<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">99</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Kantonale Steuern</b></span><br/> <span class="ft3"><b>15</b></span> <span class="ft3"><b>§ 27 Abs. 4 StG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Einheitlichkeit der Wiedereinbringung von Abschreibungen: Keine Un-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>terscheidung bei Verbuchung in verschiedenen Konten und Vollab-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schreibung eines Teils des Kaufobjekts</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 27. Januar</span><br/> <span class="ft4">2016, i.S. E.H. und I.H. gegen KStA (WBE.2015.359).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft6">2.2.</span><br/> <span class="ft6">Werden im Zusammenhang mit der ganzen oder teilweisen</span><br/> <span class="ft6">Liquidation eines Landwirtschaftsunternehmens verschiedene land-</span><br/> <span class="ft6">und/oder forstwirtschaftliche Parzellen veräussert oder ins Privatver-</span><br/> <span class="ft6">mögen überführt, versteht sich von selbst, dass dabei erzielte Ge-</span><br/> <span class="ft6">winne und Verluste bei Ermittlung des gemäss § 27 Abs. 4 StG (bzw.</span><br/> <span class="ft6">Art. 18 Abs. 4 DBG) zu versteuernden Gewinns bis zur Höhe der</span><br/> <span class="ft6">Anlagekosten getrennt für die einzelnen betroffenen Objekte zu</span><br/> <span class="ft6">ermitteln sind. Ein solches Vorgehen ist schon deshalb geboten, weil</span><br/> <span class="ft6">der zu versteuernde Gewinn eine synthetische Grösse darstellt, der</span><br/> <span class="ft6">sich im Einzelfall als Nettogrösse aus Gewinnen und Verlusten zu-</span><br/> <span class="ft6">sammensetzen kann (so schon Urteil des Verwaltungsgerichts vom</span><br/> <span class="ft6">20. Mai 2009 [WBE.2008.385] Erw. 4.3; ebenso J</span><span class="ft4">ULIA VON</span> <span class="ft6">A</span><span class="ft4">H</span><span class="ft6">, in:</span><br/> <span class="ft6">M</span><span class="ft4">ARIANNE</span> <span class="ft6">K</span><span class="ft4">LÖTI</span><span class="ft6">-W</span><span class="ft4">EBER</span><span class="ft6">/D</span><span class="ft4">AVE</span> <span class="ft6">S</span><span class="ft4">IEGRIST</span><span class="ft6">/D</span><span class="ft4">IETER</span> <span class="ft6">W</span><span class="ft4">EBER</span> <span class="ft6">[Hrsg.],</span><br/> <span class="ft6">Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Aufl., Muri/Bern 2015,</span><br/> <span class="ft6">§ 27 N 163; vgl. auch M</span><span class="ft4">ARKUS</span> <span class="ft6">R</span><span class="ft4">EICH</span><span class="ft6">, Steuerrecht, 2. Aufl., Zürich</span><br/> <span class="ft6">2012, § 15 Rz 54 f.).</span><br/> <span class="ft6">2.3.</span><br/> <span class="ft6">Hier geht es jedoch nicht um die Überführung verschiedener</span><br/> <span class="ft6">Parzellen (eine mit Gewinn, die andere mit Verlust), sondern um eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">100</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">einzige Parzelle, welche ins Privatvermögen überführt worden ist.</span><br/> <span class="ft6">Auf dieser Parzelle bestanden indessen verschiedene Gebäulich-</span><br/> <span class="ft6">keiten, von denen gemäss Darstellung der Beschwerdeführer ein Teil</span><br/> <span class="ft6">(Wohnhaus) noch werthaltig gewesen, dagegen ein anderer Teil</span><br/> <span class="ft6">(Scheune) ein Abbruchobjekt dargestellt habe und wertlos gewesen</span><br/> <span class="ft6">sei. Dementsprechend beantragen die Beschwerdeführer bei der Be-</span><br/> <span class="ft6">steuerung des bei der Überführung erzielten Gewinns zu berück-</span><br/> <span class="ft6">sichtigen, dass zwar bei der Überführung des Wohnhauses Ab-</span><br/> <span class="ft6">schreibungen wieder eingebracht hätten werden können (im Umfang</span><br/> <span class="ft6">von Fr. 79'065.00), bei der Überführung der wertlosen Scheune dage-</span><br/> <span class="ft6">gen im Umfang von deren Restbuchwert (Fr. 51'000) eine Abschrei-</span><br/> <span class="ft6">bung habe vorgenommen werden müssen, welche ihrerseits den aus</span><br/> <span class="ft6">der Überführung der Scheune resultierenden Gewinn schmälere. Nur</span><br/> <span class="ft6">der</span> <span class="ft6">entsprechende</span> <span class="ft6">Nettogewinn</span> <span class="ft6">(Fr. 79'065.00</span> <span class="ft6">abzüglich</span><br/> <span class="ft6">Fr. 51'000.00 = Fr. 28'065.00) dürfe - nach Abzug des darauf</span><br/> <span class="ft6">geschuldeten AHV-Sonderbeitrags - mit der Einkommenssteuer er-</span><br/> <span class="ft6">fasst werden.</span><br/> <span class="ft6">2.4.</span><br/> <span class="ft6">2.4.1.</span><br/> <span class="ft6">Buchhalterisch kann eine Liegenschaft unterschiedlich behan-</span><br/> <span class="ft6">delt werden: Einerseits ist denkbar, die gesamte Parzelle einschliess-</span><br/> <span class="ft6">lich der Bauten darauf gemeinsam in einer Bilanzposition zu erfas-</span><br/> <span class="ft6">sen. Es ist aber auch möglich, bei der Bilanzierung zwischen einzel-</span><br/> <span class="ft6">nen überbauten Parzellenteilen zu unterscheiden. Wird bei getrennter</span><br/> <span class="ft6">Bilanzierung ein Grundstück samt der darauf befindlichen (zum Teil</span><br/> <span class="ft6">werthaltigen und zum Teil wertlosen Bauten) ins Privatvermögen</span><br/> <span class="ft6">überführt, so führt dies zur vollständigen Abschreibung des Grund-</span><br/> <span class="ft6">stücksteils mit der wertlosen Baute und zu einem Buchgewinn auf</span><br/> <span class="ft6">dem Grundstücksteil mit der werthaltigen Baute. Werden hingegen</span><br/> <span class="ft6">sämtliche Bauten und der zugehörige Boden in einer Bilanzposition</span><br/> <span class="ft6">(bzw. in einem Konto) erfasst, so ergibt sich bei der Überführung</span><br/> <span class="ft6">kein weiterer Abschreibungsbedarf.</span><br/> <span class="ft6">2.4.2.</span><br/> <span class="ft6">Aus steuerlicher Perspektive ist - auf den ersten Blick -</span><br/> <span class="ft6">vorstellbar, dass die unterschiedliche Verbuchungsart jedenfalls bei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">101</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">der hier infrage stehenden Gewinnermittlung nach § 27 Abs. 4 StG</span><br/> <span class="ft6">(ebenso Art. 18 Abs. 4 DBG) Konsequenzen zeitigt.</span><br/> <span class="ft6">Wird gemäss der Variante "getrennte Bilanzierung" vorge-</span><br/> <span class="ft6">gangen, ergibt sich - hinsichtlich der wertlosen Baute und des zuge-</span><br/> <span class="ft6">hörigen Landanteils - ein Buchverlust, während die Überführung der</span><br/> <span class="ft6">werthaltigen Baute samt Landanteil zu einem Gewinn führt. Steu-</span><br/> <span class="ft6">erlich wäre daher zumindest denkbar, den Buchverlust im Rahmen</span><br/> <span class="ft6">der Kantons- und Gemeindesteuer zu berücksichtigen, durch den</span><br/> <span class="ft6">dann der auf dem anderen Grundstückteil erzielte Gewinn gemindert</span><br/> <span class="ft6">würde. Wird hingegen der Variante "gemeinsame Bilanzierung"</span><br/> <span class="ft6">gefolgt, so ergibt sich einzig ein Buchgewinn, nämlich der Unter-</span><br/> <span class="ft6">schied zwischen den gesamten Anlagekosten und dem gesamten</span><br/> <span class="ft6">Restbuchwert.</span><br/> <span class="ft6">2.4.3.</span><br/> <span class="ft6">Es überzeugt zum einen nicht, dass die steuerlichen Konsequen-</span><br/> <span class="ft6">zen eines wirtschaftlich identischen Vorgangs verschieden sein</span><br/> <span class="ft6">sollen, zumal es hier nicht um verschiedene Rechtsgestaltungen, son-</span><br/> <span class="ft6">dern lediglich um unterschiedliche Verbuchungsvarianten geht. Ge-</span><br/> <span class="ft6">gen ein solches Ergebnis spricht aber auch die Auslegung von § 27</span><br/> <span class="ft6">Abs. 4 StG (bzw. Art. 18 Abs. 4 DBG). Obwohl in der Literatur im</span><br/> <span class="ft6">Zusammenhang mit diesen Normen regelmässig von wieder einge-</span><br/> <span class="ft6">brachten Abschreibungen gesprochen (vgl. J</span><span class="ft4">ULIA VON</span> <span class="ft6">A</span><span class="ft4">H</span><span class="ft6">, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">§ 27 N 163; P</span><span class="ft4">ETER</span> <span class="ft6">L</span><span class="ft4">OCHER</span><span class="ft6">, Kommentar zum DBG, I. Teil,</span><br/> <span class="ft6">Therwil 2001, Art. 18 N 186 spricht immerhin von "sog." wieder ein-</span><br/> <span class="ft6">gebrachten Abschreibungen) und damit suggeriert wird, es würden</span><br/> <span class="ft6">Abschreibungen, die sich im Nachhinein als nicht notwendig erwie-</span><br/> <span class="ft6">sen, wertmässig wieder eingeholt und der Besteuerung unterworfen</span><br/> <span class="ft6">(als Kompensation zur früheren Steuerwirksamkeit der Abschrei-</span><br/> <span class="ft6">bung), findet sich für eine solche, im Ergebnis einschränkende</span><br/> <span class="ft6">Auslegung von § 27 Abs. 4 StG (bzw. Art. 18 Abs. 4 DBG) kein An-</span><br/> <span class="ft6">haltspunkt im Wortlaut der Bestimmung. Dort ist nämlich nicht etwa</span><br/> <span class="ft6">von wieder eingebrachten Abschreibungen die Rede, sondern allein</span><br/> <span class="ft6">von einer Zurechnung zu den steuerbaren Einkünften "bis zur Höhe</span><br/> <span class="ft6">der Anlagekosten". Für die Besteuerung kommt es demnach nicht</span><br/> <span class="ft6">darauf an, wie Teile eines Grundstücks buchhalterisch behandelt wer-</span><br/> <span class="ft6">den, wenn die Liegenschaft als Ganze ins Privatvermögen überführt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">102</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">oder veräussert wird. Für diese Lösung sprechen im Übrigen neben</span><br/> <span class="ft6">dem Wortlaut von § 27 Abs. 4 StG (bzw. Art. 18 Abs. 4 DBG) auch</span><br/> <span class="ft6">Rechtsgleichheits- und Praktikabilitätsüberlegungen (vgl. so bereits</span><br/> <span class="ft6">zur Frage der unterschiedlichen buchhalterischen Behandlung von</span><br/> <span class="ft6">Grundstück und darauf befindlicher Baute WBE.2008.385</span><br/> <span class="ft6">Erw. 5.3.4).</span><br/> <span class="ft6">2.4.4.</span><br/> <span class="ft6">Hinzu kommt hier, dass die Beschwerdeführer für die ins</span><br/> <span class="ft6">Privatvermögen überführte Parzelle nur ein einziges Konto in der</span><br/> <span class="ft6">Buchhaltung ihres Landwirtschaftsunternehmens eingestellt hatten.</span><br/> <span class="ft6">Auch wenn offenbar für Wohnhaus und Scheune getrennte Abschrei-</span><br/> <span class="ft6">bungstabellen geführt wurden, fällt daher von vornherein ausser Be-</span><br/> <span class="ft6">tracht, für einen Teil der ins Privatvermögen überführten Parzelle</span><br/> <span class="ft6">einen Verlust anzunehmen, welcher den bis zur Höhe der Anlage-</span><br/> <span class="ft6">kosten des anderen Grundstückteils erzielten Gewinn schmälern</span><br/> <span class="ft6">würde.</span><br/></div> </div> </body> </html>