Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Mai 2017 (720 16 337) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Schlüssigkeit eines externen Verwaltungsgutachtens bejaht. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Adv o- kat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1969 geborene A.____ hat ursprünglich eine D etailhandelsverkaufslehre abge- schlossen. Im Jahre 1996 absolvierte er zudem erfol greich eine Elektrikerlehre. Wegen unfall- bedingter Rückenschmerzen arbeitete er jedoch nicht als Elektriker, sondern bildete sich in der Folge selbständig zum Informatiker aus. Von Oktober 1998 bis Ende April 2010 war der Versi- cherte bei der B.____ AG in Basel als Informatiker tätig. Anschliessend bezog er Taggelder der Arbeitslosenversicherung. Seit November 2011 ist er auf Sozialhilfe angewiesen. Am 9. September 2014 meldete sich A.____ unter Hinweis auf Rückenbeschwerden, eine Throm- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bose mit starken Schmerzen im linken Bein sowie eine Migr äne zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhäl tnisse, namentlich nach Einholung ei- nes polydisziplinären Gutachtens des C.____ vom 11. April 2016, lehnte die IV-Stelle den Ren- tenanspruch mit Verfügung vom 5. September 2016 mit der Begründung ab, dass keine Diag- nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege n würden. Der Versicherte sei für eine körperlich leichte bis selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit vollständig arbeitsfähig. B. Hiergegen erhob der Versicherte am 5. Oktober 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherung srecht (Kantonsgericht). Er bean- tragte, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verf ügung eine ganze IV-Rente zuzuspre- chen, eventualiter sei die Angelegenheit an die IV-S telle zur ergänzenden Abklärung zurückzu- weisen, alles unter o/e-Kostenfolge. Er könne der angef ochtenen Verfügung nicht entnehmen, weshalb er eine seinen Leiden angepasste Verweistätigkeit vollzeitlich ausüben könne. Seine körperlichen Beschwerden hätten bereits vorgelegen, als er noch für die B.____ AG gearbeitet habe. Da die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit jedoch noch nicht derart gross gewesen sei, sei ihm seine Arbeitgeberin dahingehend entgegen geko mmen, dass er statt 100% nur 80% habe erwerbstätig sein können. Wegen seines Rückenleiden s sei es ihm nicht mehr möglich, mehrere Stunden am Stück in sitzender Zwangshaltung vor dem Bildschirm zu verbringen. In seiner angestammten Tätigkeit sei dies aber zwingend no twendig. Er sehe sich nicht mehr in der Lage, in einem üblichen Pensum als IT-Fachmann zu a rbeiten. Welche sonstigen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten er sonst auszuüben in der Lage wäre, sei ihm schleierhaft. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 7. Dezem ber 2016 auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass aus den medizinischen Unterlagen hervorgehe, dass beim Versicherten nie eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Dieser sei sowohl in seiner angestammten Tätigkeit als In formatiker als auch in einer Ver- weistätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Diagnosen mit Auswir kungen auf die Arbeitsfähigkeit wür- den keine vorliegen. Somit sei das Wartejahr nicht erf üllt, weshalb sich ein Einkommensver- gleich erübrigen würde. D. Mit Replik vom 9. Februar 2017 beantragte der Besch werdeführer, mittlerweile vertreten durch Advokat Dr. Nicolas Roulet, es sei die Angelegenhe it in Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur ergänzenden Abklärung des Sachverhalts an d ie Beschwerdegegnerin zurück- zuweisen. Zusammenfassend machte er geltend, dass diverse bekl agte Beschwerden durch das C.____ nicht abschliessend beurteilt und untersucht w orden seien. Weder seien notwendi- ge bildgebende Untersuchungen noch ein eigentlich int erdisziplinäres Konsilium durchgeführt worden. Es trete hinzu, dass neuerdings der Beginn eines grauen Stars festgestellt worden sei. Weiter sei zu rügen, dass auf einen einlässlichen Einkommensvergleich verzichtet worden sei. E. Mit Duplik vom 21. Februar 2017 hielt die IV-Stell e unter Verweis eines Berichts ihres regionalärztlichen Dienstes (RAD) vom 17. Februar 2017 an der Abweisung der Beschwerde fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist soweit n otwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der B eschwerdeführer. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der an gefochtenen Verfügung vom 5. Sep- tember 2016 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Gren- ze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar beitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 hat die versicherte Person Anspr uch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad b estimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 2.5 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und i nsbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.6 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen un d danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung d es streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial z u würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere m edizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 2.7 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsp rechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiter en Hinweisen). Berichten versiche- rungsinterner medizinischer Fachpersonen und (Akten-)Beri chten von Sachverständigen, die nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt werde n, erkennt die Rechtsprechung ebenfalls Beweiswert zu. Es ist allerdings zu betonen, dass ihnen pr axisgemäss nicht dieselbe Beweis- kraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungs- träger in Auftrag gegebenen Gutachten zukommt (BGE 135 V 469 ff. mit Hinweis). 2.8 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschw erdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genüg t den Beweisanforderungen nicht (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweise n; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 451 Rz 43 ff.). 3.1 Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführe r Anspruch auf eine IV-Rente besitzt und in diesem Zusammenhang, wie hoch seine Restarbeitsfähigkeit ausfällt. Die IV-Stelle stütz- te sich bei der Beantwortung dieser Frage im Wesentlichen auf das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten des C.____ vom 11. April 2016. Darin diagnostizierte die Ärzteschaft des C.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumb ospondylogenes Schmerzsyndrom und ein intermittierendes radikuläres Reizsyndrom S1 link s, eine mediale Meniskusläsion recht sowie ein postthrombotisches Syndrom über drei Etagen li nks. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfä- higkeit seien eine leichte depressive Episode, eine chro nische Schmerzstörung mit somati- schen und psychischen Faktoren, eine Störung durch Alkohol mit schädlichem Gebrauch, ein Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom bei behinderter Na senatmung sowie anamnestisch atta- ckenartig auftretende Armschmerzen beidseits mit Betonung der proximalen Unterarme unkla- rer Spezialität zu erheben. Der Gesamtbeurteilung des G utachtens zufolge sei die Konklusion durch einen interdisziplinären Konsens mit den einzelnen Untersuchern erarbeitet worden. Im Vordergrund der Exploration seien die angegebenen Rü cken- und Gelenkschmerzen gestan- den. Bei der rheumatologischen Untersuchung seien ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei linksseitiger Diskushernie L5/S1 sowie Kn ieschmerzen rechts bei media- ler Meniskusläsion und Status nach Kreuzbandrekonstruktion d iagnostiziert worden. Die weite- ren Gelenkschmerzen, insbesondere die Armschmerzen, könnt en vom Bewegungsapparat her nicht erklärt werden. Körperlich leichte Tätigkeiten seien uneingeschränkt möglich. Bei der neu- rologischen Untersuchung sei ein leichtes residuelles se nsibles radikuläres Ausfallsyndrom S1 diagnostiziert worden. Weiter leide der Explorand an einer Migräne ohne Aura. Wegen der an- gegebenen Atemstörung sei eine Pulsoxymetrie durchgefüh rt worden. Diese zeige möglicher- weise ein leichtes Schlafapnoesyndrom bei behinderter Nasenatmung. Die neurologischen Be- funde bewirkten an sich keine Einschränkung der Arbeitsf ähigkeit. Insbesondere bestehe keine Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistungseinschränkung gegenüber der rheumatologischen B eurteilung. Die Migräne und das mögliche Schlafapnoesyndrom seien bei stärkerer Symptoma tik behandelbar und wirkten sich deshalb nicht auf die Arbeitsfähigkeit des Versichert en aus. Die angegebenen Schmerzen im linken Bein könnten angiologisch nicht erklärt werden. Fü r körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bei der all- gemeininternistischen Untersuchung seien keine weiteren pathologischen Befunde erhoben worden. Auch die Laborwerte seien in Normbereich gewese n. Der etwas erhöhte Kreatininwert sei unspezifisch und habe keinen Krankheitswert. Aus allge meininternistischer Sicht sei die Ar- beitsfähigkeit des Exploranden nicht eingeschränkt. Bei der psychiatrischen Untersuchung sei eine leichte depressive Episode diagnostiziert worden. Zu dem bestehe eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Die se erkläre die Beschwerden, welche bei den somatischen Untersuchungen nicht ausreichend hätten objektiviert werden kön- nen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung d er Arbeitsfähigkeit. Zusammen- gefasst sei der Explorand aus polydisziplinärer Sicht für ei ne körperlich leichte bis selten mittel- schwere, wechselbelastende Tätigkeit zu 100% arbeits- u nd leistungsfähig. Aufgrund der anamnestischen Angaben, der eigenen Untersuchungsbefu nde, der vorliegenden Dokumente sowie aufgrund der früher attestierten Arbeitsunfähig keiten sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit für körperlich angepasste Tätigkeiten i n den letzten Jahren nicht länger andau- ernd höhergradig eingeschränkt gewesen sei. In den let zten Jahren der Erwerbstätigkeit des Exploranden habe die körperliche Belastung dem nunmehr attestierten Belastbarkeitsprofil ent- sprochen. Von Seiten des Bewegungsapparates her stimme d ie eigene Beurteilung mit derjeni- gen der Klinik D.____ überein. Aus neurologischer Sicht lägen keine aktuellen Beurteilungen vor. In den übrigen Akten würden keine abweichenden Be funde genannt. Aus angiologischer Sicht bestehe Übereinstimmung mit den Angaben der Angi ologie am Universitätsspital Basel. Auch aus allgemeinmedizinischer Sicht bestünden keine Di skrepanzen zu den Befunden und Diagnosen. Der Hausarzt gebe eine gesamtheitlich einge schränkte Arbeitsfähigkeit unter Ein- bezug sämtlicher Beschwerden und der psychosozialen Situation an. Eine genaue medizinische Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit gebe er aber nicht an, sondern schlage eine Abklärung vor. Aus psychiatrischer Sicht lägen schliesslich keine anderen fachärztlichen Beurteilungen vor. 3.2 Das zitierte C.____-Gutachten vom 11. April 2016 e rgibt ein insgesamt schlüssiges und kongruentes Bild betreffend die gesundheitliche Ve rfassung des Beschwerdeführers und erfüllt alle rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein beweiskräftiges Verwaltungs- gutachten. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 2.7 f. hiervor), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, die aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das fragliche Gutach- ten des C.____ weist weder formale noch inhaltliche Män gel auf. Es ist - wie dies vom Bundes- gericht verlangt wird - für die streitigen Belange um fassend, beruht auf allseitigen Untersuchun- gen, berücksichtigt alle geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis aller relevanten Vorakten abgegeben worden. Ebenso leuchtet es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, se tzt sich mit den übrigen ärztlichen Ein- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schätzungen auseinander und ist letztlich auch in seinen Schlussfolgerungen überzeugend. Die Gutachter des C.____ nehmen insbesondere eine nachvollzie hbare Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit des Versicherten vor und kommen nachvollziehbar z um Schluss, dass der Versicherte aus polydisziplinärer Sicht für eine körperlich leichte bis selten mittelschwere, wechselbelasten- de Tätigkeit vollständig arbeitsfähig ist und dieses Be lastbarkeitsprofil in den letzten Jahren der körperlichen Belastung bereits seiner früheren Erwerbstä tigkeit als Informatiker entsprochen hat. 3.3 Der Beschwerdeführer bringt verschiedene Einwände gegen das C.____-Gutachten vor. Er wendet zunächst ein, dass keine inhaltliche Konse nsbeurteilung stattgefunden habe. Entgegen dieser Auffassung ist dem C.____-Gutachten jed och explizit zu entnehmen, dass die Konklusion des Gutachtens durch einen interdisziplinären Konsensus mit den unterzeichnenden Begutachtern erarbeitet worden ist (vgl. a.a.O., S. 2 6, ad Ziffer 6). Der entsprechende Konsens zwischen den beteiligten Gutachtern besteht darin, dass j eweils die einzelnen fachspezifischen Beurteilungen massgebend sind. Der Umstand, dass keine e rschwerenden Interferenzen aus- zumachen sind, liegt den schlüssig begründeten Teilbegut achtungen zufolge darin begründet, dass mit Blick auf eine leichte bis selten mittelschwere Ve rweistätigkeit in keiner der untersuch- ten Disziplinen eine Einschränkung in der Arbeitsfähigke it erhoben werden konnte. Ohnehin ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass eine B eweiswürdigung, welche den ein- zelnen Teilkonsilien vollen Beweiswert zuerkennt, nicht allein deshalb als rechtswidrig einge- stuft werden könnte, nur weil einer allfälligen Schlussbeurteilung die Beweiskraft fehlt (Urteil des Bundesgerichts vom 21. März 2017, 8C_747/2016, E. 2.2.4 mit Hinweis). Der Beschwerdefüh- rer beanstandet sodann, dass in neurologischer Hinsicht au f bildgebende Befunde aus dem Jahr 2013 abgestellt und auf neue Untersuchungen verzich tet worden sei. Es ist darauf hinzu- weisen, dass aus den zur Verfügung gestandenen medizinische n Akten (zitiert im C.____- Gutachten, S. 2 ff.) keine Verschlechterung der gesundh eitlichen Verhältnisse ersichtlich ist. Im Gegenteil ist festzustellen, dass es seit 2005 zu einer vo llständigen Rückbildung der sensomo- torischen Ausfallsymptomatik gekommen ist und sich aktuell b ei gut erhaltener Trophik keine relevanten Paresen mehr finden lassen (vgl. C.____-Guta chten, S. 22, ad Ziffer 4.3.4). Zumal im Bericht der E.____ vom 17. Mai 2013 (IV-Dok 50, S. 40) eine nur geringgradige Foraminalei- nengung erhoben werden konnte (so auch C.____-Gutachten , S. 4), erweisen sich weiterge- hende bildgebende Untersuchungen daher als nicht notwendig. Es kann an dieser Stelle auf die Einschätzung der behandelnden Ärzte hingewiesen werden, wonach sich in Bezug auf die Rückenbeschwerden im Vergleich zur Vordokumentation eine Besserung gezeigt habe, wes- halb auf eine erneute Bildgebung verzichtet worden sei (IV-Dok 46, S. 8 a. E.). Nichts anderes gilt in Bezug auf den Einwand, die Tagesmüdigkeit des Beschwerdeführers erweise sich als weiter abklärungsbedürftig. Nachdem ein schwergradiges Schlafapnoesyndrom anlässlich der vom C.____ durchgeführten Pulsoxymetrie ausgeschlossen werden konnte (C.____-Gutachten, S. 23), ist – wie der Beschwerdeführer selbst vorbringe n lässt – nachvollziehbar, dass auch diesbezüglich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit re sultieren kann. Gleich verhält es sich hinsichtlich der geklagten Migräne-Attacken, da die ther apeutischen Optionen diesbezüglich offensichtlich weder ausgeschöpft noch überhaupt je ang egangen worden sind (C.____- Gutachten S. 22 f.). Soweit der Beschwerdeführer in di esem Zusammenhang erneut geltend macht, dass es in Bezug auf die neurologische Klinik an ko nsiliarischen Überlegungen fehle, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht inwiefern diese Leiden insgesamt doch einen Einfluss auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hätten, kann auf das oben Gesagte verwiesen werden: Dem Gutachten lassen sich trotz nach- weisbarer Konsenskonferenz keine erschwerenden Interfere nzen entnehmen. Damit muss es sein Bewenden haben. Allfällige Zweifel oder gar Wid ersprüche, dass die gesundheitlichen Verhältnisse unvollständig oder gar falsch erhoben word en wären, sind dem strittigen C.____- Gutachten jedenfalls keine zu entnehmen. Dieses deckt sich in seinen Schlussfolgerungen vielmehr mit den Vorakten, wonach die behandelnden Är zte eine Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit bezüglich des lumboradikulären Schmerzsyndroms ebenfalls ausgeschlossen haben (IV- Dok 46, S. 2f). Es kann in dieser Hinsicht auf die ergän zenden Bemerkungen vom 14. Juli 2015 verwiesen werden, wonach die berufliche Tätigkeit als In formatiker wieder aufgenommen wer- den kann (IV-Dok 46, S. 4, ad Ziffer 1.11; ebenso IV-Dok 44, S. 3). Was schliesslich das Augen- leiden des Versicherten betrifft, ist festzuhalten, dass gemäss dem nachvollziehbar begründe- ten Bericht des RAD vom 17. Februar 2017 am beginnend katarakten Auge eine Korrektur mög- lich ist, die weiterhin eine normale Sehleistung ermög licht (Beilage zur Duplik der IV-Stelle vom 21. Februar 2017). 3.4 Was die psychiatrischen Beschwerden betrifft, ist zunäc hst klarzustellen, dass die von den Gutachtern des C.____ diagnostizierte leichte depressi ve Episode keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden zu bewirken vermag (BGE 131 V 49 E. 1 .2). Was sodann die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychisch en Faktoren betrifft, ist fest- zuhalten, dass diese unter die bundesgerichtliche Rechts prechung zur somatoformen Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden f ällt. Gemäss Leitentscheid 141 V 281 ff. ist daher in einem strukturierten Bewei sverfahren das tatsächliche Leistungsver- mögen der versicherten Person ergebnisoffen und einzelf allgerecht zu bewerten. Das Bundes- gericht hat zu diesem Zweck einen Katalog von Indikatoren umschrieben, anhand welcher eine ergebnisoffene, symmetrische Beurteilung des tatsächlich e rreichbaren Leistungsvermögens erfolgen soll. Diese neue Praxis ist ex nunc anwendbar. Bereits getroffene Abklärungen und bereits erstellte Gutachten verlieren aber nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob die vorhandenen Abklärungen genügen, um eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen neuen Indikatoren vornehmen zu können. Dies trifft vorliegend zu. Die Prüfung der massgebenden Standard-Indikatoren ist weder bestritten noch seitens des Be- schwerdeführers in Frage gestellt worden. Sie beruht au f einer umfassenden Anamnese (vgl. C.____-Gutachten vom 11. April 2016, S. 9 ff.) und beinhaltet hinsichtlich ihrer Symptome, des Krankheitsverlaufs und ihren Auswirkungen auf den All tag des Versicherten eine nachvoll- ziehbare Bewertung der erhobenen Diagnosen (vgl. a.a.O ., S. 12 ff.). Weder leidet der Be- schwerdeführer an einer schweren psychischen oder somatisch en Komorbidität, noch besteht ein aggravatorisches Verhalten. Seine Ich-Funktionen sind allesamt unauffällig. Auch wenn er nur noch wenige Kontakte zu Kollegen zu pflegen scheint, ist andererseits festzustellen, dass er täglich seine Eltern besucht und an den Wochenenden zuw eilen von seinem Patenkind Besuch erhält. Von seinem sozialen Umfeld geht somit zweifello s noch immer eine gewisse Stütze aus. Aufgrund der Indikatoren ist eine gewisse Einschränkung der Leistungsfähigkeit sicherlich plau- sibel, ebenso sind aber weiterhin beträchtliche Restre ssourcen erkennbar, welche auch im Rahmen des Erwerbslebens verwertbar sind. Obschon die gut achterliche Konsistenzprüfung insgesamt nur summarisch ausgefallen ist (IV-Dok 65, S 2), bestehen bei dieser Sachlage keine Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinweise, dass es dem Versicherten mit Blick auf die rechtspr echungsgemässen Standardindi- katoren nicht möglich wäre, einer leichten bis selten m ittelschweren Verweistätigkeit wie jener seiner vormaligen Beschäftigung als Informatiker nachzugehen. 4. Da der Beschwerdeführer nicht nur in einer leichte n bis selten mittelschweren Ver- weistätigkeit vollständig arbeitsfähig ist, sondern auch in seiner angestammten Tätigkeit als Informatiker nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschrä nkt war (vgl. oben, Erwägung 3.2 a. E.), vermag er die in Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG für einen Rentenanspruch erforderliche Voraussetzung des Wartejahres nicht zu erfüllen. Damit erübrigt sich e ine Auseinandersetzung mit den weite- ren für einen Rentenanspruch erforderlichen Voraussetzu ngen (vgl. oben, Erwägung 2.1). Auf die Vornahme eines Einkommensvergleichs kann daher verzicht et werden. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. 5. Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm aufzuerlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun allerdings mit Verfügung vom 20. Oktober 2016 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 5.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 20. Ok tober 2016 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühun- gen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die An- wältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbei- ständung Fr. 200.— pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Ho- norarnote vom 28. März 2017 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 8 Stunden und 25 Minuten geltend gemacht, was sich umfa ngmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 298. 10. Dem Rechtsvertreter ist des- halb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘139.95 (8 St unden und 25 Minuten à Fr. 200.— zuzüg- lich Auslagen von Fr. 298.10 und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 5.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufme rksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.— werd en dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘139.95 (inkl. 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gericht skasse ausge- richtet.