<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 72 S.278</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>72</b></span> <span class="ft2"><b>Beschwerdelegitimation in Nutzungsplanverfahren; Gemeindeautonomie</b></span><br/> <span class="ft2"><b>und Überprüfungsbefugnis der Genehmigungsbehörde.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Relevante örtliche Beziehung als Voraussetzung zur Beschwerdefüh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rung bezüglich der Zonierung von Nachbarparzellen (Erw. I/4).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die Grösse des Baugebiets einer Gemeinde berührt den einzelnen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Grundeigentümer nicht mehr als die Allgemeinheit (Erw. I/4/d).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>§ 27 Abs. 2 Satz 1 BauG verlangt eine Zweckmässigkeitskontrolle in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dem Sinne, dass die Genehmigungsinstanz einen Nutzungsplan auf die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Vereinbarkeit mit kantonalen und regionalen Interessen sowie den</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wegleitenden Grundsätzen und Zielen des Planungsrechts zu prüfen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hat. Bei der Beurteilung ausschliesslich kommunaler öffentlicher In-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teressen schliesst die Zweckmässigkeitsprüfung aber aus, dass die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Genehmigungsbehörde anstelle des zuständigen Planungsträgers ihr</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ermessen ausübt (Erw. II/3/a-c).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Eine Rückweisung an die Gemeinde mit starrem, unverrückbarem</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Revisionsauftrag ist mit § 27 Abs. 2 BauG grundsätzlich nicht verein-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bar, weil die Entscheidungsfreiheit der Gemeinde auch im Rückwei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sungsfall zu wahren ist (Erw. II/3/d).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Formelle Voraussetzung für eine direkte Änderung durch die Geneh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>migungsbehörde (Erw. II/3/e).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">279</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 23. Dezember 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen M. und Mitb. gegen den Grossen Rat und den Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. 4. a) Nach § 28 BauG können Entscheide über Nutzungspläne</span><br/> <span class="ft1">und Nutzungsvorschriften von den in schutzwürdigen eigenen Inter-</span><br/> <span class="ft1">essen Betroffenen und von den Gemeinden beim Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">angefochten werden. Diese Bestimmung umschreibt die Legitimati-</span><br/> <span class="ft1">onsanforderungen inhaltlich übereinstimmend mit der allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">Legitimationsvorschrift in § 38 Abs. 1 VRPG und lehnt sich an die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Art. 103 lit. a OG an. Nach</span><br/> <span class="ft1">langjähriger gefestigter Praxis muss ein Beschwerdeführer in den</span><br/> <span class="ft1">eigenen Interessen tatsächlich "berührt sein", d.h. durch den ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Rechtsakt in irgend einer Art und Weise in seiner Interes-</span><br/> <span class="ft1">sensphäre in höherem Masse als die Allgemeinheit beeinträchtigt</span><br/> <span class="ft1">sein und ein Interesse an der Aufhebung oder Änderung haben (vgl.</span><br/> <span class="ft1">dazu und zum Folgenden AGVE 1998, S. 326, AGVE 1993, S. 409</span><br/> <span class="ft1">ff.; Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft1">vom 9. Juli 1968 [Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG], Diss. Zürich</span><br/> <span class="ft1">1998, § 38 N 146 ff.; Peter Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes</span><br/> <span class="ft1">Umweltschutzrecht, 4. Auflage, S. 544 ff. mit Hinweisen; BGE 124</span><br/> <span class="ft1">II 305 ff.). Dieses Interesse kann rechtlicher oder bloss tatsächlicher</span><br/> <span class="ft1">Natur sein. Ein schutzwürdiges Interesse liegt dann vor, wenn die</span><br/> <span class="ft1">tatsächliche oder rechtliche Situation des Beschwerdeführers durch</span><br/> <span class="ft1">den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann. Wird ein Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsentscheid in materiellem Sinne nicht von den direkt betrof-</span><br/> <span class="ft1">fenen Verfügungsadressaten, sondern von Dritten angefochten, hat</span><br/> <span class="ft1">die Legitimationsfrage insofern eine besondere Bedeutung, als mit</span><br/> <span class="ft1">den gestellten Anforderungen Popularbeschwerden ausgeschlossen</span><br/> <span class="ft1">werden sollen. Ist in solchen Fällen ein Berührtsein oder die spezifi-</span><br/> <span class="ft1">sche Beziehungsnähe gegeben, hat der Beschwerdeführer ein ausrei-</span><br/> <span class="ft1">chendes Rechtsschutzinteresse, dass der Entscheid aufgehoben oder</span><br/> <span class="ft1">abgeändert wird. Das Interesse besteht letztlich im praktischen Nut-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">280</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zen, den eine erfolgreiche Beschwerde dem Beschwerdeführer ein-</span><br/> <span class="ft1">bringen wird, indem ein materieller oder ideeller Nachteil des ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Entscheides für ihn abgewendet wird (vgl. BGE 121 I 177</span><br/> <span class="ft1">f.; BGE 120 Ib 385 ff.; AGVE 1998, S. 325 ff; AGVE 1992, S. 360,</span><br/> <span class="ft1">je mit Hinweisen). Diese Grundsätze gelten auch in Nutzungsplan-</span><br/> <span class="ft1">verfahren (AGVE 2000, S. 367; AGVE 1999, S. 264; AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 288).</span><br/> <span class="ft1">b) Als Eigentümer der vom Rückweisungsentscheid betroffenen</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke im Gebiet "Rütene" (Parzellen Nrn. 1262, 1263, 2399</span><br/> <span class="ft1">und 2706) sind die Beschwerdeführer 2 sowohl durch deren Zuwei-</span><br/> <span class="ft1">sung in eine Nichtbauzone im Beschwerdeverfahren als auch durch</span><br/> <span class="ft1">die Rückweisung im Genehmigungsverfahren ohne weiteres in ihren</span><br/> <span class="ft1">schutzwürdigen, eigenen Interessen betroffen und damit zur Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgerichtsbeschwerde gemäss § 28 BauG legitimiert.</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Die Beschwerdeführerin 1 stellt Eventualanträge für die</span><br/> <span class="ft1">Zonierung der Parzellen Nrn. 1467, 1456, 1466 und 1455. Der Re-</span><br/> <span class="ft1">gierungsrat hat im Beschwerdeentscheid die Bezeichnung der Par-</span><br/> <span class="ft1">zelle Nr. 1466 auf die Nr. 2838 korrigiert. Die Beschwerdeführerin 1</span><br/> <span class="ft1">ist gemäss den eingereichten Grundbuchauszügen Eigentümerin der</span><br/> <span class="ft1">Parzellen Nrn. 1467, 1456, 1499 und 3022. In Bezug auf die Zuwei-</span><br/> <span class="ft1">sung ihrer eigenen Parzellen Nrn. 1467 und 1456 zum Nichtbauge-</span><br/> <span class="ft1">biet ist sie somit ohne weiteres zur Beschwerde legitimiert. (...).</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Beschwerdeführerin 1 stellt zusätzlich Zonierungsan-</span><br/> <span class="ft1">träge für die Parzellen Nrn. 1466 (oder nach dem Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">2838) und 1455, welche nach Auskunft des Grundbuchamtes alle</span><br/> <span class="ft1">drei nicht im Eigentum der Beschwerdeführerin 1 stehen, jedoch</span><br/> <span class="ft1">unmittelbar an deren Parzellen Nrn. 1467 bzw. 1456 angrenzen. Die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin 1 ist damit benachbart und eine Beeinträchti-</span><br/> <span class="ft1">gung ihrer Interessen durch die mit der Nutzungsplanrevision auf</span><br/> <span class="ft1">diesen Parzellen zulässigen Nutzung ist grundsätzlich möglich. Da-</span><br/> <span class="ft1">mit ist die erste Voraussetzung (besondere, beachtenswerte und rele-</span><br/> <span class="ft1">vante örtliche Beziehung) erfüllt, auch wenn sie nicht Eigentümerin</span><br/> <span class="ft1">der Parzellen Nrn. 1466 ( oder 2838) und 1455 ist. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin 1 macht geltend, mit der Zuweisung aller vier Parzellen</span><br/> <span class="ft1">entstünde eine kompakte Bauzone. Damit beruft sie sich für die Zo-</span><br/> <span class="ft1">nierung ihrer eigenen Parzellen auf die Planungsgrundsätze in Art. 3</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">281</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Abs. 2 lit. b RPG (Einordnung von Bauten) und Art. 3 Abs. 3 RPG</span><br/> <span class="ft1">(Gestaltung und Abgrenzung des Siedlungsraumes). Für die Legiti-</span><br/> <span class="ft1">mation genügt in der Regel, wenn die beschwerdeführende Nachba-</span><br/> <span class="ft1">rin eine andere als die im angefochtenen Plan festgesetzte Zonenzu-</span><br/> <span class="ft1">weisung geltend macht und die Zonierung der Nachbarparzelle Aus-</span><br/> <span class="ft1">wirkungen (tatsächlicher oder rechtlicher Natur) auf ihr Grundei-</span><br/> <span class="ft1">gentum haben kann. Ob tatsächlich eine Beeinträchtigung ihrer In-</span><br/> <span class="ft1">teressen besteht, ist dann eine Frage des materiellen Rechts (AGVE</span><br/> <span class="ft1">1998, S. 326).</span><br/> <span class="ft1">d) Die Beschwerdeführer 2 bestreiten die Legitimation der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin 1 hinsichtlich der Frage der Zonierung ihrer</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke im Gebiet "Rütene". Der Beschwerdeführerin 1 fehle</span><br/> <span class="ft1">jegliche relevante örtliche Beziehung und zwischen der Zonierung</span><br/> <span class="ft1">ihrer Grundstücke im Gebiet "Ei" und der Zonierung im Gebiet</span><br/> <span class="ft1">"Rütene" bestehe keinerlei ursächlicher Zusammenhang, weshalb ihr</span><br/> <span class="ft1">ein schutzwürdiges Interesse fehle.</span><br/> <span class="ft1">aa) Die Grundstücke der Beschwerdeführerin 1 liegen im Ge-</span><br/> <span class="ft1">biet "Ei" am südöstlichen Siedlungsrand der Gemeinde. Die Entfer-</span><br/> <span class="ft1">nung zum Gebiet "Rütene" beträgt über 1.2 km (Luftlinie). Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin 1 ist damit nicht benachbart und eine Beeinträchti-</span><br/> <span class="ft1">gung ihrer Interessen durch die Nutzungsplanrevision im Gebiet</span><br/> <span class="ft1">"Rütene" ist grundsätzlich schon auf Grund der örtlichen Gegeben-</span><br/> <span class="ft1">heiten nicht auszumachen. Eine besondere, beachtenswerte und rele-</span><br/> <span class="ft1">vante örtliche Beziehung wird von der Beschwerdeführerin 1 auch</span><br/> <span class="ft1">nicht geltend gemacht.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Beschwerdeführerin 1 begründet ihre Legitimation im</span><br/> <span class="ft1">Wesentlichen damit, dass der Regierungsrat ihre Legitimation bejaht</span><br/> <span class="ft1">habe und sie zudem berechtigt sei, unsachliche oder unrechtmässige</span><br/> <span class="ft1">Einzonungen, welche die Bauzonengrösse beeinflussen, zu beanstan-</span><br/> <span class="ft1">den. Die Beschwerdeführerin 1 könne die rechtsgleiche Anwendung</span><br/> <span class="ft1">von Art. 15 RPG in der Nutzungsplanung geltend machen und</span><br/> <span class="ft1">schliesslich seien ihre Chancen auf eine Einzonung ihrer Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücke in der nächsten Planungsphase durch die Einzonungen im Ge-</span><br/> <span class="ft1">biet "Rütene" verschlechtert.</span><br/> <span class="ft1">cc) Die Legitimation ist als Sachurteilsvoraussetzung in jeder</span><br/> <span class="ft1">Instanz von Amtes wegen zu prüfen (Merker, a.a.O., Vorbemerkun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">282</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen zu § 39 N 3 f.). Die im Beschwerdeverfahren vom Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">anerkannte Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin 1 ent-</span><br/> <span class="ft1">bindet das Verwaltungsgericht daher nicht von der Prüfung der Legi-</span><br/> <span class="ft1">timation. Die Grösse des Baugebiets der Gemeinde G. berührt die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin 1 grundsätzlich nicht in höherem Masse in ihren</span><br/> <span class="ft1">(Eigentums-)Interessen als jeden andern Grundeigentümer in der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde G. Dieses Interesse entspricht letztlich jenem der Allge-</span><br/> <span class="ft1">meinheit, dass keine zu grossen Baugebiete ausgeschieden werden</span><br/> <span class="ft1">und die Landschaft zu schonen ist (Art. 3 Abs. 2 RPG). Die Festset-</span><br/> <span class="ft1">zung von Baugebieten, welche den Anforderungen von Art. 15 RPG</span><br/> <span class="ft1">entsprechen, ist daher ein typisches allgemeines, öffentliches Inter-</span><br/> <span class="ft1">esse und die Beschwerdeführerin 1 ist vom Planungsentscheid im</span><br/> <span class="ft1">Gebiet "Rütene" auch nicht mehr als die Allgemeinheit betroffen.</span><br/> <span class="ft1">Dieses Anliegen vermag ein praktisches Interesse der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin 1 an einer Nicht- oder Auszonung der Grundstücke der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerführer 2 im Gebiet "Rütene" nicht zu begründen.</span><br/> <span class="ft1">dd) Das schützenswerte Interesse muss überdies aktuell sein</span><br/> <span class="ft1">(vgl. AGVE 1990, S. 329; vgl. dazu auch BGE 125 II 442 f. und</span><br/> <span class="ft1">BGE 118 Ia 53 f.). Soweit die Beschwerdeführerin 1 schlechtere</span><br/> <span class="ft1">Chancen für eine Einzonung ihrer Grundstücke in der nächsten Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungsperiode behauptet (Art. 15 lit. b RPG), ist grundsätzlich davon</span><br/> <span class="ft1">auszugehen, dass die virtuelle Betroffenheit von zukünftigen Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsplanungen die Legitimationsvoraussetzung für ein Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft1">telverfahren in der angefochtenen Planrevision nicht zu begründen</span><br/> <span class="ft1">vermag. Die zukünftigen Planungen sind weder in rechtlicher und</span><br/> <span class="ft1">tatsächlicher Hinsicht annähernd absehbar, noch ist ihr Zeitpunkt be-</span><br/> <span class="ft1">stimmbar. Unbestimmt ist ebenso, ob die Beschwerdeführerin 1</span><br/> <span class="ft1">dannzumal noch Grundeigentümerin im Gemeindegebiet sein wird.</span><br/> <span class="ft1">Der von ihr geltend gemachte Beschwerdegrund geht damit auch</span><br/> <span class="ft1">nicht über das Interesse zukünftiger Grundeigentümer in der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde G. hinaus. Die Möglichkeit in G. Grundeigentum zu erwer-</span><br/> <span class="ft1">ben, steht grundsätzlich jedermann offen und kann deshalb für die</span><br/> <span class="ft1">Betroffenheit gemäss § 28 BauG und § 38 Abs. 1 VRPG nicht aus-</span><br/> <span class="ft1">reichen.</span><br/> <span class="ft1">Die Parzelle Nr. 1467 der Beschwerdeführerin 1 wurde teil-</span><br/> <span class="ft1">weise der Übergangszone gemäss § 170 Abs. 2 BauG (§ 33 BNO)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">283</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zugewiesen. Sie kann nach 10 Jahren und damit vor Ablauf der or-</span><br/> <span class="ft1">dentlichen Planungsperiode eine Überprüfung der Zonenzuteilung</span><br/> <span class="ft1">dieser Grundstücke verlangen. Eine Benachteiligung der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerin 1 im Hinblick auf die zukünftigen Nutzungsplanrevisio-</span><br/> <span class="ft1">nen ist daher selbst dann nicht anzunehmen, wenn das Baugebiet im</span><br/> <span class="ft1">angefochtenen Nutzungsplan zu knapp bemessen wäre.</span><br/> <span class="ft1">e) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin 1 nicht legitimiert ist, den Genehmigungsentscheid des Grossen</span><br/> <span class="ft1">Rats hinsichtlich der Zonierung der Grundstücke der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer 2 im Gebiet "Rütene" anzufechten. Die Planung der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">G. im Gebiet "Rütene" und der Ausgang des verwaltungsgerichtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Beschwerdeverfahrens beeinflusst ihre Interessensphäre weder</span><br/> <span class="ft1">in rechtlicher und tatsächlicher, noch in wirtschaftlicher oder ideeller</span><br/> <span class="ft1">Art in einem für die Legitimation notwendigen höheren Ausmass als</span><br/> <span class="ft1">jeden andern Grundeigentümer oder die Allgemeinheit. Auf den</span><br/> <span class="ft1">Hauptantrag ihrer Beschwerde ist daher nicht einzutreten.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">II. 3. a) Die Genehmigung von Nutzungsplänen regelt bundes-</span><br/> <span class="ft1">rechtlich Art. 26 RPG. Gemäss Art. 26 Abs. 2 RPG sind Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">pläne auf ihre Übereinstimmung mit den Richtplänen zu prüfen. Die</span><br/> <span class="ft1">bundesrechtlich vorgeschriebene Rechtmässigkeitskontrolle umfasst</span><br/> <span class="ft1">die selbständig anwendbaren Vorschriften des RPG, sowie die Um-</span><br/> <span class="ft1">weltschutz-, die Gewässerschutz- und die Waldgesetzgebung des</span><br/> <span class="ft1">Bundes usw. auf Gesetzes- und Verordnungsstufe (vgl. BGE 112 Ia</span><br/> <span class="ft1">65 ff.; Erläuterungen zum Bundesgesetz über die Raumplanung,</span><br/> <span class="ft1">Hrsg.: Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement [Bundesamt</span><br/> <span class="ft1">für Raumplanung], Bern 1981 [im Folgenden: Erläuterungen EJPD],</span><br/> <span class="ft1">Art. 26 N 7 f.; Alexander Ruch in: Heinz Aemissegger/Alfred Kuttler</span><br/> <span class="ft1">/Pierre Moor/Alexander Ruch [Hrsg.], Kommentar zum Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gesetz über die Raumplanung [Kommentar RPG], Zürich 1999,</span><br/> <span class="ft1">Art. 26 N 27 ff.). Eine Zweckmässigkeitsprüfung im Genehmigungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren verlangt das RPG nicht. Den Kantonen ist es aber nicht</span><br/> <span class="ft1">verwehrt, die bundesrechtliche Überprüfungskompetenz auszudeh-</span><br/> <span class="ft1">nen (Erläuterungen EJPD, Art. 26 N 9 f.).</span><br/> <span class="ft1">aa) § 27 Abs. 2 Satz 2 BauG sieht über die erwähnten bundes-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Vorschriften hinaus die Berücksichtigung der kantonalen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">284</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und regionalen Interessen vor. Nach dem Wortlaut dieser Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mung ist weder eine Zweckmässigkeits- noch eine Angemessen-</span><br/> <span class="ft1">heitsprüfung zulässig. Das Verwaltungsgericht hat in AGVE 1996,</span><br/> <span class="ft1">S. 307 f. zur kantonalen Regelung erwogen, die Kognitionsbefugnis</span><br/> <span class="ft1">der Genehmigungsinstanz umfasse über die kantonalen und regiona-</span><br/> <span class="ft1">len Interessen hinaus (§ 27 Abs. 2 Satz 2 BauG) auch eine Zweck-</span><br/> <span class="ft1">mässigkeitsprüfung. An dieser Umschreibung der kantonalen Rege-</span><br/> <span class="ft1">lung hat es in der Folge mit der Begründung festgehalten, dass das</span><br/> <span class="ft1">BauG 1993 an der unter dem alten BauG vom 2. Februar 1971</span><br/> <span class="ft1">(aBauG) geltenden Ordnung der Genehmigung kommunaler Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsplanungen, insbesondere an der Kognitionsbefugnis der Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungsbehörde, materiell nichts geändert hat (AGVE 1997,</span><br/> <span class="ft1">S. 284 f.; VGE IV/67 vom 13. November 2001 [BE.1996.00284] in</span><br/> <span class="ft1">Sachen B., S. 15 f.). Die Prüfung auf Zweckmässigkeit ist als Kon-</span><br/> <span class="ft1">trolle der Vereinbarkeit einer kommunalen Nutzungsplanung mit</span><br/> <span class="ft1">übergeordneten kantonalen und regionalen Interessen zu verstehen</span><br/> <span class="ft1">(Ruch, a.a.O., Art. 26 N 31). In diesem Sinne und damit im Sinne</span><br/> <span class="ft1">einer Stärkung der Stellung der Gemeinden im Planfestsetzungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahren gegenüber der Ermessensbetätigung der Genehmigungsbe-</span><br/> <span class="ft1">hörden ist die Regelung in § 27 BauG auch nach dem Willen des</span><br/> <span class="ft1">Gesetzgebers zu verstehen (vgl. Protokoll des Grossen Rates vom</span><br/> <span class="ft1">24. Mai 1992, Art. 1670, S. 2800; Botschaft zum Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft1">21. Mai 1990, S. 20). § 27 Abs. 2 Satz 1 BauG verlangt somit eine</span><br/> <span class="ft1">Zweckmässigkeitskontrolle in dem Sinne, dass die Genehmigungsin-</span><br/> <span class="ft1">stanz einen Nutzungsplan dann zurückzuweisen hat, wenn er mit</span><br/> <span class="ft1">kantonalen und regionalen Interessen unvereinbar ist, den wegleiten-</span><br/> <span class="ft1">den Grundsätzen und Zielen des Planungsrechts nicht entspricht oder</span><br/> <span class="ft1">diesen unzureichend Rechnung trägt (vgl. BGE vom 24. Dezember</span><br/> <span class="ft1">1998 [1P.512/1997] in: ZBl 101/2000, S. 194). Bei der Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich kommunaler öffentlicher Interessen schliesst aber die</span><br/> <span class="ft1">Zweckmässigkeitsprüfung im Sinne von § 27 Abs. 2 BauG aus, dass</span><br/> <span class="ft1">die Genehmigungsbehörde anstelle des zuständigen Planungsträgers</span><br/> <span class="ft1">ihr Ermessen ausübt. Die Nichtgenehmigung eines Nutzungsplanes</span><br/> <span class="ft1">aus solchen Gründen ist als Eingriff in das Planungsermessen der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde unzulässig (Art. 2 Abs. 3 RPG). In diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang ist allerdings festzuhalten, dass die Überprüfungsbefugnis der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">285</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Genehmigungsbehörde auch eine rechtsfehlerbehaftete Ermessens-</span><br/> <span class="ft1">betätigung der Planungsbehörde, d.h. die Ermessensüberschreitung,</span><br/> <span class="ft1">die Ermessensunterschreitung und den Ermessensmissbrauch um-</span><br/> <span class="ft1">fasst. Solche Fehler in der Ermessensbetätigung sind von der Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungsbehörde und vom Verwaltungsgericht im Rahmen der</span><br/> <span class="ft1">Rechtskontrolle zu prüfen (vgl. zum Ganzen: VGE IV/67 vom</span><br/> <span class="ft1">13. November 2001 [BE.1996.00284] in Sachen B., S. 15)<i>.</i></span><br/> <span class="ft1">bb) Gelangt der Grosse Rat im Rahmen der Genehmigung eines</span><br/> <span class="ft1">kommunalen Nutzungsplanes zum Schluss, dass der Nutzungsplan</span><br/> <span class="ft1">einer Änderung bedarf, so kann er nach Anhörung des Gemeindera-</span><br/> <span class="ft1">tes und den in ihren schutzwürdigen eigenen Interessen Betroffenen</span><br/> <span class="ft1">eine Änderung selbst vornehmen, wenn sie von geringer Tragweite</span><br/> <span class="ft1">ist oder keine erhebliche Entscheidungsfreiheit besteht (§ 27 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">Satz 2 BauG). Das so umschriebene Rückweisungsrecht der Geneh-</span><br/> <span class="ft1">migungsbehörde ist eine Konkretisierung der Gemeindeautonomie,</span><br/> <span class="ft1">will mehr unmittelbare Demokratie ermöglichen, den Einfluss des</span><br/> <span class="ft1">Kantons mässigen, die gegenseitige Kontrolle fördern sowie eine</span><br/> <span class="ft1">bessere und sachgerechtere Aufgabenerfüllung ermöglichen, wie dies</span><br/> <span class="ft1">bereits unter dem alten Baugesetz der Fall war (§ 147 Abs. 3 aBauG;</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1996, S. 307 f.; AGVE 1994, S. 186 ff. mit weiteren Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen; AGVE 1986, S. 218 ff.).</span><br/> <span class="ft1">cc) Wie sich aus den Beratungen und dem Entscheid vom</span><br/> <span class="ft1">20. Juni 2000 ergibt, ging es dem Grossen Rat im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">nicht um eine Änderung von geringer Tragweite oder um eine solche,</span><br/> <span class="ft1">bei der die Gemeinde keine erhebliche Entscheidungsfreiheit hat.</span><br/> <span class="ft1">Der Rückweisungsentscheid des Grossen Rats erging vielmehr aus</span><br/> <span class="ft1">der Überlegung, dass gerade die Entscheidungsfreiheit der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">gegen den regierungsrätlichen Beschwerdeentscheid geschützt wer-</span><br/> <span class="ft1">den solle und er einen Beschwerdeentscheid nicht aufheben könne.</span><br/> <span class="ft1">Mit der Rückweisung wollte der Grosse Rat daher diesem Grundsatz</span><br/> <span class="ft1">bzw. der institutionellen Unterscheidung zwischen Genehmigungs-</span><br/> <span class="ft1">und Rechtsmittelinstanz nachleben (Protokoll des Grossen Rates</span><br/> <span class="ft1">vom 20. Juni 2000, Art. 2038, S. 3145, Voten Gloor und Pfisterer).</span><br/> <span class="ft1">b) Damit stellt sich die Frage, welche Kompetenzen der Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungsinstanz gegenüber ihr unrechtmässig erscheinenden Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeentscheiden zustehen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aa) Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG verlangt eine volle Überprüfung</span><br/> <span class="ft1">der angefochtenen Nutzungspläne in einem Rechtsmittelverfahren.</span><br/> <span class="ft1">Dies bedeutet, dass die Rechtsmittelinstanz auch die Angemessenheit</span><br/> <span class="ft1">einer Planung umfassend zu überprüfen hat (§ 49 VRPG i.V.m. § 4</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BauG; BGE 127 II 242 mit weiteren Hinweisen; Heinz Ae-</span><br/> <span class="ft1">misegger/Stephan Haag, in: Kommentar RPG, Art. 33 N 52 ff). Die</span><br/> <span class="ft1">Pflicht zur vollen Überprüfung ist nicht dadurch ausgeschlossen,</span><br/> <span class="ft1">dass sich die Rechtsmittelinstanz eine gewisse Zurückhaltung aufer-</span><br/> <span class="ft1">legt, wenn der Planungsträger unbestimmte Gesetzesbegriffe zu be-</span><br/> <span class="ft1">urteilen hat oder sein Planungsermessen ausübt (Pierre Tschannen,</span><br/> <span class="ft1">in: Kommentar RPG, Art. 2 N 60 ff.). Die Beschwerdebehörde hat zu</span><br/> <span class="ft1">prüfen, ob der Planungsträger sein Planungsermessen richtig und</span><br/> <span class="ft1">zweckmässig ausgeübt hat. Diese Überprüfung erfolgt aber im Be-</span><br/> <span class="ft1">wusstsein der spezifischen Rolle als kantonale Rechtsmittelinstanz</span><br/> <span class="ft1">und nicht anstelle des Planungsträgers (BGE 127 II 242; BGE 109 Ib</span><br/> <span class="ft1">123 f.). So hat sich die Angemessenheitsprüfung auf die Frage zu</span><br/> <span class="ft1">beschränken, ob überhaupt eine angemessene Lösung getroffen</span><br/> <span class="ft1">wurde. Die Wahl unter mehreren zur Verfügung stehenden angemes-</span><br/> <span class="ft1">senen Vorkehren soll grundsätzlich der nachgeordneten Behörde</span><br/> <span class="ft1">überlassen bleiben (BGE 121 I 122).</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Überprüfungsbefugnis des Regierungsrates geht damit</span><br/> <span class="ft1">über jene der Genehmigungsinstanz hinaus. Eine umfassende Über-</span><br/> <span class="ft1">prüfung der Planung einschliesslich der Ermessenskontrolle findet</span><br/> <span class="ft1">nur im Beschwerdeverfahren gemäss § 26 Abs. 1 BauG statt. Zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen den Verfahren vor der Rechtsmittelinstanz und vor der Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungsinstanz besteht hinsichtlich der Überprüfungsbefugnis</span><br/> <span class="ft1">ein grundsätzlicher Unterschied. In der Literatur ist das Problem der</span><br/> <span class="ft1">unterschiedlichen Kognition erkannt. Gemäss Aemisegger/Haag</span><br/> <span class="ft1">führt diese auf den ersten Blick unbefriedigende Situation in der</span><br/> <span class="ft1">Praxis kaum zu Schwierigkeiten, weil die kantonalen Genehmi-</span><br/> <span class="ft1">gungsinstanzen in der Regel auch eingreifen, wenn sich eine Planung</span><br/> <span class="ft1">als "unzweckmässig" erweist und andererseits auch bei voller Über-</span><br/> <span class="ft1">prüfungsbefugnis eine gewisse Zurückhaltung der Rechtsmittelbe-</span><br/> <span class="ft1">hörde gerechtfertigt ist (Aemisegger/Haag, a.a.O., Art. 33 N 61).</span><br/> <span class="ft1">Nach Tschannen hat sich wegen Art. 2 Abs. 3 RPG die Angemessen-</span><br/> <span class="ft1">heitsprüfung auf die Frage zu beschränken, ob überhaupt eine ange-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">287</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">messene Lösung getroffen wurde. Die Wahl unter mehreren zur Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung stehenden, angemessenen Vorkehren soll grundsätzlich der</span><br/> <span class="ft1">nachgeordneten Behörde überlassen bleiben (Tschannen, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Art. 2 N 64; vgl. auch Hänni, a.a.O., S. 514). Die übergeordnete Be-</span><br/> <span class="ft1">hörde darf auch eine unangemessene Lösung der Planungsbehörden</span><br/> <span class="ft1">nicht aus ihrem eigenen Ermessen ersetzen, solange sachliche</span><br/> <span class="ft1">Gründe für den Entscheid der Planungsbehörde vorliegen. Nach der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des Bundesgerichts muss die kantonale Instanz auch</span><br/> <span class="ft1">bei bestehender Ermessenskontrolle dem Planungsträger - in der Re-</span><br/> <span class="ft1">gel der Gemeinde - einen Beurteilungsspielraum belassen (BGE vom</span><br/> <span class="ft1">17. August 1999 [1A.37/1999, 1P.133/199] = Pra 2000, S. 42; BGE</span><br/> <span class="ft1">121 I 122; BGE 116 Ia 227; BGE 112 Ia 284). Für die Prüfung der</span><br/> <span class="ft1">Angemessenheit eines Nutzungsplanes folgt aus dieser Einschrän-</span><br/> <span class="ft1">kung der Kognitionsbefugnis eine Differenzierung bei der Ermes-</span><br/> <span class="ft1">sensbetätigung je nach den vom Entscheid betroffenen privaten und</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Interessen. Während bei den überkommunalen öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Interessen die volle Überprüfung durch die Rechtsmittelinstanz</span><br/> <span class="ft1">bedeutet, dass sie uneingeschränkt auf ihre angemessene Berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigung zu prüfen und gegenüber den involvierten privaten oder</span><br/> <span class="ft1">andern öffentlichen Interessen umfassend (uneingeschränkt) abzu-</span><br/> <span class="ft1">wägen und zu beurteilen sind, verlangt schon das Bundesrecht (Art. 2</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 RPG) und insbesondere die Gemeindeautonomie (§ 106</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 und 5 KV; § 13 Abs. 1 BauG), dass sich die Ausübung des</span><br/> <span class="ft1">Ermessens bei der Beurteilung rein kommunaler Interessen und der</span><br/> <span class="ft1">Privatinteressen auf eine Zweckmässigkeitskontrolle beschränkt, wie</span><br/> <span class="ft1">sie für die Genehmigungsinstanz gilt (siehe vorne, Erw. a/aa). Art. 2</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 RPG und die Gemeindeautonomie gelten auch im Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deverfahren gegen die Nutzungsplanungen und der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">verletzt die Gemeindeautonomie, wenn er in den Ermessensbereich</span><br/> <span class="ft1">der Gemeinde eingreift (AGVE 2000, S. 203; ähnlich Aemiseg-</span><br/> <span class="ft1">ger/Haag, a.a.O., Art. 33 N 56; Tschannen, a.a.O., Art. 2 N 60 ff.).</span><br/> <span class="ft1">cc) Für die Bedeutung und Auswirkungen des Beschwerdeent-</span><br/> <span class="ft1">scheides auf die Genehmigung ist ein weiterer verfahrensrechtlicher</span><br/> <span class="ft1">Unterschied wesentlich. Im Rechtsmittelverfahren gemäss Art. 33</span><br/> <span class="ft1">RPG bzw. § 26 BauG werden die Nutzungsplanung und die Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsordnungen nicht insgesamt überprüft. Der Rechtsschutz be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schränkt sich auf den Streitgegenstand, welcher - nebst dem An-</span><br/> <span class="ft1">fechtungsobjekt - durch die Anträge, die Beschwerdegründe und die</span><br/> <span class="ft1">weiteren Sachurteilsvoraussetzungen bestimmt wird (§ 38 ff. VRPG).</span><br/> <span class="ft1">Der individuelle Rechtsschutz umfasst die Überprüfung nur jener</span><br/> <span class="ft1">Teile einer Nutzungsplanung, welche durch den Verfahrensgegen-</span><br/> <span class="ft1">stand festgesetzt sind. Für die Kognitionsbefugnis des Grossen Rats</span><br/> <span class="ft1">spielt es daher eine untergeordnete Rolle, ob ein Beschwerdeent-</span><br/> <span class="ft1">scheid ergangen ist und welchen Inhalt er hat. Der individuelle</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutz verlangt zwar eine gewisse Bindung der Genehmi-</span><br/> <span class="ft1">gungsbehörde an den Beschwerdeentscheid in dem der Entscheid</span><br/> <span class="ft1">eine Randbedingung für das Genehmigungsverfahren setzt und eine</span><br/> <span class="ft1">Anordnung darüber trifft, auf welche Art ein Nutzungsplan rechtlich</span><br/> <span class="ft1">für den Fall der Genehmigung ausgestaltet sein darf. Trotz dieser</span><br/> <span class="ft1">Bindungswirkung bleibt die Genehmigungsbehörde aber in ihrer</span><br/> <span class="ft1">Funktion und ihrer Kognitionsbefugnis nicht eingeschränkt. Die Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungsbehörde hat sich daher bei der Recht- und Zweckmässig-</span><br/> <span class="ft1">keitsprüfung mit dem Beschwerdeentscheid auseinander zu setzen.</span><br/> <span class="ft1">Bestehen Gründe gemäss § 27 Abs. 2 BauG, die nach Auffassung des</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rats das Ergebnis des Beschwerdeentscheides nicht recht-</span><br/> <span class="ft1">fertigen, darf und muss er die Genehmigung verweigern. Entgegen</span><br/> <span class="ft1">der Auffassung des Regierungsrats hat die volle Kognitionsbefugnis</span><br/> <span class="ft1">der Rechtsmittelinstanz gemäss Art. 33 Abs. 2 RPG nicht zwangsläu-</span><br/> <span class="ft1">fig zur Folge, dass dem Beschwerdeentscheid reformatorische Wir-</span><br/> <span class="ft1">kung in der Sache selbst zukommt. Die Beschwerdeinstanz kann</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich in jenen Fällen selber entscheiden, in welchen die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde über keinen Planungsspielraum mehr verfügt. Wo jedoch</span><br/> <span class="ft1">ein solcher Planungsspielraum besteht, darf der Regierungsrat auf</span><br/> <span class="ft1">Grund von Art. 2 Abs. 2 RPG nicht sein Ermessen an die Stelle des</span><br/> <span class="ft1">kommunalen Ermessens setzen. In diesem Fall kann er lediglich die</span><br/> <span class="ft1">Fehlerhaftigkeit des angefochtenen Planungsentscheides im Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren feststellen und das Planwerk entweder an die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde zur neuen Planung zurückweisen oder der Genehmigungs-</span><br/> <span class="ft1">behörde die Nichtgenehmigung beantragen. Soweit in einem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren ein Planungsentscheid nicht angefochten ist, oder</span><br/> <span class="ft1">die festgestellte Fehlerhaftigkeit einer Nutzungsplanung ausserhalb</span><br/> <span class="ft1">des Streitgegenstandes eines Beschwerde-Verfahrens liegt, hat der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">289</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Regierungsrat einzig die Möglichkeit, der Genehmigungsbehörde in</span><br/> <span class="ft1">seiner Botschaft die Nichtgenehmigung zu beantragen (§ 50 des Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftsverkehrsgesetzes [GVG; SAR 152.200] vom 19. Juni 1990).</span><br/> <span class="ft1">Eine Rückweisung an die Gemeinde durch ihn oder ein selbständiger</span><br/> <span class="ft1">Planungsentscheid kommen in diesem Fall nicht in Betracht. Auch in</span><br/> <span class="ft1">dieser Hinsicht hat sich im neuen BauG gegenüber der publizierten</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts zum alten Baugesetz nichts</span><br/> <span class="ft1">geändert (AGVE 1994, S. 188 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">dd) Diese Unterschiede in der Kognitionsbefugnis und im Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrensgegenstand beim (individuellen) Rechtsschutz- und Geneh-</span><br/> <span class="ft1">migungsverfahren liegen der besonderen Regelung von § 26 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">BauG zugrunde, wonach die Abänderungen aus Beschwerdeentschei-</span><br/> <span class="ft1">den für die Genehmigungsbehörde verbindlich sind (Satz 1) und die</span><br/> <span class="ft1">Genehmigungsbehörde den Nutzungsplan insgesamt oder in wesent-</span><br/> <span class="ft1">lichen Teilen nicht genehmigen kann (§ 26 Abs. 2 Satz 2 BauG). Sie</span><br/> <span class="ft1">sind auch für die Auslegung dieser Bestimmungen und ihrem</span><br/> <span class="ft1">Verhältnis zur Befugnis der Genehmigungsbehörde gemäss § 27</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 2 BauG fundamental. Will die Genehmigungsbehörde</span><br/> <span class="ft1">aus welchen Gründen auch immer, die Abänderungen, welche sich</span><br/> <span class="ft1">aus einem Beschwerdeentscheid ergeben, nicht akzeptieren, so sehen</span><br/> <span class="ft1">§ 26 Abs. 2 Satz 2 und § 27 Abs. 2 Satz 2 BauG grundsätzlich die</span><br/> <span class="ft1">Rückweisung einer Nutzungsplanung insgesamt vor. Der Grosse Rat</span><br/> <span class="ft1">kann direkte Änderungen unter Beachtung des rechtlichen Gehörs</span><br/> <span class="ft1">selber ausnahmsweise dann vornehmen, wenn sie von geringer</span><br/> <span class="ft1">Tragweite sind oder Änderungen anstehen bei denen keine erhebli-</span><br/> <span class="ft1">che Entscheidungsfreiheit besteht. Eine erhebliche Entscheidungs-</span><br/> <span class="ft1">freiheit besteht in der Regel dort, wo der Gemeinde das Planungser-</span><br/> <span class="ft1">messen zusteht. Die Entscheidungsfreiheit fehlt anderseits dort, wo</span><br/> <span class="ft1">für eine raumplanerische Festsetzung aus rechtlichen Gründen oder</span><br/> <span class="ft1">wegen überregionaler Interessen keine Planungsvarianten mehr</span><br/> <span class="ft1">möglich sind. Massstab für die in § 27 Abs. 2 Satz 2 BauG geforderte</span><br/> <span class="ft1">"Erheblichkeit"</span> <span class="ft1">der</span> <span class="ft1">Entscheidungsfreiheit</span> <span class="ft1">und</span> <span class="ft1">die</span> <span class="ft1">"geringe</span><br/> <span class="ft1">Tragweite" ist damit die Gemeindeautonomie. Bei jedem Planungs-</span><br/> <span class="ft1">entscheid, der eine eingehende und umfassende Interessenabwägung</span><br/> <span class="ft1">mit Ermessensbetätigung <i>im kommunalen Zuständigkeitsbereich</i></span><br/> <span class="ft1">erfordert, ist demzufolge die Planung an die zuständige Gemeinde</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">290</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zurückzuweisen, damit diese neu entscheide. Darüber hinaus kann</span><br/> <span class="ft1">aus tatsächlichen Gründen die Planänderung bei objektiver Betrach-</span><br/> <span class="ft1">tungsweise für die betroffenen privaten und öffentlichen Interessen</span><br/> <span class="ft1">ohne Bedeutung sein oder das Planungsermessen in einem konkreten</span><br/> <span class="ft1">Fall lediglich noch marginale Abweichungen an einer Änderung im</span><br/> <span class="ft1">Genehmigungsverfahren zulassen. Nur in diesem beschränkten,</span><br/> <span class="ft1">letztlich auf verfahrensökonomischen Gründen beruhenden Rahmen,</span><br/> <span class="ft1">kann der Grosse Rat nach Anhörung der Betroffenen und der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde einen Nutzungsplan selber abändern. Eine Rückweisung soll</span><br/> <span class="ft1">demnach nur dann unterbleiben, wenn eine neue "Planungsrunde"</span><br/> <span class="ft1">unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Genehmigungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahren am Ergebnis keine oder nur geringfügige Änderungen bringen</span><br/> <span class="ft1">kann, so dass ein neuerliches Planverfahren sinn- oder zwecklos,</span><br/> <span class="ft1">wenn nicht gar überflüssig erscheint (AGVE 1996, S. 309).</span><br/> <span class="ft1">Entgegen der Auffassung des Regierungsrats begründet § 26</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 2 BauG keine Beschränkung der Prüfungs- und Geneh-</span><br/> <span class="ft1">migungsbefugnisse des Grossen Rats. Mit dem Recht, einen Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsplan insgesamt zurückzuweisen (§ 27 Abs. 2 Satz 2 am Anfang</span><br/> <span class="ft1">BauG) hat der Grosse Rat "in maiore minus" auch ein Recht auf</span><br/> <span class="ft1">Teilgenehmigungen. Dieses Recht ist nicht deshalb "auf wesentliche</span><br/> <span class="ft1">Teile" beschränkt, weil über einen Teil eines Nutzungsplanes ein Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeentscheid ergangen ist. Die "wesentlichen Teile" gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 26 Abs. 2 Satz 2 am Ende BauG beschränken auch nicht die Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungskompetenz, sondern nur, aber immerhin, die Änderungs-</span><br/> <span class="ft1">kompetenz: Die Genehmigungsbehörde ist keine Rechtsmittelinstanz</span><br/> <span class="ft1">und kann im Genehmigungsverfahren einen Beschwerdeentscheid</span><br/> <span class="ft1">nicht selber abändern. Die Abänderungen eines Nutzungsplanes im</span><br/> <span class="ft1">Rechtsschutzverfahren sind in der Regel keine Planungsentscheide</span><br/> <span class="ft1">von "geringer Tragweite" oder von unerheblicher Entscheidungsfrei-</span><br/> <span class="ft1">heit. Die wesentlichen Teile der Nutzungsplanung sind schliesslich</span><br/> <span class="ft1">auch nicht durch die Grösse des betroffenen Gebietes definiert, son-</span><br/> <span class="ft1">dern durch ihre Bedeutung für die involvierten öffentlichen und pri-</span><br/> <span class="ft1">vaten Interessen.</span><br/> <span class="ft1">c) Im vorliegenden Fall hat der Regierungsrat im Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">verfahren in Abänderung des Beschlusses der Einwohnergemeinde-</span><br/> <span class="ft1">versammlung vom 31. August 1998 eine Fläche von rund 76 a im</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">291</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gebiet "Rütene" direkt der Landwirtschaftszone zugewiesen. Die</span><br/> <span class="ft1">Zuweisung in eine Naturschutzzone gemäss Botschaft beruht of-</span><br/> <span class="ft1">fensichtlich auf einem Versehen. Diese Änderung wurde vom Gros-</span><br/> <span class="ft1">sen Rat mit Beschluss vom 20. Juni 2000 nicht genehmigt und der</span><br/> <span class="ft1">Grosse Rat hat zusätzlich rund 28 a in die Nichtgenehmigung einbe-</span><br/> <span class="ft1">zogen und den Nutzungsplan an die Gemeinde zurückgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">Beim Entscheid über die Einzonung eines Gebietes von über einer</span><br/> <span class="ft1">1 ha handelt es sich offensichtlich nicht um eine Änderung von ge-</span><br/> <span class="ft1">ringer Tragweite oder um eine Änderung, bei der keine erhebliche</span><br/> <span class="ft1">Entscheidungsfreiheit der Gemeinde besteht. Die Festlegung des</span><br/> <span class="ft1">Baugebiets, deren Zuweisung zu einer bestimmten Bauzone und</span><br/> <span class="ft1">deren Abgrenzung ist für die Gemeinde und die betroffenen Grund-</span><br/> <span class="ft1">eigentümer offensichtlich nicht von untergeordneter Bedeutung. Es</span><br/> <span class="ft1">lässt sich insbesondere nicht sagen, dem kommunalen Planungsträger</span><br/> <span class="ft1">komme im vorliegenden Fall keinerlei Ermessensspielraum mehr zu.</span><br/> <span class="ft1">Allein die Tatsache, dass der Grosse Rat zusätzlich zum Gebiet, wel-</span><br/> <span class="ft1">ches im Beschwerdeverfahren umstrittenen war, weitere Teilparzel-</span><br/> <span class="ft1">len von der Genehmigung ausgenommen hat, machte eine Rückwei-</span><br/> <span class="ft1">sung an die Gemeinde erforderlich. Das Gebiet "Rütene" wie es im</span><br/> <span class="ft1">Plan der Abteilung für Raumentwicklung vom 4. Juli 2000 als Inhalt</span><br/> <span class="ft1">des grossrätlichen Beschlusses ausgewiesen ist, entspricht nicht dem</span><br/> <span class="ft1">Planergebnis des Beschlusses der Gemeindeversammlung vom</span><br/> <span class="ft1">31. August 1998. Die genaue Festsetzung der Bauzone fällt in das</span><br/> <span class="ft1">Planermessen und muss von der Gemeinde entschieden werden. Die</span><br/> <span class="ft1">Tatsache, dass sich die Einwohnergemeindeversammlung und der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat im Verlaufe des Beschwerde- und Genehmigungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens gegen die Nichteinzonung ausgesprochen haben, rechtfertigt</span><br/> <span class="ft1">einen Verzicht auf die Rückweisung ohnehin nicht. Der Grosse Rat</span><br/> <span class="ft1">darf solche Abänderungen erst dann in Zusammenarbeit mit dem</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrat selbst vornehmen, wenn diese durch die Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">nicht fristgemäss und zweckmässig erfolgen (§ 14 BauG; AGVE</span><br/> <span class="ft1">2000, S. 204 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">d) Die Beschwerdeführer 2 begründen einen Verstoss gegen</span><br/> <span class="ft1">§ 27 Abs. 2 BauG zusätzlich damit, dass mit der Anweisung des</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rats im Rückweisungsentscheid, das Gebiet "Rütene" einer</span><br/> <span class="ft1">Bauzone zuzuweisen, die Gemeinde nicht mehr über eine erhebliche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Entscheidungsfreiheit verfüge und damit von einem Anwendungsfall</span><br/> <span class="ft1">der direkten Planänderung auszugehen sei. Indem der Grosse Rat</span><br/> <span class="ft1">sein Änderungsrecht unter diesen Voraussetzungen nicht ausübe, sei</span><br/> <span class="ft1">die Rückweisung verfehlt.</span><br/> <span class="ft1">Ob eine Anweisung zur Festsetzung einer bestimmten Zonie-</span><br/> <span class="ft1">rung zulässig ist, erscheint in der Tat fraglich. Die Rückweisung mit</span><br/> <span class="ft1">starrem, unverrückbarem Revisionsauftrag ist mit § 27 Abs. 2 BauG</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich nicht vereinbar, weil die Entscheidungsfreiheit der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde auch im Rückweisungsfall grundsätzlich zu wahren ist</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 2000, S. 204; AGVE 1996, S. 309). Dieser Mangel des Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungsentscheides hat indessen nur zur Folge, dass diese An-</span><br/> <span class="ft1">weisung aufzuheben und der Rückweisungsentscheid in dem Sinn zu</span><br/> <span class="ft1">präzisieren ist, dass der Gemeinde im zweiten Umgang das volle Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungsermessen zusteht. Die Gemeinde kann somit in die von der Ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigungsbehörde geforderte Überarbeitung des Nutzungsplans</span><br/> <span class="ft1">auch bereits genehmigte Teile einbeziehen, soweit ein zureichender</span><br/> <span class="ft1">innerer Zusammenhang mit der verlangten Überarbeitung der Pla-</span><br/> <span class="ft1">nung im Gebiet "Rütene" besteht (AGVE 1996, S. 310).</span><br/> <span class="ft1">e) Schliesslich fehlt es für eine direkte Änderung im Genehmi-</span><br/> <span class="ft1">gungsverfahren an den formellen Voraussetzungen. Vor der Beratung</span><br/> <span class="ft1">des Antrags Zubler wurden weder der Gemeinderat, noch die betrof-</span><br/> <span class="ft1">fenen Grundeigentümer vom Grossen Rat oder seiner Bau- und Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungskommission angehört. Das Gebiet "Rütene" stand in den Be-</span><br/> <span class="ft1">ratungen der Kommission nicht zur Diskussion (vgl. Protokoll des</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rates, S. 3145, Votum Killer). Die Beteiligung der Grundei-</span><br/> <span class="ft1">gentümer an einem Beschwerdeverfahren kann die Anhörung gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 27 Abs. 2 BauG nicht ersetzen.</span><br/> <span class="ft1">f) Unter diesen Umständen drängt sich die Rückweisung an die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde auf, auch wenn damit eine Verfahrensverzögerung ver-</span><br/> <span class="ft1">bunden ist. Die Entscheidung über die Einzonung und die definitive</span><br/> <span class="ft1">Abgrenzung des Baugebiets sowie die Anforderungen einer umfas-</span><br/> <span class="ft1">senden Interessenabwägung verlangen einen neuerlichen Planungs-</span><br/> <span class="ft1">entscheid des Planungsträgers. Ausgeschlossen ist ohnehin, dass das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht die Zuweisung zu einer bestimmten Zone selbst</span><br/> <span class="ft1">vornimmt, da das Verwaltungsgericht weder Planungs- noch Geneh-</span><br/> <span class="ft1">migungsbehörde ist. Auch eine Rückweisung an den Grossen Rat mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Weisungen ist nicht möglich, weil der Genehmigungsbehörde kein</span><br/> <span class="ft1">Änderungsrecht gemäss § 27 Abs. 2 Satz 2 BauG für die Planung im</span><br/> <span class="ft1">Gebiet "Rütene" zusteht (Erw. a). Entgegen der Auffassung der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 2 kann auch die Möglichkeit, dass gegen den neuen</span><br/> <span class="ft1">Planungsentscheid Rechtsmittel ergriffen werden, keine andere Be-</span><br/> <span class="ft1">urteilung rechtfertigen. Die Rückweisung an die Gemeinde rechtfer-</span><br/> <span class="ft1">tigt sich im vorliegenden Fall umso mehr, als auf kommunaler Ebene</span><br/> <span class="ft1">die Einzonungen im Gebiet "Rütene" an der Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft1">und abweichend von der publizierten Revisionsvorlage direkt vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommen wurden. Institutionell und nach der Natur des Verfahrens</span><br/> <span class="ft1">vor der Gemeindeversammlung fehlt einem solchen Planentscheid</span><br/> <span class="ft1">die umfassende raumplanerische Beurteilung und Interessenabwä-</span><br/> <span class="ft1">gung und diese Planungsgrundsätze wurden auch im Genehmigungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren vor dem Grossen Rat nicht eingehalten. Da die kantonale</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung durch den Regierungsrat aus dem Beschwerdeentscheid,</span><br/> <span class="ft1">seiner Botschaft und den Vernehmlassungen klar ist, macht eine</span><br/> <span class="ft1">Rückweisung an den Grossen Rat entgegen der Auffassung der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer 2 keinen Sinn. Der Grosse Rat müsste erneut an die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde zurückweisen, da er nicht als Oberplanungsbehörde die</span><br/> <span class="ft1">Abgrenzung der Bauzone und die Zuweisung zu einer bestimmten</span><br/> <span class="ft1">Zone vornehmen darf.</span><br/> <span class="ft1">4. Somit ist festzuhalten, dass der Rückweisungsentscheid des</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rats nicht gegen die Bindungswirkung gemäss § 26 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">Satz 2 BauG verstösst. Der Regierungsrat macht zu Recht auch keine</span><br/> <span class="ft1">Gründe namhaft, dass auf Grund des Ergebnisses des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">entscheides kein Planungsermessen bestehe. Auch ein Verstoss gegen</span><br/> <span class="ft1">§ 27 Abs. 2 Satz 2 BauG liegt in einer grundsätzlichen Rückweisung</span><br/> <span class="ft1">nicht vor. Der Genehmigungsentscheid leidet nur insofern an einem</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmangel, als die Auflage, das Gebiet "Rütene" einer Bauzone</span><br/> <span class="ft1">zuzuweisen, unzulässigerweise in das der Gemeinde bei einer Rück-</span><br/> <span class="ft1">weisung zustehende Planungsermessen eingreift.</span><br/></div> </div> </body> </html>