B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3971/2017 U r t e i l v o m 2 9 . A u g u s t 2 0 1 7 Besetzung Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Irina Wyss. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 19. Juni 2017 / N (…). D-3971/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein aus Qamishli stammender ethnischer Kurde, reiste gemäss eigenen Aussagen im November 2014 über den Nordirak, wo er sich ungefähr ein Jahr aufhielt, die Türkei und weitere Länder in die Schweiz. Am 3. November 2015 reichte er im Empfangs- und Verfahrens- zentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch ein. Am 12. November 2015 wurde er im EVZ B._______ zu seiner Person und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (BzP). Am 15. Mai 2017 fand im EVZ C._______ eine vertiefte Anhörung statt. Anlässlich dieser Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent- lichen geltend, dass er ab 2008 oder 2009 vier oder fünf Jahre in Damas- kus gelebt habe und im Jahr 2011 und 2012 dort ein Studium an der Uni- versität respektive der pädagogischen Hochschule, Bildungsfach „Selbst- beratung“ begonnen habe. Anlässlich der Aushebung am 25. April 2010 sei ihm sein Militärbüchlein ausgestellt worden. Aufgrund seines Studiums habe er den Antritt des Militärdienstes jedoch verschieben können. Da Da- maskus zu dieser Zeit von der freien syrischen Armee (FSA) kontrolliert worden sei, sei er auf dem Weg zur Universität jeweils beim Betreten und Verlassen seines Quartiers an Kontrollposten überprüft und schikani ert worden. Aus diesem Grund sei er häufig zu spät zum Unterricht erschie- nen. Wegen der prekären Sicherheitslage sei es zwei Jahre nach Studien- beginn nicht mehr möglich gewesen, zur Universität zu fahren, weshalb er sein Studium abgebrochen habe. Nach dem Abbruch des Studiums habe er sich noch für ungefähr ein oder zwei Jahre in Qamishli aufgehalten und sei anfangs November 2014, da er keinen Militärdienst habe leisten wollen, schliesslich aus Syrien ausgereist. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer ein Militärbüchlein, einen Marschbefehl, eine Immatrikulationsbestätigung , seinen Studentenaus- weis (alle vier Dokumente im Original und mit Übersetzung), die Kopie ei- ner Quittung für die Bezahlung der Studiengebühren, die Kopie seines Gymnasium-Zeugnisses und Matura-Diploms mit Übersetzung sowie den Ausdruck einer Facebook-Seite mit Übersetzung zu den Akten. B. Mit am 21. Juni 2017 eröffneter Verfügung vom 19. Juni 2017 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigens chaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und D-3971/2017 Seite 3 schob den Wegweisungsvollzug wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. C. Mit Eingabe vom 14. Juli 2017 (Eingang beim Bundesverwaltungsgericht am 17. Juli 2017) erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Be- schwerde und beantragte die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 der vorinstanz- lichen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, die Gewäh- rung von Asyl und eventuell die Feststellung der Unz ulässigkeit anstelle der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. In prozessualer Hinsicht beantragte er unter Beilage einer Fürsorgebestätigung die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, den Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses und die Be iordnung seines Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. D. Mit Schreiben vom 18. Juli 2017 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesv erwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor . Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet de s Asyls – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist, vorbehältlich der Erwägung 8, einzutreten. D-3971/2017 Seite 4 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Auf einen Schriftenwechsel wurde vorliegend gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung ausschliesslich mit der Un- glaubhaftigkeit der Asylvorbringen. Der Beschwerdeführer rügt in diesem Zusammenhang die mangelhafte Würdigung der eingereichten Beweise, anhand welcher er seine Glaubwürdigkeit habe aufzeigen können. Diese formelle Rüge respektive der Rückweisungsantrag sind vorweg zu behan- deln, da dessen G utheissung geeignet wäre, eine Kassation der vor - instanzlichen Verfügung zu bewirken. 4.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird, dient einerseits der Auf- klärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezoge- nes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tat- sächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung be- rücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder- schlagen muss. Die Begründung ist so abzufassen, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun- desgesetz über das VwVG, 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei muss sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tat- beständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinander- setzen, sondern kann sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschrän- ken. Die Behörde hat allerdings wenigstens die Überlegun gen kurz anzu- führen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt. Die Begründungsdichte richtet sich nach dem Verfügungsgegen- stand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffenen, wo- bei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen D-3971/2017 Seite 5 des Betroffenen – und um solche geht es bei den Fragen von Flüchtlings- eigenschaft und Asyl – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (BVGE 2008/47 E. 3.2; EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1). 4.3 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend und führt aus, d as SEM habe die einge- reichten Beweismittel nur pauschal gewürdigt. Dies reiche für die Begrün- dung einer Abweisung eines Asylgesuches angesichts des vorgelegten Ur- kundenbeweises nicht aus. Ausserdem seien die Beweismittel in ihrer Echtheit nicht angezweifelt worden beziehungsweise sei im Fall der Iden- titätskarte deren Echtheit von der Fachstelle Dokumentenprüfung bestätigt worden. Die Beweise würden zudem seine Darstellungen klar bestätigen. Zwar weise die Vorinstanz betreffend den Marschbefehl darauf hin, dass der Schriftkopf der Syrischen Arabischen Republik nicht nur wie üblich ein- mal, sondern auch noch spiegelverkehrt ein zweites Mal abgedruckt sei . Da dieser Marschbefehl keiner Echtheitsprüfung unterzogen worden sei, sei aber davon auszugehen, dass keine ernsthaften Zweifel an dessen Echtheit bestehen würden. 4.4 Die Verfügung des SEM enthält eine vollständige Aufzählung der e in- gereichten Beweismittel (Verfügung Ziffer I 8.). Ebenfalls erwähnt wurde die einer Echtheitsprüfung unterzogene Identitätskarte, bei welcher keine Fälschungsmerkmale festzustellen gewesen seien. Nach den Erwägun- gen, warum die Ausführungen des Beschwerdeführers als unglaubhaft er- achtet werden, hält die Vorinstanz fest, dass die eingereichten Beweismit- tel an der Einschätzung der Unglaubhaftigkeit nichts zu ändern vermö ch- ten, und merkt weiter an, dass der eingereichte Marschbefehl nebst dem üblichen Schriftkopf der Syrischen Arabischen Republik zusätzlich densel- ben Schriftkopf als spiegelverkehrten Aufdruck enthält. Was in der angefochtenen Verfügung hingegen komplett fehlt, sind Ausfüh- rungen, aus welchen Gründen die eingereichten Beweismittel die aus Sicht der Vorinstanz unglaubhaften Asylgründe des Beschwerdeführers nicht zu stützen vermögen beziehungswiese nach wie vor als unglaubhaft erschei- nen lassen. Die diesbezüglichen Überlegungen des SEM sind den sehr knappen Erwägungen nicht zu entneh men. Auffallend in diesem Zusam- menhang ist zudem – wie der Beschwerdeführer zu Recht rügt – dass sich die Vorinstanz auch nicht dazu äussert, ob es die Beweismittel als echt oder gefälscht erachtet. Auch dem blossen Hinweis auf den doppelt vor- handenen Schriftkopf ist eine solche Einschätzung noch nicht eindeutig zu D-3971/2017 Seite 6 entnehmen. Hervorzuheben ist schliesslich, dass es sich bei den einge- reichten Beweismitteln um e ine beachtliche Anzahl (insgesamt sieben), teilweise um Originale und ausserdem in ihrer Eigenschaft um Dokumente handelt, welche – wenn von deren Echtheit ausgegangen wird – direkt ge- eignet sind, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu beweisen. Diesem Aspekt wurde in den vorinstanzlichen Ausführungen jedoch keine Beach- tung geschenkt. Die blosse Erwähnung der Beweismittel in der angefoch- tenen Verfügung genügt nach dem Gesagten den gesetzlichen Anforde- rungen an die Begründungspflicht der Vorinstanz nicht, womit eine Verlet- zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 ff. VwVG vorliegt. 4.5 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt grundsätz- lich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Im Falle einer Begründungspflichtsverletzung kann der Mangel auf Rechtsmittelebe ne jedoch geheilt werden, wen n die Vorinstanz die Entscheidgründe im Laufe des Beschwerdeverfahrens in ei- ner den gesetzlichen Anforderungen genügenden Weise darlegt und die Rechtsmittelinstanz der betroffenen Partei im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels die Möglichkeit einräumt, sich dazu zu äussern (BVGE 2013/34 E. 4). Darüber hinaus ist – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtli- ches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinsta nz abzuse- hen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Inte- resse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. dazu BGE 137 I 195 E. 2.3.2, m.w.H., vgl. auch BVGE 2008/47 E. 3.3.4 m.w.H.). Eine Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung und zur rechtskonformen Würdigung der eingereichten Beweismittel durch die Vorinstanz e rübrigt sich vorliegend, da, wie nachfolgend aufgezeigt wird (E. 5.1), die Ausfüh- rungen des Beschwerdeführers vom Bundesverwaltungsgericht ohne wei- teres als glaubhaft erachtet werden. Die mangelnde Begründung in der vo- rinstanzlichen Verfügung kann somit als geheilt betrachtet werden. Da die geltend gemachten Fluchtgründe des Beschwerdeführers trotz der Wahr- unterstellung jedoch offensichtlich ungeeignet sind, eine aslyrelevante Ver- folgung darzustellen, erweisen sich seine materiell-rechtlichen Vorbringen als aussichtslos. Aus prozessökonomischen Gründen wird somit vorlie- gend auf eine Kassation verzichtet und ergeht ein Direktentscheid in der Sache. D-3971/2017 Seite 7 5. 5.1 Zu den geltend gemachten Asylgründen ist zunächst festzuhalten, dass aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts n icht nachvollziehbar ist, wes- halb die Vorinstanz die durch diverse Beweismittel belegten Asylvorbringen des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft erachtete. Anders als die Vo- rinstanz in seiner Verfügung erwog, ist kein Grund ersichtlich, weshalb an den Vorbringen hinsichtlich des Studiums und der Wehrdienstverweige- rung zu zweifeln sein sollte. Der Beschwerdeführer hat plausibel, detailliert und – was besonders hervorzuheben ist – ohne nennenswerte Widersprü- che dargelegt, in Damaskus studiert, den obligatorischen Wehrdienst auf- grund dessen verschoben zu haben, nach Abbruch des Studiums in die Armee einberufen worden und schliesslich aus diesem Grund aus Syrien geflohen zu sein. Der Inhalt der Angaben zu seinem Studium im Allgemei- nen sowie zu den im Studium behandelten Wissenschaftlern und Theorien korrespondiert mit der angegebenen Dauer und den Umständen des Stu- diums und geben keinerlei Anlass, am tatsächlichen Besuch der Vorlesun- gen zu zweifeln. Die falsche Bezeichnung seines Studienfachs, welche der Beschwerdeführer im selben Moment umgehend korrigierte, ist ihm, wie er zu Recht rügt, zu Unrecht als Unsicherheit, welches Fach er studiert haben wolle, angelastet worden. Dass er die Gründe seiner Studienwahl zudem nicht nachvollziehbar habe erläutern können, ist bei einer näheren Betrach- tung der von der Vorinstanz angeführten Stelle im Anhörungsprotokoll (ge- mäss welchem der Beschwerdeführer als Grund für seine Wahl angab, die- ses Fach zu mögen und ein sozialer Mensch zu sein), nicht zutreffend. Seine Vorbringen werden schliesslich durch zahlreiche ins Recht gelegte Beweismittel, welche er grösstenteils im Original vorlegte, gestützt. Insge- samt ist es dem Beschwerdeführer entgegen der Ansicht der Vorinstanz ohne weiteres gelungen, seine Asylgründe glaubhaft zu machen. 5.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist an die Begründung der Vorinstanz nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG) und kann auf Beschwerdeebene eine Substitution der Begründung vornehmen. Die Abweisung des Asylge- suchs des Beschwerdeführers erfolgt demensprechend richtigerweise aus- schliesslich aus der nachstehend aufgezeigten fehlenden asylrechtlichen Relevanz seiner Vorbringen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer D-3971/2017 Seite 8 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder De sertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal- tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). Ge- mäss BVGE 2015/3 E. 5.9 (als Referenzurteil publiziert) vermag eine Wehrdienstverweigerung die Flüchtlingseigenschaft lediglich dann zu be- gründen, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist (Art. 3 Abs. 3 AsylG). Der betroffenen Person muss aus den in dieser Norm genannten Gründen wegen ihrer Wehrdienstverweigerung eine Behandlung drohen, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtspre- chung sind die genannten Voraussetzungen im Falle eines syri schen Staatsangehörigen erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie angehör t, einer oppositionell aktiven Familie entstamm t und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf sich ge- zogen hat (BVGE 2015/3 E. 6.7.3). 6.3 Im vorliegenden Fall liegt keine mit der eben genannten Rechtspre- chung vergleichbare Konstellation vor. Zwar ist der Beschwerdeführer kur- discher Abstammung; ein Hinweis, dass er aus einer oppositionellen Fami- lie stammt, fehlt in den Akten jedoch gänzlich, und solches macht er in sei- ner Beschwerde auch nicht geltend. Ebenfalls stand er den Akten zufolge vor seiner Ausreise nicht im Visier der syrischen Sicherheitskräfte. Dass er auf dem Weg zur Universi tät jeweils an sogenannten „Checkpoints“ von den Kontrollposten aufgehalten wurde, vermag den Anforderungen, die Aufmerksamkeit der staatlichen Sicherheitskräfte auf sich gezogen zu ha- ben, nicht zu genügen, da mangels weiterer Hinweise davon auszugehen ist, dass es sich bei diesen Kontrollen um standardmässige Personenüber- prüfungen gehandelt hat (vgl. SEM-Akte F14). Auch wenn der Beschwer- deführer, wie er mit dem eingereichten Facebook-Ausdruck geltend macht, aufgrund seiner Wehrdienstverweigerung nun in Syr ien gesucht wird, ist diese auf ihn gerichtete Aufmerksamkeit gerade ausschliesslich wegen der D-3971/2017 Seite 9 Wehrdienstverweigerung, jedoch nicht bereits in der Vergangenheit, ent- standen. Weitere Kontakte des Beschwerdeführers zu syrischen Behörden haben gemäss den Akten nicht stattgefunden. Somit gilt der Beschwerde- führer zwar als Wehrdienstverweigerer, erfüllt jedoch das vom Bundesver- waltungsgericht festgelegte Gefährdungsprofil nicht. Die von ihm dahinge- hend geäusserte Verfolgungsfurcht ist somit unbegründet respektive ver- mag den Anforderungen von Art. 3 Abs. 1 AsylG nicht standzuhalten. 6.4 Im Ergebnis hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt in der Schweiz weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. Eine Verletzung von völkerrechtlichen Normen, welche zur Unzulässigkeit einer Wegweisung führen könnte, wäre unter dem Aspekt der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Art. 83 Abs. 3 AuG [SR 142.20]) zu prüfen. Da im vorliegenden Fall bereits die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs verneint und deswegen die vorläufige Aufnahme des Beschwerdefüh- rers in die Schweiz verfügt wurde, erübrigt sich eine Prüfung der Zulässig- keit des Wegweisungsvollzugs . Sollte die vorläufige Aufnahme dereinst aufgrund der wieder vorhandenen generellen Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs nach Syrien aufgehoben werden, s teht dem Beschwerde- führer wiederum die Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht offen , wobei die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzug s von Amtes wegen nach Massgabe der zu jenem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen wäre (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 , mit weiteren Hinweisen). Auf den Eventualantrag ist somit nicht einzutreten. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung – mit Ausnahme der oben festgestellten Verletzung der Begründungspflicht – D-3971/2017 Seite 10 Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Entscheid gegenstandslos geworden. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da vorliegend jedoch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs , welche auf Beschwerde- ebene geheilt wurde, vorliegt, ist gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG auf die Auf- erlegung von Verfahrenskosten zu verzichten. Das Gesuch um unentgelt- liche Rechtspflege erweist sich somit als gegenstandslos. 11.2 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsver beiständung ist infolge der Heilung der Gehörsverletzung auf Beschwerdeebene sowie der Aussichts- losigkeit der materiellen Rechtsbegehren abzuweisen. Dem Beschwerde- führer ist jedoch für die berechtigte Rüge der Verletzung der Begründungs- pflicht eine (verminderte) Parteientschädigung auszurichten. Der Rechts- beistand reichte zusammen mit der Beschwerde eine Kostennote vom 14. Juli 2017 ein und machte einen Vertr etungsaufwand von insgesamt Fr. 2‘275.90 geltend, wobei er einen zeitlichen Aufwand von 7 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 250.– auswies. Dies erscheint als Gesamt- vertretungsaufwand angemessen. Das SEM ist dementsprechend anzu- weisen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 1‘500.– auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3971/2017 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das SEM hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 1‘500.– zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Irina Wyss Versand: