Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. März 2018 (720 17 235 / 67) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung eines verwaltungsexternen Gutachtens unter der aktuellen Rechtsprechung zu den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen. Die IV-Stelle wird angehalten, den Invaliditätsgrad auf der Grundlage der gutachterlich ausgewiesenen Arbeitsunfähig- keit von 50 % zu ermitteln. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Markus Mattle, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Merve Yavuz Parteien A.____ , Baselmattweg 191/13 , 4123 Allschwil , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Tschopp, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1961 geborene A.____ war als Buffetdame im Alterszentrum B.____ angestellt. Am 22. April 2002 wurde ihr gekündigt. Am 30. Oktober 2003 meldete sie sich mit Hinweis auf psy- chische Beschwerden bei der Eidgenössischen Invalid enversicherung (IV) an. Die IV-Stelle Ba- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die ges undheitlichen und erwerblichen Verhältnis- se ab. Gestützt auf die Ergebnisse des bidisziplinären Gut achtens des C.____ vom 1. Juli 2004 und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte si e mit Verfügung vom 18. November 2004 den Anspruch auf eine IV-Rente bei einem Invaliditätsgrad von 14 % ab. A.2 Im Jahr 2008 trat A.____ eine Stelle im Umfang vo n 50 % als Mitarbeiterin des Perso- nalrestaurants D.____ an. Nebenamtlich arbeitete sie al s Hauswartin. Nachdem ihr im Frühling 2015 die Stelle im Personalrestaurant der D.____ gekün digt wurde, begab sie sich aufgrund erneut aufgetretenen Depressionen in ambulante Behand lung. Wegen Gefühlsstörungen im rechten Fuss/Bein erfolgten zudem Abklärungen bei Dr. m ed. E.____, FMH Neurologie, wo- raufhin die Diagnosen eines Fibromyalgie-Syndroms sowie einer leichtgradigen sensomotori- schen Parese des rechten Beines ohne erkennbare neurologi sche Grunderkrankung gestellt wurden. B. Am 17. Juli 2015 (Eingang) meldete sich A.____ unt er Hinweis auf psychische Be- schwerden und einer Fibromyalgie erneut bei der IV an . Die IV-Stelle lehnte nach Vornahme der relevanten Abklärungen mit Verfügung vom 23. Juni 2017 den Anspruch auf IV-Leistungen der Versicherten mit der Begründung ab, dass mangels Aussch öpfung der von fachärztlicher Seite empfohlenen Therapiemöglichkeiten keine Therapieresistenz der leicht- bis mittelgradigen Depression ausgewiesen sei. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Daniel Tschopp, mit Eingabe vom 8. August 2017 Beschwerde beim Kantonsgeri cht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte , es sei die Verfügung vom 23. Juni 2017 vollumfänglich aufzuheben und es sei ihr gestützt au f das psychiatrische Gutachten von Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 4. Januar 2017 eine halbe Invali- denrente ab März 2016 zuzusprechen. Eventualiter sei di e IV-Stelle anzuweisen, ergänzende Abklärungen vorzunehmen und danach neu über den Rentena nspruch zu entscheiden; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. D. In ihrer Vernehmlassung vom 25. September 2017 schlo ss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. F. Mit Replik vom 7. November 2017 hielt die Beschwerde führerin unter Hinweis auf die Stellungnahme ihres behandelnden Psychiaters vom 27. Okto ber 2017 fest, dass ihr psychi- scher Gesundheitszustand trotz leitliniengerechter Therapie keine Verbesserung erfahren habe. Sie machte ferner geltend, dass es willkürlich sei, bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit – abweichend vom Gutachten von Dr. F.____ – auf die Ei nschätzung des RAD-Arztes abzustel- len, welcher ohne persönliche Exploration und ohne jeg liche Begründung eine Arbeitsfähigkeit von 75 % attestiert habe. Da die Beschwerdegegnerin de n Beweiswert des Gutachtens von Dr. F.____ grundsätzlich nicht angezweifelt habe, sei der Rentenentscheid auf Basis der gut- achterlich ermittelten 50%igen Arbeitsfähigkeit zu treffen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Duplik vom 22. November 2017 hielt die IV-Stell e an der Verfügung vom 23. Juni 2017 fest. Sie führte aus, dass die beim behandelnden Psychiater wahrgenommene ambulante Therapie nicht bestritten werde. Der Rentenanspruch sei abgelehnt worden, weil die Beschwer- deführerin sich weigere, weitere Therapieoptionen, wie etwa eine halbstationäre oder stationäre psychiatrische Behandlung, in Anspruch zu nehmen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde der Versicherten vom 8. August 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch die Beeinträchtigung der körperlichen, g eistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglied erung verbleibende ganze oder teil- weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betra cht kommenden allgemeinen Arbeits- markt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurte ilung des Vorliegens einer Erwerbsun- fähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die F olgen der gesundheitlichen Beein- trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfäh igkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1). 2.5 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgab enbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG d arauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen ( Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 2.6 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sin d, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 I VG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invali- ditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte M ethode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzune hmen, dass sie im Zeitpunkt der Prü- fung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen fü r Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf- gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszus tand zu beurteilen und dazu Stel- lung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Ausk ünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der P erson noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI -Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und –ärzte, welche aufgrund ei ngehender Beobachtungen und Un- tersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erst atten und bei der Erörterung der Be- funde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bewei swürdigung volle Beweiskraft zuzu- erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuve rlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). De n Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen kommt hingegen nicht derselb e Beweiswert wie einem im Verfah- ren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Ge- richtsgutachten zu. Auf sie kann nicht abgestellt werden , sobald bereits geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 465 E. 4.7). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. 4.1 Gemäss konstanter Rechtsprechung handelt es sich bei der Neuanmeldung und der Rentenrevision zwar nicht um identische, wohl aber um äh nliche Rechtsinstitute, insoweit beide auf eine erneute Prüfung eines Leistungsanspruchs aufgr und veränderter tatsächlicher Verhält- nisse abzielen. Im Rahmen der materiellrechtlichen Ansp ruchsprüfung besteht daher eine grundsätzliche Analogie zwischen Neuanmeldung und Revision; hier wie dort stellen sich im Wesentlichen dieselben materiellen Abklärungs- und Prüfungspflichten, weshalb die Verwaltung grundsätzlich gleich vorzugehen hat (BGE 133 V 108 E. 5. 1 und 5.2, 130 V 71, 109 V 108 E. 2b; 117 V 198 E. 3a). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Als anspruchserhebliche Änderungsgründe des Invalidi tätsgrades gelten in erster Linie wesentliche Veränderungen des Gesundheitszustandes der ver sicherten Person. Darüber hin- aus ist auch an erwerbliche Auswirkungen zu denken, wenn sich diese bei gleich gebliebenem Gesundheitszustand erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Zeitli- cher Ausgangspunkt für die Prüfung der veränderten Ve rhältnisse bildet die letzte materielle Beurteilung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachve rhaltsabklärung, Beweiswürdi- gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (BGE 13 3 V 108 E. 5.4 i.V.m. 5.2; vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4 und 130 V 71 E. 3 ff. insbe sondere E. 3.2.3). Der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin wurde zuletzt nach umfassender Abkl ärung mit Verfügung vom 18. November 2004 abgelehnt. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 23 . Juni 2017 eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, bildet mit hin der Sachverhalt, wie er sich seit dem Zeitpunkt der rentenabweisenden Verfügung vom 18. November 2004 entwickelt hat. 4.3 Bloss auf einer anderen Wertung beruhende, revision srechtlich unerhebliche Differen- zen sind von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von der früheren abweicht, obw ohl sich der beurteilte Gesundheitszu- stand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine u nterschiedliche Ausübung des medizini- schen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 3.4.2.3) zurü ckzuführen (Urteil des Bundesge- richts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 4.4 Bei Revisions- und Neuanmeldungsfällen ist überdies Folgendes zu beachten: Da die Feststellung einer wesentlichen Veränderung durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Beweises das Vorhandensein einer entscheidungserheblichen Differenz in den - den medizi nischen Gutachten zu entnehmenden - Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstel lten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisth ema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts - bezieht. Einer für sich allein betrach tet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Ren- tenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 2 31 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effek- tive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden ha t. Vorbehalten bleiben Sachla- gen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Ur- teil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010 , E. 4.2, und vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 4.5 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Leit urteil BGE 141 V 281 seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Leid en (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) revidiert hat. Eine Einschränkung der Leistung sfähigkeit kann danach weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Ge- sundheitsbeeinträchtigung ist (vgl. E. 3.4 hiervor). Au ch künftig wird der Rentenanspruch – in Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachachtung der verfassungs- und gesetzmässigen Vorgaben v on Art. 8 und 29 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rechtsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeu rteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbsunfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem nament- lich aus medizinischer, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtspre- chung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überw indbarkeitsvermutung nicht weiter fest. Anstelle des bisherigen Regel/Ausnahme-Modells tr itt ein strukturiertes, normatives Prüf- raster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad be- zogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Le istungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äussere n Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 5. Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob und inwiefer n sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsunfäh igkeit der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom 18. November 2004 in anspruchserheblicher Weise verschlechtert hat. 5.1 In der Verfügung vom 18. November 2004, mit welche r der Rentenanspruch der Versi- cherten abgelehnt wurde, stützte sich die IV-Stelle b ei der Beurteilung des Gesundheitszustan- des und der Arbeitsfähigkeit vollumfänglich auf das interdisziplinäre Gutachten des C.____ vom 1. Juli 2004. Darin wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronifizier- te depressive Episode leichten Grades gestellt. Die Explor andin sei seit ihrer Heirat und Wohn- sitznahme in der Schweiz bei diversen Arbeitgebern als Mit arbeiterin im Teilzeitpensum tätig gewesen. Seit 1985 habe sie nebenamtlich auch als Hauswar tin gearbeitet. Seit der Kündigung vom 22. April 2002 leide sie an einer depressiven Symptom atik. Sie wirke psychomotorisch ge- hemmt, sei bedrückt und ängstlich, was auf eine leichte d epressive Episode hindeute. Aus gut- achterlicher Sicht könne bei der Explorandin höchstens eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % festgehalten werden. Die bisherige ambulante Therapie habe zwar nicht zum Erfolg geführt, deren Weiterführung sei dennoch sinnvoll. De r Gesundheitszustand sei in zwei bis drei Jahren noch einmal zu begutachten. Ohne Auswirkung auf di e Arbeitsfähigkeit bestünden ein persistierender Ellbogenschmerz links, Fasciitis plantaris be idseits, rezidivierende Schulter- schmerzen links und rezidivierende Hüftschmerzen links, aller dings ohne klinisches Korrelat. Der Gesamtbeurteilung im Gutachten des C.____ kann entn ommen werden, dass ausschliess- lich aus psychiatrischer Sicht sowohl im angestammten Beruf als auch in angepassten Tätigkei- ten wegen der chronifizierten depressiven Episode eine A rbeitsfähigkeit von 80 % per 31. Januar 2003 bestehe. 5.2 Im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldungsverfahrens gab die IV-Stelle ein bidiszip- linäres Gutachten bei Dr. med. G.____, FMH Rheumatol ogie und Innere Medizin, und bei Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in Auftrag. 5.2.1 Im rheumatologischen Gutachten vom 12. Dezembe r 2016 wurden keine objektivierba- ren Befunde erhoben, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Dr. G.____ Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellte als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Ganzkörperschmerzsyndrom ohne organische Ursache, eine Enthesiopathie am Ansatz der Plantarfascie beidseits bei leich- ten Spreizfüssen, eine Adipositas und persistierende bel astungsabhängige Ellbogen- Restbeschwerden rechts bei Status nach Radiusköpfchenfraktur am 9. November 1998. Im Üb- rigen verwies er auf die Konsensbeurteilung mit Dr. F.____. 5.2.2 Dr. F.____ diagnostizierte am 4. Januar 2017 m it Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine gegenwärtig mittelgradig rezidivierende depressive Störung (ICD10 F33.1), eine Panikstö- rung (ICD10 F41) und eine anhaltende somatoforme Schm erzstörung (ICD10 F45.4). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege eine Benzodi azepinabhängigkeit (ICD10 F13.25) vor. Den anamnestischen Angaben zufolge stehe am Anfang des K rankheitsverlaufs die im Jahre 2002 erhaltene Kündigung. Davor seien keine psychischen Le iden bekannt. Auffällig sei so- dann, dass im Zeitraum von 2004 bis 2015 keine weitere n ambulanten Behandlungen akten- kundig seien, mithin die Depression während dieser Zeit remittiert sei. Im Anschluss an die Kündigung im Frühling 2015 sei bei der Explorandin e rneut eine depressive Episode aufgetre- ten, weshalb sie sich in ambulante Behandlung begeben habe. Objektiv erfülle die Explorandin die ICD10-Kriterien, welche auf ein mittelgradig de pressives Krankheitsbild hinweisen würden. Sie sei in ihrer psychischen Belastbarkeit reduziert, de utlich antriebslos, müde und weise eine Freud-, Interessen- sowie Lustlosigkeit aus. Auch beständ en Wertlosigkeitsgefühle. Dr. F.____ weist sodann darauf hin, dass während der Begutachtung d as Denken der Explorandin auf ihre Leiden eingeengt gewesen sei und die subjektiven Angabe n einer schweren depressiven Epi- sode entsprochen hätten. Dies sei jedoch unter Berücksich tigung des objektiven Psychostatus und angesichts ihrer Selbstlimitierungstendenz zu relativieren. Die Explorandin habe bei indirek- ten Fragen ihre Fähigkeit bestätigt, einzelne Tagesakti vitäten ausführen oder auch beispiels- weise eine längere Ferienreise mit dem Auto auf Bosnien realisieren zu können, weshalb ange- nommen werden könne, dass gewisse innerpsychische Ressourcen vorhanden seien. Dr. F.____ gelangte zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin in etwa gleich hohem Mas- se Funktionseinbussen und innerpsychische Ressourcen vorhanden seien. Es könne daher im Rahmen einer mittelgradig depressiven Episode eine 50% ige Funktionseinbusse angenommen werden. Die Explorandin leide an einer Panikstörung vo n geringem Ausmass und habe zudem Ganzkörperschmerzen, die mangels Anzeichen auf Aggravation oder Simulation unter der Di- agnose der somatoformen Schmerzstörung zu erfassen seien, jedoch keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten. In Konsens mit Dr. G.____ a ttestierte Dr. F.____ der Explorandin aus- schliesslich wegen der gegenwärtigen depressiven Episode e ine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Was die Prognose zur Therapierbarkeit anbelangt, gab Dr. F.____ an, dass sie prinzipiell nicht ungünstig sei, obwohl die Explorandin an der Überzeugung festhalte, nicht mehr arbeitsfähig zu sein. Die Beschwerdeführerin gehe in 2-wöchigen Abstände n in eine leitliniengerechte ambu- lante Therapie bei Dr. H.____. Gemäss den Laborbefund en vom 2. November 2016 nehme sie ebenfalls leitlinienkonforme Medikamente ein. Zur Optimierung der antidepressiven Behandlung könnte eine Augmentationsstrategie in Erwägung gezogen werden, womit auch die Arbeitsfä- higkeit höher ausfallen könnte. Allerdings sei die Selbstlimitierungstendenz der Beschwerdefüh- rerin in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.3 Die IV-Stelle legte das psychiatrische Gutachten vom 4. Januar 2017 ihrem beratenden RAD-Arzt Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychologie, vor. Mit Stellungnahme vom 22. März 2017 hielt er fest, dass die von Dr. F.____ gestellte Diagnose einer gegenwärtig mit- telgradigen, rezidivierenden depressiven Episode korrekt hergeleitet sowie begründet worden sei. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 % könne hingegen nicht nach- vollzogen werden. Die vom Gutachter ausdrücklich festgehal tenen Inkonsistenzen zwischen den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin und dem o bjektiven Psychostatus sowie die eindeutige Selbstlimitierungstendenz liessen aus RAD-Si cht darauf schliessen, dass die Ar- beitsfähigkeit deutlich geringer eingeschränkt sei, als gutachterlich ausgewiesen worden sei. Es sei von einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit vo n 75 % auszugehen. Des Weiteren würden Therapieoptionen bestehen, die nicht vollstän dig ausgeschöpft worden seien, weshalb keine Therapieresistenz angenommen werden könne. Es falle auf, dass die Beschwerdeführe- rin weitergehende Behandlungsvorschläge und Empfehlung en zu einer aktiven Alltagsgestal- tung nicht annehmen könne und es somit an ihrer Koopera tionsbereitschaft fehle. Auch lehne sie eine stationäre Behandlung ab, welche aus RAD-Sicht aber eine verbleibende Therapieopti- on darstelle. Gestützt darauf teilte die IV-Stelle der Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 29. März 2017 die Abweisung ihres Rentenbegehrens mit. 5.2.4 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens hielt der beh andelnde Psychiater Dr. H.____ am 27. Oktober 2017 fest, dass die RAD-Beurteilung nich t nachvollziehbar sei. Seine Patientin habe genügend Einsicht in ihre Krankheit und ihre Beh andlungsbedürftigkeit, weshalb ihr nicht vorgeworfen werden könne, dass sie ihrer Schadenminderun gspflicht nicht nachkommen wür- de. Weil ihre Störung einen chronischen Verlauf zeige , sei es bis anhin trotz leitliniengerechter Behandlung nicht zu einer Verbesserung gekommen. Es läge deshalb eine Therapieresistenz vor. Aufgrund der RAD-Stellungnahme sei es zudem zu ein er akuten Verschlechterung des psychischen Zustandes gekommen. Aktuell sei von einer schwere n depressiven Episode aus- zugehen. 5.2.5 Am 18. November 2017 äusserte sich schliesslich der RAD-Arzt Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychologie, zur Stellungnahme des behand elnden Psychiaters. Er hielt fest, dass die bisherige ambulante Behandlung nicht bestritt en würde. Grund für die Ablehnung des Rentenbegehrens sei, dass nicht sämtliche Therapieoptio nen wahrgenommen worden seien und die Therapieresistenz somit nicht ausgewiesen sei. D ie vom behandelnden Psychiater we- gen der RAD-Stellungnahme geltend gemachte akute Versch lechterung des psychischen Zu- stands stelle einen invaliditätsfremden Faktor dar. Es kö nne gestützt darauf kein dauerhafter, erheblicher medizinischer Gesundheitsschaden geltend gemacht werden. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 23. Juni 2017 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands grundsätzlich auf das Gutachten von Dr. F.____ vom 4. Januar 2017. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit folg te sie dagegen der RAD-Stellungnahme vom 22. März 2017 von Dr. I.____, wonach die gutachter lich attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % nicht nachvollziehbar sei und der Beschwerdeführer in die Ausübung einer Tätigkeit im angestammten Beruf sowie einer angepassten Verweistäti gkeit im Umfang von 75 % zumutbar sei. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Die Beschwerdeführerin wendet ein, dass die Rente nberechnung auf Basis der gut- achterlich attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 % erfolgen müsste. Es sei willkürlich, abweichend vom vorliegenden Verwaltungsgutachten von Dr. F.____ au f die Einschätzung des RAD-Arztes abzustellen, welcher ohne persönliche Exploration und oh ne jegliche Begründung eine Arbeits- fähigkeit von 75 % attestiert habe. 6.2.2 Wie unter Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt, komm t den versicherungsinternen Berich- ten nicht derselbe Beweiswert wie einem externen Guta chten zu. Während rechtsprechungs- gemäss bereits geringe Zweifel genügen, um den Beweisw ert versicherungsinterner Berichte in Frage zu stellen, ist externen Gutachten – wie demjenige n von Dr. F.____ vom 4. Januar 2017 –bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerk ennen, solange nicht konkrete Indi- zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Das externe Gutachten vom 4. Januar 2017 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf. Es basiert auf einer detaillierten Anam- nese unter Einbezug fremdanamnestischer Angaben und se tzt sich mit sämtlichen übrigen me- dizinischen Beurteilungen auseinander. Die Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge bzw. die Beurteilung der medizinischen Situation ist schl üssig. Das Gutachten erfolgte sodann unter Anwendung eines strukturierten und normativen Prü frasters, weshalb es auch im Lichte der bundesgerichtlichen Anforderungen an die Beurteil ung von psychosomatischen Leiden ein- wandfrei ist. Die diagnostizierte mittelgradig depressive Episode erweist sich als fachlich kor- rekt, stimmt mit der Beurteilung des behandelnden Psychiaters überein und wird vom RAD auch nicht bestritten, womit im Vergleich zum Zeitpunkt der rentenabweisenden Verfügung vom 18. November 2004 eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands vorliegt. 6.2.3 Im Rahmen seiner Untersuchungen führte Dr. F.__ __ zur Beantwortung der Frage, ob eine krankheitsbedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorliege, die bei der Beschwerde- führerin bestehenden Funktionseinbussen sowie die inne rpsychischen Ressourcen detailliert auf und wog deren Auswirkungen gegeneinander ab. Erst nach diesem Vergleich gelangte er zum Schluss, dass die vorhandenen innerpsychischen Ressourcen und die krankheitsbedingten Einbussen der Beschwerdeführerin in etwa gleich hohem Masse vorhanden seien und erkannte ihr gestützt darauf eine Restarbeitsfähigkeit von 50 % zu. Seine Einschätzung der Arbeitsfähig- keit stützt sich somit auf die Gewichtung objektiv feststel lbarer Kriterien und erweist sich daher als nachvollziehbar. 6.2.4 Die RAD-Beurteilung, wonach eine medizinisch the oretische Arbeitsfähigkeit von 75 % vorliege, ist demgegenüber nicht schlüssig. Sofern der R AD-Arzt geltend macht, dass wegen der Selbstlimitierungstendenz der Beschwerdeführerin die im Gutachten von Dr. F.____ ausge- wiesene Arbeitsfähigkeit zu tief sei, muss ihm entgegen gehalten werden, dass Dr. F.____ die- ser im Rahmen seiner Beurteilung grosse Beachtung schen kte. Dr. F.____ führte ausdrücklich aus, dass bei der Beschwerdeführerin eine Selbstlimitier ungstendenz bestehe und sie deswe- gen ihre Alltagseinschränkungen als schwer belastend empf inde. Im Rahmen der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit gab er jedoch an, sich nicht a uf die Auswirkungen der Selbstlimitie- rungstendenz abzustützen. In seiner Beurteilung weist e r explizit darauf hin, dass es Inkonsis- tenzen zwischen den subjektiven Angaben der Beschwerdeführ erin und seiner objektiven Un- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tersuchungsbefunde gebe. Er legte in transparenter We ise dar, dass die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin einer schweren depressiven Episod e entsprechen würden. Indem er die Diagnose der depressiven Störungen anhand des objekt iven Psychostatus auf eine mittel- gradige Episode relativierte, gibt er zu erkennen, dass seine Untersuchungen weder auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin noch auf ande ren invaliditätsfremden Faktoren wie der Selbstlimitierungstendenz basieren. Die RAD-Be urteilung, wonach die gutachterlich ausgewiesene Arbeitsfähigkeit zu tief sei und von e iner pauschalen 25%ig höheren Arbeitsfä- higkeit auszugehen sei, ist angesichts dieser Ausführungen nicht überzeugend. Es sind keine stichhaltigen Gründe ersichtlich, die Zweifel an der Schl üssigkeit des Verwaltungsgutachtens aufkommen lassen. Folglich kann auf das Gutachten vom 4. Januar 2017 und somit auch auf die Einschätzung von Dr. F.____, dass eine Arbeitsunfähi gkeit von 50 % vorliege, abgestellt werden. 6.3 Die Beschwerdegegnerin macht schliesslich geltend, d ass – unbeachtet der diskrepan- ten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit – die invalidisie rende Wirkung der mittelgradigen depres- siven Störung bereits mangels Therapieresistenz abzulehnen sei. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Im Urteil 8C_841/2016 vom 30. Novembe r 2017 gab das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Therapieresistenz von leicht b is mittelgradigen Depressionen auf. Es führte aus, dass die Therapieresistenz nicht meh r als Ausschlussgrund für das Vorlie- gen einer Invalidität gelte. Vielmehr seien im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens die Aspekte des Behandlungserfolgs respektive der Behandlung sresistenz und ergänzend dazu, mit Blick auf den anamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck, d ie Inanspruchnahme von thera- peutischen Optionen als Indizien in die gesamthaft vorzu nehmende allseitige Beweiswürdigung mit einzubeziehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_841/201 6 vom 30. November 2017, E. 4.2.2; 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018, E. 3 ff.; 9C_563/2 017 vom 23. Februar 2018, E. 8 ff., 8C_398/2017 vom 1. März 2018, E. 5 ff.). Gemäss der aktu ellen Rechtsprechung ist es dem- nach bei leichten und mittelgradigen depressiven Störu ngen Aufgabe des medizinischen Sach- verständigen, im Einzelfall anhand verschiedener Aspekte nachvollziehbar aufzuzeigen, wes- halb trotz lediglich leichten bis mittelschweren Grades un d an sich guter Therapierbarkeit der Störung dennoch funktionelle Leistungseinschränkungen r esultieren, die sich auf die Arbeitsfä- higkeit auswirken (Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018, E 4.1.4.2.). 6.4 Was die Verwertbarkeit des Gutachtens unter der geä nderten Rechtsprechung betrifft, gilt es zunächst festzuhalten, dass Dr. F.____ aus fachärzt licher Sicht einwandfrei bei der Be- schwerdeführerin die Diagnose einer mittelgradig, rezi divierenden depressiven Störung gestellt hat, die erstmals nach der (als ungerechtfertigt empfun denen) Kündigung vom 22. April 2002 zum Vorschein getreten sei. Anzeichen für eine Aggravation oder Simulation stellte der Gutach- ter keine fest. Hinsichtlich allfälliger Komorbiditäten spricht Dr. F.____ von einer Panikstörung und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, die im Rahmen der Indikatorenprüfung unter dem Komplex der Persönlichkeit erfasst werden könn en. Gemäss Dr. F.____ würden die- se Krankheitsbilder zwar aktuell keine konkrete Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zeigen. Dies schliesst jedoch nicht aus, dass sie Auswirkungen auf den allg emeinen Gesundheitszustand haben können, etwa in Form von verminderter Fähigkeit, den Haushalt zu bewältigen und sons- tigen Alltagsaktivitäten nachzugehen. Weiter gilt es di e Selbstlimitierungstendenz zu beachten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diesbezüglich lässt sich einerseits der Beurteilung entn ehmen, dass sie als invaliditätsfremder Faktor einzustufen sei mit der Folge, dass deren Auswirku ngen aus invalidenrechtlicher Sicht nicht versichert sind und daher unberücksichtigt bleiben mü ssen. In diesem Sinne musste das Ausmass der von der Beschwerdeführerin wahrgenommenen depressiven Gesundheitsein- schränkung relativiert werden, indem nicht von einer schwe ren, sondern lediglich von einer mit- telgradigen depressiven Störung ausgegangen wurde. Ande rseits wird unter dem Punkt des Therapieerfolges dennoch auf den Einfluss der Selbstlimi tierungstendenz eingegangen, indem darauf hingewiesen wird, dass bei der Beschwerdeführeri n eine Verbesserung des Gesund- heitszustands durch Optimierung der Therapie möglich sei, allerdings die Selbstlimitierungsten- denz einen nicht zu unterschätzenden Faktor darstelle und zurzeit weitergehende Therapien dadurch erschwert würden. Die Frage, ob mit dieser Einsch ätzung die Selbstlimitierungsten- denz im Rahmen der invaliditätsbestimmenden Gesundheit sbeurteilung zu stark gewichtet wur- de, ist dennoch zu verneinen. Denn insgesamt lassen sich den Ausführungen von Dr. F.____ gewichtige gesundheitliche Einschränkungen aus dem Formenkreis der depressiven Störungen entnehmen, die den Leidensdruck der Beschwerdeführerin beschreiben. Dies zeigt sich auch darin, dass die Beschwerdeführerin in 2-wöchigen Abstä nden in eine leitliniengerechte, psychi- atrische Behandlung bei Dr. H.____ geht und die verord neten Medikamente einnimmt sowie nachweislich eine gute Medikamenten-Compliance besteht. 6.5 Zusammenfassend erfolgte die medizinische Einschätzung v on Dr. F.____ unter An- wendung des massgebenden strukturierten Beweisverfahrens u nd erweist sich gesamthaft be- trachtet als schlüssig und nachvollziehbar. Im Gutachten wer den verschiedene Aspekte aufge- zeigt, welche sich auf die mittelgradige depressive Störu ng und deren Auswirkungen beziehen. Auf die daraus resultierenden krankheitsbedingten Leistu ngseinschränkungen kann daher im Lichte der aktuellen Rechtsprechung abgestellt werden. F olglich ist bei der Beschwerdeführerin ein invalidisierender Gesundheitsschaden aufgrund der mit telgradigen depressiven Episode festzustellen. 7. Die Beschwerde ist im Sinne der vorstehenden Erwägu ngen gutzuheissen und die an- gefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 23. Juni 2017 a ufzuheben. Die Angelegenheit wird an die IV-Stelle zur Vornahme des Einkommensvergleichs und zur Ermittlung des Invaliditätsgra- des auf der Grundlage einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit zurückgewiesen. 8.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinde n. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanto- nalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahr enskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unter liegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Pa rtei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht intere ssierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver- fahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestim mung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskosten aufzuk ommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsiegende Partei ist, ist ihr eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 7. Dezember 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von insgesamt 12,4 Stunden à Fr. 250.00 und A uslagen von Fr. 28.00 geltend ge- macht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellend en Sachverhalts- und Rechtsfra- gen als angemessen erweist. Der Beschwerdeführerin ist d eshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘448.05 (12,4 Stunden à Fr 250.00 und Auslagen von Fr. 28.00 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliesse n. Selbständig eröffnete Zwi- schenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Besch werde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Guth eissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 A bs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versiche- rungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuver fügung nicht um einen Endent- scheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von A rt. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materiell e Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vor- aussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 9.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 645 E . 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung vom 23. Juni 2017 aufgehoben und festgestellt wird, d ass die Be- schwerdeführerin ab 1. Mai 2016 Anspruch auf eine IV-R ente auf der Basis einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit hat. Die Angelegenheit wird zur Beurteilung der massgebenden Bemessungsgrundlagen sow ie der Ermittlung des IV-Grads und zum Erlass einer neuen Verf ügung an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.00 wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘448.05 (inkl. Ausla gen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht