B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2085/2018 U r t e i l v o m 6. M a i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Mia Fuchs, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren am (...), und deren Kinder B._______, geboren am (...), C._______, geboren am (...), Sri Lanka, alle vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 8. März 2018 / N_______. D-2085/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die aus D._______ (…) in der Nordprovinz stammende Beschwerde- führerin tamilischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in E._______ im gleichna- migen Distrikt (Nord-Provinz) suchte zusammen mit ihren beiden (...) Kin- dern am (...) um Asyl in der Schweiz nach. Am 22. Januar 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am 13. Februar 2015 wurde sie vom SEM zu ihren Asylgründen angehört. Am 4. April 2016 fand die ergänzende Anhörung der Beschwerdeführerin statt. A.b Zur Begründung ihres Gesuchs führte die Beschwerdeführerin im We- sentlichen an, sie sei im Jahr (...) nach F._______ umgezogen. Zirka (Nen- nung Zeitpunkt) sei sie den G._______ beigetreten und nach H._______ umgezogen, wo sie für die Organisation (Nennung Dauer) als (Nennung Tätigkeit) tätig gewesen sei. Sie h abe den Namen I._______ erhalten. Nachdem sie ein (...) Training absolviert habe, habe sie ihre Arbeit beim (Nennung Bereich) des (Nennung Dienst) aufgenommen. Sie sei zunächst für (Nennung Gebiet), dann für alle Gebiete zuständig gewesen. Sie habe lediglich Büroarbeit verrichtet, indem sie Informationen dokumentiert und archiviert und, wenn nötig, an ihre Vorgesetzte J._______ weitergegeben habe. J._______ sei auch ihre einzige Kontaktperson innerhalb der Orga- nisation gewesen. Manchmal hätten sie auch über (...) Personen Informa- tionen gesammelt, welche sie von Informanten erhalten hätten. Der Zweck der gesammelten Informationen sei ihr nie mitgeteilt worden. Sie habe die Informationen ausschliesslich speichern und weiterleiten müssen. Darauf beruhende Entscheidungen hätten jedoch andere, höhergestellte Perso- nen getroffen. In den Jahren (...) bis (...) habe sie überdies an einer (Nen- nung Tätigkeit) und sei dort auch als (Nennung Beruf) tätig gewesen. Sie habe (Nennung Tätigkeit), die im Jahr (...) zusammen mit einem durch sie verfassten Buch veröffentlicht worden seien, (...). Das von ihr unter einem Pseudonym veröffentlichte Buch enthalte (...) Kurzgeschichten. Im Jahr (...) habe sie geheiratet und sei nach K._______ umgezogen, wobei sie aber bis im J ahr (...) in H._______ arbeitstätig geblieben sei. Ihr Mann sei als (Nennung Tätigkeit) bei den G._______ tätig gewesen. Ende des Krieges habe sie sich mit ihrer Familie nach E._______ begeben. In der Folge seien sie ins Gebiet des Militärs gelangt und schliesslich ins Camp (...) gebracht worden. Im Camp seien die Insassen durch die Soldaten regelmässig auf- gefordert worden, sich zu ergeben respektive eine Tätigkeit für die G._______ zu gestehen. Dies habe sie jedoch aus Angst vor erheblichen Nachteilen für ihre Person nicht getan. Einmal seien Soldaten zu ihrem Zelt D-2085/2018 Seite 3 gekommen und hätten sie mitnehmen wollen; sie habe sich zu diesem Zeit- punkt jedoch an einem anderen Ort im Camp aufgehalten. Bevor ihnen et- was habe zustossen können, seien sie gegen Zahlun g einer Geldsumme nach (Nennung Dauer) freigekommen und danach während (Nennung Dauer) in L._______ geblieben, bevor sie und ihre Familie Sri Lanka im Jahr (...) über M._______ verlassen hätten. In der Folge hätten sie sich bis (Nennung Zeitpunkt) in N._______ aufgehalten. Während dieser Zeit sei die (Name Printmedium) veröffentlicht worden. Darin seien die Namen von Personen gestanden, welche bei den G._______ gewesen seien, und die Aufforderung an das jeweilige Aufenthaltsland, diese Personen an Sri Lanka auszuliefern. Ihr Name und derjenige ihres Ehemannes seien darin aufgeführt gewesen. Da im (...) Bundesstaat O._______ das Verbot der G._______ noch immer nicht aufgehoben sei, hätten sie sich nicht als de- ren Angehörige zu erkennen gegeben. Sie habe damals in der Stadt (...) gelebt und als sie gemerkt habe, dass sie beschattet würden, seien sie umgezogen. Da N._______ Sri Lanka unterstützt habe, hätten sie eine Ab- schiebung in ihre Heimat befürchtet. Daraufhin sei sie zusammen mit ihren Kindern in die Schweiz gereist. Aus finanziellen Gründen und weil er kriegs- versehrt sei, habe ihr Ehemann zurückbleiben müssen. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka fürchte sie um ihr Leben. Ihr Ehemann habe ihr mittlerweile eine weitere Ausgabe der (Name Printmedium) zukommen lassen, worin ihr Name noch immer aufgeführt sei. Sie wisse nicht, warum ihr Name auf dieser Suchliste stehe. Sie sei nicht in den oberen Rängen des (Nennung Dienst) gewesen; vielleicht aber, weil sie ein Buch geschrieben habe, wel- ches von (Nennung Person) publiziert worden sei. Bei dessen Publikation seien die oberen Kader der G._______ zusammengekommen und sie sei mit diesen fotografiert worden, was wiederum in vielen Zeitungen veröffent- licht worden sei. A.c Zum Beleg ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin diverse Beweismittel ein: (Aufzählung Beweismittel). A.d Am (...) liess die Vorinstanz durch die Schweizer Vertretung in M._______ Abklärungen vor Ort durchführen. Am 24. Februar 2017 ge- währte das SEM den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör zum Ab- klärungsergebnis der Botschaft vom (...). Die Beschwerdeführenden nah- men dazu am 14. März 2017 Stellung. A.e Am (...) gelangte das SEM erneut an die Schweizer Vertretung in M._______ und bat um Abklärung der Gefährdung von Personen, welche ehemals in der (Name Printmedium) aufgeführt waren. Die Auskunft der D-2085/2018 Seite 4 Botschaft vom (...) wurde den Beschwerdeführenden vom SEM am 29. De- zember 2017 zur Stellungnahme unterbreitet. Diese reichten mit Eingabe vom 22. Februar 2018 ihre Stellungnahme zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 8. März 2018 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh- rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG, zog ihre Kinder in ihre Flüchtlingseigenschaft mit ein, lehnte die Asylgesu- che jedoch in Anwendung von Art. 53 AsylG (SR 142.31) ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Zugleich wurde der Wegweisungs- vollzug wegen Unzulässigkeit aufgeschoben und die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder angeordnet. C. Mit einer fremdsprachigen Eingabe vom 10. April 2018 gelangte n die Be- schwerdeführenden an das Bundesverwaltungsgericht. D. Mit Zwischenverfügung vom 18. April 2018 forderte die Instruktionsrichterin die Beschwerdeführenden auf, innert 7 Tagen ab Erhalt dieser Verfügung eine den gesetzlichen Erfordernissen genügende, in einer Amtssprache des Bundes verfasste Beschwerde einzureichen, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall. E. Mit Eingabe vom 25. April 2018 r eichte die Beschwerdeführerin eine Teil- übersetzung ihrer Rechtsmitteleingabe ein. F. In ihrer Zwischenverfügung vom 3. Mai 2018 stellte die Instruktionsrichterin fest, dass fristgerecht eine Teilübersetzung der Beschwerdeschrift einge- reicht worden sei, die jedoch keine konkreten Beschwerdebegehren (ma- teriell- und verfahrensrechtlicher Art) enthalte. Da es sich um eine Laien- beschwerde handle, an welche keine hohen Anforderungen zu stellen seien, sei ausgehend vom Inhalt der angefochtenen Verfügung sowie den Ausführungen in der Übersetzung der Beschwerdeschrift davon auszuge- hen, die Beschwerde richte sich in materieller Hinsicht einzig gegen die Ablehnung der Asylgesuche wegen Asylunwürdigkeit der Beschwerdefüh- rerin, womit diesbezüglich von einer den gesetzlich en Anforderungen ge- nügenden Beschwerdeschrift ausgegangen werde. Ferner verzichtete sie D-2085/2018 Seite 5 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies die Beschwerdefüh- renden darauf hin, innert drei Tagen ab Erhalt der Verfügung eine Überset- zung allfälliger weiterer Beschwerdeanträge einzureichen, wobei bei unge- nutzter Frist das Verfahren aufgrund der bestehenden Aktenlage weiterge- führt werde. G. Mit Eingabe vom 8. Mai 2018 beantragte n die Beschwerdeführenden, es sei die Verfügung des SEM vom 8. März 2018 aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren, es sei die Un- zulässigkeit, die Unzumutbarkeit und die Unmöglichkeit des Wegweisungs- vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, und er- suchten in prozessualer Hinsicht darum, es sei die unentgeltliche Prozess- führung zu gewähren, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand zu ernennen. H. Am 19. Juni 2019 liess en die Beschwerdeführenden über die Rechtsver- treterin des Ehemannes der Beschwerdeführerin in dessen (Nennung Ver- fahren) dem Bundesverwaltungsgericht diesbezügliche Unterlagen zukom- men. I. Mit Zwischenverfügung vom 9. Juli 2019 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, ve rwies darauf, dass bereits mit Zwischenverfügung vom 3. Mai 2018 auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses verzichtet worden sei, und forderte die Be- schwerdeführenden auf, bis zum 24. Juli 2019 einen amtlichen Rechtsbei- stand zu bezeichnen und eine entsprech ende Vollmacht einzureichen. Im Unterlassungsfall werde Verzicht auf eine amtliche Rechtsverbeiständung angenommen. J. Mit Eingabe vom 12. Juli 2019 zeigte der rubrizierte Rechtsvertreter die Übernahme des Mandats an und ersuchte um Akteneinsicht. K. Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2019 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut und setzte Rechtsan- walt lic. iur. Bernhard Jüsi als amtlicher Rechtsbeistand ein. Ferner über- wies sie das Gesuch um Gewährung der Einsicht in d ie vorinstanzlichen D-2085/2018 Seite 6 Akten dem SEM zur Behandlung, gewährte dem Rechtsvertreter Aktenein- sicht in die Akten des Beschwerdeverfahrens im in der Zwischenverfügung bezeichneten Umfang und wies das Gesuch um Fristsetzung zur Be- schwerdeergänzung ab. Sodann lud sie die Vorinstanz zur Einreichung ei- ner Vernehmlassung bis zum 30. August 2019 ein. L. Das SEM gewährte den Beschwerdeführenden am 23. August 2019 ergän- zende Akteneinsicht. M. Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung vom 23. August 2019 fest, die Beschwerdeschrift – soweit eine Übersetzung vorliege – enthalte keine neuen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung ihres Stand- punktes rechtfertigen könnten und verwies auf ihre Erwägungen, an denen sie vollumfänglich festhielt. N. Mit Eingaben vom 9. September 2019 und vom 20. September 2019 mach- ten die Beschwerdeführenden Ergänzungen zu ihrer Rechtsmitteleingabe, reichten ein weiteres Beweismittel (Nennung Beweismittel) ein und ersuch- ten um Beizug der Asylakten von P ._______ (N_______), um Einsicht in dieselben und um Einräumung der Gelegenheit zur Stellungnahme. Ferner hielten die Beschwerdeführenden in ihrer Eingabe vom 9. September 2019 fest, ihre Beschwerde richte sich lediglich gegen die Ziffern 3. und 4. des Dispositivs der angefochtenen Verfügung und zogen dementsprechend die Beschwerde betreffend die Dispositivziffern 1 sowie 5 bis 7 des angefoch- tenen Entscheids des SEM zurück O. Am 30. September 2019 legten die Beschwerdeführenden ein weiteres Be- weismittel (Nennung Beweismittel) ins Recht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Septem- ber 2015). D-2085/2018 Seite 7 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be- schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht (vgl. vorstehend Bstn. D. bis F.) eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Das Gericht hat die Asylakten von P ._______ (N_______) antragsgemäss beigezogen. Auf die in diesem Zusammenhang von den Beschwerdefüh- renden gestellten Ersuchen um Einsicht in diese Asylakten sowie um Ein- räumung der Gelegenheit zur Stellungnahme, ist – abgesehen davon, dass die erforderliche Vollmacht von P ._______ zwecks Einsichtnahme in deren Asylakten N_______ ohnehin nicht vorliegt – angesichts des vorliegenden Verfahrensausgangs nicht weiter einzugehen. 4. Nachdem das SEM die Beschwerdeführerin mit der angefochtenen Verfü- gung gestützt auf Art. 3 AsylG und deren minderjährige Kinder gestützt auf den Grundsatz der Einheit der Familie als Flüchtlinge anerkannte und de- ren vorläufige Aufnahme anordnete, ist nachfolgend einzig zu beurteilen, ob das SEM zu Recht zum Schluss gelangte, die Beschwerdeführerin sei im Sinne von Art. 53 AsylG asylunwürdig, weshalb ihr Asylgesuch und die- jenigen ihrer Kinder abzulehnen seien. Da in der angefochtenen Verfügung die Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführenden bereits festgestellt wurde und sie in ihrer Eingabe vom 9. September 2019 die Beschwerde betreffend die Dispositivziffern 1 (Zu- erkennung der Flüchtlingseigenschaft) sowie 5 bis 7 (Vollzug der Wegwei- sung) des angefochtenen Entscheids des SEM zurückzogen , sind die Rechtsbegehren auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie Fest- stellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs gegenstandslos geworden. D-2085/2018 Seite 8 5. 5.1 In der angefochtenen Verfügung führte die Vorinstanz zur Frage der Asylunwürdigkeit im Wesentlichen aus, der Begriff der " verwerflichen Handlungen" im Sinne von Art. 53 AsylG orientiere sich am abstrakten Ver- brechensbegriff von Art. 10 Abs. 2 StGB. Unter den Verbrechensbegriff des StGB fielen demnach Straftaten, die mit mehr als drei Jahren Freiheits- strafe bedroht seien. Dabe i sei von einer pauschalen Betrachtungsweise Abstand zu nehmen. Vielmehr sei für die Anwendung von Art. 53 AsylG ein individueller Tatbeitrag der betreffenden Person erforderlich. Sodann müsse im Hinblick auf das begangene Delikt, die Umstände und die seither vergangene Zeit die Anwendung von Art. 53 AsylG verhältnismässig sein. Die Beschwerdeführerin sei ihren Angaben zufolge im (Nennung Dienst) der G._______ tätig gewesen und habe Dokumentationsarbeiten verrich- tet. Sie habe Informationen über (Nennung Personen) gesammelt, diese dokumentiert und an ihren Vorgesetzten weitergegeben. Sie habe sich demnach aktiv für die G._______ eingesetzt und für die Organisation äus- serst hilfreiche Tätigkeiten – konkret Informationsbeschaffung und -doku- mentation – übernommen. Ferner seien unter Art. 53 AsylG nicht nur Verbrechen, sondern auch Hand- lungen zu subsumieren, denen keine strafrechtliche Konnotation im enge- ren Sinne zukomme. Bei der Beurteilung sei lediglich zu prüfen, ob hinläng- lich konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, die asylsuchende Person sei für „verwerfliche Handlungen“ individuell verantwortlich ( mit Verweis auf Urteil des BVGer D-7316/2010 vom 7. Dezember 2011 E. 4.3). Es sei be- kannt, dass die G._______ rigoros und mit besonderer Grausamkeit gegen (angebliche) oppositionelle Kräfte vorgegangen sei en. Die Konsequenz seien Delikte gegen Leib und Leben, beispielsweise Hinrichtungen, welche nach fragwürdigen Verfahren durch G._______-Gerichte durchgeführt wor- den seien, gewesen. Diese Delikte seien gemäss dem Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von über drei Jahren sanktioniert, womit eine verwerf- liche Handlung vorliege. Für die Beurteilung des individuellen Tatbeitrags seien die Aktivitäten de r Beschwerdeführerin zugunsten der G._______ massgeblich. Die alleinige Zugehörigkeit zur Organisation vermöge keinen Asylausschluss gemäss Art. 53 AsylG zu begründen. Es sei daher auf ihren individuellen Tatbeitrag abzustellen. Bei der Beurteilung desselben könnten jedoch nicht nur expli- zit offengelegte Tatbeiträge relevant sein. Es stelle sich vielmehr die Frage, welche verwerflichen Handlungen der betreffenden Person im konkreten D-2085/2018 Seite 9 Kontext zugerechnet werden müssten. Im Rahmen der Beurteilung des in- dividuellen Tatbeitrags habe die Beschwerdeführerin zu ihrer Funktion bei den G._______ einerseits angeführt, ein wichtiges Mitglied der Organisa- tion gewesen zu sein und dem Kader der G._______ angehört zu haben. Zwischen ihr und dem Chef des (Nennung Dienst) habe es nur eine weitere Stufe respektive Person gegeben. Andererseits habe sie betont, nicht in den oberen Rängen der G._______ gewesen zu sein und keine gute Posi- tion besetzt zu haben, zumal sie lediglich Informationen entgegengenom- men, dokumentiert und weitergeleitet habe. Nachfragen zu ihrer konkreten Tätigkeit habe sie öfters knapp und oberflächlich beantwortet oder sei die- sen ausgewichen. Angesichts der Dauer ihrer Tätigkeit für G._______ und ihrer glaubhaften Aussagen zu ihrer Mitgliedschaft würden diese vagen und substanzlosen Angaben erstaunen. Es sei davon auszugehen, dass sie aus asyltaktischen Gründen ihre Ausführungen selektiv gestalte und ihre tatsächlichen Tätigkeiten bewusst verharmlose beziehungsweise her- unterspiele, insbesondere um allfällige Ausschluss gründe zu umgehen. Darauf weise auch die geltend gemachte Nennung auf (Nennung Printme- dium) der Jahre (...) und (...) hin, welche zweifelsfrei ein erhöhtes Profil voraussetze. Die geltend gemachte (Nennung Tätigkeit) als Grund für die Nennung auf der Liste vermöge nicht zu überzeugen. So habe sie eigenen Angaben zufolge lediglich ein Buch im Jahr (...) veröffentlicht, welches aus- schliesslich aus (...) Kurzgeschichten bestehe. Zudem enthalte der geltend gemachte Eintrag auf der Liste keine Hinweise auf ihr P seudonym, unter welchem ihr Buch veröffentlicht worden sei. Ferner habe die Beschwerde- führerin durch das Sammeln und Weiterleiten der Informationen zu (Nen- nung Personen) einen substanziellen und entscheidenden Tatbeitrag zur Begehung allfälliger verwerflic her Handlungen geleistet. Sie habe zwar mehrfach betont, den Zweck dieser Informationen nicht gekannt, keine grösseren Entscheidungen getroffen und nichts damit zu tun gehabt zu ha- ben. Dennoch hätten die von ihr gesammelten Informationen zu Festnah- men und Verhören der (Nennung Personen) geführt. Im Länderkontext sei davon auszugehen, dass die Konsequenz ihres Handelns Delikte gegen Leib und Leben gewesen seien. Sie habe somit durch ihr Verhalten einen direkten und massgeblichen Tatbeitrag zum "Ausschalten v on (Nennung Personen)" und damit zu Delikten wie Tötung, Körperverletzung und Frei- heitsberaubung geleistet. Die Auslieferung von angeblichen (Nennung Per- sonen) stelle eine besonders verwerfliche Straftat dar und wiege unter dem Aspekt des Verschuldens äuss erst schwer. Die langjährige Tätigkeit und die Funktion innerhalb des (Nennung Dienst) der G._______ zeuge davon, dass die Führung der Organisation der Beschwerdeführerin viel Vertrauen entgegengebracht und sich die Beschwerdeführerin mit der skrupellosen D-2085/2018 Seite 10 Ideologie der G._______ vollständig identifiziert habe. So habe sie be- wusst eine Funktion bekleidet, welche die Erreichung der Ziele der Orga- nisation sichergestellt habe. Entsprechend müsse sie sich im Rahmen ihrer Tätigkeit Entscheidungen und Handlungen des Machtapparats zurechnen lassen. Es sei davon auszugehen, dass sie die gewonnenen Informationen im vollen Wissen um die für die Betroffenen damit verbundenen Gefahren für Leib und Leben an die entsprechenden Stellen innerhalb der G._______ weitergeleitet habe. Durch ihr persön liches Zutun (Gehilfen- schaft) habe sie folglich die Inhaftierung, Folterung oder gar Tötung von (Nennung Personen) ermöglicht und sich der Beihilfe zu entsprechenden Delikten schuldig gemacht. Ihre anderslautenden Erklärungen vermöchten nicht zu überzeugen. Eine Argumentation, wonach man sich bei der Bege- hung von Völkerrechtsverbrechen hinter der Befehlskette zu verstecken versuche, sei rechtlich nicht haltbar. Insgesamt sei der individuelle Tatbei- trag der Beschwerdeführerin aufgrund der Aktenlage erfüllt. Ein Asylausschluss erweise sich auch als verhältnismässig. Die Beschwer- deführerin sei der G._______ freiwillig beigetreten. Aufgrund ihrer Aussa- gen, ihrer Position und der Dauer ihres Engagements für die Organisation sei davon auszugehen, dass sie sich mit der Ideologie der G._______ iden- tifiziert und der Organisation gegenüber loyal verhalten habe. Aus den Ak- ten gehe auch nicht hervor, dass sie je versucht habe, von ihrer Tätigkeit im (Nennung Dienst) loszukommen. Sodann sei sie in den Jahren (...) bis (...) für die G._______ tätig gewesen. Bezüglich des in Betracht zu ziehen- den Zeitablaufs zwischen der Straftat und dem Asylentscheid liege somit keine Verjährung gemäss Art. 97 Abs. 1 Bst. b StGB vor. 5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe entgegnete die Beschwerdefüh rerin, sie sei lediglich eine (Nennung Verantwortung und Tätigkeit) und ihre Vorge- setzte J._______ darüber ins Bild gesetzt. Auch habe sie einige Informati- onen, die J._______ selber betroffen hätten, an diese übermittelt. In ihrer Funktion habe sie die Informationen sortiert und archiviert. Der Vorwurf der Vorinstanz, dass diese Tätigkeit ein Kriegsverbrechen darstelle, sei falsch. Sie sei keine Informantin gewesen, sondern habe nur Informationen ent- gegengenommen. Die Richtigkeit der Informationen sei Sache des Infor- manten gewesen. Sie könne angesichts ihrer Funktion für keine Men- schenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden, zumal in ihrer Funktion auch keine Möglichkeit dazu bestanden habe. Sie habe keine Kenntnisse über die allfälligen Ausführungen von militärischen und huma- nitären Operationen gehabt und die Protokollierung solcher Operationen seien nicht in die Verantwortung ihrer Abteilung, sondern in diejenige von D-2085/2018 Seite 11 Aussendienststellen gefallen. Ferner sei der Vorwurf vager und substanz- loser Ausführungen zu Fragen des SEM unberechtigt. Sie habe den Inhalt der Informationen, die sie erhalten, sortiert und archiviert habe, nicht ge- kannt. Sie könne daher keine ausführlichen Erklärungen dazu machen. Auch sei der Vorhalt unzutreffend, dass sie auf einige Fragen nicht konkret geantwortet habe. Sie sei noch immer in (...) Behandlung, da sie in einem normalen Gespräch von einem Thema zum anderen springe. Sie weise die vorinstanzliche Unterstellung, dass sie eine wichtige Person gewesen sei, zurück. Sie habe lediglich vermutet, dass ihre Stellung als (Nennung Ver- mutung zu ihrer Einstufung) worden sei. Die Frage nach ihren Vorgesetz- ten habe sie entsprechend den administrativen Verantwortlichkeiten beant- wortet. Ihre Vorgesetzte J._______ sei die Einzige gewesen , die für sie zuständig gewesen sei und welche sie habe kontaktieren dürfen. Die Struk- tur im (Nennung Dienst) und die allgemeine Geheimhaltung hätten dazu geführt, dass ihre Stellung von der Vorinstanz – jedoch nicht von ihr – als wichtig betrachtet worden sei. Die in der Schweiz als Flüchtling lebende Q._______ könne über die Aufgaben der Mitarbeiter im (Nennung Bereich) Auskünfte geben. Sie habe lediglich angeführt, dass ihr Name in Sri Lanka trotz ihrer Tätigkeit als normale Büromitarbeiterin auf einer L iste in einer (Nennung Publikation) geführt und sie deshalb schikaniert worden sei. Ge- mäss einer Abklärung des SEM sei ihr Name mittlerweile von dieser Liste gestrichen worden. Weiter sei falsch, dass sie den G._______ freiwillig bei- getreten sei. Sie habe kriegsbedingt als erstgeborenes Kind der Familie zu den G._______ gehen und bis im Jahr (...) bei ihnen bleiben müssen, an- sonsten eines ihrer Geschwister zwangsrekrutiert worden wäre. Ferner hätten die von ihr geschriebenen Texte sehr wohl Auswirkungen geh abt, was von R._______ – welche in der Schweiz lebe – bestätigt werden könne. In ihren Eingaben vom 9. und 20. September 2019 hielten die Beschwer- deführenden sodann fest, die konkreten Tätigkeiten und die hierarchische Stufe, auf der die Beschwerdeführerin für die G._______ tätig gewesen sei, sei von der Vorinstanz falsch eingeschätzt worden. Die Vorinstanz habe ihre Rolle selber als klar "subalterne" geschildert. Zwar sei sie in der Ver- waltung der G._______ – was sie einmal als Kader der Organisation be- schrieben habe – beziehungsweise des lokalen (Nennung Dienst) tätig ge- wesen und habe dort Akten behandelt, aber selber weder Info rmationen über Personen beschafft noch bewertet oder gar irgendeine En tschei- dungsbefugnis innegehabt, was das Vorgehen der G._______ betroffen habe. Sie habe sich den G._______ nicht freiwillig angeschlossen, dies aufgrund der Praxis von Zwangsrekrutierung en und um eine solche von D-2085/2018 Seite 12 Geschwistern zu verhindern. Letzteres sei auch der Grund gewesen, dass die Beschwerdeführerin die ihr aufgrund ihrer Fähigkeiten als gebildete Person zugewiesene Funktion so lange ausgeübt habe. Die Tatsache, dass sie auf einer Liste der Regierung aufgeführt worden sei, belege nicht, dass sie effektiv und objektiv betrachtet eine Funktion mit Entscheidungsgewalt bei den G._______ innegehabt habe. Die Behörden hätten sie aber wohl höher eingestuft und geglaubt, sie sei in der (Nennung Abteilung) der G._______ tätig, weil sie ein Buch geschrieben habe, das von (Nennung Person) herausgegeben worden sei. Zudem sei der (Nennung Verwandter) der Beschwerdeführerin verhört worden und habe ihren Namen und wohl auch ihre Tätigkeit für den (Nennung Dienst) erwähnt, was die heimatlichen Behörden wohl überdies zur Fehleinschätzung gebracht habe, die Funktion der Beschwerdeführerin höher einzuschätzen. Sodann habe die Anhörung – soweit den (...) Zustand der Beschwerdeführerin betreffend – unter pre- kären Bedingungen stattgefunden, was bei der Würdigung ihrer teilweise sprunghaft wirkenden Aussagen zu berücksichtigen sei. So werde dieses Aussageverhalten vom SEM falsch und einseitig gegen ihre Glaubhaf- tigkeit ausgelegt. Ihre Aussagen seien in drei Bereichen zu korrigieren und zu präzisieren. Hinsichtlich ihres Beitritts zu den G._______ sei es bei die- sem Thema zu einer Konfusion und Übersetzungsschwierigkeiten gekom- men. Sie habe mehrfach erwähnt, im Haus leben zu wollen, aber nicht zu können. Damit ha be sie ausdrücken wollen, dass sie als Familie vor der Wahl gestanden seien, den Ort im tamilischen Gebiet zu verlassen, oder aber dass sich eine Person der Familie den G._______ anschliesse. Hin- sichtlich ihrer genauen Funktion sei zu ergänzen, dass sie zu keinem Zeit- punkt selber in Kampfhandlungen verwickelt gewesen sei. Ihre Aussage "Weil ich eine Kämpferin war" sei auf eine falsche Übersetzung des Wortes "(...)" zurückzuführen. Ihr "militärischer Grad" sei nur unter grossem Druck und nach wiederholter Na chfrage als Schätzung angegeben worden. Sie habe aber auch gesagt, dass sie selber keinen solchen Rang gehabt habe, sondern lediglich als Vergleich mit dem Militär den Rang angegeben habe. Zudem sei es notorisch, dass im Stab tätige Personen in jeder Strei tkraft per se höhere Grade erhalten würden. Sie habe als "Schreibkraft" gearbei- tet, jedoch keine Berichte verfasst, sondern eingehende Berichte und For- mulare sortiert, korrigiert und abgelegt. Die konkreten Tätigkeiten könnten von P ._______ bestätigt werden, die im gleichen Büro auf der gleichen Hie- rarchiestufe wie sie gearbeitet habe. Im Verfahren von P ._______ sei kein Asylausschluss verfügt worden , was als willkürliche Ungleichbehandlung erscheine. Sodann habe sie im Rahmen ihrer (Nennung Tätigkeit) für (Nen- nung Personen) eigene Schriften verfasst, welche die Organisation als wertvoll für die Propaganda erachtet und daher entschieden habe, diese in D-2085/2018 Seite 13 Buchform zu veröffentlichen. Dabei habe es sich weder um ideologische Texte noch um Aufrufe zu Gewalt oder ähnlichem gehandelt. 6. 6.1 Nach Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Davon ausgenommen sind jedoch unter anderem gemäss Art. 53 AsylG Flüchtlinge, die wegen verwerflicher Handlungen der Asylgewäh- rung unwürdig sind (Bst. a) oder die die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz verletzt haben oder gefährden (Bst. b). Nach der von der Asylrekurskommission (ARK) entwickelten und seither bestätigten Praxis gelten als "verwerfliche Handlungen" im Sinne von Art. 53 Bst. a AsylG diejenigen Straftaten, die unter den Verbrechensbegriff von Art. 9 Abs. 1 StGB in der bis zum 31. Dezember 2006 gültigen Fassung fallen. Nach der asylrechtlichen Rechtsprechung ist es irrelevant, ob die verwerfliche Handlung einen ausschliesslich gemeinrechtlichen Charakter hat oder als politisches Delikt aufzufassen ist. Unter Art. 53 AsylG sind mit- hin auch Handlungen zu subsumieren, denen keine strafrechtliche Konno- tation im engeren Sinne des Strafrechts zukommt (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.2; 2011/10 E. 6 [2. Abschnitt]; 2010/44 E. 6 je m.w.H.). Als Verbrechen gemäss aArt. 9 Abs. 1 StGB wurde jede mit Zuchthaus bedrohte Straftat definiert (Mindeststrafe von einem Jahr und Höchststrafe von 20 Jahren, in besonderen Fällen lebenslänglich, vgl. aArt. 35 StGB). Seit der Änderung des Strafgesetzbuches auf den 1. Januar 2007 werden Straftaten als Ver- brechen definiert, die mit mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind (Art. 10 Abs. 2 StGB). Zudem wurde die Unterscheidung der Strafen in Zuchthaus und Gefängnis aufgegeben. Nach altem wie nach neuem Recht wird für die Einstufung von Straftaten unabhängig von der im Einzelfall ver- hängten Strafe die für die begangene Straftat vorgesehene Höchststrafe berücksichtigt. Das Bundesverwaltungsgericht schloss daraus, das s die Änderung des Verbrechensbegriffs mehrheitlich keine Auswirkungen auf die Beurteilung einer Straftat als verwerfliche Handlung habe, vorausge- setzt das Höchststrafmass ändere sich nicht (vgl. BVGE 2012/20 E. 4.3). Das anzusetzende Beweismass wurde in d er Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufent- halt und Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995 (BBl 1996 II 73) für Art. 1 F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 53 AsylG übereinstimmend um- schrieben, was sich in der Folge in der Rechtsprechung niedergeschlagen hat. Demnach ist bei Straftaten, die im Ausland begangen wurden, kein D-2085/2018 Seite 14 strikter Nachweis erforderlich. Es genügt die aus schwerwiegenden Grün- den gerechtfertigte Annahme, dass sich die betreffende Person einer Straf- tat im Sinne der genannten Bestimmungen schuldig gemacht hat, wobei auf den individuellen Tatbeitrag abzustellen ist (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.3 f.). Liegt eine entspreche nde Delinquenz vor, vermag die alleinige Tatsache einer Mitgliedschaft bei einer extremistischen Organisation (vgl. dazu SR 122) grundsätzlich nicht zur Folgerung der Asylunwürdigkeit zu führen. Vielmehr ist von einer pauschalen Betrachtungsweise Abstand zu nehmen und, wie erwähnt, der individuelle Tatbeitrag – zu welchem die Schwere der Tat und der persönliche Anteil am Tatentscheid wie auch das Motiv des Täters und allfällige Rechtfertigungs - oder Schuldminderungsgründe zu zählen sind – zu ermitteln. Ausserdem ist zu prüfen, ob die Rechtsfolge des Asylausschlusses auch eine verhältnismässige Massnahme darstellt (vgl. a.a.O. E. 9.2.4 m.w.H.). 6.2 Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob und inwiefern de r Beschwer- deführerin verwerfliche Handlungen im oben genannt en Sinne vorgewor- fen werden können. 6.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung davon aus, dass die G._______ angesichts ihrer Zielsetzung der politischen Selbstbestimmung der Tamilen in Sri Lanka nicht ausschliesslich als terro- ristisch-kriminelle Organisation aufzufassen sind, gleichzeitig aber auf- grund der Wahl ihrer Mittel, welche zu erheblichen Menschenrechtsverlet- zungen geführt haben, ebenso nicht nach den alleinigen Kriterien einer Bürgerkriegspartei behandelt werden können. Mit anderen Worten wird es in Bezug auf die G._______ einerseits nicht als sachgerecht angesehen, deren Taten generell als Kriegshandlungen zu qualifizieren mit der Konse- quenz, dass diese den daran Beteiligten generell nicht als Asylausschluss- grund entgegengehalten werden können. Andererseits wird auch die An- nahme eines Asylausschlusses einzig gestützt auf eine Mitgliedschaft bei den G._______ nicht als gerechtfertigt erachtet (vgl. BVGE 2011/29 E. 8.2.1; Urteil des BVGer D-4291/2012 vom 26. Juli 2013 E. 5.2.1 ff. m.w.H.). 6.2.2 Die Beschwerdeführerin gab im Rahmen der beiden vom SEM durch- geführten Anhörungen zu Protokoll, sich (Nennung Zeitpunkt), mithin als (...)-Jährige den G._______ angeschlossen zu haben. Als Gründe für ihren Beitritt führte sie an, man habe – wenn man in seinem eigenen Haus habe D-2085/2018 Seite 15 leben wollen – in der damaligen Situation dafür kämpfen müssen respek- tive sie sei die Älteste der Familie gewesen und habe nicht gewollt, dass jemand anderes von der Familie gehe, weshalb sie sich zu diesem Schritt entschlossen habe (vgl. act. A12, F96 ff.). Nach ihrem Beitritt habe sie zu- nächst (Nennung Dauer) als (Nennung Tätigkeit) für die Bewegung gear- beitet. Anschliessend habe sie ein (Nennung Dauer) Training absolvieren müssen, das im Wesentlichen aus der Einübung von Massnahmen zur ei- genen Sicherheit bestanden habe (vgl. act. A12, F102 f.). Danach habe sie im (Nennung Bereich) des (Nennung Dienst) der G._______ im Büro gear- beitet, wo sie für Dokumentationsarbeiten zuständig gewesen sei und da- bei die – über diverse Informanten erhaltenen – Informationen gesammelt, gespeichert und teilweise an ihre direkte Vorgesetzte J._______ weiterge- leitet habe (vgl. act. A12, F26 f. und F37-44; A29, F18-26). J._______ habe dann ihrerseits diese Informationen an die zuständige Person weitergelei- tet (vgl. act. A12, F43). Mit S._______, dem Chef des (Nennung Dienst), habe sie nie direkten Kontakt gehabt (vgl. act. A29, F35). Der Zweck der von ihr weitergeleiteten Informationen sei ihr nicht bekannt gegeben wor- den, zumal grössere Entscheidungen von den Leuten in den oberen Rän- gen getroffen worden seien. Zudem habe sie unter einem Pseudonym (...) Kurzgeschichten verfasst, welche im Jahr (...) in einem Buch veröffentlicht worden seien (vgl. act. A12, F55 ff.). 6.2.3 Vorliegend kann – entgegen den i m angefochtenen Entscheid des SEM angeführten Schlussfolgerungen – nicht der Schluss gezogen wer- den, die Beschwerdeführerin sei entweder direkt oder lediglich indirekt an gewalttätigen und terroristischen Handlungen der G._______ beteiligt ge- wesen und ihre unmittelbare beziehungsweise mittelbare Täterschaft an verwerflichen Handlungen sei überwiegend wahrscheinlich. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts stellen weder die G._______-Mitgliedschaft für sich allein noch gewaltlose Aktivitäten inner- halb dieser Organisation verwerfliche Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG dar. Sodann sind weder individuelle Handlungen noch eine individu- elle Verantwortlichkeit ersichtlich, die als verwerflich im Sinne von Art. 53 AsylG einzustufen sind. 6.2.3.1 Zwar ergeben sich hinsichtlich der tatsächlichen Funktion der Be- schwerdeführerin innerhalb der G._______ – bei einem Vergleich der Aus- sagen in den Anhörungen, in welchen sie darlegte, lediglich eine unterge- ordnete Stellung innegehabt zu haben, und ihren Angaben in der BzP so- wie im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 14. März 2017 zu den Abklä- rungen der Botschaft vom (...) – teilweise uneinheitliche Aussagen, welche D-2085/2018 Seite 16 nachfolgend näher zu beleuchten sind. So führte sie anlässlich der BzP in summarischer Weise an, sie sei ein wichtiges Mitglied der G._______ und in diesem Zusammenhang zuständig für die Informationen des (Nennung Dienst) der Bewegung gewesen. Sie habe diese Informationen dokumen- tiert und sichergestellt, bis diese von den Leuten bei ihr abgeholt worden seien (vgl. act. A5, S. 10 unten). In ihrer Stellungnahme vom 14. März 2017 zu den Abklärungen der Botschaft brachte ihr damaliger Rechtsvertreter vor, die Beschwerdeführerin sei kein einfaches Mitglied der G._______ ge- wesen. Als ehemaliges G._______-Kader und (Nennung Tätigkeit) sei sie eine bekannte Persönlichkeit in Sri Lanka gewesen. Sie sei an mehreren öffentlichen Veranstaltungen in der (Nennung Region) aufgetreten und habe (Nennung Texte) geschrieben. Ihre Reden hätten den Chef des (Nen- nung Dienst) S._______, für den sie gearbeitet habe, beeindruckt und sie habe das volle Vertrauen von S._______ gehabt. Aufgrund ihrer Bekannt- heit und der Nähe zum G._______-Kader habe die Aussenwelt sie für eine sehr wichtige Persönlichkeit der G._______ gehalten. Bezüglich der Aus- sagen in der BzP stellt das Gericht fest, dass sich diese summarisch ge- haltenen Schilderungen zur ausgeführten Tätigkeit für die G._______ nicht wesentlich von den Äusserungen in den Anhörungen unterscheiden. Wohl führte die Beschwerdeführerin explizit an, sie sei ein wichtiges Mitglied der G._______ gewesen. Diese Aussage ist jedoch in Anbetracht des Um- stands, dass alleine die Tätigkeit für den (Nennung Dienst) der Bewegung aus subjektiver Wahrnehmung – ob zu Recht oder zu Unrecht – als Aus- übung einer wichtigen Funktion wahrgenommen werden dürfte sowie in Berücksichtigung des summarischen Charakters des BzP -Protokolls und dessen eingeschränkten Beweiswerts , erheblich zu relativieren , und sie stellt keine entscheidende Abweichung zu den Ausführungen in den Anhö- rungen dar. Soweit sich die Beschwerdeführerin in der erwähnten Stellung- nahme zum rechtlichen Gehör in pauschaler Form als ehemaliges G._______-Kader bezeichnet, ist anzumerken, dass sie im späteren Ver- lauf ihrer Stellungnahme hingegen dav on spricht, sie sei unter anderem wegen der "Nähe zum G._______-Kader" als wichtige Person beurteilt worden. Aus diesen Ausführungen lässt sich demnach eine allfällige Zuge- hörigkeit zum Kader der G._______ noch nicht zweifelsfrei herleiten. Fer- ner stellt das Vorbringen, die Beschwerdeführerin habe für S._______ ge- arbeitet und dessen volles Vertrauen gehabt, kein greifbarer inhaltlicher Unterschied zu dem in den Anhörungen Vorgebrachten dar, zumal sie stets von einer Tätigkeit innerhalb des (Nennung Dienst) der G._______ sprach und davon auszugehen ist, dass sämtliche Angehörigen dieser Abteilung ohne Weiteres das volle Vertrauen ihres Chefs genossen haben. Soweit D-2085/2018 Seite 17 sie im Weiteren in ihrer Stellungnahme darauf hinweist, dass sie an meh- reren öffentlichen Verans taltungen in der (Nennung Region) aufgetreten sei, lassen sich aus diese r erstmals vorgebrachten pauschalen Aussage keine konkreten Hinweise darauf entnehmen, wann, wo genau, unter wel- chen Umständen und insbesondere in welcher Funktion sie in der Öffent- lichkeit aufgetreten sein will. Mit Blick auf die Beurteilung ihrer Funktion innerhalb de r G._______ sind für das Gericht daraus keine konkreten Rückschlüsse möglich. Ob es sich sodann bei den in der Stellungnahme erwähnten (Nennung Texte) um die von der Beschwerdeführerin in den An- hörungen erwähnten, in einem Buch veröffentlichten (...) Kurzgeschichten handelt, kann offenbleiben, zumal daraus ebenfalls keine Folgerungen zur ausgeübten Funktion innerhalb de r G._______ möglich sind. Alleine die persönliche Einschätzung in der Stellungnahme der Beschwerdeführerin, sie sei aufgrund ihrer Bekanntheit und der Nähe zum G._______-Kader von Aussenstehenden als wichtige Persönlichkeit der G._______ gehalten worden, lässt keine fassbaren Hinweise auf ihre tatsächliche Stellung und Bedeutung innerhalb der Bewegung zu. 6.2.3.2 Zur Einschätzung der Bedeutung der Beschwerdeführerin für die G._______ und ihrer Funktion innerhalb derselben ist sodann auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass eigenen Angaben zufolge ihr Name in den Ausgaben der (Name Printmedium) vom (...) sowie vom (...) aufgeführt worden sei. Gemäss der Schweizer Vertretung in M._______ sind alle den Behörden bekannten Angaben zu einer Person, die von den sri-lankischen Behörden aufgrund eines Terrorverdachts gesucht wird, in der erwähnten (Name Printmedium) aufgeführt. Die entsprechende Liste wird regelmässig überprüft und angepasst. Eine Person wird von der Liste gestrichen, wenn neue Informationen belegen würden, dass die Person keine Straftaten un- ter dem Anti-Terrorgesetz (PTA) begangen ha t (vgl. dazu act. A35 und A50). Unbesehen des Umstands, dass laut Abklärungsergebnis der Bot- schaft weder der tatsächliche Name noch das Pseudonym der Beschwer- deführerin den sri-lankischen Behörden bekannt sei noch heute eine Be- deutung habe und sie in der Ausgabe der fraglichen Liste vom (...) nicht mehr aufgeführt ist (vgl. act. A35 und A50) , lässt die Tatsach e, dass die Beschwerdeführerin wegen Terrorverdachts in ihrer Heimat gesucht wor- den sei, durchaus Rückschlüsse auf eine Vergangenheit beziehungsweise Tätigkeit bei den G._______ zu, nicht jedoch auf die Wichtigkeit dieser Tä- tigkeit und die Bedeutung ihrer Stellung innerhalb der Organisation. Insbe- sondere belegt der fragliche Eintrag auf der Liste – wie die Beschwerde- führerin in ihrer Eingabe vom 9. September 2019 zu Recht festhält – nicht, D-2085/2018 Seite 18 dass sie effektiv eine Funktion mit Entscheidungsgewalt bei den G._______ innehatte. 6.2.3.3 Im Lichte obiger Ausführungen geht das Gericht vorliegend davon aus, dass die Beschwerdeführerin – ihren Angaben entsprechend – inner- halb der (Nennung Abteilung) des (Nennung Dienst) in der (Nennung Be- reich) beschäftigt war und bereits auf grund dessen eine vertrauensvolle Position innerhalb der Organisation innehatte. Weiter ist angesichts ihrer Ausführungen zu dem von ihr verfassten Buch und den Umständen dessen Veröffentlichung, anlässlich welcher höhere Kader der G._______ anwe- send gewesen seien und verschiedene Medien in der Folge über diesen Anlass berichtet hätten (vgl. act. A12, F23; A29, F56), nicht auszuschlies- sen, dass dieses Buch zu Propagandazwecken für die G._______ verwen- det worden sein könnte und mithin d ie Beschwerdeführerin dadurch ein gewisses Wohlwollen in bestimmten Kreisen der Bewegung genoss. Doch selbst wenn der Beschwerdeführerin nun als vertrauensvolle Mitarbeiterin im (Nennung Dienst) der G._______ eine besondere Wertschätzung sei- tens S._______ oder anderer höherer Chargen entgegengebracht worden wäre, ergeben sich aus ihren Angaben zu r Tätigkeit für die G._______ auch nach obiger Interpretation ihrer diesbezüglich relevanten Ausführun- gen keine konkreten Hinweise darauf, dass sie in irgendeiner Weise direkt an Gewaltakten derselben beteiligt war. Weder nahm sie eine Führungs- funktion ein noch verfügte sie über irgendwelche Entscheidungsbefug- nisse. Von solchen ist auch angesichts ihrer Tätigkeit auf einer – eigenen Angaben zufolge – unteren Stufe in der (Nennung Abteilung) des (Nennung Dienst) nicht auszugehen. Auch der Umstand, dass der Chef des (Nen- nung Dienst) nur zwei Stufen höher als sie selber gewesen sei, lässt nicht per se auf solche Befugnisse schliessen. Im Weiteren sind die Ausführun- gen der Beschwerdeführerin zu ihrer konkreten Tätigkeit nicht derart knapp und oberflächlich ausgefallen, wie dies die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid bemängelt (vgl. act. A53, S. 5, Ziff. 2.2.1). Im Rahmen der An- hörungen war die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage, diverse De- tails über ihre Tätigkeit und damit in Zusammenhang stehende Vorgänge in ihrer Abteilung zu nennen, auch wenn sich erst aufgrund verschiedener Nachfragen zu dieser ein konkreteres Bild ergab (vgl. act. A12, S. 5 ff.; A29, S. 4 ff.), was möglicherweise auch im Zusammenhang mit der bei ihr ärzt- lich diagnostizierten (Nennung Diagnose und Symptomatik), stehen dürfte (vgl. das mit der Eingabe vom 30. September 2019 beiliegende [Nennung Beweismittel]). Den Schlussfolgerungen des SEM, wonach davon auszu- gehen sei, dass die Beschwerdeführerin mit ihren Unterstützungsleistun- gen (...) im Sinne einer Mittäterschaft einen direkten und massgeblichen D-2085/2018 Seite 19 Tatbeitrag zur Auslieferung und zum "Ausschalten" von (Nennung Perso- nen) und damit zu Delikten wie Tötung, Körperverletzung und Freiheitsbe- raubung geleistet habe, kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz vermag mit ihren Verweisen auf die persönliche und ideologische Nähe der Be- schwerdeführerin zu den G._______ nicht schlüssig aufzuzeigen, wie sie sich durch ihre Tätigkeit, in welcher sie im Wesentlichen eintreffende Infor- mationen entweder archivierte oder an ihre Vorgesetzte weiterleitete , an den allfälligen Gewalt- und Tötungsdelikten der G._______ beteiligt haben soll. Es lässt sich diesbezüglich nur spekulieren, welche tatsächlichen Aus- wirkungen die von ihr weitergeleiteten Informationen auf das Vorgehen der G._______ gehabt haben könnten. Der alleinige Umstand, dass sie in der (Nennung Abteilung) des (Nennung Dienst) der G._______ Büroarbeiten verrichtete und dabei auch Einblicke in die von Dritten beschafften Infor- mationen gehabt hat, vermag die Beschwerdeführerin noch nicht in den inneren Kreis der G._______ oder in eine Position mit Weisungsbefugnis innerhalb derselben zu rücken. 6.2.3.4 Mit dem Schluss, die Beschwerdeführerin habe sich durch ihre langjährige Tätigkeit und ihre Funktion mit der skrupellosen Ideologie der G._______ vollständig identifiziert, zumal sie bewusst eine Funktion zur Sicherstellung der Ziele der Organisation bekleidet habe, weshalb sie sich im Rahmen ihrer Tätigkeit Entscheidungen und die Handlungen des Macht- apparats zurechnen lassen müsse, unterstellt das SEM der Beschwerde- führerin eine generelle Mitverantwortung für die den G._______ zur Last gelegten Straftaten in Form von gezielten Tötungen, von Folter oder ande- ren Straftaten an (Nennung Personen), seien diese nun Armeeangehörige oder Zivilpersonen. Dieser Schluss ist angesichts der Angaben de r Be- schwerdeführerin aber als unzulässig zu qualifizieren. Auch wenn sie den G._______ nicht zwangsweise, sondern aus freien Stücken beigetreten sein dürfte, und sich in der Folge während mehrere r Jahre innerhalb der Organisation als (Nennung Tätigkeiten) beschäftigte, ist in ihrem Fall noch nicht mit einer überdurchschnittlichen Identifikation mit der Vorgehens- weise einer gewaltbereiten Organisation wie den G._______ auszugehen, welcher einen Asylausschluss nach sich ziehen müsste (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.2, 2011/10 E. 6, 2010/44 E. 6). Die Beschwerdeführerin hat im Rahmen des Verfahrens wiederholt die Gründe ihres Beitritts zur Orga- nisation dargelegt. Insbesondere sei sie mit einem "freiwilligen" Beitritt ei- nem zwangsweisen Anschluss an die G._______ zuvorgekommen und habe verhindern wollen, dass – da sie das älteste Kind gewesen sei – eines ihrer jüngeren Geschwister zwangsweise eingezogen worden wäre (vgl. act. A12, F100; Übersetzung Beschwerdeschrift Ziff. 5.2; Schreiben vom D-2085/2018 Seite 20 9. September 2019, Ziff. 4). Die Beschwerdeführerin hat sodann unbestrit- tenermassen zu keiner Zeit an Kampfhandlungen teilgenommen, war nicht bewaffnet und absolvierte eigenen Angaben zufolge auch nie ein entspre- chendes Waffentraining (vgl. act. A12, F103). Die Beteiligung an einer kon- kreten Tat der G._______, welche nach dem Gesagten als massgeblicher Beitrag im Sinne eines Verbrechens angesehen werden müsste, ergibt sich aus den Akten nicht. Dass sie mit der Weiterleitung von Informationen über (Nennung Personen) an ihre Vorgesetzten einen Beitrag zur Erreic hung der Ziele der G._______ geleistet hat, kann zwar nicht ausgeschlossen werden, zumal sie ihre Unterstützungstätigkeit über eine lange Zeit ausge- übt hat. Auch unter Berücksichtigung dessen, dass im Ausland begangene verwerfliche Handlungen nach Art. 53 AsylG nicht eines strikten Beweises bedürfen, sondern die aus schwerwiegenden Gründen gerechtfertigte An- nahme genügt, dass sich die betroffene Person einer Straftat schuldig ge- macht hat, ergibt sich aber aus der Aktenlage nachweislich keine Beteili- gung an irgendeiner Tat der G._______, die als massgeblicher Beitrag im Sinne eines Verbrechens zu werten wäre. Es ist daher aufgrund der Akten- lage auch eine allfällige indirekte Beteiligung an verwerflichen Handlungen zu verneinen. 6.2.3.5 Überdies ist zu berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin den Akten zufolge seit Kriegsende – faktisch aber wohl bereits nach der Geburt ihres (Nennung Kind) im (...) (vgl. act. A12, F29) – weder für die G._______ engagiert hat noch sich seit ihrer Einreise in die Schweiz (Nen- nung Zeitpunkt) etwas zuschulden kommen liess. 6.2.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass d er Beschwerdeführerin aufgrund der Aktenlage ein konkreter und individueller Tatbeitrag zu ver- werflichen Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG nicht vorgeworfen wer- den kann. Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob ein Ausschluss vom Asyl gegebenenfalls unverhältnismässig wäre. 6.3 Der Beschwerdeführerin – und gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG auch ihren minderjährigen Kindern – ist daher in der Schweiz Asyl zu gewähren. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass bezüglich der Beschwerdeführe- rin keine Asylausschlussgründe nach Art. 53 AsylG bestehen und die – auf den Punkt des Ausschlusses vom Asyl und die damit verbundenen Rechts- folgen beschränkte – Beschwerde gutzuheissen ist. Entsprechend sind die Ziffern 3 bis 7 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und das SEM ist D-2085/2018 Seite 21 anzuweisen, de r Beschwerdeführerin und ihren Kindern in der Schweiz Asyl zu gewähren. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 8.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des R eglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der rubrizierte Rechtsanwalt wurde mit Zwischenverfügung vom 15. Au- gust 2019 als amtlicher Rechtsvertreter eingesetzt. In der Kostennote vom 20. September 2019 werden ein Aufwand von 6.85 Stunden, Auslagen von Fr. 22.10 und Übersetzungsarbeiten von Fr. 383.– geltend gemacht, aus- machend einen Betrag von insgesamt Fr. 2609.25. Diese Kostennote er- scheint den Verfahrensumständen als angemessen. Der angeführte Stun- denansatz von Fr. 300.– ist für die Bemessung der Parteientschädigung im Falle eines Obsiegens reglementskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Nach Einreichung dieser Kostennote wurde noch eine Eingabe (Einrei- chung Beweismittel) getätigt, welche bei der Entschädigung ebenfalls zu berücksichtigen ist. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschä- digung ist demnach gerundet auf insgesamt Fr. 2863.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-2085/2018 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Ziffern 3 bis 7 der Verfügung des SEM vom 8. März 2018 werden auf- gehoben. 3. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden in der Schweiz Asyl zu gewähren. 4. Den Beschwerdeführenden werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insge- samt Fr. 2863.– auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Daniela Brüschweiler Stefan Weber Versand: