<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 3] </div> <div class="para">4P.212/1999/rnd </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i> I. Z I V I L A B T E I L U N G</i> </div> <div class="para"> ******************************* </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>25. Juli 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichterin und Bundesrichter Walter, </div> <div class="para">Präsident, Leu, Corboz, Klett, Nyffeler und Gerichts- </div> <div class="para">schreiber Lanz. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Nederlandse Aardolie Maatschappij BV (NAM)</u>, Schepersmaat 2, </div> <div class="para">Postbus 28000, NL-9400 HH Assen, Beschwerdeführerin, ver- </div> <div class="para">treten durch die Advokaten Dr. Bernhard Bodmer und Prof. </div> <div class="para">Dr. Peter Böckli, St. Jakobs-Strasse 41, Postfach 2348, </div> <div class="para">4002 Basel </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>BEB Erdgas und Erdöl GmbH</u>, Riethorst 12, Postfach 51 03 60, </div> <div class="para">D-30569 Hannover, </div> <div class="para"> <u>Deutsche Shell Aktiengesellschaft</u>, Überseering 35, </div> <div class="para">D-22297 Hamburg </div> <div class="para"> <u>ESSO Deutschland GmbH</u>, Kapstadtring 2, D-22297 Hamburg </div> <div class="para">Beschwerdegegnerinnen, alle vertreten durch Rechtsanwalt Dr. </div> <div class="para">Pierre A. Karrer, Löwenstrasse 1, 8001 Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>ICC Zürich (Schluep)</u>, c/o Prof. Dr. Walter R. Schluep, </div> <div class="para">Fürsprech, Schützengasse 17, 2540 Grenchen (Sekretariat </div> <div class="para">Rechtsanwalt Dr. Ernst Felix Schmid, Bahnhofstrasse 13, </div> <div class="para">8001 Zürich), </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 85 lit. c OG</span>, Art. 182 Abs. 3, 190 Abs. 2 lit. d IPRG, </div> <div class="para">hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>A.- </u> </div> <div class="para">a) Die Staatsgrenze zwischen den Niederlanden und </div> <div class="para">Deutschland ist im Einmündungsgebiet der Ems strittig. Des- </div> <div class="para">halb schlossen die beiden Staaten am 8. April 1960 den Ems- </div> <div class="para">Dollart-Vertrag sowie am 14. Mai 1962 das Ems-Dollart-Zu- </div> <div class="para">satzabkommen. In dessen Artikeln 4 und 5 vereinbarten sie </div> <div class="para">namentlich, dass beide Vertragsstaaten Konzessionen zum Auf- </div> <div class="para">suchen und Fördern von Bodenschätzen in dem auf einer dem </div> <div class="para">Zusatzabkommen beigefügten Karte bezeichneten strittigen Be- </div> <div class="para">reich (im Folgenden "Gemeinschaftsgebiet") erteilen dürfen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Im Untergrund des erwähnten Grenzgebietes befinden </div> <div class="para">sich Erdgasvorkommen. Das Erdgasfeld "Groningen" liegt zum </div> <div class="para">grössten Teil unter dem niederländischen Festland, erstreckt </div> <div class="para">sich aber auch auf das Gemeinschaftsgebiet und auf den als </div> <div class="para">"Groothusen" bezeichneten deutschen Teil der Emsmündung. Die </div> <div class="para">Nederlandse Aardolie Maatschappij BV (im Folgenden Beschwer- </div> <div class="para">deführerin, NAM) ist aufgrund ihrer von den Niederlanden er- </div> <div class="para">teilten Konzession zur Förderung von Bodenschätzen im nie- </div> <div class="para">derländischen Gebiet "Groningen" sowie im angrenzenden Ge- </div> <div class="para">meinschaftsgebiet berechtigt; ebenfalls in diesem Gemein- </div> <div class="para">schaftsgebiet sowie im deutschen Grenzgebiet "Groothusen" </div> <div class="para">ist aufgrund ihrer von Deutschland erteilten Konzession die </div> <div class="para">BEB Erdgas und Erdöl GmbH (im Folgenden Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para">Brigitta) zur Förderung von Bodenschätzen befugt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Am 27. Januar 1966 schlossen NAM und Brigitta </div> <div class="para">einen Vertrag über die Zusammenarbeit im Gemeinschaftsgebiet </div> <div class="para">(Agreement on co-operation in prospecting for and producing </div> <div class="para">petroleum and natural gas in the Ems estuary). Nach Art. 4a </div> <div class="para">dieses Vertrags steht NAM und Brigitta je der gleiche Anteil </div> <div class="para">an dem Erdöl und Erdgas zu, das gemäss den Berechnungen in </div> <div class="para">Art. 2 und 3 des Vertrages vor Beginn jeglicher Förderung im </div> <div class="para">Gemeinschaftsgebiet vorhanden war, sowie der gleiche Anteil </div> <div class="para">der davon förderbaren Menge. Überdies beinhaltet die Verein- </div> <div class="para">barung in Art. 23 eine Schiedsklausel, wonach die Parteien </div> <div class="para">sämtliche Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Vertrag von </div> <div class="para">einem oder mehreren nach der Vergleichs- und Schiedsordnung </div> <div class="para">der Internationalen Handelskammer (International Chamber of </div> <div class="para">Commerce, ICC) eingesetzten Schiedsrichter letztinstanzlich </div> <div class="para">in Zürich entscheiden lassen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Da sich die Bodenschätze zur Hauptsache in dem </div> <div class="para">zum grössten Teil unter niederländischem Staatsgebiet lie- </div> <div class="para">genden Erdgasfeld "Groningen" befinden, schlossen NAM und </div> <div class="para">Brigitta am 10. Oktober 1966 eine Vereinbarung über die Be- </div> <div class="para">triebsführung (Operating Agreement). Darin verpflichtete </div> <div class="para">sich NAM, für Brigitta aus ihren auf dem Festland der nie- </div> <div class="para">derländischen Provinz "Groningen" gelegenen Anlagen dieje- </div> <div class="para">nigen Gas- und Kondensatmengen zu fördern und in natura zu </div> <div class="para">liefern, die Brigitta aus dem Gemeinschaftsgebiet und aus </div> <div class="para">dem deutschen Konzessionsgebiet "Groothusen" zustehen. Diese </div> <div class="para">Betriebsführungsvereinbarung wurde durch zwei Zusatzverein- </div> <div class="para">barungen (Amendments) vom 7. September/22. Oktober 1976 und </div> <div class="para">20./27. Dezember 1984 ergänzt, in denen die jährlichen Ab- </div> <div class="para">nahmemengen für Brigitta auf der Grundlage der im entspre- </div> <div class="para">chenden Zeitpunkt jeweils geschätzten Erdgasvorräte festge- </div> <div class="para">legt wurden. Beide Ergänzungen enthielten detaillierte Be- </div> <div class="para">stimmungen für den Fall, dass die Brigitta zustehende Gas- </div> <div class="para">menge geringer sein sollte als die Gesamtmenge des tatsäch- </div> <div class="para">lich an Brigitta gelieferten Gases. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) In Art. 2 des Zusammenarbeitsvertrages vom </div> <div class="para">27. Januar 1966 bestimmten die Parteien, auf welcher Grund- </div> <div class="para">lage die Erdgasvorräte und die förderbaren Mengen berechnet </div> <div class="para">werden sollten, wobei sie für das Rechenverfahren und die </div> <div class="para">Ergebnisse auf einen Anhang verwiesen. Nach Art. 3 des Zu- </div> <div class="para">sammenarbeitsvertrages sollte jedes Jahr in gemeinsamen Be- </div> <div class="para">ratungen erneut bestimmt werden, ob und gegebenenfalls wel- </div> <div class="para">che Berichtigungen in der Berechnung vorzunehmen seien. Nach </div> <div class="para">der ersten, im Anhang II des Vertrages niedergelegten Be- </div> <div class="para">rechnung wurde im Jahre 1966 der Gasanteil von Brigitta auf </div> <div class="para">59,5 x 109 m3 bei 00 Celsius geschätzt. Diese Menge wurde </div> <div class="para">berichtigt und zwar </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> im Jahre 1974 auf 53,7 x 109 m3, </div> <div class="para"> im Jahre 1978 auf 54,65x 109 m3, </div> <div class="para"> im Jahre 1981 auf 64x 109 m3. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Diese Schätzungen erwiesen sich schliesslich als zu </div> <div class="para">hoch. Am 2. Mai 1991 unterzeichneten NAM und Brigitta die </div> <div class="para">endgültige Neuberechnung von Brigittas Gasanteil, welcher </div> <div class="para">auf 39,5 x 109 m3 festgelegt wurde. Diese Brigitta zustehen- </div> <div class="para">de Menge war bereits bis November 1980 gefördert worden; als </div> <div class="para">die Erdgasförderung zu Gunsten von Brigitta im Mai 1989 ein- </div> <div class="para">gestellt wurde, hatte Brigitta mehr als 20 x 109 m3 (genau </div> <div class="para">20'003'705'615 m3) zu viel Erdgas bezogen. In der Folge </div> <div class="para">konnten sich die Parteien nicht über die Abgeltung für diese </div> <div class="para">Zuviellieferung einigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>B.- </u> </div> <div class="para">Am 4. Dezember 1991 stellte NAM beim Schiedsge- </div> <div class="para">richtshof der Internationalen Handelskammer das Begehren um </div> <div class="para">Einleitung des Schiedsverfahrens, das sie auch gegen die </div> <div class="para">Deutsche Shell Aktiengesellschaft und die ESSO Deutschland </div> <div class="para">GmbH (beides Beschwerdegegnerinnen) richtete, welche mitge- </div> <div class="para">teilt hatten, dass sie als Vertragspartner in die zwischen </div> <div class="para">NAM und Brigitta geschlossenen Verträge einträten und sämt- </div> <div class="para">liche Rechte und Pflichten aus diesen Verträgen übernähmen </div> <div class="para">(im Folgenden werden von der Bezeichnung Brigitta je nach </div> <div class="para">Kontext sämtliche Beschwerdegegnerinnen erfasst). NAM bean- </div> <div class="para">tragte im Wesentlichen, die Beschwerdegegnerinnen seien zu </div> <div class="para">verurteilen, ihr solidarisch rund 9,4 Milliarden DM </div> <div class="para">(DM 9'401'325'932.--) nebst Zins zu bezahlen. Sie stützte </div> <div class="para">ihre Forderung auf die Entschädigungsklausel in Artikel 4.4. </div> <div class="para">der (zweiten) Ergänzung vom 20./27. Dezember 1984 zur Be- </div> <div class="para">triebsführungsvereinbarung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Beklagten beantragten hauptsächlich die Abwei- </div> <div class="para">sung der Klage und stellten zudem Eventualbegehren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>C.- </u> </div> <div class="para">a) Im ersten Zwischenschiedsspruch vom 28. Juni </div> <div class="para">1996 bejahte das Schiedsgericht seine Zuständigkeit und ver- </div> <div class="para">warf verschiedene von den Beschwerdegegnerinnen erhobene </div> <div class="para">Einreden und Einwendungen. Überdies entschied es im Wesent- </div> <div class="para">lichen, dass auf die Zuviellieferung nicht die Entschädi- </div> <div class="para">gungsklausel der (zweiten) Ergänzung vom 20./27. Dezember </div> <div class="para">1984 anzuwenden sei, sondern die NAM zustehende Entschädi- </div> <div class="para">gung nach Massgabe der in Art. 22 des Zusammenarbeitsvertra- </div> <div class="para">gs vom 27. Januar 1966 niedergelegten Loyalitätsklausel zu </div> <div class="para">bestimmen sei. Das Schiedsgericht kam zudem zum Schluss, </div> <div class="para">dass die Sachlage soweit liquid sei, dass Brigitta mindes- </div> <div class="para">tens 2,328 Milliarden DM nebst Zins bezahlen müsse, wobei es </div> <div class="para">den Parteien überliess, sich über die genauen Zahlungsmoda- </div> <div class="para">litäten zu einigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Nachdem die Parteien dem Schiedsgericht mitge- </div> <div class="para">teilt hatten, dass der im ersten Zwischenentscheid festge- </div> <div class="para">legte Betrag bezahlt worden war, sich die Parteien jedoch </div> <div class="para">über die Restforderung nicht hätten einigen können, erliess </div> <div class="para">das Schiedsgericht am 25. Juni 1997 einen zweiten Zwischen- </div> <div class="para">entscheid und fällte am 2. Juli 1999 den Endentscheid. Darin </div> <div class="para">verpflichtete es die Beschwerdegegnerinnen im Wesentlichen, </div> <div class="para">der Beschwerdeführerin einen zusätzlichen Betrag in der Höhe </div> <div class="para">von DM 854'906'985.97 (achthundertvierundfünzig Millionen </div> <div class="para">neunhundertsechs Tausend neunhunderfünfundachtzig Deutsche </div> <div class="para">Mark und siebenundneunzig Pfennig) nebst Zins zu zahlen, </div> <div class="para">wobei Shell und ESSO gegenüber NAM jeweils zur Hälfte für </div> <div class="para">Brigittas Verbindlichkeit haften sollten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>D.- </u> </div> <div class="para">NAM hat gegen das Schiedsurteil vom 2. Juli 1999 am </div> <div class="para">3. September 1999 staatsrechtliche Beschwerde eingelegt. Da- </div> <div class="para">rin beantragt sie dem Bundesgericht, das angefochtene ICC </div> <div class="para">Schiedsurteil No. 7422 und der in gleicher Sache ergangene </div> <div class="para">Zwischenentscheid vom 25. Juni 1997 seien insoweit aufzuhe- </div> <div class="para">ben, als die Schiedsklage von NAM durch das Schiedsgericht </div> <div class="para">abgewiesen wurde, und die Sache sei zum Erlass eines neuen </div> <div class="para">Schiedsurteils an das Schiedsgericht zurückzuweisen; even- </div> <div class="para">tualiter seien die angefochtenen Urteile ganz aufzuheben. </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin macht zur Begründung geltend, es sei </div> <div class="para">ihr das rechtliche Gehör verweigert und der Grundsatz der </div> <div class="para">Gleichbehandlung der Parteien verletzt worden, weshalb die </div> <div class="para">Rügegründe von <span class="artref">Art. 182 Abs. 3 und <artref id="CH/291/190/2/d" type="start"></artref>Art. 190 Abs. 2 lit. d </span></div> <div class="para">IPRG<artref id="CH/291/182/3" type="end"></artref> gegeben seien. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Beschwerdegegnerinnen schliessen in ihrer Ver- </div> <div class="para">nehmlassung auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf ein- </div> <div class="para">zutreten sei. Sie stellen sich hauptsächlich auf den Stand- </div> <div class="para">punkt, das Beschwerderecht sei verwirkt, nachdem die Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin den gerügten Verfahrensmangel im Schieds- </div> <div class="para">verfahren nicht oder jedenfalls nicht rechtzeitig und nicht </div> <div class="para">in genügender Weise beanstandet habe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Schiedsgericht stellt keinen formellen Antrag, </div> <div class="para">hält in seiner Vernehmlassung die von der Beschwerdeführerin </div> <div class="para">erhobenen Rügen jedoch für unbegründet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>E.- </u> </div> <div class="para">Auf Antrag der Beschwerdeführerin hat das Bundesge- </div> <div class="para">richt einen zweiten Schriftenwechsel durchgeführt. Darin </div> <div class="para">halten die Parteien an ihren Anträgen fest und nehmen insbe- </div> <div class="para">sondere zur Frage der Verwirkung Stellung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para">a) Das Bundesgericht beurteilt im Verfahren der </div> <div class="para">staatsrechtlichen Beschwerde unter anderen Beschwerden gegen </div> <div class="para">Urteile von Schiedsgerichten nach Art. 190 ff. des Bundesge- </div> <div class="para">setzes vom 18. Dezember 1987 über das internationale Privat- </div> <div class="para">recht (IPRG). Der Entscheid kann nur aus den in <span class="artref">Art. 190 </span></div> <div class="para">Abs. 2 IPRG genannten Gründen angefochten werden, insbeson- </div> <div class="para">dere wegen Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung </div> <div class="para">der Parteien oder des rechtlichen Gehörs (<span class="artref">Art. 190 Abs. 2 </span></div> <div class="para">lit. d IPRG). Diese Rügen erhebt die Beschwerdeführerin in </div> <div class="para">ihrem form- und fristgerecht eingereichten Rechtsmittel. Da- </div> <div class="para">bei verlangt sie auch die Aufhebung des Zwischenentscheids </div> <div class="para">vom 25. Juni 1997 insoweit, als ihre Schiedsklage abgewiesen </div> <div class="para">wurde. Da Vorentscheide wegen der in <span class="artref">Art. 190 Abs. 2 lit. d </span></div> <div class="para">IPRG genannten Gründe nicht selbständig angefochten werden </div> <div class="para">können (<span class="artref">Art. 190 Abs. 3 IPRG</span>), ist die staatsrechtliche Be- </div> <div class="para">schwerde - nachdem ein den Anforderungen von <span class="artref">Art. 192 Abs. 1 </span></div> <div class="para">IPRG genügender vollständiger Ausschluss der Anfechtung des </div> <div class="para">Schiedsentscheides nicht vorliegt (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=20.07.2000&amp;to_date=08.08.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-II-639%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page639">BGE 116 II 639</a> E. 2c </div> <div class="para">S. 640/1 mit Hinweisen) - gegen den Vorentscheid zusammen </div> <div class="para">mit dem Endentscheid zulässig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Beschwerdeführerin beantragt, der angefoch- </div> <div class="para">tene Schiedsentscheid sei (nur teilweise) insoweit aufzuhe- </div> <div class="para">ben, als die Schiedsklage abgewiesen wurde. Zwar ist die </div> <div class="para">staatsrechtliche Beschwerde kassatorischer Natur; dem steht </div> <div class="para">jedoch nicht entgegen, die Aufhebung angefochtener Urteile </div> <div class="para">nur teilweise zu beantragen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=20.07.2000&amp;to_date=08.08.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F109-IA-116%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page116">BGE 109 Ia 116</a> E. 2d S. 120). </div> <div class="para">Obwohl das Schiedsgericht im angefochtenen Endurteil ebenso </div> <div class="para">wie im angefochtenen Zwischenurteil ausdrücklich nur die </div> <div class="para">teilweise Gutheissung der Klagebegehren statuiert hat, ohne </div> <div class="para">die weitergehenden Begehren der Klägerin im Dispositiv aus- </div> <div class="para">drücklich abzuweisen, ist das auf die sinngemässe Abweisung </div> <div class="para">der weitergehenden Forderung der Klägerin beschränkte Begeh- </div> <div class="para">ren um teilweise Aufhebung der angefochtenen Entscheide zu- </div> <div class="para">lässig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para">a) Gemäss <span class="artref"><artref id="CH/291/182/2" type="start"></artref><artref id="CH/291/182/1" type="start"></artref>Art. 182 Abs. 1 und 2 IPRG</span><artref id="CH/291/182/2" type="end"></artref><artref id="CH/291/2" type="end"></artref> können die </div> <div class="para">Parteien und allenfalls das Schiedsgericht die schiedsge- </div> <div class="para">richtliche Verfahrensordnung selbst bestimmen. Als verfah- </div> <div class="para">rensrechtliche Minimalgarantien der Parteidisposition entzo- </div> <div class="para">gen sind jedoch nach <span class="artref">Art. 182 Abs. 3 IPRG</span> die Gleichbehand- </div> <div class="para">lung der Parteien sowie ihr Anspruch auf rechtliches Gehör </div> <div class="para">in einem kontradiktorischen Verfahren. Der Anspruch auf </div> <div class="para">Gleichbehandlung der Parteien verlangt vom Schiedsgericht </div> <div class="para">eine verfahrensrechtliche Gleichbehandlung in vergleichbarer </div> <div class="para">Situation und stimmt inhaltlich weitgehend mit dem Anspruch </div> <div class="para">auf rechtliches Gehör überein (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=20.07.2000&amp;to_date=08.08.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-II-639%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page639">BGE 116 II 639</a> E. 4c S. 643; </div> <div class="para">vgl. auch <u>Schneider</u>, Basler Kommentar, N. 64 zu <span class="artref">Art. 182 </span></div> <div class="para">IPRG; <u>Lalive/Poudret/Reymond</u>, Le droit de l'arbitrage inter- </div> <div class="para">ne et international en Suisse, N. 6 ff. zu <span class="artref">Art. 182 IPRG</span>). </div> <div class="para">Der Anspruch auf rechtliches Gehör entspricht dem in <span class="artref">Art. 29 </span></div> <div class="para">Abs. 2 BV (<span class="artref">Art. 4 aBV</span>) gewährleisteten Verfassungsrecht (BGE </div> <div class="para">119 II 386 E. 1b S. 388/9; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=20.07.2000&amp;to_date=08.08.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-II-346%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page346">117 II 346</a> E. 1a S. 347; vgl. </div> <div class="para">auch <u>Dutoit</u>, Commentaire de la loi fédérale du 18 décembre </div> <div class="para">1987, 2e éd., N. 7 zu <span class="artref">Art. 190 IPRG</span>; <u>Schneider</u>, Basler Kom- </div> <div class="para">mentar, N 52/54 zu <span class="artref">Art. 182 IPRG</span>; <u>Patocchi/Geisinger</u>, Code </div> <div class="para">de droit international privé suisse annoté, N. 3 zu <span class="artref">Art. 182 </span></div> <div class="para">IPRG; <u>Vischer</u>, IPRG-Kommentar, Zürich 1993, N. 16 zu <span class="artref">Art. </span></div> <div class="para">182 IPRG; <u>Heini</u>, IPRG-Kommentar, Zürich 1993, N. 32 ff. zu </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 190 IPRG</span>). Danach haben die Parteien insbesondere An- </div> <div class="para">spruch darauf, mit rechtserheblichen Vorbringen gehört zu </div> <div class="para">werden und ihre Sachvorbringen mit tauglichen sowie recht- </div> <div class="para">zeitig und formrichtig offerierten Mitteln zu beweisen (BGE </div> <div class="para">119 II 386 E. 1b S. 388/9). Die urteilende Instanz hat die </div> <div class="para">im Rahmen der Anhörung und Mitwirkung bei der Sachverhalts- </div> <div class="para">abklärung von den Parteien beigebrachten Informationen, Ar- </div> <div class="para">gumente, Beweise und Beweisanträge zu prüfen und zu würdi- </div> <div class="para">gen, soweit sie für die Entscheidfindung bedeutsam sind. </div> <div class="para">Dabei ergibt sich aus der Begründung des angefochtenen Ent- </div> <div class="para">scheides oder eventuell aus einer davon abweichenden Meinung </div> <div class="para">der Rechtsmittelinstanz, was für den Entscheid erheblich ist </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=20.07.2000&amp;to_date=08.08.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-III-331%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page331">BGE 121 III 331</a> E. 3b S. 333). Im vorliegenden Fall ist da- </div> <div class="para">her anhand der Begründung des Schiedsurteils zu prüfen, ob </div> <div class="para">die Sachvorbringen und Beweise, welche das Schiedsgericht </div> <div class="para">nicht gehört und nicht zugelassen hat, für die Entscheidung </div> <div class="para">überhaupt relevant waren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Das Schiedsgericht erwog, zur Bestimmung der </div> <div class="para">Entschädigung für das zuviel gelieferte Gas könne nicht auf </div> <div class="para">die zwischen den Parteien in Art. 4.4 der zweiten Ergänzung </div> <div class="para">vom 20./27. Dezember 1984 zur Betriebsführungsvereinbarung </div> <div class="para">vereinbarte Entschädigungsklausel abgestellt werden. Viel- </div> <div class="para">mehr sei die Forderung der Beschwerdeführerin gestützt auf </div> <div class="para">die Loyalitätsklausel in Art. 22 des Zusammenarbeitsvertrags </div> <div class="para">vom 27. Januar 1966 zu beurteilen. Diese hat in der deut- </div> <div class="para">schen Übersetzung folgenden Wortlaut: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Loyalitätsklausel </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Falls während der Laufzeit des Vertrages irgend- </div> <div class="para"> welche Umstände eintreten, welche die wirtschaft- </div> <div class="para"> lichen und/oder rechtlichen Wirkungen des Vertra- </div> <div class="para"> ges wesentlich beeinflussen, jedoch im Vertrag </div> <div class="para"> nicht geregelt sind oder bei seinem Abschluss </div> <div class="para"> nicht bedacht wurden, oder falls einem der Ver- </div> <div class="para"> tragspartner die Einhaltung einer Bestimmung die- </div> <div class="para"> ses Vertrages nicht zuzumuten ist, so sind diese </div> <div class="para"> Umstände in fairer und vernünftiger Weise abzuwä- </div> <div class="para"> gen, wobei Art und Umfang möglicher Änderungen </div> <div class="para"> oder Ergänzungen des Vertrages davon abhängen, ob </div> <div class="para"> und in welchem Masse der Nachteil des einen Ver- </div> <div class="para"> tragspartners einem Vorteil des anderen gegenüber- </div> <div class="para"> steht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Dieser Artikel gilt auch, wenn während der Lauf- </div> <div class="para"> zeit des Vertrages irgendwelche Gesetze, Verord- </div> <div class="para"> nungen oder sonstige die Vertragsbeziehung und/ </div> <div class="para"> oder ihre technische Umsetzung wesentlich berüh- </div> <div class="para"> rende Bestimmungen durch staatliche Stellen oder </div> <div class="para"> Behörden des gemeinsamen Marktes erlassen werden </div> <div class="para"> und dies für einen der Vertragspartner direkt oder </div> <div class="para"> indirekt zu unangemessenen Härten oder Schwierig- </div> <div class="para"> keiten bei der Erfüllung des Vertrages führt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Loyalitätsklausel wurde vom Schiedsgericht in </div> <div class="para">der Weise ausgelegt, dass die in Art. 22 vorgesehene Ver- </div> <div class="para">tragsergänzung nach Wegfall der vereinbarten Entschädigung </div> <div class="para">aufgrund von Brigittas Vorteil und NAMs Nachteil festzulegen </div> <div class="para">sei. Den Vorteil von Brigitta sah das Schiedsgericht darin, </div> <div class="para">dass diese für das zu viel erhaltene Gas nichts bezahlen </div> <div class="para">musste; den Nachteil von NAM darin, dass diese für das zu </div> <div class="para">viel gelieferte Gas nichts verlangen konnte. Zur Ermittlung </div> <div class="para">von NAMs Nachteil und von Brigittas Vorteil war nach den Er- </div> <div class="para">wägungen des Schiedsgerichts ein Vergleich zu ziehen zwi- </div> <div class="para">schen der Situation, in der sich die Parteien am 2. Mai 1991 </div> <div class="para">tatsächlich befanden und der (hypothetischen) Situation, in </div> <div class="para">der sie sich zu diesem Zeitpunkt befunden hätten, wenn NAM </div> <div class="para">Brigitta nicht ca. 20 x 109 m3 Gas zu viel geliefert hätte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Diese hypothetische Situation wiederum definierten </div> <div class="para">die Schiedsrichter aufgrund der Produktions- und Vertriebs- </div> <div class="para">massnahmen, welche die Parteien ergriffen hätten, wenn sie </div> <div class="para">am 17. Januar 1978 den endgültigen Anteil von Brigitta ge- </div> <div class="para">kannt hätten. Während NAM somit darzutun hatte, wie sie sich </div> <div class="para">verhalten hätte, wenn sie am 17. Januar 1978 gewusst hätte, </div> <div class="para">dass ihr eine zusätzliche Gasmenge von 15 (später 20) x 109 </div> <div class="para">m3 zur Verfügung stand, oblag es Brigitta zu zeigen, welche </div> <div class="para">Massnahmen sie ergriffen hätte, wenn ihr am 17. Januar 1978 </div> <div class="para">bekannt gewesen wäre, dass ihr eine um 15 (später 20) x 109 </div> <div class="para">m3 kleinere Menge Gas zustand als angenommen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Bezüglich dieses hypothetischen Verhaltens behaup- </div> <div class="para">tete NAM, sie hätte das zusätzliche Gas an niederländische </div> <div class="para">Kraftwerke, an Brigitta oder anderweitig verkauft. Das </div> <div class="para">Schiedsgericht hielt diese Behauptung nicht für erwiesen, </div> <div class="para">sondern entschied, dass die Beschwerdeführerin das Gas im </div> <div class="para">Boden belassen hätte. Dabei stellte das Schiedsgericht we- </div> <div class="para">sentlich auf die staatliche Politik der Niederlande ab, wel- </div> <div class="para">che Förderung, Vertrieb und Verkauf von Gas bestimmt. Auf- </div> <div class="para">grund dieser von den Niederlanden im massgebenden Zeitpunkt </div> <div class="para">betriebenen Gaspolitik kam das Gericht zum Schluss, dass NAM </div> <div class="para">der Verkauf der umstrittenen zusätzlichen Menge nicht bewil- </div> <div class="para">ligt worden wäre, auch nicht bei Berücksichtigung der geüb- </div> <div class="para">ten Flexibilität und möglicher Ausnahmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Zum hypothetischen Verhalten von Brigitta erwog das </div> <div class="para">Schiedsgericht, dass sich diese bei Kenntnis ihres endgülti- </div> <div class="para">gen Anteils am 17. Januar 1978 zur Produktion der Fehlmenge </div> <div class="para">aus eigenen Vorräten entschieden hätte und dass es ihr ge- </div> <div class="para">lungen wäre, die fehlende Menge von 20 x 109 m3 Gas im Zeit- </div> <div class="para">raum vom 17. Januar 1978 bis Mai 1989 zu produzieren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Auf der Grundlage des derart festgestellten hypo- </div> <div class="para">thetischen Parteiverhaltens quantifizierte das Schiedsge- </div> <div class="para">richt Brigittas Vorteil mit DM 3'180'589'192,79. Es verzich- </div> <div class="para">tete darauf, NAMs Nachteil genau zu beziffern, bezeichnete </div> <div class="para">diesen jedoch als jedenfalls niedriger als Brigittas Vor- </div> <div class="para">teil. Weil die für die Differenz zwischen Brigittas Vorteil </div> <div class="para">und NAMs Nachteil verantwortlichen Faktoren der Risikosphäre </div> <div class="para">von Brigitta zuzuordnen waren, verpflichtete das Schiedsge- </div> <div class="para">richt Letztere, ihren Vorteil an NAM herauszugeben. Nach </div> <div class="para">Abzug des bereits aufgrund des ersten Zwischenschiedsspruchs </div> <div class="para">bezahlten Betrages von 2,328 Milliarden DM wurde NAM daher </div> <div class="para">im Endschiedsspruch ein Restbetrag von DM 854'906'985,97 zu- </div> <div class="para">gesprochen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) aa) In Bezug auf ihr hypothetisches Verhalten </div> <div class="para">brachte NAM im Schiedsverfahren vor, dass die niederländi- </div> <div class="para">schen Behörden ihre Gaspolitik geändert und ihr mindestens </div> <div class="para">eine Ausnahmebewilligung für den Verkauf der umstrittenen </div> <div class="para">Gasmenge von 20 x 109 m3erteilt hätten, wenn die höheren </div> <div class="para">Gesamtreserven im Groninger Feld bekannt gewesen wären. Von </div> <div class="para">der Kenntnis der höheren Gesamtmenge sei deshalb auszugehen, </div> <div class="para">weil die Kenntnis der zusätzlichen Menge von 15 (bzw. 20) x </div> <div class="para">10 9 m3 auf Daten beruhe, nach denen notwendigerweise auch </div> <div class="para">die wesentliche Erhöhung der im Groninger Feld vorhandenen </div> <div class="para">gesamten Gasreserven bekannt gewesen wäre; auch ohne Kennt- </div> <div class="para">nis der dem endgültigen Anteil von Brigitta zugrunde liegen- </div> <div class="para">den technischen Daten hätte sie überdies nur schon aufgrund </div> <div class="para">der Kenntnis der ihr zusätzlich zur Verfügung stehenden Men- </div> <div class="para">ge von rund 20 x 109 m3 Gas ihre eigene Gasmenge neu ge- </div> <div class="para">schätzt und damit auf andere Weise die wesentlich höhere </div> <div class="para">gesamte Gasmenge im Groninger Feld festgestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> bb) Das Schiedsgericht hat die Beschwerdeführerin - </div> <div class="para">nach deren Auffassung unter Verletzung des rechtlichen Ge- </div> <div class="para">hörs und des Grundsatzes der Gleichbehandlung der Parteien - </div> <div class="para">mit dem Vorbringen nicht gehört und die entsprechenden Be- </div> <div class="para">weise nicht zugelassen, dass NAM auch die wesentlich höheren </div> <div class="para">Gesamtreserven im Groninger Feld gekannt hätte, wenn sie </div> <div class="para">schon im Januar 1978 gewusst hätte, dass Brigitta rund </div> <div class="para">20 x 109 m3 weniger Gas zustand als damals berechnet. Bei </div> <div class="para">der Beurteilung des hypothetischen Verhaltens der Beschwer- </div> <div class="para">deführerin in Bezug auf die Produktion und den Vertrieb der </div> <div class="para">umstrittenen Gasmenge hat das Schiedsgericht die Politik der </div> <div class="para">Niederlande als entscheidend erachtet und diese im Schieds- </div> <div class="para">entscheid ausführlich gewürdigt. Für diese Gaspolitik spielt </div> <div class="para">die Kenntnis des Gesamtumfangs der bekannten Gasreserven der </div> <div class="para">Niederlande jedoch eine massgebliche Rolle. Unter diesen Um- </div> <div class="para">ständen ist zumindest fraglich, ob die Behauptung der Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin, dass die unterstellte hypothetische Kennt- </div> <div class="para">nis der zusätzlich verfügbaren Menge von rund 20 x 109 m3 </div> <div class="para">Gas technisch die Kenntnis der weit höheren Gesamtreserven </div> <div class="para">bedingt oder doch diese Kenntnis zur Folge gehabt und damit </div> <div class="para">die Bewilligungspraxis beeinflusst hätte, zum Vornherein </div> <div class="para">irrelevant ist. Das Schiedsgericht hat den Nachteil von NAM </div> <div class="para">ausdrücklich von deren hypothetischen Produktions- und Ver- </div> <div class="para">triebsmassnahmen abhängig gemacht, welche nach den Erwägun- </div> <div class="para">gen des Schiedsgerichts ihrerseits wiederum entscheidend von </div> <div class="para">der Bewilligungspraxis der niederländischen Behörden abhin- </div> <div class="para">gen. Bei dieser Sachlage hat der Standpunkt der Beschwerde- </div> <div class="para">führerin einiges für sich, dass sie vom Schiedsgericht mit </div> <div class="para">sämtlichen Vorbringen hätte zugelassen werden müssen, welche </div> <div class="para">diese Bewilligungspraxis zu beeinflussen geeignet waren und </div> <div class="para">wozu die Kenntnis der gesamten Gasreserven gehörte. Ob das </div> <div class="para">Schiedsgericht das rechtliche Gehör und den Grundsatz der </div> <div class="para">Gleichbehandlung der Parteien verletzt hat, kann indessen </div> <div class="para">letztlich offen bleiben, sofern sich anschliessend erweisen </div> <div class="para">sollte, dass die entsprechenden Rügen ohnehin zu spät er- </div> <div class="para">folgt und damit verwirkt sind. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para">a) Die Partei, die sich durch eine Verweigerung des </div> <div class="para">rechtlichen Gehörs oder einen andern Verfahrensmangel als </div> <div class="para">verletzt erachtet, muss ihre Rügen bei Verwirkungsfolge im </div> <div class="para">Schiedsverfahren rechtzeitig vorbringen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=20.07.2000&amp;to_date=08.08.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-II-386%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page386">BGE 119 II 386</a> </div> <div class="para">E. 1a S. 388; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=20.07.2000&amp;to_date=08.08.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-II-639%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page639">116 II 639</a> E. 4c S. 644; vgl. auch BGE 126 III </div> <div class="para">249 E. 3c S. 253/4). Sie muss alle zumutbaren Anstrengungen </div> <div class="para">unternehmen, um sich Gleichbehandlung und rechtliches Gehör </div> <div class="para">zu verschaffen, sobald sie vom Verfahrensmangel Kenntnis hat </div> <div class="para">oder bei zumutbarer Anstrengung Kenntnis haben könnte (so </div> <div class="para">schon zum Konkordat über die Schiedsgerichtsbarkeit BGE 113 </div> <div class="para">Ia 67 E. 2a). Es widerspricht Treu und Glauben, einen Ver- </div> <div class="para">fahrensmangel erst im Rahmen eines Rechtsmittelverfahrens zu </div> <div class="para">rügen, obgleich im Schiedsverfahren die Möglichkeit bestan- </div> <div class="para">den hätte, mit einer entsprechenden Rüge dem Schiedsgericht </div> <div class="para">die Gelegenheit zur Behebung dieses Mangels zu geben (BGE </div> <div class="para">119 II 386 E. 1a S. 388; <u>Jermini</u>, Die Anfechtung der </div> <div class="para">Schiedssprüche im internationalen Privatrecht, Diss. Zürich </div> <div class="para">1997, S. 221/2 Rz. 445 ff.; <u>Schneider</u>, Basler Kommentar, </div> <div class="para">N. 70 ff. zu <span class="artref">Art. 182 IPRG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Beurteilung der Verwirkung macht es notwen- </div> <div class="para">dig zu bestimmen, wann die Beschwerdeführerin erkannte bzw. </div> <div class="para">erkennen musste, dass das Schiedsgericht sie mit den Vor- </div> <div class="para">bringen über die Kenntnis der niederländischen Gesamtreser- </div> <div class="para">ven im Groninger Feld ausschliessen wollte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Anlässlich der Verhandlung vom 10. November 1997 </div> <div class="para">nahm das Schiedsgericht zum Vorbringen des damaligen Ver- </div> <div class="para">treters der Beschwerdeführerin Stellung, wonach die zur </div> <div class="para">endgültigen Berechnung von Brigittas Anteil im Jahre 1991 </div> <div class="para">verwendeten technischen Daten auf Informationen beruhten, </div> <div class="para">die hauptsächlich aus dem Groningen Feld stammten und dass </div> <div class="para">diese Daten auch das Ausmass der 100% NAM zustehenden Reser- </div> <div class="para">ven erheblich veränderten. Das Schiedsgericht hielt dazu </div> <div class="para">fest, dass nach der prozessleitenden Anordnung vom 21. März </div> <div class="para">1997 und dem zweiten Zwischenentscheid den Parteien am </div> <div class="para">Stichtag des 17. Januar 1978 allein Brigittas Berechtigung </div> <div class="para">als bekannt zu gelten habe; dagegen seien weder die techni- </div> <div class="para">schen Daten, auf denen diese Berechtigung beruhte, noch die </div> <div class="para">Folgen, die diese Daten für das zu 100% NAM zustehende Ge- </div> <div class="para">biet haben könnten, als bekannt vorauszusetzen, denn dies </div> <div class="para">liege ausserhalb des Rahmens des Schiedsverfahrens ("outside </div> <div class="para">the scope of this arbitration"). Das Schiedsgericht wieder- </div> <div class="para">holte dann nochmals, der Verfahrensbevollmächtigte von NAM </div> <div class="para">habe in seinem mündlichen Vortrag Beweis dafür angeboten, </div> <div class="para">den Hintergrund eines dramatischen Anstiegs der NAM gehören- </div> <div class="para">den Reserven zu zeigen. Werde jedoch der prozessleitenden </div> <div class="para">Anordnung vom 21. März 1997 das dargestellte richtige Ver- </div> <div class="para">ständnis beigemessen, so seien diese Tatsachenbehauptungen </div> <div class="para">irrelevant. Der Vertreter der Beschwerdeführerin erkannte </div> <div class="para">die Tragweite dieser Einschränkung, denn er fragte nach, ob </div> <div class="para">seine Mandantin auch aufgrund der neuen Erläuterungen noch </div> <div class="para">immer beweisen dürfe, welche Produktions- und Verkaufsmass- </div> <div class="para">nahmen sie im Blick auf die umstrittenen 20 x 109 m3 Gas ge- </div> <div class="para">troffen hätte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Somit ist davon auszugehen, dass NAM spätestens am </div> <div class="para">10. November 1997 Kenntnis davon hatte, dass das Schiedsge- </div> <div class="para">richt ihre die Gesamtreserven im Groningen Feld betreffenden </div> <div class="para">und damit Gegenstand der vorliegenden staatsrechtlichen Be- </div> <div class="para">schwerde bildenden Vorbringen als nicht relevant ausschlies- </div> <div class="para">sen wollte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Sodann ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin </div> <div class="para">den Ausschluss gewisser Vorbringen rechtzeitig als gegen </div> <div class="para">ihren Anspruch auf rechtliches Gehör bzw. auf Gleichbehand- </div> <div class="para">lung verstossend gerügt hat. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> aa) Die Beschwerdeführerin macht nicht geltend, sie </div> <div class="para">habe die umstrittene Einschränkung des Beweisthemas in der </div> <div class="para">Verhandlung vom 10. November 1997 beanstandet und damals zum </div> <div class="para">Ausdruck gebracht, dass sie diese Beschränkung als formellen </div> <div class="para">Mangel qualifiziere. Eine derartige Rüge ergibt sich entge- </div> <div class="para">gen der Behauptung der Beschwerdeführerin auch nicht aus ih- </div> <div class="para">rem Schreiben vom 17. Februar 1998 an das Schiedsgericht. </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin erklärte darin im Gegenteil ausdrück- </div> <div class="para">lich, dass sie die - nach ihren Darlegungen in der wirkli- </div> <div class="para">chen Welt unmögliche - Hypothese akzeptiere, wonach sie nur </div> <div class="para">die Mehrmenge von ca. 20 x 109 m3 Gas gekannt hätte, welche </div> <div class="para">sie in der Folge tatsächlich Brigitta zu Unrecht geliefert </div> <div class="para">hatte, nicht jedoch gleichzeitig die erhebliche Erhöhung </div> <div class="para">ihrer gesamten Gasreserven. Die Beschwerdeführerin bemerkte </div> <div class="para">in diesem Schreiben überdies, die unrealistische Hypothese </div> <div class="para">des Schiedsgerichts schaffe in dieser Form einen gewissen </div> <div class="para">Grad von Gleichheit zwischen den Parteien, indem diese für </div> <div class="para">den weiteren Verfahrensverlauf von sich entsprechenden Tat- </div> <div class="para">sachen ausgehen könnten, welche darin bestünden, dass der </div> <div class="para">NAM zustehenden Mehrmenge von 20 x 109 m3 Gas eine ebensol- </div> <div class="para">che Mindermenge Brigittas gegenüberstehe. Diese Erklärung </div> <div class="para">durfte und musste das Schiedsgericht nach Treu und Glauben </div> <div class="para">in dem Sinne verstehen, dass sich die Beschwerdeführerin mit </div> <div class="para">der Einschränkung des Beweisthemas mindestens insoweit abge- </div> <div class="para">funden hatte, als das Schiedsgericht die hypothetische </div> <div class="para">Kenntnis der technischen Daten ausschloss, die als Grundlage </div> <div class="para">für die Berechnung von Brigittas Anteil dienten und die eine </div> <div class="para">Neuberechnung der Gesamtreserven ermöglicht hätten. Das </div> <div class="para">Schiedsgericht durfte davon ausgehen, dass die Beschwerde- </div> <div class="para">führerin diese Einschränkung ausdrücklich nicht als Verfah- </div> <div class="para">rensfehler ansah und beanstanden würde. Soweit die Beschwer- </div> <div class="para">deführerin als Verweigerung des rechtlichen Gehörs rügt, </div> <div class="para">dass sie zum Beweis nicht zugelassen wurde, sie hätte am </div> <div class="para">Stichtag vom 17. Januar 1978 technisch zwingend auch ihre </div> <div class="para">erheblich höheren Gesamtreserven im Groninger Feld gekannt, </div> <div class="para">wenn sie um den Minderanteil von Brigitta und ihren entspre- </div> <div class="para">chenden Mehranteil gewusst hätte, hat sie ihre Rüge nicht </div> <div class="para">rechtzeitig vorgebracht und diese damit verwirkt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> bb) Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin </div> <div class="para">kann ihrem Schreiben vom 17. Februar 1998 aber auch insoweit </div> <div class="para">keine gehörige Rüge eines Verfahrensmangels entnommen wer- </div> <div class="para">den, als es um den generellen Ausschluss der (auf andere </div> <div class="para">Weise denn aufgrund der technischen Notwendigkeit zu bewei- </div> <div class="para">senden) Kenntnis ihrer Gesamtreserven im Groninger Feld </div> <div class="para">geht. Die Beschwerdeführerin gab im erwähnten Schreiben zu- </div> <div class="para">nächst bekannt, welche Zeugen sie aufrufen wolle und erklär- </div> <div class="para">te dann, wie sie zu den Beweisthemen innerhalb der Ein- </div> <div class="para">schränkungen gemäss der Verhandlung vom 10. November 1997 </div> <div class="para">vorzugehen beabsichtige. Zur Argumentation, welche auf der </div> <div class="para">erheblichen Zunahme der geschätzten Gesamtreserven im </div> <div class="para">Groninger Feld beruhte (vgl. Ziffer 3b des Schreibens vom </div> <div class="para">17. Februar 1998) erklärte sie (Ziffer 7), ihre Prozessgeg- </div> <div class="para">ner interpretierten die Erläuterung des Schiedsgerichts in </div> <div class="para">dem Sinn, dass es NAM nunmehr auch verwehrt sei vorzubrin- </div> <div class="para">gen, eine Neuschätzung ihrer gesamten feldweiten Reserven </div> <div class="para">wäre auch unabhängig von der Kenntnis der Brigittas Anteil </div> <div class="para">zugrundeliegenden technischen Daten erfolgt. Die Beschwer- </div> <div class="para">deführerin bemerkte zu diesem Verständnis zwar, sie selbst </div> <div class="para">halte es für wahrscheinlicher, dass die Erläuterung des </div> <div class="para">Schiedsgerichts nur als Beweisbeschränkung in Bezug auf die </div> <div class="para">technischen Daten, nicht jedoch als Ausschluss vom Zeugen- </div> <div class="para">beweis über anderweitige Kenntnis ihrer höheren Gesamtreser- </div> <div class="para">ven im Groninger Feld zu verstehen sei. Darin ist jedoch </div> <div class="para">nicht eine rechtsgenügliche Rüge der Verletzung des recht- </div> <div class="para">lichen Gehörs zu erblicken. Ihrer Erklärung ist nur - aber </div> <div class="para">immerhin - zu entnehmen, dass sie das - schliesslich zutref- </div> <div class="para">fende - Verständnis der Erläuterung mindestens als Möglich- </div> <div class="para">keit zur Kenntnis genommen hatte. Ihre Behauptung, dass sie </div> <div class="para">erst aus dem Endurteil habe ersehen können, wie das Schieds- </div> <div class="para">gericht die Erläuterung vom 10. November 1997 gemeint hatte, </div> <div class="para">trifft daher nicht zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> cc) Die Beschwerdeführerin hielt in ihrem Schreiben </div> <div class="para">vom 17. Februar 1998 zwar fest, dass sie ihre Beweisführung </div> <div class="para">auf der Grundlage ihres eigenen Verständnisses über die vom </div> <div class="para">Schiedsgericht angeordnete Beschränkung gestalten werde; sie </div> <div class="para">erklärte jedoch nicht, dass sie es als Verweigerung ihres </div> <div class="para">rechtlichen Gehörs ansehen würde, falls die Einschränkung </div> <div class="para">des Beweisthemas durch das Schiedsgericht im Sinne der Auf- </div> <div class="para">fassung der Beschwerdegegnerinnen zu verstehen wäre. Eine </div> <div class="para">solche Rüge ist ihrem Schreiben vom 17. Februar 1998 nach </div> <div class="para">dem auch hier geltenden Vertrauensgrundsatz insbesondere </div> <div class="para">auch deshalb nicht zu entnehmen, weil sich die Beschwerde- </div> <div class="para">führerin mit dem Ausschluss der überzeugendsten Beweismittel </div> <div class="para">zum Beleg ihrer Kenntnis der Gesamtreserven - nämlich der </div> <div class="para">technischen Notwendigkeit dieser Kenntnis bei Kenntnis der </div> <div class="para">zusätzlichen rund 20 x 109 m3 Gas - ausdrücklich abgefunden </div> <div class="para">hatte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> dd) Die Erklärung der Beschwerdeführerin am Schluss </div> <div class="para">ihres Schreibens vom 17. Februar 1998, wonach sie sich zu </div> <div class="para">Handen des Protokolls alle Rechte in Bezug auf die Zwischen- </div> <div class="para">entscheide und die Klarstellung der Schiedsrichter vom </div> <div class="para">10. November 1997 vorbehalte, ihre Beweisführung aber im </div> <div class="para">Rahmen dieser Klarstellung halten werde, genügt zudem den </div> <div class="para">Anforderungen an die Rüge eines Verfahrensmangels vor dem </div> <div class="para">Schiedsgericht nicht. Ein allgemeiner Vorbehalt sämtlicher </div> <div class="para">Rechte ist grundsätzlich zu wenig spezifisch, um dem </div> <div class="para">Schiedsgericht zu ermöglichen, den beanstandeten Mangel </div> <div class="para">selbst zu beheben. Auch aus dem Zusammenhang des Schreibens </div> <div class="para">der Beschwerdeführerin vom 17. Februar 1998 ergibt sich </div> <div class="para">nicht mit der erforderlichen Klarheit, dass die Beschwerde- </div> <div class="para">führerin es als Verweigerung des rechtlichen Gehörs und Ver- </div> <div class="para">stoss gegen das Gleichbehandlungsgebot ansehen würde, wenn </div> <div class="para">sie mit ihren Vorbringen zur Kenntnis ihrer Gesamtreserven </div> <div class="para">ausgeschlossen würde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Können die Vorbringen der Beschwerdeführerin im </div> <div class="para">Schiedsgerichtsverfahren nicht als rechtsgenügliche Geltend- </div> <div class="para">machung von Verfahrensmängeln gewertet werden, hatte das </div> <div class="para">Schiedsgericht auch keine Gelegenheit, den von der Beschwer- </div> <div class="para">deführerin im vorliegenden Verfahren als Verweigerung des </div> <div class="para">rechtlichen Gehörs gerügten Mangel zu beheben. Im Lichte der </div> <div class="para">zitierten Rechtsprechung hat die Beschwerdeführerin damit </div> <div class="para">das Recht auf Geltendmachung der Verletzung ihres Anspruchs </div> <div class="para">auf rechtliches Gehör bzw. Gleichbehandlung der Parteien </div> <div class="para">verwirkt (vgl. oben E. 3a). Daran vermag nichts zu ändern, </div> <div class="para">dass das Schiedsgericht nicht ausdrücklich auf das Schreiben </div> <div class="para">der Beschwerdeführerin vom 17. Februar 1998 antwortete und </div> <div class="para">auch sonst die Interpretation der Beschwerdegegnerinnen </div> <div class="para">nicht als zutreffend bezeichnete. Die Erläuterung des </div> <div class="para">Schiedsgerichts vom 17. November 1997, wonach die Kenntnis </div> <div class="para">der Gesamtreserven der Beschwerdeführerin ausserhalb des </div> <div class="para">Schiedsverfahrens ("outside the scope of arbitration") sei, </div> <div class="para">spricht deutlich genug für die von der Beschwerdeführerin im </div> <div class="para">Schreiben vom 17. Februar 1998 erwähnte Interpretation ihrer </div> <div class="para">Prozessgegnerinnen. Unter diesen Umständen hätte der Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin oblegen abzuklären, ob ihre Auffassung tat- </div> <div class="para">sächlich zutreffe, dass sie nun dennoch auf andere Weise </div> <div class="para">diese Kenntnis eines vom Schiedsgericht als ausserhalb des </div> <div class="para">Schiedsverfahrens gelegenen Umstandes beweisen könne. Das </div> <div class="para">Schiedsgericht musste aus den von der Beschwerdeführerin re- </div> <div class="para">levierten Äusserungen nach Treu und Glauben nicht schlies- </div> <div class="para">sen, dass die Beschwerdeführerin den im vorliegenden Verfah- </div> <div class="para">ren gerügten Verfahrensmangel als solchen beanstanden wolle. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para">Die staatsrechtliche Beschwerde ist somit abzuwei- </div> <div class="para">sen. Diesem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten </div> <div class="para">der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Angesichts des Streit- </div> <div class="para">wertes von über 6 Milliarden DM ist die gesetzlich festge- </div> <div class="para">legte Maximalgebühr von Fr. 100'000.-- zu erheben. Die Par- </div> <div class="para">teientschädigung richtet sich regelmässig ebenfalls nach dem </div> <div class="para">Streitwert und kann nach der Richtlinie in Art. 6 des Tarifs </div> <div class="para">über die Entschädigung an die Gegenpartei für das Verfahren </div> <div class="para">vor dem Bundesgericht bei minimal Fr. 20'000 (für Streitwer- </div> <div class="para">te über 5 Millionen SFr.) bis maximal 1 Prozent des Streit- </div> <div class="para">wertes (was hier 60 Millionen DM ausmacht) festgesetzt wer- </div> <div class="para">den. In diesem Rahmen erscheint unter Berücksichtigung der </div> <div class="para">Bedeutung und Schwierigkeit der Streitsache sowie dem mut- </div> <div class="para">masslichen Umfang der Arbeitsleistung des Anwaltes und dem </div> <div class="para">Zeitaufwand (Art. 4 Tarif) eine Parteientschädigung von </div> <div class="para">Fr. 1'000'000.-- als gerechtfertigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Bundesgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para">Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para">Die Gerichtsgebühr von Fr. 100'000.-- wird der Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegnerin- </div> <div class="para">nen eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'000'000.-- </div> <div class="para">zu bezahlen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4. </u> </div> <div class="para"> Dieses Urteil wird den Parteien und dem Schiedsge- </div> <div class="para">richtspräsidenten des ICC Zürich (Sekretariat Dr. Ernst </div> <div class="para">Felix Schmid, Zürich) schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 25. Juli 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. Zivilabteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>