<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 1/2] </div> <div class="para">5C.31/2002/bie </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II. Z I V I L A B T E I L U N G ******************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">15. Mai 2002 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Bianchi, Präsident der </div> <div class="para">II. Zivilabteilung, Bundesrichter Raselli, Bundesrichterin </div> <div class="para">Escher und Gerichtsschreiber Möckli. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. Clovis Défago, Schmiedberg-Revier, 9631 Ulisbach, </div> <div class="para">2. CD-Holding AG, Postfach 440, 9630 Wattwil, </div> <div class="para">3. SenioRigi AG, Gersauerstrasse 21, 6440 Brunnen, Kläger und Berufungskläger, alle vertreten durch Rechtsanwalt Stephan Frischknecht, Webergasse 21, Postfach 641, 9001 St. Gallen, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. Curti-Medien AG, Edenstrasse 20, 8021 Zürich, </div> <div class="para">2. Hans Caprez, c/o Redaktion "Beobachter", </div> <div class="para">Edenstrasse 20, 8021 Zürich, </div> <div class="para">3. Fredi Lüthin, c/o Redaktion "Beobachter", </div> <div class="para">Edenstrasse 20, 8021 Zürich, Beklagte und Berufungsbeklagte, alle vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christoph Born, Bahnhofstrasse 106, Postfach 7689, 8023 Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para">Persönlichkeitsverletzung, hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.- Der "Beobachter" veröffentlichte auf der Frontseite seiner Nummer vom 21. Februar 1992 die Schlagzeile "HEIMAFFÄRE: </div> <div class="para">Die Not der Alten". Im Editorial mit der Überschrift "Anstössig" wird auf die Titelgeschichte (Verfasser Hans Caprez und Fredi Lüthin) hingewiesen und unter anderem erläutert, es gehe um jene alten Menschen, "die in fragwürdig geführten Altersheimen vor sich hin kümmern müssen". Im Inhaltsverzeichnis figurierte die Titelgeschichte "Die Not der Alten" mit der Zusammenfassung: "Dramatische Ereignisse rund um die Einweisung einer todkranken Frau, Personal ohne Fachausbildung, ungeeignetes Essen - Vorwürfe an die Adresse des Alters- und Pflegeheims 'SenioRigi' in Brunnen SZ. Mit dem 'zweiten Zuhause' ist es nicht weit her. Auch aus den Reihen des Personals kommt massive Kritik. Der Fall zeigt einmal mehr, wie akut hierzulande der Pflegenotstand ist. " Der Artikel mit dem Titel "Pflegenotstand in der Schweiz 'Die Würde der alten Leute wird verletzt?'", wirft dem Pflegeheim "SenioRigi" anhand von Beispielen im Wesentlichen vor, die Heimbewohner in medizinischer und menschlicher Hinsicht mangelhaft zu betreuen, und macht dafür einen ausserordentlichen Personalwechsel, zu wenig und unqualifiziertes Personal und damit verbunden ein schlechtes Arbeitsklima verantwortlich. </div> <div class="para">Des Weiteren wird ein ungenügendes Preis-Leistungs-Verhältnis, veranschaulicht an der Sparsamkeit bei der Verpflegung der Heimbewohner, und unzureichende Kontrolle der Behörden, unterlaufen durch Fehlinformationen der Heimleitung über den Personalbestand, moniert. In den Artikel sind drei Fotografien eingepasst, die "Exangestellte des 'SenioRigi'", die "Behandlung von Betagten" und das "Altersheim 'Zur Heuwaage' in Basel" zeigen, wobei in den Bildlegenden einzelne Behauptungen aus dem Text wiederholt sind. Der Artikel schliesst mit einem Abschnitt unter der Überschrift "Der steile Aufstieg des Clovis Défago". Darin wird zunächst der Wandel vom Familienbetrieb Défago zur CD-Holding AG, umfassend vier Aktiengesellschaften, die insgesamt neun Alters- und Pflegeheime kontrollieren, geschildert, sodann das Beispiel des Alters- und Pflegeheims "Zur Heuwaage" in Basel hervorgehoben, das in Konkurs gegangen war mit der Folge, dass die Pensionäre verlegt und das Personal entlassen werden musste. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.- Durch die Presseäusserung sahen sich Clovis Défago, Inhaber und Verwaltungsratspräsident der CD-Holding AG und Verwaltungsratspräsident der SenioRigi AG, die CD-Holding AG, Alleinaktionärin der SenioRigi AG, und die SenioRigi AG, Betreiberin des gleichnamigen Alters- und Pflegeheims, in ihrer Persönlichkeit unmittelbar betroffen und widerrechtlich verletzt. </div> <div class="para">Sie verlangten eine Gegendarstellung, die in der Ausgabe Nr. 8 vom 17. April 1992 der Zeitschrift veröffentlicht wurde, und erhoben gegen die Curti Medien AG, Herausgeberin der Zeitschrift "Beobachter", sowie gegen die beiden Redaktoren Hans Caprez und Fredi Lüthin Klage mit folgendem Feststellungsbegehren: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">"1. Es sei festzustellen, dass die Beklagten die Persönlichkeitsrechte </div> <div class="para">der Kläger 1 bis 3 widerrechtlich </div> <div class="para">verletzt haben, indem sie in Nummer 4 vom 21. Februar 1992 der Zeitschrift 'Der schweizerische </div> <div class="para">Beobachter' unter den Titeln 'Heimaffäre; </div> <div class="para"> </div> <div class="para">die Not der Alten', respektive 'Die Würde der </div> <div class="para">alten Leute wird verletzt' einen Artikel mit Hinweisen </div> <div class="para">auf der Titelseite, im Editorial und im </div> <div class="para">Inhaltsverzeichnis publiziert haben, welche folgende </div> <div class="para">Textstellen und verschiedene Bilder enthalten: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1) 'Heimaffäre: Die Not der Alten' (Titelseite). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2) 'Meine Redaktionskollegen Hans Caprez und </div> <div class="para">Fredi Lüthin haben sich in dieser Titelgeschichte </div> <div class="para">dem Thema "alte Menschen" zugewandt; </div> <div class="para">jenen (...) die in fragwürdig geführten </div> <div class="para">Altersheimen vor sich hin kümmern müssen' </div> <div class="para">(Editorial S. 3). </div> <div class="para">3) 'Dramatische Ereignisse rund um die Einweisung </div> <div class="para">einer todkranken Frau, Personal ohne Fachausbildung, </div> <div class="para">ungeeignetes Essen - Vorwürfe an die </div> <div class="para">Adresse des Alters- und Pflegeheims "SenioRigi"' </div> <div class="para">(Inhaltsverzeichnis S. 5). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4) Schilderung des Pflegeheimeintrittes einer </div> <div class="para">schwerkranken Betagten, die ohne intensive </div> <div class="para">menschliche und medizinische Betreuung verstorben </div> <div class="para">sei (Seiten 15 und 16). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5) 'Allein 1990 gab es einen Personalwechsel von </div> <div class="para">sage und schreibe 96 Leuten. Kein Wunder, </div> <div class="para">denn das Heim befindet sich schon seit langem </div> <div class="para">in der Krise. Trotz Pensionspreisen von rund </div> <div class="para">6000 Franken monatlich wird gespart - sogar </div> <div class="para">beim Essen für die Pensionärinnen und Pensionäre. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">'Die Kost ist für alte Leute völlig ungeeignet. </div> <div class="para">Betagte brauchen frische, leichte </div> <div class="para">Speisen und qualitativ gutes Fleisch - nicht </div> <div class="para">billige Büchsen- und Fertigware', kritisiert </div> <div class="para">ein früherer Angestellter' (Seite 16). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6) 'Die pflegerischen und fachlichen Mängel blieben </div> <div class="para">nicht ohne Folgen. In einem Fall musste </div> <div class="para">ein Patient die ganze Nacht bei offenem </div> <div class="para">Fenster ausharren. Sein verzweifeltes Läuten </div> <div class="para">nützte nichts. (...) 'Mein Vater war nach </div> <div class="para">diesem Schock körperlich und psychisch in </div> <div class="para">einem schlechten Zustan'", bestätigt die </div> <div class="para">Tochter' (Seite 17). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">7) 'Auch der frühere Heimarzt (...) übt harte </div> <div class="para">Kritik. (...) Ein mehrseitiger, ausführlicher </div> <div class="para">Bericht liegt seit langem bei den kantonalen </div> <div class="para">Aufsichtsinstanzen. Darin steht auch, dass </div> <div class="para">Leute wegen Betreuungsmangel manchmal </div> <div class="para">stundenlang im eigenen Kot liegen mussten' </div> <div class="para">(Seite 17). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">8) 'Zamarian stellt dem "SenioRigi" ein schlechtes </div> <div class="para">Zeugnis aus: "Da stimmte vieles nicht. </div> <div class="para">Mit dem knappen und zum Teil unqualifizierten </div> <div class="para">Personal kann man keine gute Arbeit </div> <div class="para">leisten. "' (Seite 18). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">9) 'Im christlich geführten Heim traut offenbar </div> <div class="para">niemand dem andern über den Weg. Alle ehemaligen </div> <div class="para">Angestellten berichten von Bespitzelungen' </div> <div class="para">(Seite 18). </div> <div class="para">10) 'In einem solchen Klima entstehen Spannungen </div> <div class="para">und Aggressionen. Darunter leidet auch der </div> <div class="para">Umgang mit den Patienten' (Seite 18). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">11) 'Schon vor der Übernahme durch Clovis Défago </div> <div class="para">herrschten dort chaotische Verhältnisse' </div> <div class="para">(Seite 18). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">12) '"In einer vom Departement des Innern verlangten </div> <div class="para">Personalliste gab Heimleiter Sackmann </div> <div class="para">Leute an, die zu diesem Zeitpunkt nicht im </div> <div class="para">Hause arbeiteten", bezeugen mehrere Angestellte' </div> <div class="para">(Seite 21). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">13) 'Im Herbst beschwerten sich der Leiter des </div> <div class="para">Pflegedienstes (...) und zehn weitere Angestellte </div> <div class="para">über die Zustände im Heim. Clovis </div> <div class="para">Défago und Roland Sackmann reagierten rasch. </div> <div class="para">Molnar wurde fristlos beurlaubt und mit Hausverbot </div> <div class="para">belegt' (Seite 21). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">14) Schilderung 'Der steile Aufstieg des Clovis </div> <div class="para">Défago' mit Darstellung über die Schliessung </div> <div class="para">des Alters- und Pflegeheimes "Zur Heuwaage" </div> <div class="para">in Basel, wo Pensionäre über die Weihnachtszeit </div> <div class="para">in einer Blitzaktion verlegt worden </div> <div class="para">seien und wo sich Clovis Défago nicht um das </div> <div class="para">Personal gekümmert habe (Seite 21).. " </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Nebst Genugtuungs- und Schadenersatzforderungen stellten die Kläger ferner nachstehende Publikationsbegehren: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">"5. Es seien die Beklagten zu verpflichten, innert </div> <div class="para">30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft des </div> <div class="para">Urteils in der Zeitschrift 'Der schweizerische </div> <div class="para">Beobachter' einen berichtigenden Text in gleicher </div> <div class="para">oder ähnlicher Form wie der Artikel vom 21. Februar </div> <div class="para">1992 zu veröffentlichen, aus dem sich ergibt, </div> <div class="para">dass der vermittelte Gesamteindruck und die </div> <div class="para">in Ziffer 1 genannten Textstellen unzutreffend </div> <div class="para">sind. Der Artikel sei mit mindestens 3 Bildern </div> <div class="para">aus dem 'SenioRigi' zu versehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Eventuell sei die Beklagte 1 zu verpflichten, </div> <div class="para">einen solchen von den Klägern verfassten Artikel </div> <div class="para">zu veröffentlichen. </div> <div class="para">6. Es seien die Beklagten zu verpflichten, einen </div> <div class="para">Urteilsauszug (ohne Nennung der Textstellen 1-14 </div> <div class="para">gemäss Ziffer 1 des Rechtsbegehrens) in der Zeitschrift </div> <div class="para">'Der schweizerische Beobachter', in der </div> <div class="para">Zeitung 'Die Weltwoche', in drei vom Kläger 1 zu </div> <div class="para">bezeichnenden Fachzeitschriften sowie in zehn vom </div> <div class="para">Kläger 1 zu bezeichnenden Tageszeitungen 3-spaltig </div> <div class="para">zu veröffentlichen.. " </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bezirksgericht Neutoggenburg stellte mit Urteil vom 23. Mai 1995 fest, dass die im Feststellungsbegehren unter den Nrn. 4 und 5 (teilweise) sowie unter den Nrn. 7, 9, 11 und 12 (vollständig) aufgeführten Behauptungen die Persönlichkeit der Kläger widerrechtlich verletzten. Es hiess das Schadenersatzbegehren teilweise gut und verpflichtete die Beklagten solidarisch, der Klägerin 3 Schadenersatz von Fr. 110'000.-- zuzüglich Zins zu 5% ab 1. Mai 1992 zu bezahlen; weitere Schadenersatzforderungen wie auch der Antrag auf Zusprechung einer Genugtuungssumme wurden abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden konnte. Ferner ordnete das Bezirksgericht die Publikation des Urteils im Sinne der Erwägungen und auf Kosten der Beklagten an, wies hingegen den klägerischen Antrag um Veröffentlichung eines berichtigenden Textes ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beide Parteien legten gegen dieses Urteil beim Kantonsgericht St. Gallen (I. Zivilkammer) Berufung ein. </div> <div class="para">Während die Beklagten auf Abweisung der Klage schlossen, erneuerten die Kläger ihr Feststellungsbegehren gemäss Ziffer 1 Nrn. 1-12 und 14 sowie die Anträge auf Veröffentlichung einer Berichtigung und eines Urteilsauszugs, wobei letzternfalls die Zahl der vom Kläger 1 zu bezeichnenden Tageszeitungen herabgesetzt und für die Berichtigung ein "von den Klägern zu verfassender, allenfalls gerichtlich zu überarbeitender berichtigender Text" verlangt wurde. Die Beklagten sollten ferner zu einer Genugtuungssumme und zu Schadenersatz in der Höhe von Fr. 200'000.-- zuzüglich Zins zu 5% ab 1. Mai 1992 an die Klägerin 3 solidarisch verpflichtet werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Kantonsgericht stellte fest, dass die im Feststellungsbegehren unter den Nrn. 4 und 5 (teilweise) sowie unter den Nrn. 11 und 12 (vollständig) aufgeführten Textstellen die Persönlichkeit der Kläger widerrechtlich verletzten. </div> <div class="para">Bezüglich der übrigen Textstellen und aller weiteren Begehren wies es die Klage ab (Urteil vom 4. März 1997). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C.- Auf Berufung der Kläger hin hob das Bundesgericht das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen (I. Zivilkammer) vom 4. März 1997 auf und wies die Sache zur Aktenergänzung und zur Neubeurteilung an das Kantonsgericht zurück. Dieses entschied mit Urteil vom April 2001: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">"1. Es wird festgestellt, dass folgende Textstellen </div> <div class="para">des Artikels 'Die Not der Alten' in der Zeitschrift </div> <div class="para">'Der schweizerische Beobachter' Nr. 44 </div> <div class="para">vom 21. Februar 1992 die Persönlichkeit der </div> <div class="para">Kläger widerrechtlich verletzten: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- Eine schwerkranke Betagte sei 'ohne intensive </div> <div class="para">... medizinische Betreuung' verstorben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- 'Allein 1990 gab es einen Personalwechsel von </div> <div class="para">sage und schreibe 96 Leuten. ' </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- 'Schon vor der Übernahme durch Clovis Défago </div> <div class="para">herrschten dort chaotische Verhältnisse. ' </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- 'In einer vom Departement des Innern verlangten </div> <div class="para">Personalliste gab Heimleiter Sackmann Leute an, </div> <div class="para">die zu diesem Zeitpunkt nicht im Hause arbeiteten. ' </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- '1990 mietete Défago ein Haus, dessen Appartements </div> <div class="para">bis dahin dem leichten Gewerbe zur Berufsausübung </div> <div class="para">gedient hatten. ' </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Übrigen wird die Feststellungsklage abgewiesen. </div> <div class="para">2. Die Klage auf Schadenersatz wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. Die Kläger sind berechtigt, die Ziffern 1 und 2 </div> <div class="para">dieses Urteils auf Kosten der Beklagten in der </div> <div class="para">Zeitschrift 'Der schweizerische Beobachter' zu </div> <div class="para">veröffentlichen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. (erstinstanzlicher Kostenpunkt) </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5. (zweitinstanzlicher Kostenpunkt) </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6. (Entschädigungspunkt)" </div> <div class="para"> </div> <div class="para">D.- Gegen dieses Urteil legten die Kläger beim Bundesgericht Berufung ein mit den Anträgen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">"1. Die Ziffern 1 Abs. 2 und 2 - 6 des Urteils des </div> <div class="para">Kantonsgerichts St. Gallen vom 5. April 2001 </div> <div class="para">seien aufzuheben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. Es sei festzustellen, dass die Beklagten die Persönlichkeitsrechte </div> <div class="para">der Kläger 1 bis 3 widerrechtlich </div> <div class="para">verletzt und unlauteren Wettbewerb begangen </div> <div class="para">haben, indem sie in Nummer 4 vom 21. Februar 1992 </div> <div class="para">der Zeitschrift 'Der schweizerische Beobachter' </div> <div class="para">unter den Titeln 'Heimaffäre; die Not der Alten', </div> <div class="para">respektive 'Würde der alten Leute wird verletzt' </div> <div class="para">einen Artikel mit Hinweisen auf der Titelseite, </div> <div class="para">im Editorial und im Inhaltsverzeichnis publiziert </div> <div class="para">haben, welcher folgende Textstellen und verschiedene </div> <div class="para">Bilder enthält: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Von den Vorinstanzen als persönlichkeitsverletzendqualifizierte Textstellen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- Eine schwerkranke Betagte sei 'ohne intensive ... </div> <div class="para">medizinische Betreuung' verstorben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- 'Allein 1990 gab es einen Personalwechsel von sage </div> <div class="para">und schreibe 96 Leuten. ' </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- 'Schon vor der Übernahme durch Clovis Défago </div> <div class="para">herrschten dort chaotische Verhältnisse. ' </div> <div class="para">- 'In einer vom Departement des Innern verlangten </div> <div class="para">Personalliste gab Heimleiter Sackmann Leute an, </div> <div class="para">die zu diesem Zeitpunkt nicht im Hause arbeiteten. ' </div> <div class="para"> </div> <div class="para">- '1990 mietete Défago ein Haus, dessen Appartements </div> <div class="para">bis dahin dem leichten Gewerbe zur Berufsausübung </div> <div class="para">gedient hatten. ' </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Gemäss Antrag der Kläger als persönlichkeitsverletzend festzustellende Textstellen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1) 'Heimaffäre: Die Not der Alten' (Titelseite). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2) 'Meine Redaktionskollegen Hans Caprez und Fredi </div> <div class="para">Lüthin haben sich in dieser Titelgeschichte dem </div> <div class="para">Thema "alte Menschen" zugewandt; jenen (...) die </div> <div class="para">in fragwürdig geführten Altersheimen vor sich </div> <div class="para">hin kümmern müssen' (Editorial S. 3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3) 'Dramatische Ereignisse rund um die Einweisung </div> <div class="para">einer todkranken Frau, Personal ohne Fachausbildung </div> <div class="para">- Vorwürfe an die Adresse des Alters- und </div> <div class="para">Pflegeheims SenioRigi' (Inhaltsverzeichnis </div> <div class="para">S. 5). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">8) 'Zamarian stellt dem SenioRigi ein schlechtes </div> <div class="para">Zeugnis aus: Da stimmte vieles nicht. Mit dem </div> <div class="para">knappen und zum Teil unqualifizierten Personal </div> <div class="para">kann man keine gute Arbeit leisten' (Seite 18). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">9) 'Im christlich geführten Heim traut offenbar </div> <div class="para">niemand dem anderen über den Weg. Alle ehemaligen </div> <div class="para">Angestellten berichten von Bespitzelungen' </div> <div class="para">(Seite 18). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">10)'In einem solchen Klima entstehen Spannungen und </div> <div class="para">Aggressionen. Darunter leidet auch der Umgang </div> <div class="para">mit den Patienten' (Seite 18). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">14) Schilderung 'Der steile Aufstieg des Clovis </div> <div class="para">Défago', mit den Darstellungen über die </div> <div class="para">Schliessung des Alters- und Pflegeheims 'Zur </div> <div class="para">Heuwaage' in Basel, wo Pensionäre über die </div> <div class="para">Weihnachtszeit in einer Blitzaktion verlegt </div> <div class="para">worden seien und wo sich Clovis Défago nicht um </div> <div class="para">das Personal gekümmert habe (Seite 21). </div> <div class="para">3. Es sei festzustellen, dass die Beklagten gegenüber </div> <div class="para">den Klägern schadenersatzpflichtig sind und </div> <div class="para">es sei die Sache zur Bemessung der Höhe des zu </div> <div class="para">leistenden, von den Klägern in der Höhe von </div> <div class="para">CHF 200'000. 00 beanspruchten Schadenersatzes an </div> <div class="para">die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. Die Beklagten seien zu verpflichten, die vom </div> <div class="para">Richter zu bestimmenden Teile des Urteils ganzseitig </div> <div class="para">in der Zeitschrift Beobachter zu veröffentlichen.. " </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es ist keine Berufungsantwort eingeholt worden. </div> <div class="para">Das Kantonsgericht hat keine Gegenbemerkungen eingereicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.-Soweit die klägerischen Ausführungen sich gegen den gemäss <span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span> für das Bundesgericht verbindlich festgestellten Sachverhalt richten oder in diesem keine Stütze finden und soweit sie unzulässige Kritik an der vorinstanzlichen Beweiswürdigung darstellen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=11.05.2002&amp;to_date=30.05.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-III-257%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page257">BGE 127 III 257</a> E. 5b S. 264), ist auf sie nicht einzutreten. Dies betrifft namentlich die Vorbringen, die abgedruckten Bilder seien nicht im "SenioRigi" aufgenommen worden, die Missstände hätten sich seit der Publikation des "Beobachter"-Artikels erheblich verbessert, dem Kläger Nr. 1 sowie dem Heimleiter Roland Sackmann sei keine Möglichkeit zur Stellungnahme gewährt worden und der "Beobachter" habe sich in einer arbeitsrechtlichen Streitigkeit zwischen ehemaligen Angestellten des "SenioRigi" und den Klägern instrumentalisieren lassen. </div> <div class="para">2.- Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, kann zu seinem Schutz gegen jeden, der an der Verletzung mitwirkt, den Richter anrufen (<span class="artref">Art. 28 Abs. 1 ZGB</span>). Eine Verletzung ist widerrechtlich, wenn sie nicht durch Einwilligung des Verletzten, durch ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse oder durch Gesetz gerechtfertigt ist (<span class="artref">Art. 28 Abs. 2 ZGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Eine Persönlichkeitsverletzung liegt namentlich vor, wenn die Ehre einer Person beeinträchtigt wird, indem ihr berufliches oder gesellschaftliches Ansehen geschmälert wird. Ob eine Äusserung geeignet ist, dieses Ansehen herabzumindern, beurteilt sich objektiviert nach Massgabe eines Durchschnittslesers, wobei dies unter Würdigung der konkreten Umstände wie etwa des Rahmens der Presseäusserung zu erfolgen hat (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=11.05.2002&amp;to_date=30.05.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-III-481%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page481">BGE 127 III 481</a> E. 2b/aa S. 487 mit weiteren Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ist der Kläger in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt, kann er dem Richter namentlich beantragen, die Widerrechtlichkeit einer Verletzung festzustellen, wenn sich diese weiterhin störend auswirkt (<span class="artref">Art. 28a Abs. 1 Ziff. 3 ZGB</span>), und er kann u.a. verlangen, dass eine Berichtigung oder das Urteil veröffentlicht wird (<span class="artref">Art. 28a Abs. 2 ZGB</span>); ausserdem bleiben die Klagen auf Schadenersatz, Genugtuung und Gewinnherausgabe vorbehalten (<span class="artref">Art. 28a Abs. 3 ZGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.-Die Vorinstanz hat in einem ersten Schritt unter Ziff. IV ihrer Erwägungen die Frage des Gesamteindrucks der beanstandeten Titelgeschichte sowie das Verhältnis zwischen Persönlichkeitsschutz und wirtschaftlichem Wettbewerb erörtert. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) aa) Das Kantonsgericht hat sich dabei mit der Frage befasst, ob die Kläger auf unzulässige Weise aus dem Kreis der Mitbewerber herausgehoben worden sind. Es hat befunden, der "Beobachter"-Artikel habe in erster Linie auf den allgemeinen Pflegenotstand in der Schweiz hinweisen wollen; beim Durchschnittsleser entstehe nicht der Eindruck, dass einzig im "SenioRigi" fragwürdige Zustände herrschten, während es bei Konkurrenzunternehmen besser bestellt sei. Im Übrigen sei es gerechtfertigt, begründete Kritik an einem konkreten Beispiel vorzubringen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">bb) Die Kläger halten dafür, das allgemeine Problem des Pflegenotstandes stehe im Hintergrund, der Durchschnittsleser habe den Artikel primär als Auseinandersetzung mit ihnen wahrgenommen. Bemängelt wird insbesondere, der Leser sei nicht informiert worden, in welchen anderen Heimen vergleichbare Probleme bestünden, weshalb er die Problematik nur dem "SenioRigi" habe zuordnen können. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">cc) Berichtet ein (Print-)Medium über Missstände, die in einer bestimmten Branche herrschen, und illustriert es diese anhand eines konkreten Beispiels, hat es dafür zu sorgen, dass nicht der Eindruck entsteht, der aufgezeigte Missstand bestehe nur bei diesem. Als unvollständige Berichterstattung hat das Bundesgericht eine negativ werbende Information über ein namentlich bezeichnetes Produkt gewertet, bei welcher der unzutreffende Eindruck erweckt wird, das negative Merkmal sei produktspezifisch, obwohl es sich um die gemeinsame Eigenschaft einer Gruppe von Produkten handelt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=11.05.2002&amp;to_date=30.05.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-III-72%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page72">BGE 124 III 72</a>). Der Begriff der unvollständigen Berichterstattung setzt stillschweigend voraus, dass sie überhaupt vervollständigt werden bzw. vollständig sein könnte. Dies mag bei der relativ geringen Zahl marktdominanter Schmerzmittel, um die es im zitierten Entscheid ging, der Fall gewesen sein. Bei der Vielzahl von Pflegeheimen wäre ein umfassender Quervergleich, d.h. eine aufwendige Bestandesaufnahme in jedem einzelnen Heim, praktisch unmöglich, selbst wenn die verglichenen Anbieter geographisch eingegrenzt würden. Soll nicht durch letztlich unerfüllbare Anforderungen die Berichterstattung über gewisse Themen von vornherein verunmöglicht werden, muss es genügen, dass der Eindruck unterbleibt, im betreffenden Bereich bestünden Missstände nur gerade im beispielhaft erwähnten Betrieb. </div> <div class="para">Beizupflichten ist der Auffassung der Vorinstanz, dass bei einer Gesamtwürdigung der beanstandeten Texte nicht der Eindruck entsteht, einzig im "SenioRigi" hätten unhaltbare Zustände geherrscht; wiederholt wird mit Nachdruck darauf hingewiesen, in der Schweiz bestehe ganz allgemein ein akuter Pflegenotstand (siehe auch E. 4b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b)aa) Das Kantonsgericht hat des Weiteren die Frage behandelt, ob ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Berichterstattung bestehe, das die Persönlichkeitsverletzung rechtfertige. Es hat diesbezüglich erwogen, in einer Zeit steigender Lebenserwartung und politischer Diskussionen über die Finanzierbarkeit der Altersvorsorge sei die Pflege betagter Menschen vom Informationsauftrag der Massenmedien erfasst. Die Kläger träten zudem in einem Marktbereich als Anbieter auf, der traditionell als Staatsaufgabe angesehen werde. Weiter sei im Rahmen der indirekten Drittwirkung von Grundrechten die in der Bundesverfassung und der EMRK verankerte Pressefreiheit zu beachten. </div> <div class="para">Es sei auch zu berücksichtigen, dass sich der "Beobachter" als Zeitschrift mit konsumentenschützerischer Zielsetzung verstehe und er sich mit seinem "Enthüllungsjournalismus" verstärkt der Gefahr aussetze, die Persönlichkeitsrechte Dritter zu tangieren. In der systematisch hierher gehörenden Ziff. VI.1 seiner Erwägungen hat das Kantonsgericht schliesslich befunden, die Kläger seien keine "Normalsterblichen"; wer Heime führe, trete aus der Anonymität heraus und könne kein Recht auf prinzipielle Nichterwähnung geltend machen. </div> <div class="para">bb) Die Kläger bringen vor, private Alters- und Pflegeheime hätten in der Schweiz eine lange Tradition; die private Pflege alter Menschen sei zulässig und erwünscht. </div> <div class="para">Der "Beobachter" habe weit verbreitet den Nimbus von Seriosität und der durchschnittliche Leser vertraue den "Beobachter"-Journalisten, weshalb es unzulässig sei, unter dem Stichwort "Enthüllungsjournalismus" Abstriche zu machen. Die Kläger beanspruchen zwar keine absolute Anonymität, werfen aber dem Kantonsgericht vor, den Persönlichkeitsschutz abgeschafft zu haben, indem es die Klage nicht vollumfänglich gutgeheissen, sondern ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Berichterstattung bejahte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">cc) Die Pflege alternden Menschen ist ein Thema von wachsender Aktualität, das im Brennpunkt des öffentlichen Interesses steht. Während alternde Menschen ehemals weitgehend im Familienverband betreut und gepflegt wurden, sind heute in erheblichem Mass staatliche, halbstaatliche oder private Institutionen an die Stelle getreten. Es besteht ein eminentes öffentliches Interesse, darüber informiert zu werden, wie die betreffenden Leistungserbringer ihre Aufgabe erfüllen. Dabei spielt es keine Rolle, wie diese rechtlich organisiert und strukturiert sind. Das überwiegende öffentliche Interesse an der Berichterstattung über den Pflegesektor kann grundsätzlich ein Rechtfertigungsgrund für die Verletzung der Persönlichkeitsrechte privatrechtlich organisierter Institutionen sein. Wer im sensiblen Bereich der Pflege und Betreuung alter, vielfach relativ hilfloser Menschen tätig ist, kann sich auch nicht auf das Recht der "Normalsterblichen", nicht namentlich genannt zu werden, berufen; vielmehr hat ein Dienstleistungsanbieter kraft seines Auftritts auf dem Gesundheitsmarkt hinzunehmen, dass seine Geschäftstätigkeit kritisch durchleuchtet und darüber auch berichtet wird. Entgegen dem sinngemässen Vorbringen der Kläger ist hierfür nicht erforderlich, dass es sich bei ihnen um so genannte absolute oder relative Personen der Zeitgeschichte handelt. Es lässt sich keine strikte Zweiteilung zwischen diesen und solchen Personen vornehmen, die grundsätzlich immer ihre Privatsphäre geltend machen können; vielmehr sind dazwischen verschiedene Abstufungen denkbar und es ist jeweils zwischen dem Interesse an Berichterstattung und dem Anspruch der betroffenen Person auf Privatsphäre abzuwägen (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=11.05.2002&amp;to_date=30.05.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-III-481%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page481">BGE 127 III 481</a> E. 2c/bb S. 490 mit weiteren Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die vorinstanzlichen Erwägungen halten vor Bundesrecht stand. Insbesondere ist auch nicht ersichtlich, inwiefern der "Beobachter" mit seinem Artikel unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten gegen Bundesrecht verstossen hätte. Das Kantonsgericht hat zu Recht befunden, weder zum Bernina- (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=11.05.2002&amp;to_date=30.05.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-IV-193%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page193">BGE 117 IV 193</a>) noch zum Mikrowellen-Entscheid (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=11.05.2002&amp;to_date=30.05.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-II-76%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page76">BGE 120 II 76</a>) könne eine Parallele gezogen werden: </div> <div class="para">Im einen Fall ging es um einen Journalisten, der bei einem Artikel über einen Nähmaschinenhersteller ohne eigene Recherchen auf die Behauptungen eines Konkurrenten abgestellt hatte, im anderen ging es um wissenschaftlich nicht erwiesene bzw. umstrittene Behauptungen, die ohne entsprechenden Hinweis als erwahrt dargestellt wurden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.- In einem zweiten Schritt hat das Kantonsgericht unter Ziff. V seiner Erwägungen die einzelnen Textpassagen abgehandelt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Textstelle Nr. 13 (Entlassung) war nie Gegenstand des Appellationsverfahrens. Hinsichtlich der Stelle Nr. 1 (Titelseite) enthielt die erste Berufung keine Begründung, weshalb das Bundesgericht in seinem Urteil vom 23. Juni 1998 darauf nicht eintrat. Die Passagen Nrn. 6 (offene Fenster) und 7 (Beanstandungen des Heimarztes) sowie Nr. 5 in Bezug auf das "ungeeignete Essen" wurden vom Bundesgericht im genannten Entscheid als nicht persönlichkeitsverletzend befunden; auf diese Teile des "Beobachter"-Artikels ist nicht zurückzukommen (Poudret, Commentaire de la loi fédérale d'organisation judiciaire, Band II, 1990, N. 1.3.3 zu <span class="artref">Art. 66 OG</span>). Schliesslich fehlt den Klägern eine Beschwer, soweit das Kantonsgericht eine Persönlichkeitsverletzung bejaht hat; dies betrifft die Abschnitte Nrn. 11 (chaotische Verhältnisse) und 12 (Personalliste), Nr. 4 in Bezug auf die fehlende "intensive ... medizinische Betreuung", Nr. 5 hinsichtlich des Personalwechsels von 96 Leuten sowie Nr. 14 betreffend den Hinweis auf das "leichte Gewerbe". Vollständig beurteilt sind damit die Textstellen Nrn. 1, 5-7 und 11-13. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Textstelle 2 (Editorial): Die klägerische Behauptung, im Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels seien die früheren Missstände weitgehend behoben gewesen, betrifft den Sachverhalt und ist damit unzulässig (<span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Weder "fragwürdig geführt" noch "vor sich hin kümmern" sind zu beanstanden. Die beiden Werturteile hängen von der Beurteilung der weiteren Passagen ab, in Bezug auf die Führung des Heims insbesondere von der Textstelle Nr. 9 (dazu unten) und betreffend die mangelhafte Pflege von der Textstelle Nr. 7, die vom Bundesgericht in seinem ersten Entscheid als gerechtfertigt beurteilt worden ist. Mit dem Ausdruck "vor sich hin kümmern" wird die Vorstellung eines kümmerlichen Daseins und des Ausgeliefertseins assoziiert. </div> <div class="para">Angesichts des berechtigten Vorwurfes, dass Patienten manchmal stundenlang im eigenen Kot liegen mussten und die Läutevorrichtung aus Bequemlichkeit abgestellt wurde, kann die umstrittene Würdigung nicht als unangemessen beurteilt werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Textstellen 3 und 4 (Pflegeheimeintritt einer alten Frau): Gemäss dem Entscheid des Bundesgerichts vom 23. Juni 1998 stellt die Aussage "ohne intensive menschliche ... Betreuung" keine rechtswidrige Persönlichkeitsverletzung dar; darauf ist nicht zurückzukommen. Den Textteil "ohne intensive ... medizinische Betreuung" hat die Vorinstanz als Verletzung der Persönlichkeitsrechte taxiert; diesbezüglich sind die Kläger nicht beschwert. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Übrigen hat das Kantonsgericht die Texte Nrn. 3 und 4 für unbedenklich gehalten und erwogen, es sei auf den allgemeinen Pflegenotstand in der Schweiz aufmerksam gemacht worden, ohne dass der Eindruck entstanden sei, nur das "SenioRigi" sei bedenklich. So gehe aus dem Artikel klar hervor, dass es nicht am Pflegeheim lag, wenn die alte und auf den Tod kranke Frau dorthin statt in ein Spital transportiert worden war. Es trifft allerdings zu, dass die Schilderung, wie sich das Heim mit der Aufnahme der Patientin anstellte, den Eindruck von Inkompetenz hinterlässt. Die in diesem Kontext erhobene Rüge, die Vorwürfe des "Beobachters" hätten sich als unrichtig oder übertrieben herausgestellt, spiegelt sich indes nicht in den tatsächlichen Sachverhaltsfeststellungen und läuft auf eine unzulässige Kritik an der Beweiswürdigung hinaus, auf die nicht einzutreten ist (<span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=11.05.2002&amp;to_date=30.05.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-III-257%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page257">BGE 127 III 257</a> E. 5b S. 264). Insoweit geht auch die Kritik ins Leere, die Episode mit der alten Frau bleibe zu Unrecht als Vorwurf am "SenioRigi" hängen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Textstelle 8 (knappes und unqualifiziertes Personal): Die Vorinstanz hat die beanstandeten Äusserungen als wahr bezeichnet. Gemäss der eingeholten Expertise sei der Arbeitsmarkt für das Pflegepersonal in den Jahren 1989 bis 1991 und zum Teil auch noch 1992 angespannt gewesen. Der Experte habe den Ausländeranteil bei Pflegeberufen auf 25% geschätzt; bezüglich der Qualität habe er ausgeführt, im Kanton Schwyz sei der Anteil des Pflegepersonals am Gesamtpersonalbestand unterdurchschnittlich gewesen, dafür habe der Anteil der diplomierten Pflegekräfte über jenem der Vergleichskantone gelegen. Das Kantonsgericht hat weiter befunden, im "SenioRigi" sei die Lage insoweit besonders prekär gewesen, als sich die Heimleitung zur Kostenersparnis weitgehend auf die Einstellung unqualifizierten Personals beschränkt habe. Auch das Amt für Gesundheit und Soziales habe festgestellt, dass zu wenig fachlich ausgebildetes Personal zur Verfügung stehe und es überdies zu Verständigungsproblemen gekommen sei, weil zwei Drittel des Personals ausländisch war. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Was die Kläger dagegen vorbringen, richtet sich teilweise gegen die verbindlichen kantonalen Sachverhaltsfeststellungen (<span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span>) und ist im Übrigen nicht geeignet, eine Bundesrechtsverletzung darzutun. Aus dem beanstandeten Text geht hervor, dass es ganz allgemein schwierig war, genügend und geeignetes Personal zu finden. Dadurch wird die Aussage, dass das "SenioRigi" aus Kostengründen zu wenig und weitgehend unqualifiziertes Personal angestellt hat, nicht rechtswidrig. Wer auf dem Gesundheitsmarkt gewerbsmässig Leistungen anbietet, muss die erforderliche Qualität erbringen. Bei Leistungsdefiziten kann sich ein Anbieter nicht auf den ausgetrockneten Arbeitsmarkt berufen, denn niemand zwingt (private) im Pflegesektor tätige Institutionen, mehr Personen zur Pflege aufzunehmen, als die vorhandene Infrastruktur und der Personalbestand erlauben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">d) Textstelle 9 (Bespitzelung der Mitarbeiter): Der Ausdruck "Bespitzelung" ist nach dem ersten Urteil des Bundesgerichts gerechtfertigt. Das Kantonsgericht hat befunden, auf Grund der Beweise könne auch die Aussage des "christlich geführten Heims" als wahr gelten. </div> <div class="para">Im Kontext richtet sich der Bespitzelungsvorwurf implizit an den Heimleiter Sackmann, der seine christliche Gesinnung offenbar auch in den Arbeitsalltag eingebracht hat. Der Vorwurf der Bespitzelung, die sich mit dem christlich geführten Heim schlecht vertrage, bleibt damit nicht einfach an den Mitarbeitern hängen und es ist nicht nachvollziehbar, inwiefern diese unnötig in ihrem Glauben verletzt worden sein sollen. Allerdings wäre die mit dem Hinweis auf das christlich geführte Heim verbundene Anspielung auf das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit allein um der sachlichen Information der Leserschaft willen entbehrlich gewesen. Damit sollte wohl dem Bespitzelungsvorwurf eine auf die Unterhaltung der Leser zielende Pointe aufgesetzt werden, über deren Geschmack man geteilter Meinung sein kann. Indes wurde der zulässige Hinweis auf die Bespitzelungspraxis damit nicht unzulässig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">e) Textstelle 10 (schlechtes Arbeitsklima): Soweit die Kläger von einem nur temporären Problem sprechen, halten sie sich nicht an die verbindlichen Tatsachenfeststellungen; darauf ist nicht einzutreten (<span class="artref">Art. 63 Abs. 2 OG</span>). Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar, weshalb das Arbeitsklima und die Personalführung offenkundig nur die Privatsphäre der Kläger berühren sollen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beim "SenioRigi" handelt es sich nicht um einen Betrieb, der irgendein Produkt herstellt, sondern um ein Pflegeheim. Die Pflege alter Menschen bedingt einen intensiven persönlichen Kontakt zwischen Pflegenden und Gepflegten, weshalb ein schlechtes Arbeitsklima und Führungsprobleme zwangsläufig direkt auf die Qualität der Pflegearbeit und damit der zu erbringenden Dienstleistung durchschlagen. </div> <div class="para">Solange Betreuung und Pflege in Ordnung sind, mag die Auffassung angehen, das Arbeitsklima und die Art der Führung eines Betriebes seien dessen Privatsphäre zuzuordnen; diesfalls würde ja auch kein unmittelbarer Anlass zur Berichterstattung bestehen. Bieten sie indes Anlass zu berechtigter Kritik, ist es auf Grund des Zusammenhanges zwischen dem Arbeitsklima und der Qualität der angebotenen Dienstleistung legitim, auf diesbezügliche Mängel hinzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">f) Textstelle 14 (Aufstieg Défagos und Schliessung der "Heuwaage"): Das Kantonsgericht hat den Hinweis, dass im Heim "Heuwaage" in Basel früher ein Bordell betrieben worden ist, als widerrechtliche Persönlichkeitsverletzung gewertet. </div> <div class="para">Dagegen ist es zum Schluss gelangt, die Empfehlung Défagos an die Angestellten, eine Insolvenzentschädigung zu verlangen, und die Schilderung der konkursbedingten Verlegung der Pensionäre in einer "Blitzaktion" seien wahr und es bestehe ein öffentliches Interesse an der Berichterstattung. Was die Kläger dagegen vortragen - an einer eigentlichen Auseinandersetzung mit den vorinstanzlichen Erwägungen gebricht es - ist nicht geeignet, eine Bundesrechtsverletzung darzutun (<span class="artref">Art. 55 Abs. 1 lit. c OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5.- Das Kantonsgericht hat das klägerische Begehren um Schadenersatz mit der Begründung abgewiesen, der gleiche Schaden wäre auch bei rechtmässigem Alternativverhalten (Verzicht auf die widerrechtlichen Passagen) entstanden. </div> <div class="para">Zudem treffe die Kläger ein schweres, den Kausalzusammenhang unterbrechendes Selbstverschulden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Kläger taxieren den "Beobachter"-Artikel als unlauter und leiten daraus ohne weitere Begründung einen Schadenersatzanspruch ab. Indes quantifizieren sie den Schaden nicht einmal ansatzweise und sie legen auch mit keinem Wort dar, inwiefern die Hauptbegründung des Kantonsgerichts, die persönlichkeitsverletzenden Textstellen seien für den Schaden in keiner Weise adäquat kausal, gegen Bundesrecht verstossen soll. Tatsächlich enthalten die rechtmässigen Textpassagen zum Teil massive Vorwürfe und sind für sich allein geeignet, potentielle Interessenten von einen Heimeintritt abzuhalten, und es lässt sich auch nicht sagen, der veröffentlichte Artikel hinterlasse einen wesentlich negativeren Eindruck als die Gesamtheit der rechtmässigen Texte. </div> <div class="para">Eine Bundesrechtswidrigkeit der vorinstanzlichen Hauptbegründung ist deshalb nicht ersichtlich. Bei diesem Ergebnis erübrigen sich Ausführungen zur Eventualbegründung des Kantonsgerichts (Kausalität unterbrechendes Selbstverschulden der Kläger). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6.- Beim vorstehenden Ergebnis stösst die Kritik, die vom Kantonsgericht zugestandene Urteilspublikation sei vom Umfang her ungenügend, ins Leere. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">7.- Die Berufung ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Verfahrensausgang ist die Gerichtsgebühr den Klägern unter solidarischer Haftbarkeit aufzuerlegen (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/156/7" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/156/1" type="start"></artref>Art. 156 Abs. 1 und 7 OG</span><artref id="CH/173.110/156/7" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/7" type="end"></artref>). Da keine Antwort eingeholt worden ist, sind den Beklagten keine Kosten entstanden. Eine Parteientschädigung erübrigt sich damit. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist, und der Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, I. Zivilkammer, vom 5. April 2001 wird bestätigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 12'000.-- wird den Klägern unter solidarischer Haftbarkeit auferlegt. </div> <div class="para">3.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, I. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">_____________ </div> <div class="para">Lausanne, 15. Mai 2002 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. Zivilabteilung </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>