B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5603/2018 U r t e i l v o m 1 8 . A p r i l 2 0 1 9 Besetzung Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiberin Maria Wende. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Advokaturbüro, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 28. August 2018 / N (…). E-5603/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 13. Juli 2015 in der Schweiz um Asyl nach und machte anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 28. Juli 2015 und der Anhörungen vom 18. August 2016 sowie vom 7. August 2018 (ergänzende Anhörung) im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie und katholischer Konfession aus B._______, Jaffna. Sein Vater habe die Familie 1989 ver- lassen und bis (…) in der Schweiz gelebt. Seine Mutter sei (…) nach Co- lombo gegangen. Aufgrund einer Verwechslung sei sie eines Attentats be- schuldigt und inhaftiert worden. Seine Grosseltern hätten sich von diesem Zeitpunkt an um ihn und sei ne Geschwister gekümmert. Sein Grossvater sei jedoch durch einen Granatenangriff der sri -lankischen Armee getötet worden. Am (…) 1995 sei er – der Beschwerdeführer – den Liberation Ti- gers of Tamil Eelam (LTTE) beigetreten, habe dort verschiedene Aufgaben wahrgenommen, darunter auch gewisse Hilfsarbeiten direkt für Velupillai Prabhakaran. Im Jahr 2003 habe er die LTTE offiziell verlassen wollen. Die LTTE habe dies jedoch nicht zugelassen und ihn zunächst inhaftiert. Nach einem Jahr und (…) Monaten habe er – im Sinne von Hafterleichterungen – während des Tages seine Zelle verlassen können und habe für die LTTE kochen müssen. Danach sei er verpflichtet worden, sich um verletzte Zivi- listen zu kümmern. Im gesamten Zeitraum seines Aufenthalts bei den LTTE von 1996 bis 2009 habe er sich in verschiedenen Stützpunkten der LTTE im Vanni-Gebiet aufgehalten. Im (…) 2009 sei er dabei durch ein Artillerie- geschoss schwer verletzt worden. Daraufhin hätten ihm die LTTE erlaubt, zu seinen Verwandten zurückzukehren. Am (…) 2009 habe er sich der sri- lankischen Armee gestellt. Er habe dabei seine Tätigkeiten für Prabhaka- ran verschwiegen und angegeben, nur während einer kurzen Zeit Mitglied der LTTE gewesen zu sein. In ei nem abgelegenen Armee -Lager sei er Zeuge geworden, wie die Armee mehrere langjährige LTTE-Mitglieder exe- kutiert habe. Ihm sei ebenfalls mit dem Tod gedroht worden, sollte er nicht die Wahrheit sagen. Vom (…) 2009 an sei er in einem Rehabilitationslager in C._______ und zwei weiteren Lagern inhaftiert gewesen. Er sei immer wieder von verschiedenen Behördenmitgliedern befragt worden. Seine Ehefrau, die ebenfalls Mitglied der LTTE gewesen sei, sei im Rehabilitati- onslager für Frauen gewesen und sei vor ihm entlassen worden. Sie habe danach monatlich einer Meldepflicht nachgehen müssen. Er habe, obwohl er damals ledig gewesen sei, angegeben, mit ihr verheiratet zu sein, weil er gehofft habe, dadurch freigelassen zu werden. Dies sei jedoch nicht der E-5603/2018 Seite 3 Fall gewesen. Während seines Aufenthalts im Rehabilitationscamp sei er regelmässig befragt und dabei schwer gefoltert worden. Seine Ehefrau habe durch Bestechung erwirken können, dass sein Name auf einer Liste des Verteidigungsministeriums von zu entlassenden Personen erschienen sei. Wegen der Ministeriumsanweisungen sei er am (…) 2011 schliesslich freigelassen worden und sei nach D._______ gegangen. Er habe monat- lich Unterschrift in E._______ leisten müssen und sei dabei jeweils befragt worden. Am (…) 2011 habe er geheiratet. Immer wieder sei er von Beam- ten des Criminal Investigation Department (CID) zu Hause unter Drohun- gen befragt, ins CID-Lager in D._______ bestellt oder unter diversen Vor- wänden zu Befragungen abgeholt worden. Mitunter sei ihm vorgeworfen worden, nicht die Wahrheit bezüglich seines Zivilstandes gesagt zu haben. Mehrmals sei er während mehrerer Tage inhaftiert und dabei gefoltert und bedroht worden. Im Jahr 2015 seien einige LTTE-Angehörige freigelassen worden, welche früher mit Prabhakaran zusammengear beitet hätten, da- runter F._______ und G._______. Diese hätten mit den sri-lankischen Be- hörden kollaboriert und Personen denunziert. Sein Kamerad, H._______, welcher ebenfalls direkt mit Prabhakaran zu tun gehabt habe, sei verhaftet worden. Über seinen Verbleib sei seither nichts bekannt. Im Frühling 2015 hätten Beamte des CID bei seinen Nachbaren Nachforschungen zu seiner Person angestellt. Danach seien sie zusammen mit F._______ und G._______ zu ihm nach Hause gegangen und hätten sich bei seiner Ehe- frau und deren Familie nach ihm erkundigt. Dabei hätten sie seine Ehefrau an den Haaren gezogen und sie gestossen. Daraufhin sei er nicht mehr nach Hause zurückgekehrt und habe sich während ungefähr dreier Monate bei seinem Vater und Bekannten in D._______ aufgehalten. Seine Familie habe er ebenfalls zu einem neuen Wohnort gebracht. Am (…) 2015 habe er Sri Lanka mit Hilfe von Schleppern über Dubai verlassen und sei über mehrere weitere Länder am 13. Juli 2015 in die Schweiz gelangt. Nach seiner Ausreise hätten CID-Beamte seine Ehefrau am neuen Wohnort auf- gesucht, sie befragt, geschlagen und sexuelle Anspielungen gemacht. Zur- zeit lebe sie wieder in ihrem eigenen Haus, wo sie ebenfalls von Angehöri- gen des CID aufgesucht worden sei. Als Beweismittel reichte er seine Identitätskarte (im Original), mehrere Fo- tos von sich, darunter zwei mit Velupi llai Prabhakaran, eine Haftbestäti- gung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) vom (…) 2011 ihn und eine vom (…) 2010 seine Ehefrau betreffend (im Original), seine und die Registrierungskarte des IKRK seiner Ehefrau (im Original), zwei undatierte Reintegration Certificates ihn und seine Ehefrau betreffend (im Original), ein in singhalesischer Sprache verfasstes Schreiben des Ministry E-5603/2018 Seite 4 of Rehabilitation and Prison Reforms vom (…) 2011 (im Original), seinen (in Kopie) und den Ausweis seiner Ehefrau (im Original) der International Organization for Migration (IOM), ein Schreiben der University of Jaffna vom (…) 2010 und eines vom (…) 2010 seine Ehefrau betreffend (im Ori- ginal), die Identitätskarte seiner Ehefrau (in Kopie), einen Eheschein (in Kopie), drei Geburtsscheine (in Kopie) und einen USB-Stick mit mehreren in tamilischer Sprache verfassten Zeitungsartikeln und Beiträgen aus dem Internet, Fotos bereits genannter Unterlagen und von zwei weiteren in ta- milischer Sprache verfassten Dokumenten, ein. B. Mit Verfügung vom 28. August 2018 – eröffnet am 30. August 2018 – ver- neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug. C. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 1. Oktober 2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, das Bundes- verwaltungsgericht habe festzustellen, dass sich das Lagebild des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka auf nichtexistierende und nic ht bewie- sene Quellen stütze. Die angefochtene Verfügung sei aus diesem Grund und wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventualiter wegen Verletzung der Begründungspflicht, eventualiter zur Feststellung des vollständigen und richtigen recht serheblichen Sachverhalts aufzuhe- ben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. Eventualiter sei unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung betreffend die Dispositivzif- fern 4 und 5 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm die Zusammensetzung des Spruchkörpers bekanntzugeben und mitzuteilen, ob dieser zufällig ausgewählt worden sei. Andernfalls seien die objektiven Kriterien anzuge- ben, nach welchen die Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht materiell entscheiden sollte, stellte er verschiedene Beweisanträge. Als Beweismittel reichte er folgende Unterlagen zu den Akten:  mehrere Fotos seiner Narben ([…]) und mehrere Fotos, welche ihn an Demonstrationen zeigen; E-5603/2018 Seite 5  eine CD mit weiteren Beweismitteln (40 3 Beilagen zu dem vom Rechtsvertreter verfassten B ericht zu Sri Lanka Version vom 18. September 2018 und 71 weitere Dokumente [Auszug aus dem Lagebild des SEM vom 5. Juli 2016, Rechtsgutachten von Prof. Walter Kälin vom 23. Februar 2014, Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014, Länderbericht des Rechtsvertreters des Beschwer- deführers zur aktuellen Lage in Sri Lanka vom 18. September 2018, Kopien der Gerichtsakten der Verfahren vor den High Courts Va- vuniya und Colombo mit Übersetzung, Formular Einreisepapierbe- schaffung sri-lankisches Generalkonsulat, Kopie der Vernehmlas- sung des SEM im Verfahren D-4794/2017, Eidgenössisches Depar- tement für auswärtige Angelegenheiten: „Strategie: Schwerpunkte des zukünftigen Schweizer Engagements in Sri Lanka “, mehrere Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR], X gegen Schweiz, Nr. 16744/14, verschiedene Zeitungs- berichte und Länderinformationen]). D. Am 2. Oktober 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein- gang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101; RS 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än- derung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist, mit Ausnahme der nachfolgenden Ausführungen, einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.3 Auf den Antrag um Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D -1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3 [zur Publikation vorgesehen]). E-5603/2018 Seite 6 1.4 Der Antrag auf Mitteilung der Zusammensetzung des Spruchgremiums ist mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos geworden. 1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durc hführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (inklusive Begründungspflicht) und der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts. 4.1 4.1.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei- nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). 4.1.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5. 1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü- fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Be-E-5603/2018 Seite 7 gründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen den Entscheid ge- gebenenfalls sachgerecht anfechten können. Sie muss kurz die wesentli- chen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Ent scheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 4.2 Der Beschwerdeführer macht unter dem Titel der unrichtigen Sachver- haltsfeststellung geltend, Personen, welche sich dem Rehabilitationspro- gramm hätten unterziehen müssen, seien in Sri Lanka nach wie vor gefähr- det. Damit verkennt er, dass die Beurteilung der Gefährdung die Frage der rechtlichen Würdigung, welche die materielle Entscheidung über die vor- gebrachten Asylgründe beschlägt, und nicht die sich aus dem Untersu- chungsgrundsatz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts betrifft (vgl. zur materiellen Beurteilung E. 9). 4.3 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, die Vorinstanz habe seine exil- politischen Aktivitäten nicht abgeklärt. Anlässlich beider Anhörungen wurde der Beschwerdeführer zu seinem exilpolitischen Engagement befragt und verneinte ei n solches beide Male (vgl. vorinstanzliche Akten A12/26 F164 – 166 und A14/26 F185 f). Eine unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts durch die Vorinstanz liegt somit nicht vor. 4.4 Der Beschwerdeführer macht des Weiteren geltend, die Vorinstanz habe die aktuelle Situation in Sri Lanka nicht korrekt abgeklärt und das von ihr erstellte Lagebild vom 16. August 2016 sei fehlerhaft. Weiter werden in der Beschwerdeschrift die zu erwartende Papierbeschaffung beim sri-lan- kischen Generalkonsulat in Genf, der standardmässige behördliche „Back- groundcheck“, die Relevanz des Urte ils des High Court Vavuniya vom 25. Juli 2017 und das vor dem High Court in Colombo hängige Verfahren HC/5186/2010 hervorgehoben, wobei sich das Bundesverwaltungsgericht bereits zum genannten Urteil des High Court Vavuniya geäussert habe, ohne jedoch den Sachverhalt richtig erfasst zu haben. Sodann würden po- litische Interessen in der Schweiz einer objektiven und neutralen Betrach- tung der Lage in Sri Lanka entgegenstehen. E-5603/2018 Seite 8 Die Vorinstanz würdigte die Ausführungen des Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka. Alleine der Umstand, dass sie zum einen in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und sie zum anderen auch zu einer an- deren Würdigung der Vorbringen gelangt, als vom Beschwerdeführer ver- langt, spricht an sich nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung. Auf die im Übrigen unsachgemäss geäusserte Kritik an der Arbeitsweis e der Vorinstanz und des Bundesverwaltungsgerichts ist nicht einzugehen. 4.5 Der Beschwerdeführer begründet die Rüge der Verletzung des rechtli- chen Gehörs mit der zeitlichen Distanz zwischen der ersten (18. August 2016) und der ergänzenden Anhörung (7. August 2018), ferner mit dem Erlass der angefochtenen Verfügung durch eine andere Person als dieje- nige, welche die erste Anhörung durchgeführt habe. Dadurch habe das SEM das Gutachten von Prof. Dr. Walter Kälin von Februar 2014 missach- tet und eine andere Vorgehensweise gewählt, als es in seiner Medienmit- teilung vom 26. Mai 2014 in Aussicht gestellt habe. Bei dem vom Beschwerdeführer zitierten Rechtsgutachten handelt es sich lediglich um eine Empfehlung, die Anhörung möglichst zeitnah zur BzP durchzuführen und nicht um eine justiziable Verfahrenspflicht; dasselbe gilt für die Medienmitteilung der Vorinstanz vom 26. Mai 2014 (vgl. Urteil des BVGer D-6560/2016 vom 29. März 2018 E. 5.2). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich sodann keine Vorgabe für die Vorinstanz, die Verfügung müsse durch die befragende Person verfasst werden. Es ist vor- liegend keine Verletzung des rechtlichen Gehörs ersichtlich. Der bean- tragte Beizug der für die Anhörung angelegten internen Akten (vgl. Be- schwerde S. 15) läuft von vornhe rein ins Leere, zumal dem Beschwerde- führer alle verfahrensrelevanten Vorakten, namentlich auch das Anhö- rungsprotokoll, zur Kenntnis gebracht wurden. 4.6 Der Beschwerdeführer beantragt sodann, das Bundesverwaltungsge- richt habe festzustellen, dass sich das Lagebild der Vorinstanz vom 16. Au- gust 2016 zu Sri Lanka auf nichtexistierende und nicht bewiesene Quellen stütze, weshalb die Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vor - instanz zurückzuweisen sei. Hierbei handelt es sich sinngemäss um den vom Rechtsvertre ter des Be- schwerdeführers in anderen Verfahren bereits öfters gestellten Antrag auf E-5603/2018 Seite 9 Offenlegung aller nicht öffentlich zugänglichen Quellen des besagten La- gebilds, zumal die Begründung der beiden Anträge praktisch identisch ist. Der Antrag ist ebenso wie das Gesuch um Einräumung einer Frist zur Be- schwerdeergänzung unter Verweis auf die dazu ergangene Rechtspre- chung abzuweisen (vgl. beispielsweise Urteil des BVGer D-109/2018 vom 16. Mai 2018 E. 6.3 m.w.H.). 4.7 Der Beschwerdeführer macht schliesslich eine Verletzung der Begrün- dungspflicht geltend. Die Vorinstanz habe seine Narben und seine familiä- ren Verbindungen zu LTTE -Mitgliedern nicht erwähnt. Diese Umstände würden gemäss dem Referenzurteil E-1866/2015 des Bundesverwaltungs- gerichts vom 15. Juli 2016 Risikofaktoren darstellen. Die Vorinstanz beschränkte sich bei der Prüfung subjektive r Nachflucht- gründe (vgl. zum Begriff E. 7.2) auf die Feststellung, es würden keine An- haltspunkte vorliegen, wonach allfällige Risikofaktoren ein Verfolgungsin- teresse der sri -lankischen Behörden auszulösen vermöchten, zumal die Vorbringen des Beschwerdeführers zum Verrat durch seine beiden ehema- ligen LTTE-Kollegen nicht glaubhaft seien. Mit den einzelnen Risikofakto- ren (langjährige Mitgliedschaft bei den LTTE, Inhaftierungen nach E ntlas- sung aus der Rehabilitationshaft, familiäre Verbindungen zu den LTTE, Narben etc.) setzte sie sich dabei nicht auseinander und begründete nicht, weshalb trotz deren nicht bestrittenen Bestehens nicht von einer flücht- lingsrechtlich relevanten Verfolgun g bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auszugehen sei. Damit hat sie ihre Begründungspflicht bei der Prüfung von subjektiven Nachfluchtgründen verletzt. 5. Zusammenfassend erweist sich die formelle Rüge der Verletzung der Be- gründungspflicht und damit des rechtlichen Gehörs im Zusammenhang mit der Prüfung subjektiver Nachfluchtgründe als begründet. Es besteht jedoch aufgrund der nachfolgenden Erwägungen kein Anlass, die Sache aus for- mellen Gründen an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. E. 9.4). 6. Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung sei- ner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweisan- träge: Ihm sei eine angemessene Frist zur Einreichung weiterer Beweis- mittel zu seinen exilpolitischen Aktivitäten, zu seinen Familienangehörigen mit LTTE-Verbindungen und zur Verhaftung sowie dem Hintergrund seines Kameraden H._______ zu setzen. E-5603/2018 Seite 10 Angesichts der vorliegenden Akten sieht sich das Bundesverwaltungsge- richt nicht veranlasst, dem Beschwerdeführer eine Frist für die Einreichung der von ihm erwähnten Unterlagen anzusetzen. Es wäre ihm im Übrigen seit Beschwerdeerhebung freigestanden und hätte ihm im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht oblegen, solche Beweismittel beizubringen, zumal er dazu seit der Stellung seines Asylgesuchs genügend Zeit gehabt hätte. Die Beweisanträge sind abzuweisen. 7. 7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 7.2 Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art . 3 AsylG wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründe). Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen werden als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Mass- gebend ist dabei, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsu- chenden Person als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei ei- ner Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es b leiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Gan- zen auch BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1). 7.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt E-5603/2018 Seite 11 dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2915/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 8. 8.1 Zur Begründung des ablehnenden Entscheids befand die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers, welche ausschlaggebend für seine Ausreise gewesen sein sollen (Verrat durch zwei Kollaborateure der sri - lankischen Behörden), als nicht glaubhaft. Er habe während der ersten An- hörung angegeben, die Beamten des CID seien in der Nacht mit einem weissen Lieferwagen zu ihm nach Hause gekommen. Er habe sie kommen sehen, sei durch die Hintertür geflohen und habe sich in der Nachbarschaft versteckt. Im Widerspruch dazu habe er anlässlich der ergänzenden Anhö- rung ausgeführt, er sei am Nachmittag auf dem Weg nach Hause gewesen, als er den weissen Lieferwagen gesehen habe und sei direkt zu einem Nachbarn gegangen. Auch habe er anlässlich der ergänzenden Anhörung nicht mehr erwähnt, aus der Ferne beobachtet zu haben, wie die CID -Be- amten seine Frau an den Haaren gezogen hätten. Darauf angesprochen, habe er erklärt, dieser Vorfall habe sich zu einem späteren Zeitpunkt ereig- net und er habe ihn nicht beobachtet. Zudem seien seine Aussagen zu die- sen Vorfällen nicht substantiiert. Die übrigen Vorbringen würden den Anfor- derungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand- halten. Er habe in Sri Lanka ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen. Mit der Entlassung a us der Rehabilitationshaft hätten die Betroffenen in den Augen der sri -lankischen Behörden ihre Strafe wegen Unterstützung der LTTE verbüsst. Sie würden zwar von den Sicherheitsbehörden weiterhin überwacht werden, die damit verbundenen Beeinträchtigungen würden je- doch in der Regel kein asylrelevantes Ausmass erreichen. Dies würde auch auf den Beschwerdeführer zutreffen. Er habe angegeben, die Kollaboration seiner ehemaligen LTTE-Kollegen habe den Ausschlag für seine Ausreise gegeben. Vor diesem Ereignis (Frühling 2015) habe er nie an eine Ausreise gedacht. Entsprechend könnten die Vorfälle vor diesem Zeitpunkt nicht als kausal und somit asylrelevant betrachtet werden. Allfällige zum Zeitpunkt seiner Ausreise bestehenden Risikofaktoren hätten folglich nicht vermocht, ein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen. Es lägen auch keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme vor, dass sich dies seit seiner Ausreise geändert habe, zumal er einen Verrat durch seine beiden ehemaligen Kolleg en und die damit einhergehende Verfol- gung nicht habe glaubhaft machen können. Es bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka wegen der geltend gemachten Verbindungen zu den LTTE mit beachtlicher Wahr-E-5603/2018 Seite 12 scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmass- nahmen ausgesetzt sein würde. Daran würden auch die eingereichten Be- weismittel nichts zu ändern vermögen , da sich diese ausschliesslich auf seine LTTE-Mitgliedschaft und seine Rehabilitation beziehen würden, wel- che nicht in Abrede gestellt würden. Den Vollzug der Wegweisung erachtete die Vorinstanz als völkerrechtlich zulässig sowie technisch möglich und praktisch durchführbar. Sodann führte es aus, der junge und gesunde Beschwerdeführer stamme aus der Nordprovinz und sei in seiner Heimat als Landwirt tätig gewesen. Seine Ehefrau sei erwerbstätig. Er selbst habe in der Schweiz gearbeitet. Seine berufliche und wirtschaftliche Reintegration in Sri Lanka sei somit gesi- chert. Seine Familienmitglieder würd en nach wie vor in Sri Lanka leben, weshalb auch seine Wohnsituation als gesichert gelte. Seine Schmerzen am Bein und am Arm könnten im Heimatstaat behandelt werden, weshalb sie kein Vollzugshindernis darstellen würden. Somit erweise sich der Voll- zug der Wegweisung nach Sri Lanka auch als zumutbar. 8.2 Auf Beschwerdeebene konkretisiert der Beschwerdeführer verschie- dene Punkte seiner Aussagen und führt aus, er sei exilpolitisch aktiv. Im Jahr 2016 habe er an zwei Demonstrationen in Genf teilgenommen. Er sei aufgrund seiner Vergangenheit bei den LTTE auch öfters exponiert an Ver- anstaltungen aufgetreten. Seit seiner Ausreise habe sich die Bedrohungs- lage zugespitzt, da ihm nun erst recht ein Interesse an der Wiederbelebung des tamilischen Separatismus unterstellt werde. Sein exilpolitisches Enga- gement sei für die sri-lankischen Behörden ein Beweis, dass seine Reha- bilitation nicht erfolgreich gewesen sei. Sein direkter Kontakt zu Prabhaka- ran würde seine Gefährdung besonders akut erscheinen lassen. Aufgrund der Inhaftierung wegen seiner LTTE-Mitgliedschaft sei davon auszugehen, dass er auf der Stop-List registriert worden sei. Dass seine Ehefrau eben- falls aufgrund ihrer Tätigkeit für die LTTE inhaftiert gewesen sei, belaste ihn in den Augen der sri-lankischen Behörden weiter. Sein Onkel habe auf- grund von Verbindungen zu den LTTE in I._______ Asyl erhalten. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz eine Bedrohungslage verneine, obwohl sie seine Vergangenheit nicht in Zweifel ziehe. Seinen Ausführun- gen zum Entführungsversuch im Frühling 2015 seien zwar Ungereimthei- ten betreffend Zeit - und Ortsangaben sowie zum Ablauf zu entnehmen, doch sei daraus nicht auf die fehlende Glaubhaftigkeit seiner Angaben zu schliessen. Es sei nachvollziehbar, dass sich die Erinnerung an Details in- nerhalb der zwei Jahre, welche zwischen den beiden Anhörungen gelegen hätten, mit Erinnerungen an andere Verfol gungsmassnahmen vermischt E-5603/2018 Seite 13 hätte, oder er sich schlicht nicht mehr genau habe erinnern können. Aus Angst vor einer Re-Traumatisierung verdränge er zudem die Gedanken an seine Verfolgung. Sodann seien seine Ausführungen substantiiert ausge- fallen. Bei einer Rückkehr würden ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits am Flughafen asylrelevante Verfolgungsmassnahmen drohen, da mehrere Verdachtsmomente (LTTE-Mitgliedschaft, Registrierung auf Stop-List, exil- politisches Engagement, sichtbare Narben, illegale Ausreise, Aufenthalt in der Schweiz) vorlägen. In seinem Fall sei das Risiko, gefoltert oder getötet zu werden, besonders hoch. 9. 9.1 Die Vorinstanz stellt die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwer- deführers bis zu den Vorfällen im Frühjahr 2015 nicht in Frage. Das Bun- desverwaltungsgericht erachtet die diesbezüglichen Ausführungen des Be- schwerdeführers als glaubhaft. Die entsprechenden Ausführun gen sind substantiiert ausgefallen, enthalten eine Vielzahl an Realkennzeichen und der Beschwerdeführer konnte sie mit mehreren Beweismitteln belegen. Ferner kann der Vorinstanz zugestimmt werden, dass die Angaben des Be- schwerdeführers zu den Erkundigungen Beamter des CID nach ihm auf- grund eines Verrats durch deren Kollaborateure widersprüchlich ausgefal- len sind. Auf die betreffenden Erwägungen der Vorinstanz gemäss ange- fochtener Verfügung und Zusammenfassung unter E. 8.1 kann zur Vermei- dung von Wiederholungen verwiesen werden. Der Inhalt der Beschwerde führt zu keiner anderen Betrachtungsweise. Der Beschwerdeführer wider- sprach sich bezüglich seines Aufenthaltsortes, des Zeitpunkts, des konkre- ten Ablaufs des genannten Vorfalls und bezüglich der be iden Kollabora- teure (vgl. zum letzten Punkt A12/26 F135 und A14/26 F159). Angesichts dessen, dass es sich um fluchtauslösende und damit einschneidende Er- eignisse im Leben des Beschwerdeführers gehandelt haben soll, lassen seine widersprüchlichen Schilderungen, unabhängig von der Zeitspanne von zwei Jahren zwischen den beiden Anhörungen, in einer Gesamtbe- trachtung nicht darauf schliessen, dass er das Geschilderte selbst erlebt hat. Die vor diesem Ereignis erlittenen Repressalien scheinen dagegen nicht kausal für seine Ausreise gewesen zu sein, gab er doch zu Protokoll, vor 2015 keine Ausreiseabsichten gehabt zu haben (vgl. A12/26 F143). Seine Ausreise mit einem Pass lautend auf seinen Namen und versehen mit seinem Foto und einem lediglich geändertem Geburtsda tum (vgl. A12/26 F157 ff.), deutet ferner darauf hin, dass sich eine allfällige Bedro- hung seitens der sri-lankischen Behörden nicht als unmittelbar und konkret präsentierte. Es ist folglich – trotz der regelmässigen und intensiven Kon-E-5603/2018 Seite 14 trolle des Beschwerdeführers durch die Behörden – nicht davon auszuge- hen, dass er zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war respektive solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft zu befür chten hatte. Die eingereichten Beweismittel beziehen sich auf nicht bestrittene Sachverhaltselemente und vermögen deshalb am Vorgesagten nichts zu ändern. 9.2 Die weiteren im Beschwerdeverfahren auf CD eingereichten Beweis- mittel, sofern sie überhaupt rechtserheblich sind, vermögen an der fehlen- den Glaubhaftigkeit des in Frage stehenden Vorbringens nichts zu ändern. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Dokumente, welche die allgemeine Lage und die politische Situation in Sri Lanka beschreiben. Der Beschwer- deführer kann daraus keine individuelle Verfolgung ableiten. Das Urteil des High Court Vavuniya (Verurteilung eines rehabilitierten LTTE-Mitglieds zu lebenslanger Haft wegen Zwangsrekrutierung einer jungen Frau für die LTTE) und die Verfahren vor dem High Cour t Colombo (Finanzierung der LTTE), beziehen sich auf Umstände, die nicht mit der Situation des Be- schwerdeführers vergleichbar sind und keinen Bezug zu ihm aufweisen; er vermag daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. 9.3 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, mehrere Risikofaktoren zu erfüllen. Es ist somit zu prüfen, ob er dadurch bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb seine Flüchtlingseigen- schaft wegen subjektiver Nachfluchtgründe festzustellen wäre. Das Bundesverwaltungsgericht hält im Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte nicht abschliessend zu verstehende Risikofaktoren (Eintrag in die Stop-List, vermeintliche oder tat- sächliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, frühere Ver- haftungen üblicherweise im Zusammenhang mit Verbindungen zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdoku- mente, eine zwangsweise respektive durch die IOM begleitete Rü ckfüh- rung sowie gut sicht bare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine genom- men keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen ver-E-5603/2018 Seite 15 möchten. Jedoch könne auch das Vorliegen m ehrerer schwach risikobe- gründender Faktoren die Annahme einer begründeten Furcht vor ernsthaf- ten Nachteilen rechtfertigen. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Be- rücksichtigung der k onkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu be- rücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse. (vgl. a.a.O. E. 8.5.5). Gemäss Erwägung 8.5.6 des genannten Urteils fallen die Bejahung von sogenannten Vorfluchtgründen und die Gewährung von Asyl ausser Be- tracht, wenn eine Person vor ihrer Ausreise aus Sri Lanka trotz bereits vor- handener Risikofaktoren nicht mit flüchtlingsrechtlich relevanten Nachtei- len konf rontiert gewesen ist. Die Verneinung von Vorfluchtgründen schliesst aber nicht aus, dass die betroffenen Person bei ihrer Rückkehr nach Sri Lanka aufgrund derselben, bereits vor der Ausreise vorhandenen Risikofaktoren im Sinne von Nachfluchtgründen eine be gründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen wie Verhaftung und Folter hat. 9.4 Der Beschwerdeführer hat glaubhaft dargelegt, während acht Jahren Mitglied der LTTE und während weiteren fünf Jahren von diesen zum Dienst gezwungen worden und zum Teil von der LTTE inhaftiert worden zu sein. Während seiner Zeit bei den LTTE hat er unter anderem auf einer (…) und in einer (…) gearbeitet, Verletzte be treut und diverse administrative Tätigkeiten (Registrierung diverser Angaben zum Sicherheitspersonal Prabhakarans) als auch Hilfsarbeiten ([…]) direkt für Prabhakaran ausge- führt. In dieser Zeit hielt er sich in verschiedenen LTTE-Camps im Vanni- Gebiet auf (vgl. A14/26 F40 und F66 ff.; A12/26 F70 ff.; vgl. ferner die Fotos mit Prabhakaran). Während seiner (freiwilligen) Mit gliedschaft bei den LTTE genoss er deren weitgehendes Vertrauen, wovon die direkten Kon- takte zu Prabhakaran zeugen. In Anbetracht dieser Umstände ist davon auszugehen, dass er über die Standorte und Abläufe innerhalb der LTTE- Camps Bescheid wusste und Kont akt zu einer Vielzahl höherrangiger LTTE-Mitglieder hatte, oder dass ihm dies zumindest von der sri-lankischen Regierung unterstellt wird. Nach seiner Freilassung wurde er in Rehabilita- tionshaft genommen (vgl. die Haftbestätigung des IKRK vom (…) 2011 und das Reintegration Certificate) und teils unter Folter zu seinen Aufgaben bei den LTTE befragt. Seinen direkten Kontakt zu Prabhakaran konnte er dabei verheimlichen. Nach zwei Jahren wurde er aus der Rehabilitationshaft ent- lassen. Zum Beleg seiner Inhaftierung reichte er mehrere Dokumente ein E-5603/2018 Seite 16 (s. o. Bst. A.), deren Datumsangaben mit seinen Ausführungen überein- stimmen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass das Durchlaufen des Rehabilitierungsprogramms nicht bedeutet, dass die Betroffenen n icht mehr im Fokus der Behörden stehen können (vgl. bspw. UK Home Office, Report of a Home Office fact finding mission: treatment of Tamils and people who have a real or perceived association with the former Liberation Tigers of Tamil Eelam [LTTE], Condu cted 11-23 July 2016, undatiert, < https://www.gov.uk/government/uploads/ system/uploads/attachment_data /file/605479/Sri_Lanka_ FFM_Re- port__11-23_July_2016_.pdf >, abgerufen am 09.04.2019; SEM, Focus Sri Lanka – Lagebild, 05.07.2016, Version vom 16.08.2016, < https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/internationales/herkunfts - laender/asien-nahost/lka/LKA-lagebild-2016-d.pdf >, abgerufen am 09.04.2019). Nach seiner Freilassung wurde er durch die sri -lankischen Behörden denn auch engmaschig überwacht. Er mus ste monatlich einer Meldepflicht nachgehen, wurde immer wieder unter verschiedenen Vor- wänden verhört und mehrmals während einer Woche inhaftiert und dabei gefoltert (vgl. A14/26 F118 ff.). Ob seine Verbindungen zu den LTTE und die mehrmaligen Verhaftungen zu einem Eintrag in die Stop -List geführt haben, kann nicht abschliessend beantwortet werden. Hingegen ist unbe- stritten, dass Letztere im Zusammenhang mit seiner LTTE -Mitgliedschaft gestanden haben (vgl. bspw. A14/26 F113 ff.), was gemäss Rechtspre- chung des Bundesverwaltungsgerichts bereits genügt, um von einer be- gründeten Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus- zugehen (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.2). Zudem wurde sein ehemaliger LTTE-Kollege, der ebenfalls seinen Kontakt zu Prabhakaran verheimlichte, verhaftet (vgl. A14/26 F110). Des Weiteren war seine Ehefrau Mitglied der LTTE (vgl. die Haftbestätigung des IKRK vom (…) 2010 und das Reintegra- tion Certificate). Zu berücksichtigen sind auch seine zahlreichen und zum Teil gut sichtbar en Narben (vgl. die entsprechenden Fotos und die Hin- weise im Anhörungsprotokoll), welche vom Krieg und der erlittenen Folter zeugen. Schliesslich hält sich der Beschwerdeführer seit über drei Jahren in der Schweiz auf und ist exilpolitisch tätig, wenngleich diese Aktivität als niederschwellig einzustufen ist (belegt ist seine Teilnahme an lediglich zwei politischen Veranstaltungen). 9.5 Es ist daher vorliegend wahrscheinlich, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre und die Zufügung ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu be- fürchten hätte. Es sind demnach subjektive Nachfluchtgründe fe stzustel- len. Gründe für den Ausschluss aus der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. E-5603/2018 Seite 17 1 Bst. F FK sind nicht ersich tlich. Der Beschwerdeführer ist daher als Flüchtling anzuerkennen; hingegen schliesst Art. 54 AsylG die Gewährung von Asyl aus. 10. 10.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht da rauf ein- tritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 10.2 Allerdings ist im Sinne einer Ersatzmassnahme das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme zu regeln, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; A rt. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]; BVGE 2009/51 E. 5.4). Für den vorliegenden Fall ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass der Beschwerdeführer subjek- tive Nachfluchtgründe glaubhaft machen konnte. Der Vollzug der Wegwei- sung nach Sri Lanka erweist sich daher wegen drohender Verlet zung des flüchtlingsrechtlichen Gebots des Non-Refoulements (Art. 5 AsyG; Art. 33 Abs. 1 FK) sowie auch mit Blick auf Art. 3 EMRK als unzulässig, da davon ausgegangen werden muss, dass er im Falle seiner Rückkehr ins Heimat- land mit beachtlicher Wahrscheinl ichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. 11. Die Beschwerde ist gutzuheissen, soweit damit die Feststellung der Flücht- lingseigenschaft und der Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung so- wie die Anordnung der vorläufigen Aufnahme bean tragt wurden. Im Übri- gen ist sie abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird. Die vorinstanzliche Verfügung vom 28. August 2018 ist demnach aufzuheben, soweit damit die Flüchtlingseigenschaft verneint und der Vollzug der Wegweisung angeord- net wurden (Dispositivziffern 1, 4 und 5). D ie Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. E-5603/2018 Seite 18 12. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüglich sei- nes Antrags auf Gewährung von Asyl unterlegen. Hingegen hat er bezüg- lich der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und infolgedessen der An- ordnung der vorläufigen Aufnahme obsiegt. Zudem war die Rüge der Ver- letzung des rechtlichen Gehörs berechtigt. Praxisgemäss bedeutet dies ein Obsiegen zu zwei Dritteln. 12.1 Die Kosten des Verfahrens sind aufgrund der sehr umfangreichen Be- schwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Bezug zum Be- schwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1‘500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und aufgrund des Obsiegens zu zwei Dritteln auf Fr. 500.– festzulegen. Davon sind Fr. 300.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. nachfol- gende Erwägung). 12.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte in der Beschwer- deschrift vom 1. Oktober 2018 Rechtsbegehren, über welche bereits mehr- fach befunden worden ist (Offenlegung der Quellen des Länderberichts des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka und Bestätigung de r Zufälligkeit beziehungsweise Offenlegung der objektiven Kriterien der Zusammenset- zung des Spruchkörpers). Androhungsgemäss (vgl. etwa D -4191/2018 E. 13.2) sind ihm diese unnötig verursachten Kosten deshalb persönlich aufzuerlegen und auf Fr. 200.– festzusetzen (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; u.a. Urteil des BGer 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6). 12.3 Im Umfang des Obsiegens im Beschwerdeverfahren – das heisst zu zwei Dritteln – ist dem Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 VGKE). Es wurde keine Kos- tennote eingereicht, weshalb die Parteikosten aufgrund der Ak ten zu be- stimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Entschädigungspflichtig ist nur der notwendige Aufwand, weshalb es zu berücksichtigen gilt, dass die Be- schwerdeeingaben sowohl redundante Passagen als auch weitschweifige Ausführungen zur allgemeinen Lage in Sri Lanka, welche sich auch in Ein- gaben in anderen Beschwerdeverfahren des Rechtsvertreters finden, ent- halten. In Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. E-5603/2018 Seite 19 Art. 8 ff. VGKE) ist der Gesamtau fwand des Beschwerdeführers auf Fr. 2'400.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. Davon sind zwei Drittel, also Fr. 1'600.– dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz als Parteientschädigung aus- zurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-5603/2018 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Feststellung der Flücht- lingseigenschaft und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling beantragt wur- den. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetre- ten wird. 2. Die Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung vom 28. August 2018 werden aufgehoben. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Die unnötig verursachten Verfahrenskosten von Fr. 200.– werden Rechts- anwalt Gabriel Püntener auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine reduzierte Partei- entschädigung von Fr. 1'600.– auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Maria Wende Versand: