B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4820/2018 U r t e i l v o m 1 4 . A u g u s t 2 0 2 0 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiber Patrick Blumer. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), und ihre Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), Syrien, alle vertreten durch Ozan Polatli, Advokatur Gysin + Roth, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 20. Juli 2018 / N (…). D-4820/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden gelangten eigenen Angaben zufolge am 4. No- vember 2015 in die Schweiz, wo sie am Folgetag um Asyl nachsuchten. A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) und B._______ (nachfol- gend: Beschwerdeführerin) wurden am 16. November 2015 zu i hrer Per- son befragt (BzP). Am 30. August 2017 wurden sie vertieft zu ihren Asyl- gründen angehört. Der Beschwerdeführer machte dabei geltend, er sei kurdischer Ethnie, in G._______ zur Welt gekommen und in H._______ aufgewachsen. Er habe bis zur Matura die Schule besucht und anschliessend (…) studiert. Etwa im Alter von (…) Jahren habe er (…) Jahre lang den regulären Militärdienst geleistet und sei direkt anschliessend für (…) Monate zum Reservedienst aufgeboten worden. Als er no ch ledig gewesen sei, habe er ein weiteres Aufgebot für den Reservedienst erhalten, dem er nicht Folge geleistet habe. Im (…) habe er die Beschwerdeführerin in I._______ geheiratet. In der Folge hätten sie abwechslungsweise in H._______, J._______ und I._______ gelebt. Zuletzt hätten sie im Quartier K._______ in H._______ gewohnt, wo er die Leitung eines (…) übernommen habe. Im Jahr (…) sei er der P ._______ beigetreten und ha be (…)- beziehungsweise (…)mal Flugblätter gegen die Al Bath-Partei verteilt. Anschliessend sei er von poli- tischen Sicherheitskräften zu Hause gesucht worden, weil er von einer Per- son mit Kontakten zur Regieru ng verraten worden sei. Er sei jedoch von einem Freund gewarnt worden und habe sich zum Zeitpunkt der Suche bei seinen Eltern aufgehalten. Die Beschwerdeführerin habe ihn (Beschwer- deführer) telefonisch auf dem Laufenden gehalten. Als die Luft rein gewe- sen sei, habe er seine Familie geholt und sie seien geflüchtet. Ausserdem sei die allgemeine Lage in Syrien schlecht. Der Bürgerkrieg wirke sich auf die Zivilbevölkerung aus. Seine Familie habe grosse Angst gehabt. Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie sei kurdischer Ethnie und stamme aus I._______. Sie habe nie eine arabische Schule besucht, son- dern lediglich von (…) bis (…) kurdisch gelernt. In dieser Zeit sei sie auch heimlich politisch aktiv gewesen. Sie habe sich mit Frauen getroffen und diese über ihre Rechte informiert. Weil sie Angst vor einer Verfolgung durch die Regierung gehabt habe, habe sie d anach bis zu ihrer Heirat als (…) gearbeitet. In Syrien sei sie in G._______ in der Provinz I._______ gemel- det gewesen. Tatsächlich habe sie zuletzt in K._______ in H._______ ge- wohnt. Sie habe Syrien verlassen, weil sie und der Beschwerdeführer von D-4820/2018 Seite 3 den syrischen Behörden gesucht worden seien. Sie sei nach wie vor wegen ihrer früheren Aktivitäten als Mitglied der Q._______ gesucht worden. Der Beschwerdeführer habe vor der Ausreise seine politischen Tätigkeiten auf- genommen. Deswegen seien zwei Personen von den Behörden zu ihnen nach Hause gekommen und hätten ihn gesucht. Ausserdem hätten sie (Be- schwerdeführende) Syrien wegen der allgemeinen Lage und des Bürger- kriegs verlassen. Im Zug e der allgemein herrschenden Gewalt hätten sie viel erlitten. Sie sei in der Schweiz für die Partei (…) aktiv. An Kundgebun- gen dieser Partei nehme auch der Beschwerdeführer teil. Es wurden (Aufzählung Beweismittel) zu den Akten gereicht. B. Das SEM stellte mit Verfügung vom 20. Juli 2018 fest, die Beschwerdefüh- renden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihr e Asyl- gesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob den Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Auf- nahme auf. C. Mit Eingabe vom 22. August 2018 erhoben die Beschwerdeführenden ge- gen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, es sei die angefochtene Verfü gung in den Dispositivziffern 1–3 aufzuheben und ihnen Asyl zu g ewähren. Eventualiter seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen und wegen Unzulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur voll- ständigen und richtigen Feststellung des Sachverhalts und neuem Ent- scheid an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Person des rubrizierten Rechtsvertreters. Ausser- dem seien die zuständigen Vollzugsbehörden anzuweisen, für die Dauer des Beschwerdeverfahrens von jeglichen Wegweisungs - und Vollzugs- massnahmen abzusehen und es sei gegenüber allfälligen Stellungnahmen des SEM das Replikrecht einzuräumen. Der Beschwerde beigelegt waren (Nennung Beweismittel). D. Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 27. August 201 8 (Nen-D-4820/2018 Seite 4 nung Beweismittel) zu den Akten. Sie machte geltend, darauf sei die offizi- elle Aufnahme eines Interviews von ihr für (Nennung Sender) zu sehen, welches ebenfalls auf (Nennung Sender) mehrfach ausgestrahlt worden sei. Die syrischen Geheimdienste hätten jedenfalls Kenntnis von die sem regimekritischen Interview. E. Die Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung vom 28. August 2018 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung gut, ordnete den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand bei und verzichtete auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses. F. Das SEM liess sich am 12. September 2018 zur Beschwerde vernehmen. G. Mit Eingabe vom «1. Oktober 2018» (recte: 17. Oktober 2018) replizierten die Beschwerdeführenden innert erstreckter Frist unter Beilage der Origi- nale der (Nennung Beweismittel) inklusive Zustellcouvert. H. Mit Eingabe vom «1. Oktober 2018» (recte: 21. Februar 2019) reichten die Beschwerdeführenden (Aufzählung Beweismittel) zu den Akten. Dabei wurde vorgebracht, auf den Fotos und insbesondere den Videoaufnahmen sehe man eine Rede der Beschwerdeführerin an einer politischen Veran- staltung, wobei sie (Nennung Inhalt der Rede) . Diese Rede sei im (Nen- nung Sender) ausgestrahlt worden. Das hängige Verfahren belaste die ganze Familie. Der Beschwerdeführer sei am (…) am (…) operiert worden. Der Sohn F._______ leide unter (Nennung Leiden). Damit sich die Situa- tion der Familie verbessern könne, sei erforderlich, dass Gewissheit über ihren Aufenthaltsstatus herrsche. I. Mit Eingabe vom «1. Oktober 2018» (recte: 23. Februar 2019) teilte die Beschwerdeführerin einen Internetlink mit, welcher zu einem Videoclip ei- ner am (...) auf (Nennung Sender) ausgestrahlten politischen Sendung führe, in dem sie während (…) Minuten zu Wort komme. J. Die Instruktionsrichterin forderte die Beschwerdeführenden mit Zwischen-D-4820/2018 Seite 5 verfügung vom 27. Februar 2019 auf, innert Frist entsprechende Überset- zungen der fremdsprachigen Beweismittel beziehungswiese betreffend die Videos eine Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts zu den Akten zu reichen. K. Mit Eingabe vom «1. Oktober 2018» ( recte: 21. März 2019) wurde eine Übersetzung der Rede der Beschwerdeführerin anlässlich der am (...) von (Nennung Sender) ausgestrahlten Sendung zu den Akten gereicht. L. Mit Eingabe vom 9. April 2019 reichten die Beschwerdeführenden Über- setzungen der (Nennung Beweismittel) zu den Akten. Dabei teilten sie mit, die (Nennung Beweismittel) seien von der (Nennung Behörde) v on H._______ ausgestellt und vom (Nennung Person) unterschrieben wor- den. Die Beschwerdeführerin werde demnach beschuldigt, die kurdische Partei zu unterstützen, den Staat zu bekämpfen und die Sicherheit des Staates zu gefährden. Ebenfalls werde sie der Rebellion beschuldigt, de- ren Ziel es sei, den kurdischen Teil vom Rest des Landes abzuspalten. Der Beschwerdeführer werde beschuldigt, Flugblätter gegen den Staat verteilt zu haben. M. Das SEM reichte am 29. April 2019 eine ergänzende Vernehmlassung zu den Akten. N. Nach zweimaliger Fristerstreckung nahmen die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 18. Juni 2019 dazu Stellung. O. Mit Eingabe vom 26. August 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine aktualisierte Honorarnote des Rechtsvertreters zu den Akten. D-4820/2018 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie- gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe- stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwer- deführenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legi- timiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – unter Vor- behalt von E. 2 – einzutreten. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Instruktionsrichterin hat den Beschwerdeführenden mit Zwischen- verfügung vom 14. September 2018 und 1. Mai 2019 zu den Vernehmlas- sungen des SEM je das Replikrecht eingeräumt, weshalb ihr entsprechen- der Verfahrensantrag gegenstandslos geworden ist. 2. Soweit in der Rechtsmitteleingabe beantragt wird, die kantonalen Behör- den seien anzuweisen, von Wegweisungs- und Vollzugsmassnahmen ab- zusehen, ist festzuhalten, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen auf- schiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM diese vorliegend nicht entzogen hat, weshalb – in Ermange- lung eines Rechtsschutzinteresses – auf den Antrag nicht einzutreten ist. Zudem wird die durch das SEM angeordnete vorläufige Aufnahme durch die erhobene Beschwerde nicht berührt. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 4. Soweit in der Beschwerde (vgl. dort S. 5 Ziff. 3.3) – ohne entsprechenden Antrag – darauf hingewiesen wird, die Geburtsdaten der Kinder seien vom D-4820/2018 Seite 7 SEM falsch erfasst worden , wird Vormerk davon genommen, dass das SEM im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens die Geburtsdaten von C._______ und D._______ im ZEMIS entsprechend den syrischen Reise- pässen anpasste. Die Geburtsdaten werden dementsprechend im Rubrum geführt. Im Übrigen liegt es an den Beschwerdeführenden, beim SEM ein entsprechendes Gesuch um Änderung der Daten im ZEMIS zu stellen. 5. 5.1 Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung der Pflicht zur voll- ständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge- listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Be- schwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Ver- waltungsverfahren und Verwaltungsrecht spflege des Bundes, 3. Auflage 2013, Rz. 1043). 5.3 In Bezug auf das Vorbringen, die Beschwerdeführenden hätten auf Be- schwerdeebene Beweismittel eingereicht , von denen d as SEM keine Kenntnis habe nehmen können, die aber entscheidrelevant seien, ist fest- zuhalten, dass das SEM die Beschwerdeführenden in den BzP (vgl. SEM act. A8, S. 2; A9, S. 2) darauf hingewiesen hat, dass sie Beweismittel, die sich in ihrem Besitz befä nden, unverzüglich abzugeben hätten. Auch bei den Anhörungen wurden sie auf ihre Pflicht aufmerksam gemacht, das SEM über neu eintretende Ereignisse zu informieren, die bei der Prüfung ihrer Gesuche zu berücksichtigen seien (vgl. SEM act. A27, S. 14; A28, S.14). Diese Hinweise haben gerade zum Z iel, dass der erstinstanzliche Entscheid in Kenntnis sämtlicher aktueller Vorkommnisse getroffen wird. Den Akten sind keine Anzeichen dafür zu entnehmen, dass die Beschwer- deführenden diese klaren Hinweise nicht verstanden hätten. Die behördli-D-4820/2018 Seite 8 che Untersuchungspflicht findet ihre Grenzen bekanntermassen in der Mit- wirkungspflicht der gesuchstellenden Person (Art. 8 AsylG), die auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Die Beschwerdeführenden reich- ten aber im weiteren Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens keine weite- ren Beweismittel ein. Das SEM hat damit den Sachverhalt nicht unvollstän- dig festgestellt, vielmehr sind die Beschwerdeführenden ihrer Mitwirkungs- pflicht nicht nachgekommen. 5.4 Die Beschwerdeführenden bringen vor, die BzP habe am 16. Novem- ber 2015 und die Anhörung erst am 30. August 2017 stattgefunden, was einem Verschleppen des Asylverfahrens durch das SEM gleichkomme. Dies dürfe nicht zur Folge haben, dass dieses nun Zweifel an den Asylvor- bringen geltend mache. Es ist der Einschätzung des SEM zu folgen, dass die in der angefochtenen Verfügung genannten Widersprüche zentrale Ele- mente des Geschehens betreffen. Es darf indes erwartet werden, dass da- hingehend konsistente Angaben getätigt werden könnten. Im Übrigen hätte die dargelegte lange Verfahrensdauer allenfalls in einer Rechtsverzöge- rungsbeschwerde gerügt werden können. Da dies seitens der Beschwer- deführenden unterlassen wurde, erübrigen sich an dieser Stelle weitere Ausführungen dazu. 5.5 Entgegen der anderslautenden Einschätzung der Beschwerdeführen- den sind den Protokollen keine Hinweise auf eine mangelhafte Durchfüh- rung der Anhörung beziehungsweise auf ernsthafte Zweifel an der Verwert- barkeit der dort protokollierten Aussagen zu entnehmen. 5.5.1 Trotz des behaupteten anderen Dialekts des Dolmetschers gaben die Beschwerdeführenden im Rahmen der BzP je zweimal an, sie würden ihn gut respektive sehr gut verstehen (vgl. SEM act. A8 Bst. h, Ziff. 9.02; SEM act. A9 Bst. h, Ziff. 9.02). Den Protokollen sind sodann keine Hinweise da- hingehend zu entnehmen, dass der eingesetzte Dolmetscher nicht in der Lage gewesen wäre, die Beschwerdeführenden zu verstehen und ihre Aus- sagen korrekt in die deutsche Sprache zu übersetzen. Schliesslich bestä- tigten die Beschwerdeführenden die Richtigkeit ihrer Angaben i m An- schluss an die Rückübersetzung mit ihrer Unterschrift. 5.5.2 Im Zusammenhang mit der behaupteten Voreingenommenheit der Dolmetscher bei der BzP und der Anhörung aufgrund ihrer eigenen politi- schen Haltung ist festzuhalten, dass die eingesetzten Übersetzer hinsicht- lich ihrer sprachlichen Fähigkeit und charakterlichen Eignung vo m SEM sorgfältig geprüft werden und das volle Vertrauen der Behörde geniessen. D-4820/2018 Seite 9 Sie sind an gehalten, ihre Arbeit objektiv zu verrichten. Es ist ihnen ver- wehrt, Aussagen zusammenzufassen oder zu interpretieren wie auch in ei- gener Regie Fragen zu stellen. Dass der Dolmetscher in der BzP ein (…) sei und dass sich der Dolmetscher der Anhörung in der Pause als (…)- Sympathisant ausgegeben habe, er aber in Wirklichkeit ein (…)-Sympathi- sant sei, ist eine unbelegte Parteibehauptung. Eine Voreingenommenheit der Dolmetscher ist nicht erkennbar. 5.5.3 Dass die Rückübersetzung der BzP zu schnell gegangen sei, finde t sodann keine Stütze in den entsprechenden Protokollen , zumal bei den Rückübersetzungen noch Korrekt uren vorgenommen worden sind (vgl. SEM act. A8 Ziff. 2.04, 3.04; SEM act. A9 3.04). Dies weist darauf hin, dass die Beschwerdeführenden den Rückübersetzungen grundsätzlich folgen und ansonsten beziehungsweise bei Fehlern intervenieren konnten. Es ist darauf hinzuweisen, dass von den Beschwerdeführenden nicht ausgeführt wird, wo aufgrund von Übersetzungsproblemen Falsches protokolliert wor- den wäre. Vor diesem Hintergrund überzeugt der pauschale Einwand einer möglicherweise fehlerhaften Übersetzung nicht. Auch wenn das Bundes- verwaltungsgericht nicht grundsätzlich verkennt, dass es bei Übersetzun- gen zu Fehlern kommen kann, ist aus den dargelegten Gründen hier nicht davon auszugehen. 5.5.4 Die Beschwerdeführenden bringen vor, sie seien in einer schlechten psychischen oder geistigen Verfassung gestanden, vermutlich durch eine Traumatisierung, weswegen sie in den Befragungen nicht klar hätten den- ken können. Anlässlich der BzP gaben beide zu Protokoll, unter (Nennung Leiden) zu leiden. Der Beschwerdeführer führte aus, sich Anfang (…) im N._______ bei (Nennung Umstände) verletzt zu haben und dass dieser ihm noch weh tue, wenn er ihn bewege (vgl. SEM act. A8 Ziff. 8.02, SEM act. A9 8.02). In der Anhörung wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass sie eine (…) und (…) habe (vgl. SEM act. A28 F4). Trotz entsprechen- den Hinweises des SEM verlangte sie diesbezüglich im Verlauf der Befra- gung nie eine Pause oder andere Hilfestellu ng. Weiter sagte sie aus, sie vergesse mit der Zeit vieles, weil sie in Europa unter psychischem Druck leide, sie habe viel erlebt und viel Stress, deswegen könne sie sich nicht an die Daten der Todestage ihrer (Nennung Verwandte) erinnern (vgl. SEM act. A28 F33, F51). Der Beschwerdeführer sagte in der Anhörung aus, weil er immer wieder wegen seiner Kinder besorgt sei, könne er sich nicht kon- zentrieren (vgl. SEM act. A27 F102). Aus diesen Aussagen kann jedoch nicht der Schluss gezogen werden, dass es ih nen nicht mehr möglich ge-D-4820/2018 Seite 10 wesen wäre, sich auf die Fragen der Anhörung zu konzentrieren. So ent- steht aus den Protokollen denn auch an keiner Stelle der Eind ruck, dass sie der ausführlichen Anhörung nicht hätten folgen können. Sie führen so- dann auch nicht aus, wo aufgrund von Konzentrationsproblemen Falsches protokolliert worden wäre. 5.5.5 Der Verlauf und die Umstände der Anhörung lassen somit insgesamt nicht den Schluss zu, das SEM habe bei der Abklärung des rechtserhebli- chen Sachverhalts den persönlichen Verhältnissen der Beschwerdeführen- den nicht ausreichend Rechnung getragen. 5.6 Zusammenfassend erweist sich die Rüge einer unvollständigen Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhaltes als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Subjektive Nachfluchtgründe sind anzunehmen, wenn eine asylsu- chende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wesentlich ist, ob die heimatlichen Be- hörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung befürchten muss. Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, wer- den jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 6.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die D-4820/2018 Seite 11 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.). 7. 7.1 Das SEM begründete seinen Asylentscheid damit, dass am Wahrheits- gehalt der Vorbringen der Beschwerdeführenden erhebliche Zweifel anzu- bringen seien, da ihre Angaben widersprüchlich, stereotyp und insgesamt wenig plausibel ausgefallen seien. So habe sich der Beschwerdeführer hin- sichtlich des Zeitpunkts und wie oft er Flugblätter verteilt habe, sowie wann er Syrien erstmalig verlassen habe, widersprochen. Auf Vorhalt habe er nicht nachvollziehbar erklären können, warum seine Angaben in Bezug auf den Zeitpunkt seiner angeblichen politischen Aktivitäten und der Suche nach ihm sowie hinsichtlich der Anzahl ausgeübter Tätigkeiten wider- sprüchlich ausgefallen seien. Vielmehr habe er sich erneut widersprüchlich über die Art und den Zeitpunkt der angeblichen Tätigkeiten, wegen derer er von den syrischen Behörden gesucht worden sei, geäussert. Auch seien seine Angaben bezüglich des vorgebrachten Engagements und der nach- folgenden Suche nach ihm stereotyp und unstubstanziiert ausgefallen. Ins- gesamt sei es ihm daher nicht gelungen, eine Verfolgung aufgrund seines angeblichen politischen Engagements glaubhaft erscheinen zu lassen. Die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihren angeblichen politischen Tä- tigkeiten in Syrien seien wenig konkret und wenig substanziiert ausgefal- len. Vielmehr sei sie bei ihren Schilderungen auffällig auf die allgemeine Situation der Kurden in Syrien ausgewichen. Ihr angebliches früheres poli- tisches Engagement sei daher erheblich in Zweifel zu ziehen. Eine Identi- fikation als Regimegegnerin durch die syrischen Behörden und eine nach- folgende Suche nach ihr erscheine ausserdem zweifelhaft. Insgesamt er- scheine die von ihr vorgebrachte Verfolgung aufgrund ihrer angeblic hen früheren politischen Aktivitäten unglaubhaft. Im Ü brigen seien ihre Anga- ben inkonsistent ausgef allen. Abgesehen von der in Zweifel gezogenen Glaubhaftigkeit des Vorbringens weise die geltend gemachte lange zurück-D-4820/2018 Seite 12 liegende Tätigkeit für die Q._______ auch keinen in zeitlicher und sachli- cher Hinsicht genügend engen Kausalzusammenhang mit ihrer Ausreise aus Syrien auf. Ihren Angaben seien zudem keine Hinweise darauf zu ent- nehmen, dass sie und ihre Familie aufgrund der angeblichen Aktivitäten ihres (…) und ihres (…) konkrete Nachteile zu befürchten hätten. Es sei unbestritten, dass die Situation in Syrien angesichts des Bürgerkrie- ges ausgesprochen schwierig sei. Ihre diesbezüglichen Schilderungen seien auf die zurzeit herrschende Situation und die allgemein gegenwärtige Gewalt in Syrien zurückzuführen. Die dadurch erlittenen Nachteile würden keine gezielte Benachteiligung im Sinne des Asylgesetzes darstellen. Die geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten seien nicht geeignet, eine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu begründen. Die vorgebrach- ten Tätigkeiten könnten nicht als exponiert bezeichnet werden. Es würden somit keine Anhaltspunkte vorliegen, dass sie durch ihre vergleichsweise niederschwelligen Aktivitäten das Interesse der syrischen Behörden auf sich gezogen hä tten. Auch den eingereichten Dokumenten würden sich keine Hinweise auf eine bedeutende Rolle in der exilpolitischen Gemeinde entnehmen lassen. Dieses Vorbringen halte demnach den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft von Art. 3 AsylG nicht stand. Der Vollständigkeit halber sei zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer nach der Heirat im Jahr (…) keinen Kontakt mehr zu den Militärbehörden gehabt habe. Insbesondere habe er nicht geltend gemacht, nach dem Aus- bruch der Unruhen im Jahr (…) erneut für den Reservedienst aufgeboten oder gesucht worden zu sein. Demnach würden keine Hinweise darauf be- stehen, dass er bei einer allfälligen Rückkehr nach Syrien im Zusammen- hang mit seiner Dienstpflicht asylrelevante Nachteile zu erfahren hätte. 7.2 In der Rechtsmittelschrift wurde entgegnet, der Beschwerdeführer sei in Syrien aus politischen Gründen zur Verhaftung ausgeschrieben. Er sei ein aktives Mitglied der (…) gewesen. Unter anderem habe er Flyer gegen das syrische Regime verteilt und an Versammlungen für kurdische Rechte teilgenommen. Er könne sich nicht erklären, warum im Anhörungsprotokoll stehe, er habe zweimal Flugblätter verteilt . Er habe ausgesagt, dass sie sich zweimal getroffen hätten. Beim ersten Mal vor dem Newroz-Fest hät- ten sie die Flugblätter vorbereitet, beim zweiten Mal hätten sie sie verteilt. Er habe sie somit nur einmal verteilt. Entscheidend seien nun aber nicht angeblich widersprüchliche, stereotype oder unsubstanziierte Aussagen, sondern allein die Frage , ob er verfolg t werde oder nicht. Sein Haus sei D-4820/2018 Seite 13 von Personen in Zivilkleidung und mit Waffe n – somit von Geheimdienst- leuten – durchsucht worden. Die zuständige syrische Behörde habe einen (Nennung Beweismittel) gegen ihn erlassen. Im Falle einer Rückkehr in die Heimat werde er daher sofort festgenommen. Auch die Beschwerdeführerin sei in Syrien zur Verhaftung ausgeschrieben. Sie sei von (…) bis (…) Mitglied der Q._______ gewesen. In dieser Zeit habe sie für die Partei Versammlungen organisiert, Videokassetten verteilt und sie habe Frauen über ihre Rechte und die Rechte der Kurden unter- richtet. Ab (…) habe sie als (…) gearbeitet, sei aber immer noch – wenn auch weniger – politisch aktiv gewesen. Unter dem Regime des vorherigen Diktators habe man Beamte bestechen können. Ihr Vater sei reich gewe- sen und habe durch Bestechungen verhindern können, dass sie verhaftet worden sei. So habe sie trotz ihres politischen Engagements heiraten und einen Reisepass erhältlich machen können. Der jetzige Diktator habe das Verwaltungswesen modernisiert und neue Beamte eingesetzt, Bestechun- gen seien nicht mehr möglich. Im Jahr (…) seien viele politische Gefan- gene aus der Haft entlassen worden mit der Auflage, ihre früheren politi- schen Kollegen zu denunzieren. Wäre sie in der Heimat geblieben, w äre sie verhaftet worden. Es bestehe auch ein (Nennung Beweismittel) gegen sie. 7.3 Das SEM führte in der Vernehmlassung aus, dass die Beschwerdefüh- renden die (Nennung Beweismittel) weder in der BzP noch in der Anhörung je erwähnt hätten. Der Beschwerdeschrift seien keine Angaben darüber zu entnehmen, warum und unter welchen Umständen sie erst n achträglich von den Dokumenten Kenntnis erhalten hätten. Es lasse sich zudem nicht nachvollziehen, wem und unter welchen Umständen die Dokumente aus- gehändigt worden seien. Das nachträgliche Auftauchen dieser Dokumente rufe daher erhebliches Erstaunen hervor. Die bis dato lediglich als Kopien vorliegenden Dokumente könnten nicht au f ihre Echtheit untersucht wer- den und würden keinen Beweiswert entfalten. Die eingereichten Fotos und Videoaufnahmen der Beschwerdeführerin würden kein exponiertes exilpo- litisches Profil belegen. Die Fotos würden sie in kleinem Rahmen bei Ver- anstaltungen der (…) zeigen. Den Bildern seien keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass sie in der Organisation eine herausragende Rolle spiele. Es lägen ausserdem keine Hinweise darauf vor, dass die Bilder veröffent- licht worden sei en. Zum Interview am Rande einer Kundg ebung in L._______ sei festzuhalten, dass sie lediglich eine von mehreren befragten Personen sei und ansonsten nicht aus der Gruppe heraussteche. Ihren Äusserungen sei nichts zu entnehmen, dass auf ihre Personalien oder eine D-4820/2018 Seite 14 allfällige Führungsrolle in der exilpolitischen Bewegung schliessen lasse. Vielmehr werde sie als einfache Demonstrationsteilnehmerin gezeigt. Auch wenn das Video wie angegeben mehrere Tage lang ausgestrahlt worden wäre, sei nicht anzunehmen, dass sie aufgrund dessen von den syrischen Behörden identifiziert worden sei oder deren Interesse geweckt hätte. 7.4 In der Replik wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführenden zum Zeitpunkt der BzP noch nichts vom (Nennung Beweismittel) gewusst hät- ten. Zum Zeitpunkt der Anhörung, als sie davon in Kenntnis gewesen seien, hätten sie gesagt, dass sie zu Hause, also in Syrien, Beweismittel hätten. Der Mitarbeiter des SEM habe gesagt, wenn weitere Beweismittel ge- braucht würden, werde er ihnen das mitteilen. Sie seien aber nie zur Ein- reichung von Beweismitteln aufgefordert worden und seien als recht sun- kundige Asylsuchende davon ausgegangen, dass damit alles in Ordnung sei. Sie seien ohne Dokumente aus Syrien geflohen. Es sei nicht geplant gewesen, dass sie irgendwann in die Schweiz einreisen und im Rahmen eines Asylverfahrens irgendwelche Beweismittel vorweisen müssten. Ein (Nennung Behörde) in H._______ habe den (Nennung Beweismittel) ihren Nachbarn übergeben, da sie nicht zu Hause gewesen seien. Die Nachbarin habe sie an den (Nennung Verwandter) weitergegeben. Dieser habe ihnen Fotoaufnahmen via Whatsapp geschickt. Da die Post in Syrien vom Ge- heimdienst kontrolliert werde, habe ein Bote die O riginale über die (…) Grenze bringen müssen. Dort halte sich die Mutter des Beschwerdeführers auf. Diese habe die beiden (Nennung Beweismittel) dann bei der Post auf- gegeben. Mit den (Nennung Beweismittel) sei nachgewiesen, dass sie die Flüchtlingseigenschaft erfüllen würden. Entgegen der Auffassung des SEM habe niemand an der Demonstration in den Videoaufnahmen eine herausstechende Erscheinung. Für den Ge- heimdienst sei es ohnehin egal, wer welche Kleidung oder welches Er- scheinungsbild trage. Entscheidend sei ein Offenbaren als Regimegegne- rin und ein Engagement gegen das Regime. Da die beiden Sender (…) und (…) tagein tagaus vom syrischen Geheimdienst überwacht würden, sei die Beschwerdeführerin als Oppositionelle identifiziert worden und erfülle die Flüchtlingseigenschaft. 7.5 Das SEM führte in seiner ergänzenden Vernehmlassung aus, bei den nachträglich eingereichten angeblichen Originalen handle es sich offen- sichtlich nicht um die gleichen Dokumente, wie bei den zuerst in Kopie ein- gereichten (Nennung Beweismittel). Diese Einschätzung ergebe sich aus D-4820/2018 Seite 15 einem Vergleich der Stempel und Unt erschriften sowie deren Positionie- rungen. Es sei demnach erheblich in Zweifel zu ziehen, dass es sich um authentische Dokumente handle. Im Übrigen würden die Schriftstücke keine Sicherheitsmerkmale aufweisen. Sie seien leicht fälschbar und könn- ten einfach käuflich erworben werden. Den nachgereichten (Nennung Be- weismittel) komme daher kein Beweiswert zu. Aus den Protokollen der An- hörungen sei nicht ersichtlich, dass der Befrager drauf verzichtet habe, wei- tere Beweismittel einzufordern. Vielmehr sei der Beschwerdeführer explizit gefragt worden, ob er weitere Beweismittel einreichen wolle. Es sei zwar bekannt, dass die syrischen Sicherheitsdienste auch im Ausland aktiv seien und oppositionelle Kreise aus Syrien überwachen würden. Ange- sichts der umfangreichen ex ilpolitischen Betätigungen von syrischen Staatsangehörigen im Ausland sei jedoc h davon auszugehen, dass sich der syrische Geheimdienst auf die Erfassung von Personen konzentriere, die qualifizierte Aktivitäten ausüben würden. Massgeben d sei dabei nicht primär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Indi- vidualisierbarkeit, sondern eine öffentliche Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit des Asylsuchenden, der Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgeg ebenen Erklärungen den Eindruck erwecke, dass ein Asylsuchender aus Sicht des syrischen Regimes als po- tentielle Bedrohung wahrgenommen werde. Vor diesem Hintergrund ver- möge das nachgereichte Bildmaterial, sowie die Links zu einer Sendung auf (…) und einen Beitrag auf der Homepage der Partei die Einschätzung des politischen Profils der Beschwerdeführerin im Rahmen der ersten Ver- nehmlassung nicht umzustossen. Die Beweismittel würden nicht aufzei- gen, dass sie aufgrund von besonders exponierten exilpolitischen Tätigkei- ten das Interesse der syrischen Behörden geweckt h abe oder identifiziert worden sein könnte. 7.6 In der Stellungnahme vom 18. Juni 2019 brachten die Beschwerdefüh- renden zu den (Nennung Beweismittel) vor, dass es auch in der Schweiz üblich sei, bestimmte Urteile, Verfügungen oder sonstige Urkunden im Doppel auszustellen. Nur weil ein Dokument zweimal ausgestellt worden sei, heisse das nicht, dass es nicht echt sei. Die Nachbarin habe die Be- schwerdeführenden informiert, dass Sicherheitsbeamte nach ihnen ge- sucht hätten. Daraufhin hätten sie diese (Nennung Beweismittel) erhalten. Es handle sich um Originale. Aufgrund der zahlreichen Auftritte vor einem grossen Publikum und der Exponiertheit bei den Auftritten sei offensicht- lich, dass die Beschwerdeführerin ins Visier der syrischen Geheimdienste geraten sei. D-4820/2018 Seite 16 8. 8.1 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM unter Verweis auf die jeweiligen Textstellen in den Protokollen mehrere zu Zweifeln Anlass ge- bende Aussagen der Beschwerdeführenden betreffend i hre V orflucht- gründe an. Die vom SEM erörterten Vorbehalte sind durchaus von erhebli- cher Relevanz. Was die Beschwerdeführenden dagegen vorbringen , ist nicht geeignet, an dieser Einschätzung etwas zu ändern. 8.2 Der Beschwerdeführer äusserte sich mehrfach widersprüchlich über die Art und den Zeitpunkt der angeblichen politischen Tätigkeiten, wegen derer er von den syrischen Behörden gesucht worden sei. So sagte er an- lässlich der Anhörung zuerst aus, er habe abends Flugblätter verteilt, wobei er sich sogleich widersprach und angab, diese Tätigkeit am frühen Morgen ausgeübt zu haben (vgl. SEM act. A27 F46 und F48). Weiter gab er an , dass er nach seiner Ausreise, deren Auslöser die Verteilung der Flugblätter gewesen sei, nicht mehr nach Syrien zurückgekehrt sei und die Gründe seiner ersten Ausreise aus Syrien finanzieller Natur gewesen seien (vgl. SEM act. A27 F60 und F64). Wenig später führte er jedoch abweichend aus, dass er vor seinen beiden Ausreisen aus Syrien für seine Partei aktiv gewesen sei (vgl. SEM act. A27 F70 f.), womit er zum Ausdruck bringt, dass er nach seiner Ausreise aus politischen Gründen noch einmal in sein Heimatland zurückkehrte . Ein weiterer Widerspruch liegt darin , dass er mehrfach angab, er habe zweimal Flugblätter verteilt, sodann aber be- hauptete, einmal die Flugblätter vorbereitet und sie darauf einmal verteilt zu haben (vgl. SEM act. A27 F72 und F89). Durch diese vielfältigen Un- stimmigkeiten entsteht der Eindruck, dass es sich bei den vorgebrachten politischen Aktivitäten um konstruierte Vorbringen handelt und er das Ge- schilderte nicht in der vorgebrachten Art und Weise erlebt hat. Mit der Be- hauptung in der Beschwerdeschrift, entscheidend seien nicht angeblich wi- dersprüchliche, stereotype oder unsubstanziierte Aussagen, sondern allein die Tatsache, ob er verfolgt werde , verkennen die Beschwerdeführenden die Relevanz von Art. 7 AsylG: Wer um Asyl nachsucht, muss die Flücht- lingseigenschaft zumindest glaubhaft machen. Unglaubhaft sind unter an- derem Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig beg ründet oder in sich widersprüchlich sind. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten po- litischen Aktivitäten sind aus den vom SEM dargelegten und den oben fest- gehaltenen Gründen unglaubhaft, weswegen auch nicht geglaubt werden kann, dass er deswegen von den politischen Sicherheitskräften zu Hause gesucht respektive verfolgt worden sei. D-4820/2018 Seite 17 8.3 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend politische Tätigkei- ten in Syrien sind wenig substanziiert und nachvollziehbar ausgefallen. Sie brachte in der Anhörung vor, sich in den Jahren (…) bis (…) mit kurdischen Frauen getroffen und diese über ihre Rechte informiert zu haben (vgl. SEM act. A28 F11 f., F17). Ausserdem habe sie sich, als sie als (…) gearbeitet habe, im (…) heimlich mit Frauen getroffen (vgl. SEM act. A28 F 20). Auf konkrete Nachfragen betreffend ihre Tätigkeiten und die Probleme, welche sie deswegen allenfalls seitens der syrische n Behörden erhalten habe, wich sie aus und erzählte von der allgemeinen Lage der Kurden, insbeson- dere der kurdischen Frauen und was anderen Personen passiert sei (vgl. SEM act. A28 F13 , F17 f., F21). Aufgrund dieser unsubstanziierten und ausweichenden Angaben erscheint es wenig glaubhaft, dass sie aufgrund dieser Tätigkeiten noch oder wieder im Jahr (…) von den syrischen Behör- den gesucht worden sei (vgl. SEM act. A28 F21, F39 ff.), insbesondere da sie ihren eigenen Angaben zufolge ihre politische Tätigkeit spätestens zum Zeitpunkt ihrer Heirat im Jahr (…) eingestellt habe (vgl. SEM act. A28 F23, F38). Ihre Erklärung, die erneute Suche sei darauf zurückzuführen, dass der jetzige Diktator Bashar al-Assad das Verwaltungswesen modernisiert und neue Beamten eingesetzt habe, weswegen Bestechungen nicht mehr möglich seien, trifft offensichtlich nicht zu, machte sie doch selbst geltend, dass sie nur aufgrund von Bestechungen heiraten und einen Reisepass habe erhältlich machen können – Bashar al-Assad ist seit dem Jahr 2000 an der Macht, sie heirate te im Jahr (…) und ihr eingereichter Reisepass wurde am (…) ausgestellt, mithin me hrere Jahre nach der Machtüber- nahme. Dass die Verfolgung auch darauf zurückzuführen sei, dass im Jahr (…) viele politische Gefangene mit der Auflage, ihre früheren politischen Kollegen zu denunzieren, aus der Haft entlassen worden seien, legte die Beschwerdeführerin höchst unsubstanziiert dar. So gab sie weder an, wer sie hätte denunzieren sollen, noch warum die Behörden an Tätigkeiten , welche mehrere Jahre zurückliegen, noch ein Interesse haben sollten . Auch in dieser Hinsicht ist der Einschätzung des SEM zu folgen, wonach nicht nachvollziehbar sei, dass ihr durch die angebliche Begegnung mit Personen des Geheimdienstes, welche auf der Suche nach dem Be- schwerdeführer gewesen seien (vgl. SEM act. A28 F27), keine Nachteile entstanden sind. Zusammenfassend ers cheint die vorgebrachte Verfol- gung aufgrund ihrer politischen Tätigkeiten im Heimatland als unglaubhaft. 8.4 Die eingereichten (Nennung Beweismittel) vermögen an der Einschät- zung, die geltend gemachten politischen Tätigkeiten beider Beschwerde- führenden im Heimatland seien unglaubhaft, nichts zu ändern. Zuerst fällt D-4820/2018 Seite 18 auf, dass die Beschwerdeführenden weder in der BzP noch bei der Anhö- rung von der Existenz dieser (Nennung Beweismittel) gesprochen haben. Dass sie erst zum Zeitpunkt der Anhörung in Kenntnis dieser Dokumente gewesen seien – wie sie in ihrer Replik darlegen –, mithin fast (…) Jahre nach deren Ausstellung, ist nicht nachvollziehbar. Auch gaben sie solches in der Anhörung nicht zu erkennen. Sie machten bei der Anhörung vielmehr nur in unbestimmter Weise geltend, sie würden seitens der syrischen Be- hörden gesucht (vgl. SEM act. A27 F12; A28 F18, F23). Die Beschwerde- führerin gab zu Protokoll, dass das SEM «vielleicht mittels Interpol nach- fragen und sehen [könne], dass [sie] politisch gesucht werden» (vgl. SEM act. A28 F29) . Spätestens an dieser Stelle wäre zu erwarten gewesen, dass sie die (Nennung Beweismittel) erwähnt hätte. Aus dem Protokollver- lauf wird nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführe nden gesagt hätten, dass sie in Syrien Beweismittel hätten, d as SEM aber abgelehnt habe, diese einzufordern. Vielmehr gab die Beschwerdeführerin an, Videoauf- nahmen und Bilder ihrer politischen Aktivitäten in der Schweiz und der Lei- den und des Schocks ihres Sohnes einreichen zu könne n (vgl. SEM act. A28 F46, F55). Der Beschwerdeführer sagte, er könne Fotos von sei- ner Tätigkeit im (…) einreichen (vgl. SEM act. A27 F20). Keiner der beiden sagte, noch weitere Dokumente aus Syrien besorgen zu können. Das Ver- halten der Beschwerdeführenden hinsichtlich der Beibringung der (Nen- nung Beweismittel) lässt damit gewichtige Zweifel an der Authentizität der Dokumente aufkommen. Hinzu kommt, dass in Syrien gefälschte oder verfälschte Dokumente aller Art käuflich erworben werden können. Bezüglich der Authentizität der Do- kumente ist festzuhalten, dass die eingereichten Kopien und Originale eine unterschiedliche Beschaffenheit aufwei sen. Die Stempel auf den Kopien erscheinen aufgedruckt. Demgegenüber sind auf den Originalen Nass- stempel angebracht, welche eine andere Gestaltung als die auf den Kopien aufgedruckten Stempel haben. Die Dokumente unterscheiden sich auch aufgrund der Positionierung der Stempel und Unterschriften – sowie bei näherer Betrachtung – auch aufgrund der Positionierung des Textes in Be- zug auf das Wappen im Hintergrund . Daher ist davon auszugehen, dass es sich bei den angeblichen Kopien und den Originalen nicht um di e glei- chen Dokumente handelt. Es ist als reine Schutzbehauptung zu werten, dass es sich um Doppel handle, wurden die Dokumente von den Be- schwerdeführenden doch explizit als Originale und nicht als Doppel der be- reits in Kopie eingereichten (Nennung Beweismittel) zu den Akten gereicht. Somit ist die Beweiskraft der eingereichten (Nennung Beweismittel) vor D-4820/2018 Seite 19 dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen, der fraglichen Her- kunft sowie Authentizität als gering einzustufen. Sie vermögen daher a n der Einschätzung, die geltend gemachten politischen Tätigkeiten beider Beschwerdeführenden im Heimatland seien unglaubhaft, nichts zu ändern. 8.5 Das Gericht sieht ferner keine Veranlassung, in Bezug auf die Asylre- levanz der allgemeinen Situation in Syrien und des Militärdienstes des Be- schwerdeführers einen anderen Schluss als das SEM zu ziehen. So brin- gen die Beschwerdeführenden auf Beschwerdeebene auch nichts mehr dazu vor. Es wird zur Vermeidung von Wiederholungen auf die entspre- chenden Ausführungen in der angef ochtenen Verfügung verwiesen (vgl. angefochtene Verfügung, Ziff. II/2 und 3b). 8.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden in ihrem Heimatstaat weder einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt waren noch im Zeitpunkt ihrer Flucht eine begründete Furcht vor einer zu- künftigen Verfolgung vorlag. 9. 9.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden durch ihr Ver- halten nach der Ausreise aus Syrien in der Schweiz Grund für eine zukünf- tige Verfolgung durch die syrischen Behörden gesetzt haben und deshalb (infolge subjektiver Nachfluchtgründe) die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. 9.2 Im Rahmen eines Koordinationsentscheids hat sich das Bundesverwal- tungsgericht ausführlich mit der Frage befasst, unter welchen Umständen angesichts der in Syrien herrschenden Situation eine regimekritische exil- politische Betätigung zur Annahme subjektiver Nachfluchtgründe führt (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3 [als Referenz- urteil publiziert]). Diesbezüglich hielt das Gericht zunächst fe st, dass die Geheimdienste des staatlichen syrischen Regimes in verschiedenen euro- päischen Staaten nachrichtendienstlich tätig sind mit dem Ziel, regimekriti- sche Personen zu identifizieren und oppositionelle Gruppierungen zu un- terwandern sowie zu bespitzeln. Es kann somit nicht ausgeschlossen wer- den, dass syrische Geheimdienste von der Einreichung eines Asylgesuchs durch Personen syrischer Herkunft in der Schweiz erfahren, insbesondere wenn sich die betreffende Person hier exilpolitisch betätigt oder mit – aus der Sicht des syrischen Regimes – politisch missliebigen, oppositionellen Organisationen, Gruppierungen oder Tätigkeiten in Verbindung gebracht wird. Diese Umstände vermögen nach ständiger Rechtsprechung jedoch D-4820/2018 Seite 20 die Annahme, im Falle der Rückkehr nach Syrien würden sämtliche regime- kritischen Personen in asylrechtlich relevantem Ausmass zur Rechen- schaft gezogen, nicht zu rechtfertigen. Damit die Furcht vor Verfolgung als begründet erscheint, müssen vielmehr konkrete Anhaltspunkte dafür vor- liegen, dass die asylsuchende Person tatsächlich das Interesse der syri- schen Behörden auf sich gezogen und als regimefeindliches Element na- mentlich identifiziert und registriert wurde. In dieser Hinsicht geht die Rechtsprechung davon aus, dass sich die syrischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über niedrigprofilierte Erschei- nungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrgenommen und/oder Aktivitäten entwickelt haben, welche die betreffende Person als Individuum aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen heraushe- ben und als ernsthaften und potenziell gefährlichen Regimegegner er- scheinen lassen. Für die Annahme begründeter Furcht ist insofern nicht primär das Hervortreten im Sinne einer optischen Erkennbarkeit und Indi- vidualisierbarkeit massgebend; ausschlaggebend ist vielmehr eine öffent- liche Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit des Asylsuchenden, der Form des Auftritts und aufgrund des Inhalts der in der Öffentlichkeit abge- gebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, dass der Asylsuchende aus Sicht des syrischen Regimes als potenzielle Bed rohung wahrgenommen wird (vgl. Referenzurteil D-3839/2013 E. 6.3.2). Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs sind mehr als fünf Millionen Men- schen aus Syrien geflüchtet. Ein Grossteil davon fand in den Nachbarlän- dern Syriens Zuflucht, aber auch die Zahl der in europäische Staaten ge- flüchteten Menschen wächst stetig. Angesichts d ieser Dimension ist es nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts wenig wahrscheinlich, dass die syrischen Geheimdienste über die Ressourcen und Möglichkeiten verfügen, um sämtliche regimekritischen exilpolitischen Tätigkeiten von Personen syrischer Herkunft im Ausland systematisch zu überwachen. Zu- dem kann davon ausgegangen werden, dass durch den Überlebenskampf des staatlichen Regimes die syrischen Geheimdienste ohnehin primär auf die Situation im Heimatland konzentriert sind. Das Bundesverwaltungsge- richt geht deshalb auch unter den heutigen Bedingungen weiterhin davon aus, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten der syrischen Geheimdienste im Ausland nicht bei einer grossflächigen, sondern bei einer selektiven und gezielten Überwachung der im Ausland le benden Opposition liegt (vgl. Referenzurteil D-3839/2013 E. 6.3.6). 9.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei aktives Mitglied der (…) und habe solchermassen an Veranstaltungen und Kundgebungen in der D-4820/2018 Seite 21 Schweiz teilgenommen sowie Interviews gegeben, bei welchen sie den sy- rischen Diktator Assad scharf kritisiert habe. Ein Interview sei auf den Sen- dern (…) und (…) ausgestrahlt worden. Zudem habe sie am (…) an einer auf (…) ausgestrahlten politischen Sendung teilgenommen, bei welcher sie zu Wort gekommen sei. Sie reichte auf Beschwerdeebene (Aufzählung Be- weismittel) zu den Akten, die ihre exilpolitische Tätigkeit belegen sollen. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Falle einer Rückkehr in das vom Regime kontrollierte Gebiet durch Angehör ige der syrischen Sicherheitskräfte einer einlässlichen Kontrolle unterzogen würde (vgl. Urteil D-3839/2013 E. 6.3.1). Vor dem Hintergrund der vorstehenden Erwägungen 8.1 ff. ist nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführerin verfüge aufgrund ihrer politischen Aktivitäten in der Heimat über ein beson- deres Profil, welches darauf schliessen lassen könnte, dass ihre weiteren Tätigkeiten von den syrischen Sicherheitsbehörden systematisch über- wacht worden wären. Es ist auch nicht anzunehmen, dass der syrische Staat im Zeitpunkt der Einreise der Beschwerdeführerin in die Schweiz im Jahr (…) – mithin nach Ausbruch des Bürgerkrieges – noch die Ressour- cen und Möglichkeiten hatte, sämtliche exilpolitischen Aktivitäten im Aus- land zu überwachen. Vielmehr ist davon auszu gehen, dass sich die syri- schen Behörden dabei auf Personen konzentrierten, welche aus der Masse von mit dem Regime unzufriedenen Personen besonders hervorge- treten sind. Den eingereichten Unterlagen (...) ist zu entnehmen, dass die Beschwer- deführerin an verschiedenen Kundgebungen teilgenommen hat. Dabei ist sie insbesondere an einer politischen Veranstaltung in (...) L._______ wäh- rend eines rund (…) Minuten dauernden Interviews zu sehen, wobei Aus- schnitte dieser Veranstaltung, so auch das Interview, auf (Nennung Sen- der) ausgestrahlt worden sind (vgl. Beschwerde Ziff. 3.5.1 und Beschwer- debeilage 6 [...]; Eingabe vom 27. August 2018 und Beilage ). Die Be- schwerdeführerin ist zudem als eine Teilnehmerin einer am (…) ebenfalls auf (Nennung Sender) ausgestrahlten Sendung zu sehen, bei welcher sie rund (…) Minuten spricht. Bei (Nennung Sender) handelt es sich (Nennung näherer Angaben zum Sender und Quellenhinweis) . Aufgrund der Nähe des Senders zur (…) könnte grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden , dass die syrischen Geheimdienste Kenntnis über entsprechende Aufnahme n erlangen (vgl. […]). D-4820/2018 Seite 22 Auch wenn das Gericht entgegen den Ausführungen in der Beschwerde nicht davon ausgeht, dass bei diesen TV-Beiträgen der offizielle arabische Name der Beschwerdeführerin genannt worden ist (sie wurde in der Sen- dung vom (…) lediglich mit ihrem Decknamen O._______ angesprochen), so ist d ie Beschwerdeführerin dabei doch rein optisch erkennbar. Diese rein optische Erkennbarkeit der Beschwerdeführerin ist aber nicht alle in massgebend. Entscheidend ist vielmehr, ob ihre Aktivitäten geeignet sind, dazu zu führen, dass sie von den syrischen Behörden als potenziell gefähr- liche Regimegegnerin wahrgenommen wird. Betreffend das (…)-minütige Interview in (...) L._______ bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe im Interview erwähnt, dass Assad, Erdogan und Iran die syrische Stadt M._______ zerstören wollten (vgl. Eingabe vom 21. Februar 2019). In die- sem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ledig- lich eine vo n mehreren befragten Personen ist und im Übrigen aus der Gruppe nicht hervorsticht. Auch ist ihren Äusserungen wie bereits ausge- führt nichts zu entnehmen, das auf ihre Personalien hinweisen oder eine allfällige Führungsrolle in der exilpolitischen Bewegung schliessen lassen würde. Es ist deshalb trotz einer Ausstrahlung dieses Videos auf (…) nicht anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin wegen dieser Aufnahme das Interesse der syrischen Behörden geweckt hätte und überhaupt von ihnen identifiziert worden wäre. Dies gilt umso mehr, als sich die betreffende Ver- anstaltung den gezeigten Bannern zufolge (Nennung Inhalt Banner) schwergewichtig gegen die Türkei gerichtet haben dürfte. Dasselbe gilt für die Teilnahme der Beschwerdeführerin bei einer auf (Nennung Sender) am (…) ausgestrahlten politischen Sendung, bei welcher sich die Beschwer- deführerin zu (Nennung Themen) äusserte. In diesem Zusammenhang ist vorab auf den eingeblendeten Balken zu verweisen, welcher Bezug zur Türkei nimmt («[…]», Übersetzung durch das BVGer: […]). Auch wenn die Beschwerdeführerin den Namen M._______, also die (…), erwähnt und dabei die Kurden zum vereinig ten Widerstand für M._______ aufgerufen hat, richtete sich der Kern ihrer Rede doch hauptsächlich gegen die Regie- rung von Erdogan, den sie – im Unterschied zu Assad – mehrmals nament- lich erwähnte. Sie richtete sich abschliessend in ihrer Rede denn auch ex- plizit an das kurdische Volk in der Türkei, und bat dieses, nicht für Erdogan zu stimmen (vgl. Übersetzung der Rede: Beilage zur Eingabe vom 21. März 2019). Vor diesem Hintergrund teilt das Gericht die Schlussfolgerung de s SEM in der ergänzenden Vernehmlassung, dass keine konkreten Anhalts- punkte dafür vorliegen, dass der syrische Staat ein Interesse daran hat, die Beschwerdeführerin als regimefeindliche Person zu identifizieren und re- gistrieren. Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus den übrigen zu den D-4820/2018 Seite 23 Akten gereichten Beweismitteln. Jedenfalls lässt sich aus den eingereich- ten Beweismitteln nicht erkennen, dass die Beschwerdeführerin ein beson- deres politisches Profil aufweist respektive dass sie aufgrund ihrer Persön- lichkeit, der Form ihrer Auftritte sowie deren Inhalts den Eindruck erweckt, sie werde aus Sicht des syrischen Regimes als potenzielle Bedrohung wahrgenommen. Folglich liegen keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwerdeführerin infolge ihrer Beteiligung an exilpoliti- schen Aktivitäten bei einer Rückkehr nach Syrien einer spezifischen Ge- fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein könnte. Damit ist auch das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen zu verneinen. 9.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe an Demonstrationen der Partei seiner Frau teilgenommen. Er reichte hierzu mehrere Fotos ein, auf welche er allerdings nicht beziehungsweise nicht in exponierter Weise er- sichtlich ist. Damit gelingt es ihm nicht, zu belegen oder glaubhaft zu ma- chen, dass er innerhalb einer der exilpolitisch tätigen Organisationen und Parteien eine exponierte Kaderstelle innehat oder nur schon re gelmässig an exilpolitischen Veranstaltungen oder Kundgebungen teilnimmt. Seine angebliche Teilnahme an Demonstrationen übersteigt die Schwelle der massentypischen Erscheinungsformen exilpolitischen Protests syrischer Staatsangehöriger nicht. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er als exponierter Regimegegner aufgefallen wäre. Deshalb ist es nicht wahr- scheinlich, dass seitens des syrischen Regimes ein besonderes Interesse an seiner Person besteht (vgl. Urteil D-3839/2013 E. 6.4.2). Somit kann sich auch der Beschwerdeführer nicht auf das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen berufen. 10. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 11. Mit der angefochtenen Verfügung wurden die Beschwerdeführenden we- gen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenommen. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4), erübrigen sich weitere Ausführungen zur D-4820/2018 Seite 24 Frage der Durchführbarkeit des Vollzugs. Anzufügen ist aber an dieser Stelle immerhin, dass der generellen Gefährdung der Beschwerdeführen- den aufgrund der a ktuellen schwierigen Sicherheitslage in Syrien mit der erwähnten Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs durch das SEM Rechnung getragen wurde. 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 13. 13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwi- schenverfügung vom 28. August 2018 das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen und es ist den Akten nicht zu entnehmen, dass sie zwischenz eitlich nicht mehr bedürftig wären, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 13.2 Mit gleicher Verfügung wurde ausserdem das Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110 a Abs. 1 AsylG) und den Be- schwerdeführenden ihr Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Dem- nach ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendun- gen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der Rechtsvertreter reichte mit Eingaben vom 21. Februar 2019 und vom 26. August 2019 Honorarnoten in der Höhe von insge samt Fr. 4'011.60 zu den Akten. Mit Eingabe vom 9. April 2019 wurde eine Rechnung von Fr. 107.50 für Übersetzungen ein- gereicht. Der ausgewiesene Aufwand erscheint nicht angemessen. Einer- seits sind in der Honorarnote, welche am 26. August 2019 eingereicht wurde, Arbeiten von Personen aufgeführt, die nicht von der Vollmacht vom 26. Juli 2018 abgedeckt sind. Andererseits erscheint im Vergleich mit ähn- lich gelagerten Verfahren der zeitliche Aufwand von 16 Stunden als über- höht. Der Aufwand ist demnach auf zwölf Stunden zu reduzieren. Die Aus- lagen erscheinen indes angemessen. Wie in der Zwischenverfügung vom 28. August 2018 festgehalten, ist entsprechend der Praxis des Gerichts (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) von einem Stundenansatz von Fr. 220.– auszugehen. In Anwendung der massgeblichen Bemessungsfak- toren (vgl. Art. 8–11 VGKE) ergibt dies ein Honorar von Fr. 3'108.30 (ge- rundet, inkl. Übersetzungskosten und Mehrwertsteuerzuschlag). Dieser D-4820/2018 Seite 25 Betrag ist dem Rechtsvertreter als amtliches Honorar zu Lasten des Ge- richts auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-4820/2018 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem rubrizierten Rechtsvertreter wird für seinen Aufwand als amtlicher Rechtsbeistand ein Honorar von Fr. 3'108.30 zulasten der Gerichtskasse ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Patrick Blumer Versand: