B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-286/2010/mel U r t e i l v o m 2 0 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Martin Zoller; Gerichtsschreiberin Sara Steiner. Parteien A._______, geboren (…), Irak, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Dezember 2009 / N (…). D-286/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess den Irak eigenen Angaben zufolge am 20. September 2007 und gelangte über Syrien, die Türkei und weitere ihm unbekannte Länder am 12. November 2007 in die Schweiz, wo er gleichentags ei n Asylgesuch stellte. Am 21. November 2007 wurde er summarisch befragt und am 28. Januar 2008 einlässlich angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen ge l- tend, er sei in Al Anbar geboren und 1982 mit seiner Familie nach Mosul gezogen. Dort sei er des Geldes wegen zirka fünf Monate lang einfaches Mitglied einer terroristischen Organisation (…) gewesen. Sie hätten ande- re Kontrollstellen kontrolliert und eigene Kontrollstellen eingerichtet. Da- bei habe er d rei Mal Gebäude beschossen, wobei keine Personen zu Schaden gekommen seien. Am 19. September 2007 habe er von seinem Bruder erfahren, dass er von der irakischen Armee bei sich zu Hause und im Quartier gesucht worden sei. Daraufhin sei er ausgereist. Nach seiner Ausreise sei nach eine m Bombenanschlag in der Stadt sein Bruder ve r- haftet wor den, damit er (der Beschwerdeführer) sich stelle. Nach 24 Stunden sei er aber wieder entlassen worden. Zur Stützung seiner Aussagen reichte er das Original einer irakischen Identitätskarte (ausgestellt am 4. Oktober 1987) ein, woraus hervorgeht, dass er in Dohuk registriert war. B. Am 7. Dezember 2007 war im Rahmen einer sogenannten sprachlich - länderkundlichen Lingua -Analyse zur Ermittlung der Herkunft des B e- schwerdeführers festgestellt worden, er besitze genügend Kenntnisse über Mosul. Er kenne viele Lebensbereiche des Irak und sein Arabisch entspreche dem irakischen Dialekt, aber eher dem Dialekt von Bagdad und anderen Städten im Zentralirak, als jenem von Mosul. Es sei verwun- derlich, dass ein junger Mann aus Mosul nicht den arabischen Dialekt von Mosul spreche, den er ohne Zweifel in der Schule oder bei der Arbeit g e- lernt hätte. Es sei daher sehr wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer nicht in Mosul aufgewachsen sei beziehungsweise nicht sein ganzes L e- ben lang dort gewohnt habe. Seine sprachlichen Fehler seien oft im Ar a- bisch von irakischen Kurden oder Turkmenen zu finden. Dies leite zur Annahme, dass die erste Sprache des Beschwerdeführers nicht das Ar a- bische sei. Aber seine Aussprache und sein Vokabular zeigten, dass er in einem arabischen Umfeld im Irak gelebt habe. D-286/2010 Seite 3 C. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2009 legte das BFM dem Beschwerd e- führer den wesentlichen Inhalt der Lingua -Analyse offen und teilte ihm mit, es gehe aufgrund dieser Analyse davon aus , dass er nicht seit se i- nem zweiten Lebensjahr bis zu seiner Ausreise in Mosul gelebt habe. Möglicherweise sei er gar nie in Mosul sondern im Zentralirak wohnhaft gewesen, etwa in seinem vorgeblichen Geburtsort Ramadi oder im Ra u- me Bagdad. Dies wiederum wü rde seine sich auf Mosul beziehenden Asylvorbringen als unglaubhaft erscheinen lassen. Ferner wies das BFM darauf hin, dass sich angesichts seiner einschlägigen Vorbringen ohnehin die Frage der Asylunwürdigkeit stelle. Deshalb werde ihm Gelegenheit gegeben, seine biographischen Daten entsprechend zu berichtigen . Gleichzeitig teilte das BFM ihm mit, es gehe davon aus, dass er über eine aktuelle irakische Identitätskarte verfüge und forderte ihn auf, diese ei n- zureichen. D. In seiner Stellungnahme vom 10. Dezember 2009 führte der Beschwerde- führer aus, er habe immer in Mosul gelebt und habe keinen neueren Ausweis, da er immer nur seinen alten Ausweis bei sich geführt habe. E. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2009 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vol l- zug an. F. Mit Eingabe vom 18. Januar 2010 erhob der Beschwerdeführer – han- delnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid Beschwer- de und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur erneuten Beurteilung, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylg e- währung sowie eventualilter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme zu- folge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvo llzugs. In formeller Hinsicht ersucht er um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezem- ber 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer unter ande- rem die Originale einer neueren Identitätskarte, eines Nationalitätenaus-D-286/2010 Seite 4 weises und eines internen Dokuments der irakischen Sicherheitskräfte, wonach ihm vorgeworfen werde, einen Terrorakt gemäss Art. 4 Nr. 1 des irakischen Terrorismusbekämpfungsgesetzes begangen zu haben, zu den Akten. G. Mit Verfügung vom 25. Januar 2010 hiess der damals zuständige Instru k- tionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltl ichen Rechtspflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. H. In seiner Vernehmlassung vom 29. Januar 2010 stellte das BFM fest, die eingereichten Dokumenten wiesen Fälschungsmerkmale auf, hielt an sei- nen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. I. In seiner Replik vom 15. Februar 2010 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung des BFM Stellung und reichte zur Stützung seiner Vo r- bringen die Kopie einer Schulbestätigung vom 14. Februar 2010 und e i- ner Karte für den Lebensmittelbezug vom 6. August 2009 zu den Akten. J. Am 2. März 2010 reichte der Beschwerdeführer die erwähnten und weite- re Beweismittel im Original zu den Akten (Schulbestätigung vom 14. Februar 2010, Karte für den Lebensmittelbezug vom 6. August 2009, Fotografien des Beschwerdeführers in Mosul). K. Vom Bundesverwaltungsgericht am 4. März 2010 zur erneuten Stellun g- nahme aufgefordert, fasste das BFM in seiner Eingabe vom 8. März 2010 die in der ersten Ve rnehmlassung erwähnte Dokumenten analyse z u- sammen. Gleichzeitig stellte es bei der neu eingereichten Schulbestäti- gung und der Lebensmittelkarte objektive Fäl schungsmerkmale fest und sprach den Fotografien jeglichen Beweiswert ab. Daher halte es weiterhin an seinen Erwägungen fest und beantrage die Abweisung der Beschwer- de. L. Mit Eingabe vom 24. März 2010 nahm der Beschwerdeführer zur Ve r- nehmlassung des BFM Stellung und reichte zur Stützung seiner Vorbri n- gen die Kopie der Nationalitätskarte und des Ausweises seines Vaters und seines Bruders sowie seines Führerausweises zu den Akten. D-286/2010 Seite 5 M. Am 5. Juli 2010 und 8. Oktober 2010 reichte das kantonale Amt beim Bundesverwaltungsgericht Akten bezüglich eines Strafverfahrens wegen Fälschung von Ausweisen ein, aus denen hervorgeht, dass es sich beim irakischen Führerausweis des Beschwerdeführers um eine Totalfälschung handle und dieser eingezogen werde. N. Der Beschwerdeführer wurde am 24. August 2012 wegen Schwarzarbeit der Widerhandlung gegen das Bundesgesetze vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) für schuldig befunden und zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgese tzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 D-286/2010 Seite 6 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. In der Hauptsache wird vorliegend eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz beantragt. Zur Begründung wird in der Beschwerde ausge- führt, i m Sinne der Ausführungen in der Beschwerde erwiesen sich der Sachverhalt, wie ihn die Vorinstanz ihrer Verfügung zugrunde lege, und insbesondere die Einschätzung der Glaubhaftmachung der Vorbringen als unrichtig und unhaltbar. Die Verfügung trage somit den – veränderten – tatsächlichen Verhältnissen, vor allem der veränderten Beweislage, nicht genügend Rechnung. Die Sache sei daher zurückzuweisen. Diese Begründung ist nicht stichhaltig, kann doch das BFM in seiner Verfügung nicht bereits die Beschwerdevorbr ingen und die neu eingereichten Be- weismittel würdigen. Entsprechende Stellungnahmen sind vielmehr erst auf Vernehmlassungsstufe möglich, wovon die Vorinstanz denn auch Gebrauch gemacht hat. Insgesamt erscheint der Sachverhalt genügend erstellt. Nach dem Ge sagten ist die Sache nicht an die Vorinstanz z u- rückzuweisen und der entsprechende Antrag abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt z u werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbring en, die in wesentl i-D-286/2010 Seite 7 chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM hielt zur Begründung seiner Verfü gung im Wesentlichen fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. Aus dem Lingua -Herkunftsgutachten ziehe es den Schluss, dass der B e- schwerdeführer nicht seit seinem zweiten Lebensjahr bis zu seiner Au s- reise in Mosul wohnhaft gewesen s ei. Bereits dadurch erwiesen sich die auf die Stadt Mosul bezogenen Asylvorbringen von vornherein als fra g- lich. Die Erkenntnisse aus dem Lingua-Gutachten wiesen vielmehr auf ei- ne ausgeprägtere kurdische Biografie des Beschwerdeführers hin. Dass der Beschwe rdeführer keine aktuelle ren Identitätsdokumente als seine Identitätskarte vom 4. Oktober 1987 besitze, erscheine für eine angeblich seit vielen Jahren im zentralirakisch kontrollierten Teil des Iraks wohnhaft gewesene Person als nicht nachvollziehbar. Es erscheine demnach kaum denkbar, dass er bis zu seiner Ausreise aus dem Irak im Jahre 2007 l e- diglich eine seit langer Zeit ungültige Kleinkinder -Identitätskarte aus dem Jahre 1987 verwendet haben solle . Dies gelte sowohl für den heutigen seit dem 2003 vom Sa ddam-Regime befreiten Zentralirak (einschliesslich Mosul) als auch für den kurdisch kontrollierten Teil des Nordiraks. Daraus ziehe das BFM den Schluss, dass der Beschwerdeführer in Wirklichkeit im Besitze neuerer irakischer Identitätspapiere sei, die er d em BFM o f- fenbar bewusst vorenthalte. Demnach sei zu vermuten, dass der B e- schwerdeführer über neuere, ebenfalls (wie seine Kleinkinder -Identitäts- karte) einen Bezug zum kurdisch kontrollierten Nordirak aufweisende Ausweispapiere verfüge, die er dem BFM gezielt vorenthalte, um seine Beziehung zum kurdisch kontrollierten Nordirak zu verbergen. Die keine neuen Gesichtspunkte beinhaltende Stellungnahme des Beschwerdefü h- rers vermöge an den genannten Schlussfolgerungen nichts zu ändern. Folglich erwiesen sich die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Biographie und zu seinen Ausweisschriften in der geltend gemachten Form als insgesamt unglaubhaft. Dies führe zur Schlussfolgerung, dass der Beschwerdeführer, dessen Mutter seinen eigenen Angaben zufolge Kurdin ist, in Wirklichkeit zumindest über enge familiäre Kontakte im ku r- disch kontrollierten Nordirak verfüge oder dass er sogar dort wohnhaft gewesen sei. Bei näherem Hinsehen erwiesen sich ferner auch die gesamten Vorbri n- gen in Bezug auf die angeblichen Aktivit äten des Beschwerdeführers für D-286/2010 Seite 8 eine nationalistische Stadtguerilla-Gruppierung in Mosul ohnehin auch für sich allein genommen als unglaubhaft. Die diesbezüglichen Vorbringen erschienen in weiten Teilen als unsubstanziiert und stereotyp sowie als realitätsfremd. Zu erwähnen seien beispielsweise die unklaren und u n- substanziierten Angaben über den Zeitpunkt und über die Umstände se i- nes Anschlusses an diese Gruppierung sowie über dessen Strukturen. Auffallend sei auch, dass der Beschwerdeführer betont habe, nie auf Menschen geschossen zu haben und auch, dass er sich an die B e- schiessungszeitpunkte nicht mehr zu erinnern vermöge. Wenn der B e- schwerdeführer zudem tatsächlich für diese Gruppierung tätig gewesen sei, wäre davon auszugehen, dass er durch diese gezielt entweder inner- halb des Iraks oder im nahen Ausland, namentlich in Syrien, "platziert" worden wäre und sich nicht auf eigene Faust nach Europa abgesetzt hä t- te. Schliesslich seien auch die Angaben über die unmittelbaren Ausreis e- umstände (Ausreise einen Tag n ach der angeblichen Suche, im Besitze seines gesamten Bargeldes, das er in Mosul immer auf sich getragen h a- be) und über den Reiseweg bis in die Türkei als unglaubhaft zu qualifizie- ren. 5.2 In der Beschwerde wurde dem entgegengehalten, die Schlussfolge- rungen des Linguagutachtens entsprächen, bis auf die Feststellung, dass der Beschwerdeführer nicht seit seinem zweiten Lebensjahr in Mosul g e- lebt habe, den Tatsachen. Die festgestellten kurdischen Spracheinflüsse hingen damit zusammen, dass er eine kurdische Mutter habe und ein wenig Kurdisch spreche. So sei es vorstellbar, dass er in der frühen Kind- heit zu Hause vor allem Kurdisch gesprochen habe. Die festgestellte S o- zialisierung im arabischsprachigen Teil des Irak entspreche auch seiner Aussage. Zu den Schlussfolg erungen des BFM sei anzumerken, dass aus dem Linguagutachten keine Anhaltspunkte hervorgingen für die B e- hauptung, er habe möglicherweise nie in Mosul gelebt. Dies widerspreche sogar explizit den Erkenntnissen des Gutachters, wonach er über genü- gend Ken ntnisse der Stadt Mosul verfüge und auch seine Aussprache Einflüsse des in Mosul gesprochenen Dialekts aufweise . Die Aussage, dass er nicht in Mosul aufgewachsen sei – was bestritten werde – sei keinesfalls gleichbedeutend mit der Aussage, er habe überhaupt ni e dort gewohnt. Einzig letzteres würde nämlich die Folgerung bezüglich der Glaubwürdigkeit der geltend gemachten Aktivitäten für die (…) in Mosul erlauben, wie sie die Vorinstanz in casu vornehme. Ferner sei die B e- weiswürdigung des Lingua -Gutachtens äusser st einseitig zu seinem Nachteil ausgefallen. Dies erscheine problematisch, da dem Beschwerde- führer das Gutachten nicht offengelegt worden sei und er nicht auf die D-286/2010 Seite 9 gleichen Mittel zurückgreifen könne, um die Darstellung der Vorinstanz zu entkräften. Bei Verwendung von Beweismitteln, die aus Geheimhalteint e- ressen nicht offengelegt würden, sei äusserste Zurückhaltung geboten, damit das Gebot der Waffengleichheit und des Anspruchs auf rechtliches Gehör nicht verletzt werde. Zudem könne eine solches Gutachten ni cht beanspruchen, die einzige verlässliche Quelle zu sein. Im Weiteren könne er nunmehr seine Identitätskarte, ausgestellt durch den Bezirk Al Musel, und seinen Nationalitätenausweis im Original mit Übersetzung zu den Ak- ten reichen. Die Dokumente hätten sich bis anhin im Besitz seiner Familie in Mosul befunden und hätten nicht früher eingereicht werden können. Er habe sich vor einer Ausschaffung gefürchtet und deshalb die Identität s- papiere vorenthalten. Sein Vertrauen in die Schweizer Behörden sei i n- zwischen gewachsen und er habe sich getraut, die Papiere zu bescha f- fen. Da er im erstinstanzlichen Verfahren aber seine alte Identitätskarte eingereicht habe, habe er nie versucht, seine Herkunft oder seine Ident i- tät zu verheimlichen sondern lediglich, eine befür chtete Ausschaffung zu vereiteln. Zu den beschränkten Kenntnissen des Beschwerdeführers über die (…) wird in der Beschwerde festgehalten, dass sich s ein Kontakt auf die a n- deren vier Mitglieder seiner Gruppe beschränkt habe. D ie zuständige Person für die Gruppe habe auch die Aufträge übermittelt. Es handle sich dabei wohl um eine typische Zellenstruktur, in der die Mitglieder jeweils nur die anderen Zellenmitglieder gekannt und lediglich ein Chef der Zelle Anweisungen bekommen habe. Dabei sei es gerade der S inn einer Ze l- len-Struktur, dass er über die Struktur der Gruppierung kaum etwas wis- se. Er sei einzig wegen des Geldes beigetreten und habe sich nicht näher für die Ziele interessiert. Anlässlich der drei Einsätze, an denen Waffen abgefeuert worden seien, h abe er, wie er im vorinstanzlichen Verfahren betont habe, seine Waffe lediglich auf Gebäude gerichtet. Er habe nicht als kaltblütiger Söldner oder noch schlimmer als islamischer Terrorist d a- stehen wollen und deshalb betont, nie auf Menschen geschossen zu h a- ben. Inwiefern dies gegen seine Glaubhaftigkeit spreche, sei unklar. Vie l- mehr seien diese Gewissensbisse als Realkennzeichen zu werten. Die Zweifel an der geltend gemachten Verfolgung durch das Militär könnten jedoch durch das neu eingereichte Dokument der Sicherheitskräfte ze r- streut werden, wonach am 19. September 2007 durch das Obergericht in (…) ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt und an die Polizeiposten im Quartier (…) geschickt worden sei. Ihm werde gemäss diesem Dokument vorgeworfen, einen Terrorakt gemäss Art. 4 Nr. 1 des irakischen Terrori s- musbekämpfungsgesetzes begangen zu haben. Er habe dieses interne D-286/2010 Seite 10 Dokument mittels Beziehungen und Bestechung durch den Bruder erha l- ten. Somit sei bewiesen, dass er für seine Tätigkeiten für die (…) von den irakischen Behörden gesucht werde. Zu seiner selbstständigen Ausreise sei festzuhalten, dass die Gruppi e- rung gar nicht darüber informiert gew esen sei, dass er gesucht werde. Das Bargeld habe er auf sich getragen, weil seine Familie nichts von se i- ner Söldnerarbeit gewusst habe, sodass er es nicht zu Hause habe au f- bewahren können. Auch bei einer Bank wären angesichts der hohen B e- träge Fragen laut geworden. Inwiefern der Reiseweg bis in die Türkei u n- glaubhaft sei, könne den Erwägungen des BFM nicht entnommen we r- den. Die Vorinstanz verletze damit den Grundsatz auf rechtliches Gehör. 5.3 In seiner Vernehmlassung vom 29. Januar 2010 hielt das BFM fest, der Beschwerdeführer habe im erstinstanzlichen Verfahren mehrmals b e- tont, abgesehen von seiner im Jahre 1987 ausgestellten Kinder -Identi- tätskarte nie einen anderen Identitätsausweis besessen oder auch nur beantragt zu haben. Auf Beschwerdeebene reiche er n unmehr im Jahr 2005 ausgestellte Identitätsdokumente ein. Die diesbezügliche Begrü n- dung in der Beschwerde, wonach diese Dokumente plötzlich aufgetaucht seien, sodass er sie nicht früher habe einreichen können, vermöge in die- sem Lichte offenkundig nicht zu überzeugen. Nichtsdestoweniger habe das BFM diese beiden Ausweisschriften einer internen Dokumentenan a- lyse unterzogen. Dabei habe sich ergeben, dass sie eine Reihe von o b- jektiven Fälschungsmerkmalen aufwiesen, auf dessen Auflistung an di e- ser Stelle verzichtet werde. Angesichts dieses Befundes entfalteten diese Ausweise keine Beweiskraft. Angesichts dessen vermöge auch das eben- falls eingereichte, als Haftbefehl betitelte Schreiben keine Überzeugungs- kraft zu entfalten. Dabei handle es sich um das Original eines im Wesent- lichen handschriftlichen und amtsinternen Schreibens. Dieses sei durch ein (…) in Mosul ausgestellt und durch einen Richter unterschrieben wo r- den, adressiert an einen Polizeiposten. Darin werde auf einen am 19. September 2007 ergangenen Haftbef ehl gegen den Beschwerdefü h- rer Bezug genommen. Es erscheine wenig wahrscheinlich, dass ein G e- richt in Mosul ein derartiges Dienstschreiben in rein handschriftlicher Form verfassen würde. Die angeblichen Umstände des Erhaltes des Or i- ginals dieses Schreibens erschienen ebenfalls überaus fraglich. 5.4 In seiner Stellungnahme vom 15. Februar 2010 hielt der Beschwerde- führer dem entgegen, er habe die Identitätsdokumente – wie ausgeführt – aus einem verständlichen Misstrauen gegenüber den Behörden bis anhin D-286/2010 Seite 11 nicht eing ereicht. In Anbetracht seiner Erfahrungen mit den irakischen Behörden könne dieses zurückhaltende Vorgehen wohl kaum als nicht überzeugend eingestuft werden. Er halte an der Echtheit der Dokumente fest. Da das BFM es unterlasse die Fälschungsmerkmale aufzu listen und die Einsicht in die Dokumentenanalyse verweigert werde, könne hier nicht wirksam Stellung genommen werden, was eine Verletzung des rechtl i- chen Gehörs darstelle. Die Unterlagen seien deshalb durch eine una b- hängige Stelle zu prüfen oder offenzuleg en. Das amtsinterne Dokument bezüglich des Haftbefehls gegen ihn habe dank Beziehungen und Best e- chung beschafft werden können. Angesichts der hohen Korruptionsrate im Irak, das Land liege im Jahresbericht von Transparency International auf Rang 176 von 180 , und der Beziehungen des Bruders könne dies nicht als unmöglich abgetan werden. Auch die Handschriftlichkeit spreche nicht gegen die Authentizität des Dokumentes, handle es sich doch um ein internes Dokument, welches nicht zur Aushändigung bestimmt gew e- sen sei. Relevant sei hingegen, dass dem Originaldokument keine obje k- tiven Fälschungsmerkmale entnommen werden könnten und die Angaben (Gericht, Adressat, Inhalt, Verweis auf Haftbefehl) mit seinen Aussagen übereinstimmten. Bei dieser Gelegenheit könnten zud em weitere Unte r- lagen (Schulbestätigung vom 14. Februar 2010 und Karte für den L e- bensmittelbezug vom 6. August 2009 in Kopie) zu den Akten gereicht werden, mit deren Hilfe letzte Zweifel an seiner Herkunft und Identität ausgeräumt werden könnten. Mit ergänzender Eingabe vom 2. März 2010 reichte der Beschwerdefü h- rer das Original der Schulbestätigung vom 14. Februar 2010 und der Kar- te für den Lebensmittelbezug vom 6. August 2009 sowie Fotografien von sich in Mosul zu den Akten. 5.5 In seiner zweiten Vernehmlassung listete das BFM die folgenden Fäl- schungsmerkmale auf: (…) Zu den Fotografien des Beschwerdeführers in Mosul sei festzuhalten, dass dies e lediglich allenfalls einen besuchswe i- sen Aufenthalt in Mosul zu belegen vermöchten, nicht jedoch einen unun- terbrochenen Wohnsitz seit 1982. 5.6 In seiner Stellungnahme vom 24. März 2010 hielt der Beschwerdefüh- rer dem entgegen, die Verwendung des Buchstabens "M" auf der eing e- reichten Identitätskarte sei völlig korrekt und decke sich mit seinen Au s- sagen. Es sei im Vorfeld schon geltend gemacht worden, dass es sich um eine Ersatzkarte nach Ausweisverlust handle . Weiter sei auf der Farbk o- pie des Nationalitätenausweises der blaue Aufdruck des Nassstempels D-286/2010 Seite 12 auf der Fotografie erkennbar. Die Schulbestätigung sei durch seine Fami- lie im Irak beantragt worden, was das aktuelle Foto erkläre. Die Echtheit sei von drei Zeugen bekräftigt worden. Bezüglich des als Lebensmitte l- karte bezeichneten Dokumentes müsse korrigiert werden, dass es sich dabei um einen Wohnsitznachweis handle, der i m Zuge statistischer E r- hebungen ausges tellt worden sei. Dies sei in seiner Abwesenheit g e- schehen. Auf diesen Bestätigungen würden alle männlichen Familienmi t- glieder als Familienoberhäupter bezeichnet . Da es sich um ein relativ neues Dokument handle, erkläre sich das Fehlen von Patina. Sollten trotz der vielen Dokumente noch Zweifel an der Identität des Beschwerdefü h- rers bestehen, werde eine Abklärung über die irakische Botschaft bea n- tragt. Er habe seine Mitwirkungspflicht hiermit erfüllt. Als neue Beweismit- tel, die ebenfalls geeignet seien seine Identität zu belegen, reiche er schliesslich die Kopie der Nationalitätskarte und des Ausweises seines Vaters und seines Bruders sowie seines Führerausweises zu den Akten. Eine Übersetzung werde nachgereicht. 6. 6.1 Mit d em BFM kann festgehalten werden, dass eine Herkunft bezie- hungsweise ein lebenslanger Wohnsitz des Beschwerdeführers in Mosul nicht glaubhaft erscheint. 6.1.1 Bereits an der Erstbefragung fiel auf, dass der Beschwerdeführer die Vorwahl von Mosul nicht kennt und dass er gemäss seiner Identität s- karte im Jahre 1987 in Dohuk registriert war, obwohl er da bereits seit fünf Jahren in Mosul gelebt haben will. Zudem sprach er gemäss dem Do l- metscher Arabisch mit einem starken Akzent . Aufgrund dessen liess das BFM ein Lingua-Gutachten erstellen, aus welchem hervorgeht , es sei sehr wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer nicht in Mosul aufg e- wachsen sei beziehungsweise nicht sein ganzes Leben lang dort g e- wohnt habe. Seine sprachlichen Fehler seien oft im Arabisch von irak i- schen Kurden oder Turkmenen zu finden. Dies leite zur Annahme, dass die erste Sprache des Beschwerdeführers nicht das Arabische sei. Aber seine Aussprache und sein Vokabular zeigten, dass er in einem arab i- schen Umfeld im Irak gelebt habe. Der Einwand in der Beschwerde, wo- nach er gemäss dem Gutachten den Dialekt von Mosul spreche, muss entgegengehalten werden, dass er gerade mal ein Wort (nämlich ja) im Dialekt von Mosul ausspricht. In der Stellungnahme vom 10. Dezember 2009 anlässlich der Gewährung des recht lichen Gehörs zum Lingua - Gutachten konnte der Beschwerdeführer den Argumenten des BFM D-286/2010 Seite 13 nichts stichhaltiges entgegen halten und betonte lediglich, er stamme ta t- sächlich aus Mosul und habe keine neueren Ausweise. 6.1.2 Gestützt werden die Erkenntnisse des Lingua-Gutachtens durch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer im erstinstanzlichen Verfahren l e- diglich eine Kinderidentitätskarte aus dem Jahre 1987 einreichte. Trotz verschiedener Aufforderungen durch das BFM reichte er keine aktuelleren Identitätsdokumente ein , versicherte vielmehr mehrfach, keine jüngeren Identitätsdokumente zu besitzen . Auf Beschwerdeebene reicht er nun aber aktuelle Dokumente zu den Akten , was bereits gewichtige Zweifel weckt. Die Begründung, wonach er bis anhin kein Vertrauen in die Schweizer Behörden gehabt und sich vor einem Wegweisungsvollzug ge- fürchtet habe, vermag nicht zu überzeugen, zumal ein solcher auch mit Hilfe von älteren Identitätspapieren möglich ist. Gemäss interne r Doku- mentenanalyse des BFM weisen die Identitätskarte und der Nationalitä- tenausweis denn auch zahlreiche Fälschungsmerkmale auf . Diese au s- führliche Analyse des BFM is t nicht zu beanstanden und wird insoweit bestätigt, als auch eine andere Behörde im Falle des Führerausweises eine Fälschung feststellte. Zudem fällt auf, dass bei der Identitätskarte die Ränder schräg geschnitten sind, was bei einem offiziellen Dokument wohl nicht der Fall wäre und bei der Kleinkinderidentitätskarte des Beschwe r- deführers denn auch nicht so ist. In der Stellungnahme vom 24. März 2010 hält der Beschwerdeführer zu den Fälschungsvorwürfen fest, er ha- be selber gesagt, dass es sich um eine Ersatzkarte handle, insofern sei der Buchstabe "M" kein Fälschungsmerkmal und der blaue Nassstempel sei auf der Foto ersichtlich . Bezeichnenderweise nimmt der Beschwerde- führer, zu den zahlreichen weiteren Fälschungsmerkmalen jedoch keine Stellung. 6.1.3 Auch bei den am 15. Februar 2010 eingereichten Dokumenten (Le- bensmittelkarte und Schulbestätigung) konnte das BFM objektive Fäl- schungsmerkmale feststellen, auf we lche hier zur Vermeidung von Wi e- derholungen verwiesen werden kann. Zudem fällt hier insbesondere auf, dass die Fotografie des Beschwerdeführers auf diesen Dokumenten, wel- che aus dem Jahre 2009 und 2010 stammen sollen, aktuellen Datums ist und sowohl auf der Lebensmittelkarte als auch auf der Schulbestätigung dieselbe Fotografie angebracht ist. Weitere Zweifel kommen durch die Tatsache auf, dass die Lebensmittelkarte nachträglich an die Fä l- schungsmerkmale des BFM angepasst und in eine n Wohnsitznachweis, der im Zuge statistischer Erhebungen erstellt worden sei, umgewandelt wurde. Wieso dabei – wie vom Beschwerdeführer behauptet – alle Män-D-286/2010 Seite 14 ner als Familienoberhäupter bezeichnet worden sein sollten, ist nicht nachvollziehbar. Auch ist rätselhaft, weshalb de m Beschwerdeführer im Jahre 2009 eine Wohnsitzbestätigung in Mosul ausgestellt werden sollte, zumal er sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren in der Schweiz au f- hielt. 6.1.4 Schliesslich kann zu den zuletzt eingereichten Dokumenten seines Vaters und seines Brud ers festgehalten werden, dass diese lediglich in leicht zu manipulierender Form von Kopien vorliegen und die in Aussicht gestellten Übersetzungen seit zwei Jahren nicht nachgeliefert wurden. Nachdem auch der gleichzeitig eingereichte Führerausweis des B e- schwerdeführers von einer kantonalen Behörde als Fälschung erkannt worden ist und der Beschwerdeführer zuvor schon eine Reihe gefälschter Dokumente eingereicht hat, steht auch bei den Dokumenten des Vaters und des Bruders die Authentizität nicht fest. 6.1.5 Nach dem Gesagten kann im Gegensatz zur Annahme in der B e- schwerde, wonach bei einer so erdrückenden Beweismenge die Herkunft aus Mosul als belegt gelten müsse, vielmehr festgehalten werden, dass ein lebenslanger Aufenthalt in Mosul vorliegend ausgeschlossen werden kann. Aufgrund der gesamten Sachumstände ist in diesem Zusamme n- hang vorgelegten Beweismitteln nicht nur jegliche Beweiskraft abzuspr e- chen, sondern diese sind als Fälschungen zu erkennen und als solche einzuziehen (Art. 10 Abs. 4 AsylG). 6.2 Vor dem Hinterg rund der Erkenntnis, dass der Beschwerdeführer nicht aus Mosul stammt, müssen auch seine diesbezüglichen Asylvo r- bringen als nicht glaubhaft bewertet werden. Zudem sind die Vorbringen – wie vom BFM zwar mit knapper Begründung aber doch richtig erkannt – schon für sich alleine genommen unglaubhaft. 6.2.1 Vorab fällt auf, dass der Beschwerdeführer gerade einmal fünf M o- nate Mitglied der genannten Gruppierung gewesen sein will. Insbesonde- re ist aber das Antwortverhalten des Beschwerdeführers als durchwegs unsubstanziiert zu bezeichnen. Seine Ausführungen in freier Rede b e- schränken sich jeweils auf wenige Sätze. Er gab stets sehr kurze und al l- gemeine Antworten und der Befrager musste immer wieder nachhaken . Teilweise ging der Beschwerdeführer gar nicht auf die Fragen ein (A1 S. 5, A19 S. 4). So konnte er denn auch zur Gruppierung, bei der er ange b- lich mitgemacht habe, keinerlei Angaben machen, ausser dass sie hätten demonstrieren wollen, dass es eine Widerstandsbewegung gibt. Auch D-286/2010 Seite 15 wenn die Gruppierung in einer Zellenst ruktur aufgebaut ist, heisst dies noch nicht, dass die Mitglieder nichts über deren Inhalte und Ziele wi s- sen. Bezeichnenderweise konnte der Beschwerdeführer denn im Weit e- ren auch zu den ei nzelnen Einsätzen keine genauen Angaben machen und es fehlen jeglich e Realkennzeichen. So führte er beispielsweise auf die Frage nach seinem letzten Einsatz sehr allgemein aus "Ich stand an einer Kontrollstelle." oder über einen Einsatz bei den Palästen "Wir sind einmal dorthin gegangen. Wir haben auf die Paläste geschosse n." (A19 S. 6). Auch konnte er nicht angeben, wann er an den Kontrollstellen g e- standen hat und auf die Frage, was er bei diesen Kontrollstellen gemacht habe, gab er an, er habe nichts gemacht (A1 S.6). Obwohl er darauf auf- merksam gemacht wurde, er könne of fen erzählen, wurden seine Auss a- gen nicht konkreter (A19 S.7). Das Vorbringen, wonach sie im Wald fün f- minütige Kontrollposten gemacht hätten, um Präsenz zu markieren gleichzeitig aber nicht erwischt zu werden, scheint eher sinnlos , kommt doch im Wald in fü nf Minuten praktisch niemand vorbei, der dann von dieser Präsenz hätte Notiz nehmen können. 6.2.2 Weiter fällt auf, dass der Beschwerdeführer nicht beschreiben kann, wie der Bruder von der Suche nach ihm erfahren ha be (A19 S. 9 f.). In diesem Zusammenhang wäre auch zu erwarten, dass sich der B e- schwerdeführer vor der überstürzten Ausreise zunächst mit den anderen Mitgliedern der Gruppe beraten hätte , beziehungsweise den Leiter seiner Zelle um Rat gefragt oder zumindest um finanzielle Unterstützung geb e- ten hätte. Zum eingereichten Dokument, welches auf einen Haftbefehl gegen den Beschwerdeführer hinweist, kann auf die Erwägungen des BFM verwiesen werden, wonach nicht überzeugt, dass eine solche Info r- mation zwischen einem Gericht und einer Polizeistelle auf einem N otiz- zettel und nicht einem offiziellen Dokument festgehalten wird. Daran ä n- dert auch der Hinweis in der Stellungnahme vom 15. Februar 2010 nichts, dass es sich lediglich um ein internes Dokument handle. Auch die U m- stände und der Zeitpunkt der Beschaffung dieses rein internen Dokumen- tes (kurz nach Abweisung seines Asylgesuches) werfen weitere Zweifel auf. Zudem war von einem Haftbefehl während des vorinstanzlichen Ve r- fahren von Seiten des Beschwerdeführers nie die Rede, sagte er doch lediglich, die Polizei h abe im Quartier und bei sich zu Hause nach ihm gesucht. Nach dem Gesagten und angesichts der weiteren zahlreichen gefälschten Dokumente, die der Beschwerdeführer einreichte, muss denn auch bei diesem Dokument von einer Fälschung ausgegangen werden . Daher ist ihm jegliche Beweiskraft abzusprechen und es ist einzuziehen (Art. 10 Abs. 4 AsylG). D-286/2010 Seite 16 6.2.3 Bestätigt werden die Zweifel an den Aussagen des Beschwerdefüh- rers schliesslich durch die unglaubhaften Angaben zur Ausreise. So scheint es tatsächlich sehr merkwürdig, dass der Beschwerdeführer sein ganzes Geld, das er dann auch für die Bezahlung der Ausreise benutzt habe, immer auf sich trug. D ies insbesondere angesichts der desolaten Sicherheitslage in Mosul. Sein Einwand, er habe das Geld versteckt, ver - mag nicht zu überzeugen, zumal er auf Rückfrage des Befragers hin a n- gab, er habe es in seinen Hosentaschen versteckt, was nicht wirklich als Versteck gelten kann. De m Einwand in der Beschwerde, das Geld zu Hause zu lassen, wäre zu riskant gewesen, weil seine Familie n ichts von seiner Tätigkeit wusste, kann entgegengehalten werden, dass dies immer noch weniger riskant gewesen wäre, als das Geld immer mit sich herum- zutragen. 6.2.4 Schliesslich fällt bezüglich den Ausführungen über die angebliche Verhaftung seines Bruders, auf, dass der Beschwerdeführer zu Beginn der Befragung aussagte, sein Bruder werde erst wieder entlassen, wenn er sich stelle (A19 S. 4). Später in der Befragung gab er aber an, dass der Bruder nach 24 Stunden bereits wieder entlassen worden sei (A19 S. 17). 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. Das BFM hat demnach sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). D-286/2010 Seite 17 8.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis d es Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls w e- nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E.10.2 WALTER STÖCKLI, Asyl , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände r- recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.3 Zwar ist die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 - 4 AuG) grundsätzlich von Am- tes wegen zu prüfen. Die Untersuchungspflicht findet jedoch nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der beschwerdefü h- renden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Das BFM folgerte aus der Ling ua-Analyse, der Beschwer- deführer verfüge im Nordirak in Wirklichkeit zumindest über enge famili ä- re Kontakte oder sei dort sogar wohnhaft gewesen. Dies scheint durc h- aus denkbar, zumal die Mutter des Beschwerdeführers Kurdin ist und aus dem Norden stamme. Diesbezüglich fällt ohnehin auf, dass der B e- schwerdeführer weder Verwandte der Mutter kennen will, noch deren Herkunftsort, was nicht zu überzeugen vermag. Jedenfalls kann es aber nicht Sache der Asylbehörden sein, na ch allfälligen Wegweisungs voll- zugshindernissen in hypothetischen Herkunftsregionen zu forschen. Denn wie oben festgestellt , hat der Beschwerdeführer , zumindest was seine Herkunft aus Mosul betrifft, gelogen und in diesem Zusammenhang auch diverse gefälscht e Dokumente eingereicht . S omit hat er seine Mitwi r- kungspflicht in krasser Weise verletzt. Der Beschwerdeführer hat die Fo l- gen seiner mangelhaften Mitwirkung respektive Verheimlichung seiner wahren Identität und Herkunft zu tragen, indem vermutungsweise dav on auszugehen ist, es würden einer Wegweisung in seinen tatsächlichen Herkunfts- oder Heimatstaat keine landes - oder völkerrechtlichen Vol l- zugshindernisse im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 - 4 AuG entgegen stehen (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2. S. 4 f.). 8.4 Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu be s- tätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und D-286/2010 Seite 18 vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG ; Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem je- doch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mit Verfügung vom 25. Januar 2010 gutgeheissen wurde, werden keine Verfahrenskosten auferlegt. (Dispositiv nächste Seite) D-286/2010 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die auf Beschwerdeebene vorgelegten Beweismittel werden eingezogen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner Versand: