B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2436/2014/plo U r t e i l v o m 9 . J a n u a r 2 0 1 5 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. Parteien A._______, geboren (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration, (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. April 2014 / N (…). D-2436/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein Kurde mit letzten Wohnsitz in B._______ in der Provinz C._______ (Syrien), verliess sein Heimatland gemäss eigenen Aussagen am 8. Dezember 2011 und hielt sich bis am 20. oder 21. Januar 2012 in der D._______ auf. Anschliessend gelangte er über ihm unbe- kannte Länder in einem Lastwagen nach E._______ und von dort im Zug am 26. Januar 2012 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag in F._______ ein Asylgesuch einreichte. Am 6. Februar 2012 fand die Befragung im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum F._______ statt und am 27. Februar 2014 hörte ihn das SEM zu seinen Asylgründen an. A.b Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe im April 2011 an De- monstrationen gegen das Regime teilgenommen und eine Jugendorgani- sation mitgegründet. Da sich unter den Demonstrierenden auch Spitzel der syrischen Regierung befunden hätten, welche Fotos gemacht hätten, habe man ihn in der Folge identifiziert. Die Behörden seien an seine m Wohnort erschienen und hätten nach ihm gefragt, als er sich gerade bei einem Freund befunden habe. Aus Angst sei er wenige Tage später in die D._______ ausgereist. Nachdem er in Istanbul von der M._______ Polizei festgenommen worden sei, weil er keinen E inreisestempel im Pass habe vorweisen können, habe man ihn über den Flughafen G._______ ins Hei- matland abgeschoben, wo man ihn erneut festgenommen und in G._______ inhaftiert habe. Nach 25 Tagen sei er in ein Gefängnis nach B._______ verlegt worden. Insgesamt sei er während sechs Monaten in Haft gewesen. Infolge einer Verwechslung sei er freigekommen. Am fol- genden Tag hätten die Sicherheitsbehörden in seiner Abwesenheit an sei- nem Wohnort vorgesprochen und der Familie mitgeteilt, dass er irrtümlich freigelassen worden sei, weshalb er sich auf dem Posten melden müsse. Zudem sei gesagt worden, dass er als Reservist in den Militärdienst einbe- rufen werde. Daraufhin habe er sich während einiger Tage bei einem Freund versteckt und sei danach erneut in die D._______ gereist. Von dort habe er die Reise in die Schweiz angetreten. A.c Der Beschwerdeführer gab eine Kopie seines militärischen Führer- scheins, eine Kopie der Bestätigung der Militärdienstabsolvierung, eine Ko- pie des Militärbüchleins und eine Kopie seiner Identitätskarte zu den Akten. Sein Reisepass befinde sich bei den syrischen Behörden, die ihn anläss- lich seiner Rückschaffung aus der D._______ an sich genommen hätten. D-2436/2014 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 1. April 2014 – eröffnet am 3. April 2014 – stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er- fülle, und lehnte sein Asylgesuch ab. Er wurde aus der Schweiz weggewie- sen; der Vollzug der Wegweisung wurde indessen infolge dessen Unzu- mutbarkeit aufgeschoben und der Beschwerdeführer vo rläufig aufgenom- men. Der zuständige Kanton wurde mit der Umsetzung der vorläufigen Auf- nahme beauftragt. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwä- gungen näher eingegangen. C. Mit Eingabe vom 5. Mai 2014 reichte der Beschwerdeführer über seinen inzwischen mandatierten Rechtsvertreter Beschwerde gegen die vo- rinstanzliche Verfügung ein und stellte folgende Anträge: – Es sei ihm Einsicht in den internen Antrag auf vorläufige Aufnahme (Akte A17/2) und in die Beweismittel in Akte A15/1 zu gewähren, – eventualiter sei ihm das rechtliche Gehör zu diese n Aktenstücken zu gewähren beziehungsweise es sei eine schriftliche Begründung betreffend Akte A17/2 zuzustellen, – es sei eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergän- zung anzusetzen, – es sei festzustellen, dass die angefochtene Verfügung betreffend Fest- stellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Rechtskraft er- wachsen sei (Ziff. 4 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung), – die Verfügung des SEM vom 1. April 2014 sei im Übrigen aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richt igen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung zurückzuweisen, – eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und dem Be- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft zuzusprechen, ihm Asyl zu ge- währen, und eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, – eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Unzu- lässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, D-2436/2014 Seite 4 – es sei eine angemessene Frist zur Einreichung der ausgedruckten Be- weismittel anzusetzen, falls die Angaben bei der Beweismittelbezeichnung nicht zureichend seien. Hinsichtlich der Begründung wird auf die nachfolgenden Erwägungen ver- wiesen. D. Mit Zwischenverfügung vom 9. Mai 2014 wurde der Ei ngang der Be- schwerde angezeigt. E. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. Mai 2014 wurde das Gesuch um Akteneinsicht in das Aktenstück A15/1 sowie in die im hinteren Umschlag des SEM-Dossiers befindlichen Dokumente gutge- heissen. Weitergehend wurde das Akteneinsichtsgesuch abgewiesen. Das SEM wurde aufgefordert, nach gewährter Akteneinsicht das Dossier um- gehend an das Bundesverwaltungsgericht zu retournieren. Der Beschwer- deführer wurde aufgefordert, innert Frist die in den Erwägungen erwähnten Beweismittel in eine schweizerische Amtssprache übersetzt nachzureichen beziehungsweise eine in eine schweizerische Amtssprache verfasste In- haltsangabe nachzureichen und anzugeben, was damit zu beweisen sei, unter Androhung, im Unterlassungsfall würde n die Beweismittel nicht be- rücksichtigt. Es wurde ihm eine Frist von sieben Tagen ab Erhalt der Ak- teneinsicht zu einer allfälligen Ergänzung der Beschwerde gewährt. Aus- serdem wurde er aufgefordert, innert Frist eine Fürsorgebestätigung nach- zureichen, verbunden mit der Androhung, im Unterlassungsfall sei davon auszugehen, er sei nicht bedürftig im Sinne des Gesetzes. Einstweilen wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. F. Mit Schreiben vom 2. Juni 2014 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer Akteneinsicht. G. Mit Eingabe vom 10. Juni 2014 reichte der Beschwerdeführer ein Lohnblatt zu den Akten und machte geltend, er werde nicht von der Fürsorge unter- stützt, sondern sei erwerbstätig. Er sei indessen trotzdem bedürftig, weil er nicht in der Lage sei, einen Gerichtskostenvorschuss zu bezahlen, weshalb ausdrücklich um Erlass des Kostenvorschusses ersucht werde. Für den Fall, dass das Gericht diesem Gesuch nicht entspreche, werde um eine D-2436/2014 Seite 5 Nachfrist, welche mehr als nur drei Tage betrage, ersucht, weil in der Zwi- schenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. Mai 2014 auch noch eine Frist zur Beschwerdeergänzung laufen werde, sobald das SEM Akteneinsicht gewährt habe. H. Mit Zwischenverfügung vom 16. Juni 2014 wurde das nachträglich gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abgewiesen und Ziff. 8 des Dispositivs der Zwischenverfügung vom 28. Mai 2014 auf- gehoben. Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss zu begleichen, verbunden mit der Androhung, im Unter- lassungsfall werde auf seine Beschwerde nicht eingetreten. I. Mit Eingabe vom 18. Juni 2014 wurde um Erstreckung der Frist zur Einrei- chung der verlangten Übersetzungen und zur Beschwerdeergänzung er- sucht. Mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2014 wurde diesem Ersuchen entsprochen. J. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 24. Juni 2014 bezahlt. K. Mit Eingabe vom 1. Juli 2014 wurden als Beilage diverse Übersetzungen zu den Akten gegeben. L. Mit Zwischenverfügung vom 18. Juli 2014 wurde das SEM zur Vernehm- lassung eingeladen. M. In seiner Vernehmlassung vom 24. Juli 2014 hielt das SEM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be- schwerde. Auf die Begründung wird nachfolgend näher eingegangen. N. Mit Zwischenverfügung vom 28. Juli 2014 wurde dem Beschwerdeführer ein Replikrecht eingeräumt. O. Mit Eingabe vom 12. August 2014 reichte der Beschwerdeführer eine Rep- lik ein. D-2436/2014 Seite 6 P. Mit Eingabe vom 2. Oktober 2014 gab der Beschwerdeführer die Kopie eines Protokolls der Innenstreitkräfte Syriens mit einer deutschen Überset- zung zu den Akten und legte dar, dass er irrtümlich infolge einer Namens- verwechslung entlassen worden sei, nachdem man ihn zuvor verhaftet und verurteilt habe. Q. Am 18. Dezember 2014 gab er das Original des unter Ziff . P . erwähnten Beweismittels zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und D-2436/2014 Seite 7 unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder d er Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts im Asylbereich und die zulässigen Rügen bestimmen sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 4.2 Der Beschwerdeführer wurde zufolge Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs vorläufig aufgenommen. Somit beschränkt sich das vorlie- gende Beschwerdeverfahren auf die Fragen, ob er als Flüchtling anzuer- kennen und ihm Asyl zu gewähren, beziehungsweise ob er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen ist. Auf die mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2014 festgestellte Rechtskräftigkeit der Ziffer 4 des Dispositivs der ange- fochtenen Verfügung ist zurückzukommen, weil die Anordnung der vorläu- figen Aufnahme infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs erst erfolgt und erfolgen kann, wenn das Asylgesuch rechtskräftig negativ entschieden wurde, was aufgrund der vorliegenden Anfechtung der erstin- stanzlichen Verfügung noch nicht der Fall sein kann. Folglich ist der Antrag, es sei festzuhalten, dass die in der angefochtenen Verfügung dargelegte Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Rechtskraft D-2436/2014 Seite 8 erwachsen sei, wiedererwägungsweise abzu weisen. In diesem Zusam- menhang ist indessen darauf hinzuweisen, dass der Eintritt der Rechtswir- kungen der vorläufigen Aufnahme in tatsächlicher Hinsicht praxisgemäss schon ab ergangenem erstinstanzlichem Entscheid erfolgt, selbst wenn die Verfügung hinsichtlich der Flüchtlingseigenschaft angefochten wird (vgl. dazu Urteil des BVGer E-776/2013 vom 8. April 2014 E. 2.2). 5. 5.1 Das SEM begründete seine Verfügung vom 1. April 2014 dahingehend, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers insgesamt den Anforderun- gen an die Glaubhaftmachung nicht zu genügen vermöchten. Der Be- schwerdeführer habe mehrfach unterschiedliche Zeitangaben zu Protokoll gegeben. So habe er zunächst anlässlich der Erstbefragung ausgesagt, er sei am 17. April 2011 erstmals in die D._______ ausgereist, was sich mit seiner Angabe, er habe die Jugendorganisation H._______, welche am 18. oder 19. April 2011 entstanden sei, mitbegründet, nicht vereinbaren lasse. Ferner habe er angegeben, zwei Mal an Demonstrationen teilgenommen zu haben. Während er diese Teilnahmen das eine Mal auf den 15. oder 18. April 2011 datiert habe , sei dies das andere Mal am 5. beziehungsweise am 15. April 2011 gewesen, worauf am 19. oder 20. April 2011 die Behör- den am Wohnort erschienen seien. Vor seiner Ausreise habe er sich wäh- rend drei oder vier Tagen bei einem Freund versteckt. Anlässlich der Bun- desanhörung habe er dann zu Protokoll gegeben, zum letzten Mal an einer Demonstration habe er am Israr-Freitag fünf oder sechs Tage vor der Aus- reise aus dem Heimatland teilgenommen. Da der Israr -Freitag nachweis- lich am 15. April 2011 stattgefunden habe, hätte er sein Heimatland folglich am 20. oder 21. April 2011 verlassen haben müssen, was indessen im Wi- derspruch zu den Aussagen der Erstbefragung stehe. Ferner habe er bezüglich der zweiten Ausreise aus Syrien zunächst darge- legt, er sei bis am 4. oder 5 . Dezember 2011 in B._______ im Gefängnis gewesen und habe Syrien am 8. Dezember 2011 verlassen, während er später vorgebracht habe, Ende November 2011 aus Syrien ausgereist zu sein. An der geltend gemachten Festnahme in der D._______ und der anschlies- senden Rückschaffung nach Syrien durch die M._______ Polizei würden grundsätzliche Zweifel bestehen, weil der Beschwerdeführer keine Beweis- unterlagen habe vorweisen können. Zudem habe er in diesem Zusammen- hang zuerst dargelegt, die M._______ Polizei habe über eine Liste verfügt, D-2436/2014 Seite 9 auf welcher auch sein Name gestanden sei, weil er in Syrien an Demonst- rationen teilgenommen und eine Jugendbewegung mitbegründet habe, während er später keine solche Liste mehr erwähnt, sondern nur ausge- sagt habe, die Polizei habe seinen Namen gekannt, weil sie glaubte, dieser sei weitergeleitet worden. Hinsichtlich der Suche nach seiner Person an seinem Wohnort durch die Polizei nach der irrtümlichen Freilassung habe der Beschwerdeführer ei- nerseits ausgesagt, er sei von seinem Onkel mütterlicherseits darüber ori- entiert worden; andererseits habe ihn seine Schwester darüber aufgeklärt, als er nach Hause gekommen sei. Darüber hinaus sei es mit der allgemeinen Erfahrung und der Logik des Handelns nicht vereinbar, dass der Beschwerdeführer – wie von ihm vor- getragen – aufgrund einer Verwechslung aus dem Gefängnis entlassen worden sei, weil die von ihm dargelegten Umstände dieser Verwechslung seltsam anmute. So sei es nicht begreiflich, dass sich die andere Person mit einem ähnlichen Namen wie demjenigen des Beschwerdeführers, wel- che hätte freigelassen werden sollen, nicht selber gemeldet habe, als ihr Name ausgerufen worden sei und das Gefängnispersonal erst am folgen- den Tag auf die Verwechslung aufmerksam gemacht habe. Z udem er- scheine es grundsätzlich unvorstellbar, dass die Gefängnisaufseher nicht genauer kontrollieren würden, wen sie freiliessen, sondern sich darauf be- schränkten, dass sich auf den ausgerufenen Namen die richtige Person melde. Nicht überzeugend sei ferner das Vorgehen der Polizei anlässlich der Su- che nach der Person des Beschwerdeführers ausgefallen. So habe diese bei der Vorsprache am Wohnort des Beschwerdeführers die anwesenden Angehörigen, die Mutter und die Schwester, nicht nach dem Aufenthaltsort des Beschwerdeführers gefragt. Auch könne kaum geglaubt werden, dass sich die Polizei ohne Weiteres zurückgezogen habe, nachdem sie festge- stellt habe, dass der Beschwerdeführer nicht vor Ort sei, zumal allgemein bekannt sei, dass in Syrien Verwandte oftmals festgenommen würden, um die gesuchte Person zu zwingen, sich zu stellen. Wenig einleuchtend sei auch das Vorbringen, wonach der als Regimegeg- ner gesuchte Beschwerdeführer gemäss Auskunft der Polizisten hätte als Reservist in den Militärdienst eingezogen werden sollen. D-2436/2014 Seite 10 Ferner könne nicht nachvollzogen werden, warum der Beschwerdeführer bei der zweiten Ausreise aus dem Heimatland die gleiche Fluchtroute ge- wählt habe, obwohl er angesichts der geltend gemachten Rückschiebung beim ersten Fluchtversuch hätte Angst haben müssen, dass ihm dies ein zweites Mal passieren könnte. Schliesslich sei es nicht einleuchtend, dass die M._______ Behörden ihn das erste Mal hätten identifizieren und zu- rückschaffen können, während dies beim zweiten Mal nicht gelungen sei. 5.2 In der Beschwerde vom 5. Mai 2014 werden diverse formelle Rügen erhoben und es wird zur materiellen Beurteilung des SEM Stellung genom- men. 5.2.1 In formeller Hinsicht wird geltend gemacht, das SEM habe den An- spruch auf Akteneinsicht und denjenigen auf Gewährung des rechtlichen Gehörs schwerwiegend verletzt. Obwohl der unterzeichnende Rechtsan- walt in der Eingabe vom 7. April 2014 ausdrücklich um vollständige Einsicht in die Akten ersucht habe, welche auch Einsicht in die vor seiner Manda- tierung dem Beschwerdeführer z ugesandten und von ihm eingereichten Unterlagen sowie den internen Antrag auf Gewährung der vorläufigen Auf- nahme einschliesse, habe das SEM mit Verfügung vom 9. April 2014 nur teilweise Akteneinsicht gewährt. Insbesondere habe er keine Einsicht in den erwähnten internen Antrag und in die eingereichten Beweismittel be- kommen. In Verletzung der Begründungspflicht habe das SEM die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs lediglich mit der allgemeinen Lage in Syrien begründet. Es sei davon auszugehen, dass das SEM die Kriterien der Flüchtlingseigenschaft und der Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs mit denjenigen der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ver- mischt habe. Zudem hätte insbesondere die Einsicht in die Militärunterla- gen zwingend gewährt werden müssen. Auch seien diese Unterlagen nicht gewürdigt worden. Selbst in die vom Beschwerdefüh rer abgegebene Be- stätigung des I._______ betreffend Bruder hätte Einsicht gewährt werden müssen. Das SEM habe nicht einmal erwähnt, dass sich der Bruder des Beschwerdeführers in der Schweiz befinde. Diese schwerwiegenden Feh- ler müssten die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur Folge haben. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer nachträglich Einsicht in diese Ak- ten und eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung zu gewähren. Das SEM habe zudem mehrere Sachverhaltselemente unerwähnt gelas- sen: So die Tatsache, dass der Beschwerdeführer zum Militärdienst aufge- fordert worden sei, die Dauer des geltend gemachten Gefängnisaufenthal- tes, die Angabe des Beschwerdeführers, er sei dort geschlagen und ge-D-2436/2014 Seite 11 quält worden, die Tatsache, dass die Polizisten anlässlich der Demonstra- tionen auf die Demonstranten geschossen hätten, die vom Beschwerde- führer mitbegründete Jugendorganisation, die Mitgliedschaft des Be- schwerdeführers bei der Gruppe J._______, die Tatsache, dass er von sich als Demonstrationsteilnehmer im Fernsehsender K._______ (Anmerkung des Gerichts: auch bekannt als L._______) Bilder gesehen habe, die gel- tend gemachte Suche nach ihm im Anschluss an seine Ausreise aus dem Heimatland sowie die Flucht seines Bruders und dessen Anerkennung als Flüchtling im N._______ (unter Verweigerung der Entgegennahme der ent- sprechenden Beweismittel durch das SEM). Ferner habe das SEM den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig erhoben. Das SEM hätte zwingend weitere Abklärungen, insbesondere eine Anhörung, durchführen müssen. Abgesehen von den zuvor bereits er- wähnten und vom SEM nicht angesprochenen Sachverhaltselementen sei festzuhalten, da ss die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen zeitlichen Ungereimtheiten erklärbar seien: Die Anhörung habe erst mehr als zwei Jahre nach der Erstbefragung stattgefunden und der Beschwerdeführer habe ausgesagt, er erinnere sich nicht mehr an die Daten. Zudem komme der Anhörung praxisgemäss (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.5 und Urteil des BVGer D-3914/2013 vom 30. Juli 2013 E. 4.2.3) eine ausreichende Bedeu- tung zu. Unerwähnt geblieben sei zudem, dass der Beschwerdeführer die dolmetschende Person der Erstbefragung nicht richtig verstanden habe, auch wenn er angegeben habe, sie gut zu verstehen; dies habe damit zu tun, dass ihm von der dolmetschenden Person gedroht worden sei, er werde nach Syrien zurückgeschickt. Anlässlich der Anhörung habe er dies zur Sprache gebracht. Als Folge dieser unrichtigen und nicht vollständigen Erhebung des rechtserheblichen Sachverhalts sei die angefochtene Verfü- gung zurückzuweisen. Andernfalls sei festzustellen, dass auch eine Verlet- zung des Willkürverbots vorliege. 5.2.2 In Bezug auf die materielle Beurteilung des SEM wies der Beschwer- deführer zunächst erneut auf die Schwierigkeiten mit der übersetzenden Person hin und legte dar, er habe a nlässlich der Anhörung die entspre- chenden zeitlichen Abläufe logisch konsistent und einleuchtend geschil- dert. Er habe fünf bis sechs Tage vor der Ausreise letztmals an einer De- monstration teilgenommen. Das zentrale Problem indessen stelle seine sechsmonatige Inhaftierung nach der Rückkehr aus Syrien (recte: aus der D._______) dar, während die D-2436/2014 Seite 12 Demonstrationen im April "lediglich" Gründe für die erste Ausreise gewe- sen seien. Diese Inhaftierung habe den Beschwerdeführer zur zweiten Ausreise aus dem Heimatland bewogen. Auch die diesbezüglichen Unklar- heiten betreffend Daten seien nicht entscheidrelevant. Ferner habe er die Haftentlassung übereinstimmend auf Ende November/Anfang Dezember 2011 datiert, weshalb auch diesbezüglich kein für die Entscheidung we- sentlicher Widerspruch zu konstruieren sei. Zum Vorwurf der unterschied- lichen Angaben betreffend Liste der M._______ Polizei sei massgebend, dass er bei der M._______ Polizei als gesuchte Person erfasst gewesen sei beziehungsweise dass er nicht als Person registriert gewesen sei, der die Einreise und der Aufenthalt in der D._______ ohne weiteres erlaubt wäre. Folglich wir ke auch dieser Vorwurf konstruiert. Schliesslich handle es sich ebenfalls nicht um einen entscheidrelevanten Widerspruch, von wem – vom Onkel oder von der Schwester – er über die Suche nach ihm orientiert worden sei , da er darüber durch seine Schwester über seinen Onkel erfahren habe. Der Argumentation des SEM, wonach es nicht glaubhaft sei, dass er auf- grund einer einfachen Verwechslung aus dem Gefängnis entkommen sei, wird entgegnet, dass er detailliert und glaubhaft geschildert habe, wie er sich als den tatsächlich aufgerufenen Freund ausgegeben habe. Ange- sichts der damals völlig überlasteten Zellen und Gefängnisse sei es zu un- zähligen illegalen Inhaftierungen gekommen. Es sei keineswegs unglaub- haft, dass die Behörden nur durch Aufrufen des Namens und nicht mittels Fingerabdruckvergleich Gefangene freigelassen hätten. Es sei zwar sicher selten, dass sich die wirklich betroffene Person nicht melde; indessen sei einzig gestützt auf die Seltenheit nicht auf die Unglaubhaftigkeit zu schlies- sen. Die rein optische Identifizierung der Gefangenen sei mit Blick auf die engen Räumlichkeiten und die grosse Anzahl Personen erschwert gewe- sen. Bezüglich der Frage nach dem Aufenthaltsort des Beschwerdeführers sei festzuhalten, dass sich dieser im Zeitpunkt der polizeili chen Suche nach ihm bereits versteckt aufgehalten habe, wobei die Mutter und die Schwes- ter nicht im Bild darüber gewesen seien, wo er sich befinde und diesbezüg- lich deshalb nicht hätten Antwort geben können. Auch wenn er den ge- nauen Wortlaut der Fragen der Polizei aufgrund seiner Abwesenheit nicht mitbekommen habe, sei davon auszugehen, dass die Polizei die Mutter und Schwester nach seinem Aufenthaltsort gefragt habe. Zudem habe das SEM den Fehler gemacht, die Unglaubhaftigkeit mit dem realitätsfremden D-2436/2014 Seite 13 Verhalten von Drittpersonen zu begründen, was willkürlich sei. Auch des- halb erweise sich dieses Argument nicht als stichhaltig. Entgegen der Darstellung des SEM sei es zudem sehr wohl möglich, einen Regimegegner für den Militärdienst aufzubieten, um unter diesem Vorwand bei der Familie nach dem Aufenthaltsort der gesuchten Person zu fragen. Ein diktatorischer Staat wie Syrien bediene sich aller Mittel, Leute zu ver- folgen, aufzuspüren und zu behelligen. Beim Argument des SEM, es sei nicht verständlich, warum der Beschwer- deführer zwei Mal die gleiche Fluchtroute über die D._______ gewählt habe, handle es sich ebenfalls um eine reine Parteibehauptung. Der Be- schwerdeführer habe einfach den schnellsten Weg an einen sicheren Ort – und das sei die D._______ – gewählt. Insgesamt habe das SEM zu Unrecht die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers als unglaubhaft dargestellt. Seine Behauptungen seien willkürlich und würden Art. 7 AsylG und Art. 9 BV verletzen. Auch aus diesen Gründen sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur Neubeu rteilung an das SEM zurückzuweisen. Andernfalls sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer glaubhaft geschil- dert habe, aufgrund seines politischen und ethnischen Profils von den sy- rischen Behörden gezielt gesucht worden zu sein. Damit habe er im Zeit- punkt der Ausreise die Flüchtlingseigenschaft erfüllt, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei. Aufgrund seines politischen Profils hätte er auch im Militär eine asylrelevante Verfolgung erlitten und sei auch deshalb als Flüchtling anzuerkennen. Diesbezüglich sei auch auf das Urteil des BVGer E - 776/2013 vom 8. April 2014 zu verweisen. Unter Hinweis auf ein im Januar 2014 veröffentlichtes Gutachten und di- verse Medienberichte wurde im Übrigen auf die allgemeine aktuelle Lage von Häftlingen und Oppositionellen in Syrien verwiesen. Gestützt auf diese Berichte gelte der Beschwerdeführer als Terrorist und hätte das im Bericht festgehaltene Schicksal erlitten. Im Fall einer Rückkehr nach Syrien würde ihm dieses Schicksal erneut drohen. Somit erfülle er auch im heutigen Zeit- punkt die Flüchtlingseigenschaft, wobei in diesem Zusammenhang insbe- sondere auch – unter Hinweis auf die Urteile des BVGer D-4051/2011 vom 8. Juli 2013 und E-483/2009 vom 29. August 2012 – auf die Flucht vor dem Militäreinsatz zu verweisen sei. Militärdienstverweigerer und Deserteure würden gemäss verschiedenen Medienberichten in Syrien D-2436/2014 Seite 14 liquidiert. Andere Länder, beispielsweise Australien, hätten festge stellt, dass Reservisten, die ihren Militärdienst bereits geleistet hätten, im Fall einer Verweigerung militärischer Befehle wie Schiessen auf Demonstran- ten in Gefahr seien (vgl. RRT Case No. 1112951, Refugee Review Tribunal Australia, 1. Mai 2012, abrufba r unter www.refworld.org). Ferner sei der Beschwerdeführer im Fall einer Wiedereinreise in sein Heimatland der Will- kür der Behörden ausgesetzt. Insbesondere Kurden syrischer Herkunft würden mit irgendeiner Tätigkeit, Person oder Gruppierung in Verbindung gebracht, welche für ihre Rolle in der exilpolitischen Opposition bekannt und bei den Behörden registriert sei. Der Beschwerdeführer als kurdischer Oppositioneller mit einer vergangenen Inhaftierung würde in Syrien bereits aufgrund seiner politischen Aktivitäten verhaftet und müsste sich einem fol- genreichen und willkürlichen Verhör unterziehen. Dabei wäre die Gefahr gross, dass er menschenrechtswidriger Behandlung und asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt wäre. Zudem herrsche in Syrien seit bald drei Jahren Bürgerkrieg und mit einer Entspannung des Konflikts sei nicht zu rechnen. Angesichts der gewaltsa- men Vorgänge, der unmenschlichen Umstände und der Aussichtslosigkeit in Syrien sei es nicht nachvollziehbar, mit welche r Uneinsichtigkeit und Fehleinschätzung das SEM die Asylgesuche von aus Syrien geflüchteten Menschen behandle. Der von Seiten des UNHCR, von Menschenrechts - und Hilfsorganisationen sowie von europäischen Ländern wie Schweden erhobene Appel lasse in der Schweiz immer noch auf sich warten. Insbe- sondere für Regimegegner wie den Beschwerdeführer spitze sich die Lage zu, weil in jüngster Zeit die Macht des syrischen Regimes gestärkt worden sei, Assad wieder fest im Sattel sitze und sich die Fronten – auch unter den Kurden – verhärten würden. Es gebe Zersplitterungen und Reorganisatio- nen. Radikale Islamisten würden an Macht und Einfluss gewinnen. Weil das syrische Regime seit März 2011 geltend mache, die Demonstrationen würden von Terroristen aus dem Ausland anges tachelt, seien Personen, die nach einem längeren Auslandaufenthalt ins Heimatland zurückkehren würden, besonders verdächtigt, sich am Terrorismus vom Ausland her be- teiligt zu haben. Der sich bereits seit Januar 2012 in der Schweiz aufhal- tende Beschwerdeführer müsse deshalb ebenfalls damit rechnen, für die syrischen Behörden zum Feind, Verräter oder gar zum Staatsfeind gewor- den zu sein. Bei seiner Rückkehr würde er zweifelsfrei verfolgt, verhört und verhaftet werden. Sollte er nicht als Flüchtling anerkannt werden, müsse wegen der drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt werden. D-2436/2014 Seite 15 5.3 In seiner Vernehmlassung vom 24. Juli 2014 stellte das SEM fest, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- weismittel, welche eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen könnten, weshalb vollumfänglich an den Erwägungen festgehalten werde. In Ergän- zung dazu legte es dar, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemach- ten Verständigungsprobleme unplausibel seien, weil die Anhörung in Kurmanci, der Muttersprache des Beschwerdeführers, geführt worden sei. Dem Protokoll könnten zudem weder Hinweise für Schwierigkeiten betref- fend Übersetzung noch dafür, dass die dolmetschende Person ihre Rolle nicht vorschriftsg emäss wahrgenommen habe, entnommen werden. Bei den vom SEM eingesetzten dolmetschenden Personen handle es sich um erfahrene Leute, deren Arbeit einer Qualitätskontrolle unterstehe. Die dies- bezügliche Kritik des Beschwerdeführers könne somit nicht gehört werden. Betreffend Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs und der unvollstän- digen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts sei festzuhalten, dass die in der Beschwerdeschrift erwähnten Punkte nichts an der Gesamtein- schätzung der Vorbringen des Beschwerdeführers zu ändern vermöchten, weshalb verzichtet werde, darauf im Detail einzugehen. 5.4 In seiner Replik vom 12. August 2014 legte der Beschwerdeführer dar, dass das SEM die Bedeutung beziehungsweise die formelle Natur des An- spruchs auf Gewährung des rechtlichen Gehörs verkenne, indem es sinn- gemäss behaupte, es sei nicht schlimm, wenn der Sachverhalt nicht voll- ständig erfasst und gewürdigt werde. Vielmehr genüge es, wenn im Nach- hinein die Gesamteinschätzung ergebe, dass die zuvor nicht gewürdigten Punkte an der Gesamteinschätzung nichts zu ändern vermöchten. Eine schwerwiegende Verletzung des Anspruchs auf Gewährung des rechtli- chen Gehörs habe zwingend die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur Folge. Zudem sei ohne Erwähnung des vollständigen Sachverhalts nicht ersichtlich, ob das SEM eine vollständige Würdigung vorgenommen habe. Betreffend der Übersetzungsprobleme werde vollumfänglich an den Ausführungen in der Beschwerdeschrift festgehalten. 6. 6.1 Vorab sind die zahlreichen formellen Rügen und damit verbundenen Rückweisungsanträge zu prüfen, welche auf Beschwerdeebene vorge- bracht wurden. D-2436/2014 Seite 16 6.2 Seitens des Beschwerdeführers wird geltend gemacht, sein Recht auf Akteneinsicht und damit sein Anspruch auf rechtliches Gehör seien verletzt worden, indem ihm in die Aktenstücke A17/2 (interner Antrag vorläufige Aufnahme) und A15/1 (Beweismittelcouvert) keine Einsicht gewährt wor- den sei. Der Anspruch der Beschwerdepartei auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 VwVG) enthält nebst weiteren Verfahrensgarantien ins- besondere auch das Recht auf Akteneinsicht, welches in Art. 26 ff. VwVG konkretisiert wird. Gemäss Art. 26 VwVG hat die Partei oder ihr Vertreter – unter Vorbehalt der Ausnahmen gemäss Art. 27 Abs. 1 VwVG – grundsätz- lich Anspruch darauf, sämtliche Aktenstücke einzusehen, welche geeignet sind, in einem konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen. Wird einer Partei die Einsichtnahme in ein Aktenstück verweigert, so darf darauf zum Nachteil der Partei nur abgestellt werden, wenn ihr die Behörden von sei- nem für die Sache wesentlichen Inhalt Kenntnis und ihr ausserdem Gele- genheit gegeben hat, sich zu äussern oder Gegenbeweise zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). Diesbezüglich wurde bereits in der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. Mai 2014 festgestellt, dass das SEM die Einsicht in das Aktenstück A17/2 zu Recht verweigert hat, weil in dieser Akte eine verwaltungsinterne Entscheidungsfindung enthalten ist, welcher kein Beweischarakter zukommt und für welche kein Anspruch auf Einsichtnahme besteht. Eine Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht ist diesbezüglich zu verneinen, und der Antrag, es sei nach Gewährung des rechtlichen Gehörs eine Frist zur Stellungnahme zu gewähren, ist unter diesen Umständen in Bezug auf dieses Aktenstück abzuweisen. Bezüglich des Aktenstücks A15/1 und dessen Inhalt sowie der im hinteren Umschlag des SEM-Dossiers befindlichen Dokumente wurde das Akteneinsichtsge- such in der erwähnten Zwische nverfügung gutgeheissen, weil offensicht- lich kein Grund bestand, die Einsicht zu verweigern (vgl. dazu auch Art. 27 Abs. 3 VwVG). Diesbezüglich ist folglich eine Verletzung des Aktenein- sichtsrechts festzustellen, welche indessen nicht als schwerwiegend zu be- trachten ist. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die asylsuchende Partei die von ihr selber eingereichten Unterlagen oder Be- weismittel kennt und sich allenfalls Kopien dazu angefertigt hat. Zudem hat das SEM dem Beschwerdeführer nachträglich mit Schreiben vom 2. Juni 2014 Einsicht in diese Aktenstücke gewährt, und ihm wurde mit Zwischen- verfügung vom 28. Mai 2014 eine Frist zur Beschwerdeergänzung einge- räumt, welche er mit Eingabe vom 1. Juli 2014 wahrnahm. Damit wurde der gerügte Verfahrensmangel ohnehin geheilt (vgl. dazu BVGE 2008/47 E. 3.3.4, mit weiteren Hinweisen). D-2436/2014 Seite 17 6.3 Des Weiteren wurde vom Beschwerdeführer gerügt, das SEM habe seine Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und richtig festzustellen, sowie die ihm obliegende Prüfungs- und Begründungspflicht verletzt, was letztlich ebenfalls eine Verletzung des Gehörsanspruchs dar- stelle. Dem SEM sei auch vorzuwerfen, dass es nach der Erstbefragung mehr als zwei Jahre habe verstreichen lassen, bis der Beschwerdeführer angehört worden sei. Weitere Abklärungen und eine weitere Anhörung hät- ten sich vorliegend aufgedrängt, weil der Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden sei. 6.3.1 Das SEM habe einerseits die eingereichten Beweismittel nicht einge- hend gewürdigt und angebotene B eweismittel betreffend Bruder des Be- schwerdeführers nicht entgegengenommen sowie andererseits in der an- gefochtenen Verfügung diverse geltend gemachte Sachverhaltsangaben unerwähnt gelassen: So habe es nicht erwähnt, dass sich ein Bruder des Beschwerdeführers in der Schweiz befinde, dass der Beschwerdeführer aufgefordert worden sei, in den Militärdienst einzurücken, wie lange der Beschwerdeführer inhaftiert gewesen sei, dass er im Gefängnis geschla- gen und gequält worden sei, dass die Polizisten anlässlich der Demonstra- tionen, an welchen er teilgenommen habe, auf die Demonstranten ge- schossen hätten, dass er eine Jugendorganisation mitbegründet und orga- nisiert habe, dass er auch Mitglied der Gruppe J._______ gewesen sei, dass er beim Fernsehsender K._______ Bilder von sich selber gesehen habe, dass die Behörden auch nach seiner Ausreise nach ihm gesucht hät- ten, sowie dass einer seiner Brüder in den N._______ geflohen und dort als Flüchtling anerkannt worden sei, wobei sich das SEM in diesem Zu- sammenhang auch geweigert habe, die angebotenen Beweismittel entge- genzunehmen. 6.3.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter- lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sach- verhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden. Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen D-2436/2014 Seite 18 sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schind- ler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz. 15 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in Auer/Müll- ler/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 28 zu Art. 49). Alle erheblichen Parteivor- bringen sind sodann zu prüfen und zu würdigen (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 35 Abs. 1 VwVG), wobei sich das Ergebnis der Würdigung in der Ent- scheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. Art. 35 VwVG). Nach den von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die v erfügende Be- hörde im Rahmen der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begründung des Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss sich jedoch nicht mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinandersetzen, sondern kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Mit der Pflicht zu Offenlegung der Entscheidgründe kann zu- dem in der Regel verhindert werden, dass sich die Behörde von unsach- gemässen Motiven leiten lässt (vgl. dazu LORENZ KNEUBÜHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar a.a.O., Rz. 6 ff. zu Art. 35; ALF- RED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI; Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 201, N. 629 ff.; BVGE 2007/30 E. 5.6; BGE 136 I 184 E. 2.2.1 und 134 I 83 E. 4.1). 6.3.3 Im vorliegenden Fall trifft es teilweise zu, dass das SEM in der ange- fochtenen Verfügung einige Sachverhaltsvorbringen und eingereichte Be- weismittel (unter Ziff. 6.3.1 festgehalten) nicht erwähnt beziehungsweise im Sachverhalt nicht explizit aufgeführt und/oder in den Erwägungen nicht gewürdigt oder nicht entgegengenommen hat. Da das SEM indessen nach Prüfung und Würdigung der wesentlichen und gemäss Angaben des Be- schwerdeführers unmittelbar fluchtauslösenden Verfolgungsvorbringen (namentlich die angebliche Suche nach ihm im Nachgang an seine Frei- lassung) zum Schluss kam, die geltend gemachte Verfolgung im Ausreise- zeitpunkt sei insgesamt nicht glaubhaft, konnte es darauf verzichten, die vorerwähnten sekundären und faktisch unbehelflichen Sachverhaltsele- mente, bei welchen es sich teilweise um unbelegte Behauptungen han- delte, ebenfalls noch zu prüfen und in der ange fochtenen Verfügung aus- drücklich aufzuführen. Insbesondere kann der Beschwerdeführer aus der Anwesenheit eines Bruders in der Schweiz und der allfälligen Anerkennung eines weiteren Bruders im N._______ als Flüchtling für sich keine flücht- lingsrechtlich relevante Verfolgung ableiten. Dass er zum Militärdienst auf- gefordert worden sein soll, erwähnte das SEM zwar nicht ausdrücklich im D-2436/2014 Seite 19 Sachverhalt, nahm indessen in den Erwägungen dazu Stellung, weshalb auch diesbezüglich nicht von einer die Entscheidung in rele vanter Weise beeinflussenden unvollständigen Feststellung des Sachverhalts auszuge- hen ist. Die Länge der Haftdauer und die anlässlich der Haft geltend ge- machten Misshandlungen stellen Sachverhaltsteile dar, auf welche ange- sichts der vom SEM festgestellten Unglaubhaftigkeit der Inhaftierung nicht näher eingegangen werden musste. Auch zu den übrigen Sachverhaltsele- menten, zu welchen sich das SEM nicht ausdrücklich äusserte, mussten angesichts der Feststellung des SEM, die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers seien insgesamt nicht als glaubhaft zu betrachten, nicht einzeln ge- würdigt werden. Ebenso war es angesichts der Feststellung, die geltend gemachten Fluchtgründe seien nicht glaubhaft, nicht verpflichtet, die ein- gereichten Beweismittel einzeln zu erwähnen und vertieft zu würdigen so- wie die Unterlagen betreffend den Bruder, der im N._______ als Flüchtling anerkannt sein soll, entgegenzunehmen und in die Beurteilung miteinflies- sen zu lassen. Mit Blick auf die Tatsache, dass das SEM die Asylvorbringen des Beschwerdeführers bereits aufgrund der bestehenden Aktenlage als unglaubhaft beurteilte, konnte es in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. dazu BVGE 2008/24 E. 7.2. S. 357, mit weiteren Hinweisen) auch darauf verzichten, eine nachträgliche ergänzende Anhörung oder weitere Abklä- rungsmassnahmen vorzunehmen beziehungsweise die eingereichten Be- weismittel ausführlich inhaltlich zu würdigen. Der Sachverhalt ist im Übri- gen auch im heutigen Zeitpunkt als ausreichend erstellt zu erachten. Nach dem Gesagten ergibt sich insgesamt, dass im vorliegenden Fall die Rügen, wonach das SEM den Sachverhalt ungenügend festgestellt und die Prü- fungs- sowie Begründungspflicht verletzt habe, unbegründet sind. 6.4 Des Weiteren wird gerügt, dass das SEM die Pflicht zur vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts auch deshalb verletzt habe, weil es dem Beschwerdeführer widersprüchliche Zeitangaben vorwerfe und auf der Korrektheit der Zeitangaben beharre, obwohl zwischen der Erstbefragung und der Anhörung mehr als zweieinhalb Jahre ver strichen seien und praxisgemäss der Anhörung im Asylverfahren eine ausreichende Bedeutung zukomme. Zudem habe der Beschwerdeführer Probleme mit der dolmetschenden Person geltend gemacht. Insbesondere habe er die dolmetschende Person der Erstbefragung nicht richtig verstanden und von dieser zu hören bekommen, dass man ihn nach Syrien zurückschicke, wes- halb er aus Angst angegeben habe, die dolmetschende Person richtig ver- standen zu haben. Anlässlich der Anhörung habe er dieses Problem ange- sprochen. D-2436/2014 Seite 20 Zwar sind auch die Asylbehörden verpflichtet, ihre Verfahren mit der nöti- gen Beschleunigung durchzuführen. Indessen sind grössere Zeitabstände zwischen der Erstbefragung und der Anhörung infolge der grossen Ge- schäftslast nicht immer vermeidbar. Unterschiedliche, widersprüchliche o- der ungereimte Aussagen sind auch unter diesen Umständen zu berück- sichtigen, wobei der die Dauer des Zeitablaufs in die Entscheidung mit ein- zufliessen hat. Folglich ist allein aus der Tatsache, dass das SEM trotz ei- nes grösseren Zeitabstandes zwischen der summarischen Erstbefragung und der Anhörung aufgrund verschiedener differierender Aussagen des Beschwerdeführers seine Vorbringen als unglaubhaft betrachtete, nicht auf eine Gehörsverletzung zu schliessen. Vielmehr ist die diesbezügliche Ar- gumentation des SEM unter dem Gesichtspunkt der materiellen Beurtei- lung näher zu beleuchten. Hinsichtlich der geltend gemachten Probleme mit der dolmetschenden Per- son ergeben sich aus dem Protokoll der Erstbefragung keine Anhalts- punkte, wonach Verständigungsschwierigkeiten aufgetreten sind. Zu Be- ginn und am Ende der Befragung bestätigte der Beschwerdeführer, dass er die dolmetschende Person gut verstehe beziehungsweise verstanden habe (vgl. Akte A7/11 S. 2 und 9). Zudem unterzeichnete er das Protokoll vorbehaltlos und gab damit zu verstehen, dass es seine Aussagen enthält, der Wahrheit entspricht und in eine ihm verständliche Sprache, nämlich in seine Muttersprache, rückübersetzt wurde (vgl. Akte A7/11 S. 9). Unter die- sen Umständen hat sich der Beschwerdeführer die anlässlich der Erstbe- fragung geäusserten Vorbringen vollumfänglich anrechnen zu lassen. An- gesichts dieser Tatsachen ist die Argumentation des SEM in seiner Ver- nehmlassung vom 24. Juli 2014 zu bestätigen. Der Einwa nd des Be- schwerdeführers erscheint somit nachgeschoben und unglaubhaft. Die aus diesem Grund geltend gemachte Verletzung des rechtlichen Gehörs ist folglich abzuweisen. 6.5 In der Beschwerde wird schliesslich mehrfach gerügt, das Vorgehen und die Argumentatio n des SEM seien willkürlich. Gemäss Lehre und Rechtsprechung liegt Willkür indes nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuziehen wäre, sondern nur dann, wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstritte- nen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerech- tigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHÄFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 11; ULRICH HÄFELI/WAL- TER HALLER/HELEN KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., D-2436/2014 Seite 21 Zürich 2012, N 811 f. S. 251 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1, mit weiteren Hinwei- sen). Dabei muss die angeblich willkürliche Begründung rechtsgenüglich dargelegt werden (BGE 116 Ia 426 S. 428, mit weiteren Hinweisen). Im vorliegenden Fall wird jedoch weder näher ausgeführt noch ist von Amtes wegen ersichtlich, dass und inwiefern die seitens des Beschwerdeführers als willkürlich bezeichneten Vorgehensweisen und Erwägungen des SEM unter die obgenannte Definition zu subsumieren sind. Vielmehr ist – auch unter Berücksichtigung der nachfolgenden Erwägungen zum Asylpunkt und zur Flüchtlingseigenschaft – festzustellen, dass insbesondere das Er- gebnis der seitens des Beschwerdeführers bemängelten Rechtsanwen- dung unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten durchaus vertretbar ist. Die Rüge, wonach das SEM das Willkürverbot verletzt habe, ist daher als un- begründet zu qualifizieren. 6.6 Nach dem Gesagten besteht somit keine Veranlassung, die angefoch- tene Verfügung des SEM aus formellen Gründen aufzuheben und die Sa- che zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. Der entsprechende Antrag ist daher abzuweisen. 7. 7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 i.V.m. Art. 7 AsylG gestützt auf die geltend gemachten Vorfluchtgründe zu Recht verneint hat. 7.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1 A des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz erwarten kann. Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingsei- genschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheids, wobei erlittene Ver- folgung oder eine bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf eine andauernde Gefährdung hinweisen können. Veränderungen der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen ( vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 141 f., m.w.H.). 7.3 Nach der Durchsicht der Protokolle gelangt auch das Bundesverwal- tungsgericht – in Übereinstimmung mit dem SEM – zur Überzeugung, dass D-2436/2014 Seite 22 die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaub- haftigkeit nicht standzuhalten vermögen. Dabei sind – wie den nachfolgen- den Erwägungen zu entnehmen ist – nicht nur die vom SEM aufgeführten widersprüchlichen Aussagen zwischen der ersten und zweiten Befragung von Bedeutung; vielmehr fällt auch ins Gewicht, dass der Beschwerdefüh- rer den Sachverhalt anlässlich der Anhörung wenig präzise, immer wieder korrigierend, manchmal widersprüchlich, im Allgemeinen oberflächlich und substanzlos und sehr oft ausweichend dargestellt hat. Wie ein roter Faden zieht sich die Substanzlosigkeit seiner Aussagen durch das Anhörungspro- tokoll, und die befragende Person musste an zahlreichen Stellen nachfra- gen beziehungsweise den Beschwerdeführer auf die ihm gestellte Frage verweisen, weil er auszuweichen versuchte. 7.3.1 Insbesondere war er nicht in der Lage, konzise, widerspruchsfreie, in sich stimmende und detaillierte Angaben über das von ihm vorgebrachte politische Engagement im Heimatland , dessentwegen er gesucht werden soll, darzulegen. 7.3.1.1 So sagte er zunächst anlässlich der Erstbefragung aus, er habe am 18. oder 19. April 2011 eine Jugendbewegung mit der Bezeichnung H._______ mitbegründet, welche etwa 110 bis 120 junge Leute um fasse und zum Ziel gehabt habe, die Regierung friedlich zu stürzen. Er wisse nicht, wer der Präsident dieser Organisation sei, aber dieser sei zwischen 45 und 50 Jahre alt (vgl. Akte A7/11 S. 7). Schon diese Aussagen werfen Zweifel auf, zumal es mit der Wirklichkeit nicht zu vereinbaren ist, dass ein Mitbegründer einer oppositionellen Organisation den Präsidenten dies er Organisation nicht namentlich kennt, indessen sein ungefähres Alter ange- ben kann. Als Mitbegründer müsste er an einer Gründungsveranstaltung – welcher Art auch immer – teilgenommen haben, ebenso wie der Kopf der Gruppe, nämlich der Präsident; folglich müsste er die Namen der andern Mitbegründer und des Präsidenten kennen, zumal man das gleiche ideolo- gische Gut teilt, miteinander für einen Umsturz der Regierung kämpfen will, damit in einem gewissen Mass miteinander verbunden ist und sich wohl gegenseitig im Vertrauen vorgestellt hat. Die Gründung einer oppositionel- len Bewegung mit dem Ziel eines friedlichen Umsturzes in einem Land mit- zugestalten, ohne dass man die Mitgründer und den Namen des Kopfes dieser Gruppe kennt, erscheint unrealistisch. 7.3.1.2 Sodann stimmen diese Angaben grösstenteils nicht mit denjenigen anlässlich der Anhörung überein. Dort sagte er aus, er sei mit den "kurdi- schen Jugendlichen" aktiv gewesen. Er sei "mit der jugendlichen Aktivität" D-2436/2014 Seite 23 gewesen und habe zusammen mit seinen Freunden an Demo nstrationen teilgenommen und den Leuten Plakate gegeben. Sie seien zu viert gewe- sen und es habe eine ältere Person gegeben, die ihnen alles befohlen habe. Die Organisation habe "syrische jugendliche Aktivität" beziehungs- weise auf kurdisch J._______ geheissen und er sei deren Mitglied gewe- sen. Sie habe O._______ aus d er Familie P ._______ gehört (vgl. Akte A14/23 S. 6 f.). Im Unterschied zur Erstbefragung machte der Beschwer- deführer anlässlich der Anhörung nicht mehr geltend, eine Jugendorgani- sation mitbegründet zu haben; vielmehr will er gemäss den letzteren Anga- ben mitgemacht haben und erklärte auch erst auf Nachfrage hin, ein Mit- glied gewesen zu sein (vgl. Akte A14/23 S. 7). Ob sich jemand als Mitbe- gründer einer oppositionellen Organisation , welche den Umst urz der Re- gierung eines Landes plant, oder als blosser Mitläufer beziehungsweise allenfalls als einfaches Mitglied zu erkennen gibt, stellt indessen einen we- sentlichen Unterschied dar. 7.3.1.3 Abgesehen davon erwähnte der Beschwerdeführer völlig unter- schiedliche Bezeichnungen der Gruppe, in welcher er aktiv gewesen sein will, wobei sich aus der erstgenannten Bezeichnung H._______ ergibt, dass diese Gruppierung das Gedankengut der Al-Shabab teilen muss, während die spätere Angabe J._______ beziehungsweise der vom Be- schwerdeführer erwähnte Begriff "syrische jugendliche Aktivität" auf eine kurdische Gruppierung schliessen lässt. Bereits die Tatsache, dass er in unterschiedlichen Gruppierungen aktiv gewesen sein will, spricht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Angaben. Darüber hinaus lässt sich die ideologi- sche Ausrichtung der Al-Shabab und ihrer Untergruppierungen nicht unter einen Hut bringen mit derjenigen der syrischen Kurden, was weitere Zwei- fel aufwirft. Insbesondere ist nicht anzunehmen, dass der Beschwerdefüh- rer gleichzeitig bei beiden ideologischen Richtungen "aktiv mitgemacht" haben kann, sei es als Mitbegründer einer Gruppierung oder als deren Mit- läufer beziehungsweise als deren Mitglied. Diese offensichtlich nicht rea- listischen und miteinander nicht zu vereinb arenden Angaben des Be- schwerdeführers sprechen ebenfalls gegen die Glaubhaftigkeit des von ihm dargelegten politischen Engagements. 7.3.1.4 Darüber hinaus legte er anlässlich der Anhörung dar, sie hätten Sit- zungen im Geheimen durchgeführt, beispielsweise abends bei einer Fami- lie, wohin dann die Person gekommen sei und ihnen gesagt habe, was sie zu tun hätten. Sie seien 14 oder 15 jüngere und etwa sechs oder sieben ältere Personen zusammen gewesen, wobei die älteren ihre Namen nicht D-2436/2014 Seite 24 preisgegeben hätten. Diese Angabe n stimmen nicht überein mit denjeni- gen der Erstbefragung, wonach die Gruppierung 110 bis 120 junge Leute umfasst haben soll (vgl. Akte A7/11 S. 7). 7.3.1.5 Gestützt auf die Aussagen anlässlich der Anhörung soll der Vorsit- zende aus der Familie P ._______ gewesen sein; dieser habe indessen sel- ber auch wieder einen Vorsitzenden gehabt (vgl. Akte A14/23 S. 8). Auch diese Aussagen sind nicht zu vereinbaren mit denjenigen der Erstbefra- gung. Danach will er den Vorsitzenden nicht namentlich gekannt haben (vgl. Akte A7/11 S. 7). Er war auch nicht in der Lage anzugeben, aus wel- chem Umfeld dieser gekommen sei. 7.3.1.6 Aufgrund dieser mehrfach widersprüchlichen und unvereinbaren Aussagen in den zentralsten Punkten seiner Vorbringen kann dem Be- schwerdeführer nicht geglaubt werden, dass er in seinem Heimatland in irgendeiner Weise – sei es als Mitbegründer, als Mitglied oder als Mitläufer – organisiert politisch aktiv gewesen sei. 7.3.1.7 Darüber hinaus machte er anlässlich der Anhörung geltend, er habe zwei Mal an Demonstrationen in B._______ teilgenommen, ein Mal davon am Asrar Freitag, wobei er nicht näher ausführte, an welchem Frei- tag dies gewesen sei. Fünf oder sechs Tage später sei er zum ersten Mal in die D._______ ausgereist. An die Daten könne er sich infolge Zeitablaufs nicht mehr erinn ern (vgl. Akte A14/23 S. 7). Diese substanzlosen Aussa- gen, welche sich im Übrigen nicht vereinbaren lassen mit denjenigen an- lässlich der Erstbefragung, wo er genaue Daten angab, sind nicht glaub- haft, zumal sie als Auslöser für die erste geltend gemachte Flucht aus dem Heimatland dargestellt wurden und dem Beschwerdeführer somit etwas mehr als nur die pauschale Erwähnung der Demonstrationsteilnahmen so- wie die Angabe, die Polizei habe geschossen und es habe Tote gegeben, in Erinnerung hätte bleiben müssen. Diese Angaben sind auch in den Me- dien nachlesbar und vermitteln nicht den Eindruck, etwas selbst Erlebtes wiederzugeben. Der Einwand des Beschwerdeführers, er habe die Daten aufgrund des Zeitablaufs vergessen, überzeugt nicht, zumal er nicht nur die Daten ve rgessen hat, sondern auch nicht in der Lage war, den Zeit- punkt ungefähr zu definieren oder – mit Ausnahme der Erwähnung, die zweite Demonstrationsteilnahme habe an einem nicht näher definierten As- rar-Freitag stattgefunden – weitere substanziierte Anknüpfungspunkte dar- zulegen. Auch wenn dem Beschwerdeführer die Daten der Demonstrati- onsteilnahmen nicht mehr in Erinnerung geblieben wären, was in Berück- sichtigung des inzwischen erfolgten Zeitablaufs vorkommen kann, müsste D-2436/2014 Seite 25 er – sofern er tatsächlich an Demonstra tionen teilgenommen h aben will, welche ihn danach zur Flucht veranlasst hätten – in der Lage sein, aus- führlich, realistisch und beteiligungsnah darüber zu berichten und Einzel- heiten darlegen zu können . Die Beschränkung seines Sachvortrags auf das, was ohnehin in den Medien nachlesbar ist, wirft weitere Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen auf. Aus seinen Aussagen anlässlich der Anhörung ergibt sich nur ein plakatives und summarisches Erwähnen der Vorfälle. Dass die Polizei in solchen Situationen auch Schusswaffen ein- setzt, ist allgemein bekannt. Folglich fehlt es den Vorbringen des Be- schwerdeführers auch an der nötigen Substanz, weshalb ihm nicht ge- glaubt werden kann, dass er an Demonstrationen teilgenommen hat. An dieser Einschätzung vermag auch der zwischen der Erstbefragung und der Anhörung liegende zeitliche Abstand nichts zu ändern. 7.3.1.8 Gestützt auf diese Erwägungen kann das vom Beschwerdeführer dargelegte politische Engagement in seinem Heimatland nicht geglaubt werden. 7.3.2 Angesichts dieser Einschätzung bestehen weitere grundlegende Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer überhaupt von den Behörden seines Heimatlandes gesucht worden sein soll. Bezeichnenderweise war er nicht in der Lage, konkret und nachvollziehbar darzuleg en, warum die Sicherheitsbehörden gerade nach ihm gesucht haben sollen. Seine An- gabe, er habe sich selber im Fernsehen erblickt, als er sich bei einem Freund versteckt habe, vermag an dieser Einschätzung ebenso wenig zu ändern wie seine unklaren Aussagen über den Nachrichtendienst (vgl. Akte A14/23 S. 8) und seine Angabe, dieser habe fotografiert und seinen Namen weitergegeben, zumal es sich auch dabei um plakative und detailarme wei- tere Vorbringen handelt, die nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechen. Angesichts der grossen Anzahl von Personen, welche an den Freitagsgebeten und insbesondere an den Freitagsdemonstrationen im fraglichen Zeitpunkt (April 2011) teilgenommen haben, besteht – insbeson- dere im Hinblick auf das unglaubhafte politische Engagement des Be- schwerdeführers – kein nachvollziehbarer Grund dafür, dass gerade er ins Visier der syrischen Behörden geraten sein soll, selbst wenn er bei diesen Demonstrationen unter vielen anderen Personen mitgemacht haben sollte. Mangels hinreichender glaubhafter Anhaltspunkte in den Akten ist davon auszugehen, dass er in seinem Heimatland nicht als politisch Oppositio- neller identifiziert worden ist, weil seinen Aussagen kein diesbezügliches exponiertes und glaubhaftes Tätigwerden entnommen werden kann. Folg- lich kann ihm grundsätzlich auch nicht geglaubt werden, dass er dort von D-2436/2014 Seite 26 den Sicherheitsbehörden gesucht wurde und aus diesem Grund das erste Mal sein Heimatland verlassen habe. 7.3.3 Der Beschwerdeführer machte überdies geltend, man habe ihn in der D._______ festgenommen und nach Syrien zurückgeschickt, weil die M._______ Behörden seinen Namen erkannt hätten, da dieser weiterge- geben worden sei (vgl. Akte A14/23 S. 6 ff.). Er sprach sogar von einer Liste, auf welcher sein Name stehen soll. Sinngemäss will er damit zum Ausdruck bringen, dass er in seinem Heimatland von den Behörden ge- sucht worden sei, diese seinen Namen den M._______ Behörden weiter- gegeben hätten und Letztere ihn aufgrund dieser Kenntnisse festgenom- men und ins Heimatland zurückgeschoben hätten. Abgesehen davon, dass – wie obenstehend festgehalten – die Identifizierung des Beschwerdefüh- rers als politisch Oppositioneller bei den syrischen Behörden nicht als glaubhaft zu betrachten ist, handelt es sich bei diesen substanzlos vorge- tragenen Angaben um blosse Mutmassungen des Beschwerdeführers, zu- mal er weder weitere Anhaltspunkte darlegte noch Beweismittel einreichte, gestützt auf welche davon auszugehen wäre, die M._______ Behörden hätten ihn als von den syrischen Behörden gesuchte Person erkannt, des- wegen festgenommen und den syrischen Behörden übergeben. Vielmehr ist seinen Aussagen zu entnehmen, dass er in seinem Reisepass nicht über den nötigen Einreisestempel für die D._______ und – gestützt darauf – auch nicht über eine Aufenthaltsbewilligung für dieses Land verfügte, wo- mit er sich dort illegal aufgehalten hat. Da er – gemäss seinen Aussagen – schmutzig gewesen und deshalb aufgefallen sei, weshalb die Leute die Polizei alarmiert hätten, ist davon auszugehen, dass er aus diesem Grund und nicht, weil er als syrischer Oppositioneller von den M._______ Behör- den erkannt worden sei, an die syrischen Behörden rücküberstellt wurde, sollte er denn tatsächlich in die D._______ gereist sein. Eine aus politi- schen Gründen erfolgte Festnahme in der D._______ und eine Rücküber- weisung an die syrischen Behörden aus diesem Grund lässt sich im Sinne einer gesamthaften Betrachtungsweise letztlich nicht mit den Aussagen des Beschwerdeführers hinsichtlich des ersten geltend gemachten Aufent- halts in der D._______ vereinbaren, auch wenn er dies mit der Angabe, die M._______ Behörden hätten seinen Namen erkannt und ihn deshalb an die syrischen Behörden zurücküberwiesen, vordergründig zum Ausdruck bringen will. Naheliegender erscheint, dass er aufgrund der missachtet en gesetzlichen Bestimmungen zur Einreise in die D._______ und zum Auf- enthalt in diesem Land in sein Heimatland abgeschoben wurde, nachdem er als fremde Person ohne Beziehungsnetz in der D._______ aufgefallen war. Da der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben seinen Reisepass D-2436/2014 Seite 27 mitführte, war eine Rücküberstellung ins Heimatland ohne grössere Prob- leme möglich. Bezeichnenderweise war er weder in der Lage anzugeben, mit welchen schriftlichen Unterlagen er von der D._______ in sein Heimat- land zurückgeschoben wor den sei noch gab er Beweismittel ab, welche diesen hätten belegen können, obwohl Personen, welche in ihr Heimatland zurückgeschoben werden, üblicherweise mit den entsprechenden Doku- menten des rückschiebenden Staates ausgerüstet sind. Unter diesen Um- ständen sind auch grundsätzliche Zweifel an der Rückschiebung aus der D._______ angebracht. 7.3.4 Aufgrund dieser Erwägungen kann dem Beschwerdeführer auch nicht geglaubt werden, dass er – sollte er tatsächlich aus der D._______ in sein Heimatland zurückgeführt und inhaftiert worden sein – danach im Hei- matland aus politischen Gründen inhaftiert wurde. Eine allfällige Inhaftie- rung kann folglich nicht im Zusammenhang mit den geltend gemachten po- litischen Aktivitäten stehen, zumal sich diese als unglaubhaft herausgestellt haben, wie den vorangehenden Erwägungen entnommen werden kann. Die dazu vorgetragenen Angaben – insbesondere betreffend Freilassung – bestätigen denn auch die Unglaubhaftigkeit: 7.3.4.1 Zunächst ist es kaum nachvollziehbar, dass die vom Beschwerde- führer dargelegte Verwechslung überhaupt geschehen konnte, auch wenn sich viele Gefangene im Gefängnis befunden haben. Insbesondere ist da- von auszugehen, dass die syrischen Behörden über Gefangenenlisten ver- fügen und die Wärter die Gefangenen zumindest per Namen oder Vorna- men kennen. Eine Verwechslung erscheint deshalb zum Vornherein un- wahrscheinlich. Dass es viele Gefangene im Gefängnis gehabt habe, än- dert kaum etwas daran, dass diese identifiziert werden können. 7.3.4.2 Sodann ist es gänzlich unglaubhaft, dass sich diejeni ge Person, deren Name anlässlich der Freilassung gerufen wurde, nicht gemeldet und es zugelassen haben soll, dass der Beschwerdeführer an ihrer Stelle aus der Haft entlassen wurde. Niemand würde ernsthaft auf seine Freilassung aus dem Gefängnis verzichten, es sei denn, es gäbe plausible Gründe – wie beispielsweise eine Absprache – dazu, was der Beschwerdeführer in- dessen nicht geltend machte. Zudem ist anzunehmen, dass die anderen Gefangenen reagiert hätten, wenn sich der Beschwerdeführer anstelle ei- ner andern Person zur Entlassung aus der Haft gemeldet hätte, zumal die Mitgefangenen ihre Zellengenossen kennen . Das Vorgehen des Be- schwerdeführers erscheint auch unter diesem Blickwinkel völlig unrealis- tisch. D-2436/2014 Seite 28 7.3.4.3 Ferner antwortete der Beschwerdeführer auf die Frage, woher er gewusst habe, dass er falsch freigelassen worden sei, sie (Anmerkung Ge- richt: Gemeint sind die Sicherheitsbehörden) seien später an seinen Woh- nort gekommen und hätten der Schwester mitgeteilt, dass sie einen fal- schen Namen ausgesprochen hätten. Als sie ihm das erzählt habe, habe er gewusst, dass sein Freund gemeint sei, da dieser schon vor ihm im Ge- fängnis gewesen sei (vgl. Akte A14/23 S. 13). Damit macht der Beschwer- deführer geltend, erst im Nachhinein von der versehentlichen Freilassung erfahren zu haben, was indessen keinen Sinn ergibt. 7.3.4.4 Auch in syrischen Gefängnissen ist ferner davon auszugehen, dass die Gefangenen bei ihrer Freilassung gewisse Formalitäten durchlau- fen müssen, so beispielsweise die Entlassung selber oder den Erhalt der ihnen abgenommenen Utensilien mit ihrer Unterschrift bestätigen müssen. Der Beschwerdeführer machte indessen nichts dergleichen geltend, was nicht realistisch ist. Spätestens bei dieser Gelegenheit hätte eine allfällige Verwechslung erkannt werden müssen. 7.3.4.5 Darüber hinaus erscheint es unrealistisch, dass der Beschwerde- führer nicht wusste, in welchem Gefängnis in G._______ und Umgebung er festgehalten worden sein soll, bis man ihn nach B._______ gebracht habe. Daran vermag seine Angabe, er habe sich in G._______ nicht aus- gekannt, nichts zu ändern. 7.3.4.6 Des Weiteren wurde er gefragt, wohin er nach seiner Freilassung gegangen sei, worauf er zunächst antwortete, sie seien am folgenden Tag zu ihm nach Hause gekommen (vgl. Akte A14/23 S. 13), was nicht als Ant- wort auf die gestellte Frage, sondern als Versuch, dieser auszuweichen, zu sehen ist. Von der befragenden Person auf die gestellte Frage zurückge- wiesen, sagte er aus, er sei zu seinem Freund gegangen und habe bei diesem übernachtet. Nach vier bis fünf Tagen sei er in die D._______ ge- flohen (vgl. Akte A14/23 S. 14). Auf die Frage, warum er nicht mehr nach Hause gegangen sei, antwortete er, seine Mutter und die andern hätten gesagt, man habe seinen Namen falsch ausgesprochen, weshalb er zu de- nen (Anmerkung des Gerichts: Gemeint sind die Behörden) zurückkehren müsse. Er sei nicht mehr nach Hause gegangen (vgl. Akte A14/23 S. 14). Kurz später erklärte er, er sei nach Hause gegangen, als man ihn freige- lassen habe. Von der Haftanstalt bis zu seiner Wohnung seien es etwa zwei Kilometer Entfernung. Die Frage der befragenden Person, ob sie rich- tig verstehe, er sei nach der Entlassung nach Hause gegangen, bejahte er und ergänzte, er habe dort etwas gegessen, sich ausgeruht und sei dann D-2436/2014 Seite 29 zu seinem Freund gegangen (vgl. Akte A14/23 S. 14). Die Aussagen dar- über, ob er nach der Entlassung an seinen Wohnort zurückgekehrt sei oder nicht, sind bereits aufgrund dieser Aussagen offensichtlich widersprüchlich und sprechen somit gegen die Glaubhaftigkeit seiner Angaben. Später in der Anhörung legte er diesbezüglich ergänzend dar, er sei nach Hause ge- gangen und habe von der Schwester erfahren, dass die Polizei nach ihm suche. Dann sei er weggegangen und nicht mehr nach Hause zurückge- kehrt. Auf die anschliessende Frage, wie oft er nach der Freilassung noch zu Hause gewesen sei, brachte er vor, er sei nicht nach Hause gegangen, sondern habe sich bei seinem Freund versteckt und von der Mutter am Telefon erfahren, dass sie (Anmerkung des Gerichts: Gemeint sind die Be- hörden) gegen zwei Uhr gekommen seien. Er solle nicht nach Hause kom- men (vgl. Akte A14/23 S. 15). Auf die letzteren widersprüchlichen Aussa- gen angesprochen, meinte er, er sei doch nach Hause gegangen, natürlich sei er nach Hause gegangen, und er habe ja erwähnt, dass er dort geges- sen und sich au sgeruht habe. Dann sei er zu seinem Freund gegangen. Als er abends wieder nach Hause gekommen sei, hätten sie ihm erzählt, dass Polizisten dort gewesen seien und nach ihm gefragt hätten. Nachdem man ihm das gesagt habe, sei er nicht mehr nach Hause gegange n (vgl. Akte A14/23 S. 15). Nicht nur die Aussage darüber, ob er nach der Freilas- sung überhaupt noch an seinen Wohnort zurückgekehrt sei oder nicht, ist mehrfach widersprüchlich ausgefallen; vielmehr ergibt sich aus diesen Aussagen auch eine unterschiedlic he Anzahl der Rückkehr an seinem Wohnort, nämlich einerseits ein Mal und andererseits ein Mal unmittelbar nach der Freilassung und ein weiteres Mal am Abend. Unterschiedlich legte er zudem dar, von wem und unter welchen Umständen er von der Suche nach sein er Person erfahren habe: Während dies einerseits die Schwester anlässlich seines Besuchs zuhause gewesen sei, soll ihm an- dererseits die Mutter am Telefon davon berichtet und ihn gewarnt haben (vgl. Akte A14/23 S. 15). Diese mehrfach widersprüchlichen, ausweichen- den und unpräzisen Angaben über einen der zentralen Punkte seiner Fluchtgründe bestätigen schliesslich die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbrin- gen. 7.3.5 Angesichts dieser zahlreichen Ungereimtheiten kann dem Beschwer- deführer nicht geglaubt werden, dass er i n seinem Heimatland aufgrund oppositions-politischer Tätigkeiten gesucht, inhaftiert und versehentlich freigelassen wurde. Folglich ist auch nicht davon auszugehen, dass ihm aus diesem Grund im Fall einer Rückkehr ins Heimatland eine asylerhebli- che Verfolgung drohen wird. An dieser Einschätzung vermögen die in der D-2436/2014 Seite 30 Beschwerde dargelegten Einwände hinsichtlich der Verwendung der ge- nauen Daten durch das SEM nichts zu ändern, zumal die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers auch ohne diese feststeht. Eben- sowenig führt das am 18. Dezember 2014 nachgereichte Beweismittel, das ein Protokoll der Q._______ Syriens über die vom Beschwerdeführer gel- tend gemachte Namenverwechslung zum Inhalt haben soll, zu einem an- deren Ergebnis. Die nachfolgenden Fragen werfen ein zweifelhaftes Licht auf das Dokument. Weder wird dargelegt, wo, unter welchen Umständen und wie der Beschwerdeführer dieses Dokument beschaffen konnte noch ergibt sich aus den Akten, wie es den Weg in die Schweiz gefunden hat. Ein Zustellcouvert, ein überprüfbarer Absender oder andere Hinweise, wel- che auf ein Dokument hinweisen, das aus dem Heimatland des Beschwer- deführers stammt, fehlen. Zud em enthält es keine Sicherheitsmerkmale. Aus den darauf angebrachten Stempeln und Unterschriften allein kann nicht auf die Echtheit des Beweismittels geschlossen werden , zumal sol- che – wie der gesamte Inhalt auch – aus Gefälligkeit angebracht worden sein können. Die Vorlage selber erscheint ferner als Kopie. Darüber hinaus ist am oberen Rand ersichtlich, dass offensichtlich ein Teil des Dokuments kopiert wurde, da die kopierten Ränder deutlich sichtbar sind. Zudem weist das Beweismittel schon aufgrund der allgemein bekannten Tatsache, dass Dokumente dieser Art leicht käuflich erwerbbar sind, einen tiefen Beweis- wert auf . Infolgedessen kann nicht angenommen werden, das nachge- reichte Beweismittel sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit echt. Viel- mehr sprechen die aufgeworfenen Fragen dagegen. Folglich ist das nach- gereichte Beweismittel nicht geeignet, einen Sachverhalt zu belegen, der sich aus andern – nämlich den vorangehend erwähnten – Gründen als un- glaubhaft herausgestellt hat. Darüber hinaus lässt sich das Beweismittel teilweise auch inhaltlich nicht mit den Aussagen des Beschwerdeführers in Einklang bringen. So sagte er aus, er sei nie vor Gericht gewesen, wisse nicht, ob gegen ihn ein Verfahren hängig sei (vgl. Akte A7/11 S. 8), und habe kein schriftliches Urteil bekommen (vgl. Akte A14/23 S. 12), was sich nicht vereinbaren lässt mit der Angabe im Dokument, die gesuchte Person sei gemäss Urteil (…) des Kriminalgerichts und mit Rechtskrafturteil (…) zu einem Jahr Haft verurteilt worden, was im Entscheid (…) beglaubigt worden sei. Unter diesen Umständen müsste der Beschwerdeführer im Be- sitz und in Kenntnis einer klaren Verurteilung sein, was sich aus seinen Vorbringen nicht ergibt. Überdies soll der Gesuchte gemäss dem nachge- reichten Beweismittel am 5. Dezembe r 2011 entlassen worden sein. Der Beschwerdeführer legte indessen dar, er habe sein Heimatland am 8. De- zember 2011 verlassen (vgl. Akte A7/11 S. 6) und sei zuvor nach der Ent- lassung während vier bis fünf Tagen bei einem Freund gewesen (vgl. Akte D-2436/2014 Seite 31 A14/23 S. 14), womit die Entlassung auf den 3. oder 4. Dezember 2011 zu datieren wäre, was sich indessen nicht mit den Angaben im Dokument ver- einbaren lässt. Insgesamt vermag somit auch das nachgereichte Beweis- mittel nicht zu einer andern Einschätzung als der zuvor festgehaltenen zu führen. 7.3.6 Bezüglich der geltend gemachten Einberufung in den Militärdienst sind die Aussagen des Beschwerdeführers ebenfalls ungenau, verwirrend und ausweichend erfolgt. 7.3.6.1 Zunächst ist festzuhalten, dass er diese Vorbringen anlässlich der Erstbefragung auch nicht ansatzweise erwähnte, was bereits zu Zweifeln Anlass gibt, zumal Fluchtgründe, welche als zentral zu betrachten sind – wie die Einberufung in den Militärdienst – von Anfang an zumindest ansatz- weise zu erwähnen sind; andernfalls sind sie nicht glaubhaft. Der Be- schwerdeführer indessen verneinte in der Erstbefragung die Frage, ob es weitere Gründe gebe, ausdrücklich (vgl. Akte A7/11 S. 8). 7.3.6.2 Sodann wich er den Fragen anlässlich der Anhörung immer wieder aus (vgl. Akte A14/23 S. 18 f., ins besondere Fragen 162 bis 166). Dabei relativierte er die geltend gemachte Einberufung, indem er vorbrachte, es habe noch keine Reservisten gegeben, indessen seien seine Freunde, die den Militärdienst ebenfalls absolviert hätten und bei der gleichen Organi- sation wie er gewesen seien, inhaftiert worden; seither wüssten die Fami- lien nicht, wo sie sich befänden. Ein oder eineinhalb Jahre nach dem Mili- tärdienst werde man wieder einberufen. Diese Angaben des Beschwerde- führers sind nicht geeignet, eine unmittelbar bevorstehende Einberufung als Reservist glaubhaft darzulegen. Ebenso wenig vermögen sie eine be- gründete Furcht im Sinne des Gesetzes vor einer Einberufung beziehungs- weise vor asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen im Zusammenhang mit einer allfälligen Einberufung in den Militärdienst glaubhaft darzustellen. Die verschiedenen ausweichenden Antworten des Beschwerdeführers zeigen vielmehr, dass er offenbar gar nicht – als Reservist – einberufen wurde, was sich auch die Angabe, es habe keine schriftli che Einberufung gege- ben, deckt, sondern dass in Zukunft die Möglichkeit bestünde, er könne als Reservist einberufen werden. Aufgrund einer bloss möglichen und nicht näher spezifizierten Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes ist indessen nicht auf das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft zu schliessen. D-2436/2014 Seite 32 7.3.6.3 Aufgrund dieser vagen und ausweichenden Aussagen des Be- schwerdeführers kann folglich nicht von einer glaubhaften und konkret be- vorstehenden Einberufung ausgegangen werden. Ebenso wenig ist der Beschwerdeführer unter diesen Umständen als Militärdienstverweigerer o- der als Deserteur zu betrachten. Die Wahrscheinlichkeit, anlässlich der Wiedereinreise in Syrien in den Wehrdienst einberufen zu werden, ist in- folge wenig überzeugender Angaben – entgegen der Darstellung in der Be- schwerde – als äusserst gering einzustufen. 7.4 Infolge der substanzlosen, widersprüchlichen und nicht nachvollzieh- baren Angaben des Beschwerdeführers kommt das Bundesverwaltungs- gericht zum Schluss, dass die von ihm geltend gemachte Suche nach sei- ner Person als Folge seines politischen Engagements und wegen der Ein- berufung als Reservist in den Militärdienst nicht geglaubt werden kann. Es fehlen entsprechende konkrete und hinreichend überzeugende Anhalts- punkte. Demgegenüber sprechen zahlreiche Ungereimtheiten, substanz- lose Aussagen und Widersprüche gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussa- gen und damit gegen die geltend gemachte Verfolgung im Heimatland im Zeitpunkt der Ausreise. Insgesamt kann dem Beschwerdeführer nicht ge- glaubt werden, dass er in seinem Heimatland Opfer von asylerheblichen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG geworden ist bezie- hungsweise dass er damit rechnen muss, in absehbarer Zukunft in seinem Heimatland Opfer einer solchen Verfolgung zu werden. An dieser Einschät- zung vermögen weder die eingereichten Beweismittel und die E inwände im Beschwerdeverfahren noch die seit der Ausreise des Beschwerdefüh- rers zunehmend verschlechterte Situation im Heimatland etwas zu ändern. 8. Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch sein Verhalten nach der Ausreise, namentlich durch seine Ausreise sowie die Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz Grund für eine zukünftige Verfolgung durch die syrischen Behörden gesetzt hat und aus diesem Grund die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. 8.1 Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asyl- suchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat - oder Herkunfts- staat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nach- fluchtgründen erhalten zwar kei n Asyl, werden jedoch unter bestimmten Umständen (vgl. Art. 3 Abs. 4 AsylG) als Flüchtlinge vorläufig aufgenom-D-2436/2014 Seite 33 men (vgl. Art. 54 AsylG; BVGE 2009/28 E. 7.1 und Urteil des Bundesver- waltungsgerichts E-4301/2008 vom 28. Februar 2011). Einschränkend zur bisherigen Gesetzgebung und Rechtsprechung führen subjektive Nach- fluchtgründe seit dem Inkrafttreten der Asylgesetzrevision vom 14. Dezem- ber 2012, in Kraft seit dem 1. Februar 2014, unter Vorbehalt des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüch tlinge (FK; SR 0.142.30) nur noch dann zur Anerkennung als Flüchtling, wenn die durch das Verhalten nach der Ausreise entstandenen Gründe die Fortsetzung ei- ner bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung o- der Ausrichtung sind (vgl. Art. 3 Abs. 4 AsylG i.V.m. Abs. 1 der Übergangs- bestimmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012), vorbehalten bleibt die FK. 8.2 Allein die Tatsache, dass der Beschwerdeführer nach einer angeblich illegalen Ausreise in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hat, führt nicht zur Annahme, dass er bei der Rückkehr in sein Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine menschenrechtswidrige Behandlung zu befürch- ten hätte. Zwar ist aufgrund seiner Landesabwesenheit von bald drei Jah- ren davon auszugehen, dass er bei der Wiedereinreise nach Syrien einer Befragung durch die heimatlichen Behörden unterzogen würde. Da er je- doch nicht glaubhaft zu machen vermag, in der Vergangenheit in massge- blicher Weise politisch aktiv gewesen zu sein, ist nicht anzunehmen, dass die syrischen Behörden ihn als staatsgefährdend einstufen würden, wes- halb nicht damit zu rechnen wäre, er hätte bei einer Rückkehr asylrelevante Massnahmen zu befürchten. Die in der Beschwerde erhobenen gegentei- ligen Einwände, wonach angesichts der heutigen Situation in Syrien jeder Staatsangehöriger, der eine längere Zeit landesabwesend sei, als Staats- feind betrachtet werde und deshalb bei der Wiedereinreise mit asylerheb- lichen Massnahmen zu rechnen habe, vermögen angesichts der grossen Zahl von syrischen Migranten nicht zu überzeugen. Vielmehr kann trotz der kritischen Situation in diesem Land davon ausgegangen werden, dass die im Ausland tätigen syrischen Geheimdienste ihr Augenmerk auf diejenigen Personen richten, welche in exponierter Weise politisch – aus der Sicht der syrischen Behörden – missliebig aufgefallen sind, was beim Beschwerde- führer mangels glaubhafter Angaben über sein politisches Engagement nicht der Fall ist. Seine Angabe, er werde als Staatsfeind betrachtet, ver- mag somit nicht zu überzeugen. 8.3 Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Be- schwerdeführer die Voraussetzungen für die Anerkennung von subjektiven Nachfluchtgründen im Sinne von Art. 54 AsylG nicht erfüllt. Das SEM hat D-2436/2014 Seite 34 demzufolge die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers auch unter diesem Gesichtspunkt zu Recht verneint. An dieser Einschätzung vermö- gen weder die weiteren vorwiegend in allgemeiner Form gehaltenen Aus- führungen in der Beschwerde noch die beigelegten Beweismittel oder In- ternetangaben etwas zu ändern, weshal b auf weitere, diesbezügliche Er- wägungen verzichtet werden kann. 8.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und die übrigen Eingaben im Einzelnen einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern kön nen. Un- ter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Beschwer- deführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Insgesamt hat die Vorinstanz sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 9. 9.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzliche n Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 10.2 Die Vorinstanz nahm den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1. April 2014 infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll - zuges vorläufig auf. Unter diesen Umständen ist auf eine Erörterung der beiden andern Kriterien – insbesondere der Zulässig keit des Wegweisungsvollzuges – zu verzichten, auch wenn das SEM die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bejaht hat. Über diese müsste dann befunden w erden, wenn die vorläufige Aufnahme aufgehoben würde. Zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen sich D-2436/2014 Seite 35 im heutigen Zeitpunkt weitere Erwägungen (BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer - deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. (Dispositiv nächste Seite) D-2436/2014 Seite 36 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Eva Zürcher Versand: