Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. März 2020 (750 19 286 / 39) ____________________________________________________________________ Erwerbsersatzordnung Die Beschwerde wird abgewiesen, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist glaubhaft zu machen, dass er ohne den zu leistenden Dienst eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer im Sinne von Art. 4 Abs. 2 erster Satz EOV aufgenommen und damit einen wesentlich höheren Lohn als vor dem Einrücken erzielt hätte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Ausgleichskasse Arbeitgeber Basel , Viaduktstrasse 42, Postfach, 4002 Basel, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. A.____ schloss am 31. Juli 2018 seine Lehre als Ele ktroniker EFZ ab. Danach arbeitete er vom 1. August bis 31. Dezember 2018 bei einer Tochter firma seines Lehrbetriebs in einem 50 % Pensum für einen durchschnittlichen Monatslohn von Fr. 2'436.33. Daneben bereitete er sich für den ersten Teil der Ergänzungsprüfung Passerelle "Berufsmaturität/Fachmaturität – uni- versitäre Hochschulen" im Selbststudium vor. Am 14. Januar 2019 trat er den Militärdienst als Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Durchdiener an. Während der Rekrutenschule (RS) bzw. der Grundausbildung schloss er am 15. Februar 2019 die erste Teilprüfung der Passerelle erfolgreich ab. Nach Ablauf der Grundausbildung beantragte A.____ per 18. Mai 2019 ein EO-Taggeld berech- net auf dem vollen Lohn, welchen er nach Abschluss seiner Ausbildung als Elektroniker EFZ hätte erzielen können. Mit Verfügung vom 28. Juni 2019 setzte die Ausgleichskasse Arbeitgeber Basel (Ausgleichskasse) die EO-Entschädigung für die Periode vom 18. Mai 2019 bis 21. Juni 2019 auf Fr. 65.60 fest, gestützt auf ein durchschnittliches Tageseinkommen von Fr. 82.-- (Minimalbetrag). Dagegen erhob der Versicherte am 25. Juli 2019 Einspra che und führte aus, dass er vom 14. Januar 2019 bis 6. November 2019 Durchdiener sei. Er h abe noch während der RS den ersten Teil der Passerellenprüfung bestanden, weshalb er nach der Absolvierung der RS ab dem 18. Mai 2019 wieder zu 100 % hätte arbeiten können. Die s wäre bei seinem früheren Arbeitgeber auch möglich gewesen. Deshalb erachte er es als nicht g erechtfertigt, wenn ihm der Tagessatz gestützt auf die 50 %-Stelle berechnet werde. Wenn man direkt nach der Lehre als Durchdiener seinen Dienst leiste, werde der ortsübliche Lohn berechn et. Den Lohnausfall, den man zu kom- pensiere habe, bleibe aber der Gleiche, egal, ob man direkt nach der Lehre seinen Dienst beginne oder mit Ersparnissen dazwischen noch ein halbes Jahr lang die Ergänzungsprüfung Passerelle mache. Während derselben werde eigentlich keine Teilzeittätigkeit empfohlen, weshalb es nicht gerechtfertigt sei, dass seine 50 %-ige Beschäftigung dazu führe, dass ihm nur die Hälfte des ihm zustehenden Betrages ausbezahlt werde. Die Ausgleichskasse wies die Einsprache mit Ent- scheid vom 26. Juli 2019 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 3 . September 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die Festlegu ng der Entschädigung basierend auf einem entgangenen Lohn als Elektroniker EFZ in einem 100 % Pensum; eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. C. Mit Beschwerdeantwort vom 12. November 2019 beantr agte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft (Erwerbsersatzgesetz; EOG) vom 25. September 1952 auf die Erwerbser- satzordnung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zu- ständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erho ben werden. Soweit sich die Be- schwerde – wie im vorliegenden Fall – nicht gegen eine n Einspracheentscheid einer kantonalen Ausgleichskasse richtet, ist nach Art. 58 ATSG das Versi cherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser im Kanton Basel-Landsch aft, weshalb die örtliche Zuständigkeit Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 3. Septembe r 2019 ist demnach einzutreten. 2. Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts über Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.--. Vorliegend strittig ist die Bemessung der Erwerbsersatz-Entschädigung für die Dienstperiode vom 18. Mai 2019 bis 21. Juni 2019 (35 Diensttage). Der Streitwert liegt damit unter der Grenze von Fr. 20'000.--, weshalb die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 3.1 Nach Art. 1a Abs. 1 EOG haben Personen, die in d er schweizerischen Armee Dienst leisten, für jeden besoldeten Diensttag Anspruch auf e ine Entschädigung. Art. 4 EOG normiert den Grundsatz, dass alle Dienstleistenden Anspruch auf die Grundentschädigung haben. Bezüg- lich der Bemessung dieser Entschädigung unterscheidet de r Gesetzgeber zwischen der "Grun- dentschädigung während der Rekrutenschule und gleichgeste llten Dienstzeiten" (so die Über- schrift des Art. 9 EOG) und der "Grundentschädigung währ end der anderen Dienste" (so die Überschrift des Art. 10 EOG). Als Dienstzeit, die der Rekrutenschule gleichgestellt ist, wird in Art. 9 Abs. 1 EOG ausdrücklich die Grundausbildung der Durchdiener genannt. Aufgrund dieser kla- ren gesetzlichen Bestimmung sind die Durchdiener somit während der Dauer ihrer Grundausbil- dung entschädigungsmässig den Rekruten gleichgestellt (vgl. auch Wegleitung zur Erwerbser- satzordnung für Dienstleistende und Mutterschaft, WEO, Rz. 4009). 3.2 Gemäss Art. 9 Abs. 1 EOG beträgt die tägliche Grund entschädigung während der Rek- rutierung, der Rekrutenschule und der Grundausbildung 25 % des Höchstbetrages der Gesam- tentschädigung. Gemäss Art. 16a Abs. 1 EOG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 der Verordnung 19 über Anpassungen an die Lohn- und Preisentwicklung bei der AHV/IV/EO vom 21. September 2018 beläuft sich der Höchstbetrag der Gesamtentschädigung im hier massgebenden Jahr 2019 auf Fr. 245.-- pro Tag. Daraus folgt, dass die Grundentschädigung von Art. 9 Abs. 1 EOG Fr. 62.- - pro Tag beträgt (25 % von Fr. 245.--, aufgerundet auf den nächsten runden Frankenbetrag). Damit erhalten sämtliche Rekruten und sämtliche Durchdi ener während der Dauer ihrer Grund- ausbildung die gleich hohe (pauschale) EO-Entschädigung von Fr. 62.-- im Tag, und zwar unab- hängig davon, ob sie vor dem Einrücken bereits voll erwerbstätig gewesen sind, ob sie eine Be- rufslehre abgeschlossen haben oder ob sie nicht erwerbstä tig gewesen sind. Desgleichen wirkt sich auch die Höhe eines allfälligen vor dem Einrücken erzi elten Erwerbseinkommens nicht auf die Höhe der dem Rekruten oder dem Durchdiener währen d der Dauer der Grundausbildung zustehenden Entschädigung aus. Ebenso wenig ändert ein allfälliges Weiterbestehen des Ar- beitsverhältnisses während der Dienstleistung etwas an der Höhe der EO-Entschädigung. 3.3 Nach Abschluss der Grundausbildung wird die Entschädi gung für Durchdiener nicht mehr gestützt auf Art. 9 Abs. 1 EOG berechnet, sondern gestützt auf Art. 10 Abs. 1 EOG. Danach Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht beträgt die tägliche Grundentschädigung 80 % des durchsch nittlichen vordienstlichen Erwerbs- einkommens, wenn die versicherte Person erwerbstätig war. Gemäss Art. 16 Abs. 3 lit. a EOG darf die tägliche Gesamtentschädigung für Dienstleistende ohne Kinder 25 % des Höchstbetra- ges gemäss Art. 16a EOG nicht unterschreiten (Fr. 62.-- pro Tag). 3.4 Als erwerbstätig im Sinn von Art. 9 Abs. 1 EOG gil t eine versicherte Person, wenn sie in den letzten zwölf Monaten vor dem Einrücken während mi ndestens vier Wochen erwerbstätig war (Art. 1 Abs. 1 der Verordnung zum Erwerbsersatzgese tz [EOV] vom 24. November 2004). Den Erwerbstätigen gleichgestellt sind Arbeitslose (lit. a), Personen, die glaubhaft machen, dass sie eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenomm en hätten, wenn sie nicht eingerückt wären (lit. b) und Personen, die unmittelbar vor dem Einrücken ihre Ausbildung abgeschlossen haben oder diese während des Dienstes beendet haben (lit. c; Art. 1 Abs. 2 EOV). Personen, die keine der Voraussetzungen nach Art. 1 EOV erfüllen, gelten als Nichterwerbstätige (Art. 2 EOV). 3.5 Die Entschädigung für Erwerbstätige wird auf Gru nd des letzten vor dem Einrücken er- zielten und auf den Tag umgerechneten massgebenden Lohns berechnet. Für die Umrechnung werden Tage nicht berücksichtigt, an denen eine Person kein oder nur ein vermindertes Erwerbs- einkommen erzielt hat u.a. wegen Arbeitslosigkeit oder a nderer Gründe, die nicht auf ihr Ver- schulden zurückzuführen sind (Art. 4 Abs. 1 EOV). Für Personen, die glaubhaft machen, dass sie während des Dienstes eine unselbständige Erwerbstätigke it von längerer Dauer aufgenommen hätten oder einen wesentlich höheren Lohn als vor dem Einrücken erzielt hätten, wird die Ent- schädigung auf Grund des Lohnes berechnet, der ihnen entgangen ist (Art. 4 Abs. 2 erster Satz EOV). Eine solche Tätigkeit müsste mindestens ein Jahr dauern oder unbefristet sein (BGE 136 V 231). Haben sie unmittelbar vor dem Einrücken ihre Ausbildung abgeschlossen oder hätten sie diese während des Dienstes beendet, so wird die Entschäd igung auf Grund des ortsüblichen Anfangslohns im betreffenden Beruf berechnet (Art. 4 Abs. 2 zweiter Satz EOV). Für Erwerbstä- tige, die kein regelmässiges Einkommen haben, wird für die Ermittlung des vordienstlichen Durch- schnittseinkommens auf das während der drei letzten Monate vor Dienstbeginn erzielte und auf den Tag umgerechnete Erwerbseinkommen abgestellt. Ist a uf diese Weise die Ermittlung eines angemessenen Durchschnittseinkommens nicht möglich, so wird das Einkommen einer längeren Zeitspanne berücksichtigt (Art. 6 Abs. 1 und 2 EOV). Bei Durchdienern bedeutet "vor dem Einrü- cken" derjenige Zeitpunkt, bevor sie die Grundausbildung angetreten sind. 4.1 Es steht fest, dass der Beschwerdeführer am 14. Janua r 2019 als sog. Durchdiener, d.h. als Angehöriger der Armee, welcher seine Ausbildungsdienstpflicht freiwillig ohne Unterbrechung erfüllt (vgl. Art. 54a des Bundesgesetzes über die Armee und die Militärverwaltung [Militärgesetz; MG] vom 3. Februar 1995), in die Rekrutenschule einrückt e. Für die Zeit der Grundausbildung berechnete die Beschwerdegegnerin die Entschädigung gestützt auf Art. 9 Abs. 1 EOG, was zwi- schen den Parteien auch nicht umstritten ist. Weiter ist festzuhalten und zwischen den Parteien ebenfalls nicht strittig, dass der Beschwerdeführer im Sinne von Art. 10 Abs. 1 EOG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 EOV als erwerbstätige Person gilt, d a er in den dem Militärdienst vorangegan- genen 12 Monaten während mehr als 4 Wochen als Elektro niker gearbeitet hatte. Dies hat zur Folge, dass die tägliche Grundentschädigung, die der B eschwerdeführer nach Abschluss der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grundausbildung zugute hat, grundsätzlich 80 % des durchschnittlichen vordienstlichen Erwerbs- einkommens beträgt (Art. 4 Abs. 1 EOV), es sei denn, er würde unter eine der beiden Ausnah- mebestimmungen von Art. 4 Abs. 2 EOV fallen. Die Besc hwerdegegnerin berechnete die Ent- schädigung gestützt auf Art. 4 Abs. 1 EOV. Der Beschwer deführer beruft sich auf Art. 4 Abs. 2 EOV. 4.2 Der Beschwerdeführer führt aus, dass er die erste T eilprüfung der Passerelle bestanden habe. Er plane, die zweite Hälfte der Prüfung – wied erum im Selbststudium – im August 2020 abzulegen, um anschliessend ab dem Herbstsemester 2020 zu studieren. In der zweiten Hälfte der Passerelle werde das Fach Englisch schriftlich wie auch mündlich geprüft. Daher sei es wich- tig, einen Sprachaufenthalt in einem englischsprachigen Land zu machen. Er plane, diesen Sprachaufenthalt zwei Monate lang im Juni und Juli 2020 in den USA zu absolvieren. Um diesen finanzieren zu können, habe er damit gerechnet, dass sein Erwerbsersatz mit 80 % des ortsübli- chen Vollzeitlohnes berechnet werde. Die Beschwerdegegnerin berechne den Tagesansatz aber bezogen auf den vorherigen 50 %-igen Lohn. Damit liege der Tagesansatz nur minimal über dem Mindestansatz. In seiner jetzigen Situation (im Durchdienermodell) würde er ab Anfang/Mitte No- vember 2019 bis Ende Mai 2020 wieder in einem Vollzeit pensum als Elektroniker arbeiten. Da- nach würde er sich für die restlichen drei Monate für d ie zweite Hälfte der Passerellenprüfung vorbereiten. Dass ihm diese Zeit, mit etwas Vorbereitung während der Vollzeitbeschäftigung, rei- chen sollte, habe er mit der bestandenen ersten Hälfte der Prüfungen während der Grundausbil- dung bewiesen. Das Einkommen der fast siebenmonatigen Vollzeitbeschäftigung nach dem Durchdienerdienst würde zwar ausreichen, um den zweimonatigen Sprachaufenthalt zu finanzie- ren. Die Finanzierung des anschliessenden Studiums wäre aber damit nicht garantiert. Hätte er anstelle des Durchdienermodells das WK-Modell gewählt, hätte er dieses Problem nicht. In diesem Fall hätte er nach dem Ende der RS per 18. Mai 2019 wieder eine Vollzeitbeschäftigung aufgenommen. Er hätte dann ab Mitte/Ende Mai 2019 bis Ende Mai 2020 Vollzeit gearbeitet und sich danach intensiv während drei Monaten für die Passer elle vorbereitet. Dadurch, dass er im Durchdienermodell sei, entfalle ihm etwa die Hälfte seines Einkommens. Da das wegen des Mi- litärdienstes entgangene Einkommen das vordienstlich erzielte Einkommen um über 25 % über- steige, beantrage er die Anwendung der Rz. 5065 und 5 066 der WEO. Es wären grundsätzlich drei Optionen für ihn in Frage gekommen, wie er die Zeit nach der RS bis zum Beginn des Studi- ums hätte gestalten können. Jedes Jahr gebe es zwei Date n für die Passerelle-Prüfung. Die mündlichen Prüfungen seien etwa zwei Wochen nach den schriftlichen. In der Wintersession wür- den die Prüfungen von Mitte Februar bis Anfang März, in der Sommersession von Mitte bis Ende August dauern. Die erste Option entspreche etwa dem, w as die Beschwerdegegnerin im Ein- spracheentscheid für wahrscheinlich halte. Und zwar, dass e r anschliessend an die RS etwas mehr als drei Monate für die Passerelle im Selbststudi um gelernt hätte und danach die zweite Hälfte der Prüfungen in der Sommersession 2019 abgeschlossen hätte. Danach hätte er bis zum Beginn des Studiums im Herbst 2020 für etwas mehr als ein Jahr eine Vollzeitbeschäftigung auf- nehmen können. Bei dieser Variante hätte er sich aber nicht den Sprachaufenthalt finanzieren können. Ausserdem hätte er nicht genügend Zeit gehabt, um sich vor diesen drei Monaten wäh- rend der Vollzeitbeschäftigung genügend vorzubereiten und er hätte alles in den drei Monaten lernen müssen. Daher habe er nicht diese Option gewählt. Die zweite Option wäre gewesen, die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zweite Hälfte der Prüfungen in der Wintersession 2020 zu absolvieren. Bei dieser Variante hätte er nach der RS bis Ende Jahr eine Vollzeitbeschäftigung von etwas mehr als sieben Monaten aufnehmen können. Diese hätte er aber unterbrechen müss en, um ab Anfang Jahr bis Anfang März für die Passerelle zu lernen. Anschliessend hätte er ab Anfang/Mitte März wieder eine Voll- zeitbeschäftigung für sechs Monate, bis zum Beginn des Studiums, aufnehmen können. Mit die- ser Option hätte er sich zwar den Sprachaufenthalt finan zieren können, hätte aber eine Stelle finden müssen, in der er Mitte des Jahres pausieren hätt e können. Oder er hätte zwei Stellen suchen müssen. Die dritte Option sei die, die er wohl ge wählt hätte, wenn er nicht durchgedient hätte und das wäre diejenige gewesen, bei der er na ch der RS etwas mehr als ein Jahr lang gearbeitet hätte, um die zweite Hälfte der Prüfungen im Sommersemester 2020 abzulegen. 4.3 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt , dass der Beschwerdeführer seine Berufsausbildung im Juli 2018 abgeschlossen habe. Danach habe er während sechs Mo- naten mit einem 50 % Pensum auf seinem erlernten Be ruf gearbeitet und sich die restliche Zeit einer weiterführenden Ausbildung gewidmet. Diese se i noch nicht abgeschlossen. Mitte Januar 2019 habe er seinen Durchdiener angetreten. Der Beschwerdeführer habe damit nicht unmittel- bar nach dem Berufsabschluss mit dem Militärdienst begonnen und er habe auch keinen Nach- weis erbracht, dass er wegen der Dienstleistung an einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit gehindert worden sei. Vielmehr verfolge er einen eigenen Ausbildungs- bzw. Weiterbildungsplan, was er in der Beschwerde auch explizit bestätige. Dass dieser Plan finanziell nicht so klappe, wie er es sich ausgerechnet habe, berechtige ihn nicht zum Bezug ein es höheren EO-Taggeldes. Weder von Gesetzes wegen noch gestützt auf die Weisungen könne er ein höheres Taggeld beanspruchen. Die Berechnung aufgrund des effektiven vordienstlichen Einkommens sei korrekt erfolgt. 5.1 Der Beschwerdeführer schloss seine Lehre per 31. Jul i 2018 ab und rückte am 14. Ja- nuar 2019 in den Militärdienst ein. Zwischen Lehrabschluss und Einrücken liegen somit mehr als fünfeinhalb Monate, weshalb die Voraussetzung der Unmi ttelbarkeit nicht erfüllt ist und der Be- schwerdeführer nicht unter die Sonderbestimmung von Art. 4 Abs. 2 zweiter Satz EOV fällt. Die Entschädigung kann daher nicht aufgrund des ortsüblichen Anfangslohns im betreffenden Beruf – hier als Elektroniker – berechnet werden. 5.2 Zu prüfen bleibt, ob die Bestimmung des Art. 4 Ab s. 2 erster Satz EOV beim Beschwer- deführer zur Anwendung gelangt. Dies wäre der Fall, wenn er glaubhaft machen kann, dass er eine unselbständige Erwerbstätigkeit von längerer Daue r aufgenommen hätte, wenn er nicht hätte einrücken müssen oder dass er einen wesentlich höheren Lohn als vor dem Einrücken er- zielt hätte. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er ohne Durchdienerdienst von Mitte/Ende Mai 2019 bis Mai 2020 zu 100 % als Elektroniker erwerbstätig gewesen wäre. 5.3 In den Akten finden sich keine konkreten Indizien, die nahelegen würden, dass der Be- schwerdeführer nach Abschluss der Grundausbildung per Mitte Mai 2019 für mehr als ein Jahr in einem 100 % Pensum als Elektroniker gearbeitet und dieses Einkommen erzielt hätte. So gibt es keine Bestätigung eines Arbeitgebers in den Akten, dass der Beschwerdeführer für ein Jahr zu 100 % angestellt worden wäre. Aus den vorliegenden Un terlagen und den Schilderungen des Beschwerdeführers wird zudem ersichtlich, dass er vor Antri tt des Militärdienstes während fünf Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Monaten nur in einem Teilzeitpensum gearbeitet hatte, um sich auf den ersten Teil der Passerel- lenprüfung vorzubereiten. Bei der ersten Prüfung wurden von ihm zwei Fächer abgelegt, nämlich der Bereich der Naturwissenschaften und der Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften, die lediglich schriftlich geprüft wurden. Im Rahmen de r zweiten Prüfung werden die Fächer Deutsch, die zweite Landessprache oder Englisch sowie das Fach Mathematik geprüft. Dabei handelt es sich um schriftliche und mündliche Prüfungen i n den sogenannten Hauptfächern. Es ist deshalb naheliegend, dass sich der Lernaufwand für den zweiten Teil gegenüber dem ersten Teil der Prüfung weiter erhöhen wird, was auch dadur ch belegt ist, dass der Beschwerdeführer plant, zur Vorbereitung der Englischprüfung einen zweimonatigen Sprachkurs im Ausland zu ab- solvieren. Es erscheint daher wenig realistisch, dass er na ch Abschluss der RS Mitte Mai 2019 während mehr als einem Jahr zu 100 % gearbeitet hätt e. Wäre dem so, so hätte er lediglich während des Sprachaufenthaltes Zeit, um sich im Selbststudium auf die Prüfungen vorzubereiten. Auch der Umstand, dass den Prüflingen empfohlen werde, neben der Vorbereitung für die Prü- fung keiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, deutet eher darauf hin, dass er nicht während mehr als einem ganzen Jahr von Mitte Mai 2019 bis Ende Mai 2020 durchgehend zu 100 % gearbeitet hätte. Damit ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen glaubhaft zu machen, dass er ohne den zu leistenden Dienst eine Erwerbstätigkeit von läng erer Dauer im Sinne von Art. 4 Abs. 2 erster Satz EOV aufgenommen und damit einen wesentlich höheren Lohn als vor dem Einrücken erzielt hätte. Daher ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin gemäss Art. 4 Abs. 1 EOV die Entschädigung gestützt auf das vordienstliche E rwerbseinkommen auf Fr. 65.60 pro Tag festsetzte. Die Beschwerde erweist sich demzufolge als unbegründet und ist abzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht