Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. August 2016 (810 16 130) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Prüfung eines zustimmungsbedürftigen Geschäfts/Wohnungsverkauf Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Stephan Gass, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin B.____ , Beschwerdeführerin C.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch D.____, Amt für Bei- standschaften und Erwachsenenschutz, E.____ gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde F.____ , Vorinstanz Betreff Prüfung eines zustimmungsbedürftigen Geschä fts/Wohnungsverkauf (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde F.____ vom 21. April 2016) A. Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzb ehörde F.____ (KESB) vom 23. Oktober 2014 wurde für B.____, geboren am 18. N ovember 1945, eine Ver-Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung erricht et und als Beistand G.____, Sozialbe- ratung H.____, ernannt. Weiter wurden die vorsorglich angeordneten Massnahmen (Entzug des Zugriffs auf das Konto (…) bei der I.____bank J.____ sowi e auf sämtliche auf B.____ lautende Vermögenswerte bei der K.____ Bank AG; Entzug der Ver fügungsbefugnis über das Stock- werkeigentum Nr. S7553, Plan Nr. 57, X.____weg 52, 1 58/1000 Miteigentum an Grundstück Nr. 1776, Grundbuch H.____, sowie der Entzug der Han dlungsfähigkeit bezüglich des Ab- schlusses von Rechtsgeschäften, ausgenommen Barkäufe bis zu ei ner Höhe von Fr. 500.--) bestätigt. B. Gemäss der Vorinstanz sind für die weitere Finanzieru ng des Lebensunterhalts von B.____ zusätzliche liquide Mittel erforderlich. B.____ ist Eigentümerin von zwei Liegenschaften und die benötigten finanziellen Mittel sollen durch de n Verkauf einer Liegenschaft beschafft werden. Aus diesem Grund führte die Vorinstanz am 1. Ju li 2015 in den Räumlichkeiten der Liegenschaft in L.____ resp. am 21. August 2015 in d enjenigen in H.____ einen Augenschein durch. Da unklar blieb, welche Wohnung B.____ verkaufen wolle (vgl. Schreiben der KESB vom 24. August 2015), wurde eine Besprechung mit ihr und ihrer Tochter, A.____, für den 31. August 2015 anberaumt. Dieser Termin wurde jedoch einzig von der Tochter wahrgenom- men. C. Am 9. August 2015 ersuchte B.____ die KESB um eine n Beistandswechsel, welcher mit Entscheid vom 24. September 2015 abgewiesen wurde. Die von B.____ dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Kantonsgerichts, Abteil ung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (KGE VV), vom 25. Mai 2016 (810 15 291) abgewiesen. D. Am 18. September 2015 erklärte sich B.____ gegenüb er der KESB schriftlich damit einverstanden, ihre Wohnung am X.____weg 52 in H.___ _ zu räumen und zu verkaufen. Mit Schreiben vom 25. Oktober 2015 informierte sie die KES B, dass sie die Wohnung in H.____ verkauft habe und die Räumung per 1. November 2015 erfolgen werde. Am 12. November 2015 hat die KESB einen erneuten Augenschein am X.____weg 52 in H.____ durchgeführt und fest- gestellt, dass die Wohnung noch nicht geräumt worden wa r (vgl. Aktennotiz KESB vom 12. No- vember 2015). Mit Schreiben vom 4. Dezember 2015 wurde B.____ daher mitgeteilt, dass die Errichtung einer Verfahrensbeistandschaft im Verfahre n betreffend Liegenschaftsverkauf erwo- gen werde und ihr wurde Gelegenheit zur Stellungnahm e eingeräumt. In der Folge teilte sie dem Beistand am 9. Dezember 2015 telefonisch mit, dass sie die vorgesehene Verfahrensbei- ständin ablehne mit der Begründung, sie wolle von der KESB Abstand nehmen. E. Mit Entscheid der KESB vom 14. Januar 2016 wurde M._ ___, Advokatin in Basel, als Verfahrensbeiständin für das Verfahren betreffend Wohnungsverkauf ernannt. F. Mit Entscheid der KESB vom 21. April 2016 wurde fe stgestellt, dass zur Beschaf- fung zusätzlicher liquider Mittel die Eigentumswohnung von B.____ in L.____ zu verkaufen sei (Ziffer 1). Ferner wurde der Liquidation des Haushalt s von B.____ in L.____ zugestimmt (Zif- fer 2) und der Beistand beauftragt, die Liquidation des Haushalts gemäss Ziffer 2 zu veranlas- sen sowie den Verkauf der Wohnung gemäss Ziffer 1 in die Wege zu leiten (Ziffer 3). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Dagegen erhoben A.____ (Beschwerdeführerin 1), B._ ___ (Beschwerdeführerin 2) und C.____ mit gemeinsamer Eingabe vom 5. Mai 2016 ( Postaufgabe: 11. Mai 2016) Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht) und beantragen sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. H. Mit Schreiben vom 25. Mai 2016 teilte der Beistand von C.____, D.____, Berufsbei- stand des Amtes für Beistandschaften und Erwachsenenschutz de s Kantons E.____, dem Ge- richt mit, dass er die Beschwerde "nicht unterstützen" werde. I. Am 30. Mai 2016 fand ein erneuter Hausbesuch am X .____weg 52 in H.____ statt, bei welchem der Beistand, der Leiter Soziale Dienste H .____ sowie zwei Polizisten anwesend waren. Im Bericht des Beistands vom 30. Mai 2016 (inkl. e ntsprechender Fotos) wird festgehal- ten, dass eine komplett zugemüllte Wohnung vorgefunden worden sei. Es wird darauf verwie- sen, dass es sich dabei um den anfallenden Haushaltsmüll, u m vergammelte Lebensmittel so- wie um Gegenstände handle, welche die Beschwerdeführerin auf der Strasse gefunden und mit nach Hause gebracht habe. Gemäss Bericht des Beistands vo m 30. Mai 2016 erachte die Be- schwerdeführerin 2 weder eine Räumung noch eine Reinig ung für notwendig. Aus ihrer Sicht wäre einzig die bestehende Mückenplage (von Frucht- und L ebensmittelmücken) anzugehen; sie beabsichtige jedoch aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus der Wohnung auszuziehen. J. Mit Schreiben vom 31. Mai 2016 teilte die Verfahre nsbeiständin dem Gericht mit, dass es im vorinstanzlichen Verfahren nicht möglich gewesen sei, mit der Beschwerdeführerin 2 zu sprechen. Zwischenzeitlich habe sie aber ein Gespräch mit ihr (im Beisein der Be- schwerdeführerin 1) führen können und die Beschwerdefüh rerin 2 habe sich dahingehend ge- äussert, dass sie die Liegenschaft in L.____ bewohnen und diejenige in H.____ verkaufen wol- le. K. Am 2. Juni 2016 liess sich die KESB vernehmen und schlo ss auf kostenfällige Ab- weisung der Beschwerde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie, es sei für das Be- schwerdeverfahren eine Vertretung für die Beschwerdefüh rerin 2 zu bestellen und eventualiter die Beschwerdeführerin 2 persönlich anzuhören. L. Mit Eingaben vom 13. Juni 2016 resp. 20. Juni 201 6 (Posteingang) replizierten die Beschwerdeführerinnen und hielten im Wesentlichen an ihren bisherigen Begründungen fest. M. Mit präsidialer Verfügung vom 27. Juni 2016 wurde d er Fall der Kammer zur Beurtei- lung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. De- zember 1907 in Verbindung mit § 66 Abs. 1 des kantonale n Gesetzes über die Einführung des Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 kann gege n Entscheide der KESB Be- schwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Das Verfahr en richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen de s kantonalen Verwaltungsprozess- rechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Ab s. 2 ZGB sind Personen zur Be- schwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff . 1), die der betroffenen Person naheste- hen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerde führerin 2 ist als direkte Verfahrens- beteiligte bzw. die Beschwerdeführerin 1 als ihr nahest ehende Person zur Beschwerdeerhe- bung legitimiert. 1.2 Gemäss § 5 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 müssen die Beschwe rden die Unterschrift der Par- teien oder der sie vertretenden Person enthalten. Nich t alle Beteiligten unterzeichneten die Be- schwerde vom 5. Mai 2016. Aus diesem Grund wurde ihnen g emäss § 5 Abs. 2 VPO eine Nachfrist zur Einreichung einer verbesserten bzw. unte rzeichneten Beschwerdeeingabe ge- währt, verbunden mit der Androhung, nach unbenütztem Fristablauf auf die Beschwerde nicht einzutreten. Mit Eingabe vom 25. Mai 2016 nahm C.____ , vertreten durch D.____, Berufsbei- stand, Abstand von der Beschwerde bzw. reichte keine verbess erte Eingabe ein, weshalb auf seine Beschwerde nicht einzutreten ist. Demgegenüber li essen die Beschwerdeführerinnen dem Gericht innert Frist eine unterzeichnete Beschwerdeeingabe zukommen. Da auch die übri- gen Prozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf ihre Beschwerde einzutreten. 1.3 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der Beschwerde somit volle Kognition zu. 2.1 Im angefochtenen Entscheid führt die KESB aus, das s der Entscheid, welche der beiden Wohnungen verkauft werde, grundsätzlich bei der Beschwerdeführerin 2 liege. Da die Beschwerdeführerin 2 ihre Meinung jedoch mehrfach geä ndert habe und es nur teilweise mög- lich sei, verbindliche Abmachungen mit ihr zu treffen, kön ne nicht allein darauf abgestellt wer- den. Aus diesem Grund sei eine Verfahrensbeistandschaft e rrichtet worden, wobei es der ein- gesetzten Verfahrensbeiständin trotz entsprechender Bemühungen nicht gelungen sei, ein per- sönliches Gespräch mit der Beschwerdeführerin 2 zu führen. In ihrem Schreiben vom 18. April 2016 zuhanden der KESB legte sie dar, dass zahlreiche A rgumente für und gegen den Verkauf sowohl der einen als auch der anderen Wohnung sprechen würden. Daher sei eine Empfehlung ihrerseits nicht möglich. Gemäss der Vorinstanz sei als bes onders schwerwiegendes Argument der Lebensmittelpunkt der Beschwerdeführerin 2 zu berücksichtigen. Die Beschwerdeführerin 2 sei vornehmlich in der Region E.____ anzutreffen, wo sich die meisten ihrer sozialen Kontakte befinden und insbesondere ihr Sohn und ihre Tochter leben würden. Zudem halte sich die Be- schwerdeführerin 2 in verschiedenen sozialen Einrichtungen in der Region E.____ auf (etwa Treffpunkt N.____, Gassenküche), von welchen aus sie sich j eweils bei der KESB gemeldet habe. Ferner sei ein wesentlicher Grund für den Verkau f der Wohnung in L.____ darin zu se- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen, dass – sobald der Verkaufserlös der Liegenschaft in H.____ aufgebraucht sei – sie keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen hätte, solange die Woh nung in L.____ nicht verkauft wäre bzw. sie ihren Wohnsitz nicht dorthin verlegt hätte. Demgegenüber sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin 2 gemäss ihren eigenen Angaben d ie Wohnung in H.____ als zu laut empfinde. Dies habe jedoch anlässlich der von den Vertr etern der KESB durchgeführten Haus- besuche nicht festgestellt werden können. Zudem wohne sie im dritten Stock und bei der Stras- se handle es sich um eine Tempo-30-Zone. 2.2 Die Beschwerdeführerinnen machen zunächst geltend, von der KESB vorgängig nicht angehört worden zu sein. Weiter führen sie aus, d ie Beschwerdeführerin 2 beabsichtige nicht, langfristig in H.____ Wohnsitz nehmen zu wollen. Vielmehr möchte sie seit längerer Zeit nach L.____ umziehen und dort ihren Wohnsitz begründen . Die Wohnung in H.____ sei im Ge- gensatz zu jener in L.____ nicht möbliert und es würde n zwei Untermieter mietfrei darin woh- nen. Auch aufgrund ihres Alters und ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigung biete sich die Wohnung in L.____ an, da diese ebenerdig sei, während sich die Wohnung in H.____ im dritten Stock ohne Lift befinde. Zudem sei die Wohnung in L.__ __ kleiner und es falle entsprechend weniger Hausarbeit an, was vorteilhaft sei. Ferner kön ne durch den Verkauf der Wohnung in H.____ ein grösserer Erlös erzielt werden. Es sei schliessli ch zu berücksichtigen, dass die Be- schwerdeführerin 2 die Liegenschaft in H.____ gekauft ha be, um diese mit ihrem Sohn zu be- wohnen. Dies sei jedoch aufgrund der Unterbringung de s Sohnes in einem betreuten Wohn- heim nicht mehr möglich, was einen weiteren Grund für den Verkauf der Wohnung in H.____ darstelle. Der "Aufenthaltsmittelpunkt" der Beschwerdef ührerin 2 möge zwar E.____ sein, den- noch habe sich der "Wohnungsmittelpunkt" nach ihrem Wun sch zu richten, und dieser sei auf die Liegenschaft in L.____ gerichtet, wo sie meistens übernachte. 3.1 Umstritten ist materiell, welche der beiden Liegen schaften der Beschwerdeführerin 2 zu verkaufen ist bzw. ob die KESB zu Recht den Verkauf de r Eigentumswohnung in L.____ sowie die Liquidation deren Hausrats angeordnet hat. U nbestritten ist, dass für die weitere Fi- nanzierung des Lebensunterhalts der Beschwerdeführerin 2 zusätzliche liquide Mittel erforder- lich sind und diese durch den Verkauf einer der beiden Eigentumswohnungen beschafft werden sollen. 3.2 Gemäss Art. 416 Abs. 1 ZGB ist für bestimmte Geschäfte , welche der Beistand oder die Beiständin in Vertretung der betroffenen Person vornimmt, die Zustimmung der KESB erfor- derlich. Dazu zählen nach Art. 416 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB a uch die Kündigung des Vertrags über Räumlichkeiten sowie die Liquidation des Haushalts. Di ese Bestimmung nimmt Rücksicht auf die grosse Tragweite, welche diese Entscheidung für die verbeiständete Person hat und will mit dem Zustimmungserfordernis überstürztes Handeln möglich st verhindern. Die KESB hat bei ihrer Entscheidung insbesondere die grösstmögliche Selbstb estimmung (Art. 388 Abs. 2 ZGB) sowie die Wünsche und Vorstellungen der verbeiständeten Person in ihrer Überprüfung und Zustimmung zu berücksichtigen. Die Genehmigungspflicht be inhaltet eine Beurteilungs- und Prüfungspflicht. Die KESB hat das Geschäft unter dem Aspekt der Interessen der verbeistände- ten Person zu prüfen, wobei es um eine Gesamtschau der Einzelumstände geht. Das ZGB ent- hält hierzu keinerlei Direktiven (vgl. Y VO BIDERBOST , in: Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht FamKomm Erwachsenenschutzrecht, Bern 2013, N 44 ff. zu Art. 416 ZGB). Im Fokus stehen dabei die Interessen der verbeiständeten Person. Das sind zum einen deren wirtschaftliche In- teressen, welche sich insbesondere am Preis resp. am Korrel at Leistung/Gegenleistung mes- sen, gegebenenfalls unter Berücksichtigung von Prognosen ü ber künftige Entwicklungen. In- dessen ist nicht in jedem Fall allein das materielle I nteresse an einem Geschäft ausschlagge- bend, sodass das eventuell wirtschaftlich günstige Geschäft zu unterlassen bzw. nicht stets das vorteilhafte zu genehmigen ist, da mit dem Erwachsenensch utz die Persönlichkeit der betroffe- nen Person nicht einfach abstrakt geschützt werden soll , sondern die betroffene Person in ihrer Gesamtheit miteinzubeziehen ist. Es können mithin auch persönliche, emotionale oder affektive Momente in einem konkreten Einzelfall mit zu berücksichtigen sein (BIDERBOST , a.a.O., N 47 zu Art. 416 ZGB). 3.3 Die Beschwerdeführerin 2 hatte bereits anlässlich d er Anhörung vom 8. Oktober 2014 resp. vom 23. Oktober 2014 ausgeführt, die Wohnun g in H.____ allenfalls verkaufen zu wollen. Aus den Verfahrensakten ergibt sich weiter, da ss die Beschwerdeführerin 2 bereits im August 2014 versucht haben soll, die Liegenschaft in H.____ zu verkaufen, weshalb ihr die Ver- fügungsbefugnis darüber entzogen wurde (vgl. Aktennotiz der KESB vom 22. August 2014). Anlässlich des Hausbesuchs in H.____ am 31. Januar 2014 ha be sich die Beschwerdeführerin 2 ebenfalls dahingehend geäussert, die Liegenschaft verä ussern zu wollen. Im Rahmen eines Besuchs der Beschwerdeführerin 2 bei der KESB erklärte sie dieser erneut, einen Käufer für die Liegenschaft in H.____ gefunden zu haben. Nach Angabe n der Verfahrensbeiständin habe die Beschwerdeführerin 2 auch im Rahmen des Telefonats mit ihr bestätigt, die Wohnung in H.____ verkaufen zu wollen. Gemäss Aktennotiz der KESB vom 30. Mai 2016 hätten die Beschwerde- führerinnen die Verfahrensbeiständin aufgesucht, wob ei die Beschwerdeführerin 2 anlässlich des persönlichen Gesprächs klar zum Ausdruck gebracht habe, die Liegenschaft in H.____ ver- kaufen und in L.____ leben zu wollen. Sie habe hierzu ein Arztzeugnis vorgelegt, welches be- stätige, dass sich der Verkauf aufgrund ihrer gesundheitl ichen Beeinträchtigung anbiete. Mit Schreiben vom 31. Mai 2016 hat die Verfahrensbeiständin dem Gericht eine entsprechende Mitteilung gemacht. Bei der erneuten Begehung der Li egenschaft in Muttenz durch den Bei- stand habe die Beschwerdeführerin 2 erneut bestätigt, aus dieser Liegenschaft ausziehen zu wollen (vgl. Bericht Beistand vom 30. Mai 2016, S. 2) . Zudem möchte sie gemäss Darstellung des Beistands seit längerer Zeit ein Bett nach L.____ transportieren. Demgegenüber teilte der Beistand der KESB im Januar 2 016 mit, dass die Beschwerdeführe- rin 2 die Wohnung in H.____ regelmässig und diejenig e in L.____ kaum nützen würde. Ferner habe die Beschwerdeführerin 2 anlässlich des Augenscheins i n der Liegenschaft in L.____ mehrfach erklärt, diese Wohnung verkaufen zu wollen ( vgl. Aktennotiz der KESB vom 2. Juli 2015). Auch gegenüber der Liegenschaftsverwaltung soll si e im Oktober 2014 ausgeführt ha- ben, die Wohnung in L.____ verkaufen zu wollen (vgl. E -Mail O.____ an P.____ vom 21. Okto- ber 2014). 3.4 Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, wie auch d ie Vorinstanz treffend festge- halten hat, dass die Wünsche und Vorstellungen der Beschw erdeführerin 2 in Bezug auf einen Wohnungsverkauf nicht konstant gewesen sind. Dennoch ist mi t dem Beistand festzuhalten, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass der Eindruck entsteht, als hätte die Beschwerdeführer in 2 zunächst die Wohnung in L.____ und erst später diejenige in H.____ verkaufen wollen (vgl. auch Schreiben der Verfah- rensbeiständin vom 18. April 2016, S. 2). So hat die Beschwerdeführerin 2 in jüngster Zeit ihren klaren Willen für den Verkauf der Liegenschaft in H._ ___ geäussert und auch danach gehan- delt. In diesem Zusammenhang ist insbesondere auf das Gespräch mit der Verfahrensbeistän- din vom 30. Mai 2016 zu verweisen sowie das dabei beigeb rachte Arztzeugnis. Die Beschwer- deführerin 2 erklärte im Rahmen eines persönlichen Gesprächs gegenüber ihrer Verfahrensbei- ständin, die Wohnung in H.____ verkaufen zu wollen, mitunter weil diese zu laut sei. Weiter hält das – erst im Rahmen des gerichtlichen Beschwerdeverfahre ns eingereichte – Arztzeugnis von Q.____ vom 10. Juni 2016 fest, dass die Beschwerdeführer in 2 trotz eingeschränkter Hand- lungsfähigkeit in der Lage sei, selber entscheiden zu kön nen, wo sie wohnen möchte. Unter Beachtung der grösstmöglichen Selbstbestimmung ist dem Willen der Beschwerdeführerin 2 ein besonderes Gewicht beizumessen, da der Verkauf ihrer Wo hnräumlichkeiten sowie die damit einhergehende Liquidation des Haushalts einschneidende Massnahmen darstellen. Im erwähn- ten Arztzeugnis wird weiter ausgeführt, die Beschwerdefü hrerin 2 leide an ausgeprägten Rückenschmerzen und könne Treppen daher nur seitlich hochst eigen bzw. hinunterlaufen. Wie ausgeführt, befindet sich die Liegenschaft in H.____ i m dritten Stock ohne Lift und eine für sie gut zugängliche Wohnung – wie in L.____ – liegt somit klar im Interesse der Beschwerdeführe- rin 2. Der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden, wenn sie in ihrer Vernehmlassung ausführt, die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte gesundhei tliche Beeinträchtigung überzeuge nicht. Weiter kann auf die Ausführungen der Vorinstanz betreffend Erhalt allfälliger Ergänzungs- leistungen nicht abgestellt werden, da sie an eine zum jetzigen Zeitpunkt noch unbekannte Tat- sache (ob die Beschwerdeführerin 2 ihren Wohnsitz nach L._ ___ verlegen wird) anknüpfen. Vielmehr ist in wirtschaftlicher Hinsicht zu beachten, da ss mit dem Verkauf der Liegenschaft in H.____ ein höherer Ertrag erzielt werden kann. Insofe rn sprechen die wirtschaftlichen Interes- sen der Beschwerdeführerin 2 für einen Verkauf der Lieg enschaft in H.____. Ferner erteilte die Vorinstanz die Zustimmung zum Verkauf der Liegenschaft in L.____ mit der Begründung, dass sich der Lebensmittelpunkt der Beschwerdeführerin 2 in E .____ befinde. Die Beschwerdeführe- rin 2 bestreitet nicht, dass sich ihr "Aufenthaltsmittelp unkt" in E.____ befinde, doch sei in die- sem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass sie die Wohnung in H.____ kaufte, um diese mit ihrem Sohn zu bewohnen, was sich aufgrund dessen Aufenthalts in einem betreuten Wohnheim in der Folge als nicht möglich herausgestellt hat (vgl. Beschwerde vom 5. Mai 2016, S. 2). Da- mit ist der ursprüngliche Grund für den Wohnungskauf in H.____ dahingefallen. Weitere persön- liche oder affektive Motive bringt die Beschwerdeführeri n im Zusammenhang mit der Liegen- schaft in H.____ nicht vor. Die Beschwerdeführerin 2 scheint an keinem der beiden Orte wirklich sesshaft zu sein. Insofern vermag auch der Aspekt des Lebensm ittelpunkts nichts daran zu än- dern, dass die Beschwerdeführerin 2 in L.____ wohnen möchte, worauf sie auch in ihrer Be- schwerde verwiesen hat. Die Liegenschaft in L.____ befi ndet sich im langjährigen Familienbe- sitz, weshalb glaubhaft erscheint, dass die Beschwerdeführerin 2 dazu eine emotionale Bindung aufweist. Diese Wohnung ist ferner kleiner und folglich überschaubarer für die gesundheitlich beeinträchtigte Beschwerdeführerin 2. Diesen persönli chen und emotionalen Interessen der Beschwerdeführerin 2 ist bei einer Interessenabwägung ebenfalls Rechnung zu tragen. Aus den vorstehenden Erwägungen folgt zusammenfassend, dass der Ve rkauf der Liegenschaft in H.____ dem Willen und den Interessen der Beschwerdefü hrerin 2 besser entspricht. Da sich in Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beiden Liegenschaften Untermieter kostenfrei aufhalten, sich beide Wohnungen in einem unor- dentlichen bzw. unhygienischen Zustand (Ungezieferbefall) befinden, was jeweils zu Schwierig- keiten mit der Stockwerkeigentümergemeinschaft geführt h at, können diese Argumente nicht massgeblich in die Entscheidfindung einfliessen und ändern folglich nichts an der vorstehenden Interessenabwägung. Die Beschwerde ist dementsprechend g utzuheissen und es ist unter Be- rücksichtigung der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens neu erlangten Erkenntnisse festzu- stellen, dass die Eigentumswohnung in H.____ zu verkauf en ist. Entsprechend wird die KESB die Zustimmung zum Verkauf der Liegenschaft in H.____ zu erteilen sowie die damit einherge- henden weiteren Massnahmen wie die Liquidation des Ha ushalts zu veranlassen haben. Bei dieser Sachlage erübrigt sich die Prüfung der weiteren Rügen der Beschwerdeführerinnen. 4. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Ab s. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten u mfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessen em Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Den Vorinstanzen können nur dann Ve rfahrenskosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen (vgl. § 20 Abs . 4 VPO). Dementsprechend sind im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten zu erhebe n. Den Beschwerdeführerinnen ist der bereits geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- zurückzuerstatten. Die Par- teikosten sind wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutheissen, soweit da- rauf eingetreten werden kann, und es wird festgestellt, dass zur Beschaf- fung zusätzlicher liquider Mittel die Eigentumswohnung der Beschwerde- führerin in H.____ zu verkaufen ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400. -- wird den Beschwerdeführerinnen zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin