B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4443/2014 U r t e i l v o m 2 2 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch Urs Jehle, Caritas Schweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 22. Juli 2014 / N (…). D-4443/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 3. Juni 2014 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass das BFM mit Verfügung vom 22. Juli 2014 – eröffnet am 6. August 2014 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Un- garn anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spä- testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer verfügte, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 8. August 2014 (Poststem- pel: 9. August 2014) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltung s- gericht Beschwerde erhob und dabei in materieller Hinsicht beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Vorinstanz sei a n- zuweisen, das Selbsteintrittsrecht auszuüben und das Asylgesuch des Beschwerdeführers materiell zu prüfen, eventualiter sei der Nichteintr e- tensentscheid aufgrund einer Verletzung der Pflicht zur vollständigen und unkorrekten (recte wohl: korrekten) Sachverhaltsabklärung sowie zur ko r- rekten Begründung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuwe i- sen, dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei der B e- schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und als vorsorgliche Massnahme seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, bis zum Entscheid über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung von Vollzugshandlungen abzusehen, dass er überdies um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Verzicht auf die Auferlegung von Verfahrenskosten inkl. Kostenvorschuss sowie um Beiordnung des unterzeichnenden Rechtsvertreter s als unen t- geltlicher Rechtsbeistand ersuchte, dass der Beschwerdeschrift verschiedene Beweismittel beilagen, D-4443/2014 Seite 3 dass auf die Begründung der Rechtsbegehren und die eingereichten B e- weismittel – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass die vorinstanzlichen Akten am 12. August 2014 beim Bundesverwal- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verf ü- gungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V. m. Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art . 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts sowie die Rü ge- möglichkeit nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetre ten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen kön nen, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), D-4443/2014 Seite 4 dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Krit e- rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Pr ü- fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internat ionalen Schutz zuständig ist, (nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem ei n- zigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird, wobei die einzelnen Bestimmungskriterien in der Reihenfolge ihrer Auflistung im Kapitel III Anwendung finden (Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig- keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens z u- ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentl i- che Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahr en und die Au f- nahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Uni on (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den R e- geln der Dublin -III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden kann, dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an- deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsg e- biet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel auf hält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO), dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder S taatenlosen g e- stellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung z u- ständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass ein Abgleich de r Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eurodac»-Datenbank ergab, dass dieser am 30. April 2014 in Griechen-D-4443/2014 Seite 5 land aufgegriffen und am 27. Mai 2014 in Ungarn ein Asylgesuch einge- reicht hatte, dass dem Beschwerdeführer im Rahmen der Befragung zur Person im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ am 4. Juli 2014 das rechtliche Gehör zur allfälligen Zuständigkeit Ungarns für die Durchfü h- rung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens gewährt wurde ( vgl. Akten BFM A 6/15 S. 10), dass der Beschwerdeführer nicht bestritt, in Ungarn ein Asylgesuch ei n- gereicht zu haben (vgl. A 6/15 S. 4), dass das BFM die ungarischen Behörden am 10. Juli 2014 um Wieder- aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub- lin-III-VO ersuchte, dass die ungarischen Behörden dem Gesuch um Übernahme am 15. Juli 2014 zustimmten, dass die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates unbestritten blieb, dass die Zuständigkeit Ungarns somit gegeben ist, dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah- ren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Ungarn würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch- lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU– Grundrechtecharta mit sich bringen, dass Ungarn Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist und sei nen dies bezüglichen völkerrechtlichen Ve r- pflichtungen grundsätzlich nachkommt, dass Ungarn auf die u.a. vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) am ungarischen Asylsystem geübte Kritik reagiert und sowohl auf gesetzlicher Ebene als auch in der Praxis die B e- hebung von Mängeln angekündigt beziehungsweise mit deren Umse t-D-4443/2014 Seite 6 zung begonnen hat, wobei insbesondere der Verzicht auf eine quasi - systematische Inhaftierung von Asylsuchenden und auf die Einstufung von Serbien als sicherem Drittstaat sowie die materielle Prüfung der Asylgesuche von allen Personen, welche im Rahmen des Dublin - Abkommens nach Ungarn überstellt werden (Dublin -Rückkehrer), hervor- zuheben sind (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 5-8), dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in einem Urteil vom 6. Juni 2013 aufgrund dieser Verbesserungen zum Schluss ge- langte, asylsuchende Personen seien bei einer Überstellung nach Ungarn gestützt auf das Dublin -Abkommen nicht einer realen und individuellen Gefahr einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt (vgl. EGMR, Mohammed gegen Österreich [Appl. No. 2283/ 12], Urteil von 6. Juni 2013, § 106), dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner bisherigen Praxis davon ausging, Ungarn komme kraft seiner Mitgliedschaft im Dublin -System grundsätzlich seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach (vgl. etwa die Urteile D-4044/2013 vom 23. Juli 2013, D -4197/2013 vom 25. Juli 2013, E-4194/2013 vom 13. August 2013 und D -4809/2013 vom 3. September 2013, D-2302/2014 vom 6. Mai 2014), dass jüngere Entwicklungen in Ungarn Anlass zu erneuter Kritik gegeben haben, dass zum einen die Asylgesuchszahlen in Ungarn erheblich anstiegen, was offenbar zu einer spürbaren Verschlechterung der Aufnahmebedi n- gungen geführt hat (vgl. Urteil E-2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 8.3), dass zum anderen am 1. Juli 2013 Änderungen des ungarischen As ylge- setzes in Kraft getreten sind, die eine neue rechtliche Grundlage für die Inhaftierung von Asylsuchenden schaffen (vgl. Hungarian Helsinki Co m- mittee [HHC] , Information Note on Asylum -Seekers in Detention an d in Dublin Procedures in Hungary, Mai 2014 [http://helsinki.hu/en/information- note-on-asylum-seekers-in-detention-and-in-dublin-procedures-in- hungary]), dass diese Gesetzesänderungen aus der Sicht der ungarischen Regi e- rung die Umsetzung der Neufassung der Richtlinie 2013/33/EU des E u- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz D-4443/2014 Seite 7 beantragen, ins nationale Recht darstellen (vgl. Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 E. 8.2), dass das UNHCR demgegenüber kritisier t, Ungarn habe die Neufassung der Aufnahmerichtlinie, insbesondere die Berücksichtigung der speziellen Schutzbedürfnisse von verletzlichen Personen (Art. 11 und Art. 22 Ne u- fassung Aufnahmerichtline), unvollständig übernommen (vgl. UNHCR, Comments and recommendations on the draft modification of certain mig- ration-related legislative acts for the purpose of legal harmonisation, 12. April 2013, S. 12, 23), dass das Bundesverwaltungsgericht in einer Analyse der Situation von Asylsuchenden in Ungarn und des dortigen Asylverfahrens unter Einb e- zug der aktuellsten Entwicklungen im Urteil E -2093/2012 vom 9. Oktober 2013 zum Schluss gelangt ist, dass die Überstellung von Asylsuchenden nach Ungarn im Rahmen des Dublin -Regelwerks nicht generell die G e- fahr einer unme nschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder einer Verletzung des Prinzips des Non -Refoulement mit sich bringt und daher nicht generell unzulässig ist (vgl. E. 9), dass jedoch die Vermutung, dieser Staat beachte die den betroffenen asylsuchenden Persone n im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem zustehenden Grundrechte in angemessener Weise (vgl. E. 4.1 -4.3), nicht uneingeschränkt aufrechterhalten werden kann (analog zu Überstellu n- gen nach Malta, vgl. BVGE 2012/27), und daher die Asylbehörden auf der Grundlage der jeweils aktuellsten, zugänglichen Informationen im Einzel - fall zu prüfen haben, ob die betroffene Person im Falle einer Überstellung nach Ungarn Gefahr laufen würde, wegen der dortigen Mängel des Asy l- verfahrens und/oder der Aufnahmebedingungen eine Verletzung ihrer Grundrechte zu erleiden, und diese Person selbst nicht die volle Bewei s- last zu tragen hat, sondern lediglich, aber immerhin, ihre persönlichen Gründe geltend zu machen hat, die gegen die Zulässigkeit der Überste l- lung nach Ungarn sprechen könnten (vgl. Urteil E -2093/2012 vom 9. O k- tober 2013 E. 9.2), dass sich der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben nur wenige Tage in Ungarn aufhielt (vgl. A 6/15 S. 4 f.), dass jedoch aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers nicht davon auszugehen ist, er habe in Ungarn keinen effektiven Zugang zum Asylver- fahren gehabt, D-4443/2014 Seite 8 dass auch davon ausgegangen werden darf, Ungarn anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtli- nie), ergeben, dass der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Vorfall, afghanische Asylsuchende hätten einen dunkelhäutigen Asylsuchenden umgebracht, daran nichts ändert, zumal kein Staat jegliche Gewalttaten verhindern kann, dass der Beschwerdeführer zudem nicht ausführt, inwiefern die ungar i- schen Behörden im konkreten Fall ihre Pflichten verletzt und/oder die T ä- ter nicht zur Rechenschaft gezogen hätten, dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass sich der Beschwerdeführer überdies auf den Grundsatz der Famil i- eneinheit im Dublin-Verfahren beruft und vorbringt, seine Mutter halte sich bereits als Asylsuchende in der Schweiz auf und hinsichtlich der minde r- jährigen, derzeit noch in Griechenland wohnhaften Geschwister sei ein Verfahren um Erteilung einer Einreisebewilligung beim BFM hängig, dass zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Mutter sowie den vier minderjährigen Geschwistern ein besonderes Abhängigk eitsverhältnis vorliege, da der Beschwerdeführer die Rolle des vor mehreren Jahren verstorbenen Vaters übernommen habe, dass der Familienbegriff gemäss Art. 11 Dublin-III-VO jenen nach Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO sowie unverheiratete minderjährige Geschwis ter um- fasst (FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien/Graz 2014, K4 zu Art. 11), weshalb er hinsichtlich des volljährigen Beschwerdeführers nicht zum Tragen kommt, dass das BFM nämlich zu Recht darauf hinwies, beim Beschwerdeführer handle es sich nic ht um einen Familienangehörigen gemäss Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO, D-4443/2014 Seite 9 dass sodann mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, der vom B e- schwerdeführer geschilderte Sachverhalt vermöge kein besonderes A b- hängigkeitsverhältnis (wie beispielsweise bei m Vorliegen einer schweren Krankheit oder ernsthafte n Behinderung) im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zu begründen, dass der auf Beschwerdeebene eingereichte Bericht einer Betreuerin (Beschwerdebeilage 6) daran nichts ändert, dass nur am Rande anzumerken ist, der Umstand, dass zunächst die Mutter des Beschwerdeführers alleine von Griechenland in die Schweiz reiste, hernach der Beschwerdeführer seinerseits alleine Griechenland verliess, nicht für das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses spricht, dass der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene sodann auf die Er- messensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO verweisen lässt, was zum Selbsteintritt der Schweiz und zur Beurteilung des Antrags auf inter- nationalen Schutz durch dieses Land führen müsse, dass die Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO unter and e- rem dann zur Anwendung käme, wenn eine Überstellung nach Ungarn gegen Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privat - und Familienlebens) verstossen würde, dass sich gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung jemand auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK berufen kann, wenn er sich auf die Beziehung zu einer Person mit gefestigtem Anw e- senheitsrecht (Bürgerrecht oder Niederlassungsbewilligung) in der Schweiz bezieht, und eine blosse Aufenthaltsbewilligung hierzu nur g e- nügt, soweit sie ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht (Aufenthaltsbewilligung mit Anspruch auf Verlängerung; vgl. statt vieler BGE 130 II 281, 135 I 143, je m.w.H.), dass sich das Bundesverwaltungsgericht dieser Praxis angeschlossen hat (vgl. BVGE 2012/4 E. 4.3, 2013/24 E. 5.2), dass sich die Mutter des Beschwerdeführers als Asylsuchende in der Schweiz aufhält und deshalb von vornherein nicht über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt, dass auf die Ausführungen in der Beschwerdeschrift hinsichtlich der vier, sich in Griechenland aufhaltenden, minderjährigen Geschwister nicht wei-D-4443/2014 Seite 10 ter einzugehen ist, da deren allfällige Ansprüche im Verf ahren des B e- schwerdeführers nicht zu prüfen sind, und sich die Mutter – wie vorste- hend erwähnt – bereits in der Schweiz aufhält, dass sich der Beschwerdeführer schliesslich auf seinen Gesundheitszu- stand beruft, der einer Überstellung entgegenstehe, da er aufgrund einer Knieverletzung dauerhafte ärztliche Behandlung benötige, weil er nach einer (…)operation an einem (…) im Oberschenkel leide und die mediz i- nische Behandlung in Ungarn nicht sichergestellt sei, dass die geltend gemachte gesundheitliche B eeinträchtigung unbelegt blieb, dass somit nicht rechtsgenügend dargetan wurde, inwiefern der B e- schwerdeführer überhaupt eine massgebliche medizinische Betreuung benötigt, dass das BFM überdies zutreffend darauf hinwies, Ungarn verfüge über eine ausreichende medizinische Versorgung und es lägen keine Hinweise vor, wonach Ungarn dem Beschwerdeführer eine medizinische Behan d- lung verweigert hätte oder verweigern würde, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft zu machen vermag, die Über- stellung nach Ungarn setze ihn einer Gefahr für seine Gesundheit aus und verletze damit Art. 3 EMRK, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nämlich nur dann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstel- len kann, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe bef indet (vgl. BVGE 2011/9 E. 7, mit Hinweisen auf die Praxis des EGMR), dass, entgegen der Darstellung in der Beschwerdeschrift, nicht ersichtlich ist, inwiefern im vorliegenden Verfahren Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO von Relevanz wäre, da diese Bestimmung nur auf Ersuchen eines anderen Mitgliedstaates Anwendung finden kann (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K19 zu Art. 17), weshalb sich Ausführungen dazu erübrigen, dass es nach de m Gesagten keinen Grund für eine Anwendun g der E r- messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle fes t- zuhalten bleibt, dass die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht D-4443/2014 Seite 11 einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), dass das B FM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetre- ten ist und – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Ungarn angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]), dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nich t- eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10), dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verf ü- gung des BFM zu bestätigen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschi ebenden Wirkung als gegenstandslos erweist, dass das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses mit vorliegendem Entscheid in der Hauptsache hinfällig wird, dass die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der un- entgeltlichen Pr ozessführung und Verbeiständung abzuweisen sind, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG nicht erfüllt sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-4443/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand: