B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7810/2008 U r t e i l v o m 2 2 . F e b r u a r 2 0 11 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Pietro Angeli-Busi, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…) Türkei, vertreten durch Antigone Schobinger, Rechtsanwältin, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. November 2008 / N (…). E-7810/2008 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Staatsangehöriger der Türkei, verliess sei nen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 10. September 2008 und ge- langte über ihm unbekannte Länder am 15. September 2008 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Er wurde am 22. Sep- tember 2008 im Empfangs - und Verfahrenszentrum Vallorbe zu seinen Asylgründen befragt; die kantonale Anhörung fand am 22. Oktober 2008 statt. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer gel- tend, er habe sein Heimatland verlassen, weil sein Leben nicht mehr s i- cher gewesen sei. Er habe bei seiner Schwester gewohnt, welche irgend- welche Leute unterstützt habe und deswegen auch im Gefängnis ge - wesen sei; zwar wisse er nicht, wen genau sie unterstützt habe, aber er habe dadurch Probleme mit der Polizei bekommen. Er sei mehrfach auf den Polizeiposten mitgenommen worden, wo man ihn ebenfalls der Un- terstützung beschuldigt habe. Er sei nicht geschlagen wor den, indessen hätten die Polizisten schlimm geflucht und ihn gestossen. Das letzte Mal sei er im (…) von Polizisten mitgenommen, in einen Tannenwald gebracht und verhört worden. Als er gesagt habe, dass er nichts wisse, sei er dort einfach stehengelassen worden. B. Mit Verfügung vom 3. November 2008 - eröffnet am 4. November 2008 - stellte das BFM fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asy l- gesuch ab, verfügte die Weg weisung aus der Schweiz und ordn ete den Vollzug an. C. Mit Beschwerde vom 4. Dezember 2008 an das Bundes verwaltungsge- richt liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin in mat e- rieller Hinsicht beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewäh- ren, eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege samt anwaltlicher Rechtsverbeiständung. Weiter beantragte er eine Anhö- rung durch das Bundesverwaltungsgericht. E-7810/2008 Seite 3 D. Mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2008 stellte der Instruktions- richter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. D er Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wurde auf einen späteren Zeitpunkt ver- schoben und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde vorb e- hältlich der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung (sie ging beim G e- richt am 5. Januar 2009 ein) verzichtet. Die weiteren prozessualen Anträg - unentgeltliche Rechtsverbeiständung und Anhörung durch das Bunde s- verwaltungsgericht - wurden abgewiesen. E. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 26. Januar 2009 v ollum- fänglich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abw eisung der B e- schwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Be hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes verwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG li egt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des B undesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 E-7810/2008 Seite 4 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1, Art. 52 VwVG); auf die B e- schwerde ist einzutreten. 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bund esrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling w ird eine ausländische Person an erkannt, wenn sie in ihrem Heimatst aat oder im Land, in dem s ie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu wer den. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den fra u- enspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheides aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. So habe er vorgebracht, er sei von (…) bis (…) von der Polizei immer wieder mitg e- nommen und befragt worde n. Er kenne aber die genaue Adresse seiner Schwester nicht, obwohl er (…) dort gewohnt habe. Zudem könne er nicht angeben, wie oft und in welchem Rhythmus er mitgenommen worden sei. Sodann sei ihm nicht bekannt, wem er angeblich Beistand und Hilfe hätte leisten sollen. Hinzu komme, dass sich der Beschwerdeführer bezüglich seiner Mitnahmen massiv widersprochen habe. Weiter mache er geltend, seit der Ausreise seiner Schwester sei der Druck der Behörden auf ihn grösser geworden. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass die Türkei seit E-7810/2008 Seite 5 dem Jahr 2001 eine Reihe von Reformen beschlossen habe, die zu einer deutlichen Verbesserung der Menschenrechtslage geführt hätten und d a- zu beitragen würden, dass sich in der Türkei eine schrittweise Annäh e- rung an europäische Standards vollziehe. Eine von Übergriffen betroffene Person habe heute die Möglichkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, beispielsweise mit der Hilfe eines Anwaltes oder einer Menschenrecht s- organisation. Zwar werde nicht in Abrede gestellt, dass in der Tür kei An- gehörige von verfolgten Personen auch heute noch Reflexverfolgung s- massnahmen erleiden könnten. Gemäss den Erkenntnissen des BFM be- stehe jedoch bei Angehörigen von bereits inhaftierten oder ehemals ve r- folgten Personen in der Regel keine entsprechende Gefahr. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlin gseigenschaft nicht erfülle, kön ne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewendet werden. Ferner würden sich aus den Akten keine A n- haltspunkte dafür ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den He i- matstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Ko n- vention zum Schut ze der Menschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohen würde . Weder die im Heimatstaat des Beschwerdeführers her r- schende politische Situation noch andere Gründe würden gegen die Z u- mutbarkeit des Wegweisungsvollz ugs sprechen. Ausserdem sei dieser technisch möglich und praktisch durchführbar. 3.2 In der Beschwerde wird der Argumentation der Vor instanz entge - gengehalten, diese halte zwar zurecht fest, dass der Beschwerdeführer auf unzählige Fragen immer wieder geantwortet habe, er könne sich nicht mehr daran erinnern und wisse es nicht . Dass mit diesen Antworten et- was nicht stimme, liege auf der Hand. Aufgrund seiner Intelligenz und seiner Geschichte sei indessen davon auszugehen, dass der Beschwer- deführer nicht einfach etwas erfunden, sondern bei den Anhörungen b e- wusst weniger gesagt habe, als er eigentlich wisse. Dies klinge zwar auf Anhieb absurd, denn schliesslich habe er einen Asylantrag gestellt. Da- hinter stehe aber ein fundamentales Misstrauen gegenüber al len Behör- den, welches nach schweizerischen Massstäben pathologisch an mute, jedoch der politischen und menschenrechtlichen Realität, in welcher Sym- pathisanten der PKK ( Partiya Karkerên Kurdistan /Arbeiterpartei Kurdi s- tans) leben würden, gerecht werde. Der B eschwerdeführer habe sein an den türkischen Behörden gewachsenes Misstrauen mit in die Schweiz ge-E-7810/2008 Seite 6 tragen und sich im erstinstanzlichen Asylverfahren entsprechend verha l- ten. Seine protokollierten Aussagen seien getrübt von diesem unte r- schwelligen Argwohn und der Angst, sich zu exponieren. Selbstverständ- lich habe er gewusst, wen sein Schwager und seine Schwester unte r- stütz(t)en, und natürlich wisse er auch, wer diese Leute seien und wofür sie sich einsetzen würden. Entgegen der Vorinstanz seien also die Vo r- bringen des Beschwerdeführers insofern glaubhaft, als der Sachverhalt zumindest in den Grundzügen deutlich werde. Daran ändere letztlich die defensive Haltung und dessen unübliches Aussageverhalten nichts. Auch die vom BFM aufgeführten Widersprüche seien nich t gewichtig genug, um die Glaubhaftigkeit der Vorbringen negieren zu können. 3.3 Hinsichtlich der Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers sei zu betonen, dass in der Türkei verschiedene Verfolgungsmuster b e- stehen würden. Die Behörden würden durch wiederholte, zum Teil auch vergleichsweise geringfügige Verfolgungsmassnahmen bei bestimmten Personen einen Zustand permanenter Angst schaffen. Dies gelinge den Militärs und Gendarmen um so leichter, als die betroffenen Personen stets mit Folter zu rechne n hätten. Dieses Verfolgungsmuster permanen- ter psychologischer Zermürbung und Einschüchterung sei nicht nur w e- gen der bereits erfolgten oder drohenden Verfolgungsmassnahmen asy l- relevant, sondern auch wegen des dadurch erzeugten objektiv unerträgl i- chen psyc hischen Druckes. Der Beschwerdeführer habe diesbezüglich Eingriffe hinzunehmen gehabt, die erheblich über das Mass der üblichen Diskriminierung und Repression gegen kurdische Personen hinausre i- chen würden. Bei all dem dürfe man nicht ausser Acht lassen, da ss die Menschenrechtssituation in der Türkei und speziell in den kurdischen Provinzen nach wie vor prekär sei. Die von der Vorinstanz behauptete Möglichkeit, sich gegen staatliche Übergriffe zur Wehr zu setzen, sei w e- nig plausibel. Selbst wenn obiges Fazit in Abrede gestellt würde, müsste eine drohende Reflexverfolgung von asylrelevanter Intensität bejaht werden. Der Schwa- ger des Beschwerdeführers habe sich als PKK -Unterstützer stark exp o- niert und sei deshalb zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden. 4. 4.1 Ebenso wie die Vorinstanz ge ht auch das Bundesverwaltungsge richt davon aus, dass der Beschwerdeführer zum heutigen Zeitpunkt in seinem Heimatland in asylrelevanter Weise nicht gefährdet ist. E-7810/2008 Seite 7 4.2 In der Tat fällt auf, dass der Beschwerdeführer auf viele Fragen im- mer wieder stereotyp geantwortet hat, er könne sich nicht daran erinnern oder er wisse es nicht. Wie das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht festhält, bestehen schon aufgrund dieses Verhaltens Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Zwar ist es möglich, dass er aufgrund des Misstrauens in die Behörden nicht alles angegeben hat, was er weiss. Aber es ist einerseits darauf hinzuweisen, dass ihm anlässlich der direkten Bundesanhörung vom 22. Oktober 2008 mitgeteilt wurde, d ass alle anwesenden Personen seine Angaben vertraulich behandeln würden und er deshalb sicher sein könne, dass diese weder an die Behörden seines Heimatlandes noch an andere Personen weitergeleitet würden , und zudem hat die Hilfswerksvertreterin keine diesbezüglichen Bemer- kungen ins Protokoll aufnehmen lassen . Anderseits sind Asylsuchende gemäss Art. 8 AsylG verpflichtet, an der Feststellun g des Sachverhaltes mitzuwirken und unter anderem anzugeben, weshalb sie um Asyl nac h- suchen (Bst. c). 4.3 Wie bereits aufgeführt, setzt der Flüchtlingsbegriff unter anderem vor- aus, dass eine Person ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder b e- gründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als solche gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgl i- chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Diese Umschrei- bung macht klar, dass eine gewisse Intensität der Eingriffe für die Ane r- kennung als Flüchtling vorauszusetzen is t. Während Massnahmen, wie sie in Art. 3 EMRK umschrieben werden (Folter, unmenschliche und e r- niedrigende Handlung), die erforderliche In tensität ohne weiteres zuz u- sprechen ist, ist bei geringeren Eingriffen (etwa Freiheitsentzug, Schläge und sexuelle Belästigungen) in die genannten Rechtsgüter die physische oder psychische Beeinträchtigung in Relation zu ihrer Dauer und Häufi g- keit sowie zu den gesamten Umständen zu setzen. Massnahmen, die ei- nen unerträglichen psychischen Druck bewirken, müssen sich dem ge- genüber nicht gegen eines der drei namentlich aufgeführten Rechtsgüter Leib, Leben und Freiheit richten. Da es aber auch bei diesem Tatbestand um einschneidende Eingriffe gehen muss, sind gemäss der von der vo r- maligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) festgelegten und vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführten Praxis grundsätzlich h o- he Anforderungen an derartige Verfolgungs massnahmen zu stellen: Sie müssen derart ernsthaft und intensiv sein, dass damit dem Betroffenen ein menschenwürdiges Leben verunmöglicht wird ( vgl. Entscheidungen E-7810/2008 Seite 8 und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 28). 4.4. Der Beschwerdeführer macht vorliegend geltend, er sei mehrfach auf den Polizeiposten mitgenommen worden, wo man ihn der Hilfel eistung beschuldigt habe. Er sei nicht geschlagen worden, aber die Polizisten hätten schlimm geflucht und ihn gestossen. Wie bereits ausgeführt, b e- stehen Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser Schilderung. Doch auch wenn sie der Wahrheit entspräche , wären solche Schikan ierungen der kurdischen Bevölkerung durch die Polizei zwar zu verurteilen, aber sie er- reichten die vorstehend definierte Intensität nicht, welche Voraussetzung für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft bildet. Hieran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass der Schwester des Beschwerdefü h- rers in der Schweiz Asyl gewährt worden ist. Es kann d iesbezüglich auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwi e- sen werden. 4.5 Das BFM hat somit das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei ner sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf nahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). E-7810/2008 Seite 9 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge - zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein sol ches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30 ]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über - einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau - same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Fol ter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da rauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrück schiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen . Da es dem Beschwer deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich er hebliche Gefährdung nachzuwe i- sen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prin- zip des flüchtl ingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfa h- ren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde führers in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei ner Aus- schaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrschein lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be handlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Euro päischen Ge richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall ei ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behan dlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, U rteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 bis 127, mit weiteren Hinweisen). E-7810/2008 Seite 10 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum h eutigen Zeitpunkt vorliegend nicht als unz u- lässig erscheinen. Nach dem Ge sagten ist der Vollzug der Weg weisung mithin sowohl im Sinn e der asyl - als auch der völker rechtlichen Bestim- mungen zulässig. 6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Neben den im Gesetz be i- spielhaft aufgezählten Faktoren können namentlich auch die fehlenden oder mangelhaften medizinischen Beha ndlungsmöglichkeiten, die Beei n- trächtigung des Kindeswohls bei minderjährigen Gesuchstellern oder eine Kombination von Faktoren wie Alter, Beein trächtigung der Gesundheit, fehlendes Beziehungsnetz, schlechte Aussichten für das wirtschaftliche Fortkommen von Bedeutung sein, immer vorausgesetzt, dass sie zu einer konkreten Gefährdung führen. Wird eine solche festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bun desgesetz über die Ausländerinnen und Auslä n- der vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Angesichts der heutigen Lage in der Türkei kann nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkriegs ähnlichen Verhältnissen gesprochen werden, welche für den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung darstellen würde (vgl. die im Wesentlichen nach wie vor zutreffende Lagebeurteilung in EMARK 2004 Nr. 8). Es sind auch keine persönlichen Gründe ersichtlich, die gegen die Rückkehr des jungen und gemäss Aktenlage gesunden Beschwerdefü h- rers sprechen würden. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung aus als zumutbar. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich nötigenfalls bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not - wendigen Reisedokumente zu bescha ffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu b ezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug zu bestätigen. Die Vorinstanz hat d iesen zu Recht als zulässig, zu mutbar E-7810/2008 Seite 11 und möglich erachtet. Nach dem Ges agten fällt eine Anord nung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Bes chwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten an sich dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem aber aufgrund der Aktenlage von der Bedürftigkeit des Be schwerdeführ- ers auszugehen ist und die Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnte, ist in Gutheissung des Gesuchs um Ge währung der u n- entgeltlichen Rechtspflege von einer Kostenauflage abzu sehen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-7810/2008 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und das Migrati- onsamt B._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand: