Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: PC180045-O/U Mitwirkend: Oberrichterin Dr. L. Hunziker Schnider, Vorsitzende, Oberrichterin Dr. D. Scherrer und Oberrichter Dr. M. Kriech sowie Gerichtsschrei- berin lic. iur. R. Blesi Keller Beschluss vom 31. Januar 2019 in Sachen A._____, Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ und / oder Rechtsanwalt MLaw X2._____, gegen B._____, Gesuchsteller und Beschwerdegegner vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, betreffend Ehescheidung (Erlass Teilentscheid) Beschwerde gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes im ordentlichen Ver- fahren am Bezirksgericht Meilen vom 9. November 2018 (FE110156-G) - 2 - Erwägungen: I. 1. Die Parteien heirateten am tt . Dezember 1999. Sie haben zwei gemei n- same Kinder: C._____, geboren am tt.mm.2002, und D._____, geboren am tt.mm.2003. Seit dem 12. Oktober 2011 stehen die Parteien vor Vorinstanz im Scheidungsverfahren. Mit Eingabe vom 4. Juli 2018 stellte der Gesuchsteller und Beschwerdegegner (fortan Gesuchsteller) den Antrag auf Erlass eines Teilurteils mit Bezug auf den Scheidungspunkt (Urk. 6/329). Mit "Verfügung" vom 9. Novem- ber 2018 hiess die Vorinstanz den "Antrag des Gesuchstel lers vom 4. Juli 2018" gut (Urk. 2 S. 11, Verfügung Dispositivziffer 1). Ebenfalls am 9. November 2018 (in demselben Dokument) fällte die Vor instanz ein Teilurteil. Sie erkannte, dass die Ehe der Parteien geschieden wird (Urk. 2 S. 11, Erkenntnis Dispositivziffer 1). 2. Gegen Dispositivziffer 1 der Verfügung vom 9. November 2018 hat die Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin (fortan Gesuchstellerin) rechtzeitig B e- schwerde mit dem folgenden Antrag erhoben (Urk. 1; Urk. 6/340/2): "1. Ziff. 1 der Verfügung des Teilurteils de s Bezirksgerichts Meilen vom 9. November 2018 sei aufzuheben; 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Beschwerdegegners." 3. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 6/1-340). 4. Die Gesuchstellerin hat einen Kostenvorschuss von Fr. 3'000. – geleistet (Urk. 7; Urk. 8). 5. Auf die Ausführungen der Gesuchstellerin wird nachfolgend nur soweit für die Entscheidfindung notwendig eingegangen. - 3 - II. 1. Die Vorinstanz hat den Antrag des Gesuchstellers auf Erlass eines Teilur- teils im Scheidungspunkt gutgeheissen (Urk. 2 S. 11, Dispositivziffer 1; Urk. 6/329 S. 2). Der angefochtene Entscheid ist eine prozessleitende Verfügung im Sinne von Art. 124 Abs. 1 ZPO (vgl. Urk. 2 S. 10 E. 6.1.). Prozessleitende Entscheide können i n den vom Gesetz bestimmten Fällen, oder wenn durch sie ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht, mit Beschwerde angefochten wer- den (Art. 319 lit. b Ziff. 1 und 2 ZPO). 2. Die Gesuchstellerin sieht ihren nicht leicht wieder gutzumachenden Nac h- teil darin, dass der Gesuchsteller seinen Unterhaltszahlungen ihr und den ge- meinsamen Kindern gegenüber seit Jahre n nicht oder nicht vollständig nachkom- me; d ies obwohl der Gesuchsteller über ausreichend finanzielle Möglichkeiten verfüge. Seit Mai 2018 habe er die Zahlungen vollständig eingestellt. Sie habe den Gesuchsteller deshalb schon mehrfach betr ieben. Am 18. September 2018 seien Fr. 108'095. – gepfändet worden. Ende 2017 habe sie gegen den Gesuc h- steller ein Strafverfahren wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten i m Sinne von Art. 217 StGB einreichen müssen. Die entsprechenden Ermittlungen seien am Laufen. Ihre Lage werde durch den Entscheid der Vorinstanz, ein Teilur- teil über die Scheidung zu fällen, erheblich erschwert. Wie aufgezeigt, sei sie ge- zwungen, den ihr zugesprochenen Unterhaltsleistungen mit viel zeitlichem und f i- nanziellem Aufwand nachzurennen. Der Gesuchsteller versuche zudem seit Jah- ren, seine wahren Einkommens - und Vermögensverhältnisse zu verschleiern. Er komme seiner Auskunftspflicht gemäss Art. 170 Abs. 1 ZGB nicht nach. Aufgrund der latenten Intransparenz in Bezug auf die Vermögensverhältnisse des Gesuc h- stellers verzögere sich der Abschluss des Scheidungsverfahrens. Ein Teilurteil im Scheidungspunkt hätte für sie, die Gesuchstellerin, gravierende Aus wirkungen. Der Gesuchsteller würde sich seinen Pflichten weiter hin entziehen und es würde ihr massiv erschwert, die ihr zustehenden Einkünfte einzuholen. Dieser Nachteil könne nicht leicht wiedergutgemacht werden. Vielmehr würde ihre Position im lau- fenden Scheidungsverfahren irreversibel beschädigt (Urk. 1 S. 4f.). - 4 - 3. Ziel der Beschränkung der Anfechtung von prozessleitenden Entscheiden mittels Beschwerde ist mitunter die Prozessökonomie. Die Rechtsmittelinstanz soll sich möglichst nicht x -fach mit derselben Angelegenheit befassen müssen. Prozessleitende Entscheide sind daher grundsätzlich nur mit dem Endentscheid anfechtbar. Eine Ausnahme gemäss Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO besteht dann, wenn der betroffenen Partei nicht zugemutet werden kann, dass sie den Endentscheid in der Sache abwartet, weil der drohende Nachteil auch mit einem vollständigen Obsiegen in der Hauptsache nicht mehr behoben werden könnte (vgl. zum Ga n- zen BK ZPO-Sterchi, Art. 319 N 12). Es kann offenbleiben, ob die von der G e- suchstellerin geschilderten Vorkommnisse einen nicht leicht wieder gutzumachen- den Nachteil darstellen. Denn die Vorinstanz hat am 9. November 2018 vorab den Antrag des Gesuchstellers auf Erlass eines Teilurteils gut geheissen ("Verfügung") und direkt im Anschluss daran das entsprechende Teilurteil gefällt, indem sie die Scheidung aussprach ("Teilurteil"). Das Teilurteil ist ein Endentscheid (vgl. BK ZPO-Sterchi, Art. 308 N 12 ). Es kann mit Be rufung angefochten werden (Art. 308 ZPO). Die Berufung muss sofort erhoben werden. Mit deren Erhebung kann nicht zugewartet werden, bis ein (weiteres) ( Teil-)Urteil über die Regelung der Nebenfolgen ergeht. Steht nun aber einer Partei die Erhebung einer Berufung offen, weil in der zu beurteilenden Sache bereits ein Endentscheid gefällt wurde, hat sie kein schutzwürdiges Interesse mehr daran, einen mit Bezug auf das Tei l- urteil gefällten prozessleitenden Entscheid anz ufechten. Ein nich t leicht wiede r- gutzumachender Nachteil ist diesfalls zu verneinen. Vielmehr müssen die Rügen, dass die rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen zur Fällung eines Teilur- teils über den Scheidungspunkt nicht gegeben seien, in der Berufung gegen das Teilurteil erhoben werden. 4. Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Von der Einholung einer Beschwerdeantwort des Gesuchstellers ist abzusehen. Es kann offenbleiben, ob die angefochtene Verfügung, mit welcher der Antrag des G e- suchstellers vom 4. Juli 2018 gutgeheissen wurde, überhaupt einen eigenständi- gen Entscheid darstellt. - 5 - III. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr ist ausgangsgemäss der Gesuchstel- lerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Gebühr ist gestützt auf § 6 Abs. 1 i.V.m. § 5 Abs. 1, § 10 Abs. 1 und § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG auf Fr. 1'500. – festzusetzen. Sie wird mit dem von der Gesuchstellerin geleisteten Kostenvor- schuss von Fr. 3'000.– verrechnet. Für das Beschwerdeverfahren sind keine Par- teientschädigungen zuzusprechen, der Gesuchstellerin zufolge ihres Unterlie- gens, dem Gesuchs teller mangels relevanter Umtriebe (Art. 95 Abs. 3 ZPO; Art. 106 Abs. 1 ZPO). Es wird beschlossen: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf Fr. 1'500.– festgesetzt. 3. Die Kosten für das zweitinstanzliche Verfahren werden der Gesuchstellerin auferlegt und mit ihrem Kostenvorschuss verrechnet. 4. Für das Beschwerdeverfahren werden keine Parteientschädigungen zuge- sprochen. 5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an den Gesuchsteller unter Beilage der Doppel von Urk. 1 und Urk. 4/2-21, sowie an die Vorinstanz, je gegen Empfangsschein. Die erstinstanzlichen Akten gehen nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmi t- telfrist und Erledigung der Verf ahren LY180011, LY180012, LC180020 und LC180038 an die Vorinstanz zurück. 6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, - 6 - 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen B e- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 BGG. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG. Zürich, 31. Januar 2019 Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. R. Blesi Keller versandt am: am