Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Dezember 2015 (720 13 281 / 323) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit; dem polydis- ziplinären Gerichtsgutachten kommt ausschlaggebende Beweiskraft zu. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Elisabeth Maier , Adv o- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1959 geborene A.____ war vom 19. Februar 200 7 bis 30. April 2009 bei der B____AG und vom 1. Mai 2009 bis 30. September 2009 bei der C____GmbH als Verkäuferin angestellt. Am 1. Mai 2009 meldete sie sich unter H inweis auf Arthrose im Rücken, in den Füs- sen und Knien sowie auf Weichteil-/Muskelrheuma bei der Eidgenössischen Invalidenversiche- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem die IV-S telle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Ver hältnisse abgeklärt hatte, sprach sie A.____ – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren – mit Verfügung vom 2. September 2013 ab 1. November 2009 aufgrund eines IV-Grads von 57% ei ne halbe Rente, ab 1. Mai 2010 zu- folge vorübergehender Verschlechterung des Gesundheitszustan des eine ganze Rente und ab 1. April 2011 wiederum aufgrund eines IV-Grads von 57% eine halbe Rente zu. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Elisabeth Maier, am 1. Oktober 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Be schwerde sei die Verfügung vom 2. September 2013 aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, d.h. auch ab April 2011 eine ganze Rente, zuzusprechen. Eventualiter sei zur weiteren Abklärung des Sachver- halts ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Subeve ntualiter sei die Angelegenheit – in Aufhebung der Verfügung vom 2. September 2013 – zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtli cher Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advo katin Maier als Rechtsvertreterin. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die ang efochtene Verfügung auf unzu- reichenden medizinischen Akten beruhe und der Einkommensv ergleich nicht korrekt durchge- führt worden sei. C. Mit Verfügung vom 7. Oktober 2013 wurde der Beschwer deführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- katin Maier als Rechtsvertreterin bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 21. November 2013 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 27 . Januar 2014; Duplik vom 25. März 2014) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest, wobei die Beschwerdeführerin bean- tragte, für den Fall, dass das Kantonsgericht kein Gutac hten veranlasse, sei ein aktueller Be- richt beim behandelnden Arzt Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie, einzuholen. F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 7. August 2014 gel angte das Kantonsgericht zum Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Angel egenheit gestützt auf die vorhande- nen medizinischen Akten nicht möglich sei. Es beschloss daher , den Fall auszustellen und ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen. Zudem forderte es die Parteien auf, zu dem vom Ge- richt vorgelegten Fragenkatalog Stellung zu nehmen. Nachdem die Parteien zum Fragenkatalog Stellung genommen hatten, beauftragte das Kantonsgericht am 3. Oktober 2014 das Begutach- tungsinstitut E.____ mit einem Gutachten, welches am 11. August 2015 erstattet wurde. G. Mit Eingaben vom 14. September 2015 nahmen die Pa rteien zum Gutachten sowie zu den Auswirkungen der medizinischen Beurteilung auf den L eistungsanspruch Stellung, wobei die Beschwerdeführerin an ihrem Rechtsbegehren auf Gut heissung und Ausrichtung der ge- setzlichen Leistungen festhielt. Die IV-Stelle errechne te gestützt auf das Gerichtsgutachten ab Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. April 2011 einen Anspruch der Versicherten auf eine halbe Rente, ab 1. Juni 2014 auf eine ganze Rente und ab 1. Februar 2015 auf eine Dreiviertelsrente. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zustän- dig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhob ene Beschwerde vom 1. Oktober 2013 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Be schwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochten en Verfügung vom 2. September 2013 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussi chtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Zu den psych ischen Gesundheitsschäden gehören somit neben den eigentlichen Geisteskrankheiten auch seelisch e Abwegigkeiten mit Krank- heitswert. Nicht als Auswirkungen einer krankhaften seelisc hen Verfassung und damit invali- denversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Beein trächtigungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden vermöchte, wobei das Mass d es Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt werden muss (BGE 131 V 50 f. E. 1.2, 130 V 353 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlich en Beeinträchtigungen arbeitsfähig ist. 5.1 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit einer versicher ten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Geri cht – auf Unterlagen angewiesen, die vor- ab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind . Deren Aufgabe ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähi g ist (vgl. BGE 132 V 99 f. mit weiteren Hinweisen). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stell ungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (vgl. ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Sch lauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Inva- lidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de s medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbar keit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorlie- gen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss folgerungen gelangt. Eine abwei- chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug ersche inen, die Schlüssigkeit des Gerichts- gutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise v om Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f . E. 3b/aa mit Hinweisen). Im Weite- ren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV- Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lan- ge, bis über die für die Beurteilung des streitigen An spruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im W esentlichen die folgenden medizini- schen Unterlagen zu berücksichtigen: 7.1 Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. G.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, mit einer Begutachtung der Versicherten. Am 25. August 2011 diagnostizierten si e mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit eine Polyarthrose mit Gonarthrose beidseits, eine Heberden- und Bouchard-Arthrose, eine Rhizarthrose rechts, Arthrosen an den Tarsometatarsalgele nken, an den oberen Sprunggelen- ken (OSG) beidseits, Arthosen am Grosszehengrundgelenken beidseits (ICD-10 M15.0), eine seronegative Polyarthritis/seronegative Spondarthropathi e mit möglichem peripherem Gelenk- befall und möglicher Beteiligung der Brustwirbelsäule (BWS), Enthesopathien an den Ellbogen sowie plantar (ICD-10 M06.0), ein chronisches thoracove rtebrales Schmerzsyndrom und stati- sche Fussbeschwerden beidseits. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Sta- tus nach möglicher depressiver Episode (ICD-10 F32), ein multilokuläres tendomyotisches Schmerzsyndrom, ein metabolisches Syndrom, Adipositas sowi e eine allgemeine muskuläre Dekonditionierung, ein Status nach beidseitiger CTS-Op eration, nach Ringbandspaltung am rechten Daumen und nach abdomineller Hysterektomie und Adnexektomie bei anamnestisch Uterus myomatosus. Aufgrund der Polyarthrose mit den entsp rechenden Folgeerscheinungen, der systemisch entzündlich rheumatologischen Grundkrankhei t sowie der thorakalbetonten Rü- ckenschmerzsymptomatik bestünde eine verminderte Belastbarkeit . Dr. F.____ kam in seiner Beurteilung zum Schluss, dass keine Diagnose mit Auswirkun g auf die Arbeitsfähigkeit festge- stellt werden könne. Er wies darauf hin, dass die Unterl agen aus psychiatrischer Sicht sehr spärlich und nicht aussagekräftig seien. In somatischer Hinsicht erachtete Dr. G.____ die Versi- cherte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kioskverkäufer in seit August 2008 als vollständig arbeitsunfähig. In angepassten Verweistätigkeiten bestünde ab Anfang 2009 bis Anfang Febru- ar 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Aufgrund der durchgeführten Operationen im Februar, April und August 2010 sei bis Dezember 2010 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zugehen. Ab Januar 2011 bestünde für angepasste Täti gkeiten wiederum eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Die Prognose sei abhängig vom Verlauf der system isch entzündlich rheumatologi- schen Grundkrankheit sowie der anzunehmenden weiter fortschreitenden Polyarthrose. 7.2 Am 20. März 2012 diagnostizierten Dr. med. H.____ , FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, und die Psychologin I.____ eine rezidivierende d epressive Störung, gegenwärtig mittel- gradige Episode, wobei die mittelgradige depressive Ep isode seit Behandlungsbeginn im Jahr 2007 vorliege bzw. vermutlich vorbestehend sei. Ferner liege eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung vor. Die Versicherte leide unter Sch lafstörungen, Gedankenkreisen, Kon- zentrationsausfällen, Appetitmangel, Selbstwertproblem en, Antriebsminderung und einer ra- schen Ermüdbarkeit. Voraussichtlich sei keine wesentliche Ve rbesserung des aktuellen Befin- dens zu erwarten. Seit November 2010 bestünde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 7.3 Den Berichten des behandelnden Arztes von Dr. D.__ __ vom 3. Mai 2012 und 30. Juli 2013 ist zu entnehmen, dass sich die Schmerzen der Beschw erdeführerin verstärkt hätten. Mit Bericht vom 21. Februar 2014 hielt Dr. D.____ zudem f est, dass zwischenzeitlich ein schweres Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert sowie eine Sinustachyka rdie von 100-200/min von andau- erndem Charakter festgestellt worden sei. Eine angeor dnete kardiologische Beurteilung habe eine leicht erniedrigte linksventrikuläre Auswurffraktio n von 45% gezeigt. Dr. D.____ kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin zurzeit aufgrund ihre s Allgemeinzustandes, der Schmer- zen und der Müdigkeit mit Einschlafneigung vollständig arbeitsunfähig sei. 8. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfü gung vom 2. September 2013 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vollumfä nglich auf die Gutachten der Dres. F.____ und G.____ vom 25. August 2011. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Ver- sicherten die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei, angepasste Tätigkeiten aber ab An- fang 2009 – unter Berücksichtigung einer vorübergehende n Verschlechterung des Gesund- heitszustandes im Jahr 2010 – im Umfang von 50% ausgeü bt werden könnten. Wie oben aus- geführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach- ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrun d eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen. Anlässlich der ersten in dieser Angelegenheit erfolgte n Urteilsberatung vom 7. August 2014 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass dem Gu tachten der Dres. F.____ und G.____ vom 25. August 2011 keine ausschlaggebende Beweiskra ft zukomme. Es hielt fest, die Beurteilung von Dr. F.____ sei nicht überzeugend, da si e ohne Bericht der behandelnden Psy- chiaterin Dr. H.____ erfolgt sei. Mit Blick auf die Au sführungen von Dr. D.____ war zudem frag- lich, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführer in zwischen dem Zeitpunkt des Gutachtens vom 25. August 2011 und des Verfügungserlasses vom 2. September 2013 ver- schlechtert hatte. Da die vorliegenden medizinischen Un terlagen keine verlässliche Entscheid- grundlage bilden, seien die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausrei- chend beweiskräftig. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur wei- teren Abklärung des massgebenden medizinischen Sachverhalts ein polydisziplinäres Ge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht richtsgutachten in Auftrag zu geben, mit dessen Erstellu ng das Begutachtungsinstitut E.____ beauftragt wurde. 9. Am 11. August 2015 diagnostizierte die Ärzteschaft d es Begutachtungsinstituts E.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chronische Fussbeschwerden beidseits durch Fehlstatik und degenerativ bedingt, chronische Handbeschwerden mehr facher Ursache, undifferenzierte periphere Spondyloarthritis ohne axiale oder extramuskul äre Manifestationen, differentialdiag- nostisch periphere seronegative Polyarthritis, differenti aldiagnostisch chronisch-persistierende polyartikuläre Kristallarthritis (CPPD), ein chronische s zervikothorakovertebrales Schmerzsyn- drom und eine morbide Adipositas. Qualitativen Einflu ss auf die Arbeitsfähigkeit hätte die chro- nifizierte leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0), differentialdiagnostisch eine leichte de- pressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4) . Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit seien die von Dr. H.____ diagnostizierte „komple xe posttraumatische Belastungsstö- rung“ (ICD-10 F43.1), die hypertensive Herzkrankheit, das chronische lumbovertebrale Schmerzsyndrom, der Status nach Knieprothesenimplantatio n beidseits, die Ellenbogenbe- schwerden beidseits, die Tendenz zu diffusen Weichteildol enzen am Rumpf, den oberen und unteren Extremitäten, der Status nach mehrfachen Handop erationen, nach Hysterektomie und Adnexektomie sowie die Adipositas permagna. Aus rheumato logischer Sicht bestehe eine Min- derbelastbarkeit am Bewegungsapparat mit Betonung der Füsse, Hände und der Hals- und Brustwirbelsäule. Der Gesundheitszustand habe sich seit 20 11 muskuloskelettär leicht ver- schlechtert, die qualitative Beeinträchtigung habe sich seit 2011 nicht verändert, die quantitative Beeinträchtigung sei aber aktuell etwas höher als noch im Jahr 2011. Aus psychiatrischer Sicht liege eine leicht verminderte Belastbarkeit vor. Extern e Stressoren (starker Zeit-/Termindruck sowie Schichtdienst und Nachtarbeit) seien zu vermeiden, da die Flexibilität und Umstellfähig- keit sowie die Durchhaltefähigkeit aufgrund der reduzie rten Stresstoleranz eingeschränkt sei. Kardiologisch bestehe keine gravierende Leistungsminderun g, wenn auch – bedingt durch die Adipositas – eine leicht verminderte Belastbarkeit des ka rdiopulmonalen Systems anzunehmen sei. Die bisherige Tätigkeit im Verkauf sei der Versi cherten aufgrund der rheumatologischen Beschwerden nicht mehr zumutbar. Nach den operativen Ein griffen an den Knien am 29. Sep- tember 2008 und 28. April 2010 sowie dem gynäkologisch en Eingriff im Dezember 2008 habe vorübergehend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Für die entsprechenden Zeitab- schnitte könne wohl auf die Beurteilungen der behande lnden Ärzte abgestellt werden. Hinsicht- lich einer angepassten Tätigkeit könne der Beurteilung von Dr. G.____, wonach der Versicher- ten ab Januar 2011 eine Arbeit im Umfang von 50% zum utbar sei, gefolgt werden. Ab dem Gutachtenszeitpunkt bestehe infolge Verschlechterung der rheumatologischen Situation bloss noch eine Restarbeitsfähigkeit von 40%. In psychiatrischer Hinsicht seien externe Stressoren zu vermeiden. Erheblich divergierende ärztliche Beurteilun gen bestünden nicht. Die unterschiedli- che Einschätzung des Schweregrads der depressiven Symptomati k durch die behandelnde Psychiaterin Dr. H.____ könne möglicherweise durch eine den affektiven Erkrankungen inhä- rente Schwankung der Symptomausweitung erklärt werden. Der Verlauf der Erkrankung lasse sich aber retrospektiv nicht genau rekonstruieren. 10. In ihrer Stellungnahme zum Gerichtsgutachten und zu den Auswirkungen der medizini- schen Beurteilung auf den Leistungsanspruch vom 14. September 2015 führte die Beschwerde- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht führerin aus, dass sie die Resultate des Gerichtsgutachtens n icht bestreite. Aufgrund der be- stehenden Schmerzen sei allerdings nicht ganz nachvollzie hbar, wie sie an vier Halbtagen pro Woche arbeiten soll. Da die Gerichtsgutachter keine Diskr epanzen in den Attestierungen der behandelnden Ärzte festgestellt hätten, seien diese für die entsprechenden Zeitabschnitte mas- sgebend. Für die Zeit ab dem Gutachten sei neben der festgestellten Restarbeitsfähigkeit von 40% ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20% zu b erücksichtigen. Demgegenüber hielt die IV-Stelle am 14. September 2015, unter Verweis a uf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. J.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 31. August 2015, fest, dass das Gerichtsgutachten bew eistauglich sei. Demnach sei der Versicherten ab Januar 2011 eine Arbeit um Umfang von 50% zumutbar. Ab März 2014 sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit, und ab November 2014 von einer solchen von 40% aus- zugehen. Demnach bestünde ab 1. April 2011 Anspruch auf eine halbe Rente, ab 1. Juni 2014 Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. Februar 2015 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. 11. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), weicht d as Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinisch en Experten oder Expertinnen ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gericht sbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorl iegend sind keinerlei Gründe er- sichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des Ge richtsgutachtens vom 11. August 2015 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es i st vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein e medizinische Beurtei- lungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. Es weist wed er formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Be- schwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben wor den und es leuchtet in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Sodann weist das Gutachten keinerlei Widersprüche auf und es setzt sich auch mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärztlichen Einschätzu ngen auseinander. Es wird deutlich, dass die Versicherte aus kardiologischer und psychiatrischer Sic ht keine quantitative Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit aufweist und ihr aus rheu matologischer und gesamtmedizini- scher Sicht bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2. September 2013 (vgl. E. 2 hiervor) – in Übereinstimmung mit der Beurteilung des Vorgutachters Dr. G.____ und unter Be- rücksichtigung der vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Februar 2010 bis Dezember 2010 – eine angepasste Arbeit im Umf ang von 50% zumutbar war. Insge- samt ist die Beurteilung im Gutachten des Begutachtungsin stituts E.____ sowohl in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schluss- folgerungen überzeugend und lässt eine zuverlässige Beu rteilung der Arbeitsfähigkeit der Ver- sicherten zu. Die Beurteilung des psychiatrischen Gerichtsgu tachtens hat insofern Klärung ge- bracht, als auf die von der behandelnden Psychiaterin D r. H.____ gestellten Diagnosen und Zumutbarkeitsbeurteilungen nicht abgestellt werden ka nn. Ausserdem ist davon auszugehen, dass die Versicherte kein kardiologisches Leiden aufweist, welches eine zusätzliche Einschrän- kung der quantitativen Leistungsfähigkeit zur Folge hätt e. Die Ergebnisse im Gerichtsgutachten wurden denn von den Parteien zu Recht nicht in Frage ge stellt. Wenn die Beschwerdeführerin beantragt, bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit sei – gemäss den Ausführungen auf Seite Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 30 im Gerichtsgutachten – auf die Einschätzungen der b ehandelnden Ärzte abzustellen, kann ihr nicht beigepflichtet werden, da sich der Hinweis i m Gerichtsgutachten, wonach sie keine Diskrepanzen in den Attestierungen der behandelnden Ärzt e festgestellt haben und daher für die entsprechenden Zeitabschnitte auf deren Einschätzung en abzustellen sei, auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit und die angestammte Tätigkeit b ezieht. Zudem wurden die von den be- handelnden Ärzten attestierten vorübergehenden Verschlech terungen des Gesundheitszustan- des bei der Einschätzung der Leistungsfähigkeit hinreich end berücksichtigt. Insgesamt liegt nichts vor, das die ausschlaggebende Beweiskraft des Gerichts gutachtens in Zweifel ziehen könne, weshalb vollumfänglich darauf abzustellen ist. 12.1 Die IV-Stelle hat in ihrer Verfügung vom 2. Sep tember 2013 einen Einkommensvergleich vorgenommen und dabei ab 1. November 2009 einen IV-Gr ad von 57%, ab 1. Mai 2010 – zu- folge vorübergehender Verschlechterung des Gesundheitszusta ndes – einen IV-Grad von 100% und ab 1. April 2011 wiederum einen IV-Grad vo n 57% ermittelt. Das von der Vorinstanz anhand der lohnstatistischen Angaben ermittelte Validen einkommen wie auch die Basis des Invalideneinkommens wurde von der Versicherten zu Recht n icht beanstandet. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzuneh men wäre, erübrigt sich eine de- taillierte Auseinandersetzung mit den durch die IV-St elle ermittelten Vergleichseinkommen. Streitig und zu prüfen ist jedoch die Angemessenheit d es Abzuges vom Tabellenlohn für die Bestimmung des massgebenden Invalideneinkommens. 12.2 Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens anhand lohnstatistischer Angaben sind praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid BGE 1 26 V 75 ff. hat das EVG sei- ne Rechtsprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn b ereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen de s konkreten Einzelfalles abhängt (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dien stjahre, Nationalität/ Aufenthaltska- tegorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgem ässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn un ter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf ins gesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht auto matisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die ver sicherte Person wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterli che Behörde ihr Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurtei len, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im E inklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegebenheiten abstützen können, die eine abwei- chende Ermessensausübung als näher liegend erscheinen lass en (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hin- weis, Entscheid des EVG vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 12.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin einen leid ensbedingten Abzug von 10% vorge- nommen, was anhand eines Quervergleichs mit ähnlich gelagerten Fällen nicht zu beanstanden ist. In Würdigung sämtlicher hier massgebenden Kriterien ist zu beachten, dass den Behinde- rungen der Beschwerdeführerin bereits durch die Annahme eines reduzierten Arbeitspensums im Umfang von 50% Rechnung getragen wurde. Die Krite rien Lebensalter, Dienstjahre und Na- tionalität/Aufenthaltskategorie rechtfertigen vorliegend keinen Abzug. Zudem wirkt sich den sta- tistischen Angaben zufolge der Teilzeiterwerb bei Frauen nicht lohnmindernd aus. Weitere sachbezogene Gründe für einen Abzug vom Tabellenlohn sin d nicht ersichtlich. Demnach ist die angefochtene Verfügung im Ergebnis nicht zu beanst anden und die Beschwerde deshalb abzuweisen. 13. Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. 13.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 und 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor kantonalem Ver- sicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligu ng oder die Verweigerung von IV- Leistungen kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufe rlegt. Vorliegend ist die Beschwer- deführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfah renskosten ihr aufzuerlegen sind. Da ihr mit Verfügung vom 7. Oktober 2013 die unentgeltliche Pro zessführung bewilligt wurde, gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse. 13.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungst räger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, we nn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nach träglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. B GE 137 V 265 f. E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unter- suchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigke it, eine Gerichtsexpertise anzu- ordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio nen der Fall: Wenn ein manifester Wider- spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztl ichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründet e Argumente entkräftet habe; wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt ha be, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwal- tung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive kon- vergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rech tsgenüglichen Expertise gestützt habe, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Geri chtsgutachtens an sie nicht gerecht- fertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; zum Ganzen : BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hin- weisen). 13.2.2 Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der Urteilsberatung vom 7. August 2014 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf d ie damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Wie in Erwägung 8 ausgeführt, kam d er Beurteilung im Gutachten der Dres. G.____ und F.____ vom 25. August 2011 mit Blick a uf die Anforderungen an den Be- weiswert ärztlicher Berichte und Gutachten keine ausschlag gebende Beweiskraft zu. Da auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte keine verlässliche Entscheidgrund- lage bildeten, waren die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausrei- chend beweiskräftig. Demnach wies das Verwaltungsverfahren Untersuchungsmängel auf, die eine Gerichtsexpertise notwendig machten. Die Kosten de s Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss der eingereichten Honorarnote vom 31. August 2 015 auf insgesamt Fr. 12‘587.60 be- laufen, sind unter diesen Umständen der Vorinstanz aufzuerlegen. 13.3 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin mir Verfügung vom 7. Oktober 2013 die unentgeltliche Verbei- ständung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt wurde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Ge- richtskasse zu entschädigen. Die Rechtsvertreterin der Versich erten weist in ihren Honorarno- ten vom 5. Mai 2014 und 23. September 2015 für das v orliegende Verfahren (inkl. nachpro- zessualer Aufwand von 1 Stunde) einen Zeitaufwand von in sgesamt 16,416 Stunden und Aus- lagen von Fr. 177.-- aus, was umfangmässig nicht zu beansta nden ist. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stund e. Der Rechtsvertreterin der Beschwerde- führerin ist deshalb für ihre Bemühungen ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘737.-- (16,416 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 177.- - zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 13.4 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 12‘587.60 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘737.-- (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) a us der Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht