<h2>SubmittedText<h2><p>In den letzten Wochen haben Millionen Einwohnerinnen und Einwohner unseres Landes die Fragebogen zur Volkszählung ausgefüllt. Dabei hatten sie sich auch zu ihrem Mobilitätsverhalten zu äussern. Die entsprechenden Fragestellungen nach der Verkehrsmittelwahl beim Arbeitsweg sind nun allerdings dergestalt, dass befürchtet werden muss, dass einmal mehr die Bedeutung des Fussverkehrs stark unterschätzt werden wird. Denn ankreuzen sollte im Fragebogen das Feld für die Fussbmobilität nur, wer den ganzen Weg zur Arbeit per pedes zurücklegt. Es ist klar, dass damit bei der Mobilitätserhebung ein bedeutender Anteil aller täglichen Fusswege unter den Tisch fällt. Es sind insbesondere all jene Fusswege, die als Teilstrecken einer Mobilitätskette zurückgelegt werden, also z. B. Fussweg-öffentlicher Verkehr-Fussweg oder Fussweg-Auto-Fussweg.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen: </p><p>1. Ist er nicht auch der Meinung, dass durch die Art der Fragestellung bei der Erhebung der Arbeitswege der Fussverkehr - einmal mehr - stark unterschätzt werden wird, weil die Fusswege all derjenigen völlig ausgeblendet werden, die auf ihrem Arbeitsweg nicht ausschliesslich die Füsse, sondern auf einer Teilstrecke auch noch ein anderes Transportmittel (öffentlicher Verkehr, Auto usw.) benützen?</p><p>2. Wie stellt er sich vor, die durch die ungeschickte Fragestellung im Bereich Fussverkehr verfälschten Ergebnisse bei der Auswertung einigermassen zuverlässig korrigieren zu können?</p><p>3. Was kehrt er vor, um künftig ähnliche Befragungspannen zu vermeiden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Fragestellung nach den üblicherweise verwendeten Verkehrsmitteln für den Arbeits- oder Schulweg wurde in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen im Verkehrsbereich sowie mit den Datenbezügern diskutiert und entwickelt. Im Wesentlichen geht es darum, bei den benützten Verkehrsmitteln drei Kategorien zu unterscheiden: die ausschliesslich zu Fuss gehenden Personen, der öffentliche Verkehr und der private Verkehr (Modal Split). Bereits im Rahmen der Volkszählung 1990 wurden daher Personen, die keine Verkehrsmittel für den Arbeits- oder Schulweg verwenden und ausschliesslich zu Fuss gehen, separat ausgewiesen. Eine exakte Erhebung sämtlicher im Rahmen der Arbeitswege zurückgelegten Fussdistanzen liegt nicht im Zentrum des Informationsauftrages der Volkszählung. Diese muss im Rahmen von wesentlich detaillierteren Befragungen erhoben werden. Diese Lücke wurde im Jahr 2000 durch die Stichprobenbefragung Mikrozensus Verkehrsverhalten (Bundesamt für Raumentwicklung, ARE, und Bundesamt für Statistik, BFS) geschlossen.</p><p>Solche vom Interpellanten angeregten Auswertungen von Teilstrecken wie Fusswege zum Bahnhof oder zu anderen Haltestellen des öffentlichen Verkehrs können jedoch mit entsprechendem Aufwand im Rahmen der Volkszählung ohne direkte Befragung und somit ohne Belastung der Befragten berechnet werden: Aufgrund der Geokodierung der Wohn- und Arbeitsadressen der Volkszählung (Meterkoordinaten gemäss Koordinatensystem der Landestopographie) ist es z. B. möglich, unter Einbezug der Standorte der Haltestellen von öffentlichen Verkehrsmitteln entsprechende Auswertungen über die Fussgängerteilstrecken zur Verfügung zu stellen. Solche detailliertere Auswertungen können mit Hilfe geographischer Informationssysteme erstellt werden.</p><p>Die Möglichkeiten geokodierter Volkszählungsdaten wurden im Anschluss an die Volkszählung 1990 bereits intensiv nachgefragt und genutzt, insbesondere für die Bereiche der Optimierung von neuen Haltestellen und der Planung des öffentlichen Verkehrs (z. B. S-Bahn Zürich, Verlängerung Metro Lausanne-Ouchy).</p><p>Alle fünf Jahre findet wie oben erwähnt ein Mikrozensus statt, in dem die Befragten viel detaillierter als in der Volkszählung über ihr Verkehrsverhalten, über die dabei verwendeten Verkehrsmittel und über den Zweck der Mobilität (Arbeit, Ausbildung, Einkauf, Freizeit, Geschäft) Auskunft geben. Diese Erhebung, die letztes Jahr durch das ARE und das BFS in Zusammenarbeit mit über zehn Verdichtungsregionen und Kantonen bei rund 28 000 Personen telefonisch durchgeführt wurde, erlaubt auch Angaben zu Teilstücken, die zu Fuss zurückgelegt werden. Diese im Vergleich zur Volkszählung differenzierteren Informationen des Mikrozensus können jedoch nicht in der gleichen regionalen Tiefenschärfe wie bei einer Gesamterhebung verwendet werden. Beide Informationsquellen stellen wichtige Grundlagen für die Verkehrs- und Raumplanung sowie für verkehrspolitische Entscheide dar. Von einer Befragungspanne kann also keine Rede sein.</p>  Antwort des Bundesrates.