Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 3. Juni 2015 (810 14 340) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Zweckänderung von einem Melkstall in einen Kunststall Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Parteien A.A.____ und B.A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Urs Pfander, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner C.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Dieter Völlmin, Advokat Betreff C.____, Zweckänderung von einem Melkstall i n einen Kunststall (RRB Nr. 1620 vom 28. Oktober 2014) A. Am 11. April 2013 ging beim Bauinspektorat (BIT) das Baugesuch Nr. 0633/2013 der C.____, vertreten durch D.____, ein. Die öffentlich e Planauflage fand vom 12. April 2013 bis 29. April 2013 statt. Das Bauvorhaben betrifft die sich in der Landwirtschaftszone befindliche Parzelle Nr. X.____, Grundbuch E.____, und beabsich tigt die vollständige Zweckänderung ei- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nes ehemaligen Melkstalls in einen Kunststall. Der Kunstst all soll in Ergänzung des bereits be- stehenden Skulpturenwegs genutzt werden, um in seinem Inneren Skulpturen auszustellen. B. Gegen dieses Baugesuch erhoben A.A.____ und B.A.__ __, vertreten durch Dr. Peter Lyssy, Advokat in Basel, bei der Bau- und Umweltschutzdirek tion des Kantons Basel- Landschaft (BUD) am 26. April 2013 Einsprache und be antragten die kostenfällige Abweisung des Baugesuchs sowie eventualiter die Rückweisung an die Vorinstanz zur Ergänzung und Er- läuterung. Als Nachbarn und Eigentümer der Parzelle Nr. Y.____, Grundbuch E.____, seien sie zur Einsprache legitimiert. Zur Begründung führten sie weiter an, das Umnutzungsgesuch wi- derspreche den Zonenvorschriften und könne daher schon au s diesem Grund nicht genehmigt werden. Ferner sei es in verschiedener Hinsicht unklar u nd unvollständig, so in Bezug auf die Parkierungssituation wie auch auf eine allfällige Aussen beleuchtung bzw. Beschallung. Schliesslich könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Z weckänderung mit dem Betrieb eines Restaurants verbunden werde. C. Mit Schreiben vom 27. Juni 2013 informierte das BI T die C.____ über die Einsprache und hielt fest, dass mit dem eingereichten Baugesuch ei nerseits Veränderungen des äusseren Erscheinungsbildes einhergehen würden (Mergelplatz, Sta hlgeländer, Aufenthaltsplatz für Be- sucher) und andererseits eine Intensivierung des Besucherverkehrs zu erwarten sei. Aus Grün- den des Landschaftsschutzes sei auf alle äusseren Veränderu ngen (Mergelplatz, Mergelweg, grössere Betonbodenplatten, Geländer) zu verzichten, ans onsten das Baugesuch mit Art. 24a des Bundesgesetzes über die Raumplanung (Raumplanungsges etz, RPG) vom 22. Juni 1979 unvereinbar sei. Überdies wäre mittels Auflage in ein er allfälligen Bewilligung sicherzustellen, dass durch die Umnutzung kein neuer zusätzlicher Raumbedar f für die landwirtschaftliche Nut- zung ausgelöst werde. In der Folge reichte die Baugesu chstellerin bereinigte Pläne ein. Das Ehepaar A.____ hielt mit Eingabe vom 19. September 2013 an ihrer Einsprache fest. D. Mit Entscheid der BUD Nr. 149/2013 vom 28. März 201 4 wurde die Einsprache (wie auch eine weitere Einsprache) abgewiesen und der C.___ _ gestützt auf Art. 24a RPG eine Ausnahmebewilligung erteilt, mit folgenden Auflagen: “3.a) Es sind keine Kunstinstallationen im Aussenraum des Stalles zulässig. 3.b) Es ist keine Beleuchtun g und Beschallung des Aussen- raumes zulässig. 3.c) Es dürfen keine neuen Infrastrukturi nstallationen erstellt werden.“ Ferner wurde die Ausnahmebewilligung unter dem Vorbehalt erteilt, dass bei geänderten Verhältnissen neu verfügt werde. Eine vollständige Zweckänderung sei möglich, wenn keine neuen Auswir- kungen auf Raum, Erschliessung und Umwelt entstehen würd en. Unter objektiven Gesichts- punkten wie etwa der kleinen Bodenfläche (152 m 2), der bescheidenen Infrastruktur, den einge- schränkten Belichtungsmöglichkeiten und der rudimentären Erschliessung sei nicht damit zu rechnen, dass eine bedeutend grössere Besucherzahl generie rt werde. Zusammengefasst be- wirke die Umnutzung des ehemaligen Melkstalls in einen K unststall somit weder in räumlicher Hinsicht noch im Hinblick auf die Nutzungsintensität eine zusätzliche Belastung des Land- schaftsraumes. E. Gegen den Entscheid der BUD Nr. 149/2013 vom 28. März 2014 erhob das Ehepaar A.____, wiederum vertreten durch Dr. Peter Lyssy, Advoka t in Basel, mit Eingabe vom 8. April Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2014 Beschwerde beim Regierungsrat und beantragte, es s ei der angefochtene Entscheid auf- zuheben und das Baugesuch zu verweigern, unter o/e-Kostenf olge. In ihrer Begründung vom 8. Mai 2014 monierten sie, dass nicht dargelegt worden sei, aus welchem Grund der Kunststall einen Standort ausserhalb der Bauzone erfordere. Zude m würden dem Bauvorhaben überwie- gende Interessen des Landschaftsschutzes entgegenstehen. Di e Bewilligung verletze somit Art. 24 RPG und sei nicht zu erteilen. F. Am 4. Juli 2014 liess sich die BUD vernehmen und schloss auf kostenfällige Abwei- sung der Beschwerde. Sie hielt zunächst dafür, dass die Voraussetzungen von Art. 24a RPG vorliegen würden. Ferner sei Kunst im Landwirtschaftsge biet gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht generell bewilligungsunfähig. Erf orderlich seien der Nachweis eines künstlerischen Konzepts sowie dessen Zusammenhang mit dem berührten Raum. Der Skulptu- renpark sei bereits 1998 bewilligt worden und die vorli egend umstrittene Zweckänderung weise – zumal sie als Ergänzung zum ursprünglichen Projekt zu ve rstehen sei – entsprechend ein künstlerisches Konzept auf. Zu beachten sei weiter, dass dam it weder zusätzliche Lärmemis- sionen noch eine Mehrbelastung der Verkehrsinfrastruktur verbunden seien. Die allfällige Zu- nahme der Fussgänger falle schliesslich nicht unter den Begriff “neue Auswirkungen“. G. Am 12. Juni 2014 stellte die C.____ das Begehren, e s sei die Beschwerde des Ehe- paars A.____ unter o/e-Kostenfolge abzuweisen, soweit d arauf eingetreten werden könne. B.A.____ sei nicht Eigentümerin der Parzelle Nr. Y. ____ und somit nicht beschwerdelegitimiert, insofern fehle es an einer Eintretensvoraussetzung. Die besagte Parzelle liege im Gesamtei- gentum von A.A.____ und C.A.____. Die Beschwerdeführe r hätten ihre Beschwerde ferner nicht materiell begründet und es sei kein Verstoss gegen Art. 24a RPG geltend gemacht wor- den, ihre Prozessführung erweise sich daher als rechtsmissbräuchlich und trölerisch. H. Mit Eingabe vom 10. September 2014 reichten die B eschwerdeführer eine Vollmacht von C.A.____ nach. I. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1620 vom 28. O ktober 2014 trat der Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) auf die Beschwerde des Ehepaars A.____ nicht ein. Zur Begründung führte er an, das Eh epaar A.____ sei durch die Bewilligung der Zweckänderung nicht unmittelbar und intensiv betrof fen, zumal sie weder eine hinreichend enge nachbarliche Raumbeziehung aufweisen noch einen N achteil durch die Erteilung der Be- willigung geltend machen würden. J. Mit Eingabe vom 10. November 2014 erhob das Ehepaa r A.____, vertreten durch Dr. Urs Pfander, Advokat in Basel, Beschwerde beim Kant onsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Die Beschwerdefü hrer beantragten unter o/e- Kostenfolge, es sei der angefochtene RRB aufzuheben und der C.____ keine Ausnahmebewil- ligung zu erteilen. Zur Begründung führen sie im Wesentlichen aus, soweit sie zur Erhebung der Einsprache berechtigt gewesen seien, stehe ihnen der we itere Instanzenweg ebenfalls zu. Überdies hätten sie als Eigentümer der Nachbarparzelle g egenüber der Allgemeinheit ein ge- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht steigertes Interesse an einer möglichst unberührten Nat ur und damit einer Einhaltung der Raumplanungsvorschriften. K. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Januar 2015 schloss d ie C.____ (Beschwerdegegne- rin) auf die kostenfällige Abweisung der Beschwerde u nd beantragte in verfahrensrechtlicher Hinsicht die vorgängige Durchführung eines Augenscheins. Sie vertritt die Auffassung, dass die Beschwerdeführerin nicht legitimiert sei und sich die B eschwerdeführer mit der fehlenden Legi- timation nicht rechtsgenüglich auseinandergesetzt hätten. L. Der Regierungsrat, vertreten durch die Rechtsabteilu ng der BUD, liess sich am 16. Februar 2015 vernehmen und schloss ebenfalls auf kostenfällige Abweisung der Beschwer- de. M. Mit Präsidialverfügung vom 16. März 2015 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung mit vorangehendem Augenschein überwiesen. N. Anlässlich der heutigen Verhandlung hat das Kantons gericht vorgängig einen Augen- schein an Ort und Stelle durchgeführt. An der anschliesse nden Parteiverhandlung haben die Parteien an ihren schriftlich gestellten Anträgen festgehalten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügunge n und Entscheide des Regierungs- rates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsg ericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegen, ist die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgericht s gegeben. Da die weiteren formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO ebenfalls erfüll t sind, ist auf die Beschwerde ein- zutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Der im vorliegenden Verfahren zu behandelnde Stre itgegenstand ist auf die Frage be- schränkt, ob die Legitimation der Beschwerdeführer im a ngefochtenen RRB Nr. 1620 vom 28. Oktober 2014 zu Recht verneint worden ist. 4.1 Die Beschwerdeführer leiten ihre Beschwerdeberecht igung im regierungsrätlichen Be- schwerdeverfahren aus der Einsprachebefugnis ab, und zwar i n dem Sinne, als es ihnen mög- lich sein müsse, einen negativen Entscheid anzufechten. Es sei nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund der Instanzenweg nun abgeschnitten werde, da gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht RPG eine volle Überprüfung durch wenigstens eine Behörde vorgesehen sei. Unter Verweis auf die Eingabe vom 8. Mai 2014 führen sie zur Begründun g an, die geplante Zweckänderung be- wirke etwa aufgrund des Hin- und Wegtransportes von Exp onaten zusätzlichen Motorverkehr bzw. eine Mehrbelastung der Umwelt. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführer als Eigentü- mer der Nachbarparzelle gegenüber der Allgemeinheit ein gesteigertes Interesse an einer mög- lichst unberührten Natur und damit einer Einhaltung d er Raumplanungsvorschriften hätten. Demzufolge seien sie tatsächlich unmittelbar und intensiv betroffen. 4.2 Die Beschwerdegegnerin macht demgegenüber gelten d, dass die Beschwerdeführer ihre Legitimation nicht (rechtsgenüglich) dargelegt hä tten. In materieller Hinsicht sei die Be- hauptung der Beschwerdeführer, mit der Durchführung von Vernissagen sei der Transport von Musikinstrumenten, Getränk, Verpflegung und Abfall verb unden, nicht zu hören, da im Kunst- stall keine Vernissagen geplant seien, was im Übrigen ma ngels Infrastruktur auch gar nicht möglich wäre. Das Projekt bedinge gerade keine bewill igungspflichtigen baulichen Massnah- men, sondern es gehe vielmehr um reine Sanierungsarb eiten zur Erhaltung des Melkstalls. Die Milchwirtschaft sei bereits vor über acht Jahren aufgegeben worden und der Melkstall diene dem Pächter als Unterstand für Maschinen und Geräte. De r Gesetzgeber habe mit der Einfüh- rung von Art. 24a RPG insbesondere aufgrund des landwi rtschaftlichen Strukturwandels be- zweckt, funktionslos gewordene Bauten einem neuen Zweck zuzuführen. 4.3 Der Beschwerdegegner legt in seinem angefochtenen Beschluss dar, an der fehlenden Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführer im Rahmen des regierungsrätlichen Verfahrens ändere nichts, dass diese zur Einsprache berechtigt gewe sen seien. Während die Einsprache als “Popularbeschwerde“ ausgestaltet sei, treffe dies au f die nachfolgenden Beschwerdeverfah- ren nicht zu. Vielmehr sei zur Beschwerdeerhebung (nur) b erechtigt, wer durch den angefoch- tenen Entscheid berührt sei und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids aufweise. In Bezug auf die Re chtsmittelbefugnis des Nachbarn in Bausachen halte das Bundesgericht nach ständiger Rechtsp rechung fest, dass für den Nachbarn einerseits eine hinreichend enge nachbarliche Raumbeziehung zum Baugrundstück bestehen müsse und andererseits er durch die Erteilung de r Baubewilligung mehr als irgend- jemand sonst oder die Allgemeinheit in eigenen Intere ssen berührt sein müsse. Die Parzellen- grenze der Beschwerdeführenden liege mindestens 200 Met er vom heutigen Melkstall entfernt, weshalb eine besondere Betroffenheit nicht erkennbar sei. Daher sei auf die Beschwerde nicht einzutreten. 4.4.1 Gemäss § 127 Abs. 1 des Raumplanungs- und Baugeset zes (RBG) vom 8. Januar 1998 kann Einsprache erheben, wer gegen ein Bauvorh aben Einwendungen hat. Die Be- schwerdeführer waren somit unbestrittenermassen zur Erhebung der Einsprache berechtigt. Die Beschwerdeberechtigung für das regierungsrätliche Ver fahren richtet sich demgegenüber nach § 31 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsverfahrensgesetzes Ba sel-Landschaft (VwVG) vom 13. Juni 1988. Demnach ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch d ie angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung od er Aufhebung hat. Der Behauptung der Beschwerdeführer, wonach allein aufgrund der Einsp rachebefugnis auch eine Beschwerde- legitimation gegeben sei, kann nicht gefolgt werden. Vielmehr müssen aufgrund des konkreten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalts das besondere Berührtsein und das schutzwürdig e Interesse glaubhaft erschei- nen, ansonsten dies im Ergebnis auf eine unzulässige Popu larbeschwerde hinausliefe. Auch das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, wonach die Besc hwerdeführerin allein deshalb, weil sie nicht Grundeigentümerin der Parzelle Nr. Y.____ i st, nicht beschwerdeberechtigt sei, ist un- zutreffend. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, rich tet sich die Beurteilung der Legitimation nach Art. 33 Abs. 3 lit. a RPG, wobei es unerheblich i st, ob die Beschwerdeführer Grundeigen- tümer oder Nachbarn sind. 4.4.2 Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. a RPG gewährleistet da s kantonale Recht gegen Verfügun- gen und Nutzungspläne, die sich auf das RPG und seine kantonalen und eidgenössischen Aus- führungsbestimmungen stützen, die Legitimation mindesten s im gleichen Umfang wie für die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten a n das Bundesgericht. Ferner schreibt Art. 111 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 die Einheit des Verfahrens vor: Wer zur Beschwerde an das Bundesgericht b erechtigt ist, muss sich am Ver- fahren vor allen kantonalen Vorinstanzen als Partei bet eiligen können (Art. 111 Abs. 1 BGG); die unmittelbare Vorinstanz des Bundesgerichts muss grundsä tzlich mindestens die Rügen nach den Artikeln 95-98 BGG prüfen können (Art. 111 Abs. 3 BGG). Daraus folgt, dass die kan- tonalen Behörden die Rechtsmittelbefugnis nicht enger fassen dürfen, als dies für die Be- schwerde an das Bundesgericht vorgesehen ist. Zur Beurteil ung, ob der Regierungsrat die Be- schwerdeführer von der Beschwerde ausschliessen durfte, ist demgemäss die Beschwerdebe- rechtigung nach den Grundsätzen von Art. 89 Abs. 1 BGG zu prüfen (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts [1C_133/2008] vom 6. Juni 2008 E. 2.1). 4.4.3 Zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelege nheiten ist nach Art. 89 Abs. 1 BGG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilg enommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (lit. a); durch den angefochte nen Entscheid oder Erlass besonders be- rührt ist (lit. b); und ein schutzwürdiges Interesse an d essen Aufhebung oder Änderung hat (lit. c). Neben der formellen Beschwer ist verlangt, d ass die Beschwerdeführer über eine spezi- fische Beziehungsnähe zur Streitsache verfügen und eine n praktischen Nutzen aus der Aufhe- bung oder Änderung des angefochtenen Entscheids ziehen. E in Kriterium für die Beurteilung der Beschwerdebefugnis ist die räumliche Distanz des Nachba rn zum umstrittenen Bauvorha- ben, wobei es nicht auf abstrakt bestimmte Distanzwerte a nkommt. Das Beschwerderecht wird aber in der Regel anerkannt, wenn die Liegenschaft de s Nachbarn unmittelbar an das Bau- grundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen Verkeh rsträger davon getrennt wird (vgl. BGE 121 II 171 E. 2b mit Hinweisen). 4.4.4 Liegt diese besondere Beziehungsnähe in räumlicher Hinsic ht vor, braucht nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung das Anfechtungsintere sse nicht mit dem Interesse über- einzustimmen, das durch die von den beschwerdeführenden P ersonen als verletzt be- zeichneten Normen geschützt wird. Die Nachbarn können mith in die Überprüfung eines Vor- habens im Lichte all jener Rechtssätze verlangen, die sich rechtlich oder tatsächlich in dem Sinne auf ihre Stellung auswirken, so dass ihnen im Fal le des Obsiegens ein praktischer Nut- zen entsteht. Nicht zulässig ist hingegen das Vorbringen von Beschwerdegründen, mit denen einzig ein allgemeines öffentliches Interesse an der rich tigen Anwendung des Rechts verfolgt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird (BGE 133 II 249 E. 1.3.2), ohne dass den Beschwerd eführern im Falle des Obsiegens ein Vorteil entsteht. Als schutzwürdig gelten Beschwerden somit nur, wenn die verlangte Aufhe- bung oder Änderung des angefochtenen Aktes der Wahrun g der Interessen des Beschwerde- führers dient. Schutzwürdig ist dieses Interesse – und d as ergibt sich in erster Linie aus Art. 89 Abs. 1 lit. b BGG – aber nur dann, wenn der Beschwerd eführer durch den angefochtenen Ent- scheid stärker als jedermann betroffen ist und in einer b esonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht (vgl. B ERNHARD WALDMANN , in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. A uflage, Basel 2011, N 14 ff. zu Art. 89). Das Element des praktischen tatsächlichen Nutzens bildet s omit ein wichtiges Eintre- tenskriterium, mit welchem ein "Ausufern" der Beschwerde möglichkeiten verhindert werden kann. Unzulässig ist eine rügebezogene Beurteilung der L egitimation, indem einzelne Vorbrin- gen der Beschwerdeführer materiell geprüft würden, i n Bezug auf andere erhobene Rügen die Legitimation der Beschwerdeführer jedoch verneint wür de. Mit einer derartigen rügespezi- fischen Beurteilung würden Beschwerdelegitimation und Beschwerdegründe vermengt. Sind die Voraussetzungen der Beschwerdelegitimation nach § 31 Abs . 1 lit. a VwVG bzw. nach Art. 89 BGG gegeben, sind die Beschwerdeführer mit sämtlichen de r in § 32 Abs. 1 VwVG bzw. Art. 95 ff. BGG aufgeführten Rügen zum Verfahren zuzu lassen, wenn ihnen durch die Gut- heissung der Beschwerde ein praktischer Nutzen entstehen würde (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts [1C_236/2010] vom 16. Juli 2010 E. 1.4 f, mit Hinweisen). 4.5.1 Die Grundstücke der Beschwerdeführer (Parzellen Nr . Y.____ und Nr. Z.____) grenzen an dasjenige der Beschwerdegegnerin (Parzelle Nr. X.__ __) und liegen somit in unmittelbarer Nachbarschaft zu demjenigen der Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdeführer leiten ihre Legi- timation “ohne weiteres“ aus dem Eigentum der Nachbarsp arzelle Nr. Y.____ ab. In der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung wurde die Legitimation des Nachbarn im Rahmen der Verwal- tungsgerichtsbeschwerde bis zu einem Abstand von ca. 100 m r egelmässig bejaht. Die Ab- standswerte sind jedoch nicht als absolut zu verstehen – di es gilt umso mehr, als die Entfer- nung mehr als 100 Meter beträgt. Vorliegend befindet sich die Grenze der Parzelle Nr. Y.____ mindestens 200 Meter vom Melkstall der Baugesuchsparzell e entfernt. Zudem handelt es sich bei diesem Grundstück der Beschwerdeführer um eine Waldp arzelle mit einer Fläche von 270‘249 m 2 (vgl. Auszug Grundbuch E.____ vom 16. Mai 2014), wesh alb aufgrund der Weite des Grundstücks und der Distanz zum Melkstall nicht automatisch von einer besonderen Bezie- hungsnähe in räumlicher Hinsicht ausgegangen werden ka nn. Auch die Parzelle Nr. Z.____, worauf das Forsthaus der Beschwerdeführer liegt, weist mindestens denselben Abstand zum Melkstall wie die Parzelle Nr. Y.____ auf und somit kan n auch diesbezüglich nicht allein auf- grund der Tatsache von angrenzenden Parzellen eine B eschwerdelegitimation der Beschwer- deführer abgeleitet werden. Wie bereits erwähnt, erg ibt sich die Legitimation nicht einzig aus der räumlichen Nähe, sondern aus der daraus herrührend en besonderen Betroffenheit. Das Bundesgericht prüft die Legitimationsvoraussetzungen in einer Gesamtwürdigung anhand der im konkreten Fall vorliegenden tatsächlichen Verhältniss e (vgl. Urteil des Bundesgerichts [1C_346/2011] vom 1. Februar 2012 E. 2.3). 4.5.2 Vorliegend gilt zunächst zu beachten, dass es sich beim Melkstall um ein bereits be- stehendes Gebäude handelt, welches ohne bauliche Massnahm en einem neuen Zweck zuge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht führt werden soll, indem es während der Sommermonate in einen Kunststall umgestaltet wer- den soll. Im Rahmen des Normalbetriebs verursacht der Mel kstall den Beschwerdeführern weder materielle Immissionen noch ideelle Einwirkungen . Es stellt sich daher die Frage, ob die Beschwerdeführer durch die projektierte Zweckänderung n eu Imissionen ausgesetzt würden, welche eine besondere Betroffenheit zu begründen vermö gen. Anlässlich der heutigen Partei- verhandlung machen die Beschwerdeführer eine mit der Zweckänderung einhergehende Beein- trächtigung durch Licht und Schall geltend. Diese Immissionen leiten sie aus einem angeblichen Projekt der Beschwerdegegnerin ab, welches nicht Streitge genstand des vorliegenden Verfah- rens bildet. Somit gehen ihre diesbezüglichen Ausführun gen an der Sache vorbei. Dennoch sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass der Beschwerdeg egnerin die Bewilligung nur unter Auflagen (Unzulässigkeit von Beleuchtung und Beschallung des Aussenraums etc.), welche gerade die von den Beschwerdeführern ins Feld geführten möglichen Immissionen verbieten, erteilt worden ist. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass im Fall einer Zuwiderhandlung neu verfügt würde (vgl. Entscheid der BUD Nr. 149/2013 vom 28. M ärz 2014). Weiter machen die Be- schwerdeführer die direkte Einsehbarkeit in ihre Liegen schaft (Parzelle Nr. Z.____) geltend. Auch dieses Vorbringen geht fehlt, denn anlässlich des heutigen Augenscheins konnte sich das Gericht davon überzeugen, dass vom Melkstall der Beschwerde gegnerin zum Forsthaus der Beschwerdeführer während der Sommermonate – und dami t in dem für den Kunststall relevan- ten Zeitraum – praktisch kein direkter Sichtkontakt best eht, da dieser durch die Bäume deutlich eingeschränkt wird. In den Wintermonaten, in denen d ie Sichtverbindung zwischen den Liegen- schaften der Parteien direkter sein wird, wird der Mel kstall wie bisher als Unterstand für die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte, und nicht als Kunststall, genutzt. Demzufolge ver- mag auch die Sichtverbindung zu ihrer Liegenschaft kein e materielle Immission zu begründen. Schliesslich stützen die Beschwerdeführer ihre besondere Betroffenheit auf eine mit der Zweckänderung verbundene angebliche Verkehrszunahme. Aus d iesem Argument allein kann jedoch noch keine besondere Betroffenheit abgeleitet werden, vielmehr wird für die Be- schwerdelegitimation verlangt, dass die Immissionen des Z ubringerverkehrs einer Anlage deut- lich wahrnehmbar sind (vgl. B ERNHARD WALDMANN , a.a.O., N 21 zu Art. 89). Dies ist vorliegend nicht der Fall, da auf der zum Melkstall führenden Stra sse ein Fahrverbot herrscht. Zudem han- delt es bei der Zufahrtsstrasse zum Melkstall um eine ande re als diejenige, welche zur Liegen- schaft der Beschwerdeführer führt. Darüber hinaus wird d er in der Nähe des Melkstalls gelege- ne Parkplatz unverändert bestehen bleiben, da nicht von e iner (relevanten) Zunahme von Be- suchern ausgegangen wird. Unbestritten ist demgegenübe r, dass es im Rahmen der gestatte- ten Zubringerdienste vorkommen wird, dass Transporte für die Kunstgegenstände erfolgen. Darin ist aber ebenfalls keine – und erst recht nicht ei ne merkliche – Zunahme des Verkehrs erkennbar, sind doch bis anhin regelmässig landwirtschaftliche Fahrzeuge zum Melkstall gefah- ren. Mit der Vorinstanz ist daher vielmehr festzuhalten, dass die Zweckänderung keine Erhö- hung, sondern allenfalls eine Verringerung des Verkehr s bewirken wird. Dass der Kunststall einige Besucher mehr anziehen könnte, ändert daran ni chts, zumal diese zu Fuss auf der be- treffenden Zubringerstrasse, auf einer Länge von ca. 25 0 Metern, anzutreffen sein werden. Bei dieser Sachlage kann nicht von einer Beeinträchtigung d er Beschwerdeführer ausgegangen werden. Vor diesem Hintergrund ist nicht somit ersichtli ch, und wird von den Beschwerdefüh- rern auch nicht substantiiert geltend gemacht, inwief ern sie stärker als die Allgemeinheit vom Vorhaben der Beschwerdegegnerin betroffen sein sollen. Eine genügende Beziehungsnähe in Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht räumlicher Hinsicht ist damit nicht gegeben. Zusammenfa ssend ergibt sich daraus, dass die Beschwerdeführer im Sinne von § 31 Abs. 1 lit. a VwWG vom angefochtenen Entscheid weder berührt noch in schutzwürdigen Interessen betroffen sind und der Regierungsrat ihre Legitima- tion somit zu Recht verneint hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 4.5.3 Die Ausführungen der Beschwerdeführer, wonach sie gestützt auf Art. 33 Abs. 1 lit. b RPG legitimiert seien, gehen an der Sache vorbei. Gem äss dieser Bestimmung gewährleistet das kantonale Recht die volle Überprüfung durch weni gstens eine Beschwerdebehörde und regelt somit – wie von der Beschwerdegegnerin zutreff end ausgeführt – die Kognition der Rechtsmittelinstanz. Folglich können die Beschwerdeführer daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten und auf das diesbezügliche Vorbringen ist nicht näher einzugehen. 5.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- den unterlegenen Beschwerdeführern in solidarischer Verbindung aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2 ‘200.-- zu verrechnen. Den Be- schwerdeführern ist somit der zu viel geleistete Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückzuerstatten. 5.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss dem Ausgang de s Verfahrens haben die Be- schwerdeführer der Beschwerdegegnerin eine Parteientschä digung zu bezahlen. Der in der Honorarnote vom 24. März 2015 ausgewiesene Aufwand des R echtsvertreters der Beschwer- degegnerin von 7 ½ Stunden zu einem Stundenansatz vo n Fr. 250.-- erscheint angemessen. Hinzu kommt der Aufwand für die heutige Parteiverhan dlung, woraus ein Gesamtaufwand von 9 ½ Stunden resultiert. Somit ist ein Honorar von Fr. 2‘468.--, zuzüglich Auslagen von Fr. 93.-- und 8 % MWSt, d.h. insgesamt Fr. 2‘665.45.--, von den Beschwerdeführern in solidarischer Verbindung an die Beschwerdegegnerin auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- w erden den Be- schwerdeführern in solidarischer Verbindung auferlegt un d mit dem ge- leisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2‘200.-- verr echnet. Der zu viel geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- - wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 3. Die Beschwerdeführer haben der Beschwerdegegnerin in solidarischer Verbindung eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 2‘665.45 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin