<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 41 S.245</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">245</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>41</b></span> <span class="ft2"><b>Therapieaufenthalte suchtmittelabhängiger Personen (§ 14 SPG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen der Kostenübernahme.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Nur bei einer Gleichwertigkeit zweier Therapieangebote liegt es im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ermessen der Sozialbehörde, das günstigere bzw. das von der Kran-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kenkasse anerkannte zu wählen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 20. Juni 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">Einwohnergemeinde X. gegen das Bezirksamt Aarau (WBE.2008.79).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Sozialhilfe bezweckt die Existenzsicherung, fördert die wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche und persönliche Selbstständigkeit und unterstützt die ge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaftliche Integration (§ 4 Abs. 1 SPG). Die Existenzsicherung</span><br/> <span class="ft1">gewährleistet Ernährung, Kleidung, Obdach und medizinische</span><br/> <span class="ft1">Grundversorgung (§ 3 Abs. 1 SPV). Materielle Hilfe wird auf Ge-</span><br/> <span class="ft1">such hin in der Regel durch Geldleistungen oder durch Erteilung von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">246</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kostengutsprachen gewährt (§ 9 Abs. 1 SPG). Kostengutsprachen</span><br/> <span class="ft1">sind, sofern die Voraussetzungen zur Gewährung materieller Hilfe</span><br/> <span class="ft1">gegeben sind, insbesondere an medizinische Leistungserbringer im</span><br/> <span class="ft1">ambulanten und im stationären Bereich sowie an Heime zu erteilen</span><br/> <span class="ft1">(§ 9 Abs. 1 SPV). Ohne Kostengutsprache oder bei verspäteter Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchstellung besteht keine Pflicht zur Kostenübernahme bereits er-</span><br/> <span class="ft1">brachter Leistungen (§ 9 Abs. 4 SPV). Für die Bemessung der mate-</span><br/> <span class="ft1">riellen Hilfe sind gemäss § 10 Abs. 1 SPG i.V.m. § 10 Abs. 1 SPV</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich die Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung</span><br/> <span class="ft1">der Sozialhilfe, herausgegeben von der Schweizerischen Konferenz</span><br/> <span class="ft1">für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien), 3.</span> <span class="ft1">Auflage, Dezember 2000,</span><br/> <span class="ft1">verbindlich.</span><br/> <span class="ft1">Die Kosten des Aufenthalts suchtmittelabhängiger Personen in</span><br/> <span class="ft1">einer Therapieeinrichtung werden als materielle Hilfe übernommen,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Therapieeinrichtung im Sinne von § 15 SPG anerkannt ist.</span><br/> <span class="ft1">Besondere Bestimmungen bleiben vorbehalten (§ 14 Abs. 1 SPG).</span><br/> <span class="ft1">Die Gemeinde entscheidet beförderlich über die Erteilung der Kos-</span><br/> <span class="ft1">tengutsprache (§ 14 Abs. 3 SPG). Sie stützt sich bei ihrem Entscheid</span><br/> <span class="ft1">auf die Abklärungen und Empfehlungen medizinischer und anderer</span><br/> <span class="ft1">Fachstellen, die dabei die Bedürfnisse der Hilfe suchenden Personen</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigen (§ 14 Abs. 4 SPG).</span><br/> <span class="ft1">Die Pflicht zur Erteilung einer Kostengutsprache für Aufent-</span><br/> <span class="ft1">halte in Heimen oder Kliniken als Form materieller Hilfe ist nach der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung an verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Neben</span><br/> <span class="ft1">der materiellen Notlage, die es dem Gesuchsteller unmöglich macht,</span><br/> <span class="ft1">für die Kosten einer therapeutischen Behandlung - nach Abzug all-</span><br/> <span class="ft1">fälliger Versicherungsleistungen - selber aufzukommen, muss seine</span><br/> <span class="ft1">Behandlungsbedürftigkeit, aber auch seine Behandlungswilligkeit</span><br/> <span class="ft1">feststehen. Im Weiteren muss die dafür vorgesehene Institution für</span><br/> <span class="ft1">die Behandlung geeignet sein. Soweit erforderlich, ist zur Beant-</span><br/> <span class="ft1">wortung dieser Fragen auf die Beurteilung von Fachleuten abzustel-</span><br/> <span class="ft1">len (AGVE 1993, S. 613 mit Hinweis; VGE II/28 vom 9. April 2003</span><br/> <span class="ft1">[BE.2003.00038], S. 16 f.).</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdegegner ist drogensüchtig. Er hat am 7. August</span><br/> <span class="ft1">2007 einen ersten Anlauf für einen Entzug mit anschliessender</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">247</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Suchttherapie genommen. Dieser Versuch wurde am 24. September</span><br/> <span class="ft1">2007 abgebrochen. Am 16. Oktober 2007 meldete sich der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegner erneut für eine Entzugsbehandlung in der Klinik für</span><br/> <span class="ft1">Suchtmedizin an. Diese erachtete den Beschwerdegegner nach er-</span><br/> <span class="ft1">folgter Entzugsbehandlung als rückfallgefährdet. Die Behandlungs-</span><br/> <span class="ft1">bedürftigkeit des suchtmittelabhängigen Beschwerdegegners ist des-</span><br/> <span class="ft1">halb für das Verwaltungsgericht erstellt. Gleichermassen verhält es</span><br/> <span class="ft1">sich mit dessen Behandlungswilligkeit. Beim ersten Therapieversuch</span><br/> <span class="ft1">ist der Beschwerdegegner zwar gescheitert. Daraus kann jedoch nicht</span><br/> <span class="ft1">ohne weiteres auf eine fehlende Behandlungswilligkeit geschlossen</span><br/> <span class="ft1">werden. Therapieabbrüche und wiederholte Anläufe für eine Sucht-</span><br/> <span class="ft1">therapie kommen bei Drogenabhängigen relativ häufig vor. Dass der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegner behandlungsbedürftig und behandlungswillig ist,</span><br/> <span class="ft1">wird denn auch von der Einwohnergemeinde X. nicht bestritten. Des-</span><br/> <span class="ft1">halb hat sie in ihrem ablehnenden Beschluss vom 26. November</span><br/> <span class="ft1">2007 ausdrücklich festgehalten, dass sie die Kostengutsprache ge-</span><br/> <span class="ft1">genüber der Klinik im Hasel aufrechterhalten werde.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Strittig ist, ob der zweite Therapieversuch des Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft1">ners wiederum in der Klinik im Hasel oder im Reha-Zentrum Nie-</span><br/> <span class="ft1">derlenz (mit einem vorgängigen Übergangsprogramm in der Klinik</span><br/> <span class="ft1">für Suchtmedizin) durchzuführen ist.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">3.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Klinik für Suchtmedizin empfiehlt für den zweiten Versuch</span><br/> <span class="ft1">einer suchtspezifischen stationären Langzeittherapie nicht mehr die</span><br/> <span class="ft1">Klinik im Hasel, sondern das Reha-Zentrum Niederlenz. Dieses biete</span><br/> <span class="ft1">einen überschaubareren, familiären Rahmen und sei aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">spezifischen Bedürfnisstruktur und der persönlichen Biografie des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegners bestens geeignet. Für die Zeit bis zum Übertritt</span><br/> <span class="ft1">in das Reha-Zentrum Niederlenz wird das sozialtherapeutische</span><br/> <span class="ft1">Übergangsprogramm in der Klinik für Suchtmedizin empfohlen.</span><br/> <span class="ft1">Die Klinik im Hasel erachtet den Beschwerdegegner für eine</span><br/> <span class="ft1">erneute Aufnahme als nicht geeignet. Die Klinik im Hasel setze ein</span><br/> <span class="ft1">hohes Mass an Eigenverantwortung und Selbstdisziplin als Basis für</span><br/> <span class="ft1">eine erfolgreiche Therapie voraus. Diese Voraussetzungen habe der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">248</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegner nicht mitbringen können. Geeigneter wären des-</span><br/> <span class="ft1">halb eher familiär ausgerichtete Therapiesettings mit deutlich struk-</span><br/> <span class="ft1">turierenden und kontrollierenden Elementen, wie sie z.B. das Reha-</span><br/> <span class="ft1">Zentrum Niederlenz darstelle.</span><br/> <span class="ft1">3.1.2. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.1.3.</span><br/> <span class="ft1">Im verwaltungs- sowie im verwaltungsgerichtlichen Verfahren</span><br/> <span class="ft1">gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Die Behörden prüfen</span><br/> <span class="ft1">den Sachverhalt von Amtes wegen und stellen hiezu die notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Ermittlungen an. Sie würdigen das Ergebnis der Untersuchung frei</span><br/> <span class="ft1">und wenden das Recht von Amtes wegen an (§ 20 Abs. 1 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">Auf Gutachten ist abzustellen, wenn sie schlüssig erscheinen. Ein</span><br/> <span class="ft1">Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise</span><br/> <span class="ft1">widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergut-</span><br/> <span class="ft1">achten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen ge-</span><br/> <span class="ft1">langt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein,</span><br/> <span class="ft1">wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten</span><br/> <span class="ft1">dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Ge-</span><br/> <span class="ft1">richtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung</span><br/> <span class="ft1">durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne</span><br/> <span class="ft1">Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende</span><br/> <span class="ft1">Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 Erw. 3a/aa mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen).</span><br/> <span class="ft1">3.1.4.</span><br/> <span class="ft1">Die Empfehlungen der Klinik für Suchtmedizin sowie der Kli-</span><br/> <span class="ft1">nik Hasel liefern nachvollziehbare Begründungen, weshalb ein</span><br/> <span class="ft1">zweiter Anlauf für eine stationäre Drogentherapie in einer anderen</span><br/> <span class="ft1">Institution als der Klinik im Hasel erfolgen sollte. Diese Begründun-</span><br/> <span class="ft1">gen erscheinen dem Verwaltungsgericht als schlüssig. Allein aus dem</span><br/> <span class="ft1">Umstand, dass die Klinik für Suchtmedizin und das Reha-Zentrum</span><br/> <span class="ft1">der gleichen Stiftung angehören, kann noch nicht der Schluss gezo-</span><br/> <span class="ft1">gen werden, die betreffenden Fachpersonen seien nicht in der Lage,</span><br/> <span class="ft1">unabhängige Empfehlungen abzugeben. Dies zeigt sich auch daraus,</span><br/> <span class="ft1">dass die Klinik für Suchtmedizin den Beschwerdegegner anlässlich</span><br/> <span class="ft1">des ersten Entzugs auf die verschiedenen Therapieangebote hinge-</span><br/> <span class="ft1">wiesen und anschliessend eine Empfehlung für die Klinik im Hasel</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">249</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">abgegeben hat. Der Vorhalt, die Klinik im Hasel hätte bei einer all-</span><br/> <span class="ft1">fälligen Unterbelegung eine andere Empfehlung abgegeben, stellt</span><br/> <span class="ft1">eine reine Vermutung dar. Die Einwohnergemeinde X. hält denn auch</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich fest, dass sie an der Fachkompetenz der Personen, wel-</span><br/> <span class="ft1">che diese Empfehlungen verfasst haben, nicht zweifle, und beantragt</span><br/> <span class="ft1">kein Obergutachten.</span><br/> <span class="ft1">Unter Berücksichtigung der fachrichterlichen Mitwirkung bei</span><br/> <span class="ft1">der Beurteilung der Empfehlungen der betreffenden Fachstellen ist</span><br/> <span class="ft1">der relevante Sachverhalt für die umstrittene Frage, bei welcher In-</span><br/> <span class="ft1">stitution Kostengutsprache für eine stationäre suchtspezifische Lang-</span><br/> <span class="ft1">zeittherapie Kostengutsprache zu erteilen sei, ausreichend erstellt.</span><br/> <span class="ft1">Auf die Vornahme weiterer Abklärungen oder das Einholen weiterer</span><br/> <span class="ft1">Gutachten kann deshalb verzichtet werden.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Einwohnergemeinde X. stellt die Eignung des Reha-Zent-</span><br/> <span class="ft1">rums Niederlenz (sowie des Übergangsprogramms in der Klinik für</span><br/> <span class="ft1">Suchtmedizin) nicht grundsätzlich in Frage. Sie macht jedoch gel-</span><br/> <span class="ft1">tend, dass auch die Klinik im Hasel geeignet und zumutbar sei. Dies</span><br/> <span class="ft1">müsse aus dem Umstand geschlossen werden, dass es sich bei der</span><br/> <span class="ft1">Suchtklinik Hasel um eine von den Krankenkassen anerkannte The-</span><br/> <span class="ft1">rapieinstitution handle. Der Unterschied zwischen den beiden Thera-</span><br/> <span class="ft1">pieeinrichtungen liege vor allem in den für die Einwohnergemeinde</span><br/> <span class="ft1">X. entstehenden Kosten. Bei im Wesentlichen medizinischer/thera-</span><br/> <span class="ft1">peutischer Gleichwertigkeit der Angebote müsse auch der - vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gend sogar enorme - Preisunterschied für das zahlungspflichtige Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinwesen eine Rolle spielen dürfen.</span><br/> <span class="ft1">Die Gewährleistung der Existenzsicherung umfasse nur die me-</span><br/> <span class="ft1">dizinische Grundversorgung gemäss § 3 Abs. 1 SPV. Medizinische</span><br/> <span class="ft1">Grundversorgung heisse nicht Finanzierung nach den Wünschen und</span><br/> <span class="ft1">Vorstellungen des sozialhilfeberechtigten Anspruchsstellers mit allen</span><br/> <span class="ft1">zu Verfügung stehenden Mitteln und Institutionen, ungeachtet der</span><br/> <span class="ft1">Kosten für die Allgemeinheit.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 5 Abs. 1 SPG bestehe ein Anspruch auf Sozialhilfe</span><br/> <span class="ft1">nur, wenn u.a. andere Hilfeleistungen nicht erhältlich seien oder</span><br/> <span class="ft1">nicht ausreichten. Mit seiner Weigerung, in die Klinik im Hasel ein-</span><br/> <span class="ft1">treten zu wollen, verzichte der Beschwerdegegner freiwillig auf "an-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">250</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dere Hilfeleistungen", so insbesondere auf Beiträge der Krankenver-</span><br/> <span class="ft1">sicherung. Gemäss Bericht der Klinik im Hasel vom 16. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2007 sei er zum damaligen Zeitpunkt von der Situation überfordert</span><br/> <span class="ft1">gewesen. Dies bedeute nicht, dass er es heute immer noch sei. Er be-</span><br/> <span class="ft1">finde sich bereits zum zweiten Mal in der Klinik für Suchtmedizin.</span><br/> <span class="ft1">Die Einwohnergemeinde X. fragt sich, wieso dies nicht auch in der</span><br/> <span class="ft1">Klinik im Hasel möglich sein soll.</span><br/> <span class="ft1">Die Einwohnergemeinde X. kritisiert weiter das Schreiben des</span><br/> <span class="ft1">Departementsvorstehers des DGS vom 12. Februar 2007. Sie könne</span><br/> <span class="ft1">mit der dort geäusserten Meinung, dass aus gesundheitspolitischen,</span><br/> <span class="ft1">ethischen und volkswirtschaftlichen Überlegungen in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft1">gesamthaft eingesetzten Mittel von Gemeinden, Kanton und Kran-</span><br/> <span class="ft1">kenkassen nur die am besten geeigneten und die erfolgversprechend-</span><br/> <span class="ft1">sten Behandlungen süchtigen Menschen ermöglicht werden sollten,</span><br/> <span class="ft1">nichts anfangen. Die Einwohnergemeinde X. stellt die rechtliche</span><br/> <span class="ft1">Verbindlichkeit dieses Schreiben in Frage.</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">3.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Existenzsicherung umfasst u.a. die medizinische Grundver-</span><br/> <span class="ft1">sorgung (§ 4 Abs. 1 SPG i.V.m. § 3 Abs. 1 SPV). Zur genaueren</span><br/> <span class="ft1">Festlegung, was unter die medizinische Grundversorgung fällt, haben</span><br/> <span class="ft1">die SKOS-Richtlinien (siehe vorne Erw. 1) z.B. in Bezug auf Kosten-</span><br/> <span class="ft1">gutsprachen für Zahnbehandlungen die Grundsätze von Art. 32</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 KVG sinngemäss übernommen (SKOS-Richtlinien, Kapi-</span><br/> <span class="ft1">tel H-2). Nach dieser Bestimmung müssen die von der Krankenver-</span><br/> <span class="ft1">sicherung übernommenen Leistungen wirksam, zweckmässig und</span><br/> <span class="ft1">wirtschaftlich sein. Das Sozialhilfe- und Präventionsgesetz regelt je-</span><br/> <span class="ft1">doch die Voraussetzung der Kostenübernahme für Therapieaufent-</span><br/> <span class="ft1">halte suchtmittelabhängiger Personen in einem gesonderten Ab-</span><br/> <span class="ft1">schnitt (vgl. § 14 SPG; Abschnitt: "IV. Sonderbestimmungen", sowie</span><br/> <span class="ft1">§ 16 SPV). Die oben erwähnten Grundsätze des Krankenversiche-</span><br/> <span class="ft1">rungsgesetzes finden in den sozialhilferechtlichen Bestimmungen zu</span><br/> <span class="ft1">Kostengutsprachen für Therapieeinrichtungen keine Erwähnung. Die</span><br/> <span class="ft1">dem Kostengutsprachegesuch beizulegenden Stellungnahmen von</span><br/> <span class="ft1">Fachstellen haben sich gemäss § 16 Abs. 2 SPV zur Therapiebedürf-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit und Therapiebereitschaft der gesuchstellenden Person zu äus-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">251</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sern sowie sich mit der Frage der geeigneten Therapieeinrichtung</span><br/> <span class="ft1">auseinanderzusetzen. Die genannte Bestimmung sieht aber ausdrück-</span><br/> <span class="ft1">lich vor, dass die Fachstellen auch zu weiteren Faktoren Stellung</span><br/> <span class="ft1">nehmen ("nebst anderem"). Unter diesem Gesichtspunkt kann auch</span><br/> <span class="ft1">die Frage der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigt werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Stellungnahmen der Fachstellen bedeuten nicht, dass der</span><br/> <span class="ft1">Sozialbehörde beim Entscheid über das Gesuch keinerlei Ermessen</span><br/> <span class="ft1">zukommt. Fachspezifische Beurteilungen, wie hier die Frage der</span><br/> <span class="ft1">Notwendigkeit einer suchtspezifischen Langzeittherapie für eine So-</span><br/> <span class="ft1">zialhilfeempfängerin, können zu einem Ergebnis führen, wonach</span><br/> <span class="ft1">eine solche Behandlung zwar als nicht zwingend geboten, jedoch als</span><br/> <span class="ft1">wünschbar erscheint. In diesem Sinne verbleibt der entscheidungsbe-</span><br/> <span class="ft1">fugten Sozialbehörde durchaus ein Ermessensspielraum. Bei der</span><br/> <span class="ft1">diesbezüglichen Ermessensausübung darf und muss sie auch andere</span><br/> <span class="ft1">sachliche Gesichtspunkte (nicht fachspezifischer Art) berücksichti-</span><br/> <span class="ft1">gen, namentlich auch finanzielle Gesichtspunkte (Entscheid des</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 19.</span> <span class="ft1">Mai 2004</span><br/> <span class="ft1">[VB.2004.00088], Erw. 3.5). Stehen sich zwei gleichwertige Thera-</span><br/> <span class="ft1">pieangebote gegenüber, liegt es ebenfalls im Ermessen der Sozialbe-</span><br/> <span class="ft1">hörde, das günstigere zu wählen (vgl. SOG 1998, S. 118). Dies ergibt</span><br/> <span class="ft1">sich bereits aus § 4 SPG, wonach die Sozialhilfe (lediglich) die Exis-</span><br/> <span class="ft1">tenzsicherung bezweckt. Es ergibt sich aber auch aus der Pflicht der</span><br/> <span class="ft1">Gemeindebehörden, mit den ihnen zu Verfügung stehenden finanziel-</span><br/> <span class="ft1">len Mitteln sinnvoll und haushälterisch umzugehen (vgl. dazu § 2</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 des für die kantonalen Behörden und die kantonale Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tung geltenden Gesetzes über die wirkungsorientierte Steuerung von</span><br/> <span class="ft1">Aufgaben und Finanzen vom 11. Januar 2005 [GAF; SAR 612.100],</span><br/> <span class="ft1">wonach die zur Erfüllung der Aufgaben erbrachten Leistungen</span><br/> <span class="ft1">[Geld-, Sach- oder Dienstleistungen] auf ihre Wirksamkeit und Wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichkeit zu überprüfen sind).</span><br/> <span class="ft1">3.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Schreiben des Departementsvorstehers des DGS vom</span><br/> <span class="ft1">12. Februar 2007, welches das Resultat einer Diskussion im Fach-</span><br/> <span class="ft1">ausschuss DGS festhält, steht mit dieser Rechtsprechung im Ein-</span><br/> <span class="ft1">klang. Es hält fest, dass für die Auswahl der Therapie nicht aus-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schliesslich der finanzielle Aspekt im Vordergrund stehen könne. Bei</span><br/> <span class="ft1">der Beurteilung seien fachliche Argumente im Sinne der Gesetzge-</span><br/> <span class="ft1">bung (§§ 14 und 15 SPG, insbesondere § 14, sowie §§ 16 und 17</span><br/> <span class="ft1">SPV, insbesondere § 16) mit zu berücksichtigen. Der Erfolg könne</span><br/> <span class="ft1">sich nur einstellen, wenn der Patient die für ihn geeignetste Behand-</span><br/> <span class="ft1">lung erhalte.</span><br/> <span class="ft1">Die Empfehlungen eines Fachausschusses weisen weder Geset-</span><br/> <span class="ft1">zeskraft auf noch binden sie grundsätzlich den Richter oder die Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsbehörden. Dennoch sind solche Empfehlungen oder Richtli-</span><br/> <span class="ft1">nien nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts in der Re-</span><br/> <span class="ft1">gel Ausdruck des Wissens und der Erfahrung bewährter Fachstellen</span><br/> <span class="ft1">und in diesem Sinn beachtlich (BGE vom 10. September 2007</span><br/> <span class="ft1">[1C_97/2007], Erw. 2.4 mit Hinweisen). Die Vorinstanz hat demnach</span><br/> <span class="ft1">zu Recht auf das Schreiben des Departementsvorstehers des DGS</span><br/> <span class="ft1">vom 12. Februar 2007 abgestellt.</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Der Kanton Aargau verfügt über mehrere Therapieeinrichtun-</span><br/> <span class="ft1">gen mit verschiedenartigen Angeboten für suchtmittelabhängige Per-</span><br/> <span class="ft1">sonen. Das Reha-Zentrum, die Klinik für Suchtmedizin und die Kli-</span><br/> <span class="ft1">nik im Hasel sind anerkannte Therapieeinrichtungen im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">§ 15 Abs. 1 SPG (Beschluss des Regierungsrats vom 28. Februar</span><br/> <span class="ft1">2007 [Art. Nr. 2007-0002343]). Eine dieser Institutionen - die Klinik</span><br/> <span class="ft1">im Hasel - ist von der Krankenkasse anerkannt. Dies führt dazu, dass</span><br/> <span class="ft1">sich im vorliegenden Fall zwei Therapieeinrichtungen zur Auswahl</span><br/> <span class="ft1">gegenüberstehen, die sich nicht nur durch ihr Konzept unterscheiden,</span><br/> <span class="ft1">sondern auch durch eine unterschiedliche finanzielle Belastung, wel-</span><br/> <span class="ft1">che sie für das kostentragende Gemeinwesen darstellen.</span><br/> <span class="ft1">Für das Verwaltungsgericht ist aufgrund der Stellungnahmen</span><br/> <span class="ft1">der Fachstellen (siehe vorne Erw. 3.1.1) erstellt, dass das Reha-Zen-</span><br/> <span class="ft1">trum Niederlenz (kombiniert mit dem sozialtherapeutischen Über-</span><br/> <span class="ft1">gangsprogramm in der Klinik für Suchtmedizin) für den Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">degegner die geeignete Therapieeinrichtung darstellt. Aus den Stel-</span><br/> <span class="ft1">lungnahme der Fachstellen geht deutlich hervor, dass die Klinik im</span><br/> <span class="ft1">Hasel den Beschwerdegegner überfordert, indem sie ein hohes Mass</span><br/> <span class="ft1">an Eigenverantwortung und Selbstdisziplin voraussetzt. Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegner benötigt einen überschaubaren, familiären Rahmen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">253</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sowie mehr strukturierende und kontrollierende Elemente, als ihm</span><br/> <span class="ft1">dies die Klinik im Hasel bieten kann. Die Fachstellen können sich</span><br/> <span class="ft1">bei diesen Empfehlungen auf die gemachten Erfahrungen während</span><br/> <span class="ft1">des ersten gescheiterten Therapieversuchs des Beschwerdegegners in</span><br/> <span class="ft1">der Klinik im Hasel abstützen. Es wäre somit - auch unter finanziel-</span><br/> <span class="ft1">len Gesichtspunkten - wenig sinnvoll, trotz der negativen Erfahrun-</span><br/> <span class="ft1">gen, welche im vorliegenden Fall mit dem Therapiekonzept in der</span><br/> <span class="ft1">Klinik im Hasel gemacht wurden, versuchsweise nochmals einen</span><br/> <span class="ft1">zweiten, gleichartigen Versuch zu starten, wie dies die Einwohner-</span><br/> <span class="ft1">gemeinde X. fordert. Vielmehr leuchtet es ein, dass für den Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegner ein andersartiges Therapiekonzept für den zweiten</span><br/> <span class="ft1">Versuch fachspezifisch indiziert ist.</span><br/> <span class="ft1">Ist - wie vorliegend - nur eine der beiden Institutionen auf-</span><br/> <span class="ft1">grund ihres Konzepts für eine Therapie des Beschwerdegegners ge-</span><br/> <span class="ft1">eignet, so stehen einander nicht zwei gleichwertig geeignete Thera-</span><br/> <span class="ft1">pieeinrichtungen gegenüber. Damit verbleibt auch kein Ermessens-</span><br/> <span class="ft1">spielraum für die kostentragende Gemeinde, die kostengünstigere</span><br/> <span class="ft1">Variante auszuwählen (siehe vorne Erw. 3.3).</span><br/> <span class="ft1">Unbehelflich ist auch die Berufung auf das in § 5 Abs. 1 SPG</span><br/> <span class="ft1">ausgedrückte Subsidiaritätsprinzip (siehe vorne Erw. 3.2), wonach</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf Sozialhilfe besteht, sofern die eigenen Mittel nicht ge-</span><br/> <span class="ft1">nügen und andere Hilfeleistungen nicht rechtzeitig erhältlich sind</span><br/> <span class="ft1">oder nicht ausreichen. Dem Beschwerdegegner kann nicht entgegen-</span><br/> <span class="ft1">gehalten werden, er müsse die für ihn nicht geeignete Therapie als</span><br/> <span class="ft1">"andere Hilfeleistung" in Anspruch nehmen.</span><br/> <span class="ft1">Die Einwohnergemeinde X. hat deshalb die Kostengutsprache</span><br/> <span class="ft1">für den zweiten Therapieversuch im Reha-Zentrum Niederlenz</span><br/> <span class="ft1">(kombiniert mit dem sozialtherapeutischen Übergangsprogramm in</span><br/> <span class="ft1">der Klinik für Suchtmedizin) zu Unrecht abgelehnt. Die Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">ist demnach vollumfänglich abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>