B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-7288/2015 U r t e i l v o m 2 3 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Richter Ronald Flury (Vorsitz), Richterin Vera Marantelli, Richter Francesco Brentani, Gerichtsschreiber Alexander Schaer. Parteien A._______, vertreten durch Dr. iur. Werner Ritter, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Landwirtschaft und Wald (lawa), Abteilung Landwirtschaft, Centralstrasse 33, Postfach, 6210 Sursee, Vorinstanz. Gegenstand Feuerbrandbefall - Rodungsverfügung. B-7288/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a. Anlässlich der Feuerbrandkontrolle im Juli 2015 wurde visuell festge- stellt, dass auf dem Betrieb von A._______ (Beschwerdeführer) auf Par- zelle Nr. (…) zwei Birnbäume mit dem Feuerbranderreger befallen waren; eine am 1. Juli 2015 durchgeführte Beprobung bestätigte den Befall. In der Folge wurde vereinbart, bei den befallenen Bäumen Sanierungsmassnah- men vorzunehmen. Anlässlich der Feuerbrandkontrolle vom 12. Oktober 2015 wurde unter anderem visuell festgestellt, dass die Bäume weiterhin mit dem Feuerbranderreger befallen waren. A.b Mit Verfügung vom 29. Oktober 2015 verpflichtete die Abteilung Land- wirtschaft von Landwirtschaft und Wald (lawa) des Kantons Luzern (Vor - instanz) den Beschwerdeführer, die beiden Birnbäume auf Parzelle Nr. (…) innert 14 Tagen zu roden. Innert selber Frist hatte der Beschwerdeführer zudem einen weiteren befallenen Baum zurückzuschneiden; das befallene Baummaterial hatte der Beschwerdeführer zu v ernichten. Einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung wurde seitens der Vorinstanz die auf- schiebende Wirkung entzogen. B. Mit Eingabe vom 12. November 2015 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzlich e Verfü- gung vom 29. Oktober 2015 ein und beantragt in materieller Hinsicht unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Kantons Luzern deren Aufhebung, soweit diese ihn zur Rodung der beiden Bäume verpflichte. Statt zur Rodung sei der Beschwerdefüh rer zu verpflichten, die Sanie- rungsmassnahmen an den betreffenden Bäumen weiterzuführen. Eventu- aliter sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. Zur Begründung führt der Beschwerdeführer a us, dass die verfügte Ro- dung unverhältnismässig sei. So seien die Bäume am 27. Juli 2015 saniert worden, wodurch eine Rodung nicht mehr erforderlich sei. Auch handle es sich bei den noch vorhandenen Infektionsstellen um übersehenen Altbefall und allenfalls ein wenig Folgebefall, was bei einer erstmaligen Sanierung üblich sei. Dieser Befall könne in einem weiteren Durchgang ohne weiteres entfernt werden, dies insbesondere durch das Entfernen der befallenen Äste bei der Winterpflege. Auch sei bereits ganz grundsätzlich darauf hin-B-7288/2015 Seite 3 zuweisen, dass der im Kanton Luzern flächendeckend vorhandene Feuer- branderreger durch Rodungen und Rückschnitte nicht wirksam bekämpft werden könne, da es unmöglich sei, mit diesem Vorgehen alle Infektions- herde zu vernichten. Die Erfahrung habe ferner gezeigt, dass vom Feu er- brand befallene Hochstammobstbäume in der Lage seien sich zu regene- rieren. Schliesslich weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass den land- schaftsprägenden Bäumen eine herausragende Bedeutung für die biologi- sche Vielfalt der Region und eine zentrale Rolle im Vernetzungsprojekt von B._______ zukomme. C. Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2015 gab das Bundesverwal- tungsgericht dem Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde insoweit statt, als dass diese bis zum 28. Februar 2016 wiederhergestellt wurde. D. Mit Vernehmlassung vom 7. Januar 2016 beantragt die Vorinstanz die voll- umfängliche Abweisung der Beschwerde, soweit überhaupt darauf einzu- treten sei. Sie betont dabei, dass entgegen der Ansicht des Besch werde- führers sehr wohl eine Interessenabwägung vorgenommen worden sei. Auch weist die Vorinstanz darauf hin, dass sich die kantonale Praxis in Sa- chen Feuerbrandbekämpfung bewährt habe und eine Gutheissung der Be- schwerde einschlägigen kantonalen und eidgenössischen Vorschriften wi- dersprechen würde. Im Übrigen arbeite der Beschwerdeführer im Rahmen einer Vollzeitstelle beim Kanton Luzern; die betreffende Parzelle habe er verpachtet. Die Rodung der Bäume, die weder Landschaft noch biologi- sche Vielfalt beeinträchtige, habe daher keinen Einfluss auf das Familien- einkommen. E. Mit Eingabe vom 20. Januar 2016 nahm das Bundesamt für Landwirtschaft BLW als eidgenössische Fachbehörde Stellung zu vorliegendem Verfah- ren. Es hält in diesem Zu sammenhang unter anderem fest, dass von den betreffenden Bäumen eine Infektionsgefahr ausgehe, die einzig mittels ei- ner raschen Rodung wirkungsvoll bekämpft werden könne; das öffentliche Interesse wie auch das private Interesse Dritter an der Rodung überwiege dasjenige des Beschwerdeführers am Erhalt der Bäume, zumal das Land- schaftsbild durch die Rodung nicht beeinträchtigt werde. B-7288/2015 Seite 4 F. Mit Eingabe vom 21. Januar 2016 beantwortete die Vorinstanz noch offene Sachverhaltsfragen und kam damit einem entsprechenden , in der Zwi- schenverfügung vom 11. Dezember 2015 formulierten, Ersuchen des Bun- desverwaltungsgerichts nach. Sie weist in diesem Zusammenhang zudem darauf hin, dass der Pächter und Bewirtschafter der Parzelle die Bäume umgehend roden würde, sich indessen der Beschwerdeführer als Besitzer dagegen wehre. G. Mit Replik vom 5. Februar 2016 hält der Beschwerdeführer an seinen Rechtsbegehren und Ausführungen fest. Er führt dabei insbesondere auch ergänzend aus, dass entgegen der Ansicht der Vorinstanz jeder land- schaftsprägende Hochstammobstbaum im Falle seines Verschwindens ei- nen Verlust und eine Beeinträchtigung für die biologische Vielfalt vor Ort darstelle. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 166 Abs. 2 des Bundesgesetzes über di e Landwirtschaft vom 29. April 1998 (Landwirtschaftsgesetz, LwG, SR 910.1) i.V.m. Art. 31 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Juni 2005 (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) kann gegen Verfügungen letzter kantonaler Instanzen im Sinne von Art. 5 des Bundes- gesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (Ver- waltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021), die in Anwendung des LwG und seiner Ausführungsbestimmungen ergangen sind, beim Bundes- verwaltungsgericht Beschwerde erhoben werden. Eine solche stellt auch die vorliegend angefochtene Verfügung vom 29. Oktober 2015 dar (vgl. Art. 149 ff. LwG); das Bundesverwaltungsgericht ist somit für die Behand- lung der vorliegenden Streitsache zuständig. 1.2 Als Adressat der Verfügung ist der Beschwerdeführer beschwerdelegi- timiert im Sinne von Art. 48 VwVG. Die Eingabefrist sowie die Anforderun- gen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt (vgl. Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG), die Anwaltsvollmacht liegt vor (vgl. Ar t. 11 Abs. 2 VwVG) und der Kostenvorschuss wurde geleistet (vgl. Art. 63 Abs. 4 B-7288/2015 Seite 5 VwVG). Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen vorliegen, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.3 Im Rahmen seiner Stellungnahme vom 20. Januar 2016 weist das BLW unter anderem darauf hin, dass die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 29. Oktober 2015 hinsichtlich eines weiteren befallenen Baumes zu Un- recht Sanierungsmassnahmen angeordnet habe, und sie statt dessen di- rekt die Rodung hätte verfügen müssen. Insoweit in dieser Bemerkung ein sinngemässer Antrag auf eine "reformatio in peius" erkannt werden kann, ist diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass eine solche von vornherein ausser Betracht fällt, da der Beschwerdeführer die vorinstanzliche Verfü- gung lediglich hinsichtlich der Rodungsanordnung angefochten hat und der Streitgegenstand daher in vorliegendem Verfahren auf diese Frage be- schränkt ist (vgl. ANDRÉ MOSER ET AL., Prozessieren vor dem Bundesver- waltungsgericht, 2. Aufl., Basel 2013, S. 30, Rz. 2.8). 2. 2.1 Feuerbrand (Erwinia amylovora [Burr.] Winsl. et al. ) ist eine melde- pflichtige Quarantäne -Pflanzenkrankheit, die durch Bakterien verursacht wird und zu den besonders gefährlichen Schadorganismen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über Pflanzenschutz vom 27. Oktober 2010 (Pflanzenschutzverordnung, PSV, SR 916.20) zählt (vgl. PSV -Anhang 2 Teil A Abschnitt II lit. b Ziff. 3 sowie Teil B lit. b Ziff. 2). Gemäss Art. 42 Abs. 1 PSV hat der zuständige kantonale Dienst im Falle der Feststellung besonders gefährlicher Sc hadorganismen die vom zuständigen Bundes- amt angewiesenen Massnahmen zu ergreifen, die zur Tilgung von Einzel- herden geeignet sind. Ist eine Tilgung nicht möglich, so hat der zuständige kantonale Dienst Vorkehrungen zur Verhinderung einer weiteren Ausbrei- tung zu treffen (Art. 42 Abs. 2 PSV). Dabei ist er insbesondere auch befugt, befallene oder befallsverdächtige Pflanzen zu vernichten (vgl. Art. 42 Abs. 4 lit. h i.V.m. Art. 2 lit. b PSV). Bewirtschaftende bzw. Eigentümer von befallenen Pflanzen können verpfl ichtet werden, die Massnahmen nach Art. 42 PSV unter Anleitung des kantonalen Dienstes zu treffen (vgl. Art. 43 PSV). 2.2 Der fachtechnische Vollzug des kantonalen Pflanzenschutzes obliegt im Kanton Luzern der Vorinstanz (§§ 76 ff. des kantonalen Landwirt- schaftsgesetzes vom 12. September 1995 [LwG LU, SRL 902] i.V.m. § 1 der kantonalen Landwirtschaftsverordnung vom 3. November 1998 [SRL 903]). Gemäss § 79 LwG LU kann die Vorinstanz zur Verhinderung B-7288/2015 Seite 6 der Verbreitung meldepflichtiger gemeingefährlicher Krankhe iten und Schädlinge für den ganzen Kanton oder für begrenzte Gebiete die erfor- derlichen Abwehrmassnahmen anordnen; ist keine andere geeignete und wirtschaftlich tragbare Bekämpfung möglich, kann die Vorinstanz die Ver- nichtung der Befallsherde verfügen. 3. Im Rahmen seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer unter ande- rem sinngemäss geltend, dass die Feuerbrandbekämpfungsstrategie des Bundes im Allgemeinen bzw. des Kantons Luzern im Speziellen als ge- scheitert angesehen werden müsse, nachdem die Erfahrungen der vergan- genen Jahre im In- und Ausland gezeigt hätten, dass der Feuerbrand durch Rodungen und Sanierungen nicht wirksam bekämpft werden könne. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seiner Praxis bereits mehrfach mit verschiedenen Aspekten der Feuerbr andbekämpfungs- bzw. Feuer- brandmanagementstrategie in der Schweiz auseinandergesetzt. Dabei hat es in konstanter Rechtsprechung das öffentliche Interesse an einer mög- lichst effizienten Bekämpfung des Feuerbrandes bestätigt und in diesem Zusammenhang insbesondere auch ausgeführt, dass auch wenn der Feu- erbrand in der Schweiz nicht mehr ausgerottet werden könne, dies nicht dazu führe, dass alle Schutzmassnahmen einzustellen wären (vgl. Zwi- schenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts im Verfahren B-2073/2011 vom 15. April 2011 E. 4.4). Insbesondere auch die dadurch verhinderten volkswirtschaftlichen Schäden würden die grundsätzlichen Bemühungen der zuständigen Behörden zur Feuerbrandbekämpfung rechtfertigen, wobei letztere nicht zuletzt auch Vernichtungsmassnah men umfassen können (vgl. Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsge- richts im Verfahren B-2073/2011 vom 15. April 2011 E. 2.1 u. 4.4). Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Argumente vermögen diese Praxis nicht in Frage zu stellen, zumal es sich bei den beigelegten Beweis- mitteln zumeist um solche älteren Datums handelt, die dem Bundesverwal- tungsgericht bereits in früheren Feuerbrandfällen vorgelegt worden und dementsprechend im Rahmen der zuvor aufgezeigten Praxisbildung be- rücksichtigt worden sind. So verst eht es sich von selbst, dass die Feuer- brandbekämpfungsstrategie in der Schweiz nicht bereits darum als ge- scheitert bezeichnet werden kann, nur weil es den zuständigen Behörden nicht gelingt, immer alle möglichen Infektionsquellen zu erkennen und so- gleich zu bekämpfen (z.B. bei Latenzbefall). Auch kommt der Beschwerde-B-7288/2015 Seite 7 führer seiner Substantiierungspflicht nur unzureichend nach, wenn er Emp- fehlungen der Agroscope-Merkblätter, deren Einschlägigkeit vom Bundes- verwaltungsgericht in konstanter Rechtsprechung bestä tigt worden sind, pauschal als "phyto-sanitarisch nicht begründet" bezeichnet. Ferner ist da- rauf hinzuweisen, dass das vom Beschwerdeführer vorgebrachte, acht Jahre alte und ursprünglich vom Bundesverwaltungsgericht im Zusammen- hang mit den dannzumals behandelten Feuerbrandfällen eingeholte, Gut- achten der Professoren Jean -Bernard Bächtiger und Jürg Boos (act. […] und […]) zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr so ohne weiteres als Zusam- menfassung des aktuellen Forschungsstandes bezeichnet werden kann, nachdem das Thema Feuerbrand, sei es als Ganzes oder seien es gewisse Aspekte davon, in den letzten Jahren Bestandteil zahlreicher Forschungs- projekte gewesen ist. Der Beschwerdeführer verweist denn auch in diesem Zusammenhang zurecht auch auf den aktuelleren Abschlussbericht des In- terreg IV-Projekts "Gemeinsam gegen Feuerbrand" vom Juni 2012 (act. […]). Indes stützt auch dieser die bisherige Praxis, erklärt er doch die Feuerbrandbekämpfung zur Daueraufgabe, wobei mittels Kulturmassnah- men (Rückschnitt bzw. Rodung) das Infektionspotential möglichst tief zu halten sei (S. 45 f.). Der Bericht bestätigt insbesondere auch die grund- sätzliche Wirksamkeit von Kulturmassnahmen, wenngleich der Effekt im Einzelfall von vielen Einflussfaktoren wie namentlich Obstart, Eigenschaf- ten des Baumes oder Witterung abhänge (S. 43 f.). 4. 4.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die bei ihm angefochtenen Verfügungen und Entscheide grundsätzlich mit uneingeschränkter Kogni- tion (vgl. Art. 49 VwVG). Allerdings auferlegt es sich eine gewisse Zurück- haltung, soweit es die Ermessensausübung, die Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung der Vorinstanz zu beurtei- len gilt. Dies insbesondere dann, wenn diese – wie vorliegend – hoch ste- hende, spezialisierte technische oder wissenschaftliche Kenntnisse erfor- dern (vgl. BVGE 2007/27 E. 3.1 m.w.H.). So weicht das Bundesverwal- tungsgericht in solchen Fällen nicht ohne zwingende Gründe von der Ein- schätzung von Fachbehörden und Sachverständigen ab, sofern diese nicht offensichtlich widersprüchlich erscheinen oder auf irrtümlichen tatsächli- chen Feststellungen beruhen (vgl. Zwischenverfügung des Bundesverwal- tungsgerichts im Verfahren B-2073/2011 vom 15. April 2011 E. 3.4). B-7288/2015 Seite 8 4.2 4.2.1 Wie bereits unter E. 2 ausgeführt, hat die Vorinsta nz im Falle der Feststellung von Feuerbrand die vom BLW angewiesenen Massnahmen zu ergreifen, wobei sie grundsätzlich auch befugt ist, befallene oder be- fallsverdächtige Pflanzen zu vernichten, sofern keine andere geeignete und wirtschaftlich tragbare Bekämpfung möglich ist. Das Merkblatt "Kanto- nale Vorgaben zur Sanierung des Feuerbrandes", Ergänzung zum Merk- blatt 1-02-002 ACW, der Vorinstanz vom März 2013 hebt die Pflicht zum verhältnismässigen Handeln nochmals explizit hervor. 4.2.2 Die BLW -Richtlinie Nr. 3 "Bekämpfung des Feuerbrandes" vom 30. Juni 2006 schreibt für Befallszonen, zu der auch die Gemeinde B._______ gehört (vgl. act. BLW […]), die "Eindämmungsstrategie" mit dem Ziel der Reduktion des Infektionspotenzials sowie der Verhinderung der weiteren Ausbreitung der Krankheit vor (Ziff. 4.2 Abs. 1 lit. b). Dabei sind in Schutzobjekten (wertvolle Wirtspflanzenbestände in der Form von Hochstammobstgärten, Erwerbsobstanlagen und Baumschulen sowie de- ren Umgebung im Umkreis von 500 m; vgl. auch Art. 2 lit. l PSV) rigorosere Sanierungsmassnahmen zu ergreifen als in den übrigen Teilen der Befalls- zonen (Ziff. 3 sowie Anhang Ziff. 2). Insbesondere ist ein Rückschnitt bzw. -riss grundsätzlich nur dann in Erwägung zu ziehen, wenn sehr gute Aus- sichten bestehen, dass eine wirksame Sanierung erreicht und eine spätere Rodung vermieden werden kann (vgl. Merkblatt Nr. 1-02-002 der For- schungsanstalt Agroscope Changins -Wädenswil ACW, "Feuerbrand – Massnahmen in der vom Bund ausgeschiedenen Befallszone: Vernichtung der Pflanzen, Rückschnitt/-riss oder keine Sanierung?", Version 2012). 4.3 Vorliegend bestreitet der Beschwerdeführer die Erforderlichkeit der Ro- dung; die betroffenen Birnbäume könnten durch weitere Massnahmen sa- niert werden, zu deren Durchführung er sich bereit erkläre. Wie den Akten entnommen werden kann handelt es sich bei den beiden zur Rodung verfügten, sich im Gürtel von Schutzobjekten befindlichen (vgl. act. BLW […]), Birnbäumen um solche der hoch anfälligen Sorte "Gelbmö- stler" (vgl. Merkblatt Nr. 732 der Forschungsanstalt Agroscope Changins- Wädenswil ACW, "Feuerbrand – Anfälligkeit von Kernobstsorten", Version 8/2011), die mit dem Feuerbranderreger befallen sind, was visuell festge- stellt und durch eine zusätzliche Beprobung bestätigt worden ist (vgl. act. lawa […]; vgl. in diesem Zusammenhang auch BVGE 2008/32 E. 7.1). B-7288/2015 Seite 9 Im Anschluss an die Kontrolle vom Juli 2015 hat die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer die Möglichkeit eingeräumt, bei den betreffenden Bäumen Sanierungsmassnahmen vorzunehmen, die jedoch nicht zum gewünsch- ten Ergebnis geführt haben. Mit dieser Vorgehensweise ist die Vorinstanz dem Beschwerdeführer bereits entgegengekommen. Entgegen der scheinbaren Ansicht des Beschwerdeführers führt der Um- stand alleine, dass an einer mit dem Feuerbranderreger befallenen Pflanze Sanierungsmassnahmen durchgeführt worden sind nicht dazu, dass eine im Anschluss daran verfügte Rodungsanordnung automatisch als unver- hältnismässig erscheint. Dass die vorgenommenen Sanie rungsmassnah- men in dem Sinne erfolgreich gewesen sind, dass die beiden Bäume vom Feuerbrand "befreit" (und sei es auch nur visuell) wären, bringt im Übrigen selbst der Beschwerdeführer nicht vor. Vielmehr bestätigt dieser explizit, dass bei der Feuerbrandk ontrolle vom 16. (recte: 12.) Oktober 2015 "ei- nige" Infektionsstellen sichtbar gewesen seien. Auch bringen es entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers die von einer mit dem Feuerbrander- reger befallenen Pflanze ausgehende Infektionsgefahr und das öffentliche Interesse an einer möglichst effizienten Bekämpfung des Feuerbrandes zwangsläufig mit sich, dass kein grundsätzlicher Anspruch auf (wieder- holte) Sanierungsmassnahmen besteht. Dies trifft in erhöhtem Masse auf befallene Pflanzen im Gürtel von Schutzobjekten zu, rät doch das Merkblatt Nr. 1-02-002 in diesen Fällen ganz generell zur Vernichtung befallener Pflanzen und hat doch das Bundesverwaltungsgericht in früheren Feuer- brandfällen festgehalten, dass eine kantonale Nulltoleranz -Strategie im Gürtel von Sc hutzobjekten grundsätzlich zulässig ist (vgl. BVGE 2013/9 E. 4.3.1 u. 4.3.3 f.). Das Risiko, dass allenfalls im Rahmen einer einge- räumten Sanierung Befallsstellen übersehen werden und die zuständige Behörde im Anschluss die Sanierungsbemühungen als geschei tert be- trachtet, hat der Anordnungsadressat zu tragen, obliegt doch die Umset- zung der Sanierungsmassnahmen seiner Verantwortung (vgl. Art. 43 Abs. 1 PSV). Die Vorinstanz überschreitet denn auch ihr Ermessen nicht, wenn sie sinngemäss im vorliegenden Fall nach der nicht gänzlich erfolg- reichen Sanierung nicht mehr von " sehr guten Aussichten" im Sinne des Merkblatts Nr. 1-02-002 für eine wirksame Sanierung und die Vermeidung einer Rodung ausgeht und dementsprechend weitere Sanierungsmass- nahmen nicht mehr als geeignet, sondern vielmehr eine Rodung als erfor- derlich erachtet. Diese Ansicht findet ihre Entsprechung im Merkblatt Nr. 1-02-002, welches darauf hinweist, dass bei hoch anfälligen Sorten wie dem Gelbmöstler ein Rückschnitt in den meisten Fällen nicht e rfolgreich, d.h. nicht sinnvoll sei, und denn auch empfiehlt, die betreffenden Pflanze(n) B-7288/2015 Seite 10 unabhängig von der Befallsstärke zu vernichten. So sieht denn auch das entsprechende kantonale Merkblatt beim Gelbmöstler nur die Rodung (bei mittlerem und starkem Wuchs) oder die Empfehlung zur Rodung (in allen übrigen Fällen) vor. Im Übrigen empfiehlt auch der Abschlussbericht des Interreg IV-Projekts "Gemeinsam gegen Feuerbrand", hochanfällige, stark befallene Bäume mit fortschreitendem Befall "schnellst möglich, spät es- tens im kommenden Winter", zu roden, da sie eine Gefahr für gesunde Bäume darstellen würden (S. 46). Der Beschwerdeführer bestätigt die in den Merkblättern ausgedrückte Ansicht des zumindest stark eingeschränk- ten Sanierungspotentials indirekt, wenn er im Rahmen seiner Beschwerde ausführt, dass die betroffenen Birnbäume allenfalls etwas Folgebefall auf- weisen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers erscheint der Entscheid der Vorinstanz selbst dann nicht als unverhältnismässig, wenn man wie der Beschwerdeführer davon ausgeht, dass die Möglichkeit einer späteren Re- generation der Bäume besteht. So hat die Vorinstanz im Verfügungszeit- punkt aufgrund der aktuellen Faktenlage, d.h. insbesondere auch aufgrund der aktuellen Infektionsgefahr, zu urteilen und nich t anhand von "good case"-Szenarien. Die Rodungsanordnung erscheint daher in vorliegendem Fall sowohl als geeignet als auch erforderlich, um die von den befallenen Birnbäumen ausgehende Infektionsgefahr effizient eindämmen zu können. Dies umso mehr wenn man berücksichtigt, dass sich die beiden zur Ro- dung verfügten Bäume in unmittelbarer Nähe einer zu schützenden Er- werbsobstanlage befinden, wodurch selbst witterungsunabhängig von ei- ner sehr grossen Infektionsgefahr ausgegangen werden muss. Auch ist darauf hinzuweisen, dass es vorliegend nur um die Rodung von zwei Hoch- stammfeldobstbäumen geht, wodurch sich die Verluste an Landschafts- qualität und Biodiversität in engen Grenzen halten dürften. Ferner bringt der Beschwerdeführer, der im Übrigen die betreffende Parzelle nicht selber bewirtschaftet sondern diese verpachtet hat, keinerlei Beweise dahinge- hend vor, dass durch die Rodung der beiden Bäume Vernetzungsprojekte gefährdet sein könnten. Daher lassen auch diese Gesichtspunkte die Ro- dungsanordnung nicht als unverhältnismässig erscheinen. 4.4 Wie bereits unter E. 3 ausgeführt, besteht ein legitimes öffentliches In- teresse an einer möglichst effizienten Bekämpfung des Feuerbrandes. In Anbetracht der zuvor gemachten Ausführungen sowie den einschlägigen fachtechnischen Vorgaben des Bundes, überwiegt in vorliegendem Fall das öffentliche Interesse bzw. auch das private Interesse Dritter daran, dass mittels Rodung der beiden Birnbäume die Infektionsgefahr gesenkt B-7288/2015 Seite 11 wird, dasjenige des Beschwerdeführers am Erhalt der Bäume (vgl. in die- sem Zusammenhang auch BVGE 2013/9 E. 4.3.3 f.). 4.5 Abschliessend ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass der Be- schwerdeführer auch aus der Darlegung des Falles "C._______" nichts zu seinen Gunsten ableiten kann, gibt es doch bereits ganz grundsätzlich kei- nen Anspruch auf eine "Gleichbehandlung im Unrecht", wenn – wie vorliegend – eine eigentliche rechtswidrige Praxis der Vorinstanz nicht substantiiert dargelegt wird (vgl. ULRICH HÄFELIN ET AL., Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, S. 119 f., Rz. 518 ff. , BGE 139 II 49 E. 7.1 m.w.H.). Im Übrigen steht es dem Beschwerdeführer frei, die von ihm im Rahmen der Beschwerde geltend gemachten, angebli- chen Versäumnisse der Vorinstanz mittels Aufsichtsbeschwerde bei de n dafür zuständigen Behörden zu rügen. 5. Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die Vorinstanz bei ihrer Ent- scheidfindung an die einschlägigen Vorgaben des Bundes gehalten hat, sie ihr Ermessen korrekt ausgeübt hat und die Rodungsanordnung als ver- hältnismässig anzusehen ist. Das öffentliche Interesse bzw. auch das pri- vate Interesse Dritter daran, dass mittels Rodung der beiden Birnbäume dem potentiell hohen Infektionsrisiko begegnet wird, überwiegt in vorlie- gendem Fall dasjenige des Beschwerdeführers am Erhalt der Bäume . Grundsätzliche Zweifel an der Zweckmässigkeit der Feuerbrandbekämp- fungsstrategie des Bundes im Allgemeinen bzw. des Kantons Luzern im Speziellen vermochte der Beschwerdeführer keine zu wecken. Die Be- schwerde ist daher abzuweisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ergibt sich, dass der Beschwerdefüh- rer als vollständig unterlegene Partei die Kosten des Verfahrens trägt (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs gericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 172.320.2]). Dabei sind in Anbetracht der beiden Verfah- ren B-7296/2015 sowie B -7301/2015 zugunsten des Beschwerdeführers die bereits bei der Erhebung des Kostenvorschusses berücksichtigten Sy- nergieeffekte zu beachten und die Verfahrenskosten daher auf Fr. 1'700.– festzulegen. Nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils wird der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe zur Bezahlung der Verfah- renskosten verwendet werden. B-7288/2015 Seite 12 Der Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf Parteientschädigung (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'700.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt; nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils wird der ge- leistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe zur Bezahlung der Verfahrens- kosten verwendet werden. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde, vorab per Fax) – die Vorinstanz (Gerichtsurkunde, vorab per Fax) – das Bundesamt für Landwirtschaft BLW (Gerichtsurkunde, vorab per Fax) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Ronald Flury Alexander Schaer B-7288/2015 Seite 13 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Rechts- schrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Be- schwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 26. Februar 2016