Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 11. Januar 2017 (810 16 270) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Gemeinsame elterliche Sorge / Elterlicher Dauerkonflikt / Rückweisung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Claude Jeanneret, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer in gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Dr. Jascha Schneider, Advokat Betreff Regelung der elterlichen Sorge / Rückweisun g (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2016) A. A.____ ist die Mutter von D.____, geboren 2014. C.____ anerkannte das Kind am 1. Juli 2014 als seinen Sohn. B. C.____ teilte der Kindes- und Erwachsenenschutzb ehörde B.____ (KESB) bereits am 7. März 2014 mit, dass die von ihm im 8. Monat schw angere A.____ in desolaten Wohnverhält- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nissen lebe und das Wohl des Säuglings in dieser Umgebung gefährdet wäre. Am 10. April 2014 machte ausserdem die Hebamme E.____ bei der KESB eine Gefährdungsmeldung betref- fend A.____, nachdem sie von dieser zwecks Unterstützung be i der Geburt aufgesucht worden war. C. Am 9. Mai 2014 entzog die KESB der Kindsmutter A. ____ vorläufig die elterliche Obhut über D.____. Dieser wurde vorläufig in der Wöchnerin nen-Station des Kantonsspitals F.____ und später in einem Mutter-Kind-Haus platziert. Ferne r wurde für D.____ eine Beistandschaft errichtet und G.____, Berufsbeistandschaft B.____, als Beistand ernannt. D. Mit Eingabe vom 15. Mai 2014 erhob A.____, vertre ten durch Silvan Ulrich, Advokat in Aesch, gegen den Entscheid der KESB vom 9. Mai 2014 Be schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), welche mit Urteil der Präsiden- tin vom 12. Juni 2014 (Verfahren 810 14 133) nach vorg ängiger Durchführung einer Parteiver- handlung abgewiesen wurde. Das Bundesgericht trat au f die dagegen erhobene Beschwerde nicht ein (Urteil des Bundesgerichts 5A_579/2014 vom 18. August 2014). E. Am 25. Juni 2014 erhob A.____, vertreten durch Advo kat Silvan Ulrich, beim Kantonsge- richt Beschwerde wegen Rechtsverweigerung/Rechtsverzögeru ng, welche vom Kantonsgericht mit Urteil vom 13. August 2014 gutgeheissen wurde, sowe it darauf eingetreten wurde (Verfah- ren 810 14 169). F. Am 7. Juli 2014 erteilte die KESB dem Kindsvater C .____ vorsorglich ein Besuchsrecht für D.____. Auf die von der Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde trat die Präsidentin der Abteilung Verfassungs- und Ve rwaltungsrecht des Kantonsgerichts mit Urteil vom 28. Juli 2014 nicht ein (Verfahren 810 14 188). G. Mit Entscheid der KESB vom 30. September 2014 wurde der Entzug des elterlichen Aufenthaltsbestimmungsrechts der Beschwerdeführerin über D.____ aufgehoben (Ziff. 1) und die Platzierung von D.____ in der H.____ beendet (Zi ff. 2). Weiter wurde die für D.____ errich- tete vorläufige Beistandschaft als definitive Massnahme be stätigt und G.____ in seinem Amt definitiv bestätigt (Ziff. 3). Für D.____ wurde eine wöchentliche Familienbegleitung für die Dauer von vorerst 6 Monaten angeordnet (Ziff. 4). Parallel dazu wurde angeordnet, dass die Kindsmut- ter alle vierzehn Tage die Mütterberatung aufzusuchen habe (Ziff. 5). Dem Kindsvater wurde bis zum 15. Dezember 2014 ein Besuchsrecht im Umfang von mind estens dreimal wöchentlich zwei Stunden eingeräumt (Ziff. 6), wobei die Kindsmut ter angewiesen wurde, D.____ kindsge- recht zu übergeben (Ziff. 7). H. Die von der Beschwerdeführerin, nach wie vor vertret en durch Advokat Silvan Ulrich, dagegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht nac h Durchführung einer Parteiver- handlung mit vorgängigem Augenschein in der Liegenschaf t der Beschwerdeführerin mit Ent- scheid vom 19. November 2014 (Verfahren 810 14 293) in Bezug auf die Familienbegleitung sowie die polizeiliche Durchsetzungsmöglichkeit der dem Be istand erteilten Aufträge gut und wies sie im Übrigen ab. Das Bundesgericht wies die von der Beschwerdeführerin dagegen er- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht hobene Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat (Urtei l des Bundesgerichts 5A_151/2015 vom 13. Mai 2015). I. Mit Entscheid der KESB vom 22. Dezember 2014 wurde d em Kindsvater von D.____ ein Besuchsrecht im Umfang von dreimal wöchentlich zwei Stun den, jeweils dienstags und don- nerstags von 12.00 Uhr bis 14.00 Uhr sowie sonntags von 1 5.00 Uhr bis 17.00 Uhr, eingeräumt (Ziff. 1 und 2). Ferner wurde die Kindsmutter angewiesen, D.____ dem Kindsvater zwecks Aus- übung des Besuchsrechts kindsgerecht zu übergeben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin erhob gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Kantonsgericht, wobei das entsprechende Verfahren mit Präsidialverfügung vom 31. März 2015 (Verfahren 810 15 14) zufolge Nichtleistung des Kostenvorschusses als gegenstandslos abgeschrieben wurde. J. Am 3. August 2014 beantragte der Kindsvater C.____ bei der KESB die Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge über D.____. K. Mit Entscheid vom 13. April 2015 übertrug die KESB den Kindseltern die gemeinsame elterliche Sorge über ihren Sohn D.____ (Ziff. 1). D em Kindsvater wurde ein Betreuungsanteil von drei Tagen eingeräumt (Ziff. 2). Weiter erhielt er ein Ferienrecht von vier Wochen und es wurde eine alternierende Feiertagsregelung angeordne t (Ziff. 3 und 4). Die Kindsmutter wurde angewiesen, dem Kindsvater Kopien des Gesundheitsbüchlei ns und des Impfausweises von D.____ zu übergeben. Weiter wurde eine Beistandschaft errichtet und dem Beistand wurden folgende Aufgaben übertragen: Verwaltung des Kindesve rmögens; Beratung der Eltern bei der Betreuung und gegebenenfalls der Umsetzung der Betre uungsanteile; Beratung der Eltern in medizinischen und therapeutischen Fragen; Beratung in r eligiösen Fragen; Beratung in schuli- schen Fragen. L. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin, vertreten du rch Advokat Silvan Ulrich, am 22. April 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht und bean tragte die kostenfällige Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Mit Eingabe vom 10. Juli 2 015 stellte die Beschwerdeführerin den Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung, welcher mit Verfügung vom 15. Juli 2015 abgewiesen wurde. M. Die Polizei Basel-Landschaft (Polizei) machte am 28. S eptember 2015 mündlich bzw. am 2. Oktober 2015 schriftlich eine Gefährdungsmeldung bei der KESB betreffend D.____. Im Rapport der Polizei vom 2. Oktober 2015 über Einsätze v om 27. und 28. September 2015 wur- de auf qualifiziert unhygienische Zustände in der Lieg enschaft der Beschwerdeführerin sowie renitentes Verhalten insbesondere der Tante von D.____, I.____, verwiesen. Ausserdem wurde festgehalten, dass im Zimmer des Sohnes von I.____, J.__ __, Waffen und Munition aufgefun- den worden seien. Aufgrund der herrschenden Zustände, dem Verhalten der im gleichen Haus- halt lebenden Personen und dem Umstand, dass ein Klein kind in der Liegenschaft wohnhaft sei, sei eine Meldung über die Prüfung von Schutzmassnahm en durch die KESB angezeigt ge- wesen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht N. Am 29. September 2015 entzog die KESB der Kindsmut ter superprovisorisch und im Beisein der Polizei das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.____. D.____ wurde gleichentags beim Kindsvater untergebracht. O. Mit Entscheid vom 30. September 2015 wies das Kanto nsgericht die Beschwerde gegen den Entscheid der KESB vom 13. April 2015 (Verfahren 810 15 111) ab. Dagegen hat die Kindsmutter Beschwerde beim Bundesgericht erhoben mit dem Antrag, es sei eine parteiöffent- liche Verhandlung durchzuführen und ihr das Gesuch um u nentgeltliche Rechtspflege zu bewil- ligen. P. Mit Präsidialentscheid der KESB vom 2. Oktober 2015 w urde der superprovisorisch an- geordnete Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts über D._ ___ vorsorglich bis zum rechts- kräftigen Abschluss des ordentlichen Verfahrens bestätigt ( Ziff. 1) und D.____ wurde im Sinne einer vorläufigen Massnahme beim Kindsvater platziert ( Ziff. 2). Die Kindsmutter erhielt ein Be- suchsrecht von dreimal wöchentlich drei Stunden (Ziff. 3 ). Sie wurde angewiesen, D.____ per- sönlich am Wohnort des Kindsvaters in K.____ abzuholen un d persönlich zurückzubringen und D.____ während der Besuchszeit nicht ins Wohnhaus in L.____ zu bringen (Ziff. 4). Q. Die hiergegen von der Beschwerdeführerin, vertreten durch Advokat Silvan Ulrich, am 16. Oktober 2015 erhobene Beschwerde wies die Präsident in der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgerichts am 22. Dezember 201 5 ab. Dagegen erhob die Be- schwerdeführerin Beschwerde beim Bundesgericht, welches diese mit Urteil vom 25. April 2016 (Verfahren 5A_70/2016) abwies, soweit es darauf eintrat. R. Mit Entscheid der KESB vom 18. Januar 2016 wurde de r Kindsmutter A.____ gestützt auf Art. 310 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihren Sohn D.____ entzogen (Ziff. 1) und dieser wurde beim Kindsvater C.____ platziert (Ziff. 2). Die Kindsmutter wurde gestützt auf Art. 307 Abs. 3 ZGB angewiesen, das Wohnhaus an der X.____strasse 3 in L.__ __ nachhaltig zu räumen und zu reinigen, wobei die Kontrolle und Abnahme der geräu mten und gereinigten Räumlichkeiten nach angezeigter Umsetzung durch einen noch zu bezeichne nden Kindesschutzexperten erfol- ge (Ziff. 3). Die Kindsmutter wurde weiter angewiese n, ein begleitetes Besuchsrecht für D.____ von dreimal wöchentlich drei Stunden wahrzunehmen (Ziff . 4), wobei als Begleitperson M.____ eingesetzt wurde (Ziff. 5). Die Kindsmutter wurde fern er angewiesen, D.____ persönlich und in Begleitung von M.____ am Wohnort des Kindsvaters in K._ ___ abzuholen und persönlich zu- rückzubringen. Weiter wurde die Kindsmutter angewiesen, D.____ während der Besuchszeit nicht ins Wohnhaus in L.____ mitzunehmen und es wurde ver fügt, dass sich die Kindseltern über die genauen Besuchszeiten zu verständigen haben (Ziff. 6). Die Beistandschaft für D.____ wurde bestätigt (Ziff. 7) und der Beistand G.____ bzw. sein Nachfolger N.____ wurde damit beauftragt, die Unterbringung des Kindes beim Kindsvat er zu begleiten, die Inhaber der elterli- chen Sorge mit Rat und Tat zu unterstützen, die Besuchsre gelung der Kindsmutter zu überwa- chen und bei der Festlegung der Besuchszeiten gegebene nfalls zu vermitteln sowie bei Not- wendigkeit weitere Anträge bei der KESB zu stellen (Ziff. 8). Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziff. 9). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. Die dagegen von A.____, vertreten durch Advokat Si lvan Ulrich, erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Kantonsgerichts vom 11. Mai 2016 (Verfahren 810 16 56) abgewiesen. Auf die von der Beschwerdeführerin hiergegen erhobene Beschw erde trat das Bundesgericht nicht ein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_542/2016 vom 19. Juli 2016). T. Mit Urteil des Bundesgerichts 5A_955/2015 vom 29. August 2016 wurde die von der Beschwerdeführerin gegen das Urteil des Kantonsgerichts vom 30. September 2015 (Verfahren 810 15 111) erhobene Beschwerde gutgeheissen und das U rteil des Kantonsgerichts vom 30. September 2015, soweit anderes als die unentgeltli che Rechtspflege betroffen war, aufge- hoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur wei teren Behandlung zurückgewiesen (vgl. Lit. O). U. Unter Verweis auf das vorstehend erwähnte Bundesge richtsurteil erhielten die Parteien mit Verfügung vom 20. September 2016 Frist zur Stellun gnahme zur Frage der Durchführung einer öffentlichen Verhandlung. Mit Schreiben vom 5. Oktober 2016 verzichtete die Vorinstanz auf eine Stellungnahme betreffend die Durchführung einer Parteiverhandlung. Mit Eingabe vom 25. Oktober 2016 teilte der Beschwerdegegner mit, auf die Durchführung einer Parteiverhand- lung zu verzichten. Die Beschwerdeführerin führte in ih rem Schreiben vom 27. Oktober 2016 aus, anlässlich der Gerichtsverhandlung Stellung zu nehmen. V. Mit präsidialer Verfügung vom 2. November 2016 wur de der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen. W. Am 16. November 2016 wurden die Akten des Verfahren s 810 16 56 zum vorliegenden Verfahren beigezogen. X. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen die Par teien teil und halten im Wesentlichen an ihren Anträgen und Begründungen fest, wobei die B eschwerdeführerin erneut einen Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung für das vorliegende Verfahren stellt und der Beschwerdegegner neu eventualiter beantragt, es sei ihm die Alleinsorge zu erteilen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Das Bundesgericht hat das Urteil des Kantonsgerichts v om 30. September 2015 (Ver- fahren 810 15 111), soweit anderes als die unentgeltl iche Rechtspflege betroffen ist, aufgeho- ben und die Sache zur weiteren Behandlung an das Kanto nsgericht zurückgewiesen. Das Bun- desgericht erwog in seiner Begründung, die Pflicht ei ne öffentliche Verhandlung durchzuführen ergebe sich aus dem Wortlaut von Art. 6 Ziff. 1 der Kon vention zum Schutz der Menschenrech- te und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950. D avon könne abgesehen werden, wenn die Parteien auf eine öffentliche Verhandlung – explizit oder stillschweigend – verzichten oder eine der Ausnahmen von Art. 6 Ziff. 1 EMRK zutre ffe. Familienrechtliche Angelegenheiten würden grundsätzlich in die Kategorie "Schutz des Privat lebens der Prozessparteien" fallen. Da es jedoch im vorliegenden Fall um eine familienrechtliche Angelegenheit im weiteren Sinn gehe, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht in welcher sich nicht Private gegenüberstehen, sondern der Staat und ein Privater, wie dies bei einem Obhutsentzug und der Fremdplatzierung eines Kind es der Fall sei, könne die Öffentlich- keit nicht pauschal unter Hinweis auf den "Schutz des Priva tlebens" ausgeschlossen werden; der Ausschluss bedürfe einer besonderen Begründung, wel che eine sorgfältige Abwägung er- fordere. Weiter sei im vorliegenden Fall bei der Zu teilung der elterlichen Sorge nach Art. 298b ZGB das hoheitliche Auftreten des Staates in den Vord ergrund gerückt. Das Kantonsgericht habe demzufolge eine öffentliche Verhandlung durchzuf ühren, soweit nicht spezielle Gründe vorliegen würden (E. 2.6). Das Bundesgericht hielt fern er fest, unmittelbar vor der Fällung des kantonsgerichtlichen Urteils habe sich der Sachverhalt g rundlegend geändert, weshalb die Fra- ge der Sorgerechtszuteilung an den einen oder anderen Elternteil oder an die Elternteile ge- meinsam durch das Kantonsgericht zu klären sein werde. 2. Beim Kantonsgericht wurde nach Eingang des Bundesger ichtsurteils vom 29. August 2016 das vorliegende Verfahren (810 16 270) angelegt und die Akten des Verfahrens 810 16 56 beigezogen. Das Verfahren wurde in Bezug auf die Durch führung einer öffentlichen Verhand- lung im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK sowie zur Überp rüfung der Zuteilung der elterlichen Sor- ge wiederaufgenommen. 3.1 Anlässlich der heute durchgeführten Parteiverhandl ung bleibt demzufolge zu prüfen, wie der Entscheid der KESB vom 13. April 2015 in materiel ler Hinsicht im heutigen Zeitpunkt zu beurteilen ist. 3.2 Mit Entscheid der KESB vom 13. April 2015 wurde d en Kindseltern die gemeinsame elterliche Sorge eingeräumt. Zur Begründung führte d ie Vorinstanz damals zusammenfassend aus, dass zwischen den Kindseltern zwar ein Konflikt herrsch e, dieser sich aber durch die bis- herige Alleinsorge der Kindsmutter nicht habe verhinde rn lassen. Auch wenn die Kindsmutter mit dem Kindsvater nicht kommuniziere, reiche diese Weige rungshaltung unter Berücksichti- gung der Wichtigkeit eines Kontaktaufbaus zwischen den Eltern für die Erteilung der Alleinsorge nicht aus. Mit kantonsgerichtlichem Urteil vom 30. Septe mber 2015 (Verfahren 810 15 111) wurde dieser Entscheid der KESB geschützt. 3.3 Unmittelbar vor der Fällung dieses Urteils hat si ch der Sachverhalt in grundlegender Weise verändert. Am 29. September 2015 entzog die KE SB der Kindsmutter superprovisorisch das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.____. Diese Kinde sschutzmassnahme ergriff die KESB, nachdem die Polizei den Neffen der Beschwerdefüh rerin am 27. September 2015 an seinem Wohnort, welcher zugleich Wohnort der Beschwerdef ührerin ist, aufgrund verschiede- ner Delikte aufgesucht hatte. Wie sich aus den Verfahrensakten ergibt, fand die Polizei den Nef- fen unter Drogeneinfluss vor, in dessen Zimmer sich sichtba r diverse Waffen sowie Munition befanden. Das Zimmer sei gemäss Polizeibericht vom 2. Okt ober 2015 unaufgeräumt und ver- schmutzt gewesen; der Eingangsbereich und die unmittelb ar angrenzenden Zimmer waren mit allerhand Unrat überstellt. Im Haushalt habe sich ein Kleinkind aufgehalten, weshalb die Polizei die KESB beizog. Im Beisein der KESB fand deshalb am 2 8. September 2015 eine weitere Hausdurchsuchung statt. Die KESB kam zum Schluss, in Bezug auf die bewohnte Liegenschaft hätten hinreichende Anhaltspunkte für eine Kindeswohlg efährdung bestanden. In der Folge be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stätigte die Vizepräsidentin der KESB am 2. Oktober 201 5 den Entzug des Aufenthaltsbestim- mungsrechts der Mutter über ihren Sohn vorsorglich bis zum rechtskräftigen Abschluss des ordentlichen Verfahrens und platzierte das Kind vorläufi g bei seinem Vater. Der Kindsmutter wurde ein Besuchsrecht von dreimal wöchentlich drei Stu nden zugestanden, wobei sich die Parteien über die genauen Besuchszeiten zu verständigen h atten. Die früher für den Sohn er- richtete Beistandschaft wurde bestätigt. Die von der Kin dsmutter dagegen erhobene Beschwer- de wies das Bundesgericht mit seinem Urteil vom 25. Apri l 2016 ab, soweit es darauf eingetre- ten ist (Urteil des Bundesgerichts 5A_70/2016 vom 25. Ap ril 2016). Die KESB bestätigte den vorsorglichen Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts mit En tscheid vom 18. Januar 2016. Dieser Entscheid wurde mit kantonsgerichtlichem Urteil vom 11. Mai 2016 (Verfahren 810 16 56) geschützt und auf die von der Beschwerdeführerin dag egen erhobene Beschwerde ist das Bundesgericht nicht eingetreten (Urteil des Bundesgeri chts 5A_542/2016 vom 19. Juli 2016). Soweit die Beschwerdeführerin diese früheren Entscheide erneut in Frage stellt, erübrigen sich weitere Ausführungen dazu. 3.4 Gemäss den Erwägungen im Rückweisungsentscheid des B undesgerichts ist hingegen die Sorgerechtszuteilung angesichts des Kindeswohls als ob erster Leitmaxime und der in Kin- derbelangen geltenden Offizial- und Untersuchungsmaxime unabhängig von den gestellten Be- gehren und aufgrund der aktuellen Verhältnisse im Zei tpunkt des neuen Entscheides, zu beur- teilen. 4.1 Die elterliche Sorge dient dem Wohl des Kindes (Ar t. 296 Abs. 1 ZGB). Sie umfasst die Gesamtheit der elterlichen Verantwortlichkeiten und Be fugnisse in Bezug auf das Kind, d.h. die Bestimmung des Aufenthaltsorts, die Erziehung und die gesetzliche Vertretung des Kindes so- wie die Verwaltung seines Vermögens (I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilge setzbuch I, Art. 1 - 456, 5. Auflage, Ba- sel 2014, N 2 zu Art. 296 ZGB). Die Eltern leiten mit Blick auf das Wohl des Kindes seine Pflege und Erziehung und treffen unter Vorbehalt seiner eig enen Handlungsfähigkeit die nötigen Ent- scheidungen (Art. 301 Abs. 1 ZGB), d.h. die Eltern übe n ihre Entscheidungskompetenz grund- sätzlich gemeinsam aus. Um allfällige Streitigkeiten um alltägliche Angelegenheiten zu vermei- den, wurde dem betreuenden Elternteil mit Art. 301 Abs. 1bis ZGB eine Alleinentscheidungs- kompetenz eingeräumt. Danach kann der Elternteil, der d as Kind betreut, allein entscheiden, wenn die Angelegenheit alltäglich oder dringlich ist ( Ziff. 1) oder der andere Elternteil nicht mit vernünftigem Aufwand zu erreichen ist (Ziff. 2). Als a lltäglich gelten Entscheidungen über Er- nährung, Bekleidung und Freizeitgestaltung des Kindes. Nicht alltäglichen Charakter haben Angelegenheiten, die das Leben des Kindes in einschnei dender Weise prägen, beispielsweise der Wechsel der Schule oder der Konfession des Kindes , medizinische Eingriffe, die Ausübung von Hochleistungssport oder die dauerhafte Übertragung der Tagesbetreuung des Kindes auf Dritte (S CHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 3c zu Art. 301 ZGB; K URT AFFOLTER -FRINGELI /URS VOGEL , in: Hausheer/Walter, Berner Kommentar zum schweizerisch en Privatrecht, Bern 2016, N 30 zu Art. 301 ZGB). Sind sich die Eltern uneinig, sind sie gehalten, mit allen Mitteln (Vermitt- lung, Beratung) eine Einigung zu erzielen. Kein Elter nteil hat den Stichentscheid und es ist ebenfalls nicht die Aufgabe der KESB, anstelle der Eltern zu entscheiden (URS GLOOR /B ARBARA UMBRICHT LUKAS , in: Fountoulakis/Affolter-Fringeli/Biderbost/Steck [Hr sg.], Fachhandbuch Kin- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht des- und Erwachsenenschutzrecht, Zürich 2016, N 13.9). Ei n hoheitlicher Eingriff ist nur mög- lich, wenn die Uneinigkeit der Eltern das Kindeswohl ge fährdet (G LOOR /U MBRICHT LUKAS , a.a.O., N 13.27 und 13.31). 4.2 Aufgrund der seit dem 1. Juli 2014 in Kraft getr etenen Sorgerechtsreform bildet die ge- meinsame elterliche Sorge unabhängig vom Zivilstand der Eltern den Regelfall, also auch nach der Scheidung und bei getrennt lebenden unverheirat eten Eltern sowie gegen den Willen eines Elternteils, bzw. die Belassung der alleinigen elterlich en Sorge die eng begrenzte Ausnahme (Art. 296 Abs. 2 ZGB; Art. 298a Abs. 1 ZGB; Art. 298b Abs. 1 ZGB; Urteil des Bundesgerichts 5A_345/2016 vom 17. November 2016 E. 2; G LOOR /U MBRICHT LUKAS , a.a.O., N 13.7 und N 3.10). Da sich der Gesetzgeber nicht für einen Automat ismus der Entstehung der gemeinsa- men Sorge bei Bestehen eines rechtlichen Kindesverhältni sses bei nicht miteinander verheira- teten Eltern entschieden hat, regelt Art. 298b ZGB di e Situation, wenn ein Elternteil sich wei- gert, die gemeinsame Erklärung gegenüber dem Zivilstan dsbeamten oder der KESB abzuge- ben. Gemäss Art. 298b Abs. 2 ZGB verfügt die KESB die g emeinsame elterliche Sorge, sofern nicht zur Wahrung des Kindeswohls an der alleinigen elte rlichen Sorge der Mutter festzuhalten oder die alleinige elterliche Sorge dem Vater zu übertragen ist. Demnach ist neu die Möglichkeit der gemeinsamen elterlichen Sorge bei unverheiratete n Eltern gegen den Willen eines Eltern- teils vorgesehen (vgl. S CHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 1 zu Art. 298b ZGB). Voraussetzung zur Einräumung der gemeinsamen Sorge ist der Antrag eines Elternteils. 4.3 Nach neuem Recht gilt die gemeinsame elterliche S orge als gesetzlicher Regelfall. Voraussetzung ist, dass kein Grund für die Alleinsorge ein es Elternteils besteht (SCHWENZER /C OTTIER , a.a.O., N 5 zu Art. 298b ZGB; A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 8 zu Art. 298b ZGB). Mit anderen Worten muss die Wahrung d er Kinderinteressen eine alleinige elterliche Sorge notwendig machen, ansonsten der gesetzli che Regelfall der gemeinsamen Sorge zum Tragen kommt (Botschaft vom 16. November 2011 zu einer Änderung des Schwei- zerischen Zivilgesetzbuches [Elterliche Sorge], Bundesblatt [BBl] 2011 S. 9104 f.). Die massge- bende Leitlinie für die Zuteilung der elterlichen Sorge ist demnach das Kindeswohl. Die gemein- same Ausübung der elterlichen Sorge erfordert einen mi nimalen Konsens der Eltern über die Grundsätze der Erziehung des Kindes, damit nicht gegensä tzliche Handlungen der beiden El- ternteile das Kindeswohl gefährden. Die Auseinandersetz ung über diese Grundhaltung im In- nenverhältnis unter den Eltern und die Kongruenz der b eiden Eltern in der Gestaltung der Er- ziehung ist für das Kind eine wichtige Voraussetzung. Uneinigkeit oder Dauerkonflikte der Eltern allein sind jedoch noch kein Grund zur Weigerung der g emeinsamen elterlichen Sorge. So müsste die Beibehaltung der Alleinsorge eine wesentliche Verbesserung der Situation bewirken respektive es müssten in tatsächlicher Hinsicht klare Anhaltspunkte bestehen, dass sich mit der Einräumung der gemeinsamen Sorge diese Konflikte ver stärken und dadurch das Kindeswohl in grösserem Ausmass belastet würde (vgl. Urteil des Bunde sgerichts 5A_186/2016 vom 2. Mai 2016 E. 4; Urteil des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 2; A FFOLTER - FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 8 f. zu Art. 298b ZGB). Wirkt sich die Une inigkeit oder der Konflikt zwischen den Eltern aber stärker auf das Kind aus, kann die s ein Grund zur Verweigerung der gemeinsamen elterlichen Sorge sein. Dasselbe muss in Fäl len gelten, wo keinerlei Koopera- tionsfähigkeit und kein Kooperationswille vorliegen und erstellt ist, dass sich die Eltern über den Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht grössten Teil der in ihrer Verantwortung liegender Fr agen nicht werden einigen können (AFFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 9 zu Art. 298b ZGB). Des Weiteren müssen für die elterli- che Sorge die Voraussetzungen nach Art. 296 ZGB vorliege n. Bei den Elternteilen notwendig hierfür sind: das Vorliegen eines rechtlichen Kindesver hältnisses, die Volljährigkeit, das Fehlen einer umfassenden Beistandschaft der Elternteile sowie fehlender Entzug der elterlichen Sorge gestützt auf Art. 311 ZGB (vgl. A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 10 zu Art. 298b ZGB; SCHWENZER /COTTIER , a.a.O., N 5 zu Art. 298b ZGB). 4.4.1 Beide Elternteile erfüllen unbestrittenermassen die Voraussetzungen gemäss Art. 296 ZGB. Somit ist nachfolgend einzig zu prüfen, ob das Kin deswohl durch die Erteilung der ge- meinsamen elterlichen Sorge gefährdet bzw. ob zu dessen Wahrung die Zuteilung der alleini- gen elterlichen Sorge an die Kindsmutter oder an den Kindsvater erforderlich ist. Der Begriff Kindeswohl entzieht sich einer genauen Definition. Für den Kindesschutz geht es primär um eine Negativdefinition: die Gefährdung des Kindeswohl s. Die Gefährdung kann nur in jedem einzelnen Fall unter Berücksichtigung der Gesamtheit alle r Umstände bestimmt werden. Es geht um eine objektiv fassbare Gefahr einer Beeinträch tigung, welche einigermassen konkret sein muss. Überdies muss die Gefährdung von bestimmter Erhe blichkeit sein, es geht also um mehr als blosse Ungünstigkeit. Aus diesem Grund muss eine Situation vorliegen, die zur (weite- ren) Schädigung des Kindes führt, wenn sie belassen wir d. Dies ist nicht bereits dann erreicht, wenn unter vertretbaren Lösungen nicht die Beste vorl iegt (Y VO BIDERBOST , in: Breit- schmid/Rumo-Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Fami- lienrecht, inkl. Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, N 8 ff. zu Art. 307 ZGB). 4.4.2 Für eine Nichteinräumung der gemeinsamen elterl ichen Sorge massgeblich ist, ob durch die Einräumung der Alleinsorge die Kindeswohlgefährd ung, welche in der Regel als Konse- quenz des Elternkonfliktes entsteht, beseitigt oder min destens in erheblichem Mass herabge- setzt werden kann (A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 11 zu Art. 298b ZGB). Gemäss bun- desgerichtlicher Rechtsprechung gelten für die Alleinz uteilung der elterlichen Sorge gemäss Art. 298 ff. ZGB nicht die gleichen Voraussetzungen wie für den auf Art. 311 ZGB gestützten Entzug des Sorgerechts (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_ 923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.6). Vielmehr kann beispielsweise auch ein schwerw iegender elterlicher Dauerkonflikt oder die anhaltende Kommunikationsunfähigkeit eine Allein zuteilung des Sorgerechts gebieten, wenn sich der Mangel negativ auf das Kindeswohl auswirkt und von einer Alleinzuteilung eine Verbesserung erwartet werden kann (Urteil des Bundesger ichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.6). Erforderlich ist aber in jedem Fall ein erheblicher und chronischer Konflikt; punk- tuelle Auseinandersetzungen oder Meinungsverschiedenhei ten, wie sie in allen Familien vor- kommen und insbesondere mit einer Trennung oder Schei dung einhergehen können, können angesichts des mit der Gesetzesnovelle klarerweise angest rebten Paradigmenwechsels nicht Anlass für eine Alleinzuteilung des elterlichen Sorger echts sein. Die Alleinzuteilung des elterli- chen Sorgerechts muss eine eng begrenzte Ausnahme bleiben (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.7; 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.3). In- folgedessen ist unter Berücksichtigung der dargestellten G rundsätze zu prüfen, ob die KESB Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Kindseltern zu Recht die gemeinsame elterliche So rge über D.____ zugesprochen und damit die Alleinsorge der Beschwerdeführerin aufgehoben hat. 4.5 Anlässlich der heutigen Anhörung haben beide Elte rnteile bestätigt, dass nach wie vor kein direkter Kontakt zwischen ihnen stattfinde und ein s olcher seitens der Beschwerdeführerin im jetzigen Zeitpunkt auch nicht gewünscht werde. Ent sprechend finde auch keine direkte Kommunikation zwischen den Kindseltern statt, auch bei de r Übergabe von D.____, welche über die eingesetzte Fachperson laufe, nicht. In Bezug auf die religiöse Erziehung hat der Kindsvater heute ausgeführt, dass er diesbezüglich offen se i und D.____ seine Konfessionszu- gehörigkeit zu gegebener Zeit selber entscheiden solle. Die Kindseltern haben übereinstim- mend dargelegt, dass die Übergabe von D.____ mit Hil fe der von der KESB mit Entscheid vom 18. Januar 2016 eingesetzten Fachperson erfolge (vgl. Protokoll der Parteiverhandlung vom 11. Januar 2017, S. 2 und 4). Das Besuchsrecht nehme d ie Kindsmutter nach ihren eigenen Angaben derzeit einmal wöchentlich wahr. Ein weitergeh endes Besuchsrecht könnte sie auf- grund ihrer Arbeitsstelle auf Abruf sowie der intensi ven Stellensuche in absehbarer Zeit nicht wahrnehmen. Gemäss einer vorinstanzlichen Abklärung bei d er Fachperson nehme die Kinds- mutter das Besuchsrecht unregelmässig und unzuverlässig wahr. Der Kindsvater hat anlässlich der heutigen Befragung keine Beanstandungen hinsichtli ch des persönlichen Verkehrs ange- führt. Demgegenüber hat er beispielsweise darauf hinge wiesen, dass die Kindsmutter eine Wohnsitzverlegung von D.____ nach K.____ verunmögliche. F ür den Fall einer Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge bestehe daher Besorgnis, dass die Beschwerdeführerin bezüg- lich jeder sich stellenden Frage bzw. Entscheidung ein V erfahren anstreben, und so die Aus- übung der gemeinsamen elterlichen Sorge erschweren bzw. verunmöglichen würde. 4.6 Vorliegend ist zu prüfen, ob die chronische Kommu nikationsunfähigkeit bzw. die fehlen- de Bereitschaft dazu eine Abweichung vom Grundsatz der g emeinsamen elterlichen Sorge er- fordert. Die vom Beschwerdegegner vorgebrachte Behaupt ung, wonach vorprogrammiert sei, zufolge der Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorg e werde über jede sich stellende Frage bzw. Entscheidung betreffend D.____ ein Rechtstreit gef ührt werden müssen, ist für die Zutei- lung der Alleinsorge kein genügender Grund. Es war nicht die Meinung des Gesetzgebers, dass ein Elternteil in abstrakter Weise auf einen Konflikt so ll verweisen und daraus einen Anspruch auf Alleinsorge ableiten können (vgl. Urteil des Bund esgerichts 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.4). Im Zentrum steht die Tats ache, dass es sich beim elterlichen Sor- gerecht um ein Pflichtrecht handelt (BGE 136 III 353 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 5A_198/2013 vom 14. November 2013 E. 4.1), wie dies auch beim Besuchsrecht der Fall ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 5A_719/2013 vom 17. Okto ber 2014 E. 4.2; 5A_160/2011 vom 29. März 2011 E. 4). Die mit der elterlichen Sorge ver bundenen Rechte und Pflichten sind zum Wohl des Kindes auszuüben. Die Eltern haben mithin im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu unternehmen, was zur gedeihlichen Entwicklung des Kindes erforderlich ist. Daraus folgt im vorliegenden Kontext, dass sie sich zu bemühen haben, zwischen der konfliktbehafteten Eltern- ebene und dem Eltern-Kind-Verhältnis zu unterscheiden und das Kind aus dem elterlichen Kon- flikt herauszuhalten. Sodann haben sich beide Elterntei le um ein kooperatives Verhalten zu bemühen und die zumutbaren Anstrengungen bei der ge genseitigen Kommunikation zu unter- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht nehmen (Urteil des Bundesgerichts 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.4; Urteil des Bundesgerichts 5A_81/2016 vom 2. Mai 2016 E. 5). 4.7 Es ist allgemein anerkannt, dass sich die im Besuchs-, wie auch im Sorgerecht aus- drückende Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen wichtig ist und bei dessen Identitätsfin- dung eine entscheidende Rolle spielen kann (Urteil de s Bundesgerichts 5A_202/2015 vom 26. November 2015; BGE 130 III 585 E. 2.2.2; BGE 13 1 III 209 E. 4). Beide Elternteile haben aus diesem Grund mit Blick auf das Wohl des Kindes die Pfl icht, eine gute Beziehung zum je- weils anderen Elternteil zu fördern. Der hauptbetreue nde Elternteil hat das Kind beispielsweise positiv auf Besuche oder Kontakte beim oder mit dem and eren Elternteil vorzubereiten. Diese Pflichten stehen zwar vorab in Zusammenhang mit der Ausü bung des persönlichen Verkehrs (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_505/2013 vom 20. Aug ust 2013 E. 6.3); ihre Beachtung ist aber auch für eine tragfähige und kindeswohlorientier te Ausübung des gemeinsamen Sorge- rechts wichtig (Urteile des Bundesgerichts 5A_202/2015 vom 26. November 2015 E. 3.4; 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 5.1). 5.1 Im angefochtenen Entscheid hat die KESB den nicht u nerheblichen und seit der Geburt von D.____ bestehenden Elternkonflikt beleuchtet, aber weiterhin an einem Kontaktaufbau zwi- schen den Kindseltern festgehalten. In diesem Zusammenha ng verwies sie zunächst auf den Beistand, welcher insbesondere auch zur Vermittlung zwi schen den Kindseltern eingesetzt wurde. Weiter hat sie festgehalten, dass die bisherige Alleinsorge der Kindsmutter diesen Kon- flikt nicht zu entschärfen vermochte. 5.2 Aus den Verfahrensakten ergibt sich, dass der fehlende n Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zwischen den Eltern trotz der Err ichtung einer Vertretungsbeistandschaft in der Vergangenheit nicht entgegengewirkt werden kon nte. Zu beachten ist demgegenüber, dass die Besuche im Rahmen der begleiteten Besuchstage so wie die Zusammenarbeit mit der eingesetzten Fachperson gemäss den Angaben der Kindselte rn mehrheitlich funktionieren. Aus den heutigen Ausführungen der Parteien ist zudem erken nbar, dass sich der Konflikt zwischen den Kindseltern zwischenzeitlich etwas entspannt hat. So wurde heute von beiden Parteien in glaubwürdiger Weise eine Kommunikationsbereitschaft im Interesse von D.____ dargetan. Zu beachten ist hierbei, dass die Kommunikation gemäss bunde sgerichtlicher Rechtsprechung auch – wie dies vorliegend durch die eingesetzte Fachpe rson erfolgt – über eine Drittperson oder schriftliche Kanäle vonstattengehen kann; eine persö nliche Begegnung der Eltern ist inso- fern entbehrlich, auch wenn sie im Interesse von D.___ _ wünschenswert wäre. Die Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge setzt demnach nicht zwingend voraus, dass sich die Eltern persönlich sehen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 5A_34 5/2016 vom 17. November 2016 E. 5). Abgesehen davon wurde mit Entscheid der KESB vo m 18. Januar 2016 für D.____ eine Vertretungsbeistandschaft eingesetzt, welche insbesondere die Aufgabe erhalten hat, die Inha- ber der elterlichen Sorge mit Rat und Tat zu unterstüt zen. Wie sich heute herausgestellt hat, ist der Streit hinsichtlich der religiösen Erziehung von D.__ __ inzwischen ebenfalls abgeflacht. Nachdem die Kindseltern anlässlich der heutigen Parteive rhandlung eine persönliche Kommu- nikation nicht ausgeschlossen haben, ist nicht einzusehen, weshalb sie – allenfalls durch Ver- mittlung des Beistands – nicht auch für anstehende Entsc heidungen in der Lebensplanung des Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindes eine Lösung finden sollten. Weiter konnte das Ger icht feststellen, dass die Vorbringen an der heutigen Parteiverhandlung von beiden Seiten sachlich und frei von Vorwürfen oder An- feindungen formuliert wurden. Beide Elternteile best reiten nicht, dass der Kontakt zwischen D.____ und dem jeweilig anderen Elternteil positiv zu bewerten ist. Demzufolge ist weiterhin auf eine Entspannung des Elternkonfliktes hinzuarbeiten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich D.____ aufgrund seines Alters (noch) nicht in einem Loya litätskonflikt befindet und sein Wohl durch die Erteilung der gemeinsamen elterlichen Sorge somit nicht negativ beeinträchtigt wird. Da sich die Streitpunkte zwischen den Kindseltern bisher au f alle alltäglichen und nicht alltägli- chen Bereiche bezogen haben, ist nicht von einer Ausweitu ng der Streitigkeiten auszugehen. Zudem ist zu beachten, dass im vorliegenden Fall vorläufig keine im Rahmen der gemeinsamen elterlichen Sorge zu treffenden wesentlichen Entscheide (religiöse Erziehung, Wohnsitz, schuli- sche Entwicklung, medizinische Eingriffe) anstehen, welche zu unüberbrückbaren Differenzen führen könnten. Vielmehr ist vorliegend durch die grundsätzliche Beruhigung des Elternkonflikts davon auszugehen, dass die Eltern in der Lage sein werden, ein gemeinsames Sorgerecht zum Wohle von D.____ auszuüben und sich dementsprechend in E rziehungsfragen werden einigen können. In Bezug auf das Sorgerecht besteht nämlich die Verpflichtung der Eltern, ein koopera- tives Verhalten an den Tag zu legen, die zumutbaren A nstrengungen bei der gegenseitigen Kommunikation zu unternehmen und D.____ aus dem elte rlichen Konflikt herauszuhalten (vgl. E. 4.6 f.). Auch wenn auf Elternebene ein immer noc h unverarbeiteter Konflikt besteht und sie sich in gewissen Themenbereichen uneinig sind, geht mit unterschiedlichen Erziehungsvorstel- lungen nicht ohne weiteres eine Gefährdung des Kinde swohls einher. Es ist nicht erkennbar, dass die Beibehaltung der Alleinsorge an den einen od er anderen Elternteil zu einer wesentli- chen Verbesserung der Situation führen würde. Zum Schu tz des Kindeswohls ist die Beibehal- tung der Alleinsorge somit nicht erforderlich. Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt zu- sammenfassend, dass die andauernden Kommunikationsschwieri gkeiten nicht ausreichen, um vom Grundsatz der gemeinsamen elterlichen Sorge abzuweichen. 6. Der am 1. Januar 2015 in Kraft getretene Art. 52 f bis der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 verpflichtet die KESB bzw. das Ge- richt bei allen Entscheidungen über die gemeinsame elt erliche Sorge, die Zuteilung der Obhut oder der Betreuungsanteile gleichzeitig die Anrechnung der Erziehungsgutschriften zu ent- scheiden (vgl. A FFOLTER -FRINGELI /V OGEL , a.a.O., N 54 f. zu Art. 298d ZGB). Gemäss Art. 29 sexies Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterl assenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 wird Versicherten für die jenigen Jahre eine Erziehungsgut- schrift angerechnet, in welchen ihnen die elterliche So rge für eines oder mehrere Kinder zu- steht, die das 16. Altersjahr noch nicht erreicht habe n. Dabei werden Eltern, die gemeinsam Inhaber der elterlichen Sorge sind, jedoch nicht zwei Gu tschriften kumulativ gewährt. Betreut ein Elternteil das gemeinsame Kind zum überwiegenden T eil, so rechnet das Gericht oder die KESB diesem Elternteil die ganze Erziehungsgutschrift an (Art. 52f bis Abs. 2 AHVV). Im vorlie- genden Fall wird D.____ seit dem 29. September 2015 zum überwiegenden Teil vom Be- schwerdegegner betreut und demzufolge sind ihm die Erziehungsgutschriften anzurechnen. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Verfah- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebüh- ren und die Beweiskosten und werden in der Regel der u nterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Entsprechend d em Ausgang des vorliegenden Ver- fahrens sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- der Beschwerdeführerin aufzuer- legen. 7.2 Im Weiteren ist über die Gesuche um Bewilligung d er unentgeltlichen Prozessführung zu befinden. Gemäss § 22 Abs. 1 VPO wird eine Partei auf ihr Begehren von der Bezahlung der Verfahrenskosten und der Kosten von Beweismassnahmen befre it, wenn ihr die nötigen Mittel fehlen und ihr Begehren nicht offensichtlich aussichtslos e rscheint. Unter den gleichen Voraus- setzungen wird einer Partei der kostenlose Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin gewährt, sofern dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint (§ 22 Abs. 2 VPO). In Berücksichti- gung der Angaben der Parteien ist deren Bedürftigkeit für das vorliegende Beschwerdeverfah- ren hinreichend dargetan. Die weiteren Voraussetzunge n von § 22 VPO sind erfüllt, weshalb das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Pr ozessführung bzw. das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen sind. 7.3 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Vorinstanz wird keine Parteientschädigung zugespro- chen (§ 21 Abs. 2 VPO). Gemäss dem Ausgang des Verfahren s ist dem Beschwerdegegner als obsiegende Partei antragsgemäss eine Parteientschädig ung zuzusprechen. Der vom Rechtsvertreter des Beschwerdegegners in der Honorarnote vom 16. Dezember 2016 geltend gemachte Aufwand von 1,4 Stunden à Fr. 200.-- sowie die Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 13.-- sind nicht zu beanstanden. Zusammen mit der V orbereitung und Durchführung der heutigen Parteiverhandlung resultiert nach richterliche m Ermessen daraus ein Gesamtaufwand von 3,9 Stunden. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschw erdegegner demzufolge eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 856.45 (inkl. Auslag en und 8 % MWSt) auszurichten. Auf- grund der Aktenlage ist von der Uneinbringlichkeit der Parteientschädigung auszugehen, wes- halb dem unentgeltlich verbeiständeten Beschwerdegegne r eine Entschädigung in entspre- chender Höhe direkt aus der Gerichtskasse auszurichten ist (§ 18 Abs. 3 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte [TO] vom 17. November 2003) . 7.4 Die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner wer den ausdrücklich darauf hinge- wiesen, dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltli- chen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet sind, sobald sie dazu in der Lage sind (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisatio n der Gerichte [Gerichtsorganisati- onsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie sich nicht als gegenstands- los erweist, und die Anordnung der gemeinsamen elterli chen Sorge wird bestätigt. 2. Dispositiv-Ziffer 9 des Entscheids der Kindes- und Erwa chsenenschutz- behörde B.____ vom 9. April 2015 wird insofern abgeä ndert, als die Erziehungsgutschriften rückwirkend ab 1. Oktober 2015 dem Kindsvater anzurechnen sind. 3. Der Beschwerdeführerin wird für das vorliegende V erfahren die unent- geltliche Prozessführung bewilligt. 4. Dem Beschwerdegegner wird für das vorliegende Verf ahren die unent- geltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. 5. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 6. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner ei ne Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 856.45 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) auszurichten. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g und Uneinbring- lichkeit der Parteientschädigung wird dem Rechtsvertreter des Be- schwerdegegners ein Honorar in der Höhe von Fr. 856.45 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde am 31. März 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 5A_247/2017) erhoben.