Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. September 2012 (720 12 117) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Beginn Wartefrist Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Micha el Guex, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____, Betreff IV-Rente betr. B.____ A.1 Der 1972 geborene B.____ arbeitete von Februar 2 004 bis März 2005 und von Mai 2005 bis August 2005 bei der C.____. Aufgrund dieser Arbeitsverhältnisse war er bei der A.____ für die berufliche Vorsorge versichert. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Am 3. August 2007 meldete sich B.____ unter Hinw eis auf Ohrenprobleme, Migräne, psychische Probleme, Allergien sowie Knieprobleme bei d er Eidgenössischen Invalidenversi- cherung (IV) zum Leistungsbezug an und beantragte berufliche Massnahmen sowie eine Rente. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen und die er- werblichen Verhältnisse von B.____ ab. Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen lehnte sie mit Verfügung vom 19. November 2009 - nach durchge führtem Vorbescheidverfahren - ei- nen Anspruch des Versicherten bei einem rentenausschliessende n Invaliditätsgrads von 25% ab. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 23. Juni 2010, KGSV 720 10 3, da- hingehend gut, als es die Verfügung vom 19. November 2009 aufhob und die Angelegenheit an die IV-Stelle zurückwies, damit diese zusätzliche medizi nische Abklärungen vornehme und ge- stützt darauf neu verfüge. A.2 In Nachachtung des Urteils des Kantonsgerichts vom 23. Juni 2010 liess die IV-Stelle B.____ bei der D.____ untersuchen. In deren Gutachten vom 29. Juni 2011 wurde ausgeführt, dass B.____ ab 2005 aus psychiatrischer Sicht eine gering gradige Arbeitsunfähigkeit von 20% ausgewiesen habe. Ab 2010 sei B.____ jedoch für die bisher ausgeübten körperlich leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Hilfsarbeitertätigkei ten ohne Leistungseinschränkung zu 100% arbeitsfähig. Gestützt auf diese Angaben errechne te die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 2. März 2012, nachdem sie wiederum das Vorbescheidverfahren durchgeführt hatte, für die Zeit ab 2005 einen Invaliditätsgrad von 32% und mit Wirkun g ab 1. Januar 2010 einen solchen von 10%, weshalb sie das Leistungsbegehren von B.____ erneut abwies. B. Hiergegen erhob die A.____ am 5. April 2012 Beschw erde beim Kantonsgericht und beantragte, dass die angefochtenen Verfügung vom 2. M ärz 2012 betreffend den Zeitpunkt der Eröffnung der Wartefrist aufzuheben sei. Die einjähri ge Wartefrist sei am 8. Dezember 2003 oder früher zu eröffnen; unter o/e- Kostenfolgen. Z ur Begründung wurde im Wesentlichen und sinngemäss ausgeführt, dass in Bezug auf die Eröffnung de s Wartejahres nicht auf die Anga- ben im Gutachten der D.____ vom 29. Juni 2011 abgeste llt werden könne. Es bestünden genü- gend Hinweise, dass die Arbeitsunfähigkeit von B.____ be reits zu einem früheren Zeitpunkt eingetreten sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Juli 2012 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u ng : 1.1 Am 1. Januar 2003 sind das Bundesgesetz über den Al lgemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 und die Verord nung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) vom 11. September 2002 in Kraft getreten. Gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bun desgesetzes über die Invalidenversiche- rung (IVG) sind die Bestimmungen des ATSG auf die Inva lidenversicherung anwendbar. Im Weiteren hat der Bundesrat auf den 1. Januar 2004 di e vom Gesetzgeber am 21. März 2003 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht beschlossenen Änderungen des IVG und die von ihm am 21 . Mai 2003 verordneten Anpassun- gen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 (4. IV-Revision) in Kraft gesetzt. Die vom Gesetzgeber am 17. Juni 2007 be schlossenen Änderungen des IVG und die Anpassungen der IVV hat der Bundesrat auf den 1. Januar 2008 (5. IV-Revision) in Kraft gesetzt. Was die Anwendbarkeit dieser neuen materiell-rechtlichen Bestimmungen betrifft, ist in zeitlicher Hinsicht von hier nicht interessierenden Ausnahmen abgesehen der übergangs- rechtliche Grundsatz massgebend, wonach im Falle einer Änd erung der gesetzlichen Grundla- gen die Ordnung anwendbar ist, die zurzeit galt, als si ch der zu Rechtsfolgen führende Sach- verhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1). 1.2 Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist strittig, ob die Wartezeit - wie von der Be- schwerdeführerin moniert - am 8. Dezember 2003 zu laufe n begann. Somit hat sich der mass- gebliche Sachverhalt nach dem 1. Januar 2003, jedoch v or dem 1. Januar 2008 verwirklicht. Das Leistungsbegehren ist somit unter Berücksichtigung de r Bestimmungen des ATSG sowie der im Rahmen der 4. IV-Revision erfolgten Änderungen des IVG und der IVV sowie die damit einhergehenden Anpassungen des ATSG zu beurteilen (vgl. Urteile des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung; Bundesgericht] vom 4. Juni 2004, H 6/04, vom 5. Juli 2004, I 690/03, E . 1.2.1 f. und vom 13. September 2004, I 256/04, E. 1.1). 1.3 Gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 69 IVG kann gegen Verfügungen der kantona- len IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versiche rungsgericht am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsgericht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. 1.4.1 Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, w elche die Leistungspflicht eines an- deren Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügu ng zu eröffnen. Dieser kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (Art. 49 Abs. 4 ATSG). Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochten e Verfügung oder den Einspracheent- scheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung hat. So ist namentlich eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge selbständig zur Beschwerde legitimiert, soweit durch den in Frage stehenden Einspracheentscheid ihre eigene Leistungspflicht beein- flusst wird (vgl. dazu T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, S. 477 f.). In BGE 132 V 1 ff. stellte das EVG fest, dass die durch die Judikatur näher umschrie- bene Bindungswirkung der Invaliditätsbemessung der Inval idenversicherung für die (obligatori- sche) berufliche Vorsorge (BGE 115 V 208 und 215 sowie 118 V 39 E. 2 und 3) in den Art. 23 ff. des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlasse nen- und Invalidenvorsorge (BVG) vom 25. Juni 1982 positivrechtlich ausdrücklich verankert i st. Dies zeige sich darin, dass sich der Leistungsanspruch auf eine Invalidenrente der obliga torischen beruflichen Vorsorge an den sachbezüglichen Voraussetzungen des IVG orientiert (Art. 23 lit. a BVG in der seit 1. Januar 2005 gültigen Fassung), die Höhe der berufsvorsorgerech tlichen Rente analog zu derjenigen nach IVG bestimmt wird und schliesslich für den Beginn des Anspruchs auf eine BVG- Invalidenrente gestützt auf Art. 26 Abs. 1 BVG sinnge mäss die entsprechenden IV-rechtlichen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bestimmungen (Art. 29 IVG) gelten. Indem die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung für die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge somit nach wie vor prinzipiell bindend ist, ist sie geeignet, die Leistungspflicht des BVG-Ver sicherers in grundsätzlicher, zeitlicher und masslicher Hinsicht im Sinne von Art. 49 Abs. 4 ATSG zu be rühren (vgl. Urteil des EVG vom 27. Juni 2006, I 89/06, E. 2). 1.4.2 In vorliegender Streitsache hat die IV-Stelle den Beginn des Rentenanspruchs auf den 1. Januar 2005 festgelegt. Damit wird beim Beigelade nen eine Arbeitsunfähigkeit statuiert, wel- che einen allfälligen vorsorgerechtlichen Anspruch ab di esem Zeitpunkt begründen könnte. Aufgrund der Bindung der Beschwerdeführerin an den In validitätsgrad und den Beginn des Rechtsanspruchs, wie sie durch die IV-Stelle festgelegt wurden (vgl. dazu U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2003, Art. 49 N 30), be steht ein rechtlich geschütztes Interesse und sie ist zur Beschwerde legitimiert. Auf die im Übr igen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist vorliegend einzig der Be ginn der Wartezeit. 3.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 BVG gelten für den Beginn d es Anspruchs auf Invalidenleistun- gen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des IVG. D er Rentenanspruch beginnt somit frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen war (Art. 29 Abs. 1 lit. b aIVG in der bis Ende Dezember 2 007 geltenden und vorliegenden anwend- baren Fassung). Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 A TSG ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Rechtspre- chungsgemäss handelt es sich dabei um eine Einbusse am fun ktionellen Leistungsvermögen (vgl. BGE 114 V 286) bzw. an psychischen Ressourcen, wobei n icht eine medizinisch- theoretische Schätzung der Arbeitsunfähigkeit massgebend ist (vgl. BGE 111 V 239). Vielmehr ist darauf abzustellen, in welchem Mass die versicherte Per son aus gesundheitlichen Gründen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich nicht mehr nu tzbringend tätig sein kann (BGE 115 V 404). Sie muss mindestens 20% betragen (Urteil des Bund esgerichts vom 11. August 2008, 9C_127/2008, E. 2.3, in: SVR 2008 BVG Nr. 34 mit Hinweisen). 3.2 Gemäss dem hier anwendbaren Vorsorgereglement de r Beschwerdeführerin in der ab 1. Januar 2005 gültigen Fassung (vgl. Art. 4.6.2) besteht der Anspruch auf die im Vorsorgeplan festgelegte Invalidenrente, solange der Invaliditätsgra d 25% oder mehr beträgt, längstens aber bis zur reglementarischen Pensionierung oder bis zum Tod. Bei der Pensionierung wird die In- validenrente durch eine Altersrente abgelöst. 4. Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwerd efall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweisen; LOCHER , a.a.O., S. 451 Rz 43 ff.). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwal- tung und im Streitfall das Gericht - auf Unterlagen a ngewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist e s, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2 , 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungn ahmen eine wichtige Grundlage für die Be- urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 6. Für die Beurteilung der strittige Frage sind folge nde ärztliche Berichte zu berücksichti- gen: 6.1 Im Bericht vom 17. Februar 2004 wurde vom Hausarzt d es Beigeladenen Dr. med. E.____, FMH für Allgemeinmedizin und Neuraltherapie SANTH, festgehalten, dass der Beigeladene in der Zeit vom 8. Dezember 2003 bis 12. J anuar 2004 aus psychischen Gründen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 100% arbeitsunfähig gewesen sei. Momentan sei er in ei ner leichten abwechslungsreichen Tä- tigkeit zu 50% arbeitsfähig. 6.2 Im Arztbericht für Erwachsene vom 6. August 2007 dia gnostizierte Dr. E.____ mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Migräne, De pressionen und Zukunfts-Angstgefühle seit vielen Jahren mit schweren Schlafstörungen sowie ei nen Hörverlust nach diversen Ohren- operationen. Seit März 2004 bestehe eine 50%ige Arbei tsunfähigkeit. Der Patient leide unter Schlafproblemen und könne erst gegen Mittag aufstehen. Aus diesem Grund sei er nur halb- tags, jeweils am Nachmittag, arbeitsfähig. Die letzte Untersuchung des Patienten habe im Feb- ruar 2004 stattgefunden. 6.3 Dr. med. F.____, Drogenberatung Baselland, stell te mit Arztbericht vom 23. November 2007 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Soziale Phobien bis hin zu Panikattacken (ICD-10:F40.1) seit 2005, chronische Schm erzen infolge Autounfall im 4. Lebensjahr, langjährige Migräne und Status nach zwe imaliger Ohrenoperation (1987 und 1997) aufgrund einer Mittelohrentzündung mit nachfol gendem progredientem Verlust des Hör- vermögens. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit se ien eine Opioidabhängigkeit, ge- genwärtig im Methadonprogramm (ICD-10:F11.22) seit 1 987, sowie eine Cannabisabhängig- keit, gegenwärtig abstinent (ICD-10:F12.20) seit 198 6, zu nennen. Im zuletzt ausgeübten Beruf als Hilfsarbeiter bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80% seit 2004. Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig. Die letzte Untersuchung habe am 13. November 2007 stattgefunden. 6.4 Am 19. September 2008 untersuchte Dr. med. G.___ _, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) beider Ba sel, den Beigeladenen. Im Bericht vom 6. Oktober 2008 diagnostizierte er mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht eine soziale Phobie (ICD-10 F40.1) sowie Probleme mit Bezug auf negative Kindheitserlebnisse (ICD-10 Z61). Ohne Einfluss bleibe die Störung durch psychotrope Substanzen. Als somatische Diagnosen gemäss den Akten bestünden eine Migräne und e in Status nach Ohrenoperationen wegen Mittelohrentzündungen des linken Ohres in den Jah ren 1987 und 1997 mit Hörverlust links. Aus rein psychiatrischer Sicht sei es dem Versicherte a ufgrund der sozialen Phobie nicht zumutbar, Tätigkeiten in Menschenmengen, mit Kundenkont akten oder Kundenkonfrontationen auszuüben. Er brauche eine Arbeit in einem kleineren, gut abgegrenzten Rahmen, ohne we- sentliche Laufkundschaft, ohne grössere Personalfluktuati onen und ohne übermässigen Zeit- und Leistungsdruck, Hektik oder emotionale Beanspruchung. B ei Erfüllung dieser Bedingungen sei der Versicherte für eine den somatischen Leiden ange passte Tätigkeit arbeitsfähig. Anam- nestisch werde eine Allergie auf Farbmittel geschilder t. Es würden zudem Hinweise auf körper- liche Schmerzen vorliegen, die der Versicherte bei der Untersuchung jedoch nur am Rande erwähne. Schwere körperliche Tätigkeiten seien nicht gee ignet. Eine körperlich leichte bis mit- telschwere Tätigkeit sollte dagegen ohne wesentliche Leist ungseinbusse möglich sein. Ange- sichts der qualitativen Einschränkung sei eine rund 20%i ge Verminderung der Arbeitsleistung nachvollziehbar. Wenn der Versicherte heute nicht in der Lage sei, in einer vollen Anstellung zu reüssieren, so müssten invaliditätsfremde Faktoren berücksi chtigt werden, insbesondere die seit drei Jahren andauernde vollständige Arbeitskarenz. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Im Rahmen des ersten Beschwerdeverfahrens vor Kanto nsgericht (KS SV 720 10 3) holte die IV-Stelle bei Dr. G.____ eine Stellungnah me zu den vom Beigeladenen zur medizini- schen Sachverhaltsabklärung erhobenen Rügen ein. Im Ber icht vom 2. Februar 2010 hielt Dr. G.____ fest, dass der Beigeladene auf wiederholte Aufgebote von Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, nicht erschienen sei u nd sich erst auf Mahnung hin zur RAD-Untersuchung eingefunden habe. Er habe sodann au ch auf mehrmaliges Nachfragen hin das Vorliegen von Kopfschmerzen und Migräne nicht bzw. n ur marginal und nur in Hinblick auf eine Reservemedikation erwähnt. Wenn diese Beschwerde n nur am Rand erwähnt würden, könne dies aber nicht zu einer weiteren Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Zudem habe der Beigeladene gesagt, dass er diese Beschwerden mit der Einnahme eines Medikamentes im Griff habe, weshalb nicht von einer dauerhaften vollen Arbeitsunfähigkeit gesprochen werden könne. Der Hörverlust schränke die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Auf dem rechten Ohr höre der Beigeladene normal, die Kommunikation sei nicht eingeschränkt. Dr. E.____ habe ihn zuletzt im Februar 2004 gesehen. Es handle sich somit nicht um ein e zeitnahe Berichterstattung. Zudem sei bezeichnend, dass Dr. E.____ als Allgemeinpraktiker di e Arbeitsunfähigkeit hauptsächlich mit psychischen Gesundheitsproblemen begründet habe. 6.6 Dem in Nachachtung des Urteils des Kantonsgerichts vom 2 3. Juni 2010 (KS SV 720 10 3) erstellten Gutachten der D.____ vom 29. Juni 20 11 ist zu entnehmen, dass beim Beigela- denen im Untersuchungszeitpunkt keine Diagnose mit Auswi rkung auf die Arbeitsfähigkeit be- stand. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten ei ne somatoforme autonome Funktionsstö- rung des unteren Gastrointestinaltraktes, eine soziale Phobie, eine Störung durch multiplen Substanzkonsum mit nach Methadonprogramm fortgesetztem Cannabis- und Nikotinkonsum, eine hochgradige Schwerhörigkeit links, eine Angabe von l eichtgradigen Sensibilitätsstörungen linksseitig im Gesicht und am Arm sowie ein Status nach Tot aloperation eines Dermatofibrosar- koms im rechten Unterbauch und Deckung mit Oberschenkellap pen am 30. Januar 2008 be- standen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit wurde aus po lydisziplinärer Sicht bestätigt, dass der Beigeladene für die bisher ausgeübten, körperlich leicht en bis mittelschweren, wechselbelas- tenden Tätigkeiten ohne Leistungseinschränkung zu 100% arbeitsfähig sei. Betreffend den Be- ginn und den Verlauf der Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der anamnestischen Angaben, der selbst erhobenen Untersuchungsbefunde, der vorhandenen Akten sowie der früher attestierten Ar- beitsunfähigkeiten davon auszugehen, dass ab 2005 vorwieg end aufgrund der sozialen Pho- bien eine geringgradige Arbeitsunfähigkeit aus psychia trischer Sicht von 20% bestanden habe. Seit anfangs 2010 könne von einer Verbesserung des Gesu ndheitszustandes und von einer 100%igen Arbeits- und Leistungsfähigkeit ausgegangen werden. 7.1 Die IV-Stelle stellte zur Beurteilung des Gesundh eitszustandes und der Frage der Ar- beitsfähigkeit auf die Ausführungen im Gutachten der D.____ vom 29. Juni 2011 ab. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beigeladene aus psychiatrische r Sicht ab dem Jahre 2005 dauernd bis anfangs 2010 zu 20% in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.2 hiervor), ist den im Rah- men des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten exte rner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchu ngen sowie nach Einsicht in die Ak- ten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien ge- gen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten der D.____ vom 29. Juni 2011 beruht auf eing ehenden Untersuchungen (internis- tisch, neurologisch, psychiatrisch) des Beigeladenen und es be rücksichtigt die übrigen bei den Akten liegenden Berichte. Zudem gehen die Fachärzte ei nlässlich auf die Beschwerden des Versicherten ein und vermitteln ein hinreichendes Bild über dessen Gesundheitszustand. Es wird deutlich, dass der Versicherte ab 2005 unter einer die Arbeitsfähigkeit einschränkenden psychischen Erkrankung litt, welche sich jedoch anfangs 2010 zurückgebildet hat. Insgesamt erweist sich das Gutachten sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Folgerungen als schlü ssig. Aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle auf das Gutachten der D.____ abstellte und davon ausging, dass beim Beigeladen en seit anfangs 2005 die Arbeitsfä- higkeit um 20% eingeschränkt gewesen sei. 7.2 Daran ändern auch die Ausführungen der Beschwerde führerin nichts. Sie stellt sich vorliegend auf den Standpunkt, dass das Wartejahr bereits im Dezember 2003 oder noch früher begonnen habe. Hierbei stützt sie sich zunächst auf die A usführungen des behandelnden Hausarztes Dr. E.____, welcher am 17. Februar 2004 ang ab, der Beigeladene sei in der Zeit vom 8. Dezember 2003 bis 12. Januar 2004 aus psychischen G ründen 100% arbeitsunfähig geschrieben gewesen. Mit der Beschwerdeführerin ist zwa r einig zu gehen, dass Dr. E.____ den Beigeladenen ab 2003 behandelte und ihn in seine r Funktion als Hausarzt auch krank- schrieb. Daraus kann aber in Übereinstimmung mit der IV -Stelle noch nicht auf eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit im Sinne des IVG geschlossen werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Hausarzt als Facharzt der Allgemeinmedizin den Beigelade nen in erster Linie aus psychiatri- schen Gründen krankgeschrieben hat. Mit der Beschwerdegegne rin ist deshalb zu bestätigen, dass ihm hierzu aber der Facharzttitel für Psychiatrie f ehlte. Gemäss Rechtsprechung des Bun- desgerichts darf dies als Indiz gegen die Zuverlässigkeit des Berichts von Dr. E.____ betrachtet werden, sodass diesem deshalb kein voller Beweiswert zuk ommen kann (vgl. Urteil des Bun- desgericht vom 20. November 2007, I 142/07, E. 3.4). Weiter ist zu beachten, dass der Haus- arzt keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer z umutbaren Verweistätigkeit vorgenom- men hat. Schliesslich ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweife l eher zu Gunsten ihrer Patienten aussa- gen (BGE 125 V 352 E. 3b/cc). Nichts anderes ergibt sich aus den von Dr. E.____ gemachten Ausführungen vom 6. August 2007. Obwohl er den Beigel adenen seit Februar 2004 nicht mehr gesehen hatte, hielt er darin fest, dieser sei seit M ärz 2004 zu 50% arbeitsunfähig. Auch die Angaben zur Arbeitsunfähigkeit des Beigeladenen durch Dr. F.____ überzeugen nicht. Er führte am 23. November 2007 aus, dass beim Beigeladenen seit 2005 mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit unter anderem soziale Phobien bis hin zu Panikattacken bestehen würden. Weiter hielt er fest, dass er im zuletzt ausgeübten Beruf als Hilfsarbei ter seit 2004 eine Arbeitsunfähigkeit von 80% aufweise. Diese Aussagen sind widersprüchlich u nd insofern unvollständig, als auch Dr. F.____ die Arbeitsfähigkeit nur in der angestamm ten Tätigkeit beurteilte. Diesen Aussagen von Dr. E.____ und Dr. F.____ stehen im Übrigen auch die Angaben im Arbeitgeberformular der C.____ vom 23. August 2007 entgegen. Demnach war der Beigeladene vom 11. Februar 2004 bis 31. März 2005 und vom 9. Mai 2005 bis 31. Augu st 2005 in dieser Firma angestellt. Er Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe zwar unregelmässig und nach Lust und Laune gearbeitet. Die Leistung als solche sei aber gut gewesen und Arbeitsunfähigkeitszeugnisse hätten nich t bestanden. Auch damit wird aber eine dauernde seit Dezember 2003 bestehende Einschränkun g der Leistungsfähigkeit wider- legt. 7.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass mit der IV-Stel le davon ausgegangen werden muss, dass beim Beigeladenen ab anfangs 2005 bis Ende 20 09 die Arbeitsfähigkeit aus psy- chischen Gründen um 20% eingeschränkt war. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Re- gel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass a uferlegt. Entsprechend dem Aus- gang dieses Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die V erfahrenskosten zu tragen. Die Ver- fahrenskosten in Höhe von Fr. 600.-- werden mit dem vo n der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.