B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4772/2013 U r t e i l v o m 9 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, sowie deren Kinder B._______, C._______, Türkei, alle vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Juli 2013 / N (…). E-4772/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliessen die Beschwerdeführenden, Kurden türkischer Staatsangehörigkeit, ihren Heimatstaat am 21. Februar 2012 zusammen mit ihrem Ehemann, D._______, beziehungsweise Vater (vgl. das mit gleichem Datum ergangene Urteil E-4725/2013, N […]). Am 28. Februar 2012 reisten sie in die Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Anlässlich der Kurzbefragung vom 6. März 2012 im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ und der Anhörung vom 1. Juli 2013 zu den Asylgründen machte die Beschwerdeführerin im We- sentlichen Folgendes geltend: Sie sei Alevitin und habe in F._______ (Istanbul) gewohnt. Ihre Heimat habe sie verlassen, da sie dort i hre Sprache nicht sprechen und ihre R e- ligion nicht, ohne schikaniert zu werden, ausüben könne. Zudem habe sie – bereits vor ihrer Heirat und seither zusammen mit ihrem Ehemann – die PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) unterstützt. Sie hätten seit zwei oder drei Jahren beziehungsweise seit 2006 für die Guerilla -Kämpfer in den Be r- gen (…) organisiert u nd auch Geld gespendet. Die Hilfsgüter seien je- weils bei ihnen zu Hause von Aktivisten der PKK abgeholt worden. Unge- fähr einen Monat vor der Ausreise, als sie wieder Hilfsgüter zu Hause ge- lagert gehabt hätten, sei es zu einer Hausdurchsuchung gekommen. Sie seien zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen ; ein Nachbar habe sie (Beschwerdeführerin) informiert, dass Polizisten bei ihr in der Wo h- nung seien. Danach seien sie und ihr Mann aus Angst vor einer Fes t- nahme nicht mehr nach Hause zurückgekehrt und hätten sich bei Ve r- wandten versteckt. Anscheinend habe ein Mitarbeiter ihres Mannes die Behörden über ihre Aktivitäten informiert, woraufhin diese begonnen hä t- ten, sie zu überwachen. Ausserdem sei die Person, die die Hilfsgüter hät- te abholen sollen, festgenommen worden und habe ihre Adresse preisge- geben. Bereits vor diesem Zwischenfall sei es zu ähnlichen Vorfällen g e- kommen. Ihr Mann sei mehrmals nach der Arbeit auf dem Heimweg von Polizisten ins Auto gezerrt und geschlagen worden. Man habe versucht, ihn beziehungsweise sie beide als Spitzel zu gewinnen. Sie sei ebenfalls mehrmals in Arrest genommen worden. Auch hätten bereits früher Raz- zien stattgefunden. Weil sie noch keine Kinder gehabt hätten, seien sie nicht bereits damals ausgereist. Sie wolle nicht, dass ihr Sohn Zeuge werde, wie sie und ihr Mann geschlagen würden. Ausse rdem befürchte sie, dass ein Haftbefehl gegen sie erlassen würde. E-4772/2013 Seite 3 Zudem gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, sie sei als 12 - oder 13- jährige in ihrem Heimatdorf von türkischen Soldaten vergewaltigt worden , habe daraufhin psychische Probleme bekommen und die Schule nicht mehr besuchen können. Noch heute werde sie jedes Mal, wenn sie je- manden von der Polizei oder der Armee sehe, an diesen Vorfall erinnert. Sie habe die Türkei hauptsächlich aus diesem Grund verlassen. Von di e- sem Vorfall habe sie aber niemandem erzählt ; auch ihr Ehemann wisse nichts davon. Als Beweismittel reichte die B eschwerdeführerin ihre Identitätskarte und ihr Familienbüchlein zu den Akten. B. Am (…) brachte die Beschwerdeführerin ihren zweiten Sohn, C._______, zur Welt. Er wurde in ihr Asylverfahren einbezogen. C. Mit Verfügung vom 19. Juli 2013 (eröffnet am 23. Juli 2013) lehnte das BFM d as Asylgesuch der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die Vor- instanz begründete den ablehnenden Asylentscheid damit, dass die Vo r- bringen der Beschwerdeführerin weder den Anforderungen an die Glaub- haftigkeit noch jenen an die Asylrelevanz standhielten. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. D. Mit Beschwerde vom 22. August 2013 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte die Beschwerdeführe rin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die G ewäh- rung von Asyl, eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme s o- wie in prozessualer Hinsicht den Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Zudem stellte sie die Einreichung einer Fürsorgebestät i- gung sowie eine Eingabe ihres kürzlich in der Türkei mandatierten Rechtsvertreters in Aussicht. E. Mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2013 stellte die Instruktionsrichte- rin den legalen Aufenthalt der Besch werdeführenden während des Ve r- fahrens fest. Gleichzeitig wies sie das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ab und setzte Frist zu dessen Bezahlung. Aus- serdem wurde der Beschwerdeführerin Frist zur Einreichung der in Au s-E-4772/2013 Seite 4 sicht gestellten B eweismittel sowie Belege über die Mandatierung eines Anwaltes in der Türkei gesetzt. Der eingeforderte Kostenvorschuss wurde am 15. Oktober 2013 fristgerecht geleistet. F. Mit Eingabe vom 4. November 2013 reichten die Beschwerdeführerin und ihr Mann ein Sch reiben ihrer türkischen Anwältin vom 19. September 2013, zwei von ihnen unterzeichnete Vollmachten betreffend diese Anwäl- tin sowie das Zustellcouvert aus der Türkei zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die besch werde- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-4772/2013 Seite 5 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem He imatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile ge lten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM führt zur Begründung seines abweisenden Entscheides an, die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügen. Sie mache geltend, aufgrund ihrer Un- terstützungstätigkeit für die PKK seien immer wieder Hausdurchsuchu n- gen bei ihr zu Hause durchgeführt worden. Seit 2011 sei sie auch meh r- fach für einige Stunden auf den Posten mitgenommen und aufgefordert worden, ihre Unterstützungstätigkeiten für die PKK einzustellen. Nach e i- ner Hausdurchsuchung in ihrer Abwesenheit, über die sie von Nachbarn informiert worden sei, seien sie u nd ihr Ehemann aus Angst vor mögl i- chen Konsequenzen untergetaucht. Diese Ausführungen der Beschwe r- deführerin seien jedoch nicht nachvollziehbar, denn wenn die türkischen Behörden Kenntnis gehabt hätten von der PKK -Unterstützung, wären sie bereits bei gerin gsten Vorkommnissen konsequent strafrechtlich gegen die Beschwerdeführerin und ihren Ehe mann vorgegangen und hätten es nicht bei den geltend gemachten Massnahmen bewenden lassen. Ferner E-4772/2013 Seite 6 sei zu beachten, dass es sich bei der PKK um eine illegale Gruppierung handle, welche gezwungen sei, konspirativ im Untergrund zu agieren. Es erscheine deshalb als unwahrscheinlich, dass PKK-Anhänger angesichts ihrer ständigen Beobachtung durch die Sicherheitskräfte weiterhin Hilf s- güter bei der Beschwerdeführerin zu Hause ab geholt hätten. Vor diesem Hintergrund könnten ihr weder die PKK -Unterstützung noch die angebl i- chen polizeilichen Hausdurchsuchungen und Mitnahmen auf den Posten geglaubt werden. Die übrigen Vorbringen der Beschwerdeführerin würden zudem den Anforderungen an die Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG nicht standhalten. Es sei allgemein bekannt, dass Angehörige der kurd i- schen Bevölkerung in der Türkei Schikanen und Benachteiligungen ve r- schiedenster Art ausgesetzt sein könnten. Dabei handle es sich in der Regel nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes. Zudem habe sich im Zuge der verschiedenen Reformen in der Türkei seit 2001 die Situation der Kurden merklich verbessert. Auch die von der B e- schwerdeführerin geltend gemachten Schikanen wegen ihrer alevitischen Religion während ihrer Schulzeit gingen in ihrer Intensität nicht über die Nachteile hinaus, welche weite Teile der alevitischen Bevölkerung in der Türkei in ähnlicher Weise treffen könnten. Betreffend das Vorbringen der Vergewaltigung sei fe stzustellen, dass gemäss konstanter schweizer i- scher Asylpraxis der Begriff der Flüchtlingseigenschaft einen in zeitlicher und sachlicher Hinsicht engen Kausalzusammenhang zwischen Verfo l- gung und Flucht voraussetze. Die vorgebrachte Vergewaltigung liege im Hinblick auf die im Jahr 2012 erfolgte Ausreise aus der Türkei zu weit z u- rück, um dem geforderten engen Kausalzusammenhang noch genügen zu können. Dieses Vorbringen sei deshalb nicht asylrelevant. 5.2 Die Beschwerdeführenden entgegnen dem in ihrer Rechtsmittelein- gabe, nur weil sie im (…) nach der Razzia nicht mehr in ihre Wohnung zu- rückgekehrt seien, seien sie nicht festgenommen worden. Es sei aber mit Sicherheit davon auszugehen, dass die türkische Polizei bei einer Fes t- nahme sofort ein Strafverfa hren wegen Unterstützung der PKK einleiten würde. Sie (Beschwerdeführerin) wisse nicht, ob inzwischen ein solches Verfahren eingeleitet worden sei ; normalerweise warte die Polizei bezi e- hungsweise die Staatsanwaltschaft eher ab, bis die betreffende Person festgenommen worden sei. Die Suche nach ihn en we rde aber aufrecht erhalten. Sie hätten nun in der Türkei einen Anwalt damit beauftragt a b- zuklären, ob bereits ein Strafverfahren eingeleitet worden sei. Entspre- chende Dokumente würden nachgereicht. Dass Festnahmebefehle gegen sie und ihren Mann bestehen würden, habe dieser von seinem Vater e r- fahren und anlässlich der Anhörung zu Protokoll gegeben. Im Weiteren E-4772/2013 Seite 7 enthält die Beschwerde allgemeine Ausführungen zur Situation der Ku r- den in der Türkei sowie zur Menschenrechtslage ohne direkten Bezug zur Beschwerdeführerin und ihren Kindern. 5.3 Im Schreiben vom 19. September 2013 führt e die türkische Recht s- anwältin im Wesentlichen aus, ihre Mandanten seien politisch aktive Ku r- den, welche von (…) bis (…) Unterstützung für die PKK geleistet hätten. Im (…) habe die Polizei ihre Wohnung gestürmt und die gesammelten Hilfspakete und das Geld beschlagnahmt. Danach habe die Polizei zwecks Festnahme der Mandanten in der Wohnung gewar tet. Diese sei- en jedoch – nach Warnung durch einen Nachbarn – nicht mehr in die Wohnung zurückgekehrt und ins Ausland geflohen. Sie, die Rechtsvertre- terin, habe sich an die zuständige Behörde gewandt mit der Bitte um Auskunft über ihre Mandanten, jedoch keine erhalten. Erfahrungsgemäss warte die Behörde in solchen Fällen ab, bis die betreffende Person fes t- genommen worden sei , und leite erst dann ein Strafverfahren ein. Dies zeige, dass vorliegend verdeckt vorgegangen werde. Ihre Mandanten würden im Falle einer Festnahme nach Art. 220 Abs. 7 i.V.m. Art. 314 Abs. 2 des türkischen Strafgesetzbuches verurteilt , und es würde ihnen eine Freiheitsstrafe von 5 bis 10 Jahren drohen. 6. 6.1 Vom BFM wurden die Vorbringen der Beschwerdeführerin mit zutref- fender Begründung als unglaubhaft beziehungsweise nicht asylrelevant beurteilt. So wurde ausgeführt, bei der PKK handle es sich um eine illega- le Gruppierung, welche konspirati v im Untergrund agieren würde, was auch in Bezug auf direkte Unterstützungsleistungen gelte. Wie bereits in der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 1. Oktober 2013 festgestellt, erscheint es als unglaubhaft, dass die Beschwerdefü h- rerin und ihr Mann jeweils ihr Festtelefon für die Kommunikation mit der PKK benutzt und regelmässig, für jedermann einsehbar, Waren hinausge- tragen und verladen haben wollen. Insbesondere nachdem beide gemäss deren Aussagen gewusst hätten, dass sie unter polizeilicher Beobachtung stünden und die Wohnung durchsucht worden sei, ist davon auszugehen, dass sie keine Telefonanrufe mehr von zu Hause aus getätigt und Schachteln gelagert hätten. Ferner erscheint es als realitätsfremd, dass die zuständigen Polizei- und Untersuchungsbehörden bei einer derartigen Sachlage nicht schon lange eine formelle strafrechtliche Untersuchung eröffnet haben. Diesen Vorbehalten des BFM vermag die Beschwerdefüh- rerin in ihrer Rechtsmitteleingabe nichts Substanziiertes entgegenzuha l- ten. Das weitere Vorbringen, es werde nach ihnen gesucht und es best e-E-4772/2013 Seite 8 he ein Festnahmebefehl, beruht auf unbelegten Behaupt ungen des Schwiegervaters der Beschwerdeführerin. Der Umstand, dass die Be- schwerdeführerin trotz Mandatierung einer Rechtsanwältin in der Türkei keine Beweismittel eingereicht hat, welche ihre Vorbringen belegen wür- den, spricht ebenfalls gegen d ie Glaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbrin- gen. Betreffend das Vorbringen, die Beschwerdeführerin werde als Alevitin und Kurdin diskriminiert, ist in Überein stimmung mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass es sich dabei nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes handelt. Auch die Aussage, die geltend gemachte Ve r- gewaltigung genüge im Hinblick auf die erst im Jahr 2012 erfolgte Ausre i- se aus der Türkei dem geforderten engen Kausalzusammenhang zw i- schen Verfolgung und Flucht nicht, ist zu stützen. Die auf Beschwerde- ebene erwähnten Berichte zur Lage in der Türkei vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern, zumal es sich einzig um Dokumente ha n- delt, die nicht geeignet sind, eine individuelle Verfolgung der Beschwerde- führerin und ihrer Familie zu belegen. 6.2 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass es de n Beschwerde- führenden nicht gelungen ist, eine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen; sie erfüllen demzufolge die Flüchtlingseigenschaft nicht. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). E-4772/2013 Seite 9 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigst ens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV , Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die V orinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsa tz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie oder ihre Kinder für den Fall einer Ausschaffung in d ie Türkei dort mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europä i- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -E-4772/2013 Seite 10 Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr («real risk ») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandl ung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation i n der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Die Vorinstanz führt in ihrer Verfügung zutreffend aus, dass weder die im Heimatstaat der Beschwerdeführenden herrschende politische S i- tuation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung in den Heimatstaat sprechen. In der Beschwerde wird denn auch nichts ge l- tend gemacht, was zu einem anderen Ergebnis führen könnte. Die B e- schwerdeführenden haben gemäss eigenen Aussagen in Istanbul in g u- ten wirtschaftlichen Verhältnissen gelebt, und die Mutter sowie ein Bruder der Beschwerdeführerin leben ebenfalls dort. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet bei der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus eine r völke r- rechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rec hte des Kindes (KRK, SR 0.107; vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 6 E. 6. S. 57 f.). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, da ss unter dem Aspekt des Kindeswohls sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen sind, die im Hinblick auf einen Wegweisungsvollzug wesentlich erscheinen (vgl. EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e/aa). Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann haben zwei Kinder im Alt er von (…) und (...). Sie halten sich seit etwas mehr als zwei Jahren in der Schweiz auf, was nicht als längerer Aufen t- halt in der Schweiz zu beurteilen ist. Ausserdem sind die Kinder in einem Alter, in welchem sie noch vollständig von den Eltern abhängig sind. E-4772/2013 Seite 11 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung – insbe- sondere auch im Lichte der KRK – als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der V ollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betr acht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass mit Urteil gleichen Datums die Beschwerde des Ehemannes beziehungswe i- se Vaters der Beschwerdeführenden ebenfalls abgewiesen w urde, somit alle in die Türkei zurückkeh ren müssen, und sie die Rückkreise zusa m- men antreten können. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf in s- gesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss ist zu deren Bezahlung zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-4772/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zu de- ren Bezahlung verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand: