<h2>SubmittedText<h2><p>Die KV-Reform wird seit 1996 stetig weitergeführt. Gleichzeitig ist bekannt geworden, dass bei Lehrbetrieben gegenüber dieser Reform Vorbehalte bestehen oder sie teilweise abgelehnt werden. Es wurde festgestellt, dass immer mehr Lehrbetriebe auf die Lehrlingsausbildung verzichten, als sich der Reform anzuschliessen. Es gibt auch ein Gutachten der Universität St. Gallen, welches Bedenken zur kaufmännischen Grundausbildung anmeldet.</p><p>1. Stimmt es, dass die Angebote von KV-Lehrbetrieben abnehmen?</p><p>2. Stimmt die Kritik gegenüber der KV-Reform seitens der Lehrbetriebe?</p><p>3. Worin bestehen die Differenzen?</p><p>4. Hat das BBT Korrekturen zum Konzept 1996 vor?</p><p>5. Wie viele Mittel wurden seit 1996 für die KV-Reform eingesetzt bzw. bis wann wird diese Reform weitergeführt und mit welchem Finanzbedarf?</p><p>6. Welchen Einfluss hat allenfalls das neue BBG auf diese Reform?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Es ist dem Bundesrat bewusst, dass nicht alle Interessierten gleich auf Reformvorhaben reagieren und dass jeweils verschiedene Ansichten über deren Stossrichtung, aber auch über Detailfragen bestehen. Erfahrungsgemäss werden solche Differenzen in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen, je mehr Jugendliche von den Änderungen betroffen sind. Dies ist insbesondere bei der kaufmännischen Grundausbildung der Fall, welche von allen Lehrberufen die höchste Zahl der Lehrverträge aufweist.</p><p>Zwar haben einzelne Vertreter der Universität St. Gallen in Zeitschriftenartikeln ihre teilweise kritischen Bemerkungen zur Reform der kaufmännischen Grundausbildung kundgetan, aber ein eigentliches Gutachten zu diesem Thema wurde nie erstellt.</p><p>Zu den einzelnen Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>1. Der Gesamtbestand der Lehrverträge für Büroangestellte, kaufmännische Angestellte, Kaufmann/-frau (Pilotausbildung gemäss KV-Reform) und die Zahl der Handelsmittelschüler und -schülerinnen haben sich im Verlaufe der Schuljahre 1990/91 bis 2001/02 gemäss Angaben des Bundesamtes für Statistik folgendermassen entwickelt:</p><p>- 1993/94: 3868 Büroangestellte; 30 539 kaufmännische Angestellte;</p><p>- 1994/95: 3180 Büroangestellte; 29 055 kaufmännische Angestellte; 8392 Handelsmittelschüler;</p><p>- 1995/96: 2878 Büroangestellte; 28 271 kaufmännische Angestellte; 8032 Handelsmittelschüler;</p><p>- 1996/97: 2741 Büroangestellte; 29 115 kaufmännische Angestellte; 7698 Handelsmittelschüler;</p><p>- 1997/98: 2649 Büroangestellte; 29 885 kaufmännische Angestellte; 8385 Handelsmittelschüler;</p><p>- 1998/99: 2551 Büroangestellte; 31 619 kaufmännische Angestellte; 8641 Handelsmittelschüler;</p><p>- 1999/2000: 2505 Büroangestellte; 32 475 kaufmännische Angestellte; 8633 Handelsmittelschüler;</p><p>- 2000/01: 2535 Büroangestellte; 32 100 kaufmännische Angestellte; 1257 Kaufmänner und Kauffrauen E; 8744 Handelsmittelschüler;</p><p>- 2001/02: 2610 Büroangestellte; 31 668 kaufmännische Angestellte; 2107 Kaufmänner und Kauffrauen E; 9445 Handelsmittelschüler.</p><p>Diese Zahlen belegen, dass die Angebote von KV-Lehrbetrieben im Zusammenhang mit der Reform der kaufmännischen Grundbildung nicht abgenommen haben.</p><p>2. Die neuen Ausbildungsvorschriften - sie befinden sich gegenwärtig in der Vernehmlassung - verlangen von den Lehrbetrieben ein grösseres Engagement als die bisherigen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn gewisse Unternehmen Kritik üben, da sie sich am höheren Aufwand stören, welchen sie für die Bildung der ihnen anvertrauten Jugendlichen zu betreiben haben. Andere Unternehmen erkennen bereits jetzt, dass sich dieser höhere Aufwand lohnt, da die Jugendlichen stärker ins Betriebsgeschehen eingebunden werden und - besonders gegen Ende der Lehre - bessere Leistungen zugunsten des Unternehmens einbringen können. Ein klareres Bild über die Einstellung der Unternehmen werden die Ergebnisse der Vernehmlassung geben, welche bis Ende August 2002 dauert.</p><p>3. Neben dem oben erwähnten verlangten höheren Engagement der Lehrbetriebe treten die Differenzen zutage, die sich jeweils auch bei der Erarbeitung und dem Erlass von Ausbildungsvorschriften für andere Berufe zeigen: Diskussionen um das zeitliche Verhältnis zwischen der betrieblichen Bildung, dem Berufsschulbesuch und den überbetrieblichen Kursen, divergierende Ansichten über den Fächerkanon für den beruflichen Unterricht, verschiedene Meinungen über die Länge der Ausbildung usw.; ein - eher kleiner - Teil der Beteiligten möchte, wie dies bei jeder Reform geschieht, am Bestehenden festhalten und kritisiert jegliche Neuerung.</p><p>4. Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) hat das Konzept von 1996 ständig überprüft und immer wieder Anpassungen vorgenommen, wenn dies erforderlich war. Diese Evaluations- und Adaptionstätigkeit hat das BBT stets in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt ausgeübt: Die Ausarbeitung der Ausführungsbestimmungen erfolgte in enger Kooperation mit rund 20 Berufsverbänden, 11 Kantonen und deren Berufsschulverantwortlichen. Dieses Pilotprojekt wurde zudem unter der Leitung von Professor Dr. Peter Nenniger, Zentrum für empirische pädagogische Forschung der Universität Konstanz-Landau, evaluiert. Die Publikationen dazu erschienen am RKG-Kongress, der vom 27. bis 29. Juni in Olten stattfand. Mit diesem Kongress, der allgemein als erfolgreich bewertet wurde, endet das Pilotprojekt.</p><p>Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass die Innovationen des Reformprojektes von einer grossen Mehrheit der Befragten akzeptiert wurden, d. h. von Lehrmeistern, Lehrpersonen der Berufsschulen, Lehrlingen, Verantwortlichen von kantonalen Berufsbildungsämtern und Berufsverbänden, Schuldirektoren usw. Das Reglement der neuen kaufmännischen Grundbildung wird nach der Auswertung der Vernehmlassung zu den neuen Ausbildungsvorschriften voraussichtlich im Januar 2003 in Kraft treten. Die Vorarbeiten zur gesamtschweizerischen Einführung der Reform sind eingeleitet worden.</p><p>5. In die Reform der kaufmännischen Grundausbildung hat das BBT von 1996 bis Ende Februar 2002 insgesamt 6,353 Millionen Franken investiert. Diese Betrag mag auf den ersten Blick hoch erscheinen, ist aber auch im Vergleich zu anderen Reformvorhaben durchaus gerechtfertigt, sind doch von den Änderungen rund 40 000 Jugendliche oder ein Viertel aller sich in einer beruflichen Grundausbildung gemäss Berufsbildungsgesetz (BBG) befindlichen Personen betroffen.</p><p>6. Der Entwurf zum neuen BBG hat nur in Bezug auf die Terminologie und die formalen Aspekte des Erlasses einen direkten Einfluss auf die Ausbildungsvorschriften gehabt. Das BBT hat während seiner gesamten Arbeit am neuen BBG und der Reform der kaufmännischen Grundbildung sorgfältig darauf geachtet, dass die beiden Vorhaben vollumfänglich miteinander zu vereinbaren sind.</p>  Antwort des Bundesrates.