Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. März 2016 (720 15 303 / 55) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision / Würdigung des medizinischen Sachverhalts: auf das schlüssige Verwal- tungsgutachten kann abgestellt werden Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Alex Hediger, Advo- kat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1968 geborene A.____ hatte sich im September 1997 unter Hinweis auf eine „Dis- kushernie L3/4“ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemeldet. Nachdem sie die gesundheitlichen und di e erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft dem Ve rsicherten mit zwei Verfügungen vom 30. März 2000 für den Zeitraum vom 1. November 1998 bis 31. Oktober 1999 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 85 % eine befristete ganze Ren te und mit Wirkung ab 1. November 1999 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 60 % eine unbefristete halbe Rente zu. Im Rahmen eines ersten von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevisionsverfa hrens stellte die IV-Stelle unverän- derte Verhältnisse fest, weshalb sie die laufende halb e Rente des Versicherten bestätigte (Mit- teilung vom 3. Dezember 2002). In der Folge wurde di ese halbe Rente mit Verfügung vom 12. August 2004 aufgrund der mit der 4. IV-Revision ei ngeführten neuen Rentenabstufung - bei ansonsten unveränderten Verhältnissen - per 1. Januar 2004 auf eine Dreiviertelsrente erhöht. Nach zwei weiteren Rentenrevisionsverfahren, in denen wi ederum unveränderte Verhältnisse festgestellt worden waren (Mitteilungen vom 9. Juni 2006 und 12. September 2011), leitete die IV-Stelle im Juli 2012 von Amtes wegen eine weitere Ü berprüfung des laufenden Rentenan- spruchs des Versicherten ein. Aufgrund ihrer Abklärungen ermittelte die IV-Stelle nunmehr ei- nen Invaliditätsgrad von 23 %. Sie hob deshalb - nach d urchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 17. August 2015 die A.____ bisher a usgerichtete Dreiviertelsrente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Dr. Alex Hediger, am 21. September 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angef ochtene Verfügung vollumfänglich aufzu- heben und es sei ihm die bislang ausgerichtete Dreiviert elsrente weiter auszurichten; unter o/e- Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Prozessführun g und die unentgeltliche Verbeistän- dung mit seinem Rechtsvertreter als unentgeltlichem Rechtsbeistand zu bewilligen seien. C. Mit Verfügung vom 10. November 2015 bewilligte da s Kantonsgericht dem Beschwer- deführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen fü r das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltlich e Verbeiständung mit Advokat Dr. Alex Hediger als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 1. Dezember 2015 beantr agte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 21. September 2015 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arb eitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die d em Versicherten bis anhin ausgerichtete Dreiviertelsrente zu Recht per Ende September 2015 aufgehoben hat. 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 5.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Ur teil J. des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen S achverhalts in Revisionsfällen im Sinne des Art. 17 ATSG ist überdies Folgendes zu bea chten: Da die Feststellung einer revi- sionsbegründenden Veränderung durch eine Gegenüberste llung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Bewe ises das Vorhandensein einer ent- scheidungserheblichen Differenz in den - den medizinische n Gutachten zu entnehmenden - Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstel lten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisth ema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts - bezieht. Einer für sich allein betrach tet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Ren- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 2 32 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effek- tive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden ha t. Vorbehalten bleiben Sachla- gen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Ur- teile J. des Schweizerischen Bundesgerichts vom 29. August 2 011, 9C_418/2010, E. 4.2, und A. vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 5.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E . 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit zwei Verfügungen vom 30. März 2000 für den Zeitraum vom 1. November 1998 bis 31. Oktober 1999 eine befristete ganze und m it Wirkung ab 1. November 1999 eine unbefristete halbe Rente (Invaliditätsgrad: 60 %) zu. Mit Verfügung vom 12. August 2004 wurde die laufende halbe Rente aufgrund der mit der 4. IV -Revision eingeführten neuen Rentenabstu- fung per 1. Januar 2004 auf eine Dreiviertelsrente erhöht. Im Laufe des Rentenbezugs des Ver- sicherten führte die IV-Stelle überdies von Amtes wegen mehrere Rentenrevisionsverfahren durch, in denen sie jeweils unveränderte Verhältnisse fest stellte. Eine einlässliche materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit einer vertieften Abkläru ng des medizinischen Sachverhalts erfolgte dabei letztmals im Rahmen des im Dezember 2005 eingeleiteten Revisionsverfahrens, holte die IV-Stelle doch damals ein fachärztliches Guta chten bei Dr. med. B.____, FMH Rheu- matologie, ein. Gestützt auf die Ergebnisse, zu denen der Facharzt in seinem Gutachten vom 28. April 2006 gelangt war, eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten in der Mitteilung vom 9. Juni 2006, dass sie keine Änderung festgestellt habe, die sich auf die Rente auswirke, wes- halb weiterhin Anspruch auf die bisherige Dreivierte lsrente (Invaliditätsgrad: 60 %) bestehe. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend ange- fochtenen Verfügung vom 17. August 2015 allenfalls ein e Änderung in den tatsächlichen Ver- hältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Herabse tzung oder Aufhebung der bis anhin ausgerichteten IV-Rente rechtfertigt, bildet demnach d ie Situation, wie sie gemäss der Mittei- lung vom 9. Juni 2006 bestand; denn laut Art. 74 ter lit. f der Verordnung über die Invalidenversi- cherung (IVV) vom17. Januar 1961 bedarf es keiner Verfü gung, wenn die Invalidenrente nach einer von Amtes wegen durchgeführten Revision weiter au sgerichtet wird, sofern keine leis- tungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgeste llt wird, was hier der Fall war. Eine solche Mitteilung ist, wenn keine Verfügung verlangt w orden ist (Art. 74 quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteil K. des Bundes- gerichts vom 29. Januar 2010, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hinweis). 6. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundh eitszustand und - damit einher- gehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit des Versicherte n tatsächlich, wie von der IV-Stelle gel- tend gemacht, seit Juni 2006 in einer anspruchserheblichen Weise verbessert haben. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Im Rahmen des im Dezember 2005 eingeleiteten Rent enrevisionsverfahrens, in wel- chem sie die laufende Dreiviertelsrente des Versicherten b estätigte (Mitteilung vom 9. Juni 2006), stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung d es medizinischen Sachverhalts - wie vor- stehend erwähnt - auf das von ihr eingeholte fachärztli che Gutachten von Dr. B.____ vom 28. April 2006. Darin hielt dieser beim Versicherten als Diagnose mit Auswirkungen auf die Ar- beitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom mit/ bei rechts paramedianer Diskusher- nie L3/4 (MRI vom 04.08.1997), derzeit mediane Protru sion L3/4 (MRI LWS vom 20.04.2006), fest. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. B. ____ aus, aufgrund der nach wie vor beste- henden deutlichen Diskopathie L3/4 sei der Versicherte a ls Maurer, Bagger- und Kranführer weiterhin arbeitsunfähig. Auch wenn sich aktuell keine eindeutige radikuläre Reizsymptomatik nachweisen lasse, gehe er nicht von einer Verbesserung ge genüber der Situation aus, wie sie Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie, in sein em Vorgutachten vom 18. März 1999 festgehalten habe. Es bestehe weiterhin eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten, d.h. rückenergonomischen Tätigkeit. Insgesamt habe sic h die Arbeitsfähigkeit in den letzten Jahren nicht verändert. 6.2 Medizinische Grundlage der im vorliegenden Verfahre n angefochtenen Verfügung vom 17. August 2015 bildet das von der IV-Stelle in Auftr ag gegebene rheumatologische/psychiatri- sche Gutachten von Dr. B.____ und PD Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. April 2013. 6.2.1 In diesem Gutachten gelangte PD Dr. D.____ aus seiner fachärztlichen Sicht zum Er- gebnis, dass beim Exploranden keine psychiatrische Diagnose - mit oder ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit - gestellt werden könne. Dr . B.____ wiederum hielt in seinem Fachteil des Gutachtens als rheumatologische Diagnose mit Auswirku ngen auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom leichten Ausmasses mit/b ei (1) heute lediglich Insertions- tendinosen im Bereich beider Beckenkämme, (2) altersent sprechenden degenerativen Verän- derungen lumbal und (3) einem Status nach rechts param edianer Diskushernie L3/4 (MRI vom 04.08.1997), Rückgang auf mediane Protrusion L3/4 (MRI LWS vom 20.04.2006), fest. In Be- zug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. B.____ aus, dass der Versicherte aus rheumatologischer Sicht in einer körperlich schweren Tätigkeit nach wie vor vo llständig arbeitsunfähig sei. Für kör- perlich leichte Verweistätigkeiten, die nicht nur steh end oder nur sitzend zu verrichten seien, und die kein Heben, Stossen oder Ziehen über 10 kg, ke in dauerndes Arbeiten in Zwangsstel- lungen, kein dauernd vornübergebeugtes Arbeiten und kein repetitives Bücken beinhalten wür- den, bestehe aus rheumatologischer Sicht eine 90%-ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein Ganz- tagespensum. Die Einschränkung von 10 % beruhe auf eine m vermehrten Pausenbedarf. Da PD Dr. D.____ dem Exploranden aus psychiatrischer Sicht ke ine Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit attestierte, hielten die beiden Gutachter in ihrer abschliessenden interdisziplinären Ein- schätzung fest, dass die rheumatologische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als Gesamtbeurtei- lung gelte. 6.2.2 Im rheumatologischen Fachteil des Gutachtens geht Dr. B.____ sodann auch auf die Entwicklung der medizinischen Situation seit seiner im M ai 2006 erfolgten Erstbegutachtung ein. Im damaligen MRI habe sich eine Diskopthie L3/4 mi t Dehydration der Bandscheibe auf Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesem Niveau gezeigt. Es sei eine mediane Protrusion, r elativ breitbasig und auf beide Seiten reichend, ersichtlich gewesen. Eine eigentliche Hernie s ei im Gegensatz zur Situation, wie sie Dr. C.____ im Jahre 1999 beschrieben habe, nicht mehr vorhanden gewesen. Der im Jahr 2006 erhobene Befund sei aber geeignet gewesen, mechanisch l umbal Beschwerden wie bis anhin zu verursachen. Nunmehr, d.h. anlässlich der aktuellen Begutachtung vom April 2013, zeige die klinische Untersuchung einen Exploranden, der von Seite n der Wirbelsäule nicht beeinträchtigt sei. Das Achsenorgan zeige einen Rundrücken. Die LWS sei heute nicht mehr eingeschränkt wie anlässlich der Voruntersuchung, auch liege kein pa ravertebraler Hartspann vor. Es zeigten sich weichteilrheumatische Befunde im Sinne von Insertio nstendinosen beider Beckenkämme. Anhaltspunkte für eine radikuläre Problematik bestünde n keine. Kraft, Reflexbild, Lasègue und umgekehrter Lasègue seien unauffällig. Einzig bei der Lasègue-Prüfung würden lokal lumbale Beschwerden ausgelöst. Damit handle es sich um ein leich tes Lumbovertebralsyndrom ohne Anhaltspunkte für eine radikuläre Problematik. Insgesamt sei im Vergleich zur Voruntersuchung von 2006 von einer deutlichen Verbesserung der Situati on auszugehen. Die Schmerzepisoden hätten dahingehend abgenommen, als der Explorand auch schmerzfreie Episoden angebe. Die Befunde seien anlässlich der aktuellen Untersuchung besc heiden. Schliesslich sei auch be- kannt, dass sich Diskopathien im Verlaufe der Zeit bessern könnten, wie dies hier geschehen sei. Zweifelsohne bestehe eine Diskopathie, diese schrän ke denn auch die Arbeitsfähigkeit des Versicherten für schwere Arbeiten ein. Hingegen sei es de m Exploranden aktuell durchaus möglich, eine leichte Tätigkeit zumindest in einem Pensum von 90 % auszuüben. 6.3 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des a ktuellen medizinischen Sachverhalts und bei ihrem Entscheid über die Frage, ob seit der im Juni 2006 erfolgten letzten materiellen Überprüfung des Rentenanspruchs eine wesentliche Verbesse rung des Gesundheitszustandes des Versicherten eingetreten ist, auf die Ergebnisse des bidisziplinären Gutachtens von Dr. B.____ und PD Dr. D.____ vom 22. April 2013. Si e ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Juni 2006 deutlich verbessert hat und dass dieser aktuell in einer leidensadaptierten Verwe istätigkeit wieder im Umfang von 90 % arbeitsfähig ist. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen de s Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuve rlässigkeit der Expertisen spre- chen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutacht en von Dr. B.____ und PD Dr. D.____ vom 22. April 2013 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bun- desgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für d ie streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Da rlegung der medizinischen Zusammen- hänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Insbesondere zeigt der rheumatologische Gutachter Dr. B.____ auch hinreichend und schlüssig auf, inwiefern seit der im Juni 2006 erfol gten letzten materiellen Überprüfung des Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rentenanspruchs eine effektive Verbesserung des Gesundhe itszustandes und - damit einher- gehend - der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers eingetreten ist. 6.4 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geeign et, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens von Dr. B.____ und PD Dr. D.__ __ vom 22. April 2013 in Frage zu stellen. Der Versicherte macht in seiner Beschwerde im We sentlichen geltend, es sei der IV- Stelle mit dem erwähnten Gutachten nicht gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass sich sein Gesundheitszustand seit der letzten materiellen Rentenü berprüfung in einer anspruchserhebli- chen Weise verbessert habe. Es liege vielmehr eine abweich ende medizinische Einschätzung von im Wesentlichen unveränderten tatsächlichen Verhält nissen vor, welche unter revisions- rechtlichen Gesichtspunkten unbeachtlich sei. Dieser Betra chtungsweise des Beschwerdefüh- rers kann nicht gefolgt werden. Entgegen dessen Auffassu ng legt der rheumatologische Exper- te Dr. B.____ in seinem Fachteil des Gutachtens hinrei chend und nachvollziehbar dar, dass sich die gesundheitliche Situation des Versicherten seit der im Jahr 2006 erfolgten Begutach- tung in anspruchsrelevanter Weise verbessert hat. Dies zei gt sich sowohl anhand der aktuell erhobenen, im Vergleich zur Vorbegutachtung von 2006 deutlich leichteren Befunde und Diag- nosen als auch anhand der heute festgestellten, erhebl ich geringeren Auswirkungen derselben auf die Arbeitsfähigkeit. An dieser Stelle kann voll umfänglich auf die vorstehend (vgl. E. 6.2.2) wiedergegeben, schlüssigen Ausführungen des Gutachters Dr. B.____ verwiesen und von Wei- terungen hierzu abgesehen werden. 6.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die IV-Ste lle in der angefochtenen Ver- fügung zutreffend davon ausgegangen ist, dass sich der Ge sundheitszustand des Beschwerde- führers seit der im Juni 2006 erfolgten letzten materiellen Überprüfung seines Rentenanspruchs erheblich verbessert hat mit der Folge, dass dem Versiche rten im Zeitpunkt des Erlasses der Revisionsverfügung vom 17. August 2015 die Ausübung einer leidensadaptierten Verweistätig- keit (wieder) im Umfang von 90 % zumutbar war. Somit hat die IV-Stelle das Vorliegen der Re- visionsvoraussetzungen des Art. 17 ATSG zu Recht bejaht. 7.1 Gestützt auf dieses Zwischenergebnis ist in einem nächs ten Schritt zu prüfen, wie sich die geschilderte Entwicklung auf den Rentenanspruch des Be schwerdeführers auswirkt. Zur Beantwortung dieser Frage sind die Anspruchsberechtigun g und allenfalls der Umfang des An- spruchs pro futuro zu prüfen. Es gilt mit anderen Worten , auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts den Invaliditäts grad bei Erlass der streitigen Revisions- verfügung zu ermitteln, woraus sich die Anspruchsberechti gung und allenfalls der Umfang des Anspruchs ergeben. 7.2 Der Beschwerdeführer ist heute in einer leidensad aptierten Verweistätigkeit zu 90 % arbeitsfähig. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die schlüssige Beurteilung der Gutachter Dr. B.____ und PD Dr. D.____ bzw. auf die vorstehenden Ausführungen hierzu (vgl. E. 6.2 bis 6.5 hiervor) verwiesen werden. 7.3 Wie ebenfalls bereits weiter oben festgehalten (vg l. E. 3.2 hiervor), ist der Invaliditäts- grad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Ei nkommensvergleichs zu bestimmen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Art. 16 ATSG). Die IV-Stelle ging in der angefochte nen Verfügung vom 17. August 2015 von einem Valideneinkommen von Fr. 71‘775.-- und - ausgeh end von der gutachterlich attestierten aktuellen Arbeitsfähigkeit von 90 % - von einem zumutb aren Invalideneinkommen von Fr. 55‘180.-- aus. Anhand einer Gegenüberstellung die ser Zahlen errechnete sie sodann einen Invaliditätsgrad des Versicherten von 23 %. Die konkrete Berechnung, die vom Versicherten in der vorliegenden Beschwerde nicht in Frage gestellt wir d, erweist sich als rechtens, weshalb diesbezüglich vollumfänglich auf die entsprechenden Aus führungen der IV-Stelle in der Verfü- gung vom 17. August 2015 verwiesen werden kann. Bei e inem Invaliditätsgrad von 23 % be- steht, wie die IV-Stelle zutreffend festgehalten hat, grundsätzlich kein Anspruch (mehr) auf eine IV-Rente. 8.1 Vorliegend gilt es nun allerdings die Besonderheit zu beachten, dass der Versicherte seine laufende Rente seit 1. November 1998 und somit wä hrend eines ausgesprochen langen Zeitraums bezogen hat. Aufgrund dieses Umstandes hat die IV-Stelle richtigerweise geprüft, ob der Versicherte vorgängig einer Aufhebung seiner Rent e noch Anspruch auf Wiedereingliede- rungsmassnahmen zu Lasten der IV habe. 8.2 Indem die IV-Stelle einen solchen Anspruch des Versi cherten geprüft und in der Folge auch bejaht hat, hat sie dem Umstand Rechnung getragen , dass sich die Wiedereingliederung von Versicherten im fortgeschrittenen Alter oder nach in validitätsbedingt langjährigem Fernblei- ben von der Arbeitswelt oftmals als schwierig erweist. L aut ständiger Rechtsprechung ist zwar im Regelfall eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach lan gjährigem Rentenbezug und/oder auf Grund des fortgeschrittenen Alters des Versicherten könne n jedoch ausnahmsweise Erforder- nisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwand- frei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Le istungspotenzials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels E igenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis auf Urteil vom 10. September 2010, 9C_163/2009, E. 4.1 und 4.2.2). Die Verwaltung muss sich vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente vergewis- sern, ob sich ein medizinisch-theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne Weite- res in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür - ausnahmswei- se - im Einzelfall eine erwerbsbezogene Abklärung (der E ignung, Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im Rechtssinne vorausgesetzt ist (Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis auf Urteil vom 10. September 2010, 9C_768/2009, E. 4.1.2). 8.3 Im Urteil vom 26. April 2011 (9C_228/2010, publi ziert in: Sozialversicherungsrecht – Rechtsprechung [SVR] 2011 IV Nr. 73) hat das Bundesger icht sodann festgehalten, dass aus Gründen der Rechtssicherheit diejenigen Fälle, in wel chen der Ausnahmetatbestand der Not- wendigkeit (vorgängiger) befähigender beruflicher Massna hmen trotz wiedergewonnener Ar- beitsfähigkeit als erfüllt zu betrachten ist, vom Regelf all der Fälle einer sofortigen erwerblichen Verwertbarkeit abzugrenzen sind. Es hat deshalb die vorst ehend geschilderte Rechtsprechung Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. E. 8.2 hiervor) dahingehend präzisiert, dass sie gr undsätzlich auf Sachverhalte zu be- schränken ist, in denen die revisions- oder wiedererwägung sweise Herabsetzung oder Aufhe- bung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft , die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (SV R 2011 IV Nr. 73 E. 3.3). Diese beiden Abgrenzungskriterien bedeuten nun allerdings nicht, d ass die darunter fallenden Rentnerinnen und Rentner in dem revisions- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) bzw . gegebenenfalls wiedererwägungs- rechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzst andsanspruch geltend machen könn- ten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass - von Aus nahmen abgesehen - aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder einer langen Rentendaue r die Selbsteingliederung nicht mehr zu- mutbar ist (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.5). 8.4 Wie oben aufgezeigt (vgl. E. 7.2 hiervor), stand f ür die IV-Stelle aufgrund ihrer medizi- nischen und erwerblichen Abklärungen fest, dass es zu eine r revisionsweisen Aufhebung der laufenden Rente des Versicherten kommen werde. Da diese r im damaligen Zeitpunkt seit mehr als 15 Jahren Rentenbezüger war, bot ihm die IV-Stelle nach dem vorstehend Gesagten zu Recht die Gewährung von beruflichen Wiedereingliederu ngsmassnahmen an. Der Versicherte teilte in der Folge sein Interesse an solchen Massnahmen mit, worauf ihm die IV-Stelle ab Feb- ruar 2014 ein mehrmonatiges Aufbautraining von vorers t vier Stunden pro Tag zusprach. Im Herbst 2014 beabsichtigte die IV-Stelle eine stufenwei se Erhöhung dieser Präsenzzeit. Nach- dem der Versicherte jedoch erklärt hatte, dass ihm eine solche Steigerung des Pensums nicht möglich sei, stellte die Abteilung Integration der Besch werdegegnerin nach erfolgtem Mahn- und Bedenkzeitverfahren ihre Eingliederungsbemühunge n ein und übergab die Akten im Hin- blick auf den Erlass der rentenaufhebenden Verfügung de r Rentenabteilung. Diese Vorgehens- weise gibt zu keinerlei Beanstandungen Anlass, was denn auch vom Versicherten in seiner Be- schwerde zu Recht nicht in Frage gestellt wird. 9. Bei einem im Rahmen des Revisionsverfahrens ermitte lten Invaliditätsgrad von 23 % hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch (mehr) auf ei ne IV-Rente. Die IV-Stelle hat deshalb die dem Versicherten bisher ausgerichtete Dreiviertelsrent e nach der Einstellung der vorgängig gewährten beruflichen Wiedereingliederungsmassnahmen zu Recht aufgehoben, wobei die Aufhebung gestützt auf Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversich erung (IVV) vom 17. Januar 1961 korrekterweise vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Ver- fügung folgenden Monats an erfolgte. Die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 17. Au- gust 2015 ist demnach nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun aller- dings mit Verfügung vom 10. November 2015 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorlä ufig auf die Gerichtskasse genom- men. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 10. November 2015 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte vom 17. November 2003 (in der seit 1 . Januar 2014 geltenden Fassung) be- trägt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 16. Dezember 2015 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 10,26 Stunden gelte nd gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfr agen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 263.--. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘500.20 ( 10,26 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 263.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘500.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht