<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 7] </div> <div class="para">K 55/00 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. Kammer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Präsident Lustenberger, Bundesrichter Schön, Spira, Bundesrichterin </div> <div class="para">Widmer und Bundesrichter Meyer; Gerichtsschreiber </div> <div class="para">Schürer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 5. Oktober 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para">Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung, Rechtsdienst, Bundesplatz 15, Luzern, Gesuchstellerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">S.________, 1965, Gesuchsgegnerin </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.- S.________, geboren 1965, wurde seit 1991 von Dr. </div> <div class="para">med. W.________, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelt. Nachdem die Konkordia (heute Concordia) Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung am 8. März 1995 verfügt hatte, ab 4. Januar 1995 gingen nicht mehr, wie bis anhin, zwei einstündige Therapiesitzungen pro Woche zu Lasten der Krankenversicherung, sondern nur noch eine, hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die von der Versicherten erhobene Beschwerde gut und verpflichtete die Concordia, ab 4. Januar 1995 weiterhin zwei einstündige Therapiesitzungen pro Woche zu übernehmen (Entscheid vom 13. Mai 1998). Die hiegegen von der Concordia eingereichte Verwaltungsgerichtsbeschwerde wies das Eidgenössische Versicherungsgericht mit Urteil vom 24. September 1999 (Verfahren K 103/98) ab. </div> <div class="para">B.- Die Concordia ersucht mit Eingabe vom 5. April 2000 um Revision des Urteils vom 24. September 1999 mit dem Begehren, dieses und der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 13. Mai 1998 seien aufzuheben und es sei in der Sache neu zu entscheiden; eventuell sei diese zu neuem Entscheid an das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich zurückzuweisen. </div> <div class="para">S.________ verzichtet in ihrer Vernehmlassung vom 9. Mai 2000 auf ein Rechtsbegehren. Das Bundesamt für Sozialversicherung hat keine Vernehmlassung eingereicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Die Gesuchstellerin ruft den Revisionsgrund von <span class="artref">Art. 137 lit. b OG</span> (neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel) an. Das Revisionsgesuch ist nach Massgabe von <span class="artref">Art. 140 OG</span> genügend substanziiert und rechtzeitig eingereicht worden (<span class="artref">Art. 141 Abs. 1 lit. b OG</span>), weshalb darauf einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Nach Art. 137 lit. b in Verbindung mit <span class="artref">Art. 135 OG</span> ist die Revision eines Urteils des Eidgenössischen Versicherungsgerichts u.a. zulässig, wenn der Gesuchsteller nachträglich neue erhebliche Tatsachen erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet, die er im früheren Verfahren nicht beibringen konnte. </div> <div class="para">Als "neu" gelten Tatsachen, welche sich bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren noch tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig waren, verwirklicht haben, jedoch dem Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, d.h. sie müssen geeignet sein, die tatbeständliche Grundlage des angefochtenen Urteils zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer andern Entscheidung zu führen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=4&amp;from_date=18.09.2000&amp;to_date=07.10.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-138%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page141">BGE 110 V 141</a> Erw. 2, 108 V 171 Erw. 1). </div> <div class="para">3.- a) Der kantonale Entscheid vom 13. Mai 1998 und das Urteil K 103/98 vom 24. September 1999 beruhen im Wesentlichen auf dem von PD Dr. med. G.________, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, am 1. Dezember 1997 erstatteten Gerichtsgutachten. In diesem wurde eine schizotype Störung (ICD-10, F21) diagnostiziert und insbesondere festgestellt, das Leiden sei nicht chronifiziert und somit einer Besserung zugänglich, eine unerwünschte Abhängigkeit der Gesuchsgegnerin von ihrem Therapeuten bestehe nicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Mit dem Revisionsgesuch vom 5. April 2000 gibt die Concordia zwei Berichte von Frau Dr. med. K.________, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Januar 2000 sowie vom 24. März 2000 zu den Akten. Die Gesuchsgegnerin wird seit 15. September 1999 von Frau Dr. </div> <div class="para">K.________ behandelt (1 Stunde Einzeltherapie/ Woche). Diese diagnostizierte eine Belastungs- und Anpassungsstörung (ICD-10, F43) mit vorwiegend ängstlich-zwangshafter Symptomatik. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In den Jahren der Therapie bei Dr. med. W.________ sei es zu Grenzüberschreitungen gekommen. Dieser habe die Abhängigkeit der Gesuchsgegnerin zu seinen Gunsten missbraucht und bewusst gefördert. Das Leiden sei iatrogen chronifiziert worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Die Gesuchsgegnerin bestätigt in der Vernehmlassung diese Darstellung, wobei sie betont, dass die Initiative zu den Umarmungen ursprünglich von ihr ausgegangen sei. Seit 1994 habe sie wiederholt die Therapie bei Dr. med. </div> <div class="para">W.________ wegen ihrer Gefühle abbrechen wollen, was aber am starken Widerstand des Arztes sowie an ihrem heftigen Verlangen nach dessen Nähe gescheitert sei. Nachdem sie im August 1999 in eine schwere Krise geraten sei, zu welcher die ausweglose Situation in den Therapiestunden wesentlich beigetragen habe - damals gab sie auch ihre Erwerbstätigkeit auf -, arbeite sie nun seit April 2000 wieder (Pensum 50 - 70 %). Die Therapie bei Frau Dr. K.________ sei Ende März 2000 auf Zusehen hin abgeschlossen worden. </div> <div class="para">4.- Die zwei Berichte von Frau Dr. med. K.________, welche nach dem Urteilszeitpunkt (24. September 1999) erstellt wurden, sowie die den Inhalt dieser Berichte bestätigenden Darlegungen der Gesuchsgegnerin in der Vernehmlassung vom 9. Mai 2000 verändern die tatbeständliche Grundlage des Urteils offensichtlich in erheblichem Ausmass. </div> <div class="para">Die neue Sachlage ist geeignet, zu einer andern Entscheidung über die Leistungspflicht der Concordia zu führen. Die Sache ist daher an die Concordia zurückzuweisen, welche nach Vornahme der erforderlichen ergänzenden Abklärungen über die für die Zeit ab 4. Januar 1995 zu erbringenden Leistungen neu verfügen wird. Dabei hat sie nicht nur zu entscheiden, ob eine oder zwei Therapiesitzungen pro Woche zu Lasten der Krankenversicherung gehen. Zwar war diese Frage im bisherigen Verfahren zwischen den Parteien umstritten (Erw. 1a des Urteils vom 24. September 1999); Streitgegenstand bildete indessen das Rechtsverhältnis als solches, also der Leistungsanspruch für die bei Dr. </div> <div class="para">med. W.________ ab 4. Januar 1995 durchgeführte Therapie (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=4&amp;from_date=18.09.2000&amp;to_date=07.10.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-413%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page415">BGE 125 V 415</a> Erw. 2a). </div> <div class="para">Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.In Gutheissung des Revisionsgesuchs wird das Urteil </div> <div class="para">des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 24. September </div> <div class="para">1999 aufgehoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung vom 9. Juni 1998 wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons </div> <div class="para">Zürich vom 13. Mai 1998 und die Kassenverfügung vom 8. März 1995 aufgehoben werden und die Sache an die </div> <div class="para">Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">zurückgewiesen wird, damit sie im Sinne der </div> <div class="para">Erwägungen verfahre. Für dieses Verfahren werden keine </div> <div class="para">Gerichtskosten erhoben und keine Parteientschädigungen </div> <div class="para">zugesprochen. </div> <div class="para">III. Für das Revisionsverfahren werden keine Gerichtskosten erhoben. Der von der Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung geleistete Kostenvorschuss von </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Fr. 500.- wird dieser zurückerstattet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und dem Bundesamt für Sozialversicherung zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 5. Oktober 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der I. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>