TPF 2006 290 290 potrebberoalcontrarioessereutiliperl ’autorità fiscale,soprattuttoinrela- zioneaglielementidalei già assuntiecopertidalsegretoistruttorio.Ciono- nostante,tenutocontodellamoledegliincarti,non è esclusochesingoli documentiprivid ’interesseperl ’inchiestapossanoesserestativersatiagli atti. 79.AuszugausdemEntscheidderStrafkammerinSachenBundesanwalt- schaft gegen A. und B. vom 15. September 2006(SK.2006.2) Fahrlässige Störung des öffentlichen Verkehrs; insbesondere auf Skipisten. Art. 237 StGB SchutzobjektvonArt.237StGBistder öffentliche VerkehrimweitestenSinne; erfasstistauchderVerkehraufinSkitourenkartenmarkiertenoffiziellen Routen (E. 2.1.1). DasnichtabwendbareQuereneinerSkitourenroutemitdemFlugzeugbeider LandunggiltalsTathandlung gemäss Art.237StGB,wennsichw ährend der LandungSkitouristenimunmittelbarenLanderaumaufhalten.Eskannkeine kausalitätsunterbrechendePflichtverletzungdaringesehenwerden,dassdie SkitourenfahreraufeineranerkanntenSkitourenrouteeinevorgespurteGlet- scherlandebahnkreuzen(E. 2.1.2). SorgfaltspflichtenvonPiloteneinesLuftfahrzeugs.Verantwortlichkeitmehre- rerPilotenanBordeinesLuftfahrzeugs. Fahrlässigkeitistgegeben,wenndie PilotenSorgfaltsregeln,welchedasLuftfahrtrechtgebietet,verletzenundsie damitrechnen müssen, dasseinefehlendeKommunikationzwischenFlying PilotundKommandantzueinerFehlentscheidungbeiderLandungunddamit einer Gefährdung Dritter führen kann(E. 2.1.3). Entrave à la circulation publique par négligence; notamment sur des pistes de ski. Art. 237 CP Lebienprot égé par l’art.237CPestlacirculationpubliqueausensleplus largeduterme;ilcomprend également lacirculationsurlespistesofficielles indiquées sur les cartes de randonnées à s kis (consid. 2.1.1). TPF 2006290TPF 2006 290 291 L’inévitabletraverséed’une pistede randonnéeà skisparunavionenphase d’atterrissage constitueuneinfractionausensdel ’art.237CPlorsque,pendant cette manœuvre, desskieurssetrouvent à proximité immédiate de l’aire d’atterrissage. Onnesauraitvoirdemanquementsusceptiblederomprelelien de causalité danslefaitquedesrandonneursskiantsurunepistereconnue croisent une piste d’atterrissage pré-tracée sur un glacier (consid. 2.1.2). Devoirsdeprudencedespilotesd'un aéronef.Responsabilité deplusieurspilo- tes à bordd'un aéronef. Ilya négligencelorsquelespilotesviolentles règlesde prudence commandées parledroitsurl'aviationetqu'ilsdoivents'attendre à cequ'un défaut decommunicationentreleFlyingPilotetleCommandant puisseconduire à une décisionerronée lorsdel'atterrissageet,partant, à une mise en danger de tiers. (consid. 2.1.3). Perturbamento colposo della circolazione pubblica; in particolare su piste da sci. Art. 237 CP Ilbenegiuridicoprotetto dell’art. 237CP è lacircolazionepubblicanelsenso più ampio;virientraanchelacircolazionesupercorsiufficialitracciatinelle cartine delle gite sciistiche (consid. 2.1.1). L’attraversamento inevitabilediunpercorsodiunagitasciisticacon l’aeroplano durante l’atterraggio è consideratoattopunibilesecondo l’art.237 CPsedurante l’atterraggiovisonosciatoripartecipantiallagita nell’imme- diataarea d’atterraggio. Nonsi può riconoscereunmancatoadempimentodei propridoveriinterruttivodellacausal ità nelfattocheglisciatoripartecipanti allagitaattraversanounapista d’atterraggiotracciatasuunghiacciaiomentre seguono il percorso di una gita sciistica riconosciuta (consid. 2.1.2). Obblighididiligenzadeipilotidiunaeromobile. Responsabilità di più pilotia bordodiunaeromobile.Lanegligenza è dataseipilotiviolanoregoledidili- genzaprescrittedaldirittosullanavigazioneaereaesedevonoaspettarsiche unamancanzadicomunicazionetrapilotaecomandantepossacondurreauna decisionesbagliataalmomento dell’atterraggio epertantomettereinpericolo terze persone (consid. 2.1.3). Zusammenfassung des Sachverhalts: Am12.April2004kamesbeimWildhornzueinerBeinahekollisionzwi- schendreiSkitourenfahrernunddemlandenden,vondenPilotenA.undB. gesteuertenPilatusPorterHB-.VorderLandungf ührtendiePiloteneine Rekognoszierungsvoltedurch,inderenRahmensiedreiaufderAufstiegs- spurzumWildhornbefindlicheSkitourenfahrerfeststellten.DieLandungTPF 2006 290 292 wurdedennochbeschlossen,inderMeinung,diese könne gefahrlosdurch- geführtwerden.DabeikamesmitdenSkitourenfahrernzueinerBeinahe- kollision,wobeisichzweivonihnenausAngst,vomFlugzeuggetroffenzu werden,indenSchneewarfen.DerVorfallwurdevonzweiAugenzeugen beobachtet,welchesichzumfraglichenZeitpunktaufdemGipfeldesWild- hornsbefanden.EinervonihnenmeldetedieGeschehnissegleichentagsper E-Mailandas Bundesamtf ür Zivilluftfahrt. DieStrafkammerverurteilteA.undB.wegenfahr lässiger Störungdes öf- fentlichenVerkehrs. Aus den Erwägungen: 2.1 GemässArt.237Ziff.2StGBmachtsichstrafbar,werfahr lässig den öffentlichenVerkehr,namentlichdenVerkehraufderStrasse,aufdem WasseroderinderLufthindert,s törtodergef ährdetunddadurchfahr lässig Leib und Leben von Menschen in Gefahr bringt. 2.1.1 Schutzobjekt(BGE101IV173,175)vonArt.237StGBistder öf- fentlicheVerkehrimweitestenSinne,egal,woersichabspielt:DieAuf zäh- lungderVerkehrsmedienderStrasse,derLuftunddesWassershatnur Beispielcharakter. „Öffentlich“ istderVerkehrdann,wenndie Fläche,auf derersichabspielt,oderderRaum,indemerstattfindet,einemunbe- stimmbarenPersonenkreiszurVerf ügung steht(BGE105IV41E.2S.43 ff.).DerBegriffdesVerkehrsistnichtaufdenGebrauchvonFahrzeugen zurBef örderungvonMenschenundSachenbeschr änkt,sondernumfasst unteranderemauchdasSkifahren.NachbundesgerichtlicherRechtspre- chungsindSkipisten öffentlicheVerkehrsfl ächen,jedenfallsmindestens dort,wodiesemarkiertsind(BGE125IV9).ZwarwirddieGefahreiner uferlosenAusdehnungdesBegriffs „öffentlicherVerkehr “ alsFolgedieser RechtsprechunginderLehrekritisiert(T RECHSEL,SchweizerischesStrafge- setzbuch,Kurzkommentar,2.Aufl., Zürich1997,Art.237StGBN.5und8 m.w.H.).ImvorliegendenFallliegtaber „öffentlicherVerkehr “ imSinne vonArt.237StGBvorunddiesistauchnichtbestritten:Diedreibetroffe- nenSkitourenfahrerbefandensich nämlichaufderAufstiegsroutevonder GeltenhüttezumWildhorn,welcheindenentsprechendenSkitourenkarten (Wildstrubel263SundMontana273S)alsoffizielleRoutegekennzeichnet istund überden „GlacierdesAuda nnes“ sowiedensichebendortbefindli- chenGebirgslandeplatz „Wildhorn“ führt.Zubeachtenist,dassGebirgslan-TPF 2006 290 293 deplätzeimGenerellenundauchderjenigeaufdemWildhornimSpeziellen im Gelände nichtalssolchemarkiertund örtlichehergrossfl ächig angelegt sind. 2.1.2 DieTathandlungbestehtimHindern,St örenoderGef ährdendes öf- fentlichenVerkehrs,wobeiderGef ährdungserfolgLeibundLebenvon MenscheninkonkreterWeisetreffenmuss,d.h.esmusseinenaheund ernstlicheWahrscheinlichkeitf ürdenErfolgseintrittbestandenhaben. Art. 237StGBistauchdannanwendbar,wennderEintrittdesErfolgesnur durchZufalloderdasVerhalteneinesBeteiligtenverh ütetwordenist (BGE 85IV136E.1S.137f.).DieobjektiveZurechnungdesGef ähr- dungserfolgsgeschiehtnachdemMassstabder adäquatenKausalit ät,d.h. dasangeklagteVerhaltenmussgeeignetgewesensein,nachdem gewöhnli- chen Laufder Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrungeinen Erfolg wie deneingetretenenherbeizuf ührenodermindestenszube günstigen. Die Adäquanz derzubeurteilendenUrsachef ürdenErfolgistnurzuverneinen, wennganzaussergew öhnlicheUm stände, wiedasMitverschuldeneines Dritten,alsMitursachenhinzutreten,mitdenenschlechthinnichtgerechnet werdenmussteunddiederartschwerwiegen,dasssiealswahrscheinlichste undunmittelbarsteUrsachedesErfolgeserscheinenundsoalleanderen mitverursachendenFaktoren – namentlichdasVerhaltenderAngeschuldig- ten – indenHintergrunddr ängen (BGE121IV10E.3S.14;122IV17 E. 2c S. 22 ff.). a)DieeigentlicheTathandlungwirdvondenAngeklagtennichtbestritten. Diese wähltenanjenem12.April2004f ürdieLandungaufdemGebirgs- landeplatzWildhornmitdemPilatusPorterHB-gem äss eigenenAussagen einevorbestehendeLandespur.DiesewarvoneinemanderenFlugzeug gelegtworden,welcheszuvor(zweiMal)dortgelandetundgleichwieder weggeflogenwar.DieseLandespurkreuztedieSkitourenrouteGeltenh ütte – Wildhorn.NachdemAufsetzenaufdemSchneelenktendieAngeklagten dasFlugzeugvorerstinderbestehendenLandespurqueraufdieSkitouren- routezu.AufLetztererbefandensichimLandebereichdreiSkitourenfahrer, wasden – gemäss eigenerAussage überraschten – AngeklagtenA.dazu bewog,dasFlugzeugumgehendnachrechtswegzulenken.Damitkonnteer erreichen,dassdasFlugzeugeinigeMeterrechtsvondervorbestehenden eineneueLandespursetzte,dieAufstiegsspurderSkitouristenabergleich- wohlkreuzte.DieTathandlungbestandimnichtabwendbarenQuerender SkitourenroutemitdemFlugzeugbeiderLandung, währendsichSkitouris-TPF 2006 290 294 tenimunmittelbarenLanderaum,d.h.beimKreuzenunterderlinkenTrag- fläche, aufhielten. b)DerAngeklagteA.gibtzu,dassesohneseinunver züglichesAusweich- manövernachrechts „möglicherweisezumZusammenstossmitdenSkitou- renfahrerngekommenw äre“. DerAngeklagteB.hingegenbestreitet,die dreiSkitourenfahrerbeiderLandungeinerkonkretenGef ährdungf ürderen LeibundLebenausgesetztzuhaben.NachseinemDaf ürhalten wärees auchohnedasAusweichm anövernichtzumZusammenstossmitihnen gekommen.Deren Reaktion, sich inden Schnee zu werfen, als das Flugzeug aufsiezugekommensei,erachteterals „völlig überflüssig“, weildiese „vom Flügel nichtgetroffenworden wären“, seiensiedoch „ausserhalbder Reichweitedes Flügels“ gewesenund wären „auch dannnichtgetroffen worden,wennsieunterdem Flügel gewesen wären“. DieseSichtderDinge stimmtnichtnur,wiegesagt,mitderjenigendesAngeklagtenA.nicht über- ein,sondernwird überdiesvondenAussagenderbetroffenenSkitourenfah- rerwieauchvondenjenigenderAugenzeugenwiderlegt:Danachseidas FlugzeugdirektaufdieSkitourenfahrerzugeglitten.ZweiderdreiSkitou- renfahrerh ätteninderFolgenachhintenrutschenundsichzuBodenwer- fenm üssen, umnichtvonderTragf läche odervomPropellerdesFlugzeugs getroffenzuwerden.DieTragf lächeseiinnurgeringemAbstand überdie Skitouristenhinweggeglitten.EinerderAugenzeugen,D.,sagtezudemaus, er habe befürchtet, die Skitourenfahrer seien verletzt worden. AngesichtsderWiderspruchslosigkeitund lückenloseninhaltlichen Über- einstimmungdieserAussagentrotzderzeitlichenDistanzzwischenden einzelnenEinvernahmenerachtetdasGerichtdiesealsgl aubwürdigund siehtindereinzigengegenteiligenSchilderungdesAngeklagtenB.keine überzeugendeGrundlage,umamWahrheitsgehaltErstererzuzweifeln.Das GerichterachtetdaherdenSachverhalt,wiegem äss denzitiertenAussagen der Zeugen resp. des Angeklagten A. geschildert, als erwiesen. c)VondiesemSachverhaltausgehendhattedasdurchgef ührteLandem anö- vernichtnureineEr höhungderdemVerkehrundspezielldem „Skitouren- verkehr“ immanentenGefahrzurFolge.Indemdasschwerlenkbareund plötzlichauftauchendeFlugzeugmitderTragf läche ingeringemAbstand überzweiSkitouristenhinwegfuhr,entstanddienaheundernstlicheWahr- scheinlichkeiteinerVerletzungodergar TötungderSkitouristendurch KollisionodervorallemdurchschreckbedingtgefahrvollesVerhaltenauf denSkiern(Sturz,Knochenbruch).DieGletscherlandungistnichtbereitsTPF 2006 290 295 mitdemAufsetzenamBodenbeendet,sondernerstmitdemAusgleitenin einemBogen,welchern ötig ist,umdasFlugzeugwiederinStartpositionzu bringen.SiewaralsoimZeitpunktderkonkretenGef ährdungnochim Gang.DasLandeman överwardemzufolge adäquat kausalzumGef ähr- dungserfolg.InAnbetrachtdieserAusgangslagekannoffenbleiben,obmit demLandem anöverauchandere(weitere)Verkehrsteilnehmerkonkret gefährdet wurden, wie dies angeklagt ist. Demgegenüberkannkeinekausalit ätsunterbrechendePflichtverletzungder Skitourenfahrerdaringesehenwerden,dassdieseaufeineranerkannten SkitourenrouteeinevorgespurteGletscherlandebahnkreuzten.Diesstellt keinderartausser gewöhnliches,abwegigesundunvorhersehbaresVerhalten dar,welchesalleanderenGef ährdungsursachen,namentlichein plötzlich auftauchendes,inderLandungbefindliches,schwerlenkbaresFlugzeug, völlig indenHintergrundtretenl ässt(BGE122IV17E.2cS.22ff.).Zu bedenkenist,dassderSkitouristbeimAufstieggarkeineanderesinnvolle Wahlhat,alsvor wärtszugehen.Stillstandbiszueinernichtkonkretanzu- nehmenden,aberauchnichtauszuschliessendenGletscherlandungeines nahenFlugzeugsistunzumutbarundunrealistisch.Vorbehaltenblieben besondereSicherheitsmassnahmen,wennderSkitouristrechtzeitigfeststellt, dasseinPilotsichnichtrichtigverh ält undihngef ährdenwird(Vertrauens- grundsatzanalogArt.26Abs.2SVG),wasvorliegendaufgrundderOrt- undZeitver hältnissegarnichtm öglichwar:DasFlugzeugwarbeiderLan- dungvomStandortderSkitourenfahrerausnichtsichtbar,daeshintereiner Kuppeaufsetzte,undesbliebendiesenvomMomentdesAuftauchensdes FlugzeugsinihremSichtfeldbiszumKollisionszeitpunktaufgrundder geringenDistanzzumFlugzeugvonca.100Metern,gemessenandessen Geschwindigkeitvonca.25km/h,nurwenigeSekunden(ca.14),wovon einigevergingen,bissieerkannthatten,inwelcheRichtungdasFlugzeug genauman övrierte.DiedenSkitouristensodannzurVerf ügungstehenden Handlungsalternativenwarenbeschr änkt:Entwederstehenbleibenoder weitergehen.DievondenzweiunmittelbarvonderGefahrBetroffenen gewählte Alternative,n ämlichdasNiederwerfen,war gegenüberdemWei- terlaufendiesicherere.Im Übrigen würdeauchdasbehaupteteFehlverhal- tenderSkitouristen,sichnichtgen ügend überdasVorhandenseindesGlet- scherflugplatzesinformiertzuhabenundinnerhalbderihnenzurVerf ügung stehendenReaktionszeitnichtvonderSpurabgewichenzusein,dieKausa- lität desLandem anöverszurgesetztenGefahrnichtunterbrechen(BGE100 IV279E.3S.283f.).Schliesslich können dieAngeklagtenauchausder behaupteten Möglichkeit,rechtzeitiganhaltenoderdasFlugzeugausdemTPF 2006 290 296 Gefahrenbereichweglenkenzu können,nichtszuihrenGunstenableiten,da diesinconcretonichtbzw.nichtin genügendemMassgeschehen,diekon- krete Gefährdung aberta tsächlicheingetretenist. 2.1.3 Fahrlässigbegehtder TätereinVerbrechenoderVergehen,wenndie Tatdaraufzur ückzuführenist,dasserdieFolgenseinesVerhaltensaus pflichtwidrigerUnvorsichtigkeitnichtbedachtoderdaraufnicht Rücksicht genommenhat(Art.18Abs.3Satz1StGB).PflichtwidrigistdieUnvor- sichtigkeit,wennderT äterzumZeitpunktderTataufgrundderUm stände sowieseinerKenntnisseund FähigkeitendiedamitbewirkteGef ährdung derRechtsg üterdesOpfersh ätteerkennen könnenundm üssenundwenner zugleichdieGrenzendeserlaubtenRisikos überschritt(Art.18Abs.3 Satz 2StGB).WobesondereNormeneinbestimmtesVerhaltengebieten, bestimmtsichdasMassderdabeizubeachtendenSorgfaltinersterLinie nachdiesenVorschriften.Dasschliesstnichtaus,dassderVorwurfder FahrlässigkeitauchaufallgemeineRechtsgrund sätze wieetwadenallge- meinenGefahrensatzg estütztwerdenkann(BGE121IV10E.3S.14 m.w.H.). a)DasLuftfahrtrechtsiehtverschiedeneSorgfaltspflichtenvor.Art.3 Abs. 2derVerordnungvom22.Januar1960 überdieRechteundPflichten desKommandanteneinesLuftfahrzeuges(SR748.225.1)bestimmt,dass beimehrerensichanBordbefindlichenLuftfahrzeugf ührernderHalterdes Flugzeugsverpflichtetist,vordemAbflugeinBesatzungsmitgliedals KommandantenundeinanderesalsdessenStellvertreterzubezeichnen. Kommandantistderw ährendderFlugzeitverantwortlichePiloteinesLuft- fahrzeugs,oberdieSteuerf ührtodernicht(Art.1undArt.5derVerord- nungvom4.Mai1981 überdieVerkehrsregelnf ürLuftfahrzeuge[VVR; SR748.121.11]).WurdekeinKommandantbezeichnet,sostehendieRech- teundPflichtendesKommandantengem äss Art.3Abs.3dererstgenannten Verordnungdemr anghöchsten undr angältestenMitgliedderBesatzungan Bordzu.AusdiesenVorschriftenergibtsichdieVerpflichtung,vordem AbflugdieVerantwortlichkeitenanBordzu klären.Gem äss Art.4dererst- genanntenVerordnungistderKommandantunteranderemdaf ürverant- wortlich,dassdieVorbereitungderBesatzungf ürdenFlugdenbestehen- denVorschriftenentspricht.Art.7dieserVerordnung überbindetihmzu- demdieVerantwortungf ürdie FührungdesLuftfahrzeugsnachdengesetz- lichenBestimmungen,denVorschriftenderLuftfahrthandb ücher(AIP),den anerkanntenRegelnderLuftfahrtunddenWeisungendesHalters(vgl.auch Art.5VVR).Art.3Abs.4derselbensiehtsodannvor,dassderjenige,derTPF 2006 290 297 dietat sächlicheBefehlsgewaltanBord ausübt, diegleichenPflichtenund VerantwortlichkeitenwiederKommandanthat.HinsichtlichderLandung enthaltendiegenannteVerordnungebensowiedasLuftfahrthandbuch (AIP)unddasVFRManual(VFRLuftfahrthandbuchderSkyguide)keine Vorschriften.SomitdefiniertsichdieSorgfaltspflichtbeiderLandungnach Art.6VVR,welchedieallgemeineVerkehrsregelf ürdieLuftfahrtaufstellt, wonachLuftfahrzeugenichtinunvorsichtigerodernac hlässigerWeise geführtwerden dürfen,welchedasLebenoderdieSachenDrittergef ährden könnte. DanachmusssichderPilotimSpeziellenversichern,dassderLan- dungsraumfreiistunddassdasLandem anöverkeinePerson,diesichinder fürdieLandungvorgesehenenZoneaufhaltenkann,gef ährdet.Diesgilt insbesondereauchgege nüberSkitouristen.IstvorderLandungetwasun- klar,werdeneineodermehrerePlatzrundenangef ügt (OSWALD,Gesetzge- bung über die Luftfahrt, 11. Aufl.,Opfikon 1995, S. 56). DieSorgfaltspflichtgeg enüberanderenVerkehrsteilnehmern,dieallgemein aufArt.18Abs.3StGBberuht,ergibtsichaberauchausArt.237StGB selbst,willdochdieserdiek örperlicheUnversehrtheitderMenschen(nicht nurderVerkehrsteilnehmer)im öffentlichenVerkehrsch ützen(T RECHSEL, a.a.O.,Art.237N.11).DieSorgfaltspflicht gegenüberanderenVer- kehrsteilnehmernistschliesslichauchdienotwendigeFolgeder Ausübung einergef ährlichenT ätigkeit(sog.allgemeinerGefahrensatz).Dabeigilt, dassderjenige,welchereinVerkehrsmittelmit,imVergleichzudenande- renbeteiligtenVerkehrsmitteln,weit höhererimmanenterGef ährlichkeit benützt, dem andereng egenüber zuer höhter Sorgfalt verpflichtetist. b)VorliegendfungiertenbeideAngeklagtenalsLuftfahrzeugf ührer(beide mitentsprechenderLizenzf ürGebirgslandungenmitdemfraglichenFlug- zeug)anBorddesmitzweiSteuer knüppeln ausgestattetenFlugzeugs,je- dochwarkeinervonihnenderFlugzeughalter.HalterindesPilatusPorter HB-istdieE.AGinZ.Folglichh ättevordemAbflugeinKommandant bezeichnetwerdenm üssen,ansonstendiePflichtendesKommandanten demr anghöchsten undr angältestenMitgliedderBesatzungzukamen(Art.3 Abs.3derVerordnung überdieRechteundPflichtendesKommandanten einesLuftfahrzeuges).Dabeispieltaufgrunddeser wähntenGesetzestexts fürdieKommandogewaltdieFlugbef ähigung keineRolle,sondernlediglich dieZugeh örigkeitzurBesatzung.ImkonkretenFallkonntenalsounbesehen derindividuellenBerechtigungf ürGebirgslandungenmitPassagieren (Art. 64desReglementsdesUVEKvom25.M ärz1975 überdieAusweise fürFlugpersonal[RFP;SR748.222.1]),welchebeiB.fehlte,beideAnge-TPF 2006 290 298 klagtengrun dsätzlichKommandogewaltinnehaben.Derran ghöchste (wenn auchnicht älteste)PilotwarabereindeutigA.,wobeihierdiefachliche Hierarchieaufgrunddergr össerenFlugerfahrungalsmassgeblicherachtet wird. Somitwar A. Flugkommandant. Dies warstillschweigend anerkannt. DerKommandantistunteranderemdaf ürverantwortlich,dassdieVorbe- reitung der Besatzung für den Flug den bestehenden Vorschriften entspricht. DieGesetzgebung überbindetihmdieVerantwortungf ürdie Führungdes LuftfahrzeugsnachdengesetzlichenBestimmungen,denVorschriftender Lufthandbücher(AIP),denanerkanntenRegelnderLuftfahrtunddenWei- sungendesHalters(Art.4und7derVerordnung überdieRechteund PflichtendesKommandanteneinesLuftfahrzeuges).NachArt.3Abs.4der Verordnung überdieRechteundPflichtendesKommandanteneinesLuft- fahrzeugeshatdiePerson,welchedie tatsächlicheBefehlsgewalt anBord ausübt (alsoz.B.dertat sächlichPilotierende,dersog. „flyingpilo t“),die gleichenPflichtenundVerantwortlichkeitenwiederKommandant.Schon ausdemWortlautderBestimmungergibtsich,dassderdiefaktischeBe- fehlsgewalt Ausübende, dernichtKommandantist,auchPflichtenhatund Verantwortungtr ägt,damitaberdenKommandantenvonseinenPflichten undVerantwortlichkeitenimEinzelfallnichtentlastet.Vielmehrf ührtsein HandelnzueinerkollektivenPflichtundVerantwortlichkeitbeider(soauch derExperte).Dasheisstnicht,dassjederderbeidenineinerkonkretenSitu- ationzugleichemHandelnoderUnterlassenverpflichtet wäre,sonderndass jederf ürpflichtgem ässe AbläufeimRahmenseinerfaktischen Möglichkei- tenzusorgenhatunddaf ürMitverantwortungtr ägt. Daswiederumistnur dannm öglich, wennjederweiss,wof ürderanderesichalsz uständig erach- tet,d.h.wenndiebeidenmiteinanderkommunizieren.DieseAuslegung wirddurchdenUmstandbekr äftigt,dassesnichtangehenkann,dassder Kommandantaufgrundspontanerfaktischer ÜbernahmederBefehlsgewalt durcheineanderePersonvonseinenPflichtenundVerantwortungenent- bundenwird.Ebensowenig,wieesseinkann,dassderflyingpilotvonsei- nenVorsichtspflichtenentbundenw äre,nurweilsicheinerfahrenererPilot bei der Besatzung befindet. c)Hinsichtlichderangeklagten,konkretenSorgfaltspflichtenverletzung seitens derbeiden Angeklagtenergibt sich daherFolgendes: IndemA.alsKommandantbeiderFlugvorbereitungdieRollenf ürdie TätigkeitenanBordbeiAnflugsowievorund währendderLandungnicht klarzugeteilthat,haterzwarkeineSorgfaltspflichtverletzt,denndasGe-TPF 2006 290 299 setzselbergibtf ürdiesenFalldieHierarchievor.WasihmdasGesetzaber nichtvorgibt,istdieausseinemUnterlassenentstehendePflicht,inder Folge,d.h. währenddesFlugsundbeiderLandungseineeigenenWahr- nehmungen, Schlüsse, Absichtenund Tätigkeitenmitjenendesflyingpilot zukoordinieren,alsomitjenemzukommunizierenunddamitseineKom- mandantenpflichtauszu üben. Dastuterz.B.jeweilsdurchm ündliche An- weisungen( „höher“,„tiefer“)oderdurchfaktischesEingreifenmittelsSteu- erknüppel. Ebenso hätteerseineWahrnehmungeninFlugverhaltenumset- zenm üssen,alserSkitouristensichtete.Erh ättesicherstellenm üssen, dass derflyingpilotdasselbewahrnahmwieer.DieTatsache,dassdieWahr- nehmungderSkitourenfahrerdurchdiebeidenPiloteninBezugaufStand- ort,Bewegungbzw.Stillstandsounterschiedlichwar,belegt,dasserdies nichtgetanhat.DieFolgewar,dassjederderbeidenPiloteninBezugauf diePr äsenz vonSkitouristenimbeabsichtigtenLandebereichvoneinervom anderen völligabweichendenBeurteilungsbasisausging.Objektivfalsch waraberoffensichtlichdieWahrnehmungdeseinenwiedesanderen.Eine klareKommunikation hätte mitSicherheiteine zusätzlicheRekognoszie- rungzurFolgegehabt.Stattdessenbef ürworteteA.eineLandunginder vorbestehenden Spur ohne weitere Rekognoszierung. B.hattebeiderFlugvorbereitungalsNicht-Kommandantundflyingpilot seinePflichteninsofernver nachlässigt,alserzueinemPassagierflugmit beabsichtigterGletscherlandungstartete,zuwelchLetzterererformellnicht befugtwarundf ürderensichereDurchf ührungundBeendigungerkeine vorgängige AbsprachemitdemeinziglandeberechtigtenA.getroffenhatte. DieshatteinsoweitEinflussaufdasVerhaltenvonA.,alsLetztererihm faktischeKommandogewalt überliess,woerdiesnicht hättetun dürfen, nämlichf ürdieLandung(inklusiveRekognoszierung):BeimAufsetzendes FlugzeugsamBodenpilotierteB.EsdarfzugunstenvonA.davonausge- gangenwerden,dasserbeieinereigenenLandung,f ürdieersichnichtauf dieSinneswahrnehmungenundHandlungenvonB. zusätzlichzuseinen eigenenverlassenh ätte,eine örtlichoderzeitlichandereLandungdurchge- führt hätte. Wennnicht, wäreern ämlichdenSkitouristennoch näherge- kommenoderer hättesiesogartouchiert,waresdochletztlichB.sFeststel- lungundZurufen,welchesA.zumAusweichennachrechtsveranlassthat. B.hattealstats ächlichPilotierenderdiefaktischeBefehlsgewaltanBord, solangeA.diesenichtaufgrundseinerKommandantenfunktionf ürsich beanspruchte.Aucherhatdurcheine ungenügendeRekognoszierungdie sichere Landung nicht gewährleistet.Wenn er schon rekognoszierte, obwohl ernichtzumLandenbefugtwar,istseineRekognoszierung ungenügend,TPF 2006 290 300 wennernichteinenobjektivrichtigenBefund, nämlichdass währenddes Landens Skitouristen die Landebahn kreuzen könnten, an A.weitergemeldet hat.SeineE inschätzungvomStandortderSkitouristenanl ässlichderRe- kognoszierungwarsofernderRealit ät, dass erbei genügendemHinschauen etwasanderesfestgestellt hätte.NacheinemsounrichtigenBefunddurfteer das Flugzeug nicht am Boden aufsetzen. AuchdieDurchf ührung zusätzlicherRekognoszierungsvolten hätte inconc- retoderEinhaltungderSorgfaltspflichtnichtapriorientsprochen.Ihrw äre nurdann Genüge getangewesen,wenndieverantwortlichenPilotenaufden Rekognoszierungsflügenmit genügenderSicherheitfestgestellth ätten,dass dieLandepisteimZeitpunktderLandungfreiseinwird(sieheauchAussa- geA.).DaswaroffensichtlichnichtderFall,wiedereingetreteneErfolg zeigte.SchliesslichergibtsichausdemallgemeinenGefahrensatz,dassdie Pflichtzuer höhterSorgfaltunzweifelhaftbeidenVerantwortlichendes Flugzeugslag,auchwenneinegenerelleSorgfaltspflichtderSkitouristen nichtzuverneinenist.W ärendieSkitourenfahrernachdem Überflugstill- gestandenund wäredasFlugzeuginderLuftgeblieben, wärezwardie Gefahrnichteingetreten.DaaberinjenemZeitpunktbeideSeitennicht wissenkonnten,wiesichdieandere verhalten würde, hättediest ärkere,also die „Flugzeugseite“ jedesanzunehmendeVerhaltenderSkitouristen,also aucheineFortsetzungihresAufstiegs,ihremeigenenVerhaltenzugrunde legenm üssen. DieKenntnisderSorgfaltspflichtenkanninAnbetrachtderstrengenZulas- sungsregelnzumPilotenbrevetsowieaufgrundderFlugerfahrungbeibei- den Angeklagten als gegeben vorausgesetzt werden. d)NachallgemeinerLebenserfahrungundihrerspezifischenErfahrungals PilotenmusstendiebeidenAngeklagtendamitrechnen,dasseinefehlende KommunikationzwischenflyingpilotundKommandantzueinerFehlein- schätzungbzw.FehlentscheidungbeiderLandungf ühren könnte, mitda- durch bedingter Gefährdung Dritter. DieLandung hätte sovorbereitetunddurchgef ührtwerden können, dass keineGefahrf ürdieSkifahrerentstanden wäre.DiebeidenAngeklagten hättenimZweifelsfallinderLuftwarten könnenundm üssen, bisihnenklar gewesen wäre,dasssichdieSkitourenfahrernichtmehrimLanderaum befandenodersichnichtmehringefahrentr ächtigerWeiseaufdiesenzu bewegten.SiekonntenunterdengegebenenUm ständen nichtzumVorne-TPF 2006 301 301 hereindavonausgehen,dasssieallenfallsvordenbeimAufsetzenf ürsie aufgrunddestotenWinkelsnichtsichtbarenSkitourenfahrern würdenan- halten oderin angemessener Distanz zu ihnen würden landen können. SchliesslichistauchderRisikozusammenhangzubejahen.DieGef ährdung vonLeibundLebenderSkitourenfahreristgeradedieAuswirkungder unsorgfältigdurchgef ührtenLandungundistvomSchutzzweckvon Art. 237StGB,welchergeradedieGef ährdungdesLeibesunddesLebens vonMenschenim öffentlichenVerkehrverhindernwill(T RECHSEL,a.a.O., Art.237StGBN.11),eindeutigumfasst.DieGef ährdungderSkitourenfah- rerw ärebeipflichtgem ässerRekognoszierung,welchesovieleVoltener- forderth ätte,bisdiePositionsowieBewegungsrichtungderSkitouristen günstig sowiederLandebereichtat sächlichfreiundsichdiePiloten über ihreBeobachtungeneiniggewesen wären,unddarananschliessenderLan- dung nicht eingetreten. TPF 2006301 80.EstrattodellaSentenzadellaCortedeireclamipenalinellacausaA. controMinisteropubblicodellaConfederazionedel18settembre2006 (BB.2006.49) Competenza ratione materiae. Art. 28 cpv. 1 lett. g LTPF, art. 18, 279 cpv. 2 PP L’art. 18PPpresupponechealmeno un’infrazionecontestata all’accusato(e nonadaltri)fondilacompetenzafederale.Iltrasferimentodelfororimane l’eccezioneenondeveessereeffettuatosenoninpresenzadimotiviimportanti. Seirimanentireaticontestati all’accusato sonodicompetenzacantonaleenon sembranoormai più averealcunnessoevidenteconilfiloneprincipale dell’inchiestacondottadalMinisteropubblicodellaConfederazione,avvieneun trasferimentodellaproceduraalle autorità cantonali,amenochetaletrasferi- mentocomportiinconvenientiimportantisiadalprofilodelladurata dell’in- chiesta sia da quello del carico di lavoro.