B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2269/2015 U r t e i l v o m 8 . D e z e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichterin Esther Marti, mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch; Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, vertreten durch Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylwiderruf; Verfügung des SEM vom 11. März 2015 / N (…) E-2269/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Herkunftsstaat Irak am (…) und reiste am 14. Oktober 2009 in die Schweiz ein. Mit Verfügung vom 6. Ja- nuar 2014 anerkannte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers und gewährte ihm in der Schweiz Asyl. B. Im Rahmen einer vom Migrationsamt des Kantons B._______ weitergelei- teten Mitteilung der Sozialabteilung der Gemeinde C._______ vom 16. De- zember 2014 wurde das SEM darüber informiert, dass der Beschwerde- führer für den Monat (…) plane, ferienhalber zwecks Familienbesuch in sein Heimatland zu reisen. Über den geplanten Ferienaufenthalt habe er die Sozialabteilung der Gemeinde nicht vorgängig informiert oder sie dies- bezüglich angefragt. C. C.a Mit Schreiben vom 23. Dezember 2014 teilte das SEM dem Beschwer- deführer mit, es erwäge, ihm die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen und sein Asyl zu widerrufen. Gleichzeitig wurde ihm Gelegenheit eingeräumt, zu dieser Absicht Stellung zu nehmen. C.b Nachdem die – im unabgeholt gebliebenen Schreiben – gesetzte Frist ungenutzt verstrichen war, räumte das SEM dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 9. Januar 2015 erneut die Gelegenheit zur Stellungnahme ein. Auch diese Frist blieb ungenutzt beziehungsweise wurde das Schrei- ben mit dem Vermerk „nicht abgeholt“ an das SEM zurückgesandt. D. Mit Verfügung vom 11. März 2015 aberkannte das SEM die F lüchtlingsei- genschaft des Beschwerdeführers und widerrief sein Asyl. E. Mit Eingabe vom 10. April 2015 liess der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einreichen und beantragte, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, eventualiter sei die Sache zur Prüfung und Begründung betreffend Unzu- lässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung und zur Durchführung einer Anhörung an die Vorinstanz zurückzuweisen sowie es E-2269/2015 Seite 3 sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs festzustellen und der Beschwerdeführer vorläufig aufzuneh- men. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses und begehrte, der rubrizierte Rechtsvertreter sei ihm als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Der Beschwerdeführer legte der Rechtsmitteleingabe unter anderem ver- schiedene Flugdokumente (in Kopie), Kopien aus seinem Reiseausweis für Flüchtlinge sowie eine Kostennote seines Rechtsanwalts bei. F. Mit Zwischenverfügung vom 24. April 2015 trat das Bundesverwaltungsge- richt auf die Begehren betreffend den Vollzug der Wegweisung bezie- hungsweise allfällige diesbezügliche Hindernisse nicht ein. Gleichzeitig for- derte es den Beschwerdeführer auf, an der Erstellung des Sachverhalts mitzuwirken und geeignete Beweismittel sowie seinen Reiseausweis im Original einzureichen. Schliesslich verzichtete das Bundesverwaltungsge- richt vorderhand auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. G. Mit Eingabe vom 26. Mai 2015 reichte der Beschwerdeführer seinen Rei- seausweis im Original sowie diverse medizinische Unterlagen betreffend seine Mutter ein. H. H.a Mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2015 lud das Bundesverwaltungs- gericht, das SEM zum Schriftenwechsel ein. H.b Am 1. Juni 2015 liess sich das SEM vernehmen und hielt an der ange- fochtenen Verfügung fest. H.c Mit Zwischenverfügung vom 9. Juni 2015 forderte das Bundesverwal- tungsgericht den Beschwerdeführer auf, seine Bedürftigkeit nachzuweisen und gab ihm Gelegenheit, auf die Vernehmlassung vom 1. Juni 2015 zu replizieren. H.d Mit Eingabe vom 17. Juni 2015 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein und belegte seine Bedürftigkeit. E-2269/2015 Seite 4 I. Mit Zwischenverfügung vom 21. Juli 2015 hiess das B undesverwaltungs- gericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beigabe eines amtlichen Rechtsbeistandes gut und setzte den mandatierten Rechtsvertreter, Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, als amtlichen Rechtsbeistand ein. Gleichzeitig retournierte es dem Beschwerdeführer seinen Reiseausweis im Original sowie die medizinischen Unterlagen betreffend seine Mutter. J. Am 22. Juli 2015 wurde eine aktualisierte Kostennote zu den Akten ge- reicht. K. Mit Eingabe vom 29. Juni 2016 reichte der Beschwerdeführer ein ärztliches Schreiben vom 28. Januar 2016 ein und mit Zwischenverfügung vom 23. August 2016 beantwortete das Bundesverwaltungsgericht eine Verfah- rensstandanfrage vom 17. August 2016 und forderte den Beschwerdefüh- rer gleichzeitig auf, seinen R eiseausweis im Original nochmals einzu- reichen. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer am 25. Au- gust 2016 nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-2269/2015 Seite 5 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde vor Bund esverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermes- sens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu- ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb der Besc hwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG wird die Flüchtlingseigenschaft aber- kannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach Art. 1 C Ziff. 1 –6 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Re chtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorliegen. Namentlich fällt eine Person unter anderem dann nicht mehr unter die Bestimmungen der FK und endet ihr Flüchtlings- status, wenn sie sich freiwillig wieder unter den Schutz des Landes gestellt hat, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt (Art. 1 Bst. C Ziff. 1 FK). 5. 5.1 Die Vorinstanz begründete die Aberken nung der Flüchtlingseigen- schaft und den Widerruf des Asyls damit, dass aufgrund des Schreibens des Migrationsamts des Kantons B._______ vom 19. Dezember 2014 da- von auszugehen sei, dass er für den Monat (…) einen Urlaub zwecks Fa- milienbesuch in seinem Heimatland geplant habe. Da er es unterlassen habe, sich zu diesem Sachverhalt zu äussern, sei aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass die Voraussetzungen zur Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und zum Widerruf des Asyls gegeben seien. E-2269/2015 Seite 6 5.2 Dem hielt der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene entgegen, er sei nicht in sein Heimatland zurückgekehrt, sondern am (…) über die D._______ lediglich bis in den Iran gereist. Dort habe er seine Mutter be- sucht, welche wegen einer schweren Krankheit seit längerem in ärztlicher Behandlung gewesen sei und einen schweren Eingriff ([…]) hinter sich ge- habt habe. Der Beschwerdeführer habe sich bis am (…) im Iran aufgehal- ten, wo er nebst seiner Mutter, weitere Angehörige habe treffen können, bevor er erneut per Flugzeug über E ._______ die Rückreise nach B._______ angetreten habe. In F._______ hätten sie sich beim Bruder ei- nes Bekannten im Quartier G._______, „H._______“, aufgehhalten. Selbst bei der Annahme, dass eine kurzzeitige Reise in den Irak stattge- funden hätte, was allerdings bestritten werde, könne nicht von einer freiwil- ligen Unterschutzstellung im Sinne der FK ausgegangen werden, da der Beschwerdeführer die Reise einzig aufgrund der schweren Krankheit der Mutter und damit unter starkem moralischen Druck angetreten habe. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass es gemäss allgemeiner Beweis- lastregeln der Vorinstanz obliege, die Erfüllung eines Asylwide rruf-Tatbe- stands nachzuweisen. Vorliegend habe das SEM aber weder einen Nach- weis einer entsprechenden Reise in den Irak erbracht noch geprüft, aus welchen Motiven der Beschwerdeführer eine solche Reise unternommen habe, womit die Vorinstanz ihrer Obliegenh eit zur vollständigen Sachver- haltsabklärung offensichtlich nicht nachgekommen sei. Die schlichte G e- währung des rechtlichen Gehörs, notabene zu einer Zeit, während der der Beschwerdeführer – dem vorinstanzlichen Verdacht folgend – sich im Aus- land aufgehalten habe, könne angesichts der Schwergewichtigkeit der be- troffenen Interessen zweifelsohne nicht als ausreichende Sachverhaltsab- klärung gelten. Ebenso könne das Ausbleiben einer Stellungnahme durch den Beschwerdeführer angesichts seiner – den Behörden bekann ten – Landesabwesenheit jedenfalls nicht als grobe Verletzung der Mitwirkungs- pflicht betrachtet werden, welche die Vorinstanz allenfalls von der Pflicht zur Vornahme weiterer Abklärungen hätte befreien können. Das entspre- chende Vorgehen der Vorinstanz verstosse gegen das Gebot von Treu und Glauben und aufgrund der faktisch fehlenden Möglichkeit, vor dem Ent- scheid zur Sache Stellung zu nehmen, sei der Anspruch des Beschwerde- führers auf rechtliches Gehör verletzt worden. 5.3 Im Rahmen der Vernehmlassung führte das SEM aus, der Beschwer- deführer habe mit den eingereichten Beweismitteln lediglich seine Ein- und E-2269/2015 Seite 7 Ausreise am Internationalen Flughafen in F._______ bewiesen. Erfah- rungsgemäss würden viele in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannte Per- sonen mit dem schweiz erischen Flüchtlingsausweis in ein Nachbarland des Heimatlandes reisen, um dann von diesem aus mit den heimatlichen Reisedokumenten die Reise in das Heimatland anzutreten. Die ausführli- chen und aufwendig zusammengestellten Unterlagen zum Spitalaufenthalt seiner Mutter in I._______ aus dem Jahre (…) würden weder die Dringlich- keit der Reise noch die angebliche Reise seiner Mutter nach F._______ beweisen. Die Ausführungen in der Beschwerde wiesen im Übrigen auf eine sehr schlechte gesundheitliche Verfassung der Mutter des Beschwer- deführers hin, weshalb fraglich sei, ob sie überhaupt in den Iran habe rei- sen können. Zudem wäre der Beweis für diese Reise – etwa durch die Ein- reichung der Boarding-Pässe der Mutter – nicht nur verhältnismässig ein- fach zu erbringen, sondern auch wesentlich stichhaltiger als die im Rah- men des Beschwerdeverfahrens erbrachten Beweise. Abschliessend sei zu erwähnen, dass auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer es nach seinem monatigen Aufenthalt im Ausland unterlassen habe, sich zu erkun- digen, weshalb er von der Post während seiner Abwesenheit zwei Abho- lungseinladungen für eingeschrieben Briefe erhalten habe, nicht für seine Glaubwürdigkeit spreche. 5.4 Mit Replik vom 17. Juni 2015 wies der Beschwerdeführer erneut darauf hin, dass die Beweislast bei der Vorinstanz läge und führte aus, Mutmas- sungen über angeblich häufig vorkommendes Verhalten anderer Personen seien nicht geeignet, einen genügenden Nachweis für eine Reise in das Herkunftsland zu belegen, zumal eine solche einmalige und begründete kurze Reise für sich alleine ohnehin noch keine Unterschutzstellung be- deuten würde, selbst wenn sie in den Heimatstaat erfolgt wäre . Was die schwere Krankheit der Mutter betreffe, dauere diese bereits seit langem an und es sei richtig, dass eine Reise auf dem Höhepunkt der Krankheit nicht möglich gewesen wäre, später als dies allerdings schon „knapp wieder ge- gangen sei“, habe die Mutter die Mühe auf sich genommen. Eine Flugreise habe indes nicht stattgefunden. Vielmehr sei die Mutter auf dem Landweg gereist und habe an der Grenze einen Passierschein für einen solchen Kurzaufenthalt gelöst, der beim Verlassen des Land es beziehungsweise der Wiedereinreise nach Iran (Anmerkung des Gerichts: der Beschwerde- führer meint offensichtlich Irak) wieder habe abgegeben werden müssen. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt in formelle Hinsicht, das SEM habe gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstossen beziehungsweise sein E-2269/2015 Seite 8 rechtliches Gehör verletzt, indem es ihn währe nd seiner – der Vorinstanz bekannten – Landesabwesenheit zur Stellungnahme aufgefordert habe. Zudem sei die Vorinstanz ihrer Pflicht zur vollständigen Sachverhaltsabklä- rung nicht nachgekommen, da sie weder eine Reise des Beschwerdefüh- rers in den Irak nachgewiesen noch geprüft habe, aus welchen Motiven der Beschwerdeführer eine allfällige Reise vorgenommen habe. 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die angefochtene Ver- fügung offensichtlich an formellen Mängeln leidet und die entsprechenden Einwände des Beschwerdeführers berechtigt sind. Dies umso mehr als der Beschwerdeführer angesichts des Gegenstandes des Verfahrens (das er nicht durch sein Gesuch eingeleitet hat) während seiner verhältnismässig kurzen Landesabwesenheit nicht ohne Weiteres mit der Zustellung eines behördlichen Aktes rechnen musste. D as SEM auf der anderen Seite musste angesichts der Aktenlage mit der Landesabwesenheit des Be- schwerdeführers rechnen. Hinzu kommt, dass der Erlass der angefochte- nen Verfügung zeitlich nicht dringlich war und die Aberkennung der Flücht- lingseigenschaft und der Widerruf des Asyls für die Betroffenen von nicht zu unterschätzender Bede utung sind, so dass in keiner Hinsicht erhellt, weshalb die Vorinstanz mit der Gehörsgewährung nicht zuwartete , nach- dem die entsprechende Zwischenverfügung erstmals (am 6. Januar 2015) mit dem Vermerk „nicht abgeholt“ beim SEM einging . Davon abgesehen fällt in Bezug auf den Inhalt der (nicht zugestellten) Zwischenverfügung auf, dass die Vorinstanz auch versäumt hat, dem Beschwerd eführer die we- sentlichen Voraussetzungen für den Widerruf des Asyls beziehungsweise die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft aufzuzeigen (dazu nachge- hend E. 7.1) aufzuzeigen. Auch die Begründung schliesslich, da es der Beschwerdeführer unterlassen habe, sich zum Sachverhalt zu äussern, sei aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass die Voraussetzungen des Asylwiderrufs erfüllt seien (vgl. Verfügung vom 11. März 2015 S. 2), vermag unter formellem Aspekt nicht zu genügen, zumal der Beschwerdeführer zu Recht auf die Beweislast der Vorinstanz hingewiesen hat. Trotz der offen- kundigen formellen Mängel wird nachfolgend, angesichts der vorliegenden Sachlage, die Begründetheit der materiellen Rüge geprüft (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG). 7. 7.1 Nachgehend ist zu beurteilen, ob überhaupt ausreichende Hinweise dafür vorliegen, um anzunehmen, dass der Beschwerdeführer i m fragli- chen Zeitpunkt in seinen Heimatstaat gereist war und, sofern dies zu beja-E-2269/2015 Seite 9 hen wäre, ob er sich freiwillig unter den Schutz des Landes, dessen Staats- angehörigkeit er besitzt, gestellt hat (Art. 1 C Ziff. 1 FK). Lehre und Recht- sprechung setzen für eine solche Schutzunterstellung voraus, dass drei Bedingungen kumulativ erfüllt sein müssen: Der Beschwerdeführer muss erstens freiwillig in Kontakt mit seinem Heimatland getreten sein, er muss zweitens beabsichtigt haben, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch zu nehmen, und drittens muss ihm dieser Schutz auch tatsächlich gewährt worden sein (BVGE 2010/17 E. 5 m.w.H.). 7.2 Die Beweislast für die Voraussetzungen einer Aberkennung der Flücht- lingseigenschaft liegt nach den allgemeine Regeln des Verwaltungsrechts bei den Behörden, da diese aus den zu beweisenden Tatsachen Rechts- folgen ableiten wollen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-7605/2007 vom 10. August 2009 E. 5.2.5). Dies gilt sowohl in Bezug auf den Nachweis der Heimreise als auch bezüglich den drei genannten Vo- raussetzungen einer Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft. Bezüglich des Beweismasses ist festzuhalten, dass die Asylbehörden die relevanten Tatsachen grundsätzlich zu beweisen haben. Soweit sich rele- vante Tatsachen nur mit unverhältnismässigem Aufwand oder mit den den Behörden zur Verfügung stehenden Mitteln gar nicht bewies en werden können, müssen sie mindestens überwiegend wahrscheinlich gemacht werden (analog Art. 7 AsylG). Die blosse Möglichkeit, dass sich etwas zu- getragen hat, genügt dabei im Allgemeinen nicht, um eine Rechtsfolge an den betreffenden Sachverhalt anzuknüp fen (vgl. RENE A. RHINOW/BEAT KRÄHENMANN, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungs- band, 1990, S. 298). 8. 8.1 Im vorliegenden Verfahren hat das SEM dem Beschwerdeführer auf- grund einer vom kantonalen Migrationsamt weitergeleiteten Meldung der Sozialabteilung der Gemeinde C._______ vom 16. Dezember 2014, wo- nach dieser ferienhalber zwecks Familienbesuchs „per (…)“ in sein Hei- matland reisen werde, sowie dem Umstand, dass er sich zu diesem Vorhalt nicht geäussert habe, die Flüchtlingseigenschaft aberkannt und sein Asyl widerrufen. Zunächst fällt auf, dass weder aus dem genannten Schreiben noch sonst aus den Akten hervorgeht, wie die amtliche Behörde an die In- formation einer Reise in den Heimatstaat gelangt ist. Zwar ergibt sich aus der Beschwerde, dass der Beschwerdeführer offenbar mit der Sozialarbei- terin über seine Reise ins Ausland (in den Iran) gesprochen habe (vgl. Be- schwerde vom 10. April 2015 S. 6), dem Schreiben der Sozialabteilung ist E-2269/2015 Seite 10 demgegenüber zu entnehmen, der Beschwerdeführer selbst habe die Ge- meinde nicht über den geplanten Ferienaufenthalt informiert oder diesbe- züglich nachgefragt (vgl. Aktenstück B1/2 aus dem N-Dossier). Der Vorinstanz gelingt es aber auch später nicht, die Heimatreise des Be- schwerdeführers in den Irak mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darzu- tun. Was den vom Beschwerdeführer erbrachten Nachweis der Reise in den Iran betrifft, so führte das SEM zwar richtigerweise aus, dass dies für sich alleine noch nicht bedeute, dass der Beschwerdeführer nicht auch wei- ter in den Irak gereist sein könnte. Stichhaltige Argumente dafür fehlen al- lerdings. Weder die Zweifel an der Reisefähigkeit der Mutter des Be- schwerdeführers noch der Erfahrungswert, wonach viele in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannte Personen mit dem schweizerischen Rei seaus- weis in ein Nachbarland reisen, um von dort aus mit den heimatlichen – den schweizerischen Behörden vorenthaltenen – Reisedokumenten die Reise ins Heimatland anzutreten, reichen dazu aus. Ebenso wenig vermag sie mit dem Umstand, dass der Beschwerdeführer sich nach seiner Rück- kehr in die Schweiz nicht nach dem Grund, weshalb er von der Post wäh- rend seiner Abwesenheit zwei Abholungseinladungen erhalten habe, er- kundigt habe – aus welchem sie Rückschlüsse auf seine Glaubwürdigkeit zieht, die Grundlage für den Schluss, der Beschwerdeführer sei im fragli- chen Zeitpunkt in seinen Heimatstaat Irak gereist, zu erhärten. Demgegen- über finden sich im Reiseausweis des Beschwerdeführers neben einem iranischen Visum einzig ein Ein- und Ausreisestempel der Grenzbehörden des Flughafens F._______ ((…) Airport) vom (…) und vom (…) sowie ent- sprechende Ein- und Ausreisestempel des Flughafen B._______. Aus dem iranischen Visum ergibt sich zudem, dass der Beschwerdeführer über eine Erlaubnis für lediglich eine einmalige Einreise in den Iran verfügt hatte. Dass er entsprechend mit den heimatlichen Reisedokumenten – was ge- mäss Vorinstanz, erfahrungsgemäss oft vorkomme – vom Iran aus neben seiner Ein- und Ausreise am Flughafen ein weiteres Mal in den Iran aus - und wieder einreisen konnte, ist nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, auch wenn es nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Ebenso plausibel scheint, dass der Beschwerdeführer, wie vor gebracht, seine Mutter und weitere Angehörige beim Bruder eines Be kannten in F._______ getroffen hat, zumal er diesbezüglich auch konkrete Daten an- gegeben hat (vgl. Beweismitteleingabe vom 26. Mai 2015, S. 2) . Insofern ist festzuhalten, dass das SEM den Vorbringen des Beschwerdeführers nicht einfach Gegenbehauptungen ode r Vermutungen entgegenhalten darf. Vielmehr müssten die Entgegenhaltungen, wie bereits dargelegt, ent-E-2269/2015 Seite 11 weder klar bewiesen oder zumindest im Sinn des Beweismasses der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit objektiv näher an der Wahrheit sein als das, was die betreffende Person geltend macht (vgl. SAMUEL WERENFELS: Der Begriff des Flüchtlings im schweizerischen Asylrecht, 1987, S. 135). Vorlie- gend, wo das SEM die Annahme einer Reise des Beschwerdeführers in den Irak einzig auf eine nicht näher konkretisierte Informa tion seitens der Gemeinde sowie auf den Einzelfall nicht per se anwendbare Erfahrungs- werte stützt, wonach eine Reise in den Iran auch eine Reise in den Irak nahelege, entbehrt dies jeder Grundlage. Aufgrund der derzeitigen Aktenlage ist entsprechend nicht von einer Hei- matreise des Beschwerdeführers in den Irak im fraglichen Zeitpunkt aus- zugehen. 8.2 Damit erübrigt es sich, auf die unter E. 7.1 genannten Voraussetzungen eines Asylwiderrufs beziehungsweise einer Aberkennung der Flüchtlings- eigenschaft im Einzelnen einzugehen. Ergänzend ist dennoch festzuhal- ten, dass auch der blosse Nachweis einer Heimatreise noch nicht ausrei- chen würde , um bereits von einer Unterschutzstellung auszugehen. So müssen Heimatreisen von Flüchtlingen zwar restriktiv beurteilt werden und der Umstand, dass sich jemand zurück in den Verfolgerstaat begibt, stellt grundsätzlich ein starkes Indiz dafür dar, dass die frühere Verfolgungssitu- ation oder die Furcht vor Verfolgung nicht mehr bestehen. Trotzdem stellt nicht jeder Kontakt mit den Heimatbehörden und damit auch nicht jede Hei- matreise einen Aberkennungsgrund dar. Deshalb dürfen eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und ein Widerruf des Asyls erst dann ausge- sprochen werden, wenn drei Voraussetzungen in ihrer Gesamtheit erfüllt sind. Entfällt eine dieser drei Voraussetzungen, ist von der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und vom Widerruf des Asyls abzusehen (BVGE 2010/17 E. 5.1.2; EMARK 1996 Nr. 7 E. 10a S. 62). Vorliegend hat das SEM lediglich in pauschaler Weise darauf hingewiesen, da es der Beschwerdeführer unterlassen habe, zum Sachverhalt Stellung zu nehmen, sei vom Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen aus- zugehen (vgl. Verfügung vom 11. März 2015 S. 2). Auf Beschwerdeebene hielt es sodann fest, die gesundheitliche Situation der Mutter vermöge die Dringlichkeit der Reise in das Heimatland vorliegend nicht zu belegen, ob- wohl das SEM offenbar von einer „sehr schlechten Verfassung“ der Mutter ausgeht (vgl. Vernehmlassung vom 1. Juni 2015). Zu den weiteren Erfor- dernissen – so, ob der Beschwerdeführer mit seiner angeblichen Reise be- absichtigte, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch zu nehmen, und E-2269/2015 Seite 12 ob ihm dieser Schutz auch tatsächlich gewährt worden sei – äusserte sich die Vorinstanz nicht. 8.3 Im Ergebnis liegen die Voraussetzungen für eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und einen Asylwiderruf im vorliegenden Fall offen- sichtlich nicht vor, zumal bereits die Reise des Beschwerdeführers in sei- nen Heimatstaat im fraglichen Zeitpunkt nicht als erstellt gelten kann. 9. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen und die Verfügung des Staatssekretariats vom 11. März 2015 aufzuheben. Der Beschwerde- führer bleibt in der Schweiz weiterhin als Flüchtling anerkannt und hat Asyl. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten auf- zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 10.2 Dem obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführer ist zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwen- digen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs.1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführe rs reichte am 22. Juli 2015 eine Kostennote in der Höhe von insgesamt Fr. 3‘115.60 bei einem Stundenansatz von Fr. 300. – für seinen Aufwand (inklusive Ausla- gen in der Höhe von Fr. 69.80 und MwSt. in der Höhe von Fr. 230.80) ein. Dieser Betrag erscheint nic ht vollumfänglich angemessen. Zunächst fällt auf, dass die Kostennote mehrere Posten enthält, die als nicht notwendig erachtet werden oder nicht hinreichend ausgewiesen sind; dies betrifft vorab die Eingaben ans Migrationsamt des Kantons B._______ aber auch den Aufwand für einzelne Briefe an den Klienten beziehungsweise einfa- che Weiterleitungen an ihn. Die Kostennote ist entsprechend zu kürzen und die Parteientschädigung aufgrund der Bemessungsgrundsätze nach Art. 7 ff. VGKE festzusetzen. Unter Berücksichtigung der nach der Kostennote eingereichten Eingaben, unter welchen einzig die Eingabe vom 24. Au- gust 2015 notwendig erscheint, ist im Ergebnis eine Parteientschädigung zu Lasten des SEM in der Höhe von aufgerundet Fr. 2516.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zuzusprechen. E-2269/2015 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung wird aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2516.– auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Sibylle Dischler Versand: