<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 17 S.64</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">64</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>B. Anwaltsrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>17</b></span> <span class="ft2"><b>Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Einforderung eines über die staatliche Entschädigung hinausgehen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den Honorars des unentgeltlichen Rechtsvertreters von der unentgeltlich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vertretenen Partei stellt eine Standeswidrigkeit und Verletzung von § 14</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 2 AnwG dar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 27. Juni 2000.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">2. a) Der unentgeltliche Rechtsvertreter übernimmt eine staatli-</span><br/> <span class="ft5">che Aufgabe und tritt zum Staat in ein Rechtsverhältnis, aufgrund</span><br/> <span class="ft5">dessen er einen öffentlichrechtlichen Anspruch auf Entschädigung im</span><br/> <span class="ft5">Rahmen der anwendbaren kantonalen Vorschriften hat. Es ist ihm</span><br/> <span class="ft5">daher untersagt, sich von der vertretenen Partei entschädigen zu las-</span><br/> <span class="ft5">sen, und er ist insbesondere auch nicht befugt, sich eine zusätzliche</span><br/> <span class="ft5">Entschädigung zu derjenigen auszahlen zu lassen, welche er vom</span><br/> <span class="ft5">Staat erhält (BGE 122 I 325 f., 122 I 1, 117 Ia 22, 108 Ia 11; Walter</span><br/> <span class="ft5">Fellmann, in Berner Kommentar, Der einfache Auftrag (Art. 394 -</span><br/> <span class="ft5">406 OR), Bern 1992, Art. 394 N 146, Bühler/Edelmann/Killer,</span><br/> <span class="ft5">Kommentar zur aargauischen Zivilprozessordnung, 1998, N 1 zu</span><br/> <span class="ft5">§ 130 ZPO). Die Rechnungsstellung an die unentgeltlich vertretene</span><br/> <span class="ft5">Partei stellt eine Standeswidrigkeit dar (BGE 122 I 326, 108 Ia 13).</span><br/> <span class="ft5">Das Gebot des korrekten Abrechnens ergibt sich auch aus dem Leit-</span><br/> <span class="ft5">satz für die Ausübung des Anwaltsberufs in § 14 Abs. 2 AnwG, wo-</span><br/> <span class="ft5">nach der Anwalt die Interessen seines Auftraggebers nach Recht und</span><br/> <span class="ft5">Billigkeit zu wahren hat.</span><br/> <span class="ft5">b) Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass es zwar grund-</span><br/> <span class="ft5">sätzlich möglich ist, dass ein Anwalt für seinen Klienten entschädi-</span><br/> <span class="ft5">gungspflichtige Leistungen erbringt, welche von der unentgeltlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">65</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Rechtspflege nicht abgedeckt sind, beispielsweise, indem er seinen</span><br/> <span class="ft5">Klienten nicht nur in einem Scheidungsverfahren, sondern zusätzlich</span><br/> <span class="ft5">auch noch in einer Erbschaftsangelegenheit vertritt. Der beschuldigte</span><br/> <span class="ft5">Anwalt hat nun aber weder behauptet noch nachgewiesen, dass sich</span><br/> <span class="ft5">seine Forderung auf Leistungen bezog, welche von der unentgeltli-</span><br/> <span class="ft5">chen Rechtspflege nicht erfasst wurden, weshalb sich weitere Erwä-</span><br/> <span class="ft5">gungen dazu erübrigen.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">3. c) Soweit der beschuldigte Anwalt anführt, er sei vom Staat</span><br/> <span class="ft5">nur unzureichend entschädigt worden, ist er darauf hinzuweisen, dass</span><br/> <span class="ft5">eine Bezahlung durch die unentgeltlich vertretene Partei selbst dann</span><br/> <span class="ft5">ausgeschlossen ist, wenn die öffentlichrechtliche Entschädigung</span><br/> <span class="ft5">nicht einem vollen Honorar entspricht. Die Frage, ob es richtig sei,</span><br/> <span class="ft5">den unentgeltlichen Anwalt schlechter zu entschädigen als den frei</span><br/> <span class="ft5">gewählten, berührt nur das Verhältnis zwischen dem unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft5">Anwalt und dem Staat und rechtfertigt es nicht, von der vertretenen</span><br/> <span class="ft5">Partei eine zusätzliche Entschädigung zu verlangen (BGE 108 Ia 13).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>