Entscheid der Aufsichtsbehörde Schuldbetreibung und Konkurs Basel- Landschaft vom 2. Juli 2013 (420 13 112) ____________________________________________________________________ Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) Grundpfandverwertung: Verteilungsliste, die nicht m it dem Kollokationsplan bzw. Las- tenverzeichnis übereinstimmt; Verbot des Schuldners, über die gepfändeten Vermö- gensstücke zu verfügen Besetzung Vorsitzender Richter Dieter Freiburghaus, Richter René Borer (Ref.), Präsidentin Christine Baltzer-Bader; Aktuar Hansruedi Zweifel Parteien Stadt A.____ , vertreten durch Steueramt der Stadt A.____ Beschwerdeführerin gegen Betreibungsamt Arlesheim , Domplatz 9 - 13, 4144 Arlesheim, Beschwerdegegner Gegenstand Betreibungsrechtliche Beschwerde Beschwerde gegen die Verteilungsliste des Betreibungsamtes Arlesheim vom 15. April 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Steigerungsbedingungen und das Lastenverzeichnis vom 0 6.06.2012 für die am 28.08.2012, 11.00 Uhr, vorgesehene Grundstücksteigerun g der Parzelle Nr. 3905, GB B.____, im Eigentum des Schuldners C.____ wurden vom 11.-20.06. 2012 beim Betreibungsamt Arles- heim aufgelegt. Der Steigerungstermin vom 28.08.2012, 11.00 Uhr, wurde vom Betreibungsamt Arlesheim widerrufen, da die Eigentümerschaft am Schul dbrief im 3. Rang über CHF 500'000.00, welcher als unbelehnter Eigentümerpf andtitel im Lastenverzeichnis aufge- nommen worden war, unklar war. Mit Schreiben vom 08.09 .2012 erklärte Frau D.____ zuhan- den des Betreibungsamtes Arlesheim, dass der Namenschuld brief über CHF 500'000.00 im 3. Rang im alleinigen Eigentum von C.____ stehe und au s dem Depot bei der Bank E.____ AG entnommen und an das Betreibungsamt Arlesheim ausgehänd igt werden könne. Das Betrei- bungsamt Arlesheim ersuchte den Schuldner mit Schreibe n vom 10.09.2012, welchem die Er- klärung von Frau D.____ vom 08.09.2012 beilag, den Eig entümerpfandtitel nun dem Betrei- bungsamt einzureichen. Abklärungen des Betreibungsamte s ergaben, dass der Schuldner den Eigentümerpfandtitel aus dem Depot bei der Bank E.___ _ AG entnommen hatte. Am 10.12.2012 verfügte das Betreibungsamt Arlesheim im Si nne von Art. 13 VZG, dass der Schuldner verpflichtet werde, den Eigentümerpfandtitel dem Betreibungsamt einzureichen. Gleichzeitig wurde dem Schuldner mitgeteilt, dass die betreibungsamtliche Steigerung erneut angesetzt werde. Die Steigerungsbedingungen und das La stenverzeichnis für die am 14.03.2013, 11.00 Uhr, vorgesehene Grundstücksteigerun g der Parzelle Nr. 3905, GB B.____, im Eigentum des Schuldners C.____ wurden vom 18.-28.01. 2013 beim Betreibungsamt Arles- heim aufgelegt, was im SHAB vom 13.12.2012 publiziert wurde. Der Namenschuldbrief im 3. Rang über CHF 500'000.00 wurde in diesem Lastenverze ichnis erneut als unbelehnter Eigen- tümerpfandtitel aufgenommen. Der Schuldbrief wurde dem Betreibungsamt Arlesheim nie ein- gereicht. Mit Schreiben vom 05.02.2013 wies der Schu ldner das Betreibungsamt darauf hin, dass er den Schuldbrief im 3. Rang an die F.____ SA ü bertragen habe, womit er nicht mehr unbelastet sei. Am 14.02.2013 bestätigte ein Schreiben von Rechtsanwalt Dr. G.____, dass der Schuldner den Schuldbrief als Sicherheit an die F.____ SA zediert habe. Mit Schreiben vom 03.04.2013 gab das Betreibungsamt Arlesheim der F.__ __ SA die Möglichkeit, die durch den Schuldbrief gesicherte Forderung mitzuteilen. Mit Schrei ben vom 10.04.2013 machte die F.____ SA eine pfandgesicherte Forderung von CHF 135 '600.00 geltend. Nach Durchführung der Liegenschaftssteigerung nahm das Betreibungsamt Arl esheim in der Verteilungsliste vom 15.04.2013 die Forderung der F.____ SA als Pfandgläu bigerin im 3. Rang auf, welche vollstän- dig vom Pfanderlös gedeckt wurde. Die Verteilungsliste wurde dem Steueramt der Stadt A.____ mit Schreiben vom 15.04.2013 übermittelt mit dem Hinw eis, dass die Verteilungsliste nebst der Abrechnung vom 17.-26.04.2013 zur Einsicht aufliege. B. Mit Schreiben vom 26.04.2013 erhob die Stadt A.____ B eschwerde gegen die Vertei- lungsliste und stellte folgenden Antrag: "1. Die Verteilungsliste der Pfandgläubiger des Betre ibungsamtes gemäss Schreiben vom 15.04.2013 sei dergestalt zu berichtigen, dass sie mit de m Lastenverzeichnis übereinstimmt. - Die Forderung im 3. Rang der F.____ SA im Betrag von CHF 135'600.00 sei aus der Ver- teilungsliste zu löschen und - der Schuldbrief über CHF 500'000.00 im 3. Rang sei als unbelehnter Eigentümerpfandtitel in die Verteilungsliste aufzunehmen bzw. entsprechend al s unbelehnter Eigentümerpfandtitel Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht anzumerken." Sie begründete ihren Antrag wie folgt: Bei Grundstü ckverwertungen übernehme das Lastenver- zeichnis die Funktion des Kollokationsplans als Grundlage für die spätere Verteilung. Gegen die Verteilungsliste sei Beschwerde zu führen, wenn sie nich t mit dem Kollokationsplan überein- stimme. Eine Ergänzung oder Neuauflage des Lastenverzeichnisses durch das Betreibungsamt habe nie stattgefunden. Im rechtskräftigen Lastenverzeich nis sei somit der Schuldbrief über CHF 500'000.00 im 3. Rang als unbelehnter Eigentümer schuldbrief vermerkt. Unter den vorlie- genden Umständen habe der Eigentümerpfandtitel nicht rechtsgültig als Sicherheit für Forde- rungen der F.____ SA übertragen werden können. Somi t lägen keine Rechtsgründe vor, wo- nach das Betreibungsamt Arlesheim die Forderung der F. ____ SA in ein Lastenverzeichnis oder in eine Verteilungsliste aufzunehmen habe. Das Bet reibungsamt habe die Verteilungsliste gestützt auf das Ergebnis des Lastenbereinigungsverfahren s bzw. des rechtskräftigen Lasten- verzeichnisses aufzustellen. Die Aufnahme der Forderung der F.____ SA in die Verteilungsliste verstosse gegen die anzuwendenden Bestimmungen und stell e einen formellen Verfahrensfeh- ler dar, weil diese Forderung im rechtskräftigen Lastenverzeichnis nicht vermerkt sei. Die ungül- tig gesicherte Forderung der F.____ SA von CHF 135'600 .00 sei daher in der Verteilungsliste der Pfandgläubiger nicht zuzulassen und zu löschen. Die Herausgabe des unbelehnten Schuld- briefs durch den Schuldner an die F.____ SA zur Sicherung einer vertraglichen Forderung stelle eine die Gläubigerrechte verletzende Handlung im Si nne von Art. 96 Abs. 2 SchKG dar. Die nachträgliche Belehnung des zuvor unbelehnten Schuldbri efs einer gepfändeten Liegenschaft sei geeignet, die den Gläubigern aus der Pfändung erw achsenen Rechte zu verletzen, weil der Verkaufserlös der zu versteigernden Liegenschaft um die durch den Schuldbrief gesicherte Forderung reduziert werde. Durch die Aufnahme der For derung der F.____ SA würden die Pfändungsgläubiger geschädigt, denn das Ergebnis werde zu deren Lasten um CHF 135'600.00 geschmälert. Ein Besitzerwerb durch ein en gutgläubigen Dritten sei nicht er- folgt, habe doch die Gutgläubigkeit der F.____ SA ger ade nicht vorgelegen. Dies gehe klar aus dem Maklervertrag zwischen der F.____ SA und dem Schuldne r vom 12.09.2012 hervor. Ziff. 41 dieses Vertrags weise ausdrücklich darauf hin, dass die Liegenschaft bereits verpfändet sei und dass der im 3. Rang der gepfändeten Liegenschaf t lastende Schuldbrief als Eigentü- merschuldbrief zu behandeln und gemäss Art. 13 VZG vom B etreibungsamt in Verwahrung zu nehmen sei. Die Vertragsparteien seien sich somit bewusst gewesen, dass es eine Verletzung von Art. 13 VZG darstelle, wenn der Schuldbrief nicht d em Betreibungsamt abgeliefert werde. Aus betreibungsrechtlicher Sicht sei die geltend gemach te Sicherung von Forderungen der F.____ SA nicht zuzulassen und wegen Pfändungsgläubigersc hädigung und mangels Gutgläu- bigkeit als ungültig zu werten. C. Mit Schreiben vom 13.05.2013 nahm das Betreibungsamt Ar lesheim zur Beschwerde wie folgt Stellung: Das Betreibungsamt habe die Grundstücksteigerung vom 28.08.2012 widerrufen, da die Eigentümerschaft am Schuldbrief im 3. Rang unklar gewesen sei. Nachdem Frau D.____ am 08.09.2012 erklärt habe, über keine Rechte mehr a n diesem Schuldbrief zu verfügen, habe das Betreibungsamt davon ausgehen können, dass der unbel ehnte Schuldbrief im Alleineigen- tum des Schuldners sei. Davon ausgehend sei die Steigeru ng neu auf den 14.03.2012 ange- setzt und der Schuldbrief im 3. Rang über CHF 500'000. 00 als Eigentümerpfandtitel im Lasten- verzeichnis aufgenommen worden. Zudem habe das Betreibun gsamt den Schuldner erneut Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgefordert, den Schuldbrief dem Betreibungsamt einzu reichen, was trotzdem nie geschehen sei. Dafür habe Advokat Dr. G.____ mitgeteilt, der Sch uldner habe den Schuldbrief im 3. Rang als Sicherheit an die F.____ SA übertragen. Das Betre ibungsamt habe darauf die Steigerung nicht nochmals widerrufen, da davon ausgegangen worden sei, dass diese Mitteilung das Stei- gerungsergebnis nicht beeinflusse. Bei der Erstellung d er Verteilungsliste habe das Betrei- bungsamt die Forderung gemäss Schreiben von Advokat D r. G.____ vom 10.04.20014 berück- sichtigt unter der Annahme, dass gemäss Art. 138 SchKG n icht oder verspätet angemeldete Pfandrechte nur untergingen, soweit sie nicht aus dem G rundbuch ersichtlich seien. Im vorlie- genden Fall würden Forderungen aus dem im Grundbuch e ingetragenen Schuldbrief im 3. Rang geltend gemacht. Es handle sich hier um einen Spezialfall, weshalb kein Antrag gestellt werde. D. Mit Eingabe vom 31.05.2013 beantragte Dr. G.____ na mens der F.____ SA die Abwei- sung der Beschwerde. Eventualiter sei der Zuschlag vom 14.03.2013 aufzuheben und das Be- treibungsamt anzuweisen, das Lastenverzeichnis neu aufzulegen und auf einen Zeitpunkt nach Eintritt der Rechtskraft einen neuen Steigerungstermin festzusetzen. Die Verfahrenskosten sei- en der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zudem sei der F.____ SA zu Lasten der Beschwerde- führerin eine Parteientschädigung zuzusprechen. Der Schuldner habe der F.____ SA mit Vereinbarung vo m 12.09.2012 u.a. den Schuldbrief als Pfand hingegeben. Er habe damals durchaus über den Schu ldbrief verfügen dürfen, weil die Voraussetzungen von Art. 13 VZG nicht erfüllt gewesen seien. Mit Schreiben vom 20.08.2012 habe das Betreibungsamt Arlesheim die angekündigte G rundstücksteigerung widerrufen, da neue Erkenntnisse eine Ergänzung und Neuauflage des La stenverzeichnisses erforderten. Das Betreibungsamt habe also vorgesehen, dass eine Neuaufla ge des Lastenverzeichnisses not- wendig werde. Damit sei das bestehende Lastenverzeichnis als obsolet zu betrachten. Soweit gestützt auf dieses Lastenverzeichnis allenfalls eine Verw ahrung durch das Betreibungsamt verlangt worden wäre, wäre diese Aufforderung wegen Wegfalls des Lastenverzeichnisses hin- fällig geworden. Ob und auf welche Weise ein neues La stenverzeichnis aufgelegt worden sei, sei aus den Akten nicht ersichtlich. Es müsse aber davon au sgegangen werden, dass das Las- tenverzeichnis im Hinblick auf die zweite Steigerung nich t aufgelegt worden sei. Es stelle sich somit die Frage, ob das Lastenverzeichnis für die zweite S teigerung mangels Auflage über- haupt habe rechtskräftig werden können und ob wegen di eses Mangels die zweite Steigerung überhaupt habe gültig durchgeführt werden können. Hi er liege möglicherweise ein Mangel vor, zufolge dessen der Zuschlag vom 14.03.2013 aufgehoben, das Lastenverzeichnis neu aufge- legt und anschliessend ein neuer Steigerungstermin ang esetzt werden müsse. Bereits mit Schreiben vom 05.02.2013 sei das Betreibungsamt vom Schuldner darauf hingewiesen worden, dass er den Schuldbrief im 3. Rang an die F.____ SA ü bertragen habe, womit der Schuldbrief nicht mehr unbelastet sei. Das Betreibungsamt habe somit deutlich vor dem Steigerungstag um die Berechtigung der F.____ SA am fraglichen Schuldbr ief gewusst und hätte deshalb das Las- tenverzeichnis neu auflegen und den Gläubigern die Mö glichkeit einräumen müssen, gegebe- nenfalls eine Kollokationsklage einzureichen. Dass dies n icht gemacht worden sei, habe wohl die Aufhebung des Zuschlags vom 14.03.2013 zur Folge. Wenn davon ausgegangen werde, dass das Lastenverzeichnis für die zweite Steigerung nicht rechtskräftig geworden sei, müsse die Anerkennung der Forderung und der Sicherheit zug unsten der F.____ SA in der Vertei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht lungsliste als Ergänzung des Lastenverzeichnisses qualifiziert werden. Gegen diese Ergänzung des Lastenverzeichnisses hätte sich die Beschwerdeführerin nicht im Beschwerdeverfahren, sondern mittels Kollokationsklage zur Wehr setzen können. Durch die Übergabe des Schuld- briefs seien keine Gläubigerrechte verletzt worden. Es w erde bestritten, dass ein belehnter Schuldbrief im 3. Rang zu einem anderen Erlös geführt hätte. Bei dieser Sachlage könne die Frage der Gutgläubigkeit der F.____ SA offen bleiben. E. Mit Schreiben vom 06.06.2013 wies das Betreibungsamt A rlesheim darauf hin, dass das Lastenverzeichnis für die Steigerung vom 14.03.2013 öff entlich aufgelegt worden sei, was der Aufsichtsbehörde aus dem Verfahren 420 13 40 bekannt sei. F. Mit Eingabe vom 26.06.2013 nahm die Beschwerdeführerin im Sinne einer "Spontan- Replik" Stellung zu den Vernehmlassungen des Betreibung samtes Arlesheim und der F.____ SA und beantragte zusätzlich: "2. Die Verteilung sei nach entsprechender Berichtigung gemäss Antrag Ziff. 1 anzuordnen. 3. Es sei festzustellen, dass das Betreibungsamt Arlesheim angesichts der bekannten Angaben und Unterlagen die Forderungen der F.____ SA nicht i m Sinne von Art. 138 Abs. 2 Ziff. 3 SchKG zu berücksichtigen hat, dass das Lastenverzeichnis nicht neu aufzulegen ist bzw. dass die Berücksichtigung der Forderung und des Ranges zugunste n der F.____ SA in der Vertei- lungsliste nicht als nachträgliches Auflegen des Lastenverzeichnisses zu deuten ist; eventualiter sei festzustellen, dass keine rechtsgültige Übertragung d es Namenschuldbriefes zugunsten der F.____ SA erfolgte." Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung seien Verfügungen über einen beim Grundeigen- tümer gebliebenen Teilwert des Grundstücks wie z.B. einen Eigentümertitel nach Pfändung des Grundstücks unzulässig. Um solchen Verfügungen wirksam vorzub eugen, sei die amtliche Ver- wahrung notwendig (Art. 13 VZG). Der Schuldner sei vom Betreibungsamt angewiesen worden, den unbelehnten Schuldbrief beim Betreibungsamt in Verwahrung zu geben. Frau D.____ habe mit Erklärung vom 08.09.2012 lediglich ihr Einverständn is gegeben, den Schuldbrief an das Betreibungsamt Arlesheim auszuliefern, nicht jedoch, de n Schuldbrief in den Besitz eines Drit- ten zu geben. Gemäss Ziff. 41 des Vertrags vom 12.09.20 12 habe die F.____ SA gewusst, dass der Schuldbrief für die Dauer der Liegenschaftsverw ertung vom Betreibungsamt in Ver- wahrung zu nehmen sei und dass dem Schuldner die Verfügungsbefugnis über den Schuldbrief fehle, weshalb sie sich nicht gutgläubig im Besitz des Schuldbriefs befinde. Gemäss Publikation im SHAB vom 13.12.2012 seien die Steigerungsbedingung en und das Lastenverzeichnis vom 18.-28.01.2013 erneut aufgelegt und der Schuldbrief im 3. Rang über CHF 500'000.00, Inhaber C.____, erneut als unbelehnter Schuldbrief vermerkt w orden. Die F.____ SA habe dagegen innert Frist keine Beschwerde erhoben. Das Lastenverzeic hnis sei in Rechtskraft erwachsen und entsprechend dem rechtskräftigen Lastenverzeichnis hab e die Verteilung zu erfolgen. Die Verteilungsliste sei daher entsprechend dem rechtskräftige n Lastenverzeichnis zu berichtigen und die Verteilung entsprechend dem rechtskräftigen La stenverzeichnis vorzunehmen. Es rechtfertige sich daher nicht, dass das Betreibungsamt die Forderungen der F.____ SA im Sin- ne von Art. 138 Abs. 2 Ziff. 3 SchKG berücksichtige. Dass das Steueramt der Stadt A.____ eine Kollokationsklag e hätte einreichen müssen, werde bestritten. Der Schuldner sei der Herausgabepflicht des unbelehnten Namenschuldbriefes nach Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 13 VZG unterlegen. Es sei keine rechtsgültige Ü bertragung des Namenschuldbriefes zu- gunsten der F.____ SA erfolgt. Erwägungen 1. Mit Ausnahme der Fälle, in denen das Gesetz den Weg d er gerichtlichen Klage vor- schreibt, kann gegen jede Verfügung eines Betreibungsa mtes bei der Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs wegen Gesetzesverletzung od er Unangemessenheit Beschwer- de geführt werden. Die Beschwerde muss innert zehn Tage n seit dem Tage, an welchem der Beschwerdeführer von der Verfügung Kenntnis erhalten hat, angebracht werden (Art. 17 Abs. 2 SchKG). Die sachliche Zuständigkeit der Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsge- richts zur Behandlung der Angelegenheit ergibt sich aus § 6 Abs. 1 lit. b des Einführungsgeset- zes zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (EG SchKG). Gemäss Art. 31 SchKG gelten für die Berechnung, die Einhaltung und d en Lauf der Fristen die Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO, SR 272), sof ern das SchKG nichts anderes bestimmt. Fristen, die durch eine Mitteilung oder den Eintritt eines Ereignisses ausgelöst wer- den, beginnen am folgenden Tag zu laufen (Art. 142 Abs. 1 ZPO). Fällt der letzte Tag einer Frist auf einen Samstag, einen Sonntag oder einen am Geri chtsort vom Bundesrecht oder vom kan- tonalen Recht anerkannten Feiertag, so endet sie am näch sten Werktag (Art. 142 Abs. 3 ZPO). Um die Frist einzuhalten, müssen Eingaben gemäss Art. 143 Abs. 1 ZPO spätestens am letzten Tag der Frist beim Gericht eingereicht oder zu dessen Ha nden der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden. Die im vorliegenden Fall zu beurteilende Mitteilung der V erteilungsliste datiert vom 15.04.2013 und wurde der Beschwerdeführerin am 16.04.2013 zugestellt. Die am 26.04.2013 der Schweizeri- schen Post übergebene Beschwerde wurde damit fristgerecht eingereicht (Art. 143 ZPO). Da auch die übrigen Beschwerdeformalien erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 157 SchKG werden in der Betreibung auf Pf andverwertung aus dem Pfanderlös vorweg die Kosten für die Verwaltung, die V erwertung und die Verteilung bezahlt (Abs. 1). Der Reinerlös wird den Pfandgläubigern bis zu r Höhe ihrer Forderungen einschliess- lich des Zinses bis zum Zeitpunkt der letzten Verwertung und der Betreibungskosten ausgerich- tet (Abs. 2). Können nicht sämtliche Pfandgläubiger b efriedigt werden, so setzt der Betrei- bungsbeamte unter Berücksichtigung von Art. 219 Abs. 2 und 3 SchKG die Rangordnung der Gläubiger und deren Anteile fest (Abs. 3). Die Art. 1 47, 148 und 150 SchKG finden entspre- chende Anwendung (Abs. 4). Gemäss Art. 112 Abs. 1 VZG ste llt das Betreibungsamt nach Ein- gang des vollständigen Erlöses der Versteigerung gestützt auf das Ergebnis des Lastenbereini- gungsverfahrens die Verteilungsliste auf. Eine nochmalig e gerichtliche Anfechtung der darin festgestellten Forderungen ist weder hinsichtlich des F orderungsbetrags noch des Ranges möglich. Gemäss Art. 112 Abs. 2 VZG ist die Verteilungsl iste gleichzeitig mit der Kostenrech- nung und der Abrechnung über die eingegangenen Ertr ägnisse während zehn Tagen zur Ein- sicht der Gläubiger aufzulegen. Die Rangordnung der G rundpfandgläubiger und deren Forde- rungsbeträge werden im Lastenbereinigungsverfahren f estgelegt. Für die Grundpfandgläubiger Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht besteht daher bereits im Lastenbereinigungsprozess die M öglichkeit, einen im Lastenverzeich- nis aufgeführten Anspruch nach Bestand, Umstand, Rang o der Fälligkeit zu bestreiten. Unter- bleibt eine Bestreitung, so gilt der Anspruch für di e betreffende Betreibung als anerkannt (BSK SchKG I-Bernheim/Känzig, Art. 157 N 50). Beschwerde ist gegen die Verteilungsliste zu führen, wenn diese nicht mit dem Kollokationsplan übereinstim mt. Derartige Unstimmigkeiten sind pri- mär bei Grundstückverwertungen denkbar, wo das vor der Ve rwertung angelegte Lastenver- zeichnis die Funktion des Kollokationsplanes als Grundlage für die später erfolgende Teilung übernimmt (BSK SchKG I-Schöniger, Art. 148 N 79). Im vorliegenden Fall hat das Betreibungsamt Arlesheim im Schreiben vom 20.08.2012 an den Schuldner und die Pfändungs- und Pfandgläubiger zwar angekündigt, neue Erkenntnisse erfor- derten eine Ergänzung und Neuauflage des Lastenverzeich nisses. Am 08.09.2012 konnte je- doch eine Erklärung von Frau D.____ zuhanden des Betre ibungsamtes erhältlich gemacht wer- den, dass der Namenschuldbrief über CHF 500'000.00 im 3 . Rang im alleinigen Eigentum von C.____ stehe und aus dem Depot bei der Bank E.____ AG entnommen und an das Betrei- bungsamt Arlesheim ausgehändigt werden könne. Damit bestätigte sich die Richtigkeit des Las- tenverzeichnisses vom 06.06.2012, wonach der Schuldner u nd Eigentümer des Grundpfandes selbst der Inhaber des Namenschuldbriefes über CHF 500'0 00.00 im 3. Rang war. Folglich er- übrigte sich die ursprünglich vom Betreibungsamt Arleshei m mit dem erwähnten Schreiben an- gekündigte Ergänzung und Neuauflage des Lastenverzeichn isses. Im Hinblick auf die am 14.03.2013, 11.00 Uhr, vorgesehene Grundstücksteigerun g der Parzelle Nr. 3905, GB B.____, wurde das Lastenverzeichnis mit dem identischen Inhalt wie dasjenige vom 06.06.2012 noch- mals aufgelegt (vom 18.-28.01.2013). Eine ordnungsgemä sse Publikation der Steigerungsbe- dingungen und des Lastenverzeichnisses erfolgte ebenfalls (vgl. SHAB vom 13.12.2012), wes- halb das Lastenverzeichnis nach unbenutztem Fristablauf in Rechtskraft erwuchs. Demgemäss war der Namenschuldbrief im 3. Rang über CHF 500'000 .00 unbelastet, weshalb unter diesem Titel kein Erlös an einen Pfandgläubiger gehen konnte . Die Verteilungsliste vom 15.04.2013 stimmt diesbezüglich aber nicht mit dem Lastenverzeichni s überein, wurde doch in der Vertei- lungsliste eine Forderung der F.____ SA als pfandgesichert im 3. Rang und mit einem Pfander- lös von 100% vermerkt. Diese fehlende Übereinstimmung ka nn entgegen der Ansicht der F.____ SA nicht als im Rahmen der Verteilungsliste erf olgte, konkludente Ergänzung des Las- tenverzeichnisses qualifiziert werden. Die Beschwerdefüh rerin war daher auch nicht gehalten, anstelle der Beschwerde eine Kollokationsklage zu erheben. Art. 138 Abs. 2 Ziff. 3 SchKG er- möglicht bloss, nicht oder verspätet angemeldete Pfandrechte, die aus dem Grundbuch ersicht- lich sind, in das Lastenverzeichnis aufzunehmen (BSK SchKG I-Stöckli/Duc, Art. 138 N 31). Wo ein Gläubiger behauptet, sein nicht angemeldeter Ansp ruch hätte von Amtes wegen aufge- nommen werden müssen, steht ihm nur die Beschwerde geg en das Lastenverzeichnis offen, wobei es bei einer Gutheissung der Beschwerde zu einer Neuauflage des Lastenverzeichnisses mit der Bestreitungsmöglichkeit durch andere Gläubiger kommt (D. Staehelin, in: Schuldbetrei- bung und Konkurs im Wandel, Festschrift 75 Jahre Konfer enz der Betreibungs- und Konkurs- beamten der Schweiz, S. 291). Indem das Betreibungsamt die erst nach Eintritt der Rechtskraft des Lastenverzeichnisses geltend gemachte, pfandgesicherte Forderung der F.____ SA ohne vorgängige Neuauflage des Lastenverzeichnisses in der Ver teilungsliste berücksichtigt hat, hat es den anderen Gläubigern die ihnen von Gesetzes wegen zustehende Bestreitungsmöglichkeit verwehrt. Die Rüge der Beschwerdeführerin, das Betrei bungsamt Arlesheim habe mit der Ver- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilungsliste vom 15.04.2013 gegen die anzuwendenden Be stimmungen verstossen und einen formellen Verfahrensfehler gemacht, erweist sich mithi n als begründet. Dies führt zur Gutheis- sung von Rechtsbegehren Ziff. 1 der Beschwerde. Die Ford erung im 3. Rang der F.____ SA im Betrag von CHF 135'600.00 ist aus der Verteilungsliste der Pfandgläubiger zu löschen und der Schuldbrief über CHF 500'000.00 im 3. Rang ist als unb elehnter Eigentümerpfandtitel in die Verteilungsliste aufzunehmen bzw. entsprechend als unbel ehnter Eigentümerpfandtitel anzu- merken. Sobald die dergestalt korrigierte Verteilungsli ste in Rechtskraft erwachsen ist, wird es Sache des Betreibungsamtes sein, die Verteilung anzuordnen, ohne dass es dazu einer Anord- nung der Aufsichtsbehörde bedarf. Das Rechtsbegehren Z iff. 2 der Beschwerde ist folglich ab- zuweisen. 3. Gemäss Art. 96 Abs. 1 SchKG darf der Schuldner bei S traffolge ohne Bewilligung des Betreibungsbeamten nicht über die gepfändeten Vermög ensstücke verfügen. Verfügungen des Schuldners sind gemäss Art. 96 Abs. 2 SchKG ungültig, sow eit dadurch die aus der Pfändung den Gläubigern erwachsenen Rechte verletzt werden, unt er Vorbehalt der Wirkungen des Be- sitzeserwerbes durch gutgläubige Dritte. Ein im Besitz des Grundeigentümers verbliebener (oder von ihm zurückerworbener) Grundpfandtitel stell t wirtschaftlich keine Grundpfandbelas- tung dar, solange darüber nicht (erstmals oder wiederu m) durch Begründung von Drittmanns- rechten verfügt wird. Ein Eigentümertitel kann freilich selbständig gepfändet werden, und seine Verwertung führt zu einer entsprechenden Belastung des Grundstücks. Eine solche Pfändung ist jedoch nicht zulässig, wenn das Grundstück selbst gepfänd et wird. In diesem Fall sind die in der Hand des Grundeigentümers gebliebenen Eigentümert itel vom Betreibungsamt in Verwah- rung zu nehmen und bei der Grundstücksverwertung wie ei ne leere Pfandstelle zu behandeln und im Grundbuch löschen zu lassen. Gleiches gilt auch in der Betreibung auf Grundpfandver- wertung. Ein Gläubiger braucht es sich nach vollzogene r Pfändung des Grundstücks nicht ge- fallen zu lassen, dass die bisher nur virtuell, eben mi t einem Eigentümertitel, besetzte Pfand- stelle nun durch nachträgliche Begebung, sei es Übertra gung zu Eigentum oder Faustpfand, zu einer ihm gegenüber wirksamen Grundstücksbelastung wird. Dass solche Verfügungen über einen beim Grundeigentümer gebliebenen Teilwert des Grundstücks nach dessen Pfändung unzulässig sind, versteht sich von selbst. Um ihnen wirksam vorzubeugen, ist der Eigentümerti- tel vom Betreibungsamt in Verwahrung zu nehmen (BGE 91 III 75 E. 4.b.aa). Nach Klärung der Rechtslage zwischen dem Schuldner und F rau D.____ gemäss deren Erklä- rung vom 08.09.2012 stand fest, dass der Namenschuldbrief im Alleineigentum des Schuldners stand. Das Verfügungsverbot resp. die Verpflichtung, d en Schuldbrief dem Betreibungsamt in Verwahrung zu geben, war dem Schuldner wie auch der F .____ SA bestens bekannt. Dies er- gibt sich einerseits aus der Korrespondenz zwischen dem Betr eibungsamt Arlesheim und dem Schuldner und andererseits aus dem am 12.09.2012 abgesch lossenen Maklervertrag zwischen dem Schuldner und der F.____ SA. Durch die am 12.09. 2012, nach der bereits eingeleiteten Verwertung des Grundpfandes erfolgte Begebung des Sch uldbriefes an die F.____ SA anstelle der Einreichung an das Betreibungsamt Arlesheim wurde n die Rechte der Pfändungsgläubiger insofern geschmälert, als dadurch versucht wurde, den R esterlös zugunsten der Pfändungs- gläubiger von CHF 451'860.84 um CHF 135'600.00 auf C HF 316'260.84 zu vermindern. Mass- geblich ist die im Zeitpunkt der vorgesehenen Steigeru ng (14.03.2013) aktuelle Forderungs- summe der Pfändungsgläubiger, welche CHF 587'740.00 b eträgt. Da sie nicht vollumfänglich Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gedeckt werden kann, wirkt sich die Verminderung des Rester löses nach Befriedigung der Pfandgläubiger für die Pfändungsgläubiger als schädig end aus. Damit erweist sich die Bege- bung des erwähnten Namenschuldbriefes vom Schuldner an die F.____ SA - vorbehältlich der Wirkungen des Besitzerwerbes durch gutgläubige Dritte - als ungültig. Der gute Glaube wird zwar gemäss Art. 3 Abs. 1 ZGB vermutet. Hingegen ist es der Beschwerdeführerin gelungen, das Gegenteil zu beweisen: Aufgrund von Ziff. 41 des Makl ervertrags vom 12.09.2012 ergibt sich eindeutig, dass die F.____ SA von der betreibungsam tlichen Verwertung der fraglichen Liegenschaft, vom Stadium des Verwertungsverfahrens und von der Verpflichtung des Schuld- ners, den Namenschuldbrief dem Betreibungsamt Arlesheim in Verwahrung zu geben, Kenntnis hatte. Sie konnte folglich nicht mehr gutgläubig sein. Da sich die Begebung des Schuldbriefs als Verstoss gegen Art. 96 Abs. 2 SchKG und damit als ungültig erweist, kann es nicht angehen, die gestützt dar auf von der F.____ SA nachträglich angemeldete, pfandgesicherte Forderung zum Anlass zu neh men, das Lastenverzeichnis mit dieser Forderung neu aufzulegen. Das Rechtsbegehren Z iff. 3 der Beschwerde ist deshalb gut- zuheissen. 4. Für das Beschwerdeverfahren werden gemäss Art. 20a Abs. 2 Ziff. 5 SchKG keine Kos- ten erhoben. Da die Beschwerdeführerin mit ihren Rech tsbegehren in überwiegendem Masse durchgedrungen ist, besteht kein Raum für die Zusprechu ng einer Parteientschädigung an die F.____ SA. Ohnehin darf gemäss Art. 62 Abs. 2 GebV Sch KG im Beschwerdeverfahren nach den Artikeln 17-19 des SchKG keine Parteientschädigung zugesprochen werden. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Rechtsbegehren Ziff. 1 und 3 der Beschwerde werden gutgeheis sen und das Betreibungsamt Arlesheim wird angewiesen, die Verteilungsli s- te der Pfandgläubiger vom 15.04.2013 dergestalt zu be richtigen, dass sie mit dem Lastenverzeichnis übereinstimmt: Die Forderung im 3. Rang der F.____ SA im Betrag von CHF 135'600.00 ist aus de r Verteilungsli s- te der Pfandgläubiger zu lö schen und der Schuldbrief über CHF 500'000.00 im 3. Rang ist als unbe lehnter Eigentümerpfandtitel in die Verteilungsliste aufzuneh men bzw. entsprechend als unbelehnter Eigentümerpfandtitel anzumerken. Es wird festgestellt, dass das Betreibungsamt Arlesheim die Forderu n- gen der F.____ SA nicht im Sinne von Art. 138 Abs. 2 Z iff. 3 SchKG zu berücksichtigen hat und dass das Lastenverzeichnis nicht neu aufzul e- gen ist. 2. Das Rechtsbegehren Ziff. 2 der Beschwerde wird abg ewiesen. 3. Es werden keine Kosten erhoben. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorsitzender Richter Dieter Freiburghaus Aktuar Hansruedi Zweifel