<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 133 S.542</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">542</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>133</b></span> <span class="ft2"><b>Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Rechtliche Qualifikation der Bewilligung zur Ausübung einer Er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werbstätigkeit (Erw. II/2c/bb und cc).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Bei Wegfall des ursprünglichen Zulassungsgrundes - welcher eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verbindliche Bedingung darstellt - kann die Fremdenpolizei die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nichtverlängerung der Bewilligung prüfen; dies umso mehr, als auch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ein Widerruf in Frage käme (Erw. II/2c/dd).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 12. Juli</span><br/> <span class="ft4">2002</span> <span class="ft4">in</span> <span class="ft4">Sachen</span> <span class="ft4">S.D.</span> <span class="ft4">gegen</span> <span class="ft4">einen</span> <span class="ft4">Entscheid</span> <span class="ft4">der</span> <span class="ft4">Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft4">(BE.2002.00027).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Der Beschwerdeführer reiste am 6. April 1998 als Asylbe-</span><br/> <span class="ft1">werber in die Schweiz ein. Am 25. Oktober 1999 heiratete er in R.</span><br/> <span class="ft1">eine Landsfrau, welche über eine Jahresaufenthaltsbewilligung ver-</span><br/> <span class="ft1">fügt. Da sein Asylgesuch mit Entscheid des Bundesamtes für Flücht-</span><br/> <span class="ft1">linge (BFF) vom 7. Februar 2000 abgelehnt wurde, verliess der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer die Schweiz am 20. März 2000.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">543</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Am 15. Juni 2000 ermächtigte die Sektion Aufenthalt der</span><br/> <span class="ft1">Fremdenpolizei die zuständige Schweizer Vertretung zur Ausstellung</span><br/> <span class="ft1">eines Einreisevisums für den Beschwerdeführer im Rahmen des Fa-</span><br/> <span class="ft1">miliennachzugs, worauf dieser am 11. Juli 2000 in die Schweiz ein-</span><br/> <span class="ft1">reiste. Am 6. September 2000 erhielt er eine Jahresaufenthaltsbewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung unter der Bedingung, mit der Ehepartnerin in ehelicher Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinschaft zusammenzuleben. Von dieser Bedingung hatten der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer und seine Ehefrau am 30. August 2000 unter-</span><br/> <span class="ft1">schriftlich Kenntnis genommen. Am 28. September 2000 erhielt der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer die Bewilligung zur Ausübung der Erwerbstätig-</span><br/> <span class="ft1">keit als Montagearbeiter. Am 1. Juni 2001 trennte sich das Ehepaar</span><br/> <span class="ft1">und der Beschwerdeführer zog nach B..</span><br/> <span class="ft1">Mit Schreiben vom 4. Februar 2002 teilte die Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer mit, sie erwäge seine Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr zu verlängern und gewährte ihm das rechtliche Gehör.</span><br/> <span class="ft1">Eine schriftliche Stellungnahme des Beschwerdeführers blieb aus, er</span><br/> <span class="ft1">sprach jedoch offenbar mündlich am Schalter der Fremdenpolizei vor</span><br/> <span class="ft1">und erklärte, dass er durchaus noch mit seiner Ehefrau zusammenle-</span><br/> <span class="ft1">ben wolle, diese jedoch nicht mit ihm. Am 1. März 2002 verfügte die</span><br/> <span class="ft1">Fremdenpolizei die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers, weil er nicht mehr mit seiner Ehefrau zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenwohnte.</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am</span><br/> <span class="ft1">25. März 2002 Einsprache. Am 9. April 2002 wies der Rechtsdienst</span><br/> <span class="ft1">der Fremdenpolizei (Vorinstanz) die Einsprache ab.</span><br/> <span class="ft1">C. Mit Eingabe vom 1. Mai 2002 erhob der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">gegen den Einspracheentscheid Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 2. c) bb) Der Beschwerdeführer geht davon aus, er habe ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf die ihm erteilte Bewilligung zur Ausübung einer Erwerbs-</span><br/> <span class="ft1">tätigkeit eine eigenständige Aufenthaltsbewilligung erhalten, deren</span><br/> <span class="ft1">Verlängerung bzw. Nichtverlängerung nicht mehr im Rahmen des</span><br/> <span class="ft1">Familiennachzugs zu prüfen ist. Es stellt sich deshalb zunächst die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">544</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Frage, wie die Bewilligung zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft1">rechtlich zu qualifizieren ist.</span><br/> <span class="ft1">cc) Die Arbeitsbewilligung eines im Rahmen des Familien-</span><br/> <span class="ft1">nachzuges eingereisten Ehegatten, der noch nicht über eine eigen-</span><br/> <span class="ft1">ständige Bewilligung verfügt, stellt eine Zusatzbewilligung zur ur-</span><br/> <span class="ft1">sprünglichen Bewilligung dar. Sie ersetzt diese erste Bewilligung</span><br/> <span class="ft1">jedoch nicht. Der Aufenthalt in der Schweiz steht nach wie vor unter</span><br/> <span class="ft1">dem Vorbehalt des Weiterbestehens der ehelichen Gemeinschaft und</span><br/> <span class="ft1">des Zusammenwohnens. Durch Nennung des Arbeitgebers im Aus-</span><br/> <span class="ft1">länderausweis soll lediglich klar gestellt werden, dass und bei wel-</span><br/> <span class="ft1">chem Arbeitgeber der nachgezogene Ehegatte berechtigt ist, während</span><br/> <span class="ft1">seines Aufenthaltes in der Schweiz erwerbstätig zu sein.</span><br/> <span class="ft1">Eine andere Beurteilung ergäbe sich allenfalls dann, wenn ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Betroffenen durch die Fremdenpolizei eine Aufenthaltsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung mit Erwerbsberechtigung ausgestellt würde, nachdem sich der</span><br/> <span class="ft1">ursprünglich im Rahmen des Familiennachzugs eingereiste Betrof-</span><br/> <span class="ft1">fene von seinem Ehegatten getrennt hatte und dies der Fremdenpoli-</span><br/> <span class="ft1">zei bei der Verlängerung der Bewilligung bekannt gewesen wäre. In</span><br/> <span class="ft1">diesem Falle wäre wohl davon auszugehen, dass die Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft1">eine Verlängerung trotz Getrenntleben der Ehegatten geprüft und</span><br/> <span class="ft1">bewilligt hätte, was der Erteilung einer eigenständigen Bewilligung</span><br/> <span class="ft1">gleichkommen würde.</span><br/> <span class="ft1">dd) Aufgrund der vorstehenden Überlegungen und unter Be-</span><br/> <span class="ft1">achtung von BGE 122 I 267, E. 3b, S. 272 ist jedoch zu präzisieren,</span><br/> <span class="ft1">dass nicht der Umstand des Wegfalles des Aufenthaltszweckes, son-</span><br/> <span class="ft1">dern der Umstand des nicht mehr erfüllten Zulassungsgrundes aus-</span><br/> <span class="ft1">schlaggebend dafür ist, dass die Aufenthaltsbewilligung nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">verlängert wird.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde im Hinblick auf den ursprüngli-</span><br/> <span class="ft1">chen Grund für die Erteilung seiner Aufenthaltsbewilligung sodann</span><br/> <span class="ft1">auch verpflichtet, diesen Grund aufrecht zu erhalten. Er nahm unter-</span><br/> <span class="ft1">schriftlich zur Kenntnis, dass er mit seiner Ehefrau zusammen zu</span><br/> <span class="ft1">leben habe. Zu Recht geht die Vorinstanz davon aus, dass es sich</span><br/> <span class="ft1">hierbei um eine Bedingung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG</span><br/> <span class="ft1">handelt. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist diese</span><br/> <span class="ft1">Bedingung nicht als nichtig zu bezeichnen, weil sie für unbefristete</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">545</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Zeit angeordnet wurde, da sie aufgrund der Praxis der Fremdenpoli-</span><br/> <span class="ft1">zei betreffend Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auf-</span><br/> <span class="ft1">gabe des Zusammenlebens (regelmässige Verlängerung der Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung nach einem ordnungsgemässen und ununterbroche-</span><br/> <span class="ft1">nen Aufenthalt von 5 Jahren) klar als befristet erkennbar ist.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem die Bedingung als für den Beschwerdeführer ver-</span><br/> <span class="ft1">bindlich zu bezeichnen ist und er diese offensichtlich nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">erfüllt, ist auch nicht zu beanstanden, wenn die Fremdenpolizei ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend ihrer Praxis die Nichtverlängerung der Bewilligung prüft,</span><br/> <span class="ft1">da gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG sogar ein Widerruf in Frage</span><br/> <span class="ft1">käme.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>