<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">118</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>23 Vorbereitungshaft;</b></span> <span class="ft2"><b>Verhältnismässigkeit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Auch wenn für die Anordnung einer Vorbereitungshaft sowohl der Haft-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zweck erfüllt ist als auch ein Haftgrund besteht, ist die Verhältnismässig-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">119</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>keit zu prüfen. Insbesondere muss sich die Inhaftierung des Betroffenen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>für die Sicherstellung des Wegweisungsverfahrens aufgrund der konkre-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ten Umstände als notwendig erweisen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer,</span><br/> <span class="ft3">vom 15. März 2013 in Sachen Amt für Migration und Integration gegen A.</span><br/> <span class="ft3">(WPR.2013.44).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Um die Durchführung eines Wegweisungsverfahrens sicherzu-</span><br/> <span class="ft1">stellen, kann die zuständige kantonale Behörde einer Person, die</span><br/> <span class="ft1">keine Kurzaufenthalts-, Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">besitzt, während der Vorbereitung des Entscheides über ihre Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsberechtigung für höchstens sechs Monate in Haft nehmen</span><br/> <span class="ft1">(Art. 75 Abs. 1 AuG).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Die Haftanordnung wird durch das MIKA unter anderem auf</span><br/> <span class="ft1">Art. 75 Abs. 1 lit. c AuG gestützt. Danach liegt ein Haftgrund dann</span><br/> <span class="ft1">vor, wenn ein Betroffener trotz Einreiseverbot das Gebiet der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz betritt und nicht sofort weggewiesen werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Gegen den Gesuchsgegner wurde durch das BFM eine unbefris-</span><br/> <span class="ft1">tete Einreisesperre (heute Einreiseverbot) erlassen. Trotzdem hat er</span><br/> <span class="ft1">das Gebiet der Schweiz wieder betreten. Aufgrund des eingereichten</span><br/> <span class="ft1">und noch hängigen Asylgesuches kann er nicht sofort weggewiesen</span><br/> <span class="ft1">werden. Damit ist der Haftgrund von Art. 75 Abs. 1 lit. c AuG erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung des-</span><br/> <span class="ft1">halb nicht zu bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das</span><br/> <span class="ft1">Prinzip der Verhältnismässigkeit verstösst.</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">120</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Mit dem Gesuchsgegner ist festzuhalten, dass die Anordnung</span><br/> <span class="ft1">einer Vorbereitungshaft einen Eingriff in seine Bewegungsfreiheit</span><br/> <span class="ft1">und damit einen Eingriff in sein Grundrecht der persönlichen Freiheit</span><br/> <span class="ft1">beinhaltet (Art. 10 Abs. 2 BV). Jeder Eingriff in ein Freiheitsrecht</span><br/> <span class="ft1">bedarf gemäss Art. 36 BV zu dessen Rechtfertigung einer gesetzli-</span><br/> <span class="ft1">chen Grundlage. Zudem muss die Einschränkung durch ein öffentli-</span><br/> <span class="ft1">ches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter ge-</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigt und im konkreten Fall verhältnismässig sein.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Dass mit Art. 75 AuG eine gesetzliche Grundlage für die Ein-</span><br/> <span class="ft1">schränkung der Bewegungsfreiheit vorliegt, bedarf keiner weiteren</span><br/> <span class="ft1">Ausführungen. Das grundsätzlich bestehende öffentliche Interesse an</span><br/> <span class="ft1">der Inhaftierung liegt in Fällen wie dem vorliegenden darin begrün-</span><br/> <span class="ft1">det, dass das zuständige Migrationsamt die Durchführung des</span><br/> <span class="ft1">Wegweisungsverfahrens sicherzustellen hat.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">4.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Weiter ist zu prüfen, ob die angeordnete Massnahme geeignet</span><br/> <span class="ft1">ist, den angestrebten Zweck zu erreichen; ob sie sodann notwendig</span><br/> <span class="ft1">ist oder ob zur Erreichung des Zwecks auch eine mildere Massnahme</span><br/> <span class="ft1">genügen würde, und schliesslich, ob die Massnahme verhältnismäs-</span><br/> <span class="ft1">sig im engeren Sinne ist, d.h. ein überwiegendes öffentliches Inte-</span><br/> <span class="ft1">resse an der Massnahme besteht.</span><br/> <span class="ft1">Die genannten Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein.</span><br/> <span class="ft1">Ist dies nicht der Fall, ist die Inhaftierung nicht rechtmässig und nicht</span><br/> <span class="ft1">zu bestätigen.</span><br/> <span class="ft1">4.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Dass die Inhaftierung eines Betroffenen grundsätzlich geeignet</span><br/> <span class="ft1">ist, die Durchführung eines Wegweisungsverfahrens sicherzustellen,</span><br/> <span class="ft1">liegt auf der Hand.</span><br/> <span class="ft1">4.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Gesuchsgegner führte anlässlich der heutigen Verhandlung</span><br/> <span class="ft1">mit Blick auf die Notwendigkeit der Inhaftierung glaubhaft aus, er</span><br/> <span class="ft1">habe seit Einreichung seines Asylgesuchs am 17. Januar 2013 jede</span><br/> <span class="ft1">behördliche Anordnung befolgt. Von den Besuchen bei seiner Fami-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">121</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lie sei er immer rechtzeitig nach B. in die Unterkunft zurückgekehrt.</span><br/> <span class="ft1">Diese Darstellung wird seitens des Gesuchstellers nicht bestritten.</span><br/> <span class="ft1">Vielmehr geht selbst der Gesuchsteller im Falle einer Haftentlassung</span><br/> <span class="ft1">davon aus, dass sich der Gesuchsgegner beim MIKA melden werde;</span><br/> <span class="ft1">dies jedoch nur, bis er ausreisen müsse.</span><br/> <span class="ft1">Es besteht kein Anlass, an den Ausführungen des Gesuchsgeg-</span><br/> <span class="ft1">ners zu zweifeln, zumal diese vom Gesuchsteller auch nicht bestrit-</span><br/> <span class="ft1">ten wurden. Aufgrund des Verhaltens des Gesuchsgegners seit Ein-</span><br/> <span class="ft1">reichung seines Asylgesuches und der Einschätzung des mutmassli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verhaltens des Gesuchsgegners während des laufenden Asyl-</span><br/> <span class="ft1">verfahrens durch den Gesuchsteller steht fest, dass keine Anzeichen</span><br/> <span class="ft1">dafür vorliegen, der Gesuchsgegner werde sich während der Dauer</span><br/> <span class="ft1">des Wegweisungsverfahrens den Behörden nicht zur Verfügung</span><br/> <span class="ft1">halten. Auch wenn sowohl der Haftzweck erfüllt ist als auch ein</span><br/> <span class="ft1">Haftgrund besteht, erscheint es nach dem Gesagten nicht notwendig,</span><br/> <span class="ft1">das Wegweisungsverfahren durch Inhaftierung des Gesuchsgegners</span><br/> <span class="ft1">sicherzustellen.</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">Damit ist festzuhalten, dass die angeordnete Haft nicht erforder-</span><br/> <span class="ft1">lich und somit unverhältnismässig ist. Die angeordnete Vorberei-</span><br/> <span class="ft1">tungshaft ist nicht zu bestätigen und der Gesuchsgegner ist unver-</span><br/> <span class="ft1">züglich aus der Vorbereitungshaft zu entlassen.</span><br/></div> </div> </body> </html>