<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Arbeitszeugnis</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Arbeitszeugnis</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>93 Kommunales</b></span> <span class="ft2"><b>Dienstverhältnis.</b></span> <span class="ft2"><b>Arbeitszeugnis</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anwendung der Grundsätze, denen ein Arbeitszeugnis zu genügen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hat, im Zusammenhang mit der Beurteilung der Fach- und Selbst-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kompetenz (Erw. II/4) und der Sozialkompetenz (Erw. II/5) sowie mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Formulierung des Schlussabschnitts (Erw. II/6)</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 15. Juni 2009 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen X. gegen Einwohnergemeinde Y (2-KL.2008.5).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">II.</span><br/> <span class="ft7">4.</span><br/> <span class="ft7">4.1.</span><br/> <span class="ft7">Die im umstrittenen Zeugnis enthaltenen Aussagen zur Fach-</span><br/> <span class="ft7">und Selbstkompetenz des Klägers vermitteln den Eindruck, es habe</span><br/> <span class="ft7">sich höchstens um einen durchschnittlichen Mitarbeiter gehandelt.</span><br/> <span class="ft7">Zwar wird dem Kläger im letzten Satz des entsprechenden Ab-</span><br/> <span class="ft7">schnittes attestiert, er sei "fleissig" und "pflichtbewusst" gewesen</span><br/> <span class="ft7">und habe seine Aufgaben "stets gut" erfüllt. Diese tendenziell posi-</span><br/> <span class="ft7">tive Aussage wird jedoch dadurch erheblich gemildert, dass die vor-</span><br/> <span class="ft7">angehenden Sätze den Eindruck erwecken, die Beklagte möchte sich</span><br/> <span class="ft7">so gut als möglich um eine effektive Qualifizierung drücken. So ist</span><br/> <span class="ft7">etwa der erste Satz ("... hatte Herr X. täglich mit Zahlen zu tun.")</span><br/> <span class="ft7">nur wenig aussagekräftig. Die Sätze 2 und 3 umschreiben lediglich</span><br/> <span class="ft7">die Stellenanforderungen und sagen nichts darüber aus, ob der Klä-</span><br/> <span class="ft7">ger diesen zu genügen vermochte oder nicht. Schliesslich wird zwar</span><br/> <span class="ft7">in Satz 4 die rasche Einarbeitung gelobt; aufgrund der langen An-</span><br/> <span class="ft7">stellungsdauer kommt dieser Würdigung jedoch wenig Relevanz zu.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">412</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">4.2.</span><br/> <span class="ft7">4.2.1.</span><br/> <span class="ft7">Die mässige Leistungsbeurteilung steht im schroffen Gegensatz</span><br/> <span class="ft7">dazu, dass die früheren Gemeindeammänner A. (1994 - 2001) und B.</span><br/> <span class="ft7">(2002 - 2005) sowie die frühere Gemeindeschreiberin C. (2004 -</span><br/> <span class="ft7">2005) ausdrücklich bestätigen, die vom Kläger beantragte Formu-</span><br/> <span class="ft7">lierung stimme mit ihren damaligen Wahrnehmungen überein. Tat-</span><br/> <span class="ft7">sächlich hat der seinerzeitige Gemeindeammann A. dem Kläger Ende</span><br/> <span class="ft7">2001 auch ein sehr gutes Arbeitszeugnis ausgestellt.</span><br/> <span class="ft7">4.2.2.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 32 des Dienst- und Besoldungsreglements [DBR] ha-</span><br/> <span class="ft7">ben die Vorgesetzten jährlich mit jeder Mitarbeiterin und jedem Mit-</span><br/> <span class="ft7">arbeiter ein Qualifikationsgespräch zu führen. In concreto wurde dies</span><br/> <span class="ft7">unterlassen. Einzig anfangs 2005 fand mit dem Kläger für das Jahr</span><br/> <span class="ft7">2004 ein formelles Mitarbeitergespräch statt; die einzelnen Merk-</span><br/> <span class="ft7">male des Fragebogens wurden dabei allesamt als "voll erfüllt" oder</span><br/> <span class="ft7">sogar als "übertroffen" beurteilt. Im Rahmen der Parteiverhandlung</span><br/> <span class="ft7">wurde von Seiten der Beklagten zwar geltend gemacht, der Gemein-</span><br/> <span class="ft7">derat sei von der direkten Vorgesetzten des Klägers nicht darüber in-</span><br/> <span class="ft7">formiert worden, dass die Beurteilung anlässlich des Gesprächs nach</span><br/> <span class="ft7">oben korrigiert worden sei. Diesbezüglich ist jedoch einerseits fest-</span><br/> <span class="ft7">zuhalten, dass die Qualifikation der Mitarbeitenden grundsätzlich</span><br/> <span class="ft7">durch die Vorgesetzten und nicht durch den Gemeinderat vorzuneh-</span><br/> <span class="ft7">men ist (vgl. § 32 DBR). Zudem beschränken sich die handschriftlich</span><br/> <span class="ft7">angebrachten Korrekturen lediglich auf einzelne Bereiche, bei denen</span><br/> <span class="ft7">die ursprünglich vorgesehene Bewertung "voll erfüllt" auf "über-</span><br/> <span class="ft7">troffen" erhöht wurde. Auch ohne diese nachträglichen Korrekturen</span><br/> <span class="ft7">war beim Kläger in den 26 vorgesehenen Rubriken bereits vier Mal</span><br/> <span class="ft7">"übertroffen" angekreuzt und in keiner Rubrik nur "teilweise erfüllt"</span><br/> <span class="ft7">oder gar "ist zu verbessern".</span><br/> <span class="ft7">4.2.3.</span><br/> <span class="ft7">Im Weiteren fällt auf, dass sich aus den Akten nicht der gerings-</span><br/> <span class="ft7">te Hinweis dafür ergibt, dass bis Ende 2006 die Leistungen des Klä-</span><br/> <span class="ft7">gers je zu nennenswerten Beanstandungen Anlass gegeben hätten, sei</span><br/> <span class="ft7">es seitens des Gemeinderates, sei es seitens der kantonalen Auf-</span><br/> <span class="ft7">sichtsbehörden. In der "Rechnungspassation 2005" durch die Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Arbeitszeugnis</span> <span class="page_no">413</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">meindeinspektion wurden zwar gewisse Bemerkungen angebracht;</span><br/> <span class="ft7">die geprüften Rechnungen wurden jedoch genehmigt und es wurde</span><br/> <span class="ft7">attestiert, dass die Unterlagen und Akten "einen aktuellen und quali-</span><br/> <span class="ft7">tativ guten Stand" aufweisen würden. Allein daraus, dass für die</span><br/> <span class="ft7">Jahre 2005 und 2006 zusätzliche Mittel für die Aufarbeitung von</span><br/> <span class="ft7">Pendenzen gesprochen wurden, lassen sich - insbesondere auch unter</span><br/> <span class="ft7">Berücksichtigung der anerkanntermassen hohen Arbeitslast - keine</span><br/> <span class="ft7">fachlichen Mängel seitens des Klägers ableiten.</span><br/> <span class="ft7">4.2.4.</span><br/> <span class="ft7">Am 30. April 2007 hielt der Gemeinderat der Beklagten aus-</span><br/> <span class="ft7">drücklich fest, die von einer externen Treuhand- und Revisionsge-</span><br/> <span class="ft7">sellschaft durchgeführte Überprüfung habe ergeben, dass die Buch-</span><br/> <span class="ft7">haltung sauber und ordentlich geführt werde. An der Sitzung vom</span><br/> <span class="ft7">11. Juni 2007 konnte der Gemeinderat der Beklagten zur Kenntnis</span><br/> <span class="ft7">nehmen, dass die vom zuständigen Revisor der Sozialversicherungs-</span><br/> <span class="ft7">anstalt durchgeführte Arbeitgeberkontrolle für die geprüfte Zeit kei-</span><br/> <span class="ft7">nerlei Differenzen ergab. Die Amtsübergabe innerhalb des Steuer-</span><br/> <span class="ft7">amtes erfolgte ohne jeglichen Vorbehalt; in Bezug auf die Finanz-</span><br/> <span class="ft7">verwaltung fand ausweislich der Akten keine formelle Amtsübergabe</span><br/> <span class="ft7">statt. In seinem Abschiedsschreiben vom 31. Juli 2007 führte der</span><br/> <span class="ft7">Gemeinderat unter anderem aus, der Kläger habe es während den</span><br/> <span class="ft7">vergangenen 16 Jahren verstanden, die Finanzverwaltung und das</span><br/> <span class="ft7">Steueramt "umsichtig und korrekt zu führen".</span><br/> <span class="ft7">4.3.</span><br/> <span class="ft7">4.3.1.</span><br/> <span class="ft7">Die Beklagte begründet ihre mässige Beurteilung der Fach- und</span><br/> <span class="ft7">Selbstkompetenz in erster Linie damit, dass während der krank-</span><br/> <span class="ft7">heitsbedingten Abwesenheit des Klägers im Frühjahr 2007 sowie</span><br/> <span class="ft7">nach seinem definitiven Austritt diverse Feststellungen gemacht</span><br/> <span class="ft7">worden seien, welche Zweifel an seinen Fähigkeiten hätten aufkom-</span><br/> <span class="ft7">men lassen.</span><br/> <span class="ft7">Unabhängig von den konkreten Vorhaltungen des Gemeindera-</span><br/> <span class="ft7">tes gilt es vorab Folgendes zu berücksichtigen: Das Arbeitszeugnis</span><br/> <span class="ft7">hat die Leistungen und das Verhalten während der gesamten An-</span><br/> <span class="ft7">stellung und nicht nur an deren Ende zu beurteilen (Tomas Poledna,</span><br/> <span class="ft7">Arbeitszeugnis und Referenzauskünfte des Arbeitgebers im öffentli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">chen Dienst, publiziert in ZBI 2003, S. 171 f., S. 174). Sämtliche an-</span><br/> <span class="ft7">geblichen Mängel sind jedoch insofern "neu", als sie dem Kläger</span><br/> <span class="ft7">während seiner Amtszeit nie zum Vorwurf gemacht wurden. Im</span><br/> <span class="ft7">Weiteren ist zu beachten, dass die Doppelfunktion Finanzverwal-</span><br/> <span class="ft7">ter/Steueramtsvorsteher unbestrittener-massen (und je länger je</span><br/> <span class="ft7">mehr) eine sehr grosse Belastung in sich barg; insofern darf nicht</span><br/> <span class="ft7">leichthin auf ein fachliches Unvermögen des Klägers geschlossen</span><br/> <span class="ft7">werden. Dies gilt in Bezug auf das Frühjahr 2007 umso mehr, als er</span><br/> <span class="ft7">krankheitshalber rund zwei Monate lang ausfiel.</span><br/> <span class="ft7">In Bezug auf die einzelnen Vorhaltungen ist wesentlich, dass sie</span><br/> <span class="ft7">zu grossen Teilen gar nicht belegt sind oder sich bloss auf ge-</span><br/> <span class="ft7">meindeinterne (undatierte und nicht unterzeichnete) Aktennotizen der</span><br/> <span class="ft7">Nachfolgerinnen des Klägers stützen. Der diesbezügliche Be-</span><br/> <span class="ft7">weiswert ist umso geringer, als es dem Kläger mangels entsprechen-</span><br/> <span class="ft7">der Unterlagen im Nachhinein gar nicht mehr möglich ist, den Vor-</span><br/> <span class="ft7">würfen fundiert entgegenzutreten. (...)</span><br/> <span class="ft7">Im Übrigen ergibt sich aufgrund der genannten Unterlagen so-</span><br/> <span class="ft7">wie den entsprechenden Ausführungen des Klägers in der Replik,</span><br/> <span class="ft7">dass er diverse Arbeiten entgegen den Darstellungen der Beklagten</span><br/> <span class="ft7">nicht falsch, sondern einfach anders als die Nachfolgerinnen an-</span><br/> <span class="ft7">packte. Nachweisbare Fehler von grundlegender Natur, die dem Klä-</span><br/> <span class="ft7">ger zum Vorwurf gemacht werden müssten, sind letztlich keine er-</span><br/> <span class="ft7">sichtlich.</span><br/> <span class="ft7">4.3.2.</span><br/> <span class="ft7">Im Weiteren führt die Beklagte aus, die mangelhaften Leistun-</span><br/> <span class="ft7">gen hätten sich auch im Bericht zur Kanzleiinspektion durch die D.</span><br/> <span class="ft7">AG vom 15. Februar 2007 niedergeschlagen.</span><br/> <span class="ft7">Die entsprechenden Aussagen der Beklagten sind weitgehend</span><br/> <span class="ft7">unverständlich. Tatsache ist, dass der erwähnte Bericht im Zusam-</span><br/> <span class="ft7">menhang mit dem Steueramt keinerlei Beanstandungen oder Verbes-</span><br/> <span class="ft7">serungsvorschläge aufzeigt. Die Feststellungen in Bezug auf die Fi-</span><br/> <span class="ft7">nanzverwaltung führten lediglich zu zwei "Folgen/Empfehlungen"</span><br/> <span class="ft7">zuhanden des Klägers ("Einführen Controlling-Instrumente [Repor-</span><br/> <span class="ft7">ting etc.], "Laufende Budgetüberwachung", "Möglichst viele Faktu-</span><br/> <span class="ft7">ren über Gebührenprogramm erfassen. Ende Jahr müssen sämtliche</span><br/> <span class="ft7">nicht bezahlten Rechnungen sollgestellt werden. Überarbeiten der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Arbeitszeugnis</span> <span class="page_no">415</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Offen-Posten-Forderungen."). Es ist nicht erkennbar, wie die Be-</span><br/> <span class="ft7">klagte aus diesen quantitativ wenigen und qualitativ zumindest nicht</span><br/> <span class="ft7">zentralen Anregungen eine ungenügende Leistung des Klägers kon-</span><br/> <span class="ft7">struieren will. Auch aus der anschliessend durchgeführten Bilanz-</span><br/> <span class="ft7">Prüfung der Jahresrechnung 2006 lassen sich keine gewichtigen</span><br/> <span class="ft7">Vorwürfe gegenüber dem Kläger ableiten.</span><br/> <span class="ft7">4.4.</span><br/> <span class="ft7">4.4.1.</span><br/> <span class="ft7">Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die</span><br/> <span class="ft7">Beurteilung der Fach- und Selbstkompetenz durch die Beklagte zu</span><br/> <span class="ft7">wenig positiv ausgefallen ist. Das Zeugnis erweist sich in diesem</span><br/> <span class="ft7">Punkt als wahrheits- und damit als rechtswidrig. Der Kläger hat An-</span><br/> <span class="ft7">spruch auf eine bessere Beurteilung.</span><br/> <span class="ft7">4.4.2.</span><br/> <span class="ft7">Die vom Kläger vorgeschlagene Formulierung übersteigt indes-</span><br/> <span class="ft7">sen eine derartige Einschätzung; sie zeichnet vielmehr das Bild eines</span><br/> <span class="ft7">absolut fehlerfreien, in jeder Hinsicht ausgezeichneten Mitarbeiters.</span><br/> <span class="ft7">Bei allen Positiva, die in den vorstehenden Erwägungen hervorgeho-</span><br/> <span class="ft7">ben wurden, fehlen die Grundlagen für eine derartige Beurteilung.</span><br/> <span class="ft7">Trotz den Vorbehalten gegenüber der von der Beklagten geäusserten</span><br/> <span class="ft7">Kritik (vgl. Erw. II/4.3) lässt sich daraus ableiten, dass der Kläger</span><br/> <span class="ft7">sehr wohl auch Verbesserungspotenzial aufwies. Hinzu kommt, dass</span><br/> <span class="ft7">der Arbeitnehmer grundsätzlich keinen Anspruch auf bestimmte</span><br/> <span class="ft7">Formulierungen hat (vgl. Entscheide der Gerichts- und Ver-</span><br/> <span class="ft7">waltungsbehörden des Kantons Schwyz [EGVSZ] 2002, S. 160,</span><br/> <span class="ft7">Erw. 2/c mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft7">4.4.3.</span><br/> <span class="ft7">Unter diesen Umständen drängt es sich auf, dass das Personal-</span><br/> <span class="ft7">rekursgericht den betreffenden Abschnitt selber redigiert. Dabei er-</span><br/> <span class="ft7">scheint es naheliegend, dass es sich an die im Arbeitszeugnis vom</span><br/> <span class="ft7">27. Dezember 2001 enthaltenen Wertungen anlehnt; es fehlen Hin-</span><br/> <span class="ft7">weise darauf, dass sich aufgrund der Folgejahre eine wesentlich</span><br/> <span class="ft7">andere Beurteilung aufdrängen würde. Allerdings ist insofern eine</span><br/> <span class="ft7">Umformulierung nötig, als die Beurteilung der Fach- und Selbst-</span><br/> <span class="ft7">kompetenz klar abzugrenzen ist von derjenigen der Sozialkompetenz</span><br/> <span class="ft7">(vgl. Erw. II/5).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Gerichte üben eine grosse Zurückhaltung aus in Bezug darauf,</span><br/> <span class="ft7">subjektive Werturteile wie "volle Zufriedenheit" in Arbeitszeugnisse</span><br/> <span class="ft7">aufzunehmen; stattdessen werden eher objektivierte Aussagen ver-</span><br/> <span class="ft7">wendet wie "seine Leistungen waren gut" (vgl. Streiff/von Kaenel,</span><br/> <span class="ft7">a.a.O., Art. 330a N 5). Dies wird im nachfolgenden Passus ebenfalls</span><br/> <span class="ft7">berücksichtigt:</span><br/> <span class="ft5">"Herr X. war ein verantwortungsbewusster und engagierter Mitarbei-</span><br/> <span class="ft5">ter. Trotz ständig zunehmender Arbeitsbelastung erfüllte er die an ihn</span><br/> <span class="ft5">gestellten Anforderungen stets vollumfänglich. Hervorzuheben sind</span><br/> <span class="ft5">seine rasche Auffassungsgabe sowie seine Fachkompetenz, mit der er</span><br/> <span class="ft5">den Gemeinderat in sämtlichen Finanzfragen beriet."</span><br/> <span class="ft7">5.</span><br/> <span class="ft7">5.1.</span><br/> <span class="ft7">Die im umstrittenen Arbeitszeugnis enthaltenen Bewertungen</span><br/> <span class="ft7">der Sozialkompetenz sind wenig aussagekräftig. Die Formulierung</span><br/> <span class="ft7">"auf eine gute Zusammenarbeit in seinem Team legte er grossen</span><br/> <span class="ft7">Wert" lässt völlig offen, ob seine entsprechenden Bemühungen auch</span><br/> <span class="ft7">von Erfolg gekrönt waren. Der Passus, wonach er die "Kunden" stets</span><br/> <span class="ft7">zuvorkommend "bedient" habe, ist sicherlich positiv. Der Begriff</span><br/> <span class="ft7">"bedient" ist indessen im vorliegenden Kontext nicht unbedingt adä-</span><br/> <span class="ft7">quat. Zudem kann im Gesamtzusammenhang die Frage auftauchen,</span><br/> <span class="ft7">ob das Verhalten allenfalls nur gegenüber den Kunden, nicht aber</span><br/> <span class="ft7">auch gegenüber Mitarbeitenden und Vorgesetzten zuvorkommend</span><br/> <span class="ft7">war. Der letzte Satz in Bezug auf die Sozialkompetenz ("Sein Ver-</span><br/> <span class="ft7">halten gegenüber den Behörden war korrekt und loyal") gibt Anlass</span><br/> <span class="ft7">zu zweierlei Bemerkungen. Zum einen bleibt offen, wer mit "Behör-</span><br/> <span class="ft7">den" gemeint ist: Betrifft dies den Gemeinderat als vorgesetzte Be-</span><br/> <span class="ft7">hörde und/oder andere Amtsstellen? Zum andern bedeutet die Be-</span><br/> <span class="ft7">urteilung "korrekt und loyal" durchschnittlich; sie zeigt auf, dass es</span><br/> <span class="ft7">zwar keine Anstände gab, lässt aber auch darauf schliessen, dass der</span><br/> <span class="ft7">Kläger nicht speziell höflich, hilfsbereit etc. war.</span><br/> <span class="ft7">5.2.</span><br/> <span class="ft7">Die Beurteilung durch die Beklagte kontrastiert dazu, dass die</span><br/> <span class="ft7">vormaligen Vorgesetzten die Aussagen im Formulierungsvorschlag</span><br/> <span class="ft7">des Klägers ausdrücklich bestätigen. Auch das Zwischenzeugnis vom</span><br/> <span class="ft7">Dezember 2001 lautete in Bezug auf die Sozialkompetenz des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Arbeitszeugnis</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Klägers sehr positiv ("Seine freundliche und hilfsbereite Art macht</span><br/> <span class="ft7">ihn zu einem beliebten und von Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kun-</span><br/> <span class="ft7">den gleichermassen geschätzten Mitarbeiter. Sein Verhalten gegen-</span><br/> <span class="ft7">über Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden ist jederzeit höflich,</span><br/> <span class="ft7">kompetent und korrekt.").</span><br/> <span class="ft7">Im Weiteren erscheint in Bezug auf die Sozialkompetenz auch</span><br/> <span class="ft7">die Mitarbeiterbeurteilung vom 17. Januar 2005 wesentlich. Auf dem</span><br/> <span class="ft7">Formular gibt es drei Merkmale, welche die Sozialkompetenz (ohne</span><br/> <span class="ft7">Führungskompetenz) betreffen: "Pflegt einen einwandfreien, freund-</span><br/> <span class="ft7">lichen und korrekten Umgang mit Bürgern, Kunden, externen und</span><br/> <span class="ft7">internen Gesprächspartnern", "Trägt zu einem guten Arbeitsklima</span><br/> <span class="ft7">bei, ist kollegial und tolerant und kann sich gut in ein Team ein-</span><br/> <span class="ft7">bringen" und "Sucht die Zusammenarbeit und gibt sein Wissen und</span><br/> <span class="ft7">seine Erfahrung spontan weiter". Alle drei Punkte wurden anlässlich</span><br/> <span class="ft7">der erwähnten Mitarbeiterbeurteilung mit "übertroffen" bewertet. Die</span><br/> <span class="ft7">neun Merkmale zur Führungskompetenz wurden drei Mal mit "über-</span><br/> <span class="ft7">troffen", sechs Mal mit "voll erfüllt" beurteilt.</span><br/> <span class="ft7">5.3.</span><br/> <span class="ft7">In Bezug auf den Formulierungsvorschlag des Klägers fällt auf,</span><br/> <span class="ft7">dass er sich zum Teil wiederholt ("kompetenter Ansprechpartner").</span><br/> <span class="ft7">Zudem erscheint es problematisch, ohne nähere Konkretisierung von</span><br/> <span class="ft7">einem Team zu sprechen, wenn dieses nur eine Mitarbeiterin und</span><br/> <span class="ft7">eine Lernende bzw. einen Lernenden umfasst.</span><br/> <span class="ft7">Insgesamt erscheint es sachgerecht, eine Beurteilung vorzu-</span><br/> <span class="ft7">nehmen, die sich namentlich an das Arbeitszeugnis vom Dezember</span><br/> <span class="ft7">2001 sowie die Aussagen in der Mitarbeiterbeurteilung vom 17. Ja-</span><br/> <span class="ft7">nuar 2005 anlehnt:</span><br/> <span class="ft5">"Herrn X. war ein Team von ein bis zwei Mitarbeitenden unterstellt,</span><br/> <span class="ft5">die er aktiv in seine Entscheidungsprozesse einbezog. Sein Führungs-</span><br/> <span class="ft5">stil war geprägt durch Offenheit und Wertschätzung. Aufgrund seiner</span><br/> <span class="ft5">freundlichen und hilfsbereiten Art war er allseits beliebt und geschätzt.</span><br/> <span class="ft5">Sein Verhalten gegenüber seinen Vorgesetzten, Arbeitskolleginnen und</span><br/> <span class="ft5">-kollegen sowie Kunden war jederzeit höflich, korrekt und loyal."</span><br/> <span class="ft7">6.</span><br/> <span class="ft7">In Bezug auf den Schlussabschnitt sind insbesondere zwei</span><br/> <span class="ft7">Aspekte umstritten: Der Kläger wünscht einerseits einen Ausdruck</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">des Bedauerns für seinen Weggang und anderseits einen Dank für die</span><br/> <span class="ft7">"geleistete wertvolle" (und nicht nur für die langjährige) Arbeit.</span><br/> <span class="ft7">6.1.</span><br/> <span class="ft7">Drückt der Arbeitgeber am Schluss des Arbeitszeugnisses sein</span><br/> <span class="ft7">"Bedauern" darüber aus, dass die Zusammenarbeit mit dem Arbeit-</span><br/> <span class="ft7">nehmer endet, so bildet dies einen Ausdruck dafür, dass er mit dessen</span><br/> <span class="ft7">Leistung und Verhalten zufrieden war. Dies ergibt sich jedoch bereits</span><br/> <span class="ft7">aus den übrigen Passagen des bereinigten Arbeitszeugnisses und be-</span><br/> <span class="ft7">darf keiner zusätzlichen Erwähnung. Es ist nicht erkennbar, welcher</span><br/> <span class="ft7">Zeugnisgrundsatz andernfalls verletzt wäre. Entsprechend besteht</span><br/> <span class="ft7">kein Anspruch darauf, einen Ausdruck des Bedauerns in das Zeugnis</span><br/> <span class="ft7">aufzunehmen. Dies gilt umso mehr, als bei der Berichtigung eines</span><br/> <span class="ft7">Arbeitszeugnisses durch den Richter subjektive Werturteile nur mit</span><br/> <span class="ft7">grösster Zurückhaltung aufgenommen werden sollten (vgl.</span><br/> <span class="ft7">Erw. II/4.4.3).</span><br/> <span class="ft7">6.2.</span><br/> <span class="ft7">Im Weiteren besteht zwar kein klagbarer Anspruch des Arbeit-</span><br/> <span class="ft7">nehmers auf Dankesworte (vgl. Urteil des Bundesgerichtes</span><br/> <span class="ft7">4C.36/2004 vom 8. April 2004, Erw. 5; Streiff/von Kaenel, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft7">Art. 330a N 3). Es ist jedoch vorliegend im Grundsatz unbestritten,</span><br/> <span class="ft7">dass dem Kläger Dank für die von ihm geleistete langjährige Arbeit</span><br/> <span class="ft7">ausgerichtet werden soll.</span><br/> <span class="ft7">In Bezug auf die Formulierung "langjährige" Arbeit kann man</span><br/> <span class="ft7">sich die Frage stellen, ob allenfalls durch die Betonung der Dauer der</span><br/> <span class="ft7">Arbeit deren Wert bewusst ausgeklammert wurde. Trotz der positiven</span><br/> <span class="ft7">Qualifikationen, die gemäss den vorstehenden Erwägungen in das</span><br/> <span class="ft7">Arbeitszeugnis aufzunehmen sind, rechtfertigt es sich, zusätzlich in</span><br/> <span class="ft7">Anlehnung an das Abschiedsschreiben vom 31. Juli 2007 die</span><br/> <span class="ft7">Beschreibung der Arbeit des Klägers durch das Attribut "umsichtig"</span><br/> <span class="ft7">zu ergänzen, um so eine mögliche Unklarheit zu beseitigen.</span><br/> <span class="ft7">Der Schlussabsatz lautet damit neu wie folgt:</span><br/> <span class="ft5">"Wir danken Herrn X. für seinen langjährigen, umsichtigen Einsatz zu</span><br/> <span class="ft5">Gunsten der Gemeinde Killwangen und wünschen ihm für seinen be-</span><br/> <span class="ft5">ruflichen und privaten Lebensweg alles Gute."</span><br/></div> </div> </body> </html>