Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 14. Juni 2023 (810 22 270) ____________________________________________________________________ Personalrecht Kündigung / Akteneinsicht im vorinstanzlichen Verfahren / Rechtsfolgen der Verletzung des rechtlichen Gehörs Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Daniel Ivanov, Kantonsrichterin Ana Dett- wiler, Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Peter Epple, Advokat gegen Kantonsspital Baselland , Rechtsdienst , Postfach 46 , 4101 Bruderholz, Vorinstanz Betreff Kündigung (Verfügung des Kantonsspitals Baselland vom 22. November 2022) A. A.____ […] war seit 1986 im Kantonsspital Baselland (KSBL), Standort B.____, als "Mitarbeiterin Küche" mit einem Beschäftigungsgrad von 100 % angestellt. Während der Anstel- lungsdauer kam es wiederholt zu Beanstandungen betreffend ihr Verhalten gegenüber Mitarbei- tenden und Vorgesetzten. Im Jahr 1994 wurde sie deswege n personalrechtlich verwarnt und im Jahr 2005 wurde ihr die Ansetzung einer Bewährungsfrist in Aussicht gestellt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. In einer "Aktennotiz mit Zielvereinbarung" des KS BL vom 13. November 2020 wurde festgehalten, dass A.____ einen sehr groben Umgangston habe, sich als Chef aufspiele und Kolleginnen und Kollegen korrigiere. A.____ wurde i m Sinne einer (von ihr nicht unterzeichne- ten) Zielvereinbarung aufgefordert, ihr Verhalten entsprechend zu verbessern. Würden die Ziele nicht sofort und nachhaltig erreicht, folge eine Verw arnung und danach die Auflösung des Ar- beitsverhältnisses. C. Mit Schreiben vom 1. April 2022 sprach das KSBL gege nüber A.____ mangels Ver- besserung des Verhaltens eine Verwarnung aus. Man erw arte, dass sie ihr Verhalten mit sofor- tiger und nachhaltiger Wirkung anpasse. Bei Wiederholu ng des bemängelten Verhaltens werde eine Kündigung nach Ziffer 10.5 Absatz 4 Buchstabe c des GAV Kantonsspital Baselland / Psy- chiatrie Baselland (GAV) vom 1. Juli 2015 in Betracht gezogen. D. Mit Schreiben des KSBL vom 27. September 2022 wur de A.____ unter Verweis auf eine am 15. September 2022 durchgeführte mündliche A nhörung mitgeteilt, dass eine Kündi- gung des Arbeitsverhältnisses in Betracht gezogen werde u nd es wurde ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt. E. Am 8. November 2022 reichte A.____, neu vertreten durch Peter Epple, Advokat, eine Stellungnahme zur beabsichtigten Kündigung ein. F. Mit Verfügung des KSBL vom 22. November 2022 wurd e das Arbeitsverhältnis mit A.____ unter Einhaltung der Kündigungsfrist von drei Monaten per 28. Februar 2023 gekündigt und A.____ per sofort freigestellt. G. Mit Eingabe vom 5. Dezember 2022 erhob A.____, ve rtreten durch Peter Epple, Advo- kat, gegen die Verfügung des KSBL vom 22. November 20 22 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Sie stellt das Begehren, es sei die Verfü- gung aufzuheben und festzustellen, dass die Kündigung nichtig, eventualiter unrechtmässig sei. Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurtei- lung zurückzuweisen (Ziff. 1). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz (Ziff. 2). In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde bean tragt, es seien die Verfahrensakten durch das Gericht beizuziehen und der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. H. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2022 wurde das Gesuc h um Erteilung der aufschie- benden Wirkung abgewiesen. I. Am 25. Januar 2023 reichte die Beschwerdeführerin die Beschwerdebegründung ein. J. Mit Vernehmlassung vom 28. März 2023 beantragt die V orinstanz, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf eingetreten werde. K. Mit Verfügung vom 5. April 2023 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung überwie- sen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 25 des Spitalgesetzes vom 17. November 20 11 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspr ozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können letztinstanzliche Verfügungen und Entscheide der Organe des Kan- tonsspitals Baselland beim Kantonsgericht, Abteilung V erfassungs- und Verwaltungsrecht, an- gefochten werden. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde ist demnach gegeben. 1.2 Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befugt , wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt is t und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Die Beschwerdeführe rin ist durch den angefochtenen Ent- scheid in schutzwürdigen Interessen betroffen und somit zu r Beschwerde legitimiert. Die weite- ren formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Strittig ist, ob die Kündigung des öffentlich-rech tlichen Arbeitsverhältnisses der Be- schwerdeführerin rechtmässig ist. 4.1 Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsich t eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Sie moniert, dass die Vorinstanz zum Ge spräch vom 15. September 2022 kei- ne Notiz erstellt habe und das Schreiben vom 27. September 2022, welches den Inhalt des Ge- sprächs wiedergeben solle, aus der reinen Erinnerung heraus verfasst habe. Der Vorinstanz sei zudem bekannt gewesen, dass sie der deutschen Sprache nu r sehr beschränkt mächtig sei. Anlässlich der Anhörung seien ihr jedoch durchwegs auf Deutsch Vorwürfe gemacht und ver- langt worden, dass sie sich ebenfalls auf Deutsch rechtfert ige. Dieses Vorgehen verletze das Recht auf ein faires Verfahren in grundlegender Weise. Im Weiteren macht die Beschwerdefüh- rerin geltend, dass sich die in der angefochtenen Verfü gung angeführten E-Mails von Mitarbei- tenden nicht in den ihr im vorinstanzlichen Verfahren zug estellten Akten befunden hätten und sie somit nicht wisse, worauf sich die Vorinstanz dabei b eziehe. Sie könne sich gegen die ent- sprechenden, in den E-Mails vorgebrachten Behauptungen nicht verteidigen und die Vorinstanz begehe durch ihren Verweis auf diese E-Mails einen klar en Verstoss gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör. 4.2 Die Vorinstanz führt hinsichtlich der gerügten Verf ahrensmängel zusammengefasst aus, dass der Beschwerdeführerin am 15. September 2022 m ündlich das rechtliche Gehör be- züglich der Kündigung des Arbeitsverhältnisses gewährt wo rden sei. Mit Schreiben vom 27. September 2022 sei ihr zudem Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme zur beabsichtig- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Kündigung des Arbeitsverhältnisses gewährt worden. Das fragliche Schreiben beziehe sich auf das Gespräch vom 15. September 2022 und gebe desse n Inhalt wieder. Von Mitarbeiten- den seien Reklamationen geäussert worden, welche die Vo rinstanz der Beschwerdeführerin auch mündlich mitgeteilt habe. Die Reklamationen seie n mündlich gegenüber der Vorinstanz vorgebracht und im Nachgang noch verschriftlicht worden. 4.3.1 Das rechtliche Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bun desverfassung der Schweizeri- schen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 dient e inerseits der Sachaufklärung, ande- rerseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrech t beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu äussern, bevor darüb er entschieden wird. Wie weit dieses Recht geht, lässt sich nicht generell, sondern nur unter Würdigung der konkreten Umstände beurteilen. Massgebend ist, ob es dem Betroffenen ermög licht worden ist, seinen Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen. Im öffentlichen Dienstre cht können auch relativ informelle Äusserungsgelegenheiten vor der Kündigung dem verfassun gsrechtlichen Gehörsanspruch genügen, sofern dem Betroffenen klar war, dass er mit e iner solchen Massnahme zu rechnen hatte (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BGE 136 I 265 E. 3.2; BGE 135 II 286 E. 5.1 mit Hinweisen). 4.3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst insbes ondere auch das grundsätzlich uneingeschränkte Recht der Parteien, in die verfahren sbezogenen Akten Einsicht zu nehmen (vgl. BGE 144 II 427 E. 3.1.1 mit Hinweisen; BGE 132 V 387 E. 3.2; BGE 129 I 85 E. 4.2; R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentli- ches Prozessrecht, 4. Aufl., Basel 2021, N 333). Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf sämt- liche Akten eines Verfahrens, die für dieses erstellt od er beigezogen wurden, ohne dass ein besonderes Interesse geltend gemacht werden müsste und u nabhängig davon, ob die fragli- chen Akten aus Sicht der Behörde für den Ausgang des V erfahrens bedeutsam sind oder nicht (vgl. BGE 144 II 427 E. 3.1.1; BGE 132 V 387 E. 3.2; BGE 129 I 249 E. 3). Die Wahrnehmung des Akteneinsichtsrechts setzt die Vollständigkeit der Akten voraus. Dessen Korrelat bildet da- her die Aktenführungspflicht, nach welcher die Behörde verpflichtet ist, alles aktenkundig zu machen, was zur Sache gehört (vgl. BGE 142 I 86 E. 2.2 ; BGE 130 II 473 E. 4.1; B ERNHARD WALDMANN , in: Waldmann/Belser/Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar Bundesverfassung, Basel 2015, N 54 zu Art. 29 BV). 4.3.3 Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung de s rechtlichen Gehörs kann aus- nahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhal t als auch die Rechtslage frei über- prüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hin aus, im Sinne einer Heilung des Man- gels, selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des A nspruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betr offenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.1 Die Beschwerdeführerin erblickt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zunächst da- rin, dass sich in den Akten kein Protokoll des Gesprächs vom 15. September 2022 befinde. Im Weiteren macht sie geltend, ihre Muttersprache sei Fran zösisch und sie beherrsche die deut- sche Sprache nicht in einer Art und Weise, welche ihr ei ne wirksame Wahrnehmung des recht- lichen Gehörs anlässlich der mündlichen Anhörung vom 15. September 2022 ermöglicht hätte. 4.4.2 Die Vorinstanz führt schlüssig aus, dass der Inhalt der Anhörung vom 15. September 2022 im Schreiben vom 27. September 2022 festgehalten werde. Aus dem Umstand, dass das fragliche Schreiben rund zwei Wochen nach der Anhörung datiert, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die Beschwerdeführeri n legt namentlich nicht substantiiert dar, inwiefern die wesentlichen Punkte der Anhörung i m Schreiben vom 27. September 2022 nicht enthalten sein sollen. Den Anforderungen an die Protokollierung gemäss Ziff. 10.5 Abs. 3 GAV wurde damit hinreichend entsprochen. Soweit die Beschwerdeführerin beanstandet, die Anhörung sei in deutscher Sprache erfolgt, kann ihr ebe nfalls nicht gefolgt werden. Zwar mag zutreffen, dass sich die Beschwerdeführerin in deutscher S prache nicht gleich gut wie in ihrer Muttersprache Französisch verständigen kann. Wie die Vorin stanz in der angefochtenen Verfü- gung nachvollziehbar ausführt, ist mit Blick auf die lan gjährige Anstellungsdauer der Beschwer- deführerin im KSBL von 36 Jahren jedoch von einer hinr eichenden Verständigungsmöglichkeit in deutscher Sprache auszugehen. Dem entspricht, dass sich in den Akten keine Anhaltspunkte finden, wonach der Beschwerdeführerin eine Verständigung auf Deutsch in Mitarbeiterbelangen nicht möglich wäre. Vielmehr ergibt sich aus den in den Akten befindlichen Unterlagen (Ge- sprächsnotizen, Protokolle Mitarbeitergespräche etc.), d ass die Kommunikation mit der Be- schwerdeführerin durchwegs in deutscher Sprache erfolgte . Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die Beschwerdeführerin zu den ihr vorgeworfenen Verhaltensmängeln im Rahmen der Anhörung vom 15. September 2022 nicht angemessen hätte äussern können. Die Beschwerdeführerin macht zudem nicht geltend, dass sie anlässlich der Anhörung auf Ver- ständigungsschwierigkeiten hingewiesen oder um den Beiz ug einer Übersetzungsperson er- sucht hätte. Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass der Besch werdeführerin über die mündli- che Anhörung hinaus Gelegenheit zur schriftlichen Stellu ngnahme eingeräumt wurde. Die im Zusammenhang mit der mündlichen Anhörung erhobenen Rü gen erweisen sich nach dem Ge- sagten als unbegründet. 4.5.1 Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin gelten d, die E-Mails von Mitarbeitenden, auf welche sich die Vorinstanz in der Kündigungsverfügung berufe, seien in den ihr zugestellten Personalakten nicht enthalten gewesen. 4.5.2 Die Beschwerdeführerin ersuchte im vorinstanzlichen Verfahren unbestrittenermassen um Zustellung der Personalakten. In ihrer Stellungnah me vom 8. November 2022 führte sie aus, in den zugestellten Akten befänden sich keine Unt erlagen bezüglich der von der Vor- instanz angeführten Mängel im Verhalten, soweit diese nach der Verwarnung vom 1. April 2022 erfolgt seien. Die Vorinstanz führt in der angefochten en Verfügung aus, es lägen diverse E-Mails von Mitarbeitenden des KSBL vor, welche auf Ver haltensmängel hinweisen würden. Zur Frage, ob der Beschwerdeführerin Einsicht in dies e E-Mails gegeben worden war, äussert sich die Vorinstanz indes nicht. Die Vorinstanz geht auc h in der Vernehmlassung nicht auf das Vorbringen der Beschwerdeführerin ein, wonach sich die E-Mails der Mitarbeitenden nicht in Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht den ihr zugestellten Akten befunden hätten. Sie beschr änkt sich auf den allgemeinen Hinweis, die Beanstandungen von Mitarbeitenden seien der Beschw erdeführerin anlässlich des Ge- sprächs vom 15. September 2022 mündlich bekannt gegeben u nd im Nachgang noch ver- schriftlicht worden. In den Akten, welche dem Kantonsger icht zusammen mit der Vernehmlas- sung eingereicht wurden, sind die E-Mails der Mitarbeitenden enthalten. Zudem reichte die Vor- instanz die fraglichen E-Mails als Beilagen zur Vernehml assung ein. Dabei wies sie im Beila- genverzeichnis darauf hin, die E-Mails seien "bei Weite rleitung" zu schwärzen. Der fragliche Hinweis lässt sich in Verbindung mit dem Umstand, dass sich in den Akten keine Anhaltspunkte über eine durch die Vorinstanz vorgenommene Anonymisierung der E-Mails finden, nur dadurch sinnvoll erklären, dass die Beschwerdeführerin bis anhin keine Einsicht in die E-Mails der Mitar- beitenden erhalten hat. Dies hätte der Vorinstanz ber eits aufgrund der Stellungnahme der Be- schwerdeführerin vom 8. November 2022 bzw. des darin enthaltenen Vorbringens, in den Akten würden sich keine Unterlagen bezüglich eines Fehlverhaltens der Beschwerdeführerin nach der Verwarnung vom 1. April 2022 befinden, bewusst sein müss en. Entsprechend hätte sie der Be- schwerdeführerin die E-Mails der Mitarbeitenden vor dem Entscheid über die Kündigung mit der Möglichkeit zur ergänzenden Stellungnahme zustellen müssen. 4.5.3 Nach dem Gesagten wurde der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren die Akteneinsicht lediglich unvollständig gewährt und ihr An spruch auf rechtliches Gehör wurde insofern verletzt. 4.6.1 Es stellt sich die Frage, ob aufgrund der Verlet zung des rechtlichen Gehörs der Be- schwerdeführerin von einer unzulässigen oder unrechtmässi gen Kündigung im Sinne von Ziff. 10.7 GAV auszugehen ist. 4.6.2 Vorab ist festzustellen, dass die Gehörsverletzung n icht unter einen der in Ziff. 10.7 Abs. 1 GAV genannten Anwendungsfälle einer unzulässigen bzw. nichtigen Kündigung fällt. Die Verletzung des Akteneinsichtsrechts begründet im vorliegen den Fall zudem keinen derart gra- vierenden Verfahrensmangel, welcher die Nichtigkeit der Kündigungsverfügung nach sich zie- hen würde (vgl. auch Urteil des Kantonsgerichts, Abte ilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (KGE VV), vom 28. März 2019 [810 18 281] E. 6.4 mit Hinweisen). 4.6.3 Einer näheren Betrachtung bedarf die Frage, o b die Verletzung des rechtlichen Gehörs dazu führt, dass die Kündigung als unrechtmässig im Si nne von Ziff. 10.7 Abs. 3 GAV zu quali- fizieren ist. Nach Ziff. 10.7 Abs. 3 GAV ist im Fall ein er unrechtmässigen Kündigung eine gleichwertige Arbeitsstelle anzubieten. Das Arbeitsverhältnis kann erst in einem zweiten Schritt unter der Voraussetzung einseitig aufgelöst werden, dass keine Möglichkeit einer gleichwerti- gen Arbeitsstelle besteht oder der Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin die angebotene gleichwerti- ge Arbeitsstelle ablehnt. Der Mitarbeiter bzw. die Mit arbeiterin erhält diesfalls eine Entschädi- gung in der Höhe von maximal drei Monatslöhnen (Ziff. 10.7 Abs. 4 GAV). Die dargelegte Rege- lung entspricht derjenigen von § 20a des Gesetzes über die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kantons (Personalgesetz) vom 2 5. September 1997, welche im Zuge der Teilrevision des Personalrechts am 1. Januar 2013 in Kraft getreten ist (vgl. KGE VV vom 28. März 2019 [810 18 281] E. 5.2 mit Hinweisen). Mithin besteht im Fall einer unrechtmässigen Kündigung ein (beschränkter) Anspruch des betroffenen Mi tarbeiters bzw. der betroffenen Mit- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht arbeiterin auf Weiterbeschäftigung. Umgekehrt ist die Anstellungsbehörde verpflichtet, dem Mit- arbeiter bzw. der Mitarbeiterin eine gleichwertige A rbeitsstelle anzubieten. Die Rechtmässigkeit der ausgesprochenen Kündigung ist angesichts dieser Regelung – mit Blick auf den grundsätz- lichen Weiterbeschäftigungsanspruch – nach materiellen Gesichtspunkten zu beurteilen (vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-6519/ 2016 vom 3. Mai 2017 E. 6.3.1). Ein formeller Mangel – wie er vorliegend in Bezug auf di e Verletzung des Akteneinsichtsrechts ge- geben ist – begründet als solches demgegenüber keine Un rechtmässigkeit der Kündigung im Sinne von Ziff. 10.7 Abs. 3 GAV. Andernfalls wäre die Anstellungsbehörde zur Weiterbeschäfti- gung des Mitarbeiters bzw. der Mitarbeiterin verpflich tet, ohne dass feststünde, ob die Kündi- gung materiell rechtmässig war. 4.7.1 Zu prüfen bleibt, ob die festgestellte Verletzu ng des rechtlichen Gehörs im kantonsge- richtlichen Verfahren geheilt werden kann. 4.7.2 Die Vorinstanz darf praxisgemäss erst nach Kenntnis nahme der gesamten entscheid- relevanten Sachlage und nach Anhörung der betroffene n Person zu einer Entscheidung über die formelle Kündigung gelangen (vgl. Urteile des Bun degerichts 8C_395/2009 vom 10. No- vember 2009 E. 7.4; 8C_158/2009 vom 2. September 2009 E. 6.5). Vorliegend konnte die Be- schwerdeführerin ihren Standpunkt hinsichtlich der ihr vo rgeworfenen Verhaltensmängel man- gels vollständiger Akteneinsicht im vorinstanzlichen Verfah ren nicht umfassend zur Geltung zu bringen. Dabei fällt erschwerend ins Gewicht, dass es sich bei den E-Mails der Mitarbeitenden, auf welche die Vorinstanz in der Kündigungsverfügung verweist, soweit ersichtlich um die einzi- gen Unterlagen handelt, welche für die Zeit nach der Verwarnung auf Mängel im Verhalten der Beschwerdeführerin hinweisen. Die fraglichen E-Mails si nd somit von ausschlaggebender Be- deutung für die Frage, ob das geltend gemachte Fehlve rhalten der Beschwerdeführerin nach der Verwarnung angehalten hat. Zu berücksichtigen ist zud em, dass der Vorinstanz beim Ent- scheid über die Kündigung ein erheblicher Ermessensspie lraum zusteht und die Kognition des Kantonsgerichts diesbezüglich beschränkt ist. Eine Heilun g der Gehörsverletzung fällt deshalb im vorliegenden Fall ausser Betracht. 5. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfü- gung aufzuheben. Die Angelegenheit ist an die Vorinst anz zurückzuweisen, damit diese der Beschwerdeführerin nach vollständiger Akteneinsicht erneut Gelegenheit zur Stellungnahme einräumt und im Anschluss daran neu über die Kündigung entscheidet. 6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Rückweisung mit off enem Ausgang gilt praxisgemäss als Obsiegen, weshalb die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- der unterliegenden Vorinstanz aufzuerlegen sind. 6.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Ausgangsgemäss ist der Beschwerdeführerin für das vor- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegende Verfahren eine Parteientschädigung zulasten d er Vorinstanz zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht in seiner Ho norarnote vom 25. Januar 2023 für die Zeit vom 10. Oktober 2022 bis 25. Januar 2023 e inen Aufwand von 22.92 Stunden geltend. Auf das kantonsgerichtliche Verfahren entfällt ein Zeitaufwand von 12.33 Stunden, was nicht zu beanstanden ist. Hinsichtlich der Auslagen für Kopien ist vom Ansatz für Massenkopien von Fr. 0.50 pro Seite auszugehen (§ 15 Abs. 2 der Tarifo rdnung für die Anwältinnen und Anwälte [TO] vom 17. November 2003). Der Beschwerdeführerin i st somit für das Verfahren vor Kan- tonsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 3'124.25 zulasten der Vorinstanz zu- zusprechen. Über die Zusprechung einer allfälligen Parte ientschädigung für die Aufwendungen im vorinstanzlichen Verfahren wird die Vorinstanz zu befinden haben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng des Kantonsspitals Baselland vom 22. November 2022 aufgehoben und die An gelegenheit zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an das Kan tonsspital Baselland zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden dem Kan- tonsspital Baselland auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500. -- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 3'124.25 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) zulasten d es Kantonsspi- tals Baselland zugesprochen. Präsidentin Gerichtsschreiber