Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Februar 2014 (725 12 245) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Verletzung der Meldepflicht; Umfang der zurückzuerstattenden Unfalltaggeldern Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Daniel Riner, Advo- kat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Rückforderung A. Der 1974 geborene A.____ rutschte am 20. August 20 07 in der Badewanne aus und erlitt dabei eine vollständige vordere Kreuzbandruptur links nach einer Kniedistorsion. Zum Un- fallzeitpunkt war er arbeitslos und damit über die Öffe ntliche Arbeitslosenkasse Basel- Landschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsansta lt (SUVA) obligatorisch gegen Unfälle versichert. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht und richtete die gesetzlichen Ver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherungsleistungen (unter anderem Taggelder) aus. Mit Verfügung vom 26. März 2012 teilte die SUVA dem Versicherten mit, dass sie Taggelder ab 30. September 2008 in der Höhe von Fr. 126'786.-- zurückfordere, da er gemäss ihren Abkläru ngen ab diesem Zeitpunkt arbeitsfähig gewesen sei. Die gegen diese Verfügung erhobene Einspr ache wies die SUVA am 17. Juli 2012 ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr . Daniel Riner, am 20. August 2012 Beschwerde ans Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Aufheb ung des Einspracheentscheides sei von einer Rückforderung der Taggeldgeldleistungen in eine m Fr. 8'000.-- übersteigenden Betrag abzusehen. Zudem sei ihm die unentgeltliche Verbeiständung im Beschwerdeverfahren und die unentgeltliche Prozessführung im Einspracheverfahren zu bewilligen; alles unter o/e Kostenfol- ge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, da ss er bis 12. April 2012 zu 100 % und danach bis 31. Mai 2012 zu 50 % arbeitsunfähig geschrie ben gewesen sei. Da sein Freund B.____ im Jahr 2008 geplant habe, die C.____ in der Schweiz zu gründen, erhielt er im Sinne einer Vorbereitung zum Wiedereinstieg ins Berufsleben die Gelegenheit, beim Aufbau der Ge- sellschaft zuzuschauen. Er habe die Hoffnung gehegt, nach der Wiedererlangung der Arbeits- fähigkeit in die Firma seines Freundes als Arbeitnehmer einzusteigen. Aus diesem Grund habe er sich mit einem Anteil am Aktienkapital von 10 % finan ziell beteiligt. Er habe in der Folge die Geschäftsräumlichkeiten der C.____ zwar besucht, aber n ur unregelmässig. Eine "lohnauslö- sende" Tätigkeit habe er aber nicht ausgeführt. Aus einer Kollektiv-Unterschriftsberechtigung zu zweien könne nicht abgeleitet werden, dass er für die G esellschaft gearbeitet habe. Auch die weiteren von der SUVA vorgebrachten Indizien seien nich t geeignet, eine regelmässige und lohnrelevante Arbeitstätigkeit nachzuweisen. Ab und zu h abe der Versicherte Geld von B.____ erhalten, was aber den Charakter von „Gelegenheitsgesche nken“ und nicht einer Lohnzahlung gehabt habe. Über die Jahre hinweg habe er einen Ges amtbetrag von maximal Fr. 8'000.-- er- halten. Dieser Betrag sei an die Taggeldleistungen anzurechnen. C. Die SUVA, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer- Münch, beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 2. November 2012 die Abweisung der Beschwerde. Es wurde im We- sentlichen festgehalten, dass genügend Indizien und Bewe ise vorlägen, welche eine Arbeitstä- tigkeit des Versicherten bei der C.____ belegen würden. Es stehe fest, dass der Versicherte ab 30. September 2008 (= Eintrag des Beschwerdeführers in s Handelsregister) bösgläubig Leis- tungen bezogen habe, weshalb die Rückforderungsverfügung zu Recht erlassen worden sei. D. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 12. September 2013 nahmen der Beschwer- deführer, sein Rechtsvertreter Dr. Daniel Riner und Ad vokat Andrea Tarnutzer-Münch als Ver- treter der SUVA teil. Zudem wurden B.____ und D.___ _ als Zeugen befragt. Auf Vorschlag des Gerichts schlossen die Parteien unter Vorbehalt der Wid errufsmöglichkeit einen Vergleich (vgl. Beschluss vom 12. September 2013). Am 2. Oktober 2013 w iderrief die SUVA diesen Ver- gleich. Die Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 20. August 2012 ist demnach einzutreten. 2.1 Im vorliegenden Fall steht unbestritten fest, dass d er Versicherte am 20. August 2007 einen Unfall erlitt und sich dabei eine Kreuzbandruptu r links zuzog. Gemäss den Akten zahlte die SUVA dem Versicherten für die Zeit vom 23. August 2007 bis 28. Februar 2012 Taggelder in Höhe von Fr. 168‘504.-- aus. Aufgrund eines anonyme n Hinweises führte die SUVA zusam- men mit dem Kantonalen Amt für Wirtschaft des Kantons Basel-Stadt am 6. März 2012 eine Betriebskontrolle in den Räumlichkeiten der C.____ durc h. Gestützt auf deren Ergebnisse ge- langte sie zum Schluss, dass der Versicherte bei der C.____ einer Arbeitstätigkeit nachgehe und dadurch seine Meldepflicht verletzt habe. Spätesten s ab 30. September 2008, als er als Kollektiv-Unterschriftsberechtigter ins Handelsregister ei ngetragen worden sei, habe er keinen Anspruch mehr auf Taggelder gehabt. Sie forderte in der Folge die vom 30. September 2008 bis 28. Februar 2012 geleisteten Taggelder im Betrag von Fr. 126‘786.-- zurück. 2.2 Nach Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig be zogene Leistungen zurückzuer- statten. Die Rückerstattungspflicht gemäss Art. 25 Abs. 1 A TSG knüpft an einen unrechtmässi- gen Bezug der Leistung an. Die Unrechtmässigkeit einer bereits bezogenen Leistung kann sich aus verschiedenen Gründen ergeben. Verändert sich beispie lsweise der Gesundheitszustand der versicherten Person wesentlich, so sind die Leistung en nach Art. 17 ATSG anzupassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. August 2011, 8C_ 987/2010, E. 3.3.1 mit Hinweis auf BGE 133 V 57). Wird eine solche Anpassung wegen der Ve rletzung einer bestehenden Melde- pflicht nicht vorgenommen, ist der Leistungsbezug unrech tmässig (vgl. U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2006, S. 355 und 447). 2.3.1 Gemäss Art. 31 Abs. 1 ATSG ist jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügern dem Versicheru ngsträger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden. Zu den massgebenden Verhältnissen gehören die persönlichen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gegeb enheiten (vgl. K IESER , a.a.O., S. 447). Eine Meldepflichtverletzung liegt vor, wenn die versicherte Person bei zumutbarer Aufmerksamkeit aufgrund der konkreten Umstände sich bewusst w ar oder hätte bewusst sein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht müssen, dass sich ihre Umstände in leistungsbeeinflussender Weise verändert haben. Sodann kann sich die Meldeplicht nur auf Sachverhaltsänderungen beziehen, um welche die betroffene Person sowohl bezüglich ihres Vorliegens als auch hinsi chtlich der Auswirkungen auf den Leis- tungsanspruch weiss bzw. wissen müsste. Insoweit ist ein schuldh aftes Fehlverhalten erforder- lich, wobei nach der Rechtsprechung bereits eine leichte F ahrlässigkeit ausreicht (BGE 112 V 101). Die Meldepflicht ist unaufgefordert wahrzunehmen (vgl. KIESER , a.a.O., S. 449). 2.3.2 In seiner Beschwerde vom 20. August 2012 führte d er Beschwerdeführer aus, dass er die C.____ immer wieder besucht, aber dort keine Arb eitstätigkeit ausgeübt habe. Anlässlich der Parteibefragung vom 12. September 2013 erklärte e r präzisierend, dass er bei der Grün- dung der Aktiengesellschaft im Jahr 2008 dabei gewesen sei und sich an dieser finanziell betei- ligt habe. Er habe dabei vereinzelt Tätigkeiten (vor a llem Botengänge) für die Firma ausgeführt. Da er diese nicht als eine eigentliche Arbeitsleistung q ualifiziert habe, habe er der SUVA dar- über auch keine Meldung erstattet. Aus dem gleichen Grun d habe er bei der Befragung vom 20. Februar 2012 die Frage verneint, ob er irgendwo - wenn auch lediglich zu therapeutischen - Zwecken gearbeitet habe. Heute sei er sich bewusst, dass er diese Frage hätte bejahen müs- sen. Damit bestreitet der Beschwerdeführer nicht mehr, dass er für die Firma – zumindest gele- gentlich – Arbeiten ausführte und durch die unterlasse ne Mitteilung dieses Umstandes an die SUVA seine Meldepflicht im Sinne von Art. 31 Abs. 1 AT SG verletzte. Zwar ist die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht explizit als meldepflicht iger Tatbestand auf den Taggeldabrechnun- gen aufgeführt. Dennoch hätte der Versicherte bei ge nügender Sorgfalt erkennen können und müssen, dass die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit für de n Anspruch auf Taggeldleistungen von Bedeutung war. Auch wenn ihm möglicherweise zu Beginn seiner Tätigkeit in der C.____ das Unrechtbewusstsein fehlte, ist ihm dennoch vorzuwerfen, nicht das erforderliche Mindestmass an Aufmerksamkeit aufgewendet und ausser Acht gelassen zu h aben, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter den gleichen Umständ en als beachtlich hätte einleuchten müssen (BGE 110 V 181 E. 3d mit Hinweisen). Spätestens m it dem Eintrag ins Handelsregister (Kollektivunterschrift zu zweien) lag die Mitteilungsbedü rftigkeit der Aufnahme der Tätigkeit in dieser Firma auf der Hand (vgl. dazu ZAK 1986 S. 639) . Es darf – entgegen den Ausführungen des Versicherten – aus dem Handelsregisterauszug abgelei tet werden, dass ihm die Kollek- tivunterschriftsberechtigung unter anderem auch im Zusamme nhang mit der Tätigkeit für die Firma eingeräumt wurde. Die SUVA stellte demgemäss zu Recht fest, dass ab Handelsregis- tereintrag vom 30. September 2008 eine Meldepflichtverletzung vorlag. 2.3.3 Hat eine Verletzung der Meldepflicht zur Folge, dass Taggeldleistungen nicht angepasst werden können, so hat der Versicherungsträger die zu Unr echt ausgerichteten Leistungen zu- rückzufordern (vgl. KIESER , a.a.O., S. 450). Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein e versicherte Person zur Rückerstattung von Taggeldleistungen nur so weit verpflichtet werden kann, als die- se unrechtmässig bezogen wurden. Auf Leistungen, welche bei korrekter Meldung nicht ange- passt worden wären, hat die versicherte Person uneingesch ränkt Anspruch; sie können nicht zurückgefordert werden. Entgegen dem Vorgehen der SUV A ist somit bei einer Rückforderung von Taggeldern jeweils zu prüfen, welche Leistungen eine versicherte Person bei ordnungsge- mässer Wahrnehmung ihrer Mitwirkungspflicht nicht erhalt en hätte; nur diese unterliegen der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rückerstattungspflicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. November 2008, 9C_595/2008, E. 4.5). 3. Für die Beurteilung des Umfangs der zurückzuerstattend en Taggeldleistungen ab 30. September 2008 sind folgende rechtliche Grundlagen zu berücksichtigen: 3.1 Gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG hat der Versicherte, der infolge des Unfalls voll oder teilwei- se arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) ist, Anspruch auf ein Ta ggeld. Der Anspruch auf Taggeld ent- steht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeits- fähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten (Art. 16 Abs. 2 UVG). Der Taggeldanspruch besteht somit so lange, als die ver sicherte Person die volle Arbeitsfähig- keit nicht wiedererlangt hat oder die Heilbehandlung nicht abgeschlossen ist (Art. 16 Abs. 2 Satz 2 UVG). Für arbeitslose Personen besteht in der Unfallversicherung bei einer Arbeitsunfä- higkeit von 25 % und weniger Prozent kein Taggeldanspru ch (Art. 5 Abs. 4 der Verordnung über die Unfallversicherung von arbeitslosen Personen vom 24. Januar 1996). Da der Versi- cherte für die Folgen des Unfalles vom 20. August 2007 a ls arbeitslose Person bei der SUVA obligatorisch versichert war, ist für die Rückforderung der Taggelder ausschlaggebend, ob er ab 30. September 2008 wieder zu mindestens 75 % arbeits fähig war. Die SUVA forderte die ab diesem Zeitpunkt ausgerichteten Taggeldleistungen in vo llem Umfang zurück. Sie ist demzufol- ge davon ausgegangen, dass es dem Versicherten möglich und zumutbar war, einer zumindest 75%igen Arbeitstätigkeit nachzugehen. Es ist somit zu prü fen, ob der Versicherte ab 30. Sep- tember 2008 eine Arbeitsfähigkeit im Sinne von Art. 1 6 Abs. 2 UVG von 75 % erreichte und die SUVA ihre Taggeldleistungen zu Recht einstellte oder ob ein Anspruch auf Taggelder über den 30. September 2008 hinaus besteht. 3.2 Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 ATSG ist die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten. Eine Person gilt demnach als arbeitsunfähig, wenn sie infolge eines Gesundheitsschad ens ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr, nur noch beschränkt oder nur unter der Gefahr, i hren Gesundheitszustand zu verschlim- mern, ausüben kann. Massgebend ist grundsätzlich die aufgr und ärztlicher Feststellungen er- mittelte tatsächliche Unfähigkeit, am angestammten Arbe itsplatz nutzbringend tätig zu sein, nicht hingegen die bloss medizinisch-theoretische Schätzung der Arbeitsunfähigkeit (BGE 114 V 281 E. 1c S. 283 f.; RKUV 1987 Nr. U 27 S. 393 E. 2b S. 394 [U 106/86], je mit Hinweisen). Der Grad der Arbeitsunfähigkeit ist indessen nur solange unter Berücksichtigung des bisherigen Berufs festzusetzen, als von der versicherten Person vernünf tigerweise nicht verlangt werden kann, ihre restliche Arbeitsfähigkeit in einem anderen Berufszweig zu verwerten. Versicherte, die ihre restliche Arbeitsfähigkeit nicht verwerten, obgleich sie hierzu unter Berücksichtigung der Arbeitsmarktlage und gegebenenfalls einer bestimmten Anpassungszeit in der Lage wären, sind nach der beruflichen Tätigkeit zu beurteilen, die sie bei gutem Willen ausüben könnten (BGE 115 V 133 E. 2 mit Hinweisen). 3.3. Bei langdauernder Arbeitsunfähigkeit im angestam mten Beruf hat die versicherte Person somit andere ihr offenstehende Erwerbsmöglichkeiten auszu schöpfen, und zwar solange, als Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht man dies unter den gegebenen Umständen von ihr verlang en kann (BGE 114 V 281 E. 1d S. 283; RKUV 1987 Nr. U 27 S. 393 E. 2b S. 394). Nach der Rechtsprechung kann die Taggeld- leistung grundsätzlich erst nach drei bis fünf Monaten seit der Aufforderung zum Berufswechsel eingestellt werden (BGE 129 V 460 E. 4.3). Die Einrä umung einer solchen Frist wird damit ge- rechtfertigt wird, dass die versicherte Person Dispositione n für den Berufswechsel treffen kann. Sie ist hingegen nicht angezeigt, wenn der Versicherte wie vorliegend bereits eine Arbeit aufge- nommen, dies aber nicht gemeldet hat (vgl. vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts vom 5. November 2008, 9C_595/2008, E. 4.5). Die SUVA räu mte daher dem Versicherten zu Recht keine Anpassungsfrist ein. 4.1 Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist das Gericht auf Berichte von Ärztinnen und Ärzten angewiesen, deren Aufgabe es ist, den Gesundheitszu stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich we lcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen de r Person noch zugemutet werden kön- nen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Mai 2012, 8 C_8272012, E. 3.2; SVR 2007 UV Nr. 31 S. 105, U 127/06 E. 7 mit Hinweisen). 4.2 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass sich d er Versicherte am 20. August 2007 eine Kniedistorsion links zuzog. Aufgrund der anhan d der MRI-Untersuchung vom 22. August 2007 diagnostizierten vorderen Kreuzbandruptur wurde am 19. März 2008 eine vor- dere Kreuzbandersatzplastik eingesetzt. Vier Monate nach der Operation zeigte die erneute MRI-Untersuchung vom 9. Juli 2008 eine mediale Hinter hornläsion. Anlässlich der Arthroskopie vom 20. August 2008 erfolgten eine Teilmeniskektomie u nd eine Resektion einer interkondylä- ren Zyklopläsion am vorderen Kreuzband. Die Schmerzsymptoma tik verbesserte sich im weite- ren Verlauf jedoch nicht. Der Kreisarzt Dr. med. E.___ _, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, stellte anlässlich d er kreisärztlichen Untersuchung vom 8. Mai 2009 fest, dass der Versicherte seit dem Unfal l vom 20. August 2007 aufgrund sei- ner linksseitigen Kniebeschwerden 100 % arbeitsunfähig sei (vgl. Bericht vom 8. Mai 2009). 4.3 Am 13. Juli 2009 wurde der Versicherte im F.____ o rthopädisch untersucht. Die begut- achtenden Orthopäden führten in ihrem Gutachten vom 21 . Januar 2010 zum linken Knie aus, dass beim Versicherten eine dekompensierte Situation be stehe, was auf eine gestörte Kniege- lenkskinematik bei malpositioniertem vorderem Kreuzbanders atz links zurückzuführen sei. Zur Arbeitsfähigkeit führten sie aus, dass der Versicherte in rein stehenden und gehenden Tätigkei- ten seit dem Unfall vollständig arbeitsunfähig sei. D agegen seien ihm Arbeiten zumutbar, die vorwiegend sitzend bzw. sitzend/stehend mit geringer Inten sität ausgeübt würden. Das genaue Ausmass der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit bezifferten sie nicht. 4.4 Dem Bericht der G.____ vom 23. August 2011 ist zu entnehmen, dass der Versicherte am 18. August 2011 am linken Knie operiert wurde. Dab ei wurde für zwei Wochen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. Austrittsbericht vom 23. August 2011). Die Frage, ob der Versicherte Teilzeit arbeitsfähig sei, verneinte de r Kreisarzt. Es sei mit der Zumutbarkeits- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht beurteilung bis zur zweiten Operation abzuwarten (vgl. Aktennotiz vom 16. September 2011). Die zweite Operation wurde jedoch aus medizinischen Gründen nicht durchgeführt. 4.5 Schliesslich berichtete Dr. med. H.____, FMH Orthop ädische Chirurgie, G.____, am 18. April 2012, dass unter Kräftigungstherapie inzwische n eine deutliche Besserung der Be- schwerden erreicht worden sei. Die Arbeitsunfähigkeit betrage daher nur noch 50 %. 4.6 Aufgrund dieser ärztlichen Berichte steht fest, dass e s dem Versicherten nicht möglich war, bis zur Berichterstattung von Dr. H.____ vom 18. April 2012 seine angestammte Tätigkeit als Lagermitarbeiter oder Autoersatzteilverkäufer auszuführen. Unklar ist, ob es dem Versicher- ten während der hier massgebenden Zeit vom 30. Septem ber 2008 bis 28. Februar 2012 mög- lich war, einer Verweistätigkeit (vorwiegend sitzende b zw. wenig stehende Arbeiten) von min- destens 75 % nachzugehen. Gestützt auf den Bericht des F .____ vom 21. Januar 2010 ist da- von auszugehen, dass dem Versicherten ab Untersuchungszeitpun kt (= 13. Juli 2009) die Aus- übung einer Verweistätigkeit zu 100 % zumutbar war. A ufgrund der Akten bestehen jedoch An- haltspunkte, dass der Versicherte nach Begutachtungszeitpu nkt im F.____ nicht durchwegs zu 100 % eine leidensangepasste Tätigkeit hätte ausführen können. So steht fest, dass er infolge der Operation vom 18. August 2011 in der G.____ für mehrere Wochen für jegliche Arbeiten vollständig arbeitsunfähig war (vgl. Austrittsbericht vom 23. August 2011). Vor der Begutach- tung im F.____ vom 13. Juli 2009 erachtete der Kreisarzt den Versicherten zumindest bis Mai 2009 nicht als arbeitsfähig. Ob diese Beurteilung auch für eine Verweistätigkeit galt, kann auf- grund seiner Ausführungen nicht beantwortet werden. Damit ist festzustellen, dass der Versi- cherte zwar für gewisse Zeitspannen zu 100 % eine leidensa ngepasste Tätigkeit hätte ausüben können, jedoch war diese vollständige Arbeitsfähigkeit ni cht während der ganzen Dauer bis zum 28. Februar 2012 gegeben. Aufgrund der Akten ist e s nicht möglich, für die hier strittige Zeitperiode zuverlässig und lückenlos festzustellen, in wel chen Zeiträumen der Versicherte in einer leidensangepassten Tätigkeit mindestens zu 75 % arbeitsfähig war. Die Einstellung des Taggeldanspruchs bzw. der Umfang deren Rückforderung hängt aber vom Vorliegen einer min- destens 75%igen Arbeitsunfähigkeit ab, weshalb diesbezüg lich weitere Abklärungen notwendig sind. 4.6.1 Weiter ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Rechtspre chung die Leistungspflicht des Taggeldversicherers nicht automatisch vollumfänglich erlischt , wenn eine 100%- bzw. 75%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit besteht. I st das in einer anderen Tätigkeit erzielbare Einkommen geringer als dasjenige vor dem Unfall, so verb leibt ein Restschaden, für den der Taggeldversicherer leistungspflichtig bleibt (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 5. November 2008, 9C_595/2008, E. 5: BGE 114 V 281 E. 3 S. 283). Der Restschaden bemisst sich nach der Differenz zwischen dem Einkommen, das ohne Unfall im bishe rigen Beruf verdient werden könnte, und dem Einkommen, das im neuen Beruf im Rahme n der verbleibenden Leistungsfä- higkeit zumutbarerweise erzielt werden könnte (vgl. Urte il des Bundesgerichts vom 7. Dezem- ber 2007, 8C_320/2007, E. 6.4; Urteil des Eidgenössisch en Versicherungsgerichts vom 28. März 2001, K 149/00, E. 3a). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6.2 Für die Bestimmung des nach dem 30. September 2008 zumutbarerweise erzielbaren Einkommens kann nicht auf die Angaben des Versicherten u nd von B.____ abgestellt werden. Die Aussage, dass der Versicherte in knapp 3 ½ Jahren led iglich Fr. 8‘000.-- erhalten habe, ist nicht belegt und wenig nachvollziehbar. Es kann aber auc h nicht ausgeschlossen werden, dass der Versicherte in einer Verweistätigkeit ein geringer es Einkommen erzielt hätte als in seinem angestammten Beruf. Da der konkrete Lohn des Versicherte n bei der C.____ nicht zuverlässig ermittelt werden kann, rechtfertigt es sich, auf tabel larische Grundlagen (Tabellen der Lohn- strukturerhebung) oder auf unverbindliche Salärempfehlungen von Branchenverbänden zurück- zugreifen (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts vom 30. Au gust 2012, 8C_127/2012, E. 6.3.2 und vom 7. Dezember 2007, 8C_320/2007, E. 6.4.2). 4.7 Aus dem Gesagten folgt, dass die SUVA es unterliess, den Grad der Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer leidensangepassen Tätigkeit festzustellen und nachfolgend zu prüfen, wieviel er dort zumutbarerweise hätte verdienen können. Der Sachverhalt ist insofern unvoll- ständig festgestellt und bedarf diesbezüglich zusätzliche r Abklärungen. Es wird Sache der SUVA sein, die erforderlichen Abklärungen hierfür vorzu nehmen. Dabei wird die SUVA bei der Ermittlung des zumutbaren erzielbaren Einkommens in einer Verweistätigkeit auf Tabellenlöhne oder Salärempfehlungen von Branchenverbänden abstellen müssen. Gestützt auf die Ergebnis- se wird die SUVA über ihre Rückforderung von Taggeldle istungen neu zu befinden haben. Die Beschwerde ist somit in Rückweisung der Angelegenheit an die SUVA gutzuheissen. 5.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. 5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahren s entsprechend ist dem Versicherten eine Parteientschädigung zu Lasten der SUVA zuzuspreche n. Der Rechtsvertreter des Versi- cherten wies in seiner Honorarnote vom 11. September 2013 einen Zeitaufwand von insgesamt 25 Stunden und 30 Minuten ohne Parteiverhandlung sow ie Auslagen von Fr. 235.-- aus. Die detaillierte Abrechnung beinhaltet nun allerdings au ch Bemühungen, die im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheides erbracht wurden bzw. angefallen waren. Bei der Bemessung der Parteient schädigung für das versicherungsge- richtliche Verfahren kann aber nur der im Rahmen des eigentlichen Beschwerdeverfahrens, d.h. der nach der Zustellung des Einspracheentscheides ent standene Aufwand berücksichtigt wer- den. Es ist somit aus der Honorarnote vom 11. September 2013 nur der für den Zeitraum nach dem 19. Juli 2012 (Zustellung des Entscheides) ausgewiese nen Aufwand von 18 Stunden zu entschädigen. Unter Berücksichtigung eines Zeitaufwandes v on 4 Stunden für die Parteiver- handlung sind somit insgesamt 22 Stunden zu entschädi gen. Damit ist dem Versicherten für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädi gung in der Höhe von insgesamt Fr. 6‘193.80 (22 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Auslage n in der Höhe von Fr. 235.-- und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der SUVA zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 6.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 17. Juli 2012 aufgehoben und die Angelegenheit zu wei teren Abklä- rungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer n euen Verfü- gung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die SUVA hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 6‘193.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwer tsteuer) zu entrichten. 4. Der SUVA wird eine Umtriebsentschädigung für die am 23. Mai 2013 angesetzte aber nicht durchgeführte Parteiverhandlung in der Höhe von Fr. 1‘122.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer ) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht