B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5063/2013/mel U r t e i l v o m 6 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), F._______, geboren (…), und G._______, geboren (…), Syrien, alle vertreten durch Ozan Polatli, Advokatur Gysin + Roth, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Rechtsverzögerung (Asyl und Wegweisung) / N (…). D-5063/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden suchten am 10. September 2010 respektive am 29. August 2011 (C._______ und D._______) in der Schweiz um Asyl nach. Am 14. September 2010 respektive am 1. September 2011 wurden sie im jeweiligen Empfangs - und Verfahrenszentrum (H._______ respek- tive I._______) zur Person, zu den Gesuchsg ründen sowie zum Reis e- weg summarisch befragt und in der Folge am 23. September 2010 r e- spektive am 8. September 2011 für die Dauer des Verfahrens dem Ka n- ton J._______ zugewiesen. B. Am 13. Januar 2012 wurden die Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ausführlich zu ihren Asylgründen angehört. C. Am (…) wurde der Sohn G._______ geboren. D. Mit Eingaben vom 25. Juli und 6. Dezember 2012 reichten die Beschwer- deführenden weitere Beweismittel ein. E. Das BFM gab am 24. Dezember 2012 ein LINGUA -Gutachten betreffend die Tochter C._______ in Auftrag. Ein Experte der Fachstelle LINGUA führte daraufhin am 28. Januar 2013 mit C._______ ein Gespräch zwecks Herkunftsabklärung durch. F. Mit Eingabe vom 18. April 2013 liessen die Beschwerdeführenden weitere Beweismittel einreichen. G. Mit Eingabe vom 23. Mai 2013 zeigte der aktuelle Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden dem BFM seine Mandatsübernahme an und bat unter Hinweis auf die lange Verfahrensdauer um baldige Gutheissung der Asylgesuche. Gleichzeitig wurden weitere Bewei smittel zu den Akten g e- reicht. Mit einer weiteren Eingabe vom 5. Juli 2013 liessen die Beschwe r- deführenden erneut um einen baldigen Asylentscheid ersuchen. D-5063/2013 Seite 3 H. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden stellte mit Eingabe an das BFM vom 17. Juli 2013 in Aussicht, er werde eine Rechtsverzögerung s- beschwerde einreichen, falls das BFM nicht bis spätestens am 16. August 2013 einen Asylentscheid fälle. I. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 10 . September 2013 liessen die Beschwerdeführenden eine Beschwerde wegen Rechtsverz ö- gerung (Art. 46a des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [ VwVG, SR 172.021]) einreichen. Dabei wurde beantragt, es sei festzustellen, dass die Asylverfahren der Beschwerdeführenden vor dem BFM zu lange dauerten; das BFM sei daher anzuweisen, diese ohne wei- tere Verzögerungen an die Hand zu nehmen und zügig abzuschliessen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der vollumfänglichen u n- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG s o- wie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Ausserdem wurde beantragt, den Beschwerdeführenden sei zu allfälligen Stellungnahmen des BFM das Replikrecht einzuräumen. Der Beschwerde lag eine Vollmacht vom 25. April 2013 (in Kopie) bei. J. Der zuständige Instruktionsrichter teilte den Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 16. September 2013 mit, über das Gesuch um Gewä h- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde i m Endentscheid befunden . Die Beschwerdeführenden wurden diesbezüglich aufgefordert, unverzüglich eine Bestätigung der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit nachzureichen. Sodann wurde das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) abge- wiesen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet und die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist eingeladen. K. Mit Eingabe vom 24. September 2013 liessen die Beschwerdeführenden eine "Unterstützungsbedürftigkeitserklärung" des Kantonalen Sozialdiens- tes (Kanton J._______) vom 20. September 2013 nachreichen. L. Das BFM äusserte sich in seiner Vernehmlassung vom 27. September 2013 zu den Beschwerdevorbringen. Die Beschwerdeführenden liessen D-5063/2013 Seite 4 darauf mit Eingabe vom 16. Oktober 2 013 replizieren. Der Eingabe lag eine Honorarnote gleichen Datums bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 des Ve r- waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vo r- instanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Das BFM gehört zu den in Art. 33 VGG umschriebenen Vorin stanzen des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme liegt nicht vor. Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern ei- ner anfechtbaren Verfügung kann wie gegen die Verfügung selbst B e- schwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz. 3 zu Art. 46 a). Das Bun- desverwaltungsgericht ist demnach zuständig für die Beurteilung der vo r- liegenden Beschwer de und entscheidet darüber endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen (oder k eine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten) hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Die Rechtsverweigerungs - und Rechtsverzögerungsb e- schwerde ist akzessorisch zum Haupt verfahren, weshalb sich die B e- schwerdebefugnis sinngemäss ebenfalls nach Art. 48 Abs. 1 VwVG b e- stimmt. Sodann wird bei der Rechtsverweigerungs - und Rechtsverzöge- rungsbeschwerde hinsichtlich der Legitimation vorausgesetzt, dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist anzune h- men, wenn der gesuchstellenden Person gemäss Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt und die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu handeln (vgl. dazu BVGE 2008/15 E. 3.1.1 –3.3, mit weiteren Hinweisen). Demnach sind die Beschwerdeführenden zur Fü h- rung der vorliegenden Beschwerde legitimiert. D-5063/2013 Seite 5 1.3 Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer Verf ü- gung kann grundsätzl ich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Die Grenze bildet der Grundsatz von Treu und Glauben . Bietet eine bestimmte behördliche Handlung oder Äusserung objektiv b e- gründeten Anlass für eine Rechtsverweigerungs - oder Rechtsverzög e- rungsbeschwerde, darf nicht beliebig lange zugewartet werden. Vielmehr muss die Beschwerde innert angemessener Frist erhoben werden. Was angemessen ist, bemisst sich nach den konkreten Umständen, insbeso n- dere nach der individuell zumutbaren Sorgfaltspflicht. Ve rweigert die B e- hörde ausdrücklich den Erlass einer Verfügung, so ist nach diesen Grund- sätzen innerhalb der gesetzlichen Frist von 30 Tagen Beschwerde zu e r- heben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P .16/2002; MARKUS MÜLLER, a.a.O., Rz. 10 zu Art. 46 a; RENÉ RHINOW/HEINRICH KOLLER/CHRISTINA KISS/DANIELA THURNHEER/DENISE BRÜHL-MOSER, Öffentliches Prozes s- recht, 2. Aufl., Basel 2010, Rz. 1606). Im vorliegenden Fall manifestiert sich das schutzwürdige Interesse der Beschwerdeführenden an der Vo r- nahme der allenfalls verzögerten Amtshandlung bereits in den aktenku n- digen Eingaben, mit welchen sie wiederholt um baldige Verfahrenserled i- gung ersucht hatten. 1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die frist - und form- gerecht eingereichte Beschwerde einzutreten. 2. Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sich auf die Frage, ob das Gebot des Rechtsschutzes in angemessener Zeit im konkreten Fall verletzt worden ist oder nicht. Im Falle einer Guthei s- sung der Beschwerde weist es die Sache mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG ). Hingegen hat sich das Gericht einer Stellungnahme dazu, wie ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte ausfallen sollen, zu enthalten, da es – Spezial- konstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen B e- hörde entscheiden darf, ansonsten der Instanzenzug verkürzt und alle n- falls weitere Rechte der am Verfahren Beteiligten verletzt würden (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2 S. 193, mit weiteren Hinweisen). 3. 3.1 Das Verbot der Rechtsverweigerung respektive Rechtsverzögerung ergibt sich aus Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101). Demnach hat jede Person unter anderem Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert angemessener Frist. Diese Verfassungsgarantie gilt für alle Sachbereiche D-5063/2013 Seite 6 und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. BGE 130 I 173 f., mit weiteren Hinweisen). 3.2 Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn sich eine Behörde weigert, eine Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu aufgrund der einschlägigen Rechtsnormen verpflichtet wäre. Rechtsverzögerung ist dann anzune h- men, wenn sich die Behörde zwar grundsätzlich bereit zeigt, die in Frage stehende Verfügung zu erlassen, dies aber nicht innert gesetzlicher oder – falls eine solche fehlt – angemessener Frist tut und für die Verzögerung kein objektiver Recht fertigungsgrund vorliegt. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der g e- samten Umstände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei n a- mentlich die Komplexität der Sache, die Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei, ihr Verhalten und dasjenige der beteiligten Behörde sowie einzelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 und 5.2 , mit weiteren Hinweisen auf Lehre und Praxis). Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausg e- setzt; somit verletzt sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann, wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemessener Frist verfügt (vgl. BGE 107 Ib 160 E. 3c, BGE 103 V 190 E. 5.2; FELIX UHLMANN/SIMONE WÄLLE-BÄR, in: Praxiskommentar VwVG, Wal d- mann/Weissenberger [Hrsg.], Zürich 2009, Art. 46a N. 20). 3.3 Gemäss Art. 29 Abs. 1 Bst. b AsylG hört das Bundesamt die A sylsu- chenden innerhalb von 20 Tagen nach dem Entscheid über die Kanton s- zuteilung zu den Asylgründen an. Entscheide nach Art. 38–40 AsylG sind sodann in der Regel innerhalb von 20 Arbeitstagen nach der Gesuchste l- lung zu treffen (Art. 37 Abs. 2 AsylG) beziehungsweise innerhalb von drei Monaten, wenn weitere Abklärungen im Sinne von Art. 41 AsylG erforder- lich sind (Art. 37 Abs. 3 AsylG). 4. 4.1 In der vorliegenden Rechtsverzögerungsbeschwerde wird im Wesent- lichen geltend gemacht, die Beschwerdeführenden hätten am 10. Se p- tember 2010 in der Schweiz Asylgesuche gestellt. Am 23. Mai 2013 hä t- ten sie erstmals um einen baldigen Asylentscheid gebeten und dabei d i- verse Unterlagen zum Nachweis ihrer Flüchtlingseigenschaft eingereicht. Da das BFM darauf nicht reagiert habe, h ätten sie mit Eingaben vom 5. und 22. Juli 2013 erneut um baldige Gutheissung des Asylgesuchs r e- spektive immerhin um Information zum Verfahrensstand gebeten. Auch darauf hätten sie vom BFM keinerlei Rückmeldung erhalten. Das Asylver-D-5063/2013 Seite 7 fahren der Beschwerdeführenden sei inzwischen seit drei Jahren hängig. Das Bundesverwaltungsgericht habe in einem Urteil vom 26. Februar 2013 (E-6418/2012) eine Rechtsverzögerungsbeschwerde gutgeheissen, weil ein Asylgesuch knapp zwei Jahre lang nicht behandelt worden sei. Obwohl die Beschwerdeführenden mehrmals eine baldige Verfahrense r- ledigung beantragt hätten, habe das BFM bis heute nicht über die Asy l- gesuche entschieden. Diese Untätigkeit sei für die Beschwerdeführenden nicht mehr hinnehmbar. Es sei daher festzustellen, dass d as Verfahren unverhältnismässig lange dauere und das BFM das Beschleunigungsg e- bot verletzt habe. 4.2 In seiner Vernehmlassung führt das BFM aus, die Beschwerdefü h- renden seien am 13. Januar 2012 zu ihren Asylgründen angehört worden. Sodann sei am 24. Dezember 2012 ein LINGUA -Gutachten zur He r- kunftsabklärung in Auftrag gegeben worden, welches dem BFM am 22. August 2013 zugestellt worden sei. Das Asylverfahren der Beschwer- deführenden sei also nicht sistiert worden. Die Bundesanhörungen hätten stattgefunden, ausse rdem hätten einzelfallspezifische Abklärungen vo r- genommen werden müssen. Aufgrund der hohen Geschäftslast könne keine verbindliche Angabe zur weiteren Dauer des Verfahrens gemacht werden. Das BFM werde sich jedoch bemühen, das Asylverfahren nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens zügig zum Abschluss zu bringen. 4.3 In der Replik wird entgegnet, das BFM habe vorliegend die geltenden Ordnungsfristen bei Weitem nicht eingehalten und könne offenbar auch zur weiteren Verfahrensdauer keine verbindlichen Angaben mach en. Die Beschwerdeführenden seien erst 14 Monate nach der Einreichung ihrer Asylgesuche überhaupt zu ihren Asylgründen angehört worden. Das LINGUA-Gutachten sei ebenfalls in Verletzung des Beschleunigungsg e- bots erst zwei Jahre nach Einreichung der Asylgesu che in Auftrag geg e- ben worden. Der Gutachter habe sodann neun Monate für die Erstellung seines Berichts benötigt. Gemäss Art. 37 Abs. 3 AsylG sei der Entscheid in der Regel innerhalb von drei Monaten nach der Gesuchseinreichung zu treffen, sofern weitere A bklärungen erforderlich seien. Diese Frist sei o f- fensichtlich nicht eingehalten worden; die Beschwerdeführenden würden nun schon über drei Jahre auf einen Entscheid warten, ein Ende sei a n- gesichts der Ausführungen in der Vernehmlassung nicht absehbar. Das Asylverfahren dauere somit eindeutig zu lange. Die Untätigkeit des BFM sei für die Beschwerdeführenden äusserst belastend und nicht mehr hi n- nehmbar. Da das BFM auch auf die Ersuchen der Beschwerdeführenden D-5063/2013 Seite 8 um einen baldigen Entscheid nicht reagiert habe, h ätten sie sich gezwun- gen gesehen, Rechtsverzögerungsbeschwerde zu erheben. 5. 5.1 Die Beschwerdeführenden haben am 10. September 2010 respektive am 29. August 2011 ( C._______ und D._______) Asylgesuche gestellt; die jeweiligen Kantonszuweisungen erfolgten am 23. September 2010 re- spektive am 8. September 2011 . Die Bundesanhörungen wurden jedoch erst am 13. Januar 2012, das heisst über ein Jahr respektive ungefähr fünf Monate nach der Zuweisung an den Kanton durchgeführt. Abgese- hen von der bekannten hohen Geschäft slast wurden seitens des BFM keine Gründe für diese Verzögerung angeführt. Im Weiteren ist festzustel- len, dass, obwohl die Bundesanhörungen im Januar 2012 abgeschlossen wurden, das LINGUA-Gutachten betreffend die Tochter C._______ ohne ersichtlichen Grund erst ein knappes Jahr später, nämlich am 24. D e- zember 2012 , in Auftrag gegeben wurde; das entsprechende Interview fand am 28. Januar 2013 statt. Auch diese Verzögerung ist aufgrund der Aktenlage unerklärlich, zumal die zuständige Sachbearbeiterin bereits in ihrer Notiz vom 16. Januar 2012 (vgl. A21) auf die sprachliche Auffälligkeit bei der Tochter C._______ hingewiesen hat. Es ist demnach davon au s- zugehen, dass bereits Ende Januar 2012 der Bedarf für weitere Abkl ä- rungen im Sinne eines Herkunftsgutachtens grundsätzlich feststand. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb fast ein Jahr zugewartet wurde, bis ein LINGUA-Gutachten schliesslich angeordnet wurde, zumal sich in der Zwischenzeit keine neuen, diesbezüglich relevanten Fakten ergaben. Das fragliche LINGUA-Gutachten wurde dem BFM sodann erst über ein hal- bes Jahr später, nämlich am 22. August 2013, zugestellt. Weshalb die Er- stellung des Gutachtens so lange dauerte, kann den Akten nicht en t- nommen werden. Hingegen ist aktenkundig, dass sich die mit den Asy l- verfahren der Beschwerdeführenden befasste Sachbearbeiterin erst dann bei der Sektion LINGUA nach dem Stand des Gutachtens erkundigte, nachdem sich die Beschwerdeführenden mehrmals über die lange Ve r- fahrensdauer beklagt und einen baldigen Entscheid erbeten hatten. Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass das BFM die für das erstinstanzl i- che Asylverfahren geltenden Ordnungsfristen von Art. 29 Abs. 1 Bst. b AsylG sowie Art. 37 Abs. 3 AsylG (vgl. dazu vorstehend E. 3.3) im vorli e- genden Fall in erheblicher Weise missachtete. Zwar ist dem Bundesver- waltungsgericht die hohe Geschäftslast der Vorinstanz bekannt, und es ist nachvollziehbar, dass nicht jedes einzelne Asylverfahren innerhalb der gesetzlichen Behandlungsfrist abgeschlossen werden kann. Länger dau- ernde Verfahren sind unvermeidbar; diesem Umstand wird auch durch die D-5063/2013 Seite 9 Formulierung "in der Regel" (vgl. Art. 37 Abs. 2 und 3 AsylG) Rechnung getragen. Im vorliegenden Fall wurde die Behandlungsfrist jedoch deu t- lich überschritten, und zwar ohne dass dafür vom BFM konkrete einzel- fallspezifische Gründe angeführt wurden. Auch eine Durchsicht der Akten vermag die phasenweise Inaktivität des BFM bezüglich der Asylverfahren der Beschwerdeführenden nicht zu erklären. Ausser der erwähnten LI N- GUA-Begutachtung standen keine weiteren Abklärungsmassnahmen im Raum. Das BFM macht auch nicht geltend, es handle sich bei den vorli e- genden Asylverfahren um besonders komplexe Fälle. Aufgrund dieser Erwägungen muss daher insgesamt festgestellt werden, dass die Asylver- fahren der Beschwerdeführenden, welche inzwischen über drei (respekti- ve im Fall von C._______ und D._______ über zwei) Jahre alt sind, un- angemessen lang dauern. 5.2 Die Rüge der Rechtsverzögerung erweist sich demnach als begrü n- det, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist. Die Akten gehen an die Vorinstanz zurück, verbunden mit der Anweisung, über die Asylgesuche der Beschwerdeführenden vom 10. September 2010 respektive 29. A u- gust 2011 zügig zu entscheiden. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 63 Abs.1 und 2 VwVG). Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird damit gegenstandslos. 6.2 Den obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführern ist zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen no t- wendigen und verhältnismässig hohen Kosten des Beschwerdeverfa h- rens zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Regl e- ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechts- vertreter der Beschwerdeführenden reichte eine Kostennote vom 16. O k- tober 2013 zu den Akten. Der darin ausgewiesene Rechnungsbetrag von Fr. 1'286.65 umfasst indessen auch Aufwendungen und Auslagen, welche nicht direkt im Zusammenhang mit dem vorliegenden Beschwerdeverfa h- ren getätigt wurden, sondern offensichtlich die beim BFM hängigen Asy l- verfahren betreffen. Die Kostennote ist daher angemessen zu kürzen. Im Weiteren ist aus der "Detaillierung" nicht ersichtlich, welcher Stundena n- satz (Fr. 250. – oder Fr. 166. –) für die konkreten Aufwendungen jeweils verrechnet wurde. Im Folgenden ist daher von einem durchschnittlichen D-5063/2013 Seite 10 Stundenansatz von Fr. 208. – auszugehen. Somit hat das BFM den Be- schwerdeführenden in Anwendung der genannten Bestimmungen sowie unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 1'000.– (inkl. MWSt und Auslagen) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-5063/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Das BFM wird angewiesen, die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ohne weitere Verzögerungen zum Abschluss zu bringen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.– (inkl. Auslagen und MWSt) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: