B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1200/2020 law/fes U r t e i l v o m 1 9 . A u g u s t 2 0 2 1 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), Libanon, seine Ehefrau B._______, geboren am (…), Syrien, und ihre Kinder C._______, geboren am (…), Libanon, sowie D._______, geboren am (…), Libanon, alle vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 28. Januar 2020 / N (…). D-1200/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______ (nachfolgend Beschwerdeführer) und B._______ (nachfolgend Beschwerdeführerin) flogen am 5. Dezember 2016 legal mit griechischen Schengen-Visa von E._______ nach F._______ und weiter nach G._______, von wo sie gleichentags in die Schweiz einreisten. Am 12. De- zember 2016 suchten sie in der Schweiz um Asyl nach. Am 20. Dezember 2016 wurden beide zu ihrer Person und summarisch zu den Asylgründen befragt (Befragung zur Person; BzP). B. Am (…) kam ihr Sohn C._______ zur Welt. C. Am 4. Dezember 2019 hörte das SEM die Beschwerdeführenden vertieft zu den Asylgründen an. C.a Der Beschwerdeführer erklärte zu seiner Person und seinem persönli- chen Hintergrund, er sei libanesischer Staatsangehöriger, arabischer Eth- nie und armenisch-orthodoxen Glaubens. Er habe ein (…)-Studium an der Universität von E._______ abgeschlossen. Zuletzt habe er als (…) gear- beitet. Seiner Frau gehe es psychisch nicht gut und sie dürfe im Libanon nicht legal arbeiten. Da sie kinderlos gewesen seien, sei sie trotz der Heirat nicht eingebürgert worden. Zur Begründung des Asylgesuches machte er im Wesentlichen geltend, die politische Lage im Libanon sei miserabel und werde von Exponenten des vergangenen Bürgerkriegs bestimmt. Das Land sei von verschiedenen Seiten bedroht – von Israel, Syrien und dem sogenannten «Islamischen Staat». Ferner sei die Hisbollah für politische Unruhen im Land verantwortlich und die Umweltverschmutzung sei im Li- banon enorm. Auch die wirtschaftliche Situation sei krisenhaft, es komme zu Entlassungen und die Preise seien gestiegen. Es gebe keine Privat - oder Rentenversicherungen im Libanon. Es herrsche weder Stabilität noch Sicherheit. Es könne auch einmal zu einem Krieg zwischen der Hisbollah und Israel kommen. Zurzeit sei im Libanon eine Revolution im Gang. Er habe das Gefühl, dass Christen im Libanon irgendwann einma l verfolgt würden, wenn die Entwicklungen so weitergingen. Er leide an Asthma und habe in der Schweiz mentale Probleme bekommen. Die Beschwerdeführerin erklärte zu ihrer Person, sie sei syrische Staats- angehörige, ethnische Assyrerin und römisch-katholischen Glaubens. Sie D-1200/2020 Seite 3 habe in ihrem Heimatland zuletzt in H._______ gewohnt. Sie habe (…) stu- diert und als (…) gearbeitet. Ihr Vater sei seit vielen Jahren verschollen . Zum Asylgesuch erklärte sie, sie ersuche um Asyl, weil in Syrien Krieg herr- sche. Ungefähr im März 2011 sei das Gerücht in ihrem Quartier in Syrien umgegangen, dass Kurden die Christen von dort vertreiben wollten. Später habe sie sich mit ihren Angehörigen in ein anderes Quartier begeben. Ein Priester habe ihnen dort eine Wohnung besorgen können. Sie habe grosse Angst bekommen. Man habe Parolen gegen die Christen gehört. Un be- kannte Leute seien ins Quartier gekommen und hätten Schulen bombar- diert. Es habe Bewaffnete, Schüsse und Explosionen in ihrem Quartier ge- geben. Deshalb sei sie mit ihrer Mutter im Jahr 2012 in den Libanon ge- gangen, nachdem eine Schwester von ihr vorausgereist und einiges für sie und die Mutter vorbereitet habe. A m 10. August 2014 habe sie in E._______ den Beschwerdeführer geheiratet. Sie habe sich im Libanon nicht integrieren können und nicht arbeiten dürfen. Sie habe nur eine pro- visorische Aufenthaltsbewilligung gehabt. Der Libanon befinde sich in einer Wirtschaftskrise. Es gebe keine gesundheitliche Fürsorge und die Umge- bung sei verschmutzt. Viele ihrer Angehörigen – mitunter ihre Mutter als ihre wichtigste Bezugsperson – würden in der Schweiz leben, nachdem sie im Rahmen eines Resettlement-Programms des Amts des Hohen Flücht- lingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) in die Schweiz gekom- men seien. Mit einem italienischen Visum habe sie ihre Familienmitglieder in der Schweiz besucht und sei danach im O ktober 2016 für eine Woche nach Syrien zurückgekehrt und danach wieder in den Libanon gereist. Sie habe zudem eine Augenoperation gehabt und es gehe ihr psychisch nicht gut, weswegen sie Medikamente nehmen müsse. C.b Die Beschwerdeführenden reichten ihre Identitätskarten, ihre Reise- pässe, ihren Eheschein, ihre Taufscheine, ein Bestätigungsschreiben eines Priesters der assyrischen Ostkirche vom 12. Dezember 2016, eine ärztli- che Bescheinigung vom 23. November 2016, eine UNHCR-Registrierungs- bestätigung betreffend die Beschwerdeführerin, sowie die Kopie eines mi- litärischen Ausweises samt Übersetzung und ein ärztliches Zeugnis betref- fend den Beschwerdeführer ein. D. Mit Schreiben vom 31. Dezember 2019 forderte das SEM die Beschwer- deführenden auf, einen aktuellen ärztlichen Bericht einzureichen. D-1200/2020 Seite 4 E. Die Beschwerdeführenden reichten zwei ärztliche Berichte vom 9. Januar 2020 mit weiteren Unterlagen zu ihrem Gesundheitszustand ein. F. Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 28. Januar 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihre Asylgesuche vom 12. Dezember 2016 ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz in den Libanon sowie den Vollzug der Wegweisung an. G. Mit Eingabe vom 28. Februar 2020 liessen die Beschwerdeführenden – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – gegen diese Verfügung beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihnen Einsicht in sämtliche Akten betreffend d ie Beschwerdeführerin inklusive Familienzusammenführung sowie in die Akten A10/2 (Auswertung Doku- mentenprüfung), A16/1 (Aktennotiz Abbruch Dublin-Verfahren), A17/2 und A18/1 (interne Mails), A19/1 und A26/1 (interne Notizen) zu gewähren [1]. Eventualiter sei ihnen das rechtliche Gehör zu all diesen Akten zu gewäh- ren [2] und nach Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter des recht- lichen Gehörs eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerde- ergänzung anzusetzen [3] . In der Beschwerdebegründung wird sodann auch Einsicht in die Akte A12 ersucht (vgl. Beschwerde S. 7 Art. 15). Weiter liessen sie beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe- ben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurtei- lung zurückzuweisen [4]. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung auf- zuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei ihnen Asyl zu gewähren [5]. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und sie seien als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen [6 ]. E ventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Unzulässigkeit [7] eventualiter die Unzu- mutbarkeit [8] des Wegweisungsvollzugs festzustelle n und sie vorläufig aufzunehmen. Schliesslich liessen sie beantragen, es sei auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses zu verzichten [9] und sie seien von der Bezahlung von Ver- fahrenskosten zu befreien [10]. Mit der Beschwerde liessen sie zehn Kopien von schweizerischen Aufent- haltsbewilligungen von Verwandten, Familienfotos, ei nen Ausdruck einer D-1200/2020 Seite 5 schweizerischen Reisewarnung für den Libanon inklusive Karte, Unterla- gen zu Integrationsbemühungen, ein Arztzeugnis vom 21. September 2018 betreffend den Beschwerdeführer, ein undatiertes Schreiben des Schwei- zerischen Roten Kreuzes (SRK) und eine Fürsorgebestätigung vom 5. Februar 2020 einreichen. H. Mit Verfügung vom 5. März 2020 stellte der zuständige Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse gut und verzich- tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Antrag, es sei in die Akten A16/1, A17/2, A18/1, A19/1, A26/1 und in das Dossier betreffend Fa- miliennachzug Einsicht oder das rechtliche Gehör zu gewähren, wies er ab. Das SEM wies er an, den Beschwerdeführenden die Akte A10/2 offen zu legen, die Resettlement-Unterlagen den Akten zuzuführen und die dem Akteneinsichtsrecht unterliegenden Akten den Beschwerdeführenden zu edieren. I. Mit Schreiben vom 11. März 2020 sandte das SEM den Beschwerdefüh- renden eine Kopie der Akte A10/2 zu und teilte ihnen mit, ein offizielles Resettlement-Gesuch von ihnen sei nicht aktenkundig. Die Namen der Be- schwerdeführenden würden zwar in den Gesuchen der Verwandten aufge- führt, jedoch nicht als Gesuchsteller. J. Mit Eingabe vom 14. März 2020 wurde ein Arztbericht vom 5. März 2020 betreffend die Beschwerdeführerin und weitere Unt erlagen zu ihrem Ge- sundheitszustand eingereicht. K. Mit Verfügung vom 18. März 2020 gab der Instruktionsrichter dem SEM Gelegenheit, eine Vernehmlassung zur Beschwerde und der weiteren Ein- gabe einzureichen. L. In seiner Vernehmlassung vom 26. März 2020 nahm da s SEM zur Be- schwerde Stellung und hielt an seinen Erwägungen fest. D-1200/2020 Seite 6 M. Am 27. April 2020 wurden mit der Replik des Rechtsvertreters des Be- schwerdeführers eine Mail von M aster of Science I._______, eidgenös- sisch anerkannte Psychotherapeutin der (…), an Letzteren eingereicht. N. Mit Eingaben vom 4. Mai 2020 und 6. Juli 2020 reichten die Beschwerde- führenden mittels ihres Rechtsvertreters Unterlagen zur aktuellen Situation im Libanon ein. O. Am (…) gebar die Beschwerdeführerin eine Tochter. P. Am 14. August 2020 wurden ein Auszug aus dem Geburtsregister und Un- terlagen zu Integrationsbemühungen des Beschwerdeführers eingereicht. Q. Mit Schreiben ihres Rechtsvertreters vom 2. März 2021 reichten die Be- schwerdeführenden eine Terminkarte der (…), eine Kopie eines Deutsch- kurs-Diploms und Berichte zur Situation im Libanon ein. R. Am 25. Juni 2021 liessen die Beschwerdeführenden einen Erstbericht der (…) vom 16. Mai 2021 betreffend die Beschwerdeführerin einreichen. S. Mit Eingabe vom 19. Juli 2021 wurden mehrere Internetartikel zur Situation im Libanon eingereicht. T. Am 6. August 2021 reichten die Beschwerdeführenden zwei Internetartikel zur Benzin- und Medikamentenknappheit im Libanon ein und führten aus, dass die im Libanon verbleibenden Familienangehörigen des Beschwerde- führers in äusserster Armut leben würden. D-1200/2020 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil- genommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs- weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legiti- miert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Akten der Schwestern und der Mutter der Beschwerdeführerin, wel- chen in der Schweiz gestützt auf Art. 56 AsylG am 28. Mai 2015 Asyl ge- währt worden ist, wurden beigezogen (N […], N […] und N […]). 4. 4.1 In der Beschwerde werden die forme llen Rügen der Verletzung des rechtlichen Gehörs, des Anspruchs auf Akteneinsicht sowie des Untersu- chungsgrundsatzes und der Begründungspflicht erhoben. 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht all e Befugnisse umfasst, die einer D-1200/2020 Seite 8 Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus- einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 4.3 4.3.1 In der Beschwerde wird gerügt, d ie Akten enthielten zahlreiche in- terne Unterlagen. Dabei handle es sich teils um Mails und teils um Notizen. Es sei aufgrund der mangelhaften Paginierung nicht ersichtlich, warum es bei diesen Unterlagen konkret gehe. 4.3.2 Im Aktenverzeichnis werden zwei interne Mails (A17/2, A18/1) und zwei interne Notizen (A19/1, A26/1) erwähnt, ohne dass sich aufgrund ihrer Bezeichnung Rückschlüsse auf deren Inhalt ziehen lassen . Bei der Mail A17/2 handelt es sich um eine Anfrage zum Abbruch des Dublin -Verfah- rens und zu einem Visumsantrag der Beschwerdeführenden. Bei der Akte A18/1 handelt es sich um die Antwort zur Frage, warum das Dublin-Verfah- ren abgebrochen wurde. In der Notiz A19/1 wird festgehalten, dass nicht die Dublin-Abteilung die Anhörung durchführt und die Notiz A26/1 enthält Informationen, zu welchem Zeitpunkt durch welche Sektion die Anhörung durchzuführen ist. Das SEM hat diese Akten zu Recht als interne Akten qualifiziert, weil sie dem internen Prozedere dienen und deshalb aufgrund ihres fehlenden Beweischarakters nicht dem Einsichtsrecht unterstehen. Ansonsten ist die Paginierung und Bezeichnung der Akten im Aktenver- zeichnis hinreichend nachvollziehbar und korrekt. Eine Verletzung der Ak- tenführungspflicht liegt nicht vor. 4.4 4.4.1 Ferner wird geltend gemacht , das SEM habe den Anspruch auf Ak- teneinsicht sowie den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Das SEM habe die Akten der Familienangehörigen der Beschwerdeführerin konsul- tiert, jedoch keine entsprechende Notiz im Dossier abgelegt, aus welcher hervorgehe, zu welchem Ergebnis der Beizug beziehungsweise die Kon- sultation der Dossier geführt habe. D-1200/2020 Seite 9 4.4.2 Es trifft zu, dass keine Notiz zur Konsultation der Akten der Verwand- ten der Beschwerdeführerin in den Akten der Beschwerdeführenden vor- zufinden ist. Das SEM hat jedoch in der Verfügung festgehalten, es habe die Akten der Verwandten der Beschwerdeführerin in der Schweiz konsul- tiert, und es hat darin auch erklärt, dass diesen nichts zu entnehmen sei, was für ein erhöhtes Gefährdungsprofil der Beschwerdeführenden spre- che. Insofern hat das SEM den Sachverhalt hinreichend abgeklärt. Der Ein- wand in der Beschwerde zielt ins Leere. Es hätte den Beschwerdeführen- den im Übrigen offen gestanden, mittels einer Einwilligungserklärung der Verwandten selber Einsicht in deren Akten zu verlangen. 4.4.3 Eingewendet wird sodann, die Beschwerdeführerin habe ein Gesuch um Resettlement vorgelegt, ein solches sei jedoch nicht in den vorinstanz- lichen Akten vorzufinden. Der Instruktionsrichter forderte das SEM mit Ver- fügung vom 5. März 2020 auf – insofern ein solches Gesuch gestellt wor- den sei – die Resettlement-Unterlagen den Akten zuzuführen und die ent- sprechenden Akt en zu edieren . Aus dem Schreiben des SEM an den Rechtsvertreter vom 11. März 2021 geht hervor, dass kein offizielles Re- settlement-Gesuch der Beschwerdeführerin aktenkundig sei. Ihre Perso- nalien würden zwar in den UNHCR -Unterlagen ihrer Verwandten auftau- chen, dies jedoch unter der Rubrik «Relatives of principal applicant and spouse not included in this submission». Als Kommentar unter den Perso- nalien der Beschwerdeführerin sei vermerkt worden: «Engaged to a Le- banse national. Registered with UNHCR under file number (…). Does not wish to be considered for resettlement at this time. ” Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin nicht um ein Resettlement ersucht hat, liegen keine solchen Akten vor, in die Einsicht gewährt werden könnte. 4.4.4 Bezüglich des Gesuchs um Einsicht in ein allfälliges Gesuch um Fa- miliennachzug von den Angehörigen der Beschwerdeführerin stellte bereits der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 5. März 2020 fest, dass ein sol- ches Gesuch von den Angehörigen der Beschwerdeführerin in der Schweiz gestellt und deshalb in deren Akten abgelegt worden wäre. Mangels deren Einwilligungserklärung wies er den diesbezüglichen Antrag ab. 4.4.5 Insoweit in der Beschwerde um Einsicht in die Akten A10/2 (Auswer- tung Dokumentenprüfung), A16/1 (Aktennotiz Abbruch Dubli n-Verfahren), A17/2 und A18/1 (interne Mails), A19/1 und A26/1 (interne Notizen) ersucht worden ist, handelte der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 5. März 2020 das Akteneinsichtsgesuch bereits ab und wies das SEM an, den Be- schwerdeführenden die Akt e A 10/2 zu edieren. Das SEM gewährte in D-1200/2020 Seite 10 Folge dessen dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 11. März 2021 Einsicht in die Akte A10/2. Da die Identität der Beschwerdeführenden un- strittig ist, erübrigte es sich den Beschwerdeführenden das rechtliche Ge- hör zur Auswertung der Dokumentenprüfung zu gewähren. Bezüglich der anderen Akten wies der Instruktionsrichter das Akteneinsichtsgesuch mit Verfügung vom 5. März 2020 ab. 4.4.6 Ferner wurde in der Beschwerdebegründung Einsicht in die Akte A12 ersucht. Hierbei handelt es sich um eine interne Triage zur Abklärung, ob es sich allenfalls um ein Dublin-Verfahren handelt. Der Akte kommt für die Behandlung des Falles kein Beweischarakter zu; sie dient ausschliesslich dem technischen Ablauf des amtsinternen Prozederes, weshalb d ie Vo- rinstanz die Aktenedition diesbezüglich zu Recht verweigert hat, ohne da- bei den Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör zu ver- letzen (vgl. dazu auch BGE 125 II 473 E. 4a S. 474 f. mit Hinweisen). 4.5 4.5.1 Sodann wird in der Beschwerde moniert, das SEM habe sich mit der besonderen Situation der Beschwerdeführenden nicht ausführlich und de- tailliert auseinandergesetzt. Das SEM habe nicht gewürdigt, dass die Mut- ter der Beschwerdeführerin krank geworden sei und ins Spital habe gehen müssen. Das SEM hätte diese gravierenden Umstände und die Flucht aus Syrien würdigen müssen. Zudem habe das SEM dem Zusammenhang zwi- schen den psychischen Problemen der Beschwerdeführerin und der räum- lichen Distanz zu ihrer Mutter zu wenig Rechnung getragen. 4.5.2 Die Krankheit d er M utter der Beschwerdeführerin entfaltet für die Asylverfahren der Beschwerdeführenden offensichtlich keine Relevanz. Zu den näheren Umständen der Übersiedlung von Syrien in den Libanon hat die Beschwerdeführerin in den Befragungen keine Angaben gemacht, wel- che flüchtlingsrechtlich unmittelbar von Bedeutung hätten sein können, weshalb das SEM nicht gehalten war, diesbezüglich weitere Fragen zu stel- len. Das SEM weist in seiner Vernehmlassung sodann zutreffend darauf hin, dass es d em Zusammenhang zwischen den psychischen Problemen der Beschwerdeführerin und der räumlichen Distanz insbesondere zu ihrer Mutter im Sachverhalt der angefochtenen Verfügung Rechnung getragen habe. Es hält ferner fest, dieser Zusammenhang sei jedoch im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung nicht weiter beachtlich. Bei der Beschwerdeführerin handle es sich um eine erwachsene Frau mit eigener Familie, deren psy- chischer und physischer Gesundheitszustand als zumindest stabil und zu- friedenstellend bezeichnet werden dürfe. Dass die Beschwerdefüh rerin D-1200/2020 Seite 11 sich erneut von ihrer Mutter und den Geschwistern, die in der Schweiz leb- ten, trennen müsse, sei zwar bedauerlich, spreche aber weder gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs noch sei darin ein Grund für eine künftige, massive Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Verfassung zu erkennen. Im Übrigen ist das SEM auf die psychischen Probleme der Be- schwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung eingegangen, weshalb keine Verletzung der Begründungspflicht festzustellen ist. 4.5.3 Ferner wird in der Beschwerde geltend gemacht, das SEM behaupte, der Beschwerdeführerin drohe keine Rückschiebung nach Syrien, ohne zu prüfen, ob der behauptete Schutz vor Rückschiebung überhaupt bestehe. Die libanesischen Behörden hätten 2019 entschieden, Syrer zurück nach Syrien zu schaf fen. Diese Entwicklungen erwähn e das SEM mit keinem Wort und es habe sich nicht mit der sich zuspitzenden Lage im Libanon auseinandergesetzt. Es habe die Abklärungs- und Begründungspflicht ver- letzt. Zudem habe es im Dispositiv nicht festgeha lten, dass die Wegwei- sung nach Syrien ausgeschlossen sei, wie es dies in anderen Fällen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -50/2020) gemacht habe. Das SEM hätte zwingend eine ausdrückliche Garantie der libanesischen Behör- den betreffend die Nichtausschaffung der Beschwerdeführerin nach Syrien verlangen müssen. 4.5.4 Das SEM hat bereits in der Verfügung dargelegt und danach in der Vernehmlassung nochmals ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin zu- sammen mit ihrem libanesischen Ehemann in den Libanon und damit in einen Drittstaat reisen könne, weshalb das Non -Refoulement-Gebot be- züglich des Heimatstaates nicht zu prüfen sei. Zudem war die Beschwer- deführerin gemäss ihren Angaben im Besitz einer provisorischen Aufent- haltsbewilligung für den Libanon (vgl. Akte A7/11 Ziff. 7.02) und sie hätte gemäss den Abklärungen des SEM auf Gesuch hin und ein Jahr nach der offiziellen Heirat die libanesische Staatsbürgerschaft garantiert gehabt. Auch gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers hätte sie aufgrund der Geburt ihrer beiden Kinder die Möglichkeit, sich einbürgern zu lassen (vgl. Akte A8/11 Ziff. 7.01). Insofern bestand für das SEM kein Anlass, sich mit der libanesischen Ausschaffungspraxis auseinanderzusetzen oder von den libanesischen Behörden eine Garantie einzuholen, dass sie nicht nach Syrien ausgeschafft wird . Zudem führt das SEM zu Recht aus, dass die Beschwerdeführerin nach der Rückkehr aus Italien sogar freiwillig nach Sy- rien zurückreiste , was nicht auf eine Gefahr einer Verfolgung in Syrien spricht. Es trifft zu, dass das SEM im Dispositiv der angefochtenen Verfü- gung die Wegweisung nach Syrien nicht explizit ausgeschlossen hat. Aus D-1200/2020 Seite 12 der Begründung der Verfügung geht jedoch hervor, dass die Wegweisung in den Heimatstaat des Beschwerdeführers, in den Libanon, geprüft wor- den ist. Mit der allgemeinen Situation im Libanon hat sich das SEM in der angefochtenen Verfügung zwar nicht explizit auseinandergesetzt. Es hat jedoch im Zusammenhang mit der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs ausführlich dargelegt, dass der Beschwerdeführer im Libanon über eine Familie mit einem Teil eines Wohnhauses besitze und beide über gute Ausbildungen und Arbeitserfahrung verfügen wür den und Medikamente zur Behandlung der psychischen Beschwerden und physischen Mangeler- scheinungen zugänglich seien. In der Vernehmlassung nahm das SEM so- dann Stellung zur angespannten Situation im Libanon und führte aus, es bestehe keine Situation allgemeiner Gewalt und die Beschwerdeführenden dürften auf die (finanzielle) Unterstützung ihrer Angehörigen im In - und Ausland zählen. Das SEM ist demnach seiner Begründungspflicht nachge- kommen. 4.6 Weiter wird in der Beschwerde geltend gemacht, das SEM habe die eingereichten Beweismittel weder ausdrücklich detailliert erwähnt , noch konkret gewürdigt. Der Arztbericht vom 23. November 2016 und die Bestä- tigungsschreiben eines Priesters der assyrischen Ostkirche im Libanon seien vom SEM nicht gewürdigt worden. Die Bestätigung der Anerkennung der Beschwerdeführerin als Flüchtling durch das UNHCR im Libanon habe es mit keinem Wort erwähnt und gewürdigt, obwohl dies Auswirkungen auf das gesamte Asylverfahren habe. Sowohl die ärztliche Bescheinigung vom 23. November 2016 als auch das Bestätigungsschreiben eines Priesters der assyrischen Ostkirche werden in der Verfügung erwähnt (vgl. angefochtene Verfügung S. 4). Das SEM ist auf die Ausführungen in der ärztlichen Bescheinigung im Zusammenhang mit der Zumutbarkeit des Wegweisun gsvollzugs eingegangen, indem es ausführte, dass die Beschwerdeführerin an einer chronischen Angststö- rung leide und sie bereits vor ihrem Asylgesuch in der Schweiz Dexanit eingenommen habe. Auf den Inhalt des Schreibens des Priesters geht das SEM zwar nicht explizit ein. Der darin kurz wiedergegebene Lebenslauf der Beschwerdeführerin wird jedoch vom SEM nicht bestritten und die darin aufgeführten Albträume und psychischen Beschwerden werden in der Ver- fügung gewürdigt (vgl. angefochtene Verfügung S. 6). Das von der Be- schwerdeführerin eingereichte UNHCR-Registration Certificate vom 1. Juli 2014 wurde vom SEM im Sachverhalt zwar nicht aufgeführt. Inwieweit die- ses Beweismittel fundamentale Auswirkungen für das Asylverfahren haben soll, ist allerdings nicht ersichtlich. Ein Wegweisungsvollzug nach Syrien D-1200/2020 Seite 13 wird in der angefochtenen Verfügung nicht in Betracht gezogen. Die Be- schwerdeführerin hat im Übrigen als Syrerin im Libanon gelebt, was unbe- stritten ist. Zudem erwähnte das SEM, dass aufgrund der Heirat mit einem libanesischen Staatsbürger nicht von einer Rückschiebung der Beschwer- deführerin vom Libanon nach Syrien auszugehen sei. Auch die weiteren im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel beziehen sich auf Sachverhaltselemente respektive Tatsachen, die vom SEM nicht bestritten werden. Es bestand für die Vorinstanz daher keine Veranlassung, die se Beweismittel einer näheren Prüfung zu unterziehen. 4.7 Zusammenfassend ist festzustellen , dass keine Gründe ersichtlich sind, welche eine Rückweisung der Sache an das SEM zur Neubeurteilung rechtfertigen. Der entsprechende Antrag [4] ist folglich abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Grün- den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Aus dem Wortlaut dieser Bestimmung könnte man irrtümlicherweise ableiten, Flüchtling sei nicht nur, wer in seinem Heimatstaat verfolgt ist, sondern auch, wer an seinem ausländischen Wohnsitz Verfolgung erleidet. Legt man Art. 3 AsylG indes im Lichte von Art. 1 Bst. A Abs. 1 Ziff. 2 und Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) aus, wird klar, dass eine Person, die über eine Staatsangehörigkeit verfügt – das heisst nicht staatenlos ist – nur als Flüchtling anerkannt wird, wenn sie im Heimatstaat, das heisst im Staat, dessen Nationalität sie besitzt, verfolgt ist. Solange sich ihre Furcht vor Verfolgung nicht auf das Land bezieht, dessen Staatsbürgerin sie ist, kann sie den Schutz dieses Landes in Anspruch nehmen und sich auch dorthin begeben. Sie bedarf dann keines internationalen Schutzes und ist daher auch kein Flüchtling. Wegen Verfolgung am ausländischen Wohnsitz als Flüchtling anerkannt werden kann somit nur, wer staatenlos ist respektive im Heimatstaat wegen Furcht vor Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinn D-1200/2020 Seite 14 keine Zuflucht finden kann. Mit anderen Worten ist die Flüchtlingseigen- schaft einer Person mit Bezug zu jenem Staat zu prüfen, deren Staatsan- gehörigkeit sie besitzt, und nicht mit Bezug zum Land, in dem sie ihren ausländischen Wohnsitz hat (vgl. Urteil des BVGer E-5103/2015 vom 8. Juli 2016 E. 3; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, 1990, S. 34 ff.; UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993, Ziff. 87 ff.). 5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.4 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei- matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie- hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Auf- grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Aner- kennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be- troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus- gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün- deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylen t- scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol- gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns- ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 6. 6.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführenden würden sich bei ihren Asylgründen auf Nachteile D-1200/2020 Seite 15 beziehen, die mit den allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und sozia- len Lebensbedingungen im Libanon zusammenhingen . Von diesen seien weite Teile der libanesischen sowie ausländischen Bevölkerung im Libanon betroffen. Insofern würden ihre Darlegungen offensichtlich einer Asylrele- vanz entbehren. Daran ändere auch die vom Beschwerdeführer geäus- serte Furcht eines möglichen Krieges oder einer zukünftigen Verfolgung von Christen im Libanon nichts. Zwar verkenne das SEM die Spannungen, die mittlerweile auch im Libanon wieder zugenommen hätten, nicht. Bei ihren Ängsten handle es sich jedoch um rein subjektive Wahrnehmungen, die im heutigen Zeitpunkt durch objektive Kriterien keine Bestätigung fän- den. Die Beschwerdeführerin habe anlässlich der BzP erklärt, Syrien 2012 wegen des Bürgerkriegs verlassen zu haben. Überraschend habe sie erst anlässlich der Anhörung vorgebracht, dass ihre Familie 2011 wegen Ge- rüchten einer Christenvertreibung durch Kurden zunächst umgezogen sei. Sie habe von Kriegshandlungen und gewaltsamen Ereignissen in ihrem letzten Wohnquartier berichtet. Der Wahrheitsgehalt ihrer zusätzlichen An- gaben anlässlich der Anhörung müsse aufgrund deren nachgeschobenen Charakters zwar grundsätzlich angezweifelt werden. Dennoch sei festzu- halten, dass die Glaubhaftigkeit vorliegend unerheblich sei, handle es sich bei ihren Aussagen doch um Vorfälle , deren Zeuge sie im Rahmen des Bürgerkriegs geworden sei. Sie mache keine gezielte Verfolgung gegen sie oder ihre Familie wegen ihrer Religion geltend. Überdies sei zu sagen, dass sie zuletzt im Oktober 2016 für kurze Zeit nach Syrien zurückgekehrt sei, was nicht dem Verhalten einer Person entspreche, die sich in ihrem Heimatland tatsächlich an Leib und Leben bedroht fühle. Der Vollständig- keit halber sei zu erwähnen, dass aus den Akten der Verwandten der Be- schwerdeführerin in der Schweiz ebenfalls nichts zu entnehmen sei, das für ein erhöhtes Gefährdungsprofil in Bezug auf ihre Person spreche. 6.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Familie der Beschwerde- führerin sei vom Bürgerkrieg in Syrien geflohen und deshalb traumatisiert. Der Vater der Beschwerdeführerin sei seit vielen Jahren verschollen und sie hätten keine Nachricht über ihn. Die Beschwerdeführerin und ihre Fa- milie seien in Syrien mittels Parolen aufgefordert worden, das Quartier in- nerhalb von 24 Stunden zu verlassen, da es nachher bombardiert werde. Nach einer wuchtigen Explosion in ihrer Nähe seien sie definitiv ausgereist. Im Falle ein er Rückkehr in ihr Heimatland nach Syrien werde die Be- schwerdeführerin gezielt asylrelevant verfolgt. Sie und ihre Familie würden in Syrien wegen ihres religiösen sowie politischen Profils gezielt gesucht und verfolgt. Die Beschwerdeführerin sei im Libanon vom UNHCR als Flüchtling anerkannt worden. Weiter sei festzuhalten, dass das syrische D-1200/2020 Seite 16 Regime und dessen Geheimdienste im Libanon aktiv seien und mit den libanesischen Behörden zusammenarbeiten würden. Die Region, in wel- cher die Beschwerdeführenden in E._______ gelebt hätten, sei besonders unsicher und werde nicht vollständig durch die offiziellen staatlichen Si- cherheitskräfte kontrolliert und sei immer wieder Ziel von Anschlägen. Im Falle einer Ausschaffung in den Libanon drohe ihr eine Ausschaffung nach Syrien und somit eine Verletzung des Non -Refoulement-Gebots. Die Be- schwerdeführerin sei im Libanon von ihrer Mutter und ihren Geschwistern getrennt gewesen und habe deshalb unter schwerwiegenden psychischen Problemen gelitten. Sie stehe weiterhin in psychiatrisch-psychotherapeuti- scher Behandlung wegen einer Anpassungsstörung mit längerer depressi- ver Reaktion und benötige die Mutter und die Schwester, welche eine sta- bilisierende Wirkung und Rolle wahrnehmen würden. Der Beschwerdefüh- rer sei wegen einer depressiven Reaktion und Angst bei massiver psycho- sozialer Belastung in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Die Tren- nung von ihrer Mutter würde zu einer schwerwiegenden Verschlechterung ihres Gesundheitszustands führen. Der zuständige Facharzt habe im Arzt- bericht vom 9. Januar 2020 ausdrücklich geschildert, dass die lebenslange und medikamentöse Behandlung ihrer chronischen Mangelzustände im Herkunftsland vermutlich nicht gewährleistet wäre. Als syrische Flücht- lingsfrau habe sie keinen Zugang zur entsprechenden medizinischen Be- handlung im Libanon. Die gesundheitlichen Probleme würden sie ebenfalls daran hindern, sich im Libanon eine Existenz aufzubauen. Der Beschwer- deführer verfüge im Libanon nicht über ein tragfähiges Bez iehungsnetz. Seine wenigen sich dort befindenden Familienangehörigen seien nicht in der Lage, die Beschwerdeführenden zu unterstützen. Vielmehr sei es der Beschwerdeführer gewesen, welcher seine Familie habe unterstützen müssen (vgl. Akte A31/11 F16 [recte F15]). Es sei offensichtlich, dass dies aufgrund der eskalierten Situation im Libanon und dem faktischen Bankrott des Landes heute nicht mehr möglich wäre. Zudem seien im Libanon Aus- geh- und Rayonverbote für syrische Flüchtlinge eingeführt worden, was es ihnen verunmögliche, sich im Libanon frei zu bewegen. 6.3 In der Vernehmlassung führt das SEM aus, die Beschwerdeführerin habe seit 2012 legal im Libanon gelebt. Heute sei sie die Ehefrau eines libanesischen Staatsangehörigen sowie die leibliche Mutter eines libanesi- schen Kindes. Ferner existiere ein neuer libanesischer Gesetzesartikel, der einer ausländischen Ehepartnerin eines libanesischen Staatsangehörigen – auf Gesuch hin und ein Jahr nach der offiziellen Heirat – die libanesische Staatsbürgerschaft garantiere. Die Beschwerdeführerin könne von diesem Recht Gebrauch machen und eine künftige Aufenthaltsbewilligung nach D-1200/2020 Seite 17 der Rückkehr in den Libanon sei ihr gewiss. Daran ändere auch die in der Beschwerde erwähnte Praxisänderung der libanesischen Behörden im Hinblick auf Rückführungen syrischer Flüchtlinge nichts. Es weise die Be- hauptung, der Beschwerdeführerin drohe die Ausschaffung nach Syrien und dort eine gezielte asylrelevante Verfolgung , entschieden zurück. Be- zeichnenderweise habe sie während des Asylverfahrens keine Furcht vor einer Rückschiebung nach Syrien geäussert. Vielmehr sei sie kurz vor ihrer endgültigen Ausreise aus dem Libanon für kurze Zeit gar freiwillig nach Sy- rien zurückgekehrt. Es handle sich vorliegend um eine erwachsene Frau mit eigener Fami lie, deren psychischer und physischer Gesundheitszu- stand als zumindest stabil und zufriedenstellend bezeichnet werden dürfe. Dass sie sich erneut von ihrer Mutter und ihren Geschwister n, die in der Schweiz leben würden, trennen müsse, sei zwar bedauerlich, spreche aber weder gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs noch sei darin ein Grund für eine künftige, massive Verschlechterung ihrer gesundheitli- chen Verfassung zu erkennen. Es sei ihr im Übrigen unbenommen, sich abermals um ein Schengen-Visum zu bemühen, um sich regelmässig mit ihren in der Schweiz lebenden Angehörigen zu treffen. Solche persönlichen Treffen könnten zudem auch im Libanon wahrgenommen werden. Der zu- ständige Facharzt habe sich richt igerweise auf Syrien und nicht auf den Libanon bezogen. Zwar treffe zu, dass das libanesische Gesundheitssys- tem seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs starker Belastung aus- gesetzt sei. Jedoch seien schon länger internationale Unterstützungsange- bote für syrische Flüchtlinge lanciert worden und unzählige NGO’s würden im Libanon medizinische und psychologische Hilfe leisten. Deshalb und auch angesichts des Umstands, dass sie sich durch die Heirat mit ihrem libanesischen Ehemann wohl in einer privilegierteren Situation als viele an- dere Flüchtlinge im Liba non befinde, sei nicht von einer Existenzgefähr- dung im Falle der Rückkehr auszugehen. Mit Sicherheit sei die aktuelle politische Lage im Libanon als angespannt und die Wirtschaftskrise des Landes als gravierend zu bezeichnen. Es bestehe jedoch keine Situat ion allgemeiner Gewalt und die Beschwerdeführenden dürften auf die (finanzi- elle) Unterstützung ihrer Angehörigen im In- und Ausland zählen. 6.4 In der Replik wird geltend gemacht, der Beschwerdeführerin könne im Fall der Rückkehr in den Libanon sehr wohl die Ausschaffung nach Syrien drohen. Die Möglichkeit ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilli- gung oder allenfalls Einbürgerung einzureichen, ändere daran nichts, zu- mal diesbezüglich kein Rechtsanspruch bestehe. Die Beschwerdeführerin sei vom UNHCR im Libanon als Flüchtling anerkannt worden. Dieser Sta- tus lasse die drohende Kettenabschiebung nach Syrien umso gravierender D-1200/2020 Seite 18 erscheinen. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin erweise sich nicht als stabil und zufriedenstellend. Das SEM habe sich nicht mit der Tat- sache befasst, dass die Gesundheitsprobleme im Libanon nach der Aus- reise der Mutter in die Schweiz schwerer gewesen seien und es erst nach der Ausreise in die Schweiz in der Nähe ihrer Mutter zu einer gewissen Beruhigung gekommen sei. Es sei offensichtlich, dass es der Beschwerde- führerin verwehrt wäre, nach der Ausweisung aus der Schweiz erneut in die Schweiz und in die Schengenländer einzureisen. Aus den Akten der Mutter gehe hervor, dass diese gewollt habe, dass die Beschwerdeführerin ebenfalls in die Schweiz einreisen könne. Bei der Familie herrsche die Auf- fassung, dass die Beschwerdeführerin überraschenderweise vom Resett- lement-Programm ausgeschlossen worden sei und die entsprechenden Gesuche würden die enge Abhängigkeit der Mutter zur Beschwerdeführe- rin illustrieren. Es sei dieser jedoch mitgeteilt worden, dass dies nicht mög- lich sei. Die Schweizer Behörden verweigerten den entsprechenden Wunsch. Es sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin auf eine kon- stante Nähe zu ihrer Mutter angewiesen sei. Im Fall der Ausschaffung aus der Schweiz sei sie nicht in der Lage, sich ausreichenden Zugang zur me- dizinischen Versorgung zu verschaffen. Es sei von einer Existenz gefähr- denden Situation auszugehen. Aus dem Mail vom 21. April 2020 gehe her- vor, dass die Beschwerdeführerin durch das SRK zur ambulanten psycho- therapeutischen Behandlung angemeldet worden sei. Im Erstgespräch habe sie von einem hohen Leidensdruck aufgrund regelmässig auftreten- der Panikattacken sowie Schlafstörungen mit Albträumen berichtet . Auf- grund des ersten Eindrucks sei eine psychotherapeutische Behandlung in- diziert. 7. 7.1 Das SEM hat zutreffend ausgeführt, dass die Probleme des Beschwer- deführers im Libanon einerseits auf die dortigen allgemeinen Lebensbedin- gungen zurückzuführen sind, von welchen ein Grossteil der libanesischen Bevölkerung betroffen ist, und andererseits die Furcht vor einem möglichen Krieg und die Angst einer allfälligen Verfolgung von Christen im Libanon objektiv nicht begründet ist. Weder in der Beschwerde noch in der Replik wird überzeugend dargelegt, warum dies e Einschätzung nicht zutreffen sollte. Das diesbezüglich befürchtete Szenario hat sich denn auch bisher nicht verwirklicht. Es handelt sich bei den entsprechenden Vorbringen of- fensichtlich um keine gegen den Beschwerdeführer gerichtete Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. D-1200/2020 Seite 19 7.2 Die Beschwerdeführerin brachte vor, sie habe Syrien im Jahr 2012 auf- grund des Bürgerkriegs verlassen. Sie habe gehört, dass die Kurden die Christen in ihrem Q uartier K._______ hätten vertreiben wollen. Die Be- schwerdeführerin gab jedoch anlässlich der Anhörung an, alle christlichen Familien hätten das Quartier verlassen und sie sei persönlich nie bedroht worden (vgl. Akte A32/14 F47), was nicht für eine gezielte Verfolgung der Beschwerdeführerin spricht. Zudem fanden sie für eine Weile in H._______ im Quartier L._______ Schutz, bis es dort zu Bombardierungen gekommen und sie deswegen in den Libanon geflüchtet ist. Dabei handelt es sich je- doch um Geschehnisse im Rahmen des Bürgerkriegs. Im Zeitpunkt der Ausreise bestand jedenfalls keine gegen die Beschwerdeführerin gerich- tete Verfolgung durch die syrischen Behörden oder Dritte. So gab die Be- schwerdeführerin selbst auch an, dass ihr in Syrien nie etwas Konkretes passiert sei (vgl. Akte A7/11 Ziff. 7.02). Der Umstand, dass sie sich im Jahr 2015 freiwillig nochmals für eine Woche nach Syrien zu ihrer Tante bege- ben hat, um sich zu erholen (vgl. Akte A32/14 F14 ff.), deutet klar darauf hin, dass die Beschwe rdeführerin keine begründete Fur cht vor einer ge- zielten asylrelevanten Verfolgung in Syrien hat. 7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführenden keine asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaubhaft machen und deshalb nicht als Flüchtl inge aner- kannt werden können. Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flüchtlingsei- genschaft der Beschwerdeführenden verneint und ihre Asylgesuche abge- lehnt. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis D-1200/2020 Seite 20 nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Beschwerdeführer und die beiden Kinder sind libanesische Staats- angehörige. Die Beschwerdeführerin ist Syrerin, die vor ihrer Einreise in die Schweiz vier Jahre im Libanon gelebt hat. Das SEM prüfte den Weg- weisungsvollzug der Beschwerdeführenden in den Libanon. Aufgrund des Bürgerkrieges in Syrien fällt ein Wegweisungsvollzug dorthin nicht in Be- tracht. 9.3 9.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Überein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden D-1200/2020 Seite 21 in den Libanon ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs- sig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Libanon dort mit be achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter o- der unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Solches ist im Falle der Beschwerdeführenden nicht ersichtlich. Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, der Beschwerdeführerin drohe eine Kettenabschiebung vom Libanon nach Syrien, hat das SEM zu- treffend ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem libanesischen Ehemann und ihren Kindern in den Libanon zurückkehren kann, wodurch sie die Möglichkeit hat, die libanesische Staatsangehörigkeit zu beantra- gen. Eine Abschiebung der Beschwerdeführerin nach Syrien ist deshalb höchst unwahrscheinlich. Zudem war sie bereits vor der Ausreise in die Schweiz im Besitz einer libanesischen Aufenthaltsbewilligung (vgl. Akte A7/11 Ziff. 7.02). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Libanon lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der V ollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.2 Die allgemeine Lage im Libanon ist nicht durch Krieg, einen landes- weiten Bürgerkrieg oder eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet (vgl. Urteil des BVGer E-2118/2018 vom 10. Juni 2020 E. 9.4.1). 9.4.3 Wie in der Beschwerde zutreffend geltend gemacht wird, ist im Liba- non von einer desaströsen wirtschaftlichen und sozioökonomischen Lage D-1200/2020 Seite 22 auszugehen, von der ein Grossteil der Bevölkerung empfindlich betroffen ist (vgl. Urteil des BVGer E-50/2020 vom 18. Februar 2021 E. 12.3). Der Beschwerdeführer verfügt indessen über ein abgeschlossenes (…)studium und hat danach bis zur Ausreise im Dezember 2016 als (…) gearbeitet (vgl. Akte A8/11 Ziff. 1.17.04 f.). Er spricht sodann neben Arabisch auch Eng- lisch, Französisch und ein wenig Armenisch. Er verfügt mit seiner Mutter, zwei Brüdern und zwei Onkeln im Libanon über ein familiäres Beziehungs- netz. Wenngleich in den Eingaben vom 2. März 2021 und 6. August 2021 ausgeführt wird, dass die Situation der Familie des Beschwerdeführers im Libanon katastrophal sei und seine beiden Brüder seit Monaten arbeitslos und ohne Einkommen seien , verfügt die Familie doch über ein Haus im Dorf M._______, in welchem die Beschwerdeführenden bereits vor der Ausreise zusammengelebt haben (vgl. Akte A31/11 F17) . Es ist deshalb davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr über eine gesicherte Wohnsituation verfügen. Auch seine gesundheitlichen Probleme ( Somati- sierungstendenz und allergisches Asthma bronchiale bei bekannter Haus- staubmilbenallergie), bei dem eine Behandlung mit Ventolin Spray nur nach Bedarf notwendig ist (vgl. Akte A34/16 Ziff. 3.2), stehen einem Weg- weisungsvollzug nicht entgegen. 9.4.4 Aus den Arztberichten vom 9. Januar 2020 und 5. März 2020 von Dr. med. N._______, Facharzt für allgemeine innere Medizin, geht hervor, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren an einer chronischen Angststö- rung mit Hyperventilationssyndrom, A lbträumen, aggraviert durch eine posttraumatische Belastungsstörung mit depressiver Symptomatik leide, welche bereits mit multiplen Psychopharmaka behandelt worden sei, bis zur Ankunft in der Schweiz zuletzt mit Dexanit gemäss einem libanesischen Arztzeugnis. Aufgrund einer strikten veganen Ernährung und womöglich Fehlernährung leide sie an einem bedingt schweren chronischen Vitamin B12- und Eisenmangel mit dadurch bedingter multifaktorieller chronischer normochromer Anämie und mutmasslich Verschlechterung des psychi- schen Befindens. Gegen den B12-Mangel wurde der Beschwerdeführerin Vitarubin verschrieben und andere Medikament e im Zusammenhang mit ihrer Schwangerschaft. Bis 2019 bekam sie parentera le Eisensubstituti- onsbehandlungen mit Ferinject. Weiter wird ausgeführt, dass d ie Be- schwerdeführerin regemässige hausärztliche und endokrinologische Be- handlungen und mittelfristig eine ambulante Psycho - beziehungsweise Verhaltenstherapie benötige. Zudem wurde im Bericht festgehalten, dass wegen der chronischen psychischen Erkrankung eine akute Änderung in D-1200/2020 Seite 23 ihrem gegenwärtigen sozialen Umfeld eine unverantwortliche und unzu- mutbare zusätzliche gesundheitliche Belastung beziehungsweise Ver- schlechterung für Mutter und Kind mit sich bringen würde. 9.4.5 Dem Erstbericht der (…) vom 16. Mai 2021 lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bereits am 11. März 2020 im Ambulatorium vorstellig geworden sei, aufgrund der Pandemiesituation aber keine An- schlusstermine hätten vereinbart werden können. Ein zweites Gespräch habe am 6. Mai 2021 im Beisein einer Dolmetscherin stattgefunden. Die Beschwerdeführerin habe im Libanon, nachdem ihre Schwestern und ihre Mutter in die Schweiz gereist seien, unter Panikattacken gelitten u nd sei mit Dexanit behandelt worden. Nachdem sie in der Schweiz ihre Familie wieder um sich gehabt habe, seien die Attacken allmählich verschwunden. Diese seien jedoch mit dem Erhalt des negativen Asylentscheides wieder- aufgetaucht. Diagnostiziert wurden Schwierigkeiten bei der kulturellen Ein- gewöhnung und Stress mit funktionalen Panikattacken. Medikamente wur- den keine verordnet. 9.4.6 Das libanesische Gesundheitssystem ist stark privatisiert und die Kosten für die Behandlung psychischer Erkrankungen sind durch die öf- fentliche Hand nicht gedeckt (vgl. Urteil des BVGer E-4781/2006 vom 30. September 2010 E. 7.5.2). Dennoch konnte sich die Beschwerdeführe- rin als syrische Staatsbürgerin im Libanon mehrmals medizinisch behan- deln lassen (vgl. Akte A32/14 F6, F20) . Die Beschwerdeführerin gab an- lässlich der Anhörung sodann an, sie habe das in der Schweiz verordnete Medikament Relaxan nach einem Jahr abgesetzt (vgl. Akte A32/14 F6). Aus dem letzten Arztbericht vom 16. Mai 2021 geht zudem nicht hervor, dass sie wegen de r psychischen Probleme aktuell medikamentös behan- delt wird. Insoweit sie gemäss den Ausführungen von Dr. med. N._______ Medikamente gegen den chronischen Vitamin B12- und Eisenmangel be- nötigt, könnte sie einerseits Rückkehrhilfe geltend machen und anderer- seits auf die finanzielle Unterstützung ihrer Angehörigen in der Schweiz zählen. Auch der Umstand, dass ihr psychischer Gesundheitszustand mit der Nähe zu ihrer Mutter zusammenhängt, steht einem Wegweisungsvoll- zug nicht entgegen. Daran ändern auch die einge reichten Familienfotos nichts, welche die enge Bindung der Beschwerdeführerin mit ihrer in der Schweiz lebenden Familie belegen sollen. Soweit im Arztbericht vom 5. März 2020 eine Änderung in ihrem sozialen Umfeld als eine unverant- wortliche und unzumutbare gesundheitliche Belastung für die Mutter und das Kind erachtet wurde, ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin in jenem Zeitpunkt aufgrund ihrer Vitamin - und Hormonmangelsituation als D-1200/2020 Seite 24 Risikoschwangere erachtet wurde, welche engmaschige gynäkologisch e und endokrinologische Verlaufskontrollen benötigte. Es ist davon auszuge- hen, dass die damalige ärztliche Einschätzung heute in dieser Form nicht mehr zutrifft. 9.4.7 Bei den gesunden Kindern der Beschwerdeführenden handelt es sich um einen (…) Jahre alten Sohn und eine (…) Jahre alte Tochter, bei wel- chen die Eltern die Hauptbezugspersonen sind. Aus den Arztberichten der Beschwerdeführenden geht nicht hervor, dass sie nicht in der Lage wären, sich um ihre Kinder zu kümmern. Das Kindswohl ist bei einer Rückkehr in den Libanon deshalb nicht gefährdet. 9.4.8 Der Vollzug der Wegweisung in den Libanon erweist sich deshalb auch in individueller Hinsicht nicht als unzumutbar. Daran ändern die ein- gereichten Beweismittel zu den Integrationsbemühungen in der Schweiz nichts. 9.5 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen, da es den Beschwerdeführenden obliegt, sich bei der zuständigen Vertre- tung ihres Heimatstaats die für ihre Rückkehr notwendigen Reisedoku- mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12). Schliesslich steht auch die Corona -Pandemie dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo- nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin- dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun- gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, wel- chem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situa- tion im Heimatland angepasst wird. 9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). D-1200/2020 Seite 25 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung mit Verfügung vom 5. März 2020 gutgeheissen wurde, werden keine Verfahrenskosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite) D-1200/2020 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Ferreyra Versand: