Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. Juni 2013 (735 12 333) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Berechnung der Überentschädigung; mutmasslich entgangener Verdienst Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Michael G uex, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Kläger, vertreten durch Markus Schmid, Rechtsanwalt, Lan- ge Gasse 90, 4052 Basel gegen Pensions- & Sparkasse der Securitas Gruppe , Seilerstrasse 7, 3011 Bern, Beklagte, vertreten durch Matthias Fluri, Rechtsanwalt, Die Securitas Gruppe, Rechtsabteilung, Alpenstrasse 20, 3052 Zollikofen Betreff Forderung A. Der 1947 geborene A.____ war vom 1. Mai 1990 bis 3 1. März 2005 bei der B.___ mit Sitz in X.____ als Projektleiter für stationäre Löschanlagen tätig gewesen. Der Arbeitsort befand Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich im Büro der B.____ in Y.____. Am 13. März 2003 er litt er einen Verkehrsunfall und zog sich dabei ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS ) zu. Mit Verfügungen vom 24. März 2012 sprach ihm die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Wirkung ab 1. März 2004 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % und mit Wirkung ab 1. Nove mber 2009 gestützt auf einen Invalidi- tätsgrad von 74 % jeweils eine ganze Invalidenrente zu. Die Schweizerische Unfallversiche- rungsanstalt (SUVA) erbrachte für die Unfallfolgen bis 31. Oktober 2009 aufgrund einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit die gesetzlichen Taggelde r. Am 21. Oktober 2009 gewährte sie ihm für die Unfallrestfolgen ab 1. November 2009 ein en Anspruch auf eine Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 74 %. B. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2010 teilte die Pensi ons- & Sparkasse der Securitas Gruppe (Pensionskasse) A.____ mit, dass er grundsätzlich An spruch auf eine Invalidenrente der Pensionskasse habe. Unter Berücksichtigung des zumutbar erweise noch erzielbaren Ein- kommens gemäss IV-Verfügung in Höhe von Fr. 22'442.-- und der jährlichen Invalidenrenten der IV und der SUVA bestehe eine Überentschädigung. E s könnten ihm deshalb bis zum Errei- chen des 65. Altersjahres keine Leistungen ausgerichtet w erden. Ab 1. Juli 2012 sei das zu- mutbarerweise noch erzielbare Einkommen nicht mehr in die Überentschädigungsberechnung einzubeziehen, weshalb er ab diesem Zeitpunkt Anspruch auf eine reduzierte Invalidenrente von jährlich 12'269.40 habe. C. Am 29. Oktober 2012 liess der Versicherte, vertreten durch Advokat Markus Schmid, beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht ( Kantonsgericht), gegen die Pensi- onskasse Klage erheben. Er beantragte, die Pensionskasse s ei zu verurteilen, ihm für die Zeit vom 1. November 2009 bis 30. Juni 2012 eine monatliche I nvalidenrente von Fr. 1'022.45 zu- züglich Zins zu 5 % seit Datum der Klageeinreichung zu bezahlen. Sie sei ausserdem zu ver- pflichten, ihm mit Wirkung ab 1. Juli 2012 eine Altersr ente von jährlich mindestens Fr. 25'404.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit dem Datum der Klageeinreichun g auszurichten; unter o/e Kostenfol- ge. In der Begründung machte er im Wesentlichen gelte nd, dass bei der Berechnung der Über- entschädigung das zumutbare noch erzielbare Resterwerbsein kommen nicht zu berücksichti- gen sei. Die Beweislast dafür, dass ein solches Resterwer bseinkommen nicht erzielt werden könne, sei entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht dem Kläger zu überbinden. Dazu komme, dass der 1947 geborene Kläger aufgrund seine s Alters und seines reduzierten Gesundheitszustandes keine Chance für eine Arbeitsstelle habe. Allein die mehrjährige Abwe- senheit vom Arbeitsprozess reiche aus, um von einem nicht mehr realisierbaren Rester- werbseinkommen auszugehen. Weiter habe der Gesetzgeber i m Rahmen der 6. IV-Revision erkannt, dass eine Wiedereingliederung nach dem 55. Alt ersjahr faktisch ausgeschlossen sei. Demzufolge könne nicht angenommen werden, dass der seit 6 1/2 Jahren nicht mehr im Be- rufsleben stehende 62-jährige Kläger mit einer stark re duzierten Restarbeitsfähigkeit ein Er- werbseinkommen erzielen könne. Die Überentschädigungsberechnung ohne Anrechnung eines Resterwerbseinkommens ergebe bei einem mutmasslich entgan genen Verdienst von Fr. 102'200.-- eine jährliche Invalidenrente in Höhe von Fr. 12'269.40. Des Weiteren stelle sich die Frage, ob eine Kürzung der Invalidenrente infolg e Erreichens des ordentlichen Rentenalters per 1. Juli 2012 und der damit einhergehenden Ablösu ng der Invalidenrente in eine Altersrente Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gestützt auf Art. 24 Abs. 2 bis der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterl assenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2) vom 18. April 1984 zulässig sei. D. In ihrer Klagantwort vom 14. Dezember 2012 beantr agte die Pensionskasse die Abwei- sung der Klage. Sie wies darauf hin, dass als Grundlage für die Ermittlung des mutmasslich entgangenen Verdienstes das Einkommen massgebend sei, das zuletzt vor Eintritt der gesund- heitlichen Beeinträchtigung des Klägers erzielt worden se i. Beim Kläger sei von einem Jah- reseinkommen von Fr. 84'500.-- (13 x Fr. 6'500.--), d.h. bei 90 % Fr. 76'050.--, auszugehen. Die Pensionskasse habe grosszügigerweise und in Abweichung d es Reglements anstelle des zu- letzt erzielten Jahreseinkommens den von der SUVA ermitt elten Jahreslohn von Fr. 102'200.-- als mutmasslich entgangenen Verdienst eingesetzt. Dies ha be sie dem Kläger in ihrem Schrei- ben vom 10. Dezember 2010 auch mitgeteilt. Würde der Berechnung der von der IV-Stelle er- mittelte Jahreslohn von Fr. 86'359.-- zugrunde gelegt , so läge auch ohne Berücksichtigung eines Resterwerbseinkommens eine Überentschädigung vor . Der vom Kläger ab 1. Juli 2012 vorgenommenen Überentschädigungsberechnung sei nicht zu folgen, weil die Pensionskasse bei der Festlegung der Altersrente wiederum kulanterw eise vom zu hohen SUVA-Lohn als mut- masslich entgangenen Verdienst ausgegangen sei. Bei ents prechender Korrektur bestände kein Anspruch auf eine Rente. E. Mit Replik vom 24. Januar 2013 hielt der Kläger vol lumfänglich an seinen Rechtsbegeh- ren fest. Er wies darauf hin, dass als mutmasslich entgangener Verdienst dasjenige Einkommen zu verstehen sei, das die versicherte Person ohne Eintritt des Vorsorgefalles erzielen würde und zwar im Zeitpunkt, in welchem sich die Kürzungsfrage stelle. Vorliegend liege dieser Zeit- punkt infolge des UV-Taggeldbezugs im November 2009. G emäss Erhebungen der SUVA bei der ehemaligen Arbeitgeberin hätte der Kläger im Jah r 2009 ein jährliches Einkommen von Fr. 102'200.-- erzielt. F. Mit Duplik vom 25. Februar 2013 schloss die Pensionskasse weiterhin auf Abweisung der Klage. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei d ie Höhe der berufsvorsorgerecht- lichen Rente analog den Bestimmungen des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 zu bestimmen. Demnach sei nicht der von der SUVA berechnete mut- massliche Jahreslohn massgebend, sondern das von der IV-Ste lle ermittelte Valideneinkom- men. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Für die vorliegende Streitigkeit über Ansprüche einer versicherten Person gegenüber einer Vorsorgeeinrichtung ist nach Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Al- ters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) vom 2 5. Juni 1982 und § 54 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, zur Beurteilung sachlich zuständig. 1.2 Art. 73 Abs. 3 BVG regelt die örtliche Zuständigk eit für die Entscheidung von Streitigkei- ten berufsvorsorgerechtlicher Natur. Gerichtsstand ist demn ach der schweizerische Sitz oder Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebe s, bei dem der Versicherte angestellt wurde. Der Kläger war im Betrieb der B.____ in Y.__ __ tätig, welche sich für die berufliche Vor- sorge der Pensions- & Sparkasse der Securitas Gruppe ange schlossen hatte. Damit ist das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft für die Beurt eilung der gegen die Beklagte erho- benen Klage auch örtlich zuständig. 2.1 Strittig sind die Überentschädigungsberechnungen per 1. November 2009 und per 1. Juli 2012. Gemäss Schreiben vom 10. Dezember 2010 berechnete die Pensionskasse die Überent- schädigung per 1. November 2009 wie folgt: Mutmasslich entgangener Verdienst gemäss SUVA = 90 % von Fr. 102'200.-- Fr. 91'980.-- ./. IV-Rente der IV Fr. 20'424.-- ./. IV-Rente der SUVA Fr. 59'286.60 ./. zumutbarerweise noch erzielbares Erwerbseinkommen gemäss IV-Verfügung vom 24.3.2012 Fr. 22'442.-- F r. 102'152.60 Überentschädigung pro Jahr Fr. 10'172.60 Dabei führte sie zum mutmasslichen entgangenen Verdienst präzisierend aus, dass gemäss Auskunft der B.____ die von der SUVA ermittelte mutma ssliche Lohnentwicklung von Fr. 102'200.-- das hypothetische Jahreseinkommen des Versicherten übersteigen würde. Trotz- dem würde sie bei der Berechnung der Invalidenrente au f das von der SUVA ermittelte mut- massliche Jahreseinkommen abstellen. Der Kläger bestreitet diese Berechnung insoweit, als er die Anrechnung des zumutbarerweise noch erzielbaren Erw erbseinkommens in Höhe von Fr. 22'442.-- beanstandet. 2.2 Gemäss Art. 34a Abs. 1 BVG erlässt der Bundesrat Vor schriften zur Verhinderung unge- rechtfertigter Vorteile des Versicherten oder seiner Hinterlassenen beim Zusammentreffen meh- rerer Leistungen. Gestützt darauf bestimmt Art. 24 de r Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2) vom 18. April 1984 in der bis 31. Dezember 2011 gültig gewesenen Fassung, dass die Vorsorgeeinrich tung die Hinterlassenen- und Invali- denleistungen kürzen kann, soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 % des mutmasslich entgangenen Verdienstes übersteigen (Abs. 1 ). Als anrechenbare Einkünfte gelten gemäss Abs. 2 Leistungen gleicher Art und Zweckb estimmung, die der anspruchsbe- rechtigten Person aufgrund des schädigenden Ereignisses aus gerichtet werden, wie Renten oder Kapitalleistungen mit ihrem Rentenumwandlungswer t in- und ausländischer Sozialversi- cherungen und Vorsorgeeinrichtungen, mit Ausnahme von Hilflosenentschädigungen, Abfin- dungen und ähnlichen Leistungen. Bezügern von Invaliden leistungen wird überdies das weiter- hin erzielte oder zumutbarerweise noch erzielbare Erwer bs- oder Ersatzeinkommen angerech- net. Desgleichen sieht das Reglement der Pensionskasse unter Verweis auf Art. 24 Abs. 1 BVV 2 in Art. 11 Abs 6 eine Kürzungsregel beim Zusammentre ffen mit Leistungen anderer Sozial- versicherungen vor (vgl. Reglement der Pensions- und Spar kasse der Securitas Gruppe, Abtei- lung Arbeitnehmer im Monatslohn, Ausgabe 2007). In Be zug auf die Anrechnung des zumut- barerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommens wird im Reglement der Verordnungstext von Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 24 Abs. 2 BVV 2 insofern erweitert, als zusätzlich angeführt wird, dass bei der Bestimmung des zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommens g rundsätzlich auf das Invaliden- einkommen gemäss IV-Entscheid unter Berücksichtigung der Be sonderheiten des Einzelfalls abzustellen ist. 3. Als Erstes ist zu prüfen, ob die Pensionskasse zu Recht von einem mutmasslich ent- gangenen Verdienst von Fr. 102'200.-- ausging. Dabei ist unbestritten, dass für die Überent- schädigungsberechnung in zeitlicher Hinsicht das Jahr 2009 massgebend ist (vgl. zum Zeit- punkt der Ermittlung des mutmasslich entgangenen Verdien stes: HANS -ULRICH STAUFFER , Be- rufliche Vorsorge, Zürich/Basel/Genf 2012, S. 375 mit weiteren Hinweisen; BGE 123 V 197, E. 5a). 3.1 Als mutmasslich entgangener Verdienst gilt das hypoth etische Einkommen, das die ver- sicherte Person ohne Invalidität im Zeitpunkt, in welchem sich die Kürzungsfrage stellt, erzielen würde (BGE 129 V 150 E. 2.3 S. 154) respektive könnte (BGE 126 V 93 E. 3 S. 96). Der mut- masslich entgangene Verdienst stimmt nicht notwendigerwe ise mit dem vor Eintritt des Vorsor- gefalles effektiv bezogenen Verdienst überein (M ARC HÜRZELER , BVG und FZG, Schnei- der/Geiser/Gächter [Hrsg.], Bern 2010, S. 499). Es bes teht eine weitgehende Parallelität zum Valideneinkommen nach Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, jedoch keine Kongruenz. Es ist den spezifi- schen Gegebenheiten und tatsächlichen Chancen der versichert en Person auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen. Ausgehend vom zuletzt vor Eintritt der gesundheitlichen Be- einträchtigung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigk eit erzielten Verdienst sind alle einkom- mensrelevanten Veränderungen (Teuerung, Reallohnerhöh ung, Karriereschritte usw.) zu be- rücksichtigen, welche ohne Invalidität überwiegend wahrscheinlich eingetreten wären (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Oktober 2012, 9C_434/2012, E. 2. 2.; BGE 137 V 20 E. 5.2.3.1 S. 27 mit Hinweisen). Abzustellen ist jeweils auf das Bruttoe inkommen (vgl. S TAUFFER , a.a.O., S. 375). 3.2 Zu berücksichtigen ist weiter der funktionale Zusammen hang zwischen erster (Invali- denversicherung) und zweiter Säule (berufliche Vorsorge), wie er in den Art. 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 BVG positivrechtlich verankert ist. Er besteht d arin, dass sich der Leistungsanspruch auf eine Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge an den sachbezüglichen Vor- aussetzungen des IVG orientiert (Art. 23 lit. a BVG) , die Höhe der berufsvorsorgerechtlichen Rente analog zu derjenigen nach IVG bestimmt wird (Ar t. 24 Abs. 1 BVG) und für den Beginn des Anspruches auf eine BVG-Invalidenrente gemäss Art. 26 Abs. 1 BVG sinngemäss die ent- sprechenden invalidenversicherungsrechtlichen Bestimmungen (Art. 29 IVG) gelten. Zweck dieser gesetzlichen Konzeption ist es, einerseits eine weitgehende materiellrechtliche Koordina- tion zwischen erster und zweiter Säule zu erreichen. Ande rseits sollen damit die Organe der beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärun gen bezüglich der Voraussetzungen des Umfanges und des Beginns des Invalidenrentenanspruches in der zweiten Säule möglichst freigestellt werden (BGE 133 V 67 E. 4.3.2 S. 69, 132 V 1 E. 3.2 S. 4). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Sind nach der gesetzlichen Konzeption der Invalidenle istungen aus der ersten und zwei- ten Säule die Festlegungen der IV-Stelle bezüglich E ntstehung, Höhe und Beginn des Renten- anspruches grundsätzlich für die Invalidenrente der obli gatorischen beruflichen Vorsorge mass- gebend und verbindlich, muss das im invalidenversicherung srechtlichen Verfahren festgelegte Validen- und Invalideneinkommen dem Grundsatz nach auch in der berufsvorsorgerechtlichen Überentschädigungsberechnung Berücksichtigung finden. Ausg angspunkt für die Ermittlung des mutmasslich entgangenen Verdienstes nach Art. 24 Abs. 1 BVV 2 bildet somit grundsätz- lich das von der IV-Stelle festgelegte Valideneinkommen (in SZS 2005 S. 321 zusammenge- fasstes Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 2. September 2004, B 17/03). Wie die nachfolgende Erwägung aufzeigen w ird, kann das IV-Valideneinkommen je- doch nicht unbesehen übernommen werden, sondern bedarf einiger Anpassungen. 4.1 Mit Verfügung vom 24. März 2012 sprach die IV-Stel le dem Kläger auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 100 % ab 1. März 2004 bzw. aufg rund eines Invaliditätsgrades von 74 % ab 1. November 2009 eine ganze Rente zu. Dabei ging sie davon aus, dass der Kläger ohne Invalidität ab 1. März 2004 in einem Vollzeitpensum we iterhin bei der B.____ als Projektleiter erwerbstätig gewesen wäre. Gemäss den Angaben der Arbe itgeberin vom 1. April 2004 betrug der Jahreslohn seit 2002 Fr. 85'100.-- (13 x Fr. 6'500.--). Unter Berücksichtigung der in den Jah- ren 2003 und 2004 erfolgten Nominallohnentwicklung von insgesamt 2,2 % (2003: 1,3 %; 2004: 0.9 %; Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976 - 2012; Männer, T 39) ermittelte di e IV-Stelle ein massgebendes Validenein- kommen von Fr. 86'359.--. In dieser Hinsicht fragt sich je doch, ob die IV-Stelle zu Recht das Jahreseinkommen der Teuerung für die Jahre 2003 und 2 004 anpasste. Den Unterlagen des Unfallversicherers ist zu entnehmen, dass während der Jah re 2003 bis 2007 kein Teuerungs- ausgleich durch die Arbeitgeberin erfolgte bzw. erfol gt wäre. Der Monatslohn des Versicherten belief sich demnach bis 2007 unverändert auf Fr. 6'500 .-- (vgl. Angaben der B.____ vom 28. November 2006 [SUVA-Akten 181 und 183]). Insbesondere geht aus dem von der ehemali- gen Arbeitgeberin des Klägers am 28. November 2006 ausgefüllten und unterzeichneten For- mular hervor, dass der Monatslohn auch im Jahr 2007 Fr . 6'500.-- - und nicht wie die SUVA annahm - Fr. 7'200.-- betragen hätte. Daran ändern auch die später erfolgten Lohnangaben der B.____ nichts (vgl. SUVA-Akte 249). Da die erste Aussage i n der Regel unbefangener und zu- verlässiger ist als spätere Darstellungen, ist der im Jahr 2 006 angegebene mutmassliche Ver- dienst für das Jahr 2007 als überwiegend wahrscheinlich zu erachten (THOMAS LOCHER , Grund- riss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 68 Rz. 39). Anhaltspunkte für die Richtigkeit der späteren von der ehemaligen Arbeitgeb erin angegebenen Einkommensentwick- lung des Klägers sind nicht ersichtlich. Für die Jahre 2008 und 2009 berücksichtigte die SUVA weiter einen monatlichen Grundlohn in Höhe von Fr. 7' 500.-- (2008) bzw. Fr. 7'700.-- (2009). Diese Angaben beruhen auf Erkundigungen bei der B.___ _, welche im Juni 2008 und Februar 2009 gemacht wurden (vgl. SUVA-Akte 249; Klagebeilage 5). Diese beträchtlichen Lohnerhö- hungen sind - wie im Übrigen auch für das Jahr 2007 - nicht begründet und aufgrund der Akten nicht nachvollziehbar. Hinweise für angekündigte, aber zum Zeitpunkt des Unfallereignisses noch nicht vollzogene Beförderungen oder beabsichtigt e Weiterbildungen, die zu einer erhebli- chen Einkommensverbesserung geführt hätten, wenn der Klä ger nicht invalid geworden wäre, liegen nicht vor und werden auch nicht geltend gemacht . Es ist daher nicht anzunehmen, dass Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Gesundheitsfall Einkommenserhöhungen von Fr. 700.- - monatlich für das Jahr 2007 bzw. von über Fr. 1'000.-- ab 2008 realisiert worden wären . Zu Gunsten des Klägers wird jedoch da- von ausgegangen, dass sein Lohn ab 2008 der Nominalloh nentwicklung angepasst worden wäre. Diese betrug im Jahr 2008 2,2 % und im Jahr 2009 2,1 % (vgl. Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976 - 2012; Män- ner, T 39), was ein für das Jahr 2009 massgebendes Valid eneinkommen in der Höhe von Fr. 88'172.50 ergibt. Da keine Anhaltspunkte für zukün ftige einkommensrelevante Veränderun- gen ohne Invalidität vorliegen, ist dieses Valideneinko mmen dem mutmasslich entgangenen Verdienst gleichzusetzen. 4.2 Ein Vergleich mit den Lohnstrukturerhebungen (LSE ) des Bundesamtes für Statistik un- termauert dieses Ergebnis. Der Kläger ist gelernter San itärinstallateur. In der B.____ arbeitete er seit 1. Mai 1990 als Projektleiter für die Erstellu ng von Sprinkler- und Gaslöschanlagen. Aus- gangspunkt für das Valideneinkommen bildet somit die LSE 2008, Tabelle TA1, Baugewerbe, total Männer. Der Arbeitsbeschrieb der B.____ beinhal tet Tätigkeiten, die sowohl dem Anforde- rungsniveau 3 (= Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) als auch demjenigen des 2 (= Verrichtung selbstständiger und qualifizierter Arbe iten) entsprechen (vgl. SUVA-Akte 76). Allerdings umfasst der Tabellenlohn mit dem Anforderu ngsniveau 2 auch dasjenige des Niveau 1 (= höchst anspruchsvolle und schwierigste Arbeiten). E s ist fraglich, ob die einst ausgeübte Tätigkeit des Klägers auch vom Anforderungsniveau 1 erfa sst wird. Ohne die Frage abschlies- send zu beantworten, wird trotzdem zu Gunsten des Kläge rs für die Ermittlung des Validenein- kommens das Anforderungsniveau 1 + 2 zugrunde gelegt, w as zu einem statistischen Mo- natseinkommen von Fr. 6'381.-- beziehungsweise Fr. 76' 572.-- jährlich führt. Dabei ist zu be- achten, dass dieser Tabellenlohn auf einer einheitlich en Arbeitszeit von 40 Wochenstunden beruht. Nach Anpassung an die für das Baugewerbe im Jahr 2009 geltende Arbeitszeit von 41,7 Stunden (vgl. Die Volkswirtschaft 9-2011, B 9.2, S. 94) und unter Berücksichtigung der bis ins Jahr 2009 erfolgten Nominallohnentwicklung von + 2,0 % (Bundesamt für Statistik, Nominal- lohnindex, Männer, 2007 - 2010) ergäbe sich aufgrund der LSE ein tieferes Jahreseinkommen von Fr. 81'423.--. 4.3 Die Einwände des Klägers vermögen am hier massgebend en mutmasslich entgangenen Verdienst von Fr. 88'172.50 nichts zu ändern. Er macht g eltend, dass für die Festsetzung des mutmasslich entgangenen Verdienstes auf dasjenige Einkomm en abzustellen sei, welches die SUVA aufgrund ihrer Erhebungen für das Jahr 2009 erm ittelt habe. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Der von der SUVA berechnete mutmasslich e Jahreslohn 2009 von Fr. 102'200.-- berücksichtigt ein Monatseinkommen von Fr . 7'700.--. Wie bereits in der Erwä- gung 4.1 dargelegt, ist auf die von der SUVA berücksichti gten Einkommenserhöhungen in den Jahren 2007 bis 2009 nicht abzustellen. Es gibt keine An haltspunkte, dass der Kläger mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit im Gesundheitsfall im Jahr 2009 einen Grundlohn von Fr. 7'700.-- monatlich erzielt hätte. 4.4 Mit der Pensionskasse ist weiter festzustellen, dass de r Kläger aus dem Umstand, dass die Beklagte in der Überentschädigungsberechnung vom 10. Dezember 2010 den von der SUVA ermittelten Jahreslohn von Fr. 102'200.-- als mutm asslich entgangener Verdienst Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht zugrunde legte, nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Im genannten Schreiben wird aus- drücklich darauf hingewiesen, dass sie aus Kulanzgründen ei n solches Vorgehen wählte. Ent- gegen der Ansicht des Klägers kann sie deshalb nicht darauf behaftet werden. 4.5 Ausgehend von einem mutmasslich entgangenen Verdie nst von Fr. 88'172.50 ergibt sich folgende Überentschädigungsberechnung: Mutmasslich entgangener Verdienst = 90 % von Fr. 88'172.50 Fr. 79'355.25 ./. IV-Rente der IV Fr. 20'424.-- ./. IV-Rente der SUVA Fr. 59'286.60 Fr. 79'710.60 Überentschädigung pro Jahr Fr. 355.35 Demzufolge resultiert bereits unter Anrechnung der Renten der IV und der SUVA eine Überent- schädigung. Aufgrund dieses Ergebnisses erübrigt es sich, die strittigen Fragen betreffend An- rechenbarkeit des zumutbarerweise erzielbaren Resterwerbse inkommens gemäss Art. 24 Abs. 2bis BVV 2 zu beurteilen. 5. Zu prüfen bleibt der Rentenanspruch des Klägers ab Beginn des ordentlichen Rentenal- ters per 1. Juli 2012. Seit diesem Zeitpunkt richtet di e Pensionskasse dem Kläger eine Rente von jährlich Fr. 12'269.40 aus (vgl. Schreiben der Beklag ten vom 10. Dezember 2010). Zu Recht führt der Kläger in diesem Zusammenhang an, da ss der mutmasslich entgangene Ver- dienst der bis ins Jahr 2012 erfolgten Nominallohnent wicklung anzupassen ist. Diese betrug im Jahr 2010 0,7 %, im Jahr 2011 1,0 % und im Jahr 2012 1 ,9 % (vgl. Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreis und der Reallöhne, Männer, 1976 - 2012, T 39), was einen mutmasslich entgangenen Verdienst für das Jahr 2012 von Fr. 90'395.-- ergibt. Desgleichen ist anstelle der bisher ausgerichtet en Invalidenrente, die ab 1. Juli 2012 ausgerichtete AHV-Rente in Höhe von monatlich Fr. 1'7 32.-- bzw. Fr. 20'784.-- pro Jahr zu be- rücksichtigen. Da die Höhe der Invalidenrente der SUVA unverändert geblieben ist, ist nach wie vor ein Betrag von jährlich Fr. 59'286.60 anzurechnen. U nter diesen Voraussetzungen ergibt sich folgende Überentschädigungsberechnung: Mutmasslich entgangener Verdienst = 90 % von Fr. 90'395.-- Fr. 81'355.50 ./. AHV-Rente Fr. 20'784.-- ./. IV-Rente der SUVA Fr. 59'286.60 Fr. 80'070.60 Deckungslücke pro Jahr Fr. 1'284.90 Bei einer Deckungslücke von Fr. 1'294.90 im Jahr ist fe stzustellen, dass die Pensionskasse dem Kläger eine höhere Rente ausrichtet, als ihm rechtlich zusteht. Aufgrund dieser Ausführun- gen ergibt sich, dass der Kläger mit seinen Rechtsbegeh ren nicht durchgedrungen ist, weshalb die Klage abzuweisen ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG ist das Verfahren vor dem ka ntonalen Versicherungsgericht in der Regel kostenlos. Auf die Erhebung von Verfahrensk osten ist demnach zu verzichten. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 30. September 2013 Beschwerde beim Bundesgericht ( 9C_714/2013 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht