Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 6. Juni 2018 (810 17 220) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung / Straffälligkeit Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Claude Jeanneret, Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Jenny Rohr Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Mustafa Ates , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 1063 vom 15. August 2017) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ wurde 1992 in Basel geboren und ist im Besitz der Niederlassungsbewilligung. Er besuchte in der S chweiz die obligatorischen Schulen und begann eine Lehre als Sanitärinstallateur, welche e r jedoch abbrach. Von November 2010 bis November 2013 und im Sommer 2015 bezog A.____ Sozialhilfeleistungen. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10. März 2015 wurde A.____ wegen mengen- und gewerbsmässig qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten sowie Fr. 200.-- Busse mit einer Probezeit von 3 Jahren verurteilt. Diese s Urteil wurde vom Kantonsgericht Ba- sel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, mit Urteil vom 11. Mai 2016 bestätigt. C. Mit Verfügung vom 21. Februar 2017 widerrief das A mt für Migration des Kantons Ba- sel-Landschaft (AfM) die Niederlassungsbewilligung von A .____ nach vorgängiger Gewährung des rechtlichen Gehörs und wies ihn per 20. März 2017 bzw . auf den Zeitpunkt seiner beding- ten Entlassung aus der Schweiz weg. D. Eine von A.____, vertreten durch Mustafa Ates, Advoka t in Basel, gegen diese Verfü- gung erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat des Kan tons Basel-Landschaft (Regie- rungsrat) mit Beschluss (RRB) Nr. 1063 vom 15. August 2017 ab. E. Mit Eingabe vom 25. August 2017 erhob A.____, wei terhin vertreten durch Mustafa Ates, Advokat, gegen den Beschluss des Regierungsrats vom 15. August 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassun gs- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht). Er stellt das Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung und der Weg weisung aus der Schweiz abzuse- hen. Zudem sei ihm für das vorinstanzliche Verfahren so wie für das vorliegende Beschwerde- verfahren die unentgeltliche Prozessführung und Verbei ständung zu bewilligen; alles unter o/e- Kostenfolge. F. Am 27. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer di e Beschwerdebegründung ein. G. Der Regierungsrat liess sich mit Eingabe vom 24. Nove mber 2017 vernehmen und beantragt die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. H. Mit Verfügung vom 11. Januar 2018 wurde das Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh- rung und Verbeiständung mangels Nachweises der Bedürftigkeit abgewiesen. I. Mit Verfügung vom 2. Februar 2018 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen. J. Am 12. Januar 2018 heiratete A.____ die Schweizer Bürgerin B.____. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht genheit gegeben. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Be- schwerde eingetreten werden kann. 1.2 Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 3.1 Gemäss Art. 34 des Bundesgesetzes über die Ausländ erinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 verleiht die Niederlassungsbewilligung einen zeitlich unbefristeten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem grundsätzlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf Aufenthalt in der Schw eiz auszugehen. Dieser gilt indes nicht absolut. Bei Vorliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG kann die Niederlas- sungsbewilligung entzogen werden. 3.2 Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG kann die Nie derlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die ausländische Person zu einer längerfri stigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine strafrechtliche Massnahme im Sinne der Ar tikel 59 - 61 oder 64 des Schweizeri- schen Strafgesetzbuchs (StGB) vom 21. Dezember 1937 angeord net worden ist. Das Bundes- gericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in diesem Kontext dahingehend konkre- tisiert, dass es einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere unterjähri- ge Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (BGE 135 II 377 E. 4.2 und BGE 137 II 297 E. 2). Keine Rolle spielt, ob die Sanktio n bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausge- sprochen wurde (Urteil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vo m 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein auf die genannte Bestimmung gestützter Widerruf der Nieder lassungsbewilligung kann auch dann erfolgen, wenn sich ein Ausländer – wie vorliegend der Beschwerdeführer – seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz a ufgehalten hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 2). 3.3 Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10 . März 2015 wurde der Beschwer- deführer zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 2 Ja hren und 6 Monaten, davon 6 Monate unbedingt, verurteilt. Dieses Urteil wurde vom Kanton sgericht Basel-Landschaft mit Urteil vom 11. Mai 2016 vollumfänglich bestätigt. Damit ist vorlieg end der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG erfüllt, was vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird. Wie die Vo- rinstanz zutreffend ausführt, kann die Frage, ob das Ve rhalten des Beschwerdeführers zugleich als schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicher heit und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten ist, unter diesen U mständen offen gelassen werden. Der Wi- derrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG gelangt nur dann zur Anwendung, wenn es an Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Voraussetzungen für einen Widerruf aufgrund der V erurteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe fehlt (BGE 135 II 377 E. 4.2). 4.1.1 Liegt ein Widerrufsgrund vor, muss die Massnahme i m konkreten Fall auch verhältnis- mässig sein (Art. 96 Abs. 1 AuG). Dies erfordert eine I nteressenabwägung, welche die wesent- lichen Umstände des Einzelfalls berücksichtigt (BGE 135 II 110 E. 2.1). Da der Beschwerdefüh- rer mit einer Schweizerin verheiratet ist und zusammenl ebt, kann er sich auch auf das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vo m 4. November 1950 berufen. Somit ist über die landesrechtliche Verhältnismässigkeitspr üfung hinaus eine solche gemäss dem Konventionsrecht vorzunehmen (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; BGE 122 II 1 E. 2). Die konventions- rechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung entspricht jener n ach Art. 96 Abs. 1 AuG. Die Prüfung kann somit in einem einzigen Schritt vorgenommen werden (Urteile des Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4; 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1 mit Hinwei- sen). Bei der Prüfung sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwäg en (M ARTINA CARONI , in: Caroni/ Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Auslän derin-nen und Ausländer, Bern 2010, Art. 51 AuG N 3; A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Basel 2009, Rz. 8.48). Verlang t ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Erteilung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind na- mentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des B etroffenen, der seit der Tat ver- gangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die d er betroffenen Person und seiner Fami- lie drohenden Nachteile zu beachten (BGE 139 I 31 E. 2.3.3 mit Hinweisen; 135 II 377 E. 4.3). 4.1.2 Einem Ausländer, der sich schon seit langer Zeit h ier aufhält, soll der weitere Aufent- halt zwar nur mit besonderer Zurückhaltung verweigert werden, doch ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlosse n, wenn er hier geboren wurde und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat. Bei schweren Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz besteht – überwiegende private oder familiäre Bindungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein öffentliches Interesse da ran, zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Verhütung von (weiteren) Straftaten die Anwesenhe it des Ausländers zu beenden (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1 und 2.3.2 mit Hinweisen). 4.2 Demzufolge ist anhand der aufgezeigten Rechtslage zu prüfen, ob unter Berücksichti- gung der konkreten Umstände die öffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbe- willigung die privaten Interessen des Beschwerdeführers a n einem Verbleib in der Schweiz überwiegen. 4.3 Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschu ldens und die fremden- polizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafgericht verhängte Strafe (Urteil des Bundes- gerichts 2C_295/2009 E. 5.3; BGE 129 II 215 E. 3.1). Bei schweren Straftaten, Rückfall und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht wiederholter Delinquenz besteht regelmässig ein wesentl iches öffentliches Interesse daran, zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Verhütung von (wei teren) Straftaten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (BGE 139 I 31 E. 2.3.1 f.). 4.3.1 Die Vorinstanz erwog, das Verschulden des Beschwerd eführers in ausländerrechtlicher Hinsicht wiege angesichts seiner zahlreichen Verstösse gegen die Rechtsordnung schwer. Der Beschwerdeführer sei mit Urteil des Strafgerichts Basel- Stadt vom 15. Januar 2014 des An- griffs, der mehrfachen einfachen Verletzung der Verkeh rsregeln, der Entwendung zum Ge- brauch sowie des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs o hne Führerausweis schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 240 T agessätzen à Fr. 30.-- sowie einer Busse von Fr. 700.-- verurteilt worden. Noch schwerer i ns Gewicht falle die Verurteilung durch das Strafgericht Basel-Landschaft vom 10. März 2015 wege n Drogendelikten zu einer teilbe- dingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten (6 Monate unb edingt). Das Strafgericht Basel- Landschaft sei beim Beschwerdeführer zwar nicht von einem ausgebufften Drogenhändler aus- gegangen, sondern von einem in den Tag hineinlebenden Jugendlichen, der sich keine grossen Gedanken um die Zukunft mache. Dennoch habe das Strafge richt das Verschulden des Be- schwerdeführers aufgrund der umgesetzten Menge an Betäu bungsmitteln und der Tatsache, dass ihm Dank seiner Schulbildung und dem familiären Rückhalt alle Türen offen gestanden hätten, um deliktfrei zu leben, als mittelgradig schwe r eingestuft. Gegen den Beschwerdeführer spreche weiter die Tatsache, dass er nach der Verurteilu ng zu 30 Monaten Freiheitsstrafe er- neut in erheblichem Ausmass gegen die Rechtsordnung verstossen habe, weshalb er mit Straf- befehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 21. April 2016 zu einer bedingt vollziehba- ren Geldstrafe von 45 Tagessätzen à Fr. 100.-- sowie F r. 1‘300.-- Busse verurteilt worden sei. Ebenfalls erwähnenswert sei die Tatsache, dass die Poliz ei Basel-Landschaft gegen den Be- schwerdeführer aufgrund des Fahrens eines Autos unter Dro geneinfluss mit Verfügung vom 15. Juli 2016 einen definitiven Sicherungsentzug des Fü hrerausweises angeordnet habe. Ge- gen den Beschwerdeführer spreche im Zusammenhang mit den zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen insbesondere, dass er verschiedenste Rechtsg üter verletzt habe. Er sei nebst den Betäubungsmitteldelikten namentlich auch wegen eines Delikts gegen Leib und Leben ver- urteilt worden. Das letzte Delikt liege zudem erst etwas mehr als ein Jahr zurück. Insgesamt sei bei dieser Ausgangslage nicht von einer guten Legalprognose auszugehen. 4.3.2 Der Beschwerdeführer führt zusammengefasst aus, i m Zeitpunkt der ersten Verurtei- lung vom 15. Januar 2014 wegen Angriffs sei er erst ne u ins Erwachsenenalter übergetreten. Damals sei er durch seine Kollegen in einen Streit verw ickelt worden, wobei er allerdings nie- manden verletzt habe. Sein Tatbeitrag habe lediglich in seiner Anwesenheit bestanden. Inso- fern sei von einem geringen Verschulden auszugehen. Dies sei auch bei der Strafzumessung berücksichtigt worden, zumal er im Gegensatz zu seinen Mit tätern zu einer geringfügigeren Geldstrafe mit bedingtem Vollzug verurteilt worden sei . Gewaltdelikte gleicher Art hätten sich danach nicht mehr wiederholt. Schwerer falle selbstve rständlich die Verurteilung des Strafge- richts Basel-Landschaft vom 10. März 2015 bzw. des Kantons gerichts Basel-Landschaft vom 11. Mai 2016 ins Gewicht. Zu beachten sei jedoch, dass er sich damals in einer schwierigen Lebensphase befunden habe, da sich seine Eltern getrenn t hätten und er seine Lehrstelle ab- gebrochen habe. Zu dieser Zeit habe er sodann begonn en, Marihuana zu konsumieren. Auf- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund dieser Umstände und seines Umfelds sei er berei ts mit 19 Jahren in den Drogenhandel abgerutscht. Er habe zu diesem Zeitpunkt nicht über ein genügendes Mass an Entscheidungs- freiheit verfügt, um die strafbaren Handlungen zu unt erlassen. Indes sei zu erwähnen, dass er zwar mit relativ hohen Mengen an Drogen gehandelt hab e, sich jedoch umsatzmässig im Ver- gleich zu seinen Mittätern am unteren Rand bewegt habe. Bei den gehandelten Drogen habe es sich um Marihuana bzw. Cannabis und Ecstasy gehandelt, wel che nicht dazu geeignet seien, die körperliche oder seelische Gesundheit von Drittperso nen in eine naheliegende und ernstli- che Gefahr zu bringen. So habe auch das Strafgericht Ba sel-Landschaft bezüglich seines Ver- schulden festgehalten, dass er als jüngster Angeklagter de n Eindruck eines noch etwas unrei- fen und leicht beeinflussbaren jungen Erwachsenen erw eckt habe. Insofern sei es in seinem Fall auch nicht von einer hohen kriminellen Energie od er einem typischen Drogendealer ausge- gangen, sondern von einem Jugendlichen, der sich keine grossen Gedanken um die Zukunft mache. Daraus gehe hervor, dass das Strafgericht ihn nic ht als eine gefährliche Person einge- stuft habe. Sodann sei bezüglich des dem Strafbefehl vo m 21. April 2016 zugrundeliegenden Sachverhalts von einem Bagatellfall auszugehen, da den Widerhandlungen weder eine abstrak- te noch konkrete Gefährdung von Drittpersonen zugrunde gelegen habe und die Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz Eigenkonsum betroffen habe. Zusammenfassend könne nicht von einer konkreten Rückfallgefahr und schlechten Pro gnose gesprochen werden, zumal sich sein Legalverhalten seit dem Strafurteil vom 10. M ärz 2015 verbessert und nicht mehr im Bereich schwerer Straftaten gelegen habe. 4.3.3 Gemäss den Akten wurde der Beschwerdeführer mit Urteil des Strafgerichts Basel- Stadt vom 15. Januar 2014 wegen Angriffs, mehrfacher einfacher Verletzung der Verkehrsre- geln, Entwendung zum Gebrauch sowie mehrfachen Führen s eines Motorfahrzeugs ohne Füh- rerausweis schuldig gesprochen und zu einer bedingten Gel dstrafe von 240 Tagessätzen à Fr. 300.-- sowie einer Busse von Fr. 700.-- mit eine r zweijährigen Probezeit verurteilt. Die fragliche Verurteilung – unter anderem auch wegen ei nes Delikts gegen Leib und Leben – fällt zwar negativ ins Gewicht. Angesichts des Strafmasses ist in die sem Zusammenhang jedoch klarerweise nicht von einem schweren Verschulden auszugehen. Schwerwiegender ins Gewicht fällt das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10 . März 2015, mit welchem der Be- schwerdeführer wegen qualifizierter Widerhandlung gege n das Betäubungsmittelgesetz zu ei- ner Freiheitsstrafe von 30 Monaten (davon 6 Monate unb edingt) verurteilt wurde. Das Strafge- richt stufte das Verschulden des Beschwerdeführers in seiner Urteilsbegründung als mittelgra- dig schwer ein. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft bestät igte mit Urteil vom 11. Mai 2016 das Strafmass. Es bezeichnete das Verschulden des Beschwerdeführers als erheblich und führ- te aus, dem Beschwerdeführer könne aufgrund seiner Vor strafe nicht eine uneingeschränkt positive Prognose gestellt werden. Gleichzeitig hielt e s fest, dass der Beschwerdeführer zwar mit einer beachtlichen kriminellen Energie gehandelt habe, er jedoch nicht als ausgebuffter Drogenhändler einzuschätzen sei. Der Beschwerdeführer se i vielmehr ein Jugendlicher, der sich keine grossen Gedanken um die Zukunft mache und in d en Tag hineinlebe. Mit Strafbefehl vom 21. April 2016 wurde der Beschwerdeführer sodann i nsbesondere wegen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz (Führen eines Motorfahrze ugs in fahrunfähigem Zustand [Drogen]) und das Betäubungsmittelgesetz gebüsst. In der Folge wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung der Polizei Basel-Landschaft vom 15. Juli 2016 der Führerausweis im Rahmen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines definitiven Sicherungsentzugs entzogen. Gestützt dara uf ist angesichts der ergangenen Verurteilungen von einem erheblichen Verschulden des Beschwerdeführers und damit einem gewichtigen öffentlichen Interesse an seiner Wegweisung auszugehen. 4.4 Dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Be schwerdeführers sind dessen private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Entscheidend ist stets das Gesamtbild eines jeden Einzelfalles, welches anhand sämtlicher massgeblicher Kriterien zu beurteilen ist (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.4). 4.4.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen gelte nd, er sei als Sohn einer türki- schen Emigrantenfamilie in der Schweiz geboren worden u nd hier aufgewachsen. Seine ganze Familie, seine Lebenspartnerin und sein soziales Umfel d befänden sich in der Schweiz. Er be- absichtige, demnächst seine Partnerin B.____ zu eheliche n, wobei sie bereits ein Gesuch um Ehevorbereitung gestellt hätten. Zusammen mit seiner Partnerin betreibe er seit Ende 2016 ein Tattoo-Studio in C.____. Parallel dazu arbeite er al s Unterhaltsreiniger bei der Firma D.____ AG, weshalb er seit 2013 keine Unterstützung der Sozial hilfe mehr benötige. Die Firma D.____ AG habe ihm ab August 2018 eine Lehrstelle als Gebäu dereiniger in Aussicht gestellt. Ferner sei er sehr um Rückzahlung seiner Schulden bemüht. Sein Heimatland kenne er nur von kurzen Ferienaufenthalten. Er spreche jedoch weder die türkische noch die kurdische Sprache. Zudem sei die Türkei in jüngster Vergangenheit immer wieder von militärischen, politischen und wirt- schaftlichen Krisen heimgesucht worden. In Anbetracht al ler Umstände erweise sich die Weg- weisung als unverhältnismässig und sei insbesondere nicht erforderlich. Zur Erreichung des Zwecks könne auch eine mildere Massnahme, namentlich eine Verwarnung, ausgesprochen werden. 4.4.2 Die Vorinstanz ging im vorinstanzlichen Entscheid a ufgrund der langen Aufenthalts- dauer des Beschwerdeführers von einem gewichtigen Inter esse an dessen Verbleib in der Schweiz aus. Die lange Aufenthaltsdauer könne jedoch durch eine schlechte Integration und ein negatives persönliches Verhalten relativiert werden. H insichtlich der beruflichen Situation des Beschwerdeführers sei festzustellen, dass dieser über keine n Berufsabschluss verfüge und deshalb keine gesuchte Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt da rstelle. Zwischen November 2010 und November 2013 habe er von der Sozialhilfebehörde L eistungen von insgesamt Fr. 41‘440.95 und im Sommer 2015 solche im Umfang von Fr. 2‘052.45 bezogen. Gemäss ei- nem Auszug aus dem individuellen AHV-Konto vom 20. Jun i 2017 habe der Beschwerdeführer zwischen 2010 und 2016 ein durchschnittliches Jahreseinkomm en von gerade einmal Fr. 3‘683.00 erzielt, wobei er in keinem Jahr das ei gene Existenzminimum habe decken kön- nen. Trotz seiner Bemühungen um Rückzahlung seiner Schul den bestünden gemäss Betrei- bungsregisterauszug vom 22. Juni 2017 noch immer 12 Bet reibungen im Umfang von Fr. 13‘779.45 sowie 5 Verlustscheine in der Höhe von i nsgesamt Fr. 9‘679.40. Bezüglich seiner persönlichen Beziehungen zur Schweiz erwog die Vorinstanz, dass die Eltern des Beschwerde- führers, seine Geschwister und seine Partnerin hier leb en würden. In der Türkei habe der Be- schwerdeführer gemäss seinen Angaben keine Verwandten. Es sei jedoch darauf hinzuweisen, dass seinem Bruder ebenfalls die Wegweisung drohe. Die Beziehung zu seinen Verwandten könne er auch bei einer Wegweisung durch Besuche und mo derne Kommunikationsmittel auf- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechterhalten. Obwohl der Beschwerdeführer bis anhin noch nie ausländerrechtlich verwarnt worden sei, erscheine die Massnahme als das mildeste Mittel , um die mit der Ausländergesetz- gebung verfolgten Zwecke zu erreichen. 4.4.3 Der Aufenthalt des Beschwerdeführers, welcher in der Schweiz geboren wurde und seit über 25 Jahren in diesem Land lebt, kann angesichts seiner Verwurzelung in die hiesigen Verhältnisse unbestrittenermassen nur mit besonderer Zurückhaltung beendet werden. Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz sämtliche obligatorischen Schulen absolviert hat. Sein Heimatland kennt er nur von Fer ienaufenthalten und er beherrscht die kur- dische Sprache kaum. Bezüglich seiner familiären Situati on ist festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer am 12. Januar 2018 die Schweizer Bürgeri n B.____ ehelichte, wodurch er sei- ne Bindung zur Schweiz zusätzlich verstärkte. Auch zu seinen i n der Schweiz lebenden Eltern, Geschwistern und Freunden hat er eine starke Bindung. Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass der Beschwerdeführer über keine abgeschlossene Berufsa usbildung verfügt und deshalb keine gesuchte Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt darstellt. I n beruflicher Hinsicht ist jedoch inso- fern eine positive Entwicklung festzustellen, als der Beschw erdeführer heute als Unterhaltsrei- niger bei der Firma D.____ AG arbeitet, wo er voraussichtlich im Herbst 2018 eine Lehrstelle als Gebäudereiniger beginnen kann. Positiv ins Gewicht fäll t weiter, dass der Beschwerdeführer trotz seines relativ geringen Einkommens offenbar bemüht ist, seine Schulden abzubezahlen, wie aus den von ihm eingereichten Quittungen hervorgeh t. Zusammengefasst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer ernsthafte Anstrengungen unter nimmt, sich in beruflich- wirtschaftlicher Hinsicht zu integrieren und ein regelm ässiges Einkommen zu erzielen. Die In- tegration des Beschwerdeführers, dessen gesamtes familiäres, soziales und berufliches Umfeld sich in der Schweiz befindet, kann vor diesem Hintergrund nicht als gescheitert bezeichnet wer- den. 4.5 Wie bereits ausgeführt (E. 4.3 ff. hiervor), er weist sich das Verschulden des Beschwer- deführers und das damit verbundene öffentliche Intere sse an seiner Wegweisung aus der Schweiz als erheblich. Indes führen im vorliegenden Fall insbesondere die lange Anwesen- heitsdauer und der Umstand, dass der Beschwerdeführer b is anhin noch nie ausländerrechtlich verwarnt wurde, zum Schluss, dass das öffentliche Interesse an der Fernhaltung des Be- schwerdeführers dessen privates Interesse an einem weiteren Verbleib in der Schweiz nicht zu überwiegen vermag. Der Widerruf der Niederlassungsbew illigung und die damit verbundene Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz erweisen sich demnach als unverhält- nismässig, was zur Gutheissung der Beschwerde führt. 5.1 Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, abe r den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). Di e Verwarnung soll als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsprinzips verhindern, dass es überhaupt zu einer aufenthaltsbeendenden Massnahme kommt, und den Betroffenen auf sein problemat isches Verhalten zu einem Zeit- punkt hinweisen, in welchem sich die Anordnung der anged rohten Massnahme gerade noch nicht rechtfertigt (Urteil des Bundesgerichts 2C_114/2012 vom 26. März 2013 E. 1.1). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer noch nie ver- warnt wurde. Er ist jedoch mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass er trotz langer Anwesenheit mit dem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung rechnen muss, sollte er erneut in relevanter Weise straffällig werden oder gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährden und damit da s durch das Gericht in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchen. Der Beschwerdeführer wird in d iesem Sinne ausdrücklich verwarnt (Art. 96 Abs. 2 AuG). 6.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowi e die Beweiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auf- erlegt. Vorinstanzen werden nur dann Verfahrenskosten auferlegt, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dementsprech end sind im vorliegenden Verfah- ren keine Verfahrenskosten zu erheben. Der geleistete Ko stenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 6.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausgan g des Verfahrens ist dem Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung zulasten des Be schwerdegegners zuzusprechen. In seiner Honorarnote vom 5. März 2018 macht der Rechtsver treter des Beschwerdeführers einen Aufwand von 10.83 Stunden à Fr. 250.-- und Spesen in der Höhe von Fr. 62.20 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Demzufolge hat der Beschwerdeg egner dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘991.15 (inkl. Auslagen sowie 7.7 % bzw. 8 % MWST) zu bezahlen. 6.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, so ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägunge n ausländerrechtlich verwarnt. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Beschwerdegegner zurückgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘40 0.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 5. Der Beschwerdegegner hat dem Beschwerdeführer ein e Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 2‘991.15 (inkl. Auslagen un d 8% bzw. 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.