<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 53 S.222</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">222</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>53</b></span> <span class="ft2"><b>Kein Anspruch eines Anwalts auf Parteientschädigung für die Vertretung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einer AG, deren Verwaltungsrat er ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 28. August 2007 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen F. gegen T. AG und S. AG (WBE.2006.315).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">223</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.4.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Handelsregisterauszug gehört der Vertreter der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegnerinnen (nur) dem Verwaltungsrat der Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft1">nerin 1 an, wobei er in dieser Unternehmung die Funktion des Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsratspräsidenten bekleidet. Die strittige Rechtsfrage, ob die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegnerin 1 gleichwohl Anspruch auf eine Parteientschä-</span><br/> <span class="ft1">digung hat, richtet sich nach § 36 VRPG. Diese Bestimmung lautet:</span><br/> <span class="ft5">"1</span> <span class="ft1">Im Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht ist dem</span><br/> <span class="ft1">Obsiegenden eine angemessene Entschädigung für die Kosten der</span><br/> <span class="ft1">Vertretung, Verbeiständung oder Beratung durch Anwälte und weite-</span><br/> <span class="ft1">re Sachverständige zuzusprechen. Die Entschädigung ist den Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen entsprechend dem Unterliegenden oder dem interessierten</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesen oder beiden anteilweise aufzuerlegen.</span><br/> <span class="ft5">2</span> <span class="ft1">Diese Bestimmung kommt auch in den übrigen Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">verfahren zur Anwendung, sofern der Beizug eines Vertreters oder</span><br/> <span class="ft1">Sachverständigen nicht offensichtlich unbegründet war.</span><span class="ft0">"</span><br/> <span class="ft1">Diese Bestimmung setzt somit ein Zweifaches voraus: Die den</span><br/> <span class="ft1">Kostenersatz beanspruchende Partei muss einerseits eine Drittperson</span><br/> <span class="ft1">beigezogen haben, welche über bestimmte Eigenschaften verfügt;</span><br/> <span class="ft1">andererseits darf der Beizug dieser Drittperson nicht offensichtlich</span><br/> <span class="ft1">unbegründet gewesen sein.</span><br/> <span class="ft1">1.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Die erstgenannte Voraussetzung schliesst aus, dass eine Partei</span><br/> <span class="ft1">für ihren eigenen Rechtsverfolgungsaufwand eine Parteientschädi-</span><br/> <span class="ft1">gung beanspruchen kann (anders verhält es sich für den Zivilprozess:</span><br/> <span class="ft1">vgl. § 31 lit. d VKD). Die in eigener Sache handelnde, nicht durch</span><br/> <span class="ft1">einen Dritten vertretene oder beratene Partei ist deshalb praxisge-</span><br/> <span class="ft1">mäss nicht entschädigungsberechtigt (AGVE 1991, S. 153 ff.; VGE</span><br/> <span class="ft1">II/52 vom 23. Juli 1997 [BE.97.00010], S. 10; VGE III/51 vom</span><br/> <span class="ft1">16. Juni 1982, S. 4 f. [1982/328]). Das gilt insbesondere auch für den</span><br/> <span class="ft1">Anwalt, der in eigener Sache handelt (VGE IV/60 vom 13. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2004 [BE.2004.00394], S. 11; relativierend allerdings AGVE</span><br/> <span class="ft1">2002, S. 406, wonach ein genereller Ausschluss des Kostenersatzes</span><br/> <span class="ft1">ein Rechtsgleichheitsproblem schüfe).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">224</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Zwar wird im materiellen Recht auch für das Verhältnis des Or-</span><br/> <span class="ft1">gans zur juristischen Person von einer Vertretung gesprochen, soweit</span><br/> <span class="ft1">jedoch eine juristische Person im Prozess durch eines ihrer Organe</span><br/> <span class="ft1">handelt, wird sie nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">entschädigungsrechtlich der nicht vertretenen Partei gleichgestellt</span><br/> <span class="ft1">(VGE III/82 vom 9. August 2001 [BE.2001.00206], S. 16; VGE II/48</span><br/> <span class="ft1">vom 2. Juli 2003 [BE.2002.277], S. 12; vgl. auch Alfred Kölz/Jürg</span><br/> <span class="ft1">Bosshart/Martin Röhl, VRG, Kommentar zum Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft1">pflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich 1999, § 17 N 17;</span><br/> <span class="ft1">differenzierend nach Art der Tätigkeit Thomas Merkli / Arthur</span><br/> <span class="ft1">Aeschlimann / Ruth Herzog, Kommentar zum Gesetz über die</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 104 N 2).</span><br/> <span class="ft1">Das gilt auch für den Verwaltungsrat, der als Anwalt der juristischen</span><br/> <span class="ft1">Person auftritt, weil die anwaltliche Aufgabe an seiner gesetzlichen</span><br/> <span class="ft1">Vertretungsbefugnis als Organ nichts ändert.</span><br/> <span class="ft1">Die verfahrensrechtliche Gleichstellung von Organ und juristi-</span><br/> <span class="ft1">scher Person erscheint deshalb sachgerecht, weil im Prozess nicht</span><br/> <span class="ft1">zwischen dem Handeln des Organs und demjenigen der juristischen</span><br/> <span class="ft1">Person unterschieden werden kann. Vielmehr kann die juristische</span><br/> <span class="ft1">Person im Prozess nur durch ihre vertretungsberechtigten Organe</span><br/> <span class="ft1">handeln (Art. 55 ZGB), was sich auch darin zeigt, dass das Organ der</span><br/> <span class="ft1">Parteibefragung unterstellt wird. Die Praxis des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">deckt sich im Übrigen mit derjenigen des Regierungsrats, der Eidge-</span><br/> <span class="ft1">nössischen Rekurskommission für das öffentliche Beschaffungswe-</span><br/> <span class="ft1">sen und der Eidgenössischen Steuerrekurskommission (Entscheid der</span><br/> <span class="ft1">Eidgenössischen Rekurskommission für das öffentliche Beschaf-</span><br/> <span class="ft1">fungswesen vom 17. Dezember 2004, in: Verwaltungspraxis der</span><br/> <span class="ft1">Bundesbehörden [VPB] 69/2005, Nr. 55, S. 655; Entscheid der</span><br/> <span class="ft1">Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 9. November 2004,</span><br/> <span class="ft1">SRK 2003-169, S. 13). Diese Sichtweise garantiert auch die Gleich-</span><br/> <span class="ft1">behandlung von juristischen und natürlichen Personen. Beide können</span><br/> <span class="ft1">einen Dritten, der Anwalt ist, zur Prozessführung beiziehen. Sehen</span><br/> <span class="ft1">sie davon ab, ist in beiden Fällen von einem nicht ersatzfähigen Auf-</span><br/> <span class="ft1">wand für die eigene Rechtsverfolgung auszugehen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">225</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1.4.3.</span><br/> <span class="ft1">Im Ergebnis kann das anwaltliche Organ aus prozessualer Sicht</span><br/> <span class="ft1">nicht als Dritter im Sinn von § 36 VRPG bezeichnet werden. Die</span><br/> <span class="ft1">Vertretungskosten der Beschwerdegegnerin 1 sind damit als nicht er-</span><br/> <span class="ft1">satzfähige Selbstkosten zu qualifizieren. Daran ändert auch der Um-</span><br/> <span class="ft1">stand nichts, dass ein Bürokollege des Vertreters der Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft1">nerinnen am Fall mitgearbeitet hat. Dieser ist gegen Aussen nicht als</span><br/> <span class="ft1">anwaltlicher Vertreter oder Beistand in Erscheinung getreten (vgl. § 1</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 AnwT), weshalb sich aus dieser Mitarbeit im Nachhinein kein</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf Kostenersatz ableiten lässt (vgl. VGE III/51 vom</span><br/> <span class="ft1">16. Juni 1982 [1982/328], S. 6).</span><br/> <span class="ft1">1.5.</span><br/> <span class="ft1">Entgegen der Rechtsauffassung des Beschwerdeführers stellt</span><br/> <span class="ft1">der Umstand, dass nur die Beschwerdegegnerin 2 Anspruch auf Er-</span><br/> <span class="ft1">satz ihrer Parteikosten hat, keinen Kürzungsgrund im Sinn des An-</span><br/> <span class="ft1">waltstarifs dar. Da die Beschwerdegegnerinnen im vorinstanzlichen</span><br/> <span class="ft1">Verfahren eine gemeinsame Beschwerdeschrift mit identischen Rü-</span><br/> <span class="ft1">gen und Anträgen eingereicht haben, wäre der Aufwand im Fall einer</span><br/> <span class="ft1">Einzelvertretung gleich gross gewesen wie derjenige, der im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">der Mehrfachvertretung entstand. Sofern und soweit das von der</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz zugesprochene Honorar dem Anwaltstarif entspricht,</span><br/> <span class="ft1">erweist es sich auch für den Fall der Einzelvertretung als angemes-</span><br/> <span class="ft1">sen. Eine Kürzung käme unter dem Gesichtspunkt der nachträglich</span><br/> <span class="ft1">weggefallenen Mehrfachvertretung nur dann in Betracht, wenn sich</span><br/> <span class="ft1">diese in einem Mehraufwand niedergeschlagen hätte, den die Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz mit einem Zuschlag nach § 7 Abs. 2 AnwT berücksichtigt hätte.</span><br/> <span class="ft1">Dies war aber nicht der Fall.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>