Obergericht des Kantons Zürich II. Strafkammer Geschäfts-Nr.: SB220309-O/U/nm-as Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi und Ersatzoberrichterin Dr. Schoder sowie Gerichtsschreiberin MLaw Boese Urteil vom 31. Januar 2023 in Sachen A._____, Beschuldigte und Berufungsklägerin bisher amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____, ab 24. Oktober 2022 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X2._____, gegen Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Anklägerin und Berufungsbeklagte betreffend mehrfachen Diebstahl etc. und Widerruf Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 8. März 2022 (DG210038) - 2 - Anklage: Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 27. August 2021 (Urk. D1/16) ist diesem Urteil beigeheftet. Urteil der Vorinstanz: (Urk. 40 S. 27 f.) 1. Die Beschuldigte hat sich wie folgt schuldig gemacht: − mehrfacher Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB (Dossiers 1, 2, 3, 5, 6 und 7) − mehrfacher Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB (Dossiers 1 und 7) 2. Das Verfahren wegen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB wird eingestellt (Dossier 4). 3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten, dies unter Anrechnung von 1 Tag Haft. 4. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen. 5. Es wird keine ambulante Behandlung gemäss Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet. 6. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 für eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 30.– gewährte bedingte Strafvollzug, wird widerrufen. 7. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 30.– gewährte be- dingte Strafvollzug, wird widerrufen. 8. Die Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66abis StGB für 3 Jahre des Landes verwiesen. - 3 - 9. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 16. August 2021 beschlagnahmten Gegenstände werden zur Verwer- tung eingezogen: − Portemonnaie Marke Mollerus (A013'439'491) − Damenmantel Marke Fuchs Schmitt (A013'439'515) Ein allfälliger Erlös wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet. Ist eine Verwertung nicht möglich, sind diese einer gemeinnützigen Organi- sation zu übergeben oder zu vernichten. 10. Die Beschuldigte wird wie folgt zu Schadenersatz verpflichtet: − B._____ AG, Privatkläger 3, Fr. 588.40 − C._____ AG, Privatkläger 4, Fr. 588.– 11. Die folgenden Genugtuungsbegehren werden vollumfänglich abgewiesen: − D._____, Privatkläger 2, Fr. 250.– − B._____, Privatkläger 3, Fr. 90.– − B._____ AG, Privatkläger 3, Fr. 150.– − C._____ AG, Privatkläger 4, Fr. 200.– 12. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: Fr. 4'500.– Auslagen Vorverfahren Fr. 10'362.– Auslagen Gutachten Fr. 60.– Auslagen inner- und ausserkantonale Verfahrenskosten Fr. 10'653.15 amtl. Verteidigungskosten (inkl. Mehrwertsteuer) Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden. - 4 - Berufungsanträge: a) Der Verteidigung der Beschuldigten: (Urk. 42 S. 2 f.; Urk. 63 S. 1 f.) 1. Es seien die Dispositivziffern 3-8, 10 und 13 des Urteils des Bezirksge- richts Bülach, II. Abteilung, vom 8. März 2022 aufzuheben. 2. Die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu bestra- fen. 3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung ei- ner Probezeit von 2 Jahren. Eventualiter sei der Vollzug der Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambu- lanten Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB aufzuschieben. 4. Es sei eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB anzu- ordnen. 5. Auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 festgesetzten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– sei zu verzichten und es sei stattdessen die Probezeit um ein Jahr zu verlängern. 6. Auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 ausgefällten Geld- strafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– sei zu verzichten und es sei stattdessen die Probezeit um 9 Monate zu verlängern. 7. Es sei auf die Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a bis StGB zu verzichten. 8. Die Zivilansprüche der Privatklägerinnen seien auf den Zivilweg zu verweisen. - 5 - 9. Die Verfahrenskosten der ersten Instanz seien der Beschuldigten zu drei Vierteln aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten des Berufungsverfah- rens seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland: (Urk. 47, schriftlich) Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. - 6 - Erwägungen: I. Verfahrensverlauf / Gegenstand des Berufungsverfahrens 1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete U r- teil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 8. März 2022 liess die Be- schuldigte noch gleichentags Berufung anmelden (Urk. 27; Prot. I S. 22; Urk. 29). Nach Erhalt des begründeten Urteils ( Urk. 37; Urk. 40) reichte ihre amtliche Ver- teidigung mit Eingabe vom 10. Mai 2022 rechtzeitig die Berufungserklärung ein (Urk. 42). 2. Mit Präsidialverfügung vom 21. Juni 2022 wurde die Berufungserklärung den Privatklägerinnen und der Staatsanwaltschaft zugestellt sowie Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben oder ein Nichteintreten auf die Ber u- fung der Beschuldigten beantragt werde (Urk. 43) . Mit Eingabe vom 22. Juli 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und verzichtete damit sinngemäss auf die Erhebung einer Anschlussberufung (Urk. 47). Die Privatklägerinnen liessen sich innert Frist nicht vernehmen. 3. Am 1. September 2022 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 31. Januar 2023 vorgeladen (Urk. 49). 4. Aufgrund der bevorstehenden Beendigung seiner anwaltlichen Tätigkeit per Ende 2022 ersuchte Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ mit Eingabe vom 11. Oktober 2022 um einen umgehenden Wechsel der amtlichen Verteidigung. Er wies darauf hin, dass die Beschuldigte bereits Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ mit der Wa h- rung ihrer Interessen beauftragt habe, und reichte eine entsprechende Vollmacht vom 6. Oktober 2022 zu den Akten (Urk. 52; Urk. 53). Nachdem Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ auf Anfrage des Gerichts bestätigt hatte, er sei mit dem beantragten Wechsel der Verteidigung einverstanden (Urk. 54; Urk. 55), wurde er mit Präsid i- alverfügung vom 24. Oktober 2022 als neuer amtlicher Verteidiger bestellt. Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ wurde aus dem amtlichen Mandat entlassen und - 7 - gemäss Beschluss vom 15. November 2022 für seine Aufwendungen im Ber u- fungsverfahren entschädigt (Urk. 56; Urk. 60). 5. Am 31. Januar 2023 fand die Berufungsverhandlung statt, anlässlich we l- cher die Beschuldigte an den eingangs wiedergegebenen Anträgen gemäss ihrer schriftlichen Berufungserklärung vom 10. Mai 2022 festhielt ( Prot. II S. 5 ff.; Urk. 63). 6. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Beschuldigte wendet sich mit ihrer Berufung gegen das von der Vorinstanz festgelegte Straf- mass und den Vollzug dieser Strafe (Dispositivziffern 3 und 4). Weiter ficht sie den Widerruf des bedingten Strafvollzugs in Bezug auf zwei Geldstrafen aus früheren Verurteilungen aus den Jahren 2016 und 2018 an (Dispositivziffern 6 und 7). In Abänderung des vorin stanzlichen Urteils verlangt sie die Anordnung ei- ner am bulanten Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB ( Dispositivziffer 5) . Sie wendet sich gegen die Anordnung einer fakultativen Landesverweisung (Dispos i- tivziffer 8) und die Verpflichtung zur Zahlung von Schadenersatz an die Privatkl ä- gerinnen 3 und 4 (Dispositivziffer 10). Schliesslich ficht sie die erstinstanzliche Kostenauflage gemäss Ziffer 13 an (Urk. 42 S. 2 f.; Urk. 63 S. 1). In diesem U m- fang steht das vorinstanzliche Urteil unter Vorbehalt des Verschlechterungsver- bots (Art. 391 Abs. 2 StPO) zur Disposition. Unangefochten blieben die Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Verfahrensei n- stellung betr. geringfügiger Diebstahl gemäss Dossier 4), 9 (Einziehung), 11 (A b- weisung von Genugtuungsbegehren) und 12 (Kostenfestsetzung). Entsprechend ist vorab mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in di e- sem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist. - 8 - II. Strafzumessung 1. Urteil der Vorinstanz / Standpunkt der Beschuldigten 1.1. Die Vorinstanz bestrafte die Beschuldigte mit einer unbedingten Freiheits- strafe von 9 Monaten, unter Anrechnung von einem Tag erstandener Haft (Urk. 40 S. 16, 27). Die Beschuldigte lässt beantragen, sie sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu bestrafen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1). 1.2. Nachdem die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen U r- teils beantragte und damit auf eine Anschlussberufung verzichtete (Urk. 47), ist bei der nachfolgenden Überprüfung der Sanktion das Verschlechterungsverbot zu be- achten (Art. 391 Abs. 2 StPO) , und eine strengere Bestrafung durch das Ber u- fungsgericht von vornherein ausgeschlossen. 2. Sanktionsart 2.1. Die Vorinstanz fällte für die von der Beschuldigten verübten Delikte eine Freiheitsstrafe aus. Zwar ergibt sich aus der Urteilsbegründung, dass sie für sämt- liche Taten jeweils Einzelstrafen von unter sechs Monaten als angemessen er- achtete (Urk. 40 S. 10 ff.). In diesem Bereich besteht eine gesetzliche Priorität s- ordnung zugunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen (BGE 144 IV 217 E. 3.3.3 mit zahlreichen Hinweisen) . Ihre Wahl der Sanktionsart begründete die V o- rinstanz mit der Häufigkeit der einzelnen Tatbegehungen und der einschlägigen Vorstrafen der Beschuldigten (Urk. 40 S. 9) . Wie bereits im erstinstanzlichen G e- richtsverfahren beantragt auch die amtliche Verteidigung, die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe zu sanktionieren. Sie begründet ihren Antrag hingegen ge- stützt auf Art. 41 Abs. 1 lit. b StGB (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1; vgl. auch Urk. 25 S. 9). 2.2. Gemäss Art. 41 Abs. 1 StGB kann das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder eine - 9 - Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann. Das Gericht hat die Wahl der Freiheitsstrafe näher zu begründen (Art. 41 Abs. 2 StGB). 2.3. Die Beschuldigte weist bereits vier Verurteilungen auf wegen Diebstahls, teilweise in Verbindung mit Hausfriedensbruch (Urk. 62). Sie ist somit nicht nur einschlägig vorbestraft, ihre Vorstrafen betreffen auch identisches Verhalten, nämlich die Entwendung von Waren des mittleren oder oberen Preissegments aus Einkaufsgeschäften, für die sie teilweise bereits mit einem Hausverbot belegt worden war . Für die in der Vergangenheit verübten Straftaten wurden jeweils Geldstrafen ausgesprochen, was die Beschuldigte jedoch nicht von weiterer D e- linquenz abhielt. Vielmehr wurde sie nur wenige Monate nach ihrer entsprechen- den Bestrafung und damit noch während laufender Probezeit en wiederholt ein- schlägig rückfällig, weshalb mehrmals über den Widerruf des ihr gewährten be- dingten Strafvollzugs zu befinden war. Nach ihrer Verurteilung mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 3. Juni 2015 vergingen nur rund fünf Monate, bis die Beschuldigte am 14. November 2015 erneut einen Diebstahl beging. Die ausgespr ochene Probezeit von zwei Jahren wurde deshalb um ein Jahr verlängert. Nachdem die Beschuldigte in der Folge erneut während der (ve r- längerten) Probezeit delinquiert hatte, wurde sie verwarnt. Auch die mit Strafbe- fehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 bedingt ausgespr o- chene Geldstrafe vermochte keinen nachhaltigen Eindruck auf die Beschuldigte zu machen, wurde sie doch nur zwei Monate nach ihrer Verurteilung abermals einschlägig straffällig (27. Januar 2017). Die dafür ausgesprochene Verwarnung zeigte ebenfalls keine Wirkung. Aufgrund einschlägiger Delinquenz während der noch laufenden Probezeit von drei Jahren wurde diese um anderthalb Jahre ver- längert. Im vorliegenden Verfahren ist erneut über den Widerruf des bedingten Strafvollzugs dieser Vorstrafe zu befinden. Die mit Strafbefehl der Staatsanwal t- schaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 angesetzte Probezeit von vier Jahren wurde bereits ein Jahr später infolge einer weiteren Verurteilung der Beschuldi g- ten u.a. wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs um zwei Jahre verlängert. Der Widerruf des bedingten Strafvollzugs dieser Vorstrafe bildet ebenfalls Gegenstand dieses Verfahrens. Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaf t Bern - Mit- telland vom 13. September 2019 wurde die Beschuldigte erstmals mit einer unbe-- 10 - dingten Geldstrafe sanktioniert. Allerdings folgte auch dieser Verurteilung nur zwei Monate später der vorliegend zu beurteilende Diebstahl vom 13. November 2019 (Dossier 2). Die Beschuldigte liess sich somit auch durch den Vollzug der zuletzt ausgefällten Geldstrafe nicht von der Begehung weiterer einschlägiger Delikte abhalten. Der sachverständige Gutachter, Facharzt Dr. med. E._____, weist in seinem Gutachten vom 22. Juni 2021 entsprechend darauf hin, dass die anklage- gegenständlichen Taten als Deliktserie einzustufen seien, die sich quasi nahtlos in bereits früher von der Beschuldigten gezeigte serielle Tatbegehungen einreihe (Urk. D1/9/10 S. 46). Vor diesem Hintergrund besteht keine Veranlassung, die neu zu beurteilenden Straftaten nochmals mit einer Geldstrafe zu sanktionieren. Angesichts der wiederholten einschlägigen Delinquenz der Beschuldigten und der Tatsache, dass die bisher gegen sie verhängten Sanktionen die ihnen zugedachte präventive Wirkung verfehlten, kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Geldstrafe, selbst wenn sie unbedingt ausgesprochen würde, die Beschuldigte genügend beeindrucken würde, um sie von weiterer Delinquenz abzuhalten. Im Sinne der Zweckmässigkeit und der präventiven Effizienz der Sanktion ist deshalb eine Freiheitsstrafe vorzusehen für sämtliche Delikte, die zur Beurteilung stehen. Der erhöhten Strafempfindlichkeit der Beschuldigten (vgl. Urk. D1/9/10 S. 53) ist im Zusammenhang mit dem Strafvollzug Rechnung zu tragen (E. IV.3.3.). 3. Ausfällung einer Zusatzstrafe 3.1. Mit Strafbefehl der Reg ionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 wurde die Beschuldigte wegen teilweise geringfügigen Dieb- stahls, Hausfriedensbruchs und mehrfacher geringfügiger Sachbeschädigung zu einer unbedingten Geldstrafe verurteilt. Die Delikte gemäss Dossier 1 beging sie noch vor dieser Verurteilung, die Tathandlungen gemäss den übrigen Dossiers danach. Es ist daher die Ausfällung einer Zusatzstrafe nach Art. 49 Abs. 2 StGB bei teilweiser retrospektiver Konkurrenz zu prüfen. 3.2. Eine Zusatzstrafe im Sinne dieser Bestimmung kann nur ausgesprochen werden, soweit die Strafen der neu zu beurteilenden Delikte und die Grundstrafe gleichartig sind. Die Frage der Gleichartigkeit von Strafen beurteilt sich bei der ret-- 11 - rospektiven Konkurrenz gleich wie bei der Konkurrenz nach Art. 49 A bs. 1 StGB (BGE 142 IV 265 E. 2.3.1 f. , E. 2.4.2 ; BGE 138 IV 120 E. 5.2; je mit Hinweisen ). Das Zweitgericht ist b ei der Bildung einer Zusatzstrafe nicht befugt, die Strafart des rechtskräftigen ersten Entscheids zu ändern (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 und E. 2.4.2 mit Hinweisen). Umgekehrt ist es aber auch nicht an die im rechtskräftigen Erstentscheid ausgesprochene Strafart gebunden. Vielmehr ist das Zweitgericht hinsichtlich Art, Dauer und Vollzugsform der Strafe für die von ihm zu beurteile n- den Straftaten fr ei und durch die Grundstrafe (im Voraus) nicht eingeschränkt (BGE 142 IV 235 E. 2.4.6). Wird eine andere Strafart für das zusätzliche Delikt ausgewählt, kann keine Zusatzstrafe ausgefällt werden ( ACKERMANN, in: Nig- gli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 174 zu Art. 49 StGB). Zum konkreten Vorgehen bei der Strafzumessung im Fall teilweiser retrospektiver Konkurrenz hat das Bundesgericht wiederholt festgehalten, dass die Delikte vor dem Ersturteil und diejenigen danach getrennt bzw. selbstständig zu behandeln sind. Es ist somit zwischen Taten, die vor und solchen, die nach dem Ersturteil begangen wurden, zu unterscheiden. Das Zweitgericht hat zunächst zu beurteilen, ob bezüglich der Taten, welche vor dem Ersturteil begangen wurden, unter B e- rücksichtigung der ins Auge gefassten Strafart die Bildung einer Zusatzstrafe ge- mäss Art. 49 Abs. 2 StGB in Betracht fällt. Ist dies der Fall, hat es in Anwendung des sich aus Art. 49 Abs. 1 StGB ergebenden Schärfungsgrundsatzes eine Z u- satzstrafe zur Grundstrafe festzulegen. Kann Art. 49 Abs. 2 StGB nicht angewandt werden, weil die für die vor dem Urteil begangenen Straftaten vorgesehene Straf- art von derjenigen der bereits verhängten Strafe abweicht, so muss das Geri cht eine zu kumulierende Strafe verhängen. Anschliessend hat es für die nach dem Ersturteil begangenen Taten eine unabhängige Strafe festzulegen, gegebenenfalls in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB. Schliesslich hat das Zweitgericht die für die vor dem Ers turteil begangenen Straftaten festgelegte Zusatzstrafe oder zu kumulierende Strafe mit derjenigen für die neuen Taten zu addieren (BGE 145 IV 1 = Pra 108 [2019] Nr. 137, E. 1.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_759/2019 vom 11. März 2020 E. 2.3.2; 6B_144/2019 vom 17. Mai 2019 E. 4.3.1). - 12 - 3.3. Die Regionale Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland sanktionierte die von ihr zu beurteilenden Delikte im Strafbefehl vom 13. September 2019 mit einer Gel d- strafe. Nachdem für die Delikte gemäss Dossier 1, wie gezeigt, eine Freiheitsstra- fe auszufällen ist (vgl. E. II.2.3.), sind die Voraussetzungen für die Bildung einer Zusatzstrafe gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB nicht erfüllt . Es ist vielmehr auf eine neue Strafe zu erkennen. Anschliessend ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB eine Strafe für die nach dem Strafbefehl vom 13. September 2019 began- genen Taten zu bemessen, nachdem für diese ebenfalls Freiheitsstrafen ausz u- sprechen sind (vgl. E. II.2.3.). Die ermittelten Strafen sind abschliessend zu addie- ren. 4. Strafrahmen / Grundlagen der Strafzumessung Die Vorinstanz hat den massgeblichen Strafrahmen von Art. 139 Ziff. 1 StGB kor- rekt mit drei Tagessätzen Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe abgesteckt und festgehalten, dass keine ausserordentlichen Umstände ersichtl ich sind, die ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens als angezeigt erscheinen liessen (Urk. 40 S. 8 f.). Die tat - und täterangemessene Strafe ist deshalb innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzusetzen. Die rechtlichen Grundlagen zur Strafz u- messung mit der Unterscheidung zwischen Tat - und Täterkomponente wurden im vorinstanzlichen Urteil ebenfalls zutreffend dargelegt, weshalb diese nicht wieder- holt werden müssen (Urk. 40 S. 9 f.). 5. Strafe für Delikte vor der Verurteilung mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 (Dossier 1) 5.1. Tatkomponente 5.1.1. In Bezug auf den verübten Diebstahl zum Nachteil der F._____ AG ist b ei der objektiven Tatschwere zu berücksichtigen, dass der Deliktsbetrag mit Fr. 825.– noch nicht hoch ist. Hinsichtlich der Art und Weise d es Vorgehens fällt verschuldenserhöhend ins Gewicht, dass sich die Beschuldigte nach Behändi- gung der Damenhandtasche in eine Umkleidekabine begab, dort die Diebstahlss i- cherung entfernte, um die Tasche anschliessend unbehelligt und ohne Bezahlung aus dem Verkaufsgeschäft zu entwenden. Sie ging somit strategisch und plan-- 13 - mässig vor, auch wenn sie sich gemäss eigenen Aussagen erst vor Ort dazu ent- schlossen hatte, die Tasche der Marke MCM aus der Verkaufsauslage z u stehlen (Urk. D1/7/4 F/A 20). Der Verteidigung ist insofern zu folgen, wenn sie vorbringt, die Beschuldigte habe keine raffinierten und aufwändigen Vorkehrungen getrof- fen, um ihre Tat vorzubereiten und auszuführen (Urk. 25 S. 10) . Allerdings ist dies bei solchen Taten grundsätzlich auch nicht nötig. Die kriminelle Energie erscheint vor diesem Hintergrund nicht gross. Das objektive Verschulden wiegt noch leicht. 5.1.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldig- te direktvorsätzlich handelte. Zum Tatzeitpunkt befand sie sich nicht in wirtschaft- licher Bedrängnis oder einer finanziellen Notlage. Zu ihren Beweggründen ist vielmehr unter Hinweis auf das psychiatrische Gutachten vom 22. Juni 2021 fest- zuhalten, dass die Taten der Beschuldigten subjektiv dazu dienten, sich über die Aneignung materieller Güter aus einer Stimmung von Traurigkeit, Vereinsamung und Verlassenheit zu lösen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Dies geschah vor dem Hintergrund einer gewissen Überbewertung und übersteigerter Bedeutungs- zumessung von Wertgegenständen (Urk. D1/9/10 S. 42, 44; vgl. auch Urk. D1/7/1 F/A 17; Urk. D1/7/4 F/A 10, 35). Die Beschuldigte gab entsprechend an, es sei ihr zu jener Zeit nicht gut gegangen. Sie sei unter Druck gestanden und sehr depri- miert gewesen, da sie sich von ihren Familienmitgliedern verlassen und quasi verstossen gefühlt habe. Aufgrund ihrer schlechten psychischen Verfassung habe sie sich zur stationären therapeutischen Behandlung in der Klinik G._____ befun- den. Nachdem ihre Mutter ihr den Wunsch abgeschlagen habe, im Rahmen eines gewährten Tagesurlaubs bei ihr zu übernachten, sei sie sehr verletzt gewesen. Als sie kurze Zeit nach dieser Absage in der Verkaufsauslage der F._____ AG die Handtasche gesehen habe, habe dies ein schönes und interessantes Gefühl in ihr ausgelöst. Das Gefühl habe angehalten bzw. sei noch stärker geworden, als sie die Diebstahlssicherung entfernt und das Geschäft mit der unbezahlten Tasche verlassen habe (Urk. D1/7/1 F/A 17 f.; Urk. D1/9/10 S. 23 ff.). Indem die Beschul- digte die Damenhandtasche in erster Linie zur Stimmungsaufhellung und Selbs t- wertbestätigung entwendete, handelte sie letztlich aus egoistischen Motiven. - 14 - 5.1.3. Facharzt Dr. med. E._____ attestiert der Beschuldigten zwar eine vollstän- dig erhaltene Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht ihres Verhaltens, stellt jedoch eine verminderte Fähigkeit zu einsichtsgemässem Handeln fest. Auf der Basis i h- rer Persönlichkeitsstörung habe sich bei ih r in den letz ten Jahren eine rezidivi e- rende depressive Störung entwickelt. Die mit der zunehmenden depressiven Stimmung einhergehende affektive Labilisierung habe bei ihr ein Kompensations- bestreben bewirkt. Allerdings habe sie dafür nicht über adäquate und taugliche Mittel verfügt, sondern vielmehr nur die vermeintlich hilfreiche Strategie einer Selbstwerterhöhung durch die unrechtmässige Aneignung von Wertgegenständen für sich erkannt. Da die Beschuldigte bei der konkreten Tatbegehung verschiede- ne Vorsichtsmassnahmen getroffen und ihr Umfeld genau beobachtet habe, um einer Entdeckung des Diebstahls zu entgehen, sei die Verminderung der Fähi g- keit zu einsichtsgemässem Handeln zum Tatzeitpunkt nur als leichtgradig einz u- stufen ( Urk. D1/9/10 S. 45). Die insofern leicht vermi nderte Schuldfähigkeit der Beschuldigten führt zu einer leichten Relativierung der subjektiven Tatschwere (Art. 19 Abs. 2 StGB) . Hinsichtlich des Diebstahls zum Nachteil der F._____ AG liegt folglich ein leichtes Verschulden vor, wofür eine Einsatzstrafe v on 50 Tagen Freiheitsstrafe angemessen erscheint. 5.1.4. In Bezug auf den Hausfriedensbruch zum Nachteil der F._____ AG ist bei der objektiven Tatschwere verschuldenserhöhend zu berücksichtigen, dass sich die Beschuldigte mit zweieinhalb Stunden relativ lange in den Verkaufsräumlic h- keiten aufhielt. Zweck ihres Aufenthalts war die Verübung eines Diebstahls. Ver- schuldenserhöhend fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigten knapp drei Jahre zuvor ein Hausverbot für alle F._____- Verkaufsstellen für die Dauer von mindes- tens fünf Jahren erteilt worden war, nachdem sie ebenfalls Wertgegenstände aus der Verkaufsauslage entwendet hatte. Dass die Beschuldigte keine besonderen Hindernisse zu überwinden hatte, um in das Verkaufsgeschäft zu gelangen, wirkt nicht verschul densmindernd, da dies in der Natur eines für Kundschaft frei z u- gänglichen Geschäfts liegt. Die objektive Tatschwere wiegt nach dem Erwogenen nicht mehr ganz leicht. - 15 - 5.1.5. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschul- digte direktvorsätzlich handelte. Da der Hausfriedensbruch als Begleitdelikt zum vorstehend beurteilten Diebstahl zum Nachteil der F._____ AG erscheint, kann auf die dortigen Erwägungen zum Beweggrund der Beschuldigten und der leic h- ten Verminderung ihrer Schuldfähigkeit verwi esen werden (E. II.5.1.2. f.). Die subjektive Tatschwere erfährt dadurch eine leichte Relativierung, weshalb insge- samt ein leichtes Verschulden gegeben ist. Der Hausfriedensbruch gemäss Dos- sier 1 wäre bei isolierter Betrachtung mit einer Freiheitsstrafe von 30 Tagen zu sanktionieren. In Anwendung des Asperationsprinzips erscheint eine Erhöhung der vorstehenden Einsatzstrafe um 20 Tage Freiheitsstrafe angemessen. 5.2. Täterkomponente 5.2.1. Über das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse der aktuell 54- jährigen Beschuldigten ist bekannt, dass sie in H._____ , Serbien, geboren wurde und dort zusammen mit ihrer jüngeren Schwester bei den Eltern aufwuchs. Wäh- rend ihrer Kindheit und der Zeit als Jugendliche erfuhr sie physische Gewalt durch beide Elternteile und vermisste von diesen Liebe, Zuwendung, Unterstützung und Geborgenheit. Der sachverständige Gutachter spricht in diesem Zusammenhang von einer ausgeprägten emotionalen Verwahrlosung der Beschuldigten. Diese sei noch dadurch verstärkt wor den, dass die jüngere Schwester von beiden Eltern bevorzugt worden sei, ohne dass dafür nachvollziehbare Gründe ersichtlich ge- wesen seien. Als Folge davon habe sich die Beschuldigte häufig gefragt, ob sie überhaupt das biologische Kind ihrer Eltern sei, um deren Verhalten ihr gegen- über einordnen und verstehen zu können (Urk. D1/9/10 S. 36 f.). In H._____ ab- solvierte die Beschuldigte die obligatorische Schulzeit. Im Anschluss daran be- gann sie eine Ausbildung zur Kindergartenbetreuerin, welche sie jedoch im z wei- ten Ausbildungsjahr abbrechen musste, da sie im Alter von ca. 17 Jahren zu ihren Eltern in die Schweiz migrierte. Diese waren bereits vier Jahre zuvor hierher aus- gewandert, während die Beschuldigte mit ihrer Schwester bei der Grossmutter vä- terlicherseits verblieb. In der Schweiz nahm die Beschuldigte die begonnene Aus- bildung nicht wieder auf und besuchte auch keine anderweitigen Schulen. Sie bemühte sich jedoch, die deutsche Sprache zu erlernen und arbeitete während - 16 - knapp 30 Jahren als Service- Angestellte in der Gastronomie. Aufgrund eines ge- sundheitlichen Zusammenbruchs musste die Beschuldigte im November 2013 ih- re langjährige Arbeitsstelle aufgeben und geht seither keiner Erwerbstätigkeit mehr nach. Seit Anfang 2014 bezieht sie eine IV -Rente samt Ergänzungsleistun- gen. Die Beschuldigte leidet gemäss eigenen Angaben an anhaltenden Nacken- und Rückenbeschwerden. Sodann wurden bei ihr Arthrosen und Fibromyalgie- Druckpunkte festgestellt. Über weitere körperliche Erkrankungen der Beschuldig- ten liegen keine abschliessenden Diagnosen vor. Auf die bei ihr bestehenden psychischen Krankheiten wird nachfolgend im Detail einzugehen sein (E. IV.2.3.). Die Beschuldigte war zwei Mal verheiratet. Die erste Ehe ging sie im Jahr 1988, d.h. im Alter von ca. 20 Jahren mit I._____ ein. Als Grund für die Heirat gab die Beschuldigte an, dies habe ihr die Flucht aus dem Elternhaus ermöglicht. Ein Jahr später kam der gemeinsame Sohn J._____ (Jahrgang 1989) zur Welt. Die Sche i- dung von ihrem ersten Ehemann erfolgte im Jahr 1994. Rund acht Jahre später lernte die Beschuldigte K._____ kennen. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes L._____ (Jahrgang 2002), heiratete die Beschuldigte ihren neuen Partner. Zwei Jahre nach der Eheschliessung kam der zweite gemeinsame Sohn namens M._____ (Jahrgang 2005) zur Welt. Im Jahr 2016 erfolgte die Scheidung von K._____. Dieser wohnt seither mit den zwei gemeinsamen Söhnen in der vormals ehelichen Wohnung, während die Beschuldigte in einer kleineren Wohnung allei- ne lebt. Sie pflegt nach wie vor engen Kontakt zu ihren drei Kindern, welche i n- zwischen alle volljährig sind (vgl. zum Ganzen Urk. D1/9/10 S. 1 2 ff., 34 ff. ; Urk. D1/13/3; Urk. D5/8/3; Prot. I S. 6 ff. ; Prot. II S. 8 ff.). Die dysfunktionale B e- ziehung zu ihren Eltern und die körperlichen Erkrankungen der Beschuldigten wir- ken sich leicht strafmindernd aus. Im Übrigen ergeben sich aus ihrer Biographie und den persönlichen Verhältnissen keine strafzumessungsrelevanten Faktoren. Die psychischen Beeinträchtigungen der Beschuldigten und die daraus resulti e- rende Verminderung ihrer Schuldfähigkeit wurden bereits bei der subjektiven Tat- schwere berücksichtigt. - 17 - 5.2.2. Erheblich straferhöhend ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte im Zeitpunkt der Tatbegehung bereits drei einschlägige Vorstrafen wegen Diebstahls erwirkt hatte: − Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel -Stadt vom 3. Juni 2015 war s ie wegen mehrfachen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– und zu Fr. 500.– Busse verurteilt worden. Der Vollzug der Geldstrafe war aufgeschoben worden, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. − Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 war die Beschuldigte wegen mehrfachen Diebst ahls und Sachbeschädi- gung schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie mit Fr. 800. – Busse bestraft worden. Der Vollzug der Geldstrafe war wiederum aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt worden. − Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich- Sihl vom 13. September 2018 war die Beschuldigte wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30. – verurteilt worden. Die Probezeit für den auf- geschobenen Vollzug der Geldstrafe war auf 4 Jahre festgesetzt worden. Die Delikte gemäss Dossier 1 verübte sie während zwei laufenden Probezeiten in- folge der Verurteilungen mit den obgenannten Strafbefehlen vom 25. November 2016 und vom 13. September 2018 (Urk. 62). 5.2.3. Unter dem Aspekt des Nachtatverhaltens ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooper a- tive Verhalten bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Reue und Einsicht in das Unrecht des eigenen Verhaltens wirken sich strafmindernd aus. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das G e- ständnis erfolgte. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein G e- ständnis bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung - 18 - zugunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und Reue ist. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils gestand (Urteil des Bundesgerichts 6B_1388/2021 vom 3. März 2022 E. 1.3.2 mit Hinweisen). Das vollumfängliche Geständnis der Beschuldigten bereits anlässlich der polizeil i- chen Einvernahme vom 25. Oktober 2019 (Urk. D1/7/1 F/A 9 ff., 20 f. ; vgl. auch Urk. D1/7/2 F/A 6; Urk. D1/7/3 F/A 6 f.; Urk. D1/7/4 F/A 5, 45; Urk. D2/6 F/A 7 ff.; Prot. I S. 9) fällt nur marginal strafmindernd ins Gewicht, da die objektive Beweis- lage mit einer Videoaufzeichnung, welche sie beim Betreten des Verkaufsge- schäfts (nicht aber bei der Diebstahlsbegehung) zeigt, belastend war (Urk. D1/8/3+5; vgl. auch Urk. D1/ 1 S. 3 ). Dennoch führte die Anerkennung des Delikts und ihr kooperatives Verhalten zu einer gewissen Vereinfachung der U n- tersuchung. Die Beschuldigte erklärte bereits im Vorverfahren, dass sie die verüb- te Tat als grossen Fehler bereue, und zeigte sich einsichtig in das Unrecht ihres Verhaltens (Urk. D1/7/1 F/A 28 f.; Urk. D1/7/2 F/A 45; Urk. D1/7/3 F/A 9; Prot. I S. 13; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 45). Zu berücksichtigen ist allerdings, dass s ie die Delinquenz umgehend mit ihrem schlechten psychischen Zustand erklärte und sich insofern weniger als Täterin, sondern als Opfer von belastenden äusseren Umständen sah, die sich zum Tatzeitpunkt negativ auf ihre Verfassung ausgewirkt hätten (Urk. D1/7/1 F/A 17; Urk. D1/7/4 F/A 10, 35 ff.; Prot. I S. 9 f.; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 46 f.) . Zudem verübte die Beschuldigte nur kurze Zeit nach der Tat gemäss Dossier 1 weitere Diebstähle, welche einerseits mit Strafbefehl vom 13. September 2019 sanktioniert wurden und andererseits Gegenstand der weiteren Dossiers dieses Verfahrens bilden. Demnach sind die Aussagen der Beschuldi g- ten betreffend ihre Reue und Einsicht in das Unrecht ihres Verhaltens als blosse Lippenbekenntnisse zu werten und nicht strafmindernd zu berücksichtigen. 5.2.4. Insgesamt wirk t sich die Täterkomponente aufgrund des belasteten stra f- rechtlichen Leumunds der Beschuldigten deutlich straferhöhend aus. Für die D e-- 19 - likte gemäss Dossier 1 erweist sich eine Freiheitsstrafe von 100 Tagen als ange- messen. 6. Strafe für Delikte nach der Verurteilung mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 6.1. Tatkomponente 6.1.1. Dossier 6 Bei der objektiven Tatschwere betreffend den Diebstahl zum Nachteil von D._____ ist der nicht unerhebliche Deliktsbetrag von Fr. 1'980.– zu berücksichti- gen. Zwar entwendete die Beschuldigte lediglich einen Gegenstand aus der Ver- kaufsauslage, nämlich eine T asche der Marke D._____. Allerdings suchte sie ganz gezielt einen besonders teuren Verkaufsgegenstand aus. Das Deliktsgut versteckte sie zunächst in einer mitgeführten Stofftasche und alsdann unter ihrem Pullover, bevor sie das Ladenlokal verliess. Die Beschuldigte ging somit routiniert und zielstrebig vor . Dennoch ist gestützt auf ihre Aussagen verschuldensmi n- dernd zu gewichten, dass sie sich erst im Geschäft von D._____ spontan zur Entwendung der erwähnten Tasche entschloss (vgl. Urk. D1/7/4 F/A 20). Entspre- chend ist d er Verteidigung zu folgen, wenn sie v orbringt, die Beschuldigte habe keine raffinierten und aufwändigen Vorkehrungen getroffen, um ihre Tat zu verde- cken (Urk. 25 S. 10). Insbesondere konnte die Beschuldigte bei der Tatbegehung durch das Verkaufspersonal beobachtet werden, woraufhin zwei Mitar beiter eines privaten Sicherheitsunternehmens aufgeboten wurden (Urk. D6/1). Insgesamt liegt k eine grosse kriminelle Energie vor . Die objektive Tat schwere wiegt nicht mehr leicht. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte den Diebstahl gemäss Dossier 6 mit direktem Vorsatz beging. Zum Tatzeitpunkt be- fand sie sich nicht in wirtschaftlicher Bedrängnis oder einer finanziellen Notlage. Vielmehr erklärte sie auf entsprechende Frage nach dem Grund für die Deliktsbe- gehung, es sei ihr an jenem Tag wirklich sehr schlecht gegangen (Urk. D1/7/5 F/A 5). Indem die Beschuldigte die Damenhandtasche in erster Linie zur Sti m- mungsaufhellung und Selbstwertbestätigung entwendete, handelte sie letztlich aus - 20 - egoistischen Motiven. In Bezug auf ihre Beweggründe und die leichte Verminde- rung ihrer Schuldfähigkeit kann im Übrigen auf die vorstehenden Erwägungen zu Dossier 1 verwiesen werden, welche gleichermassen auch hier gelten (E. II.5.1.2. f.). D ie subjektive Tatschwere wird demnach leicht relativiert, woraus ins gesamt ein gerade noch leichtes Verschulden resultiert. Die von der Vorinstanz festge- setzte Einsatzstrafe von 2 Monaten Freiheitsstrafe erscheint eher wohlwollend, aber knapp angemessen. 6.1.2. Dossier 5 Bei der objektiven Tatschwere des Diebstahls zum Nachteil der B._____ AG ist zunächst die grössere Menge an entwendeten G egenständen und der nicht uner- hebliche Gesamtwert dieses Deliktsguts von Fr. 1'116.40 zu berücksichtigen. Die Vorgehensweise der Beschuldigten erweist sich als planmässig, routiniert und durchdacht. So behändigte sie auf verschiedenen Stockwerken des Geschäfts Verkaufsgegenstände, von welchen sie die Diebstahlssicherungen, Etiketten bzw. Verpackungen entfernte und in Verkaufsregalen deponierte. Anschliessend ver- staute sie die Ware in ihrer mitgeführten Tasche und verliess damit das Geschäft, ohne zu bezahlen. Die Art und Weise ihres Vorgehens ist verschuldenserhöhend zu gewichten, auch wenn die Beschuldigte keine besonderen und raffinierten Vo r- kehrungen traf, um ihre Tat zu verdecken. So konnte ihr Besuch im B._____ …- haus N._____ [Ortschaft] über verschiedene Überwachungskameras verfolgt wer- den. Sodann hinterliess sie die Diebstahlssicherungen, Etiketten und Verpackun- gen der Ware im Laden selber, womit sie Rückschlüsse auf ihre Identität riskierte. Die Beschuldigte sagte zwar aus, sie habe sich erst im Verkaufsgeschäft selbst zur Deliktsbegehung entschlossen, als sie gemerkt habe, dass niemand schaue (Urk. D5/4 S. 2; vgl. auch Urk. D1/7/4 F/A 21, 25, 29). Dennoch fällt verschuldens- erhöhend ins Gewicht, dass sie sich offenbar Zeit liess, um gezielt Waren aus ver- schiedenen Abteilungen auszusuchen. Die objektive Tatschwere wiegt eher leicht. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte mit direktem Vorsatz handelte. Hinsichtlich ihrer Beweggründe und der leichten Ver- minderung ihrer Schuldfähigkeit kann einleitend auf die entsprechenden Erw ä- gungen unter Dossier 1 verwiesen werden, welche auch vorliegend Geltung ha-- 21 - ben (E. II.5.1.2. f.). Zu ergänzen ist, dass die Beschuldigte wiederholt angab, sie sei davon ausgegangen, sie habe an jenem Tag einen Termin bei ihrer Ther a- peutin. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie das Datum verwechselt hatte und Frau O._____ noch in den Ferien war, sei sie sehr nervös und frustriert ge- wesen, da sie das dringende Bedürfnis nach einer therapeutischen Sitzung ge- habt hätte. Es sei ihr dazumal bereits seit mehreren Tagen sehr schlecht gegan- gen. Aus ihrem Gemütszustand heraus sei es dann zum Klauen gekommen. Im Moment, als sie die Waren behändigt und in ihrer mitgeführten Tasche verstaut habe, habe dies ein schönes, warmes Gefühl in ihr ausgelöst und sie sei für eini- ge Minuten fröhlich gewesen (Urk. D1/7/4 F/A 9, 26 ff.; Urk. D1/9/10 S. 28; Urk. D5/4 S. 3 ). Aufgrund der leicht verminderten Fähigkeit der Beschuldigten , g e- mäss ihrer Einsicht in das Unrecht ihres Verhaltens zu handeln, wird die subjekti- ve Tatschwere entsprechend relativiert. Für das insgesamt leichte Verschulden erweist sich isoliert betrachtet eine Freiheitsstrafe von 5 0 Tagen angemessen. Dem Asperationsprinzip Rechnung tragend, ist die vorstehend festgelegte Ei n- satzstrafe um 30 Tage Freiheitsstrafe zu erhöhen. 6.1.3. Dossier 2 Hinsichtlich des Diebstahls zum Nachteil der C._____ AG fällt bei der objektiven Tatschwere der bloss geringe Deliktsbetrag von insgesamt Fr. 588. – verschul- densmindernd ins Gewicht. In Bezug auf die Art und Weise des Vorgehens wirkt hingegen verschuldenserhöhend, dass die Beschuldigte nach Behändigung der Skibekleidung die Jacke in ihrer mitgeführten Tasche verstaute und die Skihose unter ihrer getragenen Oberbekleidung an ihrem Rücken versteckte, um das D e- liktsgut unentdeckt und ohne Bezahlung aus dem Verkaufsgeschäft entwenden zu können. Ihr Vorgehen lässt damit eine gewisse Planmässigkeit erkennen, auch wenn die Beschuldigte ihren Entschluss zur Entwendung der Skibekleidung ge- mäss eigenen Aussagen erst spontan im Laden fasste (Urk. D2/3 S. 2; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 26). Mit der Verteidigung traf sie jedoch keine raffinierten und aufwändigen Vorkehrungen, um ihre Tat zu verdecken (vgl. Urk. 25 S. 10), wes- halb ihr Vorgehen k eine grosse kriminelle Energie erkennen lässt . Vor diesem Hintergrund wiegt die objektive Tatschwere leicht. - 22 - Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte di- rektvorsätzlich handelte. Nach den Beweggründen für ihre Tat befragt, gab die Beschuldigte an, sie habe sich dazumal sehr depressiv und verlassen gefühlt. Die elegante Skibekleidung, welche sie in der Verkaufsauslage gesehen habe, habe beim Anprobieren einfach ein komisches Gefühl und eine angenehme körperliche Wärme in ihr hervorgerufen. Wie es letztli ch dazu gekommen sei, dass sie die Skihose und -jacke ohne Bezahlung aus dem Geschäft entwendet habe, könne sie allerdings nicht mehr genauer beschreiben (Urk. D1/9/10 S. 26). In Bezug auf den Deliktsmechanismus und die leichte Verminderung der Schuldfähigkeit kann auf die vorstehenden Erwägungen zu Dossier 1 verwiesen werden, welche vorliegend ebenso Geltung haben (E. II.5.1.2. f.). Die subjektive Tatschwere wird somit leicht relativiert. Für das insgesamt sehr leichte Verschulden erscheint isoliert betrachtet eine Freiheitsstrafe von 30 Tagen angemessen. In Anwendung des Asperations- prinzips ist die vorstehend festgelegte Einsatzstrafe um 20 Tage Freiheits strafe zu erhöhen. 6.1.4. Dossier 3 Bei der objektiven Tatschwere ist zunächst der bloss geringe Deliktsbetr ag von Fr. 449.– leicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Zur Vorgehensweise bei der Tatbegehung lassen sich der Anklageschrift keine Angaben entnehmen. Dennoch ist festzuhalten, dass die Beschuldigte mit einem Portemonnaie der Marke Mollerus geziel t einen Gegenstand des oberen Preissegments aussuchte. Zweifel am Verkaufswert konnte sie nicht haben, da das Portemonnaie mit einem gut sichtbaren Preisschild versehen war (vgl. Urk. D2/8/3 S. 1). Ihr Verhalten ziel- te somit auf einen möglichst beträchtlic hen Deliktserlös. Die objektive Tatschwere wiegt leicht. Bei der subjektiven Tatschwere ist zunächst das direktvorsätzliche Handeln der Beschuldigten zu berücksichtigen. In Bezug auf ihre Beweggründe und die leichte Verminderung ihrer Schuldfähigkeit kann auf die entsprechenden Erwägungen unter Dossier 1 verwiesen werden, welche auch in Bezug auf die Tat gemäss Dossier 3 Geltung haben (E. II.5.1.2. f.). Die subjektive Tatschwere erfährt somit eine leichte Relativierung. Das Verschulden wiegt insgesamt sehr leicht, wofür - 23 - isoliert betrachtet eine Freiheitsstrafe von 30 Tagen angemessen wäre. In A n- wendung des Asperationsprinzips ist die vorstehend festgesetzte Einsatzstrafe um 20 Tage Freiheitsstrafe zu erhöhen. 6.1.5. Dossier 7 In Bezug auf den Diebstahl zum Nachteil der B._____ AG ist bei der objektiven Tatschwere der geringe Deliktsbetrag von insgesamt Fr. 348. –, welcher nur knapp über der Grenze eines noch geringfügigen Vermögensdelikts im Sinne von Art. 172ter Abs. 1 StGB liegt, verschuldensmindernd zu gewichten. Die Beschuldig- te behändigte einen Ohrschmuck und einen Haarglätter aus der Verkaufsauslage und verstaute diese Gegenstände in ihrer mitgeführten Handtasche, bevor sie das Geschäft durch den Ausgang verliess, ohne zu bezahlen. Ihr Vorgehen zeugt von einer gewissen Planmässigkeit und Routine. Daran ändert nichts, dass sich die Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen erst spontan im Laden zur Delikts bege- hung entschloss (vgl. Urk. D1/7/4 F/A 20). Mit der Verteidigung traf sie jedoch kei- ne raffinierten und aufwändigen Vorkehrungen, um ihre Tat zu verdecken (vgl. Urk. 25 S. 10), weshalb ihr Vorgehen keine grosse kriminelle Energie aufweist. Die objektive Tatschwere wiegt leicht. Bei der subjektiven Tatschwere ist massgeblich, dass die Beschuldigte direktvor- sätzlich handelte. Zum Tatzeitpunkt befand sie sich nicht in wirtschaftlicher B e- drängnis oder einer finanziellen Notlage. Vielmehr erklärte sie auf entsprechende Frage nach dem Grund für die Deliktsbegehung, es sei ihr effektiv sehr schlecht gegangen. Sie könne sich allerdings nicht erklären, weshalb es zur Entwendung des Ohrschmucks und des Haarglätters gekommen sei (Urk. D1/7/5 F/A 11). Der zugrunde liegende Deliktsmechanismus und die Umstände, weshalb bei der B e- schuldigten von einer leichten Verminderung ihrer Schuldfähigkeit auszugehen ist, wurden vorstehend bereits dargestellt. Auf die entsprechenden Erwägungen kann verwiesen werden (E. II.5.1.2. f.). Die subjektive Tatschwere erfährt demnach eine leichte Relativierung, woraus ein insgesamt sehr leichtes Verschulden resultiert. Dafür erscheint isoliert betrachtet eine Freiheitsstrafe von 30 Tagen angemessen. In Anwendung des Asperationsprinzips ist die vorstehend festgesetzte Einsat z- strafe um 20 Tage Freiheitsstrafe zu erhöhen. - 24 - In Bezug auf den Hausfriedensbruch zum Nachteil der B._____ AG ist bei der ob- jektiven Tatschwere verschuldensmindernd zu gewichten, dass sich die Beschul- digte nur wenige Minuten in den Verkaufsräumlichkeiten aufhielt. Zweck ihres Aufenthalts war die Verübung eines Diebstahls. Verschuldenserhöhend fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigten nur 11 Monate zuvor ein unbefristetes Hausver- bot für sämtliche, namentlich aufgeführte B._____-Filialen in der Schweiz erteilt worden war, nachdem sie am 9. Juli 2020 bereits zahlreiche G egenstände im Verkaufswert von Fr. 1'116.40 aus der Verkaufsauslage entwendet hatte (Dossier 5; Urk. D7/5). Dass die Beschuldigte keine besonderen Hindernisse zu überwi n- den hatte, um in das Verkaufsgeschäft zu gelangen, wirkt nicht verschuldensmin- dernd, da dies in der Natur eines für Kundschaft frei zugänglichen Geschäfts liegt. Die objektive Tatschwere wiegt nach dem Erwogenen leicht. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte mit direktem Vorsatz handelte. Da der Hausfriedensbruch als Begleitdelikt zum vor- stehend beurteilten Diebstahl zum Nachteil der B._____ AG erscheint, kann auf die dortigen Ausführungen zu den Beweggründen der Beschuldigten und der leichten Verminderung ihrer Schuldfähigkeit verwiesen werden (E. II.5.1.2. f.). Die subjektive Tatschwere wird leicht relativiert , weshalb insgesamt von einem sehr leichten Verschulden auszugehen ist. Der Ha usfriedensbruch gemäss Dossier 7 wäre bei isolierter Betrachtung mit einer Freiheits strafe von 30 Tagen zu sankti o- nieren. In Anwendung des Asperationsprinzips erscheint eine Erhöhung der vor- stehenden Einsatzstrafe um 20 Tage Freiheitsstrafe angemessen. 6.2. Täterkomponente 6.2.1. In Bezug auf das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse der Beschul- digten kann auf vorstehende Erwägungen verwiesen werden (E. II.5.2.1.). Daraus ergeben sich leicht strafmindernde Faktoren, insbesondere die belastete Kind- und Jugendzeit sowie die bereits seit mehreren Jahren andauernden körperlichen Erkrankungen der Beschuldigten . Ihre psychischen Beeinträchtigungen und die daraus resultierende Verminderung ihrer Schuldfähigkeit wurden bereits bei der subjektiven Tatschwere berücksichtigt. - 25 - 6.2.2. Die zahlreichen und ausnahmslos einschlägigen Vorstrafen der Beschuldig- ten sind hingegen ganz erheblich straferhöhend zu gewichten. Bevor die B e- schuldigte die Delikte gemäss den Dossiers 2, 3, 5, 6 und 7 verübte, kam z u den vorstehend aufgeführten Verurteilungen (E. II.5.2.2.) noch ein Strafbefehl der R e- gionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 hinzu, mit welchem s ie wegen mehrfachen, teilweise geringfügigen Diebstahls, Hausfri e- densbruchs und mehrfacher geringfügiger Sachbeschädigung schuldig gespr o- chen und erstmals mit einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 20.– und mit Fr. 800.– Busse bestraft worden war (Urk. 62). Dennoch wurde die Beschuldigte mit dem Diebstahl zum Nachteil der C._____ AG (Dossier 2) nur zwei Monate nach dieser letzten Verurteilung vom 13. September 2019 wegen einschlägiger Delikte erneut straffällig (Urk. 62). Deutlich straferhöhend kommt hinzu, dass sie sämtliche Taten der Dossiers 2, 3, 5 und 6 während zwei laufen- den Probezeiten beging. Gleichermassen ist zu berücksichtigen , dass die B e- schuldigte die Straftaten zum Nachteil der C._____ AG, der B._____ AG und der D._____ (Dossiers 2, 5, 6 und 7) während des bereits eingeleiteten Strafverfah- rens wegen identischer Delikte (vgl. Dossier 1) verübte. Besonders dreist er- scheint, dass sie nur wenige Wochen nach ihren Einvernahmen bei der Kantons- polizei Zürich vom 25. Oktober 2019 bzw. vom 19. Mai 2020 wieder einschlägig delinquierte (Taten vom 13. November 2019 [Dossier 2] bzw. vom 9. Juli 2020 [Dossier 5]). 6.2.3. Die Beschuldigte zeigte sich hinsichtlich sämtlicher Delikte der Dossiers 2, 3, 5, 6 und 7 von Anfang an geständig (Urk. D1/7/2 F/A 5; Urk. D1/7/4 F/A 5 ff. , 45; Urk. D1/7/5 F/A 3, 10, 14; Urk. D2/6 F/A 7 ff.; Urk. D5/4 S. 2 ff.; Prot. I S. 9). Angesichts der erdrückenden Beweislage wäre ein Bestreiten der Anklagevorwür- fe wenig überzeugend gewesen . So wurde die Beschuldigte durch Videoaufnah- men der Verkaufsräumlichkeiten und Beobachtungen von Ladendetektiven oder des Verkaufspersonals belastet ( Urk. D1/7/5 F/A 4; Urk. D5/1+5; Urk. D6/1; Urk. D7/1 S. 3). Darüber hinaus wurde diverses Deliktsgut auf ihrem Körper , in ih- ren Taschen und in ihrer Wohnung sichergestellt (Urk. D1/7/2 F/A 5; Urk. D1/9/10 S. 26 f.; Urk. D2/1 S. 3; Urk. D2/6 F/A 7 ff.; Urk. D2/8/3 S. 1; Urk. D6/1 S. 2). Ein- zig der Diebstahl gemäss Dossier 3 hätte der Beschuldigten ohne ihr Geständnis - 26 - voraussichtlich nicht nachgewiesen werden können. Dennoch trugen ihre Auss a- gen zu den einzelnen Tatvorwürfen zu einer gewissen Vereinfachung des Verfah- rens bei, was leicht strafmindernd zu berücksichtigen ist. Die Beschuldigte beteu- erte bereits im Vorverfahren ihre Einsicht in das Unrecht ihres Verhaltens und dass sie unbedingt damit aufhören wolle (Urk. D1/7/4 F/A 10 , 37; Urk. D2/6 F/A 26, 38; Urk. D5/4 S. 2 f. ). Zu berücksichtigen ist allerdings, dass sie ihre D e- linquenz umgehend mit ihrem schlechten psychischen Zustand erklärte und sich insofern weniger als Täterin, sondern als Opfer von belastenden äusseren U m- ständen sah, die sich zum Tatzeitpunkt negativ auf ihre Verfassung aus gewirkt hätten. M.a.W. externalisierte sie die Verantwortung für ihre Taten und sagte mehrfach aus, dass die Diebstähle ihr nichts bringen würden, sondern sie sich nur selbst damit schade (Urk. D1/7/4 F/A 10, 35 ff. , 44 ; Urk. D1/7/5 F/A 4 f., 11 ; Urk. D2/6 F/A 23 f., 27, 35; Prot. I S. 9 f.; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 46 f.). Das Nachtatverhalten führt somit zu keiner merklichen Strafminderung. 6.2.4. Insgesamt wirk t sich die Täterkomponente aufgrund der zahlreichen Vor- strafen und der insofern belasteten Deliktsbiographi e der Beschuldigten erheblich straferhöhend aus. Für die nach dem 13. September 2019 verübten Straftaten (Dossiers 2, 3, 5, 6 und 7) erweist sich eine Freiheitsstrafe von 2 30 Tagen als an- gemessen. 7. Fazit Nach Massgabe der vorstehenden Erwägungen zur Strafzumessung bei teilweiser retrospektiver Konkurrenz (vgl. E. II.3.) ist die soeben genannte Frei- heitsstrafe von 23 0 Tagen mit der für die vor dem Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 begangenen Delik- te festgesetzte Freiheitsstrafe von 100 Tagen (Dossier 1; vgl. E. II.5.2.4.) zu a d- dieren. Daraus resultiert eine Freiheitsstrafe von 330 Tagen, was umgerechnet 11 Monaten entspräche. Aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) hat es indessen mit der von der Vorinstanz ausgesprochenen Sanktion von 9 Monaten Freiheitsstrafe sein Bewenden. An diese Strafe ist ein Tag erstandene Haft anzurechnen (Art. 51 StGB; Urk. D5/7/1+3). - 27 - III. Widerruf / Vollzug 1. Widerruf 1.1. Sämtliche zur Anklage gebrachten Taten fallen in die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 angesetzte und hernach verlängerte Probezeit. Die Delikte gemäss den Dossiers 1, 2, 3, 5 und 6 wurden sodann während der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. N o- vember 2016 festgesetzten und ebenfalls verlängerten Probezeit verübt. Damit ist über den Widerruf des bedingten Strafvollzugs der damals ausgesprochenen Strafen zu entscheiden. 1.2. Die Vorinstanz erklärte die mit Strafbefehl vom 25. November 2016 ausge- sprochene Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30. – für vollziehbar. Ebenso widerrief sie den bedingten Strafvollzug hinsichtlich der mit Strafbefehl vom 13. September 2018 ausgesprochenen Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– (Urk. 40 S. 16 f., 27). Die amtliche Verteidigung beantragt im Berufungs- verfahren hingegen, es sei auf den Widerruf zu verzichten und die laufenden Pr o- bezeiten der vorstehenden Verurteilungen zu verlängern (Urk. 42 S. 2; Urk . 63 S. 1). 1.3. Die rechtlichen Grundlagen zu Art. 46 Abs. 1 StGB wurden im vorinstanzl i- chen Urteil zutreffend dargelegt, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk. 40 S. 16). 1.4. Wie bereits dargelegt, hat die Beschuldigte bereits vier einschlägige Vor- strafen wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs erwirkt (Urk. 62). Sie liess sich jedoch weder durch die bisher gegen sie verhängten Geldstrafen noch die laufen- den Probezeiten in irgendeiner Weise beeindrucken, sondern delinquierte jeweils innert kürzester Zeit nach den jeweiligen Verurteilungen wieder in gleicher Art und Weise. So vergingen nach Erlass des Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 3. Juni 2015 nur rund fünf Monate, bis die Beschuldigte am 14. November 2015 erneut einen Diebstahl beging. Die ausgesprochene Pr o- bezeit von zwei Jahren wurde deshalb um ein Jahr verlängert. Infolge erneuter - 28 - einschlägiger Delinquenz während der (verlängerten) Probezeit wurde die B e- schuldigte verwarnt. Nach ihrer Verurteilung mi t Strafbefehl der Staatsanwal t- schaft Baden vom 25. November 2016 wurde die Beschuldigte am 27. Januar 2017, d.h. innert zwei Monate n wieder einschlägig straffällig. Die dafür ausge- sprochene Verwarnung zeigte ebenfalls keine Wirkung. Aufgrund gleichartiger Delinquenz während der noch laufenden Probezeit von drei Jahren wurde diese um anderthalb Jahre verlängert. Auch die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 angesetzte Probezeit von vier Jahren wurde bereits ein Jahr spät er infolge einer weiteren Verurteilung der Beschuldigten u.a. wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs um zwei Jahre verlängert. Mit dem- selben Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 wurde die Beschuldigte erstmals mit einer unbedingten Geldstra- fe sanktioniert. Allerdings folgte dieser Verurteilung nur zwei Monate später der vorliegend zu beurteilende Diebstahl vom 13. November 2019 (Dossier 2). Die Beschuldigte delinquierte allerdings nicht nur während laufender Probezeit en, sondern auch während hängiger Strafuntersuchung. Dabei fällt auf, dass sie tei l- weise nur wenige Wochen nach ihren Einvernahmen durch die Strafverfolgungs- behörden gleich gelagerte Straftaten verübte (Dossiers 2 und 5). Das dargestellte Verhalten der Beschuldigten zeugt von erheblicher Hartnäckigkeit und Unbelehr- barkeit. Obwohl in der Vergangenheit trotz weiterer einschlägiger Delinquenz j e- weils auf einen Widerruf des bedingten Strafvollzugs verzichtet wurde, vermoc h- ten die ausgesprochenen Verw arnungen und verlängerten Probezeiten keine Ä n- derung in ihrem Verhalten zu bewirken. In seinem psychiatrischen Gutachten vom 22. Juni 2021 schätzt Facharzt Dr. med. E._____ die von der Beschuldigten aus- gehende Gefahr für die Begehung vergleichbarer Delikte (konkret: Ladendie b- stähle) als deutlich ein (Urk. D1/9/10 S. 46 ff., 50). Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der vorliegend zu beurteilenden Straftaten erweist es sich nicht als sachgerecht, nochmals auf den Widerruf zu verzichten (vgl. Art. 46 Abs. 2 StGB). Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 ausgefällten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– ist daher zu widerrufen. Ebenso ist der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der - 29 - Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 festgesetzten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu widerrufen. 1.5. Nachdem für die während der laufenden Probezeit en verübten Delikte eine Freiheitsstrafe auszufällen ist (vgl. E. II.2.3.) , fällt die Bildung einer Gesamtstrafe mangels Gleichartigkeit der Sanktionen ausser Betracht (Art. 46 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 49 Abs. 1 StGB) . Eine nachträgliche Umwandlung der wider- rufenen Geldstrafen in Freiheitsstrafen ist ausgeschlossen (BGE 137 IV 249 E. 3.4.2 f.). 2. Vollzug 2.1. Eine Verurteilung zu einer bedingten Strafe nach Art. 42 StGB setzt das Fehlen einer ungünstigen Prognose voraus. Wird eine stationäre oder ambulante Massnahme angeordnet, ist diese Voraussetzung von vornherein nicht gegeben. Die Anordnung einer M assnahme bedeutet zugleich eine ungünstige Prognose und schliesst demnach den bedingten Aufschub einer Strafe aus (BGE 135 IV 180 E. 2.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_293/2019 vom 29. März 2019 E. 2.1; 6B_223/2016 vom 8. September 2016 E. 3.3; je mit Hinweisen). 2.2. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, ist für die Beschuldigte eine ambu- lante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) anzuordnen (E. IV.2.8.). Damit liegt eine ungünstige Prognose vor und die Gewäh- rung des bedingten Strafvollzugs ist von vornherein ausgeschlossen. Die Frei- heitsstrafe ist daher zu vollziehen. Nachfolgend wird darüber zu entscheiden sein, ob der Strafvollzug zugunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben ist (E. IV.3.). IV. Massnahme 1. Urteil der Vorinstanz / Standpunkt der Beschuldigten 1.1. Die Vorinstanz verzichtete entgegen den übereinstimmenden Anträgen der amtlichen Verteidigung und der Staatsanwaltschaft auf die Anordnung einer am-- 30 - bulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB. Zur Begründung führte sie z u- sammengefasst aus, dass nicht die bei der Beschuldigten diagnostizierten ps y- chischen Störungen, sondern ihr fataler Umgang mit emotionalen Unannehmlic h- keiten zu den angeklagten Taten geführt hätten. Die insofern vernachlässigbare Kausalität zwischen dem psychischen Zustand der Beschuldigten und den A n- lassdelikten sowie allfälligen künftigen Straftaten rechtfertige die Anordnung einer psychotherapeutischen Massnahme nicht (Urk. 40 S. 19 f., 27). 1.2. Die a mtliche Verteidigung beantragt auch im Berufungsverfahren die An- ordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB. Sie stützt sich dabei auf die Feststellungen und Empfehlungen von Facharzt Dr. med. E._____ in seinem Gutachten vom 22. Juni 2021, auf welche nachfolgend einzugehen sein wird (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1, 4 ff.; vgl. auch Urk. 25 S. 2, 16). Damit setzt sie sich in Widerspruch mit ihrem Antrag auf Gewährung des bedingten Strafvollzugs (BGE 135 IV 180 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_293/2019 vom 29. März 2019 E. 2.1; je mit Hinweisen). Eventualiter beantragt die Verteidigung, es sei der Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der ambulanten Behandlung aufzuschieben (Urk. 42 S. 2). Angesichts dieser Anträge steht der Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StGB) nicht entgegen. 2. Ambulante Massnahme 2.1. Nach Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Strafe alleine nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu be- gegnen, ein Behandlungsbedürfnis besteht oder die öffentliche Sicherheit dies er- fordert und die Voraussetzungen der gesetzlich vorgesehenen Massnahmen er- füllt sind. Darüber hinaus darf der mit der Massnahme verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig s ein (Art. 56 Abs. 2 StGB). Ist der Täter psychisch schwer gestört und hat er eine mit Strafe bedrohte Tat verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang steht, so kann das Gericht eine ambulante Behandlung anordnen, sofern zu erwarten ist, dadurch lasse si ch der - 31 - Gefahr weiterer mit de r Störung des Täters in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB). 2.2. Das Gutachten von Facharzt Dr. med. E._____ vom 22. Juni 2021 äussert sich ausführlich zur psychischen Verfassung der Beschuldigten, zum Zusammen- hang mit den angeklagten Taten , zur Legalprognose, zur Massnahmenindikation und zur zweckmässigen Behandlungsmethode (Urk. D1/9/10 S. 34 ff.). Die gut- achterlichen Ausführungen erweisen sich als inhaltlich detailliert, differenziert und in sich schlüssig , weshalb darauf abgestellt werden kann. Das psychiatrische Gutachten wird von der Beschuldigten denn auch nicht in Frage gestellt (Urk. 42 S. 16). 2.3. Gemäss der Diagnose von Facharzt Dr. med. E._____ liegt bei der B e- schuldigten eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD -10: F60.6) vor, welche als schwer einzustufen ist. Daneben leidet sie an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD -10: F45.4) und an einer mittelschweren de- pressiven Episode (ICD -10: F32.1), wobei die letztere Störung i nzwischen als chronifiziert erscheint (Urk. D1/9/10 S. 40 ff., 49). Damit besteht bei der Beschul- digten eine schwere psychische Störung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB. Dass die angeklagten Straftaten motivational auf eine Kleptomanie (ICD -10: F63.2) zu- rückzuführen sind, schliesst der sachverständige Gutachter aus. Er ordnet das deliktische Verhalten der Beschuldigten vielmehr vor dem Hintergrund ihrer de- pressiven und ängstlich- vermeidenden Persönlichkeitsstörung ein. Die damit ein- hergehende affektive Labilisierung bewirke ein Kompensationsbestreben. Die Be- schuldigte habe die Diebstähle begangen, um sich über die Aneignung von Wer t- gegenständen aus einer Stimmung von Traurigkeit, Vereinsamung und Verlas- senheit zu lösen und ihr Selbstwertgefühl in gewisser Überbewertung und über- steigerter Bedeutungszumessung materieller Güter zu stärken (Urk. D1/9/10 S. 42 ff.). Der Vorinstanz ist deshalb nicht zu folgen, wenn sie festhält, dass die kausale Ursache für die wiederholte Delinquenz der Beschuldigten nicht in ihr en psychi- schen Störungen liege, sondern in ihrem inadäquaten Umgang mit emotionalen Unannehmlichkeiten (Urk. 40 S. 19). Facharzt Dr. med. E._____ legt überzeu-- 32 - gend dar, dass die zu beurteilenden Delikte der Überwindung bzw. Kompensation von zunehmenden depressiven Verstimmungen dienten, welche auf Basis der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung entstanden waren und jeweils durch äussere Lebensumstände (z.B. eheliche Probleme, Auseinandersetzungen mit der Mutter oder Schwester, soziale Isolation) aktiviert wurden (Urk. D1/9/10 S. 42 ff., 45 , 47). Die angeklagten Straftaten stehen somit in einem ausreichend engen Zusammenhang mit den bei der Beschuldigten festgestellten Persönlich- keitsstörungen. Es spielt keine Rolle, in welcher Weise Anlasst at und psychische Störung zusammenhängen; die Tat kann unmittelbar aus der Störung hervorge- hen oder nur mittelbar in ihr begründet sein ( S TRATENWERTH/BOMMER, Schweize- risches Strafrecht, Allgemeiner Teil II: Strafen und Massnahmen, 3. Auflage, Bern 2020, S. 304; TRECHSEL/PAUEN BORER, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskomme n- tar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, N 6 zu Art. 59 StGB). 2.4. Nach ausführlicher Abwägung der legalprognostisch günstigen und un- günstigen Faktoren schätzt der sachverständige Gutachter die von der Beschul- digten ausgehende Gefahr für die Begehung vergleichbarer Delikte (konkret: La- dendiebstähle) als deutlich ein. Er führt aus, dass die Beschuldigte nebst einer medikamentösen Behandlung ihrer depressiven Störung wei terhin eine psycho- therapeutische Behandlung benötige, um den Defiziten im Zusammenhang mit ih- rer ängstlich- vermeidenden Persönlichkeitsstörung entgegenwirken zu können. Aus verhaltenstherapeutischer Sicht sei der Aufbau eines stabilen und tragfähigen Selbstwertgefühls, einer verbesserten Selbstwahrnehmung, einer Erhöhung der emotionalen Zugänglichkeit und einer Stärkung von Konfliktlösungsstrategien zentral. In die Behandlung sollten sodann delikt präventive Ansätze integriert wer- den, um die Beschuldigte für die frühzeitige Wahrnehmung emotionaler und kog- nitiver Stimuli hinsichtlich weiterer Straftaten zu sensibilisieren und verlässliche Handlungsalternativen zu erarbeiten (Urk. D1/9/10 S. 47 f., 50 f.). Gestützt auf die gutachterlichen Feststellungen ist damit von der Behandlungsbedürftigkeit der Beschuldigten auszugehen (Art. 56 Abs. 1 lit. b StGB). - 33 - 2.5. Zur Verbesserung der Legalprognose empfiehlt Facharzt Dr. med. E._____ die Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB und weist darauf hin, dass sich die Beschuldigte bereit zeige, die therapeutische B e- gleitung durch M.sc. O._____, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP , fortz u- setzen (Urk. D1/9/10 S. 23, 48, 51 f.) . Die Beschuldigte bestätigte nicht nur im Rahmen der Untersuchung, sondern auch vor Vorinstanz sowie anlässlich der Be- rufungsverhandlung ihre Bereitschaft, sich weiterhin psy chotherapeutisch behan- deln zu lassen. Sie wies wiederholt darauf hin, nach wie vor bei Frau O._____ in psychiatrischer Behandlung zu sein und alle zwei bis vier Wochen Sitzungen bei ihr wahrzunehmen. Darüber hinaus sei sie seit Februar 2021 auch Patientin von Dr. med. P._____, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, den sie alle drei Wochen aufsuche. Er habe ihr Antidepressiva und Antipsychotika (Cymbalta und Quetiapin) verschrieben, welche Medikamente sie täglich einnehme (Urk. D1/7/5 F/A 12 f.; Urk. D2/6 F/A 19 ff.; Prot. I S. 13 ff.; Prot. II S. 15 f., 18, 20, 24; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 10, 31 f.). Die Beschuldigte erweist sich folglich auch als mas s- nahmenwillig. 2.6. Allerdings stellt sich vorliegend die Frage, ob die Anordnung einer ambu- lanten Massnahme geeignet ist, um der Rückfallgefahr wirksam zu begegnen. So befindet sich die Beschuldigte bereits seit 2015 , d.h. während rund acht Jahren durchwegs in therapeutischer Behandlung bei Frau O._____. Gegenstand der ambulanten Therapie bilden nicht nur die bei der Beschuldigten bestehenden psychischen Störungen, sondern auch die daraus resultierenden Diebstähle. Frau O._____ gab gegenüber dem sachverständigen Gutachter an, sie habe mit der Beschuldigten u.a. daran gearbeitet, alternative Verhaltensweisen zur Vermei- dung von erneuter Delinquenz zu erlernen und anzuwenden (Urk. 64; Urk. D1/9/10 S. 31 f .; vgl. auch Urk. D1/7/4 F/A 30 ff. ; Urk. D2/6 F/A 19 ff.) . Dennoch vermochte die mehrjährige therapeutische Behandlung keine nachhaltige Ände- rung im Verhalten der Beschuldigten zu bewirken. Die zahlreichen und stets ei n- schlägigen Vorstrafen zeigen vielmehr auf, dass sie immer wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfiel und ihre depressiven Verstimmungen sowie ihr ge- ringes Selbstwertgefühl mittels Entwendung von Wertgegenständen aus Ei n- kaufsgeschäften zu kompensieren versuchte. In diesem Zusammenhang i st so-- 34 - dann zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte die Delikte gemäss Dossier 1 zu einem Zeitpunkt beging, als sie sich für eine zweimonatige stationäre Behandlung in der Klinik G._____ aufhielt. Während dieses Klinikaufenthalts wurden zunächst die depres sive Persönlichkeitsstörung und die chronische Schmerzstörung der Beschuldigten behandelt. Nach der Tatbegehung wurde auch der Diebstahl vom 22. Juni 2019 (Dossier 1) thematisiert und die Beschuldigte dazu befragt, wie es dazu gekommen sei bzw. welche Gefühle sie dabei empfunden habe (Urk. D1/9/10 S. 33 f.). Auch diese Auseinandersetzung mit dem Deliktsmechanismus unmittelbar nach Verübung einer einschlägigen Straftat und mit einer/m anderen Psychotherapeutin/en als Frau O._____ bewirkte ebenfalls keine anhaltende Kon- trolle der Beschuldigten über ihre Verhaltensmuster, verübte sie doch nicht einmal zwei Monate nach ihrer Entlassung aus der Klinik G._____ (22. Juli 2019) den un- ter Dossier 2 angeklagten Diebstahl. Trotzdem erachtet Facharzt Dr. med. E._____ die Anordnung einer ambulanten therapeutischen Massnahme auch gegenwärtig noch als zur Verbesserung der Legalprognose zielführend. Zur Begründung führt er aus, dass die Herausarbei- tung deliktrelevanter Stimuli vor und während der Tatbegehung im Rahmen der bisherigen Behandlungen noch zu wenig Platz gegriffen hätten. Ebenso habe eine vertiefte Auseinandersetzung der Beschuldigten mit ihrem deliktischen Verhalten und dem Zusammenhang zu ihre r psychischen Verfassung noch nicht stattg efun- den. Der Grund dafür sei, dass die Beschuldigte bislang keiner gerichtlich aufe r- legten und damit quasi verpflichtenden Massnahme im Sinne von Art. 56 ff. StGB unterlegen sei. Eine stringente Therapieverpflichtung auf freiwilliger Basis sei bei der Besc huldigten nicht ausreichend vorhanden gewesen. So ergebe sich aus den Auskünften von Frau O._____, dass die Beschuldigte einer Neigung unterl e- gen sei, sich der Therapie zwar nicht gänzlich zu entziehen, jedoch dieser ausz u- weichen. Ein ähnlich vermeidendes Verhalten zeigte die Beschuldigte offenbar auch während ihres stationären Aufenthalts in der Klinik G._____. Folglich schätzt der sachverständige Gutachter die Anordnung einer ambulanten therapeutischen Massnahme als erfolgsversprechend und damit geeignet ein, um die bei der B e- schuldigten bestehende Rückfallgefahr zu reduzieren, da die verlässliche Wahr- nehmung der Behandlungstermine regelmässig durch die Bewährungs - und Voll-- 35 - zugsdienste überwacht würde. Sodann hätte die Beschuldigte mit Interventionen zu rec hnen, sollte sie Termine versäumen oder sich anderweitig unzuverlässig zeigen. Ein klarer, verbindlicher und kontrollierender Rahmen sei nötig, um die Beschuldigte genügend nachhaltig in die therapeutische Behandlung einbinden zu können (Urk. D1/9/10 S. 33, 47 f., 51). In diesem Zusammenhang ist weiter zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte erst seit Februar / März 2020 regelmässig Medikamente einnimmt zur Behand- lung ihrer depressiven Störung ( Urk. D1/7/4 F/A 40 ff. ; Urk. D1/9/10 S. 21 [Cy m- balta]). Nachdem sie einräumte, die verschriebenen Medikamente in der Vergan- genheit nicht immer verlässlich eingenommen zu haben, erscheint die Anordnung einer ambulanten therapeutischen Massnahme mit Facharzt Dr. med. E._____ auch vor diesem Hintergrund geeignet , um eine wirksame medikamentöse Ei n- stellung der Beschuldigten zu erreichen und ihre Medikamentencompliance r e- gelmässig zu überprüfen. Zudem hätte die Beschuldigte auch in dieser Hinsicht mit Konsequenzen zu rechnen, sollten die Bewährungs - und Vollzugsdienste eine medikamentöse Malcompliance feststellen (Urk. D1/9/10 S. 51) . Folglich ist der- zeit noch von der Eignung einer ambulanten therapeutischen Behandlung im Sin- ne von Art. 63 StGB auszugehen, um die belastete Legalprognose der Beschul- digten zu verbessern. 2.7. Gestützt auf die Feststellungen im psychiatrischen Gutachten erweist sich die Anordnung einer ambulanten therapeutischen Massnahme sodann als erfor- derlich. Ein milderes Behandlungssetting kommt nicht in Betracht . Einer Fortse t- zung der psychotherapeutischen Behandlung in Form einer Weisung nach Art. 44 Abs. 2 StGB steht die ausgewiesene Behandlungsbedürftigkeit der Beschuldigten entgegen (Urk. D1/9/10 S. 48, 50 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_652/2016 vom 28. März 2017 E. 3.3.2 und E. 3.4.1). Gemäss Gutachten geht von der Beschul- digten eine deutliche Rückfallgefahr für den Anlasstaten ähnliche Delikte aus. Vor diesem Hintergrund ist nicht von einem unverhältnismässigen Eingriff in ihre ge- schützten Persönlichkeitsrechte auszugehen. Für die Zumutbarkeit einer ambu- lanten Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB spricht denn auch, dass die B e- schuldigte selbst die Anordnung einer solchen beantragt (Urk. 42 S. 2). - 36 - 2.8. Nach dem Erwogenen sind die Voraussetzungen zur Anordnung einer am- bulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB erfüllt. Sämtliche Fragen hinsichtlich des Vollzugs dies er Massnahme, wie insbesondere die nähere inhaltliche Ausgestaltung der therapeutischen Behandlung und die Wahl der therapierenden Person, liegen in der Kompetenz der Vollzugsbehörde (BGE 134 IV 246 E. 3.3; BGE 130 IV 49 E. 3.1). 3. Aufschub des Strafvollzugs 3.1. Die Verteidigung beantragt (im Sinne eines Eventualantrags) , der Vollzug der Freiheitsstrafe sei zu Gunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1). Zur Begründung führt sie aus, dass sich aus der vom sachverständigen Gutachter evaluierten Rückfallgefahr für weitere Vermögensde- likte keine den Strafaufschub ausschliessende Gefährlichkeit der Beschuldigten ableiten lasse. Zudem erscheine es für die Bearb eitung ihrer störungsbedingten Defizite geradezu notwendig, dass sie sich Alltagssituationen ausgesetzt sehe, um den Deliktsmechanismus im Rahmen einer nunmehr deliktorientierten Ther a- pie aufarbeiten zu können. Ein Vollzug der auszusprechenden Freiheitsstrafe würde dies über Monate hinweg verhindern. Schliesslich würde eine Inhaftierung die Beschuldigte aus ihrem zerbrechlichen sozialen Umfeld herausreissen und to- tal entwurzeln, was die Erfolgsaussichten der Therapie erheblich und wohl ent- scheidend beeinträchtigen würde. Dies entspreche auch den Empfehlungen des Gutachters, der einerseits eine stationäre therapeutische Massnahme als nicht zweckmässig erachte und andererseits auf eine mögliche suizidale Reaktion der Beschuldigten im Falle des V ollzugs der Freiheitsstrafe hin weise (Urk. 63 S. 4; vgl. auch Urk. 25 S. 15). 3.2. Das Gericht kann den Vollzug einer zugleich ausgesprochenen Freiheit s- strafe zu Gunsten einer ambulanten Massnahme aufschieben, um der Art der B e- handlung Rechnung zu tragen (Art. 63 Abs. 2 StGB). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist vom Ausnahmecharakter des Strafaufschubs auszugehen . Wird dennoch vom Regelfall der gleichzeitigen Durchführung von ambulanter Massnahme und Strafvollzug abgewichen, bedarf dies einer hinreichenden Recht-- 37 - fertigung. Der Strafaufschub ist anzuordnen, wenn eine tatsächliche Aussicht auf erfolgreiche Behandlung durch den sofortigen Vollzug der ausgefällten Freiheit s- strafe erheblich beeinträchtigt würde. Dies ist nicht erst anzunehmen, wenn der Vollzug eine Therapie verunmöglicht oder den Behandlungserfolg völlig in Frage stellt. Die Therapie geht vor, falls eine sofortige Behandlung gute Resozialisi e- rungschancen bietet, die der Strafvollzug klarerweise verhindern oder v ermindern würde. Dabei sind einerseits die Auswirkungen des Strafvollzuges, die Erfolgsaus- sichten der ambulanten Behandlung und die bisherigen Therapiebemühungen zu berücksichtigen, andererseits aber auch das kriminalpolitische Erfordernis, Strafta- ten schuldangemessen zu ahnden bzw. rechtskräftige Strafen grundsätzlich zu vollziehen (BGE 129 IV 161 E. 4.1 und E. 4.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_1440/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.3; 6B_495/2012 vom 6. Februar 2013 E. 6.2). Für die Beurteilung der Frage, ob der sofortige Vollzug der Strafe den The- rapieerfolg erheblich gefährden würde, stützt sich das Gericht auf ein sachver- ständiges Gutachten (vgl. Art. 56 Abs. 3 lit. c StGB). 3.3. Facharzt Dr. med. E._____ bejaht zwar die Frage, ob der ambulanten B e- handlung auch bei gleichzeitigem oder vorherigem Strafvollzug Rechnung getr a- gen werden könne. Er wendet jedoch ein, dass im Falle des Vollzugs einer Frei- heitsstrafe der Aspekt einer suizidalen Reaktion der Beschuldigten beachtet wer- den müsse (Urk. D1/9/10 S. 53). Der Gutachter spricht damit die Gefahr eines psychischen Zusammenbruchs der Beschuldigten unter dem Haftregime des or- dentlichen Strafvollzugs an. Ein solcher würde sich zweifellos auch negativ auf die Durchführung der ambulanten Massnahme auswirken. So müssten insbesondere deliktpräventive und verhaltenstherapeutische Ansätze vorübergehend zurückge- stellt werden, bis die Beschuldigte wieder ausreichend stabilisiert werden konnte und sich zugänglich zeigt für die ambulante Therapie . Derartige Behandlungsi n- halte (Sensibilisierung hinsichtlich deliktrelevanter Stimuli, Erarbeiten von verläs s- lichen Handlungsalternativen zur Delinquenz, Aufbau eines stabilen und tragfähi- gen Selbstwertgefühls, Verbesserung der S elbstwahrnehmung etc.) sind gemäss den Ausführungen des Gutachters jedoch zentral, um bei der Beschuldigten eine nachhaltige Reduktion der Rückfallgefahr herbeiführen zu können (Urk. D1/9/10 S. 48, 51). Entsprechend würde der Strafvollzug die Erfolgsaussichten der ambu-- 38 - lanten Behandlung erheblich beeinträchtigen. Weiter ist der Verteidigung zuz u- stimmen, dass der Vollzug der Freiheitsstrafe die Beschuldigte aus ihrem ge- wohnten Umfeld und ihrem gelebten Alltag reissen würde. Die ambulante Mas s- nahme soll aber gerade im normalen Alltag der Beschuldigten greifen und ihre de- liktpräventiven Wirkungen dort entfalten. Der Strafvollzug erscheint auch vor di e- sem Hintergrund nicht zielführend. Zu berücksichtigen ist ferner , dass die B e- schuldigte – soweit ersichtlich – seit mehr als anderthalb Jahren nicht erneut straf- fällig wurde, was angesichts ihrer sonstigen Kadenz bezüglich Straftaten doch gewissermassen als Erfolg zu werten ist. Sodann kann der Beschuldigten nicht abgesprochen werden, dass sie sich mit der mehrjährigen ambulanten Psycho- therapie bei Frau O._____ darum bemühte, ihre psychischen Störungen zu be- handeln und von ihrem deliktischen Verhalten wegzukommen. Dass sie teilweise versuchte, der Behandlung (inhaltlich) auszuweichen und Termine nicht immer verlässlich wahrnahm, kann ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden. Ebensowenig kann ihr vorgehalten werden, dass sie trotz ihrer wiederholten und stets einschl ä- gigen Delinquenz keine andere Therapeutin bzw. keinen anderen Therapeuten aufsuchte. So ist dieses ausweichende Verhalten sowie ihre Untätigkeit hinsicht- lich eines Wechsels ihrer behandelnden Psychotherapeutin auf ihre schweren Persönlichkeitsstörungen zurückzuführen. Massgeblich ist weiter, dass im Falle eines Strafaufschubs der Bewährungsdruck aufrecht bleibt. Erweist sich die ambulante Behandlung als aussichtslos oder nicht erfolgreich, so ist die aufgeschobene Freiheitsstrafe zu vollziehen (Art. 63b Abs. 2 StGB). Dies dürfte eine ausreichend präventive Wirkung auf die Beschuldigte ent- falten, wird sie mit diesem Urteil doch erstmals mit einer Freiheitsstrafe sankt io- niert. Sodann befand sie sich im Rahmen des vorliegenden Verfahrens erstmals – wenn auch nur kurz – in Haft, was ebenfalls deutlichen Eindruck auf sie gemacht haben wird. Vor diesem Hintergrund steht das kriminalpolitische Erfordernis, Straftaten schulda ngemessen zu ahnden bzw. rechtskräftige Strafen grundsät z- lich zu vollziehen, einem Aufschub des Strafvollzugs nicht entgegen. 3.4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist nach dem Erwogenen zu Gunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben. - 39 - V. Landesverweisung 1. Urteil der Vorinstanz / Standpunkt der Beschuldigten 1.1. Die Vorinstanz ordnete gegen die Beschuldigte – ohne entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft – eine fakultative Landesverweisung für die Dauer von 3 Jahren an (Urk. 40 S. 27). In ihrer Begründung wies sie zusammengefasst darauf hin, dass die Beschuldigte trotz mehrmaligen Verurteilungen immer wieder aufs Neue straffällig geworden sei und keine ernsthaften Versuche unternommen habe, um ihr Verhalten nachhaltig zu verbessern. Sie habe damit eine erhebliche Geringschätzung gegenüber der hiesigen Rechtsordnung bewiesen, welche sich auch durch eine antidepressive Therapie nicht auflösen dürfte. Die deutliche Rückfallgefahr lasse in den Hintergrund treten, dass die objektive Tatschwere an- gesichts der relativ ger ingen Deliktsumme nicht übermässig hoch sei . Insgesamt sei das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung schwerer zu gewichten als dasjenige der Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz (Urk. 40 S. 20 ff.). 1.2. Die Beschuldigte wurde im Rahmen ihr er Befragung anlässlich der Haupt- verhandlung darauf hingewiesen, dass die Anordnung einer (fakultativen) Lan- desverweisung auch ohne entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft ange- sichts ihrer zahlreichen Vorstrafen langsam von Amtes wegen zu prüfen sei. Die- sem Hinweis folgten einige Fragen zu ihren Sprachkenntnissen sowie zu ihr en persönlichen Bindungen zur Schweiz und zu ihrem Heimatstaat Serbien (Prot. I S. 12 ff.). Im Anschluss an die Befragung der Beschuldigten äusserte sich die amtliche Verteidigung in Ergänzung ihrer Plädoyernotizen zur Frage der Anor d- nung einer Landesverweisung, welche von der Vorinstanz in den Raum gestellt worden war (Prot. I S. 18 f.). Folglich liegt keine Verletzung des rechtlichen G e- hörs vor. 1.3. Die amtliche Verteidigung beantragt im Berufungsverfahren, es sei auf die Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a bis StGB zu verzichten, da sich eine solche als unverhältnismässig erweise. Das Verschulden hinsichtlich der verübten Taten wiege leicht. Die Beschuldigte habe durch ihr Vorgehen keine - 40 - grosse kriminelle Energie offenbart, aus welcher eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung resultieren würde. Zudem habe sich die ungünstige Le- galprognose, die ihr im psychiatrischen Gutachten attestiert worden sei, bislang nicht bestätigt. V ielmehr habe die Beschuldigte gezeigt, dass sie den Ernst der Lage erkannt habe und gewillt sei, die hiesige Rechtsordnung zu respektieren. Bei der Interessenabwägung sei sodann zu berücksichtigen, dass die Beschuldi g- te seit mittle rweile 39 Jahren in der Schweiz lebe. Während zwei Drittel n ihrer Aufenthaltsdauer sei sie im Gastgewerbe erwerbstätig gewesen. Dass die Be- schuldigte über kein grosses soziales Umfeld verfüge, lasse nicht auf eine mis s- lungene Integration schliessen. Vielmehr entspreche dies ihrer Persönlichkeit und hänge zweifellos mit den gutachterlich diagnostizierten Störungen zusammen. Die wenigen Personen, zu denen sie engen und beinahe täglichen Kontakt pflege, hielten sich allesamt in der Schweiz auf. Dies seien in e rster Linie ihre drei e r- wachsenen Söhne, die Schwester und ihre Mutter, welche allesamt in derselben Kleinstadt leben würden wie die Beschuldigte. Sodann stehe diese in regelmässi- gem Kontakt mit ihrem Onkel, einer Cousine und ihren drei guten Kolleginnen. Anlässlich der Berufungsverhandlung wiesen sowohl die Beschuldigte als auch ih- re Verteidigung darauf hin, dass sich die Beziehung zu den Söhnen normalisiert und intensiviert habe, seit das Scheidungsverfahren abgeschlossen sei und der Einfluss des Vaters m it zunehmendem Alter abgenommen habe. Eine ähnliche Verbesserung habe das Verhältnis zur Schwester und der Mutter erfahren, wel- che beide schwer erkrankt und deshalb auf die Unterstützung der Beschuldigten angewiesen seien. In Serbien habe die Beschuldigte abgesehen von ihrer Grossmutter, zu welcher sie ebenfalls regelmässigen Kontakt pflege, weder Ver- wandte noch Freunde oder Bekannte. Es fehle ihr dort an einer wirtschaftlichen Grundlage, einer Wohnmöglichkeit und der notwendigen medizinischen Versor- gung. I nsgesamt würde das private Interesse der Beschuldigten an einem Ver- bleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an ihrer Wegweisung überwiegen (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1, 6 ff.; Prot. II S. 9, 13 f., 23 f.; vgl. auch Prot. I S. 18 f.). - 41 - 2. Rechtliche Grundlagen 2.1. Nach Art. 66a bis StGB kann das Gericht eine Ausländer in für 3 -15 Jahre des Landes verweisen, wenn sie wegen eines Verbrechens oder Vergehens, das nicht von Art. 66a StGB erfasst wird, zu einer Strafe verurteilt oder gegen sie eine Mass-nahme nach den Art. 59-61 StGB oder Art. 64 StGB angeordnet wird. 2.2. Die nicht obligatorische Landesverweisung hat unter Berücksichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips nach Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 2 und 3 BV zu erfolgen. Zu prüfen ist, ob das öffentliche Interesse an der Landesverweisung das private Interesse der beschuldigten Person am Verbleib in der Schweiz überwiegt. Die erforderliche Interessenabwägung hat sich an den Anforderungen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK an einen Eingriff in das Privat - und Familienleben zu orientieren. Bei der Verhältnismässigkeitsprüfung sind namentlich die Art und Schwere des Ver- schuldens, die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das bisherige Verhal- ten der betreffenden Person, die Dauer des bisherigen Aufenthalts in der Schweiz und die Intensität ihrer sozialen, kulturellen und familiären Bindungen sowohl im Gastgeberstaat als auch im Heimatland zu berücksic htigen (Urteile des Bundes- gerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 3.1.1; 6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 E. 6.2; 6B_1005/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 1.1; je mit Hinweisen). Die Anordnung einer fakultativen Landesverweisung setzt keine Mindeststrafhöhe voraus ( Urteile des Bundesgerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 3.1.1; 6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 E. 6.2; j e mit Hinweisen). Nach dem Willen des Gesetzgebers soll sie gerade in Fällen zur Anwendung gelangen, bei denen es um Gesetzesverstösse von geringerer Schwere, aber dafür um wiederholte Delinquenz geht ( Urteile des Bundesgerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 3.1.1; 6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 E. 6.2; 6B_1123/2020 vom 2. März 2021 E. 3.3.1; je mit Hinweisen). 3. Würdigung 3.1. Die Beschuldigte ist serbische Staatsangehörige und verfügte während des Deliktszeitraums über eine Niederlassungs bewilligung C für die Schweiz (Urk. D1/1 S. 1 ; Urk. D7/1 S. 1 ). Sie gilt somit als Ausländer in im Sinne von - 42 - Art. 66abis StGB. Die Schuldsprüche gegen die Beschuldigte wegen mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB und mehrfachen Hausfriedens- bruchs im Sinne von Art. 186 StGB sind bereits in Rechtskraft erwachsen. Die Vo- rinstanz hat zutreffend festgehalten, dass Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB i n verfas- sungskonformer Auslegung den schlichten Ladendiebstahl unter Verletzung eines Hausverbots in einem Einkaufsgeschäft nicht erfasst (BGE 145 IV 404 E. 1.5.3). Die von der Beschuldigten verübten Delikte fallen somit nicht unter den Deliktsk a- talog von Art. 66a Abs. 1 StGB (obligatorische Landesverweisung). Nachdem sie mit diesem Urteil mit einer Freiheitsstrafe zu sanktionieren ist, fällt hingegen die Anordnung einer fakultativen Landesverweisung in Betracht, sofern sich diese als verhältnismässig erweist. 3.2. Die heute 54-jährige Beschuldigte wurde am tt. April 1968 in H._____, Ser- bien, geboren und wuchs dort zusammen mit ihrer jüngeren Schwester bei den El- tern auf. In ihrem Geburtsort absolvierte sie die obligatorische Schulzeit und be- gann i m Anschluss daran eine Ausbil dung zur Kindergartenbetreuerin. Diese musste sie jedoch im zweiten Ausbildungsjahr abbrechen, da sie im Alter von ca. 17 Jahren in die Schweiz migrierte. Ihre Eltern waren bereits vier Jahre zuvor hierher ausgewandert, während die Beschuldigte mit ihrer Schwester bei der Grossmutter väterlicherseits verblieb (Urk. D1/9/10 S. 12 ff., 34 ff.; Urk. D1/13/3 F/A 5 f., 8 ; Urk. D5/8/3; Prot. I S. 6 f. ; Prot. II S. 8 ff.) . Ihre Kindheit und Jugend verbrachte die Beschuldigte folglich in ihrem Heimatland. In der Schweiz lebt sie nun seit 1984, d.h. während rund 39 Jahren. 3.3. Hierzulande nahm die Beschuldigte die begonnene Ausbildung zur Kinde r- gartenbetreuerin nicht wieder auf und besuchte auch keine anderweitigen Schu- len. Sie bemühte sich jedoch, die deutsche Sprache zu erlernen und arbeitete während knapp 30 Jahren als Service- Angestellte in der Gastronomie. Auch nach der Geburt ihrer drei Kinder war die Beschuldigte durchwegs im Teilzeitpensum erwerbstätig (Urk. D1/9/10 S. 16 ff.; Urk. D1/13/3 F/A 8 f.; Urk. D5/8/3; Prot. I S. 7, 12; Prot. II S. 10). Folglich ist ihr trotz fehlender Ausbildung die berufliche Integr a- tion in der Schweiz gelungen. In sprachlicher Hinsicht fällt es der Beschuldigten zwar trotz ihres langen Aufenthalts teilweise schwer, komplexere Sachverhalte - 43 - oder Fragen zu verstehen. Sodann erscheint ihr aktiver Wortschatz eher be- schränkt. Dennoch kann sie sich ohne Weiteres verständlich ausdrücken und be- nötigte auch während des vorliegenden Verfahrens keine Unterstützung durch e i- ne Dolmetscherin. 3.4. Aufgrund eines gesundheitlichen Zusammenbruchs (vermutet wird ein Hirnschlag) im November 2013 musste die Beschuldigte ihre langjährige Arbeit s- stelle als Servicekraft aufgeben. Seither geht sie keiner Erwerbstätigkeit mehr nach, sondern bezieht seit inzwischen 9 Jahren eine IV-Rente samt Ergänzungs- leistungen. Da sich keine Verbesserung ihrer körperlichen Leiden abzeichnet und die Beschuldigte bereits fortgeschrittenen Alters ist, wird sie aller Voraussicht nach auch weiterhin keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen können. Die Be- schuldigte leidet gemäss eigenen Angaben an anhaltenden Nacken- und Rückenbeschwerden. Sodann wurden bei ihr Arthrosen und Fibromyalgie- Druckpunkte festgestellt. Über weitere körperliche Erkrankungen der Beschuldi g- ten sind keine abschliessenden Diagnosen bekannt (Urk. D1/9/10 S. 1 9 ff.; Urk. D1/13/3 F/A 14; Prot. II S. 10, 15, 24 f.). 3.5. In psychischer Hinsicht stellt Facharzt Dr. med. E._____ in seinem Gutach- ten vom 22. Juni 2021 fest, dass die Beschuldigte an einer schweren ängstlich- vermeidenden Persönlichkeitsstörung, einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und einer mittelschweren depressiven Episode leidet, wobei er die letztere Störung inzwischen als chroni sch einstuft. Die Beschuldigte nimmt di- verse Medikamente ein, einerseits zur Schmerzlinderung, andererseits zur allge- meinen Beruhigung und Behandlung ihrer depressiven Störung (Urk. D1/9/10 S. 20, 40 ff., 49; Urk. D1/13/3 F/A 14; Urk. D5/8/3; Prot. II S. 15, 24). Darüber hinaus befindet sich die Beschuldigte seit 2015 , d.h. während rund acht Jahren durc h- wegs in therapeutischer Behandlung bei M.sc. O._____, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP. Vor knapp zwei Jahren wurde sie zudem Patientin von Dr. med. P._____, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH , um ihre psychi- schen Störungen und die daraus resultierende Delinquenz mit dess en Unterstüt- zung intensiver angehen zu können ( Urk. D1/7/5 F/A 12 f.; Urk. D2/6 F/A 19 ff.; Prot. I S. 13 ff.; Prot. II S. 15 f., 24; Urk. 64; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 10, 31 f.) . - 44 - Entgegen der Vor -instanz hat die Beschuldigte damit ihre Behandlungsbereit- schaft und den Willen manifestiert, ihre deliktischen Verhaltensmuster zu über- winden. Dass die langjährigen Therapiebemühungen noch keine nachhaltige Ver- besserung ihrer Legalprognose bewirken konnten, erklärt der Gutachter mit ihrer Neigung, sich der Therapie zwar nicht gänzlich zu entziehen, jedoch dieser aus- zuweichen. Aus demselben Grund dürfte die Beschuldigte auch nichts unternom- men haben, um sich durch eine andere Person als Frau O._____ psychothera- peutisch behandeln zu lassen. Di eses Verhalten ist auf die schweren Persönlic h- keitsstörungen der Beschuldigten zurückzuführen und kann ihr deshalb nicht zum Vorwurf gemacht werden. Um einem weiteren Ausweichen der Beschuldigten hin- sichtlich ihrer Therapie entgegenzuwirken und die Rückfallgefahr effektiv zu redu- zieren, ist mit diesem Urteil eine ambulante therapeutische Massnahme anzuord- nen (E. IV.2.8 .). Die Beschuldigte leidet zwar sowohl in körperlicher als auch in psychischer Hinsicht an diversen und teilweise schweren Erkrankungen. Diese stehen der Anordnung einer Landesverweisung jedoch nicht per se entgegen, da der Beschuldigten auch in ihrem Heimatland die erforderlichen Medikamente und psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. 3.6. Die Beschuldigte war zwei Mal verheiratet, wobei ihre Ex-Ehemänner beide ebenfalls aus Serbien stammen. Aus diesen Beziehungen gingen drei Söhne her- vor, welche allesamt inzwischen volljährig sind (J._____: Jahrgang 1989; L._____: Jahrgang 2002; M._____: Jahrgang 2005) . Gemäss eigenen Angaben pflegt die Beschuldigte engen und beinahe täglichen Kontakt zu ihren Kindern, welche in derselben Kleinstadt wie sie leben und häufig bei ihr übernachten oder zu Besuchen vorbeikommen. Ebenfalls in Q._____ wohnen die Mutter und die Schwester der Beschuldigten. Auch wenn ihr Verhältnis in der Vergangenheit durchaus belastet war, beschrieb die Beschuldigte anlässlich der Berufungsver- handlung, dass eine massgebliche Verbesserung eingetreten sei , seit diese auf- grund von schweren Erkrankungen auf ihre Unterstützung und Pflege angewiesen seien. Diese Angaben können der Beschuldigten nicht widerlegt werden, weshalb zu ihren Gunsten darauf abzustellen ist. Abgesehen von ihren Familienmitgliedern verfügt die Beschuldigte über kein tragfähiges soziales Umfeld. Gemäss eigenen Aussagen verfügt sie nur über drei gute Kolleginnen. Die Beschuldigte verbringt - 45 - gerne Zeit alleine Zuhause (Urk. D1/9/10 S. 14 f f.; 19, 24, 26, 32, 36 f f.; Urk. D1/13/3 F/A 4, 7; Prot. I S. 6, 8 f.; Prot. II S. 9, 13 f., 23 f.). Mit der Vorinstanz ist deshalb zwar festzuhalten, dass die Beschuldigte hierzulande nicht sozial int e- griert scheint. Dennoch ist ihr Sozialverhalten als Folge ihres psychischen St ö- rungsbildes zu werten. Facharzt Dr. med. E._ ____ führt diesbezüglich aus, dass der Beschuldigten ein quasi "generelles" zwischenmenschliches Defizit konstatiert werden müsse, welches ihr in weitgehend allen Lebensbereichen den Zugang zu anderen Personen erschwere. Zur Vermeidung von Enttäuschungen und Abwer- tungen ihres ohnehin geringen Selbstwertes durch zwischenmenschliche Kontak- te reagiere die Beschuldigte mit dem Rückzug aus dem sozialen Beziehungsnetz (Urk. D1/9/10 S. 40 f.). In Serbien lebt als einzige Verwandte noch die bereits 90- jährige Grossmutter der Beschuldigten, zu der sie einen engen und regelmässigen Kontakt pflegt. Über weitere Bezugspersonen in ihrem Heimatland ist nichts bekannt . Ihre Tante ist i n- zwischen verstorben (Prot. I S. 12 ff.; Prot. II S. 15, 20 f.; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 32). Fest steht jedoch, dass sie in der Vergangenheit regelmässig Reisen in ihr Heimatland unternahm und sich jeweils während mehrerer Wochen pro Jahr dort aufhielt. Zuletzt reiste sie zusammen mit ihren Kindern für die serbisch-orthodoxe Weihnachtsfeier anfangs Januar 2023 in ihre Heimat (Urk. D2/6 F/A 39; Prot. I S. 14 f.; Prot. II S. 15, 20 f.; Urk. 63 S. 8 f.). Auch wenn die Beschuldigte angab, die serbische Sprache zu beherrschen (Prot. I S. 12), dürfte es ihr aufgrund der ängstlich-vermeidenden Per sönlichkeitsstörung und der daraus resultierenden Defizite in ihrem zwischenmenschlichen Verhalten sehr schwer fallen, ein soziales Beziehungsnetz in Serbien aufzubauen. Konkret besteht die Gefahr einer sozialen Isolation, welche als Konsequenz zu einer Verstärkung sowohl der depressiven Störung als auch der somatoformen Schmerzstörung führen dürfte. Insofern ist der Vorinstanz nicht zu folgen, wenn sie die Resozialisierungschancen der B e- schuldigten im Heimatland als intakt bewertet (Urk. 40 S. 23). 3.7. Die Beschuldigte ist zwar auch in der Schweiz kaum sozial integriert und geht bereits seit bald 10 Jahren keiner Erwerbstätigkeit mehr nach, sondern be- zieht infolge eines Hirnschlags eine Rente der Invalidenversicherung sowie Er-- 46 - gänzungsleistungen. Vor dem Hinter grund ihr er langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz von beinahe 40 Jahren und ihr er familiären Bindungen hierzulande wür- de die Anordnung einer Landesverweisung jedoch erheblich in die Lebensgestal- tung der Beschuldigten eingreifen. Es ist daher von ihrem ernstlichen Interesse an einem weiteren Verbleib in der Schweiz auszugehen. 3.8. Hinsichtlich der Art und Schwere der zu beurteilenden Delikte kann auf die vorstehenden Erwägungen zur Strafzumessung verwiesen werden (E. II.5. f.). Hervorzuheben ist, dass Facharzt Dr. med. E._____ zur Einschätzung gelangt, die Beschuldigte sei zu den jeweiligen Tatzeitpunkten nur eingeschränkt fähig gewesen, gemäss ihrer (vollständig erhaltenen) Einsicht in das Unrecht ihres Ver- haltens zu handeln. Auf der Basis ihrer Persönlichkeitsstörung habe sich bei der Beschuldigten in den letzten Jahren eine rezidivierende depressive Störung ent- wickelt. Die mit der depressiven Stimmung einhergehende affektive Labilisierung habe bei ihr ei n Kompensationsbestreben bewirkt. Allerdings habe sie dafür nicht über adäquate und taugliche Mittel verfügt, sondern vielmehr nur die vermeintlich hilfreiche Strategie einer Selbstwerterhöhung durch die unrechtmässige Anei g- nung von Wertgegenständen für si ch erkannt ( Urk. D1/9/10 S. 45). Das delikt i- sche Verhalten der Beschuldigten stellt somit eine mittelbare Folge ihres psychi- schen Störungsbildes dar , was für eine schlechte Legalprognose spricht . Mass- gebend ist weiter, dass das Verschulden der Beschuldigten für jede einzelne der vorliegend zu beurteilenden Taten als leicht resp. gerade noch leicht gewichtet wurde. Der Wert des entwendeten Deliktsguts war in den überwiegenden Fällen (Dossiers 1, 2, 3, 7) nicht besonders hoch. Dennoch beläuft sich der Deliktsbetrag auf insgesamt rund Fr. 5'300. –, was durchaus erheblich ist. Während des Delikts- zeitraums von rund zwei Jahren beging die Beschuldigte immer wieder in ganz unterschiedlichen Regionen der Deutschschweiz insgesamt sechs Ladendieb- stähle. Den Taten ging keine lange Planung oder Vorbereitung voraus, sondern die Beschuldigte entschloss sich jeweils spontan und aus ihrer depressiven Stimmungslage heraus zur Deliktsbegehung. Trotzdem zeigte sie mit ihrer Vorge- hensweise eine gewisse Zielstrebigkeit und Routine. - 47 - 3.9. Zum Verhalten der Beschuldigten nach den einzelnen Taten ist festzuhal- ten, dass sie sich hinsichtlich sämtlicher Delikte von Anfang an und uneinge- schränkt geständig zeigte. Angesichts der erdrückenden Beweislage wäre ein Be- streiten der Anklagevorwürfe allerdings kaum überzeugend gewesen. Zu Unguns- ten der Beschuldigten fällt ins Gewicht, dass sie die Straftaten gemäss den Do s- siers 2, 5, 6 und 7 während des bereits eingeleiteten Strafverfahrens wegen iden- tischer Delikte (vgl. Dossier 1) verübte. Dies zeugt von einer erheblichen Gleic h- gültigkeit hinsichtlich der Schweizerischen Rechtsordnung und der Autorität der Strafverfolgungsbehörden. 3.10. In die Interessenabwägung sind sodann die zahlreichen und ausnahmslos einschlägigen Vorstrafen der Beschuldigten wegen Ladendiebstählen miteinzube- ziehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 3.3.1). Für die in der Vergangenheit verübten Straftaten wurden jeweils Geldstrafen aus- gesprochen, deren Vollzug zu Beginn noch bedingt aufgeschoben wurde. Die Verurteilungen und der Bewährungsdruck hinsichtlich des aufgeschobenen Straf- vollzugs vermochten die Beschuldigte jedoch nicht von weiterer Delinquenz abzu- halten. Vielmehr wurde sie nur wenige Monate nach ihrer entsprechenden Bestra- fung und damit noch während laufender Probezeit en wiederholt einschlägig rück- fällig, weshalb mehrmals über den Widerruf des bedingten Strafvollzugs zu ent- scheiden war. Die ausgesprochenen Verwarnungen und verlängerten Probezeiten zeitigten jedoch keine rlei Warnwirkung. Auch die zuletzt unbedingt ausgespr o- chene Geldstrafe bewirkte keinen nachhaltigen Eindruck auf die Beschuldigte, beging sie doch nur zwei Monate später den unter Dossier 2 angeklagten Laden- diebstahl. Auch die Straftaten der übrigen Dossiers lassen sich ohne Weiteres in das immer gleiche Deliktsmuster der Beschuldigten einordnen. Facharzt Dr. med. E._____ weist in seinem Gutachten vom 22. Juni 2021 denn auch darauf hin, dass die anklagegegenständlichen Taten als Deliktserie einzustufen seien, die sich quasi nahtlos in bereits früher von der Beschuldigten gezeigte serielle Tatbe- gehungen einreihe (Urk . D1/9/10 S. 46). Die strafrechtliche Vorbelastung fäl lt er- heblich zulasten der Beschuldigten ins Gewicht und spricht für das öffentliche I n- teresse an ihrer Landesverweisung. Daran ändert nichts, dass die im Strafregister verzeichneten vier Vorstrafen jeweils nur relativ leichte Gesetzesverstösse betref-- 48 - fen. D ie fakultative Landesverweisung soll nach dem Willen des Gesetzgebers gerade in Fällen zur Anwendung gelangen, bei denen zwar – wie vorliegend – bloss Widerhandlungen von geringerer Schwere verübt wurden, es dafür aber um wiederholte Delinquenz geht (Urteil des Bundesgerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 3.1.1). Unter Berücksichtigung der neu zu beurteilenden Delikte erscheint die Beschuldigte zweifellos als unbelehrbare Wiederholungstäterin. Ihr Verhalten offenbart eine grosse Geringschätzung gegenüber f remdem Eigentum und dem Hausrecht anderer. Dennoch ist zu ihren Gunsten zu gewichten, dass sich ihre Straftaten nie gegen Privatpersonen, sondern gegen grosse Detailhändler bzw. Unternehmen richteten. Weiter ist zu ihren Gunsten zu berücksichtigen, dass di e Beschuldigte mit ihrem deliktischen Verhalten nie eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit schaffte. Ohne ihre zahlreichen Widerhandlungen gegen die hiesige Rechtsordnung zu bagatellisieren, wird das öffentliche Interesse an ihrer Landes- verweisung dadurch massgeblich relativiert. 3.11. Nach ausführlicher Abwägung der legalprognostisch günstigen und un- günstigen Faktoren schätzt Facharzt Dr. med. E._____ die von der Beschuldigten ausgehende Gefahr für die Begehung vergleichbarer Delikte (konkret: Ladendieb- stähle) als deutlich ein. Zur Verbesserung der Legalprognose empfiehlt er die A n- ordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB und weist da- rauf hin, dass sich die Beschuldigte bereit zeige, die therapeutische Behandlung durch M.sc. O._____ fortzusetzen (Urk. D1/9/10 S. 23, 48, 51 f.). A ufgrund der deutlichen Rückfallgefahr der Beschuldigten besteht grundsätzlich ein ernstliches öffentliches Interesse an ihrer Fernhaltung, zumal das vom Gesetzgeber ange- strebte Ziel der Landesverweisung primär in der Verhinderung weiterer Deli n- quenz durch ausländische Straftäter in der Schweiz besteht. Dennoch wird dem öffentlichen Sicherheitsinteresse mit der Anordnung einer ambulanten Massnah- me zur Behandlung der bei der Beschuldigten diagnostizierten psychischen St ö- rungen bereits ausreichend Rechnung getragen. Eine Landesverweisung er- scheint folglich nicht geboten, ganz besonders, weil zum aktuellen Zeitpunkt die Aussicht noch intakt ist, dass die mit diesem Urteil anzuordnende Massnahme zu einer nachhaltigen Verbesserung der Legalprognose beiträgt. - 49 - 3.12. Abschliessend ist zu berücksichtigen, dass sich die Beschuldigte s eit der letzten Tatbegehung betreffend Dossier 7 ( 4. Juni 2021), d.h. seit mehr als an- derthalb Jahren – soweit ersichtlich – wohlverhalten hat (Urk. 62), was angesichts ihrer sonstigen Kadenz bezüglich Straftaten doch gewissermassen als Erfolg zu werten ist. Hinzu kommt, dass sie ihre ambulante Therapie bei M.sc. O._____ ge- wissenhaft fortsetzt und sich darüber hinaus durch Dr. med. P._____ psychothe- rapeutisch sowie medikamentös behandeln lässt ( Urk. D1/7/5 F/A 12 f.; Urk. D2/6 F/A 19 ff.; Prot. I S. 13 ff.; Prot. II S. 15 f., 18, 20, 24; Urk. 64; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 10, 31 f. ). Diese Behandlungsbereitschaft lässt darauf schliessen, dass die Beschuldigte auch im Rahmen der bevorstehenden ambulanten Mas s- nahme mitwirken wird. 3.13. Nach dem Erwogenen wird deutlich, dass die Prüfung einer fakultativen Landesverweisung im Sinne von Art. 66a bis StGB durch die Vorinstanz nicht ohne Grund erfolgte. Vor dem Hintergrund der bloss niederschwelligen Delinquenz, der geringfügigen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie der be- vorstehenden Behandlung der Beschuldigten im Rahmen einer ambulanten Mas- snahme nach Art. 63 StGB, bei deren Misslingen der Vollzug einer Freiheitsstrafe droht, überwiegt jedoch ihr privates Interesse an einem weiteren Verbleib in der Schweiz. Folglich ist keine Landesverweisung anzuordnen. Die Beschuldig te ist allerdings darauf aufmerksam zu machen, dass dieser knappe und wohlwollende Entscheid in Ausübung des richterlichen Ermessens sowie im Sinne einer letzten Chance ergeht. Ihre wiederholte und stets einschlägige Delinquenz könnte im Fal- le einer weiteren Verurteilung die Anordnung einer (fakultativen) Landesverwei- sung zur Folge haben, auch wenn sie bereits seit knapp 40 Jahren in der Schweiz lebt, hierzulande familiäre Beziehungen pflegt und lange Zeit berufstätig war. VI. Zivilforderungen 1. Die Vorinstanz verpflichtete die Beschuldigte zur Leistung von Schadener- satz an die Privatklägerinnen 3 ( B._____ AG) und 4 (C._____ AG) von Fr. 588.40 bzw. Fr. 588.– (Urk. 40 S. 25 f., 28). Die Beschuldigte lässt beantragen, die Scha-- 50 - denersatzforderungen der Privatklägerinnen 3 und 4 seien auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1). 2. Hinsichtlich der recht lichen Grundlagen und Voraussetzungen für die adh ä- sionsweise Geltendmachung von Zivilforderungen im Strafprozess kann einleitend auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 40 S. 25). Zu ergänzen ist lediglich das Folgende: Das Gericht entscheidet grund- sätzlich über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht oder wenn es sie freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO wird die Zivilklage u .a. dann auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre geltend ge- machten Ansprüche nicht hinreichend begründet oder beziffert hat. Wer einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatze verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Die Zuspre- chung von Schadenersatz setzt somit in erster Linie das Vorliegen eines Scha- dens voraus. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Schaden eine unfreiwillige Vermögensverminderung, die in einer Verminderung der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder im entgangenen Gewinn be- stehen kann. Er ent spricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Verm ö- gensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 142 III 23 E. 4.1; BGE 139 V 176 E. 8.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_586/2017 vom 16. April 2018 E. 2.2; je mit Hinweisen). 3. Mit Formular vom 17. August 2021 konstituierte sich die B._____ AG recht- zeitig als Privatklägerin im vorliegenden Verfahren und erklärte, Zivilansprüche gegen die Beschuldigte zu stellen. Ihre Schadenersatzforderung beziffert e sie mit Fr. 588.40 (mit dem Vermerk: "Waren"; Urk. D5/6/3), ohne jedoch eine schriftliche Begründung oder allfällige Beweismittel dazu einzureichen (vgl. Art. 123 Abs. 1 StPO). Die Verteidigung wendet entsprechend ein, die Privatklägerin 3 habe den geltend gemachten Schaden nicht nachvollziehbar begründet, zumal sich der D e- liktsbetrag aus dem Diebstahl gemäss Dossier 5 auf insgesamt Fr. 1'116.40 be- laufe (Urk. 63 S. 10; vgl. auch Urk. 25 S. 18). - 51 - Aus dem Polizeirapport vom 10. Juli 2020 geht hervor, dass die Privatklägerin 3 die von der Beschuldigten gestohlenen Waren vorläufig zurückgenommen habe. Es sei ein Termin vereinbart worden, bis wann die Beschuldigte die teils beschä- digten bzw. ausgepackten Waren im Wert von Fr. 558.40 bezahlen solle (Urk. D5/1 S. 5). Den Ausführungen des Ladendetektivs in seiner Security Erklärung vom 9. Juli 2020 lässt sich diesbezüglich lediglich entnehmen: " Ware: Die Ware von 558,40 CHF Terminiert am 23.07.2020. Andere Ware Teil zurück " (Urk. D5/2 S. 2). Die weiteren Untersuchungsakten enthalten keine Hinweise darauf, welche einzelnen Deliktsgegenstände bei der Tat beschädigt oder aus ihren Verpackun- gen herausgerissen worden sein sollen. Die Zusammensetzung der geltend ge- machten Schadenssumme ist insofern nicht nachvollziehbar . Zudem lässt sich nicht überprüfen, ob sich diese Waren tatsächlich nicht mehr für den Verkauf ei g- neten oder ob diese doch – allenfalls zu einem günstigeren Preis – verkauft wer- den konnten. Der Sachverhalt erweist sich insofern als illiquid. Es lässt sich nicht abschliessend beur teilen, ob der Privatklägerin 3 ein e unfreiwillige Vermögens- verminderung in der geltend gemachten Höhe entstanden ist. Das Schadener- satzbegehren der B._____ AG ist deshalb gestützt auf Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg zu verweisen. 4. Die C._____ AG konstituierte sich mit Formular vom 18. August 2021 recht- zeitig als Privatklägerin und gab an, Zivilforderungen gegen die Beschuldigte gel- tend zu machen. Konkret forderte sie die Leistung von Fr. 588.– als Schadener- satz (Urk. D2/11/3; vgl. bereits Urk. D2/4 bzw. Beilage 1 zu Urk. D2/11/3). 4.1. Zur Begründung ihrer Zivilforderung reicht e die Privatklägerin 4 u.a. einen Kassenbon ein, aus welchem der Wert der entwendeten Skibekleidung ersichtlich ist. Sodann legte sie dem Formular vom 18. August 2021 eine Erklärung der B e- schuldigten bei, mit welcher diese bestätigt e, am 13. November 2019 eine Skij a- cke sowie eine Skihose der Marke Spyder im Verkaufswert von insgesamt Fr. 588.– entwendet zu haben (Beilagen zu Urk. D2/11/3; vgl. auch Urk. D2/1+3). Die Verteidigung macht geltend, dass die Beschuldigte bei dieser Tat in flagranti er- wischt worden sei. Das Deliktsgut sei ihr mutmasslich bereits vor Ort abgenom- men und an die Privatklägerin zurückgegeben worden. Anders lasse sich nicht er-- 52 - klären, weshalb die Sk ibekleidung nicht auf der Sicherstellungsliste der Polizei aufgeführt worden und im weiteren Verlauf des Strafverfahrens nie mehr Thema gewesen sei. Sollte das Deliktsgut an die Privatklägerin retourniert worden sein, sei dieser kein Schaden entstanden und ihre Forderung auf den Zivilweg zu ver- weisen (Urk. 63 S. 9). 4.2. Den Untersuchungsakten lässt sich entnehmen, dass die Beschuldigte unmittelbar nach der Tatbegehung beim Verlassen des Verkaufsgeschäfts der C._____ AG vom Filialleiter angehalten und zu einer Kontrolle wegen des Ver- dachts auf Ladendiebstahl in ein Nebenzimmer geführt werden konnte. Dort gab die Beschuldigte im Beisein einer Polizeipatrouille von sich aus die vorgängig be- händigte Skijacke aus ihrer Handtasche heraus. Im R ahmen einer Leibesvisitati- on konnte sodann die zusammengefaltete Skihose unter ihrer Oberbekleidung am Rücken gefunden werden (Urk. D2/1 S. 1 ff.). Unklar ist, ob die Skibekleidung anschliessend wieder an den Filialleiter oder eine andere verantwortliche Person der C._____ AG ausgehändigt wurde (Urk. D2/8/8). Diesfalls würde sich die Fr a- ge stellen, worin der geltend gemachte Schaden der Privatklägerin 4 von Fr. 588.– besteht. Jedenfalls wurden die entwendeten Kleidungsstücke nicht durch die aufgebotenen Polizeibeamten sichergestellt und an die Staatsanwaltschaft zur weiteren Veranlassung weitergeleitet (vgl. Urk. D2/8/3+9+10). Der Sachver- halt erweist sich insofern als illiquid, d.h. es lässt sich nicht abschliessend beur- teilen, ob der Privatklägerin 4 t atsächlich eine unfreiwillige Vermögensverminde- rung in der geltend gemachten Höhe entstanden ist. Das Schadenersatzbegeh- ren der C._____ AG ist daher in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg zu verweisen. VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen 1. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens 1.1. Die Vorinstanz auferlegte der Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen ihrer amtlichen Verteidigung (Urk. 40 S. 28). Diese beantragt, der Beschuldigten seien - 53 - die vorgenannten Kosten lediglich im Umfang von drei Vierteln aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidi- gung seien vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen (Urk. 42 S. 3; Urk. 63 S. 2). Ihren Antrag begründet die Verteidigung mit der vorinstanzlichen Einstel- lung des Verfahrens betreffend Dossier 4, welche inzwischen in Rechtskraft er- wachsen ist (E. I.6.; vgl. Urk. 25 S. 18). 1.2. Gemäss Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Die Verlegung der Kosten richtet sich nach dem Grundsatz, dass derjenige die Kosten trägt, der sie verursacht hat. E r- forderlich ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem zur Verurteilung führenden strafbaren Verhalten und den durch die Abklärung entstandenen Kos- ten. Wird die beschuldigte Person bei einer Mehrzahl strafbarer Handlungen tei l- weise schuldig und teilweise freigesprochen (Teilfreispruch) bzw. wird das Verfah- ren nur bezüglich einzelner strafbarer Handlungen eingestellt, so sind die Verfah- renskosten anteilsmässig der beschuldigten Person, dem Staat und gegebenen- falls der Privatklägerschaft aufzuerlegen. Der beschuldigten Person dürfen jedoch dann die gesamten Kosten des Verfahrens auferlegt werden, wenn die ihr zur Last gelegten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen, und alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes A nklagepunktes notwendig waren. Es ist nach Sachverhalten, nicht nach Tat beständen aufzuschlüsseln. Bei einem einheitlichen Sachverhaltskomplex ist vom Grundsatz der vollständigen Kostenauflage nur abzuweichen, wenn die Strafuntersuchung im freisprechenden Punkt zu Mehrkosten geführt hat ( Urteil de s Bundesgerichts 6B_460/2020 vom 10. März 2021 E. 10.3.1; D OMEISEN, in: Niggli/ Heer/Wiprächtiger, Basler Ko m- mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 6 zu Art. 426 StPO; je mit weiteren Hinweisen). 1.3. Den Tatvorwürfen gegen di e Beschuldigte liegt zwar kein einheitlicher Sachverhaltskomplex zugrunde. Dennoch stehen sämtliche ihr zur Last gelegten Handlungen in einem engen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang. Darüber hinaus liegt allen Taten dieselbe Motivation und Vorgehensweise zugrunde. Für die Abklärungen in Bezug auf Dossier 4 fielen keine Untersuchungshandlungen - 54 - an, welche nicht auch betreffend die weiteren Sachverhaltskomplexe der Dossiers 1, 2, 3, 5, 6 und 7 erforderlich gewesen wären. So brachte die Hausdurchsuchung vom 13. November 2019 auch Erkenntnisse in Bezug auf die Diebstähle unter den Dossiers 1 und 3 (Urk. D2/8/3 S. 1 f.). Anlässlich ihrer Einvernahmen vom 26. November 2019, 19. Mai 2020 und vom 23. November 2020 betrafen nur w e- nige Fragen die unter Dossier 4 angeklagte Tat ( Urk. D2/6 F/A 9 Ziff. 3; Urk. D1/7/2 F/A 7; Urk. D1/7/4 F/A 5, 12). Im Übrigen konzentrierten sich die pol i- zeilichen und staatsanwaltschaftlichen Untersuchungshandlungen auf die Abkl ä- rung der übrigen Dossiers, die Ermittlung allfälliger weiterer, gleichgelagerter Ta- ten der Beschuldigten und auf das Verständnis des Zusammenhangs zwischen den bekannten Delikten und einer allfälligen psychischen Störung. Auch die Ei n- holung eines psychiatrischen Gutachtens bei Facharzt Dr. med. E ._____ wäre angezeigt und erforderlich gewesen, wenn das Vorverfahren nur hinsichtlich der- jenigen Delikte geführt worden wäre, für welche die Beschuldigte nun rechtskräftig schuldig gesprochen wurde (Urk. D1/9/10). Anlässlich der Hauptverhandlung wurde auf die Tat gemäss Dossier 4 gar nicht mehr eingegangen, nachdem die Vorinstanz bereits bei der Befragung der Beschuldigten darauf hinwies, dass ein gültiger Strafantrag und damit eine Prozessvoraussetzung für eine Verurteilung fehle (Prot. I S. 9). 1.4. Insgesamt erweist sich der Untersuchungsaufwand, welcher von den Straf- verfolgungsbehörden und der Vorinstanz allein in Bezug auf Dossier 4 unternom- men wurde, als so gering, dass eine anteilsmässige Kostenauflage nicht gerecht- fertigt erscheint. Vielmehr sind der Bes chuldigten die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen ihrer amtlichen Verteidigung, vollständig aufzuerlegen. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv ist folglich zu bestätigen. 2. Kosten des Berufungsverfahrens 2.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga- be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte obsiegt mit ihren (Eventual -) Anträgen auf Anordnung einer ambulanten Mas s-- 55 - nahme im Sinne von Art. 63 StGB unter Aufschub der unbedingten Freiheitsstra- fe. Weiter dringt sie durch mit ihren Anträgen betreffend den Verzicht auf die A n- ordnung einer fakultativen Landesverweisung und den Verweis der Schadener- satzforderungen der Privatklägerinnen 3 und 4 auf den Zivilweg. Im Übrigen (R e- duktion des Strafmasses, Verzicht auf Widerrufe und Neuregelung der Kosten- auflage) unterliegt s ie mit ihren Berufungsanträgen. Bei diesem Verfahrensaus- gang rechtfertigt es sich, der Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen ihrer amtlichen Verteidigung, zur Hälfte aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Ver- teidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist im Umfang der Hälfte vorzubehal- ten. 2.2. Nach seiner Entlassung als amtlicher Verteidiger der Beschuldigten wurde Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ mit Beschluss vom 15. November 2022 für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren mit Fr. 2'431.35 aus der Gerichtskasse entschädigt (Urk. 60). 2.3. Der per 24. Oktober 2022 neu eingesetzte amtliche Verteidiger, Rechtsan- walt lic. iur. X2._____, macht für das Berufungsverfahren Aufwendungen und Barauslagen von insgesamt Fr. 4'302.85 geltend (Urk. 65). Die verlangte Ent- schädigung erscheint der Schwierigkeit und Bedeutung des vorliegenden Falls sowie dem notwendigen Zeitaufwand für die gehörige Verteidigung der Beschul- digten angemessen (§ 2 Abs. 1 lit. b- e AnwGebV, § 18 Abs. 1 in Ver bindung mit § 17 Abs. 1 AnwGebV). Für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung des Urteils mit der Beschuldigten wurden zusätzlich 2 Stunden eingesetzt. Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ ist demnach für seine Leistungen und Barauslagen als amtlicher Verteidiger im Berufungsverfahren eine Entschädigung von gerundet Fr. 4'800.– (inkl. Mehrwertsteuer) zuzusprechen. - 56 - Es wird beschlossen: 1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abtei- lung, vom 8. März 2022 bezüglich der Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Verfahrenseinstellung betr. geringfügiger Diebstahl gemäss Dossier 4), 9 (Einziehung), 11 (Abweisung von Genugtuungsbegehren) und 12 (Kosten- festsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist. 2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. Es wird erkannt: 1. Die Beschuldigte wird bestraft mit 9 Monaten Freiheitsstrafe, wovon ein Tag durch Haft erstanden ist. 2. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 ausgefällten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird widerrufen. Die Geldstrafe wird vollzogen. 3. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 festgesetzten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird widerrufen. Die Geldstrafe wird vollzogen. 4. Es wird eine ambulante Behandlung der Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet. 5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben. 6. Es wird keine Landesverweisung im Sinne von Art. 66a bis StGB angeordnet. 7. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 3 (B._____ AG) wird auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 8. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 4 (C._____ AG) wird auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 9. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziffer 13) wird bestätigt. - 57 - 10. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: Fr. 2'800.– ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 2'431.35 amtliche Verteidigung (Rechtsanwalt Dr. X1._____) Fr. 4'800.– amtliche Verteidigung (Rechtsanwalt lic. iur. X2._____) 11. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten zur Hälfte auferlegt und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Ver- teidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungs- pflicht der Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt im Umfang der Hälfte vorbehalten. 12. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an − die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten − die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland − die Vertreter der Privatklägerinnen 3 (B._____ AG) und 4 (C._____ AG) (Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird den Privatklägerinnen nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs verlangen.) − den Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste (vorab per E-Mail an kanz- lei.bvd@ji.zh.ch) sowie in vollständiger Ausfertigung an − die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten − die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland − die Vertreter der Privatklägerinnen 3 (B._____ AG) und 4 (C._____ AG; sofern verlangt) − den Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste (per E-Mail an kanz- lei.bvd@ji.zh.ch) und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli- ger Rechtsmittel an - 58 - − die Vorinstanz − den Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste − das Migrationsamt des Kantons Zürich − die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a Abs. 1 PolG) betr. Dossier 4 − die Staatsanwaltschaft Baden, zu ihren Akten der Untersuchung Nr. ST.2016.284 (im Dispositiv) − die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, zu ihren Akten der Untersuchung Nr. E-5/2017/4420 − die Zentrale Inkassostelle der Gerichte des Kantons Aargau (im Dispo- sitiv) − die Zentrale Inkassostelle der Gerichte des Kantons Zürich − die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestim- mung der Vernichtungs- und Löschungsdaten − die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formularen A und B. 13. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa- chen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge- richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts- gesetzes. - 59 - Obergericht des Kantons Zürich II. Strafkammer Zürich, 31. Januar 2023 Der Präsident: Oberrichter lic. iur. Stiefel Die Gerichtsschreiberin: MLaw Boese