Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 7. Juli 2016 (810 16 210) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Kompetenz für den Erlass verfahrensleitender Verfügungen bei hängigem Beschwerde- verfahren Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, G erichtsschreiber Stefan Suter Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beigeladener Betreff Prüfung von Kindesschutzmassnahmen, Anträge der Kindsmutter seit der Platzierung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehör- de B.____ vom 17. Juni 2016) A. A.____ und C.____ sind die nicht miteinander ver heirateten, gemeinsam sorgeberech- tigten Eltern von D.____ (geb. 2011). Die Eltern tr ennten sich im Jahr 2012, wobei die Tochter unter der Obhut der Mutter verblieb. Die Kindes- un d Erwachsenenschutzbehörde B.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht (KESB) errichtete in der Folge mit Entscheid vom 30. Mai 2013 für sie eine Erziehungsbei- standschaft. B. Am 2. Juni 2015 übermittelte die Kinderschutzgrupp e des Spitals E.____ der KESB eine Gefährdungsmeldung. Darin äusserten die Fachleute Bedenken über die gesunde Ent- wicklung von D.____. Sie empfahlen eine Abklärung in d er Kinder- und Jugendpsychiatrie be- treffend die Erziehungsfähigkeit der Mutter und das Be suchsrecht des Vaters. Die Erziehungs- beiständin zeigte sich in einem Zwischenbericht vom 19. Jun i 2015 ebenfalls in Sorge um das Kindeswohl von D.____ und beantragte der KESB die Vor nahme weiterer Abklärungen über den Gesundheitszustand von Mutter und Kind. In der Fol ge ordnete die KESB mit Entscheid vom 15. Juli 2015 die Einholung eines prozessorientiert en Gutachtens bei den Psychiatrischen Diensten F.____ unter anderem über die Erziehungsfähigkeit der Mutter an. C. Die Gutachterin der F.____ kam im Gutachten vom 17 . Februar 2016 zum Schluss, die Kindsmutter zeige Anzeichen einer Persönlichkeitsakzentuierung und sei in ihrer Erziehungsfä- higkeit eingeschränkt. Sie empfahl eine weiterführend e psychiatrische Begutachtung. Am 7. März 2016 reichte die Kindertagesstätte, welche D.____ seit dem Januar 2016 besuchte, der KESB eine Gefährdungsmeldung ein und berichtete darin, dass A.____ in wechselnden Versio- nen wirre Missbrauchsvorwürfe gegen den Kindsvater, die Grossmutter väterlicherseits sowie Mitarbeiter der Kindertagesstätte erhoben habe. In de n nachfolgenden Gesprächen mit der KESB verweigerte die Kindsmutter jegliche Kooperation hinsichtlich sozialpädagogischer Mass- nahmen oder weitergehender Abklärungen ihres Gesundheitszustands. D. Mit Entscheid vom 17. Mai 2016 ordnete die KESB di e psychiatrische Begutachtung der Kindsmutter an und wies sie im Rahmen einer fürsorg erischen Unterbringung zu einer stati- onären Vorabbegutachtung in die Klinik G.____ ein. Mi t gleichzeitig eröffnetem Entscheid der Vizepräsidentin wurde der Kindsmutter vorsorglich das A ufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Tochter entzogen und diese in einer den Parteien vore rst nicht bekannt gegebenen geeigneten Institution platziert. Der persönliche Kontakt wurde bi s zur Klärung der Gefährdung vorläufig sistiert. Die Vizepräsidentin erklärte die Anordnung we iter für sofort vollstreckbar und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkun g. Die vorsorglichen Massnahmen wur- den zusammenfassend damit begründet, dass die Kindsmutte r im Gutachten vom 17. Februar 2016 als wahnhaft und unberechenbar beschrieben worde n sei und sie sich in der Folge jegli- cher ambulanter Behandlung widersetzt habe. Seither h abe sich die Situation zugespitzt, so dass nunmehr bei einem weiteren Aufenthalt der Tochter bei der Kindsmutter von einer akuten und hohen Gefährdung des Kindeswohls auszugehen sei. Anlä sslich der Anhörung habe sie zudem angekündigt, im Falle einer Fremdplatzierung des Kindes mit diesem sofort nach H.____ ausreisen zu wollen, weshalb der persönliche Kontakt zu m Schutz des Kindes vorläufig zu sis- tieren sei, bis geklärt sei, welche Gefährdung von der K indsmutter ausgehe und unter welchen Umständen sie ihre Tochter künftig sehen könne. E. Gegen den Entscheid über die vorsorglichen Massnahme n erhob A.____, vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat, mit Eingabe vom 26. Mai 2016 Beschwerde beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Ve rwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht beantragte, die vorsorgliche Massnahme sei vollumfängli ch aufzuheben und dementsprechend sei die Fremdplatzierung ihrer Tochter aufzuheben, der persönliche Kontakt wiederherzustellen und ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Toc hter wieder zuzuerkennen. In verfah- rensmässiger Hinsicht wurde die Wiederherstellung der auf schiebenden Wirkung beantragt (Verfahren Nr. 810 16 150). F. Am 24. Mai 2016 und abermals am 6. Juni 2016 beant ragte A.____ der KESB, die Drittplatzierung sei unverzüglich aufzuheben und der Ko ntakt zu ihrer Tochter wiederherzustel- len, zumindest sei ihr ein Besuchsrecht im Rahmen beglei teter Besuche einzuräumen. Die KESB teilte ihr mit Schreiben vom 13. Juni 2016 mit, i m Zusammenhang mit dem am 17. Mai 2016 in Auftrag gegebenen Gutachten sei eine Interakt ionsbeobachtung zwischen A.____ und ihrer Tochter geplant. Um die für den 21. Juni 2016 vorgesehene Interaktionsbeobachtung durchführen und allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt - nach Eingang der entsprechenden Stellungnahme des Gutachters - den persönlichen Verkehr wiederherstellen zu können, werde sie gebeten, der KESB die Pässe von D.____ zuzustellen und sich schriftlich zu verpflichten, bis auf Weiteres mit ihrer Tochter die Schweiz nicht zu verl assen. A.____ antwortete am 15. Juni 2016, es bestehe aus ihrer Sicht keine Notwendigkeit, den Pass von D.____ bei der KESB zu deponieren oder ein Verpflichtungsschreiben zu unterzeic hnen. Am Antrag auf sofortigen Kon- taktaufbau zwischen Mutter und Tochter werde festgehalten. G. Mit Entscheid vom 17. Juni 2016 verfügte die Vizepräsid entin der KESB soweit nach- folgend noch relevant, auf die Anträge der Kindsmutte r, die behördliche Platzierung sofort auf- zuheben und ihr ein Besuchsrecht einzuräumen, werde zur Z eit nicht eingetreten. Die Kinds- mutter werde als Bedingung für Besuche zu ihrer Tochter angewiesen, sämtliche Reisepässe für ihre Tochter der KESB abzugeben und eine Verpfli chtung zu unterschreiben, die Schweiz mit ihrer Tochter nicht zu verlassen. Des Weiteren wurd e das Gesuch der Kindsmutter um Be- willigung der unentgeltlichen Rechtspflege betreffen d die Anträge um sofortige Umplatzierung oder Einräumung eines Besuchsrechts zufolge Aussichtslosigkeit abgewiesen. H. Gegen den Entscheid der Vizepräsidentin der KESB vom 17. Juni 2016 hat A.____, weiterhin vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat, a m 28. Juni 2016 beim Kantonsgericht Beschwerde erhoben. Sie stellt die Anträge, der ange fochtene Entscheid sei teilweise aufzuhe- ben und es sei festzustellen, dass die Vorinstanz das Kontak trecht zu ihrer Tochter zu Unrecht verweigere. Die Vorinstanz sei zudem anzuweisen, unverzügl ich für die Wiederherstellung der Kontakte zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer Tocht er im Rahmen von begleiteten Be- suchen besorgt zu sein. Eventualiter sei die Sache zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwä- gungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter sei die A nweisung zur Abgabe der Reise- pässe und der Verpflichtungserklärung vollumfänglich auf zuheben. Schliesslich sei ihr für das vorinstanzliche Verfahren unter Aufhebung der entsprechen den Dispositivziffer die unentgeltli- che Rechtspflege zu bewilligen. Dies alles habe unter o/e-Kostenfolge zu geschehen, eventuali- ter sei ihr für das Beschwerdeverfahren die unentgeltlich e Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird be antragt, das vorliegende Verfahren sei mit dem Verfahren Nr. 810 16 150 zu vereinigen und di e Wiederaufnahme des Kontaktrechts sei superprovisorisch anzuordnen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Dem Kantonsgericht liegen die vorinstanzlichen Akten vo r. Es hat davon abgesehen, bei den übrigen Verfahrensbeteiligten Stellungnahmen zur Beschwerde einzuholen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzb uches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide der Ki ndes- und Erwachsenenschutzbe- hörde das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 4 50e ZGB. Im Übrigen sind die Bestim- mungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind sämtliche Endentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vorsorgliche Massnahmen (Art. 445 A bs. 3 ZGB). Beim angefochte- nen (Vize-)Präsidialentscheid, welcher die Anordnung vo rsorglicher Massnahmen zum Gegen- stand hat, handelt es sich um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Streitsa che liegt in Anwendung von § 66 Abs. 1 EG ZGB i.V.m. § 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der präsidier enden Person. Die Beschwerdeführe- rin ist als direkt Verfahrensbeteiligte ohne Weiteres n ach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Be- schwerdeerhebung legitimiert. Die Beschwerdefrist von ze hn Tagen (Art. 445 Abs. 3 ZGB) ist vorliegend eingehalten. Da auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausführu ngen grundsätzlich eingetreten wer- den. 2.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die gerichtliche Feststellung, dass die Vorinstanz das Kontaktrecht zu ihrer Tochter zu Unrecht verweigere. Nach den allgemeinen Prozessregeln sind Feststellungsbegehren gegenüber Leistungsbegehren grundsätzlich subsidiär. Der Grund- satz bedeutet, dass Feststellungsinteressen, vorbehältlich b esonderer Situationen, nur dann massgeblich sein können, wenn Leistungsbegehren ausgeschloss en sind (BGE 137 II 199 E. 6.5 mit Hinweisen). Im vorliegenden Leistungsbegeh ren, der Entscheid sei (teilweise) aufzu- heben und der Kontakt zwischen Mutter und Tochter sei wi ederherzustellen, ist das gleichzeitig gestellte Feststellungsbegehren bereits enthalten. Auf das Feststellungsbegehren, welches ge- genüber den Leistungsbegehren keine selbständige Bedeutung hat, ist mithin nicht einzutreten. 2.2 Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde auch insowe it, als die Beschwerdeführerin die Abänderung der vorsorglichen Kindesschutzmassnahmen beantr agt. Sie übersieht, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid auf ihre entspre chenden Anträge nicht eingetreten ist. Wird ein Nichteintretensentscheid angefochten, prüft d as Kantonsgericht nur die Rechtsfrage, ob die Vorinstanz auf das bei ihr gestellte Gesuch zu Rech t nicht eingetreten ist. Es kann folg- lich nur geltend gemacht werden, die Vorinstanz habe zu Unrecht das Bestehen einer Eintre- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tensvoraussetzung verneint. Damit bleibt der Streitgege nstand auf die Eintretensfrage be- schränkt (vgl. BGE 139 II 233 E. 3.2; BGE 132 V 74 E. 1.1). Im Rahmen der Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid sind deshalb allein Anträge und Rügen zu hören, die Bezug zur Eintretensproblematik vor der Vorinstanz haben. Die besc hwerdeführende Partei kann entspre- chend nur die Anhandnahme beantragen; auf materielle Begehren kann mithin nicht eingetreten werden (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Ver fassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 23. September 2015 [810 15 50] E. 3.2.1; K GE VV vom 20. März 2013 [810 11 440] E. 1.2). Somit kann auf die vorliegend beantragte A bänderung der vorsorglichen Massnahmen nur dahingehend eingetreten werden, als die Beschwerd eführerin im Eventualbegehren zumin- dest sinngemäss geltend macht, die Vorinstanz sei anzuweis en, einen Entscheid in der Sache zu fällen. 2.3 Die Beschwerdeführerin beantragt weiter die vollum fängliche Aufhebung von Ziffer 4 der angefochtenen Verfügung. Die Vorinstanz wies die Beschwerdeführerin in besagter Disposi- tivziffer "als Bedingung für Besuche zu ihrer Tochter" a n, sämtliche Reisepässe für ihre Tochter abzugeben und eine Verpflichtung zu unterschreiben, d ie Schweiz mit ihrer Tochter nicht zu verlassen. Sie erwog hierzu, die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Anhörung vom 17. Mai 2016 erklärt, das Land mit dem Kind verlassen zu wollen, falls es zu einer Fremdplat- zierung komme. Die Gefahr einer Kindesentführung sei gegenwärtig offensichtlich erstellt. Die Kindsmutter sei deshalb im Hinblick auf eine zukünftige Besuchsregelung anzuweisen, alle Rei- sepässe des Kindes abzugeben. Gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB kann die Kindesschutzbehörde insbesondere den Eltern bestimm- te Weisungen für die Pflege, Erziehung oder Ausbildun g erteilen. Wie aus der Formulierung im Dispositiv und der Begründung der angefochtenen Verfügu ng hervorgeht, handelt es sich bei der vorliegend angefochtenen Anweisung nicht um eine derartige selbständige Weisung. Viel- mehr spricht die Vorinstanz von einer Bedingung. Eine B edingung im juristischen Sinn liegt vor, wenn die Rechtswirksamkeit einer Verfügung von einem kü nftigen ungewissen Ereignis abhän- gig gemacht wird. Solche (echten) Nebenbestimmungen r egeln die Modalitäten einer Verfü- gung. Die Rechte und Pflichten stellen die Hauptregel ung dar, die Nebenbestimmungen treten präzisierend hinzu (ULRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER /FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungs- recht, 7. Aufl., Zürich 2016, Rz. 906 ff.; P IERRE TSCHANNEN /ULRICH ZIMMERLI /MARKUS MÜLLER , Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, § 28 Rz. 90). Nachdem die Vorinstanz auf die Begehren der Beschwerdeführerin um Abänderung de r Verfügung vom 17. Mai 2016 und Einräumung eines Kontaktrechts nicht eingetreten ist, ka nn sie vorliegend auch keine Neben- bestimmung betreffend Besuchsrecht erlassen haben. Aus der Entscheidbegründung geht ebenfalls hervor, dass die "Anweisung" nicht (mehr) im Z usammenhang mit einer Interaktions- beobachtung steht. Stattdessen sollen die Ausführungen der Vorinstanz offenkundig verdeutli- chen, dass sie nur dann dazu bereit ist, einem - allenfal ls begleiteten - Besuchsrecht für die Beschwerdeführerin zuzustimmen, wenn diese die genannte n Voraussetzungen erfüllt. Sie gibt damit bekannt, wie sie zu handeln gedenkt, falls sie in skünftig über die Frage des persönlichen Verkehrs konkret entscheiden muss. Derartige Ausführungen haben lediglich informativen Cha- rakter und betreffen nicht die rechtsverbindliche Ausgest altung von individuell-konkreten Rech- ten und Pflichten. Sie werden deshalb als unechte Neb enbestimmungen bezeichnet (vgl. RENÉ Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht WIEDERKEHR /PAUL RICHLI , Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band 1, Bern 2012, Rz. 2523 ff.; Urteil des BVGer A-1936/2006 vom 10. De zember 2009 E. 56.1.3). Die Meinungs- äusserung der Vorinstanz entfaltet vorliegend keine sp ezifischen aktuellen Rechtswirkungen, die Beschwerdeführerin wird dadurch nicht beschwert. So llte die Vorinstanz dereinst einen Ent- scheid über das Besuchsrecht der Beschwerdeführerin mit de r Bedingung verknüpfen, dass diese die Reisepässe abgibt und eine Verpflichtungserklär ung unterschreibt, oder die Einräu- mung eines Besuchsrecht aufgrund nicht erfüllter Vorauss etzungen gänzlich verweigern, so wird die Beschwerdeführerin die entsprechende Verfügung mitsamt allfälliger Nebenbestim- mungen anfechten können. Mangels Verfügungscharakter von Dispositivziffer 4 des angefoch- tenen Entscheids ist auf den eingangs erwähnten Antrag der Beschwerdeführerin nicht einzu- treten. 3. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhal ts sowie die Unangemessenheit ge- rügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurte ilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 4.1 Die Vorinstanz trat auf die Anträge der Beschwerde führerin, die behördliche Platzie- rung sei sofort aufzuheben oder ihr sei unverzüglich ei n Besuchsrecht einzuräumen, mit der Begründung nicht ein, die Beschwerdeführerin habe nich t aufgezeigt, weshalb sich der Sach- verhalt so kurz nach Erlass der vorsorglichen Massnahme geänder t haben sollte. Sie - die Vor- instanz - erachte die Situation mit den potentiellen W ahnvorstellungen der Beschwerdeführerin weiterhin für aussergewöhnlich unberechenbar und gefährlich. Es stehe zudem unverändert die Gefahr einer Kindesentführung im Raum, die auch durch ein begleitetes Besuchsrecht nicht zuverlässig verhindert werden könne. Für eine andere Bew ertung eines gleichgebliebenen Sachverhalts sei die Beschwerdeinstanz anzurufen. 4.2 Die Beschwerdeführerin rügt - soweit sie gehört we rden kann (vgl. oben E. 2.2) - im Wesentlichen, sie habe einen Anspruch darauf, dass ihre A nträge jederzeit angehört und be- handelt würden. Die Vorinstanz habe durch ihren Nichtei ntretensentscheid eine Rechtsverwei- gerung begangen. 5.1 Eine formelle Rechtsverweigerung liegt nach der P raxis des Bundesgerichts vor, wenn eine Behörde auf eine ihr frist- und formgerecht unt erbreitete Sache nicht eintritt, obschon sie darüber befinden müsste (BGE 135 I 6 E. 2.1; BGE 117 Ia 116 E. 3a). Die Behörde muss sich über die Begründetheit oder Unbegründetheit eines in Frage stehenden Begehrens ausspre- chen, wenn die Verfahrensvoraussetzungen erfüllt sind. E ine dieser Verfahrensvoraussetzun- gen ist die Zuständigkeit, d.h. die rechtliche Ermächt igung, eine anhängig gemachte Sache zu beurteilen und rechtskräftig zu entscheiden. Fehlt es an der Zuständigkeit, fällt die Behörde ei- nen Nichteintretensentscheid (RENÉ RHINOW /HEINRICH KOLLER /CHRISTINA KISS /DANIELA THURN - HERR /DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl., Basel 2014, Rz. 103 5 ff.; KGE VV vom 11. Mai 2016 [810 16 91] E. 1.3). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Die Beschwerde im Sinne von Art. 450 ZGB ist unstre itig ein devolutives Rechtsmittel (DANIEL STECK , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar zum ZGB, 5. Aufl., Basel 2014, Art. 450 Rz. 11; H EINZ HAUSHEER /THOMAS GEISER /REGINA E. AEBI -MÜLLER , Das neue Erwachsenenschutzrecht, Bern 2010, S. 23; Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zi- vilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesr echt] vom 28. Juni 2006, BBl 2006, S. 7083). Devolution bedeutet Überwälzung und bezeichnet in allgemeiner Weise die mit der Einlegung eines Rechtsmittels einhergehende Wirkung, dass die Streitsache an eine höhe- re Instanz gebracht wird. Mit der Rechtshängigkeit der Beschwerde übernimmt die Beschwer- deinstanz die Prozessleitungsbefugnis, was bedeutet, dass si ch grundsätzlich keine andere Behörde als die zuständige Rechtsmittelinstanz mit der Angelegenheit befassen darf; insbeson- dere wird der Vorinstanz die Herrschaft über den Streit gegenstand entzogen. Die Vorinstanz verliert somit im Umfang des Streitgegenstands die Befug nis, weitere Verfügungen zu erlassen (HÄFELIN/MÜLLER /UHLMANN , a.a.O., Rz. 1168; RHINOW /KOLLER /KISS /THURNHERR /BRÜHL -MOSER , a.a.O., Rz. 684; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S . 189 f.; BGE 136 V 2 E. 2.5; BVGE 2011/30 E. 5.1). Als Ausnah me vorbehalten bleibt das Recht der Vorinstanz, die angefochtene Verfügung bis zur Einrei chung der Vernehmlassung in Wiederer- wägung zu ziehen (vgl. Art. 450d Abs. 2 ZGB). Die in d er Lehre unter Verweis auf Art. 450d Abs. 2 ZGB vereinzelt postulierte parallele Zuständigkeit von Kindesschutzbehörde und gericht- licher Beschwerdeinstanz für den Erlass den Streitgegenstan d betreffender Zwischenverfügun- gen bis zur Einreichung der Vernehmlassung ist nach der Pr axis des Kantonsgerichts abzu- lehnen (vgl. KGE VV vom 28. April 2014 [810 14 68] E. 3.1; Präsidialverfügung des Kantonsge- richts vom 20. Februar 2014 [810 14 8] E. 1.2; für eine parallele Zuständigkeit: THOMAS GEISER , in: Basler Kommentar zum ZGB, a.a.O., Art. 450c Rz. 8). 5.3 Im vorliegenden Fall erliess die Vorinstanz am 17. M ai 2016 unter anderem eine vor- sorgliche Regelung betreffend die Aufhebung des Aufent haltsbestimmungsrechts und das Be- suchsrecht der Beschwerdeführerin. Diese hat am 26. Mai 2016 dagegen Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben, wo das Verfahren noch hängig ist . Mit der Beschwerdeerhebung ist nach dem oben Ausgeführten der Streitgegenstand, de r die Aufhebung der Fremdplatzierung und Wiederherstellung des Kontakts zwischen Mutter und K ind umfasst, an das Kantonsgericht übergegangen. Damit hat die Vorinstanz die rechtliche Kompetenz verloren, in dieser Sache verfügungsweise neue Anordnungen zu treffen. Dass es sich b ei den von der Beschwerdefüh- rerin gestellten Anträgen um ein förmliches Wiedererwä gungsgesuch gehandelt habe, macht die Beschwerdeführerin zu Recht nicht geltend. Da aus diesem Grund vorliegend keine Aus- nahme zum Devolutiveffekt greift, lag die Verfahrenslei tung und dementsprechend die Kompe- tenz für den Erlass verfahrensleitender Verfügungen be im Kantonsgericht. Dieses hat denn auch im Verfahren Nr. 810 16 150 mit verfahrensleiten der Verfügung vom 27. Juni 2016 bereits superprovisorisch über die Anträge der Beschwerdeführerin (abschlägig) entschieden. 6. Nach dem Gesagten war die Vorinstanz zum Entscheid üb er die von der Beschwerde- führerin gestellten Begehren funktionell nicht zuständ ig. Ihr Nichteintretensentscheid ist so- mit - zumindest im Ergebnis - nicht zu beanstanden. Da an unzuständige Behörden gerichtete Rechtsbegehren von vornherein aussichtslos sind (vgl. D ANIEL WUFFLI , Die unentgeltliche Rechtspflege in der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich 2015, Rz. 349 f.), hat die Vor-Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht instanz der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin d ie unentgeltliche Rechtspflege bezüg- lich dieser Begehren zu Recht verweigert. Die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. 7. Mit dem vorliegenden verfahrensabschliessenden Entschei d in der Sache erweist sich der sinngemässe Antrag der Beschwerdeführerin auf superprovisorische Wiederherstellung des Kontaktrechts zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer T ochter als gegenstandslos. Die von der Beschwerdeführerin ebenfalls beantragte Verfahrensvereinigung mit dem Verfahren Nr. 810 16 150 rechtfertigt sich von Vornherein nicht, da in d er vorliegenden Beschwerde entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht über die gleichen Fragen zu entscheiden war. 8. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspf lege kann vorliegend schon darum nicht entsprochen werden, weil die Beschwerde - wie soe ben aufgezeigt - als offensichtlich aussichtslos erschien (§ 22 Abs. 1 VPO). Die Verfahrenskoste n in der Höhe von Fr. 500.-- sind dementsprechend der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die Parteikosten sind ausgangsge- mäss wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung d er unentgeltli- chen Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber