Eine gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten hat das Bundesgericht am 17. Februar 2015 gutgeheissen und das Urteil aufgeho- ben (8C_634/2014). 200 14 218 SH ACT/PES/KRK Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 30. Juni 2014 Verwaltungsrichter Ackermann Gerichtsschreiber Peter A.________ vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. B.________ Beschwerdeführerin gegen E.________ Sozialamt vertreten durch Fürsprecher C.________ Beschwerdegegnerin Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Oberaargau Schloss, Postfach 175, 3380 Wangen an der Aare Vorinstanz betreffend Entscheid vom 31. Januar 2014 (VBV 20/2013) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juni 2014, SH/14/218, Seite 2 Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 1. Mit Verfügung vom 29. November 2012 forderte die E.________ von D.________ Fr. 150‘451.25 ausgerichtete wirtschaftliche Sozialhilfe zurück (Dispositiv-Ziff. 1); in Ziff. 2 des Dispositivs hielt sie fest, es wer- de „nach Eintritt der rechtskräftigen Rückerstattungsverfügung“ beim Grundbuchamt auf den zwei Grundstücken des D.________ „das ge- setzliche Grundpfandrecht von Fr. 150‘451.25 eingetragen“ (Akten des Regierungsstatthalters [act. II]/28). Nachdem D.________ die Rücker- stattungsverfügung nicht angefochten hatte, wurde das Grundpfand- recht eingetragen (vgl. act. II/16). 2. Mit „Avisierung“ vom 18. Februar 2013 teilte der Grundbuchverwalter der A.________, Hypothekargläubigerin des D.________, mit, es sei zu Gunsten der E.________ ein gesetzliches Grundpfandrecht in Höhe von Fr. 150‘451.25 auf den beiden Grundstücken des D.________ ein- getragen worden, welches sämtlichen im Grundbuch auf den erwähnten Grundstücken eingetragenen Grundpfandrechten vorgehe (act. II/16). Nachdem die A.________ von der E.________ vergeblich eine an- fechtbare Verfügung verlangt (act. II/17 und act. II/20), dafür aber ein Exemplar der Rückerstattungsverfügung vom November 2012 erhalten hatte (vgl. act. II/26), erhob sie am 3. Juli 2013 Beschwerde beim Re- gierungsstatthalter und beantragte (act. II/2): „1. Ziff. 2 der Rückerstattungsverfügung der Vorinstanz vom 29.11.2012, eröffnet mit Schreiben vom 31.5.2013, sei aufzu- heben und das Grundbuchamt Emmental-Oberaargau sei an- zuweisen, das gesetzliche Grundpfandrecht der E.________ … zu löschen. 2. Eventualiter: Ziff. 2 der Rückerstattungsverfügung der Vorin- stanz vom 29.11.2012, eröffnet mit Schreiben vom 31.5.2013, sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, das gesetz- liche Grundpfandrecht, …, dem Grundbuchamt Emmental- Oberaargau zur Löschung anzumelden.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juni 2014, SH/14/218, Seite 3 3. Subeventualiter: Ziff. 2 der Rückerstattungsverfügung der Vor- instanz vom 29.11.2012, eröffnet mit Schreiben vom 31.5.2013, sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, eine neue Verfügung zu erlassen, welche sich zu Bestand bzw. Nichtbe- stand und Umfang des gesetzlichen Grundpfandrechts äussert, … - unter Kosten- und Entschädigungsfolge -“ 3. Mit Zwischenentscheid vom 31. Januar 2014 trat der Regierungsstatt- halter auf die Beschwerde teilweise ein. Er erwog, es könne auf das Rechtsbegehren zur Überprüfung der Rechtmässigkeit der Rückerstat- tungsverfügung vom November 2013 [recte: 2012] eingetreten werden, nicht aber auf die Rechtsbegehren zur Anweisung bezüglich der Lö- schung des Grundbucheintrages, da es sich dabei um eine unzulässige Erweiterung des Streitgegenstandes handle (act. II/106 E. 1.6). 4. Mit Eingabe vom 5. März 2014 lässt die A.________ dagegen Be- schwerde führen und beantragen: „1. Ziff. 1 der Verfügung des Regierungsstatthalters des Regie- rungsstatthalteramtes Oberaargau vom 31. Januar 2014 sei aufzuheben, insoweit auf die Verwaltungsbeschwerde vom 3. Juli 2013 nicht eingetreten wurde, und auf die Verwaltungs- beschwerde vom 3. Juli 2013 sei vollumfänglich einzutreten und die Sache sei zur materiellen Behandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 2. Eventuell: Ziff. 1 der Verfügung des Regierungsstatthalters des Regierungsstatthalteramtes Oberaargau vom 31. Januar 2014 sei aufzuheben, insoweit auf die Verwaltungsbeschwerde vom 3. Juli 2013 nicht eingetreten wurde, und die Sache sei zu neu- er Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. - unter Kosten- und Entschädigungsfolge -“Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juni 2014, SH/14/218, Seite 4 5. Der Regierungsstatthalter schliesst auf Abweisung der Beschwerde, während die E.________ Nichteintreten, eventualiter Abweisung bean- tragt. 6. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes über die Verwaltungs- rechtspflege vom 23. Mai 1989 (VRPG; BSG 155.21) und Art. 54 Abs. 2 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) i.V.m. Art. 18 Abs. 2 des Organisationsreglements des Verwaltungsgerichts vom 22. September 2010 (OrR VG; BSG 162.621) zuständig (vgl. auch Art. 52 Abs. 3 des Gesetzes über die öffentliche Sozialhilfe vom 11. Ju- ni 2001 [Sozialhilfegesetz, SHG; BSG 860.1]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch den ange- fochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 VRPG). 7. Angefochten ist ein Nichteintretensentscheid (und damit ein Endent- scheid). Nach Art. 57 Abs. 2 lit. c GSOG entscheidet der Einzelrichter über Beschwerden gegen derartige Entscheide. 8. Streitig ist, ob der Regierungsstatthalter zu Recht auf die Beschwerde der A.________ teilweise nicht eingetreten ist, soweit diese die Anwei- sung zur Löschung des Grundbucheintrages beantragt hat (act. II/106 E. 1.6). In dieser Hinsicht handelt es sich um einen Endentscheid; der Entscheid des Regierungsstatthalters vom 31. Januar 2014 ist denn auch nur insoweit angefochten worden, nicht jedoch soweit die Vor- instanz auf die Beschwerde eingetreten ist. 9. Nach Art. 40 Abs. 2 SHG sind Personen, die wirtschaftliche Hilfe bei vorhandenem Vermögen beziehen, zu deren Rückerstattung verpflich- tet, sobald die Vermögenswerte realisierbar oder realisiert werden. Ein gesetzliches Grundpfandrecht besteht ohne Eintragung in das Grund- buch zu Gunsten der Trägerschaft des Sozialdienstes zur Sicherung ei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juni 2014, SH/14/218, Seite 5 nes durch die Realisierbarkeit oder Realisierung des Werts eines Grundstücks entstehenden Rückforderungsanspruchs nach Artikel 40 Absatz 2 SHG für die der Grundeigentümerin oder dem Grundeigentü- mer aufgrund von Artikel 34 Absatz 1 SHG gewährte wirtschaftliche Hil- fe an den Grundstücken der Hilfeempfängerin oder des Hilfeempfän- gers (Art. 109b lit. b des Gesetzes betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 28. Mai 1911 [EG ZGB; BSG 211.1]). Die Trägerschaft des Sozialdienstes ist gemäss Art. 34 Abs. 4 SHG verpflichtet, derartige Pfandrechte in das Grundbuch ein- tragen zu lassen. 10. Vorab ist festzuhalten, dass die Rückerstattungsverfügung der E.________ vom 29. November 2011 (act. II/27) insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als sinngemäss die Rückerstattung von Fr. 150‘451.25 angeordnet worden ist. In dieser Hinsicht haben weder der Sozialhilfe- bezüger noch die Beschwerdeführerin (so explizit Beschwerde, S. 5 Ziff. 1) die Verfügung angefochten. 11. Zu prüfen ist jedoch, ob die E.________ zu Recht beim Grundbuchver- walter ein Pfandrecht zur Eintragung angemeldet hat; die Festlegung im Dispositiv der Verfügung, wonach „das gesetzliche Grundpfandrecht … eingetragen“ wird (act. II/28), ist in dieser Weise auszulegen. Da die E.________ diese Rechtsfolge in ihrer Verfügung angeordnet hat, ist sie Teil des Anfechtungsobjekts - und durch die entsprechende Anfech- tung beim Regierungsstatthalter - auch Teil des Streitgegenstandes geworden. Das Pfandrecht gemäss Art. 109b EG ZGB ist jedoch ein unmittelbares gesetzliches Pfandrecht, d.h. es bedarf zur Entstehung keines Eintrags in das Grundbuch, so dass der Anordnung in der Ver- fügung der Gemeinde, dass das Pfandrecht eingetragen werde (act. II/28), rein deklaratorischer Charakter zukommt. Es erfolgt insoweit kei- ne Regelung des Rechtsverhältnisses zwischen der E.________ und dem Sozialhilfebezüger resp. der Beschwerdeführerin. Da deshalb kein Interesse an der Aufhebung von Ziff. 2 des Verfügungsdispositivs (act. II/28) besteht, mangelt es der Beschwerdeführerin an der Legitimation zur erstinstanzlichen Beschwerde. Es kann offen bleiben, ob die Verfü- gung, welche der Beschwerdeführerin nicht eröffnet worden ist, diese Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juni 2014, SH/14/218, Seite 6 hier überhaupt bindet. Ob das Pfandrecht als solches bundesrechtswid- rig ist oder allenfalls insoweit bundesrechtswidrig ist, als es den vertrag- lich vereinbarten Pfandrechten vorgeht, ist im Übrigen eine Frage des Grundbuchrechts, welche der Zivilrichter zu beantworten hat. Damit ist der Regierungsstatthalter zu Recht im hier zu beurteilenden Punkt nicht auf die Beschwerde eingetreten. 12. Da der Regierungsstatthalter in seinem Zwischenentscheid bereits teil- weise auf die Beschwerde eingetreten ist (act. II/108), es jedoch bereits an der Beschwerdelegitimation mangelt (E. 11 hievor), führt dies zu ei- nem nicht lösbaren Widerspruch. Es rechtfertigt sich daher ausnahms- weise, den angefochtenen Entscheid von Amtes wegen zu kassieren (Art. 40 Abs. 1 VRPG); der Regierungsstatthalter wird damit in einem neuen Entscheid, losgelöst von seinem hier angefochtenen Entscheid, über die Sache zu befinden haben. Da es sich um eine rechtliche Wür- digung handelt, die unabhängig von den Parteianträgen und -vorbringen von Amtes wegen vorzunehmen ist, brauchen die Beteilig- ten nicht vorher angehört zu werden (MERKLI/AESCHLIMANN/HERZOG, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 40 N. 6). 13. Das Verfahren ist kostenlos (Art. 53 SHG). 14. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die E.________ hat gestützt auf Art. 104 Abs. 4 VR- PG ebenfalls keinen Anspruch auf Parteikostenersatz.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juni 2014, SH/14/218, Seite 7 Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Entscheid des Regierungsstatthalters des Verwaltungskreises Oberaargau vom 31. Januar 2014 wird von Amtes wegen kassiert. 3. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch Parteientschädi- gungen zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): -Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. B.________ z.H. der Beschwerdeführerin -Fürsprecher C.________ z.H. der Beschwerdegegnerin -Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Oberaargau Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.