<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 116 S.457</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">457</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Bundessteuern</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG) vom</b></span><br/> <span class="ft2"><b>14. Dezember 1990</b></span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>116</b></span> <span class="ft3"><b>Gewinne von Vereinen (Art. 66 Abs. 2 DBG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Bevor einem Verein nicht die Möglichkeit eingeräumt wurde, mittels</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Spartenrechnung den Nachweis zu erbringen, dass die Aufwendun-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gen, die nicht der Erzielung der steuerbaren Erträge dienen, kleiner</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sind als die Summe der Mitgliederbeiträge, darf nicht die Annahme</b></span><br/> <span class="ft3"><b>getroffen werden, dass die Vereinsmitglieder mindestens in der Höhe</b></span><br/> <span class="ft3"><b>der Mitgliederbeiträge Aufwendungen konsumieren.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">21. März 2002 in Sachen R.A., BB.2001.50009/E 6009</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2. Die Beschwerdeführerin vertritt gemäss der Selbstdeklaration</span><br/> <span class="ft7">die Auffassung, dass sämtliche Aufwendungen des Jahres 1997 im</span><br/> <span class="ft7">Betrag von total Fr. 1'153'878.-- zur Erzielung der steuerbaren Er-</span><br/> <span class="ft7">träge dienten, so dass gemäss Art. 66 DBG ein steuerbarer Reinge-</span><br/> <span class="ft7">winn von Fr. 0.-- resultiert. Die Vorinstanz geht demgegenüber davon</span><br/> <span class="ft7">aus, dass die Mitgliederbeiträge grundsätzlich von den Mitgliedern in</span><br/> <span class="ft7">Form von vielfältigen Leistungen im Sinne der ausgewiesenen Er-</span><br/> <span class="ft7">träge konsumiert wurden, also Aufwendungen (mindestens) im Um-</span><br/> <span class="ft7">fang der Mitgliederbeiträge (Fr. 158'035.--) nicht der Erzielung steu-</span><br/> <span class="ft7">erbarer Erträge dienten, so dass ein steuerbarer Reinertrag von</span><br/> <span class="ft7">Fr. 19'824.-- resultiert. Die Vorinstanz hat nicht die "Abschreibungen</span><br/> <span class="ft7">um die Mitgliederbeiträge gekürzt" (Beschwerde S. 2).</span><br/> <span class="ft7">3. a) Die Mitgliederbeiträge an die Vereine und die Einlagen in</span><br/> <span class="ft7">das Vermögen der Stiftungen werden nicht zum steuerbaren Gewinn</span><br/> <span class="ft7">gerechnet (Art. 66 Abs. 1 DBG).</span><br/> <span class="ft7">Von den steuerbaren Erträgen der Vereine können die zur Er-</span><br/> <span class="ft7">zielung dieser Erträge erforderlichen Aufwendungen in vollem Um-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">458</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">fang abgezogen werden, andere Aufwendungen nur insoweit, als sie</span><br/> <span class="ft7">die Mitgliederbeiträge übersteigen (Art. 66 Abs. 2 DBG).</span><br/> <span class="ft7">b) Art. 66 Abs. 2 DBG regelt die Ermittlung des steuerbaren</span><br/> <span class="ft7">Ertrages der Vereine. Danach können die unmittelbar zur Erzielung</span><br/> <span class="ft7">von Einkommen, Erträgen und Gewinnen erforderlichen Aufwen-</span><br/> <span class="ft7">dungen (Gewinnungskosten) direkt vom Roheinkommen abgezogen</span><br/> <span class="ft7">werden. Vom allenfalls verbleibenden Ertrag kann sodann der andere</span><br/> <span class="ft7">(übrige, der Zweckerfüllung dienende) Aufwand insoweit zum Ab-</span><br/> <span class="ft7">zug gebracht werden, als er die Mitgliederbeiträge übersteigt. Allge-</span><br/> <span class="ft7">meine Kosten, welche sowohl der Erzielung von Ertrag wie auch für</span><br/> <span class="ft7">die Zweckerfüllung des Vereines anfallen, sind entsprechend umzu-</span><br/> <span class="ft7">legen. Aufwendungen, welche im Rahmen eines Vereinsanlasses zur</span><br/> <span class="ft7">Ertragserzielung notwendig sind, qualifizieren gleich wie Aufwand</span><br/> <span class="ft7">eines Vereins mit Geschäftsbetrieb als zurechenbarer Aufwand (Ge-</span><br/> <span class="ft7">winnungskosten). Um die Aufteilung der Aufwendungen erfassen zu</span><br/> <span class="ft7">können, empfiehlt sich für Vereine mit Geschäftsbetrieb oder er-</span><br/> <span class="ft7">tragsbringenden Vereinsanlässen die Führung einer Spartenrechnung</span><br/> <span class="ft7">(Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/2a, N 8 zu Art. 66</span><br/> <span class="ft7">DBG; Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, N 9 zu</span><br/> <span class="ft7">Art. 26 StHG; vgl. auch Agner/Jung/Steinmann, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft7">Gesetz über die direkte Bundessteuer, Zürich 1995, S. 276 f.; Rich-</span><br/> <span class="ft7">ner/Frei/Kaufmann, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steu-</span><br/> <span class="ft7">ergesetz, Zürich 1999, N 8 - 10 zu § 69).</span><br/> <span class="ft7">c) Das Steuerrekursgericht vertritt die Auffassung, dass die Vor-</span><br/> <span class="ft7">instanz, wenn sie, wie vorliegend, Aufwendungen gemäss Ziffer 2.9</span><br/> <span class="ft7">der Steuererklärung (Sonstige Aufwendungen im Zusammenhang mit</span><br/> <span class="ft7">der Erzielung der steuerbaren Erträge) in Aufwendungen gemäss</span><br/> <span class="ft7">Ziffer 3.1 der Steuererklärung (Sonstige Aufwendungen, die nicht</span><br/> <span class="ft7">der Erzielung steuerbarer Erträge dienen) umlegen will, den entspre-</span><br/> <span class="ft7">chenden Verein gestützt auf Art. 66 Abs. 2 DBG vor Vornahme der</span><br/> <span class="ft7">Veranlagung auffordern muss, eine (bestehende oder nachträglich</span><br/> <span class="ft7">erstellte) Spartenrechnung einzureichen. Einem Verein muss die</span><br/> <span class="ft7">Möglichkeit eingeräumt werden den Nachweis zu erbringen, dass die</span><br/> <span class="ft7">Aufwendungen, die nicht der Erzielung der steuerbaren Erträge die-</span><br/> <span class="ft7">nen (also die Aufwendungen für die Zweckerfüllung des Vereins)</span><br/> <span class="ft7">kleiner sind als die Summe der Mitgliederbeiträge. Nur wenn ein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bundessteuern</span> <span class="page_no">459</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Verein aufgrund der mit der Erstellung der Spartenrechnung verbun-</span><br/> <span class="ft7">denen Umlageprobleme (vgl. Agner/Jung/Steinmann, a.a.O., S. 277)</span><br/> <span class="ft7">und/oder des dadurch entstehenden (finanziellen und/oder zeitlichen)</span><br/> <span class="ft7">Aufwandes auf die Einreichung einer Spartenrechnung verzichtet,</span><br/> <span class="ft7">besteht Raum für die Annahme der Vorinstanz, dass die Vereinsmit-</span><br/> <span class="ft7">glieder mindestens in der Höhe der Mitgliederbeiträge Aufwendun-</span><br/> <span class="ft7">gen konsumieren (Ob diese Annahme dann zu schützen ist, kann</span><br/> <span class="ft7">vorliegend offen gelassen werden). Dieses Vorgehen bedeutet entge-</span><br/> <span class="ft7">gen der Auffassung der Vorinstanz nicht, dass die Beweislast für die</span><br/> <span class="ft7">Zuordnung der Aufwendungen einseitig der Steuerbehörde angelastet</span><br/> <span class="ft7">wird. Es handelt sich vielmehr um ein Zusammenwirken von Steuer-</span><br/> <span class="ft7">behörde und Steuerpflichtigem zwecks Feststellung des für eine ge-</span><br/> <span class="ft7">setzeskonforme Veranlagung notwendigen Sachverhaltes. Dass da-</span><br/> <span class="ft7">durch bei der Vorinstanz Mehrarbeit anfällt, lässt sich aufgrund der</span><br/> <span class="ft7">gesetzlichen Regelung nicht vermeiden.</span><br/> <span class="ft7">4. Das Steuerrekursgericht hat die Vertreterin mit Schreiben</span><br/> <span class="ft7">vom 13. Februar 2002 aufgefordert mitzuteilen, ob die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führerin für das Jahr 1997 über eine Spartenrechnung (also eine</span><br/> <span class="ft7">buchhalterische Aufteilung in "Aufwand zur Erzielung von Ertrag"</span><br/> <span class="ft7">und "Aufwand für die Zweckerfüllung des Vereins") verfüge bzw. ob</span><br/> <span class="ft7">eine solche nachträglich erstellt werden könne. Mit Schreiben vom</span><br/> <span class="ft7">28. Februar 2002 teilte die Vertreterin dem Steuerrekursgericht mit,</span><br/> <span class="ft7">die Buchhaltung der Beschwerdeführerin verfüge über einen detail-</span><br/> <span class="ft7">lierten Kontenplan. Die nachträgliche Erstellung einer Spartenrech-</span><br/> <span class="ft7">nung sei aufgrund der zur Verfügung stehenden Informationen aus</span><br/> <span class="ft7">dem Hauptbuch möglich. Es sind daher der Einspracheentscheid vom</span><br/> <span class="ft7">19. Juli 2001 und die Verfügung vom 26. März 2001 aufzuheben,</span><br/> <span class="ft7">und die Vorinstanz ist anzuweisen, die Beschwerdeführerin (gegebe-</span><br/> <span class="ft7">nenfalls verbunden mit den sachlich erforderlichen Beweisauflagen)</span><br/> <span class="ft7">aufzufordern, eine Spartenrechnung einzureichen. Diese ist durch die</span><br/> <span class="ft7">Vorinstanz zu prüfen, und danach ist eine neue Veranlagung vorzu-</span><br/> <span class="ft7">nehmen.</span><br/></div> </div> </body> </html>