Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Januar 2020 (725 19 139 / 04) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen der anerkannten Berufs- krankheit, den psychischen Beschwerden und der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Beat Her sberger, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Elisabeth Maier , Advo- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Advokatur am Bahnhof GmbH, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1979, arbeitete vom 15. August 20 12 bis 15. November 2012 bei der Firma B.____ als Raumpflegerin und war dadurch bei d er Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Mit Schade nmeldung vom 8. November 2012 liess sie der Suva mitteilen, dass sie an einer Berufskrankhe it leide, rückwirkend auf die Anstel- lungszeit vom 1. Juli 2000 bis 31. März 2009 bei der F irma C.____ AG. Es handle sich um eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Allergie an Händen und Füssen. Nachdem die Suva medizini sche Abklärungen getätigt hatte, anerkannte sie eine allergische palmoplantare Dermatose bei einer beruflich erworbenen Sensi- bilisierung gegenüber Nickel als Berufskrankheit und erbrachte die gesetzlichen Versicherungs- leistungen (Schreiben vom 6. Januar 2015). Mit Verfüg ung vom 24. Februar 2016 sprach sie A.____ für die (somatischen) Folgen der Berufskrankheit eine Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 20 % zu. Ein Rentenan spruch wurde verneint. Gleichzeitig stellte sie die Taggeldleistungen rückwirkend per 31. Au gust 2015 mit der Begründung ein, die noch geklagten psychogenen Beschwerden und die Arbeitsun fähigkeit würden in keinem adä- quaten Zusammenhang mit der Berufskrankheit stehen. Nachdem die Versicherte gegen die Ver- fügung Einsprache erhoben hatte, wurde diese von der Suva mit Einspracheentscheid vom 9. November 2016 abgewiesen. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Elisabeth Maier, am 8. Dezember 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (725 16 408). Mit Beschluss vom 1. März 201 7 wurde das Verfahren zufolge Beschwerderückzugs vom Kantonsgericht abgeschrieben, nac hdem die Versicherte unter Hin- weis auf einen zwischen den Parteien geschlossenen ausserge richtlichen Vergleich ihre Be- schwerde vorbehaltlos zurückgezogen hatte. In der Folge liess die Suva A.____ durch die asim Begutachtung, Spital K.____ (asim), interdisziplinär de rmatologisch-psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 10. April 2018 von Dr. med. D.____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, Fallführung, Dr. med. E.____, Fachärztin für Neurologie und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. F.____, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH und Facharzt für Dermatologie FMH). Mit Verfügung vom 10. September 2018 sprach sie der Versicherten ab dem 1. September 2015 eine Invalidenrente basierend a uf einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 23 % zu. Bezüglich der Integritätsentschädigung verwies sie auf die Verfügung vom 24. Februar 2016. Die von der Versicherten dagegen erhobene Einspr ache wurde von der Suva mit Ein- spracheentscheid vom 20. März 2019 teilweise gutgeheissen, indem die angefochtene Verfügung in dem Sinne abgeändert wurde, als der Invaliditätsgr ad neu auf 25 % und der versicherte Jah- resverdienst auf Fr. 39'304.-- festgesetzt wurde. Im Übrigen wurde die Einsprache abgewiesen. B. Dagegen liess A.____, erneut vertreten durch Advokat in Elisabeth Maier, am 6. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht erheben. Sie beantragt unter o/e-Kostenfolge die Aufhe- bung des angefochtenen Einspracheentscheids sowie die Z usprechung der gesetzlichen Leis- tungen. Zudem seien die ausserordentlichen Kosten des Einspracheverfahrens der Beschwerde- gegnerin zu auferlegen. C. Mit Vernehmlassung vom 11. Juli 2019 ersucht die Besc hwerdegegnerin, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, um Abweisung der Beschwerde. D. Nachdem die Angelegenheit dem Gericht mit Verfügun g vom 9. August 2019 zur Beur- teilung überwiesen worden war, liess die Beschwerdeführerin am 11. September 2019 ihre Replik einreichen. Darin hält sie unter Hinweis auf Arztberichte von Dr. med. G.____, Facharzt Derma- tologie FMH, vom 30. August 2019 und von Dr. med. H._ ___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 20. Juni 2019 an ihrer bisherigen Auffassung fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit Duplik vom 12. November 2019 ersucht die Beschwer degegnerin weiterhin um Ab- weisung der Beschwerde. F. Mit Verfügung vom 14. November 2019 wurde die An gelegenheit der Dreierkammer er- neut zur Beurteilung überwiesen. Auf die eingereichten Unterlagen sowie auf die in de n Schriften gemachten Ausführungen der Parteien wird – soweit für die Entscheidfindung notwe ndig – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die örtliche Z uständigkeit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kant ons Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde, die im Übrigen frist- und formgerecht erhoben worden ist, zuständig, weshalb auf die Beschwerde grundsätzlich eingetreten werden kann. 1.2 Soweit die Beschwerdeführerin rügt, die Rückabwicklu ng der seit 2005 von ihr übernom- menen Krankenkassenkosten (Franchise und Selbstbeteiligung) habe noch zu erfolgen, bildet die Prüfung dieses Anspruchs nicht Streitgegenstand des v orliegenden Verfahrens. Er beruht auf dem Rechtsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Krankenversicherer. Auf die- ses Rechtsbegehren ist daher nicht einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist die Höhe der Invalidenrent e umstritten. Nicht mehr streitig sind die Anerkennung einer Berufskrankheit, die Höhe der Integritätsentschädigung sowie die Höhe des versicherten Verdienstes. 3.1 Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten. Zu den geänd erten Normen gehört auch die Bestim- mung von Art. 18 Abs. 1 UVG, welche den Anspruch auf eine Invalidenrente regelt. Laut der Übergangsbestimmung von Art. 118 Abs. 1 UVG werden jedoch Versicherungsleistungen für Er- eignisse, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen zugetragen haben, und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht ge- währt. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 3.2 Art. 6 Abs. 1 UVG sieht vor, dass die Versicherungsleist ungen bei Berufsunfällen, Nicht- berufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt werden. N ach Art. 9 Abs. 1 UVG gelten als Be- rufskrankheiten Krankheiten (Art. 3 ATSG), die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Wird die versicherte Person aufgrund eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt vor aus, dass zwischen dem Unfaller- eignis bzw. der Berufskrankheit und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kaus alzusammenhangs sind alle Um- stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Z eit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis- tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg- gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene g esundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kau- salzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Be- schwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruches nicht (BGE 138 V 218 E. 6). 3.4.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis bzw. der Berufskrankheit und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau- salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursa- che eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnli chen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, eine n Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt er- scheint (BGE 129 V 177 E. 3.2). Die Prüfung, ob ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen der Berufskrankheit und den psychischen Störungen vorliegt, ist eine Rechtsfrage, die der Wer- tung unterliegt. 3.4.2 Bei objektiv ausgewiesenen organischen Gesundheit sschäden deckt sich die adäquate Kausalität weitgehend mit der natürlichen; die Adäqua nz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4.3 Bei mit Berufskrankheiten einhergehenden psychischen Störungen ist die Adäquanz nach der allgemeinen Formel zu beurteilen. Der Vorau ssetzung des adäquaten Kausalzusam- menhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegre nzung zu (BGE 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Bei psychischen Gesundheitsschäden geht diese Beschränkung aber nicht so weit, dass nur psychisch gesunde Personen in den Schutz der sozial en Unfallversicherung kommen. Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; heute Bundesgericht) in BGE 125 V 456 E. 5c bestätigte, muss für die Beurteilung der Frage, ob e in konkretes Unfallereignis als alleinige Ursache oder als Teilursache nach dem gewöhnlichen Lauf d er Dinge und der allgemeinen Le- benserfahrung geeignet ist, zu einer bestimmten psychische n Schädigung zu führen, kein allzu strenger, sondern ein realitätsgerechter Massstab angel egt werden. Ob psychische Störungen mit einer Berufskrankheit in einem adäquaten Kausalzusa mmenhang stehen, hängt demnach davon ab, ob die Berufskrankheit unter Berücksichtigung der weiten Bandbreite von versicherten Personen, für welche die soziale Unfallversicherung Schutz bieten soll, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, zu solchen Störungen zu füh- ren. 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren u nd der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach h aben Verwaltung und Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Festste llung des rechtserheblichen Sachver- haltes zu sorgen. Sie dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. 4.2 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) frei, d.h. ohne Bindung an för mliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unter- lagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten d en Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). 5.1 In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die physische n und psychischen Beschwerden und die dadurch verursachte Arbeitsunfähigkeit in eine m natürlichen und adäquaten Kausalzu- sammenhang zur Berufskrankheit stehen. Die Beschwerdegegnerin veranlasste zur Klärung die- ser Frage eine dermatologisch-psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin durch die asim. Dabei liess sie das Augenmerk bewusst auf die medizini sche Abklärung der natürlichen Kausalität zwischen der anerkannten Berufskrankheit und den aktuell beklagten somatischen und psychischen Beschwerden legen (asim-Gutachten, S. 4). 5.2 Dr. D.____, Dr. E.____ und Dr. F.____ gelangen im Rahmen der Konsensbesprechung vom 14. März 2018 zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin an einer chronischen palmoplant- aren Dermatose leide. Ätiologisch werde von einem Mischbild aus einer Psoriasis palmoplantaris Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und einer Kontaktsensibilisierung auf Nickel ausgegangen . Eine Abgrenzung des durch Kon- taktsensibilisierung auf Nickel verursachten Hautbefundes und der zusätzlich vorliegenden Pso- riasis palmoplantaris sei schwierig. Nach Beendigung sowohl einer mechanischen Hautbelastung als auch nach Etablierung einer nickelarmen Diät ab A nfang des Jahres 2014 sei es zu einer deutlichen Verbesserung des Hautbefundes gekommen. Aktuell liege unter Einhaltung von Schutzmassnahmen, einer nickelarmen Diät, guter Hautpflege, Anwendung von topischen Kalzi- neurin-Inhibitoren sowie Vermeidung von mechanischer Belastung der Hände ein gut kontrollier- ter Hautbefund vor. Aus dermatologischer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit für berufsbeding- ten Hautkontakt mit Nickel und für mechanisch stark belast ende Tätigkeiten. Ebenso könnten Tätigkeiten in nassem, feuchtem oder trockenem Milieu und mit der Notwendigkeit von okklusiven Schutzmassnahmen von Händen und Füssen nicht durchgeführt werden. Tätigkeiten mit der Not- wendigkeit häufiger Händedesinfektion oder Hautkontakt mit toxischen Produkten, Lösungsmit- teln, Seifen oder Reinigungsmitteln seien auch nicht mö glich. Die Explorandin müsse die Mög- lichkeit haben, regelmässig rückfettende Hautpflegemassna hmen durchführen zu können. Aus psychiatrischer Sicht sei eine depressive Episode mit somatischem Syndrom und mittelgradiger Ausprägung und eine generalisierte Angststörung zu diagnostizieren. Zudem könne der Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung geäussert werden, wobei die Schmerzsymptomatik diffe- rentialdiagnostisch im Rahmen der affektiven Störung zu i nterpretieren sei. Dr. E.____ führt im psychiatrischen Teil des Gutachtens aus, dass mit depressiver Verstimmung, Freudeverlust und Antriebsstörung drei Hauptkriterien einer depressiven Episode vorliegen würden. Mit Verlust von Selbstwertgefühl, Schuldgefühlen, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen mit Hypersom- nie würden vier weitere Kriterien vorliegen, sodass sich insgesamt sieben Symptome finden lies- sen. Somit erreiche die depressive Symptomatik einen mittleren Ausprägungsgrad. Mit dem Vor- liegen von Freude- und Libidoverlust, mangelnder Fähigkeit, emotional zu reagieren und Morgen- tief fänden sich vier Symptome eines somatischen Syndroms, die diese zusätzliche Diagnose sicher machen würden. Mit einer seit Jahren bestehenden Anspannung, Besorgnis und Befürch- tungen in Bezug auf alltägliche Ereignisse, vegetativen Begleitsymptomen und rezidivierenden Panikattacken bei alltäglichen Triggersituationen seien die Kriterien einer generalisierten Angst- störung nach ICD-10 erfüllt. Da die beschriebenen Pan ikattacken in der Regel durch alltägliche Ereignisse ausgelöst würden, werde die Panikstörung als solche nach ICD-10 nicht kodiert. Die Explorandin schlafe bis 12.5 Stunden pro Nacht und tagsü ber zusätzlich zwei bis drei Stunden. Es sei nicht auszuschliessen, dass diese Hypersomnie auf die Depression zurückzuführen sei. Empfohlen werde eine Abklärung in einem Schlaflabor. In Bezug auf die Konsistenz und die Plausibilität des Beschwerdebilds hält Dr. E.____ fest, dass zwischen den Beschwerdeschilderungen und dem Verhalten d er Explorandin in der Untersu- chungssituation keine Diskrepanzen bestünden. Die subjektiv g eschilderte Intensität der Be- schwerden stehe nicht in einem Missverhältnis zur Schilderun g der einzelnen Symptome. Das Ausmass der subjektiven Beeinträchtigung stehe in Übereinstimmung mit dem Funktionsniveau der Explorandin bei der Alltagsbewältigung. Das Vorbr ingen der Klagen wirke nicht appellativ, demonstrativ oder theatralisch. In der Gegenübertragung ssituation entstehe keine Empfindung des Unechten oder Falschen. Es bestehe eine therapeuti sche Compliance. Hinweise für eine Aggravation oder Simulation würden nicht vorliegen. In Bezug auf die Ressourcen hält Dr. E.____ fest, dass die berufliche Tätigkeit für die Explorandin eine wichtige selbstwertstabilisierende Rolle Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gespielt habe. Daher sei die Bereitschaft arbeiten zu gehen als eine wichtige Ressource zu sehen und sollte perspektivisch genutzt werden. Aktuell werde die psychiatrische Erkrankung unter an- derem auch durch die aufgrund der anerkannten Berufskrankheit notwendigen nickelarmen Diät aufrechterhalten. Von therapeutischen Massnahmen könne eine Besserung der Depression und der Angststörung erwartet werden. Aufgrund des psychiat rischen Krankheitsbilds bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 60 %, die Explorandin könne im ersten Arbeitsmarkt in einem Pensum von 40 % (bei einer 50 %-igen Präsenzzeit) arbeiten. Es b estünden darüber hinaus qualitative Ein- schränkungen insofern, als es sich um Tätigkeiten ohne Zeitdruck und ohne Schichtdienst sowie aufgrund der Schlafstörung um Tätigkeiten mit Beginn nach 10 Uhr morgens handeln müsse. 5.3 Bei der Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen stützen sich beide Parteien auf das asim-Gutachten vom 10. April 2018, dessen Beweiswert nic ht in Zweifel gezogen wird. Diese Auffassung verdient Zustimmung, denn die Expertise ber uht auf einem umfassenden Aktenstu- dium, setzt sich mit den bisherigen fachärztlichen Berichten auseinander, erfolgt gestützt auf aus- führliche und umfangreiche klinische Untersuchungen und Befragungen der Beschwerdeführerin durch Dr. D.____, Dr. E.____ und Dr. F.____. Sie berücksichtigt auch alle von der Beschwerde- führerin geklagten Beschwerden und ist in ihren Schluss folgerungen uneingeschränkt nachvoll- ziehbar und überzeugend. Widersprüchlichkeiten oder Unkl arheiten sind keine auszumachen. Konkrete Indizien, wie zum Beispiel anderslautende fachä rztliche Beurteilungen, die gegen den Beweiswert sprechen würden, liegen ebenfalls nicht vor . Die Beurteilung von Dr. D.____, Dr. E._____ und Dr. F.____ erfüllt damit alle praxisgemässen Voraussetzungen (vgl. dazu BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) und bilde t eine beweistaugliche Grundlage für die Beurteilung der streitigen Belange, weshalb vollumfänglich darauf abzustellen ist. 6.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführeri n unbestrittenermassen an einer Berufskrankheit nach Art. 9 UVG leidet. Weiter sind der natürliche und der adäquate Kausalzu- sammenhang zwischen der Berufskrankheit, den persistierenden somatischen Beschwerden und der dadurch verursachten Restarbeitsfähigkeit zwischen den Parteien unbestritten geblieben. Die Berufskrankheit führt dazu, dass der Beschwerdeführerin aus dermatologischer Sicht ohne zeit- liche oder leistungsmässige Limitationen eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zuzumuten ist. Die Anpassungen an das Leistungsprofil sind folgende: kein berufsbedingter Hautkontakt mit Nickel, keine die Hände mechanisch belastende Tätigkeit sowie ke ine Arbeit, die ein nasses, feuchtes oder trockenes Milieu oder okklusive Schutzmassnahmen von Hä nden und Füssen beinhaltet. Zudem muss die Möglichkeit bestehen, dass die Beschwerde führerin alle ein bis zwei Stunden für fünf Minuten eine Hautpflege mit rückfettenden M assnahmen vornehmen kann. Weiter sind keine Arbeiten mehr möglich mit häufiger Händedesinfektion oder mit Hautkontakt mit toxischen Produkten, Lösungsmitteln, Seifen und Reinigungsmitteln (asim-Gutachten, S. 15). 6.2.1 Zu klären ist, ob die psychischen Beschwerden natürl ich kausal auf die Berufskrankheit zurückzuführen sind. Der angefochtene Entscheid lässt diese Frage offen, da die Beschwerde- gegnerin den adäquaten Kausalzusammenhang verneint. D ie Beschwerdeführerin bejaht ge- stützt auf das asim-Gutachten den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen Berufskrankheit und psychischen Beschwerden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.2 Dr. D.____, Dr. E.____ und Dr. F.____ bejahen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit den natürlichen Kausalzusammenhang – zumindest im Sinne einer Teilursache – zwischen der Berufskrankheit und der mittelgradigen depressiven Episod e mit somatischem Syndrom, der Angststörung und der Hypersomnie (asim-Gutachten, S. 13, Frage 1). Ärztliche Berichte, die die Bejahung dieser Teilkausalität begründet in Frage ste llen würden, liegen nicht bei den Akten. Soweit Dr. med. I.____, Facharzt für Psychiatrie und Psyc hotherapie FMH, Abteilung Versiche- rungsmedizin der Beschwerdegegnerin, in seiner Stellung nahme vom 9. April 2015 die Auffas- sung vertritt, dass die Berufskrankheit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen Einfluss auf die affektive Störung gehabt habe und diesbezüglich ein e Teilkausalität bestanden habe, diese aber mit Abklingen der Hautaffektionen Anfang 2014 und nach Beendigung der dermatologischen Behandlung im Verlauf desselben Jahres erloschen sei, vermag diese interne Aktenbeurteilung das Ergebnis des verwaltungsexternen asim-Gutachtens nicht in Zweifel zu ziehen. 6.2.3 Damit ist erstellt, dass die psychischen Beschwerden u nd die dadurch verursachte Ar- beitsunfähigkeit natürlich kausale Folgen der chronifizierten Berufskrankheit sind. 7.1 Zu prüfen bleibt der adäquate Kausalzusammenhang zwischen der Berufskrankheit, den psychischen Beschwerden und der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit. 7.2 Die Beschwerdegegnerin lehnt einen solchen ab. Im angefochtenen Entscheid erwog sie, dass die Beschwerden aufgrund der teilweise berufskr ankheitsbedingten Hauterkrankung nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhn lichen Lauf der Dinge grundsätzlich nicht geeignet seien, eine psychische Störung in Form des diagnostizierten Zustandsbilds zu be- wirken, zumal keine organisch nachweisbare Verschlechterung des Gesundheitszustands aus- gewiesen sei. Das Einhalten der nickelarmen Diät und v on Schutzmassnahmen erweise sich zwar als einschränkend. Es sei aber nach Beendigung sowohl der mechanischen Hautbelastung als auch nach Etablierung einer nickelarmen Diät und u nter Einhaltung der Schutz- massnahmen ab Anfang des Jahres 2014 zu einer bis aktuell anhaltenden deutlichen Verbesse- rung des Hautbefundes gekommen. Bei der Versicherten seie n auch berufskrankheits- und krankheitsfremde Belastungsfaktoren vorhanden. Die Ber ufskrankheit sei auch nicht von einer derartigen Schwere, dass gar keine berufliche Tätigkeit mehr möglich sei. Vielmehr würden die Gutachter zum Schluss kommen, dass die Versicherte in der Lage sei, eine angepasste Tätigkeit in vollem Pensum auszuüben. Damit könnten die geklagten psychischen Beschwerden nicht als adäquate Schädigung im Zusammenhang mit der anerkannt en Berufskrankheit qualifiziert wer- den. Eine Leistungspflicht der Unfallversicherung besteh e diesbezüglich nicht. Die psychischen Beschwerden seien deshalb bei der Beurteilung der Invalidenrente nicht zu berücksichtigen. 7.3.1 Das EVG hielt im Urteil vom 25. Juni 2004, U 22 5/03, in Erwägung 6.2 fest, dass es sich bei einer psychischen Störung als Folge eines Handekzems (vorliegend tritt das Ekzem auch an den Füssen auf) zwar nicht um eine typische Folge handle, je nach Konstellation könne sie aber eine untypische Folge davon sein. Dies bedeutet, dass die Adäquanz einer psychischen Störung in Folge einer dermatologischen Erkrankung wie die des Ekzems nicht per se aufgrund einer mangelnden Schwere der Berufskrankheit verneint werden kann. Stattdessen hat jeweils eine Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gesamtwürdigung aller Umstände des konkreten Einzelfalles zu erfolgen. Gemäss höchstrichter- licher Auffassung ist dabei kein allzu strenger, sondern ein realitätsgerechter Massstab anzuwen- den und es ist zudem auf eine weite Bandbreite von versicherten Personen abzustellen (vgl. Er- wägung 3.4.3 hiervor). 7.3.2 Sämtliche behandelnden psychiatrischen Fachärztinn en und -ärzte wie auch die Gut- achterin Dr. E.____ gelangen zum Schluss, dass die psychischen Probleme der Beschwerdefüh- rerin in einem direkten Zusammenhang mit der Berufskrankheit stehen. Andere Ursachen für die psychische Erkrankung sind nicht bekannt. Hinweise für vorbestehende psychische Krankheiten gibt es ebenfalls nicht. Die Beschwerdeführerin befind et sich in einer intakten Familienstruktur und wird von ihrem Ehemann unterstützt. In Bezug auf die Schwere der Berufskrankheit lässt sich d en Akten entnehmen, dass die Haut- beschwerden auch nach Sistierung der Arbeit bei der Fi rma C.____ AG im April 2009 bestehen blieben. Nach der Wiederaufnahme der beruflichen Tä tigkeit im Februar 2011 kam es zu einer akuten Exazerbation mit stark schmerzhaften Rhagaden (Hauteinrissen) und Erythemen (Hautrö- tungen) sowie Pusteln und Schuppung an den Händen beidseits. Begleitend erlitt die Beschwer- deführerin auch eine Ausdehnung von juckenden Ausschlägen im Bereich des Gesichts und des Halses (Gutachten von Prof. Dr. med. J.____, Leitender Arzt der Dermatologie des Spitals K.____, vom 9. Mai 2014). Aufgrund der Beschwerden an den Füssen konnte sie nicht mehr ohne Schmerzen laufen. Die Beschwerdeführerin litt bis zu de n positiven Erfolgen durch die strikte Einhaltung der nickelarmen Diät und der gleichzeitigen Aufgabe der beruflichen Tätigkeit in der Raumpflege (mechanische Reizung) über sieben Jahre an zum Teil heftigen Schmerzen an Hän- den und Füssen. Alle dermatologischen Therapien blieben zunächst erfolglos. Im November 2012 wurde ein stationärer Aufenthalt auf der Dermatologi e des Spitals K.____ notwendig. Weiter wurde die Beschwerdeführerin im Februar 2013 tonsillektomiert. Es wurden während Jahren me- dikamentöse Therapieversuche mit potenten Lokalsteroiden , PUVA, Dapson, Neotigason, Toc- tino, Methotrexat, Humira durchgeführt, alle ohne durchschlagenden Erfolg und mit teilweise hef- tigen Nebenwirkungen (Berichte von Dr. med. L.____, Leitender Arzt der Abteilung Dermatologie des Spitals K.____, vom 14. Oktober 2013, und von Dr. G.____ vom 22. April 2014). Dadurch entstand bei der Beschwerdeführerin das Gefühl, von den Ärzten nicht ernst genommen zu wer- den. Weiter ist in Bezug auf die Schwere der Berufskran kheit zu berücksichtigen, dass gemäss Dr. G.____ eine systemische Kontaktdermatitis vorliegt. Dabei handelt es sich um ein allergisches Ekzem, das nicht nur – wie gewöhnlich – durch einen direkt en Hautkontakt, sondern auch durch ein systemisches Allergen induziert wird. Das Allergen k ann z.B. oral (Nahrungsmittel, Medika- mente, Wasser) oder inhalativ (Rauch) aufgenommen werd en (Bericht von Dr. G.____ vom 22. April 2014). Die Berufskrankheit ist ausserdem von einer gewissen Schwere, da Nickel ubiquitär vorkommt und bereits geringe Diätfehler zu einer Verschl immerung des Hautbildes führen. Die Beschwerdeführerin weist in diesem Zusammenhang zu Recht darauf hin, dass die Beschwerde- gegnerin nur von einer Nichteignungsverfügung absah, da diese einem Berufsverbot gleichkom- men würde. Damit ist der Berufskrankheit eine gewisse Schwere nicht abzusprechen. Das Argu- ment der Beschwerdegegnerin, wonach die Berufskrankhei t nicht von derartiger Schwere sei, weil eine Arbeitstätigkeit aus medizinischer Sicht noch möglich sei, ist vorliegend nicht von aus- schlaggebender Bedeutung. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gestützt auf die Ausführungen von Dr. E.____ (Psychiatrisches Teilgutachten, S. 15) steht weiter fest, dass die Aufnahme der neuen Tätigkeit in der Raumpflege Ende 2011 für die Beschwerde- führerin nach der jahrelangen belastenden Behandlung der Hauterkrankung mit einem zeitweise ungünstigen Verlauf einen Neubeginn bedeutete. Dieser Neubeginn hatte für die Beschwerde- führerin, für die das Berufsleben eine zentrale Rolle in der Selbstwertregulation spielt, eine hohe subjektive Bedeutung. Der Verlust der neuen Arbeitsstelle durch das Wiederaufflammen der der- matologischen Erkrankung, die Entwicklung einer Hauterkrankung bei der 4-jährigen Tochter so- wie die Belastung der Tochter durch die Erkrankung der Beschwerdeführerin (Gespräch mit der Kindergärtnerin) konnten von der Beschwerdeführerin in der Folge aber nicht mehr adäquat ver- arbeitet werden. Der Lebensentwurf scheiterte erneut und es kam zum Ausbruch der depressiven Störung und der Angsterkrankung. Die Ressourcen reichten zur Bewältigung dieser Situation reichten nicht mehr aus. Hier spielten gemäss Einschätzun g von Dr. E.____ sowohl die jahre- lange Vorbelastung durch die Hauterkrankung und die Th erapiemassnahmen als auch die Per- sönlichkeitsmerkmale eine grosse Rolle. Die hohe psychische B elastung wird sodann durch die Notwendigkeit der nickelarmen Diät weitergeführt. Die ständige Anspannung und Angst vor einem erneuten Ausbruch der Hauterkrankung bei einem möglichen Diätfehler stellen einen aufrechter- haltenden Faktor in Bezug auf die aktuelle psychiatrische Pathologie dar. Darüber hinaus entwi- ckelten sich auch Schuldgefühle gegenüber der Familie ("Das letzte Geld der Familie verbrauche sie, sie fühle sich schuldig für alles, was der Familie fehle"). Auch der Umstand, dass die Berufs- krankheit zweimal dazu führte, dass sie ihre Arbeitsstelle aufgeben musste, gilt es zu berücksich- tigen. Bei der Haushaltarbeit ist sie zudem stark von i hrem Ehemann abhängig, da sie keine mechanischen Tätigkeiten mehr durchführen kann. Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass bei der Beschwerdeführerin auch berufskrankheits- und krankheitsfremde Belastungsfaktoren vorliegen würden. Um welche es sich dabei genau handelt, lässt die Beschwerdegegnerin offen. Sie verweist pauschal auf das asim-Gutachten, ohne diese Faktoren zu benennen. Dem asim-Gutachten (S. 2) ist zu entnehmen, dass neben dem Verlust der Arbeitstätigkeit und den jahrelangen belastenden Behandlungen der Hauterkrankungen mit einem zeitweise ungünstigen Verlauf weitere Belastungen bestanden hätten in Form der Entwick- lung einer Hauterkrankung bei der vierjährigen Tochter und der Belastung der Tochter durch die Erkrankung der Beschwerdeführerin. Weitere Faktoren sind dem Gutachten nicht zu entnehmen. Nun handelt es sich bei diesen beiden Belastungsfaktoren um solche, die eng mit der Berufs- krankheit selbst verbunden sind. Die Beschwerdeführerin war während der Schwangerschaft mit der Tochter dem Nickel ausgesetzt, weshalb es nachvollzieh bar ist, dass dieser Umstand die affektive Störung mitauslöste. Diesem Argument ist daher nicht zu folgen. Soweit die Beschwerdegegnerin ausführt, dass keine organisch nachweisbare Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen sei, ist nicht klar, was damit gemeint ist. Es scheint, als wäre dieser Passus dem Urteil des Bundesgerichts vom 26 . Januar 2009, 8C_801/2008, E. 5.2 entnommen worden, ohne dass der vorliegende Sachverha lt mit jenem vergleichbar wäre, bei welchem die versicherte Person eine Angst vor jeglichen w ahrnehmbaren Gerüchen entwickelt hatte, ohne dabei auf alle Stoffe – im Sinne einer Verschlechterung des somatischen Gesund- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitszustands – allergisch zu reagieren. Die Beschwerdefüh rerin dagegen ist gegen Nickel aller- gisch, der ubiquitär vorkommt. Bereits geringe Abweichungen in der Diät führen dazu, dass sich der körperliche Zustand der Beschwerdeführerin erneut verschlechtert. Es handelt sich somit, wie die Beschwerdeführerin zu Recht ausführt, um eine real e und nicht um eine irreale Gefahr. Die beiden Sachverhalte lassen sich deshalb nicht vergleichen. Eine Verschlechterung des somati- schen Gesundheitszustands ist bei der vorliegend vorzunehmenden Wertung nicht entscheidend zur Bejahung der Adäquanz. 7.3.3 In Anbetracht der gesamten durch die Berufskrankhe it geprägten Umstände ist es nach- vollziehbar, dass diese bei der Beschwerdeführerin zu den nun vorhandenen psychischen Krank- heiten in Form einer mindestens mittelgradigen depressiven Episode, der Angststörung und der Hypersomnie führten. Der Berufskrankheit kommt in Anbetracht der vorliegenden Umstände eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zu. Die- ser Sachverhalt präsentiert sich vergleichbar mit demjenig en der versicherten Person im Urteil des EVG vom 25. Juni 2004, U 225/03, worauf die Beschwer deführerin zu Recht hinweist. Die Beschwerdegegnerin verneint den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der Berufskrank- heit der Beschwerdeführerin und ihrer psychischen Erkrankung zu Unrecht. 7.4 Damit kommen zu den bereits dargelegten qualita tiven und quantitativen Einschränkun- gen der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht (vgl. da zu Erwägung 6.1 hiervor) die Auswirkun- gen der psychischen Erkrankungen hinzu. Diesbezüglich ist de r Beschwerdeführerin lediglich eine Tätigkeit in einem 40 %-Pensum mit einer 50 %-i gen Präsenz zuzumuten. Zudem besteht im Sinne von qualitativen Einschränkungen die Bedingung, dass es sich um eine Tätigkeit ohne Zeitdruck und ohne Schichtdienst handelt, mit Beginn nach 10 Uhr morgens aufgrund der erhöh- ten Schläfrigkeit mit Schlaftrunkenheit. Zu prüfen sind die erwerblichen Auswirkungen dieser ärzt- lich attestierten qualitativen und quantitativen Einschr änkungen aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit. 8.1 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt , dass die Resterwerbsfähigkeit bereits aufgrund der somatischen Einschränkungen nicht mehr verwertbar sei und Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestehe. Weder im Gutachten noch im angefochtenen Entscheid wür- den konkrete Beispiele genannt, welche den Anforderung en an die Arbeitstätigkeit aus somati- scher Sicht entsprechen würden. Es werde bestritten, dass der von der Beschwerdegegnerin ermittelte Invaliditätsgrad von 25 % basierend auf den somatisch-dermatologischen Einschrän- kungen (mindestens teilverursacht durch die Berufskrankheit) die tatsächliche somatische Situa- tion korrekt abbilde. In diesem Zusammenhang sei weite r zu beachten, dass Dr. med. M.____, Fachärztin für Allgemeine Medizin FMH, Abteilung Arbeitsmedizin der Beschwerdegegnerin, am 21. Juni 2018 ausgeführt habe, dass es nicht sinnvoll sei , eine Nichteignungsverfügung auszu- sprechen, weil es einem generellen Arbeitsverbot gleichko mme, da Nickel ubiquitär vorkomme. Bereits im Jahr 2015 habe Dr. M.____ einen Antrag auf Erlass einer Personenverfügung gestellt. Im Antrag habe sie selbst ausgeführt, dass bei einer weiteren beruflichen Exposition gegenüber Nickel eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung bestehe im Sinne von wiederholten schweren Exazerbationen und einer Chronifizierung, weshalb sie den Erlass einer Nichteignungsverfügung für Tätigkeiten mit Exposition gegenüber Nickel stelle. In der Folge sei es nicht zum Erlass einer Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht derartigen Verfügung gekommen. Unter Beachtung der A usführungen von Dr. F.____ und von Dr. M.____ sowie des Umstands, dass bereits im Jahr 2015 e in Antrag auf Erlass einer Perso- nenverfügung gestellt worden sei, sei die zumutbare T ätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich, dass sie der Arbeitsmarkt praktisch nicht kenne od er sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers mö glich wäre, weshalb das Finden ei- ner derartigen Stelle ausgeschlossen erscheine. 8.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt in der Vernehmla ssung die Auffassung, dass keine An- haltspunkte ersichtlich seien, weshalb die Beschwerdefüh rerin unter Beachtung der Einschrän- kungen gemäss Zumutbarkeitsprofil ihre 100 %-ige Arbeitsfähigkeit nicht verwerten könne. Dass allenfalls technische, organisatorische oder personenbezog ene Massnahmen am Arbeitsplatz getroffen werden müssten, damit ein allfälliger Nickelko ntakt im beruflichen Umfeld verhindert werden könne, bedeute nicht, dass die Verwertbarkeit au fgehoben wäre. Auch die Tatsache, dass Nickel ubiquitär vorkomme, schränke die Verwertbarke it der Arbeitsfähigkeit nicht ein. Die Beschwerdeführerin komme mit den erforderlichen Massnahm en im Alltag zurecht. Der Nickel- kontakt könne z.B. mit dem Tragen von nicht okklusiven Handschuhen vermieden werden. Auch aus der Tatsache, dass Dr. M.____ im Jahr 2015 eine N ichteignungsverfügung erwogen habe, könne die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ablei ten. Der Nickelkontakt könne mit geeigneten Massnahmen verhindert werden. 8.3 Im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei der Bestim mung des trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einkommens darf nicht von realitätsfremden Ein- satzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kan n dort nicht von einer Arbeitsge- le- genheit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realis- tischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vorneherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 2.1; ZA K 1991 S. 318 E. 3b). Der ausgegli- chene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) hält von seiner Struktur her einen Fächer verschie- denartiger Stellen offen, und zwar sowohl bezüglich der dafür verla ngten beruflichen und intel- lektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der versicherten Person auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offenstehenden Möglichkei- ten der Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (Urteil der EVG vom 21. August 2006, I 831/05, E. 4.1.1 mit Hin- weisen). 8.4.1 Das von den asim-Gutachtern festgelegte Tätigkei tsprofil zeigt sich wie folgt: In quanti- tativer Hinsicht ist eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeit smarkt in einem 40 % Pensum (bei einer 50 %-igen Präsenz) möglich. Es muss sich um eine Tätigkeit ohne Zeitdruck, ohne Schichtarbeit Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht und – aufgrund der erhöhten Schläfrigkeit mit Schlaft runkenheit – mit Beginn nach 10 Uhr mor- gens handeln. Zudem muss die Möglichkeit bestehen, dass d ie Beschwerdeführerin alle ein bis zwei Stunden für fünf Minuten eine Hautpflege mit rückfettenden Massnahmen vornehmen kann. In qualitativer Hinsicht ausgeschlossen ist ein berufsbedi ngter Hautkontakt mit Nickel, eine die Hände mechanisch belastende Tätigkeit, eine Arbeit, d ie ein nasses, feuchtes oder trockenes Milieu oder okklusive Schutzmassnahmen von Händen und Füssen mit sich bringt, eine Arbeit mit häufiger Händedesinfektion oder mit Hautkontakt mi t toxischen Produkten, Lösungsmitteln, Seifen und Reinigungsmitteln. 8.4.2 In Anbetracht des 40 %-igen Pensums bei einer Pr äsenz von 50 % finden die Massnah- men für die Hautpflege genügend Raum. Eine zusätzliche zeitliche Einschränkung ist daher nicht notwendig. Die Beschwerdeführerin könnte somit am Nachmittag eine Halbtagesarbeit ausüben. Denkbar sind Tätigkeiten in der Be- bzw. Überwachung vo n Objekten, zum Beispiel bei der X.____ oder auch in der industriellen optischen Kontrolle. Ebenfalls sind einfache Bürotätigkeiten denkbar. Gerade in diesen Sektoren erscheint auch ein Teilzeitpensum möglich. Die Einschrän- kungen, die die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Erkra nkung erleidet, reduzieren zwar ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, lassen aber eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit im Rahmen einer Selbsteingliederung nicht völlig unrealistisch erscheinen; selbst unter der Berück- sichtigung, dass das Tragen von Baumwollhandschuhen keine taugliche Schutzmassnahme bil- det (Beurteilung von Dr. G.____ vom 30. August 2019). Damit kann nicht von einem erheblichen, fehlenden Zugang zum Arbeitsmarkt im Sinne des Art. 16 ATSG gesprochen werden. 9.1 Zu prüfen bleibt die Höhe des Rentenanspruchs de r Beschwerdeführerin. Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades da s Erwerbseinkommen, das die versi- cherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid ge worden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypotheti- schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermitte lt und einander gegenüberge- stellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 29 E. 1). 9.2 Die Beschwerdegegnerin schloss den Fall per Ende Aug ust 2015 ab. Soweit die Be- schwerdeführerin vorbringt, dass eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf diesen Zeit- punkt nicht möglich gewesen sei, kann ihr nicht gefolgt werden. Wie bereits in Erwägung 8.4.2 hiervor dargelegt, ist ihr eine Selbsteingliederung au f dem ersten Arbeitsmarkt zumutbar. Ein engmaschig betreuter Arbeitsversuch erscheint nicht notw endig, damit die Restarbeitsfähigkeit überhaupt umgesetzt werden kann. Der Zeitpunkt der Rentenprüfung ist daher von der Beschwer- degegnerin korrekt per 1. September 2015 festgesetzt worden. Die Ermittlung der Vergleichsein- kommen erfolgt auf diesen Zeitpunkt hin. Es ist davon auszugehen, dass in diesem Zeitpunkt ein Gesundheitszustand vorlag, der es der Beschwerdeführerin erlaubt hätte, eine leidensange- passte Tätigkeit im Umfang von 40 % auszuüben. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Per- son im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1). Ausnahmen von diesem Erfahrungssatz müs- sen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V 58 E. 3.1; vgl. auch BGE 135 V 297 E. 5.1). 9.3.2 Die Beschwerdegegnerin ermittelte einen mutmassl ichen Lohn in der Höhe von Fr. 53'950.-- (13 x Fr. 4'150.--). Die Beschwerdeführerin bestreitet diese Berechnung, da es sich um Lohndaten eines innerhalb der Probezeit aus den b ekannten Gründen gekündeten Arbeits- verhältnisses handle, das sich nicht als Referenz eigne. Stattdessen sei das Valideneinkommen gestützt auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) für das Jahr 2014, Tabelle TA1, Total, zu berechnen. 9.3.3 Soweit die Beschwerdegegnerin darlegt, dass die H öhe des Valideneinkommens bereits rechtskräftig entschieden worden sei, kann ihr nicht gefol gt werden. Das Valideneinkommen ist Teil bzw. eine der Voraussetzungen des vorliegend stritti gen Rentenanspruchs. Deshalb kann die Berechnungsmethode, selbst wenn sie in der Einsprache nicht thematisiert wurde, im gericht- lichen Beschwerdeverfahren bestritten werden. Die Verfügung ist diesbezüglich nicht rechtskräf- tig geworden. Einzig diejenigen Ansprüche, die im Einspracheverfahren von der versicherten Per- son nicht mehr bestritten worden sind, werden in dem Sinne rechtskräftig. 9.3.4 Vorliegend arbeitete die Beschwerdeführerin bi s ins Jahr 2012 bei der Firma B.____ als Raumpflegerin. Danach verlor sie ihre Arbeitsstelle auf grund der starken Exazerbation der Be- rufskrankheit. Die Kündigung erfolgte zwar innerhalb der Probezeit. Dieser Umstand ändert aber nichts an der Höhe des vereinbarten Lohnes. Aus den Akte n geht zudem hervor, dass die Be- schwerdeführerin bereits früher im Reinigungsdienst gearbeitet hatte. Es ist somit davon auszu- gehen, dass sie diese Tätigkeit bei der genannten Arbeitgeberin weiterhin ausüben würde, wenn sie nicht krank geworden wäre. Das Valideneinkommen ist deshalb von der Beschwerdegegnerin korrekterweise auf der Basis des Lohnes ermittelt worden, den die Beschwerdeführerin zuletzt bei der Firma B.____ erzielte (Fr. 53'950.--, vgl. Mitteilung vom 8. August 2018). 9.4.1 Die Höhe des Invalideneinkommens blieb zwischen den Parteien unumstritten. Die Be- schwerdegegnerin berechnete im Einspracheentscheid gestützt auf die LSE Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen, umgerechnet auf die betri ebsübliche wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2015 von 41.7 Stunden und angepasst an die Nominallohnentwicklung im Jahr 2015 von 0.4 % ein Einkommen von Fr. 54'008.--. Davon nahm sie einen leidensbedingten Abzug in der maxi- malen Höhe von 25 % vor und ermittelte ein Invalideneinkommen im Betrag von Fr. 40'506.--. 9.4.2 Praxisgemäss kann von dem anhand der LSE Tabellenl öhne ermittelten Invalidenein- kommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedingter Abzug vorgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltska- tegorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Aus- prägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem aus- geglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht a utomatisch erfolgen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfun g kann es nicht darum gehen, dass das Gericht sein Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Verwaltung nach dem i hr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässi- gerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz einge- griffen werden, muss sich das Gericht demnach auf Gegebenh eiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näherliegend erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 9.4.3 Die Beschwerdegegnerin begründet nicht, weshalb sie einen maximalen leidensbeding- ten Abzug vorgenommen hat. Im Rahmen der Rechtsanwendu ng von Amtes wegen durch das Kantonsgericht zeigt sich, dass in Bezug auf die Höhe des leidensbedingten Abzugs eine andere Einschätzung vorgenommen werden muss, da sich das Ausmass der Restarbeitsfähigkeit sowohl in quantitativer und qualitativer Hinsicht aufgrund der Bejahung der Adäquanz zwischen Berufs- krankheit und psychischen Folgen anders präsentiert. Der m aximale Abzug von 25 % erscheint nun als zu hoch. In Anbetracht des Umstands, dass die so matisch bedingte zeitliche Einbusse, die aufgrund der Hautpflegemassnahmen (alle ein bis zwe i Stunden fünf Minuten) entsteht, im aus psychischen Gründen reduzierten Pensum aufgeht, erwe ist sich eine Herabsetzung um 10 % als angemessen. Diese Reduktion entspricht bei einem 1 00 % Pensum täglich 40 Minuten bzw. ca. 11 %, die nun wegfallen bzw. nicht mehr lohnwirksam sind. Damit sind die gesundheitli- chen Beeinträchtigungen des zumutbaren Leistungsprofils genügend berücksichtigt. Da die wei- teren Merkmale Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäf- tigungsgrad im vorliegenden Fall keine massgebende Au swirkung auf die Lohnhöhe haben, ist ein Abzug von insgesamt 15 % angemessen. Es ist daher von einem Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 18'362.-- auszugehen. 9.5 Aus der Gegenüberstellung der beiden Vergleichsein kommen (Valideneinkommen von Fr. 53'950.-- und Invalideneinkommen von Fr. 18'362.--) resultiert eine erwerbliche Einbusse von 66 %. Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerdeführer in ab dem 1. September 2015 An- spruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 66 % hat. 10.1 Die Beschwerdeführerin beantragt zudem die Zusprech ung einer Parteientschädigung für das Einspracheverfahren. Die Beschwerdegegnerin vertritt gestützt auf Art. 52 Abs. 3 ATSG die Auffassung, dass sie der Beschwerdeführerin unabhäng ig von Ausgang des Verfahrens grundsätzlich keine Parteientschädigung schulde. 10.2 Art. 52 Abs. 3 Satz 1 ATSG hält fest, dass das Ei nspracheverfahren vor dem Versiche- rungsträger kostenlos ist. Parteientschädigungen werden laut Satz 2 der genannten Bestimmung Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Regel nicht ausgerichtet. Es stellt sich deshalb die Frage, unter welchen Voraussetzungen von diesem Grundsatz abgewichen werden kann, und ob im vorliegenden Fall ein derartiger Aus- nahmetatbestand gegeben ist. Im Entscheid 130 V 570 ff . zeigte das EVG anhand der Entste- hungsgeschichte dieser Bestimmung auf, dass der Gesetzge ber die ausnahmsweise Zuspre- chung einer Parteientschädigung im Einspracheverfahren unter einer Bedingung als zulässig und geboten erachtete: Der Einsprecher, der nicht über di e erforderlichen Mittel verfügt, um die An- waltskosten selbst zu tragen, und der im Falle des Unter liegens die unentgeltliche Verbeistän- dung (Art. 37 Abs. 4 ATSG) hätte beanspruchen können, soll bei Obsiegen vom unterliegenden Versicherungsträger entschädigt werden (BGE 130 V 572 f. E. 2.2 mit Hinweisen). Die Frage, ob Art. 52 Abs. 3 ATSG die Zusprechung einer Parteientschädigung auch bei Vorliegen besonderer Umstände, etwa besonderer Aufwendungen oder Schwierig keiten, unabhängig der Bewilligung der unentgeltlichen Vertretung, zulässt, wurde vom Bun desgericht lange Zeit offengelassen. In seinem jüngsten Urteil zu dieser Thematik verneinte da s Bundesgericht diese Frage in Bestäti- gung seiner bisherigen Rechtsprechung (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 28. Mai 2018, 9C_877/2017, E. 8.2). Es führte aus, dass sich aus der En tstehungsgeschichte dieser Bestim- mung ein klarer Wortsinn ergebe. Danach habe der Gesetzg eber die ausnahmsweise Zuspre- chung einer Parteientschädigung im Einspracheverfahren lediglich unter einer Bedingung als zu- lässig und geboten erachtet: Der Einsprecher, der nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, um die Anwaltskosten selbst zu tragen, und der im Falle des Unterliegens die unentgeltliche Verbei- ständung (Art. 37 Abs. 4 ATSG) hätte beanspruchen können, soll bei Obsiegen vom unterliegen- den Versicherungsträger entschädigt werden (BGE 130 V 5 70 E. 2.2). Diese gesetzgeberische Entscheidung sei für das Bundesgericht und die anderen rechtsanwendenden Behörden mass- gebend. 10.3 Nachdem die Beschwerdeführerin im Einspracheverfa hren nicht um Bewilligung der un- entgeltlichen Verbeiständung ersuchte, und diese vorlie gend ebenfalls nicht geltend macht, sie sei damals prozessual bedürftig gewesen, verletzt der ang efochtene Einspracheentscheid die Bestimmung von Art. 52 Abs. 3 ATSG nicht, wenn er der Beschwerdeführerin keine Parteient- schädigung für das Einspracheverfahren zuspricht. In diesem Punkt ist die Beschwerde abzuwei- sen. 11. Zusammenfassend ergibt sich aus dem Gesagten, dass die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutgeheissen wird, als der Einspracheentscheid vom 20. März 2019 aufgehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. September 2015 Anspruch auf eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 66 % hat. Im Übrigen ist die Beschwerde – soweit darauf eingetreten werden kann – abzuweisen. 12.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. 12.2 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besc hwerdeführende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Diese werden vom Gericht fest gesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und na ch der Schwierigkeit des Prozesses be- messen. Nachdem die Beschwerdeführerin obsiegt, hat sie Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikos- ten. Der in der Honorarnote vom 22. November 2019 f ür das vorliegende Verfahren geltend ge- machte Zeitaufwand von 19 Stunden und 50 Minuten erweist sich in Anbetracht der sich stellen- den Sachverhalts- und Rechtsfragen als gerade noch ange messen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschni ttliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen im Umfang von Fr. 1 80.90. Der Beschwerdeführerin ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'534.80 (19 Std. und 50 Min. à Fr. 250.- - plus F. 180.90 sowie 7.7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Ein- spracheentscheid vom 20. März 2019 aufgehoben und es wir d festge- stellt, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. September 2015 An- spruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 66 % hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 5'534.80 (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuer von 7,7 %) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde am 13. Mai 2020 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahren- Nr. 8C_282/2020) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht