26. September 1988 N 1161 Motion der sozialdemokratischen Fraktion 1. ENERGIEPOLITIK UND ENERGIESPAREN POLITIQUE ENERGETIQUE ET ECONOMIES D'ENERGIE #ST# 88.350 Motion Thür Elektrizitätswirtschaftsgesetz Loi sur l'électricité Wortlaut der Motion vom 8. März 1988 Der Bundesrat wird beauftragt, im Interesse eines haushälte- rischen Umgangs mit der elektrischen Energie und im Inter- esse einer langfristigen Versorgung ein Elektrizitätswirt- schaftsgesetz zu schaffen im Sinne der Vorschläge in Anhang 5 (S. 78) des Eges-Berichtes. Der Bundesrat wird ferner beauftragt, schon vor Inkrafttre- ten des Elektrizitätsgesetzes mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln darauf hinzuwirken, dass die Elektrizitäts- werke Ueberschussstrom aus Wärme-Kraftkoppelungsanla- gen zu marktgerechten Preisen zurücknehmen. Texte de la motion du 8 mars 1988 Dans l'intérêt d'une utilisation économe de l'énergie électri- que et d'un approvisionnement à long terme en électricité, le Conseil fédéral est chargé d'édicter une loi sur l'électricité conforme aux propositions contenues dans l'annexe 5 du rapport SCEN (rapport du groupe d'experts pour les scéna- rios énergétiques). De plus, et avant que la loi sur l'électricité n'entre en vigueur, le Conseil fédéral est chargé de mettre tout en oeuvre afin que les usines électriques rachètent le courant excédentaire produit par les installations de couplage cha- leur-force au prix du marché. Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann, Bär, Bircher, Bodenmann, Brélaz, Brügger, Danuser, Diener, Fetz, Gün- ter, Hafner Rudolf, Herczog, Leuenberger-Solothurn, LeuteneggerOberholzer, Maeder, Meier-Glattfelden, Müller- Aargau, Schmid, Stocker, Ulrich, Weder-Basel, Wiederkehr, Zbinden Hans, Züger (24) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Verzicht auf das AKW Kaiseraugst ist nur glaubwürdig, wenn gleichzeitig Anstrengungen unternommen werden, den Energieverbrauch unter Kontrolle zu bringen. Die Atom- energiebefürworter haben stets behauptet, dass bis zum Jahre 2000 neben Kaiseraugst ein weiteres AKW nötig sei, um den Energiebedarf zu decken. Im Siebenten Zehn- Werke-Bericht prognostiziert die Elektrizitätswirtschaft, dass ohne die Inbetriebnahme des AKW Kaiseraugst und ohne ansehnliche Strombezüge aus dem Ausland bereits ab 1993/94 eine beträchtliche Versorgungslücke eintreten werde. Auch wenn man diese zweckpessimistische Prognose der Elektrizitätswirtschaft nicht teilt, ist dennoch heute schon alles daran zu setzen, dass nach einem allfälligen Wegfall von Kaiseraugst die Auslandabhängigkeit bei der Versor- gung mit elektrischer Energie auf ein Minimum reduziert werden kann. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn auf verschiedenen Ebenen unverzüglich Massnahmen in die Wege geleitet werden. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom September 1988 Rapport écrit du Conseil fédéral de septembre 1988 Wir verweisen auf Teil II, Ziffer 1.1 und 1.2. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln. Antrag Schule Auch als Postulat ablehnen Antrag Thür Festhalten an der Motion Proposition Schule Rejeter la motion (même sous forme de postulat) Proposition Thür Adopter la motion comme telle #ST# 88.387 Motion der sozialdemokratischen Fraktion Stromspargesetz Motion du groupe socialiste Loi sur les économies d'électricité Wortlaut der Motion vom 16. März 1988 Der Bundesrat wird aufgefordert, dem Parlament möglichst rasch ein Stromspargesetz vorzulegen. Darin sind insbeson- dere folgende Bereiche zu regeln: 1. Grundsätze über grenzkosten-orientierte Stromtarife und Anschlussbedingungen. 2. Grundsätze über verschiedene Stromanwendungen, ins- besondere Elektroheizung, Warmwasserbereitung und Raumklimatisierung. 3. Rücknahmepflicht und Tarifierung von Strom aus priva- ten Kleinanlagen (Wasser, Wärme-Kraft Kopplung, Solar, Wind usw.). 4. Etikettierung und Angaben über den spezifischen Strom- verbrauch von Geräten und Anlagen. 5. Vorschriften über minimale Wirkungsgrade von verschie- denen Elektrogeräten. Texte de la motion du 16 mars 1988 Le Conseil fédéral est chargé de soumettre le plus rapide- ment possible au Parlement une loi sur les économies d'électricité. Cette loi doit en particulier réglementer les domaines suivants: 1. Normes applicables aux tarifs d'électricité axés sur les coûts marginaux et aux conditions de raccordement. 2. Normes applicables aux diverses utilisations du courant électrique, en particulier: chauffage électrique, production d'eau chaude et climatisation des locaux. 3. Obligation de rachat et fixation du prix du courant électri- que produit par des petites installations privées (énergie hydraulique, solaire, éolienne ou produite par couplage chaleur-force, etc.). 4. Indication sur les appareils et installations des données relatives à leur consommation spécifique de courant élec- trique. 5. Prescriptions relatives aux performances minimales des appareils électriques. Sprecher - Porte-parole: Ledergerber Schriftliche Begründung - Développement par écrit Es ist heute nicht mehr bestritten, dass auch im Bereich der Stromanwendung relativ grosse Sparpotentiale bestehen. Der Streit geht heute nur noch darum, ob diese Potentiale 15, 30 oder 50 Prozent ausmachen.Motion Salvioni 1162 N 26 septembre 1988 Nachdem offensichtlich ist, dass auf absehbare Zeit in der Schweiz keine weiteren Atomkraftwerke mehr gebaut wer- den können, ist es eine Frage der politischen Vernunft, dass wir endlich daran gehen, die Stromsparmöglichkeiten in unserem Lande auszuschöpfen. Der gesparte Strom ist heute am billigsten und umweltverträglichsten. Die ökonomischen, technischen und juristischen Grundla- gen für ein Stromspargesetz sind vorhanden. Einer schnel- len Bearbeitung steht nichts im Wege. Das oft gehörte Argument, es gehe nicht an, nur einen Energieträger mit gesetzlichen Auflagen zu diskriminieren, ist nicht stichhaltig. In den vergangenen Jahren sind in praktisch allen Kantonen Energiegesetze erlassen worden. Sie regeln die Anwendung vor allem der fossilen Energieträ- ger im Wärmebereich. Die Elektrizität ist mit wenigen Aus- nahmen ausgeklammert worden. Es geht heute darum, mit einem Stromspargesetz gleiche Spiesse für alle Energieträ- ger zu machen. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom September 1988 Rapport écrit du Conseil fédéral de septembre 1988 Wir verweisen auf Teil II, Ziffer 1.1 und 1.2. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln. Antrag Schule Auch als Postulat ablehnen Proposition Schule Rejeter la motion (même sous forme de postulat) #ST# 88.415 Postulat der sozialdemokratischen Fraktion Stromversorgung der Schweiz Postulat du groupe socialiste Approvisionnement énergétique du pays Wortlaut des Postulates vom 17. März 1988 Der Bundesrat wird gebeten, für seine energiepolitischen Entscheide die Stromversorgungssicherheit unseres Landes so zu definieren, dass sie volkswirtschaftlich optimal und versorgungspolitisch realistisch ist. Insbesondere ist eine einseitige Abhängigkeit des Auslandes von inländischer Ueberproduktion abzulehnen. Wir bitten den Bundesrat, die Elektrizitätswirtschaft aufzu- fordern, mit dem europäischen Stromverbund ein auf Part- nerschaft basierendes Stromaustausch-Verhältnis anzustre- ben. Dabei ist insbesondere auch der Qualität der schweize- rischen Stromproduktion Rechnung zu tragen. Texte du postulat du 17 mars 1988 Le Conseil fédéral est prié de définir, en vue des décisions qu'il doit prendre dans le domaine de l'énergie électrique, notre approvisionnement d'une façon à la fois optimale sur le plan économique et réaliste sur le plan de la sécurité. Il faut notamment rejeter toute dépendance unilatérale de l'étranger à l'égard de la surproduction interne. Nous prions le Conseil fédéral d'exiger de l'économie élec- trique qu'elle s'efforce de parvenir, en accord avec l'inter- connexion européenne, à un équilibre des échanges de courant reposant sur une véritable collaboration. Il s'agira aussi de tenir compte de la qualité de la production suisse de courant. Sprecher - Porte-parole: Mauch Ursula Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die bisherige, von den Elektrizitätswerken propagierte und angewandte Konzeption der Versorgungssicherheiit führt im europäischen Netzverbund systematisch zu einer Ueberka- pazität an Stromerzeugungsanlagen. Die Grundprämisse ist nämlich, dass die Schweiz in 19 von 20 Jahren sogar im Winter mehr Strom exportieren als importieren soll. Wenn jedes Land von solchen Annahmen ausgeht, gibt es notwen- digerweise ein europäisches Ueberangebot, das unter dem Titel Versorgungssicherheit dauernd mit neuen Kraftwerk- zubauten aufrechterhalten wird. In Tat und Wahrheit ist es aber unmöglich, dass jedes Land Jahr für Jahr mehr Strom exportiert als importiert. Wenn das die Schweiz tut, so trägt sie einseitig zur Stromversorgung der Nachbarlander bei. Die Neukonzeption der Versorgungssicherheit muiss auf rea- listischeren Annahmen abgestützt werden. Insbesondere muss sie den Standortvorteil der Schweiz berücksichtigen, welcher in den grossen Saisonspeicher- seen begründet ist. Diese Speicher können kurzfristig gewaltige Lastspitzen (KW) abdecken. Sie helfen dadurch vor allem mit, an kalten Wintertagen die Stromversorgung des benachbarten Auslands mit Spitzenenergie (Leistung) zu sichern. Dieser schweizerische Qualitäts-Beitrag an die Versor- gungssicherheit der Nachbarländer wurde bis jetzt vernach- lässigt. Neu muss er gleichwertig mit der quantitativen Pro- duktion in eine partnerschaftliche Konzeption der Versor- gungssicherheit miteinbezogen werden. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom September 1988 Rapport écrit du Conseil fédéral de septembre 1988 Wir verweisen auf Teil II, Ziffer 1.3.2. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat entgegenzunehmen und als erledigt abzuschreiben. #ST# 88.421 Motion Salvioni Energieversorgung des Landes Approvisionnement énergétique du pays Wortlaut der Motion vom 18. März 1988 Der Bundesrat wird eingeladen, mit seinem Entscheid über die Motion, die den Verzicht auf Kaiseraugst fordert, die erforderlichen Massnahmen vorzuschlagen, damit wir in der Stromversorgung nicht noch stärker vom Ausland abhängig werden. Texte de la motion du 18 mars 1988 Le Conseil fédéral est invité à proposer, avec sa décision sur la motion qui demande l'abandon de Kaiseraugst, les mesures nécessaires à éviter une augmentation de notre dépendance de l'étranger en matière d'électricité Mitunterzeichner - Cosignataires: Allenspach, Baggi, Bär, Bonvin, Brélaz, Büttiker, Caccia, Carobbio, Cavadini, Cou- chepin, David, Diener, Ducret, Dünki, Engler, Hafner Rudolf, Hänggi, Hess Peter, Jaeger, Ledergerber, Longet, Maître, Martin Jacques, Meier-Glattfelden, Müller-Meilen, Oester, Petitpierre, Pini, Rebeaud, Ruffy, Scheidegger, Schmid, Schmidhalter, Seiler Rolf, Spalti, Stamm, Steinegger, Stocker, Wanner, Wiederkehr, Wyss Paul, Zwygart (42)Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion der sozialdemokratischen Fraktion Stromspargesetz Motion du groupe socialiste Loi sur les économies d'électricité In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1988 Année Anno Band III Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 88.387 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 26.09.1988 - 14:30 Date Data Seite 1161-1162 Page Pagina Ref. No 20 016 640 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.