<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2025-04-03-6B_969-2024.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>6B_969/2024</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 3. April 2025</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. strafrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari, Präsidentin, </div> <div class="para">Bundesrichter Muschietti, </div> <div class="para">Bundesrichter von Felten, </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Arquint Hill. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">Gemeinde X.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwältin Chantal Carlen, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Michel De Palma, </div> <div class="para">Beschwerdegegner. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Verstoss gegen das Verkehrsreglement; Nichteintreten, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Wallis, Öffentlichrechtliche Abteilung, Einzelrichter, vom 24. Oktober 2024 (A3 23 31). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Das Bundesgericht zieht in Erwägung:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Gemeinde X.________ büsste B.________ am 11. September 2023 gestützt auf Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 3 Abs. 2 des kommunalen Verkehrsreglements vom 5. Dezember 1990 mit Fr. 5'000.--, weil der Genannte am 25. April 2023 und 10. Mai 2023 mit einem Motorfahrzeug innerorts von X.________ ohne Bewilligung der Gemeinde unterwegs gewesen sei. </div> <div class="para">Die Einsprache von B.________ wies die Gemeinde X.________ am 26. Oktober 2023 ab und bestätigte die Busse von Fr. 5'000.--. </div> <div class="para">Die dagegen von B.________ erhobene Berufung hiess das Kantonsgericht Wallis, öffentlichrechtliche Abteilung, mit Urteil vom 24. Oktober 2024 gut. Es hob die Bussenverfügung vom 11. Septemer 2023 auf und wies die Angelegenheit zur Beurteilung an das Polizeigericht von X.________ zurück. Zudem regelte es die Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung führt es kurz zusammengefasst aus, die Urversammlung der Gemeinde X.________ sei zwar befugt, auf ihrem Gemeindegebiet funktionelle Verkehrsbeschränkungen im Sinne eines Fahrverbots für Motorfahrzeuge, Motorräder und Motorfahrräder anzuordnen. Die Einschränkungen seien entsprechend zu signalisieren. Für den Erlass einer kommunalen Übertretungsbestimmung zur Sanktionierung einer Verkehrsregelung, die denselben Zweck wie das Bundesrecht verfolge, bestehe hingegen aufgrund der umfassenden Zuständigkeit des Bundes kein Raum. Ein Verstoss gegen das im Gebiet Y.________ signalisierte Fahrverbot sei gestützt auf das Strassenverkehrsgesetz und demnach in Anwendung einer bundesrechtlichen Übertretungsbestimmung zu sanktionieren. </div> <div class="para">In seiner Rechtsmittelbelehrung hält das Kantonsgericht Wallis unter Hinweis auf das im BGG enthaltene Rechtsmittelsystem fest, das Urteil könne mit Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gemeinde X.________ erhebt am 27. November 2024 Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, evt. subsidiäre Verfassungsbeschwerde an das Bundesgericht und beantragt, das Urteil des Kantonsgerichts Wallis vom 24. Oktober 2024 sei aufzuheben, der Entscheid des Gemeinderats vom 26. Oktober 2023 sei zu bestätigen und B.________ zur Bezahlung einer Busse in Höhe von Fr. 5'000.-- zu verurteilen. Eventualiter sei das Urteil des Kantonsgerichts Wallis aufzuheben und die Angelegenheit zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Das Bundesgericht prüft die Zulässigkeit der bei ihm eingereichten Beschwerden von Amtes wegen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=16.03.2025&amp;to_date=04.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-III-277%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page277">BGE 149 III 277</a> E. 3.1 mit Hinweisen<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=16.03.2025&amp;to_date=04.04.2025&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-I-239%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page239">145 I 239</a></span> E. 2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Dem kantonal letztinstanzlichen Urteil vom 24. Oktober 2024 liegt eine Bussenverfügung zugrunde, die auf Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 3 Abs. 2 des Verkehrsreglements der Gemeinde X.________ vom 5. Dezember 1990 (VR) beruht. Bei Art. 53 Abs. 1 VR handelt es sich um eine kommunale Strafbestimmung bzw. um kommunales Übertretungsstrafrecht, auf dessen Grundlage eine strafrechtliche Busse ausgesprochen wird. Damit geht es vorliegend um eine Strafsache im Sinne von <span class="artref">Art. 78 Abs. 1 BGG</span>, wogegen vor Bundesgericht ausschliesslich die Beschwerde in Strafsachen zur Verfügung steht, nicht jedoch die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (statt vieler Urteile 6B_591/2017 vom 22. Mai 2017 E. 2; 6B_707/2013 vom 2. Dezember 2014 E. 2; 6B_942/2013 vom 27. März 2014 E. 1.1; 6B_15/2012 vom 13. April 2012 E. 1.1; 6B_721/2010 vom 7. Februar 2011 E. 1.1.2). Die erhobene Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Wallis vom 24. Oktober 2024 ist daher als Beschwerde in Strafsachen entgegenzunehmen. Damit kann sich die Gemeinde X.________ als beschwerdeführende Partei im Verfahren vor Bundesgericht nicht auf ihre verfassungsmässig garantierte Autonomie bzw. deren Verletzung berufen, um ihre Beschwerdelegitimation zu begründen, wie sie es in einem öffentlich-rechtlichen Beschwerdeverfahren tun könnte (<span class="artref">Art. 89 Abs. 2 lit. c BGG</span>; Urteile 6B_162/2021 vom 10. Februar 2021 E. 3; 6B_693/2019 vom 28. Juni 2019 E. 3.2; 6B_721/2010 vom 7. Februar 2011 E. 1.2.4). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.</b> </div> <div class="para">Das Beschwerderecht der Beschwerde in Strafsachen ist in <span class="artref">Art. 81 BGG</span> geregelt. Gemäss <span class="artref">Art. 81 Abs. 1 BGG</span> ist zur Beschwerde in Strafsachen berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten (lit. a) und ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides hat (lit. b). Die Gemeinde X.________ hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen (<span class="artref">Art. 81 Abs. 1 lit. a BGG</span>). Fraglich ist, ob sie, handelnd durch den zur Bussenausfällung zuständigen Gemeinderat (Art. 47 Abs. 1 i.V.m. Art. 53 Abs. 1 des kommunalen Verkehrsreglements vom 5. Dezember 1990 und Art. 34h des Gesetzes über das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungsrechtspflege [VVRG; SGS 172.6]) zur Erhebung der Beschwerde in Strafsachen - wie die Staatsanwaltschaft - berechtigt ist (Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG; vgl. Urteil 6B_950/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 3.2). </div> <div class="para">Grundsätzlich ist die Staatsanwaltschaft für die gleichmässige Durchsetzung des staatlichen Strafanspruchs verantwortlich (<span class="artref">Art. 16 Abs. 1 StPO</span>) und als öffentliche kantonale Anklägerin zur Vertretung der Anklage vor Bundesgericht zuständig (Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG). Im Kanton Wallis wurde für den gesamten Kanton eine in der Rechtsanwendung unabhängige Staatsanwaltschaft geschaffen (vgl. Art. 23 Abs. 1 des Gesetzes über die Rechtspflege [RPflG; SGS 173.1]), der die Funktion als öffentliche kantonale Anklägerin ausdrücklich vorbehalten wurde (vgl. Art. 6 ff. des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung [EG StPO; SGS 312.0]). Entsprechend hat das Bundesgericht für den Kanton Wallis wiederholt entschieden, die für die Verfolgung und Beurteilung von Übertretungen eingesetzten Verwaltungsbehörden (vgl. <span class="artref">Art. 17 StPO</span>, <span class="artref">Art. 381 Abs. 3 StPO</span>) könnten Rechtsmittel zwar vor den kantonalen Instanzen einlegen, seien allerdings nicht dazu berechtigt, das Bundesgericht mit der Beschwerde in Strafsachen anzurufen; diese Befugnis stünde alleine der unabhängigen Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis zu (statt vieler vgl. Urteile 6B_1263/2022 vom 30. Juni 2023 E. 1.2.2 und E. 1.3; 6B_162/2021 vom 10. Februar 2021 E. 4; 6B_447/2017 vom 30. August 2017 E. 2.2.2). Damit gilt auch für den vorliegenden Fall, dass die Gemeinde X.________ nicht zur Beschwerdeerhebung nach Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG berechtigt ist. </div> <div class="para">Da ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids im Sinne von <span class="artref">Art. 81 Abs. 1 lit. b BGG</span> auch anderweitig weder dargetan noch ersichtlich ist, ist die Legitimation der Gemeinde X.________ zur Einlegung einer Beschwerde in Strafsachen zu verneinen, zumal vorliegend auch eine Anrufung von <span class="artref">Art. 81 Abs. 2 und Abs. 3 BGG</span> (weil sie klarerweise nicht unter diese Bestimmungen fällt) ausgeschlossen ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>6.</b> </div> <div class="para">Soweit die Gemeinde X.________ ihre Beschwerde als subsidiäre Verfassungsbeschwerde einreichen will, ist darauf ebenfalls nicht einzutreten. Für die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach <span class="artref">Art. 113 ff. BGG</span> besteht von vornherein kein Raum, weil mit der im Grundsatz zur Verfügung stehenden Beschwerde in Strafsachen auch die Verletzung von Verfassungsrecht geltend gemacht werden kann (vgl. <span class="artref"><artref id="CH/173.110/95" type="start"></artref>Art. 95 und 113 BGG</span><artref id="CH/173.110/113" type="end"></artref>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>7.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde ist nach dem Gesagten nicht einzutreten. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben. Dem Beschwerdegegner ist keine Entschädigung auszurichten, da ihm im bundesgerichtlichen Verfahren keine Umtriebe entstanden sind. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Wallis, Öffentlichrechtliche Abteilung, Einzelrichter, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 3. April 2025 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. strafrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Präsidentin: Jacquemoud-Rossari </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: Arquint Hill </div> </div></body></html>