B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5078/2011 U r t e i l v o m 2 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. August 2011 / N (…). E-5078/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge (…), gelangte auf dem Luftweg über Dubai, Kampala und Amsterdam nach Paris und von dort (…) in einem Auto in die Schweiz, wo er am 5. Februar 2010 um Asyl nachsuchte. Am 9. Februar 2010 wurde er zur Person befragt (BzP) und am 1. März 2010 erfolgte die Anhörung zu seinen Asylgründen. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer gel- tend, er sei (…) bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gew e- sen, danach habe er als Chauffeur für sie gearbeitet. Ab (…) habe er in B._______ für die LTTE Waren gekauft und in den Norden des Landes geschickt. Er habe geheiratet und bis (…) keine Probleme gehabt. D a- nach habe die neue Regierung begonnen, Sympathisanten der LTTE festzunehmen, und er sei von Mitgliedern der Karuna (Splittergruppierung der LTTE) gesucht worden. Im (…) sei er in C._______ festgenommen worden respektive seien sein Lastwagen und diejenigen zweier Kollegen gestoppt und seine Kollegen festgenommen worden , er selber habe flie- hen können. Danach sei er nach D._______ gegangen und habe sich bei einer älteren Frau versteckt, bis er dank der Hilfe seines Vaters und eines Polizisten habe ausreisen können. B. Mit am 15. August 2011 eröffneter Verfügung vom 10. August 2011 stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenscha ft nicht, lehnte das Asylgesuch vom 5. Februar 2010 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung führte das Bundesamt aus, die Vorbringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand, so dass deren Asyl relevanz nicht geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 14. September 2011 liess der Beschwerde- führer diesen Entscheid anfechten. Er beantragte die Aufhebung der Ve r- fügung und die Rückweisung der Sache an das BFM zur ergänzenden Sachverhaltsaufnahme und zu neuem Entscheid, eventualiter die Gewäh- rung von Asyl, subeventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. E-5078/2011 Seite 3 Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er ein Schreiben von Rechtsa n- walt E._______, (…) und einen Haftbefehl des F._______ vom (…) inklu- sive Übersetzung ins Englische zu den Akten. D. Am 22. September 2011 bestätigte der vormals zus tändige Instruktions- richter den Eingang der Beschwerde. Mit Verfügung vom 25. Juli 2012 wurde die Vorinstanz eingeladen, eine Vernehmlassung einzureichen. E. In seiner Vernehmlassung vom 26. Juli 2012 hielt das Bundesamt an se i- nem angefochtenen Entscheid fe st, beantragte die Abweisung der B e- schwerde und führte aus, die Echtheit des eingereichten Haftbefehls sei anzuzweifeln, zudem erscheine es fragwürdig, weshalb dieser nicht b e- reits im ordentlichen Verfahren eingereicht worden sei. F. Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom 30. August 2012, welche dem Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben vom 31. August 2012 z u- gestellt wurde, vollumfänglich an seinen Anträgen fest. G. Die Ehefrau des Beschwerdeführers und die beiden gemeinsamen Töc h- ter waren am 17. Dezember 2008 in die Schweiz gelangt und wurden mit Verfügung vom 1. Oktober 2009 wegen Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzuges in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Mit Verfügung vom 15. September 2011 wurde die vorläufige Aufnahme aufgehoben. Die gegen dies e Verfügung erhobene Beschwerde wird mit separatem Urteil heutigen Datums abgewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sach gebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l-E-5078/2011 Seite 4 tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Beschwerde sind e r- füllt. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Sachverhalt sei durch das Bundesamt mangelhaft abgeklärt worden. Diese verfahrensrechtliche Rü- ge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl . Entscheidungen und Mitte i- lungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfah- ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). 4. 4.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Bstn. a-e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mi t- wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Ar t. 13 VwVG). Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzu- geben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der A n- hörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzü glich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwi d-E-5078/2011 Seite 5 riger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle f ür den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, a.a.O., Rz. 630). Das Bundesverwaltungsgericht kann den rechtserheblichen Sachverhalt, wie ihn die Vorinstanz festgestellt hat, uneingeschränkt überprü fen (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es ist dazu in dem Masse verpflichtet, als die Be- schwerdepartei die Sachverhaltsfeststellungen oder die ihr zugrunde li e- gende Beweiswürdigung als fehlerhaft rügt und sich mit der angefocht e- nen Verfügung sachbezogen auseinanders etzt (vgl. CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltung s- rechtlichen Prozessmaximen, Diss. Bern 1997, S. 79 f.; Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts E-36/2008 vom 30. November 2011, E. 5.1). 4.2 Der Beschwerdeführer macht gel tend, das BFM habe den Sachve r- halt bezüglich seiner LTTE-Mitgliedschaft und den damit zusammenhä n- genden Aktivitäten bis (…) nur mangelhaft erfasst, da bei der Bundesa n- hörung keine weitergehenden Fragen hierzu gestellt worden seien. An- lässlich der Erstbefra gung sei er nur sehr summarisch befragt worden, und auch bei der Bundesanhörung habe er nicht Gelegenheit erhalten, al- les zu sagen, sondern sei unterbrochen worden, weshalb der Sachverhalt nicht umfassend habe aufgenommen werden können. Auf die Frage, welches genau seine Funktion bei den LTTE gewesen sei, antwortete der Beschwerdeführer, er sei ein normaler Soldat gewesen (vgl. Akten BFM A25/19 S. 10). Es wurden ihm darauf hin mehrere präzi- sierende Folgefragen gestellt, welche er kurz und relativ oberflächlich be- antwortete. Für zusätzliche Fragen bestand angesichts seiner Antworten kein Anlass, zumal er im Rahmen seiner Mitwirkungspflich t gehalten war, die relevanten Tatsachen und Ereignisse von sich aus vorzubringen. Tatsächlich fällt bei der Lekt üre des Anhörungsprotokolls vom 1. März 2010 auf, dass der Beschwerdeführer von der Befragerin wiederholt un- terbrochen und die jeweils gestellte Frage wiederholt wurde. Einerseits kann dadurch der Eindruck entsteh en, man habe ihn seine Vorbringen nicht einlässlich darlegen lassen ; andererseits ist aus dem Protokoll er- sichtlich, dass er einige Fragen nicht oder nicht richtig verstanden hatte, oder aber sich in der Ant wort nicht auf diese bezog, weshalb es sich rechtfertigte, ihn zu unterbrechen, um die Frage zu wiederholen. E-5078/2011 Seite 6 Eine unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz ist nach dem Gesagten nicht ersichtlich. 4.3 Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb der entspre- chende Antrag des Beschwerdeführers abzuweisen ist. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Na chteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, de n Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Das BFM führte zur Begründung seines Entscheides aus, die Vor- bringen des Beschwerdeführer s seien insgesamt als nicht nachvollzie h- bar und daher als unglaubhaft zu beurteilen. Seine Aussagen, wonach er im Zeitraum von (…) von Leuten der Karuna-Gruppe gesucht worden sei, seien unsubstanzi iert, repetitiv und stereotyp ausgefallen. Dass er von der Suche nach ihm von einer älteren Frau erfahren habe und beim Auf- tauchen von Leuten der Karuna jeweils nicht zu Hause gewesen sei, könne nicht geglaubt werden. Seine Aussage, diese seien zwei- bis drei- mal vorbeigekommen, sei zu ungenau, als dass es sich um einen Tats a- chenbericht handeln könnte. Nachdem er die LTTE eigenen Angaben zu- folge bereits (…) verlassen habe und lediglich einfacher Soldat gewesen sei, sei nicht nachvollziehbar, dass die Behörden ihn im heutigen Zei t- punkt suchen würden. Es könne ihm auch nicht geglaubt werden, jemals bei den LTTE gewesen zu sein, da seine diesbezüglichen Aussagen vage E-5078/2011 Seite 7 und unpersönlich gewesen seien. Der Vorfall vom (…) wirke aufgesetzt. Nach zweifachem Nachfragen habe sich herausgestellt, dass er von der Festnahme durch die Armee gar nicht persönlich betroffen gewesen sei, ausserdem habe er diesen Vorfall anlässlich der BzP nicht erwähnt. Zwischen seinen Aussagen und denjenigen seiner Ehefrau habe es auch diverse Ungereimtheiten gegeben. So hätten sie nicht dieselbe Wohn - adresse angegeben, und sich bezüglich de r Angabe, wo sie angemeldet gewesen seien und wer ihre Ehe arrangiert habe, widersprochen. Im Ge- gensatz zu ihm habe seine Ehefrau vorgebracht, mit den Leuten, welche ihn gesucht hätten, persönlich gesprochen zu haben. Der Beschwerd e- führer habe angegeben, b ereits im (…) gesucht worden zu sein, was sie nicht erwähnt habe. Gemäss ihren Angaben sei er im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Chauffeur wegen eine s Auftrags gesucht worden, vermutlich von Mitgliedern der LTTE. Er hingegen habe die Suche nach ihm mit seiner früheren LTTE-Tätigkeit erklärt und a usgesagt, seine Frau habe sofort erkannt, dass es sich um Leute der Karuna-Gruppe gehandelt habe. Aufgrund dieser Widersprüche entstehe der Eindruck, es handle sich um eine konstruierte Geschichte, welche er n icht tatsächlich erlebt habe. Seine Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhafti g- keit nicht standhalten, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 6.2 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, er sei dreimal gesucht w orden und habe nur vorsichtshalber von zwei - bis dreimal gesprochen. Er habe von der Hauseigentümerin erfahren, dass er von Leuten der Karuna gesucht werde, seine Ehefrau habe ihm ebenfalls davon erzählt. Er habe in der Folge an anderen Orten übernachtet, aber den Kontakt zu seiner Familie aufrechterhalten. Im Jahr (…) sei er zwar aus der Kampfeinheit der LTTE ausgetreten, nicht aber aus der Organisa- tion selbst. Er habe sich (…) im Vanni-Gebiet aufgehalten und als Fahrer für die LTTE gearbeitet. Es sei davon auszugehen, dass die sri - lankischen Sicherheitskräfte Kenntnis von ihm und seiner Frau sowie von seiner langjährigen LTTE-Tätigkeit hätten. Die Vorbringen zu seiner Mi t- gliedschaft seien plausibel und nachvollziehbar. Aus seinen Ausführungen zum Vorfall vom (…) gehe klar hervor, dass er nicht selbst verhaftet wo r- den sei, sondern habe fliehen können. Wer sich mit der tamilischen Kultur auskenne, wisse, dass die Ich -Form von der Wir -Form nicht klar unte r- schieden und regelmässig im Plural gesproch en werde. Wenn das BFM dieses Vorbringen als aufgesetzt bezeichne, habe es diese kulturspezif i- sche Eigenheit offensichtlich nicht berücksichtigt. Es sei depla tziert, ihm E-5078/2011 Seite 8 vorzuwerfen, er habe nicht bereits alles an der BzP vorgebracht, da er dort nur äusser st summarisch befragt worden sei. Bezüglich der Wide r- sprüche zwischen seinen Aussagen und denjenigen seiner Ehefrau führte er aus, sie habe eine falsche Adresse aus Angst angegeben, sonst könn- ten ihre Eltern verhaftet werden. Auch ihre Angaben zum Ort, an welchem sie registriert gewesen seien, seien falsch. Die Ehe sei durch ein Paar a r- rangiert worden, wobei sie die Frau gekannt habe und er den Mann, in ih- ren diesbezüglichen Aussagen bestehe kein Widerspruch . Entgegen den Aussagen seiner Ehefrau gebe es kei nen Grund, weshalb er von den LTTE verfolgt werden sollte, da er mit ihnen verbunden geblieben sei. Die Ehefrau sei zu den Widersprüchen ergänzend zu befragen. Das Bunde s- amt habe die Anforderungen an die Glaubhaftmachung offensichtlich überspannt und seine Vorbringen zu Unrecht nicht bezüglich ihrer Asylre- levanz überprüft. Von seinem Anwalt in Sri Lanka habe er erfahren, dass unterdessen g e- gen ihn ein strafrechtliches Verfahren wegen Verwicklung in terroristische Aktivitäten geführt werde und ein Haftbefehl erlassen worden sei. Bei e i- ner Rückkehr würde er umgehend festgenommen und das Strafverfahren fortgeführt werden. Es bestehe für ihn aufgrund seiner Aktivitäten für die LTTE ein aktuelles und sehr ernsthaftes Verfolgungsrisiko, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Das BFM habe die Lage in Sri Lanka unzu- treffend erfasst . Schwere Menschenrechtsverletzungen seien nach wie vor an der Tagesordnung, und für Angehörige der tamilischen Minderheit sei der Vollzug der Wegweisung insbesondere bei Verdacht a uf LTTE- Zugehörigkeit unzumutbar und unzulässig. 7. 7.1 Das Gericht stimmt mit der Vorinstanz überein, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers unsubstanz iiert und insgesamt nicht nachvol l- ziehbar sind und es ihm nicht gelingt, die geltend gemachten Fluchtgrü n- de überzeugend darzulegen. Auch auf Beschwerdeebene vermag er ke i- ne präziseren Angaben zu den Fluchtgründen zu machen, welche ein a n- schauliches und überzeugendes Bild der Verfolgungssituation vermitteln würden, sondern beschränkt sich im Wesentlichen darauf, einzelne im angefochtenen Entscheid genannte Widersprüche zu kommentieren. 7.2 Die Behauptung, er habe nur vorsichtshalber von zwei - bis dreimal gesprochen und eigentlich sei er dreimal gesucht worden , vermag ni cht zu überzeugen und ist als Schutzbehauptung einzustufen. Seine Ausfü h- rungen, wonach er durch eine ältere Frau, welche die Hauseigentümerin E-5078/2011 Seite 9 gewesen sei, und durch seine Frau von der Suche nach ihm erfahren h a- be, beseitigen die Zweifel des BFM, dass sich die Karuna -Leute im Hauseingang von einer Nachbarin abwimmeln lassen würden, nicht. Der Beschwerdeführer präzisiert in seiner Rechtsmittelschrift, er sei (…) ledig- lich aus der Kampfeinheit der LTTE ausgestiegen, nicht aber aus deren Organisation, und er habe bis (…) als LTTE-Fahrer gearbeitet. Tatsäch- lich hatte er auch anlässlich der Befragungen angegeben, (…) für die LTTE gearbeitet zu haben, jedoch gab er klar zu Protokoll, damals nicht mehr Mitglied gewesen zu sein (vgl. A20/9 S. 5, A 25/19 S. 4). Ohnehin kann der Hinweis darauf, dass er nicht wie vom BFM ausgeführt bereits (…) aus den LTTE ausgetreten sei, die fehlenden substanziierten Anga- ben zu seinen Aktivitäten nicht ersetzen. Das Bundesamt bestreitet nicht, dass aus den Vorbringen zum Vorfall vom (…) letztlich hervorgeht, dass der Beschwerdeführer habe fliehen können, sondern moniert, dass er dies erst auf zweimaliges Nachfragen hin präzisierte. Tatsächlich erweck- ten die Aussagen zunächst den Anschein, er sei selbst von einer Verha f- tung betroffen gewesen, was sich mit der kulturell bedingten Verwendung der Wir -Form nicht schlüssig erklären lässt, da erwartet werden durfte, dass er bezüglich dieses zentralen Vorfalles um eine präzise Schilderung bemüht sei. Wenngleich es zutrifft, dass bei der BzP die Gesuchsgründe lediglich oberflächlich erfragt werden, ist nicht davon auszugehen, es wä- re dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen, die zentralen Punkte seiner asylrelevanten Erlebnisse darzulegen oder zumindest anzuspr e- chen. Zu Recht bezweifelt das BFM den Wahrheitsgehalt von Vorbringen, welche zwar als zentrale Aspekte der Fluchtgründe zu bezeichnen sind, aber erst im späteren Verlauf des Verfahrens geltend gemacht werden und keine Konkretisierung bereits erwähnter Ereignisse darstellen. Die Erklärung, seine Ehe sei durch ein Paar vermittelt worden, seine Ehe- frau sei mit Frau G._______ und er mit Herrn G._______ befreundet ge- wesen, womit zwischen den beiden Aussagen kein Widerspruch bestehe, scheint einleuchtend. Bezüglich der divergierenden Angaben zum Wohn- ort, zu dem Ort, an welchem sie registriert waren und zum Auftauchen der Karuna-Leute lässt seine Argumentation, die Aussagen der Ehefrau wü r- den nicht zutreffen respektive sie habe aus Angst eine falsche Adresse angegeben, die Vorbringen hingegen nicht in überzeugenderem Lichte erscheinen. Eine ergänzende Befragung der Ehefrau ist nicht angezeigt, zumal es sich um einige wenige ganz konkrete Angaben handelt , eine Absprache im heutigen Verfahrensstand nicht ausgeschlossen werden könnte, und die Einschätz ung der Vorbringen als unglaubhaft letztlich nicht einfach auf diesen Widersprüchen beruht. E-5078/2011 Seite 10 Das im Beschwerdeverfahren eingereichte Empfehlungsschreiben eines Anwaltes ist, wie das Bundesamt in seiner Vernehmlassung vom 26. Juli 2012 zu Recht ausführt e, als Beweismittel ungeeignet. Auch die Zweifel bezüglich der Echtheit des eingereichten Haftbefehls vom (…) sind b e- rechtigt. Die Erklärung, der Anwalt habe seine Möglichkeiten ausg e- schöpft, um an besagtes Dokument zu kommen, vermag hieran nichts zu ändern. Es fällt zudem auf, dass sich der Haftbefehl einzig auf den B e- schwerdeführer bezieht, der sri -lankische Anwalt sich in seinem Schre i- ben (…) jedoch ausdrücklich auch auf die Ehefrau bezieht und ausführt, beide müssten (…) vor Gericht erscheinen, da sie terror istischer Aktivitä- ten beschuldigt würden. Die eingereichten Beweismittel vermögen die als unglaubhaft eingeschätzten Vorbringen des Beschwerdeführers daher nicht zu belegen. 7.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht hat, er habe ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlebt oder befürchten müssen oder er müsse solche für die Z u- kunft in begründeter Weise befürchten. Die Vorinstanz hat somit zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgewiesen. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 , m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art . 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). E-5078/2011 Seite 11 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der glei che B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen. 9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völke r- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Da dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft zukommt, ist das flüch t- lingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll- zugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs - und völ- kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 A bs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]); Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Ar t. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]). Im Lichte dieser Bestimmungen sind keine Anhaltspunkte d a- für auszumachen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Ausscha f- fung in den Heimatstaa t dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Wegweisung s- vollzug ist demnach zulässig. 9.3 9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 eine umfassende Analyse der Situation in Sri Lanka vor. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts die allgemeine Lage in Sri Lanka erheb lich verbessert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich weitgehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar zu e r- achten ist (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordpr ovinz ist gebiet s-E-5078/2011 Seite 12 weise sehr unterschiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distri k- ten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz unter Ausschluss des so genannten Vanni-Gebietes), keine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem ist die polit i- sche Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der i m huma- nitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich allerdings beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine zurüc k- haltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit ist dabei auch dem zeitlichen Element Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich z u- mutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens- und Wohn- situation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausreise geherrscht hat, und dem Wegweisungsvollzug zurück dorthin ni chts im Wege steht. Liegt der letzte Aufenthalt in der Nordprovinz indessen längere Zeit z u- rück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen ko n- krete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Leben s- umstände seit der Ausreise massg eblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfältig abz u- klären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges hin zu übe r- prüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebl i- che Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufen thaltsal- ternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. a.a.O. E. 13.2.1). 9.3.3 Der Beschwerdeführer stammt gemäss eigenen Angaben aus H._______. In den Jahren (…) sei er im Vanni-Gebiet gewesen. Von (…) habe er in B._______ gelebt und gearbeitet , geheiratet und eine Familie gegründet. Er hat die Nordprovinz folglich vor Beendigung des Bürge r- krieges im Mai 2009 verlassen, weshalb die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären sind. Anlässlich der BzP und der Anhörung – beide Befragungen fanden im Jahr 2010, also nach Bü r-E-5078/2011 Seite 13 gerkriegsende, statt – gab der Beschwerdeführer an, seine Eltern und ein Bruder würden in H._______ leben (vgl. A20/9 S. 3, A25/19 S. 3). Man- gels anderweitiger Hinweise ist davon au szugehen, dass sich dies nach wie vor so verhält. Der Beschwerdeführer verfügt damit in H._______ über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz, dessen Vorhandensein er auf Beschwerdeebene nicht bestreitet. Er hat seinen Angaben zufolge keinen Beruf erlernt, war jedoch mehrere Jahre als Chauffeur tätig. Es ist davon auszugehen, dass sich der gesunde Beschwerdeführer dank der Unterstützung seiner Familie in Jaffna wieder integrieren und eine wir t- schaftliche Existenz aufbauen und damit längerfristig das Fortkommen seiner Familie sichern kann. Die Unterbringung dürfte zumindest in der ersten Zeit durch die Familienangehörigen gewährleistet sein; die Wohn- situation kann daher als gesichert bezeichnet werden . Zudem ist zu b e- rücksichtigen, dass auch die Famili e seiner Ehefrau in I._______, in u n- mittelbarer Nähe von H._______ lebt, (vgl. A1/11 S. 3, A15/21 S. 9 f.) und davon ausgegangen werden kann, dass sie auch von dieser Seite unte r- stützt werden. Im Übrigen ist festzuhalten, dass auch ein Vollzug der Wegweis ung nach B._______ nicht ausgeschlossen schein t, zumal der Beschwerdeführer dort vier Jahre lang gelebt und gearbeitet hat und davon auszugehen ist, dass er über ein bekanntschaftliches Beziehungsnetz verfügt. Letztlich kann die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach B._______ vorliegend aber offenbleiben, da es ihm zumutbar ist, nach H._______ zurückzukehren. 9.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513- 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläu figen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). E-5078/2011 Seite 14 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-5078/2011 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Sarah Straub Versand: