16. Dezember 1994 N 2485 Interpellation Schmied Walter schränkten Finanzierungsmöglichkeiten des Bundes zu kom- pensieren. Im Bereich der Prävention des Alkoholmissbrauchs sind fol- gende Massnahmen zu erwähnen: - Kampagnen gegen Alkohol am Steuer wie z. B. die «Opéra- tion Nez rouge». Bei dieser in der Romandie lancierten Aktion - sie soll demnächst auf die Deutschschweiz ausgedehnt wer- den - geht es darum, dass während der Festtage zwischen Weihnachten und Neujahr Fahrzeuglenker, die dies wünschen, von einem «Taxidienst» mitsamt ihrem Fahrzeug nach Hause gebracht werden. - Kampagnen, die darauf abzielen, den Konsum alkoholfreier Getränke zu fördern, wie z. B. die Aktion «Spass im Glas». Sie wird momentan nur im Kanton Bern in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Wirteverband durchgeführt und zielt darauf ab, in allen Cafés und Restaurants (Mitglieder des bernischen Wirtevereins) vier bis fünf Getränke anzubieten, die billiger sind als Alkohol. Im Bereich der Prävention des Tabakkonsums sind folgende Massnahmen zu erwähnen: - Nationale Kampagne mit dem Ziel, den Jugendlichen eine positive Gesundheitsbotschaft zu vermitteln. Diese richtet sich unter dem Namen «Neue Lust - Nichtrauchen» an Jugendli- che im Alter von 14 bis 18 Jahren. Sie vermittelt das positive Bild eines gesunden Verhaltens ohne Tabakkonsum. Dieses Ziel soll via Sponsoring von Disco-Abenden und Sportveran- staltungen erreicht werden. -Allgemeine Kampagne zur Sensibilisierung der Bevölke- rung für die Problematik des Tabakkonsums, z. B. «Tag des Nichtrauchens» am 31. Mai, der jährlich unter ein neues Motto gestellt wird. Zudem sind zahlreiche Präventionsmassnahmen auf die Schule ausgerichtet, wie z. B. die Verbreitung von didakti- schem Material (Software «Café Saigon») oder die Ausbildung von Schülern, die als sogenannte Multiplikatoren Informatio- nen zur Gesundheit bei ihren Mitschülerinnen und -schülern weiterverbreiten (Programm «Smat, Schüler- Multiplikatoren Alkohol und Tabak»). Ferner ist eine breitgefächerte Informa- tionskampagne über gesundheitsfördernde Massnahmen im Gange, die sich an die in der Schweiz lebende ausländische Bevölkerung richtet. Unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips erklärt sich der Bundesrat bereit, in Zusammenarbeit mit den Kanto- nen sowie privaten und halbprivaten Partnerorganisationen nationale Kampagnen im Bereich der Prävention des Tabak- konsums und der alkoholbedingten Probleme durchzufüh- ren. Dies allerdings unter Vorbehalt der finanziellen Möglich- keiten, wie sie sich aus der Entwicklung der Bundesfinanzen ergeben. 3. Der Konsum alkoholischer Getränke hat bei uns eine lange Tradition. Alkohol ist zu einem festen Bestandteil unseres ge- sellschaftlichen Lebens geworden. Alkoholkonsum und das Fahren eines Fahrzeuges vertragen sich indessen nicht. Der Bundesrat ist klar der Auffassung, dass jeder Unfall infolge Fahrens unter Alkoholeinfluss ein Unfall zuviel ist. Seit 1990 nimmt die Zahl der im Strassenverkehr Getöteten kontinuier- lich ab, die absolute Zahl der alkoholbedingten Todesopfer je- doch zu. Deren Anteil an sämtlichen Verkehrstoten erreichte 1992 mit beinahe 23 Prozent einen Höchststand. Rund ein Drittel der Fahrausweisentzüge ist alkoholbedingt. Die Trennung von Trinken und Fahren ist an sich sehr geeig- net, Verkehrsunfälle zu verhüten. Dagegen erachtet der Bun- desrat eine gesetzliche Null-Promille-Limite als politisch un- realistisch und praktisch nicht durchsetzbar. Auch mit Blick auf Europa scheint ihm diese Massnahme nicht opportun. Frankreich hat kürzlich die Promillegrenze von 0,8 auf 0,7 re- duziert. Sollte dies während einer einjährigen Testphase zu ei- nem nennenswerten Rückgang der alkoholbedingten Unfälle führen, soll Alkohol am Steuer bereits mit 0,5 Promille strafbar werden. In fast sämtlichen übrigen Ländern des EU/EWR- Bereichs beträgt die entsprechende Limite gegenwärtig 0,5 oder 0,8 Promille. Der Bericht «Sicherheit im Strassenverkehr» einer vom EJPD eingesetzten Expertengruppe enthält unter anderem die Empfehlung, die Promillegrenze in der Schweiz auf 0,5 herabzusetzen. Der Bundesrat hat deshalb am 20. April 1994 dem EJPD den Auftrag erteilt, die Frage im Einverneh- men mit den zuständigen Bundesstellen sowie den betroffe- nen Instanzen und Organisationen ausserhalb des Bundes zu prüfen und im gegebenen Fall Antrag zu stellen. Der Bundesrat prüft zurzeit weitere Massnahmen zur Unfallver- hütung. Wer übermässig trinkt und trotzdem fährt, muss ins- künftig mit strengeren Sanktionen rechnen. Der Fahrzeugfüh- rer soll aber auch mit höherer Wahrscheinlichkeit damit rech- nen müssen, in eine Kontrolle zu geraten. Studien auf interna- tionaler Ebene haben klar gezeigt, dass eine Intensivierung der Kontrollen für die Verhütung alkoholbedingter Verkehrsunfälle ebenso wirksam ist wie die Verschärfung der Strafen. Die näch- ste Revision des Strassenverkehrsgesetzes, über die voraus- sichtlich im Frühjahr 1995 eine Vernehmlassung durchgeführt wird, sieht deshalb unter anderem auch eine Rechtsgrundlage für die systematische Durchführung von Atemlufttests vor. Erklärung des Interpellanten: befriedigt Déclaration de l'interpellateur: satisfait #ST# 94.3466 Interpellation Schmied Walter Ursachen des Drogenabhängigkeit. Forschung Recherche sur les causes de la toxicomanie Wortlaut der Interpellation vom 7. Oktober 1994 Die kontrollierte Heroinabgabe steht zurzeit im Zentrum der Forschungsarbeiten über das Problem der Drogenabhängig- keit. Im Gegensatz dazu sind die Forschungsgrundlagen für eine Prävention, die auf nichtdrogenabhängige Personen aus- gerichtet ist, wenig bekannt oder fehlen sogar ganz. Der Bundesrat wird gebeten, zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen: 1. Kann der Bundesrat die genauen Ursachen (gesellschaftli- ches Umfeld, soziale Bedingungen usw.) und die persönli- chen Gründe nennen, die jemanden dazu bringen, Drogen zu nehmen? 2. Wieweit kann sich der Bundesrat bei der Beantwortung der ersten Frage auf wissenschaftliche Daten aus der Schweiz ab- stützen? 3. Wieweit beschäftigt sich die Forschung in der Schweiz mit den Ursachen der Drogenabhängigkeit? 4. Werden die Ergebnisse dieser Forschung bereits auf die Präventivmassmahmen angewendet? Kann man in diesem Sinne von einer Drogenbekämpfungspolitik sprechen, die sich an den Ursachen der Drogenabhängigkeit orientiert? 5. Die wissenschaftlichen Anstrengungen konzentrieren sich heute auf die kontrollierte Heroinabgabe. Bleibt unter dieser Voraussetzung noch genug Raum für die Ursachenfor- schung? Texte de l'interpellation du 7 octobre 1994 La distribution contrôlée d'héroïne est actuellement au centre des travaux scientifiques sur le problème de la toxicomanie. En revanche, les bases scientifiques d'une prévention ciblée sur les toxicomanes sont peu connues ou font même totale- ment défaut Le Conseil fédéral est prié de répondre aux questions sui- vantes: 1. Le Conseil fédéral peut-il décrire avec exactitude les causes (milieu, conditions sociales, etc.) et les motifs qui poussent une personne à commencer à prendre des drogues? 2. En répondant à la première question, dans quelle mesure le Conseil fédéral peut-il se fonder sur des données scientifiques suisses?Interpellation Mari 2486 N 16 décembre 1994 3. Dans quelle mesure pratique-t-on en Suisse une recherche orientée vers les causes de la toxicomanie? 4. Les résultats de cette recherche sont-ils déjà appliqués aux activités de prévention? Peut-on, dans ce sens, parler d'une politique antidrogue orientée vers les causes de la toxicomanie? 5. La recherche orientée vers les causes de la toxicomanie peut-elle encore être menée avec suffisamment d'intensité malgré la concentration actuelle des efforts scientifiques sur la distribution contrôlée d'héroïne? Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun Schriftliche Begründung - Développement par écrit L'auteur renonce au développement et demande une réponse écrite. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 28. November 1994 Rapport écrit du Conseil fédéral du 28 novembre 1994 1. Les causes de la toxicomanie et les motifs qui poussent une personne à commencer à consommer des drogues sont multi- ples. Les scientifiques et les praticiens reconnaissent qu'il s'agit presque toujours d'une combinaison de facteurs, faisant entrer en jeu des aspects de la personne et de son histoire, de l'environnement social et de l'accessibilité des substances. Certaines situations, comme l'usage de produits psychotro- pes par les parents ou frères et soeurs, l'accumulation d'échecs et d'exclusions scolaires ou professionnels, une éducation familiale sans cohérence ou alors par trop protec- trice, une expérience précoce de l'usage régulier de médica- ments non prescrits, de tabac ou d'alcool, etc., sont des fac- teurs reconnus d'aggravation des risques. Il n'y a cependant pas de relations de causalité simples ni univoques, et la majo- rité des enfants ayant vécu de telles «situations à risque» ne deviennent pas toxicomanes. 2. Ces connaissances sont aussi bien basées sur des études suisses que sur la littérature scientifique internationale. 3. Plusieurs enquêtes statistiques récentes en Suisse (en- quête en milieu scolaire en 1994, enquête sur la santé des ado- lescents en 1992/93, enquête suisse de santé 1992/93, diver- ses enquêtes sur les toxicomanes en traitement) donnent des informations importantes sur les caractéristiques sociales et démographiques des usagers de drogue comparés au reste de la population. Des travaux scientifiques basés sur d'autres méthodes (approche biographique, rétrospective, analyses ethnographiques, études qualitatives sur la prise de risque, etc.) viennent compléter ces connaissances. 4. Les résultats de ces analyses scientifiques suisses et étran- gères sont déjà en majeure partie appliqués aux activités de prévention. Toutefois, les facteurs de risque faisant souvent partie intégrante des structures sociales, les programmes de prévention doivent généralement s'orienter vers l'apprentis- sage de façon àsurmonterdes difficultés, sans pouvoirsuppri- mer les risques. 5. La recherche orientée sur les causes et les situations favori- sant la toxicomanie a pu jusqu'ici être menée avec une inten- sité soutenue. Les recherches liées aux essais scientifiques avec distribution contrôlée n'ont pas fait obstacle à ces pro- jets. L'élargissement et l'approfondissement des questions de recherche liées à l'extension de ces essais devront être finan- cés par une rallonge de crédits afin de ne pas épuiser les res- sources nécessaires pour la recherche sur les causes de la toxicomanie. Erklärung des Interpellanten: nicht befriedigt Déclaration de l'interpellateur: non satisfait #ST# 94.3177 Interpellation Hari Anhänger an vierradangetriebenen Motorfahrzeugen. Änderung der Verkehrsregelnverordnung Remorques des véhicules à quatre roues motrices. Modification de l'ordonnance sur les règles de la circulation routière Wortlaut der Interpellation vom 30. Mai 1994 Durch die überraschend erfolgte Teilrevision der Verkehrsre- gelnverordnung (VRV) werden viele Landwirte, besonders im Berg- und Hügelgebiet, vor grosse Schwierigkeiten gestellt Ich frage deshalb den Bundesrat an, ob er nicht bereit wäre, auf seinen Beschluss vom 11. März 1994 zurückzukommen und dabei die Frage zu prüfen, ob Artikel 68 Absatz 4 der VRV nicht doch besser in der alten Fassung zu belassen sei. Texte de l'Interpellation du 30 mai 1994 La révision partielle inattendue de l'ordonnance sur les règles de la circulation routière (OCR) place de nombreux paysans devant de grandes difficultés, notamment dans les régions de montagne et de collines. Je demande par conséquent au Conseil fédéral s'il ne serait pas prêt à revenir sur sa décision du 11 mars 1994 et d'exami- ner l'opportunité de rétablir l'ancienne teneur de l'article 68 alinéa4del'OCR. Mitunterzeichner - Cosignataires: Bezzola, Bühler Simeon, Bundi, Bürgi, Columberg, Daepp, Engler, Jäggi Paul, Kühne, Schmidhalter, Schnider, Schwab, Seiler Hanspeter, Wittenwi- ler.Wyss William (15) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Am 11. März 1994 beschloss der Bundesrat, die Verkehrsre- gelnverordnung (VRV) zu ändern; er setzte diese Änderungen bereits auf den 1. April 1994 in Kraft. Das EJPD hat es dabei versäumt, die Bevölkerung rechtzeitig über die neuen Verkehrsvorschriften zu informieren. Besonders hart scheint mir die neue Fassung von Artikel 68 Absatz 4, wonach landwirtschaftliche Anhänger nur noch an Motorfahrzeuge mit bauartbedingten Höchstgeschwindigkei- ten von 30 km/h und an gewerbliche Traktoren angekoppelt werden dürfen. Gemäss bisheriger Regelung durften diese landwirtschaftli- chen Anhänger mit allen vierradangetriebenen Motorfahrzeu- gen mitgeführt werden. Sie stellten kein erhebliches Sicher- heitsrisiko dar. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 3. Oktober 1994 Rapport écrit du Conseil fédéral du 3 octobre 1994 Nach Artikel 68 Absatz 4 VRV in der seit dem! April 1994 gülti- gen Fassung sind landwirtschaftliche Anhänger nur an Motor- fahrzeugen mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h und an gewerblichen Traktoren gestattet Bis zu jenem Zeitpunkt durften landwirtschaftliche Anhänger an land- wirtschaftlichen Motorfahrzeugen, an gewerblichen Traktoren und an Motorwagen mit Allradantrieb mitgeführt werden. Die im Sommer 1993 in die Vernehmlassung gegebene Revi- sion von Artikel 68 Absatz 4 VRV über das Mitführen von land- wirtschaftlichen Anhängern an allradangetriebenen Zugfahr- zeugen mit mehr als 30 km/h wurde von der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (VSA) beantragt. Aber nicht nur von der VSA, auch von anderen Stellen wurde darauf hingewiesen, dass viele gewerbliche Transporte unberechtigterweise mit landwirtschaftlichen Anhängern, die weder immatrikuliertSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Schmied Walter Ursachen des Drogenabhängigkeit. Forschung Interpellation Schmied Walter Recherche sur les causes de la toxicomanie In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1994 Année Anno Band IV Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 94.3466 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 16.12.1994 - 08:00 Date Data Seite 2485-2486 Page Pagina Ref. No 20 024 980 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.