Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Dezember 2015 (715 15 204 / 320) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung; Nimmt die versicherte Person die angebote- ne Verlängerung des Arbeitsverhältnisses nicht an, hat sie die Arbeitslosigkeit selbst verschuldet. In casu bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Arbeitsnehmerin der Verbleib an der Stelle aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar gewesen wäre. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1980 geborene A.____ war ab 1. Juli 2014 im Unternehmen B.____ als Teamleiterin angestellt. Mit Schreiben vom 11. August 2014 sprac h die Arbeitgeberin die ordentliche Kündi- gung des Anstellungsverhältnisses in der Probezeit auf den 31. August 2014 aus. Im Kündi- gungsschreiben wurde ausgeführt, dass die Arbeitneh merin die aus Kulanz offerierte Auflö- sungsvereinbarung nicht unterzeichnet habe. A.____ meldete sich daraufhin am 11. August 2014 in ihrer Wohnsitzgemeinde zur Arbeitsvermittlu ng an und stellte am 14. August 2014 bei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslose nkasse) Antrag auf Arbeitslosenent- schädigung. Am 22. Oktober 2014 wurde die Versicherte u nter Hinweis auf eine selbst gefun- dene Stelle per 1. November 2014 von der Arbeitsvermi ttlung abgemeldet. Mit Verfügung Nr. 2201/2014 vom 13. November 2014 stellte die Arbei tslosenkasse die Versicherte wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. September 2 014 für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. Eine von A.____ dageg en erhobene Einsprache wies die Ein- spracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerb e und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA) mit Entscheid vom 11. Mai 2015 ab. B. Hiergegen erhob A.____, nunmehr vertreten durch R affaela Biaggi, Advokatin, mit Einga- be vom 8. Juni 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei die Beschwerdeg egnerin in Aufhebung des angefoch- tenen Einspracheentscheids zu verpflichten, ihr ohne Ei nstelltage die vollen gesetzlichen Leis- tungen zu erbringen, unter o/e-Kostenfolge. Zur Beg ründung wurde im Wesentlichen ausge- führt, dass die Auflösungsvereinbarung entgegen der Au ffassung der Beschwerdegegnerin kei- ne Anstellung bis Ende Dezember 2014 garantierte. Eine solche wurde vielmehr von einer nicht messbaren Änderung des Verhaltens der Beschwerdeführeri n abhängig gemacht, deren Beur- teilung alleine der Arbeitgeberin oblegen hätte. Der Verbleib an der gekündigten Stelle wäre der Beschwerdeführerin ohnehin aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar gewesen. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 24. August 2015 auf Ab- weisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arb eitslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis z u einem Streitwert von Fr. 10'000.– durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist streit ig, ob die Arbeitslosenkasse die Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin zu Recht infolge selbstverschuldeter Arbe itslosigkeit für die Dauer von 24 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. De r Streitwert beläuft sich folglich unter Berücksichtigung eines Taggeldansatzes von Fr. 257.35 auf Fr. 6‘176.40. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Sch adenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2 a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einstell ung in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätt e vermeiden oder vermindern kön- nen. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Ver- schuldensprinzip beherrscht (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, 2. Auflage, Basel 2007, Rz. 822 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und so weit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in ei nem nach den persönlichen Umstän- den und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 1982 Nr. 4 S. 39). Das vermeidbare Ver- halten muss beweismässig klar feststehen und vorsätzlich erfolgt sein. Ausschlaggebend ist, ob die versicherte Person wissen konnte und musste, dass sie du rch ihr Handeln womöglich eine Kündigung bewirkt (Urteil des Bundesgericht vom 19. November 2007, 8C_466/2007, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Dies ist unter anderem dann der F all, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ih r eine andere Stelle zugesichert war (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Diese Bestimmung ist mit Art. 20 lit. c des für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft getretenen Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorga- nisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung und d en Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 vereinbar (vgl. BGE 124 V 236 f. E. 3c). Nach der Rechtsprechung kann der Tat- bestand auch erfüllt sein, wenn die Kündigung vom Arbe itgeber ausgesprochen wurde, weil die versicherte Person trotz der ihr gebotenen Gelegenheit n icht bereit war, das Arbeitsverhältnis unter geänderten Bedingungen weiterzuführen (J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 119 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 17 Abs. 1 AVIG) ih re Grenze grundsätzlich im Zumutbar- keitsgedanken. So gilt in analoger Anwendung von Art. 16 Abs. 2 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesonder e den gesamt- und normalarbeitsver- traglichen Bedingungen entspricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeits- losen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich er- schwert. In beweisrechtlicher Hinsicht wird die Zumutbarkeit des Verbleibens an der Arbeitsstel- le vermutet. Das Bundesgericht wendet hinsichtlich der A nnahme der Unzumutbarkeit einen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht strengen Massstab an und schliesst generell subjektive Beweg gründe für die Kündigung von der Zumutbarkeitsprüfung aus (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Schweizerisches Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilung en] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 4.4; vgl. ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 832). Wenn nicht beson- dere Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zu gemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (vgl. CHOPARD , a.a.O., S. 116 und S. 119). 2.4 Ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheite n mit Vorgesetzten oder Ar- beitskollegen vermögen grundsätzlich keine Unzumutbarke it der Fortführung des Arbeitsver- hältnisses zu begründen (Sozialversicherungsrecht – Rechtsp rechung [SVR] 1997 ALV Nr. 105 S. 324, C 128/96, E. 2a). Eine Unzumutbarkeit der Wei terarbeit aus gesundheitlichen Gründen muss deshalb durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 13. März 2013, 8C_943/2012, E. 2; vgl. auch: Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 20 10, 8C_12/2010, E. 3.1; BGE 124 V 238 E. 4b/bb, je mit Hinweisen; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I [Art. 1-58], Bern/Stuttgart 1988, N. 14 zu Art. 30 AVIG; CHOPARD , a.a.O., S. 123). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsat z gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten d er Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen ei ne vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vgl . § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung a ls verfügende Instanz und – im Beschwer- defall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicheru ngsrecht hat das Gericht seinen Ent- scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, n ach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Geri cht hat vielmehr jener Sachverhalts- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht darstellung zu folgen, die es von allen möglichen Gescheh ensabläufen als die wahrscheinlichs- te würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). Dabei stellt der Grundsatz, wonach die spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Schilderungen, die bewusst oder unbewusst von na chträglichen Überlegungen versi- cherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein kön nen, eine im Rahmen der freien Be- weiswürdigung zu berücksichtigende Entscheidungshilfe da r. Sie kann jedoch nur zur Anwen- dung gelangen, wenn von zusätzlichen Abklärungen keine n euen Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des EVG vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch: Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2008, 8C_827/2007, E. 5.2). 4. Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der rechts erhebliche Sachverhalt wie folgt dar: 4.1 Die Beschwerdeführerin war ab dem 1. Juli 2014 im Unternehmen B.____ als Teamlei- terin in einem 100%-Pensum angestellt. Mit Schreiben vom 11. August 2014 kündigte die Ar- beitgeberin das Arbeitsverhältnis in der Probezeit auf d en 31. August 2014. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass der Arbeitnehmerin in den Prob ezeitgesprächen mitgeteilt worden sei, dass das Anstellungsverhältnis aufgrund ihres Verhaltens spätestens nach Ablauf der Probezeit nicht mehr weitergeführt werde. Im Anschluss sei mit der Arbeitnehmerin vereinbart worden, das Anstellungsverhältnis bis Ende Dezember 2014 oder bi s zum Finden einer neuen Stelle aufrecht zu erhalten und dann in gegenseitigem Einver nehmen aufzulösen. Im Gespräch vom 6. August habe man der Arbeitnehmerin mitgeteilt, da ss das Anstellungsverhältnis aus Kulanz per Ende September 2014 in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst werden würde. In der Auf- lösungsvereinbarung habe man auf Wunsch der Arbeitnehm erin in Aussicht gestellt, nach Sep- tember 2014 eine befristete Anstellung bis Ende Dezem ber 2014 zu prüfen. Anlässlich des Ge- sprächs vom 8. August 2014 habe die Arbeitnehmerin mitgeteilt, dass sie die Auflösungsverein- barung nicht unterzeichnen werde. Die Arbeitgeberin sä he sich aufgrund dieser Weigerung ge- zwungen, das Arbeitsverhältnis wie ursprünglich vorgesehen ordentlich zu kündigen. In ihrem Antrag auf Arbeitslosenentschädigung gab die Beschwerdef ührerin an, mit den Ausführungen im Schreiben vom 11. August 2014 nicht einverstanden zu sein. 4.2 Auf Anfrage der Beschwerdegegnerin hin führte die ehemalige Arbeitgeberin mit E-Mail vom 22. Oktober 2014 aus, dass die Beschwerdefüh rerin eingestellt worden sei, um per 1. Januar 2015 die Teamleitung zu übernehmen. Das er ste halbe Jahr der Anstellung hätte der Einarbeitung dienen sollen. Die Einarbeitung habe di e Triagierung verschiedenster Anfragen, welche auch per Post eingingen, beinhaltet. Damit lern e jemand die Komplexität des Betriebs und die unterschiedlichen Sachgebiete am besten kenne n. Die Beschwerdeführerin habe sich indessen für niedere Arbeit missbraucht gefühlt. Ausser dem habe sie Mühe bekundet mit den Prozessen des Betriebs. Aufgrund der steigenden Unzufrie denheit, welche die Beschwerdefüh- rerin auch nach aussen gegenüber Kundinnen und Kunden sowie Arbeitskolleginnen und –kollegen und den Vorgesetzten nicht verborgen habe, se ien verschiedene Gespräche geführt worden. Das gezeigte Verhalten könne bei einer Führung spersönlichkeit nicht akzeptiert wer- den. Aus Kulanz sei der Arbeitnehmerin – unter der Au flage, dass sich ihr Auftreten nach aus- sen verbessern müsse – eine Weiterbeschäftigung bis Ende J ahr angeboten worden, damit sie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht genügend Zeit habe, sich zu sammeln und eine neue Anst ellung zu finden. Dies sei jedoch sei- tens der Beschwerdeführerin abgelehnt worden, weshalb ihr zum Ablauf der Probezeit gekün- digt worden sei. 4.3 Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs vom 1 . November 2014 führte die Beschwerdeführerin aus, dass die Arbeitgeberin beim e rsten Probezeitgespräch an ihrer Arbeit nichts auszusetzen gehabt habe. Es sei ihr gesagt worde n, dass sie ein gutes Fachwissen und eine kritische Sichtweise habe. Sie zeige aber eine Un zufriedenheit und würde sich nicht integ- rieren; so käme sie nicht in die Pause. Tatsache sei abe r, dass sie jeweils mit einer anderen Gruppe aus dem Aufgabenbereich in die Pause gegangen se i. Ihrer Meinung nach hätten die beanstandeten Punkte nichts mit ihrer Arbeit zu tun geh abt. Sie habe an diesem Gespräch mit- geteilt, dass sie sich unterfordert fühle und oft berei ts am frühen Nachmittag mit der übertrage- nen Aufgaben (Triage, Berichterstattung) fertig sei. Als sie nachgefragt habe, ob sie jemanden unterstützen könne, habe man ihr gesagt, sie solle zuerst ihren Prozess kennenlernen. Die ihr übertragenen Arbeiten hätten nicht dem Stellenbeschri eb entsprochen und sie habe sich nicht entsprechend der ab Januar 2015 zu übernehmenden Aufgabe einbringen können. Aus diesem Grund habe sie Ende Juli um ein weiteres Gespräch gebeten, wo ihr mitgeteilt worden sei, dass man unter diesen Voraussetzungen keine weitere Zusammenarbeit mit ihr sehe. Am 11. August 2014 sei ihr gekündigt worden. 4.4 Im Rahmen ihrer Einsprache vom 19. Januar 2015 rei chte die Beschwerdeführerin zum einen den Entwurf der Vereinbarung zwischen ihr und de r ehemaligen Arbeitgeberin ein. Da- nach wäre das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einverne hmen per 30. September 2014 auf- gelöst worden. Hätte sich die Arbeitssituation mit der Beschwerdeführerin bis Mitte September 2014 entspannt, so hätte eine Option auf einen befri steten Arbeitsvertrag vom 1. Oktober 2014 bis 31. Dezember 2014 bestanden. Auf den befristeten V ertrag bestehe kein Anspruch. Er kön- ne gegenseitig mit einer ordentlichen Kündigungsfrist von 14 Tagen auf das Ende der Woche gekündigt werden. Zum anderen reichte sie einen „Abschluss- und Verlaufs bericht“ von lic. phil. C.____, Fachpsy- chologe für Psychotherapie FSP und Verhaltenstherapeut SGVT, vom 16. Dezember 2014 ein. Darin führt dieser aus, dass sich die Beschwerdeführerin vom 24. April 2014 bis 24. Oktober 2014 in seiner psychotherapeutischen Behandlung befand. Sie habe sich ursprünglich im Zu- sammenhang mit einem persönlichen Problem gemeldet, a uf das sie mit einer leichten depres- siven Episode reagiert habe. Es sei ihr schnell gelungen, die depressive Krise zu überwinden, so dass die Behandlung eigentlich Anfang Juli, zeitglei ch mit dem Stellenantritt beim Unterneh- men B.____, hätte abgeschlossen werden können. Auf die sehr belastende Situation am neuen Arbeitsplatz habe die Patientin jedoch erneut mit einem psychischen Einbruch im Rahmen einer Anpassungsstörung reagiert, weshalb die Fortsetzung der Behandlung nötig gewesen sei. Es hätten keine Strategien zum Umgang mit der schwierige n Situation gefunden werden können. Schliesslich habe die Patientin keine andere Lösung ges ehen, als zu kündigen und sich dem durch den Arbeitsplatz ausgelösten Stress zu entziehen. N ach erfolgter Kündigung habe sich das Befinden der Patientin zusehends verbessert. Die Anpassungsstörung sei vollständig remit- tiert, nachdem eine neue Stelle gefunden worden sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Im Einspracheverfahren und im vorliegenden Verfahre n wiederholte die Beschwerde- führerin, dass die ihr übertragenen Aufgaben und die vertraglich vereinbarte Funktion stark divergierten. Offensichtlich habe seitens der Arbeitgeber in jedoch absolut keine Bereitschaft bestanden, sie in der vorgesehenen Funktion Erfahrungen sammeln zu lassen, obwohl sie das Triagieren der Post längst beherrscht und die Komplexitä t des Betriebs erfasst habe. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin sei ihr in der Ver einbarung nicht in Aussicht gestellt worden, dass sie bis Ende Dezember 2014 weiterbeschäftigt würde. Vielmehr habe die Arbeit- geberin lediglich die Absicht bekundet, eine befristete Anstellung von Oktober bis Dezember 2014 zu prüfen. Mit einer Einwilligung in die Auflö sungsvereinbarung hätte die Beschwerdefüh- rerin bloss ein Einkommen bis Ende September 2014 sicher n können. Schon die Formulierung im Vereinbarungsentwurf zeige, dass die Arbeitgeberin k ein Interesse an einer Fortführung des Arbeitsverhältnisses gehabt habe. Die Beurteilung der geforderten „Entspannung der Arbeitssi- tuation“ habe alleine der Arbeitgeberin oblegen und sei nicht mit einer konkreten, messbaren Zielvereinbarung verbunden gewesen. Allein die Weisung, die innere Unzufriedenheit nicht nach aussen zu tragen, sei kein Kriterium, das durch reine Leistungsbereitschaft der Beschwer- deführerin hätte erfüllt werden können. Dies umso mehr , als die Arbeitgeberin damit von der Beschwerdeführerin ein Verhalten verlangt habe, dass ihr gerade durch die arbeitsplatzbedingte psychische Erkrankung verunmöglicht gewesen sei. Der Verblei b an der Arbeitsstelle sei ihr überdies aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar g ewesen. Der Kausalzusammenhang zwischen dem Arbeitsverhältnis und den gesundheitlichen Problemen sei mit den Ausführungen des behandelnden Psychotherapeuten genügend erstellt. 5.1 Bezüglich der von der ehemaligen Arbeitgeberin an gebotenen Weiterbeschäftigung unter geänderten Bedingungen ist vorliegend – zugunst en der Beschwerdeführerin – nicht auf die zum Teil unklaren Ausführungen der ehemaligen Arb eitgeberin, sondern auf den von der Beschwerdeführerin eingereichten Entwurf der Auflöseve reinbarung abzustellen. Wie die Be- schwerdeführerin zu Recht ausführt, enthielt dieser le diglich eine Option auf Weiterbeschäfti- gung bis Ende Dezember 2014 oder bis zum Finden einer n euen Anstellung, nicht jedoch eine entsprechende Zusicherung. Entgegen ihrer Auffassung i st indessen nicht massgeblich, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Verlängerung des Anstellu ngsverhältnisses bis Ende Dezem- ber 2014 hätte angenommen werden können. Vielmehr st eht fest und wird auch von der Be- schwerdeführerin nicht bestritten, dass sie mit der Unt erzeichnung der Auflösevereinbarung die Arbeitslosigkeit um einen Monat, namentlich vom 1. Sept ember 2014 zum 1. Oktober 2014, hätte hinauszögern können. Mit der Weigerung, das Arbei tsverhältnis zumindest befristet bis Ende September 2014 weiterzuführen, hat die Beschwerd eführerin wissentlich und willentlich den frühzeitigen Eintritt der Arbeitslosigkeit verursacht. Dies reicht, um die erste Voraussetzung des Einstellungstatbestands von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG zu erfüllen (vgl. E. 2.2 hiervor). 5.2 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, der Ver bleib an der angestammten Stelle sei ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht zuzumuten gewesen , ist ihr entgegenzuhalten, dass kein echtzeitliches Arztzeugnis vorliegt, das die Unzumutbar keit des Verbleibs bei der ange- stammten Stelle aus gesundheitlichen Gründen bestätigt oder überhaupt eine psychiatrische Diagnose stellt. Dass der Verbleib an der Arbeitsstelle aus psychischen Gründen unzumutbar gewesen sei, wurde erst im Rahmen des Einspracheverfahrens geltend gemacht. Bis zu die- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sem Zeitpunkt hatte die Beschwerdeführerin vorgebracht, dass sie unterfordert gewesen sei und die ihr übertragenen Aufgaben nicht dem Stellen profil entsprochen hätten. Erst der nach- träglich im Rahmen des Einspracheverfahrens bei der Ar beitslosenkasse erstellte Bericht vom 16. Dezember 2014 spricht sich über eine arbeitsplatzbed ingte psychische Belastung aus. In- dessen enthält der Bericht von lic. phil. C.____ – dess en Beweiskraft aufgrund der Widersprü- che zu den ersten Aussagen der Beschwerdeführerin ohneh in vermindert ist (vgl. E. 3.2 hier- vor) – keine Aussage darüber, dass die Aufgabe der Stell e aus gesundheitlichen Gründen not- wendig oder von ihm empfohlen worden wäre. Vielmehr wird bloss festgehalten, dass sich die Beschwerdeführerin entschlossen habe, sich dem durch den Arbeitsplatz bedingten Stress zu entziehen. Weder die Beschwerdeführerin noch ihr beha ndelnder Psychotherapeut vermögen somit glaubhaft zu substantiieren, dass arbeitsplatzspezifi sche Gründe eine vorzeitige Aufgabe der Anstellung notwendig gemacht hätten oder dass es de r Beschwerdeführerin aus gesund- heitlichen Gründen nicht möglich gewesen sei, die Bedin gungen für eine Weiterbeschäftigung zu erfüllen. Festzuhalten ist auch, dass die Beschwerdefü hrerin augenscheinlich nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war und sich bloss in psycho therapeutischer, nicht jedoch psy- chiatrisch-ärztlicher Behandlung befand. Die vorhandenen Unterlagen lassen nicht auf eine ge- sundheitliche Belastung schliessen, welche den Verbleib am bisherigen Arbeitsort für einen Monat oder bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle unzumutbar gemacht hätte. Es kann folglich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ang enommen werden, dass die Aufgabe der angestammten Stelle aus entschuldbaren gesundheitli chen Gründen erfolgt ist. Nach dem Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin vorliegend zu Recht von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ausgegangen ist. 6. Zu prüfen bleibt, ob die durch die Beschwerdegegne rin verfügte Einstellung in der An- spruchsberechtigung im Umfang von 24 Tagen angemessen ist. 6.1 Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung begi nnt am ersten Tag nach der Beendi- gung des Arbeitsverhältnisses, wenn die versicherte Person aus eigenem Verschulden arbeits- los geworden ist (Art. 45 Abs. 1 lit. a AVIV). Die Dau er der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei sc hwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV). Innerhalb dieses Rahmens fällt das KIGA seinen En tscheid nach pflichtgemässem Er- messen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtl iche Abteilung des Kantonsge- richts bzw. deren präsidierende Person bei Präsidialentsch eiden die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen, sie grei ft jedoch bei der Beurteilung der durch das KIGA angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in dessen Er- messensspielraum ein. 6.2 Gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV liegt schweres Ver schulden vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeit sstelle ohne Zusicherung einer neu- en Arbeitsstelle aufgegeben hat. Dementsprechend wäre das Verhalten der Beschwerdeführe- rin grundsätzlich als schweres Verschulden zu qualifizieren. Zugunsten der Beschwerdeführerin ging die Beschwerdegegnerin indessen von einem mittelsc hweren Verschulden aus. Dabei wurde – zu Recht – berücksichtigt, dass die Kündigung in der Probezeit stattfand (vgl. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch CHOPARD , a.a.O., S. 120 f.). Die verfügte Einstellung in de r Anspruchsberechtigung im Umfang von 24 Tagen entspricht im Übrigen ungefähr de r Dauer der selbstverschuldeten Ar- beitslosigkeit. Sie erscheint damit im Lichte der konkreten Umstände des Falles und der persön- lichen Situation der Beschwerdeführerin als angemessen u nd es besteht kein Anlass, in das Ermessen der Arbeitslosenkasse einzugreifen. 7. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 11. Mai 2015 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erho bene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht