<h2>SubmittedText<h2><p>Der Schlaganfall (Apoplexie) trifft nicht nur ältere Menschen. In den USA ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache (American Heart Association), ebenso in Deutschland ("Der Schlaganfall-Patient" 1994). Schlaganfälle müssen möglichst verhindert werden. Vor allem sind betroffene Menschen durch geeignete Rehabilitation zu unterstützen, vor allem auch die Aphasiker (Aphasie = Sprachstörung).</p><p>Leider hat das Bundesamt für Gesundheitswesen im Bericht "Gesundheit in der Schweiz" (1993) kein Wort über den Schlaganfall geschrieben und keine Daten darüber veröffentlicht.</p><p>Ich frage den Bundesrat an:</p><p>1. Ist das Bundesamt für Gesundheitswesen in der Lage, eine Statistik über den Schlaganfall zu erstellen?</p><p>2. Ist der Bundesrat bereit, eine Langzeituntersuchung einer repräsentativen Anzahl von Aphasikern in die Wege zu leiten?</p><p>3. Nur wenn das Wissen über die Problematik der Aphasie in der Öffentlichkeit genügend bekannt ist, wird das Leben für betroffene Menschen und ihre Angehörigen erträglicher werden. Wieweit kann hier der Bund mithelfen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Erstellung einer regelmässigen jährlichen Statistik über den Schlaganfall ist in der Schweiz zurzeit nicht möglich. Dafür bedürfte es einer Morbiditätsstatistik, die sich indessen erst im Aufbau befindet.</p><p>Ein Expertengremium des Eidgenössischen Departementes des Innern (EDI) und der Schweizerischen Sanitätsdirektorenkonferenz (SDK) ist unter der Leitung des Bundesamtes für Statistik daran, die Betriebsstatistik der Spitäler sowie die medizinische Statistik zu revidieren. Die Datenerhebung soll umfassender und detaillierter erfolgen und neu sowohl Diagnosen als auch Operationen einschliessen. Damit werden die für eine umfassende Statistik notwendigen Krankheitsdaten der Schweizer Bevölkerung erfasst werden können. Mit der Erfassungsarbeit wird allerdings frühestens 1997 begonnen werden können.</p><p>Das Bundesamt für Statistik ist aber aufgrund der Mortalitätsstatistik und der Gesundheitsbefragung in der Lage, Angaben über die Häufigkeit und Verteilung des Schlaganfalls zu machen. Die Mortalitätsstatistik, die bis ins Jahr 1876 zurückreicht, zeigt, dass 1993 beispielsweise 5440 Personen (1991: 5505; 1992: 5446) an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben sind (8,6 Prozent aller Todesfälle). Dabei gingen 5653 Lebensjahre (2,1 Prozent aller verlorenen Lebensjahre) durch vorzeitige Todesfälle vor dem siebzigsten Altersjahr verloren. Es lässt sich feststellen, dass seit 1971 die Mortalität von Schlaganfällen - hauptsächlich dank der Behandlung von Hypertonie (Bluthochdruck) - rückläufig ist. Aufgrund der Angaben der Gesundheitsbefragung liegt die Prävalenz (Erkrankungshäufigkeit pro Jahr) bei der Schweizer Bevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren bei 0,5 Prozent. Eingehendere Angaben können beim Bundesamt für Statistik, Sektion Gesundheit, bezogen werden.</p><p>2. Die Aphasie kann als Sekundärfolge einer Krankheit oder eines Unfalles auftreten und stellt für die betroffenen Menschen eine schwerwiegende Behinderung dar. Sie bedarf einer sofortigen und intensiven Therapie. An den Universitätskliniken und in grösseren Spitälern bestehen spezialisierte Abteilungen, die bei den stationären Patientinnen und Patienten die notwendige Behandlung einleiten. Die ambulante Therapie, die je nach Schweregrad mehrere Jahre dauern kann, wird u. a. durch eine logopädische Betreuung fortgesetzt.</p><p>Ob eine Langzeituntersuchung an Aphasikern in der Schweiz notwendig ist und welche Ziele damit erreicht werden sollen, müsste vorgängig anhand verschiedener Kriterien abgeklärt werden. So wäre z. B. zu prüfen, ob das Therapieangebot unvollständig ist und verbessert werden müsste oder ob durch eine Studie neue und wichtige Erkenntnisse gewonnen werden könnten.</p><p>Aufgrund der föderalistischen Regelung unseres Gesundheitssystems gehören Therapie und Rehabilitation der Aphasie in den Zuständigkeitsbereich der Kantone. Der Bundesrat betrachtet es nicht als vordringliche Bundesaufgabe, eine Untersuchung hierüber in die Wege zu leiten.</p><p>3. Der Bundesrat kann die Bestrebungen für eine breite und sachliche Information über Ursachen und Folgen von Krankheiten grundsätzlich befürworten. Damit kann bei der Bevölkerung das Verständnis für betroffene Mitmenschen gefördert werden. Das neue Krankenversicherungsgesetz (KVG) sieht auch die Möglichkeit von Massnahmen zur Krankheitsprävention und zur Gesundheitsförderung vor. Inwieweit das Anliegen des Interpellanten auf diesem Weg erfüllt werden kann, wird zu prüfen sein, wenn einmal feststeht, welche Institution (gemäss Art. 19 KVG) diese Aufgabe wahrnehmen wird und welches die Schwergewichte der Tätigkeit sein werden.</p>  Antwort des Bundesrates.