Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer III III 2024 26 Entscheid vom 27. Juni 2024 Besetzung lic.iur. Achilles Humbel, Präsident lic.iur. Karl Gasser, Richter Monica Huber-Landolt, Richterin MLaw Manuel Gamma, Gerichtsschreiber Parteien A.________ GmbH, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. B.________ und Rechtsanwältin MLaw C.________, gegen Handelsregister Schwyz, Bahnhofstrasse 15, Postfach 1185, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Handelsregister (Löschung einer Gesellschaft von Amtes wegen gemäss Art. 934 OR i.V.m. Art. 153 HRegV)2 Sachverhalt: A.Die A.________ GmbH (nachstehend: die Gesellschaft) mit Sitz in D.________ wurde am 13. November 2020 im Handelsregister eingetragen. Zweck der Gesellschaft war bis 4. Juli 2022 die Führung eines oder mehrerer gastwirtschaftlicher Betriebe (Café/Restaurant/Bar), in welchen neben der übli- chen Bewirtung von Gästen auch kulturelle Anlässe stattfinden konnten. Die Ge- sellschaft konnte einen Catering-Service betreiben und/oder kulturelle Anlässe und Festivitäten auch ausserhalb des Restaurationsbetriebs veranstalten. Seit dem 4. Juli 2022 bezweckt sie die Planung, Ausführung, Kontrolle und Instand- haltung von elektrischen Installationen sowie den Handel mit Waren aller Art, insbesondere Elektrobedarf. Einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der Gesellschaft ist E.________. Er hält sämtliche 200 Stammanteile zu je Fr. 100.-- entsprechend einem Stammkapital von Fr. 20'000.--. B.Mit Schreiben vom 26. September 2023 (Vi-act. 2) informierte das Handels- register des Kantons Schwyz die Gesellschaft, durch die Zustellung von Verlust- scheinen sei es darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die Gesellschaft über keine verwertbaren Aktiven mehr verfüge. Habe eine Rechtseinheit keine ver- wertbaren Aktiven mehr, so lösche das Handelsregister die Gesellschaft aus dem Handelsregister, wenn das aufgeforderte oberste Leitungs- oder Verwaltungsor- gan nicht innert gewährter Frist (30 Tage) ein begründetes Interesse an der Auf- rechterhaltung der Gesellschaft geltend mache. Dieses Schreiben wurde glei- chentags auch dem Geschäftsführer zugesandt (Vi-act. 3). Die Zustellung via Postschalter erfolgte am 29. September 2023. Weder die Gesellschaft noch der Gesellschafter/Geschäftsführer reagierten hierauf. Mittels Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt SHAB vom 15. Dezem- ber 2023 wurden allfällige weitere Betroffene aufgefordert, ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Handelsregistereintrags der Gesellschaft dem Handelsre- gister schriftlich mitzuteilen. Auch hierauf erfolgte keine Reaktion, weder seitens der Gesellschaft oder des Gesellschafters/Geschäftsführers noch Dritter. C.Am 30. Januar 2024 verfügte das kantonale Handelsregister die Löschung der Gesellschaft von Amtes wegen gemäss Art. 934 OR i.V.m. Art. 153 HRegV wie folgt: 1. Die A.________ GmbH (…) wird von Amtes wegen gelöscht. 2. Der Inhalt des Eintrags im Handelsregister lautet wie folgt: "Die Gesellschaft wird in Anwendung von Art. 934 OR von Amtes wegen gelöscht, weil die Gesellschaft keine Geschäftstätigkeit mehr aufweist, keine verwertbaren Aktiven mehr hat und kein Interesse an der Aufrechterhaltung der Eintragung innert angesetzter Frist geltend gemacht wurde."3 3./4. (Gebühren; einstweiliger Verzicht auf die Erhebung einer Ordnungsbusse). 5./6. (Rechtsmittelbelehrung; Zustellung). D.Gegen diese am 31. Januar 2024 zugestellte Verfügung erhebt die Gesell- schaft mit (undatierter) Eingabe vom 28. Februar 2024 (Datum der Postaufgabe) fristgerecht Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung bzw. Abse- hen von einer Löschung im Handelsregister. E.Mit Stellungnahme vom 20. März 2024 beantragt die Vorinstanz die Abwei- sung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Be- schwerdeführers. F.Mit Schreiben vom 10. April 2024 wies sich Rechtsanwältin MLaw F.________ (G.________ AG, H.________) als zur Wahrung der Interessen der Beschwerdeführerin bevollmächtigte Rechtsvertreterin aus und ersuchte um Er- streckung der zur Einreichung einer Replik bis 11. April 2024 angesetzten Frist, was ihr bis 8. Mai 2024 gewährt wurde. Mit Schreiben vom 25. April 2024 infor- mierte sie das Gericht, dass sie die Beschwerdeführerin nicht länger vertrete. Mit Eingabe vom 8. Mai 2024 replizieren die von der Beschwerdeführerin mit Vollmacht vom 30. April 2024 neu mandatierten Rechtsanwälte B.________ so- wie C.________ und stellen folgende Anträge: 1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 30. Januar 2024 vollumfänglich aufzuheben und die A.________ GmbH im Handelsregister des Kantons Schwyz wieder einzutragen. 1bis. Eventualiter sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 30. Januar 2024 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten der Beschwerdegegnerin. G.Mit Stellungnahme (Duplik) vom 16. Mai 2024 hält die Vorinstanz an ihren Anträgen vom 20. März 2024 fest. Hierzu äussert sich die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 29. Mai 2024. Mit Schreiben vom 19. Juni 2024 erklärt die Vor- instanz ihren Verzicht auf weitere Ausführungen. 4 Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1Vor Erlass einer Verfügung oder eines Entscheides prüft die Behörde von Amtes wegen, ob die Voraussetzungen für eine Sachverfügung oder einen Sachentscheid erfüllt sind. Sie prüft unter anderem insbesondere die Rechtsmit- telbefugnis sowie die frist- und formgerechte Geltendmachung des Rechtsan- spruches (§ 27 Abs. 1 lit. d und f des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRP; SRSZ 234.110] vom 6.6.1974). Ist eine der Entscheidungsvoraussetzungen nicht gegeben, trifft die Behörde eine Nichteintretensverfügung oder einen Nichteintre- tensentscheid. 1.2.1Der Beschwerdeführerin droht infolge der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2024 die Löschung im Handelsregister, womit sie am wirtschaftlichen Leben nicht mehr Anteil nehmen könnte. Sie ist folglich durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat auch ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der Verfügung (§ 37 Abs. 1 lit. b und c VRP). 1.2.2Eine Eingabe ans Verwaltungsgericht muss einen Antrag, eine Begrün- dung, die Angabe der Beweismittel und die Unterschrift der Partei oder ihres Ver- treters enthalten (§ 38 Abs. 2 VRP). An Beschwerden von Laien werden praxis- gemäss weniger hohe Anforderungen gestellt als an solche anwaltlich vertretener Parteien (vgl. VGE III 2022 66 vom 19.9.2022 E. 1.2.2; VGE 99/04 vom 13.4.2005 E. 1.2). Auch eine Laienbeschwerde muss allerdings die deutliche Ab- sicht zeigen, dass die Aufhebung oder Änderung eines Entscheids oder einer Verfügung verlangt wird (vgl. Urteil BGer 1P.585/2004 vom 12.1.2005 E. 1.3; BGE 117 Ia 126 E. 5.c). Die Beschwerde enthält zwar keinen konkreten Antrag, indes geht dieser aus dem Kontext, insbesondere dem Einleitungssatz, dass die Gesellschaft weiterhin tätig sei und ihre Dienstleistungen weiterhin ausübe, sinngemäss unmissver- ständlich hervor. Wenn die Beschwerdeanträge von den später beigezogenen Rechtsvertretern erst weit nach Ablauf der Rechtsmittelfrist formgerecht präsen- tiert werden, sind diese daher nicht unzulässig, da sie nicht über den sinngemäs- sen Antrag in der Beschwerdeschrift hinausgehen. Dies gilt auch für den Rück- weisungsantrag, da solche Rückweisungsanträge in der Regel in Hauptanträgen mitenthalten sind bzw. eine allfällige Rückweisung angesichts des Untersu- chungsgrundsatzes und der Rechtsanwendung von Amtes wegen (vgl. § 18 VRP und § 26 VRP) so oder anders zu prüfen ist. Die von der Beschwerdeführerin in- nert Frist selber eingereichte Beschwerdeschrift enthält auch eine (knappe) Be- gründung sowie Beweismittel und ist auch rechtsgenüglich unterzeichnet. 5 1.2.3Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Beurteilung von Beschwer- den gegen Verfügungen des kantonalen Handelsregisters ergibt sich aus § 20a des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Obligationenrecht (EGzOR; SRSZ 217.110) vom 25. Oktober 1974. 1.2.4Nachdem auch die anderen Entscheidungsvoraussetzungen gemäss § 27 Abs. 1 VRP gegeben sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.3Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde hat grundsätzlich aufschiebende Wir- kung (vgl. § 42 VRP). Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass dies vorlie- gend nicht so ist. Die angefochtene Verfügung konnte somit bis anhin nicht voll- streckt werden, d.h. die Beschwerdeführerin ist nach wie vor im Handelsregister eingetragen. Soweit sie also (auch) ihre Wiedereintragung im Handelsregister beantragt, schiesst sie übers Ziel hinaus bzw. ist auf die Beschwerde nicht einzu- treten. 2.Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes sowie die unrichtige Rechtsanwendung, einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens geltend gemacht werden (vgl. § 55 Abs. 1 lit. a und b VRP). Dem Verwaltungsgericht steht auch eine Prüfung der richtigen Handhabung des Er- messens unter anderem dann zu, wenn es als erste kantonale Beschwerdein- stanz zu entscheiden hat, und es sich nicht um Verfügungen des Regierungsra- tes handelt (vgl. § 55 Abs. 2 lit. a VRP). Im Verwaltungsgerichtsverfahren können die Parteien neue Tatsachen und Be- weismittel geltend machen (§ 57 VRP). 3.1.1Weist eine Rechtseinheit keine Geschäftstätigkeit mehr auf und hat sie kei- ne verwertbaren Aktiven mehr, so löscht das Handelsregisteramt sie aus dem Handelsregister (Art. 934 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220] vom 30.3.1911). Das Handelsregisteramt fordert die Rechtseinheit auf, ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Eintrags mitzuteilen. Bleibt diese Auffor- derung ergebnislos, so fordert es weitere Betroffene durch Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt auf, ein solches Interesse mitzuteilen. Bleibt auch diese Aufforderung ergebnislos, so wird die Rechtseinheit gelöscht (Art. 934 Abs. 2 OR; gemäss dieser seit 1.1.2023 geltenden Fassung wird nur noch eine einmalige Publikation verlangt, in der zuvor geltenden Fassung eine dreimalige). Leistet die Rechtseinheit der Aufforderung innert Frist keine Folge, so erlässt das Handelsregisteramt eine Verfügung über die Löschung (vgl. 6 Art. 153 Abs. 1 lit. a der Handelsregisterverordnung [HRegV; SR 221.411] vom 17.10.2007). 3.1.2Die Löschung von Amtes wegen im Sinne von Art. 934 Abs. 1 OR setzt kumulativ voraus, dass die Gesellschaft keine Geschäftstätigkeit mehr aufweist und über keine verwertbaren Aktiven mehr verfügt. Das Vorliegen von definitiven Verlustscheinen weist darauf hin, dass eine Rechtseinheit ohne Aktiven ist. Diese Vermutung kann widerlegt werden. Die Aufgabe der Geschäftstätigkeit muss endgültig sein. Die Schwelle für den Nachweis einer (weiter) bestehenden Ge- schäftstätigkeit ist nicht hoch (Rüetschi, in: SHK-HRegV, Art. 155 N 6). Es genügt grundsätzlich, wenn die Rechtseinheit dem Handelsregisteramt vorbringt, der Eintrag solle bestehen bleiben (vgl. Rüetschi, a.a.O., Art. 155 N 19; OFK/OR- Dürr, Art. 934 N 2; BSK OR-Eckert/Enzler, Art. 934 N 3). Allenfalls bedarf es wei- terer Abklärungen durch das Handelsregisteramt, ob die Rechtseinheit die Ge- schäftstätigkeit endgültig eingestellt hat (BSK OR-Eckert/Enzler, Art. 934 N 2; Botschaft des Bundesrates vom 15.4.2015 zur Änderung des Obligationenrechts [Handelsregisterrecht], BBl 2015 S. 3617 ff., S. 3643). Laut der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung kann eine Rechtseinheit auch eine allfällige Untätigkeit während längerer Dauer mit stichhaltigen Gründen erklären (BGE 80 I 60 E. 2.b; im konkreten Fall eine Konkursdauer von gegen vier Jahren, während der eine nicht auf die blosse Liquidation gerichtete Tätigkeit nicht möglich war). 3.2Zwischen dem 22. September 2023 und dem 23. Oktober 2023 gingen bei der Vorinstanz folgende vom Betreibungsamt D.________ ausgestellte Verlust- scheine betreffend ungedeckt gebliebene Beträge gegenüber der Beschwerde- führerin ein (Vi-act. 1; Beträge in Franken): Gläubiger Forderung Datum Forderung ung. Betrag I.________ Lohnbeiträge 1/2023 4.1.2023 5'464.55 I.________ Lohnbeiträge 6-12/2023 14.12.2022 2'290.75 J.________ Dir. Bundessteuer 2021 13.2.2023 521.55 I.________ Lohnbeiträge 6-12/2022 14.12.2022 21'400.60 Angesichts dieser vier belegten Verlustscheine behauptet die Beschwerdeführe- rin offenkundig zu Unrecht, es hätten nur drei Verlustscheine vorgelegen (Einga- be vom 29.5.2024 S. 2 Rz. 5; hierzu auch unten am Ende dieser Erwägung). Gestützt auf diese vier Verlustscheine und die Feststellung des Betreibungsam- tes, dass neben dem Fehlen von pfändbarem Vermögen auch kein künftiges Einkommen (Ertrag) gepfändet werden könne, durfte die Vorinstanz zu Recht vermuten, dass die Beschwerdeführerin keiner Geschäftstätigkeit mehr nach- geht. In dieser Vermutung durfte sie sich insbesondere nach ihren Schreiben vom 26. September 2023 an die Beschwerdeführerin wie auch den einzigen Ge-7 sellschafter und Geschäftsführer und deren ausbleibenden Reaktionen hierauf bestätigt fühlen (vgl. vorstehend Ingress lit. B). Dieses Stillschweigen der Beschwerdeführerin und ihres Gesellschaf- ters/Geschäftsführers ist einerseits deshalb nicht nachvollziehbar, weil die Be- schwerdeführerin mit ihrer Beschwerde ein Schreiben an die Ausgleichskasse vom 16. August 2023 ins Recht legt, worin sie eine Anpassung der provisori- schen Lohnsumme 2023 auf Fr. 50'000.-- beantragt, was sie mit einem starken Rückgang von Personal und Lohnzahlungen begründet. Hierin kann immerhin ein Indiz für eine wenn auch minimale Geschäftstätigkeit im Jahr 2023 erkannt werden. Anderseits hat die Beschwerdeführerin, wie die von ihr ebenfalls mit der Beschwerde ins Recht gelegte E-Mail-Korrespondenz vom 29. September 2023 mit der Ausgleichskasse samt Auszug aus ihrem Kontokorrent bei der K.________ vom 17. Juli 2023 zeigt, Ende September 2023 an den Verlust- schein Nr. __01, d.h. die vorerwähnte grösste ungedeckte Forderung der Aus- gleichskasse von Fr. 21'400.60, eine Zahlung von Fr. 19'000.-- geleistet (wenn dieser Verlustschein im Betreibungsregisterauszug vom 19.4.2024 [Bf-act. 9] nicht mehr aufgeführt wird, lässt sich dies wohl mit der zwischenzeitlichen Bezah- lung des Restbetrages erklären; vgl. E-Mail der I.________ vom 29.9.2023 an die Beschwerdeführerin betr. Abzahlungsvorschlag für den Ausstand per jenen Zeit- punkt von Fr. 8'568.10 [Beilage zur Beschwerde]). 3.3Mit der Replik vom 8. Mai 2024 und der Triplik vom 29. Mai 2024 lässt die Beschwerdeführerin zahlreiche Belege einreichen (Kontoauszüge aus dem Ge- schäftskonto seit 2023; Rechnungen zu Aufträgen aus dem Dezember 2023; Ar- beitsverträge u.w.). Demgemäss beläuft sich ihr Umsatz seit Anfang 2024 auf Fr. 387'465.76 (Eingabe vom 8.5.2024 S. 5 Rz. 11; Bf-act. 3). Bereits vor Erlass der angefochtenen Verfügung habe sie im Dezember 2023 einen Umsatz von Fr. 46'298.90 erzielt (ebenda; Bf-act. 4). Mit der Triplik vom 22. Mai 2024 belegt die Beschwerdeführerin eine weitere Zah- lung an zwei mit Verlustschein ausgewiesene Forderungen der I.________ (Bf- act. 10 und 9 [Vergleich der Auszüge aus dem Betreibungsregister vom 19.5.2024 sowie 24.5.2024]). Zwar überrascht die sich aus den erwähnten Belegen ergebende plötzliche rege Geschäftstätigkeit, nachdem die Beschwerdeführerin erst noch im August 2023 die Anpassung der (provisorischen) Lohnsumme 2023 auf sehr bescheidene Fr. 50'000.-- mitteilte, und es fällt auf, dass die "beispielhaften Rechnungen" (Bf- act. 5) wie auch die Gutschriften gemäss den Kontoauszügen (Bf-act. 3 f.) aus- schliesslich, jedenfalls überwiegend, auf die L.________ AG ausgestellt sind bzw. seitens dieser Unternehmung erfolgten. Diese Unternehmung bezweckt die 8 Führung eines Fachbetriebes der Baubranche, die Projektierung und Ausführung von Haustechnik- und Bauinstallationen, vernetzten Installationen und Unter- haltsarbeiten im Elektro-Telematikbereich sowie verwandten Dienstleistungen, ferner die Lieferung und Montage von Maschinen und Geräten, sowie Handel von und mit Baustoffen und Elektro-Artikeln aller Art. Diese Zweckbestimmung stimmt weitgehend mit der Zweckbestimmung der Beschwerdeführerin überein. Es lässt sich durchaus fragen, ob die plötzlichen Umsätze namentlich auf - vom Unternehmenszweck nicht abgedecktem - Personalverleih beruhen; Indizien hier- für können in der Anstellung/Arbeitszeitregelung der Mitarbeiter auf Abruf sowie der Barzahlung der Löhne gesehen werde. Des Weiteren wurden die Rechnun- gen an die L.________ AG nicht unter der korrekten Firma, sondern unter der in- existenten Firma "M.________ GmbH" ausgestellt. Neben den erwähnten Bar- Lohnzahlungen fallen auch die wiederholt hohen Barbezüge ab dem Kontokor- rent auf (bis Fr. 40'000.--), die zudem nicht an den einzigen Gesellschafter und Geschäftsführer, sondern an einen Dritten (Verwandten des Gesellschafters [?]) ausgerichtet wurden. Für die vorliegende Beurteilung ist diese Frage bzw. sind diese Auffälligkeiten je- doch irrelevant. Entscheidend ist, dass die Beschwerdeführerin eine (Fortführung der) Geschäftstätigkeit belegt hat bzw. die initial berechtigte Vermutung der Vor- instanz, die Beschwerdeführerin übe (definitiv) keine Geschäftstätigkeit mehr aus, entkräften konnte. 3.4Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die angefochtene Verfügung ist aufzuheben. 3.5Anzufügen ist, dass die Beschwerdeführerin der Vorinstanz zu Unrecht vorhält, keine weiteren Abklärungen betreffend die allfällige Einstellung der Ge- schäftstätigkeit vorgenommen zu haben (Eingabe vom 8.5.2024 S. 7 Rz. 16). Das formalisierte Verfahren (vgl. vorstehend E. 3.1.1 f.) steht gerade im Zeichen einerseits dieser von Gesetzes wegen vorzunehmenden Abklärungen der Behör- de - welchen die Mitwirkungspflicht der Rechtseinheit gegenübersteht (vgl. § 19 VRP) - und anderseits des rechtlichen Gehörs der Rechtseinheit. Dabei ist die Schwelle für den Nachweis einer (weiter) bestehenden Geschäftstätigkeit bzw. die Entkräftung der Vermutung der Behörden wie erwähnt nicht hoch. Im Still- schweigen einer Rechtseinheit auf die schriftliche Aufforderung des Handelsre- gisteramtes wie auch auf die amtliche Publikation im SHAB darf daher mit Recht auf die Bestätigung der Richtigkeit der Vermutung der Aufgabe der Geschäft- stätigkeit geschlossen werden. Die Vorinstanz hat den Untersuchungsgrundsatz nicht verletzt. 9 4.1Die Kosten für den Erlass eines Entscheides oder Zwischenbescheides werden in der Regel der unterliegenden Partei überbunden. Unterliegt sie nur teilweise, werden die Kosten auf die Parteien anteilsmässig verteilt (§ 72 Abs. 2 VRP). Die obsiegende Partei kommt für die Kosten auf, die sie durch ein pflicht- widriges Verhalten im Verfahren verursacht hat (§ 72 Abs. 3 VRP). Ein pflichtwid- riges und/oder trölerisches Verhalten einer grundsätzlich obsiegenden Partei liegt regelmässig vor, wenn diese Partei bestimmte Mitwirkungspflichten nicht (recht- zeitig) erfüllt hat (vgl. VGE 618/99 vom 17.12.1999 E. 4), beispielsweise ein be- stimmtes ausschlaggebendes Beweisstück erst vor Verwaltungsgericht einreicht, obwohl es der Partei möglich und zumutbar gewesen wäre, dieses Beweisstück bereits im vorinstanzlichen Verfahren einzureichen (VGE 860/06 vom 29.8.2006 E. 4; VGE 628/05 vom 16.2.2006 E. 3.2 mit Hinweisen). Sinn und Zweck dieses prozesskostenrechtlichen Verursacherprinzips ist es, unerwünschtes Prozess- verhalten zu sanktionieren, indem die Partei, die unnötigen Verfahrensaufwand verursacht, die Kosten zu tragen hat (Plüss, in: Kommentar VRG, 3. A., § 3 Rz. 56). Die gleichen Gründe rechtfertigen es praxisgemäss auch bei Obsiegen von der Zusprechung einer Parteientschädigung abzusehen (VGE 860/06 vom 29.8.2006 E. 4; VGE 90/05 vom 2.11.2004 E. 2.4; VGE 821/03 vom 27.3.2003 E. 2). 4.2Vorliegend hat die Beschwerdeführerin (und ihr einziger Gesellschaf- ter/Geschäftsführer) auf die Aufforderung der Vorinstanz vom 26. September 2023 hin keinerlei Reaktion gezeigt, und ebensowenig auf die Publikation im SHAB hin. Angesichts der dargelegten geringen Anforderungen an den Nach- weis einer (Fortführung der) Geschäftstätigkeit hätte die Beschwerdeführerin die damals berechtigte Vermutung der Vorinstanz ohne weiteres entkräften können. Soweit die Beschwerdeführerin ihr Bedauern zum Ausdruck bringt und einen damaligen Rückstand bei den administrativen Arbeiten sowie den vier Monate dauernden Wechsel ihres Treuhänders geltend macht (Eingabe vom 8.5.2024 S. 5 Rz. 10), handelt es sich um (Schutz-)Behauptungen, welche ihre Säumnis nicht rechtfertigen können. Es ist evident und konnte entsprechend auch der Be- schwerdeführerin nicht verborgen bleiben, dass gerade die unverzügliche Ver- meidung der angedrohten Löschung im Handelsregister die grundlegende Vor- aussetzung für ihre (weitere) Geschäftstätigkeit und somit für sie von existentiel- ler Bedeutung war und ist. Bei dieser Sachlage sind die Kosten des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens (Gerichtsgebühr, Kanzleikosten und Barauslagen) von Fr. 1'000.-- der Be- schwerdeführerin aufzuerlegen. Eine Parteientschädigung ist ihr nicht zuzuspre- chen. 10 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung des kan- tonalen Handelsregisters vom 30. Januar 2024 im Sinne der Erwägungen aufgehoben. 2. Die Kosten des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens (Gerichtsgebühr, Kanzleikosten und Barauslagen) von Fr. 1'000.-- werden der Beschwerde- führerin auferlegt. Sie hat am 11. März 2024 einen Kostenvorschuss in gleicher Höhe bezahlt, womit die Rechnung ausgeglichen ist. 3. Der beanwalteten Beschwerdeführerin wird für das verwaltungsgerichtliche Verfahren keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwerde* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, 1000 Lau- sanne 14, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). Soweit die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nicht zulässig ist, kann in derselben Rechtsschrift subsidiäre Verfassungsbe- schwerde* erhoben und die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden (Art. 113ff. BGG). 5. Zustellung an: - die Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (2/R; unter Beilage der Ein- gabe der Vorinstanz vom 19.6.2024) - die Vorinstanz (EB) - und das Eidgenössische Amt für das Handelsregister, Bundesrain 20, 3003 Bern (A; z.K.). Schwyz, 27. Juni 2024 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:11 *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 19. Juli 2024