Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. April 2022 (715 21 146 / 86) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Verlegung der Parteikosten nach dem Verursacherprinzip mangels Verletzung der Mitwir- kungspflicht verneint. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Orlando Meyer, Rechts- anwalt, Lautengartenstrasse 7, 4052 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1983 geborene A.____ stellte mit Gesuch vom 20 . November 2020 bei der Öffentli- chen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) einen Antrag auf Ausrichtung von Arbeits- losenentschädigung ab 1. Dezember 2020. Mit Verfügung vom 18. Januar 2021 lehnte die Ar- beitslosenkasse die Anspruchsberechtigung von A.____ wegen Nichterfüllung der Beitragszeit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz der Arbeitslo- senkasse mit Entscheid vom 21. April 2021 mit der Begrün dung ab, der Versicherte habe wäh- rend der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 2. Dezember 2018 bis 1. Dezember 2020 lediglich für 4,98 Monate eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt und damit die minimale Beitrags- zeit von zwölf Monaten nicht erfüllt. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Orlando Meyer, mit Eingabe vom 10. Mai 2021 Beschwerde ans Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es seien ihm in Aufhebung des an- gefochtenen Entscheids ab dem 1. Dezember 2020 die ihm zustehenden Arbeitslosentaggelder auszuzahlen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass er vom 1. Oktober 2018 bis 30. Juni 2020 selbstständiger werbend gewesen sei. Dies bedeute, dass die Rahmenfrist für die Beitragszeit gestützt auf A rt. 9a Abs. 2 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 um 21 Monate zu verlängern sei. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginne deshalb am 1. Juni 2018 und nicht wie von der Arbeitslosenkasse angenommen erst am 2. Dezember 2018. Durch die Verlängerung der Rahmenfrist für die Beitragszeit erfülle er die Mindestbeitragszeit von zwölf Monaten. C. Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2021 beantragte die Arbeitslosenkasse die Abwei- sung der Beschwerde. Es lägen keine Unterlagen der zuständigen Ausgleichskasse vor, welche bestätigten, dass der Versicherte seine selbstständige Erwerbstätigkeit per Ende Juni 2020 auf- gegeben habe. D. In seiner Replik vom 30. August 2021 liess der Versicher te durch seinen Rechtsvertreter den Verfahrensantrag stellen, es sei das vorliegende Verfahren bis zur Einschätzung des Fiskal- jahres 2020 durch die Steuerverwaltung bzw. die Ausgleichskasse zu sistieren. Die Ausgleichs- kasse könne zurzeit die Beendigung der selbstständigen Erwe rbstätigkeit nicht bestätigten, da sie auf Unterlagen der Steuerbehörde für das Steuerjahr 2020 warte. E. Mit Eingabe vom 29. September 2021 hielt die Arbe itslosenkasse am Antrag auf Abwei- sung der Beschwerde fest. Am 19. Oktober 2021 erklärte si e sich mit der Sistierung des Be- schwerdeverfahrens einverstanden. F. In der Folge sistierte das Kantonsgericht mit Verfüg ung vom 20. Oktober 2021 das Ver- fahren bis zum Vorliegen der Einschätzung des Fiskaljahres 2020 durch die zuständigen Stellen der Steuerbehörde bzw. der AHV-Ausgleichskasse. G. Nachdem der Versicherte am 9. November 2021 mitgete ilt hatte, dass die definitive Be- stätigung der Ausgleichskasse nun vorliege, hob das Kanton sgericht die Sistierung des Verfah- rens mit Verfügung vom 11. November 2021 auf. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Am 12. Januar 2022 führte die Arbeitslosenkasse aus, dass gemäss Bestätigung der Ausgleichskasse vom 3. November 2021 nachgewiesen sei, da ss der Versicherte seine selbst- ständige Erwerbstätigkeit am 30. Juni 2020 aufgegeben habe. Bei dieser Sachlage sei der ange- fochtenen Einspracheentscheid aufzuheben. Die Verfahrenskosten seien dem Versicherten auf- zuerlegen, da es diesem bereits im Einspracheverfahr en möglich gewesen sei, die nötigen Unterlagen einzureichen. Dadurch hätte das vorliegende Verfahren vermieden werden können. I. Am 28. Februar 2022 liess die Arbeitslosenkasse dem G ericht den am gleichen Tag erlassen Entscheid zukommen, mit welchem sie den angefoc htenen Einspracheentscheid vom 21. April 2021 aufhob und feststellte, dass der Versiche rte ab 2. Dezember 2020 Anspruch auf Arbeitslosentschädigung habe. J. Mit Eingabe vom 16. März 2022 erklärte sich der Rechtsve rtreter im Auftrag des Versi- cherten mit der Erledigung des vorliegenden Beschwerde verfahrens infolge übereinstimmender Parteianträge einverstanden. Er beantragte, dass die ordentlichen und ausserordentlichen Kos- ten der Arbeitslosenkasse aufzuerlegen seien. Es sei ihm nicht möglich gewesen, die gewünsch- ten Unterlagen früher einzureichen, da die Ausgleichskasse den Beitragsstatus des Versicherten erst noch habe abzuklären müssen. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit den Ar t. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitsl osenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 11 9 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kanto ns, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend erfüllt der Versicherte seine Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Beschwerden gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Das Kantonsgericht i st deshalb für die Beurteilung des vorliegenden Falles sowohl örtlich als auch sachlich zuständig. 2. Im vorliegenden Fall lehnte die Arbeitslosenkasse d ie Anspruchsberechtigung des Ver- sicherten wegen Nichterfüllung der Mindestbeitragszeit von zwölf Monaten mit Wirkung ab 2. De- zember 2020 ab. Sie ging gestützt auf den Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) des Versicherten davon aus, dass dieser von Januar 2018 bis De zember 2019 selbstständigerwer- bend und von Januar bis September 2018 zusätzlich unselbstständigerwerbend gewesen sei. Da der Versicherte trotz Aufforderung keine Bestätigung der Ausgleichskasse über die Beendigung der Tätigkeit als Selbstständigerwerbender per 30. Juni 2020 vorgelegt habe, komme Art. 9a Abs. 2 AVIG nicht zur Anwendung. Im Rahmen des Beschwerdeverf ahrens reichte der Versicherte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Schreiben der zuständigen Ausgleichskasse vom 3. November 2021 ein, in welchem bestä- tigt wurde, dass der Versicherte vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. Juni 2020 als Selbstständiger- werbender AHV-beitragspflichtig gewesen war. In der E ingabe vom 12. Januar 2022 stellte die Arbeitslosenkasse fest, dass der Versicherte aufgrund der Bestätigung der Ausgleichskasse zum Zeitpunkt der Anspruchserhebung zum Bezug von Arbeitsl osengeldern per 2. Dezember 2020 nicht mehr selbstständigerwerbend gewesen sei. Dies habe zur Folge, dass der Versicherte die erforderliche Mindestbeitragszeit von zwölf Monaten erfüllt habe. Mit Entscheid vom 28. Februar 2022 hob sie sodann den angefochtenen Entscheid vom 21. April 2021 auf und hielt fest, dass der Versicherte – unter Vorbehalt des Erfüllens der übrigen Voraussetzungen gemäss Art. 8 Abs. 1 AVIG – ab dem 2. Dezember 2020 Anspruch auf Arbeitsl osenentschädigung habe. Der Versi- cherte erklärte sich am 16. März 2022 mit der Erledigun g des vorliegenden Beschwerdeverfah- rens infolge übereinstimmender Parteianträgen einverstanden. 3. Die Parteien sind sich demzufolge einig, dass der Ver sicherte ab dem 2. Dezember 2020 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat, sofern er di e übrigen Anspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 Abs. 1 AVIG erfüllt. Gemäss § 58 Abs. VPO bzw. gemäss Art. 61 lit. d ATSG ist das Kantonsgericht zwar nicht an die Parteibegehren geb unden. Nach Einsichtnahme in die Rechtsschriften der Parteien und die Verfahrensakten so wie in Berücksichtigung der massge- benden gesetzlichen Bestimmungen sind jedoch keine Gründe ersichtlich, weshalb den überein- stimmenden Parteianträgen nicht stattzugeben wäre. De mnach ist in Gutheissung der Be- schwerde der angefochtene Einspracheentscheid vom 21. April 2021 in dem Sinne aufzuheben, als festgestellt wird, dass der Versicherte ab 2. Dezember 2020 die erforderliche Beitragszeit von zwölf Monaten erfüllt. Die Sache ist deshalb zur Prüfung der weiteren Anspruchs-voraussetzun- gen gemäss Art. 8 Abs. 1 AVIG und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurück- zuweisen. 4. Nach § 1 Abs. 3 lit. c VPO fällt die Beurteilung d er Beschwerde vom 10. Mai 2021 bei übereinstimmenden Anträgen der Parteien in die Kompetenz der präsidierenden Person der Ab- teilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. 5.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit . a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie- gende Verfahren keine Kosten zu erheben. 5.2.1 Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochte ne Verfügung auf und weist es die An- gelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Ver- fügung an die Vorinstanz zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die beschwerdeführende Partei als (vollständig) obsiegende und die Beschwerdegegnerin a ls unterliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Person grundsätzlich Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Einem allgemeinen Grundsatz folgend kön- nen die Parteikosten jedoch anstatt nach dem Prozessausga ng (vgl. Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG) nach dem Verursacherprinzip verlegt werden. Demgemäss sind unnötige Parteikosten unabhän- gig vom Verfahrensausgang von demjenigen zu tragen, de r sie verursacht hat (BGE 125 V 375 E. 2b). So kann keine Parteientschädigung beanspruchen , wer zwar im Prozess obsiegt, sich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber den Vorwurf gefallen lassen muss, er habe es wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht sel- ber zu verantworten, dass ein unnötiger Prozess geführt worden ist (SVR 2004 ALV Nr. 8 E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. zum Ganzen auch: M ARTIN BERNET , Die Parteientschädigung in der schweizerischen Verwaltungsrechtspflege, Zürich 1986, S. 136 ff.). 5.2.2 Vorliegend machte die Arbeitslosenkasse in ihrer Eingabe vom 12. Januar 2022 geltend, dass der Versicherte mehrmals angewiesen worden sei, relevante Unterlagen beizubringen, um zu belegen, dass er die selbstständige Erwerbstätigkeit de finitiv per Ende Juni 2020 beendet habe. Der Versicherte sei auch auf die Rechtsfolgen bei Nichteinreichung der erforderlichen Be- lege hingewiesen worden. Da es dem Versicherten bere its im Einspracheverfahren möglich ge- wesen wäre, die fraglichen Unterlagen einzureichen, hab e er das vorliegende Verfahren verur- sacht. Bei rechtzeitiger Einreichung der geforderten Belege hätte das Verfahren vermieden wer- den können, weshalb ihm die Prozess- und Parteikosten auf zuerlegen seien. Zu diesem Antrag bringt der Versicherte am 16. März 2022 im Wesentlichen vor, dass er seinen Mitwirkungspflich- ten grundsätzlich nachgekommen sei. Die Arbeitslosenkasse verkenne, dass die Beschaffung der geforderten Unterlagen genau das Problem gewesen sei. Wäre deren Einreichung früher möglich gewesen, hätte er nicht die Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen der Bestätigung der Ausgleichskasse beantragt. 5.2.3 Aus den Akten geht hervor, dass der Versicherte in seiner Einsprache vom 21. Januar 2021 der Arbeitslosenkasse unter anderem mitteilte, er se i vom 1. Dezember 2018 bis 30. Juni 2020 einer selbstständigerwerbenden Tätigkeit nachgegan gen. Dabei wies er darauf hin, dass der Beitragsstatus als Selbstständigerwerbender bei der z uständigen Ausgleichskasse noch in Abklärung sei (Dok.-Nr. 45). Mit Schreiben vom 11. März 2021 erklärte die Arbeitslosenkasse, dass der Nachweis der Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit unter anderem durch eine Bestätigung der Ausgleichskasse zu erbringen sei. Sie forderte den Versicherten deshalb auf, ihr bis 31. März 2021 eine entsprechende Bestätigung der Ausgleichskasse zuzustellen. Gleichzeitig machte sie den Versicherten darauf aufmerksam, dass nach un benutztem Ablauf der Frist auf- grund der vorhandenen Aktenlage entschieden werde und verspätete Eingaben unberücksichtigt blieben (Dok.-Nr. 56). Am 15. März 2021 reichte der V ersicherte nebst anderen Unterlagen das Schreiben der Ausgleichskasse vom 25. Januar 2021 ein, mit welchem diese mitteilte, der Versi- cherte habe gestützt auf die Steuermeldungen 2018 und 2019 für die Zeit vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2019 ein selbstständiges Erwerbseinkom men erzielt, welches der AHV- Beitragspflicht unterstehe. Weiter führte der Versicherte in seinem Schreiben vom 15. März 2021 aus, er habe bei der Ausgleichskasse weitere Unterlagen eingereicht. Diese würden bestätigen, dass er seine selbstständigerwerbende Tätigkeit am 1. November 2018 begonnen und am 30. Juni 2020 aufgegeben habe. Sobald eine solche Bestätig ung vorliege, werde er diese der Ar- beitslosenkasse umgehend zukommen lassen. Er ersuche deshalb um Fristverlängerung (Dok.- Nrn. 58 und 62; vgl. auch Schreiben der Ausgleichskasse vom 27. April 2021 [Dok.-Nr. 102 – 106]). Am 19. März 2021 machte die Arbeitslosenkasse den Versicherten darauf aufmerksam, dass die Frist zur Einreichung der Unterlagen erst am 31 . März 2021 ablaufe, weshalb sie ihm zurzeit keine Fristverlängerung gewähren könne. Falls es ihm nicht möglich sei, die Bestätigung der Ausgleichskasse innert Frist einzureichen, werde ihm die Frist "natürlich" verlängert (Dok.- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nr. 64). Im angefochtenen Einspracheentscheid stellte sich die Arbeitslosenkasse auf den Stand- punkt, dass der Versicherte eine Fristerstreckung nicht in Anspruch genommen habe, weshalb er seine Mitwirkungspflicht verletzt habe (Ziffern 16 und 17). 5.3 Aufgrund der Akten steht fest, dass eine Bestätigung der Ausgleichskasse über die Dauer des Beitragsstatus des Versicherten als Selbstständigerwerben der am 11. März 2021, als die Arbeitslosenkasse den Versicherten zur Einreichung einer sol chen aufgefordert hat, noch nicht vorlag. Diese wurde unbestrittenermassen erst am 3. Novem ber 2021 erstellt. Aus dem Schrei- ben des Versicherten an die Ausgleichskasse vom 15. März 2021 ist ersichtlich, dass dieser innert der von der Arbeitslosenkasse vorgegebenen Frist bei der Ausgleichskasse um deren Zustellung ersucht und die Arbeitslosenkasse gleichentags darüber informiert hat. Gleichzeitig hat er bei der Arbeitslosenkasse ein Gesuch um Erstreckung der bis 31. März 2 021 gewährten Frist ersucht, wohl in der Annahme, dass innert Frist noch keine Bestäti gung der Ausgleichskasse vorliegen würde. Die Arbeitslosenkasse hat den Versicherten am 19. März 2021 darauf hingewiesen, dass die Frist noch am Laufen ist, weshalb sie die Frist vorlä ufig nicht erstrecken könne. Diese Be- gründung kann nicht nachvollzogen werden. Damit ein Fr isterstreckungsgesuch nicht verspätet ist, muss ein solches vor Ablauf der Frist gestellt werden. Da der Versicherte zum Zeitpunkt seiner Gesuchstellung davon ausging, er werde bis zum Fristablau f noch nicht über die verlangte Be- stätigung der Ausgleichskasse verfügen, hat er damals um eine Fristerstreckung ersuchen müs- sen. Dass er nicht um eine weitere Fristverlängerung ersucht hat, kann ihm nicht angelastet wer- den. Die Arbeitslosenkasse hat dem Versicherten in ihrem Schreiben vom 19. März 2021 ausser- dem in Aussicht gestellt, die Frist werde "natürlich" verlängert, wenn es ihm nicht gelinge, innert Frist die gewünschte Bestätigung zuzustellen. Ein Hinweis, dass es hierfür ein erneutes Frister- streckungsgesuch brauche, fehlt. Bei dieser Sachlage kann diese Textstelle dahingehend ver- standen werden, dass die Frist ohne einen entsprechenden Antrag verlängert werde. Vor diesem Hintergrund kann keine Verletzung der Mitwirkungspflicht erblickt werden. Es besteht daher kein Grund, vom Unterliegerprinzip abzuweichen. Da der Ver sicherte obsiegende Partei ist, ist ihm eine angemessene Parteientschädigung zu Lasten der Arbeitslosenkasse zuzusprechen. 5.4 Der Rechtsvertreter des Versicherten hat in seiner H onorarnote vom 16. März 2022 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 21 Stunden und 38 Minuten geltend gemacht. Dieser Aufwand ist in Anbetracht des Umfangs der Akten und der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen im Quervergleich zu ähnlich gelagerten Fällen deutlich zu hoch. Insbesondere ist eine Reduktion des geltend gemachten Aufwands von 14 Stunden für die Ausarbeitung der Eingaben (d.h. eine 6-seitige Beschwerde, eine 4-seiti ge Replik, eine 3-seitige Stellungnahme, ein 1-seitiges Fristerstreckungsgesuch sowie ein 1-seitiges Begleitschreiben) angezeigt. Für das vorliegende Verfahren erscheint unter Beachtung aller Umstände ein Aufwand von insgesamt 13 Stunden als angemessen. Die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 195.-- sind hingegen nicht zu beanstanden. Die Arbeitslosenkasse hat dem Versicherten demnach bei einem Stundenansatz von Fr. 250.-- eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'710.25 (13 Stunden x Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 195.-- und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesg ericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewir ken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 6.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 6.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Pr axis die in einem Rückweisungsent- scheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelung – wie die Rückweisung im Hauptpunkt selbst – einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG) da rstellt, der in der Regel keinen nicht wiedergutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann . Ihre Anfechtung ist erst mit Be- schwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet die Instanz, an welche die Sache zu- rückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten der Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückweisungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentscheids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 645 E. 2.2 , bestätigt im Urteil des Bundesge- richts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 7. November 2014, 8C_692/2014, E. 2). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefo chtene Einspracheent- scheid vom 21. April 2021 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Versicherte die erforderliche Beitragszeit von zwölf Monat en ab 2. De- zember 2020 erfüllt. Die Angelegenheit wird zur Prüfung der übrigen An- spruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 AVIG und zum Erlass eine r neuen Verfügung an die Öffentliche Arbeitslosenkasse Bas elland zu- rückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung im Umfang von Fr. 3'710.25 ( inkl. Auslagen von Fr. 195.-- + 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 4. Der Öffentlichen Arbeitslosenkasse wird eine Kopie der Eingabe des Be- schwerdeführers vom 16. März 2022 zur Kenntnisnahme zugestellt.