Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Juni 2012 (720 12 43) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Marku s Mattle, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch M arco Albrecht, Advokat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.7709.4365.21) A. Der 1961 geborene A.____ arbeitete von Anfang De zember 1991 bis Ende Dezember 2004 als selbstständiger Gipser. Ab 1. Januar 2005 war er in seinem eigenen Geschäft B.____ angestellt. Am 8. November 2006 stürzte er von einem B augerüst aus etwa vier Metern Höhe und erlitt dabei eine Wirbelimpressionsfraktur. Für di e Unfallfolgen sprach die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) dem Versicherten mit V erfügung vom 24. November 2008 eine Invalidenrente aufgrund einer Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit von 41 % mit Wirkung ab 1. November 2008 und eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 27,5 % zu. Dieser Rentenentscheid wurde mit Einspracheentscheid vom 6. April 2009 bestätigt. Am 27. Juli 2007 meldete sich A.____ bei der Eidgenössi schen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Vom 28. Januar 2008 bis 27. A pril 2008 erfolgte eine berufliche Ab- klärung in der C.____, welche keine wirtschaftliche Ver wertbarkeit der Leistungen des Versi- cherten auf dem freien Arbeitsmarkt ergab. In der Folg e schloss die IV-Stelle Basel-Landschaft die beruflichen Massnahmen am 27. Mai 2008 ab und prü fte den Anspruch auf eine Invaliden- rente. Mit Verfügung vom 30. Dezember 2011 lehnte di e IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbe- scheidsverfahren den Anspruch von A.____ auf eine Invali denrente gestützt auf einen Invalidi- tätsgrad von 33 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Marco Albrecht, am 6. Februar 2012 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte er, es sei in Aufhebun g der angefochtenen Verfügung die Ange- legenheit zur Abklärung des Sachverhalts einem Oberguta chter zu übergeben oder an die IV- Stelle zurückzuweisen. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer ab 1. Juli 2008 mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen; unter o/e Kostenfolge. In de r Begründung wurde insbesondere die Zuverlässigkeit des von der IV-Stelle in Auftrag gegeben en Gutachtens ans D.____ beanstan- det. Es sei auch nicht nachvollziehbar, wie die Gutacht er in der Lage sein sollten, rückwirkend auf vier Jahre die Arbeitsfähigkeit des Versicherten im F ebruar 2007 zu beurteilen. Zudem be- stehe ein Widerspruch zwischen der Beurteilung des D.____ und derjenigen der C.____. Der monatelangen Beobachtung durch die C.____ sei mehr G ewicht beizumessen als einer einma- ligen Untersuchung durch den Orthopäden des D.____. S chliesslich sei das von der IV-Stelle ermittelte Invalideneinkommen in Höhe von Fr. 71'278.-- angesichts der dem Beschwerdeführer zumutbaren Hilfsarbeiten viel zu hoch und aufgrund der i nvaliditätsbedingten Beeinträchtigun- gen sei der vorgenommene leidensbedingte Abzug von 10 % zu tief. C. In ihrer Vernehmlassung vom 16. April 2012 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Versicherte Anspruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 1. Juni 1959 Versicherte, d ie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursacht e und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähig keit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG aus- schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus ob jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 1.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 2. Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 2.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die dur ch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbe sondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem U mfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 2.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfal lversicherung entwickelten Grundsätze fin- den für das IV-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts [EVG] vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 3.1 Den Unfallakten ist zu entnehmen, dass der Versichert e am 8. November 2006 aus ca. 5 m Höhe stürzte und dabei eine stabile Brustwirbelkör per-Impressionsfraktur (Wirbelhöhe 8 und 11) und eine Rissquetschwunde am linken Ohr erlitt . Als weitere Diagnosen wurden ein subakutes lumbovertebrales Syndrom bei Diskopathie L3/4, bei leichtgradigen Chondrosen L3/4 und L4/5, bei Diskushernie L4/5 links und bei hypertroph er Spondylarthrose L4/5 sowie eine gemischte Hyperlipidämie aufgeführt. Der Versicherte w ar vom Unfallzeitpunkt bis 15. Novem- ber 2006 im E.____ hospitalisiert (vgl. Austrittsberich t vom 16. November 2006). Zur Therapie trug der Versicherte bis Ende Februar 2007 ein Dreipun ktekorsett. Ein Arbeitsversuch per 2. April 2007 scheiterte beschwerdebedingt. Da die Sc hmerzen am thorakolumbalen Übergang Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht persistierten hielt er sich vom 22. Mai 2007 bis 3. Juli 2 007 auf Empfehlung des SUVA- Kreisarztes in der F.____ auf (Bericht des SUVA-Arztes Dr . med. G.____, FMH Facharzt für Allgemeinmedizin, vom 18. April 2007). Gemäss den beha ndelnden Ärzten bestehe keine Ar- beitsfähigkeit mehr in der angestammten Tätigkeit al s Gipser. Dagegen sei es dem Versicher- ten möglich, eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit o hne wiederholtes Beugen und Wieder- aufrichten des Oberkörpers und ohne länger andauernde nach vorn geneigte sowie verdrehte Position des Oberkörpers auszuführen (vgl. Kurzbericht vom 4 . Juli 2007 und Austrittsbericht vom 11. Juli 2007). Dieser Ansicht schloss sich der Hausarzt Dr. med. H.____. FMH Allgemeine Medizin, mit Bericht vom 26. August 2007 an. Der SUVA-A rzt Dr. med. I.____, FMH Chirurgie, hielt in seinem Kreisarztbericht vom 12. November 2007 fest, dass die Wirbelsäulenfunktion bei veränderter Statik deutlich eingeschränkt bleibe. Die an gestammte Tätigkeit als Gipser sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Die Ausübung leichter w echselbelastender seinem Leiden angepasster Arbeiten sei jedoch ganztags möglich. 3.2 Vom 28. Januar 2008 bis 27. April 2008 wurde der Versicherte in der C.____ beruflich abgeklärt. Im Abschlussbericht vom 28. April 2008 wurde fe stgehalten, dass sich der Gesund- heitszustand des Versicherten in den drei Monaten verschle chtert habe. Die Schmerzen hätten zugenommen und die Bewegungen des Versicherten seien vorsi chtig und verlangsamt gewe- sen. Er habe jeweils Schonhaltungen eingenommen und al le 30 Minuten Kurzpausen benötigt. Seine Konzentration und seine Leistungsfähigkeit hätte n mit zunehmenden Schmerzen abge- nommen. Zudem sei er vom Hausarzt ab 7. April 2008 zu 1 00 % arbeitsunfähig geschrieben worden. Der Versicherte habe motiviert gewirkt und seine Arbeit als sehr positiv erlebt. Er sei zum Teil trotz der Schmerzen bei der Arbeit geblieben. Er sei zuverlässig, habe ein gutes Auf- fassungsvermögen und die Qualität seiner Arbeit sei gut. Die Eingliederung in den Arbeitsmarkt sei aufgrund der Schmerzen nicht möglich. Auch eine Pe nsumsteigerung über 50 % sei nicht durchführbar gewesen. Der Versicherte könnte aufgrund seiner handwerklichen Fähigkeiten und seinem guten Auffassungsvermögen überall in der lei chten Industriemontage im Rahmen eines Teilzeitpensums von 50 % eingesetzt werden. Dabei sollten es leichte körperliche Arbei- ten sein, welche keine Bewegungen über Schulterhöhe, kein Tragen von Gewichten über 5 kg beinhalteten und bei welchen die Möglichkeit für Kurzp ausen bestehe. Bei einem 50%-Pensum betrage die Gesamtarbeitsleistung 25 %. Im Abschlussber icht der beruflichen Massnahmen vom 14. Mai 2008 wurden die Ausführungen im Bericht d er C.____ bestätigt und festgehalten, dass der Versicherte in der Privatwirtschaft nicht vermittelbar sei. 3.3 Der Hausarzt Dr. H.____ überwies den Versicherten wegen chronischen Rücken- schmerzen ins E.____, wo er sich vom 4. Januar 2010 bis 2. Februar 2010 aufhielt. In der Ein- trittsuntersuchung seien keine neurologischen Defizite fe ststellbar gewesen. Bei Belastungen seien ausgeprägte Muskelverspannungen paravertebral mit triggerbaren Schmerzen im Len- den- und Brustwirbelbereich ersichtlich gewesen. Die Rö ntgenbilder zeigten keine Zeichen von Arthrose oder einer Impingement-Symptomatik (vgl. Berichte vom 1. und 5. Februar 2010). 3.4 Zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts beauftra gte die IV-Stelle das D.____ mit der Begutachtung des Versicherten. Dabei wurde der Versicherte in internistischer, psychi- atrischer, orthopädischer und otorhinolaryngologischer Hi nsicht untersucht. Im Gutachten vom Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 22. Februar 2011 nannten die Experten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches thorakal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptoma- tik mit leichter Keilwirbelbildung und zentralem bis le icht ventralem ossärem Defekt in den Wir- belkörpern Th8 und Th11 sowie leichter Keilwirbelbil dung Th7 bei Status nach Deckplattenim- pressionsfraktur bei Diskushernie L4/5 ohne eindeutig fa ssbare Neurokompression, einer weit- gehend zentral kompensierten peripheren vestibulären F unktionsstörung rechts, einer Sym- ptomausweitung und einem Eindruck eines nicht immer ga nz adäquaten Schmerzverhaltens. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die leichte posttraumatische Belastungsstörung, die Adipositas, die gemischte Hyperlipidämie und der fortgesetzte Nikotinkonsum. In der orthopädi- schen Beurteilung führte Dr. med. J.____, FMH Orthopäd ische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, aus, dass sich die vom Exploranden angegebenen Beschwerden aufgrund der objektivierbaren klinischen und radiologisch en Befunden qualitativ zwar erklären liessen, wenn auch nicht im beklagten Ausmass. Es bestehe eine gewisse Diskrepanz zwi- schen dem Bewegungsumfang bei Kopfdrehungen in der Untersuchungssituation und bei spon- tanen Bewegungen. Bei Status nach mehreren traumati schen Wirbelkörperfrakturen liege mit Sicherheit eine verminderte Belastbarkeit des ganzen Ru mpfes vor. Aus orthopädischer Sicht sei dem Versicherten die zuletzt ausgeübte körperlich schwe re Tätigkeit als Gipser nicht mehr zumutbar. Hingegen bestehe für sämtliche körperlich leicht e Tätigkeiten in wechselnder Positi- on eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Dabei sollten ein Hebe- und Traglimit von 10 kg nicht überschritten und keine Zwa ngshaltungen des Rumpfes einge- nommen werden oder repetitive Überkopfbewegungen der Arme notwendig sein. Dr. med. K.____, FMH Oto-Rhino-Laryngologie, stellte fest, da ss die weitgehend zentral kompensierte periphere vestibuläre Funktionsstörung rechts bei unauff älliger cochleärer Funktion auditiv le- diglich eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähig keit nach sich ziehe, indem sturzgefähr- dende Tätigkeiten nicht geeignet seien. Aus internisti scher und psychiatrischer Sicht konnten Dr. med. L.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, keine Diagnosen stellen, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkten. Dr. M.____ wies zwar darauf hin, dass der Versicherte an einer leic hten posttraumatischen Belastungsstö- rung leide, weil er unter Albträumen leide, Angst ver spüre, wenn er in der Nähe von Baugerüs- ten vorbeikomme und klaustrophobische Ängste aufweise. Di ese Störung sei jedoch mild, so dass sie keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe . Es seien ihm einzig Tätigkeiten auf Gerüsten nicht mehr zumutbar. In der interdisziplinären Konsensbesprechung kamen die Gut- achter zum Schluss, dass der Versicherte die angestammte Tätigkeit als Gipser nicht mehr aus- führen könne. Hingegen bestehe für eine körperlich leich te, wechselbelastende Tätigkeit ohne Sturzgefährdung eine 100%ige Arbeits- und Leistungsf ähigkeit. Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde, der vorliegenden Akt en sowie der früher attestierten Ar- beitsunfähigkeiten sei dem Versicherten die Ausübung ei ner adaptierten Tätigkeit nach einer Rehabilitationsphase von etwa 3 Monaten nach dem Sturzereignis zuzumuten. 3.5 In seiner Stellungnahme vom 10. Mai 2011 schloss sich D r. med. N.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), der Beurteilung der Gutachter des D.____ vom 22. Februar 2011 an. Bezüglich des Beginns der Arbeitsfähigkeit in einer leidens- angepassten Tätigkeit verwies er auf die Ausführungen von Dr. J.____ im Gutachten, die Be- richte von Dr. I.____ vom 12. November 2007 und der F. ____ vom 11. Juli 2007. Gemäss die- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen Beurteilungen sei es nachvollziehbar, dass eine Verwei stätigkeit bereits ab ca. 3 Monate nach dem Unfallereignis, d.h. ab März 2007, zumutbar g ewesen sei (vgl. auch RAD- Stellungnahmen vom 4. Oktober 2011 und 2. April 2012). 5.1 Die IV-Stelle stellte in ihrer angefochtenen Ver fügung vom 19. April 2011 bei der Beur- teilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse ab, zu denen die Experten des D.____ i n ihrem Gutachten vom 22. Februar 2011 gelangten. Sie ging demzufolge davon aus, dass d em Versicherten die Ausübung einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne S turzgefährdung im Umfang von 100 % zumutbar sei. Diese Beurteilung der Vorinstanz ist nich t zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund einge hender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässig keit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Die Gutachter haben den Ver sicherten eingehend und umfassend untersucht, sie gehen in ihren ausführlichen Fachgutac hten einlässlich auf dessen Beschwer- den ein, sie setzen sich mit den bei den Akten liegend en medizinischen Unterlagen auseinan- der und sie vermitteln so ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand des Versicherten. 5.2 Was der Versicherte vorbrachte, ist nicht geeignet, die ausschlaggebende Beweiskraft des Gutachtens des D.____ in Frage zu stellen. Er machte insbesondere geltend, die Gutachter würden dem Versicherten eine "fixierte Invaliditätsüber zeugung" vorwerfen und damit seine Position im vorliegenden Verfahren massiv abschwächen. Eine derartige Beurteilung lasse sich mit der mehrjährigen freiwilligen Arbeit des Versicher ten in der C.____ nicht vereinbaren. Wür- de der Versicherte "auf der faulen Haut liegen" wolle n, so würde er kaum seit fast vier Jahren ein 50%-Arbeitspensum auf sich nehmen. Dazu komme, dass d ie Begehrungsneurose von ei- nem Orthopäden, nicht aber von einem Psychiater diagno stiziert worden sei. Die angebliche Selbstlimitation sei gemäss Gutachten des D.____ auf ein psychisches Leiden zurückzuführen. Im psychiatrischen Teilgutachten sei aber auf diese Prob lematik nicht eingegangen worden, weshalb das Gutachten des D.____ unvollständig sei. Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. Dr. J.____ erklärte ausführlich und ei nleuchtend, weshalb er beim Versicherten von einer gewissen Selbstlimitation ausgehe. So stellte er fest, dass sich das Schmerzverhalten zwischen der fokussierten Untersuchung und den spontanen B ewegungen stark unterschieden habe. Insbesondere bei der Kopfbeweglichkeit sei aufge fallen, dass dem Versicherten bei der Untersuchung nur ein geringer Bewegungsumfang möglich gewesen sei, er aber in der Bauch- lage den Kopf ausgezeichnet habe reklinieren können. O bwohl der Versicherte deutliche links- betonte Druckdolenzen und ausgeprägte Nackenbeschwerden ang egeben habe, konnte Dr. J.____ keine Verspannungen bei der sehr kräftig entwickel ten Nackenmuskulatur feststellen. Desgleichen habe der Versicherte problemlos die Hockstell ung einnehmen können. Er habe sich aber jeweils unter Hinweis auf Rückenschmerzen wieder spontan aufgerichtet. Dieser Vor- gang sei jedoch aufgrund der orthograden Haltung des Rumpfes nicht nachvollziehbar. Ein ähn- liches Bild habe sich bei der Untersuchung des Rumpfes ge zeigt, wo sich bei der Inklination eine deutliche Einschränkung des Finger-Boden-Abstands (= 51 cm) gezeigt habe. Beim Lang- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sitz habe sich der Finger-Boden-Abstand dagegen auf ca. 35 cm reduziert. Die Untersuchung der unteren Extremitäten sei vor allem in den Hüften und etwas weniger auch an den Knien von einer deutlichen muskulären Abwehrspannung begleitet g ewesen. Dabei habe der Versicherte über thorakale Rückenschmerzen geklagt. Diese Beschwerden seie n unter Berücksichtigung der spontanen Bewegungen beim An- und Auskleiden nic ht ganz plausibel. Aufgrund dieser Ausführungen ist nachvollziehbar, dass sich Dr. J.____ die F rage stellte, ob die Ursache der teilweisen deutlichen Selbstlimitation und des Schmerzverhaltens im psychischen Bereich liege. Dr. M.____ konnte jedoch aufgrund seiner objektiven Bef unde keine Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung finden, welche die Selbstlimitation hätten erklären können. Selbst wenn sich Dr. M.____ anlässlich seiner Untersuchung mit dieser Problematik nur am Rande befasst hätte, musste er sich spätestens in der Konsensbesprech ung mit der vom Orthopäden aufge- worfenen Frage der Selbstlimitation auseinandersetzen. Er kam aber hierbei zum Schluss, dass es dem Versicherten aus psychiatrischer Sicht zuzumuten sei, die notwendige Willensanstren- gung aufzubringen, um eine leichte leidensangepasste Tätigkeit vollzeitlich auszuführen. 5.3 Daran ändert auch der Bericht der C.____ vom 28. April 2008 nichts, welcher ein vom Gutachten des D.____ abweichendes Bild hinsichtlich der dem Versicherten verbliebenen Ar- beitsfähigkeit gibt. Wie das Kantonsgericht bereits bei der Prüfung des Anspruchs auf Leistun- gen der Unfallversicherung ausführte, kann auf diesen Be richt nicht abgestellt werden. Die Be- urteilung der C.____ beruht lediglich auf einer Beschr eibung der Schmerzsymptomatik, in wel- che vorwiegend die subjektive Haltung des Versicherten Ei ngang in die Einschätzung der Ar- beitsfähigkeit findet, ohne dass die objektiven Umstände gewürdigt werden (vgl. Urteil des Kan- tonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht, vom 14. Oktober 2009, 725 09 131/248). 5.4 In Bezug auf den Einwand der retrospektiven Beurte ilung der Arbeitsfähigkeit durch die Gutachter des D.____ ist festzustellen, dass auch dieser ke inen anderen Schluss zulässt. Wie der RAD-Arzt Dr. N.____ am 10. Mai 2011 richtig festste llte, stützten sich die Experten des D.____ auf echtzeitliche Berichte und früher attestie rte Arbeitsunfähigkeiten. So gingen die be- handelnden Ärzte der F.____, der Hausarzt Dr. H.____ und der SUVA-Kreisarzt Dr. I.____ da- von aus, dass eine volle Arbeitsfähigkeit für eine leichte Tätigkeit ab Frühling 2007 bestand (vgl. Berichte der F.____ vom 4. und 11. Juli 2007, von Dr. H.____ vom 26. August 2007 und von Dr. I.____ vom 12. November 2007). 5.5 Lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen nac h dem Gesagten eine zuver- lässige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten zu, so kann auf die von ihm beantragte Anordnung von weiteren medizinischen Abklä- rungen verzichtet werden (sog. antizipierte Beweiswürdig ung; vgl. dazu BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 5.6 Damit ist festzuhalten, dass es dem Versicherten gestüt zt auf das Gutachten des D.____ vom 22. Februar 2011 zumutbar ist, eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Sturzgefährdung ab Frühling 2007 zu 100 % auszuführen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versich erten aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG, vgl. auch Erwägun g 1.3). Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfügung vom 30. Dezember 2011 zur Ermit tlung der Einschränkung des Ver- sicherten im Erwerbsbereich den erforderlichen Einkommen svergleich vor. Dabei ermittelte sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumutbar em Invalideneinkommen einen Inva- liditätsgrad im Erwerbsbereich von 33 %. Der Versicher te beanstandete im Zusammenhang mit der konkreten Berechnung, dass die Erzielung eines Invalide neinkommens in Höhe von Fr. 71'278.-- (recte: Fr. 64'150.--) unrealistisch sei. Es könne höchstens mit einem Einkommen von Fr. 54'000.-- gerechnet werden. Ausserdem sei ein höherer Abzug als 10 % vom Tabellen- lohn vorzunehmen. 6.2 Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung zum utbarerweise noch reali- sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) sind unbestrittenermassen die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik beizuziehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die versicherte Person - w ie hier - nach Eintritt des Gesundheits- schadens bis zum hier massgebenden Zeitpunkt der angefoch tenen Verfügung keine neue Er- werbstätigkeit aufgenommen hat (BGE 126 V 76 f. E. 3 b/bb). Die IV-Stelle ermittelte das Invali- deneinkommen deshalb zu Recht unter Beizug der Tabell enlöhne. Dabei stützte sie sich auf das Anforderungsniveau 3, mit der Begründung, der Ver sicherte habe über 10 Jahre ein Gip- sergeschäft geführt und verfüge somit über langjährig e Berufserfahrung und gute Berufskennt- nisse. Zudem sei gemäss Handelsregisterauszug, wonach er imm er noch als Gesellschafter, Geschäftsführer und Liquidator eingetragen sei, davo n auszugehen, dass er "im Geschäft im- mer noch eine Funktion inne" habe. Dieser Auffassung ka nn nicht zugestimmt werden. Da der Versicherte aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkung en lediglich noch leichte leidens- angepasste Arbeiten zu verrichten vermag, wird er nur n och Tätigkeiten für Hilfsarbeiter oder Angestellte ohne Berufsausbildung ausführen können, b ei welchen er seine beruflichen Kennt- nisse und Fähigkeiten sowie seine mehrjährige Berufserfa hrung als Gipser nicht mehr oder höchstens in geringem Masse verwerten kann. Aus der Formul ierung, der Versicherte habe "im Geschäft immer noch eine Funktion inne" ist zu schliessen, dass die IV-Stelle annimmt, der Versicherte nehme als Gesellschafter, Geschäftsführer und Liquidator Führungsaufgaben und anspruchsvolle Arbeiten wahr. Gemäss den Akten trifft di ese Annahme jedoch nicht zu. Der Versicherte führte die B.____ mit einem Geschäftspartne r. Daneben beschäftigten sie einen weiteren Gipser vollzeitlich und eine Sekretärin in ein em Teilzeitpensum von 30 %. Die Perso- nalplanung und -leitung bedurfte daher keiner anspruch svollen Organisation. Seine Geschäfts- tätigkeit beschränkte sich auf die Ausführung von Gipserarbeiten. Für Besprechungen und Kon- trollarbeiten vor Ort setzte er rund 10 % seines Arbeits pensums ein. Um administrative Angele- genheiten, wie z.B. Offerten und Abrechnungen erstell en, musste er sich nicht kümmern (vgl. Aktennotiz SUVA vom 28. September 2007). Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Versi- cherte in seinem Gipserbetrieb als Gesellschafter und Gesc häftsführer keine qualifizierten Füh- rungsaufgaben wahrzunehmen hatte. Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist daher auf den Tabellenlohn für das Anforderungsniveau 4 (ei nfache und repetitive Arbeiten) abzustel- len. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2006 belief sich der mo natliche Bruttolohn für die im privaten Sektor mit einfachen und repetitiven Aufgabe n (Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer gemäss Tabelle TA1 der LSE 2006, Total, auf Fr . 4'732.-- (bei einer wöchentlichen Ar- beitszeit von 40 Stunden). Umgerechnet auf eine Woch enarbeitszeit von 41,7 Stunden (Die Volkswirtschaft, 1/2/2012, S. 94, Tabelle B 9.2) beträg t das Jahreseinkommen im Jahr 2006 Fr. 59'197.--. Unter Berücksichtigung der Nominallohne ntwicklung im Jahr 2007 von 1,6 % re- sultiert ein Invalideneinkommen von rund Fr. 60'144.--. 6.4.1 Gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte, die ni cht mehr voll leistungsfähig sind, ha- ben erfahrungsgemäss eine Reduktion des üblichen Lohn ansatzes hinzunehmen. Von einem anhand der Tabellenlöhne der LSE erhobenen Invalideneinkommen sind deshalb praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Gemäss Rechtsprechung des Bund esgerichts hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen si nd, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab ( leidensbedingte Einschränkung, Le- bensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/Aufenthalt skategorie und Beschäftigungsgrad), wel- che nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). 6.4.2 Vorliegend sind die gesundheitlichen Beeinträcht igungen des Versicherten in der Beur- teilung des zumutbaren Leistungsprofils bereits ausreichen d berücksichtigt worden. Laut den massgebenden medizinischen Beurteilungen ist der Versicher te in der Lage, leichte, wechsel- belastende, leidensangepasste Tätigkeiten im Umfang von 100 % ohne Leistungseinbussen zu verrichten. Weitere Kriterien, welche die Vornahme ein es Abzuges vom Tabellenlohn rechtferti- gen würden, sind nicht ersichtlich. Weder das Alter noch die Nationalität rechtfertigen beim In- valideneinkommen, welches auf dem Anforderungsniveau 4 für einfache und repetitive Tätigkei- ten beruht, einen zusätzlichen Abzug (vgl. BGE 126 V 79 E. 5a/cc; Urteil des Bundesgerichts vom 24. Juni 2009, 8C_887/2008, E. 5.4). 6.4.3 Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die IV -Stelle im Rahmen ihres Einkom- mensvergleichs bei der Ermittlung des Invalideneinkommens einen leidensbedingten Abzug von 10 % gewährte. Dieser Abzug wurde im Zusammenhang des gestützt auf das Anforderungsni- veau 3 ermittelten Tabellenlohnes gewährt und ist ausse rdem als äusserst grosszügig zu be- zeichnen. Bei Tätigkeiten im Anforderungsniveau 4 ist dagegen ein Tabellenabzug nicht ge- rechtfertigt. Es sind keine Anhaltspunkte zu erblicken, w onach der Versicherte aufgrund seiner gesundheitsbedingten Einschränkungen auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt einen nur unterdurchschnittlichen Lohn zu erzielen in der Lage wäre. 6.5 Setzt man im Einkommensvergleich ein Invalideneinko mmen von Fr. 60'144.-- dem unbestritten gebliebenen Valideneinkommen von Fr. 96 '000.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 35'856.--, was einen Inval iditätsgrad von gerundet 37 % ergibt (vgl. zur Rundungsregel: BGE 130 V 121 ff.). Da der vo n der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad von 37 % unter dem für einen Rentenanspruch mindeste ns erforderlichen Invaliditätsgrad von 40 % liegt, hat der Versicherte keinen Anspruch auf ein e Invalidenrente. Die von der IV-Stelle Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfügte Ablehnung des Rentenanspruchs ist demnach nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend is t der Versicherte unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet.. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 11. September 2012 beim Bundes- gerichts (Verfahren-Nr. 9C_705/2012 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht