Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Juni 2022 (725 21 323 / 125) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Einstellung der Versicherungsleistungen / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1983 geborene A.____ war seit dem 1. Februar 2020 als Spengler bei der B.____ GmbH tätig und im Rahmen dieser Anstellung bei der Sch weizerischen Unfallversicherungsan- stalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfälle n und Berufskrankheiten versichert. Am 9. November 2020 meldete A.____ der Suva ein am 2. Ju li 2020 erlittenes Unfallereignis. Ge- mäss den Angaben im Formular "Unfallmeldung UVG" habe er auf einer Baustelle von einem Dach auf eine Leiter steigen wollen, als diese vom Win d weggedrückt worden sei. Er sei des- wegen 3,5 Meter in die Tiefe gestürzt und dabei rückwärts mit der rechten Schulter auf ein Rohr geprallt. Die Erstbehandlung erfolgte am 16. Oktober 2020 bei C.____ (vgl. das Formular "Arzt- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zeugnis - UVG" vom 23. November 2020), die Nachbehandl ung bei Dr. med. D.____, Chirurgie FMH. Dieser diagnostizierte beim Versicherten in seinem ersten Bericht vom 17. November 2020 eine Bursitis subdeltoidea und subacromialis rechts, eine Tendinopathie der Rotatoren- manschette rechts, eine Partialruptur der Subscapulariss ehne rechts, eine AC-Arthrose rechts und eine Hernierung HWK 4/5 rechts. Zur Anamnese füh rte er aus, der Patient habe ihm über den Baustellen-Unfall vom 2. Juli 2020 berichtet. Nachd em die Erstbehandlung bei der C.____ erfolgt sei, habe sich der Versicherte wegen persistiere nden Abduktionsbeschwerden des rech- ten Armes und Rotationsbeschwerden der HWS bei ihm zur Mitbeurteilung und weiteren Thera- pie vorgestellt. Nach längeren Abklärungen zum Unfallereignis einerseits und der Einholung medizinischer Un- terlagen andererseits erliess die Suva am 15. April 2 021 eine Verfügung, mit der sie A.____ mitteilte, dass sie für die Folgen des Berufsunfalls vom 2. Juli 2020 die Versicherungsleistungen für einen temporären Zeitraum übernehmen könne. Man vergüte das Taggeld ab 13. Oktober 2020, dem Beginn der ärztlicherseits attestierten Arbei tsunfähigkeit. Die Versicherungsleistun- gen (Taggeld und Heilkosten) würden jedoch auf den 31 . Dezember 2020 eingestellt. Laut der ausführlichen Beurteilung des Kreisarztes vom 7. Dezem ber 2020 seien die bestehenden Be- schwerden an der rechten Schulter im Untersuchungszeitpunkt bereits nicht mehr unfallbedingt gewesen. Es sei davon auszugehen, dass der Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall vom 2. Juli 2020 eingestellt hätte, zwei bis drei Monate n ach dem Unfallereignis erreicht gewesen sei. Was die weiterhin geklagten Beschwerden an der HW S betreffe, so liessen sich diese or- ganisch nicht ausreichend erklären. Vor diesem Hintergrun d habe man eine Adäquanzbeurtei- lung vorgenommen, die ergeben habe, dass es sich bei den betreffenden Beschwerden nicht um adäquat kausale Unfallfolgen handle. Demnach best ehe hierfür kein Anspruch auf weitere Geldleistungen der Suva in Form einer Invalidenrente u nd/oder einer Integritätsentschädigung. An dieser Leistungseinstellung per 31. Dezember 2020 hielt die Suva auf Einsprache des Ver- sicherten hin mit Einspracheentscheid vom 7. September 2021 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 3. Oktober 2021 "Einsprache" bei der Suva. Darin beantragte er sinngemäss, es seien i hm die Versicherungsleistungen (Tag- gelder, Heilbehandlung) über den 31. Dezember 2020 hinaus weiter auszurichten. Am 11. Oktober 2021 leitete die Suva die Eingabe zust ändigkeitshalber zur Behandlung als Beschwerde an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), weiter. C. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Oktober 2021 beantr agte die Suva die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 28. November 2021 äusserte sich de r Beschwerdeführer nochmals unaufgefordert zur Angelegenheit. Die Suva wiederum teilte am 3. Dezember 2021 mit, dass sich aus dieser Eingabe des Beschwerdeführers keine neuen Gesichtspunkte ergeben würden, weshalb man auf die Einreichung einer umfassenden Stel lungnahme verzichte und weiterhin die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde beantrage. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in E.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsge- richts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtlich e Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständ ig. Auf die Beschwerde des Versicherten vom 3. Oktober 2021 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Besch werdegegnerin ihre Leistungen für das Unfallereignis vom 2. Juli 2020 zu Recht per 31. Dezember 2020 eingestellt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Per- son. Das Taggeld beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). 2.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt vorau s, dass zwischen dem versicher- ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankhei t, Arbeitsunfähigkeit) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 1 77 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, o hne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur glei- chen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspreche nd dieser Umschreibung ist für die Be- jahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforder lich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperl iche oder geistige Integrität der versi- cherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit and eren Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche S törung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruches nicht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3.1 Für eine Bejahung der Leistungspflicht des Unfa llversicherers muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nu r ein natürlicher, sondern auch ein adä- quater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtsp rechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geei gnet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinweis ). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftu ngsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzu- sammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der e ingetretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechts erhebliche Kausalzusammenhang be- steht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Ge- richt zu beurteilen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 3 . Dezember 2010, 8C_626/2010, E. 5; BGE 112 V 30 E. 1b). 2.3.2 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfall folgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kaus alzusammenhang ergebenden Haf- tung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hi er die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1, 12 7 V 102 E. 5b/bb). Anders verhält es sich bei natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfäl ligen Geschehensablauf des geltend gemachten Unfallereignisses auszugehen, und es sind je n achdem weitere unfallbezogene Kri- terien einzubeziehen. Bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall werden diese Adäquanz- kriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (soge nannte Psycho-Praxis; BGE 115 V 133), während nach der bei Schleudertraumen un d äquivalenten Verletzungen der HWS sowie Schädel-Hirntraumen anwendbaren sogenannten Schleudertrauma-Praxis auf eine Diffe- renzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten ve rzichtet wird (zum Ganzen: BGE 134 V 109 E. 2.1 mit Hinweisen). 2.4 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderl ichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesu ndheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall be- standen hat (Status quo ante), oder aber derjenige Z ustand, wie er sich nach dem schicksals- mässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später einge- stellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kau- salzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Be deutung von unfallbedingten Ursa- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherun gsrecht allgemein üblichen Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewie sen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des U nfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang ge- geben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweis- grundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgeri chts vom 10. Juli 2015, 8C_294/2015, E. 3.2 mit Hinweisen). 3.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismi ttel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2). H insichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Sit uation einleuchtet und ob die Schluss- folgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5 am Ende, mit Hinweis). 4.1 In seiner Beurteilung vom 7. Dezember 2020 befasste sich der Suva-Kreisarzt Dr. med. F.____, Facharzt für Chirurgie, mit der Frage, inwiew eit die im damaligen Zeitpunkt beim Versi- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten vorhandenen Beschwerden auf das Unfallereignis v om 2. Juli 2020 zurückzuführen sind. 4.1.1 Im Zusammenhang mit den geklagten Schulterbeschwe rden hielt er fest, dass mittels der MR-Tomographie vom 27. Oktober 2020 unfallbeding te strukturelle Läsionen ausgeschlos- sen werden könnten. Es würden sich lediglich tendinopath ische Veränderungen der Supraspi- natussehne und der Subscapularissehne zeigen. Die kleinen i ntratendinösen Risse nahe des Ansatzes der Subscapularissehne seien mit überwiegender W ahrscheinlichkeit degenerativ bedingt. Unfallkausal liessen sich Risse innerhalb der S ehne nicht erklären, diese seien ein ty- pischer Ausdruck einer beginnenden degenerativen Veränd erung der Sehne. Zudem seien kei- ne weiteren Begleitläsionen ersichtlich, die eine Unfal lkausalität überwiegend wahrscheinlich machen würden. Am 2. Juli 2020 sei es somit zu einer K ontusion/Distorsion der rechten Schul- ter ohne eines Nachweises von unfallbedingten strukture llen Läsionen gekommen. Eine solche Verletzung sei nach zwei bis drei Monaten folgenlos a usgeheilt, sodass mittlerweile - fünf Mo- nate nach dem Unfallereignis - die Beschwerden bezügli ch der rechten Schulter nicht mehr überwiegend wahrscheinlich unfallkausal seien. 4.1.2 Was die HWS-Beschwerden angehe, so zeige ein M RI der HWS vom 12. November 2020 eine flache, mediolateral rechts gelegene Hernie rung HWK4/5 mit mässiger diskogener Einengung des Recessus C5 rechts. Er gehe, so Dr. F.____ weiter, mit dem behandelnden Arzt Dr. D.____ einig, dass dieser Befund sicherlich einen Te il, wenn mittlerweile nicht sogar die Beschwerden alleinig zu erklären vermöge. Dieser Befund der HWS sei jedoch ebenso mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorbestehend und krankhe itsbedingt. Falls es unfallbedingt am 2. Juli 2020 zu einer frischen Diskushernie HWK4/5 g ekommen sein sollte, wäre es über- wiegend wahrscheinlich, dass Begleitläsionen im Sinne von ligamentären oder knöchernen Ver- letzungen, mindestens aber ein erheblicher Bone bruise, nachweisbar wären. Aus dem MRI der HWS vom 12. November 2020 würden sich jedoch keinerlei H inweise auf Begleitverletzungen ergeben. Dass eine Diskushernie unfallbedingt isoliert o hne Begleitverletzungen auftrete, sei nicht überwiegend wahrscheinlich. Zudem wäre bei einer unfallbedingten Diskushernie mit einer erheblichen, unmittelbar zum Unfallereignis auftretend en Symptomatik zu rechnen gewesen, welche umgehend zu einer ärztlichen Vorstellung geführt hätte. Dies sei vorliegend nicht der Fall gewesen. Dem Bericht des Notfallzentrums der Klini k G.____ vom 18. Oktober 2020 lasse sich zudem entnehmen, dass die Schmerzen drei Tage nach der Einnahme von Schmerzmitteln wieder deutlich besser geworden seien, was ebenfalls gegen das Vorliegen einer unfallbeding- ten frischen Diskushernie spreche. Der Schmerzverlauf, d er im Anschluss über Wochen und Monate langsam progredient gewesen sei, spreche vielmehr überwiegend wahrscheinlich dafür, dass es sich um eine vorübergehende Verschlimmerung im S inne einer Reizung einer vorbe- stehenden, degenerativ bedingten Diskushernie handle. Z u beachten sei ferner, dass eine all- fällige HWS-Distorsion nach drei bis vier Monaten wied er folgenlos ausgeheilt und der Vorzu- stand nach dieser Zeit wieder erreicht sei. Dies werde vo rliegend auch durch den MRI-Befund vom 12. November 2020 bekräftigt, in welchem die umli egenden Facettengelenke kein auffälli- ges reaktives Knochenmarksödem oder Weichteilödem mehr zeigen würden, sodass nicht mehr von einer akuten Reizung ausgegangen werden könne. Zus ammenfassend lasse sich somit festhalten, dass die nach wie vor bestehenden Beschwerden im Bereich der HWS mittlerweile Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallk ausal zu erklären, sondern auf eine vorbestehende, krankheitsbedingte Diskushernie HWK4/5 zurückzuführen seien. 4.2 Am 4. Juni 2021 erfolgte auf Veranlassung des beh andelnden Arztes Dr. D.____ eine erneute Arthro-MRT der rechten Schulter. In der Folg e legte der Kreisarzt Dr. F.____ diese neue Aufnahme und die Arthro-MRT vom 27. Oktober 2020 Prof. Dr. med. H.____, Radiologie FMH, vor und ersuchte diesen um eine konsiliarische radi ologische Beurteilung der Bilder. In seinem Bericht vom 30. August 2021 hielt der genannt e Facharzt fest, dass sich weder in der Arthro-MRT vom 27. Oktober 2020 noch in derjenigen vom 4. Juni 2021 überwiegend wahr- scheinlich traumatisch bedingte Läsionen finden würden. S omit lägen keine kausal mit dem Ereignis vom 2. Juli 2020 in Verbindung zu bringende V eränderungen vor. Auf die ihm unter- breitete Frage, inwiefern sich die im Bericht zur aktue llen Arthro-MRT festgestellte SLAP-II- Läsion bereits im ersten MRI vom 27. Oktober 2020 nachwe isen lasse, führte Prof. Dr. H.____ aus, in dieser ersten Aufnahme sei bei insgesamt guter Untersuchungsqualität keine Auffällig- keit am Bicepssehnenanker ersichtlich. Im aktuellen Bild vom 4. Juni 2021 fänden sich einzelne vertikale Kontrastmitteleintritte an der Unterfläche des Bicepssehnenankers, diese seien jedoch nicht gegen die Bicepssehne hin ausgerichtet. Insgesamt fi nde sich keine SLAP-II-Läsion am Bicepssehnenanker; leichte degenerative Veränderungen (formal: SLAP-I-Läsion) seien mög- lich. 4.3 Die Suva stützte sich bei der Beurteilung des vorlieg end strittigen medizinischen Sach- verhalts auf die Ergebnisse, zu denen ihr Kreisarzt Dr. F.____ in seiner Beurteilung vom 7. De- zember 2020 und Prof. Dr. H.____ in seinem radiologisch en Konsilium vom 30. August 2021 gelangten. Sie folgte deren Auffassung, dass durch den Unfall vom 2. Juli 2020 keine strukturel- len Läsionen an der rechten Schulter entstanden seien. Es sei vielmehr zu einer Distorsion der rechten Schulter gekommen, die jedoch nach zwei bis drei Monaten wieder folgenlos ausgeheilt sei. Was die anhaltenden Beschwerden im Bereich der HW S betreffe, so sei davon auszuge- hen, dass der Unfall zu einer vorübergehenden Verschlim merung im Sinne einer Reizung einer vorbestehenden, degenerativ bedingten Diskushernie gefüh rt habe. Im Dezember 2020 seien die Beschwerden aber nicht mehr mit überwiegender Wah rscheinlichkeit unfallkausal, sondern auf die vorbestehende, krankheitsbedingte Diskushernie H WK4/5 zurückzuführen gewesen. Dieses Ergebnis der vorinstanzlichen Beweiswürdigung ist nich t zu beanstanden. Nach der Rechtsprechung kommt zwar dem Bericht eines beratenden Arztes des Versicherungsträgers nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren na ch Art. 44 ATSG eingeholten Gutach- ten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichts gutachten, ein solcher Bericht ist aber soweit zu berücksichtigen, als keine - auch nur geringe - Z weifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 145 V 97 E. 8.5 am Ende, mit Hinweis). Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellun gen des Kreisarztes Dr. F.____ zu zwei- feln. Dieser setzt sich in der fachärztlichen Stellungnah me vom 7. Dezember 2020 mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander und er nimmt eine schlüssige Be- urteilung der strittigen Kausalitätsfrage vor. Voller Beweiswert ist sodann auch der versiche- rungsexternen radiologischen Beurteilung von Prof. Dr . H.____ beizumessen. Es sind keinerlei Indizien ersichtlich, die gegen die Zuverlässigkeit seine r fachärztlichen Einschätzungen spre- chen würden. Vielmehr vermögen die Schlussfolgerungen , zu denen er anhand einer einge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht henden Prüfung und Gegenüberstellung der Arthro-MR-T omographien vom 27. Oktober 2020 und 4. Juni 2021 gelangte, in jeder Hinsicht zu überzeugen. 4.4 Was der Beschwerdeführer vorbringt, führt zu keiner anderen Beurteilung der strittigen Kausalitätsfrage. Er verweist im Wesentlichen auf seine nach wie vor bestehenden Schmerzen und den Umstand, dass ihm die behandelnden Ärzte Dr. D .____ und Dr. med. I.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, weite rhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestieren würden. Mit diesen Einwänden kann der Besch werdeführer vorliegend nichts zu sei- nen Gunsten ableiten. Selbstverständlich besteht kein An lass, seine Schilderung, wonach er weiterhin an Schmerzen leide, in Zweifel zu ziehen. Damit ist aber nichts über die Unfallkausali- tät dieser Beschwerden gesagt. Wie vorstehend aufgezeig t, ist diese von der Suva gestützt auf die Beurteilungen von Dr. F.____ und Prof. Dr. H.__ __ zu Recht verneint worden. Somit ist es auch nicht von Belang, dass die behandelnden Ärzte dem Versicherten wegen dieser - eben nicht auf den Unfall vom 2. Juli 2020 zurückzuführenden - Schmerzsymptomatik eine (vollstän- dige) Arbeitsunfähigkeit attestieren. Mangels Unfallkausalität der Beschwerden hat die Suva als obligatorischer Unfallversicherer hierfür keine Taggeld leistungen zu erbringen. Zu keiner ande- ren Beurteilung führt schliesslich der Hinweis des Beschw erdeführers, wonach er vor dem Un- fall beschwerdefrei gewesen sei. Dieser Einwand ist ni cht geeignet, die Beurteilungen von Dr. F.____ und Prof. Dr. H.____ in Frage zu stellen, denn er läuft auf die Schlussfolgerung hin- aus, dass eine gesundheitliche Schädigung durch den Unfal l verursacht gilt, weil sie sich nach dem Unfallereignis manifestiert hat. Die betreffende Argumentation beruht im Ergebnis auf der Beweisformel "post hoc, ergo propter hoc", nach dere n Bedeutung eine gesundheitliche Schä- digung bereits deshalb als durch den Unfall verursacht gil t, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb). Eine solche Beweiswürdigung erweist sich im unfallversicherungs- rechtlichen Bereich aber nach ständiger Rechtsprechung a ls unzulässig (vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2021, 8C_344/2021, E. 5.2.2 mit Hinweisen). 4.5 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so besteht kein Anlass, dem in der Be- schwerde vom 3. Oktober 2021 gestellten (Verfahrens-)An trag des Versicherten zu entspre- chen, wonach ein biomechanisches Gutachten zu erstellen s ei, um die einwirkenden Kräfte auf den Körper zu bestimmen. Der Anspruch auf rechtliches Geh ör umfasst zwar das Recht, Be- weisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflich t der Behörde zur Beweisabnahme. Bewei- se sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indesse n nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache er heblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zu- verlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und d ieser demnach hinreichend abge- klärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzicht et werden. Die damit verbundene antizi- pierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 144 II 427 E. 3.1.3, 141 I 60 E. 3.3). 5. Im angefochtenen Einspracheentscheid nahm die Suva in Erw. 4 abschliessend noch eine besondere Adäquanzbeurteilung vor, wie sie beim Vorliegen von natürlich unfallkausalen psychischen bzw. organisch nicht objektiv ausgewiesenen Besc hwerden zu erfolgen hat (vgl. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dazu E. 2.3.2 hiervor). Sie begründete dies damit, dass der Versicherte anlässlich des Unfaller- eignisses vom 2. Juli 2020 allenfalls auch eine HWS-Disto rsion erlitten habe. In diesem Zu- sammenhang gilt es jedoch zu beachten, dass der Versiche rte - soweit aus den Akten ersicht- lich - unmittelbar nach dem Ereignis nie über ein für ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung v on Beschwerden wie diffuse Kopf- schmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörung en, Übelkeit, rasche Ermüdbar- keit, Visusstörungen, Reizbarkeit usw. (vgl. dazu BGE 117 V 359 E. 4b) klagte. Ebenso wurden beim Versicherten im weiteren Verlauf bis zum Erlass des Einspracheentscheids ärztlicherseits keine psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen diagnosti ziert. Ob vor diesem Hintergrund tatsächlich eine zusätzliche besondere Adäquanzbeurteilung erforderlich gewesen ist, erscheint fraglich. Wie es sich damit verhält, kann letztlich aber offen bleiben. Die Suva zeigt nämlich im angefochtenen Einspracheentscheid überzeugend auf, dass un d weshalb im vorliegenden Fall die Adäquanz bei Vornahme einer besonderen Adäquanzbeurteilung verneint werden muss. An dieser Stelle kann deshalb von weiteren Erörterungen hierzu abgesehen und stattdessen voll- umfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der Suv a in Erw. 4 ihres Einspracheent- scheids verwiesen werden. 6. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die B eschwerdegegnerin be- rechtigt war, ihre Versicherungsleistungen für die Folge n des Ereignisses vom 2. Juli 2020 per 31. Dezember 2020 einzustellen. Der angefochtene Eins pracheentscheid vom 7. September 2021 ist demnach nicht zu beanstanden, was zur Abweisung d er dagegen erhobenen Be- schwerde führt. 7. Gemäss § 20 Abs. 2 VPO ist das kantonsgerichtliche Besch werdeverfahren in Sozial- versicherungssachen vorbehältlich des hier nicht zu beachtenden Abs. 2 bis für die Parteien kos- tenlos. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht