<h2>SubmittedText<h2><p>Die Weltwirtschaft und damit das Finanzsystem sind eng mit der Natur verwoben - sie sind abhängig von einem stabilen Klima und den Leistungen eines intakten Ökosystems. Die sich verstärkende Doppelkrise aus Biodiversitätsverlust und Klimawandel bringt erhebliche Risiken für die Finanz- und Preisstabilität mit sich. </p><p>Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden haben ihren Auftrag zum Management von Finanzrisiken im Zusammenhang mit dem Klima und der biologischen Vielfalt erkannt. Die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden der G7 und G20 bekräftigten kürzlich ihre Verpflichtung, diese Risiken in ihre Entscheidungen zu integrieren.  </p><p>Die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden müssen, um ihrem Mandat gerecht zu werden, rasch Vorsichtsmassnahmen ergreifen. Gegenwärtig schöpfen sie ihre marktgestaltende Rolle nicht in vollem Umfang aus. Und obwohl es zu ihren Aufgaben gehört, setzen sie auch nicht alle verfügbaren Instrumente ein, um die von den regulierten Akteuren verursachten negativen Umweltauswirkungen zu begrenzen. </p><p>Vor diesem Hintergrund wird der Bundesrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Analysiert und integriert die Schweizerische Nationalbank klima- und biodiversitätsbedingte finanzielle Risiken in den Sicherheitsrahmen ihrer Offenmarktgeschäfte? Wenn ja, wie? Wenn nein, wieso nicht?  </p><p>2. Analysiert und integriert die Schweizerische Nationalbank klimabedingte und biodiversitätsbedingte finanzielle Risiken in die Kreditwürdigkeitsanalysen resp. Bonitätsanalysen? Wenn ja, wie? Wenn nein, wieso nicht?  </p><p>3. Wie hoch sind die klima- und biodiversitätsbedingte finanziellen Risiken des Fremdwährungsportfolios der Schweizerischen Nationalbank (vor allem Aktien und Unternehmungsobligationen) und wie gedenkt die SNB diese zu reduzieren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der gesetzliche Auftrag der SNB ist die Gewährleistung der Preisstabilität unter Berücksichtigung der Konjunktur. Die SNB hat hingegen keinen Auftrag, spezifische politische Ziele zu verfolgen oder Strukturpolitik zu betreiben. Entgegen der Auffassung des Interpellanten gehört es nicht zu den gesetzlich mandatierten Aufgaben der SNB "alle verfügbaren Instrumente einzusetzen, um die von den regulierten Akteuren verursachten negativen Umweltauswirkungen zu begrenzen" oder ihre "marktgestaltende Rolle auszuschöpfen". Bei der Mandatsausübung muss die SNB alle relevanten Risiken berücksichtigen, soweit dies für die Gewährleistung der Preisstabilität und der Finanzstabilität sowie der Anlageverwaltung erforderlich ist. Dazu gehören alle Arten von Risiken, also auch die relevanten Klimarisiken und Biodiversitätsrisiken. Die angemessene Beurteilung und Berücksichtigung der Risiken obliegt der SNB.</p><p>Zu 1: Zu den Hauptrisiken der Anlagen der SNB gehören Wechselkurs-, Goldpreis-, Aktienkurs- und Zinsrisiken. Ausserdem bestehen Liquiditätsrisiken sowie Kredit- und Länderrisiken. Finanzielle Risiken aufgrund des Klimawandels oder der Biodiversität sind nicht grundsätzlich verschieden von den erwähnten finanziellen Risiken. Sie sind folglich Bestandteil der Risikoanalyse der SNB. Wie andere finanzielle Risiken können Klima- oder Biodiversitätsrisiken Marktschwankungen auslösen oder verstärken und die Attraktivität bzw. die Bonität von Anlagen beeinflussen. Die Risikomessung der SNB beruht auf gängigen Risikokennzahlen und Verfahren. Dazu gehören auch sogenannte Value-at-Risk Berechnungen. Ergänzend dazu werden regelmässig Sensitivitätsanalysen und Stresstests durchgeführt. Für die Bonitätsanalysen orientiert sich die SNB an den führenden Rating Agenturen. Als Mitglied des Network for Greening the Financial System (NGFS) beteiligt sich die SNB am Erfahrungsaustausch mit anderen Zentralbanken und an der Weiterentwicklung der Messmethoden.</p><p>Zu 2: Der grösste Teil der Anleihen, welche die SNB hält, sind Staatsanleihen führender Industrieländer. Diese Staaten sind zwar wie auch die Unternehmen den vom Klimawandel und der abnehmenden Biodiversität ausgehenden Risiken ausgesetzt. Bis anhin gibt es jedoch keine Anzeichen, dass spezifische, nicht bereits in die Bonitätseinschätzungen einfliessende Klima-Risiken die Zahlungsfähigkeit einzelner führender Industrieländer im relevanten Zeitraum (nämlich der Laufzeit der Anleihen) signifikant beeinträchtigen. Bei den anderen Anleihen (insbesondere bei den Unternehmensanleihen) nimmt das Portfoliomanagement der SNB eine Bonitätsbeurteilung vor, die alle finanziellen Risiken und somit u.a. auch Klimarisiken beinhaltet. Bei der Bonitätsbeurteilung stützt sich die SNB unter anderem auf die führenden Rating Agenturen ab. In Zusammenhang mit den Ratings findet derzeit bei den Zentralbanken und dem NGFS eine Diskussion statt, ob diese die Klimarisiken ausreichend berücksichtigen. Die Abschätzung der Risiken, die mit einem Verlust der Biodiversität verbunden sein könnten, ist noch sehr unklar und derzeit noch nicht quantifizierbar.</p><p>Zu 3: Die SNB weist die Höhe der allfälligen klima- und biodiversitätsbedingten finanziellen Risiken nicht separat aus, wie sie dies auch nicht für Cyberrisiken, Pandemierisiken etc. tut. Die grössten Risiken der SNB sind die Wechselkursrisiken, die sie nicht absichern kann. Mit ihrem Ansatz der breiten Diversifizierung (Aktien) und der hohen Bonität (Anleihen) minimiert die SNB ihre Risiken.</p>  Antwort des Bundesrates.