Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Oktober 2016 (720 16 231 / 280) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt; die von der IV-Stelle vor- genommenen medizinischen Abklärungen sind beweistauglich; Wahl der Bemessungs- methode kann offengelassen werden. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1971 geborene A.____ arbeitete zuletzt ab 1. August 1998 als Küchenmitarbeiterin beim Spital B.____. Am 12. September 2012 meldete sie sich unter Hinweis auf gesundheitliche Probleme an den Händen bei der Eidgenössischen Inva lidenversicherung (IV) zum Leistungs- bezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle ) klärte in der Folge die gesundheitlichen, erwerblichen und haushälterischen Verhältnisse ab. Nach Durchführung zweier Vorbescheid- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfahren lehnte sie den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom 13. Juni 2016 gestützt auf einen – nach der gemischten M ethode ermittelten – Invaliditätsgrad von 10% ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Raffaella Biaggi, am 13. Juli 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Sie beantragte, es sei die angefochtene Verf ügung aufzuheben und die Beschwerde- gegnerin zu verpflichten, ihr die gesetzliche Invalide nrente auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, dass der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden sei . Namentlich sei das bei PD Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie e ingeholte Gutachten vom 24. Oktober 2014 veraltet und genüge den neuen Bewei sanforderungen an Gutachten betref- fend somatoforme Schmerzstörungen nicht. Ferner sei di e Beschwerdegegnerin zu Unrecht davon ausgegangen, dass sie ohne gesundheitliche Einschr änkungen bloss in einem Pensum von 40% erwerbstätig wäre. Im Gesundheitsfall wäre sie aufgrund der Umstände vielmehr in einem Vollzeitpensum tätig. Der Abklärungsbericht zum Ha ushalt sei sodann nicht beweistaug- lich. C. In ihrer Vernehmlassung vom 12. August 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Die nach altem Verfahrensst andard eingeholten Gutachten wür- den durch die neue Praxis zu psychosomatischen Beschwerden ni cht per se ihren Beweiswert verlieren. Das bei PD Dr. C.____ eingeholte Gutachten vermöge auch unter der neuen Recht- sprechung zu überzeugen. Seit der Begutachtung sei über dies keine relevante Verschlechte- rung des Gesundheitszustandes eingetreten. Das in der an gefochtenen Verfügung angenom- mene Ausmass der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall ent spreche den unterschriftlich bestä- tigten Angaben der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeg egnerin habe ferner zu Recht auf den Abklärungsbericht zu den Einschränkungen im Haushalt abgestellt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 13. Juli 2016 ist demnach einzu treten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invali- denversicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit od er Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigu ng der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behan dlung und Eingliederung verblei- bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke iten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG ). Für die Beurteilung des Vorlie- gens der Erwerbsunfähigkeit sind nach dem mit der 5. I V-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 2.4 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgab enbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 2.5 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen u nd der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte M ethode der Invaliditätsbemes- sung). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Renten- anspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbe- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht messung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstäti ge zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 2.6 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- messung führt –, ergibt sich nach konstanter Rechtsprech ung des Bundesgerichts aus der Prü- fung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umst änden täte, wenn keine gesundheitli- che Beeinträchtigung bestünde (BGE 133 V 508 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Die Statusfra- ge beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfü- gung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Ann ahme einer im Gesundheitsfall ausge- übten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherung srecht übliche Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 15 0 E. 2c, 117 V 194 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2011, 9C_741/2011, E. 2.1; je mit Hinweisen). 3. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgra des bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stü tzt sich der angefochtene Entscheid hin- gegen ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweis- würdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zwei- feln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztliche n Feststellungen ergänzende Abklä- rungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27 . Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 3.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natu r von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnd en Ärzte wichtige – und nicht rein sub- jektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Asp ekte benennen, die im Rahmen der Begut- achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl . Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar ( BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.2.1 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Leiturtei l BGE 141 V 281 ff. seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Lei den (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) revidiert hat. Eine Einschränkung der Leist ungsfähigkeit kann danach weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Ge- sundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Rentenanspruch – in Nachachtung der ver- fassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 de r Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rech tsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem namentlich aus medizini- scher, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutun g nicht weiter fest. Anstelle des bis- herigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rah- men wird im Regelfall anhand von auf den funktionelle n Schweregrad bezogenen Standardindi- katoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen erg ebnisoffen und symmetrisch beur- teilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfakto ren wie den vorhandenen Ressour- cen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 4.2.2 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei den genannten Gesundheitsschäden beachtlichen Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indi- katoren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behand lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffen- den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsent wicklung und der Persönlichkeits- struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Im drit- ten Indikatoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen ver haltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität sniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederun gsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 296 ff. E. 4). 4.2.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stär ker als bis anhin die entsprechenden Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und damit ve rgleichbare Leiden können somit eine Invalidität nur begründen, wenn die funktionelle n Auswirkungen der medizinisch festge- stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfal l anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegende r Wahrscheinlichkeit in einem an- spruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind. Fehlt es daran , hat die Folgen der Beweislo- sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 308 E. 6). 5.1 Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und insbeso ndere der Arbeitsfähigkeit der Versicherten gab die Beschwerdegegnerin am 22. August 2 013 zunächst ein rheumatologi- sches Gutachten in Auftrag, welches Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Innere Medi- zin, am 20. Januar 2014 erstattete. Darin diagnostizier te er mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Schmerzsyndrom im Bereich der linken oberen Extremität bei Status nach Ringbandspaltung A1 Dig. I, II, V bei Tendovaginitis stenosans I, II, V links am 8. November 2011 und bei einem residuell leichten sensiblen Carpal tunnelsyndrom (CTS) links bei Status nach Carpalkanalspaltung am 31. März 2011 sowie ein ch ronisches Schmerzsyndrom im Be- reich der rechten Hand bei Status nach Dekompression des Nervus medianus rechts bei CTS rechts am 10. September 2012. Ohne Einfluss auf die Ar beitsfähigkeit sei eine Fibromyalgie festzustellen. Die Explorandin gebe an, seit etwa 15 Ja hren an einem Schmerzsyndrom im Na- cken mit Ausstrahlung in den linken Arm zu leiden. Es se ien mehrere Operationen durchgeführt worden, wodurch sich die Schmerzsituation in der linken Extremität jeweils verschlechtert habe. Durch die Entlastung der linken Hand habe sie die recht e Hand vermehrt eingesetzt, weshalb auch hier eine Operation notwendig geworden sei. Au ch hier hätten sich die Schmerzen posto- perativ nicht verbessert. Aktuell schildere die Explorandi n Schmerzen im gesamten linken Arm und in der linken Hand mit einer Schmerzintensität von V AS 8. In der rechten Hand betrage die Schmerzintensität VAS 7, am rechten Arm VAS 5 bis 6. Am stärksten seien die Schmerzen im Bereich des Schulter-Nacken-Gürtels mit einer Intensitä t von VAS 9. Die Explorandin könne sich aufgrund der Schmerzen aktuell keine Erwerbstätigkeit vorstellen. Die rheumatologische Untersuchung ergebe eine seitengleiche Kraft der ober en Extremitäten; es fänden sich auch keine Atrophien. Sämtliche Fibromyalgie-Druckpunkte seie n positiv, der Kontrollpunkt an der Stirn sei negativ. Die durchgeführten Röntgenuntersuch ungen zeigten keinerlei Hinweise auf entzündliche oder degenerative Handpathologien. Der rheumatologische Befund könne die ak- tuell geklagten Beschwerden in keiner Art und Weise erklä ren. Die angegebene Schmerzinten- sität könne nicht auf einer organischen Basis gesehen und folglich kaum nachvollzogen wer- den. Ebenfalls fänden sich Diskrepanzen zwischen den Angabe n der Explorandin und dem an der Untersuchung gezeigten Verhalten. Die Explorandin zeige eine massive Selbstlimitierung. Zusammengefasst sei von einer chronischen Schmerzsymptomatik einerseits im Sinne eines weichteilrheumatischen Ganzkörperschmerzsyndroms, andererseits im Sinne einer Brachialgie beidseits, linksbetont, unter Einbezug der Hände beid seits, linksbetont, auszugehen. In der an- gestammten Tätigkeit als Küchenhilfe, welche als manue ll erheblich belastend anzusehen sei, sei die Explorandin aufgrund des erhöhten Pausenbedarf s im Umfang von 50% eingeschränkt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Für eine leichte bis gelegentlich mittelschwere körperli che Tätigkeit bestehe hingegen eine Ar- beitsfähigkeit von 100%. Diese Arbeitsfähigkeit gelte sp ätestens drei Monate nach der dritten und letzten Operation am 10. September 2012, somit ab Mitte Dezember 2012. 5.2 Im Rahmen eines ersten Vorbescheidverfahrens holte d ie Beschwerdegegnerin ferner ein psychiatrisches Gutachten bei PD Dr. C.____ ein. In di esem Gutachten vom 24. Oktober 2014 führt PD Dr. C.____ aus, dass bei der Explorandin ohne Zweifel eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung (ICD-10 F.45.4) vorliege, welche i ndessen keinen Einfluss auf die Ar- beitsfähigkeit habe. Die Kooperationsbereitschaft währ end der Untersuchung sei insgesamt ordentlich gewesen. Die Grundstimmung der Explorandin habe während der Untersuchung mehrmals fluktuiert, sei über weite Strecken jedoch euthym gewesen. Hinweise auf eine Sub- depressivität oder eine Dysphorie seien nicht erkennbar gewesen. Es habe sich auch keine Affektverarmung, Affektverflachung oder gar Affektstarre gezeigt. Aufgrund der rheumatologisch nicht nachvollziehbaren Symptomausweitung, der Einengun g des formalen Denkens auf das Schmerzerleben sowie der nicht übersehbaren Verdeutlichu ngstendenz und deutlichen Selbst- limitierung bestehe zweifellos eine anhaltende somatof orme Schmerzstörung. Zu bejahen sei eine gewisse affektive Mitbeteiligung sowie verschiedene psych osoziale Belastungsfaktoren. Hingegen lägen keinerlei Hinweise für eine eigentliche Aggravation oder Begehrlichkeit vor und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit auch kein bewusstseinsn aher Mechanismus, der den Schmerzen zugrunde liege. Zur affektiven Mitbeteiligu ng sei festzuhalten, dass zwischen den subjektiven Angaben der Explorandin, die zunächst eine depressive Störung suggerierten, und den objektiven Untersuchungsbefunden eine nicht unerheb liche Diskrepanz bestünde. Aus den im Verlaufe der Untersuchung gemachten Angaben der Explorandin gehe hervor, dass sie nicht derart pauschal beeinträchtigt sei, wie sie zunächst jewe ils mitgeteilt habe. Es müsse von einer deutlichen Selbstlimitierung im Sinne einer ausgeprägten Verdeutlichung ausgegangen werden. Vor diesem Hintergrund sei vorliegend primär auf die objektiven Untersuchungsbefunde abzu- stellen. Diese würden vereinzelte affektlabile Einbrü che und eine maximal leicht depressiv aus- gelenkte Grundstimmung aufzeigen. Eine depressive Störun g könne nicht diagnostiziert wer- den. Die Explorandin habe auch nie in ambulanter psychia trischer Behandlung gestanden und nehme keine Antidepressiva ein. Andere psychiatrische Diagnosen lägen nicht vor, insbesonde- re bestünde bei stabilen beruflichen und privaten Bezie hungsgestaltungen keine Persönlich- keitsstörung. Auch anlässlich der aktuellen Untersuchung h abe sie keine interaktionellen Schwierigkeiten gezeigt. Das von der Explorandin beschri ebene halluzinatorische Phänomen, vor dem Schlafengehen Schritte zu hören, die sie an Sold aten erinnerten, sei nicht Ausprägung einer psychotischen Symptomatik, sondern vielmehr Ausdruck einer gewissen psychosozialen Belastungssituation, wie dies auch in der Fachliteratur erkannt werde. Zu den Funktionsfähig- keiten aus psychiatrischer Sicht sei festzustellen, dass die Expl orandin sich nicht sozial zurück- gezogen habe; vielmehr habe sich ihr sozialer Kreis in der Schweiz stets auf Kontakte innerhalb der Verwandtschaft beschränkt. Da es überdies an einer psychiatrischen Komorbidität fehle und die Explorandin nicht in psychiatrischer Behandlung stehe, seien die Foerster-Kriterien klar nicht genügend erfüllt, so dass ihr aus psychiatrischer Sicht eine vollumfängliche aktive Wil- lensanstrengung zugemutet werden könne, ihre Körperschmerzen zu überwinden. 5.3 Der Psychologe lic. phil. E.____ führte in seinem S chreiben vom 27. April 2015 aus, dass die Versicherte seit dem 16. Januar 2015 bei ihm i n Behandlung sehe. Erstmals habe sie Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihn zusammen mit ihrem Bruder aufgesucht, der ihn bereits seit Jahren kenne. Die von der Ver- sicherten beschriebenen Halluzinationen erinnerten ihn inhaltlich stark an diejenigen, die der an Schizophrenie leidende Bruder erlebt habe. Mittlerwei le habe er die Patientin fünfmal gesehen. Er sei mit PD Dr. C.____ einig, dass primär eine anhal tende somatoforme Schmerzstörung mit Tendenz zur Symptomausweitung vorliege. Im Gegensatz zu PD Dr. C.____ sehe er aber die Foerster-Kriterien der psychiatrischen Komorbidität und des Verlustes der sozialen Integration als erfüllt an. Er würde zumindest von einer leichten depressiven Störung ausgehen. Der Bruder der Patientin beschreibe ausserdem einen sozialen Rückzug innerhalb der Grossfamilie. 5.4 In seiner Stellungnahme vom 28. Mai 2015 stellte P D Dr. C.____ fest, dass lic. phil E.____ grundsätzlich die von ihm gestellten Di agnosen bestätigt habe. Die von Letzte- rem zusätzlich diagnostizierte leichte depressive Störung stü tze sich hauptsächlich auf die sub- jektiven Angaben der Explorandin, wie sie diese bereits in der gutachterlichen Untersuchung gemacht habe. Einen objektiven Untersuchungsbefund, de r diese Diagnose untermauern wür- de, finde sich auch bei lic. phil. E.____ nicht. Auch d ie Angaben zu den übrigen Foerster- Kriterien, namentlich zum sozialen Rückzug, divergierten nicht sonderlich von denjenigen in seinem Gutachten vom 24. Oktober 2014. Er halte somit sowohl an der Beurteilung der Psy- chodiagnostik als auch der Arbeitsfähigkeit im Gutachten fest. Es sei auch nicht nötig, die Ex- plorandin zu einer Verlaufsbegutachtung aufzubieten. 5.5 Mit Schreiben vom 7. Juni 2016 nahmen Dr. med. F. ____ und Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, des Regionalen Ärztlichen D ienstes (RAD) der Beschwerde- gegnerin eine Zusatzbeurteilung anhand der neuentwi ckelten bundesgerichtlichen Indikatoren vor. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefoch tenen Verfügung vom 13. Juni 2016 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts vol lumfänglich auf die Gutachten der Dres. D.____ und C.____ vom 20. Januar 2014 respektive 24 . Oktober 2014 sowie die Ein- schätzung der RAD-Ärzte vom 7. Juni 2016 ab. Sie ging dem zufolge davon aus, dass der Ver- sicherten eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 100% zumutbar sei. Wie unter Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl ässigkeit der Expertise sprechen. Sol- che Indizien liegen vorliegend nicht vor. Die Gutachten der Dres. D.____ und C.____ beruhen auf eingehenden Untersuchungen der Versicherten und be rücksichtigten auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte. Zudem gehen sie einlässlich auf die Beschwerden ein und vermitteln ein hinreichendes Bild über den Gesu ndheitszustand der Versicherten. Es wird deutlich, dass die Versicherte nebst einer chronischen Schmerzsymptomatik einerseits im Sinne eines weichteilrheumatischen Ganzkörperschmerzsyndroms, andererseits im Sinne einer Brachialgie beidseits keine weiteren Beschwerden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufweist. Vor diesem Hintergrund ist auch die fachärztliche Einschä tzung der Arbeitsfähigkeit nachvoll- ziehbar begründet. Demnach ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin adaptierte, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht leichte bis gelegentlich mittelschwere körperliche Täti gkeiten, welche das Anforderungsprofil von Dr. D.____ berücksichtigen, zu 100% ausüben kann. Ins gesamt ist die Beurteilung in den rheumatologischen und psychiatrischen Gutachten sowohl in d er Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Sc hlussfolgerungen überzeugend. Die Gutachten lassen eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu, weshalb die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage darauf grundsätzlich abstellen durfte. 6.2 Daran vermögen auch die Vorbringen der Beschwerd eführerin nichts zu ändern. In Bezug auf das psychiatrische Gutachten von PD Dr. C.____ v om 24. Oktober 2014 bringt sie insbesondere vor, dass dieses als veraltet angesehen wer den müsste. Seit der Begutachtung habe sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert und sie habe sich erstmals in psychiatrische Behandlung begeben müssen, weil sie den Alltag ohne är ztliche Hilfe nicht mehr habe bewälti- gen können. Zwar sind die Gutachten der Dres. D.____ un d C.____ mehr als eineinhalb Jahre vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung ergangen, e ntgegen der Auffassung der Be- schwerdeführerin bestehen indessen keine Anhaltspunkte da für, dass sich ihr Gesundheitszu- stand zwischenzeitlich in massgeblicher Weise verschlechtert hat. So spricht die Aufnahme einer psychotherapeutischen Behandlung nicht für sich all eine für das Vorliegen einer Arbeits- unfähigkeit. Wie PD Dr. C.____ in seiner Stellungnahm e vom 28. Mai 2015 feststellt, entspricht der vom behandelnden Psychologen im April 2015 erhobe ne objektive Befund ausserdem im Wesentlichen demjenigen des Gutachtens vom 24. Oktober 2 014. Die abweichenden Diagno- sen und Einschätzungen des behandelnden Psychologen stütze n sich hauptsächlich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin. PD Dr. C.__ __ hatte aber bereits im Gutachten vom 24. Oktober 2014 ausführlich und überzeugend darge legt, weshalb nicht primär auf diese Angaben abgestellt werden könne. Von einem zwischenzeitl ich veränderten Gesundheitszu- stand kann nach dem Ausgeführten nicht ausgegangen werden. 6.3 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, dass das Gutachten von PD Dr. C.____ noch vor dem am 3. Juni 2015 gefällten Leitentscheid des Bu ndesgerichts erging und dieser folglich die Zumutbarkeit anhand der Foerster-Kriterien geprü ft und keine Indikatorenprüfung im Sinne der Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 ff. vorgenommen habe. 6.3.1 Dazu ist zunächst festzuhalten, dass gemäss altem Verf ahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert verlieren. Vielm ehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegeben heiten und den erhobenen Rügen ent- scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorh andenen Beweisgrundlagen vor Bun- desrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die n unmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administ- rativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit wei- teren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurte ilung im Lichte der massgeblichen Indi- katoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 309 E. 8). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2 Vorliegend ist eine schlüssige Prüfung der massgebe nden Standardindikatoren ge- stützt auf das Gutachten von PD Dr. C.____ möglich und ei ne weitere medizinische Abklärung dementsprechend – wie nachfolgend aufgezeigt wird – n icht angezeigt. 6.3.2.1 Vorab kann unter der Kategorie "funktioneller Schweregrad" betreffend den (ersten) Indikatorenkomplex "Gesundheitsschädigung" festgestellt werden, dass PD Dr. C.____ die Kar- dinalkriterien der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung als erfüllt erachtet. Indessen geht aus dem Gutachten hervor, dass die Beschwerdeführerin a us rein psychiatrischer Sicht nicht in ihrer Funktions- oder Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist . Die Beschwerdeführerin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden jüngeren Kindern in einem Hau s. Sie steht jeden Morgen gegen sieben Uhr auf und bereite das Frühstück zu. Danach begleitet sie ihre Tochter zur Schule. Wieder zu Hause, trinkt sie einen Kaffee und legt sich nochmals hin. Anschliessend erledigt sie einige Haushaltsarbeiten, wobei ihr Ehemann und der Sohn i hr abends und an den Wochenenden jeweils helfen. Sie bereitet für sich und die jüngeren beiden Kindern jeweils ein Mittagessen zu. Nachmittags begleitet sie die Tochter auf dem Schulweg und holt diese auch wieder ab. An- schliessend macht sie mit ihr die Hausaufgaben. Das Abend essen wird mithilfe ihrer Familien- mitglieder zubereitet. Die Beschwerdeführerin gibt an, gern zu lesen und gelegentlich fernzuse- hen. Sie könne täglich der Körperpflege nachgehen und kleide sich selbstständig an. Sie fährt selbst Auto und reist einmal im Jahr in die Türkei. Die Beschwerdeführerin führt aus, dass sie ausserhalb der Familie keine Kontakte habe, jedoch noc h nie ein Mensch gewesen sei, der auf soziale Kontakte grossen Wert lege. Der Alltag der Beschw erdeführerin erscheint aufgrund die- ser Schilderungen eventuell eher passiv, aber nicht beein trächtigt. Hinweise auf Aggravation oder Begehrlichkeit werden von PD Dr. C.____ explizit ver neint, hingegen weist er auf ver- schiedene Diskrepanzen in den Angaben der Beschwerdeführe rin sowie auf eine „nicht über- sehbare Verdeutlichungtendenz“ und eine deutliche Selb stlimitierung hin. Die Beschwerdefüh- rerin steht erst seit Januar 2015 in psychotherapeutische r Behandlung, wobei aufgrund des Berichtes des behandelnden Psychologen lic. phil. E.____ unklar ist, inwiefern eine psychiatri- sche, insbesondere antidepressive, Medikation eingenommen wird. Berufliche Massnahmen wurden aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung als sinnlos erachtet. Bezüglich der körperlichen Beschwerden scheinen die therapeutischen Massn ahmen ausgeschöpft zu sein (vgl. Gutachten Dr. D.____ vom 20. Januar 2014, S. 25 sowie Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. G.____ vom 7. Juni 2016, S. 6). Betreffend den I ndikator der "Komorbidität" ist zunächst darauf hinzuweisen, dass gestützt auf die neue Rechtsprec hung des Bundesgericht der psychi- schen Komorbidität kein Vorrang mehr zukommt (BGE 141 V 300 E. 4.3.1.3). Neu sind auch körperliche Erkrankungen bei der Beurteilung zu berücksichtigen. Vorliegend liegen aus psychi- atrischer Sicht keine eigentlichen Diagnosen vor. In so matischer Hinsicht ist die chronische Schmerzsymptomatik einerseits im Sinne eines weichteilrheum atischen Ganzkörper- schmerzsyndroms, andererseits im Sinne einer Brachialgie be idseits, linksbetont unter Einbe- zug der Hände beidseits, linksbetont, zu erwähnen. Insg esamt ist die Komorbidität jedoch nicht als erheblich einzuschätzen. 6.3.2.2 Im zweiten Indikatorenkomplex sind die persönli chen Ressourcen zu prüfen. Aus dem Gutachten von PD Dr. C.____ geht hervor, dass die kognit iven Ressourcen der Beschwerde- führerin in der Bandbreite der Norm sind. Sie zeigt so wohl privat als auch beruflich stabile Be- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ziehungsgestaltungen; auch in der Untersuchung haben sich keine interaktionelle Schwierigkei- ten gezeigt. Bloss im Rahmen vereinzelter affektlabil er Einbrüche hat sich anlässlich der Unter- suchung eine leicht depressive Grundstimmung gezeigt, anson sten war die Grundstimmung euthym, ohne Affektverarmung, mit guter affektiver Schw ingungsfähigkeit. PD Dr. C.____ er- kannte verschiedene objektiven Parameter, die für eine gute innerpsychische Vitalität sprächen. Eine Affektpathologie hat nicht festgestellt werden können. Zwar zeigte die Beschwerdeführerin im formalen Denken eine gewisse Einengung auf ihre k örperlichen Schmerzen, ansonsten hat sich aber keine Verlangsamung, Gedankensperrung oder s onstige Unauffälligkeit gezeigt. Im inhaltlichen Denken zeigte sie einen guten Bezug zur Re alität und zum Gutachter. Insgesamt scheinen die persönlichen Ressourcen damit nicht eingeschränkt zu sein. 6.3.2.3 Neben den Komplexen "Gesundheitsschädigung" un d "Persönlichkeit" bestimmt auch der soziale Kontext mit darüber, wie sich die (kausal al lein massgeblichen) Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung konkret manifestieren. Hierbei ist eine Abgrenzung der psychoso- zialen und der soziokulturellen Kriterien vorzunehmen, welche als invaliditätsfremd auch weiter- hin unbeachtlich bleiben. In diesem Zusammenhang sind vo rliegend allenfalls die fehlenden Kontakte ausserhalb der Familie zu erwähnen. Ausserdem ist aufgrund divergierenden Anga- ben der Beschwerdeführerin nicht vollends deutlich, wie konfliktfrei die Beziehung zum Ehe- mann ist. Weiter ist aber zu beachten, dass die Beschwerde führerin innerhalb ihrer Familie und Verwandtschaft gut verankert zu sein scheint. Nach ihren e igenen Angaben hat die Beschwer- deführerin auch nie grossen Wert auf soziale Kontakte ausserhalb dieses Kreises gelegt. Sie lebt in einer Familiengemeinschaft mit dem Ehemann u nd der jüngeren Kindern. Der Kontakt zum ältesten Sohn scheint gut zu sein und sie hat regelm ässigen Kontakt zu ihren Geschwis- tern. 6.3.2.4 Nachdem der "funktionelle Schweregrad" anhand der Indikatoren geprüft worden ist, ist als nächster Schritt eine Konsistenzprüfung unter Berücksic htigung der gleichmässigen Ein- schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Le bensbereichen und dem behand- lungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leid ensdruck vorgenommen. Die Be- schwerdeführerin nimmt Schmerzmittel sowie ein Psychopharm aka zum Schlafen ein. Ausser- dem steht sie in psychotherapeutischer Behandlung. Andere therapeutische Hilfe nimmt sie nicht in Anspruch. Eine Einschränkung der Beschwerdeführ erin in ihrem Alltag ist letztlich nicht ersichtlich. Aufgrund der Indikatoren ist daher insgesamt eine wesentliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit nicht plausibel. Vielmehr ist davon a uszugehen, dass die Beschwerdeführe- rin über erhebliche Ressourcen verfügt, welche auch im Erwerbsbereich verwertbar erscheinen. Das Gutachten vom 24. Oktober 2014 gibt genügend Aufsch luss über die massgeblichen Indi- katoren, die gemäss neuer Rechtsprechung zu berücksichtigen si nd. Damit ist aber auch die Zumutbarkeitsbeurteilung im Gutachten von PD Dr. C.____ nachvollziehbar, der die Beschwer- deführerin in einer körperlich angepassten Tätigkeit als 100% arbeitsfähig erachtete. Nach dem Ausgeführten kann vollumfänglich auf die Ausführungen von PD Dr. C.____ abgestellt werden. 6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeg egnerin ihren Entscheid zu Recht auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. D.____ und C.____ abstellte und davon aus- ging, dass der Beschwerdegegnerin eine Verweistätigkei t zu 100% zumutbar ist. Lässt die vor- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht handene Aktenlage nach dem Gesagten eine zuverlässige Beurteilung des massgebenden me- dizinischen Sachverhalts zu, so ist dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin, wonach weite- re medizinische Abklärungen vorzunehmen seien, nicht statt zugeben. Der Anspruch auf rechtli- ches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stelle n, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen An- spruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsa- che erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemä sser Beweiswürdigung zur Überzeu- gung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, ka nn auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Bew eiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 64 E . 3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7.1 In Bezug auf die Einschätzung der Invalidität krit isiert die Beschwerdeführerin ferner die Wahl der Bemessungsmethode. Sie bringt vor, dass sie aus finanziellen Gründen im Ge- sundheitsfall in einem Vollzeitpensum tätig wäre und die gemischte Methode somit nicht zur Anwendung zu gelangen habe. Für den Fall, dass die In validität trotzdem unter Berücksichti- gung der Einschränkungen im Aufgabenbereich zu bestimme n sei, sei festzustellen, dass der von der Beschwerdegegnerin eingeholte Abklärungsbericht zum Haushalt nicht beweistauglich sei. Insbesondere gehe der Abklärungsdienst faktisch davon a us, dass der Ehemann und die Kinder die gesamte Haushaltsführung übernähmen, was die Grenzen der familiären Unterstüt- zungspflicht überschreite. 7.2 Wie in Erwägung 2.6 hiervor ausgeführt, richtet sich die Frage, ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig einzu stufen ist, danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine ge sundheitliche Beeinträchtigung be- stünde. Die Argumente der Beschwerdeführerin für eine vollschichtige Erwerbstätigkeit sind nicht vollends unbegründet. Die Frage nach der vorlieg end anzuwendenden Bemessungsme- thode kann indessen vorliegend offen gelassen werden. Au fgrund der beweiskräftigen Aussa- gen der begutachtenden Fachärzte zur Arbeitsfähigkeit (vgl. E. 6 hiervor) und dem von der Be- schwerdegegnerin vorgenommenen – und von der Beschwerde führerin zu Recht nicht bean- standeten – Einkommensvergleich ist nämlich auch bei der An wendung der allgemeinen Me- thode von einem Invaliditätsgrad von 20.88% auszugehen. Selbst bei Anwendung der für die Beschwerdeführerin günstigeren Methode resultiert folg lich kein rentenbegründender Invalidi- tätsgrad. Damit kann auch die Frage nach der Beweistau glichkeit des Abklärungsberichtes und der Anwendbarkeit der gemischten Methode unter Berücksichtigung des Urteils Nr. 7186/09 des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 2. Febru ar 2016 in Sachen Di Trizio c. Schweiz offengelassen werden. 8. Nach dem Ausgeführten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Beschwerde- gegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat. Die angefoch- tene Verfügung vom 13. Juni 2016 erweist sich als korrekt und die Beschwerde ist folglich ab- zuweisen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 800.– festgesetzt werden, ihr zu aufer- legen sind. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorsch uss verrechnet. Die ausserordentli- chen Kosten sind entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss von Fr. 800.– verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht