Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. September 2019 (725 19 34 / 227) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Der adäquate Kausalzusammenhang wurde von der Vorinstanz zu Recht verneint, da die lang andauernde Erwerbsunfähigkeit nicht mehr als angemessene und einigermassen typische Reaktion auf das Schreckereignis bezeichnet werden kann Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1961, arbeitete ab dem 1. Juni 20 14 als Production Technician bei der B.____ AG in einem 100 % Pensum und war in dieser Ei genschaft bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schaden meldung vom 28. November 2014 teilte die Arbeitgeberin der Suva mit, dass es am 20. November 2014 im Produktionsgebäude P173, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. OG, Reaktorfeld G, zum Austritt und zur Selbstentzünd ung einer Flüssigkeit gekommen sei und der Versicherte dabei einen Schock erlitten habe. Mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 3. De- zember 2014 wurde der Versicherte durch die Klinik C.__ __ vom 21. November 2014 bis 14. Dezember 2014 aufgrund des Unfalles zu 100 % krankgeschrieben (Suva act. 8; vgl. auch Bericht von pract. med. D.____ vom 14. Januar 2015, Suva act. 12). In der Folge richtete die Suva die gesetzlichen Versicherungsleistungen aus (Suva act. 17). Im Februar 2015 nahm A.____ seine Arbeit wieder voll auf. Mit Schadenmeldung vom 20. Ap ril 2016 meldete die Arbeitgeberin der Suva einen Rückfall zum Ereignis vom 20. November 2014 per 1. November 2015 (Suva act. 25). Der Versicherte habe die Arbeit aufgrund des Schocks und der Psyche erneut ab dem 1. Novem- ber 2015 ausgesetzt. Das Arbeitsverhältnis zwischen dem Ver sicherten und der Arbeitgeberin wurde per 30. April 2016 von Arbeitgeberseite her beendet (Suva act. 27). Mit Verfügung vom 2. Mai 2018 teilte die Suva A.____ mit, dass sie ihre Leistungen per 30. Juni 2018 einstellen werde. Die heute noch geklagten Beschwerden seien organisch nicht hinreichend nachweisbar. Aus psychiatrischer Sicht bestehe heute kein r elevantes, die Arbeitsfähigkeit ein- schränkendes Krankheitsbild mehr, welches in natürlich kausalem Zusammenhang zum Ereignis stehe (Suva act. 170). Mangels Vorliegen von Unfallfolgen bestehe auch kein Anspruch auf wei- tere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente ode r einer Integritätsentschädigung. Dagegen erhob der Versicherte am 18. Mai 2018 Einsprache (Suva act. 175). Diese wurde von der Suva mit Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2018 abgewiesen. In der Begründung wurde zusam- menfassend ausgeführt, dass insbesondere aufgrund der Ausführungen des Versicherten davon auszugehen sei, dass es sich beim Geschehen um ein relativ heftiges Ereignis gehandelt habe. Der Versicherte sei dem Geschehen aber nicht längere Zeit ausgesetzt gewesen, da er, nachdem er ein Zischen vernommen und ätzende Spritzer auf sei nem Handrücken verspürt habe, einen Schritt zurückgetreten sei, die Spritzer abgewischt habe und nach Wahrnehmung der Stich- flamme auf Zurufen seines Arbeitskollegen hin nach drausse n gerannt sei. Die Wahrnehmung einer Gefahr für Leib und Leben sei daher in zeitlicher Hinsicht begrenzt und der Versicherte sei der Stichflamme nicht ausgesetzt gewesen. Aufgrund dieser Sachlage könne das Ereignis vom 20. November 2014 aufgrund der Länge und der Schwere der eigenen Gefahr für Leib und Leben aus rein massgebender objektiver Sicht nicht als geeigne t erachtet werden, einen dauernden erheblichen psychischen Schaden zu bewirken. Die psychische Störung und die lang andauernde Erwerbsunfähigkeit könnten nicht mehr in einem weiten Sinne als angemessen und einigermas- sen typische Reaktion auf das Schreckereignis bezeichnet werden. Des Weiteren könne aufgrund der Akten von einer ärztlichen Behandlung nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erreicht werden, weshalb der Fall habe abge- schlossen werden können. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch André M. Brunner, Advokat, am 29. Januar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Gericht). Darin liess er unter o/e-Kostenfolge beantragen, es sei der angefochtene Einsprache- entscheid aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen L eistungen auszurichten. Es sei ihm insbesondere für die Zeit bis zum Beginn der berufliche n Massnahmen am 1. Dezember 2018 durch die Beschwerdegegnerin ein Taggeld zu bezahlen. Zudem sei ihm insbesondere für die Zeit ab 1. Juli 2018 bzw. nach dem Ende der Taggelder eine Suva-Rente auf der Basis einer Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwerbsunfähigkeit von 61 % zu bezahlen. Es sei die Besch werdegegnerin ausserdem zu ver- pflichten, ihm auch die weiteren Leistungen (Integritätsentschädigung, Fahrspesen zum Arzt und zur Therapie etc.) nach entsprechender Prüfung auszurichten. C. Mit Eingabe vom 28. März 2019 teilte Advokat André M. Brunner mit, dass sein Mandat beendet sei und reichte seine Honorarnote ein. D. In ihrer Beschwerdeantwort vom 10. April 2019 bean tragte die Beschwerdegegnerin, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Muench, die vol lumfängliche Abweisung der Be- schwerde. E. Mit Eingabe vom 25. April 2019 teilte Advokatin Ra ffaella Biaggi dem Gericht mit, dass sie den Beschwerdeführer neu vertrete. Gleichzeitig ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltli- chen Verbeiständung für das vorliegende Beschwerdeverfahren. Mit Schreiben vom 22. Mai 2019 und vom 26. Juni 2019 liess sie dem Gericht das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgelt- liche Rechtspflege sowie die entsprechenden Unterlagen zukommen. F. Mit Verfügung vom 27. Juni 2019 wurde die Angeleg enheit dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Gleichzeitig wurden die Verfahrensanträge des Beschwerdeführers auf Befragung von Zeugen sowie auf Beizug der Unterlagen der Versicherung der B.____ AG abgelehnt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerh ebung ihren Wohnsitz hat. Befindet sich der Wohnsitz der versicherten Person im Ausland, so ist gemäss Art. 58 Abs. 2 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem ihr letzter schweizerischer Arbeitge- ber Wohnsitz hatte. Der Beschwerdeführer wohnt im Ausland, womit bei der örtlichen Zuständig- keit der Wohnsitz des letzten schweizerischen Arbeitgebers massgeblich ist. Der Beschwerde- führer arbeitete zuletzt bei der B.____ AG in Z.___ _ BL. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft ist somit zu bejahen. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 AT SG. Es ist damit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formge- recht eingereichte – Beschwerde vom 29. Januar 2019 ist e inzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Besc hwerdegegnerin ihre Versicherungsleis- tungen für die psychischen Folgen des Ereignisses vom 20. November 2014 (Rückfallmeldung vom 20. April 2016) zu Recht per 30. Juni 2018 einstellte und der Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2018 daher zu schützen ist. 3.1 Seit dem 1. Januar 2017 sind die revidierten Besti mmungen des UVG und der Verord- nung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezembe r 1982 in Kraft (Änderung vom 25. September 2015). Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Sep- tember 2015 gilt bezüglich Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 25. September 2015 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, das bisherige Recht. Vo rliegend ereignete sich das fragliche Er- eignis im Jahr 2014, sodass grundsätzlich die bis zum 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmun- gen Anwendung finden. 3.2 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nich t beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den To d zur Folge hat. Rechtsprechung und Lehre haben schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf di e Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffes) anerkannt und für ihre unfall- versicherungsrechtliche Behandlung besondere Regeln entw ickelt. Danach setzt die Annahme eines Unfalles voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart der versicherten Person sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschenden Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie Lähmungen, Herzschlag etc.) hervorzurufen. Das Bundesgericht hat diese Rechtsprechung wiederholt bestätigt und dahingehend präzisiert, dass auch bei Schreckereignissen nicht nur die Reaktion eines (psychisch) gesunden Menschen als Vergleichs grösse dienen kann, sondern in diesem Zusammenhang auf eine "weite Bandbreite" von v ersicherten Personen abzustellen ist. Zugleich hat es dabei relativierend, unter Bezugnahme auf den massgeblichen Unfallbegriff (BGE 118 V 59 E. 2b und 118 V 283 E. 2a; ferner BGE 122 V 230 E. 1 mit Hinweisen), betont, dass sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit definitionsg emäss nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber beziehe, weshalb nicht von Belang sein könne, wenn der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, uner wartete Folgen nach sich ziehe (BGE 129 V 177 E. 2.1; SVR 2008 UV Nr. 7 S. 22 E. 2.2 [U 548/069). An den Beweis der Tatsachen, die das Schreckereignis ausgelöst haben, an die Aussergewöhnlichkeit dieses Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock sind strenge Anforderu ngen zu stellen (Urteile des Bundesgerichts vom 5. Dezember 2018, 8C_609/2018, E. 2 .2, vom 8. Oktober 2013, 8C_376/2013, E. 3.1, vom 25. September 2008, 8C_341 /2008, E. 2.3 vgl. zum Ganzen auch Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ANDRÉ NABOLD in: Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrech t, UVG, 2018, N. 35 zu Art. 6 mit Hinweisen). 3.3.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt weiter voraus, dass zwischen dem Un- fallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher sowie ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. 3.3.2 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenha ngs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetret en gedacht werden kann (BGE 129 V 177 E. 3.1, 129 V 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber d ie Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im So- zialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen). 3.3.3 Das Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Schreckereig- nis ohne körperliche Verletzungen und den nachfolgend aufgetretenen psychischen Störungen beurteilt sich nach der allgemeinen Formel (gewöhnli cher Lauf der Dinge und allgemeine Le- benserfahrung). Damit wird der Tatsache Rechnung getr agen, dass bei Schreckereignissen – anders als im Rahmen üblicher Unfälle – die psychische Stresssituation im Vordergrund steht, wogegen dem somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann. 3.3.4 An den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychi schen Beschwerden und ei- nem Schreckereignis werden – im Hinblick auf die schwere Kontrollierbarkeit – hohe Anforderun- gen gestellt. Nach der Rechtsprechung besteht die übliche und einigermassen typische Reaktion auf ein solches Ereignis erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber von der versicherten Person in aller Regel i nnerhalb einiger Wochen oder Monate überwunden wird (Urteile des Bundesgerichts vom 4. Juni 2013, 8C_266/2013, E. 2 und vom 28. März 2008, 8C_653/2007, E. 2.4 und 2.5 mit weiteren Hinweisen auf Rechtsprechung und Lite- ratur, BGE 129 V 177 E. 4.2 in fine). Dies gilt nam entlich, wenn weder die versicherte Person noch eine Drittperson einen erheblichen Körperschaden erlitten haben und das Schreckereignis nur relativ kurze Zeit gedauert hat. 3.3.5 In Bezug auf die Adäquanzprüfung bei Schreckere ignissen gibt es eine umfangreiche Rechtsprechung des Bundesgerichts. Diese lässt sich untertei len in Entscheide, in denen die Adäquanz in zeitlicher Hinsicht unbegrenzt bejaht wurde und Entscheide, in denen die Adäquanz nur für eine beschränkte Dauer bestätigt wurde. Für eine unbeschränkte Dauer bejahte das Bun- desgericht die Adäquanz ausschliesslich in Fällen, in dene n für die versicherte Person eine un- mittelbare reale Todesgefahr bestand oder ein schwerwiegender Eingriff in die körperliche Integ- rität erfolgte. So ging es in diesen Fällen um eine Vergewaltigung (Urteil des Bundesgerichts vom Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. November 2015, 8C_412/2015), um einen sexuellen Übergriff (Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2008, 8C_522/2007), um einen Angriff mit einer Kettensäge und erheblichen Ver- letzungen (Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 201 4, 8C_480/2013), um einen Brandan- schlag mit Todesopfern (Urteil des Bundesgerichts vom 3. März 2015, 8C_857/2014), um einen Verkehrsunfall mit verschuldeter Todesfolge für die Ehefrau des Versicherten (Urteil des Bundes- gerichts vom 11. Dezember 2013, 8C_593/2013) sowie um einen Überlebenden des Tsunamis vom 26. Dezember 2004 (Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2008, 8C_522/2007). Dagegen verneinte das Bundesgericht die Adäquanz für langandauernde psychische Beschwer- den bei einer versicherten Person, die von der Feuerweh r aus dem dritten Obergeschoss eines brennenden Hauses gerettet wurde (Urteil des Bundesg erichts vom 9. September 2015, 8C_462/2015, E. 3.2). Das Bundesgericht führte dazu aus, dass das Aufwachen in einem bren- nenden Haus mit unmittelbar darauffolgender professioneller Rettung durch die Feuerwehr durch- aus geeignet gewesen sei, eine vorübergehende psychische Störung mit der Folge einer Beein- trächtigung der geistigen Gesundheit zu verursachen. Es müsse dem Ereignis aber die Eignung abgesprochen werden, auch nach mehr als acht Jahren no ch eine anhaltende Erwerbsunfähig- keit zu verursachen. 4.1 Der Polizeirapport vom 15. Januar 2015 (Suva act. 15) fasst die Geschehnisse des 20. Novembers 2014 wie folgt zusammen: Im 1. Obergeschoss des Produktionsgebäudes, Feld G, Reaktor 5, kam es an einem Druckzylinder/Container, i n welchem sich noch circa 40 Kilo- gramm Sec-Butyllithium befanden, zu einer Verpuffung (Feuerkegel/Stichflamme). Dies hatte zur Folge, dass die unmittelbar daneben befindliche Fenster front sowie ein Teil der Produktionsan- lage arg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der stellvertretende Schichtleiter gab zur Auskunft, dass zum Ereigniszeitpunkt im ersten Obergeschoss neben dem Beschwerdeführer zwei weitere Mitarbeite gearbeitet hätten. Im Feld G, wo sich der Vorfall ereignet habe, sei nur der Beschwer- deführer beschäftigt gewesen. Er selbst habe sich im Zwischenstockwerk vom Erdgeschoss ins erste Obergeschoss befunden. Er habe eine Verpuffung im ersten Stock gehört und sei nach oben gerannt. Dort sei ihm der Beschwerdeführer entgeg engekommen. Dieser sei verstört an ihm vorbei nach draussen gerannt. Er habe bei einem R eaktor eine Stichflamme gesehen und habe dafür gesorgt, dass alle Schichtarbeiter das Produktionsgebäude verlassen. Auf der Strasse habe man auf das Eintreffen der Rettungskräfte gewart et. Dem Polizeirapport ist ausserdem zu entnehmen, dass die weiteren Schichtarbeiter sich nicht unmittelbar in der Nähe des Reaktors 5G befanden, weshalb sie keine weiteren Aussagen in Bezug auf den Sachverhalt machen konn- ten. 4.2 Der Beschwerdeführer selbst schilderte den Sachverhalt gegenüber den Strafuntersu- chungsbehörden im Rahmen seiner Einvernahme folgendermassen (Einvernahmeprotokoll vom 27. November 2014, Suva act. 205, S. 43): Als er sich der Flasche genähert habe, habe er ein Zischgeräusch vernommen und habe Spritzer auf seiner Hand verspürt. Er habe sich noch ge- dacht, weshalb in der Stickstoffleitung Sec-Butyllithium sei. Instinktiv habe er einen Schritt rück- wärts gemacht und bevor er seine Gedanken zu Ende habe denken können, sei ein Feuerkegel aus Richtung des Druck-Zylinders geschossen. Anfangs sei er wie angewurzelt dagestanden. Er habe sich gedacht, da müsse der Haupthahn offen sein un d habe sich kurz mit dem Gedanken Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht befasst, den Haupthahn zu schiessen. Zum Glück habe er das dann sein lassen. Seine Arbeits- kollegen hätten ihn angeschrien, dass er rauskommen solle. Von diesem Zeitpunkt an seien seine Gedanken nur noch schemenhaft. Er habe sich in einem Sc hockzustand befunden. Anlässlich eines Telefonats mit dem Untersuchungsbeamten am 22. Juni 2015 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er keine körperlichen Verletzungen, jedoch einen schweren Schock erlitten habe. Er sei nicht mehr ansprechbar gewesen und seine Arme und Beine hätten gezittert. Durch die Sanität sei er unmittelbar nach der Explosion in die Notfallaufnahme des Spitals E.____ gebracht worden. Danach sei er noch für längere Zeit in psychiatrischer Behandlung gewesen, um den Schock zu verarbeiten (Suva act. 205, S. 35). 4.3.1 In Bezug auf den Gesundheitszustand des Beschwer deführers kann den Akten folgen- des entnommen werden: 4.3.2 Die Ärzte des Spitals E.____ diagnostizierten kurz nach dem Ereignis vom 20. Novem- ber 2014 und nach der Einlieferung des Beschwerdeführe rs auf die Notfallstation eine Anpas- sungsreaktion nach schwerer Belastung. Der Patient habe einen Arbeitsunfall mit Sec-Butylli- thium geschildert. Dieses entzünde sich bei Kontakt mit Sauerstoff selbst. Er habe gesagt, dass er grosses Glück gehabt habe. Es habe eine Stichflamme gegeben, was zur Berstung einer Glas- scheibe geführt habe und ein Schlauch sei knapp an sein em Kopf vorbeigeflogen, jedoch hätte der Schaden weitaus grösser sein können. Er könne sich n ur schemenhaft daran erinnern, wie er auf Anweisung seines Vorgesetzten – es sei Schreien notwendig gewesen – die Hand, welche mit der ätzenden Flüssigkeit in Kontakt gekommen sei, dekontaminiert habe und auf die Strasse geflüchtet sei. Er sei vor Schreck erstarrt und habe selb st gar nichts mehr machen können. Er habe ständig Flashbacks und stelle sich vor, was alles hätt e passieren können. Teilweise ver- spüre er ein Herzrasen sowie ein Zittern und Kältegefü hl am ganzen Körper. Er verspüre keine Dyspnoe, keinen thorakalen Druck, keine Übelkeit und keinen Schwindel. Im Status wurde fest- gehalten, dass es minime Rötungen über dem linken Hand rücken, aber keine Blasenbildung gebe. Ansonsten wurde ein normaler Befund festgestellt (Bericht vom 20. November 2014, Suva act. 10). 4.3.3 Die Beschwerdegegnerin liess den Beschwerdeführer durch Dr. med. F.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Kreisarzt, am 21. Juni 2016 psychiatrisch untersuchen (Suva act. 38). Er diagnostizierte eine abklingende posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1) nach akuter Belastungsreaktion (F43.0): E reignis vom 20. November 2014 ten- denziell dissoziativ, Ich-Ruminationen, einschliesslich affektiver Störung zurzeit mittelgradige de- pressive Episode (F32.1) sowie akzentuierte Persönlichkeit szüge (Z73), anankastisch. Dr. F.____ erachtete den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen der psychiatrischen Störung und dem Ereignis vom 20. November 2014 als gegeben an. Das Ereignis selbst mit seinem po- tenziell lebensbedrohlichen Charakter sei grundsätzlich geeignet, die Störungen zu bewirken. Mit dem Versicherten sei eine stationäre Behandlung besproc hen worden. Diese habe eine Symp- tomreduktion zum Ziel, welche mittels spezifischer Traumatherapie erreicht werden sollte. Auch ca. eineinhalb Jahre nach dem Ereignis bestehe noch eine passable Chance auf eine namhafte Besserung der Symptomatik. Mit Verlaufsbericht vom 18. April 2018 (act. 164) diagnostizierte Dr. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht F.____ nach erneuter persönlicher Exploration des Beschwerdeführers den Status nach posttrau- matischer Belastungsstörung in der Folge einer akuten Belastungsreaktion, den Status nach de- pressiver Episode sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge, rigide, anankastisch, narzisstisch. Die Kernsymptome einer posttraumatischen Belastungsstörung wie emotionale Dumpfheit, erhöhtes gesamthaftes emotionales Erregungsniveau, Vermeidungsverhalten oder szenisches Wiederer- leben sowie Albträume seien nicht zu erheben gewesen. Die posttraumatische Belastungsstö- rung sei vollständig abgeklungen. Seitens der depressiven Symptomatik liessen sich ein gewis- ses Insuffizienzerleben und eine Reduktion im Selbstwert ve rstehen, welche aber in Grad und Ausmass keiner depressiven Störung im engeren Sinn mehr zugeordnet werden könnten. Vor- bestehend und in Grad und Ausmass der vorherigen Untersuch ung entsprechend seien die ak- zentuierten Persönlichkeitszüge, mit einem eher starren, unflexiblen Muster von Beschwerdein- terpretation, Selbstwahrnehmung und Selbstüberzeugung. Dazu gehöre auch eine von der Ten- denz her zwanghaft kontrollierende Art und eine gewisse Selbstüberhöhung in der Selbstdarstel- lung mit entsprechender Weitschweifigkeit und ausladender, fast belehrender Art der Darstellung. Im Zeitpunkt der Untersuchung finde sich kein relevantes, die Arbeitsfähigkeit einschränkendes Krankheitsbild mehr. Eine Persönlichkeitsänderung bedinge eine so extreme Belastung, dass die Persönlichkeitsmerkmale für die Ausprägung derselben keine Rolle spielen würden. Mit extremer Belastung seien Opfer von Terrorismus, von andauernder Gefangenschaft/Lagerhaft, von Kata- strophen oder Opfer mit Konzentrationslagererfahrung g emeint. Das hiesige einmalige Ereignis ohne somatisch fassbare Folgen sei für die Entstehung einer andauernden Persönlichkeitsände- rung nach Extrembelastung nicht geeignet. Eine Arbeitsunfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht ausgewiesen. Die Entwöhnung vom 1. Arbeitsmarkt spi ele eine Rolle, insofern sollte dies bei einem Wiedereingliederungsversuch berücksichtigt werde n und dem Versicherten in einer Übergangszeit eine Anpassung ermöglicht werden. Aufgrund des Ereignischarakters und der da- raus resultierenden emotionalen Belastung für den Versi cherten werde von einer Rückkehr an einen identischen oder ähnlichen Arbeitsplatz aus psychiatrischer Sicht klar abgeraten. Insofern sei die Arbeitsfähigkeit an einem Arbeitsort mit Umgang mit gefährlichen Substanzen nicht mehr gegeben. Ohne diese Einschränkung, in leidensadaptier ter Tätigkeit, bestehe keine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit. Der Endzustand sei erreicht, eine Integritätsentschädigung sei nicht geschuldet. 4.3.4 Der Beschwerdeführer beruft sich nicht auf den kr eisärztlichen Untersuchungsbericht von Dr. F.____, sondern auf die psychiatrische Beurteil ung von Dr. med. G.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zuhanden der Invaliden versicherung (Suva act. 195). Dr. G.____ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 20. September 2018 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. G .____ fest, dass die angestammte Tätigkeit als Chemikant, die eine hohe Konzentrationsfähigkeit erfordere, nicht mehr gegeben sei. In einer Tätigkeit, die keine hohen Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit und die psychische Be- lastbarkeit stelle, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. 4.3.5 Von pract. med. D.____, dem behandelnden Psychi ater des Beschwerdeführers, liegen diverse Verlaufsberichte vor (Berichte vom 14. Januar 2 015, Suva act. 12; vom 30. Mai 2016, Suva act. 29; vom 25. Oktober 2016, Suva act. 64; vom 28. April 2017, Suva act. 89). In seinem Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bericht vom 18. Dezember 2017, Suva act. 149, diagnostizierte er eine abklingende posttrauma- tische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine depressive St örung gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F32.1) sowie eine andauernde Persönlichkeitsst örung (ICD-10 F62.88). Der Patient zeige zum gegenwärtigen Zeitpunkt und auf nicht absehbare Zeit ein Zustandsbild, welches be- rufliche Massnahmen oder ein Arbeitstraining nicht durchführbar erscheinen lassen würde. Auch bei einer etwaigen Besserung in den nächsten Monaten bestünden grosse Zweifel, ob der Patient berufliche Massnahmen erfolgreich bestehen könnte. Mit Schreiben vom 5. November 2018 di- agnostizierte pract. med. D.____ eine posttraumatische B elastungsstörung (ICD-10 F43.2) und eine anhaltende Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0; Suva act. 214). 4.3.6 Ferner liegt bei den Akten ein psychiatrisches Guta chten von Dr. med. H.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1. April 2016 (Su va act. 186) zuhanden des Kranken- taggeldversicherers. Dr. H.____ diagnostizierte eine post traumatische Belastungsstörung (ICD- 10 F43.1) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. In der angestammten Tätigkeit sei nur eine Arbeitsfähigkeit von 20 % vorhanden. In allen anderen Tätigkeiten bestehe ab sofort eine Arbeits- fähigkeit von 80 %. 5.1 Ausgehend von den in Erwägungen 4.1 und 4.2 hie rvor zitierten Berichten ist das Ereig- nis vom 20. November 2014 als Schreckereignis zu qualifizieren. Dies wird von der Beschwerde- gegnerin denn auch nicht bestritten, denn sie bejahte das Vorliegen eines Unfalles im Sinne von Art. 4 ATSG und richtete für die nach dem Trauma aufgetretenen gesundheitlichen Beschwerden – insbesondere für die Folgen der Anpassungsstörung und d er posttraumatischen Belastungs- störung – die entsprechenden Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeld) aus. Auch nach der erneuten Schadenmeldung im Sinne des Rückfal les richtete die Beschwerdegegnerin zunächst die entsprechenden Leistungen aus. Erst gestützt auf die medizinische Beurteilung von Dr. F.____ vom 18. April 2018 schloss sie den Fall per Ende Juni 2018 ab. Zwischen den Parteien ist nun umstritten, ob zwischen dem Schreckereignis und den gesundheitlichen Beschwerden im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 30. Juni 2018 und damit dreieinhalb Jahre nach dem Trauma noch ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. 5.2 In diesem Zusammenhang ist erstellt, dass der Beschw erdeführer beim Ereignis vom 20. November 2014 nur einen geringen körperlichen Schaden erlitt. Durch den Austritt des Sec- Butyllithiums in Form von Spritzern kam es lediglich zu Rötungen auf der Hand, Blasen hingegen entstanden keine. Die Rötungen verheilten innerhalb kürzester Zeit und sind dementsprechend als harmlos einzustufen. Weder die Stichflamme noch di e Verpuffung selbst fügten dem Be- schwerdeführer körperliche Verletzungen zu. Dem vorliegend zu beurteilende Ereignis vom 20. November 2014 selbst kann eine gewisse Ein- drücklichkeit zwar nicht abgesprochen werden. Demnach ist es nachvollziehbar, dass der Be- schwerdeführer die Situation subjektiv als bedrohlich emp fand. Von einer konkreten objektiven Lebensgefahr kann aber nicht gesprochen werden, denn die Situation war lediglich als potenziell lebensgefährlich einzustufen. Wenn man sich nun diejenigen Fälle des Bundesgerichts vor Augen führt, bei denen eine langandauernde Erwerbsunfähigkeit noch adäquat kausal auf das Schreck- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ereignis zurückgeführt wurde, kann das Ereignis – ohne d ieses verharmlosen zu wollen – in sei- ner Schwere nicht mit diesen Präjudizien verglichen wer den. Mit Ereignissen wie etwa Brand- oder Erdbebenkatastrophen, Eisenbahn- oder Flugzeug unglücken, schweren Autokollisionen, Brückeneinstürzen, Bombenabwürfen, verbrecherischen Überf ällen oder sonstigen plötzlichen Todesgefahren sowie Seebeben lässt sich das vorliegende Geschehen nicht vergleichen. Insbe- sondere hielt sich der Beschwerdeführer gemäss seinen eigenen Angaben nur kurz in der Nähe der Stichflamme auf. Auch der stellvertretende Schichtleiter gab zur Auskunft, dass ihm der Be- schwerdeführer schon kurz nach der Verpuffung im Treppe nhaus entgegengekommen sei. Die bedrohliche Situation kann damit – anders als es in de r Beschwerde geltend gemacht wird (S. 14) – höchstens wenige Sekunden gedauert haben. Zudem war es dem Beschwerdeführer mög- lich, selbständig und ohne fremde Hilfe das Fabrikgebäu de zu verlassen. Weiter gilt es zu be- rücksichtigen, dass bei der Verpuffung keine anderen Personen zu Schaden kamen. Verglichen mit der Kasuistik liegt zudem eine eher lange Dauer der Leistungsausrichtung durch die Beschwerdegegnerin vor. Zwar gehört der Beschwerdeführer wohl zu einer Gruppe von ver- sicherten Personen mit einem erhöhten Risiko, aus versicherungsmässiger Sicht nicht "optimal" auf einen Unfall zu reagieren. Mit einer Leistungsdau er von über dreieinhalb Jahren wurde die- sem Umstand von der Beschwerdegegnerin aber genügend Re chnung getragen. In der Regel werden bei einem Trauma wie dem vorliegenden die Lei stungen lediglich für Wochen oder we- nige Monate ausgerichtet. 5.3 Zusammenfassend ist damit zum Ergebnis zu gelangen, d ass die lang andauernde Er- werbsunfähigkeit nicht mehr als angemessene und einigerm assen typische Reaktion auf das Schreckereignis bezeichnet werden kann, weshalb die Beschwerdegegnerin den adäquaten Kau- salzusammenhang per 30. Juni 2018 zu Recht verneinte. U nter diesen Umständen kann die Frage nach der natürlichen Kausalität zwischen den Beschwerden und dem Unfallfallereignis of- fengelassen werden. Auch eine Auseinandersetzung mit de r Berechnung des Validen- und des Invalideneinkommens erübrigt sich, da ein Rentenanspruch nicht gegeben ist. Beim angefochte- nen Entscheid vom 13. Dezember 2018 hat es sein Bewen den und die Beschwerde wird abge- wiesen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Aufgrund des Ausgangs des vorliegenden Verfah rens wird dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zugesprochen. 7.1 Abschliessend bleibt über den Antrag des Beschwerdefü hrers zu befinden, es sei ihm die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin zu bewilligen. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG wird der Beschwe rde führenden Person, wo die Ver- hältnisse es rechtfertigen, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. Praxisgemäss ist die un- entgeltliche Verbeiständung im kantonalen Beschwerdeve rfahren zu gewähren, wenn der Pro- zess nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbei- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständung notwendig oder doch geboten ist (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Ba- sel/Genf 2015, Art. 61 Rz. 176 ff. mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Diese drei Vorausset- zungen müssen kumulativ gegeben sein. 7.3 Im Rahmen der Beschwerde vom 29. Januar 2019 ersuch te der Beschwerdeführer noch nicht um unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat André M. Brunner. Das Gesuch um unent- geltliche Rechtspflege liess er erst am 25. April 2019 durch seine neue Rechtsvertreterin einrei- chen. Zu diesem Zeitpunkt lag die Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin bereits vor und das Gericht hatte bei der IV-Stelle Basel-Landschaft – zur Vervollständigung der Verfahrensakten – auch schon das IV-Aktendossier beigezogen. Nachdem der Beschwerdeführer mit Eingaben vom 22. Mai 2019 und vom 26. Juni 2019 auf Aufforderung des Gerichts hin weitere Belege zu seiner finanziellen Situation eingereicht hatte, wurde die Angelegenheit mit Verfügung vom 27. Juni 2019 ohne die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels der Dreierkammer zur Beurteilung überwiesen. In der Folge liess die Rechtsvertreterin dem Gericht mit Schreiben vom 28. Juni 2019 ihre Honorarnote und die Deservitenkarte zukommen. Zum Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs um unentgeltliche Verbeiständung am 25. April 2019 mussten somit – mit Ausnahme des Zusammentragens der U nterlagen zur finanziellen Bedürf- tigkeit – keine Handlungen mehr vorgenommen werden, die eine anwaltliche Vertretung erforder- lich gemacht hätten. Dementsprechend machte die Rechtsvertreterin auch keine materiellen Aus- führungen in der vorliegenden Streitsache. Damit fehlte es zu diesem Zeitpunkt an der Notwen- digkeit einer anwaltlichen Vertretung, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung abgewiesen wird. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem Beschwerdeführer wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung mit Advokatin Raffaella Biaggi wird abgewiesen. http://www.bl.ch/kantonsgericht