B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3836/2020 U r t e i l v o m 2 3 . S e p t e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter Lorenz Noli, mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Meret Adam, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Nordwestschweiz, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 29. Juni 2020 / N (…). E-3836/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der angebliche Bruder des Beschwerdeführers (B._______, geboren […], ebenfalls N […]) stellte am (…) 2015 in der Schweiz ein Asylgesuch, wel- ches er im Wesentlichen mit einer Reflexverfolgung durch die Taliban und einen Onkel – letzterer ebenfalls ein Taliban – aufgrund der beruflichen Tä- tigkeit seines Vaters für den afghanischen Staat begründete. Mit Verfügung vom (…) 2016 stellte das SEM die Flüchtlingseigenschaft von B._______ fest und gewährte ihm Asyl. B. Der Beschwerdeführer selber stellte am 6. Augu st 2019 im Bundesasyl- zentrum (BAZ) der Region Nordwestschweiz ein Asylgesuch, nachdem er gleichentags im Rahmen eines Dublin-In-Verfahrens legal und bewilligt von Griechenland in die Schweiz eingereist war. Die Übernahmezustimmung des SEM erfolgte aufgrund seiner Minderjährigkeit, des zu B._______ be- stehenden Geschwisterverhältnisses und der ausdrücklichen Zustimmung von B._______ Der Beschwerdeführer erhielt zunächst eine eigene Ver- fahrensnummer (N […]), die am 9. August 2019 mittels «Verschmelzung» der Dossiers aber durch jene von B._______ ersetzt wurde; beide Perso- nen figurieren somit seither im gleichen N -Dossier, wobei die Akten von B._______ physisch vorliegen und jene des Beschwerdeführers haupt- sächlich elektronisch geführt werden. Nach Durchführung der Erstbefra- gung (EB) vom 4. September 2019 und der Anhörung zu den Asylgründen vom 15. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Ver- fahren und dem Wohnsitzkanton von B._______ zugewiesen. Anlässlich der EB und der Anhörung machte der Beschwerdeführer im We- sentlichen geltend, er sei ethnischer Tadschike, in C._______ geboren und mit der Familie im Alter von etwa fünf Jahren nach D._______ (Prowinz Parwan) umgezogen, wo er mit seinen Eltern und acht Geschwistern, da- runter B._______, bis zur Ausreise gelebt habe. Sein Vater sei (…) und (…) und als solcher auch für die Amerikaner tätig. Aufgrund dessen Arbeitsortes in E._______ sei dieser selten zu Hause gewesen. Diese Tätigkeit des Va- ters habe den Unmut der Taliban, eines de n Taliban angehörigen Onkels und weiterer Verwandter, darunter ein weiterer Onkel, auf sich gezogen. Diese hätten seiner Familie deshalb Probleme bereitet und das Leben er- schwert; das Haus hätten sie kaum mehr verlassen und er habe nicht mehr zur Schule gehen können. Eines Tages im Jahre 2017 sei er von Taliban E-3836/2020 Seite 3 entführt, während zwei Tagen von Vermummten über seinen Vater ausge- fragt und dabei erheblich geschlagen und verletzt worden; vermutlich ste- cke sein Onkel dahinter. Es sei ihm beim Toilettengang gelungen, sich aus den Händen seiner Peiniger zu befreien. Ohne nach Hause zurückzukeh- ren, habe er umgehend die Flucht via Kabul in den Iran ergriffen. Dort und später in der Türkei habe er zwecks Finanzierung der Reise - und Schlep- perkosten gearbeitet. Von der Türkei sei er nach Griechenland gelangt, wo er ein Asylgesuch gestellt habe. Sein Bruder B._______ habe sich für sei- nen Transfer in die Schweiz eingesetzt und sei zu diesem Zweck auch per- sönlich nach Griechenland gereist. Auf Vorhalt von Zweifeln an seiner an- gegebenen Identität, insbesondere am Geschwisterverhältnis zu B._______ und mithin am Kindsverhältnis zum gemeinsamen Vater aner- bot der Beschwerdeführer einen Blutabgleich. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer die Kopien verschiedener sei- nen Vater betreffenden Dokumente (Tazkara, Dienstausweis als […], […], […] des afghanischen F._______) zu den Akten. Einen eigenen Reisepass oder eine Tazkara habe er nie gehabt oder beantragt. Er werde sich um die Erhältlichmachung seines Impfausweises bemühen. C. Mit Verfügung vom 29. Juni 2020 – eröffnet am selben Tag – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositiv Ziff. 1), und lehnte dessen Asylgesuch ab (Dispositiv Ziff. 2). Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositiv Ziff. 3), verzichtete jedoch unter Berücksichtigung der gesamten Umstände und der Sicherheitslage in Afghanistan auf den Vollzug der Wegweisung infolge Unzumutbarkeit und gewährte ihm die vorläufige Aufnahme (Dispo- sitiv Ziff. 4-6). Mit der Verfügung wurden dem Beschwerdeführer die aus Sicht des SEM editionspflichtigen Akten mitsamt dem Aktenverzeichnis zugestellt. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt – am 7. Februar 2020 und auf Ersuchen von B._______ – erhielt die Rechtsvertretung Einsicht in bestimmte Akten von B._______ (Befragungsprotokolle und Asylentscheid). D. Mit Eingabe vom 29. Juli 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt er die Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung von Asyl sowie eventualiter die E-3836/2020 Seite 4 Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung . In pro- zessualer Hinsicht ersucht er zudem um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mitsamt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses. Im Fliesstext der Beschwerde wird sodann der Beizug der Akten von B._______ durch das Bundesverwaltungsgericht beantragt. E. Am 3. August 2020 hat das Bundesverwaltungsgericht die (phy sischen) Akten von B._______ (ebenfalls N […]) für das vorliegende Verfahren an- tragsgemäss beigezogen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren mit dem Asylgesuchsda- tum vom 6. August 2019 gilt das neue Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangs- bestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015 [e contrario]). Die tiefe N-Nummer des Beschwerdeführers ist dabei unerheb- lich. 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist E-3836/2020 Seite 5 daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 1.5 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden verfahrensabschliessenden Direktentscheid in der Sache hinfällig. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu- ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa- risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung ein es Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Sc hweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnah men, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiege nder Wahrscheinlichkeit für gege- ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-3836/2020 Seite 6 4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das SEM die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines asylbegründenden Sach- verhalts nicht genügend. So sei die vorgebrachte Entführung, Festhaltung und Flucht in der zeitlichen Einordnung auffällig unstimmig sowie substanz- und detailarm ausgefallen. Die überaus einfache Sachverhaltsdarlegung lasse weder eine persönliche Betroffenheit noch ein subjektives Empfinden erkennen und erscheine realitätsfremd. Weiter bestünden Zweifel, ob der Beschwerdeführer tatsächlich bis zur Ausreise in D._______ gelebt habe, da die Kenntnisse über diesen Ort auffallend lückenhaft seien. Zweifel be- stünden ebenso am behaupteten Geschwisterverhältnis zu B._______ und am Kindsverhältnis zum angeblich gemeinsamen Vater, da er keine rechts- genüglichen Ausweisdokumente vorgelegt habe und seine Aussagen zur Biografie von B._______ von dessen eigenen Aussagen abweichen wür- den, beispielsweise betreffend dessen mehrjährigen Aufenthalt in G._______. Mithin könne nicht geglaubt werden, dass er wegen der Tätig- keit seines Vaters für die Regierung entführt worden sei. Es erübrige sich, auf weitere bestehende Unstimmigkeiten näher einzugehen. Auf eine Prü- fung der Asylrelevanz könne verzichtet werden. Er erfülle mithin die Flücht- lingseigenschaft nicht. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asyl- gesuchs sei die Wegweisung aus der Schweiz. Für den weiteren Inhalt der Verfügung wird auf die Akten verwiesen, soweit in den Erwägungen nicht spezifisch darauf einzugehen sein wird. 5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe wendet sich der Beschwerdeführer zu- nächst gegen die Erkenntnis des SEM, wonach das Geschwisterverhältnis zu B._______ und das Kindsverhältnis zum Vater zweif elhaft seien. Die Aussagen des Beschwerdeführers und B._______ hierzu seien nicht wi- dersprüchlich. Die Abweichung betreffend den zeitweisen Wohnsitz von B._______ in G._______ sei vermeintlicher Art, da sich B._______ dort nur auf der Durchreise befunden habe. Sodann gelte es zu beachten, dass er im Rahmen des Dublin-In-Verfahrens mehrmals zu seinen Familienverbin- dungen befragt und seine Verwandtschaft zu B._______ von den griechi- schen und den schweizerischen Behörden als erstellt betrachtet worden E-3836/2020 Seite 7 sei. Das SEM habe denn auch seine Einreise in die Schweiz auf Antrag von B._______ und aufgrund des Geschwisterverhältnisses bewilligt , nachdem B._______ sich gar in Griechenland persönlich darum bemüht habe. B._______ kümmere sich seither um ih n und heute würden sie zu- sammenleben. Das SEM führe das Verfahren sogar unter einer gemeinsa- men Dossiernummer und habe die Kantonszuteilung aufgrund des Woh- nortes von B._______ vorgenommen. Eine schlüssige Begründung für die nun gegenteilige Beurteilung des Geschwisterverhäl tnisses bleibe das SEM schuldig. Er habe bereits in der EB einen DNA -Test angeboten und diese Beweisofferte bestehe nach wie vor. Die Tätigkeit des gemeinsamen Vaters gehe aus den von ihm und von B._______ eingereichten Beweis- mitteln hervor. Seine Wissensl ücken zur genauen Position und Funktion des Vaters seien selbsterklärend, da er bei der Ausreise erst (…) Jahre alt gewesen sei, seinen Vater nur wenig gesehen habe und letzterer nachvoll- ziehbarerweise kaum Detailinformationen an ihn weitergegeben habe. Der Vater gehöre entsprechend der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ei- ner mit einem erhöhten Verfolgungsrisiko behafteten Personengruppe an und die Familienangehörigen seien dadurch einer Reflexverfolgung seitens der Taliban und seiner diesen nahestehenden Verwandten ausgesetzt, wie sich bereits bei B._______ gezeigt habe. Die vom SEM vorgenommene Unglaubhaftigkeitsbeurteilung basiere sodann auf nicht kindesgerecht ge- führten Befragungen und verkenne die bei Kindern tiefer anzusetzenden Anforderungen an die Glaubhaftmachung. Sodann nimmt der Beschwer- deführer Bezug auf die einzelnen vom SEM erkannten Unglaubhaftigkeit- selemente und versucht diese zu entkräften (vgl. Beschwerde Ziff. B/II/15- 19). Ergänzend macht er darauf aufmerksam, dass er seine Verfolgungs- erlebnisse und Bedrohungslage aufgrund der Tätigkeit seines Vaters be- reits übereinstimmend im Januar 2019 in Griechenland geschildert habe. Seine Ausführungen seien daher als glaubhaft zu betrachten, womit er An- spruch auf Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls habe. Für den weiteren Inhalt der Beschwerde wird auf die Akten verwiesen, so- weit in den Erwägungen nicht spezifisch darauf einzugehen sein wird. 6. 6.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE E-3836/2020 Seite 8 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflich t der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen, was sich entsprechend in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung niederzuschla- gen hat (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei- standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Der Anspruch auf recht- liches Gehör beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts, nicht aber dessen rechtliche Würdigung. Die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Be- schwerdegrund und dem Bundesverw altungsgericht obliegt gemäss Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG eine umfassende Sachverhaltskontrolle. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststel- lung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu- grunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollstän- dig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum- stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs- verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). Ermittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler - oder lü- ckenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und weist die Sache an die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtserhebli- chen Sachverhalt neu und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU- BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155). Der Untersuchungs- grundsatz gehört sodann zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwal- tungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG nimmt sie ferner die ihr angebotenen Beweise ab, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen. Sodann besteht eine Aktenführungspflicht. Diese beinhaltet insbesondere die geordnete Ablage, die Paginierung und die Registrierung der vollständigen Akten im Aktenverzeichnis und ergibt sich aus dem Akt eneinsichtsrecht des Ge- suchstellers beziehungsweise Beschwerdeführers, welches in Art. 26 ff. VwVG geregelt ist und ebenfalls Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör darstellt (vgl. dazu ausführlich BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Sie ist aber auch für die rekursinstanzlichen Behörden von massgeblicher Bedeutung, E-3836/2020 Seite 9 weil im Falle einer Unkenntnis über die von der Vorinstanz tatsächlich her- angezogenen Akten die Gefahr eines unrichtigen – wenngleich grundsätz- lich revisionsfähigen – Urteils besteht, wodurch erneut der Anspruch des Betroffenen auf rechtliches Gehör verletzt wäre. Gegenstand der Aktenfüh- rungspflicht sind sämtliche Akten. Eine Einschränkung des Akteneinsichts- rechts gegenüber dem um Einsicht Ersuchenden ist grundsätzlich zulässig, muss aber nach Art. 27 VwVG konkret begründet sein und sich im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung auf das Erforderliche beschränken. 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die genannten Grundsätze vorliegend gestützt auf die in der Beschwerde erhobenen Rügen wie auch im Rahmen seiner über das Rügeprinzip hinausgehenden Prüfungsbefug- nis von Amtes wegen in verschiedener Hinsicht als verletzt: 6.2.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das SEM die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines asylbegründenden Sach- verhalts nicht genügend. Entsprechend verzichtete es auf eine Prüfung der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit dieser Vorbringen unter dem Aspekt der gesetzlichen und praxisgemässen Kriterien von Art. 3 AsylG. Dieses Vorgehen ist insofern nicht zu beanstanden, als bei zutreffend erkannter Unglaubhaftigkeit v on Sachverhaltsvorbringen die betreffende Sachver- haltsgrundlage im Hinblick auf eine Subsumption unter Art. 3 AsylG fehlt. In einer solchen Konstellation kommt der Glaubhaftigkeitsprüfung somit nicht nur Bedeutsamkeit im Hinblick auf die Feststellung des Sachverhalts zu, sondern hat mittelbar auch den Charakter einer rechtlichen Würdigung hinsichtlich der Frage, ob Anspruch auf die Feststellung der Flüchtlingsei- genschaft nach Art. 3 AsylG besteht. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Gl aubhaftmachen von Asylvorbringen in ver- schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.). Ob das SEM diesen Anforderungen bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit der als ausreiseauslösend dargestellten Entführung, Festhaltung und Flucht die nötige Beachtung geschenkt hat, kann einstweilen offen bleiben . Dies gilt ebenso für die Frage, ob die EB, die Anhörung sowie die Glaubhaftigkeits- prüfung der dort gemachten Aussagen seitens des SEM vorliegend kinder- gerecht erfolgt sind. Die Zweifel des SEM an der Glaubhaftigkeit der Ver- folgungsvorbringen und an der persönlichen Glaubwürdigkeit des Be- schwerdeführers fussen nämlich zu einem entscheidenden weiteren Teil auf der Erkenntnis, dass sowohl das Geschwisterverhältnis zu B._______ als auch das Kindsverhältnis zum (behauptungsgemäss) gemeinsamen E-3836/2020 Seite 10 Vater überwiegend zweifelhaft seien. Hierbei verkennt das SEM nicht nur den Vorrang des strikten Beweises vor der reduzierten Beweismassanfor- derung der Glaubhaftmachung, sondern auch seine eigene Pflicht zur rechtsgenüglichen Abklärung dieser für die Beurteilung des Asylgesuchs entscheidenden Sachverhaltselemente. In der Beschwerde werden zutref- fend zahlreiche Indizien aufgeführt, die für das Geschwisterverhältnis zu B._______ und mithin für das Kindsverhältnis zum gemeinsamen Vater sprechen. Diese Indizien verdichten sich zusätzlich beispielsweise dadurch, dass in den Akten (vgl. Annex der vorinstanzlichen elektronischen Akte Nr. 16) gemeinsame Fotos des Beschwerdeführers mit B._______ vorhanden sind. Dass demgegenüber auch gewisse Anhaltspunkte gegen das behauptete Geschwister- beziehungsweise Kindsverhältnis bestehen, ist in Berücksichtigung der diesbezüglichen von der Vorinstanz erkannten Unstimmigkeiten und des gänzlichen Fehlens identitätsrelevanter Doku- mente des Beschwerdeführers zumindest nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Eine Abwägung dieser beiden Gewichte wäre aber in casu über weite Teile gar nicht erst nötig gewesen, wenn das SEM die vom Beschwer- deführer in der EB (vgl. Akte Nr. 15, dort Ziff. 4.04 und 4.07) klar geäusserte Beweisofferte eines Blutabgleichs (beziehungsweise eines DNA-Tests an- derer Art, z.B. Abgleich der aus Mundspeichel entnommenen Y-Chromoso- menprofile) angenommen hätte. Das SEM ist zur Abnahme eines anerbo- tenen Beweises verpflichtet, wenn dieses zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheint (vgl. Art. 33 Abs. 1 VwVG). Dies ist bei einem DNA-Test vorliegend deshalb der Fall, weil das Erge bnis eines (nicht) bestehenden Bruderverhältnisses mit hoher Wahrscheinlichkeit ausfallen müsste und ein bestehendes Kindsverhältnis des Beschwerdeführers zum Vater von B._______ die Notwendigkeit der Prü fung der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit einer erfolgten oder befürchteten Reflexverfolgung des Be- schwerdeführers im Zusammenhang mit der Tätigkeit des für die afghani- sche Regierung tätigen Vaters mit sich brächte . Ein Verzicht auf die Ab- nahme von (weiteren) Beweisen ist zulässig, wenn sich die entscheidende Behörde aufgrund der bereits erhobenen Beweise seine Überzeugung ge- bildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung an- nehmen kann, dass die abgelehnten Beweisanträge nichts an seiner Über- zeugung zu ändern vermögen (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.3; 131 I 153 E. 3). Das SEM äussert sich in der angefochtenen Verfügung nicht zur Beweis- offerte und zum Grund, weshalb es den offerierten Beweis nicht abzuneh- men gewillt ist oder weshalb einem solchen Beweis die Beweistauglichkeit oder der Beweiswert abgehen soll. Es wäre im Rahmen seiner Untersu- chungs- und Abklärungspflicht gehalten gewesen, entweder einen solchen Test mit den beiden angeblichen Brüdern durchführen zu lassen oder den E-3836/2020 Seite 11 Beschwerdeführer unter Hinweis auf die ihm obliegende Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG zur Vornahme des anerbotenen DNA -Abgleichs aufzu- fordern. Jedenfalls ist die Erkenntnis des SEM, wonach der Beschwerde- führer nicht der Bruder von B._______ und somit nicht das Kind von des- sen Vater sei, auf Basis der bestehenden Akten- und Abklärungslage nicht haltbar. 6.2.2 Von Amtes wegen ist sodann Kritik an der Ak tenführung des SEM anzubringen: Die vorinstanzlichen N -Akten beinhalten verschiedene Aktenbestände: Physische Akten von B._______ in einer gelben Aktenmappe «1. Asylge- such» (paginiert, inkl. Aktenverzeichnis und beinhaltend insb. Beweismittel betreffend die Tätigkeit des Vaters in Afghanistan ), lose und unpaginierte physische Aktenstücke betreffend B._______, physisch e Akten in einer blauen Aktenmappe «Reisedokumente» betreffend B._______ (unpagi- niert und ohne Aktenverzeichnis), physische Akten in einer grünen Akten- mappe «Dublin IN» betreffend den Beschwerdeführer und B._______ (un- paginiert, ohne Aktenverzeichnis und beinhaltend u.a. ein Couvert mit zahl- reichen Beweismitteln ohne Beweismittelverzeichnis), physische Akten des Beschwerdeführers in einer gelben Aktenmappe «nachgezogener Bruder H._______» betreffend den Beschwerdeführer (unpaginiert und ohne Ak- tenverzeichnis, mitsamt Beweismittelcouvert), elektronische Akten «Vorha- ben […]» betreffend den Beschwerdeführer (paginiert und mit Aktenver- zeichnis), ein elektronisches «Beweismittelverzeichnis […]», sowie ein of- fensichtlich verfahrensfremdes, loses und unpaginiertes Aktenstück betref- fend die Verfahrensnummer N […]). Für das Bundesverwaltungsgericht und vermutlich für den Beschwerdeführer ist nun nicht klar, auf welche Ak- tenbestände sich das SEM bei der Sachverhaltserfassung und Entscheid- findung abgestützt hat, v on welchen der Beschwerdeführer überhaupt Kenntnis hat und in welche er – zurecht oder zuunrecht – Einsicht erhalten oder nicht erhalten hat. Die Aktenführung erscheint aus Sicht des Bundes- verwaltungsgerichts verwirrlich und wenig praktikabel , die Aktenpag inie- rung und –verzeichnung gar ungenügend und die Überprüfung der Wah- rung des Akteneinsichtsrechts praktisch unmöglich. Weiter erkennt das Gericht keinen zureichenden Grund zur gemeinsamen Führung der Akten des Beschwerdeführers und jener von B._______ in ei- nem gemeinsamen Dossier: Der Familiennachzug des Beschwerdeführers von Griechenland in die Schweiz zu B._______ ist ein rein Dublin-rechtli- cher, kein asylrechtlicher. Beide haben je eigene ordentliche Asylverfahren E-3836/2020 Seite 12 und es befindet sich kein gemeinsamer Elternteil mit einem Asylverfahren in der Schweiz. Sofern sie keine Geschwister sind – und davon geht das SEM offenbar aus – besteht gar zwingender Anlass zur Trennung der Ak- ten, da ein erhebliches Potenzial zur Verletzung von Bestimmungen in den Rechtsbereichen des Persönlichkeits- und des Datenschutzes besteht. Für das Bundesverwaltungsgericht ist denn auch nicht erkennbar, inwieweit der Beschwerdeführer über das Einverständnis von B._______, der wo- möglich gar nicht der Bruder des Beschwerdeführers ist, hinaus Einsicht in dessen Akten erhalten hat. Das SEM wird somit nach Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfah- rens eine Aktenordnung herzustellen haben, die den Anforderungen an eine rechtsgenügliche Aktenführung und Paginierung sowie den Ansprü- chen an das Akteneinsichtsrecht und an das rechtliche Gehör genügt und auch praktikabel erscheint. Sodann hat es sicherzustellen, dass der Be- schwerdeführer alle editionspflichtigen Akten erhält und ihm die Einsicht in Akten von Dritten (inkl. jene von B._______) verweigert wird, solange und soweit diese kein Einverständnis gegeben haben. 6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM den Anspruch des Beschwerdeführers auf Wahrung des rechtlichen Gehörs in verschiedenen Erscheinungsformen (insb. betreffend Beweisabnahme, Aktenführung, Ak- teneinsicht und Begründungspflicht) verletzt sowie den Sachverhalt unvoll- ständig und teilweise unrichtig festgestellt und ungenügend abgeklärt hat. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache se lbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt – angesichts des formellen Charakters des Gehörs- anspruchs unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei korrek- ter Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre – grundsätz- lich zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Die Hei- lung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, die Beschwerdeführenden dazu Stellung nehmen können und der Beschwer- deinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefugnis in Be- zug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt, sowie die festge- stellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Ent- scheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand herge- stellt werden kann. Selbst wenn eine Heilung nach den erwähnten Anfor- derungen möglich wäre, kann sich eine Kassation unter Umständen aber E-3836/2020 Seite 13 rechtfertigen, beispielsweise wenn die Gehörsverletzung durch die Vo- rinstanz kein Versehen im Einzelfall darstellt, sondern Resultat gehäufter unsorgfältiger Verfahrensführung ist. Auch eine Häufung von für sich allein weniger gewichtigen Verfahrensfehlern kann dazu führen, dass das Ver- fahren insgesamt als derart mangelhaft bezeichnet werden muss, dass eine Heilung im Rechtsmittelverfahren ausgeschlossen ist (vgl. zum Gan- zen BVGE 2015/10 E. 7.1 m.w.H.). Diese Kassationsvoraussetzungen sind vorliegend wie e rwogen in mehr- facher Hinsicht erfüllt, insbesondere aber aufgrund des Umstandes, dass sich die fehlende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz nicht mit vertretbarem Aufwand herstellen lässt und dem Beschwerdeführer dadurch zudem ein Instanzenverlust drohen würde. Eine Heilung auf Beschwerde- stufe fällt somit nicht in Betracht. Das SEM ist im Rahmen des wiederauf- zunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens gehalten, die erkannten Män- gel in geeigneter Form zu beheben sowie darauf basierend den Sachver- halt vollständig und richtig festzustellen, die Entscheidreife herbeizuführen und das Asylgesuch neu zu beurteilen. Auf den weiteren, insbesondere den materiellen Beschwerdeinhalt ist angesichts des Kassationsausganges einstweilen nicht weiter einzugehen. Die betr effenden Ausführungen sind jedoch vom SEM im Rahmen des wiederaufzunehmenden erstinstanzli- chen Verfahrens zur Kenntnis zu nehmen. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Verfügung des SEM vom 29. Juni 2020 Bundesrecht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Angesichts der erkann- ten Verfahrensmängel ist die angefochtene Verfügung in ihren Dispositiv- ziffern 1 bis 3 aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Wie- deraufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens, zur Behebung der erkann- ten Mängel und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde ist insoweit gutzuheissen. Das Beschwerdedoppel ist dem SEM im Hinblick auf die Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens mittels Ablage in die N-Akten zur Kenntnis zu bringen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung wird damit hinfällig. E-3836/2020 Seite 14 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszu- richten, da es sich vorliegend um die Weiterführung einer im BAZ zugewie- senen unentgeltlichen Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h i.V.m. Art. 102l AsylG i.V.m. Art. 52f AsylV 1 handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k i.V.m. Art. 102l Abs. 2 AsylG entschädigt wer- den. (Dispositiv nächste Seite) E-3836/2020 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Verfügung des SEM vom 29. Juni 2020 wird betreffend die Ziffern 1-3 des Dispositivs aufgehoben. Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen. 2. Die Sache wird im Sinne der Erwägungen (E. 6) zur Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens, zur rechtsgenüglichen Abklärung und Fest- stellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Urs David