<h2>SubmittedText<h2><p>"Es ist der klare Wille und die klare Verpflichtung des Bundesrates, das Rätoromanische inklusive die akademische Lehre und Forschung zu fördern." Dies ist die eigentlich klare Antwort des Bundesrates auf meine Einfache Anfrage vom 18. März 1998 (98.1029) betreffend Wiederbesetzung des Lehrstuhls für rätoromanische Sprache und Literatur an der ETH Zürich (50-Prozent-Stelle). Seither hat sich die Situation des Rätoromanischen an der ETH aber weiter verschlechtert. Die Professur ist seit August 1997 vakant. Bis zum Sommersemester 1998 wurde der Unterricht durch Lehraufträge aufrechterhalten. Im Wintersemester 1998/99 fanden gar keine Vorlesungen mehr statt. Angesichts des fehlenden Angebotes haben sich seit 1997 keine neuen Studenten für Rätoromanisch als Studienfach entschieden.</p><p>Die Ausschreibung der Professur ist wegen der u. a. auch von der Finanzdelegation beider Räte geforderten Überprüfung des Departementes Humanwissenschaften der ETH Zürich sistiert worden. Der Beschluss der Schulleitung der ETH vom 25. August 1998, die ordentlichen Jahreskredite und die Stellendotation im Departement Humanwissenschaften zu kürzen, lässt nichts Gutes erahnen, zumal die akademische Lehre und Forschung der rätoromanischen Sprache eindeutig nicht zum Kerngeschäft der ETH gehören.</p><p>Die aus Sicht der ETH verständliche, aber für die rätoromanische Sprache unerträgliche Entwicklung braucht dringend eine Klärung. Gerade heute, wo der Bedarf an akademisch ausgebildeten Lehrkräften für die zweisprachige Maturität an den Gymnasien sowie an Fachleuten für die romanischen Medien und für die Übersetzungsdienste grösser wird, fehlt eine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit weitestgehend. Die in den letzten Jahren auf Verfassungs- und Gesetzesebene erzielten Fortschritte werden dadurch in Frage gestellt.</p><p>Es stellen sich folgende Fragen:</p><p>1. Ist der Bundesrat auch der Meinung, dass - unabhängig vom Ergebnis der Evaluation des Departementes Humanwissenschaften der ETH - der Lehrstuhl für rätoromanische Sprache und Literatur sofort wiederbesetzt und für die Zukunft garantiert werden muss (ohne Abstriche bei anderen Minderheitensprachen wie z. B. beim Italienischen)?</p><p>2. Ist der Bundesrat bereit, den Lehrstuhl für rätoromanische Sprache und Literatur in seinem Leistungsauftrag an den ETH-Rat festzuschreiben? Wenn nicht, welche gleichwertige Lösung zur Gewährleistung der akademischen Lehre und Forschung des Rätoromanischen sieht der Bundesrat vor?</p><p>3. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass im Falle einer weiteren Verzögerung der Wiederbesetzung des Lehrstuhls für rätoromanische Sprache und Literatur an der ETH die Lehrtätigkeit mit qualifizierten, d. h. habilitierten Lehrkräften sofort wiederaufgenommen werden muss?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat hat sich bereits in seiner Antwort auf die Einfache Anfrage Semadeni vom 18. März 1998 zur Frage der Wiederbesetzung der Professur für Rätoromanisch an der ETH Zürich geäussert. Unter Beachtung der damit zusammenhängenden Zuständigkeiten tat er dies mit aller wünschbaren Eindeutigkeit. Er leitete seine Antwort damit ein, dass es sein klarer Wille und seine klare Verpflichtung sei, das Rätoromanische inklusive die akademische Lehre und Forschung zu fördern. Des ferneren konnte er bekanntgeben, dass es der feste Wille der ETH Zürich sei, die akademische Lehre und Forschung auf dem Gebiet der rätoromanischen Sprache und Literatur weiterzuführen. Ein Zeichen dafür sei es, dass sofort nach dem Rücktritt des Lehrstuhlinhabers Übergangslösungen mit Lehrbeauftragten angeordnet worden seien. Diese Übergangslösungen würden nur solange aufrechterhalten bleiben, bis die Professur in ihrer zukünftigen Ausgestaltung realisiert sei. Weiter konnte der Bundesrat mitteilen, dass auch die Universität Zürich ihre Bereitschaft zur Beteiligung an einer gemeinsamen Professur mit der ETH Zürich im bisherigen Ausmass erklärt habe.</p><p>In seiner schriftlichen Stellungnahme zum Postulat Fehr Hans vom 16. Juni 1998 betreffend die Aufhebung der Abteilung für Geistes- und Sozialwissenschaften an der ETH Zürich (98.3258) hob der Bundesrat u. a. hervor, dass die ETH Zürich mit ihren geistes- und sozialwissenschaftlichen Aktivitäten die Landessprachen und das Verständnis für deren kulturelle Werte fördere, wie es Artikel 12 Absatz 3 des ETH-Gesetzes verlange. Damit war selbstverständlich auch die Pflege der rätoromanischen Lehre und Forschung gemeint.</p><p>Der Bundesrat möchte auch die vorliegende Interpellation zum Anlass nehmen, im Einvernehmen mit dem ETH-Rat noch einmal zu betonen, dass er sich zugunsten der weiteren Pflege der rätoromanischen Sprache und Literatur in Lehre und Forschung an der ETH Zürich einsetzen will.</p><p>Zu den einzelnen Fragen der Interpellation äussert er sich wie folgt:</p><p>1. Die Evaluation des Departementes Humanwissenschaften der ETH Zürich, deren Ergebnisse noch vor den Sommerferien erwartet werden, ist eine reguläre Evaluation im üblichen Rahmen, der alle Lehr- und Forschungseinheiten sowohl der ETH Zürich als auch der ETH Lausanne regelmässig unterzogen werden. Diese Evaluation wurde weder durch die Vakanz auf dem Lehrstuhl für rätoromanische Sprache und Literatur noch durch das Postulat Fehr Hans betreffend Aufhebung der Abteilung für Geistes- und Sozialwissenschaften der ETH Zürich ausgelöst. Jede Evaluation hat zum Zweck, das akademische Angebot auf seine Aktualität und seine Qualität sowie die Zweckmässigkeit der verfügbaren Ausrüstung und Mittel hin zu überprüfen. Jede Evaluation ist der uneingeschränkten Objektivität verpflichtet und darf durch Einzelinteressen nicht beeinflusst werden. Darum gilt es seit jeher als selbstverständlich, dass unmittelbar vor und während einer Evaluation vakant werdende Professuren nicht wieder besetzt werden bzw. dass eine allfällige Wiederbesetzung erst nach Vorliegen der Evaluationsergebnisse vorgenommen wird. Das unerlässliche Lehrangebot von betroffenen Professuren wird bis zur Wiederbesetzung interimistisch durch Lehraufträge sichergestellt. Ausschliesslich dies ist der Grund, weshalb der ETH-Rat im Einvernehmen mit der Leitung der ETH Zürich die Wiederbesetzung der Professur für rätoromanische Sprache und Literatur bis zum Vorliegen der Evaluationsergebnisse ausgesetzt hat. Eine "Garantie für die Zukunft" sieht das ETH-Gesetz für kein einziges Wissenschaftsgebiet vor. Artikel 7 umschreibt die an den beiden ETH in Lehre und Forschung gepflegten wissenschaftlichen Disziplinen sehr allgemein. Die Gesetzesvorschrift trägt damit der Dynamik einer jeden Hochschule Rechnung. So richtet die Hochschule ihr wissenschaftliches Angebot und ihre wissenschaftliche Aktivität nach dem jeweils aktuellen Bedarf aus. Dass dazu heute in ganz besonderem Masse die rätoromanische Sprache, Literatur und Kultur gehören, wird wohl kaum jemand ernsthaft bestreiten wollen. Dazu kommt, dass durch Artikel 12 Absatz 3 des ETH-Gesetzes die beiden ETH zur Pflege der Landessprachen und zur Förderung des Verständnisses für deren kulturelle Werte verpflichtet sind. Diese Bestimmung gibt dem Rätoromanischen im Gesamtzusammenhang ein ganz besonderes Gewicht.</p><p>2. Der Leistungsauftrag des Bundesrates an den ETH-Rat hat sich an den Rahmen des ETH-Gesetzes zu halten. Das gilt beispielsweise und ganz besonders für die im Gesetz vorgesehene Kompetenzordnung. Danach wählt der ETH-Rat die Professoren der beiden ETH. Einer jeden Professorenwahl geht ein fest geregeltes Wahlverfahren voraus. Dieses beginnt mit der Ausschreibung der Professur, wozu der ETH-Rat jeweils die Präsidenten der ETH ermächtigt. Aufgrund dieser Kompetenzordnung kann ein Lehrstuhl nicht ein für allemal "festgeschrieben" werden. Bei der Beantwortung von Frage 1 wurde dargetan, welch grosse Bedeutung den Landessprachen und damit auch dem Rätoromanischen im akademischen Sortiment der Bundeshochschulen zukommt. In diesem allgemeinen Sinn hat der Bundesrat dem ETH-Rat einen Auftrag erteilt.</p><p>3. Seit der erstmaligen Besetzung einer Professur für rätoromanische Sprache und Literatur an der ETH Zürich durch Professor Iso Camartin wurden Lehrveranstaltungen an der ETH Zürich nur im Wintersemester angeboten. Die Leitung der ETH Zürich bemühte sich, diesen Unterricht im Wintersemester auch nach dem Rücktritt von Professor Camartin sicherzustellen. Das ist ihr mit Ausnahme des letzten Wintersemesters 1998/99 auch gelungen. Nachdem damit gerechnet werden darf, dass die Ergebnisse der Evaluation des Departementes Humanwissenschaften etwa zu Ende des ersten Halbjahres vorliegen dürften, können auch günstige Voraussetzungen für ein valables Lehrangebot bereits im kommenden Wintersemester erwartet werden. Solches wird sich ganz besonders auf eine allfällige Ausschreibung einer neuen Professur wie auch auf die Verpflichtung von interimistischen Lehrkräften auswirken.</p>  Antwort des Bundesrates.