B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1942/2018 U r t e i l v o m 1 6 . M a i 2 0 1 8 Besetzung Richterin Andrea Berger-Fehr (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Sylvie Cossy, Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. Februar 2018 / N (…). E-1942/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am (...) Oktober 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 28. Oktober 2015, der ersten Anhörung vom 17. Februar 2016 und der zweiten Anhö- rung vom 5. Februar 2018 machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei tamilischer Abstammung und habe sein ganzes Leben in (...) gelebt. Aufgrund seiner Flucht habe er nach zehn Schuljahren nicht an allen Prü- fungen teilnehmen und deshalb seinen O-Level-Abschluss nicht absolvie- ren können. In seiner Heimatstadt würden heute noch seine Mutter, seine zwei jüngeren Schwestern sowie seine Tante und eine Cousine wohnen. Er selbst sei nicht politisch aktiv gewesen und sei nie festgenommen oder verurteilt worden. Im Jahr (…) habe B._______, bei ihnen gelebt und sei danach ausgereist. Im Anschluss sei C._______, gekommen, der von (…) bis (…) bei ihnen gewohnt habe und anschliessend nach D._______ zurückgekehrt sei. Nach seinem Weggang seien Angehörige des Criminal Investigation De- partments (CID) zu ihnen nach Hause gekommen und hätten nach ihm ge- sucht. Sie hätten wohl C._______ mit B._______ verwechselt. Da sein Va- ter sie bezahlt habe, hätten sie die Familie schliesslich in Ruhe gelassen. 2011 sei B._______ wieder zurück in die Heimat gekommen, woraufhin er festgenommen worden sei. Seither hätten sie nie wieder etwas von ihm gehört. Der Vater des Beschwerdeführers sei ebenfalls bereits (…) mitge- nommen und befragt worden. A m (…) 2012 sei er (…) nach E._______ gefahren. Drei Tage später, am (…) 2012, sei die Polizei bei ihnen vorbei- gekommen und habe ihnen mitgeteilt, dass der Vater tot aufgefunden wor- den sei. Mit seiner Mutter sei er danach ins Spital gefahren, um den Vater zu identifizieren. Dessen Leiche habe mehrere Verletzungen aufgewiesen, weswegen sie davon ausgegangen seien, dass er bei einer Befragung zu Tode geschlagen worden sei. Dies wohl, weil er C._______ geholfen habe, der bei der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen sei. Dies habe der Beschwerdeführer jedoch erst im Ausland erfahren. Auf eine Anzeige hätten sie verzichtet, um kein Aufsehen zu erregen. Am (…) 2014 sei er von vier Personen des CID angehalten und mitgenom- men worden. Sie hätten ihn nach C._______ und danach gefragt, wo er früher überall mit diesem hingegangen sei und wen er getroffen habe. Vier Tage später sei er auf dem Schulweg erneut angehalten und zu einem Haus hinter der Polizeistation in F._______ geführt worden. Als er nicht E-1942/2018 Seite 3 gleich habe folgen wollen, hätten sie ihm eine Ohrfeige verpasst. Beim Po- lizeiposten sei er vier Personen gegenüber gestellt worden, zu welchen er habe angeben müssen, ob er sie kenne. Er habe dies verneint. Eine Per- son habe jedoch angegeben, ihn zu kennen. Nachdem er drei auf Singha- lesisch verfasste Formulare unterschrieben habe, habe er gehen können. Aus Angst vor weiteren solchen Nachstellungen habe seine Mutter ihn zu einer Verwandten gebracht, wo er ab dem (…) 2014 gelebt habe. Während seiner Abwesenheit, habe ihn der CID weiterhin zu Hause gesucht, so auch am (…) 2014. Daraufhin sei er an den Flughafen gebracht worden und habe die Ausreise angetreten. Via G._______ und diverse weitere Länder sei er a m (…) 2015 schliesslich in die Schweiz gelangt , wo er um Asyl nachgesucht habe. Nach seiner Flucht aus Sri Lanka hätten die Leute des CID ihn noch drei Mal gesucht. In der Schweiz habe er an jedem Märtyrertag sowie 2016 an einer Demonstration in H._______ teilgenommen, wo er Plakate getragen und sich für die Freilassung von inhaftierten LTTE -Mitgliedern eingesetzt habe. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine sri-lankische Identi- tätskarte aus dem Jahr (…) ein. B. Das SEM stufte den Beschwerdeführer als un begleiteten Minderjährigen Asylsuchenden ein und liess ihm eine gesetzliche Vertretung zukommen. C. Mit Verfügung vom 9. November 2015 hat das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt und gleichzeitig den Wegweisungsvollzug aus der Schweiz angeordnet. Noch während der Beschwerdefrist hob das SEM diesen Entscheid mit Verfügung vom 27. November 2017 wieder auf, da zwei Seiten des Anhörungsprotokolls vom 17. Februar 2016 verloren gegangen seien. D. Der Beschwerdeführer wurde am 5. Februar 2018 erneut zu seinen Asyl- gründen angehört. E. Mit Verfügung vom 1. März 2018 – eröffnet tags darauf - verneinte das SEM E-1942/2018 Seite 4 die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylge- such ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. F. Mit Beschwerde vom 2. April 2018 an das Bundesverwaltungsgericht be- antragte der Beschwerdefü hrer die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung, die Anerkennung als Flüchtling, die Gewährung von Asyl und einer vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hin sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. G. Mit Verfügung vom 4. April 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend - endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. E-1942/2018 Seite 5 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids befand die Vo r- instanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft. So habe er widersprüchliche Angaben zu den Umständen des Todes seines Vaters gemacht. Auch bezüglich der LTTE-Angehörigkeit (…) und seiner Kenntnis über die LTTE als solche, habe er unschlüssige Aussagen gemacht. Zu- dem fehle der zeitliche Zusammenhang zwischen der mehrjährigen Vorge- schichte im Zusammenhang mit B._______ und C._______ und der an- geblichen Verfolgung des Beschwerdeführers durch den CID, welche an- geblich erst im (…) 2014 begonnen habe. Nebst der fehlenden Glaubhaf- tigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers zur vorgebrachten Verfolgung durch den CID, würde es aufgrund ihrer Art und Intensität überdies an den Anforderungen an die Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG fehlen. E-1942/2018 Seite 6 Zur Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka führte die Vorinstanz aus, die sri-lankischen Behörden würden zwar gegenüber Personen tami- lischer Ethnie, welche nach einem Auslandaufenthalt nach Sri Lanka zu- rückkehren, eine erhöhte Wachsamkeit aufweisen, dies würde jedoch nicht ausreichen, um von Verfolgungsmassnahmen bei der Rückkehr auszuge- hen. Darüber hinaus habe er Sri Lanka legal mit dem e igenen Reisepass verlassen. Die tamilische Ethnie allein stelle keinen hinreichend begründe- ten Anlass zur Annahme dar, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka asylrelevante Massnahmen zu befürchten hätte, wel- che über einen sogenannten „Background Check“ (Befragungen, Überprü- fungen von Auslandaufenthalten und Tätigkeiten in Sri Lanka und im Aus- land), welcher an sich nicht asylrelevant wäre, hinausgehen würden. Wei- ter führte die Vorinstanz aus, dass es sich bei den geltend gemachten exil- politischen Tätigkeiten um Aktivitäten innerhalb des weit verbreiteten und üblichen Rahmens im Sinne eines blossen „Mitläufertums“ bei Massenver- anstaltungen handle, die nicht asylbeachtlich seien. 5.2 Auf Beschwerdeebene wiederholt der Beschwerdeführer im Wesentli- chen den ges childerten Sachverhalt und fügt hinzu, dass er viel mit (…) Jahre älteren C._______ unternommen und dabei unabsichtlich eine Menge mitbekomme n habe. Zu B._______ fügt er an, dieser habe die LTTE unterstützt, indem er gegen Geld (…) habe. Neu macht er auch gel- tend, dass der CID von 2012 bis 2014 immer wieder bei ihnen zu Hause gewesen sei und sich nach B._______ und C._______ erkundigt habe. Er selbst habe dies jedoch nicht immer mitbekommen, da seine Mutter ihn habe schützen wollen und es ihm daher nicht immer erzählt habe. Durch den engen Kontakt mit C._______ während (…) Jahre besitze er Informationen, welche für den CID anscheinend von grossem Interesse seien. Er sei fest überzeugt, dass der CID durch ihn an C._______ gelan- gen möchte und dabei vor nichts zurückschrecken werde , auch nicht vor einer Verhaftung oder Folter. Zudem habe vermutlich auch sein Vater im Visier der Behörden gestanden, was den Beschwerdeführer ebenfalls zu einem potentiellen Ziel mache. Dafür würden auch der enge Kontakt des Vaters zu B._______ und C._______ sowie die Tatsache, dass er urplötz- lich tot aufge funden worden und sein Leichnam mit Verletzungsspuren übersäht gewesen sei, sprechen. E-1942/2018 Seite 7 Zu seinen exilpolitischen Tätigkeiten macht er neu geltend, er habe nach einer Demonstration am (…) für den I._______ ein Interview gegeben, wel- ches auch auf YouTube hochgeladen worden sei. Daraufhin habe ihn der CID erneut energisch zu Hause gesucht. Bezüglich der von der Vorinstanz angeführten Widersprüche, gibt der Be- schwerdeführer an: Beim Tod seines Vaters sei er erst (…) Jahre alt gewe- sen und habe in diesem pubertären Alter zusätzlich den plötzlichen Tod seines Vaters verarbeiten müssen. Zudem würden Kinder in Sri Lanka ge- fährliche Informationen vorenthalten, um sie zu schützen. Bei seinen Aus- sagen zum Tod seines Vaters habe er sich nicht widersprochen, da es sich dabei nur um Mutmassungen bezüglich der Todesursache handle. Bei bei- den Versionen sei sein Vater eines unnatürlichen Todes gestorben. Das einzige Faktum sei, dass sein Vater plötzlich gestorben sei und sein Leich- nam Verletzungsspuren aufgewiesen habe. Dem Vorbringen, er habe nicht genau sagen können, ob sein Vater anlässlich des Spitalbesuchs noch ge- lebt habe, sei entgegenzuhalten, dass das Ziel des Besuches gerade die Identifizierung des Leichnams gewesen sei. Er sei diesbezüglich bei der Anhörung stark bedrängt worden, obwohl er mehrfach versucht habe, klar- zumachen, dass er die Fragen nicht verstehe. Er habe offensichtlich Ver- ständnisprobleme gehabt. In Bezug auf seine Aussagen zum LTTE-Hinter- grund von C._______, habe er bei der B zP lediglich spekulieren können, während er bei der Anhörung – nach einer entsprechenden Rücksprache mit seiner Mutter – sicher gewesen sei, dass C._______ bei der LTTE ge- wesen sei. Auch seine anscheinend widersprüchlichen Aussagen darüber, ob er gewusst habe, was die LTTE sei, müssen in Zusammenhang mit sei- nem noch sehr jungen Alter betrachtet werden. Zudem werde einem in Sri Lanka unmissverständlich klargemacht, zu diesem Thema zu schweigen. Da die erste Anhörung unvollständig protokolliert worden sei, dürfe nicht darauf Bezug genommen werden. Schliesslich könne nicht geprüft werden, ob er seine unklaren Aussagen vielleicht auf den fehlenden Seiten präzi- siert habe. Es stelle sich die Frage, ob mit der Zitierung dieses Aktenstücks die Nachvollziehbarkeit des Entscheids gewährt werde oder ob dabei eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege. Betreffend die Ausreise und die organisatorischen Umstände gehe er da- von aus, dass seine Mutter seine Ausreise schon länger geplante habe, da der CID ihn bereits mehrmals gesucht habe. Dafür spreche auch, dass er bereits im (…) einen Pass erhalten habe. Dieser zeige zwar sein Foto, sei E-1942/2018 Seite 8 aber nicht sein Pass gewesen. Deswegen und dank des „Airportsettlings“ seines Schleppers sei es ihm möglich gewesen, so schnell auszureisen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer zwei Fotos von B._______ und eines seines Vaters sowie einen Link zu dem erwähnten YouTube-Vi- deo ein. 6. 6.1 Es ist vorab darauf hinzuweisen, dass mit der Gewährung einer zwei- ten Anhörung der Beschwerdeführer die Möglichkeit hatte, alle Vorbringen zu seiner Verfolgung und seiner Flucht ausgiebig darzulegen. Die Einbe- ziehung des unvollständigen Protokolls der ersten Anhörung stellt daher keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Sie dient dazu den Gesamt- zusammenhang zu erschliessen. 6.2 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe- nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver- folgung vor. Diese ist flüchtlin gsrechtlich relevant, wenn die von der Re- flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteile n im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründe- terweise befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 225, unter Hinweis auf EMARK 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem EMARK 1994 Nr. 17). Der Beschwerdeführer macht zu keinem Zeitpunkt gel tend, er sei für die LTTE tätig gewesen. Er weist sogar darauf hin, dass es dem CID wohl le- diglich darum gehe, Informationen über C._______ zu erhalten. Da es dem CID folglich nicht um die Person des Beschwerdeführers geht, ist von einer Reflexverfolgung auszugehen. Laut Aussagen des Beschwerdeführers habe der CID ihn lediglich zwei Mal mitgenommen. Einmal um ihnen zu zeigen, wo er jeweils mit C._______ gewesen sei und mit wem er sich je- weils getroffen habe. Das zweite Mal, um mit vier Personen konfrontiert zu werden. Dabei sei er geohrfeigt worden, weil er den Angehörigen des CID nicht sogleich habe folgen wollen. Diese Schilderungen sind nicht von vorn- herein unglaubhaft, doch erscheinen sie im zeitlichen Kontext nicht kohä- rent. So erscheint es, wie es die Vorinstanz bereits betont hat, zweifelhaft, dass der CID erst (…) Jahre nach C._______ Verschwinden im Jahr (…) beim Beschwerdeführer auftaucht. Die nachgeschobene Behauptung, er sei auch in dieser Zeit vom CID gesucht worden, seine Mutter habe ihm E-1942/2018 Seite 9 dies jedoch verschwiegen, vermag nicht zu überzeugen. Dies insbeson- dere, da er ausdrücklich betont, seine Probleme hätten am (…) 2014 be- gonnen. Es erscheint wenig realistisch, dass sich der CID während der (…) Jahre zwischen dem Verschwinden von C._______ und dem Beginn der Probleme des Beschwerdeführers jeweils durch die Mutter habe abwim- meln lassen und nichts mitbekommen habe. Da B._______ durch den CID festgenommen worden sei und nie eine Ent- lassung oder Flucht angesprochen wurde, erscheint es ebenfalls zweifel- haft, dass der CID diesen später beim Beschwerdeführer gesucht habe. Bezüglich der Suchintensität ist die Auffassung der Vorinstanz zu teilen. Es ist davon auszugehen, dass der CID den Beschwerdeführer mit relativ ein- fachen Mitteln hätte finden können, wären sie tatsächlich derart an seinem Verbleib interessiert gewesen. Dies gilt auch für die Ausreise mit dem ei- genen Pass über den gut kontrollierten Flughafen in (...). Die Erklärung in der Beschwerde, der Pass sei nicht seiner gewesen und habe nur sein Foto aufgewiesen, wirkt nachgeschoben und unglaubhaft. Dies wird dadurch untermauert, dass er betreffend seine Reise von (…) nach (…) bereits an- lässlich der BzP darauf hinwies, dass er mit einem gefälschten (…) Pass gereist sei. Dies hat er bezüglich seines sri-lankischen Passes, welchen er zur Ausreise aus seinem Heimatstaat benutzt habe, bis zur Beschwerde nie erwähnt. Er widerspricht sich ebenso bezüglich der Organisation der Ausreise. Anlässlich der BzP und der Beschwerde soll es ein von der Mut- ter engagierter Schlepper gewesen sein, der die Reise organisiert und ihn zum Flughafen gefahren habe . Bei den Anhörungen erwähnte er jeweils (…). Darüber hinaus erscheint es zweifelhaft, dass der Beschwerdeführer nach Erscheinen des beigebrachten Videos auf YouTube in seiner Heimat wieder energisch gesucht worden sei, zumal er ja zurzeit offensichtlich nicht in seiner Heimat verweilt. Hinsichtlich der Umstände des Todes seines Vaters ist dem Beschwerde- führer insofern beizupflichten, dass seine Angaben nicht derart wider- sprüchlich erscheinen, wie von der Vorinstanz darlegt. Aus dem Protokoll der ersten Anhörung geht zwar hervor, das s sie in den Spital gefahren seien, um nach dem Vater zu schauen und sie dort festgestellt hätten, dass er Wunden gehabt habe. Daraufhin sei der Vater gestorben. Auf die an- schliessende Frage, ob der Vater denn noch gelebt habe, als sie ihn im Spital gesehen hätten, stellt der Beschwerdeführer jedoch klar, der Polizist habe ja bereits gesagt, dass er tot sei. Der Beschwerdeführer spricht im Übrigen durchgehend davon, dass sie die Leiche seines Vaters hätten E-1942/2018 Seite 10 identifizieren müssen. Es ist hier daher eher von einem Verständigungs- problem als von einem Widerspruch auszugehen (vgl. auch den Hinweis des Dolmetschers in A19/16, F76). Bei der angegebenen Todesursache handelt es sich jeweils um Vermutungen. Bei beiden Versionen wird dar- gelegt, der Vater sei eines gewaltsamen Todes gestorben, weshalb auch diesbezüglich nicht von einem Widerspruch auszugehen ist. Es geht zu- dem aus dem Protokoll der ersten Anhörung hervor, dass der Beschwer- deführer mehrmals erklärt hat, die Frage nicht verstanden zu haben. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass der Beschwerdeführer es nicht vermochte, die geltend gemachte bisherige Verfolgung durch den CID glaubhaft darzulegen. Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweis- mittel vermögen an der mangelnden Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Bei diesem Ausgang kann offen blei- ben, ob die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Kenntnis des LTTE- Hintergrundes seiner Familie glaubhaft sind oder nicht. Es erscheint jedoch durchaus möglich, dass den Kin dern in Sri Lanka indoktriniert wird, nicht über die LTTE zu sprechen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass selbst wenn von einer tatsäch- lich stattgefundenen Verfolgung ausgegangen würde , wie sie vom Be- schwerdeführer geschildert wird, diese in ihrer Intensität nicht ausreichen würde, um einen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG zu begrün- den. 6.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend erkannt, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre. 6.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die „Stop-List“, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Akti- vitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könn ten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die Internationale Organisation für Migration begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Fak- toren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine ge- nommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen E-1942/2018 Seite 11 vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigun g der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flücht- lingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (Urteil E - 1866/2015 E. 8.5.5). Gemäss eigenen Aussagen hat der Beschwerdeführer nur einige Male an einer Demonstration gegen die sri -lankische Regierung teilgenommen. Seinen Ausführungen ist sodann zu entnehmen, dass sich seine Rolle auf diejenige eines einfachen Demonstrationsteilnehmers beschränkte. Daran ändert auch das kurze Interview (…) nichts. Eine solche exilpolitische Tä- tigkeit vermag keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen, zumal davon auszugehen ist, dass die sri- lankischen Behö rden blosse „Mitläufer“ von Massenveranstaltungen als solche identifizieren können und diese in Sri Lanka nicht als Gefahr wahr- genommen werden (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.4). 6.3.2 Des Weiteren ist die Frage zu klären, ob dem Beschwerdeführer we- gen seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile drohen würden. Diesbezüglich ist ebenfalls auf das Referenzurteil E-1886/2015 zu verweisen, in welchem das Gericht eine aktuelle Analyse der Situation von (tamilischen) Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen hat. Alleine aus der tamilischen Ethnie und der gut dreieinhalbjährigen Landesabwesenheit kann er keine Gefährdung ab- leiten. Der Beschwerdeführer wurde nach eigenen Aussagen nie vom CID verdächtigt, selbst mit d er LTTE zu sympathisieren oder für dieses tätig gewesen zu sein. Der Beschwerdeführer konnte schliesslich keine expo- nierten exilpolitischen Tätigkeiten nachweisen. In seinem Falle ist somit kein stark risikobegründender Faktor gegeben. Es ist folglich nicht anzu- nehmen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Es mögen zwar bei der Wiedereinreise von Seiten der sri -lankischen Behörden Fra- gen gestellt werden, die vom Beschwerdeführer zu beantworten sein wer- den. Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass er wegen der Ausreise mit - laut eigenen Angaben - gefälschtem Reisepass gebüsst wird. Ein ent- sprechendes Vorgehen seitens des sri-lankisches Staates ist jedoch nicht asylrelevant (vgl. Referenzurteil a.a.O. E. 8.4.4). Dass der Beschwerdefüh- rer aufgrund dieser Umstände flüchtlingsrechtliche Nachteile zu befürchten hätte, erscheint angesichts seiner wenig verdächtigen Vergangenheit in Sri E-1942/2018 Seite 12 Lanka nicht überwiegend wahrscheinlich. Mithi n ist nicht davon auszuge- hen, dass die sri -lankischen Behörden ihm ein Interesse am Wiederauf- flammen des tamilischen Separatismus zuschreiben würden. 6.4 Die Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind nach dem Gesagten ins- gesamt weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. In der angefochtenen Verfügung wird einlässlich und zutreffend begründet, weshalb die Vorbringen des Beschwerdeführers unglaubhaft beziehungs- weise nicht asylrelevant sind. Die Vorbringen auf Beschwerdeebene ver- mögen daran nichts zu ändern. Die Vorinstanz hat daher das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführe r verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwal- tungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flücht- lingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und ande rnfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs - und E-1942/2018 Seite 13 völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Überein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Straf e [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug aktuell nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Ur- teil E -1866/2015 E. 12.2). Auch der Europäische Gerichtshof für Men- schenrechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine un- menschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). 8.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er befürchte bei einer al lfälli- gen Rückkehr nach Sri Lanka lebenslänglich inhaftiert, gefoltert oder auch getötet zu werden. Seine Wegweisung käme einem Verstoss gegen die menschenrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz gleich und sei damit un- zulässig. Daher sei, wenn nicht von einer flüchtlingsrelevanten Verfolgung ausgegangen werde, zumindest die vorläufige Aufnahme zu gewähren und der Vollzug der Wegweisung aufzuschieben. 8.2.2 Die Ausführungen des Beschwerdeführers sind generalisierend und wenig substanziiert. Selbst wenn man von der Glaubhaftigkeit der bisheri- gen Verfolgungen ausgeht, ist ihm gemäss eigenen Aussagen durch Ange- hörige des CID lediglich eine Ohrfeige verpasst worden. Er wurde nie län- ger festgehalten, sondern ist nach den beiden Anhaltungen jeweils sofort freigelassen worden. Anhaltspunkte, dass ihm bei einer Rückkehr nach Sri Lanka eine leb enslängliche Haftstrafe, Folter, eine Ermordung oder eine andere nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung drohen, sind den Akten nicht zu entnehmen. Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen sogenannten "Back- ground Check" (Befragung und Übe rprüfung von Tätigkeiten im In - und Ausland) hinausgehen würden. E-1942/2018 Seite 14 8.2.3 Nachdem der Beschwerdeführer – wie in E. 6.2 ausgeführt – nicht glaubhaft gemacht hat, dass er befürchten müsste, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri -lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine men- schenrechtswidrige Behandlung in Sri Lanka drohen. Somit erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zulässig. 8.3 Zu prüfen ist sodann die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Ge- mäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Auslän- der unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini- scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest- gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Auf- nahme zu gewähren. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Perso- nen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht er- halten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Ar- mut gestossen würden, dem Hunger und somit e iner ernsthaften Ver- schlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.3 ff., m.w.H.). 8.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekom- men, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Exis- tenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 E. 13.2; zum „Vanni-Ge- biet“ vgl. D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 8.3.2 Das SEM führt dazu aus, der Beschwerdeführer habe zuletzt in (...) gewohnt, wo er auch geboren und aufgewachsen sei. Er sei jung, allein- stehend, gesund und habe in Sri Lanka mit seiner Mutter und den jüngeren Schwestern sowie der erweiterten Familie ein tragfähiges Beziehungsnetz. E-1942/2018 Seite 15 Sein Vater sei (…) gewesen und die Familie scheine gestützt auf die Er- sparnisse des Vaters und einer in J._______ lebenden Tante eine ausrei- chende Existenzgrundlage zu haben. 8.3.3 Der Beschwerdeführer weist dahingegen darauf hin, (...) sei nicht so ungefährlich, wie die Vorinstanz dies behaupten würde. So sei es beispiels- weise in letzter Zeit immer wieder zu Angriffen des Flughafens oder Schiff- hafens gekommen. 8.3.4 Hinsichtlich allfälliger individueller Wegweisungshindernisse ist fest- zuhalten, dass sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte ergeben, aufgrund derer geschlossen werden könnte, der aus (...) stammende, - so- weit aktenkundig - gesunde und über eine zehnjährige Schulausbildung verfügende Be schwerdeführer, der nebst seiner Muttersprache (Tamil) auch Singhalesisch und auch ein wenig Englisch spricht, würde im Falle der Rückkehr nach S ri Lanka aus indi viduellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten. In Anbetracht des in seinem Heimatstaat bestehenden familiären und verwandtschaftlichen Beziehungsnetzes ist ausserdem davon auszu- gehen, dass dem Beschwerdeführer die Reintegration leicht fallen dürfte. 8.3.5 Nach dem Gesagten ist nicht von einer konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auszugehen. Somit erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-1942/2018 Seite 16 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da er bedürftig ist und sich die Beschwerde zum Zeitpunkt der Einreichung nicht als aussichtslos präsen- tierte, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrens- kosten ist zu verzichten. Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Ver- zicht der Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) E-1942/2018 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Andrea Berger-Fehr Regina Seraina Goll Versand: