<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 141</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">141</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>37</b></span> <span class="ft1"><b>Erleichterte Ausnahmebewilligung im Unterabstand von Strassen (§ 67a</b></span><br/> <span class="ft1"><b>BauG)</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Vorausgesetzt wird eine untergeordnete Baute und dass kein überwie-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gendes, aktuelles öffentliches Interesse entgegenstehen darf; Anwen-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>dungsfall eines Garten- bzw. Gerätehauses.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 4. Juli 2011 in Sachen</span><br/> <span class="ft2">Gemeinderat A. gegen B. und C. (WBE.2010.386).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1.</span><br/> <span class="ft4">1.1. (...)</span><br/> <span class="ft4">1.2.</span><br/> <span class="ft4">Die Beschwerdegegner beabsichtigen, auf der Parzelle Nr. (...)</span><br/> <span class="ft4">ein Garten- bzw. Gerätehaus zu erstellen. Gemäss den Akten handelt</span><br/> <span class="ft4">es sich um ein Blockbohlenhaus mit einer Grundfläche von 5.04 m x</span><br/> <span class="ft4">3.11 m (inkl. Dachvorsprünge und einseitig offener Unterstand) und</span><br/> <span class="ft4">einer maximalen Höhe von 2.40 m, wobei die Beschwerdegegner</span><br/> <span class="ft4">von einer effektiven Höhe der Baute von 2.20 m sprechen.</span><br/> <span class="ft4">Das Gerätehaus soll im Abstand von 2 m zum D.-weg und da-</span><br/> <span class="ft4">mit innerhalb der Baulinie zum D.-weg (5 m) und im Unterabstand</span><br/> <span class="ft4">zur Gemeindestrasse (§ 111 Abs. 1 lit. a BauG) erstellt werden. Das</span><br/> <span class="ft4">Vorhaben ist somit keiner ordentlichen Bewilligung zugänglich.</span><br/> <span class="ft4">Ebenso fällt eine Ausnahmebewilligung nach § 67 BauG ausser Be-</span><br/> <span class="ft4">tracht, da weder aussergewöhnliche Verhältnisse noch ein Härtefall</span><br/> <span class="ft4">vorliegen (vgl. dazu etwa AGVE 2006, S. 165 f.). Umstritten ist</span><br/> <span class="ft4">hingegen die Frage, ob die Bauherrschaft eine erleichterte Ausnah-</span><br/> <span class="ft4">mebewilligung nach § 67a BauG (in Kraft seit 1. Januar 2010)</span><br/> <span class="ft4">beanspruchen kann.</span><br/> <span class="ft4">1.3.</span><br/> <span class="ft4">Für untergeordnete Bauten und Anlagen wie namentlich Klein-</span><br/> <span class="ft4">und Anbauten kann nach § 67a BauG eine erleichterte Ausnahme-</span><br/> <span class="ft4">bewilligung betreffend Abstände gegenüber Strassen oder Baulinien</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">142</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">erteilt werden, sofern kein überwiegendes, aktuelles öffentliches In-</span><br/> <span class="ft4">teresse entgegensteht (§ 67a Abs. 1 BauG). Die Bauten und Anlagen,</span><br/> <span class="ft4">die gestützt auf diese Bestimmung bewilligt worden sind, müssen</span><br/> <span class="ft4">vom Eigentümer auf erstmalige Aufforderung hin sowie auf eigene</span><br/> <span class="ft4">Kosten und entschädigungslos entfernt oder versetzt werden, wenn</span><br/> <span class="ft4">die überwiegenden Interessen eines öffentlichen Werkes es erfordern.</span><br/> <span class="ft4">In der Baubewilligung ist dies zur Auflage zu machen (§ 67a Abs. 2</span><br/> <span class="ft4">BauG).</span><br/> <span class="ft4">2. (...)</span><br/> <span class="ft4">3.</span><br/> <span class="ft4">3.1.</span><br/> <span class="ft4">3.1.1.</span><br/> <span class="ft4">Voraussetzung für eine erleichterte Ausnahmebewilligung im</span><br/> <span class="ft4">Unterabstand von Strassen oder Baulinien ist nach § 67a BauG das</span><br/> <span class="ft4">Vorliegen einer "<i>untergeordneten</i>" Baute oder Anlage. Als Beispiel</span><br/> <span class="ft4">von untergeordneten Bauten erwähnt das Gesetz Klein- und An-</span><br/> <span class="ft4">bauten. Der Begriff der Klein- und Anbaute taucht auch in § 18</span><br/> <span class="ft4">ABauV auf. Zwar regelt diese Vorschrift den Grenz- und Gebäude-</span><br/> <span class="ft4">abstand von Klein- und Anbauten, es ist jedoch anzunehmen, dass</span><br/> <span class="ft4">der Gesetzgeber diese Definition vor Augen hatte, als er in § 67a</span><br/> <span class="ft4">BauG den gleichlautenden Begriff der Klein- und Anbaute über-</span><br/> <span class="ft4">nommen hat. Aufgrund der bloss beispielhaften Erwähnung der</span><br/> <span class="ft4">Klein- und Anbauten steht vorab fest, dass auch andere Bauten und</span><br/> <span class="ft4">Anlagen "untergeordnet" sein können.</span><br/> <span class="ft4">Wie den Materialien zu § 67a BauG zu entnehmen ist, kommt</span><br/> <span class="ft4">eine erleichterte Ausnahmebewilligung nur bei Bagatellbauten in</span><br/> <span class="ft4">Betracht, die sich im Falle eines Strassenausbaus mit wenig Aufwand</span><br/> <span class="ft4">entfernen lassen, wie z. B. Reklametafeln, Schaukästen, Geräte-</span><br/> <span class="ft4">häuschen oder Autounterstände (Botschaft des Regierungsrats vom</span><br/> <span class="ft4">5. Dezember 2007 zur Teilrevision des BauG [Ges.-Nr. 07.314] [Bot-</span><br/> <span class="ft4">schaft], S. 89). Ob sich eine Baute oder Anlage noch als "untergeord-</span><br/> <span class="ft4">net" im Sinne von § 67a Abs. 1 BauG bezeichnen lässt, richtet sich</span><br/> <span class="ft4">somit nach dem Aufwand, der bei einer späteren Beseitigung nach</span><br/> <span class="ft4">§ 67a Abs. 2 BauG anfiele. Die Erfahrung lehrt nämlich, dass Besei-</span><br/> <span class="ft4">tigungsaufforderungen, selbst wenn sie aufgrund eines Reverses er-</span><br/> <span class="ft4">folgen, meistens nicht widerstandslos befolgt werden. Das gilt insbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">143</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">sondere dann, wenn erhebliche wirtschaftliche Interessen im Spiel</span><br/> <span class="ft4">sind (vgl. AGVE 2006, S. 164). Je aufwändiger die spätere Beseiti-</span><br/> <span class="ft4">gung ist, desto eher ist mit Widerstand des Eigentümers zu rechnen,</span><br/> <span class="ft4">weshalb es sachgerecht erscheint, eine erleichterte Ausnahmebewilli-</span><br/> <span class="ft4">gung nach § 67a BauG nur dann zu erteilen, wenn sich die Baute</span><br/> <span class="ft4">oder Anlage mit wenig Aufwand beseitigen lässt (AGVE 2010,</span><br/> <span class="ft4">S. 166).</span><br/> <span class="ft4">3.1.2.</span><br/> <span class="ft4">Im konkreten Fall steht ausser Frage, dass das projektierte Gar-</span><br/> <span class="ft4">ten- bzw. Gerätehaus eine "untergeordnete" Baute im Sinne von</span><br/> <span class="ft4">§ 67a BauG darstellt: Mit rund 15.67 m2 weist das Garten- bzw.</span><br/> <span class="ft4">Gerätehaus eine Bruttofläche von deutlich weniger als 40 m2 auf,</span><br/> <span class="ft4">und mit 2.40 bzw. 2.20 m eine Höhe von deutlich weniger als 3 m,</span><br/> <span class="ft4">womit die Anforderungen an eine Kleinbaute im Sinne von § 18</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 ABauV erfüllt sind. Material und Bauweise weisen zudem auf</span><br/> <span class="ft4">eine einfache Beseitigung hin. Die Beseitigungskosten wurden am</span><br/> <span class="ft4">vorinstanzlichen Augenschein auf rund Fr. 1'500.00 geschätzt. Das</span><br/> <span class="ft4">geplante Garten- bzw. Gerätehaus kann also mit wenig Aufwand und</span><br/> <span class="ft4">Kosten entfernt werden. Seitens der Gemeinde wurde am vor-</span><br/> <span class="ft4">instanzlichen Augenschein ebenfalls bestätigt, dass es sich um eine</span><br/> <span class="ft4">Bagatell- bzw. Kleinbaute handle.</span><br/> <span class="ft4">3.2.</span><br/> <span class="ft4">3.2.1.</span><br/> <span class="ft4">Nach dem Wortlaut von § 67a Abs. 1 BauG genügt es, dass es</span><br/> <span class="ft4">sich um eine untergeordnete Baute oder Anlage handelt und der</span><br/> <span class="ft4">Strassenabstands- bzw. Baulinienunterschreitung <i>kein überwiegen-</i></span><br/> <span class="ft3"><i>des, aktuelles öffentliches Interesse entgegensteht</i>. Ausserordentliche</span><br/> <span class="ft4">Verhältnisse oder ein Härtefall wie bei § 67 BauG werden nicht</span><br/> <span class="ft4">verlangt. Die "erleichterte" Ausnahmebewilligung sieht gegenüber</span><br/> <span class="ft4">§ 67 BauG bei den Voraussetzungen graduelle Unterschiede vor,</span><br/> <span class="ft4">indem die Anforderungen an eine erleichterte Ausnahmebewilligung</span><br/> <span class="ft4">weniger streng sind. Nach dem Gesetzestext ist auch der Nachweis</span><br/> <span class="ft4">eines speziellen / spezifischen objektivierbaren Bedürfnisses für die</span><br/> <span class="ft4">Abstands- oder Baulinienunterschreitung nicht erforderlich. Das</span><br/> <span class="ft4">BauG verlangt ausdrücklich <i>aktuelle</i> öffentliche Interessen. Das kann</span><br/> <span class="ft4">nur bedeuten, dass die "normalen" öffentlichen Interessen, welche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">144</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">den Abstandsvorschriften allgemein zugrunde liegen (z. B. Einhal-</span><br/> <span class="ft4">tung der gesetzlichen Vorschriften, Freihalten des Strassenraums, Er-</span><br/> <span class="ft4">haltung der Planungsfreiheit), nicht genügen, um eine erleichterte</span><br/> <span class="ft4">Ausnahmebewilligung zu verweigern. Die "normalen" öffentlichen</span><br/> <span class="ft4">Interessen müssen im konkreten Anwendungsfall auch aktuell sein,</span><br/> <span class="ft4">damit sie Privatinteressen zu überwiegen vermögen.</span><br/> <span class="ft4">Die Gesetzesmaterialien verweisen als Interpretationshilfe auf</span><br/> <span class="ft4">die "analoge" Vorschrift von § 139 des Baugesetzes des Kantons Aar-</span><br/> <span class="ft4">gau vom 2. Februar 1971 (aBauG), welche von "besonderen Verhält-</span><br/> <span class="ft4">nissen" gesprochen habe; der Kommentar von Erich Zimmerlin</span><br/> <span class="ft4">(Baugesetz des Kantons Aargau vom 2. Februar 1971, Kommentar,</span><br/> <span class="ft4">2. Auflage, Aarau 1985, S. 330) halte dazu fest, damit seien Fälle ge-</span><br/> <span class="ft4">meint, "in denen die öffentlichen Interessen weniger schwer wiegen,</span><br/> <span class="ft4">so dass ein striktes Beharren auf durch Baulinien oder geschriebenen</span><br/> <span class="ft4">Normen festgelegte Abstände sich nicht rechtfertigen lässt und die</span><br/> <span class="ft4">entgegenstehenden privaten Interessen mehr Schutz verdienen" (Bot-</span><br/> <span class="ft4">schaft, S. 89). Diese Interpretation lasse sich auf den neuen § 67a</span><br/> <span class="ft4">BauG übertragen (vgl. Botschaft, S. 89). Demgemäss soll der ge-</span><br/> <span class="ft4">nannte Wertungsgedanke übernommen werden und eine erleichterte</span><br/> <span class="ft4">Ausnahmebewilligung ist dann zu erteilen, wenn im konkreten An-</span><br/> <span class="ft4">wendungsfall die aktuellen öffentlichen (einer Strassenabstands-</span><br/> <span class="ft4">bzw. Baulinienunterschreitung entgegenstehenden) Interessen nicht</span><br/> <span class="ft4">überwiegen. Von einer Wiedereinführung des § 139 aBauG kann</span><br/> <span class="ft4">demgegenüber nicht die Rede sein. Der Wortlaut von § 67a Abs. 1</span><br/> <span class="ft4">BauG unterscheidet sich von demjenigen des § 139 Abs. 1 aBauG</span><br/> <span class="ft4">klar. § 67a BauG verlangt insbesondere nicht das Vorliegen "beson-</span><br/> <span class="ft4">derer Verhältnisse", sondern fordert ausdrücklich, dass "kein über-</span><br/> <span class="ft4">wiegendes, aktuelles öffentliches Interesse" entgegensteht. Damit ist</span><br/> <span class="ft4">aber dem Haupteinwand des Gemeinderats, er wolle im Anwen-</span><br/> <span class="ft4">dungsbereich von § 67a BauG ein objektives Bedürfnis bzw. spezi-</span><br/> <span class="ft4">fische Interessen des Baugesuchstellers verlangen und hierzu eine</span><br/> <span class="ft4">eigene Praxis entwickeln, das Fundament entzogen.</span><br/> <span class="ft4">Die Erteilung einer erleichterten Ausnahmebewilligung betref-</span><br/> <span class="ft4">fend Abstände gegenüber Strassen oder Baulinien für untergeordnete</span><br/> <span class="ft4">Bauten und Anlagen (§ 67a BauG) setzt somit voraus, dass der Stras-</span><br/> <span class="ft4">senabstand (zu den Abstandsvorschriften vgl. § 111 Abs. 1 lit. a</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">145</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">BauG) oder die Baulinie <i>zur Zeit</i> keinen überwiegenden, <i>aktuellen</i></span><br/> <span class="ft4">öffentlichen Interessen dient. Das heisst, eine vorübergehende tat-</span><br/> <span class="ft4">sächliche Verletzung des Strassenabstands oder der Baulinie schaden</span><br/> <span class="ft4">nach dem Willen des Gesetzgebers den öffentlichen Interessen nicht,</span><br/> <span class="ft4">oder bloss in einem vernachlässigbaren Umfang. Diese Beurteilung</span><br/> <span class="ft4">verlangt im Anwendungsfall eine sorgfältige und umfassende Inte-</span><br/> <span class="ft4">ressenabwägung. Beim Ausnahmecharakter von § 67a BauG bleibt</span><br/> <span class="ft4">es, da diese Bestimmung nur für untergeordnete Bauten und Anla-</span><br/> <span class="ft4">gen, auf Zeit und gegen Revers, denen aktuell keine öffentlichen</span><br/> <span class="ft4">Interessen entgegenstehen, anwendbar ist (vgl. § 67a Abs. 1 und 2</span><br/> <span class="ft4">BauG). Insofern lässt sich die These des Gemeinderats, die Aus-</span><br/> <span class="ft4">nahme werde zur Regel, nicht halten. Manifestieren sich zu einem</span><br/> <span class="ft4">späteren Zeitpunkt öffentliche Interessen eines öffentlichen Werkes,</span><br/> <span class="ft4">welche die privaten Interessen überwiegen, aktualisiert sich der</span><br/> <span class="ft4">Revers und die als erleichterte Ausnahme bewilligte Baute muss</span><br/> <span class="ft4">dann beseitigt werden.</span><br/> <span class="ft4">3.2.2.</span><br/> <span class="ft4">Zur Interessenabwägung ergibt sich vorliegend was folgt:</span><br/> <span class="ft4">Zur Beurteilung steht ein Garten- bzw. Gerätehaus mit einer</span><br/> <span class="ft4">Grundfläche von rund 15.67 m2 und einer Höhe von 2.40 bzw.</span><br/> <span class="ft4">2.20 m (vgl. Erw. 1.2.). Das projektierte Blockbohlenhaus soll im</span><br/> <span class="ft4">Abstand von 2.0 m zum D.-weg und im Abstand von 2.0 m zur</span><br/> <span class="ft4">Nachbarparzelle (Nr. [...]) in der Süd-Ost-Ecke des dreieckigen</span><br/> <span class="ft4">Grundstücks (Parzelle Nr. [...]) erstellt werden. Gegenüber dem</span><br/> <span class="ft4">Nachbargrundstück ist dies ohne weiteres zulässig (vgl. § 18 Abs. 2</span><br/> <span class="ft4">ABauV i. V. m. Fussnote 11 zu § 27 der Bauordnung der Gemeinde</span><br/> <span class="ft4">A. vom 25. Juni 1998 / 14. Juni 2000; mit schriftlicher Zustimmung</span><br/> <span class="ft4">des Nachbarn könnte der Grenzabstand weiter reduziert werden).</span><br/> <span class="ft4">Das private Interesse der Beschwerdegegner liegt in der optimalen</span><br/> <span class="ft4">bzw. vernünftigen Nutzung ihres Gartenraums, sie wollen einen ge-</span><br/> <span class="ft4">wissen Spielraum für allfällige künftige Bauten bzw. Gartenumge-</span><br/> <span class="ft4">staltungen (z. B. Schwimmteich oder Gartenpavillon) freihalten kön-</span><br/> <span class="ft4">nen. Ausserdem kann mit der Positionierung des Garten- bzw. Gerä-</span><br/> <span class="ft4">tehauses die spitzwinklige, schattige Eckfläche des dreieckigen</span><br/> <span class="ft4">Grundstücks geeignet genutzt und eine grössere nutzbare Rasen-</span><br/> <span class="ft4">fläche am Stück erreicht werden. Auch wenn das Garten- bzw. Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">146</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">rätehaus auf dem Grundstück an anderer Stelle unter Einhaltung der</span><br/> <span class="ft4">Strassenabstandsvorschriften erstellt werden könnte, steht hinter der</span><br/> <span class="ft4">beabsichtigten Positionierung ein einleuchtender Grund, weshalb</span><br/> <span class="ft4">dem privaten Interesse ein gewisses Gewicht zuzuerkennen ist.</span><br/> <span class="ft4">Dem Interesse der Beschwerdegegner an einer Baulinien- bzw.</span><br/> <span class="ft4">Strassenabstandsunterschreitung stellt die Gemeinde lediglich das</span><br/> <span class="ft4">formelle, generell-abstrakte gesetzliche Interesse an der Einhaltung</span><br/> <span class="ft4">der Strassenabstandsvorschriften entgegen. Aktuelle öffentliche In-</span><br/> <span class="ft4">teressen, welche am fraglichen Ort die Einhaltung der Strassenab-</span><br/> <span class="ft4">standsvorschriften - sei dies die Baulinie oder der gesetzliche Nor-</span><br/> <span class="ft4">malabstand - erforderten, bringt die Gemeinde nicht vor. Am vorin-</span><br/> <span class="ft4">stanzlichen Augenschein wurde seitens der Gemeinde bestätigt, dass</span><br/> <span class="ft4">der Verkehr durch die projektierte Baute nicht gestört und der Pla-</span><br/> <span class="ft4">nungsspielraum durch das Bauvorhaben nicht gefährdet werde. Die</span><br/> <span class="ft4">Vorinstanz legte im Weiteren überzeugend dar, dass auch keine ak-</span><br/> <span class="ft4">tuellen siedlungsgestalterischen Interessen erkennbar sind, die der</span><br/> <span class="ft4">Abstandsunterschreitung entgegenstehen. Der Gemeinderat bestreitet</span><br/> <span class="ft4">diese Ausführungen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht. Im</span><br/> <span class="ft4">konkreten Fall kann somit nicht gesagt werden, dass der beabsich-</span><br/> <span class="ft4">tigten Abstandsunterschreitung auf 2 m Strassenabstand aktuelle</span><br/> <span class="ft4">öffentliche Interessen (wie z. B. ungehinderte Abwicklung des Ver-</span><br/> <span class="ft4">kehrs, Erhaltung des Planungsspielraums und der Landerwerbsmög-</span><br/> <span class="ft4">lichkeit für zukünftigen Strassenbau oder siedlungsgestalterische Ge-</span><br/> <span class="ft4">sichtspunkte; vgl. AGVE 2000, S. 260; 1997, S. 332 f. mit Hinwie-</span><br/> <span class="ft4">sen; 1990, S. 237 f. mit Hinweisen) entgegenstehen würden. Viel-</span><br/> <span class="ft4">mehr kann festgestellt werden, dass die Strassenabstandsvorschriften</span><br/> <span class="ft4">am fraglichen Ort zur Zeit und bis auf weiteres keine konkreti-</span><br/> <span class="ft4">sierbaren öffentlichen Interessen erfüllen.</span><br/> <span class="ft4">Demgemäss steht fest, dass der Erstellung des strittigen Garten-</span><br/> <span class="ft4">bzw. Gerätehauses im Strassenabstand von 2 m - d. h. in Unter-</span><br/> <span class="ft4">schreitung der Strassenabstandsvorschriften - kein aktuelles, öffent-</span><br/> <span class="ft4">liches Interesse von Bedeutung entgegensteht. Die Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft4">einer erleichterten Ausnahmebewilligung nach § 67a Abs. 1 BauG</span><br/> <span class="ft4">sind erfüllt. Der vorinstanzliche Entscheid, mit welchem der Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinderat A. angewiesen wurde, das Baugesuch für das Garten- bzw.</span><br/> <span class="ft4">Gerätehaus auf der Parzelle Nr. (...) unter einer entsprechenden Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs-, Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">147</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">seitigungsauflage (vgl. § 67a Abs. 2 BauG) zu bewilligen, ist nicht zu</span><br/> <span class="ft4">beanstanden.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>