Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Juni 2021 (720 20 483 / 160) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Reyhan Zetler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1962 geborene A.____ meldete sich unter Verwe is auf eine Polymyalgia rheumati- ca mit Gesuch vom 3. Januar 2019 bei der IV-Stelle Ba sel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leis- tungsbezug an. Im Rahmen der Sachverhaltsabklärungen l iess die IV-Stelle die Versicherte durch Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie , und Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, bidiszipl inär psychiatrisch-rheumatologisch be- gutachten, wobei aus psychiatrischer Sicht eine 100%-ige un d aus rheumatologischer Sicht eine 80%-ige (bei einer Annahme einer Leistungseinbuss e von 20 %) Arbeitsfähigkeit festge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellt wurde. Gestützt auf dieses bidisziplinäre Gutachten und die bidisziplinäre Konsensbeurtei- lung vom 18. Mai 2020 berechnete die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 20 % und lehnte in der Folge den Rentenanspruch mit Verfügung vom 4. Dezember 2020 ab. B. Hiergegen erhob die Versicherte am 21. Dezember 20 20 Beschwerde beim Kantons- gericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversi cherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr die gesetzliche Invalidenrente auszurichten. Ausserdem sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege für das vorliegende Verfahren zu bewilligen. C. Mit Verfügung vom 12. Januar 2021 wurde das Gesuc h um Bewilligung der unentgeltli- chen Rechtspflege bewilligt. D. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 8. Januar 2021, dass die Beschwer- de abgewiesen werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführer in Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgeset zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). E rwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu be rücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern könn en (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindeste ns 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindest ens 40 % invalid sind (lit. c). Bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspru ch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Re nte, bei einem Invaliditätsgrad von min- destens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die B emessung der Invalidität von erwerbstäti- gen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheide nd, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf 125 V 351 E. 3 a). Den im Rahmen des Verwaltungsver- fahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinn en und -ärzte, welche aufgrund einge- hender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ei nsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebn issen gelangen, ist bei der Beweis- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). 3.3 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass das Admi nistrativverfahren vor der IV- Stelle wie auch der kantonale Sozialversicherungsprozess vo m Untersuchungsgrundsatz be- herrscht sind (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Da nach haben IV-Stelle und Sozialversiche- rungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vol lständige Abklärung des rechtserhebli- chen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht da uert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Ta tsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 9. April 2018, 9C_273/2 017, E. 3.1). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 3.4 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. B.____ vom 1. Februar 2020 und Dr. C.____ vom 29. April 2020 sowie die bidisziplinäre Konsensbeurteilu ng vom 18. Mai 2020. Gestützt auf die- se fachärztliche Begutachtung ging sie davon aus, dass die Beschwerdeführerin in ihrer ange- stammten Tätigkeit im Umfang von 80 % arbeitsfähig sei. 3.5 Dr. B.____ gelangte in seinem psychiatrischen Teilgut achten zum Ergebnis, dass mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit keine Diagnosen gestellt werden könnten. Die Exploran- din sei psychisch gesund und habe bisher lediglich zwei Beratungssitzungen bei einer Fachper- son nach ihrer Scheidung in Anspruch genommen. Zudem habe sie keine erwähnenswerten psychischen Belastungen; so verstehe sie sich mit ihrem Ehe mann, ihrem Sohn und ihren bei- den Enkelinnen sehr gut. Sie erleide auch keine Funkti ons- und Fähigkeitsstörungen, denn sie könne alle Alltagsarbeiten alleine und vollständig ver richten, habe Energie und Interesse und sei gut kommunikationsfähig. Der Versicherten könne jede Arbeitsatmosphäre zugemutet wer- den und sie sei zu 100 % leistungs- und arbeitsfähig. 3.6 Dr. C.____ diagnostizierte in seinem rheumatolog ischen Teilgutachten einen Verdacht auf ein polymyalgiformes Beschwerdebild (ICD-10 M31.5) bei Einleiten einer peroralen Korti- kosteroidhterapie mit aktuell 5mg Prednison pro Tag un d einem aktuellen Zustand in Remissi- on; ein chronisches, generalisiertes und unspezifisches Schmer zsyndrom mit Schmerzstörung, Selbstlimitierung und Zeichen der allgemeinen muskulä ren Dekonditionierung (ICD-10 R52.9). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege eine ch ronische Schulterarthropathie beidseitig, vorwiegend rechtsseitig mit/bei AC-Gelenksarthrose beid seitig, Tendinitis Infraspinatussehne; ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom und eine beginnende linksbetonte, nicht funktionsrelevante Coxarthrose vor. Es lasse sich kein hinre ichendes organisch pathologisches Korrelat objektivieren, das die beschriebenen Beschwerden erklären könne. Es müsse insge- samt von einem unspezifischen generalisierten Schmerzsyndro m ausgegangen werden, das wahrscheinlich schon seit Jahren bestehen dürfte und durc h die im Sommer 2018 postulierte Polymyalgia rheumatica exazerbiert sei. Letztere könne je doch zwischenzeitlich als nicht mehr funktionsrelevant bezeichnet werden. Es hätten überdies auch erhebliche psychosoziale Belas- tungsfaktoren zur Erhaltung und Ausweitung der Schmerze n beigetragen, denn es lägen auf- grund der Erwerbsuntätigkeit des Ehemannes Existenzängst e vor. Nicht zu unterschätzen sei Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch das höhere Erwerbsalter der Explorandin, das eine berufliche Massnahme im Sinne einer Umschulung unmöglich mache, nicht zuletzt auch unter dem Standpunkt, dass sie als Sachbe- arbeiterin keine körperlich belastende Tätigkeit ausgeübt habe, sodass zusammenfassend doch erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren in Form von nicht medizinisch begründeten sozia- len Rehabilitationshindernissen bestünden. Diese hätt en zu einem chronischen Schmerzsyn- drom mit der subjektiven Behinderungsüberzeugung gefüh rt, in keiner Weise mehr arbeitsfähig zu sein. Aus rein rheumatologischer Sicht lasse sich unter Berücksichtigung der aufgeführten Diagnosen, der objektivierbaren Befunde sowie auch unte r Berücksichtigung der Beobachtun- gen und des Mobilitätsbildes die vom Hausarzt Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medi- zin, geltend gemachte 100%-ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Sachbe- arbeiterin nicht plausibel nachvollziehen und hinreichen d erklären. Die Einschätzung von Dr. D.____ beruhe ausschliesslich auf den subjektiv geltend gemachten Beschwerden und nicht auf fassbaren objektivierbaren pathologischen Befunden von Seiten des Bewegungsapparates. Insbesondere könne auch die früher für einen Teil der g eltend gemachten Beschwerden ver- antwortliche Polymyalgia rheumatica unter Berücksichtigu ng einer nun schon seit längerer Zeit anzunehmenden bestehenden Remission nicht mehr als funkti onsrelevant bezeichnet werden. Es lasse sich alleinig aufgrund der fassbaren allgemeine n muskulären Dekonditionierung sowie der fassbaren leichten allgemeinen Verlangsamung ein e minimale Leistungseinbusse sowohl für die angestammte Tätigkeit wie auch für jegliche a nderweitige Tätigkeit, inklusive Alltagsver- richtungen, annehmen. Diese Umstände würden zu einer Le istungseinbusse von 20 % führen, damit die Versicherte auch Pausen und Erholungsphasen durchführen könne. Entsprechend sei ihr in der angestammten wie auch in jeglicher leidensad aptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von 80 % zumutbar. 3.7 In ihrer bidisziplinären Konsensbeurteilung vom 18. Mai 2020 kamen Dres. B.____ und C.___ zum Schluss, dass für die Beurteilung der Gesamtar beitsfähigkeit das rheumatologische Teilgutachten von Dr. C.____ massgebend sei. 4.1 Der strittigen Angelegenheit liegen noch weitere ärztliche Unterlagen vor, die im bidis- ziplinären Gutachten berücksichtigt wurden, sofern sie im Zeitpunkt der Begutachtung bereits vorlagen. 4.2.1 Im ärztlichen Bericht vom 8. Februar 2019, der i m Auftrag der IV-Stelle erstellt wurde, attestierte Dr. D.____ der Beschwerdeführerin eine 10 0%-ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 30. September 2018. 4.2.2 Anlässlich einer weiteren Stellungnahme von Dr. D.____ am 29. Mai 2019 wurde die Beschwerdeführerin bis auf Weiteres als 100 % arbeitfsunfähig eingeschätzt. 4.2.3 Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie, untersuchte die Beschwerdeführerin am 20. Juni 2019 und hielt in seinem Bericht fest, dass aktuell anamnestisch, klinisch, sonografisch und anhand der Laboruntersuchungen keine Zeichen eine r Aktivität der PMR bestünden. In der sonomorphologischen Untersuchung habe er beidseitig kei ne Bursitis und Omarthritis feststel- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht len können. Es lägen eine diskrete Tendiose der Rotator enmanschette mit Verkalkung der Inf- raspinatussehne links und eine AC-Gelenksarthrose und Irritation links mehr als rechts vor. 4.2.4 Anlässlich einer Röntgenuntersuchung am 19. Novemb er 2020 bei Dr. med. F.____, FMH Radiologie, konnten geringgradige polyarhtrotische Veränderungen der Interphalangeal- gelenke am Fuss- und Handskelett diagnostiziert werden. 4.2.5 In seiner Untersuchung vom 10. Dezember 2020 konn te Dr. E.____ eine rheumatoide Arthritis und eine weitere rheumatologische Grunderkra nkung ausschliessen. Klinisch und ra- diologisch bestünden weichtheilrheumatische Probleme und Periarthropathien bei in der Bild- gebung nachgewiesenen degenerativen Veränderungen. 4.3 Auf Anfrage der IV-Stelle nahm Dr. med. G.____, FMH Arbeitsmedizin, regionaler ärzt- licher Dienst beider Basel (RAD), am 9. Oktober 2020 S tellung zum bidisziplinären Gutachten der Dres. B.____ und C.____. Aus versicherungsmedizinisc her Sicht seien die Feststellungen der Gutachter sachlich fundiert und nachvollziehbar. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit er- scheine einleuchtend. Das Gutachten erfülle alle versicherungsmedizinischen Vorgaben umfas- send. Die Diskrepanz zu bisherigen Beurteilungen der Ar beitsunfähigkeit sei schlüssig und aus ärztlicher Sicht nachvollziehbar begründet worden, wesha lb er empfehle, auf das Gutachten abzustellen. 5.1 Bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und d er Arbeitsfähigkeit stützte sich die IV-Stelle auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. B. ____ und C.____ vom 1. Februar 2020, respektive vom 14. Mai 2020 und der im Anschluss erfolgt en bidisziplinären Konsensbeurtei- lung vom 18. Mai 2020. Dem Gutachten entsprechend gin g sie von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 20 % aus. Diese Leistu ngseinbusse attestierte Dr. C.___ auf- grund einer allgemeinen muskulären Dekonditionierung sowie der fassbaren leichten allgemei- nen Verlangsamung, damit die Versicherte Pausen und E rholungsphasen durchführen könne. In Bezug auf die von Dr. D.____ attestierte 100%-ige Arbeitsunfähigkeit hielt Dr. C.___ in sei- nem Gutachten fest, dass unter Berücksichtigung des sich verbessernden polymyalgiformen Beschwerdebildes mit Bestätigen einer Remission im Rah men einer rheumatoligischen Ver- laufskontrolle vom 20. Juni 2019 durch Dr. E.____ dies e nicht plausibel nachvollzogen werden könne, zumal die Arbeitsunfähigkeit nicht begründet worden sei. Der RAD-Arzt Dr. G.____ teilte die Befunde und Einschätzungen der Dres. B.___ und C. ____ vollumfänglich und empfahl der IV-Stelle in seiner Stellungnahme vom 9. Oktober 2020, sich in ihrer Beurteilung auf das bidisz- plinäre Gutachten zu stützen. 5.2 Wie in Erwägung 3.2 hiervor dargelegt, prüft da s Gericht frei, ob die verfügbaren Unter- lagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Recht sanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, i n Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusamme nhänge einleuchtet und seine Schlussfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des bidisziplinären Gutachtens in Frage zu stellen oder gar davon ab- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten d ie rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage erfüllt. So weist es weder forma- le noch inhaltliche Mängel auf und beruht auf allseiti gen Untersuchungen und in Kenntnis der Vorakten. Die Versicherte wurde hinreichend rheumato logisch und psychiatrisch exploriert. Die entsprechenden, vorstehend (vgl. E. 3.6 und 3.7 hiervo r) wiedergegebenen Darlegungen im Gutachten der Dres. B.____ und C.___ vermögen im Erge bnis zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 6.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstä tigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen (allgemeine Methode des Einkomm ensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Beha ndlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs- einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei nander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgra d bestimmen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 6.2 Die Beschwerdegegnerin nahm in der angefochtenen Verfügung einen Einkommens- vergleich vor und ermittelte einen Invaliditätsgrad vo n 20 %. Gestützt auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung (BFS) des Bundesamtes für Statistik (LSE) errechnete sie ein Jahresein- kommen von 65'678.-- ohne Gesundheitsschaden (Validenei nkommen). Grundlage dafür bilde- ten die LSE 2018, Tabelle T17, Sektor Bürokräfte mit Kundenkontakt, Kompetenzniveau Total, Spalte Frauen, Fr. 5'250.-- monatlich, basierend auf 41,7 Stunden. 6.3 Bei der Berechnung des Invalideneinkommens errechne te die IV-Stelle – wiederum gestützt auf die LSE des BFS – im Zeitpunkt des frühst möglichen Rentenbeginns ein Invaliden- einkommen von Fr. 52'543.--. Grundlage dafür bilden d ie LSE 2018, Tabelle 17, Sektor Büro- kräfte mit Kundenkontakt, Kompetenzniveau Total, Spalte Frauen, Fr. 5’250.-- monatlich, basie- rend auf 40 Wochenstunden. Nach Umrechnung auf die b etriebsübliche wöchentliche Arbeits- zeit von 41.7 Stunden x 12 Monate ergibt sich ein jährl iches Invalideneinkommen von Fr. 65’678.--. In Anbetracht der Leistungseinschränkung vo n 20 % erfolgt daraus ein Invaliden- einkommen von 52'542.--. 6.4 Stellt man das Valideneinkommen von Fr. 65’678.-- dem Invalideneinkommen von Fr. 52’542.-- gegenüber, resultiert ein IV-Grad von 20 %. Damit liegt die Einbusse unter der leis- tungsbegründenden Schwelle von 40 %. Die Beschwerdegeg nerin hat somit zu Recht festge- stellt, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf ein e Invalidenrente hat. Damit ist die angefochtene Verfügung vom 4. Dezember 2020 nicht zu be anstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen si nd. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 12. Januar 2021 die unent geltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorl äufig auf die Gerichtskasse genom- men. 7.2 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von 800.-- werden der Beschwerde- führerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. http://www.bl.ch/kantonsgericht