Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Dezember 2016 (715 15 320 / 327) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Der Beschwerdeführer wurde zu Unrecht für 24 Tage in der Taggeldanspruchsberechti- gung eingestellt, da es ihm im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht aus medizini- schen Gründen nicht zumutbar war, bis zur Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle beim bisherigen Arbeitgeber zu bleiben; die Beschwerde wird deshalb gutgeheissen Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____, Jahrgang 1990, war zuletzt vom 31. März 2014 bis 30. April 2015 bei der B.____ AG angestellt. Am 8. April 2015 meldete er s ich beim Regionalen Arbeitsvermittlungs- zentrum Laufen (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob bei der Öffentlichen Arbeitslosen- kasse Baselland (Kasse) Anspruch auf Arbeitslosenen tschädigung ab dem 1. Mai 2015. Mit Verfügung Nr. 1067/2015 vom 10. Juni 2015 stellte d ie Kasse A.____ wegen selbstverschulde- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Mai 2015 für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Mit Ent- scheid vom 11. September 2015 hiess die Einspracheinstanz d es Kantonalen Amtes für Indust- rie, Gewerbe und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA), Abte ilung Öffentliche Arbeitslosenkasse Ba- sel-Landschaft, die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache teilweise gut und reduzier- te die Einstelldauer auf 24 Tage. B. Hiergegen erhob A.____ am 12. Oktober 2015 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und bea ntragte die Aufhebung des Ein- spracheentscheids vom 11. September 2015. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung v om 28. Dezember 2015 auf Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründun g in erster Linie auf den angefoch- tenen Einspracheentscheid. D. Zwecks weiterer Abklärung des Sachverhalts holte das Kan tonsgericht bei Dr. med. C.____, Fachärztin FMH Allgemeine Innere Medizin, und bei Dr. med. D.____, Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin, eine amtliche Erkundigung e in. Dr. D.____ und Dr. C.____ beant- worteten mit Schreiben vom 3. März 2016 resp. mit Schre iben vom 2. Mai 2016 die ihnen ge- stellten Fragen. E. Mit Eingabe vom 10. August 2016 nahm die Beschwerd egegnerin zum Ergebnis der amtlichen Erkundigung Stellung und hielt an ihren bish erigen Anträgen fest. Der Beschwerde- führer liess sich nicht mehr vernehmen. Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien in den S chriften und die Unterlagen wird – soweit notwendig – in den Erwägungen eingegangen. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die o bligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Vorliegend kam der Beschwerdeführer seinen Kontr ollpflichten im Kanton Basel- Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Ka ntonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einsprache entscheide der Versicherungs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht träger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch die sachliche Zu ständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzu- treten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall sind eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Umfang von 24 Tagen bei einem Taggeld von Fr. 140.-- und damit ein Streitwert von Fr. 3‘360.-- zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwer deführer infolge selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 24 Ta gen in der Anspruchsberechtigung ein- stellte. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und so weit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in ei nem nach den persönlichen Umstän- den und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 3.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besonde- re Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zuge mutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (ARV 1976 Nr. 18; Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1 998, S. 116). Die Zumutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). 3.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Ar t. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige („volontairement“) Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans motif légitime“) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vo m 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 3.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt di e Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundheitsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Un zumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachver halts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). 3.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mein ungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 10 5 S. 323, C 128/96). Bei Schwierig- keiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und dergleichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicherung einer neuen Anschlussstel- le aufzugeben. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass b elastende Verhältnisse am Arbeits- platz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nich t rechtfertigen. Sie können aber allenfalls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 2 9. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der ver sicherten Person nicht entsprechendes Betriebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 4.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf fol gende Verfahrensgrundsätze hinzuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe- schwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungs- träger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige un d vollständige Feststellung des rechts- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht erheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeu- tet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder ander er sich aus den Akten ergebender An- haltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Gr undsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspfli chten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). Sodann ist da rauf hinzuweisen, dass bei sich wider- sprechenden Angaben der versicherten Person die Beweismaxim e gilt, wonach die sogenann- ten spontanen „Aussagen der ersten Stunde“ in der Rege l unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst vo n nachträglichen Überlegungen ver- sicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 115 V 133 E. 8c). 5.1 Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Ein spracheentscheid davon aus, dass dem Beschwerdeführer das Verbleiben an seiner bishe rigen Arbeitsstelle bei der Firma B.____ AG weiterhin zuzumuten gewesen wäre. Im Einspr acheentscheid anerkannte sie, dass zwischen dem Einsprecher und seinen Vorgesetzten während Monaten ein angespanntes Ver- hältnis bestanden habe, was zu gesundheitlichen Beschwerde n wie Schlafstörungen und Bauchschmerzen geführt habe. Es sei verständlich, dass dies er Zustand den Wunsch nach einer neuen Stelle gefördert und der Einsprecher die Arbeitsstelle rasch habe verlassen wollen. Dennoch könne aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht und nach der strengen Praxis des Bundesgerichts im Bereich der Selbstkündigung nicht von einer zwingenden Selbstaufgabe gesprochen werden. Zwar seien die gesundheitlichen Prob leme nicht in Zweifel zu ziehen. Die- se hätten beim Entschluss, das Arbeitsverhältnis zu beenden, sicherlich eine Rolle gespielt. Es sei aber davon auszugehen, dass vor allem der schwierige Um gang mit den Vorgesetzten und damit das angespannte Verhältnis im Vordergrund gestan den hätten. Zudem stellte sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, dass die eingere ichte ärztliche Bestätigung nicht ge- nug aussagekräftig sei. 5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass die Beschwerde gegnerin die ärztlichen Ein- schätzungen nicht korrekt gewürdigt habe. Es sei ihm ärztl icherseits vom 3. März 2015 bis 6. März 2015 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Die ganze Problematik habe aber schon vorher begonnen. Er habe sich Ende Februar i n den Ferien etwas erholen können. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seine Ärztin habe dies mit dem Zeugnis vom 1. Oktober 20 15 präzisiert und den Leidensdruck attestiert. Da Ferienzeit gewesen sei, habe er einen Stellvertretungsarzt aufsuchen müssen. Die Arbeitsstelle sei ihm aufgrund der Beschwerden nicht m ehr zumutbar gewesen, was er auch von Anfang an so angegeben habe. Diesbezüglich bestehe auch kein Widerspruch in den Be- richten der behandelnden Ärzte. Die Arbeitsunfähigkei t habe nachher angedauert, was die grosse gesundheitliche Belastung aufzeige. Diese habe de n Verbleib an der alten Arbeitsstelle bis zur Zusicherung einer neuen Stelle unzumutbar gemacht. 5.3 Aufgrund der Akten steht fest, dass der Beschwerdefü hrer das seit dem 10. März 2014 bei der B.____ AG bestehende Arbeitsverhältnis mit Sch reiben vom 30. März 2015 auf Ende April 2015 auflöste, ohne dass ihm zum damaligen Zeitpunkt von anderer Seite verbindlich eine neue Arbeitsstelle zugesichert gewesen wäre. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihm ein V erbleiben an der bisherigen Arbeits- stelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewesen wäre (vgl. Erwägung 3.3 hiervor). 6.1 Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 21. Ap ril 2015 (Oeka act. 23) führte der Beschwerdeführer zum Grund der Kündigung aus, dass es nich t mehr gegangen sei, bei der B.____ AG zu arbeiten. Er wies auf Mobbing Vorwürfe h in, und dass er psychisch krank gewor- den sei. Er habe immer Bauchschmerzen gehabt, wenn er h abe arbeiten müssen. Weiter gab er an, dass er vom 24. März 2015 bis 24. April 2015 aufgrund einer psychischen Erkrankung an der Arbeitsleistung verhindert gewesen sei. Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs führte der Beschwerdeführer am 5. Juni 2015 gegenübe r der Beschwerdegegnerin erneut aus, dass er das Arbeitsverhältnis aufgrund von Mobbing am Arbe itsplatz und aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst habe (Oeka act. 83 f.). Zum Ablauf b is zur Kündigung führte er aus, dass er zu Beginn im Tätigkeitsbereich der elektrischen Schlösser t ätig gewesen sei. Aufgrund seiner Ausbildung sei er in diesem Bereich leicht überforde rt gewesen. Dies habe er seinen Vorge- setzten kommuniziert. Er sei in der Folge in den Arbeit sbereich der mechanischen Schlösser versetzt worden. Diese Arbeit habe ihm sehr gefallen. Er habe allerdings von den Vorgesetzten unterschiedliche Angaben zur Ausführung der einzelnen Ar beitsschritte erhalten, was bei ihm eine Verunsicherung bezüglich der korrekten Ausführung bewirkt habe. Er habe oft das Ge- spräch mit den Vorgesetzten gesucht, um eine gute Qualit ät abzuliefern. Häufig hätten die Fra- gen aus Zeitmangel nicht beantwortet werden können, zus ätzlich habe sich eine genervte Art der Vorgesetzten bei den Nachfragen gezeigt, was ihn n och mehr verunsichert habe. Er habe weiterhin versucht, die Arbeit optimal zu verrichten, darunter habe aber die Quantität abge- nommen. Dagegen habe die Kontrolle seiner Schlösser zugenommen, wobei nur seine Arbeit kontrolliert worden sei. Ausserdem habe er erfahren, dass sich die Vorgesetzten zunehmend öffentlich über seine Arbeit beschwert und ihn als Per son schlecht gemacht hätten. Nach den Fasnachtsferien sei er gestärkt an die Arbeitsstelle zurückg ekehrt. Seine Motivation sei jedoch durch eine erneute, in seinen Augen falsche Anschuldigun g jäh beendet worden. Es sei noch mehr Druck aufgesetzt worden und die Unsicherheit habe si ch verstärkt. Zusätzlich hätten sich täglich starke Bauchkrämpfe eingestellt, die die Ausfü hrung der Arbeit zunehmend erschwert hätten. Dies wiederum habe die Beschwerden noch mehr ve rstärkt und der Druck vom Arbeit- geber sei nochmals gestiegen mit Aussagen wie „ich solle nicht so viel krank sein“. Er habe sich um ein Gespräch bemüht. Stattdessen sei er aber noch m ehr unter Druck gesetzt worden. Auf- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund dieser Situation habe er einen Arzt aufgesucht, der eine stressbedingte Helicobater Gas- tritis diagnostiziert habe. Es sei in der Folge an eine Psychologin überwiesen worden, welche die ganze Situation am Arbeitsplatz als Mobbing erkannt und ihn zur Entlastung zwei Wochen krankgeschrieben habe. Er habe nicht mehr schlafen könne n und die Bauchschmerzen hätten sich nicht gebessert. Seine Gedanken hätten sich zunehmend um die Arbeit gedreht und er habe sich aufgrund der Kritik und des Drucks seiner Vorgese tzten unzulänglich und falsch be- handelt gefühlt. Auch die Bauchschmerzen hätten nicht gebessert. Auf ärztliches Anraten hin habe er sich für die Kündigung entschieden, da er die Arbeit unter diesen Umständen nicht mehr ertragen habe. 6.2 Der Beschwerdeführer schilderte anlässlich der Gewähr ung des rechtlichen Gehörs detailliert und glaubhaft, dass das Arbeitsklima bei de r B.____ AG für ihn – auch aufgrund sei- ner fachlichen Überforderung – belastend war. Entgege n der Auffassung der Beschwerdegeg- nerin gab er jedoch nicht nur an, gemobbt worden zu se in; vielmehr führte er aus, dass sich aufgrund der belastenden Situation am Arbeitsplatz g esundheitliche Probleme entwickelt hät- ten, allen voran eine Entzündung des Magendarmtraktes s owie psychische Beschwerden. Die Würdigung der vorstehenden Akten zeigt denn auch, dass de r Beschwerdeführer von Anfang an und in konstanter Weise vorbrachte, dass er aufgrund p sychischer Beschwerden gekündigt habe. Es handelt es somit nicht nur um eine später im Ve rfahren eingebrachte Darstellung des Beschwerdeführers, die bewusst oder unbewusst von nachträg lichen Überlegungen versiche- rungsrechtlicher Art beeinflusst worden ist (vgl. dazu Erwägung 4.2 hiervor). Es ist nicht in Zwei- fel zu ziehen, dass für den Beschwerdeführer die gesundh eitlichen Beschwerden der Haupt- grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses waren. 6.3 Es stellt sich somit die Frage, ob die vom Beschwerdef ührer vorgebrachte Unzumut- barkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz aus gesundheit lichen Gründen durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis oder durch andere geeignete Beweismittel belegt ist. 7.1 Mit der Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin rei chte der Beschwerdeführer drei Arztzeugnisse ein. Darin attestierten ihm die behandelnd en Ärzte eine krankheitsbedingte 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit dauernd vom 24. März 2015 bis 24. April 2015 (ärztliches Zeugnis von Dr. med. E.____, Facharzt FMH Allgemeine Innere M edizin, vom 24. März 2015, sowie ärztliche Zeugnisse von Dr. med. C.____ vom 26. März 201 5 und vom 9. April 2015, vgl. Oeka act. 6). Mit Schreiben vom 18. Mai 2015 bestätigte F.__ __, prakt. Psychologin, dass der Versi- cherte seit dem 8. April 2015 im zweiwöchentlichen Rhy thmus bei ihr in psychologischer Be- handlung sei (Oeka act. 82). 7.2 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens re ichte der Beschwerdeführer weitere ärztliche Stellungnahmen ein. Dr. C.____ atte stierte ihm mit ärztlichem Zeugnis vom 7. März 2015 eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit dauernd vom 3. März 2015 bis 6. März 2015. Mit Zeugnis vom 1. Oktober 2015 nahm sie ausserdem Stellung zur Konsultation vom 3. März 2015. Anlässlich dieser Konsultation habe sie eine Hel icobacter positive Gastritis und den Ver- dacht auf Mobbing diagnostiziert. Weiter hielt sie fest , dass sich der Patient am 26. März 2015 aufgrund des Leidensdrucks infolge des Verdachts auf Mobbings erneut bei ihr vorgestellt habe Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und sie ihm zur psychologischen Therapie geraten habe. Anlässlich der Konsultation vom 9. April 2015 habe sie noch keine Besserung der Symptome beobachten können. 7.3 Mit Antwortschreiben vom 2. Mai 2016 führte Dr. C .____ im Rahmen der gerichtlichen Sachverhaltsabklärung aus, dass sie den Beschwerdeführer a b dem 3. März 2015 behandelt habe. Sie habe damals die Differenzialdiagnose des Ver dachts auf psychosomatische Be- schwerden (Magenschmerzen) wegen Verdachts auf Mobbing am Arbeitsplatz bei positivem Helicobacter-Nachweis gestellt, zudem habe sie eine depressi ve Entwicklung festgestellt. Zum Verlauf hielt sie fest, dass am 3. März 2015 festgestell t worden sei, dass der Magen mit He- licobacter pylori Bakterien besiedelt gewesen sei. Dies führe bei zusätzlichen Stressfaktoren oft zu einer Magenentzündung und bessere in der Regel nach einer Antibiotikabehandlung inner- halb von zwei Wochen. Die Bauchbeschwerden seien in der Konsultation vom 26. März 2015 nicht mehr vorhanden gewesen, weshalb sie von einer e rfolgreichen Therapie ausgegangen sei; stattdessen seien die psychischen Beschwerden durch die P robleme am Arbeitsplatz das Hauptproblem gewesen. Zudem habe sich bei ihr der Ver dacht verstärkt, dass auch eine de- pressive Entwicklung vorhanden sein könnte, weshalb sie dem Patienten eine Psychotherapie empfohlen habe. Dass eine Kündigung das Problem des Mobbings kurzfristig löse, sei vom Pa- tienten angesprochen worden, aber sie habe das nicht em pfohlen. Sie rate ihren Patienten zu- erst immer zu einer aktiven Problemlösung am Arbeitspla tz und unterstütze sie dabei (oft auch in Zusammenarbeit mit Psychologen, so habe sie es auch d em Beschwerdeführer empfohlen). Am 9. April 2015 sei der Patient erneut zu ihr gekomme n und habe überraschend mitgeteilt, dass er gekündigt habe. Am 16. April 2015 und am 24. April 2015 seien wieder Bauchschmer- zen aufgetreten und der Patient habe über Blut auf d em Toilettenpapier berichtet. Laborche- misch sei das Helicobacter Bakterium noch nachweisbar gewe sen. Der Grund dafür sei, dass der Patient entweder die Tabletten nicht eingenommen habe oder aber gegenüber den Medi- kamenten resistent sei. Sie habe sich daher für eine neu e Antibiotikatherapie entschieden und danach den Patienten nicht mehr gesehen. Zusammenfass end könne sie sagen, dass beim Patienten glaubhaft eine starke psychische Belastung am Arbeitsplatz bestanden habe und die Bauchschmerzen hauptsächlich dadurch ausgelöst worden seien . Helicobacter Bakterien wür- den den Magendarmtrakt oft auch bei völlig beschwerdefreien Menschen besiedeln und würden nur bei Bauchbeschwerden therapiert. Obwohl sie den Le idensdruck gut nachvollziehen könne, habe aus ihrer Sicht als Hausärztin aus medizinischen Gründ en (noch) kein Grund für eine Kündigung des Arbeitsplatzes bestanden. Falls es sich aber um ein heftiges Mobbing gehandelt habe, könne sie erfahrungsgemäss berichten, dass eine Künd igung meistens die einzige gute Lösung für den Betroffenen und somit ein nachvollzie hbarer Schritt sei, um die eigene psychi- sche Situation zu verbessern. Die psychische Gesamtsituation im ganzen Ausmass sei von aussen her nicht sicher beurteilbar und oft schlimmer als es anfänglich scheine (bis hin zur Sui- zidalität). 8.1 Gestützt auf die vorstehenden medizinischen Akten steht fest, dass sich der Be- schwerdeführer bereits während der Dauer des Arbeitsverh ältnisses und damit vor der Kündi- gung desselben erstmals am 3. März 2015 aufgrund der von ihm geschilderten gesundheitli- chen Beschwerden in ärztliche Behandlung begab. Dabei h andelte es sich nicht nur um einen einmaligen Arztbesuch. Der Sachverhalt unterscheidet sic h somit wesentlich von denjenigen, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die den Urteilen des EVG vom 4. August 2000, C 97/00, E. 2c, vom 30. September 2004, C_169/03, E. 3.2, vom 9. Februar 2006, C 299/05, E. 2.2 und vom 20. Februar 2006, C 349/05, E. 2.2.3, zugrunde lagen. Bei diesen Verfahren vernei nte das EVG eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen, weil gar keine ärztlichen Z eugnisse bei den Akten lagen, sondern die gesundheitlichen Beschwerden von den versicherten Per sonen nur behauptet wurden. Dr. C.____ stellte zudem – wie vom Bundesgericht verlangt – klare Diagnosen und ordnete eine somatische wie auch psychiatrische Behandlung an, um die gesundheitlichen Beschwerden zu verbessern (vgl. Urteile des EVG vom 20. April 2001, C 1 55/00, E. 2c, und vom 15. Februar 2002, C 381/01, E. 2b). Der Beschwerdeführer seinerse its nahm die notwendigen Behandlun- gen in Anspruch, insbesondere kümmerte er sich nach der Konsultation vom 26. März 2015 umgehend um einen Psychotherapieplatz und begann die Behandlung am 8. April 2015. Weiter ist gestützt auf die echtzeitlichen Arztzeugnisse erstellt , dass die behandelnden Ärzte Dr. C.____ und Dr. E.____ den Beschwerdeführer während mehreren Wochen – vom 3. März 2015 bis 6. März 2015 und durchgehend vom 24. März 2015 bis 2 4. April 2015 – aus Krankheits- gründen zu 100 % als arbeitsunfähig einstuften. Im Zeit punkt der Kündigung lag beim Be- schwerdeführer somit eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit vor; dies aufgrund der eingangs ge- schilderten gesundheitlichen Probleme. Damit unterscheid et sich die vorliegende Konstellation auch vom Sachverhalt, der dem bundesgerichtlichen Urteil vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 5.2, zugrunde lag. Dort wurde eine Unzumutbarkeit verneint, weil die versi- cherte Person zwar schon jahrelang in ärztlicher Behandlu ng war, die gesundheitlichen Be- schwerden aber nie eine Arbeitsunfähigkeit bewirkt hatten. Sofern sich die Beschwerdegegnerin auf das Urteil des EVG vom 15. Februar 2002, C 318/01 , E. 2b, beruft, kann sie aus diesem Entscheid nichts ableiten. Denn im Gegensatz zum vorlie genden Sachverhalt gab dort der Arzt lediglich generell und ohne eine Arbeitsunfähigkeit zu attestieren an, dass es wünschenswert wäre, dass die versicherte Person eher leichte und vor all em nicht monotone Tätigkeiten ausü- ben solle (vgl. auch ähnlich Urteil des EVG vom 12. Oktob er 2004, C 228/02, E. 3.3). Vorlie- gend wurde konkret eine Arbeitsunfähigkeit attestiert, die ihre Ursache im Arbeitsverhältnis hat- te. Es handelt sich auch nicht nur um eine subjektive Schilderung, die der Arzt wieder gibt. 8.2 Weiter steht gestützt auf die Auskunft von Dr. C.___ _ vom 2. Mai 2016 fest, dass der Magen des Beschwerdeführers mit Helicobacter pylori Bakte rien besiedelt war. Diese Besiede- lung führte gemäss ärztlicher Einschätzung aufgrund der zu sätzlichen Stressfaktoren zu einer Magenentzündung, die mit einer Antibiotikatherapie b ehandelt werden musste. Da keine ande- ren negativen Lebensumstände des Beschwerdeführers bekann t sind, die eine Magenentzün- dung hätten begünstigen können, ist überwiegend wahr scheinlich, dass die Ursache der Be- schwerden im psychisch belastenden Arbeitsalltag lag. Auch D r. C.____ geht davon aus, dass eine starke psychische Belastung am Arbeitsplatz bestanden ha be und die Bauchschmerzen hauptsächlich dadurch ausgelöst worden seien. In der F olge erachtete sie auch eine psychiatri- sche Behandlung als notwendig. Anders als im Urteil des E VG vom 30. März 2001, C 122/00, E. 2b/bb, auf den sich die Beschwerdegegnerin beruft, besteht damit vorliegend nicht nur die vage Aussage des behandelnden Arztes, dass die gesundheitl ichen Beschwerden mit der be- ruflichen Situation der versicherten Person zusammenhängen (könnten), sondern ist ein kausa- ler Zusammenhang zwischen der Arbeitsstelle, den gesundhe itlichen Beschwerden und der vor der Kündigung attestierten Arbeitsunfähigkeit durch ärztliche Aussagen belegt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die nachträgliche Einschätzung von Dr. C.____, aus hausärztlicher Sicht habe noch kein Grund für eine Kündigung bestanden, vermag daran nichts zu ändern. Ausschlaggebend kann letztlich nur sein, dass sie echtzeitlich eine Krankschreibung für nötig empfand. Überdies sind ihre nach- träglichen Ausführungen insofern nicht ganz schlüssig und nachvollziehbar, als dass sie selber anfügt, dass die psychische Gesamtsituation im ganzen Ausma ss von aussen her nicht sicher beurteilbar und oft schlimmer sei, als es den Anschein mache (vgl. dazu auch Urteil des EVG vom 3. August 2005, C 133/05, E. 3.2.1). 8.3 Zudem geht aus den Akten hervor, dass sich der Beschwe rdeführer der Stellenvermitt- lung zu 100 % zur Verfügung stellte und schliesslich per 1 3. Juni 2015 eine neue Arbeitsstelle fand (Oeka act. 133). Damit liegt ein weiteres gewichtiges Indiz dafür vor, dass einzig die Situa- tion am Arbeitsplatz die Gesundheit des Beschwerdeführers gefährdete, denn mit dem Wegfall des krankmachenden Faktors trat wieder eine volle Leistungsfähigkeit ein. 9.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpu nkt, dass die in Erwägung 6.3.1 hiervor erwähnten ärztlichen Zeugnisse weder Angaben üb er den Beginn und die Dauer der ärztlichen Behandlung noch den Grund für die Konsulta tion enthalten würden. Sie seien daher nicht geeignet, eine genügend grosse gesundheitliche Bel astung durch den Verbleib am Ar- beitsplatz glaubhaft zu machen. In Anbetracht des Zwecks dieser ärztlichen Zeugnisse, nämlich gegenüber dem Arbeitgeber eine Krankschreibung zu meld en, kann der Beschwerdegegnerin nur bedingt zugestimmt werden. Es versteht sich von selb st, dass in einfachen ärztlichen Attes- ten aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes des Patienten keine Diagnosen, keine Anamnese oder Befunderhebung erwähnt werden (dürfen). Sie le gen aber immerhin echtzeitlich dar, dass aus ärztlicher Sicht nach einer persönlichen Konsultatio n die Weiterführung der Arbeit als nicht zumutbar erachtet wurde. Aus diesem Grund bieten echt zeitliche ärztliche Zeugnisse in jedem Fall Anlass, in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes u nd unter Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht der versicherten Person weitere Sachve rhaltsabklärungen in die Wege zu leiten (vgl. dazu Erwägung 4.1 hiervor). Anders ist die Sachlage hingegen, wenn echtzeitlich keine ärztlichen Konsultationen nachgewiesen sind und erst im Nachhinein aus ärztlicher Sicht zu einer Situation Stellung genommen wird. So vernei nte das Bundesgericht eine Unzumutbar- keit, da der Arzt erst nach der Kündigung aufgesucht und das Zeugnis einzig gestützt auf die subjektiven Angaben des Versicherten ausgestellt wurde (vgl. Urteile des EVG vom 2. Septem- ber 2002, C 104/02, E.2.2.2, und vom 16. April 2003, C 309/02, E. 3.2). 9.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt in der Stellungna hme vom 10. August 2016 zudem die Auffassung, dass sich eine versicherte Person nur dann auf d en triftigen Grund der Selbstauf- gabe aufgrund gesundheitlicher Probleme berufen könne, wenn ihr der Arzt geraten habe, das Arbeitsverhältnis zu kündigen. Eine Sichtung der höchstr ichterlichen Rechtsprechung zeigt in der Tat Urteile, bei denen die versicherte Person eine derartige ärztliche Empfehlung beibringen konnte (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 4. Mai 2010, 8C_12/2010, E. 3, vom 13. März 2013, 8C_943/2012, E. 3.1, und vom 17. Juni 2013, 8C _201/2013, E. 3.1). Gestützt auf diese Einzelfälle kann aber nicht generell der Schluss gezog en werden, dass eine Unzumutbarkeit durchwegs verneint werden muss, wenn eine solche explizit e ärztliche Empfehlung fehlt. Eine Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesamtwürdigung aller subjektiven und objektiven Umständ e durch die Verwaltung und das Gericht muss weiterhin zulässig sein. 9.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass es nicht an einer ärztlich bescheinigten Unzumutbarkeit der Weiterführung des bisherigen Arbei tsverhältnisses im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG fehlt. Es ist belegt, dass zum Zeitpun kt der Selbstkündigung eine Unzumut- barkeit des Beibehaltens der Stelle aus gesundheitlichen Gründen vorlag. Bei diesem Ergebnis erübrigt sich eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem ärztlichen Zeugnis von Dr. D.____ vom 25. Juni 2015. Da die amtliche Erkundigung ergeben hat, dass Dr. D.____ den Beschwerdefüh- rer echtzeitlich gar nicht persönlich untersuchte, sonde rn sein Attest rückwirkend gestützt auf die subjektiven Ausführungen des Beschwerdeführers ausst ellte, ist aber mit der Beschwerde- gegnerin davon auszugehen, dass der Beweiswert des ärztlich en Zeugnisses gering ist und es sich nicht als Entscheidgrundlage eignen würde. 10. In Anbetracht dieser Sachlage gab der Beschwerdef ührer seine bisherige Arbeitsstelle nicht freiwillig auf, vielmehr konnte er sich für die Kü ndigung auf triftige Gründe stützen. Es ist somit kein Verschulden ersichtlich, was zur Folge hat, da ss der Tatbestand von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG nicht erfüllt ist und eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung nicht in Betracht fällt. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 11. September 2015 ist demnach aufzuheben und die vorliegende Beschwerde dementsprechend gutzuheissen. 11. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angef ochtene Einsprache- entscheid vom 11. September 2015 wird aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde am 24. Januar 2017 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_66/2017 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht