<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 89 S.343</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">343</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>89</b></span> <span class="ft2"><b>Kapitalabfindung für wiederkehrende Leistungen (§ 44 StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>§ 44 StG ist nur auf Kapitalleistungen anzuwenden, die an die Stelle</b></span><br/> <span class="ft2"><b>periodischer Leistungen treten und nach dem normalen Lauf der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Dinge ordentlicherweise auch durch periodische Zahlungen abgegol-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ten werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">18. Dezember 2003 in Sachen S. + A.W., RV.2003.50254/ K 9009</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">344</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. Der Rekurrent erzielte im Jahr 2002 aus unselbstständiger</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit bei der X. einen Bruttolohn von Fr. 273'325.--</span><br/> <span class="ft1">(Nettolohn II Fr. 256'734.--). Darin ist eine Treueprämie von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 50'000.-- enthalten. Der Rekurrent will, dass die Treueprämie</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 44 StG besteuert wird, weil diese für eine dreijährige Peri-</span><br/> <span class="ft1">ode (es musste vom 1. Januar 2000 bis zum 31. Dezember 2002 ein</span><br/> <span class="ft1">Anstellungsverhältnis bestanden haben) ausbezahlt worden sei. Die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz lehnt eine Besteuerung unter Anwendung von § 44 StG</span><br/> <span class="ft1">ab, weil es sich bei der Treueprämie nicht um eine Kapitalabfindung</span><br/> <span class="ft1">für wiederkehrende Leistungen (wie bspw. Renten) handle.</span><br/> <span class="ft1">4. a) § 44 StG lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft7">" Gehören zu den Einkünften Kapitalabfindungen für wiederkehren-</span><br/> <span class="ft7">de Leistungen, wird die Einkommenssteuer unter Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft7">übrigen Einkünfte zu dem Steuersatz berechnet, der sich ergäbe, wenn an</span><br/> <span class="ft7">Stelle der einmaligen Leistung eine entsprechende jährliche Leistung ausge-</span><br/> <span class="ft7">richtet würde."</span><br/> <span class="ft1">b) § 44 StG stimmt inhaltlich (weitgehend; vgl. zulässige Abzü-</span><br/> <span class="ft1">ge) mit Art. 37 DBG überein, so dass die dazu ergangene Literatur</span><br/> <span class="ft1">und Rechtsprechung herbeigezogen werden kann.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Lange Zeit wurden unter Kapitalabfindungen für wieder-</span><br/> <span class="ft1">kehrende Leistungen nur Vermögenszugänge verstanden, die dazu</span><br/> <span class="ft1">dienen, einen gesetzlichen, statutarischen, vertraglichen oder testa-</span><br/> <span class="ft1">mentarischen Anspruch abzugelten, der mit der Erbringung dieser</span><br/> <span class="ft1">wiederkehrenden Leistungen sukzessive untergeht. Nach dieser Be-</span><br/> <span class="ft1">trachtung können Kapitalabfindungen nur künftige Leistungen be-</span><br/> <span class="ft1">treffen und nur in Erfüllung einer den periodischen Leistungen zu-</span><br/> <span class="ft1">grunde liegenden Stammschuld ausgerichtet werden. Die Kapitalab-</span><br/> <span class="ft1">findungen betreffen somit die Erfüllung von Ansprüchen auf Renten,</span><br/> <span class="ft1">Pensionen und andere dauernde Lasten (vgl. E. Känzig, Die Eidge-</span><br/> <span class="ft1">nössische Wehrsteuer [Direkte Bundessteuer], I. Teil, 2. Auflage, Ba-</span><br/> <span class="ft1">sel 1982, Art. 40 N 5; Agner/Jung/Steinmann, Kommentar zum Ge-</span><br/> <span class="ft1">setz über die direkte Bundessteuer, Zürich 1995, Art. 37 N 2).</span><br/> <span class="ft1">Von dieser engen Auslegung der Kapitalabfindungen für wie-</span><br/> <span class="ft1">derkehrende Leistungen ist man in letzter Zeit abgekommen. So</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">345</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">werden Kapitalabfindungen für Lidlohnansprüche ausdrücklich als</span><br/> <span class="ft1">Kapitalabfindungen für wiederkehrende Leistungen anerkannt, ob-</span><br/> <span class="ft1">schon sie Leistungen abgelten, die in der Vergangenheit entstanden</span><br/> <span class="ft1">sind (KS der EStV vom 30. April 1980). Die EStV begründet diese</span><br/> <span class="ft1">Sonderbehandlung mit dem besonderen Charakter und der wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Funktion dieser Leistungen sowie mit der Progression,</span><br/> <span class="ft1">die für den Empfänger zu einer unverhältnismässigen steuerlichen</span><br/> <span class="ft1">Belastung führt. Diese Überlegungen rechtfertigen, auch andere Ar-</span><br/> <span class="ft1">ten von Kapitalabfindungen, bei denen die Verpflichtung bzw. der</span><br/> <span class="ft1">Anspruch in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegt, der Sonder-</span><br/> <span class="ft1">regelung zu unterwerfen. In der Literatur wird denn auch überwie-</span><br/> <span class="ft1">gend die Meinung vertreten, eine Kapitalabfindung für wiederkeh-</span><br/> <span class="ft1">rende Leistungen könne auch in der Vergangenheit begründete An-</span><br/> <span class="ft1">sprüche abgelten (z. B. Lohnnachzahlungen; vgl. M. Zweifel/</span><br/> <span class="ft1">P. Athanas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone</span><br/> <span class="ft1">und Gemeinden, Basel 1997, Art. 11 N 33 ff.; M. Zweifel/</span><br/> <span class="ft1">P. Athanas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/2a, Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgesetz über die direkte Bundessteuer, Basel 2000, Art.</span> <span class="ft1">37</span><br/> <span class="ft1">N 10 ff.).</span><br/> <span class="ft1">In einem Grundsatzurteil vom 5. Oktober 2000 hat das Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gericht festgehalten, dass für die Auslegung und Anwendung von</span><br/> <span class="ft1">Art. 37 DBG die Praxis zum bisherigen Recht (Art. 40 BdBSt) nicht</span><br/> <span class="ft1">unbesehen übernommen werden kann. Eine Änderung ergibt sich</span><br/> <span class="ft1">namentlich daraus, dass als Kapitalabfindungen für wiederkehrende</span><br/> <span class="ft1">Leistungen im Sinn von Art. 37 DBG unter bestimmten Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zungen auch einmalige Vermögenszugänge gelten können, mit denen</span><br/> <span class="ft1">aufgelaufene, d.h. in der Vergangenheit begründete Teilleistungen</span><br/> <span class="ft1">abgegolten werden. Solche Kapitalabfindungen kommen jedoch nur</span><br/> <span class="ft1">dann in den Genuss der nach Art. 37 DBG privilegierten Besteuerung</span><br/> <span class="ft1">zum Rentensatz, wenn - dem Wesen der betreffenden Leistungen ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend - ordentlicherweise eine periodische Ausrichtung vorgese-</span><br/> <span class="ft1">hen gewesen wäre und diese ohne Zutun des berechtigten</span><br/> <span class="ft1">Steuerpflichtigen unterblieben ist. Sind derart geschuldete Teilleis-</span><br/> <span class="ft1">tungen vorenthalten worden, sodass sie gar nicht periodengerecht</span><br/> <span class="ft1">versteuert werden konnten, wäre es unbillig, die nachträgliche Kapi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">346</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">talabfindung zusammen mit dem übrigen Einkommen zum vollen</span><br/> <span class="ft1">Satz zu besteuern und den berechtigten Empfänger dadurch steuer-</span><br/> <span class="ft1">rechtlich zu bestrafen. Demgegenüber wäre eine Steuersatzermässi-</span><br/> <span class="ft1">gung dort nicht gerechtfertigt und auch nicht sachgerecht, wo die</span><br/> <span class="ft1">Ausrichtung einer Kapitalabfindung anstelle periodischer Teilleistun-</span><br/> <span class="ft1">gen und der Auszahlungszeitpunkt von der Wahl der Beteiligten</span><br/> <span class="ft1">abhängen (BGE vom 5. Oktober 2000, in: StR 2001 S. 23 ff. = ASA</span><br/> <span class="ft1">70 S. 210 ff. = StE 2001 B 29.2 Nr. 7; vgl. auch M. Reich, Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Bundesgesetz über die</span><br/> <span class="ft1">Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Basel 2002, Art. 11 N 33 ff.).</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss dem Schreiben der X. vom April 2002 wurde der</span><br/> <span class="ft1">"Treuebonus" an jene Kaderangehörigen der Gruppe X. ausgeschüt-</span><br/> <span class="ft1">tet, die bereits am 1. Januar 2000 bei der Gruppe X. beschäftigt wa-</span><br/> <span class="ft1">ren und auch noch am 1. Januar 2003 in einem ungekündigten An-</span><br/> <span class="ft1">stellungsverhältnis mit der Gruppe X. standen. Da § 44 StG nur auf</span><br/> <span class="ft1">Kapitalleistungen anzuwenden ist, die an die Stelle periodischer Lei-</span><br/> <span class="ft1">stungen treten und nach dem normalen Lauf der Dinge ordentlicher-</span><br/> <span class="ft1">weise auch durch periodische Zahlungen abgegolten werden, hat die</span><br/> <span class="ft1">Vorinstanz die Anwendung von § 44 StG zu Recht verneint, weil die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung, dass am 1. Januar 2003 noch ein ungekündigtes An-</span><br/> <span class="ft1">stellungsverhältnis bestand, eine ordentlicherweise periodische Aus-</span><br/> <span class="ft1">richtung des Treuebonus (in den Jahren 2000 - 2002) geradezu aus-</span><br/> <span class="ft1">schloss. An dieser steuerrechtlichen Beurteilung vermag auch die</span><br/> <span class="ft1">Tatsache, dass der Treuebonus eine dreijährige Periode betrifft, unter</span><br/> <span class="ft1">den vorliegenden Umständen nichts zu ändern.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>