Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Oktober 2015 (720 15 113) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Betätigungsvergleich. Rückweisung der Angelegenheit zur Neubeurteilung der medizini- schen und erwerblichen Situation, da sich der Sachverhalt vor Erlass der Rentenverfü- gung richtungsweisend geändert hat. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Christina Mar- kiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Markus Reich, Advo- kat, Faissgärtli 17, Postfach 641, 4144 Arlesheim gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.0206.9321.90) Seite 2 A. Der 1951 geborene A.____ arbeitete als selbständi ger Landwirt. Er leidet an einer chro- nisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD GOLD Stadium III ) sowie an einem Raynaud- Syndrom (Gefässerkrankung mit Krämpfen an Fingern und Z ehen) und an Dupuytren (Erkran- kung des Bindegewebes der Handinnenflächen). Mit Gesuch vom 11. Juni 2013 meldete er sich bei der IV-Stelle Basel-Landschaft zum Bezug von Leistun gen an. Nach Abklärung der medizi- nischen und erwerblichen Verhältnisse ermittelte die IV -Stelle aufgrund eines Betätigungsver- gleichs einen IV-Grad von 55%. Mit Verfügung vom 16. Februar 2015 sprach sie A.____ eine halbe IV-Rente zu. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Markus Reich, mit Eingabe vom 18. März 2015 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozia lversicherungsrecht. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer ganzen IV-Rente ab 1. Dezember 2013. Im Wesentlichen beanstandete er die medi zinische Einschätzung sowie die Ergebnisse des Abklärungsberichts Landwirtschaft vom 7. Januar 2014. C. Mit Eingabe vom 27. Mai 2015 beantragte die IV-S telle, das Beschwerdeverfahren sei zufolge Wiedererwägung lite pendente von der Kontrol le abzuschreiben. An der medizinischen Einschätzung sei festzuhalten. Es dränge sich aber eine Neubeurteilung auf, weil der Versicher- te die Melkarbeiten zwischenzeitlich eingestellt habe und der Sohn den Landwirtschaftsbetrieb im Januar 2015 übernommen habe. Die Situation sei somi t anders als anlässlich der Abklärung vom November 2013. Des Weiteren habe eine erneute Anal yse und Berechnung des Betäti- gungsvergleichs gezeigt, dass bei der Erstberechnung im Bereich der Innenwirtschaft ein Feh- ler unterlaufen sei. Statt nur 34% seien dort 50% Lei stungsfähigkeit berücksichtigt worden. Im Ergebnis resultiere nach der Korrektur richtigerweise e ine Restarbeitsfähigkeit von 33% und nicht von 45%. D. Das Kantonsgericht erwog mit Verfügung vom 4. Juni 2 015, dass der Wiedererwä- gungsverfügung der IV-Stelle lediglich der Charakter e ines Antrages an das Kantonsgericht zukomme, da darin eine rentenzusprechende Verfügung auf gehoben werde. Das Beschwerde- verfahren könne entgegen der Auffassung der IV-Stelle nicht zufolge Wiedererwägung lite pen- dente abgeschrieben werden. Aufgrund der von der IV-Stelle in ihrer Eingabe vom 27. Mai 2015 angeführten Gründe kämen eine Aufhebung der angefoch tenen Verfügung und eine Rückwei- sung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen und neu er Entscheidung durchaus in Be- tracht, welche allenfalls eine reformatio in peius bedeuten könnte. Dies bedeute aber zwingend, dass dem Versicherten vor einem allfälligen Entscheid Gele genheit zum Rückzug der Be- schwerde zu geben sei. E. Mit Schreiben vom 6. Juli 2015 erklärte der Beschwe rdeführer, dass er an seiner Be- schwerde festhalte. Seite 3 Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Dabei ist zu beachten, dass das Sozialversicherungsgericht nach ständiger Rechtsprechung die Gesetz- mässigkeit von Verwaltungsverfügungen in der Regel nach d em Sachverhalt zu beurteilen hat, der zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war. Darau s folgt, dass für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde der Sachverhalt massgebend ist, d er am 16. Februar 2015, dem Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung der IV-Stelle, vorgelegen hat. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Inva lidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 6 0%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Invalidi- tät im Sinne dieser Bestimmung ist die durch einen kö rperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankhei t oder Unfall verursachte, vo- raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). 2.2 Art. 28a Abs. 1 IVG erklärt für die Bemessung der I nvalidität von erwerbstätigen Versi- cherten Art. 16 ATSG für anwendbar. Gemäss Art. 16 ATS G wird für die Bestimmung des IV- Grades einer erwerbstätigen versicherten Person das Erwe rbseinkommen, das diese nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre ( Valideneinkommen). Bei der Ermittlung des für die Bestimmung des IV-Grades massgebenden hypoth etischen Einkommens ohne Ge- sundheitsschaden (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im mass- gebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgr ad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Der E inkommensvergleich hat in der Re- gel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestel lt werden, worauf sich aus der Ein- kommensdifferenz der IV-Grad bestimmen lässt (sog. allg emeine Methode des Einkommens- vergleichs; vgl. BGE 104 V 136). Die Einkommensermittlu ng hat so konkret wie möglich zu er- folgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person erzielt hat, auszuge- hen ist (vgl. ZAK 1990 S. 519 E. 3c). Insoweit die frag lichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massg abe der im Einzelfall bekannten Um- stände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte sind miteinander zu verglei- chen. Seite 4 2.3 Namentlich bei Selbständigerwerbenden kann sich eine zuverlässige Ermittlung der beiden hypothetischen Vergleichseinkommen als schwierig o der unmöglich erweisen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuve rlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die Methode für Nichterwerbstäti ge ein Betätigungsvergleich anzustellen (vgl. dazu Art. 5 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG; UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 8 N 13 ff. und N 20), un d der IV-Grad ist nach Massgabe der er- werblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähig keit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Zunächst ist anhand des Betätig ungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen; sodann ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung beson- ders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funkti onellen Leistungsvermögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben (ausserordentliches Bemessungsverf ahren; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 137 E. 2c; AHI-Praxis 1998 S. 120 E. 1a). Eine g esetzliche Regelung, welche Bemes- sungsmethode bei Selbständigerwerbenden anzuwenden ist, gibt es nicht. Welche Methode Anwendung findet, hängt somit in erster Linie davon ab , ob sich die hypothetischen Erwerbs- einkommen zuverlässig schätzen lassen (allgemeine Methode) o der nicht (ausserordentliche Methode). Anzufügen ist in diesem Zusammenhang, dass de n Verwaltungsbehörden bezüglich der Auswahl der Methode ein gewisser Ermessensspielraum zu steht, in den das Gericht nicht ohne Not eingreift. 2.4 Gemäss Art. 25 Abs. 2 der Verordnung über die Inva lidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sind bei einem invaliden Selbständigerw erbenden, der zusammen mit Famili- enmitgliedern einen Betrieb bewirtschaftet, die beide n massgebenden Erwerbseinkommen auf- grund seiner Mitarbeit im Betrieb zu bestimmen. Das be deutet, dass Einkommensbestandteile, die nicht auf die Tätigkeit des Selbständigerwerbenden zurückgehen, in Abzug zu bringen sind (ZAK 1970 S. 566, I 309/69, E. III.1; Urteil des EVG vom 4. November 1994, I 139/93, E. 4d). 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Gemäss Art. 6 ATSG ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teil weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1); bei langer Dauer wird auch die zumutba- re Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt. 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für Seite 5 die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer Weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f.). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Für den Beweiswert des Berichts über die in Art. 6 9 Abs. 2 IVV vorgesehene betriebs- wirtschaftliche Abklärung an Ort und Stelle gelten die Grundsätze zur Beweiskraft von Arztbe- richten gemäss BGE 125 V 352 E. 3a analog. Es sind verschie dene Faktoren zu berücksichti- gen: Die Abklärungsperson muss fachlich qualifiziert sein u nd die örtlichen Verhältnisse ken- nen; weiter muss der Bericht in Kenntnis der medizinisch i ndizierten Einschränkungen und Be- hinderungen verfasst worden sein. Der Experte hat die A ngaben des Betroffenen zu berück- sichtigen, wobei abweichende Meinungen im Bericht aufzu zeigen sind. Der Abklärungsbericht muss schliesslich umfassend und einleuchtend sein sowie begrü ndete, mit den Abklärungen übereinstimmende Schlussfolgerungen aufweisen. Sind di ese Anforderungen erfüllt, greift das Gericht nur dann in das Ermessen der Abklärungsperson ein, wenn klare und offensichtliche Fehleinschätzungen oder Widersprüche vorliegen. Das gebi etet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkr eten Sachverhalt ist als das Gericht (BGE 128 V 93 E. 4; Urteile des EVG vom 22. A ugust 2003, I 316/02, E. 1 und vom 26. April 2002, I 352/01, E. 2c/bb). Seite 6 4.1 Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und der Erwerbsfähigkeit stehen die folgenden wesentlichen medizinischen Berichte und betriebswirtschaftli chen Abklärungsberichte zur Ver- fügung: 4.2.1 Dr. med. B.____, FMH Pneumologie, führte mit Bericht vom 1. Juli 2013 an, dass der Versicherte seit Januar 2013 aufgrund einer Pneumonie bei schwerer COPD Gold Stadium III und schwerem Emphysem nicht voll arbeitsfähig sei. Es lie ge eine erhebliche respiratorische Einschränkung vor. Ausserdem stehe weiterhin eine nicht vo llständig geklärte Lungenerkran- kung beziehungsweise ein möglicher pulmonaler Malignom im Raum. Nebenbefundlich sei die Feinmotorik der Hände bei Morbus Dupuytren und hochgra digem Verdacht auf ein Raynaud- Syndrom eingeschränkt. Die bisherige Tätigkeit sei noch t eilweise zumutbar. Der Versicherte könne leichte körperliche Arbeit verrichten. Eine Tätigk eit mit hoher Staub- und Keimbelastung sollte möglichst vermieden werden. Da seine Arbeit als L andwirt körperlich sehr anstrengend und er stark organischen Stäuben ausgesetzt sei, scheine das Ausmass der Einschränkung recht gross. Im Verlauf sei mit einer Zunahme der Einschr änkung und weiterer Abnahme der Leistungsfähigkeit zu rechnen. Mit Bericht vom 13. Febru ar 2014 hielt Dr. B.____ sodann fest, dass der Versicherte nun nicht mehr als Landwirt arbeitsfähig sei und berentet werden sollte. 4.2.2 Mit Bericht vom 20. September 2013 attestierte die Hausärztin Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Medizin, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit se it dem 27. Dezember 2012. Der Versi- cherte sei körperlich sehr stark eingeschränkt. Neunzig Proze nt der Landwirttätigkeiten könne er nicht mehr ausüben. 4.1.3 Pract. med. D.____ vom Regionalen Ärztlichen Die nst (RAD) erachtete am 1. Oktober 2013 den Versicherten aufgrund der schweren Lungenerkra nkung mit deutlicher Leistungsmin- derung als Landwirt zu 100% arbeitsunfähig. 4.1.4 Gemäss Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 7. Januar 2014 sei der Versicherte mas- siv in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, da er nur mit Mühe selbst kleinere und leichtere Arbei- ten ausführen könne. Sobald er Kraft anwenden und sich anstrengen müsse, „sei rasch fertig.“ Heute beschränke sich der Einsatz auf das Melken am Morge n und Abend, dies an 360 Wo- chentagen. Der Versicherte sei dazu am Morgen und Abend inkl. der Reinigung je zwei Stun- den im Einsatz. Gemäss Arbeitsvoranschlag ART (Berechnung sinstrument für Arbeitszeiten in der Landwirtschaft) könne der Versicherte noch Arbeiten im Rahmen von 1‘440 Stunden pro Jahr ausführen. Davon ausgehend, dass er im „Validenzeitr aum“ 3‘200 Stunden pro Jahr gear- beitet habe, entspreche dies einer Reduktion von 1‘76 0 Stunden pro Jahr, was 55% entspre- che. Der Versicherte sei somit noch 45% arbeitsfähig. 4.1.5 Der RAD fragte bei Dr. B.____ nach, ob die Ein schätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss Abklärungsbericht nachvollziehbar sei. Dr. B.____ antwort ete mit einem knappen „Ja“ (vgl. No- tiz vom 3. Dezember 2014). Der RAD kam deshalb zum Schl uss, dass auf die ermittelte Rest- Seite 7 arbeitsfähigkeit durch den Aussendienst abgestellt werd en könne (vgl. Schreiben vom 10. De- zember 2014). 5. Die IV-Stelle begründete ihren Antrag, das Beschw erdeverfahren sei zufolge Wiederer- wägung lite pendente abzuschreiben damit, dass eine er neute Analyse der Berechnungen im Abklärungsbericht Landwirtschaft vom 7. Januar 2014 gezeigt habe, dass im Bereich Innenwirt- schaft aufgrund einer „technischen Konfiguration“ eine Berechnungskorrektur habe vorgenom- men werden müssen. Richtigerweise sei von einer Leistungs fähigkeit des Versicherten von le- diglich 34 % auszugehen und nicht von 50 %. Im Ergebnis resultiere eine Restarbeitsfähigkeit von 33% und folglich eine Arbeitsunfähigkeit von 67%. Der Bericht vom 7. Januar 2014 sei so- mit dahingehend zu korrigieren. Weiter habe sich der Sa chverhalt insoweit geändert, dass der Versicherte die Melkarbeiten zwischenzeitlich eingestellt h abe und der Landwirtschaftsbetrieb an den Sohn übergeben worden sei. Es dränge sich desha lb eine Neubeurteilung der Angele- genheit auf. 6.1 Dem ist grundsätzlich zuzustimmen. In Bezug auf den A bklärungsbericht Landwirtschaft vom 7. Januar 2014 ist vorab festzuhalten, dass der Berich t über weite Strecken nicht nachvoll- ziehbar ist. Insbesondere sind die erwerblichen Gewichtun gen der Leistungseinschränkungen unklar und erwähnte Reduktionen von 25% im Bericht nich t erkennbar. In der dargestellten Form kann der Bericht nicht auf seine Richtigkeit hin ü berprüft werden, weshalb seine Be- weistauglichkeit in Frage zu stellen ist. Eine Neuauflage erweist sich als angezeigt, nicht zuletzt auch deshalb, weil die IV-Stelle selbst erkannt hat, d ass die Berechnungsgrundlagen falsch sind. Eine erste Analyse der IV-Stelle hat bereits ergeben, dass der Beschwerdeführer aufgrund eines Rechnungsfehlers zu einem weit höheren Grad beei nträchtigt ist als ursprünglich ange- nommen (67% statt 55%). Weiter gibt es auch medizinische Hinweise dafür, dass der Be- schwerdeführer bereits zum Zeitpunkt der landwirtschaftli chen Abklärung vollständig in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war. So gingen bereits die Hausärztin und die RAD-Ärztin mit Berichten vom 20. September 2013 und 1. Oktober 2013 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten aus. Auch der behandelnde Pneumologe D r. B.____ erachtete den Versicher- ten als Landwirt mit Arztbericht vom 13. Februar 2014 als ganz arbeitsunfähig. Auf seine Ant- wort vom 3. Dezember 2014 auf die Rückfrage des RAD, ob die Einschätzung einer Restar- beitsfähigkeit von 45% gemäss Abklärungsbericht vom 7. Janua r 2014 nachvollziehbar sei, kann dagegen nicht unbesehen abgestellt werden. Dr. B .____ antwortete mit einem kurzen „Ja“, womit er sich aber in Widerspruch zu seinem Bericht vom 13. Februar 2014 setzte. Dies- bezüglich wäre eine gezielte Nachfrage der IV-Stelle b eim behandelnden Pneumologen ange- zeigt gewesen. 6.2 Eine Neubeurteilung der Situation drängt sich – w ie die IV-Stelle richtig festgehalten hat - nicht zuletzt deshalb auf, weil der Sachverhalt sich vor Erlass der Rentenverfügung vom 16. Februar 2015 richtungsweisend geändert hat. Der Beschwe rdeführer hatte die Melkarbeiten gesundheitsbedingt aufgeben müssen, womit eine allfäl lige Restarbeitsfähigkeit definitiv in Fra- Seite 8 ge gestellt ist. Zudem übergab der Versicherte den Betr ieb per 1. Januar 2015 an seinen Sohn, weil er nicht mehr in der Lage war, ihn selbst zu führe n. Im Lichte dieser neuen Situation wird die IV-Stelle den erwerblichen und medizinischen Sachver halt neu zu prüfen haben. Die Be- schwerde ist folglich in dem Sinne gutzuheissen, als die V erfügung vom 16. Februar 2015 auf- zuheben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung u nd Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen ist. 7.1 Laut Art. 69 Abs. 1bis Satz 1 IVG ist das Beschwerde verfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden Verfahre nskosten in der Regel der unter- liegenden Partei auferlegt, gegenüber der Vorinstan z bzw. den kantonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend di e Vorinstanz unterlegen ist, ist dem- nach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 7.2 Gemäss Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdefüh rer Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertret er macht nach Honorarnote vom 14. Sep- tember 2015 13 Stunden und 45 Minuten sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 215.-- ab dem 31. Juli 2014 geltend. Rechtsprechungsgemäss werden die Kos ten erst ab Verfügungszeitpunkt (hier: 16. Februar 2015) erstattet. Folglich hat die IV-Stelle dem Beschwerdeführer somit eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 2‘589.85 (9 St unden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 148.-- sowie 8% Mehrwertsteuer) auszurichten. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifüh- ren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit ode r Kosten für ein weitläufiges Beweisver- fahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). N ach der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an de n Versicherungsträger zur Ak- tenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- Seite 9 raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 16. Febr uar 2015 auf- gehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine redu- zierte Parteientschädigung von Fr. 2‘589.85 (inkl. Au slagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht