Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. September 2019 (720 19 180 / 222) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Neuanmeldung nach rechtskräftiger Ablehnung des Leistungsanspruchs; eine Verände- rung des medizinischen Sachverhalts ist aufgrund der eingereichten medizinischen Be- richte glaubhaft gemacht Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A.1 Die 1956 geborene A.____ meldete sich am 14. Apr il 2009 unter Hinweis auf Schulter- probleme bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (I V) zum Leistungsbezug an. Nach Durchführung beruflicher Massnahmen stellte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) fest, dass die Versicherte nicht in den Arbeitsmarkt integriert we rden könne und schloss das Dossier mit Verfügung vom 24. Februar 2011 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Mit Gesuch vom 23. April 2013 ersuchte die Versichert e erneut die IV um Ausrichtung von Leistungen. Sie gab an, seit Januar 2013 an Depressionen zu leiden. Nachdem die IV-Stelle die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, sprach sie A.____ mit Ver- fügung vom 5. Juni 2015 eine befristete Invalidenrente vom 1. Januar 2014 bis 31. Mai 2014 zu. Dagegen erhob die Versicherte Beschwerde beim Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), welches ihr mit Beschluss vom 25. Februar 2016 eine reformatio in peius androhte. In der Folge zog A.____ ihre Beschwerde zurück und das Verfahren vor dem Kantonsgericht wurde am 27. April 2016 zufolge Beschwerderückzugs abgeschrieben. A.3 Am 20. Juni 2016 gelangte die Versicherte mit ein em neuen Leistungsgesuch an die IV- Stelle. Der Neuanmeldung legte sie verschiedene neue A rztberichte bei. Nachdem die IV-Stelle beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) beider Basel eine Stellungnahme hierzu eingeholt hatte, trat sie – nach durchgeführtem Vorbescheidverfah ren – mit Verfügung vom 27. Juni 2017 nicht auf das neue Leistungsbegehren von A._____ ein. Z ur Begründung machte die IV-Stelle geltend, die Versicherte habe nicht glaubhaft dargeleg t, dass sich ihr Gesundheitszustand ver- schlechtert habe. Die dagegen beim Kantonsgericht erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 9. November 2017 abgewiesen. A.4 Die Versicherte meldete sich am 5. Januar 2018 unt er Hinweis auf eine schwere depres- sive Episode erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. April 2019 auch auf dieses Gesuch nicht ein. Begründend wurde festgehalten, es habe seit der Ablehnung des letzten Leistungsbegehrens keine wesentlichen Veränderungen der beruflichen oder medizinischen Situation der Versicher- ten festgestellt werden können. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Nicola i Fullin, am 28. Mai 2019 Be- schwerde beim Kantonsgericht und beantragte, es sei die V erfügung der Beschwerdegegnerin aufzuheben und diese sei zu verpflichten, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten. Zudem sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege mit ihrem Rechtsvertreter zu bewilligen; unter o/e-Kosten- folge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustands glaubhaft gemacht worden sei. C. Mit Verfügung vom 4. Juni 2018 bewilligte das Kan tonsgericht der Beschwerdeführerin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorl iegende Beschwerdeverfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbei ständung mit Advokat Fullin als Rechts- vertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Juli 2019 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Be- schwerde ist einzutreten. 2.1 Die Neuanmeldung eines Rentenanspruchs wird nur mat eriell geprüft, wenn die versi- cherte Person glaubhaft macht, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechts- kräftigen Entscheidung in einem für den Rentenanspruch erheblichen Mass verändert haben (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchs- erhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs- begehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Die Eintretens- voraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit A bs. 2 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspru chsprüfung immer wieder mit gleich- lautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 130 V 71 E. 3.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prüfung so lange ent- gegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Die Verwaltung verfügt bei der Beurteilung der Eintrete nsvoraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Glaubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 2.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgeset zte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozialversicherungs- recht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachum- stands wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglich- keit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstel- len lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der An- spruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend ge- machten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person , substanzielle Anhaltspunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darzulegen (vgl. auch bezüglich Nachfristanset- zung zur Einreichung ergänzender, in der Neuanmeldung lediglich in Aussicht gestellter Beweis- mittel BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Wenn die der Neuanme ldung beigelegten ärztlichen Berichte so wenig substanziiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allen- falls rechtfertigen würde, ist die IV-Stelle unter Umständen zur Nachforderung weiterer Angaben gehalten. Dies ist nur, aber immerhin dann der Fall, wenn den - für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden - Arztberichten konkrete H inweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen er stellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2016, 8C _244/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch kein materielles Eintreten au f die Neuanmeldung (Urteil des Bundes- gerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 2.4.1 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer a nspruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht. 2.4.2 Vorliegend erfolgte die letzte materielle Prü fung des Rentenanspruchs der Beschwerde- führerin im Rahmen des Verfahrens, das zur rentenable hnenden Verfügung vom 5. Juni 2015 geführt hat. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhält- nissen erfolgt ist, die ein Eintreten auf die Neuanmeldung rechtfertigt, durch Vergleich des Sach- verhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenverfügung vom 5. Juni 2015 bestanden hat, mit demjeni- gen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 24. April 2019. 3.1 In der rechtskräftigen Verfügung vom 5. Juni 2015 stützte sich die IV-Stelle bei der Be- urteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf ein bidisziplinäres Gutachten, be- stehend aus einem psychiatrischen Teilgutachten der Kli niken B.____ vom 30. Juni 2014 und einem rheumatologischen Teilgutachten des Spitals C.__ __ vom 19. Mai 2014. Im psychiatri- schen Teilgutachten stellten die Experten eine stark eing eschränkte Beschwerdenvalidität mit deutlichen Hinweisen auf Aggravation, auch mit simulat iven Elementen, fest. Es hätten sich bei der Versicherten eine stets maximale Symptombeschreibung, Diskrepanzen im Antwortverhalten zwischen verschiedenen Untersuchungsabschnitten, eine sehr theatralisch und unecht überzo- gene Symptompräsentation sowie manipulatives Verhalten gezeigt. Bei einer derartig verzerrten Symptomatik könne nicht mit ausreichender Sicherheit ein e psychiatrische Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte in allen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig. Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine anamnestisch chronifizierte Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) genannt, derzeit wegen eingeschränkter Beschwe rdenvalidität nicht sicher beurteilbar, am ehesten remittiert, unter antidepressiver Medikation. Im rheumatologischen Teilgutachten des Spitals C.____ wurden als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein generalisiertes Schmerzsyndrom, eine beginnende Arthrose an Händen, Füsse n und Handgelenken, eine Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Chondropathie des lateralen Gelenkkompartiments des lin ken Knies sowie eine Adipositas auf- geführt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestü nden ein Pes planus beidseits, ein Pes valgus links und ein Status nach einer Schulterkontusion rechts im Oktober 2008. Die rheumato- logischen Gutachter stellten fest, dass die angegebenen generalisierten Schmerzen in ihrem Aus- mass nicht ausreichend durch die objektiven Befunde erklär t werden könnten. Es sei von einer Schmerzausweitung und Schmerzverarbeitungsstörung auszugehen. Insgesamt wurde in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit aus bidisziplinärer Sicht festg estellt, dass eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten und eine um 5 - 10 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit für körperlich schwere Tätigkeiten bestünde. 3.2.1 Im Rahmen der Neuanmeldung vom 5. Januar 2018 diagnostizierte Dr. med. D._____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, am 15. Januar 2018 eine mittelgradige rezidivierende de- pressive Störung mit somatischem Syndrom und psychischen Einschr änkungen ohne Behand- lungserfolg nach Unfall im Jahr 2010 und Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Die Beschwerde- führerin habe seit dem Unfall im Jahr 2010 und der Kündigung der Arbeitsstelle eine depressive Störung, welche sich auch durch die beständige Behandlung mit Antidepressiva nicht verbessert habe. Ebenso sei der Versuch, die Beschwerden durch ein en Aufenthalt in der Tagesklinik zu verbessern, wegen der Schmerzsituation gescheitert. Sie leide an einer Verminderung der Kon- zentration und des Selbstwertgefühls, an einem sozialen Rückzug und äussere pessimistische Zukunftsperspektiven. Der Zustand sei chronifiziert und die Beschwerdeführerin sei seit 2011 zu 100 % arbeitsunfähig. 3.2.2 Im Einwandverfahren teilte Dr. med. E.____, FM H Gastroenterologie und Innere Medi- zin, am 1. Mai 2018 mit, dass die Beschwerdeführerin an einer schweren chronischen Obstipation mit Bauchschmerzen und Blähungen bei Colondivertikulose, einer Dysbiose des Darms bei ver- minderter Säuerungs- und vermehrter Fäulnisflora, ei ner Leberfibrose bei nicht alkoholischer Fettleberkrankheit, an Schlafstörungen, einer schwere n Depression und einer polyartikulären Arthrose leide. In Hinblick auf die gastrointestinalen Beschwerden könne keine stehende, sit- zende und insbesondere gebückte Arbeit für längere Zeit ausgeübt werden. Die Entleerungsstö- rung, die mit der psychiatrischen Grunderkrankung eng verbunden sei, lasse sich durch bisherige Massnahmen nicht signifikant verbessern. Trotz der medikamentösen Therapie beklage die Ver- sicherte weiterhin Schlafstörungen und quälende Nächte , weil sie die liegende Position in der Regel nicht vertrage. Darüber hinaus handle es sich bei ihr auch um eine nicht Alkohol bedingte Fettleberfibrose, die mit der allgemeinen Stoffwechse lstörung und der schwer kontrollierbaren Gewichtszunahme im Zusammenhang stehe. Aufgrund des körperlichen Zustands und der wei- terhin bestehenden, meist therapieresistenten abdominellen Beschwerden könne die Versicherte keine Tätigkeit an einem Arbeitsplatz zugemutet werden. 3.2.3 Am 16. Mai 2018 teilte Dr. D.____ mit, dass sich das Zustandsbild der Beschwerdefüh- rerin im letzten Jahr zunehmend verschlechtert habe. Sie leide nunmehr an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode. Sie sei weiterhin nicht arbeitsfähig. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.4 Der RAD-Arzt Dr. med. F.____, Facharzt für Arbe itsmedizin, äusserte sich am 16. Au- gust 2018 zu den Ausführungen von Dr. E.____ vom 1. Mai 2018 und von Dr. D.____ vom 16. Mai 2018. Er führte aus, dass aufgrund der neu gestellten Diagnosen und dem Vorliegen einer schwe- ren Depression eine mögliche Verschlechterung des allgeme inen Gesundheitszustands glaub- haft gemacht worden sei, weshalb standardisierte Arztberichte einzuholen seien. 3.2.5 Die IV-Stelle forderte in der Folge Dr. D.___ _ und Dr. E.____ auf, sich zum Gesundheits- zustand der Versicherten zu äussern. Dr. D.____ diagnosti zierte am 25. September 2018 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwe re Episode und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Dr. E.____ hielt am 3. De zember 2018 weiter fest, dass die Be- schwerdeführerin in seiner Praxis wegen einem chronische n Müdigkeitssyndrom, einer Depres- sion, einer Schlafstörung, einer Gewichtszunahme, eine r chronischen Verdauungsstörung mit Blähungen, einer Entleerungsstörung mit häufigen Verstopfungsepisoden und einer generalisier- ten Arthrose behandelt werde. Aktuell erhalte sie regelmässig Magnesium und Bitterstoffe sowie eine Substitution mit Vitamin D3, Folsäure und Schilddrüsenhormonen. In den letzten sechs Mo- naten habe sich die Gesamtsituation nur diskret verbessert . Sie sei weiterhin nicht arbeitsfähig und könne im Hinblick auf die Arthrose und die Bauchbeschwerden insbesondere keine körperli- chen Tätigkeiten ausüben. 3.2.6 Dr. F.____ nahm am 26. Februar 2019 zu den An gaben in den vorgenannten Berichten Stellung und kam zusammengefasst zum Schluss, dass keinerlei Befunde vorlägen, die auch nur ansatzweise eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands aufzeigen würden. 3.2.7 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Be schwerdeführerin einen Bericht von Dr. E.____ vom 28. Mai 2019 ein. Er diagnostiziert e eine schwere Entleerungsstörung des Gastrointestinaltrakts mit Blähungen und Bauchschmerzen, ei ne Verdauungsstörung bei Hy- pochlorhydrie, eine Colonvertikulose, eine Hypothyreose, eine behandelte arterielle Hypertonie, eine Dysbiose bei verminderter Säuerungsflora und verme hrten Fäulnisbakterien, eine Leber- fibrose bei nicht alkoholischer Fettleberkrankheit im Rahmen einer Insulinresistenz und einer se- kundären mitochondrialen Störung, eine polyartikuläre Arthrose, Schlafstörungen und eine De- pression. Die Versicherte verfüge aufgrund ihrer Erkrankungen über eine verminderte Leistungs- fähigkeit und sie könne keine dauerhafte körperliche Tät igkeit in stehender, gebückter oder sit- zender Position ausüben. Die Konzentrationsschwäche sei vo rdergründig. Zudem habe die Be- schwerdeführerin in den letzten Monaten eine behandlun gsbedürftige arterielle Hypertonie ent- wickelt. Sie sei zunehmend durch die Arthrose und die Blähungen belastet, die mit der Entlee- rungsstörung des Dickdarms zusammenhänge. Die bisherigen Massnahmen hätten die Gesamt- situation etwas verbessert. 3.2.8 Zusammen mit der Vernehmlassung reichte die IV- Stelle eine Stellungnahme von Dr. F.____ zu den Ausführungen von Dr. E.____ vom 28. Mai 2019 ein. Am 18. Juli 2019 führte Dr. F.____ im Ergebnis aus, dass die schwere Entleerun gsstörung eine neue Diagnose sei, die über die bisher berichtete Obstipation in ihrer funktionalen Auswirkung deutlich hinausgehe und daher durchaus invalidisierenden Charakter haben könne. Das müsse umgehend proktologisch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht untersucht werden, da schwere Entleerungsstörungen nicht nur an einen eingedickten Stuhl den- ken lassen würden, sondern auch an eine Defäktationsstöru ng gegebenenfalls anderer Ursa- chen. Das Schreiben von Dr. E.____ vom 28. Mai 2019 w iese zwar darauf hin, dass die Be- schwerden seit längerer Zeit bestehen würden, was der IV -Stelle seit seinem Schreiben vom 3. Dezember 2018 bekannt gewesen sei. Er gebe aber auc h an, dass die Beschwerdeführerin zunehmend immer mehr durch die Arthrose sowie die Blähungen, die mit der Entleerungsstörung des Dickdarms zusammenhängen würden, belastet sei. 4.1 Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügun g vom 24. April 2019 davon aus, dass die Beschwerdeführerin eine Verschlechterung des Gesundheitszustands im Zeitpunkt der Neu- anmeldung nicht glaubhaft gemacht habe. Die eingereich ten medizinischen Unterlagen würden belegen, dass sich ihr Gesundheitszustand entgegen ihrer A ussage nicht verschlechtert habe. Der starke Meteorismus bei Laktoseintoleranz sei seit Jahren bekannt. Für die angeblich zuge- nommenen rheumatologischen Beschwerden seien keine neuen Befunde vorgelegt worden, wel- che eine Verschlechterung aufzeigen würden. Letztlich stelle sich die wiederholte und fachfremde Einschätzung von Dr. E.____, es liege eine schwere Depre ssion vor, als nicht korrekt heraus, denn der behandelnde Psychiater bestätige, dass der Zustand der Beschwerdeführerin seit Jah- ren gleich sei. 4.2.1 Mit der IV-Stelle ist zunächst davon auszugehen, d ass die Beschwerdeführerin eine Ver- schlechterung des psychischen Gesundheitszustands im Vergleic h zur Verfügung vom 5. Juni 2015 nicht glaubhaft gemacht hat. Im Bericht der Klinik B.___ vom 30. Juni 2014 wurden Anzei- chen für eine Depression erkannt. Da die Gutachter von einer Aggravation der Symptomatik aus- gingen, konnten sie keine Zumutbarkeitsbeurteilung vor nehmen. Auch Dr. D.____ hat in seinen Berichten vom 15. Januar 2018 und 25. September 2018 unter Hinweis auf einen Unfall im Jahr 2010 und Kündigung des Arbeitsverhältnisses eine rezidivierende depressive Störung mit soma- tischem Syndrom und psychischen Einschränkungen diagnostiziert. Die im Januar 2018 geltend gemachte Depression bestand daher bereits seit Jahren. In Bezug auf den Schweregrad der De- pression führte er in den vorgenannten Bericht aus, dass von einer mittelschweren Depression auszugehen sei. Am 16. Mai 2018 diagnostizierte Dr. D.____ jedoch eine rezidivierende depres- sive Störung, gegenwärtig schwere Episode. Diese Aussage des behandelnden Psychiaters ist jedoch nicht beweiskräftig genug, um darauf abstellen zu können. Insbesondere geht daraus nicht hervor, inwiefern sich die depressive Symptomatik der Beschwe rdeführerin verändert und ver- schlechtert hat. Zwar nannte auch Dr. E.____ in seine m Bericht vom 1. Mai 2018 eine schwere Depression. Da er als Gastroenterologe nicht über die notwendigen fachärztlichen Kenntnisse in Psychiatrie verfügt, überzeugt auch seine Einschätzung nicht . Unter diesen Umständen ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass sich der psychische Gesundh eitszustand der Beschwer- deführerin im Zeitpunkt der Neuanmeldung nicht glaubhaft verschlechtert hat. Nicht anders ver- hält es sich im Übrigen in Bezug auf die rheumatologisc hen Beschwerden. Mit der IV-Stelle ist davon auszugehen, dass auch diesbezüglich keine Verschlechterung des Gesundheitszustands glaubhaft gemacht wurde. 4.2.2 Im Übrigen kann der Betrachtungsweise der IV-S telle jedoch nicht gefolgt werden. An dieser Stelle ist nochmals darauf hinzuweisen, dass im Ra hmen einer Neuanmeldung einzig zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht prüfen ist, ob diese glaubhaft machen kann, dass sich di e tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen Entscheidung in einem für den Rentenanspruch erheblichen Mass verän- dert haben. Dabei sind, wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.2 hiervor), mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens herabgesetzte Anforderungen an den Be weis verbunden, muss die Tatsa- chenänderung eben nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstands wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen. Sol- che Anhaltspunkte für das Vorhandensein der geltend ge machten rechtserheblichen Verände- rung des medizinischen Sachverhalts sind hier in Bezug auf die gestroenterologischen Beschwer- den durchaus gegeben, welche im Zeitpunkt der letztmaligen Überprüfung des Rentenanspruchs nicht vorgelegen haben. Der behandelnde Gastroenterologe hielt bereits in seinem Bericht vom 1. Mai 2018 fest, dass die Beschwerdeführerin eine schwere chronische Obstipation mit Bauch- schmerzen und Blähungen aufweise, welche sich therapeutisch nicht beeinflussen lasse. Wegen des körperlichen Zustands sei ihr keine Tätigkeit an einem Arbeitsplatz zumutbar. Daran hielt er im Rahmen des Verwaltungsverfahrens in seinem Bericht v om 3. Dezember 2018 fest. Diese Angaben sind nachvollziehbar und auch die attestierte A rbeitsunfähigkeit erscheint nicht unbe- gründet, weshalb ein Eintreten auf die Neuanmeldung und eine vertiefte medizinische Abklärung des aktuellen medizinischen Sachverhalts wohl angezeigt gew esen wäre. Davon ging auch der RAD-Arzt Dr. F.____ am 16. August 2018 aus, als er festhielt, dass aufgrund der neu gestellten Diagnosen eine mögliche Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands glaubhaft ge- macht worden sei, weshalb standardisierte Arztberichte e inzuholen seien (vgl. oben E. 3.2.7). Erst im weiteren Verlauf des Verfahrens stellte Dr. F. ____ sich auf den Standpunkt, dass keine Verschlechterung des Gesundheitszustands glaubhaft gemacht w orden sei (vgl. Bericht vom 26. Februar 2019). Diese Aussage überzeugt nicht. Dabe i ist insbesondere zu beachten, dass Dr. E.____ im vorliegenden Beschwerdeverfahren in seinem Bericht vom 28. Mai 2019 unter an- derem wieder eine schwere Entleerungsstörung diagnosti zierte. Dr. F.____ nahm dazu am 18. Juli 2019 Stellung und bestätigte seine ursprüngliche Beurteilung vom 16. August 2018. Er hielt fest, dass von einer abklärungsbedürftigen Verschlechterun g des Gesundheitszustands auszu- gehen sei. Da Dr. E.____ in seinem Bericht vom 28. Mai 2019 - entgegen der Auffassung von Dr. F.____ - jedoch keine Diagnose nannte, welche er nicht bereits im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens in den Berichten vom 1. Mai 2018 und 3. De zember 2018 erwähnt hatte, ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin nunmehr eine Verschlechterung des Gesund- heitszustands anerkennt und weitere Abklärungen in Aussic ht stellt (vgl. Vernehmlassung vom 19. Juli 2019). Bei dieser Sachlage hätte die Beschwerdegegnerin bereits im Verwaltungsverfah- ren auf das Gesuch der Beschwerdeführerin eintreten müssen. Daran ändert nichts, dass allen- falls mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass sich bei eingehender Abklärung die behauptete Än- derung nicht erstellen lassen wird. 4.3 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzuhalten, da ss die Beschwerdeführerin eine Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation glaubhaft gemacht hat. Die IV-Stelle hätte deshalb auf das neue Leistungsbegehren eintreten müss en. Die vorliegende Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsge- richt kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen sind. 5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde füh rende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt un d ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genügt für den bund esrechtlichen Anspruch auf eine Par- teientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem Si nne, dass der Beschwerde führenden Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und der Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Beur teilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt bleiben (BGE 132 V 215 E. 6.2). Nachdem die Beschwerde gut- zuheissen und die Sache zur erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zu- rückzuweisen ist, hat diese der Versicherten eine Parteientschädigung auszurichten. Ihr Rechts- vertreter hat in seiner Honorarnote vom 30. Juli 2019 einen Zeitaufwand von 6.16 Stunden gel- tend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachv erhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Dieser Aufwand ist mit dem im Sozialver sicherungsrecht üblichen Stundenan- satz von Fr. 250.-- zu vergüten (vgl. § 3 Abs. 1 der T arifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 99.--. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'765.20 (6,16 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 99.-- plus 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 6.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbststän dig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegeh- ren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 6.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 6.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentscheids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2 , bestätigt im Urteil des Bundesge- richts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 24. April 2019 aufgehoben und die IV-Stelle Basel-Landschaft angewie- sen, auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin vom 5. Januar 2018 einzutreten. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 1'767.20 (inkl. Ausl agen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht