<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 28 S.87</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">87</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>Versicherungsgericht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>28</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 15 AVIG, Art. 24 AVIG, Art. 85 Abs. 1 lit. d AVIG, Art. 24 AVIV.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Entlöhnung aus einem während der Arbeitslosigkeit absolvierten Prakti-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kum; Anrechnung als Zwischenverdienst? (Erw. 2b).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Für die Verneinung eines Anspruchs auf Arbeitlosenentschädigung wegen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fehlender Vermittlungsfähigkeit ist nicht die Arbeitslosenkasse, sondern</b></span><br/> <span class="ft3"><b>das kantonale Arbeitsamt zuständig (Erw. 2c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 4. Kammer, vom</span><br/> <span class="ft4">19. Dezember 2000 in Sachen S.G.L. gegen OeALK.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. a) Ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt unter</span><br/> <span class="ft6">anderem voraus, dass der Versicherte vermittlungsfähig ist (Art. 8</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 lit. f AVIG). Der Arbeitslose ist vermittlungsfähig, wenn er</span><br/> <span class="ft6">bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzuneh-</span><br/> <span class="ft6">men (Art. 15 Abs. 1 AVIG).</span><br/> <span class="ft6">Nach der Rechtsprechung des EVG gilt die Anspruchsvoraus-</span><br/> <span class="ft6">setzung der Vermittlungsfähigkeit auch bei Ausübung eines Zwi-</span><br/> <span class="ft6">schenverdienstes im Sinne von Art. 24 AVIG. Um die Ausübung</span><br/> <span class="ft6">eines Zwischenverdienstes nicht gänzlich zu verunmöglichen, müsse</span><br/> <span class="ft6">das Erfordernis jedoch relativiert werden. Es genüge hier eine ,,rela-</span><br/> <span class="ft6">tive Vermittlungsfähigkeit". Damit diese gegeben sei, müsse die be-</span><br/> <span class="ft6">treffende Zwischenverdiensttätigkeit insofern provisorischen Charak-</span><br/> <span class="ft6">ter aufweisen, als der Versicherte die betreffende Stelle bei Vermitt-</span><br/> <span class="ft6">lung oder Zuweisung einer zumutbaren Arbeit so schnell wie mög-</span><br/> <span class="ft6">lich (unter Wahrung der Kündigungsregeln oder einer angemessenen</span><br/> <span class="ft6">Reaktionszeit für die Aufgabe einer selbständigen Erwerbstätigkeit)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">88</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">aufgeben wollen und auch können müsse. (Zum Ganzen: ARV</span><br/> <span class="ft6">1996/97 Nr. 38 S. 212 Erw. 2a)</span><br/> <span class="ft6">b) Was Praktikumsstellen betrifft, hat das EVG entschieden,</span><br/> <span class="ft6">dass für die Annahme eins Zwischenverdienstes kein Raum bleibe,</span><br/> <span class="ft6">wenn die in Frage stehende Tätigkeit nicht zur Vermeidung von Ar-</span><br/> <span class="ft6">beitslosigkeit, sondern in erster Linie zu Ausbildungszwecken und</span><br/> <span class="ft6">folglich zum Erwerb von Kenntnissen aufgenommen worden sei</span><br/> <span class="ft6">(ARV 1998 Nr. 49 S. 286 ff.). Dieser etwas missverständlich for-</span><br/> <span class="ft6">mulierte Entscheid bedarf der Präzisierung: Auch den Lohn aus ei-</span><br/> <span class="ft6">nem während der Arbeitslosigkeit absolvierten Praktikum muss sich</span><br/> <span class="ft6">der Versicherte grundsätzlich als Zwischenverdienst anrechnen las-</span><br/> <span class="ft6">sen. Als solcher gilt gemäss Art. 24 Abs. 1 AVIG <i>jedes</i> Einkommen</span><br/> <span class="ft6">aus unselbständiger oder selbständiger Erwerbstätigkeit, das der Ar-</span><br/> <span class="ft6">beitslose innerhalb einer Kontrollperiode erzielt. Es besteht kein</span><br/> <span class="ft6">Grund, den Absolventen eines Praktikums hier zu privilegieren und</span><br/> <span class="ft6">ihm ein volles Taggeld auszubezahlen. Eine Praktikumstätigkeit</span><br/> <span class="ft6">während einer Arbeitslosigkeit bedarf aber insofern einer Sonder-</span><br/> <span class="ft6">behandlung, als strengere Anforderungen an die Vermittlungsfähig-</span><br/> <span class="ft6">keit des Versicherten gestellt werden müssen, wenn die betreffende</span><br/> <span class="ft6">Tätigkeit, wie es das EVG formuliert, nicht zur Vermeidung von</span><br/> <span class="ft6">Arbeitslosigkeit, sondern in erster Linie zu Ausbildungszwecken</span><br/> <span class="ft6">aufgenommen wurde und wenn der Versicherte auch entsprechend</span><br/> <span class="ft6">schlechter entlöhnt wird. Eine solche Tätigkeit hat aus der Sicht der</span><br/> <span class="ft6">Arbeitslosenversicherung nur einen begrenzten Schadenminderungs-</span><br/> <span class="ft6">effekt und kann deshalb nicht im selben Masse privilegiert werden</span><br/> <span class="ft6">wie eine Zwischenverdiensttätigkeit, die primär Erwerbszwecken</span><br/> <span class="ft6">dient. Eine Ausnahme ist allerdings dort zu machen, wo das Prakti-</span><br/> <span class="ft6">kum die Voraussetzungen eines Kurses im Sinne von Art. 60 AVIG</span><br/> <span class="ft6">erfüllt und von der kantonalen Amtsstelle als solcher bewilligt wird.</span><br/> <span class="ft6">Hier gilt mit Art. 60 Abs. 3 AVIG wieder eine relative Vermittlungs-</span><br/> <span class="ft6">fähigkeit.</span><br/> <span class="ft6">Legt man beim Absolventen eines eigentlichen Praktikums hin-</span><br/> <span class="ft6">sichtlich der Vermittlungsfähigkeit einen strengeren Massstab an,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">89</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">muss dies bedeuten, dass es nicht genügen kann, wenn der Versi-</span><br/> <span class="ft6">cherte seine Praktikumsstelle bei Finden oder Zuweisung einer zu-</span><br/> <span class="ft6">mutbaren Arbeit innert der ordentlichen gesetzlichen Kündigungs-</span><br/> <span class="ft6">fristen aufgeben kann. Es muss vielmehr verlangt werden, dass eine</span><br/> <span class="ft6">Auflösung des Arbeitsverhältnisses sofort oder zumindest kurzfristig</span><br/> <span class="ft6">möglich ist. Selbstverständlich muss der Versicherte wie bei einer</span><br/> <span class="ft6">Zwischenverdiensttätigkeit zu Erwerbszwecken auch <i>grundsätzlich</i></span><br/> <span class="ft5"><i>bereit</i> sein, seine Tätigkeit zu Gunsten einer zumutbaren Arbeit auf-</span><br/> <span class="ft6">zugeben.</span><br/> <span class="ft6">In Zusammenhang mit dem Besuch von nicht bewilligten Kur-</span><br/> <span class="ft6">sen hat das EVG festgehalten, dass der betreffende Arbeitslose bereit</span><br/> <span class="ft6">und in der Lage sein muss, den Kurs <i>jederzeit</i> abzubrechen, um eine</span><br/> <span class="ft6">Stelle anzutreten (BGE 122 V 266 Erw. 4). Bei einem entlöhnten</span><br/> <span class="ft6">Praktikum rechtfertigt es sich, je nach Umfang der Entlöhnung, et-</span><br/> <span class="ft6">was weniger streng zu sein, da der Versicherte hier doch immerhin</span><br/> <span class="ft6">einen Zwischenverdienst erzielt und die Arbeitslosenversicherung</span><br/> <span class="ft6">damit ein gewisses Interesse an seiner Tätigkeit hat.</span><br/> <span class="ft6">c) Wie sich aus den vorangehenden Erwägungen ergibt, kann</span><br/> <span class="ft6">das vom Beschwerdeführer am 1. November 1998 begonnene Prakti-</span><br/> <span class="ft6">kum nur dann zu einer Verneinung seines Anspruchs auf Arbeitslo-</span><br/> <span class="ft6">senentschädigung führen, wenn infolge des Praktikums seine Ver-</span><br/> <span class="ft6">mittlungsfähigkeit nicht mehr gegeben war (vgl. auch BGE 122 V</span><br/> <span class="ft6">266 Erw. 4). Die angefochtene Verfügung kann mit anderen Worten</span><br/> <span class="ft6">nur im Sinne einer Verneinung der Vermittlungsfähigkeit bestätigt</span><br/> <span class="ft6">werden. Hierzu bedürfte es aber einer vorgängigen Verfügung des</span><br/> <span class="ft6">KIGA. Nach gefestigter Rechtsprechung des Versicherungsgerichts</span><br/> <span class="ft6">(eingeleitet durch das Urteil vom 21. Januar 1997 i.S. A.P./OeALK,</span><br/> <span class="ft6">BE.96.00611) besteht aufgrund von Art. 85 Abs. 1 lit. d AVIG sowie</span><br/> <span class="ft6">Art. 24 AVIV keine Kompetenz der Arbeitslosenkassen zur Abwei-</span><br/> <span class="ft6">sung eines Entschädigungsantrags wegen fehlender Vermittlungsfä-</span><br/> <span class="ft6">higkeit. Allein die kantonale Amtsstelle ist befugt, einem Versicher-</span><br/> <span class="ft6">ten die Vermittlungsfähigkeit ganz oder teilweise abzusprechen. Die</span><br/> <span class="ft6">angefochtene Verfügung ist daher als kompetenzwidrig aufzuheben</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">90</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie</span><br/> <span class="ft6">den Fall dem KIGA zum Entscheid über die Vermittlungsfähigkeit</span><br/> <span class="ft6">des Beschwerdeführers in der Zeit ab dem 1. November 1999 unter-</span><br/> <span class="ft6">breite und nach Rechtskraft dieses Entscheides gegebenenfalls neu</span><br/> <span class="ft6">über eine Rückforderung verfüge.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>