism ässig hohen Kosten eine Parteient- schädigung zuzusprechen. D em Beschw erdeführer ist vorliegend indessen, da ihm durch die Beschw erde- führung angesichts der unentgeltlich tätigen R echtsvertretung keine unverhältnis- m ässig hohen Kosten entstanden sind, trotz seines O bsiegens keine Parteient- schädigung zu entrichten. (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird im Sinne der Erw ägungen gutgeheissen. 2. D ie Verfügung des BFM vom 1. Februar 2006 w ird - sow eit die D ispositiv-Ziffern 3 bis 5 betreffend - aufgehoben. D ie Akten w erden dem BFM zur N eubeurteilung im Sinne der Erw ägungen überw iesen. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es w ird keine Parteientschädigung entrichtet. 5. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. ...; Kopie zu den Akten) - (...) D ie R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: Therese Kojic Blanka Fankhauser Versand am :