5. Oktober 1984 1415 Postulat Kopp Hier handelt es sich um ein dringendes Anliegen, das mög- lichst rasch verwirklicht werden sollte. Punkt b meines Postulates sollte daher zusammen mit Punkt a in die bevor- stehende IV-Revision eingeflochten und nicht bis zur 10. AHV-Revision aufgeschoben werden. Die Hilflosenent- schädigungen sind Versicherungsentschädigungen, die gezielt und nicht nach dem Giesskannenprinzip ausgerich- tet werden. Da sie auch bei Hauspflege gewährt werden, sind sie besonders geeignet, diese Pflegeform zu unterstüt- zen und zur Entlastung der Spitäler und Heime beizutragen. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 22. August 1984 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 22 août 1984 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Überwiesen - Transmis #ST# 84.463 Postulat Kopp Umweltschäden. Bericht Atteintes à l'environnnement. Rapport Wortlaut des Postulates vom 19. Juni 1984 Der Bundesrat wird gebeten, dem Parlament einen umfas- senden Bericht über die Schäden vorzulegen, die durch die Verschmutzung der Luft, der Gewässer und des Bodens an Natur, Mensch, Kunstdenkmälern und Materialien verur- sacht werden. Im einzelnen wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten: 1. Wie hoch sind die Emissionen der wichtigsten Schad- stoffe wie Schwefeldioxide, Stickoxide, unverbrannte Koh- lenwasserstoffe, Kohlenmonoxyde, Kohlendioxyde, Blei, Kadmium, Stäube, Salzsäure, Fluorwasserstoffe, Phenole usw.? 2. Wie haben sich die Emissionen in den letzten Jahrzehn- ten entwickelt? 3. Welches sind die Hauptemittenten der wichtigsten Schadstoffe? 4. In welchem Ausmass sind die erwähnten Schadstoffe «hausgemacht» und in welchem Mass «importiert»? (Brutto-Netto-Bilanz der importierten und exportierten Schadstoffe) 5. Welche Kosten entstehen jährlich durch die Luftver- schmutzung insbesondere an - Gesundheitsschäden - Schäden an Kunstdenkmälern und Gebäuden - Schäden an Materialien (insbesonders Korrosion) - Schäden an Wäldern und Vegetation? 6. Welcher Kostenanteil fällt dabei auf die öffentliche Hand und welcher auf Private? 7. Welche marktkonformen Mittel sieht der Bundesrat, um die sozialen Kosten vermehrt zu internalisieren? Texte du postulat du 19 juin 1984 Le Conseil fédéral est invité à présenter au Parlement un rapport circonstancié sur les dommages causés par la pollu- tion de l'air, des eaux et du sol à la nature, aux personnes, aux monuments historiques et aux matériaux. Il est prié de répondre en particulier aux questions sui- vantes: 1. Quel est le taux des émissions des substances polluantes les plus importantes telles que l'anhydride sulfureux, les oxydes d'azote, les hydrocarbures non brûlés, les oxydes de carbone, l'anhydride carbonique, le plomb, le cadmium, les 179-N poussières, l'acide chlorhydrique, l'acide fluorhydrique, les phénols, etc.? 2. Comment les émissions ont-elles évolué durant ces der- nièes décennies? 3. Quelles sont les principales sources émettrices des subs- tances polluantes les plus importantes? 4. Dans quelle mesure les substances polluantes mention- nées sont-elles produites dans le pays même et dans quelle mesure sont-elles «importées» (bilan brut et net des subs- tances polluantes importées et exportées)? 5. Quels sont les coûts annuels de la pollution atmosphéri- que, notamment pour ce qui est: - des effets sur la santé, - des dommages causés aux monuments historiques et aux bâtiments, - des dommages causés aux matériaux (en particulier par la corrosion) et - des dommages causés aux forêts et à la végétation? 6. Quelle est la part des coûts qui incombe aux pouvoirs publics et quelle est celle qui va à la charge des particuliers? 7. Quelles mesures conformes à l'économie de marché pense-t-il prendre afin que les coûts sociaux soient dans une plus large mesure supportés par ceux qui en sont la cause? Mitunterzeichner- Cosignataires: Allenspach, Bremi, Cou- chepin, Dupont, Hunziker, Lüchinger, Petitpierre, Schule, Spalti, Villiger (10) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Dass die Umweltbelastungen und insbesondere die Luftver- schmutzung zu grossen Schäden führt, kann heute nicht mehr bestritten werden. Zahlreiche Erkrankungen, vor allem der Atmungsorgane, werden auf die Luftverschmutzung zurückgeführt, ein Zusammenhang zwischen dem Waldster- ben gilt als wissenschaftlich erwiesen. Über die Luft gelan- gen Schadstoffe in den Boden. Stark belastete Böden haben ein verlangsamtes Wachstum zur Folge und drohen im Extremfall unfruchtbar zu werden. Häuserfassaden und Kunstdenkmälerwerden von Säuren zerfressen, Korrosions- schäden an Metallen nehmen laufend zu. Trotz Erfolgen im Gewässerschutz ist der Zustand verschie- dener Seen bedenklich. Im Vordergrund des Interessens steht zweifellos die Bekämpfung der Luftverschmutzung, drohen doch hier als Folge irreversible Schäden und Entwicklungen. Die OECD hat bereits vor fünf Jahren die jährlich durch Umweltverschmutzung verursachten Kosten auf 3 bis 5 Pro- zent des Bruttosozialproduktes geschätzt. Trotzdem - und obwohl die Luftverschmutzung in der Schweiz offenbar zu einem beträchtlichen Teil hausge- macht ist - gibt es in der Schweiz keine verlässlichen Arbei- ten über die Höhe der Kosten, die jährlich entstehen. Auch wenn die Quantifizierung in verschiedenen Fällen schwierig und in einzelnen Fällen unmöglich ist, bedarf es einer möglichst fundierten Ermittlung, nicht zuletzt um die Verhältnismässigkeit der Kosten einer Massnahme zur Schadensminderung bzw. Schadensverhütung zu beur- teilen. Unbestrittenermassen kann sich eine sinnvolle Umweltpoli- tik nicht in einer Behebung eingetretener Schäden erschöp- fen, sondern muss darauf ausgerichtet sein, Schäden gar nicht erst eintreten zu lassen. Zu Recht ist im Umweltschutz- gesetz neben dem Verursacherprinzip das Vorsorgeprinzip verankert. Die entstehenden Schäden belasten unsere Wirt- schaft direkt oder indirekt in zunehmendem Masse. Bishe- rige, insbesondere durch die OECD durchgeführte Untersu- chungen legen den Schluss nahe, dass die Kosten für eine Schadensverhinderung erheblich unter den Kosten der Schadensbehebung (sofern eine solche überhaupt möglich ist) liegen.Postulat Keller 1416 N 5 octobre 1984 Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 17. September 1984 Déclaration du Conseil fédéral du 17 septembre 1984 Der Bundesrat ist bereit, die Punkte 5, 6 und 7 vollumfäng- lich und die Punkte 1, 2, 3 und 4, soweit diese durch den Bericht über das Waldsterben noch nicht erfüllt sind, entge- genzunehmen. Überwiesen - Transmis #ST# 84.490 Postulat Keller Gewässer. Senkung des Nitratgehalts Eaux. Réduction de la teneur en nitrates Wortlaut des Postulates vom 22. Juni 1984 Auf den I.Januar 1986 beabsichtigt der Bundesrat, die Phosphate in den Waschmitteln zu verbieten, um auf diese Weise den Phosphatgehalt in unseren Gewässern zu sen- ken. Da aber auch die Aufsalzung der Gewässer mit Nitraten in den letzten Jahren bedrohlich gestiegen ist, sollte er auch auf diesem Gebiet wirksamere Massnahmen anordnen bzw. durchsetzen. Der Bundesrat wird deshalb ersucht: - das Qualitätsziel für Grundwasser eindeutig festzulegen, indem er den erforderlichen Grenzwert anordnet; - den Artikeln 13 (Sorgfaltspflicht) und 14 (Verbote) des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) vom S.Oktober 1971 strikte Nachachtung zu verschaffen; - weitere Massnahmen zu ergreifen, die zur Verminderung des Nitratgehalts in sämtlichen Gewässern (Ober-, Fliessge- wässer, Grund- und Trinkwasser usw.) beitragen. Texte du postulat du 22 juin 1984 Le Conseil fédéral a prévu d'interdire les phosphates dans les détergents à partir du 1er janvier 1986, afin de réduire la teneur en phosphates de nos eaux. Cependant, la salinité des eaux ayant dangereusement augmenté au cours de ces dernières années du fait du déversement de nitrates, il devrait, dans ce domaine également, édicter et faire appli- quer des mesures efficaces. Au vu de cette situation, le Conseil fédéral est prié: - de fixer un objectif précis pour la qualité des eaux souter- raines, en prescrivant la valeur limite qui s'impose; - de veiller à ce que les articles 13 (devoir de diligence) et 14 (interdictions) de la loi du 8 octobre 1971 sur la protection des eaux soient strictement observés; - de prendre d'autres mesures pouvant contribuer à réduire la teneur en nitrates de toutes les eaux (eaux de surface, eaux courantes, eaux souterraines, eau potable, etc.). Mitunterzeichner - Cosignataires: Humbel, Müller-Zürich, Nauer, Oester, Seiler, Stamm Judith, Wick, Ziegler (8) Schriftliche Begründung - Développement par écrit 1. Grundsätzliches: Bereits Ende 1979 stellte das Bundes- amt für Gesundheitswesen fest, dass in zirka einem Drittel der Grundwasservorkommen in der Schweiz die Tendenz der Aufsalzung mit Nitraten steige. Das Bundesamt für Umweltschutz bestätigte diesen Sachverhalt (Quelle: «Die Weltwoche» Nr. 47 vom 24. November 1983). Das Schweize- rische Lebensmittelbuch (es ist nicht rechtsverbindlich) gibt einen Grenzwert von 40 mg/l an. Im vergangenen Jahr wurde in verschiedenen Gemeinden der Schweiz gemäss diesem Grenzwert unreines Wasser festgestellt; zum Beispiel in Müntschemier 100, in Ins 60, in Othmarsingen 50, in Köniz- Bern 48, in Zollikofen 49 mg Nitrat/l (Quelle: «Die Weltwo- che» Nr. 47 vom 24. November 1983). Ebenso berichtet die «24 Heures» vom 2. Mai 1984 von verschiedenen waadtlän- dischen und anderen Gemeinden, die diese Limiten über- schritten haben. Der entsprechende Artikel spricht die düstere Möglichkeit aus: «II en ira peut-être de l'eau potable comme des forêts. Brusquement, nous apprendrons un jour qu'elle regorge de nitrates et qu'elle se révèle par consé- quent impropre à la consommation. La nouvelle nous cho- quera, comme nous a choqués celle de l'agonie des forêts.» Gemäss Bundesamt für Gesundheitswesen (Quelle: «Die Weltwoche» Nr. 47 vom 24. November 1983) nehmen täglich mehr als 125000 Schweizer über Nahrungsmittel und Getränke mehr Nitrate zu sich als die vom Weltgesundheits- amt festgesetzte Limite, die mit 50 mg/l noch um 10 mg/l über der schweizerischen Toleranzgrenze liegt. Die Gefährlichkeit der Nitrate sei hier nur skizziert (Quellen: Eidgenössisches Departement des Innern, November 1979: Nitrat im Trinkwasser, Seite 27 bis 29. «Die Weltwoche» Nr. 47, 24. November 1983. «24 Heures», 2. Mai 1984): Nitrate sind stickstoffhaltige Salze der Salpetersäure, die sich im Körper in Nitrit verwandeln können. Nitrit wiederum verbindet sich mit Aminen(Eiweisssubstanzen), wobei Nitro- samine entstehen. Nitrosamine gehören zu den aktivsten und gefährlichsten Krebserregern. Nitrite bilden aber auch Methämoglobin (Verbindung Nitrit/roter Blutkörper), das die Fähigkeit nicht mehr hat, den Sauerstoff zu transportieren. Bei Säuglingen führt dieser Mangel zur Methämoglobinämie (Blausucht). 2. Zu den beantragten Massnahmen: Als Güteziel bzw. als Grenzwert für Fliessgewässer, bei denen Trinkwassernut- zungen zu berücksichtigen sind, gibt die Verordnung über Abwasserleitungen einen Wert von 25 mg Nitrat/l an (Quel- len: SR 814.225.21. Anhang, Parameter 35, Nitrat. Eidgenös- sisches Departement des Innern, November 1979: Nitrat im Trinkwasser, Seite 3). Beim Grundwasser ist aber nur indi- rekt ein Qualitätsziel vorhanden: Das Grundwasser soll so beschaffen sein, dass möglichst keine Aufbereitung bei einer allfälligen Trinkwassernutzung notwendig ist. Es geht also darum, dass der Bundesrat das Qualitätsziel genau festlegt, um klare, messbare Anforderungen zu stellen. Im Zusammenwirken des Bundes mit den Kantonen ist sicherzustellen, dass den in den Artikeln 13 (Sorgfaltspflicht) und 14 (Verbote) GSchG angeordneten Massnahmen strikte Nachachtung verschafft wird, so etwa dem Verbot des Jau- chens auf schneebedeckten und brachliegenden Feldern. Auch um die in Artikel 30 GSchG geforderten Gewässer- schutzzonen scheint es nicht gut bestellt zu sein, wenn man der Schlussfolgerung im erwähnten Zeitungsartikel von «24 Heures» Glauben schenkt: «La majorité des communes vau- doises n'ont pas encore établi ces zones de protection pourtant exigées par la loi fédérale (sur la protection des eaux du 8 octobre 1971).» In einem umfassenden Sinne wäre schliesslich die gegen- wärtige Lage zu beurteilen und zu prüfen, ob nicht zusätzli- che Massnahmen oder Verschärfung bestehender sich auf- drängen. Und es stellt sich letzten Endes auch die Aufgabe, die Öffentlichkeit für diese Problematik vermehrt zu sensibi- lisieren. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 5. September 1984 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 5 septembre 1984 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen Überwiesen - TransmisSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Kopp Umweltschäden. Bericht Postulat Kopp Atteintes à l'environnnement. Rapport In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1984 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 84.463 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 05.10.1984 - 08:00 Date Data Seite 1415-1416 Page Pagina Ref. No 20 012 753 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.