<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">280</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>52</b></span> <span class="ft2"><b>Entzug des Führerausweises; vorsorglicher Sicherungsentzug</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Kostenregelung gemäss Verwaltungsrechtspflegegesetz vom 4. De-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zember 2007 bei Gegenstandslosigkeit eines Verfahrens betreffend</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vorsorglicher Sicherungsentzug des Führerausweises.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es ist sachgerecht darauf abzustellen, wer das Verwaltungs- und Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schwerdeverfahren veranlasst hat (summarische Prüfung), und in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>welchem Stadium (vor welcher Instanz) das Verfahren gegenstands-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>los geworden ist, wobei sich für das Verfahren vor dieser Instanz eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>pauschale Kostenaufteilung aufdrängt, während der Kostenentscheid</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Vorinstanz nicht zu korrigieren ist (Bestätigung der Rechtspre-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>chung, vgl. AGVE 1998, S. 160 ff.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 16. Juni 2009 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen C.I. gegen den Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2009.151).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Das Strassenverkehrsamt hatte C.I. den Führerausweis wegen</span><br/> <span class="ft1">der Gefahr einer Trunksucht vorsorglich entzogen und eine fachärzt-</span><br/> <span class="ft1">liche Begutachtung in Auftrag gegeben. Nachdem die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">eine dagegen erhobene Beschwerde abgewiesen hatte und in der</span><br/> <span class="ft1">Folge das Verfahren beim Verwaltungsgericht hängig war, hob das</span><br/> <span class="ft1">Strassenverkehrsamt die angefochtene Verfügung gestützt auf das in-</span><br/> <span class="ft1">zwischen vorliegende Gutachten mit sofortiger Wirkung auf.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">11.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem das Strassenverkehrsamt (...) den (...) vorsorglichen</span><br/> <span class="ft1">Entzug des Führerausweises zur Abklärung der Fahreignung betref-</span><br/> <span class="ft1">fend einer allfälligen Trunksucht mit sofortiger Wirkung aufgehoben</span><br/> <span class="ft1">hat, ist das vorliegende Beschwerdeverfahren als gegenstandslos ge-</span><br/> <span class="ft1">worden von der Geschäftskontrolle abzuschreiben.</span><br/> <span class="ft1">12.</span><br/> <span class="ft1">12.1.</span><br/> <span class="ft1">Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten in der</span><br/> <span class="ft1">Regel nach Massgabe des Unterliegens und Obsiegens auf die Par-</span><br/> <span class="ft1">teien verlegt. Wer sein Rechtsmittel zurückzieht oder auf andere</span><br/> <span class="ft1">Weise dafür sorgt, dass das Verfahren gegenstandslos wird, gilt als</span><br/> <span class="ft1">unterliegende Partei. Wird ein Verfahren ohne Zutun einer Partei ge-</span><br/> <span class="ft1">genstandslos, sind die Verfahrenskosten nach den abgeschätzten</span><br/> <span class="ft1">Prozessaussichten zu verlegen oder aus Billigkeitsgründen ganz oder</span><br/> <span class="ft1">teilweise dem Gemeinwesen zu belasten (§ 31 Abs. 2 und 3 des auf</span><br/> <span class="ft1">den 1. Januar 2009 in Kraft getretenen VRPG vom 4. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2007). Das selbe gilt für die Parteikostenverlegung (§ 32 Abs. 2 und</span><br/> <span class="ft1">3 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">12.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht in seinem Entscheid IV/24 vom</span><br/> <span class="ft1">20. Oktober 1998 in Sachen B. S. [WBE.1998.261] - teilweise publi-</span><br/> <span class="ft1">ziert in AGVE 1998, S. 160 ff. - noch unter Geltung des Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsrechtspflegegesetzes vom 9. Juli 1968 (aVRPG), welches sich</span><br/> <span class="ft1">nicht ausdrücklich über die Frage der Verfahrenskosten und der Par-</span><br/> <span class="ft1">teientschädigung in Verfahren ohne Sachentscheid ausgedrückt hatte,</span><br/> <span class="ft1">festgehalten, dass in Verfahren betreffend vorsorglicher Führeraus-</span><br/> <span class="ft1">weisentzug weder eine Kostenverteilung nach dem Ausgang des</span><br/> <span class="ft1">Hauptverfahrens (Obsiegen/Unterliegen) noch nach dem Verursa-</span><br/> <span class="ft1">cherprinzip gerechtfertigt sei. Zur Begründung führte das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht im erwähnten Entscheid an, dass die Gegenstandslosig-</span><br/> <span class="ft1">keit des Verfahrens in solchen Fällen regelmässig dadurch verursacht</span><br/> <span class="ft1">werde, dass die angeordnete Abklärung der Fahrtauglichkeit als Vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzung für den Hauptentscheid durchgeführt worden sei und die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">282</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Verwaltungsbehörde den definitiven Entscheid über den Sicherungs-</span><br/> <span class="ft1">entzug zu fällen habe. Die Massnahmen würden daher teilweise auch</span><br/> <span class="ft1">durch die Durchführung der Abklärungen gegenstandslos. Weiter sei</span><br/> <span class="ft1">auch der Zeitfaktor zu berücksichtigen; das Gutachten oder andere</span><br/> <span class="ft1">Abklärungen und der Entscheid im Hauptverfahren könnten in ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedenen Stadien des Rechtsmittelverfahrens eintreffen oder einge-</span><br/> <span class="ft1">hen. Das Verwaltungsgericht hielt deshalb fest, dass bei Verfahren</span><br/> <span class="ft1">betreffend vorsorglicher Führerausweisentzug sachgerecht darauf ab-</span><br/> <span class="ft1">zustellen sei, wer das Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren veran-</span><br/> <span class="ft1">lasst habe, und in welchem Stadium das Verfahren gegenstandslos</span><br/> <span class="ft1">geworden sei. Unter dem Aspekt der Veranlassung des Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahrens sei lediglich eine summarische Prüfung jener Umstände,</span><br/> <span class="ft1">die zur Einleitung des gesamten Verfahrens betreffend Sicherungs-</span><br/> <span class="ft1">entzug geführt haben, vorzunehmen. Bei der Frage des Zeitpunktes</span><br/> <span class="ft1">sei darauf abzustellen, vor welcher Instanz das Verfahren gegen-</span><br/> <span class="ft1">standslos geworden sei. Für das Verfahren vor dieser Instanz dränge</span><br/> <span class="ft1">sich eine pauschale Kostenaufteilung auf, während der Kostenent-</span><br/> <span class="ft1">scheid der Vorinstanz nicht zu korrigieren sei, da diese im Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren bereits materiell entschieden habe. Aus diesem</span><br/> <span class="ft1">Grund müsse es bei der Kostenauflage im Beschwerdeentscheid sein</span><br/> <span class="ft1">Bewenden haben; dieses Ergebnis sei der zeitlichen Abfolge und der</span><br/> <span class="ft1">Pflicht der Verwaltung, mit dem Eintreffen des Gutachtens in der</span><br/> <span class="ft1">Hauptsache zu entscheiden, angemessen. Aufgrund dieser Erwägun-</span><br/> <span class="ft1">gen nahm deshalb das Verwaltungsgericht in jenem konkreten Fall</span><br/> <span class="ft1">für das verwaltungsgerichtliche Verfahren (in welchem die Gegen-</span><br/> <span class="ft1">standslosigkeit eintrat) eine pauschale Kostenaufteilung (Verfahrens-</span><br/> <span class="ft1">kosten werden je zur Hälfte dem Beschwerdeführer und dem Staat</span><br/> <span class="ft1">auferlegt; die Parteikosten werden dem Beschwerdeführer zur Hälfte</span><br/> <span class="ft1">ersetzt) vor. Der Kostenentscheid des Departements Volkswirtschaft</span><br/> <span class="ft1">und Inneres (vollumfängliche Auferlegung der Verfahrenskosten;</span><br/> <span class="ft1">keine Ausrichtung einer Parteientschädigung) wurde hingegen vom</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht bestätigt (erwähnter VGE, S. 11).</span><br/> <span class="ft1">13.</span><br/> <span class="ft1">Eine summarische Prüfung der Umstände, die zur Einleitung</span><br/> <span class="ft1">des vorliegenden Verfahrens betreffend Sicherungsentzug geführt ha-</span><br/> <span class="ft1">ben, ergibt, dass der Beschwerdeführer durch sein eigenes Verhalten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">283</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">- (...) seit 1983 sieben Führerausweisentzüge, wovon fünf in Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit Alkohol standen; wiederum zwei davon waren definiti-</span><br/> <span class="ft1">ve Sicherungsentzüge wegen Alkoholismus - Anlass für die Einlei-</span><br/> <span class="ft1">tung des Verfahrens gegeben hat, da zahlreiche Verdachtsmomente</span><br/> <span class="ft1">bestanden, wonach eine die Fahreignung ausschliessende Trunksucht</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers nicht ausgeschlossen werden konnte. In die-</span><br/> <span class="ft1">sem Sinne standen die Prozessaussichten im Zeitpunkt des Erlasses</span><br/> <span class="ft1">der Verfügung betreffend vorsorglicher Entzug ebenso wie bei Ein-</span><br/> <span class="ft1">reichung der Beschwerde an die Vorinstanz und bei Einreichung der</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichtsbeschwerde schlecht. Dementsprechend hat die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz materiell entschieden und die Beschwerde abgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">Diese abgeschätzten Prozessaussichten haben zur Folge, dass der</span><br/> <span class="ft1">Kostenentscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres ([...]</span><br/> <span class="ft1">vollumfängliche Auferlegung der Verfahrenskosten; keine Ausrich-</span><br/> <span class="ft1">tung einer Parteientschädigung) nicht zu korrigieren ist. Weil das</span><br/> <span class="ft1">Verfahren während der Rechtshängigkeit vor Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">gegenstandslos geworden ist und unter Berücksichtigung der in</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1998, S. 160 ff. beschriebenen Besonderheiten des Verfahrens</span><br/> <span class="ft1">betreffend vorsorglicher Führerausweisentzug, rechtfertigt es sich je-</span><br/> <span class="ft1">doch, dem Beschwerdeführer aus Billigkeitsgründen lediglich die</span><br/> <span class="ft1">Hälfte der verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten aufzuerlegen;</span><br/> <span class="ft1">die restlichen Verfahrenskosten trägt der Staat. Dem Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer ist die Hälfte der im verwaltungsgerichtlichen Verfahren</span><br/> <span class="ft1">entstandenen Parteikosten zu ersetzen.</span><br/></div> </div> </body> </html>