B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5510/2016 U r t e i l v o m 1 . M a i 2 0 1 8 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiber Raphael Merz. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Evelyn Stokar, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, Florastrasse 12, 4057 Basel, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 10. August 2016 / N (…). D-5510/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ei n Tamile mit letztem offiziellem Wohnsitz in B._______ (Distrikt B._______, Nordprovinz), verliess seinen Heimatstaat am 5. Mai 2015 über den Flughafen C._______ via D._______ und E._______ und reiste mit dem Auto in die Schweiz ein. Am Tag seiner Ein- reise in die Schweiz, dem 6. Mai 2015, stellte er im Empfangs- und Verfah- renszentrum des SEM in F._______ ein Asylgesuch. B. Im Rahmen der Befragung zur Person (nachfolgend: BzP) vom 18. Mai 2015 und der Anhörung zu den Asylgr ünden vom 4. November 2015 machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass er sri-lanki- scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie und (…) in B._______ geboren sei. Seit 2010 habe er mit seiner Mutter und seinen zwei Geschwistern in G._______ gelebt. Seit 2011 sei er bei seinem Onkel als (…) erwerbstätig gewesen und habe bei ihm das (…) erlernt. Er habe die (…) verwaltet und als Stellvertreter für den Onkel den Angestellten Aufträge erteilt. Sein Onkel sei früher Mitglied bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (nachfolgend: LTTE) gewesen. Ab Mitte des Jahres 2013 habe er mit seinem Onkel und den anderen Mitarbeitern jedes Wochenende zwei Schächte beziehungs- weise Lagerräume ausgegraben, welche seines Wissens zur (…) hätten benutzt werden sollen. Er sei nicht darüber informiert gewesen, dass diese Lagerräume als (…) dienen sollten. Im selben Zeitraum seien verschiedene Pakete, angeblich mit (…) gefüllt, bei der Firma des Onkels eingegangen. Er habe erst im Nachhinein erfahren, dass es s ich hierbei um (…) gehan- delt habe. Im Jahr 2014 seien Mitarbeiter des Criminal Investigation De- partment (nachfolgend: CID) mehrere Male zu seinem Arbeitsplatz gekom- men und hätten ihn und seinen Onkel üb er ihre Tätigkeiten und Kontakte zu LTTE-Kämpfern befragt. Dabei sei er auch wiederholt geschlagen wor- den. Am 31. Dezember 2014 sei sein Onkel in seiner Abwesenheit zu Tode geprügelt worden. In der Folge sei er am 14. und 15. Januar 2015 über seinen Onkel befragt und dabei auch geschlagen worden. Als er nicht zu Hause gewesen sei, sei er dort weitere Male aufgesucht und es sei im Dorf nach ihm gefragt worden. Aufgrund der unsicheren Lage in G._______ sei er in der Folge zu seinem Bruder in B._______ gefahren und dort bis zu seiner Ausreise am 5. Mai 2015 geblieben. Mit einem gefälschten Pass sei er über D._______ nach E._______ geflogen und von dort per Auto in die Schweiz gelangt. Von zwei früheren Arbeitskollegen, die nun in Indien woh- nen würden, habe er erfahren, dass sein Onkel heimlich am Wiederaufbau D-5510/2016 Seite 3 der LTTE gearbeitet habe und dass die Schächte als (…) hätten dienen sollen. Das CID habe geglaubt, dass er seinen Onkel bei seinem Unterfan- gen habe unterstützen wollen. C. Mit Asylentscheid vom 10. August 2016 – eröffnet am 12. August 2016 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht , und lehnte dessen Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. D. Mit Eingabe vom 12. September 2016 hat der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ge- gen diese Verfügung erhoben und beantragt, sie sei vollumfänglich aufzu- heben und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon sei ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewäh- ren. In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, beantragt den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses und die Feststellung der aufschiebenden Wirkung der Be- schwerde. Der Beschwerdeführ er reicht folgende Dokumente als Beweismittel ein: Kopien m it Übersetzungen der Märtyrer-Todesanzeige des Onkels, von Schreiben der Mutter und des Bruders, der Todesurkunde seines Freundes H._______, einen Kurzbericht des HEKS, Auszüge aus einem Bericht von I._______ betreffend tamilische Flüchtlinge aus Sri Lanka im Raum Bern und des SEM (Focus Sri Lanka) sowie diverse Zeitungsausschnitte. E. Mit Instruktionsverfügung vom 21. September 2016 stellte das Bundesver- waltungsgericht fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver- fahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege wurde gutgeheissen und es wurde auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses verzichtet. F. Am 31. Oktober 2016 reichte der Beschwerdeführer Kopien der Geburts- urkunde sowie der Todesurkunde seines Onkels, der Todesurkunde seines Freundes H._______, von Schreiben der Mutter sowie des Bruders, eine D-5510/2016 Seite 4 Bestätigung der Mitgliedschaft bei der Tamil Youth Organisation (TYO) so- wie Fotografien von einer Demonstration in J._______ vom (…) September 2016 nach. G. Mit Vernehmlassung vom 30. November 2016 hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest und führte aus, dass auch die nachträglich eingereichten Beweismittel nichts an ihrer Einschätzung änderten. Die Zeitungsaus- schnitte würden keinen direkten Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen. Die Schreiben der Familienangehörigen seien al s Gefälligkeitsschreiben zu werten und hätten keinen Beweiswert . In Bezug auf die exilpolitis chen Tätigkeiten halte sich das Engagement des Beschwerdeführers in engen Grenzen und könne deshalb keinesfalls als qualifiziert eingestuft werden. Er sei als einfaches Mitglied einzustufen, das auf Seiten der sri-lankischen Behörden kein Verfolgungsinteresse hervorzurufen vermöge. H. Mit Replik vom 19. Dezember 2016 hielt der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde fest und führte aus, dass er aufgrund der Anstellung bei sei- nem Onkel bereits vor dessen Ermordung Repressalien ausgesetzt gewe- sen sei. Es sei ihm vom CID unterstellt worden, dass er in die Wiederauf- lebungspläne der LTTE involviert gewesen sei. Mit dem Tod des Onkels habe sich das Interesse des CID auf ihn übertragen, da er nun die einzige im Heimatland verbliebene Person gewesen sei, die vermeintlich Informa- tionen betreffend die Pläne des Onkels hätte preisgeben können. Der Be- schwerdeführer gehöre zu jener Gruppe von Personen, die nicht aufgrund ihres eigenen Verhaltens staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt seien, sondern wegen der Verwandtschaft beziehungsweise Beziehung zu einer politisch verfolgten Person. Abgesehen vom Umstand, dass neun Fa- milienangehörige bei den LTTE gewesen seien, habe er keinen persönli- chen Bezug zur Bewegung. Hinsichtlich der exilpolitischen Aktivitäten habe er sich an verschiedenen Veranstaltungen exponiert. Er sei bei der TYO für das Organisieren von Veranstaltungen und Demonstrationen zuständig ge- wesen und habe neue Mitglieder angeworben. I. Am 10. Januar 2017 reichte der Beschwerdeführer ergänzende Bemerkun- gen ein. D-5510/2016 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-5510/2016 Seite 6 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfäls chte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des ablehnenden Entscheids aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. 4.1.1 Es widerspreche angesichts der geschilderten Nähe zu seine m On- kel jeglicher Logik, dass der Beschwerdeführer nicht über den tatsächli- chen Zweck des Baus der Schächte informiert gewesen sei. Als engster Mitarbeiter seines Onkels hätte er sowohl über die Nutzung als auch über die damit verbundenen Risiken informiert sein müssen, i nsbesondere in Anbetracht dessen, dass gewisse Dorfbewohner angeblich über den wah- ren Zweck informiert gewesen seien. Die vorgebrachte Naivität sei zweifel- haft. Hätte sein Onkel ein solch riskantes Vorhaben durchgeführt, hätte er wohl alle Involvierten grü ndlich informiert und entsprechende Vorsichts- massnahmen ergriffen. Auf die angeblichen (…) treffe dieselbe Einschät- zung zu. Wiederum sei unverständlich, dass sein Onkel ein derart grosses Risiko eingegangen sein soll, indem er ihn nicht über den wahren Inh alt der Pakete informiert habe. Dass der Beschwerdeführer unvoreingenom- men geglaubt habe, es handle sich um (…), die geliefert worden seien, sei gänzlich unglaubhaft. Weiter verstärke der angebliche Standort dieser Schächte die Vorbehalte gegenüber seinen Aussagen. Hinter dem Ge- büsch, wo die Schächte gebaut worden seien, habe sich ein gr osses Ar- meecamp befunden. Eine solche Standortwahl sei wenig nachvollziehbar, insbesondere in Anbetracht der ab Kriegsende hohen Militärpräsenz in die- sem Gebiet. Dass sein Onkel die unmittelbare Nähe zu einem Armeecamp gesucht habe, sei ebenso unglaubhaft wie der Umstand, dass während ei- ner eineinhalb Jahre dauernden Bauzeit kein Militärangehöriger davon Kenntnis bekommen haben soll. Insgesamt würden erhebliche Zweifel an sämtlichen Schilderungen zu den angeblichen LTTE-Wiederauflebungstä- tigkeiten bestehen. 4.1.2 Weiter wirke die Darstellung konstruiert, wonach der Beschwerdefüh- rer erst nach Ankunft in der Schweiz vom tatsächlichen Zweck der Schäch- te und dem w ahren Inhalt der Paketlieferungen erfahren habe. Angeblich D-5510/2016 Seite 7 hätten zwei Kollegen seines Onkels, die mittlerweile nach Indien geflohen seien, den Kontakt zu ihm in der Schweiz hergestellt, einzig um ihm dies mitzuteilen. Es erstaune, dass diese Personen ihn erst über diese H inter- gründe informiert hätten, als er bereits aus Sri Lanka ausgereist sei. Hätte tatsächlich eine akute Gefährdung bestanden, wäre anzunehmen gewe- sen, dass sein Onkel, wie auch seine Kollegen, ihm die Wahrheit über die Schächte erzählt und ihn rechtzeitig gewarnt hätten. Dass diese Kollegen in Sri Lanka stets alles verheimlicht und dann aus dem Ausland den Auf- wand betrieben hätten, den Kontakt zu ihm herzustellen und ihn aufzuklä- ren, sei wenig plausibel. Es entstehe der Eindruck einer konstruierten Ge- fährdungssituation. 4.1.3 In Bezug auf die dargelegten CID -Befragungen sei es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen, eine begründete Furcht vor Verfolgung glaubhaft zu machen. Wäre er als LTTE -Mitglied verdächtigt gewesen, wäre es wohl kaum bei relativ kurzen Befragungen im Wald geblieben. Zu- dem habe er ein angebliches Interesse der CID-Beamten an seiner Person nicht schlüssig erklären können. Es sei der Eindruck entstanden, dass er seine angebliche Rolle jeweils situativ anders schildere. Einerseits wolle er der engste Begleiter seines Onkels gewesen sein, andererseits habe er seine Kollegen nicht gekannt, sich nicht für den Inhalt der Warenlieferun- gen interessiert und scheinbar kostenlose Bautätigkeiten nicht hinterfragt. Diese kontroverse Darstellung verstärke die Zweifel an seinen Vorbringen. 4.1.4 Insgesamt sei es ihm nicht gelungen, eine persönliche Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden glaubhaft zu machen. Es könne deshalb auf die Ausführung weiterer Unglaubhaftigkeitselemente wie auch auf die Prüfung der Asylrelevanz seiner Vorbringen verzichtet werden. 4.2 Der Beschwerdeführer wendet ein, seine Vorbringen seien durchwegs plausibel, detailliert, substantiiert und glaubhaft. 4.2.1 Vorerst sei auf seine Stellung innerhalb des Geschäfts des Onkels beziehungsweise auf die Aufgaben, mit denen er vom Onkel betraut wor- den sei, einzugehen. Es sei ihm keine spezifische Aufgabe zugewiesen worden. Er habe seinen Onkel nur bei unterschiedlichen geschäftlichen Verrichtungen unterstützt und sei für die (…) und die (…) zuständig gewe- sen. Sein Onkel habe es nicht als notwendig erachtet, ihn über alle einzel- nen Geschäfte aufzuklären. Er habe jeweils nur knappe Antworten auf ge- stellte Fragen betreffend einzelne Aufträge erhalten. Es sei ihm nicht er- laubt gewesen, seinem Onkel Fragen zu stellen oder ihn zu hinterfragen. D-5510/2016 Seite 8 Das Verhältnis zwischen ihm und seinem Onkel sei von grossem Respekt geprägt gewesen. Es habe zwischen ihnen nicht nur ein Arbeits-, sondern auch ein Familienverhältnis bestanden. Gemäss dem Senioritätsprinzip habe der Onkel eine grosse Autorität genossen. Ein Vertrauensbruch hätte nicht nur berufliche, sondern auch familiäre Konsequenzen nach sich ge- zogen. 4.2.2 Der Beschwerdeführer betont weiter, dass er der Anstellung bei sei- nem Onkel nicht nachgegangen wäre, wenn er gewusst hätte, dass dieser die LTTE wieder unterstützen würde. Umgekehrt sei sich sein Onkel des- sen bewusst gewesen, dass er seine Mutter und Tante über die heimlichen Pläne informiert hätte, falls er davon erfahren hätte. 4.2.3 In Bezug auf die Kontrolle der Lieferungen leuchte es nicht ein, wes- halb er die fraglichen Paketen hätte überprüfen sollen. Bei diesen habe es sich um speziell an den Onkel adressierte Lieferungen gehandelt. Es habe für ihn keinen Anlass gegeben, an dessen Aufrichtigkeit zu zweifeln. 4.2.4 Bezüglich des Ortes, der für den Bau der Schächte ausgewählt wor- den sei, sei zu erwähnen, dass sein Onkel von den Dorfbewohnern unter- stützt worden sei und es sich bei diesen ebenfalls um ehemalige LTTE- Mitglieder gehandelt habe . Obwohl sich die Schächte in der Nähe eines Militärpostens befunden hätten, spreche dies nicht gegen die Glaubhaf- tigkeit der Standortwahl. 4.2.5 Bei der Frage nach der Kontaktaufnahme der ehemaligen Mitarbeiter des Onkels aus Indien habe es ein Missverständnis gegeben. Der Kontakt sei nicht von diesen Mitar beitern aus Indien hergestellt worden, sondern der Beschwerdeführer habe diese von der Schweiz aus kontaktiert. Nach- dem diese nicht an der Todeszeremonie des Onkels erschiene n seien, habe seine Mutter Nachforschungen über die Ermordung des Onkels be- trieben und die Telefonnummer eines der Mitarbeiter ausfindig gemacht . Das Interesse an der Aufarbeitung der vergangenen Ereignisse habe folg- lich bei ihm gelegen. 4.2.6 Weiter würden die unzähligen Verhöre durch d as CID, welche sich nach dem Tod des Onkels intensiviert hätten und bis zum heutigen Zeit- punkt andauern würden, deutlich machen, dass dieses ein gehöriges Inte- resse an seiner Person habe. Weil er so lange als enger Mitarbeiter seines Onkels tätig gewesen sei, habe dies da zu geführt, dass ihm seitens des D-5510/2016 Seite 9 CID unterstellt werde, in die LTTE-Wiederauflebungspläne des Onkels ver- wickelt gewesen zu sein. Ob er tatsächlich über die Pläne informiert gewe- sen sei oder nicht, sei dabei irrelevant. 4.2.7 Zusammengefasst seien seine Vorbringen in allen wesentlichen Punkten logisch und nachvollziehbar. Die Einwände der Vorinstanz würden nicht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sprechen. 5. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaub- haft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Dar- über hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig er- scheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbrin- gen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder be- wusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfah- ren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeu- tet ferner im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vor- bringen der gesuchstellenden Person. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig über- zeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel be- seitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5.1 In Bezug auf den Bau der Schächte bringt der Beschwerdeführer vor, er habe während eineinhalb Jahren jeden Samstag und Sonntag, das heisst während mehr als 150 Tagen, heimlich für die (…) seines Onkels an einer Konstruktion gearbeitet, worin seines Wissens (…) hätten gelagert D-5510/2016 Seite 10 werden sollen. Offenbar seien die Dorfbewohner und die anderen Mitarbei- tenden der (…) über den eigentlichen Zweck dieser Schächte, nämlich die Lagerung von (…), in Kenntnis gesetzt gewesen. Den Au ssagen des Be- schwerdeführers zufolge sei er der Einzige gewesen, der über den Zweck des Baus nicht aufgeklärt worden sei. Direkt neben der Baustelle habe sich im Übrigen hinter einem Gebüsch ein grosses Militärcamp befunden. Zu den eingetroffenen Paketen führte er aus, dass diese persönlich auf den Namen des Onkels adressiert gewesen seien. Er sei davon ausgegangen, dass sich darin (…) befunden hätten. Zu Recht und mit zutreffender Begründung verwies die Vorinstanz in ihren Erwägungen darauf, diese Ausführungen seien aus verschiedenen Grün- den nicht nachvollziehbar. Sie führte richtigerweise aus, dass die unterlas- sene Information des Beschwerdeführers für alle Seiten hätte gefährlich werden können. Zudem kann nicht nachvollzogen werden, warum der Bau zur Unterbringung v on (…) hätte heimlich durchgeführt werden müsse n. Aufgrund der Lage direkt neben einem Militärlager u nd wegen der langen Baudauer von eineinhalb Jahren erscheint es sodann unwahrscheinlich , dass die Schächte beziehungsweise Lagerräume unentdeckt geblieben sein sollen. Die Ausführungen zur Unwissenheit des Inhalts der Paketsen- dungen wie auch über den eigen tlichen Bauzweck der Schächte wirken daher zu Recht konstruiert und sind nicht nachvollziehbar. Insbesond ere vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer und sein Onkel schon vor dessen Tod vom CID befragt worden seien, hätten spätestens zu die- sem Zeitpunkt auch beim Beschwerdeführer Fragen auftauchen müss en. Die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers erscheint damit un- plausibel und überwiegend unglaubhaft. 5.2 Befragt nach der Abfolge und dem Zei tpunkt der Befragungen durch das CID machte der Beschwerdeführer unterschiedliche Angaben. Bei der Befragung zur Person vom 18. Mai 2015 erklärte er, dass er am 14. Januar 2015 aufgesucht und dabei geschlagen worden sei. Am 31. Januar 2015 seien sie wiedergekommen. Dieses Mal hätten die Leute des CID ihn nicht geschlagen, er sei jedoch befragt worden , ob sein Onkel etwas von den ehemaligen LTTE-Mitgliedern erzählt habe und ob er wisse, wer diese Per- sonen seien (SEM-Akte A4, 7.01, S. 7). Im Gegensatz dazu brachte er an- lässlich der Anhörung vom 4. November 2015 vor, dass es nach dem 15. Januar 2015 keine weiteren Zusammentreffen mit Beamten des CID gege- ben habe. Am 31. Januar 2015 seien diese Leute zu ihm nach Hause ge- kommen, er sei jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen D-5510/2016 Seite 11 (SEM-Akte A18, F150 f.). Auf diesen Widerspruch angesprochen, konnte er diesen nicht plausibel auflösen (SEM-Akte A18, F196). Der Beschwerdeführer hat sich somit in Bezug auf die Vorkommnisse wäh- rend der CID-Befragung in widersprüchliche Aussagen verstrickt. Seine im Rahmen des rechtlichen Gehörs abgegebenen Erklärungen vermög en diese nicht zu entkräften. 5.3 Weiter vermögen d ie eingereichten Beweismittel (Beilagen zur Be- schwerde vom 12. September 2016 sowie zur Beschwerdeergänzung vom 31. Oktober 2016) eine erlittene oder im Zeitpunkt der Ausreise drohende Verfolgung nicht zu untermauern. Zwar bestätigen die beiden Todesurkun- den betreffend seinen Onkel und seinen Freund H._______ das Hinschei- den ebendieser. Auch in den eingereichten Zeitungsausschnitten ist der Onkel offenbar namentlich erwähnt . Weitere Schlüsse – wie eine Suche nach dem Beschwerdeführer durch die sri-lankischen Behörden – können aus diesen Beweisstücken nicht abgeleitet werden. In den eingereichten Briefen der Mutter und des Bruders wird bestätigt, dass der Beschwerde- führer wegen Lebensgefahr ins Ausland geschickt worden und bei einer Rückkehr sein Leben in Gefahr sei. Da diese Dokumente von nahen Ver- wandten verfasst wurden , besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass es sich um Gefä lligkeitsschreiben handelt. Aus dem eingereichten Länderbericht des SEM, welcher die allgemeine Lage in Sri Lanka und die politische Situation beschreibt, dem Kurzbericht der Hilfswerksvertretung und dem auszugsweise eingereichten Bericht von I._______, welcher die Bedeutung von Ansehen und Respekt in der tamilischen Gesellschaft dar- legt, lässt sich schliesslich keine individuelle drohende Verfolgung des Be- schwerdeführers ableiten. Die eingereichten Beweismittel vermögen den geltend gemachten Sachverhalt weder zu belegen noch sind sie geeignet, am Dargelegten etwas zu ändern. 5.4 In Würdigung de s Vorstehenden und unter Berücksichtigung der ge- samten Akten ist die Argumentation des SEM zu bestätigen. Die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers wirken konstruiert und unplausibel und es er- geben sich Ungereimtheiten, die mit einer glaubhaften Darstellung nicht zu vereinbaren sind. Von einer systematischen behördlichen Suche nach ihm ist nicht auszugehen. Der Beschwerdeführer vermag keine erlittene oder im Zeitpunkt der Ausreise unmittelbar bevorstehende Verfolgung glaubhaft zu machen. D-5510/2016 Seite 12 6. Weiter hat die Vorinstanz zu Recht erwogen, es bestehe aufgrund der An- gaben des Beschwerdeführers kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit oder in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah- men ausgesetzt sein werde. 6.1 Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesver- waltungsgericht eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen (vgl. a.a.O., E. 8) und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orie ntiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofakto- ren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und um Vorlie- gen früherer Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicher- weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1-8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisa- tion für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konk- ret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Ge- fährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaf- ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lan- kischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamili- schen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 6.2 In Bezug auf den vorliegenden Fall ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er seit Kriegsende (2009) mit den Behörden Sri Lankas relevante Probleme bekommen hätte. Der Beschwer- deführer bringt zwar vor, dass sein Onkel ein ehema liges LTTE-Mitglied gewesen und aus diesem Grund ermordet worden sei. Selbst wenn der Onkel des Beschwerdeführers wegen seiner Tätigkeit für die LTTE getötet D-5510/2016 Seite 13 worden sein sollte, kann, wie vorangehend ausgeführt, den Schilderungen über die Vorkommnisse im Zusammenhang mit den Befragungen durch die CID-Beamten und der damit verbundenen Verfolgung keinen Glauben ge- schenkt werden. Der Beschwerdeführer führt weiter aus, selber nie Mitglied der LTTE gewesen zu sein (SEM-Akte A18, F228 f.), und bringt zu keinem Zeitpunkt vor, für die LTTE gearbeitet zu haben. Unter diesen Umständen sind keine Hinweise ersichtlich, dass die sri-lankischen Behörden Interesse an ihm gezeigt hätten oder er eine Reflexverfolgung zu befürchten hätte . Folglich ist in seinem Fall auch nicht davon auszugeh en, dass er in einer Stop-List aufgeführt wird. Darüber hinaus fehlen Anhaltspunkte dafür, dass sich dies nach seiner Rückkehr ändern könnte. Ohne glaubhafte Probleme mit den sri-lankischen Behörden ist nicht damit zu rechnen, dass er bei der Wiedereinreise wegen eines durchlaufenen Asylverfahrens in der Schweiz mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen hat. Davon ist umso weni- ger auszugehen, als er gestützt auf die Aktenlage in der Schweiz nicht auf- gefallen ist und ihm somit auch keine Verbindung zu d en LTTE in der Schweiz vorgeworfen werden kann. Zu Recht und mit zutreffender Begrün- dung verwies die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung darauf hin, dass seine exilpolitischen Tätigkeiten nicht geeignet sind, um ihm die Flücht- lingseigenschaft zuzusprechen. Sein Engagement hält sich in engen Gren- zen und kann nicht als qualifiziert eingestuft werden. Innerhalb des Vereins Tamil Youth Organisation nimmt er keine besonders exponierte Stellung ein und ist daher als einfaches Mitglied einzustufen. 6.3 Nach dem Gesagte n sind keine asyl - beziehungsweise flüchtlings- rechtlich relevanten Verfolgungsgründe ersichtlich, weshalb das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine a usländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9; je m.w.H.). D-5510/2016 Seite 14 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nich t zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwal- tungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flücht- lingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu mac hen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land g ezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 8.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen- den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde- führers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr („real risk“) nachweisen oder D-5510/2016 Seite 15 glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer, 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festhält, hat sich der EGMR mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen und Tamilinnen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, befasst (vgl. Urteil d es EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in gene- reller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen und Tami- linnen drohe eine unmenschliche Behandlung. Weder die allgemeine Men- schenrechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen demnach den Wegweisungs- vollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen (vgl. auch BVGE 2011/24 E. 10.4). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Die allgemeine Men schenrechtssituation und sicherheitspolitische Lage in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zu- mutbar erscheinen, wenn das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskrite- rien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Be- ziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation) bejaht werden kann (Urteil des BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2 [als Referenzurteil publiziert]). Auch in Bezug auf das K._______ kam das Bundesverwaltungsgericht nach eingehender Analyse zum Schluss, ein Wegweisungsvollzug sei bei Vorliegen begünstigender Faktoren grundsätzlich zumutbar. So habe sich die Sicherheitslage seit dem Ende des Konflikts im Jahr 2009 deutlich verbessert. Die weiterhin präsente Armee werde im Allgemeinen nicht als Sicherheitstruppe angese- hen und die noch vorhandenen Minengebiete seien klar markiert, so dass diese kein grosses Sicherheitsproblem darstellen würden. Die Infrastruktur D-5510/2016 Seite 16 sei teilweise wiederhergestellt, wobei der Zugang zu Trin kwasser und Elektrizität weiterhin ein Problem für die Bevölkerung darstelle. In wirt- schaftlicher Hinsicht bleibe die Situation im K._______ zwar prekär, doch erweise sich der Wegweisungsvollzug von Personen mit familiärer oder so- zialer Unterstützung vor O rt, einer vorübergehenden oder dauerhaften Wohnmöglichkeit und der Aussicht, die eigenen Grundbedürfnisse decken zu können, grundsätzlich zumutbar ( vgl. dazu ausführlich das Urtei l des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.4 [als Referenzurteil pu- bliziert]). 8.3.3 Die Familie des aus G._______ im K._______ stammenden Be- schwerdeführers ist dort wohnhaft, wobei seine Eltern sowie vier Brüder und eine Schwester nach wie vor in G._______ respektive in B._______ in eigenen Häusern wohnen. Es darf daher davon ausgegangen werden, dass ihm bei einer Rückkehr an seinen früheren Wohnort eine Wohnmög- lichkeit zur Verfügung steht und er von seiner Familie sowie allenfalls sei- nen Verwandten unterstützt wird. Der noch verhältnismässig junge und ge- sunde Beschwerdeführer hat vor seiner Ausreise bei seinem Onkel im (…) gearbeitet. Was die Reintegration in wirtschaftlicher Hinsicht betrifft, wer- den es ihm seine Schulbildung sowie seine Erfahrungen im (…) Beruf wie auch in der (…) ermöglichen, sich eine Existenz zu sichern. Es sind daher keine Anhaltspunkte ersichtlich, die darauf schliessen lassen würden, dass er bei einer Rückkehr in sein Heimatland in eine existenzbedrohende Situ- ation geraten würde. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG) und – soweit diesbezüg- lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. D-5510/2016 Seite 17 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist jedoch angesichts des mit Verfügung vom 21. Septem- ber 2016 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-5510/2016 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Mia Fuchs Raphael Merz Versand: