Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. August 2022 (710 21 227 / 186) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Bemessung der Sozialversicherungsbeiträge gestützt auf die von der Steuerverwaltung gemeldeten Einkommen des einzigen Arbeitnehmers der beitragspflichtigen GmbH auf- grund einer Verletzung der Lohnaufzeichnungspflicht (Art. 143 Abs. 2 AHVV) und der Gewährung der Einsicht in Bücher und Belege (Art. 209 Abs. 1 AHVV) Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ GmbH, Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ Betreff Beiträge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die A.____ GmbH mit Sitz in X.____ wurde am 11. April 2016 gegründet. Gemäss Ein- trag im Handelsregister ist der in Y.____ wohnhafte C.____ einziger Gesellschafter; B.____ ist Geschäftsführer mit Einzelunterschrift. Da die Gesellschaft trotz mehrfacher Aufforderung die Anmeldeformulare nicht retournierte, wurde sie von Amtes wegen der Ausgleichskasse Basel - Landschaft (Ausgleichskasse) mit Wirkung per 1. April 2016 angeschlossen (vgl. Schreiben der Ausgleichskasse vom 18. Juli 2016). In der Folge forderte die Ausgleichskasse von der A.____ GmbH für die Zeit vom 1. April 2016 bis 31. Dezember 2016 Akontozahlungen in Höhe von ins- gesamt Fr. 3'435. -- inkl. Verwaltungskosten (vgl. Rechnung vom 21. September 2016). Nach- dem di e Beschwerdeführerin für die Abrechnungsperiode 2016 trotz Mahnung keine Lohnbe- scheinigungen eingereicht hatte, setzt e die Ausgleichskasse die Lohnsumme des einzigen Ar- beitnehmers der Gesellschaft, B.____, für das vom 1. April 2016 bis 31. Dezember 2016 bei der A.____ GmbH erzielte Einkommen in Anwendung von Art. 38 der Verordnung über die Alters - und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 ermessensweise auf Fr. 29'000.-- fest und stellte Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 4'150.65 abzüglich der bereits fakturierten Beiträge in Höhe von Fr. 3'435.-- in Rechnung (vgl. Verfügung vom 16. Juni 2017). Am 29. Juni 2017 reichte die A.____ GmbH die Lohnmeldung für das Beitragsjahr 2016 ein. Gestützt auf die gemeldete Lohnsumme von Fr. 31'500.-- brutto erhob die Ausgleichskasse nachträglich Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 4'508.45, wobei sie die geleisteten Akontobeiträge abzog (vgl. Rechnung vom 10. Juli 2017). Die Lohnmeldung f ür das Jahr 2017 ging am 20. August 2018 bei der Ausgleichskasse ein. In der Folge forderte die Ausgleichskas- se von der A.____ GmbH aufgrund einer Lohnsumme von Fr. 31'500. -- nachträglich Sozialver- sicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 4'485.85 (2017) abzüglich Akontobeiträge in Höhe von Fr. 4'557.05 (2017; vgl. Rechnung vom 3. April 2018). B. Im Rahmen der Arbeitgeberkontrolle vom 15. Juni 2020 stellte der zuständige Revisor fest, dass die A.____ GmbH keine Finanzbuchhaltung führe und er deshalb keine AHV - Kontrolle der Jahre 2016 und 2017 durchführen könne. Für die Bemessung der Sozialversiche- rungsbeiträge von B.____ zog er die Angaben der Steuerverwaltung Basel -Landschaft bei (vgl. Revisionsbericht vom 15. Juni 2020). Danach betrug das steuerbare Einkommen von B.____ gemäss amtlicher Einschätzung für das Jahr 2016 Fr. 143'700. -- und für das Jahr 2017 Fr. 153'740.-- (vgl. E-Mail vom 3. Juni 2020). Aufgrund dieser Steuermeldung erstellte die Aus- gleichskasse mittels Gegenüberstellung der geschuldeten und bereits fakturierten Beiträge eine Differenzabrechnung für die Beitragsperioden 2016 und 2017. Diese ergab einen Saldo zu Gunsten der Ausgleichskasse von Fr. 11'895.40 für das Jahr 2016 und von Fr. 18'682.20 für das Jahr 2017. Mit Verfügung vom 24. Juli 2020 forderte die Ausgleichskasse von der A.____ GmbH eine Nachzahlung von Fr. 34'660.70 für AHV/I V/EO/ALV-Beiträge der Jahre 2016 bis 2017 inkl. Verwaltungskosten und Verzugszinsen in Höhe von insgesamt Fr. 4'093.10. C. Gegen diese Verfügung erhob die A.____ GmbH durch ihren Geschäftsführer, B.____, am 14. September 2020 Einsprache. Sinngemäss beantragte sie die Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung. Zur Begründung machte sie geltend, dass das Einkommen von B.____ in den Jahren 2016 und 2017 tatsächlich nur je Fr. 31'500.-- betragen habe. Die amtliche Einschät- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zung der Steuerbehörde beziehe sich auf dessen frühere Tätigkeit bei der D.____ AG. Diese Arbeitsstelle habe dieser jedoch 2015 verloren. Weiter wies sie darauf hin, dass B.____ die kor- rekten Lohnabrechnungen der Steuerverwal tung Baselland abgeben werde. Am 6. November 2020 forderte die Ausgleichskasse die A.____ GmbH auf, die geltend gemachten Einkommen für die Jahre 2016 und 2017 mit einer Finanzbuchhaltung, mit Jahresabschlüssen und mit einer Lohnbuchhaltung zu belegen. Dab ei machte sie darauf aufmerksam, dass im Falle des unge- nutzten Fristenablaufs die Einsprache abgewiesen werde. Am 4. Dezember 2020 teilte B.____ der Ausgleichskasse mit, dass die Gesellschaft durch die E.____ AG unterstützt werde. Mit Schreiben vom 29. Dez ember 2020 forderte die Ausgleichskasse die A.____ GmbH auf, bis 31. Januar 2021 mitzuteilen, wann die mit der Einsprache angegebenen Einkommen nachge- wiesen werden könnten. Gleichzeitig ersuchte sie die Gesellschaft, ihr eine Vollmacht zuzustel- len, damit s ie mit dem zuständigen Treuhänder direkt korrespondieren könne. Da die angefor- derten Unterlagen auch innert Nachfrist nicht eingegangen waren, wies sie die Einsprache mit Entscheid vom 6. Juli 2021 ab. D. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die A.____ GmbH durch B.____ am 6. Au- gust 2021 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt). Sie beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Zur Begründung brachte sie vor, dass B.____ bis Ende Au gust 2021 eine entsprechende Kor- rektur bei der Steuerverwaltung veranlassen werde, da er ab 2015 viel weniger verdient habe als von der Steuerverwaltung eingeschätzt worden sei. E. Mit Verfügung vom 13. August 2021 lud das instruierende Präsidium des Kan tonsge- richts B.____ zum Beschwerdeverfahren bei. F. In der Vernehmlassung vom 24. September 2021 beantragte die Ausgleichskasse die Abweisung der Beschwerde. Die A.____ GmbH habe bis heute keine Unterlagen beigebracht, welche die geltend gemachten Einkommen des Beigeladenen nachweisen würden. Damit seien die Steuermeldungen massgebend, auf welche sich die angefochtene Verfügung bzw. der Ein- spracheentscheid stütze. G. Nach Aufforderung des Kantonsgerichts reichte der Beigeladene am 1. November 2021 seine Steuererklärungen (Easy -Tax) für die Jahre 2016 bis 2020 ein. Darin deklarierte er für die Jahre 2016 und 2017 ein Einkommen von je Fr. 31'500.--. Er beantragte, die Sozialversi- cherungsbeiträge seien aufgrund dieser Einkommensdeklarationen zu berechnen. H. Die Ausgleichskasse hielt in ihrer Stellungnahme vom 18. November 2021 am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Die Easy -Tax-Steuererklärungen seien Selbstdeklar atio- nen und seien somit nicht beweistauglich. I. Mit Verfügung vom 26. November 2021 forderte das Kantonsgericht den Beigeladenen auf, Belege betreffend die Steuererklärungen für die Jahre 2016 bis 2021 einzureichen. Hierfür bat der Beigeladene am 27. De zember 2021 um Fristerstreckung bis Ende Februar 2022, was das Kantonsgericht ihm mit Schreiben vom 10. Januar 2022 gewährte. Dabei wies es darauf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hin, dass das Gericht auf der Grundlage der bisherigen Rechtsschriften und der vorhandenen Akten entscheide, wenn innert Frist keine Eingabe erfolge. Nachdem der Beigeladene die Frist unbenutzt verstreichen liess, überwies das Kantonsgericht den Fall mit Verfügung vom 17. März 2022 dem Dreiergericht zur Beurteilung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über das Allgemeine Sozialversiche- rungsrecht (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmungen laut Art. 2 ATSG in Verbin- dung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters - und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 auf die Alters - und Hinterlassenenversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Örtlich zuständig ist, so weit es sich nicht um einen Einspracheentscheid einer kantonalen Ausgleichskasse handelt, nach Art. 58 ATSG grundsätzlich das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. In Frag en der Beitr agspflicht sind jedoch Arbeitnehmende und Arbeitgebe nde gleichermassen zur Beschwerde legitimiert. Bei beitrags- rechtlichen Streitigkeiten im Bereich der paritätischen AHV -Beiträge fällt deshalb rechtspre- chungsgemäss bei der Beurteilung der örtl ichen Zuständigkeit nicht nur der Wohnsitzgerichts- stand, sondern auch der Sitz der Arbeitgeberin in Betracht (vgl. UELI KIESER, ATS G- Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2020, Rz. 25 zu Art. 58). Vorliegend befindet sich der Sitz der Beschwerdeführerin zum Zeitpun kt der Beschwerdeerhebung in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel -Landschaft zu bejahen ist. Im Kanton Basel - Landschaft beurteilt gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht, als einzige gerichtliche Instanz Beschwerden gegen Verfügungen einer Aus- gleichskasse. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustän- dig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 6. August 2021 ist einzutreten. 2. Erlässt eine Ausgleichskasse auf dem Gebiet der paritätischen Beiträge eine Verfü- gung, so stellt sie eine Beitragsschuld sowohl des Arbeitsgebers als auch des Arbeitnehmers fest (Art. 4 und 5 sowie Art. 12 und 13 AHVG). Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in gleicher Weise betroffen, weshalb die Verfügung im Hinblick auf die Wahrung des rechtlichen Gehörs grundsätzlich beiden zu eröffnen ist. Hat die Ausgleichska sse die Beitragsverfügung nur dem Arbeitgeber eröffnet und hat dieser Beschwerde erhoben, so hat das kantonale Versicherungs- gericht entweder den Arbeitnehmer beizuladen oder die Sache an die Verwaltung zurückzuwei- sen, damit diese durch Zustellung der Beitr agsverfügung an den oder die betroffenen Arbeit- nehmer deren Verfahrensrechte wahrt (BGE 113 V 5 E. 4a). Anhand der dem Gericht vorlie- genden Akten ist davon auszugehen, dass die Ausgleichskasse die Beitragsverfügung vom 24. Juli 2020 einzig der Beschwerdefü hrerin zustellte und von einer zusätzlichen Eröffnung an den einzigen Mitarbeiter der Gesellschaft, B.____, absah. In der Folge lud das Kantonsgericht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesen mit Verfügung vom 13. August 2021 zum Verfahren bei und gab ihm die Möglichkeit, Stellung zur vorliegenden Angelegenheit zu nehmen. 3.1 In materieller Hinsicht strittig und zu prüfen ist der U mfang der Beitragspflicht der Be- schwerdeführerin für die Jahre 2016 und 2017. 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 AHVG sind erwerbstätige versicherte Personen und gemäss Art. 12 Abs. 2 AHVG alle Arbeitgeber, die in der Schweiz eine Betriebsstätte haben oder in ih- rem Haushalt obligatorisch versicherte Personen beschäftigen, beitragspflichtig. Nach Art. 5 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 AHVG werden vom Einkommen aus unselbst ständiger Erwerbstätig- keit, dem massgebenden Lohn, Beiträge erhoben. Als massgebender Lohn gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt jedes Entgelt für in unselbst ständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Die Beiträge vom Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit sind bei jeder Lohnzahlung in Abzug zu bringen und vom Arbeitgeber zusammen mit dem Arbeitge- berbeitrag periodisch zu entrichten (Art. 14 Abs. 1 AHVG). 3.3 Die Sozialversicherungsbeiträge werden aufgrund der Lohnmeldungen der Arbeitgeber festgesetzt. Da diese jedoch erst im Verlauf des dem Beitragsjahr folgenden Kalenderjahres vorliegen, werden Akontobeiträge von der Ausgleichskasse aufgrund der voraussichtlichen Lohnsumme erhoben (Art. 35 Abs. 1 AHVV). Die für das jeweilige B eitragsjahr geschuldeten Beiträge sind nach Vorliegen der Lohnmeldungen in einer Verfügung definitiv festzusetzen. Da- bei nimmt d ie Ausgleichskasse den Ausgleich zwischen den geleisteten Akontobeiträgen und den tatsächlich geschuldeten Beiträgen aufgrund de r Abrechnung vor (Art. 36 Abs. 4 Satz 1 AHVV). Die Arbeitgeber haben die Löhne innert 30 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode abzurechnen (Art. 36 Abs. 2 AHVV). Die Abrechnungsperiode umfasst das Kalenderjahr (Art. 36 Abs. 3 Satz 1 AHVV). Ausstehende B eiträge sind innert 30 Tagen ab Rechnungsstel- lung zu bezahlen (Art. 36 Abs. 4 Satz 2 AHVV). Werden innert Frist die für die Abrechnung er- forderlichen Angaben nicht gemacht oder die Arbeitgeber - oder Arbeitnehmerbeiträge nicht be- zahlt, hat die Ausgleichs kasse die geschuldeten Beiträge durch eine Veranlagungsverfügung festzusetzen (Art. 38 Abs. 1 AHVV). Dasselbe gilt, wenn eine Ausgleichskasse Kenntnis davon erhält, dass ein Beitragspflichtiger keine Beiträge oder zu niedrige Beiträge bezahlt hat und die Nachzahlung der geschuldeten Beiträge nach Rechnungsstellung ausbleibt (vgl. Art. 39 Abs. 1 Satz 1 AHVV). Für fällige Beitragsforderungen sind nach Art. 41bis AHVV Verzugszinsen zu leis- ten (Art. 26 Abs. 1 ATSG]. 3.4 Die Arbeitgeber haben die Löhne ihrer Mitarbeitenden und die weiteren Angaben für die Eintragung in das individuelle Konto laufend aufzuzeichnen, soweit es für eine geordnete Abrechnung und die Arbeitgeberkontrolle erforderlich ist (Art. 143 Abs. 2 AHVV). Die Lohnauf- zeichnungspflicht erlaubt e s der Ausgleichskasse, die jeder oder jedem einzelnen Arbeitneh- menden während der Abrechnungsperiode gewährten Leistungen, die zum massgebenden Lohn gehören, sowie die insgesamt ausgerichteten Löhne zuverlässig zu ermitteln (vgl. auch Rz. 2027 und Rz. 2072 der Wegleitung über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und EO [WBB], gültig ab 1. Januar 2021). Die der Ausgleichskasse angeschlossenen Arbeitgeber sind periodisch auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen hin zu kontrollieren (Art. 68 Abs. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2 Satz 1 AHVG). Die Ausgleichskassen bzw. die Arbeitgeber haben den Revisions - bzw. Kon- trollstellen Einsicht in ihre Bücher und Belege zu gewähren und alle Aufschlüsse zu erteilen, die zur Erfüllung der Revisions- und Kontrollpflichten erforderlich sind (Art. 209 Abs. 1 AHVV). 3.5 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs - und Verwaltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Fes tstellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 144 V 427 E. 3.2). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbring en oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. Juni 2020, 9C_805/2019, E. 8.1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er findet sein Kor relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 4.2). Die Mitwirkungs- pflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahren zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung des Sach- verhalts (vgl. KURT PÄRLI/LAURA KUNZ, Basler Kommentar zum ATSG, Basel 2021, N 9 und 14 zu Art. 28 ATSG). 4.1 Von der Beschwerdeführerin wird nicht bestritten, dass der Beigelade ne ab 1. April 2016 für sie arbeitet und Lohn bezieht. Als Arbeitgeberin ist die Beschwerdeführerin verpflichtet, die Lohnbeiträge der Ausgleichskasse zu entrichten (vgl. hiervor E. 3.2). Auch das bestreitet die Be- schwerdeführerin nicht. Aus den Akten geht weiter hervor, dass d ie Ausgleichskasse nach Vorlie- gen der Lohnmeldungen der Beschwerdeführerin für die Jahre 2016 und 2017 (vgl. Lohnmel- dungen vom 29. Juni 2017 und 20. März 2018) die Sozialversicherungsbeiträge aufgrund der angegebenen Bruttolohnsumme des Beigeladenen von je Fr . 31'500.-- berechnete und einfor- derte (vgl. Rechnungen vom 10. Juli 2017 und 3. April 2018). Am 15. Juni 2020 führte die Aus- gleichskasse bei der Beschwerdeführerin eine Arbeitgeberkontrolle im Sinne von Art. 68 Abs. 2 AHVG durch. Im Bericht vom 15. Juni 2 020 stellte der zuständige Revisor fest, dass bei der Beschwerdeführerin keine Finanzbuchhaltung habe vorgefunden werden können. Damit hat die Beschwerdeführerin ihre Lohnaufzeichnungspflicht gemäss Art. 143 Abs. 2 AHVV und ihre Pflicht gemäss Art. 209 Abs . 1 AHVV verletzt, wonach sie Einsicht in Bü cher und Belege zu gewähren hat. Aufgrund dieser Verletzung konnte die Ausgleichskasse die gemeldeten Lohn- summen des Beigeladenen in Höhe von je Fr. 31'500.-- nicht überprüfen. In der Folge stellte die Ausgleichskasse bei der Steuerverwaltung am 20. Mai 2020 ein Amtshilfegesuch betreffend Einkommen des Beigeladenen (vgl. E-Mail vom 20. Mai 2020). Gestützt auf die von der Steuer- verwaltung gemeldeten Einkommen von Fr. 143'700.-- für das Jahr 2016 und von Fr. 153'740.-- für das Jahr 2017 (vgl. E -Mail der Steuerverwaltung vom 3. Juni 2020) forderte die Ausgleichs- kasse mit der angefochtenen Verfügung vom 24. Juli 2021 bzw. im angefochtenen Einsprache- entscheid vom 6. Juli 2021 Beiträge von insgesamt Fr. 34'660.70 (inkl. Verwaltungskosten und Verzugszinsen) nach. Die Beschwerdeführerin und der Beigeladene wenden ein, dass die Aus- gleichskasse die Beiträge auf der Basis zu hoher Einkommen festgelegt habe. Die tatsächliche Lohnsumme habe in den Jahren 2016 und 2017 – wie gemeldet – bei je Fr. 31'500. -- gelegen, weshalb die nachgeforderten Beiträge nicht rechtens seien. Es ist somit zu prüfen, ob die Aus- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gleichskasse zur Bemessung der Sozialversicherungsbeiträge zu Recht auf die von der Steuer- verwaltung gemeldeten Einkommen des Beigeladenen abstellte. 4.2 Eine Nachzahlungsverfügung, mit der über paritätische Beiträge verfügt wird, muss – zumindest in einer Beilage – die für die Verbuchung der Beiträge und für die Eintragung in die individuellen Konten benötigten Angaben enthalten, so die Namen der Versicherten, die Höhe der massgebenden Löhne und der darauf berechneten Beiträge sowie das Jahr, für welches die Beiträge nachgefordert werden (vgl. Art. 140 Abs. 1 AHVV; BGE 110 V 234 E. 4; ZAK 1992 S. 316 E. 5a). Damit die Au sgleichskasse dieser Pflicht nachkommen kann, ist – wie bereits in Erwägung 3.4 erwähnt – der Arbeitgeber gehalten, der Ausgleichskasse bzw. der mit der Ar- beitgeberkontrolle beauftragten Revisionsstelle die erforderlichen Auskünfte zu erteilen (Art. 51 Abs. 3 AHVG; Art. 35 Abs. 1 und 209 Abs. 1 AHVV; BGE 118 V 70 E. 3a). Die Rechtsprechung hat anerkannt, dass in Ausnahmefällen unter gewissen Voraussetzungen auch eine schät- zungsweise Ermittlung des beitragspflichtigen Lohnes und die blosse Angabe einer Pausc hal- summe für die Gültigkeit einer Verfügung genügen können ( vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2021 , 9C_353/2021, E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 118 V 65 und 110 V 234). Ein solches Vorgehen ist indessen nur dann zulässig, wenn es für die Ausgleich skasse praktisch unmöglich ist, die beitragspflichtigen Lohnsummen mit der vom Gesetz verlangten Genauigkeit in Erfahrung zu bringen, weil es der Arbeitgeber trotz Mahnung (vgl. Art. 37 AHVV) unterlässt, innert nützlicher Frist die für die Festsetzung der paritätischen Beiträge erforderlichen Angaben zu machen. Mit anderen Worten muss die Ausgleichskasse wegen der Pflichtvergessenheit des Arbeitgebers gezwungen sein, Massnahmen zu ergreifen, um die Verwirkung der geschuldeten Beiträge auszuschliessen. 4.3 Die Beschwerdeführerin verfügt gemäss den Feststellungen des Revisors über keine ordentliche Finanzbuchhaltung oder anderen Aufzeichnungen, welche eine zuverlässige Ermitt- lung der an den Be igeladenen ausgerichteten Löhne für die Jahre 2016 und 2017 zulassen. Trotz den Aufforderungen der Ausgleichskasse vom 6. November 2020 und 29. Dezember 2020 haben weder die Beschwerdeführerin noch der Beigeladene keine tauglichen Unterlagen eingereicht, welche belegen, dass dieser für die Jahre 2016 und 2017 tatsächlich ein Einkom- men von je Fr. 31'500. -- erzielt hat. Die vom Beigeladenen im vorliegenden Verfahren nachge- reichten Easy -Tax-Steuerveranlagungen stellen Selbstdeklarationen dar, deren Richtigkeit mangels Einreichens der entsprechenden Steuerbelege nicht überprüft werden kann. Auch wenn im Verwaltungsverfahren und dem Verfahren vor Kantonsgericht der Untersuchungs- grundsatz gilt, folgt daraus nicht die Pflicht der Verwaltung und des Gerichts, jede d enkbare Beweismassnahme durchführen zu müssen, die mit noch so geringer Wahrscheinlichkeit zu einem Ergebnis führen könnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2010 , 9C_899/2010, E. 3.2). Dass weitere Abklärungsm assnahmen sachdienliche Ergebnis se zeitig- ten, ist sehr unwahrscheinlich. Vielmehr wäre die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Auskunfts- und Mitwirkungspflicht gehalten gewesen, entsprechende rechtsgenügliche Belege beizubrin- gen (vgl. Erwägung 3.5 hiervor). Da sie für die beiden hier mass gebenden Beitragsjahre keine Buchhaltung vorweisen kann und keine anderen beweiskräftigen Unterlagen über den effektiv ausbezahlten Lohn an den Beigeladenen beigebracht hat, ist nicht zu bemängeln, dass die Ausgleichkasse als Bemessungsgrundlage auf die St euerveranlagungen des einzigen Arbeit- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nehmers und gleichzeitig einzelzeichnungsberechtigten Geschäftsführers der Gesellschaft ab- gestellt hat. 4.4 An diesem Ergebnis ändert auch nichts, dass die Steuerveranlagungen des Beigela- denen für die Jahre 2016 und 2017 auf amtlichen Einschätzungen beruhen. Die amtliche Ein- schätzung erfolgte, weil der Beigeladene für diese beiden Steuerjahre keine Steuererklärung einreichte. Auch wenn bei einer amtlichen Einschätzung die Möglichkeit besteht, dass diese über das tatsächlich erzielte Einkommen liegt, hätten der Beigeladene und die Beschwerdefüh- rerin in diesem Fall im Rahmen des Einsprache - und vorliegenden Beschwerdeverfahrens hin- reichend Gelegenheit gehabt, Belege für Lohnüberweisungen oder eine Lohnbuchhaltung etc. einzureichen, um damit den Nachweis über die tatsächlich erfolgten Lohnzahlungen zu erbrin- gen. Trotz mehrfacher Aufforderungen und gewährter Fristerstreckungen sind keine solchen Unterlagen bei der Ausgleichskasse bzw. beim Kantonsgericht eingegangen. Die ge ltend ge- machten Löhne für die Steuer - und Beitragsjahre 2016 und 2017 in Höhe von je Fr. 31'500. -- stellen deshalb lediglich Behauptungen dar, deren Richtigkeit aufgrund der mangelhaften Aus- kunfts- und Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin nicht überpr üfbar ist. Da die Beschwer- deführerin aus dem unbewiesenen, behaupteten Sachverhalt Rechte ableiten möchte , hat sie die Folge n der Beweislosigkeit zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_701/2013, E. 4.1; BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). 4.5 Aus diesen Ausführungen ergibt sich , dass die Ausgleichskasse zu Recht die Beiträge der Beschwerdeführerin für die Beitragsjahre 2016 und 2017 aufgrund der Meldung der Steuer- verwaltung Basel-Landschaft bezüglich des Beigeladenen ermittelt hat. Gemäss Steuermeldung für das Jahr 2016 betrug das Einkommen des Beigeladenen Fr. 143'700. -- netto bzw. Fr. 153'239.15 brutto (Fr. 143'700. -- : 0,93775). Da der Beigeladene dieses Einkommen ledig- lich für die Zeit vom 1. April 2016 bis 31. Dezember 2016 erzielte, ging die Ausgleichskasse von einem AHV-pflichtigen Lohn von Fr. 114'929.36 (Fr. 153'239.15 :12 x 9) aus. Der Bruttolohn für das Jahr 2017 belief sich auf Fr. 153'740. -- netto bzw. 163'945.61 brutto (Fr. 153'740. -- : 0,93775). Die Differenz zwischen den gestützt auf die Steuermeldung errechneten und den von der Beschwerdeführerin gemeldeten Lohnsummen beträgt somit für das Jahr 2016 Fr. 83'429.36 (Fr. 114'929.36 – Fr. 31'500.--) und für das Jahr Fr. 132'445.61 (Fr. 163'945.61 – Fr. 31'500.--). Gestützt auf diese Lohnsummen erhob die Ausgleichskasse mit Verfügung vom 24. Juli 2020 Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 11'895.40 (2016) und Fr. 18'672.20 (2017), jeweils inkl. Verwaltungskosten. Zu dieser Beitragsforderung in Höhe von insgesamt Fr. 30'567.60 (Fr. 11'895.40 + Fr. 18'672.20) addierte sie gestützt auf Art. 41 bis Abs. 1 AHVV in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 ATSG Verzugszinsen in Höhe von insgesamt Fr. 4'093.10, deren Höhe von der Beschwerdeführerin und vom Beigeladenen zu Recht nicht bean standet wird. Demzufolge ist die Beschwerdeführerin mit ihrem Rechtsbegehren nicht durchgedrungen, wes- halb die Beschwerde abzuweisen ist. 5. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein h at. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Als unterliegende Partei wird der Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung zu- gesprochen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht