Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. November 2015 (720 15 253 / 286) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die IV-Stelle hat zu Recht auf die vorliegenden ärztlichen Unterlagen abgestellt und ist demzufolge von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausge- gangen, weshalb bei der Beschwerdeführerin keine relevante Leistungsbeeinträchtigung besteht. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Daniel Gfell- er Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Roland Strauss, Advokat, Blumenrain 20, Postfach 1143, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1954 geborene A.____ meldete sich am 13. Feb ruar 2003 unter Hinweis auf eine Fibromyalgie bei der Eidgenössischen Invalidenversi cherung (IV) zum Leistungsbezug an, wo- bei sie eine Rente beantragte. Mit Verfügung vom 22 . Juni 2004 wies die IV-Stelle Basel- Landschaft das Leistungsbegehren von A.____ in Anwe ndung der gemischten Methode ge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht stützt auf einen IV-Grad von 0 % ab. Diese Verfügung ist in Rechtskraft erwachsen. Am 24. Juni 2006 meldete sich A.____ erneut zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 14. September 2006 trat die IV-Stelle auf dieses Leistungsbegehren ni cht ein. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde vom Kantonsgericht Basel-Landsch aft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 13. Juni 2007 abgewiesen. Am 16. Juni 2008 reichte A.____ erneut ein Rentenbege hren bei der IV-Stelle ein. Nach weite- ren Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsich t und nach erfolglos vorgenomme- nen beruflichen Massnahmen verfügte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren am 2. bzw. 3. Juni 2015 in Anwendung der gemischten Met hode mit den Anteilen Erwerb 67 % und Haushalt 33 % eine befristete Viertelsrente vom 1 . März 2009 bis 31. Mai 2009, ab 1. Juni 2009 eine befristete ganze Rente bis 30. November 2009 sowie eine befristete ganze Rente vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2012. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Roland Strauss, mit Schreiben vom 2. Juli 2015 Einsprache bei der IV-Stelle. Zuständi gkeitshalber wurde die Einsprache an das Kantonsgericht weitergeleitet. Auf Aufforderung d es Kantonsgerichts hin reichte A.____, wiederum vertreten durch Dr. Roland Strauss, mit Schrei ben vom 24. August 2015 eine be- gründete und mit einem klaren Rechtsbegehren versehene Beschwerde beim Kantonsgericht ein und beantragte, die drei Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 2. Juni 2015 seien auf- zuheben und die Angelegenheit zur Vornahme der weite ren erforderlichen Abklärungen und anschliessend zum Erlass neuer Verfügungen an die Beschwe rdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 2. September 2015 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Die fä lschlicherweise an die unzuständige Instanz gerichtete Einsprache ist in Bezug auf das vorlieg ende Beschwerdeverfahren als frist- wahrend zu betrachten. Die berichtigte Eingabe ist form- und fristgerecht eingereicht worden, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Die Beschwerdeführerin bringt in formeller Hinsicht vor, die Verfügungen seien nicht begründet worden, weshalb eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege. Die IV-Stelle hat sowohl am 2. Juni 2015 als auch am 3 . Juni 2015 an die Versicherte bzw. an den Rechtsvertreter adressierte Verfügungen erlassen. Wäh rend die Verfügungen vom 2. Juni 2015 nicht begründet waren, sondern lediglich die Le istungszusprache betrafen, enthielten die Verfügungen vom 3. Juni 2015 eine Begründung, mit w elcher erklärt wurde, worauf sich die IV- Stelle zur Berechnung des IV-Grades abstützt. Die Verfügungen vom 2. Juni 2015 können nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr bilden diese eine logische Einheit mit den Verfügungen vom 3. Juni 2015, die als mitangefochten gelten müssen. Di e Beschwerdegegnerin hat in ihrer Ver- nehmlassung vom 9. September 2015 ausdrücklich auf die B egründung in den Verfügungen vom 3. Juni 2015 hingewiesen. Hätte die Beschwerdeführerin diese Verfügungen nicht erhalten, wäre zu erwarten gewesen, dass sie sich – nach Erhalt der Vernehmlassung – an das Gericht gewendet hätte, um die Kenntnisnahme dieser Verfügung en zu bestreiten. Da dies nicht ge- schehen ist, ist davon auszugehen, dass die begründeten Ver fügungen vom 3. Juni 2015 der Versicherten bzw. ihrem Rechtsvertreter eröffnet worden sind. Von einer Verletzung des rechtli- chen Gehörs im Sinne einer fehlenden Begründung der R entenzusprechung kann demzufolge nicht ausgegangen werden. 2. Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Zuspr echung von befristeten Renten ent- sprechend den angefochtenen Verfügungen zu Recht erfol gt ist oder ob die IV-Stelle zusätzli- che Abklärungen hätte vornehmen müssen. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG d arauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen ( Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 bis IVV). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bunde sgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versich erten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 16. Dezember 2015) entwickelt haben, wobei fü r die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit de r im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.2 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d der Versicherten nach der gemischten Methode bemessen, was von der Beschwerdeführerin – zu Recht – nicht bestritten wird. Die IV- Stelle hat bei der Festlegung der Anteile der Erwerb stätigkeit und der Haushalttätigkeit auf die im “Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit“ w iedergegebenen Angaben der Versicher- ten abgestellt, wonach diese ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen wie bis anhin im Umfang von 28 Stunden pro Woche erwerbstätig wäre. Gestützt auf diese Aussage der Versicherten hat die IV-Stelle den Anteil der Erwerbstätigkeit auf 67 % und jenen der Haushalttätigkeit entspre- chend auf 33 % festgesetzt, was nicht zu beanstanden ist u nd denn auch von der Beschwerde- führerin nicht in Frage gestellt wird. 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 f. E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Die Beschwerdeführerin hat bei einem Sturz am 9. Ja nuar 2009 eine distale Radius- fraktur rechts erlitten. Gemäss rheumatologischem Gutachten von Dr. med. B.____, FMH Inne- re Medizin, vom 23. September 2009 bestand ab Frakturd atum bis Ende August 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Theoretisch wäre eine Arbeitsaufnahme als Raumpflegerin ab Sep- tember 2009 zu 50 % und ab Oktober 2009 zu 80 % möglich gewesen. Offenbar stützte sich die IV-Stelle auf diese Atteste als sie der Beschwerdeführer in eine Viertelsrente ab 1. März 2009 und eine ganze Rente ab 1. Juni 2009 bis 30. November 2009 zusprach. Für die Annahme ei- ner 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2011 bis 31 . Dezember 2012 stützt sich die IV- Stelle wohl auf die Akten der Schweizerischen Unfallve rsicherungsanstalt (SUVA), aus denen hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin am 19. November 2010 eine weiteren Unfall erlitten hat, als sie gemäss Unfallmeldung bei einer Baustelle über Bretter gestolpert ist und sich dabei eine OSG-Distorsion rechts bzw. eine Verletzung am rechte n Fuss und am linken Knie zugezo- gen hat. Dr. med. C.____, Klinik für Hand- und perip here Nervenchirurgie, D.____ AG, hat schon am 9. Dezember 2010 eine leichte Tätigkeit wiede r als ganztags zumutbar erachtet. Dr. med. E.____, FMH Allgemeinmedizin, hat am 27. Januar 2011 angegeben, die OSG-Distorsion sei ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Für die von verschiedenen Ärzten attestierte Arbeitsunfähigkeit dürfte eher die Neuropathie des r echten Nervus ulnaris im Ellbogenbereich verantwortlich gewesen sein, die im Mai 2011 operiert w orden ist. Am 18. September 2012 hat der SUVA-Kreisarzt Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumotologie des Bewegungsapparates, eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in e iner Verweistätigkeit festgestellt. Ab diesem Zeitpunkt ist denn auch die IV von einer zumutbar en Arbeitsfähigkeit in einer ganztägi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Verweistätigkeit ausgegangen und hat die ganze Rente folglich auf den Zeitraum 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2012 befristet. 6.1 Zur Beurteilung der aktuellen Einschränkungen im E rwerb hat die IV-Stelle auf das interdisziplinäre Gutachten der G.____ mit den Fachdiszip linen Psychiatrie, Orthopädie, Neuro- logie und Innere Medizin vom 18. März 2014 abgestellt. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Gutachter chronisch wiederkehrende Zerviko-dorso-Lumbalgien und chro- nisch wiederkehrende Handgelenksarthralgien rechts. Ohne R elevanz für die Arbeitsfähigkeit wurden unter anderem eine anhaltende somatoforme Sch merzstörung und eine Persönlich- keitsakzentuierung angegeben. Tätigkeiten, bei denen nu r geringe Gewichte von 3 bis 5 kg ge- hoben werden müssen, ohne vorgeneigtes Stehen oder geb ückte Haltung seien ohne Ein- schränkung hinsichtlich Arbeitszeitpräsenz und Leistungsfähig keit zu 100 % zumutbar. Retro- spektiv seien lediglich vorübergehende Zeiten von Arbeit sunfähigkeit infolge der erlittenen Traumata, insbesondere der distalen Radiusfraktur festzu stellen. Ansonsten aber gelte die 100%ige Arbeitsfähigkeit praktisch durchgängig auch retrospektiv. 6.2 Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb auf das Guta chten der G.____ nicht abge- stellt werden könnte. Das Gutachten ist für die streit igen Belange umfassend, es beruht auf gründlichen Untersuchungen, es ist in Kenntnis der Vorakt en abgegeben worden und gelangt zu schlüssigen Ergebnissen. Die von der Versicherten eingere ichten Berichte der behandeln- den medizinischen Fachpersonen können an der Schlüssigkeit des G.____-Gutachtens keine Zweifel wecken. Dr. med. H.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, Speziell Rheumaerkrankungen, hat in seinem Bericht vom 29. April 2015 unter anderem die Diagnose einer generalisierten Fibromyalgie und Tendomyopathie gestellt. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann daraus kein anderer Schluss gezog en werden, als wenn mit den G.____-Gutachtern eine somatoforme Schmerzstörung ang enommen wird. Die beiden Diagno- sen bezeichnen im Prinzip die gleichen Beschwerden, ledi glich aus unterschiedlichen medizini- schen Fachgebieten betrachtet. Soweit sich die von der B eschwerdeführerin eingereichten Be- richte auf den Sachverhalt beziehen, wie er sich nach de n Verfügungen vom 2. und 3. Juni 2015 entwickelt hat, ist dies für das vorliegende Verfahren nicht relevant, da das Gericht nur die Entwicklung bis zum Verfügungserlass prüfen kann. 6.3 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle auf das formell kor- rekt erstellte sowie umfassend und nachvollziehbar begrün dete Gutachten der G.____ vom 18. März 2014 abgestellt hat. Es ist daher von einer 10 0%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwer- deführerin in einer angepassten Tätigkeit ab 1. Januar 2013 auszugehen. 7.1 Auch das Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015 (B GE 141 V 281) kann im vorlie- genden Fall keine andere Beurteilung bewirken. Mit di esem Urteil ist die Überwindbarkeitsver- mutung bei unklaren Beschwerdebildern aufgegeben worden. Die Grundsätze der Zumutbarkeit gelten allerdings weiterhin (BGE 141 V 281 E. 3.7.1) . Aufgrund einer objektivierten Betrach- tungsweise und insbesondere mit Blick darauf, dass im G.____-Gutachten nicht auf die Defizite, sondern auch auf die Ressourcen der Beschwerdeführerin eingegangen wurde und der Schluss Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die bestehenden Einschränkungen insoweit auf einer Gesamtsicht basiert, besteht nach wie vor eine verlässliche Grundlage für die Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit. 7.2 Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass gemäss alte m Verfahrensstandard einge- holte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert verlieren (BGE 141 V 281 E. 8). Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten entscheidend, ob abschliessend auf die vorhandenen Bewe isgrundlagen abgestellt werden kann. Dies ist vorliegend zweifellos der Fall. 7.3 Im Übrigen kann nicht ausser Betracht gelassen werde n, dass im G.____-Gutachten ein ausgeprägter sekundärer Krankheitsgewinn und eine passive regressive Versorgungserwar- tung festgehalten wurde. Bei der sehr übertriebenen Beschwerdedarstellung der Versicherten sei eine erhebliche bewusstseinsnahe Verdeutlichungsten denz auffällig, so dass davon auszu- gehen sei, dass Teile der Symptomatik auch dieser bewusstsei nsnahen Verdeutlichungsten- denz zuzuordnen und damit der freien Willensbildung zugä nglich sei. In diesem Zusammen- hang ist darauf hinzuweisen, dass regelmässig keine versich erte Gesundheitsschädigung vor- liegt, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Herrscht im Einzelfall Klarheit darüber, dass so lche Ausschlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente, wie dies auch in BGE 141 V 281 E . 2.2.1 festgehalten wird (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 17. August 2015, 8C_209/2015, E. 6.3.1). Es ist unbestritten, dass bei der Versicherten gewisse somat ische Gesundheitseinschränkun- gen vorliegen, welche dazu führen, dass sie keine körperli ch schweren Arbeiten mehr verrich- ten kann. Deshalb kann diesbezüglich nicht von Simulation gesprochen werden. Die somato- forme Schmerzstörung oder die von den behandelnden Är zten auch diagnostizierte Fibromyal- gie vermögen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführ erin allerdings nicht in einem weiteren Ausmass einzuschränken als dies von den G.____-Gutachtern beschrieben wurde. 8. Gemäss Haushaltsbericht vom 9. Juni 2010 besteht seit dem Unfall vom 9. Januar 2009 im Zweipersonen-Haushalt in einem rund 30 m 2 grossen Mansardenzimmer eine Ein- schränkung von total 10 %. Nach einer zwischenzeitlichen Ver schlechterung vor und nach der Ulnaris-Operation im Mai 2011 hat sich der Gesundheitszustand aber inzwischen verbessert, so dass nicht klar ist, ob im Haushalt noch eine Einschränk ung besteht. Wie es sich damit verhält, kann offen bleiben, weil so oder anders für die Zeit a b Januar 2013 kein rentenbegründender IV-Grad resultiert. 9. Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass die IV-Stelle der Beschwerdefüh- rerin zu Recht ab 1. März 2009 eine Viertelsrente, ab 1. Juni 2009 bis 30. November 2009 eine ganze Rente und ab 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 201 2 eine ganze Rente zugesprochen hat. Die dagegen erhobene Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- - Fr. 1‘000.-- festgele gt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in de- nen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrens- kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zu verrechnen sind. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsp rechend wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht