<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 109 S.435</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">435</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Gesetz über die Steuern auf Einkommen, Vermögen,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Grundstückgewinnen, Erbschaften und Schenkungen (aStG) vom</b></span><br/> <span class="ft2"><b>13. Dezember 1983</b></span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>109</b></span> <span class="ft3"><b>Geschäftsverluste (§ 24 lit. b Ziff. 3 aStG)</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Verluste auf Beteiligungen sind nur abziehbar, wenn Geschäftsver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mögen vorliegt, d.h. wenn die Beteiligung der selbstständigen Er-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>werbstätigkeit des Steuerpflichtigen gedient hat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">22. November 2002 in Sachen G., RV.2001.50183/K 6313</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">5. a) Beteiligungen und Darlehen gehören zu den sog. Alterna-</span><br/> <span class="ft7">tivgütern, d.h. Vermögenswerten, die auf Grund ihrer Beschaffenheit</span><br/> <span class="ft7">und Verwendungsmöglichkeit sowohl Geschäfts-, als auch Privat-</span><br/> <span class="ft7">vermögen sein können (F. Cagianut/E. Höhn, Unternehmungssteuer-</span><br/> <span class="ft7">recht, 3. Auflage, Bern 1993, S. 255 ff. und 268 ff.; Baur/Klö-</span><br/> <span class="ft7">ti/Koch/Meier/Ursprung, Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft7">Muri-Bern 1991, N 187, 190, 200 ff. zu § 22 aStG; AGVE 1980</span><br/> <span class="ft7">S. 207; StE 1986 B 23.2 Nr. 3, 1987 B 23.2 Nr. 4; RGE vom 24. Juni</span><br/> <span class="ft7">1992 in Sachen M., vom 29. Juni 1994 in Sachen S. und vom</span><br/> <span class="ft7">4. September 1996 in Sachen R.). Ausschlaggebend für die</span><br/> <span class="ft7">Zuordnung eines Wirtschaftsgutes zum Geschäfts- oder Privatver-</span><br/> <span class="ft7">mögen sind nicht einzelne Kriterien wie das Erwerbsmotiv, die Her-</span><br/> <span class="ft7">kunft der Mittel, die buchmässige Behandlung, die alle nur die Be-</span><br/> <span class="ft7">deutung von Indizien haben, sondern die Gesamtheit der tatsächli-</span><br/> <span class="ft7">chen Verhältnisse, wie sie objektiv feststellbar sind (AGVE 1987</span><br/> <span class="ft7">S. 170 und 355, 1993 S. 263). Der subjektive Wille des Steuerpflich-</span><br/> <span class="ft7">tigen ist für sich allein genommen nicht massgebend, sondern nur</span><br/> <span class="ft7">soweit er sich in der tatsächlichen Gestaltung der Verhältnisse nie-</span><br/> <span class="ft7">derschlägt. Letztlich ist die objektive Beziehung zum Geschäft, die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">technisch-wirtschaftliche Funktion, entscheidend dafür, ob Beteili-</span><br/> <span class="ft7">gungen und Darlehen zum Geschäftsvermögen zu zählen sind</span><br/> <span class="ft7">(ASA 63 S. 37 ff.; die neue Steuerpraxis 1995 S. 93 ff.; AGVE 1989</span><br/> <span class="ft7">S. 339 ff.; M. Reich, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuer-</span><br/> <span class="ft7">recht, Band I/2a, Basel 2000, DBG Art. 18 N 48; VGE vom 7. Fe-</span><br/> <span class="ft7">bruar 2001 in Sachen M.).</span><br/> <span class="ft7">b) Geschäftsvermögen kann grundsätzlich nur haben, wer eine</span><br/> <span class="ft7">selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt (Baur/Klöti/Koch/Meier/Ur-</span><br/> <span class="ft7">sprung, a.a.O., N 183 zu § 22 aStG; RGE vom 29. Juni 1994 in</span><br/> <span class="ft7">Sachen S.; RGE vom 21. März 2002 in Sachen K.). In der Regel</span><br/> <span class="ft7">kann auch nur Geschäftsvermögen sein, was zivilrechtlich Eigentum</span><br/> <span class="ft7">des Geschäftsinhabers ist (BGE 110 Ib 121, 95 I 169 ff., 83 I 337 ff.;</span><br/> <span class="ft7">ASA 39 S. 93 ff.; Baur/Klöti/Koch/Meier/Ursprung, a.a.O., N 188 zu</span><br/> <span class="ft7">§ 22 aStG). Diese Voraussetzungen sind beim Rekurrenten erfüllt, da</span><br/> <span class="ft7">er</span> <span class="ft7">als</span> <span class="ft7">Liegenschaftenhändler</span> <span class="ft7">selbstständig</span> <span class="ft7">erwerbstätig</span> <span class="ft7">und</span><br/> <span class="ft7">(teilweise zusammen mit der Rekurrentin) Eigentümer der Beteili-</span><br/> <span class="ft7">gungen war.</span><br/> <span class="ft7">c) aa) Die Aktien der X. AG und der Y. AG gehörten nach</span><br/> <span class="ft7">Ansicht der Rekurrenten zu ihrem Geschäftsvermögen, weil der als</span><br/> <span class="ft7">Nebenerwerb ausgeübte Liegenschaftenhandel im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft7">mit der Architektur- und Generalunternehmertätigkeit der beiden</span><br/> <span class="ft7">Gesellschaften gestanden, deren Marktangebot erweitert und ihnen</span><br/> <span class="ft7">als Arbeitsreserve gedient habe. Das mag zutreffen, doch wird damit</span><br/> <span class="ft7">die Sachlage aus der Sicht der Aktiengesellschaften betrachtet, was</span><br/> <span class="ft7">hier nicht relevant ist. Um Geschäftsvermögen zu sein, müssten die</span><br/> <span class="ft7">Beteiligungen der selbstständigen Tätigkeit des Rekurrenten gedient</span><br/> <span class="ft7">haben, nicht umgekehrt. Das ist indessen nicht nachgewiesen. Der</span><br/> <span class="ft7">Liegenschaftenhandel des Rekurrenten war nicht von der Existenz</span><br/> <span class="ft7">der beiden Gesellschaften abhängig. Als Aktionär und leitender An-</span><br/> <span class="ft7">gestellter der X. AG und der Y. AG zog der Rekurrent aus seinem</span><br/> <span class="ft7">Liegenschaftenhandel möglicherweise gewisse Vorteile. Als selbst-</span><br/> <span class="ft7">ständig Erwerbender war er jedoch auf diese Firmen nicht angewie-</span><br/> <span class="ft7">sen. Architektur- und Generalunternehmerleistungen hätte er leicht</span><br/> <span class="ft7">auch von Dritten erlangen können, wenn er nicht über eigene, in</span><br/> <span class="ft7">diesem Bereich aktive Unternehmen verfügt hätte. Dass solche Auf-</span><br/> <span class="ft7">träge nach Möglichkeit der X. AG und der Y. AG erteilt wurden,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">437</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">versteht sich angesichts der Eigentumsverhältnisse zwar von selbst,</span><br/> <span class="ft7">verbesserte aber einzig deren Auftragslage, nicht die Erträge aus der</span><br/> <span class="ft7">selbstständigen Erwerbstätigkeit. In einem vergleichbaren Fall hat</span><br/> <span class="ft7">das Steuerrekursgericht die Beteiligungen an zwei Bauunternehmun-</span><br/> <span class="ft7">gen nicht als Geschäftsvermögen eines (nebenberuflichen) Liegen-</span><br/> <span class="ft7">schaftenhändlers erachtet (RGE vom 22. November 2002 in Sachen</span><br/> <span class="ft7">S.). Auch eine Lastwagengarage in Form einer Aktiengesellschaft hat</span><br/> <span class="ft7">nach Ansicht des Steuerrekursgerichtes einem als Einzelfirma ge-</span><br/> <span class="ft7">führten Kieswerk, das dort seine schweren Fahrzeuge warten liess,</span><br/> <span class="ft7">keinen unmittelbaren geschäftlichen Nutzen gebracht (RGE vom</span><br/> <span class="ft7">7. Juni 2001 in Sachen F.; die Zugehörigkeit der Aktien der Garage</span><br/> <span class="ft7">zum Geschäftsvermögen des Kieswerkbesitzers wurde letztlich aus</span><br/> <span class="ft7">anderen, hier nicht vorliegenden Gründen bejaht). Schliesslich hat</span><br/> <span class="ft7">das Zürcher Verwaltungsgericht sogar die Beteiligung eines selbst-</span><br/> <span class="ft7">ständig erwerbenden Architekten an einer Immobilienfirma nicht als</span><br/> <span class="ft7">Erweiterung von dessen Geschäftsbetrieb betrachtet, weil der ge-</span><br/> <span class="ft7">schäftliche Nutzen nicht nachgewiesen war (StE 1999 B 23.45.2</span><br/> <span class="ft7">Nr. 1). Blosse Zusammenarbeit reicht somit nicht aus, wenn nicht</span><br/> <span class="ft7">dargetan</span> <span class="ft7">ist,</span> <span class="ft7">dass</span> <span class="ft7">die</span> <span class="ft7">Beteiligung</span> <span class="ft7">der</span> <span class="ft7">selbstständigen</span><br/> <span class="ft7">Erwerbstätigkeit auch wirklich technisch-wirtschaftlich gedient und</span><br/> <span class="ft7">geholfen hat, deren Marktauftritt und Ertragslage zu verbessern.</span><br/> <span class="ft7">bb) ...</span><br/> <span class="ft7">d) Zusammenfassend sind deshalb die Aktien der X. AG und</span><br/> <span class="ft7">der Y. AG nicht als Geschäftsvermögen der Rekurrenten zu qualifi-</span><br/> <span class="ft7">zieren. Der entsprechende Verlust ist als privater Kapitalverlust nicht</span><br/> <span class="ft7">abziehbar.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>