Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2018 (720 18 31 / 202) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der vorliegend massgebenden Feststellungen des RAD bejaht; Rückweisung an die Vorinstanz Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien Vorsorgeeinrichtung A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ , vertreten durch Dr. Matthias Aeberli , Advokat , Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel Betreff IV-Rente A.1 Der 1971 geborene B.____, gelernter Industrieme chaniker, war seit dem 1. Januar 2003 Geschäftsführer bei seiner eigenen C.____GmbH und dadurch bei der Vorsorgeeinrich- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung A.____ versichert. Nachdem er sich im März 2007 ei n erstes Mal bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet ha tte, sprach ihm die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 1. Juni 2011 vom 1. Dezember 2006 bis 31. Okto- ber 2008 eine befristete ganze Rente zu. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.2 Am 12. Juli 2016 meldete sich B.____ erneut bei d er IV zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältni sse sprach ihm die IV-Stelle mit Verfü- gung vom 18. Dezember 2017 auf der Basis eines Invalidit ätsgrads von 100% mit Wirkung ab 1. Januar 2017 wiederum eine ganze Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob die Vorsorgeeinrichtun g A.____ am 29. Januar 2018 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsr echt (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurü ckzuweisen; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie, es sei B.____ zum Verfahren bei- zuladen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen au s, dass die Verfügung auf unzureichen- den medizinischen Unterlagen beruhe und zudem der Eink ommensvergleich nicht zutreffend durchgeführt worden sei. C. Mit Verfügung vom 30. Januar 2018 lud das Kantonsge richt den Versicherten B.____ zum vorliegenden Beschwerdeverfahren bei. D. In ihrer Vernehmlassung vom 13. März 2018 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. E. Der Beigeladene liess sich innert Frist nicht vernehme n, worauf der Fall am 3. Mai 2018 dem Gericht zur Beurteilung überwiesen wurde. F. Am 15. Mai 2018 zeigte Advokat Dr. Matthias Aeberli dem Kantonsgericht an, dass er die Interessen von B.____vertrete und ersuchte um Einsicht in die Verfahrensakten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Aufgrun d der Bindung der Beschwerdefüh- rerin an den Invaliditätsgrad und den Beginn der Inva lidität, wie sie durch die Beschwerdegeg- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nerin festgelegt wurden (vgl. dazu U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Art. 49 N 76), besteht ein rechtlich geschütztes Inter esse, welches sie zur Beschwerde legiti- miert. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht ein gereichte Beschwerde vom 29. Januar 2018 ist einzutreten. 1.2 Der Beigeladene selber hat gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 18. Dezember 2017 keine Beschwerde erhoben. Da er jedoch vom Ausgang des Prozesses mitbetroffen ist, hat das Kantonsgericht ihn mit Verfügung vom 30. Januar 2018 zum vorliegenden Beschwerde- verfahren beigeladen. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des B eigeladenen. Massgebend ist da- bei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angef ochtenen Verfügung der IV-Stelle vom 18. Dezember 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachperso nen oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen v orzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auc h der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, wel che sich für den vorliegenden Ent- scheid als zentral erweisen. 6.2 Die behandelnden Ärzte des Spitals D.____ attesti erten vom 1. Januar 2014 bis 1. Juli 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% (Zeugnisse vom 24 . Januar und 11. Februar 2014), ab 1. September 2014 eine vollständige Arbeitsfähigkeit ( Zeugnis vom 24. September 2014) und ab 1. April 2015 bis auf Weiteres wiederum eine Arbei tsunfähigkeit von 50% (Zeugnisse vom 16. April 2015, 15. Dezember 2015 und 1. Juni 2015) . Im Zeugnis vom 20. Januar 2016 be- scheinigten sie rückwirkend ab 18. Januar 2016 voraussichtli ch für zwei Wochen eine vollstän- dige Arbeitsunfähigkeit. 6.3 Im Bericht des Spitals D.____ vom 15. April 2016 w urden ein Verdacht auf eine zereb- rale Vaskulitis, eine leichte neuropsychologische Störung, ein Diabetes mellitus, eine Respirato- ry bronchiolitis interstitiallung disease (RB-ILD) und ein leichtes obstruktives Schlafabnoesyn- drom diagnostiziert. Trotz intensiver immunsuppressiver The rapie sei es zu rezidivierenden ze- rebralen Ischämien gekommen. Es zeige sich eine leichte n europsychologische Störung, vor allem eine Abnahme der Leistungsfähigkeit im verbal e pisodischen Gedächtnis. Die Arbeitsfä- higkeit sei eingeschränkt. Von einer weiteren Reduktion der Leistungsfähigkeit sei auszugehen. 6.4 Im Bericht des Spitals E.____ vom 11. August 2016 w urden eine leichte neuropsycho- logische Störung, ein Verdacht auf eine zerebrale Vasku litis, eine leichte obstruktive Schlafap- noe, ein Diabetes mellitus und eine RB-ILD festgestellt . In der neuropsychologischen Testung lasse sich eine mittelschwere Speicherstörung im verbal-ep isodischen Gedächtnis objektivie- ren. Im Bereich der exekutiven Funktionen sei einzig ei n neu durchgeführter Test zum plane- risch-konstruktiven Denken leicht auffällig. Die übrigen L eistungen, auch in den speziell für die Fahrtauglichkeit zentralen Aufmerksamkeitsleistungen, seien im Ergebnis aber unauffällig. Ins- gesamt würden die Testbefunde einer leichten neuropsy chologischen Störung entsprechen, wobei die Gedächtnisprobleme klar im Vordergrund stehen würden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Die behandelnden Ärzte des Spitals D.____ beschrieb en im Bericht vom 10. November 2016 eine zunehmende kognitive Funktionseinschränkung. E s bestünden Konzentrations- und Gleichgewichtsstörungen sowie ein dementielles Syndrom. E in zunehmender kognitiver Verlust sei zu erwarten. Handwerkliche Tätigkeiten seien nicht meh r möglich. Trotz des neu organisier- ten Arbeitsprofils beim bisherigen Arbeitgeber seien die Leistungen ungenügend. De facto liege die Leistungsfähigkeit zwischen zwei bis vier Stunden pro Tag. 6.6 In der Aktennotiz vom 16. Januar 2017 hielt pract. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlichen Dienst (RAD) beider Basel, ein Telefonat mit der behan- delnden Psychologin lic. phil. G.____, Fachpsychologin fü r Neuropsychologie, fest. Demnach weise der Versicherte ein deutliches klinisches Frontalhirnsy ndrom auf. Planungs- oder Ent- scheidungskompetenzen seien kaum mehr vorhanden. Möglicher weise hätten die frontalen Bi- opsien zusätzlich die Exekutivfunktionen negativ beeinflu sst im Sinne einer aufgehobenen Af- fektkontrolle. Im Verhalten zeige er sich „wurstig“, in different und witzelnd. Dies vorallem nach der ersten Biopsie frontal rechts im Januar 2016. Eine Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft sehe sie nicht mehr. Faktisch sei der Versicherte zuletzt E nde 2015 bei der Arbeit gewesen, gehe aber immer wieder dort vorbei um „Hallo“ zu sage n. Pract. med. F.____ ging in der Folge davon aus, dass aufgrund der neuropsychologischen Defizite im Rahmen der zerebralen Affek- tion durch die immunologische Grunderkrankung ab 1. Janu ar 2016 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft auszugehen sei. 6.7 Am 18. Januar 2017 führte die Psychologin G.____ aus, dass sie den Versicherten im November 2016 für ein neuropsychologisches Funktionstrain ing gesehen habe. Die Therapie sei zweimal pro Woche durchgeführt worden. Dabei hätten sich bei praktisch allen Aufgaben gravierende Defizite gezeigt. Fehlerfrei bearbeitet w ürden nur Rechenaufgaben wie beispiels- weise das Berechnen einer Münztabelle mit Hilfe eines T aschenrechners oder das einfache Planen von Terminen mit Hilfe einer Tabelle. Bei etwas komplexeren, mehrschrittigen bezüglich der Informationsdichte anspruchsvolleren Aufgaben sei es ständig zu Fehlleistungen gekom- men. Rückmeldungen sowie vorgeschlagene Hilfsstrategien seie n vom Versicherten zwar inte- ressiert entgegengenommen worden, hätten aber nur sehr bedingt handlungssteuernd umge- setzt werden können. Das Bagatellisieren und reflexartige Reagieren mit Sprüchen und Witzeln sei beim Versicherten auffallend und passe in das Bild e iner ausgeprägten Frontalsymptomatik mit organischer Persönlichkeitsstörung. Er wirke mehrheitl ich emotional unberührt. Das Stö- rungsbewusstsein für seine kognitiven Einschränkungen und sein verändertes Erleben und Verhalten sei nur in kleinen Ansätzen erkennbar. Insgesamt ergebe sich das Bild eines ausge- prägten dysexekutiven Syndroms und einer organischen Per sönlichkeitsstörung mit zusätzlich auch leistungsbeeinträchtigenden Frischgedächtnisdefizite n und einer verminderten Dauerbe- lastung. Die Arbeitsfähigkeit als Installateur und Gesch äftsführer sei massiv beeinträchtigt. Möglich seien nur noch einfache Routinetätigkeiten. 7.1 Die IV-Stelle ging in ihrer Verfügung vom 18. De zember 2017 gestützt auf die Beurtei- lung des RAD-Arztes Pract. med. F.____ vom 16. Januar 20 17 davon aus, dass der Beigelade- ne ab Januar 2015 (recte wohl: Januar 2016) vollständig arbeitsunfähig ist. Wie oben ausge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht führt, ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass ein Versi cherungsträger seinen Entscheid auf medizinische Unterlagen stützt, die er versicherungsin tern eingeholt hat. In solchen Fällen sind jedoch strenge Anforderungen an die Beweiswürdigu ng zu stellen und zwar in dem Sinne, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigke it und Schlüssigkeit der versiche- rungsinternen ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. E. 4.4 hiervor und die dortigen Hinweise auf die entsprechende bundesgerichtliche Rechtsprechung). Vorliegend ergeben sich Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Be- schwerdegegnerin als massgebend erachteten versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, wie sich aus den nachstehenden Ausführungen ergibt. 7.2 Zunächst ist zu Recht unbestritten, dass der Beigelad ene eine Erkrankung aufweist, welche seine Arbeitsfähigkeit zunehmend einschränkt. Unkl arheiten ergeben sich indes in Be- zug auf den Verlauf derselben. Der RAD-Arzt Dr. F.____ stützte sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einzig auf die mündlichen Aussagen d er behandelnden Psychologin G.____ vom 16. Januar 2017 und ging davon aus, dass der Beige ladene seit der ersten Biopsie frontal rechts im Januar 2016 vollständig arbeitsunfähig sei. Di ese Beurteilung des RAD-Arztes ist – jedenfalls in der vorliegenden Form – nicht stichhalti g. Abgesehen davon, dass Dr. F.____ kein Facharzt für Neurologie ist, sondern Psychiater, unterläs st er es weitestgehend, seine Schluss- folgerungen auch unter Berücksichtigung der übrigen be i den Akten liegenden medizinischen Unterlagen zu begründen. Dieses Erfordernis gilt vorlieg end umso mehr, als die Psychologin den Beigeladenen erst seit November 2016 kennt, und die echtzeitlichen Berichte der behan- delnden Ärzte ein anderes Bild der Leistungsfähigkeit des Versicherten im Jahr 2016 vermitteln. Zwar wurde infolge der im Januar 2016 durchgeführten Biopsie eine vollständige Arbeitsunfä- higkeit echtzeitlich bestätigt, das Attest begrenzt abe r die voraussichtliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf zwei Wochen (vgl. E. 6.2 hiervor) . Aufgrund der vorliegenden Unterlagen kann auch für die Zeit danach nicht auf eine vollständi ge Arbeitsunfähigkeit geschlossen wer- den. So wird im Bericht des Spitals D.____ vom 15. Apr il 2016 lediglich eine sich progredient entwickelnde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hingew iesen, ohne diese zu quantifizieren. Im Bericht des Spitals E.____ vom 11. August 2016 wurde no ch festgehalten, dass die Testbefun- de insgesamt lediglich einer leichten neuropsychologische n Störung entsprechen würden. Schliesslich stellten auch die behandelnden Ärzte des Spi tals D.____ im Bericht vom 10. November 2016 eine zunehmende kognitive Funktions einschränkung fest, attestierten dem Beigeladenen aber eine effektive Leistungsfähigkeit zwi schen zwei bis vier Stunden pro Tag, was einer Arbeitsunfähigkeit zwischen 50% und 75% entsp richt. Vor diesem Hintergrund steht die Annahme des RAD-Arztes Dr. F.____, wonach seit dem 1. Januar 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorliege, in einem unauflösbaren Widerspruch zu den aktenkundigen Beurtei- lungen der behandelnden Ärzte. In diesem Zusammenhang ist in Erinnerung zu rufen, dass Berichten versicherungsinterner Fachpersonen ohnehin nich t derselbe Beweiswert zukommt wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Bestehen auch nur ger inge Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest stellungen, so sind ergänzende Ab- klärungen vorzunehmen (vgl. E. 4.4 hiervor). Eine solche Konstellation liegt hier nach dem eben Gesagten vor. Bei dieser unklaren Sachlage in Bezug auf den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit des Beigeladenen bestehen mehr als nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit der vorliegend massgebenden Feststellungen des RAD, wonach der Beigelande ab dem 1. Januar 2016 vollständig arbeitsunfähig sei. Dies gil t vorliegend umso mehr, als keine fach- ärztlichen Gutachten vorhanden sind und Dr. F.____ den Beigeladenen nie persönlich unter- suchte. So wie sich die Aktenlage präsentiert, ist der m assgebende medizinische Sachverhalt im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG nicht ausreichend abge klärt. Der Verlauf der Arbeitsunfähig- keit des Beigeladenen kann folglich aufgrund der beste henden Aktenlage nicht abschliessend beurteilt werden. Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 4. 4 hiervor) kann bei diesem Beweisergeb- nis nicht auf die betreffende versicherungsinterne Beur teilung abgestellt werden. Die angefoch- tene Verfügung ist deshalb aufzuheben und es sind wei tere medizinische Abklärungen vorzu- nehmen. 8. Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kön nen die Sozialversiche- rungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat viel mehr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräfti g ist. Eine Rückweisung an die IV- Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in de r notwendigen Erhebung einer bisher voll- ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledi glich eine Klarstellung, Präzisierung o- der Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforder lich ist (BGE 137 V 210 ff. E. 4.4.1 ff.). Vorliegend erweist sich die der angefochtenen Verfügu ng vom 18. Dezember 2017 zugrunde gelegte Beurteilung des RAD-Arztes Dr. F.____ in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Versicher- ten als nicht beweistauglich. Da es die IV-Stelle unter liess, die diesbezüglich nötigen Abklärun- gen zu veranlassen, und es nicht die Aufgabe der kantona len Gerichte ist, im Verwaltungsver- fahren versäumte medizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vor- instanz nichts entgegen. Diese wird angehalten, die Ent wicklung der Arbeitsunfähigkeit des Beigeladenen fachärztlich abklären zu lassen. Anschliessen d wird die IV-Stelle gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung und in Anwendung der zut reffenden Bemessungsmethode über den Leistungsanspruch des Versicherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Be- schwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Be- schwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanz en – vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten aufe rlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten er hoben werden. Der Beschwerde- führerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Wortlaut der genannten Bestimmung schränkt den Anspruch somit auf die Beschwerde führende Person ein. Es stellt sich des halb die Frage, ob damit einzig die Beschwerde führende versicherte Person gemeint ist oder ob auch ein obsiegender Beschwer- de führender Sozialversicherer eine Parteientschädigung zu Lasten des unterliegenden Versi- cherungsträgers beanspruchen kann. Nach Lehre und Rechtsprechung ist Art. 61 lit. g ATSG in Übereinstimmung mit Art. 68 Abs. 3 des Bundesgesetzes üb er das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 auszulegen (K IESER , a.a.O., Art. 61 Rz.199 f.; SVR 2009 IV Nr. 33). Di e letztge- nannte Bestimmung sieht vor, dass Bund, Kantonen und Gem einden sowie mit öffentlich- rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen in der R egel keine Parteientschädigung zuge- sprochen wird, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis o bsiegen. Sozialversicherer gehören zu den im Sinne von Art. 68 Abs. 3 BGG mit öffentlich- rechtlichen Aufgaben betrauten Organi- sationen (KIESER , a.a.O., Art. 61 Rz. 200). Daraus folgt, dass vorliege nd die obsiegende Vor- sorgeeinrichtung A.____ als Beschwerdeführerin, in ihrem amtlichen Wirkungskreis tätiger Vor- sorgeversicherer keine Parteientschädigung zu Lasten der u nterliegenden Invalidenversiche- rung beanspruchen kann. Nachdem sich der Beigeladene i nnert Frist nicht vernehmen liess, Advokat Dr. Aeberli dem Kantonsgericht die Interessensver tretung – ohne zur Sache Stellung zu nehmen – erst nach Abschluss des Schriftenwechsels anzeigte und zudem keinen Antrag auf Parteientschädigung stellte, entfällt auch ein An spruch auf Ersatz der Parteikosten für den Beigeladenen. Aus dem Gesagten folgt, dass die aussero rdentlichen Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens wettzuschlagen sind. 10.1 Gemäss Art. 90 BGG ist die Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfah ren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwisch enentscheide über die Zustän- digkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bede utenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde ( Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei ein em Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehre- ren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) bean twortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 18. Dezem ber 2017 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV- Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht