B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4162/2012 U r t e i l v o m 2 2 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Edith Hofmann, Freiplatzaktion Zürich, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 21. Juni 2012 / N (…). D-4162/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer wandte sich am 21. Februar 2012 telefonisch an die schweizerische Vertretung in Ankara und ersuchte dabei sinngemäss um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Gewährung des Asyls. Am 5. April 2012 wurde er auf der schweizerisch en Vertretung in Ankara persönlich befragt. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei türkischer Staatsang e- höriger kurdischer Ethnie aus B._______/Istanbul und habe seinen L e- bensunterhalt mit dem Verkauf medizinischer Produkte bestritten. Er sei nie politisch aktiv gewesen und habe sich auch nie in einer Nichtregi e- rungsorganisation oder in einem religiösen Verein engagiert. Dennoch hätten die türkischen Behörden am 24. Januar 2012 gegen ihn im Z u- sammenhang mit einem Fahrzeugbrand ein Strafverfahren wegen "Mit- gliedschaft in einer bewaffneten Terror organisation (Partiya Karkerên Kurdistan [ PKK])", "Sachbeschädigung" und "Besitzes einer Waffe und Munition" eröffnet. Ursache sei gewesen, dass er sich am 14. November 2011 zufällig mit zwei Freunden (N.A. und S.S.) in B._______ in der Nähe eines brennenden Wagens befunden habe und dann von Zeugen zu Un- recht der Urheberschaft des Brandes bezichtigt worden sei. In der Folge sei er – wie auch seine beiden Freunde – für vier Tage in polizeiliche Ge- wahrsam genommen worden. In den ersten beiden Tagen habe er keinen Anwalt konsultieren können . Während der Haft sei er bedroht und ps y- chisch unter Druck gesetzt, jedoch nicht körperlich misshandelt worden. Sein Arbeitgeber, der von der Polizei über das hängige Str afverfahren in- formiert worden sei, habe ihm am 21. oder 22. November 2011 die Stelle gekündigt. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer – jeweils in Kopie – die Anklageschrift der C._______ vom 24. Januar 2012, vier dem Internet entnommene, über seine Festnahme berichtende Ze i- tungsartikel und seinen Nüfus sowie – im Original – eine Vorladung zu ei- ner auf den 25. April 2012 angesetzten Verhandlung vor dem (…) zu den Akten. Er besitze keinen Reisepass und könne sich auch keinen auss tel- len lassen, da er seit 2006 militärdienstflüchtig sei. B. Am 9. Mai 2012 überwies die schweizerische Vertretung in Ankara die Ak- ten zuständigkeitshalber an das BFM. D-4162/2012 Seite 3 C. Mit Verfügung vom 21. Juni 2012 – durch Vermittlung der schweizer i- schen Vertretung in Ankara am 10. Juli 2012 eröffnet – verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte de s- sen Asylgesuch ab. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden E r- wägungen eingegangen. D. Der Beschwerdeführer beantragte durch seine am 1 5. Juli 2012 bevol l- mächtigte Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 8. August 2012 beim Bu n- desverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Bewilligung der Einreise in die Schweiz und die Gewährung des Asyls . In verfahrensrechtlicher Hins icht sei ihm die Einreichung und Kommenti e- rung des Ergebnisses einer (weiteren) Gerichtsverhandlung vom 8. A u- gust 2012 zu bewilligen und die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh- ren sowie auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den Entscheid wesentlich, ebenfalls in den nachfolgenden Erwägungen ei n- gegangen wird – gab der Beschwerdeführer nebst einer Kopie der sich im Original bei den vorinstanzlichen Akten befindenden gericht lichen Vorla- dung einen der Zeitung "20minuten" vom 13. Juli 2012 entnommenen A r- tikel betreffend die Festnahme einer türkisch -französischen Studentin in Istanbul zu den Akten. E. E.a Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2012 verzichtete das Bu n- desverwaltungsgericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses (Art. 63 Abs. 4 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) und verwies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) auf einen späteren Zeitpunkt. Sodann forderte es den Beschwerdeführer beziehungsweise dessen Rechtsvertreterin auf, innert 30 Tagen ab Erhalt dieser Verfügung Unterlagen betreffend die angesprochene Gerichtsverhandlung vom 8. August 2012 (samt den zugehörigen Zustellcouverts und vol lständig in eine Amtssprache übersetzt ) sowie eine allfällige Stellungnahme dazu einzureichen; bei ungenutzter Frist werde das Verfahren aufgrund der Ak- ten weitergeführt. E.b Am 15. September 2012 reichte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin zwei Protokolle von am 30. Mai 2012 und am 8. August D-4162/2012 Seite 4 2012 stattgefundenen Gerichtsverhandlungen in Kopie samt de utschen Übersetzungen ein; d ie beiden Protokolle seien erst am 11. September 2012 von einem Onkel per Telefax in die Schweiz übermittelt worden. F. F.a Das BFM beantragte mit Vernehmlassung vom 21. September 2012 die Abweisung der Beschwerde vom 8. August 2012, da diese keine ne u- en und erheblichen Beweismittel enthalte, welche eine Änderung sei nes Standpunktes rechtfertigen könnten. Es sei darauf hinzuweisen, dass die in der Beschwerde vorgebrachten Einwände gegen die Anklage im Ra h- men eines aus rechtsstaatlich legitimen Motiven und mit rechtsstaatlich korrekten Methoden geführten Strafverfahrens von den türkischen Behör- den untersucht würden. Der Beschwerdeführer sei überdies noch nicht erstinstanzlich verurteilt, womit der Verfahrensausgang zur Zeit völlig o f- fen sei. Zudem könnte der Beschwerdeführer gegen ein erstinstanzliches Urteil Beschwerde einreichen, so dass er – unabhängig vom Verfa h- rensausgang – nicht unmittelbar schutzbedürftig sei. F.b Der Beschwerdeführer nahm durch seine Rechtsvertreterin am 8. Ok- tober 2012 (Poststempel: 10. Oktober 2012) zur Vernehmlassung des BFM vom 21. September 2012 Stellung. F.c Am 24. März 2013 liess der Beschwerdeführer durch seine Recht s- vertreterin dem Bundesverwaltungsgericht – wiederum als Faxkopie und mit entsprechender Übersetzung – das Protokoll einer weiteren , am 21. März 2013 stattgefundenen Verhandlung vor dem (…) zukommen. Anlässlich dieser Verhandlung wurde der Beschwer deführer (welcher an der Verhandlung nicht persönlich anwesend war, sondern sich von se i- nem Anwalt hat vertreten lassen) zu einer Gefängnisstrafe von 4 Jahren und zwei Monaten sowie zu e iner weiteren Gefängnisstrafe von 7 Mon a- ten und 15 Tagen verurteilt . Zudem habe er sich nach Verbüssung der Strafe während weiterer fünf Jahre den türkischen Behörden zur Verf ü- gung zu stellen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ersuchte im Schreiben vom 24. März 2013 um "möglichst schnelle" Erteilung der Einreiseerlaubnis, da es sich um ein "ganz schlimmes Urteil aus polit i- schen Gründen" handle und ihr Mandant persönlich zu seinen Asylgrü n- den befragt werden müsse. G. G.a Das BFM beantragte mit e rgänzender Vernehmlassung vom 4. April 2013 erneut die Abweisung der Beschwerde. Es führte dabei aus, au f-D-4162/2012 Seite 5 grund der Aktenlage sei davon auszugehen, dass die türkischen Behö r- den ihre Vorwürfe gegen den Beschwerdeführer in einem rechtsstaatlich korrekten Verfahren geprüft hätten. Dabei sei vom ursprünglichen Vorwurf der PKK -Mitgliedschaft Abstand genommen worden , und ein Mitang e- klagter sei auch vom Vorwurf des Besitzes einer Schreckschusspistole freigesprochen worden. Überdies hätten die Behörden das Verhalten des Beschwerdeführers während des Verfahrens sowie seine Ersttäterschaft bei der Bestimmung des Strafmasses berücksichtigt. Somit könne von e i- ner ausreichenden Beweislage und von einer differenzierten Beurteilung durch das zuständige Gericht ausgegangen werden . Schliesslich habe der Beschwerdeführer immer noch die Möglichkeit einer Beschwerde g e- gen das erstinstanzliche Urteil. G.b Am 23. April 2013 nahm die Rechtsvertreterin des Beschwerdefü h- rers zur Vernehmlassung des BFM vom 4. April 2013 Stellung. Ihr Man- dant habe gegen das Urteil des (…) vom 21. März 2013 Rekurs eing e- reicht. Entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung seien die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von den türkischen Behörden nicht in e i- nem rechtsstaatlichen Verfahren geprüft wor den. Sodann verwies die Rechtsvertreterin auf zwei gleichzeitig eingereichte, dem Internet en t- nommene Berichte. Daraus gehe hervor, dass die türkische Armee auch nach der einseitigen Erklärung des Waffenstillstandes durch die PKK in verschiedenen Gegenden des Landes kurdische Ziele angegriffen habe. Ihr Mandant müsse mindestens so lange als schutzbedürftig gelten, als die türkische Seite nicht auch einen Waffenstillstand ausrufe und einhalte. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. E ine das Sachgebiet betreffende Aus nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom D-4162/2012 Seite 6 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) ; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012, welche am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, kommen vorliegend nicht zur Anwendung, wurde doch in der Übergangsbesti m- mung (Ziffer III) fe stgehalten, dass für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung des Asylgesetzes gestellt worden sind – was vorliegend der Fall ist – die Artikel 12, 19, 20, 41 Absatz 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung gelten. 2. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4. 4.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG b ewilligt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass e i- ne unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.2 Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an D-4162/2012 Seite 7 das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfah- rens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht m öglich, so wird die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann sich erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des e ingereichten Asylgesuchs als en t- scheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu ei - nem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). Vorliegend wurde der Beschwerdeführer am 5. April 2012 auf der schwei- zerischen Vertretung in Ankara persönlich befragt. Anlässlich dieser B e- fragung hatte er Gelegenheit, genauere Angaben zu seinen persönlichen Lebensumständen und insbesondere zu dem gegen ihn am 24. Januar 2012 eingeleiteten , mittels verschiedener Unterlagen untermauerten Strafverfahren sowie zur aktuellen Verfolgungssituation zu machen. 4.3 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobe i den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschla g- gebend für die Er teilung der Einreisebewilligung ist d abei die Schutzb e- dürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob e i- ne Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann ( vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 S. 126 und E. 5.1 S. 128, vgl. auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D-2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). Eine Verfolgungssituation muss überdies aktuell sein, um gemäss Art. 3 AsylG als relevant zu ge l- ten. 4.4 Die Vorinstanz erachtete es aufgrund der vorliegenden Akten als u n- bestritten, dass die türkischen Behörden am 24. Januar 2012 gegen den D-4162/2012 Seite 8 Beschwerdeführer im Zusammenhang mit Straftaten im Kontext der ver- botenen PKK beziehungsweise deren Nachfolgeorganisat ion "Kongra Gelê Kurdistan" (abgekürzt auch "Kongra-Gel") Anklage erhoben hatten. Im Folgenden ist indessen zu prüfen, ob das BFM zu Recht zum Schluss gelangte, die gegen den Beschwerdeführer geführten strafrechtlichen Massnahmen seien aus rechtsstaatlich en Motiven und mit legitimen M e- thoden erfolgt, so dass dessen Schutzbedürftigkeit zu verneinen sei. 4.4.1 Die eingehende Prüfung der Akten ergibt, dass die entsprechenden Ausführungen des BFM in der angefochtenen Verfügung im Ergebnis z u- treffend sind, weshalb z ur Vermeidung von Wiederholungen vorab auf diese verwiesen werden kann. Die sich bei den Akten befindenden Unterlagen (vgl. unter Bst. A., E.b und F.c des Sachverhalts) bestätigen, dass der Beschwerdeführer im Zu- sammenhang mit einem Fahrzeugbrand in B._______/Istanbul vom 14. November 2011 festgenommen worden war ; bei der Durchsuchung der Taschen des Beschwerdeführers fanden die Sicherheitskräfte unter anderem ein Mobiltelefon mit Musikstücken und Bildern mit PKK -Bezug. Im Zuge des nachfolgend eingeleiteten Ermittlungsverfahren wurde der Beschwerdeführer in polizeilichen Gewahrsam genommen. Gemäss sei- nen Angaben war er in der Haft keinen körperlichen Misshandlungen ausgesetzt, und er wurde nach vier Tagen wieder freigelassen. Wie aus den auf Beschwerde ebene eingereichten Dokumenten ersichtlich ist, wurde er am 21. März 2013 vom (…) zu einer mehrjährigen Gefängni s- strafe verurteilt; gegen dieses Urteil habe er Rekurs eingelegt (vgl. Ste l- lungnahme zur ergänzenden Vernehmlassung des BFM vom 4. April 2013). Weder die gerichtlichen Dokumente noch die Darlegungen in der B e- schwerdeschrift und in den beiden Stellungnahmen vom 8. Oktober 2012 (Poststempel: 10. Oktober 2012) und 23. April 2013 deuten darauf hin, dass das zurzeit offenbar beim Kassationshof hängige Strafverfahren den Anforderungen an ein mit rechtsstaatlichen Mitteln geführtes Strafverfa h- ren nicht genügen würde. Der Beschwerdeführer konnte – wie von der türkischen Strafprozessordnung bei Verdacht auf terroristische Straftaten vorgesehen – nach 48 St unden einen Anwalt konsultieren. Das Gericht hat seine Vorbringen gehört und die vorgelegten Beweise gewürdigt, wie der erfolgte Freispruch seines Freundes N.A. sowie die Feststellung, der Beschwerdeführer sei nicht PKK -Mitglied, zeigt. Es kann davon ausg e-D-4162/2012 Seite 9 gangen werden, dass seine Verfahrensrechte auch im hängigen Rekur s- verfahren gewahrt werden. Aufgrund der Aktenlage ist nicht mit einem in Kürze bevorstehenden rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens und – gegebenenfalls – mit einem unmittelbar ansteh enden Strafvollzug zu rechnen, weshalb keine Hinweise dafür vorliegen, dass der Beschwerd e- führer im jetzigen Zeitpunkt asylrechtlich relevante Nachteile zu erwarten hätte. 4.4.2 Sodann kann auch der von der Vorinstanz – im Zusammenhang mit der Bemerkung des Beschwerdeführers, wegen seiner "Militärdiens t- flucht" keinen Reisepass zu erhalten – geäusserten Auffassung, die Ein- berufung in den Militärdienst sowie auch eine allfällige Verfolgung wegen Refraktion oder Desertion e rfolge in der Türkei nicht aus den in Art. 3 AsylG ge nannten Gründen, weshalb daraus keine Schutzbedürftigkeit abgeleitet werden könne, gefolgt werden. An dieser Stelle ist darauf hi n- zuweisen, dass seit der Einführung des biometrischen (elektronischen) Passes in der Türkei am 1. Juni 2010 weder im Land selber noch bei den Auslandvertretungen bei der Ausstellung eines neuen elektronischen Passes ein Zusammenhang mit der Ableistung des Militärdienstes oder eines Nachweises zum Militärdienst hergestellt wird (vgl. www.hurriyet.de/haberler/gundem/913304/e-pasaportta-askerlik-belgesi- istenmeyecek). 4.4.3 Des Weiteren ist in Bezug auf die Behauptung, der Krieg des türki- schen Militärs gegen die Kurden sei wieder in vollem Gang (vgl. B e- schwerde S. 7 f.) beziehungsweise die Türkei denke "vorläufig nicht da r- an, von ihrer Seite einen Waffenstillstand auszurufen und auf jeden Fall nicht, ihn einzuhalten" (vgl. Stellungnahme vom 23. April 2013 S. 2), fes t- zuhalten, dass die Lage für die kurdische Minderheit in der Türkei zwar nach wie vor angespannt ist. Abgesehen von den Provinzen Hakkari und Sirnak hat sich die Situation für die Angehörigen der kurdischen Ethnie in letzter Zeit aber eher verbessert (vgl. Urteil D-4731/2013 vom 31. Oktober 2013 E. 7.3.1, unter Hinweis auf BVGE 2013/2 E. 9 S. 11 ff.). Die am 21. März 2013 von Abdullah Öcalan ausgesprochene Aufforderung zum Waffenstillstand ist zumindest ein Schritt, der d as Ende des jahrzehnt e- langen Konflikts zwischen der PKK und der türkischen Regierung einle i- ten sowie eine merkliche Entspannung bewirken könnte. An dieser Fes t- stellung vermögen die auf Beschwerdeebene eingereichten, teilweise dem Internet entnommenen Artikel nichts zu ändern. D-4162/2012 Seite 10 4.5 Schliesslich ist festzustellen, dass – auch wenn der Beschwerdefü h- rer angibt, drei Onkel väterlicherseits lebten in der Schweiz (vgl. Vorakten A3 S. 2) – eine ausreichende Beziehungsnähe zur Schweiz zu verneinen ist (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 4.6 Der Beschwerdeführer vermochte insgesamt nicht aufzuzeigen, dass er auf die Schutzgewährung durch die Schweiz angewiesen ist bezi e- hungsweise ihm gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz gewähren muss. Der weitere Verbleib in der Türkei ist ihm nach dem Gesagten z u- zumuten. Es kann darauf verzichtet werden, auf die übrigen Erwägungen der Vor - instanz (etwa zur Frage einer allfälligen Asylunwürdigkeit) oder auf weit e- re Darlegungen in der Beschwerdeschrift und in den Stellungnahmen nä- her einzugehen. Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist ( Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten desselben dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem das vorliegende Beschwerdeverfahren nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnte und von der Bedürftigkeit des sich nach wie vor in der Türkei aufhaltenden Beschwerdeführers ausgegangen werden kann, sind in Gutheissung des in der Beschwerde vom 8. August 2012 gestellten, bis anhin noch nicht behandelten Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG ) keine Verfah- renskosten aufzuerlegen. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. D-4162/2012 Seite 11 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge schweizerische Vertretung. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni Versand: