B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6208/2011 U r t e i l v o m 2 0 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Oktober 2011 / N (…). D-6208/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge den Heima t- staat am 17. Oktober 2008 auf dem Luftweg und gelangte am 23. Okt o- ber 2008 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Nach einer Kurzbefragung im (…) vom 27. Oktober 2008 wurde der B e- schwerdeführer für die Dauer des Verfahrens dem Kanton B._______ zu- gewiesen. Das BFM hörte den Beschwerdeführer am 23. September 2009 direkt zu seinen Asylgründen an. Im Wesentlichen machte er bei den Befragungen geltend, er stamme aus einer (…) in C._______ und habe mit seinen Eltern und Geschwistern in D._______ (Jaffna District) gewohnt. Er sei bis zum 20. Juni 2006 zur Schule gegan gen. An diesem Tag hätten die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) eine Propagandaveranstaltung , organisiert von der (…), durchgeführt und hierbei ihn, zusammen mit etwa 40 bis 50 anderen Personen, zum Absolvieren eines Trainingscamps gezwungen. Man habe sie nach E._______ in ein Camp gebracht. Er habe mit den anderen z u- sammen auf einem Spielplatz in F._______ ein vierzehntägiges Training absolvieren müssen. Später seien sie an verschiedene Orte verteilt wo r- den. Er habe sich geweigert, ein Waff entraining zu machen und aus dem Grund, und da er klein gewesen sei, statt einer Waffe einen Stock b e- kommen und habe rennen müssen. Er habe nach dem Renntraining auch Gräben ausheben und Bäume fällen müssen für zu errichtende Stüt z- punkte und mit dem Fahrra d Essen zu anderen Camps gebracht. Wenn er dem Training oder den Arbeiten nicht nachgekommen sei, sei er g e- schlagen worden. Er habe eine LTTE -Uniform getragen, aber nicht a n Kämpfen teilnehmen müssen . Gegen seinen Willen sei er bei der LTTE festgehalten worden und habe eigentlich zu seinen Eltern zurückgewollt. Etwa im Juni 2008 habe er erst die Flucht ergreifen können. Er sei bei ei- nem Velo-Transport von Lebensmitteln in ein anderes Camp zu seinem Onkel nach G._______ und von dort weiter in seinen Heimatort geflohen. Seine Mutter habe ihn aus Angst vor Entdeckung zu ein em Nachbarhaus geschickt. Gleichentags hätten ihn Soldaten der sri -lankischen Armee im Nachbarhaus bei einer Razzia gewaltsam festgenommen. Während drei- einhalb Monaten sei er in drei verschiedenen Camps der Armee fes t- gehalten worden, zuerst zwei Monate im Camp (…), dann etwa einen Monat lang in (…), zuletzt etwa zwei Wochen im (…), wo die Gehei m- dienste der Armee gewesen seien . Er sei über die Art des Trainings bei der LTTE und die Trainingsorte befragt und hierbei auf verschiedene Ar-D-6208/2011 Seite 3 ten gefoltert worden. Seine Mutter habe einen Priester eingeschaltet und sei mit diesem von Camp zu Camp gegangen, weshalb man ihn immer wieder in andere Camps verlegt und schliesslich wegen der Intervention des Priesters freigelassen habe, mit der Auflage , sich täglich morgens und nachmittags im (…) zu melden. Der Meldepflicht sei er rund vierzehn Tage nachgekommen und hierbei jedes Mal grundlos geschlagen worden. Vor diesem Hintergrund habe seine Mutter seine Ausreise nach Colombo und von dort nach Europa or ganisiert. In der Unterkunft in Colombo, wo er sich zwei bis drei Tage aufgehalten habe, habe das Militär immer wi e- der Razzien gemacht, denen er habe ausweichen können. Nach seiner Ausreise hätten Soldaten einige Male bei ihm zu Hause nach ihm gesucht und hierbei seine Eltern bedroht. Hinsichtlich der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. Das BFM verzichtete auf weitere Abklärungen. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Bes chwerdeführer di- verse Beweismittel zu den Akten (Schreiben eines Priesters vom 30. D e- zember 2008, Schreiben eines Priesters vom 2. Januar 2009, Schreiben eines Schulleiters vom 14. November 2008, Kopie einer Trainings- Bestätigung der LTTE vom 21. Juni 2006 , Schreiben eines Priesters vom 30. September 2009). B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 13. Oktober 2011 – eröffnet am 19. Oktober 2011 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingse i- genschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfüg te es die Weg weisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anfo r- derungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht. Wegen offensichtlich fe h- lender Asylrelevanz könne darauf verzichtet werden, auf Unglaubhafti g- keitselemente der Vorbringen einzugehen. Unter Darlegung eines zeitg e- schichtlichen Abrisses hinsichtlich der Situation in Sri Lanka nach Bee n- digung des Bürgerkriegs im Mai 2009 wurde ausgeführt, dass nach der vernichtenden Niederlage der LTTE diese Organisation über keine han d- lungsfähige Struktur mehr verfüge. Die LTTE stelle damit für den B e- schwerdeführer keine unmittelbare Bedrohung mehr dar. Der Einfluss bewaffneter Gruppen habe seit dem Ende des Bürgerkrieges stark abg e- nommen. Hinweise auf eine Zusammenarbeit der Regierung mit solchen Gruppierung bestünden keine. Zudem würden Übergriffe auf die Zivilb e- völkerung von Seiten krimineller Einzeltäter oder bewaffneter Gruppen D-6208/2011 Seite 4 von den zuständigen Behörden geahndet. Auch habe der Beschwerd e- führer nie geltend gemacht, aktives oder gar führendes Mitglied der LTTE gewesen zu sein. Er sei von dieser Organisation im Jahre 2006 lediglich gezwungen worden, ein Training zu absolvieren und beim Bau von Bu n- kern und Gräben sowie beim Transport von Lebensmitteln zu helfen, was ein Vorgehen der sri -lankischen Behörden gegen ihn im Zusammenhang mit einem allfälligen Wiederers tarken der LTTE unwahrscheinlich e r- scheinen lasse. Die Passausstellung im Jahre 2008 in Colombo und die anschliessende Ausreise über den Flughafen nach seiner Freilassung durch die sri -lankischen Sicherheitskräfte mache deutlich, dass der B e- schwerdeführer von den sri-lankischen Behörden bereits zu diesem Zei t- punkt nicht mehr ernsthaft der aktiven Unterstützung der LTTE verdäc h- tigt worden sei. Angesichts seines fehlenden politischen Profils seien asylrelevante Schwierigkeiten mit erheblicher Wahrscheinlichke it ausz u- schliessen. Die eingereichten Beweismittel vermöchten keine asylrel e- vante Verfolgung des Beschwerdeführers durch die sri -lankischen Behör- den zu belegen. Sie würden sich auf die als asylrechtlich unbeachtlich gewerteten Vorbringen des Beschwerdeführ ers beziehen. Die Schreiben der Priester seien oberflächlich und allgemein gehalten, ohne direkten Bezug auf die vom Beschwerdeführer geschilderten Ereignisse. Die K o- pie der LTTE-Bestätigung gebe bloss Auskunft über die Absolvierung e i- nes Trainings, nicht aber über dessen Dauer. Zudem hätten Dokumente dieser Art aufgrund ihrer leichten Beschaffbarkeit nur geringen Bewei s- wert. Der Vollzug der Wegweisung wurde als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Hinsichtlich der Zumutbarkeitsaspekte wurde – nebst Verweis auf die UNHCR Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs sri -lankischer Asylsuchender vom 5. Juli 2010 – ausge- führt, dass der Beschwerdeführer aus dem Jaffna District stamme. Weder die vor Ort herrschende Sicherheitslage noch individuelle Gründe würden gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen. Der Beschwerdeführer habe den grössten Teil seines Lebens in Sri Lanka verbracht, sei dort zur Schu- le gegangen und verfüge über ein soziales und familiäres Beziehung s- netz. C. Mit Eingabe vom 14. November 2011 erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und reichte hierbei zahlreiche aktuelle Berichte zur Situation in Sri Lankas aus den Jahren 2010 und 2011 ein. Er liess unter Kosten - und Entschä di- gungsfolge die Aufhebung der angefochtenen Verfügung wegen Verle t- zung formellen Rechts und die Rückweisung der Sache zur Neubeurte i-D-6208/2011 Seite 5 lung an das BFM beantragen (1). Eventualiter sei die angefochtene Ve r- fügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen (2). Eventualiter sei die angefochtene Verf ü- gung aufzuheben und die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen. Es sei ihm in der S chweiz Asyl zu gewähren (3). Eventual i- ter sei die angefochtene Verfügung betreffend die Ziffern 4 und 5 aufz u- heben und die Unzulässigkeit evtl. Unzumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs festzustellen (4 und 5). Bei Rückweisung zur Neubeurteilung gemäss Rechts begehren 1 oder 2 sei das BFM anzuweisen, sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf welche es seinen Entscheid stütze, in geeigneter Weise offenzulegen (6). Eventualiter sei das BFM im Rahmen des Beschwerdeverfahrens anzuweisen, sämtliche Herkunftsländer infor- mationen, auf welche es seinen Entscheid stütze, in geeigneter Weise o f- fenzulegen. Dem Beschwerdeführer sei eine angemessene Frist einz u- räumen, um zu diesen Informationen Stellung zu nehmen (7). Vor Gu t- heissung der vorliegenden Verwaltungsbeschwerde s ei dem unterzeic h- nenden Anwalt eine angemessene Frist zur Einreichung einer detaillierten Kostennote zur Bestimmung der Parteientschädigung anzusetzen (8). Ferner wurde um Mitteilung des Spruchgremiums im vorliegenden Ve r- fahren ersucht. In verfahrensrechtl icher Hinsicht wurde das Ansetzen e i- ner angemessenen Frist zur Beibringung von Beweismitteln (u.a. Suche nach dem Beschwerdeführer im Frühjahr 2010 durch den Armeegeheim- dienst) sowie zur vorzunehmenden Übersetzung der LTTE Trainingsbe s- tätigung beantragt. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass sich eine Rückweisung der S a- che zur Neubeurteilung an das BFM aus verschiedenen Gründen rech t- fertige: Zum einen deshalb, weil der Beschwerdeführer zu den aktuellen Ereignissen seit seiner Anhörung vom 23. September 2009, über zwei Jahre vor Erlass der angefochtenen Verfügung, nie angehört worden sei, weshalb der rechtserhebliche Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt worden sei. Zentrale Sachverhaltsfragen zur Beurteilung der Flüchtling s- eigenschaft und des Weg weisungsvollzuges seien ungeklärt geblieben. Auch die Ausführungen des BFM zu vermeintlich stattfindender Schut z- gewährung bei paramilitärischen Übergriffen im Norden u nd Osten Sri Lankas seien wahrheitswidrig und rechtfertigten eine Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung. Ebenso sei eine solche gerechtfertigt wegen der vom BFM fälschlicherweise vorgenommenen Differenzierung zw i- schen LTTE-Kaderpersonen und LTTE-Hilfspersonen bei Beurteilung der Frage des Vorliegens eines Risikoprofils. Die Annahme des BFM, der Be-D-6208/2011 Seite 6 schwerdeführer könne angesichts der Ausstellung eines Reisepasses und der problem losen Ausreise mit diesem Reisepass nicht tatsächlich von den Behörden gesucht worden sein, stelle auch eine falsche Lagebeurtei- lung dar. Wie aus einem Bericht der British High Commission hervorgehe, geschehe es täglich, dass die Kontrollen der Immigrationsbehör den mit- tels Bestechungen umgangen würden. So sei dies auch im Falle des Be- schwerdeführers geschehen. Der Beschwerdeführer habe zudem ausg e- sagt, was das BFM übersehen habe, dass er nicht wisse, ob der Reise- pass echt gewesen sei. Der Schlepper habe ihn besorgt. Das BFM habe also auch diesbezüglich eine unkorrekte Sachverhaltsfest stellung vorge- nommen. Auch die Sachverhaltsabklärungen zur grundsätzlichen Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzuges in den Norden und Osten des Landes seien falsch und rechtfertigten eine Rückweisung. Zudem habe es das BFM trotz der Schilderungen massiver Folter durch den Beschwerdefü h- rer unterlassen, ein psychiatrisches Gutachten zur Abklärung der psychi- schen Folgen der Folter erstellen zu lassen. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer zu den aktuellen Entwicklun- gen im Heimatland befragt worden sei, die l etzte Befragung zwei Jahre her sei und er hierbei auch nicht zu allen relevanten Elementen befragt worden sei , verletzte zudem das Recht auf vorgängige Stellungnahme und damit das rechtliche Gehör, was ebenfalls eine Rückweisung der Sa- che an die Vorinstanz rechtfertige. Das BFM habe im Zusammenhang mit den Länderinformationen die Begründungspflicht und damit das rechtliche Gehör verletzt, da es keine gründli che und eingehende Lageanalyse und keine Offenlegung der Informationsgewinnung geboten habe, sondern le- diglich nicht belegte und unüberprüfbare Behauptungen aufgestellt habe, wonach sich die allgemeine Sicherheitslage und die Lebensbedingungen in Sri Lanka verbessert hätten. Ohne Kenntnis der Grundlagen des En t- scheids sei eine sachgerechte Anfechtung der Beschwerde so nicht mög- lich. Im Rahmen der Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung werde beantragt, das BFM anzuweisen, seine Länderinformationen offenzulegen und eine Frist zur Stellungnahme einzuräumen. Sollte das Gericht davon ausgehen, dass die Verlet zung rechtlichen Gehörs im vorliegenden Ve r- fahren geheilt werden könne, werde beantragt, dass die nicht genannten, aber vom BFM verwendeten Länderinformationen offengelegt würden, bei Einräumung einer Frist zur Stellungnahme. Die Länderinformationen wür- den die entscheidrelevante Frage der Lagebeurteilung im Norden und Osten Sr i Lankas betreffen. Die L ageeinschätzung des BFM bezüglich des Nordens Sri Lankas, der Rolle von Paramilitärs und der Beurteilung der Risikoprofile der LTTE-Verdächtigten widerspräche der Lageeinschät-D-6208/2011 Seite 7 zung des Bundesverwaltungsgerichtes gemäss dem Grundsatzurteil vom 27. Oktober 2011, weshalb die Sache zur Vernehmlassung und Wieder- erwägung der Verfügung vorzulegen sei. Im Zuge der Neubeurteilung müsse zwingend eine Anhörung des Beschwerdeführers zu den bisher of- fengelassenen Punkten erfolgen und die richtige Sachverhaltsab klärung mittels aktueller Länderinformationen sichergestellt werden. Des weiteren müsse dem Beschwerdeführer eine Frist zur Einreichung zusätzlicher Beweismittel gewährt werden. Sollte keine Aufhebung und Rückweisung der Sache ans BFM erfolgen, müsse die vollständige S achverhaltsfest- stellung und Neubeurteilung durch das Gericht erfolgen. Die Feststellung der asylrelevanten Gefährdung und der Unzulässigkeit und Unzumutba r- keit des Wegweisungsvollzuges ergebe sich auch bereits aus der korre k- ten Würdigung der aktuellen Beweislage und korrekten rechtlichen Wür- digung. Da das BFM sich nicht mit der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt habe, sei davon auszugehen, dass es diese als glaubhaft erachte. Sollte zu einem spät e- ren Zeitpunkt die Glaubhaftigkeit angezweifelt werden, werde für diesen Fall um die Fris teinräumung zur Einreichung einer Stellungnahme er- sucht. Aus den Protokollen erschliesse sich die Glaubhaftigkeit der Vor- bringen unter anderem angesichts des langen und detaillierten freien Be- richts, der genauen Datums- und Ortsangaben und der widerspruchsfrei- en Schilderung. Entgegen der Ansicht des BFM seien die eingereichten Beweismittel relevant, da sie die Vorbringen stützten. Des weiteren nahm der Rechtsvertreter eine Ergänzung der seines Erachtens nach vom BFM unberücksichtigt gebliebenen Sachverhaltsvorbringen hinsichtlich der a k- tuellen Lage in S ri Lanka und der persönlichen Hintergründe des Be- schwerdeführers vor. Es sei zu ergänzen, dass der Beschwerdeführer auch im Frühjahr 2010 vom Geheimdienst bei seinen Eltern gesucht wor- den sei, wie ihm diese telefonisch berichtet hätten. Es werde um Einräu- mung einer Beweismittelfrist zur Beschaffung von Informationen über das Schicksal seiner Kameraden und seines Vorgesetzten sowie eine Frist zur Einreichung von Informationen über den im April 2009 im Krieg g e- storbenen Bruder (LTTE-Mitglied) des Beschwerdeführers erbeten. Hin- sichtlich der ü brigen Dorfbewohner, die mit ihm rekrutiert worden seien und teilweise in der Schweiz und Kanada als anerkannte Flüchtlinge leb- ten, versuche er Näheres über deren Verfolgungsgeschehen zu er fahren und ersuche auch dafür um die Gewährung einer entsprechenden Be- weismittelfrist, ebenso wie zur Einreichung einer vollständigen professio- nellen Übersetzung der LTTE-Trainingsübersetzung. Im weiteren Verlauf des Beschwerdeverfahrens legte der Rechtsvertreter die Lageeinschä t- zung des Bundesverwaltungsgerichtes au s dem Grundsatzurteil zu Risi-D-6208/2011 Seite 8 koprofilen von erstens Personen, die im Verdacht zur Verbindung der LTTE stünden und zu zweitens tamilischen Rückkehrenden aus der Schweiz dar und ergänzte diese mit aktuellen Lageeinschätzungen. Der Beschwerdeführer erfülle beide Risikoprofile. Er sei als im Verdacht zur Verbindung zur LTTE stehende Person gemäss Risikoprofil zu beurteilen, da er während etwa zwei Jahren bei der LTTE tätig gewesen sei, auch wenn es sich um blosse Hilfeleistungen und nicht um Kampfhandlungen gehandelt habe, mehrere Monate vom Militär inhaftiert, befragt und gefol- tert worden sei, sich der Unterschriftenpflicht entzogen und geflohen sei und auch nach wie vor im Verdacht der LTTE -Unterstützung stehe. Auch für tamilische Rückkehrende sei eine konkret e Gefährdung im Einzelfall nicht ausgeschlossen, je näher die Person in das Umfeld der übrigen, im Grundsatzentscheid skizzierten Risikogruppen gerate. In Ergänzung a k- tueller Länderinformationen machte der Rechtsvertreter Ausführungen zum Generalverdacht sri-lankischer Behörden gegenüber aus dem Aus- land zurückkehrenden tamilischen Asylbewerbern, da es sich um LTTE - Unterstützer handle, und zu der besonderen Überwachung tamilischer Personen im Ausland. Die sri-lankischen Einreisebehörden würden z u- rückkehrende Exil-Tamilen genauestens überprüfen und für die Dauer der Abklärungen in Haft nehmen. Diese Inhaftierungen könnten sich willkü r- lich über Monate hinziehen und Misshandlungen durch die Sicherheit s- kräfte mit sich führen. Was mit Personen geschehe, die als LTTE - Unterstützer eingestuft würden, sei unklar. Auch Personen, die nach dem Abschluss der Abklärungen freigelassen worden seien und den Flughafen verlassen dürften, befänden sich noch in Gefahr, asylrelevanten Angriffen paramilitärische Gruppierungen - bei Schutzunwilligkeit des sri-lankischen Staates - oder Übergriffen offizieller Sicherheitskräfte ausgesetzt zu sein. Es sei davon auszugehen, dass auch der Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr verhört und auf unbestimmte Zeit inhaftiert würde, verbunden mit de r reellen Gefahr der Folter oder gar Tötung. Auch erfülle der Be- schwerdeführer das R isikoprofil gemäss Rechtsprechung des EGMR, weshalb zumindest die Unzulässigkeit des Wegwei sungsvollzuges gege- ben sei. Hinsichtlich der Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzuges gab der Rechtsvertreter die Einschätzung des Gerichts aus dem Grundsatzurteil wieder und ergänz te diese mit aktuellen Berichten zur Rechtsunsicherheit in den tamilischen Gebieten und deren zune h- mende Mil itarisierung sowie über die unter Zwang und ungeachtet der Aufhebung des Ausnahmezustandes erfolgende Registrierungspraxis ge- genüber der tamilischen Bevölkerung. Der Wegweisungsvollzug des aus dem Norden stammenden Beschwerdeführers sei gemäss Praxis des Ge- richts unzumutbar, da es an Möglichkeiten der Sicherung des Existen z-D-6208/2011 Seite 9 minimums wie au ch an einer Aufenthaltsalternative im Grossraum Co- lombo fehle. Zudem sei, wobei die Sachverhaltsabklärung diesbezüglich ausstehe, hinsichtlich des psychischen Gesundheitszu standes zu beden- ken, dass er Opfer massiver Folterungen geworden sei. D. Mit Zwischenverfügung vom 23. November 2011 teilte die Instruktion s- richterin dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfa h- rens in der Schweiz abwarten. Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, bis zum 8. Dezember 2011 einen aktuellen ärztlichen Bericht einzure i- chen. Unter Verweis auf Art. 32 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgese t- zes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) wurde der verfahrens- rechtliche Antrag auf Ansetzen einer angemessenen Frist zur Beibringung von Beweismitteln sowie zur vorzunehmenden Übersetzung der LTTE Trainingsbestätigung abgewiesen. Mit gleicher Verfügung wurde ein Ko s- tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.–, zahlbar bis zum 8. Dezember 2011, erhoben. Dem Rechtsvertreter wurde mitgeteilt, dass sich – vorbe- halten unvorhergesehener Umstände – der Spruchkörper vorliegend aus der vorsitzenden Richterin Contessina Theis und den mitwirkenden Ric h- tern Gérard Scherrer und Fulvio Haefeli zusammensetze, denen als Ge- richtsschreiber Alfred Weber beigegeben sei. E. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. F. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2011 ersuchte der Beschwerdeführer um Fristerstreckung für die Beibringung des Arztberichts. G. Mit Instruktionsverfügung vom 12. De zember 2011 wurde das Fristerstre- ckungsgesuch gutgeheissen und dem Beschwerdeführer zur Beibringung des Arztberichts letztmals Frist bis zum 27. Dezember 2011 gewährt. H. In seiner Vernehmlassung vom 13. Januar 2012 hielt das BFM an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Ver- nehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 16. Januar 2012 zur Kenntnis gebracht. I. Nebst zahlreicher Dokumente zur allgemeinen Lage in Sri Lanka liess der D-6208/2011 Seite 10 Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. Februar 2012 e inen ärztlichen Bericht von H._______, (…), FA (…), B._______, vom 1. Februar 2012 zu den Akten reichen. In der einmaligen Konsultation nach Überweisu ng durch die Hausärztin habe de r Beschwerdeführer auf Schlafstörungen hingewiesen, eine posttraumatische Belastungsstörung habe im Raum gestanden. Der Beginn der Psychotherapie sei zur Beurteilung des ps y- chischen Zustandsbildes abzuwarten. Im Schreiben des Rec htsvertreters vom 13. Februar 2013 wurde neben der Bezugnahme auf das Arztzeug- nis bemängelt, dass sich das BFM in seiner Vernehmlassung nicht zum Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 27. Oktober 2011 geäussert habe. Gleichzeitig wurden Ausführungen zur allgemeinen Lage in Sri Lanka gemacht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 D-6208/2011 Seite 11 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Nachfolgend ist zuerst auf die formellen Rügen des Beschwerdeführers einzugehen, da sie gegebenenfalls zu einer Kassation der vorinstanzl i- chen Verfügung führen könnten. 3.2 Der Beschwerdeführer stellte den Antrag, die angefochtene Verf ü- gung sei wegen der Verletzung des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs beziehungsweise wegen unrichtiger und unvollständiger Sachverhalt s- feststellung durch das BFM aufzuheben und die Akten zur Vornahme ent- sprechender Abklärungen an die Vorinstanz zu überweisen. Angesichts der veränderten Gefährdungssituation seit der letzten Anhörung hätte der Beschwerdeführer vor Erlass der BFM -Verfügung erneut angehört we r- den müssen. Auch die vom BFM vorgenommene Lageeinschätzung sei falsch und rechtfertige eine Rückweisung und Neubeurteilung. Sollte kei- ne Rückweisung an die Vorinstanz erfolgen, sei der Sachverhalt durch das Bundesverwaltungsgericht abzuklären inklusive Anhörung des B e- schwerdeführers zur aktuellen Verfolgungssituation. Mit dem Vorwurf, der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden und das BFM habe sich nicht mit der aktuellen Gefährdungslage des Beschwerdeführers ause i- nandergesetzt, macht er eine Verletzung des Untersuchungsg rundsatzes und des rechtlichen Gehörs geltend. Gleichzeitig wurde der Antrag auf Anweisung des BFM auf Offenlegung der Herkunftsländerinformationen gestellt. Die fehlende Offenlegung der Informationen zur Lageanalyse stelle ebenfalls eine Verletzung rechtlichen Gehörs dar. 3.3 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den Sachverhalt - das heisst die rechtserheblichen Tatsachen - von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Unrichtig" ist die Sachve r- haltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwi d- riger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. D-6208/2011 Seite 12 "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Christoph Auer/Markus Müller, Benjamin Schindler, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 28 zu Art. 49, S. 676 f.). Ihre Grenze findet die Untersuchung s- pflicht allerdings in der Mitwirkung spflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). 3.4 Der Anspruch der Beschwerdepartei auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 VwVG) umfasst verschiedene Teilgehalte, die als Mitwirkungsrechte und Informationsansprüche au s- gestaltet sind. Zu nennen ist unter anderem das Recht auf Einsicht in die Verfahrensakten (Art. 26 - 28 VwVG), das der betroffenen Person ermög- lichen soll, die Grundlagen eines sie betreffenden Entscheids zu kon - trollieren und gegebenenfalls wirksam und sachbezogen Stellung zu be - ziehen (vgl. etwa MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 255, m.w.N.; STEPHAN C. BRUNNER, in: Auer/Mül - ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 26, N 2). Demnach ist den Parteien grundsätzlich Einsicht in die Akten zu gewähren, und dieses Recht darf nur ausnahmsweise verweigert werden. Unter die al s Beweismittel dienenden Aktenstücke im Sinne von Art. 26 Abs. 1 Bst. b VwVG fallen insbesondere die im konkreten Fall tatsächlich als Beweismittel herangezogenen Aktenstücke sowie ausserdem alle U n- terlagen, welche grundsätzlich geeignet sind, in einem konkreten Verfah- ren als Beweismittel zu dienen (dazu BGE 132 V 387 E. 3.2 S. 389, 121 I 225 E. 2a S. 227, 119 Ib 12 E. 6b S. 20; Entscheidungen und Mitteilu n- gen der Schweizerischen Asylrekurskommis-sion [EMARK] 1994 Nr. 1 E. 3a; vgl. zudem Waldmann/Oeschger, a.a.O., Art. 26, N 58). 3.5 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt weiter, dass die verfügende Behör- de die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und erns t- haft prüft und in der Entscheidfindung berücksicht igt, was sich entspr e- chend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung der Verfügung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Art. 35 Abs. 1 VwVG umschreibt den Inhalt der Begründungspflicht nicht D-6208/2011 Seite 13 näher; verlangt wird aber, dass die Begründung eines Entscheides so ab- gefasst wird, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfech- ten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild m a- chen können. (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar zum Bundesg e- setz über das Verwaltungsverfahren (VwVG ), AUER/MÜLLER/SCHINDLER [HRSG.], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6). 3.6 Wie den Befragungs -Protokollen zu entnehmen ist, wurde der B e- schwerdeführer ausführlich zu seinen Asylgründen befragt (vgl. act. A9, S. 4 ff. ). Auch die Hilfswerkvertretung machte keinerlei Anmerkungen, wonach die Befragung unvolls tändig gewesen sei (vg l. act. A9 , " Unter- schriftenblatt der Hilfswerkvertretung "). Die Protokolle stellen somit eine genügende Basis für einen Entscheid über die asylrelevante Verfolgung beziehungsweise drohende begründete Furcht dar. Allerdings lässt sich den Ausführungen in de r Verfügung nicht entnehmen, ob das BFM bei seiner Einschätzung, wonach der Beschwerdeführer nicht gefährdet sei, die Flüchtlingseigenschaft vor dem Hintergrund der aktuellen Situa tion in Sri Lanka geprüft hat . Dies stellt allerdings keine Verletzung des r echtli- chen Gehörs dar, da eine sachgerechte Anfechtung der Beschwerde möglich war. Auch der Vernehmlassung lässt sich nicht entnehmen, ob das BFM die aktuelle Gefährdungssituation berücksichtigt hat. Zum Ve r- nehmlassungszeitpunkt (13. Januar 2012) hätte von der Vorinstanz aller- dings erwartet werden können, auf das Grundsatzurteil des Bundesve r- waltungsgerichtes BVGE 2011/24 vom 27. Oktober 2011, in welchem Ge- fährdungsprofile von bestimmten Risikoprofilen formuliert sind, Bezug zu nehmen. Schliesslich ist die Vorinstanz (gemäss BVGE 2011/24, Urteil vom 27. Oktober 2011) an die Rechtsprechung des Bundesverwaltung s- gerichtes als letzte Instanz gebunden. Eine Rückweisung an die Vori n- stanz kann allerdings unterbleiben, da dem Beschwerdeführer insgesamt eine sachgere chte Anfechtung der Beschwerde möglich war. Auch ist nicht ersichtlich, welche entscheidrelevanten Fakten durch eine erneute Befragung des Beschwerdeführers zum Tragen kommen sollten. Dies vor allem vor dem Hintergrund der ausführlichen Eingaben des Rechtsvertre- ters mit umfassendes Berichten zur allgemeinen Gefährdungssituation für Tamilen in Sri Lanka . Auch informierte der Rechtsvertreter das Gericht über die zu Hause weitergehende Suche nach dem Beschwerdeführer durch die Sicherheitskräfte. Zuletzt ist de m anwaltlich vertretenen B e- schwerdeführer, der im Beschwerdeverfahren viele Gelegenheiten g e- nutzt hat, Berichte zur aktuellen Gefahrensituation für zurückkehrende tamilische Asylsuchende einzureichen, durch die Einschätzung der Vo r-D-6208/2011 Seite 14 kommnisse durch das BFM kein Nachteil erwachsen, so dass wegen feh- lender Verletzung der Sachverhaltsfeststellungspflicht und des rechtlichen Gehörs keine Rückweisung an die Vorinstanz mit der Aufforderung, den Entscheid neu zu fassen, zu erfolgen hat. 3.7 Bezüglich des Antrags des Bes chwerdeführers, ihm alle relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche die Vorinstanz ihren Entscheid stütze, offenzulegen, ist festzuhalten, dass sich nach Sinn und Zweck des verfassungsmässigen Gehörsanspruchs die entsprechenden Informa - tionsrechte auf jene Erkenntnisquellen der entscheidenden Be hörde rich- ten, die tatsächlich argumentativ herbeigezogen werden beziehungs - weise als Grundlage für den Entscheid genannt werden. Unter Beru fung auf das Akteneinsichtsrecht kann es somit nicht darum gehen, Zugang zu irgendwelchen nicht konkret benannten Dokumenten zu erlan gen. Hi n- sichtlich der in der angefochtenen Verfügung erwähnten UNHCR - Richtlinien vom 5. Juli 2010 ist im Übrigen fest zustellen, dass diese ö f- fentlich zugänglich sind (so auch im Internet), weshalb diesbezüglich kei- ne Verletzung des Akteneinsichtsrechts bezie hungsweise der Begrü n- dungspflicht vorliegt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass in der angefochtenen Verfügung darauf verzichtet wurde, bezüglich dieses D o- kumentes die relevanten Passagen anzugeben. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung de s Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgebl ich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-6208/2011 Seite 15 4.3 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die S i- tuation im Zeitpunkt des Entscheides über deren Bestehen – nicht dieje- nige im Zeitpunkt der Ausreise –, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfo l- gung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE 2007/31 E. 5.3 f.). 4.4 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr - scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist anderer - seits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wis - sen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Grün - de für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., mit weiteren Hinweisen). 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Abwägung sämtlicher Au s- sagen und unter Berücksichtigung des Grundsatzurteils vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24), welches sich einlässlich mit den Risikogruppen der auch nach Beendigung des Bürgerkriegs noch gefährdeten Personen auseinandersetzt, zum Ergebnis, dass das BFM das Asylgesuch des Be- schwerdeführers zu Unrecht abgewiesen hat. 5.2 Vorab ist festzustellen, dass das BFM die Asylrelevanz der Vorbringen verneint, hinsichtlich der Frage der Glaubhaftigkeit aber nur am Rande erwähnt hat, dass wegen offensichtlich fehlender Asylre levanz auf die Prüfung der Glaubhaftigkeit verzichtet werden könne. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend su b- stantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in v a- gen Schilderungen erschöpfen, in wesentliche n Punkten nicht wide r-D-6208/2011 Seite 16 sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Ta t- sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Glaubhaftm a- chung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduzier- tes Beweismass und lässt durc haus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des G e- suchstellers sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekt i- vierte Sicht weise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2010/57 E.2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekursko m- mission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5a, mit weiteren Hinweisen). Es kann damit festgehalten werden, dass die Aussagen des Beschwerde- führers zu seinem etwa zweijährigem Aufenthalt im Trainingscamp der LTTE, seiner Flucht von dort, der Festnahme durch die sri-lankischen Soldaten und zu den Misshandlungen, denen er während etwa dreiei n- halb Monaten in verschiedenen Camps der Armee ausgesetzt gew esen ist, weitgehend schlüssig und plausibel sind. Er konnte konkret und detail- liert darlegen, welche Art Training er absolvieren musste und welche A r- beiten er zu verrichten hatte. Auch die eingereichten Bestätigungen und die LTTE-Trainingskarte belegen den Schulabbruch des Beschwerdefü h- rers am 20. Juni 2006 und das anschliessende Absolvieren des LTTE- Trainings. Weiter schilderte er seine Tätigkeiten für die LTTE sowie seine Haft und die dabei erlittenen Folterungen detailliert, in sich kohärent und mit zahlreichen Realkennzeichen versehen. Lediglich hinsichtlich des Zeitpunktes seiner Flucht aus dem LTTE - Trainingslager bzw. der Verhaftung durch die Armee hat er sich in Erst - und Zweitbefragung widersprochen, hat er in der Empfangsstellenbefr a- gung von Juni 2007 gesprochen (vgl. act. A1, S. 5 ), in der Bundesanh ö- rung aber von Juni 2008 als Zeitpunkt der Verhaftung durch das Militär (vgl. act. A9, S. 3), was auch Juni 2008 als Zeitraum der Flucht aus dem Trainingscamp bedeuten würde. Diesem Widerspruch kommt ab er vor dem Hintergrund der ansonsten sehr detaillierten und weitgehend ident i- schen Schilderungen der LTTE -Unterstützung und Verhaftung und Mis s- handlung durch das Militär nur geringe Bedeu tung zu. Auch kann dem Beschwerdeführer geglaubt werden, dass er sich , wie er auf Vorhalt in der Bundesanhörung behauptet, vor Aufregung vertan hat (vgl. act. A9, S. 9). Schliesslich hat er bereits in der Erstbefragung ausgesagt, er sei im Juni 2008 durch die Armee verhaftet worden (vgl. act. A1, S. 6). Das BFM hat weder in seiner Verfügung noch in der Vernehmlassung die Verfolgungsvorbringen bestritten. Das BFM hielt in seiner Verfügung a l-D-6208/2011 Seite 17 lerdings fest, der Beschwerdeführer habe sich im Jahr 2008 noch einen Reisepass ausstellen lassen und sei mit diesem ausgereist , weshalb er bereits zu diesem Zeitpunkt von den Behörden nicht mehr ernsthaft der LTTE-Unterstützung verdächtigt worden sein könne. Der Beschwerdefüh- rer hat jedoch - nach Ansicht des Gerichts zu Recht - darauf hingewiesen, dass die Ausstellung eines Reisepasses und eine problemlose Ausreise noch nicht den Schluss auf eine fehlende Gefährdung zulassen , da die Kontrollen der Immigrationsbehörden problemlos mittels Bestechung u m- gangen werden könnten. Zudem habe der Beschwerdeführer explizit g e- sagt, dass er nicht wisse, ob der Reisepass echt gewesen sei oder nicht. Diesem Einwand ist zuzustimmen, sagt e er bei der Empfangsstellenb e- fragung doch aus, sein Schlepper habe die Formulare für den Reisepass ausgefüllt und diesen abgeholt. Er wisse nicht, ob der Reisepass echt war oder nicht (vgl. act. A1, S. 4). In der Bundesanhörung merkte er an, "in Sri Lanka könne man alles machen". Sogar einen Reisepass könne er von hier aus auf seinen Namen ausstellen lassen. Der Schlepper habe überall Geld bezahlt, damit keine Probleme entstünden (vgl. act. A10, S. 9). Im Übrigen kann gemäss den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsg e- richts aufgrund der Ausstellung eines sri -lankischen Reisepasses durch die zuständige Passbehörde nicht generell der Schluss gezogen werden, dass die heimatlichen Behörden kein flüchtlingsrelevantes Verfolgungsin- teresse am betreffenden Reispassinhaber haben. Insbesondere das s o- genannte "24-Stundenverfahren" des Passamtes (vgl. Department of I m- migration and Emigration Sri Lanka, Issue of passports , http://www.immigration.gov.lk/web/index.php?option=com_content&view= article&id=142&Itemid=191&lang=en#or, abgerufen am 24.08.2012) lässt nämlich nur eine begrenzte (sicherheitsrelevante) Überprüfung der betref- fenden Person zu. Die Ausstellung eines Reisepapieres durch das P ass- amt kann somit - entgegen der Ansicht des BFM – nicht als massgebl i- ches Indiz für das Fehlen einer staatlichen Verfolgung interpretiert werden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 31. Oktober 2012, E-5274/2008 E. 3.3.2). 5.3 Zusammenfassend ist s omit von vorliegendem glaubhaften Sachve r- halt auszugehen: Der Beschwerdeführer wurde im Juni 2006 zusammen mit anderen ju n- gen Männern seines Heimatortes gewaltsam gezwungen, einem Tra i- ningscamp der LTTE beizuwohnen. Hierbei ha t er auch eine LTTE - Uniform tragen müssen. Er konnte sich erfolgreich gegen ein Waffentra i-D-6208/2011 Seite 18 ning wehren, musste aber ein Renntraining machen, Gräben ausheben, Bäume für Stützpunkte fällen etc. . Auch brachte er mit dem Fahrrad E s- sen zu anderen Camps. Hierbei konnte er im Juni 2008 fliehe n, wurde aber gleich darauf im Heimatort bei einer Razzia der Armee festgeno m- men und während drei einhalb Monaten in verschiedenen Camps der Ar- mee auf massive Art gefoltert; u.a. wurde er geschlagen, sein Gesicht un- ter Wasser gedrückt und an den Geschlechtsteilen misshandelt. Durch die von seiner Mutter veranlasste Intervention eines Priesters wurde er schliesslich aus dem Camp der Armee entlassen, im Gegenzug für eine tägliche Meldepflicht. Auch nach seiner Ausreise etwa zwei Wochen sp ä- ter aus Sri Lanka suchten Soldaten noch einige Male bei ihm zu Hause nach ihm und bedrohten hierbei seine Eltern. In der Beschwerde er gänzte der Rechtsvertreter, was angesichts der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen insgesamt auch als glaubhaft erachtet wird, der Beschwerdeführer sei auch noch im Frühjahr 2010 bei seinen Eltern vom Geheimdienst gesucht worden. Durch seine n langen Aufenthalt im LTTE-Trainingscamp geriet der B e- schwerdeführer somit ins Visier der Sicherheitskräfte. Das Gericht geht davon aus, dass er, wäre er nicht geflohen, in absehbarer Zeit mit grosser Sicherheit verhaftet und dann wahrscheinlich wieder misshandelt worden wäre, da er wegen seines zweijährigen Trainings bei der LTTE bereits Opfer schwerer Körperverletzungen durch die sri -lankischen Sicherheits- kräfte geworden ist, der ihm auferlegten Meldepflicht nicht mehr nachkam und die Armee ihn nach seiner Ausreise noch intensiv bei seinen Eltern suchte. Somit hatte der Beschwerdeführer begründete Furcht vor asylrelevanten Nachteilen und ist vorverfolgt aus Sri Lanka ausgereist. 5.4 Das Gericht ist sodann entgegen der Auffassung des BFM der A n- sicht, dass der Beschwerdeführer angesichts der neuen Praxis des Bu n- desverwaltungsgerichtes und insbesondere unter Berücksichtigung der in diesem Urtei l formulierten und bereits von Beschwerdeseite erwähnten Gefährdungsprofile bestimmter Risikogruppen auch nach Beendigung des Bürgerkrieges insgesamt ein Risikoprofil besitzt, wonach er bei Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit mit as yler- heblicher Verfolgung zu rechnen hat. D-6208/2011 Seite 19 5.4.1 So hielt das Gericht im erwähnten Urteil BVGE 2011/24 vom 27. Ok- tober 2011 einleitend fest, dass die Regierung Sri Lankas am 19. Mai 2009 offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE verkündet und Präsident Rajapakse den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet erklärt habe. Das Führungskader der LTTE sei der Medienberichtersta t- tung zufolge komplett ausgelöscht worden. Hinweise auf aktive LTTE - Kader im Norden Sri Lankas gebe es keine. Die höchstrangigen L TTE- Kader seien entweder gefangen genommen oder getötet worden (so auch der LTTE -Chef Velupillai Prabhakaran), oder sie hätten das Land verlassen können. Es gebe keine Anzeichen, dass die LTTE heute noch in der Lage wären, Angriffe auf die Sicherheitskräft e oder sonstige Atten- tate auszuführen. Es sei somit davon auszugehen, dass im heutigen Zeitpunkt von den LTTE keine Verfolgungshandlungen mehr ausgingen und diese Organisation respektive deren Führungsverantwortliche nicht mehr als Verfolger in Erscheinung treten könnten (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.1). 5.4.2 Sodann definiert das erwähnte Urteil diverse Personenkreise, die heute trotz der verbesserten Sicherheitslage seit Beendigung des militär i- schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausg e- setzt sind. Zum erhöht gefährdeten Personenkreis gehören unter and e- rem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex-Generals Sarath Fonseka. Weiter gelten als ge- fährdet Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Pe r- sonen, die solche Übergriffe bei den Behörden anzeigen. Hinsichtlich der Gefährdung von abgewiesenen Asylbewerbern hält das Urteil fest, zwar könne nicht generell angenommen werden, dass abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz bei der Rückkehr nach Sri Lanka alleine aus diesem Grund in einen behördlichen Verdacht geraten, während ihres Aufenthaltes in der Schweiz Kontakte mit führenden LTTE -Kadern unter- halten zu haben. Weder das UNHCR noch andere Organisationen hätten bisher auf eine diesbezügliche, generell drohende Gefahr hingewiesen. Dies schliesse indessen nicht aus, dass abgewiesenen tamilischen Asy l- suchenden im Einzelfall nahe Kontakte zu LTTE -Kadern unterstellt we r- den könnten, was eine konkrete Gefährdung bedeuten könne. Die Ei n- schätzung einer diesbezüglich gearteten Gefahr könne nicht generell vo r- genommen werden, sondern hänge von den individuellen Gegebenheiten im Einzelfall ab. Je näher die betreffende Person in das Umfeld der oben beschriebenen Risikogruppen gerate, desto höher müsse die entspr e- chende Gefahr eingeschätzt werden, seitens der sri-lankischen Behörden D-6208/2011 Seite 20 der Entfaltung missliebiger politischer Kontakte respektive Tätigkeiten be- zichtigt und in der Folge in asylbeachtlichem Ausmass verfolgt zu werden (vgl. BVGE 2011/24 E.8). 5.4.3 Mit der Gefährdungssituation, jedoch im Hinblick auf eine EMRK - widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, hat sich auch der EGMR wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P .K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, A p- plication no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Der EGMR hält fest, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; eine entsprechende Risik o- einschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betre f- fende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikob e- gründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühe- re Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE -Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Gestän d- nisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der S i- cherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE - Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, di e Asylgesuchstellung im Ausland oder die Ve r- wandtschaft mit einem LTTE -Mitglied (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). 5.4.4 Es ist nochmals festzuhalten, dass der Beschwerdeführer wegen der Teilnahme an einem LTTE -Training, auch wenn er zu diesem ge- zwungen wurde, bei dem die Teilnehmenden überdies an Waffen ausg e- bildet wurden, von den Sicherheitskräften in Camps festgehalten und massiv gefoltert wurde . Auch wenn die Vorinstanz betont e, der B e- schwerdeführer sei nie aktives oder führendes Mitglied der LTTE gew e- sen, hielt dies die Sicherheitskräfte nicht von seiner Festnahme, massiver Folter und dem Auferlegen einer Meldepflicht bei der Entlassung aus dem Camp ab. Angesichts dessen, dass er auch nach seiner Ausreise noch wegen Abbruchs der Meldepflicht zu Hause gesucht wurde, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er auch weiterhin als ve r-D-6208/2011 Seite 21 meintlicher LTTE-Unterstützer im Heimatland von den Behörden gesucht wird und er sich Bedrohung und Misshandlung ausgesetzt sähe. Der Be- hauptung des BFM, da gegen den Beschwerdeführer nicht konsequent behördlich vorgegangen worden sei, würde er nicht mehr im Verdacht der LTTE-Unterstützung stehen, kann nicht gefolgt werden. Hinsichtlich der Passausstellung ist auf die obere Argumentation zu m problemlosen käuf- lichen Erwerb gefälschter Papiere und der nur begrenzten sicherheitsr e- levanten Überprüfung durch das Pa ssamt beim 24-Stunden-Verfahren zu verweisen. Der Behauptung des BFM, er habe nicht mehr im Visier der Behörden gestanden, kann bereits angesichts des Auferlegens der stren- gen Meldepflicht (zwei Mal am Tag), bei der er jedes Mal Schläge erleiden musste, nicht bejaht wer den. Dass der Beschwerdeführer kein aktives oder führendes LTTE-Mitglied gewesen ist, wie das BFM als wenig übe r- zeugendes Argument zur Verneinung der Asylrelevanz vorbrachte, ist an- gesichts des Verfolgungsinteresses der Sicherheits kräfte ohne Belang. Das Militär wollte von ihm genaue Einzelheiten zum LTTE-Training und zu Trainingsorten wissen. Auch wenn der Beschwerdeführer selber kein Waf- fentraining erhalten hat, so doch alle anderen aus dem Trainingslager (vgl. act. A9, S. 4). Die Aufgaben, die er dort zu erfüllen hatte, wie Bunker graben und Stützpunkte bauen, dienten zudem Z wecken der Kriegsfü h- rung gegen die sri -lankische Armee , weshalb das absolv ierte LTTE - Trainingscamp auch nicht als lediglich unbedeutendes Engagement bei der LTTE abgetan werden kann . Als Tamile aus Jaffna würde er zudem bei der Einreise systematisch ins Visier der Sicherheitskräfte geraten (vgl. RAINER MATTERN, SFH, "Sri Lanka: Situation für aus dem Norden oder Osten stammende TamilInnen in Colombo und für RückkehrerInnen nach Sri Lanka -Themenpapier", Bern, 22. September 2011). Ohne sri - lankischen Reisepass würde er mit seinem temporären Reisepass als Person mit einem durchlaufenen Asylverfahren identifizierbar und infolge- dessen von der Einreisebehörde (Department of Immigration, DIE) und der Kriminalpolizei (Criminal Investigation Department, CID) einer Pers o- nenüberprüfung unterzogen und zu Identität, persönlichem Hintergrund und Reiseziel befragt. Mit der Feststellung, der Beschwerdeführer spr e- che tamilisch und komme aus dem Distrikt Jaffna, würde sodann ein A n- fangsverdacht bestehen, dass er der LTTE nahesteht. Möglicherweise würde er sodann dem State Intelligence Service (SIS) u nd/oder dem Ter- rorist Investigation Department (TID) für Verhöre überstellt. Das SIS hat Zugang zu verschiedenen (elektronischen) Registern. Auch wenn der I n- halt dieser Register nicht im Einzelnen bekannt ist, so besteht Kenntnis darüber, dass die dortigen Informationen bis zu sechzig Jahre zurückre i- chen. Auch finden sich dort anscheinend die Namen von LTTE -D-6208/2011 Seite 22 Sympathisanten (vgl. Home Office, UK Border Agency, "Sri Lanka - Country of Origin Information (COI) Report", 4. Juli 2011 und Danish I m- migration Service " Human Rights and Security Issues concerning Tamils in Sri Lanka, Report from Danish Immigration Service's fact -finding mis- sion to Colombo, Sri Lanka. 19 June to 3 July 2010", Kopenhagen, Okt o- ber 2010), so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass dann seine frühere Tätigkeit für die LTTE ans Tageslicht käme. Als mit der LTTE in Verbindung gebrachte Person würde der Beschwerdeführer verhört und mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit festgenommen und misshandelt. Auch nach der Einreise können bei polizeilic hen Kontrollen oder an Checkpoints Festnahmen und Bedrohungen erfolgen, auf dem Heimweg oder am Heimatort Übergriffe paramilitärischer Flügel der regierungsn a- hen tamilischen Parteien. In Kombination erhöhen all die Faktoren z u- sammen das Risiko, dass der Beschwerdeführer bereits anlässlich seiner Wiedereinreise in sein Heimatland mit einer eingehenden Prüfung seiner Person und folglich asylrelevanter Bedrohung zu rechnen hätte. 6. Insgesamt ist somit – unter Berücksichtigung der aktuellen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2011/24, Urteil vom 27. Oktober 2011) – festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ein Profil besitzt, au f- grund dessen er mit erheblicher Wahrscheinlichkeit für die sri -lankischen Behörden weiterhin als LTTE -Anhänger wahrgenommenen wird und er aufgrund dieses asylrelevanten Risikoprofils einer aktuellen Verfolgung s- gefahr ausgesetzt ist. Dem Beschwerdeführer ist, nicht zuletzt aufgrund der erlittenen Vorverfolgung, auch heute noch eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne des Art. 3 AsylG zu attestieren. Unter diesen U m- ständen erübrigt es sich, auf die weitere Argumentation des BFM und die im Beschwerdeverfahren vorgebrachten Argumente (u.a. zum Schicksal der Mitrekrutierten und seines Bruders sowie des psych ischen Gesund- heitszustandes angesichts der erlittenen Folter) und die einzelnen B e- weismitteln zur aktuellen Situation in Sri Lanka näher einzugehen. 7. Der Beschwerdeführer erfüllt nach dem Gesagten nicht nur die Vorau s- setzung für die Anerkennung der Flücht lingseigenschaft, sondern es ist ihm mangels Verwirklichung eines Ausschlussgrundes auch Asyl zu g e- währen (Art. 49 AsylG), zumal allein aus seiner Tätigkeit für die LTTE nicht auf eine Handlung zu schliessen ist, welche den Anforderungen an Art. 53 AsylG genügen würde. D-6208/2011 Seite 23 8. Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die angefoch - tene Verfügung aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der vom Beschwerdeführer am 8. Dezember 2011 bezahlte Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 600. – ist ihm zurückzuerstatten. 10. Sodann ist dem vertretenen Beschwerdeführer angesichts seines O b- siegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle - ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädi - gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikost en zuzuspre- chen. 11. Mit Einreichung der Beschwerde vom 14. November 2011 stellte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers – wie regelmässig in seinen Rechtsmitteln an das Bundesverwaltungsgericht – den Antrag, ihm im Gutheissungsfall eine angemessene Fris t zur Einreichung einer Koste n- note zu setzen. Hierbei ist anzumerken, dass ihn das Bundesverwa l- tungsgericht in zahlreichen Verfahren darauf hingewiesen hat, dass Ko s- tennoten unaufgefordert und rechtzeitig einzureichen sind und sich das Gericht vorbehalte, solche Prozessanträge in Zukunft nicht mehr zu b e- handeln. Vorliegend hat es der Rechtsvertreter trotz Kenntnis dieser Pr a- xis unterlassen, eine Kostennote einzureichen, obwohl er dazu nach sei- ner letzten Eingabe vom 13. Februar 2012 genügend Zeit gehabt h ätte. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich aufgrund der Akten hinre i- chend zuverlässig abschätzen, weshalb die Entschädigung für das B e- schwerdeverfahren gestützt darauf festzusetzen ist (vgl. Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der ma ssgebenden Bemessungsfak- toren (Art. 9-13 VGKE) ist das BFM anzuweisen, dem Beschwerdeführer für das Rechtsmittelverfahren eine Parteientschädigung in Höhe von pau- schal Fr. 2000.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-6208/2011 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 13. Oktober 2011 wird aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl in der Schweiz zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung in der Höhe von pauschal Fr. 2000.- zu vergüten. 5. Der vom Beschwerdeführer bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600. – ist ihm zurückzuerstatten. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Mareile Lettau Versand: