<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 29 S.89</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kinderzulagen</span> <span class="page_no">89</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Kinderzulagen</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>29</b></span> <span class="ft3"><b>§ 8 KZG, Personenfreizügigkeitsabkommen, Art. 76 der Verordnung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(EWG) Nr. 1408/71 über soziale Sicherheit</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Die Kinderzulagen werden bei Anspruchskonkurrenz im Inland grund-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sätzlich nach dem Obhutsprinzip zugesprochen. Erhält der obhutsbe-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rechtigte Elternteil, welcher mit den Kindern in Deutschland wohnt,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mangels unselbständiger Erwerbstätigkeit keine Kinderzulagen (bzw. nur</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den Differenzbetrag), gelangt gemäss Freizügigkeitsabkommen und Ver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ordnung (EWG) 1408/71 subsidiär das Erwerbsortprinzip zur Anwen-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dung, d.h. die Kinderzulagen sind dem in der Schweiz erwerbstätigen an-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>deren Elternteil auszurichten.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 4. Kammer, vom 28. Okto-</span><br/> <span class="ft4">ber 2003 in Sachen A.G. gegen Sozialversicherungsanstalt.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. a) Aufgrund des Personenfreizügigkeitsabkommens und des</span><br/> <span class="ft6">EFTA-Übereinkommens kommen in der Schweiz die Verordnungen</span><br/> <span class="ft6">(EWG) Nr. 1408/71 und (EWG) Nr. 574/72 zur Anwendung. Sie</span><br/> <span class="ft6">enthalten neben allgemeinen Grundsätzen der zwischenstaatlichen</span><br/> <span class="ft6">Koordination, die für sämtliche Sozialversicherungen gelten, auch</span><br/> <span class="ft6">spezifische Regelungen für die Familienzulagen. Die Koordinations-</span><br/> <span class="ft6">bestimmungen haben keinen Einfluss auf die von den nationalen</span><br/> <span class="ft6">Gesetzgebungen vorgesehenen Leistungsarten und legen weder einen</span><br/> <span class="ft6">Leistungskatalog fest noch sagen sie, wer bezugsberechtigt ist. Die</span><br/> <span class="ft6">einzelnen Staaten bleiben somit bezüglich Art und Höhe der Leis-</span><br/> <span class="ft6">tungen, des Berechtigtenkreises und der Anspruchsbedingungen frei.</span><br/> <span class="ft6">Die Bestimmungen gelten für alle gesetzlichen Leistungen, die dem</span><br/> <span class="ft6">Unterhalt der Familienangehörigen dienen, insbesondere für Kinder-,</span><br/> <span class="ft6">Ausbildungs- und Haushaltszulagen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">90</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">b) Um festzustellen, ob eine Anspruchskonkurrenz besteht, ist</span><br/> <span class="ft6">in einem ersten Schritt zu ermitteln, ob die in der Schweiz erwerbs-</span><br/> <span class="ft6">tätige Person Anspruch auf Familienzulagen hat. In einem zweiten</span><br/> <span class="ft6">Schritt muss geprüft werden, ob eine andere Person in einem EU-</span><br/> <span class="ft6">oder EFTA-Staat ebenfalls Anspruch auf Familienzulagen für dassel-</span><br/> <span class="ft6">be Kind hat.</span><br/> <span class="ft6">Familienleistungen werden für Arbeitnehmer, Selbständiger-</span><br/> <span class="ft6">werbende und Arbeitslose von dem Träger des Mitgliedstaates er-</span><br/> <span class="ft6">bracht, dessen Rechtsvorschriften für ihn gelten, auch wenn die Fa-</span><br/> <span class="ft6">milienangehörigen in einem anderen Mitgliedstaat wohnen. Die Ver-</span><br/> <span class="ft6">ordnung (EWG) Nr. 1408/71 folgt also bei Familienleistungen dem</span><br/> <span class="ft6">Beschäftigungslandprinzip (Maximilian Fuchs, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft6">Europäischen Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl. 2002, Baden-Baden,</span><br/> <span class="ft6">S. 476). Haben mehrere Personen (z.B. Mutter, Vater oder Stiefvater)</span><br/> <span class="ft6">in verschiedenen Staaten aufgrund einer Erwerbstätigkeit Anspruch</span><br/> <span class="ft6">auf Familienzulagen für dasselbe Kind, so bestimmt Art. 76 der Ver-</span><br/> <span class="ft6">ordnung (EWG) Nr. 1408/71, welcher Anspruch vorgeht oder wel-</span><br/> <span class="ft6">cher Staat erstleistungspflichtig ist. (...) Es geht der Anspruch vor,</span><br/> <span class="ft6">der in demjenigen Staat besteht, in dem die Familienangehörigen</span><br/> <span class="ft6">bzw. der obhutsberechtigte Elternteil mit dem Kind wohnt (Obhuts-</span><br/> <span class="ft6">prinzip). Der Anspruch im anderen Staat wird bis zu Höhe der im</span><br/> <span class="ft6">Wohnsitzstaat der Familienangehörigen geschuldeten Leistungen</span><br/> <span class="ft6">ausgesetzt. Sind die vom anderen Staat vorgesehenen Leistungen</span><br/> <span class="ft6">höher als diejenigen im Wohnsitzland der Angehörigen, muss der</span><br/> <span class="ft6">andere Staat eine Differenzzulage bezahlen. Gemäss Gemeinschafts-</span><br/> <span class="ft6">recht muss ein solcher Differenzbetrag lediglich dann ausgerichtet</span><br/> <span class="ft6">werden, wenn beide Ansprüche auf Erwerbstätigkeit beruhen. Im</span><br/> <span class="ft6">Ausland geleistete Differenzzahlungen - ob vom Gemeinschaftsrecht</span><br/> <span class="ft6">vorgeschrieben oder nicht - dürfen nicht vom schweizerischen An-</span><br/> <span class="ft6">spruch abgezogen werden, wenn die Schweiz in erster Linie leis-</span><br/> <span class="ft6">tungspflichtig ist.</span><br/> <span class="ft6">3. a) Im vorliegenden Fall wohnt und arbeitet der von seiner</span><br/> <span class="ft6">Ehefrau getrennt lebende Beschwerdeführer in der Schweiz. Die</span><br/> <span class="ft6">Ehefrau wohnt mit den beiden Kindern in Deutschland. (...)</span><br/> <span class="ft6">b) Grundsätzlich ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf</span><br/> <span class="ft6">Kinderzulagen unbestritten. Die Beschwerdegegnerin stellt sich denn</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kinderzulagen</span> <span class="page_no">91</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">auch auf den Standpunkt, die Auszahlung der Zulagen sei lediglich</span><br/> <span class="ft6">aufgrund der Anspruchskonkurrenz (für welche das KZG in § 8</span><br/> <span class="ft6">Abs. 3 das Obhutsprinzip vorsieht) eingestellt worden. Es ist daher</span><br/> <span class="ft6">davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner An-</span><br/> <span class="ft6">stellung zulagenberechtigt ist. Aufgrund des vorstehend zitierten</span><br/> <span class="ft6">Entscheids des Arbeitsamtes Lörrach steht aber weiter fest, dass die</span><br/> <span class="ft6">Ehefrau des Beschwerdeführers zwar selbständig erwerbstätig ist,</span><br/> <span class="ft6">damit aber nicht rentenversicherungspflichtig ist und ihr Anspruch</span><br/> <span class="ft6">auf Kindergeld nach Art. 10 der Durchführungsverordnung (DVO)</span><br/> <span class="ft6">i.V.m. Art. 76 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 ruht und lediglich</span><br/> <span class="ft6">ein Anspruch auf den Differenzbetrag besteht. Gemäss dem im Be-</span><br/> <span class="ft6">reich der Familienzulagen geltenden Erwerbsortprinzip (Kapitel 7</span><br/> <span class="ft6">des Titels III der Verordnung Nr. 1408/71) und der Tatsache, dass die</span><br/> <span class="ft6">Ehefrau trotz ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit kein Kindergeld</span><br/> <span class="ft6">beziehen kann, sind daher dem Beschwerdeführer die Zulagen für die</span><br/> <span class="ft6">Kinder M. und S. auszurichten.</span><br/></div> </div> </body> </html>