Baurekursgericht des Kantons Zürich 3. Abteilung G.-Nr. R3.2013.00025 BRGE III Nr. 0045/2014 Entscheid vom 9. April 2014 Mitwirkende Abteilungspräsident Felix Müller, Baurichter Eugen Staub, Baurichterin Mo- nika Spring-Gross, Gerichtsschreiber Roland Blaser in Sachen Rekurrierende 1. Wohngenossenschaft B. [….] 2. Wohngenossenschaft T., [….] 3. M. N. und S. K., [….] gegen Rekursgegner Gemeinderat X, [….] betreffend Gemeinderatsbeschluss vom 10. Dezember 2012; Festsetzung des Quar- tierplans YZ _______________________________________________________ R3.2013.00025 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Beschluss v om 10. Dezember 2012 setzte der Gemeinderat X den Quartierplan YZ fest. [….] B. Dagegen rekurrierten die Wohngenossenschaft B ., die Wohngeno ssen- schaft T. sowie M. N. und S. K. mit gemeinsamer Eingabe vom 14. Februar 2013 binnen gesetzlicher Frist an das Baurekursgericht und beantragten: "1 Formell 1.1 Es seien vom Rekursgegner die vorinstanzlichen Akten beiz u- ziehen. 1.2 Es sei ein Augenschein durchzuführen. 2. Materiell 2.1 Der Gemeinderatsbeschluss vom 10. Dezember 2012 betre f- fend Festsetzung des Quartiersplans YZ sei aufzuheben. 2.2 Die Sache sei zur Neubeurteilung und Neufestse tzung an den Gemeinderat zurückzuweisen, insb esondere mit der Anwe i- sung, auf eine Verbreiterung der T.-Strasse (für Fahrbahn, Trottoir, Ba nkett etc.) – eventuell zumindest im Bereich der Kernzone – zu verzichten und die sich daraus erg ebenden An- passungen vorzunehmen. 3. Alles unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Rekursgegners, eventuell zu Lasten der Quartierplanrechnung." C. Mit Verfügung vom 15. Februar 2013 wurde der Eingang des Rekurses vorgemerkt und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Der Gemeinde rat X wurde eingeladen, den Quartierplangenossen Gelegenheit zu g eben, zum Rekurs Stellung zu nehmen. D. In ihrer Rekursantwort vom 18. April 2013 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zula s- ten der Rekurrierenden. R3.2013.00025 Seite 3 E. Mit Eingabe vom 13. Mai 2013 liess W . P., Mitglied der reku rrentischen Wohngenossenschaft T., dem Baurekursgericht eine Liste von A nwohnern zukommen, welche den Rekurs unterstützen. F. Am 20. September 2013 führte d ie 3. Abteilung des Baurekursgerichts im Beisein der Parteien einen Augenschein vor Ort durch. G. Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidrelevant, in den nachstehenden Erwägungen Bezug genommen. Es kommt in Betracht: 1. Die Rekurrierenden s ind als Eigentümer von Quartierplangrundstücken vom angefochtenen Beschluss mehr als irgendwelche Dritte oder die Al l- gemeinheit in ihren eigenen Interessen betroffen und aufgrund ihrer vorg e- brachten Rügen gemäss § 338a Abs. 1 PBG rechtsmittellegitimiert. S ie ha- ben zudem ihre Begehren zum strittigen Quartierplan im Sinne von § 155 Abs. 1 PBG rechtzeitig vorgebracht und erfüllen auch die übrigen Prozes s- voraussetzungen. Damit ist auf den Rekurs einzutreten. 2.1. Die Rekurrierenden argumentieren zusammengefasst im Wesentlichen, der Ausbau der T.-Strasse mit einem Trottoir und Bankett auf no rmalienkon- forme Dimensionen sei unnötig und werde den konkreten Ve rhältnissen nicht gerecht. Die T.-Strasse erfülle wegen des fe hlenden Trottoirs zwar nicht alle Normen der kantonalen Zugangsnormalien. Von diesen könne j e- doch aus wichtigen Gründen abgewichen werden. Solche lägen hier vor. R3.2013.00025 Seite 4 Die T.-Strasse sei ein historischer Strassenzug von grosser Bede utung für das Ortsbild und sie liege zu grossen Teilen i n der Kernzone. N eben sehr schönen intakten Vorgärten, die von den Anwohnern intensiv g epflegt wür- den, gebe es dort zahlreiche im Zonenplan schwarz eingetrag ene Gebäu- de, welche allesamt im kommunalen Inventar der schutzwürdigen Bauten zu finden seien und aufgrund der Kernzonenvorschriften nur sehr eing e- schränkt verändert werden dürften. Diese stimmige Situation werde durch die angefochtene Strassenverbreiterung arg beeinträchtigt und das Ortsbild werde insgesamt erheblich entwertet. Durch das Heranrücken d er Strasse bis unmittelbar an die Hausfassaden würden die Vorgärten teilwe ise ze r- stört und die Privatsphäre in den strassenseitigen Erdgeschossrä umen werde übermässig tangiert. Trotz fehlendem Trottoir gebe es bis anhin ke i- ne Verkehrssicherheitsprobleme. D as Verkehrskonzept der Gemeinde X aus dem Jahre 2009 erachte denn auch den Ausbau der T.-Strasse für nicht notwendig. Es sei mit Blick auf die Verkehrssicherheit sehr begrüssenswert, dass im Bereich der T.-Strasse eine Tempo-30-Zone geplant sei. Diese könne, falls geboten, mit weiteren fussgängerfreundlichen Massnahmen ergänzt we r- den. Die heutigen Dimensionen der Strasse müssten desw egen jedoch nicht vergrössert werden. Mit dem vorgesehenen Trottoir auf der südlichen Strassenseite werde der Fussgängerschutz wohl eher g eschmälert als ver- bessert. Auch das Kreuzen grösserer Fahrzeuge wäre nach der Realisi e- rung des Quartierplans nicht mehr sichergestellt. Das von den R ekurrieren- den [….] in Auftrag gegebene Gu tachten zeige, dass die Unterteilung des bestehenden Strassenraums in e ine 3 m bre ite Fahrbahn und zwei Seite n- räume von 1,5 m (Nordseite) und 0,5 m (Sü dseite) Breite und eine gemein- same Nutzung im Sinne einer Mischfläche ngestaltung die verkehrsplan e- risch beste Lösung sei. Die vorgesehene getrennte Führung von Fuss- und Fahrwegverkehr sei unflexibel und punkto Verkehrssiche rheit problem a- tisch. 2.2. Demgegenüber hält die Vorinstanz fest, das Quartierplangebiet im Bereich der T.-Strasse, einer Zufahrtsstrasse im oberen Anwendungsbereich, sei im Sinne von § 128 Abs. 1 PBG nicht rechtsgenügend erschlo ssen, weil dort das in den Zugangsnormalien zwingend vorgeschriebene Trottoir als Fus s- gängerschutz fehle. R3.2013.00025 Seite 5 Ein normalienkonformer Ausbau bedinge hier eine Mindestbreite von 6,8 m. Der Quartierplan nehme allerdings auf die örtlichen Gegebenheiten in sbe- sondere des Ortsbildschutzes gebührend Rücksicht und verlange diese Breite nicht überall. So seien auf der Nordseite der Strasse keine durchg e- henden Bankette geplant, wom it das Projekt bereits Erleichterungen im Sinne der Zugangsnormalien in Anspruch nehme. Folglich bewege sich das Querprofil bereits am untersten Rand des gerade noch Zulässigen. Weitere Erleichterungen seien im Lichte der Verkehrssicherheit, insbeso ndere we- gen des Fussgängerschutzes nicht zu verantworten. Beim vorg esehenen Fahrbahnquerschnitt sei ein gefahrloses Kreuzen von Motorfah rzeugen ge- rade noch möglich. Die genaue bauliche Ausgestaltung des Trottoirs sei noch offen und werde Gegenstand des Detailpro jekts sein. Somit sei auch die Frage noch nicht beantwortet, ob das Trottoir höhe nmässig von der Fahrbahn abgesetzt werde und auf dem Fahrbahnniveau erstellt werde. Die T.-Strasse führe schon heute bei einigen Liegenschaften unmittelbar an der Hausfassade vorbei. Es seien auch nicht überall Vorgärten vorhanden. Die Folgen für den Ortsbildschutz würden von den Rekurri erenden weit übertrieben negativ geschildert. So seien zum Beispiel die Ei nfriedungen bei den rekurrentischen Liegenschaften T.-Strasse 14 und 20, welche im Kernzonenplan als Grau - und nicht als Schwarzbauten aufgeführten wü r- den, wohl reizvoll, aber eben nicht schutzwürdig. Die vo rgesehene punktu- elle Reduktion der Vorgärten sei mit den gewachsenen Quartierstrukturen durchaus vereinbar. Im Sinne der Gleichbehandlung der Anstösser werde der Platzbedarf für die Strassenverbreiterung gleichmä ssig auf die Nord - und Südseite verteilt. Das im rekurrentischen Parteigutachten vorgeschlagene Verkehrskonzept sei im Lichte der Verkehrssicherheit nicht praktikabel und bringe keine wirk- liche Lösung der Erschliessungsproblematik. Die Einführung einer Tempo - 30-Zone könne nicht Gegenstand eines Quartierplans sein. Selbst die R e- kurrierenden räumten ein, dass aufgrund der schwierigen örtlichen Verhäl t- nisse eine vorsichtige Fahrweise geboten sei. Bei der Ausarbeitung eines Quartierplans gebe es meistens mehrere mö g- liche Lösungen. Die Quartierplanbehörde verfüge deshalb über einen e r- heblichen Ermessensspielraum, welcher vorliegend nicht überschritten wor- den sei. R3.2013.00025 Seite 6 3.1. Der Quartierplan soll im erfassten Gebiet eine der planungs - und baurecht- lichen Ordnung entsprechende Nutzung ermöglichen (§ 123 Abs. 1 PBG). Zu diesem Zweck hat er zwei Hauptaufgaben zu erfüllen: Einerseits muss er – soweit nötig – mittels Grenzveränderungen und Landumlegungen dafür sorgen, dass Parzellen geschaffen werden, die sich für eine zonengemässe Überbauung eignen. Das Quartierplangebiet ist so einzuteilen, dass alle Grundstücke ohne Ausnahmebewilligungen und ohne nachbarliche Z u- stimmung in einer den örtlichen Verhältnissen und der Bauzone ang emes- senen Weise überbaut werden können; ist dies nicht möglich, sind die e r- forderlichen Rechte und Lasten mit dem Quartierplan zu begründen (§ 126 Abs. 1 PBG). Anderseits muss der Quartierplan dafür so rgen, dass alle Grundstücke im Beizugsgebiet feinerschlossen werden und an geg ebenen- falls erforderlichen gemeinschaftlichen Ausstattungen und Ausrü stungen teilhaben (§ 128 Abs. 1 PBG). Erschliessungen sowie gemeinschaftliche Ausstattungen und Ausrüstungen sind so festzulegen, dass sie bei vollständiger Nutzung der erfassten Grundstücke den einschlägigen gesetzlichen Anforderungen genügen (§ 128 Abs. 2 PBG). Was die genügende Zugänglichkeit im Besonderen anbelangt, so bedingt diese in tatsächlicher Hinsicht eine der Art, Lage und Zweckbestimmung der Bauten oder Anlagen entsprechende Zufahrt für die Fahrzeuge der öffentlichen Dienste und der Benützer (§ 237 Abs. 1 Satz 1 PBG). Zufahrten müssen für jedermann verkehrss i- cher sein (§ 237 Abs. 2 Satz 1 PBG). Der R egierungsrat erliess zu diesem Zweck – gestützt auf § 237 Abs. 2 Satz 2 PBG – Normalien im Sinne von § 360 PBG über die Anforderungen an Zugänge (Zugangsnormalien; [ZN]), welche die technischen Anforderungen an die verschiedenen Zugangsarten regeln. Die Zugangsnormalien legen unter anderem die minimalen Querprofile des Strassenkörpers fest, die unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit noch verantwortet werden können. An diesen Minimalwerten findet das Bestr e- ben, den für die Feinerschliessung notwendigen Lan dbedarf so weit als möglich zu reduzieren, in der Regel seine Grenze. 4. R3.2013.00025 Seite 7 Der Quartierplan dient nicht nur den privaten Interessen der beteiligten Grundeigentümer, sondern auch gewichtigen öffentlichen Interessen, n a- mentlich dem Interesse an der Erschliess ung und zweckmässigen Übe r- bauung des Baugebiets. Im Quartierplanverfahren werden die Interessen der einzelnen Grundeige n- tümer gegeneinander abgewogen, in einem möglichst hohen Grad ausg e- glichen und mit den öffentlichen Interessen in Einklang gebracht. Ins beson- dere hinsichtlich der Ausgestaltung der Erschliessung haben sich die Int e- ressen der einzelnen Grundeigentümer den Gesamtinteressen unte rzuord- nen. Sonderwünschen der Beteiligten kommt daher kein entsche idendes Gewicht zu; die Lösung der Erschliessungsf rage muss vielmehr in objekt i- ver Hinsicht norm- und sachgerecht sein. Bei der Festsetzung von Quartierplänen verfügt die kommunale Behörde über einen relativ erheblichen Ermessens - und Entscheidungsspielraum, weshalb die Rekursinstanz nicht einschreitet, solange dieses Ermessen nicht klar unvertretbar gehandhabt worden ist. 5.1. Die T.-Strasse, welche von der N.-Strasse bis zur Ei nmündung der S.- Strasse führt, erschliesst im nordwestlichen Bereich des Qua rtierplange- biets zum gegenwärti gen Zeitpunkt 88 Wohneinheiten (WE); bei Vol lüber- bauung des genannten Bereichs könnten theoretisch 104 WE re alisiert werden (act. 14.10; Bericht und Tabellen zum Quartierplan YZ [QP-Bericht], S. 20). Aufgrund dieses Erschlie ssungsbedarfs ist die T.-Strasse als Z u- fahrtsstrasse im oberen Anwendungsbereich zu qualifizieren. Die Zugangsnormalien (ZN) verlangen für diesen Strassentyp eine Fah r- bahnbreite von mindestens 4,5 m sowie aufgrund des massgebenden B e- gegnungsfalls Personenwagen/Lastw agen ein einseitiges Bankett von 0,3 m sowie ein Trottoir mit einer Mindestbreite von 2 m auf der anderen Seite der Fahrbahn (Anhang Technische Anforderungen ZN). Diese Erschlie s- sungskomponenten bzw. Querprofile ergeben zusammen eine Mindestbre i- te von 6,8 m. 5.2. R3.2013.00025 Seite 8 Die T.-Strasse weist gemäss den Quartierplanunterlagen im aktue llen Zu- stand durchgehend eine Fahrbahnbreite von mindestens 4,5 m (tei lweise auch 5 m) auf (act. 14.14), was vom Baurekursgericht anlässlich des A u- genscheins ebenfalls festgeste llt werden konnte. Die Fahrbahnbreite ist damit unbestrittenermassen normalienkonform. Hingegen fehlt ein separ a- ter Fussgängerschutz, weshalb die T.-Strasse bis anhin als so g enannte Mischverkehrsfläche genutzt wurde. Die Rekurrierenden stellen sich auf den Standpunkt, dieses Erschlie s- sungsregime habe sich bis jetzt bewährt, sei sicher für alle Verkehrstei l- nehmer und genüge folglich auch in Zukunft. Zudem sei die an einigen O r- ten vorgesehene Verschmälerung der Fahrbahn auf 3,5 m unzweckmässig und kön ne gerade im Begegnungsfall Personenwagen/Lastwagen zu g e- fährlichen Situationen führen. Aus diesen Gründen sowie gestützt auf die konkreten Überbauungs- und Kernzonenverhältnisse verlangen die Reku r- rierenden deshalb in Abweichung von den Zugangsnormalien d en Verzicht auf das im Quartierplan vorgesehene Trottoir auf der Südseite der T.- Strasse. 6.1. Gemäss § 360 Abs. 3 PBG darf aus wichtigen Gründen von Normalien a b- gewichen werden. § 11 Abs. 1 ZN konkretisiert dies unter dem Titel "E r- leichterungen" u nd hält dazu fest: "Wenn es aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse unerlässlich ist, können im Einzelfall unter Vorbehalt der No t- zufahrt geringere Anforderungen gestellt werden, insbesondere bei steilen Hanglagen oder im Interesse von Objekten des Natur - und Heimatschu t- zes." Vor allem auf letzteres verweisen hier die Rekurrierenden. Erscheint ein Beharren auf die in den Zugangsnormalien gestellten Anfo r- derungen im Einzelfall unverhältnismässig (Art. 36 Abs. 3 der Bundesve r- fassung [BV]), weil die Verkehrs sicherheit auch ohne deren Einhaltung einwandfrei gewährleistet ist, ist darin ein wichtiger Grund für die Gewä h- rung von Erleichterungen zu erblicken (vgl. dazu BRGE I Nrn. 0192 und 0193/2011 vom 30. September 2011 in BEZ 2012 Nr. 11; www.baurekursgericht-zh.ch). Dies gilt namentlich dann, wenn die Realisi e- rung einer den Anforderungen der Zugangsnormalien vollumfänglich gen ü- genden Zufahrt mit erheblichen Eingriffen in das Grundeigentum verbunden R3.2013.00025 Seite 9 wäre. Erleichterungen können folglich nicht nur gestützt auf d ie in § 11 ZN exemplarisch genannten Gründe gewährt werden. Die Zugangsnormalien sind im Einzelfall also nicht mechanisch anzuwe n- den. Sie sind vielmehr nicht mehr und nicht weniger richtungsweisend, i n- dem sie festhalten, was bei durchschnittlichen örtlich en Verhältnissen als angemessen und sachgerecht zu betrachten ist. Stets muss aber die Ve r- kehrssicherheit einwandfrei gewährleistet sein. Erleichterungen im Sinne von § 11 ZN sind zudem bei Zufahrten denkbar, die als Tempo -30-Zonen oder als Begegnungszon en ausgestaltet sind. Diese basieren auf Art. 22a und 22b der Signalisationsverordnung (SSV), welche am 1. Januar 2002 und damit lange nach dem Erlass der bis heute nie revidierten Zugangsnormalien vom 9. Dezember 1987 in Kraft trat. 6.2. Der Regierungsrat hat nun allerdings erkannt, dass die seinerzeit gestützt auf § 237 Abs. 2 Satz 2 PBG erlassenen Ausführungsbestimmungen tei l- weise überholt sind und aktualisiert werden müssen. Er hat deshalb vor Kurzem eine Revision der Zugangsnormalien sowie der Verke hrssicher- heitsverordnung (VSiV) in die Wege geleitet. Eine Projektgruppe soll im Frühjahr 2014 mit der fachtechnischen Ausarbeitung der Vorlage beginnen. Erste Ergebnisse sollen bis Ende 2015 vorliegen (vgl. Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich, Sitzung vom 5. Februar 2014, betreffend Antwort zur Anfrage KR-Nr. 355/2013). Besonderer Anpassungsbedarf besteht nach Ansicht des Regierungsrates u.a. im Bereich von Tempo -30-Zonen, wo zusätzliche Erleichterungen im Sinne von § 11 ZN gew ährt werden sollen. Generell geht es darum, das vorhandene Bauland in Beachtung von Art. 75 Abs. 1 BV und Art. 1 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes (RPG) haushälterischer zu nutzen und die Siedlungsentwicklung nach innen zu fördern (Antrag des Regierungsrates vom 25. September 2013 an den Kantonsrat betreffend Strategie innere Verdichtung und zum Postulat KR-Nr. 199/2011, E. V). Zudem erscheint es dem Regierungsrat sinnvoll, in diesem Zusammenhang neue Erkenntnisse der Verkehrsplanung und der Verkehrssicherheit zu berücksichtigen. Auch wenn künftiges Recht nicht voranwendbar ist, zumal wenn es sich – wie im vorliegenden Fall – noch nicht im Detail konkretisiert hat, ist die ins R3.2013.00025 Seite 10 Auge gefasste Revision der Zugangsnormalien doch ein starkes Indiz d a- für, dass Baula ndreserven jeglicher Grössenordnung nicht mit unnötig grossen Verkehrsflächen überbaut werden sollen. Stattdessen sollen in Z u- kunft, etwa in Kombination mit Tempo -30-Zonen zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit insbesondere der Fussgänger, vermehrt redu zierte Querprofile zugelassen werden können. 7.1. Das mit der T.-Strasse erschlossene nordwestliche Quartierplang ebiet, et- wa zu drei Vierteln in der Kernzone und zu einem Viertel in der Wohnzone W 2.3 gelegen, ist bereits relativ dicht überbaut. Grö ssere u nüberbaute Flächen gibt es nicht. Gewisse Verdichtungsmöglichkeiten sind aber vor a l- lem in der Wohnzone W 2.3 vorhanden (etwa Abbruch von Al tbauten auf unternutzten Grundstücken und Neuerstellung in verdichteter Bauweise), so dass die Anzahl der Woh neinheiten bei voller Konsumation aller Übe r- bauungsreserven – wie bereits erwähnt – von heute 88 auf m aximal 104 erhöht werden könnte. 7.2. Das Quartierplangebiet an und in der Umgebung der T.-Strasse weist, wie der Augenschein gezeigt hat, eine intakte, historisch gewachsene und im Wesentlichen geschlossene dörfliche Siedlungsstruktur auf. Quartiertypisch für diesen Strassenzug und das Ortsbild prägend sind vor allem die zahlre i- chen Vorgärten und Vorplätze (Fotos Prot. S. 5 - 11). Diese müssten we- gen des strittigen Strassenausbaus (Strassenverschiebung nach Norden, Bankette) bei rund der Hälfte der Liegenschaften an der Nordseite der T.- Strasse teilweise oder weitgehend weichen. Dazu gehören u.a. die beiden Liegenschaften der Wohngenossensc haft T . Auf der Südseite der T.- Strasse sind davon zusätzlich vor allem die Liegenschaften ab dem Grun d- stück Kat.-Nr. 13055 bis zur Ei nmündung in die N.-Strasse betroffen (act. 14.15). Die mit dem Quartie rplan vorgesehene Strasse nraumerweiterung würde sich ortsbaulich stark negativ auswirken. Folglich hat der strittige Strassenausbau einerseits einen gravierenden Ei n- griff ins Grundeigentum der betroffenen Quartierplanbeteiligten zur Fo lge; andererseits führt der Strassenausbau zu eine r erheblichen Schmäl erung des quartiertypischen und im Wesentlichen harmonischen Ortsbildes. A n- R3.2013.00025 Seite 11 gesichts dieser doch einschneidenden Konsequenzen stellt sich berec htig- terweise die Frage, ob eine ausreichende und verkehrssichere E rschlies- sung dieses Teils de s Quartierplangebiets auch ohne die geplante Que r- schnittverbreiterung der T.-Strasse samt durchgehendem Tro ttoir möglich wäre. 7.3. Die Verkehrssicherheit auf der T.-Strasse ist, wovon auch die Qua rtierplan- behörde ausgeht, bis anhin nicht pro blematisch. Unfälle, die mit dem b e- stehenden Ausbaustandard dieser Strasse in Verbindung gebracht werden könnten, sind keine aktenkundig (QP-Bericht, S. 9, und act. 14.1, Ziffer 6.3). Gestützt auf das Verkehrskonzept X aus dem Jahre 2009 will die G e- meinde die T.-Strasse jedoch als Tempo -30-Zone ausgestalten (act. 6.14, und 12, S. 7), dies aber später ausserhalb des Qua rtierplanverfahrens YZ (QP-Bericht, S. 9). Bereits mit dem Quartie rplan ist jedoch vo rgesehen, zwischen der T.-Strasse und der S.-Strasse eine Durchfahrtssperre einz u- richten. Am Ende der T.-Strasse ist ein Wendeplatz geplant. Der Standpunkt des Gemeinderates, die gemäss Zugangsnormalien no t- wendigen Strassendimensionen hätten keinen direkten Zusammenhan g mit der baulichen Ausgestaltung der vorgesehenen Tempo -30-Zone, ist unz u- treffend. Tatsache ist vielmehr, dass solche temporeduzierten Zonen eines geringeren Fahrbahnquerschnitts bedürfen, weil sich die Bege gnungsfälle der jeweiligen Verkehrsteilnehmer au f einem deutlichen tieferen Geschwin- digkeitsniveau bewegen als beim üblichen Tempo 50 innerorts. D amit ver- bleibt allen Verkehrsteilnehmern eine längere Reaktionszeit; der Bremsweg für motorisierte Fahrzeuge wird um beinahe die Hälfte verkürzt. Art. 4 Abs. 2 der Verordnung über die Tempo -30-Zonen und die Bege gnungszonen (SR 741.213.3) verlangt denn auch beispielsweise grundsät zlich das Au f- heben der Fussgängerstreifen. Insgesamt haben also Tempo-30-Zonen ei- ne deutlich verbesserte Verkehrssicherheit zur Folge . De shalb und au f- grund des generell in solchen Zonen ruhigeren Fahrverha ltens sind hier separate Trottoirs als Fussgängerschutz nicht zwingend notwendig. Zudem wird die bereits erwähnte Durchfahrtssperre T.-Strasse/S.-Strasse zur Ver- kehrsberuhigung beitragen. Oftmals werden so lche siedlungsorie ntierte Strassen als Mischverkehrsflächen ausgestaltet (u.a. Fachbroschüre Te m- po-30-Zonen, Beratungsstelle für U nfallverhütung, bfu, Bern 2011; Z onen unter der Lupe, TCS Schweiz, Vernier 2008). Diese Erkennt nisse h aben, R3.2013.00025 Seite 12 wie bereits unter Ziffer 6.2 ausgeführt, den Regi erungsrat dazu bew ogen, bei temporeduzierten Zonen weitere Erleichteru ngen im Sinne von § 11 ZGB ins Auge zu fassen. Mit der Vorinstanz ist zwar insoweit einig zu gehen, dass die bauliche Ge s- taltung des Fahrbahngebiets im Nachhinein noch durchaus einer Tempo - 30-Zone angepasst werden könnte. Allerdings wäre es völlig unökonomisch und die Quartierplanrechnung unnötig belastend sowie mit dem Ortsbild - und Grundeigentümerschutz nicht vereinbar, zue rst eine Stra ssenraumver- breiterung zu planen bzw. sogar zu realisieren, die dann wegen der Tempo- 30-Zone gar nicht mehr notwendig wäre. 7.4. Insgesamt führte die strittige Fahrbahnverbreiterung mit einem separat ausgeschiedenen Trottoir zu einer verkehrsp lanerisch unnötigen und im Lichte des Ortsbildschutzes und der Eigentumsgarantie nicht mehr hi n- nehmbaren Beeinträchtigung. Zudem widerspricht die strittige Quartierpla n- festsetzung in diesem Punkt dem raumplanerischen Grundsatz, das vo r- handene Bauland haush älterisch zu nutzen. Im Spannungsfeld dieser Inte- ressen hat die Vorinstanz die Durchsetzung der Zugangsnormalien zu stark gewichtet, die konkreten Sachumstände zu wenig berücksichtigt und damit ihren Ermessensspielraum in einem Masse nicht mehr vertretbar gehand- habt, dass ein Eingreifen der Rechtsmittelbehörde erforderlich ist. 8. Zusammenfassend ist der Rekurs gutzuheissen. Die angefochtene Qua r- tierplanfestsetzung ist bezüglich des Strassenausbaus der T.-Strasse auf- zuheben. Der Gemeinderat ist einzu laden, den Ausbau der T.-Strasse in dem Sinne neu zu planen, dass der bisherige Stra ssenraum nicht oder nur unwesentlich verbreitert werden muss. Auch bei dieser Lösung hat die Ve r- kehrssicherheit oberste Priorität. Allenfalls ist der Stra ssenausbau mit dem Massnahmen einer Tempo-30-Zone zeitlich zu koordinieren. [….]