B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2625/2019 U r t e i l v o m 1 6 . A u g u s t 2 0 2 1 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Deborah D’Aveni, Gerichtsschreiberin Tina Zumbühl. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 29. April 2019 / N (…). E-2625/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat seinen Anga ben zu- folge am 5. September 2015 . Gemeinsam mit seinem Bruder B._______ (N […]) sei er mit einem Visum von Erbil über Zypern nach C._______/Grie- chenland geflogen, wo er sich in medizinische Behandlung begeben habe. Am 18. Februar 2016 habe er zusammen mit seinem Bruder Griechenland verlassen und sei in einem LKW durch ihm unbeka nnte Länder am 22. Februar 2016 in die Schweiz eingereist. Am 22. Februar 2016 reichte er im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Altstätten ein Asyl- gesuch ein. B. Am 14. März 2016 fand eine Befragung zur Person (BzP) und am 27. Juni 2016 die Anhörung zu den Asylgründen statt. Dabei machte er im Wesent- lichen folgenden Sachverhalt geltend: Er sei ethnischer Kurde und stamme aus der Stadt D._______ in der Re- gion E._______ im Nordirak. Er habe dort mit seinen Eltern und drei Brü- dern zusammengelebt. Er habe das Gymnasium abgeschlossen und da- nach verschiedene Tätigkeiten ausgeführt. Von 2013 bis 2014 habe er ein eigenes (…)geschäft gehabt und zeitweise habe er auch als (…) für ein (…)team gearbeitet. Im Jahr 2013 habe er begonnen, sich politisch zu betätigen und habe sich in Jugendprojekten engagiert. Er habe bei der Organisation «Wiederbele- bung der Jugend» mitgemacht. Er habe mitgeholfen, eine monatliche Zei- tung zu publizieren, sowie Seminare organisiert, an denen er die Rolle ei- nes Koordinators innegehabt habe. In einer zweiten Organisation namens «Jugendorganisation zum Schutz von Kurdistan» habe er auch politische Tätigkeiten ausgeführt und Kundgebungen organisiert. Er habe verschie- dene Aktivitäten ausgeführt, beispielsweise Publikationen ausgedruckt und im Jahr 2014 erstmals eine Kundgebung organisiert. Dabei habe er insbe- sondere gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) protestiert, manchmal aber auch gegen die herrschende Demokratische Partei Kurdis- tans (DPK beziehungsweise KDP; kurdisch: Partiya Demokrata Kur- distanê). Er habe teilweise bei den Behörden Bewilligungen für die Kund- gebungen organisiert. Meistens habe er eine erhalten, einige Male jedoch nicht. Sie hätten dann die Kundgebungen dennoch durchgeführt. Deswe- gen sei er von den Asayish (kurdische Sicherheitskräfte) beziehungsweise E-2625/2019 Seite 3 der Patriotischen Union Kurdistans (PUK; kurdisch: Yekêtiy Nî timaniy Kur- distan) zu Verhören vorgeladen worden. Man habe ihm gesagt, er solle mit seinen Aktivitäten aufhören, ansonsten er Schaden nehmen würde. Das erste Mal sei im Jahr 2013 gewesen. Er sei für etwa eine halbe Stunde angehalten worden. Die anderen beiden Male seien im Jahr 2014 gewe- sen. Daneben sei er auch von islamistischen P arteien bedrängt worden. Einmal sei er von zwei Islamisten angehalten und schikaniert worden. Auch telefonisch sei er mehrmals bedroht und beschimpft worden. Zudem sei er einmal von maskierten Männern überfallen und in ein Auto gezwängt wor- den. Man habe ihn einige Male mit einer Pistole auf den Nacken geschla- gen, dann habe man ihn in einem Wald wieder freigelassen. Er wisse nicht, wer die Männer gewesen seien, gehe jedoch von einem islamistischen Hin- tergrund aus. Vom (…) 2014 bis am (…) 2015 sei er in Syrien gewesen. Er sei aufgrund des Massakers an der Bevölkerung in Shingal und weil die KDP die Stadt dem IS überlassen habe, nach Syrien gereist. Er habe sich der Partei der Demokratischen Union (PYD; kurdisch Partiya Yekîtiya Demokrat) bezie- hungsweise d en Volksverteidigungseinheiten (YPG; kurdisch Yekîneyên Parastina Gel) angeschlossen. (Anmerkung des Gerichts: Am 3. August 2014 nahm der IS das Gebiet Shingal/Sindjar ein; militärische Kräfte na- mentlich der PKK und der YPG kämpften gegen den IS und sicher ten Fluchtwege für die angegriffene Bevölkerung; Shingal/Sindjar konnte erst im November 2015 vom IS befreit werden). Er habe zunächst bei der YPG eine Ausbildung erhalten, welche aus einem 15 -tägigen politischen Trai- ning und einem 15-tägigen militärischen Training bestanden habe. Am (…) 2015 habe er bei dem Befreiungskampf von Shingal mitgeholfen. Bei ei- nem Gefecht sei e r von einer Mörsergranate des IS getroffen worden. Er habe dabei einen Arm und (…) Finger verloren, sei am Bauch, Bein und Gesäss verletzt worden und habe am ganzen Körper Bombensplitter ge- habt. Man habe ihn sofort in ein Krankenhaus nach F._______/Syrien ge- bracht. Nach zwei Tagen sei er nach G._______/Irak zur medizinischen Behandlung gebracht worden. Mit einem Visum sei er am 5. September 2015 von Erbil über Zypern nach C._______ geflogen, wo er sich in medizinische Behandlung begeben habe. Mitglieder der Partei Goran oder der PUK hätten die Ausreise und die Behandlung für ihn organisiert. Er reichte eine Identitä tskarte, e inen irakischen Nationalitätenausweis, eine Identitätskarte für Kämpfer der YPG, eine Bestätigung der YPG über E-2625/2019 Seite 4 seinen Einsatz und seine Verletzungen sowie medizinische Unterlagen des Krankenhauses in F._______ und G._______ ein. C. Am 11. Juli 2016 reich te der Beschwerdeführer einen Arzt bericht vom 4. Juli 2016 des Kantonsspitals H._______ sowie Fotos, welche seine po- litischen Tätigkeiten belegen sollen, und Fotos von Pe rsonen, welche durch die KDP verwundet worden seien, ein. D. Am 16. Dezember 2016 orientierte der rubrizierte Rechtsvertreter unter Beilegung einer Vollmacht die Vorinstanz über das Vertretungsverhältnis. E. Mit Eingabe vom 5. Januar 2017 wies der Rechtsvertreter darauf hin, dass sich der Bruder des Beschwerdeführers ebenfalls in einem hängigen Asyl- verfahren befinde und es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Fällen gebe, weshalb sie bei der Beurteilung gegenseitig beigezogen werden müssten. Ferner verwies er auf aktuelle Medienberichte über die Konflikte der KDP und der PYD / YPG im Nordirak. Daneben reichte er eine Visitenkarte des in der Schweiz behandelnden Arztes ein. F. Mit Eingabe vom 12. Mai 2017 reichte der Beschwerdeführer diverse Fotos von Personen, welche angeblich durch die KDP ermordet worden seien , ein. G. Am 18. Mai 2017 wurde ein weiterer Arztbericht des behandelnden Arztes in der Schweiz, datierend vom 31. März 2017, eingereicht. H. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) informierte das SEM mit Schrei- ben vom 21. August 2017 über seine Abklärungsergebnisse betreffend den Beschwerdeführer. I. Mit Schreiben vom 11. September 2017 forderte das SEM den Beschwer- deführer auf, weitere Unterlagen, welche Aufschluss über die Identität und den Reiseweg erlauben würden, einzureichen. E-2625/2019 Seite 5 J. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer Fotos seines Aufenthalts im Krankenhaus in C._______ sowie Internetausdrucke des Krankenhauses ein. K. Am 17. November 2017 teilte der Rechtsvertreter dem SEM mit, er gehe davon aus, dass keine weiteren Bemühungen seinerseits bezüglich der medizinischen Unterlagen des Krankenhauses in C._______ vonnöten seien. Zudem führte er aus, dass gemäss den Aussagen des Beschwerde- führers und seines Bruders di e Reisepässe in Griechenland im Kranken- haus als Garantie für die Rückreise nach erfolgter Behandlung deponiert worden seien. Da sie nicht in die Heimat zurückgekehrt seien, sei es ihnen nicht möglich, die Reisepässe zu beschaffen. L. Das SEM erwiderte das Sc hreiben am 23. November 2017 und forderte den Beschwerdeführer erneut auf, den Reisepass zu beschaffen oder all- fällige, vergebliche Bemühungen zu benennen. M. Am 3. Januar 2018 ersuchte der Beschwerdeführer um eine Fristerstre- ckung zur Beibringung der Reisepässe unter Beilegung einer Kopie eines Briefes, welchen er am 4. Dezember 2017 dem Krankenhaus in C._______ geschickt habe (vgl. SEM Akten des Bruders, N […], A36). N. Am 4. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer einen «Track and Trace» Auszug der schweizerischen Post sowie die Quittung der Briefaufgabe an das Krankenhaus in C._______ ein (vgl. SEM Akten des Bruders, N […], A37). O. Am 16. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer diverse medizinische Unterlagen des Krankenhauses in C._______ ein. P. Am 13. März 2018 ersuchte das SEM die griechischen Behörden um Infor- mationen über den Verbleib des Reisepasses des Beschwerdeführers. Mit Schreiben vom 23. Mai 2018 informierten die griechischen Behörden das SEM, dass der Pass der irakische n Botschaft in Griechenland übergeben worden sei. E-2625/2019 Seite 6 Q. Mit Eingabe vom 26. November 2018 reichte der Beschwerdeführer seinen Reisepass ein und wies auf die bereits lange Dauer seines Asylverfahrens und seine schwierige Situation in der Schweiz hin. R. Am 20. Februar 2019 bestätigte das SEM den Erhalt des Reisepasses und führte aus, dass man bemüht sei, das Asylgesuch baldmöglichst zu erledi- gen. S. Am 9. April 2019 informierte der Rechtsvertreter das SEM , dass das Ver- tretungsverhältnis beendet worden sei. T. Mit Verfügung vom 29. April 2019 (eröffnet am 1. Mai 2019) verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte dessen Asylgesuch vom 22. Februar 2016 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. U. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer durch seinen erneut manda- tierten Rechtsvertreter mit Eingabe vom 29. Mai 2019 beim Bundesverwal- tungsgericht an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuhe- ben und die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung sowi e Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an diese zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuhe- ben, seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewäh- ren. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und der Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und der Beschwerdeführer aufgrund Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und der Beschwerdeführer in Folge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Einsicht in die vor - instanzlichen Akten A5, A20, A28, A29 und A31 sowie in sämtliche einge- reichten Beweismittel gemäss einem noch zu erstellenden Beweismittel- umschlag. Eventualiter sei ihm das rechtliche Gehör zu den oben genann- ten Akten und Beweismitteln, unter Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung, zu gewähren. Ausserdem beantragte er die E-2625/2019 Seite 7 Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde wurden Fotos, welche Hausdurchsuchungen bei der Fa- milie des Beschwerdeführers im September 2017 und März 2019 zeigen sollen (Beilage 1 und 4) , sowie entsprechende Screenshots eines Videos davon (Beilage 5), Fotos des Bruders I._______ bei einer Demonstration (Beilage 2), Fotos einer Razzia beim Cousin des Beschwerdeführers im Februar 2018 (Beilage 6), ein Dokument betreffen d die Entlassung der Mutter des Beschwerdeführers inklusive Übersetzung (Beilage 7), Screenshots von Videos betreffend die Verhinderung eines Kongresses des Azadi-Vereins und betreffend einen Fernsehbericht über politische Ver- folgung im Nordirak (Beilage 8 und 9) und eine DVD mit den entsprechen- den Videos (Beilage 10) beigelegt. Zudem wurde ein Ausdruck eines alten Facebook-Profils des Beschwerdeführers inklusive deutscher Übersetzung (Beilage 3) und ein Auszug einer auf Facebook gegenüber dem Bruder B._______ ausgesprochenen Drohung (Beilage 12) eingereicht. V. Am 5. Juni 2019 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang der Be- schwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. W. Ebenfalls am 5. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebe- stätigung nach. X. Mit Zwischenverfügung vom 7. Juni 2019 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Akteneinsicht in die Akten A5, A20, A29 und A31 sowie in sämt- liche Beweismittel und Identitätsdokumente gut und wies die Vorinstanz an, dem Beschwerdeführer in geeigneter Weise die Einsicht in die genannten Akten zu gewähren. Den Antrag um Einsicht in die Akte A28 wies sie ab. Gleichzeitig wurde das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gutge- heissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Y. Am 21. Juni 2019 gewährte das SEM ergänzende Akteneinsicht im Sinne der Zwischenverfügung vom 7. Juni 2019. E-2625/2019 Seite 8 Z. Mit Instruktionsverfügung vom 26. Juni 2019 wurde dem Beschwerdeführer eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung angesetzt. AA. Mit Beschwerdeergänzung vom 22. Juli 2019 äusserte der Beschwerde- führer sich zu den mit der ergänzenden Akteneinsicht erhaltenen Doku- menten und reichte eine Kopie eines Schreibens der «Freedom Movement of Kurdistan Society» inklusive Übersetzung ein. BB. Am 25. September 2019 wurde das Original des Schreibens nachgereicht. CC. Mit Eingabe vom 18. September 2020 führte der Beschwerdeführer aus, dass sein Bruder B._______ in der Schweiz bedroht und von einem Auto verfolgt worden sei. Es habe sich um Männer türkischer Herkunft gehan- delt. Am nächsten Tag habe der Bruder einen handschriftlichen Brief, mit dem Inhalt «Kurde der nichts wurde, wurde Kurde. Liebe Grüsse aus der Türkei» erhalten. Der Brief wurde in Kopie b eigelegt. Auch seine Familie im Irak erhalte beleidigende und bedrohende Anrufe, da sie der Arbeiter- partei Kurdistans (PKK; kurdisch Partiya Karkerên Kurdistanê) angehören würden. Daneben wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass e r unter Kriegserinnerungen leide und sich alle zwei Monate in medizinischer Be- handlung befinde. DD. Am 23. September 2020 stellte die Rechtsvertretung richtig, dass der Be- schwerdeführer alle zwei Wochen in therapeutischer Behandlung sei und nicht wie in der Eingabe zuvor fälschlicherweise angegeben alle zwei Mo- nate. EE. Am 18. Februar 2021 reichte der Beschwerdeführer Bestätigungen seiner in der Schweiz absolvierten Deutschkurse sowie medizinische Unterlagen aus den Jahren 2016 bis 2018 ein. Schliesslich führte er aus, ein weiterer Bruder habe aus dem Irak fliehen müssen. FF. Die Verfahrensakten des Bruders des Beschwerdeführers , B._______ (N […]), wurden im vorliegenden Beschwerdeverfahren beigezogen. E-2625/2019 Seite 9 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 2. Die Kognition des Bundesverwa ltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-2625/2019 Seite 10 3. 3.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel- che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassa- tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer moniert, das SEM habe seinen Anspruch auf Akteneinsicht und mithin auf rechtliches Gehör, die Begründungspflicht sowie die Pflicht zur vollständi- gen und richtigen Abklärung des Sachverhalts verletzt. 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü- fen und in ihrer En tscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein- lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi- derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Ver- waltungsverfahren und Ver waltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). 3.3 In der Beschwerde wird zunächst gerügt, das SEM habe den Anspruch auf Akteneinsicht und den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt und es sei ergänzende Akteneinsicht zu gewähren (Rechtsbegehren 1 bis 3, Be- schwerde Art. 2 ff.). Mit Instruktionsverfügung vom 7. Juni 2019 hielt die Instruktionsrichterin fest, dass das SEM gewisse Aktenstücke nicht korrekt paginiert und zu Un- recht die Akteneinsicht in gewisse Aktenstücke verweigert hatte. Sie wies die Vorinstanz an, dem Beschwerdeführer in geeigneter Weise die Einsicht in die Akten A5 (Dokument des SEM zur Zusammenarbeit mit den Straf- verfolgungsbehörden und dem NDB), A20 (Stellungnahme des NDB), A29 E-2625/2019 Seite 11 (Korrespondenz des SEM mit den griechischen Migratio nsbehörden be- züglich des in Griechenland hinterlegten Passes des Beschwerdeführers) und A31(Auswertung einer Dokumentenprüfung [Pass des Beschwerde- führers]) zu gewähren. Die Akteneinsicht in das Aktenstück A28 wurde hin- gegen verweigert, da es sich um eine interne Akte zum weiteren Verfah- rensablauf handelt und interne Akten, die von der verfügenden Behörde ausschliesslich für den Eigengebrauch oder die interne Entscheidfindung erstellt werden, keiner Akteneinsicht unterstehen. Insofern wurde die Vor- gehensweise des SEM bestätigt. Mit Schreiben vom 21. Juni 2019 ge- währte das SEM ergänzende Akteneinsicht im Sinne der Zwischenverfü- gung vom 7. Juni 2019. Daraufhin wurde dem Beschwerdeführer eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung angesetzt. Das SEM hat, auf Instruktion des Gerichts hin, nunmehr korrekt Aktenein- sicht gewährt und zu Recht gestützt auf Art. 27 VwVG die Akten A5 und A20 nicht vollständig offengelegt, sondern deren wesentlichen Inhalt ge- mäss Art. 28 VwVG dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht. Der Beschwerdeführer erhielt in der Folge Gelegenheit, sich zu den Akten zu äussern. Die aus der unvollständigen Akteneinsicht entstandene Verlet- zung des rechtlichen Gehörs kann somit als geheilt betrachtet werden (vgl. BVGE 2015/10 E.7 .1 m.w.H.). Eine Kassation der angefochtenen Verfü- gung des SEM vom 29. April 2019 rechtfertigt sich wegen der mangelhaf- ten Akteneinsicht – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – nicht. Inwiefern die erfolgte Heilung auf Beschwerdeebene vorliegend rel evant für den Kostenentscheid ist, ist im Kostenpunkt zu beurteilen. Die Rechtsbegehren, dem Beschwerdeführer sei ergänzende Aktenein- sicht zu gewähren unter Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Be- schwerdeergänzung (Rechtsbegehren Ziff. 1 bis 3 ), erweisen sich somit mit Verweis auf die Instruktionsverfügungen des Gerichts vom 7. Juni 2019 und vom 26. Juni 2019 (siehe oben Sachverhalt Bst. X und Z) inzwischen als gegenstandslos. 3.4 Der Beschwerdeführer sieht auch eine Verletzung des rechtlichen Ge- hörs dar in, dass das SEM die geltende Rechtsprechung betreffend den Wegweisungsvollzug in den Nordirak nicht erwähnt habe (Beschwerde Art. 21). Hierzu ist festzustellen, dass sich das SEM korrekt auf das Referenz- urteil E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 bezogen hat und auch aktuel- lere Urteile des Gerichts zitiert hat. Es hat die Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne des Referenzurteils vorgenommen, auch wenn es dabei den Wortlaut von «begünstigenden Umständen» nicht E-2625/2019 Seite 12 übernommen hat. Im Ergebnis wurden jedoch die im Referenzurteil festge- legten Kriterien korrekt geprüft. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist diesbezüglich nicht ersichtlich. 3.5 Der Beschwerdeführer rügt ferner, die Vorinstanz habe die Begrün- dungspflicht und das rechtliche Gehör verl etzt, indem sie seine gesund- heitlichen Probleme nicht umfassend gewürdigt habe (Beschwerde Art. 20ff.). Das SEM hat sich bei der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu seinen medizinischen Vorbringen und den Behandlungen geäussert. Ob die diesbezüglichen Erwägungen zutreffend sind, beschlägt nicht das rechtliche Gehör oder die Begründungspflicht, sondern ist eine Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die materielle Entscheidung be- trifft. Dem Beschwerdeführer ist zwar beizustimmen, dass das SEM auf den im Bericht des Hausarztes vom 31. März 2017 vorgebrachten Verdacht von psychischen Problemen nicht eingegangen ist (Beschwerde Art. 102). Es war zum Zeitpunkt des Asylentscheides – welcher über zwei Jahre spä- ter eröffnet wurde – indes nicht aktenkundig, dass der Beschwerdefüh rer diesbezüglich weitere Abklärungen vorgenommen beziehungsweise The- rapien in Anspruch genommen hätte. Das SEM durfte somit davon ausge- hen, dass keine weiteren diesbezüglichen Behandlungen vonnöten sind. Insbesondere da der Beschwerdeführer rechtlich vert reten gewesen ist, wäre zu erwarten gewesen, dass weitere Berichte eingereicht worden wä- ren, hätte sich der Verdacht des Hausarztes bestätigt. Die Rüge erweist sich somit als unbegründet. 3.6 Ferner rügt der Beschwerdeführer, dass das SEM die Abklärungspflicht schwer verletzt habe, da es keine weitere Anhörung mehr durchgeführt habe. Rund drei Jahre nach der letzten Anhörung vom 27. Juni 2016 (SEM Akte A12) hätten sich weitere Abklärungen betreffend die aktuelle Situation des Beschwerdeführers zwingend aufgedrä ngt (Beschwerde Art. 36 -39). Insbesondere hätte das SEM weitere Abklärungen in Bezug auf seinen Ge- sundheitszustand vornehmen müssen (Beschwerde Art. 37). Hierzu ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer von Dezember 2016 (SEM Akte A15) bis zum 9. April 2019 (SEM Akte A33) rechtlich vertreten war. Mit Ver- weis auf die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG wäre dem Beschwer- deführer genügend Zeit zur Verfügung gestanden, mit Hilfe seines Rechts- vertreters dem SEM wesentliche neue Sachverhaltselemente mitzuteilen, was jedoch unterblieben ist. Die Rüge ist unbehelflich. E-2625/2019 Seite 13 3.7 Auch die Rüge des Beschwerdeführers, die Anhörung habe zu lange gedauert, ist unbegründet (Beschwerde Art. 40-42.). Gemäss Anhörungs- protokoll begann die Anhörung um 13:10 Uhr und um 17.30 Uhr wurde mit der Rückübersetzung des Protokolls begonnen. Dazwischen erfolgten zwei Pausen (SEM Akte A12). Es wurde zwar im Anhörungsprotokoll nicht ver- merkt, wann die Rückübersetzung beendet wurde. Da zum Zeitpunkt des Beginns der Rückübersetzung die Anhörung jedoch erst knapp über vier Stunden gedauert hat, kann auch unter Berücksichtigung einer längeren Dauer der Rückübersetzung nicht von einer zu langen Anhörung gespro- chen werden. Dem Protokoll ist zudem nicht zu entnehmen, dass es dem Beschwerdeführer schwer gefallen wäre, den Fragen oder der Rücküber- setzung zu folgen. Auch die Hilfswerksvertretung hat nichts Entsprechen- des notiert (SEM Akte A12, letzte Seite). 3.8 Die Rüge, das SEM habe die Abklärungspflicht verletzt, da es bei der Erstbefragung vom 14. März 2016 lediglich eine Dublin-Befragung durch- geführt habe, weshalb es nur ein vollständiges Protokoll über seine Asyl- gründe gebe, erweist sich ebenfalls als unbegründet (Beschwerde Art. 43, Art. 52). Das SEM hat eine nach dem damaligen Asylgesetz vorgesehene Befragung zur Person durchgeführt (aArt. 26 Abs. 2 AsylG). Dabei wurde der Beschwerdeführer auch summarisch zu seinen Asylgründen befragt und es wurden mehrere Rückfragen dazu gestellt (SEM Akte A4, Ziff. 7.01 und 7.02). Inwiefern es sich dabei lediglich um eine Dublin-Befragung ge- handelt haben soll, beziehungsweise weshalb das SEM keine Fragen zu den Asylgründen hätte stellen sollen, erschliesst sich nicht (Beschwerde Art. 52-55). Die Rüge geht fehl. 3.9 In Bezug auf die Rüge, das SEM habe die Beweismittel nicht korrekt in den Akten erfasst, ist auf die Zwischenverfügung vom 7. Juni 2019 zu ver- wiesen. Es sind zwar kleinere Mängel in Bezug auf die Führung des Be- weismittelverzeichnisses festzustellen. Dabei handelt es sich indes nicht um gravierende Mängel, welch e es dem Beschwerdeführer beziehungs- weise seinem Rechtsvertreter verunmöglicht hätten, einen Überblick über sämtliche eingereichten Beweismittel zu erlangen. Insbesondere wurden die Beweismittel in der Verfügung des SEM vom 29. April 2019 korrekt auf- geführt (vgl. Abschnitt I Ziff. 3). Die Rüge ist somit ebenfalls unbegründet. 3.10 Des Weiteren sieht der Beschwerdeführer eine Verletzung der Abklä- rungspflicht, indem das SEM die Beweismittel nicht konsequent habe über- setzen lassen (SEM Akte A14, Beschwerde Art. 45). Um welche Beweis- mittel es sich handle, wurde in der Beschwerde nicht weiter erläutert. In der E-2625/2019 Seite 14 Beschwerdeergänzung wurde hinzugefügt, es sei keine Übersetzung des im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittels Nr. 6 ersichtlich. Die Arztberichte aus Griechenland wurden zwar nicht übersetzt, sie sind jedoch teilweise auf Englisch abgefasst, so dass zumindest aus den Be- richten das Wesentliche abgeleitet werden kann (SEM Akte A14, Beweis- mittel Nr. 11). Zudem liegen auch Arztberichte aus der Schweiz vor, wes- halb die medizinischen Beeinträchtigungen hinlänglich bekannt sind. So- dann war es auch nicht notwendig, die medizinischen Unterlagen aus F._______ übersetzen zu lassen, zumal es sich bei dem einen Dokument offenbar um ein Blutbild handelt und das andere Dokument keinen fundier- ten Arztbericht beinhaltet (SEM Akte A14, Beweismittel Nr. 4). Das Schrei- ben der YPG, in welchem angeblich die Verletzungen des Beschwerdefüh- rers bestätigt werden (SEM Akte A14, Beweismittel Nr. 6), ist ebenfalls nicht geeignet, neue Erkenntnisse zu bringen, weshalb das SEM zu Recht das Beweismittel nicht vollständig hat übersetzen lassen. Eine rudimentäre Übersetzung wurde zudem in der Anhörung vorgenommen (SEM Akte A12, F3). Die Rüge der mangelnden Übersetzung trifft somit nicht zu. 3.11 Auch sonst ist den Akten keine Verletzung der Abklärungspflicht oder Begründungspflicht zu entnehmen. Der Beschwerdeführer führt diverse Sätze des Anhörungsprotokolls mit dem Vorwurf auf, das SEM habe diese Aussagen nicht gewürdigt (Beschwerde Art. 7-10, Art. 24ff.). Hierzu ist fest- zuhalten, dass sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinan- dersetzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte be- schränken darf ( vgl. BGE 126 I 97 E. 2b). Der Umstand, dass die Vor - instanz nicht jedes einzelne Detail der Asylvorbringen in der Verfügung festgehalten oder in der Begründung berücksichtigt hat, ist ebenso wenig als Verletzung der Begründungspflicht zu werten wie die Ta tsache, dass die Vorinstanz nach einer gesamtheitlichen Würdigung der aktenkundigen Parteivorbringen und der Beweismittel zu einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer gelangte. 3.12 Schliesslich ist auch die Rüge, das SEM sei im Wissen um die Stel- lungnahme des NDB befangen gewesen , abzuweisen. Nach erfolgter er- gänzender Akteneinsicht durch das SEM führte der Beschwerdeführer in der Beschwerdeergänzung aus, dass g emäss dem NDB anscheinend staatsschutzrelevante Bedenken bestünden und er ein Risikoprofil für die Sicherheit der Schweiz aufweise. Es sei offensichtlich, dass das SEM diese entscheidrelevante Information in der angefochtenen Verfügung hätte wür- digen müssen. Die angefochtene Verfügung sei deshalb aufzuheben und E-2625/2019 Seite 15 die Sache zur Neubeurteilung an die Vo rinstanz zurückzuweisen (Be- schwerdeergänzung Art.116f.). Das SEM hat sich bei der Prüfung des Wegweisungsvollzugs an die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge- richts gehalten. Bei der Entscheidfindung hat sich die Vorinstanz somit nicht auf die Akte des ND B gestützt beziehungsweise sich von allfälligen staatsschutzrelevanten Bedenken leiten lassen. Der Akte des NDB ist auch nichts zu entnehmen, was für das Asylverfahre n relevant sein könnte be- ziehungsweise bezog sich der NDB in seiner Einschätzung ausschliesslich auf Aussagen des Beschwerdeführers (SEM Akte A20). Es besteht somit kein Anlass, die Verfügung des SEM aufzuheben. 3.13 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der einzige Mangel im vorlie- genden Verfahren in einer nicht hinreichend gewährten Akteneinsicht be- stand, dieser Mangel indes im Rahmen des Instruktionsverfahrens geheilt worden ist. Die weiteren Rügen formeller Natur sind unbegründet und es besteht weder Bedarf an weiteren Sachverhaltsabklärungen noch sonst ein Anlass zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete die ablehnende Verfügung im Wesentlichen mit der fehlenden Asylrelevanz der Vorbringen. Die geltend gemachten Drohungen und Festnahmen durch die PDK beziehungsweise die Asayish und die PUK würden keine Asylrelevanz entfalten, da ausser verbalen Dro- hungen, die sich nicht verschärft hätten, nichts weiter passiert sei. Der Be- schwerdeführer habe keine physischen Übergriffe, sondern nur Befragun- gen von weniger als einer Stunde erlitten. Nach seiner Kriegsverletzung sei er zudem über ein halbes Jahr wieder im Nordirak gewesen, und es sei ihm nichts zugestossen. Es fehle somit an der vom Asylgesetz geforderten Intensität der Verfolgung. Die Besuche der PUK- und Goran-Parteimitglie- der am Krankenbett sowie seine Bekanntheit als Kriegsheld liessen zudem auf einen gewissen staatlichen Schutz schliessen. Im Weiteren fehle es seinem Vorbringen auch an einem aktuellen Kausalzusammenhang zu sei- ner finalen Ausreise aus dem Nordirak am 5. September 2015. Die letzte Vorladung der Asayish sei im August 2014 erfolgt, mithin über ein Jahr vor seiner Ausreise. Nach der Wiedereinreise in die Autonome Region Kurdis- tan (ARK) im Februar 2015 sei über ein halbes Jahr vergangen, ohne dass ihm noch etwas geschehen sei, bis er aus medizinischen Gründ en das Land verlassen habe. Somit fehle es seinen Vorbringen an der sachlichen und zeitlichen Kausalität zu seiner Ausreise. E-2625/2019 Seite 16 Auch die geltend gemachten Schwierigkeiten mit Islamisten seien nicht asylrelevant. Die vorgebrachten Drohungen hätten sich im Jahr 2013 und 2014 ereignet. Nach der Wiedereinreise in den Nordirak im (…) 2015 bis zu seiner Ausreise im September 2015 sei nichts mehr weiter vorgefallen. Es fehle somit ebenfalls an einem Kausalzusammenhang zur Ausreise und es mangle an der erforderlichen Intensität einer Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG. Schliesslich seien die Behörden der ARK, in seinem Fall die Behör- den der in seiner Heimatprovinz Sulaimaniya regierenden PUK sowie die Peschmerga, für welche die ihm nahestehende Partei Goran verantwortlich sei, gegenüber Bedrohungen durch Drittpersonen, einschliesslich Islamis- ten und IS -Mitglieder schutzfähig und grundsätzlich schutzwillig. Seit der Zerschlagung des Kalifats des IS im Irak sowie in Syrien sei der staatliche Schutz in der ARK erst recht vorhanden und für ihn offensichtlich auch zu- gänglich. Er habe in seiner Heimatprovinz Sulaimaniya auf die Unterstüt- zung der dort herrschenden PUK sowie generell auf die Unterstützung der Partei Goran und der Peschmerga zählen können, wie er bezüglich der Behandlungszeit in G._______ und betreffend die Visa für Griechenland sowie die finanzielle Unterstützung für seine medizinische Behandlung in Griechenland selber bestätigt habe. In Bezug auf sein Vorbringen, er habe sich der YPG angeschlossen und sei dabei in K riegshandlungen schwer verletzt worden , sei festzuhalten, dass es sich dabei nicht um eine gezielte Verfolgung seiner Person gehan- delt habe, sondern um Ereignisse im Zuge von Kriegshandlungen. Zudem habe er sich der YPG freiwillig angeschlossen. Somit seie n seine diesbe- züglichen Vorbringen asylrechtlich nicht relevant. Aus den Akten seien auch keine Hinweise ersichtlich, wonach eine Furcht vor zukünftiger Ver- folgung durch die KDP aufgrund seiner Tätigkeiten für die YPG begründet sei. Dieser Eindruck werde d adurch bestärkt, dass er sich mehr als ein halbes Jahr noch in der ARK aufgehalten habe, ohne dass sich eine Ver- folgung abgezeichnet hätte. Eine bloss subjektive Furcht sei nicht ausrei- chend. Bei offensichtlich fehlender Asylrelevanz könne darauf verzicht et werden, auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente näher einzugehen. Das SEM be- halte sich aber eine spätere Geltendmachung vor. Auch die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu führen, da aus diesen keine zielgerichtete Verfolgung ab- zuleiten sei. Die Asylakten seines in der Schweiz lebenden Bruders würden E-2625/2019 Seite 17 ebenfalls keine Anhaltspunkte für die Annahme liefern, dass er in seiner Heimat eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung zu befürchten habe. 4.2 Der Beschwerdeführer moniert, dass er vor seiner Ausreise nach Sy- rien die KDP massiv kritisiert habe. Nach seiner Rückkehr in den Irak habe er aufgrund seiner Verletzungen einen PYD-Anhänger verkörpert, welche das nordirakische Regime der KDP verfolge. Bei einer Rückkehr in den Irak habe er somit mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen. Zudem hät- ten die türkische und die kurdische Regierung eine Abmachung gegen die Kurden in Westkurdistan (Syrien) getroffen. Diese Abmachung habe es dem IS erlaubt, Mosul und Shingal einzunehmen. Die PKK habe in dieser Zeit gegen den IS gekämpft und die KDP sei umso massiver gegen die PKK vorgegangen. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass es nicht dem Wil- len des Beschwerdeführers entsprochen habe, aus Syrien nach Nordirak zurückzukehren, weshalb ihm dies auch nicht zum Vorwurf gemacht wer- den könne. Das SEM sei in seiner Verfügung zudem nicht darauf einge- gangen, dass der Beschwerdeführer in zwei Organisationen sehr engagiert gewesen sei und insbesondere auch politische Artikel veröffentlich habe. Deswegen sei er mit dem Tod bedroht worden. Ausserdem habe er sich auch nicht für Geld von seinen Ideen abbringen lassen. Er werde deswe- gen als unbelehrbarer Kritiker und Oppositioneller wahrgenommen. Auf- grund seiner Tätigkeit für die PKK drohe ihm bei einer Rückkehr eine asyl- relevante Verfolgung. Er gelte als Regimegegner, den es auszuschalten gelte. Zu den Erwägungen des SEM, er sei nach seiner Rückkehr in den Nordirak im (…) 2015 nicht mehr gefährdet gewesen, sei festzuhalten, dass er schwer verletzt gewesen sei und sich kaum habe bewegen können. Auch beim IS sei sein Bekanntheitsgrad nun derart gross, dass er nirgendwo im Irak mehr sicher sei. Er werde weiterhin von islamistischen Gruppierungen gesucht und die nordirakischen Behörden seien weder schutzwillig noch schutzfähig. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass es im September 2017 bei der Familie des Beschwerdeführers zu einer Hausdurchsuchung ge- kommen sei. Ein Bruder sei von der PUK/KDP verhaftet worden, da er an einer Demonstration teilgenommen habe, bei welcher ein Gebäude der PUK in Brand gesetzt worden sei. Bei der Hausdurchsuchung seien Bilder und Flaggen von Abdullah Öcalan und von Märtyrern entfernt worden. Seine Mutter sei zudem geschlagen worden. Am 11. März 2019 sei es zu einer weiteren Hausdurchsuchung gekommen. Dabei seien erneut der Bru- der und der Vater festgenommen worden und man habe sie aufgefordert, E-2625/2019 Seite 18 die PKK zu verlassen. Überdies sei nach dem Beschwerdeführer und sei- nem Bruder gefragt worden. Hinzukommend sei die Mutte r aufgrund des politischen Profils ihrer Familie aus ihrer leitenden Funktion in einem (…) entlassen worden. Dies zeige, dass die Familie als PKK-Anhänger bekannt sei und deshalb im Visier der Behörden stehe. Ausserdem werde das Fa- cebook-Profil des Beschwe rdeführers immer wieder gelöscht. Offenbar werde er von seinen politischen Gegnern blockiert und er werde von Is- lamisten konkret bedroht, wie die eingereichten Faceboo k-Ausdrücke il- lustrieren würden. Sollte er nicht als Flüchtling anerkannt werden, sei er zumindest aufgrund der Facebook -Drohungen infolge subjektiver Nach- fluchtgründe vorläufig als Flüchtling aufzunehmen. 4.3 Nach erfolgter ergänzender Akteneinsicht durch das SEM wurde in der Beschwerdeergänzung in materieller Hinsicht ausgeführt, dass die Stel- lungnahme des NDB eine Gefährdung des Beschwerdeführers durch die irakischen Behörden aufzeige. Wenn der Beschwerdeführer bereits für die Schweiz ein Sicherheitsrisiko darstelle, treffe dies umso mehr für die iraki- schen Behörden zu und er werde von diesen (b ei einer Rückkehr) gezielt verfolgt und verhaftet. Ferner wies der Beschwerdeführer darauf hin, die Beweismittel würden belegen, dass er über ein herausragendes politisches Profil verfüge. Das SEM habe die umfangreichen Fotos und die übrigen Beweismittel nicht gewürdigt. Weiter ergebe sich aus der ergänzend ge- währten Einsicht in den irakischen Reisepass des Beschwerdeführers, dass er wahre Angaben gemacht habe. Der Pass sei echt und sei mit ei- nem Visum für Griechenland benutzt worden. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wege n ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der F reiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen E-2625/2019 Seite 19 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 In materieller Hinsicht ist die Einschätzung des SEM, dass der Be- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, zu bestätigen. Das SEM hat in seiner ablehnenden Verfügung ausführlich und mit treffender Begründung ausgeführt, dass seine Vorbringen nicht geeignet sind, seine Flüchtlingseigenschaft zu begründen. 6.2 Zunächst ist festzuhalten, dass das SEM zu Recht festgestellt hat, dass sich aus den geltend gemachten (politischen) Tätigkeiten des Beschwer- deführers vor seiner Ausreise nach Syrien keine fl üchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgung der irakischen Behörden ableiten lässt. 6.2.1 Dem Beschwerdeführer ist zwar beizustimmen, dass sich das SEM in der ablehnenden Verfügung nicht auf die beiden Jugendorganisationen, für welche er tätig gewesen sei, bezogen hat. Das SEM hat jedoch seine Aktivitäten für die beiden Organisationen aufgeführt und diese auch gewür- digt. Aus den Akten geht insgesamt weder ein exponiertes politisches Profil noch eine asylrechtlich relevante Verfolgung aufgrund seiner Tätigke iten für die beiden Organisationen hervor. Er gab an, dass es sich bei der Or- ganisation «Wiederbelebung der Jugend» nicht um eine politische Organi- sation gehandelt habe. Er sei beteiligt gewesen, eine monatliche Zeitung zu publizieren und habe für diese Artikel geschrieben. Diese seien jedoch nicht unter seinem Namen veröffentlicht worden (SEM Akte A12, F42ff.). Daneben habe er geholfen, Seminare zu organisieren. Er sei als Koordina- tor für die Regionen J._______ und K._______ tätig gewesen (a.a.O., F47). Daraus resultierende Probleme brachte er nicht vor. Daneben sei er in einer weiteren Organisation namens «Jugendorganisation zum Schutz von Kurdistan» tätig gewesen. Ab dem Jahr 2014 habe er für die Organi- sation begonnen, Kundgebungen zu organisieren. Sie hätten vorwiegend gegen den IS demonstriert, manchmal auch gegen die KDP. Er habe Be- willigungen für die Kundgebungen bei dem Statthalteramt und den Asayish eingeholt und diese meistens auch erhalten. Einige Male habe er die Be- willigung nicht abgewartet, sondern die Kundgebungen ohne eine Bewilli- gung durchgeführt (a.a.O., F38f.). Deswegen sei er einige Male von den Asayish zum Verhör vorgeladen worden. Er sei im Jahr 2013 ein Mal und im Jahr 2014 zwei Mal von den Sicherheitskräften vorgeladen und verhört worden. Man habe ihm bei diesen Verhören gesagt, er solle mit seinen E-2625/2019 Seite 20 politischen Aktivitäten aufhören, ansonsten er Schaden davontragen würde (SEM Akte A12, F49, F55). Die Verhöre hätten nicht länger als eine Stunde gedauert (a.a.O., F53). Im Jahr 2013 sei er v on den Asayish beziehungs- weise den Sicherheitsbehörden der PUK verhört worden. Gleichzeitig seien etwa 15 oder 16 weitere Personen festgehalten und verhört worden. Nach etwa einer halben Stunde habe er wieder gehen können. Bei den anderen beiden Verhören der Asayish sei er alleine gewesen (a.a.O., F55f.) Die KDP habe hingegen keine Massnahmen gegen ihn ergriffen (a.a.O., F61). Einige Male habe er auch Fahrzeuge der Sicherheitskräfte beobachtet, welche ihm offenbar hätten Angst einjagen wollen (a.a.O., F51). Hinzukommend habe er auch telefonische Bedrohungen erhalten. Er wisse jedoch nicht, ob diese Drohungen durch die Islamisten, durch Sicher- heitskräfte oder allenfalls auch durch Privatpersonen erfolgt seien (a.a.O., F59). Weitere Probleme machte er nicht geltend. Er gab an, die Drohungen hätten sich nicht verschärft (a.a.O., F57). Abgesehen von den drei Verhö- ren habe er keine weiteren Probleme mit den staatlichen Behörden gehabt (a.a.O., F63). Die geltend gemachten drei Befragungen durch die PUK und Asayish sind nicht als derart intensiv zu betrachten, als dass dem Beschwerdeführer ein menschenwürdiges Leben in seiner Heimat nicht mehr möglich gewesen wäre. Seinen Angaben zufolge haben sich die Massnahmen der Behörden auch nicht intensiviert, obwohl er ihrer Forderung, die politischen Aktivitä- ten einzustellen, nicht nachgekommen sei. Der Einwand in der Be- schwerde, man habe ihm Geld angeboten, sollte er mit den Tätigkeiten aufhören, ist ebenfalls nicht geeignet, eine Gefährdung aufzuzeigen (Be- schwerde Art. 69ff.). Er gab hierzu nämlich an, dass er das Geld abgelehnt habe. Dennoch haben sich die Massnahmen seitens der Sicherheitsbehör- den nicht verschärft. Dass die Bedrohungen objektiv stetig zugenommen hätten – wie in der Beschwerde behauptet (a.a.O., Art. 71) – ist aus den Akten nicht ersichtlich. Zudem ergibt sich aus seinen Aussagen kein expo- niertes politisches Profil. Seine Aktivitäten für die Organisation «Wiederbe- lebung der Jugend» seien nicht politischer Natur gewesen und er habe auch nicht unter seinem Namen Artikel veröffentlicht. Dass er aufgrund die- ser Aktivitäten in Zukunft eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten hätte, erscheint äusserst unwahrscheinlich. Für die «Jugendorganisation zum Schutz von Kurdistan» hat er bei den Sicherheitsbehörden Bewilligun- gen für Kundgebungen eingeholt. Dadurch dürften diese über seine De- monstrationsteilnahmen informiert gewesen sein. Bei den Demonstratio- nen habe es sich jedoch meist um bewilligte Veranstaltungen gehandelt . Ab und zu hätten sie auch unbewilligte Demons trationen durchge führt, E-2625/2019 Seite 21 weswegen er drei Mal verhört worden sei . Weitere Massnahmen wurden nicht gegen ihn ergriffen. Die Demonstrationen hätten sich zudem haupt- sächlich gegen den IS gerichtet, nur ab und zu auch gegen die KDP (a.a.O., F39). Dass er öffentlich erhebliche Kritik an den herrschenden Par- teien ausgeübt habe, geht aus den Akten insgesamt nicht hervor. Somit ist auch nicht davon auszugehen, dass er aufgrund seiner Tätigkeiten für die «Jugendorganisation zum Schutz von Kurdistan» in Zukunft erhebliche Nachteile zu befürchten hätte. Hätten die Behörden ihn ernsthaft im Visier gehabt, hätte man ihn wohl auch bei der Einholung der Bewilligungen auf seine missliebigen Aktivitäten angesprochen. Zudem ist darauf hinzuwei- sen, dass gemäss seinen Angaben die Verhöre erfolgt seien, da er einige Male die Bewilligung für eine Kundgebung nicht abgewartet habe (SEM Akte A12, F39). Für die Befragungen gab es somit einen legitimen Grund und diese waren nicht (nur) politisch motiviert. 6.2.2 Zudem hat die Vorinstanz zu Recht ausgeführt, dass der Beschwer- deführer nach seiner Rückkehr aus Syrien sich noch etwa weitere sechs Monate in der ARK aufgehalten hat, ohne weitere Drohungen oder sonstige Benachteiligungen erlitten zu haben. Im Gegenteil wurde der Beschwerde- führer von Regierungsmitgliedern im Krankenhaus besucht. Dem in der Beschwerde vorgebrachten Einwand, er sei schwer verletzt gewesen und von den Behörden bereits totgesagt, weshalb dieses Argument untauglich sei (Beschwerde Art. 72 und 74), kann nicht gefolgt werden. Er hat einer- seits im Krankenhaus Besuch von Mitgliedern der Parteien PUK und Goran erhalten. Andererseits haben die Behörden ihn unterstützt, die Ausreise zu organisieren, um eine medizinische Behandlung im Ausland zu erhalten. Gemäss seinen Angaben habe die Regierung sogar einen Teil der Kosten seiner Reise und der medizinischen Behandlung übernommen (SEM Akte A4, Ziff. 8.02) . Die Ausführungen in der Beschwerde, wonach die KDP massiv gegen PKK -Anhänger vorgehe (Beschwerde Art. 61), sind somit nicht geeignet, eine gezielte Verfolgung des Beschwerdeführers aufzuzei- gen. Wäre der Beschwerdeführer aufgrund seiner Tätigkeiten für die Ju- gendorganisationen oder für die YPG gefährdet gewesen, hätte es ihm kaum möglich sein dürfen, bis zu seiner Ausreise nach Europa sich unbe- helligt in G._______ im Krankenhaus und bei seinen Eltern aufzuhalten. Ob er dabei aus freiem Willen von Syrien nach Irak für die medizinische Behandlung zurückgekehrt ist (Beschwerde Art. 64ff.), spielt somit keine Rolle. Es ist zwa r durchaus davon auszugehen, dass die Behörden eine Person, welche in einem Einsatz für die Kurden verwundet wurde, nicht direkt nach der Rückkehr noch im Krankenhaus behelligen würden. Der Beschwerdeführer verbachte jedoch noch einige Zeit bei seinen Eltern und E-2625/2019 Seite 22 wurde auch von der an seinem Wohnort vorherrschenden Partei PUK un- terstützt. Es ist deswegen nicht davon auszugehen, dass diese ihn als missliebige Person einschätzen. Durch die KDP hat er bis anhin keinerlei Benachteiligungen erlitten. Auch wenn sich das Gericht der komplizierten Beziehungen unter den Parteien im Nordirak bewusst ist, hat das SEM tref- fend ausgeführt, dass die PUK dem Beschwerdeführer gegenüber wohlge- sinnt gewesen ist. Auch wenn der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr von der KDP in einem gewissen Ausmass kritisch beobachtet werden sollte, kann er zumindest die Unterstützung der an seinem Wohnort primär herrschenden Partei in Anspruch nehmen. Insgesamt ergibt sich somit we- der eine Verfolgung durch die Behörden zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Irak im September 2015 noch ist davon auszugehen, dass eine Furcht vor einer ernsthaften Verfolgung durch die Behörden bei einer Rückkehr an seinen Herkunftsort begründet ist. Das Gericht geht auch nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Tätigkeit für die YPG in Shingal/Sindjar im Jahr 2014 nun bei einer Rückkehr doch noch Behelli- gungen durch die KDP ausgesetzt wäre. Insbesondere kann in diesem Zu- sammenhang darauf hingewiesen werden, dass sich Masud Barzani von der KDP im Ja hr 2014 bei der PKK für den gemeins amen Kampf gegen den IS bedankt hat (vgl. Yılmaz, Arzu, Gegeneinander, miteinander: Die KDP und die PKK in Sindschar, in: Seufert, Günter [Hg.], Stiftung Wissen- schaft und Politik [SWP], Die Kurden im Irak und in Syrien nach dem Ende der Territorialherrschaft des »Islamischen Staates« , Die Grenzen kurdi- scher Politik, 07.2018, S. 53). 6.2.3 Die eingereichten Beweism ittel vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer hat im erstinstanzlichen Verfahren lediglich Fotos, welche ihn an den Seminaren und Veranstaltungen zeigen würden, eingereicht (SEM Akte A14, Beweismittel Nr. 7). Weitere Informa- tionen hierzu wurden ebenso wenig eingereicht wie konkrete Informationen oder Dokumente über die Seminare und die Organisationen. Eine Gefähr- dung des Beschwerdeführers lässt sich aus den Fotos nicht ableiten. Aus dem eingereichten Schreiben der «Freedom Movement of Kurdistan Society» geh t hervor, dass der Beschw erdeführer und sein Bruder B._______ Mitglieder dieser Oppositionsbewegung seien. Bei einer Rück- kehr in den Nordirak würden diese umgehend verhaftet werden. Zudem stehe auch die Familie der Bewegung nahe und habe deswegen Benach- teiligungen erlitten (Beschwerdeergänzung Art. 115; Übersetzung des Be- weismittels). Hierzu ist einerseits festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Laufe seines Verfahrens diese Bewegung nicht erwähnt und auch keine E-2625/2019 Seite 23 Tätigkeiten im Rahmen der Bewegung geltend gemachte hatte. Anderer- seits gelangte das Gericht oben zur Einschätzung, dass der Beschwerde- führer kein politisches Profil aufweist, welches zu einer Gefährdung führen könnte. Das Schreiben vermag somit seine bisherigen Vorbringen nicht zu stützen und auch keine drohende Verfolgu ng zu belegen. Das Dokument ist als Gefälligkeitsschreiben einzustufen. Auch aus dem Entlassungs- schreiben der Mutter, datiert auf den 9. Mai 2018, geht lediglich hervor, dass die Mutter aus der Funktion der (…)vorsitzenden entlassen worden sei (Beschwerdebeilage 7). Die Hintergründe der Entlassung werden nicht beschrieben. Der Beschwerdeführer gab in der Beschwerde hierzu an, seine Mutter sei von ihrer leitenden Funktion entlassen worden und sei jetzt nur noch als (…) im (…) tätig, da sie an den Wahlen die PUK nicht unter- stützt habe (Beschwerde Art.79, Übersetzung Beschwerdebeilage 7). Die Entlassung steht somit in keinem Zusammenhang mit dem Beschwerde- führer oder seinen politischen Tätigkeiten. Zudem geht aus dem Entlas- sungsschreiben auch in Bezug auf die Mutter kein politisch motiviertes Vor- gehen hervor. Ausserdem fällt auf, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung vom 27. Juni 2016 angab, dass seine Mutter als (…) Assis- tentin in einem (…) arbeite, dass sie die (…)vorsitzende gewesen sei, wurde nic ht vorgebracht (SEM Akte A12, F26). Auch die mit der Be- schwerde eingereichten Screenshots von Videos, welche belegen würden, dass die PUK den Kongress der Jugendorganisation verhindert habe (Be- schwerdebeilagen 8 und 9), sind nicht geeignet, eine Gefährdung des Be- schwerdeführers zu belegen, da sie keinen direkten Bezug zu ihm aufwei- sen. Dasselbe gilt für die im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten Fo- tos, welche durch die KDP verwundete Personen zeigen sollen. 6.2.4 In der Beschwerde wurde ferner vorgebracht, dass die Familie des Beschwerdeführers im Visier der nordirakischen Behörden stehe. Im Sep- tember 2017 sei es zu einer Hausdurchsuchung gekommen und der Bru- der I._______ sei verhaftet worden. Er habe an einer Demonstration teil- genommen und sei während neun Tagen inhaftiert worden (Beschwerde Art. 75). In der Folge sei er weitere Male von den Behörden mitgenommen worden. Zur Stützung des Vorbringens wurden Fotos des Bruders I._______ an der Demonstration sowie Fotos, welche eine Hausdurchsu- chung zeigen würde n, ein gereicht (Beschwerdebeilagen 1, 2, 4, 5, 6). Hierzu ist zunächst festzustellen, dass nicht nachvollziehbar ist, weshalb der Beschwerdeführer diese Vorbringen nicht bereits zuvor im erstinstanz- lichen Verfahren dem SEM zur Kenntnis gebracht hat, zumal er rechtlich vertreten gewesen ist. Des Weiteren sind die Fotos nicht geeignet, den be- haupteten Sachverhalt zu belegen , da aus ihnen weder eine Verhaftung E-2625/2019 Seite 24 noch eine Razzia deutlich hervorg ehen. Weitere Dokumente, welche die Verhaftung des Bruders stützen würden, wurden nicht eingereicht. Darüber hinaus vermag die Verhaftung des Bruders I._______ ohnehin keine Ge- fährdung des Beschwerdeführers zu belegen. Die Verhaftung des Bruders im Jahr 2017 stand in Zusammenhang mit einer Demonstrationsteilnahme, bei der ein Haus in Brand gesetzt wurde (Beschwerde Art. 75). Ob die Ver- haftung somit einen politischen Hintergrund hatte oder eher gemeinrechtli- cher Natur war, lässt sich nicht feststellen. Dass dem Beschwerdeführer deswegen ernsthafte Nachteile drohen könnten, ist indes anzuzweifeln, zu- mal sich noch ein weiterer Bruder, L._______, im Nordirak befindet und dieser gemäss Aktenlage deswegen keine Benachteiligungen erlitten hat. Auch die weiteren in der Beschwerde erstmals vorgebrachten Schwieri g- keiten der Familie blieben unbelegt. Die angebliche Hausdurchsuchung und Verhaftung des Bruders I._______ und des Vaters am 11. März 2019 wurde nicht näher erläutert und abgesehen von den eingereichten Fotos, aus denen weder eine Verhaftung noch eine Razzia deutlich hervorgehen, wurden keine Dokumente eingereicht. Dass dabei auch nach dem Be- schwerdeführer und seinem Bruder B._______ gefragt worden sei, stellt lediglich eine Parteiaussage dar (Beschwerde Art. 77). Ausserdem ist da- rauf hinzuweisen, dass der Vater gemäss seinen Angaben Angestellter beim (…)ministerium sei (SEM Akte A12, F27). Hätten die Behörden tat- sächlich den Vater aufgrund vermeintlicher Aktivitäten für die PKK im Visier, hätte dies allenfalls auch berufliche Auswirkungen für ihn gehabt. Nach den obigen Erwägungen, wonach der Beschwerdeführer keine asylrelevante Verfolgung erlitten hat und ihm mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch künftig keine drohen wird, erscheint es äusserst unwahrscheinlich, dass vier Jahre nach seiner Ausreise die Behörden nun erstmals nach ihm hät- ten fragen sollen. 6.2.5 Zusammenfassend ergeben sich aus den Akten keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine asylrechtlich relevante Verfolgung durch die nord- irakischen Behörden. 6.3 Sodann ist auf die vorgebrachten Schwierigkeite n mit islamistischen Gruppierungen, insbesondere dem IS, einzugehen. Der Beschwerdeführer machte geltend, dass im irakischen Kurdistan junge Leute ermutigt worden seien, sich dem Jihad in Syrien anzuschliessen. Er habe in dieser Zeit ver- schiedene Aktivitäten gegen diese Rekrutierungsversuche ins Leben geru- fen. Deswegen sei er von Islamisten bedroht worden (SEM Akte A12, F35). Er sei einmal von zwei Islamisten angehalten und schikaniert worden E-2625/2019 Seite 25 (a.a.O., F49). Er sei auch weitere Male von Islamisten beschimpft worden (a.a.O., F65). Einmal habe er einen Telefonanruf erhalten, er wisse nicht , ob es sich um Islamisten, die Behörden oder eine Privatperson gehandelt habe und man habe ihm gesagt, er solle auf seine Person aufpassen (a.a.O., F59f.). Ein weiteres Mal sei er von maskierten Männern überfallen und in ein Auto gedrängt worden. Man habe ihn im Auto geschlagen und dann in einem Wald abgesetzt. Er vermute, die Männer seien von der is- lamistischen Partei gewesen (a.a.O., F67ff.). Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass im Nordirak funktionierende Schutzinfrastrukturen vorhanden sind. Der Beschwerdeführer hätte sich somit bei Problemen mit Drittpersonen beziehungsweise islamistischen Gruppierungen an die Behörden wenden können. Wie oben dargelegt, ist keine asylrechtlich relevante Verfolgung durch die Behörden ersichtlich, weshalb davon auszugehen ist, dass die Behörden gegenüber dem Be- schwerdeführer schutzwillig gewesen wären. Hierzu hat das SEM zu Recht ausgeführt, dass der Beschwerdeführer bezüglich der Organisation und Fi- nanzierung seiner medizinischen Behandlung im Ausland auf die Unter- stützung der Behörden , insbesondere der an seinem Heimatort vorherr- schenden Partei PUK, hat zählen können. Dies spricht ebenfalls für die Schutzwilligkeit der Behörden. Zudem kann zu den Bedrohungen durch is- lamistische Personen auch festgestellt werden, dass diese nicht im zeitli- chen Zusammenhang zur Ausreise stehen und die Bedrohungen und Be- schimpfungen auch kein asylrelevantes Ausmass erreichten. Der Vorfall im Wald ging zwar über einfache Bedrohungen hinaus, der Beschwerdeführer vermutet jedoch lediglich, dass es sich dabei um Personen der i slamisti- schen Partei gehandelt hat ; danach hatte er keine erheblichen Probleme mehr. Insgesamt sind die vorgebrachten Probleme mit islamistischen Per- sonen somit ebenfalls nicht geeignet, seine Flüchtlingseigenschaft zu be- gründen. 6.4 Der Beschwerdeführer hat auf Beschwerdeebene Ausdrucke seines Facebook-Profils eingereicht, welche belegen sollen, dass er von Islamis- ten b edroht worden sei (Beschwerdebeilage 3). Aus den eingereichten Auszügen geht im Wesentlichen eine Konversation mit einem Mullah her- vor, welcher droht, alle PKK Anhänger zu töten. Wer konkret den Account des Facebook-Profils des Mullahs inne hat , ist jedoch ebenso wenig er- sichtlich wie eine konkrete Bedrohung des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr in den Nordirak. Subjektive Nachfluchtgründe ergeben sich ent- gegen der Behauptung des Beschwerdeführers aus dieser virtuellen Kon- versation jedenfalls nicht (Beschwerde Art. 88). E-2625/2019 Seite 26 6.5 Der Beschwerdeführer hat des Weiteren gel tend gemacht, er sei im (…) 2014 nach Syrien gereist und habe sich der YPG angeschlossen. In einem Gefecht in der Stadt Shingal sei er am (…) 2015 durch eine Bombe schwer verletzt worden (SEM Akte A12, F72ff.). Er sei zunächst in F._______ notversorgt worden und nach ein paar Tagen nach G._______ in ein Krankenhaus verlegt worden. Die Tragik dieses Bombenanschlags soll nicht in Abrede gestellt werden. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine Handlung, die gezielt den Beschwerdeführer hätte treffen sollen. Viel- mehr wurde er im Rahmen der damaligen Situation von Kriegshandlungen und allgemeiner Gewalt um das Gebiet Shingal Opfer eines Bombenan- griffs durch den IS. Wie bereits unter E. 6.2 ausgeführt, ist auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Aktivitäten für die YPG mit den nordirakischen Behörden Probleme erhalten werde. Nach seiner Rückkehr aus Syrien hatte er keine Probleme mit den Behörden und diese haben ihn gar unterstützt, eine medizinische Behandlung im Ausland zu erhalten. Dass sich daraus Schwierigkeiten erge ben könnten, ist den Akten somit nicht zu entnehmen. 6.6 Abschliessend kann festgehalten werden, dass sich auch aus den Ak- ten des Bruders B._______ keine Hinweise für eine Gefährdung des Be- schwerdeführers ergeben. Das Gericht gelangt im Verfahren des Bruder s mit Urteil ebenfalls heutigen Datums zum Schluss, dass dieser ebenfalls kein exponiertes politisches Profil aufweist und keiner asylrelevanten Ver- folgung ausgesetzt war oder eine solche künftig zu befürchten hätte (vgl. E-2626/2019). 6.7 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 AsylG darzutun. Die Vorinstanz hat demzufolge zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu R echt angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). E-2625/2019 Seite 27 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heis st, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Das flüchtlingsrecht- liche Refoulement-Verbot schützt nur Personen, welche die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen- den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde- führers in den Irak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht- mässig. 8.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er- geben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Irak dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK E-2625/2019 Seite 28 oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Ge- mäss Praxis des EGMR sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Fol ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist ihm vorliegend nicht gelungen. Auch die all- gemeine Menschenrechtssituation in der Herkunftsr egion der Beschwer- deführer lässt den Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt nicht als un- zulässig erscheinen. 8.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Die Sicherheitslage und Menschenrechtslage im Nordirak ist aner- kanntermassen volatil. Zu Recht hält auch das SEM fest, allgemeine Aus- sagen dazu verlören rasch ihre Gültigkeit. Dabei beschreibt es ausführlich die Situation im kurdischen Nordirak und die entsprechende bundesver- waltungsgerichtliche Rechtsprechung mit Verweis auf das jüngste Refe- renzurteil. In seinem Referenzurteil E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 (E.7.4) bestätigte das Bundesverwaltungsgericht seine in BVGE 2008/5 publizierte Praxis zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die kurdischen Provinzen im Nordirak. Es hielt dabei Folgendes fest: In den vier Provinzen des "Kurdistan Regional Government (KRG)" – das betref- fende Gebiet wird seit Anfang 2015 durch die Provinzen Dohuk, Erbil, Su- leimaniya sowie der von Letzterer abgespalteten Provinz Halabja gebildet – sei nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt im Sinne vo n Art. 83 Abs. 4 AIG auszugehen, und es lägen keine konkreten Anhaltspunkte da- für vor, dass sich dies in absehbarer Zeit massgeblich ändern würde. Diese Einschätzung hat nach wie vor Gültigkeit. Die auf Beschwerdeebene vor- gebrachten Einwände in Bezug auf d ie unsichere Lage im Nordirak auf- grund des Unabhängigkeitsreferendums , aber auch der Angriffe aus der Türkei und dem Iran auf den Nordirak ändern an der vorstehenden Praxis E-2625/2019 Seite 29 zum aktuellen Zeitpunkt nichts (vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltungs- gerichts D -5949/2019 vom 21. April 2021 E. 9.4.2; D -6846/2018 vom 8. Februar 2021 E. 10.3.2; E -6430/2016 vom 31. Januar 2018 E. 6.4 m.w.H.). 8.3.3 Die langjährige Praxis im Sinne von BVGE 2008/5 für aus dem KRG- Gebiet stammende Kurdinnen und Kurden bleibt somit weiterhin an wend- bar. Besonderes Gewicht ist angesichts der Belastung der behördlichen Infrastrukturen durch im Irak intern Vertriebene («Internally Displaced Per- sons» [IDPs]) dem Vorliegen begünstigender individueller Faktoren beizu- messen (vgl. u.a. Urteile des BVGer D-2775/2020 vom 8. Juli 2020 E. 8.3.2; D-787/2020 vom 17. April 2020 E. 7.3; D-7151/2018 vom 25. Feb- ruar 2020 E. 7.4.4, m.w.H.; E -2855/2018 vom 14. Januar 2019 E. 5.6.1; D-1779/2016 vom 6. Dezember 2018 E. 7.3.2; BVGE 2008/5 E. 7.5). Die Anordnung des Wegweisungsvollzugs setzt insbesondere voraus, dass die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt oder längere Zeit dort gelebt hat und dort über ein soziales Beziehungsnetz (Familie, Ver- wandtschaft oder Bekanntenkreis) oder über Beziehungen zu den herr- schenden Parteien verfügt. Andernfalls dürfte eine soziale und wirtschaftli- che Integration in die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da der Erhalt einer Arbeitsstelle oder von Wohnraum weitgehend von gesellschaftlichen und politischen Beziehungen abhängt (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5; ausführ- lich zudem Urteil des BVGer E-6430/2016 vom 31. Januar 2018 E. 6.4.1 ff., m.w.H.). 8.3.4 Das SEM führte zu den individuellen Umständen im Wesentlichen aus, dass der Beschwerdeführer und sein Bruder B._______ sich bei einer Rückkehr gegenseitig unterstützen könnten. Sie würden über ein tragfähi- ges Beziehungsnetz verfügen und die Eltern seien erwerbstätig. Der Be- schwerdeführer habe einen Schulabschluss und habe danach Berufserfah- rung als (…) gesammelt. Sein Bruder und er hätten zudem mit der Unter- stützung der Familie die Reisekosten von C._______ in die Schweiz von 4000 Euro pro Person bezahlen können. Er sei ein junger Mann und es sei ihm aufgrund seiner Ausbildung zuzumuten, sich wieder um eine Arbeits- stelle zu bemühen, bei welcher er, sofern angezeigt, keine seinen Körper und insbesondere seine Armprothese belastende physische Arbeit leisten müsse. Seine Familie könne ihn bei einer Reintegration unterstützen. Auch seine Kriegsverletzungen würden der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs nicht entgegenstehen. Es sei ihm mit Hilfe seiner Familie und der Un- terstützung von der Partei Goran beziehungsweise PUK möglich gewesen, sich in G._______ und später in C._______ behandeln zu lassen. In der E-2625/2019 Seite 30 Schweiz habe er weitere medizinisch e Behandlung erhalten. Er habe die notwendigen Operationen und Behandlungen erhalten und sei genesen. Auch wenn der Verlust des (…) (…) arms und Teile (…) Finger der (…) Hand ihn im Alltag einschränken würden, sei bei einer Rückkehr in seine Heimat nicht davon auszugehen, dass er in eine existenzbedrohende Not- lage geraten würde, insbesondere in Anbetracht des vorhandenen sozialen und wirtschaftlich tragfähigen Beziehungsnetzes. 8.3.5 Der Beschwerdeführer wies in seiner Rechtsmitteleingabe darauf hin, dass das SEM die zahlreichen Arztberichte, insbesondere auch seine psy- chischen Erkrankungen ignoriert habe. Es sei entgegen den Schilderungen des SEM zudem für ihn schwierig, aufgrund seiner Invalidität wieder eine Arbeitsstelle aufzunehmen. Gemäss der geltenden Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts müssten für die Bejahung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs besonders begünstigende Umstände vorliegen. Diese seien vorliegend offensichtlich nicht gegeben. Es stelle sich einzig die Frage, ob im Fall einer geme insamen Ausschaffung mit dem Bruder B._______ die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bejaht werden könne. Aber auch beim Bruder B._______ könne nicht von besonders be- günstigenden Umständen ausgegangen werden. Er wäre nicht in der Lage, im Nordirak auch für den Beschwerdeführer aufzukommen. Der Beschwer- deführer wäre bei einer Rückkehr nicht in der Lage, Zugang zur erforderli- chen medizinischen Behandlung zu erhalten und könne auch finanziell nicht für sich aufkommen. Zudem sei er traumatisiert und bedürfe e iner psychotherapeutischen Behandlung. Es sei für ihn schwierig, die Erleb- nisse in der Heimat zu verarbeiten. Im Falle einer Rückkehr in den Nordirak würde er in eine existenzgefährdende Notlage geraten. 8.3.6 Der Beschwerdeführer stammt aus D._______ in der Provinz Sulai- maniya, Nordirak, wo er – abgesehen von seinem etwa (…)monatigen Auf- enthalt in Syrien – sein ganzes bisheriges Leben verbracht hat. Er verfügt über eine langjährige Schulbildung und hat das Gymnasium abgeschlos- sen (SEM Akte A12, F15). Danach habe er als (…) gearbeitet. In der Her- kunftsregion des Beschwerdeführers halten sich weiterhin diverse Ver- wandte (Eltern, zwei Brüder und mehrere Tanten) auf, mit denen er in Kon- takt steht (vgl. SEM Akte A12, F25; F30f.). Sein Vater ist (…)-Professor und arbeitet als (…) beim (…)ministerium. Seine Mutter arbeitet in einem (…) (a.a.O., F26f.). Ein Bruder hat sein Studium bereits abgeschlossen und der andere Bruder studiert an einer (…)-Fachhochschule (a.a.O., F28ff.). Mit Eingabe vom 18. Februar 2021 hat der Bes chwerdeführer darauf hinge-E-2625/2019 Seite 31 wiesen, dass ein Bruder Irak habe verlassen müssen. Weitere Informatio- nen hierzu liegen nicht vor. Auch wenn einer seiner Brüder Irak verlassen haben sollte, kann nach wie vor von einem bestehenden tragfähigen Be- ziehungsnetz ausgegangen werden, welches ihm bei der sozialen und wirt- schaftlichen Wiedereingliederung behilflich sein kann. Zudem wird auch der Wegweisungsvollzug seines sich ebenfalls in der Schweiz befindenden Bruders B._______ vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil heutigen Da- tums bestätigt (vgl. Urteil E-2626/2019). Das SEM hat hierzu treffend an- gemerkt, dass die beiden Brüder gemeinsam zurückkehren und sich unter- stützen können. Insgesamt verfügt der Beschwerdeführer somit über ein tragfähiges Beziehungsnetz in seiner Heimat. Auch wenn er aufgrund sei- ner körperlichen Beeinträchtigungen nicht mehr an seine bisherige Berufs- erfahrung anknüpfen kann, kann angenommen werden, dass er über die nötigen Voraussetzungen für den Aufbau einer neuen Existenz verfügt. Ins- besondere aufgrund seines Beziehungsnetzes und seine s Maturitätsab- schlusses ist vom Vorliegen begünstigender individueller Faktoren auszu- gehen. 8.3.7 8.3.7.1 Auch die medizinischen Beeinträchtigungen des Beschwerdefüh- rers stehen der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht entgegen. Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Grün- den ist nach Lehre und konstanter Praxis nur dann zu schliessen, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü- gung steht und die Rückkehr zu einer rasch en und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizini- sche Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschen- würdigen Existenz absol ut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung mög- lich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je mit weiteren Hinweisen). 8.3.7.2 Im vorinstanzlichen Verfahren reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 18. Mai 2017 einen Arztbericht seines Hausarztes vom 31. März 2017 zu den Akten (A19). Des Weiteren befindet sich ein Aus- trittsbericht des Kantonsspitals H._______ vom 4. Juli 2016 in den vo- rinstanzlichen Akten (A17). Daneben hat er diverse Arztberichte des Kran- kenhauses in C._______ sowie Unterlagen seiner Behandlung in E-2625/2019 Seite 32 G._______ und F._______ zu den Akten gereicht. Im Beschwerdeverfah- ren wies der Beschwerdeführer mit Eingaben vom 18. September 2020 und 23. September 2020 darauf hin, dass er unter Kriegserinnerungen leide und alle zwei Wochen in therapeutischer Behandlung stehe. Mit Eingabe vom 18. Februar 2021 wurden ergänzend vier Arztberichte des Kantonsspi- tals H._______, datierend vom 24. Mai 2016, 26. April 2016, 12. August 2016 und 10. April 2018, nachgereicht. Aktuellere Arztberichte wurden nicht eingereicht. Somit darf angenommen werden, dass der Beschwerdeführer über keine aktuelleren Arztberichte verfügt, oder er diese zumindest nicht als wesentlich für das vorliegende Asylverfahren erachtet hat. Aus den Arztberichten geht insgesamt hervor, dass der Beschwerdeführer aufgrund der im Jahr 2015 erfolgten Bombenexplosion an multiplen Gra- natsplitterverletzungen leidet. Er leidet an einer (…)verletzung und hat eine (…)prothese, sein (…) (…)arm wurde teilamputiert und er hat eine Pro- these erhalten. An der (…) Hand wurden (…) Finger teilamputiert. Vom 30. Juni 2016 bis zum 10. Juli 2016 war er im Kantonsspital H._______ hospi- talisiert, insbesondere zur Behandlung einer (…). In der Folge musste er zur regelmässigen Wundkontrolle und er erhielt beim Austritt Schmerzmit- tel. Gemäss dem Bericht vom 12. August 2016 konnte die Behandlung ab- geschlossen werden. Im Arztbericht vom 31. März 2017 empfiehlt der Hausarzt in Bezug auf seine physischen Leiden eine Physiotherapie (me- dizinische Trainingstherapie zum Aufbau der (…)muskulatur), reg elmäs- sige hausärztliche Verlaufskontrollen und eine bedarfsadaptierte fachor- thopädische Mitbetreuung. Daneben äussert der Hausarzt den Verdacht auf eine PTBS mit einer rezidivierenden mittelgradigen depressiven Epi- sode. Der Arzt führt weiter aus, bei unbehandelter psychischer Störung mit Aufarbeitung der posttraumatischen Kriegserlebnisse dürfte sich eine mög- licherweise lebenslange Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit er- geben. Bezüglich der psychischen Situation bei kontinuierlicher Psycho- therapie lasse sich die Prognose seines Erachtens nur schwer abschätzen. 8.3.7.3 Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers sind zweifelsfrei belastend und schränken ihn in seinem Alltag ein Stück weit ein. Ohne diese relativieren zu wollen, sind sie jedo ch im Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung nicht geeignet, um auf eine existenzielle Gesundheitsgefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu schliessen. Aus den Akten geht nicht hervor, dass der Beschwerdefüh- rer derzeit auf weitere Oper ationen oder sonstige medizinische Behand- lungen angewiesen wäre. Ob es ihm in der Zwischenzeit gelungen ist, seine (…)muskulatur zu stärken oder ob er nach wie vor Physiotherapie E-2625/2019 Seite 33 benötigt, ist nicht ersichtlich. Eine entsprechende Behandlung beziehungs- weise die Übungen zur Stärkung der (…)muskulatur könnte er jedoch bei Bedarf auch im Nordirak weiterführen. In Bezug auf seine psychischen Lei- den ist zunächst festzustellen, dass sich abgesehen von dem Bericht des Hausarztes vom 31. März 2017 k eine diesbezüglichen Unterlagen in den Akten befinden. Den Akten können somit keine aktuellen Informationen zu seinem psychischen Gesundheitszustand entnommen werden. Im Rah- men seiner Mitwirkungspflicht wäre er gehalten gewesen, ents prechende Therapieberichte einzureichen. Da dies unterblieben ist und der Beschwer- deführer sich in der letzten Eingabe ans Gericht, mit welcher er Arztberichte eingereicht hat, nicht auf seine psychischen Beeinträchtigungen bezogen hat, kann angenommen werden, dass diesbezüglich kein Behandlungsbe- darf besteht. Selbst bei Annahme von psychischen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers in einer gewissen Schwere kann mit Verweis auf die geltende Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (siehe etwa Ur- teile des Bundesverwaltungsgerichts D -233/2017 vom 9. März 2017 E. 10.8 m.w.H. und D-6464/2018 vom 26. Februar 2020 E. 10.2.5) festge- halten werden, dass von einer adäquaten Behandelbarkeit einer solchen Erkrankung im Nordirak auszugehen ist. Auch wenn gewisse E inbussen des Betreuungsstandards im Vergleich mit der Schweiz nicht in Abrede zu stellen sind, ist die medizinisch -psychiatrische Grundversorgung für die Behandlung der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme des Be- schwerdeführers bei dessen Rückkehr in seinen Heimatstaat grundsätzlich gewährleistet. Zudem ist auf die Möglichkeit spezifischer medizinischer Rückkehrhilfe, die nicht nur in der Form der Mitgabe von Medikamenten, sondern beispielsweise auch in der Übernahme von Kosten für notwendige Therapien bestehen kann, hinzuweisen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers lassen somit insgesamt nicht auf eine medizinische Notlage schliessen. 8.3.8 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). E-2625/2019 Seite 34 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8.6 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass das SEM nach dem Gesagten korrekt im Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung den Vollzug der Wegweisung verfügt hat. Es ergeben sich aus dem Verfahren keine Anzeichen, dass es sich bei der Prüfung des Wegweisungsvollzugs von den Abklärungsergebnissen des NDB hat leiten lassen, wie der Be- schwerdeführer in seiner Beschwerdeergänzung vermutet hat (Beschwer- deergänzung Art. 116). Die Einschätzung des NDB hatte somit keine ne- gativen Konsequenzen für den Beschwerdeführer. 8.7 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll- zug nicht entgegen. Bei der Corona-Pandemie handelt es sich, wenn über- haupt, um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rah- men der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Hei- matland angepasst wird. Die Unmöglichkeit eines Wegweisungsvollzug s ist demgegenüber gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts erst dann festzustellen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als auch ein zwangsweiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlichkeit nach für die Dauer von mindestens einem Jahr als undurchführbar erweisen (vgl. beispielsweise Urteil des BVGer E -7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2 m.w.H.). Dies ist in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung der Pandemie nicht anzunehmen. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung vom 7. Juni 2019 wurde indessen das Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung gutgeheissen und die Bedürftigkeit des Beschwerde- führers ist gemäss den Akten weiterhin gegeben, weshalb keine Verfah-E-2625/2019 Seite 35 renskosten aufzuerlegen sind. Auch wäre der festgestellte Verfahrensman- gel bei der Festlegung allfälliger Kosten zu berücksichtigen gewesen (vgl. BVGE 2008/47 E. 5.1). 11. Praxisgemäss ist eine anteilsmässige Parteientschädigung zuzusprechen, wenn, wie vorliegend, eine Verfahrensverletzung auf Beschwerdeebene geheilt wird. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfakto- ren (Art. 9-13 VGKE) ist die vom SEM auszurichtende Parteientschädigung auf Fr. 150.- festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) E-2625/2019 Seite 36 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 150.- auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Tina Zumbühl Versand: