Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. Mai 2017 (810 16 261) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Voraussetzungen des nachträglichen Familiennachzugs Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber i.V. Léonard Lavanchy Beteiligte A.A.____ , Bes chwerdeführer B.A.____ mit Kindern C.A.____ und D.A.____, Beschwerdeführer alle vertreten durch Philippe Häner, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Verweigerung der nachgesuchten Einreise- un d Aufenthaltsbewilligung (RRB Nr. 1156 vom 23. August 2016) A. Der 1974 geborene, kosovarische Staatsangehörige A.A.____ reiste am 31. März 1990 im Rahmen des Familiennachzugs zu seinen Eltern in die Schweiz ein und erhielt in der Folge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Niederlassungsbewilligung. Am 21. April 1995 hei rateten A.A.____ und B.A.____ (geb. 1974) im Kosovo. Am 3. August 1996 reiste B.A.____ (g eborene E.____) in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung zum Verblei b bei ihrem Ehemann. Aus der Ehe gingen die Söhne C.A.____ (geb. 1999) und D.A.____ (geb. 2 002) hervor. Am 31. August 2001 erhielt B.A.____ die Niederlassungsbewilligung. Die beiden S öhne erhielten bei ihrer Geburt die Niederlassungsbewilligung. B. Im Jahr 2006 ging B.A.____ – ohne sich bei den Beh örden abzumelden – mit ihren Söhnen zurück in den Kosovo. Dort besuchte C.A.____ in de n Schuljahren 2006/07 und 2007/08 die ersten beiden Primarklassen und D.A.____ ab September 2007 den Kindergarten. C. Nach der Rückkehr in die Schweiz besuchte C.A.____ von August 2008 bis März 2009 die 2. Primarklasse in F.____ und D.A.____ am selben O rt den Kindergarten. Nachdem die Familie am 13. März 2009 nach G.____ gezogen war, gi ngen C.A.____ und D.A.____ in G.____ zur Schule. D. Am 13. November 2009 stellte B.A.____ beim Amt fü r Migration Basel-Landschaft (AfM) ein Gesuch um Aufrechterhaltung ihrer Niederlassu ngsbewilligung sowie derjenigen ihrer beiden Söhne, mit der Begründung, sie müsse sich im Kosov o um ihre kranke Schwiegermutter, H.____, kümmern. Die Niederlassungsbe willigung der Schwiegermutter war zuvor erloschen, nachdem eine im Juni 2007 vorgenommene Abklärung durch die Behörden ergeben hatte, dass sie bereits per 1. November 2001 g emeinsam mit ihrem Ehemann in ihre Heimat weggezogen war, ohne sich in der Schweiz abzumeld en (vgl. dazu Urteil des Kantons- gerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [K GE VV], vom 12. November 2008 [810 08 168] betreffend Erlöschen der Niederlassungsbewilligung von H.____). E. Mit Verfügung vom 10. Dezember 2009 gewährte das A fM die Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung von B.A.____ bis am 9. Dezemb er 2013. Mit separater Verfügung vom 10. Dezember 2009 wies das AfM das Gesuch um Aufrecht erhaltung der Niederlas- sungsbewilligung der beiden Söhne ab. Die Verfügungen erwuchsen unangefochten in Rechts- kraft. F. Am 14. Januar 2010 meldete A.A.____ seine Ehefrau sowie seine beiden Söhne per 28. Dezember 2009 in den Kosovo ab. B.A.____ reiste a m 24. Juni 2013 wieder in die Schweiz ein und meldete sich in der Gemeinde G.____ an. Kurz darauf ersuchte A.A.____ das AfM um Erteilung eines Rückreisevisums, damit er vom 7. Juli 2013 b is zum 30. September 2013 gemeinsam mit seiner Ehefrau und den Kindern Ferien im Kosovo verbringen könne, welches ihm vom AfM in der Folge erteilt wurde. Per 8. Dezemb er 2013 wurde B.A.____ erneut in den Kosovo abgemeldet. G. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs zum Erlöschen der Niederlassungs- bewilligungen von B.A.____, C.A.____ und D.A.____ un d zum Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung von A.A.____ stellte das AfM am 20. Juni 2014 fest, dass die Niederlassungs- bewilligungen von B.A.____, C.A.____ und D.A.____ erloschen sind. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Zugleich widerrief das AfM mit Verfügung vom 20. Juni 2014 die Niederlassungsbe- willigung von A.A.____. Eine von A.A.____ gegen den Widerruf seiner Niederlassungsbewil- ligung erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1699 vom 11. November 2014 ab. Eine von A.A.____ dagegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht, Abt eilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 20. Mai 2015 (Verfahren 810 14 351) gut. I. Auf ein von A.A.____ noch während des beim Kanton sgericht hängigen Beschwerde- verfahrens 810 14 351 gestelltes Gesuch um Familiennachzug für seine Ehefrau und seine beiden Söhne trat das AfM am 27. November 2014 aufgr und der Rechtshängigkeit des Verfahrens betreffend den Widerruf der Niederlassungs bewilligung von A.A.____ beim Kan- tonsgericht nicht ein bzw. sistierte das Verfahren. J. Am 22. März 2016 lehnte das AfM das Familiennachzugsg esuch vom 20. November 2014 ab und verweigerte die Erteilung einer Einreise- und Aufenthaltsbewilligung für B.A.____, C.A.____ und D.A.____. Das AfM begründete seinen Entsch eid damit, dass die Fristen für das Gesuch um Familiennachzug gemäss Art. 47 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 i.V.m. Art. 126 Abs. 3 AuG abgelaufen seien. Ausserdem würden im konkreten Fall keine Gründe für ein en nachträglichen Familiennachzug gemäss Art. 47 Abs. 4 AuG vorliegen. K. Eine von A.A.____, B.A.____, C.A.____ und D.A.__ __, alle vertreten durch Philippe Häner, Rechtsanwalt in Pratteln, dagegen erhobene B eschwerde wies der Regierungsrat mit RRB Nr. 1156 vom 23. August 2016 ab. L. Mit Beschwerde vom 2. September 2016 gelangen A.A._ ___, B.A.____, C.A.____ und D.A.____ (Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Philippe Häner, Rechtsanwalt in Pratteln, an das Kantonsgericht und stellen folgende Rechtsbegehren: Es sei der RRB vom 23. August 2016 aufzuheben und B.A.____, C.A.____ un d D.A.____ eine Einreise- und Aufent- haltsbewilligung zu erteilen; eventualiter seien C.A .____ und D.A.____ zum Familiennachzug zu befragen; unter o/e-Kostenfolge. M. Am 21. Dezember 2016 reichte der Regierungsrat sei ne Vernehmlassung ein und beantragte die Abweisung der Beschwerde. N. Mit Präsidialverfügung vom 2. Januar 2017 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beu rteilung der vorliegenden Angelegenheit gegeben. Die Beschwerdeführer sind vom angefochtenen Ent scheid berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können ge mäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefo chtenen Rechtsaktes ist dem Kan- tonsgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorlieg enden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Unbestritten ist, dass B.A.____, C.A.____ und D.A. ____ keine Niederlassungs- bewilligungen mehr besitzen. Die Niederlassungsbewill igungen der beiden Söhne sind gemäss Art. 61 Abs. 1 lit. a AuG bereits am 28. Dezember 20 09 mit deren Abmeldung in den Kosovo erloschen. Die Niederlassungsbewilligung von B.A.____ ist nach deren Abmeldung in den Kosovo per 8. Dezember 2013 erloschen, spätestens aber mi t dem Ablauf der am 10. Dezem- ber 2009 vom AfM eingeräumten vierjährigen Aufrechterhaltungsfrist am 9. Dezember 2013. 4. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet damit einzig die Frage, ob das Gesuch um Familiennachzug der Ehefrau und der Söhne zu Recht abgewiesen bzw. die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu Recht verwe igert wurde. Zuerst ist das Nachzugs- gesuch der Ehefrau zu prüfen (nachfolgend E. 5 f.) un d in der Folge das Nachzugsgesuch der beiden Söhne (E. 7). 5.1 Der ausländerrechtliche Familiennachzug ist in den Art. 42 ff. AuG geregelt. Gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von Pe rsonen mit Niederlassungsbewil- ligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der A ufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Gemäss Art. 47 Abs. 1 AuG ist der Familiennachzugsanspruch innert fünf Jahren geltend zu machen. Die Nachzugsfri st gemäss Art. 47 Abs. 1 AuG beginnt entweder im Moment der Erteilung der Niederlassungsbe willigung oder im Zeitpunkt des Ehe- schlusses, wenn im Zeitpunkt der Erteilung der Niederlass ungsbewilligung an den in der Schweiz lebenden Ehegatten das Eheverhältnis noch nicht begründet war (Art. 47 Abs. 3 lit. b AuG; Ziffer 6.10.2 der Weisungen und Erläuterungen A usländerbereich des Staatssekretariats für Migration [Stand: 12. April 2017, AuG-Weisungen ]). Hat sich allerdings im Zeitpunkt des Inkrafttretens des AuG die fristauslösende Tatsache bere its ereignet, so beginnt der Fristenlauf für den Familiennachzug nach Art. 47 Abs. 1 AuG gemä ss der Übergangsbestimmung von Art. 126 Abs. 3 AuG mit Inkrafttreten des AuG – am 1. Januar 2008 – neu zu laufen (Urteil des Bundesgerichts 2C_1014/2014 vom 21. Januar 2016 E. 2; AuG-Weisungen, Ziff. 6.10.3; vgl. auch Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinne n und Ausländer vom 8. März 2002, Bundesblatt [BBl] 2002 S. 3840). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.1 Der Regierungsrat führte im angefochtenen Entsch eid aus, dass der vorliegende Sachverhalt, entgegen der vom AfM vertretenen Ansicht, vom Sinn und Zweck des Art. 126 Abs. 3 AuG nicht erfasst sei. Es erscheine sinnwidrig, die Frist für den Familiennachzug zu einem Zeitpunkt beginnen zu lassen, in welchem die bet roffenen Personen (noch) über Nie- derlassungsbewilligungen verfügt hätten. Der Regierun gsrat hielt ferner fest, dass die vorlie- gende Konstellation gesetzlich nicht geregelt sei. Er erwog, die in Art. 47 Abs. 1 AuG vorgese- henen Fristen seien in Fällen wie dem Vorliegenden, in welchen die betroffene ausländische Person früher im Rahmen des Familiennachzugs in die Schw eiz eingereist sei, in der Folge eine Niederlassungsbewilligung erhalten und wegen ih rer späteren Ausreise das Aufenthalts- recht verloren habe, nicht anwendbar. Denn ein erneute s Beginnen der in Art. 47 Abs. 1 AuG vorgesehenen Fristen zum Zeitpunkt der freiwilligen A usreise würde ein ständiges Hin und Her ermöglichen, was einerseits mit dem Sinn und Zweck von Ar t. 47 AuG nicht zu vereinbaren sei und andererseits die in Art. 61 AuG vorgesehene Regelun g des Erlöschens einer Bewilligung bei Abmeldung bzw. Ausreise ins Ausland aushöhlen würde. Die Berücksichtigung einer Frist in diesen Fällen erscheine deshalb insgesamt als zweckwidrig. B.A.____ habe durch ihre Abmel- dung in den Kosovo das Erlöschen ihrer Niederlassungsbewilligung bewusst in Kauf genommen und demnach freiwillig auf den rechtmässigen Aufenthal t verzichtet, weshalb die vorliegende Konstellation von vornherein nicht unter dem Gesichtspunkt des ordentlichen Familiennachzugs zu beurteilen sei. Vielmehr sei einzig zu prüfen, ob e in nachträglicher Familiennachzug im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AuG bewilligt werden könne. 5.2.2 Die Beschwerdeführer bringen dagegen vor, die V orinstanz habe zu Unrecht Art. 126 Abs. 3 AuG nicht angewendet. Weiter machen sie geltend, die fünfjährige Frist gemäss Art. 47 Abs. 1 AuG zur Stellung eines Familiennachzugsg esuchs habe ab dem Zeitpunkt des Erlöschens der Niederlassungsbewilligung von B.A.____ erneut zu laufen begonnen. 5.3.1 Grundsätzlich sind Wiedereinreisewillige als Neuei nreisende zu betrachten und unterstehen den allgemeinen Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen (vgl. SILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 61 AuG N 30). Das AuG enthält zwar einzelne Ausnahmen von diesem Grundsatz. So sieht beispielsweise Art. 30 Abs. 1 lit. k AuG vor, d ass von den Zulassungsvoraussetzungen der Art. 18 bis 29 AuG abgewichen werden kann, um die Wiederzulassung von Ausländerinnen und Ausländern, die im Besitz einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung waren, zu erleichtern. Allerdings ist der Familiennachzug von Fam ilienangehörigen, welche zu einem früheren Zeitpunkt über ein in der Zwischenzeit erlosche nes Anwesenheitsrecht verfügten, im AuG nicht speziell geregelt. 5.3.2 Das Bundesgericht bestätigte in seiner neueren Re chtsprechung zum Familiennachzug nicht nur, dass die Frist von Art. 47 Abs. 1 AuG grundsä tzlich mit der Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung des nachzugswilligen Auslä nders oder der Entstehung des Familienverhältnisses zu laufen beginnt und dass für den übergangsrechtlichen Sonderfall, dass sich die fristauslösende Tatsache beim Inkrafttreten de s AuG bereits ereignet hat, diese Frist am 1. Januar 2008 neu zu laufen begann. Sondern es entschied – entgegen der von den Beschwerdeführern zitierten Lehrmeinung (vgl. M ARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/ Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Auflage, Zürich 2015, Art. 47 AuG N 3) –, dass auch dann kein späterer Zeitpunkt für den Fristbeginn von Art. 47 Abs. 1 AuG zu berücksichtigen ist bzw. die Fristen von Art. 47 Abs. 1 Au G nicht zu einem späteren Zeitpunkt neu zu laufen beginnen, wenn die nachzuziehenden Famil ienangehörigen im Zeitpunkt des Inkrafttretens des AuG über ein Aufenthaltsrecht verfügt en, auf welches sie jedoch durch Abmeldung ins Ausland freiwillig verzichteten (Urteile d es Bundesgerichts 2C_73/2016 vom 26. September 2016 E. 2.2.1; 2C_147/2015 vom 22. Mä rz 2016 E. 2.4.2). Dafür sprechen insbesondere gewichtige integrationspolitische Ziele: W ürden die Nachzugsfristen mit dem Verlust der Bewilligung bzw. mit der Abmeldung ins Ausland neu zu laufen beginnen, würde die Bestimmung in Art. 61 Abs. 2 AuG, wonach eine aufent haltsberechtige ausländische Person trotz Wegzugs ins Ausland die Aufrechterhaltung ihrer Ni ederlassungsbewilligung für vier Jahre beantragen kann, ihres Sinnes entleert. Denn solange d ie ausreisenden Ausländer mindestens ein Mitglied ihrer Familie als "Anker" in der Schweiz hätten, könnten sie innerhalb der in Art. 47 Abs. 1 AuG vorgesehenen Fristen beliebig ins Ausland au sreisen und in die Schweiz wieder einreisen, ohne jedoch dass die zuständigen Behörden e in Aufrechterhaltungsgesuch gut- heissen müssten. Dadurch würde die mit Art. 61 Abs. 2 AuG vorgesehene behördliche Kontrolle in solchen Fällen de facto aufgehoben. Zudem würde dies zu einer Verlängerung der gesetzlich vorgesehenen zeitlichen Begrenzung der Aufrechterhaltungsmöglichkeit von Art. 61 Abs. 2 AuG um ein Jahr führen. Schliesslich würde ein solches belieb iges Hin und Her zwischen dem Hei- matland und der Schweiz dem Ziel der raschen und vollstän digen Integration nachzuziehender Familienangehöriger klar widersprechen. 5.3.3 Die Niederlassungsbewilligung von B.A.____ blieb nach ihrer Abreise in den Kosovo Ende 2009 auf Gesuch vom 13. November 2009 hin bis am 9. Dezember 2013 aufrecht- erhalten. Allerdings entschied sie sich nach einem kurzen A ufenthalt in der Schweiz Ende 2013 dazu, im Wissen um die gesetzliche zwangsläufige Folge v on Art. 61 AuG, erneut in den Kosovo zu reisen und sich in der Schweiz abzumelden. In dieser Konstellation hat der Regie- rungsrat nach dem Gesagten zu Recht entschieden, dass da s Gesuch um Familiennachzug von B.A.____ vom 20. November 2014 nur bewilligt werd en kann, wenn die Voraussetzungen für einen nachträglichen Familiennachzug erfüllt sind. 6.1 Demgemäss ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für ei nen nachträglichen Familien- nachzug der Ehefrau im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AuG b zw. Art. 75 der Verordnung über Zulas- sung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 erfüllt sind. 6.2 Der Regierungsrat kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass die Voraus- setzungen für einen nachträglichen Familiennachzug nicht gegeben seien. Eine Gesamt- betrachtung aller relevanten Umstände ergebe, dass wicht ige familiäre Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AuG nicht vorliegen würden. Den Ausführ ungen der Beschwerdeführer könne insgesamt nicht entnommen werden, inwiefern es einzig a ufgrund der Diabeteserkrankung der Eltern von B.A.____ im Jahre 2009 keine andere Möglichke it gegeben habe, als in den Kosovo zu reisen, das Erlöschen der Niederlassungsbewilligungen in Kauf zu nehmen und fast fünf Jahre dort zu verweilen. Da sich die Situation der Beschw erdeführerin nicht derart geändert habe, dass ein Umzug in die Schweiz nun unumgänglich gew orden sei, sei davon auszugehen, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die Ehefrau im Kosovo bleiben könne und dass das Ehel eben wie in den vergangenen sechs Jahren – getrennt – weitergeführt werden könne. 6.3 Die Beschwerdeführer bringen dagegen vor, aufgru nd der seit Ende 2009 bestehenden Pflegebedürftigkeit der Eltern von B.A.____ sei sie End e 2009 in den Kosovo gereist und habe sich – bis die Betreuung ihrer Eltern durch ihre Schwä gerin, I.____, im Jahre 2015 übernommen worden sei – dort aufhalten müssen. Aufgrund der mit der Zeit nicht mehr ertragbar geworde- nen räumlichen Trennung der Familie sei das Familienna chzugsgesuch Ende 2014 gestellt worden. Zudem würden die privaten Interessen von B.A._ ___, zu ihrem Ehemann in die Schweiz zurück zu ziehen, gegenüber den öffentlichen Intere ssen der Zuwanderungsbegren- zung und der Integration deutlich überwiegen. Des Weit eren liege angesichts der besonderen Umstände des vorliegenden Falls ein Härtefall vor. 6.4.1 Der Gesetzgeber wollte mit dem Ausländergesetz kein en jederzeitigen Nachzug der Familienangehörigen mehr zulassen, weshalb er Nachzugsfristen einführte. Die Fristenregelung hat dabei durchaus auch die Funktion der Einwanderung sbegrenzung: Wie aus der parlamen- tarischen Debatte zum AuG klar hervorgeht, ist die ganze R egelung des Familiennachzugs ein Kompromiss zwischen den konträren Anliegen, das Familienle ben zu ermöglichen und die Einwanderung zu begrenzen (Amtliches Bulletin [AB] 2004 N 739 ff., 2005 S. 305 ff.). Die Re- gelung des Familiennachzugs will grundsätzlich den Niede rgelassenen das gemeinsame Fami- lienleben in der Schweiz ermöglichen. Wenn aber eine F amilie bzw. Ehegatten freiwillig jah- relang getrennt gelebt hat bzw. haben, dann dokumenti eren sie damit, dass ihnen an einem gemeinsamen Familienleben nicht sehr viel liegt, so dass das Interesse an der Einwanderungs- beschränkung überwiegt, solange nicht wichtige familiär e Gründe etwas anderes nahelegen (Urteile des Bundesgerichts 2C_1014/2014 vom 21. Januar 2016 E. 2; 2C_914/2014 vom 18. Mai 2015 E. 4.1). Ein nachträglicher Nachzug komm t somit nicht in Betracht, wenn der Nachzugswillige die Einhaltung von Fristen, die ihm die Zusammenführung der Familie ermög- licht hätte, versäumt hat und keine gewichtigen Gründe geltend macht, um erst später einen derartigen Nachzug zu beantragen (Urteil des Bundesgeri chts 2C_914/2014 vom 18. Mai 2015 E. 3.1). Die Bewilligung des nachträglichen Nachzugs hat dementsprechend nach dem Willen des Gesetzgebers die Ausnahme zu bleiben; dabei ist Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG bzw. Art. 75 VZAE jeweils dennoch so zu handhaben, dass der Anspruch auf Schutz des Familienlebens nach Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 bzw. Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 nicht verletzt wird (Urteile des Bundesgerichts 2C_73/2016 vom 26. September 2016 E. 2.2.2; 2C_147/2015 vom 22. Mä rz 2016 E. 2.4.3; 2C_97/2013 vom 26. August 2013 E. 2.3). Indes stellt eine restriktive E inwanderungspolitik ein legitimes Interes- se dar, um im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK das Recht auf Familienleben einzuschränken (BGE 137 I 247 E. 4.1.2; 137 I 284 E. 2.1; Urteile des B undesgerichts 2C_147/2015 vom 22. März 2016, E. 2.4.1; 2C_914/2014 vom 18. Mai 2015 E. 4.1). 6.4.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bedarf die Prüfung der Frage, ob wichtige familiäre Gründe für einen nachträglichen Fa miliennachzug vorliegen, einer Gesamt- schau unter Berücksichtigung aller relevanten Elemente im Einzelfall (Urteile des Bundes-Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gerichts 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015 E. 6.1; 2C_ 888/2011 vom 20. Juni 2012 E. 3.1; 2C_174/2012 vom 22. Oktober 2012 E. 4.1). Gemäss bunde sgerichtlicher Rechtsprechung obliegt es aufgrund der in Art. 90 AuG statuierten Mi twirkungspflicht sodann den Nachzugs- willigen, das Vorliegen gewichtiger Gründe nachzuweise n (Urteil des Bundesgerichts 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015 E. 6.1). Wichtige familiäre Gründe können im Übrigen nicht leichthin angenommen werden; insoweit gelten hohe Da rlegungs- und Beweisanforderungen. Für die Beurteilung der wichtigen familiären Gründe ist auf den Zeitpunkt der Gesuchsein- reichung abzustellen (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundes gerichts 2C_114/2007 vom 21. September 2007 E. 4.1, mit Hinweisen). 6.5.1 Die Beschwerdeführer machen im aktuellen Beschwer deverfahren geltend, B.A.____ habe sich aufgrund der Pflegebedürftigkeit ihrer Elte rn, J.___ und K.____, in den Kosovo begeben und eine Rückkehr zum Ehemann in die Schweiz sei nun einzig deshalb möglich, weil ihre Schwägerin diese Pflege übernommen habe. Dazu ist zu berücksichtigen, dass B.A.____ im Antragsformular für die Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung vom 13. November 2009 ihr Gesuch noch damit begründet hatte, sie müsse sich um ihre Schwiegermutter (H.____) kümmern. Von einer Pflegebedürftigkeit ihrer eigenen Eltern war damals noch keine Rede. Somit machen die Beschwerdeführer widersprüchliche Aussa gen zum Grund des langjährigen Aufenthalts im Ausland. In Bezug auf das eingereichte Ar ztzeugnis vom Oktober 2016 betreffend der Erkrankungen der Eltern von B.A.____ (Diabetes und Nierenprobleme) ist zudem festzuhalten, dass sich daraus nicht ergibt, dass diese Erkra nkungen effektiv eine Pflege- bedürftigkeit der Eltern bewirkt hätten. Sodann ist, se lbst wenn eine Pflegebedürftigkeit der Eltern von B.A.____ nachgewiesen wäre, nicht nachvollzie hbar, weshalb die Pflege der Eltern nicht vor Ablauf der fünfjährigen Nachzugsfrist von Ar t. 47 Abs. 1 AuG durch andere Familien- angehörige, wie z.B. durch die Schwägerin, die die Pf lege nun übernommen hat, hätte sicher- gestellt werden können. Wichtige familiäre Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AuG werden von den Beschwerdeführern somit nicht hinreichend dargetan. 6.5.2 Der Mittelpunkt des Familienlebens der Familie A .____ liegt nun seit vielen Jahren im Kosovo. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass das AfM aufgrund der wiederholten und längeren Aufenthalte von B.A.____ im Kosovo bereits vor deren Abreise Ende 2009 polizeiliche Abklärungen zu ihrem eigentlichen Lebe nsmittelpunkt eingeleitet hatte und einzig deshalb davon abgesehen hatte, das Erlöschen ihre r Niederlassungsbewilligung zu verfügen, weil die effektive Dauer der einzelnen Auslan dsaufenthalte nicht mit Sicherheit belegt werden konnte. Aus den Akten ist ausserdem ersichtlich, dass si ch die Ehegatten A.____ bewusst dafür entschieden haben, ihre Kinder in ihrem Heimatland aufwachsen zu lassen und ihre Integration dort zu fördern. Schliesslich belegen die Kopien des Passes von A.A.____, dass er – mindestens seit dem Jahre 2010 – regelmässig und t eilweise für längere Zeit in den Kosovo zu seiner Familie reist. Da die Beschwerdeführer weder stichhaltige familiäre Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug hinreichend dargetan haben, noch aufgezeigt haben, inwiefern sich die sonstigen Verhältnisse dermassen geänder t hätten, dass der Verbleib von B.A.____ im Kosovo nun unzumutbar geworden sei bzw. da ss die Verlegung des Familienle- bens in die Schweiz unumgänglich geworden sei, erweist sich die Abweisung des Familien-Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht nachzugsgesuch von B.A.____ weder als bundesrechtswidrig no ch als Verstoss gegen Art. 8 EMRK. Das Familiennachzugsgesuch für B.A.____ wurde somit zu Recht abgewiesen. 7.1.1 Gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG haben ledige Kinder unter 18 Jahren von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und V erlängerung der Aufenthalts- bewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Die Frist zur Gesuchseinreichung beträgt grundsätzlich fünf Jahren ab Erhalt der Niederlassungsb ewilligung oder Entstehung des Fami- lienverhältnisses. Für Kinder über 12 Jahren beträgt di e Nachzugsfrist indes lediglich zwölf Monate. Massgeblicher Zeitpunkt für die Bestimmung des A lters der nachziehenden Person ist dabei der Zeitpunkt der Gesuchseinreichung (Urteile des Bundesgerichts 2C_73/2016 vom 26. September 2016 E. 2.2.1; 2C_1014/2014 vom 21. J anuar 2016 E. 2). Die Übergangs- regelung von Art. 126 Abs. 3 AuG bleibt vorbehalten. 7.1.2 Das die Frist von Art. 47 Abs. 1 AuG jeweils auslöse nde Ereignis – die Geburt von C.A.____ am 25. Juni 1999 und die Geburt von D.A.___ _ am 25. Februar 2002 – fand vor Inkrafttreten des AuG statt, weshalb Art. 126 Abs. 3 Au G auf den vorliegenden Fall Anwendung findet. Entsprechend Art. 126 Abs. 3 AuG hätte das or dentliche Nachzugsgesuch für D.A.____ innert fünf Jahren seit Inkrafttreten des AuG, d.h. bi s spätestens am 31. Dezember 2012, für C.A.____ innerhalb von 12 Monaten ab Vollenden des 1 2. Lebensjahrs, d.h. bis spätestens am 25. Juni 2012 gestellt werden müssen. Das erst am 20. No vember 2014 gestellte Familiennachzugsgesuch für die beiden Söhne erfolgte so mit verspätet. Der Regierungsrat bestätigte dementsprechend zu Recht die Abweisung de s Gesuchs um ordentlichen Familiennachzug von C.A.____ und D.A.____. 7.2.1 Wichtige familiäre Gründe für den nachträgliche n Familiennachzug liegen gemäss Art. 47 Abs. 4 AuG i.V.m Art. 75 VZAE vor, wenn das K indswohl schwergewichtig nur durch einen Nachzug in die Schweiz sachgerecht gewahrt werden kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn bei Kindern die weiterhin erforderli che Betreuung im Herkunftsland zufolge Tod oder Erkrankung der betreuenden Person nicht mehr gewährleistet ist (BBl 2002 S. 3794). 7.2.2 C.A.____ und D.A.____ besuchten ab 2010 (wiede r) im Kosovo die Schule und verbrachten dort insgesamt den weitaus überwiegenden Te il ihrer Schulzeit. Ihre Betreuung erfolgte seither durch ihre Mutter im Kosovo. Deren weitere Betreuung könnte vorliegend nur dann allenfalls gefährdet sein, wenn B.A.____ selbst e inen Anspruch hätte, in die Schweiz zu ihrem Ehemann nachzuziehen. Da sie jedoch – wie dargele gt – keinen Nachzugsanspruch hat, können beide Kinder wie in den letzten sieben Jahren v on der Mutter im Kosovo betreut werden. Wichtige familiäre Gründe für einen jetzigen Nachzug in die Schweiz liegen somit auch bezüglich der beiden Söhne nicht vor. Ausserdem ist bezüglich der sprachlichen Integration von C.A.____ und D.A.____ festzustellen, dass weder die Best ätigungsschreiben der Schulleiterin der besuchten Schule in L.____, wonach sie im Deutschun terricht Bestnoten erzielt hätten, noch das eingereichte Zertifikat für das Erreichen des Niveaus A2 von C.A.____ zu belegen vermögen, dass C.A.____ und D.A.____ über Deutschkenntnisse verfügen würden, welche mit denjenigen eines in der Schweiz aufgewachsenen ausländischen Kindes vergleichbar wären. In Anbetracht dessen, dass die Kinder aufgrund ihres langjä hrigen Aufenthalts im Kosovo mit den Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht dortigen Verhältnissen bestens vertraut sind, zumal sie d ie prägenden Jugendjahre und beinahe die ganze Schulbildung im Kosovo verbracht haben, würde ihnen die Eingliederung ins Berufsleben in der Schweiz und in die lokalen Verhält nisse schwerfallen. Demzufolge ist ihr Wohl in der Heimat besser gewährleistet als in der Sc hweiz und es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanzen einen nachträglichen Familiennachz ug im Rahmen von Art. 47 Abs. 4 AuG abgelehnt haben. 8. Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist vollumfänglich abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss § 2 0 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrensko sten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unter liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Angesichts des Ausgan gs des Verfahrens sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- den Beschw erdeführern aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400 .-- zu verrechnen. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gestützt auf § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO), weshalb die Parteikosten wettzuschlagen sind. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden den Beschwerdeführern in solidarischer Verbindung auferleg t und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.