Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Oktober 2017 (715 17 219 / 270) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz; ein eindeutiges ärztliches Zeugnis liegt nicht vor. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Alex Ertl, Rechts- anwalt, FURER & KARRER Rechtsanwälte, Gerbergasse 26, 4001 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1978 geborene A.____ war ab 1. Oktober 2015 kaufmännische Sachbearbeiterin beim Gericht X.____. Am 21. November 2016 kündigte sie das Arbeitsverhältnis per 28. Febru- ar 2017. Am 6. Februar 2017 meldete sich A.____ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum Gelterkinden (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und er hob am 7. Februar 2017 bei der Öffentli- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädi- gung ab 1. März 2017. B. Mit Verfügung Nr. 741/2017 vom 11. April 2017 ste llte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. März 2017 für 31 Tage in der Anspruchs- berechtigung ein. Daran hielt die Einspracheinstanz d es Kantonalen Amtes für Industrie, Ge- werbe und Arbeit Baselland (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Entscheid vom 22. Juni 2017 fest. C. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsan walt Dr. Alex Ertl, am 13. Juli 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), wobei sie unter o/e-Kostenfolge die Auf hebung des Einspracheentscheids vom 22. Juni 2017 beantragte. Eventualiter seien ihr aufgrund eines geringen Verschuldens lediglich fünf Einstelltage zu verfügen. Subeventualiter sei de r Entscheid vom 22. Juni 2017 aufzuheben und die Sache sei zur Vervollständigung des Sachverhalts u nd erneuter Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung hielt sie im We sentlichen fest, dass ihr der Ver- bleib an der gekündigten Stelle aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar gewesen und ihr deshalb kein Verschulden anzulasten sei. D. Die Arbeitslosenkasse schloss mit Vernehmlassung vom 30. August 2017 auf Abwei- sung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Geri cht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 13. Juli 2017 ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. B ei einem Taggeld von Fr. 191.35 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 5‘931.85. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arb eitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem n ach den persönlichen Umständen und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalt en der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Um- stände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemute t werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gef unden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S . 116). Die Zumutbarkeit zum Verblei- ben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 2 1. Juni 1988 über Beschäftigungsförde- rung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinko mmen; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige („volontairement“) Aufgeben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans mo tif légitime“) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30 . April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt d ie Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundhei tsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Un zumutbarkeit aus gesundheitlichen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverh alts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). 2.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mei nungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323, C128/96). Bei Schwierigkei- ten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und derg leichen ist es der versicherten Per- son grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusic herung einer neuen Anschlussstelle aufzugeben. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht r echtfertigen. Sie können aber allen- falls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des E idgenössischen Versicherungsge- richts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicher ten Person nicht entsprechendes Be- triebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf f olgende Verfahrensgrundsätze hin- zuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwer- deverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Da nach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und voll ständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abkläru ngen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nic ht uneingeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Es steht unbestritten fest, dass die Beschwerdeführerin das bestehende Arbeitsverhält- nis auf den 28. Februar 2017 auflöste, ohne dass ihr im Kündigungszeitpunkt von anderer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gewesen wä re. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihr ein Verbleiben an der bisheri- gen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewesen wäre (vgl. E. 2.3 hiervor). 5. Aufgrund der Akten stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Die Be- schwerdeführerin war ab 1. Oktober 2015 beim Gericht X. ____ zunächst in einem befristeten, ab 1. Oktober 2016 in einem unbefristeten Anstellungsve rhältnis angestellt. Am 21. November 2016 kündigte sie den Arbeitsvertrag per 28. Februar 2 017. Im Antrag auf Arbeitslosenentschä- digung vom 7. Februar 2017 gab die Versicherte an, weg en „Mobbing“ gekündigt zu haben. Zudem wies sie darauf hin, vom 20. Dezember 2016 bis 2 8. Februar 2017 krankheitsbedingt arbeitsunfähig gewesen zu sein. Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs führte die Versicherte am 23. März 2017 (Eingang) aus, dass schwierige Arbeitsverhältnisse im Team bestanden hätten. Sie habe das Arbeitsverhältnis aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst. Den beigelegten Zeugnissen der behandelnden Ärztin pract. med. B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 21. Dezember 2016 und 5. Januar 2017 ist zu entnehmen, dass die Versicherte vom 21. Dezember 2016 bis 15. Januar 2017 vollständig a rbeitsunfähig gewesen wäre. Weiter bescheinigte der behandelnde Arzt Dr. med. C.____, F MH Psychiatrie und Psychotherapie, am 11. und 18. Januar 2017 ab 16. Januar 2017 bis 28. F ebruar 2017 eine vollständige Arbeitsun- fähigkeit. Sodann hielt er am 7. Februar 2016 [recte: 2017] fest, dass die Versicherte seit dem 16. Dezember 2016 wegen einer depressiven Symptomatik i n regelmässiger (meist wöchentli- cher) Behandlung sei. Aus psychiatrischer Sicht erscheine di e Kündigung des Arbeitsverhält- nisses – bei ausgeprägten Konflikten mit Hinzuziehung des C are Managements – sinnvoll. In ihrer Einsprache vom 19. April 2017 verwies die Versi cherte im Wesentlichen auf den Bericht ihrer Hausärztin pract. med. B.____ vom 13. April 201 7. Demnach stehe sie in regelmässiger hausärztlicher Behandlung. Aus medizinischer Sicht habe im Herbst 2016 ganz klar die Indika- tion bestanden, die Arbeitsstelle zu kündigen. Da sich die gesundheitliche Situation im Verlauf weiter zugespitzt habe, habe sie vom 21. Dezember 2016 bis 15. Januar 2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Hernach habe Dr. C.___ _ eine vollständige Arbeitsunfähigkeit be- scheinigt. Am 5. Juli 2017 diagnostizierte pract. med. B.____ einen Verdacht auf eine mittel- schwere depressive Episode bei Mobbing am Arbeitsplatz ( ICD-10 F32.1). Sie hielt fest, dass die Versicherte seit März 2016 in regelmässiger hausärztlich er Behandlung stehe und am Ar- beitsplatz einer stark belastenden und gesundheitsgefährd enden Mobbingsituation ausgesetzt gewesen sei. Bereits zu jener Zeit hätten sich gesundhei tliche Auswirkungen gezeigt. Aus me- dizinischen Gründen sei im Herbst 2016 zur Wahrung der Ge sundheit eine Kündigung des Ar- beitsverhältnisses unumgänglich gewesen. Sie habe grosse Sorgen gehabt, dass die Gesund- heit der Versicherten, sollte sie am Arbeitsplatz verbl eiben, stark gefährdet gewesen wäre. Aus diesem Grund habe sie ihr dringend geraten, das Arbeit sverhältnis zu kündigen. Zudem habe sie ihr empfohlen, sich einer psychiatrischen Behandlung z u unterziehen. Der behandelnde Psychiater Dr. C.____ habe bestätigt, dass ein Verbleib a n der bisherigen Arbeitsstelle die Ge- sundheit der Versicherten stark gefährdet hätte. Ein we iterer Verbleib an der bisherigen Stelle während der Dauer der Kündigungsfrist sei nicht zu verantworten gewesen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Wie unter Erwägung 2.6 hiervor ausgeführt, verm ögen ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitsko llegen grundsätzlich keine Unzu- mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen. Belegt die versicherte Per- son allerdings durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (od er allenfalls durch andere geeignete Beweismittel), dass ihr die Weiterarbeit aus gesundhei tlichen Gründen nicht mehr zumutbar ist, ist grundsätzlich von einer Unzumutbarkeit aus gesundheitli chen Gründen auszugehen (BGE 124 V 234 E. 4b/bb S. 238; Urteil 8C_943/2012 vom 13. März 2013 E. 2). Bei der Prüfung der Unterlagen fällt zunächst auf, dass kein echtzeitliches Arztzeugnis zu finden ist, dem die Unzumutbarkeit des Verbleibens an der bisherigen Stelle zu entnehmen wäre. Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses erfolgte am 21. November 2016. Z u diesem Zeitpunkt war die Be- schwerdeführerin weder arbeitsunfähig geschrieben noch hatte sie die Psychotherapie bei Dr. C.____ begonnen. Die Unzumutbarkeit des Verbleiben s an der bisherigen Stelle ist aus- schliesslich durch die nachträglich erstellten Bescheinigung en und Berichte der behandelnden Ärzte pract. med. B.____ vom 21. Dezember 2016, 5. Jan uar 2017, 13. April 2017 und 5. Juli 2017 und Dr. C.____ vom 11. und 18. Januar 2017 sowi e 7. Februar 2017 bescheinigt worden. Diese Berichte sind aber insbesondere in Bezug auf den Verlauf der gesundheitlichen Entwick- lung und die medizinische Begründung für die Unzumutba rkeit nicht hinreichend schlüssig. Zwar wird darin bestätigt, dass die Situation am Arbei tsplatz einen negativen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gehabt habe. I ndessen reicht die Aussage von Dr. C.____ im Bericht vom 7. Februar 2017, wonach ein Stellenwechsel aus medizinischer Sicht „sinnvoll“ gewesen sei – mit Blick auf die Tatsache, dass d ie Beschwerdeführerin zu jener Zeit weder arbeitsunfähig war noch in psychiatrischer Behandlu ng stand, und unter Berücksichti- gung der strengen Rechtsprechung (vgl. E. 2.3 hiervor) – nicht aus, um zu belegen, dass es der Beschwerdeführerin unzumutbar war, zumindest bis zur Zusich erung einer neuen Arbeitsstelle am Arbeitsplatz zu bleiben. Demnach stellen sein Bericht vom 7. Februar 2017 sowie dessen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vom 11. und 18. Januar 2017 keine geeigneten Entscheid- grundlagen dar. Dasselbe gilt für die Berichte der beh andelnden Hausärztin pract. med. B.____ vom 21. Dezember 2016 und 5. Januar 2017. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin lässt sich aus den erst im Rahmen des Einsprache- bzw. Beschw erdeverfahrens erstellten Be- richten der behandelnden Hausärztin vom 13. April 2017 und 5. Juli 2017 nichts zu ihren Guns- ten ableiten. Dies gilt umso mehr, als die behandelnd e Ärztin erst im Bericht vom 5. Juli 2017 – wohl unter dem Eindruck der drohenden Einstellung in der Anspruchsberechtigung – explizit darauf hinweist, der Versicherten dringend geraten zu haben, das Arbeitsverhältnis zu kündi- gen. Es liegen auch keine anderen geeigneten Beweismitt el bei den Akten, die auf eine Unzu- mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses aus ge sundheitlichen Gründen schliessen lassen. Dass die aufgegebene Stelle – wie von der Versiche rten behauptet – aus gesundheitli- chen Gründen nicht mehr zumutbar gewesen wäre, ist demnach nicht hinreichend erstellt. Unter diesen Umständen kann im Zeitpunkt der Kündigung nicht von einer Unzumutbarkeit des Ver- bleibens am Arbeitsplatz gesprochen werden. Es fehlt diesbezüglich an einem eindeutigen ärzt- lichen Zeugnis (vgl. E. 2.5 hiervor). 6.2 Nach dem Ausgeführten steht fest, dass es im Rahmen de r Mitwirkungspflicht der Par- teien (vgl. E. 2.5 hiervor) an der Beschwerdeführerin g elegen wäre, die medizinische Notwen- digkeit der Aufgabe der Arbeitsstelle glaubhaft zu mache n, was ihr nicht gelungen ist. Die Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin kann nicht rechtsgenüglich darlegen, d ass ein zwingender Grund zur freiwilli- gen Stellenaufgabe vorgelegen hat. Die Einstellung i n der Anspruchsberechtigung ist demnach im Grundsatz nicht zu beanstanden. 7.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltage korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 2 AVIV 1 - 15 Tage bei lei chtem Verschulden, 16 - 30 Tage bei mittel- schwerem Verschulden und 31 - 60 Tage bei schwerem Versc hulden. Innerhalb dieses Rah- mens entscheidet die Arbeitslosenkasse nach pflichtgemässem E rmessen. Das Gericht greift nur mit Zurückhaltung in das der Arbeitslosenkasse zustehend e Ermessen ein. Es setzt nicht sein Ermessen anstelle desjenigen der Arbeitslosenkasse, so lange diese von ihrem Ermessen pflichtgemäss Gebrauch gemacht hat, also allen einschlägi gen Gesichtspunkten gebührend Rechnung getragen hat. 7.2 Vorliegend hat die Arbeitslosenkasse das Verhalten der Versicherten als schweres Ver- schulden qualifiziert, was eine Einstellungsdauer von 31-60 Tagen zur Folge hat. Innerhalb die- ses Rahmens hat sie eine Einstellung in der Anspruchsbere chtigung für die Dauer von 31 Ta- gen verfügt. Bei der Festlegung der Dauer der Einstell ung hat sie zu Recht zu Gunsten der Be- schwerdeführerin berücksichtigt, dass Probleme am Arbeitsplatz bestanden haben und die Ver- sicherte gesundheitliche Beschwerden aufwies. Insgesamt ist eine Einstellung in der An- spruchsberechtigung im untersten Bereich des schweren Versc huldens von 31 Tagen nicht zu beanstanden. Die Arbeitslosenkasse hat ihr Ermessen in W ürdigung aller Umstände pflichtge- mäss ausgeübt. Gegebenheiten, die eine abweichende Er messensausübung als näher liegend erscheinen lassen würden, sind jedenfalls nicht ersichtlich. 8. Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Einspr acheentscheid vom 22. Juni 2017 nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerdeführerin konn te nicht rechtsgenüglich darlegen, dass ihr aus gesundheitlichen Gründen ein Verbleib an d er bisherigen Arbeitsstelle zumindest bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle nicht zumut bar gewesen wäre. Die Beschwerde- gegnerin hat sodann ihr Ermessen bei der Festlegung de r Einstelltage korrekt ausgeübt. Die Beschwerde erweist sich folglich als unbegründet und ist abzuweisen. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht