Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Mai 2017 (720 16 371 / 114) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Gutachtens; Parallelisierung der Einkommen; Höhe des leidensbedingten Abzugs Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Christoph Rudin , Adv o- kat, Falknerstrasse 36, Postfach 186, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1959, meldete sich am 19. Februa r 2014 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. N ach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Ver- fügung vom 3. Oktober 2016 den Anspruch auf eine IV -Rente ab bei einem errechneten IV- Grad von 4 %. Die IV-Stelle stützte sich dabei in m edizinischer Hinsicht auf das rheumatologi- sche Gutachten von Dr. med. B.____, Facharzt FMH fü r Rheumatologie und Facharzt FMH für Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Innere Medizin, vom 15. April 2016, und das psychiatrische Gutachten von PD Dr. med. C.____, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vo m 20. April 2016 sowie die Kon- sensbeurteilung der beiden Fachärzte. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Christoph Rudin, mit Eingabe vom 7. November 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er beantragte unter o/e-Koste nfolge die Aufhebung der angefochte- nen Verfügung sowie die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur Ab- klärung des medizinischen Sachverhalts und zum Erlass einer neuen Verfügung. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unen tgeltlichen Prozessführung und Verbei- ständung mit seinem Rechtsvertreter. In der Begründung wurde ausgeführt, dass sich das rheumatologische Gutachten von Dr. B.____ nicht mit den Diagnosen und den von den behan- delnden Ärzte geschilderten Leiden auseinander setze. Z udem erachte Dr. B.____, anders als die behandelnden Ärzte, weder eine Gewichtslimite noc h spezielle Pausen für notwendig. Zu- dem sei das bidisziplinäre Gutachten widersprüchlich, da d ie Ausführungen von Dr. B.____ in Bezug auf das Schmerzverhalten des Beschwerdeführers von Dr . C.____ widerlegt würden. Weiter wurde gerügt, dass Dr. B.____ die Standardindi katoren gemäss IV-Rundschreiben Nr. 339 nicht angewendet habe. Ausserdem hätte sich die Besch werdegegnerin nicht auf eine bi- disziplinäre Abklärung beschränken dürfen, sondern es hätt en im Rahmen einer polydisziplinä- ren Begutachtung auch eine neurochirurgische und eine O RL-Beurteilung stattfinden müssen. In Bezug auf die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigk eit müsse aufgrund des Alters des Be- schwerdeführers von einer Unverwertbarkeit ausgegangen werden. Ausserdem sei der leidens- bedingte Abzug mit 5 % von der Beschwerdegegnerin zu ti ef bemessen worden in Anbetracht der leidensbedingten Einschränkungen, dem speziellen An forderungsprofil an den Arbeitsplatz, des Alters, der mangelnden schulischen und beruflichen Ausbildung, der Dauer der Heilbehand- lung und des unterdurchschnittlichen Validenlohns. C. Mit Verfügung vom 9. November 2016 bewilligte de r instruierende Präsident der Abtei- lung Sozialversicherungsrecht dem Beschwerdeführer für da s vorliegende Beschwerdeverfah- ren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgel tliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter. D. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 26. Januar 2017 die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der Beschwerdegegneri n vom 3. Oktober 2016, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsproze ssordnung (VPO) vom 16. De- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherung sgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kanto nalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 7. No vember 2016 ist demnach einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob der medizin ische Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt wurde und ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine IV-Rente hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vor aussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausg eglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG, Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Re vision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen (allgemeine Methode des Einkomme nsvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von medizini- schen Fachpersonen zur Verfügung zu stellen sind. Deren Au fgabe ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist ( BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätig- keiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauig- keit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schla uri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Be schwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 121 V 47 E. 2a, 115 V 142 E. 8b, je mit Hinweisen). Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medi zinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würd igen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dies er für die streitigen Belange umfas- send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch d ie geklagten Beschwerden berücksich- tigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben w orden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefocht enen Verfügung auf das bidiszip- linäre Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ vom 15 . April 2016 bzw. 20. April 2016. Der Beschwerdeführer erachtet diese Abklärungen als nicht beweiskräftig. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Dr. B.____ diagnostiziert in seinem Teilgutachten vom 15. April 2016 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsynd rom mit intermittierend spondylogener Ausstrahlung links mit Status nach Fenestration LW4/5 lin ks und Sequestromie L4/5 links bei radikulärem Reiz- und sensomotorischem Ausfallsyndrom L5 l inks bei einer grossen medio- lateralen, nach kaudal umgeschlagenen Diskushernie LWK 4/5 links mit Dorsalverlagerung und Kompression der linken Nervenwurzel L5 am 17. Juli 201 3. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit diagnostiziert Dr. B.____ den Status nach Hämatoma usräumung und Ablatio testis rechts bei skrotalem Hämatom und hämorrhagischen Hodennekrose am 21. November 2013 bei Sta- tus nach Epididymektomie rechts am 11. November 2013 wegen rezidivierender Epididymitis rechts. Die HWS, die BWS und die LWS seien frei beweg lich mit jeweils Endphasenschmerz. Eine radikuläre Symptomatik sei nicht vorhanden. An den Beinen sei die Kraft normal, es be- stehe eine Dermatom-bezogene Hyposensibilität, die als f unktionell zu bezeichnen sei. Der pe- riphere Gelenkstatus sei im Detail unauffällig. Zusamme ngefasst bestehe ein lumbovertebrales Syndrom mit intermittierend spondylogener Ausstrahlung auf der linken Seite ohne radikuläre Symptomatik. Das Röntgendossier zeige einen regelrechten Status nach Operation L4/5, dane- ben Diskusprotrusionen und leichte degenerative Veränder ungen. Diese Befunde entsprächen regelrechten altersentsprechenden Befunden bei Statu s nach einer Operation und könnten die Beschwerden im beklagten Ausmass nicht erklären. Es finde sich eine erhebliche Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben und den objektiv erhebbar en Befunden. Immer wenn derar- tige massive Diskrepanzen vorliegen würden, sei auch ein bewusstseinsnahes Geschehen letztendlich nicht ausgeschlossen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hält Dr. B.____ fe st, dass nach der Rückenoperation mittel- schwere oder schwere Tätigkeiten nicht mehr zulässig seien . Für körperlich leichte Tätigkeiten, bei denen der Beschwerdeführer nicht nur sitzen oder ni cht nur stehen müsse, bei denen er nicht in Zwangsstellungen, nicht repetitiv nur vornüber g ebeugt und nicht Überkopf arbeiten müsse, bei denen er vorwiegend sitzen und gelegentlich auch die Position wechseln könne, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bezogen auf ein Ganztagespensum. Diese Arbeitsfä- higkeit bestehe seit dem 16. Dezember 2013, zuvor habe vom 24. Mai 2013 bis 15. Dezember 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden. Der Beschwerdeführer selbst halte sich für vollständig arbeitsunfähig. Vor diesem Hintergrund sei en berufliche Massnahmen wenig sinn- voll. Dr. C.____ stellt in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 20. April 2016 keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirku ngen auf die Arbeitsfähigkeit seien Anpassungsprobleme an veränderte Lebensumstände. Die i nnerpsychische Struktur des Be- schwerdeführers sei weitgehend unauffällig. Es könne we der eine Persönlichkeitsstörung noch eine neurotische Störung diagnostiziert werden, sodass di e innerpsychische Struktur als weit- gehend bland bezeichnet werden könne. Auch eine Affekt pathologie könne ausgeschlossen werden. Im objektiven Psychostatus zeige der Explorand kein erlei auffälligen Parameter. Der objektive Untersuchungsbefund korreliere gut mit den subjektiven Angaben des Exploranden, der eine depressive Grundstimmung verneine. Er berichte zwar, er sei seit 2013 psychisch labil, nach dem Tod einer Schwägerin und eines Schwagers, na ch dem mutmasslichen gemeinsa- men Suizid der Eltern, nach der Rückenoperation und de n beiden Hodenoperationen sowie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach dem Verlust der Arbeitsstelle. Er sei belastet durch die enge finanzielle Situation, erlebe sich aber nicht als depressiv. Er verneine Freud-, Interesse- , Lust- und Antriebslosigkeit, eben- so Tagesmüdigkeit. Damit seien die Eingangskriterien fü r eine depressive Episode nicht erfüllt. Entsprechend habe er auch nie psychotherapeutische oder r egelmässige psychopharmakologi- sche Hilfe beansprucht. Der Explorand habe zwar eine ge wisse gedankliche Einengung um die Rückenschmerzen präsentiert, was sich nachvollziehen lasse, er sei aber nicht immer wieder auf diese Schmerzen zu sprechen gekommen und habe auch zu keinem Zeitpunkt theatralisch oder demonstrativ gewirkt. Insgesamt zeige sich auch keine eigentliche Schmerzausweitung, sondern die Schmerzen würden hauptsächlich den lumbalen Rücken betreffen, wo eine Opera- tion erfolgt sei. Ferner berichte er über teilweise Au sstrahlung ins linke Bein sowie über Hüftge- lenksschmerzen. Eine eigentliche Schmerzausweitung liege a lso nicht vor. Vor diesem Hinter- grund sei die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu verwerfen. Auf- grund der erwähnten Ereignisse im Jahr 2013 und aufgr und der engen finanziellen Situation neige der Explorand dazu, sich vermehrt auf seine Körpe rschmerzen zu fokussieren und diese verstärkt zu erleben. Insofern könne dieses verstärkte Schme rzerleben als Ausdruck von An- passungsproblemen an veränderte Lebensumstände verstande n werden. Die Diagnose von Anpassungsproblemen an veränderte Lebensumstände sei in dessen eine sogenannte Z- Diagnose, welche als psychiatrische Nebendiagnose einzig ein e psychosoziale Belastungssitu- ation abbilde und für die Frage der Arbeitsfähigkei t nicht relevant sei. Die qualitativen Funkti- onsfähigkeiten seien aus psychiatrischer Sicht allesamt vollu mfänglich erhalten. Er gehe im Haushalt zur Entlastung seiner Ehefrau verschiedenen Tä tigkeiten nach. So bereite er alle Mahlzeiten zu, erledige die Einkäufe und die Wäsche. E r bearbeite Fotos am PC und trainiere gelegentlich auf dem Hometrainer. Er pflege Beziehung en zu seinen Brüdern und einigen Kol- legen sowie zur Familie. Seine innerpsychischen Ressourcen seien somit erhalten. Die Arbeits- fähigkeit des Exploranden sei aus psychiatrischer Sicht zu 1 00 % erhalten, sowohl in der ange- stammten Tätigkeit als auch in jeder anderen Verweistätigkeit. Anlässlich der Konsensbesprechung vom 13. April 2016 gelangen Dr. B.____ und Dr. C.____ im Hinblick darauf, dass aus psychiatrischer Sicht keine Ei nschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt, zum Schluss, dass aus gesamtmedizinischer Sicht die rheumatologische Zumutbar- keitsbeurteilung massgeblich sei. 5.3 Das bidisziplinäre Gutachten genügt sowohl formal al s auch inhaltlich den bundesge- richtlichen Vorgaben an ein beweistaugliches medizinisches G utachten. Es beruht auf umfas- senden Explorationen, berücksichtigt die ganze Krankengesc hichte, setzt sich mit den Beurtei- lungen der behandelnden Ärzte differenziert auseinand er und ist in seinen Schlussfolgerungen und Beurteilungen schlüssig und nachvollziehbar. 5.4.1 Der Beschwerdeführer scheint dem psychiatrischen Tei lgutachten zuzustimmen, da er gegen das Gutachten von Dr. C.____ keine Einwände gelte nd macht. Gegen das Gutachten von Dr. B.____ hingegen bringt er verschiedene Einwendungen vor. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4.2 Er beanstandet zunächst generell, dass sich die Besc hwerdegegnerin nicht auf eine bidisziplinäre Abklärung hätte beschränken dürfen, sonde rn auch eine neurochirurgische und eine ORL-Beurteilung hätte miteinbeziehen müssen. Das bundesgerichtliche Präjudiz BGE 139 V 349, das der B eschwerdeführer zur Begründung seines Einwandes anführt, hält fest, dass bei noch fehlend er Sicherung der Gesundheitsprob- lematik eine polydisziplinäre Abklärung indiziert sei, das s aber in Fällen, in denen die medizini- sche Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei F achgebiete beschlägt, eine mono- oder bidisziplinäre Abklärung zulässig sei. Vorliegend fo kussieren sich die Beschwerden des Beschwerdeführers auf Rückenschmerzen, was auch der Anmeld ung zum Leistungsbezug zu entnehmen ist, wo ausschliesslich auf die Rückenschmerzprob lematik hingewiesen wurde. Nachdem bereits die behandelnden Ärzte Dr. med. D.___ _ und Dr. med. E.____ darauf hinge- wiesen hatten, dass das Ausmass der geklagten Schmerzen nicht mit den objektiv nachweisba- ren Gesundheitsschäden erklärbar sei, war neben der rheu matologischen klarerweise auch eine psychiatrische Abklärung indiziert. Weitere gesundhe itliche Probleme, die den Einbezug weiterer Disziplinen nahelegen, sind nicht ersichtlich. So weit der Beschwerdeführer den Einbe- zug der Fachdisziplin Neurochirurgie wegen der erfolgt en Rückenoperation für erforderlich hält, ist festzustellen, dass weder irgendwelche unklaren Folgen aus dieser Operation im Raum ste- hen noch eine Indikation für eine weitere Operation g eltend gemacht wird, sodass kein Grund vorliegt, neben der rheumatologischen eine neurochirur gische Abklärung zu veranlassen. Was die vom Beschwerdeführer verlangte ORL-Abklärung anbelangt, so wurden gemäss Dr. B.____ die Schwindelanfälle neurologisch von Dr. med. F.____, Facharzt für Neurologie FMH, wie auch vom HNO-Facharzt Dr. med. G.____ abgeklärt, ohne dass ein e organische Ursache ermittelt werden konnte. Der Beschwerdeführer mutmasst selbst, das s viele seiner Beschwerden eine seelische Ursache hätten. Dass die Schwindelanfälle objektiviert werden und einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben könnten, erscheint daher we nig wahrscheinlich. Insgesamt ist daher zur Auffassung zu gelangen, dass mit der erfolgten bidiszi plinären Begutachtung der medizini- sche Sachverhalt umfassend abgeklärt wurde. 5.4.3 Der Beschwerdeführer bringt zudem vor, dass Dr. B .____ sich nicht mit den Diagnosen der behandelnden Ärzten auseinander setze. Dieser Einwa nd, der im Übrigen nicht weiter be- gründet wird, kann nicht nachvollzogen werden. Dr. B.__ __ setzt sich auf S. 13-33 sehr wohl mit den Einschätzungen der behandelnden Ärzte Dr. med. H.____, Allgemeinmedizin FMH, Dr. med. D.____, Facharzt FMH für Rheumatologie, physikali sche Medizin und Rehabilitation, und Dr. med. E.____, Facharzt FMH für Rheumatologie, physi kalische Medizin und Rehabilitation, auseinander und zwar sehr differenziert. Dabei kommt e r zum Schluss, dass er weitestgehend mit ihren Einschätzungen übereinstimmt. 5.4.4 Der Beschwerdeführer wendet ferner ein, die Zu mutbarkeitsbeurteilung von Dr. B.____ widerspreche der Beurteilung der behandelnden Ärzten, da Dr. B.____ weder eine Gewichtsli- mite noch Pausenbedarf postuliere. Wie die Beschwerde gegnerin zu Recht festhält, erachtet Dr. B.____ nur noch leichte Tätigkeiten als zumutbar, damit ist automatisch auch eine Ge- wichtslimite verbunden. So bestätigt Dr. B.____ in seine m Gutachten auf S. 32 zum Beispiel ausdrücklich das Belastungsprofil von Dr. H.____, der in se inem Bericht vom 28. März 2014 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Gewichtslimite von 10 kg festlegt. Einen Pausenbedarf legt Dr. B.____ in der Tat nicht fest, was aber bei einer zwingend ausschliesslich leichten Tätigkeit nachvollziehbar ist. 5.4.5 Der Beschwerdeführer stellt sich zudem auf den Sta ndpunkt, dass Dr. B.____ der Ein- schätzung von Dr. C.____ widerspreche, indem er implizit von einer Aggravation ausgehe, wäh- rend Dr. C.____ eine Aggravation ausdrücklich verneine. Es trifft zu, dass Dr. B.____ Diskre- panzen zwischen der Selbsteinschätzung und den objektiven Befunde feststellt und ausführt, dass beim Vorliegen solcher Diskrepanzen ein bewusstseinsn ahes Geschehen letztendlich nicht ausgeschlossen werden könne. Dr. C.____ seinerseit s führt aus, dass er keine Hinweise auf eine Verdeutlichungstendenz oder Aggravation festg estellt habe. Diese unterschiedliche Einschätzung ist nicht zwingend als Widerspruch zu lesen, son dern indiziert vielmehr ein unter- schiedliches Verhalten des Beschwerdeführers anlässlich der Explorationen bei Dr. B.____ und Dr. C.____. Offensichtlich hat der Beschwerdeführer be i der Untersuchung durch Dr. B.____ sein Schmerzerleben demonstrativer dargestellt als bei der Untersuchung durch Dr. C.____, was aber insofern nachvollziehbar ist, als auch der Beschw erdeführer wusste, dass es der rheumatologische Experte ist, der den Einfluss der Rücken schmerzen auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt. 5.4.6 Der Beschwerdeführer wendet schliesslich gegen das G utachten von Dr. B.____ ein, dass Dr. B.____ die Indikatorenprüfung, die gemäss der n euen bundesgerichtlichen Schmerz- rechtsprechung vorzunehmen sei, nicht korrekt vorgenommen habe. Dr. B.____ listet in seinem Gutachten den von der IV ausgearbeiteten Fragekatalog f ür die Indikatorenprüfung vollständig auf, bei der Beantwortung der einzelnen Fragen verwe ist er aber jeweils nur auf vorangehende Ausführungen im Gutachten. Die Antworten führen so zu meist ins Leere, weil an den verwiese- nen Textstellen kein klarer Aufschluss zu den Indikatoren fragen zu finden ist. Insofern ist die Kritik des Beschwerdeführers am Gutachten verständlich; dies umso mehr, als auch Dr. C.____ die Indikatorenprüfung auf genau dieselbe Art vornimmt. Im vorliegenden Fall hat dieser Mangel aber keinen Einfluss auf den Beweiswert des Gutachtens, da auf die Indikatorenprüfung ver- zichtet werden konnte, nachdem Dr. C.____ das Vorliege n einer somatoformen Schmerzstö- rung ausdrücklich verwarf und auch kein anderes pathogen etisch ätiologisch unklares syndro- males Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage diagnostiziert wurde. 5.5 Insgesamt erweisen sich damit die Einwendungen des Be schwerdeführers gegen den Beweiswert des Gutachtens von Dr. B.____ als nicht stichhaltig. Die Beschwerdegegnerin stütz- te sich somit zu Recht auf das Doppelgutachten von Dr. B._ ___ und Dr. C.____. Es ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für eine körperlich leichte Tätigkeit, bei welcher er nicht nur sitzen muss, nicht nur stehen muss, nicht Überkopf arbeiten muss, vorwiegend sitzen und auch gelegentlich die Position wechseln kann, zu 100 % arbeits- fähig ist bezogen auf ein Ganztagespensum. 6.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Der Beschwerdeführer bestreitet zum Einen die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit aufgrund seines fortgeschrittenen Alters. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei der Best immung des trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einkommen s darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsge- legenheit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form mög- lich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch ni cht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbei tgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vorneherein als a usgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 2 .1; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) hält von sei ner Struktur her einen Fächer verschie- denartiger Stellen offen, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intel- lektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körpe rlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingli ederung noch im Rahmen der der versicherten Person auf einem au sgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeiten der Verwertung ihrer Restarbei tsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamte n objektiven und subjektiven Gege- benheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (BGE 1 13 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Es geht bei dieser Beurteilung somit um die Einschätzung der Chancen der versicherten Person, trotz der im Einzelfall einzuhaltenden Restriktionen bezüglich Arbeitsplatz, Arbeitshaltung, Arbeitszeit und Art der Tätigkeit von einem durchschnittlichen Ar beitgeber noch angestellt zu werden, das heisst um die für die versicherte Person realistischerweis e noch vorhandenen oder nicht mehr vorhandenen Arbeitsmarktchancen (Urteil des Bundesgericht s vom 17.Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 3.2). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen An spruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (Urteil der EVG vom 21. August 2006, I 831/05, E. 4.1.1 mit Hinweisen). 6.2.2 Die höchstrichterliche Rechtsprechung hat das for tgeschrittene Alter, obgleich an sich ein "invaliditätsfremder" Gesichtspunkt (Urteil des EVG vom 29. August 2002, I 97/2000, E. 1.4), als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit den weiteren persönlichen und beruflichen Ge- gebenheiten Rahmenbedingungen für die Beurteilung b ildet, ob die grundsätzlich denkbaren Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmar kt realistischerweise noch nachge- fragt werden und ihre Verwertung auch gestützt auf di e Selbsteingliederungspflicht unter allen massgebenden Aspekten noch zumutbar ist (BGE 138 V 457, Ur teile des EVG vom 21. August 2006, I 831/2005, E. 4, vom 5. August 2005, I 376/05 , E. 4, vom 27. Mai 2005, I 819/2004, E. 2.2, vom 4. April 2002, I 401/2001, E. 4b). Der Ein fluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich indessen nicht nach einer allgemeinen Regel bemess en. Die Bedeutung des fortgeschrit- tenen Alters für die Besetzung entsprechender Stellen ergibt sich vielmehr aus den Umständen des Einzelfalls, die mit Blick auf die Anforderungen de r Verweisungstätigkeiten massgebend sind. Zu denken ist zunächst an die Art und Beschaffenh eit des Gesundheitsschadens und sei- ner Folgen. Angesichts der beschränkten Dauer verbleibend er beruflicher Aktivität ist sodann namentlich auch der absehbare Umstellungs- und Einarbeit ungsaufwand, dessen Ausmass wiederum anhand von Kriterien wie der Persönlichkeitsst ruktur, vorhandenen Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung und beruflichem Werdegang so wie der Anwendbarkeit von Berufser- fahrung aus dem angestammten Bereich abzuschätzen ist, zu bedenken (Urteil des Bundesge- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht richts vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008, E. 4.2.2 mit Hin weisen auf weitere Entscheide; Urteile des EVG vom 5. August 2005, I 376/2005, E. 4.1 und vom 23. Oktober 2003, I 392/2002, E. 2.3). 6.2.3 Zur Frage, ob ältere Menschen ihre Restarbeitsf ähigkeit wirtschaftlich noch verwerten können, hat das Bundesgericht eine reiche Rechtsprechung e ntwickelt, die, wie bereits von der Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung unter Ziffer 2c/aa ausführlich dargelegt, relativ hohe Hürden setzt. Von einem vorgerückten Alter ist – un ter Berücksichtigung allfälliger Beson- derheiten des Einzelfalles – in der Regel ab rund 60 Jahren auszugehen (vgl. den Überblick im Urteil des Bundesgerichts vom 10. September 2013, 8C_345/2013, E. 4). 6.3 Das fortgeschrittene Alter kann damit der Verwertu ng der Restarbeitsfähigkeit entge- genstehen, wenn die Restarbeitsfähigkeit in einem gew issen Umfang beeinträchtigt ist. Vorlie- gend war der Beschwerdeführer im massgeblichen Zeitpunk t der Erstellung des Gutachtens erst 57 Jahre alt und stand acht Jahre vor Erreichung des ordentlichen AHV-Alters. Angesichts der Restarbeitsfähigkeit von 100 % in einer leidensan gepassten Tätigkeit ist eine Unverwert- barkeit gemäss der strengen Praxis des Bundesgerichts klarerw eise ausgeschlossen. Der Be- schwerdeführer bringt auch keine weiteren Argumente vor , welche eine Unverwertbarkeit be- gründen könnten. 7.1 Wie bereits oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.4 hi ervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgr und eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicher te Person nach Eintritt der Inva- lidität und nach Durchführung der medizinischen Behand lung und allfälliger Eingliederungs- massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeg lichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Er werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Validenei nkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b eiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander ge genübergestellt werden. Aus der Ein- kommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 7.2 Gegen die konkrete Berechnung des Valideneinkommens gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin und die Ermittlung des Inval ideneinkommens gestützt auf die LSE Tabellenlöhne 2014 erhob der Beschwerdeführer keinen Einwand. Nachdem sich aus den Ak- ten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsa nwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine detaillierte Ausei- nandersetzung mit der Berechnung des Validen- sowie de s Invalideneinkommens. Es kann diesbezüglich grundsätzlich vollumfänglich auf die entspre chenden Ausführungen der Be- schwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 7.3 Der Beschwerdeführer rügt jedoch, dass das Validene inkommen verglichen mit dem branchenüblichen Lohn unterdurchschnittlich gewesen sei, was beim Einkommensvergleich berücksichtigt werden müsse. Zudem habe die Beschwerdegeg nerin die Höhe des leidensbe- dingten Abzugs beim Invalideneinkommen zu tief bemessen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4.1 Hat eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen ein deutlich unterdurch- schnittliches Einkommen bezogen, so ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, es sei denn, es bestünd en Anhaltspunkte dafür, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommen sniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditä tsfremde Gesichtspunkte zurückzu- führenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkom- men gleichmässig zu berücksichtigen sind. Diese Paralleli sierung der Einkommen kann praxis- gemäss entweder auf Seiten des Valideneinkommens durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder durch Abstellen au f die statistischen Werte oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 134 V 325 f. E. 4.1). Wie das Bundesgericht mit BGE 135 V 297 ff. präzi- siert hat, ist der tatsächlich erzielte Verdienst allerd ings erst dann im Sinne von BGE 134 V 325 f. E. 4.1 deutlich unterdurchschnittlich, wenn er mindestens 5 % vom bran- chenüblichen Tabellenlohn abweicht. Ebenso hat das Bun desgericht in diesem Entscheid fest- gehalten, dass eine Parallelisierung der Vergleichseinkom men bei Erfüllung der übrigen Vo- raussetzungen nur in dem Umfang erfolgen darf, in welch em die prozentuale Abweichung den Erheblichkeitsgrenzwert von 5 % übersteigt (BGE 135 V 303 f. E. 6.1.2 und 6.1.3). 7.4.2 Die Beschwerdegegnerin ermittelte in der Verfü gung einen Minderverdienst von 12.36 %, in der Vernehmlassung einen von 10 %. Gestützt auf die Abklärungen der Beschwer- degegnerin würde der Beschwerdeführer in der angestamm ten Tätigkeit bei der ehemaligen Arbeitgeberin bei einem Pensum von 100 % einen Jahresv erdienst von Fr. 58'074.-- erzielen. Gemäss LSE 2014, Tabelle TA1, Verkehr und Lagerei, Kom petenzniveau 1, Männer, hätte der branchenübliche Lohn monatlich Fr. 5'481.-- betragen . In Berücksichtigung der wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden und der Nominallohnentwi cklung von 0.3 % ist damit ein Jahres- einkommen als Vergleichswert von Fr. 68’774.-- heranzuzie hen. Vergleicht man diese beiden Jahreseinkommen, so zeigt sich, dass der Beschwerdeführer b ei der ehemaligen Arbeitgeberin einen Lohn erzielte, der rund 15 % unter dem branche nüblichen Lohn gemäss LSE Tabelle 2014 lag. Die Voraussetzungen für eine Parallelisieru ng sind somit gegeben. Der ehemalige Lohn unterschreitet die Erheblichkeitsgrenze um 10 %, weshalb das Invalideneinkommen in diesem Umfang herabzusetzen ist. 7.5.1 Zu prüfen ist zudem die Höhe des leidensbedingte n Abzugs. Von einem anhand der Tabellenlöhne der LSE erhobenen Invalideneinkommen sind praxisgemäss verschiedene Ab- züge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das damalige EVG seine Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen si nd, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles abhä ngt (leidensbedingte Einschrän- kung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/Au fenthaltskategorie und Beschäftigungs- grad), welche nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft z u schätzen sind. Dabei ist der Ab- zug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller je weils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5.2 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin für die leidensbedingten Einschränkungen einen Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 5 % vorg enommen. In Anbetracht des Um- stands, dass der Beschwerdeführer für eine körperlich leich te Tätigkeit, bei welcher er nicht nur sitzen muss, nicht nur stehen muss, nicht Überkopf arbeite n muss, vorwiegend sitzen und auch gelegentlich die Position wechseln kann, ist der von de r Beschwerdegegnerin gemachte Abzug für die gesundheitlichen Einschränkungen nicht zu beanst anden. Soweit der Beschwerdeführer rügt, dass bei Teilerwerbstätigkeit der Lohn überpropo rtional tiefer entlöhnt werde als bei Voll- zeittätigkeit, kann ihm nicht gefolgt werden, da er sei ne Restarbeitsfähigkeit in einem 100 % Pensum verwerten kann. Die Frage einer Lohnminderung aufgrund von Teilzeittätigkeit stellt sich daher gar nicht. Die vom Beschwerdeführer weiter vorgebrachten Umstände wie sein Alter, die mangelnde schulische und berufliche Ausbildung sowie das Ausscheiden aus dem Arbeits- markt rechtfertigen ebenfalls keinen weiteren Abzug. So wird der mangelnden beruflichen Bil- dung mit der Berücksichtigung des tieferen Lohnes aus dem Kompetenzniveau 1 bereits Rech- nung getragen. Auch der Faktor Alter wirkt sich nicht (zwi ngend) lohnsenkend aus, da Hilfsar- beiten auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt altersunabhängig nachgefragt wer- den (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 20. Februar 2 014, 8C_672/2013, E. 3.3, und vom 17. November 2015 9C_380/2015 E. 3.2.4). Vor diesem Hint ergrund erscheint ein Abzug von 5 % als angemessen. Demnach beträgt das massgebende Invaliden einkommen Fr. 56’988.-- (Fr. 66'652.- - Fr. 6'665.- - Fr. 2'999.--). 7.6 Stellt man das Valideneinkommen von Fr. 58'074.-- dem Invalideneinkommen von Fr. 56’988.-- gegenüber, resultiert ein IV-Grad von 2 %. Selbst beim maximal zulässigen Abzug von 25 % würde mit 11 % kein iv-relevanter IV-Grad res ultieren. Daraus folgt, dass die Be- schwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom 10 . November 2015 zur Recht einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint hat. D ie dagegen erhobene Beschwerde ist somit abzuweisen. 8. Zusammenfassend folgt aus dem Gesagten, dass die Beschwe rdegegnerin den Ren- tenanspruch zu Recht ablehnte. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinde n. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanto- nalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in der Regel in angemessenem Ausmass de r unterliegenden Partei aufer- legt. Im vorliegenden Verfahren hat der Beschwerdefüh rer als unterliegende Partei zu gelten. Es sind ihm deshalb die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen. Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 9. November 2016 di e unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung für das vorliege nde Verfahren bewilligt worden sind, ge- hen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 9.2 Gemäss dem Ausgang des Verfahrens sind die ausserorden tlichen Kosten wettzu- schlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Zufolge Bewilligung der u nentgeltlichen Prozessführung wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar von Fr. 1'294.90 (5.75 Std. à Fr. 200.-- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht inklusive Auslagen von Fr. 41.-- und 8 % Mehrwertsteuer) entsprechend dem in der Honorarno- te vom 24. Februar 2017 ausgewiesenen Aufwand aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘294.90 (inkl. 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gericht skasse ausge- richtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht