B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3741/2012 U r t e i l v o m 2 6 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren am 20. November 1993, Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Juni 2012 / N (…). E-3741/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der tamilische Beschwerdeführer reiste gemäss seiner Darstellung am (…) September 2011 illegal in die Schweiz ein und stellte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. Am 13. September 2011 fand eine Kurzbefragung im EVZ und am 9. Mai 2012 eine direkte Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) statt. B. Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung se ines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, er stamme aus B._______ (Distrikt Jaf f- na/Nordprovinz). In den Jahren 1995 bis 2009 habe er mit seiner Familie in C._______ im Vanni-Gebiet gelebt, und danach seien sie wieder nach B._______ zurückgekehrt. Er sei im Dezember 2008 von den LTTE (Libe- ration Tigers of Tamil Eelam) zwangsrekrutiert worden und habe für diese Hilfsdienste verrichten müssen. Er habe aber kein Kampftraining abso l- viert. Im Mai 2009 habe er im Rahmen der Kampfhandlungen in D._______ fliehen können und dann in E._______ seine Familie wieder getroffen. Nach der Rückkehr nach B._______ sei er von Angehörigen der sri-lankischen Armee (SLA) mehrfach (fünf bis sechs Mal) zu seinen Aktivitäten für die LTTE befragt worden. Die Behörden hätten deswegen auch seinem Vater Vorwürfe gemacht. Im Juli 2009 sei dieser von unb e- kannten Leuten in Zivilkleidung mitgenommen worden und sei seither verschwunden. Seine Mutter habe deswegen bei der Polizei eine Anzeige erstattet und eine Meldung an die "Human Rights Commissi on" gemacht. Er selber sei im August 2009 von der Armee mitgenommen, während zweier Tage festgehalten, verhört und misshandelt worden. Der Dorfvo r- steher habe seine Freilassung erwirkt. Danach sei er zehn bis fünfzehn Mal von mutmasslichen Armeeangehörigen in Zivil kontrolliert worden. Diese hätten sich auch nach seiner Ausreise noch bei seiner Mutter nach seinem Verbleib erkundigt. Er habe sich schliesslich zur Ausreise en t- schlossen, weil ein ehemaliger Kamerad, welcher auch für die LTTE Hilfsdienste verrichtet habe, von der SLA erschossen worden sei. Er sei am (…) September 2011 in Begleitung eines Schleppers von Colombo aus auf dem Luftweg in ein ihm unbekanntes Drittland gereist, von wo er per Auto in die Schweiz gebracht worden sei. Der Beschwerdeführer gab auch zu Protokoll, er leide manchmal unter Schwindelgefühlen und Ko n- zentrationsstörungen seit er bei einem Bombenangriff im Vanni-Gebiet ei- nen Schlag auf den Kopf erhalten habe. E-3741/2012 Seite 3 Zum Beleg seiner Identität und seiner Vorbringen reichte der Beschwe r- deführer eine Identitätskarte, einen Geburtsschein (beglaubigte Kopie), einen Rapport der Police Station B._______ vom 11. Januar 2011 (b e- glaubigte Kopie), Bestätigungsschreiben der "Human Rights Commission of Sri Lanka" vom (…) Januar 2011 und der "Sri Lanka Red Cross Socie- ty" vom (…) Januar 2011, sowie ein ärztliches Zeugnis der (…) Clinic F._______ vom 12. August 2011 zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 5. Juni 2012 – eröffnet am 12. Juni 2012 − stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingse igenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwe- sentlich – in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 12. Juli 2012 an d as Bundes- verwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung des BFM vom 5. Juni 2012 sei aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurü ckzuweisen. Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren, sub - eventualiter seien die Dispositiv -Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Ve r- fügung aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumu t- barkeit des We gweisungsvollzugs festzustellen. In formeller Hinsicht e r- suchte er darum, es sei ihm das für das vorliegende Verfahren zuständige Spruchgremium bekanntzugeben und es sei ihm eine angemessene Frist zur Beibringung weiterer Beweismittel aus dem Ausland einzuräumen. Mit der Beschwerdeschrift wurden als Beweismittel zahlreiche Lageberichte verschiedener Organisationen und Artikel von Medien in Bezug auf die politische und menschenrechtliche Situation in Sri Lanka eingereicht. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. E. Mit Zwischenverfügung vom 18. Juli 2012 forderte der Instruktionsrichter den Beschwerdeführer zur Einzahlung eines Kostenvorschusses innert Frist auf, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsf all, gab ihm das für sein Verfahren zuständige Spruchgremium bekannt und set z- te ihm eine Frist von 30 Tagen zur Beibringung der in Aussicht gestellten Beweismittel. E-3741/2012 Seite 4 F. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 2. August 2012 ersuchte der Beschwerdeführer um Ge währung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. D e- zember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und reichte eine Unterstützungsbedürftigkeit s- erklärung der (…) vom 2. August 2012 in Kopie ein. G. Mit Instruktionsverfügung vom 8. August 2012 stellte der Instruktionsric h- ter fest, über das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung werde zu e i- nem späteren Zeitpunkt befunden, hob die Dispositiv -Ziffern 2 und 3 der Zwischenverfügung vom 18. Juli 2012 auf und verzichtete wiedererw ä- gungsweise auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. H. Mit Eingabe vom 9. August 2012 reichte der Beschwerdeführer das Orig i- nal der Fürsorgebestätigung nach. I. Mit Eingaben vom 20. August 2012 und 27. August 2012 legte der B e- schwerdeführer dar, dass die in Aussicht gestellten Beweismittel näch s- tens per Postsendung in der Schweiz eintreffen würden und ersuchte um Erstreckung der Frist zu deren Einreichung. Die Beweismittelfrist wurde antragsgemäs s bis am 28. September 2012 erstreckt. J. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 28. September 2012 reichte der Beschwerdeführer eine Bestätigung seiner Schulbesuche in B._______ und F._______ und das Notenblatt einer Prüfung, ausgestellt vom (…) College F._______ vom 30. Juni 2011, jeweils inklusive Übersetzung, e i- nen Rapport der Police Station B._______ vom 20. Juli 2009, ein Bestäti- gungsschreiben des Grama Sevaka Officer von B._______ vom 17. Juli 2009 und ein notarielles Dokument betreffend die Registrie rung eines Grundstückes vom 6. September 2003 in Kopie zu den Akten. Ferner äusserte er sich zur aktuellen Situation in Sri Lanka und reichte hierzu weitere Berichte ein. E-3741/2012 Seite 5 K. Mit Instruktionsverfügung vom 15. November 2012 wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. In seiner Vernehmlassung vom 29. November 2012 hielt das BFM an sei- ner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. L. Mit Eingabe vom 18. Dezember 2012 machte der Beschwerdeführer von dem ihm mit Instruktionsverfügung vom 3. Dezember 2012 eingeräumten Recht zur Replik Gebrauch und bekräftigte seine Beschwerdevorbringen. Zudem reichte er zahlreiche Geschäftsunterlagen und Kontoauszüge s o- wie vier Fotos des Hauses seiner Familie, zum Beleg der Vermögensve r- hältnisse seiner Familie und mehrere Berichte betreffend die Festnahme und Folterung von nach Sri Lanka zurückgekehrten Tamilen zu den Akten. Zudem stellte er die Einreichung von Übersetzungen der zu den Akten gegebenen fremdsprachigen Dokumenten sowie weitere U nterlagen sei- ner Familie in Aussicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-3741/2012 Seite 6 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrech t, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Das Bundesamt stellte sich zur Begründung seiner Verfügung auf den Standpunkt, die Asylvorbringen des Bes chwerdeführers seien unglau b- haft. Er habe sich widersprüchlich dazu geäussert, wie oft er nach der Entführung seines Vaters von den Behörden kontaktiert worden sei sowie zum Zeitpunkt der zweitägigen Festnahme. Ferner sei es realitätsfremd, dass er angebli ch bei der Rückkehr nach B._______ aus dem Vanni - Gebiet von der SLA nur kurz kontrolliert, aber nicht befragt worden sei, da Personen mit dem behaupteten Profil im damaligen Zeitpunkt strengen Kontrollen unterworfen worden seien. Es sei ferner nicht plausi bel, dass der Dorfvorsteher die Freilassung des Beschwerdeführers nach zwei T a- gen im August 2009 habe erwirken können, und es widerspreche jeder Logik, dass an seiner Stelle der Vater entführt worden sei. Schliesslich seien die Aussagen des Beschwerdeführe rs zu den Gründen für seine Ausreise äusserst vage und unsubstanziiert und würden eine subjektiv geprägte Wahrnehmung vermissen lassen. Die eingereichten Beweismi t- tel seien nicht geeignet, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu bel e- gen. Sie hätten nur ein en äusserst geringen Beweiswert, da derartige Dokumente ohne Weiteres unrechtmässig erworben werden könnten. Zu- dem würden sie auf den Aussagen des Beschwerdeführers beziehung s- weise dessen Familienangehörigen beruhen und seien erst eineinhalb Jahre nach der angeblichen Entführung des Vaters entstanden. Aus den Akten würden sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihm im Falle der Rückkehr in den Heimtatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ne durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Sch utze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Str a- fe oder Behandlung drohe und auch die allgemeine Menschenrechtss i- tuation in Sri Lanka lasse den Wegweisungsvollzug nicht als generell u n-E-3741/2012 Seite 7 zulässig erscheinen. Der Vollzug von Wegweisu ngen in die Nordprovinz sei grundsätzlich zumutbar. Weder die Sicherheitslage im Herkunftsort des Beschwerdeführers noch individuelle Gründe würden gegen den Vollzug sprechen. Namentlich habe er in seinem Heimatland ein tragfäh i- ges Beziehungsnetz und damit eine gesicherte Wohnsituation sowie die Möglichkeit, eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Auch die von ihm vorgebrachten gesundheitlichen Probleme würden einer Rückkehr in den Heimatstaat nicht entgegenstehen, zumal die angeblichen Gründe für die Beschwerden sich als unglaubhaft erwiesen hätten. 3.2 Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seiner Beschwerde vor, er habe auf Anraten von älteren Landsleuten in der Schweiz im ers t- instanzlichen Verfahren falsche Angaben zur Begründung seines Asyl - gesuchs gemacht. Verspätete Vorbringen müssten gemäss Art. 32 Abs. 2 VwVG berücksichtigt werden, sofern sie ausschlaggebend erscheinen würden. Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht liege nicht vor, da er en t- schuldbare Gründe für das verspätete Vorbringen seiner wa hren Asy l- gründe habe. Aufgrund seines jugendlichen Alters sei er leicht beeinfluss- bar, und die volle Tragweite seines Handelns sei ihm nicht bewusst g e- wesen. In Tat und Wahrheit sei er mit seiner Familie bereits im Jahre 2002 aus dem Vanni-Gebiet nach B._______ zurückgekehrt, wo sein Va- ter ein (…) Unternehmen im Bereich des Handels mit (…) und der He r- stellung von (…) betrieben habe. Seine Familie verfüge über ein ausse r- ordentlich grosses Vermögen und sein Vater habe finanzielle Leistungen in Millionenhöhe a n die LTTE erbracht. Im (…) hätten paramilitärische Kräfte seinen Vater entführt und eine hohe Lösegeldforderung gestellt. Die Polizei sei eingeschaltet worden und habe in dieser Sache ermittelt. Jedoch sei bei der Entführung etwas schief gegangenen, und e s sei bis- her kein Lösegeld bezahlt worden. Sein Vater sei daher wahrscheinlich getötet worden. Er sei auf Geheiss seiner Mutter ausgereist, weil die G e- fahr bestehe, dass er als ältester Sohn der Familie zum nächsten Opfer der Entführer werde. Die Angst vor einer allfälligen Entführung habe bei ihm zu erheblichen psychischen Problemen, insbesondere zu Angstg e- fühlen geführt. Dieser neue Sachverhalt könne durch die Kopie der A n- zeige seiner Mutter vom (…) sowie das Schreiben des örtlichen Dorfvo r- stehers vom (…) belegt werden, und die nun vorliegenden Dokumente betreffend seinen Schulbesuch in B._______ und F._______ in den Ja h- ren (…) würden einen Beleg dafür darstellen, dass er in dieser Zeit in B._______ wohnhaft gewesen sei. Er sei zudem auch in der Lage, Unte r- lagen über die Vermögensverhältnisse seiner Familie beizubringen. Au f- grund dieser Sachlage sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen E-3741/2012 Seite 8 zur Abklärung des tatsächlichen Sachverhalts im Rahmen einer neuen Anhörung. Im Weiteren seien gemäss dem Grundsatze ntscheid E -6220/2006 des Bundesverwaltungsgerichts Personen mit beträchtlichen finanziellen Mi t- teln als Risikogruppe einzustufen, welche in Sri Lanka einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Wegen der ihm drohenden Gefahr seitens der Entführer se ines Vaters gehöre er dieser Risikogruppe an. Das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts stütze sich auf Lä n- derberichte aus dem Jahre 2010. Zur Beurteilung der aktuellen Situation müssten aber auch neuere Berichte berücksichtigt werden. Aus diesen ergebe sich, dass der Prevention of Terrorism Act (PTA) nach wie vor in Kraft sei und es den Sicherheitskräften ermögliche, tamilische Personen aufgrund eines blossen Verdachts festzunehmen und zu bestrafen. Tami- lische Rückkehrer würden in Verdacht stehen, die LTTE im Ausland u n- terstützt zu haben und bei der Wiedereinreise einer strengen Kontrolle unterzogen, wobei sie im Verdachtsfall dem Geheimdienst übergeben würden. Folter und Misshandlungen seien bei Festnahmen und Verhören die Regel. Diese Faktoren würden auch den vom Europäischen Gerichts- hof für Menschenrechte (EGMR) in seiner Rechtsprechung definierten Risikofaktoren entsprechen. Es seien nicht nur ranghohe Mitglieder der LTTE gefährdet. Mehrere Menschenrechtsorganisationen hätten gestützt auf zahlrei che Berichte Bedenken über die Rückführung abgewiesener tamilischer Asylsuchender geäussert und einen Vollzugsstopp gefordert. Unter diesen Umständen habe nun ein Richter des britischen "High Court" einen Rückführungsstopp für 40 abgewiesene tamilische Asy lsu- chende angeordnet. Im Weiteren seien die sri -lankischen Behörden sehr darauf bedacht, die Aktivitäten der tamilischen Exilgemeinschaft genau zu beobachten und zu überwachen, woraus sich ein grundsätzlicher Ve r- dacht der Verbindung zu den LTTE ergebe. Sch liesslich werde seit A n- fang 2011 die tamilische Bevölkerung erneut systematisch registriert, was auch dem Zweck der Identifizierung und Auffindung von Mitgliedern und Unterstützern der LTTE diene. Aus diesen Gründen erfülle er die Flüchtlingseigenschaft u nd es sei ihm Asyl zu gewähren. Andernfalls sei der Wegweisungsvollzug in Anbetracht des Rückführungsstopps der britischen Behörden im Falle abgewiesener tamilischer Asylsuchender wegen einer drohenden unmenschlichen B e- handlung im Sinne von Art. 3 EMRK als unzulässig zu bezeichnen. Schliesslich sei der Vollzug der Wegweisung auch unzumutbar. Einerseits bestehe generell eine konkrete Gefährdung nach Sri Lanka zurückke h-E-3741/2012 Seite 9 render Tamilen. Ferner leide er nach wie vor unter erheblichen gesun d- heitlichen Problemen, aufgrund welcher er in nächster Zeit einen Arzt aufsuchen werde. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rass e, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile ge lten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie g e- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erschein en, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder b e- wusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des G e- suchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sa chverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (zu den Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen: vgl. statt vieler BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). E-3741/2012 Seite 10 5. 5.1 Dass der ( […]) Beschwerdeführer seinen Angaben zufolge im ersti n- stanzlichen Verfahren falsche Vorbringen zur Begründung seines Asylg e- suchs machte und auf Beschwerdeebene komplett neue Asylgründe vo r- bringt, stellt eine klare Verletzung der Mitwirkungspflicht dar (vgl. ber eits Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekursko m- mission [EMARK] 1995 Nrn. 18 und 19 je mit weiteren Hinweisen) und beeinträchtigt seine persönliche Glaubwürdigkeit. Es wäre von ihm zu e r- warten gewesen, dass er den wesentlichen Sachver halt bezüglich seiner Asylgründe bereits anlässlich der Befragungen vorgebracht hätte, zumal er ausdrücklich auf seine Mitwirkungs - respektive Wahrheitspflicht au f- merksam gemacht worden war (vgl. Akten BFM A 4/10 S. 2, A16/15 S. 2). Der Verweis auf seine Unerfahrenheit und die Beeinflussung durch ältere Landsleute vermag nicht zu überzeugen, zumal er in der Lage war, me h- rere Bestätigungsschreiben verschiedener Organisationen zum Beleg der angeblichen Verfolgungsgründe beizubringen. In Anbetracht dieser Mi t- wirkungspflichtverletzung sind somit erhebliche Zweifel an der Glaubha f- tigkeit der auf Beschwerdeebene neu vorgebrachten Fluchtgründe g e- rechtfertigt. Diese Zweifel werden dadurch verstärkt, dass die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe zur angeblichen Ent führung des Vaters des B e- schwerdeführers und der sich daraus angeblich für ihn ergebenden G e- fährdung detailarm und knapp sind. Namentlich hat der Beschwer - deführer keine substanziierten Angaben zu den Umständen der Entfü h- rung gemacht und nicht konkret darg elegt, was danach schief gegangen sein soll und aus welchen Gründen die Familie davon ausgeht, der Vater sei umgebracht worden und nun er (Beschwerdeführer) als ältester Sohn gefährdet sei. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers besteht kein Anlass, die Sache zur detaillierten Abklärung dieser Fragen im Ra h- men einer Anhörung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Vielmehr obliegt es ihm im Rahmen der Mitwirkungspflicht, die neu vorgebrachten Asy l- gründe glaubhaft darzulegen. Überdies ist nicht nachvollzieh bar, weshalb der Beschwerdeführer trotz der angeblichen Gefährdung erst rund zwei Jahre nach der Entführung seines Vaters ausgereist sei; zudem ist auch festzustellen, dass er in dieser Zwischenzeit – gemäss der ausgewec h- selten Sachverhaltsdarstellung – keine Verfolgungsmassnahmen erlitten hätte. Die zum Beleg dieser Vorbringen eingereichten Dokumente (Kopie einer Anzeige der Mutter des Beschwerdeführers bei der Polizei in B._______, Bestätigungsschreiben des Grama Officers von G._______ und B._______) ent halten keine detaillierten Angaben und basieren i n-E-3741/2012 Seite 11 haltlich offensichtlich im Wesentlichen auf den Aussagen der Mutter g e- genüber diesen Amtspersonen, weshalb ihnen kein relevanter Bewei s- wert beigemessen werden kann. Dies umso mehr, als der Beschwerd e- führer im erstinstanzlichen Verfahren zum Beleg des nun eingestand e- nermassen falschen Sachverhalts ähnliche Bestätigungsschreiben eing e- reicht hatte. Die Dokumente betreffend seinen Schulbesuch in B._______ und F._______ in den Jahren (…) stützen prima vista die Darlegung auf B e- schwerdeebene, dass er in diesem Zeitraum, entgegen seiner Aussagen im erstinstanzlichen Verfahren, in B._______ wohnhaft gewesen sei. Für die fremdsprachigen angeblichen Buchhaltungsunterlagen waren in der Eingabe vom 18. Dezember 2012 die baldige Einreichung von Überse t- zungen – sowie nicht genauer definierte "weitere Unterlagen" aus dem Heimatland – angekündigt worden, die bis heute nicht eingetroffen sind. Bezüglich der Authentizität der eingereichten Kontoauszüge und Ban k- bestätigungen so wie der Urkunde betreffend eine Grundstücksregistri e- rung sind angesichts der besonderen Verfahrensumstände erhebliche Zweifel anzubringen. Letztlich kann die Frage der Richtigkeit dieser Vo r- bringen jedoch offenbleiben, sind doch diese Dokumente nicht geeig net, die behauptete Verfolgung seiner Familie durch paramilitärische Gruppi e- rungen zu belegen. Das für die Firma " (…)" ausgestellte "Certificate of Registration" enthält zudem keine Angaben zu den Firmeninhabern und vermag daher nicht zu beweisen, dass das genannte Unternehmen der Familie des Beschwerdeführers gehört. Und den zu den Akten gegeb e- nen Fotoaufnahmen sind die Eigentumsverhältnisse der abgebildeten Mobilien und Immobilie nicht zu entnehmen. 5.2 Zusammenfassend gelangt das Gericht zum Schluss, dass di e Darle- gungen des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene zu den von ihm befürchteten Verfolgungsmassnahmen den Anforderungen an das Glaub- haftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. Die eing e- reichten Beweismittel vermögen zwar gewisse Elemente des auf B e- schwerdeebene neu vorgebrachten Sachverhalts zu stützen, sind aber nicht geeignet, die angeblich für seine Ausreise ausschlaggebenden E r- eignisse zu belegen. 5.3 Soweit der Beschwerdeführer eine generelle Gefährdung von woh l- habenden Personen tamilischer Volkszugehörigkeit beziehungsweise z u- rückkehrenden tamilischen Asyl suchenden geltend macht, ist Folgendes festzustellen: E-3741/2012 Seite 12 5.3.1 Unbestritten ist, dass die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka nach dem Ende des Bürgerkriegs im Mai 2009 auch heute noch in verschiedener Hinsicht als problematisch zu bezeichnen ist. Während sich die Sicherheitslage seither weitgehend stabilisiert hat, ist eine weit e- re Verschlechterung der Menschenrechtslage, namentlich hinsichtlich der Meinungsäusserungs- und Pressefr eiheit, eingetreten (vgl. das Urteil BVGE 2011/24, welches eine detaillierte Lageanalyse beinhaltet). G e- mäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sehen sich Pe r- sonen, die gewissen Risikogruppen angehören, einer erhöhten Verfol - gungsgefahr ausge setzt. Zu diesen Risikogruppen gehören namentlich Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdäch tigt wer- den, mit den LTTE in Verbindung zu stehen beziehungsweise ge standen zu sein, kritisch auftretende Journalisten und Medienschaffende, Me n- schenrechtsaktivisten und regimekritische Nichtregierungsorganisationen- Vertreter, ferner Personen, die Opfer oder Zeuge schwerer Mensche n- rechtsverstösse wurden oder diesbe züglich juristische Schritte einleiten, sowie Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt werden beziehungsweise die über beträchtliche finan zielle Mit- tel verfügen (vgl. BVGE 2011/24 E. 8). Innerhalb der Risikogruppen muss im Einzelfall untersucht werden, ob die individuellen Begebenheiten eine asylrechtlich relevante Verfolgungsgefahr zu begründen vermögen. N a- mentlich bildet nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts der U m- stand allein, dass ein Angehöriger der tamilischen Ethnie im Zeitraum vor dem Ende des Bürgerkriegs mit den LTTE in Kontakt kam, kein a usrei- chendes Kriterium für eine konkrete Gefährdung. Auch zum heutigen Zeitpunkt ist aufgrund der in den ehemals von den LTTE kontrollierten Gebieten von dieser Organisation aufgebauten Strukturen davon ausz u- gehen, dass praktisch die gesamte dortige Bevölk erung in bestimmter Weise entsprechende Kontakte aufwies. Die Wahrscheinlichkeit eines konkreten Verfolgungsrisikos setzt vielmehr ein entsprechendes besonde- res Profil der betreffenden Person voraus (vgl. beispielsweise das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1858/2012 vom 24. Januar 2013 E. 6.2 m.w.H.). 5.3.2 Diese Lageeinschätzung im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 ist we i- terhin zutreffend und wird in der jüngsten Einschätzung des UNHCR und in einer Vielzahl von Berichten betreffend die politische und mensche n- rechtliche Lage in Sri Lanka bestätigt (vgl. das Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts E -2625/2011 vom 22. Januar 2013 E. 5.5.3 m.w.H. [auch auf: UNHCR, Eligibility Guidelines for Assessing the International Prote c- tion Needs of Asylum Seekers from Sri Lanka, 21. Dezember 2012]). E-3741/2012 Seite 13 Somit kann davon ausgegangen werden, dass nach Sri Lanka zurückkeh- renden Tamilen nach wie vor nicht in genereller Weise unmenschliche Behandlung droht (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). 5.3.3 Auch der EGMR hat in mehreren Urteilen (vgl. auch BVGE 2011/24 E. 10.4.2 m.w.H.) unterstrichen, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, a us denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be- fragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrierung als ve r- dächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstr a- fe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kaut i- onsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnliche r Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Exi s- tenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungs- zentrum gilt, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE- Mitglied. 5.3.4 Nach dem oben Gesagten ist nicht auszuschliessen, dass der B e- schwerdeführer aus einer wohlhabenden Familie stammt (vgl. BVGE 2011/24. E. 8.5 S. 497 f.). Eine Prüfung seiner individuellen Situation auf- grund der Aktenlage ergibt jedoch keine konkreten und stichhaltigen Hi n- weise dafür, dass er wegen dieses Umstands mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit Nachteile befürchten müsste, hat er doch nicht glaubhaft zu machen vermocht, dass er bisher irgendwelchen Verfolgungsmassna h- men ausgesetzt gewesen wäre. 5.3.5 Vorliegend sind auch keine anderen Risikofaktoren ersichtlich, die den Beschwerdeführer in den Augen der sri -lankischen Behörden als b e- sonders verdächtig erscheinen lassen könnten. Namentlich bestehen kei- ne stichhaltigen Gründe für die Annahme, er könnte mit den LTTE in Ve r- bindung gebracht werden. Demzufolge ist nicht davon auszugehen, dass er im Rahmen der Einreise in Sri Lanka als abgewiesener tamilischer Asylsuchender mit beachtlichen Nachteilen zu rechnen hat. E-3741/2012 Seite 14 5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerde führer nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevante Verfo l- gungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch demzufolge zu Recht abgewiesen. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (A rt. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der glei che Beweisstan- dard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen. 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). E-3741/2012 Seite 15 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erni edrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da r- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefäh r- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN -Anti- Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandl ung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Feb- ruar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127, mit weiteren Hinwe i- sen). Den Akten sind keine konkreten Hinweise dafür zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer einer besond eren Risikogruppe gemäss Definition des EGMR angehört, weshalb nicht davon auszugehen ist, ihm drohe im Rahmen der routinemässigen Überprüfung bei der Rückkehr e i- ne unmenschliche Behandlung. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft qualifiziert werden mussten. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann aus den Lageb e- richten über sein Heimatland nicht auf eine völkerrechtswidrige Behan d- lung aller zurückkehrenden tamilischen Asylsuchenden geschlossen wer- den. Es besteht zudem kein Anlass zur Annahme, er verfüge über ein Profil aufgrund dessen er damit rechnen müsste, von den heimatlichen Behörden als (früheres) Mitglied oder als Sympathisant der Tamil Tigers E-3741/2012 Seite 16 eingestuft zu werden. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.2 Im bereits erwähnten Grundsatzurteil BVGE 2011/24 hat das Bu n- desverwaltungsgericht angesichts der veränderten Lage nach dem Ende des sri-lankischen Bürgerkriegs im Mai 2009 eine erneute Beurteilung der Lage in Sri Lanka vorgenommen, unter Berücksichtigung zahlreicher B e- richte von in- und ausländischen Regierungs- und Nichtregierungsorgani- sationen. In Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs ist es dabei zur Einschätzung gelangt, dass der Wegweisungsvol l- zug in die Nordprovinz – mit Ausnahme des sogenannten "Vanni-Gebiets" – grundsätzlich zumutbar ist, wobei sich eine z urückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien ebenso aufdrängt wie eine B e- rücksichtigung des zeitlichen Elements. Für Personen, die aus der Nord - provinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürge r- krieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug zurück in dieses Gebiet grundsätzlich zumutbar. Für Personen, die aus der Nord- provinz stammen und deren letzter Aufenthalt dort längere Zeit zurüc k- liegt, sind die aktuellen Lebens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklä- ren und das Vorhandensein begünstigender Faktoren (Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes, Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation) zu prüfen (vgl. zum Ganzen: BVGE 2011/24 E. 13.2). 7.4.3 Dieser Einschätzung kann auch unter Berücksicht igung der Darl e- gungen des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene zur aktuellen S i- tuation in Sri Lanka und der diesbezüglich eingereichten Lageberichte weiterhin gefolgt werden, da diese nicht auf eine derart gravierende Ve r- schlechterung der Lage der tamilis chen Minderheit schliessen lassen, E-3741/2012 Seite 17 dass es sich rechtfertigen würde, den Wegweisungsvollzug als generell unzumutbar zu bezeichnen. 7.4.4 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna, wo er den grössten Teil seines Lebens verbracht hat, und es kann davon ausgegan- gen werden, dass er mit den dortigen Gepflogenheiten gut vertraut und dort verwurzelt ist. Ausserdem dürfte es ihm angesichts der relativ kurzen Landesabwesenheit ohne grössere Probleme möglich sein, sich wieder ins gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Sri Lanka zu integrieren. Der Beschwerdeführer ist jung, hat keine familiären Verpflichtungen und verfügt über eine (…)jährige Schulausbildung. Gemäss seinen Angaben lebt seine Mutter mit seinen Geschwistern in F._______ und er verfügt auch über weitere Verwandte in dieser Region. In Anbetracht der geltend gemachten finanziellen Verhältnisse seiner Familie ist diese ohne Weit e- res in der Lage, ihm die notwendige Unterstützung zur Sicherung seiner Existenz zu gewährleisten. In der Beschwerde waren psychische Probleme geltend gemacht worden, aufgrund derer der Beschwerdeführer sich in medizinische Behandlung begeben werde; es sei ihm eine Frist zur Einreichung von Arztberichten zu setzen (vgl. Beschwerde S. 15). Innert der vom Instruktionsrichte r in der Folge gesetzten Frist – von insgesamt mehr als zwei Monaten (vgl. Instruktionsverfügungen vom 18. Juli 2012 und Fristerstreckung vom 30. August 2012) – wurden keine Beweismittel für die behaupteten Pro b- leme zu den Akten gereicht. Es ist somit nich t von einer behandlungsb e- dürftigen Erkrankung auszugehen. Unter diesen Umständen liegen im Falle des Beschwerdeführers hinre i- chend günstige Faktoren im Sinne der zitierten Rechtsprechung vor, und es ist nicht anzunehmen, dass er bei einer Rückkehr in sein en Heimat- staat in eine existenzielle Notlage geraten wird. 7.4.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch als zumutbar. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). E-3741/2012 Seite 18 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist abzuweisen. 9. In der Eingabe vom 2. August 2012 hatte der B eschwerdeführer um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung nachgesucht und dies unter Einreichung einer Fürsorgebestätigung damit begründet, dass er "auf die Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen" sei (vgl. Eingabe S. 1). Diese Feststellung lässt sich – wie das BFM in seiner Vernehmlassung zu Recht feststellt – zwar schwerlich mit der kurz darauf behaupteten Zuge- hörigkeit zu einer "sehr vermögenden Familie" vereinbaren. Immerhin darf zugunsten des Beschwerdeführers vermutet werden, dass er all fällige Vermögenswerte, die ihm zur Verfügung stehen, beim Beantragen der Sozialhilfe in der Schweiz ordnungsgemäss deklariert hat. Nachdem er hierzulande, soweit feststellbar, offenbar weiterhin keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und seine Beschwerdebegehre n nicht aussichtslos im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG waren, ist in Gutheissung seines Gesuchs von einer Kostenauflage abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) E-3741/2012 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskos- ten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: