B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2016/2012 U r t e i l v o m 11 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…) Somalia, alle vertreten durch Safia Hassan (Rechtsvertreterin 1), (…), und Ricardo Lumengo (Rechtsvertreter 2), Swiss-Exile, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 15. März 2012 / N (…). D-2016/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Schreiben an das BFM vom 8. November 2011 stellte die Rechts- vertreterin 1 für die Beschwerdeführenden beim BFM ein Gesuch um Ein- reisebewilligung zur Durchführung des Asylverfahrens. Sie sei im Jahr 1993 in der Schweiz vorläufig aufgenommen worden. Ihr Sohn (der Be- schwerdeführer) sei im Jahr 2008 a us Somalia geflohen und lebe mit zwei Neffen (Enkel der Rechtsvertreterin 1) i m Jemen. Wegen den Unru- hen und Gewaltakten sei es dort für ihre Familienangehörigen sehr ge- fährlich. Sie seien Opfer von Fremdenhass und i m Jemen unerwünscht. Sie litten unter sc hlechten Lebensbedingungen, und die Kinder könnten nicht zur Schule gehen. A.b Das BFM teilte der Rech tsvertreterin 1 m it Zwischenverfügung vom 4. Januar 2012 mit, die Initiierung eines Asylverfahrens aus dem Ausland setze einen persönlichen Antrag der asylsuc henden Person voraus. Sei eine Anhörung nicht möglich, sei ein vertretungsweise eingereichtes Asylgesuch du rch Einreichung einer persönlich verfassten oder zumi n- dest unterzeichneten Stellungnahme zum Fragenkatalog des BFM zu bestätigen. Im Jemen gebe es keine schweizerische Vertretung, in der ei- ne Anhörung durchgeführt werden könne, weshalb das Verfahren schrif t- lich durchzuführen sei. Der Rechtsvertreterin 1 wurde ein Fragenkatalog übermittelt, zu dessen Beantwortung Frist gesetzt wurde. A.c Mit Eingabe vom 23. Januar 2012 übermittelte die Rechtsvertreterin 1 dem BFM eine vo m Beschwerdeführer unterzeichnete Vollmacht und be- antwortete die vom BFM gestellten Fragen. Ihr Sohn habe bis im Januar 2008 im Distrikt D._______ (Somalia) gelebt. Er sei aufgrund der Cla n- strukturen Willkür, Erpressung und Misshandlung ausgesetzt gewesen. Als sein Grossvater, bei dem er gelebt habe, verstorben sei, habe er se i- ne Heimat verlassen. Seither lebe er i m Jemen und werde von seinen in der Schweiz lebenden Angehörigen unterstützt. Di e Sicherheitslage in Sanaa sei explosiv, und er leide unter dem Fremdenhass, werde diskrimi- niert und riskiere, deportiert zu werden. B. Mit Verfügung vom 15. März 2012 bewilligte das BFM den Beschwerd e- führenden die Einreise in die Schweiz nicht, und lehnte d as Asylgesuch ab. D-2016/2012 Seite 3 C. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 13. April 2012 (Post- stempel vom 16. April 2012) liessen die Beschwerdeführenden durch i h- ren Rechtsvertreter 2 beantragen, der Entscheid des BFM sei aufzuh e- ben und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventuell seien sie vorläufig au f- zunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 des Verwaltung s- verfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). D. Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 18. April 2012 gut und verzichtete auf die Erhebung eines Koste n- vorschusses. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege gemä ss Art. 65 Abs. 2 VwVG wies er ab. Die Akten wurden zur Vernehmlassung an das BFM überwiesen. E. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 24. April 2012 die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Rechtsver- treter 2 vom Bundesverwaltungs gericht am 26. April 2012 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. D-2016/2012 Seite 4 1.2 Die Be schwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art 37 VGG i.Vm. Art. 48 Abs. 1 so- wie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist unter Vorbehalt der nachst e- henden Erwägung 1.3 einzutreten. 1.3 Nicht einzutreten ist hingegen auf den Eventualantrag, die Beschwe r- deführenden seien in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Die vorläufige Aufnahme stellt eine Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug der Wegweisung dar (Art. 83 des Bun desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Da die Beschwerdeführenden sich im Jemen befinden, wurden sie nicht aus der Schweiz weggewiesen, womit die Möglichkeit der Anordnung einer vo r- läufigen Aufnahme entfällt. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).. 3. 3.1 3.1.1 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts die Anwesenheit der Beschwerdefüh- renden in der Schweiz nicht erfordere. Aufgrund des Sachverhalts könne davon ausgegangen werden, dass keine unmittelbare Gefährdung vorli e- ge, die eine sofortige Einreise (in die Schweiz) notwendig erscheinen las- se. Die Ausführungen im Asylgesuch und in der Stellungnahme vom 23. Januar 2012 liessen nicht darauf schliessen, dass sie in Somalia ei n- reiserelevante Nachteile erlitten oder ihnen solche gedroht hätten. Der Sohn der Rechtsvertreterin 1, der seit Anfang 2008 i m Jemen lebe, habe sich offensichtlich nicht beim UNHCR gemeldet. Seinen Lebensunterhalt habe er alleine respektive mit Hilfe von Familienangehörigen, die in ande- ren Ländern lebten, bestritten. Jemen habe da s Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und die Zusatzprotokolle am 18. Januar 1980 unterzeichnet. Es gebe aber kein Gesetz, das die Vergabe des Flüchtlingsstatus oder von Asyl regle. Die Verfassung verbiete die Ausli eferung von "politischen Flüchtlingen" und D-2016/2012 Seite 5 gebe dem Präsidenten das Recht, "politisches Asyl" zu erteilen. Im Jahr 2000 sei das "National Comittee for Refugee Affairs" (NCRA) geschaffen worden, das konsultative Funktion habe. Die Versorgungslage i m Jemen sei angespannt, wovon auch die einheimische Bevölkerung betroffen sei. Im Januar 2011 hätten 202'500 registrierte Flüchtlinge i m Jemen gelebt. Insgesamt lebten dort 700'000 Migranten vom Horn von Afrika. Sie wü r- den gemeinsam vom UNHCR und vom jemenitischen "Bureau of Ref u- gees" betreut. In einem in der Wüste gelegenen Flüchtlingslager lebten 14'000 Flüchtlinge. Sie hätten Zugang zu Lebensmitteln , und es gebe e i- ne Schule und ein Spital. Sie dürften sich frei im Land bewegen, die Mög- lichkeiten seien aber sehr beschränkt. Die Versorgung der in den grossen Städten lebenden Flüchtlinge sei weniger umfassend als im Lager. Sie erhielten in der Regel dieselben Leistungen wie die einheimische Bevö l- kerung, die kaum soziale Dienstleistungen erhalte. Verletzliche Flüchtli n- ge erhielten vom UNHCR durch den Partner "Interaction for Development Foundation" (IDF) finanzielle Unterstützung. Da die aktuelle Krise zu einer Verteuerung der Basisgüter geführt habe, seien die Zahlungen erhöht und mehr Flüchtlinge als "verletzlich" de finiert worden. Flüchtlinge seien von der allgemeinen Unsicherheit betroffen, aber nicht speziell gefährdet. In den Städten hätten sie Zugang zur medizinischen Grundversorgung, w o- zu das UNHCR mit der jemenitischen Regierung ein "Memorandum of Understanding" abgeschlossen habe. Das UNHCR biete in Sana a aus- serdem Berufs- und Computerausbildungen sowie Kindertagesstätten mit Essen und Arabischunterricht an, NGOs Dienstleistungen wie Schulunter- richt oder medizinische Versorgung. Die Erteilung einer Arbeitsbewilligung sei kompliziert und langwierig, die informelle Arbeitsaufnahme von Flücht- lingen werde aber meist ens toleriert. Kinder von Flüchtlingen dürften die lokalen Schulen besuchen, aufgrund mangelnder Kapazitäten sowie s o- zialer Probleme besuchten aber nicht alle die Schulen. Somalische Flüchtlinge hätten in Aden und Sanaa guten Zugang zum Ausbildungswe- sen. 3.1.2 Das BFM verkenne nicht, dass die Lage i m Jemen für die B e- schwerdeführenden nicht einfach sei. Es bestünden aber keine Anhalt s- punkte dafür, dass ihnen ein Verbleib nicht zumutbar oder möglich sei, zumal sie dort keine einreiserelevanten Nachteile erlitten hätten oder i h- nen solche drohten. Der Beschwerdeführer lebe seit vier Jahren dort, und es sei davon auszugehen, dass er sich eine Existenzgrundlage und ein tragfähiges Beziehungsnetz habe schaffen können. Es sei den B e- schwerdeführenden auch zuzumuten, sich ans UNHCR zu wenden, sollte dies nötig sein. Die Befürchtung, sie könnten nach So malia zurückg e-D-2016/2012 Seite 6 schafft werden, erachte das BFM als unbegründet, da es dafür keine A n- haltspunkte gebe. Die Beschwerdeführenden verfügten über einen A n- knüpfungspunkt zur Schweiz, der aber nicht derart gewichtig sei, als dass eine Gesamtabwägung der Umstände i m Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz zu gewähren habe. I m Jemen lebe ein weiterer volljähriger Verwandter , und der Beschwerdeführer habe dort eine gewisse Selbständigkeit zu entfalten vermocht, indem er den Lebensunterhalt ohne Hilfe des UNHCR bestreiten könne. Ausserdem lebten Familienangehörige in den Niede r- landen. Die Beschwerdeführenden benötigten somit den subsidiären Schutz der Schweiz nicht, es sei ihnen zuzumuten, i m Jemen zu verblei- ben. Die Voraussetzungen für eine Familienzusammenführung seien nicht gegeben, da die Rechtsvertreterin 1 nicht über den Flüchtlingsstatus verfüge. 3.2 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei in Somalia unmittelbar gefährdet. Er sei vo n Clanmilizen mehrfach mit dem Tod bedroht worden, da diese von ihm Geld hätten erpressen wollen. Er müsse dort immer noch um sein Leben fürchten. Es sei nicht einfach, im Jemen beim UNHCR um Hilfe nachzusuchen; es müssten hohe bür o- kratische Hürden überwunden werden. In Sanaa erhielten nur 80 Famil i- en regelmässig Unterstützung. Geregelte Arbeit zu finden , sei praktisch unmöglich. Der Beschwerdeführer erhalte vom UNHCR keine Unterstü t- zung und könne nur selten arbeiten. Er und seine Neffen seien i m Jemen nicht ausreichend geschützt. Aufgrund der herrschenden Situation sei es ihm bisher nicht möglich gewesen, sich eine wirtschaftliche Existen z- grundlage zu schaffen. Er habe dort auch kein tragfähiges Beziehung s- netz. Ein Grossteil seiner Familie (Mutter, Nichten und Neffen) lebe in der Schweiz, in den Niederlanden lebten lediglich zwei seiner Schwestern. Auch die beiden Kinder hätten in der Schweiz mit ihrer Grossmutter und ihren Geschwistern ein stabiles familiäres Umfeld. Die Sicherheitslage i m Jemen habe sich n ach den im Mai 2011 ausgebrochenen Auseinande r- setzungen immer noch nicht nachhaltig verbessert. Dadurch werde auch die Arbeit des UNHCR erschwert. Für den Beschwerdeführer, der zwei Kinder zu betreuen habe, sei es besonders schwierig, Arbeit zu finden. Es sei für die Beschwerdeführenden auch nicht möglich, in ein anderes Land zu reisen. 4. 4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an D-2016/2012 Seite 7 das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfah- rens bei der Vertretung sieht Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. D a- von kann nu r abgewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen unmöglich ist, oder wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylg e- suchs als entscheidreif erstellt erscheint (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 367 f.). Ist eine Befragung im Ausland nicht möglich, ist die asylsuchende Person aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das BFM hat den Verzicht auf eine Befragung im Au s- land in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 368). 4.2 Vorliegend wurde keine Anhörung des Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen durchgeführt. Das BFM begründete dies in seiner Zwischen- verfügung vom 4. Januar 2012 damit, dass es im Jemen keine schweiz e- rische Vertretung gebe, die eine Anhörung durchführen könnte. Die Vertreterin 1 der Beschwerdeführe nden nahm mit Eingabe vom 23. Januar 2012 zu den vom BFM im Schreiben vom 4. Januar 2012 ge- stellten Fragen Stellung. Die Beschwerdeführe nden erhielten somit die Möglichkeit, ihre Asylgründe darzulegen und mithin bei der Erhebung und Ergänzung des rechtserheblichen Sachverhaltes mitzuwirken. 5. Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die Ei n- reise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird (Art. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Au f- enthalt im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und da- mit die Einreise in die Schweiz – ist ihr zu verweigern, wenn keine Hin - weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 6. 6.1 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG D-2016/2012 Seite 8 sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG na - mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staa ten, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die prakti - sche Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schut z- suche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilati - onsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vg l. BVGE E -8127/2008 vom 12. Mai 2011 E. 3.3, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri - schen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 19 E. 4 S. 174 ff., EMARK 2004 Nr. 21 E. 2 S. 136 f., EMARK 2004 Nr. 20 E. 3 S. 130 f., EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f.). 6.2 Der Beschwerdeführer macht eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 20 AsylG geltend, indem er vorbringt, in Somalia von Clanmilizen bedroht, erpresst und misshandelt worden zu sein . Das BFM hält in der angefochtenen Verfügung ohne auf die se Vorbringen näher einzugehen fest, die Ausführungen im Asylgesuch und in der Stellun g- nahme vom 23. Januar 2012 liessen nicht darauf schliessen, dass die Be- schwerdeführenden in Somalia einreiserelevante Nachteile erlitten oder ihnen solche gedroht hätten. Bei der Prüfung des Asylausschlussgrundes von Art. 52 Abs. 2 AsylG bejaht es zudem die Zumutbarkeit des Verbleibs der Beschwerdeführenden im Jemen. 7. 7.1 7.1.1 Gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Au s- land befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden kann, sich in einem andern Staat um Aufnahme zu bemühen. Diese B e- stimmung trifft keine Unterscheidung zwischen Asylgesuchen aus dem Herkunftsland der asylsuchenden Person und solchen, die aus einem Drittstaat gestellt werden. Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort er- langen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prüfen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung gefunden hat oder erlangen kann, und – falls dies zu beja hen ist – ob der asylsuchenden Person die D-2016/2012 Seite 9 Inanspruchnahme des Schutzes des Drittstaates und somit der Verbleib in diesem Staat objektiv zugemutet werden kann. Bei dieser Abwägung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE E-8127/2008 vom 12. Mai 2011 E. 5.1; EMARK 2004 Nr. 21 E. 4 b.aa S. 139 f.). 7.1.2 Das Kriterium der besonderen Beziehungsnähe ist nicht mit den Voraussetzungen des Familienasyls in Bezug auf den Verwandtschafts- grad nach Art. 51 AsylG gleichzusetzen. Auch verwandtschaftliche Bezie- hung zu Personen ausserhalb der Kernfamilie sind in die Abwägung mit einzubeziehen. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass gegebenenfalls auch aus anderen Gründen als auf grund einer Verwandtschaft zu in der Schweiz lebenden Personen eine enge Beziehung zur Schweiz anzuneh - men sein könnte (vgl. EMARK 2004 Nr. 21. E. 4.b.aa S. 140, EMARK 1997 Nr. 15 E. 2g S. 132). Zu berücksichtigen sind zudem die Bezi e- hungsnähe zum Drittsta at (oder zu anderen Staaten) sowie die vorau s- sichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). Allein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezi e- hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ablehnung des Asylges u- ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f. S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin- reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine A b- schiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen erscheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier ansässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung einer Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist (vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D -7225/2010 vom 14. Februar 2011 E. 6, insbes. 6.6, D -4758/2010 vom 30. August 2010 E. 4.1.4, D-2047/2010 vom 29. April 2010, insbes. S. 9 f.). 7.2 Im Hinblick auf die Prüfung der Anwendbarkeit des Asylausschluss - grundes von Art. 52 Abs. 2 AsylG hält das BFM in Ziffer 3 seiner Verfü- gung unter Hinweis auf die Rechtsprechung fest, die Kriterien, welche die Zufluchtnahme in einem Drittstaat als zumutbar erscheinen liessen, seien D-2016/2012 Seite 10 mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es legt so - dann in Ziffer 4 dar, weshalb trotz der schwierigen Bedingungen für soma- lische Flüchtlinge im Jemen nicht von der Unzumutbarkeit des Verbleibs in diesem Drittstaat ausgegangen werden könne. Schliesslich bejaht es einen Anknüpfungspunkt der Beschwerdeführenden zur Schweiz, geht aber davon aus, dieser sei nicht derart gewichtig, dass gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz zu gewähren habe. 8. 8.1 Einleitend ist darauf hinzuweisen, dass die Frage , ob der Beschwe r- deführer in Somalia tatsächlich (noch) einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt ist, ebenso offenbleiben kann wie diejenige, ob seine Vorbringen als glaubhaft zu erachten sind oder nicht . Selbst im Fall einer Bejahung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen und einer flüchtling s- rechtlich relevanten Gefährdung ist es ihm und seinen Neffen – wie nach- stehend auszuführen sein wird – zuzumuten, sich weiterhin im Jemen aufzuhalten. 8.2 Mit Blick auf die Frage, ob es de n Beschwerdeführenden zugemutet werden kann, sich in einem anderen Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (Art. 20 Abs. 2 und Art. 52 Abs. 2 AsylG), ergibt die Prüfung der Akten, dass sich die diesbezüglichen Erwägungen in der angefochtenen V erfü- gung als zutreffend erweisen. Der Beschwerdeführer befindet sich g e- mäss seinen Angaben in der Eingabe vom 23. Januar 201 2 seit dem 30. Januar 2008 im Jemen und hat sich dort in Sanaa niedergelassen . Die Tatsache, dass er seit über vier Jahren als Flüc htling im Jemen lebt und keinerlei Probleme mit den dortigen Behörden geltend macht , lässt es als unwahrscheinlich erscheinen, dass er, wie befürchtet, nach Soma- lia zurückgeschafft w ird. Die in der Beschwerde vertretene Auffassung, die Beschwerdeführenden seien im Jemen nicht ausreichend geschützt, kann somit nicht geteilt werd en. Den Beschwerdeführenden ist es offe n- bar mit Hilfe ihrer in der Schweiz lebenden Verwandten gelungen, sich im Jemen so einzurichten, dass es nicht nötig war, sich an das UNHCR zu wenden und dieses um Hilfe anzugehen . Da sie über eine eigene Unte r- kunft verfügen, waren sie auch nicht gezwungen, sich um Aufnahme im Flüchtlingslager zu bemühen. Es mag zwar sein, dass zahlreiche Hürden überwunden werden müssten, um Hilfe vom UNHCR zu erh alten; da der Beschwerdeführer dies bis heute nicht versucht hat, kann davon ausg e- gangen werden, es sei ihm ge lungen, seine Bedürfnisse – und diejenige seiner Neffen – auf andere Art abzudecken. Die Beschwerdeführenden verfügen zwar in der Schweiz über ein familiäres Beziehungsnetz, indes-D-2016/2012 Seite 11 sen hat die Vorinstanz bei der Würdigung dieses Elementes das ihr z u- stehende weite Ermessen nicht überschritten. Die Mutter des Beschwe r- deführers hält sich seit 1993 in der Schweiz auf und hat seither offenbar keinen direkten Kontakt mehr mit ihrem Sohn. Ihre Enkel, die Neffen des Beschwerdeführers, wurden im Jemen geboren und kennen ihre Famil i- enangehörigen in der Schweiz nicht. Der Wunsch der Beschwerdefü h- renden und ihrer in der Schweiz lebenden Angehörigen, hier persönliche Kontakte zu pflegen, erscheint verständlich, lässt es indessen nicht als zwingend erscheinen, dass ihnen gerade die Schweiz Schutz vor Verfo l- gung zu gewähren hätte, den sie bereits in einem anderen Staat gefu n- den haben . Angesichts des mehrjährigen Aufen thalts des Beschwerd e- führers im Jemen und der grossen Zahl dort lebender somalischer Staatsangehöriger darf zudem davon ausgegangen werden, dass er mit t- lerweile auch dort über ein Beziehungsnetz im weiteren Sinn verfügt. Eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG führt somit vorliegend zum Schluss, dass den Beschwerdeführenden ein Verbleib im Jemen zuzumuten ist. 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bu n- desrecht nicht verletz t, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das BFM hat das Asylgesuch der Beschwerdeführenden aus dem Ausland zu Recht abgelehnt und ih nen die Einreise in die Schweiz verweigert. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen, soweit auf diese einzutreten ist. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit Zwischenverfügung vom 18. April 2012 die unen tgeltliche Rechtspfle- ge gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-2016/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdef ührenden, das BFM und die schweizerische Vertretung in Riad. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: