Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. September 2017 (810 17 64) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Errichtung einer Beistandschaft / Eignung der von der Verbeiständeten gewünschten Person als Beiständin Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Marco Albrecht , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B ._____ , Vorinstanz Betreff Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 22. Februar 2017) A. Mit am 9. März 2016 bei der Kindes- und Erwachse nenschutzbehörde B.____ (KESB) eingegangenem Schreiben erklärte A.____, geboren am XX.XX.1952, seit über vier Monaten in Behandlung im Spital zu sein und drei Wochen zuvor die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erhalten zu haben. Ihre gesamten finanziellen und administrativen Belange habe bisher ihre Tochter C.____ erledigt. A.____ führte aus, si e werde – anders als erhofft – nicht wieder Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht alles selber machen können. Es werde einiges auf sie zuko mmen und sie wäre um professio- nelle Unterstützung froh. Ihre Tochter sei wegen der A dministration bei D.____, Kirchliches Netzwerk, Sozialberatung und Wegbegleitung, E.____, in Beratung. Diese habe A.____ gera- ten, sich an die KESB zwecks Unterstützung für die Administ ration und die finanziellen Belange zu wenden. D.____ wäre bereit, sie im Bereich Gesundheit und Persönliches zu unterstützen. Nachdem A.____ sich gegen die Errichtung einer Beistandschaft ausgesprochen und die KESB verschiedene Abklärungen und Rückfragen getätigt hatte, verzichtete die KESB aufgrund des Eintritts der Beschwerdeführerin in das Wohnzentrum für Körperbehinderte in F.____ (Zentrum) und der angebotenen Unterstützung durch die Tochter sow ie durch Fachpersonen auf den Er- lass von Erwachsenenschutzmassnahmen. B. Mit E-Mail vom 28. September 2016 teilte D.____ d er KESB mit, dass sich die Situation von A.____ nicht gebessert habe, weshalb sie einen Beista nd für ihre Administration und ihre Finanzen benötige. Anlässlich der am 6. Januar 2017 stattgefundenen persönl ichen Anhörung von A.____ durch die KESB, erklärte diese, dass sie ihrer Tochter die Vollmacht auf ihr Konto nicht entziehen wol- le. Eine Mitarbeiterin des Zentrums, wo A.____ im Juni 2016 offiziell eingetreten war, wies auf einen Zahlungsverzug hin. Die Tochter C.____ erklärte, d ass noch Schulden von ihrem Vater bestünden, weswegen immer wieder Rechnungen eingingen . Ihrer Mutter sei es deswegen auch nicht möglich, die ihr zustehenden Fr. 360.-- wi rklich als Taschengeld zu verwenden. An- lässlich einer telefonischen Nachfrage durch die KESB vom 12. Januar 2017 wiederholte A.____ ihren Wunsch, dass ihrer Tochter die Vollmacht über das Konto nicht entzogen werde. Am 27. Januar 2017 ging der Auszug aus dem Betreibung sregister von A.____ bei der KESB ein. In diesem wurden Verlustscheine im Gesamtbetrag vo n Fr. 97‘622.10 sowie durch Kran- kenkassen im Jahr 2016 eingeleitete Betreibungen in der Höhe von über Fr. 4‘500.-- aufgeführt. C. Nach Eingang des Betreibungsregisterauszugs erachtete di e KESB die Errichtung ei- ner Vertretungsbeistandschaft für die Bereiche Admini stration und Finanzen auch gegen den Willen von A.____ als angezeigt und verfügte mit Entscheid vom 22. Februar 2017 wie folgt: “1. Für A.____, geb. XX.XX.1952, wird eine Vertretu ngsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermö- gensverwaltung nach Art. 394 Abs. 1 i.V.m. Art. 395 Abs. 1 ZGB errichtet mit den Aufgabenberei- chen a) stets für eine geeignete Wohnsituation bzw. Unte rkunft besorgt zu sein und die verbeiständete Person bei allen in diesem Zusammenhang erforderlic hen Handlungen umfassend zu vertre- ten; b) die verbeiständete Person beim Erledigen der ad ministrativen Angelegenheiten zu vertreten, insbesondere auch im Verkehr mit Behörden, Ämtern, Ban ken, Post, Versicherungen, sonsti- gen Institutionen und Privatpersonen; Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) die verbeiständete Person beim Erledigen aller fi nanziellen Angelegenheiten zu vertreten, ins- besondere ihr Einkommen und Vermögen sorgfältig zu verwalten. 2. Als Beiständin wird G.____, Sozialberatung F.___ _, ernannt. 3.-6. …“ D. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit am 20. Mär z 2017 eingeganger Eingabe beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwal tungsrecht (Kantonsgericht), Be- schwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Am 29. März 2017 ging die begründete Beschwerde der n unmehr durch Marco Albrecht, Advo- kat, vertretenen Beschwerdeführerin beim Kantonsgericht ein. Darin wurde beantragt, es sei der Entscheid der KESB vom 22. Februar 2017 aufzuheben. Eventualiter sei der angefochtene Ent- scheid insofern abzuändern, als dass nur C.____ als Vertret ungsbeiständin für die Einkom- mens- und Vermögensverwaltung einzusetzen sei; alles unt er o/e-Kostenfolge, wobei der Be- schwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu bew illigen sei. Des Weiteren wurde der Verfahrensantrag gestellt, es sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Mit präsidialer Verfügung vom 29. März 2017 hielt das Kantonsgericht fest, der Antrag auf Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung sei gegenstandslos, da der Beschwerde diese von Gesetzes wegen zukomme. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Mai 2017 beantragte di e KESB die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 16. Mai 2017 überwies das Gerichtspr äsidium den Fall der Kammer zur Be- urteilung im Rahmen einer Urteilsberatung. Der Beschwe rdeführerin wurde für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. Mit uneingeforderter Eingabe vom 24. Mai 2017 nahm die Beschwerdeführerin zur Vernehmlas- sung der Vorinstanz Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuch es (ZGB) vom 10. De- zember 1907 kann gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbe hörde Beschwerde beim zu- ständigen Gericht erhoben werden. Nach § 66 Abs. 1 des G esetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 ist das Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht, für die Beurteilung der vo rliegenden Angelegenheit zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art . 450e ZGB. Im Übrigen sind die Best- immungen des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltun gsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). D ie Beschwerdeführerin ist gemäss Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Beschwerde befugt. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzun- gen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2.1. Die Beschwerdegegnerin führt im angefochtenen En tscheid aus, die Beschwerdeführe- rin sei aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, ihre finanziellen und administrati- ven Angelegenheiten selbstständig zu erledigen, weshalb sie bis anhin von ihrer Tochter unter- stützt worden sei. Aufgrund des Ausstandes beim Zentrum sow ie der Verlustscheine und der laufenden Betreibungen gegen die Beschwerdeführerin sei davon auszugehen, dass ihre Toch- ter mit dieser Situation überfordert sei. Dies sei im H inblick auf die Komplexität des Sozialversi- cherungssystems nicht ungewöhnlich. Die Tochter habe selbst angegeben, dass ihre Mutter nicht über die finanziellen Mitteln verfügen könne, die ihr eigentlich zustünden. Da der Be- schwerdeführerin in der jetzigen Situation in administr ativen und finanziellen Angelegenheiten nicht die erforderliche Unterstützung zukomme und somit die Gefahr einer Vermögensschädi- gung bestehe, sei eine Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung zu errichten. Aufgrund des Aufenthalts der Beschwerdefüh rerin im Zentrum habe die Beistand- schaft auch den Aufgabenbereich Wohnen zu umfassen. 2.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, es liege b ei ihr kein Schwächezustand vor. Des Weiteren hätten ihre allenfalls leicht vorhandenen ko gnitiven Einschränkungen keine Auswir- kungen auf ihre Fähigkeit, ihre finanziellen und admin istrativen Angelegenheiten selbstständig erledigen zu können. Überdies könne nicht schlüssig begründet werden, weshalb – für den Fall, dass der Schluss gezogen werden sollte, die Beschwerdeführer in könne ihre finanziellen Be- lange tatsächlich nicht mehr eigenständig erledigen – nicht die Tochter als Beiständin ernannt worden sei. Die Beschwerdeführerin erklärt zudem, sowohl das Vorliegen eines Schwächezu- standes als auch eine blosse finanzielle Notlage seien nicht ausreichend für die Errichtung einer Beistandschaft. Die Beschwerdegegnerin stelle sich auf den Standpunkt, die Beschwerdeführe- rin sei aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, ihre finanziellen und administrati- ven Angelegenheiten selbstständig zu erledigen. Dabei würde zum einen auf den geringfügigen Ausstand beim Zentrum von Fr. 73.85, welcher nicht ernst lich zur Errichtung einer Vertretungs- beistandschaft führen könne, hingewiesen. Daneben würden Betreibungen und Verlustscheine erwähnt. Bei der Durchsicht des Betreibungsregisterauszugs falle auf, dass es sich hauptsäch- lich um Betreibungen der Versicherungsgesellschaft Progrès Versicherungen AG handle. Allein aufgrund dessen werde eine Überforderung der Tochter konstruiert, obwohl diese mit Raten- zahlungsverträgen sehr bemüht sei, die durch den Vater hi nterlassenen Schulden zu tilgen. Auch sei eine finanziell angeschlagene Lage alleine kei n Grund für die Errichtung einer Bei- standschaft. Die Beschwerdeführerin habe über Jahrzehnte die administrativen und finanziellen Angelegenheiten der Familie geregelt, bis der verstorb ene Ehemann diese Aufgabe habe über- nehmen wollen. Dieser sei mit der Situation sichtlich üb erfordert gewesen, womit sich die im Betreibungsregisterauszug aufgeführten Schulden angehäu ft hätten, welche die Beschwerde- führerin nun versuche zu minimieren. Die Beschwerdefüh rerin wolle wieder in eine eigene Wohnung umziehen und die Pflege via Spitex sicherstellen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1. Zu prüfen ist vorliegendenfalls, ob die KESB zu Re cht eine Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung nach Art. 394 A bs. 1 ZGB i.V.m. Art. Art. 395 Abs. 1 ZGB mit den verfügten Aufgabenbereichen errichtet hat. 3.2. Der Zweck von behördlichen Massnahmen des Erwachsenens chutzrechts ist es, das Wohl und den Schutz hilfsbedürftiger Personen sicherzustel len (Art. 388 Abs. 1 ZGB). Gleich- zeitig sollen die Massnahmen die Selbstbestimmung der betroffenen Person soweit wie möglich erhalten und fördern (Art. 388 Abs. 2 ZGB). Art. 38 9 Abs. 1 ZGB verlangt ferner, dass eine be- hördliche Massnahme nur dann angeordnet wird, wenn di e Unterstützung der hilfsbedürftigen Person durch die Familie, andere nahestehende Personen oder private oder öffentliche Dienste nicht ausreicht oder von vornherein als ungenügend erscheint (Ziff. 1); oder wenn bei Urteilsun- fähigkeit der hilfsbedürftigen Person keine oder keine ausreichende eigene Vorsorge getroffen worden ist und die Massnahmen von Gesetzes wegen nicht genü gen. Gemäss Abs. 2 muss schliesslich jede Massnahme erforderlich und geeignet sein. Damit werden der Subsidiaritäts- grundsatz und das Verhältnismässigkeitsprinzip verankert, welche bei allen behördlichen Mass- nahmen zu beachten sind. 3.3. Nach Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB errichtet die E rwachsenenschutzbehörde eine Bei- standschaft, wenn eine volljährige Person wegen einer g eistigen Behinderung, einer psychi- schen Störung oder eines ähnlichen in der Person liege nden Schwächezustands ihre Angele- genheiten nur teilweise oder gar nicht besorgen kann. Die Formulierung des letztgenannten Schwächezustands ermöglicht als Auffangtatbestand insbeson dere den Schutz Betagter, bei denen gleichartige Defizite wie bei Menschen mit einer geistigen Behinderung oder einer psy- chischen Störung auftreten. Erfasst sind auch ausgeprägte Fälle von Unerfahrenheit, Abhän- gigkeit (Unfähigkeit dem eigenen Willen entsprechend zu handeln und Hilfe zu holen aufgrund von Angst und eingeschränkter Mobilität), Unwilligkeit ( z.B. Ablehnung der unbedingt erforderli- chen Reinigung der Wohnung samt Bekämpfung von Schädlin gen sowie Desinfektion), Ver- schwendung oder Misswirtschaft sowie schwerste Erscheinungsformen körperlicher Beeinträch- tigungen (z.B. schwere Lähmungen) oder multiple Behind erungen (H ELMUT HENKEL , in: Honsell/Vogt/Geiser, Basler Kommentar zum Zivilgesetzbu ch I, Art. 1 - 456, 5. Auflage, Basel 2014, Rz. 13 zu Art. 390 ZGB). Dieser Auffangtatbestan d ermöglicht es, beiständliche Hilfe auch in Fällen, in welchen der Schwächezustand nicht ei ndeutig unter die Begriffe “geistige Be- hinderung“ oder “psychische Störung“ subsumierbar ist, d ie betroffene Person aber gleichwohl daran hindert, ihre Angelegenheiten hinreichend beso rgen zu können oder in Fällen äusserster Unerfahrenheit (H ENKEL , a.a.O., Rz. 14 zu Art. 390 ZGB; P HILIPPE MEIER , in: Schwen- zer/Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKommenta r, Erwachsenenschutz, Bern 2013, Rz. 17 zu Art. 390 ZGB). Die Schwächezustände sind keineswe gs per se mit Urteilsunfähigkeit gleichzusetzen, weshalb die Urteilsunfähigkeit für die Errichtung einer Beistandschaft auch kei- ne zwingende Voraussetzung darstellt (vgl. Y VO BIDERBOST , in: KOKES-Praxisanleitung Er- wachsenenschutzrecht, Zürich/St. Gallen 2012, Rz. 5.9). 3.4. Der Schwächezustand alleine genügt nicht, um eine Beistandschaft errichten zu können. Vorausgesetzt ist weiter, dass der Schwächezustand kausal da für ist, dass die betroffene Per- son ihre Angelegenheiten nur noch teilweise oder gar nicht besorgen kann. Mit anderen Worten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht muss ein Schwächezustand dazu führen, dass der Betroffene der persönlichen Fürsorge bedarf und/oder seine vermögensrechtlichen Angelegenheiten nicht interessengerecht selbst erledigen und damit nicht hinreichend besorgen kann (vgl. C HRISTIANA FOUNTOULAKIS , in: Breit- schmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatr echt, Personen- und Familien- recht, Partnerschaftsgesetz, 3. Auflage, Zürich/Basel/Gen f 2016, Rz. 4 zu Art. 390 ZGB; HENKEL , a.a.O., Rz. 2 zu Art. 390 ZGB; B IDERBOST , a.a.O., Rz. 10). Dieses Unvermögen bzw. die daraus resultierende konkrete Hilfs- und Schutzbedü rftigkeit, auch mit “Betreuungs- resp. Eigenbesorgungslücke“ umschrieben, ist primär ausschlaggeben d für eine Erwachsenen- schutzmassnahme, nicht der Schwächezustand als solcher (vgl. H ENKEL , a.a.O., Rz. 17 zu Art. 390 ZGB). Diese Unfähigkeit zum Handeln kann auc h darin bestehen, dass der Betroffene nicht zweckmässig in seinem wohlverstandenen Interesse tätig zu werden vermag und so in eine Notlage gerät (H ENKEL , a.a.O., Rz. 18 zur Art. 390 ZGB). Auch wenn die hilf sbedürftige Person ihre Angelegenheiten nicht selbst hinreichend besorgen kann, sind die Voraussetzun- gen für eine Beistandschaft nur dann erfüllt, wenn sie auch nicht in der Lage ist, einer geeigne- ten Person oder Stelle eine entsprechende Vollmacht zu erteilen (H ENKEL , a.a.O., Rz. 21 zu Art. 390 ZGB). Die blosse Möglichkeit, einen privaten Ve rtreter zu bezeichnen, reicht jedoch nicht, die betroffene Person muss die Fähigkeit haben, den von ihr ernannten Stellvertreter zu überwachen, zu instruieren und aus seiner Funktion zu en tlassen (P HILIPPE MEIER , a.a.O., Rz 24. zu Art. 390 ZGB). 3.5. Eine Vertretungsbeistandschaft wird errichtet, wenn die hilfsbedürftige Person bestimm- te Angelegenheiten nicht erledigen kann und deshalb vertreten werden muss (Art. 394 Abs. 1 ZGB). Die Erwachsenenschutzbehörde kann die Handlungsf ähigkeit der betroffenen Person entsprechend einschränken (Art. 394 Abs. 2 ZGB). Auch wenn die Handlungsfähigkeit nicht eingeschränkt ist, muss die betroffene Person sich die Handlungen des Beistands oder der Bei- ständin anrechnen oder gefallen lassen (Art. 394 Abs. 3 ZGB). Für die Errichtung einer Vertre- tungsbeistandschaft braucht die betroffene Person nicht u rteilsunfähig zu sein, sondern bloss hilfs- und/oder schutzbedürftig (vgl. F OUNTOULAKIS , a.a.O., Rz. 2 zu Art. 394 ZGB m.w.H.). Die Angelegenheiten, in denen der Beistand die betroffen e Person zu vertreten hat, ergeben sich aus den ihm übertragenen Aufgabenbereichen (Art. 391 Abs. 1 ZGB). Sie können die Perso- nensorge, die Vermögenssorge oder den Rechtsverkehr betreffen (Art. 391 Abs. 2 ZGB), soweit sie einer Vertretung zugänglich sind. Als bestimmte Angelegenheiten, welche die hilfsbedürftige Person nicht erledigen kann, kommen die Sorge um eine geeignete Wohnsituation, gesundheit- liches Wohl, medizinische Betreuung und soziale Integrati on ebenso wie die Besorgung der administrativen und finanziellen Angelegenheiten in Fr age sowie in Kombination mit Art. 395 ZGB die Verwaltung von Einkommen und Vermögen (C HRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Kin- des- und Erwachsenenschutz, 2. Auflage, Bern 2016, Rz 19. 18; vgl. H ENKEL , a.a.O., Rz. 1, 2 und 11 zu Art. 394 ZGB). Die Handlungsfähigkeit wird durch die Vertretungsbeistandschaft grundsätzlich nicht eingeschränkt (vgl. Urteil des Bundesg erichts 5A_773/2013 vom 5. März 2014). Wie bei jeder Beistandschaft müssen zunächst die generellen Voraussetzungen gemäss Art. 390 ZGB erfüllt sein und entsprechend dem Subsid iaritätsprinzip darf anderweitige Abhilfe nicht möglich sein (Art. 389 Abs. 1 ZGB; HENKEL , a.a.O., Rz. 6 zu Art. 394 ZGB). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.6. Errichtet die KESB eine Vertretungsbeistandschaf t für die Vermögensverwaltung, so bestimmt sie die Vermögenswerte, die vom Beistand oder von der Beiständin verwaltet werden sollen. Sie kann Teile des Einkommens oder das gesamte Ei nkommen, Teile des Vermögens oder das gesamte Vermögen oder das gesamte Einkommen und Vermögen unter die Verwal- tung stellen (Art. 395 Abs. 1 ZGB). 4.1. Als erstes ist zu prüfen, ob ein Schwächezustand im Sinne von Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB vorliegt, aufgrund dessen die Beschwerdeführerin i hre Angelegenheiten nicht oder nur noch teilweise besorgen kann. 4.2. Gemäss ambulantem Bericht des Universitätsspitals Basel , Neurologie, Neuromuskulä- res Zentrum, vom 25. Mai 2016 (Bericht des Universitätsspi tals), welcher unter anderem von Prof. Dr. med. H.____, Leitender Arzt, verfasst wurde, leidet die Beschwerdeführerin an ALS. ALS ist eine rasch voranschreitende, degenerative Erkranku ng des zentralen und peripheren Nervensystems. Vor der Krankheit betroffene Menschen verlie ren kontinuierlich Muskelsub- stanz an Armen und Beinen, am Sprech-, Kau- und Schluckap parat. Es findet eine fortschrei- tende Lähmung statt. ALS führt nicht selten zu Einschrän kungen der kognitiven Fähigkeiten (www.als-schweiz.ch/de/was_ist_als/krankheitsbild). Im Beric ht des Universitätsspitals Basel wird ausgeführt, bei der Beschwerdeführerin bestehe u.a. keine Gehfähigkeit mehr, beim An- kleiden und der Körperpflege sei eine Hilfsperson erfo rderlich. Des Weiteren leide sie an Tre- mor beider Hände und an Vergesslichkeit und könne sich im Bett selbstständig nur noch massiv reduziert drehen. Die Handschrift sei zum Teil nicht meh r lesbar. Die Beschwerdeführerin sitze im Rollstuhl. Es sei bei der Beschwerdeführerin am ehest en von einer rasch fortschreitenden ALS auszugehen. Zudem wird festgehalten, es bedürfe el ektronischer Hilfsmittel, damit die Be- schwerdeführerin, insbesondere bei fortschreitender Imm obilität, weiterhin werde kommunizie- ren können. Im Juni 2016 trat die Beschwerdeführerin offiziell in d as Zentrum ein, und es wurde ein Antrag auf Hilflosenentschädigung und Assistenz gestellt (Aussage von I.____, Dipl. Sozialarbeiter FH, Beratungsstelle J.____, siehe Aktennotiz der KESB vom 15. Juli 2016). Im Juni 2016 wurde von K.____, L.____ AG, eine Helferrunde eingeleitet (Akt ennotiz der KESB vom 15. Juli 2016). Ge- mäss Aussage von D.____ vom 17. Oktober 2016 verschlecht ere sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stetig (Aktennotiz der KESB vom 15. Juli 2016). 4.3. Bezüglich des geistigen Zustandes der Beschwerdefüh rerin hat Dr. H.____ in seinem Bericht vom 25. Mai 2016 nach einer ersten Konsultatio n vom 23. Mai 2016 unter dem Titel “Beurteilung und Prozedere“ festgehalten, dass wegen de r positiven Familienanamnese eine familiäre ALS, möglicherweise mit zusätzlicher fronto-temporaler Demenz in Betracht zu ziehen sei. Insofern ist der Beschwerdeführerin beizupflichten, als dass Dr. H.____ selber explizit keine Demenz diagnostiziert hat. Jedoch hat Dr. H.____ in se inem Bericht ausgeführt, dass die Anamneseerhebung bei sprunghaftem Gedankengang und ve rmehrtem Redefluss der Be- schwerdeführerin schwer strukturierbar sei. In seinem Beri cht wird überdies auf Seite 1 bei den Diagnosen “Zunehmende kognitive Defizite DD beginnende fronto-temporale Demenz (MMS 20.01.16:21/30, Uhrentest 5/6)“ aufgeführt. MMS (Mini Mental Status) und Uhrentest sind Tests, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die zur Demenzdiagnose angewendet werden (siehe v.a. S. 58 des Berichts “Demenz, Diag- nostik und Therapie“ von Gregor Steiger-Bächler, Fachpsych ologe für Neuropsychologie FSP, vom 26.03.2010, der Neuropsychologie-Basel, Fachstelle für Gutachten und Diagnostik, www.neuropsychologie-bs.ch/tl_files/downloads/2010_Demenz.pdf). Damit steht fest, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund der durchgeführten Te sts eine beginnende Demenz diagnos- tiziert wurde. Der KESB lagen ein ausführlicher und kl arer Bericht des Universitätsspitals Basel vom 25. Mai 2016 vor, welcher – wie die Auflistung der Diagnosen zeigt – nach einer Vielzahl von durchgeführten Tests verfasst wurde, sowie eindeutige und übereinstimmende Einschät- zungen der Situation der Beschwerdeführerin von den inv olvierten Personen und Institutionen. Eine Rücksprache mit dem Hausarzt Dr. med. M.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, bedurf- te es entgegen der von der Beschwerdeführerin vertreten en Meinung vorliegendenfalls nicht. Dem Vorwurf der Beschwerdeführerin, die KESB habe au fgrund der nicht getätigten Nachfrage bei Dr. M.____ ihre Pflicht verletzt, den Sachverhalt r echtsgenüglich abzuklären, kann somit nicht gefolgt werden. Im Übrigen erklärt Dr. M.____ i n seiner E-Mail an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vom 24. März 2017, die Beschwerdefüh rerin letztmals am 19. September 2016 persönlich betreut zu haben. In der Folge hätten zwei Telefongespräche stattgefunden. Obwohl der Patientin das Sprechen aufgrund der Grund erkrankung zunehmend schwerer falle, habe sie ihm im September 2016 einen altersgemässen Ei ndruck ohne kognitive Einschrän- kungen gemacht. Auch am Telefon sei sie klar orientiert gewesen. Nach seiner aktuellen Ein- schätzung bestehe allenfalls eine leichte kognitive Einschr änkung, wobei diese Einschätzung auf dem letzten Telefonat vom 22. März 2017 beruhe. Wi e sich aus der Schilderung von Dr. M.____ ergibt, hatte er vor dem Verfassen seiner E-Mail wenig Kontakt mit der Beschwerde- führerin, womit die Aussagekraft seiner Einschätzung zu r elativieren ist. Zudem steht die ge- äusserte Einschätzung einer “allenfalls leicht kognitive n Einschränkung“ auch nicht im Wider- spruch zur Diagnose einer beginnenden Demenz, da einer seits Demenz als eines der wesentli- chen Merkmale Defizite in kognitiven Fähigkeiten umfasst und andererseits auch die durchge- führten Untersuchungen zur Demenzabklärung lediglich eine beginnende Demenz ergaben. 4.4. Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Beschwerdefüh rerin an einer sehr schweren, rasch voranschreitenden und unheilbaren Krankheit leide t, welche unter anderem sowohl ihre Mobilität als auch ihre Fähigkeit zu kommunizieren (Schre iben und Sprechen) einschränkt und immer stärker einschränken wird. Zudem leidet die Besch werdeführerin an einer beginnenden Demenz. Die Beschwerdeführerin hat in ihrem undatierten (bei der KESB am 9. März 2016 ein- gegangenen) Schreiben selbst ausgeführt, aufgrund ihrer ALS-Erkrankung ihre finanziellen und administrativen Angelegenheiten nicht mehr selbst erledi gen zu können. Auch anlässlich der Anhörung vor der KESB vom 15. April 2016 hat die Besc hwerdeführerin erklärt, Hilfe zu brau- chen, da sie “mit Schriftlichem“ überfordert sei. Ihre T ochter könne ihr dabei nicht helfen, weil auch diese damit überfordert sei. Bei der Anhörung vo r der KESB vom 6. Januar 2017 hat die Beschwerdeführerin dargelegt, dass sie ein Schreiben be züglich Ergänzungsleistungen nicht verstanden habe und mit administrativen Angelegenheite n bezüglich Sozialversicherungsleis- tungen eigentlich nichts mehr zu tun haben wolle. Di e letztgenannte Äusserung zeigt, dass das vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in der Eing abe vom 24. Mai 2017 angeführte Ar- gument, die Beschwerdeführerin sei nur kurze Zeit nach d em Erhalt der Diagnose ALS überfor- dert gewesen, nicht stichhaltig ist. Zudem war die Be schwerdeführerin für die Erledigung ihrer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angelegenheiten unter anderem auf die Unterstützung i hrer Tochter sowie von D.____, I.____ und K.____ angewiesen. Damit steht fest, dass bei der B eschwerdeführerin ein Schwächezu- stand im Sinne von Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB vorliegt und die Beschwerdeführerin aufgrund ihres krankheitsbedingen Schwächezustands nicht fähig ist, ihre eigenen administrativen und finanziellen Angelegenheiten hinreichend zu besorgen. 5.1. Wie bereits in E. 4.2 ausgeführt, sind behördlich e Massnahmen nur dann anzuordnen, wenn die Betreuung der hilfsbedürftigen Person auf an dere Weise nicht angemessen sicherge- stellt ist. Ist die gebotene Unterstützung der hilfsbedür ftigen Person auf andere Art – durch die Familie, andere nahestehende Personen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 5A_663/2013 vom 5. November 2013 E. 3) oder private oder öffentliche Dienste – schon ge- währleistet, so ordnet die Erwachsenenschutzbehörde kein e Massnahme an (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Erst wenn dies nicht der Fall ist und di e Erwachsenenschutzbehörde zum Schluss kommt, die vorhandene Unterstützung der hilfsbedürftige n Person sei nicht ausreichend oder von vornherein ungenügend, hat sie eine Beistandschaft zu errichten und eine Person, die die erforderlichen Voraussetzungen mitbringt, einzusetzen. 5.2. Zu prüfen ist somit als nächstes, ob die Beschwerdefü hrerin die notwendige Unterstüt- zung – wie von ihr geltend gemacht – von der Tochter un d den bereits involvierten Stellen er- halten kann. 5.3. Die Beschwerdeführerin bezog im Zeitpunkt des Erla sses der angefochtenen Verfügung IV-Ergänzungsleistungen und eine IV-Rente. Wie aus dem Bericht des Universitätsspitals Basel vom 25. Mai 2016 hervorgeht, wurde auch eine Hilflose nentschädigung beantragt. Die sozial- versicherungsrechtliche, finanzielle und administrative Sit uation ist demzufolge komplex. Die Tochter ist 23 Jahre alt (siehe Bericht des Universitätsspi tals und Aktennotiz der KESB vom 8. April 2016) und macht in Basel eine Schauspielausb ildung (siehe Aktennotiz vom 15. April 2016 der KESB). Aus den Akten geht hervor, dass die Toch ter schwer erreichbar ist (siehe E- Mail vom 28. September 2016 und vom 8. Dezember 2016 vo n D.____ an die KESB) und teil- weise viel arbeitet (vgl. E-Mail von 28. September 2016 von D.____ an die KESB). Die Verfüg- barkeit der Tochter ist damit sehr eingeschränkt. Aus den Akten ist weiter ersichtlich, dass Schulden (Betreibungen/Verlustscheine) vorhanden sind. I n Bezug auf diese Schulden macht die Beschwerdeführerin zwar geltend, sie hätten sich durc h Überforderung des im Jahr 2015 verstorbenen Ehemannes angehäuft (siehe Aktennotiz der KE SB vom 15. April 2016). Diesbe- züglich ist jedoch festzuhalten, dass allein im Jahr 2016 u nd somit in der Zeit, in welcher die Tochter die Beschwerdeführerin in ihren Angelegenheit en unterstützt hat, Betreibungen und Verlustscheine in der Höhe von rund Fr. 21‘000.-- hin zugekommen sind. Des Weiteren wurden im Jahr 2016 zwei Betreibungen von zwei Krankenkassen in der Gesamthöhe von rund Fr. 4‘500.-- eingeleitet. Diese Schulden sind wohl ka um auf den im April 2015 verstorbenen Ehemann der Beschwerdeführerin zurückzuführen. Aus den Akten ist ersichtlich, dass D.____ mit dem Betreibungsamt wegen den Betreibungen hat ver handeln müssen (Aktennotiz der KESB vom 17. Oktober 2016). Die Tochter hat zudem anlässl ich der Anhörung vom 6. Januar 2017 selber erklärt, dass es der Mutter nicht oder zumind est nicht immer möglich sei, über die ihr für ihre Bedürfnisse monatlich zustehenden Fr. 360. -- verfügen zu können, da die Tochter Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht bemüht sei, bestehende Schulden, welche noch vom verstor benen Ehemann der Beschwerde- führerin stammen würden, zu tilgen. Bei diesem Betrag von Fr. 360.-- handelt es sich um den monatlichen Betrag, welcher der Beschwerdeführerin als Bezügerin von Ergänzungsleistungen, die sich in einem Pflegeheim aufhält, für ihre Bedürf nisse zusteht. Dieses Geld wird damit von der Tochter offensichtlich nicht im Interesse der Mutter verwendet. Zudem äussern sich alle beteiligten Personen dahingehend, dass die Tochter der Beschwerdeführerin mit der Administ- ration und der finanziellen Situation der Beschwerdeführerin vor allem bezüglich Sozialversiche- rungen überfordert sei (siehe z.B. E-Mail vom 17. Oktob er 2016 der KESB bezüglich Bericht von D.____ und Aktennotiz der KESB vom 15. April 2016). Auch I.____, dessen Klientin die Beschwerdeführerin seit März 2016 ist, begrüsst eine pr ofessionelle Beistandschaft. Seiner An- sicht nach wird die Beistandschaft vom ganzen professionellen Helfernetz befürwortet (siehe E- Mail von I.____ vom 17. März 2017 an die Sozialberatung F.____). Des Weiteren hat die Be- schwerdeführerin neben der Tochter keine Bekannten oder Verwandten, die sie unterstützen könnten (Aktennotiz der KESB vom 17. Oktober 2016). 5.4. Aufgrund der obigen Darlegungen ist der Schluss zu ziehen, dass die Tochter der Be- schwerdeführerin nicht geeignet ist, die komplexen admin istrativen und finanziellen Angelegen- heiten ihrer Mutter in ihrem Interesse zu besorgen, ob wohl zwischen den Beiden ein enges Verhältnis besteht. Zudem ergibt sich auch aus dem Dargelegten, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage ist, einer geeigneten Person die Vo llmacht zu erteilen, um ihre administrativen und finanziellen Angelegenheiten in ihrem Interesse zu erfüllen und die Stellvertreterin zu über- wachen und zu instruieren. 6. Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde des Weiteren geltend, aus dem Zentrum auszutreten und in eine eigene geeignete Woh nung umziehen zu wollen. Die Pflege solle mit Hilfe der Spitex gewährleistet werden. Sie habe bereits eine Wohnung im Erdgeschoss des gleichen Wohnhauses, in welchem die Tochter wohne, ins Auge gefasst. Dies zeige, dass ihre Einschränkungen die Errichtung einer Beistandschaft nicht rechtfertigen würden. In ihrer Eingabe vom 24. Mai 2017 moniert die Beschwerdeführe rin überdies, dass die errichtete Bei- standschaft auch den Aufgabenbereich des Wohnens umfasse. Die Beschwerdeführerin ist in ihrer Mobilität aufgrund ihrer Krankheit sehr eingeschränkt. Sie ist unter anderem auch für das Ankleiden und die Körperpflege auf Hilfe angewiesen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Krankheit rasch voranschreitet. Di e Beschwerdeführerin lebt im Zent- rum. Im Bericht des Universitätsspitals wird ausgeführt, di e Beschwerdeführerin wünsche, selbstständig mit Unterstützung der Spitex in einer geei gneten Wohnung zu leben, da sie gros- se Mühe mit Bevormundung habe. Ausserdem betone sie den Wunsch, möglichst viel Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen und mit dieser zu reisen (n ach Berlin, Wien). Im Bericht wird ferner erklärt, der Arzt habe ihr erläutert, dass wegen der de utlichen ALS-bedingten Einschränkungen sie auf keinen Fall vorzeitig aus dem Zentrum austreten sollte, da ein Wiedereintritt bei baldi- gem AHV-Alter nicht mehr möglich sei und sie dann in e in Alterspflegeheim eintreten müsste, was sie auf jeden Fall vermeiden wolle. Die vielfältig en körperlichen Einschränkungen, welche die Beschwerdeführerin aufgrund der rasch fortschreiten den Krankheit hinnehmen muss, ma- chen eine umfangreiche Betreuung der Beschwerdeführeri n für alltägliche Verrichtungen, aber Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch für die Aufrechterhaltung der Kommunikation notwendig. Der Wunsch der Beschwerdefüh- rerin, selbstständig zu wohnen, beweist – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – nicht, dazu in der Lage zu sein. Aufgrund des Schwächezustandes u nd der beginnenden Demenz ist die Beschwerdeführerin überdies allenfalls in der Lage , die Vor- und Nachteile, die Nachhaltig- keit und Durchführbarkeit einer Veränderung bzw. Beibeh altung der jetzigen Wohnsituation ab- zuschätzen, jedoch nicht, die damit verbundenen Abklärungen und Handlungen vorzunehmen. 7. Zusammenfassend zeigt sich, dass die notwendige Betreuun g der Beschwerdeführerin in administrativen und finanziellen Angelegenheiten sow ie bezüglich des Wohnens trotz Inan- spruchnahme der Hilfe der Tochter und der involvierten Dienste nicht gewährleistet ist. Zudem ergibt sich auch aus dem Dargelegten, dass die Beschwerde führerin nicht in der Lage ist, eine geeignete Person zu bevollmächtigen. Die Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft mit Ein- kommens- und Vermögensverwaltung nach Art. 394 Abs. 1 i. V.m. Art. 395 Abs. 1 ZGB, welche auch den Aufgabenbereich des Wohnens umfasst, ist damit so wohl unter dem Aspekt der Selbstbestimmung als auch der Subsidiarität und der Ver hältnismässigkeit nicht zu beanstan- den. Aus den gleichen Gründen, aus welchen die Tochter der Beschwerdeführerin nicht geeig- net ist, die notwendige Betreuung der Beschwerdeführe rin zu gewährleisten und damit die Er- richtung einer Beistandschaft nicht erforderlich zu machen , ist sie auch nicht geeignet, als Bei- ständin eingesetzt zu werden. Demzufolge ist mit der Vor instanz festzuhalten, dass die Ernen- nung der Tochter als Beistandspersonen ausser Betracht fällt. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht, aus welchen Gründen die eingesetzte Beiständin persönlich und/oder fachlich ungee ignet wäre. Der angefochtene Ent- scheid der Vorinstanz ist demnach nicht zu beanstanden, was zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde führt. 8.1. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. 8.2. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kanto nsgericht kostenpflichtig. Vorlie- gend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1‘400.-- der unterliegenden Be- schwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung de r unentgeltlichen Rechtspflege sind die Verfahrenskosten der Gerichtskasse zu überbinden. 8.3. Die Parteikosten sind nach § 21 Abs. 1 VPO wettzusc hlagen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht in seiner Honorarnote vom 24. Mai 2017 einen Zeitaufwand von 12 Stunden à Fr. 200.-- und Auslagen in der Höhe von Fr . 53.50 geltend, was nicht zu beanstan- den ist. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Recht spflege ist dem Rechtsvertreter der Be- schwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘64 9.80 (12 Stunden à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 53.50 und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtskasse auszurichten. 8.4. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hi ngewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘649.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde am 17. November 2017 Besch werde beim Bundesgericht (Ver- fahrensnummer 5A_919/2017) erhoben