Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. September 2018 (720 16 383 / 252) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bestimmung des massgebenden medizinischen Sachverhalts aufgrund eines Gerichts- gutachtens. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Carole Held, Rechts- anwältin, Rechtsdienst Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1957 geborene A.____ war zuletzt bis zum 19. Januar 2012 bei der B.____ AG als Reinigungskraft tätig. Am 24. Februar 2012 meldete sie sich unter Hinweis auf Rückenschmer- zen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung ( IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklä- rung der erwerblichen, gesundheitlichen und haushäl terischen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Basel-Landschaft (IV-Stelle) den Anspruch auf eine In validenrente mit Verfügung vom 18. Ok- tober 2016 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 22% ab. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertret en durch Carole Held, Advokatin, am 18. November 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die Verfügung der IV-Stelle vom 18. Oktober 2016 sei aufzuheben und zur Klärung des medizinischen Sachverhalt s seitens des Gerichts ein bidiszi- plinäres Obergutachten in den Fachrichtungen Rheumatol ogie und Psychiatrie einzuholen und nach dessen Vorliegen die Arbeitsfähigkeit bzw. der Ren tenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu eruieren. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, zur vollständigen Abklä- rung des medizinischen Sachverhalts und zur Rentenprüfung, die notwendigen Schritte einzu- leiten, mithin in den Fachrichtungen Rheumatologie und Psychiatrie bei bislang nicht in das Ver- fahren involvierten Fachstellen ein neutrales bidisziplin äres Gutachten einzuholen; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die unentgeltliche Prozessführung mit Advokatin Held als unentgeltlicher Rechtsvertreterin. C. In ihrer Vernehmlassung vom 1. Februar 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Beschluss vom 27. April 2017 gelangte das Kantonsge richt anlässlich der Urteils- beratung zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurt eilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich sei. Da s Gericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur Klärung des medizinischen Sach verhalts ein Gerichtsgutachten ein- zuholen. E. Mit Schreiben vom 14. Juni 2017 beauftragte das Kan tonsgericht die Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) mit einem polydisziplinäre n Gutachten, welches am 20. De- zember 2017 erstattet wurde. Die Parteien erhielten i n der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutachtens und zur Frage zu äussern, wie sich dessen Ergebnisse auf den Leistungsan- spruch der Versicherten auswirken würden. Die Beschwerdef ührerin machte am 2. Februar 2018 hiervon Gebrauch. Die IV-Stelle wiederum liess sich am 20. Februar 2018 zum Gutachten und zu dessen Auswirkungen auf den Leistungsanspruch vernehmen, wobei sie zusätzlich eine weitere Beurteilung von pract. med. C.____, FMH Psychiat rie und Psychotherapie, vom 16. Januar 2018 und von Dr. med. D.____, FMH Orthopäd ische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 2. Februar 2018, beide Reg ionaler Ärztlicher Dienst beider Ba- sel (RAD), ins Recht legte. Im Rahmen einer weiteren E ingabe vom 24. April 2018 äusserte sich die Beschwerdeführerin zum besagten Schreiben der Be schwerdegegnerin und zu den Ausführungen der RAD-Ärzte. Auf die Vorbringen der Parteien ist − soweit notwend ig − in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 16. Oktober 2018, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsp rozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherung sgericht als einzige gerichtliche In- stanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kanto nalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 18. November 2016 ist demnach einzutre- ten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine I V-Rente. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Invalidität im Sinne dieser Bestimmun g ist die durch einen körperlichen, geisti- gen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folge von Gebur tsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder länge re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allge- meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstä nden kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich er reichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es geli ngt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.2 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 4.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis IVV, in der vorlie- gend anwendbaren, bis Ende 2017 gültig gewesenen Fassung). 4.4 In Bezug auf die Bemessung der Invalidität aufgru nd der gemischten Methode ist zu beachten, dass Art. 27 bis Abs. 3 lit. a IVV in der ab dem 1. Januar 2018 gelten den Fassung be- stimmt, dass sich die Berechnung des Invaliditätsgrads in Be zug auf die Erwerbstätigkeit bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Aufgabenbereic h nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, nach Art. 16 ATSG richtet, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht inv alid geworden wäre, auf eine Voller- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht werbstätigkeit hochgerechnet wird. Nach der Rechtspre chung des Bundesgerichts kann die Invaliditätsbemessung mittels der gemischten Methode nach dem neuen Berechnungsmodell gemäss Art. 27 bis Abs. 2 bis 4 IVV in der Fassung vom 1. Dezember 2017 im Hinblick auf eine einheitliche und rechtsgleiche Behandlung der Versicher ten erst ab dem Zeitpunkt des Inkraft- tretens dieser Bestimmung am 1. Januar 2018 erfolgen (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Ja- nuar 2018, 8C_462/2017, E. 5.3 mit Hinweisen). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So führte da s Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von de n Einschätzungen des medizini- schen Experten abweicht, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt m edizinisch zu erfassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Gleichwohl wie bei Gut achten externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG ei ngeholt wurden und den Anforderun- gen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insbe sondere einem von ihm eingehol- ten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zuerkennen, sol ange "nicht konkrete Indizien gegen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen (BGE 135 V 4 65 E. 4.4 S. 469 f.). Schliesslich lässt es die Natur des Begutachtungsauftrags eines amtlich best ellten fachmedizinischen Experten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b), ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu st ellen und zum Anlass weiterer Abklä- rungen zu nehmen, wenn andere Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2. 1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf drängt, weil beispielsweise die behan- delnden Ärzte wichtige − und nicht rein subjektiver ärztl icher Interpretation entspringende − As- pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 18. Oktober 2016 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das bidisziplinäre Gutach- ten von Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizi n und Rheumatologie, und Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. Juli 2013 / 4. März 2013 (vgl. IV-Akte 41). Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführerin eine rückenadaptier- te leichte Tätigkeit im Umfang von 75% zumutbar sei. De n im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. E. 5.3 hiervor). Anlässlich der in dieser Angelegenheit erfolgten Ur- teilsberatung vom 27. April 2017 gelangte das Kanton sgericht nun allerdings zur Auffassung, dass diesem Gutachten keine ausschlaggebende Beweiskraft zu komme. Anlass, an den ent- sprechenden Schlussfolgerungen des Gutachtens zu zweifeln, gab neben der mangelnden Ak- tualität desselben zum einen der Umstand, dass Dr. F.__ __ von einer unzutreffenden psychiat- rischen Behandlungsdauer ausging. Zum anderen fiel name ntlich ins Gewicht, dass zwischen den gutachterlichen Ausführungen und den Beurteilung en der übrigen involvierten psychiatri- schen Fachpersonen erhebliche Widersprüche bestanden, die sich auch in einer divergierenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit niederschlugen. Hin sichtlich der fehlenden Beweiskraft des rheumatologischen Fachteils des Gutachtens entscheidend w ar, dass die darin veranschlagte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von mehreren Fachär zten angezweifelt wurde und in jüngeren Berichten neue Symptome und Diagnosen ausgemacht werden konnten. Nachdem sich dem- entsprechend mit Beschluss des Kantonsgerichts vom 27. Apr il 2017 die Einholung eines ge- richtlichen Gutachtens als unerlässlich erwiesen hatte, s teht nunmehr das gerichtliche Gutach- ten der asim vom 16./18./25. Oktober 2017 im Zentrum der medizinischen Beurteilung. 6.2 Das Gutachterteam der asim bestehend aus Dr. med. G .____, FMH Allgemeine Innere Medizin, Dr. med. H.____, FMH Neurologie und Psychiatri e und Psychotherapie, und Dr. med. I.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, diagnostiziert in seinem Gutachten aus polydisziplinärer Sicht mit Einfluss auf di e Arbeitsfähigkeit ein chronisches lum- bovertebrales Schmerzsyndrom, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi- schen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine chronifizierte Dep ression, derzeit leichtgradig (ICD-10 F32.0), eine Persönlichkeit mit selbstunsicheren und äng stlich-vermeidenden Zügen, dekom- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht pensiert unter rezidivierenden Belastungen (ICD-10 Z73 .1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden rezidivierende Ro tatorenmanschettentendopathie- Schmerzen der rechten Schulter, ein rezidivierendes zervi kovertebrales Schmerzsyndrom, eine primäre Raynaud-Symptomatik, anamnestisch seit der Juge nd an allen Fingern beider Hände, ein Status nach einem Knöchelbänderriss vor Jahrzehnten, e in Status nach zweimaliger trau- matischer Daumengrundgelenks-Bandläsion links beim Skifahr en, intermittierende Kniebe- schwerden beidseits, rezidivierende Wadenkrämpfe links, ein Verdacht auf postaktinische Hautstrukturveränderungen sowie ein Verdacht auf eine E ssstörung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F50.9). Im psychiatrischen Fachteil des Gutachtens führt Dr. H.____ hierzu im Wesentlichen aus, dass vom Vorliegen eines schweren komorbiden Zustandsbildes (Schmerzstörung, depressives Syn- drom, Persönlichkeitsproblematik) auszugehen sei. Das g esamte Krankheitsbild sei als eine Einheit zu betrachten. Es bestünden ungünstige Wechselwirkungen dieser Krankheitsbilder, die voneinander nicht zu trennen seien. Im Vordergrund s tünden körperliche Schmerzen mit deutli- cher Einschränkung der Belastbarkeit, die sowohl auf so matische als auch psychische Ursa- chen zurückzuführen seien. Bei auffälliger Persönlichkeitsst ruktur sei davon auszugehen, dass diese eine bedeutende Rolle in der Aufrechterhaltung der Schmerzsymptomatik spiele. Die Per- sönlichkeit an sich zeige deutlich selbstunsichere, ängstli ch-vermeidende und dependente Zü- ge. Eine hohe Bedeutung der Anerkennung von aussen wer de durch die Biographie deutlich. Die Persönlichkeit habe sich aber lange Jahre kompensi ert gezeigt, sodass formal nicht von einer Persönlichkeitsstörung ausgegangen werden könne. Es sei jedoch davon auszugehen, dass nach mehreren Schicksalsschlägen und stattgehabten Bela stungen in der Lebensge- schichte der Explorandin erhebliche Abweichungen im Berei ch der Kognitionen und in der Ver- gangenheit auch in der Art des Umgangs mit anderen Me nschen bestünden. Somit sei von ei- ner Persönlichkeitsakzentuierung auszugehen. Ferner besteh e ein depressives Syndrom mit Affektlabilität, Freudeverlust, reduziertem Selbstwert gefühl, Selbstvorwürfen und Konzentrati- onsstörungen. Die Symptomatik würde stark mit Symptomen de r ängstlich vermeidenden Per- sönlichkeitsstruktur interferieren. Formal entspreche sie am ehesten einer leichten depressiven Episode, die sich mittlerweile chronifiziert zeige. Die Diagnose einer atypischen Depression, wie sie in der Klinik Teufen gestellt worden sei (vgl. IV-A kte 36), könne nicht bestätigt werden, da nicht mindestens zwei der hierfür erforderlichen Kriteri en vorliegen würden. Dr. F.____ habe in seinem Gutachten vom 4. März 2013 die Prognose hinsichtl ich der diagnostizierten Schmerz- störung mit somatischen und psychischen Faktoren als günstig eingeschätzt. Seine Aussage, wonach sich keine lebensgeschichtlichen Belastungen finden würden, könne nicht nachvollzo- gen werden. Nach dem Verlust von zwei Kindern im Säugl ingsalter in einem kurzen zeitlichen Abstand zueinander, könne nicht von fehlenden lebensg eschichtlichen Belastungen ausgegan- gen werden. Ebenso könne die Feststellung, dass die erfolgte Kündigung der Arbeitsstelle 2010 adäquat hätte verarbeitet werden können, nicht nachvol lzogen werden. Insofern sei auch die von Dr. F.____ attestierte volle Arbeitsfähigkeit aufg rund der Schwere der Erkrankung, die sich bereits zum damaligen Zeitpunkt gezeigt hatte, nicht na chvollziehbar. Die weitere Entwicklung in den vergangenen vier Jahren zeige deutlich, dass es sich hierbei um eine Fehleinschätzung gehandelt habe. Mit der Einschätzung der Persönlichkeit sstruktur von Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Gutachten vom 18. Januar 2013 könne übereinge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht stimmt werden. Er würdige die Persönlichkeitsstruktur unte r Berücksichtigung der Biographie, habe aber auch keine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren können. Im rheumatologischen Teilgutachten hält Dr. I.____ fest , die Explorandin habe mittlumbale Schmerzen mit Ausstrahlung in den Bereich des linken Beck enkamms und nach gluteal links, selten über den lateralen Oberschenkel bis zum linken Kn ie nach längerem Gehen und Stehen beklagt. Insgesamt bleibe die rheumatologisch zu stellend e Hauptdiagnose chronischer Rü- ckenschmerz unverändert. Der frühere Begriff des lumbospo ndylogenen Schmerzsyndroms habe sich auf Schmerzausstrahlungen in beide Beine bezoge n, die als nicht radikulär interpre- tiert worden seien. Aktuell würden sich ebenfalls nicht radikuläre Schmerzausstrahlungen im Bereich der Beine finden, wobei eine intermittieren de Wurzelreizung beidseits nicht ausge- schlossen werden könne. Wie im Gutachten von Dr. E.____ dargelegt worden sei, bestünde im vorliegenden Fall die grosse Schwierigkeit, das Ausmass d er versicherungsmedizinisch organ- läsionell bedingten Schmerzanteile von den „psychosomatischen“ abzugrenzen sowie die durch die zentrale Schmerzverarbeitungsstörung mitverursachten Schmerzen zu quantifizieren. Dies dürfte auch die diskrepanten Arbeitsfähigkeitseinschätzung en seitens der behandelnden Ärzte im Jahr 2012 und 2013 begründen. Dabei sei in den vor liegenden Akten bisher nicht berück- sichtigt worden, dass die von der Versicherten geschilderte n traumatisierenden Schmerzerleb- nisse in der Kindheit und Jugend, Auslieferungserleben und Misshandlungen und damit ein feh- lendes Potential zu adäquater kognitiver Schmerzverarbei tung und sozialer Ausgrenzungs- stress zu irreversiblen Veränderungen der zentralen Schmerzp erzeption im späteren Leben führen könnten. Mit entsprechendem Risiko, auch auf „regu läre“ (im natürlichen Verlauf des Lebens entsprechend auftretende) degenerative Veränderungen, beispielsweise im Bereich des Achsenskeletts, nicht mit einem adäquaten Schmerz-Copin g und adäquater Schmerzverarbei- tung reagieren zu können. Derartig chronifizierte und sich dann de facto invalidisierend auswir- kende Schmerzzustände würden dann zwar primär fokal organläsionell in der Peripherie ausge- löst, entsprechend diesem schmerzmedizinischen Modell aber zentral im Gehirn perpetuiert und seien schliesslich medizinisch kaum mehr beeinflussbar. Der gutachterlich verwendete Termi- nus „unspezifischer Rückenschmerz“ sei vor dem Hintergrund des Dargelegten nicht adäquat, da dieser Begriff den langjährigen schweren und de f acto invalidisierenden Beschwerden auf der Grundlage, wenn auch diffuser, so doch deutlich vo rhandener mehrfacher degenerativer Segmentveränderungen, nicht gerecht werde. Es handle si ch im vorliegenden Fall vielmehr um eine schwere chronifizierte Schmerzsymptomatik entstanden auf der Grundlage deutlicher or- ganläsioneller degenerativer Veränderungen des untere n Achsenskeletts, wo auch medizini- sche Massnahmen keine durchbrechenden Verbesserungen mehr b ewirken könnten. Aus die- ser Perspektive sei das Leiden der Explorandin als schwer bis mittelschwer zu taxieren. Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung gelangten die Guta chter zum Ergebnis, dass in der Zu- sammenschau der somatischen und psychischen Einschränkungen eine Arbeitsfähigkeit von 50% für rückenadaptierte Tätigkeiten mit der Möglichke it zum Wechsel der Körperpositionen bestehe. Aus rheumatologischer Sicht könne eine Arbeits fähigkeit von 50% nach Implantation des Neurotransmitters ab Sommer 2015 angenommen werde n. Namentlich aus psychiatrischer Sicht erscheine die Darstellung des retrospektiven Verlau fs der psychiatrisch bedingten Ar- beitsunfähigkeit schwierig. Unter Berücksichtigung sämtlich er Angaben und bei genauerer Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht trachtung des Verlaufs sei jedoch davon auszugehen, dass sich ab der Aufgabe der Tätigkeit im Januar 2012 der schon zuvor instabile Gesundheitszustand weiter verschlechtert habe. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei die Explorandin au s psychiatrischer Sicht seit Januar 2012 durchgehend auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 50% eingeschränkt. 6.3 Mit Stellungnahme vom 16. Januar 2018 hielt pract. med. C.____, RAD, zusammen- fassend fest, dass die gutachterlichen Ausführungen zur Ar beitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht nachvollziehbar seien. Da in der Vergangenh eit nie eine höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als 30% veranschlagt worden sei, sei a n dieser Einschätzung festzuhalten. Die depressive Störung sei objektiv belegbar nie über ein lei cht bis maximal mittelgradiges Aus- mass hinausgekommen und zeige im aktuellen psychopathologisch en Befund des psychiatri- schen Gutachtens der asim nur sehr schwache Befunde. In Ko mbination mit der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (IC D-10 F45.41) und der Persön- lichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1) sei aktuell und in der Vergangenheit keine Reduktion der Arbeitsfähigkeit um 50% zu rechtfertigen. 6.4 Am 2. Februar 2018 äusserte sich auch Dr. D.____, RA D. Eine Minderung der Arbeits- fähigkeit um 50% sei weder durch die klinischen noch d ie bildgebenden Befunde nachvollzieh- bar. Das Gutachten würde insofern eine Inkonsistenz auf weisen, als die massgebliche Limitie- rung der Arbeitsfähigkeit interdisziplinär jeweils in d ie komplementäre Fachdisziplin verlagert würde. Einerseits würde man sich nicht in der Lage sehe n, die Arbeitsfähigkeit aus rein psychi- atrischer Sicht zu beurteilen, sondern verweise auf die somatische Schmerzsituation, wobei bereits nicht nachvollziehbar sei, welche kognitiven Ein schränkungen die Versicherte denn rein psychiatrisch zu 50% limitieren sollen, wenn man sich den Ps ychostatus vor Augen führe. An- dererseits werde von somatischer Seite ausdrücklich formu liert, dass bezüglich der Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit für körperlich angepasste Tätigkeiten die Funktionsstörungen auf psy- chiatrischem Fachgebiet im Vordergrund stehen würden. I nsbesondere vermöge auch nicht zu überzeugen, dass die Arbeitsfähigkeit in rheumatologisch er Hinsicht geringer eingestuft werde, als im Vorgutachten von Dr. E.____, obwohl sich die Schm erzen seit der Implantation des Neu- rostimulators ausdrücklich gebessert hätten, was sich im rh eumatologischen Befundstatus be- obachten lasse. 7.1 Während die Beschwerdeführerin mit Stellungnahme vom 2. Februar 2018 geltend macht, dass gestützt auf das asim-Gutachten von einer Arbe itsunfähigkeit von 50% auszuge- hen sei, stellt sich die IV-Stelle mit Eingabe vom 20. Februar 2018 mit Verweis auf die Stellung- nahmen des RAD vom 16. Januar und vom 2. Februar 2018 auf den Standpunkt, dass nicht darauf abgestellt werden könne. 7.2 Wie oben ausgeführt (E. 5.3 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinisch en Experten ab, dessen Aufga- be es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Ver fügung zu stellen, um einen be- stimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend besteht kein Anlass, von den Ergeb- nissen des zitierten asim-Gerichtsgutachtens abzuweichen. Das Gutachten ist umfassend und die darin dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die jeweils vorgenommenen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die Gutachter haben die Versicher- te persönlich untersucht, eine umfassende Anamnese erhobe n und gehen einlässlich auf ihre Angaben und Beschwerden ein. Sie setzen sich zudem fundie rt mit den bei den Akten liegen- den medizinischen Berichten auseinander und begründen ab weichende Einschätzungen in überzeugender Weise. So wird aus psychiatrischer Sicht unte r Hinweis auf die divergierenden Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit, namentlich auf das Gutachten von Dr. F.____ vom 4. März 2013, nachvollziehbar dargelegt, weshalb eine geringer e Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nicht begründet werden könne. Dabei wird schlüssig aufge zeigt, dass im Rahmen der bisheri- gen fachärztlichen Beurteilungen die lebensgeschichtli chen Belastungen der Versicherten, die nicht nur depressive Reaktionen, sondern insbesondere auch e rhebliche und irreversible Ab- weichungen im Bereich der Kognitionen und damit auch i n der Schmerzverarbeitung zur Folge hatten, keinerlei Würdigung erfahren haben. Unter d iesen Umständen vermag die von der IV- Stelle mit Verweis auf den RAD-Bericht vom 16. Januar 2018 vertretene Auffassung, wonach in der Vergangenheit nie eine höhere Arbeitsunfähigkeit als 30% veranschlagt worden sei, nicht zu überzeugen. Angesichts des von Dr. H.____ beschriebene n komorbiden Krankheitsbildes steht sodann allein die Tatsache, dass in Bezug auf die diagnostizierte Depression lediglich eine leichte depressive Episode ausgemacht worden ist, e iner (weitergehenden) Beeinträchti- gung der Arbeitsfähigkeit nicht entgegen. Dies umso weniger, als die chronifizierte Schmerzstö- rung bei der Limitierung der Arbeitsfähigkeit im Vordergrund steht und die Depression interferie- rend mit der Persönlichkeitsakzentuierung einen wesentli chen Bestandteil zu deren Aufrechter- haltung beiträgt. Dabei können den gutachterlichen Aus führungen zufolge aus den einzelnen Diagnosen gerade keine isolierte Funktionalität abgelei tet werden (vgl. asim-Gutachten, S. 13). Hinzu tritt, dass hinsichtlich des Einflusses der Schmerzstöru ng auf die Arbeitsfähigkeit, diag- nose-inhärent nicht allein psychische, sondern insbesonder e auch somatische Aspekte zu be- rücksichtigen sind, wobei namentlich in der medizinischen A ktenlage bisher ausgeblendete Wechselwirkungen eine zentrale Rolle spielen, die nun in der aktuellen Begutachtung einge- hende Berücksichtigung gefunden haben. Nicht gefolgt wer den kann dabei dem ebenfalls auf der versicherungsmedizinischen Aktenbeurteilung gründende n Einwand, wonach die wesentli- che Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit interdisziplinär jeweils in die komplementäre Fachdis- ziplin verlagert worden sei. Vielmehr werden die im psych iatrischen Fachteil bereits dargeleg- ten, bisher nicht gewürdigten lebensgeschichtlichen Belas tungen aus rheumatologischer Sicht dahingehend präzisiert, dass die traumatisierenden Schme rzerlebnisse zu einer irreversiblen inadäquaten kognitiven Schmerzverarbeitung geführt hätt en, die somit auch eine adäquate Schmerzreaktion auf degenerative Veränderungen im Berei ch des Achsenskeletts verhindern würde. Die Schmerzen würden zwar primär organläsionell in der Peripherie ausgelöst, aber aufgrund dieser Fehlverarbeitung zentral im Hirn per petuiert, womit sie medizinisch kaum mehr beeinflussbar seien. Gleichzeitig weist Dr. I.____ darau f hin, dass es bei der Versicherten zu einer schweren chronifizierten Schmerzsymptomatik auf der Basis einer schweren vorzeitigen Alterung des Achsenskeletts gekommen sei, wo auch medizin ische Massnahmen keine über- zeugenden Verbesserungen mehr bewirken könnten. Damit läuft schliesslich auch der Einwand der Beschwerdegegnerin ins Leere, demzufolge aufgrund d er Implantation des Neurostimula- tors im Jahr 2015 eine geringere Beurteilung der Arbe itsfähigkeit nicht nachvollziehbar sei. Ins- gesamt legen die Gutachter schlüssig dar, dass die Arbe itsunfähigkeit der Versicherten auf- grund des komplexen Krankheitsbildes nicht anhand einer M omentaufnahme, sondern im Rah- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht men einer Gesamtwürdigung und unter Berücksichtigung d ieser Wechselwirkungen zu beurtei- len ist. Sie gelangen dabei zum nachvollziehbaren Ergebnis, dass ihr in einer leidensangepass- ten Tätigkeit lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50% verbleibt. 7.3 Nach dem Gesagten ist demnach mit den Gerichtsgutacht ern der asim davon auszu- gehen, dass die Versicherte in einer rückenadaptierten Tätigkeit mit der Möglichkeit zum Wech- sel der Körperpositionen seit Januar 2012 im Umfang von 50% arbeitsfähig ist. 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Versicherte anlässlich der Abklärung der Sta- tusfrage im Haushaltsbericht vom 24. April 2014 erklä rt hat, dass sie ohne gesundheitliche Ein- schränkungen einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 70% nach gehen würde und ab April 2014 (dem Zeitpunkt des Auszugs ihres Sohnes aus der Wohnung ) zu 100% berufstätig wäre. Folg- lich ist der Invaliditätsgrad bis zu diesem Zeitpunkt nac h der gemischten Methode zu ermitteln, wobei auf die bis 31. Dezember 2017 geltende gesetzlic he Regelung und Rechtsprechung ab- zustellen ist (vgl. oben E. 4.3). 8.2 Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 4.1 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Dassel- be gilt im Rahmen der gemischten Methode der Invalidi tätsbemessung für die Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich. 8.3 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad d er überwiegenden Wahrschein- lichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. D ie Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, au szugehen ist (Urteil des EVG vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit zahlreiche n Hinweisen). Hintergrund bildet die empi- rische Erfahrung, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesu ndheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichke it erstellt sein (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b). Vorliegend war die Beschwerdefü hrerin bis zum Eintritt ihrer gesundheitli- chen Beeinträchtigungen im Januar 2012 als Reinigungskr aft im Umfang von 30 Wochenstun- den bei der B.____ AG erwerbstätig. Da vorliegend ke ine Gründe ersichtlich sind, denen zufol- ge die Versicherte ihre bisherige Stelle auch ohne ges undheitliche Beeinträchtigung verloren hätte, ist in Abweichung zur Verfügung der Beschwerdeg egnerin vom 18. Oktober 2016 für die Berechnung des Rentenanspruchs der Lohn beim bisherigen Arbeitgeber als Valideneinkom- men heranzuziehen. Gestützt auf die Angaben des Arbe itgebers der Beschwerdeführerin für das Jahr 2012 (vgl. IV-Akte 22), wonach die Beschwerde führerin ein monatliches Einkommen von Fr. 3‘123.-- erzielt hätte, wäre sie nicht invalid geworden, ist bezogen auf ein Pensum von 70% nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung von ein em Valideneinkommen von Fr. 40‘599.-- auszugehen. 8.4 Bei der Berechnung des Invalideneinkommens stützte si ch die Beschwerdegegnerin auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) und gelangte auf diese Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Weise zu einem zumutbaren Jahreseinkommen von Fr. 51‘441.--, was nicht zu beanstanden ist. Bei einem Pensum von 50% resultiert dabei ein Invalideneinkommen von Fr. 25‘720.50. 8.5 Unter Berücksichtigung der Anteile von 70% Erwerbst ätigkeit und 30% Haushalt ergibt dies gewichtet einen IV-Grad von 25% (0,7 x 50 + 0,3 x 0 ), womit im Zeitpunkt des frühestmög- lichen Rentenbeginns (Januar 2013) kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht. Für die Zeit danach, ab 1. Mai 2014, ist bezogen auf ein Pensum von 100% von einem Valideneinkommen von Fr. 57‘998.-- auszugehen. Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 57‘998.-- und des Invalideneinkommens von Fr. 25‘720 .50 resultiert dabei ein Invaliditäts- grad von rund 56%. Damit besteht mit Wirkung ab 1. Mai 2014 Anspruch auf eine halbe Rente. 9. Demzufolge ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheisse n, als die angefochtene Ver- fügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 18. Oktober 2016 aufgehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2014 Anspruch auf eine halbe IV-Rente hat. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin unterlegene Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. Gemäss § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO werden der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden gemäss Verwaltungsverfah- rensgesetz vom 13. Juni 1988 keine Verfahrenskosten aufer legt. Auf die Erhebung von Verfah- renskosten ist deshalb zu verzichten. Der von der Beschwerdef ührerin geleistete Kostenvor- schuss ist bei diesem Ergebnis zurückzuerstatten. 10.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für die gerichtlich e Begutachtung ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dieser Bestimmung zufolge hat der Ve rsicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeor dnet hat. Hat er keine Massnah- men angeordnet, so hat er deren Kosten dennoch zu übe rnehmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder B estandteil nachträglich zugesproche- ner Leistungen bildeten. Wie das Bundesgericht in BGE 1 37 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gerich t als notwendig erachteten Beweis- massnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine sol che indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten d er durch das Gericht in Auftrag gegebe- nen MEDAS-Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich seiner Urteilsberatung vo m 27. April 2017 zum Ergebnis ge- langt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Hintergrund bildete der Umstand, dass das bidisziplinäre n Gutachten der Dres. E.____ und F.____ hinsichtlich des Gesundheitszustandes keine gesicher ten Schlüsse zugelassen hatte, zumal im damaligen Verfügungszeitpunkt seit der gutacht erlichen Beurteilung bereits dreiein- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht halb Jahre verstrichen waren. In Anbetracht dieser Umstände war die gerichtliche Begutachtung durch die asim deshalb nicht nur angezeigt, sondern uner lässlich. Im Lichte der geschilderten Rechtsprechung sind die daraus resultierenden Kosten, w elche sich gemäss den Honorarrech- nungen der asim auf Fr. 9412.70 belaufen (Rechnung vom 20. Dezember 2018), demnach der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 10.3 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO steht der obsiegenden Beschw erdeführerin eine Parteient- schädigung zu. Der Honorarnote vom 8. November 2016 zuf olge beläuft sich der geltend ge- machte Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren bis zum 9. Februar 2017 auf insge- samt 8 Stunden und 15 Minuten, der sich angesichts der sic h stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist und zum geltend gem achten Stundenansatz von Fr. 200.-- zu entgelten ist. Ebenfalls nicht zu beanstan den sind die geltend gemachten Ausla- gen im Umfang von insgesamt Fr. 50.--. Die Rechtsvert reterin der Versicherten ist mit Verfü- gung des Kantonsgerichts vom 3. Mai 2018 aufgefordert w orden, innert unerstreckbarer Frist bis 24. Mai 2018 ihre aktualisierte Honorarnote nach Ze itaufwand einzureichen. Gleichzeitig ist sie darauf hingewiesen worden, dass das Honorar nach Erm essen festgesetzt werde, falls bis zum genannten Termin keine Honorarnote eingehen sollte . In der Folge hat die Rechtsvertrete- rin dem Kantonsgericht keine aktualisierte Kostennote zu kommen lassen, sodass das Honorar für den nach dem 9. Februar 2017 entstandenen Aufwan d ankündigungsgemäss nach Ermes- sen festzusetzen ist. Der erbrachte Aufwand setzt sich ab diesem Zeitpunkt im Wesentlichen aus dem Verfassen der Replik sowie einer weiteren Eing abe vom 24. April 2018 zusammen. Hält man sich die erbrachten Bemühungen vor Augen, ersche int es angemessen, für diese ei- nen Zeitaufwand von insgesamt vier Stunden zu entschädigen und der Rechtsvertreterin zudem Auslagen von pauschal Fr. 50.-- zu ersetzen. Die Bemühungen sind zu dem von der Rechtsver- treterin geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 200.-- zu entschädigen. Der Beschwerdefüh- rerin ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘550.-- (12 Stunden und 30 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 100.--) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zu- zusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 18. Oktobe r 2016 auf- gehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführe rin ab 1. Mai 2014 Anspruch auf eine halbe IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 9412.70 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerd eführerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘550.-- (inkl. A uslagen) zu be- zahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht