<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">52</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>5</b></span> <span class="ft4"><b>Art. 40 VVG</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Die betrügerische Begründung des Versicherungsanspruchs im Sinne von</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Art. 40 VVG ist den Mängeln der Vertragserfüllung gleich zu stellen, wes-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>halb auf die Rückabwicklung die vertraglichen (und nicht die bereiche-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>rungsrechtlichen) Regeln anzuwenden sind.</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 9. Juni</span><br/> <span class="ft6">2015 i.S. A. Versicherungen AG gegen N.P. (VKL.2014.22).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Der Beklagte erhob gegen die Rückforderung der Klägerin die</span><br/> <span class="ft1">Einrede der Verjährung. Daher ist vorab auf die Verjährungspro-</span><br/> <span class="ft1">blematik einzugehen.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die allgemeinen Vertragsbedingungen (...) enthalten keine Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung zur Rückforderung und keine Verjährungsregel. Es ist zu</span><br/> <span class="ft1">entscheiden, ob die Rückerstattung zu viel bezahlter Krankentaggeld-</span><br/> <span class="ft1">leistungen im konkreten Fall nach den Regeln der ungerechtfertigten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Sozialversicherungsrecht</span> <span class="page_no">53</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bereicherung (Art. 62 ff. OR) abzuwickeln ist oder aber Vertrags-</span><br/> <span class="ft1">recht zur Anwendung gelangt. Ein vertraglicher Anspruch schliesst</span><br/> <span class="ft1">nach herrschender Lehre und Praxis einen Bereicherungsanspruch</span><br/> <span class="ft1">aus (BGE 126 III 119 E. 3a; 114 II 152 E. 2c und 2d).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgericht hatte in seiner früheren Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">mehrfach entschieden, dass auf die Rückforderung bereits geleisteter</span><br/> <span class="ft1">Zahlungen im Falle eines Rücktritts wegen betrügerischer An-</span><br/> <span class="ft1">spruchsbegründung (Art. 40 VVG) das Recht der ungerechtfertigten</span><br/> <span class="ft1">Bereicherung anwendbar sei (BGE 42 II 674 E. 2a; 126 III 119 E.</span><br/> <span class="ft1">3e; 127 III 421 E. 3c/bb). In der neueren Lehre und Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">hat sich indessen die generelle Tendenz entwickelt, Ansprüche ver-</span><br/> <span class="ft1">mehrt auf eine vertragliche denn auf die bereicherungsrechtliche</span><br/> <span class="ft1">Grundlage zu stützen (BGE 114 II 152 E. 2; 126 III 119 E. 3c; 132</span><br/> <span class="ft1">III 242 E. 4.1). In seinem Urteil 5C_59/2006 vom 1. Juni 2006 warf</span><br/> <span class="ft1">das Bundesgericht alsdann die Frage auf, ob sich diese Tendenz zur</span><br/> <span class="ft1">Einschränkung des Anwendungsbereichs des Bereicherungsrechts</span><br/> <span class="ft1">auch auf Rückforderungen nach einem Rücktritt gestützt auf Art. 40</span><br/> <span class="ft1">VVG auswirkt. Trotz Hinweise auf die vertragliche Natur der</span><br/> <span class="ft1">Rückforderungsansprüche nach allgemeinem Obligationenrecht liess</span><br/> <span class="ft1">es indes diese Frage offen.</span><br/> <span class="ft1">In einem neuen Entscheid hielt das Bundesgerichts nun fest,</span><br/> <span class="ft1">dass eine Rückabwicklung nach Bereicherungs- und Vindikations-</span><br/> <span class="ft1">recht lediglich noch in den Fällen vorzunehmen ist, in welchen Leis-</span><br/> <span class="ft1">tungen im Zusammenhang mit einem Vertrag erbracht wurden, der</span><br/> <span class="ft1">wegen Mängeln bei der Vertragsentstehung (Willensmängel, Form-</span><br/> <span class="ft1">mängel) nicht gültig zustande gekommen ist. Wenn dagegen ein zu-</span><br/> <span class="ft1">nächst gültig zustande gekommener Vertrag aus nachträglich einge-</span><br/> <span class="ft1">tretenen Gründen scheitert, kommt eine Rückabwicklung nach</span><br/> <span class="ft1">vertraglichen Grundsätzen in Betracht. Von seinem solchen vertragli-</span><br/> <span class="ft1">chen Rückabwicklungsverhältnis geht das Bundesgericht denn auch</span><br/> <span class="ft1">bei einem Dahinfallen des Vertrags infolge eines Rücktritts wegen</span><br/> <span class="ft1">Erfüllungsmängeln aus (BGE 137 III 243 E. 4.4.7). Bei der hier</span><br/> <span class="ft1">strittigen betrügerischen Begründung des Versicherungsanspruchs im</span><br/> <span class="ft1">Sinn von Art. 40 VVG handelt es sich nun nicht um einen Mangel</span><br/> <span class="ft1">der Vertragsentstehung sondern der Fehltatbestand steht vielmehr im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">54</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Zusammenhang mit der Vertragserfüllung; die Klägerin wirft dem</span><br/> <span class="ft1">Beklagten vor, nach Vertragsabschluss, im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft1">Geltendmachung von Versicherungsansprüchen, Pflichten verletzt zu</span><br/> <span class="ft1">haben.</span><br/> <span class="ft1">Vor dem Hintergrund dieser neuen Rechtsprechung rechtfertigt</span><br/> <span class="ft1">es sich daher, die betrügerische Begründung des Versicherungsan-</span><br/> <span class="ft1">spruchs im Sinne von Art. 40 VVG den Mängeln der Vertragser-</span><br/> <span class="ft1">füllung gleich zu stellen und auf die Rückabwicklung vertragliche</span><br/> <span class="ft1">Regeln anzuwenden.</span><br/> <span class="ft1">3.3. - 3.4</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>