<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 74" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 74</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">537</span> </div> <div class="page" id="S537"> <span class="text"><b>V. Abgaben </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>74 </b> <b>Elternbeiträge für den Aufenthalt von Kindern in stationären Einrich-</b></span><br/> <span class="text">tungen </span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Der Elternbeitrag stellt eine öffentlich-rechtliche Kausalabgabe in</b></span><br/> <span class="text">Form einer Vorzugslast dar (Erw. 1.1). </span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Abmachungen im Innenverhältnis zwischen Kindsmutter und Kinds-</b></span><br/> <span class="text">vater ändern nichts an der solidarischen Beitragspflicht der Eltern</span><br/> <span class="text">(Erw. 1.2). </span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Die periodisch zu leistenden Elternbeiträge verjähren sowohl gegen-</b></span><br/> <span class="text">über dem Kindsvater als auch gegenüber der Kindsmutter frühes-</span><br/> <span class="text">tens nach fünf Jahren (Erw. 2). </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 17. Oktober 2018 in Sachen</span><br/> <span class="text">M.S. gegen die Verfügung des Departements Bildung Kultur und Sport vom</span><br/> <span class="text">17. Oktober 2018 (RRB Nr. 2018-001177).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">1.</span><br/> <span class="text">1.1</span><br/> <span class="text">Gemäss § 27 Abs. 2 Satz 1 des Gesetzes über die Einrichtungen</span><br/> <span class="text">für Menschen mit besonderen Betreuungsbedürfnissen (Betreuungs-</span><br/> <span class="text">gesetz) vom 2. Mai 2006 leisten die Eltern den stationären Einrich-</span><br/> <span class="text">tungen für den Aufenthalt ihrer Kinder eine vom Regierungsrat auf</span><br/> <span class="text">maximal Fr. 30.- pro Kind und Nacht festgesetzte Pauschale; der Re-</span><br/> <span class="text">gierungsrat hat diesen Elternbeitrag auf Fr. 25.- festgesetzt (§ 54</span><br/> <span class="text">Abs. 1 der Verordnung über die Einrichtungen für Menschen mit be-</span><br/> <span class="text">sonderen Betreuungsbedürfnissen, Betreuungsverordnung, vom</span><br/> <span class="text">8. November 2006). Die Wohnsitzgemeinde bevorschusst der statio-</span><br/> <span class="text">nären Einrichtung die Elternbeiträge und bezieht diese von den El-</span><br/> <span class="text">tern (§ 27 Abs. 3 i.V.m. § 25 Abs. 2 Betreuungsgesetz). Bei Streitig-</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">538</span> </div> <div class="page" id="S538"> <div role="main"> <span class="text">keiten über Bestand, Höhe und Bevorschussung von Elternbeiträgen</span><br/> <span class="text">sowie bei Zahlungsverzug erlässt das BKS auf Gesuch hin eine Ver-</span><br/> <span class="text">fügung (§ 31 Abs. 1 Betreuungsgesetz).</span><br/> <span class="text">Die Elternbeiträge stellen eine im öffentlichen Recht geregelte</span><br/> <span class="text">Kausalabgabe dar. Anknüpfungspunkt der Elternbeiträge ist der Auf-</span><br/> <span class="text">enthalt von Kindern in einer Tagessonderschule oder stationären Ein-</span><br/> <span class="text">richtung. Mit den Elternbeiträgen wird jedoch nicht die staatliche</span><br/> <span class="text">Leistung für den Betrieb der Anstalt abgegolten, sondern die Eltern</span><br/> <span class="text">werden vielmehr verpflichtet, ihre Kosteneinsparungen (beziehungs-</span><br/> <span class="text">weise - rechtlich ausgedrückt - den ihnen zukommenden wirtschaft-</span><br/> <span class="text">lichen Sondervorteil) auszugleichen. Im konkreten Fall besteht der</span><br/> <span class="text">wirtschaftliche Sondervorteil darin, dass die Eltern für die Verpfle-</span><br/> <span class="text">gung und Unterkunft ihrer Kinder wegen des Aufenthalts in der sta-</span><br/> <span class="text">tionären Einrichtung nicht mehr direkt aufkommen müssen. Auf</span><br/> <span class="text">Grund dessen ist die öffentlich-rechtliche Kausalabgabe als Vorzugs-</span><br/> <span class="text">last und nicht als Benützungsgebühr zu qualifizieren. Gegen den Ge-</span><br/> <span class="text">bührencharakter der Abgabe spricht auch der Umstand, dass von Ge-</span><br/> <span class="text">setzes wegen die Eltern und nicht die die Einrichtung nutzenden Kin-</span><br/> <span class="text">der abgabepflichtig sind.</span><br/> <span class="text">Die Gemeinde als Abgabegläubigerin schiesst die Elternbeiträ-</span><br/> <span class="text">ge der Tagessonderschule beziehungsweise der stationären Einrich-</span><br/> <span class="text">tung vor. Die Abgabe kommt damit indirekt der Tagessonderschule</span><br/> <span class="text">beziehungsweise der stationären Einrichtung zu Gute. Dem Äquiva-</span><br/> <span class="text">lenzprinzip ist damit Genüge getan. Der moderat bemessene Eltern-</span><br/> <span class="text">beitrag von Fr. 25.- pro Nacht und Kind vermag die der stationären</span><br/> <span class="text">Einrichtung entstehenden Kosten für ausserschulische Betreuung,</span><br/> <span class="text">Unterkunft und Verpflegung offensichtlich nur zu einem geringen</span><br/> <span class="text">Anteil zu decken. Das Kostendeckungsprinzip wird daher ebenfalls</span><br/> <span class="text">eingehalten. Zusammengefasst steht damit fest, dass die Vorzugslast</span><br/> <span class="text">sowohl mit dem Kostendeckungs- als auch mit dem Äquivalenzprin-</span><br/> <span class="text">zip vereinbar ist.</span><br/> <span class="text">Das Betreuungsgesetz auferlegt die Elternbeiträge den Eltern</span><br/> <span class="text">(§ 27 Abs. 1 Betreuungsgesetz). Ein Entzug der elterlichen Obhut be-</span><br/> <span class="text">ziehungsweise der elterlichen Sorge ändert dabei nichts an der</span><br/> <span class="text">Elternschaft. Das Kindsverhältnis bleibt daher auch bestehen, wenn -</span><br/> <span class="text">wie im vorliegenden Fall - sowohl dem Kindsvater wie auch der</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">539</span> </div> <div class="page" id="S539"> <div role="main"> <span class="text">Kindsmutter die elterliche Obhut entzogen wurde. Das Betreuungs-</span><br/> <span class="text">gesetz auferlegt die Leistungspflicht beiden Eltern gemeinsam, was</span><br/> <span class="text">aufgrund der Verwendung des Plurals unmissverständlich aus dem</span><br/> <span class="text">Gesetzestext hervorgeht (vgl. dazu Art. 143 Abs. 2 OR). Die gemein-</span><br/> <span class="text">same Leistungspflicht besagt, dass beide Elternteile solidarisch für</span><br/> <span class="text">die gesamten Elternbeiträge haften.</span><br/> <span class="text">1.2</span><br/> <span class="text">Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass er der Kinds-</span><br/> <span class="text">mutter die vereinbarten Unterhaltsbeiträge für J.-L. immer pünktlich</span><br/> <span class="text">bezahlt habe, betrifft dieses Vorbringen das Innenverhältnis zwischen</span><br/> <span class="text">der Kindsmutter und dem Beschwerdeführer. Solche zwischen den</span><br/> <span class="text">Eltern im Innenverhältnis geschlossene Abmachungen ändern nichts</span><br/> <span class="text">am Umstand, dass gemäss § 27 Betreuungsgesetz die Abgabepflicht</span><br/> <span class="text">den Beschwerdeführer als Kindsvater ebenfalls trifft. Mit anderen</span><br/> <span class="text">Worten ausgedrückt kann sich ein Elternteil durch eine (privatrecht-</span><br/> <span class="text">liche) Vereinbarung nicht seiner Abgabepflicht beziehungsweise sei-</span><br/> <span class="text">ner solidarischen Haftbarkeit entziehen und damit der vorschuss-</span><br/> <span class="text">pflichtigen Einwohnergemeinde als Abgabegläubigerin die Person</span><br/> <span class="text">aufzwingen, bei der sie Forderung eintreiben kann und muss. Die</span><br/> <span class="text">zwischen den Parteien am 11. April 2018 getroffene und vom Be-</span><br/> <span class="text">zirksgericht genehmigte Vereinbarung, dass die Kindsmutter die</span><br/> <span class="text">rückständigen Elternbeiträge an die Einwohnergemeinde bezahlen</span><br/> <span class="text">muss, betrifft - wie das Bezirksgericht zu Recht festhält - nur das In-</span><br/> <span class="text">nenverhältnis zwischen den Parteien. Die Stadt B. war demgegen-</span><br/> <span class="text">über nicht Partei der Vereinbarung, weshalb es ihr im Sinne von § 27</span><br/> <span class="text">Betreuungsgesetz weiterhin offen steht, die Forderung bei beiden El-</span><br/> <span class="text">ternteilen geltend zu machen.</span><br/> <span class="text">Als leiblicher Vater von J.-L. ist der Beschwerdeführer deshalb</span><br/> <span class="text">gemäss § 27 Abs. 1 Betreuungsgesetz verpflichtet, Elternbeiträge an</span><br/> <span class="text">die Gemeinde zu bezahlen. Im vorliegenden Fall nicht bestritten ist</span><br/> <span class="text">weiter, dass die Kindsmutter ebenfalls verpflichtet ist, der Stadt B.</span><br/> <span class="text">die Elternbeiträge zu vergüten. Im Falle einer Bezahlung der Eltern-</span><br/> <span class="text">beiträge durch den Beschwerdeführer als Solidarschuldner der</span><br/> <span class="text">öffentlich-rechtlichen Kausalabgabe steht es ihm ohne weiteres zu,</span><br/> <span class="text">die von ihm bezahlten Elternbeiträge bei der Kindsmutter zurückzu-</span><br/> <span class="text">fordern.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">540</span> </div> <div class="page" id="S540"> <div role="main"> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die Stadt B. ihm</span><br/> <span class="text">keine Rechnungen gestellt habe und sie ihn während zwei Jahren</span><br/> <span class="text">auch nicht auf die Ausstände aufmerksam gemacht habe. Der vor-</span><br/> <span class="text">instanzliche Entscheid erweise sich als unangemessen, da er der</span><br/> <span class="text">Schadensminderungspflicht der Stadt B. in keiner Art und Weise</span><br/> <span class="text">Rechnung trage.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text">Die Einwohnergemeinde B. ist weiter rechtlich nicht verpflich-</span><br/> <span class="text">tet, den Beschwerdeführer laufend über die (Nicht-) Bezahlung der</span><br/> <span class="text">Elternbeiträge durch die Kindsmutter zu unterrichten. Der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer macht denn auch nicht geltend, dass er die Stadt B.</span><br/> <span class="text">ersucht hätte, ihn über offen gebliebene Elternbeiträge zu unterrich-</span><br/> <span class="text">ten beziehungsweise, dass ihm die Stadt B. eine entsprechende Infor-</span><br/> <span class="text">mation zugesichert hätte. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass</span><br/> <span class="text">die vorliegend periodisch geschuldeten Elternbeiträge frühestens</span><br/> <span class="text">nach Ablauf von 5 und spätestens nach 15 Jahren verjähren (§ 5 Abs.</span><br/> <span class="text">2 und 3 VRPG). Da seit dem Eintritt von J.-L. ins Kinderheim erst</span><br/> <span class="text">gut drei Jahre verstrichen sind, liegt eine von Amtes wegen zu</span><br/> <span class="text">berücksichtigende Verjährung nicht vor. Vor Ablauf der Verjährung</span><br/> <span class="text">sieht das Gesetz nicht vor, dass es der Stadt B. verboten wäre, die</span><br/> <span class="text">offene Schuld einzutreiben. Dies gilt sowohl für die Kindsmutter als</span><br/> <span class="text">auch für den Beschwerdeführer.</span><br/> <span class="text">Die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers erweisen</span><br/> <span class="text">sich daher als unberechtigt und sind abzuweisen.</span><br/> </div> </div> </body> </html>