AHV 200 2024 743 ACT/FRJ/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 22. Mai 2025 Verwaltungsrichter Ackermann Gerichtsschreiberin Frésard A.________ Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse des Kantons Bern Abteilung Renten und Taggelder, Chutzenstrasse 10, 3007 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 22. Oktober 2024 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -2- Sachverhalt: A. Der 1961 geborenen A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Be- schwerdeführerin) wurde auf Antrag hin mit Schreiben vom 5. April 2023 eine Vorausberechnung ihrer AHV-Altersrente von der Ausgleichskasse des Kantons Bern (nachfolgend AKB bzw. Beschwerdegegnerin) zugestellt (Akten der AKB [act. II] 5, 6 S. 1). Gemäss dieser Vorausberechnung sollte die Altersrente u.a. im Falle eines Vorbezugs per 1. Juli 2024 Fr. 1'981.-- betragen (act. II 5 S. 2). Am 23. Oktober 2023 meldete sich die Versicherte bei der AKB zum Vorbezug der Altersrente per April 2024 an (act. II 1 S. 1 Ziff. 2). Daraufhin sprach ihr die AKB mit Verfügung vom 7. März 2024 (act. II 3) mit Wirkung ab 1. April 2024 eine ordentliche (vorbezogene) Al- tersrente in der Höhe von monatlich Fr. 1'928.-- zu. Die hiergegen erhobe- ne Einsprache mit dem Antrag, die Rente sei auf monatlich Fr. 1'966.- fest- zusetzen (act. II 2), wies die AKB mit Einspracheentscheid vom 22. Okto- ber 2024 ab (act. II 1). B. Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 6. November 2024 Be- schwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die Zusprache einer Altersrente per 1. April 2024 in der Höhe von monatlich Fr. 1'966.--. Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 28. Novem- ber 2024 auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -3- Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 84 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenen- versicherung vom 20. Dezember 1946 [AHVG; SR 831.10]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 22. Oktober 2024 (act. II 1). Streitig und zu prüfen ist die Höhe der Altersrente. 1.3Die von der Beschwerdeführerin gerügte Differenz zwischen der mit Schreiben vom 5. April 2023 per 1. Juli 2024 prognostisch errechneten und der mit Verfügung vom 7. März 2024 per 1. April 2024 zugesprochenen Rente beträgt Fr. 38.-- (unter Berücksichtigung resp. abzüglich der Kürzung von Fr. 15.--, die aufgrund des Vorbezugs per 1. April [statt per 1. Juli 2024] erfolgte; zum Ganzen act. II 2 S. 1, 3 S. 1, 5 S. 2 sowie Art. 56 bis Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 31. Ok- tober 1947 [AHVV; SR 831.101]). Als Streitwert der im Streit liegenden wiederkehrenden Leistungen gilt der Kapitalwert (Art. 57 Abs. 1 GSOG i.V.m. Art. 92 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [ZPO; SR 272]). Bei ungewisser oder unbeschränkter Dauer gilt als Kapitalwert der zwanzigfache Betrag der einjährigen Leistung Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -4- (Art. 57 Abs. 1 GSOG i.V.m. Art. 92 Abs. 2 ZPO). Damit liegt der Streitwert unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzel- richterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4 Das Gericht prüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Am 1. Januar 2024 sind die Änderungen vom 17. Dezember 2021 (Reform AHV 21; AS 2023 92) und vom 17. Juni 2022 (AS 2023 688) des AHVG in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonde- rer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechts- sätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 150 V 323 E. 4.2 S. 328, 150 V 89 E. 3.2.1 S. 95, 148 V 162 E. 3.2.1 S. 166, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Der angefochtene Einspracheentscheid datiert vom 22. Oktober 2024 (act. II 1). Darin wurde der Beschwerdeführerin eine Al- tersrente ab 1. April 2024 zugesprochen (vgl. act. II 3). Damit sind die Be- stimmungen des AHVG und diejenigen AHVV in der ab 1. Januar 2024 gültigen Fassung massgebend. 2.2Die ordentlichen Renten der AHV und IV gelangen als Vollrenten oder Teilrenten zur Ausrichtung, wobei Anspruch auf die volle Rente be- steht, wenn die Beitragsdauer vollständig ist (Art. 29 Abs. 2 AHVG). Die Beitragsdauer ist vollständig, wenn eine Person gleich viele Beitragsjahre aufweist wie ihr Jahrgang (Art. 29 ter Abs. 1 AHVG). Als Beitragsjahre gelten gemäss Art. 29 ter Abs. 2 AHVG Zeiten, in welchen eine Person Beiträge geleistet hat (lit. a), in welchen der Ehegatte gemäss Art. 3 Abs. 3 AHVG mindestens den doppelten Mindestbeitrag entrichtet hat (lit. b) und für die Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften angerechnet werden können (lit. c). Bei unvollständiger Beitragsdauer besteht Anspruch auf eine Teil- rente, entsprechend dem gerundeten Verhältnis zwischen den vollen Bei- tragsjahren der versicherten Person und denjenigen ihres Jahrganges (Art. 38 Abs. 2 AHVG; BGE 121 V 71 E. 1 S. 74).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -5- 2.3Die Rente wird bei Erreichen des Referenzalters berechnet (Art. 29bis Abs. 1 AHVG). Dieses liegt bei Frauen mit Jahrgang 1961 bei 64 Jahren und drei Monaten (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 17. Dezember 2021 [AHV 21] lit. a. b.). Für die Rentenberechnung werden Beitragsjahre, Erwerbseinkommen sowie Erziehungs- oder Betreuungsgut- schriften der rentenberechtigten Person zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalles (Referenzalter oder Tod) berücksichtigt (Art. 29 bis Abs. 2 AHVG). Innerhalb der anwendbaren Rentenskala (Art. 52 AHVV) bestimmt sich der Rentenbetrag nach dem durchschnittlichen Jahresein- kommen. Dieses setzt sich zusammen aus den Erwerbseinkommen, den Erziehungsgutschriften und den Betreuungsgutschriften (Art. 29 quater AHVG). Weil die Beiträge während einer langen Beitragskarriere zum No- minalbetrag bezahlt worden sind, wird die Summe der Erwerbseinkommen entsprechend dem Rentenindex aufgewertet (Art. 30 Abs. 1 AHVG). Das durchschnittliche Jahreseinkommen wird alsdann ermittelt, indem die Summe der aufgewerteten Erwerbseinkommen sowie die Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften durch die Anzahl der Beitragsjahre geteilt werden (Art. 30 Abs. 2 AHVG). 2.4Die volle monatliche Altersrente setzt sich zusammen aus einem Bruchteil des Mindestbetrages der einfachen Altersrente (fester Rententeil) und einem Bruchteil des massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkom- mens (variabler Rententeil; Art. 34 Abs. 1 AHVG). Sie beträgt ab 1. Januar 2023 im Minimum Fr. 1'225.-- und im Maximum Fr. 2'450.-- (Art. 34 Abs. 3 und 5 AHVG i.V.m. Art. 3 der Verordnung 23 vom 12. Oktober 2022 über Anpassungen an die Lohn- und Preisentwicklung bei der AHV/IV/EO [SR 831.108]). Die Minimalrente gelangt bei einem durchschnittlichen Jah- reseinkommen von bis zu Fr. 14'700.-- zur Auszahlung, wogegen für die Maximalrente ein massgebendes Jahreseinkommen von mindestens Fr. 88'200.-- verlangt wird (Art. 34 Abs. 4 AHVG). 2.5Personen, welche die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Altersrente erfüllen, können ab dem vollendeten 63. Altersjahr die ganze Rente oder einen Anteil zwischen 20 und 80 Prozent vorbeziehen (Art. 40 Abs. 1 AHVG). Die vorbezogene Rente wird berechnet anhand der Bei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -6- tragsjahre, der Erwerbseinkommen sowie der Erziehungs- oder Betreu- ungsgutschriften der rentenberechtigten Person zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem 31. Dezember vor dem Vorbezug der ganzen oder eines Teils der Rente. Die Rente wird bei Errei- chen des Referenzalters nach Artikel 29 bis Absätze 1 und 2 neu berechnet (Art. 40 Abs. 5 AHVG). Die vorbezogene Altersrente wird um den versiche- rungsmathematischen Gegenwert der vorbezogenen Leistung gekürzt (Art. 40a Abs. 1 AHVG). 2.6Ist oder war eine Person versichert, kann sie oder ihr Ehegatte die Altersrente und die Hinterlassenenrenten vorausberechnen lassen (Art. 58 Abs. 1 AHVV). Hierbei hat die Verwaltung in der Regel nicht nur die bereits erzielten Einkommen zu berücksichtigen, sondern auch jene, welche die betroffene Person voraussichtlich noch bis zum Rentenanspruch (Renten- vorbezug und/oder Referenzalter) erzielen wird (Rz. 5001 des Kreisschrei- bens des Bundesamts für Sozialversicherungen [BSV] über die Rentenvor- ausberechnung [KSRV]). 2.7Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, welcher die Bürgerin und den Bürger in ihrem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abwei- chende Behandlung der rechtsuchenden Person gebieten. Gemäss Lehre und Rechtsprechung (BGE 149 V 203 E. 5.1 S. 214, 146 I 105 E. 5.1.1 S. 110, 143 V 341 E. 5.2.1 S. 346, 143 V 95 E. 3.6.2 S. 103, 131 V 472 E. 5 S. 480) ist dies der Fall, 1. wenn es sich um eine vorbehaltlose Aus- kunft der Behörden handelt; 2. wenn die Behörde in einer konkreten Situa- tion mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat; 3. wenn sie für die Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsu- chende Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig be- trachten durfte; 4. wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht oh- ne weiteres erkennen konnte; 5. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgän- gig gemacht werden können; 6. wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat, und 7. wenn das Interesse an der Durchsetzung des objektiven Rechts nicht überwiegt. Diese Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -7- Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Der unrichtigen Auskunft gleichgestellt ist die Unterlassung einer behördlichen Auskunft, welche ge- setzlich vorgeschrieben oder nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war. Die dritte Voraussetzung lautet diesfalls: wenn die Person den Inhalt der unterbliebenen Auskunft nicht kannte oder deren Inhalt so selbstverständlich war, dass sie mit einer anderen Auskunft nicht hätte rechnen müssen (BGE 149 V 203 E. 5.1 S. 214, 143 V 341 E. 5.2.1 S. 346; SVR 2020 UV Nr. 26 S. 105, 8C_341/2019 E. 4). 3. 3.1Mit Verfügung vom 7. März 2024 wurde die Höhe der mit Wirkung ab 1. April 2024 zugesprochenen Altersrente auf Grundlage einer anre- chenbaren Beitragsdauer von 42 Jahren (Rentenskala: 43) sowie einem massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommen von Fr. 66'150.-- er- mittelt (act. II 3 f.). Diese Berechnung resp. die Bemessungsfaktoren sind nicht zu beanstanden und wurden als solche denn auch weder im Verwal- tungs- noch im vorliegenden Beschwerdeverfahren gerügt; die Beschwer- deführerin rügt einzig die im Vergleich zur Rentenvorausberechnung zuge- sprochene tiefere Rente (vgl. act. II 2 sowie Beschwerde). 3.2Die Differenz von Fr. 38.-- (vgl. E. 1.3 hiervor) ist darauf zurückzu- führen, dass die Rentenberechnung in der angefochtenen Verfügung auf den effektiven Zahlen beruht, während die Vorausberechnung naturgemäss gestützt auf Annahmen erfolgte (vgl. hierzu E. 2.6 hiervor). So wurde – was von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten wird – in der ange- fochtenen Verfügung für das Jahr 2023 auf das definitive AHV-pflichtige Einkommen gemäss Eintrag im individuellen Konto in der Höhe Fr. 56'077.-- abgestellt (vgl. act. II 1 S. 1 Ziff. 3, 4 S. 1), während in der pro- visorischen Vorausberechnung für das Erwerbseinkommen des Jahres 2023 das im Jahr 2022 erzielte Einkommen unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnentwicklung herangezogen wurde (act. II 5 S. 1, 6 S. 1 [Fr. 85'430.--]). Daraus resultierte in der angefochtenen Verfügung ein durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 66'150.-- (act. II 4 S. 2), wo- hingegen in der provisorischen Vorausberechnung ein durchschnittliches Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -8- Jahreseinkommen von Fr. 67'620.-- angenommen worden war (act. II 6 S. 2). 3.3Zwar können falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung des Rechtssuchenden gebieten (vgl. E. 2.7 hiervor). Die Ren- tenvorausberechnungen nach Art. 58 AHVV sind aber grundsätzlich unver- bindlich, da sie sich auf Verhältnisse stützen, die späteren Veränderungen unterworfen sein können (vgl. dazu KSRV S. 20 Anhang Ziff. 1; Merkblatt 3.06 der Informationsstelle AHV/IV S. 3 Ziff. 4 [abrufbar unter www.ahv- iv.ch > Merkblätter > Leistungen der AHV > 3.06 Rentenvorausberech- nung]). Die Beschwerdeführerin wurde denn auch im Schreiben vom 5. April 2023 explizit auf den unverbindlichen Charakter der Vorausberech- nung hingewiesen (act. II 5 S. 1). Überdies ging aus der provisorischen Vorausberechnung ausdrücklich hervor, dass die Höhe der Altersrente u.a. von der Höhe der erzielten Erwerbseinkommen abhängig ist (vgl. act. II 5 S. 1 in fine) und für die (prognostischen) Einkommen ab 2023 das zuletzt im Jahr 2022 erzielte und hochgerechnete Einkommen herangezogen wird (act. II 5 S. 1, 6 S. 1). Folglich stellt die Rentenvorausberechnung keine vorbehaltlose Zusicherung der zukünftigen Rentenhöhe dar, weshalb eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung vorliegend nicht möglich ist (E. 2.7 hiervor erste Voraussetzung). 3.4Soweit die Beschwerdeführerin auf das (wohl im Jahr 2023) bezo- gene Krankentaggeld verweist und geltend macht, dass sie von der Be- schwerdeführerin nicht informiert wurde, dieses stelle kein beitragspflichti- ges Erwerbseinkommen dar resp. sei nicht rentenbildend (Beschwerde Ziff. 2; vgl. hierzu Art. 6 Abs. 2 lit. b AHVV), vermag sie hieraus nichts zu ihren Gunsten abzuleiten: Gemäss Art. 27 Abs. 1 ATSG sind die Versiche- rungsträger und die Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversiche- rungen verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereiches die interes- sierten Personen über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären. Die Verwal- tung erfüllt diese Pflicht grundsätzlich durch Merkblätter, Broschüren und Wegleitungen (PÄRLI/MOHLER, in: FRÉSARD-FELLAY/KLETT/LEUZINGER [Hrsg.], Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungs- rechts, 2. Aufl. 2025, Art. 27 N. 12). Dem Merkblatt 2.01 der Informations-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -9- stelle AHV/IV lässt sich entnehmen, dass Versicherungsleistungen bei Un- fall, Krankheit oder Invalidität nicht zum massgebenden (beitragspflichti- gen) Lohn gehören (S. 9 Ziff. 11 b, abrufbar unter www.ahv-iv.ch > Merk- blätter > Beiträge AH/IV/EO/ALV > 2.01 Lohnbeiträge an die AHV, die IV und die EO). Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend erwähnt, ist sodann aus den jeweiligen Lohnabrechnungen ersichtlich, dass auf Krankentaggel- dern keine AHV-Beiträge erhoben werden (Beschwerdeantwort S. 2 Ziff. 2.3). Dass eine weitergehende, individuelle Aufklärung resp. eine akti- ve Beratung notwendig gewesen wäre, ist hier nicht ersichtlich. Es ist dabei zu berücksichtigen, dass es sich bei den Rentenvorausberechnungen um ein Massengeschäft handelt und eine generelle, weitergehende Informati- onspflicht die Kapazitäten der Verwaltung übersteigen würde. Eine Verlet- zung der Aufklärungs- und Beratungspflicht der Verwaltung ist damit nicht ersichtlich, weshalb auch die Zusprache einer höheren Altersrente gestützt auf Art. 27 ATSG resp. gestützt auf eine fehlende Auskunft (E. 2.7 hiervor) ausser Betracht fällt. 3.5Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich eine Erhöhung ihres Rentenbetrags mittels Berücksichtigung der von ihr vor dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres geleisteten Beiträge beantragt (Beschwer- de Ziff. 1), ist darauf hinzuweisen, dass diese Beiträge allein dem Auffüllen von Beitragslücken dienen (vgl. Art. 52b AHVV). Die 1961 geborene Be- schwerdeführerin weist indes eine vollständige Beitragsdauer auf, da sie in der Zeitspanne vom 1. Januar 1982 bis zum Eintritt des Referenzalters (vgl. E. 2.3 hiervor) 43 Beitragsjahre aufweist (vgl. act. II 6 S. 1 f.). Die genann- ten Beiträge können daher nicht zur Erhöhung der Rentenbetrags verwen- det werden. 3.6Mangels gesetzlicher Grundlage ist eine nachträgliche Erhöhung des durchschnittlichen Jahreseinkommens resp. des daraus resultierenden Rentenbetrags nicht möglich (vgl. Beschwerde Ziff. 3). Nach dem Darge- legten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 22. Oktober 2024 (act. II 1) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2025, AHV 200 2024 743 -10- 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 61 lit. f bis ATSG (Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - A.________ - Ausgleichskasse des Kantons Bern, Abteilung Renten und Taggelder - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.