Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. August 2012 (720 12 124 / 230) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Notwendigkeit (vorgängiger) beruflicher Massnahmen bei Rentenherabsetzung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D aniela Bifl, Rechtsan- wältin, Advokatur & Rechtsberatung TRIAS AG, Salinenstrasse 25, 4133 Pratteln gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1955 geborene A.____ arbeitete vom 1. März 200 0 bis 30. September 2003 als Bauisoleur bei der B.____ AG. Zudem war er im Rahme n einer Nebenbeschäftigung vom 1. Dezember 1997 bis 31. Dezember 2003 als Zeitungsvertr äger für die C.____ AG tätig. Am 26. Mai 2004 meldete sich A.____ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem sie die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft einen Invaliditätsgrad des Versicherten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 100 %. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ m it Verfügung vom 19. April 2005 rückwirkend ab 1. April 2004 eine ganze Rente zu. Im März 2007 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein e Überprüfung des laufenden Renten- anspruchs des Versicherten ein. Dieses Verfahren endete m it der Mitteilung an A.____, dass man keine rentenbeeinflussende Änderung des Invaliditä tsgrades festgestellt habe (Mitteilung vom 22. Mai 2007). Im Mai 2010 leitete die IV-Stelle eine nächste Rentenrevision von Amtes wegen ein. Aufgrund ihrer Abklärungen gelangte die I V-Stelle zur Auffassung, dass sich der Gesundheitszustand von A.____ verbessert habe. Der aus die sem Grund neu vorzunehmende Einkommensvergleich ergebe lediglich noch einen Invalidi tätsgrad von 40 %. Nach Durchfüh- rung des Vorbescheidverfahrens setzte die IV-Stelle deshal b die laufende ganze Rente von A.____ mit undatierter, am 5. März 2012 eröffneter V erfügung auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf eine Viertelsrente herab. B. Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwältin Daniel a Bifl namens und im Auftrag von A.____ am 18. April 2012 Beschwerde beim Kantonsgeric ht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei di e angefochtene Verfügung der IV-Stelle aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer ab 1. Mai 2012 die gesetzlichen Leistungen auf der Basis eines Invaliditätsgrades von mindestens 50 % zuzusprechen. Eventualiter seien der aktuelle Gesundheitszustand und die daraus resultier ende Einschränkung der Arbeitsfähig- keit des Beschwerdeführers nochmals abzuklären; unter o/e -Kostenfolge, wobei dem Be- schwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und di e unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin zu bewilligen seien. Zur Beg ründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, die IV-Stelle habe den Untersuchungsgrundsat z verletzt, indem sie in Bezug auf das rechte Knie des Beschwerdeführers nicht die weiteren Verl aufsberichte abgewartet, sondern aufgrund des bestätigten positiven Operationsverlaufs ein fach angenommen habe, dass die Operation keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ha be. Der aktuelle Bericht des behandelnden Arztes lasse Bedenken aufkommen, dass in einer adaptierten Tätigkeit tatsächlich eine Arbeits- fähigkeit von 100 % bestehe. Das operierte Knie müsse wei terhin therapiert werden, so dass noch unklar sei, welchen Einfluss das Knieleiden auf die Arbeitsfähigkeit habe. In jedem Falle müsse dem Beschwerdeführer aber aufgrund seiner Begleit beschwerden, seines Alters, seines Migrationshintergrundes und seiner achtjährigen Absenz vom Erwerbsleben ein leidenbedingter Abzug von 25 % gewährt werden, so dass ein IV-Grad von 5 0 % und damit ein Anspruch auf eine halbe Rente bestehe. C. Mit Schreiben vom 21. Mai 2012 liess der Beschwerde führer mitteilen, dass er seine Anträge auf Bewilligung der unentgeltlichen Prozessfüh rung und der unentgeltlichen Ver- beiständung zurückziehe. D. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Juli 2012 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 18. April 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähig- keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, g eistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglied erung verbleibende ganze oder teil- weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betra cht kommenden allgemeinen Arbeits- markt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis Ende 2007 gült ig gewesenen Fassung) bzw. nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung) hat die versicherte Per- son Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindes tens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wen n sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezemb er 2007 gültig gewesenen Fassung] bzw. Art. 28a Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwend baren Fassung]). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, d as die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 4.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend hat die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 19. April 2005 gest ützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % rückwirkend ab 1. April 2004 eine ganze Rente zu gesprochen. Nachdem sie im Mai 2010 von Amtes wegen eine Überprüfung des Rentenanspru chs des Versicherten eingeleitet und die erforderlichen Abklärungen vorgenommen hatte, setzte die IV-Stelle die laufende ganze Rente des Versicherten mit undatierter, am 5. März 2012 eröffneter Verfügung mit Wirkung ab 1. Mai 2012 auf eine Viertelsrente herab. Somit beur teilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die ei ne revisionsweise Herabsetzung der bis anhin ausgerichteten Rente rechtfertigt, durch Verglei ch des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom 19. April 2005 bestanden hat, mit demjenigen im Zeit- punkt der vorliegend angefochtenen, am 5. März 2012 eröffneten Verfügung. 5. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundh eitszustand und - damit einher- gehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit des Versicherte n tatsächlich, wie von der IV-Stelle gel- tend gemacht, seit der Rentenzusprache in einer anspruchserheblichen Weise verbessert hat. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Ve rsicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilu ngen) bleibt folglich weitestgehend an- wendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 In der ursprünglichen Verfügung vom 19. April 2005 , mit welcher sie dem Versicherten eine ganze Rente zugesprochen hatte, stützte sich die IV-S telle bei der Beurteilung des Ge- sundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten im Wesentlichen auf das Gutach- ten der Klinik D.____ vom 1. Februar 2005. Darin hiel ten die begutachtenden Ärzte als Diagno- sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Epicondylitis humeri radialis rechts, ein chronisches cervicobrachiales Schmerzsyndrom rechts und eine m ittelgradige depressive Epi- sode fest. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfäh igkeit wurden eine entzündliche ZNS- Erkrankung, ein chronisch intermittierendes lumboverteb rales Schmerzsyndrom, der Status nach Abriss des Musculus rectus femoris proximal rechts sowie e ine Insuffizienz des vorderen Kreuzbandes rechts nach Ruptur genannt. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führten die Gutach- ter aus, der Versicherte sei aus orthopädischer Sicht in d er Lage, leichte bis höchstens mittel- schwere Tätigkeiten mit wechselnden Bewegungen des recht en Armes durchzuführen, wobei höchstens eine leichte Einschränkung auf Grund eines verl angsamten Arbeitstempos bestehe. Für alle schweren Arbeiten liege indes eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vor. Aus psychiatri- scher Sicht sei die Belastbarkeit durch die mittelgradige depressive Episode deutlich einge- schränkt. Gesamtmedizinisch komme aktuell höchstens eine Tät igkeit in einem geschützten Rahmen in Frage, bei welcher der Versicherte mit eine r leichten manuellen und abwechslungs- reichen Tätigkeit beschäftigt werde. Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei ihm aktuell nicht zumutbar. 6.2 Im Rahmen des von ihr im Mai 2010 von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevisions- verfahrens gab die IV-Stelle zur Abklärung des aktuellen medizinischen Sachverhalts bei der Klinik D.____ ein interdisziplinäres (Verlaufs-) Gutachten in Auftrag, welches am 11. März 2011 erstattet wurde. Darin gelangten die beteiligten Fach ärzte zum Ergebnis, dass aus internisti- scher Sicht kein invalidisierendes Leiden vorliege. Aus orthopädischer Sicht sei festzustellen, dass die bereits anlässlich der Begutachtung im Jahr 2004 festgestellten Diagnosen im Wesent- lichen die gleichen geblieben seien. Der Explorand kla ge zwar über eher noch stärkere Schmerzen im rechten Ellbogen, die Muskulatur des recht en Armes sei aber ausserordentlich gut ausgebildet, das gleiche gelte auch für die Schultergürtelmuskulatur. Radiologisch seien nur geringgradige degenerative Veränderungen sichtbar, soda ss weder im Bereich des Ellbogens noch im Bereich der Halswirbelsäule ein wesentliches pat hologisch-anatomisches Substrat für die geklagten Schmerzen zu finden sei. Auch im Bereic h der LWS seien keine wesentlichen degenerativen Veränderungen feststellbar. Im Bereich de s rechten Kniegelenks bestehe die bekannte Instabilität bei Insuffizienz des vorderen Kreu zbandes. Die Muskulatur sei aber auch am rechten Bein kräftig ausgebildet, so dass der Versicher te damit das Knie durchaus bis zu einem gewissen Grad stabilisieren könne. Radiologisch zei ge sich eine mediale Gonarthrose, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche einen Teil der geklagten Schmerzen erklären könne , es bestehe aber eine erhebliche Diskrepanz zwischen den subjektiven Schmerzen und den objekt iven Befunden. Was den neu- rologischen Bereich angehe, so bestehe zur Zeit keine E inschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittelschwer belastenden Tätigkeit, w elche nicht ausschliesslich in einer mo- notonen Körperhaltung ausgeführt werden müsse. Aus p sychiatrischer Sicht liege kein Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor, als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Status nach Anpassungsstörung mit mittelgr adiger Depressivität, gegenwärtig remittiert, sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzs törung. Die Depression sei vollständig remittiert. Neu müsse nun eine Schmerzfehlverarbeitun g angenommen werden, da der Be- schwerdeführer auch durch jahrelange Schonung keine Bess erung der Schmerzen erfahren habe. Die psychosomatische Schmerzfehlverarbeitung sei jed och gesichert überwindbar, Hin- weise auf eine Komorbidität würden fehlen, auch habe der Explorand seit Jahren keine Thera- pien mehr beansprucht. Ein sozialer Rückzug liege nicht vo r und ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer Schmerzverlauf könne nicht ange nommen werden, nachdem der Versi- cherte wegen der Schmerzfehlverarbeitung keine Therapi e beanspruche. Aus psychiatrischer Sicht könne deshalb keine Arbeitsunfähigkeit begründe t werden. Was die organischen Leiden angehe, so stehe die mediale Gonarthrose im Vordergr und. Diese dürfte sich schleichend ent- wickelt haben. Die Gonarthrose sei insofern berücksichtigt, als dem Versicherten seine ur- sprüngliche Tätigkeit auf dem Bau nicht mehr zumutbar sei . Der Ausübung einer wechselbelas- tenden Tätigkeit stehe aber nichts im Wege. Dass der Ver sicherte seinen rechten Arm - wie er selbst meine - im Alltag nicht mehr einsetzen könne, l asse sich weder aus orthopädischer noch aus neurologischer Sicht begründen. Die Schienen, welche der Versicherte trage, hätten rein appellativen Charakter und seien medizinisch nicht indi ziert. Der Versicherte sei in der Lage, in einer leichten bis mittelschweren Verweistätigkeit ganztags zu arbeiten, wobei er keine monoto- nen Arbeiten und keine Tätigkeiten mit repetitivem Heben von Lasten über 15 kg und mit repeti- tiven schweren Überkopfarbeiten ausführen sollte. Unge eignet seien zudem in tiefer Hocke oder kniend zu verrichtende Tätigkeiten, welche das Kni egelenk sehr stark belasten würden. Diese Einschätzung gelte ab dem Zeitpunkt der Begutachtung. 6.3 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des a ktuellen medizinischen Sachverhal- tes und bei ihrem Entscheid über die Frage, ob seit der ursprünglichen Rentenzusprechung eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers eingetreten ist, auf das interdisziplinäre Gutachten der Klinik D.__ __ vom 11. März 2011. Sie ging demzu- folge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der ursprüngli- chen Rentenzusprache vom 19. April 2005 namentlich in p sychischer Hinsicht deutlich verbes- sert hat. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund einge hender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten der Klinik D.____ vom 11. März 2011 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenn tnis der Vorakten abgegeben wor- den, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhand enen abweichenden ärztlichen Ein- schätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 6.4 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geeign et, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der Klinik D.____ vom 11. März 20 11 in Frage zu stellen. Der Versi- cherte bezweifelt in seiner Beschwerde insbesondere die Korrektheit der von den Gutachtern vorgenommenen Zumutbarkeitsbeurteilung und er macht in diesem Zusammenhang in erster Linie geltend, dass der Genesungsprozess nach einer am 1 3. September 2011 erfolgten Knie- operation noch nicht abgeschlossen sei. Somit sei aber nach wie vor unklar, ob nicht doch eine grössere Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorliege . Indem die IV-Stelle einfach einen posi- tiven Verlauf nach der Operation vorweggenommen habe, ohne den Verlaufsbericht des Chi- rurgen abzuwarten, habe sie den Untersuchungsgrundsatz ve rletzt. Zu diesem Einwand ist festzuhalten, dass den medizinischen Unterlagen keinerlei Hinweise entnommen werden kön- nen, wonach die erfolgte Knieoperation zu einer nach haltigen Verschlechterung des Gesund- heitszustandes des Beschwerdeführers und zu einer zusätzliche n andauernden Beeinträchti- gung seiner Arbeitsfähigkeit geführt haben soll. Dem Bericht des behandelnden Arztes Dr. med. E.____, Orthopädische Chirurgie FMH, vom 22. November 2011 lässt sich vielmehr entneh- men, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten gebe ssert habe und dass die Ver- laufskontrolle vom 26. Oktober 2011 einen positiven pos toperativen Verlauf mit ergussfreiem Kniegelenk und gutem Bewegungsausmass gezeigt habe. In se inem nächsten Bericht vom 20. Dezember 2011 hält Dr. E.____ fest, dass der Versich erte zwar weiterhin noch über leichte Schmerzen medialseitig - vor allem bei langem Laufen - klage, ansonsten gehe es ihm im Alltag aber soweit gut. Klinisch bestünden noch Schmerzen im med ialen Gelenkspaltbereich bei be- kannter Chondrose und ein leichtes Schnappen, wobei es sich wahrscheinlich um ein Schnap- pen des Knorpelschadens handle. Nach Anfertigung eines we iteren MRI führt Dr. E.____ schliesslich mit Bericht vom 29. März 2012 aus, dass eine klare Knorpelproblematik bestehe, eine mediale Rezidiv-Meniskusläsion liege indessen nicht vor. Als Therapie-Option werden Ostenil-Injektionen unterstützt mit Physiotherapie vorges chlagen. Als operative Alternative wird eine Umstellungs-Osteotomie erwogen. Eine Arbeitsunfähigkeit wird aber weder im Bericht vom 20. Dezember 2011 noch in demjenigen vom 29. März 2012 erwähnt. Insgesamt lassen sich den erwähnten Berichten von Dr. E.____ demnach keine h inreichenden Anhaltspunkte für eine weitere Verschlechterung der Kniesymptomatik entnehmen, s odass - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - auf die in sich schlüssige und überz eugende Zumutbarkeitsbeurtei- lung der Gutachter der Klinik D.____ abgestellt werden kann. 7.1 Als Ergebnis lässt sich somit nach dem Gesagten festha lten, dass aus medizinischer Sicht eine anspruchswesentliche Besserung des Gesundheit szustandes des Versicherten aus- gewiesen ist. Somit stellt sich im Rahmen der strittige n Revision die Frage, ob die IV-Stelle die seit April 2004 laufende ganze Invalidenrente zu Recht mit Wirkung ab 1. Mai 2012 auf eine Viertelsrente herabgesetzt hat. Die IV-Stelle ist in d er angefochtenen Verfügung davon ausge- gangen, dass das Erwerbseinkommen, das der Beschwerdeführer auf Grund der aktuellen ge- sundheitlichen Verhältnisse erzielen könnte, dem zur Ermittlung des Invaliditätsgrades anzustel- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht lenden Einkommensvergleich unverzüglich zu Grunde zu leg en ist. Auf die sich in diesem Zu- sammenhang stellende Problematik der Wiedereingliederu ng des im Zeitpunkt des Verfü- gungserlasses bereits mehr als 57 Jahre alten Versicherten ist sie hingegen nicht eingegangen. 7.2.1 Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz a llgemein der Grundsatz, dass die invali- de Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumu tbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern. Von den Versicherten können jedoch nur Vor- kehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 28 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung). Die Wiedereingliederung von Ver sicherten im fortgeschrittenen Alter oder nach invaliditätsbedingt langjährigem Fernbleibe n von der Arbeitswelt ist oftmals schwie- rig. Laut ständiger Rechtsprechung ist zwar im Regelfa ll eine medizinisch attestierte Verbesse- rung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg de r Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem Rentenbezug und/oder auf Grund des fortgeschrittenen Alters des Versi- cherten können jedoch ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeit smarktes der Anrechnung ei- ner medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizin isch möglichen Leistungsentfal- tung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei h ervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchfüh rung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist (Urteil G. des Bun- desgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis auf Urteil P. vom 10. September 2010, 9C_163/2009, E. 4.1 und 4.2.2). Die Verwaltung muss sich vor der Her- absetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente vergewi ssern, ob sich ein medizinisch- theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tiefe- ren Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür - au snahmsweise - im Einzelfall eine erwerbs- bezogene Abklärung (der Eignung, Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im Rechtssinne vorausgesetzt ist ( Urteil G. des Bundesgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinwe is auf Urteil K. vom 10. September 2010, 9C_768/2009, E. 4.1.2). 7.2.2 Im Urteil S. vom 26. April 2011 (9C_228/2010, publiziert in: Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2011 IV Nr. 73) hat das Bundesger icht sodann festgehalten, dass aus Gründen der Rechtssicherheit diejenigen Fälle, in wel chen der Ausnahmetatbestand der Not- wendigkeit (vorgängiger) befähigender beruflicher Massna hmen trotz wiedergewonnener Ar- beitsfähigkeit als erfüllt zu betrachten ist, vom Regelfa ll deren sofortiger erwerblicher Verwert- barkeit abzugrenzen sind. Es hat deshalb die vorstehend g eschilderte Rechtsprechung (vgl. E. 7.2.1 hiervor) dahingehend präzisiert, dass sie grundsä tzlich auf Sachverhalte zu beschrän- ken ist, in denen die revisions- oder wiedererwägungswe ise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Ren- te seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.3). 7.2.3 Die beiden Abgrenzungskriterien Alter 55 und R entenbezug 15 Jahre lehnen sich an die von den Eidgenössischen Räten am 18. März 2011 beschl ossenen und am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen zur 6. IVG-Re vision an. Anders als im vorliegenden Kontext geht es dort um die generelle Überprüfung vo n Renten, die bei pathogenetisch- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundla- ge gesprochen worden waren. Dies soll innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten der Ände- rung geschehen. Dabei sollen Renten auch gekürzt oder a ufgehoben werden, wenn sich der Invaliditätsgrad der versicherten Person nicht erheblich geändert hat. Hierfür regelt die erwähn- te Schlussbestimmung in Abs. 4, dass die erwähnte Überprüf ung auf Personen (mit dem obge- nannten Beschwerdebild) keine Anwendung findet, die i m Zeitpunkt des Inkrafttretens der Än- derung das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung einge- leitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen. Nach der Botschaft werden mit einer solchen Besitzstandgarantie di e Gesichtspunkte der Rechtssicher- heit und des Vertrauensschutzes berücksichtigt, weil eine W iedereingliederung in diesen Fällen faktisch ausgeschlossen sein dürfte (Bundesblatt [BBl] 2 010, S. 1912; SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.4). 7.2.4 Die Übernahme der beiden Abgrenzungskriterien bedeutet nun allerdings nicht, dass die darunter fallenden Rentner/innen in dem revision s- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) bzw. gegebenen- falls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugesta nden, dass - von Ausnahmen abgese- hen - aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder eine r langen Rentendauer die Selbsteingliede- rung nicht mehr zumutbar ist (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.5). 7.3 Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt der vorliege nd strittigen Rentenherabsetzung etwas mehr als 57 Jahre alt. Trotz des fortgeschrittenen Alters des Versicherten und trotz der medizinisch klar ausgewiesenen gesundheitlichen Einschränkungen hat die IV-Stelle vorliegend keinerlei berufliche Abklärungsmassnahmen und/oder Eingli ederungsversuche ergriffen. Indem die IV-Stelle ohne Weiteres davon ausgegangen ist, dass sich der Versicherte auf dem allge- meinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt selbst eingliedern könn e, hat sie offenbar übersehen, dass dieser zur Gruppe der Versicherten zählt, denen nach dem vorstehend Gesagten die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist. Vor einer Rentenherabsetzung hätten deshalb eine erwerbsbezogene Abklärung erfolgen und anschliessend die als zweckmässig erachteten beruflichen Eingliederungsmassnahmen durchgeführt wer den müssen. Die vorliegend ohne vorherige Durchführung von Eingliederungsschritten ange ordnete Rentenherabsetzung erweist sich demnach als unzulässig, weshalb die angefochtene Verfüg ung aufzuheben ist. Der IV- Stelle bleibt es allerdings unbenommen, nunmehr die erforderlichen Abklärungs- und Eingliede- rungsschritte in die Wege zu leiten. Solange sie aber solche Schritte nicht trifft und umsetzt, hat der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente. 7.4 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerde im Sinne der vorstehenden Erwägungen gutzuheissen und die undatierte , am 5. März 2012 eröffnete Verfü- gung der IV-Stelle aufzuheben ist. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist der Beschwerdeführer obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zu- rückzuerstatten. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Re chtsvertreterin des Beschwerdefüh- rers hat in ihrer Honorarnote vom 2. August 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 9 Stunden und 25 Minuten geltend gemacht, w as sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu ent schädigen. Nicht zu beanstan- den sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Au slagen von Fr. 58.--. Dem Be- schwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in d er Höhe von Fr. 2'605.15 (9 Stunden und 25 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 58.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen und die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vo m 5. März 2012 wird aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'605.15 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht