2009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung 8 Gesundheit – Arbeit – Soziale Sicherheit Santé – Travail – Sécurité sociale Sanità – Lavoro – Sicurezza sociale 47 Auszug aus dem Urteil der Abteilung III i. S. A. gegen Schweizerische Ausgleichskasse SAK C-6892/2007 vom 29. Juni 2009 Alters- und Hinterlassenenversicherung. Beitritt zur freiwilligen AHV/IV . Art. 1a und Art. 2 Abs. 1 AHVG. Art. 7 und Art. 8 VFV . Art. 3 und Art. 9 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicher - heit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Familien - angehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwan dern, in der Fassung von Anhang II zum Abkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitglied staaten einerseits und der schweizerischen Eidgenossenschaft andererseits über die Freizügigkeit (nachfolgend: Verordnung [EWG] Nr. 1408/71). 1. Der Begriff « obligatorisch Versicherte » gemäss Art. 1a AHVG ist massgebend betreffend Beitritt zur freiwilligen AHV/IV ge - mäss Art. 2 Abs. 1 AHVG (E. 5). 2. Betreffend die Mindestbeitragszeit als Voraussetzung zum Bei - tritt zur freiwilligen AHV/IV erfolgt keine Zusammenrech nung der in verschiedenen Mitgliedstaaten zurück gelegten Versiche - rungszeiten im Sinne von Art. 9 Abs. 2 Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 (E. 6). Assurance-vieillesse et survivants. Adhésion à l'A VS/AI facultative. Art. 1a et art. 2 al. 1 LA VS. Art. 7 et art. 8 OAF. Art. 3 et art. 9 du règlement (CEE) no 1408/71 du Conseil du 14 juin 1971 relatif à l'application des régimes de sécurité sociale aux travailleurs sa - lariés, aux travailleurs non salariés et aux membres de leur fa - mille qui se déplacent à l'intérieur de la Com munauté, adapté selon l'annexe II à l'accord sur la libre circulation des person nes 674 BVGE / ATAF / DTAFAlters- und Hinterlassenenversicherung 2009/47 entre la Com munauté européenne et ses Etats membres d'une part, et la Suisse d'autre part (ci-après: règlement [CEE] no 1408/71). 1. La notion d'assuré obligatoire telle qu'elle découle de l'art. 1a LA VS est déterminante en matière d'adhésion à l'assurance fa - cultative selon l'art. 2 al. 1 LA VS (consid. 5). 2. En ce qui concerne la période minimale de cotisation ‒ condition à l'adhésion à l'A VS/AI facultative ‒ les périodes d'assu rance ac- complies dans les différents Etats membres au sens de l'art. 9 par. 2 règlement (CEE) no 1408/71 ne sont pas additionnées (consid. 6). Assicurazione per la vecchiaia e i superstiti. Adesione all'A VS/AI fa- coltativa. Art. 1a e art. 2 cpv. 1 LA VS. Art. 7 e art. 8 OAF. Art. 3 e art. 9 del regolamento (CEE) n. 1408/71 del Consiglio del 14 giugno 1971 relativo all'applicazione dei regimi di sicurezza sociale ai lavo ra- tori subordinati, ai lavoratori autonomi e ai loro familiari che si spostano all'interno della Comunità, nella versione dell'alle gato II all'accordo tra la Comunità europea ed i suoi Stati membri, da una parte, e la Confederazione Svizzera dall'altra, sulla libera circolazione delle persone (qui di seguito: regolamento [CEE] n. 1408/71). 1. Il concetto di persona assicurata obbligatoriamente ai sensi dell'art. 1a LA VS è determinante per l'adesione all'assicurazione facoltativa A VS/AI secondo l'art. 2 cpv. 1 LA VS (consid. 5). 2. Per quanto riguarda il periodo minimo di contribuzione, condi - zione per l'adesione all'assicurazione facoltativa A VS/AI, i pe- riodi assicurativi compiuti nei differenti Stati membri ai sensi dell'art. 9 cpv. 2 del regolamento (CEE) n. 1408/71 non vanno sommati (consid. 6). Der Beschwerdeführer, wohnhaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE), ist Schweizer Staatsangehöriger. Er arbeitete in der Schweiz und im Ausland, unter anderem einige Zeit in Luxemburg. In den Jahren 1975 bis April 2000 sowie für einzelne Monate in der Zeit vom November 2004 bis August 2006 zahlte der Versicherte die obliga - BVGE / ATAF / DTAF 6752009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung torischen Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung. Am 4. Juni 2007 reichte der Versicherte eine Beitrittserklärung bei der freiwilligen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung der Schweiz ein. Er gab an, während seines Aufenthaltes in Luxemburg bei der obligatorischen Sozialversicherung von Luxemburg versichert gewe - sen zu sein. Auf grund der bilateralen Verträge seien die Versicherungen als gleich wertig zu betrachten und die Versicherungszeiten in Luxemburg denjenigen in der schweizerischen obligatorischen Versi- cherung gleichzu setzen, so dass er bis zur Einreichung der Beitrittser - klärung der obligatorischen AHV angeschlossen gewesen sei. Mit Verfügung vom 10. September 2007 wies die Schweizerische Aus - gleichskasse SAK (V orinstanz) das Beitrittsgesuch des Versicherten ab. Die « luxemburgische Beitragszeit » könne nicht berücksichtigt werden, da die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der Europäischen Union keine Gleichstellung der Versicherungszeiten vorsehen würden. Am 10. Oktober 2007 liess der Beschwerdeführer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (BVGer) gegen die Verfü gung vom 10. Sep- tember 2007 erheben. Er beantragte, die Verfügung der V or instanz sei aufzuheben und er sei in die freiwillige AHV/IV aufzuneh men. Even - tualiter sei das Verfahren an die V orinstanz zurückzuweisen, verbunden mit der Weisung, die Aufnahme des Beschwerdeführers in die freiwillige AHV/IV zu verfügen. Das BVGer weist die Beschwerde ab. Aus den Erwägungen: 2. Aufgrund der Beschwerdebegehren streitig (vgl. BGE 125 V 414 E. 1b) und daher im Folgenden zu prüfen ist, ob die Verwaltung zu Recht die Nichtaufnahme des Beschwerdeführers in die freiwillige Alters-, Hin- terlassenen- und Invalidenversicherung verfügt hat. Diese Frage beurteilt sich aufgrund derjenigen Rechtssätze, die bei Er - füllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung hatten (BGE 126 V 136 E. 4b, BGE 124 V 227 E. 1). Anknüpfungspunkt bildet vorliegend die Einreichung des Beitrittsgesuchs zur freiwilligen AHV/IV-Versicherung, so dass die in jenem Zeitpunkt, das heisst im Juni 2007 gültig gewesenen gesetzlichen Bestimmungen anwendbar sind. 2.1 (...) 676 BVGE / ATAF / DTAFAlters- und Hinterlassenenversicherung 2009/47 3. 3.1 Nach Art. 1a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10) sind obligatorisch versichert unter an derem die natürlichen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz (Bst. a) und die natürlichen Personen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben ( Bst. b). Art. 2 Abs. 1 AHVG be- stimmt unter dem Titel « Freiwillige Versicherung », dass Schweizer Bürgerinnen und Bürger und Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (EU), die in einem Staat ausserhalb der EU leben, der freiwilligen Versicherung beitreten können, falls sie un mittel- bar vorher während mindestens fünf aufeinander folgenden Jahren obli - gatorisch versichert waren. 3.2 (...) 3.3 Gemäss Art. 7 der Verordnung vom 26. Mai 1961 über die freiwil- lige Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (VFV , SR 831.111) können der freiwilligen Versicherung Personen beitreten, wel - che die Versi cherungsvoraussetzungen nach Art. 2 Abs. 1 AHVG er fül- len, einschliesslich jener, die für einen Teil ihres Einkommens der obligatorischen Versicherung unterstellt sind. (...) 4. 4.1 Indem der Be schwerdeführer zuletzt im August 2006 Beiträge an die schweizeri sche obligatorische Versicherung bezahlt und am 4. Juni 2007 sein Beitrittsgesuch zur freiwilligen Versicherung eingereicht hat, erfüllt er eine V oraussetzung gemäss Art. 8 Abs. 1 VFV . Es gilt also zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die in Art. 2 Abs. 1 AHVG vorgesehene V oraussetzung der ununterbrochenen obligatori- schen Versicherung während fünf Jahren vor dem beantragten Beitritt zur freiwilligen Versicherung erfüllt. 4.2 Der Beschwerdeführer gab in seiner Beschwerde an, er habe seit März 2000 in Luxemburg gearbeitet. Eine Weiterführung der schweize - rischen AHV/IV auf freiwilliger Basis sei nach damaliger Auskunft der luxemburgischen Compagnie fiduciaire sowie eines Informationsdoku - ments der Schweizerischen Botschaft in Luxemburg nicht möglich ge we- sen. V on August 2004 bis März 2007 habe er in der Schweiz gear beitet und die obligatorischen Beiträge an die AHV/IV bezahlt. Seit Ap ril 2007 arbeite er in den UAE. 4.3 Die V orinstanz macht geltend, der Beschwerdeführer sei laut Ein- wohnerkontrolle Y . am 1. September 2004 vom Ausland zuge zogen (...). BVGE / ATAF / DTAF 6772009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung Versicherungszeiten aus einem EU-Land könnten nicht berücksichtigt werden. Es würden daher Versicherungszeiten aus den Jahren 2001 bis 2003 fehlen. 4.4 (...) Aufgrund der im individuellen Konto fehlen den Einträge an die schweizerische AHV/IV ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer während den dem beantragten Beitritt zur freiwilli gen Versicherung vor- angegangenen 5 Jahren nicht ununterbro chen Beiträge an die schweizerische AHV/IV geleistet hat. 5. Laut Art. 2 Abs. 1 AHVG können Schweizer Bürger und Bür ge- rinnen sowie Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Ge - meinschaft oder der Europäischen Freihandelsassoziation, die nicht in ei - nem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaft oder der Europäischen Freihandelsassoziation leben, der freiwilligen Versiche- rung beitreten, falls sie unmittelbar vorher während mindestens fünf auf - einander folgenden Jahren obligatorisch versichert waren. Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob der Begriff « obligatorisch versichert » in Art. 2 Abs. 1 AHVG nur die schweizerischen oder auch die in Mit - gliedstaaten der EU erworbenen Versicherungszeiten erfasst. 5.1 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass Art. 2 Abs. 1 AHVG nach dem Wortlaut klarerweise nicht von der « schweize- rischen AHV/IV » beziehungsweise « ausschliesslich von der schweizeri- schen Versicherung » die Rede sei. Es liege weder auf Gesetzes- noch auf Verordnungsebene eine Grundlage für die Auffassung der V orinstanz vor, dass die in Art. 2 Abs. 1 AHVG erwähnte obligatorische Versi che- rung sich allein auf die schweizerische AHV/IV beziehe. Der Bundesrat (BR) habe es un terlassen, den Begriff in der Verordnung zu definieren. Demnach sei jede obligatorische Versicherung, sei es eine schweizeri - sche oder eine aus ländische, erfasst. Entscheidend sei ein zig, dass ei ne obligatorische Versicherungspflicht bestanden habe. Indem der Be- schwerdeführer in Luxem burg obligatorisch versichert ge wesen sei, sei er insgesamt also mindestens vom 1. März 2000 bis im April 2007 obli - gatorisch im Sinne von Art. 2 Abs. 1 AHVG versichert gewesen. Es stehe ihm deshalb ein Anspruch auf Eintritt in die freiwillige Versicherung zu. 5.2 In ihrer Vernehmlassung vom 14. November 2007 führte die V or- instanz aus, dass die einschränkenden Beitritts-Massnahmen, die mit der Revision der freiwilligen Versicherung per 1. Januar 2001 in Kraft ge - treten seien, unter anderem zum Ziel gehabt hätten, die Zahl der bei trags- zahlenden Personen zu senken. Ferner habe auch vermieden werden wollen, dass eine grössere Anzahl von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern mit Wohnsitz ausserhalb der EU der freiwilligen Versi cherung beitreten 678 BVGE / ATAF / DTAFAlters- und Hinterlassenenversicherung 2009/47 könne, falls die eingangs erwähnten fünf Versiche rungsjahre teilweise oder sogar aus schliesslich in der EU zu rückgelegt wor den seien. Die V orinstanz verwies weiter auf Anhang VI Art. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, in der Fassung von An hang II zum Abkommen zwischen der Euro päi- schen Gemeinschaft und ihren Mit gliedstaaten einerseits und der schwei- zerischen Eidgenossenschaft andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.831.109.268.1, nachfolgend: Verordnung [EWG] Nr. 1408/71), der unter Bezugnahme auf Art. 2 AHVG klar von der « schweizerischen Alters-, Hinterlassenen- und Invali denversicherung » spreche und somit im Ausland erworbene Versiche rungszeiten eindeutig ausschliesse. Er - gänzend führte sie aus, dass sich ihres Erachtens der Begriff « obligatorisch versichert » zwangsläufig auf die Schweiz beziehen müsse. Unter Berücksichti gung des in Art. 1a Abs. 1 Bst. a und b ge for- derten Wohn- oder Ar beitsortes in der Schweiz, liege es auf der Hand, dass sich das AHVG in erster Linie auf das schweize rische Umfeld be - ziehe und eine Ergän zung des vor erwähnten Begrif fes mit « obligato- risch in der Schweiz in der AHV/IV » unnötig erscheine. 5.3 Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestim - mung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretatio nen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden, unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente; dabei kommt es na mentlich auf den Zweck der Regelung, die dem Text zu Grunde liegen den Wer- tungen sowie auf den Sinnzusammenhang an, in dem die Norm steht. Die Ge setzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar ent scheidend, die - nen aber als Hilfsmittel, den Sinn der Norm zu erken nen. Das Bundes - gericht (BGer) lässt sich bei der Auslegung jeweils von ei nem Metho - denpluralismus lei ten, das heisst es erkennt keiner Auslegungs methode (grammatikalische, historische, zeitgemässe, systematische, teleologi- sche) grundsätzlich V orrang zu (BGE 133 V 82 E. 3.4, BGE 133 V 9 E. 3.1, BGE 132 V 93 E. 5.2.1 mit Hinweisen). 5.3.1 Der Gesetzgeber hat den Begriff der obligatorischen Versiche - rung für das schweizerische AHVG in Art. 1a AHVG definiert. Demnach sind natürliche Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, natürliche Per - sonen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben, sowie Schweizer Bürger, die im Ausland tätig sind (im Dienste der Eidgenos - senschaft, im Dienste der internationalen Organisationen, mit denen der BR ein Sitzabkommen abgeschlossen hat und die als Arbeitgeber im Sin- ne von Art. 12 gelten oder im Dienste privater, vom Bund namhaft BVGE / ATAF / DTAF 6792009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung subventionierter Hilfsorganisationen nach Art. 11 des Bundesgesetzes vom 19. März 1976 über die inte rnationale Entwick lungszusammenar- beit und humanitäre Hilfe [SR 974.0]) obli gatorisch versichert. Zudem sind gemäss Art. 1a Abs. 2 Bst. c AHVG Personen, welche die in Abs. 1 genannten V oraussetzungen nur für eine verhältnismässig kurze Zeit erfüllen, nicht versichert. Der Beschwer deführer fällt für die Zeit, in der er in Luxemburg Wohnsitz hatte und eine Erwerbstätigkeit ausübte, nicht unter die obligatorisch versicherten Personen gemäss Art. 1a Abs. 1 AHVG. 5.3.2 Gemäss der Botschaft des Bundesrates zur Änderung des Bun - desgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (Re vision der freiwilligen Versicherung) vom 28. April 1999 (BBl 1999 4983 ff., nachfolgend: Botschaft zur AHV/IV) er scheint es kaum mehr gerecht - fertigt, allen Inhabern eines Schweizer passes mit Wohnsitz im Ausland mittels der freiwilligen Versicherung den gleichen sozialen Schutz an zu- bieten, wie der schweizeri schen Wohnbevölkerung. Weiter wird fest ge- halten, dass Art. 2 AHVG das An wendungsgebiet der freiwilligen Ver - sicherung bezüglich der Versicher ten umschreibe. Erste V oraussetzung bilde der Wohnsitz in einem Staat, mit welchem die Schweiz kein Ab - kommen über Soziale Sicherheit abgeschlossen habe. Des Weiteren werde ein vorbestandenes Versicherungsverhältnis verlangt. Auf diese Weise werde der Versi chertenkreis auf diejenigen Personen beschränkt, welche eine enge Bindung zur Schweiz hätten. Die Dauer dieses Verhält - nisses, das heisst fünf aufeinanderfolgende Versicherungsjahre unmittel - bar vor der Abreise ins Ausland, entspreche derjenigen für die Weiterfüh- rung gemäss aArt. 1 Abs. 3 Bst. a des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenen versicherung (AHVG, AS 63 837). Aus Gründen der Gleichbehandlung hänge die freiwillige Versiche- rung nicht mehr von der Staatszugehörigkeit ab (BBl 1999 5009). Mit der Revision der freiwilligen Versicherung wurde be schlossen, die Beitrittsmöglichkeit zu dieser Versicherung im Europäischen Gemein - schafts (EG)-Raum abzuschaffen (Botschaft des Bundesrates zur Geneh - migung des Protokolls zum Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EG vom 1. Oktober 2004, BBl 2004 5907). Damit werde verhindert, dass das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsstaaten andererseits über die Frei zügig- keit (FZA, SR 0.142.112.681) die Schweiz verpflichte, aufgrund des Gleichbehandlungsgebots Vertragsstaatsangehörige zur freiwilligen AHV/IV zuzulassen. Lebten Staatsangehörige eines EU-Staates in einem Nichtvertragsstaat, so sei ihnen der Beitritt zur freiwilligen Versiche rung 680 BVGE / ATAF / DTAFAlters- und Hinterlassenenversicherung 2009/47 nur dann gestattet, wenn sie ihn spätestens ein Jahr nach Ausscheiden aus der schweizerischen AHV/IV erklärten und unmittelbar vor dem Aus - scheiden eine mindestens fünfjährige ununterbrochene V orversicherungs- zeit in der schweizerischen obligatorischen Versicherung aufwiesen (Bot- schaft des Bundesrates zur Genehmigung der sektoriellen Abkom men zwischen der Schweiz und der EG vom 23. Juni 1999, BBl 1999 6339 f., nachfolgend: Botschaft sektorielle Abkommen Schweiz/EU). 5.3.3 Das AHVG regelt grundsätzlich nur das schweizerische Versi - cherungssystem. Aufgrund der systematischen, historischen und teleo - logischen Auslegung ist davon auszugehen, dass der in Art. 1a AHVG definierte Begriff « obligatorisch Versicherte » auch für Art. 2 Abs. 1 AHVG gilt. Der Beschwerdeführer war somit in der Zeit, in der er in Luxemburg Wohnsitz hatte und nach dortigem Recht versichert war, nicht im Sin ne von Art. 2 Abs. 1 AHVG obligatorisch versichert. 6. Es bleibt zu prüfen, ob die Versicherungszeiten des Beschwer de- führers in Luxemburg aufgrund des FZ A und seiner Ausführungsverord- nungen anzurechnen sind. 6.1 In seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer geltend, ge - mäss Art. 3 und Art. 9 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 seien zurück- gelegte Versicherungszeiten in jedem anderen Vertragsstaat zu berück - sichtigen. Im Geltungsraum der bilateralen Abkommen seien somit sämtliche Versicherungszeiten für sämtliche Versicherten, die Angehö - rige eines Vertragsstaates seien, zusammenzuzählen, soweit sie nach 1972 angefallen seien (Art. 94 Verordnung [EWG] Nr. 1408/71). Es ste - he fest, dass als Staats angehörige eines Mitgliedstaates im Sinne von Art. 2 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 auch Staatsangehörige der Schweiz zu ver stehen seien. Die Verordnung sei damit auf den Be - schwerdeführer an wendbar, und er könne sich auf deren Art. 9 Abs. 2 berufen. Damit seien ihm die in Luxemburg zurückgeleg ten Versiche- rungszeiten aufgrund der ihm durch die bilateralen Verträge einge- räumten Rechtsstellung anzurechnen. V orliegend handle es sich nicht um einen Fall einer reinen Inländer diskriminierung. Zudem sei es ge mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (BGE 133 V 137 E. 5) ausdrücklich unerheblich, dass allenfalls Versicherungs-, Beschäftigungs- oder Wohn- zeiten zu berücksichtigen seien, die in einem anderen Ab kommensstaat vor dem 1. Juni 2002 (Inkrafttreten der Verordnung [EWG] Nr. 1408/71) zurückgelegt worden seien. Es sei zu be achten, dass das von ihm in Auf - trag gegebene Kurz gutachten des Europa Instituts der Universität Zürich seine Argumentation bestätige. BVGE / ATAF / DTAF 6812009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung (...) 6.2 Die V orinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung nicht kon - kret zu den Ausführungen des Beschwerdeführers bezüglich des an- geblichen Verstosses gegen die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU. In ihrer Vernehmlassung wies sie lediglich auf die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 Anhang VI Art. 1, der unter Bezugnah - me auf Art. 2 AHVG klar von der « schweizerischen Alters-, Hinterlasse- nen- und Invaliden versicherung » spreche und somit im Ausland erwor - bene Versicherungszeiten eindeutig ausschliesse. In ihrer Verfügung vom 10. September 2007 argumentierte sie, dass die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU keine Gleichstellung der Versi che- rungszeiten vorsähen. 6.3 Durch den Abschluss der bilateralen Verträge mit der EU hat sich die Schweiz verpflichtet, die staatsvertraglichen Regelungen anzuwen - den und ihre eigenen schweizerischen Ge setze vertragskonform aus zu- legen (Art. 153a AHVG). Das FZA sowie die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 koordinieren die Systeme der sozialen Sicherheit der Mit - gliedschaftsländer, ohne sie zu harmonisieren. Koordinierung bedeu tet, dass die Gesetzgebungen der beteiligten Staaten grundsätzlich nicht verändert werden. Wo deren Bestimmungen den zwischenstaatlichen Regelungen zuwider laufen, gehen letztere aber vor. Die Schweiz kann demnach weiterhin autonom über die Entwicklung seiner Sozial- versicherungsgesetzgebung und über die Art und Höhe der Leistun gen entscheiden, muss aber bei der An wendung der Gesetzgebung die durch die Koordinierungsvorschriften akzep tierten Grundsätze (u. a. Diskrimi- nierungsverbot, Gleichbehandlung und Erwerbs ortprinzip) res pektieren (vgl. JOSEF DOLESCHAL , Die Regelung der Sozialen Sicherheit im Perso - nenverkehrsabkommen mit der Euro päischen Union, in: Soziale Sicher - heit 3/1999 S. 120 ff.; Urteil des Gerichts hofes der Euro päischen Ge- meinschaften [EuGH] vom 20. Oktober 1993 in der Rechtssache C-297/92, INPS/Baglieri, Slg. 1993, S. I-5211). Die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 wurde speziell für Wanderarbeit - nehmer ausgestaltet, welche definitionsgemäss Versicherungszeiten in verschiedenen Ländern erworben haben. Wenn für einen Arbeitnehmer die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten gelten oder galten, soweit sie Staatsangehörige eines Mitgliedstaates sind, so ist der persönliche Anwendungsbereich gemäss Art. 2 Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 gegeben. Der Begriff « Mitglied- staaten » in der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 ist auch auf die Schweiz anzuwenden (Art. 1 Abs. 2 Anhang II Abschnitt A Ziff. 1 FZA). Der Be - 682 BVGE / ATAF / DTAFAlters- und Hinterlassenenversicherung 2009/47 schwerdeführer ist Schweizer Staatsangehöriger und macht ei nen Ver- sicherungsanspruch in der Schweiz geltend, nachdem er Versi cherungs- zeiten in einem Mitgliedstaat der EU und in der Schweiz zu rücklegte. Der Anwendbarkeit der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 steht nicht ent - gegen, dass der Be schwerdeführer die Staatsangehörigkeit des in casu betroffenen Mitglieds staates besitzt. Er kann sich auch als Schweizer Staatsangehöriger ge genüber Schweizer Behörden auf die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 berufen, da er sich als Wanderarbeitnehmer in einem in Art. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 geregelten Rechtsverhältnis befunden hat (vgl. SILVIA BUCHER , Das Freizügigkeitsabkommen im letzt - instanzlichen Sozialversicherungsprozess, in: Thomas Gäch ter [Hrsg.], Das europäische Koordinationsrecht der sozialen Sicherheit und die Schweiz, Schulthess Zürich 2006, S. 12; vgl. auch die neuere EU-Recht - sprechung: Urteil des EuGH vom 5. Februar 2002 in der Rechts sache C-255/99, Humer, Slg. 2002, S. I-1205, Urteil des EuGH vom 18. April 2002 in der Rechts sache C-290/00, Duchon, Slg. 2002, S. I-3567, Urteil des EuGH vom 7. November 2002 in der Rechtssache C-333/00, Maaheimo, Slg. 2002, S. I-10087). Der per sönliche Gel tungsbereich ist damit vorliegend gegeben. Da es sich um Rechtsvorschriften der sozialen Sicherheit betreffend Leistungen bei Invalidität, Alter und Hinterbliebenen handelt, ist auch der sachliche Geltungsbereich im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. b, c und d der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 erfüllt. Der zeitliche Anwendungsbereich kann ebenfalls bejaht werden (Art. 94 Abs. 2 Verordnung [EWG] Nr. 1408/71; BGE 133 V 137 E. 5). Art. 9 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 regelt die Zulassung zur frei - willigen Versicherung oder freiwilligen Weiterversicherung. Fordern mit- gliedstaatliche Rechtsvorschriften für die Zulassung zu einer freiwil ligen Versicherung, dass der Berechtigte im Gebiet dieses Staates wohnt, so gelten diese Rechtsvorschriften nicht für Personen, die im Gebiet eines anderen Mitgliedstaats wohnen, wenn für diese Personen zu irgendeiner Zeit ihrer früheren Laufbahn als Arbeitnehmer oder Selbständige die Rechtsvorschriften des ersten Staates gegolten ha ben (Abs. 1). Ist nach den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats die freiwillige Versicherung von der Zurücklegung von Versicherungszeiten abhängig, so werden die nach den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats zurückgelegten Versicherungs- oder Wohnzeiten, soweit erforderlich, wie Versicherungs- zeiten berücksichtigt, die nach den Rechtsvorschriften des ersten Staates zurückgelegt worden sind (Abs. 2). Diese Regelungen sind Konkreti- BVGE / ATAF / DTAF 6832009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung sierungen des Gleichbehandlungsgrundsatzes nach Art. 3 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71. 6.4 Der EuGH scheint sich – aufgrund der publizierten Urteile – mit der vorliegenden Streitfrage noch nicht auseinandergesetzt zu haben. Der einschlägigen Rechtsprechung sind folgende Grundsätze zu entnehmen. Art. 1 Bst. a und Art. 3 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 sind gemäss EuGH dahin auszulegen, dass es Sache jedes Mitgliedstaats sei, durch den Erlass von Rechtsvorschriften die V oraussetzungen festzulegen, unter denen eine Person einem System der sozialen Sicherheit oder einem be stimmten Zweig eines solchen Systems beitreten könne oder müsse, solange es dabei nicht zu einer Diskriminierung zwischen Inlän - dern und Angehörigen der übrigen Mitgliedstaaten komme. Hän ge somit der Beitritt zu einem System der sozialen Sicherheit oder ei nem seiner Zweige nach in nerstaatlichem Recht unter bestimmten Umständen von der V oraussetzung ab, dass der Betroffene zuvor dem innerstaatlichen System der sozialen Sicherheit angehört habe, so verpflichte die Ver ord- nung (EWG) Nr. 1408/71 die Mitgliedstaaten nicht, in einem anderen Mitgliedstaat zu rückgelegte Versicherungszeiten mit im eigenen Staats - gebiet zurückgelegten Zeiten gleichzustellen (Urteil des EuGH vom 24. April 1980, Er suchen um V orabentscheidung, Rechtssache 110 -79, Leitsätze Ziff. 2). Der diesem EuGH-Urteil zugrunde liegende Sach ver- halt lässt sich jedoch nur be schränkt mit der vorlie gend zu beurteilenden Sachlage vergleichen. Im Ge gensatz zum Be schwerdeführer gehörte die Klägerin in der Rechtssache 110-79 dem System der sozialen Sicherheit, von welchem sie nun Leistungen beantragte, bis anhin nie an. Der Beschwerdeführer hingegen gehörte vor seinem Aufenthalt in einem Mitgliedstaat während Jahren dem System der schweizerischen sozialen Sicherheit an. Weiter ist gemäss der Rechtsprechung des EuGH Art. 9 Abs. 2 der Ver- ordnung (EWG) Nr. 1408/71 dahin auszulegen, dass ein Sozialver siche- rungsträger eines Mitgliedstaats nicht ver pflichtet sei, nach den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaates zurückgelegte Versi- cherungszeiten zu berücksichtigen, wenn der betroffene Arbeitnehmer im ersten Mitgliedstaat niemals den Beitrag entrichtet habe, der zur Begründung der Ver sicherteneigenschaft im Sinne der Rechtsvor schrif- ten dieses Mitgliedstaats gesetzlich vorgeschrieben sei (Urteil des EuGH vom 27. Januar 1981, Rechtssa che 70 -80, Vigier, Slg. 1981 S. 00229, Randnrn. 19 und 20). Diese Rechtsprechung wurde im Urteil des EuGH vom 20. Oktober 1993, Rechtssache C-297/92, INPS/Baglieri, Slg. 1993 S. I-5211, 684 BVGE / ATAF / DTAFAlters- und Hinterlassenenversicherung 2009/47 Randnrn. 11 und 19 bestätigt. Art. 9 Abs. 2 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 auf erlege einem Mitgliedstaat nicht die Verpflichtung, Per - sonen den Beitritt zu seinem System der sozialen Sicherheit zu gestatten, die in ei nem anderen Mitgliedstaat der Pflichtversicherung unterlägen und die nicht die V oraussetzungen für den Beitritt zum System der sozialen Sicherheit im erstgenannten Mitgliedstaat erfüllten. Weiter bestätigt der EuGH, dass es sich um keine unzulässige Diskriminierung handle, wenn einem Gesuch steller die Zulassung zur freiwilligen Ver si- cherung eines Mitgliedstaates ver weigert werde, wenn er in diesem Mit - gliedstaat noch nie Beiträge an die obli gatorische Versicherung gezahlt habe. Im Urteil des EuGH vom 18. Mai 1989, Rechtssache 368/87, Hart mann Troiani, Slg. 1989 S. 01333, Randnrn. 15, 17 sowie 22 wird festgehalten, Art. 9 Abs. 2 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 solle die Gleich stel- lung der in verschiedenen Mitgliedstaaten zurückgelegten Versicherungs- zeiten gewährleisten, damit die Betroffenen die V oraussetzung einer Mindestversicherungszeit erfüllen könnten, wenn ei ne nationale Regelung den Zugang zur freiwilligen Versicherung oder der freiwilligen Weiterversicherung davon abhängig mache. Dagegen ergebe sich aus dem Wortlaut dieser Bestimmung, dass sie nicht die sonstigen V oraus - setzungen regle, von deren Erfüllung die Rechtsvorschriften eines jeden Mitgliedstaates die Begründung eines Rechts wie z. B. der Befugnis, Beiträge zu einem nationalen System der freiwilligen Versicherung oder freiwilligen Weiterversicherung zu entrichten, abhängig machen könnten. Art. 9 sei dahin auszulegen, dass die V oraussetzung der Zuge - hörigkeit zu ei nem Pflichtversicherungssystem in einem Mitglied staat, die nach den Rechtsvorschriften dieses Staates zum Zeitpunkt der Ein - reichung eines Antrags auf Nachentrichtung frei williger Rentenversiche- rungsbeiträge erfüllt sein müsse, nicht als erfüllt gelte, wenn der An - tragsteller zu diesem Zeitpunkt einem Pflichtversicherungssystem in einem anderen Mitgliedstaat angehöre. 6.5 Art. 9 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 enthält keine voll stän- dige Koor dinierungsregelung für freiwillige Versicherungen. Für diese gelten auch nicht die für die obligatorischen Pflichtversicherungen nach Art. 13 ff. massgeblichen Prinzipien der Einheitlichkeit und Aus schliess- lichkeit. Dies folgt aus Art. 15 Abs. 3 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71, wonach in den Sicherungssystemen für Invalidität, Alter und Tod (Renten) eine freiwillige Versicherung neben einer Pflicht versi- cherung (in einem anderen Mit gliedstaat) nach Massgabe des mit glied- staatlichen Rechts zulässig ist. Im Unterschied zu den Pflichtversicherun- gen setzen freiwillige Versi cherungen eine entsprechende Entscheidung BVGE / ATAF / DTAF 6852009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung des Betroffenen voraus. Dem Verordnungsgeber erschien es daher nicht notwendig, diese Zugangsberechtigung koordinationsrechtlich einheit- lich zu regeln. Art. 9 Abs. 2 verpflichtet zur Berücksichtigung sämtlicher fremdmitgliedstaatlicher Versicherungs- oder Wohnzeiten im Rahmen erforderlicher V orversicherungszeiten der nationalen V orschriften zur freiwilligen Versicherung. Diese Gleichstellung der in den verschiedenen Mitgliedstaaten zurück gelegten Versicherungszeiten soll gewährleisten, dass die Betroffenen die V oraussetzung einer Mindestversicherungszeit erfüllen können, wenn eine nationale Regelung dies für den Zugang zur freiwilligen Versicherung oder freiwilli gen Weiterversicherung voraus - setzt (vgl. R OLF SCHULER , in: Maximilian Fuchs [Hrsg.], Kommentar zum Europäischen Sozialrecht, 4. Aufl., S. 138 ff.; R OLAND A. MÜLLER , Soziale Sicherheit in: Daniel Thürer/Rolf H. Weber/Roger Zäch [Hrsg.], Bilatera- le Verträge Schweiz-EG: Ein Handbuch, Zürich 2002, S. 156; B ASILE C ARDINAUX , Das Personenfreizügigkeitsabkommen und die schweize- rische berufliche V orsorge, Diss. Freiburg 2008, S. 101, Rz. 173). Die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 wird durch Anhänge mit den Num - mern I bis VII vervollständigt. Ihr Zweck besteht im Wesentlichen darin, Regelungen, die in engem Bezug zum nationalen System eines Staa tes stehen (bspw. Begriffsbestimmungen, innerstaatliche Besonderheiten, Ausnahmeregelungen), dort aufzuführen, um die Verordnung selbst zu entlasten (Botschaft sektorielle Abkommen Schweiz/EU, BBl 1999 6328). In An hang VI werden die besonderen Bestimmungen über die Anwendung der Rechtsvorschriften bestimmter Mitgliedstaa ten gemäss Art. 89 der Ver ordnung (EWG) Nr. 1408/71 geregelt. Unter dem Titel Schweiz, Ziff. 1 wird festge halten, dass Art. 2 AHVG, wel cher die frei - willige Versicherung in die sem Versicherungszweig für schweizerische Staatsangehörige regle, die in einem Staat wohnten, für den dieses Ab - kommen nicht gelte, an wendbar sei auf ausserhalb der Schweiz wohn - ende Staatsangehörige der anderen Staaten, für die dieses Abkommen gelte, sowie auf Flüchtlinge und Staatenlose, die im Gebiet dieser Staa - ten wohnten, wenn diese Per sonen spätestens ein Jahr nach dem Tag, ab dem sie nach einer unun terbrochenen Versicherungszeit von mindestens fünf Jahren nicht mehr der schweizeri schen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung ange hörten, ihren Beitritt zur freiwilligen Ver si- cherung erklärten. In der Botschaft sektorielle Abkommen Schweiz/EU (BBl 1999 6339 f.) wird weiter ausgeführt, das Personenverkehrsabkom men sehe hin sicht- lich der freiwilligen Versi cherung im EU-Raum keine Ausnahme vor. Eine Abweichung von der Gleichbehandlung habe dagegen für den Nicht-EU-Raum erreicht wer den können (Anhang II zum Abkommen in 686 BVGE / ATAF / DTAFAlters- und Hinterlassenenversicherung 2009/47 Anhang VI [Ziff. 1] zur Verordnung [EWG] Nr. 1408/71). Würden Staatsangehörige eines EU-Staates in ei nem Nichtvertragsstaat leben, so sei ihnen der Bei tritt nur dann ge stattet, wenn sie ihren Beitritt zur frei - willigen Versicherung der Schweiz spätestens ein Jahr nach Ausscheiden aus der schweizerischen AHV/IV erklärten und unmittelbar vor dem Ausscheiden eine mindes tens fünfjährige ununter brochene V orversiche- rungszeit in der schweizerischen obligatorischen Versicherung aufweisen könnten. Hingegen könnten Staatsangehörige von EU-Staaten mit Wohn- ort in ihrem Hei matland oder einem anderen EU-Staat der schweize ri- schen freiwilligen AHV/IV beitreten. 6.6 Das BGer hat sich mit Art. 9 Abs. 2 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 im BGE 131 V 209 auseinandergesetzt, wenn auch nicht die vorliegende Streitfrage zu beurteilen war. Es befand, dass an gesichts der Tatsache, dass die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 nicht die V orausset- zungen für die Entstehung von Versicherungszeiten reg le, es Sache jedes Mitgliedstaats sei, die V oraussetzungen festzulegen, unter denen eine Person einem System der sozialen Sicherheit beitreten könne oder müsse, solange es dabei nicht zu einer diskriminierenden Unterscheidung zwischen Inländern und Angehörigen der anderen Mitgliedstaaten komme und allgemein das Gemeinschafts recht beachtet werde. Art. 52d der Verordnung vom 31. Oktober 1947 über die Alters- und Hinter las- senenversicherung (AHVV , SR 831.101) begründe dadurch, dass er Per- sonen, die weder zur Zeit der Entstehung der Beitragslücken irgendei nen Bezug zur Schweiz aufwiesen noch zu einem davor liegenden Zeitpunkt irgendeine für die Begründung eines hinreichenden Bezugs in Frage kommende Verbindung zu diesem Staat hergestellt hätten, von der An - rechnung zusätzlicher Bei tragsjahre ausschliesse, keine ge meinschafts- beziehungsweise abkommensrechtlich unzulässige Diskriminierung. Zu - sammenfassend hält das BGer fest, dass der Gemein schaftsgesetzgeber selbst davon aus gehe, dass es gerechtfertigt sei, den Kreis der Personen, die sich einer freiwilligen Versicherung oder Weiterversicherung anschliessen könnten, auf Personen zu beschrän ken sei, die einen Bezug zum betroffe nen Staat aufwiesen, der im ak tuellen Wohnsitz oder darin begründet sein könne, dass die se Personen früher als Erwerbstätige den Rechtsvorschriften dieses Staates unterstanden hätten. Auf dem Ge- danken, dass für den Beitritt zu einer freiwilligen Versicherung oder Wei- terversicherung ein bereits beste hender Bezug zum Sozialversi cherungs- system des diese Versicherung vorsehenden Staates verlangt werden könne, beruhe auch Art. 9 Abs. 2 der Verord nung (EWG) Nr. 1408/71. Denn danach müssten, wenn nach den Rechtsvorschriften eines Mit- gliedstaats die freiwillige Versicherung oder freiwillige Weiterver- BVGE / ATAF / DTAF 6872009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung sicherung von der Zu rücklegung von Ver sicherungszeiten abhängig sei, die nach den Rechtsvorschrif ten eines anderen Mit gliedstaats zurückge- legten Zeiten nur dann wie nach den Rechtsvorschriften des ersten Staates zurückgelegte Zeiten berücksichtigt werden, wenn die betref- fende Per son erforderlichenfalls dem System dieses Staates über haupt angehört habe; es sei mit an deren Worten eine Berücksichtigung aus län- discher Zeiten nur hinsicht lich der Erreichung einer allenfalls er forderli- chen Mindest versicherungszeit, nicht aber schon hinsichtlich der Sys - temzugehörigkeit vorgeschrieben (BGE 131 V 209 E. 8.2.2). Weiter führt das BGer aus, auch wenn in der schweize rischen AHV eine freiwillige Versicherung für in einem EU-Mitgliedstaat woh nende Perso- nen noch vorgesehen wäre und für Angehörige dieser Staaten die gleichen Beitrittsvoraussetzungen gälten wie für Schwei zer Bürgerinnen und Bürger – heute gebe es eine freiwillige Versiche rung zwar sowohl für Schweizer Bürgerinnen und Bürger als auch für Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der EU und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), aber nur für Personen, die ausserhalb des EU-/EFTA-Raumes wohnten –, dürfe der Beitritt zu dieser Versicherung von einem bestehen- den Bezug der betroffenen Person zur Schweiz beziehungsweise zu deren Sozial versicherungssystem abhän gig gemacht werden, ohne dass dadurch gegen die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 verstossen werde. In der V oraussetzung des V orliegens eines Bezuges zur Schweiz könne da- her, obwohl das von Schweizerinnen und Schwei zern leichter zu erfüllen sei als von Auslände rinnen und Aus ländern, keine unzulässige indirekte Diskriminierung gesehen werden, weil die dar aus resultierende Benach - teiligung von EU-Aus ländern aufgrund des Systems der Koordi nations- regelung selbst objektiv gerechtfertigt sei. Demzufolge sei das Erfor - dernis eines Bezugs zur Schweiz für den Beitritt zur freiwilligen Versicherung keine verbotene Ungleichbehandlung, sondern objektiv gerechtfertigt (BGE 131 V 209 E. 8.2.3). 6.7 Gestützt wird diese Auslegung durch die Botschaft zur AHV/IV (BBl 1999 4983), wonach die ursprüngliche, vom Gesetzgeber gewollte Konzeption der freiwilligen Versicherung angesichts der Entwicklung der Systeme der Sozialen Sicherheit in anderen Ländern sowie der Mög - lichkeit, sich am Arbeits- oder Wohnort versi chern zu lassen, nicht mehr der Realität entspreche. Es erscheine kaum mehr gerechtfertigt, allen In - habern eines Schweizerpas ses mit Wohnsitz im Ausland mittels der frei - willigen Versicherung den gleichen sozialen Schutz anzubieten wie der schweizerischen Wohnbevölkerung. Die freiwillige Versicherung solle ausschliesslich die in der obligatorischen Versicherung erworbenen Rechte vervollständigen beziehungsweise bewahren. Deshalb solle ledig- 688 BVGE / ATAF / DTAFAlters- und Hinterlassenenversicherung 2009/47 lich ih re Funktion als Weiterversicherung beibehalten werden. In Zu- kunft solle sie darum nur gerade für Personen offen stehen, die aus der obligatorischen AHV/IV austräten, nachdem sie dort während min des- tens fünf Jahren ver sichert gewesen seien. Der Beitritt zum freiwilligen System müsse somit dem Aus tritt aus dem obligatorischen System un - mittelbar folgen (BBl 1999 4998). Die Weiterführung der obligatorischen Versicherung erfordere besondere Bestimmungen für die Dauer des vorbestandenen Versicherungsverhältnisses sowie für das Beitrittsge such und die Frist für den Beitritt. Erste V oraussetzung bilde der Wohn sitz in einem Staat, mit wel chem die Schweiz kein Abkommen über Soziale Sicherheit abgeschlossen habe. Des Weite ren werde ein vor bestandenes Versicherungsverhältnis verlangt. Auf diese Weise werde der Ver sicher- tenkreis auf diejenigen Perso nen beschränkt, welche ei ne enge Bindung zur Schweiz hätten. Die Dauer dieses Verhältnisses, das heisst fünf aufeinanderfolgende Versicherungsjahre unmittelbar vor der Abreise ins Ausland, entspreche derjenigen für die Weiterführung gemäss aArt. 1 Abs. 3 Bst. a AHVG. Aus Gründen der Gleichbehandlung hänge die freiwillige Versicherung nicht mehr von der Staatszugehörig keit ab (BBl 1999 5008 f.). 6.8 Demzufolge ist eine Zusammenrechnung der in verschiedenen Mitgliedstaaten zurückgelegten Versicherungszeiten im Sinne von Art. 9 Abs. 2 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 auf diejenigen Fälle be- schränkt, in welchen die Person dem Versiche rungssystem – im vorlie - gendem Fall der schweizerischen freiwilligen AHV/IV-Versicherung – bereits angehört, die konkrete Leistungserbringung aber zusätzlich von einer Mindestbeitragszeit (« Wartezeit », vgl. BBl 1999 6356 und 6324) abhängig ge macht wird. Betreffend das Erfordernis einer V orversiche - rungszeit, um dem System der schweizerischen freiwilligen AHV/IV- Versicherung beitreten zu können, greift Art. 9 Abs. 2 Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 hingegen nicht. Dies hat zur Folge, dass für Schweizer Staatsangehörige ausschliess lich Art. 2 Abs. 1 AHVG gilt, wonach eine fünfjährige schweizerische V or - versicherungszeit gefordert wird, um dem System der freiwilligen Versi - cherung beitreten zu können. Für Staatsangehörige der EU gilt dieselbe Regelung gemäss expliziter Verankerung in der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71, Anhang VI, Schweiz, Ziff. 1 (E. 5.1). 6.9 Wie weiter oben festgestellt wurde, war der Beschwerdeführer vor seinem Austritt aus der schweizerischen obligatorischen Versicherung nicht während fünf Jahren ununterbrochen in dieser versichert. Er er füllt BVGE / ATAF / DTAF 6892009/47 Alters- und Hinterlassenenversicherung daher die V oraussetzungen für die Zulassung zur schweizerischen frei - willigen Versicherung im Sinne von Art. 2 Abs. 1 AHVG nicht. 7. Aus diesen Gründen erweisen sich die Rügen des Beschwerde- führers als unbegründet. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 690 BVGE / ATAF / DTAF