BRKE I Nr. 616/1992 vom 3. Juli 1992 in BEZ 1993 Nr. 9 (Bestätigt mit VB 92/0109 vom 3. Dezember 1992) 4.a) Als Grund für die Verweigerung der baurechtlichen Bewilligung führt die Vorinstanz die "Dachaufbauten an der Ost - und Nordfassade" an. Der Rekurrent macht geltend, es handle sich bei den gerügten Ba uteilen nicht um Dachaufbauten, sondern um einen Kreuzfirst, der als besondere Dachform bewilligungsfähig sei. b) Es ist unbestritten, dass gemäss Art. 24 BauO auf dem rekurrentischen G e- bäude Dachaufbauten nicht zulässig sind. Die Vorinstanz führt aus, auch ein Kreu z- first sei als - unzulässige - Dachaufbaute zu betrachten. Sowohl die Bauordnung als auch das Baugesetz von 1893 gingen davon aus, dass ein Gebäude stets Giebelse i- ten und Traufseiten aufweise, eine Kombination beider Elemente an derselben Fa s- sade aber nicht möglich sei. Diesen Schluss zieht die Baubehörde aus Art. 23 BauO und den §§ 55 und 63 BauG - Bestimmungen also, welche für die Definition von G e- bäudehöhe, Firsthöhe und Dachgestaltung das Dachgesims als Ausgangspunkt nennen, sowie aus Art. 24 Abs. 2 BauO, wo bei Flachdächern die Gebäudes chmal- seiten zu Giebelseiten im Sinne von Art. 23 BauO erklärt werden. c) Ein generelles Verbot von Kreuzfirsten bedeutet eine sehr weitgehende ba u- liche und gestalterische Einschränkung und bedarf daher einer eindeutigen gesetzl i- chen Grundlage. Zwar ist es richtig, dass die von der Vorinstanz angeführten B e- stimmungen davon ausgehen, ein Gebäude weise im Normalfall Giebel - und Trauf- seiten auf. Ein Verbot, auf Giebel - oder Traufseiten zu verzichten bzw. Giebel - und Traufseiten zu ko mbinieren, ist jedoch expliz it nicht statuiert. Ein Blick auf die in der Stadt X vorhandene Bausubstanz zeigt, dass die von der Vorinstanz geäusserten Befürchtungen neu sind, gibt es doch eine Vielzahl von Bauten, bei denen auf eine oder beide Giebelseiten ver zichtet wurde bzw. verzi chtet werden musste; so etwa bei Reihe neinfamilienhäusern, die unter Vorbehalt der maximalen Gebäudelänge immer möglich waren, oder bei (vorg eschriebenen) Blockrandüberbauungen. Aber auch bei der Erstellung von Kreuzfirsten, die zu einem teilweisen oder vö lligen Ver- zicht von Traufseiten führt, handelt es sich um herkömmliche zu allen Zeiten gewäh l- te und vielerorts anzutreffende Dachgestaltungen. Auch die Befürchtungen der Ba u- behörde, die Gebäudehöhe könne bei Kreuzfirsten nicht mehr festgestellt werden, sind unbegründet, weil bei Gebäuden mit Kreuzfirsten in aller Regel noch Teile einer Traufseite und somit Dachgesimse vorhanden sind, die als Ausgangspunkte für die Höhenbestimmung dienen können. Selbst wenn ein G ebäude so ausgestaltet würde, dass es allseiti g Giebelseiten aufwiese, liesse sich die Gesim s höhe bestimmen, weil die Dachfläche zumindest an den Ecken hinuntergezogen werden müsste. Somit sind die Vorschriften zur Feststellung der Gebäude- und Firsthöhen auch im Z u- sammenhang mit Kreuzfirsten ohne wei teres anwendbar. Eine gesetzliche Grun dla- ge für ein Kreuzfirstverbot besteht nicht. d) Zu prüfen ist allerdings noch, ob der Rekurrent auf seinem Gebäude erlaubte- 2 - Kreuzfirste oder verpönte Dachaufbauten erstelle. Der Kreuzfirst ist nicht nur eine besondere Dachform, sondern auch ein oberer Abschluss einer besonderen Gebäudeform. Deshalb ist der Kreuzfirst nicht nur am Dach, sondern auch am darunterliegenden Baukörper, insbeso ndere an der Fass a- de erkennbar. Der herkömmliche Kreuzfirst setzt auf der H öhe des Hauptfirstes an und verläuft horizontal im rechten W inkel dazu bis zur Fassade. Er kann nur auf der einen Seite des Hauptfirstes angeordnet sein oder diesen durchschneiden und bei d- seits des Hauptfirstes von Fassade zu Fassade verlaufen. Die Fassade ist dem ent- sprechend im Bereich des Kreuzfirstes ohne Unterbrechung bis zum First hinaufg e- zogen. Der Kreuzfirst kann die ganze Breite des Gebäudes oder, was öfters anz u- treffen ist, nur einen Teil davon einnehmen. Die Fassade des Kreuzfirstes verläuft entweder auf der gleichen Flucht wie die Fassade des Hauptgebäudes oder ist di e- ser in der Breite des Kreuzfirstes leicht vorgelagert. Demgegenüber sind unter Dachaufbauten Bauteile zu verstehen, welche wie Dachgauben oder Kamine oberhalb der Dachhaut in Erscheinung tre ten. Einem Kreuzfirst am ehesten vergleichbar sind die Giebelgauben. Die typische Giebelga u- be besteht aus einem kleinen Giebeldach, seitlichen Fassadenteilen und einem frontseitigen Fenster. Sie sitzt vollständig auf dem Hauptdach; ihr rechtwinklig zur Dachfläche angeordneter Giebel setzt also unterhalb des Hauptgiebels an, und das Frontfenster endet oberhalb der Traufe des Hauptdaches; beidse itig des Giebels verläuft die Dachfläche. Ausser den geschilderten typischen Kreuzfirsten und Dachaufbauten gibt es ei- ne Vielzahl von Varianten, die im Einzelfall der einen oder anderen Kategorie zuz u- ordnen sind; dies trifft auch für die vorliegend zu beurteilende Dac hkonstruktion zu. e) Anhand einer Isometrie hat der Rekurrent darzulegen versucht, dass es sich bei der vorliegend zu beurteilenden Konstruktion um den logischen Dachabschluss von zwei ineinander verschachtelten Baukörpern, mithin um zwei Kreuzfirste und nicht etwa um Dachaufbauten handle. Die beiden Baukörper, der eine bestehend, der andere projektiert, sin d einander volumenmässig etwa gleich und bilden zusa m- men einen rechten W inkel, wobei an der äusseren g emeinsamen Ecke, bedingt durch die einzuhaltenden Grenzabstände, ein Stück in Form eines Quaders fehlt. Die ebenfalls rechtwinklig zueinander verlaufenden Dachfirste sind ineinander hi n- eingeschoben, wobei der Dachfirst des bestehenden Gebäudeteils bis zur Fassade des projektierten Gebäudeteils reicht, während der Dachfirst des projektierten G e- bäude-teils kurz nach dem First des alten Gebäudeteils und noch v or der Fassade endet. Bedingt durch verschi edene Höhenlagen der Gebäude verläuft der First des neuen Gebäudeteils etwa 35 cm höher als derjenige des alten Gebäudeteils. An der Ostseite ist ein quer zur Dachfläche verlaufendes Giebeldach projektiert, dessen First um das Mass der genannten 35 cm unterhalb des Hauptfirstes beginnt. Die Giebelfassade soll in der gleichen Ebene wie die Hauptfassade, allerdings nicht durchgehend ve rlaufen, weil sie vom Vorsprung des Hauptdaches durchschnitten wird. Als weitere Be sonderheit kommt hinzu, dass der nördliche Teil des Giebels seitlich ein gutes Stück über die dahinterliegende Dachfläche hinausragt. Der Bezug des quergestel lten. Giebeldaches zum darunter liegenden Gebäudekörper ist unter diesen Umständen so gut sichtbar vorhanden, dass die Konstruktion o hne weiteres als Kreuzgiebel und nicht als Dachaufbaute zu qualifizieren ist. Dieser Bauteil ist somit zulässig. D agegen liegt der an der Nordfassade umstrittene Bauteil praktisch - 3 - vollständig inne rhalb der Dachfläche. Nur gerade die oberste Spitze des Giebels überragt den First des Hauptdaches, und irgendein Bezug zum darunterliegenden Gebäudekörper ist nicht erkennbar. Damit überwiegen die Merkmale einer Dachau f- baute bei weitem, so dass dieser Bauteil nicht zulässig ist.