A bteilung III C -1094/2006 {T 0/2} U rteil vom 14. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter An- dreas Trom m er; R ichterin Elena Avenati-C arpani; G erichts- schreiber R udolf G run A ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend A usstellung eines R ückreisevisum s. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer, ein 1986 geborener irakischer Staatsangehöriger kurdischer Abstam m ung, gelangte im Juni 2003 in die Schw eiz und stellte hier ein Asylgesuch, w elches vom BFM m it Verfügung vom 28. D ezem ber 2004 abgew iesen w urde. G leichzeitig w urde der Beschw erdeführer aus der Schw eiz w eggew iesen und ihm eine Ausreisfrist bis 22. Februar 2005 angesetzt. Im R ahm en des anschliessend angehobenen Beschw erdever- fahrens kam das Bundesam t am 8. N ovem ber 2005 teilw eise auf seine Verfügung zurück, stellte die U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs fest und ordnete die vorläufige Aufnahm e des Beschw erdeführers in der Schw eiz an. B. Am 27. Februar 2006 beantragte der Beschw erdeführer über den M igra- tionsdienst des Kantons Bern unter Vorlage eines am 13. Februar 2006 ausgestellten neuen heim atlichen R eisepasses ein R ückreisevisum . Als G rund für die beabsichtigte Auslandreise brachte er vor, dass sein Vater im Jahre 2004 verstorben sei. Er sei seitens seiner Verw andten aus R ück- sicht auf seine psychische Situation davon erst jetzt in Kenntnis gesetzt w orden, w eshalb er nun in den Iran (Teheran) reisen w olle. C . M it Verfügung vom 13. M ärz 2006 verw eigerte das BFM die Ausstellung ei- nes R ückreisevisum s. Ein solches Visum könne nur unter den Vorausset- zungen von Art. 5 Abs. 2 der Verordnung vom 27. O ktober 2004 über die Ausstellung von R eisedokum enten für ausländische Personen (R D V, SR 143.5) erteilt w erden. D er vom Beschw erdeführer angegebene Zw eck (Be- such der Verw andten im Iran) erfülle keinen der in besagter Verordnungs- norm festgelegten R eisegründe. D . M it Verw altungsbeschw erde an das Eidgenössische Justiz- und Polizeide- partem ent (EJPD ) vom 26. M ärz 2006 beantragt der Beschw erdeführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und sinngem äss die Ausstel- lung eines R ückreisevisum s. In verfahrensrechtlicher H insicht ersucht er um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege. Zur Begründung m acht er geltend, er sei durch seine M utter leider (zu) spät vom Tod seines Vaters inform iert w orden. D ie späte Benachrichtigung über solche Ereignisse sei üblich im irakischen Kurdistan. D er Todesfall seines Vaters bedeute für ihn einen Schock und ein psychisches Traum a. Ein Treffen m it seiner M utter und seiner kleinen Schw ester w egen des To- des seines Vaters bedeute für ihn sehr viel. D er Beschw erde beigelegt w ar das O riginal eines am 20. O ktober 2004 ausgestellten Todesscheines sam t Ü bersetzung. E. M it Zw ischenverfügung vom 3. April 2006 lehnte die Instruktionsbehörde des EJPD das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege ab. F. D ie Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehm lassung vom 18. April 2006 auf Abw eisung der Beschw erde.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. Verfügungen des BFM betreffend Verw eigerung der Ausstellung eines R ückreisevisum s unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungs- gericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Auf- enthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgeset- zes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bun- desverw altungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). D as Bundesverw altungsgericht ent- scheidet endgültig (U rteile des Bundesgerichts 2A.56/2002 vom 14. Juni 2002, E. 1.3, und 2A.483/2005 vom 18. August 2005, E. 2.2; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [SR 173.110] i.V.m . Art. 1 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfah- ren (Vw VG , SR 172.021). 2. D er Beschw erdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 3. 3.1 G em äss Art. 5 Abs. 1 R D V w ird einer schutzbedürftigen, vorläufig aufge- nom m enen oder asylsuchenden Person für die Vorbereitung der Ausreise oder für die definitive Ausreise in einen D rittstaat ein Identitätsausw eis m it oder ohne R ückreisevisum ausgestellt, sofern die Einreisevoraussetzun- gen des Zielstaates erfüllt sind. 3.2 Abgesehen von dieser speziellen Konstellation w ird dem gleichen Perso- nenkreis (Schutzbedürftige, vorläufig Aufgenom m ene oder Asylsuchende) ein Identitätsausw eis m it R ückreisevisum ausgestellt, w enn Schriftenlosig- keit besteht und eine der unter Art. 5 Abs. 2 R D V abschliessend aufge- zählten Voraussetzungen erfüllt ist, d.h. bei schw erer Krankheit oder Tod von Fam ilienangehörigen (Bst. a), zur Erledigung von w ichtigen und unauf- schiebbaren höchstpersönlichen Angelegenheiten (Bst. b) oder zum Zw eck von grenzüberschreitenden Schulausflügen (Bst. c). Als Fam ilienangehöri- ge im Sinne von Abs. 2 Bst. a gelten Eltern, G eschw ister, Ehegatten und Kinder. D en Ehegatten gleichgestellt sind die eingetragenen Partnerinnen und Partner sow ie die in dauernder eheähnlicher G em einschaft zusam - m enlebenden Personen (Art. 5 Abs. 3 R D V). Besitzt eine vorläufig aufge- nom m ene Person ein R eisedokum ent ihres H eim at- oder H erkunftsstaates, so w ird ihr aus den in Abs. 2 genannten G ründen ein R ückreisevisum aus- gestellt. (Art. 5 Abs. 4 R D V). 3.3 D ie restriktiven Voraussetzungen für die Ausstellung eines R ückreisevi- sum s an vorläufig aufgenom m ene Personen hängen m it dem provisori- schen C harakter der vorläufigen Aufnahm e zusam m en, die dem G rundsatz nach als Ersatzm assnahm e für einen m om entan nicht durchführbaren 4 W egw eisungsvollzug ausgestaltet ist. Zw ar kann eine vorläufige Aufnahm e faktisch zu einem D auerzustand w erden oder von Anfang an als ein darauf ausgerichteter "Im m igrationsentscheid" konzipiert sein. Solchen Konstella- tionen w urde jedoch in der R D V w eder durch einen spezifischen Tatbe- stand, noch durch entsprechend w eite, unbestim m te R echtsbegriffe oder Erm essensspielräum e R echnung getragen. Ein R ückreisevisum darf daher auch dem Personenkreis der vorläufig Aufgenom m enen nur dann ausge- stellt w erden, w enn die Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 2 R D V erfüllt sind. 4. D er Beschw erdeführer begründet sein Begehren um Ausstellung eines R ückreisevisum s m it dem W unsch, w egen des Todes seines Vaters seine Fam ilienangehörigen (M utter und Schw ester) in Teheran zu besuchen. 4.1 D er angeführte R eisegrund kann offensichtlich unter keine der in Art. 5 Abs. 2 R D V abschliessend aufgezählten Abgabevoraussetzungen subsu- m iert w erden: W eder liegt eine schw ere Krankheit eines Fam ilienangehöri- gen vor (Bst. a), noch kann die Ausstellung des gew ünschten R ückreisevi- sum s m it der Erledigung von w ichtigen und unaufschiebbaren höchstper- sönlichen Angelegenheiten begründet w erden (Bst. b). Letztere Bestim - m ung kann nicht als Auffangstatbestand für Verhältnisse dienen, in denen die Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 2 Bst. a R D V nicht erfüllt sind. U nter w ichtigen und unaufschiebbaren höchstpersönlichen und dam it vertre- tungsfeindlichen Angelegenheiten sind beispielsw eise die Anm eldung ei- nes R entenanspruchs, der Abschluss eines Erbvertrages, das Ablegen bzw . Abnehm en einer Prüfung oder die Einvernahm e als Zeuge zu verste- hen (U rteil des Bundesverw altungsgerichts C -1098/2006 vom 14. Juni 2007 E. 3.2). Solche Angelegenheiten stehen im vorliegenden Fall nicht zur D iskussion. G em äss Art. 5 Abs. 2 Bst. a R D V w ird zw ar auch ein R ückreisevisum bei einem Todesfall eines Fam ilienangehörigen erteilt. D iese R egelung er- streckt sich jedoch – w ie die Vorinstanz zutreffend ausführte – insbesonde- re auf die Teilnahm e am eigentlichen Begräbnis oder den Besuch des G ra- bes einige Zeit nach dem Todesfall. Ausnahm sw eise gilt das auch für Ze- rem onien, die beispielsw eise ein Jahr nach dem Todesfall stattfinden. D er Vater des Beschw erdeführers starb jedoch bereits im O ktober 2004 und ist im Irak begraben. D em Beschw erdeführer geht es denn auch offensichtlich nicht um den Besuch des G rabes oder die Teilnahm e an einer speziellen Verabschiedungszerem onie, w ie dies im von der Vorinstanz zitierten Ent- scheid des EJPD der Fall w ar (unpublizierter Entscheid des EJPD B3- 0420975 vom 20. M ai 2005). 4.2 Zw ar ist es nachvollziehbar, dass der Beschw erdeführer seine Fam ilienan- gehörigen nach längerer Zeit w ieder einm al sehen m öchte. D ennoch lässt Art. 5 Abs. 2 R D V keinen R aum für die Erteilung des gew ünschten R ück- reisevisum s. Insbesondere haben der angeführte gute Leum und des Be- schw erdeführers, seine Integration und seine angeblich schlechte psychi- sche Verfassung aufgrund des Todes seines Vaters bei der Beurteilung der Ausstellung eines R ückreisevisum s unbeachtlich zu bleiben, sind doch die Ausstellungsgründe in Art. 5 Abs. 2 R D V klar und abschliessend for-5 m uliert und lassen keinen R aum für behördliches Erm essen. 5. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist daher ab- zuw eisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschw erdeführer die Kosen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG in Verbindung m it Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.1]). D ispositiv Seite 66 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt. Sie sind durch den am 4. April 2006 geleisteten Kostenvorschuss glei- cher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (eingeschrieben; Beilagen: Todesschein vom 20. O ktober 2004 sam t Ü bersetzung, angefochtene Verfügung im O riginal) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. N ... ... zurück) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf R udolf G run Versand am :