B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3064/2022 U r t e i l v o m 2 0 . J u l i 2 0 2 2 Besetzung Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Meret Adam, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 5. Juli 2022 / N (…). D-3064/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 3. Oktober 2021 in der Schweiz um Asyl nach, wobei er angab, am (…) geboren und somit noc h minderjährig zu sein. B. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank ergab, dass der Beschwerdeführer zuvor bereits in folgenden Ländern Asylgesuche ge- stellt hatte: am (…) 2021 und (…) 2021 in Rumänien , am (…) 2021 in Deutschland und am (…) 2021 sowie (…) 2021 in Österreich. Angesichts der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Minderjährig- keit ersuchte das SEM a m 8. Oktober 2021 die rumänischen, deutschen und österreichischen Behörden um Information im Sinne von Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be- stimmung des Mitgliedstaats, der für di e Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), Dublin-III-VO). Deutschland antwortete am (…) Oktober 2021, Österreich am (…) Oktober 2021 und Rumänien am (…) November 2021. Den Infor- mationen zufolge wurde der B eschwerdeführer in den besagten Ländern als volljährig registriert. C. Anlässlich der Erstbefragung als unbegleiteter, minderjähriger Asylsuchen- der (EB UMA) vom 21. Oktober 2021 gab der Beschwerdeführer im We- sentlichen zu Protokoll, er sei afghanischer Staatsangehöriger (…) Ethnie und stamme aus dem Dorf B._______ im Distrikt C._______ in D._______. Er habe (…) Geschwister; deren Alter kenne er nicht. Er sei am (… ([…] gemäss hiesigem Kalender) geboren und zurzeit (…) Jahre alt. Seine El- tern hätten ihm sein Geburtsdatum genannt. Respektive er habe es erfah- ren, als er eingeschult worden sei. Bei der Anmeldung zu einem Englisch- Kurs, den er (…) bis (…) absolviert habe, habe ihm der Kursleiter bei der Umrechnung des Geburtsdatums gemäss gregorianischem Kalen der ge- holfen. Wann er eingeschult worden sei, wisse er nicht mehr. Er habe die Schule in der (…) Klasse im Alter von etwa (…) Jahren abgebrochen, nach- dem sein Vater gestorben sei und er (der Beschwerdeführer) fortan habe arbeiten müssen. Er habe nach dem Schul abbruch Vieh gehütet und in D-3064/2022 Seite 3 einem Laden als (…) gearbeitet, während zwei Jahren als Lehrling und da- nach als Meister. Seine Tazkira, die ihm zwecks Schulanmeldung vor der Einschulung im Alter zwischen (…) und (…) Jahren ausgestellt worden sei, sei ihm im Iran abgenommen worden. Er verfüge über eine Kopie seines afghanischen Impfausweises, auf dem sein Geburtsdatum eingetragen seien. Seine Schwester habe ihm diese zukommen lassen; andere Unter- lagen zum Nachweis sei ner Identität habe sie zuhause nicht gefunden. Derzeit könne niemand im Distriktzentrum C._______ eine Kopie seiner Tazkira anfertigen lassen; dafür müsste er selbst vor Ort sein. Er sei 2017 zwecks Arbeit in die E._______ gegangen, von dort 2019 nach Afghanistan zurückgeschafft worden und habe das Land 2020 – an den Monat könne er sich nicht erinnern – erneut verlassen, da er nicht für den Dschihad habe rekrutiert werden wollen und auch seine Mutter gestorben sei. Er habe die Ausreise mit dem Verkauf von Vieh, das er von seinem Vater geerbt habe, finanziert. Über Pakistan, Iran, die Türkei, Bulgarien, Serbien, Rumänien, Deutschland und Österreich sei er in die Schweiz gelangt. Er sei weder in Österreich noch Rumänien oder Deutschland nach seinem Alter gefra gt worden und wisse nicht, welche Personalien dort erfasst worden seien. Be- ziehungsweise er sei in Österreich fälschlicherweise als (…)-jährig regis- triert worden. In Österreich lebe einer seiner (…). In der Schweiz habe er keine Verwandten. Er habe (…)probleme, die medikamentös behandelt würden. Zudem (…) er; auch dafür habe er Tabletten bekommen. Dem Beschwerdeführer wurde am Ende der Befragung mitgeteilt, dass auf- grund seiner Angaben nicht abschliessend beurteilt werden könne, ob er minderjährig respektive wie alt er sei, und dass er zu einer medizinischen Altersabklärung geschickt werde. Ihm wurde der Ablauf der ärztlichen Un- tersuchung erklärt. D. D.a Am (…) November 2021 wurde im Institut für Rechtsmedizin der Uni- versität F._______ eine rechtsmedizinische Untersuchung des Beschwer- deführers durchgeführt und am (…) November 2021 ein entsprechendes Gutachten erstellt. D.b Mit Schreiben vom 19. November 2021 gewährte das SEM dem Be- schwerdeführer zum besagten Gutach ten und zur beabsichtigen Anpas- sung des Geburtsdatums im Zentralen Migrationsinform ationssystem (ZEMIS) auf den (…) das rechtliche Gehör. Gleichzeitig räumte es ihm das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Rumäniens zur Durch- führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss der Dublin-III-VO, D-3064/2022 Seite 4 zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) und zur Wegweisung nach Rumänien ein. D.c Der Beschwerdeführer äusserte sich dazu mit Stellungnahme vom 25. November 2021. D.d Am 29. November 2021 änderte das SEM das Geburtsdatum des Be- schwerdeführers im ZEMIS auf den (…). Es versah den Eintrag mit einem Bestreitungsvermerk, was es der Rechtsvertretung mit E -Mail vom glei- chen Tag mitteilte. E. Am 29. November 2021 ersuchte das SEM sowohl die rumänischen als auch die österreichischen Behörden um Übernahme des Beschwerdefüh- rers. Die rumänischen Behörden lehnten das Ersuchen am (…) Dezember 2021 ab. Die österreichischen Behörden stimmten der Wiederaufnah me des Beschwerdeführers am 12. Dezember 2021 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu. F. Mit Verfügung vom 29. Dezember 2021 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge such des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz in den zuständigen Dublin-Staat (Österreich) an. G. Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Januar 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er ersuchte um Aufhebung der Verfügung vom 29. Dezember 2021 und um Anweisung an das SEM, auf das Asylgesuch einzutreten, eventualiter um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks rechtsgenüglicher Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung. Des Weiteren beantragte er, es sei festzustellen, dass sei- tens des SEM durch den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung betref- fend der Anpassung des Geburtsdatums im ZEMIS und damit verunmög- lichter Anfechtung der Datenmutation eine Rechtsverweigerung vorliege. H. Mit Urteil D-102/2022 vom 17. Januar 2022 stellte das Bundesverwaltungs- gericht fest, dass das SEM das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers im Dublin-Verfahren verletzt hat (Nichtberücksichtigung eines Beweismittel [afghanischer Impfausweis], ungenügende B egründung und unvollstän- dige Sachverhaltsabklärung [Nichtauseinandersetzung mit den Vorbringen D-3064/2022 Seite 5 des Beschwerdeführers zu seinem Alter in der EB UMA und dem Beweis- mittel, Nichteinräumung des rechtlichen Gehörs zur Frage der Zuständig- keit Österreichs]). Es hiess deshalb die Beschwerde gut, soweit die Aufhe- bung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt wurde, hob die Verfügung des SEM vom 29. Dezember 2021 auf und wies die Sache zur vollständi- gen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung zurück. I. Am 17. Februar 2022 wies das SEM den Beschwerdeführer für die weitere Dauer des Asylverfahrens dem Kanton G._______ zu. J. In Zusammenhang mit der Datenänderung im ZEMIS stellte das Bundes- verwaltungsgericht mit Urteil D-147/2022 vom 9. März 2022 eine Rechts- verweigerung fest und es wies das SEM an, betreffend Änderung des Ge- burtsdatums des Beschwerdeführers im ZEMIS eine anfechtbare Verfü- gung zu erlassen. K. Am 19. April 2022 reichte der Beschwerdeführer in Zusammenhang mit der Datenänderung beim Bundesverwaltungsgericht eine weitere Rechtsver- weigerungsbeschwerde ein. Das Gericht eröffnete ein Verfahren unter der Verfahrensnummer D-1827/2022. L. L.a Mit Schreiben vom 9. Juni 2022 gewährte das SEM dem Beschwerde- führer das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Österreichs zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einem allfäl- ligen Nichteintretensentscheid und zur Wegweisung nach Österreich. L.b In seiner Stellungnahme vom 30. Juni 2022 erklärte der Beschwerde- führer, dass er sich eine Rückkehr nach Österreich mittlerweile nicht mehr vorstellen könne. Er bemühe sich sehr um die Integration in der S chweiz, habe Freundschaft mit Gleic haltrigen geschlossen und möchte hier eine Ausbildung absolvieren. Er bemängelte, dass er zusammen mit Erwachse- nen untergebracht s ei. Als er noch im Bundesasylzentrum untergebracht gewesen sei, habe er (…)tabletten erhalten. Nachdem er nach der Zuwei- sung in den Kanton nie einen Termin bei einem Arzt bekommen habe, habe er die besagten Tabletten, ohne die er nicht zur Ruhe komme, mithilfe eines Freundes organisiert und von seinem Taschengeld bezahlt. D-3064/2022 Seite 6 M. Mit Verfügung vom 5. Juli 2022 – eröffnet am 6. Juli 2022 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge such des Beschwerdeführers nicht ein (Dispositivziffer 1). Es hielt fest , dass im ZEMIS der (…) mit Bestreitungsvermerk als Geburtsdatum des Beschwer- deführers registriert worden sei (Dispositivziffer 2). Es ordnete die Wegwei- sung des Beschwerdeführers aus der Schweiz in den zuständigen Dublin- Staat (Österreich) an (Dispositivziffer 3), forderte den B eschwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen (Dispositivziffer 4), und beauftragte den Kanton G._______ mit dem Vollzug der Wegweisung (Dispositivziffer 5). Des Weiteren händigte es die editions pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be- schwerdeführer aus (Dispositivziffer 6) und stellte fest, dass einer allfälli- gen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zu- komme (Dispositivziffer 7). Für die Begründung wird auf die Ausführ ungen der Vorinstanz in der Ver- fügung verwiesen. N. Mit Eingabe vom 13. Juli 2022 erhob der Beschwerdeführer durch die rubri- zierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgeri cht Beschwerde. Er ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 5. Juli 2022 und um Eintreten auf das Asylgesuch sowie um Durchführung eines mate- riellen Asylverfahrens in der Schweiz, eventualiter um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks rechtsgenüglicher Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses. Zudem beantragte er die Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung und die Erteilung der aufschiebenden Wir- kung der Beschwerde. Betreffend die ZEMIS-Eintragung ersuchte er um Anweisung an das SEM, das im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum vom (…) auf den (…) zu be- richtigen. Zudem ersuchte er im Sinne einer superprovisorisch en Mass- nahme um Anweisung an das SEM, bis zur Rechtskraft der Verfügung vom 5. Juli 2022 das Geburtsdatum vom (…) im ZEMIS festzuhalten, und ihn in den Strukturen für UMA unterzubringen. Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D-3064/2022 Seite 7 O. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesv erwaltungsgericht am 14. Juli 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Glei- chentags setzte die In struktionsrichterin den Vollzug der Überstellung im Sinne einer vorsorglichen Massnahme einstweilen aus. P. Betreffend die Beschwerdebegehren um Datenänderung im ZEMIS wurde ein separates Beschwerdeverfahren (Verfahrensnummer D-3084/2022) er- öffnet. Q. Das Verfahren D -1827/2022 wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Entscheid vom 15. Juli 2022 zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG ) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an der en Aufhebung beziehungsweise Än de- rung. Er ist daher zur Einreichung d er Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht einge- reichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zwei ten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich um eine so lche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die D urchführung eines Schriftenwech- sels verzichtet. D-3064/2022 Seite 8 3. 3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begrün detheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beu rteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 4. 4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des zuständigen Staats prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prü- fung zur Feststellung, dass ein an derer Mitgliedstaat für die Prü fung des Asylgesuchs zuständig ist, tr itt das SEM, nachdem der betreffende Mit- gliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung explizit oder implizit zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedsta at geprüft, der nach den K riterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staa t bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines so- genannten Aufnahmeverfahrens nach Art. 21 und 22 Dublin -III-VO (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kri- terien in der d ort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu- ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist dabei von der Situation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen, in dem der Asylsuchende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeits- prüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). D-3064/2022 Seite 9 4.3 Der nach der Dublin-III-VO zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, ei- nen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem ande- ren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Maßgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO). 4.4 Im Fall von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre Anknüpfungs- punkte zu einem anderen Mitgliedstaat gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO ist stets derjenige Mitgliedstaat zuständig, in dem der Minderjährige seinen (aktuellen) Antrag auf internationalen Sch utz gestellt hat; solche Minder- jährige sind mithin vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8). 5. 5.1 Vorab ist festzustellen, dass die vom Beschwerdeführer erhobene ver- fahrensrechtliche Rüge, das SEM habe das eingereichte Beweismittel (Ko- pie eines afghanischen Impfausweises) nicht erwähnt (vgl. Beschwerde S. 9 Ziffer 8), fehlgeht. Das SEM hat das betreffende Beweismittel entge- gengenommen (vgl. SEM-Akte […]-26) und sich bei der Entscheidfindung damit auseinandergesetzt (vgl. vorinstanzliche Verfügung S. 5 letzter Ab- satz und S. 6 zweiter Absatz). Eine Gehörsverletzung infolge Nichtbeach- tung entscheidwesentlicher B eweismittel liegt somit nicht vo r. Die Würdi- gung seitens der Vorinstanz bildet nunmehr Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. 5.2 Angesichts der vom SEM gestellten Informationsersuchen (vgl. Bst. B) sowie der den österreichischen Behörden im Rahmen des Übernahmeer- suchens vom 29. November 2021 mitgeteilten Informationen bestand, ent- gegen der Auffassung des Beschwerde führers (vgl. Beschwerde S. 10), keine Notwendigkeit zur Einholung weiterer Auskünfte (vgl. auch nachfol- gend E. 6.2.2). 5.3 Es besteht damit keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. Der (Eventual -)Antrag um Rückweisung zur Neubeurteilung durch das SEM ist abzuweisen. 6. 6.1 Vorliegend ergab ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerde- führers mit der Eurodac-Datenbank, dass dieser vor der Einreise in die D-3064/2022 Seite 10 Schweiz in Österreich Asylgesuche gestellt hat ( am […] 2021 und […] 2021). D as SEM ersuchte deshalb die österreich ischen Behörden am 29. November 2021 um Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die österreichischen Behörden stimm- ten der Wiederaufnahme des Beschwerdeführers am 12. Dezember 2021 in Anwendung der besagten Bestimmung von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin- III-VO ausdrücklich. Die grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens des Beschwerdefüh- rers ist somit gegeben. 6.2 Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Minderjährigkeit erach- tete das SEM als nicht glaubhaft. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach P rüfung der Akten zum Schluss, dass d ieser E inschätzung beizu- pflichten ist. 6.2.1 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken; insbesondere müssen sie ihre Identität offenlegen und Reise- papiere sowie Identitätsa usweise abgeben (Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Person zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we- nigstens glaubhaft zu machen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, welche für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen (vgl. Entschei- dungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylre kurs- kommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5.3.3; Urteil des BVGer E -891/2017 vom 8. August 2018 E. 4.2.3 m.w.H.). Bei Fehlen rechtsgenüglicher Identi- tätsausweise kann im Rahmen der Feststellung des Sachverhalts mit Un- terstützung wissenschaftlicher Methoden – beispielsweise Knochenalters- analysen (Art. 17 Abs. 3bis AsylG) – abgeklärt werden, ob die Altersangabe der asylsuchenden Person dem tatsächlichen Alter entspricht (Art. 7 Abs. 1 AsylV 1). Die asylsuchende Person hat bei der entsprechenden Sachver- haltsfeststellung mitzuwirken. 6.2.2 Bei der Stellung des Asylgesuchs am 3. Oktober 2021 gab der Be- schwerdeführer auf dem Personalienblatt den (…) als Geburtsdatum an (vgl. SEM-Akte […]-1). Identitätsdokumente reichte er nicht ein; seine Iden- tität steht daher nicht fest. In Österreich, Rumänien und Deutschland, wo der Beschwerdeführer zuvor Asylgesuche gestellt hatte, wurde er unter an- derslautenden Personalien und Geburtsdaten registriert. Mit der Kopie ei- nes afghanischen I mpfausweises vermag der Beschwerdeführer das ge- nannte Geburtsdatum ([…]) nicht zu belegen. Ein Impfausweis stellt kein D-3064/2022 Seite 11 rechtsgenügliches Identitätspapier dar und das lediglich in Form einer Ko- pie vorliegende Dokument vermag in Bezug auf das Alter des Beschwer- deführers keine genügende Beweiskraft zu entfalten. Anderweitige Doku- mente, welche Rückschlüsse auf sein Alter zulassen würden, reichte der Beschwerdeführer nicht ein. Seine Angaben zu seinem Lebenslauf bei der EB UMA blieben vage. Auf konkrete Rückfragen zu seinem Alter und zur diesbezüglichen zeitlichen Einordnung von Ereignissen wich er wiederholt aus und gab an, sich nicht zu erinnern re spektive nichts Genaues zu wis- sen. Das Ergebnis der am (…) November 2021 durchgeführten Begutach- tung des Beschwerdeführers durch das Institut für Rechtsmedizin der Uni- versität F._______ spricht für die Volljährigkeit des Bes chwerdeführers. Von den in der Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Alters- abklärung sind die Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch d ie Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum Beweis der Minder - be- ziehungsweise Volljährigkeit einer Person geeignet . Keine Aussage zur Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person lässt sich anhand der medizinischen Altersabklärung machen, wenn das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und der Schlüsselbein- respektive Skelettal- tersanalyse unter 18 Jahren liegt (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.21 f.). Der Ein- wand des Beschwerdeführers in der Rechtsmitteleingabe, dass bei seinem Skelett und seinen Zähnen ein Mindestalter von unter 18 Jahren ermittelt worden sei, vermag nicht zu greifen. Laut dem Gutachten liegt das bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse ermittelte Mindestalter des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Untersuchung vom (…) November 2021 bei (…) Jahren und damit über 18 Jahren. D as Gutachten kommt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer das 18. Lebensjahr mit an Si- cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollendet habe (vgl. SEM -Akte […]-32). Diese medizinische Altersabklärung ist damit ein starkes Indiz für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Asylgesuchstel- lung in der Schweiz am 3. Oktober 2021. Anhaltspunkte, die aufgrund ihrer Beweiskraft ge eignet wären, dennoch für die Minderjährigkeit des Be- schwerdeführers zu sprechen, sind den Akten nicht zu entnehmen. Auch die in Österreich, Deutschland und Rumänien registrierten Geburtsdaten des Beschwerdeführers deuten durchwegs auf dessen Volljährigkeit hin (in Deutschland: […] [vgl. SEM-Akte […]-20], in Österreich: […] [vgl. SEM-Akte […]-23] und in Rumänien: […] [vgl. SEM-Akte […]-30]). Der Einwand des Beschwerdeführers, in keinem der besagten Länder zu seinem Alter be- fragt worden zu sein respektive nicht die dort registrierten Geburtsdaten beziehungsweise Geburts jahre angegeben zu haben, vermag nicht zu überzeugen. D-3064/2022 Seite 12 6.2.3 Nach Würdigung aller Umstände ist es dem Beschwerdeführer, der die Beweislast trägt, nicht gelungen, die geltend gemachte Minderjährigkeit im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung in der Schweiz glaubhaft zu machen. Es überwiegen diejenigen Umstände, die für das Erreichen der Volljährig- keit sprechen. Er hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.2). 6.3 Aufgrund des Gesagten kommen vorliegend die in Art. 6 und 8 Dublin- III-VO verankerten Garantien für Minderj ährige (d. h. Personen unter 18 Jahren [Art. 2 Bst. i Dublin -III-VO]) nicht zur A nwendung. Der Be- schwerdeführer kann sich somit nicht auf die spezifischen Schutzbestim- mungen der Dublin -III-VO für u nbegleitete Minderjährige (Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO) berufen. Damit bleibt die sich aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub- lin-III-VO ergebende (grundsätzliche) Zuständigkeit Österreichs bestehen. Der Wunsch des Beschwerdeführers um Verbleib in der Schweiz vermag daran nichts zu ändern, zumal die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/40 E. 8.3). 7. 7.1 Es sprechen auch keine anderen Umstände gegen eine Zuständigkeit Österreichs beziehungsweise eine Überstellung des Beschwerdeführers dorthin. Es gibt keine wesentlichen Gründe für die Annahme, das Asylver- fahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Österreich wür- den systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefah r einer un- menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinn e des Artikels 4 der EU–Grundrechtecharta mit sich bringen. Österreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzpro- tokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es darf auch da- von ausge gangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsa- men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati- onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Unter diesen D-3064/2022 Seite 13 Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. Vorliegend besteht denn auch kein Grund zur Annahme, die österreichi- schen Behörden, die der Übernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, würden ihm den Zugang zum Asylverfahren unter Ein- haltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie verweigern beziehungsweise in seinem Fall den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. 7.2 Ebenso wenig liegen Gründe für die Anwendung der Souveränitäts- klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO vor. 7.2.1 Gemäss de r Souveränitätsklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO kann jeder Mi tgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO be- schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten- losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist. Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 konkretisiert, gemäss dem das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin -III-VO ein andere r Staat zuständig wäre. Der Ent- scheid über den Selbsteintritt liegt im pflichtgemässen Ermessen der Be- hörde. Ein einklagbarer Anspruch auf die A usübung des Selbsteintritts - rechts besteht jedoch dann, wenn sich die Überstellung der asylsuchenden Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer anderen die Schweiz bindenden, vö lkerrechtlichen Bestimmung erweist. Diesfalls muss die Vorinstanz die Souveränitätsklau- sel anwenden und das Asylgesuch in der Schweiz behandeln (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 7.2.2 Der Beschwerdeführer hat keine konkreten und ernsthaften Hinweise für die Annahme dargetan , Österreich würde ihm nach der Überstellung dorthin die aus der Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbe- dingungen vorenthalt en. Die geltend gemachten gesundheitlichen Be- schwerden ([…]) vermögen eine Unzulässigkeit im Sinne der restriktiven Rechtsprechung (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. De- zember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.) nicht zu D-3064/2022 Seite 14 rechtfertigen. Den vorinstanzlichen Akten lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer – entgegen seiner anderslautenden Angabe in der Ein- gabe vom 30. Juni 2022 – hierzulande ärztlich betreut und versorgt wurde (vgl. SEM-Akten […]-49, […]-50, […]-86, […]-88, […]-89) und es darf davon ausgegangen werden, dass er in Österreich bei Bedarf adäquat weiterbe- treut wird. Österreich verfügt über eine ausreichende medizinische Infra- struktur und der Zugang zum dortigen Gesundheitssystem ist für asylsu- chende Personen gewährleistet, zumal die Mitgliedstaaten den Antragstel- lern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notver- sorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie), und den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erforderliche medizini sche oder sonstige Hilfe (ein- schliesslich erforderlichenfalls eine r geeigneten psychologischen Be treu- ung) zu gewähren haben (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Die schwei- zerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, werden die österreichischen Behörden bei der Bestim- mung der konkreten Modalitäten der Überstellung über akt uelle medizini- sche Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). 7.2.3 Der Vorinstanz kommt bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Auch unter Berücksichti- gung des vom Beschwerdeführer geäusserten Wunschs, hierzulande eine Ausbildung zu absolvieren, und der mittlerweile mehrmonatigen Verweil- dauer in der Schweiz mit einhergehenden Integrationsbemühungen, ist die angefochtene Verfügung unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; den Akten sind keine Hinweise auf eine gesetzeswidri ge Ermessensaus- übung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch das SEM zu entnehmen. Das Bundesverwaltungsgericht enthält sich unter diesen Umständen wei- terer Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts. 7.2.4 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er- messensklauseln von Art. 17 Dublin -III-VO und an dieser Stelle bleibt nochmals festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber au szuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). Österreich bleibt somit zuständiger Mitglied- staat gemäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer auf- zunehmen. 7.3 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. D-3064/2022 Seite 15 Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Österreich in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 7.4 Unter diesen Umständen sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen von solchen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs.1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 8. Die Beschwerde ist aufgrund des Gesagten abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 9. Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, wes- halb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be- schwerde und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstandslos erweisen. Der vorsorglich angeordnete Vollzugsstopp fällt dahin. 10. 10.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun- gen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshal b die Voraus- setzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-3064/2022 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr Versand: