B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4525/2024 U r t e i l v o m 2 2 . J u l i 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Manuel Borla; Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch MLaw Anina Nadig, Rechtsschutz für Asylsuchende, Bundesasylzentrum Region (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 9. Juli 2024 / N (…). E-4525/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 15. April 2024 in der Schweiz um Asyl nach (vgl. Akten der Vorinstanz 1325825 -[nachfolgend: SEM -act.] 1/2). Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank Eurodac war aufgrund der schlechten Qualität der Fingerabdrücke nicht möglich (vgl. SEM-act. 9/1). A.b Am 15. Mai 2024 fand die Erstbefragung für unbegleitete minderjäh- rige Asylsuchende (EB UMA) statt, an welcher der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu m allfälligen Nichteintretensentscheid, zur allfälligen Rückführung nach Griechenland und zum medizinischen Sachverhalt ge- währt wurde (vgl. SEM-act. 15/12 Ziff. 8). A.c Gleichentags richtete das SEM ein Informationsersuchen an die grie- chischen Behörden, welche am 21. Mai 2024 dem SEM insbesondere mit- teilten, dass die Beschwerdeführerin am 14. September 2023 in Griechen- land als Flüchtling anerkannt worden sei (vgl. SEM-act. 16/4 ff. und 19/3). A.d Am 21. Mai 2024 ersuchte das SEM die griechischen Behörden um Rückübernahme der Beschwerdeführerin gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EC des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. De- zember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitglied- staaten zur Rückführung illegal aufhäl tiger Drittstaatsangehöriger (Rück- führungsrichtlinie; vgl. SEM-act. 21/6 f.). Diese stimmten dem Ersuchen am 23. Mai 2024 zu (vgl. SEM-act. 23/1). A.e Der Beschwerdeführerin wurde am 12. Juni 2024 unter anderem das ergänzende rechtliche Gehör zum Nichteintrete nsentscheid sowie zur Rückführung nach Griechenland gewährt (vgl. SEM -act. 2 6/6 f.). Diese reichte ihre Stellungnahme am 18. Juni 2024 zu den Akten (vgl. SEM-act. 28/6). A.f Der Entscheidentwurf wurde de r Beschwerdeführerin am 8. Juli 2024 zugestellt (vgl. SEM-act. 42/20). Diese reichte mit Eingabe vom 9. Juli 2024 ihre Stellungnahme zum Entscheidentwurf ein (vgl. SEM -act. 44/5) und führte darin im Wesentlichen aus, bei ihr handle es sich um eine äusserst vulnerable Person im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungs- gerichts E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022. Ihr gehe es psy- chisch schlecht und wolle eine Psychotherapeutin aufsuchen. Zudem sei ihr das pf lanzliche Beruhigungsmittel (…) verschrieben worden, dieses E-4525/2024 Seite 3 würde ihr allerdings nicht helfen, sie leide weiterhin an Schlaflosigkeit und kreisenden Gedanken. Der Termin in der Sprechstunde der Kinder - und Jugendpsychiatrie habe nicht stattfinden können , es sei aber am 29. Juli 2024 ein psychiatrisches Konsilium geplant und für den 14. August 2024 ein psychiatrischer Termin im Ambulatorium vorgesehen. Ihr gehe es be- reits seit der Ankunft in der Schweiz schlecht, was sie auch dem Gesund- heitspersonal gesagt habe. Die Kommunikation sei aber schwierig gewe- sen, da kein Dolmetscher anwesend gewesen sei. Die Rechtsvertretung habe ihr anlässlich der Entwurfsbesprechung erklärt, dass zwischen psy- chischen und physischen Beschwerden zu unterscheiden sei. Die Dolmet- scherin habe ihr das länger versucht zu erklären , es sei aber zu berück- sichtigen, dass dies im sozio-kulturellen Kontext Somalias möglicherweise nicht gleich verständlich sei wie in der Schweiz. Nachdem sie es verstan- den habe, habe sie gegenüber der Rechtsvert retung erklärt, es gehe ihr schlecht und sie habe manchmal Selbstmordgedanken. Es könne ihr daher nicht angelastet werden, d ass sie bis zum 24. Juni 2024 noch nicht den expliziten Wunsch geäussert habe, eine psychiatrische Unterstützung zu erhalten. Ferner treffe es zwar zu, dass im Arztbericht vom 19. Juni 2024 festgehalten werde, dass sie (…) sei. Sie halte aber fest, dass sie (…) wor- den sei, und wisse nicht, weshalb die Ärztin etwas anderes hingeschrieben habe. Aufgrund der (…) leide sie an starken (…)beschwerden und werde diesbezüglich in der Schweiz behandelt. Ferner sei es rechtlich nicht zu- lässig, eine Wegweisung nach Griechenland alleine gestützt auf ein schrift- liches rechtliches Gehör anzuordnen. A.g Während des vorinstanzlich en Verfahrens wurde eine Vielzahl von Arztberichten eingereicht. B. Mit Verfügung vom 9. Juli 2024 – eröffnet am 10. Juli 2024 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asyl- gesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz nach Griechenland an, forderte sie – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, stellte fest, ihr Geburtsdatum im Zentralen Migrationsinformationssystem ZEMIS laute auf den (…) (mit Be- streitungsvermerk) und händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Ak- tenverzeichnis aus (vgl. SEM-act. 45/25 f.). E-4525/2024 Seite 4 C. Mit Eingabe vom 17. Juli 2024 erhob die Beschwerdeführerin gegen die Verfügung des SEM vom 9. Juli 2024 beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde. Sie beantragt, es sei die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und zur vollständigen Feststellung des Sachverhaltes und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Vorinstanz anzu- weisen, sie aufgrund der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Subsub- eventualiter sei die Vorinstanz an zuweisen, von den griechischen Behör- den individuelle Garantien betreffend die adäquate Unterbringung und so- ziale Unterstützung zur Deckung ihrer elementaren Grundbedürfnisse und den Zugang zur benötigten medizinischen und psychiatrischen Versorgung einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde legte sie die angefochtene Verfügung, deren Empfangs- bestätigung vom 10. Juli 2024 und eine Vertretungsvollmacht vom 23. April 2024, alles in Kopie, bei. D. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 18. Juli 2024 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch hier – endgültig (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Be- schwerde legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht einge- reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-4525/2024 Seite 5 2. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um eine solche, weshal b das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111 a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech- sels verzichtet. 3. Gegenstand des Verfahrens bildet die Frage des Vollzugs der Wegwei- sung. Die Dispositivziffern 1 und 2 (Nichteintreten auf das Asylgesuch und Wegweisung aus der Schweiz) sind mangels Anfechtung in Rechtskraft er- wachsen. Die ZEMIS -Eintragung betreffend das Geburtsdatum der Be- schwerdeführerin wurde nicht angefochten. Die Dispositivziffer 5 (Ä nde- rung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums) bildet somit nicht Gegen- stand des vorliegenden Verfahrens. 4. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 5. 5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BGE 138 I 232 E. 5). 5.2 Die Beschwerdeführerin macht eine unvolls tändige Erstellung des Sachverhalts geltend und führt aus, sie habe das SEM regelmässig auf ihre seelischen Leiden aufmerksam gemacht. Bei der Beurteilung der Vulnera- bilität dürfe die Vorinstanz nicht einzig auf medizinische Akten und Diagno- sen abstellen, sondern müsse auch ihre Aussagen bei der Entscheidfin- dung berücksichtigen. So habe sie gegenüber dem SEM schon früh er- wähnt, traurig zu sein. Daraus dürfe abgeleitet werden, dass ein psychi- sches Leiden vorliege. Eingang in einen der acht Arztberichte hätten ihre diesbezüglichen Äusserungen jedoch nie gefunden. Bezüglich der (…) komme die Vorinstanz zwar zum Schluss, dass es nie zu einer solchen gekommen sei, stütze sich dabei aber einzig auf den Arztbericht vom 19. Juni 2024, aus welchem nicht hervorgehe, ob die untersuchende (…) Erfahrung mit (…) habe. Eine kurze (…) Untersuchung reiche vorliegend E-4525/2024 Seite 6 nicht aus, um eine (…) mit gravierenden Folgen auf die physische und psy- chische Gesundheit zu widerlegen. Ihr Vorbringen betreffend (…) habe die Vorinstanz daher vertieft abzuklären, zumal ihre Aussagen dem Resultat der (…) Untersuchung entgegenstünden. Sie werde ferner am 29. Juli 2024 im Rahmen eines psychiatrischen Konsiliums betreut, w as hinsicht- lich der gegenüber der Rechtsvertreterin geltend gemachten Suizidgedan- ken als dringend notwendig erachtet werde. Um ihren Gesundheitszustand und die Vulnerabilität vollständig zu erheben, brauche es einen abschlies- senden Abklärungsbericht betreffend ihre psychische Gesundheit im Zu- sammenhang mit den geltend gemachten Gewalterfahrungen während der Ehe sowie eine vertiefte Abklärung der (…). Die von der Vorinstanz vorge- nommene antizipierte Beweiswürdigung sei unter den vorliegenden Um- ständen nicht zulässig, der Sachverhalt dazu noch nicht ausreichen d ab- geklärt. 5.3 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 106 Abs. 1 AsylG gerügt werden. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten - widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid we- sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT- SCHI, Verwaltungsve rfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 5.4 Vorliegend ist festzustellen, dass im vorinstanzlichen Verfahren eine Vielzahl von Arztberichten eingereicht wurde: (…). Die Vorinstanz führte zum psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin – unter Be- rücksichtigung genannter Arztberichte und dem ab dem 29. Juli 2024 ge- planten Konsilium – aus, es sei nicht davon auszugehen, dass beim ge- planten psychiatrischen Konsilium derart gravierende Diagnosen gest ellt würden, welche an ihrer Einschätzung hinsichtlich des Vollzugs der Weg- weisung nach Griechenland etwas zu ändern vermöchten. Der rechtser- hebliche medizinische Sachverhalt betreffend die psychischen Vorbringen wurde vorliegend aufgrund der Arztberichte sowie der Überweisung betref- fend Konsilium vollständig erstellt. Im Übrigen ist, aufgrund einer Gesamt- würdigung der eingereichten Arztberichte, die diesbezügliche antizipierte Beweiswürdigung der Vorinstanz nicht zu beanstanden. Betreffend der gel- tend gema chten (…) ist festzuhalten, dass im Arztbericht (…) Dr. med. B._______ zur Erkenntnis gelangte, die Beschwerdeführerin sei (…). Es ist davon auszugehen, dass wenn bei der Beschwerdeführerin tat- sächlich eine (…) vorgenommen worden wäre, dies durch die genannte E-4525/2024 Seite 7 Oberärztin, welche an der (…) praktiziert (vgl. < […] > besucht am: 19. Juli 2024), im Rahmen der Untersuchung vom 19. Juni 2024 festgestellt und im entsprechenden Arztbericht festgehalten worden wäre. Mit der lediglich behauptungsweise vorgebrachten erlittenen (…) vermag die Beschwerde- führerin jedenfalls nicht, den Arztbericht in Zweifel zu ziehen, sodass das SEM in dieser Hinsicht weitere Abklärungen hätte treffen müssen. Ein un- vollständig festge stellter Sachverhalt liegt diesbezüglich ebenfalls nicht vor. 5.5 Aufgrund des Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbe- gründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Das Kassationsbegehren ist abzuweisen. 6. 6.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, s o verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Das SEM regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme, wenn der Vollzug der Weg- weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegwei- sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge- richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei- genschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis mög- lich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7. Die Beschwerdeführerin führt in der Beschwerde zum Wegweisungsvoll- zug im Wesentlichen aus, sie sei eine alleinstehende junge somalische Frau, die aufgrund der Folgen einer (…) sowie einer Zwangsheirat psy- chisch und physisch schwer belastet sei. Es sei zurz eit noch unklar, wie gravierend diese Beschwerden seien, da sie sowohl in physischer ([…]) als auch psychischer Hinsicht noch nicht hinreichend hätten abgeklärt werden können. Unter Berücksichtigung der bisher verfügbaren Informationen sei aber von einer schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigung aus- zugehen. Sie habe damals in Griechenland zwar gewisse Bekanntschaften geknüpft, dabei habe es sich aber um ebenfalls junge somalische Frauen gehandelt, die unter dem Existenzminimum für ihr Überleben gekä mpft E-4525/2024 Seite 8 hätten. Daraus ergebe sich kein soziales Netz, auf welches sie in Grie- chenland zurückgreifen könne. Auch habe sie in Griechenland teilweise während Tagen nichts zu essen gehabt, was Auslöser für Eisenmangel und Gastritis gewesen sei. Sie habe auch bei Krankheiten weder einen Arzt konsultieren können, noch sei die medizinische Versorgung anderweitig gewährleistet gewesen. Als sie Fieber gehabt habe, habe man ihr nicht einmal Schmerzmittel gegeben. Bei einer Rückkehr nach Griechenland drohe ihr Obdachlosigkeit und es sei davon auszugehen, dass ihr psychi- scher Zustand Auswirkungen auf ihre Arbeitsfähigkeit hätte. Aufgrund man- gelnder Sprachkenntnisse habe sie ferner Schwierigkeiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt und zu administrativen Institutionen, welche ih r Unter- stützung in anderen Belangen bieten könnten. Auch die Einforderung der medizinischen Versorgung in Griechenland würde sich für sie sehr schwie- rig gestalten. Weiter verhindere ihre gesundheitliche Verfassung, dass sie über die nötigen finanziellen und psychischen Ressourcen verfüge, um bei den griechischen Behörden die ihr zustehenden Leistungen einzufordern. Begünstigende Faktoren im Sinne der Rechtsprechung seien keine ersicht- lich. 8. 8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun gen der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Referenzurteil E -3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 festgehalten, dass der Vollzug der Weg- weisung nach Griechenland für Personen, die dort einen Schutzstatus er- halten haben, grundsätzlich zulässig ist (vgl. a.a.O. E. 11.2 und E. 11.4). Namentlich wurde erwogen, dass nicht von einer Situation auszugehen sei, in der jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und erniedrigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Trotz existierender Schwachstellen könne nicht von einem dysfunktionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebo - te, die auch für Schutzberechtigte offenstünden, würden existieren, wenn auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und diese bisher vor allem von internationalen Akteuren in Zusammenar beit mit der lokalen E-4525/2024 Seite 9 Zivilgesellschaft erbracht und finanziert würden. Trotz dieser schwierigen Verhältnisse sei davon auszugehen, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der Lage seien, ihre existenziellen Bedürfnisse abzude- cken. Auch sei davon auszugehen, dass Rückkehrenden keine menschen- unwürdige Behandlung drohe, weshalb für sie kein «real risk» einer völker- rechtswidrigen Behandlung bestehe. 8.3 Der Beschwerdeführerin wurde in Griechenland die Flüchtlingseigen- schaft zuerkannt. Sie kann sich somit – wie die Vorinstanz richtig aufge- zeigt hat – auf die Garantien der Qualifikationsrichtlinie berufen (insbeson- dere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], zu Bil- dung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu medizinischer Versor- gung [Art. 30] und zu Wohnraum [Art. 32]), auf die sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Es ist unbestritten, dass die Le- bensbedingungen in Griechenland sehr schwierig sind; dennoch ist nicht von einem «real risk» auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Griechenland einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Es obliegt ihr, bei den zuständigen Behörden ihre Rechte geltend zu machen, nötigenfalls mithilfe einer der in Griechenland zahlreich vorhandenen Hilfsorganisationen. Mit ihrer Argumentation (vgl. E. 7 supra) vermag die Beschwerdeführerin insgesamt die Annahme der grundsätzli- chen Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nach Griechenland nicht zu widerlegen. 8.4 Zwar kann der Vollzug der Wegweisung bei m Vorliegen von gesund- heitlichen Problemen im Einzelfall einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar- stellen. Nach der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen - rechte (EGMR) werden hierfür aber ganz aussergewöhnliche Umstände vorausgesetzt (vgl. Urteil Pa poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10, § 183–193; bestätigt im EGMR-Urteil Savran gegen Dä- nemark vom 7. Dezember 2021, 57467/15, §§ 121–132), welche vorlie- gend nicht gegeben sind (vgl. im Einzelnen nachstehend), zumal davon auszugehen ist, dass sich die Beschwerdeführerin in einer ausreichend stabilen medizinischen Situation befindet, die keine Notfallversorgung oder lebensnotwendige Behandlung erfordert. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit auch unter gesundheitlichen Aspekten als zulässig. 9. 9.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret E-4525/2024 Seite 10 gefährdet sind. Beim Vollzug von Wegweisungen in Mitgliedstaaten der Eu- ropäischen Union, wie Griechenland, besteht eine gesetzliche Vermutung der Zumutbarkeit (Art. 83 Abs. 5 Satz 2 AIG). 9.2 Im Falle der Beschwerdeführerin sind keine Sachverhaltsumstände er- sichtlich, die in rechtserheblicher Weise gegen die Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzuges (im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG) sprechen würden. So ist erneut darauf hinzuweisen, dass Griechenland an die Qualifikations- richtlinie gebunden ist. Auch wenn nicht in Abrede gestellt wird, dass die Lebensbedingungen in Griechenland für die Beschwerdeführerin als Per- son mit internationalem Schutzstatus eine Herausforderung darstellen und eine adäquate Eingliederung in die dortigen sozialen Strukturen mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden sein dürfte, ergeben sich aus ihren Vorbringen in der Beschwerde keine konkreten Hinweise zur An- nahme, dass sie bei einer Rückkehr dorthin in eine existenzielle Notlage geraten könnte. Aufgrund ihres Schutzstatus und ihrer Aufenthaltsbewilli- gung hat sie grundsätzlich Zugang zu Sozialleistungen, zum griechischen Stellenmarkt und zur Gesundheitsversorgung. Ebenso hat sie Anspruch auf diesbezügliche Gleichbehandlung mit griechischen Staatsangehöri- gen. Um Wiederholungen zu vermeiden kann im Übrigen auf die ausführli- chen Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. ebendort Ziff. III). 9.3 9.3.1 Gemäss konstanter Praxis ist aus medizinischen Gründen nur dann auf eine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu schliessen, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Zielstaat nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein- trächtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende m edizini- sche Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschen- würdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Zielstaat keine dem schweizerischen Standard ent- sprechende medizinische Behandlung verfügbar ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3 oder Urteile des BVGer E-3913/2023 vom 17. Juli 2023 E. 10.3; D- 3369/2023 vom 21. Juni 2023 E. 9.3; E-1899/2023 vom 13. April 2023 E. 7.3.4). In den im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Arztberichten (vgl. E. 5.4 supra) werden als Diagnosen (…), (…), (…), (…), (…) (vgl. SEM- act. 12/2, 25/3, 31/6, 32/6, 34/2, 35/2, 39/3 (…) sowie (…) (vgl. SEM-act. E-4525/2024 Seite 11 33/1) genannt. Im Arztbericht (…) vom 17. Juli 2024 wurde zusätzlich eine (…) diagnostiziert (vgl. SEM-act. 47/3). 9.3.2 Aus den gestellten Diagnosen kann nicht geschlossen werden, die Beschwerdeführerin sei auf eine dringende und ununterbrochene medizi- nische Behandlung angewiesen, welche zur Gewährleistung einer men- schenwürdigen Existenz notwendig ist. Bei der Bes chwerdeführerin han- delt es sich – entgegen ihrer Auffassung in der Beschwerde – nicht um eine äusserst vulnerable Person im Sinn e des Referenzurteils, deren psychi- sche oder physische Gesundheit in besonders schwerwiegender Weise beeinträchtigt ist und bei welcher die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs nur bei Vorliegen besonders begünstigender Umstände anzunehmen wäre (vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5.3). Es liegen ferner keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwerdeführerin in Grie- chenland keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung – beispielsweise zu einer allfälligen psychologischen Behandlung – erhalten sollte. Zudem ha- ben in lebensbedrohlichen Situationen alle Personen, unabhängig von ih- rem rechtlichen Status, in Griechenland Zu gang zu Notfallstationen (vgl. Referenzurteil E. 9.8.2). Sollten bei der Beschwerdeführerin erneut Sui- zidgedanken aufkommen, so gilt es festzuhalten, dass gemäss bundesge- richtlicher Rechtsprechung Suizidalität für sich allein kein Vollzugshinder- nis darstellt (vgl. Urteil des BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2), was auch der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts entspricht (vgl. etwa Urteile des BVGer E-964/2024 vom 7. März 2024 E. 7.5; F-2034/2022 vom 23. Mai 2022 E. 9.5 m.H.). Darüber hinaus hat die Vorinstanz bei der Or- ganisation des Wegweisungsvollzugs dem aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin Rechnung zu tragen und die zuständigen Behör- den vor dem Wegweisungsvollzug über den Gesundheitszustand und eine allfällig notwendige medizinische Behandlung zu informieren. 9.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch als zumutbar. 10. Es ist schliesslich auch von der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs aus- zugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), zumal die griechischen Behörden einer Rück- übernahme ausdrücklich zugestimmt haben. 11. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor- läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). E-4525/2024 Seite 12 12. Bei dieser Sachlage besteht kein Anlass für die Einholung individueller Ga- rantien betreffend adäquate Unterbringung und soziale Unterstützung zur Deckung der elementaren Grundbedürfnisse der Beschwerdeführerin so- wie den Zugang zur benötigten medizinischen und psychiatrischen Versor- gung, weshalb der entsprechende Subeventualantrag abzuweisen ist. 13. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun- desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 14. 14.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 14.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen war und es damit an einer gesetzlichen Vor- aussetzung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG fehlt. 14.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-4525/2024 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Stefan Trottmann Versand: