Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 11. April 2017 (470 17 2) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien A.____ , vertreten durch Advokat Dieter Gysin, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung WK, Rheinstrasse 27, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin B.____ AG , vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Müller, Friedensgasse 2, Postfach 316, 4143 Dornach 1, Privatklägerin Gegenstand Verfahrenseinstellung (Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, vom 28. Dezember 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen eines Strafverfahrens gegen A.____ betref fend die Straftatbestände der mehrfachen Veruntreuung, der qualifizierten ungetre uen Geschäftsbesorgung, des betrügeri- schen Konkurses, der mehrfachen Urkundenfälschung, der mehrfachen Erschleichung einer Falschbeurkundung, des betrügerischen Missbrauchs e iner Datenverarbeitungsanlage, der mehrfachen üblen Nachrede und der unbefugten Aufnah me von Gesprächen verfügte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, in Bezug auf die Vorwürfe der Unter- lassung der Buchführung und der Unterdrückung von U rkunden zum Nachteil der B.____ AG mit Datum vom 28. Dezember 2016 Folgendes: "1. Das Strafverfahren wird in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO eingestellt. 2. Die Kosten des eingestellten Verfahrensteils b estehend aus - Kosten Staatsanwaltschaft CHF 300.00 - Gebühr Einstellungsverfügung (inkl. Porto) CHF 200.00 in der Höhe von insgesamt CHF 500.00 gehen gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO zu Lasten der b eschuldigten Person. 3. Der beschuldigten Person werden gemäss Art. 43 0 Abs. 1 lit. a StPO keine Ent- schädigung und keine Genugtuung zugesprochen. 4. Über die Entschädigung der amtlichen Verteidig ung wird im Rahmen des restlichen Verfahrens entschieden." Auf die Begründung dieser Verfügung sowie der nachf olgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. B. Gegen diese Einstellungsverfügung erhob A.____ mit Eingabe vom 9. Januar 2017 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, und stellte dabei folgen- de Rechtsbegehren: Es sei die angefochtene Verfügun g betreffend Unterlassung der Buchfüh- rung und Unterdrückung von Urkunden zum Nachteil de r B.____ AG teilweise aufzuheben, und es seien der beschuldigten Person in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 2 keine Kosten aufzuer- legen (Ziff. 1). Eventualiter sei die Beschwerdegeg nerin anzuweisen, die Untersuchung zu er- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gänzen (Ziff. 2); dies alles unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Ziff. 3). Ausserdem sei der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren die amtliche Verteidigung zu bewilligen (Ziff. 4). Im Sinne von Verfahrensanträgen wurde begehrt, zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung sei auf die Erhebung eines K ostenvorschusses zu verzichten (Ziff. 1), gegenüber allfälligen Stellungnahmen der Beschwerde gegnerin sei ihr das Replikrecht einzu- räumen (Ziff. 2), und das vorliegende Beschwerdeverfahren sei mit den gleichentags erhobenen Beschwerden gegen die separaten Einstellungsverfügu ngen der Staatsanwaltschaft vom 28. Dezember 2016 betreffend Veruntreuung zum Nacht eil von C.____, betreffend Sachentzie- hung zum Nachteil von D.____ sowie betreffend Sache ntziehung und Unterdrückung von Ur- kunden zum Nachteil von E.____ zu vereinigen (Ziff. 3). C. In ihrer Stellungnahme vom 23. Januar 2017 begehrt e die Staatsanwaltschaft Folgendes: Der Verfahrensantrag auf Vereinigung der vier Besch werdeverfahren sei gutzuheissen (Ziff. 1), der Antrag auf teilweise Aufhebung der angefochtene n Einstellungsverfügung hinsichtlich der Auferlegung der Kosten sei abzuweisen (Ziff. 2), un d der Eventualantrag auf Ergänzung der Untersuchung sei abzuweisen (Ziff. 3). D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 26. Januar 2 017 wurde festgestellt, dass die Pri- vatklägerin auf die Einreichung einer fakultativen Stellungnahme verzichtete. E. Mit Datum vom 6. Februar 2017 reichte die Beschwer deführerin ihre replizierende Stel- lungnahme ein, in welcher sie die Gutheissung der b ereits in ihrer Beschwerde vorgebrachten Anträge begehrte. F. Schliesslich reichte auch die Staatsanwaltschaft m it Schreiben vom 8. Februar 2017 ihre duplizierende Stellungnahme ein und verwies dabei a uf ihre Beschwerdeantwort vom 23. Janu- ar 2017. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts, Abteilung Strafrecht, als Be- schwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Be schwerde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 EG StP O. Nach Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist die Beschwerde zulä ssig gegen die Verfügungen und die Verfah- renshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Beschwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, ein- schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Erme ssens, Rechtsverweigerung und Rechts- verzögerung (lit. a); die unvollständige oder unric htige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). Nach Art. 322 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde gegen schriftlich oder münd lich eröffnete Entscheide innert zehn Ta- gen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeins tanz einzureichen. Die Legitimation der Beschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels schl iesslich wird in Art. 382 Abs. 1 StPO sowie Art. 322 Abs. 2 StPO normiert. Nachdem die angefoch tene Verfügung ein taugliches Anfech- tungsobjekt darstellt, die Beschuldigte beschwerdel egitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Beg ründungspflicht nachgekommen ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die Beschwerde einzutreten. 2.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung des an gefochtenen Entscheids im Wesentli- chen aus, da den zur Anzeige gebrachten Handlungen neben den übrigen der Beschuldigten zur Last gelegten Taten für die Festsetzung der zu erwartenden Strafe keine wesentliche Be- deutung zukomme, sei gestützt auf Art. 8 Abs. 2 lit . a StPO von einer Strafverfolgung abzuse- hen, weshalb das Verfahren gestützt auf Art. 319 Ab s. 1 lit. e StPO einzustellen sei. Während der Tatbestand der Unterdrückung von Urkunden von vornherein nicht erfüllt sei, unter anderem auch, weil die Verweigerung der Herausgabe ohnehin nicht tatbestandsmässig sei, stehe die Unterlassung der Buchführung kurz vor der Verjährun g, womit das Verfahren auch gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO einzustellen wäre. Die Beschuldigte sei für die Führung der Buchhal- tung der F.____ AG verantwortlich gewesen, habe die s aber alles andere als ordnungsgemäss getan. So habe sie nebst anderen Ungereimtheiten z. B. im Jahresabschluss 2009 ein Darlehen "A.____" in der Höhe von CHF 1'399'030.45 aufgeführ t, obwohl weder sie noch G.____ der AG je ein Darlehen in dieser Grössenordnung gewährt hä tten. Weiter habe sie in den Jahresab- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlüssen 2008 und 2009 die Liegenschaft in H.____ als Aktivum im Wert von CHF 900'000.00 bzw. CHF 918'450.00 aufgeführt, obwohl die Liegensc haft nicht von der F.____ AG, sondern vielmehr von G.____ gekauft worden sei und sich des halb nicht im Eigentum der Gesellschaft befunden habe. Im Zusammenhang mit dieser Liegensch aft habe es die Beschuldigte auch un- terlassen, die Mittel der F.____ AG in Höhe von CHF 160'000.00, welche für die Finanzierung des Erwerbes der Liegenschaft durch G.____ verwende t worden seien, als Guthaben diesem gegenüber zu verbuchen. Damit habe die Beschuldigte offensichtlich gegen zivilrechtliche Nor- men verstossen, so insbesondere gegen die in Art. 9 58 OR (recte: Art. 959 OR) statuierte Pflicht, die wirtschaftliche Lage des Unternehmens so darzustellen, dass sich Dritte ein zuver- lässiges Urteil bilden könnten, womit sie schuldhaft die Einleitung des Untersuchungsverfahrens bewirkt habe. Ergänzend dazu legt die Staatsanwalts chaft in ihrer Beschwerdeantwort dar, bei der Beschwerdeführerin habe zwar eine mittelschwere Abhängigkeit von Opioiden bestanden, diese habe aber keine Konsequenz auf die Schuldfähi gkeit gehabt. Des Weiteren sei die Be- schwerdeführerin nicht nur die einzige Geschäftsfüh rerin der Gesellschaft gewesen, darüber hinaus habe auch der Konsens bestanden, dass sie al s Steuerberaterin für die Führung der Buchhaltung verantwortlich gewesen sei. Im Übrigen werde von ihr gar nicht bestritten, dass sie die Buchhaltung nicht ordnungsgemäss geführt habe. 2.2 Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin im Wesentl ichen der Ansicht, sie habe kei- neswegs rechtswidrig und schuldhaft das Verfahren b ewirkt. Ausserdem unterstelle die Staats- anwaltschaft mindestens implizit eine Strafbarkeit, welche in der Kostenauflage zum Ausdruck komme. Die Beschwerdeführerin werde damit über die Kostenauflage sanktioniert, ohne sich im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens gegen den strafrechtlichen Vorwurf zur Wehr setzen zu können. Ein solches Vorgehen sei nicht mit der Unschuldsvermutung vereinbar und somit unzu- lässig. Weiter sei festzuhalten, dass die Behauptung der Staatsanwaltschaft, wonach sie für die Führung der Buchhaltung der F.____ AG zuständig gew esen sei, in dieser Form nicht zutreffe. Die genaue Rollenverteilung werde vielmehr im geric htlichen Verfahren zu klären sei, womit es sich verbiete, in antizipierter Beweiswürdigung eine zivilrechtliche Haftung aus Art. 958 OR (rec- te: Art. 959 OR) anzunehmen. Zudem sei zu beachten, dass sie im fraglichen Zeitraum schwer opiatabhängig gewesen sei, weshalb es mehr als nahe liegend sei, allfällige Versäumnisse bei der Buchführung auf die gesundheitlichen Einschränk ungen zurückzuführen. Es treffe sie des- halb zumindest subjektiv kein zivilrechtliches Vers chulden, soweit sie nicht sogar gänzlich ur- teilsunfähig gewesen sei. Mangels zivilrechtlichen Verschuldens komme eine Kostenauflage Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht folglich nicht in Betracht. Eventualiter sei die Sa che jedenfalls aufgrund der nicht erfolgten Be- rücksichtigung der Erkrankung zur Ergänzung der Unt ersuchung an die Staatsanwaltschaft zu- rückzuweisen, wobei aufgrund der Teilrechtskraft de r nur im Kostenpunkt angefochtenen Ein- stellungsverfügung die Kognition der Vorinstanz bei der Neubeurteilung auf den angefochtenen Teil beschränkt sei. In ihrer replizierenden Stellungnahme führt die Beschwerdeführerin aus, die Staatsanwaltschaft begründe das zivilrechtliche Verschulden mit einem Gutachten, welches von der Hypothese ausgehe, die vorgeworfenen Straftaten seien tatsächlich begangen worden, ob- wohl die sachverhaltsmässige und strafrechtliche Wü rdigung allein dem Strafgericht obliege. Schliesslich werde von der Beschwerdeführerin sehr wohl bestritten, die Buchhaltung nicht ord- nungsgemäss geführt zu haben, nachdem sie geltend g emacht habe, dass die genaue Rollen- verteilung innerhalb der Gesellschaft im gerichtlichen Verfahren zu klären sein werde. 3.1 Gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. e StPO verfügt d ie Staatsanwaltschaft die vollständige oder teilweise Einstellung des Verfahrens, wenn nac h gesetzlicher Vorschrift auf Strafverfol- gung oder Bestrafung verzichtet werden kann. Nach A rt. 8 Abs. 2 lit. a StPO sehen Staatsan- waltschaft und Gerichte von einer Strafverfolgung ab, wenn der Straftat neben den anderen der beschuldigten Person zur Last gelegten Taten für di e Festsetzung der zu erwartenden Strafe oder Massnahme keine wesentliche Bedeutung zukommt und sofern nicht überwiegende Inte- ressen der Privatklägerschaft entgegenstehen. Im vo rliegenden Fall wird von der Beschwerde- führerin die Verfahrenseinstellung selbst nicht ger ügt, bemängelt wird hingegen, dass sie ge- mäss Art. 426 Abs. 2 StPO zur Übernahme der auf den eingestellten Verfahrensteil anfallenden Kosten verpflichtet worden ist. Die in BGE 116 Ia 1 62 entwickelten Grundsätze hat das Bun- desgericht auch nach Inkrafttreten der StPO in der Anwendung von Art. 426 Abs. 2 StPO un- verändert bestätigt. Demnach ist es mit Verfassung und Konvention vereinbar, einer nicht verur- teilten beschuldigten Person die Kosten zu überbind en, wenn sie in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise gegen eine geschriebene oder ungeschriebene V erhaltensnorm, die aus der gesamten schweizerischen Rechtsordnung stammen kann, klar ve rstossen und dadurch das Strafverfah- ren veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat. Die Kostenauflage darf sich in tatsäch- licher Hinsicht nur auf unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen. Zwi- schen dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten und den durch die Untersuchung entstandenen Kosten muss ein Kausalzusammenhang bestehen. Einen Verstoss gegen Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK stellt es hingegen dar, in der Begründung des Entscheids, mit dem eine Ver- fahrenseinstellung erfolgt und der beschuldigten Pe rson Kosten auferlegt werden, dieser direkt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder indirekt vorzuwerfen, sie habe sich strafbar g emacht bzw. es treffe sie ein strafrechtliches Verschulden (THOMAS DOMEISEN , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozess ordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 29, N 34 und N 37 zu Art. 426 StPO, mit Hinweisen). Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO soll es den Strafverfolgungsbehörden er möglichen, sich auf die wesentlichen Aspek- te eines Falles zu konzentrieren und auf vertiefte Abklärungen zu verzichten, wenn selbst die Verurteilung wegen einer Tat auf das Urteil im Erge bnis keinen nennenswerten Einfluss hätte. Die Bestimmung zielt darauf ab, die Strafverfolgung sbehörden von aufwendigen Ermittlungen zu entlasten, die sich aller Voraussicht nach im Er gebnis des Verfahrens nicht niederschlagen würden. Der Anwendung dieser Bestimmung liegt somit kein Werturteil über die Strafwürdigkeit der betreffenden Handlung oder die Angemessenheit d er Sanktion zugrunde, sondern letztlich ökonomisches Kalkül (G ERHARD FIOLKA / CHRISTOF RIEDO , in: Basler Kommentar, Schweizeri- sche Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 65 zu Art. 8 StPO, mit Hinweisen). 3.2 Nach Art. 959 OR sind Betriebsrechnung und Jahresb ilanz nach allgemein anerkannten kaufmännischen Grundsätzen vollständig, klar und übersichtlich aufzustellen, damit die Beteilig- ten einen möglichst sicheren Einblick in die wirtsc haftliche Lage des Geschäftes erhalten. Nach Lehre und Praxis zählen zu den allgemein anerkannte n kaufmännischen Grundsätzen: Wahr- heit, Vollständigkeit, Klarheit, Wesentlichkeit, Vorsicht, Unternehmensfortführung, Stetigkeit und Verrechnungsverbot. Mit formeller Wahrheit wird die Vollständigkeit der Bilanz und Erfolgsrech- nung, also die lückenlose Aufzählung aller Aktiven und Passiven sowie aller Aufwands- und Ertragsposten, bezeichnet. Ebenso fällt die rechner ische Richtigkeit unter diesen Begriff. Mit materieller Wahrheit hingegen wird die angemessene Bewertung der in der Jahresrechnung ausgewiesenen Positionen verstanden. Das Gebot der formellen Wahrheit gilt uneingeschränkt, während das Gebot der materiellen Wahrheit etwa dur ch den Grundsatz der Vorsicht einge- schränkt ist. Generell dürfen sich Auslassungen nie auf wesentliche Sachverhalte beziehen. Unwahr ist eine Jahresrechnung dann, wenn sie die w irtschaftliche Lage eines Unternehmens falsch darstellt, indem z.B. fiktive Schulden aufge führt werden oder Aufwendungen gebucht werden, die nicht bestehen. Der Grundsatz der Volls tändigkeit verlangt, dass die Aktiven und Passiven vollständig erfasst werden, ebenso Ertrag und Aufwand. Der Grundsatz der Klarheit beruht auf zwei Elementen: Die richtige Bezeichnung der einzelnen Positionen in der Bilanz und Erfolgsrechnung einerseits sowie die Übersichtlichk eit andererseits. Nach dem Grundsatz der Klarheit ist auch die Buchhaltung zu führen (M ARKUS R. NEUHAUS / JÖRG BLÄTTLER , in: Basler Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kommentar, Obligationenrecht II, 4. Auflage, Basel 2012, N 11 ff. zu Art. 959 OR, mit Hinwei- sen). Im vorliegenden Fall ergibt sich aus den Akten, das s die Beschwerdeführerin gemäss Auszug aus dem Handelsregister vom 5. August 2011 in Bezug auf die F.____ AG als einzige Person als Geschäftsführerin mit Einzelunterschrift einget ragen gewesen ist (act. AA 01.02.015). Dies wird bestätigt durch die Aussagen von I.____ anläss lich seiner Einvernahme als Auskunftsper- son durch die Polizei Basel-Landschaft, zentrale Er mittlung, vom 27. Oktober 2011 (act. AA 10.01.052 ff.) und anlässlich der Einvernahme als b eschuldigte Person durch die Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft vom 27. April 2012 (act. AA 10.01.105 ff.) sowie durch die Aussagen von J.____ anlässlich seiner Einvernahme als Auskun ftsperson durch die Polizei Basel- Landschaft, zentrale Ermittlung, vom 7. Dezember 20 11 (act. AA 10.01.090 ff.). Die Beschwer- deführerin hat anlässlich ihrer Einvernahme als bes chuldigte Person durch die Staatsanwalt- schaft vom 29. Juni 2012 auf die Frage, wer für die Gesellschaft die Buchhaltung geführt habe, deponiert, sie und wahrscheinlich Herr I.____ (act. AA 10.01.117). Des Weiteren hat sie auf die Frage, welche Befähigung sie zur Buchführung habe, zu Protokoll geben, ihre Erfahrung und ihre Ausbildung, wobei Buchhaltung und Rechnungswesen Teil ihrer Ausbildung gewesen seien (act. AA 10.01.117). Schliesslich wird auch von G._ ___ anlässlich seiner Einvernahme als be- schuldigte Person durch die Staatsanwaltschaft vom 20. August 2012 bestätigt, dass seine Ehefrau die Geschäftsführerin gewesen sei (act. AA 10.01.123). Aufgrund dieser Sachlage steht für das Kantonsgericht auch ohne gerichtliche s Verfahren und trotz des Bestreitens sei- tens der Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde fest, dass diese für die Führung der Buchhal- tung der F.____ AG verantwortlich gewesen ist. Glei chermassen aktenkundig ist des Weiteren auch ohne Strafurteil, dass die Buchhaltung der F._ ___ AG nicht ordnungsgemäss geführt wor- den ist, was von der Beschuldigten auch nicht ernst haft bestritten wird (act. AA 10.01.118: "die- se Bilanz macht keinen Sinn", "da ist nichts logisc h"). Exemplarisch aufzuführen ist in diesem Zusammenhang, dass in den Bilanzen per 31. Dezember 2008 und 31. Dezember 2009 offen- bar ohne Rechtsgrund unter den Passiven ein Darlehe n "A.____" in der Höhe von CHF 1'399'030.45 aufgelistet ist sowie ebenso ohne Rechtsgrund unter den Aktiven eine Lie- genschaft in H.____ im Wert von CHF 900'000.-- bzw. CHF 918'450.-- aufgeführt wird (act. SD Buchführung 40.01.018), dessen Eigentümer aber G.__ __ ist (act. AA 01.02.013). Dies stellt eine offensichtliche Verletzung von Art. 959 OR und namentlich der in diesem Zusammenhang statuierten Gebote der formellen Wahrheit sowie der Vollständigkeit von Bilanz und Erfolgs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechnung dar. Infolgedessen ist zu konstatieren, da ss die Beschwerdeführerin mit dem vorgän- gig dargelegten Verhalten in zivilrechtlich vorwerf barer Weise klar gegen die schweizerische Rechtsordnung verstossen und dadurch das Strafverfa hren veranlasst hat, womit ihr gestützt auf Art. 426 Abs. 2 StPO zu Recht die Kosten für de n eingestellten Verfahrensteil auferlegt worden sind. Im Übrigen wird der Beschwerdeführerin mit der Kost enauflage entgegen ihrer Ansicht auch kein strafrechtlich relevanter Vorwurf gemacht, da erstens dem Einstellungsgrund von Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO per se kein Werturteil über die Strafwürdigkeit der betreffenden Handlung zu- grunde liegt, und zweitens die Staatsanwaltschaft i n der angefochtenen Einstellungsverfügung lediglich dargelegt hat, dass den zur Anzeige gebra chten Handlungen neben den übrigen ihr zur Last gelegten Taten von vornherein keine wesent liche Bedeutung zukomme, unabhängig davon, ob diese strafbar sind oder nicht. Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Staatsanwal tschaft begründe das zivilrechtliche Ver- schulden mit einem Gutachten, welches von der Hypot hese ausgehe, die vorgeworfenen Straf- taten seien tatsächlich begangen worden, obwohl die sachverhaltsmässige und strafrechtliche Würdigung allein dem Strafgericht obliege, zielt insofern ins Leere, als sie selbst geltend macht, allfällige Versäumnisse bei der Buchführung seien d urch ihre Suchterkrankung verursacht wor- den. Abgesehen davon stellt der Gutachter lediglich fest, dass zwischen den allfälligen Taten der Beschuldigten und deren Opioidabhängigkeit kein Zusammenhang hergeleitet werden kön- ne, ohne dass hieraus aber ein Vorwurf im strafrechtlichen Sinn abgeleitet wird. Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Opioidabhängigkeit und damit zusammenhängend einer allenfalls fehlenden Urteilsf ähigkeit hat schliesslich der medizinische Sachverständige Dr. med. K.____, leitender Arzt der ambulanten Dienste der Luzerner Psychi- atrie, in seinem forensisch-psychiatrischen Gutacht en vom 22. August 2013 (S. 73 ff.) festge- halten, dass die Beschuldigte zwar unter einer Abhä ngigkeit von Opioiden gelitten habe, die Auswirkungen und die Schwere dieser Störung aber ni cht sehr ausgeprägt gewesen seien. In- folgedessen seien weder ihre Einsichtsfähigkeit noc h die Fähigkeit, gemäss dieser Einsicht zu handeln, beeinträchtigt gewesen (act. PD A.____ 01. 25.118 ff.). In seinem forensisch- psychiatrischen Ergänzungsgutachten vom 17. Novembe r 2014 (S. 11) führt Dr. K.____ in teil- weiser Korrektur seiner Darlegungen aus, diverse vo n der Beschuldigten dargelegte Symptome Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprächen für ein nicht unerhebliches bzw. mittelsch weres Ausmass der Opioidabhängigkeit, in Bestätigung seiner früheren Feststellungen habe dies aber keine Auswirkungen auf die Schuld- fähigkeit gehabt, da aus forensisch-psychiatrischer Sicht nach wie vor kein Zusammenhang zwischen den ihr vorgeworfenen Delikten und der Abh ängigkeit herstellbar sei (act. PD A.____ 01.25.988 ff.). Angesichts der Tatsache, wonach der medizinische Sachverständige sowohl in seinem forensisch-psychiatrischen Gutachten als auc h in seinem forensisch-psychiatrischen Ergänzungsgutachten unmissverständlich festgestellt hat, dass die Opioidabhängigkeit im Hin- blick auf die vorgeworfenen Delikte – bei welchen e s unter anderem um die Straftatbestände der mehrfachen Veruntreuung, der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung, des betrüge- rischen Konkurses, der mehrfachen Urkundenfälschung , der mehrfachen Erschleichung einer Falschbeurkundung und des betrügerischen Missbrauch s einer Datenverarbeitungsanlage geht – keine Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit gehabt hat, ist für das Kantonsgericht nicht er- sichtlich, inwiefern die Urteilsfähigkeit der Besch werdeführerin in Bezug auf die mangelhafte Führung der Buchhaltung eingeschränkt gewesen sein soll. Gemäss diesen Erwägungen ist die Beschwerde der Bes chuldigten vom 9. Januar 2017 in Be- stätigung der angefochtenen Verfügung der Staatsanw altschaft vom 28. Dezember 2016 abzu- weisen. 4. Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich nach Art. 428 Abs. 1 StPO, die or- dentlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens in der H öhe von CHF 1'050.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000.-- sowie Auslagen von CHF 50.- -) der Beschwerdeführerin aufzuerle- gen. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsvertreter der Beschuldig- ten, Advokat Dieter Gysin, ein pauschales Honorar i n der Höhe von CHF 540.-- (inklusive Aus- lagen und CHF 40.-- Mehrwertsteuer) zu Lasten des S taates ausgerichtet, wobei die Beschul- digte zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlich en Verteidigung an den Kanton verpflich- tet ist, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die ordentlichen Kosten des Beschwerdeverfahren s in der Höhe von insgesamt CHF 1'050.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 1'000.-- sowie Auslagen von CHF 50.--) gehen zu Lasten der B eschwerdefüh- rerin. 3. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver- treter der Beschwerdeführerin, Advokat Dieter Gysin , ein pauschales Honorar in der Höhe von CHF 540.-- (inklusive Ausla gen und CHF 40.-- Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Die Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädig ung der amtlichen Verteidigung an den Kanton verpflichtet, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann