Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Juli 2019 (720 19 80 / 168) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Berechnung des IV-Grads und in diesem Zusammenhang die Bemessung des Validenein- kommens; Leidensbedingter Abzug Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Ebru Eren Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Nikolaus Tamm, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1964 geborene A.____ arbeitete vom 2. Januar 1997 bis zum 31. Dezember 2013 bei der Firma B.____ als Aussendienstmitarbeiter im Verkauf. Am 29. Mai 2013 meldete er sich unter Hinweis auf ein Defektsyndrom und eine schmerzhafte Funktionsbeeinträchtigung des lin- ken Arms ab dem 1. Januar 2014 zum Bezug von Leistungen b ei der Invalidenversicherung an. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 16. Oktober 2012 wurde A.____ per 30. April 2013 gekündigt und gleichzeitig freigestellt. Die Kündigungsfrist wurde jedoch am 16. Januar 2013 aufgrund seiner Erkrankungen durch die ge- setzliche Sperrfrist unterbrochen. Nach Abklärung der gesun dheitlichen und erwerblichen Ver- hältnisse sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle Basel-Land- schaft (IV-Stelle) A.____ mit zwei Verfügungen vom 31. Januar 2019 ab 1. Januar 2014 eine be- fristete ganze Rente und ab 1. April 2017 eine unbef ristete Dreiviertelsrente zu. Basis der Ren- tenbemessung bildete ein gestützt auf die Lohnstrukturer hebung des Bundesamts für Statistik 2014 (LSE) erhobenes Valideneinkommen von Fr. 126‘027 .-- und ein Invalideneinkommen von Fr. 0.-- für die ganze Rente bzw. ein Valideneinkommen von Fr. 126‘027.-- und ein Invalidenein- kommen von Fr. 44‘283.-- für die Dreiviertelsrente. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Nikolaus Ta mm, Advokat, am 8. März 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landsch aft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht. Er beantragte, es sei ihm und seinen Kindern in Aufhebung der angefochtenen Ver- fügungen eine unbefristete ganze Invalidenrente (IV- Rente) zuzusprechen; unter o/e-Kosten- folge. Zur Begründung wurde zusammenfassend vorgebracht , dass die Vorinstanz bei der Be- messung des Validenlohns eine falsche Grundlage herangezogen habe. Als Valideneinkommen hätte das zuletzt erzielte Einkommen herangezogen werden müssen und nicht ein hypothetisches Valideneinkommen, welches bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage ohne Arbeitslosigkeit allenfalls zu verdienen gewesen wäre. Ausserdem habe der Beschwerd eführer im Zeitpunkt der Erkran- kung wesentlich besser verdient. Seine gesundheitlichen Probleme seien der Arbeitgeberin be- reits vor dem Feststehen der Diagnose am 16. Januar 2013 bekannt gewesen. Es sei ihm des- wegen aus gesundheitlichen Gründen und nicht aus organi satorischen Gründen gekündigt wor- den. Schliesslich habe die IV-Stelle beim Invalideneinkommen einen leidensbedingten Abzug in der Höhe von 25 % vorzunehmen, da er aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr habe, lohnmässig an die Konkurrenz heranzukommen. C. mit Vernehmlassung vom 15. April 2019 schloss die I V-Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Es seien keine Hinweise in den Akten vorhanden, dass die Arbeitgeberin im Zeitpunkt der Kündigung über die Arztbesuche seit Ende 2011 od er über eine mögliche Erkrankung des Versicherten informiert gewesen wäre, da bis dahin noch keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigun- gen beziehungsweise noch keine schlüssigen medizinischen Ergebnisse vorgelegen hätten. Das Valideneinkommen sei zu Recht anhand der Tabellenlöhne ermittelt worden, weil der Beschwer- deführer infolge der aus nicht gesundheitlichen Gründen gekündigten Anstellung auch im Ge- sundheitsfall nicht mehr bei der B.____ tätig gewesen wäre. Auch das Invalideneinkommen sei korrekt bemessen worden. Ein leidensbedingter Abzug sei im vorliegenden Fall nicht gerechtfer- tigt, da der Beschwerdeführer weiterhin eine angemessene Bürotätigkeit ausführen könne. D. Mit Eingabe vom 19. Juni 2019 beantragte der Besch werdeführer, dass eine Parteiver- handlung durchzuführen und C.____ als Zeugin anzuhören sei. C.____ sei damals die Personal- verantwortliche der B.____ gewesen und könne aus diesem Grund die Einzelheiten im Zusam- menhang mit der Auflösung des Arbeitsvertrages schildern. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit Verfügung am 24. Juni 2019 wurde das Gesuch au f Durchführung einer Parteiver- handlung unter Hinweis auf die Rechtsprechung in BGE 134 I 331, E. 2.3.2, vorerst nicht bewilligt, sondern festgehalten dass über den Antrag des Beschwerde führers anlässlich der Urteilsbera- tung am 4. Juli 2019 definitiv entschieden werde. Sämtliche Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben si ch - soweit sie für den Entscheid von Bedeutung sind - aus den nachfolgenden Erwägungen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Prozessvoraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Auf die frist- und formgerecht erho- bene Beschwerde des Beschwerdeführers vom 8. März 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Inva- lidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fä- higkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht dur ch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne we- sentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c.). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähi gkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.4 Nach Art. 43 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderl ichen Auskünfte ein. Mündlich erteilte Auskünfte sind schriftlich festzuhalten (Abs. 1). Soweit ä rztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu un- terziehen (Abs. 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wich- tige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemu- tet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3. Im vorliegenden Fall sind die gesundheitlichen Verhä ltnisse des Beschwerdeführers un- bestritten geblieben. Unter den Parteien ist zu Recht a nerkannt, dass der Beschwerdeführer in- folge eines Defektsyndroms und einer schmerzhaften Funktionsbeeinträchtigung des linken Arms seit dem 16. Januar 2013 in seiner Arbeitsfähigkeit er heblich eingeschränkt ist. Seit 2012 kann er seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit sowie jedwede vergleichbare Tätigkeit nicht mehr ausführen. Gemäss Gutachten vom 25. April 2018 ist der Beschwerdeführer ab September 2014 sodann in körperlich leichten, wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausgeübten Verweistätigkeiten zu 60 % arbeitsfähig. Es bestehen keine Hinweise, die gegen die gutachterlichen Feststellungen sprechen. Unter diesen Umständen erübrigt es sich, näher auf seine gesundheitliche Situation einzugehen. 4. Streitig ist hingegen die Berechnung des IV-Grads u nd in diesem Zusammenhang die Höhe des Valideneinkommens. Zu prüfen ist, ob die Kün digung des Arbeitsvertrags aus nicht gesundheitlichen Gründen erfolgt und damit, ob das Va lideneinkommen zu Recht anhand der LSE ermittelt worden ist. 4.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entscheide nd, was die versicherte Per- son nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlic hkeit im Zeitpunkt des Rentenbe- ginns tatsächlich verdienen würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Urteil des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG] seit 1. Januar 2008 Bundesgericht, Sozialrechtrechtliche Ab- teilungen, vom 16. Dezember 2012, 8C_600/2012, E. 4.1 .1). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel von der Tätigkeit, welche die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens ausgeübt hat, auszugehen ist (Urteil des Bundes- gerichts vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1). Entscheidend ist, was die versicherte Per- son als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls ver- dienen könnte. Grundsätzlich bleibt beim Valideneinkom men der zuletzt erzielte Verdienst als Bezugsgrösse bestehen, ausser es finden sich ausreichend konkrete Anhaltspunkte für eine be- rufliche Weiterentwicklung. Der hypothetischen Einkommensermittlung sind die gleichen persön- lichen, familiären und beruflichen Voraussetzungen zu Gr unde zu legen, wie sie vor Eintritt der Invalidität vorhanden waren, und wie sie mit überwieg ender Wahrscheinlichkeit bis zum Verfü- gungserlass angedauert hätten. Ausnahmen müssen mit ü berwiegender Wahrscheinlichkeit er- stellt sein (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b). Ist ein konkreter Lohn nicht eruierbar, oder hätte die versicherte Person ihre bisherige Stelle auch ohne ihre gesundheitliche Beeinträchtigung ver- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht loren, so können die Zahlen der LSE des Bundesamtes fü r Statistik herangezogen werden (Ur- teile des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1, und vom 9. Juni 2015, 9C_2012/2015, E. 5.4). Folglich ist bei einer Kündigu ng aus nicht gesundheitlichen Gründen grundsätzlich nicht der zuletzt erzielte Lohn massgebend. 4.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass der geltend g emachte Kündigungsgrund der Re- organisation seiner ehemaligen Arbeitgeberin nur vorgeschoben worden sei. Er habe die Arbeits- stelle einzig und allein wegen seiner gesundheitlichen Probleme verloren. Hinsichtlich seiner Be- hauptung bringt er allerdings keine Beweise vor. Auch die medizinischen Akten widersprechen diesen Vorbringen. Demnach befand sich der Beschwerdeführ er seit November 2011 und wie- derholt im Jahr 2012 zwar in ärztlichen Abklärungen, um seine Beschwerden am linken Oberarm behandeln zu lassen. Bis zum Zeitpunkt der Kündigung am 16. Oktober 2012 hat er jedoch weder behauptet, dass seine Beschwerden zur Arbeitsunfähigkeit führen könnten, da keine schlüssigen Ergebnisse vorlagen, noch wird solches aus den medizinischen Akten ersichtlich, da bis zu die- sem Zeitpunkt kein Attest von einem seiner Ärzte vorgelegen hat. Die erste Arbeitsunfähigkeits- bescheinigung datiert vom 16. Januar 2013 und erfolgte anlässlich eines notfallmässigen Spital- besuchs wegen Unterleibschmerzen. Während dieses Spitalauf enthalts wurde die Erkrankung des Beschwerdeführers überhaupt erst mittels einer Biopsie diagnostiziert. Diesen Umstand be- stätigt dieser in seiner eingereichten Beschwerde selber. Wenn aber aus medizinischer Sicht erst zu diesem Zeitpunkt eine Diagnose erhoben werden konnte, kann nicht davon ausgegangen wer- den, dass die Arbeitgeberin bereits mehrere Monate zuvor von seiner schwerwiegenden Erkran- kung und den drohenden Arbeitsausfällen Kenntnis hatte . Solches ist mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit vielmehr auszuschliessen, zumal es zuvor zu kein en nachweislich krankheitsbe- dingten Arbeitsunfähigkeiten gekommen war. Es tritt hinzu, dass eine Kündigung nach erfolgter Diagnosestellung und Krankschreibung eine Anfechtung gemäss Art. 336 Obligationenrecht na- hegelegt hätte. Dass der Beschwerdeführer seine Kündigu ng indes angefochten hat, ist weder dargetan noch ersichtlich. 4.3 Im Gegenteil geht aus den Akten hervor, dass die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis aufgrund organisatorischer Gründe aufgelöst hat. Dies kann unmittelbar aus dem Arbeitgeberfra- gebogen vom 12. Juni 2013 entnommen werden. Darüber hinaus geht aus der ergänzenden Stel- lungnahme vom 30. Juli 2018 hervor, dass weder die Kün digung noch die Freistellung aus ge- sundheitlichen Gründen erfolgt ist, weil die Arbeitgeberin in diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis von der Krankheit des Versicherten gehabt habe, sondern am 16. Januar 2013 erstmalig über- haupt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erstellt worden sei. 4.4 An dieser medizinischen Aktenlage könnte auch die be antragte Zeugenbefragung nichts ändern, da für die Zeit vor der Kündigung keine Arbei tsunfähigkeitsbescheinigungen vorliegen. Selbst eine anderslautende Aussage der beantragten Zeugin würde im Hinblick auf die eindeuti- gen und unmissverständlichen Unterlagen nichts an den vor genannten Feststellungen ändern. Aus diesem Grunde kann nicht mit überwiegender Wahrsch einlichkeit angenommen werden, dass die Arbeitgeberin mit einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit des Beschwerdefüh- rers hätte rechnen müssen und ihm deshalb gekündigt hä tte. Hintergrund bildet der Umstand, dass in diesem Zeitpunkt noch nicht einmal rudimentäre Kenntnisse der Krankheit vorgelegen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hatten. In antizipierter Beweiswürdigung kann deshalb a uch ohne ergänzende Zeugeneinver- nahme ausgeschlossen werden, dass die Kündigung des Versic herten wegen der später diag- nostizierten Krankheit nur vorgeschoben worden wäre. Ob der Antrag des Beschwerdeführers fristgerecht eingereicht worden ist, kann somit aus den hiervor genannten Gründen offen bleiben, weil er einzig im Hinblick auf die Zeugenbefragung gestellt worden ist und diese als nicht notwen- dig erachtet wird (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2017, 9C_350/2016, E. 1.2). Im Ergebnis ist daher der Antrag auf Durchführung einer Parteiverhandlung abzuweisen. 4.5 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen kann, dass er im Gesundheitsfall bei der B.____ weitergearbeitet hätte. Wesentlich ist, dass im Zeitpu nkt der Kündigung weder Arbeitsunfähig- keitsbescheinigungen noch irgendwelche Kenntnisse über den gesundheitlichen Zustand des Be- schwerdeführers vorlagen. Ebenso wenig existierten dazumal bereits allfällige Hinweise über ei- nen längeren Arbeitsausfall des Versicherten. Damit hat die IV-Stelle dessen Valideneinkommen zu Recht anhand der Tabellenlöhne der LSE ermittelt. 5. Zu prüfen ist damit weiter die konkrete Höhe des V alideneinkommens. 5.1 Ist ein konkreter Lohn nicht eruierbar oder hätte d ie versicherte Person ihre bisherige Stelle auch ohne ihre gesundheitliche Beeinträchtigung verloren, so sind die Zahlen der LSE her- anzuziehen (Urteile des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1, und vom 9. Juni 2015, 9C_2012/2015, E. 5.4). Entscheidend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2019, 9C_644/2015). 5.2 Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang geltend, dass nicht zu seinen Ungunsten auf einen drastisch reduzierten statistischen Validenlohn abgestellt werden dürfe. Es sei anzunehmen, dass er bei einem „normalen“ Stellenwechsel auf dem Arbeitsmarkt eine gleich- wertige oder sogar noch besser bezahlte Position gefunden hätte, da er langjährig als Verkaufs- leiter tätig gewesen sei und über ausgezeichnete fachliche Qualifikationen verfüge. Er habe zwar gut, aber durchaus branchen- und leistungsgerecht verdient. Sein Salär sei bezogen auf die Lohn- statistik überdurchschnittlich, aber nicht aussergewöhnli ch gewesen. Kein Arbeitnehmer würde sich in seiner Situation bei einem Stellenwechsel mit e inem derart tiefen Lohn zufrieden geben. Demzufolge gäbe es keinen Grund, auf fiktive Tabellenwe rte abzustellen. Ausserdem würden Internetrecherchen auf einschlägigen Portalen aufzeigen, dass vergleichbare Positionen mit min- destens Fr. 150‘000.--, oft aber gar wesentlich besser en tlöhnt würden. Die Annahme der IV- Stelle käme im Ergebnis einer unzulässigen Diskriminierung von Besserverdienenden gleich, da der Beschwerdeführer überdurchschnittlich hohe Sozialversicherungsbeiträge beigesteuert habe. 5.3 Vorab ist dem Beschwerdeführer zu entgegnen, dass d ie Höhe der einkommensabhän- gig geschuldeten Beiträge an die Sozialversicherungen mit der Bemessung des IV-Grads nichts zu tun hat. Der IV-Grad bestimmt sich bei Erwerbstätige n nach der Einkommensvergleichsme- thode. Das Erwerbseinkommen, welches die versicherte Perso n nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und all fälliger Eingliederungsmassnahmen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invali- deneinkommen), wird in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Demgegenüber werden Sozialversi- cherungsbeiträge anhand der Leistungsfähigkeit der Ver sicherten prozentual zu ihrem Einkom- men bemessen, da diese Beiträge eine wichtige Einnahmequelle der verschiedenen Sozialversi- cherungszweige darstellen (T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversiche- rungsrechts, 4. Auflage, Stämpfli Verlag AG Bern 2014, S. 8, Rz. 24 ff.). Nicht nur die versicherten Personen leisten Beiträge an die Sozialversicherungen, sondern auch deren Arbeitgeber. Ebenso fliessen auch die Kapitalerträge der Ausgleichsfonds in die Finanzierung der Sozialversicherun- gen (GABRIELA RIEMER -KAFKA , Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, 5. Auflage, St ämpfli Verlag AG Bern 2016, S.127 ff.). Aufgrund des Umlag everfahrens wird eine horizontale (Mittel der Allgemeinheit in Form von öffentlichen Abgaben) und vertikale (zwischen Jungen und Alten sowie Gesunden und Kranken) Solidarität geschaffen (LOCHER , a.a.O., S. 63 ff.; RIEMER -KAFKA , a.a.O., S.127 ff.). Mithin ist es gerade das Wesen ei ner Sozialversicherung, dass die Sozialver- sicherungsbeiträge nicht mit den Leistungen korrelieren. Eine unzulässige Diskriminierung von Besserverdienern ist damit jedenfalls nicht verbunden. 5.4 Überdies treffen die Ausführungen der IV-Stelle zu, dass die erwähnten Internetseiten nicht geeignet sind, das Valideneinkommen zu bestimmen. Ausserdem beinhalten die LSE keine fiktiven Tabellenlöhne. Alle zwei Jahre wird eine schriftliche Befragung von Schweizer Unterneh- men durch das Bundesamt für Statistik durchgeführt. Es werden Daten betreffend des Unterneh- mens und einzelne Aspekte der Arbeitnehmenden und de r Arbeitsplätze erfasst (https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erhebungen/lse.html [10. 07. 2019]). Damit werden repräsentative Daten gewonnen, die die Lohnstruktur in allen Berufszwei- gen konkret abbilden. Wenn kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben ist, nament- lich weil der Versicherte nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat , so steht dem Beizug der LSE- Tabellenlöhne deshalb rechtsprechungsgemäss nichts entge gen (BGE 126 V 75 E. 3b/bb). Die IV-Stelle hat das Valideneinkommen somit zu Recht unter Beizug der massgebenden LSE ermit- telt. Dies gilt nicht nur grundsätzlich, sondern auch in quantitativer Hinsicht. Für die Berechnung des Valideneinkommens wurde als Grundlage die LSE 2014, TA1_tirage_skill_level (Herstellung von chemischen Erzeugnissen, Kompetenzniveau der Tätigkeit 4, Spalte Männer, Fr. 10'101.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden) herangezogen . Dabei hat die IV-Stelle den Be- schwerdeführer aufgrund seiner langjährigen Arbeitserfahrung als Verkaufsleiter mit guten fach- lichen Qualifikationen in die bestmögliche Kategorie eingestuft. Zusammenfassend gibt es somit keinen konkreten Anlass, die vorinstanzliche Bemessung des Valideneinkommens zu beanstan- den. 6. Es bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer beim Invalideneinkommen ein leidensbe- dingter Abzug zu gewähren ist. 6.1 Ein leidensbedingter Abzug von dem (ebenfalls) a nhand der LSE-Tabellenlöhne ermit- telten Invalideneinkommen soll jenen persönlichen und beruflichen Umständen (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufent haltskategorie und Beschäftigungsgrad) Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechnung tragen, die negative Auswirkungen auf die Loh nhöhe der gesundheitlich beeinträch- tigten Person haben können. Der Einfluss sämtlicher Merkmale ist nach pflichtgemässen Ermes- sen gesamthaft zu schätzen und auf höchstens 25 % zu begr enzen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2017, 8C_253/2017, E.4.3.2; BGE 126 V 75 und seither ergangene Entscheide). 6.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass eventuali ter ein Leidensabzug in Höhe von 25 % vorzunehmen sei, da er aufgrund seiner schweren Er krankung keine Chance mehr habe, lohnmässig an die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt heranzukommen. 6.3 Die Beschwerdegegnerin hingegen stellt sich auf den Standpunkt, dass der Beschwer- deführer trotz seiner Erkrankung an seinem linken Arm einer angepassten Bürotätigkeit nachge- hen könne. Zudem würde die gesundheitliche Einschränkung bereits durch das um 40 % redu- zierten Rendements berücksichtigt. 6.4 Entgegen der in der Beschwerdebegründung vertrete nen Auffassung lässt sich im vor- liegenden Fall kein leidensbedingter Abzug begründen . Es ist dem Beschwerdeführer weiterhin möglich, eine angepasste Bürotätigkeit in Vollzeit auszuführen. Den Vorbringen, wonach er fak- tisch einhändig sei, ist zu entgegnen, dass die Gutachte r diesen Umstand durch das um 40 % reduzierte Rendement bereits berücksichtigt haben. Das Defektsyndrom und die schmerzhafte Funktionsbeeinträchtigung des linken Arms führen mit anderen Worten nicht automatisch zu einer zusätzlichen Verminderung des hypothetischen Invalidenlohns. Tatsächlich würde ein Abzug vor diesem Hintergrund eine doppelte und damit unzulässige Berücksichtigung der gesundheitlichen Einschränkung bedeuten (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Februar 2019, 9C_330/2018, E.5.4). Im Übrigen legt der Beschwerdeführer nicht dar, weshal b er auf dem Arbeitsmarkt zusätzliche Lohneinbussen zu gewärtigen hätte. Da auch die weite ren Merkmale Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie im vorliegenden Fall keine massgebenden Auswirkungen auf das Invalideneinkommen haben, ist der Entscheid der IV-Stelle, keinen leidensbedingten Ab- zug vorzunehmen, letztlich nicht zu beanstanden. Im Ergebnis resultiert somit die Abweisung der vorliegenden Beschwerde. 7. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Art . 69 Abs. 1 bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligun g oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.- - festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten i n Berücksichtigung des bundesrechtli- chen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nac h § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie- gend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, we shalb die Verfahrenskosten ihm zu auf- erlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zu verrechnen sind. Dem Prozessausgang entsprechend wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.