Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. August 2016 (720 16 11 / 188) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Der Anspruch auf eine Rente wurde von der IV-Stelle zu Recht abgelehnt; das vorliegen- de medizinische Gutachten gibt genügend Aufschluss über die massgebenden Indikato- ren gemäss BGE 141 V 281. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1959 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Janu ar 2004 bis 30. August 2014 bei B.____, als Lagermitarbeiterin angestellt. Am 23. Juli 2013 meldete sie sich bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leis tungen an. Nachdem die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erw erblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, er- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht mittelte sie bei der Versicherten ab 1. Juni 2013 eine n IV-Grad von 100% und ab 1. Januar 2015 einen solchen von 15%. Gestützt auf dieses Ergebnis sp rach sie A.____ mit Verfügung vom 23. Dezember 2015 für den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 31. März 2015 eine befristete ganze Rente zu. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 18. Januar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 23. Dezember 2015 sei ihr auch für die Zeit ab April 2015 eine ganze Rente auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der Entscheid auf unzureichenden Abklärungen beruhe. Zudem sei- en die Voraussetzungen für eine Rentenrevision gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (A TSG) vom 6. Oktober 2000 nicht erfüllt und ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden. C. In ihrer Vernehmlassung vom 1. April 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. In ihrer Replik vom 24. April 2016 hielt die Beschwe rdeführerin an ihren Anträgen fest. Die IV-Stelle verzichtete am 4. Mai 2016 auf eine Duplik. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht frist- und formgerecht eingereich- te Beschwerde vom 18. Januar 2016 ist einzutreten. 2.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet in formeller Hi nsicht, die IV-Stelle habe die bei der Bemessung der Invalidität vorgenommene Parallelisie rung der Vergleichseinkommen nicht begründet. Damit habe sie den Anspruch auf rechtliches G ehör verletzt. Bei diesem Einwand handelt es sich um eine Rüge formeller Natur. Sollte sich diese als begründet erweisen, kann dies zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führe n, ohne dass die Angelegenheit materi- ell beurteilt würde. Der betreffende Einwand ist desh alb vorab zu prüfen (Urteil des Bundesge- richts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). 2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweize rischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseit s stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift (BGE 132 V 370 E. 3.1 mit zahlreichen Hinw eisen). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt das rechtliche Gehör, dass die Behörde die Vorbringen der vom Ent- scheid betroffenen Person auch tatsächlich hört, ernsth aft prüft und in ihrer Entscheidfindung Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht angemessen berücksichtigt (BGE 136 I 188 E. 2.2.1 mit Hi nweis). In Konkretisierung dieses verfassungsrechtlichen Gehörsanspruchs statuiert Art. 49 Abs. 3 ATSG die grundsätzliche Pflicht der Versicherungsträger, ihre Verfügungen zu beg ründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen. Zur Frage, welche Begründungsdichte die Verfügung aufweisen muss, äussert sich die genannte Bestimmung nicht. Diesbezügl ich ist auf die bundesgerichtli- che Rechtsprechung zu verweisen, wonach die Begründung so abgefasst sein muss, dass die betroffene Person die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur mög- lich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Zu diesem Zweck müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen un d auf die sich ihre Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vi elmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124 V 181 E. 1 mit Hinweisen; vgl. auch 136 I 188 E. 2.2.1). 2.3 Der Beschwerdeführerin ist insofern beizupflichte n, als die Vorinstanz die in der ange- fochtenen Verfügung vorgenommene Parallelisierung nic ht begründete, weshalb eine Verlet- zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör grundsätzlich zu be jahen ist. Diese kann aber nicht als derart schwerwiegend betrachtet werden, dass sie ein e Rückweisung zu nochmaligem Ent- scheid unter Einhaltung der verfahrensmässigen Anforderun gen rechtfertigen würde. Die Rechtsprechung lässt eine Heilung einer nicht schwer wiegenden Gehörsverletzung – wovon im vorliegenden Fall auszugehen ist – dort zu, wo die betr offene Person die Möglichkeit hat, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sa chverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, Art. 42 N 15 f.). Die Be- schwerdeführerin hätte sich im vorliegenden Verfahren, i n welchem das Kantonsgericht sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann, zu der in der Vernehmlassung der IV-Stelle nachgereichten Begründung äussern können, worauf sie aber verzichtete. Die Ver- letzung des rechtlichen Gehörs kann demnach als geheilt erachtet werden. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist der Rentenansp ruch der Beschwerdeführerin. Mass- gebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 23. Dezember 2015 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar beitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleib t folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 4.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 5.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 5.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind IV-Renten für die Zu kunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in ein er für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält- nissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundhe itszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; RUDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grund figur na- mentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaffhauser/S chlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 6. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 6.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 6.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen b eruht, auch die geklagten Beschwer den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 7. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im Wesentlichen folgende medizinische Unterlagen zu berücksichtigen. 7.1 Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychot herapie, mit einem bidisziplinären Gutachten. Am 31. März 2015 konnte Dr. D.____ keine Di agnose mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit feststellen. Ohne Einfluss auf die Arbei tsfähigkeit bestünde eine Schmerzverar- beitungsstörung (ICD-10 F54). Die Versicherte zeige kein e psychopathologischen Symptome. Sie fühle sich wegen der Rückenbeschwerden nicht mehr arb eitsfähig. Da die geklagten Be- schwerden somatisch nicht hinreichend geklärt werden könnt en, müsse eine psychische Über- lagerung angenommen werden. Eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestünde aber nicht. Es sei der Versicherten zuzumuten, trotz der geklagten Beschwerden die nötige Wil- lenskraft aufzubringen, um ganztags einer beruflichen T ätigkeit nachgehen zu können. Am 13. April 2015 diagnostizierte Dr. C.____ mit Auswirku ng auf die Arbeitsfähigkeit ein chroni- sches Lumbovertebralsyndrom und Osteoporose. Ohne Einfl uss auf die Arbeitsfähigkeit be- stünde ein chronisches Cervicalsyndrom. Insgesamt sei es schwie rig, die genaue Schmerzur- sache im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) zu bezeich nen. Tatsache sei, dass Patienten mit Spondylodesen oftmals nicht schmerzfrei seien. Die f eine Berührungsempfindlichkeit in die- sem Bereich und im Bereich des Schulter-Nacken-Gürtels l iessen eine somatoforme Kompo- nente vermuten, allerdings seien die Waddell-Zeichen b ei Status nach Rückenoperation nicht verwertbar. Die zuletzt ausgeübte körperlich schwer bela stende Tätigkeit als Lagermitarbeiterin sei nicht mehr zumutbar. Angepasste Tätigkeiten ohne Heb en, Stossen oder Ziehen von mehr als 5 kg, ohne dauerndes Stehen oder Sitzen, ohne Zwan gsstellungen, repetitives vornüber Beugen oder Arbeiten mit dauernd reklinierter Wirbel säule Überkopf seien indes ab 1. Januar 2015 im Umfang von 80% zumutbar. Dabei sei ein vermehr ter Pausenbedarf von 20% bereits berücksichtigt. Für den Beginn der Arbeitsunfähigkeit ve rwies Dr. C.____ auf die Berichte des behandelnden Arztes Dr. med. E.____, FMH Allgemeine I nnere Medizin, vom 1. August 2013 und 10. April 2014. Demnach sei die Versicherte in de r bisherigen Tätigkeit seit dem 1. Dezember 2012 dauerhaft vollständig Arbeitsunfähig gewesen. Es sei davon auszugehen, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass bis Ende Dezember 2014 eine vollständige Arbeitsunf ähigkeit bestanden habe. Ab 1. Ja- nuar 2015 sei eine angepasste Verweistätigkeit zumutbar . Infolge der Rippenfrakturen sei je- weils während sechs Wochen von einer vollständigen Arbei tsunfähigkeit auszugehen. Hernach bestünde wiederum eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Abw eichende fachärztliche Beurteilungen würden nicht vorliegen. Da aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu attestieren sei, gelte die rheumatologische Einschätzun g der Arbeitsfähigkeit als Gesamtbe- urteilung. 7.2.1 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens nahm Dr. med. F.____, Fachärztin für Physi- kalische und Rehabilitative Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, zu den Einwänden der Beschwerdeführerin zum Vorbescheid vom 1 1. Juni 2015 Stellung. Am 15. Juli 2015 hielt sie fest, es treffe nicht zu, dass Dr. C.____ im Vergleich zu den Akten unveränderte Befunde festgestellt und einen unveränderten Gesundhe itszustand anders beurteilt habe. Ein Vergleich sei aufgrund der Dokumentation gar nicht m öglich. Der Beginn der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit sei vom Gutachter arbiträr auf d en 1. Januar 2015 festgelegt worden. So habe sich die Versicherte ab Herbst 2014 nicht mehr in einem ärztlichen Abklärungsprozess befunden und es sei spätestens mit der Stellungnahme d es Hausarztes vom 19. November 2014 von einem stabilen Endzustand auszugehen. Auch die Abklärungen der nicht IV- relevanten Diagnosen seien bis zur Stellungnahme des beha ndelnden Arztes Dr. E.____ vom 19. November 2014 abgeschlossen gewesen. Daher sei der Gutachter zu Gunsten der Versi- cherten ab Januar 2015 von einem medizinischen Endzustan d ausgegangen und habe seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erst ab diesem Zeitpunkt festgelegt. Er habe zudem empfohlen, die vom behandelnden Arzt Dr. E.____ bis zum diesem Zeitpunkt attestierten Arbeitsunfähigkei- ten zu akzeptieren. Die im Zeitpunkt der Begutachtung be standene Rippenfraktur habe zwar eine vorübergehende vollständige Arbeitsunfähigkeit be gründet; von einer anhaltenden voll- ständigen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne aber nicht ausgegangen werden. Die Beur- teilung des Gutachters sei daher plausibel. Schliesslich sei eine relevante Beeinträchtigung in- folge der Schmerzmittel nicht dokumentiert. Mit der Do sierung und der Verabreichungsform der Schmerzmittel sei weder eine Einschränkung der Arbeitsfä higkeit in einer Verweistätigkeit zu befürchten noch beklage die Versicherte entsprechende Beeinträchtigungen. 7.2.2 Am 21. Oktober 2015 nahm die RAD-Ärztin Dr. F._ ___ zudem zur Frage Stellung, ob das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ auch den Vorgaben in BGE 141 V 281 entspreche. Dabei prüfte sie die Indikato ren anhand des Gutachtens von Dr. D.____ und kam zusammenfassend zum Schluss, dass im Lich te der neuen Rechtspre- chung nach Analyse der Standardindikatoren davon ausgega ngen werden könne, dass bei der Versicherten in psychiatrischer Hinsicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege. 8.1 Die IV-Stelle ging gemäss den Beurteilungen der D res. C.____ und D.____ vom 31. März 2015 und 13. April 2015 davon aus, dass die Ver sicherte seit dem 1. Juni 2012 voll- ständig arbeitsunfähig war und ihr ab dem 1. Januar 2 015 angepasste Tätigkeiten im Umfang Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 80% möglich und zumutbar sind. Nach dem oben Gesagte n (vgl. E. 6.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und - ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen . Vorliegend sind keine Gründe er- sichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten der Dres. C.____ und D.____ in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutach- ten die Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsg rundlage in jeder Hinsicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht ver- langt wird (vgl. E. 6.2 hiervor) – umfassend, beruht au f allseitigen Untersuchungen, berücksich- tigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beu rteilung der medizinischen Situati- on ein und nimmt insbesondere eine hinreichende Beurt eilung der Arbeitsfähigkeit der Versi- cherten vor. Sodann weist das Gutachten keine Widersprüc he auf und es setzt sich auch hin- länglich mit den bei den Akten liegenden ärztlichen Ei nschätzungen auseinander. Die entspre- chenden vorstehend (vgl. E. 7.1) wiedergegebenen Darle gungen der Gutachter vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 8.2 Daran ändern die Ausführungen der Beschwerdeführe rin nichts. Wenn sie rügt, Dr. C.____ habe zwar die vom behandelnden Arzt Dr. E._ ___ bescheinigte vollständige Ar- beitsunfähigkeit bis 31. Dezember 2014 anerkannt, dan n aber ohne Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG ab 1. Januar 2015 für angepasst e Verweistätigkeiten eine Arbeitsfä- higkeit von 80% attestiert, kann ihr nicht gefolgt wer den. Zunächst ist der Revisionstatbestand von Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliegend nicht anwendbar, da eine erstmalige Rentenprüfung und nicht eine Revisionsprüfung in Frage steht. Weiter ist zu beachten, dass sich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von Dr. E.____ in erster Linie a uf die bisherige Tätigkeit als Lagermitarbei- terin bezieht. Dr. E.____ verneinte zwar auch eine Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit. Aus seinen Berichten ist indes weder erkennbar, von welcher Verweistätigkeit er ausgegangen ist noch ist die von ihm attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit hinreichend begründet. Demnach kann nicht gesagt werden, Dr. C.____ habe die erwerb lichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes anders beurteilt. Aufg rund der vorliegenden Akten ist da- von auszugehen, dass ab Herbst 2014 keine weiteren ärztliche n Abklärungen durchgeführt wurden. Zudem teilte der behandelnde Arzt Prof. Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirur- gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, der IV-Stelle am 21. Oktober 2014 (Eingang) mit, dass er die Versicherte nicht mehr gesehen habe. U nter diesen Umständen erscheint die Beurteilung des Gutachters, wonach der Versicherten arbi trär ab dem 1. Januar 2015 ange- passte Verweistätigkeiten im Umfang von 80% möglich und z umutbar seien, plausibel und fällt mit Blick auf die medizinischen Vorakten wohl eher zu ihren Gunsten aus. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist das Gutachten weder vage form uliert noch schwierig nachvollzieh- bar. Auch wenn die Exploration aufgrund der frischen Rippenfraktur nur mit grosser Zurückhal- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tung erfolgte, hielt Dr. C.____ explizit fest, dass die Untersuchung als Ganzes gut möglich ge- wesen sei, da die Versicherte trotz der Schmerzen sehr gu t kooperiert habe. Weiter hat Dr. C.____ den Auswirkungen der Osteoporose auf die Lei stungsfähigkeit gebührend Rech- nung getragen und nachvollziehbar dargelegt, dass Rippe nfrakturen bloss zu einer vorüberge- henden Arbeitsunfähigkeit von sechs Wochen führen würd en. Soweit die Beschwerdeführerin davon ausgeht, dass aufgrund der jederzeitigen Gefahr eines Rippenbruchs eine vollständige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei, kann ihr nicht gef olgt werden, da aufgrund der vorliegen- den Akten regelmässige und häufige Rippenfrakturen nicht belegt sind. Auch die Rüge der Be- schwerdeführerin in Bezug auf Beweistauglichkeit des Guta chtens von Dr. D.____ geht fehl. Der psychiatrische Experte gelangte zum Ergebnis, dass die d iagnostizierte Schmerzverarbei- tungsstörung die Arbeitsfähigkeit nicht einschränke. Auch wenn das Gutachten relativ kurz aus- gefallen ist, überzeugt seine Beurteilung auch im Lichte von BGE 141 V 281. So ergibt sich aus dem Gutachten, dass sich die Versicherte noch nie in eine r psychiatrischen oder psychologi- schen Behandlung befand und erst seit kurzer Zeit ein b loss schlafanstossendes Antidepressi- vum einnimmt, was gegen einen invalidisierenden Gesundh eitsschaden spricht. Hinzu kommt, dass bei der Untersuchung keine funktionellen Einschränkun gen festgestellt werden konnten. Dies lässt sich nicht vereinbaren mit einer nennenswerten psychisch bedingten Einschränkung bei erwerblichen Tätigkeiten. Insgesamt überzeugt die vom Psychiater attestierte volle Arbeits- fähigkeit, weswegen eine Invalidität auszuschliessen ist. D amit erübrigt sich die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach den Standardi ndikatoren gemäss BGE 141 V 281. Schliesslich ist eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähig keit zufolge des Schmerzmittelkonsums weder dokumentiert noch substantiiert dargelegt. Die Rüge ist deshalb unbegründet. 9. Nach dem Gesagten ist gemäss der massgebenden Beurteilu ng der Dres. C.____ und D.____ davon auszugehen, dass die Versicherte ab dem 1. Juni 2012 bis 31. Dezember 2014 vollständig arbeitsunfähig war. Hernach sind ihr angep asste Tätigkeiten im Umfang von 80% möglich und zumutbar. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht ei ne andere Einschätzung der Ver- gleichseinkommen vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine de taillierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Einkommensverglei ch. Es ist mit ihr davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Januar 2015 ein rentenausschliessendes Erwerbsein- kommen erzielen könnte. Die angefochtene Verfügung, mi t welcher der Beschwerdeführerin – unter Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG und der Anm eldung zum Leistungsbezug am 23. Juli 2013 sowie Art. 88a Abs. 1 IVV – im Zeitraum 1. Januar 2014 bis 31. März 2015 eine befristete ganze Rente zugesprochen wurde, ist demnach nich t zu beanstanden. Die Be- schwerde ist deshalb abzuweisen. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlege n sind. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- werden in der Höhe mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Die aus- serordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht