Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. April 2013 (725 12 335 / 76) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Zeitpunkt des Fallabschlusses durch den Unfallversicherer Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Michael Guex, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch R affaella Biaggi, Advoka- tin, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1968 geborene A.____ war seit 1. Juni 2009 a ls Chauffeur und Klavier-Möbelträger bei der B.____ AG in C.____ angestellt und durch die Arbeitgeberin bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen di e Folgen von Unfällen und Berufs- krankheiten versichert. Am 15. Dezember 2009 zog sich A.___ _ beim Transportieren eines Konzert-Flügels eine Verletzung an der linken Schulter zu. Nach Eingang der durch die Arbeit- geberin erstatteten Unfallmeldung erbrachte die SUVA dem Versicherten die gesetzlichen Leis- tungen (Heilkosten, Taggelder) für die Folgen dieses Un falls. Mit Verfügung vom 22. Juni 2012 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellte die SUVA die Übernahme der Heilbehandlungskosten per 30. Juni 2012 ein. Gleichzeitig hielt sie fest, sie sei zwecks Erleichterung der Wiedereingliederung bereit, dem Versicherten bis Ende Juni 2012 ein auf einer vollständigen Arbeitsunfä higkeit basierendes Taggeld und an- schliessend bis Ende Juli 2012 ein auf einer 50%-igen Ar beitsunfähigkeit beruhendes Taggeld auszurichten. Mit dem 31. Juli 2012 würden dann auch d ie Taggeldleistungen eingestellt. Im Weiteren lehnte die SUVA sowohl einen Anspruch des Ve rsicherten auf eine Invalidenrente als auch einen solchen auf eine Integritätsentschädigung a b. Daran hielt die SUVA auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 27. Sep tember 2012 fest. Zur Begründung wies sie darauf hin, dass von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Bes- serung des Gesundheitszustandes des Versicherten mehr zu erw arten sei. Somit sei es aber nicht zu beanstanden, dass der Fall unter Einstellung der Heilkosten und der Taggelder abge- schlossen und ein allfälliger Rentenanspruch geprüft wor den sei. Ein solcher Rentenanspruch sei zu Recht abgelehnt worden, da aus dem vorgenommenen Einkommensvergleich keine Er- werbseinbusse resultiert habe. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 29. Oktober 2012 Beschwerde beim Kantonsge richt, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verurteilen, ihm die ge setzlichen Leistungen zu erbringen. Zudem sei ihm die unentgeltliche Verbeiständung für da s Beschwerdeverfahren zu bewilligen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung machte er im W esentlichen geltend, die SUVA habe den Fall zu früh abgeschlossen, denn der Heilungsprozess se i noch nicht beendet. Die Wieder- aufnahme seiner bisherigen Tätigkeit als Möbelträger se i bei Fortsetzung der ärztlichen Be- handlungen und bei weiterem günstigem Verlauf absolut möglich. Es sei mit anderen Worten nach wie vor eine namhafte Verbesserung seines Gesundh eitszustandes zu erwarten. Falls man von ihm jedoch die Aufnahme einer adaptierten Ver weistätigkeit verlange, sei die SUVA in jedem Fall zu verpflichten, ihm für eine Übergangsfri st von mindestens drei Monaten weiterhin das volle Taggeld auszurichten. Im Zusammenhang mit der vorinstanzlichen Prüfung des Ren- tenanspruchs beanstande er schliesslich, dass die SUVA von einem zu tiefen Valideneinkom- men ausgegangen sei, habe sie doch die ihm zustehende jährliche Gratifikation sowie die Spe- senentschädigungen und die Trinkgelder, die er täglich erhalte, nicht berücksichtigt. C. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Januar 2013 beantr agte die SUVA die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Be- findet sich dieser im Ausland, so ist das Versicherungsgerich t desjenigen Kantons zuständig, in welchem sich ihr letzter schweizerischer Wohnsitz befand oder in welchem ihr letzter schweize- rischer Arbeitgeber Wohnsitz hat. Vorliegend hat der Be schwerdeführer Wohnsitz in Deutsch- land. Der Sitz seines (letzten) schweizerischen Arbeitge bers befindet sich jedoch in C.____, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einsprache entscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und fo rmgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 29. Oktober 2012 ist demnach einzutreten. 2. In ihrer Verfügung vom 22. Juni 2012, die sie mit d em angefochtenen Einspracheent- scheid vom 27. September 2012 bestätigt hat, hat die Be schwerdegegnerin die Übernahme der Heilbehandlungskosten per 30. Juni 2012 und die Tagg eldleistungen per 31. Juli 2012 einge- stellt. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdef ührer über diese Daten hinaus weiterhin Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid ist. Der Rente nanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Be sserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und a llfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem R entenbeginn fallen die Heilbe- handlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung d er körperlichen, geistigen oder psychi- schen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Ans pruch auf eine angemessene Integri- tätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente f estgesetzt oder, falls kein Rentenan- spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und ei n adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2). Ursachen im Sinne de s natürlichen Kausalzusammenhangs Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eing etretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur glei chen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahu ng des natürlichen Kausalzusam- menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allein ige oder unmittelbare Ursache gesund- heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende E reignis zusammen mit anderen Be- dingungen die körperliche oder geistige Integrität de r versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werde n kann, ohne dass auch die eingetre- tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen ei- nem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen S törung ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechts anwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr ob liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfa llereignis und dem eingetrete- nen Schaden ist nach der Rechtsprechung dann zu bejahen, wenn das Ereignis nach dem ge- wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen L ebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizufü hren, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BG E 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabe i die Funktion einer Haf- tungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem versich erten Ereignis und der einge- tretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforde rliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis ent- wickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 3.4 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsanwendende Behörd e regelmässig auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügun g zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grund satz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismi ttel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf e s bei einander widersprechen- den medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf di e eine und nicht auf die andere medi- zinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge und in der Beur- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilung der medizinischen Situation einleuchtet und o b die Schlussfolgerungen der Expertin o- der des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.5 Im Entscheid 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgericht einlässlich mit der Thematik be- fasst, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer einen Fall abzuschliessen und - ge gebenen- falls - den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine I ntegritätsentschädigung zu prüfen habe (BGE 134 V 113 E. 3.2). Dies habe, so das Bundesgericht , gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Zeitpunkt zu geschehen, in welchem von der Fortsetzu ng der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden könne und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Inval idenversicherung abgeschlossen sei- en (BGE 134 V 113 ff. E. 4). Was unter einer namhaft en Besserung des Gesundheitszustandes zu verstehen sei, umschreibe das Gesetz nicht näher. Mit Bl ick darauf, dass die soziale Unfall- versicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet sei (vgl. etwa Art. 1a und Art. 4 UVG), werde sich dies namentlich nac h Massgabe der zu erwartenden Stei- gerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, so weit unfallbedingt beeinträchtigt, bestimmen. Die Verwendung des Begriffes "namhaft" dur ch den Gesetzgeber verdeutliche da- bei, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen müsse. Unbedeutende Verbesserungen genügten nicht (BGE 134 V 115 E. 4.3 mit Hinweisen). 4.1 Im vorliegenden Fall ist zwischen den Parteien in er ster Linie strittig, ob im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Einspracheentscheides von der Fo rtsetzung der ärztlichen Be- handlung noch eine namhafte Verbesserung des Gesundhe itszustandes des Versicherten er- wartet werden konnte. Von der Beantwortung dieser Fra ge hängt es ab, ob die SUVA den Fall zu Recht unter Einstellung der Heilkosten und der Taggelder abgeschlossen und einen Renten- anspruch des Versicherten geprüft hat. 4.2 In seinem Abschlussbericht vom 16. März 2012 hält d er behandelnde Arzt Dr. med. D.____, Orthopädie und Traumatologie FMH, fest, symme trisch bestehe eine freie Schulterbe- weglichkeit, es sei aber weiterhin eine deutliche Atrop hie im Bereich der Fossa infraspinata feststellbar. Die Aussenrotation sei aus der 0° -Position symmetrisch kräftig und ab 30° noch geringgradig abgeschwächt links gegenüber rechts. Eine g ewisse Schwäche könne auch in Zukunft vorhanden sein, sodass der Versicherte in seiner Tätigkeit als Zügelmann als nicht mehr arbeitsfähig einzustufen sei. In gemeinsamer Abspra che werde der Fall mit der heutigen Konsultation gut zwei Jahre nach Unfall und Beginn der Behandlung abgeschlossen. 4.3 Dr. med. E.____, Chirurgie FMH, diagnostizierte i n seinem Bericht vom 21. Mai 2012 über die kreisärztliche Abschlussuntersuchung einen Status nach LBS-Tendinopathie der linken Schulter mit Läsion des Nervus suprascapularis im Sinn eine r Nervenüberdehnung anlässlich eines Verhebetraumas am 15. Dezember 2009. Es bestehe noch eine diskrete Verschmächti- gung der Schultermuskulatur links. Klinisch gebe es keine Hinweise auf eine Rotatorenman- schettenproblematik. Die lange Bizepssehne sei palpatorisch schmerzfrei, die Beweglichkeit der linken Schulter sei praktisch seitengleich zu rechts, die rohe Kraft sei in der linken oberen Ex- tremität noch leichtgradig eingeschränkt. Die orthopä dische Behandlung habe zwischenzeitlich abgeschlossen werden können. Es werde vorgeschlagen, dass se lbständige Kraftaufbautrai- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ning weiterzuführen. Die angestammte Tätigkeit als Zügelmann mit Spezialisierung auf Klaviere und Flügel sei zur Zeit noch nicht zumutbar, die Belast ung wäre noch zu hoch. Zumutbar seien dem Versicherten aktuell körperlich mittelschwere Tätigke iten ganztags. Ob längerfristig wieder die angestammte Tätigkeit als Zügelmann möglich sein we rde, könne noch nicht definitiv beur- teilt werden, dies sei jedoch bei weiter günstigem Verlauf absolut möglich. 4.4 Sowohl aus der Beurteilung von Dr. D.____ als auch aus dem Bericht von Dr. E.____ geht klar hervor, dass beim Versicherten die ärztliche Beh andlung der Unfallfolgen Mitte März 2012 abgeschlossen wurde. Nach diesem Datum wurde auch ke ine physiotherapeutische Be- handlung weitergeführt, sondern dem Versicherten wurde lediglich empfohlen, das Kraftaufbau- training, welches er selbständig zu Hause absolvierte, wei terzuführen. Damit findet klarerweise keine Fortsetzung der ärztlichen Behandlung statt. Wird eine solche aber nicht mehr als not- wendig erachtet - und demnach auch nicht weitergefüh rt -, so kann der Fallabschluss durch die Beschwerdegegnerin entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers zweifellos nicht als ver- früht bezeichnet werden. Zu keinem anderen Ergebnis g elangt man im Übrigen, selbst wenn man das selbständige Heimtraining zu Hause als Fortsetzu ng der ärztlichen Behandlung quali- fizieren würde. Damit von einem verfrühten Fallabschluss g esprochen werden könnte, müsste von der Fortsetzung der Behandlung eine namhafte Besseru ng des Gesundheitszustandes er- wartet werden können (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Wie di e Beschwerdegegnerin in ihrer Ver- nehmlassung zutreffend festhält, müsste eine solche mit d em Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in Aussicht stehen. Vorliegend hielt der Kreisarzt lediglich fest, dass bei wei- terem günstigem Verlauf die Ausübung der angestammten Tätigkeit längerfristig absolut mög- lich sei. Aus dieser Einschätzung kann aber nicht geschlossen werden, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer namhaften weiteren Besseru ng des Zustandes auszugehen ist. Dasselbe gilt - auch darin ist der Beschwerdegegnerin b eizupflichten - in Bezug auf den Ein- wand des Versicherten, wonach die Chance, die angestammte Tätigkeit wieder aufnehmen zu können, immer noch im Bereich des Möglichen liege. 4.5 Nach dem Gesagten war die Beschwerdegegnerin vorlie gend berechtigt, den Fallab- schluss vorzunehmen und die Übernahme der Heilbehandlung skosten und die Taggeldleistun- gen einzustellen. Der Standpunkt des Beschwerdeführers, w onach die Beschwerdegegnerin verpflichtet gewesen wäre, ihm „für eine Übergangsfrist von mindestens drei Monaten“ weiterhin das volle Taggeld auszurichten, erweist sich demnach als unbegründet. Für einen Anspruch der versicherten Person auf ein solches “Übergangs-Taggeld“ fe hlt es denn auch an einer gesetzli- chen Grundlage. 5.1 Schliesst der Unfallversicherer den Fall unter Einste llung der vorübergehenden Leistun- gen ab, so hat er gleichzeitig einen Anspruch der versiche rten Person auf eine Invalidenrente und - gegebenenfalls - auf eine Integritätsentschädigu ng zu prüfen. Während Letzteres vorlie- gend nicht zur Diskussion steht, hat die Beschwerdegegnerin einen allfälligen Rentenanspruch des Versicherten geprüft und in der Verfügung vom 22. Juni 2012 bzw. im angefochtenen Ein- spracheentscheid vom 27. September 2012 verneint. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Inval iditätsgrades das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In validität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie- hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffe rnmässig möglichst genau ermit- telt und einander gegenübergestellt werden. Aus der E inkommensdifferenz lässt sich der Invali- ditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 5.3 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspr acheentscheid vom 27. Septem- ber 2012 den erforderlichen Einkommensvergleich vorgeno mmen. Dabei hat sie auf Grund der Angaben der B.____ AG ein Valideneinkommen von Fr. 55 '200.-- sowie gestützt auf ihre DAP- Dokumentation ein Invalideneinkommen von Fr. 57'612.-- ermittelt und anhand der Gegenüber- stellung dieser Einkommen festgehalten, dass der Versich erte unfallbedingt keine Erwerbsein- busse erleide. Während die Höhe des Invalideneinkommen s vom Beschwerdeführer - zu Recht - nicht in Frage gestellt wird, rügt dieser die vorin stanzliche Bemessung des Valideneinkom- mens. Er beanstandet, dass die Beschwerdegegnerin ledigl ich ein monatliches Bruttoeinkom- men von Fr. 4'600.-- angenommen und dabei die jährliche Gratifikation von Fr. 2'670.--, die täg- liche Spesenentschädigung von Fr. 25.-- und die täglic hen Trinkgelder von Fr. 40.-- zu Unrecht nicht berücksichtigt habe. Diese Einwände des Beschwerdeführ ers erwiesen sich aber als un- begründet. So ist aus den bei den Akten befindlichen L ohnunterlagen nicht ersichtlich, dass dem Beschwerdeführer tatsächlich eine Spesenentschädigun g ausbezahlt wurde, ebenso we- nig ist ein entsprechender Anspruch erstellt. Ausserde m wäre ohnehin fraglich, ob eine solche Spesenentschädigung als Lohnbestandteil beim Validenei nkommen zu berücksichtigen wäre. Im Weiteren hat der Beschwerdeführer nicht nachgewiese n, dass er über die in den Lohnab- rechnungen ausgewiesenen Trinkgelder hinaus weitere Tr inkgelder erhalten hat. Sodann ist auch die jährliche Gratifikation von Fr. 2'650.-- nicht belegt. Wie es sich mit dieser verhält, kann letztlich aber ohnehin offen bleiben. Selbst wenn man diesen Betrag beim Valideneinkommen berücksichtigen würde, so würde der Minderverdienst immer noch deutlich unter dem für einen Rentenanspruch erforderlichen Mindestinvaliditätsgrad v on 10 % liegen. Schliesslich ist auch die Zahlung der ehemaligen Arbeitgeberin in der Höh e von Fr. 12'500.-- gemäss Vergleich vom 9./10. Februar 2011 nicht spezifiziert, d.h. es ist nicht ersichtlich, wofür sie erfolgt ist. Der Be- schwerdeführer kann deshalb in Bezug auf das Valideneinko mmen auch daraus nichts zu sei- nen Gunsten ableiten. 5.4. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass d er angefochtene Einspracheent- scheid vom 27. September 2012 nicht zu beanstanden ist. D ie dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 6.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Abschliessend bleibt über den Antrag des Beschwerdef ührers zu befinden, es sei ihm die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertr eterin zu bewilligen. Gemäss Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG wird der Beschwerde führenden Person, wo die Verhältnisse es rechtfertigen, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Mit Inkraftsetzung des ATSG ist der im Wortlaut mit Art. 61 lit. f ATSG übereinstimmende Art. 108 Abs. 1 lit. f UVG aufgehoben worden. Damit hat sich inhaltlich nichts geändert und die bisherige Rechtspr echung des damaligen EVG zu Art. 108 Abs. 1 lit. f UVG hat weiterhin Geltung (Ur teil X. des EVG vom 3. Juli 2003, U 114/03, E. 2.1). Gemäss dieser Rechtsprechung ist die unentgelt liche Verbeiständung im kantonalen Beschwerdeverfahren zu bewilligen, wenn der Prozess nich t offensichtlich aussichtslos er- scheint, die Partei bedürftig und die anwaltliche Ver beiständung notwendig oder doch geboten ist (Urteil U. des EVG vom 7. Juli 2003, U 356/02, E. 3.1; ALEXANDRA RUMO -JUNGO , Rechtspre- chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bu ndesgesetz über die Unfallversi- cherung, 3. Auflage, Zürich/Basel/ Genf 2003, S. 451 mit Hinweisen auf BGE 100 V 62 E. 3 und 98 V 117 E. 2; vgl. auch U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009 , Art. 61 Rz. 104). Diese Voraussetzungen sind vorliegend gegeben: Die Bedürftigkeit des Versi- cherten kann gestützt auf die eingereichten Unterlagen bejaht werden, die Beschwerde kann nicht als aussichtslos bezeichnet werden und die anwaltliche Vertretung ist geboten gewesen. Die Rechtsvertreterin des Versicherten hat in ihrer Hono rarnote vom 22. Januar 2013 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 8 Stunden und 35 Minuten sowie Auslagen von Fr. 115.70 ausgewiesen, was umfangmässig ni cht zu beanstanden ist. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung 180 Franken pro Stunde. Der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ist deshalb für ihre Bemühungen ei n Honorar in der Höhe von Fr. 1'793.55 (8 Stunden und 35 Minuten à Fr. 180.-- + Auslagen von Fr. 115.70 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'793.55 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht