<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">P 49/99 Gb </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>III. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Schön, Spira und Bundesrichterin Widmer; </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Hofer </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 15. Mai 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt Zürich, </div> <div class="para">Amtshaus Helvetiaplatz, Zürich, Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">H.________, 1932, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechts- </div> <div class="para">anwalt L.________, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, Winterthur </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Der 1932 geborene H.________ bezog seit 1. Mai </div> <div class="para">1995 Zusatzleistungen zur Invalidenversicherung. Im Zuge </div> <div class="para">einer periodischen Überprüfung des Anspruchs im Frühjahr </div> <div class="para">1997 wurde bekannt, dass er ihm zustehende Einkünfte </div> <div class="para">(vierteljährliche Rente der Rentenanstalt, Rentenanspruch </div> <div class="para">gegenüber der österreichischen Sozialversicherung) und </div> <div class="para">Vermögenswerte (Einfamilienhaus in Österreich) der Ver- </div> <div class="para">waltung nicht gemeldet hatte. Aus diesem Grund berechnete </div> <div class="para">das Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt Zürich </div> <div class="para">den Anspruch auf Zusatzleistungen (Ergänzungsleistungen, </div> <div class="para">kantonale Beihilfen und Gemeindezuschüsse) für die Zeit ab </div> <div class="para">1. Mai 1995 bis Ende März 1997 neu und forderte mit Verfü- </div> <div class="para">gung vom 2. April 1997 in dieser Zeitspanne zu Unrecht aus- </div> <div class="para">gerichtete Beträge in Höhe von insgesamt Fr. 10'269.- zu- </div> <div class="para">rück. </div> <div class="para"> Auf Einsprache hin bestätigte der Bezirksrat Zürich </div> <div class="para">mit Entscheid vom 30. Oktober 1997 die verfügte Rücker- </div> <div class="para">stattung. Gleichzeitig lehnte er das sinngemäss gestellte </div> <div class="para">Gesuch um Erlass der Rückforderung ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Beschwerdeweise liess H.________ die Aufhebung der </div> <div class="para">Verfügung vom 2. April 1997 beantragen und ersuchte um Be- </div> <div class="para">stellung eines Vertretungsbeistandes im Sinne von <span class="artref">Art. 392 </span></div> <div class="para">Ziff. 1 ZGB. Am 21. September 1998 teilte die Vormund- </div> <div class="para">schaftsbehörde der Stadt Zürich dem Sozialversicherungsge- </div> <div class="para">richt des Kantons Zürich mit, ihre Abklärungen hätten erge- </div> <div class="para">ben, dass der Versicherte in der Lage sei, seine alltägli- </div> <div class="para">chen Angelegenheiten selber zu regeln, weshalb vormund- </div> <div class="para">schaftliche Massnahmen nicht erforderlich seien. In mate- </div> <div class="para">rieller Hinsicht kam das kantonale Gericht sodann zum </div> <div class="para">Schluss, dass die Voraussetzungen für den Erlass der Rück- </div> <div class="para">erstattung - Gutgläubigkeit beim Leistungsbezug und grosse </div> <div class="para">Härte - erfüllt seien. In Gutheissung der Beschwerde hob es </div> <div class="para">die Rückerstattungsverfügung vom 2. April 1997 auf (Ent- </div> <div class="para">scheid vom 7. Juni 1999). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt das </div> <div class="para">Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt Zürich, in </div> <div class="para">Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei der Beschluss </div> <div class="para">des Bezirksrates Zürich vom 30. Oktober 1997 zu bestätigen </div> <div class="para">und an der Rückerstattungsverfügung vom 2. April 1997 fest- </div> <div class="para">zuhalten. </div> <div class="para"> Während H.________ unter Hinweis auf den kantonalen </div> <div class="para">Gerichtsentscheid auf eine Vernehmlassung verzichtet, </div> <div class="para">schliesst der Bezirksrat Zürich sinngemäss auf Gutheissung </div> <div class="para">der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt für So- </div> <div class="para">zialversicherung hat sich nicht vernehmen lassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann gemäss </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 128 OG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 97 OG</span> und <span class="artref">Art. 5 Abs. 1 </span></div> <div class="para">VwVG nur insoweit eingetreten werden, als sie sich auf bun- </div> <div class="para">desrechtliche Ergänzungsleistungen im Sinne des ELG und </div> <div class="para">nicht auf kantonale oder kommunale Beihilfen bezieht (BGE </div> <div class="para">122 V 222 Erw. 1). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- a) In den Erwägungen des angefochtenen Entscheids </div> <div class="para">stellte das kantonale Gericht fest, der Versicherte habe am </div> <div class="para">2. Mai 1997 unterschriftlich bestätigt, dass er sich mit </div> <div class="para">der Neuberechnung einverstanden erkläre und demnach keinen </div> <div class="para">Anspruch mehr auf Zusatzleistungen habe (Erw. 1). Zu prüfen </div> <div class="para">sei daher ausschliesslich noch die Frage des Erlasses </div> <div class="para">(Erw. 2). Im Dispositiv hebt es jedoch die Rückerstattungs- </div> <div class="para">verfügung vom 2. April 1997 auf. Es besteht somit ein of- </div> <div class="para">fensichtlicher Widerspruch zwischen der vorinstanzlichen </div> <div class="para">Urteilsformel (Dispositiv-Ziffer 1) und den Urteilserwägun- </div> <div class="para">gen, indem dispositivmässig lediglich die Bewilligung des </div> <div class="para">Erlasses hätte erfolgen sollen. Davon ausgehend, dass ein </div> <div class="para">Widerspruch zwischen Dispositiv und Erwägungen ein Erläute- </div> <div class="para">rungsgrund ist (vgl. <span class="artref">Art. 145 Abs. 1 OG</span>), ist im Rahmen der </div> <div class="para">Prüfung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, wenn diese als </div> <div class="para">ordentliches Rechtsmittel offensteht, der wirkliche Rechts- </div> <div class="para">sinn des angefochtenen kantonalen Entscheides festzustel- </div> <div class="para">len. Dabei gilt die Praxis, wonach Verwaltungsverfügungen </div> <div class="para">nicht nach ihrem Wortlaut, sondern nach ihrem tatsächlichen </div> <div class="para">rechtlichen Bedeutungsgehalt zu verstehen sind </div> <div class="para">(vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-496%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page496">BGE 120 V 496</a>) auch für kantonale Gerichtsentscheide. </div> <div class="para">Unter diesem Gesichtswinkel ist festzustellen, dass das </div> <div class="para">kantonale Gericht nichts anderes getan hat, als den Erlass </div> <div class="para">der Rückerstattungsschuld zu bewilligen. Soweit sie den </div> <div class="para">Rückerstattungsentscheid der Verwaltung aufgehoben hat, er- </div> <div class="para">weist sich Dispositiv-Ziffer 1 als fehlerhaft. Entsprechend </div> <div class="para">hat sich die Prüfung des Eidgenössischen Versicherungsge- </div> <div class="para">richts darauf zu beschränken, ob das kantonale Gericht zu </div> <div class="para">Recht den Erlass gewährt hat. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Nach ständiger Rechtsprechung geht es dabei nicht </div> <div class="para">um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleis- </div> <div class="para">tungen im Sinne von <span class="artref">Art. 132 OG</span> (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-134%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page136">BGE 122 V 136</a> Erw. 1 mit </div> <div class="para">Hinweisen). Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat </div> <div class="para">demnach lediglich zu prüfen, ob der vorinstanzliche Richter </div> <div class="para">Bundesrecht verletzt hat, einschliesslich Überschreitung </div> <div class="para">oder Missbrauch des Ermessens (<span class="artref">Art. 104 lit. a OG</span>); die </div> <div class="para">vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachver- </div> <div class="para">halts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich un- </div> <div class="para">richtig oder unvollständig ist oder unter Verletzung we- </div> <div class="para">sentlicher Verfahrensbestimmungen erfolgte (Art. 132 in </div> <div class="para">Verbindung mit <span class="artref">Art. 104 lit. b und <artref id="CH/173.110/105/2" type="start"></artref>Art. 105 Abs. 2 OG</span><artref id="CH/173.110/104/b" type="end"></artref>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Die Vorinstanz hat die gesetzlichen Bestimmungen </div> <div class="para">über die Erlassvoraussetzungen des guten Glaubens und der </div> <div class="para">grossen Härte (<span class="artref">Art. 27 Abs. 1 ELV</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 47 </span></div> <div class="para">Abs. 1 AHVG) zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen </div> <div class="para">werden. Zu ergänzen ist, dass nach der Rechtsprechung guter </div> <div class="para">Glaube nicht schon bei Unkenntnis des Rechtsmangels vor- </div> <div class="para">liegt. Vielmehr darf sich der Leistungsempfänger nicht nur </div> <div class="para">keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben </div> <div class="para">Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Daraus erhellt, dass </div> <div class="para">der gute Glaube zum vornherein entfällt, wenn die zu Un- </div> <div class="para">recht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige </div> <div class="para">oder grobfahrlässige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung </div> <div class="para">zurückzuführen ist. Andererseits kann sich der Rückerstat- </div> <div class="para">tungspflichtige auf den guten Glauben berufen, wenn sein </div> <div class="para">fehlerhaftes Verhalten nur eine leichte Fahrlässigkeit dar- </div> <div class="para">stellt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-V-97%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page103">BGE 112 V 103</a> Erw. 2c, 110 V 180 Erw. 3c; ARV 1992 </div> <div class="para">Nr. 7 S. 103 Erw. 2b). </div> <div class="para"> Bezüglich der Erlassvoraussetzungen unterscheidet die </div> <div class="para">Rechtsprechung zwischen dem guten Glauben als fehlendem Un- </div> <div class="para">rechtsbewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den </div> <div class="para">gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen kann bzw. </div> <div class="para">ob er bei zumutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechts- </div> <div class="para">mangel hätte erkennen sollen. Die Frage nach dem Unrechts- </div> <div class="para">bewusstsein gehört zum inneren Tatbestand und ist daher </div> <div class="para">Tatfrage, die nach Massgabe von <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span> von der </div> <div class="para">Vorinstanz verbindlich beantwortet wird. Demgegenüber gilt </div> <div class="para">die Frage nach der Anwendung der gebotenen Aufmerksamkeit </div> <div class="para">als frei überprüfbare Rechtsfrage, soweit es darum geht, </div> <div class="para">festzustellen, ob sich jemand angesichts der jeweiligen </div> <div class="para">tatsächlichen Verhältnisse auf den guten Glauben berufen </div> <div class="para">kann (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-V-221%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page223">BGE 122 V 223</a> Erw. 3; AHI 1994 S. 123 Erw. 2c). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- a) Das kantonale Gericht hat erwogen, die Frage </div> <div class="para">der Gutgläubigkeit des Beschwerdegegners sei von seinem </div> <div class="para">Geisteszustand im Zeitpunkt des Bezuges der unrechtmässigen </div> <div class="para">Leistungen abhängig. Da sich die Akten diesbezüglich als </div> <div class="para">äusserst dürftig erwiesen und von ergänzenden Abklärungen </div> <div class="para">angesichts der verflossenen Zeit, des sich kontinuierlich </div> <div class="para">verschlechternden Gesundheitszustandes und des Wegzugs des </div> <div class="para">Versicherten nach Österreich keine neuen Erkenntnisse zu </div> <div class="para">erwarten seien, könne nicht mehr festgestellt werden, wie </div> <div class="para">weit von ihm im Zeitpunkt der Entgegennahme der Leistungen </div> <div class="para">erwartet werden konnte, dass er die Unrechtmässigkeit der </div> <div class="para">Nichtangabe von Vermögen und Einkommensteilen habe erkennen </div> <div class="para">können. Den medizinischen Unterlagen könne lediglich ent- </div> <div class="para">nommen werden, dass sich der Gesundheitszustand im Winter </div> <div class="para">1993/94 derart verschlechtert habe, dass er seinen Beruf </div> <div class="para">als Kellner habe aufgeben müssen und sein Kräftezustand und </div> <div class="para">seine Leistungsfähigkeit seither durch verschiedene Krank- </div> <div class="para">heiten zunehmend beeinträchtigt werde. In einem undatierten </div> <div class="para">Formular habe der Hausarzt, Dr. med. B.________, die Diag- </div> <div class="para">nose eines Bronchus-Carcinoms und einer chronischen Schizo- </div> <div class="para">phrenie gestellt. Inwiefern und gegebenenfalls seit wann </div> <div class="para">Einsichts- und Willensbildungsfähigkeit durch diese Krank- </div> <div class="para">heiten beeinträchtigt seien, könne den Akten jedoch nicht </div> <div class="para">schlüssig entnommen werden. Weil gemäss einem allgemeinen </div> <div class="para">Rechtsgrundsatz der gute Glaube zu vermuten sei und keine </div> <div class="para">Anhaltspunkte für dessen Fehlen namhaft gemacht werden </div> <div class="para">könnten, bejahte das kantonale Gericht diese Erlassvoraus- </div> <div class="para">setzung und prüfte die Frage des Vorliegens einer grossen </div> <div class="para">Härte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Das Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt </div> <div class="para">Zürich bringt demgegenüber im Wesentlichen vor, Geistes- </div> <div class="para">krankheiten und insbesondere eine Schizophrenie zeitigten </div> <div class="para">unterschiedliche Auswirkungen auf das Alltagsleben der Be- </div> <div class="para">troffenen, weshalb sich eine solche Krankheit nicht zwin- </div> <div class="para">gend negativ auf die Mitwirkungspflicht auswirke. Bezüglich </div> <div class="para">des Beschwerdegegners hätten die Abklärungen der Vormund- </div> <div class="para">schaftsbehörde ergeben, dass dieser durchaus in der Lage </div> <div class="para">sei, seine alltäglichen administrativen Angelegenheiten zu </div> <div class="para">regeln. Auch sei es ihm möglich, selbständig einen Rechts- </div> <div class="para">vertreter zu bestellen. Da durch den persönlichen Kontakt </div> <div class="para">der Leistungsbezüger mit den Sachbearbeitern der Durchfüh- </div> <div class="para">rungsstelle gewährleistet werde, dass allfällige Unklarhei- </div> <div class="para">ten bei der Anmeldung und periodischen Überprüfung ihres </div> <div class="para">Anspruches rasch aufgedeckt würden und auf spezifische Fra- </div> <div class="para">gen individuell eingegangen werden könne, müsse hinsicht- </div> <div class="para">lich des Verkehrs mit dem Amt für Zusatzleistungen die Ur- </div> <div class="para">teilsfähigkeit klar bejaht werden. Obwohl der Beschwerde- </div> <div class="para">gegner anlässlich der Gesuchstellung sowie mit jedem Ent- </div> <div class="para">scheid auf die Meldepflicht hingewiesen worden sei, habe er </div> <div class="para">eine vierteljährliche Rente der Rentenanstalt, ein Einfa- </div> <div class="para">milienhaus in Österreich sowie einen Rentenanspruch gegen- </div> <div class="para">über der österreichischen Sozialversicherung verschwiegen </div> <div class="para">und damit die Meldepflicht in grober Weise verletzt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5.- a) Der gute Glaube ist zu vermuten (<span class="artref">Art. 3 Abs. 1 </span></div> <div class="para">ZGB). Diese Vermutung ist widerlegt, wenn der Rückerstat- </div> <div class="para">tungstatbestand (Melde- oder Auskunftspflichtverletzung) </div> <div class="para">durch ein arglistiges oder grobfahrlässiges Verhalten her- </div> <div class="para">beigeführt wurde. Anderseits kann sich der Versicherte auf </div> <div class="para">den guten Glauben berufen, wenn seine fehlerhafte Handlung </div> <div class="para">oder Unterlassung nur eine leichte Verletzung der Melde- </div> <div class="para">oder Auskunftspflicht darstellt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-176%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page180">BGE 110 V 180</a> Erw. 3c in </div> <div class="para">fine, 112 V 103 Erw. 2c). Wie in anderen Bereichen beur- </div> <div class="para">teilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt zwar nach </div> <div class="para">einem objektiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen </div> <div class="para">in ihrer Subjektivität noch Mögliche und Zumutbare (Ur- </div> <div class="para">teilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) </div> <div class="para">nicht ausgeblendet werden darf (vgl. statt vieler RKUV 1989 </div> <div class="para">Nr. U 79 S. 368). </div> <div class="para"> So wurde der gute Glaube etwa verneint, wenn der Ver- </div> <div class="para">sicherte trotz sprachlicher und intellektueller Schwierig- </div> <div class="para">keiten nachgewiesenermassen in der Lage ist, die Tragweite </div> <div class="para">der unrechtmässigen Leistungszusprechung auf Grund der kon- </div> <div class="para">kret vorliegenden Umstände tatsächlich zu erfassen (nicht </div> <div class="para">veröffentlichtes Urteil C. vom 7. Oktober 1988, P 28/88). </div> <div class="para">Nicht abgesprochen hat das Eidgenössische Versicherungsge- </div> <div class="para">richt dagegen den guten Glauben einem bevormundeten Versi- </div> <div class="para">cherten, der in psychischer Hinsicht schwer beeinträchtigt </div> <div class="para">und deswegen nicht in der Lage war, seine Angelegenheiten </div> <div class="para">selber zu besorgen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-V-97%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page97">BGE 112 V 97</a>). </div> <div class="para"> b) Der Beschwerdegegner hat am 9. Mai 1995 ein Gesuch </div> <div class="para">um Ausrichtung von Zusatzleistungen zur AHV/IV unterzeich- </div> <div class="para">net, das vom Fürsorgeamt der Stadt Zürich gestützt auf die </div> <div class="para">Angaben des Versicherten erstellt worden war. Darin wurden </div> <div class="para">einfach und klar formulierte Fragen zu den wirtschaftlichen </div> <div class="para">Verhältnissen gestellt. Insbesondere wurde auch unmissver- </div> <div class="para">ständlich nach Renten und in- und ausländischen Vermögens- </div> <div class="para">werten gefragt. Das Eidgenössische Versicherungsgericht </div> <div class="para">geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass eine </div> <div class="para">grobfahrlässige Nachlässigkeit bejaht werden muss, wenn </div> <div class="para">konkrete, formularmässig gestellte Fragen unrichtig (oder </div> <div class="para">gar nicht) beantwortet werden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-176%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page181">BGE 110 V 181</a> Erw. 3d; vgl. </div> <div class="para">auch Meyer-Blaser, Die Rückerstattung von Sozialversiche- </div> <div class="para">rungsleistungen, in: ZBJV 1995 S. 484). Dass das Formular </div> <div class="para">von dritter Seite ausgefüllt wird, vermag den Versicherten </div> <div class="para">praxisgemäss von seiner Verantwortung für die Richtigkeit </div> <div class="para">der Angaben nicht zu entlasten (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=6&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-176%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page181">BGE 110 V 181</a> f. Erw. 3d). </div> <div class="para">Dies hat auch vorliegend zu gelten, da kein triftiger Grund </div> <div class="para">ersichtlich ist und nicht überzeugend dargetan wird, warum </div> <div class="para">die konkreten Fragen nicht richtig beantwortet wurden. Ins- </div> <div class="para">besondere liegen keine stichhaltige Anhaltspunkte dafür </div> <div class="para">vor, dass der Versicherte mangels Urteilsfähigkeit für die </div> <div class="para">Meldepflichtverletzung nicht verantwortlich gemacht werden </div> <div class="para">könnte. Wohl ist er gemäss den unbestrittenen vorinstanz- </div> <div class="para">lichen Sachverhaltsfeststellungen physisch und psychisch </div> <div class="para">stark angeschlagen. So hat sich sein Allgemeinzustand ge- </div> <div class="para">mäss den Angaben des Hausarztes im zweiten Quartal 1996 ra- </div> <div class="para">pide verschlechtert und eine neu entdeckte Krankheit einen </div> <div class="para">zusätzlichen Defektzustand hinterlassen. Dennoch hat er am </div> <div class="para">6. Januar 1997 dem Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV auf- </div> <div class="para">forderungsgemäss das Formular "Periodische Überprüfung des </div> <div class="para">Anspruchs auf Zusatzleistungen zur AHV/IV" unterschrieben </div> <div class="para">zugestellt und diesem einen Kontoauszug der Schweizerischen </div> <div class="para">Volksbank beigelegt, aus welchem der Bezug einer Rente der </div> <div class="para">Rentenanstalt hervorging. Da die Angaben im Formular damit </div> <div class="para">nicht übereinstimmten, lud ihn das Amt zur Klärung der </div> <div class="para">wirtschaftlichen Verhältnisse auf den 17. Januar 1997 zu </div> <div class="para">einer Besprechung ein. Anlässlich dieser Aussprache bestä- </div> <div class="para">tigte der Versicherte unterschriftlich, eine Rente der Ren- </div> <div class="para">tenanstalt von vierteljährlich Fr. 614.90 zu beziehen. Er </div> <div class="para">räumte auch ein, ein Einfamilienhaus in Österreich zu be- </div> <div class="para">sitzen. Weiter verneinte er, Anspruch auf eine Rente der </div> <div class="para">österreichischen oder der britischen Sozialversicherung zu </div> <div class="para">haben oder in Österreich über ein Bankkonto zu verfügen. Er </div> <div class="para">verpflichtete sich ferner, einen Antrag auf eine Invaliden- </div> <div class="para">rente bei der österreichischen Sozialversicherung zu stel- </div> <div class="para">len und eine Rentenzusprechung umgehend zu melden. Darauf- </div> <div class="para">hin reichte er weitere Unterlagen ein, aus denen hervor- </div> <div class="para">geht, dass er mindestens seit März 1996 ein bisher nicht </div> <div class="para">angegebenes Konto bei der Bank A.________ besitzt. Ebenso </div> <div class="para">zeigte sich, dass er mindestens seit April 1996 Bezüger </div> <div class="para">einer österreichischen Pension war. Diese zusätzlichen An- </div> <div class="para">gaben machte er offensichtlich deshalb, weil er keinen ne- </div> <div class="para">gativen Bescheid der österreichischen Sozialversicherung </div> <div class="para">vorlegen konnte und folglich mit dem Bekanntwerden der Ren- </div> <div class="para">te rechnen musste. Der Beschwerdegegner war somit durchaus </div> <div class="para">in der Lage, dem Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV einen </div> <div class="para">einfachen Sachverhalt wie den Anspruch auf eine auslän- </div> <div class="para">dische Rente und den Besitz von Grundeigentum zur Kenntnis </div> <div class="para">zu bringen. </div> <div class="para"> Bei diesen Gegebenheiten ist eine Berufung auf den gu- </div> <div class="para">ten Glauben ausgeschlossen. Ein Erlass der Rückerstattungs- </div> <div class="para">schuld kommt deshalb nicht in Frage, weshalb auch dahinge- </div> <div class="para">stellt bleiben kann, ob die Rückerstattung für den Ver- </div> <div class="para">sicherten eine grosse Härte bedeutet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 6.- Da nicht die Bewilligung oder Verweigerung von </div> <div class="para">Versicherungsleistungen streitig war (Erw. 2b), ist das </div> <div class="para">Verfahren kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 134 OG</span> e contrario). Die </div> <div class="para">Gerichtskosten sind vom unterliegenden Beschwerdegegner zu </div> <div class="para">tragen (Art. 135 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 156 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>I. In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, so-</i> </div> <div class="para"> weit darauf einzutreten ist, wird der Entscheid des </div> <div class="para"> Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom </div> <div class="para"> 7. Juni 1999 bezüglich der bundesrechtlichen Ergän- </div> <div class="para"> zungsleistungen aufgehoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. Die Gerichtskosten von Fr. 700.- werden dem Beschwer-</i> </div> <div class="para"> degegner auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>III. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1100.- wird dem</i> </div> <div class="para"> Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt Zürich </div> <div class="para"> zurückerstattet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>IV. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversiche-</i> </div> <div class="para"> rungsgericht des Kantons Zürich, dem Bundesamt für So- </div> <div class="para"> zialversicherung und dem Bezirksrat Zürich zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 15. Mai 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der III. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>