Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. September 2021 (720 21 107 / 263) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Rückweisung zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ Beschwerdeführerin, vertreten durch Thibaut Meyer, Rechts- anwalt, schadenanwaelte AG, Totentanz 5, Postfach 2039, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1977 geborene A.____ meldete sich am 23. Sept ember 2013 unter Hinweis auf eine unfallbedingte Sprunggelenkverletzung bei der Invalide nversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) nahm Abklärungen vor und gewährte der Versi- cherten berufliche Massnahmen in Form von Arbeitsvermitt lung. Diese schloss sie mangels Bedarf mit Verfügung vom 27. Januar 2014 ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Ab dem 1. Dezember 2014 war A.____ in einem Tei lzeitpensum von 80 % bei der B.____AG in Basel als Kauffrau angestellt. Am 22. Feb ruar 2017 meldete sie sich erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle klärte die e rwerblichen, hauswirtschaftlichen und gesundheitlichen Verhältnisse ab, wobei sie die Versicher te durch Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, begutach ten liess (Expertise vom 4. April 2019). Zudem beauftragte sie Dr. med. D.____, FMH Psych iatrie und Psychotherapie, mit ei- nem Gutachten, welches am 10. September 2020 erstattet wurde. Gestützt auf die daraus ge- wonnenen Erkenntnisse ermittelte die IV-Stelle in Anwendung der gemischten Bemessungsme- thode mit einem Erwerbsanteil von 80 % und einem Haus haltsanteil von 20 % ab 1. August 2017 einen Invaliditätsgrad von 35 % und ab 1. Januar 2018 einen solchen von 45 %. In der Folge sprach sie A.____ mit Wirkung ab 1. Januar 2018 eine Viertelsrente zu (Verfügung vom 10. März 2021). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwal t Thibaut Meyer, am 23. März 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 10. März 2021 aufzu- heben und ihr eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Be- schwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im We- sentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzu reichenden medizinischen Unterla- gen beruhe und die Bemessung der Invalidität nicht zutreffend erfolgt sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Mai 2021 schloss die IV -Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen ein e Beurteilung von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), vom 29. März 2021 bei. D. Mit Instruktionsverfügung vom 31. Mai 2021 wurde die Angelegenheit der Dreierkammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 23. März 2021 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführe rin. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfü gung vom 10. März 2021 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2). Späte r eingereichte ärztliche Berichte sind aber zu berücksichtigen, wenn daraus Rückschlüsse auf den Gesu ndheitszustand im Zeitpunkt des Verfügungserlasses gezogen werden können (vgl. Urt eil des Bundesgerichts vom 1. Juli 2015, 9C_48/2015, E. 3.2.1) 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.4.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Be stimmung des Invaliditätsgrads das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). Bei nichterwerbstätigen Versicher ten, die im Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Te il erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Au fgabenbereich tätig, so wird die Invali- dität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG fe stgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzul egen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). 3.4.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig, teilz eitig oder als nichterwerbstätig einzustu- fen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übri gen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im G esundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerb stätig wäre (vgl. BGE 133 V 504 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt täti- gen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, f amiliären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Bet reuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, berufliche Fähigkeiten und die Ausbildung s owie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung und im B eschwerdefall das Gericht auf Unterla- gen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle istungen der versicherten Person noch zu- gemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weit eren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärztinnen und Ärzten darf und soll da s Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei- felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pa tienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauft rag des bzw. der therapeutisch täti- gen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtun gsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten und Expertinnen anderseits (vg l. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutach- ten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abkl ärungen zu nehmen, wenn die be- handelnden Ärzte bzw. Ärztinnen zu anderslautenden Einsch ätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurtei lung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektive r ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung un erkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid von Bedeutung sind. 6.2 Die IV-Stelle liess die Versicherte durch Dr. C.____ begutachten. Am 4. April 2019 diag- nostizierte er mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit e in chronisches Lumbovertebralsyndrom. Die Versicherte leide seit der Jugend an chronischen Rückenschmerzen, welche Anfang August 2017 im Sinne einer radikulären Reizsituation links exa zerbiert seien. Am 18. Juli 2016 sei eine 2-Etagen-Spondylodese L4/5 und L5/S1 durchgeführt worden, worauf sich die Situation im lum- balen Rücken deutlich verbessert habe. Gegen Ende 2017 sei es lumbal zu einer Verschlechte- rung gekommen, mit neu andersartigen in den linksseitige n Oberschenkel ausstrahlenden Schmerzen ohne Ausstrahlung in den Unterschenkel, mögli cherweise einer mittellumbalen Wurzel entsprechend. Aktuell bestünde ein erhebliches ch ronisches Lumbovertebralsyndrom mit spondylogener Ausstrahlung linksseitig. Eine radikuläre Ausstrahlung der L4-Wurzel sei sehr wahrscheinlich. Zudem sei aufgrund der Bilder eine Instabilität resp. beginnende An- schlussdegeneration L3/4 zu postulieren. Aufgrund der G esamtsituation sei die Versicherte auch in einer leichten Bürotätigkeit im Umfang von 50 % eingeschränkt. 6.3 Im Bericht der Klinik F.____ vom 14. November 2019 wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine seit 1989 bestehende rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit- telgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine seit 2013 be stehende Agoraphobie ohne Panikstörung (ICD-10 F40.0), eine generalisierte Angststörung (ICD -10 F41.1) und eine hypochondrische Störung (ICD-10 F45.2) diagnostiziert. Aktuell könne d ie Versicherte den Haushalt führen, sie sei jedoch regelmässig auf die Hilfe des Ehemanns angewie sen. Aufgrund der Schmerzproble- matik und der depressiven Beschwerden müsse sie viele Paus en einlegen. Zudem brauche sie therapeutische Strukturhilfen bei der Umsetzung. Ihren Hobbies könne sie aufgrund der An- triebsstörung, der Konzentrationsschwierigkeiten und der Selbstwertproblematik nicht mehr nachgehen. Zudem würden die Ängste ihre Alltagstätigk eiten erschweren und die depressive Symptomatik sowie die allgemeine Müdigkeit verstärken. E s sei davon auszugehen, dass die Versicherte ihre bisherige Tätigkeit maximal zwei Stunde n pro Tag ausüben könnte. Die phobi- schen Ängste würden die Leistungsfähigkeit zusätzlich einsc hränken (Ausfälle, verminderte Konzentrationsfähigkeit). 6.4 Die IV-Stelle beauftragte Dr. D.____ mit einem Gutachten. Am 10. September 2020 di- agnostizierte er mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), eine Ag oraphobie ohne Panikstörung (ICD-10 F40.0) sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mi t emotional-instabilen, paranoiden und selbstunsicher-vermeidenden Anteilen (ICD-10 F61.0). Di e Versicherte berichte über eine er- heblich belastende Kindheit und Jugend, wobei insbesond ere der Einfluss der Mutter als aus- gesprochen negativ beschrieben werde. Es habe ihr an posi tiven emotionalen Erfahrungen in- nerhalb der Familie gemangelt und sie habe keine eng e Bezugsperson gehabt. Seit einem Sui- zidversuch im Jahr 1994 befinde sie sich (mit wenigen Unt erbrüchen) in ambulanter psychiat- risch-psychotherapeutischer Behandlung. Es habe mit mehrer en früheren Arbeitgebern Konflik- te gegeben und die Anstellungsverhältnisse seien teilweise bereits nach relativ kurzer Zeit be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht endet worden. Die letzte Arbeitsstelle habe sie jedoch w egen ihrer körperlichen Beeinträchti- gungen verloren. Mit der Zunahme der somatischen Besc hwerden habe sich auch das psychi- sche Befinden verschlechtert. Aktuell bestünden eine leic ht bedrückte Stimmung, ein reduzier- tes Freudempfinden, ein Verlust des Selbstvertrauens und Schlafstörungen. Zudem klage die Versicherte über ein vermindertes Denkvermögen. Ein Inte ressenverlust oder ein erheblich verminderter Antrieb könne jedoch nicht objektiviert we rden. Die depressive Störung sei ge- genwärtig leichtgradig ausgeprägt. Anhaltspunkte für f rühere manische oder hypomanische Episoden seien nicht ersichtlich. Es lägen aber Ängste und ein Vermeidungsverhalten vor allem in Bezug auf öffentliche Plätze, alleiniges Reisen und Menschenansammlungen vor. Die Symp- tomatik sei gut mit einer Agoraphobie zu vereinbaren. Die Diagnose einer generalisierten Angststörung könne aber nicht gestellt werden, da in der Untersuchungssituation weder eine starke Nervosität noch eine vegetative Erregung erkennbar gewesen sei. Hinweise auf eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bestünden ebenf alls nicht. Die Versicherte zeige seit der Jugend weitgehend stabile Normabweichungen in den Bereichen Impulskontrolle, Af- fektivität und Kognition. Zudem finde sich ein grundleg end defizitäres Selbstwerterleben. Die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung sei ge rechtfertigt. Die Versicherte befinde sich in kontinuierlicher ambulanter psychotherapeutischer Behandlung, wobei es in den vergan- genen Monaten mehrfach zu medikamentösen Anpassungen g ekommen sei. Aufgrund der chronischen psychischen Beeinträchtigungen sei die Indika tion für eine langfristige psychiat- risch-psychotherapeutische Behandlung gegeben. Im Rahmen der MMPI-2-RF (Minnesota Mul- tiphasic Personality Inventory 2) Zusatzuntersuchung habe d ie Versicherte eine ungewöhnliche Kombination von Antworten gegeben. Vielleicht würden bei ihr tatsächlich erhebliche und/oder sehr vielfältige somatische und kognitive Probleme vorlieg en. Die Angaben würden einen Man- gel an positiven Erlebnissen, an Antrieb und Interesse zei gen und liessen auf eine ehebliche psychische Krise schliessen. Es bestünde ein Risiko für Suizidver suche. Zudem würden die Antworten der Versicherten auf eine ausgeprägte Denkst örung hinweisen. Weiter führte der Gutachter aus, dass sich die geklagten kognitiven Beeintr ächtigungen in der Untersuchungssi- tuation kaum hätten objektivieren lassen. Offenbar hätt en sich diese auch im Rahmen früherer beruflicher Tätigkeiten wenig bemerkbar gemacht. Anlä sslich der Exploration hätten sich auch keine erheblichen Denkstörungen gezeigt. Die Versicherte verfüge über eine abgeschlossene berufliche Ausbildung und über eine langjährige Beru fserfahrung im kaufmännischen Bereich. Die Anwendung fachlicher Kompetenz sei nicht beeinträ chtigt. Dasselbe gelte für die Fähigkeit, intime Beziehungen zu führen und die Fähigkeit zur S elbstpflege. Die Versicherte sei durchaus genussfähig, sie verfüge über eigene Interessen und übe r die Fähigkeit, für sich soziale Unter- stützung zu mobilisieren. Weiter fänden sich eine reduzi erte Frustrationstoleranz, eine mittel- gradig reduzierte Gruppenfähigkeit und mittelgradige Einschränkungen hinsichtlich Flexibilität und Umstellfähigkeit. Derzeit sei sie nicht in der Lage , öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Aufgrund des Zusammenwirkens mehrerer weitgehend chronisch verlaufender psychischer Stö- rungsbilder betrage die Restarbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als kaufmännische An- gestellte bezogen auf ein Vollzeitpensum circa 50 %. Nac hdem es der Versicherten in der Ver- gangenheit wiederholt gelungen sei, über längere Ze it Anstellungen im Vollzeitpensum zu be- wältigen, sei es ab circa 2016 im Zusammenhang mit zunehmenden körperlichen Problemen zu einer psychischen Destabilisierung gekommen. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychi- atrischer Sicht gelte daher ab circa Sommer 2016. Die b isherige Tätigkeit sollte innerhalb eines Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht kleineren stabilen Teams mit klaren Hierarchien und wen ig Kundenkontakt ausgeübt werden. Zu beachten seien auch die körperlichen Einschränkunge n. Die angestammte Tätigkeit sei den Leiden angepasst. Eine bidisziplinäre Begutachtung sei nicht möglich gewesen. Aus psychi- scher Sicht sei die Versicherte in einer Tätigkeit, die d as von somatischer Seite definierte Ein- schränkungsprofil berücksichtige, zu 50 % arbeitsfähig. 6.5 Am 14. Oktober 2020 nahm Dr. E.____ Stellung, wo bei er festhielt, dass die Versicherte aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung, der kombinierten Persönlichkeitsstörung und des chronischen Lumbovertebralsyndroms in der Arbeitsfäh igkeit eingeschränkt sei. Weder die Ausprägung der Beschwerden noch deren Kombination se ien geeignet, eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 50 % zu begründen. Aus interdisziplinärer Sicht betrage die Arbeitsfähigkeit von August 2016 bis November 2016 100 %, von November 2016 bis Februar 2017 50 %, von Feb- ruar 2017 bis Juni 2017 100 % und ab Juli 2017 50 %. 6.6 Am 30. November 2020 nahm die behandelnde Ärztin der Klinik F.____ zum Gutachten von Dr. D.____ vom 10. September 2020 Stellung. Sie h ielt fest, dass es in den letzten zwei Jahren nie eine symptomfreie Zeit aber durchaus schwerere Phasen mit ausgeprägten Sui- zidgedanken und allgemeiner Hoffnungslosigkeit gegeben habe. Zudem habe die Versicherte seit Behandlungsbeginn im Jahr 2018 wiederholt einen reduzierten Antrieb mit deutlichen Ein- schränkungen in der Alltagsbewältigung aufgewiesen. Im Rahmen des psychiatrischen Gutach- tens sei zwar dem Querschnitt, nicht aber dem Längsschnitt Rechnung getragen worden. Ins- gesamt würden neben den zwei Kernkriterien (depressive Verstimmung und verminderter An- trieb) vier weitere Kriterien (ausgeprägte Schuldgef ühle, wiederkehrende Gedanken an den Tod, Schlafstörungen und veränderter Appetit) vorliegen , was insbesondere in Kombination mit den beträchtlichen Einschränkungen in der Alltagsbewält igung die Diagnose einer rezidivieren- den depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Ep isode (ICD-10 F33.1) rechtfertige. Zu- dem würden die im psychiatrischen Gutachten gestellten Diagnosen die Ängste und Sorgen der Versicherten nur ungenügend abdecken. Die Versicherte we ise seit 2013 wiederkehrende krankheitswertige Ängste und Sorgen bezüglich verschiedene r Alltagssituationen auf. Inhaltlich würden sich die Sorgen auf die Zukunft, die finanziell en Angelegenheiten, die ständige Angst, ihr Mann könnte sterben, ihr eigenes Fehlverhalten ode r diverse Krankheitsängste beziehen. Sie seien übermässig stark, belastend, würden als unkontrol lierbar erlebt und sich einschrän- kend auf die Lebensqualität auswirken. Die Ängste seien von den agoraphobischen Ängsten und dem eher in die Vergangenheit gerichteten Grübel n der depressiven Störung abgrenzbar. Die Sorgen würden körperlich mit Reizbarkeit, Herzklopfen, Ruhelosigkeit, Anspannung, Nervo- sität, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten sowie Ein- und Durchschlafstörungen einherge- hen. Insgesamt seien die Diagnosekriterien der generali sierten Angststörung (ICD-10 F41.1) erfüllt. Weiter fehle im Gutachten eine Funktionsdiagnostik zur Einschätzung der Einschränkun- gen der Versicherten im Alltag. Gemäss Mini-ICF-APP (A ktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen) sei die Versicherte in der Flexibilität und Umstellfähigkeit, in der Entscheidungs-, Urteils-, und Gruppenfähigkeit sowie in der Fähigkeit zu engen dynamischen Beziehungen aber auch in der Selbstpflege und -versorg ung zwar nur mässig beeinträchtigt. Eine erheblich ausgeprägte Beeinträchtigung bestünde aber bei den Fähigkeiten Planung und Strukturierung von Aufgaben, in der Proaktivität und be i Spontanaktivitäten, in der Selbstbe- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hauptungsfähigkeit sowie in der Mobilität und Verkehrsfähigkeit. Aufgrund der chronisch verlau- fenden depressiven Störung, der kombinierten Persönlichkeitsstörung, der Agoraphobie und der generalisierten Angststörung sei die Arbeitsunfähigkeit m it insgesamt 70 % zu veranschlagen. Zu beachten sei, dass die psychischen Störungsbilder zu an deren Einschränkungen führen als die körperlichen Beschwerden. So seien Rückenschmerzen unm ittelbar spürbar und würden etwa zu häufigem Lagewechsel und Pausen führen. Demgeg enüber würden sich die durch die Persönlichkeitsstörung bedingten Beeinträchtigungen in Interaktionen und den daraus resultie- renden sozialen Konflikten zeigen. Zudem führten die Ä ngste zu hoher Anspannung, Konzent- rationsstörungen sowie rascher Ermüdbarkeit und die ag oraphobischen Ängste würden es sehr schwierig machen, den Arbeitsort überhaupt zu erreiche n. Schliesslich würden die rezidivieren- de depressive Störung und die Ängste zu vielen Fehlzeiten führen. Wegen der Wechselwirkun- gen zwischen den psychischen und den somatischen Beschwerden sei von einem (noch) höhe- ren Arbeitsunfähigkeitsgrad auszugehen. 6.7 Am 27. Januar 2021 nahm Dr. E.____ erneut Stellu ng. Er hielt fest, dass die im Bericht der Klinik F.____ vom 30. November 2020 genannten syn dromalen Krankheitsbilder von Dr. D.____ vollständig erfasst worden seien. Unterschied liche Beurteilungen bestünden bei der Schwere der depressiven Störung. Aufgrund der Tatsache, dass Dr. D.____ der Versicherten aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung eine da uerhafte 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiere, weise darauf hin, dass er die Schwankungsbrei te dieser Störung durchaus berück- sichtigt habe, denn eine leichte Depression könne keine we sentliche Arbeitsunfähigkeit begrün- den. Mit einer dauerhaft 50%igen Arbeitsunfähigkeit werde auch dem Längsschnitt der Erkran- kung Rechnung getragen. Die bisweilen vorhandenen Phase n mit vermindertem Antrieb seien umfassend berücksichtigt worden. Dr. D.____ habe die Angststörung der Versicherten der Ago- raphobie ohne Panikstörung zugeordnet. Die Diagnose e iner generalisierten Angststörung sei nicht nachvollziehbar, da die entsprechenden Kriterien fehlen würden. Diagnostisch bleibe so- mit die Agoraphobie, welche mit der dauerhaften 50% igen Arbeitsunfähigkeit hinlänglich be- rücksichtigt worden sei. Die im Bericht der Klinik F.____ diagnostizierte kombinierte Persönlich- keitsstörung würde der im Gutachten gestellten Diagnose der kombinierten emotional- instabilen, paranoiden, selbstunsicher-vermeidenden Per sönlichkeitsstörung entsprechen. Das niedrige Selbstwertgefühl könne sowohl der Persönlichkeitsstörung als auch der rezidivierenden depressiven Störung zugeordnet werden. Auch dieses Symptom habe der Gutachter berück- sichtigt. Die attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit we rde auch der Persönlichkeitsstörung ge- recht, indem für die Verweistätigkeit entsprechende Ar beitsverhältnisse gefordert würden. Die Versicherte sei in der Lage, enge dynamische Beziehungen einzugehen. Eine ausgeprägte Be- einträchtigung bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie der Mobilitäts- und Ver- kehrsfähigkeit sei ebenfalls nicht erkennbar. Die Versiche rte sei in der Lage, am Strassenver- kehr teilzunehmen. Daher sei auch die Beurteilung, won ach die Versicherte Konzentrations- probleme habe und rasch ermüdbar sei, in dieser Form nicht nachvollziehbar. In Relation zu den vorhandenen Ressourcen seien bei der Beurteilung de r Arbeitsfähigkeit die psychischen Störungen der Versicherten hinlänglich berücksichtigt worden. 7.1 Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügu ng vom 10. März 2021 gestützt auf die Beurteilungen in den Gutachten der Dres. C.____ und D .____ vom 4. April 2019 und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. September 2020 sowie der Einschätzungen von Dr. E. ____ vom 14. Oktober 2020 und 27. Januar 2021 davon aus, dass der Versicherten angepasst e Tätigkeiten im Umfang von 50 % zumutbar seien. Wie in Erwägung 4.4 hiervor ausge führt, ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialär ztinnen und Spezialärzten volle Be- weiskraft zuzuerkennen, wenn diese aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, und solange nicht konkret e Indizien gegen die Zuverlässig- keit der Expertise sprechen. Solche Indizien sind vorliege nd jedoch nicht von der Hand zu wei- sen, wie die nachstehenden Erläuterungen aufzeigen. 7.2 Zunächst bestehen in psychiatrischer Hinsicht bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit fachärztliche Diskrepanzen. Zweifel an der Schlüssigkeit der psychiatrischen Expertise von Dr. D.____ ergeben sich namentlich aufgrund der erhebl ich unterschiedlichen Beurteilung im Bericht der Klinik F.____ vom 30. November 2020. Währen d Dr. D.____ – aufgrund einer ein- maligen Exploration und eher spärlichen psychiatrischen V orakten – mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), eine Agoraphobie ohne Panikstörung (ICD-10 F4 0.0) und eine kombinierte Persönlich- keitsstörung mit emotional-instabilen, paranoiden sowie selbstunsicher-vermeidenden Anteilen diagnostizierte und davon ausging, dass die Versicherte in einer körperlich angepassten Tätig- keit zu 50 % arbeitsfähig sei, ergibt sich aus den Berich ten der behandelnden Ärztin der Klinik F.____ ein anderes Bild. Diese legte detailliert da r, weshalb entgegen der Beurteilung von Dr. D.____ von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), auszugehen und die Diagnose einer gene ralisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) zu bejahen ist. Sodann attestierte sie aufgrund ihrer Beobachtungen eine deutlich höhe- re Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 70 % und untermauerte ihre Einschätzung mit dem Ergebnis des Mini-ICF-APP Rating. Zwar enthält der Be richt der Klinik F.____ vom 30. Novem- ber 2020 keine vollständige bzw. ausreichende Begründun g. Dennoch lässt er unüberwindbare Zweifel an der Beurteilung im Gutachten von Dr. D._ ___ aufkommen. Dies gilt umso mehr, als sich dieser mit den vorhandenen medizinischen Unterlagen , insbesondere auch mit der abwei- chenden Beurteilung im Bericht der Klinik F.____ vom 1 4. November 2019 – wenn überhaupt – nur oberflächlich auseinandersetzte. Zwar zog er aufgru nd der Angaben der Versicherten im Rahmen der MMPI-2 Zusatzuntersuchung in Betracht, dass di ese tatsächlich erhebliche und/oder vielfältige somatische und kognitive Probleme aufweisen könnte (vgl. S. 16 des Gut- achtens). Zudem stellte er fest, dass die Antworten der Versicherten auf eine erhebliche Denk- störung hinweisen würden («Ihr Denken ist wahrscheinlic h desorientiert und unrealistisch»; vgl. S. 17 des Gutachtens), kam dann aber zum Schluss, dass di e Angaben der Versicherten, er- hebliche kognitive Beeinträchtigungen und Denkstörungen zu haben, in der Untersuchungssitu- ation kaum objektivierbar gewesen seien (vgl. S. 21 des Gutachtens), was widersprüchlich er- scheint. Zudem lassen sich seine Feststellungen, wonach die Versicherte eine «erhebliche psy- chische Krise» erlebe und sie sich wahrscheinlich intensiv mit Suizid und Tod beschäftige (vgl. S. 17 des Gutachtens) mit der diagnostizierten leichten affektiven Störung nur schwer vereinba- ren. Insgesamt ist die Herleitung und Beurteilung der Leistungsfähigkeit nur knapp begründet und insgesamt nicht überzeugend. Zudem fehlen Angaben z um Verlauf der Erkrankung resp. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Arbeitsfähigkeit, die allenfalls auch hinsichtlich der Statusfrage bessere Erkenntnisse liefern könnten. 7.3 Alsdann fehlt eine interdisziplinäre Beurteilung d er Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund der nachvollziehbaren Ausführungen im Bericht der Klinik F. ____ vom 30. November 2020 ist nicht ausgeschlossen, dass zwischen den somatischen Beeinträchtigun gen und der psychischen Situation eine Wechselwirkung bestehen und daraus eine höhere Arbeitsunfähigkeit resultieren könnte. Da es die IV-Stelle unterliess, eine interdiszip linäre Konsensbeurteilung durchzuführen, besteht ein weiteres Abklärungsdefizit. Der Bemerkung vo n Dr. D.____, wonach eine bidiszipli- näre Beurteilung nicht möglich gewesen sei, die Versicherte aber aus psychischer Sicht in einer Tätigkeit, die das von somatischer Seite definierte Einschränkungsprofil berücksichtige, zu 50 % arbeitsfähig sei, kommt hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit kein tauglicher Beweiswert zu, zumal er als Psychiater keine bindenden Aussagen über die Arbeitsunfähigkeit aufgrund der rheumatolo- gischen Befunde machen kann. Dieser Mangel wird auch dur ch die Billigung seitens des RAD nicht aufgewogen. Bei dieser Sachlage besteht keine hin reichende Grundlage zur Bestimmung der Arbeitsfähigkeit. 7.4 Nach dem Gesagten bestehen erhebliche Zweifel an d er Vollständigkeit und Richtigkeit der Ausführungen im Gutachten von Dr. D.____ vom 10. September 2020. Es stellt daher keine geeignete Entscheidgrundlage dar. Zudem fehlt eine i nterdisziplinäre Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit. So wie sich die Aktenlage präsentiert, ist der m assgebende medizinische Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt, weshalb die Auswirkungen der gesundheitlichen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund der bestehenden Aktenlage nicht ab- schliessend beurteilt werden können. Folglich ist der rech tserhebliche Sachverhalt durch geeig- nete medizinische Abklärungen zu vervollständigen. Von wei teren Abklärungen kann nicht ab- gesehen werden, da nicht von vornherein angenommen we rden kann, eine ergänzende Begut- achtung vermöge zu keinen besseren Erkenntnissen führen. D amit steht fest, dass die ange- fochtene Verfügung vom 10. März 2021 auf unzureichende n medizinischen Abklärungsergeb- nissen beruht und deshalb aufzuheben ist. Bei diesem Erge bnis kann in diesem Verfahren of- fenbleiben, wie es sich hinsichtlich der ökonomischen Auswirkungen der verbleibenden Arbeits- fähigkeit und der Bemessung der Invalidität verhält. 8. Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die Sozialversicherungs- gerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Strei tsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielme hr im Regelfall selbst ein Ge- richtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltu ngsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf tig hält oder wenn eine Administrativex- pertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräfti g ist. Eine Rückweisung an die IV- Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in de r notwendigen Erhebung einer bisher voll- ständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn ledi glich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1). Vorliegend erweist sich das der angefochtenen Verfügung zugrunde gelegte Gutachten von Dr. D.____ vom 10. September 2020 als nicht beweista uglich. Da es die IV-Stelle unterliess, den massgeblichen medizinischen Sachverhalt – trotz einge hender und detaillierter fachärztli- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht cher Kritik am psychiatrischen Teilgutachten und fehlende r Konsensbeurteilung – mit der gebo- tenen Sorgfalt widerspruchsfrei abzuklären und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte medizinische Abklär ungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgegen. Diese wird a ngehalten, bei einem bisher nicht involvierten psychiatrischen Experten ein neues Gutachten in Auftrag zu geben. Hernach ist eine interdisziplinäre Konsensbeurteilung durchzuführen . Gestützt auf die Ergebnisse dieser Aktenergänzungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Rentenanspruch der Beschwerde- führerin neu zu befinden haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitw ert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Ange- legenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägu ngen und zum Erlass einer neuen Ver- fügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unter liegende Partei (vgl. BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2). Die ordentlichen Kosten von Fr. 800. -- werden somit ihr auferlegt. Der Be- schwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 9.2 Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache z ur erneuten Abklärung im Sin- ne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, h at die Beschwerdeführerin An- spruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG ). Dieser wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutun g der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Der Rechtsvertreter d er Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote eingereicht, weshalb das Honorar nach Erme ssen festzusetzen ist. In Anbetracht des Aktenumfangs und der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen erscheinen für das vorliegende Verfahren ein Aufwand von 12 Stunden zuzüglich Auslagen von pauschal Fr. 100.-- als angemessen. Somit ist der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'338.70 (12 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 100.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Laste n der Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nac hteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid a n den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (vgl. BGE 133 V 477 E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 10. Mär z 2021 aufge- hoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung i m Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an di e Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'338.70 (inkl. Ausla gen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht