Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Juli 2020 (720 20 42 / 186) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Andreas Noll, Advo- kat, Falknerstrasse 3, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1972 geborene A.____ meldete sich mit Anmelde formular datiert vom 15. Februar 2012 (Eingang bei der IV-Stelle Basel-Landschaft [IV-Stelle] am 2. Oktober 2012) zum Leistungs- bezug bei der IV-Stelle an unter Hinweis auf Depressi on, chronisches Burnout, Panikattacken, Konzentrationsstörungen und Blackouts. Nach Abklärung der beruflichen, gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse teilte die IV-Stelle A.____ unter anderem gestützt auf ein psychiatri- sches Gutachten von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psyc hotherapie, mit Vorbescheid vom 29. November 2013 mit, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Nachdem die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte, vertreten durch Advokat Nikolaus Tamm, gegen den Vorbescheid Einwand erhoben und ein Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. März 2014 nachgereicht hatte, nahm die IV-Stelle weitere Abklärungen vor und holte zuerst ein psy- chiatrisches Gutachten bei Prof. Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie und FMH Neurologie, vom 3. März 2015 und danach ein neuropsychol ogisches Gutachten bei lic. phil. E.____, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, vom 5. August 2016 ein. In der Folge erliess die IV-Stelle am 11. August 2017 einen weiteren Vorb escheid und stellte der Versicherten eine halbe IV-Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50 % in Aussicht. Hiergegen erhob A.____, nunmehr vertreten durch Advokat Dr. Andreas Noll, mit Schreiben vom 14. November 2017 Ein- wand. Mit Schreiben vom 3. Dezember 2018 machte die IV-Stelle die Versicherte auf ihre Scha- denminderungspflicht aufmerksam und forderte sie auf, eine teilstationäre oder stationäre leitlini- engerechte Behandlung der Depression in einer nach de m schweizerischen KVG anerkannten Institution sowie einen Benzodiazepinentzug durchzuführe n. Daraufhin hat sich A.____ vom 16. September bis 21. Oktober 2019 in der Klinik L.____ stationär behandeln lassen. In der Folge sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 3. Dezember 2019 ab 1. April 2013 eine halbe Invalidenrente zu. B. Hiergegen erhob A.____, wiederum vertreten durch A dvokat Dr. Andreas Noll, mit Schreiben vom 24. Januar 2020 Beschwerde am Kantonsgeri cht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr rückwirkend ab August 2012 eine ganze IV-Rente zuzüglich Zins von 5 % mit Wirkung ab Fälligkeit der jeweiligen Renten zu entrichten. C. Mit Vernehmlassung vom 16. April 2020 beantragte d ie IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde der Versicherten ist demnach einzutreten. 2. Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die IV-St elle der Beschwerdeführerin zu Recht ab 1. April 2013 eine halbe IV-Rente zugesprochen hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and ern Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem st rukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksi chtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande- rerseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistung svermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist d abei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Gemäss altem Verfahrensstandard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten verlie- ren nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Ein- zelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrun dlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k önnte, in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in valid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 313 E. 3a) und der ausserordentlichen Me- thode (BGE 128 V 29). 3.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin den Invali ditätsgrad zu Recht und unbestritte- nermassen nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs vorgenommen. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und de r Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Besch werdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch ander e Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Ges undheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen d er versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerde führerin liegen im Wesentli- chen die folgenden ärztlichen Berichte und Gutachten vor: 5.1 Mit Schreiben vom 17. September 2012 führt Prof. Dr. F.____, aus X.____, unter ande- rem aus, die Patientin sei seit zwei Jahren bei ihm in psychotherapeutischer Behandlung. Erst- malig sei sie im Oktober 2010 mit ihren Problemen zu i hm gekommen. Es sei damals als eine schwere Depression eingeschätzt worden und als ein mögliches chronisches Burnout-Syndrom. Die Symptomkonstellation sei jedoch völlig ungewöhnlich und würde eine klare klassische Diag- nose nicht zulassen. Er sei sich bewusst, dass frühere Diagno se- und Behandlungsversuche nicht geholfen hätten, eine Verbesserung ihrer Erkrankung herbeizuführen. 5.2 Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostiziert in seinem zu Han- den der IV-Stelle erstellten Gutachten vom 5. Juli 2013 bei der Versicherten eine leichte bis mit- telgradige depressive Episode (F32.0/F32.1) und eine P anikstörung (F41.0). Er gelangt zum Schluss, dass die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Consultant und Coach zu 70 %, in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei. 5.3 Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Leitender Arzt der Klinik Y.____ in Z.____, hält in seinem fachpsychiatrischen Parteigutachten vom 18. März 2014 folgende Diag- nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Wah nhafte Störung (F22.0), eine rezidivie- rende agitierte Depression mit somatischem Syndrom, im Schweregrad fluktuierend, mittelschwer bis schwer (F33.1/F33.2) sowie eine Persönlichkeitsakzentuierung mit histrionischen und disso- ziativen Zügen (F69). Aus den verschiedenen Zuschriften der Versicherten und aus ihren Erzäh- lungen falle eine intensive Suche nach Deutungen und Einordnungen des Erlebens auf, die ih- rerseits die Wahl therapeutischer Optionen präge. Es fa lle auf, dass sie in mindestens zwei bis drei Welten parallel suche: Die esoterische Welt, die sie schon prämorbid stark geprägt habe; die akademisch anerkannte Welt der medizinisch-psychologischen Experten und nun – praktisch pa- rallel zur Konsultation von Psychologen – die dämonische Deutung mit dem therapeutischen An- satz eines Exorzismus. Dr. C.____ führt in Bezug auf das Gutachten von Dr. B.____ aus, beein- druckend sei, dass dieser anlässlich der einmaligen Untersu chung keine schwere Symptomatik Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe feststellen können und diese Einschätzung stellvert retend für den ganzen Verlauf der Er- krankung zur Basis seiner Beurteilung gemacht habe. Weite r hält er fest, dass sich aus der be- schreibenden Feststellung einer "leichten bis mittelgradigen" Depression und zeitweiligen Ängs- ten keine schwere Arbeitsunfähigkeit habe ableiten la ssen, sei selbstredend, entspreche aber nicht dem Gesamtverlauf des Leidens und stelle seiner Einschätzung nach eine grobe Fehlein- schätzung dar. Allein schon die Verwendung des Codes F32 sei angesichts des mehrjährigen Verlaufs nicht angebracht. Damit werde nämlich eine erste oder einmalige Episode codiert. Meh- rere Phasen mit intermittierenden besseren Zeiten, w ie sie in der Krankengeschichte der Versi- cherten dokumentiert seien, müssten mit F33 abgebildet werden. Unter dem Druck, der sich bei der Beschwerdeführerin über die Jahre aufgebaut habe, sei es ca. 2008 zunehmend zu vegeta- tiven und psychischen Symptomen eines Burnouts gekommen, di e bald auch von wahnhaften Elementen kompliziert worden seien. Wie die Entwicklung zeige, sei es ihr bis heute nicht gelun- gen, wieder eine neue Stabilität zu gewinnen, weil die Erkrankung zur lebens- und alltagsformen- den Kraft geworden sei, die ihr gesamtes Dasein überschatte. Wende man die sogenannten Förs- ter-Kriterien an, so erfülle sie praktisch alle diese Punkte. Es bestehe ein komplexes Zustandsbild mit einer vielfältigen Komorbidität, die körperlichen Begleiterscheinungen hätten sich offensicht- lich chronifiziert, sie sei weitgehend aus sozialen Bezieh ungen herausgefallen und vereinsamt, der Verlauf der Erkrankung sei über mehrere Jahre chr onifiziert, therapeutische Anstrengungen (auch verschiedene "schulmedizinische" Ansätze) hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht, und es bestehe eine deutlich akzentuierte Persönlichkeit. Dr. C.____ hält weiter fest, es liege in der Natur einer wahnhaften Störung, dass sie nicht willentlich beeinflussbar sei und zur Chronifi- zierung neige. Die chronische Erschöpfung und die Einsch ränkung der kognitiven Aufnahmefä- higkeit schliesse eine Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt praktisch aus. Aus seiner klinischen Erfah- rung gehe er davon aus, dass auch eine konsequente Anwe ndung von Neuroleptika oder Anti- depressiva das Grundleiden der wahnhaften Störung nicht ausreichend ansprechen würde. Ins- besondere sei nicht anzunehmen, dass dadurch ein mentaler Zustand wiederhergestellt werden könnte, der eine Arbeitsfähigkeit im freien Markt erm öglichen würde. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. 5.4 Mit Bericht vom 25. März 2014 führt Dr. med. H.___ _, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, Regionaler ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), aus, das Parteigutachten von Dr. C.____ enthalte eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Diagnose einer wahnhaften Störung, je- doch keine neuen Aspekte, die im Gutachten von Dr. B.__ __ nicht berücksichtigt worden seien. Es fehle ein klarer psychopathologischer Befund nach AMDP, so dass objektive psychopatholo- gische Befunde nicht eindeutig feststehen würden. Auch sei die Schwere der Erkrankung mit kompletter Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar darg estellt. Da jedoch Zweifel an der Ein- schätzung von Dr. B.____ bezüglich der Schwere des Kran kheitsbildes und der resultierenden Arbeitsunfähigkeit aufgekommen seien, sei ein Obergutachten in den Kliniken I.____, explizit bei Prof. Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie und FMH Neurologie, zur abschlies- senden Festlegung der Arbeitsfähigkeit durchzuführen. 5.5 In seinem Gutachten zu Handen der IV-Stelle hält P rof. D.____ folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest: Kombinierte Pe rsönlichkeitsstörung mit führend histrioni- schen, dissoziativen und ängstlichen Anteilen (F61.0) sowie intermittierend auftretenden Trance- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Bessenheitszuständen (F44.3); Verdacht auf wahnhafte Störung auf dem Hintergrund oben genannter Persönlichkeitsstörung (F22.0); Rezidivierende depressive (zum Teil wohl agitierte) Störung, aktuell leicht bis mittelgradig (F33./F33.1) DD Bipolare affektive Störung (F31.3); Ver- dacht auf schädlichen Gebrauch von Benzodiazepinen (F1 3.1). Nach einer ausführlichen Schil- derung der Diagnosebildung, Krankheitsentwicklung und differentialdiagnostischer Überlegungen nimmt Dr. D.____ eine Diskrepanzanalyse zu den Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ vor. Zum Gutachten von Dr. B.____ würden erhebliche Diskrep anzen bezüglich der diagnostischen Einschätzung und der Einschätzung der Leistungsfähigkeit bestehen. Gegen dessen Diagnosen der leichten bis mittelgradigen depressiven Episode als auch der Panikstörung sei grundsätzlich nichts einzuwenden. Unzweifelhaft decke diese diagnostisch e Einschätzung jedoch nicht annä- hernd das Krankheitsgeschehen der Explorandin ab. So würden die ja im Vordergrund stehenden dissoziativen bis wahnhaft anmutenden Erlebensweisen mit ausgesprochen hoher Dynamik in keiner Weise integriert. Er spreche ähnlich wie der R eferent von Pseudohalluzinationen, ordne diese Halluzinationen aber diagnostisch nicht ein. Der Re ferent könne sich auch nicht der Ein- schätzung von Dr. B.____ anschliessen, dass lediglich eine h yperthyme Persönlichkeit vorliege ohne Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung. Allein der Hinweis auf die "normale Sozialisation" und volle Leistungsfähigkeit vor der Erkrankung Ende 2008 reiche hier nicht aus und sei zudem auch kontrovers diskutabel, zumal erhebliche Persönlichkei tsauffälligkeiten vorbestehend seien und nicht diskutiert worden seien. Wenn Dr. B.____ eine hohe Arbeitsfähigkeit von 70 - 80 % sehe, beziehe er sich sehr wahrscheinlich auf die recht intakte intellektuelle/kognitive Leistungs- fähigkeit in der Exploration selbst, nicht diskutiert we rde jedoch die Frage der Überwindbarkeit. Hier hätten aus Sicht des Referenten jedoch die letzte n fünf Jahre deutlich gezeigt, dass die Einengung der Explorandin im Rahmen ihres schwerst neu rotischen Erlebens mit definitionsge- mäss unbewusst ablaufenden dissoziativen Episoden und wahnhaft anmutenden Haltungen eine solche Überwindbarkeit nicht ermöglicht. Einig gehe der Referent mit Dr. B.____ darin, dass die Explorandin über erhebliche Ressourcen verfüge, die sie auch partiell nutze, gesamthaft jedoch ausgesprochen dysfunktional, krankheitserhaltend. Im Vergleich unterscheide sich die psychiatrische Einschät zung des Referenten zu derjenigen von Dr. C.____ nur in Nuancen. Auch Dr. C.____ gehe l etztendlich von einer schweren psychi- schen Störung aus, die mit einer kontinuierlichen beruflichen Tätigkeit nicht vereinbar sei. Er setze dabei diagnostisch den Schwerpunkt auf eine wahnhafte Störung im Gegensatz zum Referenten, der eher von einer schwerst neurotischen/dissoziativen Symp tomatik ausgehe auf dem Hinter- grund einer Persönlichkeitsstörung. Dr. C.____ sehe lediglich eine Persönlichkeitsakzentuierung mit histrionischen und dissoziativen Zügen. Diese Diskussion sei aber primär akademisch in der versicherungsmedizinischen Beurteilung, allenfalls von einer gewissen Relevanz bezüglich der therapeutischen Interventionen. Allen Begutachtungen gemein sei der Hinweis auf eine depres- sive Symptomatik, deren Schwere zu beurteilen jedoch ganz offensichtlich allen Gutachtern Mühe bereite, was mit dem histrionischen Ausdrucksverhalten der Explorandin zu begründen sei, zumal der Antrieb im Querschnitt uneingeschränkt wirke. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht In seiner Beurteilung hält Prof. D.____ unter anderem fest, dass sich eine 43-jährige, jünger wir- kende, ledige, aus X.____ abstammende Schweizerin vorgest ellt habe, die als führende Be- schwerdesymptomatik einen etwa seit 2008 anhaltenden schwa rzmagischen/dämonischen Be- setzungszustand angebe mit einschiessenden "Panikattacken" m it dem Gefühl des Kontrollver- lustes. Aus psychiatrischer Sicht würden Hinweise bestehen, dass die Explorandin bei einem frühen Verlusterlebnis (Trennung von der Mutter im Alter von drei Monaten) in der Kindheit seitens der Eltern eine gewisse Deprivation erlebt habe mit einem belastenden Verhältnis zum Vater, den die Explorandin als psychisch krank und terrorisierend erlebt habe, sowie sie auch in der Jugend die streng katholischen Eltern als rigide/restriktiv und erheblich eingrenzend erlebt habe. Den- noch sei der Explorandin eine von aussen betrachtet r echt gute Integration in ihre Altersgruppe mit einem qualifizierten Schulabschluss und einem dann sehr engagiert und motiviert vorange- triebenen Ausbildungscurriculum gelungen. Dagegen beschreibe die Explorandin selbst aus der Kindheit heraus eine "dysthyme", "melancholische" Stimmu ngslage, auffällig dabei sei auch ein als gering angegebenes Interesse an Sexualität und Beziehungsgestaltung. Nach dem Abschluss der Matura seien erstmalig 1997 depressive Symptome angegeben worden mit dem subjektiven Gefühl der Überforderung bei gleichzeitigen Schlafstörungen, Ängsten als auch Existenzängsten. Offensichtich ähnlich wie 1997 sei es dann im 2007 nach einer Entlassung im Februar wiederum zu psychischen Symptomen gekommen mit Schlafstörungen, dem Gefühl, ausgebrannt zu sein, vermehrt traurig, übermüdet etc. Nach einem zufälligen Treffen mit einer fraglich schizophrenen früheren Klassenkameradin würden dann erstmalig einsch iessende "Visualisierungen" von Schlangenkörpern berichtet mit dem plötzlich einsetzenden Gefühl eines völligen Kontrollverlus- tes, es würden Panikattacken beschrieben, Körpersymptome und das tief erlebte Gefühl der Überforderung. In der Folge sei es zu zahlreichen notfa llmässigen, ambulanten als auch statio- nären psychiatrischen Interventionen gekommen. Dabei wer de das Geschehen ärztlich wech- selnd als Angststörung mit Panikattacken oder auch als aff ektive Störung unterschiedlicher Schwere gesehen, während die Explorandin selbst bereits 2009 sehr konkret und rigide das Krankheitskonzept einer schwarzmagischen Besetzung verfolgt und ihr gesamtes Leben auf die Bekämpfung dieser Besetzung umgestellt habe. Dabei setz e die Explorandin führend auf eine hochfrequente exorzistische Therapie, die jeweils von kat holischen Geistlichen, teilweise auch von Heilern u.ä. geleitet würde. Hierunter werde bis heute durch die Explorandin eine leichte Verbesserung der "Besetzung" angegeben. Es müsse aktuell konstatiert werden, dass bei der Exploran din nunmehr über Jahre anhaltend eine ausgeprägte psychische Störung vorliege, die im We sentlichen als eine schwerst neuroti- sche Reaktionsbildung einzuschätzen sei auf dem Hintergrund einer führend histrionischen, aber auch ängstlich-narzisstischen Persönlichkeitsstörung (kombin ierte Persönlichkeitsstörung), de- ren Entwicklung sich aus der Kindheit/Jugend heraus abgezeichnet habe. Eine Symptombildung sei seit der Jugend anamnestisch ersichtlich mit Schwierigke iten in der Beziehungsgestaltung und einem dominierenden subdepressiven/dysthymen Affekt. Im Verlauf seien immer wieder Epi- soden mit Angst, Schlafstörungen und dem subjektiven Gefühl des "Ausgebranntseins" aufgetre- ten und möglicherweise seien bereits damals die Kriter ien einer psychischen Störung erfüllt ge- wesen (erste psychiatrische Behandlung 1997). Katamnestisch sei es auf dem Hintergrund einer kombinierten, über Jahre aber gut kompensierten Persön lichkeitsstörung im Rahmen einer Le- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht benskrise (Jobverlust; schwieriger Beginn einer Praxistäti gkeit) zu einer ausgeprägten neuro- tisch/histrionisch-dissoziativen Symptomatik gekommen mit e iner Angstsymptomatik (zum Teil wohl auch als Panikattacken) sowie gut dokumentierten d epressiven Episoden. Aus Sicht des Referenten lasse sich eine wahnhafte Störung zwar nic ht vollständig ausschliessen, erscheine aber als eher unwahrscheinlich. Auszuschliessen sei aber eine Erkrankung aus dem schizophre- nen Formenkreis. Es würden lediglich Pseudohalluzinationen vorliegen, von denen sich die Ex- plorandin aktiv distanzieren könne. Ich-Störungen würden zwar angegeben, hätten aber nicht die unmittelbare Charakteristik und Dynamik einer für eine Schizophrenie typischen Ich-Störung und auch hier sei eine Distanzierung durch die Explorandin möglich. In enger Verbindung zu der Art der Persönlichkeitsstörung sei ein geradezu bizarres Krankh eitskonzept entwickelt worden, mit dem die Explorandin sich von herkömmlichen psychiatrischen Erkrankungen (Schizophrenie, De- pression etc.) distanziere. Vielmehr folge sie der immer wieder auch hyperthymen Stimmungs- lage entsprechend einem grandiosen Krankheitskonzept mit der Gewissheit, vom Satan beses- sen zu sein. Nach Verlust der Tagesstruktur betreibe die Explorandin jetzt mit ähnlicher Vehe- menz wie in der Vergangenheit nun stattdessen die Koordination ihrer Therapien, in deren Zent- rum eine hochfrequente exorzistische Behandlung stehe. Die aktuelle Situation sei ausgespro- chen unbefriedigend, da die Explorandin trotz des spürbaren Leidensdruckes in ihrer Symptom- bildung auch unbewusst einen Krankheitsgewinn erlebe, der für sie ausgesprochen dysfunktional und chronifizierend sei. Besonders eindrücklich sei, dass die Explorandin intellektuell und in ihren Ressourcen wenig eingeschränkt agiere, das eigene rigide Krankheitskonzept aber durchaus mögliche rehabilitative Massnahmen ersticke. Auch wenn im psychiatrischen Sinne eher kein Wahn im psychopathologischen Sinne vorliege, so müsse das n eurotische Geschehen auf dem Hintergrund der Persönlichkeit als aktuell für die Expl orandin nicht überwindbar gelten. Diesbe- züglich stelle sich die Katamnese der letzten fünf Jahre ausgesprochen konsistent dar. Der Lei- densdruck der Explorandin sei nachvollziehbar, ihr gesamtes Leben sei auf die Erkrankung ein- gestellt. Die Symptombildung sei durchaus konsistent einer psychischen Störung zuzuordnen. Dass dennoch offensichtlich fachpsychiatrisch in X.____ die Indikation für exorzistische Rituale gestellt worden sei, sei für den Referenten nicht nachvollziehbar/befremdlich. In Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führt Prof. D.____ aus, krankheitsbedingt sei die Explorandin völlig auf ein dysfunktionales Krankheitskonzept fokussiert mit erhöhtem Arousal und offensichtlich hohem subjektivem Leidensdruck. Das gesamte Umfeld sei auf diese neurotische Einengung eingestellt, daneben sei wenig Normalität erkennbar. Die konsistent in der Anamnese und in der Exploration sich darstellende hohe Krankhei tsdynamik begründe die aktuell fehlende Überwindbarkeit gegenüber der Wiederaufnahme einer Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt. Aktuell bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (1 00 %). Bereits die Ausrichtung auf eine Berufstätigkeit sei der Explorandin nicht möglich. Wesent lich erschienen dem Referenten die nicht gegebene Überwindbarkeit sowie die in den vorgelegten Testungen offensichtlichen Defizite in der Ausdauer. Eine Arbeitsfähigkeit sei im angestamm ten Beruf wie auch in jeder Verweistä- tigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt nicht gegeben. Nach allen vorliegenden Informationen müsse diese Einschränkung im Verlaufe 2009 entstanden sein, möglichweise bereits Ende 2008, diese Aussage sei mit Unsicherheiten behaftet. Die therapeutischen/pseudotherapeutischen Massnah- men seien nicht nur völlig unzureichend, sondern kon-traindiziert. Die Therapieführung liege bei Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Explorandin selbst, was aufgrund des pathologischen Krankheitskonzepts ungünstig sei. Me- dizinisch wäre eine enge psychiatrische Betreuung zu empf ehlen, beginnend am ehesten mit einem stationären Aufenthalt in einer auf Persönlichke itsstörungen spezialisierten Abteilung mit möglicher Überleitung in ein tagesklinisches Angebot. Solange das "therapeutische Setting" be- stehe, seien berufliche Massnahmen nicht angezeigt. Die Explorandin sei aktuell krankheitsbe- dingt nicht in der Lage, sich auf eine berufliche Massnahme einzulassen. 5.6 Am 5. August 2016 ergeht das neuropsychologische Gut achten von lic. phil. E.____, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP zu Handen der IV-Stelle. Er führt aus, auf Grund der Verhaltensbeobachtung und der Testresultate würden die Befunde einer mittelschweren neu- ropsychologischen Störung, erklärbar im Rahmen der psychiat rischen Symptomatik, entspre- chen. Die neuropsychologischen Befunde seien wahrscheinlich überlagert durch eine unbe- wusste Symptomverdeutlichung, interpretierbar als Selbstlimitierung im Rahmen des psychiatri- schen Kontextes. Die beobachtbaren Verhaltensauffälligkeiten und die testpsychologisch objek- tivierten kognitiven Defizite seien im Rahmen der aktenanamnestisch bekannten psychiatrischen Symptomatik schlüssig begründbar. Gemäss den Wertungskriterie n nach Slick DJ et al (1999) sei die Validität der neuropsychologischen Befunde nicht gegeben. Da jedoch das Kriterium D zu verneinen sei, sei nicht von einer bewussten Aggravation auszugehen, wohl aber von einer das kognitive Leistungsvermögen überlagernden unbewussten Symp tomverdeutlichung. Auf Grund der psychiatrischen Symptomatik mit einer unbewussten Selbs tlimitierung sei die Explorandin nicht in der Lage, ihr effektives kognitives Leistungsverm ögen zu nutzen. Gestützt auf die neu- ropsychologischen Befunde sei die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf nicht mehr gegeben. In einer den Beschwerden und Ressourcen angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 40 %. Bei einer Arbeitspräsenz von 60 % (fünf Stu nden pro Tag an fünf Tagen pro Woche) könne die Explorandin eine Arbeitsleistung von 40 % (be zogen auf ein Vollpensum von 100 %) erbringen. Die Minderung der Arbeitspräsenz und die zusätzliche Reduktion der Arbeitsleistung begründe sich mit der verminderten Belastbarkeit, der erhöhten Ermüdung und den testpsycho- logisch objektivierten Defiziten. Die Wiedereingliederung solle als Arbeitstraining ausgehend von einer reinen Routinetätigkeit stufenweise erfolgen, i ndem das Anforderungsniveau hinsichtlich Präsenz und Leistung sukzessive gesteigert werde. Zu empfehlen sei ein Beginn mit einer tägli- chen Arbeitspräsenz von zwei Stunden, was vergleichbar sei mit der Dauer der beiden neuropsy- chologischen Untersuchungstermine, welche die Explorandin erfolgreich gemeistert habe. 5.7 Der RAD-Arzt pract. med. K.____, FMH Psychiatrie un d Psychotherapie, nimmt am 8. November 2016 Stellung. Das Gutachten von lic. phil . E.____ sei als umfassend in seinem Fachgebiet anzusehen. Die Schlussfolgerungen seien bezüglich Diagnosen und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar. Hervorzuheben sei, dass eine Teilarbeitsfähigkeit in einer Ver- weistätigkeit gesehen werde, was vor dem Hintergrund ei niger erhaltener Fähigkeiten auch un- mittelbar nachvollziehbar sei. Vor einer abschliessenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit solle das neuropsychologische Gutachten Prof. D.____ zur Stellu ngnahme vorgelegt werden, da lic. phil. E.____ eine Teilarbeitsfähigkeit sehe und auch verschiedene Inkonsistenzen beschrieben würden. Auch habe Prof. D.____ den Einfluss des Benzodi azepinmissbrauchs zu wenig disku- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tiert. Aus Sicht des RAD sei nicht nachvollziehbar, war um die Versicherte nicht in einer ange- passten Tätigkeit (wie von lic. phil. E.____ beschrieben) in einem zumindest 50%-Pensum arbei- ten können sollte. 5.8 Mit Schreiben vom 27. März 2017 hält Prof. D.____ fest, er habe sehr wohl Bezug auf den Benzodiazepingebrauch Bezug genommen. Auch habe er den Verdacht auf einen schädli- chen Gebrauch von Benzodiazepinen geäussert, retrospektiv wäre es wahrscheinlich adäquater gewesen, den "Verdacht" wegzulassen und die Diagnose klar zu stellen. Sogar während der Ex- ploration habe die Explorandin Temesta eingenommen. Aus seiner Sicht sei der schädliche Ge- brauch von Benzodiazepinen jedoch versicherungsmedizinisch nicht prioritär, "da der am ehesten bezüglich des Grundleidens sekundäre Benzodiazepingebrauch zum einen während der Explo- ration die Explorandin kognitiv kaum" eingeschränkt habe, "zum andern aber (noch wesentlicher) sich die versicherungsmedizinisch relevanten Einschränkungen der Explorandin nur in einem ge- ringen Masse auf kognitive Einschränkungen" beziehen würd en, obwohl die Explorandin selbst diese immer wieder anführe. Entsprechend sei in dem Fähigkeitsprofil, das er bezüglich der Ex- plorandin angefertigt habe, gut zu erkennen, dass die Explorandin weiterhin über erhebliche Res- sourcen im intellektuellen Bereich verfüge. Man müsse allerdings annehmen, dass diese Fähig- keiten aufgrund der schweren neurotischen Symptomatik flu ktuierend erheblich eingeschränkt seien, was sich auch nach den vorliegenden Dokumenten sehr konsistent darstelle. Entspre- chend formuliere er auch, dass insbesondere die ausgesprochen rigide emotional-kognitive Ein- engung auf die wahnhaft anmutenden Inhalte die neur opsychologischen Fähigkeiten der Explo- randin überlagere und zumindest phasenweise im Rahmen der depressiven Problematik auch relevant einschränke. Als die führende Diagnose sei vom Referenten eine schwere Persönlichkeitsstörung angegeben worden, die über viele Jahre von aussen betrachtet gut kompensiert gewesen sei, jedoch bereits langjährig vorbestehend sich in einem pathologisch-dysfunk tionalen Ungleichgewicht gezeigt habe. Gutachterlich sei es erforderlich, den sich konsiste nt und eindrücklich darstellenden Ein- schnitt im Leben der Explorandin 2007/2008 mit den sch weren psychiatrischen Exazerbationen (stationäre Aufenthalte etc.) psychiatrisch zuzuordnen. Das Krankheitsbild sei bestimmt durch die wahnhaft anmutende rigide Einengung, die aufgrund des gesehenen neurotischen Prozesses mit hoher Dynamik wesentlich das Krankheitsbild ausmache. Der Referent gehe weiterhin davon aus, dass es sich um eine schwere psychische Störung handle im Sinne einer ausgeprägten neuroti- schen Symptombildung auf dem Hintergrund einer "frühen Störung". Hierbei stehe weniger der Einfluss auf die kognitiven Möglichkeiten der Explorand in im Vordergrund, als vielmehr die fast wahnhafte Einengung auf ein dysfunktionales Krankheitskonzept, das der Explorandin einen pri- mären Krankheitsgewinn ermögliche und somit auch zu einer Entlastung beitrage, aber auch die kontinuierliche Umsetzung ihrer theoretischen Fähigkeiten verunmögliche. Das aktuell durchge- führte neuropsychologische Fachgutachten widerspreche die ser Einschätzung nicht. Der Neu- ropsychologe sehe entsprechend den Slick-Kriterien das Krit erium D als nicht erfüllt an. Seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beziehe sich ganz klar a uf die Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten der Explorandin, die er zwar als eingesch ränkt ansehe, aber als ausreichend zur Erfüllung einer Teilarbeitsfähigkeit. Er adressiere hier nicht die im Gutachten beschriebene neu- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht rotische Symptomatik mit den ausgeprägten dissoziativen Anteilen, die ja schon definitionsge- mäss willentlich nicht überwunden werden könnten. Der ne uropsychologische Bericht spreche zudem lediglich über eine Verdeutlichungstendenz und ein er eingeschränkten Leistungsbereit- schaft, die sich natürlich auch im Zusammenhang zu der dy sthym-dysphorischen Grundhaltung der Explorandin zum Zeitpunkt der Untersuchung erklären lassen würden. 5.9 Mit Bericht vom 13. Juli 2017 nimmt pract. med. K._ ___ Stellung und hält fest, auf das Gutachten von Prof. D.____ könne nicht abgestützt werden. Dieser stelle als einzige Fachperson die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung. Dies könne nicht plausibel nachvollzogen werden. Im Kapitel "Diskrepanzanalyse" werde von Prof. D.____ auf die deutlich unterschiedlichen diagnos- tischen Einschätzungen der Fachleute aus X.____ nicht eingegangen. Aus Sicht des RAD habe die Versicherte in X.____ ein eingeschränktes, aber relativ gutes Funktionsniveau. Der sekundäre Krankheitsgewinn sei bei der Versicherten nicht zu üb ersehen. Sie werde von der Mutter noch finanziell unterstützt und sie erfahre von ihrem Umfeld durch ihr besonderes und ungewöhnliches Leid viel Aufmerksamkeit. Religiöses magisch gefärbtes Den ken sei der Kultur in X.____ nicht fremd und somit nicht unbedingt als psychopathologisches Phänomen zu werten. Die kulturellen Elemente der Persönlichkeit und des Erlebens seien vo n den schweizerischen Fachpersonen nicht diskutiert worden und es sei auffällig, dass die F achleute aus X.____ die psychologischen Phänomene, die mit dem religiösen und dem magischen Denken bei der Versicherten in Zusam- menhang stünden, nicht in eine psychiatrische Diagnose pathologisiert und subsumiert hätten. Diese Phänomene könnten ebenso gut als kulturelle Angstäquivalente oder Anteile der histrioni- schen Persönlichkeitsakzentuierung bei der Versicherten angesehen werden. Ein vollständig auf- gehobenes Funktionsniveau und eine fehlende Arbeitsfähigkeit lasse sich damit aber sicher nicht begründen. Aus Sicht des RAD könne eine maximal 50%ige Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätig- keiten bei den gesicherten psychiatrischen Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung unterschiedlicher Schwere und einer Angst-/Panikstörung zugestanden werden. Da eine Persön- lichkeitsstörung diagnostisch höchst unwahrscheinlich sei und folglich diesbezüglich bei der Ver- sicherten auch kein Störungsbewusstsein vorhanden sein könne, sei eine mehrmonatige tages- klinische Behandlung aus RAD Sicht nicht indiziert. Indiziert wäre – ggf. auch in stationärem Rah- men – endlich eine adäquate psychopharmakologische Einst ellung auf ein wirksames Antide- pressivum und ggf. auf ein Phasenprophylaktikum im Sinne eines mood-stabilizers zur Behand- lung der depressiven und der Angstsymptomatik. 5.10 Im Austrittsbericht vom 16. Dezember 2019 bericht et die Klinik L.____ vom Aufenthalt der Versicherten vom 16. September bis 21. Oktober 2019. Als Diagnose werden unter anderem eine paranoide Schizophrenie (F20.0) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwer (F33.2) aufgeführt. Bei Eintritt habe die Patientin von Transpossession seit 2008 mit so- genannten Transformationsprozessen berichtet. Sie sei v on Dämonen besessen. Ursächlich sehe die Patientin dahinter schwarze Magie. Die psychotischen und depressiven Symptome hät- ten sich regredient gezeigt, sodass die Patientin am 21. Oktober 2019 einvernehmlich in psycho- pathologisch deutlich stabilisiertem Zustand ohne Hinwe is auf Selbst- oder Fremdgefährdung nach Hause beziehungsweise mit geplanter Ausreise nach X.____ habe entlassen werden kön- nen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.11 Im RAD-Bericht vom 9. März 2020 hält pract. med. K.____ fest, es sei festzuhalten, dass die Symptomatik der versicherten Person unter stationärer Behandlung in der Klinik L.____ deut- lich rückläufig gewesen sei. Das Funktionsniveau der versicherten Person könne also alltagsre- levant nicht hochgradig eingeschränkt gewesen sein, da si e sich nach vierwöchiger stationärer Behandlung deutlich stabilisiert habe und nach wie vor se lbständig die Reisen von und nach X.____ organisiere und in X.____ offenbar ohne fremde Hilfe zurechtkomme, da sie dort alleine lebe. Eine vollständige Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeiten lasse sich so nicht begründen und unter adäquater Behandlung inklusive medikamentöser Behandlung, wie in der Klinik L.____ er- folgt, bestehe eine zumindest deutliche Teilremission der Beschwerden. 6.1 Die IV-Stelle bzw. der RAD ist gestützt auf das neur opsychologische Gutachten von lic. phil. E.____ davon ausgegangen, dass die Beschwerdefüh rerin in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig sei. Diesbezüglich ist vorweg festzuhalten, dass lic. phil. E.____ in seinem Gutachten vom 5. August 2016 eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 40 % und nicht 50 % angibt. Ebenso fällt auf, dass der RAD-Arzt pract. med. K.____ in seinem Bericht vom 8. November 2016 unter Hinweis auf lic. phil. E.____ die Versicherte in einer angepassten Tätig- keit, in seinem Bericht vom 13. Juli 2017 jedoch für jegliche Tätigkeit als zu 50 % arbeitsfähig erachtet. Auf die Einschätzung der IV-Stelle bzw. des RAD kann folglich bereits aus diesen Grün- den nicht abgestellt werden. 6.2 Die IV-Stelle handelt in ihrer Verfügung vom 3. Dezember 2019 das Gutachten von Prof. D.____ gestützt auf die Stellungnahme des RAD mit den zwei Sätzen ab, Prof. D.____ nenne als einziger Facharzt die Diagnose einer Persönlichkeitsstörun g und diese sei in den zahlreichen vorgelegten medizinischen Berichten von Psychiatern aus X.__ __ nie diagnostiziert worden. In der Tat wurde die Diagnose einer Persönlichkeitsstörun g lediglich von Prof. D.____ gestellt. Al- lerdings fällt auf, dass sich aus den Unterlagen keine mehrheitliche und schon gar keine einheit- liche ärztliche Beurteilung finden lässt. Vielmehr ergibt sich aus den vorliegenden ärztlichen Be- richten eine Vielzahl von Diagnosen: Dr. B.____ (Gutachten vom 5. Juli 2013) diagnostiziert eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (F32.0/F32. 1) und eine Panikstörung (F41.0), Dr. C.____ eine wahnhafte Störung (F22.0), eine rezidivie rende agitierte Depression mit somati- schem Syndrom, im Schweregrad fluktuierend, mittelschwer bis schwer (F33.1/F33.2), sowie eine Persönlichkeitsakzentuierung mit histrionischen und dissoziativen Zügen (F69) und Prof. D.____ eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit führend histrionischen, dissoziativen und ängstlichen Anteilen (F61.0) sowie intermittierend auftretenden Trance- und Besessenheitszuständen (F44.3); Verdacht auf wahnhafte Störung auf dem Hint ergrund oben genannter Persönlichkeits- störung (F22.0); Rezidivierende depressive (zum Teil wohl agitierte) Störung, aktuell leicht bis mittelgradig (F33.0 / F33.1) DD Bipolare affektive Störung (F31.3); Verdacht auf schädlichen Ge- brauch von Benzodiazepinen (F13.1). Im Austrittsbericht der Klinik L.____ werden unter anderem eine paranoide Schizophrenie (F20.0) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwer (F33.2), diagnostiziert. Weiter ist auf ältere Berichte hinzuweisen: Prof. F.___ _ hält am 17. September 2012 fest, dass zwar ursprünglich die Probleme als eine schwere Depression und als mögliches chronisches Burnout-Syndrom diagnostiziert worden seien; es handle sich aber um eine völlig ungewöhnliche Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Symptomkonstellation und diese würde eine klare klassische Diagnose nicht zulassen. Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hat in einem Bericht vom 6. November 2012 eine zunehmende psychische Dekompensation seit 2008 diagnostizi ert. Aus therapeutischen Grün- den verzichte er auf eine differentialdiagnostische Einordnung; es handle sich um ein chronisches psychisches Leiden mit hohem Leidensdruck und grosser Angst, als psychiatrischer Fall bzw. als paranoid oder psychotisch stigmatisiert zu werden. Deshal b habe sich die Patientin auch lange vor einer IV-Anmeldung gescheut. Die Herleitung der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung durch Prof. D.____ (vgl. dazu den Ab- schnitt 3. "Diagnosebildung, Krankheitsentwicklung und differentialdiagnostische Überlegungen" ab S. 23 des Gutachtens vom 3. März 2015) erscheint überze ugend, auch wenn die Diagnose von anderen Ärzten so nicht gestellt wurde. Er erwähnt dabei auch die Berichte der in X.____ behandelnden Ärzte, welche von einem chronischen Erschöpfungssyndrom, von Black-outs und Panikattacken sprechen würden, dabei aber auch äussern wü rden, dass die Symptomatik sehr untypisch sei. Weiter führt er aus, es würden typische Zeichen einer Schizophrenie auch in Ein- klang mit den Vorgutachtern fehlen, weshalb sich zwangsläufig die Frage einer wahnhaften Stö- rung stelle, wie dies auch von Dr. C.____ diskutiert wor den sei. Allerdings würde gemäss den diagnostischen Kriterien des ICD-10 gerade nicht ein für eine wahnhafte Störung typischer Wahn bestehen. Aus seiner Sicht sei insgesamt die Annahme e iner ausgeprägten, neurotisch-dissozi- ativen Störung auf dem Hintergrund der geschilderten Grundpersönlichkeit wahrscheinlicher. Dennoch habe er diagnostisch formal den Verdacht auf eine wahnhafte Störung geäussert. Letzt- endlich sei diese Differenzierung aber eine akademische Frage, wesentlich sei, dass kein Anhalt für eine Schizophrenie bestehe und erhebliche Ressourcen der Explorandin weiterhin in der In- teraktion mit der Explorandin deutlich würden, eine Verflachung in keinem Fall vorliege. In seiner Diskrepanzanalyse bezüglich der Gutachten von Dr. B.____ sowie von Dr. C.____ hält Prof. D.____ fest, gegen die von Dr. B.____ gestellten Diag nosen der leichten bis mittelgradigen de- pressiven Episode als auch der Panikstörung sei nichts einzuwenden. Unzweifelhaft decke diese diagnostische Einschätzung jedoch nicht annährend das Kr ankheitsgeschehen der Explorandin ab. So würden die ja im Vordergrund stehenden dissoziat iven bis wahnhaft anmutenden Erle- bensweisen mit ausgesprochen hoher Dynamik in keiner We ise integriert. Im Vergleich unter- scheide sich seine psychiatrische Einschätzung zu der von Dr. C. ____ nur in Nuancen. Auch dieser gehe letztendlich von einer schweren psychischen Störung aus, die mit einer kontinuierli- chen Tätigkeit nicht vereinbar sei. Er setze den Schwerpunkt auf eine wahnhafte Störung im Ge- gensatz zum Referenten, der eher von einer schwerst neu rotischen/dissoziativen Symptomatik ausgehe auf dem Hintergrund einer Persönlichkeitsstörung. 6.3 Mit Schreiben vom 27. März 2017 nimmt Prof. D.___ _ zu Handen der IV-Stelle Stellung, insbesondere zum neuropsychologischen Gutachten von lic. phil E.____. Zu Recht führt er dies- bezüglich aus, dieses Gutachten widerspreche seiner Ei nschätzung nicht und lic. phil. E.____ sehe entsprechend den Slick-Kriterien das Kriterium D als nicht erfüllt an. Dessen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beziehe sich ganz klar auf die Einsc hätzung der kognitiven Fähigkeiten der Explorandin. Die Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit vo n 40 % in einer angepassten Tätigkeit aus rein neuropsychologischer Sicht widerspricht somit nicht der von Prof. D.____ festgestellten 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht, da der Neuropsychologe die neurotische Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Symptomatik mit den ausgeprägten dissoziativen Anteilen nicht berücksichtigt. Prof. D.____ hält fest, dass es sich um eine schwere psychische Störung handle i m Sinne einer ausgeprägten neurotischen Symptombildung auf dem Hintergrund einer frühen Störung. Es stehe weniger der Einfluss auf die kognitiven Möglichkeiten im Vordergrund, als vielmehr die fast wahnhafte Einen- gung auf ein dysfunktionales Krankheitskonzept, das der Explorandin einen primären Krankheits- gewinn ermögliche und somit zu einer Entlastung beitrage, aber auch die kontinuierliche Umset- zung ihrer theoretischen Fähigkeiten verunmögliche. Im Vorbescheid vom 11. August 2017 hat die IV-Stelle ausgeführt, ein religiöses magisch gefärb- tes Denken sei der Kultur in X.____ nicht fremd und somit nicht unbedingt als pathologisches Phänomen zu werten. Aus RAD-Sicht könnten die Phänomene ebenso gut als kulturelle Angst- äquivalente gewertet werden. Die IV-Stelle scheint daraus abzuleiten, dass bei der Beschwerde- führerin aufgrund ihrer Herkunft aus X.____ keine wahnhafte Störung vorliege. Eine derart pau- schalisierende und nicht auf die persönliche Krankheitsge schichte der Beschwerdeführerin Be- zug nehmende Einschätzung vermag diesen Schluss nicht zu stützen. Prof. D.____ führt diesbe- züglich überzeugend aus, das Wahnsystem habe einen pathol ogischen Ich-Bezug, beeinträch- tige das Leben der Beschwerdeführerin massiv und sei tro tz der religiösen Einbettung kulturell unangemessen. An anderer Stelle betont er, die charakteristischen und dauerhaften inneren Er- fahrungs- und Verhaltensmuster würden deutlich von kul turell erwarteten und akzeptierten Vor- gaben abweichen. Auch das Vorbringen der Vorinstanz, dass die Beschwerdefü hrerin gemäss den Akten über ein gutes Funktionsniveau verfüge, ist nicht nachvollziehbar. Prof. D.____ legt plausibel dar, weshalb die grundsätzlich zu erkennenden Fähigkeiten aus psychiat rischer Sicht zu relativieren sind. Im vorliegenden Fall lege gerade nicht allein das theore tisch zu erreichende und vielleicht auch zu erfassende kognitive Niveau Leistungs- und Arbeitsfähigkeit fest. Vielmehr sei das Krankheitsbild bestimmt durch die wahnhaft anmutende rigide Einengu ng, die aufgrund des neurotischen Pro- zesses mit hoher Dynamik das Krankheitsbild ausmache. 6.4 Wie oben ausgeführt (vgl. oben Ziff. 2.3 hiervor ), ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehen- der Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten von Prof. D.____ vom 3. März 2015 (ergänzt mit der Stellungnahme vom 27. Mä rz 2017) weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. oben Ziff. 4.2) – für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allsei tigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden und es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizi- nischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen ärztlichen Einschätzungen auseinander, insbesondere mit den Gutachten von Dr. B.____, Dr. C.__ __ und lic. phil. E.____. Auch die Be- richte der Fachpersonen aus X.____, die im Übrigen we der von ihrer Struktur noch von ihrer medizinischen Dichte her mit schweizerischen Arztberichten vergleichbar sind, hat Prof. D.____ Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht in seine Überlegungen und Schlüsse einbezogen. Des Weiteren sind die Schlussfolgerungen des Gutachtens überzeugend. Die Krankheitsentwicklung und die Diagnosen werden sorgfältig, ver- ständlich und plausibel hergeleitet. Insgesamt vermögen die RAD-Berichte keine Zweifel an der Beurteilung von Prof. D.____ zu begründen. 6.5 Das Gutachten von Prof. D.____ vom 3. März 2015, we lches noch gemäss altem Ver- fahrensstandard (vgl. oben E. 2.3) ergangen ist, äusser t sich nicht explizit zu den Standardindi- katoren. Es ergibt sich jedoch aus dem Gutachten, dass die Beschwerdeführerin ihre vorhandene Selbstbehauptungsfähigkeit vor allem dazu nutzt, engagiert und hoch motiviert ihr eigenes Krank- heitskonzept/Besetzungskonzept zu betreiben, und sämtli che Aktivitäten um diesen zentralen Bereich gruppiert. Sie folgt der immer wieder auch hyperthymen Stimmungslage entsprechend einem grandiosen Krankheitskonzept mit der Gewissheit, vom Satan besessen zu sein. Nach Verlust der Tagesstruktur betreibt die Explorandin jet zt mit ähnlicher Vehemenz wie in der Ver- gangenheit ihre Ausbildung nun stattdessen die Koordination ihrer Therapien, in deren Zentrum eine hochfrequente exorzistische Behandlung steht. Besonders eindrücklich sei, dass die Explo- randin intellektuell und in ihren Ressourcen wenig eingeschränkt agiere, das eigene rigide Krank- heitskonzept aber durchaus mögliche rehabilitative Massnahmen ersticke. Auch wenn im psychi- atrischen Sinne eher kein Wahn im psychopathologischen Sinne vorliege, so müsse das neuro- tische Geschehen auf dem Hintergrund der Persönlichkeit als aktuell für die Explorandin nicht überwindbar gelten. In Beantwortung der Fragen des Auftraggebers führt Prof. D.____ unter dem Titel "Beeinträchtigung (qualitativ und quantitativ) aufgrund der festgestellten Störungen" explizit aus, wie dies gelegentlich bei schwer neurotischen Störun gen in Komorbidität zu einer Persön- lichkeitsstörung gesehen werde, sei der Explorandin bereits die Ausrichtung auf eine Berufstätig- keit nicht möglich. Zu sehr sei das innere Erleben ein geengt mit einer seit Jahren hoch patholo- gischen Tagesstruktur. Intellektuell erscheine die Explorandin im Querschnitt praktisch unbeein- trächtigt, wobei es Hinweise gebe für eine deutlich ei ngeschränkte Ausdauer. Wesentlich er- scheine dem Referenten jedoch die nicht gegebene Überwindbarkeit, als auch die in den vorge- legten Testungen offensichtlichen Defizite in der Ausd auer. In seinem Schreiben vom 27. März 2017 zu Handen der IV-Stelle bestätigt Prof. D.____ im Wesentlichen seine im Gutachten getä- tigten Ausführungen. Ergänzend führt er aus, dass für ihn auch plausibel gewesen sei, dass die Explorandin in X.____ ein "minimal life" führe aufgrund der alles dominierenden Wahrnehmung, besessen zu sein. Faktisch würden die Partizipationsfähig keiten doch massiv eingeschränkt er- scheinen. Sämtliche vorliegenden Berichte würden auch d ie Annahme einer durchgehend de- pressiven oder zumindest subdrepressiven Grundsymptomatik mit Hinweisen auf erhebliche Angstsymptome stützen. Gestützt auf diese Ausführungen ist davon auszugehen, d ass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage ist, einer Berufstätigkeit nachzugehen. Bei d er Beschwerdeführerin liegt eine kombi- nierte Persönlichkeitsstörung vor in Verbindung mit intermittierend auftretenden Trance- und Be- sessenheitszuständen, während die ebenfalls bestehende rezidivierende depressive Störung le- diglich, aber immerhin leicht bis mittelgradig ausgeprägt ist. Insgesamt liegt eine schwere psychi- sche Störung vor. Aufgrund der vorliegenden Persönlichkeitsstörung ist die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, eine adäquate therapeutische Behandlung zu durchlaufen und dies bei einem Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht nun seit über zehn Jahren chronifizierten Krankheitsgeschehen. Es sind zwar gewisse Ressour- cen theoretisch vorhanden, allerdings verunmöglicht die schwere neurotische Störung in Komor- bidität mit der Persönlichkeitsstörung die Nutzung dies er Ressourcen im Hinblick auf die Aus- übung einer Berufstätigkeit und auch in Bezug auf den sozialten Kontext. Die Beeinträchtigungen wirken sich auf alle Lebensbereiche aus, indem der All tag der Beschwerdeführerin vollständig von ihrem Krankheitskonzept beherrscht wird. Der gesamte Alltag ist auf die Inanspruchnahme der Therapien ausgerichtet und die Inanspruchnahme dieser Therapien ist Ausdruck ihres hohen Leidensdrucks; dass diese Therapien aus fachärztlicher Si cht teilweise als inadäquat zu qualifi- zieren sind, vermag daran nichts zu ändern, sondern ist l etztlich wiederum Folge der schweren Störung. Festzuhalten ist weiter, dass von gutachterlicher Seite keine Inkonsistenzen festgestellt werden konnten und sich solche auch nicht aus den übrigen Akten ergeben. Daran ändert auch nichts, dass die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen intellektuell wenig beeinträchtigt erscheint. Dazu passt wiederum, dass der neuropsychologische Gutachter auf- grund der kognitiven Fähigkeiten der Beschwerdeführer in eine Teilzeitarbeitsfähigkeit aus neu- ropsychologischer Sicht als möglich erachtet. Er berücksicht igt dabei aber die psychiatrischen Einschränkungen nicht. Anzumerken ist ferner, dass die Beurteilung von lic. phil. E.____ insoweit widersprüchlich erscheint, als er einerseits von einer möglichen Steigerung der vor allem wegen kognitiver Defizite eingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgeht, gleichzeitig aber eine namhafte Ver- besserung der kognitiven Leistungen und damit der Arbeitsfähigkeit von einer Remission der psy- chiatrischen Symptomatik abhängig macht. 6.6 An dieser Sachlage ändert auch nichts, dass die Beschwe rdeführerin gemäss dem Aus- trittsbericht der Klinik L.____ vom 16. Dezember 2019 nach einem Aufenthalt vom 16. September bis 21. Oktober 2019 in deutlich verbessertem Zustand entlassen werden konnte. Die in der Klinik L.____ unter anderem gestellten Diagnosen (paranoide Schizophrenie und rezidivierende de- pressive, gegenwärtig schwere Störung) weisen ebenfalls au f eine letztendlich schwere psychi- sche Störung hin, die mit einer kontinuierlichen beruf lichen Tätigkeit nicht vereinbar ist. Im Aus- trittsbericht der Klinik L.____, welcher im Übrigen nicht in Kenntnis aller relevanten Akten, insbe- sondere der medizinischen Gutachten, erstellt wurde, wi rd denn auch nicht zur Arbeitsfähigkeit Stellung genommen. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die Beschwerdeführerin auf Aufforderung der IV-Stelle in diesen stationären Auf enthalt begeben hat und damit ihrer Scha- denminderungspflicht nachgekommen ist. 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf das Gutachten von Prof. D.____ vom 3. März 2015 und seiner Stellungn ahme vom 27. März 2017 zu 100 % arbeitsunfähig ist, wobei die Arbeitsfähigkeit im Verlaufe des Jahres 2009, eventuell bereits Ende 2008, eingetreten ist. Demzufolge ist die vorliegende B eschwerde gutzuheissen, die angefoch- tene Verfügung vom 3. Dezember 2019 aufzuheben und der Beschwerdeführerin ein ganze IV- Rente ab 1. April 2013 (Eingang der Anmeldung bei der SVA am 2. Oktober 2012) zuzusprechen. 8. Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG werden die Sozialversicheru ngen, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist, für ihre Leistungen nach Ab- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht lauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach des- sen Geltendmachung verzugszinspflichtig. Laut Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) vom 11. Sep tember 2002 beträgt der Satz für den Verzugszins fünf Prozent im Jahr. Der Verzugszins wird monatlich auf dem bis Ende des Vormonats aufgelaufenen Leistungsanspruch berechnet (Art. 7 Abs. 2 Satz 1 ATSV). Da die Be- schwerdeführerin vorliegend ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist, sind die Voraussetzungen für eine Verzugszinspflicht der IV-Stelle gegeben. Diese ist deshalb dem An- trag der Beschwerdeführerin entsprechend zu verpflichte n, die rückwirkend nachzuzahlenden Rentenleistungen nach Ablauf von 12 Monaten nach der Geltendmachung des Anspruchs, d.h. demnach mit Wirkung ab 1. Oktober 2013 zu 5 % pro Jahr zu verzinsen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Vorlie- gend ist die IV-Stelle unterliegende Partei. Die ord entlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt, und der geleistete Kostenvorschuss ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in sei- ner Honorarnote vom 25. Mai 2020 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insge- samt 17,49 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen grundsätzlich als angemessen erweist. Von der Beschwerdegegnerin nicht zu entschädigen ist jedoch der im Verkehr mit der Rechtsschutzversicherung entstandene Aufwand in der Höhe von 0,79 Stunden. Der Beschwerdeführer macht für seine Aufwendungen einen Stun- denansatz von Fr. 300.-- geltend. Praxisgemäss sind die Bem ühungen vorliegend jedoch nach dem für durchschnittliche Fälle in Sozialversicherungsprozess en zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Weiter macht der Rechtsvertreter Auslagen in der Höhe von Fr. 274.15 geltend. Auch diesbezüglich gilt, dass die Auslagen in der Höhe von Fr. 2.25, welche im Zusammenhang mit der Rechtsschutzversicherung entstanden sind, nicht zu entschä- digen sind. Zu berücksichtigen ist weiter, dass für Massenkopien lediglich ein Ansatz von Fr. 0.50 entschädigt wird. Am 24. Januar 2020 wurden 111 Kopi en à Fr. 1.50 geltend gemacht. Dieser Betrag ist folglich um Fr. 111.-- zu kürzen. Somit sind insgesamt Auslagen in der Höhe von Fr. 160.90 zu berücksichtigen. Der Beschwerdeführerin ist folglich eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'669.75 (16,7 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 160.90 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfü- gung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 3. Dezember 20 19 insoweit geändert, als festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. April 2013 Anspruch auf eine ganze Rente hat. 2. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat die rückwirkend n achzuzahlenden Rentenleistungen mit Wirkung ab 1. Oktober 2013 zu 5 % pro Jahr zu verzinsen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 4. Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin eine Par teientschädigung in der Höhe von Fr. 4'669.75 (inklusive Auslagen und 7,7 % Mehrwert- steuer) auszurichten. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht