Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Mai 2020 (720 20 68 / 114) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Entgegen der Vorinstanz ist der Zeitpunkt der Verbesserung der Erwerbsfähigkeit erst nach Ablauf der dreimonatigen Karenzfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV zu berücksichti- gen. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichteri n Susanne Afheldt, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin i.V. Felicia Käslin Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1987 geborene A.____ nahm am 30. Oktober 201 7 eine Tätigkeit als temporär an- gestellter Pneumonteur auf. Am 31. Oktober 2017 klemmte er sich den linken Fuss zwischen ei- nem 1’000-Liter Fass und der Bordsteinkante ein und zog sich dabei eine Quetschverletzung mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Calcaneusfraktur zu. Nach Eingang der Unfallmeldung erbrachte die Schweizerische Unfallversi- cherungsanstalt (Suva) als obligatorischer Unfallversicherer die gesetzlichen Leistungen für die Folgen dieses Ereignisses in Form von Taggeldern und Heilbehandlung. A.2 Am 18. April 2018 meldete sich A.____ unter Hinwe is auf die Unfallfolgen bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Land- schaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse des Versicherten ab und sprach ihm mit Verfügung vom 23. Januar 2020 für den Zeitraum vom 1. Ok- tober 2018 bis 30. April 2019 eine ganze Rente zu. E inen weiteren Rentenanspruch lehnte sie ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Raffaella Biaggi, am 9. Februar 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verurteilen, ihm auch in der Zeit ab dem 1. Mai 2019 eine ganze Rente zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 26. Februar 2020 beant ragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden Be schwerde zog das Kantonsgericht die das Unfallereignis des Versicherten vom 31. Oktober 2017 betreffenden Suva-Akten bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde des Versicherten vom 9. Februar 2020 ist demnach einzutreten. 2. Zu prüfen ist vorliegend, ob der Versicherte auch a b Mai 2019 noch Anspruch auf eine Invalidenrente hat und bejahendenfalls, in welchem Umfang der Anspruch besteht. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 A TSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbs- fähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig er- stellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigne- ter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Pe rson trotz des Leidens willensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb n achzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung verursach- ten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die v ersicherte Person nicht hinreichend er- werbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als al ternative Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem G rad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu min- destens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4, mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exp ertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass die se mitunter im Hinblick auf ihre auf- tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pati- enten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des damaligen Eid- genössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärung en zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbeh alten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die be handelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – A spekte benennen, die im Rahmen der Be- gutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind ( Urteil des EVG vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.4 Die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der me- dizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfüg ung. Sie setzen die für die In- validenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktion elle Leistungsfähigkeit der versi- cherten Person fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu- üben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten durchführen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (A rt. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV]). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Do- kumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten n icht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (vgl. BGE 135 V 254 E. 3.4; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.1). 4.5 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings ist hinsicht- lich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der an gefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu den en die RAD-Berichte gehören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen . In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergän- zende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. Novembe r 2015, 9C_627/2015, E. 2, mit wei- teren Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Bei der Würdigung des vorliegenden medizinischen Sa chverhalts sind insbesondere die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Medizin, und lic. phil. C.____, Psychologin FSP, di- agnostizierten mit Bericht vom 1. März 2018 eine mitte lgradige depressive Episode sowie eine nicht näher bezeichnete Angststörung. Zum Behandlungsver lauf hielten sie fest, dass es dem Versicherten besser gehe und er sich deshalb nur noch spor adisch für einen Therapietermin melde. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie fest, dass sich diese ausschliesslich nach dem Heilungsverlauf aufgrund des Unfalls vom 31. Oktober 2017 (Fersenbruch) richte. 5.2 Mit ärztlichem Zeugnis vom 28. September 2018 atte stierte Dr. med. D.____, FMH Or- thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap parates, eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leichten, sitzenden Tätigkeit (bspw. als Chau ffeur oder Verkäufer) vom 29. Septem- ber 2018 bis zum 29. Dezember 2018. 5.3 Am 19. November 2018 teilte lic. phil. C.____ de r IV-Stelle telefonisch mit, dass der Ver- sicherte am 5. November 2018 das letzte Mal bei ihr gewesen sei. Zudem biete sie ihm eher ein Coaching an und helfe ihm beim Verstehen der Unterla gen. Der Versicherte sei aufgrund der psychischen Problematik nicht arbeitsunfähig. Vielmehr sei er voll arbeitsfähig, habe jedoch keine Arbeitsstelle. 5.4 Mit Bericht vom 12. Dezember 2018 zuhanden der IV- Stelle gab Dr. D.____ an, es seien dem Versicherten sitzende Tätigkeiten von zwei Stunden täglich zumutbar. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit bleibe abhängig von der Beurteilung der involvierten Fachärzte. 5.5 Mit ärztlichem Zeugnis vom 17. Dezember 2018 attesti erte Dr. D.____ vom 3. Dezem- ber 2018 bis zum 31. Dezember 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit. 5.6 Mit Bericht vom 16. Januar 2019 diagnostizierte med. pract. E.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, einen Verdacht auf persistierendes bone marrow edema Fuss links bei/nach Quetschtrauma mit undislozierter konservativ therapier- ter Calcaneusfraktur 10/2017 und unauffälligem Knochen stoffwechsel 03/2018. Die vom Versi- cherten geklagten Beschwerden seien aus ihrer Sicht auf das im November 2018 magnetreso- nanztomographisch nachzuweisende persistierende bone marr ow edema zurückzuführen. Die subjektive Instabilität lasse sich nicht objektivieren, auch bestehe kein dringender Verdacht auf ein CRPS. Somit könne sie sich den Einschätzungen von Dr. D.____ anschliessen. In der ange- stammten Tätigkeit und für schwere, ganztags stehende Tät igkeiten bestehe eine volle Arbeits- unfähigkeit. Für leichte, sitzende Tätigkeiten bestehe grundsätzlich eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. 5.7 Mit Stellungnahme vom 1. März 2019 gab der Kreisa rzt Dr. med. F.____, Facharzt Or- thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, an, dass er sich der Beur- teilung von med. pract. E.____ anschliessen könne und e r eine halbtags leichte, wechselbelas- tende Arbeit für zumutbar halte. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.8 Am 14. März 2019 berichtete med. pract. E.____ übe r einen insgesamt zeitgerechten, beschwerdegebesserten Verlauf; eine Analgesie sei nicht notwendig. Eine weitere Kontrolle in ihrer Sprechstunde sei nicht zwingend notwendig. Die Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Pneumonteur betrage nach wie vor 100 %, wobei die s auch noch für die nächsten zwei Mo- nate für ganztags stehende, gehende Tätigkeiten mit sch werem Tragen und Heben gelte. Für wechselbelastende, sitzende und leichte Tätigkeiten (Büro tätigkeit) betrage die Arbeitsfähigkeit unverändert 50 %. 5.9 Anlässlich der am 2. April 2019 durchgeführten krei särztlichen Untersuchung diagnosti- zierte Dr. F.____ einen Status nach Quetschverletzung des linken Fusses am 31. Oktober 2017 mit undislozierter intraarticulär distaler Calcaneusfra ktur mit kleiner Gelenkstufe im Calcane- ocuboidalgelenk links sowie aktuell belastungsindizierte B eschwerden am linken Fuss, jedoch kein CRPS. Der Versicherte habe angegeben, dass es ihm scho n besser gehe als nach dem Unfall und es in den letzten Wochen und Monaten noch et was besser geworden sei. Schmerz- mittel nehme er keine und die Physiotherapie sei Ende des letzten Jahres beendet worden. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. F.____ fest, dem Versicherten seien alle leichten, gele- gentlich auch mittelschweren wechselbelastenden Arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ganztags möglich. Es bestehe durchaus auch die Aussicht, d ass inskünftig wieder schwere Ar- beiten möglich seien. 5.10 Med. pract. E.____ berichtete am 10. Mai 2019, dass der Versicherte seit Anfang Ap- ril 2019 als Chauffeur in einem Pensum von 50 % arbeite. Er spüre dabei bei längerer, stärkerer Belastung und dem Bewegen von 30-40 kg schweren Lasten abends eine deutliche Beschwer- desymptomatik im linken Rückfuss. Med. pract. E.____ hielt fest, es bestehe nach wie vor eine gewisse Einschränkung für schwere körperliche Tätigkeiten und längerfristige Belastung, auch als Chauffeur. Somit verbleibe eine Einschränkung der A rbeitsfähigkeit von 50 % in den folgen- den drei bis vier Monaten. 5.11 Am 24. Mai 2019 teilte lic. phil. C.____ der Su va telefonisch mit, dass die psychologische Behandlung abgeschlossen sei. Der Versicherte sei am 7. Januar 2019 das letzte Mal bei ihr in Behandlung gewesen. Es gehe ihm in Bezug auf die Psyche viel besser, weshalb er keine Be- handlung mehr benötige. 5.12 Mit Stellungnahme vom 13. August 2019 diagnostizie rte die RAD-Ärztin Dr. med. G.____, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach reaktiver depressi ver Verstimmung infolge Unfall, unter psychologischem Coaching und Surmontil gänzlich remittiert . Mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit diagnostizierte sie einen Status nach Quetschverletzung des linken Fusses am 31. Okto- ber 2017 mit undislozierter intraarticulärer distaler Calcaneusfraktur mit kleiner Gelenkstufe im Calcaneocuboidalgelenk links. In Bezug auf die angestammte Tätigkeit als Pneumonteur hielt sie fest, es bestehe ab dem 31. Oktober 2017 bis auf Weiteres eine volle Arbeitsunfähigkeit. In einer leidensangepassten Verweistätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. In Bezug auf das Belas- tungsprofil der Verweistätigkeit gab sie an, es seien le ichte, sitzende Tätigkeiten mit möglichen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht kurzen Gehstrecken zwischendurch auf ebenem Boden ohne Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm, ohne Arbeit in der Hocke, kniend oder kauernd, ohne Steigen auf Gerüste oder Leitern und ohne Gehen auf unebenem Boden zumutbar. Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweistätigkeit hielt Dr. G.____ fest, es habe vom 31. Oktober 2017 bis zum 15. Januar 2019 bei instabilem Gesundheitszustan d bei protrahiertem Heilverlauf nach Unfall eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Vom 16. Januar 2019 bis zum 1. April 2019 gehe sie gestützt auf die Beurteilung von med. pract. E.____ vom 16. Januar 2019 von einer Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit von 50 % aus. Ab dem 2. April 2019 bestehe gestützt auf die kreisärzt- liche Beurteilung von Dr. F.____ vom 2. April 2019 k eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr. Abschliessend bemerkte Dr. G.____, dass auf die Beurteilung von med. pract. E.____ vom 16. Januar 2019 und von Kreisarzt Dr. F.____ vom 2. Apr il 2019 abgestellt werden könne und der protrahierte Verlauf nach dem Unfall vom 31. Oktober 2017 medizinisch nachvollziehbar sei, da sich ein Knochenödem im Calcaneus entwickelt habe, welches sich nur langsam unter antire- sorptiver Behandlung zurückgebildet habe. Die Fraktur a m Fersenbein sei hingegen komplett ausgeheilt. Spätestens seit der Beurteilung von med. pract. E.____ vom 16. Januar 2019 sei dem Versicherten eine leidensangepasste Verweistätigkeit zu 50 % und spätestens seit der kreisärzt- lichen Untersuchung vom 2. April 2019 zu 100 % zumutbar. Es sei zudem zu erwarten, dass der Versicherte im weiteren Verlauf auch die angestammte Tätigkeit wieder werde ausüben können; die Prognose hierfür sei günstig. 5.13 Mit Bericht vom 5. September 2019 gab med. pract. E.____ an, dass eine stabilisierte Situation mit im Alltag und Beruf bei mässiger Belastung schmerzarmem Patienten vorliege. Die Mobilisation sei weiterhin nach Massgabe der Beschwerden ohne Limit erlaubt. Aktuell bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bis zum 20. Oktober 2019. Sie habe mit dem Versi- cherten vereinbart, dass er sich bis dahin mit seinem Ar beitgeber in Verbindung setze, um eine Steigerung der Arbeitstätigkeit auf ca. 70 % zu planen. Eine fixe Kontrolle sei derzeit nicht vorge- sehen und erfolge bei Bedarf. 5.14 Gemäss einer Aktennotiz der Suva vom 11. Septembe r 2019 empfahl Dr. F.____, unter Berücksichtigung des Berichtes von med. pract. E.____ vom 5. September 2019, die Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 70 % sowie die nächste Konsultation vom 20. Oktober 2019 abzuwarten. 5.15 Med. pract. E.____ hielt in ihrem Bericht vom 19 . Dezember 2019 anamnestisch fest, die Arbeitsfähigkeit habe auf 70 % gesteigert werden können. Der Versicherte berichte über re- lative Beschwerdefreiheit im linken Fuss. Ab April 2020 sei eine Arbeitsaufnahme mit einem Pen- sum von 100 % geplant; der Arbeitsvertrag sei bereits unterzeichnet. In ihrer Beurteilung gab sie an, dass es erfreulicherweise zu einer weiteren Stabil isierung der Situation gekommen sei. Ge- gen eine Arbeitsaufnahme zu 100 % spreche nichts. Die Arbeitsfähigkeit sei bis Ende März zu 30 % eingeschränkt. Eine weitere Kontrolle in ihrer Sprechstunde sei nicht vorgesehen. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 23. Ja- nuar 2020 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverh alts in psychischer Hinsicht auf die Ausführungen von Dr. B.____ und lic. phil. C.____ vom 1. März 2018 sowie auf die telefonischen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berichte von lic. phil. C.____ vom 19. November 2018 un d vom 24. Mai 2019. Sie ging demzu- folge davon aus, dass der Beschwerdeführer in psychischer Hinsicht in seiner bisherigen Tätigkeit als Pneumonteur wie auch in jeder anderen Arbeit zu 1 00 % arbeitsfähig ist. Diese Beurteilung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden, zumal Dr. B._ ___ und lic. phil. C.____ aufgrund ihrer Beobachtungen und Untersuchungen die Befunde erörtern und zu schlüssigen Ergebnissen ge- langen. Des Weiteren liegen keine anderslautenden ärztl ichen Einschätzungen oder konkrete Indizien vor, die gegen die Zuverlässigkeit dieser Beurteilung sprechen. Es bestehen mithin keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit dieser ä rztlichen resp. psychologischen Fest- stellungen. Die Beschwerdegegnerin durfte deshalb bei der Beurteilung des Gesundheitszu- stands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten in psych ischer Hinsicht auf diese Ergebnisse abstellen. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, der psychische Gesundheitszustand sei nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden, kann ihm nicht gefolgt werden. Vielmehr ergibt sich aus den Akten, dass die psychologische Behandlung abgeschlossen wurde und der Versicherte am 7. Januar 2019 das letzte Mal bei lic. phil. C.____ in Behandlung war. Somit bestand kein Anlass für die Beschwerdegegnerin, den psychischen Gesundheitszusta nd weiter zu überprüfen, da keine Indizien für einen Einfluss der vormals bestandene n psychischen Problematik auf die Ar- beitsfähigkeit bestanden. Somit kann auf weitere Ausführungen diesbezüglich verzichtet und auf die überzeugenden Ausführungen von Dr. B.____ und lic. phil. C.____ verwiesen werden (vgl. E. 5.1, 5.3 und 5.11 hiervor). 6.2 Streitig ist hingegen die Beurteilung des somati schen Gesundheitszustands. Die IV- Stelle ging gestützt auf die Beurteilung von Dr. F.____ vom 2. April 2019 und von Dr. G.____ vom 13. August 2019 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Pneumon- teur aus. In einer leidensangepassten Tätigkeit ging si e indes von einer Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit von 50 % ab 16. Januar 2019 und von 0 % ab 2. April 2019 aus. Basierend darauf befristete sie die ganze Invalidenrente bis zum 30. April 2019. Demgegenüber ist der Beschwer- deführer der Auffassung, dass die Beschwerdegegnerin sich zu Unrecht auf die Beurteilung von Dr. F.____ vom 2. April 2019 und von Dr. G.____ vom 13. August 2019 abgestützt habe. Er bringt vor, seine behandelnde Ärztin med. pract. E.____ gehe auch noch nach dem 2. April 2019 von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer leidensangepassten Tätigkeit aus. Zudem habe Dr. F.____ zwar im kreisärztlichen Bericht vom 2. April 2019 angegeben, es bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit. Dennoch habe die zuständige Sachbearbeiterin der Suva in einer Aktennotiz vom 2. A pril 2019 festgehalten, es bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 %, und die Suva habe gestützt darauf weiter Taggel- der ausbezahlt, weshalb ein Widerspruch vorliege. Uneini gkeit zwischen den Parteien herrscht somit in Bezug auf das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ab dem 2. April 2019. 6.3.1 Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen von Dr. F.____ und Dr. G.____ zu zweifeln. Es ist vielmehr festzuhalte n, dass sie sich hinreichend mit den we- sentlichen medizinischen Unterlagen auseinandergesetzt un d insgesamt ein vollständiges Bild des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers vermittelt h aben. Sie nehmen insbesondere eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer leidensange- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht passten Tätigkeit vor, indem sie ausführen, dass in der a ngestammten Tätigkeit zwar keine Ar- beitsfähigkeit mehr vorliege, dem Versicherten jedoch in einer leidensangepassten Verweistätig- keit alle leichten, gelegentlich auch mittelschweren wechselbelastenden Arbeiten auf dem allge- meinen Arbeitsmarkt ganztags möglich respektive auch ganztags leichte, sitzende Tätigkeiten mit möglichen kurzen Gehstrecken zwischendurch auf ebenem Boden ohne Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm, ohne Arbeit in der Hocke, k niend oder kauernd, ohne Steigen auf Gerüste oder Leitern und ohne Gehen auf unebenem Boden zumutbar seien. Die Beurteilungen stehen im Einklang mit dem Gesundheitszustand, wie er in den übrigen medizinischen Unterlagen dokumentiert wird. Soweit der Beschwerdeführer gelten d macht, er sei auch noch nach dem 2. April 2019 zu 50 % in einer dem zumutbaren Belastungsprofil leidensangepassten Verweistä- tigkeit in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen, kann ihm nicht gefolgt werden. Aus den Berichten von med. pract. E.____ und den darin enthaltenen Schilderungen des Beschwerdefüh- rers ergibt sich vielmehr, dass die aktuelle Tätigkeit als Chauffeur oft längere Belastungen mit sich bringt. So muss er dabei nach eigenen Angaben 30-40 kg schwere Lasten bewegen und heben. Dass er dabei abends deutliche Beschwerden verspürt, ist allerdings als logische Folge dieser körperlich schweren Tätigkeit zu werten. Indem med. pract. E.____ in ihren nach April 2019 ausgestellten Berichten (vgl. E. 5.10, 5.13 und 5.15 hiervor) immer noch eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer leidensangepassten Tätigkeit attes- tiert, verkennt sie somit, dass der Versicherte – obschon er als Chauffeur arbeitet, was grund- sätzlich einer leichten, sitzenden Tätigkeit entspricht – fa ktisch einer nicht dem zumutbaren Be- lastungsprofil entsprechenden Verweistätigkeit nachgeht. Mit anderen Worten resultieren die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Klagen über Beschwerden bei seiner Tätigkeit als Chauffeur aus einer längeren und stärkeren Belastung und dem Bewegen und Heben von 30-40 kg schwe- ren Lasten, was indes nicht der von Dr. F.____ und von Dr. G.____ definierten leidensangepass- ten Verweistätigkeit entspricht. 6.3.2 In Bezug auf die Beurteilungen von med. pract . E.____ vom 10. Mai 2019, vom 5. Sep- tember 2019, vom 2. Oktober 2019 und vom 19. Dezember 2019 ist festzuhalten, dass behan- delnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Dieser Erfahrungstatsache darf das Gericht Rechnung tragen (vgl. E. 4.3 hiervor). Des Weit eren ist den Akten zu entnehmen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers der Suva am 16. April 2019 telefonisch mitteilte, dass er seit dem 9. April 2019 eine Stelle als Chauffeur bzw. Allr ounder mit einem Pensum von 50 % habe. Es sei im Vertrag vereinbart worden, dass es sich um l eichte Arbeit handle. Obschon die Suva anlässlich dieses Telefonats darauf hinwies, dass der Ver sicherte einer leichten Tätigkeit ganz- tags nachgehen könne, teilte die Ehefrau mit, dass er dies zwar wisse, der Arbeitgeber ihres Ehemannes jedoch eine Aufstockung des Pensums von 50 % a uf 100 % nicht anbieten könne. Diese Mitteilung veranschaulicht, dass der Beschwerdeführer faktisch einem Pensum von 100 % hätte nachgehen können, es indes an einem entsprechende n Angebot seines Arbeitsgebers fehlte. Jedenfalls verdeutlicht diese Tatsache, dass die von med. pract. E.____ auch noch nach April 2019 attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % – die abgesehen davon weder auf eine Diagnose noch auf klinische Befunde zurückzuführen ist – im Hinblick auf die faktische Erwerbssituation des Versicherten, der das Pensum mange ls Angebot nicht aufstocken konnte, erfolgt ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.3 Soweit der Beschwerdeführer schliesslich auf die Akt ennotiz der Suva-Sachbearbeiterin vom 2. April 2019 verweist, wonach aufgrund der kreisärzt lich definierten Zumutbarkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehen bleibe und das Taggeld so- mit weiterhin im Rahmen von 50 % ausgerichtet werde, vermag dies ebenfalls nichts zu ändern. Einerseits steht die Aktennotiz in einem offensichtlichen Widerspruch zur kreisärztlichen Beurtei- lung. Andererseits ist die Einschätzung der Arbeitsfähi gkeit und eine darauf gestützte Taggeld- zahlung des Unfallversicherers für die Invalidenversicherung nicht bindend. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht zu beanstanden ist. 6.4 Zusammenfassend lassen die kreisärztliche Untersuchung vom 2. April 2019 sowie die RAD-Beurteilung vom 13. August 2019 eine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu. Die Beschwer degegnerin durfte deshalb bei der Bemessung der Invalidität auf deren Ergebnisse abstell en. Bei dieser Sachlage ist dem Antrag des Beschwerdeführers, wonach weitere medizinische Abklärun gen vorzunehmen seien, nicht stattzugeben. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfa sst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rah- men dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über je ne Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hin reichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 64 E. 3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7.1 Zu prüfen bleibt schliesslich, ob die Invalidenrent e zu Recht per 30. April 2019 aufgeho- ben worden ist. Nach der Rechtsprechung ist bei rückwi rkender Zusprache einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente nebst der Revisionsbestimmung des Art. 17 Abs. 1 ATSG die Re- gelung in Art. 88a Abs. 1 IVV über die Änderung des Leistungsanspruchs bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit analog anzuwenden, wenn noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist. Nach Art. 88a Abs. 1 Satz 1 IVV ist na- mentlich eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leis- tung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie vo- raussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Satz 2). Das Bundesgericht wendet in der Regel den zweiten Satz dieser Vorschrift an und gewährt oder bestätigt die bisherige höhere Rente dr ei Monate über die Veränderung des Ge- sundheitszustandes hinaus. Auf die Einräumung einer Warte dauer bis zur Aufhebung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur in Ausnahme fällen zu verzichten (Urteil des Bun- desgerichts vom 30. April 2019, 8C_36/2019, E. 5 mit weiteren Hinweisen). 7.2 Gemäss der von Dr. G.____ in ihrer Stellungnahme vom 13. August 2019 aufgeführten Arbeitsunfähigkeitsperioden, wonach in einer leidensa ngepassten Tätigkeit vom 31. Okto- ber 2017 bis zum 15. Januar 2019 eine volle, vom 16. J anuar 2019 bis zum 1. April 2019 eine Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 50%ige und danach keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorlag, wurde der Invaliditätsgrad abgestuft ermittelt. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden un d wird im Übrigen auch nicht vom Be- schwerdeführer bestritten. Demgegenüber hat die Vorinstanz die für die Änderung des Gesund- heitszustands massgebende Karenzfrist nach Art. 88a Abs. 1 IVV zu Unrecht nicht berücksichtigt. Vorliegend bestand zum Rentenbeginn per 1. Oktober 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. zum Rentenbeginn auf Monatsanfang Art. 29 Abs. 3 IVG ). Die erste rentenrelevante Änderung erfolgte am 16. Januar 2019, als der Versicherte zu 50 % arbeitsfähig war. Diese Änderung ist erst mit Ablauf der Dreimonatsfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV und somit per 1. Mai 2019 zu berücksichtigen. Die zweite rentenrelevante Änderung erf olgte am 2. April 2019, als der Versi- cherte wieder voll arbeitsfähig war. Entgegen der Vor instanz ist der Zeitpunkt dieser Verbesse- rung der Erwerbsfähigkeit wiederum erst nach Ablauf der dreimonatigen Karenzfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV und somit per 1. August 2019 zu berücksichtigen. 7.3. Nachdem sich aus den Akten ausserdem keine Hinweise e rgeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Ver- gleichseinkommen vorzunehmen wäre und die Berechnung au ch vom Versicherten nicht bean- standet wurde, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle vor- genommenen Einkommensvergleich. 8. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die IV-Stelle in d er angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2019 einen unbefristeten Rentenanspruch des Versicherten zu Recht ablehnte. Indem sie dem Beschwerdeführer jedoch lediglich bis zum 30. April 2019 eine ganze Invalidenrente aus- richtete, berücksichtigte sie die massgeblichen Vorgaben be i einer Verbesserung des Gesund- heitszustands gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV nicht. Danach hat der Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. April 2019 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente und vom 1. Mai 2019 bis zum 31. Juli 2019 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Bei diesem Ergebnis ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer grossmehrheitlich unterlegen. Sei- nen Rechtsbegehren ist allerdings insofern teilweise en tsprochen worden, als dass ihm vom 1. Mai 2019 bis zum 31. Juli 2019 eine halbe Invaliden rente ausgerichtet wird. Entsprechend rechtfertigt es sich, ihm die Verfahrenskosten lediglich i m Umfang von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die verbleibenden ordentlichen Kosten im Umfang von Fr. 200.-- der teilweise unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Infolge teilweiser Gutheissung der Beschwerde hat die IV-Stelle dem Beschwerdeführer gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 21 Ab s. 1 VPO eine reduzierte Parteientschädi- gung auszurichten. Mangels Einreichung einer Honorarnote der Rechtsvertreterin des Beschwer- deführers werden die Parteikosten durch das Gericht festgelegt. Demnach ist dem Beschwerde- führer eine reduzierte Parteientschädigung von pauschal Fr. 250.-- zu Lasten der IV-Stelle zuzu- sprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 23. Janu ar 2020 aufge- hoben und festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer vom 1. Okto- ber 2018 bis zum 30. April 2019 Anspruch auf eine ganze IV-Rente und vom 1. Mai 2019 bis zum 31. Juli 2019 Anspruch auf ei ne halbe IV- Rente hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden zu Fr. 200.-- der IV-Stelle Basel-Landschaft und zu Fr. 600.-- dem Beschwerdeführer auferlegt. Der zu viel bezahlte Kostenvorschuss in der Höh e von Fr. 200.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ei ne reduzierte Parteientschädigung von pauschal Fr. 250.-- zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht