<h2>SubmittedText<h2><p>Verschiedene Länder haben verschiedene Militärtraditionen. Von der politischen Kontrolle über die Streitkräfte, die Organisation, Gliederung und Einsatzdoktrin bis zur Bewaffnung unterscheiden sie sich aufgrund ihrer Geschichte, ihrer wirtschaftlichen und geografischen Gegebenheiten, ihrer Kultur und Mentalität. Vergleicht man etwa die Armeen Chinas, der USA, Frankreichs, Russlands oder Israels, stellt man sofort fest, wie Kultur und Militärwesen einander gegenseitig bedingen. </p><p>1. Ist der Bundesrat der Auffassung, dass es auch eine eigene, durch die Geschichte entwickelte und durch unsere Geografie geprägte Wehrtradition der Schweiz gibt? </p><p>2. Wenn ja, welches sind Sinn und Zweck einer planerischen Anleihe bei anderen Streitkräften angesichts des Umstands, dass diese eine ganz andere Militärtradition aufweisen? </p><p>3. Wie beurteilt er Schwierigkeiten und Risiken, sich bei der Konzeption der eigenen Armee an fremden Streitkräften zu orientieren? </p><p>4. Gaben politische Gründe den Ausschlag, Konzeptionen von Streitkräften zu übernehmen, die sich unter ganz anderen Umständen entwickelt und die sich in ganz anderen Situationen zu bewähren haben?</p><p>5. Uniform, Abzeichen, Abkürzungen, Signaturen und Gradstruktur wurden der Nato angepasst. Weshalb?</p><p>6. In welchen anderen Bereichen sind Anpassungen an die Nato oder andere Streitkräfte erfolgt? </p><p>7. Lassen sich Aufwand und Kosten beziffern, welche die Anpassungen an die Nato in sämtlichen Bereichen verursacht haben?</p><p>8. Sind weitere Anpassungen unserer Armee an die Nato oder andere Streitkräfte geplant? </p><p>9. Überlegt er sich, falls er eine eigenständige Schweizer Wehrtradition anerkennt, diese bei der Entwicklung der Armee wieder zu berücksichtigen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist davon überzeugt, dass eine gesunde Pflege von Traditionen Identität und Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt.</p><p>Der Bundesrat beantwortet die Fragen wie folgt:</p><p>1. Selbstverständlich gibt es eine schweizerische Wehrtradition: Die allgemeine Wehrpflicht, das Milizprinzip und das Schiesswesen sind ihre bekanntesten Elemente. Der Bundesrat ist überzeugt, dass nur eine Armee, mit welcher sich die Schweizer Bevölkerung identifiziert, im Ernstfall die Sicherheit garantieren kann. Die Verankerung in unseren Traditionen trägt massgeblich zu dieser Identifikation bei.</p><p>2./3. Genauso selbstverständlich wie die Pflege der schweizerischen Traditionen ist auch der Blick über die Landesgrenze. Die Schweizer Armee hat schon immer Impulse von anderen Streitkräften aufgenommen - beispielsweise bezüglich Technologie, Bewaffnung, Führungsverfahren, Strukturen und Uniformierung -, diese jedoch stets den eigenen schweizerischen Bedürfnissen angepasst. So versucht die Schweiz auch heute aus modernen symmetrischen wie asymmetrischen Konflikten zu lernen, um sich damit möglichst optimal auf heutige und zukünftige Bedrohungen unseres Landes und unserer Bevölkerung vorzubereiten. Die moderne Schweizer Armee ist sowohl von schweizerischen Traditionen als auch von internationalen Entwicklungen geprägt. Ein Austausch mit dem Ausland hat somit in der Schweiz Tradition und erfolgt dort, wo nach militärischen Gesichtspunkten die Leistungsfähigkeit der Schweizer Armee verbessert werden kann.</p><p>4. Nein. Mit Armee XXI übernahm die Schweiz in beschränktem Umfang das Modell der Durchdiener, die Idee der modular zusammensetzbaren Einsatzverbände, die heute international übliche Stabsstruktur für die taktische und operative Stufe und verzichtete auf die Führungsebenen Regiment und Division. Die Schweizer Armee unterscheidet sich wesentlich von allen übrigen Streitkräften darin, dass sie dem Milizgedanken fest verwurzelt bleibt und das Gros aller Kommandanten und Stabsoffiziere Milizkader sind. Ebenso blieb die Armee von ihrer Struktur her stets auf den Einsatz innerhalb unserer Landesgrenzen ausgerichtet. Was die Übernahme internationaler Standards betrifft, so geht es einerseits um die Möglichkeit, mit anderen Streitkräften kooperieren zu können, andererseits aber auch um die Möglichkeit, bei der Beschaffung von Rüstungsmaterial im Ausland auf kostspielige Helvetisierungen verzichten zu können.</p><p>5. Der Nato-Standard bezüglich Signaturen sowie die englische Buchstabiertabelle wurden übernommen, um die Zusammenarbeit im Uno- und OSZE-Rahmen zu erleichtern und bei der Beschaffung von Simulatoren und Führungssystemen Zusatzkosten zu vermeiden. Für Uniformen, Abzeichen oder Gradstruktur gibt es keinen Nato-Standard. Veränderungen erfolgten in diesen Bereichen aufgrund schweizerischer Bedürfnisse. Es ging z. B. darum, den Status der Unteroffiziere zu klären: Der für die Einheit verantwortliche höhere Unteroffizier erhielt in Abgrenzung zum technischen Feldweibel den neuen Grad des Hauptfeldweibels, und mit den zwei zusätzlichen Graden für höhere Unteroffiziere wurden die Perspektiven insbesondere für Berufsunteroffiziere verbessert. Dies entsprach Forderungen der ausserdienstlichen Interessenorganisationen. </p><p>6. Die Schweiz wendet auch in der Ausbildungszusammenarbeit sowie im Materialbereich internationale Standards an.</p><p>7. Da Anpassungen von verschiedenen Stellen im VBS wahrgenommen werden (Querschnittsaufgabe), können die Kosten heute nicht rückwirkend beziffert werden. Es ist aber die Absicht des VBS, Kosten, die aus Tätigkeiten mit internationalem Bezug resultieren, künftig systematisch zu erfassen und auszuweisen.</p><p>8. Anpassungen der Schweizer Armee werden auch in Zukunft vorgenommen werden, wo es die Einsatzerfordernisse und betriebswirtschaftliche Überlegungen nahelegen und wo sie die Miliztauglichkeit nicht infrage stellen. Die Angleichung der Standards an diejenigen anderer Streitkräfte darf jedoch nie zum Selbstzweck werden.</p><p>9. Der Bundesrat wird die Schweizer Wehrtradition bei der Entwicklung der Armee auch in Zukunft gebührend berücksichtigen.</p>  Antwort des Bundesrates.