B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6148/2009 U r t e i l v o m 1 7 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter François Badoud, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), und deren Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), und F._______, geboren am (…), Syrien, alle vertreten durch Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. August 2009 / N (…). E-6148/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden , kurdische Syrer sunnitischer Religion s- zugehörigkeit mit letztem Wohnsitz in G._______, Provinz G._______, verliessen eigenen Angaben zufolge am 21. September 2007 ihr Heima t- land, indem sie nachts gegen zwei Uhr ein Flugzeug einer unbekannten Fluggesellschaft auf dem Flugplatz in G._______ bestiegen, mit dem sie im Direktflug innert einer Flugdauer von vier bis fünf Stunden einen unbe- kannten Flugplatz in Europa erreichten. Nach einer anschliessenden fünf- bis sechsstündigen Autofahrt durch unbekanntes Gebiet trafen sie in der Schweiz ein, wo sie gleichentags ein Asylgesuch stellten. Am 8. Oktober 2007 wurden sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlin- gen summarisch zu den Personalien und Ausreisegründen befragt. An- fragen des BFM auf einen allfälligen registrierten früheren Aufenthalt der Beschwerdeführenden in Deutschland, Österreich, Frankreich und den Niederlanden wurden von den zuständigen ausländischen Behörden n e- gativ beantwortet. Am 24. Januar 2008 hörte das BFM die Beschwerde- führenden zu den Asylgründen an. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer während der Anhörungen geltend, sich vor den Staatssicherheitsdiensten zu fürchten. Er sei nie po- litisch aktiv gewesen und habe zuvor keine Probleme mit den syrischen Behörden oder Sicherheitskräften gehabt. Im Jahr 2007 habe er bei den Präsidentschaftswahlen seine Stimme nicht abgegeben. Als er (…) D._______ am 1. September 2007 habe zur Einschulung anmelden wo l- len, hätten die Behörden seine Wählerkarte gefordert und se in Versäum- nis entdeckt. Tags darauf sei er auf den Posten des politischen Siche r- heitsdienstes geführt und eine Woche lang unter schweren Misshandlun- gen festgehalten worden. Als er sich schliesslich bereit erklärt habe, als Informant für den Sicherheitsdien st tätig zu sein, habe ihn dieser freig e- lassen. Da er sein Versprechen nicht gehalten habe, sei er nach mehr e- ren Kontrollanrufen auf den Posten geführt und einen Tag lang festgeha l- ten worden, wo er sich erneut zur Zusammenarbeit mit den Sicherheit s- kräften verpflichtet habe. Als sie ihn freigelassen hätten, habe er der B e- schwerdeführerin aufgetragen, alles für die Flucht vorzubereiten. Am se l- ben Abend habe er sich mit seiner Familie ins Dorf H._______ begeben, wo sie sich zehn Tage lang bis zur Ausreise vers teckt hätten. Mit Hilfe e i- nes Schleppers habe er mit der Familie über den Internationalen Flugha- fen in G._______ in Richtung Europa ausreisen können. E-6148/2009 Seite 3 Die Beschwerdeführerin gab an, nicht politisch aktiv gewesen zu sein und in Syrien keine Probleme gehabt zu haben. Sie habe Syrien in erster L i- nie wegen der Schwierigkeiten des Beschwerdeführers verlassen. Sie möchte als Kurdin nicht in das von einer arabischen Bevölkerungsmeh r- heit dominierte Syrien zurückkehren . Sie wolle mit ihren Kindern dort nicht ohne ihren Mann leben. Die Beschwerdeführenden reichten Farbkopien von plastifizierten Identi- tätskarten und die Kopie ihres Familienbüchleins ein. A.b Am 23. Oktober 2008 ersuchte das BFM die Schweizerische Bo t- schaft in Damaskus um Abklärung verschiedener Fragen. A.c Am 14. Dezember 2008 teilte die Schweizerische Botschaft der Vo r- instanz unter Angabe dreier Reisepassnummern mit, dass die Beschwe r- deführenden die syrische Staatsangehörigkeit und syrische Reisepässe besitzen. Sie hätten mit den Kindern C._______, D._______ und E._______, die selber einen eigenen Reisepass hätten, ihr Heimatland am (…) 2007 via Damaskus in Richtung Libyen verlassen. Sie würden von den syrischen Behörden nicht gesucht. Das BFM teilte in der Folge den Beschwerdeführenden den wesentlichen Inha lt der Abklärungse r- gebnisse mit und gewährte ihnen dazu das rechtliche Gehör. A.d Am 30. Dezember 2008 zog das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich den ausländischen Führerausweis des Beschwerdeführers vom (…) 2008 zu Handen des BFM ein. A.e Die Stellungnahme de r Beschwerdeführenden zum Botschaftserge b- nis datiert vom 8. Januar 2009. Sie ersuchten um vollständige Aktenei n- sicht vor einem eventuellen Entscheid und erklärten, an ihren Aussagen festzuhalten, und abgelaufene syrischen Reisepässe zu besitzen. Für die Einreichung der alten Ausweise beantragten sie eine Frist von minde s- tens dreissig Tagen. Sie seien nicht mit ihren eigenen Reisepässen au s- gereist, sondern hätten grünliche nicht -syrische Pässe bei der Ausreise verwendet, die vom Schlepper beschafft worden se ien und auf ihre N a- men gelautet hätten. Auf das Ergebnis der Botschaft sei nicht abzustellen. So dürfte der syrische Geheimdienst der Schweizer Botschaft diese In- formationen zugespielt haben, um auf diese Weise zu erreichen, dass der Beschwerdeführer in se in Heimatland zurückgeschafft werde. Es lägen auch keine Einträge oder Registerkopien vor, die belegen könnten, dass die Ausreise wie von den syrischen Behörden behauptet stattgefunden habe. Blosse Aussagen einer nicht überprüfbaren und nicht genannt sein E-6148/2009 Seite 4 wollenden Quelle seien nicht geeignet, die glaubhaften Angaben des B e- schwerdeführers zu erschüttern. Mithin sei auf die Asylangaben abzustel- len. Zum bereits Bekannten führte er ergänzend aus, sich in Syrien schon politisch betätigt und dieses Engagement in der Schweiz fortgesetzt zu haben. Er sei mittlerweile Mitglied der Yekiti-Partei (Partîya Yekîtî ya D e- mokrat a Kurd li Sûrîyê; Kurdische Demokratische Partei der Einheit in Syrien) in der Schweiz geworden. Er habe an zahlreichen Kundgebungen in der Schwei z teilgenommen. Davon existierten viele zum Teil auf dem Internet abrufbare Text - und Bilddokumente. Ausgestrahlte Filmaufna h- men der H._______ hätten ihn gut erkennbar bei einer Demonstration vor der syrischen Botschaft in Bern gezeigt. B. Nach gewährter Akteneinsicht vom 20. August 2009 stellte das BFM m it Verfügung vom 25. August 2009 – eröffnet am 27. August 2009 – fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz und ordnete unter Ansetzung einer Ausreisefrist den Vollzug an. C. Die Beschwerdeführenden beantragten mit Eingabe vom 28. September 2009 beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Anerke nnung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylg e- währung beziehungsweise eventualiter wegen unzulässigen oder unz u- mutbaren Wegweisungsvollzugs die Anordnung der vorläufigen Aufna h- me. In prozessualer Hinsicht beantragte n sie die Überprüfung der eing e- reichten Kopien des syrischen Reisepasses Nr. (…) durch die Schweizer Botschaft in Syrien und die Gewährung der unentgeltlichen Prozessfü h- rung und die amtliche Verbeiständung . Mit der Beschwerde reichte n sie eine Vollmacht vom 6. Januar 2009, Kopien "aller Seiten m it Einträgen" des Passes Nr. (…) des Beschwerdeführers sowie diverse Bestätigungen und Hinweise aus den Jahren 2008 und 2009, darunter ein Schreiben der "Yekiti Schweiz" vom (…) 2009, mit welchem der Beitritt zu dieser Partei des Beschwerdeführers bestätigt wird, mit Bildmaterial über politische Ak- tivitäten des Beschwerdeführers, eine DVD und Kopien der angefocht e- nen Verfügung ein. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D. E-6148/2009 Seite 5 D.a Am 13. Oktober 2009 forderte der Instruktionsrichter die Beschwerde- führenden auf, ihre Reisepässe im Original innerhalb von sieben Tagen ab Erhalt dieser Zwischenverfügung einzureichen. Weiter gab er Gel e- genheit, innerhalb von sieben Tagen ab Erhalt der Zwischenverfügung zu den Feststellungen und Schlüssen des Bundesverwaltungsgerichts Ste l- lung zu nehmen und wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Prozessführung ab. Die Behandlung der übrigen Anträge verlegte er auf einen späteren Termin. D.b Diesen Aufforderungen kamen die Beschwerde führenden nicht nach und reichten stattdessen am 13. Oktober 2009 Farbkopien von 16 Seiten des Reisepasses Nr. (…), ausgestellt in G._______ am (…) 2006 und gültig bis am (…) 2012, sowie eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit vom 5. Oktober 2009 ein. E. Mit Schreiben vom 21. Oktober 2009 beantragten die Beschwerdeführen- den wiedererwägungsweise die Gewährung der unentgeltlichen Prozes s- führung und die Durchführung einer Botschaftsabklärung. Die von der Botschaft in Erfahrung gebrachte Nummer, die den Reisepass des B e- schwerdeführers betreffen soll, sei falsch. Die syrischen Behörden wollten offenbar verheimlichen, dass er in Syrien gesucht und illegal ausgereist sei. Weiter habe er erst mit der Zusendung der vollständigen Passkopien per E -Mail des mit Bestechung erlangten Reisepasses, den er im Jahr 2006 für eine Pilgerreise in Saudi Arabien benutzt habe, in Erfahrung g e- bracht, dass diese r noch bis 2012 gültig sei. Er erklärte, es sei weniger gefährlich, einen Führerausweis ausser Landes zu schmuggeln a ls einen Pass, und ein Passverlust wiege schwerer. Immerhin habe er ID -Karten und einen Führerschein im Original zu den Akten gereicht. Weiter erinn e- re er daran, dass exilpolitisch aktive Kurden bei einer Rückkehr in ihr Heimatland verfolgt würden. In der Beilage reichte er einen Aufruf (Urgent Action) von amnesty international vom 6. Oktober 2009 sowie den ersten Teil einer Hotmail der Organisation CDF vom 5. Oktober 2009 betreffend das Schicksal eines in Deutschland abgewiesenen syrischen Asylbewer- bers und Kurden nach dessen Heimschaffung vom 1. September 2009 zu den Akten. F. Mit Schreiben vom 27. Oktober 2009 reichte er Internetauszüge von poli- tischen Veranstaltungen vom 25. Juli 2009 und 30. September 2009 ein, die seine eigenen exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz betreffen, und E-6148/2009 Seite 6 beantragte, die Beweismittel unter dem Aspekt subjektiver Nach-Flucht- gründe zu prüfen. G. G.a Mit Zwischenverfügung vom 1. Februar 2010 hiess das Bundesve r- waltungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung in Änd e- rung de s entsprechenden Dispositivpunktes in der Zwischenverfügung vom 13. Oktober 2009 vorbehältlich einer Verbesserung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers gut, sah von der Erhebung eines Kostenvorschusses ab, wies den Antrag auf amtliche Verbeis tändung ab und verlegte die Behandlung der übrigen Anträge auf einen späteren Zeitpunkt. Gleichzeitig lud es das BFM zu einer Vernehmlassung ein. G.b In ihrer Vernehmlassung vom 23. Februar 2010 erklärte die Vori n- stanz, keinen Anlass auf Änderung der angefochtenen Verfügung zu e r- kennen und beantragte die Abweisung der Beschwerde. G.c Mit Replik vom 30. März 2010 reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel zu seinem politischen Engagement ein. Darunter befanden sich eine weitere Bestätigung der Yekiti Partei Schweiz vom 15. Septem- ber 2009, Internetauszüge über Ereignisse anlässlich von Kundgebu n- gen, Fotos und Berichte oder Kundgebungsblätter zu diversen Demons t- rationen in der Schweiz in den Jahren 2009 und 2010, die ihn anlässlich der Demonstrationen zeigten, sowie drei Unterstützungsschreiben vom 24., 29. und 30. März 2010 über schulische Fortschritte der Kinder und Integrationshinweise. H. Mit Schreiben vom 17. Mai 201 1 behauptete der Beschwerdeführer, sein Vater sei wegen seiner zunehmenden Aktivitäte n in der Schweiz meh r- mals wöchentlich auf den Posten der Sicherheitskräfte vorgeladen und verhört worden. Als er von einer solchen Vorladung eine Woche lang nicht mehr nach Hause gekommen sei, habe ein behördlicher Auftrag die Fa- milie erreicht , die Leiche des Vaters mittels einer Gesichtskontrolle zu identifizieren und ihn innert drei Stunden zu beerdigen, Letzteres in Be- gleitung dreier Beamten. Laut Angaben der Sicherheitsbehörde habe der Vater einen Herzinfarkt erlitten. Weiter habe der Besch werdeführer nicht nur bei der Partiya Yekitîya Demokrat (PYD, eine Teilorganisation der Ar- beiterpartei Kurdistans in Syrien, Ḥizb al-Ittiḥād ad-Dīmuqrāṭī) und für die Yekiti-Partei demonstriert, sondern massgeblich einzelne politische Aktio- nen selber organisiert und er sei insbesondere als Verfasser regimekriti-E-6148/2009 Seite 7 scher Texte im Internet aufgetreten. Am 15. April 2011 habe das französi- sche Konsul at die Protestnote der Demonstranten der Yekiti -Partei en t- gegengenommen. Der Beschwerdeführer reichte dabei Beweismittel ein, seine politischen Tätigkeiten im Internet und in der Schweiz im Jahr 2010/11 betreffend. Später gab er mit Schreiben vom 16. Juni 2011 weite- re Beweismittel zu den Akten, die erwähnten Sachverhalte betreffend. Als Verfasser des regimekritischen Textes vom (…) 2011 sei er mit seinem Foto im Internet veröffentlicht. I. I.a Der Instruktionsrichter lud das BFM am 11. August 2011 aufgrund der veränderten Situation in Syrien zu einer neuen Vernehmlasssung ein. I.b Mit Verfügung vom 16. August 2011 zog das BFM die angefochtene Verfügung vom 25. August 2009 teilweise in Wiedererwägung, anerkan n- te die originäre Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und ane r- kannte betreffend die Beschwerdeführerin "und ihr Kind" die (abgeleitete) Flüchtlingseigenschaft – wobei es gemäss dem Bezugsvermerk alle vier Kinder der Beschwerdeführerenden namentlich nannte – und nahm die Beschwerdeführenden infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf. J. J.a Mit Zwischenverfügung vom 2 6. August 2011 stellte das Bundesve r- waltungsgericht fest, dass die Beschwerde vom 28. September 2009 durch den Entscheid des BFM vom 16. August 2011 bezüglich Flüch t- lingseigenschaft und Wegweisungsvollzug gegenstandslos geworden ist, und fragte die Beschwerdeführenden an, ob sie die Beschwerde im nicht gegenstandslos gewordenen Umfang zurückziehen möchte n. Zudem e r- hielt der Rechtsvertreter Gelegenheit, eine Honorarnote einzureichen. J.b Die Beschwerdeführenden hielten in ihrer Stellungnahme vom 9. Sep- tember 2011 an ihrer Beschwerde fest, weil die Botschaftsauskunft falsch ausgefallen sei. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht bloss aufgrund subjektiver Nach-Fluchtgründe, sondern habe sie bereits im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien erfüllt. Weiter könnten Beschwerdeführerin und Kinder nichts dafür, dass er si ch intensiv pol i- tisch betätigt habe. Sie hätten bei einer Rückkehr nach Syrien schwe r- wiegende Nachteile wegen Reflexverfolgung zu befürchten und erfüllten die Flüchtlingseigenschaft zumindest aus objektiven Nach-Fluchtgründen. Eventualiter sei die Angelegenheit ans BFM zurückzuweisen, da die Bot-E-6148/2009 Seite 8 schaftsauskünfte falsch seien; zwecks Neubeurteilung des Asylgesuchs unter dieser Voraussetzung. Die beim Bundesverwaltungsgericht eing e- reichte Honorarnote datiert vom 9. September 2011. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung und sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.5 Die Schweiz gewährt Flüchtlingen auf Gesuch hin Asyl, sofern kein Asylausschlussgrund vorliegt (Art. 2 Abs. 1, Art. 49, Art. 50 ff. AsylG). Das BFM hat in seiner Verfügung vom 19. August 2011 d ie Beschwerde- führenden aufgrund ihrer exilpolitischen Akti vitäten als Flüchtling e aner- kannt. In Anwendung des sich auf subjektive Nach -Fluchtgründe bezie- henden Asylausschlussgrundes von Art. 54 AsylG hat es die Asylgewä h- rung verweigert und dem Beschwerdeführer die originäre und der B e-E-6148/2009 Seite 9 schwerdeführerin und den geme insamen Kindern die abgeleitete Flücht- lingseigenschaft zuerkannt, wobei es alle Beteiligte vorläufig aufgenom- men hat. Damit sind die Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Ve r- fügung gegenstandslos geworden. Da die Beschwerdeführenden an ihren nicht gegenstandlos gewordenen Rechtsbegehren festhalten, ist nachfol- gend zu prüfen, ob sie einen Anspruch auf Asyl haben. 2. 2.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nation alität, Zu- gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer polit i- schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder b e- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden; als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie mit beachtl i- cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreic henden staatlichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f., BVGE 2008/4 E. 5.2, m.w.H.). Die im Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen , dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, die untren n- bar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 32 E. 8.7.1). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge - geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesent - lichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-6148/2009 Seite 10 2.2 Nachfolgend ist nur noch auf Vorbringen einzugehen, die grundsät z- lich geeignet sind, einen Asylanspruch zu begründen, das heisst auf vor dem Verlassen Syriens bestandene und bis heute andauernde Fluch t- gründe oder allfällige ohne Dazutun der Beschwerdeführenden nach ihrer Ausreise entstandene Gründe für eine aktuelle begründete Furcht vor Verfolgung (sog. objektive Nach-Fluchtgründe). 2.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt aus den nachfolgenden Grü n- den zum Schluss, dass die diesbezügliche Betrachtungsweise und die Schlussfolgerungen der Vorinstanz letztlich zutreffen. 2.3.1 Die generelle Situation in Syrien ist für politische Opponenten seit Jahren angespannt, namentlich hinsichtlich solche kurdischer Ethnie. In Anbetracht der zahlreichen erheblichen Widersprüche und Ungereimthei- ten in zentralen Asylangaben – es kann im Einzelnen auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung (E. I.1 und I.2) sowie auf die wesentli- chen Feststellungen in Rubrik E verwiesen werden, die die Beschwerd e- führenden mit ihren Behauptungen und Beweismittel nicht im Kern haben entkräften können – kann den Beschwerdeführenden nicht geglaubt wer- den, dass sie in Syrien wegen ihrer Ethnie, ihrer Wahlabstinenz im Jahr 2007 anlässlich der Wahl des Staatspräsidenten und ihre s politischen Engagements in Syrien in der geltend gemachten Weise seit September 2007 verfolgt worden sind. So hat sich der Beschwerdeführer seinen An- gaben in den Anhörungen zufolge nie politisch oder religiös in Syrien be- tätigt; er gab an, nicht einmal ein Interesse an der Politik gezeigt zu ha- ben (A1 S. 9). Dieses mangelnde politische Engagement widerspricht der auf Beschwerdestufe nachgeschobenen Behauptung einer seinerzeitigen politischen Tätigkeit auf hohem Niveau (vgl. dazu die Formulierung "ko n- tinuierlich auf hohem Niveau weiter gefüh rtes politisches Engagements" in der Schweiz; vgl. Eingaben vom 8. Januar 2009 und 30. März 2010) , die eine begründete Furcht vor Verfolgung aus politischen Gründen schon im Zeitpunkt der Ausreise monieren möchte. Vor dem Hintergrund des kompromisslosen Verhaltens syrischer Sicher- heitskräfte, Militärdienststellen und Strafverfolgungsbehörden gegenüber erkannten politischen Aktivisten und staatsgefährdenden Personen ist es weiter nicht glaubhaft, dass diese Behördenvertreter den Beschwerdefüh- renden erlaubt hätten – wäre der Beschwerdeführer wirklich im von ihm geltend gemachten Mass (vgl. dazu A1 S. 8 f., A22 S. 4 , 7) über die an- gegebene Zeitdauer hinweg verfolgt, gefoltert und schikaniert worden –, noch im Besitz der syrischen Pässe zu sein. Zudem ist schwer vorstell-E-6148/2009 Seite 11 bar, dass sich die Familie des Beschwerdeführers vor den politischen Si- cherheitsbehörden im Dorf H._______ acht beziehungsweise zehn Tage lang im Versteck in Sicherheit habe wiegen können, wenn der Beschwer- deführers ernsthaft (angeblich fast tägliche Kontrolltelefonanrufe) von den Sicherheitskräften gesucht worden wäre. So hat er in diesem Kontext ver- lauten lassen, im erwähnten Dorf (rechtmässiger) Besitzer eines Hauses gewesen zu sein und sich öfters dort aufgehalten zu haben (A1 S. 2, A22 S. 8). Also wäre dieser Zufluchtsort im Falle einer effektiven Suche nach ihm der Behörde von Anfang an oder jedenfalls bald bekannt gewesen. Ein zehntägiges Fehlen einer Familie eines tatsächlich Gesuchten wäre den Fahndern aufgefallen; Grenz- und Sicherheitsbehörden, namentlich diejenigen an den internationalen Flugplätzen Syriens, wären umgehend über das Verschwinden orientiert worden . Dass der Beschwerdeführer und seine Angehörigen nach erfolgten massiven und erniedrigenden B e- handlungen durch viele Personen des politischen Sicherheitsapparates (Amen Siasi) im September 2007 weiterhin ihre Reisedokumente beses- sen und verwendet haben sollen, ist umso weniger glaubhaft, als an den internationalen Flughäfen Syriens eine rigorose Ko ntrolle durch Sicher- heitsleuten besteht. Die problemlose gemeinsame Ausreisen der Familie, welche angeblich über den internationalen Flughafen in G._______ – also in der Wohnregion des Beschwerdeführers – erfolgt sei, ist ein weiteres Indiz dafür, dass wes entliche Punkte der Asylbegründung (namentlich Verfolgungs- und Haftmodalitäten) nicht zutreffen können. Aber auch aus weiteren Gründen bleiben die Ausreisemodalitäten u n- glaubhaft. Zwar beanstanden die Beschwerdeführenden wortreich die an- geblich unsorgfältigen Abklärungen durch die Schweizer Botschaft und die angeblich nicht stimmigen Nummern der Reisepässe, bringen aber ih- rerseits nicht die geringste Erklärung für die von ihnen erzählten unzähl i- gen Unwahrheiten bezüglich ihrer Pässe. Anfänglich führte der Beschwer- deführer aus, einen im (…) 2005 in G._______ ausgestellten und bis 2011 gültigen syrischen Pass besessen zu haben, mit diesem ausgereist zu sein und ihn dem Schlepper übergeben zu haben, welcher ihn nicht zurückgegeben habe (A1 S . 4). Auch die Beschwerdeführerin bestätigte, dass ihr syrischer Pass im Jahr 2005 ausgestellt und von ihrem Mann dem Schlepper übergeben worden sei; die Kinder seien ebenfalls mit echten syrischen Pässen, die kurz vor dem Verlassen des Landes aufg e- stellt worden seien, ausgereist (A2 S. 4). Auch bei der Anhörung bleibt der Beschwerdeführer dabei , dass die benutzten Pässe sich beim Schlepper befänden (A22 S. 3 und 10). Die Beschwerdeführerin bestätigt, E-6148/2009 Seite 12 dass jedenfalls sie und ihr Mann mit ihren echten Pässen ausgereist und diese beim Schlepper geblieben seien (A21 S. 3 und 10). In der Stellung- nahme vom 8. Januar 2009 (A30/3) hiess es plötzlich, die echten syr i- schen Pässe des Beschwerdeführers und der Beschwerdeführerin befä n- den sich noch in Syrien , sie sei en allerdings abgelaufen; auf ihrer Reise hätten sie nicht die eigenen Pässe benutzt, sondern vom Schlepper zur Verfügung gestellte, grünliche nicht-syrische Pässe, die auf ihre richtigen Namen (sic!) ausgestellt gewesen seien. Es werde versucht, ihre Pässe ausser Landes zu bringen und einzureichen. Mit der Beschwerde (act. 1) werden Schwarzweisskopien der Hauptseite sowie der Seiten 6 -9, 24/25 und 48/49 des auf den Namen des Beschwerdeführers lautenden Passes Nr. (…) eingereicht, nicht aber Kopien des Passes der Beschwerdeführe- rin. Weshalb der Beschwerdeführer seinen Pass zu Hause gelassen h a- be, um dann dennoch unter dem eigenen Namen auszureichen, wird nicht erklärt, und zum Pass der Beschwerdeführerin wird nichts gesagt. Am 13. Oktober 2009 (A5) wird eine Farbkopie des angeblich vollständ i- gen Passes des Beschwerdeführers eingereicht; tatsächlich zu den Akten gegeben wurden Farbkopien des Umschlags sowie der Seiten 2-15, 26/27, 32-41 und 48/49 sowie eine aufgrund des kleinen Formats unl e- serliche leere Doppelseite), wiederum ohne Erklärung, weshalb die Orig i- nalpässe der Ehegatten noch immer nicht zu den Akten gegeben werden. Gemäss den Einträgen auf der neu eingereichten Seite 2 wurde der Pass am (…) 2007 ausgestellt und ist bis (…) 2012 gültig. Aufgrund der Lügen und Widersprüche, der zögerlichen und noch immer unvollständigen Ein- reichung der Kopien aller Passseiten und des Verschweigens der Gründe für die Nichteinreichung der Originalpässe steht für das Bundesverwa l- tungsgericht fest, dass die Beschwerdeführenden ihre Pässe bewusst zu- rückhalten und mit der Nichteinreichung wichtige Tatsachen verschweigen wollen. Vor diesem Hintergrund verliert die Botschaftsantwort in Bezug auf die Nennung einer anderen Passnummer an Bedeutung. Ein Blick auf die im Flug- und Autoverkehr üblichen Zeit- und Wegverhältnisse lässt im Übrigen erkennen, dass mit einem vier- bis fünf Stunden dauernden Di- rektflug ab dem Internationalen Flugplatz in G._______ kein Zielflughafen in Europa mit einer Linienmaschine n erreichbar ist, der es dem Reisen- den anschliessend erlauben würde, gleichentags nach einer Autofahrt von fünf- bis sechs Stunden (an einem Freitagabend) das EVZ in Kreuz- lingen zu erreichen – wie dies von den Beschwerdeführenden geltend gemacht worden ist . Unter welchen Umständen dem Beschwerdeführer während seines Aufenthaltes in der Schweiz am (…) 2008 in G._______ ein Führerausweis ausgestellt worden ist und weshalb er es unterlassen hat, diesen Ausweis von sich aus den Asylbehörden einzureichen, fand E-6148/2009 Seite 13 nie eine Erklärung – auch in die ser Unterlassung ist eine Mitwirkung s- pflichtverletzung zu erblicken, welche darauf hindeutet, dass ein Lüge n- konstrukt aufrechterhalten werden will. Angesichts dieser bloss beispielhaft aufgezeigten Fehlverhalten, Unstim- migkeiten und Widersprüche ist den Einwendungen gegen das Abkl ä- rungsergebnis der Schweizer Botschaft vom 14. Dezem ber 2008 nicht zu folgen, zumal mangels eines erkennbaren Verfolgungsinteresses des sy- rischen Staates nicht erkennbar ist, weshalb die Schweizer Botschaft im Abklärungszeitpunkt hätte irrgeführt werden sollen . Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung des Asylgesuchs unter der Auflage, das Ergebnis der Botschaftsabklärung inskünftig nicht zu beachten, ist damit abzuweisen. Das Ergebnis der Botschaftsabklärung findet damit uneingeschränkt A n- wendung, wobei wie gesagt völlig unwichtig ist, ob die von der Botschaft genannten Pässe mit den Nummern (…), (…) und (…) den fünf B e- schwerdeführenden zuzuordnen sind, da jedenfalls von einer legalen Ausreise der Beschwerdeführenden mit ihren eigenen Pässen über Da- maskus auszugehen ist. Somit fallen die geltend gemachten Asylangaben aus zeitlichen und räumlichen Überlegungen als blosses Konstrukt in sich zusammen. Zusammenfassend ist den Beschwerdeführenden somit nicht zu glauben, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien einen Grund zur Befürch- tung gehabt haben, von syrischen Behörden verfolgt zu werden. 2.3.2 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist i n- dessen nicht d ie Situation im Zeitpunkt der Ausreise, sondern diejenige im Zeitpunkt des Datums des Asylentscheides, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder begründete Furcht vor Verfolgung im Zeitpunkt der Au s- reise Hinweis auf weiterbestehende Gefährdung sein kann; Veränderun- gen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asy l- entscheid sind zugunsten und zulasten der Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (BVGE 2008/4 E.5.4 m.w.H.). Eine asylsuchende Person ist somit auch dann als Flüchtlin g anzuerken- nen, wenn sie erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer Rückkehr in ihren Heimat - oder Herkunftsstaat Verfolgung zu b e- fürchten hat. Zu unterscheiden ist dabei zwischen objektiven Nach - Fluchtgründen und den hier nicht mehr interessierende subjektiven (vgl. E-6148/2009 Seite 14 E. 1.5). Objektive Nach -Fluchtgründe liegen vor, wenn äussere Umstä n- de, auf die die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von einer Verfolgung bedrohten Person ist in solch en Fällen Asyl zu gewähren. Konkret stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführenden Reflexverfolgung zu befürchten ha ben, wie namentlich im Schreiben vom 9. September 2011 behauptet wird. Gemäss den dem Bundesverwaltungsgericht vorliegenden Erkenntnissen ist es in Syrien in der Vergangenheit wiederholt zu Verfolgung von Famili- enangehörigen politischer Aktivisten gekommen. Familienangehörige von Personen, die von den Behörden oppositioneller oder staatsfeindlicher Aktivitäten verdächtigt werden und sich ins Ausland abgesetzt haben oder anderweitig untergetaucht sind, laufen vermehrt Gefahr, von syrischen Behörden gesucht, verhört und inhaftiert zu werden. Somit wäre es denkbar, dass die in der Schweiz entstandenen Kontakte der Beschwerdeführenden zu politisch verfolgten, im Exil oder in Syrien lebenden Verwandten und Bekannten zu einer Verfolgung der Beschwer- deführenden bei einer Rückkehr führen könnten. Dazu gibt es allerdings in den Akten keine konkreten Hinweise im Hinblick auf die Beschwerd e- führenden. Es ist nicht anzunehmen, dass sich daran bei ihrer allfälligen Rückkehr nach Syrien insofern etwas ändern dürfte, als die zu befürc h- tende Verfolgung vorwiegend wegen Bekannt - und Verwandschaften im Sinne einer Reflexverfolgung, statt – wie bereits rechtskräf tig festgestellt – wegen des exilpoltischen Verhaltens in der Schweiz erfolgen würde. Die durch keine Beweismittel gestützten Behauptungen von Verhören und Vorladungen des Vaters mit anschliessender Todesfolge (vgl. Schreiben vom […] 2011) sowie Fahndungen von Sicherheitskräften nach dem B e- schwerdeführer ändern nichts an d ieser Erkenntnis, dass er selber im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien keine politische oder gesuchte Per- son war. In diesem Kontext ist anzuführen, dass – abgesehen von den Behauptungen betreffend den Vater – über die engeren Familienangehö- rigen der Beschwerdeführenden, die allesamt in G._______ wohnhaft sind (…), in all den Jahren nicht bekannt geworden wäre, dass sie allein wegen ihrer Verwandt - oder Bekanntschaft mit de n Beschwerdeführen- den je konkrete Nachteile erlebt hätten. Bei dieser Sachlage erscheint die sinngemäss geltend gemachte Verantwortung der Sicherheitskräfte am Ableben des Vaters und die behördliche Nachfrage nach dem Beschwer- deführer als aufgesetzt, zumal d ie Glaubwürdigkeit der Beschwerdefü h- renden angesichts ihrer Lügen und Vernebelungsaktivi täten bezüglich Ausreise und Ausweise nachhaltig erschüttert ist . Die problemlose Aus-E-6148/2009 Seite 15 reise über G._______ (gemäss eigener unglaubhafter Darstellung) bezie- hungsweise die problemlose legale Ausreise über Damaskus (gemäss Botschaft), beides unter Verwendung von Reisepässen, die ihren Namen trugen, sowie der Passbesitz über die ganze Zeit trotz angeblich massiver und erniedrigender Verfolgung sind weitere Indizien für eine fehlende Re- flexverfolgung. Bei den in der Beschwerde genannten Verwandten finden sich zudem keine engeren politischen Verbindungen zu den Beschwerde- führenden. Es ist damit nicht erkennbar, dass die syrischen Behörden in Bezug auf Letztere im heutigen Zeitpunkt ein Verfolgungsinteresse haben sollten. Zusammenfassend k önnen die Beschwerdeführenden keine ih nen dro- hende, flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung im Sinne einer Reflexver- folgung glaubhaft machen. Sie erfüllen damit die Flüchtlingseigenschaft unter dem Aspekt eines objektiven Nach-Fluchtgrundes nicht. 2.4 Somit erfüllen die Beschwerdeführenden die Anforderungen an einen Anspruch auf Asylerteilung nicht, und die angefochtenen Verfügung ist hinsichtlich der Asylverweigerung zu bestätigen. 3. 3.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 3.2 Die Beschwerdeführenden verfügten im Zeitpunkt des Entscheides des BFM weder üb er eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung (Art. 32 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 4. Zusammenfassend wird festgestellt, dass es de n Beschwerdeführenden bezüglich Asylverweigerung und Anordnung der Wegweisung (Dispositi v- punkte 2 und 3 der angefochtenen Verfügung) nicht gelungen ist darz u- tun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig feststellt oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerdeführenden sind je- doch mit ihren Begehren insofern durchgedrungen, als das BFM im zwei- ten Schriftenwechsel sie als Flüchtling e anerkannte und vorlä ufig au f-E-6148/2009 Seite 16 nahm. Die Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit sie nicht durch die Verfügung des BFM vom 16. August 2011 gegenstandslos geworden ist. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von einem Obsiegen der B e- schwerdeführenden zu zwei Drittel n (betr. Flüch tlingseigenschaft und Wegweisungsvollzug) und dem Unterliegen zu einem Drittel (Asyl) aus- zugehen. In einem Umfang von einem Drittel wären sie somit grundsätz- lich kostenpflichtig und im Rahmen von zwei Dritteln für ihren Aufwand im Beschwerdeverfahren zu entschädigen. 5.1 Den Beschwerdeführenden wurde indessen die Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenver- fügung vom 21. August 2008 gewährt. Der damalige Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung ihrer Vermögenslage komm t angesichts der Einkünfte, mutmasslichen Vermögenslage und Lebenskosten der sech s- köpfigen Familie – gemäss Vermerk im Zentralen Migrationsinformations- system (ZEMIS) arbeitet der Beschwerdeführer erst seit Mitte Dezember 2011 als Küchenangestellter – nicht zur Anwendung. Von der Erhebung von Verfahrenskosten ist somit – trotz der offensichtlich mutwilligen Ve r- komplizierung des Beschwerdeverfahrens durch die widersprüchlichen Passgeschichten, welche zu einer Erhöhung der Gerichtsgebühr hätte führen müssen (Art. 2 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) – abzusehen. 5.2 Die Honorarnote des Rechtsvertreters vom 9. September 2011 bezi f- ferte die gesamten Aufwendungen bei einem Zeitaufwand von 16,85 Stunden und einem Stundenansatz von Fr. 200. – auf Fr. 2'867.45 (inkl. 7,6% MWST auf Fr. 1548.20 und 8% auf Fr. 1112.60). Indessen stellt die Honorarnote Leistungen in Rechnung, die das Vorverfahren betreffen und nicht zu entschädigen sind. Ferner stellen die Weiterleitung der Eingangs- bestätigung der Beschwerde und die Erstellung der Honorarnote blosse Kanzleiarbeiten dar, die im Stundentarif eines Anwalts mitberücksichtigt sind. Weiter zeugen die vielen längeren Kontaktnahmen u nd Schreiben ebenso wenig von notwendigerweise erwachsenem Aufwand wie die wohl vermeidbare zeitliche Verzettelung von Eingaben, das Wiederholen be- kannter Argumente und die immer neuen Vorbringen bezüglich der Pä s- se. Dies alles berücksichtigend wird in Anwendung der Entschädungs - grundsätze gemäss Art. 7 ff. VGKE der notwendig gewesene Aufwand auf Fr. 1500.– geschätzt. Das BFM ist anzuweisen, den im Umfang des U n-E-6148/2009 Seite 17 terliegens um einen Drittel reduzierten Betrag von Fr. 1000.– den B e- schwerdeführenden als Parteientschädigung auszurichten. E-6148/2009 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos g e- worden ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insge- samt Fr. 1000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: