B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-979/2013 U r t e i l v o m 3 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiberin Martina Stark. Parteien A._______, und ihr Sohn B._______, Vietnam, beide vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Plüss, (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM vom 24. Januar 2013 / N (…). E-979/2013 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Gemäss Akten wurde der Beschwerdeführerin am 11. Juni 1993 in der Schweiz Asyl gewährt ; ihr Sohn wurde am (…) infolge seiner Geburt in der Schweiz als Flüchtling anerkannt. B. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt beim Schwager der Beschwerdefüh- rerin in C._______ ab Juli 1997 und der definitiven Abweisung des G e- suchs um dauernden Aufenthalt durch die (…) Behörden vom 25. Februar 2002 ersuchten die Beschwerdeführenden am 25. April 2002 beim Schweizerischen Generalkonsulat in D._______ um Wiedererteilung e i- ner Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Nach ablehnenden Entschei - den des kantonalen Migrationsamts vom 13. Juni 2002 und des BFM vom 30. August 2002 – wegen Erlöschen des Asyls aufgrund me hrjährigen Auslandaufenthalts – hiess die vormalige Schweizerische Asylrekur s- kommission (ARK) eine Beschwerde mit Urteil vom 28. Juli 2003 gut und liess die Beschwerdeführenden wieder in die Schweiz einreisen. II. C. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2012 gewäh rte das BFM den B e- schwerdeführenden das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Asyl- widerruf und zur beabsichtigten Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft, weil sie sich durch eine Reise in ihren Heimatstaat freiwillig wieder unter den Schutz dieses Landes ge stellt hätten. Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass die Beschwerdeführenden gemäss Akten von Ha- noi nach Peking geflogen seien und sich in ihrem Pass zudem weitere chinesische Ein- und Ausreisestempel sowie zwei chinesische Visa befin- den würden. Aus diesem Grund sei davon auszugehen, die Beschwerd e- führenden hätten sich mehrfach in ihrem Heimatstaat aufgehalten und sich damit freiwillig wieder unter den Schutz des Landes gestellt, dessen Staatsangehörigkeit sie besässen. Folglich seien die Voraussetzungen für eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und einen Widerruf des Asyls in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) geg e- ben. Ein solcher Entscheid habe aber nicht zwingend zur Folge, dass sie E-979/2013 Seite 3 die Schweiz verlassen müssten , und auch keinen Einfluss auf bereits e r- teilte Aufenthalts - oder Niederlassungsbewilligung en. Er bedeute l edig- lich, dass sie nicht mehr dem Asylgesetz unterstellt seien, ihre Reisepäs- se für Flüchtlinge eingezogen würden und sie sich heimatliche Reisepäs- se beschaffen müssten. D. Am 27. Dezember 2012 reichten die Beschwerdeführenden eine Ste l- lungnahme ein, in welcher sie beantragten, auf den beabsichtigten Wider- ruf des Asyls zu verzichten. Es treffe zu, dass sie einmal, im (…) 2011, in ihr Hei matland zurückgekehrt seien. Grund hierfür sei die schwere E r- krankung ihrer Mutter respektive Grossmutter gewesen, welche notfal l- mässig habe hospitalisiert werden müssen. Ansonsten habe sich an ihrer asylrechtlichen Situation nichts geändert; keinesfalls könne von einer U n- terschutzstellung gesprochen werden. Ein Widerruf des gewährten Asyls erweise sich folglich als nicht gerechtfertigt. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen legten sie eine Kopie der Bestätigung des (…)- Krankenhauses in Hanoi vom (…) 2011 ins Recht. E. Das BFM aberkannte mit Verfügung vom 24. Januar 2013 (eröffnet am 25. Januar 2013) den Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft und widerrief das ihnen gewährte Asyl. F. Hiergegen erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 25. Feb- ruar 2013 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragten die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Feststellung, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nach wie vor erfü l- len würden; auf den Widerruf des Asyls sei zu verzichten. G. Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2013 verzichtete der Instruktions - richter auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud das BFM gleichzeitig ein, eine Vernehmlassung einzureichen. H. In der Vernehmlassung vom 11. April 2013 beantragte das BFM die A b- weisung der Beschwerde. I. Die Beschwerdeführenden reichten am 15. Mai 2013 eine Replik sowie E-979/2013 Seite 4 die originale Bestätigung des vietnamesischen (…)-Krankenhauses vom (…) 2011 ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von Art. 32 VGG liegt nic ht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren rich tet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft abe r- kannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art. 1 C Ziff. 1–6 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorliegen. Art. 1 C FK beinhaltet die Beendigungsklau- sel betreffend den Flüchtlingsstatus. Namentlich fällt eine Person unter anderem dann nicht mehr unter die Bestimmungen der FK und endet ihr E-979/2013 Seite 5 Flüchtlingsstatus, wenn sie sich freiwillig wieder unter den Schutz des Landes gestellt hat, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt. 4. 4.1 Die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und den Asylwiderruf begründete das BFM damit, dass die Ausführungen der Beschwerdefüh- renden in ih rer Stellungnahme vom 27. Dezember 2012 nicht zu übe r- zeugen vermöchten. Einerseits sei di e Bestätigung des (…)-Kranken- hauses vom (…) 2011 lediglich in Kopie eingereicht worden; andererseits sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin diese B estäti- gung bereits einen Tag nach dem Spitalaustritt ihrer Mutter hätte in Au f- trag geben sollen. Dieses Vorbringen sei deshalb als reine Schutzb e- hauptung zu werten. Im Übrigen sei belegt, dass sich die Beschwerdefüh- renden mindestens vier Mal in ihrem Heimatstaat aufgehalten hätten, weil entsprechende chinesische Stempel und Visa in ihren Reisepässen einen Aufenthalt in Vietnam nahelegen würden. Die Beschwerdeführenden sei- en somit freiwillig und in der Absicht der Unterschutzstellung nach Vie t- nam gereist, we shalb die Flüchtlingseigenschaft aberkannt und das Asyl widerrufen werde. 4.2 Die Beschwerdeführenden gaben in ihrer Beschwerde im Wesentl i- chen an, sie seien zwar wegen des Gesundheitszustands der Mutter der Beschwerdeführerin im (…) 2011 nach Vietnam gereist, hätten sich dabei aber nicht in den Schutz des Heimatlandes begeben. Es könne ihnen nicht vorgehalten werden, dass die Bestätigung des (…)-Krankenhauses am Tag nach Austritt der Mutter der Beschwerdeführerin datiert worden sei. In Bezug auf die übrigen vermuteten Reisen in ihren Heimatstaat ge- he die Vorinstanz von einem falschen Sachverhalt aus : Die Beschwerde- führenden seien lediglich nach China gereist, um die Gr äber ihrer Ahnen zu besuchen, wie dies nach der Tradition des buddhistischen Glaubens üblich sei. Eine Weiterreise nach Viet nam sei entgegen der Ansicht de r Vorinstanz dabei nicht erfolgt und aus den Reisedokumenten auch nicht ersichtlich. Der Widerruf des Asyls sei unter diesen Umständen nicht g e- rechtfertigt. 4.3 In der Vernehmlassung stellte das BF M zunächst fest, nicht die origi- nale Krankenhausbestätigung sowie deren Übersetzung erhalten zu h a- ben, weshalb die Echtheit des Dokuments nicht überprüft werden könne. Es ergebe keinen Sinn und wirke konstruiert, dass sich die Beschwerde- führerin einen Tag nach dem Spitalaustritt ihrer Mutter um eine Behan d- lungsbestätigung bemüht haben wolle. Jedenfalls stehe fest, dass die E-979/2013 Seite 6 Beschwerdeführenden mehrmals nach Vietnam gereist seien, weil aus den chinesischen Ein- und Ausreisestempeln in den Reisepässen klar er- sichtlich werde, dass China als Transitland benutzt worden sei. Insbeson- dere werde diese Vermutung dadurch bestärkt, dass die Beschwerdefü h- rerin in Bezug auf die chinesischen Ein- und Ausreisestempel im (…) 2011 zugegeben habe, nach Vietnam gereist zu sein , und die übrigen Ein- und Ausreisestempel dasselbe Muster aufweisen würden. Schlies s- lich sei dem BFM bekannt, dass Vietnam die Visa für sein Land auf einem separaten Blatt ausstelle, weshalb keine entsprechenden Einträge im Pass vorhanden sein könnten. 4.4 In der Replik führten die Beschwerdeführenden aus, mit der Einre i- chung der originalen Bestätigung des Krankenhauses in E._______ gebe es keinen Grund mehr, an der Hospitalisierung der Mutter der Beschwe r- deführerin zu zweifeln. Damit sei auch belegt, dass sie einzig wegen der schweren Erkrankung der Mutter beziehungsweise Grossmutter in ihr Heimatland gereist seien. Unabhängig davon seien die Voraussetzungen für einen Asylwiderruf jedoch nicht erfüllt, weil die Reise ins Heimatland zwar freiwillig erfolgt sei, sie sich damit aber weder bewusst noch gewollt unter den heimatlichen Schutz gestellt hätten. Somit sei mindestens eines der drei kumulativ zu erfüllend en Erfordernisse für einen Asylwiderruf nicht gegeben. 5. 5.1 Vorliegend ist zu prüfen, ob sich die Beschwerd eführenden freiwillig unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen, gestellt haben (Art. 1 C Ziff. 1 FK). Diese Schutzunterstellung erfordert das kumulative Vorliegen dreier Voraussetzungen: Die Beschwerde - führenden müssen freiwilli g in Kontakt mit ihrem Heimatland getreten sein; sie müssen die Absicht gehabt haben, von ihrem Heimatstaat Schutz in Anspruch zu nehmen, und dieser Schutz muss ihnen tatsäc h- lich gewährt worden sein. Die Beendigungsklausel von Art. 1 C Ziff. 1 FK knüpft an das Verhalten des Flüchtlings an und geht von der Prämisse aus, dass die Schutzbedürftigkeit des Flüchtlings dahingefallen ist (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgericht E -7605/2007 vom 10. August 2009 E. 5 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2002 Nr. 8). 5.2 Gemäss Rechtsprechung sind bei der Prüfung der Voraussetzungen insbesondere die Gründe sowie die Häufigkeit und Dauer der jeweiligen Aufenthalte zu berücksichtigen. Ausserdem ist von Bedeutung, ob die E-979/2013 Seite 7 Einreise heimlich erfolgte und wie s ich die Behandlung durch die heima t- lichen Behörden zeigte. Insbesondere begründet die blosse Anwesenheit auf dem Territorium des Heimatstaates keine Inanspruchnahme des Schutzes (vgl. EMARK 1996 E. 8 ff.). Auch eine aus moralischen Ve r- pflichtungen gegenübe r nahen Angehörigen erfolgte Rückkehr in den Heimatstaat gilt für sich allein betrachtet noch nicht als genügender Grund, um die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen (vgl. EMARK 1996 Nr. 12 E. 9 S. 105 f. m.w.H.). 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht folgt bei der Beurteilung der Sachlage den Regeln des Beweisverfahrens. Gemäss dem in Art. 12 VwVG vera n- kerten Untersuchungsgrundsatz ist es Sache der Behörde, den Sachve r- halt festzustellen und dazu soweit nötig Beweis zu erheben. Den Parteien kommt zwar eine Mitwirkungspflicht zu; die Behörde ist an die Vorbringen der Parteien aber nicht gebunden . Im Allgemeinen sind dann weitere U n- tersuchungen notwendig, wenn die Parteivorbringen oder die Akten A n- lass zu Zweifeln geben, ob die dem erstinstanzlichen Entscheid zugru n- deliegenden Tatsachen der materiellen Wahrheit entsprechen (vgl. PATRICK L. KRAUSKOPF / KATRIN EMMENEGGER, in: Wald mann / Weissen- berger [Hrsg.]: Praxiskommentar VwVG, 2009, Art. 12 N 20 ff. S. 257 ff.). Eine Tatsache gilt dann als bewiesen, wenn die Behörde von deren Exis- tenz selbst überzeugt ist. Fehlen solche klaren Beweise, hat die Behörde nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit darüber zu befinden, ob eine Tatsache als bewiesen angesehen werden kann oder nicht. Die blosse Möglichkeit, das s sich etwas zugetragen hat, genügt i n- dessen nicht, um eine Rechtsfolge an den betreffenden Sachverhalt a n- zuknüpfen (vgl. RENE A. RHINOW / BEAT KRÄHENMANN: Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel, 1990, S. 298). 5.4 Für die Asylverfahren verweist Art. 6 AsylG auf die Bestimmungen des VwVG und des BGG, soweit im AsylG keine abweichenden Spezialb e- stimmungen enthalten sind. Folglich ist Art. 12 VwVG auch für Asylverfah- ren von Bedeutung. Die Asylbehörden überprüfen somit die Vorbringen der asylsuchenden Person, falls sie für die Asylgewährung oder Asylve r- weigerung relevant sind. Dabei dürfen diesen Vorbringen aber nicht ei n- fach Gegenbehauptungen oder Vermutungen der Behörden entgege n- gehalten werden. Vielmehr müssen die Entgegenhaltungen entweder klar bewiesen oder zumindest im Sinn des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit objektiv näher an der Wahrheit sein als das, was die betreffende Person geltend macht (vgl. SAMUEL WERENFELS: Der Begriff des Flüchtlings im schweizerischen Asylrecht, 1987, S. 135). In Verfahren E-979/2013 Seite 8 wie dem vorliegenden, in welchen es um den Widerruf einer rechtskräftig erfolgten Asylgewährung geht, gilt im Hinblick auf die Anforderungen an die Untersuchungspflicht der Vorinstanz und die geltenden Beweisregeln kein anderer Massstab; die Beweislast dafür, dass ein Beschwerdeführer einen Widerrufstatbestand erfüllt hat, liegt mithin beim B FM (vgl. zum Ganzen etwa das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-7605/2007 vom 10. August 2009 E. 5.2 m.w.H.). 6. 6.1 Im konkreten Verfahren beruht der Asylwiderruf vorwiegend auf Stempeleintragungen im Flüchtlingsreisepass der Beschwerdeführenden. Gemäss BFM habe a nlässlich einer Kontrolle am Flughafen Zürich im (…) 2011 anhand von Stempeleintragungen und der Flugtickets der Be- schwerdeführenden festgestellt werden können, dass sie in ihren Heimat- staat zurückgekehrt seien. Diese Annahme sei zudem durch die B e- schwerdeführerin bestätigt worden. Betreffend die weiteren Stempel - eintragungen ihrer Ein - und Ausreise aus China in den Jahren 2 005, 2007, 2008/2009 sowie 2010 seien zwar keine vietnamesische Stempel im Pass auffindbar, doch würden die chine sischen Stempel dasselbe Muster aufweisen, wie bei der durch die Beschwerdeführenden bestäti g- ten Reise nach Vietnam im (…) 2011. Zudem sei dem BFM bekannt, dass Vietnam seine Visa auf separaten Dokumenten ausstelle. Somit sei von mehrmaligen Reisen der Beschwerdeführenden ins Heimatland auszuge- hen. 6.2 In den Reisepässen der Beschwerdeführenden sind tatsächlich ledi g- lich chinesische Visa und Ein - und Ausreisestempel zu finden. Die B e- schwerdeführerin bestätigte, im (…) 2011 nach Vietnam gereist zu sein, weil ihre Mutter notfallmässig habe hospitalisiert werden müssen. Die üb- rigen chinesischen Ein- und Ausreisestempel würden lediglich ihre Reisen nach China belegen; nach Vietnam seien sie damals nicht gereist. 6.3 In Bezug auf die als unglaubhaft gewertete Erklärung der Beschwer- deführerin, sie sei im (…) 2011 wegen der Hospitalisierung ihrer schwer kranken Mutter nach Vietnam gereist, hat sich das BFM in der angefoch- tenen Verfügung mit einer minimalen Begründung begnügt: Der Spital- bestätigung komme schon deshalb kein Beweiswert zu, weil es ko n- struiert wirke, dass die Beschwerdeführerin nur einen Tag nach dem Sp i- talaustritt ihrer Mutter eine solche Bestätigung des Spitals verlangt haben sollte. Im Übrigen liege das Dokument nur in Kopie vor, weshalb seine Echtheit nicht beurteilt werden könne. E-979/2013 Seite 9 Inzwischen haben die Beschwerdeführenden das Original der Spitalbe s- tätigung vom (…) 2011 zu den Akten gereicht, und bei Betrachtung der blossen Bestätigung des Spitals, die naturgemäss keine spezifischen S i- cherheitsmerkmale aufweist, sind keine gegen die Authentizität spr e- chenden Indizien festzustellen. Unter Berücksichtigung der Erwä gung 5 und im Hinblick auf die nachf olgen Ausführungen kann sich das Bunde s- verwaltungsgericht der Argumentation der Vorinstanz nicht anschliessen : Es geht nicht an, dem eingereichten Beweismittel inhaltlich nur deshalb die Beweiskraft abzusprechen, weil seine Datierung angeblich nicht nachvollziehbar respektive unüblich ist. Dies umso weniger als durchaus plausible Erklärungen für den Zeitpunkt der Anfrage beim Spital vorstel l- bar sind . Beispielsweise ist d ie Vorstellung keineswegs abwegig , d ass sich die Beschwerdeführerin im Fall der Befürchtung einer späteren Ent- deckung ihrer Heimatreise sowie des vom BFM gewählten Vorgehens kurz vor der Rückreise in die Schweiz eine Bestätigung ihres Reisegrun- des hätte ausstellen lassen. 6.4 Auch bei der Prüfung der drei kumulativ erforderlichen Voraussetzun- gen für eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft kommt das BFM seiner Untersuchungspflicht nicht im erforderlichen Ausmass nach. Die Aktenlage legt zwar tatsächlich den Schluss nahe, dass die Beschwerd e- führenden möglicherweise auch anlässlich ihrer früheren Reisen nach China nach Viet nam weitergereist sind; es fehlen jedoch eindeutige B e- weise hierfür. So mag es wohl der Wahrheit entsprechen, dass Vietnam seine Visa auf einem separaten Blatt ausstellt. Eine Erklärung dafür, wie- so die Reisepässe – bei angenommener Weiterreise nach Vietnam – kei- ne vietnamesischen Ein- und Ausreisestempel aufweisen, liefert das BFM aber weder in seiner Verfügung vom 24. Januar 2013 noch in der aus- führlichen Vernehmlassung vom 11. April 2013. 6.5 Hinzu kommt, dass – wiederum bei Annah me weiterer Reisen nach Vietnam – mangels vertiefter Abklärungen des BFM unklar bleibt, in we l- cher Form die Beschwerdeführenden mit den heimatlichen Behörden in Kontakt getreten wären und ob dies es Verhalten gegebenenfalls als Schutzunterstellung gewertet werden müsste. 6.6 Somit hat das BFM in der angefochtenen Verfügung zwar die Voraus- setzungen für die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 1 C Ziff. 1 FK korrekt wiedergegeben. Eine eingehende Prüfung der Gesam t- umstände, insbesondere der behauptete n Absicht der Unterschutzstel- lung sowie der tatsächlichen Schutzgewährung durch den Heimatstaat , E-979/2013 Seite 10 ist den vorinstanzlichen Akten aber nicht zu entnehmen. Bei dieser Sac h- lage kann den Beschwerdeführenden nicht mit hinreichender Sicherheit vorgehalten werden , sie hätten den Schutz ihres Heimatstaates in A n- spruch genommen und damit verdeutlicht, dass ihnen subjektiv die Furcht vor Verfolgung fehlt. 6.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen für die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 1 C Ziff. 1 FK nicht erfüllt sind. Das BFM hat den Beschwerdeführenden daher zu Unrecht gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG die Flüchtlingseigenschaft abe r- kannt und das ihnen gewährte Asyl widerrufen. 7. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die Verfügung des Bu n- desamtes vom 24. Januar 2013 aufzuheben. Die Beschwerdeführenden bleiben in der Schweiz weiterhin als Flüchtlinge anerkannt. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 8.2 Den vertretenen Besch werdeführenden ist angesichts ihres Obsie- gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteiko s- ten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist den Beschwerdeführenden zulasten der Vorinstanz eine Pa r- teientschädigung von insgesamt Fr. 700.– (inkl. Auslagen und M ehr- wertsteuer) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-979/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die angefochtene Verfügung des BFM vom 24. Januar 2013 wird aufg e- hoben. Es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführen den weiterhin als Flüchtlinge anerkannt und asylberechtigt sind. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 700.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Martina Stark Versand: