Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. Juni 2015 (720 14 363 / 152) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Kein Anspruch auf eine Invalidenrente infolge vollständiger Arbeitsfähigkeit in einer lei- densangepassten Tätigkeit; eine Erwerbsunfähigkeit aufgrund der Diagnose eines unkla- ren Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage liegt nicht vor, da die von der Rechtsprechung verlangten zusätzlichen Kriterien nicht gegeben sind Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1964 geborene A.____ war seit November 1994 bei der B.____ AG, zuletzt in der Funktion als Anlageführer Kaffeerösterei, erwerbstä tig. Am 4. Juli 1995 erlitt A.____ einen Be- triebsunfall, bei welchem er aus ca. zwei Metern Höhe von der Leiter auf den Boden stürzte und sich eine Schädelverletzung und diverse Kontusionen auf der linken Seite zuzog. Am 31. De- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zember 2010 erlitt A.____ beim Baumfällen einen Nichtbetriebsunfall, wobei ihm ein Ast auf den Unterarm fiel. Er war ab 24. Mai 2011 zu ungefähr 40 % und ab 8. Dezember 2011 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben, ab 7. Juni 2012 betrug die Arbeitsunfähigkeit 50 %. Per Ende Sep- tember 2012 wurde das Arbeitsverhältnis gekündigt. Am 29 . Mai 2012 meldete sich A.____ un- ter Hinweis auf sein linkes gebrochenes Handgelenk bei d er Eidgenössischen Invalidenversi- cherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 13. Januar 2014 sprach die C.____ A.____ eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine Integritätseinbusse von 10 % sowie eine Invalidenrente gestützt auf eine Erwerbsunfähigkeit von 16 % zu. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) in gesundheitlicher und erwerblicher Hin- sicht Abklärungen vorgenommen hatte, lehnte sie – nach durchgeführtem Vorbescheidverfah- ren – mit Verfügung vom 20. Oktober 2014 einen Anspr uch von A.____ auf Leistungen der IV ab. Zur Begründung hielt sie fest, die Abklärungen hätten ergeben, dass kein rentenbegründen- der IV-Grad vorliege. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Nicolai Fullin, am 20. November 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefoc htene Verfügung aufzuheben und die Be- schwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen, mindestens aber eine Vier- telsrente zuzusprechen. Eventualiter seien weitere medi zinische Abklärungen zum Gesund- heitszustand des Beschwerdeführers, insbesondere in psychia trischer Hinsicht durchführen zu lassen und danach erneut über den Rentenanspruch des Bes chwerdeführers zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge. Mit Schreiben vom 23. Dezember 2014 reichte der Beschw erdeführer dem Kantonsgericht ei- nen Arztbericht von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Dezember 2014 ein. C. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 4. Februar 2015 die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle in der angefochtenen Verfü- gung vom 20. Oktober 2014 gestützt auf den Sachverhalt, w ie er sich damals präsentiert hat, einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches S ubstrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad des Versicherten nach der allgemei- nen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was vom Be schwerdeführer – zu Recht – nicht bestritten wird. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis- würdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Forme n medizinischer Berichte und Gutach- ten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen ( vgl. die ausführlichen Zusammenstellun- gen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b un d in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ver waltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuv erlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Di ese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltungsve rfahren sinngemäss Anwendung (Ur- teil des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99 , E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfa hrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potenti- ellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht verg essen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen läng eren Zeitraum abdeckende und umfas- sende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft we rtvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Beha ndlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsg utachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die beh andelnden Ärzte zu anderslauten- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und n icht rein subjektiver ärztlicher Interpretati- on entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un- gewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts I 51 4/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerde führers liegen im Wesent- lichen die folgenden Berichte und Gutachten vor: 5.1 Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie, Ha ndchirurgie und Chirurgie der peri- pheren Nerven, führte mit Schreiben vom 10. Dezember 20 12 zu Handen der C.____ aus, es liege beim Patienten ein Zustand nach SNAC WRIST II links vor, saniert mit Scaphoid-excision und 4-Corner-Fusion am 8. Dezember 2011. Der postopera tive Verlauf sei etwas prolongiert, der Patient habe die Arbeit ab 11. Juni 2012 auf 50 % steigern können und sei seit dem 1. De- zember 2012 voll arbeitsfähig, vorbehältlich leichte A rbeit (Lasten leichter als 5 kg). In der heu- tigen abschliessenden Kontrolle sei der Patient beschwerdefrei, die lokalen Verhältnisse reizlos, die Handgelenksbeweglichkeit mit F/E 40-0-30 erwartun gsgemäss eingeschränkt. Die Behand- lung sei vorläufig abgeschlossen. Eine Steigerung der Leistungsfähigkeit über die Grenze von 5 kg werde auch mittelfristig bei einer 4-Corner-Fusion nicht möglich sein. 5.2 Der Kreisarzt der C.____, Dr. med. F.____, FMH Or thopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, untersuchte den Beschw erdeführer am 28. Januar 2013 und berichtete gleichentags zu Handen der C.____. In seiner Beurteilung hielt er als Diagnosen einen Zustand nach HWS-Distorsion (8. August 1995) sowie einen Status nach Scaphoidpseu- darthrose mit Intercarpalarthrose und DISI-Fehlstellung links sowie einen Status nach 4-Corner- Fusion Handwurzel links (8. Dezember 2011) fest. Beim B eschwerdeführer bestehe ein typi- sches Bild nach 4-Corner-Fusion. Zweifelsfrei liege ein Endzustand vor, welcher auch vom be- handelnden Arzt festgestellt worden sei. Zumutbar seien dem Versicherten ganztags nur leichte Tätigkeiten ohne Stück- und Zeitakkord und ohne taktgeb undene Arbeiten. Von Arbeiten in Ge- fahrenbereichen solle aufgrund des Haltefunktions- und Kraftdefizites der linken Hand abgese- hen werden. Die HWS sei beschwerdefrei und die rechte Schulter unverändert. 5.3 Des Weiteren liegt auch ein Schreiben der G.____ vom 23. September 2013 vor. In ihren Schlussfolgerungen gelangte diese im Wesentlic hen zum Ergebnis, dass der Beschwer- deführer seine Leistungsfähigkeit von 50 % bei einer e inhändigen Serienarbeit auf 80 % erhö- hen könne. Der Beschwerdeführer beharre auf einer „rich tigen Umschulung“. Aufgrund der Per- sönlichkeit des Klienten dürfte der Vorschlag einer prakt ischen Einarbeitung auch mit einer Kränkung verbunden sein bzw. mit einer von ihm subjektiv tiefer eingeschätzten Wertschätzung der Arbeit. Offenbar belaste ihn diese Ausrichtung emot ional zu stark, da er sich in seinem per- sönlichen Stolz/Identität gefährdet sehe. Durch eine F ortführung der Psychotherapie und eine Optimierung der Schmerztherapie könne die Situation ve rbessert werden. Aktuell könne der Beschwerdeführer einhändige Arbeiten ganztags mit einer auf 80 % steigerbaren Leistung aus- üben. Die Therapiemodalitäten zu optimieren sei empf ehlenswert. Zudem wurde festgehalten, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beschwerdeführer erachte sich nach einer Umschulung als arbeitsfähig. Auf Anfrage der IV- Stelle hin führte die G.____ mit Schreiben vom 2. Okt ober 2013 unter anderem aus, die G.____-Abklärung habe gezeigt, dass in Bezug auf das lin ke Handgelenk der Beschwerdefüh- rer ein Schonverhalten gezeigt habe, welches medizinisc h-somatisch nur zum Teil erklärt wer- den könne. Dieses Schonverhalten veranlasse den Beschwerdeführer, sich faktisch als Einhän- der zu verhalten, und das nicht erst in der G.____-Abkl ärung, sondern schon vorher. Medizi- nisch-theoretisch müsste er die linke Hand vermehrt einsetzen können. 5.4 Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt mit Schreiben vom 15. Dezember 2014 an den Rechtsvertreter des Beschwerde führers eine leichte bis mittelgradi- ge depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F3 2.11), eine chronische Schmerz- störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) sowie DD: Anhaltende somatoforme Schmerzstörungen (ICD-10: F45.4) fest. Die so matischen Diagnosen seien be- kannt. Aus psychiatrischer Sicht und aufgrund der Schmerzstö rung sowie der leichten bis mit- telgradigen, ausgeprägten depressiven Störung sei von ei ner 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer seinen Fähigkeiten und körperlichen Möglichkeiten entsprechenden Tätigkeit auszugehen. 5.5 In einer Aktennotiz der IV-Stelle vom 13. Januar 2 015 wird eine interdisziplinäre Be- sprechung durch med. pract. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. I.____ und J.____, juristischer Mitarbeiter der IV-Stelle, festgehalten. Dabei wird ausgeführt, Dr. D.____ sei noch im Februar 2014 mit dem Vorgehen der Arbeitsver mittlung einverstanden gewesen, wel- che als Ziel eine Eingliederung mit einem 100%-Pensum vorgesehen habe. Der Beschwerde- führer selbst habe bis zum Juni 2014 eine Vollzeitstelle im 1. Arbeitsmarkt angestrebt. Auch mit Einwand vom 16. September 2014 sei mit keinem Wort e ine psychische Erkrankung erwähnt worden. Erst im Beschwerdeverfahren sei mit Schreiben vom 15. Dezember 2014 eine Ver- schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes geltend gem acht worden. Die Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. D.____ könne auc h versicherungsmedizinisch nicht nach- vollzogen werden. Das Schmerzsyndrom stehe im Vordergrund und aufgrund der vorliegenden Dokumentation von Dr. D.____ seien auch die Foerster- Kriterien allesamt nicht erfüllt, weshalb die Schmerzen als überwindbar beurteilt werden müssten. Insbesondere betreffend das Kriteri- um der „psychiatrischen Komorbidität“ könne aus versicheru ngsmedizinischer Sicht Dr. D.____ nicht gefolgt werden, wenn er die leichte bis mittelgr adige Depression als ausgeprägte Komor- bidität beurteile. Vielmehr sei diese als Begleitersche inung des Schmerzleidens aufzufassen. Dr. D.____ selbst halte fest, dass die depressive Störung sich im Rahmen andauernder Schmerzen im Handgelenk links und im Rahmen einer belast enden psychosozialen Situation entwickelt habe. Im Ergebnis könne aus psychiatrischer Sic ht keine Arbeitsunfähigkeit berück- sichtigt werden. 6.1.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen V erfügung vom 20. Oktober 2014 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeit sfähigkeit der Versicherten auf die Ergebnisse, zu denen Dr. F.____ im Arztbericht vom 28. Januar 2013 und Dr. E.____ in seinem Bericht vom 10. Dezember 2012 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Versi- cherten ganztags leichte Tätigkeiten ohne Stück- und Zei takkord und ohne taktgebundene Ar- beiten zumutbar seien. Von Arbeiten in Gefahrenberei chen solle aufgrund des Haltefunktions- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Kraftdefizites der linken Hand abgesehen werden. Diese Beurteilung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, die aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. In somatischer Hinsicht liegen hier keine Indizien vor, die gegen die Zuverlässigkeit des Berichts von Dr. F.____ spre chen würden. Es gibt keine Arztbe- richte, in denen eine andere Auffassung vertreten wird. Im Gegenteil vertritt auch Dr. E.____ als handchirurgischer Facharzt die gleiche Auffassung wie Dr. F.____. Dieser hat den Versicherten eingehend untersucht, er geht in seinem Bericht auf seine Beschwerden ein und er hatte Ein- sicht in die bei den Akten liegenden medizinischen Unter lagen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers spricht auch die Tatsache, dass der Beri cht von Dr. F.____ älteren Datums – nämlich vom 28. Januar 2013 – ist, nicht gegen dessen Z uverlässigkeit. Es liegen nämlich in somatischer Hinsicht keine Hinweise vor, dass sich am Zustand des Beschwerdeführers etwas verändert hätte und dies wird auch vom Beschwerdeführer selbst nicht geltend gemacht. Dem- zufolge kann auf den Arztbericht von Dr. F.____ abgestellt werden. 6.1.2 Was den erst im Beschwerdeverfahren eingereichten p sychiatrischen Bericht von Dr. D.____ vom 15. Dezember 2014 anbelangt, ist festzuh alten, dass dies der erste Arztbericht ist, welcher eine psychiatrische Diagnose in Bezug auf de n Beschwerdeführer erwähnt. In den Akten befindet sich ansonsten kein Arztbericht, welcher auf psychische Probleme beim Be- schwerdeführer hinweisen würde. Lediglich im G.____-Be richt vom 23. September 2013 wird festgehalten, dass der Beschwerdeführer eine Psychotherap ie durchführen würde. Selbst im Einwandverfahren hat der Beschwerdeführer nicht auf e ine psychische Problematik hingewie- sen. Der IV-Stelle kann demzufolge auch nicht vorgeworf en werden, sie habe die psychischen Probleme des Beschwerdeführers nicht mitberücksichtigt. En tgegen der nun aber in der Akten- notiz der IV-Stelle vom 13. Januar 2015 festgehaltenen Auffassung, Dr. D.____ habe im Febru- ar 2014 einer Eingliederung des Beschwerdeführers mit e inem 100%-Pensum zugestimmt (vgl. oben E. 5.5), muss festgehalten werden, dass es sich dabei wohl um Dr. E.____ gehandelt hat. Jedenfalls ist aus den Akten, insbesondere dem Einglieder ungsplan vom 4. Februar 2014, kei- ne Zustimmung von Dr. D.____ ersichtlich und dieser wur de darin – im Gegensatz zu Dr. E.____ – auch nicht als behandelnder Arzt erwähnt . Damit kann nicht davon ausgegangen werden, dass Dr. D.____ sich im Februar 2014 mit eine r Eingliederung des Beschwerdeführers im Rahmen eines 100%-Pensums einverstanden erklärt hat. Dies ändert aber nichts an der nachfolgenden Würdigung des vorliegenden Sachverhalts. 6.2 Dr. D.____ diagnostizierte mit Schreiben vom 15. De zember 2014 unter anderem eine leichte bis mittelgradige depressive Episode mit somatisch em Syndrom. Diese Diagnose lässt sich aufgrund der Anamnese nachvollziehen, auch wenn die in den psychometrischen Untersu- chungen erreichten Punktzahlen jeweils nur einer leichte n depressiven Verstimmung entspra- chen. Ausserdem hielt Dr. D.____ als Diagnose eine chro nische Schmerzstörung mit somati- schen und psychischen Faktoren sowie als Differentialdiagno se anhaltende somatoforme Schmerzstörungen fest. Damit ist davon auszugehen, dass die leichte bis mittelgradige depres- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sive Episode im Zusammenhang mit einer Schmerzstörung gest ellt wurde. Diese Beschwerde- bilder gehören rechtsprechungsgemäss zu den unklaren Besch werden ohne nachweisbare or- ganische Grundlage (BGE 139 V 547 E. 2.2). Liegt bei einer versicherten Person die Diagnose eines unklaren Beschwerdebildes ohne nach- weisbare organische Grundlage vor, so wird nach geltend er Rechtsprechung eine Erwerbsun- fähigkeit nur anerkannt, wenn zusätzliche Kriterien (sog . "Foerster-Kriterien") in hinreichendem Ausmass erfüllt sind (vgl. zum Ganzen: BGE 139 V 547 ff . mit zahlreichen Hinweisen). Als diesbezüglich massgebliche Kriterien sind von der Rechtspr echung anerkannt worden: Das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komo rbidität von erheblicher Schwe- re, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vor handensein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien wi e etwa chronische körperliche Begleiter- krankungen und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unverän derter oder progredienter Sympto- matik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr ang ehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewälti gung (primärer Krankheitsge- winn; "Flucht in die Krankheit") sowie ein unbefried igendes Behandlungsergebnis trotz konse- quent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlungsbemühungen (auch mit un- terschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versiche rten Person. Je mehr dieser Krite- rien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind – ausnahmsweise – die Voraussetzungen für eine zumutba re Willensanstrengung zu verneinen (ULRICH MEYER -BLASER , Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Be deutung in der Sozialversicherung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Sc hmerz und Arbeitsunfähigkeit, St. Gal- len 2003, S. 77; BGE 131 V 50 f. E. 1.2, 130 V 352 ff.; vgl. zum Ganzen auch A NDREAS BRUNNER /N OAH BIRKHÄUSER , Somatoforme Schmerzstörung – Gedanken zur Rechtsprechu ng und deren Folgen für die Praxis, insbesondere mit Blick a uf die Rentenrevision, in: BJM 2007, S. 169 ff.). 6.3 Entgegen der Auffassung von Dr. D.____ ist das Vorl iegen der Foerster-Kriterien zu verneinen. Insbesondere liegt das wichtigste Qualifizier ungsmerkmal, die psychische Komorbi- dität, nicht vor. In seiner Beurteilung führte Dr. D.____ aus, dass der Patient an einer leichten bis mittelgradigen depressiven Störung mit somatischem Syn drom leide, die sich im Rahmen andauernder Schmerzen im Handgelenk links und im Rahmen einer belastenden psychosozia- len Situation entwickelt habe. Mit anderen Worten wurde die Depression von Dr. D.____ im Zu- sammenhang mit einem somatischen Syndrom gesehen. Auch ist nicht von einer chronifizierten Depression die Rede, sondern lediglich von einer leicht en bis mittelgradigen Episode. Damit ist eine psychiatrische Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer zu verneinen. Zudem ist mit der Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass selbst eine mit- telgradige depressive Episode keine von depressiven Verstim mungszuständen klar unter- scheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbstä ndigten Gesundheitsschadens darstellt, welche es der betroffenen Person verunmögl icht, die Folgen der bestehenden Schmerzproblematik zu überwinden (Urteil des Bundesgeri chts vom 8. Oktober 2014, 9C_856/2013, E. 5.1.2). Auch die weiteren Foerster-Kr iterien sind nur teilweise und insgesamt Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht mehrheitlich mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllt. So sind auch gemäss Dr. D.____ die Kriterien des sozialen Rückzugs oder der fehlenden Behandlungsmöglichkeit nicht gegeben. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei Dr. D.____ um den behan- delnden Arzt des Beschwerdeführers handelt. Damit ist vorl iegend von der Überwindbarkeit der diagnostizierten unklaren Beschwerden ohne nachweisbare o rganische Grundlage auszuge- hen. 6.4 Zu Recht weist die Beschwerdegegnerin ausserdem dar auf hin, dass im Beharren auf eine – ungeeignete – Umschulung, ohne die der Beschwer deführer nicht arbeiten werde, keine invalidisierende Beeinträchtigung erblickt werden kann. A us der Bemerkung des Beschwerde- führers, er würde einer Tätigkeit nachgehen, wenn er mit Unterstützung der IV eine Umschu- lung absolviert habe, ergibt sich, dass er sich nur wegen der fehlenden Umschulung nicht in der Lage sieht, einer Tätigkeit nachzugehen, nicht aber aus gesundheitlichen Gründen. 6.5 Der Beschwerdeführer rügt zudem, dass der G.____-Be richt vom 23. September 2013 über die in den Belastbarkeitstrainings gewonnenen Erk enntnisse nicht berücksichtigt worden sei. Praxisgemäss ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschäd igung in erster Linie durch den begutachtenden Arzt und nicht durch die Eingliederungsf achleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantwor ten (Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2014, 9C_401/2014, E. 4.2.2). Ein Beri cht über eine praktische berufliche Abklä- rung könnte aber ohnehin nur aussagekräftig sein, wenn d ie versicherte Person eine kooperati- ve Haltung einnimmt. Eine solche kann hier jedoch nicht vorbehaltlos bejaht werden, ergibt sich doch aus dem Bericht, dass der Beschwerdeführer ein Schon verhalten gezeigt und damit mög- licherweise nicht die volle Leistung erbracht hat. Auch scheint die Motivation beim Beschwerde- führer nachgelassen zu haben, nachdem er festgestellt hat , dass sich seine Wünsche in Bezug auf eine berufliche Tätigkeit bzw. Umschulung nicht umse tzen liessen. Zudem wäre aus Sicht der G.____ eine Wiedereingliederung in die Privatwir tschaft möglich, wenn sich der Beschwer- deführer auf eine praktische Tätigkeit wie CNC-Bestückung einlassen würde, was nicht der Fall sei. Demzufolge kann nicht auf den G.____-Bericht abgestell t werden, welcher als Prognose von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ausging. Vielmehr ist auf den Arztbericht von Dr. F.____ vom 28. Januar 2013 abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit im Umfang von 100 % auszugehen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass selbst der Beschwerde- führer sich nach einer Umschulung – welche keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat – wieder als arbeitsfähig erachtet (vgl. G.____-Bericht v om 23. September 2013). Gründe, die weitere medizinischen Abklärungen notwendig erscheinen liessen, sind keine ersichtlich. 7. Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Wie bereits oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hier vor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invalidi- tätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und all fälliger Eingliederungsmassnahmen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invali- deneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen , das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). De r Einkommensvergleich hat in der Re- gel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergeste llt werden. Aus der Einkommensdiffe- renz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemein e Methode des Einkommensver- gleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober 2014 den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand d er Gegenüberstellung des Vali- deneinkommens von Fr. 67‘600.-- und des zumutbaren Inval ideneinkommens in der Höhe von Fr. 62‘420.-- einen Invaliditätsgrad von 8 % ermitte lt. Der Einkommensvergleich wird vom Be- schwerdeführer im Grundsatz nicht bestritten. Er macht le diglich geltend, dass für die faktische Einhändigkeit sowie die langjährige Betriebszugehöri gkeit des Beschwerdeführers während beinahe 20 Jahren bei der B.____ AG ein leidensbedingter Abzug vorzunehmen sei. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass ein solcher Ab zug nicht gerechtfertigt ist. Im G.____-Bericht vom 23. September 2013 wird zwar festg ehalten, der Beschwerdeführer habe sich im Rahmen der praktischen Arbeiten als Einhänder er wiesen und habe die linke Hand le- diglich als Hilfshand benutzt. Im ergänzenden Schreibe n der G.____ vom 2. Oktober 2013 wird ausgeführt, der Versicherte habe in Bezug auf das linke Handgelenk ein Schonverhalten ge- zeigt, welches medizinisch-somatisch nur zum Teil erklärt we rden könne. Dieses Schonverhal- ten habe den Versicherten veranlasst, sich faktisch wie ein Einhänder zu verhalten. Medizi- nisch-theoretisch müsste der Versicherte die linke Hand vermehrt einsetzen können. Auch aus den medizinischen Unterlagen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer seine linke Hand – wenn auch mit gewissen Einschränkungen – einsetzen könnte. So gibt Dr. E.____ in seinem Schrei- ben vom 10. Dezember 2012 an, der Beschwerdeführer könne keine Lasten über 5 kg heben. Dr. F.____ hält in seinem Bericht vom 28. Januar 2013 fest, der Beschwerdeführer könne ledig- lich leichte Arbeiten ausführen ohne Stück- und Zeitakko rd und ohne taktgebundene Arbeiten. Im Übrigen wird auch im G.____-Bericht festgehalten, dass dem Beschwerdeführer eine gele- gentliche Belastung der linken Hand bis zu 5 kg zumutbar wäre. Damit ergibt sich, dass der Beschwerdeführer sehr wohl leichte Tätigkeiten mit de r linken Hand ausüben kann und dabei auch Gewichte bis zu 5 kg heben kann. Der Beschwerdeführ er kann demzufolge nicht als fakti- scher Einhänder bezeichnet werden. Auch die lange Betriebszugehörigkeit hat gemäss bundesg erichtlicher Rechtsprechung nicht zwingend einen Abzug von den Tabellenlöhnen zur Folge. So hat das Bundesgericht ausge- führt, dass die Bedeutung der Anzahl Dienstjahre im p rivaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist (Urteil des Bundesgerichts vom 18. September 2012, 9C_386/2012, E. 5.2; AHI-Praxis 1999, S. 177 ff., E. 3b). Mit Blick auf das der Invaliditätsberechnung zu Grun- de liegende Anforderungsniveau 4 vermag die lange Bet riebszugehörigkeit vorliegend keinen Abzug zu rechtfertigen. Andere Gründe, die für eine n leidensbedingten Abzug sprechen wür- den, sind nicht ersichtlich. Zudem erübrigen sich weitere Überlegungen in diesem Zusammen- hang, da sich auch unter Berücksichtigung des maximal zulässig en leidensbedingten Abzugs von 25 % kein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergeben würde. Ein leidensbedingter Abzug Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist somit grundsätzlich nicht in Betracht zu ziehen. Da keine weiteren Beanstandungen gegen den vorgenommenen Einkommensvergleich vorgebracht wurde n, besteht kein Anlass für eine nähere Prüfung der Berechnung des Invaliditätsgrades vo n Amtes wegen (BGE 125 V 413 E. 1b und 2c). Im Übrigen ist festzuhalten, dass selbst wenn ein leidensbedingter Abzug von 10 % aufgrund einer verminderten Leistungsfähigkeit der linken Hand vorgenommen würde, kein ren- tenbegründender Invaliditätsgrad vorliegen würde. Damit erweist sich der von der IV-Stelle berechnete Invaliditätsgrad von 8 % als korrekt. 8. Festzuhalten bleibt, dass der Beschwerdeführer auch k einen Anspruch auf Umschu- lung in eine neue Erwerbstätigkeit gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG geltend machen kann. Recht- sprechungsgemäss wird diesbezüglich unter anderem vorausg esetzt, dass der Betroffene eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse v on 20 % erleidet (BGE 130 V 488; Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2013, 9C_122/2012, E. 4.2). Bereits an dieser Voraus- setzung mangelt es vorliegend. Zudem ist darauf hinzuwe isen, dass die Integrationsabteilung der IV dem Beschwerdeführer bereits diverse Hilfsangebo te unterbreitet hat, welche von die- sem jeweils abgelehnt wurden. 9. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die IV-Stelle zu Recht sowohl einen An- spruch des Beschwerdeführers auf eine IV-Rente als auch a uf eine Umschulung abgelehnt hat, weshalb die vorliegende Beschwerde abzuweisen ist. 10. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art . 69 Abs. 1bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpf lichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer u nterliegende Partei, weshalb er die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- zu tragen h at. Diese werden mit dem vom Be- schwerdeführer geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von F r. 600.-- verrechnet. Die aus- serordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht