Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 4. März 2015 (810 14 392) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Rechtsverzögerung und Rechtsverweigerung Besetzung Vorsitz Nicklaus Ruckstuhl, Kantonsrichte r Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret , Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichts- schreiber i.V. Simon Keller Parteien AA.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Anna Rüegg , Advokatin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B. ____ , Beschwerdege g- nerin Betreff Rechtsverzögerung und Rechtsverweigerung A. Am 8. Februar 2014 wandte sich C.____, die Tocht er von AA.____ (geboren am 10. März 1940) und BA.____ (geboren am 9. Juni 1943 ), nachdem sie von einem geplanten Altersheimeintritt von BA.____ erfahren hatte, mit einer Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) und bean tragte die Prüfung einer Beistand- schaft für ihre Eltern. Zuvor wurden AA.____ und BA .____ auf freiwilliger Basis in finanziellen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und administrativen Belangen von ihrem Schwager, D.__ __, betreut. In der Gefährdungsmel- dung führte C.____ unter anderem aus, ihre Beziehun g zu den Eltern sei seit über 20 Jahren teilweise stark belastet. B. Am 21. Februar 2014 führte die KESB einen Besuch beim Ehepaar A.____ durch und hörte die beiden an. Die KESB kam zum Schluss, dass beide eine umfassende Unterstützung benötigten, wobei AA.____, welcher an einer Demenzer krankung leidet, jegliche Krankheitsein- sicht fehle. Im März 2014 trat BA.____ in ein Alters- u nd Pflegeheim ein. Ihr Ehemann AA.____ blieb alleine im Einfamilienhaus in E.____ zurück. C. Mit Entscheid vom 26. März 2014 errichtete die KESB gestützt auf Arztberichte von Dr. med. F.____ vom 21. sowie 24. Februar 2014 für den d emenzkranken AA.____ und seine Ehe- frau BA.____, welche unter Depressionen leidet, mit de ren Einverständnis eine Vertretungsbei- standschaft mit Vermögensverwaltung. Zum Beistand ernannt wurde G.____ (Beistand). D. Am 14. Mai 2014 teilte der Beistand der KESB mit, dass er die Beistandschaft des Ehepaars A.____ aufgrund grosser Differenzen mit der Tochter des Ehepaars, C.____, einem Berufsbeistand übergeben wolle, insbesondere für die a dministrativen Belange der Familie A.____ aber weiterhin besorgt sei. E. Am 17. Mai 2014 gelangte C.____ an die KESB und stellte in Aussicht, sie wolle zu- künftig als vollumfassende Beiständin für ihren Vater, A A.____, tätig sein. Die KESB teilte ihr am 22. Mai 2014 mit, dass der Beistand im Amt bleibe, bis die KESB einen anderen geeigneten Beistand für das Ehepaar A.____ gefunden habe. F. Anlässlich einer Anhörung von C.____ und deren dam aligen Anwalt H.____ durch die KESB vom 12. Juni 2014 beantragte C.____, es sei für die Vermögensverwaltung des Ehe- paars A.____ ein anderer Beistand zu benennen. Die Toch ter von AA.____ gab zu Protokoll, dass sie als Beiständin betreffend Vermögensverwaltung für ihre Eltern nicht in Frage käme. G. Am 28. Juli 2014 errichtete AA.____ mittels öffentl icher Beurkundung eine Vollmacht und einen Vorsorgeauftrag. Gemäss dem Vorsorgeauftrag w urde seine Tochter C.____ Bevoll- mächtigte für sämtliche Angelegenheiten jeder Art. Gl eichentags wurde die Urteilsfähigkeit von AA.____ in Bezug auf diese Geschäfte von Prof. Dr. I.__ __, Leiter der J.____ in Basel, bestä- tigt. H. Mit Eingabe vom 31. Juli 2014 beantragte AA.____ , vertreten durch Anna Rüegg, Ad- vokatin, bei der KESB, es sei die Beistandschaft von AA.____ per sofort aufzuheben, eventuali- ter sei AA.____ umfassende Akteneinsicht zu gewähren, es sei die Beistandschaft von BA.____ auf deren Notwendigkeit hin zu überprüfen, sollte die Fortführung der Beistandschaft von BA.____ ausreichend begründet werden können, sei der B eistand zu beauftragen, die Pflege- bedürftigkeit von BA.____ abzuklären und die Notwendig keit ihres Aufenthalts im Alters- und Pflegeheim zu überprüfen. Zum weiteren Vorgehen schlug AA.____ vor, die angesetzte Be- sprechung vom 7. August 2014 betreffend Beistandswechsel zu streichen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Instruktionsverfügung vom 5. August 2014 stellte d ie KESB weitere Anordnungen zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht und berief wunsc hgemäss den Anhörungstermin vom 7. August 2014 für AA.____ ab. J. Am 26. August 2014 beantragte AA.____ insbesondere die Aufhebung seiner, von der KESB erneut angeordneten, Anhörung und die unverzügli che Fällung eines Entscheids betref- fend seinen Anträgen gemäss Eingabe vom 31. Juli 2014. Werde eine Beistandschaft für ihn als nötig erachtet, solle der Vorsorgeauftrag validiert werden und die amtliche Beistandschaft be- endet werden. K. Mit Verfügung vom 3. September 2014 wies die KESB einen Antrag auf Erlass vor- sorglicher Massnahmen ab mit der Begründung, es liege kei ne Dringlichkeit vor, die Erwach- senenschutzmassnahme aufzuheben. Diese Verfügung wurde von AA.____ nicht angefochten. L. Am 10. September 2014 beantragte AA.____ Aktenein sicht bei der KESB, welche ihm am 26. September 2014 mit Zustellung der Akten – ohn e Akten des Beistands – gewährt wurde. M. Mit Schreiben vom 15. Oktober 2014 beantragte AA.__ __, es sei seine Tochter, C.____, vorsorglich per sofort als seine Beiständin im Sinne einer Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung und mit Vertretungsrecht bei medizi nischen Massnahmen ad interim bis zum rechtskräftigen Entscheid der KESB einzusetzen. Überdi es sei sein jetziger Beistand vor- sorglich per sofort von seinem Amt zu entbinden. Zudem sei ihm vollumfängliche Akteneinsicht zu gewähren, insbesondere bezüglich aller Bankkonto- und Depotbewegungen. Schliesslich seien jegliche, in seinem Eigentum stehende Gegenstände, welche sich im Gewahrsam des Beistands befänden, herauszugeben. N. Am 5. November 2014 fand eine Besprechung zwischen d er KESB und den beiden Töchtern von AA.____, K.____ und C.____ sowie deren Eh emann und der Rechtsvertreterin von AA.____ statt. Anlässlich dieser Besprechung wurde eine weitere Begutachtung durch Prof. Dr. I.____ von der J.____ Basel beschlossen, welche am 12. November 2014 durchgeführt wurde und zum Schluss kam, dass AA.____ bezüglich Erledigu ng von administrativen Aufga- ben, wirtschaftlichen Belangen, sowie der Regelung seine r rechtlichen und persönlichen Ange- legenheiten nach wie vor als urteilsfähig angesehen werden könne. O. Gestützt auf das Gutachten vom 12. November 2014 bean tragte AA.____ am 20. November 2014 erneut die unverzügliche Aufhebung der Amtsbeistandschaft, in Gutheis- sung des Rechtsbegehrens Nr. 1 vom 31. Juli 2014. P. Am 19. Dezember 2014 erhob AA.____, vertreten durc h Advokatin Anna Rüegg, beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsre cht (Kantonsgericht) Beschwerde wegen Rechtsverweigerung/Rechtsverzögerung. Er stellt da s Begehren, es sei die Beschwer- degegnerin anzuhalten, umgehend einen anfechtbaren E ndentscheid zum Gesuch um Aufhe- bung der Beistandschaft des Beschwerdeführers gemäss Rech tsbegehren Nr. 1 der Eingabe Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 31. Juli 2014 zu erlassen (Ziff. 1). Eventualiter se i die Beschwerdegegnerin anzuhalten, umgehend eine Verfügung in Reaktion auf das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen des Be- schwerdeführers vom 15. Oktober 2014 zu erlassen (Ziff. 2 ). Es sei die Beschwerdegegnerin anzuhalten, die Anträge gemäss Rechtsbegehren Nr. 3 und 4 der Eingabe des Beschwerdefüh- rers vom 31. Juli 2014 umgehend an die Hand zu nehmen und ohne weitere Verzögerung hier- über zu entscheiden (Ziff. 3); alles unter o/e Kostenfolge (Ziff. 4). Q. Am 27. Januar 2015 reichte die KESB ihre Vernehm lassung ein, worin sie die Abwei- sung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge beantragt. R. Am 4. Februar 2015 nahm der Beschwerdeführer zur V ernehmlassung Stellung. S. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 5. Februar 20 15 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz buchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Be- schwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Ferner kan n wegen Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung Beschwerde erhoben werden (Art. 450a A bs. 2 ZGB). Eine Verfügung als Anfechtungsobjekt ist bei der Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsbeschwerde nicht vorausgesetzt. Die Beschwerde richtet sich vielmehr direkt gegen das unrechtmässige Verwei- gern oder Verzögern eines Entscheids. Die Zuständigkeit liegt bei der ordentlichen Beschwer- deinstanz (vgl. Botschaft zur Änderung des ZGB [Erwachsene nschutz, Personenrecht und Kin- desrecht] vom 28. Juni 2006, Bundesblatt [BBl] 2006, S . 7085; A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER /MARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des B undes, Zü- rich 2013, S. 445). Die Beschwerde wegen Rechtsverweiger ung und Rechtsverzögerung kann jederzeit erhoben werden (Art. 450b Abs. 3 ZGB). 1.2 Soweit der Beschwerdeführer eine Rechtsverweigerun g bzw. Rechtsverzögerung in Bezug auf den Erlass des definitiven Entscheids betreffend die Aufhebung der Beistandschaft sowie auf die eventuale Anhaltung der Beschwerdegegner in, umgehend eine Verfügung in Re- aktion auf das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen vom 15. Okt ober 2014 zu erlassen, gel- tend macht, sind sämtliche Prozessvoraussetzungen gegeben und kann auf seine Beschwerde eingetreten werden. 1.3 Soweit mit der Beschwerde hingegen verlangt wird, der Beistand sei zu beauftragen, die Pflegebedürftigkeit von BA.____ abzuklären und die Notwendigkeit ihres Aufenthalts im Al- ters- und Pflegeheim zu überprüfen, kann auf die Beschw erde nicht eingetreten werden. Dieser Auftrag ergibt sich bereits aus der Errichtung der Beista ndschaft vom 26. März 2014, worin der Beistand beauftragt wurde, nötigenfalls Antrag auf An passung der behördlichen Massnahmen an veränderte Verhältnisse zu stellen. Zudem ist auf B eanstandungen von Handlungen oder Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unterlassungen des Beistands (vgl. die vom Beschwerdeführe r geltend gemachte Herausgabe von Dokumenten und Gegenständen im Gewahrsam des Beistands) Art. 450a Abs. 2 ZGB nicht anwendbar. 2.1 Strittig ist nach dem Gesagten, ob in Bezug auf d en Erlass des definitiven Entscheids betreffend die Aufhebung der Beistandschaft sowie eve ntualiter die Anhaltung der Beschwer- degegnerin, umgehend eine Verfügung in Reaktion auf das Gesuch um vorsorgliche Massnah- men vom 15. Oktober 2014 zu erlassen, eine Rechtsverweige rung bzw. Rechtsverzögerung vorliegt. 2.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerdeei ngabe vom 25. Juni 2014 und Stellungnahme vom 4. Februar 2015 zusammengefasst gel tend, es bestehe kein objektiver Grund für die Verfahrensverschleppung, da der Sachverha lt liquid sei. Die Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers betreffend die Errichtung der Vollm acht und des Vorsorgeauftrags vom 28. Juli 2014, in der seine Tochter C.____ als Vertreterin bestimmt worden sei, sei gleichentags mittels Gutachten bestätigt worden. Das Gutachten vom 12 . November 2014 bestätigte zudem die Urteilsfähigkeit bezüglich Erledigung von administ rativen Aufgaben, wirtschaftlichen Belan- gen, sowie der Regelung seiner rechtlichen und persönl ichen Angelegenheiten. Ferner habe C.____ schon im Mai angeboten, sich um ihren Vater zu kümmern, sei aber bei der Beschwer- degegnerin auf taube Ohren gestossen. Dabei habe die Beschwerdegegnerin im Lichte der Subsidiarität von Erwachsenenschutzmassnahmen schon dazumal von Amtes wegen die Not- wendigkeit der Beistandschaft prüfen müssen, zumal das V erhältnis zwischen dem Beschwer- deführer und dessen Beistand gestört gewesen sei. Es se i zudem zwar richtig, dass C.____ in diversen Mails an den kognitiven Fähigkeiten ihres Vaters gezweifelt habe, indes könne sie sei- nen Zustand nicht beurteilen, da sie keine Expertin au f dem Gebiet sei. Zudem würden diese Mails ohnehin alle aus dem ersten Semester 2014 stamm en. Schliesslich habe die Beschwer- degegnerin immer wieder Anordnungen in Aussicht gestell t, welche jedoch nicht getätigt wor- den seien. Das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen vom 15. O ktober 2014 sei bis dato un- beantwortet geblieben. 2.3 In ihrer Vernehmlassung vom 27. Januar 2015 führt die Beschwerdegegnerin im We- sentlichen aus, dass das Gutachten vom 12. November 2014 bloss ein Parteigutachten sei und zudem die Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht belege. Des Weiteren werde auf den Arztbericht vom 24. Februar 2014 von Dr. med. F.____ ve rwiesen, in dem die Urteilsfähigkeit vom Beschwerdeführer bezüglich der Erledigung von admini strativen und finanziellen Angele- genheiten negiert werde. Demnach seien zur Frage der Urteilsfähigkeit noch weitere Abklärun- gen von Nöten. Überdies seien noch weitere Recherchen b etreffend die Geeignetheit der Bei- standschaft von C.____ erforderlich, da es Indizien gebe , die darauf hindeuten würden, dass die Einsetzung der Tochter als Beiständin nicht dem wir klichen Willen des Beschwerdeführers entspreche. 3.1 Nach Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweiz erischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 hat jede Person Anspruch auf Be urteilung innert angemessener Frist. Das Verbot der Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung i st verletzt, wenn eine Behörde Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht untätig bleibt oder das gebotene Handeln über Gebühr hinauszögert, obschon sie zum Tätig- werden verpflichtet wäre. Eine Rechtsverzögerung und damit eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV liegt insbesondere dann vor, wenn eine Behörde si ch zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint. Für die Rechtssuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe die Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung zurückzufüh- ren ist; entscheidend ist ausschliesslich, dass die Behörde n icht oder nicht fristgerecht handelt. Bei der Feststellung einer Rechtsverzögerung geht es desh alb um die Würdigung objektiver Gegebenheiten und damit um die Frage, ob die Umständ e, welche zur unangemessenen Ver- längerung des Verfahrens geführt haben, objektiv gerech tfertigt sind. Ob sich die gegebene Verfahrensdauer mit dem Anspruch auf Rechtsschutz inner t angemessener Frist verträgt oder nicht, ist am konkreten Einzelfall zu prüfen; massgeblich ist namentlich die Art des Verfahrens, die Schwierigkeit der Materie und das Verhalten der Be teiligten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A.35/2005 vom 18. April 2006 E. 2.1, mit Hinweisen). Von Rechtsverweigerung oder Rechts- verzögerung kann nicht schon dann die Rede sein, wenn eine Behörde eine Eingabe nicht so- fort behandelt. Rechtsverzögerung ist nur gegeben, wenn sich die zuständige Behörde zwar bereit zeigt, den Entscheid zu fällen, ihn aber nicht binnen der Frist trifft, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umständ e noch als angemessen erscheint (ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, Rz 1658). 3.2 Über die Angemessenheit der Dauer eines Verfahren s lassen sich keine allgemeinen Aussagen machen. Die Angemessenheit der Dauer bestimmt sich nicht absolut, sondern ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu beurteilen und in ihrer Gesamtheit zu würdigen. Dabei sind insbesondere die Komplexität de r Angelegenheit, das Verhalten der betroffenen Privaten und der Behörden, die Bedeutung für die Betroffenen sowie die für die Sa- che spezifischen Entscheidungsabläufe zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.169/2004 vom 18. Oktober 2004 E. 2 mit Hinweisen) . Der Streitgegenstand und die damit verbundene Interessenlage können raschere Entscheide erfo rdern oder längere Behandlungs- perioden erlauben. Zu beachten sind dabei namentlich die Auswirkungen auf hochrangige Rechtsgüter der Betroffenen (vgl. G EROLD STEINMANN , in: Ehrenzel- ler/Mastronardi/Schweizer/Vallender, Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kom- mentar, Zürich 2008, N 12 zu Art. 29 BV). Als massgebend muss gelten, ob das Verfahren in Anbetracht der auf dem Spiel stehenden Interessen zügi g durchgeführt wird und die Behörden insbesondere keine unnütze Zeit verstreichen lassen (vgl. BGE 127 III 385 E. 3a). 4. Am 3. September 2014 wies die Beschwerdegegnerin e inen Antrag vom 8. August 2014 auf vorsorgliche Absetzung des Beistandes ab, mit der Begründung, es liege entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers keine Dringlichkeit vo r, die Erwachsenenschutzmass- nahme aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat diese Verfüg ung nicht angefochten. Wäre die Situation in der Tat dringlich gewesen, wie dies der Beschwerdeführer vorbringt, hätte der Be- schwerdeführer Grund gehabt, die Abweisung der Absetzu ng der Beistandschaft anzufechten, was er indes unterlassen hat. Knapp einen Monat später beantragte der Beschwerdeführer er- neut, es sei vorsorglich der Beistand abzusetzen, wobei er in keiner Weise darlegte, inwiefern Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich die Umstände seit der Verfügung vom 3. September 2 014 geändert hätten bzw. weshalb nunmehr eine Dringlichkeit gegeben sein sollte. Somi t ist es auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin anlässlich der erneuten Beantrag ung vorsorglicher Massnahmen vom 15. Oktober 2014 seitens des Beschwerdeführers nicht auf ihren Entscheid vom 3. September 2014 zurückgekommen ist. Zumal nicht ersichtlich ist, i nwiefern die Situation des Beschwerde- führers zum Zeitpunkt der Beantragung der vorsorglichen Massnahmen unzumutbar gewesen sein sollte. Insbesondere liefert der Beschwerdeführer auch keinerlei Beweise für das vorge- brachte psychische Leiden aufgrund “der unangenehmen Sit uation“. Vielmehr ist der Be- schwerdebegründung zu entnehmen, dass C.____ schon faktisch seit Monaten für das Wohl ihres Vaters besorgt gewesen sei. Weiter heisst es, es sei für den Beschwerdeführer in jeder Lebenslage gesorgt. C.____ selbst verneinte eine “Eigen gefährdung“ ihres Vaters (vgl. Be- schwerdebrief an die Beschwerdegegnerin vom 29. Mai 20 14). Auch der Anwalt von C.____, H.____, teilte diese Meinung gemäss E-Mail vom 12. Jun i 2014 an die Beschwerdegegnerin. Diese Feststellung wird überdies insofern bekräftigt, als dass der Beistand des Beschwerdefüh- rers in einer E-Mail an die Beschwerdeführerin kundgeta n hat, dass er die per Ende August 2014 zur Auszahlung fällige Lebensversicherung von Fr. 24 3‘626.-- für die Bezahlung der Pfle- gekosten des Beschwerdeführers und seiner Frau aufwende n wolle. Der Beschwerdeführer hatte ferner aktenkundig über Fr. 30‘000.-- zur freien Verfügung. Zudem wird aus einer weiteren E-Mail vom 17. September 2014 ersichtlich, dass der Beist and keineswegs untätig geblieben ist, wie das der Beschwerdeführer vorbringt. So antwor tete der Beistand auf Anfrage einer Bank, er führe sein Amt weiterhin aus und zwar nicht bloss die administrativen Tätigkeiten, son- dern kümmere sich auch weiterhin über die finanziellen Angelegenheiten des Beschwerdefüh- rers. Dass sich der Beistand – mit Ausnahme der Besorgung d er administrativen Tätigkeiten – aus seinem Amt zurückgezogen hat, kann folglich entgegen der Auffassung des Beschwerde- führers nicht bestätigt werden. Schliesslich geht aus den Akten nicht hervor, dass das Verhält- nis zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Beistand dera rt getrübt sei, dass ein soforti- ges Tätigwerden der KESB erforderlich gewesen wäre. Au s der in der Beschwerdebegründung zitierten Äusserung des Beistandes ist – entgegen der A nsicht des Beschwerdeführers – nichts Feindseliges ihm gegenüber herauszulesen. Der Beistand ä ussert vielmehr seinen Unmut be- treffend die Vorgehensweise in Bezug auf die Betreuung des Beschwerdeführers. Es ist zwar korrekt, dass der Beistand einen Rücktritt von seinem Amt in Erwägung gezogen hat. Der Grund für diese Überlegung lag indes nicht an dem gel tend gemachten zerrütteten Verhältnis zwischen dem Beistand und dem Beschwerdeführer, sondern vi elmehr an den aktenkundigen zahlreichen Unstimmigkeiten zwischen ihm und C.____ bezüg lich der Betreuung des Be- schwerdeführers. Einer Aufgabe notabene, die klar dem Beistand zugewiesen worden ist und nicht C.____. Ein schnelles Handeln der Beschwerdegegner in zum Wohle des Beschwerdefüh- rers war mithin nicht erforderlich. Gestützt auf obige Ausführungen ist keine Dringlichkeit er- sichtlich und es ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerd egegnerin keine vorsorglichen Massnahmen erlassen hat. Die Beschwerde erweist sich in d iesem Punkt somit als unbegrün- det. 5.1 Zu prüfen bleibt, ob eine Rechtsverweigerung bzw. R echtsverzögerung vorliegt, weil die KESB bislang noch keinen definitiven Entscheid betr effend die Aufhebung der Beistand- schaft erlassen hat. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Diesbezüglich ist zu bedenken, dass bis zum zweiten Guta chten vom 12. November 2014 noch Unklarheiten bezüglich der Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers bestanden ha- ben, weil sich das erste Gutachten vom 28. Juli 2014 le diglich zur Frage äusserte, ob der Be- schwerdeführer in Bezug auf die Errichtung der Vollmacht und des Vorsorgeauftrages urteilsfä- hig war. Vor diesem Zeitpunkt bestanden betreffend di e Urteilsfähigkeit in Bezug auf die Ver- waltung des Vermögens und Einkommens sowie auf die Erled igung administrativer Belange des Beschwerdeführers diverse Vorbehalte, welche eine ve rtieftere Abklärung seitens der Be- schwerdegegnerin für notwendig erscheinen liessen. So ha tte C.____ in diversen E-Mails an den Beistand des Beschwerdeführers und mit ihrer Gefähr dungsmeldung vom 8. Februar 2014 ausdrücklich zu verstehen gegeben, dass sie erhebliche Zwei fel an dessen Urteilsfähigkeit be- züglich besagter Aspekte hege. Bezeichnend ist beispielswei se die E-Mail von C.____ an den Beistand des Beschwerdeführers vom 24. Juli 2014, in we lcher sie sinngemäss vorbringt, ihr Vater weise gravierende Mängel in Bezug auf elementar e kognitive Fähigkeiten (wie z.B. zeitli- che Einordnung von Ereignissen) auf. Entgegen den Ausfü hrungen der Beschwerdeführerin stammt diese E-Mail zudem nicht aus dem ersten Semester 2 014. Vielmehr wurde sie kurz vor Ausstellung der Vollmacht und des Vorsorgeauftrags vom 28. Juli 2014 versandt. Des Weiteren hat auch eine Person auf der Gemeindeverwaltung gemä ss E-Mail vom 26. August 2014 den Beschwerdeführer anlässlich seiner etlichen Besuche bei ihr als völlig verwirrt erlebt. In diesem Zusammenhang ist auch auf den Bericht von Dr. med. F.___ _ vom 24. Februar 2014 hinzuwei- sen, gemäss dem der Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, die Folgen seines Tuns abschät- zen zu können, insbesondere könne er seine Zahlungen, Ko rrespondenzen und übrigen admi- nistrativen und finanziellen Angelegenheiten nicht selbstständig erledigen. 5.3 Ab dem 20. November 2014 konnte die Beschwerdegeg nerin jedoch von der Urteils- fähigkeit des Beschwerdeführers betreffend die im Gutach ten aufgeführten Aspekte, insbeson- dere die Vermögensverwaltung, ausgehen. Dennoch kann der KESB im vorliegenden Fall keine unzulässige Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung vorge worfen werden. Der Be- schwerdeführer reichte seine Beschwerde beim Kantonsgeri cht betreffend Rechtsver- weigerung/Rechtsverzögerung am 19. Dezember 2014 ein. Zwischen den beiden Zeitpunkten liegt ein Monat. Die Beschwerdegegnerin war nicht verp flichtet, sofort zu entscheiden, zumal weiterhin fraglich war und ist, ob die Tochter C.____ unter den gegebenen Umständen geeignet und fähig ist, die Beistandschaft zu übernehmen. Dabei ist auch in Betracht zu ziehen, dass C.____, soweit ersichtlich, sich nie dazu bereit erklärt hat, die Beistandschaft für beide Elterntei- le zu übernehmen, während die KESB weiterhin eine Be istandschaft für beide Ehegatten be- vorzugt. Des Weiteren bleibt unklar, weshalb C.____ sich plötzlich vollumfänglich um ihren Va- ter kümmern will, zumal sie in der Vergangenheit aufgr und des eingestandenen schwierigen Verhältnisses kaum Kontakt zu ihren Eltern hatte und deren Betreuung D.____ überliess. Eben- so bleibt abzuklären, ob C.____ in der Tat fähig ist, die vollumfängliche Beistandschaft zu über- nehmen. Dies insbesondere, weil sie am 12. Juni 2014 noc h einen (ausserfamiliären) Beistand für die Vermögensverwaltung der Eltern beantragt hat te, weil sie nicht bereit sei, die Vermö- gensverwaltung für ihren Vater zu übernehmen und weil das Verhältnis zu ihrem Vater gemäss eigener Darstellung “teilweise stark belastet“ sei. Schwer nachvollziehbar ist zudem, wieso C.____ sich anlässlich ihrer Gefährdungsmeldung vom 8. Fe bruar 2014 an die KESB empörte, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass man ihren Vater alleine wohnen lasse, wenn sie spät er einen Verbleib ihres Vaters in sei- nem Haus befürwortete, obwohl sie im gleichen Atemzug eingestand, dass der Beschwerdefüh- rer stark verwirrt sei (vgl. E-Mail vom 5. Mai 2014 an d en Beistand). Auch erschwerte sie durch ihr eigenmächtiges Vorgehen, indem sie faktisch seit Mai 2014 stufenweise diverse Beistands- aufgaben übernommen hat – sie veranlasste die Änderung der Postzustellung für ihren Vater an ihre Adresse, übernahm die Federführung betreffen d Krankenkasse und Bankverbindungen ihres Vaters (vgl. Bericht Beistandschaft AA.____ und BA. ____ vom 5. November 2014) – die Arbeit des eingesetzten Beistands. Dies befremdet angesic hts der Tatsache, dass sie die Ein- setzung eines Beistandes für ihre Eltern selbst initiiert hatte. Angesichts der Komplexität der Sache, des teils widersprüchlichen Verhaltens von C.____ , des schwierigen Verhältnis zwi- schen Vater und Tochter und des daraus resultierenden A bklärungsbedarfs in Bezug auf die offenen Fragen, deren seriöse und umfassende Abklärung Zeit in Anspruch nehmen, kann der Vorinstanz (noch) keine unangemessene Rechtsverzögerung vorg ehalten werden. Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 6. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrens- kosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten u nd werden in der Regel der un- terliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vorsitz Gerichtsschreiber i.V.