Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. April 2017 (735 13 175 / 86) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Anspruch auf eine Invalidenrente aus beruflicher Vorsorge aufgrund psychischer Beein- trächtigungen abgelehnt; Würdigung von zwei sich widersprechenden Gerichtsgutachten Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Klägerin, vertreten durch Dieter R oth, Advokat, Zeughaus- platz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen B.____, Beklagte, vertreten durch Philipp A. d'Hon dt, Rechtsanwalt, Kellerhals Anwälte, Hirschgässlein 11, Postfach 257, 4010 Basel Betreff Invalidenrente A. Die 1959 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. F ebruar 1985 als Verkäuferin bei der C.____. Das Arbeitsverhältnis löste die Arbeitgeberin per 15. Oktober 2003 fristlos auf. Sie warf A.____ und drei anderen Personen Diebstahl bzw. Ver untreuung am Arbeitsplatz vor. Am 1. Dezember 2004 meldete sich A.____ unter Hinweis auf Depressionen und Angstzuständen seit der fristlosen Entlassung zum Bezug von Leistungen bei der Eidgenössischen Invalidenver- sicherung (IV) an. Nach Abklärung der erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse sprach ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Verfügung vo m 7. Dezember 2005 gestützt auf einen In- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht validitätsgrad von 50 % ab 1. Oktober 2004 eine halbe I nvalidenrente zu. Auf Gesuch der Ver- sicherten um Erhöhung der Invalidenrente klärte die IV -Stelle den medizinischen Sachverhalt erneut ab. Gestützt auf die Abklärungsergebnisse hielt sie mit Verfügung vom 9. Mai 2007 da- ran fest, dass die Versicherte lediglich einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe. Die im November 2008 eingeleitete Revision von Amtes wegen ergab desgleichen keine Änderung des Rentenanspruchs der Versicherten (vgl. Mitteilung vom 26. Januar 2011). B. Mit Schreiben vom 12. April 2011 ersuchte A.____ d ie B.____ um Ausrichtung einer hal- ben Invalidenrente. Die B.____ stellte sich mit Schreibe n vom 15. April 2011 auf den Stand- punkt, dass A.____ keinen Rentenanspruch aus beruflicher Vorsorge habe. In der Folge reichte A.____, vertreten durch Advokat Dieter Roth, am 10. Juni 2013 Klage gegen die B.____ ein. Sie beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihr mit Wirkung ab 1. Oktober 2004 eine halbe In- validenrente zuzüglich 5 % Zins auszurichten; unter o/e- Kostenfolge. Ausserdem sei ihr die un- entgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Zur Begründung führte sie an, dass sie im Rahmen des Arbeitsverhältnisses mit der C.____ für die berufliche Vorsorge bei der Beklagten versichert gewesen sei. Während dieses Vorsorgeverhältnisses sei sie a rbeitsunfähig geworden, weshalb ihr die IV-Stelle eine halbe Invalidenrente zugesproch en habe. Da die B.____ an den Renten- entscheid der IV-Stelle vom 7. Dezember 2005 gebunden sei, habe sie ab 1. Oktober 2004 An- spruch auf eine Invalidenrente aus beruflicher Vorsorge a uf der Basis eines Invaliditätsgrades von 50 %. C. Das Kantonsgericht wies mit Verfügung vom 29. August 2013 das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege mangels Vorlage der erforderlichen Unterlagen ab. D. In der Klageantwort vom 29. August 2013 beantrag te die Beklagte, vertreten durch Ad- vokat Philipp A. d'Hondt, die Abweisung der Klage. In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellte sie die Anträge, es sei durch das Gericht vorab ein neues psy chiatrisches Gutachten anzuordnen. Zudem sei auf eine Sichtung der Videobeweise, mit welchen der Klägerin ein strafbares Verhal- ten nachgewiesen werde, zu verzichten. Ferner sei vorfra geweise zu prüfen, ob die von der IV- Stelle gewährte Invalidenrente in Anwendung von Art. 21 Abs. des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 bereits durch die IV-Stelle hätte verweigert werden müssen. Zur Begründ ung führte die Beklagte an, gegen die Klägerin sei ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, nachdem mit den Vi- deoaufnahmen erstellt worden sei, dass sie zusammen mit drei Arbeitskollegen über längere Zeit Geldbeträge aus der Kasse der ehemaligen Arbeitgeberin veruntreut habe. Im Rahmen der Ermittlungen sei die Klägerin mehrmals befragt worden . Bald nach der Entlassung und der Er- öffnung des Strafverfahrens habe die Klägerin eine auf die Polizeiaktion zurückzuführende psy- chiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit geltend gemacht un d Rentenleistungen der IV beantragt. In Unkenntnis des tatsächlichen Sachverhalts habe die IV-Stelle der Klägerin sodann eine halbe Rente zugesprochen. Da die Videobeweise im Strafverfa hren rechtswidrig und deshalb nicht verwertbar gewesen seien, sei es zu keiner strafrechtlichen Verurteilung der Klägerin gekom- men. Dagegen seien die Videoaufnahmen im vorliegenden sozialversicherungsrechtlichen Ver- fahren als Beweise zulässig. In dieser Hinsicht verwies die B.____ auf die beim Kantonsgericht hängigen Parallelverfahren Nr. 735 12 79 und Nr. 72 0 11 230. In beiden Fällen habe das Bun- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht desgericht in seinen Entscheiden vom 10. Juni 2011 (9C_78 5/2010) und 8. Februar 2012 (BGE 138 V 125) festgehalten, dass die am Arbeitsplatz durch die Arbeitgeberin erstellten Videoauf- zeichnungen als Beweismittel zuzulassen seien. Aufgrund di eser Aufnahmen sei erstellt, dass die Klägerin während ihrer Anstellung bei der C.____ hohe Geldbeträge veruntreut habe und das Arbeitsverhältnis zu Recht fristlos aufgelöst worden se i. Das Kantonsgericht habe in den beiden genannten Verfahren entschieden, es sei auf die Erkenntnisse im zivilrechtlichen Ver- fahren abzustellen, weshalb auf eine Sichtung der Vid eoaufnahmen verzichtet werden könne. Aufgrund des hier gleich gelagerten Sachverhalts und der gleichen sich stellenden Rechtsfra- gen lägen keine Gründe vor, im vorliegenden Verfahre n nicht analog zu verfahren. Weiter be- stritt die Beklagte, dass sie an den Rentenentscheid der IV-Stelle gebunden sei. Ihr sei lediglich die Rentenverfügung vom 7. Dezember 2005, aber nicht d ie Revisionsverfügung vom 9. Mai 2007 eröffnet worden. Eine Bindungswirkung bestehe ohn ehin nur, soweit ein IV-Entscheid nicht offensichtlich unhaltbar sei. Eine solche Unhaltb arkeit sei hier gegeben, weil bei der Klä- gerin keine gesundheitlichen Einschränkungen beständen. Selbst wenn sie invalid wäre, müss- te ein Rentenanspruch gestützt auf Art. 21 Abs. 1 ATS G aufgrund des rechtswidrigen Verhal- tens der Klägerin abgelehnt werden. Ausserdem würde bei einer allfälligen Invalidität keine Ver- sicherungsdeckung bestehen, da die Klägerin gemäss medizini scher Aktenlage nicht während der Dauer des Arbeitsverhältnisses und der 30-tägigen Nachdeckungsfrist erkrankt sei. E. Nachdem die Klägerin durch ihren Rechtsvertreter di e Abweisung der Verfahrensanträ- ge beantragen liess, lehnte das Kantonsgericht im Instru ktionsverfahren mit Verfügung vom 22. November 2013 den Antrag der Beklagten hinsichtlic h der vorfrageweise Prüfung des Ren- tenanspruchs aufgrund von Art. 21 Abs. 1 ATSG vorläufig ab. Demgegenüber stellte es über- einstimmend mit der Beklagten fest, dass analog zu den Pa rallelverfahren die Videoaufnahmen als ein zulässiges und geeignetes Beweismittel zu betrachten seien, um die von der ehemaligen Arbeitgeberin behaupteten Delikte der Klägerin nachzu weisen. Es verzichtete auch auf die Sichtung der Videoaufzeichnungen. Zur Begründung führte das Kantonsgericht an, dass an der Verhandlung vom 17. November 2010 vor dem Präsidenten d es damaligen Bezirksgerichts X.____ stichprobenweise Videosequenzen vorgeführt und mit den Kassenstreifen und Angaben in den Auswertungsprotokollen der Videoüberwachung abgeglichen worden seien. Der als Aus- kunftsperson befragte Detektiv habe sodann bestätigt, anha nd der Videoaufnahmen könne nachgewiesen werden, dass sich die Klägerin während ihre n Arbeitseinsätzen mehrfach zum Nachteil der C.____ bereichert habe. Gestützt auf die V ideoaufzeichnungen lägen Hinweise vor, dass die Klägerin strafbare Handlungen begangen ha be. Da die mit dem vorliegenden Fall befassten psychiatrischen Fachpersonen davon ausgegangen sei en, dass sich die Klägerin nicht strafbar gemacht habe, hätten sie den Gesundheitszu stand aufgrund eines falschen Sachverhalts beurteilt. Das Bundesgericht habe deshalb das Kantonsgericht in den Parallelver- fahren zur Anordnung eines neuen psychiatrischen Gutachtens angehalten. Es rechtfertige sich hier ein analoges Vorgehen. In der Folge wurde die E inholung eines psychiatrischen Gerichts- gutachtens angeordnet. Als Gutachterstelle wurde die D.____ bestimmt. F. Die Begutachtung nahm Dr. med. E.____, FMH Psychiat rie und Psychologie, vor. In ihrem Gutachten vom 24. Juni 2014 (Eingang: 13. Novem ber 2014) kam sie zum Schluss, dass Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Klägerin aufgrund einer zurzeit leichten bis mitte lgradigen, chronifizierten depressiven Epi- sode zu 50 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. G. Nach Vorliegen der Stellungnahmen der Parteien vom 14. Januar 2015 sistierte das Kantonsgericht im Hinblick auf die nahezu identischen me dizinischen Sachverhalte in den Pa- rallelfällen und der demnächst stattfindenden Urteilsberatungen am 26. Januar 2015 das vorlie- gende Klageverfahren. Nachdem im ersten Parallelfall (720 11 230) am 23. April 2015 ein Urteil gefällt und im zweiten (735 12 79) das Verfahren mit Beschluss des Kantonsgerichts vom 23. April 2015 ausgestellt und ergänzende Auskünfte bei der Gerichtsgutachterin eingeholt wurden, hob das Kantonsgericht am 20. August 2015 die Sistierung des vorliegenden Verfah- rens auf. H. Am 21. Oktober 2015 hielt die Klägerin durch ihre n Rechtsvertreter an ihren Anträgen und Ausführungen fest. Das Gutachten von Dr. E.____ se i schlüssig und nachvollziehbar, wes- halb keine Zusatzfragen erforderlich seien. Dieser Ansicht konnte sich der Rechtsvertreter der Beklagten mit Stellungnahme vom 31. Dezember 2015 nich t anschliessen. Mit Verweis auf die Ausführungen im Privatgutachten von Prof. Dr. med. G. ____, Ordinarius für Forensische Psy- chiatrie und Rechtsmedizin an der Universität Basel, vom 19 . November 2015 stellte sie sich auf den Standpunkt, dass das Gerichtsgutachten gravierend e Mängel aufweise und dadurch nicht zuverlässig genug sei, um darauf abstellen zu könn en. Es sei deshalb eine zweite Begut- achtung durch eine andere ausgewiesene Fachperson durch zuführen. Sollte das Gericht von einer Zweitbegutachtung absehen, werde Dr. E.____ er sucht, auf die Kritikpunkte von Prof. G.____ näher einzugehen und die 13 von der Beklagten formulierten Ergänzungsfragen in einem Nachtrag zum Gutachten zu beantworten. I. In der Verfügung vom 5. Februar 2016 erachtete d as Kantonsgericht im Instruktionsver- fahren das Gutachten von Dr. E.____ vom 24. Juni 201 4 als nicht hinreichend schlüssig. Es ordnete deshalb die Einholung eines zweiten Gerichtsgutachtens an. Als Gutachterin bestimmte es Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie. I m Einverständnis der Parteien wur- de Dr. F.____ am 14. April 2016 der Begutachtungsauft rag erteilt. In ihrem psychiatrischen Fachgutachten vom 9. September 2016 konnte Dr. F.___ _ keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. J. Advokat Dieter Roth nahm am 28. Dezember 2016 name ns und im Auftrag der Klägerin Stellung zum Gerichtsgutachten. Er beantragte, es sei d ie Beklagte in Gutheissung der Klage zu verurteilen, der Klägerin eine halbe Invalidenrente ab dem 1. Oktober 2004 zuzüglich 5 % Zins auszurichten. Eventualiter sei ein Obergutachten be i einer unabhängigen und nicht vorbe- fassten Fachperson einzuholen. Das Gutachten von Dr. F._ ___ sei in mehreren Punkten man- gelhaft. Die Einschätzung der Gutachterin, wonach die K lägerin nie psychiatrisch erkrankt sei, bedeute, dass alle bisher behandelnden und begutachten den Fachärztinnen und Fachärzte unfähig und ihre Beurteilungen unzulänglich seien. E s sei jedoch nicht möglich, anhand einer einzigen Untersuchung zu einer solchen abweichenden Einschä tzung zu kommen, ohne sich selbst dem Vorwurf auszusetzen, wissenschaftlich unseriös zu a rbeiten. Dazu komme, dass im Sozialversicherungsbereich die Tendenz bestehe, bei den v ersicherten Personen keine Krank- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht heiten mehr festzustellen. Zu gross sei das Risiko für die Fachpsychiater, keine Gutachtensauf- träge mehr zu erhalten, wenn sie zu patientenfreundlich e Beurteilungen abgäben und damit teure Versicherungsleistungen auslösten. Offensichtlich sei Dr. F.____ in die gleiche Falle ge- tappt, indem sie sich durch die Kritik des prominenten Fo rensikers Prof. G.____ am Gutachten von Dr. E.____ berufen gesehen habe, zur gegenteiligen Einschätzung aller Vorgutachter zu gelangen. Wie aus der Stellungnahme des behandelnden Psychiaters Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 11. Dezember 2016 he rvorgehe, erachte er die Beurtei- lung von Dr. F.____ ebenfalls als unhaltbar. Das Gutacht en von Dr. F.____ sei deshalb unver- wertbar und folglich aus den Akten zu nehmen. Gestützt a uf das beweiskräftige Gutachten von Dr. E.____ vom 24. Juni 2014 sei davon auszugehen, dass die Klägerin zu 50 % in ihrer Ar- beitsfähigkeit eingeschränkt sei. K. Der Rechtsvertreter der Beklagten bezeichnete das Guta chten von Dr. F.____ in seiner Eingabe vom 28. Dezember 2016 dagegen als überzeugend. Es lasse keine relevanten Fragen offen, sei präzise, beinhalte eine umfassende Übersicht d es Sachverhalts und eine ernsthafte, gründliche Auseinandersetzung mit den Verfahrensakten. D r. F.____ führe zudem detailliert auf, weshalb ihre Berufskollegen und Berufskollegin f alsch lägen. Die Gutachterin bejahe fak- tisch das Vorliegen einer Simulation, indem sie aufzeig e, dass zahlreiche Aussagen und das Verhalten der Klägerin entweder nachweislich falsch ode r unglaubwürdig seien. Es sei deshalb erstellt, dass die Klägerin nicht invalid sei. Angesichts des eindeutigen Ergebnisses der Gutach- terin sei der Beklagten aufgrund einer mutwilligen bzw . leichtsinnigen Prozessführung der Klä- gerin ausnahmsweise eine Parteientschädigung zu bezahlen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) vom 25. Juni 1982 bezeichne t jeder Kanton ein Gericht, das als letzte kantonale Instanz über die Streitigkeiten zwischen Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und Anspruchsberechtigten entscheidet. Massgeblich ist da bei, dass es sich um einen Streit betreffend die berufliche Vorsorge im engeren oder weiteren Sinn handelt. Im Vordergrund ste- hen dabei Streitigkeiten zwischen Anspruchsberechtigen und Vorsorgeeinrichtungen, welche insbesondere Vorsorge- beziehungsweise Freizügigkeitsleis tungen zum Gegenstand haben (vgl. HANS -ULRICH STAUFFER , Berufliche Vorsorge, Zürich/Basel/Genf 2012, S. 724 f.). 1.2 Gerichtsstand ist in den vorgenannten Fällen der schw eizerische Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebes, bei welche m die versicherte Person angestellt wurde (Art. 73 Abs. 3 BVG). Im Kanton Basel-Landschaf t liegt die sachliche Zuständigkeit zur Beurteilung dieser Streitigkeiten gemäss § 54 Abs. 1 li t. h des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 beim Kantonsgericht. Vorlie- gend wohnt die Klägerin in Y.____. Das Kantonsgericht ist demnach sachlich und örtlich zur Beurteilung der Klage vom 10. Juni 2013 zuständig. D a die übrigen Sachurteilsvoraussetzun- gen ebenfalls erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beklagte verpf lichtet ist, der Klägerin ab 1. Oktober 2004 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50 % eine Invalidenrente auszurichten. 2.2 Gemäss Art. 23 lit. a BVG haben Personen Anspruch au f Invalidenleistungen, die im Sinne der IV zu mindestens 40 % invalid sind und bei Ei ntritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ur- sache zur Invalidität führte, versichert waren. Aus der e ngen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der IV und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der ber uflichen Vorsorge und in der IV grundsätz- lich identisch ist. Aufgrund von Art. 6 BVG steht es den Vorsorgeeinrichtungen aber frei, nicht nur im Bereich der weitergehenden Vorsorge, sondern a uch im obligatorischen Bereich den Invaliditätsbegriff in ihren Statuten oder Reglement en zugunsten der versicherten Personen zu erweitern oder Invalidenrenten schon bei einem Invalid itätsgrad von weniger als 40 % auszu- richten. Das vorliegend anwendbare Vorsorgereglement der Beklagten geht von keinem ande- ren Invaliditätsbegriff aus als das Recht der IV. Abweic hend zur gesetzlichen Regelung nach BVG sieht das Vorsorgereglement jedoch einen Anspruch auf eine temporäre Invalidenrente für versicherte Personen vor, die von der IV eine Invalidenren te zugesprochen erhalten haben (Zif- fer 15.1) oder eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 25 % aufweisen, sofern mindestens eine Anmeldung bei der IV erfolgt ist (Ziffer 15.2). Gemä ss Ziffer 17.2 hat die versicherte Person Anspruch auf die ganze temporäre Invalidenrente, wenn sie im Sinne der IV mindestens zu zwei Dritteln, auf eine halbe Rente, wenn sie mindeste ns zu 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 25 % invalid ist. 2.3 Die obligatorische Versicherung beginnt mit dem Ant ritt des Arbeitsverhältnisses (Art. 10 Abs. 1 BVG). Die Versicherungspflicht endet, wenn der A nspruch auf eine Altersleistung ent- steht, das Arbeitsverhältnis aufgelöst oder der Mindestlohn unterschritten wird (Abs. 2). Für das Risiko der Invalidität bleibt die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer während eines Monats nach Auflösung des Vorsorgeverhältnisses bei der bisherige n Vorsorgeeinrichtung versichert, ausser wenn während dieser Zeit ein neues Vorsorgeverhältnis begründet wird (Abs. 3). Da das Arbeitsverhältnis der Klägerin mit der C.____ per 15. Oktober 2003 fristlos aufgelöst wurde, erstreckt sich das Versicherungsverhältnis unter Berücksichtigun g der einmonatigen Nachde- ckungsfrist gemäss Art. 10 Abs. 3 BVG bis 15. November 2003. 3.1 Aufgrund des grundsätzlichen identischen Invaliditäts begriffs in den Rechtsgebieten der IV und der BV sind die Vorsorgeeinrichtungen im Berei ch der gesetzlichen Mindestvorsorge rechtssprechungsgemäss an die Feststellungen der Organe der IV (Rentenanspruch, Renten- beginn, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, so weit sich die IV-rechtliche Betrach- tungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der A kten nicht als offensichtlich unhaltbar erweist. Mit der Bindungswirkung soll einerseits eine ge wisse (nicht uneingeschränkte) materi- ell-rechtliche Koordination zwischen erster und zweiter Sä ule angestrebt, andererseits sollen die Organe der beruflichen Vorsorge von eigenen aufwän digen Abklärungen freigestellt werden (BGE 133 V 69 E. 4.3.2, 132 V 4 E. 3.2). Eine Bindu ngswirkung entfällt hingegen, wenn die Vorsorgeeinrichtung nicht spätestens im Vorbescheidverf ahren in das invalidenversicherungs- rechtliche Verfahren einbezogen und ihr die Verfügung nicht formgültig eröffnet wurde (BGE 130 V 273 f. E. 3.1; vgl. auch: Urteil des Bundesgeri chts vom 28. Februar 2012, 9C_702/2011, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3.1, je mit weiteren Hinweisen). Dem BVG-Versichere r steht ein selbstständiges Beschwer- derecht im Verfahren nach dem Bundesgesetz über die I nvalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 zu. 3.2.1 Die IV-Stelle sprach der Klägerin mit Verfügung vom 7. Dezember 2005 und mit Wirkung ab 1. Oktober 2004 eine halbe Invalidenrente zu. Die se in Rechtskraft erwachsene Verfügung wurde der Beklagten unbestrittenermassen eröffnet. Im R ahmen eines Gesuchs der Klägerin auf Rentenerhöhung bestätigte die IV-Stelle mit Vor bescheid vom 21. März 2007 den bisheri- gen Rentenanspruch. Obwohl die Beklagte auf dem Verte iler dieses Vorbescheids aufgeführt war und sie Einwände dagegen erhoben hatte, unterlie ss es die IV-Stelle, ihr die auf den Vor- bescheid folgende Verfügung vom 9. Mai 2007 zuzustellen. Erst auf Anfrage hin liess die IV- Stelle der Beklagten schliesslich am 1. Oktober 2008 ein e Kopie der Verfügung zukommen. Mit Schreiben vom 3. November 2008 verzichtete die Beklagte mi t Vorbehalten auf ein Ansetzen einer Rechtsmittelfrist. Demgegenüber wurde die im Rah men eines weiteren Revisionsverfah- rens erfolgte Mitteilung vom 26. Januar 2011, mit wel cher die bisherige Invalidenrente wie- derum bestätigt wurde, der Beklagten zugestellt. 3.2.2 Aufgrund der gegenüber der Beklagten formgülti g eröffneten, rechtskräftigen Verfügung vom 7. Dezember 2005 und der Tatsache, dass der reglemen tarische Invaliditätsbegriff mit der IV-rechtlichen Invaliditätsdefinition übereinstimmt, be steht grundsätzlich eine Bindungswirkung der Beklagten an den IV-Rentenentscheid. Ob mit der fehlenden Zustellung der Revisionsverfü- gung vom 9. Mai 2007 an die Beklagte die Bindungswirku ng aufgehoben wurde, ist fraglich, wurde doch mit dieser Verfügung lediglich der Renten anspruch der Klägerin bestätigt. Diese Frage kann jedoch aufgrund der nachfolgenden Erwägun gen offen gelassen werden. Immerhin ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass gemäss bunde sgerichtlicher Rechtsprechung die Bindungswirkung des von der IV-Stelle ermittelten Invaliditätsgrades für die Vorsorgeeinrichtung grundsätzlich bis zur Änderung des Anspruchs gestützt auf A rt. 17 Abs. 1 ATSG (materielle Revision) oder allenfalls auf Art. 53 Abs. 1 oder 2 ATS G (prozessuale Revision, Wiedererwä- gung; BGE 133 V 67) bestehen bleibt. Für den Bereich der weitergehenden Vorsorge kann das Reglement im Rahmen der verfassungsmässigen Schranken (wi e Rechtsgleichheit, Willkürver- bot und Verhältnismässigkeit; BGE 140 V 348 E. 2.1 S. 3 50) eine eigene Ordnung aufstellen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2015, 9C_457/2 014, E. 3,6; BGE 141 V 127 E. 5.2, 138 V 409). Vorliegend sieht das Vorsorgereglement der Klägerin in Bezug auf Rentenanpas- sungen keine abweichende Regelung vor. Dies bedeutet, d ass für eine Revision der Rente der in der Invalidenversicherung massgebende Art. 17 Abs. 1 ATSG oder allenfalls Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG analog anwendbar ist, und zwar auch im Bere ich der weitergehenden Vorsorge. Eine Bindungswirkung der Beklagten an den IV-Rentenentscheid würde demnach grundsätzlich nur dann entfallen, wenn die Revisionsvoraussetzungen gemäss ATSG erfüllt sind. 3.3 Die grundsätzliche Verbindlichkeit der Invaliditätsschä tzung der Invalidenversicherung und die sinngemässe Anwendbarkeit von Art. 17 Abs. 1 ATS G bzw. Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG bedeutet indessen nicht, dass die Vorsorgeeinrichtung b is zum rechtskräftigen Abschluss des IV-rechtlichen Revisionsverfahrens an den ursprünglichen I nvaliditätsgrad gebunden ist und mindestens solange entsprechende Leistungen auszurichten hat. Es kann ihr nicht verwehrt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden, die Invalidenleistungen autonom anzupassen ode r einzustellen, wenn sich deren Grundlagen nachträglich als offensichtlich unrichtig erwei sen (BGE 138 V 409 E. 3.2 S. 415; Urteil des Bundesgerichts vom 19. Januar 2017, 9C_83/201 6, E. 3.2 mit Hinweisen). Ebenso wenig wie eine Vorsorgeeinrichtung an einen IV-Entsche id gebunden ist, wenn dieser offen- sichtlich unhaltbar ist, besteht eine Bindungswirkung, wen n die B.____ die offensichtliche Feh- lerhaftigkeit des Entscheides, auf welchen sie sich abges tützt hatte, erst nachträglich erkennt (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2015, 9C_457/2 014; BGE 140 V 348 E. 2.1 S. 350, 138 V 409 E. 3.2 S. 415 f.). 4.1 Die Beklagte macht geltend, dass die IV-Verfügung vom 7. Dezember 2005 offensicht- lich unhaltbar sei. Dies ist zu prüfen. Die Annahme eine r offensichtlichen Unhaltbarkeit ist an strenge Voraussetzungen geknüpft. Es wird eine qualifizierte, augenfällige und sofort erkennba- re Fehlerhaftigkeit des IV-Entscheides verlangt. Dieser m uss somit eine Norm oder einen un- umstrittenen Rechtssatz krass verletzen, sich mit sachlichen Gründen schlechterdings nicht vertreten lassen oder in stossender Weise dem Gerechtigke itsgedanken zuwiderlaufen. Ein Beispiel dafür ist eine einseitige Würdigung medizinisch er Gutachten (MARKUS MOSER , Die be- rufsvorsorgerechtliche Bindungswirkung von IV-Entscheiden: Ruhekissen oder Prokrustesbett?, in: AJP 2002, S. 927). Eine Beweiswürdigung ist jedoc h nicht bereits unhaltbar, wenn eine an- dere Lösung ebenfalls vertretbar ist oder gar vorzuziehe n wäre, sondern erst, wenn der Ent- scheid zur tatsächlichen Situation im Widerspruch steht o der auf einem offenkundigen Fehler beruht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Februar 20 10, 9C_73/2009, E. 3.2). Offensichtli- che Unhaltbarkeit ist auch dann anzunehmen, wenn klare u nd aktenkundige Tatsachen über- gangen wurden (M ARC HÜRZELER , Invaliditätsproblematiken in der beruflichen Vorso rge, Ba- sel/Genf/München 2006, S. 202 f.). 4.2 Die IV-Stelle stützte sich bei ihrer Rentenverfügun g vom 7. Dezember 2005 auf das Gutachten von Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychoth erapie, vom 27. April 2005. Da- nach leide die Klägerin mit Auswirkungen auf die Arbe itsfähigkeit an einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode. Aufgrund ihrer psychischen Erkrankung könne sie lediglich noch vier Stunden täglich eine Tä- tigkeit wie z.B. im Büro, im Verkauf oder als Hilfsarbe iterin ausüben. Dr. I.____ ging dabei da- von aus, dass der von der ehemaligen Arbeitgeberin gegen über der Klägerin erhobene Dieb- stahl- und Veruntreuungsvorwurf zu Unrecht erfolgt bzw. unbewiesen sei. Das Kantonsgericht betrachtete es nun allerdings in seiner Verfügung vom 2 2. November 2013 mit einer einlässli- chen Begründung als erstellt, dass der Klägerin ein del iktisches Verhalten zum Nachteil ihrer ehemaligen Arbeitgeberin vorzuwerfen sei. An der heut igen Urteilsberatung sieht das Kantons- gericht keinen Anlass, von dieser Feststellung abzuweiche n. Es wird deshalb auf die Ausfüh- rungen in der Verfügung vom 22. November 2013 verwie sen. Daran ändert auch die von der Klägerin geltend gemachte strafprozessuale Unschuldsvermu tung nichts. Wie bereits erwähnt, stellte das Bundesgericht in den beiden Parallelfällen verbindlich fest, dass die Videoaufnah- men im arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Verfahren - im Gegensatz zum Strafverfah- ren - als Beweise verwertbar seien. Auch wenn es nie zu e iner strafrechtlichen Verurteilung mangels Zulässigkeit der Videoaufnahmen als Beweismittel gekommen ist, so ist zumindest für das vorliegende Verfahren der rechtsgenügliche Nachweis eines strafbaren Verhaltens der Klä- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gerin erbracht. Damit steht gleichzeitig fest, dass Dr. I.____ den Gesundheitszustand der Kläge- rin nicht in Kenntnis der tatsächlichen Umstände beurtei lte, indem er fälschlicherweise von der Unschuld der Klägerin ausging. Das Bundesgericht nimmt in einem solchen Fall an, dass ein Gutachten seine Beweiskraft verliert und deshalb eine noch malige Begutachtung notwendig ist (vgl. BGE 138 V 125 E. 3.2). Da somit nicht auf das Gu tachten von Dr. I.____ vom 27. April 2005 abgestellt werden kann, erweist sich die Rentenver fügung vom 7. Dezember 2005 als zweifellos unrichtig. Demgemäss ist die Beklagte nicht an d ie Rentenverfügung der IV-Stelle vom 7. Dezember 2005 gebunden. 5.1 Aufgrund der nachgewiesenen Delikte der Klägerin ordnete das Kantonsgericht im In- struktionsverfahren entsprechend den bundesgerichtlichen Vorgaben in den beiden Parallelfäl- len mit Verfügung vom 22. November 2013 eine nochmali ge psychiatrische Begutachtung bei der D.____ an. Nach einer zweistündigen Untersuchung dia gnostizierte die Gutachterin der D.____, Dr. E.____, in ihrem Gutachten vom 23. Juni 2 014 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä- higkeit eine leichte bis mittelgradige, chronifizierte depressive Episode (ICD-10 F.32.0). Die Persönlichkeitsakzentuierung beeinflusse die Arbeitsfähigkeit dagegen nicht. In der Beurteilung führte sie aus, dass sich bei der Klägerin infolge der polizeilichen Einvernahme und der Kündi- gung im Oktober 2003 eine akute psychische Symptomatik en twickelt habe. Anlässlich der Un- tersuchung habe sie festgestellt, dass insgesamt ein geri nger spontaner Rapport bestehe. Die Klägerin sei spürbar vorsichtig-misstrauisch. Bei verschlosse ner Grundhaltung wirke sie psychomotorisch adynam, apathisch, müde und sediert. Die S timmung imponiere resignativ- teilnahmslos und kaum moduliert. Trotz des im therapeu tischen Bereich liegenden Medikamen- tenspiegels berichte sie über Durchschlafstörungen und A lbträume. Weiter bestehe eine An- triebsstörung mit Morgentief. Die Beeinträchtigung der affektiven Modulationsfähigkeit sei in der Untersuchungssituation nicht von der bewusst vorsichtig-ver schlossenen Grundhaltung zu tren- nen. Ihr Freudeempfinden sei teilweise, z.B. bei ihren Enkelkindern, erhalten. Die formalen Ge- dankengänge seien geordnet und kohärent. Die Interessen slage werde bei sozialem Rückzug reduziert dargestellt. Aufgrund ihrer resignativen, un gewöhnlichen Teilnahmslosigkeit, des ge- minderten Antriebes und des Hinweises auf einen Intere ssensverlust seien mindestens zwei Hauptkriterien für die Diagnose einer Depression erfül lt. Als Zusatzsymptome seien ein man- gelndes Selbstwertgefühl, pessimistische Zukunftsgedanken u nd Schlafstörungen zu nennen. Erkennbar seien auch ein somatisches Syndrom mit Druckgefühl auf der Brust, Atemlosigkeit und Engegefühl im Hals. Während ihrer Adoleszenz hätte n Vulnerabilitätsfaktoren bestanden, welche die Entwicklung des psychischen Störungsbildes begünst igt hätten. Die Kündigung und Strafverfolgung hätten sich dann als belastende Lebensereignisse auf die Lebensumstände der Klägerin ausgewirkt. In der Folge seien Störungen der Anpassungsfähigkeit aufgetreten, die sich über die Jahre verfestigt hätten. Da eine Anpassung sstörung Ausdruck einer reduzierten Anpassungsfähigkeit sei und sich als Reaktion auf untersc hiedlichste Auslösungsfaktoren ent- wickeln könne, hätte diese unabhängig von der Verhaftu ng und der Kündigung eintreten kön- nen. Im Zusammenhang mit der öffentlichen Blossstellung steige zudem die Wahrscheinlichkeit, aufgrund versagender Kompensationsmechanismen, unabhäng ig von objektiver Schuld, mit Scham zu reagieren und sich zurückzuziehen. Aufgrund der mehrjährigen chronifizierten Symp- tomatik der Klägerin bestehe unter Berücksichtigung der aktuellen Medikation eine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit von 50 %. Dabei müsse die M öglichkeit bestehen, den Arbeitsbeginn, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht die tägliche Arbeitszeit sowie die Pausen, flexibel zu g estalten. Arbeiten an Maschinen und un- ter Zeitdruck seien ungeeignet. Das Störungsbild der Kl ägerin stehe im direkten Zusammen- hang mit der Verhaftung und Entlassung, weshalb davon auszugehen sei, dass die Krankheit und die Arbeitsunfähigkeit am Tag der Entlassung oder innert der Nachdeckungsfrist eingetre- ten seien. Ob die Klägerin bei Beginn der Arbeitsunf ähigkeit simuliert habe, könne weder auf- grund ihrer Aussagen noch der Aktenlage beantwortet werden. Die Tatsache, dass sie während 3 Wochen stationär behandelt worden und trotz überwach ter Medikamenteneinnahme sympto- matisch gewesen sei, deute darauf hin, dass keine Simula tion vorliege. Eine appellative Ver- deutlichung der Symptome zu Behandlungsbeginn wäre als zur Störung zugehörig zu bewerten. Im Verlauf des Verfahrens sei es aber auch zu bewusstseins nahen Aggravationen gekommen. Aussagen zur Frage, wie das Auftreten von psychischen Erkran kungen bei drei von vier Arbeit- nehmern am Tag der gerechtfertigten fristlosen Entlassung erklärt werden könne, könnten nicht gemacht werden; dies wäre zu spekulativ. 5.2 Das Kantonsgericht stellte in seiner Verfügung vom 5. Februar 2016 fest, dass das Gut- achten von Dr. E.____ vom 24. Juni 2014 nicht schlüssig g enug sei, um darauf abstellen zu können. In der Folge beauftragte es Dr. F.____ mit einer Zweitbegutachtung. Sie führte in ihrem Gutachten vom 9. September 2016 keine Diagnosen mit Ausw irkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf. Es sei möglich, dass die Klägerin im Anschluss an die polizeiliche Einvernahme und die fristlose Entlassung Ende 2003 an einer akuten Belastu ngsreaktion und/oder Anpassungsstö- rung gelitten habe; diese hätten aber keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt. Bei An- passungsstörungen seien die diagnostischen Kriterien selb st bei einer leichtgradigen depressi- ven Episode nicht erfüllt. Sie führten daher nicht zu e iner anhaltenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Es sei davon auszugehen, dass bei der Klägerin seit Frühjahr 2004 keine rele- vante depressive Symptomatik mehr vorgelegen habe. Bereits im Dezember 2003 sei sie in der Lage gewesen, nach Z.____ zu reisen. Sie habe an der Untersuchung von einer traurigen Stimmung, Freudlosigkeit, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, schlechten Träumen und gelegentlichen Durchschlafstörung en berichtet. Der aktuelle psycho- pathologische Befund sei jedoch im Wesentlichen unauffä llig. Augenfällig sei einzig, dass sie bei der Untersuchung ein sehr kontrolliertes Verhalten gezeigt, lange überlegt und vorsichtig geantwortet habe. Die Starrheit und Adynamie sei auf eine bewusste Selbstkontrolle zurückzu- führen und nicht als Symptom einer psychischen Krankheit zu werten. Gegen das Vorliegen einer relevanten psychischen Störung spreche auch die Tatsache, dass die Klägerin im privaten Bereich kaum eingeschränkt sei. Sie pflege einen engen K ontakt mit ihrer Schwester, besuche regelmässig das Grab der verstorbenen Schwester, fahre Au to und verbringe einmal im Jahr Ferien in Kroatien. Die Hausarbeit habe sie sich schon im mer mit ihrem Ehemann geteilt. Es gebe keine Hinweise auf eine Minderung der Ressourcen, sei sie doch in der Lage gewesen, ihre Schwester über längere Zeit täglich mit dem Auto zu besuchen. Zudem habe die Klägerin im Rahmen der polizeilichen Einvernahme im Jahr 2004 ein klares, gut strukturiertes, selbstbe- wusstes und forderndes-vorwurfsvolles Verhalten gezeigt, was gegen eine relevante depressive Symptomatik spreche. Was die Konsistenz ihrer Angaben ang ehe, so seien ihre Aussagen in Bezug auf ihre Einschränkungen sehr vage und ausweichend geblieben. Selbst auf Nachfrage habe sie die angegebene Müdigkeit und die mangelhafte Konzentration nicht näher oder mit Beispielen erklären können. Die anfänglich gezeigte Müd igkeit mit wiederholtem Augenschlies- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen kontrastiere mit der guten Durchhaltefähigkeit wäh rend der knapp vierstündigen Untersu- chung ohne Zeichen einer nachlassenden Aufmerksamkeit und d er wachen Präsenz, wenn es um spezifische Nachfragen über die verschiedenen Rechtsverf ahren gegangen sei. Weiter ha- be sie angegeben, sich an einzelne Vorgänge nicht zu er innern. Dieses Nichterinnern sei aber auf belastende Umstände begrenzt gewesen. In Bezug auf neutrale Inhalte sei ihr Erinnerungs- vermögen nicht eingeschränkt gewesen. So habe sie die G eburtsjahrgänge der Eltern, die Ge- burtsdaten der Töchter, der Name der ehemaligen Vorg esetzten und die Medikamente ein- schliesslich Dosierungen ohne Probleme angeben können. Im Rahmen der grob kursorischen Testung habe die Klägerin einerseits normale Leistunge n im Kopfrechnen gezeigt. Bei einer einfachen Multiplikationsaufgabe (3 x 17) und beim sogen annten Drei-Wort-Test (Erinnern von drei Begriffen nach mehreren Minuten) habe sie auffä llig daneben geantwortet (52? 53? 54?; Kugelschreiber, Elefant und Fliege anstelle von Bleistif t, Elefant und Maus). Auf wiederholte Nachfrage habe die Klägerin die drei Begriffe schliessl ich korrekt angegeben. Dieses Verhalten erinnere an eine sogenannte Pseudodemenz im Sinne eine s Ganser-Syndroms, dessen Be- wusstseinsnähe in der Lehre kontrovers diskutiert werde. Da s von der Klägerin angegebene selektive Nichterinnern und das auffällige Danebenantwo rten seien nicht durch psychiatrische oder kognitive Faktoren zu erklären. Die widersprüchlich en Angaben, das auffällige Krankheits- verhalten und die zahlreichen Hinweise auf eine Aggravation und Simulation zögen wie ein roter Faden durch die Unterlagen und nähmen einen grossen R aum im Dossier ein. In der Gesamt- schau der vorhandenen Akten und Befunde müsse festgestel lt werden, dass die Kriterien der Konsistenz nicht erfüllt seien. Die von der Klägerin an gegebenen Beschwerden könnten nicht objektiviert werden und die zahlreichen Inkonsistenzen sei en nicht durch psychische Faktoren zu erklären. Es handle sich vielmehr mit überwiegender Wa hrscheinlichkeit um ein offensicht- lich vorgetäuschtes, zweckgerichtetes, nicht-authentisches V erhalten mit dem Ziel, finanzielle Leistungen zu erhalten oder einer Strafverfolgung zu e ntgehen. Da keine psychische Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt wer den könne, bestehe sowohl in der ange- stammten Tätigkeit im Verkauf und an der Kasse als auch in einer anderen vergleichbaren Tä- tigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit. 6.1 Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gerichtsgu tachten der freien richterlichen Be- weiswürdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden d ie Vollständigkeit, die Nachvollziehbar- keit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverh alt stützt und den Befund ausreichend begründet. In Sachfragen weicht das Gericht jedoch "nich t ohne zwingende Gründe" von einer gerichtlichen Expertise ab (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingehol- tes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Sch lussfolgerungen gelangt. Eine ab- weichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusse- rungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig gen ug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberex- perten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexper tise vom Ergebnis des Gerichtsgut- achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinwei- sen). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Vorliegend kommen die zwei Gerichtsgutachterinnen zu gegenteiligen Beurteilungen. Während Dr. E.____ der Klägerin aufgrund einer leich ten bis mittelgradigen, chronifizierten de- pressiven Störung eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in eine r leidensangepassten Tätigkeit attestiert, kann Dr. F.____ keine psychiatrische Diagnosen feststellen , welche die Arbeitsfähigkeit beein- flussen. Nach eingehender Würdigung der beiden Gutacht en schliesst sich das Dreiergericht der Auffassung des Instruktionsrichters in seiner Verfügu ng vom 5. Februar 2016 an, wonach das Gutachten von Dr. E.____ vom 24. Juni 2014 nicht bewe iskräftig genug sei, um darauf ab- stellen zu können. Im Gegensatz zum Gutachten von Dr. F.____ vom 9. September 2016 ist dasjenige von Dr. E.____ nicht sehr strukturiert und i hre Diagnose einer depressiven Erkran- kung ist nur oberflächlich begründet. Zudem ist ihre Beu rteilung teilweise unverständlich oder unvollständig. Sie legt auch nicht differenziert dar, inwieweit die von ihr aufgeführten funktionel- len Einschränkungen die Arbeitsfähigkeit der Klägeri n zu 50 % einschränken. Eine entspre- chende sorgfältige Auseinandersetzung ist umso erforderlicher, als gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung aus einer leichten bis mittelgradigen de pressiven Episode in der Regel keine 50%ige Arbeitsunfähigkeit resultieren kann. Daran änd ert auch die von Dr. E.____ aufgeführte Chronifizierung der depressiven Störung nichts, geht doch aus ihren Empfehlung auf Seite 26 ihres Gutachtens hervor, dass die Erkrankung behandelbar ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. November 2015, 9C_125/2015, E. 7.2.1 mit Hin weisen). Im Zusammenhang mit der Diagnosestellung gibt sie an, dass zwischen krankheitsbedin gtem und medikamentösem Effekt nicht klar unterschieden werden könne (Seite 21). Ob u nd allenfalls wie sich diese Unklarheit auf ihre Diagnosestellung und ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auswirkt, erläutert sie jedoch nicht. Ausserdem erweist sich die von Dr. E.____ erhobene Anamnese als zu knapp. Anhand der sehr ausführlichen Anamneseerhebung von Dr. F.__ __ wird deutlich, dass Dr. E.____ eini- ge Informationen gefehlt haben, welche für die Beur teilung des Gesundheitszustandes der Klä- gerin von Bedeutung sind (wie z.B. die widersprüchliche n Auskünfte des Hausarztes und des behandelnden Arztes über die Sedierung oder die Angab en der derzeitigen Arbeitgeberin, dass bei der Klägerin keine psychischen Auffälligkeiten festzuste llen gewesen seien). Schliesslich beantwortet Dr. E.____ die hier zentrale Frage der S imulation missverständlich. Einerseits weicht sie dieser Frage aus, indem sie angibt, dass sie diese aufgrund der Aussagen der Kläge- rin und der Aktenlage nicht beantworten könne (Seite 25). Andererseits verneint sie an einer anderen Stelle letztlich das Vorliegen einer Simulati on (Seite 24). Zur Begründung hierfür weist sie auf das Ereignis vom 3. Mai 2010, bei welchem die Kl ägerin den Diebstahl eines Staubsau- gers als gottbefohlen erklärt habe, was zu einem dreiwö chigen Klinikaufenthalt und zur damali- gen Diagnose einer psychotischen Erkrankung aus dem schizophre nen Formenkreis geführt habe. Dr. E.____ ordnet die damalige Symptomatik als P seudohalluzinationen ein und äussert den Verdacht auf eine bewusstseinsnahe Aggravation. Die Hinweise auf eine Aggravation seien Ausdruck der Krankheit. Gegen das Vorliegen einer Simul ation spreche - so Dr. E.____ -, dass die Klägerin während des stationären Aufenthalts trotz überwachter Medikamenteneinnahme symptomatisch geblieben sei. Diese Begründung erweist sich i nsofern als widersprüchlich, als Dr. F.____ richtig darauf hinweist, dass Dr. E.____ im Zusammenhang mit dem stationären Aufenthalt einerseits von einer ausgesprochen raschen Rem ission der psychotischen Sympto- me spreche und andererseits ein Persistieren der Symptoma tik beschreibe (Seite 53 des Gut- achtens von Dr. F.____; vgl. dazu auch Bericht der J.___ _ vom 31. Mai 2010). Ausserdem ist eine persistierende Symptomatik bei kontrollierter Medikation eher ein Hinweis auf eine Simula- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht tion, ist doch mit einer korrekten Medikation grundsätzl ich ein Rückgang der Symptomatik zu erwarten. Aufgrund dieser Ausführungen erweist sich die Beurteilung von Dr. E.____ vom 24. Juni 2014 als nicht zuverlässig genug, um darauf abstellen zu können. 6.3 Das Gutachten von Dr. F.____ erfüllt dagegen in f ormaler und inhaltlicher Hinsicht sämtli- che bundesgerichtliche Vorgaben an ein beweistaugliches Gutachten. Es beruht auf einer um- fassenden Exploration der Klägerin von fast vier Stunde n, es geht ausführlich auf alle medizini- sche Vorberichte ein, es berücksichtigt auch aktuelle fremdan amnestische Angaben des Ehe- mannes, der derzeitigen Arbeitgeberin, des Hausarztes un d des behandelnden Psychiaters, es setzt sich mit allen abweichenden medizinischen Einschätzu ngen differenziert und sorgfältig auseinander und begründet die abweichende Beurteilu ng nachvollziehbar. Dr. F.____ geht auf die ihr gestellten Fragen eingehend ein und beantwor tet sie überzeugend. Sie zeigt sehr deut- lich und mit zahlreichen Beispielen verständlich auf, dass die Aussagen und das Verhalten der Klägerin inkonsistent sind. So stellt sie unter anderem f est, dass die Klägerin bei den polizeili- chen Einvernahmen ein sehr strukturiertes und fordernde s Auftreten gehabt und sogar die ehemalige Arbeitgeberin angeschuldigt habe. Dieses Verh alten passe jedoch nicht zu demjeni- gen, das sie gegenüber den verschiedenen begutachtenden Fachpersonen gezeigt habe, wo sie als klagsam und regressiv beschrieben worden sei. Ausserd em mache die Klägerin wieder- holt eine Verschlimmerung ihres Gesundheitszustandes gel tend, was aber der Anfang 2013 erfolgten Aufnahme einer Teilzeitarbeit von ca. 25 % widerspreche. Auch Dr. I.____ habe in seinem Gutachten vom 17. März 2007 mehrfache Widersprüc he zwischen den Aussagen und dem Verhalten der Klägerin (z.B. Hilfe im Haushalt u nd im Einkauf) festgestellt. Zudem berichte Dr. I.____, dass die Klägerin komplexe Rechenaufgaben deutlich schneller habe rechnen kön- nen als einfache. Während Dr. I.____ auf diese Besonde rheit nicht näher eingeht, führt Dr. F.____ an, dass dieses Phänomen nicht durch psychiatrisch e Faktoren zu erklären sei und nach geltender Lehre als Hinweis auf eine Simulation gewertet werde. Hinsichtlich des infolge der Halluzinationen notwendig gewesenen stationären A ufenthalts in der J.____ erklärt Dr. F.____, dass die von der Klägerin geäusserten akust ischen und optischen Halluzinationen selten gleichzeitig aufträten und hier nicht sehr wahrsch einlich seien, was auch vom zuständi- gen Arzt des Regionalen ärztlichen Dienstes in seiner Stel lungnahme vom 10. Januar 2011 bestätigt werde. Ausserdem sei die von der Klägerin ge äusserte Symptomatik für ein echtes psychotisches Geschehen atypisch und entspreche eher Laienv orstellungen einer Psychose. Erwähnenswert ist weiter die Interpretation der Ergeb nisse der grob kursorischen kognitiven Testung in Bezug auf die gestellten Rechenaufgabe und das Memorieren der drei aufgezählten Begriffe. Das auffällige Danebenantworten im Sinne e ines Ganser-Syndroms praktizierte auch ein Versicherter in einem der Parallelfälle. Auch dort wurde das Verhalten als klarer Hinweis auf eine Simulation interpretiert. Aufgrund all dieser Feststellungen schliesst Dr. F.____ folgerichtig auf ein simulatives Verhalten der Klägerin. Dass die In konsistenzen auf einer psychischen Stö- rung beruhen, ist nicht anzunehmen. Einlässlich und sorg fältig legt Dr. F.____ dar, weshalb die Klägerin an keiner psychischen Beeinträchtigung leidet . Im aktuellen psychopathologischen Befund stellt sie bis auf ein sehr kontrolliertes Verhalt en der Klägerin keine Auffälligkeiten fest. Die von Dr. E.____ gleichermassen beobachtete Haltung deutet Dr. F.____ als bewusste Selbstkontrolle und nicht als Symptom einer psychischen K rankheit. Dazu erklärt sie, dass die zu Beginn der Untersuchung gezeigte Müdigkeit der Klä gerin und das wiederholtem Augen- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht schliesse mit der guten und nicht nachlassenden Durchhalt efähigkeit während knapp vier Stun- den und der auffällig wachen Präsenz bei spezifischen The men kontrastiere und deshalb auf eine gute Selbstkontrolle hinweise. Diese Begründung ist schlüssig. Gegen das Vorliegen einer psychiatrischen Erkrankung spricht zudem die Tatsache, dass d er Hausarzt, der die Klägerin seit 2010 behandelt, nichts vom IV-Rentenanspruch wusste un d weder er noch die aktuelle Ar- beitgeberin Besonderheiten im psychischen Verhalten der Klägerin bemerkten. Das Gutachten von Dr. F.____ überzeugt daher in allen Belangen, wesh alb ihm volle Beweiskraft zukommt. Demnach ist aufgrund der widersprüchlichen Angaben d er Klägerin, der zahlreichen Hinweise auf eine Simulation und der fehlenden Objektivierung der Beschwerden festzustellen, dass die Klägerin an keiner die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden psychiatrischen Beeinträchtigung leidet. 6.4 An diesem Ergebnis vermögen die Vorbringen der K lägerin nichts zu ändern. Sie macht unter Verweis auf den Bericht von Dr. H.____ vom 11. D ezember 2016 geltend, dass Dr. F.____ mit ihrer Einschätzung alleine dastehe, da nahezu alle vorbegutachtenden Fachper- sonen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestierten. Dr. H.____ ist der Ansicht, dass die Beurteilung von Dr. F.____ in einem krassen Widerspruch zu denjenigen von Dr. I.____, von Dr. E.____ und zu seinen eigenen Untersuchungsbefunde n stehe. Mangels Begründung könne nicht nachvollzogen werden, weshalb Dr. F.____ zu einer abweichenden Auffassung gelange. Aufgrund seiner objektiven Befunde (wie Ein- und Dur chschlafschwierigkeiten, verminderte Le- bensfreude, Müdigkeit, rasche Erschöpfung, Konzentrationsst örungen und Vergesslichkeit) sei davon auszugehen, dass die Klägerin tatsächlich an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode, und unter einer Restsympt omatik einer posttraumatischen Belas- tungsstörung in Form von nächtlicher Schreckhaftigkeit und Albträumen leide und deshalb zu 50 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Diese r Auffassung kann nicht gefolgt werden. Dr. H.____ setzt sich mit der kontroversen Einschätzung von Dr. F.____ in keiner Weise ausei- nander. Er beschränkt sich lediglich auf die Feststellung, dass die Mehrheit der vorbefassten Psychiater zu anderen Schlüssen gelangt sei. Demgegenübe r befasst sich Dr. F.____ in Ziffer 6.4 ihres Gutachtens sehr minutiös mit jeder einzelnen ab weichenden Diagnose und Begrün- dung auseinander und begründet eingehend, weshalb di esen nicht gefolgt werden kann. Sie verneint nicht, dass das Ereignis vom 15. Oktober 2003 unm ittelbar danach eine akute Belas- tungsreaktion und/oder eine anschliessende Anpassungsstöru ng ausgelöst haben könnte. Sie weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Verhaftung, die fristlose Entlassung und die wie- derholten polizeilichen Einvernahmen nicht geeignet seien, bei einer zuvor psychisch gesunden Person eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Gegen eine langandauernde Arbeits- fähigkeit spreche gemäss Dr. F.____ auch die Tatsache, d ass sich die Klägerin erst am 17. November 2013, d.h. einem Monat nach der Entlassu ng, psychiatrisch habe behandeln las- sen und sie in der Lage gewesen sei, am 20. Dezember 2 003 für 2 ½ Wochen nach Z.____ in die Ferien zu fahren. Damit legt sie überzeugend dar, dass die Klägerin nach der fristlosen Ent- lassung vom 15. Oktober 2003 höchstens für eine kurze Zei t in ihrer Arbeitsfähigkeit einge- schränkt war. Im Gegensatz zu den vorbegutachtenden psychi atrischen Fachpersonen setzt Dr. F.____ das Verhalten der Klägerin in Bezug zu dere n Alltag. Dabei stellt sie fest, dass die Symptomatik der Klägerin, die von Dr. E.____ und den v orbegutachtenden Psychiatern als Be- einträchtigungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkei t bewertet worden seien, nicht authentisch sei. Aufgrund der zahlreichen Inkonsistenzen erachtet sie es als nicht gerechtfertigt, auf die Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angaben der Klägerin abzustellen. Insgesamt gelingt es ihr, mit überzeugenden Argumenten die Diagnosen der Vorgutachter und von Dr. E.____ zu e ntkräften. Der Einwand der Klägerin, dass Dr. F.____ den Gesundheitszustand zuungunsten der Klägerin beurteilt habe, weil sie von der Erteilung von Gutachtensaufträgen wirtschaftlich abh ängig und deshalb den Ausführungen von Prof. G.____ gefolgt sei, ist nicht substantiiert und erweist sich deshalb als reine Parteibe- hauptung. Es wird aus diesem Grund nicht näher darauf eingegangen. 6.5 Aufgrund dieser Ausführungen ist festzustellen, dass eine wesentliche und dauerhafte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Klägerin während der Dauer des Vorsorgeverhältnis- ses mit der Beklagten und der Nachdeckungsfrist nicht mit d em im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Es steht somit fest, dass die Klägerin keinen Anspruch auf eine Invalid enrente aus beruflicher Vorsorge hat. Die Klage ist demgemäss abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG ist das Verfahren vor d en kantonalen Versicherungsgerich- ten in der Regel kostenlos. Es sind deshalb keine Verfa hrenskosten zu erheben. Die Kosten für die Gerichtsgutachten von Dr. E.____ und Dr. F.____ geh en deshalb zu Lasten der Gerichts- kasse. 7.2 Abschliessend ist zu prüfen, ob die Beklagte der Kläg erin eine Parteientschädigung zu bezahlen hat. Im Bereich der beruflichen Vorsorge ist die Frage, ob und unter welchen Voraus- setzungen eine Partei im erstinstanzlichen Verfahren An spruch auf Ersatz der Kosten für Pro- zessführung und Vertretung hat, im Bundesrecht nicht ger egelt (vgl. Art. 73 BVG), weshalb die Verlegung der Parteikosten grundsätzlich nach dem massgeben den kantonalen Prozessrecht zu erfolgen hat. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu erwähnen, dass das Bundesgericht den spezialgesetzlich für einzelne Bundessozialversicherungszwe ige geregelten Grundsatz, wonach der obsiegende Sozialversicherungsträger grundsätzl ich keinen Anspruch auf Partei- entschädigung hat, auch im erstinstanzlichen Verfahren de r beruflichen Vorsorge für anwend- bar erklärt hat (BGE 126 V 150 E. 4b). Eine Ausnahme von diesem allgemeinen Pro- zessgrundsatz ist bei mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung vorzusehen. Dieser Grund- satz ist nunmehr in Art. 61 lit. g ATSG festgehalten. Da die ATSG-Bestimmungen auf die beruf- liche Vorsorge grundsätzlich nicht anwendbar sind, findet der vor Inkrafttreten des ATSG gel- tende Grundsatz im BVG-Bereich weiterhin Anwendung. Da die Klage nicht als mutwillig oder leichtsinnig zu qualifizieren ist, rechtfertigt es sich, i n Anwendung dieses Grundsatzes, von der Zusprechung einer Parteientschädigung zugunsten der Bekla gten abzusehen und die ausser- ordentlichen Kosten wettzuschlagen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die Gutachten von Dr. med. E.____ vo m 24. Juni 2014 und von Dr. med.____ vom 9. September 2016 gehen zu La sten der Gerichtskasse. 4. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.