<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 114 S.424</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">424</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>114 Amateurfunk-Empfangsantenne.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Baubewilligungspflicht (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Belastung durch nichtionisierende Strahlung (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Quartier- und Ortsbildverträglichkeit (Erw. 4).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Grenzabstand (Erw. 5).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 10. Januar 2007 i.S. T.H. ge-</span><br/> <span class="ft3">gen den Entscheid des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt/Gemeinde-</span><br/> <span class="ft3">rates R.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Beschwerdegegenstand</span><br/> <span class="ft1">T.H., Rufzeichen HB9..., Inhaber einer Amateurfunkkonzession</span><br/> <span class="ft1">(CEPT cl. 1) des Bundesamtes für Kommunikation, die ihm den</span><br/> <span class="ft1">Betrieb von Anlagen mit Sendeleistungen bis 1'000 Watt gestattet,</span><br/> <span class="ft1">betreibt in seinem Reiheneinfamilienhaus an der S.-gasse x in R. eine</span><br/> <span class="ft1">Amateurfunkstation. (...) Als Empfangsantenne hat er ohne Baube-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">425</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">willigung im Garten seiner Liegenschaft und in rund 10 m Entfer-</span><br/> <span class="ft1">nung von der vier Häuser umfassenden Reihenhauszeile S.-gasse y-z</span><br/> <span class="ft1">eine weitere Antenne aufgestellt. Diese im bisherigen Verfahren</span><br/> <span class="ft1">zwecks Unterscheidung von der Dachantenne als Gartenantenne be-</span><br/> <span class="ft1">zeichnete Einrichtung, welche einzig Gegenstand des Verfahrens vor</span><br/> <span class="ft1">dem Regierungsrat bildet, dient ausschliesslich als Empfangsantenne.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer und der Vertreter der kantonalen Fachstelle</span><br/> <span class="ft1">für nichtionisierende Strahlung (NIS) versicherten anlässlich der</span><br/> <span class="ft1">Augenscheinsverhandlung, dass diese Gartenantenne entsprechend</span><br/> <span class="ft1">dem Baugesuch ausschliesslich als reine Empfangsantenne dient und</span><br/> <span class="ft1">sich nicht als Sendeantenne eignet, weshalb entgegen den</span><br/> <span class="ft1">Befürchtungen der Nachbarschaft eine Sendenutzung aus techni-</span><br/> <span class="ft1">schen Gründen ausgeschlossen ist (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Entscheid zu beurteilen ist somit lediglich die</span><br/> <span class="ft1">Bewilligungsfähigkeit der strahlungsfreien reinen Empfangsantenne</span><br/> <span class="ft1">im Garten. Diese GAP-Vertikalantenne vom Typ "Titan" eignet sich</span><br/> <span class="ft1">für die Bänder 10 m bis 80 m. Sie ist gemäss am 3. Mai 2006 (Post-</span><br/> <span class="ft1">eingang) nachgereichtem Baugesuchsplan an einem rund 2 m hohen</span><br/> <span class="ft1">Metallrohr montiert und 7 m hoch. Die gesamte Höhe der Anlage</span><br/> <span class="ft1">vom gewachsenen Boden bis zur Antennenspitze beträgt bei der ge-</span><br/> <span class="ft1">planten Montage wegen der Überlappung von Antenne und Mast</span><br/> <span class="ft1">nicht ganz 9 m (vgl. ...). Die Dicke des vertikalen Antennenstabes</span><br/> <span class="ft1">aus Leichtmetall beträgt 38 mm und nimmt gegen oben auf 35 mm</span><br/> <span class="ft1">leicht ab. In der Mitte der Antenne sind in geringem Abstand verti-</span><br/> <span class="ft1">kale Gegengewichte in Form von dünnen Stäben angebracht, welche</span><br/> <span class="ft1">die Antenne in diesem Bereich etwas breiter erscheinen lassen. Am</span><br/> <span class="ft1">unteren Ende der Antenne, d.h. rund 2 m über Grund, befinden sich</span><br/> <span class="ft1">ferner vier kreuzförmig montierte, stabförmige, horizontale Gegen-</span><br/> <span class="ft1">gewichte mit umlaufendem Kabel, deren Ausladung je rund 2 m be-</span><br/> <span class="ft1">trägt. An dieser Stelle weist die Antenne somit eine maximale Breite</span><br/> <span class="ft1">von rund 4 m auf (vgl. ...). Das Antennenkabel soll erdverlegt zum</span><br/> <span class="ft1">Haus geführt werden. Der anlässlich der Augenscheinsverhandlung</span><br/> <span class="ft1">gemessene Grenzabstand zu den benachbarten Parzellen der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegner beträgt zwischen 1.93 m und 2.84 m (vgl. ...).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">426</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2. Baubewilligungspflicht</span><br/> <span class="ft1">Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gelten als "Bauten</span><br/> <span class="ft1">und Anlagen" mindestens jene künstlich geschaffenen und auf Dauer</span><br/> <span class="ft1">angelegten Einrichtungen, die in bestimmter fester Beziehung zum</span><br/> <span class="ft1">Erdboden stehen und die Nutzungsordnung zu beeinflussen vermö-</span><br/> <span class="ft1">gen, weil sie entweder den Raum äusserlich erheblich verändern, die</span><br/> <span class="ft1">Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen. Ausschlag-</span><br/> <span class="ft1">gebend für die Bejahung der Bewilligungspflicht ist die räumliche</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung eines Vorhabens insgesamt. Die Baubewilligungspflicht</span><br/> <span class="ft1">soll der Behörde die Möglichkeit verschaffen, das Bauprojekt vor</span><br/> <span class="ft1">seiner Ausführung auf die Übereinstimmung mit dem öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht zu überprüfen. Mass-</span><br/> <span class="ft1">stab dafür, ob eine Massnahme erheblich genug ist, um sie dem Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligungsverfahren zu unterwerfen, ist daher, ob damit im Allge-</span><br/> <span class="ft1">meinen, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, so wichtige räum-</span><br/> <span class="ft1">liche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit</span><br/> <span class="ft1">oder der Nachbarschaft an einer vorgängigen Kontrolle besteht (vgl.</span><br/> <span class="ft1">zum Ganzen: BGE 119 Ib 226 f., 113 Ib 315 f. E 2b; RRB Nr. ...;</span><br/> <span class="ft1">EJPD/BRP, Erläuterungen zum Bundesgesetz über die Raumplanung,</span><br/> <span class="ft1">Bern 1981, S. 271 ff.; Erich Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aar-</span><br/> <span class="ft1">gau vom 2. Februar 1971, 2. Auflage, Aarau 1985, N 2 zu § 150).</span><br/> <span class="ft1">Bei der strittigen Garten-Empfangsantenne handelt es sich um</span><br/> <span class="ft1">ein künstlich hergestelltes und mit dem Boden mittels Schrauben fest</span><br/> <span class="ft1">verbundenes Objekt, mithin um eine Baute im Sinne von § 6 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">lit. a des Gesetzes über Raumplanung, Umweltschutz und Bauwesen</span><br/> <span class="ft1">(Baugesetz, BauG) vom 19. Januar 1993. Gemäss § 59 Abs. 1 BauG</span><br/> <span class="ft1">bedürfen alle Bauten der Bewilligung durch den Gemeinderat. Kei-</span><br/> <span class="ft1">ner Baubewilligung bedürfen dagegen, unter Vorbehalt abweichender</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsvorschriften für bestimmte Schutzzonen, im ganzen Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindegebiet u.a. Fahnenstangen, Verkehrssignale, Strassentafeln,</span><br/> <span class="ft1">Strassenbeleuchtungsanlagen, einzelne Pfähle und Stangen und der-</span><br/> <span class="ft1">gleichen (§ 30 Abs. 1 lit. f der Allgemeinen Verordnung zum Bauge-</span><br/> <span class="ft1">setz [ABauV] vom 23. Februar 1994). Die Errichtung von baube-</span><br/> <span class="ft1">willigungsfreien Bauten und Anlagen entbindet allerdings nicht von</span><br/> <span class="ft1">der Einhaltung aller übrigen Vorschriften. Ist eine Ausnahmebewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung - etwa wegen Nichteinhaltung des vorgeschriebenen Grenzab-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">427</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">standes - erforderlich, ist ein Baubewilligungsverfahren durchzufüh-</span><br/> <span class="ft1">ren (§ 30 Abs. 3 ABauV).</span><br/> <span class="ft1">Nachdem Fahnenstangen, einzelne Pfähle, Stangen und derglei-</span><br/> <span class="ft1">chen grundsätzlich baubewilligungsfrei errichtet werden dürfen,</span><br/> <span class="ft1">kann man sich fragen, ob die Antennenanlage mit den genannten</span><br/> <span class="ft1">Einrichtungen vergleichbar ist. Die eigentliche Antenne, ohne die</span><br/> <span class="ft1">elektronischen Gegengewichte, ist optisch und von der Grösse her</span><br/> <span class="ft1">mit einer Fahnenstange durchaus vergleichbar. Die vertikalen Ge-</span><br/> <span class="ft1">gengewichte in der Mitte der Antenne weisen geringere Masse als</span><br/> <span class="ft1">eine Fahne auf. Die horizontalen Gegengewichte übersteigen zwar</span><br/> <span class="ft1">mit einer Länge von rund 2 m die Breite und Länge einer durch-</span><br/> <span class="ft1">schnittlichen Fahne, andererseits weisen sie eine sehr geringe Fläche</span><br/> <span class="ft1">auf. Die Fläche der gesamten Antenne beträgt gemäss Beschrieb des</span><br/> <span class="ft1">Herstellers gerade einmal 0,5 m</span><span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft1">; Satellitenempfangsanlagen für Ra-</span><br/> <span class="ft1">dio und Fernsehen mit einer Fläche bis zu 0,5 m</span><span class="ft6"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">bedürfen keiner</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung (§ 30 Abs. 1 lit. e ABauV). Für die Bejahung einer</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungspflicht bzw. für die Durchführung eines Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsverfahrens vor der Errichtung der Antenne spricht aber ande-</span><br/> <span class="ft1">rerseits der Umstand, dass - wie die nachfolgenden Erwägungen zei-</span><br/> <span class="ft1">gen - selbst für die zuständigen Behörden nicht von vorneherein klar</span><br/> <span class="ft1">ist, welcher Grenzabstand mit der Antenne einzuhalten ist bzw. ob</span><br/> <span class="ft1">der gewünschte Standort nur mit einer Ausnahmebewilligung für die</span><br/> <span class="ft1">Nichteinhaltung des vorgeschriebenen Grenzabstandes bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungsfähig ist, was gemäss § 30 Abs. 3 ABauV in jedem Fall die</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungspflicht begründet. Für die Bejahung der Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungspflicht spricht ferner, dass die Orts- und Quartierbildverträg-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit der Antenne offenbar von den davon Betroffenen und den</span><br/> <span class="ft1">Verfahrensbeteiligten sehr kontrovers beurteilt wird, dass sich zahl-</span><br/> <span class="ft1">reiche Personen in der näheren Umgebung durch die Antenne beein-</span><br/> <span class="ft1">trächtigt fühlen und eine Strahlenbelastung befürchten, weil der An-</span><br/> <span class="ft1">tenne für technische Laien nicht ansehbar ist, dass sie nur als reine</span><br/> <span class="ft1">Empfangsantenne verwendbar ist. Es besteht insofern ein gewichti-</span><br/> <span class="ft1">ges Interesse der Öffentlichkeit und der Nachbarschaft an einer vor-</span><br/> <span class="ft1">gängigen Kontrolle. Auch das vom Beschwerdeführer angerufene</span><br/> <span class="ft1">"Antennen Vademecum" der Union Schweizerischer Kurzwellen-</span><br/> <span class="ft1">Amateure bejaht die Pflicht zur Einholung einer Baubewilligung für</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">428</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">jede Art Aussenantenne. Aufgrund dieser Umstände hat denn auch</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer die mit Hinweis auf die Demontierbarkeit der</span><br/> <span class="ft1">Antenne ursprünglich bestrittene Baubewilligungspflicht anlässlich</span><br/> <span class="ft1">der Augenscheinsverhandlung anerkannt (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft1">3. Schutz vor "Nichtionisierenden Strahlen" (NIS)</span><br/> <span class="ft1">Im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren wurde die NIS-</span><br/> <span class="ft1">Fachstelle der Abteilung für Umwelt beigezogen, weil das ursprüng-</span><br/> <span class="ft1">liche Baugesuch noch eine Sendeantenne auf dem Hausdach um-</span><br/> <span class="ft1">fasste. Die kantonale Fachstelle kam in ihrer Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft1">11. Januar 2006 zum Schluss, bei den gegebenen Verhältnissen (u.a.</span><br/> <span class="ft1">100 Watt Sendeleistung) werde der massgebliche Immissionsgrenz-</span><br/> <span class="ft1">wert im radialen Abstand von 1.62 m von dem am Strahlmast ange-</span><br/> <span class="ft1">brachten Sender bereits eingehalten. Bei der reinen Empfangsantenne</span><br/> <span class="ft1">im Garten, die einzig noch Gegenstand des Beschwerdeverfahrens</span><br/> <span class="ft1">bildet, ist die Strahlenbelastung gleich Null, eine Beeinträchtigung</span><br/> <span class="ft1">der Nachbarschaft durch elektrische oder elektromagnetische Wellen</span><br/> <span class="ft1">also ausgeschlossen (vgl. ...). Sollte der Beschwerdeführer die Gar-</span><br/> <span class="ft1">tenantenne in einem späteren Zeitpunkt auch als Sendeantenne nut-</span><br/> <span class="ft1">zen wollen, müsste er dafür ein neues Baugesuch stellen. Er dürfte</span><br/> <span class="ft1">den erforderlichen Umbau der Antenne sowie deren Inbetriebnahme</span><br/> <span class="ft1">als Sendeantenne erst nach Vorliegen einer rechtskräftigen Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigung vornehmen und die von der Sendeantenne Betroffenen</span><br/> <span class="ft1">hätten wiederum die Möglichkeit, sich im neuen Verfahren dagegen</span><br/> <span class="ft1">zur Wehr zu setzen. Weitere Erwägungen zur von den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">gegnern befürchteten Strahlenproblematik erübrigen sich daher im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Verfahren.</span><br/> <span class="ft1">4. Quartier- und Ortsbildverträglichkeit</span><br/> <span class="ft1">4.1. Sowohl die Beschwerdegegner als auch der Gemeinderat R.</span><br/> <span class="ft1">machen geltend, die Amateurfunkempfangsantenne im Garten der</span><br/> <span class="ft1">Reiheneinfamilienhaussiedlung S.-gasse y-z wirke als Fremdkörper</span><br/> <span class="ft1">und sie beeinträchtige das Quartier- und Ortsbild übermässig.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 42 Abs. 1 BauG müssen sich Gebäude hinsichtlich</span><br/> <span class="ft1">Grösse, Gestaltung und Oberfläche des Baukörpers sowie dessen</span><br/> <span class="ft1">Aussenraumes so in die Umgebung einordnen, dass eine gute Ge-</span><br/> <span class="ft1">samtwirkung entsteht. Bauten, Anschriften, Bemalungen, Reklamen</span><br/> <span class="ft1">und Antennen dürfen insbesondere Landschaften sowie Orts-, Quar-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">429</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tier- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (§ 42 Abs. 2 BauG).</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat kann im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens</span><br/> <span class="ft1">die Verbesserung oder die Beseitigung störender Anlagen verlangen,</span><br/> <span class="ft1">wenn dies ohne unzumutbaren Nachteil möglich ist (§ 17 der Bau-</span><br/> <span class="ft1">ordnung 1994 der Gemeinde R. vom 16. November 1994/ 24. Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 1995, BO). Nicht anwendbar sind die Sonderbestimmungen der</span><br/> <span class="ft1">kommunalen Bauordnung für den Ortsbildschutzperimeter, da die</span><br/> <span class="ft1">Parzelle 4020 nicht vom Ortsbildschutzperimeter überlagert ist (vgl.</span><br/> <span class="ft1">...).</span><br/> <span class="ft1">4.2. Die Beschwerdegegner empfinden die Gartenantenne als</span><br/> <span class="ft1">störenden Fremdkörper im Quartier und im Bereich ihrer Gärten, der</span><br/> <span class="ft1">ihnen zwar nicht die Aussicht nimmt, aber diese beeinträchtigt. Was</span><br/> <span class="ft1">genau die störende Wirkung der Antenne ausmacht, wird individuell</span><br/> <span class="ft1">unterschiedlich empfunden und es fiel den Augenscheinsbeteiligten</span><br/> <span class="ft1">nicht leicht, ihre Eindrücke bei der Betrachtung der Antenne in Worte</span><br/> <span class="ft1">zu fassen. K.B. fühlt sich zum Beispiel beim Anblick der Antenne an</span><br/> <span class="ft1">eine Wäschehängevorrichtung erinnert, während F.C. diesen</span><br/> <span class="ft1">Vergleich als unpassend erachtet, weil eine Wäschehängevorrichtung</span><br/> <span class="ft1">viel kleiner und nicht ganzjährig aufgestellt ist. Für R.G. ist die Gar-</span><br/> <span class="ft1">tenantenne mit nichts vergleichbar, einfach nur eine visuell störende,</span><br/> <span class="ft1">technische Einrichtung, welche überdies Ängste bezüglich Strahlen-</span><br/> <span class="ft1">belastung auslöst. Ein Vergleich mit anderen in der unmittelbaren</span><br/> <span class="ft1">Umgebung vorhandenen technischen Einrichtungen, wie Strassen-</span><br/> <span class="ft1">kandelabern, Fahnenstangen und dergleichen, wird als unzulässig er-</span><br/> <span class="ft1">achtet, weil letztere in einem Wohnquartier als notwendige oder übli-</span><br/> <span class="ft1">che Objekte betrachtet werden, während die Amateurfunkantenne</span><br/> <span class="ft1">von deren Gegnerschaft als unnötig beurteilt wird (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft1">Der Standort der Amateurfunkempfangsantenne im Garten der</span><br/> <span class="ft1">Liegenschaft S.-gasse x befindet sich in einer Art Innenhof zwischen</span><br/> <span class="ft1">den Quartierstrassen S.-gasse, S.-strasse und S.-quartier. Die Reihen-</span><br/> <span class="ft1">einfamilienhäuser S.-gasse y-z sind Teil eines Wohnquartiers mit</span><br/> <span class="ft1">vorwiegender Einzelhausbebauung des 20. Jahrhunderts. Das südli-</span><br/> <span class="ft1">che S.-quartier gehört zur Wohnzone C, in welcher die maximale</span><br/> <span class="ft1">Gebäudehöhe 7 m und die maximale Firsthöhe 11 m beträgt. Die</span><br/> <span class="ft1">nördlich unmittelbar an die S.-gasse grenzende Wohnzone B lässt</span><br/> <span class="ft1">10 m Gebäudehöhe und 14 m Firsthöhe zu (§ 22 BO). Die Wohnzo-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">430</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nen B und C sind in erster Linie für Wohnbauten bestimmt; gewerb-</span><br/> <span class="ft1">liche Nutzungen und Dienstleistungen sind zugelassen, soweit sie</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr Emissionen und nur unbedeutend mehr Verkehr erzeugen</span><br/> <span class="ft1">als eine Wohnnutzung (§ 24 Abs. 1 BO). Südlich der S.-strasse be-</span><br/> <span class="ft1">ginnt das Landwirtschaftsgebiet, welches den südlichen Rand des</span><br/> <span class="ft1">Wohngebietes von R. von der unweit gelegenen Gemeinde M. trennt.</span><br/> <span class="ft1">Die vom S.-quartier aus sichtbaren grösseren Antennenanlagen der</span><br/> <span class="ft1">Umgebung befinden sich bereits auf dem Gemeindegebiet von</span><br/> <span class="ft1">M. oder gar B. (...).</span><br/> <span class="ft1">Der Standort der Gartenantenne liegt sowohl in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft1">öffentliche S.-strasse wie auch auf die private S.-gasse in einem</span><br/> <span class="ft1">rückwärtigen Bereich der Bebauung, d.h. hinter der Flucht der je-</span><br/> <span class="ft1">weiligen Gebäudezeile entlang der beiden Strassen. Von öffentlichem</span><br/> <span class="ft1">Grund aus, dem hinsichtlich der Beurteilung der Orts- und Quartier-</span><br/> <span class="ft1">bildverträglichkeit im Vergleich zu den Ansichten aus dem privaten</span><br/> <span class="ft1">Raum erhöhte Bedeutung zukommt (vgl. ...), ist die Antenne im we-</span><br/> <span class="ft1">sentlichen nur von zwei Punkten aus sichtbar: Aus Südwesten von</span><br/> <span class="ft1">der S.-strasse her durch eine rund 27 m weite Häuserlücke und aus</span><br/> <span class="ft1">Richtung Nordwesten von der S.-gasse her durch eine ca. 12 m breite</span><br/> <span class="ft1">Gebäudelücke. Die Begehung anlässlich der Augenscheinsverhand-</span><br/> <span class="ft1">lung hat gezeigt, dass bei Betrachtung des Strassenraumes technische</span><br/> <span class="ft1">Einrichtungen wie Strassenkandelaber und Fahnenstangen stärker in</span><br/> <span class="ft1">Erscheinung treten als die Gartenantenne. Ein Passant oder eine</span><br/> <span class="ft1">Passantin auf der öffentlichen S.-strasse würde die Antenne unter</span><br/> <span class="ft1">Umständen nicht einmal wahrnehmen, jedenfalls würde sie in der</span><br/> <span class="ft1">vorhandenen Umgebung kaum störend auffallen. Die Firsthöhe des</span><br/> <span class="ft1">Satteldaches S.-gasse x misst ca. 10 m, die Gartenantenne ist also</span><br/> <span class="ft1">deutlich weniger hoch als der Dachfirst und in der unmittelbaren</span><br/> <span class="ft1">Umgebung befinden sich überdies grössere Nadelbäume. Die An-</span><br/> <span class="ft1">tenne tritt im Strassenraum - beim Blick in Längsrichtung - sowohl</span><br/> <span class="ft1">der S.-strasse wie auch der S.-gasse kaum bzw. gar nicht in Erschei-</span><br/> <span class="ft1">nung; auf jeden Fall springt sie deutlich weniger ins Auge als z.B.</span><br/> <span class="ft1">der Beleuchtungskandelaber an der S.-gasse. Sie wird überhaupt erst</span><br/> <span class="ft1">wahrgenommen, wenn der Blick zur Seite gewandt und bewusst</span><br/> <span class="ft1">durch die Gebäudelücke geschaut wird. Die Nadelbäume in Nach-</span><br/> <span class="ft1">bars Garten nehmen dann aber eine dominantere Stellung ein; der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">431</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">eine von beiden ist bereits höher als die Gartenantenne, der andere</span><br/> <span class="ft1">wird in wenigen Jahren ebenfalls höher sein. Diese beiden hoch-</span><br/> <span class="ft1">wachsenden Nadelbäume kaschieren die Gartenantenne schon heute</span><br/> <span class="ft1">weitgehend. Die kantonale Fachstelle kommt daher zum klaren Er-</span><br/> <span class="ft1">gebnis, die strittige Amateurfunkantenne sei in der Wohnzone von R.</span><br/> <span class="ft1">orts- und quartierverträglich; eine zusätzliche Kaschierung der An-</span><br/> <span class="ft1">tenne sei in Anbetracht der bestehenden Bepflanzung (mannshohe</span><br/> <span class="ft1">Büsche und zwei hochwachsende Nadelbäume) nicht nötig (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat kann sich dieser überzeugenden Beurteilung der</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Fachstelle anschliessen.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Betrachtung der Antenne von den Sitzplätzen der Rei-</span><br/> <span class="ft1">heneinfamilienhäuser S.-gasse y-z und beim Blick aus dem Wohn-</span><br/> <span class="ft1">zimmer von K.B. tritt die Antenne zwar auffälliger in Erscheinung.</span><br/> <span class="ft1">Von einer erheblichen Beeinträchtigung des Quartierbildes durch ei-</span><br/> <span class="ft1">nen auffälligen technischen Fremdkörper, mit dem man in einem</span><br/> <span class="ft1">Wohnquartier nicht rechnen muss, kann aber nicht die Rede sein.</span><br/> <span class="ft1">Selbst wenn heute die Mehrzahl der Wohnhäuser über den Anschluss</span><br/> <span class="ft1">an eine Kabelempfangsanlage verfügt, gehören Antennen weiterhin</span><br/> <span class="ft1">und in der jüngeren Vergangenheit wieder vermehrt zum Quartier-</span><br/> <span class="ft1">bild, sind doch diese unverändert erforderlich, um Sender zu empfan-</span><br/> <span class="ft1">gen, die auf der Kabelanlage nicht verfügbar sind. Der Empfang von</span><br/> <span class="ft1">Sendungen, die Benutzung eines Mobiltelefons, aber auch die Ab-</span><br/> <span class="ft1">strahlung von Sendungen gehören typischerweise zu einer Wohnnut-</span><br/> <span class="ft1">zung und damit in ein Wohnquartier. Ein Blick in die Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung zeigt denn auch, dass selbst grössere und auffälligere</span><br/> <span class="ft1">Empfangs- und Sendeantennen für Amateurfunk, Radio, Fernsehen</span><br/> <span class="ft1">und Telefon in Wohnquartieren regelmässig als ortsbildverträglich</span><br/> <span class="ft1">und zonenkonform beurteilt werden (vgl. z.B. Entscheid der Baure-</span><br/> <span class="ft1">kurskommission IV des Kantons Zürich, BEZ 1997 Nr. 18, betref-</span><br/> <span class="ft1">fend Ortsbildverträglichkeit einer Amateurfunkantenne in einem ge-</span><br/> <span class="ft1">hobenen Einfamilienhausquartier; Entscheid VB.98.00153 des Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgerichts des Kantons Zürich vom 21. Oktober 1998, publi-</span><br/> <span class="ft1">ziert in URP 1999 S. 181: "Der geplante Antennenmast, ein schlan-</span><br/> <span class="ft1">ker, 13 m hoher und 15,9 cm dicker Metallstab, der sich gegen oben</span><br/> <span class="ft1">auf 11,4 cm verjüngt, erscheint nicht als geeignet, ein gehobenes Ein-</span><br/> <span class="ft1">familienhausquartier ästhetisch zu beeinträchtigen; er verstösst da-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">432</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rum nicht gegen die Einordnungsnorm des zürcherischen PBG.").</span><br/> <span class="ft1">Anders ist allenfalls in einem besonders empfindlichen und ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend geschützten Ortsbildschutzperimeter zu entscheiden, der</span><br/> <span class="ft1">vorliegend jedoch rund 400 m weit entfernt liegt und durch die strit-</span><br/> <span class="ft1">tige Antenne klarerweise nicht betroffen ist.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist daher die Beurteilung des Gemeinderates</span><br/> <span class="ft1">R., die Amateurfunkempfangsantenne störe das Quartier- und Orts-</span><br/> <span class="ft1">bild übermässig, rechtlich nicht haltbar.</span><br/> <span class="ft1">4.3. Auch wenn die Amateurfunkempfangsantenne in der ge-</span><br/> <span class="ft1">planten Form, Grösse und Lage keine übermässige Beeinträchtigung</span><br/> <span class="ft1">des Quartier- und Ortsbildes zur Folge hat, sind dennoch diejenigen</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen zu treffen, welche die ästhetisch nachteilige Beeinflus-</span><br/> <span class="ft1">sung der Umgebung deutlich vermindern, sofern diese technisch und</span><br/> <span class="ft1">betrieblich möglich und für die Bauherrschaft wirtschaftlich tragbar</span><br/> <span class="ft1">sind. Anlässlich der Augenscheinsverhandlung wurde diesbezüglich</span><br/> <span class="ft1">von den Verfahrensbeteiligten festgestellt (vgl. ...), dass sich auf der</span><br/> <span class="ft1">Parzelle des Beschwerdeführers kein anderer Standort finden lässt,</span><br/> <span class="ft1">wo die Antenne weniger stört. Eine Verkleinerung der Antenne hätte</span><br/> <span class="ft1">zur Folge, dass die vorgesehenen Amateurfunk-Frequenzbänder nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr betrieben werden könnten; die Antenne ist bezüglich Grösse</span><br/> <span class="ft1">bereits ein Kompromiss bzw. bezüglich Funktionalität und optischer</span><br/> <span class="ft1">Wirkung optimiert (vgl. ...). Möglich und zweckmässig wäre jedoch</span><br/> <span class="ft1">eine tiefere Montage. T.H. plant die Antenne entsprechend dem</span><br/> <span class="ft1">Baugesuchsplan (vgl. ...) an einem zwei Meter hohen Mast zu</span><br/> <span class="ft1">montieren, d.h. die störend in Erscheinung tretenden horizontalen</span><br/> <span class="ft1">Radials (Gegengewichte) befinden sich bei dieser Montageweise</span><br/> <span class="ft1">etwa auf Augenhöhe. Gemäss dem bei den Gemeindeakten befind-</span><br/> <span class="ft1">lichen Antennenbeschrieb des Herstellers WiMo ist die Antenne "un-</span><br/> <span class="ft1">abhängig vom Erdboden und kann entweder dicht über Grund oder</span><br/> <span class="ft1">auf einem Hausdach montiert werden." T.H. hat denn auch zugestan-</span><br/> <span class="ft1">den, dass eine tiefere Montage der horizontalen Radials möglich wä-</span><br/> <span class="ft1">re, wenn diese stören (vgl. ...). Eine Kürzung des Mastes bzw.</span><br/> <span class="ft1">Standrohrs um 1.5 m auf 0.5 m hätte zur Folge, dass die horizontalen</span><br/> <span class="ft1">Radials selbst dann den Boden noch nicht berühren, wenn sie gegen</span><br/> <span class="ft1">aussen etwas durchhängen oder vom Wind bewegt werden. Die</span><br/> <span class="ft1">GAP-Antenne "Titan" wäre dann gemäss Beschrieb des Hersteller</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">433</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">WiMo dicht über dem Boden montiert und insgesamt (Mast sowie</span><br/> <span class="ft1">eigentliche Antenne zusammen) deutlich weniger hoch (7.5 m statt</span><br/> <span class="ft1">9 m, vgl. ...). Die funktechnische Effizienz der Antenne wäre da-</span><br/> <span class="ft1">durch also nicht beeinträchtigt, die ästhetisch störende Wirkung aber</span><br/> <span class="ft1">deutlich gemindert, da die Antenne niedriger würde, die horizontalen</span><br/> <span class="ft1">Radials weniger in Erscheinung treten und an verschiedenen Be-</span><br/> <span class="ft1">trachtungsorten sogar hinter der bestehenden Bepflanzung ver-</span><br/> <span class="ft1">schwinden würden, so etwa beim Sitzplatz C. und beim Wohnzim-</span><br/> <span class="ft1">mer B. Insofern erscheint es verhältnismässig, die Baubewilligung an</span><br/> <span class="ft1">die Bedingung zu knüpfen, die Antenne müsse möglichst dicht über</span><br/> <span class="ft1">Grund montiert werden.</span><br/> <span class="ft1">5. Grenzabstand</span><br/> <span class="ft1">5.1. Der Gemeinderat R. hat das Baugesuch für die Gartenan-</span><br/> <span class="ft1">tenne u.a. mit der Begründung abgewiesen, die äusseren Punkte der</span><br/> <span class="ft1">Antenne zeigten Grenzabstände von 1.50 m bis 4.00 m. Der zonen-</span><br/> <span class="ft1">gemässe Grenzabstand habe jedoch 4.00 m zu betragen und sei damit</span><br/> <span class="ft1">nicht allseitig eingehalten. Mangels Näherbaurechten sei das Bauge-</span><br/> <span class="ft1">such daher abzuweisen.</span><br/> <span class="ft1">Die Parzelle 4020, auf welcher die Gartenantenne erstellt wer-</span><br/> <span class="ft1">den soll, befindet sich gemäss Bauzonenplan 1991 der Gemeinde R.</span><br/> <span class="ft1">vom 12. Juni 1991/10. März 1992 in der Wohnzone C. Die Bauord-</span><br/> <span class="ft1">nung 1994 der Gemeinde R. schreibt in § 22 für die Wohnzone C ei-</span><br/> <span class="ft1">nen minimalen Grenzabstand von 4 m vor. Da die Höhe der Garten-</span><br/> <span class="ft1">antenne mit rund 9 m die maximale Höhe einer Kleinbaute klar über-</span><br/> <span class="ft1">steigt (die Gebäudehöhe einer Kleinbaute darf gemäss § 18 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">ABauV maximal 3 m, die Firsthöhe gemäss § 34 Abs. 1 BO maximal</span><br/> <span class="ft1">4.5 m betragen), finden die Sonderregelungen für Klein- und An-</span><br/> <span class="ft1">bauten keine Anwendung. Besondere Grenzabstände für Antennen</span><br/> <span class="ft1">sehen weder die ABauV noch die BO vor. Der Gemeinderat R. ist</span><br/> <span class="ft1">deshalb zum Schluss gelangt, der in der Wohnzone C für Wohnhäu-</span><br/> <span class="ft1">ser vorgeschriebene Grenzabstand gelte auch für die strittige Garten-</span><br/> <span class="ft1">antenne.</span><br/> <span class="ft1">Grenzabstände bestimmen die Distanz, die ein Bau gegenüber</span><br/> <span class="ft1">der Grundstücksgrenze mindestens einhalten muss. Sie gelten grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich für alle Arten von Bauten, ausgenommen Einfriedigungen</span><br/> <span class="ft1">sowie Klein- und Anbauten, für welche Sonderregelungen bestehen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">434</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(vgl. §§ 18 und 19 ABauV, § 34 BO; Zimmerlin, a.a.O., N 5 zu</span><br/> <span class="ft1">§ 163). Alle Teile eines Baues müssen den Grenzabstand einhalten,</span><br/> <span class="ft1">den Grenzabstand um höchstens 1.50 m unterschreiten dürfen jedoch</span><br/> <span class="ft1">untergeordnete Gebäudeteile (Dachvorsprünge, Vordächer, Treppen,</span><br/> <span class="ft1">Erker, Balkone usw.) sowie Wintergärten und Windfänge (§ 2 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">und 3 ABauV). Mit Grenzabständen werden einerseits öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Interessen, namentlich solche der Feuerpolizei, der Wohnhygiene,</span><br/> <span class="ft1">der Siedlungsgestaltung und der Ästhetik verfolgt, andererseits sollen</span><br/> <span class="ft1">die Abstandsvorschriften dazu dienen, die mannigfachen Einflüsse</span><br/> <span class="ft1">von Bauten und ihrer Benutzung auf Nachbargrundstücke zu min-</span><br/> <span class="ft1">dern, z.B. Beeinträchtigung von Besonnung und Belichtung, Belüf-</span><br/> <span class="ft1">tung und Aussicht, Schattenwurf, Einsehbarkeit, Lärm, Erschütte-</span><br/> <span class="ft1">rungen, Gerüche usw. (vgl. Zimmerlin, a.a.O., N 3 zu § 163-65;</span><br/> <span class="ft1">Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht,</span><br/> <span class="ft1">3. Aufl., Zürich 1999, Rz. 638; AGVE 2001 S. 298; RRB Nr. ...).</span><br/> <span class="ft1">Bei einer reinen Empfangsantenne, welche normalerweise mit kei-</span><br/> <span class="ft1">nerlei Immissionen (insbesondere mit keiner Strahlenbelastung) ver-</span><br/> <span class="ft1">bunden ist und die bei einer Fläche von insgesamt 0.5 m</span><span class="ft6"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">weder ei-</span><br/> <span class="ft1">nen relevanten Schattenwurf noch einen entsprechenden Licht- oder</span><br/> <span class="ft1">Aussichtsentzug zur Folge hat, stellt sich indessen die Frage, ob</span><br/> <span class="ft1">überhaupt ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit oder der</span><br/> <span class="ft1">Nachbarschaft an der Einhaltung eines minimalen Grenzabstandes</span><br/> <span class="ft1">besteht bzw. ob der Gesetzgeber bei der Regelung der Grenzabstände</span><br/> <span class="ft1">wirklich auch an Anlagen wie Antennen mit minimaler Fläche ge-</span><br/> <span class="ft1">dacht hat.</span><br/> <span class="ft1">5.2. Nach den Abklärungen des regierungsrätlichen Rechts-</span><br/> <span class="ft1">dienstes, in welche auch die Rechtsabteilung und die Abteilung für</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungen des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt</span><br/> <span class="ft1">einbezogen wurden, ist die Frage, welchen Grenzabstand eine Ama-</span><br/> <span class="ft1">teurfunkempfangsantenne der fraglichen Grösse einzuhalten hat, im</span><br/> <span class="ft1">Kanton Aargau offenbar noch nie entschieden worden. Mangels Fäl-</span><br/> <span class="ft1">len konnte sich insbesondere keine eigentliche Praxis bilden (vgl.</span><br/> <span class="ft1">...). Die Frage stellte sich jedoch im Kanton Obwalden und der Re-</span><br/> <span class="ft1">gierungsrat des Kantons Obwalden erwog dazu in seinem Entscheid</span><br/> <span class="ft1">Nr. 509 vom 16. April 2003 (publiziert in OWVVGE XVI N. 20) zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenfassend was folgt:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">435</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">"4. ... Aus dem Gesagten erhellt, dass Antennenmasten nach Lehre</span><br/> <span class="ft7">und Rechtsprechung den Höhenbeschränkungen für Bauten, wie sie sich</span><br/> <span class="ft7">zum Beispiel aus Art. 44 Abs. 2 BauG ergeben, ebenso wenig unterliegen</span><br/> <span class="ft7">wie den auf Gebäude zugeschnittenen Abstandsvorschriften (vgl. auch Hans</span><br/> <span class="ft7">Rudolf Trüeb, Der Bau von Fernmeldeanlagen, Unterlagen zur Schweizeri-</span><br/> <span class="ft7">schen Baurechtstagung 2001 in Freiburg, S. 123). Diese Auslegung ist mit</span><br/> <span class="ft7">der ratio legis (Zweck der Vorschrift) vereinbar. Höhenbeschränkungen die-</span><br/> <span class="ft7">nen - wie auch die Vorschriften über Grenz- und Gebäudeabstände - primär</span><br/> <span class="ft7">dazu, die mannigfachen Einflüsse von Bauten und ihrer Benutzung auf</span><br/> <span class="ft7">Nachbargrundstücke zu mindern, und zwar sowohl solche negativer Art</span><br/> <span class="ft7">(Beeinträchtigung von Belichtung, Besonnung, Belüftung und Aussicht;</span><br/> <span class="ft7">Schattenwurf; Einsicht) als auch sonstige Einwirkungen. Dieser Zweckbe-</span><br/> <span class="ft7">stimmung entsprechend haben Bauten Abstände einzuhalten (vgl. Art. 38 ff.</span><br/> <span class="ft7">BauG). Demgegenüber haben (bauliche) Anlagen mit Ausnahme der Ein-</span><br/> <span class="ft7">friedungen und Böschungen (Art. 43 BauG) keine Grenz- und Gebäudeab-</span><br/> <span class="ft7">stände einzuhalten (vgl. Erläuterungen zum BauG, S. 76 f.)."</span><br/> <span class="ft1">Eine entsprechende Praxis gilt auch im Kanton Bern (vgl. BVR</span><br/> <span class="ft1">1994 20 E. 6: Funkantennen sind gleich zu behandeln wie Fahnen-</span><br/> <span class="ft1">masten, für die ebenfalls kein Grenzabstand gilt.). Der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">kann sich diesen überzeugenden Überlegungen - jedenfalls hin-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich Amateurfunkempfangsantennen der fraglichen Grösse - an-</span><br/> <span class="ft1">schliessen. Die strittige Gartenantenne darf demnach grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">unmittelbar an der Parzellengrenze erstellt werden, d.h. der Anten-</span><br/> <span class="ft1">nenmast muss so weit von der Parzellengrenze errichtet werden, dass</span><br/> <span class="ft1">abstehende Antennenteile wie die horizontalen Radials (Gegenge-</span><br/> <span class="ft1">wichte des Strahlers), deren Länge gemäss der anlässlich der Augen-</span><br/> <span class="ft1">scheinsverhandlung durchgeführten Messung zwischen 2.05 m und</span><br/> <span class="ft1">2.08 m betragen (vgl. ...), keinesfalls über die Parzellengrenze ragen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. RRB Nr. ... betr. Fahnenmasten mit Reklamefahnen, welche</span><br/> <span class="ft1">nicht über die Parzellengrenze wehen dürfen). Da der Antennenmast</span><br/> <span class="ft1">bei starkem Wind seitlich etwas schwanken kann, sind entsprechende</span><br/> <span class="ft1">Reserven vorzusehen. Nachdem die Radials aber nicht senkrecht zur</span><br/> <span class="ft1">Parzellengrenze zeigen müssen, sondern so gedreht werden können,</span><br/> <span class="ft1">dass sie in einem spitzen Winkel zur Grenze zeigen, genügt der an-</span><br/> <span class="ft1">lässlich der Augenscheinsverhandlung gemessene minimale Grenz-</span><br/> <span class="ft1">abstand von 1.93 m gegenüber der nächstgelegenen Parzelle 4021,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">um ein Überragen von Antennenteilen auf das Nachbargrundstück zu</span><br/> <span class="ft1">vermeiden; der Abstand zur Parzelle 1166 beträgt ca. 2.5 m, derje-</span><br/> <span class="ft1">nige zur Parzelle 3860 ca. 2.5 m (vgl. ...). Nicht beeinträchtigt wer-</span><br/> <span class="ft1">den darf im Übrigen auch das an der südlichen Grenze der Parzelle</span><br/> <span class="ft1">4020 bestehende 1 m breite Wegrecht, welches sich die Eigentüme-</span><br/> <span class="ft1">rinnen und Eigentümer der Reiheneinfamilienhaussiedlung gegen-</span><br/> <span class="ft1">seitig eingeräumt haben (vgl. ...). Bei einem Abstand von rund 4 m</span><br/> <span class="ft1">zur Parzelle 1167 (vgl. ...) sollte das Wegrecht uneingeschränkt aus-</span><br/> <span class="ft1">geübt werden können, allenfalls kann die Antenne etwas gegen die</span><br/> <span class="ft1">Reiheneinfamilienhäuser hin verschoben werden.</span><br/> <span class="ft1">5.3. Würde man - entgegen den vorstehenden - Erwägungen</span><br/> <span class="ft1">von einem grundsätzlich anwendbaren Grenzabstand von 4 m aus-</span><br/> <span class="ft1">gehen, wäre vorliegend eine Ausnahmebewilligung für die Unter-</span><br/> <span class="ft1">schreitung dieses Abstandes zu erteilen. Gemäss der allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmebestimmung von § 67 BauG können - unter billiger Ab-</span><br/> <span class="ft1">wägung der beteiligten privaten Interessen - Ausnahmen von kom-</span><br/> <span class="ft1">munalen und kantonalen Nutzungsplänen und Bauvorschriften ge-</span><br/> <span class="ft1">stattet werden, wenn dies mit dem öffentlichen Wohl sowie mit Sinn</span><br/> <span class="ft1">und Zweck der Rechtssätze vereinbar ist (Abs. 1 lit. a) und entweder</span><br/> <span class="ft1">ausserordentliche Verhältnisse vorliegen oder die Anwendung der</span><br/> <span class="ft1">Pläne und Vorschriften zu hart wäre (Abs. 1 lit. b). Wie vorstehend</span><br/> <span class="ft1">bereits ausgeführt, werden die mit dem gesetzlichen Grenzabstand</span><br/> <span class="ft1">verfolgten Ziele nicht relevant beeinträchtigt, wenn die strittige An-</span><br/> <span class="ft1">tenne in einem Grenzabstand von weniger als 4 m errichtet wird,</span><br/> <span class="ft1">solange keine Antennenteile über die Grenze ragen. Die Einhaltung</span><br/> <span class="ft1">des Grenzabstandes würde für den Beschwerdeführer eine Härte</span><br/> <span class="ft1">bedeuten, da er sein Hobby nicht ausüben könnte und in der bundes-</span><br/> <span class="ft1">verfassungsrechtlich geschützten Informationsfreiheit (Art. 16 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom</span><br/> <span class="ft1">18. April 1999) eingeschränkt wäre. Demgegenüber sind die</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen und privaten Interessen an der Einhaltung des Grenzab-</span><br/> <span class="ft1">standes als gering bis unbedeutend einzuschätzen (vgl. Erw. 5.1 und</span><br/> <span class="ft1">5.2), weshalb die Interessenabwägung klar für die Erteilung einer</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmebewilligung spricht, sofern denn die Grenzabstandsrege-</span><br/> <span class="ft1">lung von § 22 BO überhaupt anwendbar ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">437</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">5.4. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigung nicht wegen ungenügenden Grenzabstandes verweigert</span><br/> <span class="ft1">werden darf.</span><br/> <span class="ft1">6. (...)</span><br/> <span class="ft1">7. Zusammenfassung und (...)</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten ist der angefochtene Entscheid des Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderates R. aufzuheben und die Beschwerdeangelegenheit an die-</span><br/> <span class="ft1">sen zurückzuweisen zur Erteilung der Baubewilligung unter einigen</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Bedingungen, welche die berechtigten Interessen der</span><br/> <span class="ft1">Nachbarschaft wahren, sowie den üblichen und notwendigen kom-</span><br/> <span class="ft1">munalen Bedingungen und Auflagen. Die Antenne darf erst montiert</span><br/> <span class="ft1">werden, wenn die erteilte Baubewilligung in Rechtskraft erwachsen</span><br/> <span class="ft1">ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>