<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 122 S.509</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">509</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>122 Legitimation</b></span> <span class="ft2"><b>bei</b></span> <span class="ft2"><b>Drittbeschwerden.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Für die Legitimation bei Drittbeschwerden gelten grundsätzlich die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gleichen Voraussetzungen wie für Verfügungsadressaten und -adres-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>satinnen; es muss ein schutzwürdiges Interesse geltend gemacht wer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Direkte Nachbarn und Nachbarinnen eines Bauprojektes stehen in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache</b></span><br/> <span class="ft2"><b>und sind dadurch stärker betroffen als die restlichen Einwohnerin-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nen und Einwohner einer Gemeinde (Erw. 2a).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das notwendige Rechtsschutzinteresse besteht in der Aufhebung oder</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Änderung des angefochtenen Entscheides bzw. im praktischen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nutzen, den die erfolgreiche Beschwerde dem Beschwerdeführer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>oder der Beschwerdeführerin eintragen würde (Erw. 2b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Regierungsrates vom 5. März 2003 in Sachen P.C. gegen</span><br/> <span class="ft5">Baudepartement und Stadtrat B.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Zur Beschwerde an den Regierungsrat ist legitimiert, wer ein</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdiges eigenes Interesse geltend macht (§ 38 Abs. 1 des</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRPG] vom 9. Juli 1968). Dieses</span><br/> <span class="ft1">Interesse kann rechtlicher oder auch bloss tatsächlicher Natur sein.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird jedoch verlangt,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer oder die Beschwerdeführerin durch die</span><br/> <span class="ft1">angefochtene Verfügung stärker als jedermann betroffen ist und in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">510</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache</span><br/> <span class="ft1">steht. Schutzwürdig ist das Interesse dann, wenn die tatsächliche</span><br/> <span class="ft1">oder rechtliche Situation des Beschwerdeführers oder der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden</span><br/> <span class="ft1">kann (BGE 120 Ib 379 Erw. 4b).</span><br/> <span class="ft1">Für die Beschwerdelegitimation von Dritten gelten grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich dieselben Voraussetzungen wie für die Verfügungsadressaten</span><br/> <span class="ft1">und -adressatinnen. (...)</span><br/> <span class="ft1">2. a) Bei Bauprojekten begründet in der Regel die Nachbar-</span><br/> <span class="ft1">schaft die besondere Beziehungsnähe zur Streitsache sowie die stär-</span><br/> <span class="ft1">kere Betroffenheit, als sie bei den übrigen Mitgliedern der Rechts-</span><br/> <span class="ft1">gemeinschaft vorliegt (Isabelle Häner, Die Beteiligten im Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsverfahren und Verwaltungsprozess, Zürich 2000, Rz 712;</span><br/> <span class="ft1">Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren</span><br/> <span class="ft1">nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,</span><br/> <span class="ft1">Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG, Zürich 1998, Rz 150 ff.).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Auch bei Drittbeschwerden besteht das notwendige</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutzinteresse in der Aufhebung oder Änderung des ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Entscheids bzw. im praktischen Nutzen, den die erfolg-</span><br/> <span class="ft1">reiche Beschwerde dem Beschwerdeführer oder der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin eintragen würde, das heisst in der Abwendung eines materiellen</span><br/> <span class="ft1">oder ideellen Nachteils, den der angefochtene Entscheid für ihn oder</span><br/> <span class="ft1">sie zur Folge hätte (BGE 120 Ib 379 Erw. 4 b; VGE vom 10. Mai</span><br/> <span class="ft1">2001 i.S. C.S., BE. 1999.00218). Am notwendigen Rechtsschutzin-</span><br/> <span class="ft1">teresse fehlt es hingegen, wenn feststeht, "dass auch eine Gutheis-</span><br/> <span class="ft1">sung der Beschwerde die Beeinträchtigung nicht vom Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer abzuwenden vermag, wenn also selbst die Aufhebung der an-</span><br/> <span class="ft1">gefochtenen Verfügung die Situation des Beschwerdeführers nicht</span><br/> <span class="ft1">verbessern kann" (AGVE 1991 S. 282 Erw. 5a).</span><br/> <span class="ft1">bb) Der Beschwerdeführer macht geltend, dass sich die Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaft X in der Zone für öffentliche Bauten befinde und deshalb nur</span><br/> <span class="ft1">für die Erfüllung öffentlicher Aufgaben genutzt werden dürfe. Die</span><br/> <span class="ft1">Stadt B. hingegen beabsichtige die Büroräumlichkeiten im Erdge-</span><br/> <span class="ft1">schoss nach dem Umbau und der Restaurierung an Private zu ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">511</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mieten. Infolgedessen verstosse die erteilte Bewilligung vom 9.</span><br/> <span class="ft1">September 2002 gegen die Baugesetzgebung.</span><br/> <span class="ft1">Sein Rechtsschutzinteresse begründet der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">damit, dass er sich als Liegenschaftseigentümer darauf verlassen</span><br/> <span class="ft1">dürfe, dass in seiner unmittelbaren Nachbarschaft nur Bauvorhaben</span><br/> <span class="ft1">verwirklicht werden, die mit der Baugesetzgebung in Einklang ste-</span><br/> <span class="ft1">hen. Als in der Stadt B. tätiger Architekt habe er zudem ein besonde-</span><br/> <span class="ft1">res rechtliches und tatsächliches Interesse daran, dass die städtischen</span><br/> <span class="ft1">Baubehörden sich bei Bewilligungsentscheiden an die gesetzlichen</span><br/> <span class="ft1">Grundlagen der Baugesetzgebung halten würden.</span><br/> <span class="ft1">Es ist nicht erkennbar, aus welchem Grund die Nutzung der Bü-</span><br/> <span class="ft1">roräumlichkeiten durch eine Anwaltskanzlei den Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">tatsächlich mehr beeinträchtigen soll, als die Nutzung derselben</span><br/> <span class="ft1">durch die städtische Verwaltung. Weder ist mit einer grösseren</span><br/> <span class="ft1">Lärmbelastung zu rechnen, noch mit einem vermehrten Verkehrsauf-</span><br/> <span class="ft1">kommen. Trotz entsprechender Aufforderung vermochte denn auch</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer selbst die möglichen Auswirkungen durch die</span><br/> <span class="ft1">vorgesehene Nutzung nicht darzulegen. Hinzu kommt, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer nicht geltend macht, das Bauvorhaben selbst ver-</span><br/> <span class="ft1">stosse gegen die Baugesetzgebung, sondern sich vielmehr an der</span><br/> <span class="ft1">vorgesehenen Nutzung der Liegenschaft X stört. Diese ist jedoch</span><br/> <span class="ft1">nicht Bestandteil der Baubewilligung, so dass die Frage, ob die</span><br/> <span class="ft1">Räumlichkeiten im Erdgeschoss nach dem Umbau und der Restaurie-</span><br/> <span class="ft1">rung an Private vermietet oder zur Wahrnehmung öffentlicher Auf-</span><br/> <span class="ft1">gaben genutzt werden, nicht Gegenstand des vorliegenden Verfah-</span><br/> <span class="ft1">rens vor dem Regierungsrat bilden kann.</span><br/> <span class="ft1">cc) (...)</span><br/> <span class="ft1">c) Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer als direkter Nachbar der Liegenschaft X zwar in einer be-</span><br/> <span class="ft1">sonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht</span><br/> <span class="ft1">und deshalb stärker betroffen ist als die restlichen Einwohnerinnen</span><br/> <span class="ft1">und Einwohner der Stadt B. Allerdings vermag er nicht darzulegen,</span><br/> <span class="ft1">inwiefern seine tatsächliche oder rechtliche Situation durch den Aus-</span><br/> <span class="ft1">gang des Verfahrens beeinflusst werden kann bzw. welchen prakti-</span><br/> <span class="ft1">schen Nutzen er an einer Gutheissung der Beschwerde hätte. Auf die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">512</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Beschwerde ist somit aufgrund des fehlenden schutzwürdigen Inter-</span><br/> <span class="ft1">esses nicht einzutreten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>