Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 7. Juni 2017 (810 16 136) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung / Wiederholte Straffälligkeit Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Alain Joset , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 624 vom 3. Mai 2016) A. Der türkische Staatsangehörige A.____ (geb. 1982 ) reiste im Alter von sechs Jahren, nachdem er zuvor die ersten Lebensjahre bei den Gro sseltern in der Türkei verbracht hatte, mit seinen zwei Geschwistern zu seinen Eltern in die Sc hweiz ein. Er verfügt über eine Niederlas- sungsbewilligung. B. Zwischen 2004 und 2006 trat A.____ wie folgt str afrechtlich in Erscheinung: Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht - Verurteilung vom 25. Februar 2004 wegen grober Ve rletzung der Verkehrsregeln, Fahrens in angetrunkenem Zustand und Verletzung von Verkehrsrege ln zu einer bedingten Frei- heitsstrafe von 16 Tagen und einer Busse von Fr. 1‘000.--. - Verurteilung vom 6. April 2004 wegen Fahrens in an getrunkenem Zustand zu einer Frei- heitsstrafe von 3 Monaten. - Verurteilung vom 4. Mai 2006 wegen bandenmässigen D iebstahls, mehrfachen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbr uchs, Hehlerei, mehrfacher Vergehen gegen das Waffengesetz, Entwendung zum Gebrau ch, mehrfachen Fahrens trotz Führerausweisentzugs, mehrfachen Fahrens in angetr unkenem Zustand, mehrfacher Übertretung der Verkehrsregelnverordnung (VRV) vom 13. November 1962, Widerhandlun- gen gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 1958, grober Verletzung der Verkehrsregeln, mehrfacher Übertretung des Bundesgesetzes über die Betäubungsmit- tel und die psychotropen Stoffe (BetmG) vom 3. Oktober 1951, versuchten bandenmässi- gen Diebstahls und mehrfachen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und sechs Monaten sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 2‘000.--. C. Aufgrund dieser Verurteilungen verfügte das Migrati onsamt des Kantons Aargau am 31. Mai 2006 die Ausweisung von A.____ aus der Schweiz . Auf Beschwerde hin hob das Rekursgericht für Ausländerrecht des Kantons Aargau am 8. Dezember 2006 die Ausweisung von A.____ auf. D. In der Folge trat A.____ erneut mehrfach strafrech tlich in Erscheinung: - Verurteilung vom 15. Juli 2011 wegen Fahrens in fa hrunfähigem Zustand, Fahrens ohne Führerausweis, Verletzung der Verkehrsregeln etc. zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen und einer Busse in der Höhe von Fr. 1‘200.--. - Verurteilung vom 8. September 2011 wegen Fälschung von Ausweisen etc. zu einer Geld- strafe von 10 Tagessätzen und einer Busse in der Höhe von Fr. 150.--. - Verurteilung vom 21. August 2012 wegen Fahrens in f ahrunfähigem Zustand, Entwendung zum Gebrauch, Fahrens ohne Führerausweis, pflichtwidrige n Verhaltens bei einem Unfall etc. zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 600.--. E. Am 17. Januar 2013 verwarnte das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) A.____ aufgrund dieser Verurteilungen sowie Schuldenwirtschaft (10 offene Verlustschei- ne in der Höhe von über Fr. 40‘000.--). Danach folgten weitere Straftaten: - Verurteilung vom 25. März 2013 wegen geringfügigen Betrugs zu einer Busse von Fr. 250.--. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht - Verurteilung vom 19. Juni 2013 wegen Konsums und/od er Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Busse von Fr. 100.--. - Verurteilung vom 5. September 2014 wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Vereite- lung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrtüchtigkeit, Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug oder Aberkennung des Ausweise s, mehrfacher vorsätzlicher Benützung eines Fahrzeugs ohne Fahrausweis nach Personenbeförderungsgesetz zu einer Geldstrafe von 75 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 200.--. - Verurteilung vom 22. Oktober 2014 wegen mehrfacher Übertretung des BetmG, Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs, Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, Führens eines Motorfahrzeugs ohne Führerausweis und Fahrens in fahrunfähigem Zustand zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 70 Tagen und einer Busse von Fr. 600.--. - Verurteilung vom 12. März 2015 wegen einfacher Verl etzung von Verkehrsregeln, Entwen- dung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch sowie Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzugs, Verweigerung oder Aberkennung des Lern- ode r Führerausweises zu 136 Stun- den gemeinnütziger Arbeit. - Verurteilung vom 30. Mai 2016 wegen Fahrens in fah runfähigem Zustand, Führens eines Motorfahrzeugs unter Betäubungsmitteleinfluss, Vereitel ung von Massnahmen zur Fest- stellung der Fahrunfähigkeit als Motorfahrzeugführer, Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug oder Verweigerung des Führer- ausweises, pflichtwidrigen Verhaltens nach Verkehrsunfall ohne Personenschaden und Widerhandlung gegen das BetmG zu 720 Stunden gemeinn ütziger Arbeit (abzgl. 2 Tage Untersuchungshaft) und einer Busse von Fr. 600.--. F. Gemäss Betreibungsregisterauszug vom 19. September 2015 bzw. 2. November 2015 waren gegen A.____ insgesamt 34 Betreibungen in der H öhe von Fr. 76‘086.-- sowie 22 offene Verlustscheine in der Höhe von Fr. 60‘809.15 vorhande n. A.____ hat zudem Sozialhilfeleistun- gen im Gesamtbetrag von Fr. 90‘317.45 bezogen. G. Am 3. November 2015 widerrief das AfM die Niederl assungsbewilligung von A.____. H. Die von A.____, vertreten durch Alain Joset, Advokat in Liestal, dagegen erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat mit Regierungsratsbesch luss (RRB) Nr. 624 vom 3. Mai 2016 ab und verfügte, dass A.____ die Schweiz spätestens 3 0 Tage nach Rechtskraft des Beschlusses zu verlassen habe. I. Gegen den RRB vom 3. Mai 2016 erhob A.____, weit erhin vertreten durch Alain Joset, Advokat in Liestal, am 13. Mai 2016 Beschwerde beim Kan tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragt di e Aufhebung des RRB vom 3. Mai 2016 und der Verfügung des AfM vom 3. November 2015 und di e Belassung bzw. die Erteilung der Niederlassungsbewilligung. Eventualiter sei ihm eine A ufenthaltsbewilligung zu erteilen; alles Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter o/e-Kostenfolge. Im Falle des Unterliegens sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt der Beschwerdeführer eine mündliche Parteiverhandlung mit persönlicher Anhörung. J. In ihrer Vernehmlassung vom 17. August 2016 schliesst di e Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde. K. Mit Verfügung vom 29. September 2016 wurde der Fa ll der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen und dem Besch werdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Alain Joset, Advoka t in Liestal, bewilligt. Der Termin für die Parteiverhandlung wurde auf den 25. Januar 2017 angesetzt. L. Am 16. Januar 2017 reichte die Vorinstanz einen aktu ellen Strafregisterauszug ein. M. Nach einer Krankheitsmeldung des als Auskunftsperson zur Parteiverhandlung vor- geladenen Beistands des Beschwerdeführers sowie einem Sc hreiben des Beschwerdeführers vom 23. Januar 2017, mit welchem dieser dem Kantonsgeri cht mitteilte, er sehe sich ausser Stande, sich vor Gericht einer Befragung zu unterziehen, weshalb er den Antrag auf Durchfüh- rung einer mündlichen Verhandlung zurückziehe und stattd essen die Durchführung eines schriftlichen Verfahrens beantrage, bot das Kantonsgeric ht am 24. Januar 2017 die auf den 25. Januar 2017 angesetzte Parteiverhandlung ab. N. Am 9. Februar 2017 reichte der Beistand des Beschwe rdeführers aufforderungs- gemäss einen Amtsbericht ein. O. Der Beschwerdeführer reichte am 1. März 2017 eine w eitere Stellungnahme ein. P. Am 7. April 2017 brachte die Vorinstanz dem Kantonsg ericht einen vom Beschwerde- führer am 6. April 2017 in der Schweizer Botschaft in der Ukraine gestellten Antrag um Erteilung eines Rückreisevisums zur Kenntnis. Q. Mit Eingabe vom 2. Juni 2017 reichte der Beschwerdef ührer eine weitere Stellungnah- me ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid ber ührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Als A dressat des angefochtenen Ent- scheids weist der Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Intere sse an dessen Aufhebung auf. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und lit. b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Ka ntonsgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt ( § 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Die Niederlassungsbewilligung kann insbesondere wi derrufen werden, wenn die aus- ländische Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine straf- rechtliche Massnahme im Sinne der Artikel 59-61 oder 64 des Schweizerischen Strafgesetz- buchs (StGB) vom 21. Dezember 1937 angeordnet worden i st (Art. 63 Abs. 1 lit. a des Bundes- gesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005 i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG); oder wenn die ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz ode r im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). 3.2.1 Das AfM stützte seine Wegweisungsverfügung auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG, weil auf- grund der Verurteilung vom 4. Mai 2006 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus sowie der zahlrei- chen weiteren Verurteilungen der Widerrufsgrund erfüllt sei. 3.2.2 Demgegenüber stützte die Vorinstanz den Widerruf der Niederlassungsbewilligung auf Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG, mit der Begründung, die Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus sei bereits durch die damals zuständigen Ausländerbehörd en des Kantons Aargau zum Anlass genommen worden, das Aufenthaltsrecht des Beschwerdeführe rs zu überprüfen. Die damalige Ausweisungsverfügung sei auf eine Beschwerde hin mit Ur teil vom 8. Dezember 2006 auf- gehoben worden, weshalb die Straftat nun nicht mehr isoliert zum Anlass genommen werden könne, um einen Widerrufsgrund im Sinne von Art. 63 A bs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG zu begründen; diesbezüglich seien die basellandschaftlichen B ehörden an die seinerzeitigen Er- kenntnisse der aargauischen Ausländerbehörden gebunden. Hingegen könne die damalige Straftat in der gesamtheitlichen Betrachtung des Ver haltens des Beschwerdeführers berück- sichtigt werden. 3.3 In der Beschwerdebegründung vom 18. Juli 2016 mac ht der Beschwerdeführer gel- tend, den Ausführungen der Vorinstanz zum Widerrufsgr und sei vollumfänglich zu folgen. Weiter sei zu berücksichtigen, dass die insgesamt acht Verurteilungen in den letzten sechs Jah- ren praktisch ausnahmslos Verstösse gegen das Strassenverkeh rsgesetz gewesen seien. Dabei müssten die beiden Strafbefehle wegen Übertret ungen ausser Betracht fallen. Sein Ver- halten solle nicht verharmlost werden, und er sei sich bewusst, dass er sein Verhalten zukünftig ändern müsse. Er sei dringend behandlungsbedürftig un d bedürfe deswegen einer milieuthera- peutischen Behandlung. Er habe sich vor dem Hintergrund seiner grossen gesundheitlichen Probleme in den letzten Monaten mehrfach in psychiatrische Kliniken begeben und befinde sich zurzeit in einer stationären Milieutherapie. Bei dieser Ausgangslage könne in migrationsrechtli- cher Hinsicht nicht davon ausgegangen werden, er habe i n schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen. Daher sei der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG nicht erfüllt. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Das aargauische Rekursgericht für Ausländerrecht hob mit Urteil vom 8. Dezember 2006 den Bewilligungswiderruf aus Gründen der Verhält nismässigkeit auf und wies den Be- schwerdeführer darauf hin, dieses Urteil bedeute nicht, dass damit eine Ausweisung nicht mehr zur Diskussion stehe, sondern es räume ihm lediglich eine l etzte Chance ein, sein Leben in der Schweiz deliktsfrei zu gestalten (Urteil des Rekursgerichts für Ausländerrecht vom 8. Dezember 2006 S. 14). Entgegen der Ansicht der Vorinstanz bedeu tet dieses Urteil nicht, dass ein spä- terer Widerruf erst zulässig wäre, falls eine erneute V erurteilung zu einer längerfristigen Frei- heitsstrafe erfolgen würde: Erfüllt der Betroffene d ie Erwartungen nicht, welche die Ausländer- behörde bzw. das Gericht mit der nochmaligen Einräumun g einer weiteren Chance verbunden hat, so muss die Ausländerbehörde abermals eine Gesamtwür digung der widerstreitenden öffentlichen und privaten Interessen vornehmen, wobei si e auch Umstände miteinbeziehen darf (und muss), die sie (bzw. die Rechtsmittelinstanz) beim fr üheren Entscheid für sich alleine als noch nicht ausreichend für einen Bewilligungswiderruf erachtet hat (vgl. Urteil des Bundesge- richts 2C_430/2016 vom 2. Februar 2017 E. 2.2 mit Hinw eisen). In Anbetracht der Verurteilung vom 4. Mai 2006 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus sowie de r zahlreichen weiteren Verurtei- lungen des Beschwerdeführers inklusive der Verstösse, die de r Beschwerdeführer auch noch nach der ausländerrechtlichen Verwarnung des AfM vom 17 . Januar 2013 begangen hat (siehe ausführlich dazu vorne lit. B, D und E), ist das AfM zu Recht davon ausgegangen, dass der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt ist. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer mit seinem wiederholt delinquent en Verhalten auch in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung ver stossen, weshalb auch der subsidiär anwendbare Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG erfüllt wäre. 4.1 Liegt ein Widerrufsgrund vor, muss die Massnahme im konkreten Fall auch verhältnis- mässig sein (Art. 96 Abs. 1 AuG). Dies erfordert eine Interessenabwägung, welche die wesentli- chen Umstände des Einzelfalls berücksichtigt (BGE 135 II 11 0 E. 2.1). Diesbezüglich rügt der Beschwerdeführer, die Massnahme sei unverhältnismässig un d verstosse gegen Art. 96 Abs. 1 AuG, Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerisc hen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 und Art. 8 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grund- freiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950. Seine pri- vaten Interessen seien höher zu gewichten als die öffent lichen Interessen an seiner Weg- weisung. 4.2 Fraglich ist, ob sich der erwachsene, ledige, allei n lebende und kinderlose Beschwer- deführer überhaupt auf das Recht auf Achtung des Famil ien- und/oder Privatlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen kann. Das Verhältnis voll jähriger Kinder zu ihren Eltern fällt nur in den Schutzbereich des Familienlebens, wenn eine besond ere Abhängigkeit besteht, welche über die normalen affektiven Bindungen hinausgeht (BGE 139 II 393 E. 5.1; 137 I 154 E. 3.4.2). Vorliegend ist ein solches Abhängigkeitsverhältnis weder dargetan noch ersichtlich. Eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integra tion genügen zudem nicht, um den Schutzbereich des Privatlebens zu bejahen; erforderlich sind besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Beziehunge n beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_431/2016 vom 9 . Januar 2017 E. 3.1 und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2C_725/2014 vom 23. Januar 2015 E. 3.2; BGE 130 II 28 1 E. 3.2.1). Die Frage des Schutz- bereichs kann indessen offen gelassen werden, da – wie nachfolgend aufzuzeigen ist – ein allfälliger Anspruch in Anwendung von Art. 8 Ziff. 2 EMRK ebenso zu verneinen wäre wie in An- wendung von Art. 96 Abs. 1 AuG. 4.3 Die konventionsrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung n ach Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG. Die Prüfung kann in einem einzigen Schritt vorgenom- men werden (Urteile des Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 2 4. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1 mit Hinweisen). Da bei sind alle Umstände des Ein- zelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und priva ten Interessen sorgfältig gegeneinan- der abzuwägen (MARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, N 3 zu Art. 51; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerr echt, Basel 2009, N 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden pri vaten Interessen an der Erteilung bzw. Belassung der Bewilligung und der öffentlichen In teressen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind name ntlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergange ne Zeitraum, das Verhalten des Aus- länders während diesem, der Grad seiner Integration b zw. die Dauer der bisherigen Anwesen- heit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nach teile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3). Die Niederlassungsbewilligung einer ausländi schen Person, die sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar nur mit besonderer Zurückh altung widerrufen werden, doch ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Delinquenz selbst dann n icht ausgeschlossen, wenn sie das ganze Leben im Land verbracht hat (vgl. Urteile des Bun desgerichts 2C_368/2015 vom 15. September 2015 E. 2.2 und 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.4 sowie Entscheid des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] i.S. Trabelsi gegen Deutschland vom 13. Oktober 2011 [Nr. 41548/06] § 5 ff.). Bei schweren Straftaten, Rückfall und wiederholter De- linquenz besteht – überwiegende private oder familiär e Bindungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein schutzwürdiges öffentliches Interesse daran, d ie Anwesenheit der ausländischen Person zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Verhütun g von (weiteren) Straftaten zu been- den (BGE 139 I 16 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die Vorinstanz erwog, dass die Häufigkeit der Deli nquenz keinen anderen Schluss zu- lasse, als dass der Beschwerdeführer entgegen seinen Beteu erungen weder gewillt noch fähig sei, sich an die geltende Rechtsordnung zu halten. Be i den Verfehlungen handle es sich nicht um sogenannte "Jugendsünden", die lange Zeit zurücklägen , sondern der Beschwerdeführer habe durchwegs im Erwachsenenalter delinquiert, wobei auffalle, dass sich seine Straffälligkeit insbesondere im Verlauf der vergangenen fünf Jahre geh äuft habe. In diesem Zusammenhang gereiche ihm nicht nur die mehrmalige Rückfälligkeit zu einem grossen Verschulden, sondern auch der Umstand, dass er bei seinen Fahrten im Zustand der Fahrunfähigkeit wiederholt die körperliche Integrität und das Leben anderer Personen g rosser Gefahr ausgesetzt habe, und dies, obwohl er seit über 10 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr befugt sei, Motor- fahrzeuge zu führen. Weder die zahlreichen Vorstrafen n och die von der Vorinstanz in Aussicht gestellte Wegweisung habe den Beschwerdeführer von sein em Fehlverhalten abzuhalten Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vermocht. Beim Beschwerdeführer liege eine beträchtliche Uneinsichtigkeit und Gleichgültigkeit vor, was ihm ebenso zusätzlich zum Verschulden gereiche wie die mangelnde Bereitschaft, ernsthaft etwas gegen seine Suchtmittelproblematik zu unt ernehmen. Unter den gegebenen Umständen seien keine Anzeichen ersichtlich, die darauf hindeuten würden, dass sich der Beschwerdeführer inskünftig wohlverhalten würde. Im G egenteil sei er sogar im Laufe des vorliegenden Verwaltungsverfahrens, das ihm die Konsequ enzen seines Verhaltens endgültig bewusst gemacht haben müsse, erneut rückfällig geworden. Aus diesem Grund lasse sich das eminente öffentliche Interesse, an der Fernhaltung des Beschwerdeführers auch nicht durch den Umstand relativieren, dass sich der Beschwerdeführer be reits seit dem Kindesalter in der Schweiz aufhalte. 5.2.1 In Bezug auf die Verhältnismässigkeit bringt der Beschwerdeführer in der Beschwerde- begründung vom 18. Juli 2016 vor, er befinde sich inzwische n in einer Therapie in Bezug auf seine Suchtmittelproblematik. Daher müssten die Ausfüh rungen der Vorinstanz zur angeblich hohen Rückfallgefahr wohl bereits zum heutigen Zeitpun kt als überholt betrachtet werden. Fest stehe jedenfalls, dass eine Rückfallgefahr eng mit seiner bestehenden Suchtmittelproblematik verknüpft sei. Es könne ihm weder eine beträchtliche Uneinsichtigkeit und Gleichgültigkeit, noch eine mangelnde Bereitschaft, ernsthaft etwas gegen seine Suchtmittelproblematik zu unterneh- men, vorgehalten werden. Tatsachenwidrig sei schliesslich auch die Behauptung, er verfüge über keine gewichtigen persönlichen Bindungen zu in der Schweiz lebenden Personen. Es sei notorisch und bedürfe keiner weiteren Ausführungen, da ss er seine gesamte Sozialisation hier erlebt und seine Kindheit und Jugend hier verbracht ha be. Seine persönlichen Beziehungen in der Schweiz würden sich nicht anders als jene eines hier a ufgewachsenen Schweizers gestalten. Insbesondere mit Blick auf seine äusserst heikl e psychische Situation würde eine Wegweisung verheerende Folgen zeitigen. Was die Arbei ts- und Ausbildungssituation anbe- lange, sei zu berücksichtigen, dass er nach wie vor nicht in der Lage sei, in einem 100 Prozent Pensum zu arbeiten, was seiner psychischen Erkrankung, insb esondere den rezidivierenden depressiven Episoden geschuldet sei. Sein behandelnder Psychiater halte fest, dass sich jedoch auch immer wieder Phasen der Rückkehr zur Norma lität finden liessen, bei welchen es ihm über längere Zeit gelänge, einer regelmässigen Ar beit nachzugehen. Bei kontinuierlicher psychiatrischer Behandlung bestehe eine reelle Stabilisier ungsmöglichkeit. Es sei für seine persönliche und vor allem berufliche Zukunft unabdingb ar, dass er diese Behandlung weiter in Anspruch nehmen könne. Er habe Bemühungen unternomme n, sich im Arbeitsmarkt zurecht- zufinden; in den letzten Monaten habe er an einem ge schützten Arbeitsplatz gearbeitet. Er befinde sich in einer stationären Therapie mit dem Ziel, seine Suchtmittelproblematik nachhaltig zu verbessern und danach in einem betreuten Wohnheim zu leben. In der Zwischenzeit sei auch (endlich) von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehör de (KESB) eine Beistandschaft (Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung) err ichtet worden. Ausserdem sei er als Kurde in der Türkei völlig entwurzelt, eine adäquate B ehandlung seiner Leiden sei in der Türkei illusorisch und seine türkischen Sprachkenntnisse seien begrenzt. 5.2.2 In seinen Stellungnahmen vom 23. Januar und 1. M ärz 2017 bringt der Beschwerde- führer zusätzlich vor, er habe sich, nachdem die bisherigen zahlreichen psychiatrischen Be- handlungen nicht zur gewünschten Suchtmittelabstinenz gef ührt hätten, dazu entschlossen, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich einem mehrmonatigen Entzug in einem vollständig ne uen reizarmen Setting auf einem Bauernhof zu unterziehen. Er habe die vorherige statio näre Therapie bereits nach kurzer Zeit zu seinem eigenen Schutz wieder verlassen, da dort keine a ngemessene Milieutherapie habe durchgeführt werden können. Den Austrittsberichten der B.____ lasse sich entnehmen, dass es bei ihm aufgrund seiner psychischen Erkrankung zu einer V ielzahl von Hospitalisationen gekommen sei. Gerade die Tatsache, dass er an einer der art schwerwiegenden psychischen Störung leide, würde eine Wegweisung als nicht verhältnismässig erscheinen lassen. 5.3 Tatsache ist, dass der Beschwerdeführer als Volljähri ger über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder straffällig geworden ist. Die Del inquenz betrifft zwar nicht den Gewalt- bereich, kann aber auch nicht als geringfügig bezeichnet werden. Die schwerste Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und sechs Monaten am 4. Mai 2006 bezog sich auf banden- mässigen Diebstahl, mehrfachen Diebstahl, mehrfache Sachb eschädigung, mehrfachen Haus- friedensbruch, Hehlerei, mehrfache Vergehen gegen das Waffengesetz, Entwendung zum Ge- brauch, mehrfaches Fahren trotz Führerausweisentzugs, mehrfaches Fahren in angetrunkenem Zustand, mehrfache Übertretungen der Verkehrsverordnung, Widerhandlungen gegen das SVG, grobe Verletzung von Verkehrsregeln, mehrfache Übe rtretungen des BetmG, versuchten bandenmässigen Diebstahl und mehrfachen Diebstahl. Seit her ergingen neun weitere straf- rechtliche Verurteilungen zu Geldstrafen von insgesamt 325 Tagesätzen, zu einer Freiheits- strafe von 70 Tagen und zu 856 Stunden gemeinnütziger Arbeit gegen ihn. Durch seine schwe- ren Verstösse gegen das SVG hat der Beschwerdeführer ein e ernstliche Gefahr für die Sicher- heit unbeteiligter Dritter hervorgerufen oder in Kau f genommen. Angesichts der zahlreichen Delikte, die der Beschwerdeführer über einen längeren Zeitraum und auch nach der ausländer- rechtlichen Verwarnung begangen hat, trifft ihn ausländerrechtlich ein erhebliches Verschulden. Sodann ist erstellt, dass der Beschwerdeführer weder fä hig noch willens ist, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten. Er hat sich weder durch frühe re Verurteilungen, die ausländer- rechtliche Verwarnung noch die Gefährdung der Familien bindungen zu seinen Eltern und den Geschwistern eines Besseren belehren lassen. Die ihm gebotenen Chancen wusste er allesamt nicht zu nutzen. Daher ist ihm auch eine Unverbesserlichke it bzw. eine Geringschätzung der hiesigen Rechtsordnung vorzuwerfen. Die Vielzahl der D elikte, welche namentlich im Strassen- verkehrsbereich mit einem teilweise erheblichen Risiko für die Bevölkerung verbunden waren, lassen auf eine konkrete Rückfallgefahr schliessen und das o rdnungs- und sicherheitspolizei- liche Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers als erheblich erscheinen. Das öf- fentliche Interesse wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer ver- schuldet ist und immer wieder mit Sozialhilfeleistungen unterstützt werden musste. Insgesamt besteht somit ein erhebliches öffentliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers, welches nur durch entsprechend gewi chtige private Interessen aufge- wogen werden könnte. 5.4.1 Dem öffentlichen Interesse am Widerruf der Bewil ligung und der damit verbundenen Wegweisung sind damit die privaten Interessen des Beschwer deführers an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4.2 Der 35-jährige Beschwerdeführer lebt seit seine m 6. Lebensjahr in der Schweiz und spricht Schweizerdeutsch. Die Dauer seines Aufenthalts fäl lt bei der Verhältnismässigkeits- prüfung zu seinen Gunsten ins Gewicht. Ebenso ist zu seine n Gunsten zu berücksichtigen, dass seine Eltern und seine Geschwister hier leben. Aufg rund seiner zahlreichen strafrechtli- chen Verurteilungen sowie der angesammelten Schulden k ann allerdings nicht auf eine erfolg- reiche Integration des Beschwerdeführers geschlossen werden . Negativ fällt ins Gewicht, dass weder die ergangenen Strafurteile noch eine auslände rrechtliche Verwarnung ihn dazu veran- lasst haben, sein Verhalten zu ändern. Der Beschwerdeführer verfügt über keine abgeschlosse- ne Berufsbildung und es gelang ihm nicht, regelmässig e rwerbstätig zu sein. Er musste immer wieder von der Sozialhilfe unterstützt werden. Eine b erufliche Verankerung in der Schweiz besteht damit nicht und es ist nicht absehbar, dass sich d aran etwas ändern würde. Daran ver- mag auch der im Verlauf des Beschwerdeverfahrens vor Ka ntonsgericht eingereichte neue Ar- beitsvertrag nichts zu ändern, zumal der Beschwerdeführer bereits in den früheren ausländer- rechtlichen Verfahren jeweils beteuert hatte, er werde künftig arbeiten. Auch während des erst- instanzlichen Widerrufsverfahrens hatte der Beschwerdeführer im Übrigen einen neuen Arbeits- vertrag vorgelegt (vgl. Anstellungsvertrag vom 11. Mai 20 15) und diese Arbeitsstelle bereits nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer an einer psy- chischen Erkrankung leidet, was bei der Interessenabwägung mitzuberücksichtigen ist, zumal die Straffälligkeit auch in Zusammenhang mit seiner E rkrankung steht. In Bezug auf die psychi- sche Erkrankung des Beschwerdeführers ist den Akten zu entneh men, dass der Beschwerde- führer an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mi t narzisstischen und dissozialen Anteilen sowie an Psychischen und Verhaltensstörungen durch Alkoho l und Cannabinoide leidet. Aus dem Austrittsbericht der B.____ vom 29. Juli 2015 (9. Hospitalisation des Beschwerdeführers vom 24. Juni 2015 bis 13. Juli 2015) ergibt sich, dass de r Beschwerdeführer von seinem be- handelnden Psychiater wegen akuter Zustandsverschlechterun g der Klinik zugewiesen worden war. Zu Beginn der Behandlung reagierte der Beschwerd eführer verbal aggressiv und es fiel ihm schwer, sich an die Einschränkungen durch den Behandlun gsrahmen zu halten. Die Unter- stützung durch ein stabilisierendes Medikament lehnte der Beschwerdeführer kategorisch ab. Im Verlauf konnte sich der Beschwerdeführer zwar allmähli ch stabilisieren, hinsichtlich einer weiterführenden Therapie fiel jedoch dessen passiv ford ernde Haltung auf, und der Beschwer- deführer drohte wie bereits früher mit suizidalen Ha ndlungen, was die behandelnden Ärzte als zunehmend manipulativ erlebten. In Bezug auf seine Suc htproblematik gab der Beschwerde- führer an, er habe eigentlich kein Suchtproblem meh r und eine Teilnahme an der Suchtgruppe, welche die Therapeuten für eindeutig indiziert hielte n, lehnte der Beschwerdeführer durchgän- gig ab. Nachdem der Beschwerdeführer schliesslich auf de m Klinikareal THC konsumiert hatte, wurde er vor die Wahl gestellt, in einem strengeren Ra hmen in der Klinik zu bleiben oder aus- zutreten. Da der Beschwerdeführer das Behandlungsangebot unter den gestellten Bedingungen ablehnte, wurde er am 13. Juli 2015 aus der Klinik en tlassen (Austrittsbericht B.____ vom 29. Juli 2015). Am 22. Juli 2015 trat der Beschwerdeführer erneut in die Klinik ein, wobei er tags darauf gegen ärztlichen Rat erneut aus der Klinik austrat (Austrittsbericht B.____ vom 5. August 2015). Damit ist den Vorinstanzen zuzustimmen, dass dem B eschwerdeführer eine beträcht- liche Uneinsichtigkeit und Gleichgültigkeit und eine ma ngelnde Bereitschaft, ernsthaft etwas gegen seine Suchtmittelproblematik zu unternehmen, vor gehalten werden muss. Es muss – trotz erneuter gegenteiliger Beteuerungen des Beschwerdeführers – weiterhin davon ausgegan-Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen werden, dass sich daran auch in absehbarer Zukunft ni chts ändert. Das bestätigt auch der im kantonsgerichtlichen Verfahren eingereichte Bericht d es Beistands des Beschwerdeführers. Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zuletzt weitgehend uneinsichtig und unkoopera- tiv war. So hat er beispielsweise ein Angebot zum begle iteten Wohnen nicht annehmen wollen (Amtsbericht des Beistands vom 9. Februar 2017), dies obw ohl er in der Beschwerde selbst noch vorgebracht hat, es sei ein Ziel, in einem betreuten Wohnheim zu leben. Weiter ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer am 15. Juli 201 6 für eine stationäre Therapie zwar in das Wohnhaus C.____ eingezogen ist, dort aber jegliche Teilnahme an den Tagesstrukturan- geboten verweigert hatte und sich in keiner Weise koopera tiv gezeigt hatte. Er beschwerte sich über den Zustand des Wohnhauses, das Essen und äusserte d en Wunsch, stattdessen in einem Hotel zu wohnen. Der Beschwerdeführer verstiess sodann mehrfach gegen die Hausord- nung und wurde verbal aggressiv. Bei einem Krisengespräch mit den Betreuern und seinem be- handelnden Psychiater verweigerte er jedes Hilfsangebot seitens der Betreuer und die medika- mentöse Unterstützung, die ihm vom Psychiater angeboten w urde. In der Folge hat der Be- schwerdeführer das Wohnhaus bereits am 5. August 2016 wie der verlassen, ohne Angabe eines neuen Aufenthaltsorts (Amtsbericht des Beistands vom 9. Februar 2017 und E-Mail-Bes- tätigung vom 8. August 2016). 5.4.3 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er sei als Kurde in der Türkei völlig ent- wurzelt, eine adäquate Behandlung seiner Leiden sei in der Türkei illusorisch und seine türki- schen Sprachkenntnisse seien begrenzt, kann ihm nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer hat sich in der Vergangenheit unbestrittenermassen meh rfach besuchsweise und zu Therapie- zwecken in der Türkei aufgehalten und ist über das Eltern haus mit der dortigen Kultur vertraut. Gemäss eigenen Angaben war der Beschwerdeführer zur Psych otherapie, für Kuraufenthalte sowie zu einer Operation seines Vaters in der Türkei. In der Türkei leben seine an Alzheimer er- krankte Grossmutter sowie weitere Verwandte, zu denen der Beschwerdeführer gemäss eige- ner Ausführungen allerdings keinen Kontakt pflege (Sc hreiben vom 12. Juni 2015). Am 31. Juli 2015 plante der Beschwerdeführer, sich freiwillig wied er in der Türkei niederzulassen, was ebenfalls für die Zumutbarkeit einer Heimkehr spricht. A us den Akten ergibt sich, dass der Be- schwerdeführer selbst während des kantonsgerichtlichen Be schwerdeverfahrens in die Türkei gereist ist und sich in seiner Heimatstadt D.____ am 3. März 2017 einen neuen türkischen Reisepass hat ausstellen lassen. Den Passstempeln im neuen Reisepass lässt sich weiter ent- nehmen, dass der Beschwerdeführer in der Folge mehrfach aus der Türkei aus- und wieder ein- gereist ist, bevor er schliesslich in der Ukraine um ein Rückreisevisum für seine Rückkehr in die Schweiz ersuchte. Der Beschwerdeführer beherrscht sodann gemäss seinem Lebenslauf vom 16. Juni 2015 neben seiner kurdischen Muttersprache die türkische Sprache schriftlich und mündlich. Sowohl die psychischen Beschwerden als auch die S uchtproblematik des Beschwer- deführers sind in der Türkei therapierbar. Der blosse Umstand, dass das Gesundheits- oder So- zialversicherungswesen in einem anderen Staat mit demjen igen in der Schweiz nicht vergleich- bar ist und die hiesige medizinische Betreuung einem höh eren Standard entspricht, hat nicht die Unzumutbarkeit der Rückreise zur Folge (BGE 128 II 2 00 E. 5.3). Medizinische Gründe könnten eine Abschiebung oder Wegweisung als unmenschlic he Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK erscheinen lassen, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesu ndheitszustandes nach sich zie-Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_721/2014 v om 15. Januar 2015 E. 3.2 mit Hin- weisen). Derartige Gründe sind nicht ersichtlich. 5.4.4 Unter Berücksichtigung sämtlicher genannten Aspekt e ist festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer keine privaten Interessen anzuführen verma g, welche die – aufgrund seiner fortlaufenden Delinquenz erheblichen – sicherheitspoliti schen Interessen an der Beendigung des Aufenthalts zu überwiegen vermöchten, auch wenn s eine privaten Interessen an einem weiteren Verbleib in der Schweiz gross sind und ihn die Wegweisung erkennbar schwer trifft. Der Beschwerdeführer hat sämtliche ihm bisher gebotene n Chancen nicht zu nutzen vermocht, sodass sich die aufenthaltsbeendende Massnahme trotz seine r langen Anwesenheit dennoch rechtfertigt und auch eine erneute ausländerrechtliche Verwarnung (Art. 96 Abs. 2 AuG) nicht mehr zur Diskussion stehen kann. Die vom Beschwerdeführer ev entualiter beantragte Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung anstelle der widerrufen en Niederlassungsbewilligung ist ausge- schlossen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_634/2011 vom 27. Juni 2012 E. 4.3, m.w.H.). Die Beziehungen zu seinen Eltern und seinen Geschwistern ka nn der Beschwerdeführer besuchs- weise bzw. allenfalls täglich über die heute zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel auf- rechterhalten. 6. Zusammengefasst erweist sich der Widerruf der Niederl assungsbewilligung des Be- schwerdeführers und seine Wegweisung aus der Schweiz als ve rhältnismässig. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 7.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden . Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die V erfahrenskosten in der Höhe von ins- gesamt Fr. 1‘400.-- sind dem Ausgang des Verfahrens en tsprechend dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, wobei sie zufolge Bewilligung der unent geltlichen Rechtspflege zulasten der Gerichtskasse gehen. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Ausgangsgemäss sind die Parteikosten wettzuschlagen. In seiner Honorarnote macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'035.35 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) geltend. Der geltend gemachte Aufwand ist als angemessen zu beurteilen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde; im vorliegenden Verfahren wir d sodann ein Stundenansatz von Fr. 100.-- für Volontärinnen und Volontäre als angemessen erachtet . Unter Berücksichtigung dieser Stun- denansätze ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers z ufolge Bewilligung der unentgelt- lichen Rechtspflege ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'027.25 (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuer) zulasten der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hingew iesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in de r Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Be willigung der unent- geltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'02 7.25 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiber