B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-3109/2023 U r t e i l v o m 6. J u n i 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Esther Marti; Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), Burundi, vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, substituiert durch Nathalie Vainio, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 19. Mai 2023 / N (...). F-3109/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am (...) in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck -Da- tenbank (Zentraleinheit EURODAC) ergab, dass er am 1. Januar 2023 in Kroatien in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist war. A.b Am 12. Januar 2023 beauftragte der Beschwerdeführer die ihm zuge- wiesene Rechtsvertretung mit der Wahrung seiner Rechte. A.a Am 2 0. Januar 2023 fand das persönliche Gespräch statt ge mäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah- ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei- nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge- stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Dabei wurde dem Beschwerdeführer unter anderem das rechtliche Gehör zur allfälligen Zuständigkeit Kroatiens für die Durchfüh- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gewährt. Zugleich wurde er nach seinem Gesundheitszustand befragt. Der Beschwerdeführer führte dazu aus, er sei bei der Einreise in Kroatien durch Grenzpolizisten aufgegriffen worden, wobei ihm diese sein Geld und sein Mobiltelefon abgenommen hätten. Danach sei er (Nennung Dauer) ohne Nahrung in Polizeigewahrsam gehalten worden. Erst am (...) Tag habe er am Mittag Wasser und zwei Brotscheiben erhalten. Am Abend habe er seine Fingerabdrücke abgeben müssen. Gegen 18 Uhr hätten ihn Polizisten mit einem Wagen zu einem Zugbahnhof gefahren. Dort habe er sein Mobiltelefon zurückerhalten, nicht aber sein Geld. Als er gefragt habe, wo sein Geld sei, habe er einen Fusstritt erhalten. Daraufhin seien die Po- lizisten weggefahren. Er habe in Kroatien kein Asylgesuch eingereicht, da er gar keine Möglichkeit gehabt habe, mit den Polizisten zu sprechen. Dass ihm sein Geld abgenommen und er in einem fremden Land abgesetzt wor- den sei, habe ihn traumatisiert. Die kroatischen Polizisten hätten ihn nicht gut behandelt. Zum medizinischen Sachverhalt führte er aus, dass er wegen der geschil- derten Ereignisse in Kroatien schlecht schlafe und unter Stress leide. Am Tag zuvor habe ihn seine Rechtsvertretung über eine mögliche Überstel- lung nach Kroatien informiert, was ihn ungemein belastet habe. Er sei dort F-3109/2023 Seite 3 eingesperrt worden, habe Hunger leiden müssen und könne sich nicht vor- stellen zurückzukehren. A.b Am 24. Januar 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden ge- stützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO um Übernahme des Beschwerdefüh- rers. A.c Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen am 2 4. März 2023 gut. A.d Am 16. Mai 2023 gingen dem SEM den Beschwerdeführer betreffende medizinische Unterlagen zu (Nennung Beweismittel). B. Mit Verfügung vom 19. Mai 2023 – eröffnet am 23. Mai 2023 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl- gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Ferner beauftragte es den Kanton Thurgau mit dem Vollzug der Wegweisung, ordnete die Aus- händigung der editionspflichtigen Akten an und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. C. Der Beschwerdeführer focht die Verfügung des SEM mit Beschwerde vom 31. Mai 2023 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, individuelle Zusicherungen von den zuständi- gen Behörden einzuholen bezüglich Unterbringung, Nahrung, adäquater und regelmässiger medizinischer sowie psychologischer Behandlung ab dem Z eitpunkt der Ankunft in Kroatien . In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu ge- währen und die kantonalen Behörden seien entsprechend anzuweisen. Zu- dem sei die Aussetzung des Wegweisungsvollzugs super provisorisch zu verfügen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren und insbesondere sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. F-3109/2023 Seite 4 D. Mit Verfügung vom 1. Juni 2023 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2. Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite- rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hi n zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). F-3109/2023 Seite 5 4. 4.1. Der Beschwerdeführer bemängelt d en angefochtenen Entscheid des SEM in formeller Hinsicht in verschiedenen Punkten, so betreffend syste- mischer Mängel im kroatischen Asylverfahren, Push-Backs und Kettenab- schiebungen, Polizeigewalt, Gesundheitsversorgung und Unterbringungs- möglichkeiten für Asylsuchende. Die Vorinstanz habe in diesem Zusam- menhang wichtige Tatsachen, welche zur Zuständigkeit der Schweiz füh- ren würden, nicht näher abgeklärt. Ein pauschaler Verweis auf die theore- tisch bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen in Kroatien reiche bei derart klaren Hinweisen auf eine Verletzung derselben nicht aus, um eine Rückführung ohne weitere Abklärungen zu rechtfertigen. Dadurch liege eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und – sinngemäss – des rechtlichen Gehörs (Begründungspflicht) vor. Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen. 4.2. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 106 Abs. 1 AsylG gerügt werden. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten- widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid we- sentlichen Sachumstände berücksichtig t werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Das SEM hat den rechtserheblichen Sachverhalt hinreichend abgeklärt. Es hat sich unter Bezugnahme auf die Schilderungen des Beschwerdeführers und den vorliegenden Unterlagen (vgl. SEM act. 1225416-22/19 [nachfol- gend: act. 22]) mit seiner individuellen Situation, de r von ihm angeführten Behandlung nach seinem Grenzübertritt in Kroatien, den ihm offenstehen- den Möglichkeiten, sich dort gegen ungerechte oder rechtswidrige Behand- lung zu wehren und ein Asylgesuch einzureichen, der allgemeinen Situa- tion inklusive der Push-Back-Problematik – unter Hinweis auf mehrere Ab- klärungen der Schweizer Vertretung in Kroatien – und seinem Gesund- heitszustand sowie der medizinischen Versorgung in Kroatien auseinan- dergesetzt. Es ist nicht ersichtlich, in welcher Hinsicht hier noch konkrete weitere Abklärungen hätten vorgenommen werden müssen. Es ist dem- nach keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes festzustellen. 4.3. Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE F-3109/2023 Seite 6 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu b erücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei- nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dieser verfahrensrechtlichen Anforderung hat die Vorinstanz ebenfalls Ge- nüge getan. So hat sie eine Einzelfallprüfung vorgenommen, indem sie nach Prüfung und Würdigung der Parteivorbringen und Unterlagen hinrei- chend nachvollziehbar aufgezeigt hat, von welchen Überlegungen sie sich – gerade auch in individ ueller Hinsicht – leiten liess (vgl. a ct. 22 S. 3-8). Dabei musste sie sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Be- hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 143 III 65 E. 5.2), was sie vorliegend getan hat. So sind den Erwägungen der Vor- instanz Ausführungen zum Verhalten der kroatischen Grenzbehörden dem Beschwerdeführer gegenüber nach seiner illegalen Einreise, zur Frage ei- ner Kettenabschiebung und zu derjeni gen des Vorliegens von systemi- schen Mängeln im kroatischen Asyl- und Aufnahmesystem sowie zu seinen Möglichkeiten, sich gegen unkorrektes Verhalten zu wehren und medizi- nisch versorgt zu werden , zu entnehmen. Eine Verletzung der Begrün- dungspflicht ist auch deshalb zu verneinen, weil es dem Beschwerdeführer möglich war, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanzlichen Ent- scheides zu machen und diesen sachgerecht anzufechten. Dass er die Auffassung und Schlussfolgerungen der Vorinstanz hinsichtlich der Würdi- gung seiner Aussagen und Beweismittel nicht teilt, ist keine Verletzung des rechtlichen Gehörs, sondern betrifft die materielle Beurteilung der vorge- brachten Überstellungshindernisse. 4.4. Die formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen. 5. 5.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin -III-VO zur Anwen- dung. F-3109/2023 Seite 7 5.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, s obald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) – wie hier vorliegend – sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu- ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dub- lin-III-VO). 6. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, sich vor der Einreise in die Schweiz in Kroatien aufgehalten zu haben. Die dortigen Behörden stimmten dem Gesuch des SEM um Übernahme am 24. März 2023 ausdrücklich zu (vgl. SEM act. 1225416/16/1). Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens ist so- mit gegeben und wird in der Beschwerde nicht bestritten. 7. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es we- sentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnah- mebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU -Grund- rechtecharta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden. 7.1. Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), und es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem angenommen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsa- men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati- onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. F-3109/2023 Seite 8 7.2. In seinem Referenzurteil E -1488/2020 vom 22. März 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die seit dem Referenzurteil D-1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende Praxis der grundsätzlichen Zulässigkeit von Dublin-Überstellungen nach Kroatien, unabhängig davon, ob es sich dabei um ein "Take-Charge-" (Aufnahme) oder ein "Take-Back-" (Wieder- aufnahme) Verfahren handelt. Es sei n icht davon auszugehen, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO aufweisen würden, die eine Überstellung von Gesuchstellenden generell als unzulässig erscheinen liessen (vgl. a.a.O. E. 9.5). Das Gericht hielt fest, der Verdacht eines – angesichts der Situation in Kro- atien auf den ersten Blick nicht unbegründeten – Gefährdungszusammen- hangs zwischen Push-backs und Dublin-Rückkehr lasse sich aufgrund der verfügbaren Informationen und Erkenntnisse nicht erhärten (vgl. a.a.O. E. 9.4.2 ff.). Zum heutigen Zeitpunkt bestünden keine genügenden Anzei- chen, die befürchten lassen würden, Dublin -Rückkehrende würden ohne Eröffnung und Durchführung eines Asylverfahrens aus Kroatien rechtswid- rig ausgeschafft. Insbesondere sei aufgrund dieser Ausgangslage nicht an- zunehmen, dass solches systematisch geschehen würde. Gestützt auf die verfügbaren Informationen gebe es letztlich keine Anhaltspunkte, wonach Take-Charge-Konstellationen diesbezüglich anders zu beurteilen wären als Take-Back-Verfahren, beziehungsweise dass für die erste Kategorie eine erhöhte Gefährdung von Abschiebungen ohne Durchführung eines Asyl- verfahrens bestehen würde (vgl. a.a.O. E. 9.4.4). Im Ergebnis sei dav on auszugehen, dass Gesuchstellende, welche gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt würden, Zugang zum dortigen Asylverfahren er- hielten; dies unabhängig davon, ob die gesuchstellende Person im Rah- men eines Take-Charge- oder Take-Back-Verfahrens überstellt werde. Ins- besondere bestehe keine beachtliche Wahrscheinlichkeit, die Überstellten würden der Gefahr einer Verletzung ihrer aus dem Refoulement -Verbot fliessenden Rechte ausgesetzt werden (vgl. a.a.O. E. 9.5). 7.3. Sodann lassen die vom Beschwerdeführer bei seiner illegalen Einreise nach Kroatien geltend gemachten Vorkommnisse (Abnahme des Mobilte- lefons und von Geld, wobei das Geld nicht mehr zurückgegeben worden sei; grobes Verhalten; kein Erhalt von Wasser und Nahrung während [Nen- nung Dauer]) nicht den Schluss zu, er hätte bei einer Überstellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU - Grundrechtecharta zu gewärtigen. Gegen das Fehlverhalten von einzelnen Polizeibeamten könnte er im Übrigen rechtlich vorgehen, allenfalls mit Hilfe F-3109/2023 Seite 9 der vor Ort tätigen karitativen Organisationen. Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz , weist nicht per se auf systemische Schwach- stellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. das Urteil des BVGer E-5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 7.4. Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III- VO – auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde erwähnten Quel- len, in welchen das kroatische Asylwesen kritisiert wird (so insbesondere: [Nennung Quellen]) – nicht gerechtfertigt. 8. 8.1. Weiter ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugshinder- nisse nach Art. 3 EMRK (oder einer anderen die Schweiz bindenden völ- kerrechtlichen Bestimmung) bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ergeben würden. 8.2. Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso- nen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbesondere die Rechte respektiert und schützt, die sich au s der Verfahrens- und der Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. bspw. Urteile des BVGer E -1515/2023 vom 23. März 2023; E -5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2; je m.H.). Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die vom Betroffenen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). Der Beschwerdeführer vermag jedoch kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die Behörden würden sich wei- gern, ihn aufzunehmen und einen allfälligen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kro- atien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach- ten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge- zwungen zu werden. Die Behörden haben seiner Aufnahme explizit zuge- stimmt. Ausserdem hat er nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen seien derart schlecht, dass sie zu einer Verlet- zung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 Folter- konvention (SR 0.105) führen könnten. Bei einer allfälligen vorübergehen- den Einschränkung wäre der Beschwerdeführer nötigenfalls gehalten, sich F-3109/2023 Seite 10 an die dortigen Behörden zu wenden und die ihm zustehenden Aufnahme- bedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmericht- linie). Dies gilt auch in Bezug auf das geltend gemachte Verhalten seitens der kroatischen Behörden, d as sich im Übri gen auf Vorkommnisse nach seiner illegalen Einreise und nicht auf den Aufenthalt in den dortigen Auf- enthaltsstrukturen bezieht. 8.3. Betreffend den Gesundheitszustand lässt sich den vorinstanzlichen Akten (vgl. SEM act. 1225416-18/1) entnehmen, dass sich der Beschwer- deführer zwischen (...) und (...) wegen (Nennung Gründe) beim medizini- schen Personal gemeldet und entsprechende Arzneimittel erhalten hat. Zu- dem wurde er am (...) und (...) (Nennung Behandlung) [...]. Psychische Probleme hat er dort nicht geltend gemacht, obwohl er anlässlich des Dub- lin-Gesprächs anführte, die Ereignisse in Kroatien hätten ihn traumatisiert (vgl. SEM act. 122 5416-12/3 S. 2 Mitte) respektive schwer traumatisiert (vgl. Beschwerdeschrift S. 4 Rz 6) . Die geltend gemachten gesundheitli- chen Beeinträchtigungen sind gesamthaft nicht derart gravierend, dass in Anwendung von Art. 3 EMRK von einer Überstellung nach Kroatien abge- sehen werden müsste (vgl. dazu Urteil des EGMR Paposhvili gegen Bel- gien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180 -193 m.w.H.). Im Übrigen verfügt das Land über eine ausreichende medizini- sche Infrastruktur und ist verpflichtet, den Antr agstellenden die erforderli- che medizinische Versorgung zugänglich zu machen (vgl. Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Entgegen den Ausführungen in der Rechtsmittelein- gabe (vgl. Ziff. 1.2.4, S. 7) ist auch der Zugang zu psychologischer Behand- lung grundsätzlich gewährleistet (vgl. bspw. Urteile D-516/2023 vom 11. April 2023 E. 6.5.2; F-12/2023 vom 27. März 2023 E. 7.4.3). Folglich droht keine Verletzung von Art. 3 EMRK, weshalb die Schweiz nicht zum Selbst- eintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichtet ist. Vor diesem Hintergrund ist es nicht angezeigt, die Vorinstanz zu verpflich- ten, bei den kroatischen Behörden individuelle Garantien hinsichtlich Un- terkunft, Nahrung und adäquater medizinischer Versorgung einzuholen. Der entsprechende Eventualantrag (Rechtsbegehren Ziff. 4) ist abzuwei- sen. 8.4. Nach dem Ausgeführten konnte der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko dartun, dass seine Überstellung nach Kroatien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Ein notwendi- ger Selbsteintritt gebietet sich daher nicht. F-3109/2023 Seite 11 9. 9.1. Bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 verfügt das SEM sodann über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Es bestehen vorliegend keine Hinweise auf eine Ermes- sensunterschreitung oder eine andere, nicht gesetzeskonforme Ausübung des Ermessens (Ermessensmissbrauch, Überschreitung des Ermessens). Bei dieser Sachlage enthält sich das Gericht in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 9.2. Nach dem Gesagten bleibt Kroatien der für die Behandlung des Asyl- gesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin- III-VO. 10. Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Die Überstel- lung nach Kroatien wurde in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet. 11. Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 12. Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses gegenstandslos geworden. Der am 1. Juni 2023 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vor- liegenden Urteil dahin. 13. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen war. Daher fehlt es, unbesehen der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers, an einer gesetzlichen Voraussetzung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-3109/2023 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Stefan Weber Versand: