B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3490/2016/pjn U r t e i l v o m 2 7 . J u l i 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichter Hans Schürch, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 3. Mai 2016 / N (...). D-3490/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland am 3. Januar 2014 illegal in Richtung B._______, wo er sich während sie- ben Tagen aufgehalten habe. Danach habe er sich an die (…) Grenze be- geben, den Grenzfluss in einem Boot überquert und sei im Auto ins Zent- rum des Landes in eine ihm unbekannte Ortschaft gereist. Zwei Tage spä- ter habe er seine Reise nach C._______ fortgesetzt, wo er während zwei Wochen beziehungsweise bis am 9. Se ptember 2014 geblieben sei. Von dort aus sei er in einem Boot über das Meer am 15. September 2014 nach D._______ in E._______ gelangt, wo ihn die Küstenwache aufgegriffen habe und wo seine Personalien aufgenommen worden seien. D rei Tage später sei er aus dem Camp geflohen, um nicht die Fingerabdrücke geben zu müssen. Im Zug sei er am 21. September 2014 unter Umgehung der Grenzkontrollen in die Schweiz gereist, und am folgenden Tag stellte er in F._______ sein Asylgesuch. Am 7. Oktober 2014 wurde er im Empfa ngs- und Verfahrenszentrum F._______ zur Person befragt und am 29. April 2016 führte das SEM eine Anhörung durch. Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei eritreischer Staatsangehöri- ger tigrinischer Volkszugehö rigkeit und in G._______, Subzoba H._______, Zoba I._______ geboren worden, wo er die Schule bis zur vier- ten Klasse besucht und anschliessend in der Landwirtschaft gearbeitet habe. Er habe einen Sohn aus erster Ehe, sei zum zweiten Mal verheiratet, wobei seine Ehefrau und sein Sohn in G._______ verblieben seien. Sein Vater sei verstorben. Seine Mutter und zahlreiche Halbgeschwister würden in Eritrea leben. Eine Halbschwester befinde sich in J._______ und eine weitere in B._______. Zur Begründung seines Asylgesuchs legte der Beschwerdeführer anläss- lich der Befragung dar, dass er im Jahr 2000 in den Militärdienst eingezo- gen worden sei. Im Jahr 2009 sei er vom Vorgesetzten seines Bataillons (…) geschlagen worden. In der Folge sei er (…) geworden und habe die nötige medizinische Behandlung nicht erhalte n. Nachdem man sein Ge- such nach Urlaub mehrmals nicht bewilligt habe, sei er unerlaubt nach Hause zurückgekehrt, von wo ihn die Soldaten seiner Einheit drei Monate später aufgegriffen, festgenommen und während sechs Monaten in K._______ inhaftiert hätten. Nach der Haftentlassung habe man ihm zehn Tage Urlaub gewährt, worauf er nach Hause gegangen sei. Er habe sich nicht mehr zu seiner Einheit zurückbegeben, sondern während Jahren bis D-3490/2016 Seite 3 zur Ausreise aus seinem Heimatland an seinem Wohnort versteckt. Die Leute aus den Nachbardörfern hätten ihn jeweils gewarnt, wenn Soldaten seiner Einheit an seinem Wohnort erschienen seien. Am 3. Januar 2014 sei er aus G._______ zur Ausreise aufgebrochen. Anlässlich der Anhörung machte der Beschwerdeführer geltend, er sei im Jahr 2000 oder anfangs 2001 bei einer Razzia in den Militärdienst einge- zogen worden. Im Jahr 2009 sei er bei der Feldarbeit vom Vorgesetzten (…) geschlagen worden. Seither sei er (…) gewesen. Obwohl er mehrmals um Urlaub gebeten habe, um sich medizinisch behandeln zu lassen, sei ihm dieser verweigert worden. Er sei auch bereit gewesen, die medizini- sche Behandlung selber zu bezahlen. Nachdem ihm eines Tages ein Ur- laub von zehn Tagen bewilligt worden sei, habe er sich nach Hause bege- ben, sei jedoch nicht rechtzeitig zur Einheit zurückgekehrt. Im Rahmen ei- ner Razzia habe man ihn an seinem Wohnort festgenommen und an- schliessend während sechs Monaten in K._______ inhaftiert. Nach der Freilassung habe er bis am Tag seiner Ausreise aus dem Heimatland wei- terhin bei seiner Einheit in K._______ gedient. Nachdem man ihm erneut einen Urlaub verweigert habe, sei er am 3. Januar 2014 aus K._______ desertiert und in Richtung B._______ aufgebrochen. Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seiner Identitätskarte und eine Ehebescheinigung sowie zwei Fotos zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 3. Mai 2016 – eröffnet zwischen dem 3. und 6. Mai 2016 (auf dem Rückschein nicht klar ersichtlich) – stellte das SEM fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Voll- zug an. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. Juni 2016 Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Anerkennung als Flüchtling und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anerkennung als Flüchtling und Feststellung der Unzuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe infolge illegalen Verlassens des Heimatlandes, subeventualiter die Gewäh- rung der vorläufigen Aufnahme infolge fehlender Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs und subsubeventualier die Rückweisung der Sache an D-3490/2016 Seite 4 die Vorinstanz. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Beiordnung eines amtlichen Beistandes. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwägung en Bezug genommen. Der Beschwerde lag eine Kopie der angefochtenen Verfügung bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2016 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten könne. Die Gesuche um Ge währung der unentgeltlichen Pro- zessführung und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistän- dung wurden abgewiesen. Der Beschwerdeführer wurde zur Bezahlung ei- nes Kostenvorschusses innert Frist aufgefordert. E. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. D-3490/2016 Seite 5 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfäl schte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM aus, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers insgesamt den Anforderun- gen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen vermöchten. Der Beschwer- deführer habe zu seinem Militärdienst und zur Desertion äusserst wider- sprüchliche Angaben zu Protokoll gegeben. Gemäss der einen Version sei D-3490/2016 Seite 6 ihm nach dem Schlag (…) durch seinen Vorgesetzten im Jahr 2009 kein Urlaub gewährt worden, worauf er sich unerlaubt nach Hause begeben und sich dort während drei Monaten aufgehalten habe, bis man ihn aufgegriffen und anschliessend während sechs Monaten inhaftiert habe; nach dem Haf- tende seien ihm zehn Tage Urlaub gewährt worden, worauf er nicht mehr in seine Einheit zurückg ekehrt sei und sich während Jahren an seinem Wohnort versteckt habe. Demgegenüber habe er in einer anderen Version geltend gemacht, er habe nach dem Schlag (…) während zehn Tagen Ur- laub erhalten, diesen jedoch überschritten, worauf er in der Folge anläss- lich einer Razzia festgenommen und während sechs Monaten inhaftiert worden sei; nach der Haftentlassung habe er weiterhin in seiner Einheit gedient und keinen Urlaub erhalten. Anlässlich der Gewährung des recht- lichen Gehörs zu diesen markanten Widersprüchen habe der Beschwerde- führer abgestritten, jemals ausgesagt zu haben, er habe sich über Jahre hinweg an seinem Wohnort versteckt aufgehalten. Ausserdem sei er der Meinung gewesen, es handle sich nicht um einen Widerspruch, ob er den zehntägigen Urlaub vor oder nach der sechsmonatigen Haft erhalten habe. Damit habe er die Widersprüche nicht erklären können. Zudem sei ihm das Protokoll der Befragung rückübersetzt worden und er habe die Richtigkeit seiner Aussagen unterschriftlich bestätigt. An dieser Einschätzun g ver- möge das Foto, welches ihn im Militärdienst zeige, nichts zu ändern, zumal nicht in Frage gestellt werde, dass er jemals Militärdienst geleistet habe. Des Weiteren legte das SEM dar, dass an der geltend gemachten illegalen Ausreise aus Eritrea erhebl iche Zweifel bestünden. Während der Be- schwerdeführer anlässlich der Befragung dargelegt habe, sein Dorf (G._______) am 3. Januar 2014 verlassen zu haben, habe er anlässlich der Anhörung ausgesagt, an diesem Tag die Ausreise von K._______ aus gestartet zu haben. Zudem sei er trotz ausdrücklicher Aufforderung anläss- lich der Anhörung nicht in der Lage gewesen, die Ausreise detailliert zu schildern. Seine Antworten seien nicht nur in markanten Punkten wider- sprüchlich, sondern auch ausweichend, vage und standardisiert ausgefal- len. Folglich müsse davon ausgegangen werden, dass er sein Heimatland nicht auf dem von ihm beschriebenen Weg beziehungsweise zu dem von ihm geltend gemachten Zeitpunkt verlassen habe. Die geltend gemachte illegale Ausreise könne somit nicht geglaubt werden. Aufgrund der darge- legten (…) sei es vielmehr möglich, dass er mit seinem eigenen Reisepass legal aus seinem Heimatland ausgereist sei, um sich medizinisch behan- deln zu lassen, was aber offen gelassen werden könne. D-3490/2016 Seite 7 5.2 In seiner Beschwerdeschrift machte der Beschwerdeführer geltend, er habe nach dem Schlag (…) zehn Tage Urlaub erhalten; jedoch sei sein Gesuch um Urlaub nach der Haftentlassung abgelehnt worden. Er habe nach der Haftentlassung noch während vier Jahren in K._______ gedient und sich dann zur Ausreise entschlossen. Auf dem eingereichten Foto sei das Jahr 2014 vermerkt, woraus zu schliessen sei, dass er in diesem Jahr noch im Militärdienst gewesen sei. Über die Haftbedingungen habe er nicht sprechen können, weil er anlässlich der Anhörung unterbrochen worden sei. Anlässlich der Befragung sei es zu einem Missverständnis gekommen, weil er lediglich von der Erlaubnis zur medizinischen Behandlung, nicht aber von derjenigen zum Urlaub gesprochen habe. Er habe nach der Haft- entlassung keinen Urlaub mehr erhalten und sich auch nicht versteckt zu- hause aufgehalten. Dies sei ein Missverständnis, welches mit dem einge- reichten Foto aus dem Jahr 2014 habe geklärt werden können. Er habe sich vor der Festnahme versteckt aufgehalt en und nicht danach. Seine Ausreise habe er von seiner Heimatumgebung aus geschildert. Er sei mit dem Bus nach L._______, M._______ und N._______ gereist sowie zwi- schen H._______ und G._______ bis nach B._______ zu Fuss unterwegs gewesen. Zur Ausreise seien ihm zudem sehr wenige Fragen gestellt wor- den. Ausserdem handle es sich bei G._______ nicht nur um ein Dorf, son- dern auch um eine Region. Mit der illegalen Ausreise erfülle er die Flücht- lingseigenschaft und mit der Desertion auch die Voraussetzungen für d ie Gewährung von Asyl. Im Fall einer Rückkehr ins Heimatland werde er für Jahre ins Gefängnis kommen. 5.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Für die Glaubhaftigkeit von Fluchtvorbringen sprechen insbesondere die Übereinstimmung der Aussagen zwischen den verschie- denen Befragungen sowie die Vereinbarkeit von Aussagen mit den einge- reichten Beweismitteln und den Erkenntnissen über die Situation im Hei- mat- oder Herkunftsland. Auch aus der Kohärenz, der Substanziiertheit, D-3490/2016 Seite 8 der Nachvollziehbarkeit, der Schlüssig keit, der Korrektheit und der Origi- nalität der Angaben lässt sich die Glaubhaftigkeit der Aussagen schliessen. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asylsuchenden Person. Eine Behaup- tung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahr- heit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es dem- gegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um- stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Ent- scheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3). Insbesondere reicht die blosse Plausibilität nicht aus, wenn gewichtige Umstände gegen die Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/ Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser {Hrsg.}, Ausländerrecht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, Basel u.a. 2009, S. 568, Rz. 11.149; EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a S. 270). Zudem darf sich die Argumentation der Behör- den nicht in blossen Gegenbehauptungen oder allgemeinen Vermutungen erschöpfen. 5.4 Vorab ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer die in den bei- den Protokollen enthaltenen Aussagen voll und ganz anzurechnen hat, wie bereits in der Zwischenverfügung vom 10. Juni 2016 dargelegt worden ist, weil ihm beide Protokolle rückübersetzt wu rden und er diese vorbehaltlos unterzeichnete. Allfällige falsch protokollierte Aussagen oder Missver- ständnisse hätte er anlässlich der Rückübersetzungen reklamieren müs- sen, was er indessen nicht getan hat. Somit kann er sich nicht auf Missver- ständnisse anlässlich der Befragung oder der Anhörung berufen. Zudem räumte der Beschwerdeführer mehrfach ein, er verstehe die dolmet- schende Person gut, und auch die der Anhörung beiwohnende Vertretung der Hilfswerke hatte keine Einwände oder Bemerkungen, aus welchen auf Missverständnisse oder akustische Probleme anlässlich der Anhörung zu schliessen wäre. Auch diese Tatsachen sprechen gegen Missverständ- nisse. Angesichts dieser Einschätzung besteht kein Anlass zur Annahme, im vorliegenden Verfahren seien Verfahrensfehle r aufgetreten, weshalb der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzuweisen ist. D-3490/2016 Seite 9 5.5 Wie ebenfalls in der vorangehend erwähnten Zwischenverfügung fest- gehalten wurde, teilt das Bundesverwaltungsgericht im Übrigen die Ein- schätzung der Vorinstanz, wonach die Aussagen des Beschwerdeführers als überwiegend unwahrscheinlicher und damit als unglaubhaft zu betrach- ten sind. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, sei deshalb auf die Erwägungen der angefochtenen Verfügung und auf diejenigen in der er- wähnten Zwischenverfügung verwiesen. In Ergänzung dazu ist Folgendes festzuhalten: 5.5.1 Zunächst fällt auf, dass der Beschwerdeführer mehrfach behauptet, er sei während des Militärdienstes nicht medizinisch behandelt worden, was sich indessen nicht mit seiner Aussag e anlässlich der Anhörung ver- einbaren lässt, wonach er gleich nach dem Schlag (…) zum Sanitäter ge- tragen worden und dort wieder zu Bewusstsein gekommen sei (vgl. Akte A17/17 S. 9). Gestützt auf diese Aussage ist davon auszugehen, dass zu- mindest eine notfal lmässige medizinische Behandlung erfolgt ist. Zudem ergänzte er später, dass er auch in K._______ im Spital erneut medizinisch behandelt worden sei (vgl. Akte A17/17 S. 11), woraus der Schluss zu zie- hen ist, dass auch eine weitergehende Behandlung seiner (…) vorgenom- men wurde. Damit bestehen grundsätzliche Zweifel an seinen Vorbringen, zumal er die fehlende medizinische Behandlung als Grund für sein uner- laubtes Entfernen von seiner militärischen Einheit angab. 5.5.2 Sodann legte der Beschwerdeführer gemäss der einen Version dar, er habe nach dem Schlag (…) keine medizinische Behandlung bekommen und sich deshalb von seiner Einheit entfernt, sei nach Hause gegangen, um sich in M._______ medizinisch behandeln zu lassen, habe sich dazu während drei Monaten zuhause aufgehalten, sei dann festgenommen wor- den und während sechs Monaten inhaftiert gewesen, habe nach der Haft- entlassung während zehn Tagen Urlaub erhalten, sei nach Hause gegan- gen und nicht mehr in den Militärdienst zurückgekehrt, sondern habe sich zuhause bis zur Ausreise versteckt aufgehalten (vgl. Akte A4/12 S. 7 und 8). Demgegenüber schilderte er anlässlich der Anhörung diesen Sachver- halt deutlich unterschiedlich, indem er geltend machte, nach dem Schlag (…) habe man ihm immer wieder den Urlaub zur medizinis chen Behand- lung verweigert, bis er schliessli ch doch für zehn Tage Urlaub er halten habe, wo rauf er nach Hause gegangen sei, den Urlaub indessen über- schritten habe, bei einer Razzia festgenommen und während sechs Mona- ten inhaftiert worden sei. Der danach beantragte Urlaub sei ihm verweigert worden, weshalb er bis 2014 in K._______ im militärischen Dienst geblie- ben sei. Dann habe er sich zur Desertion und zur Ausreise entschlossen D-3490/2016 Seite 10 (vgl. Akte A17/17 S. 9-11). Zu Recht stellte das SEM in der angefochtenen Verfügung fest, dass diese beiden Versionen in wesentlichen Teilen nicht miteinander in Einklang zu bringen sind. Insbesondere will sich der Be- schwerdeführer gemäss der einen Variante während längerer Zeit – wäh- rend Jahren – an seinem Wohnort versteckt aufgehal ten haben, was ge- mäss der anderen Variante und der Darstellung in der Beschwerde nicht der Fall gewesen sei. Zur Begründung gibt er an, bei der Darstellung an- lässlich der Befragung habe es sich um ein Missverständnis gehandelt. Dieser Erklärung kann indessen kein Glaube geschenkt werden, zumal der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung den geltend gemachten ver- steckten Aufenthalt auf Frage hin nochmals bestätigte und zudem – von sich aus – anfügte, er habe sich verstecken können, weil die Leute aus den Nachbarorten ihm Bescheid gegeben hätten, wenn die Soldaten seiner Einheit an seinem Wohnort erschienen seien (vgl. Akte A4/12 S. 8). Damit hat er dieser Version seiner Geschichte noch Nachdruck verliehen, was mit einem allfälligen Missverständnis nicht zu vereinbaren wäre. Somit han- delt es sich um zwei grundsätzlich verschiedene Darstellungsvarianten im zentralsten Bereich seiner Ausführungen – nämlich den näheren Umstän- den der Desertion. 5.5.3 Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Meinung spielt es zudem eine wesentliche Rolle für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit, ob ihm vor oder nach der Haftverbüssung ein Urlaub gewährt worden sein soll. Somit bestätigt dieser Widerspruch die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen. 5.5.4 Insgesamt kann ihm folglich nicht geglaubt werden, dass er aus dem eritreischen Militärdienst desertiert ist. 5.5.5 An dieser Einschätzung vermag das eingereichte Foto, auf welchem er in einer militärischen Hose zu sehen ist und welches aus dem Jahr 2014 stammen soll, nichts zu ändern, wie bereits in der Zwischenverfügung vom 10. Juni 2016 festgehalten worden ist, zumal diese Aufnahme auch im pri- vaten Bereich des Beschwerdeführers entstanden sein kann und somit nicht geeignet ist, den von ihm dargelegten Sachverhalt glaubhaft zu ma- chen. Abgesehen davon will er gemäss seinen Aussagen am 3. Januar 2014 desertiert sein, weshalb das Foto – sollte es im Jahr 2014 entstanden sein, wie von ihm geltend gemacht – ein oder zwei Tage vor der Desertion erstellt worden sein müsste, was der Beschwerdeführer indessen trotz des engen zeitlichen Zusammenhangs nicht erwähnte. Auch diese Tatsache spricht nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. D-3490/2016 Seite 11 5.6 Insgesamt ergibt sich aus den vorangehenden Erwägungen, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Gründe, weshalb er sein Hei- matland verlassen habe, nicht geglaubt werden können. An dieser Ein- schätzung vermögen weder die eingereichten Beweismittel no ch die wei- teren Ausführungen in der Beschwerdeschrift etwas zu ändern. Der Be- schwerdeführer war somit im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatland keiner asylrelevanten Verfolgung oder Gefährdung ausgesetzt. 5.7 Damit sind die Voraussetzungen für die Gewährun g von Asyl nicht gegeben, weshalb das SEM sein Asylgesuch zu Recht abgewiesen und ihn zu Recht aus der Schweiz weggewiesen hat. 5.8 Der Beschwerdeführer machte des Weiteren geltend, er habe sein Hei- matland illegal verlassen, was unter dem Gesichtspunkt von su bjektiven Nachfluchtgründen zu prüfen ist. Indessen stellt er auch diese illegale Aus- reise nur ungereimt und – wie das SEM ebenfalls zutreffend festhielt – dar- über hinaus substanzlos und detailarm dar. 5.8.1 Aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer offenkundig die wah- ren Gründe und Umstände seiner Ausreise verheimlicht, kann zwar nicht ohne weiteres auf eine legale Ausreise geschlossen werden. Jedoch recht- fertigt es sich genauso wenig, allein aufgrund der notorisch schwierigen legalen Ausreise aus Eritrea darauf zu schliessen, dass seine Ausreise il- legal erfolgte. Dies auch deshalb nicht, weil sich nach Kenntnis des Ge- richts viele eritreische Staatsangehörige seit langer Zeit (nicht wenige seit ihrer Geburt) in den angrenzenden Nachbarländern aufhalten. Aus den vo- rangehenden Erwägungen ergibt sich zudem, dass der Beschwerdeführer während seines militärischen Dienstes medizinisch behandelt wurde, auch wenn ihm nicht diejenige Behandlung zukam, welche zum gewünschten Erfolg geführt hätte. Angesichts der (…), welche erst in der Schweiz erfolg- reich behandelt wurde und welche im Zusammenhang mit der Ausübung von Militärdienst problematisch ist , kann nicht ausgeschlossen werden, dass er aufgrund medizinischer Probleme aus dem eritreischen Militär- dienst entlassen wurde, womit eine legale Ausreise aus dem Heimatland möglich gewesen wäre. Die unglaubhaften Aussagen über die Umstände der geltend gemachten Desertion bekräftigen diese Annahme. In diesem Zusammenhang ist auch auf die dem Beschwerdeführer im Asylverfahren obliegende Wahrheits- und Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG hinzu- weisen. Wie das SEM zutreffend argumentiert hat, ist die persönliche Situ-D-3490/2016 Seite 12 ation bei der Ausreise zumindest glaubhaft darzustellen, um von einer ille- galen Ausreise ausgehen zu können, was indessen vorliegend gestützt auf die vorangehenden Erwägungen nicht der Fall ist. 5.8.2 Überdies ergeben sich aus den Akten weitere Ungereimtheiten, wel- che die Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers über die angeblich illegale Ausreise erhärten. Auch diesbezüglich ist auf die zutref- fenden Erwägungen des SEM in der angefochtenen Verfügung zu verwei- sen. Insbesondere lässt sich die Angabe des Beschwerdeführers, wonach er seine Ausreise am 3. Januar 2014 aus seinem Dorf G._______ zu Fuss angetreten habe (vgl. Akte A4/12 S. 6), nicht vereinbaren mit seiner Dar- stellung, er sei an diesem Tag von K._______ aus losgegangen (vgl. Akte A17/17 S. 8). Abgesehen von diesem grundsätzlichen Unterschied – näm- lich dem Ort, von welchem aus der Beschwerdeführer seine Ausreise aus dem Heimatland begonnen haben will, stimmen auch die von ihm geschil- derten Umstände nicht überein. So sagte er einerseits aus, er habe sich vor der Ausreise während Jahren an seinem Wohnort versteckt aufgehal- ten (vgl. Akte 4/12 S. 6 und 8), während er gemäss einer weiteren Version direkt aus dem Militärdienst in K._______ geflohen sein will (vgl. Akte A17/17 S. 8). Wie das SEM auch zutreffend darlegte, fielen die genaueren Umstände der Ausreise dürftig und detailarm aus, obwohl der Beschwer- deführer au fgefordert worden war, diese detailliert zu beschreiben (vgl. Akte A17/17 S. 8). Seine im Beschwerdeverfahren nachträglich geltend ge- machten Erläuterungen vermögen indessen nicht zu überzeugen, sondern sind angesichts der Substanzlosigkeit und der Widerspr üche als nachge- schobene und untaugliche Erklärungsversuche zu verstehen. 5.9 Somit kann dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden, dass er sein Heimatland unter den von ihm geltend gemachten Umständen illegal ver- lassen hat. 5.10 Allein die Einreichung eines Asylg esuches in der Schweiz vermag keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht zu begründen, da keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Stellung eines Asylgesuchs für sich allein betrachtet bei einer Rückkehr nach Eritrea zu behördlicher Verfolgung führt. 5.11 Es ist somit festzuhalten, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers auch unter dem Gesichtspunkt von subjektiven Nachfluchtgründen einer Prüfung der Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten vermögen. Seine Aussa- gen haben sich als überwiegend widersprüchlich und teilweise substanzlos D-3490/2016 Seite 13 herausgestellt. Bei dieser Sachlage und in Würdigung der gesamten Um- stände und Vorbringen ist zusammenfassend festzustellen, dass die Vo- raussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt sind. Unter diesen Umständen ist auch die Furcht des Beschwerdeführers vor einer Inhaftierung im Heimatland unbegründet. Der Beschwerdeführer konnte keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft ma- chen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel im Einzelnen weiter einzugehen. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer ve rfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittst aat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. D-3490/2016 Seite 14 ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung f inden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist dem Beschwerdeführer mangels Glaubhaf- tigkeit seiner Au ssagen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschen- rechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heuti- gen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Ge- sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. D-3490/2016 Seite 15 7.4.1 In Eritrea herrscht kein Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situation allge- meiner Gewalt. Von einem offenen Konflikt im Grenzgebiet zwischen Erit- rea und Äthiopien ist nicht auszugehen (vgl. dazu etwa die Urteile des Bun- desverwaltungsgerichts D -6352/2012 vom 22. Juli 2014 E.4.6.2; D-935/2011 vom 18. März 2013 E. 4.4.2.2 und 4.4.2.5; D-4683/2006 vom 11. Mai 2009 E. 6.4). Allein aufgrund der allgemeinen Situation in seinem Heimatstaat ist daher nicht von einer konkreten Gefährdung des Beschwer- deführers auszugehen. 7.4.2 Für die Bejahung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea ist jedoch nach wie vor vorauszusetzen, dass begünstigende indi- viduelle Umstände – namentlich ein tragfähiges soziales oder familiäres Beziehungsnetz oder andere Faktoren, welche die wirtschaftliche Integra- tion ermöglichen, vorliegen, so dass gewährleistet ist, dass die betroffene Person nach ihrer Rückkehr nicht in eine existenzielle Notlage gerät (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-1705/2016 vom 6. April 2016 E. 6; E -5237/2015 vom 20. Oktober 2015 E. 7.2; E-6816/2014 vom 9. Juni 2015; D-6352/ 2012 vom 22. Juli 2014 E.4.6.3; E -4447/2010 vom 15. No- vember 2012 E. 9.2; D -6474/2008 vom 14. Juli 2011 E. 8.6 und D - 4683/2006 vom 11. Mai 2009 E. 6.4.2). 7.4.3 Gesundheitliche Probleme führen praxisgemäss nur dann zur Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, wenn eine notwendige medizini- sche Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und sich daraus eine konkrete Gefährdung für die betroffene Person ergibt. Dabei muss eine allgemeine und dringliche medizinische Behandlung, welche zur Ge- währleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist, ver- fügbar sein (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1; 2009/28 E. 9.3.1; 2009/2 E. 9.3.2). Demgegenüber liegt noch keine Unzumutbarkeit vor, wenn im Heimatstaat eine dem schweizerischen Standard nicht entsprechende medizinische Behandlung zur Verfügung steht. Vorliegend machte der Beschwerdefüh- rer geltend, es gehe ihm seit den beiden Operationen in der Schweiz gut, und seine Behandlung sei abgesc hlossen (vgl. Akte A17/17 S. 13). Somit kann vorliegend davon ausgegangen werden, dass es sich um einen ge- sunden Mann im besten Alter handelt. Es ist demzufolge festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass er an aktuellen, schwerwiegen- den gesundheitlichen, Problemen leidet, welche nur in der Schweiz behan- delbar sind und ein Vollzugshindernis darstellen könnten. 7.4.4 Der Beschwerdeführer hat gemäss eigenen Angaben von seiner Ge- burt bis zur Ausreise am 3. Januar 2014 zusammen mit seiner Mutter an D-3490/2016 Seite 16 seinem Herkunftsort gelebt (vgl. Akte A4/12 S. 4). Dort lebe auch seine Frau mit seinem Sohn aus erster Ehe (vgl. Akte A4/12 S. 5). Seiner Familie gehe es gut (vgl. Akte A17/17 S. 15). Zudem würden sich zahlreiche Halb- geschwister in Eritrea aufhalten (vgl. Akte A4/12 S. 5). Somit verfügt er mit der Mutter, der Ehefrau, dem Sohn und den Halbgeschwistern über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz und demzufolge auch über eine Un- terkunft. Die Familie arbeite in der Landwirtschaft, wo auch der Beschwer- deführer vor dem Militärdienst tätig gewesen sei (vgl. Akte A4/12 S. 4), so dass von einer Existenzgrundlage auszugehen ist. Daraus ist der Schluss zu ziehen, dass ihm die Wiederaufnahme der Arbeit in der Landwirtschaft und damit der Aufbau einer neuen Existenzgrundlage auch nach der Rück- kehr möglich sein werden. 7.4.5 Aufgrund dieser Erwägungen ist nicht mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.7.4) davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei der Rückkehr nach Eritrea aufgrund der allgemeinen Situation oder aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder ge- sundheitlicher Natur in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Voll- zug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 7.4.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem D-3490/2016 Seite 17 Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) D-3490/2016 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: