Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Juni 2019 (715 19 21 / 145) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit; Rückweisung zur erneuten Abklärung an Vorinstanz aufgrund ungenügender Abklärung des Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1983 geborene A.____ war seit dem 1. Dezembe r 2015 bei Dr. med. B.____ als medizinische Praxisassistentin angestellt. Mit Schreiben vom 25. Januar 2018 kündigte sie das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 2018 (recte: 31. J uli 2018). Am 9. August 2018 meldete sie sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum Pra tteln (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht erhob bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Ar- beitslosenentschädigung ab dem 9. August 2018. Mit Ver fügung Nr. 1996/2018 vom 27. Sep- tember 2018 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. August 2018 für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Zur Begründung brachte sie vor, dass die Versicherte ihre Arbeitsstelle gekündigt ha be, ohne dass ihr eine neue Stelle ver- traglich zugesichert gewesen sei. Mit Entscheid vom 11. D ezember 2018 wies die Einsprach- einstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft, die gegen die Verfügung vom 27. September 2018 von der Versicherten erhobene Einsprache ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 16. Januar 2019 Beschwerde ans Kantons- gericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgerich t). Sie beantragte sinngemäss, es sei der Einspracheentscheid vom 11. Dezember 2018 aufzuh eben und von Einstelltagen abzu- sehen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass die Fortführung des Arbeitsverhält- nisses bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber aus gesundheitli chen Gründen unzumutbar gewesen sei. C. Die Arbeitslosenkasse schloss in ihrer Vernehmlassung vom 1. März 2019 auf Abwei- sung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend kommt die Versicherte ihre Kontrollpflichten im Ka nton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicheru ngsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kanto nsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 16. Januar 2019 ist daher einzu- treten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechti- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung im Umfang von 31 Tagen bei einem Taggeld von Fr. 115.10 und damit ein Streitwert von Fr. 3'568.10 zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Streitig ist, ob die Versicherte zu Recht infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung m it Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV für die Dauer von 31 Tagen ab 1. August 2018 in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde. 2.2 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Si- cherheit, Arbeitslosenversicherung, Schindler/Tanquerel/T schannen/Uhlmann [Hrsg.], Basel 2016, S. 2511 Rz. 828). 2.3 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Ein Selbstverschulden im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt dann vor, wen n und soweit der Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen und Verhältnissen vermeid baren Verhalten der versicherten Person liegt, für das die Versicherung die Haftung nich t übernimmt (vgl. Urteil des Bundesge- richt vom 3. Februar 2009, 8C_842/2008, E. 3.2, mit H inweis). Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das V erbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.4 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass die Zumutbarkeit zum V erbleiben an der bisherigen Ar- beitsstelle strenger beurteilt wird als die Zumutbarkei t zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). Wenn nicht besondere U mstände vorliegen, darf einer versi- cherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange a m Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 116). Die Zumutbarkeit der Fortführung eines Arbeitsverhältnisses beurteilt sich nach den konkreten Umständen (BGE 124 V 238 E. 4b/bb). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheit en mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen vermögen grundsätzlich keine Unzumutbark eit der Fortführung des Arbeitsver- hältnisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323, C 128/96). Belegt die versicherte Per- son allerdings durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (od er allenfalls durch andere geeignete Beweismittel), dass ihr die Weiterarbeit aus gesundhei tlichen Gründen nicht mehr zumutbar ist, ist grundsätzlich von einer Unzumutbarkeit aus gesundhe itlichen Gründen auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2010, 8C_12/2010, E. 3.1; BGE 124 V 234 E. 4b/bb S. 238; Urteile des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesge- richt] vom 6. Dezember 2006, C 161/06, E. 3.2 und vom 9 . Februar 2006, C 299/05, E. 2.2; je mit Hinweis; G ERHARDS , a.a.O., N. 14 zu Art. 30 AVIG; CHOPARD , a.a.O., S. 123; vgl. auch Kreisschreiben des seco über die Arbeitslosenentschädigung [KS ALE] Ziff. D26). Aus Gründen der Rechtssicherheit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht m it blossen Behauptungen begnü- gen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismitt el, welche primär die versicherte Person im Rahmen der ihr obliegenden Mitwirkungspflich t bei der Abklärung des Sachverhalts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb S. 238 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 27. No- vember 2013, 8C_742/2013, E. 4,1). 2.6 Mobbing ist nach einer auch vom Bundesgericht verwen deten Definition ein systemati- sches, feindliches, über einen längeren Zeitraum anhal tendes Verhalten, mit dem eine Person an ihrem Arbeitsplatz isoliert, ausgegrenzt oder gar vo n ihrem Arbeitsplatz entfernt werden soll (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_826/ 2009, E. 4.2, vom 17. Mai 2010, 4A_32/2010, E. 3.2 und vom 6. April 2010, 4A_245/200 9, E. 4.2, je mit Hinweisen). Das Opfer befindet sich oft in einer Situation, wo jede Einzel handlung unter Umständen als zulässig zu beurteilen ist, jedoch die Gesamtheit der Handlungen das Opfer derart destabilisieren kann, bis es die Arbeitsstelle verlässt. Mobbing liegt aber nicht sch on dann vor, wenn ein Arbeitskonflikt oder eine schlechte Arbeitsatmosphäre besteht, oder we nn eine angestellte Person aufgefor- dert wird - selbst wenn es auf eindringliche Weise oder mit der Androhung von Disziplinarmass- nahmen oder einer Entlassung geschieht - ihren Arbeitspflichten nachzukommen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2018, 8C_107/2018, E. 5 mit zahlreichen Hinweisen). 2.7 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Ar t. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige ("volontairement") Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund ("sans motif légitime") sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (vgl. Urteil des Bundesgericht s vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwa ltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit weitere n Hinweisen; Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den re chtserheblichen Sachverhalt Abklärun- gen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Partei vorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass beste ht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinw eisen). Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa- chen hinreichende Klarheit besteht. Dieser Grundsatz gi lt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der P arteien (BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 4 .2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwa ltungsstelle) ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte 8BGE 138 V 218 E. 6). Diese Be weisregel greift erst dann Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgr undsatzes aufgrund einer Be- weiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumi ndest die überwiegende Wahrschein- lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 8C_662/2015, E. 3.2.). Bestehen e rhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_382/2010, E. 3.2.1). 4.1 Im Antrag zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung vo m 23. Juli 2018 gab die Versi- cherte an, dass sie ihre Arbeitsstelle am 31. Januar 2018 (recte: 25. Januar 2018) per 31. Juli 2018 gekündigt habe. Als Grund für die Kündigung füh rte sie "Erniedrigung, Beleidigung, Mob- bing, Angriff auf die Persönlichkeit, Familie, Bedrohu ng, Nötigung" an. Die gleiche Begründung brachte sie im Rahmen des rechtlichen Gehörs am 21. September 2018 vor und verwies zudem auf den Bericht ihres behandelnden Psychiaters, Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, vom 12. September 2018. Dem Kündigungsschr eiben vom 25. Januar 2018 ist zu entnehmen, dass sie sich von ihrem Arbeitgeber, Dr. B.___ _, respektlos behandelt gefühlt ha- be. Sie wies als Beispiel auf den Vorfall vom 22. Deze mber 2017 hin, bei welchem sie und eine Arbeitskollegin hätten intervenieren müssen, als er ein e andere Person beleidigt habe und handgreiflich geworden sei. Sie habe weitere solche Vor fälle dokumentiert und könne sie auf Verlangen hin wiedergeben. In ihrer Einsprache vom 2 2. Oktober 2018 gegen die Einstellungs- verfügung vom 27. September 2018 legte die Versicherte dar, dass ständige Drohungen, Er- pressungen und Beleidigungen durch ihren Arbeitgeber zu r Tagesordnung gehört hätten. Auf- grund dieses Verhaltens habe sie an Gastritis, Magen- und Darmverkrampfungen mit heftigen Bauchschmerzen und Ängsten gelitten. Aus den beigelegten Arbeitsunfähigkeitszeugnissen von Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin, und von Dr. med . E.____, FMH Gastroenterologie, sei ersichtlich, dass sie sich deswegen in medizinische Behandlung habe begeben müssen. In Ihrer Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerde vom 16. Januar 2019 wies sie nochmals darauf h in, ihre behandelnden Ärzte hät- ten bescheinigt, dass sie die Arbeitssituation bei ihrem Arbeitgeber körperlich und psychisch sehr belastet habe. 4.2 In medizinischer Hinsicht liegen Arbeitsunfähigkeit szeugnisse von Dr. D.____ vom 27. Dezember 2017 und von Dr. E.____ vom 3. Januar 2018 vor, welche eine 100%ige Arbeits- unfähigkeit für die Zeit vom 27. Dezember 2017 bis 29. Dezember 2017 bzw. vom 3. Januar 2018 bis 17. Januar 2018 attestieren. Den Einträgen von Dr. C.____ ins Arbeitsfähigkeitszeug- nis Nordwestschweiz ist weiter zu entnehmen, dass die Versi cherte vom 12. Februar 2018 bis 15. August 2018 vollständig arbeitsunfähig war. Am 21. August 2018 schrieb er sie wieder zu 100 % arbeitsfähig. Im oben erwähnten Bericht vom 12. September 2018 bestätigte Dr. C.____, dass die Versicherte an ihrem Arbeitsplatz in der Praxis ihres Arbeitgebers psychisch erniedrigt, gedemütigt, entwürdigt, beleidigt und bedroht worde n sei. Aus psychiatrischer Sicht hätte sie dort nicht mehr weiter arbeiten können, ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Ihre Kündigung sei unter diesen Umständen unumgänglich gewesen. 5.1 Es steht unbestrittenermassen fest, dass die Versicherte das Arbeitsverhältnis mit Dr. B.____ am 25. Januar 2018 unter Einhaltung der 6 -monatigen Kündigungsfrist per 31. Juli 2018 auflöste, ohne dass ihr zum damaligen Zeitpunkt vo n anderer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gewesen war. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob der Versicherten ein Verbleiben an der bisherigen Ar- beitsstelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar ge wesen wäre (vgl. Erwägung 2.4 hiervor). Die Arbeitslosenkasse stellt sich auf den Standpunkt, dass die Versicherte die Unzumutbarkeit der Aufrechterhaltung des hier massgeblichen Arbeitsver hältnisses nicht habe beweisen kön- nen. Es liege kein eindeutiger Arztbericht vor, welcher b estätige, dass der Verbleib an der bis- herigen Arbeitsstelle ihr gesundheitlich nicht mehr zumut bar gewesen sei. Zudem sei gemäss Bericht von Dr. C.____ vom 12. September 2018, wonach die Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses mit Dr. B.____ ab Januar 2018 b egonnen habe, davon auszugehen, dass die Verfehlungen des ehemaligen Arbeitgebers nur während der Zeit vom 18. Januar 2018 bis zur Kündigung am 25. Januar 2018 stattgefunden hät ten, sei die Versicherte doch vom 27. Dezember 2017 bis 17. Januar 2018 krankgeschrieben gewesen. Die Voraussetzungen des von der Versicherten geltend gemachten Tatbestandes "Mo bbing" seien in rechtlicher Hinsicht nicht erfüllt. So habe sie es unterlassen, die Verhalte nsweise ihres ehemaligen Arbeitgebers konkret zu beschreiben und auszuführen, welche Handlungen si e als Mobbing empfunden ha- be. 5.2.1 Es ist mit der Arbeitslosenkasse einig zu gehen, dass aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden kann, ob ein Verbleiben der Ve rsicherten an der bisherigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen nicht mehr zumutbar gewe sen ist. So kann den in den Akten befindlichen Arbeitsunfähigkeitszeugnissen von Dr. D.___ _ vom 27. Dezember 2017, von Dr. E.____ vom 3. Januar 2018 und von Dr. C.____ vom 12. Februar 2018 der Grund für die Arbeitsunfähigkeiten nicht entnommen werden. Die Arb eitslosenkasse forderte die Versicherte deshalb auch im Rahmen des rechtlichen Gehörs auf, ein Arztzeugnis einzureichen, aus wel- chem ersichtlich sei, weshalb die Verrichtung der bisher igen Arbeit gesundheitsgefährdend sei, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht seit wann sie in ärztlicher Behandlung stehe und dass ihr Arzt zur Kündigung der Arbeitsstelle geraten habe. Dieser Aufforderung kam die Versicherte mit Einreichen des Berichts ihres be- handelnden Psychiaters, Dr. C.____, vom 12. September 20 18 grundsätzlich nach. Dieser be- stätigt, dass die Versicherte aufgrund des Verhaltens ihre s ehemaligen Arbeitgebers psychisch erkrankt sei und es ihr deswegen nicht mehr zumutbar gewe sen sei, dort weiter zu arbeiten. Allerdings stellt die Arbeitslosenkasse zu Recht fest, dass dieser Bericht vorwiegend auf den subjektiven Angaben der Versicherten beruht und nicht gen ügend Auskunft über die Erkran- kung der Versicherten während des hier in Frage stehende n Arbeitsverhältnisses gibt. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass die Versicherte di e Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat, weil sie den von ihr geltend gemachten Sa chverhalt, aus dem sie Rechte für sich ableitet, nicht beweisen kann. Gemäss bundesgerichtlicher R echtsprechung beschränkt sich ihre Mitwirkungspflicht im Rahmen der Sachverhaltsabkläru ng auf die Beibringung derjenigen Beweismittel, die sie in den Händen hat oder die sie si ch allenfalls bei Dritten besorgen kann. Muss ein Beweismittel wie etwa ein Arztzeugnis erst noch erstellt werden oder kann dieses von der versicherten Person nicht erhältlich gemacht werden, hat die Verwaltung die Sachverhalts- abklärung von Amtes wegen zu vervollständigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. No- vember 2013, 8C_742/2013, E. 5.1). Nichts anderes kann bei einem nicht rechtsgenüglichen Arztzeugnis gelten. Indem die Arbeitslosenkasse darauf ver zichtet hat, ergänzende Abklärun- gen bei Dr. C.____ vorzunehmen, hat sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt. 5.2.2 Weiter ergibt sich aus dem Kündigungsschreiben vom 25. Januar 2018, dass sie ihrem ehemaligen Arbeitgeber ein Fehlverhalten vorwirft, we lches dieser nicht nur an dem von der Versicherten geschilderten Vorfall vom 22. Dezember 201 8, sondern bereits früher mehrfach gezeigt habe. Entgegen der Ansicht der Arbeitslosenkasse sind deshalb die von der Versicher- ten geltend gemachten Verfehlungen des ehemaligen Ar beitgebers nicht nur im Zeitraum von Mitte Januar 2018 bis zur Kündigung am 25. Januar 2018 massgeblich. Für die Beurteilung der Frage, ob vorliegend ein Mobbing im Rechtssinne vorlie gt, ist der Zeitraum eines allfälligen Fehlverhaltens jedoch von Bedeutung (vgl. Erwägung 2.6; BGE 117 V 282 E. 4a). Um ihrer Un- tersuchungspflicht rechtsgenüglich nachzukommen, hätte die Arbeitslosenkasse die damalige Arbeitssituation näher abklären müssen. Dies umso mehr, al s die Versicherte darauf hinweist, dass sie die weiteren Vorfälle beschreiben könne, falls dies verlangt werde. 5.3 Aufgrund dieser Ausführungen ist festzuhalten, dass aufgrund des mangelhaft abgeklärten Sachverhalts beweismässig nicht klar feststeht, ob der Verb leib der Versicherten an der bishe- rigen Arbeitsstelle bei Dr. B.____ aus gesundheitlichen Gründen zumutbar gewesen war. Be- ruht der angefochtene Entscheid auf einer unvollständig en Sachverhaltsfeststellung, ist die Be- schwerde gutzuheissen und die Angelegenheit zur weitere n Abklärung und zur Neubeurteilung an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Parteientschädigungen sind nicht auszurichten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tenen Einsprache- entscheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse vom 11. De zember 2018 aufgehoben und die Angelegenheit zur Vornahme weite rer Abklärun- gen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neu en Verfügung an die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.