<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2022-01-06-1C_239-2021.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1C_239/2021</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Verfügung vom 6. Januar 2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. öffentlich-rechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Müller, als Einzelrichter, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Gelzer. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">1. A.________, </div> <div class="para">2. B.________, </div> <div class="para">handelnd durch ihren Beistand C.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführerinnen, </div> <div class="para">beide vertreten durch Rechtsanwalt Beat Wieduwilt, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gemeinderat Oberiberg, </div> <div class="para">Jessenenstrasse 20, 8843 Oberiberg. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Vollstreckungsrecht (Ordnungsbusse), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Entscheid des </div> <div class="para">Verwaltungsgerichts des Kantons Schwyz, </div> <div class="para">Kammer III, vom 8. März 2021 (III 2020 185). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Die Liegenschaft KTN 217 der Gemeinde Oberiberg stand im Eigentum von D.________ und ging nach seinem Ableben erbrechtlich auf seine Kinder A.________, B.________ und E.________ über. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Mit Beschluss vom 28. April 2020 verpflichtete der Gemeinderat Oberiberg die Erben von D.________, das bauf ällige ehemalige Wohnhaus (Gebäude Nr. 222) auf der Liegenschaft KTN 217 bis zum 30. September 2020 abzubrechen und zu entsorgen. Für den Unterlassungsfall kündigte der Gemeinderat Ordnungsbussen an. Dieser Gemeinderatsbeschluss blieb unangefochten. </div> <div class="para">E.________ verstarb am 1. August 2020 und hinterliess als gesetzliche Erbinnen seine beiden Schwestern A.________ und B.________. Diese verlangten die amtliche Liquidation des Nachlasses ihres Bruders und erklärten für den Fall, dass diese nicht angeordnet wird, sein Erbe auszuschlagen. </div> <div class="para">Mit Beschluss vom 6. Oktober 2020 verpflichtete der Gemeinderat die Erben von D.________ unter solidarischer Haftung, für jeden Tag der Nichterfüllung des am 28. April 2020 angeordneten Rückbaus des Hauses auf der Liegenschaft KTN 217 eine Ordnungsbusse von Fr. 50.-- zu bezahlen. Die Busse wurde auf max. Fr. 1'500.-- beschränkt. </div> <div class="para">Gegen diesen Gemeinderatsbeschluss erhoben A.________ und B.________ Beschwerde, die das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit Entscheid vom 8. März 2021 abwies, soweit es darauf eintrat. Es setzte den Beginn der Verpflichtung zur Zahlung der verfügten Ordnungsbussen neu auf den ersten Tag des ersten Monats nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides an. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Mit Eingabe vom 30. April 2021 erhoben A.________ und B.________ beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit den Anträgen, den Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 8. März 2021 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para">Das Verwaltungsgericht verzichtete auf eine Vernehmlassung. Der Gemeinderat Oberiberg beantragte, die Beschwerde abzuweisen. </div> <div class="para">Mit Schreiben vom 8. November 2021 teilten die Beschwerdeführerinnen dem Bundesgericht mit, gemäss einem zwischen ihnen und der Konkursmasse des Nachlasses ihres verstorbenen Bruders abgeschlossenen Erbteilungsvertrag sei die Liegenschaft KTN 217 auf A.________ übertragen worden, die in der Folge das darauf errichtete Haus gemäss der Anordnung der Gemeinde habe abbrechen lassen. Die Abbrucharbeiten seien am 28. Oktober 2021 beendet worden. Da der Abbruchverfügung mittlerweile Folge geleistet worden sei, dürfe zu ihrer Durchsetzung keine Ordnungsbusse mehr auferlegt werden. Das Verfahren sei demnach wegen Wegfalls des rechtlichen Interesses abzuschreiben und die Gerichtskosten seien unter den Parteien zu verteilen. </div> <div class="para">Der Gemeinderat Oberiberg führte in seiner Stellungnahme vom 17. November 2021 aus, weil A.________ den verlangten Abbruch vorgenommen habe, sei die Durchsetzungsverfügung vom 6. Oktober 2020 nicht mehr erforderlich. Die Gemeinde habe gegen eine "Einstellung" (recte: Abschreibung) des Verfahrens keine Einwände, lehne jedoch eine Verteilung der Prozesskosten unter den Parteien ab. </div> <div class="para">In ihrer Vernehmlassung vom 28. Dezember 2021 führten die Beschwerdeführerinnen aus, da ihre Beschwerde mutmasslich hätte gutgeheissen werden müssen, seien die Gerichtskosten der Gemeinde Oberiberg aufzuerlegen und diese zu verpflichten, den Beschwerdeführerinnen eine angemessene Entschädigung zu bezahlen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Nach <span class="artref">Art. 89 Abs. 1 lit. c BGG</span> ist zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nur legitimiert, wer ein schutzwürdiges Interesse an der Beurteilung seiner Eingabe hat. Fällt das aktuelle Interesse im Verlaufe des Verfahrens dahin, wird die Sache als erledigt erklärt (<span class="artref">Art. 71 BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 72 BZP</span> [SR 273]; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=37&amp;from_date=06.01.2022&amp;to_date=25.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-I-135%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page135">BGE 142 I 135</a> E. 1.3.1 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Mit dem nach der Einreichung der Beschwerde erfolgten Abbruch des Hauses auf der Parzelle KTN 217 ist die Verfügung der Gemeinde über den angeordneten Rückbau hinfällig geworden, womit auch das schutzwürdige Interesse der Beschwerdeführerinnen an deren Anfechtung entfiel. Demzufolge ist das Verfahren vom Instruktionsrichter als Einzelrichter als gegenstandslos geworden abzuschreiben (<span class="artref">Art. 32 Abs. 2 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Bei Gegenstandslosigkeit des Verfahrens entscheidet der Einzelrichter mit summarischer Begründung über die Prozesskosten aufgrund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrundes (<span class="artref">Art. 71 BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 72 BZP</span> [SR 273]). Demnach wird bei der Verlegung der Prozesskosten in erster Linie auf den mutmasslichen Ausgang des Verfahrens abgestellt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=37&amp;from_date=06.01.2022&amp;to_date=25.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-551%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page551">BGE 142 V 551</a> E. 8.2; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=37&amp;from_date=06.01.2022&amp;to_date=25.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-373%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page373">125 V 373</a> E. 2a; je mit Hinweisen). Die mutmasslichen Prozessaussichten sind gestützt auf eine summarischen Beurteilung der Aktenlage zu ermitteln (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=37&amp;from_date=06.01.2022&amp;to_date=25.01.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-551%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page551">BGE 142 V 551</a> E. 8.2 mit Hinweisen). Lässt sich bei dieser Prüfung der mutmassliche Ausgang des Verfahrens nicht ohne Weiteres feststellen, ist in Bezug auf die Prozesskosten auf allgemeine zivilprozessrechtliche Kriterien zurückzugreifen. Danach wird in erster Linie jene Partei kosten- und entschädigungspflichtig, die das gegenstandslos gewordene Verfahren veranlasst hat oder bei der die Gründe eingetreten sind, die zur Gegenstandslosigkeit des Verfahrens geführt haben (Verfügungen 1B_465/2020 vom 7. Dezember 2020 E. 2.1; 2C_778/2021 vom 17. Dezember 2021 E. 3.1). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Im angefochtenen Urteil ging die Vorinstanz davon aus, die Gemeinde habe den Vollzug der rechtskräftigen Abbruchverfügung vom 28. April 2020, die noch zu Lebzeiten von E.________ erging, von diesem und oder den solidarisch haftenden Beschwerdeführerinnen verlangen können (vgl. E. 5.2.5 S. 16 f.). Der angeordnete Abbruch könne daher in das durch diese Solidarschuld belastete Erbe ihres Bruders E.________ keine Einmischung darstellen, die einer Ausschlagung entgegenstehen könne. Die Durchsetzungsverfügung sei daher nicht unverhältnismässig gewesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> Bei einer summarischen Prüfung erweisen sich die gegen diese vorinstanzlichen Erwägungen erhobenen Rügen der Beschwerdeführerinnen als wenig stichhaltig, weshalb ihre Beschwerde voraussichtlich abzuweisen gewesen wäre. Damit werden die Beschwerdeführerinnen kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). Die Kostenverlegung nach dem Unterliegerprinzip entspricht auch dem Verursacherprinzip, da die Beschwerdeführerinnen die strittige Durchsetzungsverfügung durch die anfänglich unterlassene Umsetzung der nicht angefochtenen Abbruchverfügung veranlassten und eine Beschwerdeführerin nun mit der nachträglichen Umsetzung den Grund für die Gegenstandslosigkeit des Rechtsmittelverfahrens setzte. </div> <div class="para">Die Gerichtsgebühr wird gegenüber dem Kostenvorschuss reduziert, weil kein Entscheid in der Sache getroffen werden muss (vgl. Verfügung 5A_146/2021 vom 13. Oktober 2021 E. 3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach verfügt der Einzelrichter:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Das Verfahren wird als gegenstandslos abgeschrieben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 1'500.-- werden den Beschwerdeführerinnen auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Diese Verfügung wird den Beschwerdeführerinnen, dem Gemeinderat Oberiberg und dem Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz, Kammer III, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 6. Januar 2022 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Einzelrichter: Müller </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Gelzer </div> </div></body></html>