B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4773/2018 U r t e i l v o m 11 . S e p t e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richterin Andrea Berger-Fehr; Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, vertreten durch Sahin Necmettin, OFFICE AVANTI, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 20. Juli 2018 / N (…). D-4773/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin – eine irakische Staatsangehörige arabischer Eth- nie – suchte am 7. Januar 2016 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in B._______ um Asyl nach. Am 14. Januar 2016 wurde sie zu ihrer Person, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchs- gründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am 10. November 2017 hörte das SEM sie vertieft zu den Asylgründen an. B. Anlässlich ihrer Befragungen machte die Beschwerdeführerin im Wesent- lichen geltend, dass sie aus Dohuk komme, wohin sie als Kleinkind mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern umgesiedelt sei. In den Neunzigerjahren habe C._______ einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem drei Personen gestorben seien. Die Familie der Opfer habe Rache geschworen und den C._______ schliesslich umgebracht. Ihr Vater habe den Irak in der Folge aufgrund von Drohungen seitens der Opferfamilie in Richtung Schweiz ver- lassen, wo er sich später von ihrer Mutter habe scheiden lassen und erneut geheiratet habe. Aufgrund der Drohungen seien auch sie, ihre Geschwister und die Kinder des C._______ in Gefahr gewesen, weshalb sie D._______ ebenfalls verlassen und fortan in Dohuk gelebt hätten. Während ihre Mutter in Dohuk gearbeitet habe, habe sie die Schule bis zur (…) Klasse besucht. Im Jahre (…) sei ihr Vater aus der Schweiz besuchshalber in den Irak ge- reist und habe der Familie mitgeteilt, dass die Opferfamilie aufgrund der Sicherheitslage in D._______ ebenfalls in den Nordirak umgesiedelt sei. Die Opferfamilie, die sich nun wiederum in ihrer Reichweite aufgehalten habe, habe sich gemäss Auskünften von Verwandten nach dem Verbleib ihrer Familie erkundigt. Um ihre (…) Brüder vor allfälligen Verfolgungs- massnahmen zu schützen habe der Vater entschieden, mit diesen in die Türkei zu reisen. Nach kurzer Zeit seien ihre Br üder zu ihrem Vater in die Schweiz weitergereist. Weil die Opferfamilie weiterhin nach ihrer Familie gefragt habe, habe sie auf Anweisung der Mutter nicht mehr zu Schule ge- hen können, weshalb sie (…) Monate nach der Ausreise der Brüder ge- meinsam mit der Mutter via Griechenland in die Schweiz gereist sei. C. Mit Verfügung vom 20. Juli 2018 – eröffnet am 23. Juli 2018 – stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. D-4773/2018 Seite 3 D. Mit Eingabe vom 20. August 2018 liess die Beschwerdeführerin diesen Entscheid durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht an- fechten und beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschus- ses. Ferner beantragte sie, die Vorinstanz sei vorsorglich anzuweisen, die Kontaktaufnahme mit den heimatlichen Behörden sowie jegliche Datenwei- tergabe an diese zu unterlassen beziehungsweise sei sie über eine allfällig bereits erfolgte Datenweitergabe in einer separaten Verfügung zu informie- ren. E. Mit Schreiben vom 23. August 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzu- treten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). D-4773/2018 Seite 4 3. Da das Beschwerdeverfahren mit vorliege ndem Direktentscheid abge- schlossen ist, erweist sich der Antrag auf vorsorgliche Massnahmen (An- weisung der zuständigen Behörde zur Unterlassung der Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimatstaats und Datenweitergabe an dieselben), welche ohnehin nur für die Dauer des Beschwerdeverfahrens wirksam wä- ren, als gegenstandslos. Da im Übrigen aus den dem Gericht vorliegenden Akten (die erfahrungsgemäss allerdings nicht sämtliche Vorgänge im Zu- sammenhang mit der Vorbereitung des Wegweisungsvollzugs abbilden), keine solche Datenbekanntgabe hervorgeht, ist auf den diesbezügliche An- trag, entsprechend orientiert zu werden, ebenfalls als gegenstandslos nicht einzutreten. 4. 4.1 Zur Begründung ihrer abweisenden Verfügung führte die Vorinstanz aus, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG seien. Aus den dargelegten Ereignissen im Zusam- menhang mit dem Verkehrsunfall des C._______ in den Neunzigerjahren, welche sie, beziehungsweise die Familienangehörigen dazu bewogen ha- ben, nach Dohuk umzuziehen, lasse sich für sie und ihre Familie keine Verfolgungsfurcht im Sinne von Art. 3 AsylG ableiten. Hierfür müssten hin- reichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die auf einer objektiven Betrachtungsweise und nicht auf dem subjektiven Empfinden der Betroffenen fusse. Solche konkreten Hinweise seien den Schilderungen der Beschwerdeführerin nicht zu entnehmen. Gemäss ihren Angaben sei weder ihr noch ihren Familienangehörigen je etwas zugestos- sen. Sie habe keinerlei Kenntnisse bezüglich allfälligen Verfolgungsbemü- hungen vonseiten der Opferfamilie. Zudem könne sie keine Angaben zu den angeblichen Verfolgern machen, was nicht dafür spreche, dass sie sich tatsächlich bedroht gefühlt oder sich zumindest mit einer möglichen Ge- fährdung auseinandergesetzt habe. So gebe sie auch an, von diesem Kon- flikt mit der Opferfamilie nur gehört, jedoch nie etwas gesehen zu haben. Als fluchtauslösendes Element habe sie die Anwesenheit der besagten Fa- milie im Nordirak erwähnt. Aus dieser Information alleine lasse sich keine unmittelbare Verfolgungsfurcht ableiten. So sei objektiv nicht ersichtlich, in- wiefern seitens der Opferfamilie ein konkretes Verfolgungsinteresse be- stehe beziehungsweise inwiefern die erwähnte Familie über (…) Jahre nach dem Verkehrsunfall des C._______ an ihr oder ihren Familienmitglie- dern einen Racheakt ausüben wolle. Da die geltend gemachte Bedro- hungslage lediglich auf Vermutungen basiere, best ehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in D-4773/2018 Seite 5 absehbarer Zeit eine Verfolgung zu gewärtigen habe. Schliesslich seien auch den Akten des Vaters, der Mutter oder ihrer Geschwiste r keine kon- kreten Hinweise auf eine asylrelevante Bedrohungslage zu entnehmen. 4.2 In der Beschwerde wird dagegen vorgebracht, dass entgegen der An- sicht der Vorinstanz eine Verfolgung beziehungsweise eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne v on Art. 3 AsylG vorliege. Der Irak könne das Leben der Bevölkerung nicht sicher n und weil die Regie- rung unter Kontrolle der islamistischen Gruppen sei, würden die Frauen nicht geschützt. Obwohl die Sicherheitskräfte in D._______ sowie Dohuk von dieser Problematik Bescheid wüssten, hätten sie dagegen nichts un- ternommen. Der C._______ sei damals in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen, wobei drei Personen gestorben seien. Er sei deswegen verhaftet worden. Nach dreieinhalb Jahren Gefängnis sei er freigekommen und habe dann D._______ verlassen müssen. Er sei jedoch zurückgekehrt, weil er seine Mutter habe besuchen wollen und sei dann leider durch die Opferfa- milie getötet worden. Dann habe diese Opferfamilie eine lange Zeit ihre Familie verfolgt, um Rache zu nehmen. Von D._______ sei die Beschwer- deführerin mit ihrer Familie in den Nordirak nach Dohuk umgezogen, wo das Leben eine Weile sicherer gewesen sei. Die Opferfamilie sei ihnen je- doch schliesslich auf die Spur gekommen, weshalb sie den Irak habe ver- lassen müssen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen D-4773/2018 Seite 6 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve rfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde- führerin gestützt auf die geltend gemachten Fluchtgründe aus den nachfol- genden Gründen zu Recht verneint hat. 6.2 Nach Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung der Flücht- lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund der in Art. 3 AsylG genann- ten Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt w orden sein. Den durch die Beschwerdeführerin geltend gemachten Bedrohungen infolge Blutrache liegt kein asylrelevantes Motiv im Sinne dieser Bestimmung zugrunde (vgl. hierzu etwa die Urteile des BVGer E-4219/2015 vom 30. Juli 2015 S. 8 und D-2254/2015 vom 17. April 2015 E. 6). Ohnehin dürfte der Vorinstanz auch zuzustimmen sein, dass keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sind , zumal die Beschwerdeführerin die vorgetragene Verfolgung in Dohuk nur auf vage Auskünfte von Verwandten beziehungsweise Bekannten stützen kann ([…]). Mithin liegt keine objektiv begründete subjektive Furcht vor. 6.3 Geht die Verfolgung von nichtstaatlichen Akteuren aus, ist zu prüfen, ob d ie Beschwerdeführerin staatlichen Schutz beanspruchen kann (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1, 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5). Gemäss BVGE 2008/4 sind die Sicherheits- und Justizbehörden der nordirakischen autonomen Region Kurdistan (Region des „Kurdistan Regional Govern- ment“ [KRG]; das KRG-Gebiet wird seit Anfang 2015 durch die Provinzen Dohuk, Erbil, Suleymania sowie d ie von Letzterer abges palteten Provinz Halabja gebildet) grundsätzlich in der Lage und willens, den Einwohnern der vier nordirakischen Provinzen Schutz vor Verfolgung zu gewähren (a.a.O. E. 6.1-6.7). Diese Einschätzung wurde mit dem Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 (als Referenz- urteil publiziert) bestätigt und hat weiterhin Gültigkeit. Vorliegend finden sich keine begründeten Hinweise auf eine Absenz des Schutzwillens oder D-4773/2018 Seite 7 der Schutzfähigkeit der Behörden. Die Beschwerdeführerin hat gemäss ei- genen Angaben gar nicht bei den zuständigen staatlichen Organen um Schutz ersucht. Sie brachte lediglich vor, sie wisse nicht, „warum und dass die Grossen in dieser Sache “ diskutiert hätten und sie, die Kleinen, nur hätten zuhören dürfen (vgl. act. A15, F51, F52). Die Beschwerdeführerin vermag mit ihren Ausführungen nicht darzulegen, die Behörden hätten ihr den erforderlichen Schutz verweigert oder würden dies in Zukunft tun, zu- mal auch keine Hinweise vorliegen, dass ihr die Hilfe aus einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründe verweigert würde. Der geltend gemachten Gefahr vor Nachstellungen seitens privater Drittpersonen kommt daher keine asylrechtliche Relevanz zu. 6.4 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die durch die Be- schwerdeführerin angeführten Gründe für das Verlassen ihres Heimatstaa- tes keine Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG zu entfalten vermögen, da kein asylrelevantes V erfolgungsmotiv ersichtlich ist un d da die staatli- chen Behörden im vorliegenden Fall als schutzfähig und schutzwillig zu qualifizieren sind und es der Beschwerdeführerin auch zuzumuten gewe- sen wäre, diesen Schutz in Anspruch zu nehmen statt den subsidiären Schutz des Asyls zu beanspruchen. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, D-4773/2018 Seite 8 wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn v ölkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkomme ns vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwer- deführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran- kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in nach Dohuk ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.4 8.4.1 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in Dohuk dort mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be- handlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäi schen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folter- ausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschie- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer D-4773/2018 Seite 9 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihr unter Verweis auf die Erwägun- gen zum Asylpunkt nicht gelungen. 8.4.2 Auch die allge meine Menschenrechtssituation i n Dohuk lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise n icht als unzu- lässig erscheinen ( vgl. Referenzurteil des B VGer E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 6.3; bestätigt in Urteil des BVGer D-3994/2016 vom 22. August 2017 E. 8.3). 8.5 8.5.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.5.2 Im Urteil BVGE 2008/5 – in dem eine einlässliche Auseinanderset- zung mit der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die drei damaligen kurdischen Provinzen des Nordiraks (Dohuk, Erbil und Suleima- niya) stattfand – hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass sich sowohl die Sicherheits- als auch die Menschenrechtslage in dieser Region im Ver- hältnis zum restlichen Irak relativ gut darstelle. Gestützt auf die vorgenom- mene Lageanalyse kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass ein Wegweisungsvollzug in die kurdischen Provinzen dann zumutbar ist, wenn die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt, oder eine längere Zeit dort gelebt hat und über ein soziales Netz (Familie, Ver- wandtschaft oder Bekanntenkreis) oder aber über Beziehungen zu den herrschenden Parteien verfügt (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5, insbesondere E. 7.5.1 und 7.5.8). Diese Praxis wurde in den folgenden Jahre n durch das Bundesverwal- tungsgericht bekräftigt. Im Urteil E-3737/2015 wurde die Lage im Nordirak und die Zumutbarkeitspraxis neuerlich überprüft. Festgestellt wurde, dass in den vier Provinzen der KRG-Region aktuell nach wie vor nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG auszugehen ist. An dieser Einschätzung, welche jeweils auf die aktuell herrschende Lage fokussiert, ändert auch das am 25. September 2017 in der KRG durchgeführte Referendum nichts, in welchem offenbar ein e Mehrheit der Kurden für die Unabhängigkeit vom Irak votierte. Den begünstigenden in-D-4773/2018 Seite 10 dividuellen Faktoren – insbesondere denjenigen eines tragfähigen familiä- ren Beziehungsnetzes – ist angesichts der Belastung der behördlichen Inf- rastrukturen durch im Irak intern Vertriebene („Internally Displaced Per- sons“ [IDPs]) gleichwohl ein besonderes Gewicht beizumessen (vgl. auch die Urteile des BVGer D-233/2017 vom 9. März 2017 E. 10.6, D-3994/2016 vom 22. August 2017 E. 6.3.3 und D -7841/2016 vom 6. September 2017 E 7.4). 8.5.3 Die Beschwerdeführerin ist in Dohuk aufgewachsen und hat die Schule bis zur (…) Klasse besucht ([…]). In Dohuk verfügt die Beschwer- deführerin nach wie vor über einen Onkel, bei dem sie früher mit ihrer Fa- milie gewohnt hat ([…]) und dem es gut gehe ([…]). Zudem wurde die Fa- milie in der Vergangenheit auch vom in der Schweiz wohnhaften Vater un- terstützt ([…]). Angesichts dieser Umstände ist in Übereinstimmung mit den vorinstanzlichen Erwägungen von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zuges auszugehen. 8.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Die Beschwerdeführerin ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Gemäss dieser Bestim- mung wird eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, wenn ihr Be- gehren im Zeitpunkt der Gesucheinreichung nicht aussichtslos erscheint. Aufgrund obiger Erwägungen ist die eingereichte Beschwerde von vornhe- rein als aussichtlos zu erachten, weshalb das Gesuch um Gewährung der D-4773/2018 Seite 11 unentgeltlichen Prozessführung indessen unbesehen einer allfälligen Mit- tellosigkeit abzuweisen ist. Mit vorliegendem Direktentscheid ist das Ge- such um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde - führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-4773/2018 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Andrea Beeler Versand: