<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">364</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>77</b></span> <span class="ft2"><b>Meldepflicht gemäss Art. 6 EntsG; Arbeitgebereigenschaft im Sinne des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Entsendegesetzes.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bezweckt die Übertragung von Arbeitsverhältnissen einzig die Umgehung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Entsendevorschriften, so fehlt es dem zivilrechtlichen Arbeitgeber an</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Arbeitgebereigenschaft im Sinne des Entsendegesetzes (E. II./3.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ein Verstoss gegen die Meldepflicht ist auch dann zu bejahen, wenn eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(natürliche oder juristische) Person, die vortäuscht, Arbeitgeber im Sinne</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Entsendevorschriften zu sein, eine entsprechende Meldung bei der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zuständigen kantonalen Behörde veranlasst (E. II./4.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 11. Juni</span><br/> <span class="ft3">2010 in Sachen K.R. betreffend Verstoss gegen Entsendevorschriften</span><br/> <span class="ft3">(1-BE.2009.15).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 3.1.</span><br/> <span class="ft1">Mit dem [Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenos-</span><br/> <span class="ft1">senschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren</span><br/> <span class="ft1">Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeits-</span><br/> <span class="ft1">abkommen, FZA) vom 21. Juni 1999] wird bezweckt, die Erbringung</span><br/> <span class="ft1">grenzüberschreitender Dienstleistungen zu erleichtern und insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere hinsichtlich kurzzeitiger Dienstleistungen zu liberalisieren</span><br/> <span class="ft1">(Art. 1 lit. b FZA). Mit dieser Formulierung wird gleichzeitig klarge-</span><br/> <span class="ft1">stellt, dass die Dienstleistungsfreiheit nicht in vollem Umfang einge-</span><br/> <span class="ft1">führt werden soll, namentlich nicht soweit es um Dienstleistungen</span><br/> <span class="ft1">geht, die während längerer Zeit bzw. dauernd erbracht werden sollen.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund dieser Zielsetzung des Freizügigkeitsabkommens er-</span><br/> <span class="ft1">scheint es zwar grundsätzlich zulässig, wenn ein Dienstleistungser-</span><br/> <span class="ft1">bringer, der seine 90 bewilligungsfreien Tage im betreffenden Ka-</span><br/> <span class="ft1">lenderjahr aufgebraucht hat, Arbeitnehmer entlässt und diese Arbeit-</span><br/> <span class="ft1">nehmer - soweit sie selber noch über bewilligungsfreie Tage verfü-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">365</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen - von einem anderen Arbeitgeber für die verbleibenden Tage in</span><br/> <span class="ft1">einen Vertragsstaat entsandt werden. Ein solches Vorgehen kann in-</span><br/> <span class="ft1">dessen dann keinen Rechtsschutz beanspruchen, wenn die Übertra-</span><br/> <span class="ft1">gung der Anstellungsverhältnisse einzig dazu dienen soll, die 90-Ta-</span><br/> <span class="ft1">ge-Regel von Art. 5 Abs. 1 FZA zu umgehen.</span><br/> <span class="ft1">3.2. Wie die Vorinstanz im angefochtenen Einspracheentscheid</span><br/> <span class="ft1">vom 9. März 2009 zutreffend festgehalten hat, bestehen in casu ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedene Indizien, die auf das Vorliegen eines Umgehungstatbestan-</span><br/> <span class="ft1">des hinweisen.</span><br/> <span class="ft1">So fällt etwa die Gründung der Einzelfirma des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers zeitlich zusammen mit dem Aufbrauchen der bewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">freien Tage durch die M.R. GmbH. Der M.R. GmbH wurde im An-</span><br/> <span class="ft1">schluss an die Meldung vom 16. Juni 2008 durch das Migrationsamt</span><br/> <span class="ft1">eröffnet, dass die maximale Höchstdauer überschritten werde und die</span><br/> <span class="ft1">Meldung nochmals gekürzt eingegeben werden müsse. Am 4. Juli</span><br/> <span class="ft1">2008 meldete der Beschwerdeführer daraufhin bei der Bundesagen-</span><br/> <span class="ft1">tur für Arbeit seinen neuen Betrieb mit Sitz in B. an.</span><br/> <span class="ft1">Während bei der Anmeldung der neuen Firma des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers als Tätigkeitsgebiet "Raumausstattung" angegeben wurde,</span><br/> <span class="ft1">erledigte das Unternehmen in der Folge offenbar ebenso wie die</span><br/> <span class="ft1">M.R. GmbH Malerarbeiten. Zwischen den beiden Unternehmen be-</span><br/> <span class="ft1">steht folglich Branchenidentität.</span><br/> <span class="ft1">Auch in personeller Hinsicht sind die beiden Unternehmen auf-</span><br/> <span class="ft1">fallend eng miteinander verbunden. Bei K.R., dem Inhaber der Firma</span><br/> <span class="ft1">K.R., R.F., handelt es sich um den Vater von R.R., dem Geschäfts-</span><br/> <span class="ft1">führer der M.R. GmbH. Vater und Sohn wohnen ferner an der glei-</span><br/> <span class="ft1">chen Adresse, wo sich gleichzeitig der Firmensitz der M.R. GmbH</span><br/> <span class="ft1">befindet. Die M.R. GmbH wirbt zudem im Briefkopf ihres Schrei-</span><br/> <span class="ft1">bens vom 23. Juli 2008 damit als "Familienbetrieb über 27 Jahre im</span><br/> <span class="ft1">Dienst der Kunden" zu stehen. Die M.R. GmbH wurde indessen erst</span><br/> <span class="ft1">im Jahre 2002 gegründet und bezieht sich mit der angegebenen Jahr-</span><br/> <span class="ft1">zahl offensichtlich auf das durch den Beschwerdeführer im Jahre</span><br/> <span class="ft1">1981 gegründete ursprüngliche Einzelunternehmen "Malerbetrieb</span><br/> <span class="ft1">K.R., D.". Die weitgehende personelle Identität der beiden Unterneh-</span><br/> <span class="ft1">men wird weiter dadurch bestätigt, dass die beiden Anwaltsvoll-</span><br/> <span class="ft1">machten vom 29. August 2008 und vom 4. November 2008 dieselbe</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">366</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Unterschrift tragen, die offenbar von R.R., dem Sohn des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers, stammt.</span><br/> <span class="ft1">Im Weiteren bestehen ernsthafte Zweifel, ob der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer von seinem offiziellen Sitz der Einzelfirma in B. - zumindest</span><br/> <span class="ft1">im fraglichen Zeitraum - überhaupt irgendwelche geschäftliche Tä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeiten entfaltete. Zwar legte er im Verlauf des Verfahrens einen am</span><br/> <span class="ft1">30. Juni 2008 abgeschlossenen Mietvertrag für ein "Malerbüro" von</span><br/> <span class="ft1">15m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">Fläche zu einem Preis von monatlich EUR 144.80 netto vor</span><br/> <span class="ft1">und gab an, an diesem Ort eine Teilzeitangestellte während 28 Stun-</span><br/> <span class="ft1">den pro Woche zu beschäftigen. Sämtliche aktenkundige Korrespon-</span><br/> <span class="ft1">denz des Beschwerdeführers wurde indessen nicht von B., sondern</span><br/> <span class="ft1">von D. aus versandt. Im Weiteren verfügt der Beschwerdeführer in B.</span><br/> <span class="ft1">offenbar nicht über eine für die Führung eines Malerbetriebs erfor-</span><br/> <span class="ft1">derliche Betriebsstätte, an welcher das Material und die Werkzeuge</span><br/> <span class="ft1">gelagert werden könnten. Zudem wurden die Arbeitsverhältnisse der</span><br/> <span class="ft1">Arbeitnehmer A.B., F.B. und M.S. zwar zivilrechtlich von der M.R.</span><br/> <span class="ft1">GmbH auf den Beschwerdeführer übertragen und soll dessen Unter-</span><br/> <span class="ft1">nehmen im August 2008 gemäss eigenen Angaben über zwölf Ange-</span><br/> <span class="ft1">stellte verfügt haben. Diesbezüglich fällt jedoch auf, dass beispiels-</span><br/> <span class="ft1">wiese die beiden Arbeitnehmer A.B. und M.S. vom Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer lediglich zeitlich befristet, vom 9. Juli bis zum 10. Oktober 2008,</span><br/> <span class="ft1">angestellt wurden. In dieses Bild bloss zum Schein übertragener</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsverhältnisse fügt sich nahtlos ein, dass die angeblich durch</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer entsandten Arbeitnehmer bei der in K. durch-</span><br/> <span class="ft1">geführten Baustellenkontrolle vom 22. Juli 2008 noch immer die</span><br/> <span class="ft1">Arbeitskleidung der M.R. GmbH trugen. Trotz entsprechender Auf-</span><br/> <span class="ft1">forderung durch die Vorinstanz vom 12. Dezember 2009 vermochte</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer sodann keine Werkverträge für die in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz gemeldeten Einsätze vom 21. Juli bis zum 1. August 2008</span><br/> <span class="ft1">in K. und vom 16. bis zum 25. Juli 2008 in S. einzureichen, sondern</span><br/> <span class="ft1">nur diesbezügliche Wegbeschreibungen der in Deutschland domizi-</span><br/> <span class="ft1">lierten Sch.H. KG. Bei der letztgenannten Firma handelt es sich im</span><br/> <span class="ft1">Übrigen genau um jenes Unternehmen, für das die M.R. GmbH un-</span><br/> <span class="ft1">mittelbar zuvor in W. Malerarbeiten hatte ausführen wollen. Der</span><br/> <span class="ft1">fragliche Einsatz war jedoch offenbar daran gescheitert, dass die vor-</span><br/> <span class="ft1">gesehene Dauer die noch verbleibenden bewilligungsfreien Tage der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">367</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">M.R. GmbH überschritten hätte, was dieser im Anschluss an die ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechende Meldung vom 16. Juni 2008 durch das Migrationsamt</span><br/> <span class="ft1">mitgeteilt worden war.</span><br/> <span class="ft1">3.3. Bei dieser Sachlage ist es nicht zu beanstanden und keines-</span><br/> <span class="ft1">falls willkürlich, wenn sowohl das Migrationsamt als auch die Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz zum Schluss gelangten, dass die behauptete schlechte Auftrags-</span><br/> <span class="ft1">lage nicht der Grund für die Entlassung der Arbeitnehmer A.B., F.B.</span><br/> <span class="ft1">und M.S. war, sondern die Übertragung der entsprechenden Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">verhältnisse auf den Beschwerdeführer einzig dem Zweck diente, die</span><br/> <span class="ft1">Vorschriften über die Entsendung von Arbeitnehmerinnen und Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitnehmern zu umgehen. Der Beschwerdeführer kann somit nicht</span><br/> <span class="ft1">als Arbeitgeber im Sinne der Entsendevorschriften betrachtet werden.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1. Gemäss Art. 6 Abs. 1 [des Bundesgesetzes über die mini-</span><br/> <span class="ft1">malen Arbeits- und Lohnbedingungen für in die Schweiz entsandte</span><br/> <span class="ft1">Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und flankierende Massnahmen</span><br/> <span class="ft1">(Entsendegesetz, EntsG) vom 8. Oktober 1999] muss der Arbeitgeber</span><br/> <span class="ft1">der zuständigen kantonalen Behörde vor Beginn des Einsatzes</span><br/> <span class="ft1">schriftlich die für die Durchführung der Kontrollen notwendigen An-</span><br/> <span class="ft1">gaben melden, insbesondere die Identität der in die Schweiz entsand-</span><br/> <span class="ft1">ten Personen (lit. a), die in der Schweiz ausgeübte Tätigkeit (lit. b)</span><br/> <span class="ft1">sowie den Ort, an dem die Arbeit ausgeführt wird (lit. c). Der Arbeit-</span><br/> <span class="ft1">geber ist jedoch - wie bereits erwähnt (vgl. E. II/1.3) - von der Mel-</span><br/> <span class="ft1">depflicht befreit, wenn die Einreise der entsandten Arbeitnehmerin-</span><br/> <span class="ft1">nen und Arbeitnehmer in die Schweiz einem migrationsrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Bewilligungsverfahren unterliegt (Art. 7 Abs. 1 [der Verordnung über</span><br/> <span class="ft1">die in die Schweiz entsandten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer</span><br/> <span class="ft1">(Entsendeverordnung, EntsV) vom 21. Mai 2004]). Bei Verstössen</span><br/> <span class="ft1">gegen die Meldepflicht von Art. 6 EntsG kann die zuständige kanto-</span><br/> <span class="ft1">nale Behörde eine Verwaltungsbusse bis Fr. 5'000.-- aussprechen,</span><br/> <span class="ft1">wobei Art. 7 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsstrafrecht</span><br/> <span class="ft1">(VStR) vom 22. März 1974 anwendbar ist (Art. 9 Abs. 2 lit. a</span><br/> <span class="ft1">EntsG). Gestützt auf Art. 9 Abs. 2 lit. c EntsG können dem fehlbaren</span><br/> <span class="ft1">Arbeitgeber die Kontrollkosten ganz oder teilweise auferlegt werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Meldepflicht von Art. 6 EntsG ist ausschliesslich an den</span><br/> <span class="ft1">"Arbeitgeber" gerichtet. Da jedoch Sinn und Zweck der Meldepflicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">368</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ist, die für die Kontrollen notwendigen Angaben zu erhalten</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Art. 6 Abs. 1 EntsG) und auch Falschmeldungen von Drittper-</span><br/> <span class="ft1">sonen die Durchführung solcher Kontrollen erschweren bzw. gar</span><br/> <span class="ft1">verunmöglichen können, ist davon auszugehen, dass es sich bei</span><br/> <span class="ft1">Art. 6 in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 lit. a EntsG nicht um ein ech-</span><br/> <span class="ft1">tes Sonderdelikt handelt. Der objektive Tatbestand des Melde-</span><br/> <span class="ft1">pflichtverstosses kann daher nicht nur vom tatsächlichen Arbeitgeber</span><br/> <span class="ft1">erfüllt werden, der seiner Meldepflicht nicht oder verspätet nach-</span><br/> <span class="ft1">kommt bzw. falsche Angaben macht. Vielmehr ist ein Meldepflicht-</span><br/> <span class="ft1">verstoss namentlich auch dann zu bejahen, wenn eine (natürliche</span><br/> <span class="ft1">oder juristische) Person, die vorgibt, Arbeitgeber im Sinne der Ent-</span><br/> <span class="ft1">sendevorschriften zu sein, eine entsprechende Meldung bei der zu-</span><br/> <span class="ft1">ständigen kantonalen Behörde veranlasst, obwohl es ihr an der erfor-</span><br/> <span class="ft1">derlichen Arbeitgebereigenschaft fehlt.</span><br/> <span class="ft1">In subjektiver Hinsicht muss die Nicht- oder Falschmeldung zu-</span><br/> <span class="ft1">dem - wie bei allen Verwaltungssanktionen (vgl. Marcel Alexander</span><br/> <span class="ft1">Niggli/Christof Riedo, Verwaltungsstrafrecht, in: Verwaltungsstraf-</span><br/> <span class="ft1">recht und sanktionierendes Verwaltungsrecht, Isabelle Häner/Bern-</span><br/> <span class="ft1">hard Waldmann [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, S. 54) - schuldhaft</span><br/> <span class="ft1">erfolgt sein. Gestützt auf Art. 7 VStR kann jedoch darauf verzichtet</span><br/> <span class="ft1">werden, diejenige natürliche Person zu ermitteln, welche - vorsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich oder fahrlässig - gegen die Meldepflicht verstossen hat, wenn</span><br/> <span class="ft1">dies Untersuchungsmassnahmen bedingen würde, die mit Blick auf</span><br/> <span class="ft1">die auszufällende Strafe unverhältnismässig wären; statt dessen kann</span><br/> <span class="ft1">die juristische Person, die Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft</span><br/> <span class="ft1">oder die Einzelfirma zur Bezahlung der Busse verurteilt werden.</span><br/> <span class="ft1">Wirken mehrere (effektive oder vorgeschobene) Arbeitgeber bei</span><br/> <span class="ft1">einem Meldepflichtverstoss vorsätzlich zusammen, so können so-</span><br/> <span class="ft1">wohl derjenige Arbeitgeber, der die Falschmeldung eingibt, als auch</span><br/> <span class="ft1">sein Mittäter sanktioniert werden (vgl. zu den allgemeinen Strafbar-</span><br/> <span class="ft1">keitsvoraussetzungen des Mittäters: Stefan Trechsel/Marc Jean-Ri-</span><br/> <span class="ft1">chard-dit-Bressel, in: Stefan Trechsel et al., Schweizerisches Straf-</span><br/> <span class="ft1">gesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, vor Art. 24</span><br/> <span class="ft1">N 10 ff.; Stefan Flachsmann/Andreas Eckert/Bernhard Isenring, Ta-</span><br/> <span class="ft1">feln zum Strafrecht, Allgemeiner Teil, 5. Auflage, Zürich/Basel/Genf</span><br/> <span class="ft1">2008, S. 46 f.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">369</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4.2. Der Beschwerdeführer (oder eine andere in seinem Namen</span><br/> <span class="ft1">handelnde Person) hat die Arbeitnehmer A.B., F.B. und M.S. mit</span><br/> <span class="ft1">elektronischer Meldung vom 11. Juli 2008 (sowie den identischen</span><br/> <span class="ft1">Meldungen vom 17. und 18. Juli 2008) der zuständigen kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Behörde als von ihm entsandte Personen für einen Einsatz in K. vom</span><br/> <span class="ft1">21. Juli bis zum 1. August 2008 gemeldet, obwohl er - wie eben ge-</span><br/> <span class="ft1">zeigt wurde (vgl. E. II/3.2) - nicht als Arbeitgeber im Sinne der Ent-</span><br/> <span class="ft1">sendevorschriften betrachtet werden kann. Mit diesem Verhalten hat</span><br/> <span class="ft1">er objektiv gegen die Meldepflicht verstossen.</span><br/> <span class="ft1">4.3. Es ist zudem davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer (oder eine in seinem Namen handelnde Person) mit Wissen und</span><br/> <span class="ft1">Willen gegen die Meldepflicht verstossen hat. Die gesamten Um-</span><br/> <span class="ft1">stände des vorliegenden Falles deuten darauf hin, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer mit der M.R. GmbH planmässig zusammengewirkt hat, um</span><br/> <span class="ft1">das Migrationsamt durch die Meldung von A.B., F.B. und M.S. als</span><br/> <span class="ft1">entsandte Arbeitnehmer des Beschwerdeführers über die Einhaltung</span><br/> <span class="ft1">der 90 Tage-Regel von Art. 5 Abs. 1 FZA zu täuschen. Diese</span><br/> <span class="ft1">Schlussfolgerung rechtfertigt sich insbesondere vor dem Hinter-</span><br/> <span class="ft1">grund, dass die Firmengründung des Beschwerdeführers und die</span><br/> <span class="ft1">Übertragung der Arbeitsverhältnisse der erwähnten Arbeitnehmer auf</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer unmittelbar nach der Mitteilung des Migra-</span><br/> <span class="ft1">tionsamtes an die mit dem Beschwerdeführer personell eng ver-</span><br/> <span class="ft1">knüpfte M.R. GmbH erfolgte, mit welcher dieser eröffnet worden</span><br/> <span class="ft1">war, dass die bewilligungsfreien Tage für das Kalenderjahr 2008 mit</span><br/> <span class="ft1">der letzten Meldung vom 16.</span> <span class="ft1">Juni 2008 überschritten würden</span><br/> <span class="ft1">(vgl. E. II/3.2). Auf ein planmässiges Vorgehen weist im Übrigen</span><br/> <span class="ft1">auch hin, dass die M.R. GmbH bereits bei früherer Gelegenheit zu-</span><br/> <span class="ft1">sammen mit dem Beschwerdeführer - damals noch als Inhaber der</span><br/> <span class="ft1">Einzelfirma K.R. mit Sitz in D. - versucht hatte, die Behörden durch</span><br/> <span class="ft1">die Meldung von Arbeitnehmern auf unterschiedlichen Arbeitgeber-</span><br/> <span class="ft1">konten zu täuschen und deshalb mit Verfügung des Migrationsamtes</span><br/> <span class="ft1">vom 12. September 2007 (E 2007-676) wegen Verstosses gegen die</span><br/> <span class="ft1">Entsendevorschriften rechtskräftig gebüsst werden musste.</span><br/> <span class="ft1">Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle anzufügen, dass</span><br/> <span class="ft1">es für die Frage, ob der Beschwerdeführer schuldhaft gegen die Mel-</span><br/> <span class="ft1">depflicht verstossen hat, letztlich unerheblich ist, ob er - wie von ihm</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">370</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">geltend gemacht - erst am 22. Juli 2008 davon erfuhr, dass der Ein-</span><br/> <span class="ft1">satz der von ihm gemeldeten Arbeitnehmer A.B., F.B. und M.S. in K.</span><br/> <span class="ft1">bereits am 16. Juli 2008 verweigert worden war.</span><br/> <span class="ft1">4.4. Da die Einzelfirma des Beschwerdeführers ihr Geschäfts-</span><br/> <span class="ft1">domizil im Ausland hat und Untersuchungsmassnahmen im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">der grenzüberschreitenden Rechtshilfe zu erfolgen hätten, ist es vor-</span><br/> <span class="ft1">liegend sodann nicht zu beanstanden, wenn nicht ermittelt wurde, ob</span><br/> <span class="ft1">die Falschmeldung durch den Beschwerdeführer persönlich oder eine</span><br/> <span class="ft1">andere, in seinem Namen handelnde Person veranlasst wurde. Ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf Art. 7 VStR durften das Migrationsamt und die Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">in dieser Konstellation auf entsprechende Untersuchungsmassnah-</span><br/> <span class="ft1">men verzichten und die Verwaltungsbusse dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">auferlegen, unter dessen Namen die Arbeitnehmer A.B., F.B. und</span><br/> <span class="ft1">M.S. zur bewilligungsfreien Dienstleistungserbringung in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz gemeldet wurden.</span><br/> <span class="ft1">4.5. Nach dem Gesagten ist es grundsätzlich nicht zu beanstan-</span><br/> <span class="ft1">den, wenn dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 9 Abs. 2 lit. a</span><br/> <span class="ft1">EntsG wegen Verstosses gegen die Meldepflicht von Art. 6 EntsG</span><br/> <span class="ft1">eine Verwaltungsbusse sowie gestützt auf Art. 9 Abs. 2 lit. c EntsG</span><br/> <span class="ft1">die Kontrollkosten auferlegt wurden. [...]</span><br/></div> </div> </body> </html>