Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Juni 2016 (715 16 36) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Wiedererwägungsweise Ablehnung der Anspruchsberechtigung und Rückforderung be- reits ausgerichteter Arbeitslosenentschädigung wegen arbeitgeberähnlicher Stellung sowie mangels Nachweis eines Lohnflusses in der massgebenden Beitragsrahmenzeit. Geht die unrechtmässige Leistungsausrichtung auf einen Fehler des Versicherungsträ- gers zurück, beginnt die einjährige Verwirkungsfrist nicht bereits mit der Leistungsaus- richtung zu laufen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Silvan Ulrich, Advokat, Postgasse 3, Postfach 619, 4147 Aesch gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland, Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betref f Ablehnung der Anspruchsberechtigung / Rückforderung A. Der 1980 geborene A.____ hat in der Vergangenheit bereits während mehrerer Rah- menfristen Leistungen der Arbeitslosenentschädigung bezogen. Am 25. August 2010 meldete Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht er sich erneut zur Arbeitsvermittlung an und b eantragte die Ausrichtung von Arbeitslosenent- schädigung ab 25. August 2010. Zur Begründung gab er an, vom 8. Januar 2010 bis zum 18. August 2010 in der Firma B.____ in C.____ gearbeitet zu haben. Dieses Arbeitsverhältnis sei infolge Konkurses am 18. August 2010 fristlos aufgelöst worden. Nach Erhalt der Arbeitge- berbescheinigung der B.____ vom 26. August 2010, wonach der Versicherte seit dem 8. Januar 2010 einen AHV-pflichtigen Gesamtverdienst von CHF 54‘171.— erzielt habe, eröffnete die öf- fentliche Arbeitslosenkasse Baselland (Kasse) mit Schreiben vom 1. Dezember 2010 eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug ab 25. August 2010. In der Folge richtete sie dem Versi- cherten Taggelder auf der Basis eines versicherten Verdienstes von CHF 7‘219.— aus. B. Nachdem er eine neue Stelle als Gerüstbauer bei der D.____ GmbH gefunden hatte, meldete sich der Versicherte per 31. März 2011 von der Arbeitsvermittlung ab. Am 30. Novem- ber 2011 beantragte er gegenüber der Kasse mit Wirkung ab 1. Dezember 2011 erneut Leis- tungen der Arbeitslosenversicherung mit der Begründung, dass ihm die Arbeitgeberin per Ende November 2011 gekündigt habe. Die D.____ GmbH bestätigte mit Arbeitgeberbescheinigung vom 30. November 2011 das Arbeitsverhältnis mi t dem Versicherten für die Zeit vom 1. April 2011 bis 30. November 2011 und hielt dabei fest, dass das Arbeitsverhältnis von ihr am 27. Oktober 2011 per Ende November 2011 aus Gründen der Umstrukturierung aufgelöst wor- den sei. Das AHV-pflichtige Einkommen des Versicherten habe während der Dauer der Anstel- lung insgesamt CHF 56‘000.— betragen. C. Nach Abklärung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen, namentlich nach Durchfüh- rung einer amtlichen Erkundigung beim Geschäftsführer der D.____ GmbH, lehnte die Kasse mit Verfügung vom 2. Februar 2012 die Anspruchsberechtigung des Versicherten ab 25. August 2010 mit der Begründung ab, dass die ursprüngliche Eröffnung der Rahmenfrist für den Leis- tungsbezug ohne Überprüfung des Lohnflusses geschehen sei. Trotz Aufforderung habe der Versicherte keine Unterlagen eingereicht, welche den Lohnfluss für die Jahre 2008 bis 2011 mittels Bank oder Postkontoauszügen belegen würden. Ausserdem sei erstellt, dass er die D.____ GmbH gegen aussen vertrete. Er sei deshalb als arbeitgeberähnliche Person zu qualifi- zieren, welche vom Bezug von Arbeitslosenentschädigung ausgeschlossen sei. Mit Verfügung vom 6. Februar 2012 forderte die Kasse gestützt auf ihre Ablehnungsverfügung vom 2. Februar 2012 die ohne Rechtsgrundlage ausbezahlten Arbeitslosentaggelder im Umfang von CHF 31‘893.75 zurück. Die gegen diese beiden Verfügungen am 29. Februar 2012 erhobenen Ein- sprachen des Versicherten wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 16. Dezember 2015 ab. Zur Begründung wurde zusammenfassend geltend gemacht, dass ein eigentliches Firmen- konglomerat vorliege, im Rahmen dessen der Versicherte eine arbeitgeberähnliche Stellung eingenommen habe. Ausserdem sei der Lohnfluss nicht nachgewiesen, weshalb die Vorausset- zung einer beitragspflichtigen Beschäftigung von zwölf Monaten offensichtlich nicht erfüllt sei. Schliesslich habe der Versicherte seinen Wohns itz im grenznahen Deutschland, weshalb eben- falls kein Leistungsanspruch bestehe. Aufgrund dieser Umstände sei die ursprüngliche Leis- tungszusprache zweifellos unrichtig erfolgt, weshalb die Kasse wiedererwägungsweise zu Recht auf ihre Leistungszusprache zurückgekommen sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte, vertreten durch Silvan Ulrich, Advokat, am 1. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, der Einspracheentscheid und die ihm vorangehenden Verfügungen der Kasse seien aufzuheben, unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung liess er im Wesentlichen vorbringen, dass die Kasse die strittigen Taggelder nach eingehenden Abklärungen des Sachverhalts und insbesondere im Wissen um seine Posi- tion in der B.____ GmbH sowie der Lohnflüsse ausbezahlt habe. Folglich habe er die strittigen Taggelder zu Recht bezogen, weshalb auch kein Rückforderungsanspruch bestehe. Schliess- lich habe die Kasse mit der Rückforderung mehr als ein Jahr zugewartet, obschon ihr der rele- vante Sachverhalt im Zeitpunkt der erstmaligen Auszahlung der Taggelder bereits bekannt ge- wesen sei. Der Rückforderungsanspruch sei daher verwirkt. E. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 20. April 2016 auf Abweisung der Be- schwerde. Die Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben sich, soweit für den Entscheid von Bedeutung, aus den nachfolgenden Erwägungen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 i. V. m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG (Fas- sung gemäss Bundesgesetz über die Änderung des Anhangs zum ATSG [Revision 3 des An- hangs zum ATSG] vom 21. Juni 2002) i. V. m. Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligato- rische Arbeitslosenversicherung und die Insolv enzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 und Art. 119 Abs. 1 AVIV die Rekursinstanz am Ort, wo die versicherte Person die Kontroll- pflicht erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ver- sicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Damit ist es auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2.1 Steht die Zusprechung von sozialversicherungsrechtlichen Leistungen mit den massge- benden rechtlichen oder tatsächlichen Grundlagen nicht mehr in Übereinstimmung, stellt sich die Frage ihrer Korrektur. Eine Leistung ist nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung allerdings nur zurückzuerstatten, wenn in verf ahrensrechtlicher Hinsicht entweder die für die (prozessuale) Revision oder die für die Wiedererwägung erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind (BGE 129 V 110 E. 1.1, 126 V 23 f. E. 4b). Diese sind in Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG um- schrieben, wobei es sich im Wesentlichen um ei ne Kodifizierung der bisherigen höchstrichterli- chen Rechtsprechung zu den Anforderungen an ein Zurückkommen auf eine rechtsbeständig Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewordene Verfügung handelt. Was insbesondere die Wiedererwägung betrifft, so kann der Versicherungsträger gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide dann zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Wird eine solche rückwirkende Korrektur vorge- nommen, entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese werden – im Nachhinein – zu unrechtmässigen Leistungen (BGE 122 V 138; U ELI KIESER, a.a.O., Art. 25 Rz 2 ff.). Die für die Wiedererwägung formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Vo- raussetzungen gelten dabei unabhängig davon, ob die zur Rückforderung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder formlos verfügt worden sind (BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinweisen). 2.2 An den Entscheid betreffend die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Leis- tungsausrichtung schliesst sich der Entscheid über die Rückerstattung an, ob bei einer einmal festgestellten Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs eine rückwirkende Korrektur zu erfolgen hat. Grundlage dafür bildet Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG. Danach sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Der Rückforderungsanspruch erlischt allerdings mit Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25 Abs. 2 Satz 1 ATSG). Die Fristen von Art. 25 Abs. 2 ATSG sind gewahrt, wenn vor Ablauf der mass- gebenden Frist eine Rückerstattungsverfügung ergeht und der rückerstattungspflichtigen Per- son zugestellt wird (BGE 119 V 434). Durch den Begriff des "Erlöschens" bringt der Gesetzge- ber zum Ausdruck, dass nicht eine unterbrechbare Verjährungsfrist, sondern eine Verwirkungs- frist besteht (BGE 133 V 582, 119 V 433). 3. Strittig ist, ob die Kasse die Anspruchsberechtigung des Versicherten zu Recht ab 25. August 2010 abgelehnt und die seit 25. August 2010 ausgerichteten Taggelder in der Höhe von CHF 31‘893.75 zu Recht zurückgefordert hat. Was zunächst die wiedererwägungsweise Absprache der Anspruchsberechtigung ab 25. August 2010 gemäss Verfügung der Kasse Nr. 270/2012 vom 2. Februar 2012 betrifft, gilt es in zeitlicher Hinsicht zwei Abschnitte zu unter- scheiden: Zum einen gilt es zu prüfen, wie es sich mit der Anspruchsberechtigung ab 1. De- zember 2011 verhält, nachdem sich der Versicherte innerhalb der bereits laufenden Rahmen- frist für den Leistungsbezug am 30. November 2011 erneut zum Bezug von Arbeitslosentaggel- dern ab 1. Dezember 2011 angemeldet hat. Zum anderen ist darüber zu befinden, wie es sich mit der Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers ab dem 25. August 2010 hinsichtlich seines vorangehenden Arbeitsverhältnisses bei der B.____ GmbH verhält. Während letztere Frage von der Kasse nachträglich mangels Nachweises eines nachvollziehbaren Lohnflusses verneint worden ist, hat sie die Anspruchsberechtigung des Versicherten für die Zeit ab 1. Dezember 2011 in Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Bereich der Kurzarbeitsentschädigung gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG abgelehnt. 3.1 Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG haben Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesell- schafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Der Grund für diese Re- gelung liegt darin, dass Arbeitgeber und arbeitgeberähnliche Personen über eine unternehmeri- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Dispositionsfreiheit verfügen, kraft derer sie die Möglichkeit haben, die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung selbst herbeizuführen. So können sie insbe- sondere auch die dafür nötigen Bescheinigungen selber ausstellen bzw. solche Bescheinigun- gen aus Gefälligkeit erlangen (vgl. R EGINA JÄGGI, Eingeschränkter Anspruch auf Arbeitslo- senentschädigung bei arbeitgeberähnlicher Stellung durch analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG in: SZS 48/2004, S. 4). Mit der Regelung in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG wollte der Gesetzgeber somit verhindern, dass arbeitgeberähnliche Personen missbräuchlich Kurzar- beitsentschädigung erhalten. 3.2 Für den Bereich der Arbeitslosenentschädigung gibt es keine dem Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG entsprechende, unmittelbar anwendbare Norm. Wie das damalige Eidgenössische Versi- cherungsgericht (EVG, ab 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) im Grundsatzentscheid 123 V 234 ff. erwog, kann Kurzarbeit nicht nur in einer Reduktion der Ar- beitszeit, sondern auch darin bestehen, dass der Betrieb für eine gewisse Zeit vollständig still- gelegt wird. Solange ein Arbeitnehmer mit arbeitgeberähnlicher Stellung mit der betreffenden Unternehmung deshalb noch in einem Arbeitsverhältnis steht, hat er aufgrund der Ausschluss- bestimmung in Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Wird dieses Arbeitsverhältnis hingegen gekündigt, so gilt die arbeitgeberähnliche Person nach den Erwägungen im zitierten Entscheid nunmehr als arbeitslos und kann somit unter den Voraus- setzungen der Art. 8 ff. AVIG Arbeitslosenentschädigung beanspruchen. Behält sie nach der Entlassung ihre arbeitgeberähnliche Stellung im Betrieb jedoch bei und kann sie dadurch des- sen Entscheidungen weiterhin bestimmen oder massgeblich beeinflussen, so läuft die Bean- spruchung von Arbeitslosenentschädigung gemäss der Auffassung des höchsten Gerichts auf eine rechtsmissbräuchliche Umgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG hinaus, und es besteht auch bei grundsätzlich gegebenen Voraussetzungen nach Art. 8 ff. AVIG kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Das EVG begründete den Umgehungstatbestand im erwähnten Entscheid damit, dass die arbeitgeberähnliche Person über die Dispositionsfreiheit verfüge, den Betrieb jederzeit zu reaktivieren und sich bei Bedarf erneut als Arbeitnehmer einzustellen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2007, C 32/06, E. 4.2). Andererseits könne dann nicht mehr von einer Gesetzesumgehung gesprochen werden, wenn der Betrieb geschlossen werde und das Ausscheiden des betreffenden Arbeitnehmers mit arbeitgeberähnlicher Stellung definitiv sei, oder wenn das Unternehmen zwar weiter fortbestehe, die arbeitgeberähnliche Person je- doch mit der Kündigung endgültig auch jene Eigenschaften verliere, weshalb sie bei Kurzarbeit aufgrund von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vom Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung ausge- nommen wäre (BGE 123 V 238 f. E. 7b/bb). In seiner nachfolgenden Judikatur strich das EVG wiederholt heraus, dass die Rechtsprechung zur arbeitgeberähnlichen Stellung nicht nur dem ausgewiesenen Missbrauch an sich, sondern bereits dem Risiko eines solchen begegnen wolle (Urteil des EVG vom 15. März 2006, C 278/05, E. 2.3 und die Urteile des Bundesgerichts vom 20. Februar 2007, C 151/06, E. 3 und vom 29. März 2007, C 32/06, E. 4.2). Im Anwendungsbe- reich von Art. 31 Abs. 3 AVIG ist deshalb nicht individuell für den Einzelfall zu prüfen, ob tat- sächlich eine rechtsmissbräuchliche Absicht besteht; vielmehr genügt bereits die Möglichkeit eines solchen Missbrauchs, um einen Leistungsausschluss zu rechtfertigen (R EGINA JÄGGI, a.a.O., S. 6 ff.). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Die arbeitgeberähnliche Stellung kann auf drei Gründen beruhen: Auf der Eigenschaft als Gesellschafter, auf einer finanziellen Be teiligung am Betrieb oder auf der Teilhabe an der Betriebsleitung (N USSBAUMER, a.a.O., Rz. 463). Was insbesondere die Teilhabe an der Be- triebsleitung betrifft, fallen nicht nur die formellen Organe eines Arbeitgebers unter den Betriff des Mitglieds eines betrieblichen Gremiums. Vielmehr ist von einem materiellen Organbegriff auszugehen, wonach jeweils im Einzelfall zu prüfen ist, welche Entscheidungsbefugnisse dem Betroffenen aufgrund der betrieblichen Struktur tatsächlich zukommen (BGE 122 III 227 E. 4b; 114 V 214). Massgebend ist damit stets die faktische Einflussmöglichkeit im konkreten Betrieb. 3.4 Dabei ist zu beachten, dass bei kleineren Betrieben mit wenig ausgeprägten Organisati- onsstrukturen ein massgebender Einfluss auf die Entscheidungen eines Unternehmens auch ohne formelle Zeichnungsberechtigung und ohne Handelsregistereintrag möglich ist. Das EVG bejahte beispielsweise eine arbeitgeberähnliche Stellung des im väterlichen Baugeschäft mitar- beitenden Sohnes, der jeweils Offerten für Baumeisterarbeiten erstellt, Aufträge für Bankbürg- schaften erteilt und auch eine Kündigung eines leitenden Mitarbeiters ausgesprochen hatte (Ur- teil des EVG vom 27. August 2003, C 273/01, E. 4). Was die faktische Einflussnahme einer ver- sicherten Person betrifft, kann ein massgebender Einfluss allerdings nicht schon alleine auf- grund der verwandtschaftlichen Verhältnisse bejaht werden. So verneinte beispielsweise das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich in seinem Urteil vom 13. August 2008 (AL 2008.00169) das Vorliegen einer massgebenden Einflussnahme der Mutter, die ihre Stammeinlagen auf ihre beiden Söhne übertragen hatte, mit der Argumentation, dass aufgrund der konkreten Verhältnisse keine Mitbeteiligung dargetan sei. Auch im Fall einer versicherten Person, deren Sohn Präsident des Verwaltungsrats und Geschäftsführer war, sah das Sozial- versicherungsgericht des Kantons Zürich keinen Grund, aufgrund verwandtschaftlicher Ver- flechtungen eine arbeitgeberähnliche Stellung der Mutter anzunehmen, obschon der ihr entrich- tete Monatslohn für Sekretariatsarbeiten mit Fr. 6'950.-- relativ hoch bemessen und die An- spruchstellerin phasenweise gar die einzige Lohnbezügerin gewesen war (Urteil des Sozialver- sicherungsgerichts Zürich vom 22. März 2010, AL 2008.00295). 4. Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Abklärung des Sachverhalts hat das Gericht gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen vorzunehmen. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen (T HOMAS LOCHER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Eine Einschränkung erfährt der Untersuchungsgrundsatz durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 121 V 210 E. 6c). Für das gesamte Verwal- tungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt ferner der Grundsatz der freien Be- weiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht die Bewei- se frei und somit ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (R ENÉ RHINOW/HEINRICH KOLLER/CHRISTINA KISS, Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel 1996, S. 176 N 914 und S. 220 N 1138). Für das Beschwerdeverfahren hat dies zur Folge, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht - unabhängig davon, von wem sie stammen - objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Weiter dürfen die Verwaltung als verfügende Instanz beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht ist der Entscheid, sofern das Ge- setz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Vielmehr ist jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste zu würdigen ist (BGE 115 V 142 E. 8b). 5. Vorab ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer nach seinem erneuten Stellenverlust bei der D.____ GmbH per 30. November 2011 weiterhin massgebend an deren Dispositionen betei- ligt gewesen war und damit eine arbeitgeberähnliche Stellung innehatte, was unbesehen des Nachweises einer beitragspflichtigen Beschäftigung bei der D.____ GmbH zur Ablehnung sei- ner Anspruchsberechtigung ab 1. Dezember 2011 führen würde. 5.1 Den Akten ist in diesem Zusammenhang zu entnehmen, dass dem Versicherten infolge Umstrukturierung der D.____ GmbH per Ende November 2011 gekündigt worden ist. Seit 1. April 2011 habe er ein AHV-pflichtiges Einkommen von CHF 56‘000.— bezogen (Arbeitge- berbescheinigung D.____ GmbH vom 30. November 2011). Den dieser Bescheinigung beige- legten Lohnabrechnungen zufolge belief sich das monatliche Salär des Versicherten auf CHF 7‘000.—, wobei im November 2011 zusätzlich ein 13. Monatslohn in der Höhe von eben- falls CHF 7‘000.— abgerechnet worden sei. Als Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der D.____ GmbH fungierte seit Februar 2011 E.____, der auch den Arbeitsvertrag des Versicher- ten vom 31. März 2011 sowie dessen Kündigung vom 27. Oktober 2011 unterzeichnet hat (vgl. Kassen Akt N° 344). Die Lohndeklaration der D.____ GmbH für 2011 wurde den identi- schen Unterschriften zufolge am 15. Dezember 2011 indessen vom Beschwerdeführer unter- zeichnet (vgl. Kassen Akt N° 350 und 299). Sodann befindet sich ein von E.____ unterzeichne- tes Antwortschreiben der D.____ GmbH vom 19. Januar 2012 in den Akten (vgl. Kassen Akt N° 397). Daraus ergibt sich, dass die D.____ GmbH seit 1. April 2011 „gegen aussen“ durch den Beschwerdeführer vertreten werde, da der Geschäftsführer über nur ungenügende Deutsch- kenntnisse verfüge. Im Weiteren geht daraus hervor, dass der Versicherte für die D.____ GmbH Verträge abschliessen dürfe. Dem Schreiben ist eine Vollmacht vom 1. April 2011 beigelegt (vgl. Kassen Akt N° 395), der zufolge die D.____ GmbH dem Beschwerdeführer die Erlaubnis erteilt hat, diese „in Sachen bürokratische Abwicklungen wie Vertragsabschlüsse, Personalwe- sen, Versicherungen, Steuern, Betreibungen und bei anderen Ämtern„ zu vertreten. Aus den in der Aktennotiz der Kasse vom 18. Januar 2012 erhobenen Aussagen des seit 15. Dezember 2011 für die D.____ GmbH neu tätigen Buchhalters geht schliesslich hervor, dass der Versi- cherte Vorarbeiter der D.____ GmbH gewesen sei. Die Lohndeklaration der D.____ GmbH für das Jahr 2011 sei deshalb dem Versicherten und nicht dem Geschäftsführer E.____ ausgehän- digt worden (vgl. Kassen Akt N° 359). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Es ist unbestritten, dass der Versicherte keinerlei formelle Organeigenschaft bei der D.____ GmbH inne gehabt hat. Während die Kasse die Auffassung vertritt, dass an einer ar- beitgeberähnlichen Stellung des Versicherten trotzdem nicht zu zweifeln sei, vertritt der Be- schwerdeführer den Standpunkt, dass er mit den von der Kasse erwähnten Firmen nicht mehr zu tun gehabt habe, als sich aus dem Handelsregister entnehmen lasse. Mit Blick auf die Be- triebsverhältnisse der hier interessierenden D.____ GmbH ist davon auszugehen, dass es sich um einen Kleinbetrieb gehandelt hat, der nebst dem Beschwerdeführer nur wenig sonstiges Personal eingestellt hatte (vgl. Lohndeklaration per 2011, Kassen Akt N° 350). Es ist deshalb von einer Gesellschaft mit wenig ausgeprägten Organisationsstrukturen und einer wohl eher flachen Hierarchie auszugehen. Auch wenn dies mit Blick auf die aktenkundige Stellung des Versicherten als Vorarbeiter (vgl. Kassen Akt N° 359) alleine noch nicht genügt, um daraus eine arbeitgeberähnliche Stellung des Versicherten abzuleiten, ist gestützt auf die Bestätigung der D.____ GmbH vom 19. Januar 2012 (vgl. Kassen Akt N° 395 ff.) eine faktische Geschäftsfüh- rung des Versicherten jedoch klar erstellt. Die dort umschriebenen, dem Beschwerdeführer zwecks Vertretung der D.____ GmbH übertragenen Befugnisse umfassten nämlich just jene Bereiche, wie sie für eine Teilhabe an der Betriebsleitung notorisch notwendig und üblich sind. So oblag es offenbar dem Versicherten alleine, seine Arbeitgeberin ab 1. April 2011 – notabene seit Beginn seiner Anstellung bei der D.____ GmbH – nicht nur gegen aussen, sondern insbe- sondere auch im Bereich des Personalwesens und mithin intern zu vertreten (vgl. Vollmacht vom 1. April 2011, Kassen Akt N° 395). Die faktische Einflussmöglichkeit des Beschwerdefüh- rers auf den konkreten Geschäftsgang der D.____ GmbH während der Dauer seiner Anstellung ist demnach geradezu offensichtlich. Es tritt hinzu, dass der Beschwerdeführer auch nach sei- nem Ausscheiden als Arbeitnehmer Ende November 2011 für die D.____ GmbH tätig gewesen ist und damit die Geschicke seiner ehemaligen Arbeitgeberin weiterhin mindestens mitbeein- flussen konnte. Anders als mit einer über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses hinaus an- dauernden faktischen Geschäftsführung lässt sich nämlich nicht erklären, weshalb der erst seit Mitte Dezember 2015 für die D.____ GmbH tätige Buchhalter dem Beschwerdeführer das Lohndeklarationsformular per 2011 überreicht hat (vgl. Kassen Akt N° 359), und der Beschwer- deführer den identischen Unterschriften zufolge (vgl. Kassen Akt N° 350 sowie 297) die von der D.____ GmbH per 2011 ausgerichteten Löhne am 15. Dezember 2011 gegenüber der Aus- gleichskasse anschliessend offenbar selbst deklariert hat. Insgesamt ist unter diesen Umstän- den seit dem Beginn seiner Anstellung am 1. April 2011 von einem massgebenden Einfluss des Versicherten auf die D.____ GmbH und damit zweifelsohne von einer arbeitgeberähnlichen Stellung des Beschwerdeführers in deren Betrieb auszugehen. Die Aberkennung seiner An- spruchsberechtigung auf Arbeitslosenentschädigung unter diesem Titel ab 1. Dezember 2011 ist daher zu Recht erfolgt. 6. Steht die mit Antrag vom 30. November 2011 erneut geltend gemachte Arbeitslosigkeit des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit sei ner arbeitgeberähnlichen Stellung im Betrieb der D.____ GmbH, liegen die Voraussetzungen zur Eröffnung einer neuen Rahmenfrist für den Leistungsbezug ab 1. Dezember 2011 nicht vor (Urteil des Bundesgerichts 8C_957/2011 vom 4. Juli 2012, E. 4.2). Bei diesem Zwischenergebnis bleibt demnach zu prüfen, wie es sich mit der Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers ab 25. August 2010 hinsichtlich seines vo- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rangehenden Arbeitsverhältnisses bei der B.____ GmbH und in diesem Zusammenhang mit der Erfüllung der hierfür erforderlichen Erfüllung der Beitragszeit verhält (vgl. oben, Erwägung 3). 6.1 Art. 8 Abs. 1 AVIG zählt die für die Arbeitslosenentschädigung massgeblichen An- spruchsvoraussetzungen auf. Danach ist unter anderem erforderlich, dass die versicherte Per- son die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG). Gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt die Beitragszeit, wer innerhalb der dafür vorgese- hen Rahmenfrist während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt gemäss Art. 9 Abs. 3 AVIG zwei Jah- re vor der Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Letztere wiederum beginnt gemäss Art. 9 Abs. 2 AVIG an jenem Tag, an dem sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Massge- bend ist dabei der Zeitpunkt, in welchem sich die versicherte Person erstmals zur Erfüllung der Kontrollpflicht auf der Wohnsitzgemeinde meldet (vgl. Art. 17 Abs. 2 AVIG). 6.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen des Art. 13 Abs. 1 AVIG vorausgesetzt, dass die versicherte Person effektiv eine beitragspflichtige Beschäftigung aus- geübt und der Arbeitgeber für diese Beschäftigung tatsächlich auch einen Lohn entrichtet hat (BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des EVG vom 28. Februar 2003, C 127/02, E. 1). Mit dem Er- fordernis des Nachweises effektiver Lohnzahlun g sollen Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnver- einbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhindert werden (ARV 2001 Nr. 27 S. 228 E. 4c). Als Beweis für den tatsächlichen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zahlungen auf ein Post- oder Bankkonto, welches auf den Namen des Arbeitnehmers lautet. Bei behaupteter Barauszahlung fallen Lohnquittungen sowie Auskünfte von ehemaligen Mitar- beitern – allenfalls in Form von Zeugenaussagen – in Betracht. Höchstens Indizien für tatsächli- che Lohnzahlungen bilden Arbeitgeberbescheinigungen und vom Arbeitnehmer unterzeichnete Lohnabrechnungen oder AHV-Lohnblätter sowie Steuererklärungen (BGE 133 V 447 E. 1.2 mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 28. Juli 2004, C 250/03, E. 2.1; ARV 2004 Nr. 10 S. 115 ff.; vgl. auch: B ARBARA KUPFER BUCHER, Der Nachweis des Lohnflusses als Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, in: SZS 2005, S. 138 f.). In BGE 131 V 444 ff. E. 3.3 hat das Bundesgericht festgehalten, die bisherige Rechtsprechung sei nicht in dem Sinne zu verstehen, dass eine beitragspflichtige Beschäftigung überhaupt nur dann zur Bildung von Bei- tragszeiten führe, wenn und soweit der Nachweis tatsächlicher Lohnzahlungen erbracht ist. Un- ter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach Art. 8 Abs.1 lit. e i.V.m. Art. 13 Abs. 1 AVIG sei die faktische Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung während der geforder- ten Dauer die einzige Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (BGE 113 V 352 f.). Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung komme deshalb nicht der Sinn einer selbstständigen Anspruchsvoraussetzung zu, wohl aber jenes eines bedeutsamen und in kritischen Fällen ausschlaggebenden Indizes für die Ausübung einer beitragspflichtigen Be- schäftigung. Fehle es am Nachweis einer tatsächlich ausgeübten unselbstständigen Tätigkeit, sei das Anspruchserfordernis nach Art. 8 Abs. 1 lit. e und Art. 13 AVIG nicht gegeben. Dies gel- te auch dann, wenn als Lohn bezeichnete oder auf ein als solches bezeichnetes Lohnkonto erfolgte Zahlungen des Arbeitgebers bestehen würden. Dieser Umstand bilde eben nur, aber immerhin, ein bedeutsames Indiz für eine beitragspflichtige Beschäftigung (BGE 131 V 451 E. 3.2.2). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Nachdem sich der Beschwerdeführer am 25. August 2010 beim zuständigen Arbeits- vermittlungszentrum seiner Wohnsitzgemeinde zur Arbeitsvermittlung angemeldet hatte (vgl. Kassen Akt N° 148 bis 152), dauert die massgebende Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 25. August 2008 bis 24. August 2010 (vgl. oben, Erwägung 6.1). Den Akten ist in diesem Zu- sammenhang zu entnehmen, dass der Versicherte in dieser Periode seit August 2008 bis Au- gust 2009 zunächst als Geschäftsführer der F.____ GmbH angestellt gewesen war (vgl. Kassen Akt N° 48 bis 76). Trotz wiederholter Mahnungen wurde ihm die Anspruchsberechtigung jedoch bereits mit Verfügung der Kasse vom 19. April 2010 mangels Nachweises eines Lohnflusses für diese Tätigkeit (vgl. Kassen Akt N° 100 f. sowie 108 f.) abgesprochen. Diese Verfügung er- wuchs in der Folge in Rechtskraft (vgl. Kassen Akt N° 121). Nachdem er sich nach seinem Stel- lenverlust nunmehr bei der B.____ GmbH mit Wirkung per 25. August 2010 erneut zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung angemeldet hatte (vgl. Kassen Akt N° 154), gingen bei der Verwaltung am 14. September 2010 zusammen mit der Arbeitgeberbescheinigung der B.___ GmbH vom 26. August 2010 die Lohnabrechnungen des Versicherten für die Zeit von Januar bis August 2010 ein. Daraus geht hervor, dass der Beschwerdeführer während seiner Anstellung bei der B.____ GmbH ein Brutto-Salär von insgesamt CHF 54‘171.— erzielt habe (vgl. Kassen Akt N° 173 bis 182). In der Folge ersuchte die Kasse den Versicherten mit Schrei- ben vom 19. November 2010, den Lohnfluss bei der B.____ GmbH mittels privaten Bank- oder Postkontoauszügen zu belegen (vgl. Kassen Akt N° 215 f.). Mit Eingang vom 23. November 2010 verzeichnete die Kasse eine nicht unterschriebene Antwort, wonach der Lohn bar ausbe- zahlt worden sei (vgl. Kassen Akt N° 220). Im Rahmen der erneuten Überprüfung der Anspruchsberechtigung des Versicherten nach des- sen Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung vom 1. Dezember 2011 forderte die Kasse den Versicherten am 24. Dezember 2011 erneut auf, den Lohnfluss von 2008 bis und mit zum 30. November 2011 mittels Bank- oder Postkontoauszügen zu belegen (vgl. Kassen Akt N° 316 f.). Nachdem diese Aufforderung unbeantwortet geblieben war, ersuchte die Kasse den Beschwerdeführer mit einer als letzten Mahnung betitelten und per Einschreiben versandten Aufforderung vom 12. Januar 2012, das Versäumte nachzuholen sowie alle Arbeitszeitrapporte, Stundenerfassungsblätter und Stempelkarten für seine Tätigkeiten bei der F.____ GmbH, der B.____ GmbH sowie der D.____ GmbH ab Januar 2009 einzureichen (vgl. Kassen Akt N° 354a und b). 6.4 Mit Ausnahme der anschliessend offenbar durch den Buchhalter der D.____ GmbH im Verwaltungsverfahren am 20. Januar 2012 betreffend die D.____ GmbH eingereichten Stun- denkontrolle für April 2011 bis November 2011 (vgl. Kassen Akt N° 366 bis 373) sind nebst den im vorstehenden Beschwerdeverfahren am 19. Februar 2016 eingereichten und ebenfalls die D.____ GmbH betreffenden Kontoauszügen keine Unterlagen vorhanden, welche einen effekti- ven Lohnfluss für die Tätigkeiten des Beschwerdeführers belegen würden. Es ist daran zu erin- nern, dass die Unterlagen betreffend die Tätigkeit bei der D.____ GmbH, bei welcher der Versi- cherte erst seit 1. April 2011 tätig gewesen war, für die in Frage stehende Beitragszeit vom 25. August 2008 bis 24. August 2010 vorliegend nicht von Belang sind. Massgebend ist einzig, ob der Beschwerdeführer für seine Tätigkeit zuvor bei der F.____ GmbH und der B.____ GmbH Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine beitr agspflichtige Beschäftigung im Sinne des Dar- gelegten zu belegen in der Lage ist (vgl. oben, Erwägung 6.2). Dies ist nicht der Fall. Es liegen zweifelsohne keinerlei Belege in den Akten, welche diesbezüglich einen Lohnfluss zu Gunsten des Beschwerdeführers belegen würden. Es ist im Gegenteil festzustellen, dass dessen An- spruchsberechtigung mangels Nachweises konkreter Lohnflüsse im Zusammenhang mit der Anstellung bei der F.____ GmbH von August 2008 bis August 2009 in der Vergangenheit be- reits rechtskräftig abgelehnt worden ist (vgl. Kassen Akt N° 121). Daran ist festzuhalten. Mit Blick auf die massgebende Rahmenfrist für die Beitragszeit resultiert demnach bereits an dieser Stelle, dass die Dauer der Beschäftigung des Beschwerdeführers für die B.____ GmbH ab Ja- nuar 2010 offensichtlich so oder anders nicht ausreicht, um die für einen Anspruch auf Arbeits- losenentschädigung vorausgesetzte Beitragszeit von mindestens zwölf Monaten zu erreichen. Unabhängig davon sind aber hinsichtlich dieser Be schäftigung ebenfalls schlicht keine Unterla- gen vorhanden, welche den rechtsgenügenden Nachweis eines tatsächlichen Lohnflusses er- bringen können. Daran vermag nichts zu ändern, dass der Versicherte seinen Lohn in bar erhal- ten haben soll (vgl. Kassen Akt N° 220). Der Beschwerdeführer vermag keine Quittungen oder sonstige Dokumente beizubringen, welche einen solchen Lohnbezug belegen würden. Eben- falls liegen keine sonstigen Indizien – beispielsweise in Form von Auskünften ehemaliger Mitar- beiter oder in Form von Zeugenaussagen – vor, welche einen effektiven Lohnbezug überwie- gend wahrscheinlich erscheinen liessen. Auch der Lohnausweis der B.____ GmbH vom 22. November 2010 kann den Nachweis eines Lohnbezugs zwischen Januar und November 2010 nicht erbringen (vgl. Kassen Akt N° 221). Nicht anders verhält es sich mit der Arbeitgeber- bescheinigung der B.____ GmbH vom 26. August 2010 (vgl. Kassen Akt N° 173 f.). Diese Un- terlagen stellen offensichtlich einzig Parteibehauptungen dar, die sich weder überprüfen lassen noch die Lohnzahlung an sich oder deren Höhe an den Beschwerdeführer bestätigen. Schliess- lich ist es zweifelsohne auch als wenig stichhaltig zu bezeichnen, dass der Versicherte seinen Lohn in nicht unbedeutender Höhe auf Franken und Rappen während rund acht Monaten stets bar ausbezahlt erhalten haben soll. 6.5 Zusammenfassend kann deshalb nicht festgestellt werden, wie hoch der effektive Lohnbezug des Beschwerdeführers in der hier relevanten Beitragsrahmenfrist vom 25. August 2008 bis 24. August 2010 ausgefallen ist. Unabhängig davon, dass seine Anspruchsberechti- gung mangels entsprechender Nachweise für die Zeit bis August 2009 bereits rechtskräftig ab- gelehnt worden ist, bleibt es mangels Bestimmbarkeit der Lohnhöhe letztlich völlig unbewiesen, ob er in der für eine Leistungsausrichtung ab 25. August 2010 relevanten Beitragsrahmenfrist überhaupt einen im Sinne der AHV-Gesetzgebung und für die Bestimmung der Höhe der Ar- beitslosenentschädigung massgebenden versicherten Verdienst von mindestens CHF 500.— pro Monat erhalten hat (Art. 40 AVIV). Da sich diese Beweislosigkeit grundsätzlich zu Unguns- ten der versicherten Person auswirkt, hat die Kasse dem Beschwerdeführer mangels anre- chenbarer Beitragszeit offensichtlich aber zu Unrecht eine Leistungsrahmenfrist per 25. August 2010 eröffnet. Die anschliessende Ausrichtung von Taggeldern erweist sich unter diesen Um- ständen als zweifellos unrichtig. Damit entfällt nachträglich auch die rechtliche Grundlage für deren Zusprache (BGE 122 V 138; U ELI KIESER, a.a.O., Art. 25 Rz 2 ff.), und die damalige Zu- sprache der Arbeitslosentaggelder erweist sich als gesetzeswidrig (vgl. oben, Erwägung 2.1). Daran ändert nichts, dass die Kasse – wie der Beschwerdeführer vorbringen lässt – die Taggel- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der zunächst trotz bereits erfolgter Abklärungen des Sachverhalts im Wissen um seine Position in der B.____ GmbH und der nur bar erhaltenen Lohnflüsse ausbezahlt hat. Es ist in diesem Zusammenhang vielmehr daran zu erinnern, dass eine zweifellose Unrichtigkeit nicht nur dann vorliegt, wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden, sondern auch dann, wenn eine in Wiedererwägung zu ziehende formlose Leistungszusprache auf Grund eines unzutreffenden Sachverhalts oder unzutreffender Rechtsnormen erfolgt ist. Eine derart gesetzwidrige Leistungszusprechung gilt regelmässig als zweifellos unrichtig (BGE 126 V 399 E. 2bb) und erfüllt daher auch im vorliegenden Fall die Voraussetzung für eine Wiedererwägung der seit Eröffnung der Leistungsrahmenfrist ab 25. August 2010 ergangenen Taggeldauszah- lungen (vgl. oben, Erwägung 2.2). Dies führt zum rückwirkenden Wegfall und zur Rückforde- rung der insgesamt zu Unrecht ausgerichteten Zulagen im Umfang der von der Kasse masslich korrekt festgelegten Höhe von CHF 31‘893.75 (vgl. Kassen Akt N° 407 bis 413). 7.1 Zu prüfen bleibt, ob der Rückforderungsanspruch verwirkt ist. Der Beschwerdeführer lässt vorbringen, dass die Kasse die gesamten Umstände um seine Anspruchsberechtigung im Zeitpunkt der ersten Auszahlung des Taggelds bereits gekannt hat bzw. hätte kennen müssen. Es trete hinzu, dass sich der grösste Teil der von ihr aufgeführten Argumente aus deren eige- nen Recherche und der von ihr daraus gezogenen Schlussfolgerungen ergebe. Als die Kasse mit der Auszahlung der Taggelder begonnen habe, habe sie dies nach eingehenden Abklärun- gen des Sachverhalts und insbesondere auch im Wissen um die Position des Beschwerdefüh- rers in der B.____ GmbH sowie der Lohnflüsse getan. Insbesondere der Lohnfluss des Be- schwerdeführers sei der Kasse am 1. Dezember 2010 längst bekannt gewesen. Wenn sie nun- mehr abweichende Schlüsse daraus ziehe als noch anlässlich der Auszahlung der Taggelder, ändere dies nichts daran, dass die Rückforderung verwirkt sei. 7.2 Geht die unrechtmässige Leistungsausrichtung auf einen Fehler des Versicherungsträ- gers zurück, beginnt die einjährige Verwirkungsfrist (vgl. oben, Erwägung 2.2) nicht bereits mit der Leistungsausrichtung zu laufen. Massgebend ist vielmehr der spätere Zeitpunkt, in welchem der Versicherungsträger anlässlich einer nachfolgenden Kontrolle seinen Fehler tatsächlich entdeckt oder mindestens hätte entdecken können (BGE 124 V 383; U ELI KIESER, a.a.O., Art. 25 Rz 58 ff.). Die für die relative Verwirkung massgebende einjährige Frist setzt mithin nicht bereits mit dem Zeitpunkt des ursprünglichen Fehlers der Verwaltung ein. Erst ein zweiter An- lass, nämlich die nachträglich zumutbare Kenntnis über den ursprünglichen Irrtum, lässt die einjährige Verwirkungsfrist beginnen (SVR 2012 UV Nr. 28, Urteil des Bundesgerichts 8C_777/2011 E. 5.3). Vorliegend trifft es zwar zu, dass die Kasse den Versicherten im Rahmen ihrer Abklärungen im Zusammenhang mit der Eröffnung einer Leistungsrahmenfrist ab 25. Au- gust 2010 bereits mit Schreiben vom 19. November 2010 um Bestätigung des Lohnflusses für seine Beschäftigung ab 1. Januar 2010 bis 18. August 2010 ersucht hat (vgl. Kassen Akt N° 218 f.). Ebenfalls ist zutreffend, dass sie aufgrund der am 23. November 2010 eingegange- nen Antwort, wonach der Lohn bar ausbezahlt worden sei (vgl. Kassen Akt N° 220), bereits da- zumal hätte erkennen können, dass die Voraussetzungen zur Eröffnung einer Leistungsrah- menfrist ab 25. August 2010 nicht vorgelegen haben (vgl. Kassen Akt N° 121). Entgegen der vom ihm vertretenen Auffassung stellt die an den Beschwerdeführer in der Folge erfolgte Tag- geldausrichtung jedoch das erstmalige unrichtige Handeln der Verwaltung dar (vgl. Kassen Akt Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht N° 238). Unter dem Ausdruck „Kenntnis erhalten hat“ ist mit anderen Worten erst jener Zeit- punkt zu verstehen, in dem sich die Kasse anlässlich der erneuten Anmeldung des Versicherten zum Leistungsbezug am 30. November 2011 (vgl. Kassen Akt N° 286 bis 288) – unter Anwen- dung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit – über ihren vorgängigen Fehler bewusst geworden ist (BGE 110 V 306 f. E. 2b in fine; Urteil des EVG vom 30. Mai 2001, I 678/00). Für den Beginn des einjährigen Fristenlaufs gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG ist demnach auf den 30. November 2011 abzustellen. Erst im Rahmen ihrer diesbezüglichen Abklärungen war die Kasse zum Er- gebnis gelangt, den Fall des Versicherten genauer zu überprüfen (vgl. Kassen Akt N° 315). Da- raufhin sistierte sie zwecks nochmaliger Beurteilung der Anspruchsvoraussetzungen dessen bisher ausgerichtete Taggeldzahlungen (vgl. Kassen Akt N° 324) und verfügte in der Folge am 6. Februar 2012 – mithin lediglich rund zwei Monate nach der erneuten Anmeldung des Versi- cherten zum Leistungsbezug als fristauslösendes Element – die strittige Rückforderung noch innert Verwirkungsfrist. 7.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seinem Stellenverlust bei der D.____ GmbH ab 1. Dezember 2011 infolge analoger Anwen- dung der Bestimmungen über die Kurzarbeitsentschädigung keinen Anspruch auf Arbeitslo- senentschädigung besitzt (vgl. oben, Erwägung 5.2). Betreffend seinen Stellenverlust zuvor noch bei der B.____ GmbH vermag er in der hierfür massgebenden Beitragsrahmenfrist man- gels nachweisbarer Lohnzahlungen die erforderliche Beitragszeit von mindestens zwölf Mona- ten offensichtlich nicht zu erfüllen (vgl. oben, Erwägung 6.4). Die Kasse hat die Anspruchsbe- rechtigung des Beschwerdeführers wiedererwägungsweise ab 25. August 2010 somit zu Recht abgelehnt. Die von der Kasse verfügte Rückforderung der seither ausgerichteten Taggelder im Umfang von CHF 31‘893.75 und mit ihr der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich somit als rechtmässig (vgl. oben, Erwägung 6.5 und 7). Die Beschwerde ist bei diesem Ergeb- nis abzuweisen. 8. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Für das vorliegende Verfahren sind deshalb keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde am 26. September 2016 Beschwerde beim Bundesgericht er- hoben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_647/2016) http://www.bl.ch/kantonsgericht