B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2613/2023 U r t e i l v om 2 2 . M a i 2 0 2 3 Besetzung Richter Lorenz Noli (Vorsitz), Richterin Susanne Genner, Richterin Deborah D’Aveni, Gerichtsschreiber Kevin Schori. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin,substitu- iert durch MLaw Nathalie Vainio, AsyLex, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 24. April 2023 / N (…). E-2613/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 26. September 2022 in der Schweiz um Asyl nach. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Finger- abdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 9. September 2022 in Kroatien illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist war. B. B.a Anlässlich des sogenannten Dublin-Gesprächs gemäss Art. 5 der Ver- ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim- mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats- angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Ant rags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), wel- ches am 31. Oktober 2022 stattfand, wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung in den Dublin -Mitgliedstaat Kroatien ge- währt, welcher gemäss Dublin-III-VO grundsätzlich für die Behandlung sei- nes Asylgesuchs zuständig sei. B.b Die gr undsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte er geltend, nicht zu wis- sen, in welchem Land ihm die Fingerabdrücke abgenommen worden seien. Wenn es in Kroatien gewesen sei, dann sei das Verhalten der dortigen Be- hördenmitglieder sehr grob gewesen. Er sei von den Polizisten bewusstlos geschlagen worden. Nachdem er sein Bewusstsein wiedererlangt habe, sei ihm ein Blatt ausgehändigt worden. Jemand habe ihm gesagt, dass dies ein Ausreiseschein sei und er innerhalb von sieben Tagen das Land ver- lassen müsse. Am selben Tag sei er mit anderen Männern weitergereist. Er habe nicht mitbekommen, durch welche Lände r sie gereist seien. Sie seien etwa vier Tage und grösstenteils zu Fuss unterwegs gewesen. Er habe keinen Behördenkontakt gehabt, aber er sei an einer Stelle auf seinen Nacken geschlagen worden. Er habe einen [Verwandter], welcher seit ei- nigen Jahren in der Schweiz lebe. In gesundheitlicher Hinsicht machte der Beschwerdeführer geltend, dass es ihm seit einem Jahr psychisch nicht gut gehe. Seit seiner Ausreise vor über einem Jahr sei er von seiner Familie getrennt und vermisse sie sehr. Er habe (…) und (…). Zudem habe er (…) sowie (…). Seit er geträumt habe, sein Vater würde von den Taliban umgebracht, leide er noch mehr E-2613/2023 Seite 3 unter (…) und (…). Die ihm vom Arzt ausgehändigten Medikamente hätten nicht geholfen und ihn beinahe verrückt gemacht. C. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2022 reichte der Beschwerdeführer diverse medizinische Unterlagen (prov. Bericht vom […] Oktober 2022, drei labor- medizinische Berichte vom […], […] und […] Oktober 2022 sowie ein Me- dikamenten-Rezept vom […] Oktober 2022) des (…) ein. D. Am 9. November 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO. Diesem Gesuch wurde am 9. Januar 2023 entsprochen. E. Mit Eingaben vom 14. und 28. Dezember 2022, 5. und 27. Januar 2023 so- wie 1. Februar 2023 reichte der Beschwerdeführer weitere medizinische Unterlagen (medizinisches Datenblatt ORS vom […] November 2022 und […] Dezember 2022, ein […] Bericht vom […] Dezember 2022, ein Aus- trittsbericht des […] vom […] Dezember 2022 sowie drei Berichte der […] vom […] Dezember 2022 sowie […] und […] Januar 2023) ein. F. Mit Verfügung vom 10. Februar 2023 wies das SEM den Beschwerdeführer dem Kanton B._______ zu. G. G.a Mit Verfügung vom 24. April 2023 (eröffnet am 2. Mai 2023) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung nach Kroatien, welches gemäss Dublin -III-VO für das weitere Verfahren zuständig sei. Gleichzeitig verfügte das SEM den Vollzug der Wegweisung, ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an ihn an und stellte fest, eine r allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. G.b Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, dass aufgrund des Eintrags in der Eurodac-Datenbank, wonach er am 9. September 2022 in Kroatien illegal in das Hoheitsgebi et der Dublin-Staaten eingereist sei, und der Zustimmung der kroatischen Behörden gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO, Kroatien zur Durchführung seines weiteren Verfahrens zu- ständig sei. Die Tatsache, dass er in Kroatien bisher kein Asylgesuch E-2613/2023 Seite 4 eingereicht habe, vermöge daran nichts zu ändern. Nach seiner Rückfüh- rung nach Kroatien habe er die Möglichkeit, ein Asylgesuch einzureichen. Vom Umstand, dass er über Verwandte in der Schweiz verfüge, könne er nichts zu seinen Gunsten ableiten, da (…) nicht als Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO gälten. Zudem bestünden auch keine Hinweise auf ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihm und seinem [Verwandter] in der Schweiz. Es gebe sodann keine wesentlichen Gründe für die Annahme gemä ss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Asylsuchende in Kroatien Schwachstellen aufwiesen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden. Kroatien habe die Richtlinien 2013/32/EU (Verfah- rensrichtlinie), 2011/95/EU (Qualifikationsrichtlinie) und 2013/33/EU (Auf- nahmerichtlinie) umgesetzt. Es lägen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass sich Kroatien nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und die Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde. Es sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstellung nach Kroatien gravierenden Menschenrechtsverletzun- gen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt werde, in eine existenzielle Notlage gerate oder ohne Prüfung seines Asyl- gesuchs und unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Hei- mat- oder Herkunftsstaat überstellt werde. Zude m lägen keine systemi- schen Mängel in Kroatiens Asyl- und Aufnahmesystem vor. Auch aus dem von ihm geschilderten Fehlverhalten einzelner Mitarbeitenden der kro ati- schen Sicherheitskräfte lasse sich keine systematische Anwendung von Gewalt ableiten. Betroffene könnten direkt bei der Polizei oder mit Hilfe ei- ner NGO oder eines Anwaltsbüros Anzeige erstatten und die Beschwer- demechanismen nutzen. Dass solche Schritte in Kroatien allenfalls mit grösseren Schwierigkeiten als in der Schweiz verbunden seien, vermöge ebenfalls keine systemischen Schwachstellen im kroatischen Asyl - und Aufnahmeverfahren zu begründen. Dublin-Rückkehrende erhielten grund- sätzlich eine angemessene Unterkunft, sozialstaatliche Unterstützung so- wie eine Arbeitserlaubnis. Zudem könne er auch bei den zahlreich vorhan- denen karitativen Organisationen um Hilfe ersuchen. Er habe keine kon- kreten Hinweise für die Annahme dargetan, Kroatien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedin- gungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung E-2613/2023 Seite 5 sei er gehalten, sich an die kroatischen Behörden zu wenden, um die ihm zustehenden Ansprüche auf dem Rechtsweg einzufordern. Ferner lägen keine Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 VO Dublin vor, die die Schweiz verpflichten würden, sein Asylgesuch zu prüfen. Hinsichtlich der medizinischen Versorgung in Kroatien sei festzuhalten, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrast ruktur verfüge und angemessene medizinische Versorgungsleistungen erbringe. Es lägen keine Hinweise vor, wonach der Zugang zur medizinischen Versorgung in Kroatien nicht gewährleistet sei und keine adäquaten Behandlungen durchgeführt wür- den. Kroatien sei gemäss der Aufnahmerichtlinie verpflichtet, ihm die erfor- derliche medizinische Versorgung (einschliesslich nötigenfalls einer geeig- neten psychologischen Betreuung) zu gewähren. Es gebe keine Hinweise, wonach Kroatien ihm eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde. Seine gesundheitlichen Vorbringen rechtfer- tigten eine Anwendung der Souveräni tätsklausel im Sinne vom Art. 29a Abs. 3 AsylV1 in Verbindung mit Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO nicht. H. H.a Mit Beschwerde vom 9. Mai 2023 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung vom 24. April 2023 sei vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen, eventualiter sei auf sein Asylgesuch einzutreten und sub- eventualiter sei das SEM anzuweisen, von den zuständigen kroatischen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass er ab dem Zeitpunkt der An- kunft in Kroatien umgehend Zugang zum Asylverfahren, Obdach, Nahrung sowie eine nahtlose, adäquate und regelmässige psychologische Be treu- ung erhalte. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der un- entgeltlichen Rechtspflege inklusive Kostenvorschussverzicht sowie die Einsetzung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Vertretung. Wei- ter sei die aufschiebende Wirku ng zu gewähren und ein superprovisori- scher Vollzugsstopp zu erlassen, wobei die zuständigen kantonalen Behör- den entsprechend anzuweisen seien. H.b Hinsichtlich seines Hauptbegehrens machte der Beschwerdeführer geltend, durch die Abwesenheit der zugewiesenen Rechtsvertretung an- lässlich des Dublin -Gesprächs sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. Die Abwesenheit der zugewiesenen Rechtsvertretung ohne ausführliche Information der Betroffenen sei vom Bundesverwal- tungsgericht wiederholt als gravier ender Verfahrensfehler bewertet wor- den. Sein Einverständnis, das Gespräch ungeachtet der Abwesenheit E-2613/2023 Seite 6 seiner Rechtsvertretung zu führen, sei nicht als ausdrückliche und infor- mierte Verzichtserklärung im Sinne der Rechtsprechung zu verstehen. Zu- dem sei weder aus den Akten noch dem Aktenverzeichnis ersichtlich, dass der vorherigen Rechtsvertretung das Protokoll des Dublin -Gesprächs zu- gestellt worden sei. Da der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden sei, könne auch der rechtserhebliche Sachverhalt nicht als vollständig und richtig erstellt gelten. Das SEM sei deshalb anzuweisen, ihn unter Wahrung seiner Verfahrensrechte erneut zu befragen und unter vollständiger und richtiger Feststellung des Sachverhaltes neu zu entscheiden. Zur Begründung seines Eventualbegehrens führte der Beschwerdeführer aus, dass gemäss diverser (aktueller) Berichte im kroatischen Asyl - und Aufnahmesystem entgegen der Einschätzung der Vorinstanz systemische Mängel bestünden. Völkerrechtswidrige Push-backs und Polizeigewalt ge- genüber Asylsuchenden seien gut dokumentiert und an der Tagesordnung. Die Problematik der Push-backs beschränke sich nicht nur auf die Grenz- region – auch in Zagreb komme es vor, dass selbst sich im Asylverfahren befindende Personen willkürlich von der Polizei aufgegriffen und dann nach Bosnien und Herzegowina verschleppt würden. Die Gewaltanwendung an Kroatiens Grenze habe System und sei staatlich mindestens geduldet. Es könne daher nicht davon ausgegangen werden, dass derselbe Staat an anderer Stelle rechtmässig agiere. Es bestehe sodann keine Möglichkeit, sich gegen diese Polizeigewalt zu wehren; der Rechtsweg sei keine realis- tische Option. Ferner gebe es diverse Schwierigkeiten und Hürden beim Zugang zu psychiatrischer Behandlung für Asylsuchende. E s sei kaum möglich, psychologische Behandlung zu erhalten. Er sei nicht zuletzt auf- grund der Vorfälle in Kroatien gesundheitlich stark angeschlagen. In Kroa- tien würde er weder psychologische Unterstützung noch Hilfe für seine kör- perlichen Beschwerden erhal ten; es drohe eine Retraumatisierung . Die von ihm erlebte Gewalt in Kroatien sei ein offensichtlicher Verstoss gegen Art. 3 EMRK. Aufgrund der systemischen Mängel laufe er tatsächlich Ge- fahr, bei einer erneuten Rückführung wieder Opfer von Polizeigewalt und/oder Kettenabschiebung und einer Verletzung des Non-Refoulement- Gebots zu werden. Das SEM hätte abklären müssen, ob er in Kroatien an- gemessen untergebracht und ihm effektiv Schutz gewährt werde oder ob ihm nicht erneut eine unmenschliche Behandlung drohe. Im Übrigen habe er als Folteropfer Anspruch auf angemessene Behandlung nach Art. 14 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105). Er verfüge in der Schw eiz über ein Umfeld, das ihn un- terstütze und hier hätte er Zugang zu angemessener medizinischer E-2613/2023 Seite 7 Versorgung. Ihn aus diesem Setting herauszureissen, könne ihm nicht zu- gemutet werden, zumal dies zu einer massiven Verschlechterung seines Gesundheitszustands f ühren würde. Die Voraussetzungen von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO respektive Art. 17 beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 AsylV1 seien daher erfüllt und das SEM sei anzuweisen, auf das Asylge- such einzutreten. H.c Der Beschwerde lagen unter anderem ein Bericht des European Cen- ter for Constitutional and Human Rights (ECCHR) vom Februar 2023 und ein Bericht von Human Rights Watch (HRW) vom Mai 2023 zur Situation in Kroatien sowie die bereits aktenkundigen Arztberichte bei. I. Am 10. Mai 2023 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Überstel- lung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus. J. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 10. Mai 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde- führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der E-2613/2023 Seite 8 Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vo- rinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 2.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, da das Dublin -Gespräch in Abwesenheit seiner Rechtsvertretung geführt worden sei. Obwohl das SEM Kenntnis vom Man- datsverhältnis gehabt habe, habe es weder sein ausdrückliches Einver- ständnis für die Durchführung des Gesprächs in Abwesenheit der Rechts- vertretung eingeholt noch ihn auf seine Rechte und die Konsequenzen ei- nes Verzichts hingewiesen. Diese Rüge ist vorab zu beurteilen, da sie al- lenfalls eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken vermag. 3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im kürzlich ergangenen Urteil D-221/2023 vom 8. März 2023 eingehend mit dieser Problematik ausei- nandergesetzt – dies auch unter Hinweis auf die vom Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren ebenfalls zitierten Urteile des Bundesverwal- tungsgerichts (D -5650 v om 15. Dezember 2022 und E -4638/2022 vom 21. Oktober 2022) . Das Gericht kam darin zum Schluss, dass der Ent- scheid über die Notwendigkeit der Teilnahme am Dublin-Gespräch der zu- gewiesenen Rechtsvertretung obliegt und die Nicht-Teilnahme der Rechts- vertretung bei rechtzeitiger Mitteilung des Termins die Rechtswirkung der Verfahrensschritte nicht hemmt (vgl. a.a.O. E. 3.5; Art. 102j Abs. 2 AsylG). 3.3 Entsprechende Umstände liegen auch in casu vor. Die Vorinstanz hat die Vorladung zum Dublin-Gespräch am 26. Oktober 2022 via das SPOC Rechtsbüro Basel zugestellt. Die daraufhin mandatierte Rechtsvertretung führte am 28. Oktober 2022 zusammen mit dem Beschwerdeführer ein Be- ratungsgespräch durch und nahm gleichentags eine erste Eingabe zuhan- den der Vorinstanz vor (vgl. vorinstanzliche Akten […]-16/1 [nachfolgend: act.16]). Die Rechtsvertretung hatte aufgrund der Aktenlage bereits meh- rere Tage vor dem Gespräch – und damit rechtzeitig – Kenntnis über den anstehenden Termin. Dies wird denn auch weder von der vormaligen noch der aktuellen Rechtsvertretung bestritten. Der Beschwerdeführer unter- streicht in seiner Rechtsmitteleingabe vom 9. Mai 2023 sogar ausdrücklich, dass die «Abwesenheit der Rechtsvertretung auf Gründen, die von der da- maligen Rechtsvertretung zu verantworten s eien, beruhten» (vgl. E-2613/2023 Seite 9 Beschwerdeschrift, Ziffer 20). Weder der Beschwerdeführer noch seine Rechtsvertretung bestreiten die rechtzeitige Kenntnisnahme über das an- stehende Dublin -Gespräch, sondern vertreten lediglich die Auffassung, dass die Nichtteilnahme der vormaligen Rechtsvertretung am Dublin-Ge- spräch aus Kapazitätsgründen dem Beschwerdeführer nicht zum Nachteil gereichen sollte. Damit gehen sie aber – wie in D-221/2023 ausgeführt – fehl und sind damit nicht zu hören (vgl. beispielsweise ebenso E-2065/2023 vom 25. April 2023, S. 6). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt so- mit nicht vor. Die Frage, ob nicht ohnehin bereits die anlässlich des Dublin -Gesprächs protokollierte, unterschriftliche Aussage des Beschwerdeführers, es sei für ihn «kein Problem» und er würde trotz Kenntnis der kapazitätsbedingten Abwesenheit seiner Rechtsvertretung gleichwohl «das Dublin -Gespräch gerne heute durchführen» (vgl. act. 14 S. 1), einen ausdrücklichen Verzicht auf die Teilnahme seiner Rechtsvertretung darstellt, kann vor diesem Hin- tergrund somit offen gelassen werd en. Weiter war es ihm anlässlich des besagten Termins möglich, sich einlässlich zur Sache zu äussern und seine Vorbringen ausführlich vorzutragen; was im Übrigen weder von ihm noch von seiner Rechtsvertreterin bestritten wird. Ergänzend darf auch darauf hingewiesen werden, dass die vormalige Rechtsvertretung in der Folge noch mit mehreren Eingaben (vgl. Bst. C und E) an das SEM gelangt ist. Entgegen der sinngemässen Darstellung in der Beschwerde geht somit aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer sowohl zeitlich vor dem Dublin -Gespräch (vgl. Beratungsgespräch) wie auch zeitlich nach dem Dublin -Gespräch (vgl. vorgenannte ergänzende Eingaben) von seiner vormaligen Rechtsvertretung eng begleitet wurde und er sich umfassend zum relevanten Sachverhalt äussern konnte. Im Übrigen ergeben sich aus den Akten auch keine Hinweise, die darauf schliessen liessen, dass der zugewiesenen Rechtsvertretung das Protokoll des Dublin-Gesprächs nicht zugestellt worden wäre. Dem Protokoll ist viel- mehr zu entnehmen, dass das SEM beabsichtigte, dieses im Anschluss an das Gespräch der Rechtsvertretung zuzustellen (vgl. a.a.O.). Die Rechts- vertretung ist – wie bereits erwähnt – danach noch mit sechs separaten Beweismitteleingaben/Schreiben (vgl. vorstehend Bst. C und E) an das SEM gelangt. Vorbehalte wurden weder im Rahmen dieser Eingaben noch sonst aktenkundig gemacht. Im Anschluss an die Eröffnung der angefoch- tenen Verfügung legte die zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat nie- der (vgl. act. 44). In der Beschwerde wird schlies slich auch nicht geltend E-2613/2023 Seite 10 gemacht, dass – gegebenenfalls inwiefern konkret – der rechtserhebliche Sachverhalt unvollständig festgestellt worden wäre. 3.4 Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs erweist sich somit als unbegründet und eine Rückweisung der Sache an das SEM ist nicht ange- zeigt. Das Hauptbegehren ist daher abzuweisen. 4. 4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder As ylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufge- führten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zustän digkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitglied- staat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). 4.3 Der nach dieser Veror dnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge- stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin -III-VO aufzuneh- men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). 4.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu- ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei- sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand- lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der EU-Grundrechtecharta mit sich E-2613/2023 Seite 11 bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitglied- staat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mit- gliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An- trag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 4.5 Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer vor seiner Einreise in die Schweiz in Kroatien aufgehal- ten hat. Die kroatischen Behörden stimmten dem Gesuch des SEM um Übernahme am 9. Januar 2023 gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO (il- legaler Grenzübertritt) zu. Es handelt sich also um ein sogenanntes Take- Charge (Aufnahme-)Verfahren. Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens ist somit gegeben, was vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten wird. 4.6 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli- che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe- dingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstel- len aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU -Grundrechtecharta mit sich bringen würden. 4.6.1 Im Referenzurteil Urteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 wurde die seit dem Referenzurteil D-1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende Pra- xis der grundsätzlichen Zulässigkeit von Dublin-Überstellungen nach Kro- atien bestätigt, da nicht davon auszugehen sei, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien wiesen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf, die eine Überstel- lung von Gesuchstellenden generell als unzulässig erscheinen lassen wür- den (vgl. a.a.O. E. 9.5). Das Gericht geht hierbei davon aus, dass nicht zu befürchten sei, Dublin - Rückkehrende würden ohne Eröffnung und D urchführung eines Asylver- fahrens aus Kroatien rechtswidrig ausgeschafft. Auch liessen sich keine Anzeichen dafür finden, wonach Take -Charge-Fälle (Aufnahme) diesbezüglich anders zu beurteilen wären als Take -Back-Fälle E-2613/2023 Seite 12 (Wiederaufnahme), beziehungsweise dass für die erste Kategorie eine er- höhte Gefährdung von Abschiebungen ohne Durchführung eines Asylver- fahrens bestehen würde (vgl. a.a.O. E. 9.4.4). Im Ergebnis sei davon aus- zugehen, dass Gesuchstellende, welche gestützt auf die Dublin -III-VO nach Kroatien üb erstellt würden, Zugang zum dortigen Asylverfahren er- halten würden, unabhängig davon, ob die gesuchstellende Person im Rah- men eines Take-Charge oder Take-Back Verfahrens überstellt werde. Ins- besondere bestehe keine beachtliche Wahrscheinlichkeit, die Überstellten würden der Gefahr einer Verletzung ihrer aus dem Refoulement -Verbot fliessenden Rechte ausgesetzt werden (vgl. a.a.O. E. 9.5). 4.6.2 Auch unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer anlässlich des Dublin -Gesprächs und in der Beschwerdeschrift behaupt eten Vor- kommnisse (er sei angeblich von vermutungsweise kroatischen Polizisten bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und getasert worden) sowie der an- geführten Berichte – welche den dem Referenzurteil E-1488/2020 zugrun- deliegenden Informationen zur Situation in Kroatien keine neue Dimension hinzuzufügen vermögen – ist nicht davon auszugehen, Kroatien als Signa- tarstaat der EMRK, der FoK und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzpro- tokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) verstosse systema- tisch gegen seine vertraglichen (völkerrechtlichen) Verpflichtungen. Es darf davon ausgegangen werden, Kroatien und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Pe rsonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Die vom Beschwerdeführer für die Zeit seines Aufenthalts in Kroatien behaupteten Misshandlungen durch Polizisten sowie die angebliche schlechte Behandlung durch die Be- hörden rechtfertigen nicht, davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer einer unmenschlichen oder erniedri- genden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU- Grundrechtecharte würde. Bei Fehlverhalten einzelner Beamter könnte er sich zudem an die zuständigen kroatischen Stellen wenden. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass er bei einer Wegweisung nach Kroatien in eine existenzielle Notlage geraten könnte. Die Beschwerdeausführungen vermögen an der geltenden und kürzlich aktualisierten Praxis des Bundes- verwaltungsgerichts (vgl. vorstehend E. 4.6.1) somit nichts zu ändern. E-2613/2023 Seite 13 4.6.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO nicht gerechtfertigt. 4.7 4.7.1 Der Beschwerdeführer fordert die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), gemäss welcher das SEM das Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin -III-VO ein anderer Staa t zu- ständig wäre. 4.7.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar- getan, die kroatischen Behörd en würden sich weigern, ihn aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den Grund- satz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Er wird im Rah- men der Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt werden und dort die Mög- lichkeit erhalten, ein Asylgesuch zu stellen. Ausserdem hat er nicht darge- tan, die ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Kroatien seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU - Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Er hat auch keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan, Kroatien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Übrigen n ötigenfalls an die kroatischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Die Lage an der Grenze ist nicht vergleichbar mit der Situation, in der er sich bei einer Überstellung im Rahmen des Dublin-Verfahrens befinden wird. 4.7.3 Im Weiteren vermag der Gesundheits zustand des Beschwerdefüh- rers eine Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Kroatien im Sinne der restriktiven Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinwei- sen auf die damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- rechte [EGMR] sowie Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. De- zember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.) nicht zu E-2613/2023 Seite 14 rechtfertigen. Die gesundheitlichen Probleme (gemäss den aktenkundigen Arztberichten […]) sind auch nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgesehen werden müsste. Diesbezüglich kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die zutreffenden vor instanzlichen Erwägungen in der angefoc htenen Verfügung verwiesen werden (vgl. dort S. 6 f.), denen mit der Beschwerde nichts Stichhaltiges entgegengehalten wurde. Im Übrigen wurde dem Be- schwerdeführer trotz drei Terminen bei den (…) keine Traumatisierung at- testiert, weshalb bei einer Überstellung nach Kroatien nicht von einer Ret- raumatisierung auszugehen ist. Sodann ist auch unter Berücksichtigung der psychischen Probleme kein Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Be- schwerdeführer und seinem [Verwandter] ersichtlich. Der Umstand, dass sich sein [Verwandter] in der Schweiz befindet, steht somit einer Überstel- lung nach Kroatien nicht im Weg. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Ver- fügung beauftragt sind, werden den medizinischen Umständen bei der Be- stimmung der konkret en Modalitäten der Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen und die kroatischen Behörden vor- gängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO; vgl. auch act. 41). 4.7.4 Die angefochtene Verfügung ist unter dem Blickwinkel von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensm issbrauch oder ein Über - respektive Un- terschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich des- halb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 4.7.5 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er- messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein- räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 4.8 Somit bleibt Kroatien der für die Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Kroa- tien ist verpflichtet, den Beschwerdeführer gemäss Art. 21, 22 und 29 Dub- lin-III-VO aufzunehmen. E-2613/2023 Seite 15 5. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie- derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in An- wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 6. Aufgrund des Ausgeführten erscheint es nicht angezeigt, das SEM dazu zu verpflichten, von den kroatischen Behörden vor einer Überstellung indivi- duelle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, adäqua- ter Unterbringung sowie psychologischer Behandlung einzuholen. Der ent- sprechende Subeventualantrag ist abzuweisen. 7. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 8. 8.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen. Die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und Befreiung von der Kostenvorschusspflicht erweisen sich somit als gegenstandslos. Der angeordnete Vollzugsstopp fällt dahin. 8.2 Die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung und amtliche n Verbeiständung sind abzuwei- sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG respektive Art. 102m Abs. 1 AsylG nicht erfüllt sind. 8.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). E-2613/2023 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Verbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Kevin Schori Versand: