Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Januar 2016 (730 14 349 / 10) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Der Krankenversicherer verneinte seine Leistungspflicht zur Übernahme der Kosten ei- ner genetischen Laboruntersuchung zu Recht, da die Bedingungen, die in den einleiten- den Bemerkungen zur Analysenliste in Anhang 3 KLV formuliert worden sind, nicht er- füllt werden Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dominique Erhart, Rechtsanwalt, Konsumstrasse 1, Postfach, 4104 Oberwil BL gegen CONCORDIA Schweizerische Kranken - und Unfallversicherung AG , Hauptsitz, Bundesplatz 15, Postfach, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. A.____ war im Jahr 2013 bei der CONCORDIA Schwei zerische Kranken- und Unfall- versicherung AG (Concordia) obligatorisch krankenpf legeversichert. Er leidet an einer speziel- len Form der Retinitis bzw. Retinopathia pigmentosa, der Chorioideremie. Dabei handelt es sich um eine X-chromosomal-rezessiv erbliche progressive Aderhautdystrophie. Am 30. April 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurde im Labor Z.____ eine genetische Untersuchung dur chgeführt. Mit Verfügung vom 19. März 2014 lehnte die Concordia die Übernahme der Kos ten für die genetische Laboruntersu- chung im Betrag von Fr. 3‘386.-- im Rahmen der oblig atorischen Krankenpflegeversicherung ab. Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache wi es die Concordia mit Einsprache- entscheid vom 1. Oktober 2014 ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Dominique Er hart, Rechtsanwalt, beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicher ungsrecht (Kantonsgericht), mit Einga- be vom 31. Oktober 2014 Beschwerde und liess die Aufheb ung des angefochtenen Ein- spracheentscheids und der Verfügung vom 19. März 2014 bea ntragen sowie die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin, ihm die Kosten für die genetisc he Laboranalyse vom 30. April 2013 (Rechnung vom 3. Mai 2013) in der Höhe von Fr. 3‘386. -- vollumfänglich zu ersetzen; alles un- ter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Durchführung einer Partei- verhandlung, eventualiter um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels. C. Mit Vernehmlassung vom 21. Januar 2015 beantragte d ie Beschwerdegegnerin unter o/e-Kostenfolge die Abweisung der Beschwerde sowie der Verfahrensanträge des Beschwerde- führers. D. Anlässlich eines zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen und Auffassungen fest (Replik vom 25. Juni 2015 und Duplik vom 28. August 2015). Auf die Vorbringen der Parteien sowie die zu würdigen den Akten wird – soweit für die Ent- scheidfindung erforderlich – in den nachfolgenden Erwäg ungen eingegangen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die pr äsidierende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeite n bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Vorliegend ist eine Kostengutsprache im Umfang von Fr. 3‘386.-- zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die durchge- führte Laboruntersuchung gemäss Rechnung vom 3. Mai 2013. 3.1 Im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicher ung haben die anerkannten Krankenkassen die Kosten für die Leistungen gemäss Art. 25 – 31 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 nach Massg abe der in Art. 32 – 34 KVG festgelegten Voraussetzungen zu übernehmen (Art. 24 KVG) . Die Leistungen gemäss Art. 25 – 31 KVG umfassen solche, die der Diagnose oder Behandlu ng einer Krankheit und ihrer Folgen dienen (Art. 25 Abs. 1 KVG). Dazu gehören nach dem Leistungskatalog des Art. 25 Abs. 2 KVG Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch die ärztlich verordneten Analysen (Art. 25 Abs. 2 l it. b KVG). Gemäss Art. 52 Abs. 1 lit. a KVG erlässt das zuständige Departement eine Liste der Analysen mit dem dazugehörigen Tarif. Diese Liste gehört unter dem Titel Analysenliste (AL) al s Anhang 3 zur Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegever sicherung (KLV) vom 29. September 1995 und wird jährlich überarbeitet (Urteil des Bund esgerichts vom 11. September 2009, 9C_224/2009, E. 2.2). Die in der Liste aufgenommenen Analysen dürfen von der Krankenversi- cherung vergütet werden (Art. 34 Abs. 1 KVG). 3.2 Die vorliegend zur Anwendung gelangende Analysenli ste, gültig ab 1. Januar 2013, erfasst unter Pos.-Nr. 2135.04, 2235.04, 2335.04, 2435 .04 und 2535.04 genetische Analysen bei Retinadystrophien im Sinne der Retinitis pigmentosa und der Maculadegenerationen. 3.3 Die beim Beschwerdeführer durchgeführte genetische Analyse war somit im Zeitpunkt ihrer Vornahme (April 2013) in der Analysenliste enthalten; ein Umstand, der zwischen den Par- teien nicht umstritten ist. Dies bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin die entstandenen Labor- kosten unter der Voraussetzung, dass die weiteren Vorausset zungen nach Art. 32 KVG gege- ben sind, im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung erstatten muss. 4.1 Gemäss Art. 32 Abs. 1 KVG ist für eine Kostenübern ahme im Rahmen der obligatori- schen Krankenpflegeversicherung vorausgesetzt, dass die Leistun gen, die in Art. 25 – 31 KVG vorgesehen sind, wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind. E ine medizinische Leistung ist wirksam, wenn deren Einsatz geeignet ist, das angestreb te diagnostische oder therapeutische Ziel zu erreichen. Für die Beurteilung der Wirksamkeit ist somit entscheidend, welcher medizini- sche Erfolg damit erzielt werden soll (BGE 137 V 295 E . 6.1). Diagnostische Massnahmen müssen im Zusammenhang mit der Behandlung einer manif esten Erkrankung oder eines kon- kreten Krankheitsverdachts stehen, damit sie durch die ob ligatorische Krankenpflegeversiche- rung zu vergüten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 18. A pril 2013, 9C_1011/2012, E. 2.3.1). Das bedeutet, dass sie – bei prognostischer Beurteilung – therapeutische Konsequenzen haben können. Trifft dies nicht zu, d.h. ist in dem Sinne der diagnostische Endpunkt erreicht, dass die Therapie feststeht oder keine bzw. keine andere mehr möglich ist, besteht keine Kostenüber- nahmepflicht (Urteil des Bundesgerichts vom 18. April 2013, 9C_1011/2012, E. 2.3.1). 4.2 Gemäss Art. 32 Abs. 1 Satz 2 KVG muss die Wirksamkeit ei ner Leistung nach wissen- schaftlichen Methoden nachgewiesen sein. In der Schulme dizin gilt der Wirksamkeitsnachweis als erbracht, wenn die Behandlungsmethode für das in F rage stehende Behandlungsziel wis- senschaftlich anerkannt ist, das heisst von Forschern und Pra ktikern der medizinischen Wis- senschaft auf breiter Basis akzeptiert wird und als geeign et erachtet wird, das angestrebte the- rapeutische oder diagnostische Ziel zu erreichen (BGE 13 3 V 115 E. 3.2; GEBHARDT EUGSTER , Bundesgesetz über die Krankenversicherung [KVG], Zürich 2 010, N 5 zu Art. 32). Wichtig ist, dass die Methode auf soliden, ausreichenden experimente llen Unterlagen beruht. Die Beurtei- lung der Wirksamkeit hat nicht einzelfallbezogen und re trospektiv auf Grund der konkreten Be- handlungsergebnisse zu erfolgen. Vielmehr geht es um ei ne vom einzelnen Anwendungsfall losgelöste und retrospektive allgemeine Bewertung der mit einer diagnostischen oder therapeu- tischen Massnahme erzielten Ergebnisse (BGE 133 V 115 E. 3 .2.1, 123 V 66 E. 4a). Neben Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht streng naturwissenschaftlichen sind auch andere wissenschaftl iche Methoden (beispielsweise die Statistik) möglich und zulässig (BGE 123 V 63 E. 2c/b b mit Hinweisen; GEBHARD EUGSTER , a.a.O., N. 4 zu Art. 32). Der Beweis der Wirksamkeit l ässt sich am zuverlässigsten mit dem kli- nischen Versuch führen, wobei die Wirkung einer Therapi e nach naturwissenschaftlichen Krite- rien objektiv feststellbar, der Erfolg reproduzierbar u nd der Kausalzusammenhang zwischen dem therapeutischen Agens und seiner Wirkung ausgewies en sein muss (BGE 133 V 115 E. 3.2.1). Für eine wissenschaftlich begründete Heilmethode ist ferner wichtig, dass sie auf soliden experimentellen Unterlagen (insbesondere Langzeitstudien ) beruht, die den Wirkungsmecha- nismus bezeugen (BGE 133 V 115 E. 3.2.1; GEBHARD EUGSTER , a.a.O., N. 5 zu Art. 32). 4.3 In Konkretisierung der Begriffe Wirksamkeit, Zweckmässi gkeit und Wirtschaftlichkeit werden in den einleitenden Bemerkungen zur Analysenlist e in Anhang 3 KLV in der hier an- wendbaren Fassung entsprechende Bedingungen formulie rt (Urteile des Bundesgerichts vom 14. April 2015, 9C_748/2014, E. 3.1 und vom 18. Apri l 2013, 9C_1011/2012, E. 2.3.1). Danach gilt Folgendes: „Die Diagnostik hat mit einer akzepta blen Wahrscheinlichkeit die Konsequenz, dass sie (1) einen Entscheid über Notwendigkeit und Art e iner medizinischen Behandlung oder (2) eine richtungsgebende Änderung der bisher angewendeten medizinischen Behandlung oder (3) eine richtungsgebende Änderung der notwendigen U ntersuchungen (z.B. zur rechtzeitigen Vergütung, Erkennung oder Behandlung von typischerweis e zu erwartenden Komplikationen) oder (4) einen Verzicht auf weitere Untersuchungen von typischerweise zu erwartenden Krank- heitssymptomen, Folgeerkrankungen oder Beschwerden zur Fol ge hat. Analysen, bei denen schon zum Zeitpunkt der Anordnung feststeht, dass das Resul tat keine dieser Konsequenzen hat, sind von der Kostenübernahme ausgeschlossen“. 5.1 Die Abklärung des Sachverhalts hat gemäss dem im Sozia lversicherungsrecht gelten- den Untersuchungsgrundsatz die verfügende Behörde bzw. das Gericht von Amtes wegen vor- zunehmen. Danach haben sowohl der Sozialversicherungsträ ger als auch das Sozialversiche- rungsgericht von sich aus, ohne Bindung an die Parteib egehren, für die richtige und vollständi- ge Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen. Um die sich im Zusammenhang mit der Vergü- tung der Kosten einer Analyse durch die obligatorische K rankenpflegeversicherung stellenden Fragen beantworten zu können, ist die Krankenversicherung auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Dabei ist es deren Aufgabe, auf- grund von Anamnese, Befund und Diagnose die Notwendig keit der Behandlung an sich sowie die in Betracht fallenden therapeutischen Möglichkeite n zu bezeichnen (Urteil des EVG vom 5. Juni 2003, K 46/02, E. 4.3.2). 5.2 Solche ärztlichen Stellungnahmen sind, wie alle Be weise im Sozialversicherungspro- zess, von der rechtsanwendenden Behörde frei sowie umfasse nd und pflichtgemäss zu würdi- gen (FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983 , S. 278). Dabei ist für den Beweiswert grundsätzlich weder die Herkunft eines B eweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellung nahme als Bericht oder Gutachten, son- dern dessen Inhalt ausschlaggebend. Gerade die Krankenv ersicherungen oder ihre Verbände sind gemäss Art. 57 Abs. 1 KVG sogar verpflichtet, nach Rü cksprache mit den kantonalen Ärz- tegesellschaften Vertrauensärzte bzw. Vertrauensärztinnen zu bestellen. Diese wiederum ha- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben die Krankenversicherungen gemäss Art. 57 Abs. 4 und 5 KVG in medizinischen Fachfragen zu beraten und insbesondere die Voraussetzungen der Lei stungspflichten zu überprüfen. Sie sind in ihrem Urteil unabhängig und weder die Kranke nversicherung noch die Leistungserbrin- ger können ihnen Weisungen erteilen. Die Berichte u nd Gutachten ständiger Vertrauensärzte haben in beweisrechtlicher Hinsicht denn auch grundsät zlich den gleichen Stellenwert wie die verwaltungsinternen Arztberichte und Gutachten der UVG-V ersicherer (G EBHARD EUGSTER , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], 2. Aufl., Basel/Genf/München 2007, Kran- kenversicherung, N 209 ff.). 6.1 Der strittigen Angelegenheit liegen folgende med izinische Akten von Relevanz zugrun- de: 6.2 In Form einer Aktennotiz hält Prof. Dr. med. B._ ___ fest, dass der Verdacht auf eine Chorioideremie bestanden habe. Medizinische Indikation für die Laboruntersuchung sei die Be- stätigung der Diagnose gewesen. Als therapeutische Konsequ enz für die weitere Behandlung gibt er an, dass diese Analyse es erlauben werde, auf wei tere diagnostische Massnahmen zu verzichten (Stellungnahme vom 13. Juni 2013). Nachdem d ie Beschwerdegegnerin Prof. B.____ am 27. Juni 2013 um Zustellung eines ausführliche ren Berichts gebeten hatte, verwies er am 4. Juli 2013 auf die Antworten, die er am 13. Juni 2013 gegeben hatte. 6.3 Dr. med. C.____, Facharzt Allgemeine Innere Medi zin, Vertrauensarzt der Beschwer- degegnerin, hält mit Aktennotiz vom 15. Juli 2013 fest, dass keine Übernahmepflicht bestehe, weil es am Nachweis eines klinischen Nutzens fehle. In eine r weiteren Aktennotiz vom 1. Sep- tember 2013 rät er der Beschwerdegegnerin, von Prof. B.____ zuerst eine ausführliche und exakte Begründung für die Untersuchung zu verlangen. In sbesondere müsse den klinischen (konkreten) Nutzen ausführlich erläutert werden. 6.4 Prof. B.____ hält daraufhin mit Schreiben vom 2 9. Januar 2014 fest, dass der Versi- cherte an einer sehr fortgeschrittenen chorioretinale n Dystrophie mit Verdacht auf eine Chorioi- deremie leide. Diese Krankheit bilde seit zwei Jahren Objekt einer ersten klinischen Studie. Es sei wichtig mit Sicherheit festzustellen, ob die Krankhe it des Versicherten in einer Veränderung des CHS-Gens liege („liée au gène CHS“). 6.5 Dr. C.____ äussert sich schliesslich in seiner Stellu ngnahme vom 28. Februar 2014 dahingehend, dass – trotz mehrfacher Aufforderung – der behandelnde Arzt nichts geliefert ha- be, das den konkreten klinischen Nutzen der Analyse belegen könne. Es sei auch nicht belegt, dass die Analyse zur Diagnosestellung überhaupt notwen dig sei. Die Diagnose sei schon seit Jahren bekannt und der Versicherte heute 67 Jahre alt. So bestehe weder ein Beleg für einen echten, neuen Erkenntnisgewinn noch für einen therapeu tischen Nutzen. Diese Krankheit sei nach wie vor nicht heilbar und die Diagnose schon längst gestellt. Auch sei bezüglich der soge- nannten Gentherapie bei dieser Krankheit kein Erfolg zu verzeichnen, zumal die Gentherapie als solche keine Pflichtleistung darstelle. Als Beilage zu seiner Stellungnahme findet sich ein Kostengutsprachegesuch von Dr. med. D.____, Augenärztin F MH, vom 14. Oktober 2009. Aus Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesem geht hervor, dass der Versicherten an einer degene rativen Netzhauterkrankung (Retini- tis pigmentosa) leidet. 7.1 Die Beschwerdegegnerin lehnte ihre Leistungspflicht gestützt auf die vertrauensärztli- che Stellungnahme von Dr. C.____ vom 28. Februar 201 4 mit der Begründung ab, es mangle am konkreten klinischen Nutzen gemäss den einleitenden Bemerkungen zu Anhang 3 KLV. Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber im Wesentliche n auf den Standpunkt, dass die Laboruntersuchung eine medizinisch und wissenschaftlich notw endige Vorstufe und Vorunter- suchung bilde, damit er an einer erst kürzlich entwickelte n Gentherapie zur Behandlung seiner Erkrankung teilnehmen könne. Aufgrund der Neuartigkei t sei die Therapie in der Schweiz noch nicht verbreitet, weshalb er die Behandlung in Grossbr itannien vornehmen müsse. Aus der neueren wissenschaftlichen Fachliteratur sei ersichtlich, d ass zulässige, zweckmässige und medizinisch erprobte Therapiemöglichkeiten bestehen würden, die genetischer Natur seien. Die vorgenommene Analyse diene der Diagnose sowie der Behan dlung der Krankheit. Die medizi- nische Notwendigkeit, Zweckmässigkeit und Wissenschaftlichk eit der Laboranalyse sei damit erstellt. Die fragliche Genuntersuchung sei in der Anal ysenliste enthalten und müsse deshalb als Pflichtleistung von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen werden. 7.2 Wie bereits in Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, v erlangen die einleitenden Bemerkun- gen zu KLV Anhang 3, die gemäss bundesgerichtlicher Praxi s zu beachten sind, dass eine durchzuführende Analyse mit akzeptabler Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass sie einen Ent- scheid über Notwendigkeit und Art einer medizinischen Beh andlung oder eine richtungsgeben- de Änderung der bisher angewendeten medizinischen Behandlung oder eine richtungsgebende Änderung der notwendigen Untersuchungen oder einen V erzicht auf weitere Untersuchungen von typischerweise zu erwartenden Krankheitssymptomen, Folgeerkrankungen oder Beschwer- den zur Folge hat. Analysen, bei denen schon im Zeitpun kt der Anordnung fest steht, dass das Resultat keine der oben erwähnten Konsequenzen hat, sin d von der Kostenübernahme ausge- schlossen. Die Beurteilung der Kostenfrage gestützt auf d iesen Massstab wird vom Beschwer- deführer nicht bestritten. Es ist somit zu prüfen, ob die genetische Analyse konkrete therapeuti- sche Konsequenzen erwarten lässt. 7.3.1 Aufgrund der medizinischen Unterlagen steht fest, dass der Beschwerdeführer seit Jahren an einer chronischen, degenerativen Netzhauterkr ankung, einer Retinitis pigmentosa, leidet. Weiter steht fest, dass der Verdacht, es könnte sich dabei um eine Chorioideremie han- deln, mit Hilfe der Genanalyse hat erhärtet werden kö nnen. Bei der Chorioideremie handelt es sich um eine Sonderform der Retinitis pigmentosa. Zu d en Hauptsymptomen der Chorioidere- mie gehören wie bei der Retinitis pigmentosa Nachtblin dheit, periphere Gesichtsfeldausfälle und die fortschreitende Einengung des Gesichtsfelds ( http://www.proretina.de/ netzhauterkrankungen/chorioideremie/krankheitsbild ). Diese Krankheit bildet seit 2013 Objekt einer klinischen Studie (Stufe I/II) der Oxford Universi ty, bei der sechs männliche Patienten mit einer neuentwickelten Gentherapie behandelt werden. Dabei wurde den Probanden das fehlen- de Gen ins Auge gebracht (vgl. Beschwerdebeilagen 6 – 8 sowie Replikbeilage 1, insb. Prof. R. MacLaren et al. in: „The Lancet“, 16. Januar 2014; vgl. http://www.pro- retina.de/dateien/kle_chorio_the_lancet_2014_maclaren.pdf ). Dem Zwischenbericht von Prof. MacLaren vom Januar 2014 kann entnommen werden, dass na ch einer Zeitspanne von sechs Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Monaten erfreuliche Ergebnisse zu verzeichnen seien. Hendrik Scholl, Johns Hopkins Universi- ty, Baltimore, und José Sahel, Institut de la Vision, P aris, sind jedoch der Auffassung, dass die kurze Beobachtungszeit noch keine Schlüsse über den dauerhaften Nutzen der Therapie erlau- be. Man hoffe aber, erstmals eine Therapie für Chori oideremie anbieten zu können, falls die anstehenden Studien erfolgreich seien (Beschwerdebeilage 7). Prof. B.____ hält ebenfalls fest, dass die Krankheit seit zwei Jahren Objekt einer ersten klinischen Studie sei. 7.3.2 Angesichts dieses Stands der Entwicklung der Genther apie (klinische Studie Phase I/II) kann nicht davon ausgegangen werden, dass zum jet zigen Zeitpunkt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 25. September 2008, 9C_567/2007, E. 1.2) zweckmässige und medizi- nisch erprobte Therapiemöglichkeiten bestehen. Es werden zwar klinische Studien in Grossbri- tannien und den USA durchgeführt (vgl. Replikbeilage 4 ). Auch die Universitäts-Augenklinik in Bonn plant eine Gentherapie-Studie für Chorioiderem ie durchzuführen, welche auf den Ergeb- nissen von Prof. MacLaren basiert ( http://www.pro-retina.de/node/2387 ). Es liegt aber noch kei- ne von Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis als geeignet erachtete Therapie vor, welche dem Erfordernis der th erapeutischen Konsequenzen gemäss den einleitenden Bemerkungen zu Anhang 3 KLV entsprechen würde. 7.3.3 Daran vermag auch der Umstand, dass die amerikanisc he Food and Drug Adminis- tration und die Europäische Medicines Agency einem Spin-O ff Unternehmen der Oxford Uni- versity den Orphan Drug Status für die Weiterentwicklung der Therapie zuerkannt haben, nichts zu ändern (Replikbeilage 2). Denn auch bei den Orphan Drugs (Arzneimittel für die Behandlung seltener Krankheiten [orphan diseases]) gelten die al lgemeinen Anforderungen der Wirksam- keit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit, wobei die Wi rksamkeit nach wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen sein muss (BGE 133 V 115 E. 3.2.1). 7.3.4 Soweit der Beschwerdeführer eine Leistungspflicht aus dem Umstand ableiten will, dass die konkrete Analyse in der Liste aufgeführt ist, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Wie bereits in Erwägung 3.1 hiervor dargelegt, bedeutet die Aufnahme der Genuntersuchung in den Pflichtkatalog lediglich, dass ein Krankenversichere r die Kosten der Untersuchung über- nehmen darf. Eine Übernahmepflicht besteht aber nur, wenn auch die weiteren Voraussetzun- gen, wie sie in den einleitenden Bemerkungen genannt werden, erfüllt sind. Inwiefern die Labo- ranalyse ganz generell der Behandlung der Krankheit di ent, wie vom Beschwerdeführer vorge- bracht, ist nicht erkennbar. Denn weder ein konkreter the rapeutischer Nutzen noch konkrete notwendige Behandlungen sind ersichtlich. Prof. B.____ bringt lediglich vor, dass es wichtig gewesen sei in Erfahrung zu bringen, dass für die Krankh eit das CHS-Gen verantwortlich sei. Dies genügt jedoch nicht, um die Kriterien und die An forderungen gestützt auf Anhang 3 der KLV gerecht zu werden. 8. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass d ie Behandlung, aufgrund welcher die Untersuchung zur Vorabklärung gemacht wurde , das Erfordernis der Wirksamkeit nicht erfüllt. Dazu fehlen insbesondere wissenschaftlich e (Langzeit-)Studien zur Therapie von Prof. MacLaren betreffend das Ergebnis und die Erfahru ngen sowie den Erfolg dieser Behand- lungsmethode. Zudem liegen auch keine anerkannten wissen schaftlichen Erkenntnisse betref- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fend allfälligen negativen Spätfolgen der Therapie vo r. Die Therapiemassnahmen, auf die sich der Beschwerdeführer bezieht, sind nicht nach internatio nalen wissenschaftlichen Richtlinien anerkannt und können daher nicht als im krankenversicherung srechtlichen Sinne wirksam gel- ten. Es ist folglich nicht dargetan, dass die hier zu beurteilende Diagnostik mit einer akzeptablen Wahrscheinlichkeit der Krankheitsbehandlung dient bezieh ungsweise therapeutische Konse- quenzen nach sich zieht. Der vorliegende Fall gibt fern er auch keinen Anlass, vom Erfordernis, dass ein Behandlungskonzept von Forschern und Praktikern de r medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis als geeignet definiert wird, abzusehen. Eine Vergütung der Kosten erweist sich erst dann als sachgerecht, wenn gefestigte Erkenntnisse übe r die – objektive – Eignung einer Behandlung für den medizinischen Erfolg vorliegen. Bei dieser Ausgangslage erübrigt sich eine Prüfung der weiteren Voraussetzungen von Art. 32 Abs. 1 KVG, da diese kumulativ erfüllt sein müssen. Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Pflicht zu r Übernahme der Laborkosten somit mit Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2015 zu Recht. Aus diesem Grund ist die Beschwerde abzuweisen. 9. Es verbleibt, über die Kosten zu entscheiden. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens sind die ausserordentlichen Kosten wettzuschlagen (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht