Baurekursgericht des Kantons Zürich 3. Abteilung G.-Nr. R3.2012.00126 BRGE III Nr. 0027/2013 Entscheid vom 27. März 2013 Mitwirkende Abteilungsvizepräsident Eugen Staub, Baurichter Felix Müller, Baurichterin Monika Spring-Gross, Gerichtsschreiber Roland Blaser in Sachen Rekurrenten 1. N. E., [….] 2. M. H., [….] 3. T. F., [….] gegen Rekursgegner 1. Gemeinderat X, [….] 2. Swisscom (Schweiz) AG, [….] betreffend Gemeinderatsbeschluss vom 18. September 2012; Baubewilligung für Mo- bilfunk-Antennenanlage _______________________________________________________ R3.2012.00126 hat sich ergeben: [….] Es kommt in Betracht: [….] 8.2. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die rekurrentischerseits aufg e- worfene Frage, ob bewilligte Antennentypen im Nachhinein durch neue Modelle ersetzt werden dürfen, ohne dass dafür erneut ein Baugesuc h ge- stellt werden muss. Soweit es sich – wie im vorliegenden Fall – um eine neue Version eines nicht mehr produzierten Antennenmodels mit gleicher Abstrahlcharakteristik und auch sonst mit im Wesentlichen identischen technischen Eigenschaften handelt (vgl. die vorstehenden Erwägungen u n- ter Ziffer 6.4), wäre es unnötig und u nverhältnismässig, deswegen ein neu- es Baugesuch oder nochmalige Standortdatenblattberechnungen zu ve r- langen. Ginge es hier hingegen um den Austausch von GSM/UMTS -Antennen durch solche des LTE (Long Term Evolution) - Standards oder soll die LTE- Mobilfunktechnologie auf Frequenzen ( zum Beispiel 1800 MHz) bestehe n- der GSM/UMTS-Mobilfunk-Basisstationen betrieben werden, wären die bauverfahrensrechtlichen Konsequenzen weniger klar. Unbestritten ist j e- denfalls, dass LTE -Netze ebenfalls in s QS-System der Betreibergesel l- schaften eingebunden werden müssen (Rundschreiben des BAKOM/BAFU über technologieneutrale Angaben im Standortdatenblatt für Mobilfun ksen- deanlagen vom 24. September 2010 , S. 2, Ziffer 3 (http:// www.bafu.admin.ch/elektrosmog/01100/01108/01110/index.html?lang=de). Mit dem neuen LTE (Long Term Evolution) - Mobilfunkstandard wollen die Anbieter dem grossen Wachstum des mobilen Datenverkehrs Rechnung tragen. Die LTE-Netze der Swisscom sind teilweise bereits in Betrieb , was R3.2012.00126 ihre Netzabdeckungskarte zeigt (http://gis2.begasoft.ch/gis/pages/ch.bgs. googlegis.gwt.GMapSwisscomNetzabdeckung/swisscomNetzabdeckung.jsf ?netztyp=lte). Bei Sunrise und Orange ist die Inbetriebnahme im Laufe di e- ses Jahres geplant. Neben einer Vielzahl anderer Eigenschaften bringt LTE vor allem höhere Bitraten zwischen den Basisstationen und den Endger ä- ten (Handys, Smartphones). Damit steigt die Übertragungskapazität der Mobilfunknetze deutlich und es können entweder mehr Endkunden mit glei- cher Bitrate oder gleich viele Endkunden mit höheren Bitraten bedient wer- den. Zudem soll das kürzere Datenübertragungsinterval zu einer markant verbesserten Reaktionsfähigkeit des Netzes beitragen . Im Weiteren soll LTE im Vergleich etwa z u UMTS vor allem im Endgerät weniger Energie verbrauchen und damit trotz eingeschaltetem Breitband -Datendienst eine längere Akku -Laufzeit ermöglichen (Bundesamt für Kommunikation, BAKOM, Faktenblatt 3GPP-LTE, Bern, 2011, S. 1). LTE erfordert neue Ausrüstun gen in bestehenden und zusätzlichen Basis - stationen. Softwareseitig sind ebenfalls fundamentale Anpassungen not - wendig. Zudem ist die Ausdehnung der einzelnen Funkzellen bei LTE grundsätzlich kleiner als bei GSM/UMTS, was eine entsprechende Neu - konfigurierung der Netzstruktur bedingt. Ungeachtet des erwähnten Rund- schreibens des BAKOM/BAFU vom 24. September 2010 müsste demnach eingehend geprüft werden, ob das Abstrahlverhalten von Antennen im 1800 MHz-Frequenzbereich unabhängig vom verwendeten Mobilfunkstan dard und der notwendigen Zusatzkomponenten tatsächlich deckungsgleich ist . Andernfalls könnte sich das u.a. entscheidend auf die für die Standort - datenblattberechnungen essentiellen horizontalen und vertikalen Rich - tungsabschwächungen auswirken und gerade angesichts der Praxis der Mobilfunkgesellschaften, bei den am stärksten belasteten OMEN leis - tungsmässig bis ans Grenzwertlimit zu gehen , zu Überschreitungen des Anlagegrenzwerts führen. Mit anderen Worten wird zu prüfen sein, ob es bei der Umrüstung von GSM//UMTS-Basisstationen auf LTE oder andere künftige Mobilfunkstandards der Durchführung eines baurechtlichen Ver - fahrens bedarf. Dass dies zu verneinen wäre, kann jedenfalls zum heutigen Zeitpunkt in keiner Weise antizipiert werden. Im vorliegenden Rechtsmittel- verfahren, wo es gemäss Baugesuch um eine GSM/UMTS -Anlage geht, muss diese Frage jedoch nicht beantwortet werden. [….]