<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 56 S.209</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">209</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>56</b></span> <span class="ft1"><b>Öffentliches Interesse an der Pfadfinderbewegung und an einem</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Pfadfinderhaus.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Der Betrieb eines Pfadihauses liegt im öffentlichen Interesse und ist in</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zonenkonform. Der Ent-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>scheid, in welche Zone zugewiesen wird, obliegt der Gemeinde, wenn</b></span><br/> <span class="ft1"><b>mehrere zur Auswahl stehende Zonen planungsrechtlich konform</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sind.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 7. November 2000 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen R.F. und Mitbeteiligte gegen Entscheid des Regierungsrats und Ent-</span><br/> <span class="ft2">scheid des Grossen Rats.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">2. Streitig ist die Zuweisung der bisher in der Grünzone und im</span><br/> <span class="ft4">"übrigen Gemeindegebiet" gelegenen Parzelle Nr. ... zur Zone für</span><br/> <span class="ft4">öffentliche Bauten und Anlagen (OEB).</span><br/> <span class="ft4">a) Gemäss § 15 Abs. 1 BauG erlassen die Gemeinden allge-</span><br/> <span class="ft4">meine Nutzungspläne und allgemeine Nutzungsvorschriften, die das</span><br/> <span class="ft4">Gemeindegebiet in verschiedene Nutzungszonen einteilen und Art</span><br/> <span class="ft4">und Mass der Nutzung regeln. Die Gemeinden können u. a. auch</span><br/> <span class="ft4">Zonen für öffentliche Bauten ausscheiden (§ 15 Abs. 2 lit. a BauG).</span><br/> <span class="ft4">Sie entsprechen damit Art. 3 Abs. 4 RPG, der bestimmt, dass für die</span><br/> <span class="ft4">öffentlichen oder im öffentlichen Interesse liegenden Bauten und</span><br/> <span class="ft4">Anlagen sachgerechte Standorte zu bestimmen sind, was sinnvoller-</span><br/> <span class="ft4">weise bereits in den Nutzungsordnungen geschieht (Eidg. Justiz- und</span><br/> <span class="ft4">Polizeidepartement/Bundesamt für Raumplanung, Erlauterungen</span><br/> <span class="ft4">zum Bundesgesetz über die Raumplanung [im Folgenden: Erläute-</span><br/> <span class="ft4">rungen], Bern 1981, Art. 3 RPG N 59). Die Gemeinde O. weist ge-</span><br/> <span class="ft4">mäss Bauzonenplan eine Zone für öffentliche Bauten mit einer Flä-</span><br/> <span class="ft4">che von total 23,3 ha auf; davon sind 1,5 ha unüberbaut. Geregelt ist</span><br/> <span class="ft4">die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen (OEB) in § 12 BNO</span><br/> <span class="ft4">wie folgt:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">210</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">"</span><span class="ft6"><sup>1</sup></span><span class="ft5">Die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen ist für die dem öffent-</span><br/> <span class="ft5">lichen Interesse dienenden Bauten und Anlagen bestimmt.</span><br/> <span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft5">Der Gemeinderat legt die Baumasse und Abstände, unter Berück-</span><br/> <span class="ft5">sichtigung privater und öffentlicher Interessen, fest. Gegenüber an-</span><br/> <span class="ft5">grenzenden Zonen sind deren Abstand- und Höhenvorschriften ein-</span><br/> <span class="ft5">zuhalten.</span><br/> <span class="ft6"><sup>3</sup></span><span class="ft5">Solange kein anderer öffentlicher Bedarf besteht, kann der Gemein-</span><br/> <span class="ft5">derat in der Zone OEB Bauten und Anlagen für die Freizeitbetätigung</span><br/> <span class="ft5">und Erholung der Bevölkerung (Kleintierhaltung, Sportanlagen,</span><br/> <span class="ft5">Tennis- und Squash-Hallen, Minigolfanlagen usw.) befristet bewil-</span><br/> <span class="ft5">ligen.</span><br/> <span class="ft6"><sup>4</sup></span><span class="ft5">In der Zone OEB im Nuechtal ist das Erstellen eines Pfadihauses,</span><br/> <span class="ft5">nicht jedoch eines Pfadiheimes, zulässig."</span><br/> <span class="ft4">b) Nach Auffassung der Beschwerdeführer dient ein Pfadihaus</span><br/> <span class="ft4">nicht dem öffentlichen Interesse, weshalb es in der Zone für öffent-</span><br/> <span class="ft4">liche Bauten und Anlagen nicht zonenkonform sein könne.</span><br/> <span class="ft4">aa) In den Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen dürfen nur</span><br/> <span class="ft4">öffentliche und öffentlichen Zwecken bzw. Interessen dienende</span><br/> <span class="ft4">Werke erstellt werden (vgl. BGE 108 Ia 298 f.; 114 Ia 339; AGVE</span><br/> <span class="ft4">1988, S. 342; Leo Schürmann/Peter Hänni, Planungs-, Bau- und</span><br/> <span class="ft4">besonderes Umweltschutzrecht, 3. Auflage, Bern 1995, S. 141; Erich</span><br/> <span class="ft4">Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau, Kommentar, 2. Auflage,</span><br/> <span class="ft4">Aarau 1985, § 134 aBauG N 4). Private Vorhaben sind nicht zulässig;</span><br/> <span class="ft4">auch nicht als "provisorische", mit Beseitigungsrevers belastete</span><br/> <span class="ft4">Bauten (Bundesgericht, in: ZBl 82/1981, S. 531 f.). Voraussetzung</span><br/> <span class="ft4">zur Festsetzung einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen ist</span><br/> <span class="ft4">auch, dass das geltend gemachte zukünftige Bedürfnis genügend</span><br/> <span class="ft4">konkretisiert ist. Es ist vom Gemeinwesen so genau wie möglich</span><br/> <span class="ft4">anzugeben, und die Errichtung der öffentlichen Baute muss mit eini-</span><br/> <span class="ft4">ger Sicherheit zu erwarten sein (Bundesgericht, in: ZBl 97/1996,</span><br/> <span class="ft4">S. 116; BGE 114 Ia 340 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft4">bb) § 15 BauG bestimmt, dass die Gemeinden für die Ausschei-</span><br/> <span class="ft4">dung von Nutzungszonen zuständig sind. Zu berücksichtigen ist, dass</span><br/> <span class="ft4">den Gemeinden bei der Auslegung der für die Zonen für öffentliche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">211</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Bauten und Anlagen aufgestellten Nutzungsvorschriften eine "relativ</span><br/> <span class="ft4">erhebliche Entscheidungsfreiheit" zusteht (AGVE 1988, S. 342).</span><br/> <span class="ft4">Dies ergibt sich aus dem Grundsatz der Gemeindeautonomie (Art. 50</span><br/> <span class="ft4">Abs. 1 BV; § 106 Abs. 1 KV) und aus der Tatsache, dass die mit den</span><br/> <span class="ft4">örtlichen Verhältnissen vertrauten Behörden und Organe die Frage,</span><br/> <span class="ft4">ob eine geplante Baute oder Anlage den kommunalen oder lokalen</span><br/> <span class="ft4">öffentlichen Interessen dient, besser beurteilen können als eine kan-</span><br/> <span class="ft4">tonale Rechtsmittelinstanz (Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss</span><br/> <span class="ft4">des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998,</span><br/> <span class="ft4">Rz. 452). Angesichts des der Gemeinde zustehenden Beurteilungs-</span><br/> <span class="ft4">spielraums muss das Verwaltungsgericht eine rechtlich vertretbare</span><br/> <span class="ft4">Auslegung akzeptieren, auch wenn eine andere Auffassung ebenfalls</span><br/> <span class="ft4">denkbar ist.</span><br/> <span class="ft4">cc) Die Arten der dem öffentlichen Interesse dienenden Bauten</span><br/> <span class="ft4">und Anlagen sind dementsprechend äusserst vielfältig. Die öffentli-</span><br/> <span class="ft4">che Bauten und Anlagen, d. h. Bauwerke, welche die öffentliche</span><br/> <span class="ft4">Hand in Erfüllung verfassungsmässiger Aufgaben erstellt, dienen</span><br/> <span class="ft4">dem Gemeinwesen unmittelbar durch ihren Gebrauchswert, entweder</span><br/> <span class="ft4">als Verwaltungsvermögen oder als Sachen im Gemeingebrauch (Er-</span><br/> <span class="ft4">läuterungen, a.a.O., Art. 3 RPG N 56; vgl. auch Zimmerlin, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">§ 134 aBauG N 4). Dazu gehören Schulhäuser, Spitäler, Gefängnisse,</span><br/> <span class="ft4">öffentliche Verwaltungsgebäude, Alters- und Pflegeheime, etc. Sol-</span><br/> <span class="ft4">che Bauten dienen fraglos öffentlichen Zwecken. Zu den im öffent-</span><br/> <span class="ft4">lichen Interesse liegenden Bauten und Anlagen gehören aber auch</span><br/> <span class="ft4">Bauten privater Bauherren, die im weitesten Sinne Aufgaben des</span><br/> <span class="ft4">modernen Leistungs- und Sozialstaates wahrnehmen helfen (Erläute-</span><br/> <span class="ft4">rungen, a.a.O., Art. 3 RPG N 56). Zu den öffentlichen Bauten und</span><br/> <span class="ft4">Anlagen zählen daher auch Schwimmbäder, Tennisanlagen (AGVE</span><br/> <span class="ft4">1976, S. 238 ff.), oder Schrebergartenanlagen (AGVE 1988, S. 340</span><br/> <span class="ft4">ff.); an ihrem Bestehen wurde ein Allgemeininteresse bejaht. Das</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsgericht des Kantons Bern hat in einem den Bau eines</span><br/> <span class="ft4">Pfadfinderheims betreffenden Entscheid festgestellt, es liessen sich</span><br/> <span class="ft4">gute Gründe dafür anführen, dass die Förderung der Pfadfinderbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">212</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">wegung "in der heutigen Zeit als Teilaspekt der kommunalen Jugend-</span><br/> <span class="ft4">arbeit erscheint und daher auch im öffentlichen Interesse liegt" (Ur-</span><br/> <span class="ft4">teil vom 27. Juni 1983, in: BVR 1983, S. 475).</span><br/> <span class="ft4">dd) Dass die Pfandfinderbewegung im öffentlichen Interesse</span><br/> <span class="ft4">liegende Aufgaben wahrnimmt, stellen auch die Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft4">nicht in Frage; sie machen aber geltend, dass die vorgesehene Baute</span><br/> <span class="ft4">für die sinnvolle Freizeitbeschäftigung keine Voraussetzung darstelle,</span><br/> <span class="ft4">sondern die Pfadfinder ihren Tätigkeiten auch ohne sie ausüben</span><br/> <span class="ft4">könnten. Insofern bestehe kein öffentliches Interesse an der</span><br/> <span class="ft4">Errichtung eines Pfadihauses. Darin unterscheide sich der hier zu</span><br/> <span class="ft4">beurteilende Fall von der vom Verwaltungsgericht in AGVE 1988,</span><br/> <span class="ft4">S. 343, als im öffentlichen Interesse liegend anerkannten Anlage von</span><br/> <span class="ft4">Schrebergärten, welche die notwendige Voraussetzung für die gärtne-</span><br/> <span class="ft4">rische Tätigkeit bildeten.</span><br/> <span class="ft4">ee) Die Pfadfinderabteilung S. ist ein Verein im Sinne von</span><br/> <span class="ft4">Art. 60 ff. ZGB (Statuten der Pfadfinderabteilung S. vom September</span><br/> <span class="ft4">1993 [Statuten]. Sie zählt rund 65 aktive Mitglieder im Alter zwi-</span><br/> <span class="ft4">schen 8 und 25 Jahren. Der normale Pfadibetrieb findet jeweils am</span><br/> <span class="ft4">Samstagnachmittag statt. Die verschiedenen Aktivitäten werden</span><br/> <span class="ft4">meist in der Natur, d.h. im Freien, ausgeübt. Der Aufenthaltsort Wald</span><br/> <span class="ft4">und die Verbundenheit zur Natur sind zentrale Punkte der Pfadi-</span><br/> <span class="ft4">arbeit. Indessen findet der Pfadibetrieb grundsätzlich während des</span><br/> <span class="ft4">ganzen Jahres, auch im Winter, und auch bei schlechtem Wetter statt.</span><br/> <span class="ft4">Der Wunsch nach einem geeigneten, auch heizbaren, Lokal ist schon</span><br/> <span class="ft4">unter diesem Gesichtspunkt verständlich. Seitens der Pfadi S. wird</span><br/> <span class="ft4">auch geltend gemacht, es würde Raum für die Vorbereitungsarbeiten</span><br/> <span class="ft4">und die anfallenden administrativen Aufgaben der Leiter sowie für</span><br/> <span class="ft4">die Pflege und Aufbewahrung des Materials benötigt. Den "Wölfen"</span><br/> <span class="ft4">und "Bienli" solle die Möglichkeit zum Basteln und eine Alternative</span><br/> <span class="ft4">bei schlechter Witterung geboten werden. Die Pfadfinder sind für die</span><br/> <span class="ft4">Ausübung ihrer Aktivitäten somit zwar nicht im Sinne einer aus-</span><br/> <span class="ft4">schliesslichen Voraussetzung auf ein Pfadihaus angewiesen, jedoch</span><br/> <span class="ft4">entspricht ein solches Gebäude einem klaren Bedürfnis, indem es als</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">213</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Begegnungs- und Aufenthaltsort der Jugendlichen, als Ort für die</span><br/> <span class="ft4">Durchführung von Übungen sowie als Materialdepot dient. Die Aus-</span><br/> <span class="ft4">übung der Aktivitäten würde ohne ein Pfadihaus auf Anlässe im</span><br/> <span class="ft4">Freien beschränkt und einen Grossteil der Veranstaltungen (Leitersit-</span><br/> <span class="ft4">zungen, Elternabende, Elternbeirat, Altpfaderbewegung, etc.) ver-</span><br/> <span class="ft4">hindert oder doch erheblich erschwert. Der Zweck der Pfadibewe-</span><br/> <span class="ft4">gung umfasst in diesem Sinn den Betrieb eines Pfadihauses. Insofern</span><br/> <span class="ft4">lässt sich - entgegen der etwas widersprüchlichen Argumentation der</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführer - nicht sagen, an einem Pfadihaus bestünden kei-</span><br/> <span class="ft4">nerlei öffentliche Interessen. Ein Pfadihaus und dessen Betrieb gehö-</span><br/> <span class="ft4">ren untrennbar zur Bewegung. Die offenkundigen Bedürfnisse einer</span><br/> <span class="ft4">Organisation, die anerkanntermassen in nicht unwesentlichem Um-</span><br/> <span class="ft4">fang Aufgaben im Rahmen der kommunalen Jugendarbeit wahr-</span><br/> <span class="ft4">nimmt, sind durch die Interessen der Allgemeinheit an der Pfadibe-</span><br/> <span class="ft4">wegung selbst ebenfalls abgedeckt, auch wenn die Bevölkerung aus</span><br/> <span class="ft4">dem Pfadihaus in der Regel keinen direkten, unmittelbaren Nutzen</span><br/> <span class="ft4">zieht. Für das Vorhandensein eines allgemeinen Interesses spricht im</span><br/> <span class="ft4">Übrigen auch die einhellige Zustimmung, die die Umzonung zugun-</span><br/> <span class="ft4">sten des Pfadihauses im Einwohnerrat erfahren hat.</span><br/> <span class="ft4">Am zu bejahenden öffentlichen Interesse ändert auch nichts,</span><br/> <span class="ft4">dass die Abteilung S. derzeit im Gebiet Nuechtal, auf der Grenze</span><br/> <span class="ft4">zum Naturschutzgebiet, noch über eine Pfadihütte verfügt. Es handelt</span><br/> <span class="ft4">sich um eine alte, containerähnliche Baracke, die 1960 bewilligt</span><br/> <span class="ft4">wurde, und ohne Wasser, Strom oder sanitarische Einrichtungen ist.</span><br/> <span class="ft4">Sie befindet sich einem baufälligen Zustand und ist seit Jahren kaum</span><br/> <span class="ft4">mehr benutzbar. Wenn der Gemeinderat und der Einwohnerrat ange-</span><br/> <span class="ft4">sichts der Grösse und der Bedeutung der Pfadfinderabteilung S. der</span><br/> <span class="ft4">Auffassung sind, die Erstellung eines neuen Pfadihauses stelle ein</span><br/> <span class="ft4">öffentliches Interesse dar, so ist dies vertretbar. Das alte Pfadihaus</span><br/> <span class="ft4">erfüllt die Ansprüche an eine Pfadfinderbewegung, wie sie die Pfadi</span><br/> <span class="ft4">S. darstellt, nicht und soll auch in der Folge abgebrochen werden.</span><br/> <span class="ft4">ff) Im vorliegenden Fall fraglos erfüllt ist auch die Vorausset-</span><br/> <span class="ft4">zung, dass das geltend gemachte zukünftige Bedürfnis genügend</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">214</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">konkretisiert ist. Zurzeit bestehen zwar Vorstellungen vom neuen</span><br/> <span class="ft4">Pfadihaus; ein konkretes Projekt ist noch nicht vorhanden und ver-</span><br/> <span class="ft4">tragliche Vereinbarungen bestehen derzeit offenbar auch noch nicht.</span><br/> <span class="ft4">Geplant ist eine zweigeschossige Baute, die der Pfadfinderabteilung</span><br/> <span class="ft4">S. als Pfadihaus dienen soll. Die beiden Geschosse sollen je eine</span><br/> <span class="ft4">Fläche von 70 - 100 m</span><span class="ft7"><sup>2</sup></span> <span class="ft4">aufweisen. Vorgesehen sind ein Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft4">raum, ein Sitzungszimmer, ein Materialraum sowie eine kleine Kü-</span><br/> <span class="ft4">che. Die Beschwerdeführer vermuten, "es seien noch ganz andere</span><br/> <span class="ft4">Bauvorhaben auf der Parzelle Nr. ... geplant", ohne allerdings kon-</span><br/> <span class="ft4">krete Anhaltspunkte für ihre Befürchtungen zu nennen. Dass die</span><br/> <span class="ft4">Umzonung der Teilfläche von 20,6 a in die Zone OEB zur Verwirkli-</span><br/> <span class="ft4">chung des geplanten Pfadihauses und nicht zu anderen, unbestimm-</span><br/> <span class="ft4">ten Zwecken erfolgt, ergibt sich einerseits aus der Tatsache, dass die</span><br/> <span class="ft4">Pfadfinderabteilung S. mehr als 10 Jahre nach einem geeigneten</span><br/> <span class="ft4">Standort für ein Pfadihaus gesucht hat, und auch das Begehren, es</span><br/> <span class="ft4">seien durch Umzonierung der Parzelle Nr. ... die entsprechenden</span><br/> <span class="ft4">zonenmässigen Voraussetzungen zu schaffen, gestellt hat. Anderseits</span><br/> <span class="ft4">lassen aber auch schon die eher geringe Grösse und die Lage der</span><br/> <span class="ft4">Parzelle die Realisierung anderer auf einen Standort in der Zone</span><br/> <span class="ft4">OEB angewiesenen Bauvorhaben wenig wahrscheinlich erscheinen.</span><br/> <span class="ft4">Auch der Wortlaut von § 12 Abs. 4 BNO, mit dem man den damali-</span><br/> <span class="ft4">gen Einsprechern entgegenkommen wollte, lässt sich vor diesem</span><br/> <span class="ft4">Hintergrund vernünftigerweise nur dahingehend verstehen, dass ein</span><br/> <span class="ft4">Pfadihaus und nicht ein Pfadiheim (mit Lagerbetrieb), aber auch</span><br/> <span class="ft4">keine andere öffentliche Baute oder Anlage, erstellt werden soll. Dies</span><br/> <span class="ft4">bestätigte der Vertreter des Gemeinderats auch anlässlich der</span><br/> <span class="ft4">Verhandlung ausdrücklich.</span><br/> <span class="ft4">gg) Die Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde O. kennt</span><br/> <span class="ft4">eine spezielle Zone "Sport und Freizeit SF". Gemäss § 13 Abs. 1</span><br/> <span class="ft4">BNO ist diese Zone für "gemeindeeigene oder private Bauten und</span><br/> <span class="ft4">Anlagen bestimmt, die im Zusammenhang mit Sport und Freizeit</span><br/> <span class="ft4">einem engeren oder weiteren Kreis der Allgemeinheit dienen". Die</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführer sind der Auffassung, das projektierte Pfadihaus</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">215</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">erfülle sämtliche Voraussetzungen der Zone SF; es sei (mit der OEB)</span><br/> <span class="ft4">die falsche Zone gewählt worden. Gestützt auf die ihr zustehende</span><br/> <span class="ft4">Gemeindeautonomie habe die Gemeinde O. mit dem Erlass von § 13</span><br/> <span class="ft4">BNO auch ausdrücklich festgelegt, dass der Freizeitbeschäftigung</span><br/> <span class="ft4">dienende Bauten und Anlagen in der Zone OEB nicht zulässig seien.</span><br/> <span class="ft4">Die Argumentation der Beschwerdeführer vermag nicht zu überzeu-</span><br/> <span class="ft4">gen. Die Tatsache, dass das Pfadihaus gestützt auf § 13 Abs. 1 BNO</span><br/> <span class="ft4">zweifellos auch in der Zone SF zonenkonform und grundsätzlich</span><br/> <span class="ft4">bewilligungsfähig wäre, führt nicht zwangsläufig zu seiner Unzuläs-</span><br/> <span class="ft4">sigkeit in der Zone OEB. Wie dargelegt, ist die Auffassung der Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinde, beim geplanten Pfadihaus handle es sich um eine öffentli-</span><br/> <span class="ft4">chen Interessen dienende Baute, welche in der Zone OEB zulässig</span><br/> <span class="ft4">ist, zumindest vertretbar. Kommen rechtlich beide Zonenarten in</span><br/> <span class="ft4">Betracht, liegt der Entscheid darüber, welche Zone für das konkrete</span><br/> <span class="ft4">Bauvorhaben die geeignetere ist, im Beurteilungsspielraum der Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinde, den das Verwaltungsgericht zu respektieren hat. Die Ge-</span><br/> <span class="ft4">meinde hat sich für die Zone OEB entschieden. Zu berücksichtigen</span><br/> <span class="ft4">ist sodann, dass es der Gemeinde jedenfalls im Grundsatz wohl un-</span><br/> <span class="ft4">benommen gewesen wäre, die als sachgerechten Standort für das</span><br/> <span class="ft4">Pfadihaus evaluierte Parzelle Nr. ... statt der Zone OEB der Zone</span><br/> <span class="ft4">Sport und Freizeit SF zuzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>