Obergericht des Kantons Zürich Geschäfts-Nr. SB100507/U/eh I. Strafkammer Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. P. Marti, Vorsitzender, die Ersatzoberrichter lic. iur. B. Gut und Dr. S. Mazan sowie der juristische Sekretär lic. iur. T. Walthert Urteil vom 9. Dezember 2010 in Sachen A. , Angeklagter und Appellant amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.__, gegen Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich, vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. Chr. Winkler, Neue Börse Selnau, Postfach, 8027 Zürich, Anklägerin und Appellatin sowie Geschädigte gemäss Anklageschrift betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc. und Widerruf Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 21. April 2010 (DG100002) - 2 - Aus den Erwägungen: […] III. Schuldspruch (bezüglich qualifizierter Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 6 in Verbindung mit Ziff. 2 lit. a BetmG) 1. Unbestrittener Sachverhalt Gemäss dem Sachverhalt, der in der Berufungsbegründung ausdrücklich aner- kannt wird (Urk. 24 S. 1), gelangte der nigerianische Drogenhändler C.__ (alias "M.__") im Mai 2009 mit dem Vorschlag an den Angeklagten, nach Buenos Aires zu reisen und für einen Kurierlohn von Fr. 10'000.– von dort ein Kilogramm Ko- kain nach Madrid zu transportieren. De r Angeklagte habe dam als in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt, insbesondere hab e er Schulden bei C.__ gehabt, da er selbst Drogenkonsument gewesen sei. Au s dieser eigenen Erfahrung mit Kokain habe er auch gewusst, dass es sich bei einem Kilo um eine Menge handle, wel- che eine gesundheitliche Gefahr für eine Vielzahl von Menschen darstelle. Trotz- dem habe er eingewilligt, denn er habe seine Schulden in der Höhe von Fr. 1'800.– bei C.__ begleichen und zudem noc h etwas Geld verdienen wollen. Er habe dann von C.__ für die Re ise nach Madrid einen Vorschuss von Fr. 900.– er- halten und sei alsdann am 18. Juni 2009 nach Madrid geflogen. Nach zwei Tagen in Madrid habe der Angeklagte einen Mann namens "D.__" getroffen, welcher ihm mitgeteilt habe, dass er nicht wie geplant nach Buenos Aires, sondern nach Rio de Janeiro reisen solle. Dort müsse er entweder einen Koffer mit Drogen über- nehmen oder aber ein Kilogramm Kokain schlucken und dieses anschliessend auf dem Luftweg wieder nach Madrid transportieren. Am 24. Juni 2009 sei der Ange- klagte dann tatsächlich via Lissabon nach Rio de Janeiro gereist (das Ticket und ca. € 1'500.– habe er von "D.__" erhalten) , um dort das Kokain zu übernehmen und es am 4. Juli 2009 zurück nach Madrid zu transportieren. In Rio angekom- men, habe es sich der Angeklagte dann aber anders überlegt und habe beschlos- sen, möglichst schnell in die Schweiz zurü ckzukehren. So sei er aus eigener Initi-- 3 - ative am 27./28. Juni 2009 ohne Betäubungsmittel im Gepäck wieder via Lissabon nach Genf geflogen. 2. Rechtliche Würdigung 2.1. Die Vorinstanz würdigte dieses Ve rhalten des Angeklagten als ein "Anstalten treffen" zum Betäubungsmittelhandel und sprach den Angeklagten diesbezüglich der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 6 in Verbindung mit Ziff. 2 lit. a BetmG schuldig. Der Angeklagte kritisiert in der Berufung, dass ihm keine Verhaltensweisen vorgewor- fen werden könnten, die nicht ebenso gut einem gesetzmässigen Zweck hätten dienen können, weshalb er nach der Rechtsprechung (BGE 117 IV 313) nicht hätte schuldig gesprochen werd en dürfen (Urk. 24 S. 1). We iter lässt er vorbrin- gen, dass seine Handlungen funktional zu wenig eng mit der eigentlichen Um- setzung des Drogenhandels verknüpft gewesen seien, weshalb die erkennbare Schwelle, welche wie beim Versuch auch für strafbare Vorbereitungshandlungen vorhanden sein müssten, noch nicht erreicht sei. Es fehle an der Nähe zur Ver- letzung des geschützten Rechtsgutes. Von der Erfüllung der Haupttat sei der Angeklagte sprichwörtlich meilenweit en tfernt gewesen, die Drogen seien - wenn überhaupt - weder in Argentinien noch in Brasilien gewesen, sondern in Chile. Der Angeklagte habe sich dann aber entschlossen, nicht nach Chile weiter zu reisen (Urk. 40 S. 1 f.). 2.2. Gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 6 BetmG macht sich strafbar, wer unbe- fugt Betäubungsmittel lagert, versendet, befördert, einführt, ausführt oder durch- führt, oder wer hierzu Anstalten trifft. Gemäss Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG liegt ein schwerer Fall vor, wenn der Täter weiss oder annehmen muss, dass sich die Widerhandlung auf eine Menge von Bet äubungsmitteln bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann. Nach der Rechtsprechung hat jede der in Art. 19 Ziff. 1 BetmG auf geführten Handlungen die Bedeutung eines selbständigen Straftatbestandes, so dass Täter ist und der vollen Straf- drohung untersteht, wer in eigener Person einen dieser gesetzlichen Tatbestände objektiv und subjektiv erfüllt ( BGE 133 IV 192 f. E. 3.2; BGE 119 IV 266 E. 3a - 4 - S. 269; BGE 118 IV 397 E. 2c S. 400; BGE 106 IV 72 E. 2b S. 73; BG 6B_894/2009 vom 19.1.2010 E. 1.2.1.). 2.2.1. Die allgemeinen Bestimmungen des Strafgesetzbuches finden auch im Betäubungsmittelstrafrecht Anwendung, soweit das Betäubungsmittelgesetz nicht selbst Bestimmungen aufstellt (Art. 26 Be tmG). Die allgemei nen Regeln über Täter und Teilnahme gelten daher grundsät zlich auch im Bereich der Betäu- bungsmitteldelikte (Peter Albrecht, Die Strafbestimmungen des Betäubungsmit- telgesetzes, 2. Aufl., Bern 2007, Art. 19 BetmG N 160). In diesem Zusammen- hang ist jedoch zu beachten, dass Art. 19 Ziff. 1 BetmG nahezu alle Unter- stützungshandlungen als selbständige Handlungen umschreibt. Aufgrund der hier gegebenen hohen Regelungsdich te besteht kein Bedür fnis, unterstützende Tat- beiträge über die Regeln der Mittäterscha ft, Anstiftung oder Gehilfenschaft in die eigentliche Tat einzubeziehen. Diese Dichte hat insbesondere eine starke Einschränkung des Anwendungsbereiches v on Art. 25 StGB (Gehilfenschaft) zur Folge ( BGE 118 IV 397 E. 2c S. 400). Gehilf ensc haft liegt nur vor, wenn die objektive Mitwirkung an der Tat eines anderen sich auf einen untergeordneten, vom Gesetz nicht als selbständiges Delikt erfassten Beitrag beschränkt (BGE 119 IV 266 E. 3a S. 268; BGE 113 IV 90 E. 2a S. 91). Gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG wird bestra ft, "wer hiezu Anst alten trifft" ("... celui qui prend des mesures à ces fins"; "... chiunque fa preparativi a questi scopi"), mithin wer Anstalten zu Handl ungen im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG trifft. Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG erfasst zum einen den Versuch von Handlungen im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG ( BGE 121 IV 198 E. 2a; anders noc h BGE 117 IV 309 E. 1a) und zum andern, darüber hinaus, gewiss e qualifizierte Vorbereitungshandlungen dazu als selb ständige Straftaten (BGE 133 IV 193 E. 3.2.; BGE 130 IV 131 E. 2.1 S. 135; BGE 121 IV 198 E. 2a S. 200; BGE 117 IV 309 E. 1a; BGE 106 IV 74 E. 3; Peter Albrecht, Kommentar zum Schweizerischen Strafrecht, Sonderband Betäubungsmittelstrafrecht, 1995, Art. 19 BetmG N. 115 ff.). Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG erlaubt die Bestrafung von Vorbereitungshandlungen, we lche der Täter zwecks Begehung eines Delikts gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG ausführt, soweit dieses tatbestandsmässig - 5 - nicht erfüllt ist. Die Bestimmung zielt nicht darauf ab, jede untergeordnete Hilfe- leistung von Dritten, welche die Begeh ung eines solchen Delikts fördert, als Haupttat zu erfassen (BGE 130 IV 131 E. 2.1; 115 IV 59 E. 3). Einen Versuch im Sinne von Art. 22 f. StGB kann nur begehen, wer nach seinem Plan die Straftat selber als Täter oder zusammen mit andern Personen als Mittäter verüben will. Eine n Versuch zur Straftat eines andern gibt es nicht. Ein Verhalten, welches zur Straftat eines ander n beiträgt, ist nicht ein Versuch dieser Tat, sondern kann nur als Teilnahme an der Tat, insbesondere in der Form der Gehilfenschaft, strafrechtlich erfasst werden. Entsprechendes gilt für Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG, der den Versuch von stra fbaren Handlungen im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG sowie gewisse q ualifizierte Vorbereitungshandlungen dazu als selbständige Straftaten erfasst. Im Sinne dieser Besti mmung kann nur der- jenige Anstalten treffen, wer nach seinem Plan eine Straftat gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG selber als Täter oder zusammen mit andern Personen als Mit- täter verüben will (Bernard Corboz, Les in fractions en droit suisse, Bd. II, 2002, Art. 19 LStup N. 47; vgl. auch BGE 115 IV 59 E. 3). Wer diesen Plan nicht hegt, trifft keine Anstalten z u einer Tat, da er diese weder versucht noch vorbereitet. Er ist allenfalls Gehilfe des andern, zu dessen Tat im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG er durch sein Verhalten beiträgt. Soweit sich aus BGE 112 IV 106 etwas anderes ergeben sollte, kann - so das Bundes gericht - daran nicht fest- gehalten werden (siehe auch Peter Albrech t, a.a.O., Art. 19 BetmG N 124 S. 72/73; BGE 130 IV 131 E. 2.2). Die vom Bundesgericht als Anstaltentreffen im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 Betm G beurteilten Sachverhalte betreffen denn auch ganz überwiegend Fälle, in denen der Beschuldi gte Vorbereitungshandlun- gen im Hinblick darauf vornah m, selber als Täter oder gemeinsam mit andern Personen als Mittäter eine Handlung im Sin ne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG auszuführen, etwa Betäubungsmittel zu erwerben, zu verkaufen oder zu transpor- tieren (siehe die Übersichten in BGE 117 IV 309 E. 1b sowie bei Peter Albrecht, a.a.O., Art. 19 BetmG N 124). Dieses Verständnis der Vorbereitungshand lung liegt übrigens auch Art. 260 bis StGB ("Strafbare Vorber eitungshandlungen") zu Grunde, wonach bestraft wird, - 6 - "wer ... Vorkehrungen trifft, der en Art und Umfang zeigen, dass er sich anschickt, eine der folgenden strafbaren Handlungen auszuführen...". 2.2.2. Bei einer Überpr üfung der Literatur und Rechtsprechung bezüglich der Frage, ob ein Verhalten eines Angek lagten nicht ebenso gut einem gesetz- mässigen Zweck dienen könnte, ergibt sich das Folgende: 2.2.2.1. Im Entscheid BGE 117 IV 309 ha t das Bundesgericht in Erwägung 1b verschiedene Konstellationen aufgeführt, in denen es fr üher - vor dem Entscheid BGE 117 IV 309 - ein Anstaltentreffen gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG bejaht hat, nämlich:  bei einer Täterin, die sich mit der Absicht des späteren Drogenverkaufs nach London begab, dort 1000 LSD-Tabletten erwarb und die Ware anschliessend in die Schweiz schm uggelte, wo sie sie plangemäss portionenweise verkaufen wollte (BGE 104 IV 40 ff.);  bei einem Täter, der eine ganze Rei he von Vorkehren traf, um das von ihm geplante Heroingeschäft durchzuf ühren; er fuhr von der Schweiz nach Deutschland, um die Adresse von Lieferanten ausfindig zu machen; er reiste nach Italien, um mit Abnehmern zu verhandeln; er investierte erheblich viel Zeit und Geld in wiederholten Reisen nach Deutschland, Griechenland, Italien und in die Türkei für Unterhandlun- gen über die Liefer- und Abnahm ebedingungen; er nahm bedeutende Geldmittel entgegen und offerierte den türkischen Partnern ent- sprechende Anzahlungen; schliesslich besichtigte er die in Plastik- säcken verpackte Ware (BGE 106 IV 74 f.);  bei einem Täter, der, um seine Schulden abzutragen, mit dem Gläubiger vereinbarte, Haschischhandel zu treiben, die dazu nötigen erheblichen Geldbeträge bereitstellen liess und eine weite Reise an einen ihm vertrauten Platz für Sc hwarzhandel mit Drogen unternahm (BGE 106 IV 431 ff.);  bei einem Täter, der zum Zweck der Abwicklung eines Rauschgiftge- schäfts ein Darlehen aufnahm (BGE 112 IV 47 f.);  bei einem Täter, der eine Handlung beging, die unmittelbar dazu be- stimmt war, reine Betäubungsmittel zu "strecken" oder schon verschnit- tene Betäubungsmittel weiter zu verdünnen, um sie so in den Handel zu bringen (BGE 112 IV 106 ff.);  bei einem Täter, der in der Absicht, in Amsterdam Heroin zu erwerben, in der Schweiz mehrere tausend Fr anken in holländische Gulden um- tauschte und in der Schweiz einen Zug nach Amsterdam bestieg; das Bundesgericht liess offen, ob der Umtausch einer grösseren Summe Schweizer Franken in holländische Gulden zum Zweck des - 7 - Betäubungsmittelerwerbs in Amsterdam für sich allein entsprechend der Aufnahme eines Darlehens zwecks Abwicklung eines Drogen- geschäfts bereits als Anstaltentreffen anzusehen gewesen wäre ( BGE 113 IV 91 ff.). Im gleichen Entscheid wies dann das Bundesgeric ht darauf hin, bei einer wörtlichen Auslegung des B egriffs des Anstaltentreffens würden darunter auch Verhaltensweisen fallen, die mit der ges ellschaftlichen Ordnung völlig in Einklang stünden und nicht darauf schliessen lies sen, dass der Täte r auf die Begehung einer strafbaren Handlung gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1 -5 BetmG hinarbeite. So könnte bereits als Vorbereitungshandlung betrachtet werden, dass jemand in der Absicht, sich zu einem Drogenumschlagplatz zu begeben und dort ein Betäubungsmittel zu erwerben, eine Tram fahrkarte löse oder mit dem Vorhaben, damit Drogen zu befördern, eine Tasche kauf e. Wäre - so das Bundesgericht im Entscheid BGE 117 IV 313 E. 1d - ein derar tiges Verhalten strafbar, bestünde die Gefahr, dass allein die Gesinnung zum Gegenstand der Strafverfolgung erhoben werde und sich in diesem Bereich das Tat- zum Täterstrafrecht entwickeln würde. Deshalb hielt das Bundesgericht fest, de r Tatbestand des Anstaltentreffens bedürfe einer Eingrenzung. Sein Anwend ungsbereich sei - wie oben bereits ausgeführt - auf jene Fälle zu beschränken, in denen das Verhalten des Täters nicht ebenso gut einem gesetzmässigen Zw eck dienen könnte, sondern seinem äusseren Erscheinungsbild nach seine deliktische Bestimmung klar erkennen lasse. Das sei beispielsweise der Fall, wenn sich der Täter mit der Absicht des Erwerbs von Betäubungsmitteln nach Be zugsquellen erkundige, nicht aber, wenn er im Hinblick auf den späteren Kauf von Betäubungsmitteln ein Sparkonto äufne. Dabei dürfe allein aus dem Sicherkundi gen nicht auf die Absicht geschlossen werden; diese Absicht müsse auf Grund weiterer beweismässig gesicherter Umstände festgestellt werden (BGE 117 IV 313 E. 1d). In der Folge hielt das Bundesgericht fest, der in BGE 117 IV 309 zu beurteilende Angeklagte habe gezielt Verbindungen zum Drogenmilieu gesu cht, um sich eine Bezugsquelle für Betäubungsmittel zu erschliessen, und jener Angeklagte habe auch ein bestimm- tes Verkaufsangebot entgegen genommen. Da mit habe er Handlungen ausge- führt, die nicht ebenso gut einem geset zmässigen Zweck hätten dienen können, sondern die Absicht des Kaufs und der Einfuhr von Drogen klar hätten erkennen - 8 - lassen. Das Bundesgericht räumte zwar ein, dass sich jene r Angeklagte um die Finanzierung des Drogenkaufs und um den Transport des Stoffes im einzelnen noch hätte kümmern müssen. Strafbare An stalten seien jedoch schon gegeben, bevor die Stufe des Versuchs erreicht sei. 2.2.2.2. Gustav Hug-Beeli (Betäubungsmitteldelikte 1983 - 1991, Zürich 1992) erwähnt verschiedene (vorab kantonale) Entscheide, in denen ein Anstaltentreffen bejaht wurde, wobei diese Entscheide vo r dem Bundesgerichtsu rteil 117 IV 309 ergangen sind:  bei einem Täter, der in der Schwei z den Entschluss gefasst hatte, am Transport einer grossen Menge Heroin aus Italien in die Schweiz mit- zumachen, wobei er sich nur deshalb als Fahrer samt Fahrzeug zur Verfügung stellte und die Fahrt nach Italien auch in die Tat umsetzte (Urteil der II. Strafkammer des Ober gerichts des Kantons Zürich vom 8. März 1983, bestätigt durch das Bundesgericht; Hug-Beeli, a.a.O., Fall 211 S, 60 f.);  nicht bei einem Täter, der in Ge sprächen ein bloss theoretische Geschäftsmöglichkeit abtastete (Hug-Beeli, a.a.O., Fall 213 S. 61 f.). 2.2.2.3. Gustav Hug-Beeli (Rechtsprechung zu den Betäubungsmitteldelikten seit 1991, Lachen/SZ und St. Gallen 1997) erwähnt weitere Fälle, in denen die Gerichte - und zwar nach dem Entscheid BGE 117 IV 309 - von einem Anstalten- treffen ausgegangen sind:  bei einem Täter, der einen Container für ei nen geplanten Haschisch- Transport telefonisch bestellt, sich beim "shipping agent" erkundigt und auch Geld im Betrag von rund Fr . 40'000.– von der Schweiz nach Italien überwiesen hatte, wobei es um den Transport von letztlich rund 500 bis 600 kg Haschisch von Pakistan in die Niederlande ging (Urteil der II. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Luzern vom 18. November 1993; Hug-Beeli, a.a.O., S. 24);  bei einem Händler, der nicht in der Lage war, das angebotene Quantum inner kürzester Zeit zu lie fern, weil Anstaltentreffen nicht vor- aussetzt, dass die vorbereitete Tat innert kürzester Frist vorgenommen werden kann, erfolgte eine Verurte ilung wegen Anstaltentreffens (Urteil des Strafkassationshofes des Kantonsgerichtes Freiburg vom 19. September 1994; Hug-Beeli, a.a.O., S. 24 f.). 2.2.2.4. Peter Albrecht (Kommentar zum schweiz. Strafrecht, Sonderband Betäubungsmittelstrafrecht, Bern 1995) weist auf weitere Entscheide hin, in denen - 9 - - allerdings noch vor dem Entscheid BGE 117 IV 309 - ein Anstaltentreffen bejaht wurde (N 124 zu Art. 19 BetmG):  bei einem Täter, der in der Schwei z den Entschluss gefasst hatte, am Transport von Heroin aus Italien in di e Schweiz mitzumachen, und sich dazu (schon in der Schweiz) als F ahrer samt Fahrzeug zur Verfügung stellte und die Fahrt nach Italien in die Tat umsetzte (Bundesgerichts- entscheid vom 19. August 1983; vgl. auch Hug-Beeli, a.a.O., Fall 212 S. 61);  bei einem Versuch, bei einem Sc hliessfach und anschliessend bei der Gepäckaufbewahrungsstelle im Haupt bahnhof Zürich einen Nylonsack mit ca. 4 kg Heroin erhältlich zu machen (BGE in plädoyer 5/1991, 66 f.; vgl. auch Hug-Beeli, a.a.O., Fall 215 S. 63 f.). 2.2.2.5. Fingerhuth/Tschurr (Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz, 2. Auf- lage, Zürich 2007) weisen - unter Hinwe is auf den Bundesgerichtsentscheid 6S.9/2002 vom 30. Januar 2003 - darauf hi n, dass der Entschluss zur Begehung eines (Betäubungsmittel-)Delikts kein endgü ltiger zu sein brauche, um von einem Anstaltentreffen ausgehen zu können. Im eben zitierten Entscheid des Bundesge- richts hatte der Täter einem Bekannten mi tgeteilt, ein Freund könne 10 kg Heroin verkaufen. Falls er interessiert sei, kö nne er das Heroin für ihn nehmen. Der Bekannte hatte in der Folge jedoch kein Interesse am Geschäft. Dennoch traf der fragliche Täter Anstalten im Sinne von Ar t. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG, auch wenn er noch nicht definitiv entschlossen war, ei n solches Vermittlungsgeschäft zu tätigen (Fingerhuth/Tschurr, a.a.O., N 95 zu Art. 19 BetmG). Die gleichen Autoren vertreten die Ansicht, wenn sich ein Täter nach Bezugs- quellen erkundige, er die Art der Grenzk ontrollen prüfe, er Kontakt mit dem Drogenmilieu aufnehme, so er fülle jede dieser mit der Absicht eines späteren Drogen(ver)kaufs begangenen Handlungen den Tatbestand des Anstalten- treffens. Das Gleiche gelte, wenn jemand zum Zwecke der Ein- oder Ausfuhr von Betäubungsmitteln Schmuggelverstecke in Au tos, in Kleidern etc. vorbereite (a.a.O.). 2.2.2.6. Im Entscheid 6S.380/2004 vom 11. Januar 2006 hielt das Bundes- gericht u.a. folgendes fest: "Im Telefongespräch vom 5. Juli 2000 vereinbarte der Beschwerdeführer mit dem Unbekannten ein Treffen an einem bestimmten Ort, wobei - 10 - der Unbekannte '25' (gemeint 25 g Kokain) zu Testzwecken haben wollte. Durch die telefonische Vereinbarung einer Zusammenkun ft an einem bestimmten Ort zu diesem Zweck traf der Beschwerdeführer Anstalten zum Verkauf von Betäubungsmitteln. Unerheblich ist, dass das vere inbarte Treffen nicht zustande kam, dass der Beschwerde- führer am fraglichen Tag keine Betäubungsmittel auf sich trug und dass im Falle des Zustandekommens des Treffens weitere K ontakte zwecks Übergabe des Betäubungs- mittels zu Testzwecken erforderlich gewesen wären. Der Beschwerdeführer, der unstreitig zuvor schon mehrfach Kokain, das er namentlich von A. bezogen hatte, an Unbekannte veräussert hatte, sah im Zeitpunkt des Telef ongesprächs im Unbekannten, mit dem er ein Treffen vereinbarte, einen potentiellen neuen Abnehmer von Kokain." 2.2.3. Im vorliegenden Fall trägt die zunächst geplante Reise nach Buenos Aires und die alsdann effektiv ausgef ührte Reise nach Rio de Janeiro alle äusseren Merkmale einer Drogenkurierreis e. Der Angeklagte erhielt zunächst einen Vorschuss von Fr. 900.– für die er ste Etappe seiner Reise von Zürich nach Madrid. In Madrid angekommen teilte ein Unbekannter dem Angeklagten mit, dass er neu via Lissabon nach Rio de Janeiro zu reisen habe, wofür ihm das ent- sprechende Flugticket und weiteres Bargel d zur Deckung der Reisespesen in der Höhe von ca. Euro 1'500.– übergeben wurden. Ihm wurde beschieden, dass er ca. 1 kg Kokain - entweder in einem Ko ffer oder durch Schlucken - von Rio de Janeiro nach Europa bringen müsse. Trotz dieser Vorgaben liess sich der Angeklagte darauf ein, von der urspr ünglich geplanten Reiseroute abzuweichen, indem es nicht wie ursprünglich vorges ehen von Madrid nach Buenos Aires ging, sondern über Lissabon nach Rio de Janeiro. Eine Reise nach Buenos Aires bzw. Rio de Janeiro ohne delikti schen Hintergrund (zu geschä ftlichen oder privaten Zwecken, z.B. Ferien) wir d ganz anders ablaufen als di e hier in Frage stehende Reise. Erstens wäre es sehr ungewöh nlich, wenn eine zunächst geplante Reise nach Buenos Aires nur mit einem Ticket nach Madrid angetreten wird, wo alsdann von einer bisher unbekannt en Person weitere Instrukt ionen für die Weiterreise entgegen genommen werden. Zweitens lässt auch die unerwartete Änderung des Reiseziels (neu Rio de Jane iro) und der Flugroute (via Lissabon), welche von der besagten unbekannten Person angeordnet wurde, auf ei nen deliktischen Zweck der Reise schliessen. Und dri ttens erscheint es reichl ich ungewöhnlich, wenn ein - 11 - unbekannten Mittelsmann das Flugticket nach Rio de Janeiro und überdies noch einen Barbetrag von Euro 1'500.– als Reisespesen zur Verfügung stellt. Der Vor- instanz hielt daher zu Recht fest, dass derjenige, der im Auftrag und mit dem Geld einer Drogenorganisation zunächst von Züri ch nach Madrid reist, dort von einem Unbekannten weitere Instruktionen und we iteres Geld entgegen nimmt und als- dann auf dessen Anweisung nicht nach Buenos Aires, sondern über Lissabon nach Rio de Janeiro weiterreist, keinen gesetzlichen Zweck verfolgen kann (Urk. 21. S. 14). Vielmehr lässt das gesamte äussere Erscheinungsbild der zunächst geplanten Reise nach Buenos Aire s und der effektiv getätigten Reise nach Rio de Janeiro die deliktische Bestimmung der Reise klar erkennen. Auch wenn der Angeklagte nach seiner Ankunft in Rio de Janeiro aus eigenem Antrieb beschloss, vor der geplant en Entgegennahme der Betäubungsmittel wieder in die Schweiz zurückzukehren, ha tte er durch die soeben beschriebene Reise mit deliktischem Hintergrund bereits im Sinne von Art. 19 Abs. 1 Ziff. 6 BetmG zum Drogenhandel "Anstalten getro ffen". Denn neben dem äusseren Erscheinungsbild ist insbesondere auch entscheidend, was jemand wollte. Die Ausgestaltung der Reise des Angeklagten entsprach jedenfalls vollkommen seiner und des Drogenhändlers Intention zum Drogenhandel. 2.2.4. Für den Fall, dass sein Verhal ten wider Erwarten unter den Tatbestand des Anstaltentreffens im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 Betm G falle sollte, machte der Angeklagte sodann geltend, dass nur von einer versuchten Tatbe- gehung und von einem Rücktritt aus eigenem Antrieb (Art. 23 StGB) auszugehen sei (Urk. 24 S. 1; Urk. 40 S. 2). Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG wird bestraft, wer zu den in Abs. 1-5 genannten Taten Anstalten trifft. Wie bereits dargelegt, werden damit sowohl der Versuch im Sinne von Art. 22 f. StGB sowie gewisse qualifizierte Vorbereit ungshandlungen - schon vor der Stufe des Versuchs - zu den in Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG genannten Taten vom "Anstalten treffen" erfasst und zu selb ständigen Delikten mit derselben Strafan- drohungen wie die übrigen nach Art. 19 Be tmG verbotenen Verhaltensweisen aufgewertet (BGE 121 IV 198 E. 2a S. 200; Fingerhuth/Tschurr, Kommentar zum - 12 - Betäubungsmittelgesetz, Zürich 2007, N. 93 zu Art. 19 BetmG). Wenn das Anstaltentreffen zu den in Art. 19 Zi ff. 1 Abs. 1-5 BetmG genannten Handlungen nach der Konzeption des Betäubungsmitte lgesetzes ein volle ndetes - und eben nicht ein versuchtes - Delikt ist, kann ke in Versuch vorliegen. Wer Anstalten trifft, hat das tatbestandsmässige Handeln bereits vollendet. Damit fällt aber eine Strafmilderung - oder gar ein Absehen von einer Bestrafung - zufolge Rücktritts (Art. 23 StGB) von Vornherein ausser Betracht. 2.3. Im Übrigen wird zu Recht nicht bestritten, dass unter Berücksichtigung der Drogenmenge (1 kg Kokain), bezüglich welc hem der Angeklagte Anstalten traf zu einer nach Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 BetmG verbotenen Handlung, ein schwerer Fall im Sinn von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG vorliegt. Nach dem ausdrücklich anerkann- ten Sachverhalt wusste der Angeklagt e aus eigener Erf ahrung als Kokain- konsument, dass mit dieser Drogenmenge eine gesundheitliche Gefährdung für eine Vielzahl von Menschen einher gehen würde. 3. Ergebnis Aus diesen Gründen ist der Schul dspruch der Vorinstanz insofern zu bestätigten, als der Angeklagte der qualifiziert en Widerhandlung gegen das Betäubungs- mittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 6 in Verbindung mit Ziff. 2 lit. a BetmG schuldig gesprochen wurde. IV. Sanktion 1. Anwendbar es Recht 1.1. Am 1. Januar 2007 ist der revidierte Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches in Kraft getreten. Der Angeklagte hat di e eingeklagten Taten nach dem 1. Januar 2007 begangen, mit Ausnahme der unter Anklageziffer B eingeklagte Veruntreu- ung eines Sportwagens "Ferrari 360 Spider". Diese Tat beging der Angeklagte am 20./21. Juli 2006. Diesbezüglich stellt sich die Frage des anwendbaren Rechts. - 13 - 1.2. Grundsätzlich wird na ch dem neuen Recht nur derjenige beurteilt, der nach dessen Inkrafttreten ein Delikt begangen ha t (Art. 2 Abs. 1 StGB). Ist das neue Recht allerdings milder, als das im Tatzeitpunkt geltende, kommt auch diesbezüg- lich das neue Recht zur Anwendung (Art. 2 Ab s. 2 StGB). Dabei ist nach der konkreten Methode (d.h. nach den Auswir kungen im konkreten Anwendungsfall) vorzugehen (Popp/Levante, Basler Kommentar StGB I, 2. Auflage, Basel 2007, N 10 zu Art. 2 StGB). 1.3. Im vorliegenden Fall ist im Zusa mmenhang mit der Sanktion namentlich zu berücksichtigen, dass die Vorinstanz die von ihr ausgefällte Freiheitsstrafe teilweise (im Umfang von 22 Monaten) auf schob und im Übrigen (im Umfang von 11 Monaten) den Vollzug der St rafe anordnete. Ein (teil) bedingter Vollzug einer Freiheitsstrafe von dieser Dauer, die von der Vorinstanz unter anderem auch wegen der unter der Geltung des früher en Rechts begangenen Veruntreuung der "Ferrari 360 Spider" verhängt wurde, wäre unter dem früheren Recht nicht denkbar gewesen. Da, wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, diese teilbe- dingte Freiheitsstrafe heute zu bestätigen ist, erweist sich das neue Recht daher als das mildere, weshalb uneingeschränkt das geltende Recht anzuwenden ist. 2. Strafzumessungskrit erien im Allgemeinen 2.1. Da die Verteidigung die Strafzume ssung der Vorinstanz rügt, sind die allge- meinen Prinzipien vorweg noch einmal einlässlich zu umschreiben. Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB misst das Gericht di e Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Di e Bewertung des Verschul- dens wird in Art. 47 Abs. 2 StGB dahinge hend präzisiert, dass dieses nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Bewe ggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt wird, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden. Nach Art. 50 StGB hat das Gericht die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung festzuhalten. - 14 - Das Bundesgericht hat in neuesten Entscheiden die Regeln zur Strafzumessung modifiziert und in Grundsatzentscheide n das nachfolgend skizzierte Model vorgegeben (BGE 6B_865/2009 vom 25. März 2010; BGE 6B_238/2009 vom 8. März 2010 und BGE 6B_323/ 2010 vom 23. Juni 2010, E. 2, je mit Hinweisen). Die Ausführungen des Bundesgerichts we rden ergänzt durch weitere Strafzu- messungskriterien, auf welche das Bundes gericht nicht näher eingegangen ist, die sich indessen aus der Literatur und der weiteren Rechtsprechung des Bundesgerichts ergeben. 2.2. Ausgehend von der objektiven Tat schwere hat der Richter dieses Ver- schulden zu bewerten. Er hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Der Gesetz- geber hat einzelne Kriterien aufgeführt, we lche für die Verschuldenseinschätzung von wesentlicher Bedeutung sind und a llenfalls bewirk en können, das Ver- schulden als derart gering einzustufen, dass eine Strafe unt erhalb des ordentli- chen Strafrahmens geboten ist. So trifft et wa - neben einer allfällig verminderten Schuldfähigkeit - denjenigen ein geringerer Schuldvorwu rf, dem lediglich eventu- alvorsätzliches Handeln anzulasten ist (A rt. 12 Abs. 2 StGB). Das StGB selbst erwähnt verschiedene Umstände, die das Verschulden reduzieren können: Wenn der Täter aus achtenswerten Beweggründen, in schwerer Bedrängnis oder unter dem Eindruck einer schweren Drohung gehandelt hat; ebenso wenn sein Handeln durch eine Person, der er Gehorsam schuldet oder von der er abhängig ist, veran- lasst worden ist (Art. 48 lit. a StGB). Im gleichen Sinne ist von einem minderen Verschulden auszugehen, wenn der Täter durch das Verhalten der verletzten Person ernsthaft in Versuchung geführt worden ist (Art. 48 lit. b), wenn er in einer heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser s eelischer Belastung (Art. 48 lit. c StGB) gehandelt hat. Ein reduziertes Versc hulden trifft auch denjenigen, der die Tat durch Unterlassung begeht (Art. 11 Abs. 4 StGB). Zu nennen sind schliesslich die entschuldbare Notwehr (Art. 16 Abs. 1 StGB) und der entschuldbare Notstand (Art. 18 Abs. 1 StGB), der vermeidbare Irrt um über die Rechtswidrigkeit (Art. 21 StGB), der Rücktritt (Art. 23 Abs. 1 StGB ) und die Gehilfenscha ft (Art. 25 StGB). In all diesen Fällen liegen Sachverhalts elemente vor, die sich verschuldensmin-- 15 - dernd auswirken, was zu einer milderen Strafe führt. Auf der anderen Seite sind Umstände denkbar, welche das Tatverschul den erhöhen und namentlich die we- gen der reduzierten Einsichts- bzw. Steuerungsfähigkei t des Täters geringere Schuld wieder auszugleichen vermögen. Zu erwähnen ist beispielsweise ein ver- werfliches Motiv. Weiter zu berücksichtigen sind das Ausma ss des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges (Deliktsbetrag, Gefährdung/Risiko, Sachschaden etc.), die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, das "Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Tä ter sowie die sogenannte Intensität des deliktischen Willens (Donatsch/Flachsman n/Hug/Weder, Schweizerisches Straf- gesetzbuch, 18.A., Zürich 2010, N11 zu Art. 47 StGB samt Zitaten). Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die Ent- scheidung gegen sie (BGE 6S.270/2006 vom 5. Sept ember 2006 E. 6.2.1., 6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 E. 2. und 6S .333/2004 vom 23. Dezember 2004, E. 1.1.; BGE 122 IV 241 und Pra 2001 S. 832 lit. a; St ratenwerth, Schweizeri- sches Strafrecht, AT II, 2.A., Bern 2006, S. 179 N 13; Schwei zerisches Strafge- setzbuch, Stefan Trechsel, Praxiskomment ar, Zürich/St. Gallen 2008, N 21 zu Art. 47 StGB). Auch die Grösse des Tatbeitrages (bei mehreren Tätern) und die hierarchische Stellung sind von Bedeutung (vgl. Hans Wiprächt iger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 69 ff. zu Art. 47 StGB ; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Züri ch/St. Gallen 2008, N 18 ff. zu Art. 47 StGB; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Sc hweizerisches Strafgesetzbuch, 18.A., Zürich 2010, N8 zu Art. 47 StGB samt Zitaten). In diesem Zusammenhang ist aber auch da s Doppelverwertungsverbot zu beach- ten. Umstände, die schon Merkmale des ge setzlichen Tatbestandes sind, dürfen nicht für die konkrete Strafzumes sungsentscheidung innerhalb des anzuwenden- den gesetzlichen Strafrahmens berücksichtigt werden - weder zu Lasten noch zu Gunsten des Täters. Denn die Tatbestandserfüllung als solche hat sich bereits im Eröffnen des gesetzlichen Strafrahmens niedergeschlagen und ist in ihrer Bedeu- tung für die Strafmassfindung insoweit verbraucht, sonst würde dem Täter der gleiche Umstand zwei Mal zur Last gelegt oder zu Gute gehalten. Der Richter ist - 16 - aber nicht gehindert zu berücksichtigen, in welchem Ausmass ein qualifizierender oder privilegierender Tatumstand gegeben is t (vgl. dazu Hans Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 77 zu Ar t. 47 StGB samt Verweisen; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 27 zu Art. 47 StGB). Es liegt im Ermessen des Sachrichters, in welchem Umfang er die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Das Gericht ist nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einz elnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt. Das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei vo n einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist. Hierauf ist in einem zw eiten Schritt innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, die diesem Verschulden entspricht. 2.3. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkomponenten (so wie wegen eines al lfälligen blossen Versuchs im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB) verändert werden. Zu den Täterkomponenten gehört auch das Nachtatverhalten eines Täters. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren (wie zum Beispiel Reue, Einsicht und Strafempfi ndlichkeit, vgl. dazu Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Prax iskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 22 zu Art. 47 StGB; Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 105 ff. zu Art. 63 aStGB und Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 109 Absatz 2 zu Art. 47 StGB). Ein Geständnis, das koop erative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Ei nsicht und Reue wirken strafmindernd (Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 107 zu Art. 63 aStGB und Wiprächti- ger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 130 und N 131 zu Art. 47 StGB). Aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts ergibt sich, dass nur ein ausgesprochen positives Nachtatverhalten zu einer erheblichen Strafreduktion führen kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Ge ständnis von allem Anfang an und aus - 17 - eigenem Antrieb, also nicht erst auf k onkrete Vorwürfe hin oder nach Vorhalt entsprechender Beweise. Die Berücksi chtigung von Geständnissen im Rahmen der Strafzumessung beruht hauptsächlich auf zwei Gründen. Zum einen kann das Geständnis (vorbehältlich seiner kritischen Prüfung im Rahm en der freien richter- lichen Beweiswürdigung) zur Vereinfac hung und Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen. Zum andern kann das Opfer bzw. die geschädig- te Partei durch die Schuldanerkenntnis de s Täters bereits eine gewisse immate- rielle Genugtuung erfahren. Ein Verzicht auf Strafmi nderung kann sich allenfalls aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafver folgung nicht erleichtert hat, weil die Täterschaft ohnehin bereits überführ t gewesen wäre. Bei umfangreichen und prozessentscheidenden Geständnissen kann die Strafreduktion nach der bundes- gerichtlichen Praxis hingegen bis zu einem Drittel betragen (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc S. 205). Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung dazu, beispielsweise wenn aufgrund de s Verhaltens eines Angek lagten weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechensc haft gezogen werden können, was ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich stellen auch Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue Strafminder ungsgründe dar. Nur wenn all diese Faktoren erfüllt sind, kann eine massgebliche Strafreduktion erfolgen. Fehlen einzelne Elemente, ist die Strafe entsprec hend weniger stark zu reduzieren. Ausgeschlossen ist ei ne Strafreduktion, wenn der Angeklagte lediglich einen erstinstanzlichen Schuldspruch akzeptiert und nicht anficht (vgl. BGE 6B_ 974/2009 vom 18. Februar 2010, E.5.4.). Mit der neu ins Gesetz aufgenommenen Formulierung (Art. 47 Abs. 1 StGB) wird letztlich die Strafempfindlichkeit eines Täters angesprochen. Es ist unbestritten, dass gewisse Täter vom Strafvollzug bes onders hart betroffen sein können, wes- halb eine solche besondere Strafempfindlic hkeit im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen ist. Üblicherweise wird dies bereits im Rahmen der persönli- chen Verhältnisse berücksichtigt, wobei sie sich bei genauer Betrachtung nicht auf das Verschulden bezieht, sondern auf das den Täter treffende Mass an Strafe. Das Bundesgericht (BGE 6S.703/1995 vom 26.3.1996) hat ausgeführt, die Strafempfindlichkeit und Strafempfänglichk eit fielen als strafmindernde Strafzu- messungsfaktoren nur in Betracht, wenn Abweichungen vom Grundsatz einer - 18 - einheitlichen Leidempfindlichkeit geboten sei en, wie etwa bei Gehirnverletzten, Schwerkranken, unter Haftpsychosen Lei denden oder Gehörlosen. Es gehe dar- um, Gleichheit in dem Sinne herzustellen, dass gleiches Verschulden mit einem gleichen Mass an Übelszuführung geahndet werde. Die Schwere dieses Übels könne auch von der persönlich en Situation des Betroffenen abhängen (Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 95 zu Art. 63 aStGB; Wiprächtiger im BSK StGB I, 2. Auflage, Basel 2007, N 117 ff. zu Ar t. 47 StGB). Das Bundes- gericht hatte sich auch mit der Frage der Relevanz der familiären Situation zu befassen. Im bereits zitierten Entschei d vom 26. März 1996 verneinte es eine zu einer Strafreduktion führende Strafempfindlichkeit infolge Verheiratung. Ein langer Strafvollzug werde zwar den Ehepartner hart treffen, doch sei dies eben eine unmittelbare Auswirkung einer unbedingt en Freiheitsstrafe. Im Entscheid 6S.5/2000 vom 21. Februar 2000 berücksi chtigte das Bundesgericht dann eine etwas erhöhte Strafempfindlichkeit aus fa miliären Gründen. Denn och bleibt fest- zuhalten, dass die Verbüssung einer langjährigen Freiheitsstrafe zwar für jeden in ein familiäres Umfeld eingebetteten Ange klagten mit einer gewissen Härte ver- bunden ist, dies als unmittelbar gesetzmä ssige Folge jeder Sanktion jedoch nur bei Vorliegen aussergewöhnlicher Um stände erheblich strafmindernd berück- sichtigt werden darf. In der Bevölkerung hat es als Normalfall zu gelten, (kriminell) nicht vorbestraft zu sein. Die Vorstrafenlosigkeit ist deshalb neutral zu behandeln, also bei der Straf- zumessung nicht zwingend strafmindernd zu berücksichtigen. Dies schliesst nicht aus, sie ausnahmsweise und im Einzelfall in die Gesamtbeurteilung der Täterper- sönlichkeit einzubeziehen, was sich allenfalls strafmi ndernd auswirken kann. Vor- ausgesetzt ist jedoch, dass die Straffreiheit auf eine aussergewöhnliche Gesetzestreue hinweist. Eine solche darf wegen der Gefahr ungleicher Behand- lung nicht leichthin angenommen werden, sondern hat sich auf besondere Umstände zu beschränken. Zu denken ist beispielsweise an den Berufschauffeur, der sich als Ersttäter wegen eines Strassenverkehrsdeliktes strafrechtlich zu ver- antworten hat, obschon er seit vielen J ahren täglich mit sei nem Fahrzeug unter- wegs ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6.3). - 19 - 2.4. Die tat- und täterangemessene Stra fe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkret en Umständen Rechnung zu tragen. Ent- gegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffassung wird der ordentliche Straf- rahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den übli- chen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. Zwar ist auch in der bundesgericht- lichen Rechtsprechung darauf hingewiesen worden, das Gesetz sehe eine Strafrahmenerweiterung vor. Damit sollte aber nur ausgedrückt werden, dass der Richter infolge eines Strafschärfungs- bz w. Strafmilderungsgrundes nicht mehr in jedem Fall an die Grenze des ordentlich en Strafrahmens gebunden ist. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verla ssen, wenn aussergew öhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint. Die Fr age einer Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens kann sich stellen, wenn ve rschuldens- bzw. strafreduzierende Faktoren zusammentreffen, di e einen objektiv an sich le ichten Tatvorwurf weiter relativieren, so dass eine Strafe i nnerhalb des ordentlic hen Rahmens dem Rechtsempfinden widerspräche. Dabei hat der Richter zu entscheiden, in welchem Umfang er den unt eren Rahmen wegen der besonderen Umstände erweitern will. Der vom Gesetzgeber vorgegebene ordentliche Rahmen ermöglicht in aller Regel, für eine einzelne Tat die an gemessene Strafe festzulegen. Er ver- setzt den Richter namentlic h in die Lage, die denkbaren Abstufungen des Ver- schuldens zu berücksichtigen. Die vermind erte Schuldfähigkeit allein führt des- halb grundsätzlich nicht dazu, den ordent lichen Strafrahmen zu unterschreiten. Dazu bedarf es weiterer ins Gewicht fallender Umstände, die das Verschulden als besonders leicht erscheinen lassen. Nur eine solche Betrachtungsweise vermag der gesetzgeberischen Wertung des Unre chtsgehaltes einer Straftat und damit letztlich der Ausgleichsfunktion (auch) des Strafrechts Rechnung zu tragen (Entscheid des Bundesgerichts vom 8. März 2010, 6B_238/2009, E. 5.8.). Hat der Täter durch eine oder mehrer e Handlungen die Vo raussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der - 20 - schwersten Straftat und erhöht sie angemess en. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhö hen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. Schliesslich ist die Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Strafta ten in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Der Richter hat mithin in einem ersten Schritt gedanklich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen, indem er alle diesbezüglichen stra ferhöhenden und strafm indernden Umstände einbezieht. In einem zweiten Schritt hat er die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu sanktionieren. Auch dort muss er den jeweiligen Umständen Rechnung tragen. Das Kumulationsprinzip, wonach für jedes einzelne Delikt eine Strafe fest- zusetzen ist und diese Strafen addiert wer den, ist somit nicht vorgesehen (Ent- scheide des Bundesgeric hts 6B_579/2008 vom 27. 12.2008, E. 4.2.2.; 6B_323/2010 vom 23.6.2010, E. 2.2. und 3.2.; 6B_86 5/2009 vom 25.3.2010, E. 1.2.2.). 3. Teilweise Zusatzstrafe / Strafrahmen 3.1. Wie die Vorinstanz richtig gesehen hat, wurde der Angeklagte mit Strafver- fügung der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 30. Juli 2007 wegen Fälschung von Ausweisen mit einer bedingten Geldstra fe von 20 Tagessätzen zu Fr. 300.– bestraft, wobei die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde. Mit Ausnahme der Veruntreuung eines Ferrari-Sportwagens (Anklageziffer B/1.), begangen am 20./21. Juli 2006, und der damit zusammenhängenden Irreführung der Rechts- pflege (Anklageziffer B/2.), begangen am 21 . Juli 2006, beging der Angeklagte alle übrigen Delikte nach der Verurteilung vom 30. Juli 2007. 3.2. Hat das Gericht eine Tat zu beurteile n, die der Täter begangen hat, bevor er wegen einer anderen Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die mehreren strafbaren Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Hat das Gericht - wie vorliegend - Straftate n zu beurteilen, die der Täter teils vor - 21 - und teils nach einer früheren Verurteilung begangen hat, so ist grundsätzlich eine Gesamtstrafe auszufällen. Bei deren Bildung hat das Gericht nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung wie folgt vorz ugehen: Wenn die vor dem ersten Ent- scheid verübte Tat schwerer wiegt, so ist hiefür eine - hypothetische - Zusatzstra- fe zum ersten Urteil auszu fällen und deren Dauer we gen der nach dem ersten Urteil begangenen Taten angemessen zu erhöhen. Wenn hingegen die nach dem ersten Urteil verübte Tat schwerer wiegt, so ist von der für diese Tat verwirkten Strafe auszugehen und deren Dauer weg en der vor dem ersten Urteil begange- nen Tat angemessen zu er höhen, und zwar unter Berücksichtigung des Um- stands, dass für diese frühere Tat eine - hy pothetische - Zusatzstrafe zum ersten Urteil auszufällen ist (BGE 115 IV 17 E. 5b/bb S. 25; Urteil des Bundesgerichts 6B_414/2009 vom 21. Juli 2009 E. 3. 4.3; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Komm entar, 18. A., Zürich 2010, N 12 ff. zu Art. 49 StGB). Die Rechtsprechung zur i dentischen Regelung nach Art. 68 aStGB bleibt massgebend (Urteil des Bundesger ichts 6B_28/2008 vom 10. April 2008 E. 3.3.2). Denkbar ist, dass mehrere Ta ten vor und nach einer früheren Verurtei- lung zu beurteilen sind. In diesem Fall ist grundsätzlich gleich vorzugehen, mit der Präzisierung, dass die mehreren Taten vor bzw. nach der früheren Verurteilung je zu einer Gesamtbeurteilung zusammengef asst werden. Das heisst: Zunächst muss das Gericht eine hypothetische Gesamt strafe für die nach der Verurteilung begangenen Taten festsetzen und alsdann eine hypothetische Gesamtstrafe für die vor der Verurteilung begangenen Taten. Die für die vor der Verurteilung be- gangenen Taten auszufällende Zu satzstrafe ergibt sich aus der Differenz der hypothetischen Gesamtstrafe und der bere its ausgefällten Strafe. Denkbar ist auch, dass es zu mehreren früheren Veru rteilungen gekommen ist. Dazu hält das Bundesgericht fest: "Bei mehreren früheren Verurteilungen ist in gleicher Weise vorzugehen. Allerdings ist jede ältere Tat mit der bzw. den Verurteilungen in Zusammenhang zu bringen, die der Tatverü bung nachfolgen. Denn ein Strafurteil muss sich grundsätzlich auf alle straf baren Handlungen erstrecken, die vor dem Urteil begangen wurden. Dies wird untermauert durch das Institut der Zusatz- strafe; aus ihm leitet sich ab, dass der Richter, der die zweite Verurteilung aus- spricht, immer der ersten Verurteilung Rechnung tragen muss, wenn dieser die - 22 - aufgedeckte Tat vorausging. Indem alte Taten mit der ihnen nachfolgenden Verur- teilung in Zusammenhang gebracht werden, wird es möglich, Straftatengruppen zu bilden. Um eine Gesamt strafe festzusetzen, wird die schwerste Tat (oder Tat- gruppe) ermittelt. Anschliessend wird die St rafe festgelegt, die die Zusatzstrafe bildet; dieser fügen sich die Strafen fü r die anderen Tatgruppen an, wobei sie für die älteren Gruppen wie Zusatzstraf en berechnet werden" (unv. BGE vom 10.09.1999, 6S.848/1998a, E. 1c/cc m. Hinw. auf den inhaltlich weitgehend iden- tischen BGE 116 IV 17 f.; vgl. auch unv. BGE vom 07.04.2006, 6S.22/2006, E. 4.1; Ackermann in BSK StGB I, Basel 2007, N 77 zu Art. 49 StGB). Das Vorgehen bei der Festsetzung der St rafe und die Anforderungen an die Begründung der Strafzumessung bei retr ospektiver Realkonkurrenz wurden vom Bundesgericht in mehreren Urteilen ausführ lich dargelegt und ständig präzisiert (vgl. nur BGE 132 IV 102 E. 8 f. und BGE 124 II 39 E. 3; BGE 121 IV 97 E. 2d/cc S. 102 f.; BGE 118 IV 119 E. 2, BGE 118 IV 269 E. 5 S. 276; BGE 116 IV 14; BGE 115 IV 17; BGE 109 IV 63 sowie Urteil des Bu ndesgerichtes 6S.22/2006 vom 7. April 2006, E. 4 f.). Es gelt en folgende Strafzumessungsgrundsätze: Mit der Zusatzstrafe ist die Differenz zwisch en der ersten Strafe , der Einsatz- oder Grundstrafe, und der Gesamtstrafe auszugleichen, die nach Auffassung des Richters bei Kenntnis der s päter beurteilten Straftaten ausgefällt worden wäre. Oder mit anderen Worten: Der Täter soll du rch die Aufteilung der Strafverfolgung in mehrere Verfahren nicht benachteiligt und soweit als möglich auch nicht besser gestellt werden. Wenn die Vo raussetzungen von Art. 49 Abs. 2 StGB vorliegen, muss zur Bestimmung der Zusatzstrafe in einem ersten Schritt eine hypothetische Gesamtbewertung aller vor dem früher en Urteil begangenen Straftaten vorge- nommen werden, und zwar alle in aus Sicht des Zweitricht ers. Da es indes immer um eine Gesamtbewertung geht, ist ausgeschlo ssen, die Zusatzstrafe allein mit Blick auf die noch nicht beurteilten Taten, quasi selbstständig, auszusprechen. Im Anschluss an diese Gesamtbewertung ist in einem zweiten Schritt unter Beach- tung des rechtskräftigen früheren Urteils di e Zusatzstrafe zu bemessen, welche rechnerisch die Differenz zwischen der im früheren Urteil ausgefäl lten Strafe (der sogenannten Grundstrafe) und der Strafe bei einer Gesamtbewertung darstellt (Ackermann in BSK StGB I, Basel 2007, N 76 ff. zu Art. 49 StGB). - 23 - Die Erhöhung um die Zu satzstrafen erfolgt nach der Strafzumessungsregel von Art. 49 Abs. 1 StGB, und es gelten dafür die allgemeinen Begründungsanforde- rungen (vgl. BGE 118 IV 119). Es kann daher die Zusatzstrafe nicht einfach zur selbständigen Strafe (für di e späteren Straftaten) hinz ugezählt werden (Kumulati- on), sondern die letztere muss angemes sen nach Massgabe der Zusatzstrafen erhöht und so die Gesamtstrafe gebildet werden (Asperationsprinzip). Der Richter verurteilt "zu der Strafe der schwer sten Straftat und erhöht sie angemessen" (Art. 49 Abs. 1 StGB). Praktisch bedeutet dies, dass die Zusatzstrafen nicht für sich festgesetzt werden dürfen, s ondern sie die angemessene Erhöhung der selbstständigen Strafe nach Massgabe der im ursprünglichen Urteil nicht abge- goltenen Schuld darstellen. Damit Art. 49 Abs. 2 StGB zur Anwen dung kommen kann, mu ss das Ersturteil rechtskräftig sein (vgl. BGE 129 IV 113 ff.; Urteil des Bundesgerichtes 6S.272/2002 vom 10. Januar 2003; vgl. Urk. 41). 3.3. Die Vorinstanz hat richtig gesehen, dass das schwerste Delikt vorliegend das Verbrechen im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 6 in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG (Anklageziffer A) darstellt. Dieses Delikt (und auch alle anderen mit Ausnahme der in Anklageziffer B er wähnten) beging der Angeklagte nach der Verurteilung vom 30. Juli 2007. Mithin ist - dem oben be schriebenen Vorgehen entsprechend - vorerst für das in Ankla geziffer A eingeklagte Betäubungsmittel- verbrechen eine hypothetische Einsatzstra fe festzulegen, welche in Befolgung des Asperationsprinzips we gen jener Delikte, die der Angeklagte ebenfalls nach dem 30. Juli 2007 verübt hat (Anklagezi ffer C, D und E), angemessen zu erhöhen ist. Deren Dauer ist anschliessend wegen der vor dem ersten Urteil (30. Juli 2007) begangenen Taten angem essen zu erhöhen, und zw ar unter Berücksichtigung des Umstands, dass für diese früheren Taten eine - hypothetische - Zusatzstrafe zum ersten Urteil auszufällen ist. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass der Ange- klagte zwar auch die in Anklageziffer F erwähnten Betäubungsmittelübertretungen nach dem 30. Juli 2007 verübt hat, doch wu rde dafür - wie dies die Vorinstanz korrekt getan hat - eine separate Übertr etungsbusse ausgefällt. Übersehen hat die Vorinstanz aber (vgl. Urk. 29 S. 23 Zi ff. 2.3.), dass nicht nur der Konsum von - 24 - illegalen Drogen mit einer Übertretungsbusse zu sanktionieren ist, sondern auch die Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 100 Ziff. 1 SVG und Art. 31 Abs. 1 SVG sowie Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV (Anklageziffer D/4.). Die Busse selbst ist jedoch nicht angefochten und, wie gesehen, bereits rechtskräftig, weshalb hier nicht weiter darauf einzugehen ist. 3.4. Die Vorinstanz hat den abstrakten Strafrahmen korrekt ermittelt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 29 S. 21; § 161 GVG). Ferner ist vorab fest- zuhalten, dass die Berufungsinstanz, da die Anklagebehörde sich der Berufung nicht anschloss, aufgrund des Verbots der reformatio in peius (§ 399 StPO, Ver- schlechterungsverbot) keine höhere Strafe als die Vorinstanz ausfällen kann. 4. Umsetzung auf den vorliegenden Fall 4.1. Anklageziffer A (Anstalt entreffen für Kokaintransport) 4.1.1. Tatkomponente 4.1.1.1. Zum objektiven Tatverschulden machte die Vorinstanz nur rudimentäre Ausführungen (Urk. 29 S. 21 f., Ziff. 2.2.1. ). Bei Drogenstraftätern sind bei der Verschuldensbeurteilung - nebst anderen As pekten - auch die Art und die Menge der umgesetzten Drogen mit zu berücksichti gen. Je grösser di e Menge und je schädlicher die Gattung der vom Täter gehandelten, weitergegebenen oder trans- portierten Betäubungsmittel ist, um so gewichtiger erweist sich die von ihm mit der Tatverübung herbeigeführte gesundheitliche Gefährdung für Dritte. Neben der Menge und der daraus folgenden Ges undheitsgefährdung sind auch bei Drogen- delikten die Art und Weise der Tatbegehung, die Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat, die Beweggründe, da s Vorleben und die persönlichen Ver- hältnisse des Schuldigen zu berücksichti gen (BGE 118 IV 348). Dabei kommt es zunächst darauf an, wie der Täter mit der Droge in Kontakt gekommen ist und was er damit gemacht hat (Hug-Beeli, Betäubungsmitteldelikte 1983-1991, Zürich 1992, S. 429 f., 436 und 438). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes trifft beispielsweise den Transporteur einer bestimmten Betäubungsmittelmenge grundsätzlich ein geringeres Verschulden als denjenigen, der diese Betäubungs-- 25 - mittelmenge verkauft oder zum Zwecke des Weiterverkaufes erwirbt (vgl. Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Base l 2007, N 75 zu Art. 47 StGB; BGE 121 IV 206; Hansjakob, Strafzumessung in Betäubungsmittelfällen in ZStrR 1997, S. 242 und Trechsel, Schweizerisches Strafges etzbuch, Praxiskommentar, Zürich/ St. Gallen 2008, N 20 zu Art. 47 StGB). Wesentlich bei der Strafzumessung ist auch die Stellung des Täters in der Hierarchie des Drogenhandels (Urteil des Bundesgerichts 6S.463/2006 vom 3. Januar 2007, E. 5) und die Zahl der Geschäfte, welche ein Indiz für die kriminelle Energie und damit für Gefährlichkeit des Täters ist (vgl. Hansjakob, Strafz umessung in Betäubungsmittelfällen, in: ZStrR 1997, S. 243 und Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskom- mentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 19 zu Art. 47 StGB). Allerdings ist zu berück- sichtigen, dass, auch wenn sich der Täte r - ohne Mitbestimmungsrecht - auf einer tiefen Hierarchiestufe befand und nur An weisungen ausführte, er unter Umstän- den eine wichtige und unabdingbare Rolle inner halb eines Verteilungsnetzes spielen kann, was einen erheblichen strafrechtlichen Vorwurf zu begründen ver- mag (Entscheid des Bundesgerichtes 6B_ 112/2009 vom 16. Juli 2009, E. 3.4.). Ein weiteres beachtliches Zumessungskrit erium ist aber auch ei ne allfällige Drogenabhängigkeit des Täters (BGE 118 IV 349). Zu berücksichtigen ist eben- falls, ob ein Angeklagter ausschliesslich des Geldes wegen handelte, ohne in einer finanziellen Notlage zu sein (BGE 10 7 IV 62 f.), oder ob er es ablehnt zu arbeiten, obwohl ihm das möglich wäre, und es vorzieht, durch Drogenhandel seinen Lebensunterhalt zu verdienen (BGE 118 IV 349). Die Vorinstanz wertete das Verschulden des Angeklagten als "schwer" (Urk. 29 S. 21 unten), kam aber letztlich in Würdig ung aller objektiver und subjektiver Tat- komponenten und der Täterkomponenten (und unter Einbezug aller Delikte) ledig- lich auf eine Gesamtstrafe von 33 Monaten Freiheitsstrafe. In diesem Zusam- menhang ist zu erwähnen, dass die schweizerische Praxis bei nicht besonders schweren Verschulden in aller Regel die St rafen im unteren bis mittleren Teil des vorgegebenen Strafrahmens ansiedelt. Straf en im oberen Bereich, insbesondere Höchststrafen, sind bloss ausnahmswei se und bei sehr sch werem Verschulden des Täters auszusprechen (Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 15 zu Art. 47 StGB). Würde von einem schweren Verschulden ausgegangen, müsste - 26 - demnach die Einsatzstrafe im mittleren bis oberen Bereich des aufgezeigten abstrakten Strafrahmens (Freiheitsstrafe bis zu 20 Jahren) festgelegt werden, was vorliegend nicht angemessen wäre. Mithin korrespondiert die Bewertung des Ver- schuldens durch die Vorinstanz als "schwe r" nicht mit der von ihr ausgefällten Strafe. Wie die Vorinstanz richtig festhielt, handelt es sich bei Kokain - einer sogenannt "harten" Droge - um eine sehr gefährlic he Droge mit grossem gesundheitsgefähr- dendem Potential. Der Angeklagte hätte im Juli 2009 rund 1 kg Kokaingemisch von Südamerika nach Europa bringen sollen. Nachdem der Angeklagte den Transport nicht durchführte und kein Koka in sichergestellt werden konnte, bestehen auch keine Angaben ü ber den Reinheitsgehalt des fraglichen Kokains. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass die Gruppe Forensische Chemie SGRM (im Internet unter www.sgrm.ch zu finden) seit Jahren die vom Zoll und den Polizeibehörden sichergestellten Drogenkonfi skate auf ihren Reinheitsgehalt hin untersucht. Im Jahre 2009 untersuchte di ese Gruppe u.a. 154 Konfiskate, welche mehr als 100 Gramm und weniger als 1' 000 Gramm wogen. Der Cocain-HCI Gehalt betrug im Quantil 70% (Quantil: innerhalb de r erfassten Datenmenge liegen 16% aller Werte über der obersten Quantile und 16% un ter der untersten Quantile; oder anders ausgedr ückt liegen 68% aller er fassten Werte innerhalb dem aufgeführten Gehaltsbereich; dieser Be reich entspricht in etwa der Stan- dardabweichung einer Normalverteilung). Mit anderen Worten ergaben die Unter- suchungen bei den sichergestellten Konfiskaten im Bereich zwischen 100 und 1'000 Gramm einen massgeblichen Reinheits gehalt von rund 70%. Deshalb hätte der Angeklagte, wenn es zum Kokaintransport gekommen wäre, rund 700 Gramm reines Kokain von Südamerika in die Schweiz transportiert. Diese Menge weist ein erhebliches Gefährdungspotential auf. In Bezug auf die Rolle des Angeklagten beim geplanten Dro gentransport ist davon auszugehen, dass die Idee dafür letzt lich nicht vom Angeklagten selber ausging. Immerhin machte er auf einen entsprechenden Vorschlag bereit willig mit. Ferner ist von Bedeutung, dass der Angeklagte im Rahmen des vorliegenden internationalen Drogenhandels auf einer untersten Hierarchiestufe einzuordnen - 27 - ist. Dennoch ist jedoch nicht zu verkennen, dass er nicht auf einer gleich tiefen Stufe anzusiedeln ist, wie beispielsweise ein drogenabhängiger Strassendealer. Auch war der Angeklagte kein typischer Transporteur, der aus einer echten finanziellen Notlage den Transport durchführten sollte. Er hatte eindeutig ein finanzielles Interesse an der Durchführung des Drogentransporte s, da er einer- seits seine Schulden hätte begleichen k önnen und er zudem eine Entschädigung von mehreren tausend Franken hätte einstreichen können. Angesichts seiner sozialen Stellung und den ihm zur Ve rfügung stehenden legalen Möglichkeiten kann keine Rede von einer finanziell en Notlage sein. Die Einordnung auf einer untersten Hierarchiestufe wirkt aber insg esamt strafreduzierend. Die objektive Tatschwere ist insgesamt als nicht mehr leicht bis erheblich zu gewichten. 4.1.1.2. Nicht zu verkennen ist, dass der Angeklagte den Transport letztlich aus eigenem Antrieb nicht ausgeführt hat. Sowe it die Bestimmung des Anstaltentref- fens zur Anwendung gelangt, kommen, wie gezeigt, die allgemeinen Regeln über den Versuch und die damit verbundene Strafmilderung gemäss Art. 22 StGB nicht zum Zuge (Albrecht, a.a.O., N 116 zu Art. 19 BetmG). Immerhin kann aber einem solchem freiwilligen Rücktritt bei der Strafzumessung ausreichend Rechnung getragen werden (Fingerhuth/Tschurr, Kommentar zum BetmG, 2. Auflage, Zürich 2007, N 101 zu Art. 19 BetmG mit Hinweisen) . Dies führt zu einer Einschätzung des Verschuldens im Bereich von nicht mehr leicht bzw. zu einer hypothetischen Einsatzstrafe für den geplanten Kokaintransport von rund 26 Monaten. 4.1.1.3. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Angeklagte nicht eigentlich bzw. nachhaltig dr ogensüchtig war; jedenfalls war es ihm nach der Untersuchungshaft möglich, auf den Konsum von Kokain (mit zwei Ausnahmen; vgl. Prot. I S. 23) zu verzichten. Zwar konsumierte er im fraglichen Zeitraum (siehe Anklageziffer F) Kokain, doch war dies nur ab und zu (ca. sechs Mal im Monat kaufte er jeweils 1 - 5 Gramm). In seiner Befragung vom 13. August 2009 (HD 2/1 S. 1) erklärte er, nicht unter Entzugserscheinungen zu leiden; er habe nur ab und zu Kokain konsumiert. Immerhin geriet er wegen des Kaufs und Konsums von Kokain - nebst seinem sonstigen auf wendigen Lebenswandel - in eine finan- zielle Schieflage, indem er beim Dr ogenhändler C.__ Schulden von Fr. 1'800.– - 28 - hatte. Dem Angeklagten muss denn auch zum Vorwurf gemacht werden, dass er sich vorab aus finanziellen Gründen auf de n Drogentransport einliess, versprach man ihm doch eine Entschädigung von Fr . 10'000.– (abzüglich der Schulden von Fr. 1'800.–; vgl. Prot. I S. 20). Mithin stehen finanzielle Motive im Vordergrund, was eher straferhöhend zu werten ist. Insgesamt halten sich die erhöhenden (Mo- tiv) und die entlastenden (Kokainkonsum) Momente die Waage, weshalb die sub- jektiven Elemente die objektiv festgestellte Tatschwere nicht zu ändern vermögen. Mithin ist für Anklageziffer A (Anstalt entreffen für einen Kokaintransport) eine hypothetische Freiheitsstrafe von rund 26 Monaten angemessen. 4.1.2. Täterkomponente 4.1.2.1. Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse und des Werdeganges des Angeklagten kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz - die weder straferhöhend noch strafmindernd zu berüc ksichtigen sind - verwiesen werden (§ 161 GVG, Urk. 21 S. 22 E. 2.2.2), was von ihm so auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung bestätigt wurde (Urk. 39 S. 1). In Ergänzung dazu führte der Angeklagte aus, dass er in den Frühl ingsferien entschieden habe, wegen der Presse nicht mehr als Lehrer tätig zu sein. Es sei ihm darum gegangen, sich und auch die Schulen zu schütz en. Er sei nach wie vor ar beitslos und erhalte netto Fr. 5'600.– bis Fr. 5'800.– als Arbeitslo senunterstützung, w obei ihm aufgrund einer Lohnpfändung noch Fr. 2'800.– pro M onat bleibe. Seine Schuldensituation sei noch etwa gleich wie vor Vorinstanz (Urk. 39 S. 2 f.). 4.1.2.2. Als der Angekla gte nach Südamerika reiste, um an einem Kokain- transport mitzuwirken, wies er eine Vo rstrafe auf: Mit Strafmandat der Staats- anwaltschaft Solothurn vom 30. Juli 2007 wurde der Angeklagte wegen Fälschung von Ausweisen mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft. Der Vollzug der Geldstrafe wurde bei einer Probezeit von 2 Jahren bedingt aufge- schoben (Urk. 32). Die Vorinstanz hat dem Angeklagten straferhöhend angerech- net, dass er "mehrfach und zum Teil einschlä gig" vorbestraft sei (Urk.29 S. 22, Ziff. 2.2.3.). Die Vorstrafe vom 30. Juli 2007 ist bezogen auf Drogendelikte nicht einschlägig. Sie führt nur zu einer minimalen Straferhöhung. - 29 - Die "gelöschten Vorstrafen" dürften kei ne Auswirkungen mehr auf die Strafzu- messung haben. Unter Geltung des revidi erten Allgemeinen Teils des Strafge- setzbuches und der Bestimmungen über das St rafregister (Art. 369 Abs. 7 StGB und Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 18.A., Zürich 2010, N 14 zu Art 47 StGB und N17 zu Art. 369 StGB; Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 101 zu Art. 47 StGB am Ende und Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Prax iskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 30 zu Art. 47 StGB) dürfen Vorstrafen, die aus dem Strafregister entfernt wurden, einem Angeklagten nicht mehr vo rgehalten werden (BGE 135 IV 87). An aus dem Strafregister entfernte Vorstraf en dürfen keine Rechtsfolgen mehr geknüpft werden, der Täter ist vollständig rehabilitiert (Botschaft, BBl 1999 S. 2167). Die Bestimmungen des neuen Rechts über das Strafregister (Art. 365-371 StGB) sind auch auf Urteile anwendbar, die auf Grund des bisherigen Rechts ergangen sind (Art. 3 Abs. 1 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 13. Dezember 2002). Selbst wenn der Angeklagte nicht vorbestraft wäre und einen - bis zur Tatbegehung - make llosen Leumund aufweisen würde, wäre dies - nach früherer Rechtsprec hung des Bundesgericht es - grundsätzlich zu seinen Gunsten zu berücksichtigen gewesen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6S.453/2001 vom 30. August 2001, E. 1.e). Einem guten Leum und kommt indes gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur in geringem Umfang strafmin- dernde Wirkung zu, weil eine zu vermutende rechtsgetreue Lebensführung bis zur beurteilenden Tat keine besondere, für die Strafzumessung relevante Leistung ist (Urteil des Bundesgerichtes 6S.467/2004 vom 11. Februar 2005, E. 2.2.1.). In der Lehre wird gar Kritik an jeder Berücksichtigung des Leumunds bei der Strafzu- messung angebracht (Stratenwerth, Schweize risches Strafrecht, AT II, 2.A., Bern 2006, S. 195 N 46). In einem neueren Entscheid hielt das Bundesgericht dazu fest, dass angesichts der grossen Anzahl Ve rurteilter mit Vorstrafen jedenfalls feststehe, dass die bisherige Straffreiheit keine Selbstverständlichkeit sei. Bewer- te das Gericht das Vorleben eines Angekl agten positiv, so habe sich dies zu Gunsten des Angeklagten auszu wirken. Es sei aber zulässi g, die Vorstrafenlosig- keit im Rahmen des grossen richterlic hen Ermessens nur minimal zu berück- sichtigen (Urteil des Bundesgerichtes 6S.44/2007 vom 6. Juni 2007, E. 4.4.2. und - 30 - Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 95 und N 107 zu Art. 47 StGB). In der aktuellsten Rechtsprechung ist das Bundesgericht offenbar aber wieder von dieser Sichtweise abgekommen (BGE 136 IV 1, E. 2. 6.2. und 2.6.3.). Dement- sprechend würde sich selbst eine Vors trafenlosigkeit des Angeklagten in der Regel - in Nachachtung der jüngs ten bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 136 IV 1, E. 2.6.4.) - nicht strafmindernd auswirken. 4.1.2.3. Als der Angeklagte seine Reise nach Südamerika antrat, liefen gegen den Angeklagten bereits zahlreiche Strafverf ahren (vgl. Urk. 32). Teils war er zu jenen Delikten auch schon befra gt worden, wusste mithin , dass solche Strafver- fahren liefen. Trotz verschiedener laufenden Strafverfahren und trotz laufender Probezeit liess sich der Angeklagte auf die Drogenreise ein. Gemäss gefestigter Rechtsprechung messen die Gerichte dem Umstand, dass der Täter durch Vor- strafen (auch im Ausland: BGE 105 IV 226 und Wiprächti ger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 102 zu Art. 47 StGB; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schwei- zerisches Strafgesetzbuch, 18.A., Zürich 2010, N14 zu Art. 47 StGB samt Zitaten) oder nur schon durch frühere Strafverfa hren gewarnt worden war, strafer- höhende Wirkung zu (vgl. dazu auch Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 104 zu Art. 47 StGB). Der Angek lagte hat - wie vo rstehend erwähnt - während den laufend en Strafuntersuchungen im vorliegenden Verfahren wieder- um delinquiert, was deutlich straferhöhend zu berücksichtigen ist (vgl. BGE 134 IV 241 E. 4.3.; Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 136 zu Art. 47 StGB; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 23 zu Art. 47 StGB; sowie unter altem Recht: BGE 121 IV 62; Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 113 zu Art. 63 aStGB; Trechsel, Kurz- kommentar zum Strafgesetzbuch, 2.A., Zürich 1997, N 14a zu Art. 63 aStGB). 4.1.2.4. Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten eines Täters mit zu berücksichtigen. Darunter fällt das Ve rhalten nach der Tat sowie im Strafver- fahren (wie zum Beispiel Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit vgl. dazu Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuc h, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen, 2008, N 22 zu Art. 47 StGB; Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 105 ff. zu Art. 63 aStGB und Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 109 Absatz 2 - 31 - zu Art. 47 StGB). Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd (Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 107 zu Art. 63 aStGB und Wiprächti- ger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 130 und N 131 zu Art. 47 StGB). Das Bundesgericht hielt in seinen Entscheiden BGE 118 IV 349 und 121 IV 202 dafür, ein positives Nachtatverhalten könne zu einer Strafreduktion im Bereich von einem Fünftel bis zu einem Drittel führen (vgl. auch Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 108 zu Art. 63 aStGB und Wi prächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 131 zu Art. 47 StGB; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Komm entar, 18.A., Zürich 2010, N 16 zu Art. 47 StGB). Damit hat das Bundesgericht unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass das Nachtatverhalten des Angeklagten in jedem Fall einer konkreten Würdigung zu unterziehen ist (vgl. die theoretischen Ausführungen in Erwägung IV.2.3.). Die Polizei stiess im Rahmen ihrer Akti on "Nötli" - welche vorab C.__ im Auge hatte - auf eine Telefonnummer, welc he dem Angeklagten zuzuordnen war (vgl. HD 1/1 S. 3 f.; HD 1/2 S. 4 ff.). Dies führte zu gezielten Ermittlungen (inklusive Überwachungsmassnahmen) und am 12. August 2009 zur Verhaftung des Ange- klagten. In seiner polizeilichen Befr agung vom 13. August 2009 (HD 2/1) gab der Angeklagte das zu, was in Anklageziffe r A aufgeführt ist. Bei diesem Geständnis blieb er. Es kann zwar bezüglich Anklageziffer A von einem umfassenden Ges- tändnis gesprochen werden, doch lagen bereits vor der Verhaftung des Angeklag- ten aufgrund der Überwachungsmassnahmen klar belastende Fakten vor, welche ein Bestreiten letztlich unglaubhaft gemac ht hätten. Eine Anrechnung des Ges- tändnisses im maximalen Umfang von eine m Drittel steht demnach heute nicht zur Diskussion. Eine Reduktion im Umfang von rund einem Vi ertel scheint ange- messen. Eine solche Differenzierung ist zu lässig, wie das Bundesgericht bereits in einem Entscheid vom 8. August 2003 (6S.189/2003 E 1.1) festgehalten hat. Im Entscheid 6S.186/2003 vom 22. 1.2004, Erw. 5.7.3., führ te das Bundesgericht zur Berücksichtigung eines Geständnisses klar Folgendes aus: "Die Geständnisbereit- schaft kann selbst dann strafmindernd be rücksichtigt werden, we nn der Angeklagte die Möglichkeit einer allfälligen Strafreduktion einkalkuliert hat. Die Hoffnung, der Richter - 32 - könne bei der Strafzumessung - gestützt auf Art. 63 aStGB - auch dem Verhalten des An- geklagten nach der Tat Beachtung schenken, is t durchaus legitim. Gewissen prozesstakti- schen beziehungsweise "opportunistischen" Motiven kann bei der Festlegung der Höhe der Strafminderung ausreichend Rechnung getr agen werden (Hans-Jürgen Bruns, Das Recht der Strafzumessung: Eine systematisch e Darstellung für die Praxis, 2. Aufl., Köln 1985, S. 233; Gerhard Schäfer, Praxis der Strafzumessung, 3. Aufl., München 2001, Rz. 384; Wiprächtiger in BSK StGB I, Basel 2003, N 108 zu Art. 63 aStGB). Die Berücksich- tigung von Geständnissen im Rahmen der Strafz umessung beruht hauptsächlich auf zwei Gründen. Zum einen kann das Gest ändnis (vorbehältlich seiner kritischen Prüfung im Rahmen der freien richterlichen Beweiswü rdigung) zur Vereinf achung und Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen. Zum andern kann das Opfer bezie- hungsweise die geschädigte Partei durch die Sc huldanerkenntnis des Tä ters bereits eine gewisse immaterielle Genugtuung erfahren. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich al- lenfalls aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, weil die Täterschaft ohnehin bereits überführt ge wesen wäre. Weiter hat das Bundesgericht auch in einem anderen Fall anerkannt, dass Geständnisse nicht immer und ausschliesslich ein Ausdruck von Reue seien. Sie könnten namentlich auch in der Hoffnung auf eine mil- dere Strafe erfolgen, und ein Geständnis könne selbst dann strafmindernd berücksichtigt werden, wenn der Angeklagte die Möglichkeit einer Strafreduktion einkalkuliert habe. Gewissen prozesstaktischen Motiven könne bei der Festlegung der Höhe der Strafminde- rung ausreichend Rechnung getragen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6S.300/2004 vom 16. Februar 2005, E. 1).Die Strafminderung wegen eines Geständnisses fusst aber - wie schon erwähnt - auf der Überlegung, da ss Geständnisse zur Vereinfachung und Ver- kürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsf indung beitragen können. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufd rängen, wenn das Geständnis die Strafver- folgung nicht erleichtert hat, namentlich we il der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst nach Ausfällung de s erstinstanzlichen Ur teils geständig gewor- den ist (vgl. Urteil des Bundesgericht es 6B_452/2009 vom 8. September 2009 E. 1.5.). Dies ist umso berechtigter, wenn der Angeklagte die Straftaten nicht in einer Weise aner- kannte, die auf echte Reue und Einsicht schliessen lässt (Urteil des Bundesgerichtes 6B_737/2007 vom 14. April 2008, E. 1.2. und 6S.531/2006 vom 24. Januar 2007, E. 3.6.3. mit Hinweisen)." - 33 - In Berücksichtigung dieser Grundsätze ist das Geständnis des Angeklagten in Anklageziffer A, das die weitere Unte rsuchung vereinfacht hat, deutlich - im Umfang von rund einem Viertel - strafmindernd zu berücksichtigen. 4.1.2.5. Die Vorinstanz hat dem Angek lagten eine "gewisse Strafempfindlich- keit" zugute gehalten; er habe (als Lehrer) ein unbefristet es Arbeitsverhältnis in Aussicht, welches - so die sinngemässe Auslegung der vorinstanzlichen Erwä- gungen - bei einer zu verbüssenden Strafe von mehr als einem Jahr akut gefährdet wäre (Urk. 29 S. 23 oben, Ziff. 2.2.4.). Es ist tatsächlich die Wirkung der Stra fe auf das Leben des Angeklagten zu be- rücksichtigen. Mit dieser neu ins Gesetz aufgenommenen Formulierung (Art. 47 Abs. 1 StGB) wird letztlich die Strafempfindlichkeit angesprochen. Die Berücksich- tigung der Strafempfindlichkeit kommt namentlich in Betracht, wenn der Täter aus medizinischen Gründen wie Krankheit, Alte r oder Haftpsychose besonders empfindlich ist (BGE 6S.703/1995 vom 26. März 1996, E. c mit Hinweisen; vgl. die entsprechenden Ausführungen in Erwägung IV.2.3.). Der Angeklagte ist weder krank noch alt. Im Zeitpunkt der Reise nach Südamerika befand er sich beruflich und familiär in eher unstabilen Verhältnissen. Nach vorübergehender Arbeitslosigkeit seit Frühling 2010 ist er nun auf dem Weg und bemüht, wieder im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Wie bereits ausgeführt, hat der Angeklagte die vor Vorinstanz noch in Aussicht gestandene Stelle nicht ange- nommen (Urk. 39 S. 2 f.). Aufgrund des trot zdem auch zukünftig zu erwartenden, eher guten Lohnes, der sich deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung bewegt, könnte er bei vernünftiger Lebensweise auch in finanziell guten Verhält- nissen leben. Der Angeklagte lebt nicht in einer Beziehung und hat keine Kinder; er hat letztlich nur für sich aufzukommen (v gl. Urk. 39 S. 2 f.). Seine Situation erscheint in keiner Weise als ausse rgewöhnlich und vermag - entgegen den Aus- führungen der Vorinstanz - ke ine besondere Strafempfi ndlichkeit zu begründen. Wenn der Gesetzgeber für schwere Delikte langjährige Freiheitsstrafen vorsieht, gibt er damit zu erkennen, dass es Stra fen immanent ist, dass sie tief ins Leben von Bestraften eingreifen können. Diese Fo lge ist gewollt und kann nicht als Begründung für eine besondere Strafempfindlichkeit dienen. Somit lässt sich eine - 34 - Strafempfindlichkeit weder aus persön lichen, noch aus beruflichen Gründen ab- leiten, die vorliegend zu ber ücksichtigen wäre (Wipräch tiger, BSK StGB I, Art. 47 N 117 ff.; Entscheid des Bundesgerichts 6P.39/2004 vom 23. Juli 2004 E. 7.4). 4.1.2.6. Zusammenfassend ergibt die Würdigung der einzelnen Täter- komponenten, dass aufgrund des Nachtatver haltens eine Redukt ion der Strafe von rund einem Viertel angezeigt ist. Die Vorstrafe wegen Fälschung von Aus- weisen wiegt demgegenüber nur minim straferhöhend. Hingegen ist das Delinquieren während laufenden Straf untersuchungen und während laufender Probezeit deutlich straferhöhend zu gewich ten. Insgesamt überwiegen die reduzierenden Faktoren, aber nicht mehr als im Umfang von einem Viertel. 4.1.3. Hypothetische Einsatzst rafe für Anklageziffer A Ausgehend von der möglic hen Einsatzstrafe aufgr und der Tatkomponenten von rund 26 Monaten Freiheitsstrafe führt di e Reduktion aufgrund der geschilderten Täterkomponeten auf eine nach wie vor hypothetische Einsatzstrafe von rund 20 Monaten Freiheitsstrafe. Diese Einsatzstrafe scheint auch unter Hinweis auf das schematisierte Berechnungsmodell von Fingerhuth/Tschur r (im Sinne einer Kontrollrechnung) angemessen, welches bei einer Menge von rund 502 Gramm reinem Kokain eine Einsatzstrafe von 36 Monat en und bei einer solchen von 1,15 kg eine Einsatz- strafe von 48 Monaten vorsieht (Finger huth/Tschurr, Kommentar Betäubungs- mittelgesetz, Zürich 2007, S. 386). Die s ergäbe bei einer Menge von rund 700 Gramm reinem Kokain eine Einsatzstrafe von 40 Monaten. Davon sind rund 20% (etwa 8 Monate) abzuziehen, da de r Angeklagte blosser Kurier aus dem Ausland gewesen wäre, und ein weiterer Ab zug hat zu erfolgen, da es nur um einen einzigen Transport gegangen wäre. Schl iesslich ist zu berücksichtigen, dass der Angeklagte aus eigenem Antrieb Abstand vom Transport genommen hat. Ein weiterer Abzug von rund 25% ist wegen des Geständnisses vorzu- nehmen, was einer Reduktion von rund 10 M onaten entspricht. Allerdings ist auf- grund des Umstandes, dass der Angekl agte während laufenden Strafunter- suchung und während laufender Probezeit del inquierte, eine nicht unwesentliche - 35 - Straferhöhung (rund 4 Monate) vorzunehmen. Eine Einsatzstrafe von rund 20 Monaten Freiheitsstrafe wäre aufgrund dieser Kontrollrechung ohne weiteres angemessen. 4.2. Anklageziffer C (Ver sicherungsbetrug gemäss ND 2) 4.2.1. Tatkomponente 4.2.1.1. Bei der objektiven Tatschwere fällt der nicht unwesentliche Deliktsbe- trag von letztlich mindestens Fr. 7'700.– in Betracht, wobei zu beachten ist, dass der Angeklagte mit seiner falschen B ehauptung des Diebstahl s von drei Arm- banduhren einen unrechtmässi gen Gesamtbetrag von Fr. 12'200.– erhältlich machen wollte. Das Vorgehen des Angekl agten muss als dreist bezeichnet wer- den. Er nutzte unter anderem den Umstand aus, dass die Versicherung mangels Belegen betreffend der drei Armbanduhren keine Möglichkeit hatte, die Angaben des Angeklagten zu überprüfen. Die vo m Angeklagten an den Tag gelegte kriminelle Energie darf ni cht unterschätzt werden, auch wenn er die günstige Gelegenheit des effektiv erfolgten Einbruc hdiebstahls nutzte, um an zusätzliche Gelder der Versicherung zu gelangen. Das objektive Tatverschulden wiegt gerade noch nicht erheblich, aber auch nicht mehr leicht. 4.2.1.2. In subjektiver Hinsicht deutet - wie bei allen übrigen Delikten auch - nichts darauf hin, dass die Schuldfähigkeit des Angeklagten auch nur ansatzweise vermindert oder herabgesetzt gewesen wäre. Das Motiv ist auch hier von absolut egoistischen Motiven geprägt, ging es doc h dem Angeklagten nur darum, mit den ertrogenen finanziellen Mitteln seien üb erhöhten Lebensstil zu finanzieren. Die subjektive Tatschwere erhöht die objekt ive Tatschwere etwas. Der eingeklagte Versicherungsbetrug würde, wenn er allein zu beurteilen wäre, aufgrund der Tatschwere zu einer hypothetischen Einsatzstrafe im Bereich von rund 240 Tagessätzen Geldstrafe bzw. 8 Monaten Freiheitsstrafe führen. 4.2.1.3. Die Verteidigung hält dafür, vorliegend gelan ge Art. 53 StGB zur Anwendung, weil der Angeklagte den ertrogenen Betrag zurückerstattet habe. Sie - 36 - verlangt daher, dass bezüglich Anklagezi ffer C von Strafe Umgang genommen werde (Urk. 40 S. 3). a) Im vierten Abschnitt des Kapitels über die Strafen werden die Strafbefreiung und Einstellung des Verfahrens geregelt (Art. 52 - 55a StGB). Art. 53 StGB regelt die Strafbefreiung bei Wiedergutmac hung: Hat der Täter den Schaden gedeckt oder alle zumutbaren Anstrengungen unter nommen, um das von ihm bewirkte Unrecht auszugleichen, so sieht die zuständige Behörde von einer Strafver- folgung, einer Überweisung an das Gerich t oder einer Bestrafung ab, wenn die Voraussetzungen für die bedingte Strafe nach Art. 42 StGB erfüllt (lit. a) und das Interesse der Öffentlichkeit und des Gesc hädigten an der Strafverfolgung gering sind (lit. b). Vorliegend ist es im Gesamtkontext nicht möglich, eine voll bedingte Strafe aus- zufällen, weshalb die Voraussetzung von Ar t. 53 lit. a StGB nich t erfüllt ist. Dennoch sind, weil der Angeklagte derart Wert legt auf einen Strafverzicht, die Voraussetzungen von Art. 53 StGB zu erläutern, wobei hier auf BGE 135 IV 12 und BGE 135 IV 27 zu verweisen ist. b) Nach der Botschaft dient die Wieder gutmachung in erster Linie dem Opfer, dem vielfach mehr am Ersatz des Schade ns als an einer Bestrafung des Täters liegt. Es wird an das Verantwortungsbewusst sein des Täters appelliert. Es soll ihm das Unrecht seiner Tat vor Augen geführt werden. Durch die Wiedergutma- chung soll auch die Beziehung zwischen Täter und Opfer verbessert werden, was den öffentlichen Frieden wie derherstellt. Die Wiedergutmachung des Schadens rechtfertigt die Strafbefreiung, das Strafbedürfnis schwindet, weil der Täter aktiv eine soziale Leistung erbringt, die der Versöhnung und der Festigung des öffentli- chen Friedens dient. Mit der Voraussetz ung des geringen öffentlichen Interesses an einer Strafverfolgung soll den Fällen Rechnung getragen werden, in denen keine bestimmte Person geschädigt wurde. Es soll zudem eine Privilegierung wohlhabender Täter, die sich von der St rafe freikaufen könnten, verhindert werden (Botschaft vom 21. September 1998, BBl 1999 S. 2065 f.). Nach dem Ent- wurf des Bundesrats war die Wiedergut machung nur unter den Voraussetzungen der Strafaussetzung und somit nur für Straf en bis zu einem Jahr möglich (Art. 42 - 37 - und Art. 53 des Entwurfs, BBl 1999 S. 2308, 2312). Der Ständerat knüpfte die Wiedergutmachung als Erstrat an die Voraussetzungen der bedingten Strafausfäl- lung (vgl. Amtl. Bull SR 199 9 S. 1119, Sitzung vom 14. Dezember 1999). Der Nationalrat übernahm diese Änderung (Amt l. Bull. NR 2001 S. 565, Sitzung vom 7. Juni 2001). Angesichts der in Art. 42 StGB festgelegten Grenzen ist die Wiedergutmachung nunmehr bei Freiheitsstrafen bis zu 2 Jahren möglich (Art. 42 StGB). Nach der Lehre geht es be im Erfordernis des geringen öffentlichen Strafver- folgungsinteresses in Art. 53 StGB um das infolge der Unrechtswieder- gutmachung verringerte Strafbedürfnis (G ünter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, 2. Auflage, Bern 2006, § 7 N 12). Die Strafbefrei- ung infolge Wiedergutmachung ist nur zulässig, soweit die Voraussetzungen für den bedingten Strafvollzug erfüllt sind. Aus diesem Abstelle n auf Art. 42 StGB folgt, dass bei Freiheitsstrafen über zwei Ja hre das öffentliche Strafverfolgungsin- teresse nicht mehr als gering gelten kann (Andreas Brunner, Geldstrafe, Busse und Freiheitsstrafe im strafrechtlichen Alltag sowie Wi edergutmachung, in: B. Tag/M. Hauri (Hrsg.), Das revidierte StGB, Allgemeiner Teil, Erste Erfahrungen, Zürich 2008, S. 63 ff.). Innerhalb dieses zweijährigen Strafrahmens wird das Inte- resse an der Strafverfolgung gering, weil und soweit der Täter Wiedergut- machungsschritte unternommen hat. Die Anforderungen an die Wiedergutma- chungsbemühungen des Täters steigen mit der Höhe der zu erwartenden Strafe. Andererseits nimmt das öffentliche Strafv erfolgungsinteresse in gleichem Masse ab, wie die Wiedergutmachung zur Aussöhnung zwischen den Betroffenen und zur Wiederherstellung des öffentlichen Friedens geführt hat. Doch selbst wenn die Tatschwere sich im Rahm en von Art. 53 lit. a StGB hält und volle Wiedergut- machung geleistet worden ist, führt dies nicht zwingend zum Entfallen des öffent- lichen Interesses an der Strafverfolgung. Zu beurteilen bleibt, ob die Ausfällung einer bedingten Strafe unt er spezial- oder generalpr äventiven Gesichtspunkten noch notwendig erscheint (Felix Bommer, Bemerkungen zur Wiedergutmachung, Forumpoenale 3/2008, S. 171 ff .; Rainer Angst/Hans Maur er, Das «Interesse der Öffentlichkeit» gemäss Art. 53 lit. b StGB - Versuch einer Konkretisierung, Teil 1 in: forumpoenale 5/2008 S. 301 ff., Teil 2 in: forumpoenale 6/2008 [im Druck]; - 38 - Christian Schwarzenegger/Markus Hug/ Daniel Jositsch, St rafrecht II, 8. Auflage, Zürich 2007, S. 64; André Kanyar, Wi edergutmachung und Täter-Opfer-Ausgleich im schweizerischen Strafrecht, Basel 200 8, S. 217; differenzierend zur Gering- fügigkeit des Strafverfolgungsinteresses: M. Dubois/B. Geller/G. Monnier/ L. Moreillon/C. Piguet, Petit Commentaire, Code Pénal I, Bâle 2008, Art. 53 CP N 13 sowie Andreas J. Keller, Art. 53 Wi edergutmachung, in: T. Hansjakob/ H. Schmitt/J. Sollberger [Hrsg.], Kommentierte Textausgabe zum revidierten Strafgesetzbuch, 2. Aufl age, Luzern 2006, S. 50; Trechsel/Pauen Bonen, StGB, PK, N 7 zu Art. 53 StGB). Aus Sicht der positiven Generalpräventi on kann das Vertrauen der Allgemeinheit in das Recht gestärkt werden, wenn fe stgestellt wird, dass auch der Täter den Normbruch anerkennt und sich bemüht, den Rechtsfrieden wiederherzustellen (Silvan Fahrni, Wiedergutmachung als Vo raussetzung einer diversionellen Ver- fahrenserledigung, in: B. Schindler/ R. Schlauri [Hrs g.], Auf dem Weg zu einem einheitlichen Verfahren, Zürich 2001, 205) . Spezialpräventive Überlegungen sind bereits beim Entscheid über den bedingt en Strafvollzug nach Art. 42 StGB zwingend zu berücksichtigen. Da die Gewährung des Strafaufschubs eine Vor- aussetzung der Wiedergutmachung ist, spielen sie bei der Beurteilung des öffent- lichen Interesses nach Art. 53 StGB nur eine untergeordnete Rolle (Bundesge- richtsurteil 6B_152/2007 vom 13. Mai 2008, E. 5.2.3; Franz Riklin, Basler Kommentar StGB I, 2. Auflage, Basel 2007, Art. 53 N 4 und 16). Während die Strafzwecke ganz allgemein zu berücksichtigen sind, ist bei der Beurteilung der öffentlichen Strafverfolgungsinteressen im konkreten Fall insbe- sondere auch nach den geschützten Rechts gütern zu unterscheiden. Art. 53 StGB nimmt explizit Bezug auf die Wiedergutmachung des begangenen Unrechts. Worin dieses Unrecht liegt, definieren die einzelnen Tatbestände des Kern- und Nebenstrafrechts (Angst/Maurer, a.a.O., S. 304). Bei Straftaten gegen individuelle Interessen und einem Verletzten, der die Wiedergutmachungsleistung akzeptiert, wird häufig auch das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung entfallen. Bei Straftaten gegen öffentliche Interessen ist zu beurteilen, ob es mit der Erbringung der Wiedergutmachung sein Bewenden haben soll oder ob sich unter Gesichts-- 39 - punkten des Schuldausgleichs und der Prävention weitere strafrechtliche Reakti- onen aufdrängen (vgl. Bommer, a.a.O., S. 174; zu den öffentlichen Strafver- folgungsinteressen bei Fälschungsdelikt en vgl. Angst/Maurer, a.a.O., forumpoenale 6/2008, 2c). Das öffentliche Strafverfolgungsinteresse nimmt mit zunehmendem Zeitablauf seit der Tat ab. Auch an der Tätergleichbehandlung bestehen öffentliche Interessen. So dürfen wohlhabende Täter durch di e Wiedergutmachungsbestimmung nicht privilegiert werden (Brunner, a.a.O., S. 63 ff.). c) Nachdem es vorliegend um ve rmögensrechtliche Aspekte einer Ver- sicherung geht, dürfte bei Erfüllung der übrigen Voraussetzungen kein öffentliches Interesse an einer Bestrafung des Angek lagten bestehen. Immerhin ist - wie gesehen - auch die Tätergleichbehandlung durchaus auch ein Aspekt des öffentli- chen Interesses. Nachdem sich aber in den letzten Jahren die Unsitte eingeschli- chen hat, den Versicherungen im Falle eines effektiv erfolgten Einbruchdiebstahls eine grössere Schadenssumme zu melden, als dies der Fall ist, wäre es eher fragwürdig, jene Person, welcher es fina nziell möglich ist, den Schaden zu decken, straflos ausgehen zu lassen, während jene Täter, denen dies nicht mög- lich ist, bestraft würden. Fragen liesse sich auch, ob es im Interesse der Öffent- lichkeit sein kann, dass die Versicherungs prämien für alle steigen, weil Personen wie der Angeklagte durch betrügerische Machenschaft en die Versicherungen zu Leistungen zwingen, welche sie sonst nicht zu erbringen hätten. Nachdem Art. 53 lit. a StGB vorliegend nicht erfüllt ist, mithin diese Bestimmung vorliegend nicht zur Anwendung gelangen kann, kann die Beantwortung obiger Fragen offen gelassen werden. 4.2.1.4. Immerhin kann gestützt auf Art. 48 lit. d StGB (Betätigung aufrichtiger Reue, namentlich durch Schadensdeckung) eine Strafreduktion erfolgen, weshalb die oben genannte Strafe auf rund 180 Tagessätze Geldstrafe oder 6 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren wäre, müsst e dieser Versicherungsbetrug für sich alleine beurteilt werden. - 40 - 4.2.2. Täterkomponente Diesbezüglich kann grundsätzlich auf die Erwägungen zu Anklageziffer A verwie- sen werden. Aufgrund des positiven Nachta tverhaltens (vgl. ND 2 Urk. 1 S. 2) führt das Geständnis zu einer Reduktion der Strafe, während das Handeln während laufender Strafunt ersuchung und laufender Probez eit erschwerend zu gewichten sind. 4.2.3. Hypothetische Einsatzst rafe für Anklageziffer C Die positiven Aspekte der Täterkompone nte überwiegen die negativen leicht, weshalb die aufgrund der Tatkomponent e angemessene Sanktion auf nunmehr rund 150 Tagessätze Geldstrafe bzw. 5 M onate Freiheitsstrafe als hypothetische Einsatzstrafe für den in Anklageziffer C aufgeführten Versicherungsbetrug festzu- setzen wäre, wenn dieses Delikt alleine zu beurteilen wäre. 4.3. Anklageziffer D (Strassenverkehrsdelikte Ziff. 1. - 3.) 4.3.1. Tatkomponente 4.3.1.1. Aus objektiver Sicht ist Folgendes festzuhalten: a) Was die Würdigung des Tatversc huldens eines Angeklagten beim Tatbe- stand des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Besonderen betrifft, bilden nach der konstanten obergerichtlichen Praxis die Trinkumstände und damit zusam- menhängend die Voraussehbarkeit der unt er Alkoholeinfluss unternommenen Fahrt entscheidende Ansatzpunkte. In engem Zusammenhang damit steht als schulderschwerender oder schul dreduzierender Faktor der Fahrzweck. Hier sind der äussere Anlass der Fahrt und die Frage nach der Entbehrlichkeit derselben bzw. nach der Notwendigkeit der Benütz ung des Fahrzeugs zu prüfen. Damit wiederum verbunden sind die Gefährlichkeit und Länge der Fahrstrecke einerseits und die übrigen zu erwartenden Verkehrsverhältnisse (Sicht, Strassenverhältnis- se, Verkehrsdichte) andererseits. Weitere schuldrelevante Faktoren können sich aus der Beschaffenheit des Fahrzeugs, aus dem Fahrverhalten sowie aus dem tatsächlichen Verlauf der Fahrt ergeben. Die Blutalkoholkonzentration ist ein - 41 - wichtiger, wenn auch nicht ent scheidender Faktor. Beachtlich sind ferner allfällige persönliche Faktoren wie Müdigkeit, Kr ankheit, Gemütszustand usw. (ZR 93 Nr. 33). Die Blutalkoholkonzentration des Angeklagten betr ug mindestens 1,17 Gewichts- promille. Dies kommt einer leichten bis starken Angetrunkenheit gleich. Bereits bei Alkoholkonzentrationen unter 0,8 Gewi chtspromillen ist mit für das Lenken eines Fahrzeuges bedeutungsvollen Störungen (Reaktions-, Konzentrations- und Sehfähigkeit) zu rechnen, welche ein ausreichend sicheres Lenken eines Fahr- zeuges nicht mehr gewährleisten. Der Angeklagte fuhr am 9. Februar 2008, ca. 3.00 Uhr, von Burgdorf nach Lyssach (Strecke von etwas mehr als 5 km), was nicht gerade einer grossen Strecke entspricht. Gemäss Polizeirappart (ND 3 Urk. 1 S. 2) he rrschte nur wenig Verkehr. Diese Faktoren wirken eher leicht entlastend. Beizfügen ist allerdings, dass das Bundesgericht der Fa hrstrecke resp. Fahrzeit in neueren Entscheiden nicht mehr grosses Gewicht zumisst (v gl. u.a. Urteil des Bundesgerichts 6S.726/2001, E. 3c vom 25. Juni 2002: " Von untergeordneter Bedeutung [...] "); so ist auch hier zu verfahren. Für die Fahrt bestand absolut keinerlei Notwendigkeit oder Dringlichkeit. Gemäss den bei der Polizei deponierten Angaben des Angeklagten (ND 3 Urk. 1 S. 2) begab er sich um ca. Mitternacht noch in den Ausgang, wo er in einem Lokal an- dere Personen kennen lernte. Nachdem er alkoholische Getränke konsumiert hatte, wollte er eigentlich zu Fuss nach Hause zurückkehren, liess sich dann aber von seinen Begleitern umstimmen, so dass er zuhause sein Auto behändigte und mit seinen Begleitern noch nach Lyssach fuhr. Zusammenfassend muss das Verschulden des Angeklagten beim Fahren in angetrunkenem Zustand als erheblich bewertet werden. Alleine betrachtet zöge diese Trunkenheitsfahrt eine Geldstrafe v on rund 20 Tagessätzen (allenfalls ver- bunden mit einer Verbindungsstrafe nach Art. 42 Abs. 4 StGB) nach sich. - 42 - b) Der Missbrauch von Ausweisen gem äss Anklageziffer D/4. fällt ver- schuldensmässig weniger ins Gewicht, doch belegt die Verhaltensweise des Angeklagten exemplarisch, wie gleichgü ltig ihm behördliche Anordnungen waren. Allein betrachtet zöge dieses Verhalten eine Geldstrafe von rund 10 Tagessätzen nach sich. c) Am 21. Januar 2009, ca. 14.00 Uhr, durchfuhr der Angeklagte in Burgdorf die mit 30 km/h signalisierte Quartier strasse Zähringerstrasse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 64 km/h (nach Abzug der Toleranz). Hält man sich die konkreten Strassenverhältnisse vor Augen (ND 5 Urk. 4 + 5), muss ein derartiges Verhalten als absolut ina kzeptabel bezeichnet werden. Das Verschulden wiegt mittelschwer und müsste - für sich allein geahndet - zu einer Geldstrafe im Bereich von rund 60 - 90 Tagessätzen oder einer Freiheitsstrafe von 2 - 3 Mona- ten führen, zwingend ver bunden mit einer Verbindung sstrafe gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB (vgl. 6B_1042/2008 vom 30.4.2009, Erw. 2). Die Vorinstanz hat von einer solchen Verbindungsstrafe abgesehen. d) Beim objektiven Tatverschulden bei den in Anklageziffer D/1. - 3. umschrie- ben Sachverhalten ist zu berücksichti gen, dass der Angeklagte mehrfach gegen das Strassenverkehrsgesetz verstiess. Es würde - asperiert - zu einer Geldstrafe von rund 100 Tagessätzen Geldstrafe oder 3 ½ Monaten Freiheitsstrafe führen, womit eine Verbindungsstrafe im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB auszufällen gewesen wäre. 4.3.1.2. Die Berücksichti gung der subjektiven Tatsch were (keine verminderte Schuldfähigkeit, rücksichtsloses und absolut egoistisches Verhalten bzw. Motiv) führt zu einer Straferhöhung. 4.3.1.3. Wären die SVG-Delik te gemäss Anklageziffer D/1. - 3. für sich alleine zu beurteilen, ergäbe die Tatkomponent e eine Strafe im Bereich von 120 Tagesätzen Geldstrafe oder 4 Monate Freiheitsstrafe, womit eine Busse gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB zu verbinden gewesen wäre. 4.3.2. Täterkomponente - 43 - Auch hier kann grundsätzlich auf die obigen Ausführungen verwiesen werden. Dem Geständnis kommt vorliegend wenig Bedeutung zu, wäre ein Bestreiten an- gesichts der Beweislage aussichtslos gewesen. Dem Geständnis steht eine Straf- erhöhung infolge Delinquierens während laufenden Strafuntersuchungen und laufender Probezeit gegenüber. Diese Faktoren halten sich in etwas die Waage. 4.3.3. Hypothetische Einsatzstrafe für Anklageziffer D/1. - 3. Hätten einzig die in Anklageziffer D/1. - 3. geschilderte Sachverhalte beurteilt wer- den müssen, wäre eine Geldstrafe im Be reich von 120 Tagessätzen oder eine Freiheitsstrafe im Bereich von 4 Monat en, verbunden mit einer Busse gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB, angemessen gewesen. 4.4. Anklageziffer E (Ver untreuung eines Leasingfahrzeuges) 4.4.1. Tatkomponente 4.4.1.1. Das objektive Tatverschulde n muss angesichts des beträchtlichen Deliktsbetrages einerseits und der nich t geringen kriminellen Energie des Ange- klagten als erheblich eingestuft werden. 4.4.1.2. Betrachtet man das subjektive Tatverschulden, erhellt klar, dass dieses das objektive Tatverschulden erhöhen mu ss. Der Angeklagte handelte aus absolut egoistischen und rein finanzie llen Gründen. Er wollte aus einem Geltungsbedürfnis heraus mit einem entsprechenden Auto protzen, obschon er im damaligen Zeitpunkt die dazu notwendigen Mittel nicht aufbringen konnte. 4.4.1.3. Aufgrund der Tatkomponente erschei nt eine Geldstrafe im Bereich von 300 Tagessätzen bzw. eine Freiheitsstrafe von rund 10 Monaten angemessen. 4.4.2. Täterkomponente Es kann wieder auf die vorstehenden Er wägungen verwiesen werden. Beim Nachtatverhalten ist allerdings zu ber ücksichtigen, dass der Angeklagte bei der Polizei zum fraglichen Vorwur f keine Stellung nehmen woll te (ND 7 Urk. 7 S. 1). Nachdem es das Recht eines Angeschul digten ist zu schweigen, kann dies - 44 - selbstredend nicht straferhöhend veranschlagt werden. Auf der anderen Seite kann auch nicht von einem von Anfang an abgelegten Geständnis und von einem die Untersuchung erleichternden Verhal ten ausgegangen werden. Das später abgelegte Geständnis wirkt sich daher nur leicht strafreduzierend aus und wird durch das Delinquieren während laufend en Strafuntersuchungen und laufender Probezeit kompensiert. 4.4.3. Hypothetische Einsatzst rafe für Anklageziffer E Hätten einzig der in Anklageziffer E ges childerte Sachverhalt beurteilt werden müssen, wäre eine Geldstrafe von r und 300 Tagessätzen oder eine Freiheits- strafe von rund 10 Monaten angemessen gewesen. 4.5. Zusammenfassung der angemessenen Sa nktion für die nach dem 30. Juli 2007 verübten Delikte: Gestützt auf Art. 49 Abs. 1 StGB k önnen obgenannte Strafen selbstverständlich nicht einfach zusammen gezählt werden. Vi elmehr ist von der schwersten Strafe auszugehen, worauf diese angemessen zu erhöhen ist. Mithin findet eine Asperation statt (Trechsel/Affolter-Eijsten, StGB, PK, N 8 ff. zu Art. 49 StGB). In Würdigung aller massgebl ichen Umstände erscheint für die nach dem 30. Juli 2007 begangenen Delikte eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten angemessen. 4.6. Zusatzstrafe zum Strafmandat der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 30. Juli 2007 4.6.1. Ausgangslage 4.6.1.1. Mit obgenanntem St rafmandat wurde der Angek lagte am 30. Juli 2007 wegen Fälschung von Ausweisen im Sinne von Art. 252 StGB, begangen am 31. Juli 2005, mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft. Der Vollzug der Geldstrafe wurde bei einer Probezeit von 2 Jahren bedingt aufge- schoben (Urk. 32). Der Angeklagte, der dam als eine Stelle als Lehrer suchte, fälschte am 31. Juli 2005 ein auf den 31. Juli 2005 datiertes Arbeitszeugnis des Kreisschulverbandes Bucheggberg und gebrauc hte dieses in der Folge zur - 45 - Täuschung des Kreisschule Gäu, wo er sich als Lehrer bewarb (Beizugsakten Staatsanwaltschaft Solothurn STA.2007.5 65.6621; Strafverfügu ng). Als Begrün- dung gab der Angeklagte in jener Untersuc hung an, er habe seit zwei Jahren ver- sucht, im Kanton Solothurn eine Stelle zu finden, weil dort ein wesentlich besserer Lohn (als im Kanton Bern) bezahlt wer de. Er habe sicher schon rund zwanzig Bewerbungen geschrieben, die alle abschl ägig beantwortet wo rden seien. Er habe den Eindruck gehabt, dass das fragliche Zeugnis von F.__ nicht so positiv geschrieben gewesen sei. We il der Name von F.__ au f dem Arbeitszeugnis ver- merkt gewesen sei, gehe er davon aus, da ss die Schulbehörden dort nachgefragt und allenfalls mündlich nicht sehr positive Auskünfte erhalten hätten. In der Folge "kreierte" der Angeklagte ein "eigenes" Arbeitszeugnis, wobei der Name von Paul Hartmann nicht mehr auf dem Arbeitszeugnis fungierte. 4.6.1.2. Vor dieser Tat hat der Angekl agte die in Anklageziffer B beschriebenen Delikte (Veruntreuung eines Ferrari 360 Sp ider, verbunden mit einer Irreführung der Rechtspflege) begangen. Zu prüfen ist deshalb, we lche Strafe die Staatsan- waltschaft Solothurn am 30. Juli 2007 au sgefällt hätte, wenn sie nebst der Fälschung von Ausweisen auch noch die Veruntreuung des Ferrari sowie die Irreführung der Rechtspflege zu beurteilen gehabt hätte. 4.6.1.3. Das schwerste dies er drei Delikte ist fraglos die Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 StGB, welches eine Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder eine Geldstrafe vorsieht. Die Irreführung der Rechtspflege gemäss Art. 304 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstra fe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe sanktioniert, was auch für die Fälsch ung von Ausweisen im Sinne von Art. 252 StGB der Fall ist. 4.6.2. Tatkomponente 4.6.2.1. Bezüglich objektiver Tatschwere ist darauf hinzuweisen, dass der frag- liche Ferrari im damaligen Zeitpunkt einen Wert von rund Fr. 165'000.– hatte (ND 1 Urk. 2/4 S. 2). Mithin handelte es sich um ein kostbares Fahrzeug. Kommt dazu, dass der Angeklagte durch di e Veruntreuung die Autovermieterin in eine schwierige wirtschaftliche Lage brachte, weil sie das fragliche Fahrzeug - 46 - bereits anderweitig vermietet hatte, sie aber keinen adäquaten Ersatz für das Fahrzeug hatte. Zwar muss dem Angekla gten zugute gehalten werden, dass er sich aufgrund der konkreten Situation (e r gaukelte seinen "K ollegen" vor, Eigen- tümer des Ferrari zu sein, was impliziert, dass er nicht nur während der Mietdauer über das Fahrzeug verfügen konnte) recht spontan zur Veruntreuung entschieden hat, was eine Planung von langer Hand ausschliesst. Auf der anderen Seite ent- wickelte der Angeklagte mit dem bei der Polizei gemeldeten Raub (Irreführung der Rechtspflege), verbunden mit dem vorgängi gen Beiseiteschaffen des Ferraris, doch eine erhebliche kriminelle Energie. Jedenfalls l ag die Hemmschwelle, ein nicht zu unterschätzendes Vermögensdelikt zu begehen, sehr tief. 4.6.2.2. Was die subjektive Tatkomponen te angeht, ist erneut darauf hinzuwei- sen, dass eine Verminderung der Schuldfähigkeit nicht zur Diskussion steht. Das Motiv muss - einmal mehr - als äusserst egoistisch bezeichnet werden. Der Ange- klagte wollte, um bei seinen "Kollegen" Ei ndruck zu schinden, vorgaukeln, er sei Eigentümer eines Ferrari. Dabei geriet er in Zugzwang , weil er den gemieteten Ferrari nach Ablauf der Mietzeit hätte zurückbringen müssen. Dem Angeklagten haften durchaus hochstaplerische Züge an, was sich mit dem Berufsbild eines Lehrers, der seinen Schülern Vorbild und Leitschnur sein sollte, in keiner Weise verträgt. Die subjektiven Elemente er höhen daher das objektive Tatverschulden nicht unwesentlich. 4.6.2.3. Angesichts des hohen Delikts betrages, der Vorgehensweise (ver- bunden mit einer erheblichen kriminellen Energie) sowie aufgrund des Motivs ist von einem erheblichen Tatverschul den auszugehen. Dieses lässt eine hypothetische Einsatzstrafe für die in Anklageziffer B umschriebenen Taten von rund 12 bis 14 Monate Freiheitsstrafe als angemessen erscheinen. 4.6.3. Täterkomponente 4.6.3.1. Was die persönlichen Verhäl tnisse und den Wer degang betrifft, kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden. - 47 - 4.6.3.2. Bezüglich Vorstrafen ist auf den Zeitpunkt der Urteilsfällung (30. Juli 2007) abzustellen. Gemäss Strafregisterau szug vom 12. Juni 2007 (vgl. Beizugs- akten der Staatsanwaltscha ft Solothurn) waren im damaligen Zeitpunkt folgende rechtskräftige Verurteilungen eingetragen:  Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 20. Oktober 1998: Der Angeklagte war wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand, Verletzung der Verkehrsregeln, falsche Anschuldigung und Anstiftung zu Irreführung der Rechtspflege mit einer Strafe von 2 Monaten Gefängnis (bedingter Vollzug bei einer Probezeit von 2 Jahren) und einer Busse von Fr. 500.– bestraft worden. Am 21. Juni 2000 wurde diese Probezeit um 1 ½ Jahren verlän- gert.  Entscheid des Untersuchungsrichter amtes II Emmental-Oberaargau in Burgdorf vom 16. Februar 1999: Der Angeklagte war wegen Fahrens ohne Haftpflichtversicherung, Fahrenlass ens ohne Haftpflichtversicherung und Übertretung der Verordnung über die Haftpflicht und Versicherung im Strassenverkehr mit 7 Tagen Gefängni s (bedingter Vollzug bei einer Probezeit von 3 Jahren) und einer Busse von Fr. 200.– bestraft worden. Auch diese Probezeit musste am 21. Juni 2000 um 1 Jahr verlängert werden.  Entscheid des Gerichtskreises V Bu rgdorf-Fraubrunnen in Burgdorf vom 21. Juni 2000: Der Angeklagte wur de wegen grober Verletzung der Ver- kehrsregeln mit einer unbedingten Gef ängnisstrafe von 15 Tagen belegt, welche er nach eigener Darstellung in Form von gemeinnütziger Arbeit verbüsste. Diese drei - im damaligen Zeitpunkt im Strafregister eingetragenen - Vorstrafen wirken sich deutlich straferhöhend aus. 4.6.3.3. Beim Nachtatverhalten fällt das Geständnis des Angeklagten straf- reduzierend ins Gewicht. 4.6.3.4. Die straferhöhend en und strafreduzierenden Fa ktoren im Bereich der Täterkomponente halten sich in etwa die Waage. 4.6.4. Eine abschliessende Würdigung der am 30. Juli 2007 insgesamt zu beurteilenden Delikte ergibt, dass eine Freihei tsstrafe im Bereich von 13 Monaten angemessen gewesen wäre. Nachdem die Staatsanwaltschaft Solothurn am 30. Juli 2007 eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen ausgesprochen hat, beträgt der Anteil der Zusatzstrafe zu jener Verurteilung 12 Mona te und 10 Tage Freiheits- strafe. - 48 - 4.7. Gesamtbeurteilung 4.7.1. Oben wurde dargelegt, dass für die nach dem 30. Juli 2007 verübten Delikte eine Strafe von 32 Monaten Frei heitsstrafe angemessen ist. Ferner wurde ausgeführt, dass für die heute zu beurte ilenden Delikte, welche der Angeklagte vor dem 30. Juli 2007 begangen hat, eine Zusatzstrafe von 12 Monaten und 10 Tagen Freiheitsstrafe angemessen ist. 4.7.2. Auch diese Strafen dürfen ni cht zusammen gezählt werden. Vielmehr kommt auch hier das Asperationsprinzip zum Zuge. Bei gesamthafter Betrachtung wäre eine Strafe von 40 Monat en Freiheitsstrafe, dies als teilweise Zusatzstrafe zum Strafmandat der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 30. Juli 2007, ange- messen. 4.7.3. Dies belegt, dass die von der Vorinstanz ausgefällte Strafe insgesamt klar zu tief ausgefallen ist. In Beachtung des Verschlechterungsverbotes im Sinne von § 399 StPO bleibt es jedoch bei der von der Vorinstanz ausgefällten Strafe. 4.8. Gesamtstrafe 4.8.1. Gemäss Art. 46 Abs. 1 Satz 2 S tGB kann das Gericht die Art der wider- rufenen Strafe ändern, um mit der neuen St rafe in sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe zu bilden. Die Vorinstanz hat die Möglichkeit der Bildung einer Gesamtstrafe gewählt (vgl. Urk. 29 S. 18 ff.). Die Möglichkeit der Bildung einer Gesamtstrafe und somit die Änderung der zu widerrufenden Strafe ist gemäss Art. 46 Ab s. 1 StGB möglich, sollte jedoch nur zurückhaltend angewandt werden und sollte eine Ausnahme bilden (so Trech- sel/Stöckli, StGB, PK, N. 6 zu Art. 46 StGB). Auch Schneider/Garré (in Basler Kommentar, Strafrecht I, N. 30 zu Art. 46 StGB) sehen die Umwandlung einer Geldstrafe in eine Freiheitsstrafe als ultima ratio an. Das Bundesgericht wertet die Freiheitsstrafe als strengere Sanktion al s eine Geldstrafe, weshalb die Umwand- lung einer Geldstrafe in eine Freiheit sstrafe auch unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten problematisch erscheint. Zwar hat der Angeklagte Schulden in der Höhe von rund Fr. 200'000.–, was es fr aglich erscheinen lassen mag, ob er - 49 - überhaupt in der Lage wäre, eine unbedingte Geldstrafe zu bezahlen. Die Frage des Vollzugs der Geldstrafe rechtfertigt di e Umwandlung einer Geldstrafe in eine Freiheitsstrafe grundsätzlich nicht, zumal sich dem Angeklagten beispielsweise auch die Möglichkeit von Ratenzahlungen u nd Zahlungsfristen bietet (Art. 35 und 36 StGB). Wenn vorliegend dennoch bei der von der Vorinstanz gewählten Variante geblieben wird, dann einzig desha lb, weil eine Aufteilung der von der Vorinstanz als Gesamtstrafe ausgespr ochenen Freiheitsstrafe dazu führen müsste, dass die ohnehin zu tiefe Freiheit sstrafe weiter (nämlich um 20 Tage) reduziert werden müsste, ansonsten eine Verletzung des Verschlechterungsver- botes vorliegen würde. 4.8.2. Der Angeklagte ist somit, unter Einbezug der widerrufenen Strafe, mit einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten zu bestrafen, als Gesamtstrafe und teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der St aatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 30. Juli 2007. Der Angeklagte befand sich vom 12. August 2009 bis 2. September 2009 in Haft. Diese 21 Tage sind auf die zu vollziehende Strafe anzurechnen.