B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1479/2014 U r t e i l v o m 26 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), Tunesien, und deren Kind B._______, geboren (…), Algerien, vertreten durch lic. iur. Isabelle A. Müller, (…), gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. Februar 2014 / N (…). D-1479/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin ihren Heima t- staat am 31. Oktober 2002 von Tunis aus auf dem Luftweg und gelangte gleichentags nach M._______. In der Folge hielt sie sich nach Ablauf ih- res Touristenvisums illegal in der Schweiz auf und stellte am 2. November 2009 ein Asylgesuch im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) N._______. Anlässlich der Befragung vom 11. November 2009 zur Pe r- son (BzP) im Transitzentrum O._______ sowie der Anhörungen vom 27. November 2009 und 23. September 2013 durch das BFM machte die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, sie habe im Heimatstaat vom Jahre 1997 an eine heimliche B e- ziehung zu einem Arbeitskollegen unterhalten. Als ihr strenggläubi ger Bruder C._______ von dieser Verbindung erfahren habe, sei es zu einem erheblichen Streit gekommen. Anlässlich ihres Besuchs von Angehörigen Anfang Januar 2002 im Heimatdorf P ._______ habe der oben erwähnte Bruder sie gefesselt, geschlagen und für zwei bis drei Tage in ein Zimmer gesperrt. Nachdem ihre Mutter sie befreit habe, sei sie per Autostopp zu einer Bekannten nach Tunis gefahren, wo sie sich in der Folge habe ärzt- lich behandeln lassen. Vor diesem Hintergrund habe sie sich über eine in der Schweiz wohnhafte Cousine ein Touristenvisum organisiert und sei im Oktober 2002 ausgereist. In der Schweiz habe sie Kontakt zu einer tun e- sischen Familie, bestehe nd aus anerkannten Flüchtlingen, geknüpft. Deshalb sei sie mehrfach von der t unesischen Botschaft vorgeladen und nach den Angehörigen dieser Familie befragt worden. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin ve r- schiedene Beweismittel, darunter mehrere ärztliche Zeugnisse zu den Ak- ten. Am 28. Oktober 2010 heiratete die Beschwerde führerin einen Algerier. Am 27. Dezember 2013 kam ihre gemeinsame Tochter B._______ zur Welt. B. Mit Verfügung vom 18. Februar 2014 lehnte das BFM d ie Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen ab und ordnete die Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Be gründung machte die Vorinstanz im W e- sentlichen geltend, die von der Beschwerdeführerin im Jahre 2002 erlitte- ne Mis shandlung erweise sich als unmittelbar ausreisebegr ündend. I n-D-1479/2014 Seite 3 dessen sei nic ht ein zusehen, weshalb sie erst sieben Jahre nach ihrer Einreise in die Schweiz um Asyl nachgesucht habe. Ihr Verhalt en ent- spreche in keiner Weise demjenigen einer schutzsuchenden Person. Wä- ren der Beschwerdeführerin die geltend gemachten Misshandlungen ta t- sächlich widerfahren, wäre stattdessen zu erwarten gewesen, das s sie sofort nach ihrer Einreise ein Asylgesuch gestellt hätte. Ihre Erklärung, wonach sie zunächst gedacht habe, ein Asylgesuch wäre nicht gut für sie, vermöge nicht zu überzeugen. Dementsprechend sei festzuhalten, dass am Wahrheitsgehalt ihrer Vorbringen gewisse Zweifel bestünden. Die Frage nach der Glaubhaftigkeit könne aber letztlich offen bleiben, da ihre Vorbringen auch bei Wahrunterstellung den Anforderungen an die Flücht- lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) nicht zu genügen ver- möchten. Was nämlich die erheblichen Misshandlungen durch den Bruder anbelange, so habe sich die Beschwerdeführerin nicht schutzsuchend an die heimatlichen Beh örden gewendet, weshalb diesen auch ni cht vorge- worfen werden könne, sie seien nicht willens oder nicht in de r Lage g e- wesen, den geltend gemachten Sachverhalt zu klären. Vielmehr sei ma n- gels gegenteiliger Hinweise vom Vorhandensein eines adäquaten Schu t- zes durch den Heimatstaat auszugehen. Vorliegend bestünden aufgrund der Feststellung, der Beschwerdeführerin stehe in Tunesien eine Schut z- infrastruktur zur Verfügung, keine Hinweise auf eine drohende zukünftige Verfolgung. Hinzu komme die Tatsache, dass sich ihre persönliche Au s- gangslage seit den seinerzeitigen Ereignissen massgeblich verändert ha- be. Die Beschwerdef ührerin habe nämlich nun eine eigene Familie und sei nicht mehr auf das Wohlwollen ihres älteren Bruders angewiesen. Vielmehr stehe es ihr frei, sich in einem gemeinsamen Haushalt am Ort ihrer Wahl niederzulassen. Schliesslich sei nicht ersichtlich, welche Ge- fährdung mit ihrer Be kanntschaft mit einer tunesischen Flüchtlingsfamilie einhergehen sollte. Damit erweise sich die subjektive Furcht der B e- schwerdeführerin vor künftiger Verfolgung anhand einer objektiven B e- trachtungsweise als unbegründet. Gesamthaft hielten ihre Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit sowie denjenigen an die Flüch t- lingseigenschaft nicht stand, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei. Aus den Akten ergäben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr im Falle einer Rückkehr in d en Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbundene Strafe oder Behandlung drohe. Sie habe nämlich zu Protokoll gegeben, dass sie in der Heimat niemals Prob- leme mit den staatlichen Behörden gehabt habe. Mangels anderweitige r Hinweise sei zudem vom Vorhandensei n einer genügenden Schutzinfra- struktur auszugehen. Mithin erweise sich der Vollzug der Wegweisung als D-1479/2014 Seite 4 zulässig. Da die Beschwerdeführerin seit dem 28. Oktober 2010 verheira- tet sei, müsse bei der Prüfung der Zumutbarkeit der Grundsatz der Ei n- heit der Familie berücksichtigt werden. Das Asylgesuch ihres Ehemannes sei mit separatem Entscheid gleichen Datums abgewiesen worden. Zu prüfen sei daher die Zumutbarkeit der Wegwei sung nach Tunesien und alternativ nach Algerien. Die in Tunesien respektive Algerien herrschende politische Situation spreche nicht gegen die Zumutbarkeit der Rückfü h- rung in wahlweise einen der beiden Staaten. In individueller Hinsicht se i- en die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme zu berücksichtigen. Mit Blick auf die Behandlungsmöglichkeiten in ihre n Herkunftsländern sei festzustellen, dass sowohl Algerien als auch Tunesien über Gesundheits- einrichtungen verfügten, in denen psychische Beschwerden behandelbar seien. Einer weitergehenden Behandlung im F alle einer Rückkehr st ehe damit nichts entgegen. Die Tatsache, dass die psychiatrische Versorgung dort nicht auf westeuropäische m Niveau liege, spiele keine ents cheiden- de Rolle, zumal ihr angesichts der dort bestehenden medizinischen Struk- turen bei einer R ückkehr keine drastische und lebensdrohende Ve r- schlechterung ihres Gesundheitszustands drohe. Damit könne von den vorliegenden gesundheitlichen Beschwerden insgesamt nicht auf eine konkrete Gefährdung in Form einer med izinischen Notlage nach Art . 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) geschlossen werden. An dieser Einschätzung vermöge auch die im vorgenannten ärztlichen Schreiben g eäusserte Be- fürchtung eines Suizids nichts zu ändern. Anders zu entsch eiden hiesse, dass eine vom Wegweisungsvollzug betroffene Person es jederzeit in der Hand hätte, du rch entsprechende Ä usserungen die Gewährung eines Aufenthaltsrechts zu erzwingen. Schlie sslich könne dieser Belastung im Rahmen ein er ent sprechenden Rückkehr vorbereitung – unter Ina n- spruchnahme der medizin ischen Rückkehrhilfe – Rechnung getragen werden. Damit erweise sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und pra k- tisch durchführbar. C. Mit Eingabe vom 20. März 2014 liess die Beschwerdeführerin Beschwe r- de gegen diese Verfügung anheben und die nachfolgend aufgeführten Rechtsbegehren stellen: Die Ziffern 4 und 5 des Entscheids des Bunde s- amtes für Migration vom 18. Februar 2014 seien aufzuheben. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und der Beschwerdeführerin als Folge davon von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Das Beschwerdeverfahren sei mit demjenigen ihres Ehemannes zu koordinieren beziehungsweise bis zu einem En t-D-1479/2014 Seite 5 scheid in dessen Verfahren zu sistieren. Schliesslich sei der Beschwerde- führerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erw ä- gungen eingegangen. D. D.a Mit Zwischenverfügung vom 1. April 2014 wies der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts unter anderem die Gesuche um Gewä h- rung der unentgeltlichen Rechtspflege für die Verfahrenskosten, um B e- stellung einer amtlichen Rechtsbeiständin sowie um Verzicht auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses ab und forderte die Beschwerdeführ e- rin auf, bis zum 17. April 2014 einen Kostenvorschuss von Fr. 600. – zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. D.b Die Beschwerdeführerin leistete den einverlangten Kostenvorschuss am 15. April 2014. D.c Mit Eingabe vom 22. April 2014 liess die Beschwerdeführerin ein nicht datiertes ärztliches Zeugnis zu den Akten reichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das BVGer Beschwerden gegen Verf ü- gungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher ein e Vorinstanz des BVGer. Eine das Sachg e- biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das BVGer ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das BVGer endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwe r- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 D-1479/2014 Seite 6 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrech t (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichte rlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den verfügten Wegwe i- sungsvollzug (Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung vom 18. Februar 2014). Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung der Asylgesuche und die Anordnung der Wegweisung der Beschwerdeführ e- rinnen (Dispositivziffern 1 bis 3 der Verfügung vom 18. Februar 2014) blieben hingegen unangefochten und sind damit in Rechtskraft erwac h- sen. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet deshalb einzig die Frage, ob der Wegweisungsvollzug vom BFM zu Recht als durchführbar bezeichnet wurde. 5. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Massgeblich für die Beurteilung der Frage der Durch- führbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist die Situation im Zeitpunkt des Asyl- respektive des Beschwerdeentscheids. Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des BVGer der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; D-1479/2014 Seite 7 das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflic htungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 5.1.1 Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib , ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses flüchtling s- rechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen, die die Flüch t- lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK erfüllen. Nachdem in der Verfügung vom 18. Februar 2014 rechtskräftig festg e- stellt wurde, dass die Beschwerdeführe rinnen die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht erfüllen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Rückschiebungsverbots vorliegend nicht zur Anwendung gelangen. Der Vollzug der Wegweisung nach Tunesien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 5.1.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten ergeben sich An haltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführe rinnen für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europ äi- schen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN - Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführerinnen eine konkre- te Gefährdung ("real risk") nachweisen oder zumindest glaubhaft m a- chen, dass ihnen im Falle einer Rückschiebung Folter ode r unmenschli- che Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi g e-D-1479/2014 Seite 8 gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtslage in Tun e- sien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als u n- zulässig erscheinen. 5.1.3 Wie den im erstinstanzlichen Asylverfahren eingereichten Arztzeug- nissen (A29) und dem mit Begleitschreiben vom 22. April 2014 deponier- ten ärztlichen Zeugnis zu entnehmen ist, befindet sich die Beschwerd e- führerin seit dem 18. Juni 2012 wegen einer schweren Depression und einer ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung in ambulanter psychiatrischer Behandlung bei der jetzigen Therapeutin . Das Kran k- heitsbild sei, folgt man den Ausführungen im Arztzeugnis vom 11. Sep- tember 2013, gekennzeichnet durch Schlafstörungen, Grübelneigung, Ängste, Konzentrationsstörungen, Intrusionen, Albträume, Dissoziation s- zustände und immer wiederkehrende Flashbacks und Suizidgedanken. Im neusten Arztzeugnis vom April 2014 führt die behandelnde Ärztin in diesem Zusammenhang aus, eine Ausweisung in den Heimatstaat berge die Gefahr einer schweren Retraumatisierung, welche zu einer Ve r- schlechterung ihres Gesundheitszustands und der Suizidalität führen könne. Zudem könne eine solche Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin deutliche negative Auswirkungen auf das erst im Dezember 2013 geborene Kind haben, weil die Mutter bei ei ner weiteren Retraumatisierung sicher nicht in der Lage sein werde, sich adäquat um ihre Tochter zu kümmern. Bereits bei ihrem letzten Termin am 16. April 2014 habe die Beschwerdeführerin eine deutliche Verschlechterung der depressiven Symptomatik und der Ängste gezeigt, weshalb darum geb e- ten werde, von einer Ausweisung der Beschwerdeführerin abzusehen. 6. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift drängt sich auch angesichts der Suizidalität der Beschwerdeführerin keine veränderte B e- trachtungsweise auf. Drohen Ausländer für den Fall des Vollzuges des Wegweisungsentscheides mit Suizid, so ist nac h dem EGMR der we g- weisende Staat nicht verpflichtet, vom Vollzug der Ausweisung Abstand zu nehmen, solange er Massnahmen ergreift, um die Umsetzung der Sui- ziddrohung zu verhindern . In solchem Falle vermag die Ausschaffung nicht gegen Art. 3 EMRK zu verstos sen (vgl. den Unzulässigkeitsen t- scheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. Dragan und andere gegen Deutschland, Nr. 33743/03, angeführt in Entscheidungen und Mitteilu n- gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212). Der gelten d gemachten latenten Suizidalität der B e-D-1479/2014 Seite 9 schwerdeführerin ist deshalb durch Heranziehen von medizinischem Fachpersonal bei der Ausschaffung Rechnung zu tragen. Nach dem G e- sagten trägt die Vollzugsbehörde die Verantwortung für einen komplikat i- onsfreien Wegweisungsvollzug, weshalb die behandelnde Ärztin diesb e- züglich keine besondere Verantwortung trägt. Des Weiteren ist der U m- stand, dass der Standard der medizinischen Versorgung im Heimatland allenfalls für die Beschwerdeführerin weniger vorteilhaft wäre als j ener im Aufenthaltsstaat, für die Beurteilung unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK nicht entscheidend (vgl. Urteil des EGMR vom 27. Mai 2008 i. S. N. gegen Vereinigtes Königreich, Ziff. 34 und 42 - 44), eine weitere Behandlung in der Schweiz somit auch ni cht indiziert. Schliesslich kann die Beschwerdeführerin die Rückkehr in Begleitung ihres Ehemannes a n- treten, zumal über dessen Beschwerde mit Urteil gleichen Datums en t- schieden wird. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung s o- wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu- lässig. 6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimatland oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine solche Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme anzuordnen (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 [S. 748], 2009/41 E. 7.1 [S. 576 f]. ; Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.1.1 In casu lassen weder die allgemeine Lage in Tunesien (und Alge- rien) noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung der B e- schwerdeführerin im Falle e iner Rückkehr in den Heimatstaat oder einer Niederlassung im Heimatstaat des Ehemannes schliessen. 6.1.2 Die im Arztbericht vom 16. April 2014 aufgeführte posttraumatische Belastungsstörung wie auch die Depression der Beschwerdeführerin vermögen nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Sollten sich bei der Beschwerdeführerin im Falle eines allfälligen zwangsweisen Vollzugs der Wegweisung suizidale Tendenzen akzentuie- ren, wäre dem mit geeigneten medikamentösen oder allenfalls auch ps y- chotherapeutischen Massnahmen entgegen zu wirken, so dass für sie e i- ne konkrete Gefahr ernster gesundheitlicher Schäden auszuschliessen wäre. Nach Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts ist die mediz i-D-1479/2014 Seite 10 nisch-psychiatrische Grundversorgung der Beschwerdeführerin in Tune- sien (wie auch in Algerien) gewährleistet, dies umso eher als die B e- schwerdeführerin die Möglichkeit hat, bei Bedarf beim BFM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. Aug ust 1999 über Finanzierung s- fragen [AsylV 2, SR 142.312]). Allein der Umstand, dass die Behan d- lungsmöglichkeiten in Tunesien oder Algerien nicht dem medizinischen Standard in der Schweiz entsprechen, macht den Vollzug nicht unzumu t- bar (vgl. dazu BVGE 2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24). 6.1.3 Für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs spricht zudem, dass die Beschwerdeführerin den allergrössten Teil ihres Lebens in ihrem Heimatland verbracht hat. Die Frage, ob sie dort über ein tragfähiges B e- ziehungsnetz verfügt, auf das sie sich bei ihrer Rückkehr stützen kann und welches ihr eine Reintegration erleichtern würde, kann an dieser Stelle offenbleiben, lässt doch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin ihr Asylgesuch erst nach mehr als siebenjäh rigem illegalem Aufenthalt in der Schweiz und eingehender Beratung (A1/11 Ziff. 15 S. 7) eingereicht hat, ihre Vorbringen generell wie auch diejenigen zu ihrem sozialen Netz unglaubhaft erscheinen. Dies umso mehr, als sich die Beschwerdeführe- rin zu einer zentralen, wesentlichen Frage, nämlich wer sie nach drei Ta- gen freigelassen habe (A1/11 Ziff. 15 S. 5, A10/20 F71 S. 8, F114/5 S. 14, Anmerkung zu F71 S. 18), widersprüchlich geäussert hat. Ausserdem er- scheint es mehr als ungewöhnlich, wenn zwei Personen, d ie sich nicht kennen, die Beschwerdeführerin mit ein- und demselben, etwas ausgefal- lenen Schimpfwort beleidigen (A1/11 Ziff. 15 S. 7 oben, A10/20 Ziff. 84 S. 10). Es drängt sich daher der Eindruck auf, die Vorbringen der B e- schwerdeführerin beruhten nicht a uf Tatsachen. Demgegenüber steht aufgrund ihrer Vorbringen fest, dass sie über eine Mittelschulausbildung ohne Abschluss beziehungsweise eine Ausbildung als Schneiderin sowie Berufserfahrung als Mitarbeiterin in einer Fischereifabrik verfügt und auch während ihres langjährigen illegalen Aufenthalts in der Schweiz stets i h- ren Lebensunterhalt selbst verdient hat. Es ist deshalb anzunehmen, es werde ihr auch nach einer Rückkehr in den Heimatstaat oder Algerien wieder gelingen, sich eine eigene Existenzgrundlag e aufzubauen , dies umso mehr, als ihr ein Ehemann als Partner zur Seite steht. Überdies le- ben zahlreiche Verwandte bzw. Bekannte der Beschwerdeführerin in der Schweiz und Frankreich , teils in Tunesien , die sie bei einer Rückkehr nach Tunesien oder Algerien allenfalls fürs Erste in finanzieller Hinsicht unterstützen können und/oder dies in der Vergangenheit bereits getan D-1479/2014 Seite 11 haben (A1/11 Ziff. 15 S. 5/6, A10/20 F8 S. 3, F27 S. 4, F36 S. 5, F40 S. 6, F91 S. 11). Nötigenfalls kann ihr zur Erleichterung der Eingliederung sei- tens der Schweiz zusätzlich Rückkehrhilfe gewährt werden (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). Abgesehen davon ist festzuhalten, dass blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht genügen, um eine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Auch das Kindeswohl der noch nicht einmal halbjährigen Tochter und das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0.107) stehen der Rückkehr nach Algerien oder Tunesien nicht en t- gegen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung sämtlicher Faktoren ist somit zusammenfassend festzuhalten, dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerinnen nach Tunesien oder Algerien als zumutbar zu er- achten ist. 6.1.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.2 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständ i- gen Vertretung de s Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver fügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf in s- gesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. D-1479/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführerinnen auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Ve r- fahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das BFM und die ka n- tonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: