Abteilung IV D-6145/2007 law/bah/cvv {T 0/2} U r t e i l v o m 1 . N o v e m b e r 2 0 1 0 Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiber Christoph Basler. A.__________, geboren (...), dessen Ehefrau B.__________, geboren (...), und deren gemeinsame Kinder C.__________, geboren (...), und D.___________, geboren (...) Russland, alle vertreten durch lic. iur Monica Capelli, Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende, B.__________ zusätzlich vertreten durch Klemens Ross, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. August 2007 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-6145/2007 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 27. Januar 2005 im Emp- fangszentrum (heute: Empfangs- und Verfahrenszentrum [EVZ]) des BFM in Basel um Asyl nach. Am 1. Februar 2005 wurden sie dort zur Person und zum Reiseweg sowie – summarisch – zu den Gründen ihrer Ausreise aus dem Heimatland befragt. Die zuständige Behörde des Kantons E.___________, welchem sie für die Dauer des Verfahrens zugewiesen wurden, hörte sie (Eltern) am 1. März 2005 einlässlich zu den Asylgründen an. A.b Der Beschwerdeführer gab bei der Aufnahme seiner Personalien in Ergänzung zu den rubrizierten Angaben zu Protokoll, er gehöre zur Volksgruppe der Tschetschenen, könne sich neben seiner Mutterspra- che Tschetschenisch auch sehr gut auf Russisch verständigen und stamme ursprünglich aus der Ortschaft F.___________ (Rajon G.__________, autonome Republik Tschetschenien [Anm. des Ge- richts]). Im Jahr 1991 sei er zu Studienzwecken nach Grosny gezogen. Auf legalem Weg habe er sich im November 2001, nachdem er sich im Juli desselben Jahres nach Brauch mit seiner Ehefrau vermählt habe, in G.__________ einen Inlandspass ausstellen lassen. Erst im Januar 2003 habe er sich in seinem Heimatort abgemeldet und sich in Grosny ins Aufenthaltsregister eintragen lassen (Erhalt der "Propiska"). Beruf- lich habe er sich als (...) betätigt, wobei er dies vor dem ersten Tschetschenienkrieg für den Staat und danach auf eigene Rechnung getan habe. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer geltend, er sei einzig wegen des Krieges hierher gekommen. Zuletzt habe es ihm schlicht an den Mitteln gefehlt, um die korrupten russi- schen Sicherheitsbehörden milde zu stimmen und sich immer wieder aus der Haft freizukaufen. Er habe zwei Brüder gehabt, die beide auf- seiten der tschetschenischen Separatisten unter Führung von Aslan Maschadow gekämpft hätten. Der eine sei im Jahr 1995 während des ersten, der andere im Jahr 2000 im Verlauf des zweiten Tschetsche- nienkriegs umgekommen. Der zweite Bruder, dessen Leiche sie nach sechs Monaten übel zugerichtet gefunden hätten, habe auf einer Liste des russischen Inlandgeheimdienstes FSB gestanden. Sein eigener Beitrag für die Opposition sei gewesen, im ersten Krieg Waffen vom Kom mando zu den Kämpfern zu bringen. An solchen Operationen sei Seite 2D-6145/2007 nicht etwa nur er, sondern nahezu die gesamte Dorfbevölkerung betei- ligt gewesen. Nachteile seien ihm daraus niemals erwachsen. An ei- gentlichen Kampfhandlungen sei er weder im ersten noch im zweiten Tschetschenienkrieg beteiligt gewesen. Für ihn persönlich hätten die Probleme im März 2001 angefangen, als Gefolgsleute von Magomad Zagarajew ihn aufgesucht und ihm das Angebot unterbreitet hätten, gegen viel Geld eine Sprenganlage zu basteln und auf diese Weise Ra che für seine gefolterten und getöteten Brüder zu üben. Zagarajew, wie Schamil Bassajew ein Wahabite, habe in Grosny eine Banditen- gruppe angeführt, die mit der Eliminierung russischer Generäle für Aufsehen gesorgt habe. Mit der Erklärung, er müsse für die Kinder sei- ner Brüder sorgen und habe für ein solches Unterfangen schlicht nicht den Mut, habe er das Angebot ausgeschlagen. Zwei bis drei bezie- hungsweise drei bis vier Wochen nach dem Besuch der Leute von Zagarajew sei sein Nachbar von der russischen Armee mitgenom men worden. Nach der Freilassung zwei Tage später habe ihm der Nachbar berichtet, dass die Behörden über den Besuch der Zagarajew-Leute Bescheid wüssten und lediglich im Unklaren seien, wie er auf das An- gebot reagiert habe. Am 2. April 2001 sei er im Rahmen einer breit an- gelegten Kontrollaktion, einer so genannten Säuberung, zusam men mit vielen anderen Menschen auf die Kommandantur mitgenom men worden. Dort sei er wie alle anderen nackt nach Narben von Gra- natsplittern abgesucht und gefragt worden, was er am Vorabend ge- macht habe. Eine Person, der er einmal einen Computer repariert ha- be, habe ihn erkannt und – gegen 500 Rubel – für seine unverzügliche Freilassung gesorgt. Das nächste problematische Erlebnis habe er erst im Januar 2002 gehabt, als er wieder einmal nach Dagestan gefahren sei, um (...) einzukaufen. Anlässlich einer Personenkontrolle hätten Beam te des dagestanischen FSB den Namen seines Bruders auf einer Liste entdeckt. Dies hätten sie zum Anlass genommen, um ihn in Gewahrsam zu nehmen und ihn ebenfalls als Terroristen zu brand- marken. In Wirklichkeit sei es ihnen einzig darum gegangen, Geld zu erpressen. Nach zwei Tagen sei er dann auch tatsächlich gegen Bezahlung eines Lösegeldes durch seine Angehörigen wieder freige- kommen. In der Haft habe er den Hass der russischen Behörden ge- gen die Tschetschenen zu spüren bekommen, indem er Fusstritte, Faustschläge und Schläge mit einem Gummiknüppel habe einstecken müs sen. Danach habe er noch andere Probleme gehabt, so im Okto- ber 2002, als er im Grenzgebiet von Tschetschenien und Dagestan für einen halben Tag festgehalten worden sei. In diesem Fall und in etli- chen weiteren Fällen habe es sich um Säuberungen gehandelt, die Seite 3D-6145/2007 nicht so schlimm gewesen seien. Im Juni oder Juli 2003 sei er von Personen des FSB zum Verhör mitgenommen worden. Sie hätten vom Besuch der Zagarajew-Leute gewusst und ihm klargemacht, dass er verdächtigt werde, für diese Kreise Sprengzünder herzustellen. Dass man ihn nach einigen Stunden wieder freigelassen habe, habe er selber nicht richtig verstanden. Das nächste konkrete Problem habe er am 6. beziehungsweise 8. November 2004 gehabt, als ungefähr sechs maskierte Personen mitten in der Nacht in das Haus seiner Familie eingedrungen seien und Bargeld, Schmuck und elektrische Geräte he- rausverlangt hätten. Es sei dies die Tat von Räubern und Kriminellen gewesen. Auf den Rat seiner tschetschenischen Bekannten hin habe er am 7. beziehungsweise am 12. November 2004 Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Am 14. November 2004 sei er wiederum von Maskierten – nach seiner Vermutung von denselben Leuten wie beim ersten Mal – zu Hause abgeholt und mit einem Militärauto auf den Posten der Kriminalpolizei (ROVD) gefahren worden, welcher sich direkt neben dem Büro des FSB befunden habe. Bis zum 18. bezie- hungsweise 19. November 2004 habe man ihn dort gefangen gehalten. Im einzigen Verhör, welches in dieser Zeit stattgefunden habe, sei ihm mitgeteilt worden, dass er als Verdächtiger gelte und gut daran tue, die Anzeige zurückzuziehen, wenn ihm sein Wohl und dasjenige seiner Familie lieb sei. Mit einem harten Gummiknüppel hätten sie wiederholt auf ihn eingeschlagen, so dass er einen Kieferbruch erlitten habe. In einigen Momenten habe er sein Ende kommen sehen, zumal es für die Behörden ein Leichtes gewesen sei, ihm mit fabrizierten Beweisen die Be teiligung an Sprengstoffdelikten unterzuschieben. Seine jüngere Schwes ter habe Kontakt mit der ROVD aufgenommen und ihn gegen Be zahlung einer hohen Summe freikaufen können. In der Einsicht, in Tschetschenien oder in anderen Teilen Russlands niemals ein siche- res Leben führen zu können, habe er sich zur Ausreise entschieden. Die Beschwerdeführerin ihrerseits gab zu Protokoll, wegen ihrer Schwes ter – einer (...), die auf der schwarzen Liste des FSB stehe, weil sie für die Regierung von Dschihad Dudajew und Maschadow ge- arbeitet habe und sich seit 1999 in den USA befinde – Schwierigkeiten gehabt zu haben. Im Februar 2000 sei sie beim Besteigen eines Busses kontrolliert, sodann – weil sie keinen Inlandpass auf sich getragen habe – einen Tag in Haft genommen und über den Aufenthaltsort ihrer Schwester befragt worden. Seite 4D-6145/2007 Im Weiteren wurde in den Befragungen auf gesundheitliche Probleme beim Beschwerdeführer, seiner Ehefrau und dem Sohn C.__________ hingewiesen. Der Beschwerdeführer habe Nieren- und Lungenproble- me, die Beschwerdeführerin sei psychisch angeschlagen und der Sohn leide unter Bronchialasthma, Allergien sowie Diabetes. Zur Aus- reise gaben die Beschwerdeführenden an, ihren Heimatstaat am 20. November 2004 verlassen zu haben und nach einem etwa 2-mona - tigen Aufenthalt in Weissrussland am 27. Januar 2005 direkt von dort in die Schweiz gelangt zu sein. A.c Auf Anfrage des BFM vom 15. August 2005 an die schweizerische Botschaft in Warschau hin teilte das polnische "Office for Repatriation and Aliens" mit Schreiben vom 25. August 2005 mit, ein Asylgesuch der Beschwerdeführenden in Polen sei mit Verfügung des Präsidenten desselben Amtes am 25. August 2005 (Berichtigung durch das Ge- richt: 2004) abgelehnt worden, und ihnen sei eine Ersatzschutzmass- nahme (subsidiary protection) in Form einer Aufenthaltsbewilligung "for tolerated stay" zugesprochen worden. Im Weiteren werde ihnen die Rückkehr nach Polen erlaubt, vorausgesetzt sie seien im Besitz ihrer Reisepässe, welche ihnen am 8. September 2004 ausgehändigt wor- den seien. A.d Am 22. September 2005 wurde den Beschwerdeführenden durch die kantonale Migrationsbehörde das rechtliche Gehör zu den Aus- künften der polnischen Behörden gewährt. Während die Beschwerde- führerin eine Stellungnahme verweigerte, gestand der Beschwerdefüh- rer nach wiederholter Aufforderung ein, Russland bereits am 22. No- vember 2003 mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern verlassen zu haben. Daraufhin sei die Familie nach einem Aufenthalt von wenigen Tagen in Weissrussland nach Deutschland weitergereist, wo sie von der Grenzpolizei aufgegriffen und nach Polen abgeschoben worden sei. Dort hätten sie ein Asylgesuch eingereicht, welches am 9. Sep - tember 2004 negativ beantwortet worden sei. Daraufhin hätten sie sich mit den ihnen ausgehändigten Reisepapieren via Deutschland nach Belgien begeben, wo sie am 1. Ok tober 2004 wiederum um Asyl er- sucht hätten. Am 18. Januar 2005 hätten sie diesbezüglich einen ab- schlägigen Entscheid erhalten, worauf sie Belgien am 24. Januar 2005 verlassen hätten. Auf den Tipp eines Freundes in Amerika hin hätten sie sich entschieden, als nächstes ihr Glück in der Schweiz zu versu- chen, weil diese als unabhängiges Land gelte. Seine früheren Aufent- halte in Deutschland, Polen und Belgien habe er hier deshalb ver- Seite 5D-6145/2007 schwiegen, weil er in Belgien mit der Preisgabe der Wahrheit schlech- te Erfahrungen gemacht habe. A.e Mit Zwischenverfügung vom 7. September 2006 ordnete das BFM die vorsorgliche Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Polen an. A.f Mit Beschwerde vom 12. September 2006 fochten die Beschwer- deführenden die Zwischenverfügung des BFM vom 7. September 2006 bei der damaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) an. A.g Mit Urteil vom 6. Dezember 2006 hiess die ARK die Beschwerde gut und bestätigte die Berechtigung der Beschwerdeführenden zum Aufenthalt in der Schweiz während des laufenden Asylverfahrens. B. Mit Verfügung vom 20. August 2007 – eröffnet am 21. August 2007 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flücht- lingseigenschaft nicht erfüllen, wies ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig stellte das BFM die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung fest und ordnete die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz an. C. Mit Beschwerde vom 14. September 2007 an das Bundesverwaltungs- gericht liessen die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin beantragen, es sei die Verfügung des BFM vom 20. August 2007 im Um fang der Dispositivziffern 1 und 2 aufzuheben, ihre Flüchtlingsei- genschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchen sie darum, ihnen die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich- ten. D. Mit Zwischenverfügung vom 25. September 2007 – eröffnet am 27. Sep tember 2007 – bestätigte der Instruktionsrichter das den Be- schwerdeführenden zustehende Recht auf einen Weiterverbleib in der Schweiz bis zum Abschluss des Verfahrens. Weiter verlegte er den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege auf einen späteren Zeitpunkt, verzichtete antragsgemäss auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses und räumte den Seite 6D-6145/2007 Beschwerdeführenden eine Frist von 30 Tagen zur Einreichung des in der Beschwerde angekündigten aktuellen Arztberichts ein. E. Mit Eingabe vom 23. Oktober 2007 reichte die Rechtsvertreterin einen ärztlichen Bericht betreffend die Beschwerdeführerin vom 10. Oktober 2007, verfasst durch Frau Dr. med. H.__________, FMH für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, ein. F. Mit Schreiben vom 29. April 2009 an die kantonale Migrationsbehörde stellte das BFM fest, dass die vorläufige Aufnahme der Beschwerde- führerin (Ehefrau und Mutter) in der Schweiz erloschen sei. Die Be- schwerdeführerin sei seit dem 11. Juni 2008 unbekannten Aufenthalts, weshalb von einer definitiven Ausreise aus der Schweiz auszugehen sei und die gesetzlichen Voraussetzungen für das Erlöschen der vor- läufigen Aufnahme erfüllt seien. G. Am 29. Mai 2009 wurden als zusätzliche Beweismittel ein Bericht des den Beschwerdeführer behandelnden Facharztes (Psychiatrie und Psychotherapie FMH) vom 7. Mai 2009, diverse Empfehlungsschreiben von Freunden und Bekannten der Beschwerdeführenden sowie ein Schreiben der für die beiden Kinder zuständigen Lehrperson vom 13. Mai 2009 an den vorerwähn ten Facharzt zu den Akten gegeben. Im Begleitschreiben vom 29. Mai 2009 wurde um nochmalige Anhö- rung des Beschwerdeführers ersucht, mit der Begründung, es hätten sich seit Einreichung der Beschwerde zahlreiche neue Elemente erge- ben. Gleichzeitig wurde unter Hinweis auf die prekäre Situation nach dem plötzlichen Verschwinden der Beschwerdeführerin um einen bal- digen Entscheid gebeten. H. Mit Folgeeingabe vom 10. Dezember 2009 wurde das Beweismaterial mit einem – am 10. Dezember 2009 erstellten – Bericht des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons E.___________ über die Verfassung des Kindes C.__________ ergänzt. Weiter wurde erneut darum er sucht, den Beschwerdeführer anzuhören beziehungsweise das Verfahren zu beschleunigen. I. Mit Eingabe des zweitrubrizierten Rechtsvertreters vom 5. August Seite 7D-6145/2007 2010 an das BFM erklärte die Beschwerdeführerin den Rückzug ihres Asylgesuchs. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Als eine der Beschwerdeinstanzen im Verwaltungsverfahren des Bun des (vgl. Art. 47 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 20. De - zem ber 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) be- urteilt das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungs- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG ge nannten Behörden, zu welchen auch das BFM (Art. 33 Bst. d VGG) zählt. Im Ausnahmen katalog von Art. 32 VGG sind Be - schwerden gegen Verfügungen auf dem Ge biet des Asylrechts nicht aufgeführt, womit die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts als Beschwerdeinstanz in diesem Bereich gegeben ist (Art. 105 AsylG). Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) bestätigt diese Zuständigkeit und schliesst gleichzeitig die Weiterzugsmöglichkeit an das Bundesgericht aus. 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Ent- scheid jedoch ungeachtet der erhobenen Rügen grundsätzlich in vol- lem Umfang überprüfen. Es stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG) und wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufolge verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt jene Rechtsnormen an- zuwenden, die es als zutreffend erachtet, und ihnen jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. Entscheide des Schweizerischen Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2007/41 E. 2 S. 529 f.). 1.3 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper) auf dem Weg der Aktenzirkulation (vgl. Art. 21 Abs. 1 und Art. 41 Abs. 1 VGG). Auf dem Gebiet des Asyls kann das Bundes- verwaltungsgericht auch in Verfahren, die nicht in die einzelrichterliche Seite 8D-6145/2007 Zuständigkeit fallen (Art. 111 AsylG), auf die Durchführung des Schrif- tenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor dem Bundes- amt teilgenommen, sind durch die am 20. August 2007 ergangene Ver- fügung besonders berührt und können sich auf ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung berufen. Da- mit sind sie zur Einreichung der dagegen gerichteten Beschwerde legi- timiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 2.2 Die Eingabefrist sowie die Anforderungen an Form und Inhalt der Be schwerdeschrift sind gewahrt (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzu- treten. 3. 3.1 Die Schweiz gewährt Flüchtlingen unter Vorbehalt von Ausschluss- gründen auf Gesuch hin Asyl (vgl. Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Die Flüchtlingsei- genschaft erfüllen Personen, welche in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg- lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Die im Gesetz so definierte Flüchtlingseigenschaft erfüllt eine asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nach teile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründe- terweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nicht- staatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass Seite 9D-6145/2007 die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeit- punkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungs- furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zu- gunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu be- rücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f., BVGE 2007/31 E. 5.3 S. 379; EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; W ALTER STÖCKLI , Asyl, in: Ueber- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Basel/Bern/Lau- sanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 3.3 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu- kunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfol- gung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Mo tive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dement- sprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar er- scheinen lassen (vgl. BVGE 2010/9 E. 5.3.4 S. 122, BVGE 2009/51 E. 4.2.5 S. 744 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 3.4 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in we- sentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfah- rung widersprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Be- weismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen un- terdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vor- bringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, man- Seite 10D-6145/2007 gelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung ver- weigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strik- ten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstel- lers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsu- chenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekti- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4. 4.1 Vorliegend stellt sich das BFM auf den Standpunkt, dass die Asyl- gründe der Beschwerdeführenden unter dem Blickwinkel des Flücht- lingsbegriffs von Art. 3 AsylG nicht relevant seien. So zieht es in der Be gründung der angefochtenen Verfügung (vgl. daselbst S. 7) das Fa- zit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhielten. Die geschilderten schwierigen Lebensumstände in Tschetschenien wie beispielsweise häufige Personenkontrollen nach Ausbruch des zweiten Tschetsche- nienkrieges seien Ausfluss der allgemeinen Lage und erlangten als all- gemeine Nachteile keine Asylrelevanz. Wohl treffe es zu, dass Ange- hörige der tschetschenischen Ethnie im Kriegsgebiet häufig überprüft würden und es mitunter zu massiven Eingriffen in die physische Inte- grität kommen könne. Vor allem im Nachgang zu Bombenanschlägen zeige sich, dass Personen tschetschenischer Ethnie häufiger einer Kontrolle unterzogen würden. Gleichwohl könne nicht von einer asyl- relevanten Gefährdung aller Angehörigen der tschetschenischen Ethnie in Russland gesprochen werden. Bezüglich der vom Beschwer- deführer geltend gemachten Festnahmen anlässlich von Säuberungen (April 2001 und Oktober 2002), einer Strassenkontrolle (Januar 2002) oder eines Hausbesuchs des FSB (Juni 2003) müsse mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, dass er kaum nach relativ kurzer Zeit wie- der freigelassen worden wäre respektive hätte freigekauft werden kön- nen, wenn behördlicherseits konkrete Verdachtsmomente gegen ihn bestanden hätten. Das Fehlen einer Verdächtigung sei im Übrigen da- ran zu erkennen, dass der Beschwerdeführer laut seiner Aussage zwi- schen Juni 2003 und November 2003 nicht mehr von den russischen Behörden belangt worden sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Be- schwerdeführer wegen der Beteiligung eines Bruders an Kampfhand- lungen des zweiten Tschetschenienkriegs Opfer einer Reflexverfol- gung zu werden, sei nicht beträchtlich. So dürfte ein allfälliges Verfol- Seite 11D-6145/2007 gungsinteresse am Beschwerdeführer nach dem Tod des Bruders aus Sicht der Behörden weggefallen sein. Eine individuelle Gefährdungssi- tuation, die sich auf das gesamte Territorium der Russischen Födera- tion erstrecke, lasse sich somit aus den Vorbringen der Beschwerde- führenden nicht herleiten. Die eingereichten Beweismittel (zwei Bestä- tigungen, Arztzeugnisse, Kaufvertrag, Fotos, zwei Briefe eines Mitglie- des von Amnesty International USA) vermöchten an diesem Ergebnis nichts zu ändern, weil sich diese lediglich auf Vorkommnisse bezögen, die nicht in Frage gestellt würden. Auch der Umstand schliesslich, dass die Beschwerdeführenden in der Vergangenheit bedrückenden Situationen ausgesetzt gewesen seien und hierzulande die Hilfe einer Fachperson beanspruchen müssten, führe zu keiner anderen Erkennt- nis, werde doch nicht in Abrede gestellt, dass die betreffenden Erleb- nisse sie schwer belastet hätten. Daneben bringt das BFM in seine Begründung auch Argumente vor, mit denen es "Vorbehalte" an der Glaubhaftigkeit einzelner Vorbringen anmeldet und mithin zum Ausdruck bringt, dass es die Begründung des Asylgesuchs in diesen Punkten als nicht glaubhaft gemacht er- achtet (vgl. Art. 7 Abs. 1 AsylG). Zur Verdeutlichung dessen weist es im ersten Punkt der Begründung darauf hin, dass die Beschwerdefüh- renden ihren Aufenthalt in Polen verheimlicht beziehungsweise erst auf Vorhalt hin zugegeben hätten. Weiter stellt es klar, dass den das Jahr 2004 betreffenden Asylvorbringen durch die bereits im November 2003 realisierte Ausreise aus Russland jegliche Grundlage entzogen werde. Im dritten Punkt der Begründung greift das BFM das Argument der Un- glaubhaftigkeit wieder auf und führt an, dass insbesondere hinsichtlich des Ereignisses im Juni 2003 Vorbehalte angebracht seien. So habe der Beschwerdeführer dieses Ereignis anlässlich der summarischen Erstbefragung nicht erwähnt. Auch den polnischen Asylakten sei die- ses Ereignis nicht zu entnehmen, hingegen gehe aus ihnen hervor, dass im Mai 2003 Russen und "Kadyrow-Leute" (Achmat Kadyrow, damaliger Chef der russischen Verwaltungsbehörde und vom 5. Okto- ber 2003 bis zur Ermordung am 9. Mai 2004 Präsident der Republik Tschetschenien [Anm. des Gerichts, vgl. BVGE 2009/52 E. 10.2.2, EMARK 2005 Nr. 17 E. 5]) das Haus des Beschwerdeführers in der Nacht überfallmässig aufgesucht und Geld und Gold verlangt hätten. Der von den Beschwerdeführenden eingereichten Vorladung komme keinerlei Beweiswert zu, weil der begründete Verdacht bestehe, dass es sich um eine Fälschung handle, entspreche doch das Dokument nicht den gängigen Vorladungen. Seite 12D-6145/2007 4.2 In der Beschwerde beteuern die Beschwerdeführenden die Wahr- heit der vom BFM in Zweifel gezogenen Angaben, wenn auch mit der Präzisierung, dass die für das Jahr 2004 geltend gemachten Nachteile in Tschetschenien sich exakt so an denselben Tagen ereignet hätten, nur einfach bereits im Jahr 2003. Dass sie ihre Aufenthalte in Polen und Belgien verheimlicht hätten, würden sie selber als Verletzung der Mitwirkungspflicht anerkennen. Deswegen aber ihre Vorbringen als un- glaubhaft zu beurteilen, sei nicht haltbar, seien diese doch weitgehend widerspruchsfrei, plausibel und substanziiert. Dem Argument der fehlenden Asylrelevanz der Vorbringen halten die Beschwerdeführenden sodann entgegen, dass die wiederholten Fest- nahmen und damit verbundenen Folterungen beim Beschwerdeführer einen derart grossen psychischen Druck erzeugt und eine gerechtfer- tigte Angst um sein eigenes Leben und dasjenige seiner Frau und Kin- der hervorgerufen hätten, dass ihm nur noch die Flucht übriggeblieben sei. Die eingereichte Vorladung lasse seine Befürchtungen, bei einer Rückkehr ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden, nachvollzieh- bar und realistisch erscheinen. Daran ändere nichts, dass er aufgrund von Zahlungen habe freigekauft werden können und möglicherweise gar keine konkreten Verdachtsmomente gegen ihn bestanden hätten. Auch Eingriffe, die für sich genommen keine genügende Intensität auf- wiesen, könnten einen unerträglichen psychischen Druck bewirken und somit für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft ausreichen, so wenn sie kombiniert aufträten (kurzer Freiheitsentzug mit Miss- handlungen) oder sich im Lauf der Zeit kumulierten (wiederholte Kurz- zeitverhaftungen mit relativ geringer Misshandlung). Zuwenig intensive Einzelereignisse könnten im Übrigen dadurch Bedeutung erlangen, dass sie objektive Anhaltspunkte für eine relevante zukünftige Verfol- gung darstellten. Zu bedenken sei, dass der Beschwerdeführer anläss- lich der verschiedenen Festnahmen gefoltert worden sei, was bleiben- de Schäden hinterlassen habe. Aufgrund von Schamgefühlen und der schlechten psychischen Verfassung habe er in den Anhörungen nicht alle Asylgründe angeben können. Eine nochmalige Anhörung zu sei- nen Asylgründen sei deshalb angezeigt. Weiter gehe die Vorinstanz fehl, wenn sie eine Reflexverfolgung in Anknüpfung an die aktive Rolle zweier Brüder im tschetschenischen Widerstand einzig deswegen aus- schliesse, weil diese Brüder nicht mehr lebten. Wie aus dem Protokoll der kantonalen Anhörung hervorgehe, habe der FSB sehr wohl um den Tod der beiden Brüder gewusst und in der Präsenz des Namens eines der Brüder auf einer Liste einen genügenden Anlass erblickt, um Seite 13D-6145/2007 gegen der Beschwerdeführer vorzugehen. Auch der Beruf des Be- schwerdeführers habe im Übrigen ausgereicht, um den unbegründeten Verdacht zu erheben, er würde Anschläge planen. 5. 5.1 Das BFM legt einen ersten Schwerpunkt seiner Argumentation zu Recht auf die chronologische Unvereinbarkeit der für das Jahr 2004 geltend gemachten Nachteile mit den nachträglich eingestandenen Aufenthalten der Beschwerdeführenden als Asylsuchende in Polen (Anfang Dezember 2003 bis September 2004) und Belgien (13. Sep - tember 2004 bis 24. Januar 2005). Erst nach gegenteiligen Beteuerun- gen seinerseits und wiederholtem Hinweis des Befragers auf die Wahr- heitspflicht und vom BFM eingeholte Behördenauskünfte gestand der Be schwerdeführer ein, Russland bereits am 22. November 2003 zu- sam men mit seiner Familie verlassen zu haben (vgl. Kurzprotokoll der kantonalen Migrationsbehörde vom 22. Sep tember 2005, act. A26/5 S. 2). Als Erklärung für das konsequente Verschweigen der Aufenthalte in Polen und Belgien in den Befragungen vom 1. Februar 2005 und 1. März 2005 führte er an, er habe in Belgien mit der Wahrheit schlechte Erfahrungen gemacht. Wie es sich mit den behaupteten Er- lebnissen im Heimatland verhält, die er in den beiden Befragungen zeitlich in den in Wirklichkeit bereits im Ausland verbrachten Zeitraum gelegt hatte – so insbesondere dem nächtlichen Raubüberfall mit an- schliessender Nötigung zum Rückzug der erstatteten Anzeige im No- vember 2004 –, legte er in keiner Weise dar. Dies mutet umso unver- ständlicher an, als es sich dabei nach seiner Schilderung um das ei- gentliche fluchtauslösende Ereignis handeln müsste und er gezielt da- nach gefragt wurde, ob er dem Protokoll noch etwas beizufügen habe (vgl. act. A26/5 S. 3). Erst zwei Jahre später in der von seiner Rechts- vertreterin verfassten Beschwerde äusserte er sich verbindlich zu die- sem Punkt, indem er sich auf die Version festlegte, wonach die Vor- komm nisse von ihm und seiner Frau um exakt ein Jahr vorverschoben worden seien und sich genauso zugetragen hätten, an denselben Tagen, nur einfach nicht im Jahr 2004, sondern im Jahr 2003. Dass er den für November 2004 geltend gemachten Nachteilen sehr wohl aus- gesetzt war und sich durch ebendiese zur unverzüglichen Flucht ver- anlasst sah, nur einfach ein Jahr früher, kann jedoch aufgrund der Aktenlage hinlänglich ausgeschlossen werden. Insbesondere entstün- de bei einer solchen Chronologie der Ereignisse ein neuer Wider- spruch mit den Angaben im polnischen Asylverfahren. Wie das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht hervorgehoben hat (vgl. da- Seite 14D-6145/2007 selbst S. 6), ist den polnischen Asylakten zu entnehmen, dass im Mai 2003 Russen und Kadyrow-Leute das Haus des Beschwerdeführers in der Nacht überfallmässig aufgesucht und Geld und Gold verlangt hätten. Hierbei handelt es sich zweifelsohne um jenen nächtlichen Raub überfall, den der Beschwerdeführer in den Befragungen des erst- instanzlichen Verfahrens auf den 6. beziehungsweise 8. November 2004 und in der Beschwerde auf den 8. November 2003 datiert hat. Wa rum sich die korrigierte Version in der Beschwerde wiederum nicht mit den Angaben im polnischen Asylverfahren deckt, wird in der Be- schwerde mit keinem Wort erörtert. Im Einklang mit der Vorinstanz sind somit wegen der eingestandener- massen am 22. November 2003 erfolgten Ausreise (vgl. act. A26/5 S. 2) die von den Beschwerdeführenden auf einen späteren Zeitpunkt datierten Erlebnisse in Tschetschenien als tatsachenwidrig und mithin unglaubhaft im Sinne von Art. 7 Abs. 3 AsylG zu werten. 5.2 Als ebenso unglaubhaft stellt sich die erstmals in der Anhörung vom 1. März 2005 geltend gemachte Mitnahme des Beschwerdefüh- rers durch den FSB zu einem – einige Stunden andauernden – Verhör im Juni/Juli 2003 heraus (vgl. act. A12/33 S. 19). Das BFM weist in die- sem Punkt zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer dieses Ereignis einen Monat zuvor in der Befragung im Empfangszentrum noch mit keinem Wort erwähnt hatte. Ein derartiges Ausblenden eines potenziell bedeutsamen Ereignisses lässt sich nicht schlüssig auf den bloss summarischen Charakter der Befragung zu den Gesuchsgrün- den in der Empfangsstelle (Art. 26 Abs. 2 AsylG, vgl. EMARK 2005 Nr. 7 E. 6.2.1. S. 66, EMARK 2004 Nr. 34 E. 4.4. S. 243) zurückführen. Hinzu kommt, dass auch in den polnischen Asylakten, was in der Be- schwerde unwidersprochen bleibt, ein solches Ereignis im Juni 2003 nicht verzeichnet ist (vgl. Verfügung des BFM vom 20. August 2007, E. I.3.). Abgesehen davon macht die diesbezügliche Erklärung des Be- schwerdeführers in der Anhörung, wonach der FSB über den Besuch und das Angebot der Leute von Zagarajew gewusst und ihm die Her- stellung von Sprengzündern vorgeworfen habe (vgl. act. A12/33 S. 19), keinen Sinn. So hatte er zu einem früheren Zeitpunkt verlauten lassen, sein im März 2001 für die Dauer von zwei Tagen festgenom me ner Nach bar habe ihm nach der Freilassung berichtet, dass die Behörden über den von der Zagarajew-Gruppe erhaltenen Besuch Bescheid wüssten. Auf die Anschlussfrage, was danach konkret geschehen sei, hatte er erwidert, dass er am 2. April 2001 im Rahmen einer Säube- Seite 15D-6145/2007 rung auf die Kommandantur mitgenom men worden sei (vgl. act. A12/33 S. 15). Bezeichnenderweise war der Beschwerdeführer auch nicht in der Lage, eine nachvollziehbare Erklärung für die Diskre- panz zwischen der Schwere der Anschuldigungen und der Kürze der angeblichen Festnahme im Juni/Juli 2003 zu liefern (vgl. act. A12/33 S. 20). Somit ist das angebliche Ereignis vom Juni/Juli 2003 als nicht glaubhaft gemacht zu beurteilen. Auch von dieser Seite betrachtet lässt sich die Argumen tation in der Beschwerde, wonach die Gesuchs- begründung wegen des geringeren zeitlichen Unterbruchs zwischen den beiden letzten Ereignissen (Juni/Juli 2003 bis November 2003 statt Juni/Juli 2003 bis November 2004) an Glaubhaftigkeit gewinne, nicht aufrecht erhalten. 5.3 Nicht zu beanstanden ist ferner die Einschätzung der Vorinstanz, wonach der begründete Verdacht bestehe, dass es sich bei der von den Beschwerdeführenden eingereichten Vorladung der Staatsanwalt- schaft von G.__________ um eine Fälschung handle. In diesem Zu- sam menhang ist zur Vermeidung falscher Vorstellungen vorauszu- schicken, dass sich die grassierende Korruption in Tschetschenien (vgl. zur sozio-ökonomischen Situation BVGE 2009/52 E. 10.2.4) auch in der leichten Erhältlichkeit amtlicher Dokumente gegen Bezahlung äussert, weshalb deren Inhalt keine Gewähr für einen wahrheits- gemässen Sach verhalt bieten kann. Gleichzeitig sind in Tschetsche- nien – wie in zahlreichen anderen Heimatländern von Asylsuchenden (vgl. etwa betreffend Pakistan vgl. EMARK 1996 Nr. 21 E. 4b S. 210 f.) – Imitate in der Erscheinungsform von amtlichen Dokumen - ten mühelos von Privaten zu erwerben. Angesichts dieser notorischen Tatsache ist es angezeigt, Dokumenten aus diesen Ländern ungeach- tet der Ausstattung mit vermeintlichen Echtheitsmerkmalen wie Stem- peln, Unterschriften, Marken oder Briefköpfen grundsätzlich mit Zu- rückhaltung zu begegnen. Im Falle des hier vorliegenden Vorladung er- scheinen entsprechende Vorbehalte umso angebrachter, als die Be- schwerdeführenden die genauen Umstände, unter denen sie das Do- kument erhältlich gemacht haben, nicht offenlegen. Zudem wird in der Beschwerde mit keinem Wort auf die vom BFM aufgezählten Fälschungsmerkmale eingegangen. Dadurch bleibt insbesondere die Feststellung unwidersprochen, dass die Vorladung weder eine Registrierungsnummer noch ein Ausstellungsdatum aufweist und offensichtlich in der Weise angefertigt wurde, dass auf ein Blankopapier mit vorgedrucktem Stempel der Staatsanwaltschaft G.__________ nachträglich der Text einer allgemeinen Vorladung per Seite 16D-6145/2007 Computer aufgedruckt wurde. Unter diesen Umständen vermag der Beschwerdeführer aus dem Inhalt des Dokuments, demgemäss er auf den 20. Juni 2005 als Zeuge vor die Staatsanwaltschaft G.__________ geladen wurde, in tatbeständlicher Hinsicht nichts zu seinen Gunsten abzuleiten (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG in fine). An dieser Beurteilung vermag vorliegend auch der Umstand nicht zu ändern, dass es das BFM unterlassen hat, die Beschwerdeführenden vorgängig mit den Fälschungsmerkmalen zu konfrontieren und ihnen die Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen. Das BFM hat zwar mit dieser Unterlassung – wie in der Beschwerde zu Recht gerügt wird (vgl. daselbst S. 7) – den Anspruch auf rechtliches Gehör der Be- schwerdeführenden verletzt. Es hat jedoch in der angefochtenen Verfü- gung die Gründe angeführt, aus denen es seinen Fälschungsverdacht herleitet, so dass die Beschwerdeführenden in Kenntnis der diesbe- züglichen Beurteilung des BFM darüber befinden konnten, ob sie ge- gen die Verfügung vom 20. August 2007 Beschwerde erheben wollen oder nicht, und auch in der Lage gewesen wären, im Rahmen der Be- schwerde spezifisch auf die diesbezüglichen Vorhalte des BFM einzu- gehen. Letzteres haben sie jedoch – wie bereits erwähnt – unterlas- sen. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs ist für die Beschwerdefüh- renden insofern letztlich nicht mit einem schwerwiegenden Nachteil verbunden gewesen. Es besteht deshalb kein hinreichender Anlass, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an das Bun- desamt zur Neubeurteilung zurückzuweisen (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f.). 5.4 Nach dem bisher Erwogenen lässt sich als Zwischenfazit festhal- ten, dass das Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer im November 2004 beziehungsweise im November 2003 Opfer eines Raubüberfalls wurde und als Vergeltung für seine Anzeigeerstattung von denselben Tätern mehrere Tage gefangen gehalten und der Folter ausgesetzt wurde, nicht geglaubt werden kann. Ebenso wenig ist es als glaubhaft im Sinne von Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG zu werten, dass der Be- schwerdeführer im Juni/Juli 2003 zu Hause vom FSB abgeholt, in ei- nem mehrstündigen Verhör der Herstellung von Sprengzündern im Auftrag der Gruppe von Zagarajew bezichtigt und danach wieder frei- gelassen wurde. Nicht erfüllt sind die Anforderungen an die Glaubhaft- machung schliesslich auch hinsichtlich des mit einem gefälschten Do- kument unterlegten Vorbringens, wonach der Beschwerdeführer von Seite 17D-6145/2007 der Staatsanwaltschaft G.__________ auf den 20. Juni 2005 als Zeuge vorgeladen wurde. 6. Zu prüfen bleibt, ob von den übrigen Vorbringen auf eine unter dem Blickwinkel von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungssituation geschlos- sen werden kann. 6.1 So wie sie vom Beschwerdeführer in den Befragungen geschildert wurden, fehlt es den Vorkommnissen vom 2. April 2001, Januar 2002 und Oktober 2002 offensichtlich an der erforderlichen Intensität, um als ernsthafte Nachteile in der Variante eines die Rechtsgüter Leib und Freiheit (im Sinn der Bewegungsfreiheit) gefährdenden Eingriffs nach Art. 3 Abs. 2 AsylG gelten zu können. So empfand der Beschwerdefüh- rer die von ihm erwähnten Säuberungen (vgl. zum Phänomen EMARK 2005 Nr. 17 E. 8.3.3), die den Rahmen für die Kurzzeitfestnahmen vom 2. April 2001 und Oktober 2002 bildeten, als "nicht so schlimm" (vgl. act. A2/12 S. 6). In beiden Fällen wurde der Beschwerdeführer noch am gleichen Tag wieder freigelassen. Zu den Umständen der Festnah- me am 2. April 2001 machte er die für sich selbst sprechende Bemer- kung, er habe an diesem Tag "keinerlei Probleme" gehabt (vgl. act. A12/33 S. 16). Die vorübergehende Festnahme im Oktober 2002 geschah nach seiner Darstellung am Wohnort seines Onkels im Grenzgebiet zu Dagestan und hatte ihren Grund einzig darin, dass er eine fremde Person war. Als er sich jedoch mit seinem Pass ausweisen und den Grund seines Besuchs beim Onkel erklären konnte, wurde er ohne Auflage oder Erpressung eines Lösegeldes auf freien Fuss ge- setzt. Der Vorfall hatte laut eigener Aussage für ihn keinerlei Konse- quenzen (vgl. act. A12/33 S. 19). Anlässlich der zweitägigen Festhal- tung durch den FSB in Dagestan wurde der Beschwerdeführer ge- schlagen und getreten. Diese unzimperliche Behandlung sei Ausdruck der allgemeinen Antipathie gegenüber den Tschetschenen gewesen und habe keine ärztliche Betreuung erforderlich gemacht. Ansonsten sei ihm während dieser zwei Tage beim dagestanischen FSB "über- haupt nichts" geschehen (vgl. act. A12/33 S. 17). Die eigenen Aussagen des Beschwerdeführers zu den Vorfällen vom 2. April 2001, Januar 2002 und Oktober 2002 geben somit keinen An- lass, den erlittenen Beeinträchtigungen der physischen Integrität und der Bewegungsfreiheit Verfolgungswert zu bescheinigen. 6.2 Entgegen der Argumentation in der Beschwerde stellen die Ein- griffe vom 2. April 2001, Januar 2002 und Oktober 2002 keine Mass- Seite 18D-6145/2007 nahmen dar, die einen unerträglichen psychischen Druck in dem Sinn hätten bewirken können, dass den Beschwerdeführenden deswegen der weitere Verbleib im Heimatstaat nicht hätte zugemutet werden kön- nen (vgl. Art. 3 Abs. 2 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.3 S. 200 f.). So hat sich der Beschwerdeführer nie in dem Sinn geäussert, dass gerade als Folge jener drei Vorkommnisse seinerseits eine psychische Zwangs lage entstanden wäre, aus der er sich nur noch durch Flucht ins Ausland hätte befreien können. Anhaltspunkte dafür, dass der Ent- scheid zur Ausreise bei ihm oder seiner Ehefrau bereits in jener Phase ein konkretes Ausmass angenommen hätte, fehlen in seinen Aussagen gänzlich. 6.3 Aus den dargelegten Gründen können die Vorkommnisse vom 2. April 2001, Januar 2002 und Oktober 2002, die im Moment der Aus- reise im November 2003 längst abgeschlossen waren, mangels Inten- sität nicht als erlittene Vorverfolgung im Sinn der Praxis qualifiziert werden. Schon aus diesem Grund fällt für die Beschwerdeführenden die Möglichkeit dahin, in diesem Zusammenhang zwingende Gründe gemäss Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30) anzurufen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.4 S. 380). Ebenso we nig besteht Raum, um durch eine blosse Regelvermutung – mithin ohne weitere Prüfung der Wiederholungswahrscheinlichkeit – eine be- gründete Furcht vor einer relevanten künftigen Verfolgung herzuleiten (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 S. 744 f.). Für ein Abstellen auf die Re- gelvermutung würde es angesichts des Intervalls von über einem Jahr zwischen dem Vorkommnis vom Oktober 2002 und der Ausreise am 22. November 2003 ohnehin am erforderlichen (zeitlichen) Kausalzu- sam menhang zur Flucht fehlen (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 S. 745). Wegen der fehlenden kausalen Verknüpfung mit der Ausreise wiede- rum kann den zu wenig intensiven Ereignissen vom 2. April 2001, Ja- nuar 2002 und Oktober 2002 auch nicht die Bedeutung von objektiven Anhaltspunkten bei der Herleitung einer begründeten Verfolgungs- furcht zukommen (vgl. Beschwerde S. 5). Mangels anderer glaubhaft vorgebrachter Eingriffe ist nämlich hinlänglich auszuschliessen, dass die Vorkommnisse vom 2. April 2001, Januar 2002 und Oktober 2002 einen der guten Gründe (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 S. 745) für das Be stehen einer berechtigten Verfolgungsfurcht im Ausreisezeitpunkt darstellen könnten. Seite 19D-6145/2007 6.4 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden (auch) mit den als glaubhaft zu erachtenden Teilen der Gesuchsbegründung keine ernsthaften Nachteile, denen sie im Zeitpunkt der Ausreise ausgesetzt waren oder zu werden drohten, darzutun vermögen. 7. Angesichts der aufgezeigten Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Einwendungen in der Beschwerde und in den Folgeeingaben näher einzugehen, weil diese das Ergebnis der vorliegenden Prüfung der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls nicht entscheidend zu beeinflus- sen vermögen. Aus demselben Grund kann auf weitergehende Ausfüh- rungen zu den eingereichten Beweismitteln verzichtet werden. Der rechtsrelevante Sachverhalt erweist sich als genügend abgeklärt, und es kann ohne Willkür vorweg die Annahme getroffen werden, wei- tere Beweiserhebungen vermöchten keine wesentlichen Erkenntnisse zu vermitteln und mithin zu keinem anderen Prüfungsergebnis zu füh- ren (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2, EMARK 2003 Nr. 13 E. 4a S. 84). Insbesondere lässt sich vor dem Hintergrund der gesamten Aktenlage verlässlich abschätzen, dass der Be schwerdeführer im Rahmen einer weiteren Anhörung keine glaub- haften und für die Frage der Flüchtlingseigenschaft wesentlichen Er- gänzungen hätte anbringen können. Stichhaltige Anhaltspunkte dafür, dass er – sei dies aus Gefühlen von Schuld und Scham (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.3 S. 743) oder anderen Gründen – zu einer Artikulie- rung wichtiger Ereignisse ohne Verschulden nicht in der Lage gewesen wäre, sind in den Protokollen vom 1. Februar 2005, 1. März 2005 und 22. September 2005 nicht zu erkennen. Abgesehen davon bestand für ihn die Möglichkeit, auch nach Ablauf der Beschwerdefrist den Sach- verhalt mit schriftlichen Eingaben an das Bundesverwaltungsgericht zu ergänzen (vgl. hierzu Art. 32 Abs. 2 VwVG). Der Antrag auf nochmalige Anhörung ist dementsprechend abzuweisen. Ob der Beschwerdeführer und die beiden Kinder die (derivative) Flüchtlingseigenschaft in Anknüpfung an eine allenfalls angebrachte (originäre) Flüchtlingsanerkennung der Beschwerdeführerin erfüllen würden (vgl. Art. 51 Abs. 1 AsylG), ist nach dem Rückzug der Be- schwerde durch die Beschwerdeführerin (siehe sogleich E. 8) nicht mehr zu prüfen. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet ebenfalls die Frage, ob die vorläufige Aufnahme des Beschwerdefüh- Seite 20D-6145/2007 rers und seiner Kinder vom BFM zu Recht angeordnet wurde (vgl. zur Anfechtbarkeit einer allfälligen Aufhebung der vorläufigen Aufnahme Art. 112 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De zem ber 2005 über Ausländerinnen und Ausländer [AuG; SR 142.20]) und Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG; BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). Was schliesslich die in den eingereichten Empfehlungsschreiben geforderte Aufenthaltsbewilli- gung aus humanitären Grünen betrifft, ist der Beschwerdeführer auf das Verfahren nach Art. 14 Abs. 2 AsylG zu verweisen. Nach Würdigung aller relevanter Umstände ist alsdann festzuhalten, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers und der beiden darin eingeschlossenen Kinder zu Recht abgewiesen hat. Die Verfügung vom 20. August 2005 erweist sich damit in den angefochte- nen Punkten als rechtmässig. Sie ist insoweit zu bestätigen. 8. Mit Eingabe vom 5. August 2010 an das BFM zog die Beschwerdefüh- rerin das Asylgesuch zurück. Damit ist gleichzeitig auch die gegen dessen Ablehnung erhobene Beschwerde mit Wirkung für ihre Person als zurückgezogen zu betrachten. 9. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde mit Bezug auf den Be- schwerdeführer und die beiden Kinder abzuweisen. Mit Bezug auf die Be schwerdeführerin ist sie als durch Rückzug gegenstandslos gewor- den abzuschreiben (vgl. Art. 111 Bst. a AsylG). 10. 10.1 Aufgrund des Ausgang des Verfahrens betreffend den Beschwer- deführer und die Kinder wären ihnen die gesamten Kosten aufzuerle- gen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Rüge, das BFM habe das Recht der Beschwerde- führenden auf rechtliches Gehör verletzt, nicht unbegründet ist. Von der Kassation der angefochtenen Verfügung ist lediglich deshalb abzu- sehen, weil die festgestellte Verletzung von Bundesrecht für die Be- schwerdeführenden letztlich mit keinen erheblichen Nachteilen ver- bunden war und diese deshalb als nicht schwerwiegend zu beurteilen ist. Es rechtfertigt sich unter diesen Umständen, dem Beschwerdefüh- rer und seinen Kindern keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (BVGE 2007/9 E. 7.2 S. 109.). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege (vgl. Prozessgeschichte Bst. C und D) erweist sich unter diesen Umständen als gegenstandslos. Seite 21D-6145/2007 10.2 Unter diesem Umständen ist dem Beschwerdeführer und den Kindern zudem für die ihnen im Beschwerdeverfahren erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Re glements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachforde- rung einer solchen kann indes verzichtet werden, da im vorliegenden Verfahren der Aufwand für das Beschwerdeverfahren zuverlässig ab- geschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmung und unter Berücksichtigung der massgeb- lichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist das Bundesamt mithin anzuweisen, dem Beschwerdeführer und den Kindern eine Par- teientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 900.-- (inklusive Aus- lagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 10.3 Der Beschwerdeführerin, welche die Gegenstandslosigkeit des Beschwerdeverfahrens mit Bezug auf ihre Person mittels Rückzug der Beschwerde bewirkt hat, ist grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 5 VGKE). Gestützt auf Art. 6 Bst. a VGKE sind ihr jedoch die Verfahrens- kosten zu erlassen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege erweist sich folglich mit Bezug auf die Beschwerdefüh- rerin ebenfalls als gegenstandslos. In Anwendung von Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE ist ihr keine Parteientschädigung zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) Seite 22D-6145/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird mit Bezug auf den Beschwerdeführer und die beiden Kinder abgewiesen. 2. Dem Beschwerdeführer und den Kindern werden keine Verfahrens- kosten auferlegt. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer und den Kindern eine Parteientschädigung von Fr. 900.-- auszurichten. 4. Die Beschwerde wird mit Bezug auf die Beschwerdeführerin als durch Rückzug gegenstandslos geworden abgeschrieben. 5. Für das Verfahren betreffend die Beschwerdeführerin werden keine Kosten erhoben und es wird ihr keine Parteientschädigung ausgerich- tet. 6. Dieses Urteil geht an: - die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden (Einschreiben) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie) - (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand: Seite 23