B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2718/2013 U r t e i l v o m 3 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren B._______, Eritrea, zur Zeit in Israel, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 19. März 2013 / N _______. D-2718/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Schreiben vom 3. Februar 2011 (Eingangsstempel der schweizeri- schen Botschaft für Sudan und Eritrea in Khartum) suchte der Beschwer- deführer um Asyl in der Schweiz nach. B. Die Schweizer Botschaft in Khartum (nachfolgend: Botschaft) übermittelte dem BFM am 14. Februar 2011 das vorgenannte Asylgesuch. C. Mit Schreiben vom 6. Juni 2011 teilte das BFM de m Beschwerdeführer unter anderem mit, gemäss Mitteilung der Botschaft vom 23. März 2010 sei sie aufgrund des begrenzten Personalbestandes sowie fehlender Vor- aussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht mehr in der Lage, Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen. Gleichzeitig ersuchte das BFM den Beschwerdeführer um schriftliche B e- antwortung eines Fragenkatalogs zur Vervollständigung des rechtserheb- lichen Sachverhalts bis spätestens am 6. Juli 2011. D. Mit E-Mail vom 13. November 2011 teilte der Beschwerdeführer der Bo t- schaft mit, dass er C._______ worden sei und sich nun in Israel aufhalte. E. Das BFM forderte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 21. Nove m- ber 2011 erneut auf, zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sac h- verhalts eine ergänzende Stellungnahme zu verschiedenen Punkten ei n- zureichen. Am 20. Dezember 2011 reichte der Beschwerdefü hrer die Antworten zum Fragenkatalog und verschiedene Beweismittel bei der Schweizer Botschaft in Tel Aviv ein. F. Mit Verfügung vom 1 9. März 2013 – eröffnet am 8. April 2013 – verwei- gerte das BFM de m Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte das Asylgesuch aus dem Ausland ab. Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, es sei aus den Akten zu schliessen, dass er ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behö r- den gehabt habe, jedoch in Israel über effektiven Schutz vor einer Rück- führung verfüge und s ich legal in diesem Land aufhalten könne. Damit verfüge er über die praktische Möglichkeit einer anderweitigen Schutzs u-D-2718/2013 Seite 3 che. Überdies sei es dem Beschwerdeführer auf jeden Fall möglich, in Is- rael eine menschenwürdige Existenz zu führen, wo für Asylsuchende auch Arbeitsbewilligungen ausgestellt werden könnten. Insofern erschi e- nen die Assimilationsmöglichkeiten für Eritreer in der Schweiz oder in I s- rael vergleichbar. Den Akten sei nicht zu entnehmen, dass er über einen Anknüpfungspunkt zur Schweiz verfügen würde. E ine Abwägung der Ge- samtumstände führe nicht zur Annahme, es müsste gerade die Schweiz sein, die den erforderlichen Schutz gewähren sollte. Sodann sei festz u- halten, dass der Beschwerdeführer bereits seit über D._______ Jahren in Israel lebe und es keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gebe, die die vorangegangenen Feststellungen umzustossen vermöchte. Zu- sammenfassend sei festzustellen, dass d er Beschwerdeführer in Israel über eine Aufenthaltsbewilligung verfüge und effektiven Schutz vor Rück- schiebung geniesse, weshalb sein Einreise- beziehungsweise Asylgesuch im Rahmen des den Schweizer Asylbehörden zur Verfügung stehenden Ermessensspielraums abzulehnen sei. G. Mit Eingabe vom 8. Mai 2013 erhob der Beschwerdeführer via die Schweizer Botschaft in Tel Aviv gegen die Verfügung des BFM beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde . Da rin ersuchte er sinngemäss um Aufhebung der angefochtenen Verfügung, um Bewilligung der Einreise in die Schweiz sowie um Gewährung von Asyl. Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nac h- folgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zustän dig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in der Regel auf dem Gebiet des Asyls – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). D-2718/2013 Seite 4 1.2 Das Verfahren richtet s ich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 – von der Bundesversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft getreten – ist die Möglichkeit der Einreichung eines Asylgesuches aus dem Ausland weggefallen (vgl. BBl 2012 5359). Das vorliegende Ur - teil – welches ein Asylgesuch aus dem Ausland nach altem Recht zum Gegenstand hat – ergeht demzufolge gestützt auf die Übergangsbestim - mung zur Änderung vom 28. September 2012, wonach für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung des Gesetzes gelten. Wird demnach nachfolgend auf eine dieser Bestimmung oder auf die Asylverordnung 1 verwiesen, bezieht sich dies stets auf die bisherige Fassung der entsprechenden Be- stimmungen. 4. 4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des V er- fahrens bei der Schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Davon kann nur abgewichen werden, wenn D-2718/2013 Seite 5 eine Befragung faktisch oder aus organisatorischen oder kapazitätsmä s- sigen Gründen unmöglich ist, oder wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erscheint (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 367 f.). Ist eine Befragung im Ausland nicht mög- lich, ist die asylsuchende Person aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das BFM hat den Verzicht auf eine Befragung im Ausland in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8 S. 368). 4.2 Ebenfalls in den erwähnten dringlichen Änderungen hat der Gesetz - geber neu Art. 3 Abs. 3 AsylG eingeführt, wonach Personen, die we gen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausge - setzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, keine Flüchtlinge sind. Vorbehalten bleibt das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der F lüchtlinge (FK, SR 0.142.30). Bei den am 29. September 2012 hängigen Verfahren stellt sich deshalb die Frage der intertemporalen Geltung dieser neuen Gesetzesbestim - mung. Art. 3 Abs. 3 AsylG ist in Beschwerdeverfahren bezüglich Verf ü- gungen, die das BFM vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Norm am 29. September 2012 erliess, nicht anzuwenden. Hingegen findet die neue gesetzliche Bestimmung in jenen Fällen Anwendung, die – wie in casu – seit dem 29. September 2012 vom BFM entschieden wurden bezi e- hungsweise werden (vgl. BVGE 2013/20 E. 3.2). 5. Das BFM hat die Eingabe vom 3. Februar 2011 zu Recht als Asylgesuch aus dem Ausland entgegengenommen. Im Weiteren ist vor dem Hinte r- grund der massgeblichen Praxis zur Behandlung von Asylgesuchen aus dem Ausland und Ein reisebewilligung sowie unter Berücksichtigung der Aktenlage festzustellen, dass in vorliegender Sache auf eine Befragung des Beschwerdeführers durch die schweizerische Vertretung in Khartum verzichtet werden durfte und von der Vorinstanz mit der Einladung zur Stellungnahme vom 6. Juni 2011 beziehungsweise 21. November 2011 den massgeblichen verfahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30 E. 5). 6. 6.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen ande - ren Staat auszureisen ( aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein D-2718/2013 Seite 6 Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in i h- rem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen A nschauungen ernsthaften Nachtei- len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 6.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hin - weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). 6.3 Der Beschwerdeführer macht eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG geltend. Er bringt vor, er habe sein Heimatland Eritrea am {…….} verlassen, weil er in den Militärdienst hätte einrücken müssen. {…….} und seither halte er sich in Israel auf, wo er am {…….} als Flüchtling ane r- kannt worden sei. Das BFM legte dazu in der angefochtenen Verfügung dar, die Ausführun- gen des Beschwerdeführers in seinem schriftlichen Gesuch vom 3. Februar 2011 sowie die Erläuterungen in seinem Schreiben vom 20. Dezember 2011 liessen darauf schliessen, dass er ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden gehabt habe. Bei der an- schliessenden Prüfung des Asylausschlussgrundes v on aArt. 52 Abs. 2 AsylG bejahte die Vorinstanz die Zumutbarkeit eines Verbleibs in Israel. 6.4 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob d er Beschwerdeführer in Israel den Schutz eines Drittstaates geniessen und ih m zuzumuten ist, dort zu verbleiben. 6.4.1 Die V oraussetzungen für die Erteilung einer Einreisebewilligung sind grundsätzlich restriktiv umschrieben. Den Asylbehörden kommt da - bei ein weiter Ermessensspielraum zu. Neben der erforderlichen Gefähr - dung im Sinne von Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Auss chlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch ei - nen anderen Staat, die praktische und objektive Zumutbarkeit einer a n-D-2718/2013 Seite 7 derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). 6.4.2 Hält sich die asylsuchende Person wie im vorliegenden Verfahren in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne der Vermutung davon auszugehen, sie habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuz u- muten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung ka nn sich jedoch sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. Entscheidungen und Mitte i- lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu pr ü- fen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung g e- funden hat oder erlangen kann, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In j e- dem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in di e- sem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Bei dieser Abwä - gung bildet die besondere Beziehungs nähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein wesentliches Kriterium (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, mit weiteren Hinweisen). 6.4.3 Das Kriterium der besonderen Beziehungsnähe ist hinsichtlich des Verwandtschaftsgrades nicht auf den eng gefassten Personenkreis des Familienasyls gemäss Art. 51 AsylG beschränkt. Auch verwandtschaftli - che Beziehungen zu Personen ausserhalb der Kernfamilie sind in die Abwägung mit einzubeziehen. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass g e- gebenenfalls auch aus anderen Gründen als aufgrund ein er Verwandt- schaft zu in der Schweiz lebenden Personen eine enge Beziehung zur Schweiz anzunehmen sein könnte (vgl. EMARK 2004 Nr. 21. E. 4.b.aa S. 140, EMARK 1997 Nr. 15 E. 2g S. 132). Zu berücksichtigen sind zu - dem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). Al - lein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezie - hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ablehnung des Asylgesu - ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2 f. S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin-D-2718/2013 Seite 8 reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine Ab - schiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen erscheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier an- sässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung ei - ner Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kr i- terien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. 6.4.4 Das BFM führte in seiner Verfügung zur Situation de s Beschwerde- führers in Israel insbesondere aus, gemäss gesicherten Erkenntnissen des Bundesamtes würden eritreische Staatsangehörige im Allgemeinen wie auch der Beschwerdeführer persönlich den Schutzstatus für Gruppen geniessen. Solange eritreische Staatsangehörige des subsidiären Schutzstatus für Gruppen erhielten, werde in Israel kein individuelles Asylverfahren durchgeführt. Erst nach Aufhebung des Schutzstatus für Gruppen bestehe die Möglichkeit, beim Innenministerium ein Asylverfa h- ren zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft durchführen zu lassen. Der effektive Schutz vor einer Rückführung nach Eritrea sei gewährleistet. Das BFM sei sich bewusst, dass sich die Situation für eritreische Staat s- angehörige mit Schutzstatus für Gruppen in Israel schwieriger darstelle als für Flüchtlinge in der Schweiz. Doch sei die eritreische Gemeinschaft in Israel gut untereinander vernetzt und zahlreiche NGOs kümmerten sich um die Anliegen von Asylsuchenden und Flüchtlingen. Es sei de m Be- schwerdeführer auf jeden Fall möglich, in Israel eine menschenwürdige Existenz zu führen , zumal für Asylsuchende auch Arbeitsbewilligun gen ausgestellt w ürden. Was die Assimilationsmöglichkeiten anbelange, scheine diese für Eritreer in der Schweiz oder in Israel vergleichbar zu sein. 6.4.5 Der Beschwerdeführer macht zwar nicht geltend, er fürchte sich vor einer Ausschaffung nach Eritrea. Jedoch gibt er an, sich vor Verfolgung zu fürchten. Seit seiner E._______ halte er sich in Israel auf, wo er ledi g- lich den Flüchtlingsstatus habe und weder einer Arbeit nachgehen noch studieren könne. 6.4.6 Was die Situation von Asylsuchenden und Flüchtlingen in Israel an- belangt, lässt sich Folgendes festhalten: Bis 2005 gab es jährlich nur eine sehr geringe Anzahl Asylgesuche. Seither sind die Zahlen aber markant gestiegen. Im Jahr 2011 sollen knapp 17'000 Personen via Ägypten nach Israel gelangt sein, davon 96% eritre ische und sudanesische Staatsa n-D-2718/2013 Seite 9 gehörige. Das Land kennt erst seit 2009 ein nationales Asylverfahren; zu- vor war das UNHCR für die Gesuche zuständig. Seit der Gründung Isr a- els im Jahr 1948 haben 200 Personen einen Flüchtlingsstatus erhalten; seit 2005 wurden 30 Personen als Flüchtlinge anerkannt (vgl. SFH - Länderanalyse Eritrea: Situation eritreischer Flüchtlinge in Israel, vom 13. August 2012 S. 1 f.). Neuankömmlinge werden in Immigrationshaft genommen. Die Zahl der Haftplätze wird kontinuierlich erhöht (a.a. O. S. 2). Gemäss UNHCR – verwiesen wird dabei allerdings nicht auf eine UNHCR-Publikation, sondern auf den Bericht von Human Rights Watch (HRW): Israel: Amend 'Anti -Infiltration-Law', vom 10. Juni 2012, welcher diese Auskunft dem UNHCR ohne Quellenangabe z uschreibt – wurden im Jahr 2011 4603 Asylgesuche geprüft und davon 3692 Gesuche abg e- lehnt; anderen Quellen zufolge wurden von 990 Gesuchen 8 positiv en t- schieden (a.a.O. S. 3). In den Jahren 2009 und 2010 war ebenfalls eine sehr geringe Gutheissungsquote zu verzeichnen. Ohnehin ha t aber der grösste Teil der Asylsuchenden keinen Zugang zur Asylprüfung. Personen aus Eritrea und dem Sudan erhalten zwar Schutz entsprechend dem Non-Refoulement-Gebot. Die damit verbundene Ausstellung einer "Condi- tional Release" ohne Arbeitserlaubnis ist jeweils für drei Monate gültig; die Verlängerung ist oftmals mit langen Wartezeiten und Schikanen der israe- lischen Behörden verbunden (vgl. a.a.O. S. 3 f.). Am 10. Januar 2012 verabschiedete das israelische Parlament Ergänzun- gen zum Prevention of Infiltration Law. In diesem Gesetz werden nun - mehr alle Ausländer, die illegal einreisen, als "Eindringlinge" bezeichnet. Das Gesetz erlaubt den israelischen Behörden, Asylsuchende und deren Kinder bis zu drei Jahren zu inhaftieren. Die I nhaftierten haben keinen Zugang zu einem Anwalt. Der Inhaftierungsentscheid wird erstmals nach 14 Tagen und in der Folge alle 60 Tage überprüft. Auch ein Asylsuchender kann wegen "Infiltration" strafrechtlich verfolgt und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt werden (a.a.O. S. 6 f.). Gemäss Aussagen der israelischen Regierungsspitze kommen Deportati- onen von eritreischen Asylsuchenden zwar aktuell nicht in Betracht. Für deren Unterbringung sollen indes die Kapazitäten im Saharonim - Gefängnis von N egev vergrössert werden. Überdies äusserte sich ein anderes Regierungsmitglied in einem Radiointerview zur Situation der Eritreer; dabei legte es dar, es gehe davon aus, dass deren Deportation in Zukunft möglich sein werde. Es bekräftigte seine Hoffnung, d ass Erit- reer, die ein Conditional-Release-Dokument hätten, bald aus Tel Aviv und anderen Städten entfernt und im Haftzentrum von Negev untergebracht D-2718/2013 Seite 10 werden könnten. Generell haben Hetzkampagnen von Knesset - Abgeordneten und hochrangigen Beamten gegen Afrika ner erheblich z u- genommen. In der Folge kam es zu schwerwiegenden Übergriffen (a.a.O. S. 8 ff.; vgl. auch HRW, a.a.O.). Einer neusten Quelle zufolge hat sich die Situation für eritreische Asylsuchende in Israel offenbar noch verschärft. Wiederholt sollen Asylsuchende inhaftiert und unter Drohungen zur Au s- reise genötigt worden sein. Auch Personen, welche schon während Ja h- ren dort lebten, sollen in Haft genommen worden sein (vgl. HRW, Israel: Detained Asylum Seekers Pressured to Leave, vom 13. März 2013, und Israel: New Pressure on Asylum Seekers to Leave, vom 23. Juli 2013). 6.4.7 Mit dem BFM – und dem Beschwerdeführer selbst – ist davon aus- zugehen, dass d ieser nicht konkret von einer Ausschaffung nach Eritrea bedroht ist, da er gemäss den eingereichten Beweismittel n im Besitz e i- ner "Conditional Release" ist, deren Gültigkeitsdauer verlänger bar ist. In- soweit m uss er zumindest vorläufig nicht mit einer Rückschaffung ins Heimatland rechnen. Die nicht zufriedenstellende Lebenssituation in Be- zug auf Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten vermag für sich allein b e- sehen die Unzumutbarkeit der Schutzinanspruchnahme vor Ort nicht zu begründen. Hingegen besteht gemäss verfügbaren Quellen die reale G e- fahr, dass er in Haft genommen, in einem Haftzentrum für längere Zeit festgehalten und zur Ausreise genötigt w ird (vgl. HRW vom 13. März 2013 und 23. Juli 2013 , wo von der beabsichtigten Inhaftierung von Ta u- senden von Eritreern die Rede ist). Demzufolge ist es ih m objektiv kaum zumutbar, weiterhin in Israel zu verbleiben (vgl. zum G anzen auch EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.3). Die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in Israel müssen jedenfalls als marginal b e- zeichnet werden. 6.4.8 Weiter ist zu prüfen, ob es aufgrund der gesamten Umstände geb o- ten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die dem Beschwerdeführer den notwendigen Schutz zukommen lassen soll. Bei dieser Abwägung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person bezi e- hungsweise Personen zur Schweiz ein zentrale s, wenn auch – wie vorne in E. 6.4.1–6.4.3 ausgeführt – nicht das einzige Kriterium (vgl. EMARK 2004 Nr. 21 E. 4.b.aa). Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerde- führer keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz hat. Wie vorgängig angeführt, kann jedoch für eine Ablehnung eines Asylges uchs nicht allei- ne die fehlende Beziehungsnähe zur Schweiz ausschlaggebend sein. So ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hinreichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren D-2718/2013 Seite 11 bietet und eine Abschiebung in den Heimatstaat nicht ausgeschlossen er- scheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). In casu liegen sodann durchaus hinreichende Hinweise auf eine relevante Gefährdungs- lage vor, die eine genügende Grundlage bilden, um seinen Verbleib in Is- rael als unzumutbar zu qualifizieren. Das BFM hat die Ausschlussklausel nach aArt. 52 Abs. 2 AsylG demnach zu Unrecht angewendet. 6.5 Nach dem Gesagten ist de m Beschwerdeführer die Einreise in di e Schweiz zur Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens zu bewilligen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 7.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen od er auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). D er Beschwerdeführer ist nicht anwaltlich vertreten und ha t auch nicht dargetan – noch ist aus den Akten ersichtlich –, dass und inwiefern ihm verhältnismässig hohe Kosten entstanden sind. Aus diesem Grund ist keine Parteientsc hädigung zuzu- sprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-2718/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 19. März 2013 wird aufgehoben. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die schweize- rische Vertretung in Tel Aviv. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand: