Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 5. Juni 2018 (460 17 253) ____________________________________________________________________ Strafrecht Qualifizierte Widerhandlung gegen das BetmG Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Susanne Afheldt ( Ref.), Richter Stephan Gass, Richter Daniel Häring, Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung BM/OK, Rheinstrasse 27, Postfach, 4410 Liestal, Anklagebehörde und Berufungsklägerin gegen A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Josephsohn, Lutherstrasse 4, Postfach, 8021 Zürich 1, Beschuldigte Gegenstand Qualifizierte Widerhandlung gegen das BetmG Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 7. November 2017 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 7. November 2017 wurde A.____ der mehrfachen Übertretung des Ausländergesetzes schuld ig gesprochen und zu einer Busse von CHF 300. ‒ verurteilt. Für den Fall der schuldhaften Nichtbez ahlung der Busse wurde eine Er- satzfreiheitsstrafe von 3 Tagen ausgesprochen (Urteilsdispositiv-Ziffer II. 1. a.). Hingegen wurde sie von der Anklage der qualifizierten Widerhandlun g gegen das Betäubungsmittelgesetz frei- gesprochen (Ziffer II. 1. b.). Ferner wurde entschi eden, dass der beschlagnahmte Personenwagen X.____ samt zugehörigem Fahrzeugschlü ssel nach Rechtskraft unter Aufhe- bung der Beschlagnahme gestützt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO A.____ zurückgegeben wird, wobei ihr nach der Rechtskraft des Urteils vo m Fund- und Verwertungsdienst eine Frist gesetzt wird, um den Personenwagen samt Fahrzeugsch lüssel abzuholen bzw. abholen zu las- sen, unter Androhung der Verwertung oder Vernichtun g im Unterlassungsfalle (Ziffer II. 2. a.). Überdies wurde angeordnet, dass der beschlagnahmte Fahrzeugausweis nach Rechtskraft des Entscheides an das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich überstellt wird (Ziffer II. 2. b.). Sodann wurden die A.____ betreffenden Verfahrenskos ten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 3‘212.50 und der Gerichtsgebü hr von CHF 3‘000. ‒ in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO zu 1/10 der Beschuldigten und zu 9/10 dem Staat auferlegt (Ziffer II. 3. a.). Die Kosten der amtlichen Verteidigung in Höhe von i nsgesamt CHF 9‘732.90 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) wurden, unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von A.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO, aus der Gerichtskasse entrichtet (Ziffer II. 3. b.). B. Mit gleichem Urteil in Dispositivziffer I. wurde de r Beschuldigte B.____ der qualifizierten sowie der einfachen Widerhandlung gegen das Betäubu ngsmittelgesetz schuldig erklärt. Er wurde dafür zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren u nd 3 Monaten verurteilt, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherheitsha ft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs vom 20. Mai 2017 bis zum 7. November 2017 von insgesamt 171 Tagen. Demgegenüber wurde B.____ von der Anklage der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz freigesprochen. Dar- über hinaus ordneten die Vorderrichter gegenüber B. ____ in Anwendung von Art. 66a StGB eine Landesverweisung für die Dauer von 7 Jahren an . Ferner wurde B.____ gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO zur Tragung der ihn betreffenden Verfah renskosten verpflichtet, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 5'048.50, den Kosten des Zwangsmassnahmenge- richts von CHF 850. ‒, den Lagerungskosten für das beschlagnahmte Motorf ahrzeug von CHF 558. ‒ und der Gerichtsgebühr von CHF 3'000. ‒. Endlich wurde entschieden, dass der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten ein Honorar in der Höhe von CHF 15'256.25 aus der Gerichtskasse entrichtet wird, unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. C. Gegen das genannte Urteil meldeten sowohl die Staa tsanwaltschaft Basel-Landschaft (mit Eingabe vom 10. November 2017) als auch der Be schuldigte B.____ (mit Eingabe vom 13. November 2017) die Berufung an. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit Berufungserklärung vom 12. Dezember 2017 legte die Staatsanwaltschaft dar, dass die erhobene Berufung bezüglich des Beschuldigten B.____ zurückgezogen werde. Hinsichtlich der Beschuldigten A.____ stellte die Staatsanwaltschaft folgende Rechtsbegehren: "1. Das Urteil der Dreierkammer des Strafgerichts vom 7. November 2017 sei bezüglich der Ziffer II., mit Ausnahme von Unterziffer 1. a), aufzuheben. 2. A.____ sei der qualifizierten Widerhandlung gegen das Bet äubungsmittelgesetz, ev. wegen Gehilfenschaft dazu, schuldig zu sprechen und zu verurteilen. 3. Der beschlagnahmte Personenwagen X.____ samt z ugehörigem Fahrzeugschlüssel und Fahrzeugausweis seien einzuziehen, von Amtes we gen zu verkaufen und der Erlös daraus sei an die Verfahrenskosten anzurechnen. 4. A.____ sei zur anteilsmässigen Übernahme der Verfahrensko sten gemäss ihren Taten und ihres Verschuldens zu verurteilen." E. Demgegenüber hat der Beschuldigte B.____ die am 13 . November 2017 angemeldete Berufung mit Schreiben vom 18. Dezember 2017 zurückgezogen. F. In ihrer Berufungsbegründung vom 9. Februar 2018 hielt die Staatsanwaltschaft an ihren mit Berufungserklärung vom 12. Dezember 2017 gestellten Rechtsbegehren fest. G. Die Beschuldigte, vertreten durch Rechtsanwalt Andr eas Josephsohn, beantragte in ihrer Berufungsantwort vom 13. Februar 2018 die vollumfängliche Abweisung der Berufung. H. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügunge n des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurde mit Verfügung vom 21. Dezember 2017 fest- gestellt, dass die Staatsanwaltschaft ihre angemeld ete Berufung vom 10. November 2017 betreffend den Beschuldigten B.____ zurückgezogen hat. Mit gleicher Verfügung wurde konsta- tiert, dass auch der Beschuldigte B.____ seine angemeldete Berufung vom 13. November 2017 zurückgezogen hat. Gestützt darauf wurde festgestel lt, dass das Urteil des Strafgerichts vom 7. November 2017 betreffend den Beschuldigten B.___ _ per Urteilstag in Rechtskraft erwach- sen ist (Art. 437 Abs. 1 lit. b und Art. 437 Abs. 2 StPO). Der Beschuldigte B.____ wurde in der Folge aus dem Rubrum des vorstehenden Verfahrens en tfernt. Seiner amtlichen Verteidigerin wurde für ihre Bemühungen im kantonsgerichtlichen V erfahren eine Entschädigung von CHF 406.60 zuzüglich 8% Mehrwertsteuer von CHF 32.5 5, somit total CHF 439.15, ausgerich- tet. Ferner wurde mit Verfügung vom 23. Januar 2018 festgestellt, dass die Beschuldigte weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben hat. Schlie sslich wurde mit Verfügung vom 28. Mai Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2018 die Eingabe der Staatsanwaltschaft vom 25. Mai 2018 samt Beilagen der Beschuldigten zugestellt und festgestellt, dass die Beschuldigte die Gelegenheit erhält, sich im Rahmen des Parteivortrages zur besagten Eingabe der Staatsanwaltschaft zu äussern. I. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsge richt, Abteilung Strafrecht, vom 5. Juni 2018 erscheinen die Beschuldigte mit ihrem Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Joseph- sohn, sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft. D ie Parteien halten an den bereits gestellten Anträgen fest. Auf die Aussagen der Beschuldigten s owie die Parteivorträge wird, soweit erfor- derlich, nachfolgend in den Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. F ORMELLES Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanz licher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (Art. 398 Abs. 1 StPO). Das Urteil des Strafge- richts Basel-Landschaft vom 7. November 2017 ist de mgemäss mit Berufung anfechtbar. Die Zuständigkeit der Fünferkammer der Abteilung Strafr echt des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 A bs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit § 15 Abs. 1 lit. b des kantonalen Einführungsgesetzes vo m 12. März 2009 zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Die Legitim ation der Staatsanwaltschaft zur Ergrei- fung des Rechtsmittels wird in Art. 381 Abs. 1 StPO normiert. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nic ht angefochtene Punkte überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verh indern (Art. 404 Abs. 2 StPO). Die Kogniti- on des Berufungsgerichts ist gemäss Art. 398 Abs. 2 StPO weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt (vgl. L UZIUS EUGSTER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 398 N 1). Gemäss Art. 398 Abs. 3 lit. a StPO können zunächst Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des E rmessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, gerügt werden. Lit. b sieht die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts und lit. c schliesslich die Unange messenheit als Berufungsgrund vor. Zu- nächst ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schrift liche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO). Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft gegen das Urt eil des Strafgerichts vom 7. November 2017 am 10. November 2017 fristgerecht die Berufung angemeldet. Das vorinstanzliche Urteil wurde ihr in der Folge am 29. November 2017 schrift lich begründet zugestellt, woraufhin sie mittels Eingabe vom 12. Dezember 2017 die Berufungs erklärung beim Kantonsgericht einreich- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht te. Die Berufung ist somit rechtzeitig und formgere cht erhoben worden (vgl. Art. 399 Abs. 3 StPO). Das angefochtene Urteil stellt ein taugliche s Anfechtungsobjekt dar, die von der Staats- anwaltschaft erhobenen Rügen sind zulässig und sie ist ihrer Erklärungspflicht nachgekommen, weshalb auf die Berufung der Staatsanwaltschaft einzutreten ist. II. M ATERIELLES A. Gegenstand des Berufungsverfahrens Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungs gericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Aufgrund des Berufungsge genstandes gemäss der Berufungser- klärung der Staatsanwaltschaft vom 12. Dezember 201 7 wird bezüglich der Beschuldigten A.____ grundsätzlich das gesamte Urteil des Strafgerichts vom 7. November 2017 angefochten. Nicht zur Disposition stehen einzig die folgenden Teile des vorinstanzlichen Erkenntnisses: – der Schuldspruch wegen mehrfacher Übertretung des Ausländergesetzes und Verurteilung zu einer Busse von CHF 300. ‒, wobei im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Bu sse an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen tritt (Dispositiv-Ziffer II. 1. a.); – die Ausrichtung einer Entschädigung in der Höhe v on total CHF 9'732.90 an den amtlichen Verteidiger (Dispositiv-Ziffer II. 3. b.), wobei al lerdings die Höhe der Rückzahlungsverpflich- tung der Beurteilten nach Art. 135 Abs. 4 StPO wieder im Streit steht. B. Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 1. Parteistandpunkte 1.1 Die Vorinstanz sprach die Beschuldigte vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz frei. Zur Begründu ng wurde zusammengefasst ausgeführt, es bestünden lediglich zwei Anknüpfungspunkte hinsi chtlich einer allfälligen Beteiligung der Beschuldigten an der Einfuhr von Betäubungsmitteln vom 20. Mai 2017: Zum einen sei der Per- sonenwagen, in welchem die Betäubungsmittel transpo rtiert worden seien bzw. die an diesem angebrachten Kontrollschilder auf sie eingelöst. Zu m anderen sei B.____ gemäss den akten- kundigen WhatsApp-Mitteilungen bei seinem Aufenthal t in Zürich am 17. Mai 2017 unter anderem zur X.____strasse 10 in Zürich geleitet worden. An dieser Adresse sei die Beschuldig- te wohnhaft gewesen, wenn auch nur faktisch und nic ht gemäss behördlich gemeldeter Adresse. Bei den weiteren Schilderungen der Anklage schrift, etwa dass A.____ einen nicht nä- her bekannten finanziellen Anteil bekommen und mit B.____ Absprachen getroffen habe, handle es sich um blosse Annahmen bzw. Rückschlüsse , die als solche nicht selbständig indi- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ziell untermauert seien. In der Gesamtschau sei jed enfalls festzustellen, dass sich die Indizien, welche eine Verbindung dieses Betäubungsmitteltrans ports zur Beschuldigten herstellen las- sen, durchaus auch anders erklären liessen, als mit einer bewussten und willentlichen Beteiligung ihrerseits. Auch wenn die Erklärungen v on A.____ nicht durchwegs überzeugend seien und die Vorstrafe gemäss Strafbefehl der Staa tsanwaltschaft Winterthur Unterland vom 23. August 2012 – ganz allgemein und ohne konkrete Verbindung zum vorliegend angeklagten Sachverhalt – nahelege, dass gewisse Verbindungen z um Kokainmilieu bestünden, verblieben erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel an d er Täterschaft der Beschuldigten im Sinne der gegen sie vorgebrachten Anklagevorwürfe. Somit sei die Beschuldigte mangels Nachweis ihrer Täterschaft von der Anklage der qualifizierte n Widerhandlung gegen das Betäubungsmit- telgesetz freizusprechen. 1.2 Die Staatsanwaltschaft ihrerseits stellt sich demg egenüber auf den Standpunkt, das Strafgericht gehe in seiner Beurteilung wohlwollend und einseitig von der Glaubwürdigkeit der Depositionen von A.____ aus, obwohl diese über weit e Strecken überhaupt keine Aussagen gemacht habe. Entgegen der Meinung des Strafgericht s lasse sich die Frage, ob die Beschul- digte am gewerbsmässigen Verstoss gegen das Betäubu ngsmittelgesetz durch B.____ nicht bloss auf zwei Anknüpfungspunkte reduzieren, nämlic h den Personenwagen X.____ und den Wohnort der Beschuldigten an der X.____strasse 10 i n Zürich. Es sei vielmehr eine objektive Gesamtwürdigung vorzunehmen, worin auch die Glaubwü rdigkeit und das Verhalten der Be- schuldigten miteinzubeziehen seien. Zudem sei der a ngebliche Ex-Freund C.____ eine reine Erfindung der Beschuldigten. Es bestünden überhaupt keine konkreten Hinweise über dessen Existenz. Unverständlich sei schliesslich auch die Meinung des Strafgerichts, der beschlag- nahmte Personenwagen, der nachgewiesenermassen auf die Beschuldigte eingelöst und zum Transport von Betäubungsmitteln illegal verwendet w urde, dürfe in casu nicht eingezogen wer- den. Das Argument der Vorinstanz, wonach es nicht d ieses spezifischen Personenwagens zur Tatbegehung bedurft habe, sei überhaupt nicht stichhaltig. 1.3 Der Vertreter der Beschuldigten vertritt demgegenü ber die Ansicht, für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Beschuldigten sei es vollko mmen irrelevant, weshalb sie keine Anga- ben über Telefonnummern und Adresse von C.____ gege nüber den Strafverfolgungsbehörden gemacht habe. Sie sei rechtlich klarerweise nicht v erpflichtet, solche Auskünfte zu erteilen, weswegen selbstverständlich nicht zu ihren Lasten e ine mangelnde Glaubwürdigkeit ange- nommen werden könne. Im Übrigen schliesst sich die Verteidigung im Wesentlichen den Argumenten des erstinstanzlichen Gerichtes an, wobe i das Vorliegen von nachvollziehbaren Alternativhypothesen zu der von der Staatsanwaltsch aft aufgestellten Grundhypothese in casu einen Freispruch rechtfertige. Hinsichtlich der Fra ge der Einziehung des beschlagnahmten Fahrzeugs sei festzuhalten, dass die Voraussetzungen der Einziehung ohne Zweifel nicht erfüllt seien, wenn mit diesem Personenwagen – ohne im Übri gen daran bauliche Veränderungen durchgeführt zu haben – Drogen transportiert worden seien. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Tatsächliches 2.1 Hinsichtlich der Tathandlungen von B.____, welche n icht Gegenstand des vorliegen- den Berufungsverfahrens bilden, kann zunächst vollu mfänglich auf die vorinstanzlichen Feststellungen verwiesen werden (vgl. Urteil der Vo rinstanz, S. 7–12). Ebenfalls erscheint die Darlegung der Ermittlungsergebnisse durch die Vorde rrichter als zutreffend (Urteil der Vor- instanz, S. 6 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammengef asst ist hinsichtlich des Sachverhalts erstellt, dass B.____ per Flugzeug am 17. Mai 2017 von Amsterdam in die Schweiz einreiste, wobei er nach seiner Ankunft in der Schweiz per Wha tsApp-Nachricht von einer nicht identifi- zierten Person angewiesen wurde, einen Betrag von E UR 3‘250. ‒ in CHF 3‘472.50 umzutauschen und danach nochmals CHF 1‘500. ‒ von einem unbekannten Bankkonto abzu- heben. In der Folge wurde er, wiederum per WhatsApp -Mitteilung, an die X.____strasse 10 in Zürich gelotst. Dort hat er ein Fahrzeug, welches am gleichen Tag auf den Namen der Beschul- digten eingelöst wurde, übernommen und fuhr mit die sem in der Folge nach Rotterdam, wo er eine grössere Menge Kokain sowie MDNA in den Cabrio let-Verdeckkasten eingeladen hatte. Am 20. Mai 2017 reiste B.____ als Lenker des Person enwagens, dessen Halterin die Beschul- digte war, wiederum in die Schweiz ein, wobei im be treffenden Fahrzeug eine qualifizierte Menge an Betäubungsmitteln (1‘324.4 Gramm reines Kokain und 1.2 Gramm MDMA) sicherge- stellt werden konnten. Zu prüfen gilt es vorliegend , ob die Beschuldigte – als Mittäterin oder allenfalls als Gehilfin – in diesen von B.____ durc hgeführten Drogentransport vom 20. Mai 2017 involviert gewesen ist. 2.2 Wie bereits das Strafgericht zutreffend feststellt e, bestehen im vorliegenden Fall ge- wisse Anhaltspunkte, die für eine Beteiligung der B eschuldigten bezüglich der Einfuhr von Betäubungsmitteln in die Schweiz vom 20. Mai 2017 s prechen. So war die Beschuldigte als Halterin des Cabriolet-Personenwagens X.____, in welchem die Drogen am 20. Mai 2017 in die Schweiz eingeführt wurden, eingetragen. Gemäss dem Fahrzeugausweis wurde dieses Auto erst kurz zuvor, am 17. Mai 2017 um 10.00 Uhr, auf sie eingelöst (vgl. act. 967). Überdies war die Beschuldigte bereits vom 13. Februar 2017 bis zum 18. Mai 2017 als Halterin eines anderen X____-Cabriolets im Fahrzeugregister eingetragen. D ies obwohl die Beschuldigte keinen schweizerischen Führerausweis besitzt und auch kein en Antrag auf Anerkennung eines aus- ländischen Führerausweises gestellt hat (vgl. act. 559 ff., vgl. zum Ganzen auch act. 945 ff.). Hinzu kommt, dass B.____ bei seinem Aufenthalt in Z ürich am 17. Mai 2017 gemäss den ak- tenkundigen WhatsApp-Mitteilungen an die faktische Wohnadresse der Beschuldigten an der X.____strasse 10 in Zürich geleitet wurde, und sich nachweislich dorthin begeben hat (vgl. act. 707). Die Beschuldigte weist überdies eine Vor strafe wegen einfacher Widerhandlung ge- gen das Betäubungsmittelgesetz (Strafbefehl der Sta atsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 23. August 2012, act. 81) auf, welche als gewisses Indiz zu werten ist, wobei es allerdings zu berücksichtigen gilt, dass diese Verurteilung berei ts relativ lange Zeit zurückliegt. Weitere kon- krete Anhaltspunkte, welche für eine Beteiligung de r Beschuldigten sprechen, sind jedoch nicht vorhanden. Namentlich wird die Beschuldigte weder d urch Aussagen anderer involvierter Per- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sonen noch durch irgendwelche Funde bei Hausdurchsu chungen oder durch Telefonkontrollen bzw. Handyauswertungen belastet. Sodann sind mit de n Vorderrichtern die Schilderungen der Anklageschrift, dass die Beschuldigte einen nicht n äher bekannten finanziellen Anteil bekom- men hätte, mit B.____ Absprachen getroffen habe und gemeinsam mit diesem zeitweise in ei- einem Fahrzeug unterwegs gewesen sei, als nicht indiziell untermauerte Annahmen zu werten. 2.3 Die Beschuldigte selbst gab im Vorverfahren zu Protokoll, sie habe das beschlagnahm- te Cabriolet-Fahrzeug im Mai 2017 für CHF 4‘800. ‒ oder CHF 4‘900. ‒ in Luzern gekauft (vgl. act. 831) und beabsichtigt, ihren Führerausweis aus der Dominikanischen Republik umschrei- ben zu lassen. Sie habe den Personenwagen bereits z uvor erworben, weil sie gerade das nötige Geld zur Verfügung gehabt habe, und dieses n icht für etwas anderes habe ausgeben wollen. Das X.____-Cabriolet-Model, welches sie sic h kurz zuvor zugelegt habe, sei defekt ge- wesen. Beide Fahrzeuge seien von ihrem in den Niede rlanden wohnhaften Ex-Freund C.____ benutzt worden (vgl. act. 831 f.). Sie habe ihm den nun beschlagnahmten Personenwagen ausgeliehen, damit er mit diesem nach Holland zurückfahren könne. Ihres Wissens sei er zuletzt damit in den Niederlanden ge wesen und hätte ihr diesen wieder zurück- bringen sollen (vgl. act. 833). Anlässlich der Haup tverhandlung vor Strafgericht vom 7. November 2017 (vgl. act. 105 ff.) sowie der kant onsgerichtlichen Hauptverhandlung vom 5. Juni 2018 verweigerte die Beschuldigte jeweils d ie Aussage zur Sache (vgl. Protokoll der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung S. 11). Soweit die Beschuldigte überhaupt Aussagen zur Sach e zu Protokoll gab, sind gewisse Unge- reimtheiten augenfällig. Nicht schlüssig nachvollzi ehbar ist beispielsweise aufgrund ihrer Depositionen, weswegen sie gleich zweimal – ohne se lbst einen in der Schweiz gültigen Führe- rausweis zu besitzen – ein Cabriolet-Fahrzeug gekau ft hat. Gemäss ihren aktenkundigen Einkünften wenig überzeugend erscheint ebenso, dass A.____ den Kaufpreis von CHF 4‘900. ‒ für das bei der Drogeneinfuhr von B.____ gelenkte F ahrzeug gerade zur Verfügung hatte. Als wahrscheinlicher ist diesbezüglich anzusehen, dass der Personenwagen mit dem von B.____ mitgebrachten bzw. abgehobenen Geld gekauft wurde, zumal dieser Betrag ziemlich genau dem Kaufpreis entspricht. Insgesamt erscheinen die Angaben der Beschuldigten teilweise als wenig stimmig. Nichts zu Lasten der Beschuldigten k ann hingegen aus der Eingabe der Staats- anwaltschaft vom 25. Mai 2018 abgeleitet werden. Ei n konkreter, in casu relevanter Zusammenhang zur Beschuldigten ist aus den eingerei chten Dokumenten nicht ersichtlich. Ferner gilt es zu beachten, dass die Beschuldigte a ls eingetragene Fahrzeughalterin im Falle des Erwischtwerdens besonders exponiert war, was in diziell eher gegen ihr Wissen bzw. ihre Inkaufnahme von massiven Drogeneinfuhren spricht. S chliesslich wirkt sich nach Auffassung der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts auch der Umstand, dass die Beschuldigte B.____ anlässlich einer Konfrontation als Kollegen ihres Ex-Freundes erkannte, nicht in ent- scheidender Weise zu ihren Lasten aus. Denn im Fall e einer Beteiligung der Beschuldigten in wesentlicher Rolle am vorliegenden Drogentransport wäre gemäss der allgemeinen Lebenser- fahrung eher zu erwarten gewesen, dass sie andere Beteiligte gerade nicht erkannt hätte. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Sodann erscheint es im vorliegenden Fall als nahel iegende Möglichkeit, dass der Ex- Freund der Beschuldigten diese gebeten haben könnte , das betreffende Fahrzeug für ihn zu kaufen und auf ihren Namen einzulösen, wobei er die s allenfalls auch finanziert hat. Mit der Vorinstanz ist es des Weiteren nicht als unplausibe l zu betrachten, dass der damalige Freund der Beschuldigten einer der hiesigen Kontaktmänner des Auftraggebers von B.____ gewesen sein könnte, der dieses Geschäft möglicherweise ohn e das Wissen der Beschuldigten abgewi- ckelt hat. Ferner ist auch durchaus denkbar, dass e r ihr gegenüber angegeben hat, er fahre mit diesem Personenwagen in die Niederlande und wieder in die Schweiz zurück, wobei er das Fahrzeug dann ohne Wissen der Beschuldigten B.____ zur Verfügung gestellt hat. Daran än- dert auch der Umstand nichts, dass die Identität de s Freundes der Beschuldigten, angeblich C.____, nicht festgestellt werden konnte bzw. dass nicht gesichert ist, ob dieser tatsächlich existiert. Wie die Verteidigung in diesem Zusammenhang zutreffend einwendet, ist die Beschul- digte nicht verpflichtet, den Strafverfolgungsbehör den Angaben zu ihrem Ex-Freund zu liefern. Unter Berücksichtigung aller Aspekte lassen sich im Ergebnis – trotz der teilweise wenig glaub- würdigen Aussagen der Beschuldigten – die vorhanden en Indizien, welche eine Verbindung zur Einfuhr von Betäubungsmitteln vom 20. Mai 2017 zur Beschuldigten herstellen lassen (vgl. II. B. 2.2), mit den Vorderrichtern durchaus plausibel and ers erklären als mit einer bewussten und willentlichen Beteiligung der Beschuldigten. Dieses Beweisergebnis gilt es nachfolgend in recht- licher Hinsicht zu würdigen. 3. Rechtliches 3.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG wird bestraft, wer unbefugt Betäubungsmittel beför- dert oder einführt. Unter den Begriff der Betäubung smittel fallen namentlich die Stoffe Kokain und MDMA (Art. 2 lit. a BetmG bzw. Art. 2a BetmG i. V.m. Art. 3 Abs. 2 lit. d BetmKV und An- hänge 1 und 5 / Verzeichnis d BetmVV-EDI). Ein schw erer Fall der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz liegt unter anderem dann vor , wenn der Täter weiss oder annehmen muss, dass sich die Widerhandlung auf eine Menge Be täubungsmittel bezieht, welche die Ge- sundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann (Ar t. 19 Abs. 2 lit. a BetmG). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist diese Menge ab 18 g reinem Kokain erreicht (vgl. BGE 109 IV 143, E. 3b; BGE 119 IV 180, E. 2d; BGE 122 I V 360, E. 2a). Der besagte Grenzwert ba- siert auf dem reinen Drogenwirkstoff und gilt daher unabhängig davon, mit welchen Substanzen und in welchem Ausmass die Drogen allenfalls gestre ckt wurden (vgl. BGE 119 IV 180, E. 2d). In subjektiver Hinsicht verlangt das Gesetz, dass d er Täter um die objektiven Umstände weiss oder darauf schliessen muss (vgl. BGE 112 IV 109, E . 2a). Hinsichtlich der Beförderung und Einfuhr von MDMA ist der Qualifikationstatbestand v on Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG praxisge- mäss nicht anwendbar (vgl. BGE 125 IV 90). Die allgemeinen Bestimmungen des Strafgesetzbuches finden auch im Betäubungsmittelstraf- recht Anwendung, soweit das Betäubungsmittelgesetz nicht selbst Bestimmungen aufstellt Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Art. 26 BetmG). Die allgemeinen Regeln über Täter und Teilnahme gelten daher grundsätzlich auch im Bereich der Betäubungsmitteldelikte. Dabei gilt es jedoch als Besonderheit zu beach- ten, dass Art. 19 Abs. 1 BetmG beinahe alle denkbar en Formen einer Beteiligung am unbefugten Drogenverkehr als selbständige Handlungen ahndet. Nach der Rechtsprechung hat jede dieser in Art. 19 Abs. 1 BetmG aufgeführten Ha ndlungen die Bedeutung eines selbständi- gen Straftatbestandes, sodass Täter ist und der vol len Strafandrohung untersteht, wer in eigener Person einen dieser gesetzlichen Tatbeständ e objektiv und subjektiv erfüllt (T HOMAS FINGERHUTH /S TEPHAN SCHLEGEL /O LIVER JUCKER , Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz, 3. Aufl. 2016, Art. 19 N 24 und 135 f. mit Hinweise n). Mittäter ist, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, sodass er als Hauptbeteiligte r dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Fal les und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm st eht oder fällt. Das blosse Wollen der Tat ge- nügt zur Begründung von Mittäterschaft jedoch nicht . Der Mittäter muss vielmehr bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auc h tatsächlich mitwirken. Dem einen Täter sind die vom anderen im Rahmen des gemeinsamen Plan s verübten Taten auch dann zuzu- rechnen, wenn er selber im betreffenden Ausführungs stadium nicht mehr Mitinhaber der Tatherrschaft ist, sofern eine enge zeitliche, räum liche und sachliche Beziehung zwischen den gemeinsam vorgenommenen Tathandlungen und dem einge troffenen Erfolg zu bejahen ist (BGE 108 IV 92 ff.; M ARC FORSTER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 24 N 8 ). Bei Mittäterschaft gibt es demnach keine Beschränkung d er Haftung auf die "eigenen" kausalen Tatbeiträge. In subjektiver Hinsicht setzt Mittäter schaft Vorsatz und einen gemeinsamen Ta- tentschluss voraus. Der gemeinsame Tatentschluss br aucht nicht ausdrücklich zu sein, er kann auch bloss konkludent begründet werden, wobei Event ualvorsatz genügt (BGE 130 IV 58 ff.; 125 IV 134 ff.; BGE 126 IV 84, 88; MARC FORSTER , a.a.O., Art. 24 N 12). 3.2 Gemäss Art. 25 StGB ist Gehilfe, wer zu einem Verb rechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet. Der Gehilfe fördert in untergeordnet er Stellung vorsätzlich die Vorsatztat eines an- deren. Art. 25 StGB setzt nicht voraus, dass es ohn e die Hilfeleistung nicht zur Tat gekommen wäre; es genügt, dass sie, so wie sich die Ereignis se abspielten, das Verbrechen oder Verge- hen gefördert hat (BGE 118 IV 312, 117 IV 188, 113 IV 109). Der Gehilfe muss die Erfolgschancen der tatbestandserfüllenden Handlung erhöhen (BGE 120 IV 272, 119 IV 292, 117 IV 186). Die Gehilfenschaft muss vor oder währe nd der Tat, spätestens bei der Beendi- gung, geleistet werden (BGE 121 IV 120, 118 IV 312, 106 IV 295). Der subjektive Tatbestand erfordert den Vorsatz, die Haupttat zu fördern, wob ei Eventualdolus genügt (BGE 132 IV 52, 121 IV 120, 118 IV 312). Der Gehilfe braucht die Ei nzelheiten der Haupttat, z.B. Identität des Opfers, Ort und Zeit, Tatmittel, die nicht zum Tatbestand gehören, nicht zu kennen. 3.3 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art . 10 Abs. 2 StPO) hat das urtei- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach se iner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewiss enhafter Prüfung darüber zu ent- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Da s Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestim mte Tatsache sprechen, und ohne Rück- sicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht k eine Rangfolge der Beweise. Massgebend soll allein deren Stichhaltigkeit sein (C HRISTOF RIEDO /G ERHARD FIOLKA /M ARCEL ALEXANDER NIGGLI , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 4 1 ff.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Hand- lung Angeklagte unschuldig ist. Dabei sind bloss ab strakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und abso lute Gewissheit nicht verlangt werden kann (BGE 127 I 40, E. 2a). Es muss sich um erhebli che und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der ob jektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87, E. 2a, 120 Ia 31). Als Beweiswürdigungsregel be sagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklä- ren darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel b estehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dem Sachgerich t steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1). 3.4 Die Beschuldigte hat nicht selber Betäubungsmittel befördert. Der Tatbeitrag, welcher ihr gemäss dem Beweisergebnis (vgl. II. B. 2.) nachgewi esen werden kann, erscheint in casu klar- erweise nicht als so wesentlich, dass die Tat mit d iesem steht und fällt. Dass sie bei der Entschliessung und Planung der in Frage stehenden B etäubungsmitteleinfuhr vom 20. Mai 2017 vorsätzlich und in massgebender Weise mitgewir kt hat, sodass sie als Hauptbeteiligte dastehen würde, ist demnach klarerweise nicht erste llt, weswegen vorliegend eine Mittäter- schaft der Beschuldigten zum Vornherein ausscheidet . Nachfolgend gilt es zu beurteilen, ob das Verhalten der Beschuldigten in rechtlicher Hinsicht als Gehilfenschaft zu einer qualifizierten bzw. einfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu bewerten ist. 3.5 Die Überlassung eines Fahrzeugs zwecks Transports von Drogen stellt in objektiver Hinsicht eine typische Gehilfenschaftshandlung dar (vgl. S TEFAN TRECHSEL /M ARC JEAN - RICHARD , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 25 N 1). Die durch B.____ begangene Haupttat wurde in casu durch das Fahrzeug der Beschuldigten und dessen Schweizer Nummernschild zweifellos gefördert. 3.6 Der subjektive Tatbestand der Gehilfenschaft erfor dert den Vorsatz, die Haupttat zu fördern. Der Gehilfe braucht Einzelheiten der Haupt tat, z.B. Identität des Opfers, Ort und Zeit, Tatmittel, die nicht zum Tatbestand gehören, nicht zu kennen (BGE 117 IV 188, 108 Ib 303, forumpoenale [2009] 214 E. 2.c/cc; S TEFAN T RECHSEL /M ARC JEAN -RICHARD , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Ar t. 25 N 10). Es genügt, dass er nach den konkreten Umständen erkennen kann und zumindest in Kauf nimmt, dass sein Beitrag eine strafbare Handlung fördert, deren grobe Umrisse er erkennt (BGE 121 IV 109, 120, E. 3a). Sol- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ches ist nicht der Fall, wenn der Helfer keinerlei Grund hat anzunehmen, der Unterstützte könn- te die Hilfeleistung zu deliktischen Zwecken missbr auchen. Auch muss der Gehilfe erkennen können, dass sein Beitrag die Erfolgschancen der St raftat erhöht (BGE 120 IV 265, 272, E. 2c/aa, vgl. zum Ganzen: MARC FORSTER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 25 N 19). 3.7 Dass die Beschuldigte von der Verwendung ihres Fah rzeugs zur Einfuhr einer qualifi- zierten Menge Kokain bzw. von MDMA in die Schweiz k onkret gewusst hat, kann ihr aufgrund der vorhandenen Indizien gemäss dem Beweisergebnis nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden. Demnach ist ein direkter Vorsatz seitens der Beschuldigten offensichtlich zu verneinen. Hinsichtlich einer Inkaufnahme des genannten Sachve rhalts gilt es zu beachten, dass in der Lehre zu Recht postuliert wird, die Annahme eines E ventualvorsatzes sei bei Konstellationen von "in dubio pro reo" betont restriktiv zu handhab en (vgl. M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /S TEFAN MAEDER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 12 N 62; MARTIN SCHUBARTH , Dolus even- tualis - positive und negative Indikatoren; Analyse der Rechtsprechung des Bundesgerichtes von 1943-2007, AJP 2008, S. 519-526, 526). Wie bere its festgestellt wurde, erscheint es in Ab- wägung aller Aspekte als durchaus denkbar, dass die Einfuhr von Betäubungsmitteln vom 20. Mai 2017 ohne bewusste und willentliche Beteiligung der Beschuldigten durchgeführt wurde (vgl. II. 3.1–3.4). Die bloss vage Idee, dass mit i hrem Wagen allenfalls etwas Illegales gemacht werden könnte, erscheint für eine Verurteilung wege n Gehilfenschaft zur qualifizierten bzw. be- züglich der Einfuhr von MDMA zur einfachen Widerhan dlung gegen das Betäubungs- mittelgesetz nicht als ausreichend. Mithin kann zus ammengefasst in Anwendung des strafpro- zessualen Grundsatzes "in dubio pro reo" nicht auf hinreichend konkrete Kenntnisse und somit nicht auf einen Eventualvorsatz hinsichtlich der Ei nfuhr von Betäubungsmitteln vom 20. Mai 2017 geschlossen werden. Unter Berücksichtigung all er Aspekte kann der Beschuldigten dem- zufolge nach Auffassung der strafrechtlichen Abteil ung des Kantonsgerichts im Ergebnis nicht hinreichend nachgewiesen werden, dass sie den mit i hrem Fahrzeug durchgeführten Drogen- transport in Kauf genommen hat. Im vorliegenden Fal l gebricht es somit an der subjektiven Seite der Gehilfenschaft, was im Ergebnis zu einer Bestätigung des Urteils der Vorinstanz unter vollumfänglicher Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft führt. C. Einziehung 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 StGB verfügt das Gericht ohn e Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person die Einziehung von Gegenstä nden, die zur Begehung einer Straftat gedient haben oder bestimmt waren oder die durch ei ne Straftat hervorgebracht worden sind, wenn diese Gegenstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ord- nung gefährden. Vorausgesetzt sind somit ein Konnex zu einer Straftat und kumulativ dazu eine Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht hinreichend wahrscheinliche Gefährdung für öffentli che Rechtsgüter, wenn die betreffenden Gegenstände bei ihrem Inhaber verbleiben. Ferner mu ss zwischen dem anvisierten Ziel der Sicherung und dem Eingriff in das Eigentum des Betr offenen ein vernünftiges Verhältnis beste- hen (für den ganzen Abschnitt vgl. BGE 130 IV 143, E. 3.3.1, Entscheid des Bundesgerichts vom 16. Februar 2009, 6B.748/2008, E. 4.4). Die sog enannte Sicherungseinziehung setzt ne- ben dem Deliktskonnex voraus, dass von den einzuzie henden Vermögenswerten eine Gefährdung für die Sicherheit von Menschen, die Sit tlichkeit oder die öffentliche Ordnung aus- geht. Die Beurteilung der Gefährlichkeit erfordert eine Prognose in die Zukunft: Ein Tatwerkzeug ist also nicht schon dann und deshalb e inzuziehen, weil der Täter damit die Si- cherheit gefährdet hat. Nicht einzuziehen sind Gegenstände auch dann, wenn sie einem Dritten gehören bzw. nach der Tat von einem Dritten erworbe n wurden und bei diesem eine weiterbe- stehende Gefahr nicht anzunehmen ist (vgl. FLORIAN BAUMANN , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 69 N 13) 2. Zufolge des Freispruchs der Beschuldigten ist klare rweise nicht von einer schlechten Prognose bzw. einer weiterbestehenden Gefahr durch das beschlagnahmte Fahrzeug auszu- gehen. Vielmehr ist anzunehmen, dass das beschlagna hmte Fahrzeug in der Hand der Beschuldigten die öffentliche Ordnung und Sittlichkeit in Zukunft nicht gefährden wird. Demnach ist das der Beschuldigten als Dritte gehörende Fahr zeug nicht einzuziehen und das Urteil der Vorderrichter somit vollumfänglich zu bestätigen, was insofern ebenfalls zur Abweisung der Be- rufung der Staatsanwaltschaft führt. III. K OSTEN Gestützt auf § 12 Abs. 2 i.V.m. § 3 der Verordnung vom 15. November 2010 über die Gebühren der Gerichte (SGS 170.31) ist die Urteilsgebühr für das kantonsgerichtliche Verfahren auf CHF 15‘000. ‒ festzusetzen; hinzu kommen Auslagen in der Höhe v on CHF 500.─. Aufgrund des Verfahrensausgangs, gemäss welchem die Berufung der Staatsanwaltschaft vollumfänglich abzuweisen ist, sind diese Kosten dem Staat aufzuer legen. Des Weiteren ist der Kostenent- scheid der Vorinstanz zu bestätigen. Nachdem der Be schuldigten die amtliche Verteidigung bewilligt worden ist, wird dem eingesetzten Rechtsanwalt Andreas Josephsohn der Zeitaufwand für das Berufungsverfahren von 8.70 Stunden entspre chend seiner als angemessen erschei- nenden Honorarnote vom 5. Juni 2018 entschädigt, wo bei ergänzend für die Teilnahme an der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung insgesamt 5 Stunden zu veranschlagen sind, womit ein Honorar in der Höhe von CHF 2‘814.30 (inkl. Auslage n) zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7% (CHF 179.55) bzw. 8% (CHF 38.60), somit insgesamt CHF 3‘032.45, resultiert. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 7. November 2017, aus- zugsweise lautend: "II. A.____ 1. a) A.____ wird der mehrfachen Übertretung des Auslände rgesetzes schuldig erklärt und verurteilt zu einer Busse von Fr. 300.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse trit t an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 120 Abs. 1 lit. a AuG (i.V.m. Art. 10 Abs. 2 AuG, Art. 11 AuG und Art. 12 AuG), Art. 49 Abs. 1 S tGB sowie Art. 106 StGB. b) A.____ wird von der Anklage der qualifiziert en Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz freigesprochen. 2. a) Der beschlagnahmte Personenwagen X.____ wird nach Rechtskraft unter Aufhebung der Beschlagnahme gestützt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO A.____ zurückgegeben. Ihr wird nach der Rechts- kraft des Urteils vom Fund- und Verwertungsdienst, Oristalstrasse 100, 4410 Liestal, eine Frist gesetz t, um den Perso- nenwagen samt Fahrzeugschlüssel abzuholen bzw. abho len zu lassen, unter Androhung der Verwertung oder Vernich tung im Unter- lassungsfalle. b) Der beschlagnahmte Fahrzeugausweis Y.____ wi rd nach Rechtskraft an das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Uetl ibergstrasse 301, Postfach 8479, 8036 Zürich, überstellt. 3. a) Die A.____ betreffenden Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 3‘212.50 und der Gerichts gebühr von Fr. 3‘000.--. A.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 1/10 der Verfahrenskosten. 9/10 der Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. b) Die Kosten des amtlichen Verteidigers Rechts anwalt A. Josephsohn in Höhe von Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Honorarnote vom 07.11.2017 Fr. 9'282.90 Korrektur Honoraransatz Fr. -226.80 Kürzung (Doppelbefassung/Nachbearbeitung) Fr. -907. 20 HV: 7 Std. 20 Min. à Fr. 200.-- (inkl. Weg) + 8% MwSt. Fr. 1‘584.00 Total Fr. 9‘732.90 werden aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorb ehalt der Rück- zahlungsverpflichtung von A.____ im Umfang von 1/10 dieser Kosten nach Art. 135 Abs. 4 StPO." wird in Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft vollumfänglich be- stätigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 15‘000. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 500. ‒, gehen zu Lasten des Staa- tes. Dem amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Jos ephsohn, wird für das Berufungsverfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 2‘814.30 (inkl. Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7% (CHF 179.55) bzw. 8% (CHF 38.60), somit insgesamt CHF 3‘032.45, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger