B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-662/2013 U r t e i l v o m 1 6 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Michael Beusch, Richter Pascal Mollard, Gerichtsschreiber Beat König. Parteien A._______ AG, vertreten durch Rechtsanwälte Dr. iur. Thomas Eichenberger und MLaw Claudio Helmle, Beschwerdeführerin, gegen Zollkreisdirektion Schaffhausen, handelnd durch die Oberzolldirektion (OZD), Hauptabteilung Zolltarif und Aussenhandelsstatistik, Vorinstanz. Gegenstand Zolltarif. A-662/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 2 4. Oktober 2011 meldete die B._______ AG bei der Zollstel le C._______ (hiernach: Zollstelle) eine für die A._______ AG (hiernach: Zollpflichtige oder Beschwerdeführerin) bestimmte Sendung im EDV - Verfahren wie folgt zur Einfuhr an: Ware: Andere Arzneiwaren, keine Betäubungsmittel und Antibotika enthaltend, X._______ Tarifnummer: 3004.9000 Eigengewicht: 3613.449 Rohgewicht: 5395.0 Ansatz: 0.00 Die Zollstelle beschaute die Ware und entnahm zwei Warenmuster. Mit provisorischer Veranlagung Nr. […] vom 25. Oktober 2011 veranlagte sie provisorisch einen Zoll von Fr. 0.-. B. Die Zollstelle überwies die anlässlich de r vorerwähnten Beschau erhob e- nen Muster zwecks Überprüfung der Tarifeinreihung an die Oberzolldirek- tion (OZD). Die unterbreiteten Muster wurden durch die Sektion Ch e- misch-technische Kontrolle (SCTK) der OZD untersucht. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse teilte die OZD der Zollkreisdirektion Schaf f- hausen am 5. Dezember 2011 im Wesentlichen folgenden Zollbefund mit: "X._______ - 1000 Ergänzungsnahrungsmittel gelbe, ovale transparente Weichgelatinekapseln (sog. Snipp -off-Kapseln können aufgeschnitten und ausgepresst oder als Ganzes konsumiert we r- den) mit einer Füllung aus Nachtkerzenöl mit Zusatz von etwas Vitamin E, in Aufmachung für den Einzelverkauf mit zwei Kunststoffdosen à je 120 Ka p- seln Tarifnummer: 1515.9099" Gestützt auf diesen Zollbefund der OZD nahm die Zollstelle die definitive Veranlagung nach Tarifnummer 1515.9099 vor und erhob mit definitiver A-662/2013 Seite 3 Veranlagungsverfügung Nr. […] vom 30. Dezember 2011 für die eing e- führte Ware einen Zoll von Fr. 8'467.45. C. Gegen diese Veranlagungsverfügung liess die Zollpflichtige am 17. Februar 2012 Beschwerde bei der Zollkreisdirektion Schaffhausen e r- heben. Sie beantragte, die Sendung sei als Arzneimittel der Zolltarif - Nummer 3004.9000 zuzuweisen. Mit kostenpflichtigem Entscheid vom 9. Januar 2013 wies die Zollkreisdi- rektion die Beschwerde im Wesentlichen mit der Begründung ab, das im Streit liegende Produkt X._______ könne zollrechtlich nicht als Arzneimit- tel qualifiziert werde n, weil es lediglich zur unterstützenden Beha ndlung von Hautkrankheiten angepriesen werde. D. Gegen diesen Entscheid liess die Zollpflichtige mit Eingabe vom 8. Fe b- ruar 2013 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben. Sie b e- antragt die Aufhebung des Entscheides der Zollkreisdirektion unter Ko s- ten- und Entschädigungsfolge. Ferner fordert sie, die eingeführte Ware X._______ sei als Arzneimittel der Zolltarif nummer 3004.9000 zuzuwe i- sen und zollfrei zu erklären. Sie macht im Wesentlichen geltend, dieses Erzeugnis komme als von der Swissmedic zugela ssenes Arzneimittel bei der Behandlung von atopischen Ekzemen zur Anwendung und sei damit auch zollrechtlich als Arzneiware zu qualifizieren. E. In ihrer Vernehmlassung vom 16. April 2013 beantragt die Oberzolldire k- tion (OZD) die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. F. Mit unaufgefordert eingereichter Eingabe vom 6. Mai 2013 hält die B e- schwerdeführerin sinngemäss an ihre r Beschwerde fest . Zudem bean- tragt sie im Sinne einer Beweisofferte die Einholung eines Gutachtens der Gesellschaft H._______ zur Frage, ob es sich bei atopischen, ekzemat ö- sen Hauterkrankungen um eine klar bestimmte Krankheit im zollrechtl i- chen Sinne handle. G. Auf weitere Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der folgenden Er wägungen eingegangen. A-662/2013 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Beschwerdeentscheide der Zollkreisdirektionen können gemäss Art. 31 in Verbindung mit Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) grundsätzlich beim Bundesverwaltungsgericht ang e- fochten werden. Im Verfahren vor dieser Instanz wird die Zollverwaltung durch die OZD vertreten (Art. 116 Abs. 2 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0]). Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG) – nach den Vorschriften des Ver- waltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Die Beschwerdeführerin ist durch den angefochtenen En t- scheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufh e- bung (Art. 48 VwVG). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Auf das Verfahren der Zollveranlagung selbst findet das VwVG keine Anwendung (Art. 3 Bst. e VwVG). Die Zollveranla gung unterliegt den durch das Selbstdeklarationsprinzip getragenen spezialgesetzlichen Ve r- fahrensvorschriften des Zollrechts, welche dem VwVG vorgehen (statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-3130/2011 vom 20. März 2012 E. 1.2.1, A-829/2011 vom 30. Dezember 2011 E. 1.2, A-8527/2007 vom 12. Oktober 2010 E. 1.2, A-4617/2007 vom 14. Januar 2009 E. 1.2). 1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Beschwe r- deentscheid in vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der un- richtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sac h- verhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit e r- heben (Art. 49 Bst. c VwVG). Im Beschwerdeverfahren g ilt die Unte rsu- chungsmaxime, wonach der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist (vgl. zum Ganzen: ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 1623 ff.; ALFRED KÖLZ, Prozessmaximen im schweizerisch en Verwal- tungsprozess, Zürich 1974, S. 93 ff.). Allerdings ist es grundsätzlich nicht Sache der Rechtsmittelbehörden, den für den Entscheid erheblichen Sachverhalt von Grund auf zu ermitteln und über die tatsächlichen Vo r- bringen der Parteien hinaus den Sac hverhalt vollkommen zu erforschen (BVGE 2007/27 E. 3.3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A - 1942/2011 vom 18. November 2011 E. 1.3, A-5550/2008 vom 21. Oktober A-662/2013 Seite 5 2009 E. 1.5; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Pr o- zessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 1.52). Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann das Beweisverfahren ge - schlossen werden, wenn die noch im Raum stehenden Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, etwa wei l ihnen die Beweiseignung abgeht oder umgekehrt die betreffende Tatsache aus den Akten bereits genügend ersichtlich ist (sog. "antizipierte Beweiswürdigung"; BGE 131 I 153 E. 3 mit Hinweisen; vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1265/2011 vom 3. Juli 2012 E. 1.3, A-1107/2008 und A -1108/2008 vom 15. Juni 2010 E. 1.2.2; MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.144 mit Hinweisen). 2. 2.1 Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden, sind zollpflichtig und müssen nach dem ZG sowie nach dem Zolltarifge- setz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) veranlagt werden (vgl. Art. 7 ZG). Der Zollbetrag bemisst sich nach Art, Menge und Beschaffenheit der Ware im Zeitpunkt, in dem sie der Zollstelle angemeldet wird (Art. 19 Abs. 1 Bst. a ZG) und nach den Zollansätzen und Bemessungsgrundl a- gen, die im Zeitpunkt der Entstehung der Zollschuld gelten (Art. 19 Abs. 1 Bst. b ZG). 2.2 Alle Waren, die über die schweizerische Zollgrenze ein - und ausge- führt werden, müssen nach dem Generaltarif verzollt werden (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. den Anhängen 1 und 2 ZTG). Vorbehalten bleiben Abwe i- chungen, die sich ergeben aus Staatsverträgen, besonderen Bestimmu n- gen von Gesetzen sowie Verordnungen des Bundesrates, die sich auf dieses Gesetz abstützen (Art. 1 Abs. 2 ZTG; Urteil des Bund esverwal- tungsgerichts A-1134/2011 vom 2. Dezember 2011 E. 2.1). 2.2.1 Unter dem Begriff Generaltarif (vgl. Art. 3 ZTG) ist ein unter Beac h- tung der inländischen Gesetzgebung und unter Berücksichtigung der n a- tionalen Bedürfnisse geschaffener Zolltarif zu verstehen. Er enthält die Tarifnummern, die Bezeichnungen der Waren, die Einreihungsvorschri f- ten, die Zollkontingente sowie die höchstmöglichen Zollansätze, wie sie grösstenteils im GATT/WTO-Abkommen (Abkommen vom 15. April 1994 zur Errichtung der Welthandelsorganisation, SR 0.632.20, für die Schweiz in Kraft seit 1. Juli 1995; mit Anhängen) konsolidiert wurden. Die Struktur des Generaltarifs basiert auf der Nomenklatur des internationalen Übe r- einkommens vom 14. Juni 1983 über das Harmonisierte System zur B e-A-662/2013 Seite 6 zeichnung und Codierung der Waren (nachfolgend: HS -Übereinkommen, SR 0.632.11). Der Gebrauchstarif (vgl. Art. 4 ZTG) entspricht im Aufbau dem Generaltarif und enthält die aufgrund von vertraglichen Abmachu n- gen und von autonomen Massnahmen ermässigten Zoll ansätze. Er w i- derspiegelt die in Erlassen festgelegten gültigen Zollansätze (vgl. zum Ganzen auch Botschaft vom 19. September 1994 zu den für die Ratifizie- rung der GATT/WTO -Übereinkommen [Uruguay -Runde] notwendigen Rechtsanpassungen, BBl 1994 IV 1004 f.; v gl. auch Botschaft vom 22. Oktober 1985 betreffend das Internationale Übereinkommen über das Harmonisierte System zur Bezeichnung und Codierung der Waren [HS] sowie über die Anpassung des schweizerischen Zolltarifs, BBl 1985 III 377 f.; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-829/2011 vom 30. Dezember 2011 E. 2.4.1, A-3197/2009 vom 10. Mai 2011 E. 2.1.1, A- 8527/2007 vom 12. Oktober 2010 E. 2.5.1.1). 2.2.2 Der Generaltarif wird in der Amtlichen Sammlung des Bundesrechts (AS) nicht veröffentlicht. Die Veröffentlichung erfolgt durch Verweis (Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004 über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt [Publikationsgesetz, PublG, SR 170.512]). Der Generaltarif kann bei der OZD eingesehen oder im I n- ternet (unter www.ezv.admin.ch) abgerufen werden. Dasselbe gilt für den Gebrauchstarif (Art. 15 Abs. 2 und Anhänge 1 und 2 ZTG; Fussnote 29 zum ZTG; Art. 15 der Verordnung vom 17. November 2004 über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt [Publikationsve r- ordnung, PublV, SR 170.512.1]). Trotz fehlender Veröffentlichung in der AS kommt dem Generaltarif Gesetzesrang zu (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-5127/2011 vom 19. Oktober 2012 E. 2.1.3, A-5368/2011 vom 24. April 2012 E. 2.4, A-829/2011 vom 30. Dezember 2011 E. 2.4.1, A-1753/2006 vom 23. Juni 2008 E. 2.2 mit Hinweis). 2.3 2.3.1 Die Vertragsstaaten des HS-Übereinkommens (vgl. E. 2.2.1), darun- ter die Schweiz, sind verpflichtet, ihre Tarifnomenklaturen mit dem Ha r- monisierten System (HS) in Ü bereinstimmung zu bringen und beim Erstellen der nationalen Tarifnomenklatur alle Nummern und Unternu m- mern des HS sowie die dazugehörenden Codenummern zu verwenden, ohne dabei etwas hinzuzufügen oder zu ändern. Sie sind verpflichtet, die Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des HS (siehe dazu hinten E. 2.4.2) sowie alle Abschnitt-, Kapitel- und Unternummern-Anmerkungen anzuwenden. Sie dürfen den Geltungsbereich der Abschnitte, Kapitel, Nummern oder Unternummern des HS nicht verändern und sie haben die A-662/2013 Seite 7 Nummernfolge des HS einzuhalten (Art. 3 Ziff. 1 Bst. a des HS - Übereinkommens). 2.3.2 Die Vertragsstaaten des HS -Übereinkommens beabsichtigen eine einheitliche Auslegung der völkerrechtlich festgelegten Nomenklatur (vgl. Art. 7 Ziff. 1 Bst. b und c, Art. 8 Ziff. 2 des HS -Übereinkommens). Dazu dienen insbesondere verbindli che Auslegungsregeln (" Règles générales pour l'interprétation du Système Harmonisé "), die das Vorg e- hen bei der Tarifierung im Detail regeln (vgl. Urteile des Bundesverwa l- tungsgerichts A-3197/2009 vom 10. Mai 2011 E. 2.2.3, A-8527/2007 vom 12. Oktober 2010 E. 2.6.2, A-1753/2006 vom 23. Juni 2008 E. 2.6). Den- selben Zweck erfüllen die sog. " Avis de classement " (nachfolgend auch: Einreihungsavisen) und die " Notes explicatives du Système Harmonisé " (nachfolgend: Erläuterungen), welche vom Rat für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Zollwesens (Weltzollrat; heute: Weltzollorganisation) auf Vorschlag des Ausschusses des Harmonisierten Systems (nachfo l- gend: Ausschuss) genehmigt worden sind (Art. 1 Bst. e und f i.V.m. Art. 7 Ziff. 1 Bst. a-c i.V.m. Art. 8 Ziff. 2 und 3 des HS -Übereinkommens). Diese Vorschriften sind als materiell internationales (Staatsvertrags -)Recht für das Bundesverwaltungsgericht verbindlich. Die Vertragsstaaten haben einzig nach Art. 7 Ziff. 1 sowie Art. 8 Ziff. 1 und 2 des HS - Übereinkommens die Möglichkeit, die Überprüfung oder Änderung der Er- läuterungen und Einreihungsavisen zu veranlassen (vgl. Urteile des Bu n- desverwaltungsgerichts A -5368/2011 vom 24. April 2012 E. 2.5.2, A - 829/2011 vom 30. Dezember 2011 E. 2.5.2, A -3197/2009 vom 10. Mai 2011 E. 2.2.3, A-3151/2008 vom 26. November 2010 E. 2.2.3, A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.2.3). B ei einer Änderung eines Einreihungsavis durch die internationalen Organe richtet sich die Frage nach dem a n- wendbaren Tarif nach den Regeln der Rechtsänderung und nicht jener der Praxisänderung (BGE 119 Ib 103 E. 4). Entsprechend gelangt der Grundsatz zur Anwendung, dass diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Verwirklichung des zu Rechtsfolge n führenden Sachver- halts in Geltung standen (statt vieler: BGE 119 Ib 103 E. 5; BVGE 2007/25 E. 3.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1942/2011 vom 18. November 2011 E. 2.2.3). 2.4 2.4.1 Für die Tarifeinreihung massgebend sind die Art, Menge und B e- schaffenheit der Ware zum Zeitpunkt, in dem sie unter Zollkontrolle g e- stellt worden ist (vgl. Art. 19 Abs. 1 Bst. a ZG). Auf den Verwendung s- zweck ist demgegenüber nur dann abzustellen, wenn dies in den einze l-A-662/2013 Seite 8 nen Tarifpositionen als Einreihungskriterium ausdrücklich festgehalten ist. Ist dies nicht der Fall, kommt dem Verwendungszweck wie auch dem Preis, der Verpackung, der Bezeichnung durch Hersteller oder Empfänger der Ware lediglich hinweisende, nicht aber ausschlaggebende Bedeutung zu (Urteile des Bundesverwaltungs gerichts A -1942/2011 vo m 18. November 2011 E. 2.3.1, A -3151/2008 vom 26. November 2010 E. 2.3.1, A -642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.3.1, A -1734/2006 vom 10. Juli 2009 E. 2.3.1). 2.4.2 Hinsichtlich der Auslegung sehen die von den schweizeris chen Zollbehörden angewendeten "Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des Harmonisierten Systems " (AV) übereinstimmend mit den " Allgemei- nen Vorschriften für die Auslegung des HS" des offiziellen Textes des HS- Übereinkommens in Ziff. 1 vor, dass für die Tarifeinreihung einer Ware der Wortlaut der Nummern und der Abschnitt - oder Kapitel-Anmerkungen so- wie die weiteren Allgemeinen Vorschriften, soweit diese dem Wortlaut der Nummern und der Anmerkungen nicht widersprechen, massgebend sind. Bei den Überschriften der Abschnitte, Kapitel oder Unterkapitel handelt es sich hingegen um blosse Hinweise. Bei der Bestimmung der zutreffenden Tarifnummer ist somit in der gesetzlich festgelegten Reihenfolge (Tariftext – Anmerkungen – Allgemeine Vorschriften) vorzugehen. Die nächstfo l- gende Vorschrift ist immer erst dann heranzuziehen, wenn die vorang e- hende Bestimmung nicht zum Ziel geführt, d.h. keine einwandfreie Tarifie- rung ermöglicht hat (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A - 829/2011 vo m 30. Dezember 2011 E. 2.5.3, A -1942/2011 vom 18. November 2011 E. 2.3.2, A-3197/2009 vom 10. Mai 2011 E. 2.3.2, A- 3151/2008 vom 26. November 2010 E. 2.3.2, A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.3.2, A-1772/2006 vom 11. September 2008 E. 2.2.2). 2.4.3 Kommen für die Einreihung von Waren zwei oder mehrere Nu m- mern in Betracht, sieht Ziff. 3 AV folgende drei Einreihungsmethoden vor: a) Die Nummer mit der genaueren Warenbezeichnung geht vor. b) W a- ren, die aus verschiedenen Stoffen oder Bestandteilen bestehen, werden nach dem Stoff oder Bestandteil eingereiht, der ihnen ihren wesentlichen Charakter verleiht. c) Die Ware ist der in der Nummernfolge zuletzt g e- nannten gleichermassen in Betracht kommenden Nummer zuzuweisen. Die genannten Vorschriften sind in der aufgeführten Reihenfolge anz u- wenden, das heisst, die Vorschrift der Ziff. 3 b) AV ist nur dann anzuwen- den, wenn die Vorschrift der Ziff. 3 a) AV für die Einreihung keine Lösung brachte etc. Die Vorschriften finden zudem nur Anwendung, wenn sie dem Wortlaut der Nummern und der Abschnitt - oder Kapitel -Anmer-A-662/2013 Seite 9 kungen nicht widersprechen. Gemäss Ziff. 4 AV sind Waren, die aufgrund der vorstehenden Vorschriften nicht eingereiht werden können, in die Nummer einzureihen, die für Waren zutrifft, denen sie am ähnlichsten sind (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A -1942/2011 vom 18. No- vember 2011 E. 2.3.3, A-3197/2009 vom 10. Mai 2011 E. 2.3.3). 2.5 Tarifeinreihungen ausländischer Zollbehörden sind für die schweizer i- sche Zollverwaltung formell nicht verbindlich. Allerdings müssen sachlich überzeugende Gründe vorliegen, damit die Schw eizerische Zollverwa l- tung ein identisches Produkt anders qualifiziert, als dies Zollverwaltungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union ( EU) – gestützt auf Veror d- nungen der EU -Kommission – tun (Urteile des Bundesverwaltungsg e- richts A -1217/2011 vom 29. Februar 2012 E. 2.4, A -1942/2011 vom 18. November 2011 E. 2.4, A -1734/2006 vom 10. Juli 2009 E. 4.1, A - 1675/2006 vom 21. März 2007 E. 3.6, mit Hinweis; MICHAEL BEUSCH, Der Einfluss "fremder" Richter – Schweizer Verwaltungsrechtspflege im inter- nationalen Kontext, in: Schweizerische Juristenzeitung [SJZ] Nr. 109/2013 S. 349 ff., S. 356). 3. 3.1 3.1.1 Die Tarifnummer 1515 umfasst – soweit hier interessierend – fol- gende Waren: 1515 Andere pflanzliche Fette und andere fette pflanzliche Öle (ei n- schliesslich Jojoba -Öl) und ihre Fraktionen, auch raffiniert, aber nicht chemisch modifiziert: - Leinöl und seine Fraktionen: - Maisöl und seine Fraktionen: - Rizinusöl und seine Fraktionen: - Sesamöl und seine Fraktionen: 1515.90 - andere: - - Getreidekeimöl: - - Jojoba-Öl und seine Fraktionen: - - Tungöl (Holzöl) und seine Fraktionen: - - andere: 1515.9091 - - - zu Futterzwecken - - - andere: 1515.9098 - - - - in Zisternen oder Metallfässern 1515.9099 - - - - andere A-662/2013 Seite 10 Die Tarifnummer gehört zum Abschnitt III "Tierische und pflanzliche Fette und Öle; Erzeugnisse ihrer Spaltung; zubereitete Speisefette; Wachse tierischen oder pflanzlichen Ursprungs". 3.1.2 Soweit hier in teressierend fallen unter Tarifnummer 3004 folgende Waren: 3004 Arzneiwaren (ausgenommen Erzeugnisse der Nrn. 3002, 3005 oder 3006), bestehend aus gemischten oder ungemischten zu therapeut i- schen oder p rophylaktischen Zwecken zubereiteten Erzeugnissen, d o- siert (einschliesslich derer, welche zur perkutanen Verabreichung b e- stimmt sind) oder in Aufmachungen für den Einzelverkauf: 3004.9000 - andere Die Tarifnummer 3004 gehört zu Abschnitt VI "Erzeugnisse der che mi- schen Industrie oder verwandter Industrien" und hierin zu Kapit el 30 "Pharmazeutische Erzeugnisse". Nicht zu Kapitel 30 zählen indessen gemäss Anmerkung 1a zu diesem Kapitel "diätetische Nahrungsmittel, angereicherte Nahrungsmittel, Nahrungsmittel für die Diabetiker, Ergä n- zungsnahrung, tonische Getränke und Mineralwasser, [sowie] andere als intravenös zu verabreichende Nährstoffe (Abschnitt IV)". Die Erläuteru n- gen (D.6) zu Kapitel 30 halten unter anderem fest, dass unter Tarif num- mer 3004 keine Ergä nzungsnahrungsmittel fallen, welche "Vitamine oder Mineralsalze enthalten und zur Erhaltung der Gesundheit dienen, die aber keine Angaben über die Verhütung oder Behandlung einer Krankheit enthalten". Diese Erzeugnisse, welche gewöhnlich in flüssiger Form vor- lägen, jedoch auch pulverförmig oder tablettiert sein könnten, würden im Allgemeinen zu Tarifnummer 2106 oder zu Kapitel 22 gehören. Gemäss den "Notes explicatives" zur Tarifnummer 3004 wird sodann un- ter anderem verlangt, dass die pharmazeutischen Erzeugnisse erkennbar derart aufgemacht sind, dass sie unmittelbar an die Verbraucher (Einze l- personen, Spitäler usw.) zu therapeutischen oder prophylaktischen Zw e- cken abgegeben werden können. Es müssen in irgendeiner Form en t- sprechende Angaben vorhanden sein zu r Art der Beschwerden, gegen die sie gebraucht werden sollen, zur Anwendungsweise, zur jeweils ei n- zunehmenden Menge usw. Diese Angaben können auf dem Behältnis oder auf der Verpackung angebracht, in der dem Erzeugnis beigefügten Drucksachen oder auf irgend eine andere Weise vermerkt sein (vgl. "No- tes explicatives" zur Nummer 3004 Bst. b). A-662/2013 Seite 11 Anders gesagt hat ein Erzeugnis zur Verhütung oder Behandlung einer klar umschriebenen Krankheit (Schädigung, Störung) bestimmt zu sein, um als Arzneimittel im Sinne der ( internationalen) zollrechtlichen Bestim- mungen gelten zu können. Dieses Erfordernis gilt denn auch nach gefe s- tigter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sowie der früh e- ren Zollrekurskommission (ZRK); es bildet das entscheidende Kriterium zur Abgrenzung der Arzneiware vom Ergänzungsnahrungsmittel (vgl. zum Ganzen Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2748/2008 vom 16. Oktober 2009 E. 3.1.2, A-1718/2006 vom 7. Dezember 2007 E. 2.6.2; Entscheide der ZRK vom 19. Januar 2000, VPB 64.109 E. 2a und 4a, vom 27. Oktober 1994, VPB 59.34 E. 3a und 3a.bb, 2003 -018 vom 18. April 2005 E. 4a.aa und 4b.aa, mit weiteren Hinweisen). 3.2 Gestützt auf diese Kriterien hat die ZRK entschieden, dass beispiels- weise Vitamin-C-Kapseln keine prophylaktische oder therapeutische Wir- kung in Bezug auf eine klar bestimmte Krankheit im Sinne der Tarifnu m- mer 3004 haben, da sie in genereller Weise einen Vitamin-C-Mangel be- heben oder der Deckung eines erhöhten Vitamin -C-Bedarfes dienen so l- len (Entscheid der ZRK 2003 -018 vom 18. April 2005 E. 4a.b.cc). Auch Kapseln, die gegen eine Reihe von wenig präzis beschriebenen B e- schwerden wirken sollen wie Müdigkeit, Reizbarkeit und Konzentration s- schwäche, wurden nicht als Arzneimittel im Sinne des Zolltarifes eing e- reiht (Entscheid de r ZRK vom 27. Oktober 1994, a.a.O., E. 3a.bb). Nicht als Arzneimittel qualifizier t wurden sodann Wacholder-Kapseln, da " Ver- dauungsbeschwerden wie Aufstossen, Sodbrennen, Völlegefühl und Bl ä- hungen", zu deren Linderung die Kapseln beitragen sollen, nicht als ei- gentliche Krankheiten und auch nicht als Symptome von Krankheiten im Sinne der zollrechtlichen Bestimmungen zu werten sind (Entscheid der ZRK 843/93 vom 12. Mai 1995 E. 4). Hingegen wurde als Arzneiware im Sinne des Zollrechts „Aktiferrin -F Suscaps“ ein geordnet. Dieses Produkt dient der Behebung eines nachgewiesenen Eisen - und Folsäuremangels bei Schwangeren und Stillenden. Es ist damit geeignet, gezielt den durch einen Folsäuremangel verursachten, klar umschriebenen Schädigungen oder Störungen des mensc hlichen Körpers entgegenzuwirken (Entscheid der ZRK vom 19. Januar 2000, VPB 64.109 E. 5c). In einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Dezember 2007 wurde sodann au s- geführt, dass Bachblütenessenzen, welche zur Behandlung von alltägl i- chen emotionalen Unausgeglichenheiten eingesetzt würden, lediglich der Unterstützung des allgemeinen Wohlbefindens dienten und deshalb nicht als Arzneimittel gemäss den in Tarifnummer 3004 festgehaltenen Kriterien A-662/2013 Seite 12 gelten (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A -1718/2006 vom 7. D e- zember 2007 E. 3.2.3). 3.3 Bei der Untersuchung der Frage, ob das allein massgebende Kriter i- um der prophylaktischen oder therapeutischen Wirkung in Bezug auf eine klar bestimmte Krankheit erfüllt ist, kommt praxisgemäss den Angaben auf dem Packungsp rospekt oder allenfalls der Packung selbst entsche i- dende Bedeutung zu (Entscheid der ZRK 2003 -018 vom 18. April 2005 E. 4.b.aa, mit weiteren Hinweisen). 3.4 Die Zoll - und die Heilmittelgesetzgebung (vgl. Bundesgesetz vom 15. Dezember 2000 über Arzneimittel un d Medizinprodukte [Heilmittelge- setz, HMG, SR 812.21]) befassen sich mit verschiedenen Regelungsi n- halten und sollen unterschiedliche Zielsetzungen erfüllen. Das schweiz e- rische Heilmittelgesetz dient einer wirksamen einheitlichen Kontrolle der Heilmittel und damit dem Schutz der Gesundheit der Menschen. Dies soll erreicht werden, indem – unter Aufsicht der Swissmedic – nur qualitativ hochstehende, sichere und wirksame Heilmittel in Verkehr gebracht we r- den (vgl. Art. 1 HMG; vgl. auch Bundesblatt [BBl] 1999 3453, 3455 f.). Im Unterschied dazu steht bei der Zollgesetzgebung die Generierung von Abgaben durch die Besteuerung des grenzüberschreitenden Warenve r- kehrs im Zentrum. Die Zollerhebung soll allerdings auf einem Klassifizi e- rungssystem basieren, das den intern ationalen Handel nicht übermässig erschwert. Dies wird u.a. durch das HS ermöglicht, so dass die Waren beim Übergang von einem zum anderen Staat nicht neu bezeichnet, neu eingereiht und neu codiert werden müssen (vgl. die Präambel des Übe r- einkommens). Von der einheitlichen Bezeichnung der Waren nach einem international anerkannten System, das von den Zollverwaltungen, den mit der Erstellung von Statistiken im internationalen Warenverkehr betrauten Stellen, den Transportunternehmen und nicht zuletzt im Verkehr zwischen einzelnen Firmen angewendet werden kann, wird eine weltweite Verei n- fachung der Formalitäten und dadurch eine raschere Abwicklung des i n- ternationalen Warenaustausches erwartet (vgl. BBl 1985 III 357, 362). Die Qualifikation eines Produkts als Arzneimittel durch die Swissmedic (bzw. vorgängig die „Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel“ [IKS]) kann deshalb für die Zolltarifierung in keiner Weise verbindlich sein, li e- gen doch deren Beurteilungen als Einrichtung der Heilmittelgesetzgebung und der -kontrolle andere Kriterien zu Grunde als bei der Zolltarifierung (vgl. Entscheide der ZRK vom 19. Januar 2000, a.a.O., E. 4a, 2003 -018 A-662/2013 Seite 13 vom 18. April 2005 E. 4a.bb, 843/93 vom 12. Mai 1995 E. 4a mit weiteren Hinweisen). Es bestehen zudem keine Vorschriften, welche eine Bindung der mit der Zolltarifierung befassten Behörden an Begutachtungen durch die Swissmedic vorsehen würden. Immerhin kann die Qualifikation eines Produkts durch die Swissmedic unter Umständen gewi sse Hinweise li e- fern. So spricht etwa die Zulassung eines Erzeugnisses zum Verkauf in Apotheken oder Drogerien mit Publikumsreklame gegen die zollrechtliche Qualifikation als Arzneiware (vgl. Entscheid der ZRK vom 19. Januar 2000, a.a.O., E. 4a; s. zum Gan zen auch Urteil des Bundesverwaltung s- gerichts A-1718/2006 vom 7. Dezember 2006 E. 2.6.4). 3.5 3.5.1 Beim vorliegend importierten Produkt X._______ handelt es sich um transparente, weiche sog. Snipp-off-Kapseln (Kapseln, die aufgeschnitten und ausgepresst oder als Ganzes konsumiert werden können) mit eine r Füllung aus Nachtkerzenöl sowie einem Zusatz von etwas Vitamin E. Die Kapselhüllen bestehen aus modifizierter Maisstärke, Wasser, Glyserol, Carrageenan und Natriumdiphosphat (vgl. Vernehmlassungsbeilage 15). Die Kapseln sind in Kunststoff -Dosen verpackt, welche ihrerseits in Fal t- schachteln abgepackt sind. Für die Einreihung des streitbetroffenen Produkts kommen die Tarifnum- mern 1515 und 3004 in Frage. Freilich kann die anzuwendende Tari f- nummer unbestrittenermassen allein aufgrund des Wortlauts dieser Nummern nicht bestimmt werden. 3.5.2 Es gilt deshalb zu prüfen, ob die Bestimmung der zutreffenden T a- rifnummer aufgrund der Anmerkungen erfolgen kann. Es stellt sich fol g- lich die Frage, ob es sich vorliegend um ein Ergänzun gsnahrungsmittel handelt, das gemäss Anmerkung 1a zu Kapitel 30 des Gebrauchszollt a- rifs 1986 nicht zu diesem Kapitel gehört. Dies gilt es nun unter Heranzi e- hung des genannten Kriteriums zur Abgrenzung zwischen Arzneimitteln und Ergänzungsnahr ungsmitteln zu klären, wobei der Verpackungsauf- schrift und de m Packungsprospekt entscheidende Bedeutung zukommt (vgl. hiervor E. 3.1.2–3.4). Auf der Verpackungsaufschrift des Produkts X._______ findet sich der Vermerk "Pflanzliches Arzneimittel – bei atopischen, ekzema tösen Haut- erkrankungen". Zur Anwendung des Produktes wird dabei ergänzend Folgendes ausgeführt: A-662/2013 Seite 14 "Zur unterstützenden Behandlung und zur symptomatischen Erleichterung von atopischen, ekzematösen Hauterkrankungen mit begleitendem Juckreiz." Zum Wirkstoff u nd zum Anwendungsgebiet des Produkts findet sich s o- dann in der Packungsbeilage insbesondere der folgende Hinweis: "Der wirksame Bestandteil in X._______ ist das aus den Samen der Nach t- kerze gewonnene Pflanzenöl […]. In diesem Öl ist eine wichtige Fettsäure enthalten, die Gamolensäure […]. Normalerweise wird Gamolensäure im Körper aus den mit der Nahrung zugeführten Fettsäuren gewonnen. Bei P a- tienten mit Hauterkrankungen, die sich als juckende Ekzeme bemerkbar m a- chen, ist die Konzentration von Gamolensäure i m Blut erniedrigt. Hierin wird ein Grund für die Hautstörungen vermutet. Mit dem Öl der Nachtkerzens a- men wird dem Körper Gamolensäure direkt zugeführt und der Mangel au s- geglichen." Zur Anwendungsweise von X._______ wird in der Packungsbeilage n a- mentlich Folgendes festgehalten: "Soweit nicht anders verordnet nehmen Erwachsene 2 x täglich den Inhalt von 2–3 Kapseln ein, Kinder im Alter von 1 –12 Jahren nehmen 2 x täglich den Inhalt von 1–2 Kapseln ein. […] Es ist möglich, dass sich in den ersten Wochen der Behandlung die Sy m- ptome verschlechtern. Bei Verschlechterung des Ekzems sollten Si e Ihren Arzt um Rat fragen. Er e ntscheidet dann, ob die Behandlung mit X._______ abgebrochen oder weitergeführt werden soll. Halten Sie sich an die in der Packungsbeilage an gegebene oder vom Arzt verschriebene Dosierung. Wenn Sie glauben, das Arzneimittel wirke zu schwach oder zu stark, so sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Apotheker oder Dr o- gisten bzw. mit Ihrer Ärztin, Apothekerin oder Drogistin." Das Produkt ist gemäss Verpacku ngsaufschrift und Packungsbeilage o h- ne ärztliche Verschreibung in Apotheken und Drogerien erhältlich. Die erwähnten Elemente der Verpackungsaufschrift und Packungsbeilage finden sich sodann in der von der Swissmedic genehmigten Patienteni n- formation des Arzneimittel-Kompendiums der Schweiz (vgl. Beschwerd e- beilage 7). 3.5.3 Nach Auffassung der Vorinstanz ist "eine unterstützende Behand- lung gegen Hauterkrankungen, die den Juckreiz günstig beeinflussen kann, keine [für eine Qualifikation als Arzneimittel im Sinne de s Zolltarifs] genügende Anpreisung zu therapeutischen oder prophylaktischen Zw e- cken gegen eine klar bestimmte Krankheit" (E. 7 des angefochtenen B e-A-662/2013 Seite 15 schwerdenentscheides; vgl. auch Vernehmlassung, S. 9). Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, bei atopischen Ekzemen handle es sich um eine klar umschriebene Krankheit und ihr Produkt sei für die Behandlung dieser Krankheit bestimmt (vgl. insbesondere Beschwerde, S. 10). Die erwähnten Hinweise auf der Verpackung, der Packungsbeilage und in der Patient eninformation des Arzneimittel -Kompendiums der Schweiz sind zwar hinsichtlich der Frage, ob darin auf eine klar bestimmte Kran k- heit Bezug genommen wird, durch die Rede von "Haut erkrankungen" verhältnismassig allgemein gehalten. Jedoch ist zugunsten der B e- schwerdeführerin zu berücksichtigen, dass jeweils nicht generell "Haut er- krankungen" erwähnt sind, sondern der Kreis der angesprochenen de r- matologischen Erkrankungen auf atopische, ekzematöse Hauterkrankun- gen mit begleitendem Juckreiz beschränkt wird . Es geht weder aus den Akten hervor noch bestehen Anhaltspunkte, dass es ganz unterschiedl i- che Arten solcher Hautkrankheiten gibt. Vielmehr kann als gerichtsnot o- risch gelten, dass die "atopischen, ekzematösen Hauterkrankungen mit begleitendem Juckreiz" im hiervor E. 3.5 .2 erwähnten Sinne mit atop i- schen Ekzemen mit begleitendem Juckreiz identisch sind bzw. keine wei- teren Hauterkran kungen mit umfassen. Letzteres suggerieren auch die Ausführungen in der Beschwerde, welche insoweit seitens der Vorinstanz nicht substantiiert bestritten wurden. Bei atopischen Ekzemen mit begleitendem Juckreiz handelt es sich damit – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – um eine klar umschriebene bzw. klar bestimmte Krankheit im hiervor (E. 3.1.2 und 3.2 ) genannten Sinn. 3.5.4 Zu klären ist sodann, ob das in Frage stehende Produkt mit Bezug auf atopische Ekzeme mit begleitendem Juckreiz in der für die zollrechtl i- che Qualifikation als Arzneimittel erforderlichen Art prophylaktische oder therapeutische Wirkung entfaltet. 3.5.4.1 Nach der erwähnten Darstellung in der streitbetroffenen P a- ckungsbeilage und der Patienteninformation des Arzneimittel - Kompendiums kann X._______ der – bei Betroffenen mit juckenden E k- zemen vermutungsweise für diese Erkrankungen ursächlichen – ernied- rigten Konzentration von Gamolensäure im Blut entgegenwirken. Demz u- folge basiert die in diesen Unterlagen in Zusammenhang mit der Behan d- lung von atopischen Ekzemen mit begleitendem Juckreiz behauptete u n-A-662/2013 Seite 16 terstützende therapeutische Wirkung auf einer Vermutung. Dies er U m- stand vermag aber für sich allein die zollrechtliche Qualifikation des Pr o- duktes als Arzneimittel nicht auszuschliessen. Denn entsprechend den vorstehenden Ausführungen (vorn E. 3. 1.2) muss es grundsätzlich gen ü- gen, wenn das Erzeugnis – wie dies vorli egend der Fall ist – für die Be- handlung einer klar umschriebenen Krankheit bestimmt ist. 3.5.4.2 Immerhin fragt sich, ob zollrechtlich dann nicht von einem Arzne i- mittel ausgegangen werden kann, wenn ein Produkt nach seiner Aufma- chung (Packung, Packungsbeilage etc.) zwar für die therapeutische B e- handlung einer klar umschriebenen Krankheit bestimmt, jedoch wirkungs- los ist. Es stellt sich in diesem Zusammenhang insbesondere die Frage, ob mit Bezug auf die massgebende therapeutische Wirkung eines Pr o- dukts ausschliesslich auf die Angaben auf der Verpackung und der P a- ckungsbeilage (sowie allenfalls auf die Informationen in der Patientenin- formation des Arzneimittel -Kompendiums der Schweiz) abzustellen ist (vgl. dazu auch die entsprechende, seinerzeit ausdrücklich offen gelasse- ne Frage im Entscheid der ZRK 2003-018 vom 18. April 2005 E. 4c/aa). Den Angaben auf der Verpackung und in der Packungsbeilage wurde nach der Rechtsprechung bei der Tarifeinreihung von Kapseln jeweils nicht nur mit Blick a uf die vorn E. 3.1.2 erwähnten ( das Behältnis, die Verpackung und die dem Erzeugnis beigefügten Drucksachen ausdrüc k- lich erwähnenden ) – hier verbindlichen – "Notes explicatives" entsche i- dende Bedeutung beigemessen. Grund dafür war überdies die Annahme, dass Verpackung und Packungsbeilage – jedenfalls bei Fehlen von Hi n- weisen für eine unkorrekte Abfassung der entsprechenden Texte – grund- sätzlich verständlich und in vertrauenswürdiger Weise über die Natu r der Kapseln sowie den darin enthaltenen Wirkstoff informieren (vgl. Entscheid der ZRK vom 27. Oktober 1994, VPB 59.34 E. 3a/bb, mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, die zollrechtliche Qualifikation e i- nes nach seiner Aufmachung pro phylaktische oder therapeutische Wi r- kung mit Bezug auf eine klar umschriebene Krankheit entfaltenden E r- zeugnisses als Arzneimittel jedenfalls dann nicht allein mit Hinweis auf dessen angeblich fehlende Wirksamkeit zu verneinen, wenn Letztere in der Fachliteratur kontrovers ist. Zur Frage nach der tatsächlichen Wirkung des Hauptinhaltsstoffes von X._______, des Nachtkerzenöls, auf atopische Ekzeme mit begleitendem Juckreiz lassen sich die vorliegend eingereichten Fachartikel und weite- ren Publikationen heranziehen. Zwar beziehen sich diese Dokumente A-662/2013 Seite 17 teilweise auf die Wirkung von Nachtkerzenöl bei atopischer Dermatitis. Da der Übergang von einer atopischen Dermatitis zu einem atopischen Ekzem jedoch fliessend ist und diese Begriffe (sowie der Begriff Neur o- dermitis) teilweise synonym verwendet werden (vgl. Roche Lexikon Medi- zin, Stichworte "Dermatitis" und "Ekzem, atopisches", abrufbar unter http://www.tk.de/rochelexikon/ [im Folgenden: Roche Lexikon], zuletzt be- sucht am 16. Oktober 2013; vgl. auch Beschwerdebei lage 14 S. 1), ge- ben die fraglichen Aktenstücke auch Aufschluss über die Wirksamkeit von Nachtkerzenöl bei atopischen Ekzemen. Letzteres ist denn auch zu Recht unbestritten. Die vorliegenden Fachartikel halten zum Teil fest, es habe eine signifikan- te Verbesserung des Krankheitsbildes durch die Verabreichung von Nachtkerzenöl und/oder X._______ festgestellt werden können (vgl. Be- schwerdebeilagen 8–19). Nach anderen Veröffentlichungen ist nicht hi n- reichend belegt, dass Nach tkerzenöl ein wirksames Mittel zur Behan d- lung der atopischen Dermatitis bildet , und wird von einem Widerruf der Zulassung von Produkten mit Gamolensäure zur Behandlung von atop i- scher Dermatitis durch die britische Arzneimittelbehörde im Jahr 2002 be- richtet (vgl. Vernehmlassungsbeilagen 22–26). Mit anderen Worten ist die Frage der Wirksamkeit von Nachtkerzenöl bei atopischer Dermatitis und atopischen Ekzemen umstritten. Die Qualifikation von X._______ als Arz- neimittel lässt sich deshalb nicht mit dem Hinweis auf eine angeblich fe h- lende Wirksamkeit dieses Produkts bei atopischen Ekzemen mit begle i- tendem Juckreiz ausschliessen. Es ist in diesem Zusammenhang im Übrigen darauf hinzuweisen, dass sich die in Frage stehende Wirkung von X._______ entgegen der Darstel- lung der Vorinstanz nach der A ufmachung dieses Produktes und den ak- tenkundigen Fachartikeln nicht bloss auf eine "günstige Beeinflussung " des Juckreizes bei den in Frage stehenden atopischen Ekzemen be- schränkt. Dies spricht ebenfalls dafür, diesem Produkt die zollrechtliche Qualifikation als Arzneimittel nicht mit Hinweis auf eine angeblich fehle n- de Wirksamkeit abzusprechen. 3.5.5 Zwar verweist die Vorinstanz auf verschiedene aktenkundige Au s- züge von paramedizinischen sowie medizinischen Internetseiten, wonach X._______ zur Behandlung des Pr ämenstruellen Syndroms (PMS ) und zur Behandlung von Schmerzen bei rheumatoider Arthritis angepriesen bzw. eine entsprechende Verwendung dieses Produkts diskutiert wird (vgl. Vernehmlassung, S. 9; Vernehmlassungsbeilagen 19–21). Der Um-A-662/2013 Seite 18 stand, dass das streitige Erzeugnis für die Behandlung anderer Krankhei- ten als der auf seiner Aufmachung genannten Hauterkrankung eingesetzt werden kann und auf verschiedenen Internetportalen eine entsprechende Anpreisung zu finden ist, schliesst dessen zollrechtliche Qualifikation als Arzneimittel nicht aus. Dies gilt umso mehr, als sowohl das PMS als auch die rheumatoide Arthritis klar umschriebene Krankheiten bilden. Das hier genannte Vorbringen der Vorinstanz ändert nichts daran, dass das fragliche Erzeugnis gezielt zur Behandlung oder Linderung einer klar bestimmten Krankheit eingesetzt und entsprechend angepriesen wird. Damit wird der Bereich der ergänzenden Verwendung zu Ernährung s- zwecken aber verlassen und geht es zollrech tlich um ein Arzneimittel (vgl. Entscheid der ZRK 2003-018 vom 18. April 2005 E. 4c/bb). 3.6 Nach dem Ausgeführten ist davon auszugehen, dass das streitige Produkt gemäss seiner – im vorliegenden Kontext entscheidenden – Aufmachung zur Verhütung oder Behandlung einer klar umschriebenen Krankheit (Schädigung, Störung) bestimmt ist und es sich damit zollrecht- lich nicht um ein Ergänzungsnahrungsmittel, sondern um ein Arzneimittel handelt. In diesem Zusammenhang passt ins Bild, dass die Oberzolldirektion in einem aktenkundigen Schreiben vom 25. Juni 2007 ein Produkt mit der Bezeichnung "Neobonsen", das aus mit Nachtkerzenöl gefüllten Kapseln bestand und das gemäss den Angaben auf der Packungsbeilage zur B e- handlung von Neurodermitis verwendet wurde, zolltariflich als Arzneiware qualifizierte (vgl. Verneh mlassungsbeilage 9). Zwar führt die Vorinstanz aus, es habe sich bei diesem Produkt um ein anderes als das vorliegend in Frage stehende Erzeugnis gehandelt (vgl. Vernehmlassung, S. 10). Gleichwohl erscheint das Produkt X._______ als im Wesentlichen mit dem i m genannten Schreiben der Oberzolldirektion bezeichneten E r- zeugnis vergleichbar , nämlich hinsichtlich seines Hauptinhaltsstoffes (Nachtkerzenöl) und seiner Bestimmung gemäss seiner Aufmachung (un- terstützende Behandlung atopischer Ekzeme; zur Vergleichbarkeit der Begriffe atopisches Ekzem und Neurodermitis vgl. vorne E. 3.5.4.2). Für die zollrechtliche Qualifikation des fraglichen Produkts als Arzneimittel ist im Übrigen nach dem hiervor Ausgeführten (vorn E. 3.4) nicht en t- scheidend, ob dieses Erzeugnis oder Nachtkerzenöl als Arzneimittel bei der Swissmedic registriert sowie zugelassen ist . Immerhin spricht die Zu- lassung des streitbetroffenen Produkts als Heilmittel durch die Swissm e-A-662/2013 Seite 19 dic nicht gegen dessen zollrechtliche Qualifikation a ls Arzneimittel. So- dann braucht vorliegend nicht geklärt zu werden, ob eine allfällige Au f- nahme des Produkts in die Spezialitätenliste der Kranken- und Unfallver- sicherungen – wie die Beschwerdeführerin geltend macht – für dessen zollrechtliche Qualifikation als Arzneimittel ins Feld geführt werden kann (vgl. Beschwerde, S. 11; Vernehmlassung, S. 8). 3.7 Es bleibt auf die übrigen, von der Vorinstanz gegen eine zollrechtliche Einreihung von X._______ als Arzneimittel vorgebrachten Argumente ein- zugehen: 3.7.1 Die Vorinstanz macht in ihrer Vernehmlassung geltend, ein vom Rat für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Zollwesens (Weltzollrat; heu- te: Weltzollorganisation) im Jahr 1995 genehmigtes "Avis de classement" zu einem konkreten Produkt aus Nachtkerzenöl spreche gege n die zol l- rechtliche Qualifikation von X._______ als Arzneimittel (vgl. Vernehmlas- sung, S. 10). Nach der genannten Einreihungsavise ist das darin genannte Erzeugnis aus Nachtkerzenöl mit Zusatz von Vitamin E und Milchfett, das in – für den Detailhandel in durchsichtige Plastikverpackung gelegte – Gelatine- bzw. Glycerolkapseln gefüllt ist und zur Ergänzung der Nahrung mit e s- sentiellen, im Öl enthaltenen Fettsäuren (insbesondere Gamma - Linolensäure) verwendet wird, der Tarifnummer 1517.90 zuzuordnen (vgl. Vernehmlassungsbeilage 28). Dieses "Avis de classement" ist ve r- bindlich (vgl. vorn E. 2.3.2). Das vorliegend im Streit liegende Produkt ist insoweit mit dem in dieser Einreihungsavise erwähnten Erzeugnis vergleichbar, als es ebenfalls aus Kapseln mit dem Hau ptinhaltsstoff Nachtkerzenöl besteht und es u n- bestrittenermassen einen Zusatz von etwas Vitamin E enthält. Zudem enthalten die Kapseln des Produktes X._______ ebenso wie das in der Einreihungsavise erwähnte Erzeugnis unter anderem Glycerol (vgl. Ve r- nehmlassungsbeilage 15). Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass die Kapseln bei beiden Produkten in einer für den Einzelhandel b e- stimmten Form abgepackt sind. Freilich besteht insoweit ein entscheidender Unterschied zwischen den erwähnten Erzeugnissen, als X._______ nach seiner Aufmachung nicht als Mittel zur Ergänzung der Nahrung mit essentiellen, im Öl enthaltenen Fettsäuren (insbesondere Gamma -Linolensäure) verwendet wird, so n-A-662/2013 Seite 20 dern – wie hiervor aufgezeigt wurde (vorn E. 3.5.2 ff.) – als pflanzliches Arzneimittel bei atopischen, ekzematösen Hauterkrankungen. Die erwähnte Einreihungsavise, welche sich unbestrittenermassen auf ein konkretes Erzeugnis bezieht (vgl. Vernehmlassung, S. 10), bildet somit eine Einzelentscheidung, welche für den vorliegenden F all keine klaren Rückschlüsse auf den anzuwendenden Zolltarif erlaubt. Die Vorinstanz hat denn auch zu Recht im angefochtenen Entscheid noch keinen Bezug auf diese Einreihungsavise genommen. 3.7.2 Die Vorinstanz bringt ergänzend vor, in der EU seien Erzeugniss e der vorliegend in Frage stehenden Art zollrechtlich nicht als Arzneiwaren einzureihen (Vernehmlassung, S. 10). Sie verweist dabei auf ein Urteil des Gerichtshof der EU (EuGH) aus dem Jahre 2009 und einen akte n- kundigen Ausdruck aus der Homepage der Europäischen Kommission. Die Zuweisung eines Erzeugnisses zu einer bestimmten Tarif -Nummer durch die EU bildet zwar ein Indiz für die Richtigkeit der Tarifierung unter diese Nummer ( vorn E. 2.5 ). Wie im Folgenden aufgezeigt wird, sind je- doch die Produkte, welche Gegenstand des genannten Urteils des EuGH und des fraglichen Auszuges der Homepage der Europäischen Kommi s- sion bildeten, nicht mit dem vorliegend im Streit liegenden Erzeugnis ve r- gleichbar: 3.7.2.1 Das erwähnte Urteil des EuGH betraf Rechtsfragen im Zusa m- menhang mit der Tarifierung von Lebensmittelzubereitungen zur Na h- rungsergänzung, die hauptsächlich pflanzliches oder tierisches Öl enthiel- ten und denen eine bestimmte Menge an Vitaminen zugesetzt war. Die Zubereitungen befanden sich in einer Hülle, die haupt sächlich aus Gelati- ne bestand, und wurden in Form von Kapseln dargereicht (vgl. Urteil des EuGH vom 17. Dezember 2009, verbundene Rs. C ‑410/08 bis C‑412/08 Rz. 24). Der EuGH schloss eine Einreihung dieser Lebensmittelzubere i- tungen in die Position 3004 der Kombinierten Nomenklatur, die "letztlich eine verfeinerte Aufgliederung des Harmonisierten Systems (HS)" bildet (vgl. REMO ARPAGAUS, Zollrecht, in: Ko l- ler/Müller/Tanquerel/Zimmerli [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwal- tungsrecht, Bd. XII, 2. Aufl., Basel 2 007, Rz. 397), mit der Begründung aus, mit den im Ausgangsverfahren in Rede stehenden Waren würden nach den Feststellungen des vorlegenden Gerichts keine therapeutischen oder prophylaktischen Zwecke verfolgt (Urteil des EuGH vom 17. D e- zember 2009, verbundene Rs. C‑410/08 bis C‑412/08, Rz. 38). A-662/2013 Seite 21 Da das vorliegend in Frage stehende Produkt – wie ausgeführt – für ei- nen therapeutischen Zweck bestimmt ist, unterscheidet es sich von den im Urteil des EuGH erwähnten Lebensmittelzubereitungen. Aus diesem Urteil lässt sich deshalb nichts gegen eine zollrechtliche Qualifikation von X._______ als Arzneimittel ableiten. 3.7.2.2 Was den erwähnten Auszug aus der Homepage der Europäischen Kommission betrifft, soll es sich nach Darstellung der Vorinstanz um eine verbindliche Zollauskunft handeln (vgl. Vernehmlassung, S. 10). Das ent- sprechende Dokument betrifft ein Produkt namens "Y ._______", das aus Kapseln mit Nachtkerzenöl sowie Vitamin E besteht und auf dessen Ve r- packung sich der allgemeine Hinweis "Gut für die Haut" findet. Die Einre i- hung dieses Erzeugnisses unter Position Nr. 3004 der Kombinierten N o- menklatur wurde dabei unter Hi nweis auf die fehlende Aufmachung im Sinne dieser Position ausgeschlossen (vgl. Vernehmlassungsbeilage 31). Da das vorliegend streitige Produkt anders als die Nachtkerzenöl-Kapseln "Y ._______" derart aufgemacht ist, dass sein therapeutischer Zweck in Bezug auf eine klar bestimmte Krankheit e rsichtlich ist (vgl. vorn E. 3.5.4 f.), erscheint der fragliche Auszug aus der Homepage der Eur o- päischen Kommission vorliegend von vornherein nicht als entscheide r- heblich. 3.7.3 Die Vorinstanz macht ferner geltend, die OZD habe gestützt auf ein ihr unterbreitetes Muster bereits im Jahr 2001 das Produkt "X._______ […]" unter die Tarifnummer 1515.9099 ein gereiht (vgl. Ve r- nehmlassung, S. 10 f.). Diese Darstellung trifft zwar zu (vgl. Vernehmlas- sungsbeilage 9). Freilich geht aus den vorliegenden Akten nicht hervor, ob das damals beurteilte Produkt " X._______ […]" mit dem vorliegenden Erzeugnis X._______ unter rechtswesentlichen Aspekten vergleichbar ist. Insbesondere fehlt es an Hinweisen bezüglich der Aufmachung von "X._______ […]". Selbst wenn die im Jahr 2001 beurteilte Ware mit dem in Streit liegenden Produkt identisch oder vergleichbar wäre, wäre im Üb- rigen der entsprechende, nicht näher begründete Entscheid der OZD vom 5. April 2001 nicht präjudizierend für den Ausgang des vo rliegenden Ver- fahrens. 3.8 Aus dem Gesagten folgt, dass das in Frage stehende Erzeugnis X._______ ein Arzneimittel im Sinne der Tarifnummer 3004 bildet. A-662/2013 Seite 22 Zu Recht ist unbestritten, dass dieses Produkt, sofern es zollrechtlich als Arzneimittel (im Sinne der Tarifnummer 3004) zu behandeln ist, unter Ta- rifnummer 3004.9000 einzureihen ist. Weitere Ausführungen hierzu erüb- rigen sich. Nach den vorstehenden Erwägungen ist schliesslich davon auszugehen, dass die Einholung eines Gutachtens der Gesellschaft H._______ keine entscheiderheblichen neuen Erkenntnisse zur streitigen Tarifeinreihung zu vermitteln vermag. Der entsprechende Beweisantrag der Beschwerdefüh- rerin ist deshalb in antizipierter Beweiswürdigung (vorn E. 1.3) abzuwe i- sen. 3.9 Gemäss dem Dargelegten ist die Beschwerde gutzuheissen und der Beschwerdeentscheid der Zollkreisdirektion Schaffhausen vom 9. Januar 2013 aufzuheben. Das im Streit liegende Produkt X._______ ist als Arz- neimittel unter Tarifnummer 3004.9000 einzureihen und damit als zollfrei zu veranlagen. 4. 4.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind der obsiegenden Beschwerd e- führerin und der Vorinstanz keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 VwVG). Entsprechend hat die Zollkreisdirektion Schaffhausen den von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahr en einbezahlten Kos- tenvorschuss von Fr. 1'200.- zurückzuerstatten. Der im vorliegenden Ver- fahren geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'800.- ist der Beschwerdefüh- rerin ebenfalls zurückzuerstatten. 4.2 Die Vorinstanz hat der obsiegenden Beschwerdeführerin eine P artei- entschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG). Diese umfasst die Kosten der Vertretung und allfällige weitere Auslagen der Partei, i n- klusive Mehrwertsteuer (Art. 8 f. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). War die obsiegende Beschwerdeführerin bereits in einem vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren vertreten, so sind im Gesamtbetrag, den das Bundesverwaltungsgericht zu sprechen hat, auch diese Aufwendungen ( anteilsmässig) zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2677/2007 vom 16. Januar 2009 E. 5; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 4.87, mit weiteren Hinweisen). Die Vorinstanz hat der bereits im vorinstanzlichen Verfahren anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin, die vorliegend keine Kostennote eing e-A-662/2013 Seite 23 reicht hat, somit eine Parteientschädigung auszurichten, die aufgrund der Akten auf Fr. 4'500.- (inkl. MWST und Auslagen) festzusetzen ist (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). 5. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet über Tarifstreitigkeiten im Sinne von Art. 83 Bst. l des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) letztinstanzlich. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Beschwerdeentscheid der Zollkreisdirektion Schaffhausen vom 9. Januar 2013 aufgehoben. 2. Das im Streit liegende Produkt X._______ ist unter Tarifnu m- mer 3004.9000 einzureihen und damit zu einem Zollansatz von Fr. 0. - zu veranlagen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Die Zollkreisdirektion Schaffhausen wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin den im v o- rinstanzlichen Beschwerdeverfahren eingeforderten Kostenvorschuss von Fr. 1'200.- zurückzuerstatten. Der im vorliegenden Verfah ren geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'800. - wird der Beschwerdeführerin ebenfalls zurückerstattet. 4. Die Eidgenössische Zollverwaltung hat der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren sowie für das vorinstanzliche B e- schwerdeverfahren e ine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 4'500.- zu bezahlen. 5. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben); – die Vorinstanz (Ref.-Nr. […]; Einschreiben). A-662/2013 Seite 24 Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Riedo Beat König Versand: