<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 66 S.267</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">267</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Submissionen</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>66</b></span> <span class="ft3"><b>Einordnung des Studienauftrags ins Gefüge der submissionsrechtlichen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Verfahren.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Auch beim Studienauftrag müssen die Zuschlagskriterien, anhand</b></span><br/> <span class="ft3"><b>derer die Studien beurteilt werden, in der Reihenfolge ihrer Bedeu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>tung im Voraus bekannt gegeben werden (Erw. 3/c/cc).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Uneingeschränkte Geltung der für das Vergabewesen fundamentalen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Grundsätze der Transparenz und der Gleichbehandlung bzw. Nicht-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>diskriminierung der Teilnehmenden (Erw. 3/c/cc).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 18. Januar 2000 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen S.-S.-B. gegen die Verfügung des Gemeinderats Waltenschwil und der</span><br/> <span class="ft4">Katholischen Kirchgemeinde Waltenschwil .</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3. a) Der angefochtenen Verfügung vom 4. November 1999</span><br/> <span class="ft6">liegt im Wesentlichen der folgende Sachverhalt zugrunde:</span><br/> <span class="ft6">Gemäss der öffentlichen Ausschreibung war ein Verfahren mit</span><br/> <span class="ft6">zwei Stufen vorgesehen. Als teilnahmeberechtigt erklärt wurden</span><br/> <span class="ft6">Architekturbüros, die ,,im Einzugsgebiet von Waltenschwil ihren Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäftssitz haben", ,,im öffentlichen Bau vertraut sind (Referenzob-</span><br/> <span class="ft6">jekte)", und ,,die eine kurze Projekt- und Bauphase planen und</span><br/> <span class="ft6">durchführen können". In einem ersten, als selektives Verfahren</span><br/> <span class="ft6">bezeichneten Schritt sollten aus den bis zum 10. September 1999</span><br/> <span class="ft6">eingegangenen Bewerbungen anhand der genannten Kriterien ma-</span><br/> <span class="ft6">ximal acht Architekturbüros bestimmt und zur Erarbeitung einer</span><br/> <span class="ft6">Kurzstudie in Skizzenform eingeladen werden. Die Kurzstudien wa-</span><br/> <span class="ft6">ren bis zum 15. Oktober 1999 einzureichen. In einem zweiten Schritt</span><br/> <span class="ft6">sollte die Wettbewerbskommission dann aufgrund der Kurzstudien</span><br/> <span class="ft6">maximal drei Architekturbüros für die Ausarbeitung eines definitiven</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">268</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Studienauftrags nach SIA 102.10 (Vorprojekt) auswählen. Diese drei</span><br/> <span class="ft6">Studien sollten mit je Fr. 5'000.-- entschädigt werden.</span><br/> <span class="ft6">In der Folge reichten neun Interessenten ihre Bewerbung ein;</span><br/> <span class="ft6">alle Bewerber wurden zum weiteren Verfahren zugelassen. Am</span><br/> <span class="ft6">21. September 1999 fand eine Besprechung mit Besichtigung des</span><br/> <span class="ft6">Baugrundstücks statt, und den Bewerbern wurden die Unterlagen</span><br/> <span class="ft6">,,Studienauftrag für den Gemeindesaal Waltenschwil" ausgehändigt.</span><br/> <span class="ft6">Mit Schreiben des Gemeinderats vom 23. September 1999 wurden</span><br/> <span class="ft6">die Bewerber aufgefordert, die Projektstudie bis zum 15. Oktober</span><br/> <span class="ft6">1999 anonym (mit Fantasiekennwort) einzureichen. Es gingen</span><br/> <span class="ft6">schliesslich neun Studien ein (Licht und Luft, Luise, Finale, Futu-</span><br/> <span class="ft6">rum, Ondenue und Obenabe, Zweierlei, Waag, Harmonie, Synergie).</span><br/> <span class="ft6">Aufgrund einer ersten summarischen Beurteilung wurde neben den</span><br/> <span class="ft6">Projektstudien Synergie und Luise auch die Studie Licht und Luft der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer ausgeschieden, weil das Gesamtkonzept (Einpas-</span><br/> <span class="ft6">sung ins Ortsbild, optisches Erscheinungsbild, Funktionalität, etc.)</span><br/> <span class="ft6">nicht den Vorstellungen der Bauherrschaft entsprach. Die verblei-</span><br/> <span class="ft6">benden sechs Projekte wurden einer detaillierten Bewertung anhand</span><br/> <span class="ft6">eines ,,Kriterienkatalogs" unterzogen. Diese Bewertung ergab die</span><br/> <span class="ft6">folgende Rangfolge:</span><br/> <br/> <table> <tr> <td width="120"><span class="ft6">Rang</span></td> <td width="120"><span class="ft6">Projektstudie</span></td> <td width="120"><span class="ft6">Punkte</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft7">1</span></td> <td><span class="ft7">Harmonie</span></td> <td><span class="ft7">218</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft7">2</span></td> <td><span class="ft7">WAAG</span></td> <td><span class="ft7">185</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft7">3</span></td> <td><span class="ft7">Zweierlei</span></td> <td><span class="ft7">183</span></td> </tr> <tr> <td><span class="ft6">(...)</span></td> </tr> </table> <br/> <span class="ft6">Aufgrund des deutlichen Vorsprungs des Projekts ,,Harmonie"</span><br/> <span class="ft6">beschloss die Wettbewerbskommission, nur dieses Projekt, das be-</span><br/> <span class="ft6">züglich der Aspekte Wirtschaftlichkeit und Raumprogramm ihren</span><br/> <span class="ft6">Vorstellungen entsprach, weiterbearbeiten zu lassen. Die übrigen</span><br/> <span class="ft6">Projekte wären nach Angabe der Vergabestelle nur unter wesentli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">269</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">chen Projektänderungen für eine Weiterbearbeitung in Frage ge-</span><br/> <span class="ft6">kommen.</span><br/> <span class="ft6">b) Die Beschwerdeführer machen geltend, bei der Besichtigung</span><br/> <span class="ft6">sei betont worden, dass für die Stufe 1 des Verfahrens Ideenskizzen</span><br/> <span class="ft6">genügen würden. Nach dem Beurteilungsblatt sei aber mindestens</span><br/> <span class="ft6">ein Vorprojekt (Stufe 2) nötig gewesen. Dieses Vorgehen der Wett-</span><br/> <span class="ft6">bewerbsveranstalter verstosse gegen Treu und Glauben, da die Teil-</span><br/> <span class="ft6">nehmer der Stufe 1 nicht über die wechselnden Beurteilungskriterien</span><br/> <span class="ft6">informiert worden seien.</span><br/> <span class="ft6">c) aa) Öffentlich ausgeschrieben war vorliegendenfalls die Ver-</span><br/> <span class="ft6">gabe eines Studienauftrags an mehrere Architekten nach Art. 10 der</span><br/> <span class="ft6">SIA-Ordnung 102 (Ordnung für Leistungen und Honorare der Ar-</span><br/> <span class="ft6">chitekten). Der Studienauftrag wird im Anhang 2 Ziff. 13 zum Sub-</span><br/> <span class="ft6">missionsdekret definiert als ,,Vergabe identischer Aufträge an meh-</span><br/> <span class="ft6">rere Anbieter zwecks Erarbeitung von Lösungsvorschlägen" (vgl.</span><br/> <span class="ft6">ebenso Anhang 1 Ziff. 13 VoeB; Simon Ulrich, Öffentliche Aufträge</span><br/> <span class="ft6">an Architekten und Ingenieure unter besonderer Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft6">des Bundesrechts, in: Alfred Koller (Hrsg.), Baurecht und Baupro-</span><br/> <span class="ft6">zessrecht, Ausgewählte Fragen, St. Gallen 1996, S. 142 f., 165 f.).</span><br/> <span class="ft6">Bei einem Studienauftrag erarbeiten mehrere Architekten oder Inge-</span><br/> <span class="ft6">nieure gleichzeitig, d. h. in Konkurrenz, einen Lösungsvorschlag;</span><br/> <span class="ft6">dies zumeist in der Hoffnung, einen Folgeauftrag für das ganze Pro-</span><br/> <span class="ft6">jekt zu erhalten (Ulrich, Öffentliche Aufträge, S. 142). Der Studien-</span><br/> <span class="ft6">auftrag bietet nach S</span><span class="ft4">IMON</span> <span class="ft6">U</span><span class="ft4">LRICH</span> <span class="ft6">dem Auftraggeber die Möglich-</span><br/> <span class="ft6">keit, für die durch Werkvertrag mit den einzelnen Planern abge-</span><br/> <span class="ft6">schlossenen Planungsaufträge nicht den vollen, sondern einen redu-</span><br/> <span class="ft6">zierten Preis bezahlen zu müssen. Diese Reduktion rechtfertigt sich</span><br/> <span class="ft6">insbesondere dann, wenn jeder durch einen Studienauftrag ver-</span><br/> <span class="ft6">pflichtete Architekt oder Ingenieur eine gewisse Chance hat, dass</span><br/> <span class="ft6">ihm ein Folgeauftrag erteilt wird. Diese Chance reduziert diesfalls</span><br/> <span class="ft6">den Lohn, den der einzelne Planer für sein Werk verlangt. Da sich</span><br/> <span class="ft6">somit der Lohn aller beteiligter Planer reduziert, wird die Vergabe für</span><br/> <span class="ft6">denjenigen Auftraggeber ökonomisch interessant, der zwar eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">270</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">kleine Auswahl von verschiedenen Projekten wünscht, aber weder</span><br/> <span class="ft6">den vollen Preis für diese Werke bezahlen, noch die Entscheidungs-</span><br/> <span class="ft6">freiheit bezüglich der Auftragsvergabe aus der Hand geben will</span><br/> <span class="ft6">(Ulrich, Öffentliche Aufträge, S. 165 f.; vgl. auch SIA-Ordnung 142</span><br/> <span class="ft6">[Ausgabe 1998]: Ordnung für Architektur- und Ingenieurwettbe-</span><br/> <span class="ft6">werbe, insbesondere Anhang Studienauftrag; Simon Ulrich, Die neue</span><br/> <span class="ft6">SIA-Ordnung 142 für Architektur- und Ingenieurwettbewerbe, in:</span><br/> <span class="ft6">Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 1999, S. 244 f.).</span><br/> <span class="ft6">bb) Es fragt sich, wie der (entgeltliche) Studienauftrag ins Ge-</span><br/> <span class="ft6">füge der submissionsrechtlichen Verfahren einzuordnen ist. Während</span><br/> <span class="ft6">beim offenen Verfahren jedermann ein Angebot einreichen kann (§ 7</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 SubmD), können beim selektiven Verfahren alle interessierten</span><br/> <span class="ft6">Anbieter zunächst (nur) einen Antrag auf Teilnahme einreichen.</span><br/> <span class="ft6">Alsdann ermittelt der Auftraggeber aufgrund der Eignung der</span><br/> <span class="ft6">teilnahmewilligen Anbieter diejenigen, die ein Angebot einreichen</span><br/> <span class="ft6">dürfen. Damit erweist sich das selektive Verfahren als ein zweistufi-</span><br/> <span class="ft6">ges Verfahren: In einem ersten Schritt erfolgt der Nachweis (bzw. die</span><br/> <span class="ft6">Abklärung) der Eignung (sog. Präqualifikation), erst in einem zwei-</span><br/> <span class="ft6">ten Schritt die Angebotseinreichung (bzw. die Beurteilung der Ange-</span><br/> <span class="ft6">bote) und die Erteilung des Zuschlags (zum Ganzen: Peter Galli /</span><br/> <span class="ft6">Daniel Lehmann / Peter Rechsteiner, Das öffentliche Beschaffungs-</span><br/> <span class="ft6">wesen in der Schweiz, Zürich 1996, Rzn. 152 f., 155). Beim Studien-</span><br/> <span class="ft6">auftrag erfolgt in der Regel ebenfalls eine Selektionierung, indem</span><br/> <span class="ft6">sich die teilnahmewilligen Architekten oder Ingenieure zunächst um</span><br/> <span class="ft6">die zu vergebenden Aufträge bewerben. Die Vergabestelle hat dann</span><br/> <span class="ft6">den Präqualifikationsentscheid zu fällen und gestützt darauf mit den</span><br/> <span class="ft6">selektionierten Bewerbern separate Werkverträge abzuschliessen</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Peter Gauch, Der Werkvertrag, 4. Auflage 1996, S. 16 Rz. 49</span><br/> <span class="ft6">mit Hinweisen), d. h. diese sind berechtigt und verpflichtet, gegen</span><br/> <span class="ft6">Entgelt (Werklohn) eine Projektstudie einzureichen. Ein definitiver</span><br/> <span class="ft6">Zuschlag für den zu vergebenden Projektierungsauftrag wird in</span><br/> <span class="ft6">diesem Zeitpunkt aber noch nicht erteilt, sondern die Abgabe der</span><br/> <span class="ft6">(entschädigungsberechtigten) Projektstudien lässt sich eher gleich-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">271</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">setzen mit dem Einreichen der Unternehmerofferten im normalen</span><br/> <span class="ft6">selektiven oder auch offenen Verfahren mit dem Unterschied, dass</span><br/> <span class="ft6">dort die Ausarbeitung der Angebote in der Regel ohne Vergütung</span><br/> <span class="ft6">erfolgt (§ 14 Abs. 2 SubmD). Die Projektstudien sind alsdann anhand</span><br/> <span class="ft6">der von der Vergabestelle ausgewählten Kriterien zu beurteilen, und</span><br/> <span class="ft6">das siegreiche Projekt erhält schliesslich den Zuschlag in dem Sinne,</span><br/> <span class="ft6">dass der betreffende Anbieter direkt mit der eigentlichen Pro-</span><br/> <span class="ft6">jektierung und allenfalls auch der Ausführung beauftragt wird. In</span><br/> <span class="ft6">diesem Sinne wird auch von einem mehrstufigen Vergabeverfahren</span><br/> <span class="ft6">gesprochen (Ulrich, a.a.O., S. 144). Erst die Empfehlung zur Weiter-</span><br/> <span class="ft6">bearbeitung eines Projekts bildet dabei den ordnungsgemässen Ab-</span><br/> <span class="ft6">schluss des bezüglich des Studienauftrags durchgeführten selektiven</span><br/> <span class="ft6">Submissionsverfahrens; es handelt sich damit um den Zuschlag (vgl.</span><br/> <span class="ft6">den erwähnten VGE III/123 in Sachen J., S. 12).</span><br/> <span class="ft6">cc) Gemäss § 18 Abs. 1 SubmD erhält das wirtschaftlich gün-</span><br/> <span class="ft6">stigste Angebot den Zuschlag. Kriterien zur Ermittlung des wirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlich günstigsten Angebots sind insbesondere Qualität, Preis,</span><br/> <span class="ft6">Erfahrung, Innovation, Termin, Garantie- und Unterhaltsleistungen,</span><br/> <span class="ft6">Betriebs- und Unterhaltskosten, technischer Wert, Zweckmässigkeit,</span><br/> <span class="ft6">Ästhetik, Umweltverträglichkeit, Kundendienst, gerechte Abwechs-</span><br/> <span class="ft6">lung und Verteilung; als Kriterium kann auch die Ausbildung von</span><br/> <span class="ft6">Lehrlingen berücksichtigt werden (§ 18 Abs. 2 SubmD). Die von der</span><br/> <span class="ft6">Vergabebehörde ausgewählten Zuschlagskriterien sind in der</span><br/> <span class="ft6">Reihenfolge ihrer Bedeutung in den Ausschreibungsunterlagen auf-</span><br/> <span class="ft6">zuführen (§ 18 Abs. 3 SubmD). Klar ist, dass sich die in § 18 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">SubmD genannten Zuschlagskriterien nicht unbesehen auf die Ver-</span><br/> <span class="ft6">gabe von Architekturaufträgen, Architekturwettbewerben (Ideen- und</span><br/> <span class="ft6">Projektwettbewerbe) und dergleichen oder - wie hier - Studien-</span><br/> <span class="ft6">aufträgen übertragen lassen. Für eine objektive Beurteilung der ein-</span><br/> <span class="ft6">zelnen Beiträge müssen indessen auch hier Zuschlagskriterien</span><br/> <span class="ft6">festgelegt werden, und die Grundsätze der Transparenz des Wettbe-</span><br/> <span class="ft6">werbs und der chancengleichen und nichtdiskriminierenden Be-</span><br/> <span class="ft6">handlung der Teilnehmenden erfordern es, dass die Kriterien, anhand</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">272</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">derer die Studien beurteilt werden, in der Reihenfolge ihrer Bedeu-</span><br/> <span class="ft6">tung im Voraus bekannt gegeben werden. So sieht im Bundesrecht</span><br/> <span class="ft6">der Anhang 6 VoeB, der die Ausschreibung von Wettbewerben regelt,</span><br/> <span class="ft6">in Ziffer 7 ausdrücklich vor, dass die Ausschreibung die ,,anzu-</span><br/> <span class="ft6">wendenden Zuschlagskriterien" enthalten muss (vgl. die Verweisung</span><br/> <span class="ft6">auf die Bestimmungen des Bundesrechts in § 9 SubmD). Auch die</span><br/> <span class="ft6">SIA-Ordnung 142 verlangt für die Durchführung eines Architektur-</span><br/> <span class="ft6">wettbewerbs, dass das Wettbewerbsprogramm die Beurteilungskrite-</span><br/> <span class="ft6">rien enthalten muss (Art. 13.3 lit. u). Der Studienauftrag unter meh-</span><br/> <span class="ft6">reren Auftragnehmern ist zwar nicht mit einem Architektur- oder</span><br/> <span class="ft6">Planungswettbewerb identisch, sondern es handelt sich um eine</span><br/> <span class="ft6">eigenständige Form der Konkurrenz; er kann sich bei entsprechender</span><br/> <span class="ft6">Ausgestaltung (z. B. Einführung einer Expertenjury, Anonymität des</span><br/> <span class="ft6">Verfahrens, ,,In-Aussicht-stellen" eines Folgeauftrags für den besten</span><br/> <span class="ft6">Entwurf) einem solchen aber weitgehend annähern. Die</span><br/> <span class="ft6">massgebenden Vorschriften lassen sich daher zumindest sinngemäss</span><br/> <span class="ft6">auch für Studienaufträge berücksichtigen (vgl. auch SIA-Ordnung</span><br/> <span class="ft6">142, Anhang Studienauftrag), und die für das öffentliche Vergabewe-</span><br/> <span class="ft6">sen fundamentalen Grundsätze der Transparenz und der Gleichbe-</span><br/> <span class="ft6">handlung bzw. Nichtdiskriminierung der Teilnehmenden müssen</span><br/> <span class="ft6">auch hier uneingeschränkt gelten; die Vergabestelle darf trotz des ihr</span><br/> <span class="ft6">zustehenden grossen Ermessensspielraums dieses Ermessen nicht</span><br/> <span class="ft6">überschreiten oder sogar willkürlich vorgehen. Dies gilt für die Ver-</span><br/> <span class="ft6">gabe von Studienaufträgen ganz allgemein und für die Bewertung</span><br/> <span class="ft6">der einzelnen Beiträge im Besonderen. Letztere muss in jedem Fall</span><br/> <span class="ft6">überprüfbar sein; dies ist nur möglich, wenn die massgebenden Be-</span><br/> <span class="ft6">urteilungskriterien zum Voraus festgelegt sind und den Konkurrenten</span><br/> <span class="ft6">auch bekannt gegeben werden.</span><br/> <span class="ft6">dd) Die Vergabestelle ging in der öffentlichen Ausschreibung</span><br/> <span class="ft6">wie gesagt von einem zweistufigen Verfahren aus. Auf einer ersten</span><br/> <span class="ft6">Stufe sollte ein selektives Verfahren stattfinden, indem aus den ein-</span><br/> <span class="ft6">gegangenen Bewerbungen aufgrund der Zulassungskriterien acht</span><br/> <span class="ft6">Konkurrenten bestimmt werden sollten, die eine Kurzstudie einrei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">273</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">chen konnten. Auf einer zweiten Stufe sollte dann aufgrund einer</span><br/> <span class="ft6">Bewertung der Kurz- oder Vorstudien die Vergabe der Studienauf-</span><br/> <span class="ft6">träge erfolgen. Bei richtiger Betrachtungsweise handelt es sich aller-</span><br/> <span class="ft6">dings beim öffentlich ausgeschriebenen Verfahren um ein dreistufi-</span><br/> <span class="ft6">ges Verfahren: Zunächst erfolgt eine Präqualifikation der Bewerber</span><br/> <span class="ft6">aufgrund der ihnen in der Ausschreibung bekannt gegebenen Eig-</span><br/> <span class="ft6">nungskriterien. Anschliessend haben die selektionierten Bewerber</span><br/> <span class="ft6">eine (als Studienauftrag bezeichnete) Kurzstudie mit Planunterla-</span><br/> <span class="ft6">gen - einzureichen sind Skizzen (Grundrisse und Fassaden und ev.</span><br/> <span class="ft6">zum Verständnis notwendige Schnitte) sowie eine Kostenschätzung</span><br/> <span class="ft6">(BKP 1, 2, 3, 4 und 5) mit einer Genauigkeit von +/- 20% - zu er-</span><br/> <span class="ft6">stellen, aufgrund derer dann über die definitive Vergabe der (ent-</span><br/> <span class="ft6">geltlichen) Studienaufträge entschieden wird. Es stellt sich die Frage,</span><br/> <span class="ft6">ob die mittlere Phase (Kurzstudie) noch zum Präqualifikations-</span><br/> <span class="ft6">verfahren zu zählen ist oder bereits Bestandteil des Zuschlags-</span><br/> <span class="ft6">verfahrens bildet. Dies hängt davon ab, ob man den Zuschlag bzw.</span><br/> <span class="ft6">die Zuschläge bereits in der Vergabe der drei Studienaufträge erblickt</span><br/> <span class="ft6">oder aber erst in der Vergabe des eigentlichen Projektierungsauftrags</span><br/> <span class="ft6">mittels der Empfehlung des siegreichen Studienauftrags zur Weiter-</span><br/> <span class="ft6">bearbeitung. Letzteres dürfte die Regel sein (vgl. Erw. c/bb hievor).</span><br/> <span class="ft6">Im vorliegenden Fall ist es indessen angesichts der Vorgehensweise</span><br/> <span class="ft6">der Vergabestelle ebenfalls denkbar, von einem zweistufigen Zu-</span><br/> <span class="ft6">schlagsverfahren, bestehend aus der Erteilung des Zuschlags für die</span><br/> <span class="ft6">drei entgeltlichen Studienaufträge aufgrund der Kurzstudien einer-</span><br/> <span class="ft6">seits und aus der Erteilung des Zuschlags für den eigentlichen Pro-</span><br/> <span class="ft6">jektierungsauftrag aufgrund der Studienaufträge anderseits, auszu-</span><br/> <span class="ft6">gehen; dies aus folgenden Gründen: Die Präqualifikation der Interes-</span><br/> <span class="ft6">senten ist vorliegendenfalls klarerweise aufgrund der Bewerbungen</span><br/> <span class="ft6">anhand der in der öffentlichen Ausschreibung bekannt gegebenen</span><br/> <span class="ft6">Eignungskriterien erfolgt. Es dürfte indessen zulässig sein, im Rah-</span><br/> <span class="ft6">men eines Präqualifikationsverfahrens für Architekturleistungen und</span><br/> <span class="ft6">dergleichen auch eine sogenannte Ideenskizze als objektspezifischen,</span><br/> <span class="ft6">das heisst auf den konkreten Auftrag bezogenen, Eignungsnachweis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">274</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">zu verlangen (bejahend Art. 7.3 der SIA-Ordnung 142; Ulrich, SIA-</span><br/> <span class="ft6">Ordnung 142, S. 250 und Anm. 46; offengelassen im Entscheid der</span><br/> <span class="ft6">Eidgenössischen Rekurskommission für das öffentliche Beschaf-</span><br/> <span class="ft6">fungswesen vom 13. Juni 1997 in Sachen M. [zitiert in: Peter Galli,</span><br/> <span class="ft6">Rechtsprechung der Eidgenössischen Rekurskommission für das</span><br/> <span class="ft6">öffentliche Beschaffungswesen, in: Nicolas Michel / Roger Zäch</span><br/> <span class="ft6">(Hrsg.), Submissionswesen im Binnenmarkt Schweiz, Erste prakti-</span><br/> <span class="ft6">sche Erfahrungen und Entwicklungen, Zürich 1998, S. 117 f.]). Unter</span><br/> <span class="ft6">einer sogenannten Skizzenselektion wird eine Präqualifikation ver-</span><br/> <span class="ft6">standen, bei der die anonym eingereichten Ideenskizzen, z. B.</span><br/> <span class="ft6">Handskizzen einer Frontansicht, eines Gebäudeumrisses oder einer</span><br/> <span class="ft6">besonders schwierigen Detailplanungsfrage etc., begutachtet und</span><br/> <span class="ft6">rangiert werden (Ulrich, Öffentliche Aufträge, S. 151 Anm. 89). Die</span><br/> <span class="ft6">Erstellung der vorliegendenfalls verlangten Kurz- bzw. Vorstudien -</span><br/> <span class="ft6">so wie in den Unterlagen ,,Studienauftrag" ausgeschrieben - geht</span><br/> <span class="ft6">dagegen schon umfangmässig deutlich über eine blosse Ideenskizze</span><br/> <span class="ft6">und damit über eine Eignungsprüfung hinaus, war doch nebst mehre-</span><br/> <span class="ft6">ren Skizzen auch eine Kostenschätzung einzureichen. Dass mehr als</span><br/> <span class="ft6">eine blosse Ideenskizze einzureichen war, ergibt sich im Übrigen</span><br/> <span class="ft6">auch aus dem detaillierten ,,Bewertungsblatt Projekte Gemeinde-</span><br/> <span class="ft6">saal". Insofern erscheint die Auffassung der Beschwerdeführer, auf</span><br/> <span class="ft6">der Stufe 1 habe eine Skizzenselektion stattgefunden, unzutreffend.</span><br/> <span class="ft6">Bereits auf dieser Stufe wurde, was nach fachrichterlicher Ansicht</span><br/> <span class="ft6">durchaus unüblich ist, eine umfassende Lösung in Skizzenform ver-</span><br/> <span class="ft6">langt, wenn auch noch kein eigentliches Vorprojekt (vgl. dazu</span><br/> <span class="ft6">Art. 4.1 der SIA-Ordnung 102). Letztlich ist die Frage der Zuord-</span><br/> <span class="ft6">nung der Verfahrensstufe ,,Kurzstudie" aber nicht von ausschlag-</span><br/> <span class="ft6">gebender Bedeutung; entscheidend ist vielmehr, dass die Beurteilung</span><br/> <span class="ft6">der Kurzstudien anhand von zum Voraus definierten Kriterien</span><br/> <span class="ft6">erfolgen muss (vgl. Erw. d/cc hienach).</span><br/> <span class="ft6">d) aa) Die Vergabestelle hat entgegen der Ausschreibung die</span><br/> <span class="ft6">Zahl der zur Kurzstudie zugelassenen Bewerber nicht auf die an-</span><br/> <span class="ft6">gekündigten maximal acht beschränkt, sondern alle neun Interes-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">275</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">senten als aufgrund der ausgeschriebenen Kriterien geeignet erachtet.</span><br/> <span class="ft6">Dies wird von der Beschwerdeführerin nicht angefochten, weshalb</span><br/> <span class="ft6">offen bleiben kann, ob eine derartige von den Vorgaben in der</span><br/> <span class="ft6">Ausschreibung abweichende Erweiterung des Bewerberkreises ohne</span><br/> <span class="ft6">Weiteres zulässig ist. Immerhin mindert sich durch den zusätzlichen</span><br/> <span class="ft6">Konkurrenten die Chance des einzelnen Anbieters auf den Erhalt</span><br/> <span class="ft6">eines der zu vergebenden Studienaufträge.</span><br/> <span class="ft6">Im Hinblick auf das in Art. 3 in Verbindung mit Art. 5 BGBM</span><br/> <span class="ft6">enthaltene Verbot der Benachteiligung ortsfremder Anbietender und</span><br/> <span class="ft6">das in § 1 Abs. 1 SubmD statuierte Diskriminierungsverbot erweist</span><br/> <span class="ft6">sich das Erfordernis des Geschäftssitzes im Einzugsgebiet von Wal-</span><br/> <span class="ft6">tenschwil für die Teilnahme am Wettbewerb als klar unzulässig (vgl.</span><br/> <span class="ft6">auch Art. 6.2 der SIA-Ordnung 142; dazu Ulrich, SIA-Ordnung 142,</span><br/> <span class="ft6">S. 250); der Verstoss gegen das Binnenmarktgesetz wird indessen</span><br/> <span class="ft6">ebenfalls nicht gerügt.</span><br/> <span class="ft6">bb) Die Beschwerdeführer beanstanden jedoch, dass die Stufe 2</span><br/> <span class="ft6">des Wettbewerbs nicht durchgeführt worden sei und nur ein Projekt</span><br/> <span class="ft6">weiterbearbeitet werde. Die Vergabestelle macht unter Hinweis auf</span><br/> <span class="ft6">die Ausschreibung bzw. die Ausschreibungsunterlagen geltend, sie</span><br/> <span class="ft6">sei klarerweise befugt gewesen, auch nur einen Studienauftrag zu</span><br/> <span class="ft6">vergeben. Die öffentliche Ausschreibung hält diesbezüglich fest:</span><br/> <span class="ft6">,,Die Wettbewerbskommission entscheidet sich für max. drei Archi-</span><br/> <span class="ft6">tekturbüros zur weiteren Bearbeitung". Die Publikation ist indessen</span><br/> <span class="ft6">insofern missverständlich, als im Rahmen der Beschreibung der</span><br/> <span class="ft6">zweiten Stufe ausgeführt wird, es würden ,,drei Architekturbüros</span><br/> <span class="ft6">zum definitiven Studienauftrag (...) eingeladen", ohne dass auf die</span><br/> <span class="ft6">Möglichkeit, weniger als drei Teilnehmer zu berücksichtigen, hinge-</span><br/> <span class="ft6">wiesen wurde. Die Unterlagen zum Studienauftrag bestimmen in</span><br/> <span class="ft6">Ziffer 5.2 Folgendes:</span><br/> <span class="ft7">,,Grundsätzlich ist die Kommission frei in der Wahl von max. drei ein-</span><br/> <span class="ft7">gereichten Projektstudien zur Weiterbearbeitung. Grundsätzlich ist es mög-</span><br/> <span class="ft7">lich, dass kein Auftrag vergeben wird."</span><br/> <span class="ft6">Und Ziffer 6 lautet:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">276</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">,,Die max. 3 Architekturbüros, die zur Weiterbearbeitung eines detail-</span><br/> <span class="ft7">lierten, mit Kostenberechnung und genauen Honorarforderungen ausge-</span><br/> <span class="ft7">statteten Vorprojektes ausgewählt werden, erhalten eine Entschädigung von</span><br/> <span class="ft7">Fr. 5'000.-- (inkl. MWST). Beim Siegerobjekt wird diese Zahlung als</span><br/> <span class="ft7">Akontozahlung angerechnet."</span><br/> <span class="ft6">Aus dem Wortlaut sowohl der öffentlichen Ausschreibung als</span><br/> <span class="ft6">auch der Ausschreibungsunterlagen können die Teilnehmer am Wett-</span><br/> <span class="ft6">bewerb grundsätzlich keinen Anspruch auf die Vergabe von <i>drei</i></span><br/> <span class="ft6">Studienaufträgen herleiten. Insoweit ist der Vergabestelle beizu-</span><br/> <span class="ft6">pflichten. Gemäss dem systematisch zu interpretierenden Wortlaut</span><br/> <span class="ft6">bleibt die Beschränkung auf die Weiterbearbeitung auch nur <i>einer</i></span><br/> <span class="ft6">Kurzstudie oder sogar der gänzliche Verzicht auf eine Auftragsver-</span><br/> <span class="ft6">gabe vorbehalten. Eine Beschränkung oder gar ein Verzicht stehen</span><br/> <span class="ft6">nun aber nicht im Belieben der Vergabestelle. Grundsätzlich ist die</span><br/> <span class="ft6">Vergabe von drei Studienaufträgen öffentlich ausgeschrieben wor-</span><br/> <span class="ft6">den, daran ist die Vergabestelle gebunden. Der Verzicht auf die</span><br/> <span class="ft6">zweite, bzw. hier dritte, Stufe des Evaluationsverfahrens kann daher</span><br/> <span class="ft6">trotz des Hinweises auf diese Möglichkeit grundsätzlich nur beim</span><br/> <span class="ft6">Vorliegen sachlich haltbarer Gründe zulässig sein; andernfalls han-</span><br/> <span class="ft6">delt die Vergabestelle willkürlich und verstösst gegen den Grundsatz</span><br/> <span class="ft6">von Treu und Glauben. Ein haltbarer Grund könnte darin bestehen,</span><br/> <span class="ft6">dass sämtliche eingereichten Kurzstudien den Vorstellungen der</span><br/> <span class="ft6">Vergabestelle klarerweise nicht entsprechen; diesfalls hätte es wenig</span><br/> <span class="ft6">Sinn, sie trotzdem weiterzuverfolgen und zweckmässigerweise wird</span><br/> <span class="ft6">dann neu begonnen (sinngemäss Art. 23.3 der SIA-Ordnung 142; vgl.</span><br/> <span class="ft6">auch § 22 SubmD). Solche Fälle dürften allerdings eher selten sein.</span><br/> <span class="ft6">Im vorliegenden Fall entspricht nach Angaben der Vergabestelle</span><br/> <span class="ft6">lediglich <i>eine</i> Studie ihren Vorstellungen; sie weist denn auch in der</span><br/> <span class="ft6">Beurteilung einen deutlichen Vorsprung auf, währenddem die andern</span><br/> <span class="ft6">laut Vergabestelle wesentliche Projektveränderungen erfordern</span><br/> <span class="ft6">würden und entsprechend schlechter bewertet worden sind. Auch in</span><br/> <span class="ft6">einer solchen Situation kann eine vorzeitige Beendigung des</span><br/> <span class="ft6">Wettbewerbsverfahrens grundsätzlich vertretbar sein. Voraussetzung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">277</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">für eine derartige vorzeitige und den Ankündigungen in der Aus-</span><br/> <span class="ft6">schreibung widersprechende Beendigung ist allerdings in jedem Fall,</span><br/> <span class="ft6">dass sie die Konsequenz einer objektiven und transparenten</span><br/> <span class="ft6">Beurteilung der eingereichten Beiträge ist. Somit muss in den den</span><br/> <span class="ft6">Teilnehmern abgegebenen Unterlagen klar zum Ausdruck kommen,</span><br/> <span class="ft6">welche Gesichtspunkte für die Vergabestelle von Bedeutung sind und</span><br/> <span class="ft6">welches Gewicht sie ihnen zumisst.</span><br/> <span class="ft6">cc) Im vorliegenden Fall enthält die öffentliche Ausschreibung</span><br/> <span class="ft6">keine Angaben darüber, aufgrund welcher Kriterien die Beurteilung</span><br/> <span class="ft6">der Kurzstudien erfolgen soll. Genannt werden lediglich die Voraus-</span><br/> <span class="ft6">setzungen für die Teilnahmeberechtigung (vgl. Erw. a und d/aa hie-</span><br/> <span class="ft6">vor). In den Unterlagen zum Studienauftrag bzw. - richtigerweise -</span><br/> <span class="ft6">zur Kurz- oder Vorstudie zum definitiven Studienauftrag sind eben-</span><br/> <span class="ft6">falls keine Zuschlags- oder Beurteilungskriterien erwähnt. Wohl lässt</span><br/> <span class="ft6">sich der Umschreibung der Bauaufgabe entnehmen, dass eine ,,kos-</span><br/> <span class="ft6">tengünstige, jedoch in die Umgebung angepasste Lösung" anzustre-</span><br/> <span class="ft6">ben sei, dass die bestehenden Infrastrukturen der Gemeinden mit ein-</span><br/> <span class="ft6">zubeziehen seien, dass das neue Gebäude eine ,,möglichst gute Nut-</span><br/> <span class="ft6">zung für die getrennten und gemeinsamen Bedürfnisse der Einwoh-</span><br/> <span class="ft6">nergemeinde und Kirchgemeinde ergeben solle" oder dass in das</span><br/> <span class="ft6">Projekt ,,möglichst wirtschaftliche und ökologische Gesichtspunkte"</span><br/> <span class="ft6">einbezogen werden sollten. Und unter dem Titel ,,Zielsetzung" wer-</span><br/> <span class="ft6">den zwar Rahmenbedingungen genannt, nicht aber eigentliche Beur-</span><br/> <span class="ft6">teilungskriterien. Die genannten Vorgaben sind jedenfalls sehr offen;</span><br/> <span class="ft6">worauf die Vergabestelle letztlich Wert oder sogar das Schwerge-</span><br/> <span class="ft6">wicht legt, ist nicht erkennbar. Die Vergabestelle wollte sich hier</span><br/> <span class="ft6">offensichtlich bewusst nicht binden und sich die volle Entschei-</span><br/> <span class="ft6">dungsfreiheit bewahren. Dies ergibt sich auch aus Ziffer 5.2 des Stu-</span><br/> <span class="ft6">dienauftrags (,,Beurteilung"): ,,Grundsätzlich ist die Kommission frei</span><br/> <span class="ft6">in der Wahl von max. drei eingereichten Projektstudien zur Weiter-</span><br/> <span class="ft6">bearbeitung". Erst in der Vernehmlassung verweist die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft6">auf Kriterien wie ,,Einpassung ins Ortsbild, optisches Erscheinungs-</span><br/> <span class="ft6">bild, Funktionalität etc.", die eine Rolle gespielt hätten, ohne sich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">allerdings zur beigemessenen Gewichtung zu äussern. Damit gerät</span><br/> <span class="ft6">die Vergabestelle nun aber in Widerspruch mit den elementaren</span><br/> <span class="ft6">Grundsätzen des öffentlichen Beschaffungswesens. Wie bereits aus-</span><br/> <span class="ft6">geführt, erfordern es die Gebote der Transparenz, Chancengleichheit</span><br/> <span class="ft6">und Fairness, dass die Kriterien, nach denen die Beiträge bewertet</span><br/> <span class="ft6">werden, von Anfang an offen gelegt werden müssen; die Interessen-</span><br/> <span class="ft6">ten müssen sich für ihre Beiträge daran orientieren können. Die Ver-</span><br/> <span class="ft6">gabestelle bzw. die Wettbewerbskommission hat wohl eine punkte-</span><br/> <span class="ft6">mässige Bewertung der einzelnen Projekte vorgenommen. Bewertet</span><br/> <span class="ft6">wurden insgesamt 27 Gesichtspunkte, unter anderem die Abmes-</span><br/> <span class="ft6">sungen, die Raumeinteilung, die einzelnen Räume, behindertenge-</span><br/> <span class="ft6">rechte Bauweise, Einbezug der bestehenden Infrastruktur, Benützer-</span><br/> <span class="ft6">freundlichkeit der Zugänge oder der Gesamteindruck des Gebäude-</span><br/> <span class="ft6">kubus. Pro Gesichtspunkt gab es offensichtlich maximal 10 Punkte,</span><br/> <span class="ft6">das heisst total waren 270 Punkte erreichbar. Nach welchen Beurtei-</span><br/> <span class="ft6">lungskriterien die Punkte vergeben wurden, ist unbekannt. Die Be-</span><br/> <span class="ft6">urteilung der Vergabestelle, die Projektstudie ,,Harmonie" des Ar-</span><br/> <span class="ft6">chitekturbüros K. &amp; K. entspreche ihren Vorstellungen am besten, ist</span><br/> <span class="ft6">nicht aufgrund einer nachvollziehbaren Bewertung, die auf klaren</span><br/> <span class="ft6">Beurteilungskriterien beruht und zudem den Bewerbern offengelegt</span><br/> <span class="ft6">worden ist, zustande gekommen. Selbst soweit Ansätze für Beur-</span><br/> <span class="ft6">teilungskriterien vorhanden sind, sind den einschlägigen Unterlagen</span><br/> <span class="ft6">keinerlei Hinweise auf deren Gewichtung zu entnehmen. Von einer</span><br/> <span class="ft6">transparenten Beurteilung der Kurzstudien kann somit nicht gespro-</span><br/> <span class="ft6">chen werden. Damit bestehen aber auch keine nachvollziehbaren und</span><br/> <span class="ft6">haltbaren Gründe für die vorzeitige Beendigung des Verfahrens bzw.</span><br/> <span class="ft6">den Verzicht auf die Vergabe der beiden restlichen Studienaufträge.</span><br/> <span class="ft6">Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, das Vorgehen der Vergabe-</span><br/> <span class="ft6">stelle verstosse gegen Treu und Glauben, erweist sich als berechtigt.</span><br/></div> </div> </body> </html>