Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Juli 2021 (720 20 50 / 194) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Keine zwingenden Gründe, um von den Schlussfolgerungen des Gerichtsgutachtens ab- zuweichen. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Christl Schaefer , Advo- katin, Baselstrasse 11, Postfach 722, 4125 Riehen 1 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1979 geborene A.____ war von Februar 2005 bi s November 2006 bei der Stiftung B.____ in X.____ als Pflegeassistentin angestellt. Am 8 . August 2006 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Epilepsie bei der Eidgenössischen Invalid enversicherung (IV) zum Leistungs- bezug an. Nach Abklärungen in medizinischer und erwerbl icher Hinsicht sowie nach Durchfüh- rung beruflicher Massnahmen, welche abgebrochen wurden, verneinte die IV-Stelle Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 6. April 20 09 einen Rentenanspruch bei einem ren- tenausschliessenden Invaliditätsgrad von 9 %. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.2 Von Juli 2009 bis Dezember 2015 war A.____ bei versch iedenen Arbeitgebern tätig. Am 4. August 2015 stellte sie bei der IV-Stelle ein weite res Leistungsgesuch. Diese prüfte erneut den Anspruch der Versicherten auf Eingliederungsmassnahm en und lehnte das Leistungsbe- gehren nach Ermahnung mit Bedenkzeit mit Verfügung vom 22. September 2016 ab. A.3 Am 9. Mai 2017 reichte A.____ unter Hinweis auf Epilepsie, Migräne und Depressionen ein drittes Mal bei der IV ein Leistungsbegehren ein. Diese klärte in der Folge die gesundheitli- chen und erwerblichen Verhältnisse ab, wobei sie die Ve rsicherte bidisziplinär durch Dr. med. C.____, FMH Neurologie, und Dr. med. D.____, FMH Psych iatrie und Psychotherapie (Exper- tise vom 17. September/9. Oktober 2018), begutachten l iess. Nach wiederholten Nachfragen bei den Gutachtern und dem Regionalen ärztlichen Diens t (RAD) verneinte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 12. Dezember 2019 einen Anspruch auf eine Invalidenrente, da die Versicherte zu keinem Zeitpunkt eine mindestens 40%ige Ar- beits- und Erwerbsunfähigkeit aufgewiesen habe. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin C hristl Schaefer, am 30. Januar 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 12. Dezember 2019 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin unter o/e-Kosten folge zu verpflichten, ihr eine halbe Rente auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Vo- rinstanz zurückzuweisen. Zudem sei ihr die unentgeltlich e Rechtspflege mit Advokatin Christl Schaefer als Rechtsvertreterin zu bewilligen. Zur Begrün dung führte sie im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. Mit Verfügung vom 4. Februar 2020 wurde der Beschw erdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- katin Christl Schaefer als Rechtsvertreterin bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 1. April 2020 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen zwei Stellungnahmen des RAD vom 16. und 19. März 2020 bei. E. Am 16. April 2020 nahm die Beschwerdeführerin zur Vernehmlassung der IV-Stelle vom 1. April 2020 Stellung. Diese äusserte sich am 23. Apr il 2020 zu den Ausführungen der Be- schwerdeführerin. F. Anlässlich einer ersten Urteilsberatung vom 9. Juli 2020 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der A ngelegenheit gestützt auf die vor- handenen medizinischen Akten nicht möglich sei. In der F olge stellte es das Verfahren aus und ordnete ein Gerichtsgutachten an. Am 6. Oktober 2020 beauftragte es Dr. med. E.____, FMH Neurologie, und Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und P sychotherapie, mit einer bidisziplinä- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren Begutachtung der Versicherten. Zum Gutachten vom 26. Februar 2021 und den Auswirkun- gen der medizinischen Beurteilung auf den Leistungsansp ruch nahmen die Beschwerdegegne- rin unter Hinweis auf eine Stellungnahme der RAD-Ärzt in pract. med. G.____ vom 18. März 2021 am 22. März 2021 und die Beschwerdeführerin am 25. März 2021 Stellung. G. Mit Instruktionsverfügung vom 6. April 2021 wurde d ie Angelegenheit erneut der Dreier- kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 30. Januar 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführe rin. Massgebend ist der Sachver- halt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügu ngen vom 12. Dezember 2019 ent- wickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgem äss die zeitliche Grenze der richterli- chen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, wenn sie während eines Jahres ohne we- sentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % a rbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesge- setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) gewesen und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) waren (Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG). Die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit wäh- rend eines Jahres und die nach Ablauf der Wartezeit best ehende Erwerbsunfähigkeit müssen kumulativ und in der für die einzelnen Rentenabstufung en erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2013, 8C_174/2013, E. 3 .2 und vom 5. Mai 2011, 9C_996/2010, E. 7.1, je mit Hinweisen). 3.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die d urch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der ge sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit lieg t zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sin ne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychi- sche Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi- tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung d er Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhän- gig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem wei tgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zum utbar ist, eine Arbeitsleistung zu er- bringen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfah ren nach BGE 141 V 281 zu un- terziehen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztliche n Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbei tsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). 4.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Unte rvarianten des Schätzungs- oder Pro- zentvergleichs (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausser ordentlichen Methode (vgl. BGE 128 V 29). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüf en und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So weicht das Ger icht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de r medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsb arkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist, oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Eine abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weite- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht e rstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Be weiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 12. Dezember 2019 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das bidisziplinäre Gutach- ten der Dres. C.____ und D.____ vom 17. September/9. Oktober 2018 sowie deren ergänzen- den Stellungnahmen vom 25. März 2019 und 25. Oktober 2019. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherten aus gesamtmedizinischer Sicht e ine berufliche Tätigkeit im Umfang von 70 % zumutbar sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezi alärztinnen und -ärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sow ie nach Einsicht in die Akten Be- richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Anlässlich d er ersten in dieser Angelegenheit er- folgten Urteilsberatung vom 9. Juli 2020 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass dem Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 17. Septemb er/9. Oktober 2018 resp. deren Stel- lungnahmen vom 25. März 2019 und 25. Oktober 2019 kein e ausschlaggebende Beweiskraft zukommen, da hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Versi cherten Unsicherheiten und Unklar- heiten bestünden. So seien die Gutachter zunächst zum S chluss gekommen, dass die Versi- cherte aus neurologischer und psychiatrischer Sicht zu je 30 % eingeschränkt sei. Da aber von einer Teiladditivität ausgegangen werden müsse, lasse sich gesamtmedizinisch eine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der zuletzt aus geübten als auch in einer alternativen Tätigkeit von 40 % begründen. Auf Nachfrage des RAD fü hrten die Gutachter am 25. März 2019 aus, dass (doch) kein additiver Effekt der neurologi schen und psychiatrischen Einschrän- kungen bestünde und die Einschränkung der Leistungsfähig keit insgesamt 30 % betrage. Auf neuerliche Nachfrage des RAD präzisierten die Gutachter am 25. Oktober 2019, dass eine ge- wisse Deckungsgleichheit der Beschwerden bestünde, sich e ine Teiladditivität streng genom- men aber nicht begründen liesse. Diese vage formulier te Beurteilung erachtete das Kantonsge- richt als nicht stichhaltig. Da weder die Beurteilung d er Dres. C.____ und D.____ noch die übri- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte ei ne verlässliche Entscheidungsgrundlage bildeten, erachtete das Kantonsgericht die Abklärungser gebnisse aus dem Verwaltungsverfah- ren als nicht beweiskräftig und den massgebenden medizini schen Sachverhalt im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG als nicht genügend abgeklärt. Daher beschloss es, unter Berücksichtigung der in BGE 137 V 210 dargelegten Rechtsprechung, den F all auszustellen und zur abschlies- senden Klärung der medizinischen Sachlage ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. 8.1 Am 26. Februar 2021 diagnostizierten die Dres. E._ ___ und F.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine nicht näher bezeichnete Pers önlichkeitsstörung mit emotional- instabilen Anteilen (ICD-10 F60.9) und eine primär g eneralisierte juvenile myoklonische Epilep- sie (ICD-10 G40.3), unter niedrig dosierter antiepile ptischer Abschirmung anfallsfrei, mit mögli- chen einzelnen Myoklonien. Ohne Auswirkung auf die Arbei tsfähigkeit bestünden eine psychi- sche und eine Verhaltensstörung durch Alkohol, am ehesten Abhängigkeit (ICD-10 F10.24), durch Cannabinoide und Kokain, am ehesten schädlicher Ge brauch (ICD-10 F12.1, F15.1) und eine Migräne, i.d.R. ohne bzw. selten mit Aura (ICD-1 0 G43.0, G43.1). In psychiatrischer Hin- sicht zeige die Versicherte eine vermehrte emotionale In stabilität mit einer verminderten Kon- fliktfähigkeit und einer erhöhten Frustrationstoleranz. Sie stelle hohe Ansprüche an sich selbst und leide seit der Kindheit an einer Selbstwertprobl ematik. Die Diagnosekriterien für eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung mit emotional- instabilen Anteilen seien erfüllt, die Störung sei jedoch nur leichtgradig ausgeprägt. Nebst den Defiziten mit einer gewissen Inkons- tanz, einer mangelnden Verbindlichkeit und vermehrte n Absenzen bestünden aber sowohl im schulisch-beruflichen als auch im sozial-partnerschaftliche n Bereich ansehnliche Ressourcen. So sei es der Versicherten trotz durchzogenem beruflich em Werdegang immer wieder gelun- gen, eine Stelle zu finden und sie habe trotz phasenwe ise erhöhtem Substanz- und Alkohola- busus eine zufriedenstellende Abstinenz erreicht. Sie sei sozial breit vernetzt, pflege seit Jahr- zehnten mehrere Freundschaften, sei vielseitig interessier t, sportlich aktiv und unternehmens- freudig. Die differenzialdiagnostisch in den Akten geste llte Diagnose einer organischen Persön- lichkeitsstörung könne nicht bestätigt werden. Dasselbe gelte für eine rezidivierende depressive Störung. Die depressiven Einbrüche und die Phasen verme hrter Angetriebenheit seien vorwie- gend in der Persönlichkeitsstörung begründet, wobei ein Teil mit dem Substanz-/Alkoholabusus, nicht zuletzt mit dem Gebrauch von Kokain, zusammenfallen dürfte. Eine Angst- oder Zwangs- störung sei nicht feststellbar und die Verdachtsdiagnose einer ADHS könne ebenfalls nicht be- stätigt werden. In neurologischer Hinsicht bestünden keine Zweifel am Vorliegen einer juvenilen Myokolonus-Epilepsie und einer Migräne. Aktuell erfolge die Behandlung mit niedrig dosiertem Topiramat. Prinzipiell sei ein Einfluss dieses Medikamen ts auf Kognition und Müdigkeit auch in niedriger Dosierung nicht auszuschliessen. Bei der aktue llen klinisch-neurologischen Untersu- chung hätten sich jedoch keine Hinweise auf kognitive De fizite oder Ermüdungserscheinungen ergeben. Das früher eingenommene Medikament Valproat könne zwar zahlreiche Nebenwir- kungen haben, scheine vorliegend aber nicht notwendig z u sein. Relevant sei die Alkohol- und Drogenproblematik, wobei die Versicherte zunächst angege ben habe, nur selten und in letzter Zeit kein Cannabis konsumiert und nur unregelmässig Alkohol getrunken zu haben. Die aktuelle Blut- resp. Urinbestimmung ergäbe aber ein anderes Bil d. Positiv getestet worden seien Can- nabis und Kokain und es sei auch von einem regelmässig er höhten Alkoholkonsum auszuge- hen. Da die Versicherte anlässlich der aktuellen Explor ation spontan nur sehr zurückhaltend Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht über den Substanzkonsum berichtet habe (es sei ihr angebl ich empfohlen worden, darüber nur wenig zu berichten) und die aktuelle Laboruntersuchung dazu diskrepant ausgefallen sei, könne der Substanzabusus nicht näher eingegrenzt werden. Die Versicherte sei aufgrund der leicht ausgeprägten Persönlichkeitsstörung in den Bereichen Anpassung an Regeln/Routinen, Flexibi- lität/Umstellfähigkeit, Durchhalte- und Selbstbehauptun gsfähigkeit mittelgradig und im Bereich Gruppenfähigkeit leichtgradig eingeschränkt. Seit der S chulzeit bestünde eine gewisse Unver- bindlichkeit mit mangelnder Pünktlichkeit und Absenzen, was aufgrund der Persönlichkeitsstö- rung erklärbar sei. Der grössere Teil müsse hingegen als IV-fremd gewertet werden und sei teilweise im phasischen Missbrauch von Substanzen begründet, teilweise aber auch motivatio- nalen Ursprungs. Wegen der Epilepsie seien Schicht- und Nachtarbeit nicht möglich. Die Mig- räne würde die Arbeitsfähigkeit nicht prinzipiell ein schränken, auch wenn im Rahmen einer At- tacke die Funktionsfähigkeit vorübergehend ganz oder te ilweise beeinträchtigt sein könne. Der psychiatrische Vorgutachter habe die Suchtproblematik eher unterschätzt. Bei Zumutbarkeit zur Abstinenz sei von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % auszu gehen. Suchtmittelabusus könne vo- rübergehend zu Arbeitsunfähigkeit führen, bei gegeben er Abstinenzfähigkeit jedoch nicht in IV- relevantem Ausmass. Eine weitergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestünde nicht und habe längerfristig auch nie vorgelegen. Die neuro logische Einschränkung sei qualitativ und ergäbe keinen additiven Effekt. 8.2 In ihrer Eingabe vom 22. März 2021 erachtete die IV-Stelle unter Hinweis auf die Stel- lungnahme der RAD-Ärztin prakt. med. G.____ vom 18. M ärz 2021 die Gerichtsexpertise als beweistaugliche Entscheidgrundlage und beantragte gest ützt darauf die Abweisung der Be- schwerde. Da jedoch aufgrund der Persönlichkeitsstörung im Vergleich zur Begutachtung durch die Dres. C.____ und D.____ keine Änderung im Verlauf vorliege, sei weiterhin von einer Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 30 % auszu gehen. Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin am 25. März 2021 auf den Standp unkt, dass die Beurteilung der Leis- tungsfähigkeit im Gerichtsgutachten unzutreffend und nicht realistisch sei und beantragte, bei den Gutachtern eine ergänzende Stellungnahme einzuholen. 8.3 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizini schen Experten oder Expertinnen ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerich tsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorli egend sind keine Gründe ersicht- lich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gerich tsgutachten der Dres. E.____ und F.____ vom 26. Februar 2021 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erf üllt. So weist es weder formale noch inhaltliche Mängel auf und ist – wie dies vom Bunde sgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend. Sodann ergeben sich daraus keine Widersprüche von entscheidrelevanter Bedeutung. Es beinhaltet eine eing ehende Erörterung der Befunde, be- rücksichtigt die vorhandenen (abweichenden) Berichte, setzt sich mit den Kriterien gemäss ICD- 10 auseinander und basiert auf einer aktuellen Laboru ntersuchung. Insgesamt ist die Beurtei- lung im Gutachten überzeugend. Es wird deutlich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der leicht ausgeprägten Persönlichkeitsstörung mittelgradi ge Beeinträchtigungen in Anpassung an Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Regeln/Routinen, Flexibilität/Umstellfähigkeit, Durchha lte- und Selbstbehauptungsfähigkeit und eine leichtgradige Beeinträchtigung der Gruppenfähig keit aufweist. Zudem bestehen aufgrund des primär generalisierten Epilepsie-Syndroms qualitative Einschränkungen der Leistungsfähig- keit (keine Schicht- und Nachtarbeit), wohingegen die M igräne zwar jeweils eine kurzzeitige, jedoch keine prinzipielle Einschränkung der Leistungsfä higkeit zur Folge hat. Medikamentös bedingte kognitive Defizite oder Ermüdungserscheinungen stellten die Gutachter keine fest. Auch der Suchtmittelabusus kann vorübergehend zu Arbeit sunfähigkeit führen, bei gegebener Abstinenzfähigkeit jedoch nicht in IV-relevantem Ausmass. Vor diesem Hintergrund erscheint die Beurteilung, wonach aus psychischen Gründen bei Zumut barkeit zu Abstinenz von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % auszugehen sei und die neur ologische Einschränkung keinen addita- tiven Effekt habe, nachvollziehbar. Hinweise dafür, dass die Gerichtsgutachter die Ressourcen der Versicherten als zu gering einschätzten, liegen ni cht vor. Vielmehr korrespondieren die auf- gezeigten Ressourcen vollends mit der attestierten Arb eitsunfähigkeit und ergeben ein stimmi- ges Gesamtbild. Die entsprechenden, vorstehend (vgl. E. 8 .1) wiedergegebenen Darlegungen der Gutachter vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 8.4 Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, verf ängt nicht. Wenn sie zunächst kriti- siert, die Exploration bei Dr. F.____ sei „polizeiähnlich“ erfolgt und dessen Fragen betreffend ihr Sexualleben seien zu intim gewesen, ist ihr entgegenz uhalten, dass psychiatrische Gutachter im Rahmen einer umfassenden psychiatrischen Begutachtung s ämtliche relevanten Kernkom- ponenten erheben müssen, wozu mitunter auch das Sexualle ben einer versicherten Person gehört. Inwiefern die Befragung durch Dr. F.____ nich t lege artis erfolgt sein soll, ist weder er- sichtlich noch rechtsgenüglich dargetan. Im Übrigen kritisi erte die anwaltlich vertretene Be- schwerdeführerin unmittelbar nach dem Explorationsgesp räch die Vorgehensweise des psychi- atrischen Gutachters nicht. Aus dieser Rüge kann die Beschwe rdeführerin deshalb nichts zu ihren Gunsten ableiten. Weiter macht sie betreffend den Nachweis von Cannabis und Kokain in der aktuellen Blutabnahme geltend, dass sie vor Sylveste r 2020 unter grossem Druck gestan- den habe. So sei bei einer guten Freundin die Diagno se eines bösartigen Tumors entdeckt worden und diese habe sich hilfesuchend an sie gewandt. Zudem habe sie ihrer Mutter beim Umzug in eine Alterswohnung helfen müssen. Schliesslich ha be sie infolge Ferienvertretung anderer Spitexmitarbeiter über die Weihnachtsfeiertag e bis zu 50 % arbeiten müssen. Diese Belastungen seien für sie eindeutig zu hoch gewesen. An den freien Tagen über Sylvester 2020 habe sie sich mit ihrem Freund und weiteren Kollegen nach Y.____ begeben, um zu feiern und zu entspannen. Dabei habe sie auch Kokain konsumiert un d Cannabis geraucht. Aus dieser besonderen Situation auf einen regelmässigen Konsum sc hliessen zu wollen, sei aber verfehlt. Die Vorgutachter hätten denn auch zu Recht nicht so vi el Wert auf den Drogenkonsum gelegt. Auch dieses Vorbringen der Versicherten überzeugt nic ht. Sie verkennt, dass sich die Beurtei- lung der Gutachter, wonach bei ihr ein schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden und Kokain zu bejahen sei, nicht nur auf die aktuellen Laborwerte stü tzt. Vielmehr standen ihnen diverse me- dizinische Akten zur Verfügung, die zum Gesundheitszustand der Versicherten erstellt worden waren und die es ihnen ohne weiteres ermöglichten, ei ne nicht nur auf eine Momentaufnahme beschränkte Beurteilung abzugeben. Daran ändert die T atsache nichts, dass sie aufgrund der zurückhaltenden Angaben der Versicherten den Substanzabu sus nicht genauer eingrenzen konnten. Demgegenüber erscheinen die Ausführungen der Versicherten zum Suchtmittelkon- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sum als zweifelhaft, zumal sie anlässlich der aktuellen Ex ploration zunächst wahrheitswidrig angab, seit Jahren weder Cannabis noch Kokain konsumiert zu haben. Weshalb es die Versi- cherte anlässlich der aktuellen Begutachtung mit Laborun tersuchung unterliess, auf den kurz davor erfolgten Kokain- und Cannabiskonsum hinzuweisen, kann nicht nachvollzogen werden. Soweit sie schliesslich geltend macht, der erhöhte Konsum von Alkohol sei bei ihr inzwischen zurückgegangen, ist dem entgegenzuhalten, dass nach den überzeugenden Ausführungen der Gutachter der erhöhte CDT-Wert auf einen längerdauer nden regelmässigen Alkoholkonsum hinweist. Bei dieser Sachlage kann diesbezüglich in an tizipierter Beweiswürdigung auf weitere Abklärungen verzichtet und auf die Angaben im Gerichtsgutachten abgestellt werden. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin trifft auch nicht zu, dass Dr. F.____ ihre auffällige Aus- bildungs- und Berufsbiographie unzutreffend erfasst hät te. Vielmehr differenzierte er zwischen den subjektiv empfundenen Beschwerden und den geltend gemachten Einschränkungen im Alltag der Beschwerdeführerin einerseits und den objektiv feststellbaren Befunden andererseits. Er erkannte einen eingliederungsanamnestisch ausgewiese nen Leidensdruck und einen teil- weise krankheitswertigen Befund. Den grösseren Teil beurt eilte er aber als nicht krankheitsbe- dingt resp. nicht IV-relevant. Daran vermag die abwei chende eigene Einschätzung der Be- schwerdeführerin nichts zu ändern. Auch wenn ihr darin beizupflichten ist, dass das Gutachten keine nähere Umschreibung der IV-fremden Faktoren enthä lt, fällt vorliegend ins Gewicht, dass die Diagnostik aufgrund des international gebräuchlichen Diagnosesystemen ICD-10 erfolgte. Dabei stellten die Gutachter mit Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit einzig eine nicht näher be- zeichnete Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen A nteilen (ICD-10 F60.9) und eine primär generalisierte juvenile myoklonische Epilepsie (IC D-10 G40.3) fest. Zudem liegen keine überzeugenden Meinungsäusserungen anderer Fachexperten vor , welche die Auffassung der Beschwerdeführerin zu stützen und die Schlüssigkeit der G erichtsgutachter in Frage zu stellen vermöchten. Weiter setzte sich Dr. F.____ hinreichend mit der Biographie, dem beruflichen Werdegang, der sozialen und der Familienanamnese sowie den Alltagsaktivitäten der Be- schwerdeführerin auseinander. Die Expertise enthält denn auch alle erforderlichen Angaben für die Prüfung der Frage, ob sich ein invalidisierender Gesundheitszustand anhand der Standar- dindikatoren verifizieren lässt. Insgesamt steht die gu tachterliche Einschätzung mit den objekti- ven Umständen in Einklang und gibt ein schlüssiges Bild zum Gesundheitszustand sowie der daraus resultierenden Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Soweit diese moniert, es feh- le eine aktuelle neuropsychologische Untersuchung, ist d em entgegenzuhalten, dass es grund- sätzlich den medizinischen Experten überlassen ist, über A rt und Umfang der aufgrund der konkreten Fragestellung erforderlichen Untersuchungen zu befinden (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 24. Juli 2014, 8C_450/2014, E. 4.2). Eine sol che Zusatzabklärung erachteten die Experten offenbar nicht als notwendig und wurde auch von der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme zum Gutachtensauftrag nicht gefordert. Dazu kommt, dass die im Dezember 2017 durchgeführte neuropsychologische Untersuchung ohne a uffälligen Befund war und nicht ersichtlich ist bzw. geltend gemacht wurde, dass sich die Situation insoweit verändert hätte. Insgesamt liegt nichts vor, was die Beurteilung im Geri chtsgutachten in Zweifel ziehen könnte, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinwei- sen) auf weitere Abklärungen verzichtet und davon ausgeg angen werden kann, dass die Versi- cherte krankheitsbedingt zu 20 % in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Wie oben (vgl. E. 3.1 hiervor) ausgeführt, setzt der Rentenanspruch unter anderem vo- raus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch- schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig war und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist. Das rentenbegründende Wartejahr ge mäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt als er- öffnet, wenn eine Einbusse an funktionellem Leistungsve rmögen im bisherigen Beruf von min- destens 20 % vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. Februar 2014, 9C_818/2013, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Nach der massgebenden Beurtei lung im Gerichtsgutachten der Dres. E.____ und F.____ vom 26. Februar 2021 war die Versicherte seit Eintritt ins Erwachse- nenleben krankheitsbedingt zu 20 % in der Arbeitsfähig keit eingeschränkt. Damit erfüllte sie zu keinem Zeitpunkt sämtliche Voraussetzungen einer rentenbe gründenden Invalidität. Die ange- fochtene Verfügung vom 12. Dezember 2019, mit welcher ein Rentenanspruch der Beschwer- deführerin abgewiesen wurde, ist daher nicht zu beansta nden und die Beschwerde deshalb abzuweisen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Da ihr mit Verfügung vom 4. Feb- ruar 2020 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde, gehen die Verfahrenskosten vor- läufig zu Lasten der Gerichtskasse. 10.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungst räger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, w enn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil n achträglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 en tschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig er achteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfah- rensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferl egt werden können, zu berücksichti- gen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zw ischen dem Untersuchungs- mangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellationen der Fa ll: Wenn ein manifester Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztlichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete A rgumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation no twendige Aspekte unbeantwortet gelas- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt habe, welche die Anforderungen an eine medi- zinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 12 5 V 351 E. 3a). Wenn die Verwaltung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive konver- gente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Gerichts gutachtens an sie nicht gerechtfer- tigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; vgl. zum Ganzen: BGE 139 V 496 E. 4.4 mit Hinweisen). 10.2.2 Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der Ur teilsberatung vom 9. Juli 2020 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Wie vorstehend in Erwägung 7 ausgeführt, k am dem Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 17. September/9. Oktober 2018 sowie de ren ergänzenden Stellungnahmen vom 25. März 2019 und 25. Oktober 2019 mit Blick auf die Anforderungen an den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskraft zu. Da auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte keine ver lässliche Entscheidungsgrundlage bildeten, waren die Abklärungsergebnisse aus dem Verwa ltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräftig. Demnach wies das Verwaltungsverfahren Unt ersuchungsmängel auf, die eine Gerichtsexpertise notwendig machten. Die Kosten des Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss den eingereichten Honorarnoten vom 7. Januar 2021 und 8. März 2021 auf Fr. 14'183.30 belau- fen, sind unter diesen Umständen der Vorinstanz aufzuerlegen. 10.3.1 Nachdem sich die Rechtsstellung der Beschwerdeführerin mit dem Ausgang des Verfah- rens gegenüber jener nach Abschluss des Administrativverfahrens nicht verbessert hat, und die Verwaltung vorliegend nicht bloss rudimentäre Abklärunge n vorgenommen hatte, sind die aus- serordentlichen Kosten dem Prozessausgang entsprechend we ttzuschlagen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli 2018, 8C_304/2018). Da der Be schwerdeführerin mit Verfügung vom 4. Februar 2020 auch die unentgeltliche Verbeistän dung mit ihrer Rechtsvertreterin bewil- ligt wurde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Ge richtskasse zu entschädigen. Die Rechts- vertreterin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honora rnote vom 25. März 2021 für das vorlie- gende Verfahren einen Zeitaufwand von 35 Stunden 25 Minuten geltend gemacht. Dieser Auf- wand ist in Anbetracht des Aktenumfangs und der sich stel lenden Sachverhalts- und Rechtsfra- gen im Quervergleich zu ähnlich gelagerten Fällen deutlich zu hoch. Dies gilt namentlich für den Aufwand der Rechtsvertreterin vor Beginn der Ausfertigu ng der Beschwerdeschrift am 23. Ja- nuar 2020 von mehr als 13 Stunden. Die Notwendigkei t eines persönlichen Besuchs bei der Beschwerdeführerin zu Hause erschliesst sich dem Gericht nich t. Ferner ist bei der Ausarbei- tung der Beschwerdeschrift, beim Aktenstudium sowie beim Einholen von Unterlagen eine Re- duktion angezeigt. Für das vorliegende Verfahren erscheint unter Beachtung aller Umstände ein Aufwand von 20 Stunden als angemessen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwäl- tinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbei- ständung Fr. 200.--. Die ausgewiesenen Auslagen im Bet rag von Fr. 696.90 sind gerade noch angemessen. Der Rechtsvertreterin ist demnach ein Honora r von Fr. 5'058.55 (20 Stunden x Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 696.90 inkl. 7,7 % Mehrw ertsteuer) aus der Gerichtskasse auszu- richten. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.3.2 In Bezug auf die vorläufig auf die Gerichtskasse genommenen Verfahrenskosten und das aus der Gerichtskasse ausgerichtete Honorar des Rechtsve rtreters wird die Beschwerde- führerin ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über d ie Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Par tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Ver- fahrenskosten vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von insge- samt Fr. 14‘183.30 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 5'058.55 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht