<h2>SubmittedText<h2><p>Laut SBB sind 2011 90 Prozent der Züge, die in der Schweiz verkehrten, pünktlich angekommen (Medienmitteilung vom März 2012). Diese sehr erfreuliche Quote gilt jedoch nicht für alle Kantone. Eine Karte auf der Website der SBB zeigt z. B., dass seit Anfang 2012 in den beiden Grenzgebieten Basel und Genf 87 Prozent der Züge pünktlich sind, im Tessin aber nur 76 Prozent. Das ist ein Unterschied von mehr als 10 Prozentpunkten zu den beiden Grenzkantonen, die ebenfalls mit einem internationalen Eisenbahnnetz konfrontiert sind, analog zu demjenigen im Tessin. Der Vergleich mit dem nationalen Durchschnitt ist noch ernüchternder: minus 15 Prozent!</p><p>Diese Daten scheinen also den allgemeinen Eindruck zu bestätigen, dass die Qualität des Zugverkehrs im Tessin, insbesondere die Pünktlichkeit der internationalen Züge auf der Strecke Zürich-Italien, stetig abnimmt.</p><p>Um die Lage beobachten und einen Jahres- und Regionenvergleich anstellen zu können, wäre es nützlich, die Statistiken zu den Verspätungen und Ausfällen der Züge, die im Tessin verkehren, im Detail zu kennen.</p><p>Ich bitte den Bundesrat deshalb um eine Antwort auf die folgenden Fragen:</p><p>1. Wie erklärt er sich den prozentualen Unterschied bei den Verspätungen zwischen dem Tessin und den beiden Grenzgebieten Basel und Genf, der aus den Daten der SBB hervorgeht?</p><p>2. Wie sieht die Entwicklung bei der Häufigkeit der Verspätungen und Ausfälle von Zügen, die vom Tessin nach Zürich und Mailand fahren, in den letzten zehn Jahren aus?</p><p>3. Falls diese Angaben belegt sind: Welches sind die Gründe für die Verschlechterung der Qualität des Eisenbahnbetriebs (Pünktlichkeit und Zugausfälle)?</p><p>4. Ist es möglich, für das Tessin (und für 2011) folgende "Ranglisten" zu erhalten:</p><p>a. Züge mit der grössten Verspätungshäufigkeit;</p><p>b. Züge mit der grössten Ausfallhäufigkeit;</p><p>c. die längsten Verspätungen;</p><p>d. Bahnhöfe mit den meisten durchschnittlichen Verspätungen;</p><p>e. Anzahl Zugausfälle nach Kantonen?</p><p>Quelle: http://www.sbb.ch/sbb-konzern/verantwortung-fuer-gesellschaft-und-umwelt/puenktlichkeit.html</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Anfrage basiert auf den Pünktlichkeitsmessungen der SBB-Züge in verschiedenen Bahnhöfen. Konkret werden in der Anfrage die von den SBB kommunizierten Werte für die Bahnhöfe Basel, Genf und Bellinzona verglichen.</p><p>An den Grenzbahnhöfen Basel, Genf und Chiasso eintreffende Züge aus dem Ausland sind in dieser Statistik nicht enthalten. Verspätete Züge aus dem Ausland fliessen dann in die Statistik ein, wenn sie verspätet in der Schweiz weiterfahren. In Basel werden stark verspätete internationale Züge oft vorzeitig gewendet, und in der Schweiz wird mit Ersatzkompositionen gefahren, um die Auswirkungen der Verspätungen auf das nationale Netz der SBB gering zu halten. In Genf enden die meisten internationalen Züge und haben demzufolge keine Auswirkungen auf die Pünktlichkeit im nationalen Netz. Anders präsentiert sich die Situation in Chiasso, wo verspätete Züge aus Mailand meist bis Zürich bzw. Basel weiterfahren und sich demzufolge auf die Verspätungsstatistiken in den Tessiner Bahnhöfen auswirken.</p><p>Der Bundesrat teilt die Unzufriedenheit mit der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bestimmter Verbindungen im Nord-Süd-Verkehr, namentlich mit den Eurocityzügen (EC) via Gotthard von und nach Mailand.</p><p>2. Die Auswertungen der SBB zeigen, dass die Pünktlichkeitsprobleme im Tessin einzig beim EC-Verkehr zwischen Zürich/Basel und Mailand liegen. Die dort registrierten schlechten Werte ziehen die durchschnittliche Pünktlichkeit massiv nach unten. Die Werte im nationalen Verkehr (Fernverkehr und S-Bahn-Verkehr) sind gut bis sehr gut und absolut vergleichbar mit anderen Regionen. Sie bewegen sich seit Jahren konstant auf einem hohen Pünktlichkeitsniveau. Die Pünktlichkeit beim EC-Verkehr zwischen Zürich/Basel und Mailand liegt hingegen seit Jahren deutlich unter den Werten des nationalen Verkehrs. Eine signifikante Verschlechterung konnte in letzter Zeit indes nicht festgestellt werden.</p><p>3. Unterdurchschnittliche Pünktlichkeitswerte werden im Kanton Tessin beim internationalen EC-Verkehr gemessen. Die Probleme beim internationalen Verkehr nach Mailand sind gemäss Auskunft der SBB im Wesentlichen auf folgende Ursachen zurückzuführen:</p><p>- ungenügende Fahrzeit Zürich-Mailand;</p><p>- zu knappe Wendezeiten in Zürich und Mailand;</p><p>- zu knapper Grenzaufenthalt in Chiasso;</p><p>- ungenügende Verfügbarkeit der Zugskomposition ETR 470 (Cisalpino der ersten Generation und fehlendes italienisches Rollmaterial).</p><p>Insbesondere der letzte Punkt ist mitverantwortlich, dass sich die Pünktlichkeit im internationalen Verkehr nicht verbessert hat. Die Verfügbarkeit der ETR 470 (Ausfälle, Revisionen) nahm tendenziell ab. Die SBB erachten diese Situation als unbefriedigend und arbeiten intensiv an Verbesserungsmassnahmen. Die Lösungsansätze umfassen kurzfristige sowie mittel- und langfristige Komponenten. Die Probleme lassen sich erst abschliessend beheben, wenn:</p><p>a. ein neues Fahrplankonzept umgesetzt werden kann und </p><p>b. die störungsanfälligen ETR 470 ausrangiert sind. </p><p>Die SBB arbeiten derzeit mit den beteiligten Partnern an einem neuen Fahrplankonzept mit dem Ziel, dieses in den Jahren 2014 und 2015 umsetzen zu können und die störungsanfälligen ETR 470 2014/15 aus dem Betrieb zu nehmen.</p><p>4. Die gewünschten Listen und Parameter werden in dieser Form nicht spezifisch erhoben. Die vorliegenden Werte ergeben aber in der Summe ein gleiches Bild wie in Antwort 2 dargelegt.</p><p>Die SBB sind sich des Problems des unpünktlichen EC-Verkehrs zwischen Zürich/Basel und Mailand bewusst und streben laufend Verbesserungen an, um den berechtigten Erwartungen der Kundinnen und Kunden zu entsprechen. Dazu werden seit einiger Zeit mit einigem Aufwand ICN-Züge im Abschnitt Lugano-Zürich doppelt geführt. Dies hat sich bereits markant auf die Stabilität des Fahrplans ausgewirkt.</p>  Antwort des Bundesrates.