Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Juli 2014 (720 14 60 / 161) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente, Beweiswert von Gutachten, Berechnung IV-Grad Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber i.V. Thomas Hunkeler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Elisabeth Maier, Advo- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1985 geborene A.____ meldete sich im April 2 005 bei der Eidgenössischen Invali- denversicherung unter Hinweis auf eine Hepatitis C zum Leistungsbezug an, wobei sie Berufs- beratung und Arbeitsvermittlung beantragte. In der Folge sprach ihr die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) eine erstmalige berufliche A usbildung zu (kaufmännischer Vor- kurs/Bürofachdiplom VSH), welche sie am 22. Januar 2010 mit dem Handelsdiplom abschloss. Nach Absolvierung eines Arbeitstrainings wurden die beruflichen Massnahmen am Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 22. November 2010 abgeschlossen, da es nicht gelungen wa r, der Versicherten eine Arbeit zu vermitteln. Mit Verfügung vom 4. Juli 2012 verneinte d ie IV-Stelle daraufhin einen Rentenan- spruch. In medizinischer Hinsicht stützte sie sich dabei auf ein Gutachten des Begutachtungsin- stituts B.____ vom 30. Dezember 2011, welches zunächst eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit attes- tiert hatte. Nach Vorlage der konkreten Hämoglobinwerte wurde das Gutachten mit Bericht vom 22. Mai 2012 dahingehend korrigiert, dass eine müdigke itsbedingte Leistungseinschränkung von 30 % vorliege. Gegen diesen Entscheid erhob die Ver sicherte am 7. August 2012 Be- schwerde und machte das Vorliegen eines IV-Grads von 50 % geltend. Die IV-Stelle hob die Verfügung vom 4. Juli 2012 in der Folge lite pendente zwecks weiterer Abklärungen auf, worauf das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversic herungsrecht (Kantonsgericht), das Beschwerdeverfahren mit Beschluss vom 24. September 201 2 antragsgemäss abgeschrie- ben hat. B. Die IV-Stelle ergänzte das Gutachten des Begutacht ungsinstituts B.____ daraufhin um ein hämostaseologisches Gutachten von Prof. Dr. Dr. C. ____, FMH Hämatologie, vom 21. No- vember 2012. Gestützt auf diese Aktenlage gelangte sie mit Verfügung vom 23. Januar 2014 erneut zum Schluss, dass ein 30%-iger IV-Grad vorliege u nd somit kein Rentenanspruch be- stehe. C. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokatin Elisabeth Maier, am 21. Februar 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht und be antragte, in Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung sei die Beschwerdegegnerin zu verpf lichten, ihr die gesetzlichen Leistun- gen zuzusprechen. Zur Begründung liess sie im Wesentliche n geltend machen, dass auf das B.____-Gutachten sowie das ergänzende Aktengutachten von Dr. C.____ nicht abgestützt wer- den könne, da sich die darin vorgenommene Sachverhaltsein schätzung nicht als überwiegend wahrscheinlich erweise. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Be- schwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e Kostenfolgen. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 9. Mai 2 014 auf Abweisung der Be- schwerde. Es sei festzustellen, dass in medizinischer Hinsicht auf die erhobenen Beurteilungs- ergebnisse abgestellt werden könne. Weitere Abklärungen seien somit nicht notwendig. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der IV-Stelle vom 23. Januar 2014, sodass die örtliche Zustän- digkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 A bs. 1 lit. b des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezem ber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist som it auch sachlich zur Behandlung der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2014 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössisch en Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) blei bt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (Ulrich Meyer-Bl aser, Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 12 5 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI- Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversicherung entwi- ckelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von be- handelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahr ungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen ( BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Bei der Ab- schätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen wer- den. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behan delnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen. Die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt- nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Beg utachtungsauftrag des amtlich be- stellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrati v- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urtei l des Bundesgerichts vom 28. Januar 2013, 8C_733/2012, E. 3.2 mit Hinweisen). 4. Unter den Parteien umstritten ist insbesondere die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Hierzu sind folgende medizinische Unterlagen zu berücksichtigen: 4.1.1 Der behandelnde Arzt Dr. med. D.____, FMH Physika lische Medizin und Rehabilitati- on, diagnostizierte im Arztbericht an die IV-Stelle vom 22. April 2005 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Müdigkeit bei rezidivie renden massiven Epistaxis und Hyper- menorhoe bei von-Willebrand Syndrom Typ 3, sowie eine H eterozygote Beta-Thalassämie und chronische Hepatitis C. Ohne Auswirkungen auf die Arbeit sfähigkeit bestünden chronische pe- riartikuläre Knieschmerzen. Eine Lehre sei wegen der an gegebenen medizinischen Probleme praktisch unmöglich. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.2 Die Ärzte der Medizinischen Poliklinik des Spitals E .____ kommen in ihrem Gutachten vom 7. November 2011 zum Schluss, dass nur das von-Willebr and Syndrom Typ 3 eine Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die chronische H epatitis C sei zwischen Oktober 2006 und März 2007 erfolgreich medikamentös behandelt worden , weshalb aufgrund dieser Erkran- kung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr beste he. In Bezug auf die Beta- Thalassämie stellten sie fest, dass diese ebenfalls keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätte, da es sich dabei um eine angeborene Erkran kung ohne aktuellen Krankheitswert handle. Die von der Versicherten beschriebene Müdigkeit könne mit einer Eisenmangelanämie erklärt werden. Diese sei mit einer Eisensubstitution th erapierbar und stünde nicht in Verbin- dung mit dem von-Willebrand Syndrom. Aufgrund des von- Willebrand Syndroms Typ 3 bestün- de für die Versicherte ein erhöhtes Blutungsrisiko bei Verletzungen ohne von aussen sichtbares Trauma. Für mittlere und leichte körperliche Arbeit sei die Versicherte zu 100 % arbeitsfähig. 4.1.3 Gemäss dem von der IV-Stelle eingeholten, polyd isziplinären Gutachten des Begutach- tungsinstituts B.____ vom 30. Dezember 2011 in den Diszi plinen innere Medizin, Rheumatolo- gie und Psychosomatik, sei mit Einfluss auf die Arbeitsfäh igkeit ein von-Willebrand Syndrom Typ 3 zu diagnostizieren. Ohne Einfluss auf die Arbeitsf ähigkeit bestünden wechselnde Ge- lenksbeschwerden der mittelgrossen Gelenke vorwiegend an den unteren Extremitäten, ein Verdacht auf Migräne, eine Beta-Thalassämie minor, die erfolgreich therapierte Hepatitis C so- wie ein Verdacht auf Status nach schwerer depressiver Epi sode ohne psychotische Symptome im Jahre 2002. Aus rheumatologischer und aus psychosomatisc her Sicht sei keine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit zu postulieren. Die von der Versicherten beklagte Müdigkeit sei teil- weise durch die leichte hypochrome und mikrozytäre Anämie im Rahmen der Beta-Thalassämia minor zu erklären. Es bestünde diesbezüglich jedoch kein erlei Einschränkung der Arbeitsfähig- keit. Auch aus den von der Versicherten beschriebenen Ko pfschmerzen sowie der erfolgreich behandelten Hepatitis C würde keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultieren. Das von- Willebrand Syndrom Typ 3 führe lediglich zu qualitat iven Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, indem keine Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr mehr au sgeübt werden sollten. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im kaufmännischen Bereich bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. 4.1.4 Gemäss Stellungnahme zum B.____-Gutachten von Dr . D.____ vom 29. Februar 2012 und der Beurteilung von Dr. med. F.____, FMH Hämato logie, vom 9. März 2012, leide die Ver- sicherte an der schwersten Form des von-Willebrand Syndroms Typ 3 mit praktisch vollständi- gem Fehlen des von-Willebrand Faktors. Dies habe eine ch ronisch-mukokutane Blutung zur Folge, welche trotz Eisensubstitution zu tiefen Hämog lobinwerten führe. Die Werte gemäss der Protokollliste seit Februar 2003 würden sich jeweils zwische n 80 und 90 g/l bewegen, weshalb es sich bei dem im B.____-Gutachten erwähnten Wert von 112 g/l um einen Ausreisser handeln müsse. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 50 % sei daher ein reeller Zustand der krankheitsbe- dingten Situation. 4.1.5 Mit Schreiben vom 22. Mai 2012 räumt Dr. med. G.____, FMH Innere Medizin, vom Begutachtungsinstitut B.____ ein, dass die detaillierten Hämoglobinwerte als Grundlage zur Beurteilung für das Gutachten vom 30. Dezember 2011 ni cht zur Verfügung gestanden hätten. Unter der Berücksichtigung der von der Abteilung für Hämatologie des Spitals E.____ vorgeleg- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten Hämoglobinwerten sei bei der Versicherten hinsicht lich der Arbeitsfähigkeit von einer müdigkeitsbedingten Leistungseinschränkung von 30 % info lge erhöhten Pausenbedarfs aus- zugehen. Bei Hämoglobinwerten von über 100 g/l bestehe eine voll zumutbare Arbeitsfähigkeit. 4.1.6 Gemäss Stellungnahme von Dr. F.____ und Prof. Dr. med. H.____, FMH Hämatologie, konzentriere sich das B.____-Gutachten vor allem auf di e psychosoziale Situation der Versi- cherten und auf die Anämie bei milder Thalassämie. Da sich jedoch primär das von-Willebrand Syndrom Typ 3 limitierend auf die Arbeitsfähigkeit d er Versicherten auswirke, müsste zur Beur- teilung dieser Erkrankung ein hämostaseologisches Fachgut achten durchgeführt werden. Eine Arbeitsbelastung über 50 % sei auf keinen Fall zumutbar. 4.1.7 Dem von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Akte ngutachten von Dr. C.____ vom 21. November 2012 zufolge sei bei einer schweren hämo rrhagischen Diathese mit einer erhöh- ten Blutungsneigung zu rechnen. Als Folgen könnten E isenmangel und bedingt durch rezidivie- rende Blutungen eine verfrühte, schwere Arthrose auft reten. Mit einer Dauerprophylaxe durch Faktorsubstitution liesse sich das Blutungsrisiko jedoch praktisch normalisieren. Mit der Prophy- laxe seinen die Betroffenen normalerweise zu 100 % arb eitsfähig, wobei die Arbeitsfähigkeit auch vom Erfolg einer solchen Prophylaxe abhinge. Dem H ämatologiebericht von Dr. F.____ könne entnommen werden, dass die Versicherte ein schwere s von-Willebrand Syndrom Typ 3 aufweise. Seit Ende März sei eine Dauerprophylaxe mit Wi late eingeleitet worden. Die Wirkung auf die Blutungshäufigkeit-/intensität sowie die Frag e, ob der Eisenmangel behoben sei, seien allerdings nicht bekannt. Über den Gelenkstatus sei eben falls nichts bekannt. Es könne festge- halten werden, dass bei einer schweren hämorrhagischen D iathese, wie sie bei der Versicher- ten vorliege, unter einer Dauerprophylaxe praktisch ein e Normalisierung der Blutungsneigung mit normaler Arbeitsfähigkeit erzielt werden könne. E inschränkend wäre lediglich eine schwere Arhopathie mit chronischen Gelenkschmerzen. 4.1.8 In seiner Stellungnahme vom 30. April 2013 beri chtet Dr. D.____, dass es trotz gröss- tem Aufwand nicht gelänge, die Hämolobinwerte so zu b eeinflussen, dass sie längerfristig über 100 g/l lägen. Mit den bei der Versicherten dokument ierten tiefen Werten seien eine permanen- te Müdigkeit und Konzentrationsschwächen unausweichlich. 4.1.9 Gemäss dem von der Beschwerdeführerin in Auftrag g egebenen Fachbericht von Dr. med. I.____, FMH Hämatologie, vom 13. Juni 2013 handle es sich beim von-Willebrand Syndrom Typ 3 um eine sehr seltene und schwere Gerinnungss törung. Aufgrund der Seltenheit des Leidens sei die Arbeitsfähigkeit bei jedem Betroffe nen individuell einzuschätzen. Erschwe- rend müsse vorliegend berücksichtigt werden, dass bei der Versicherten gleichzeitig noch eine heterozygote Beta-Thalassämie vorläge, welche die Anämie verstärke. Die aktuelle Behandlung entspräche den internationalen Empfehlungen. Es seien keine medizinischen Behandlungsver- besserungsmöglichkeiten ersichtlich. Die Blutuntersuchung habe einen Blutwert von 105 g/l ergeben. Es sei sehr gut nachvollziehbar, dass die Versiche rte bei diesen Hämoglobinwerten und mit ihren Symptomen von Müdigkeit und Kopfschmerzen eine deutliche Leistungsein- schränkung zu verzeichnen habe. Daher werde das Begehren der Versicherten unterstützt, die Ablehnung der 50%igen IV-Rente anzufechten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.10 Dr. med. J.____, FMH Hämatologie, berichtete i n der RAD-Stellungnahme vom 12. März 2014, dass durch die Substitutionsbehandlung mit Wilate Normwerte für die fehlenden Gerinnungsfaktoren hätten erreicht werden können und die Globaltests der Blutgerinnung sich im Normalbereich bewegen würden. Dennoch könne eine ve rstärkte Blutungsneigung zurück- bleiben. Bei der Versicherten seien jedoch in den letzt en Jahren keine grösseren Blutungen aufgetreten. Es lägen keine Folgen von Gelenkblutunge n vor und auch Weichteilblutungen sei- en seit Jahren nicht mehr aufgetreten. Die Versicherte leide weiterhin drei bis vier Mal pro Mo- nat an Schleimhautblutungen, welche aber gut beherr schbar seien. Seit dem Beginn der Pro- phylaxe seien keine Hämoglobinwerte unter 100 g/l meh r gemessen worden. Mit der Einschät- zung, dass bei der Versicherten in einer ihrem Leiden an gemessenen Tätigkeit eine um 30 % verminderte Leistungsfähigkeit bestehe, seien die aktuel len Einschränkungen genügend be- rücksichtigt. 4.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung bei der Beurtei- lung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit d er Beschwerdeführerin vollumfäng- lich auf die Ergebnisse des Gutachtens des Begutachtungsin stituts B.____ vom 30. Dezember 2011 sowie das Aktengutachten von Dr. C.____ vom 21. No vember 2012 und ging gestützt da- rauf von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % aus. 4.2.1 Wie in Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt, ist de n im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eigeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und Spezialärzten volle Beweiskraft zuzu- erkennen, wenn dies aufgrund eingehender Beobachtunge n und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, und solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tiese sprechen. Solche Anhaltspunkte liegen hier jedoch entgegen der Ansicht der Beschwerde- führerin nicht vor. Die Gutachter haben die Beschwerdeführerin eingehend untersucht, gehen in ihren ausfühlichen Berichten einlässlich auf ihre Leide n ein, setzen sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander und verm itteln so ein umfassendes Bild über ihren Gesundheitszustand. 4.2.2 Unter den Parteien unbestritten geblieben ist, dass die Versicherte unter einer symp- tomatischen, multifaktoriell bedingten mikrozytären Anä mie leidet, welche durch chronische mukokutane Blutungen aufgrund des von-Willebrand-Jürg ens-Syndroms Typ 3 (schwere und seltene Gerinnungsstörung) sowie einer heterozygoten Be ta-Thalassämie bedingt sind. Die Folgen dieses Leidens sind verhältnismässig grosse Blutergüss e an verschiedenen Körpertei- len und spontane Blutungen. Ebenfalls zu Recht ist unb estritten geblieben, dass diese Leiden eine Verminderung der Lebensqualität und eine quali tative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge haben. Desweitern herrscht auch Einigkeit darüb er, dass die Gerinnungsstörung mit der Substitution des fehlenden Gerinnungsfaktors behan delt werden kann, und dass sich die Versicherte dieser Behandlung seit März 2012 unterzieht. 4.2.3 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit bringt die Besch werdeführerin im Wesentlichen vor, das Gutachten von Dr. C.____ sei nicht aussagekräftig. So rügt sie insbesondere, für das Gut- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht achten sei keine Rücksprache mit den behandelnden Ärzten genommen worden. Dem Gutach- ter sei nicht bekannt gewesen, ob der Eisenmangel habe behoben werden können und wie sich der Gelenkstatus präsentiere. Das Gutachten weise zudem au sdrücklich darauf hin, dass die Arbeitsfähigkeit stark vom Erfolg der Prophylaxe abhäng ig sei, weshalb sich die Sachverhalts- einschätzung der IV-Stelle als nicht überwiegend wahrsch einlich erweise. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Im Rahmen des B.____-Gutach tens wurde die Beschwerdeführerin körperlich untersucht. Insbesondere fand auch eine rhe umatologische Untersuchung im Hin- blick auf allfällige Gelenkblutungen statt. Dabei wurde n an sämtlichen Gelenken normale Be- funde erhoben und es konnten keine akuten Blutungen n achgewiesen werden. Ebenso wenig konnten allfällige Hinweise erhoben werden, wonach frü her Gelenkblutungen aufgetreten sind. Auch der Bericht von Dr. I.____ enthält keine Informat ionen über allfällige Gelenkblutungen. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass eine erneu te Gelenkuntersuchung durch Dr. C.____ keine neuen Erkenntnisse hervorgebracht hätt e. Weiter wird die unzureichende Be- urteilung der Wirkung des von-Willebrand Syndroms Typ 3 und der Prophylaxe auf die Arbeits- fähigkeit der Versicherten gerügt. Dabei kann der Beschwe rdeführerin insoweit gefolgt werden, dass der Aussage von Dr. C.____, die durch das von-Wille brand Syndrom Typ 3 verursachte Blutungsneigung liesse sich mit einer Dauerprophylaxe dur ch Faktorsubstitution praktisch nor- malisieren und es sei eine normale Arbeitsfähigkeit zu erwarten, in der Tat nur abstrakte Bedeu- tung zukommt. Der von der Beschwerdeführerin in Auftra g gegebene Fachbericht von Dr. I.____ bestätigt nun aber, dass die aktuelle durchge führte Prophylaxe den international gül- tigen Empfehlungen entspricht. Die von Dr. I.____ dur chgeführten Gerinnungsuntersuchungen vom 24. Mai 2013 haben denn auch ergeben, dass durch di e Prophylaxe eine deutliche Ver- besserung des Blutungsmusters erzielt worden sei und sich d er Gerinnungsspiegel auf einem adäquaten Niveau befindet. Wie von Dr. J.____ ausgefüh rt, wiesen die aus dieser Blutuntersu- chung resultierenden Ferritinwerte auf einen erhöhte n Eisenvorrat im Körper der Beschwerde- führerin hin. Des Weiteren lag der Hämoglobinwert bei der Untersuchung vom 24. Mai 2013 bei 105 g/l. Generell sind diesbezüglich seit Beginn der Pr ophylaxe keine Werte unter 100 g/l do- kumentiert worden. Es ist seit Beginn der Behandlung zu dem weder von Seiten der behandeln- den Ärzte berichtet noch von der Beschwerdeführerin se lbst geltend gemacht worden, dass grössere Blutungen aufgetreten sind. Es kann somit festge halten werden, dass die Prophylaxe mittels Substitution des fehlenden Gerinnungsfaktors bei der Beschwerdeführerin bisher erfolg- reich verlaufen ist. Somit lassen sich die abstrakten Aussage n von Dr. C.____, welche von ei- ner erfolgreichen Prophylaxe ausgehen, sehr wohl auf die gesundheitliche Situation der Be- schwerdeführerin übertragen. Für die von Dr. I.____ a ngeführte höhere Arbeitsunfähigkeit von 50 % finden sich demgegenüber keine Anhaltspunkte. Namen tlich wird auf die Höhe der Ar- beitsunfähigkeit dabei nur insofern eingegangen, als die Versicherte bei dem Begehren um eine 50%ige Rente unterstützt werde. Diese Aussage aber beg ründet just jenen Vorbehalt, wie er bei behandelnden Ärzten von der Rechtsprechung anerkan nt worden ist (vgl. E. 3.3 a.E. hier- vor). Die Einschätzung von Dr. I.____ vermag die gutachte rliche Beurteilung deshalb nicht in Frage zu stellen. 4.2.4 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die vorhandenen Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes erlauben, u nd die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfä higkeit der Beschwerdeführerin zu Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Recht auf die beweiskräftigen Gutachten des Begutachtung sinstituts B.____ und von Dr. C.____ abgestellt hat. Demzufolge ist davon auszugeh en, dass der Beschwerdeführerin eine ihrem Leiden angepasste Tätigkeit mit einer Leistu ngseinschränkung von 30 % zumutbar ist. Es besteht kein Grund, weitere (fach-)ärztliche Abklärungen vorzunehmen. Der Einwand der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin habe den m edizinischen Sachverhalt vor Erlass der angefochtenen Verfügung nur unvollständig abgeklärt , erweist sich daher als unbegründet. Da ausserdem keine Hinweise auf eine relevante gesundh eitliche Verschlechterung vor Verfü- gungserlass vorliegen, kann in antizipierter Beweiswürdi gung von weiteren Abklärungen abge- sehen werden (BGE 136 I 236 E. 5.3, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 5.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.5 hiervor), i st der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimm en. Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt des mutmasslichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich- keit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel auf den letzten Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, abzustel len ist (vgl. Urteil I. des EVG vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Da die Versicherte seit ihrer Geburt an den Folgen ihrer Krankheit leidet, kann fo lglich nicht auf einen aussagekräftigen Ver- dienst abgestellt werden. Die IV-Stelle hat das Valideneinkommen daher zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Sta- tistik ermittelt (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Dar- aus resultiert, wie die IV-Stelle in der angefochtene n Verfügung errechnet hat, als Validenein- kommen ein Monatslohn von Fr. 5'782.-- bzw. ein Jahresge halt von Fr. 73'056.--. Dieses unter den Parteien unbestritten gebliebene Valideneinkommen ist nicht zu beanstanden. 5.2.1 Strittig und zu prüfen bleibt hingegen die Be messung des Invalideneinkommens der Beschwerdeführerin. Die IV-Stelle erwog in dieser Hinsicht, dass auch das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2010 zu ermitteln sei. Dabei hat sie auf dieser Basis ein zumutbares Ein- kommen von 51‘139.-- errechnet. Die Beschwerdeführerin macht dagegen geltend, dass für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf die konkreten Einkommenswerte abzustellen sei. 5.2.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist pri mär von der beruflich- erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versich erte Person konkret steht. Übt diese nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, ist der tatsächlich erzielte Verdienst dem Invalideneinkommen gleichzusetzen, wenn - kumulativ - be sonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind, die verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut barer Weise voll ausgeschöpft wird und die Entlöhnung der Leistung angemessen ist, folglich ni cht ein Soziallohn zur Auszahlung ge- langt (BGE 129 V 475 E. 4.2.1, 126 V 76 E. 3b/aa mi t Hinweisen). Nur falls kein solches tat- sächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben ist, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, kann das Invaliden einkommen unter Beizug der Tabellen- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht löhne der LSE ermittelt werden (BGE 126 V 76 E. 3b/ bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). 5.2.3 Nach dem Abbruch einer Lehre als Kosmetikerin, der Arbeit als Chemielaborantin im Rahmen eines Brückenangebotes und einer begonnenen Ausb ildung zur Büroassistentin konn- te die Beschwerdeführerin im Rahmen der beruflichen M assnahmen der IV die Handelsschule mit dem Handelsdiplom abschliessen. Im Anschluss daran absol vierte sie ein Arbeitstraining im K.____. Seit 2011 arbeitet die Beschwerdeführerin in einem 50%-Pensum als Sachbearbeiterin im Rechnungswesen bei L.____. Die Beschwerdeführerin lä sst vorbringen, dass für die Ermitt- lung des Invalideneinkommens auf die im Rahmen ihrer ausgeübten Tätigkeit bei L.____ erziel- ten konkreten – auf 70 % hochgerechneten - Lohndaten abzustellen sei. Die IV-Stelle stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass nur dann von den tatsächlichen Verhältnissen ausge- gangen werden dürfe, wenn eine versicherte Person ihre Restarbeitsfähigkeit voll ausschöpfe. Diese Voraussetzung sei im konkreten Fall nicht gegeben, da die Beschwerdeführerin bei einer Arbeitsfähigkeit von 70 % nur in einem 50%-Pensum arb eite. Aus diesem Grund habe die Er- mittlung des Invalideneinkommens unter Beizug der LSE zu erfolgen. 5.2.4 Der Ansicht der IV-Stelle kann nicht gefolgt wer den. Wie hiervor (E. 3.2.2) aufgezeigt, entspricht das effektiv erzielte Erwerbseinkommen dann dem Invalideneinkommen, wenn – ku- mulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind, die verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausgeschöpft wird und die Entlö hnung der Leistung angemessen ist, folglich nicht ein Soziallohn zur Auszahlung gelangt. Da s erste Kriterium – das Vorliegen stabi- ler Arbeitsverhältnisse – ist im hier zu beurteilenden F all ohne weiteres zu bejahen. Die Be- schwerdeführerin arbeitet seit 2011 im Rechnungswesen bei L.____. Dem arbeitsvertraglichen Lohnanspruch zufolge ist ausserdem nicht anzunehmen, dass es sich beim erzielten Verdienst um einen Soziallohn handelt. Zur Frage, ob die Versicherte ihre Arbeitsfähigkeit voll ausschöpft, ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aus medizini scher Sicht zu 70 % arbeitsfähig ist (vgl. E. 4.2.4). Mit ihrem aktuellen Pensum von 50 % sch öpft sie ihre Restarbeitsfähigkeit somit nicht voll aus. Allerdings kann der tatsächlich erzielt e Lohn bei einer versicherten Personen, welche ihr Pensum nicht voll ausschöpft, unter besonde ren Umständen auf das zumutbare Pensum aufgerechnet werden (vgl. Kreisschreiben des Bunde samtes für Sozialversicherungen BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalide nversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2012, Rz. 3066.1). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprec hung ist in Fällen, in welchen eine versicherte Person, die nach erfolgreichen Eingliederung smassnahmen in einem neuen Beruf tätig war, die zumutbare Arbeitsfähigkeit aber nicht vollständig ausschöpft, das Invalidenein- kommen aufgrund des (hochgerechneten) tatsächlichen Ver dienstes und nicht anhand statisti- scher Durchschnittslöhne zu ermitteln (Urteil des EVG vom 1. April 2005, I 171/04 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Januar 2010, 8C_579/2009, E. 2.3). Vorliegend absolvierte die Be- schwerdeführerin im Rahmen der beruflichen Massnahmen ei ne Ausbildung im kaufmänni- schen Bereich. Ihre jetzige Tätigkeit als Sachbearbeite rin im Rechnungswesen liegt somit ge- nau innerhalb des Tätigkeitsbereiches, für welchen si e im Rahmen der Eingliederungsmass- nahmen auch ausgebildet wurde. Mit einem Pensum von 50 % schöpft sie ihr zumutbares Ar- beitspensum zudem zwar nicht voll, aber immerhin annäh ernd voll aus. Daher vermag der tat- sächlich erzielte Verdienst die konkrete wirtschaftliche L eistungsfähigkeit der Versicherten in Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht casu deutlich besser abzubilden als statistische Durchschnittsw erte. Der Auffassung der Be- schwerdeführerin folgend, erscheint es im Sinne einer mö glichst konkreten Ermittlung der er- werblichen Auswirkungen einer gesundheitlichen Beeinträ chtigung somit als sachgerecht, bei der Ermittlung des Invalideneinkommens auf das - auf 70 % hochgerechnete - tatsächliche Einkommen von Fr. 40‘040.-- abzustellen. Setzt man dem nach im Einkommensvergleich das effektiv erzielte und auf 70 % hochgerechnete Invalideneinkommen von Fr. 40‘040.-- dem hypo- thetischen Valideneinkommen von Fr. 73‘056.-- gegenüb er, so resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 33‘016.-- und somit ein Invaliditätsgrad von 45 %. 5.3 Zu einem annähernd identischen Ergebnis gelangt ma n, wenn man sich bei der Ermitt- lung des Invalideneinkommens auf die LSE Tabelle stütze n würde. Dabei müsste jedoch in Ab- weichung zu der von der Beschwerdegegnerin gewählten Tabelle (LSE 2010, TA 7, kaufmänni- sche Tätigkeit, Anforderungsniveau 3, Frauen) berücksichtig t werden, dass die Versicherte ab- gesehen von einem Jahr Arbeitstraining noch keinerlei berufliche Erfahrung aufweist und keine Gründe ersichtlich sind von der branchenbezogenen Tabel le LSE TA 1 abzuweichen. Im Sinne einer möglichst konkreten Ermittlung des hypothetischen E inkommens wäre diesfalls vielmehr die LSE 2010, TA 1, Total Dienstleistungen, Anforderu ngsprofil 4, Frauen heranzuziehen. Ge- stützt darauf und unter Berücksichtigung der betriebsüblich en wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden würde demnach ein Invalideneinkommen von Fr. 36‘832.-- resultieren. Ins Ver- hältnis gesetzt zum hypothetischen Valideneinkommen von F r. 73‘056.-- ergäbe sich diesfalls gar ein Invaliditätsgrad von 50 %. 5.4 Bei einem Invaliditätsgrad von 45 % hat die Versiche rte Anspruch auf eine Viertelsren- te der IV. Die beruflichen Eingliederungsmassnahmen un d damit auch der Anspruch auf Invali- dentaggeld endeten vorliegend am 30. September 2010, weshalb der Rentenanspruch nach Art. 28 Abs. 1 IVG per 1. Oktober 2010 entstanden ist . In Gutheissung der Beschwerde ist demnach die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 23. Januar 2014 aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Versicherte mit Wirkung ab 1. Okto ber 2010 Anspruch auf eine Viertels- rente hat. 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist d ie Beschwerdeführerin obsiegen- de und die IV-Stelle unterliegende Partei. 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht renskosten erhoben werden. Der Beschwerdeführerin ist de r geleistete Kostenvorschuss zu- rückzuerstatten. 6.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerde- führerin hat in ihrer am 4. Juni 2014 eingereichten Honorarnote für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von neun Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Hinzuzurechnen ist der mit nachträglich separater Eingabe vom 4. Juni 2014 geltend gemachte nachprozessuale Aufwand von einer Stunde (Urteil des Bundesgerichts vom 26. September 2012, 9C_387/2012, E. 4). Die Bemühungen im Umfang demnach von insgesamt zehn Stu nden sind zu dem in So- zialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fä lle zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. N icht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 110 .--. Der Beschwerdeführerin ist des- halb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘ 818.80 (zehn Stunden à Fr. 250.-- + Aus- lagen von Fr. 110.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Beschwerd eführerin mit Wir- kung ab 1. Oktober 2010 eine Viertelsrente der Invalid enversicherung zugesprochen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘818.80 (inkl. Auslagen und 8% MwSt.) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht