<h2>SubmittedText<h2><p>Im Januar 2004 beantragte die Schweiz auf Antrag der Kantone St. Gallen, Glarus und Graubünden sowie der 19 beteiligten Gemeinden bei der Unesco die Aufnahme der Glarner Hauptüberschiebung ins Unesco-Welterbe. In vielen Gemeinden wurden die Beschlüsse an den Gemeindeversammlungen gefasst, was zu einer starken Verwurzelung des Projektes führte. So waren denn auch bereits bei den Vorbereitungsarbeiten in den Regionen viele positive Effekte spürbar (Stolz auf die Naturobjekte, zunehmendes Verständnis für den Landschaftsschutz, Hoffnung auf einen nachhaltigen Tourismus usw.). Aufgrund der - für alle Beteiligten sehr überraschenden - negativen Empfehlung der vorberatenden Organisation IUCN zog die Schweiz am 28. Juni 2005 nach Rücksprache mit den beteiligten Kantonen und Gemeinden die Kandidatur zurück. Da auch insbesondere die geologische Fachwelt nach wie vor von der Welterbewürdigkeit der Glarner Hauptüberschiebung überzeugt ist, kündigte der damalige Buwal-Direktor Philippe Roch jedoch bereits im Rückzugsschreiben an die Unesco an, die Schweiz werde die Kandidatur überarbeiten und so schnell wie möglich wieder einreichen.</p><p>Aufgrund des ungebremsten Interesses sämtlicher Beteiligten, der neu entstandenen positiven Kontakte zwischen NGO und lokalen Behörden unterstützte das Buwal im Sommer 2005 die Bemühungen, indem es einen Kontakt mit den Spitzen der IUCN herstellte, Hilfe bei der Überarbeitung des Dossiers zusicherte und die Neueinreichung der Bewerbung per Ende Januar 2006 in Aussicht stellte.</p><p>In der Zwischenzeit haben die Geologieprofessoren im Wissenschaftlichen Beirat der Welterbekandidatur "Glarner Hauptüberschiebung" die Dossiers nach den Vorstellungen der IUCN überarbeitet, und Unterstützungsschreiben von Geologieprofessoren aus aller Welt treffen ein. Die wieder entflammte Zuversicht wird nun durch die Ankündigung getrübt, dass der für die Glarner Hauptüberschiebung wichtige Eingabetermin vom Januar 2006 durch weitere Schweizer Kandidaturen infrage gestellt wird.</p><p>Diese Entwicklung wird in den betroffenen Regionen mit grosser Sorge beobachtet.</p><p>1. Misst der Bundesrat der erneuten Kandidatur der Glarner Hauptüberschiebung ebenfalls eine hohe Bedeutung für die Schweiz, die beteiligten Regionen und die Sensibilisierung der Schweizer Bevölkerung bezüglich der Entstehung unserer Berge zu?</p><p>2. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass die Anforderungen an Welterbestätten als Folge der "Inflation" der letzten Jahre gestiegen sind?</p><p>3. Wie werden die Erfahrungen, die das Buwal mit der Welterbekandidatur "Glarner Hauptüberschiebung" gemacht hat, bei den Bewerbungen der kulturellen und gemischten Objekte, die durch das BAK betreut werden, genügend berücksichtigt, damit negative "Überraschungen" wie bei der Glarner Hauptüberschiebung möglichst vermieden werden können?</p><p>4. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass die überarbeitete Kandidatur der Glarner Hauptüberschiebung von den neuen Bewerbungen am besten ausgereift ist und daher prioritär neu einzureichen ist?</p><p>5. Welche Aufgaben soll nach dem Bundesrat das Management einer Weltnaturerbestätte erfüllen, und wie soll dieses ausgestattet sein?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Einreichung des Nominationsdossiers bei der Unesco im Jahr 2004 war für den Bundesrat ein klares Signal, dass die Glarner Hauptüberschiebung für die Kenntnisse und die Visualisierung der Alpenbildung von herausragender Bedeutung ist. Der Bundesrat misst deshalb der erneuten Kandidatur mit einem substanziell ergänzten Dossier grosse Bedeutung zu.</p><p>2./3. Die Welterbeliste umfasste Ende 2005 812 Objekte, nämlich 160 Natur-, 628 Kultur- und 24 sogenannte gemischte Objekte. Da europäische Objekte überproportional vertreten sind, ist das Welterbekomitee (WHC) der Unesco eher an solchen ausserhalb Europas interessiert. Das hat zur Folge, dass die Anforderungen an europäische Kandidaturen gestiegen sind. Deshalb müssen auch bestens ausgewiesene und vorbereitete Eingaben mit ablehnenden Anträgen durch die Experten der IUCN (für Naturobjekte) bzw. der Icomos (für Kulturobjekte) und entsprechenden Entscheiden des WHC rechnen.</p><p>Die zunehmende Anzahl Kandidaturen hat zudem dazu geführt, dass pro Land und Jahr nur noch zwei Objekte - davon höchstens ein Kulturobjekt - angemeldet werden dürfen.</p><p>Die beiden federführenden Bundesstellen, BAK und Bafu, sorgen bei den geplanten Schweizer Kandidaturen für den notwendigen Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Partnern auf nationaler und internationaler Ebene.</p><p>4. Das Kandidaturdossier war aus der Sicht des Bundesrates bereits 2004 gut. Die Ergebnisse der laufenden Überarbeitung sind vielversprechend. Das Dossier, angereichert mit neuen Aspekten und angepasster Schwerpunktsetzung, wird an Aussage- und Überzeugungskraft noch gewinnen. Trotzdem ist schwer voraussehbar, wie die IUCN die erneute Kandidatur beurteilen wird und wie das WHC darüber entscheiden wird.</p><p>Als Schweizer Kandidaturen für 2006 (LB1) wurden die Erweiterung des bestehenden Naturobjektes Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn (JAB) sowie die Aufnahme des Kulturobjektes Lavaux bestimmt. Die inzwischen eingereichte Kandidatur JAB umfasst einerseits die bereits 2001 von der IUCN angeregte Erweiterung des Gebietes und kommt andererseits der damaligen Auflage der Unesco nach, den Managementplan nachzuliefern (LB2). Dieses Dossier gilt als eigenständige Kandidatur. Die Lavaux ist eines von mehreren Kulturobjekten auf der vom Bundesrat im Dezember 2004 genehmigten sogenannten "Liste indicative". Diese Kandidatur wurde gemäss der mehrjährigen Planung inzwischen ebenfalls eingereicht.</p><p>Zum Zeitpunkt des Rückzugs der Glarner Hauptüberschiebung im Sommer 2005 war noch nicht abschätzbar, ob die beiden Kandidaturen JAB und Lavaux für die Einreichung im Januar 2006 bereit sind. Inzwischen ist jedoch die Einreichung der beiden Dossiers termingerecht erfolgt. Wegen der Einschränkungen der Unesco bezüglich Anzahl Kandidaturen pro Jahr und Land konnte deshalb die Wiederanmeldung der Glarner Hauptüberschiebung nicht bereits für 2006 erfolgen.</p><p>5. Der Managementplan für ein Welterbeobjekt dient dazu, die langfristige Trägerschaft und Finanzierung aufzuzeigen und die formulierten Schutzziele mit konkreten Massnahmen zu versehen. Die Umsetzung der Massnahmen erfolgt über mehrjährige Projekte. Diese Aufgabe liegt im Kompetenzbereich der Kantone und muss mit den Gemeinden und den Trägern der Kandidatur gemeinsam erstellt werden. Die finanzielle Ausstattung des Managements richtet sich nach der Grösse des Objektes, den Problemstellungen innerhalb des Gebietes und dem Umsetzungsprogramm.</p>  Antwort des Bundesrates.