Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 8. Juni 2021 (715 21 46 / 151) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin i.V. Lena Eichen- berger Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Nicola Moser, Advo- kat, LEXPARTNERS., Kirchplatz 16, Postfach 916, 4132 Muttenz 1 gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1966 geborene A.____ stand in einem unbefrist eten Arbeitsverhältnis als Assistenz- Pflegerin mit B.____. Mit Schreiben vom 27. April 20 20 kündigte B.____ das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der dreimonatigen Kündigungsfrist per 31. Juli 2020. In der Folge stellte A.____ am 18. Mai 2020 bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse B aselland (Arbeitslosenkasse) Antrag auf Arbeitslosenentschädigung im Umfang von 80 % eine r Vollzeitbeschäftigung ab 1. August 2020. Mit Verfügung vom 23. September 2020 stellte di e Arbeitslosenkasse A.____ ab dem 1. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht August 2020 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 31 Tagen in der An- spruchsberechtigung ein. Zur Begründung führte sie im We sentlichen aus, die bisherige Arbeit- geberin habe der Versicherten eine Änderung des Arbeit svertrages mit einer Reduk-tion des Stundenlohns um Fr. 2.-- vorgeschlagen, die sie nicht akzeptiert habe. Aus diesem Grund sei das Arbeitsverhältnis von der Arbeitgeberin gekündigt wo rden. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz des Kantonalen Amts für Indu strie, Gewerbe und Arbeit Baselland (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Entscheid vom 15. Dezember 2020 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat D r. Nicola Moser, mit Schreiben vom 1. Februar 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, der Einspracheentscheid vom 15. Dezem- ber 2020 sei aufzuheben; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegeg- nerin. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass die Kündigung nicht aufgrund einer Lohnreduktion von Fr. 2.-- ausgesprochen worden sei, sondern wegen ihrer längeren krankheits- bedingten Abwesenheit im Frühjahr 2020. Des Weiteren bestritt sie, dass die Arbeitgeberin ihr ein ernsthaft gemeintes neues Angebot zum Abschluss eines Arbeitsvertrages angeboten habe. Sodann sei ein zumutbarer Verbleib an der Arbeitsstelle a priori auszuschliessen, da sie sowohl auf Lohn wie auch auf die Krankentaggeldversicherung hätte verzichten und zu völlig unter- schiedlichen Zeiten hätte arbeiten müssen. Ausserdem wäre ein krankheitsbedingter Arbeitsaus- fall nicht mehr geduldet worden. Schliesslich beanstandete die Beschwerdeführerin auch die An- zahl der Einstelltage, zumal ein mittleres (recte: schwer es) Verschulden von vornherein auszu- schliessen sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. März 2021 schloss die Arbeitslosenkasse auf Abwei- sung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 27. April 2021 hielt die Beschwerdef ührerin an ihrem Antrag und ihren bereits in der Beschwerde vorgebrachten Standpunkten fest. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist – sowe it notwendig – in den nachfolgenden Erwä- gungen einzugehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslo- senversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zu- ständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arb eitslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht erfüllte die Beschwerdeführerin ihre Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und V erwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach ein- zutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die B eschwerdeführerin an der Arbeitslosigkeit ein Verschulden trifft und ob die Beschwerdegegnerin si e zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 31 Tagen in der An spruchsberechtigung eingestellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 114.45 beläuft sich der Streitwe rt auf Fr. 3'547.95. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht; vgl. BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2 a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung ver- fügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die F unktion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldens- prinzip beherrscht (THOMAS NUSSBAUMER , in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesver- waltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, Arbeitslosenversicherung, 3. Auflage, Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeitslo- sigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslosi gkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielha ft Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selbstverschuldete Arbeitslosigkeit unter an- derem dann vor, wenn die versicherte Person das Arbeit sverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 A bs. 1 lit. b AVIV). Selbstverschuldete Ar- beitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt immer dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zu zuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.3 Nach der Rechtsprechung und der Lehre erfüllt Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV ebenfalls, wer trotz gebotener Gelegenheit nicht bereit war, sein Arbeitsverhältnis unter geänderten Bedingun- gen, namentlich zu einem tieferen Lohn, weiterzuführ en (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 119). D er Tatbestand der selbstverschuldeten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV kann deshalb auch dann erfüllt sein, wenn die Kündigung durch den Arbeitgeber ausgesprochen wird (ARV 1986 Nr. 23 S. 91; 1976 Nr. 18 S. 117). 2.4 Verliert eine versicherte Person ihre Stelle, wei l sie den vom Arbeitgeber vorgelegten Arbeitsvertragsänderungen (Änderungskündigung) nicht zustimmen will, ist sie in der Anspruchs- berechtigung infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit einzustellen, sofern die Arbeit im Sinne von Art. 16 AVIG weiterhin zumutbar gewesen wäre ( vgl. AVIG-Praxis ALE, Ziff. D19). Gemäss Art. 16 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person zur Sch adensminderung grundsätzlich jede Arbeit unverzüglich annehmen. Art. 16 Abs. 2 lit. a-i AVIG bestimmt, unter welchen Umständen eine Arbeit unzumutbar und somit von der Annahmepflich t ausgenommen ist. Dabei handelt es sich um eine abschliessende Aufzählung der Unzumutbarkeitsgründe (vgl. BGE 124 V 63 E. 3b). So gilt nach Art. 16. Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbeitsvertraglichen Bedingungen entspricht, den Fähig- keiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbe- schäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich erschwert. Das Bundesgericht wendet hinsichtlich der Annahme der Unzumutbarkeit, am bisherigen Arbeitsplat z zu verbleiben, einen strengen Mass- stab an und schliesst generell subjektive Beweggründe von der Zumutbarkeitsprüfung aus (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2428, Rz. 832; JACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 116). Wenn nicht besondere Umstände vor liegen, darf einer versicherten Person grundsätzlich zugemutet werden, wenigst ens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat, bzw. ein zumutbares Vertragsänderungsange- bot zu akzeptieren und das Arbeitsverhältnis bis zur Zusage einer anderen Erwerbstätigkeit wei- terzuführen (vgl. JACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 116 und 119). Spannungen mit Vorgesetzt en oder Arbeitskollegen, Überstunden oder Differenzen übe r die Lohnhöhe bewirken keine Unzu- mutbarkeit (vgl. N USSBAUMER , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Basel 2007, RZ 8 32 mit Hinweis auf ARV 1989, Nr. 7, E. 1a und E. 2 mit Kasuistik; ARV 1986, Nr. 22). Gehaltsreduk- tionen sind hinzunehmen, sofern ein Verbleiben im Betrieb unter dem Blickwinkel von Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG auch lohnmässig nicht unzumutbar ist. Gemäss dieser Gesetzesbestimmung ist eine Arbeit unzumutbar, die der versicherten Person einen L ohn einbringt, der geringer ist als 70 % des versicherten Verdienstes, es sei denn, die versicherte Person erhalte Kompensationsleistun- gen nach Art. 24 AVIG (vgl. JACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 119). Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeit- raumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde (Art. 23 Abs. 1 AVIG). 2.5 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. Juni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkomme n; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige ("volontairement") Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund ("sans motif légitime") sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der ver sicherten Person zu berücksichti- gen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe der Beschäf tigung im Sinne des Übereinkommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hin- weisen). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinweisen; Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtse rheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinwei sen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitw irkungspflichten der Parteien (vgl. BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2 013, 8C_742/2013, E. 4.2). Die Mit- wirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdever- fahren zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung des Sachverhalts (vgl. KURT PÄRLI /L AURA KUNZ , Basler Kommentar zum ATSG, N 9 und 14 zu Art. 28 ATSG). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen ann ehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. R ENÉ RHINOW / HEINRICH KOLLER / CHRISTINA KISS / DANIELA THURNHERR / DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N 999). Im Sozialver- sicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem B eweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. C RISTINA SCHIAVI , in: Basler Kommentar ATSG, Frésard-Fel- lay/Klett/Leuzinger [Hrsg.], Basel 2020, Art. 43 N 11; BGE 144 V 427 E. 3.2). Die blosse Möglich- keit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläu- fen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 144 V 42 7 E. 3.2, 138 V 218 E. 6 mit diversen Hinweisen). 3.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig auf die Parteivorbringen ange- wiesen. Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person gilt die Beweismaxime, wonach die sogenannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewu sst oder unbewusst von nachträgli- chen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 47 E. 2a, 115 V 133 E. 8c). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Aufgrund der vorliegenden Unterlagen stellt sich der rechtserhebliche Sachverhalt wie folgt dar: 4.2 Die Beschwerdeführerin stand in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis als Assistenz- Pflegerin mit B.____. Dieses Arbeitsverhältnis wurde am 27. April 2020 durch B.____ unter Ein- haltung der dreimonatigen Kündigungsfrist per 31. Juli 2020 gekündigt. Im Antrag auf Arbeitslo- senentschädigung, datiert vom 18. Mai 2020, gab die Beschwerdeführerin als Grund der erfolgten Kündigung an, dass ihre Arbeitgeberin den Lohn und d iverse Leistungen aufgrund der Coronakrise kürzen wollte. Demgegenüber hielt B.____ in der Arbeitgeberbescheinigung vom 31. Juli 2020 fest, dass der Grund für die Kündigung das Nichtakzeptieren der neuen Arbeitsvertrags- bedingungen gewesen sei. Gemäss den von der Arbeitslosenkasse eingeholten Erkundigungen bei der ehemaligen Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin habe es sich bei den geänderten Ar- beitsvertragsbedingungen um die Herabsetzung des Lohnes gehandelt. Die ehemalige Arbeitge- berin führte hierzu aus, die höheren Grundkosten der letzten Jahre und die gleichzeitig fehlende Erhöhung der Assistenzbeiträge hätten sie zur genaueren Überprüfung der Ausgabenseite und insbesondere der gesamten Personalkosten gezwungen. Eine Lohnreduktion der Assistenzpfle- gerinnen sei aufgrund des Budgets notwendig gewesen. Eine weitere Änderung der Arbeitsver- tragsbedingungen sei die Anpassung der gesamten Einsat zpläne gewesen, welche auch die Samstags- und Nachmittagseinsätze betroffen hätten. Gemäss Aussagen der ehemaligen Arbeit- geberin seien alle Angestellten von diesen beiden Änderungen betroffen gewesen und es hätten für alle die gleichen Verträge gegolten. Die neuen Bedingungen seien der Beschwerdeführerin mündlich mitgeteilt worden. Da bereits im Rahmen dieser mündlichen Ankündigung Differenzen aufgetreten seien, sei kein neuer Arbeitsvertrag erste llt worden. Es sei generell nur mündlich kommuniziert und nichts Schriftliches festgehalten worden. Da die Beschwerdeführerin die Än- derungen der Arbeitsvertragsbedingungen nicht habe akzeptieren wollen, habe sie ihr leider kün- digen müssen, obwohl sie ihre langjährige und pflichtbewusste Arbeitsweise sehr geschätzt habe. 4.3 Dem Nachtrag zum Fragebogen betreffend rechtliches Gehör vom 4. September 2020 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin die neuen Vertragsbedingungen nicht akzep- tierte, weil der Stundenlohn um Fr. 2.-- gekürzt und das Krankentaggeld von der Arbeitgeberin nicht mehr bezahlt worden wäre. 4.4 Mit Verfügung vom 23. September 2020 stellte die Arbeitslosenkasse die Beschwerde- führerin ab dem 1. August 2020 wegen selbstverschuldete r Arbeitslosigkeit für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. 4.5 In der dagegen erhobenen Einsprache vom 26. Oktober 2020 machte die Beschwerde- führerin geltend, dass als Kündigungsgrund im Arbeitszeu gnis eine «Personalrestrukturierung» angegeben werde. Der wahre Grund liege jedoch in ihr en krankheitsbedingten Abwesenheiten. Nach ihrer Rückkehr zur Arbeitsstelle habe der Ehemann ih rer Arbeitgeberin, C.____, im Sinne einer gewissen Kompensation der vergangenen Abwesenh eiten diverse Zugeständnisse ver- langt. Im Gespräch vom 27. April 2020 habe er insbesonde re zu verstehen gegeben, dass er inskünftig nicht mehr für krankheitsbedingte Abwesenheiten finanziell aufkommen wolle. Er habe auch davon gesprochen, dass er die Lohnkosten nicht mehr tragen könne. Von einem ernsthaften Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angebot zum Abschluss eines neuen Arbeitsvertrages könne indes keine Rede sein und sie hät- ten in keiner Weise über dessen Abschluss ernsthaft verhandelt. Vielmehr habe ihre Arbeitgebe- rin noch am 27. April 2020 die Kündigung ausgesprochen. 4.6 In ihrer Beschwerde vom 1. Februar 2021 führte d ie Beschwerdeführerin erneut aus, die Kündigung sei nicht wegen einer Lohnreduktion von Fr . 2.-- ausgesprochen worden, sondern aufgrund ihrer längeren krankheitsbedingten Abwesenhei t im Frühjahr 2020. Als sie nach ihrer Genesung an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sei, habe ihr C.____ zu verstehen gegeben, dass eine nochmalige krankheitsbedingte Abwesenheit nicht mehr toleriert werde. Zudem habe er ihr mitgeteilt, dass er bei einem allfälligen neuen Arbei tsvertrag nicht mehr für die Krankentaggeld- versicherung aufkommen werde. Er hätte damit einerseits Prämien einsparen und sich anderer- seits seiner Lohnfortzahlungspflicht entziehen wollen. Der neue Arbeitsvertrag hätte dazu geführt, dass sie nach der Basler Skala im ersten Jahr lediglich no ch einen Lohnfortzahlungsanspruch von drei Wochen gehabt hätte. Ausserdem sei von ihr nach ihrer Rückkehr zur Arbeitsstelle plötz- lich verlangt worden, auch andere Schichten zu übernehmen, und dies nicht nur unter der Woche, sondern auch am Wochenende, wobei völlig offengelassen worden sei, an welchen Tagen und in welchem Rhythmus sie inskünftig hätte arbeiten sollen. Ferner habe C.____ umgehend einen Entscheid über die Anpassung des Arbeitsvertrags benötigt. 5.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass die Kündigun g nicht aufgrund der nicht akzep- tierten Lohnreduktion von Fr. 2.-- ausgesprochen worde n sei, sondern wegen ihrer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit im Frühjahr 2020. Diese r Auffassung kann nicht gefolgt wer- den. So gab die Beschwerdeführerin im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 8. Mai 2020 als Grund der Kündigung an, dass ihre Arbeitgeberin den Lohn und diverse Leistungen aufgrund der Coronakrise habe kürzen wollen. Sodann führte die Beschwerdeführerin im Nachtrag zum Fragebogen betreffend rechtliches Gehör vom 4. September 2020 eigens aus, dass sie die neuen Vertragsbedingungen nicht akzeptiert habe, weil der St undenlohn um Fr. 2. -- gekürzt und das Krankentaggeld von der Arbeitgeberin nicht mehr bez ahlt worden wäre. Erst in der Einsprache machte sie geltend, die Kündigung sei nicht aufgrund d er ihrerseits nicht akzeptierten Vertrags- bedingungen, sondern wegen ihrer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit im Frühjahr 2020 erfolgt. Aufgrund dieser unterschiedlichen Angaben der Beschwerdeführerin ist unter Berücksich- tigung des Grundsatzes der «Aussagen der ersten Stunde» ihren im Antrag auf Arbeitslosenent- schädigung und im Nachtrag zum Fragebogen betreffend rechtliches Gehör getätigten Aussagen beweismässig grösseres Gewicht zuzusprechen als denjenigen in der Einsprache, zumal sie im Zeitpunkt der Einsprache auch anwaltlich vertreten wa r. Somit ist mit dem im Sozialversiche- rungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahr scheinlichkeit erstellt, dass die Be- schwerdeführerin den neuen Vertragsbedingungen nicht zug estimmt und das Nichtakzeptieren der Vertragsänderung zur Kündigung geführt hat. 5.2 Als Zwischenergebnis kann demnach festgehalten werden , dass die Nichtannahme der angebotenen Vertragsänderung vorliegend zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses und damit zur Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin geführt hat. Da Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV – wie hiervor (vgl. E. 2.3) ausgeführt – auch anwendbar ist, wenn der Arbeitgeber die Kündigung ausspricht, weil der Arbeitnehmer seine Zustimmung zu einer Vertragsänderung verweigert, ist im Weiteren Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu untersuchen, ob der Beschwerdeführerin die Annahme der Vertragsänderung und ein Weiter- führen des Arbeitsverhältnisses zumindest bis zum Antritt einer Anschlussstelle nicht doch zu- mutbar gewesen wäre. 6.1 Wie in Erwägung 2.4 ausgeführt, gilt die Arbeit gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG als unzumutbar, wenn der Lohn geringer ist als 70 % des versicherten Verdienstes, es sei denn, die versicherte Person erhalte Kompensationsleistungen nach Art . 24 AVIG (Zwischenverdienst). Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin als Assistenz-Pflegerin mit einem Pensum von 80 % (üblicherweise 5 Tage à 6 Stunden) bisher ein monatliches Brutto- Einkommen von Fr. 3'120.-- realisiert hat. Dies entspri cht einem Stundenlohn von Fr. 26.--. Die Reduktion des Stundenlohns um Fr. 2.-- hätte eine Lohneinbusse von 7,7 % bedeutet, was einem künftigen monatlichen Bruttolohn von Fr. 2'880.-- ent sprochen hätte. Dieser angebotene Lohn übersteigt deutlich die in Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG statuierte Zumutbarkeitsgrenze von Fr. 2'184.- - (70 % x Fr. 3'104.-- [versicherter Verdienst]). Die An nahme des neuen Arbeitsvertrages wäre der Beschwerdeführerin aus pekuniärer Sicht deshalb zumutbar gewesen. 6.2 Des Weiteren vermag auch die Änderung der Arbeitse insätze keine Unzumutbarkeit zu begründen. Dass die Beschwerdeführerin über Jahre hinw eg ausschliesslich am Morgen für B.____ tätig gewesen ist, ändert nichts an dieser Beur teilung. Wie sich aus den Akten ergibt, möchte die Beschwerdeführerin weiterhin den Beruf der Pflegehelferin ausüben. Diesem sind unregelmässige Arbeitszeiten und Wochenendeinsätze inhäre nt. Auch waren in ihrem Arbeits- vertrag sowohl Änderungen bezüglich der wöchentlichen Arbeitszeit vorbehalten wie auch Sams- tagsvertretungen vorgesehen und bei Bedarf erwünscht. 6.3 Schliesslich ist zu prüfen, ob die Vertragsänderung a ufgrund des Wegfalls der Kranken- taggeldversicherung unzumutbar ist. Hierzu ist auszuführen, dass der Auffassung der Beschwer- deführerin, wonach der neue Arbeitsvertrag dazu gefü hrt hätte, dass sie nach der Basler Skala im ersten Jahr lediglich noch einen Lohnfortzahlungsansp ruch von drei Wochen gehabt hätte, nicht gefolgt werden kann. Die Vertragsänderung hätte nämlich keinen Einfluss auf die Anzahl Dienstjahre gehabt. Selbst wenn die ehemalige Arbeitgeberin einen krankheitsbedingten Ausfall nicht mehr geduldet bzw. untersagt hätte, wäre sie verpflichtet gewesen, während der Dauer des Lohnfortzahlungsanspruchs den Lohn auszurichten. Die Annahme der neuen Vertragsbedingun- gen wäre nach dem Gesagten also auch unter diesem Aspekt zumutbar gewesen. 6.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es der Beschwerd eführerin zumutbar gewe- sen wäre, die Vertragsänderung anzunehmen. Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Be- schwerdegegnerin die Beschwerdeführerin wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit in der An- spruchsberechtigung eingestellt hat. 7.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltage durch die Beschwerdegegnerin korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung in de r Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgru nd höchstens 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 3 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsberechtigung abgestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 31-60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Bei der in dividuellen Verschuldensbeurteilung im Bereich des schweren Verschuldens innerhalb der von 31 bis 60 Tagen reichenden Skala ist zunächst grundsätzlich vom Mittelwert auszugehen, das heiss t von einer durchschnittlichen Dauer von 45 Einstellungstagen. Unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände des konkre- ten Einzelfalls ermöglicht diese Vorgehensweise einerseit s eine Verschärfung der verwaltungs- rechtlichen Sanktion, wenn das Verschulden der versicherten Person besonders schwer wiegt, andererseits beim Vorliegen von Milderungsgründen ei ne angemessene Reduktion. Sachge- rechte Ermessensbetätigung erfordert, den gesamten Ermessensspielraum nach oben und unten in einer dem jeweiligen Verschulden entsprechenden We ise zu nutzen (BGE 123 V 153 E. 3c). Den Verfügungsinstanzen wird dabei ein grosser Ermessenspielraum zugestanden, weshalb bei der Beurteilung der Einstellungsdauer durch das kantonale Versicherungsgericht Zurückhaltung geboten ist. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsge- richts die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprüfen. Es darf aber sein Ermessen nicht ohne triftige Gründe an die Stell e desjenigen der Verwaltung setzen, son- dern muss sich bei der Korrektur auf Gegebenheiten abstü tzen können, welche eine abwei- chende Ermessensausübung als nahe liegender erscheinen lassen (vgl. BGE 123 V 150 E.2 mit weiteren Hinweisen, vgl. auch BGE 126 V 353 E. 5d). 7.2 Das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) hat in sei ner AVIG-Praxis Einstellraster für die Arbeitslosenkasse, die kantonale Amtsstelle (KAST) und das Regionale Arbeitsvermittlungs- zentrum (RAV) aufgestellt. Diese sollen eine weitestmögliche Gleichbehandlung der Versicherten auf nationaler Ebene gewährleisten und den Vollzugsste llen als Entscheidungshilfe dienen. Bei jeder Einstellung ist das allgemeine Verhalten der versicherten Person miteinzubeziehen. Zudem gelten die Prinzipien der Rechtmässigkeit, der Verhältnismässigkeit und des Verschuldens. 7.3 Vorliegend ist unter Berücksichtigung aller Umstände die vorinstanzliche Ermessensbe- tätigung nicht zu beanstanden. Zunächst ist die Beschwerdegegnerin nicht vom Mittelwert von 45 Einstellungstagen bei schwerem Verschulden, sondern praxisgemäss von 36 Einstellungstagen für die selbstverschuldete Arbeitslosigkeit ausgegangen. Bei der Festlegung der Dauer der Ein- stellung wurden zu Gunsten der Beschwerdeführerin die Probleme am Arbeitsplatz mit zwei Ta- gen und das Verhalten der Arbeitgeberin bereits mit d rei Tagen als verschuldensmindernd be- rücksichtigt. Die Beschwerdegegnerin hat die Dauer der Einstellung letztlich auf 31 Tage festge- setzt. Diese Vorgehensweise ist nicht zu beanstanden und es besteht somit kein Anlass, in den Ermessensspielraum der Beschwerdegegnerin einzugreifen. Gründe, die eine weitere Reduktion der Einstelltage und damit ein mittelschweres Verschulden rechtfertigen würden, sind nicht er- sichtlich. Die von der Vorinstanz vorgenommene Einstellung der Beschwerdeführerin in der An- spruchsberechtigung mit 31 Einstellungstagen ist somit nicht zu beanstanden. 8. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der angef ochtene Einspracheent- scheid vom 15. Dezember 2020 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 9. Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kos- tenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorg esehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kostenpflicht vor, kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Ge- richtskosten auferlegen. Da das AVIG keine Kostenpflicht vo rsieht und sich die Parteien weder mutwillig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht