Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. November 2013 (810 13 65) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Christian Haidlauf, Edgar Schürmann , Kantonsrichterin Regina Schaub, Gerichtsschreiberin i.V. Selina Müller Parteien A.____ , Beschwerdeführ er, vertreten durch Thomas Grütter, Recht s- anwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Verweigerung der nachgesuchten Einreisebewilli gung im Rahmen des Familiennachzugs zu Gunsten der Ehefrau (RRB Nr. 98 vom 22. Januar 2013) A. Der Staatsangehörige von Sri Lanka A.____, gebor en 1968, reiste am 24. Januar 1991 als Asylsuchender in die Schweiz ein. Er heiratete am 18 . Juli 1996 seine Landsfrau B.____, worauf ihm eine Jahresaufenthaltsbewilligung zum Ve rbleib bei der Ehefrau erteilt wurde. Aus der Ehe gingen die Kinder C.____ (geb. 1996), D.___ _ (geb. 1998), E.____ (geb. 2001) sowie F.____ (geb. 2006) hervor. Die Ehe wurde mit Urteil des Präsidenten des Bezirksgerichts Liestal am 24. Oktober 2011 geschieden, wobei C.____ u nter die elterliche Sorge des Vaters und D.____ sowie F.____ unter jene der Mutter gestel lt wurden. E.____ wurde unter der ge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht meinsamen elterlichen Sorge belassen und steht unter der Obhut des Vaters. A.____ heiratete am 5. Februar 2012 in Sri Lanka seine Landsfrau G.____ (geb. 1976). B. Am 22. März 2012 stellte A.____ beim Amt für Migr ation Basel-Landschaft (AfM) für sei- ne Ehefrau das Gesuch um Einreisebewilligung. Mit Ver fügung vom 18. Juli 2012 wurde die nachgesuchte Einreisebewilligung verweigert. C. Gegen die Verfügung des AfM erhob A.____ am 13. August 2012 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsra t). A.____ beantragte sinngemäss, es sei die Verfügung des AfM aufzuheben und die nachg esuchte Bewilligung zur Einreise zu erteilen. Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit En tscheid vom 22. Januar 2013 ab. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass sich A.__ __ nicht auf Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMR K) vom 4. November 1950 bzw. auf Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid genossenschaft (BV) vom 18. April 1999 berufen könne. Auch gestützt auf Art. 44 des Bund esgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 könne er ni chts zu seinen Gunsten ableiten. So habe er nicht glaubhaft und genügend substantiiert na chgewiesen, dass er zurzeit über die er- forderlichen finanziellen Mittel verfüge, um seine Fam ilie mittelfristig aus eigenen Kräften zu unterhalten. D. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ (Beschwerdeführer ), vertreten durch Thomas Grütter, substituiert durch Marion Jakob, beide Advokate n, am 4. Februar 2013 beim Kantons- gericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Ka ntonsgericht), Beschwerde. Er bean- tragte, es sei die Verfügung vom 22. Januar 2013 voll umfänglich aufzuheben (Ziffer 1). Zudem sei dem Beschwerdeführer die Einreisbewilligung im Rah men des Familiennachzugs zu Guns- ten der Ehefrau zuzusprechen (Ziffer 2); alles unter o/e-Kostenfolge. Gleichzeitig beantragte der Beschwerdeführer in verfahrenstechnischer Hinsicht die G ewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung seiner Beschwerde brachte er vor, dass er über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfüge und sich darum auf Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV berufen könne. Weiter führte er aus, dass er genügen d finanzielle Mittel aufzuweisen habe und damit die Voraussetzungen des Art. 44 AuG erfülle. Fü r die Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit sei von den aktuellen Verhältnissen auszugehen; wobei aber die finanziellen Möglichkeiten aller Familienmitglieder über eine längere Sicht in die B eurteilung mit einzubeziehen seien. Zudem treffe es nicht zu, dass er sich hauptsächlich im Hinblick auf das von ihm im März 2012 eingelei- tete Familiennachzugsverfahren von der Sozialhilfe gelöst habe. E. Der Regierungsrat liess sich mit Schreiben vom 8. Mä rz 2013 vernehmen und beantrag- te die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge . Im Wesentlichen verwies er auf sei- nen Entscheid vom 22. Januar 2013 und hielt ergänzen d fest, dass der Beschwerdeführer ent- gegen dessen Ansicht nicht über ein gefestigtes Anwesenh eitsrecht in der Schweiz im Sinne der Bundesgerichtsrechtsprechung verfüge und sich damit nicht auf Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV berufen könne. Ausserdem liege in seinem Fall kein e "ausserordentliche Integration" vor, wie sie das Bundesgericht für eine ausnahmsweise Annahme eines faktisch gefestigten Aufent- halts verlange. Im Weiteren wies der Regierungsrat dar auf hin, dass die Kinder des Beschwer- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht deführers über von ihren Eltern abgeleitete Bewilligu ngen ohne Anspruch auf Verlängerung verfügten und sich ebenso wenig wie er selber auf gefe stigte Anwesenheitsrechte berufen könnten. Der Beschwerdeführer könne sich demzufolge zur B egründung seines Begehrens nicht auf den sog. umgekehrten Familiennachzug berufen. Schliesslich brachte der Regierungs- rat vor, die Voraussetzungen für die Bewilligung des Ei nreisgesuchs gemäss Art. 44 AuG seien nicht gegeben. F. Mit präsidialer Verfügung vom 20. März 2013 wurde d as Gesuch des Beschwerdefüh- rers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen. G. Der Fall wurde mit Verfügung vom 29. April 2013 d er Kammer zur Beurteilung überwie- sen. H. An der Parteiverhandlung vom 28. August 2013 nahm en der Beschwerdeführer mit sei- ner Rechtsvertreterin sowie ein Vertreter des Regierungsrates teil. Die Parteien hielten an ihren Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht stellte anlässli ch der Verhandlung fest, dass zu die- sem Zeitpunkt kein Entscheid in der Sache ergehen könne und weitere Abklärungen vorzuneh- men seien. I. Der Fall wurde mit Verfügung vom 19. September 20 13 erneut der Kammer zur Beurtei- lung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verf assung- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da die Be schwerdeführer Adressaten des an- gefochtenen Entscheides sind und ein schutzwürdiges Interess e an dessen Aufhebung haben, sowohl die örtliche wie auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist und die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann auf die vorliegende Beschwerde ein- getreten werden. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit der Nichterte ilung der Aufenthaltsbewilligung dage- gen ist dem Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Streitig ist vorliegend die Frage, ob der Ehefra u des Beschwerdeführers zu Recht eine Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs verweigert wurde. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 AuG; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustä ndige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzl ichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Ertei lung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189 E. 2. 3; M ARC SPESCHA in: Spe- scha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht , 3. Auflage, Zürich 2012, N 1 ff. zu Art. 3 AuG; PETER UEBERSAX in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Eine umfassende Darstellung der Rechtsstellung von Ausländeri nnen und Ausländern in der Schweiz, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 3.3 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzuhalten, dass zwi schen der Schweiz und Sri Lan- ka keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, welche de r Ehefrau einen Anspruch auf Auf- enthalt in der Schweiz einräumt. 3.4 Der Beschwerdeführer ist im Besitz einer Jahresaufe nthaltsbewilligung ohne Rechts- anspruch. Dies allerdings schon seit nun bald 20 Jahren. Gemäss dem AfM hat er bis jetzt nur deshalb keine Niederlassungsbewilligung erhalten, wei l er erhebliche Sozialhilfebezüge und – schulden hat. 3.5 Gemäss Art. 44 Abs. 1 AuG kann ausländischen Ehegatte n und ledigen Kindern unter 18 Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung ein e Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen, eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist und sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind. Bei dieser Norm handelt es sich um eine „Kann- Bestimmung“, die auf Ermessen der Vorinstanz hinweist. Ermessensentscheide können nur eingeschränkt überprüft werden, nämlich auf Über- bzw. Unterschreitung des Ermessens und auf missbräuchliche, sprich willkürliche Ermessensbetätigun g. In gewissen Situationen können Ausländer, die lediglich über eine Aufenthaltsbewillig ung verfügen, dennoch einen absoluten Anspruch auf Nachzug ihres Ehegatten haben. Gemäss Bund esgericht ergibt sich ein solcher unbedingter Anspruch auf Nachzug direkt aus dem Recht auf Achtung des Familienlebens ge- mäss Art. 8 EMRK (vgl. BGE 135 I 153 E. 2.1 m.w.H.; vg l. hierzu auch Urteil des Bundesge- richts 2C_639/2012 vom 13. Februar 2013 E. 4.4). 3.6 Es gilt deshalb im Folgenden zu prüfen, ob sich au s der EMRK ein solcher Anspruch eines faktischen Anwesenheitsrechts herleiten lässt. Bei einer Zuerkennung eines solchen wäre ferner zu prüfen, ob den Familienangehörigen zugemutet werden kann, ihr gemeinsames Leben im Ausland zu führen (vgl. BGE 135 I 153 E. 2.1 m.w.H .; vgl. hierzu auch Urteil des Bundesge- richts 2C_639/2012 vom 13. Februar 2013 E. 4.4). 3.7 Das Bundesgericht hat erkannt, dass sich in Ausnahmesituatione n auch Personen auf den Schutz von Art. 8 EMRK berufen können, die über kein (gefesti gtes) Aufenthaltsrecht ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fügen, deren Anwesenheit aber faktisch als Realität hin genommen wird bzw. aus objektiven Gründen hingenommen werden muss (in BGE 126 II 335 E. 2.b.cc und 3.b offen gelassen; be- jaht im Urteil des Bundesgerichts 2C_639/2012 vom 13 . Februar 2013 E. 1.2 unter Verweis auf Peter Bolzli, Migrationsrecht [Kommentar], Spescha/Thür /Zünd/Bolzli [Hrsg.], 3. Aufl., Zürich 2012, Art. 85 AuG Rz. 13). Nach der früheren Rechtspre chung bedurfte es hierzu besonders intensiver, über die normale Integration hinausgehende r privater Bindungen gesellschaftlicher oder beruflicher Natur (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2.1 – bezogen auf den Schutz des Privatle- bens; BGE 126 II 425 E. 4c/aa). In späteren Entscheiden anerkannte das Bundesgericht in ge- wissen Fällen, dass auch ohne die erwähnte besondere Int egration ein faktisches Anwesen- heitsrecht bestehen könne, dies insbesondere dann, wenn über Jahre hinweg eine Aufenthalts- bewilligung verlängert worden sei. Dieses faktische Anwe senheitsrecht würde es dann dem Ausländer erlauben, die für den Nachzug erforderlichen gesetzlichen Voraussetzungen zu erfül- len (BGE 126 II 335 E. 2b/cc). Bejaht wurde ein faktisches bzw. dauerhaftes Aufenthaltsrecht in einem besonderen Fall bei einem montenegrinischen Rom a, der über 20 Jahre in der Schweiz lebte, keine Beziehungen mehr zu seinem Heimatland Österreich hatte und dieses nur von spo- radischen Besuchen her kannte, zudem dort nie gelebt h atte und in der Schweiz seit fünf Jah- ren einer geregelten Arbeit nachging. Insbesondere hat das Bundesgericht festgehalten, dass seine Aufenthaltsbewilligung aufgrund des Umstands, dass d as AfM ihm diese im Jahre 2002 verlängerte und zwar in Kenntnis der familiären Situat ion (Heirat 1992, gemeinsames Kind ge- boren im Jahr 1993), auf einem faktischen Dauerstatus be ruhe, welcher im Hinblick auf den Familiennachzug einem gesicherten Aufenthaltsrecht gleichz usetzen sei. Zudem würden die Kinder der Familie hier die Schule besuchen und hätte n sich mit Erfolg eingelebt. Das Bundes- gericht kam deshalb zum Schluss, dass der Beschwerdeführer aufgrund der langen Anwesen- heitsdauer und mangels Fehlens namhafter Beziehungen zu einem anderen Staat hier über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfüge, welches in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK falle und die Schweiz allenfalls verpflichte, den Familienna chzug zu gestatten, was dann nicht mehr im freien Ermessen der Fremdenpolizei stehe, sondern die se im neuen Entscheid zu prüfen habe, ob die Verweigerung des Familiennachzugs gestützt auf Art. 8 Abs. 2 EMRK zulässig sei, wobei insbesondere die Gefahr der künftigen Fürsorgea bhängigkeit zu berücksichtigen sei (BGE 130 II 281 ff.). Auch in einem jüngeren Entschei d bejahte das Bundesgericht nun einen unbedingten Anspruch auf Nachzug eines Ehegatten in ein er besonderen Situation. Konkret handelte es sich um einen anerkannten Flüchtling aus Erit rea, der über eine Aufenthaltsbewilli- gung in der Schweiz verfügte. Er hatte nach seiner Fluch t in die Schweiz eine Landsfrau gehei- ratet, die sich zu der Zeit im Sudan aufhielt. Das Bu ndesgericht schützte die Zürcher Justiz zwar in ihrer ablehnenden Haltung, der Ehefrau im Ra hmen des Familiennachzugs eine Auf- enthaltsbewilligung zu erteilen, jedoch nur aufgrun d der Tatsache, dass das Paar in der Schweiz sozialhilfeabhängig gewesen wäre. Wäre dies nic ht der Fall gewesen und wären auch die übrigen rechtlichen Voraussetzungen erfüllt gewese n, hätte dem Mann nach Ansicht der Richtermehrheit trotz der „Kann-Vorschrift“ von Art. 44 AuG der Nachzug seiner Ehefrau erlaubt werden müssen, da ein Zusammenleben weder in Eritrea noch im Sudan als zumutbar angese- hen wurde (Urteil des Bundesgerichts 2C_983/2012 vom 5. September 2013). Verneint wurde ein faktisches Anwesenheitsrecht in Verbindung mit dem A nspruch auf Achtung des Privatle- bens trotz eines Aufenthalts von 16 Jahren (stets mit Auf enthaltsbewilligung) in einem Fall, in welchem die eheliche Beziehung erst von kurzer Dauer un d kinderlos war; dabei wurde vor al- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lem eine mögliche Rückkehr in das gemeinsame Heimatland der Eheleute nicht mehr als un- zumutbar erachtet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.2/ 2005 vom 4. Mai 2005 E. 2.4.2). Eine Anwesenheit in Form einer vorläufigen Aufnahme seit d em Jahr 2004 bzw. 2008 wurde des Weiteren in einem Fall nicht als derart gefestigt ang esehen, als dass daraus ein faktischer An- spruch auf Erteilung einer Anwesenheitsbewilligung einzuräumen gewesen wäre (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6493/2010 vom 21. September 2012 E. 5.4). 3.8 Als Person mit Jahresaufenthaltsbewilligung verfügt der Beschwerdeführer im vorliegen- den Fall nicht über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht. Bezogen auf den Schutz des Privat- und Familienlebens nach Art. 8 EMRK ist festzustellen, dass d er Beschwerdeführer sich seit über 20 Jahren in der Schweiz befindet. Er hat demnach run d die Hälfte seines Lebens hier ver- bracht. Er hat zudem vier Kinder, die allesamt in der Schweiz sind, hier zur Schule gehen und hier integriert sind, auch wenn zwei der Kinder im Ki nderheim H.____ fremdplatziert sind und sich das älteste Kind im Jugendheim I.____ befindet. Di e Kinder sind allesamt in der Schweiz geboren worden, und es ist offensichtlich, dass diesen d er Wegzug aus der Schweiz nicht zu- zumuten wäre. Dem Beschwerdeführ er wurde die Jahresaufenthaltsbewilligung stets verlänge rt. Nach dem erwähnten BGE 126 II 335 kann daraus ein faktisches Anwe senheitsrecht entstehen, selbst wenn die besonders gute Integration aufgrund der Sozia lhilfeschulden nicht gegeben ist. Wie erwähnt kann es kein Thema sein, dass der Beschwerdefüh rer mit seinen Kindern die Schweiz verlassen müsste, da insbesondere den Kindern dies nicht zuge mutet werden könnte. Insofern kann er sein Familienleben nur in der Schweiz führen u nd es ist deshalb auszuschliessen, den Ehegatten die Führung ihres ehelichen Zusammenlebens in Sri Lanka zuzumuten. Analog zum BGE 130 II 281 ist zu vermerken, dass die Aufenthaltsbew illigung des Beschwerdeführers ge- mäss Schreiben des AfM im Oktober 2013 um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Dies in Kenntnis des Umstandes, dass der Beschwerdeführer eine Ehef rau in Sri Lanka hat, die er in die Schweiz nachziehen will und betreffend welcher be im Kantonsgericht ein Rechtsmittelver- fahren hängig ist. Zusammengefasst ergibt sich vorliege nd daraus, dass die Aufenthaltsbewilli- gung des Beschwerdeführers auf einem faktischen Dauerstatu s beruht, die im Hinblick auf den Familiennachzug einem gesicherten Aufenthaltsrecht gleich zusetzen ist. Folglich kann der Be- schwerdeführer einen Anspruch auf Nachzug der Ehefrau aus Art. 8 EMRK für sich ableiten, der nur unter den Voraussetzungen von Art. 8 Abs. 2 E MRK bzw. Art. 44 Abs. 1 AuG einge- schränkt werden kann. 4. Demgemäss muss dem Beschwerdeführer der Familiennachzu g bewilligt werden, wenn die weiteren Voraussetzungen von Art. 44 AuG gege ben sind. Wie schon ausgeführt, kann ausländischen Ehegatten und ledigen Kindern unter 18 Jahren von Personen mit Aufent- haltsbewilligung gemäss Art. 44 Abs. 1 AuG eine Aufent haltsbewilligung erteilt werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen, eine bedarfsgerechte Woh nung vorhanden ist und sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind. Betreffend diese Vora ussetzungen hat der Regierungsrat vor- liegend festgehalten, dass einzig die Frage des genügend en Einkommens und der künftigen Sozialhilfeabhängigkeit bzw. der Gefahr einer solchen, nicht erfüllt sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Ob der Beschwerdeführer ein genügendes Einkommen g eneriert, um den Bedarf für sich und seine Familie zu decken, ist anhand der Sozialhil feverordnung des Kantons Basel- Landschaft (SHV) vom 25. September 2001 zu prüfen. 5.2 Die gemäss den Vorgaben der SHV erstellte Berechnun g des AfM vom 20. Oktober 2011 ergibt für die Familie des Beschwerdeführers eine n Totalbedarf in der Höhe von Fr. 4‘995.--, der sich aus dem Grundbedarf für einen 4 -Personen-Haushalt von Fr. 2‘305.--, der Wohnungsmiete von Fr. 1‘630.-- und medizinischer Verso rgung von Fr. 1‘060.-- zusammen- setzt. Dem durch das AfM errechneten Betrag hat sich der Regierungsrat angeschlossen. Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, dass richtigerwei se von einem 3-Personen-Haushalt und somit von einem Grundbedarf für drei Personen von Fr. 1‘818.-- auszugehen sei, da sein Sohn C.____ während der Woche im Jugendheim I.____ pl atziert sei und nur die Wochenen- den bei ihm verbringe. Der Beschwerdeführer kommt so au f einen Totalbedarf für sich und sei- ne Familie von Fr. 4‘490.--. Der Beschwerdeführer mu ss vorliegend auch für gewisse Bedürf- nisse seines Sohnes (wie Verpflegung, Kleidung, Kommunikationsmittel, Freizeitgestaltung etc.) aufkommen, obwohl dieser nicht die gesamte Zeit im gemeinsamen Haushalt verbringt. Berück- sichtigt man zudem das Alter des Sohnes (16 ½ Jahre alt), so sind die entsprechenden Ausga- ben erfahrungsgemäss vergleichsweise höher als bei einem K leinkind. Abgesehen davon ist der Beschwerdeführer gemäss Angaben des Jugendheimes I._ ___ verpflichtet, Heim- Nebenkosten im Umfang von monatlich Fr. 310.40 zu tr agen. Es ist daher nicht zu beanstan- den, dass die Vorinstanz sowie das AfM bei der Berechn ung des Grundbedarfs vom Ansatz für einen 4-Personen-Haushalt ausgegangen sind. Es ist desh alb vorliegend von dem durch das AfM errechneten Totalbedarf von Fr. 4‘995.-- auszugehen. 5.3.1 Dem Totalbedarf der Familie ist das Einkommen ge genüberzustellen. Hier stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer den festgestellten B edarf langfristig aus eigenen Mitteln bestreiten kann. Das AfM sowie der Regierungsrat gehen vo n einem monatlichen Gesamtein- kommen des Beschwerdeführers von Fr. 4‘758.-- aus. Dieses setzt sich aus den beiden Netto- löhnen für die Erwerbstätigkeit bei den Unternehmen J.____ und K.____ von durchschnittlich insgesamt Fr. 3‘912.00 sowie aus den zwei IV-Kinderrente n von je Fr. 423.-- zusammen. Der Beschwerdeführer hingegen errechnet für sich ein Gesa mteinkommen von Fr. 5‘790.75, das sich aus den beiden genannte IV-Kinderrenten sowie eine m monatlichen Nettodurchschnitts- verdienst von Fr. 3‘842.50 bei K.____ und einem durch schnittlichen Monatslohn von Fr. 1‘102.25 bei J.____ zusammensetzt. 5.3.2 Gemäss einer Bestätigung der Sozialversicherungsansta lt Basel-Landschaft (SVA) vom 11. September 2013 bekommt der Beschwerdeführer zu rzeit zwei IV-Kinderrenten von je Fr. 468.--. Daneben erhält er gemäss Verfügung der SV A vom 6. Mai 2013 monatliche Prämi- enverbilligungen von 381.--. Mitzuberücksichtigen ist zud em der Lehrlingslohn des C.____ von monatlich Fr. 280.--. Der Beschwerdeführer arbeitet b ei zwei Arbeitgebern, dies im Einver- ständnis der jeweiligen Arbeitgeber. Bei K.____ verdi ente er im Durchschnitt der Monate Juni 2012 – Oktober 2013 (unter Abzug der ihm nicht zusteh enden Kinderzulagen) in einem wö- chentlichen Arbeitspensum von 42 Stunden – was einem 10 0%-Pensum entspricht – monatlich Fr. 3‘445.40. Bei J.____ verdiente der Beschwerdeführe r im Jahr 2012 gemäss Lohnausweis Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 durchschnittlich Fr. 820.75, gemäss den jüngeren Lohnabrechnungen im Jahr 2013 sind es bei einem Pensum von 16 Stunden pro Woche – was eine m Pensum von 35-40% ent- spricht – immer rund Fr. 1000.-- im Monat. Nimmt man diese beiden Einkommen zusammen, so ergibt sich ein Gesamteinkommen von insgesamt Fr. 5‘863.15 bzw. unter Berücksichtigung des höheren Lohnes bei J.____ aus dem Jahr 2013 einen solchen von Fr. 6‘042.40. 5.3.3 Allerdings ist festzustellen, dass der Beschwerdeführ er bei den genannten Einkommen zusammen mehr als 100% arbeitet. Gemäss dem Gesamtarbeitsv ertrag für die Reinigungs- branche der Deutschschweiz (GAV) gültig ab dem 1. Januar 2011 beträgt die maximale wö- chentliche Arbeitszeit 42 Stunden pro Woche, die der B eschwerdeführer deutlich überschreitet. Wenn der Beschwerdeführer die Vorgaben des GAV überschre itet, so ist das zulässig, da die Beschränkung der Arbeitszeit gemäss dem GAV eine Schutzn orm zugunsten des Arbeitneh- mers darstellt, auf die ein Arbeitnehmer freiwillig ve rzichten kann. Nicht verzichten kann er aber auf die absolute Grenze der wöchentlichen Arbeitszeit g emäss dem Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsgesetz, ArG) vom 13. März 1964, welches eine Höchstgrenze von 50 Arbeitsstunden pro Woche vorschreibt. Ei n Einkommen kann vom Kan- tonsgericht nicht als rechtserheblich erachtet werden, das in Verletzung gesetzlicher Normen zustande kommt. Andernfalls könnte es so aussehen, als ob das Gericht den Beschwerdeführer zwingen würde, mehr als erlaubt zu arbeiten. Damit kann er zu 100% bzw. 42 Stunden pro Wo- che bei K.____ arbeiten und zusätzlich maximal acht Stund en pro Woche bei J.____, die den tieferen Stundenlohn zahlt. Somit erzielt der Beschwer deführer bei K.____ das genannte mo- natliche Nettoeinkommen von Fr. 3‘445.40 und bei J.__ __ ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 556.--, was zu einem legalen Gesamteinkommen von insgesamt Fr. 5‘598.40 führt. 7.1 Stellt man den Totalbedarf dem Einkommen des Be schwerdeführers gegenüber, so ist festzustellen, dass das Nettoeinkommen den Bedarf seiner Familie um rund Fr. 600.-- über- steigt. Entgegen den Ausführungen des Regierungsrates i st demnach in Zukunft keine Sozial- hilfeabhängigkeit zu befürchten. Nicht berücksichtigt wur de zudem ein mögliches Einkommen der Ehefrau, das aufgrund einer Bestätigung über eine Arbeitseinstellung als Küchenhilfe des Arbeitgebers L.____ als möglich erachtet wird. Sodann kö nnte diese auch als Entlastung im Haushalt und in der Erziehung der Kinder eine sichernde und positive Wirkung auf die finanziel- le Existenz der Familie haben. 7.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdefü hrer über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfügt und sein Familienleben nur in der Schweiz führen kann, da insbesondere seinen vier Kindern eine Rückkehr nach S ri Lanka nicht zugemutet werden kann, so dass damit ein Anspruch aus Art. 8 EMRK auf Nachzug der Ehefrau besteht, der nur unter den Voraussetzungen von Art. 8 Abs. 2 EMRK bzw. vo n Art. 44 AuG beschränkt werden kann, worunter auch Sozialhilfeabhängigkeit gehört. B eim Nachzug der Ehefrau ist ein genü- gendes legales Einkommen vorhanden, sodass langfristig ke ine Sozialhilfeabhängigkeit be- fürchtet werden muss und demnach die Ehegattin gestützt auf das vom Beschwerdeführer ab- geleitete Anwesenheitsrecht gemäss Art. 44 AuG einen An spruch auf Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung zusteht. Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu entscheiden. 8.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantons- gericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen di e Gerichtsgebühren sowie die Be- weiskosten und werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei aufer- legt, wobei den Vorinstanzen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmen – keine Ver- fahrenskosten auferlegt werden. Der geleistete Kostenv orschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 8.3 Ferner wird dem obsiegenden Beschwerdeführer für d en Beizug eines Anwalts eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7‘317.-- (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten des Regierungsrates zugesprochen (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). 8.4 Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ver fahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückgewiesen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. 2. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten de s vo- rinstanzlichen Verfahrens an den Regierungsrat des Kanton s Basel-Landschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gelei stete Kos- tenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- wird dem Beschwerde- führer zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Be- schwerdeführer für das Verfahren vor Kantonsgericht eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 7‘317.-- (inkl. Auslagen und 8% MwSt) zu bezahlen. Die Präsidentin Die Gerichtsschreiberin i.V.