Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Februar 2022 (720 21 216 / 38) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beurteilung des medizinischen Sachverhalts; aufgrund der Berichte der behandelnden Ärzte ist keine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Nicolai Fullin , Advokat , Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1966 geborene A.____ war vom 1. September 20 01 bis 29. Februar 2004 bei der B.____AG als Hauswartin angestellt. Ein bei der Invalid enversicherung (IV) im November 2004 eingereichtes Leistungsbegehren lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) ab (Verfü- gung vom 10. Juni 2005). Auf erneutes Gesuch hin spra ch sie A.____ mit Verfügung vom 17. Mai 2006 mit Wirkung ab 1. September 2005 eine D reiviertelsrente zu. Alsdann anerkannte sie vom 1. Dezember 2007 befristet bis 30. Juni 2008 einen Anspruch auf eine ganze Invaliden- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rente und ab 1. Juli 2008 wiederum einen solchen auf eine Dreiviertelsrente (Verfügung vom 30. November 2009). Im Rahmen einer im Jahr 2011 ein geleiteten Rentenrevision hob die IV- Stelle die bisher ausgerichtete Invalidenrente zufolg e eines verbesserten Gesundheitszustands auf (Verfügung vom 24. November 2017). Die hiergegen erhobene Beschwerde wies das Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherun gsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 24. Mai 2018 ab. A.2 Am 10. Dezember 2018 reichte A.____ bei der IV ei n weiteres Leistungsbegehren ein. Nach Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhäl tnisse, namentlich nach Einholung eines polydisziplinären Gutachtens bei der Swiss Medical Assessment- and Business-Center AG (SMAB AG), St. Gallen, vom 21. August 2020, ermit telte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 0 %, worauf sie – nach Rücksprache mit dem Regional en ärztlichen Dienst (RAD) und nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren – mit Verfügung vo m 31. Mai 2021 einen Anspruch von A.____ auf eine Invalidenrente verneinte. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Nicolai Fullin, am 5. Juli 2021 Be- schwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte, in Guthei ssung der Beschwerde sei die Verfü- gung vom 31. Mai 2021 aufzuheben und es sei ihr mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen zu t ätigen und hernach erneut über den Rentenanspruch zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean- tragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsp flege mit Advokat Fullin als Rechtsvertre- ter. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, da ss der angefochtene Entscheid auf un- zureichenden medizinischen Unterlagen beruhe und die Bem essung der Invalidität nicht zutref- fend erfolgt sei. C. Mit Verfügung vom 8. September 2021 wurde der Besc hwerdeführerin die unentgeltli- che Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Fullin als Rechtsvertre- ter bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 8. September 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Instruktionsverfügung vom 15. September 2021 wur de die Angelegenheit der Drei- erkammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 5. Juli 2021 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefo chtenen Verfügung vom 31. Mai 2021 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). 3. Am 1. Januar 2022 ist die vom Gesetzgeber am 19. Ju ni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft ge treten. Weil in zeitlicher Hinsicht grund- sätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (vgl. BGE 127 V 466 E. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines F alls grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 31. Mai 2021) eingetretenen Sachverhalt abstellt (vgl. BGE 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b) , sind im vorliegenden Fall die Bestim- mungen des IVG in der bis Ende 2021 geltenden Fassung anwendbar (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweis). Sie werden im Folgenden jewei ls in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 4.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 d ie voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 4.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 4.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidit ätsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; vgl. BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4.4 Auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung nach rechtskräftiger Verneinung eines Rentenanspruchs hat die Verwaltung nur einzutreten, wenn die versicherte Person glaub- haft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise ge- ändert hat (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die I nvalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der An- spruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend ge- machten Umstände als richtig erweisen sollten (SVR 2014 IV Nr. 33 E. 2). Tritt die Verwaltung auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung ein, so h at sie die Sache materiell abzuklä- ren und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verände- rung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b). Stellt sie fest, dass der Invalid itätsgrad seit Erlass der früheren rechts- kräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern- falls hat sie zu prüfen, ob die festgestellte Veränder ung genügt, um nunmehr eine rentenbe- gründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschl iessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (SV R 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandeln- den Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsa che Rechnung tragen, dass diese mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauen sstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns- ten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschied- liche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tä tigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinisc hen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des damaligen Eidge nössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 1 3. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stet s in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnde n Ärzte zu anderslautenden Einschät- zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und n icht rein subjektiver ärztlicher Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un- gewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgericht s vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG un d Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, wel che sich für den vorliegenden Ent- scheid als zentral erweisen. 7.2 In der Verfügung vom 24. November 2017, mit welche r ein Rentenanspruch der Be- schwerdeführerin abgewiesen wurde, stützte sich die IV-St elle bei der Beurteilung des psychi- schen Gesundheitszustands der Versicherten auf das Gutachte n der Klinik C.____ vom 31. Januar 2013, wonach keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt wor- den war. Hinsichtlich des rheumatologischen Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten stützte sie sich auf das Gutachten des Spitals D. ____ vom 10. März 2013. Darin wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine se kundäre Gonarthrose rechts mit Status nach Kniegelenkstotalprothese, eine navicula-cuneiforme Gelenksarthrose links, Hüftgelenks- schmerzen links, ein chronisches Lumbovertebral-Syndrom und ein diffuses muskuloskelettales Schmerzsyndrom diagnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit bestünden eine Le- berzirrhose bei äthyltoxischer Hepatopathie und Hepatit is C, ein Status nach Polytoxikomanie, eine chronisch venöse Insuffizienz Grad I beidseits, ein e asymptomatische Cholezystolithiasis, ein Status nach Adipositas per magna, eine normochrome, normozytäre Anämie und eine Hy- perurikämie, möglicherweise ein Status nach Gicht. Die Versicherte leide an einer immobilisie- renden Pangonarthrose rechts bei Status nach arthrosk opischen Eingriffen mit Teilmeniskekto- mie bei degenerativen Meniskusläsionen und einer Kreuzba ndstumpfresektion bei vorhandener Kreuzbandruptur und nachgewiesenen, im Verlauf progr edierten Knorpelläsionen. Hauptrisiko sei die Adipositas, die mit Gastrektomie behandelt wor den sei, was zu massivem Gewichtsver- lust geführt habe. Mit einem BMI von 29,8 kg/m 2 sei die Beschwerdeführerin aber noch immer übergewichtig. Weiter wird auf die Knietotalprothese rechts mit anamnestisch und aktenanam- nestisch initial sehr gutem Erfolg verwiesen. Die aktuel l beschriebenen Schmerzen im rechten Knie mit Belastungseinschränkung seien diskrepant zu den Untersuchungen anlässlich der ein- jährigen Kontrolle. Die Explorandin spreche weder von einem zwischenzeitlichen Trauma noch fänden sich in der klinischen Untersuchung Hinweise für e ine Ursache der deutlichen Schmer- zen. Während der Begutachtung sei das Entlasten des r echten Knies und das intermittierende Sich-Heben der Explorandin von den zeitlichen Intervalle n her mässig konsistent, das Gangbild zeige sich unauffällig, obwohl die Explorandin über star ke, aktuell immobilisierende Fuss- schmerzen berichte. Das Knie zeige sich in der klinischen Unt ersuchung sehr gut beweglich und stabil, nur bei maximaler Flexion klage die Beschwer deführerin über Schmerzen. Eine Atrophie der Beinmuskulatur sei nicht ersichtlich und es hätte keine relevante Umfangsdifferenz an Ober- und Unterschenkeln objektiviert werden können, was gegen eine ausgeprägte Scho- nung spreche. Die Angaben der Explorandin zur allgemei nen Belastungssituation seien etwas inkonsistent. Die linksseitigen Hüftschmerzen würden im Rah men einer leichtgradigen Coxarth- rose interpretiert, wobei der beschriebene brennende Schmerzcharakter eher nicht dazu passe. Aufgrund des geringen Ausmasses und der fehlenden thera peutischen Konsequenzen sei auf weitere diagnostische Schritte für die Erhärtung der Verdachtsdiagnose verzichtet worden. Die Fussschmerzen links würden im Rahmen einer radiologisch nach gewiesenen Arthrose im navi- culo-cuneiformen-Gelenk interpretiert. Hinsichtlich der Druckschmerzhaftigkeit bestünden keine Hinweise auf eine entzündlich-rheumatologische Erkrankun g. Insgesamt würden die anamnes- tischen Belastungseinschränkungen des rechten Knies, der li nken Hüfte und des linken Fusses zumindest zu einem gewissen Grad mit den doch eher diskret en klinischen und radiologischen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Befunden divergieren. Aus rein rheumatologischer Sicht seien mittelschwere und schwere Tä- tigkeiten nicht mehr möglich. Zu berücksichtigen sei aufgr und der Polyarthrose eine Einschrän- kung beim Treppensteigen und bei längeren Gehstrecken. Ebenso bestehe eine verminderte Belastbarkeit beim Tragen von Lasten. Längere statische Positionen sollten ebenfalls vermie- den werden. Leichte, vorwiegend sitzende Arbeiten seien aber vollschichtig zumutbar. 7.3 Nachdem sich die Versicherte am 10. Dezember 2018 er neut bei der IV zum Leis- tungsbezug angemeldet hatte, veranlasste die IV-Stelle ein Gutachten in den Disziplinen Allge- meine Innere Medizin, Orthopädie und Traumatologie d es Bewegungsapparates sowie Gastro- enterologie, welches von der SMAB AG durchgeführt und am 21. August 2020 erstattet wurde. Demnach wurde keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arb eitsfähigkeit festgestellt. Ohne Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine Leberzirr hose mit Status nach Hepatitis C und nach erhöhtem Alkoholkonsum, aktuell Stadium Child A, ein pseudoradikuläres Lumbalsyndrom beidseits bei Osteochondrosis intervertrebralis der gesa mten Lendenwirbelsäule (LWS), eine Knie-Totalprothese rechts, eine Adipositas Grad 3 (BMI 40,9 kg/m 2) bei Status nach bariatri- scher Chirurgie mit Sleeve-Gastrectomie 2009, Kolonpol ypen bei Status nach Polypektomie 2018, ein Lipödem beider Unterschenkel, eine chronisch v enöse Insuffizienz, eine Hypertonie, eine Hypothyreose, eine Niereninsuffizienz im Stadium de r kompensierten Retention, ein Lun- genemphysem, ein Nikotinabusus, ein Senk-Spreiz-Plattfu ss beidseits, ein Status nach diskre- ter Ileitis terminalis, nach laproskopischer Cholezystekto mie, ein Verdacht auf eine latente Ei- senmangelanämie und auf eine beginnende intersitielle Pneumopathie. In internistischer Hin- sicht hätten die Koronarsklerose und das Vorhofflimmern derzeit keine funktionellen Auswirkun- gen. Der Blutdruck präsentiere sich tiefnormal und es l iege klinisch keine Herzinsuffizienz vor. Die Versicherte könne leichte Tätigkeiten in wechselnder Belastung ausüben. Wegen der venö- sen Insuffizienz sei aber ständiges Sitzen ungünstig. Tätigkeiten mit erhöhter Verletzungsgefahr seien nicht zumutbar. Gastroenterologisch liege eine Le berzirrhose in einem Child A Stadium vor. Seit 2018 sei eine leichte Ileitis terminalis beka nnt, deren Zuordnung bei sehr mildem Ver- lauf zu einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung unwahrscheinlich sei. Die vorgebrachten Symptome und Probleme seien aktuell nicht gastroentero logischer Natur. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestünde nicht. Aus orthopädisch- traumatologischer Sicht könnten die von der Versicherten angegebenen Beschwerden aufgrund der a ktuellen Untersuchungsbefunde nur zum Teil nachvollzogen werden. Es bestünden keine objektivierbaren pathologischen Korre- late für die von der Versicherten demonstrierten Beweg ungseinschränkungen beider Schulter- gelenke. Diskrepant dazu sei auch der spontane und unein geschränkte Einsatz beider Arme beim Ent- und Bekleiden des Oberkörpers über Kopf sowie die rechts kräftiger entwickelte Ober- und Unterarmmuskulatur bei Rechtshändigkeit. Im Rahmen der orthopädisch- traumatologischen Untersuchung bestünden Hinweise auf leichte Verdeutlichungen seitens der Versicherten. Die normal entwickelte Muskulatur beider B eine ohne messbare Seitendifferenz lasse von einem gleichmässigen Einsatz beider unterer Ext remitäten im Alltag ohne vermehrte schmerzbedingte Schonung ausgehen. Im zeitlichen Verlauf sei die Versicherte nach dem Sturz auf das rechte Kniegelenk am 25. März 2018 bis Mitte Ju li 2018 vollständig arbeitsunfähig ge- wesen. Hernach habe die Einschränkung der Arbeitsfähig keit bis Mitte August 2018 50 % und bis Mitte September 25 % betragen. Danach sei wieder vo n einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Gesamtmedizinisch bestünden aufgrund des pseu doradikulären Lumbalsyndroms Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beidseits, der vorhandenen Knie-Totalprothese rechts u nd der Leberzirrhose Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit für mittelschwere Tätig keiten mit Zwangshaltungen der LWS, bei häufigem Hocken und für Tätigkeiten mit erhöhter Stur zgefahr. Die Versicherte sei aber in der Lage, ihren Haushalt zusammen mit ihrem Ehemann zu er ledigen, spazieren und einkaufen zu gehen. Das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln sei ebenfalls uneingeschränkt möglich. Körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten mit vermehrtem Sitzen und gelegentlichem Gehen und Stehen seien zu 100 % zumutbar. 7.4 Am 26. Oktober 2020 hielt die behandelnde Ärztin Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, fest, dass die Versicherte aus hausärztlich er Sicht vollständig arbeitsunfähig sei. In den letzten Jahren habe sich eine zunehmende Versch lechterung des Allgemeinstatus eingestellt. Es bestünde eine Polymorbidität mit mehreren, die Arbeitsfähigkeit stark beeinträch- tigenden Leiden. Diese seien in ihrer Gesamtheit inval idisierend. Die Versicherte sei wegen der Rückenbeschwerden und dem rechtsseitigen Knieleiden ausser halb der Wohnung auf einen Rollstuhl angewiesen. Ausserdem bestünden eine plagende Stressinkontinenz und eine die Kraft und Ausdauer einschränkende valvuläre Herzerkranku ng mit Vorhofflimmern. Zudem schränke das psychische Leiden, u.a. die Abhängigkeitserkran kung, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einem hohen Mass ein. 7.5 Im Bericht des Spitals F.____ vom 5. November 2020 wurde festgehalten, dass die Versicherte aufgrund ausgeprägter Beschwerden, der sozia l-finanziellen Situation und der feh- lenden Unterstützung durch die IV und das Sozialamt verzwe ifelt sei. Es bestünden ausgepräg- te Schmerzen bei fortgeschrittenen degenerativen Veränd erungen in der Wirbelsäule und eine massive Belastung durch das Übergewicht. Entgegen der Ein schätzung im Gutachten der SMAB AG vom 21. August 2020 sei die Versicherte nicht ar beitsfähig. Bei der polymorbiden Patientin sei ein operatives Vorgehen aktuell nicht mö glich. Zur weiteren Schmerzbehandlung werde sie an die Klinik für Schmerztherapie und zur Beha ndlung des Übergewichts an die en- dokrinologische Klinik überwiesen. 7.6 Die Versicherte war vom 8. bis 25. Februar 2021 im Zentrum für Rehabilitation und Altersmedizin des Spitals F.____ hospitalisiert. Im Austr ittsbericht vom 12. März 2021 wurde festgehalten, dass die Versicherte bei Austritt eine Ge hstrecke von 250 Metern an Unterarm- stöcken habe zurücklegen können und in allen Aktivitäten d es täglichen Lebens selbstständig gewesen sei. Längere Wegstrecken habe sie nur mit dem R ollstuhl bewältigen können. Die Versicherte habe trotz Verbesserungspotential keine Verl ängerung der Rehabilitation ge- wünscht. Sie sei in gebessertem Allgemeinzustand nach Hause entlassen worden. 7.7 Im Bericht des Spitals F.____, Abteilung Kardiolog ie, vom 25. März 2021 wurde fest- gehalten, dass kardial ein stabiler Verlauf bestünde und die Medikation unverändert weiterge- führt werden könne. Eine erneute klinische und echokardiologische Verlaufskontrolle sei in zwei Jahren vorgesehen. 7.8 Am 1. Mai 2021 hielt die behandelnde Ärztin Dr. E.____ fest, dass die Versicherte über Schmerzen, Atemnot, einen thorakalen Druck und geschwollene Beine klage. Die Beschwerden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hätten in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Von der stationären Rehabilitation im Spi- tal F.____ habe sie nicht viel profitiert. Die Versiche rte zeige zunehmend ein Schonverhalten und die Schmerzen würden jede Aktivität einschränken. Die Adipositas und das schmerzhafte Lipödem der unteren Extremitäten würden die Mobilität zusätzlich erschweren. Zudem führe die Suchterkrankung zu einer verminderten Belastbarkeit. Au fgrund der Polymorbidität bestünde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 7.9 Am 5. Mai 2021 stellte Dr. med. G.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, RAD, fest, dass sich aus den eingereichten Arztberichten im Vergleich zum Zeitpunkt der Begutachtung durch die SMAB AG vom 21. August 2020 keine relevante Ä nderung des Gesundheitszustands eingestellt habe. 8.1 Die IV-Stelle stützte sich in der Verfügung vom 31. Mai 2021 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versich erten auf die Ergebnisse im Gutach- ten SMAB AG vom 21. August 2020 und die Beurteilung d es RAD vom 5. Mai 2021. Sie ging demnach davon aus, dass die Versicherte in einer angepasst en Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Wie in Erwä- gung 5.3 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht frei, o b die verfügbaren Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat ten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für d ie streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntni s der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleucht et und seine Schlussfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich , die Anlass geben könnten, die Er- gebnisse im Gutachten der SMAB AG vom 21. August 2020 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutac hten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlag e erfüllt. Zwar mag es wider- sprüchlich erscheinen, wenn im orthopädisch-traumatologi schen Teilgutachten zunächst fest- gehalten wird, es lägen keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor und dann dennoch ausgeführt wird es bestehe in Übereinstimmung mit der früheren Begutachtung des Spitals D.____ vom 10. März 2013 eine vollstände Arbeit sunfähigkeit für schwere und mittel- schwere Tätigkeiten, jedoch eine 100%ige Arbeitsfähig keit für leichte körperliche Arbeiten (vgl. S. 60 des Gutachtens). Diese auch in die Konsensbeur teilung eingeflossene Einschätzung beruht offensichtlich auf der unzutreffenden Annahme, die angestammte Tätigkeit der Be- schwerdeführerin sei leicht bis mittelschwer gewesen. Di ese Unzulänglichkeit im Gutachten vermag aber an dessen Beweiswert nichts zu ändern, da die Gutachter anerkennen, dass die Versicherte aufgrund des pseudoradikulären Lumbalsyndro ms, der Knie-Totalprothese und der Leberzirrhose in der Leistungsfähigkeit beeinträchtig t ist und ihr nur noch körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten mit vermehrtem Sitzen und gelegent- lichem Gehen und Stehen ohne Zwangshaltungen der Len denwirbelsäule, häufigem Hocken oder Tätigkeiten mit erhöhter Sturzgefahr zumutbar sind. Der RAD hat denn auch folgerichtig in der Stellungnahme vom 24. Juni 2021 zwischen der angest ammten Tätigkeit und einer Ver- weistätigkeit differenziert und festgehalten, dass in der Hauswarttätigkeit eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit vorliegt. Insgesamt vermag die Beurte ilung im Gutachten zu überzeugen, wes- halb darauf abgestellt und davon ausgegangen werden kann, dass sich die Arbeitsfähigkeit der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten seit der letzten Begutachtung durch das Spi tal D.____ vom 10. März 2013 nicht massgeblich verändert hat und ihr weiterhin eine angep asste Verweistätigkeit vollschichtig zu- mutbar ist. Die entsprechenden, in Erwägung 7.3 wiede rgegebenen Darlegungen im Gutachten der SMAB AG vom 21. August 2020 vermögen zu überzeuge n, sodass darauf verwiesen wer- den kann. Sodann ist aufgrund der vorliegenden Berich te der behandelnden Ärzte keine erheb- liche gesundheitliche Verschlechterung nach der Beguta chtung in der SMAB AG dargetan, wie der RAD-Arzt Dr. G.____ in seiner Stellungnahme vom 5. Mai 2021 nachvollziehbar ausführte. 8.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin sind nicht g eeignet, dieses Beweisergebnis in Frage zu stellen. Wenn sie unter Hinweis auf zwei Hospit alisationen vom 8. bis 10. Mai 2021 und 22. bis 26. Juni 2021 geltend macht, es gehe ihr we gen ihrer diversen Leiden und insbe- sondere wegen der kardialen Problematik weit schlechter als die SMAB-Gutachter angenom- men hätten, kann ihr nicht gefolgt werden. So ergibt sich aus den Berichten des Spitals F.____ vom 17. Mai 2021 und 28. Juni 2021 nichts, was darauf sch liessen lassen könnte, dass die gut- achterliche Beurteilung der Leistungsfähigkeit unzutreffend wäre oder sich zwischenzeitlich eine massgebliche Verschlechterung der Leistungsfähigkeit einges tellt hätte. Auch mit den weiteren Rügen dringt die Beschwerdeführerin nicht durch. Sie macht geltend, die Feststellungen im Gutachten, wonach sie in der Lage sei, zusammen mit ih rem Ehemann den Haushalt zu erledi- gen, spazieren zu gehen und einzukaufen, würden mit d er von ihr konstant angegebenen mas- siven Einschränkung der Gehstrecke kontrastieren. Dem ist en tgegenzuhalten, dass die Gut- achter aufgrund einer persönlichen Untersuchung der Ver sicherten zwischen den subjektiv empfundenen Einschränkungen und den objektiv feststellbar en Befunden differenzierten und nachvollziehbar darlegten, weshalb ihr trotz ihrer Besch werden angepasste Verweistätigkeiten ganztags zumutbar sind. Entgegen der Auffassung der Beschw erdeführerin lässt sich aus der Tatsache, dass ihr kurz nach der Rentenablehnung Kosteng utsprache für einen Rollstuhl erteilt wurde, nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zwar ist ihr in sofern beizupflichten, als die Gewährung dieses Hilfsmittels – entgegen der Darstellung der Besch werdegegnerin in der Vernehmlassung vom 8. September 2021 – nicht bloss aufgrund der subjekti ven Angaben der Versicherten, son- dern vielmehr nach eingehender Abklärung der Anspruchsvo raussetzungen, unter Berücksich- tigung der Wohnverhältnisse sowie der krankheitsbedingte n Einschränkung bei der Überwin- dung längerer Wegstrecken gewährt wurde. Daraus kann a ber weder auf eine unzutreffende gutachterliche Beurteilung hinsichtlich der Einschränkung der Leistungsfähigkeit in einer ange- passten Verweistätigkeit noch auf eine Unmöglichkeit, an einen Arbeitsplatz zu gelangen, ge- schlossen werden. Dies gilt umso weniger, als im Austritts berichts des Zentrums für Rehabilita- tion und Altersmedizin des Spitals F.____ vom 12. März 2 021 festgehalten wurde, dass der Versicherten eine Gehstrecke von 250 Metern möglich und sie in allen Aktivitäten des täglichen Lebens selbstständig gewesen sei. Wenn sie sich schliesslich auf die abweichende Beurteilung der behandelnden Ärztin Dr. E.____ vom 26. Oktober 2020 und 1. Mai 2021 beruft, ist zunächst in Erinnerung zu rufen, dass es die unterschiedliche Nat ur von Behandlungsauftrag der thera- peutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtu ngsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) nicht zulässt, ein Administra- tiv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen un d zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therap iekräfte zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen. Weiter ist zu beachten, dass eine Exp loration von der Natur der Sache Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spiel- raum für verschiedene medizinische Interpretationen, wa s zulässig und zu respektieren ist, so- fern die Gutachter – wie hier – lege artis vorgegange n sind. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Arztpersonen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringe nde – Aspekte benennen, die bei der Begut- achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl . Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2019, 8C_835/2018, E. 3 mit Hinweis). Die Beschwerdeführerin legt nicht substantiiert dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus den Berichten der behandelnden Ärztin Dr. E.____ vom 26. Oktober 2020 und 1. Mai 2021 Gesi chtspunkte hervorgingen, die von den Gutachtern nicht berücksichtigt worden wären. Die knappe n Angaben der Hausärztin überzeu- gen in medizinischer Hinsicht nicht. So ist ihre nicht w eiter begründete Auffassung, wonach die Polymorbidität der Versicherten ihn ihrer Gesamtheit i nvalidisierend sei, nicht nachvollziehbar, und für eine die Leistungsfähigkeit beeinträchtigende psychische Erkrankung finden sich in den Akten keine medizinischen Anhaltspunkte. Insgesamt ergibt sich aus den Akten nichts, was geeignet wäre, den Beweiswert des Gutachtens der SMAB AG vom 21. August 2020 und die Beurteilung des RAD vom 5. Mai 2021 in Zweifel zu ziehe n. In antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2) kann deshalb auf zusätzliche Abklärungen verzichtet werden. 9. Nach dem Gesagten ist im Ergebnis nicht zu beanstan den, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestützt auf die Ergebnisse im Gutachten der SMAB AG vom 21. Au gust 2020 und die Beurteilung des RAD vom 5. Mai 2021 davon ausgegangen ist, dass die Ve rsicherte in angepassten Verweistä- tigkeiten vollständig arbeitsfähig ist und dadurch ein rentenausschliessendes Erwerbseinkom- men erzielen könnte. Die von der Beschwerdegegnerin vor genommene Bemessung der Ver- gleichseinkommen anhand der Tabellenlöhne hat die Be schwerdeführerin zu Recht nicht be- stritten, weshalb von weiteren Erörterungen dazu abges ehen und stattdessen auf die entspre- chenden Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 31. Mai 2021 verwiesen werden kann. Selbst ein maximaler Abzug vom Tabellenlohn von 2 5 % ändert am Ergebnis nichts, da dennoch ein Invaliditätsgrad von unter 40 % resultiere n würde. Die angefochtene Verfügung vom 31. Mai 2021, mit welcher ein Rentenanspruch der B eschwerdeführerin verneint wurde, ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die dagegen gericht ete Beschwerde deshalb abzuwei- sen. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend unter liegt die Beschwerdeführerin, wes- halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 8. September 2021 die unentgeltliche Pr ozessführung bewilligt worden, wes- halb die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen werden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgan g des Verfahrens nicht zugespro- chen. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 8. S eptember 2021 auch die unentgeltli- che Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemü- hungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertr eter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 16. September 2021 fü r das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 8 Stunden 40 Minuten geltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen angemessen i st. Nicht zu beanstanden sind die geltend gemachten Auslagen in der Höhe von Fr. 40.80. Dem Rechtsvertreter ist demnach ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'910.75 (8,66 Stunden à Fr. 200.-- [vgl. § 3 Abs. 2 der Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003] und Auslagen von Fr. 40.80 inkl. 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1'910.75 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus de r Gerichtskas- se ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht