<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 120 S.503</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">503</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>120 Prüfung und Verfügung der Ausweisung vor Entlassung aus dem</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Strafvollzug</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Fremdenpolizei darf die Ausweisung eines straffällig gewordenen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ausländers prüfen, auch wenn die Entlassung aus dem Strafvollzug</b></span><br/> <span class="ft2"><b>frühestens in einem Jahr möglich ist (Erw. II/2b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 28. April</span><br/> <span class="ft3">2000 in Sachen L.G. gegen einen Entscheid der Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft3">(BE.1999.00100). Bestätigt durch den unveröffentlichten Entscheid des Bun-</span><br/> <span class="ft3">desgerichts vom 17. November 2000 (2A.287/2000).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Der Beschwerdeführer reiste als 16-Jähriger am 1. Oktober</span><br/> <span class="ft1">1989 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und</span><br/> <span class="ft1">wurde in die Niederlassungsbewilligung seines Vaters einbezogen.</span><br/> <span class="ft1">Zwischen Januar 1994 und Juni 1994 wurde er straffällig. Nachdem</span><br/> <span class="ft1">das Bundesgericht auf Nichtigkeitsbeschwerde hin das Urteil des</span><br/> <span class="ft1">Obergerichtes des Kantons Aargau vom 28. April 1998 aufgehoben</span><br/> <span class="ft1">hatte, fällte dieses am 28. Januar 1999 ein neues Urteil und bestrafte</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer wegen qualifizierter Widerhandlung gegen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">504</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Ziff. 1 und Ziff. 2 lit. a</span><br/> <span class="ft1">und b sowie wegen versuchten Erwerbes von Falschgeld mit einer</span><br/> <span class="ft1">Zuchthausstrafe von 2 ½ Jahren, einer Busse von CHF 1'500.-- sowie</span><br/> <span class="ft1">mit 7 Jahren Landesverweisung, letztere bedingt ausgesprochen mit</span><br/> <span class="ft1">einer Probezeit von 3 Jahren.</span><br/> <span class="ft1">Am 29. Juli 1999 setzte die Sektion Straf- und Massnahmen-</span><br/> <span class="ft1">vollzug des Departements des Innern des Kantons Aargau den Straf-</span><br/> <span class="ft1">antritt auf den 11. Januar 2000 fest. Eine bedingte Entlassung kann</span><br/> <span class="ft1">rechnerisch frühestens am 26. Mai 2001 erfolgen.</span><br/> <span class="ft1">Am 22. Oktober 1999 verfügte die Fremdenpolizei auf den</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der Haftentlassung die Ausweisung des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">aus der Schweiz auf unbestimmte Zeit.</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 28.</span><br/> <span class="ft1">Oktober 1999 Einsprache. Am 24. November 1999 wies der Rechts-</span><br/> <span class="ft1">dienst der Fremdenpolizei Einsprache.</span><br/> <span class="ft1">C. Mit Eingabe vom 13. Dezember 1999 erhob der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer beim Rekursgericht Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 1. Gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) vom 26. März</span><br/> <span class="ft1">1931 kann ein Ausländer aus der Schweiz ausgewiesen werden,</span><br/> <span class="ft1">wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft</span><br/> <span class="ft1">wurde. Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Obergerichts des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau vom 28. Januar 1999 zu einer Zuchthausstrafe von 2</span><br/> <span class="ft1">½ Jahren verurteilt. Damit ist der Ausweisungsgrund von Art. 10</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. a ANAG erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">2.a) Gemäss Art. 11 Abs. 3 ANAG darf eine Ausweisung nur</span><br/> <span class="ft1">ausgesprochen werden, wenn sie nach den gesamten Umständen</span><br/> <span class="ft1">angemessen erscheint, d.h. verhältnismässig ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">505</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) aa) Der Beschwerdeführer macht vorab geltend, die Auswei-</span><br/> <span class="ft1">sung werde erst bei der Entlassung aus dem Strafvollzug wirksam,</span><br/> <span class="ft1">d.h. frühestens im Mai 2001. Ob eine Ausweisung dann noch not-</span><br/> <span class="ft1">wendig und verhältnismässig sei, müsse nach den tatsächlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnissen im Zeitpunkt der Entlassung beurteilt werden. Diese Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnisse seien heute noch nicht absehbar. Massgebende Veränderun-</span><br/> <span class="ft1">gen, einerseits in den persönlichen Verhältnissen des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers wie z.B. Heirat, schwere Krankheit, etc., andererseits hinsicht-</span><br/> <span class="ft1">lich der politischen Verhältnisse in seinem Heimatland, seien nicht</span><br/> <span class="ft1">auszuschliessen. Auch seien der Führungsbericht und der Entscheid</span><br/> <span class="ft1">über die bedingte Entlassung erst im Mai 2001 verfügbar.</span><br/> <span class="ft1">bb) Art. 14 Abs. 8 der Vollziehungsverordnung zum Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">setz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAV) vom</span><br/> <span class="ft1">1. März 1949 legt fest: "Wird der Ausländer in ein Untersuchungsge-</span><br/> <span class="ft1">fängnis oder in eine Straf-, Verwahrungs-, Arbeitserziehungs- oder</span><br/> <span class="ft1">Trinkerheilanstalt eingewiesen oder muss er in einer Heil- oder Pfle-</span><br/> <span class="ft1">geanstalt untergebracht werden, sei es im Bewilligungskanton oder</span><br/> <span class="ft1">in einem anderen Kanton, so gilt die bisherige Bewilligung ohne</span><br/> <span class="ft1">weiteres als wenigstens bis zu seiner Entlassung fortbestehend; der</span><br/> <span class="ft1">Bewilligungskanton hat darauf zu achten, dass rechtzeitig die Er-</span><br/> <span class="ft1">neuerung der Ausweispapiere nachgesucht wird, und hat gegebenen-</span><br/> <span class="ft1">falls das Anwesenheitsverhältnis des Ausländers nach der Entlassung</span><br/> <span class="ft1">neu zu ordnen. Ausweisungs- und Heimschaffungsverfügungen blei-</span><br/> <span class="ft1">ben vorbehalten, werden aber frühestens mit der Entlassung wirk-</span><br/> <span class="ft1">sam."</span><br/> <span class="ft1">Die Bestimmung sagt nicht, der Bewilligungskanton habe <b>nach</b></span><br/> <span class="ft1">der Entlassung das Anwesenheitsverhältnis des Ausländers neu zu</span><br/> <span class="ft1">ordnen, sondern der Bewilligungskanton habe das Anwesenheitsver-</span><br/> <span class="ft1">hältnis des Ausländers nach der Entlassung <b>neu</b> zu ordnen. Schon</span><br/> <span class="ft1">aus dem Wortlaut der Bestimmung geht hervor, dass die Neuordnung</span><br/> <span class="ft1">des Anwesenheitsverhältnisses vor der Entlassung erfolgen darf be-</span><br/> <span class="ft1">ziehungsweise soll. Indem Art. 14 Abs. 8 ANAV zudem Auswei-</span><br/> <span class="ft1">sungsverfügungen einerseits ausdrücklich vorbehält, andererseits</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">506</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">deren Wirksamkeit erst mit der Entlassung aus der Anstalt eintreten</span><br/> <span class="ft1">lässt, setzt die Norm voraus, dass eine Ausweisung auch vor der</span><br/> <span class="ft1">Entlassung verfügt werden kann. Diese Regelung entspricht denn</span><br/> <span class="ft1">auch dem praktischen Bedürfnis, auf den Zeitpunkt der Entlassung</span><br/> <span class="ft1">eine klare Situation über den ausländerrechtlichen Status des Inhaf-</span><br/> <span class="ft1">tierten herbeizuführen. Darum wird ausdrücklich bestimmt, die Neu-</span><br/> <span class="ft1">ordnung des Anwesenheitsverhältnisses solle rechtzeitig erfolgen.</span><br/> <span class="ft1">cc) "Rechtzeitig" belässt der zuständigen Behörde ein Ermessen</span><br/> <span class="ft1">in zeitlicher Hinsicht. Dass dieses Ermessen vorliegend überschritten</span><br/> <span class="ft1">worden wäre, trifft entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">nicht zu.</span><br/> <span class="ft1">dd) Was das vom Beschwerdeführer angeführte Beispiel der</span><br/> <span class="ft1">möglichen schweren Krankheit anbelangt, könnte ein solcher Um-</span><br/> <span class="ft1">stand auch dann nach einem Ausweisungsentscheid eintreten, wenn</span><br/> <span class="ft1">der Entscheid erst ein oder zwei Monate vor der Entlassung gefällt</span><br/> <span class="ft1">würde. Solange ein künftiger Umstand ungewiss ist, kann er nicht</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigt werden, unabhängig davon, wann ein Entscheid ge-</span><br/> <span class="ft1">troffen wird. Sollte ein künftiger Umstand in den persönlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnissen des Beschwerdeführers dem Vollzug eines Ausweisungs-</span><br/> <span class="ft1">entscheides entgegenstehen, wäre das im Zeitpunkt des Vollzuges im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der gesetzlichen Ordnung zu berücksichtigen. Das gilt auch</span><br/> <span class="ft1">für die vom Beschwerdeführer erwähnten möglichen Änderungen</span><br/> <span class="ft1">der politischen Situation in seiner Heimat; es kann diesbezüglich auf</span><br/> <span class="ft1">die Regelung von Art. 14a ANAG über die Folgen eines nicht mögli-</span><br/> <span class="ft1">chen, nicht zulässigen oder nicht zumutbaren Vollzuges einer Aus-</span><br/> <span class="ft1">weisung verwiesen werden.</span><br/> <span class="ft1">ee) Im Übrigen zielt die Einwendung des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">darauf, ein allfälliges Wohlverhalten während des Strafvollzuges in</span><br/> <span class="ft1">die Prüfung, ob eine Ausweisung verhältnismässig sei, einzubezie-</span><br/> <span class="ft1">hen. Die Fremdenpolizeibehörden sind jedoch nicht verpflichtet,</span><br/> <span class="ft1">aufgrund guten Verhaltens im Strafvollzug Anwesenheitsbewilligun-</span><br/> <span class="ft1">gen zu erteilen (Ziff. 838.2 der Weisungen des Bundesamtes für</span><br/> <span class="ft1">Ausländerfragen). Das Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">507</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dass eine bedingte Entlassung zufolge von Bewährung im Strafvoll-</span><br/> <span class="ft1">zug im Hinblick auf die angestrebte Resozialisierung gewisse Unsi-</span><br/> <span class="ft1">cherheiten in Kauf nehme; aus fremdenpolizeilicher Sicht dürfen</span><br/> <span class="ft1">jedoch strengere Massstäbe angesetzt und einem Wohlverhalten in</span><br/> <span class="ft1">Unfreiheit geringere Bedeutung zugemessen werden (BGE 114 Ib 1,</span><br/> <span class="ft1">E. 3b S. 5). Auch das Rekursgericht geht in seiner Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">davon aus, dass selbst hervorragendes Verhalten im Strafvollzug</span><br/> <span class="ft1">nicht speziell positiv zu werten ist, da dies grundsätzlich und generell</span><br/> <span class="ft1">erwartet wird (z.B. Entscheid des Rekursgerichtes vom 13. August</span><br/> <span class="ft1">1999 in Sachen B.A., BE.99.00054, E. 3b S. 6).</span><br/> <span class="ft1">Es würde denn auch zu einer ungerechtfertigten Privilegierung</span><br/> <span class="ft1">von straffälligen Personen führen, die zu einer unbedingt zu vollzie-</span><br/> <span class="ft1">henden Strafe verurteilt wurden, gegenüber solchen, deren Strafe</span><br/> <span class="ft1">infolge eines bedingten Strafvollzugs nicht vollzogen wird, da erste-</span><br/> <span class="ft1">ren während des Strafvollzugs eine Bewährungschance gewährt</span><br/> <span class="ft1">würde, die letzteren nicht zukommen kann, weil ihre Ausweisung</span><br/> <span class="ft1">ohne durch den Strafvollzug verursachten zeitlichen Verzug und</span><br/> <span class="ft1">damit verbundener Bewährungsmöglichkeit vorgenommen wird.</span><br/> <span class="ft1">Dasselbe gilt im Hinblick auf strafrechtlich unbescholtene Personen,</span><br/> <span class="ft1">die aufgrund der anderen Ausweisungstatbestände die Schweiz zu</span><br/> <span class="ft1">verlassen haben. Auch für sie besteht keine Möglichkeit, mittels</span><br/> <span class="ft1">persönlicher Bewährung ihre Ausweisung abzuwenden.</span><br/> <span class="ft1">ff) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz trotz</span><br/> <span class="ft1">des bevorstehenden beziehungsweise inzwischen angetretenen Straf-</span><br/> <span class="ft1">vollzuges des Beschwerdeführers mit frühest möglicher bedingter</span><br/> <span class="ft1">Entlassung im Mai 2001 die Frage der Ausweisung prüfen durfte.</span><br/></div> </div> </body> </html>