BRKE I Nr. 44/2000 vom 3. März 2000 in BEZ 2000 Nr. 14 9. Der Bundesrat erliess am 23. Dezember 1999 die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV). Die Verordnung steht seit 1. Fe bruar 2000 in Kraft und regelt vorab die Begrenzung der Emissionen von elektrischen und magnetischen Feldern mit Frequenzen von 0 Hz bis 300 GHz (ni ederfrequente und hochfrequente Strahlung), welche durch den Betrieb ortsfester Anlagen erzeugt we r- den (Art. 2 Abs. 1 lit. a NISV). Die Verordnung statuiert I mmissionsgrenzwerte und auf das Vorso rgeprinzip gestützte Anlagegrenzwerte. Die Immissionsgrenzwerte b e- rücksichtigen das Schutzbedürfnis der betroffenen Allgemeinbevölkerung, sowie von Personen mit erhö hter Empfin dlichkeit (Kinder, Schwangere, Kranke und Betagt e usw.). Nach dem Stande der Wissenschaft oder der Erfahrung soll sichergestellt werden, dass Menschen, ihre Lebensgemeinschaft und Lebensräume nicht gefäh r- det werden und die Bevölkerung in ihrem W ohlbefinden nicht erheblich g estört wird (Art. 13 Abs. 2 un d 14 USG; BGE 124 11 230 Erw. 7a; BRKE II Nr. 0113/2000). Nach dem Wortlaut von Art. 1 NISV b eschränkt sich die Anwendung der Verordnung zwar auf den Schutz von Me nschen. Die übrige Umwelt (Pflanzen und Tiere) wird aber indirekt ebenfalls hinreichend gesch ützt, weil sie nach dem heutigen W issens- stand nicht empfindlicher auf nichtionisierende Strahlung reagiert als der Mensch (BUWAL, Erlä uterungen zur NISV vom 23. Dezember 1999, S. 9). Die Verordnung berücksichtigt auch den Umstand, dass die wissenschaftl ichen E rkenntnisse über die Auswirkungen elektromagnetischer Nieder - und Hochfr equenzfelder auf den menschlichen Körper derzeit noch wenig gefestigt sind. So fehlen bezüglich der im vorliegenden Verfahren strittigen hochfrequenten Strahlen insbesond ere repräsenta- tive medizinische bzw. epidemiologische Langzeituntersuchungen (Biolog ische Aus wirkungen nichtionisiere nder elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen und seine Umwelt, B UWAL, Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 121, Bern 1990, S. 26 und 29; BUW AL, Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 302, Nichtionisierende Strahlung, Bern 1998, S. 25).- 2 - 10. a) Bei der Statuierung der Immissionsgrenzwerte hat sich der Gesetzgeber im Wesentlichen auf die Richtlinien der internationalen Strahlenschutzvereinigung (International Non-lonizing Radiation Committee of the International Radiation Pr o- tection Assoc iation [IRPA]) bzw. der daraus hervorgegangenen International Co m- mission o n Non -lonizing Radiation Protection (ICNIRP) abgestützt, welche u.a. auf Empfehlungen der W eltgesundheitsorganisation (W HO) basieren und letztmals im Jahre 1998 überarbeitet worden sind (BUW AL, Erläuterungen zur NISV vom 23. D e- zember 1999, S. 5). Diese IRPA - oder ICNIRP -Richtlinien wurden in der Schweiz schon vor Inkraftsetzung der NISV regelmä ssig zur Beurteilung elektromagnetischer Felder herangezogen (BGE 117 Ib 32 E. 4b; 124 II 230 Erw. b.aa; Robert W olf, Elektrosmog: Zur Rechtslage bei Erste llung und Betrieb von ortsfesten Anlagen, URP 1996, S. 109 ff., Erw. 2.1.2.b). Die von der ICNIRP empfohlene Gren zwertrege- lung basier t auf dem aktuellsten allgemein gültigen W issensstand über die erwies e- nen biologischen Auswirkungen nichtionisierender Stra hlen, die in experimentellen Untersuchungen wiederholt und reproduzierbar erzeugt we rden konnten und für den menschlichen Körper ein Gesundheitsrisiko darstellen (URP 1996, S. 674 und 1997, S. 253; BUW AL, Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 302, a.a.O., S. 17). Der Veror d- nungsgeber hatte deshalb keine Veranlassung, andere – teilweise sehr spekulative – Berechnungsarten un d W irkungsmodelle als Grundlage für die NISV und die dort statuierten Grenzwerte zu verwenden (BGE 124 II 231; Jürg Ba umann, Elektrosmog, BUWAL-Bulletin 2/97; Robert W olf, a.a.O., S. 111 f.; Helmut Kru eger, Elektrosmog, URP 1996, S. 37 ff.; B UWAL, Erläuter ungen zur NISV vom 23. D ezember 1999, a.a.O., S. 5). b) Ausgangspunkt für die Festlegung der Immissionsgrenzwerte im vorliegend relevanten Hochfrequenzbereich war die spezifische Absorptionsrate (SAR). Mit di e- ser d osimetrischen Grösse wird die durch elektr omagnetische Felder verursachte thermische Belastung des Körpers in W /kg (W att pro kg Körpergewicht) definiert. Die ICNIRP -Richtlinien und damit auch die Immissionsgrenzwerte der NISV schü t- zen demnach den menschlichen Körper vor einer unzulässigen Erwärmun g durch hochfrequente Strahlen. Die sogenannte Ganzkörper -SAR stellt einen repräsentat i- ven, über den ganzen Körper gemittelten W ert dar; die aktuelle W issenschaft geht bei Menschen von einer Gefäh rdungsschwelle (auch als Basisgrenzwert b ezeichnet) von 4 W /kg aus (Anton Stettler, Rechtsgrundlagen bezüglich Elektr osmog, URP 1996, S. 154). Die bis anhin nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden durchgeführten Untersuchungen konnten keine nachteiligen nicht -thermischen Auswirkungen hochfrequenter Felder auf den menschlichen Körper nachweisen. Insbesondere e r- gibt sich aus der u nbestrittenen Erkenntnis, dass solche Felder auf gewisse Teile des menschlichen Kö rpers (Augen, Blut - und Immunsystem, Herz - und Kreislauf, Fortpflanzungsorgane, Zen tralnervensystem usw. ) wahrnehmbar stärker einwirken als auf andere, in keiner W eise zwingend, dass an diesen Körperteilen dadurch nachweisbar physische Schädigungen veru rsacht werden (u.a. URP, 1999, S. 821). Nach dem W ortlaut von Art. 14 USG kö nnen zwar Erfahrungen, also etw a die B e- rufs- oder Lebenserfahrung oder auch andere W ahrnehmungen, bei der Grenzwer t- festlegung berücksichtigt werden. Obwohl der Ei nbezug solcher Erfahrungen keine wissenschaftlichen Erklärungen voraussetzt, diese somit durchaus auf subjektiven Wertungen beruhen können, darf - auch im Sinne einer einheitlichen Rechtsanwe n- dung - bei der Beurteilung von Immissionen nicht auf die pe rsönlichen Eindrücke - 3 - des oder der im Einzelfall Betroffenen abgestellt werden. Vorau ssetzung für die B e- rücksichtigung solcher Erfa hrungen ist einerseits vielmehr, dass sie nach den R e- geln der S ozialforschung korrekt erhoben und ausgewertet werden. And ererseits muss der Wirkungszusammenhang zumindest sehr wahrscheinlich erscheinen ( And- ré Schrade/Theo Loretan, Kommentar zum USG, 1998, N. 13 zu Art. 14). Bis anhin liegen jedoch keine repräsentativen Untersuchungen vor, welche mit der notwend i- gen Wahrscheinlichkeit belegen, dass Anlagen der vorliegend strittigen Art bei Me n- schen regelmässig vermehrt Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nervosi tät oder a n- dere ne urovegetative Beschwerden verursachen. Kaum systematisch erfasst und wissenschaftlich e rforscht sind auch die Ursachen dafür, dass bestimmte Personen auf elektromagnet ische Felder sensibler reagieren als die meisten übrigen Me n- schen. Gera de im hier stri ttigen Hochfrequenz -Bereich sind diesbezüglich wenig aussagekräftige Ergebnisse zu finden. Die spärlichen bis heute nach wissenschaftl i- chen Kr iterien durchgeführten U ntersuchungen (u.a. bezüglich des Kurzwellense n- ders Schwarzenburg, der aber technisch und b etrieblich nicht m it der vorliegenden Anlage verglichen werden kann) lassen keine allgemeingültigen Schlüsse darauf zu, inwieweit die genannten körperlichen B eschwerden und die damit verbundene Ei n- schränkung der Lebensqualität in direktem Z usammenhang mit biophysikalischen Mechanismen stehen, welche durch elektroma gnetische Felder der vorliegenden Intensität verursacht werden; als näherliegend ersche inen oftmals ganz andere, e t- wa in persönlichen Lebensumständen liegende Ursachen. Folglich ka nn die Elektro- sensibilität Einzelner nach dem aktue llen Forschungsstand nicht Grenzwertmas s- stab sein (BUW AL, Schriftenreihe U mweltschutz Nr. 302, S. 18 und 26 ff.; Umwel t- recht in der Praxis [URP], 1999, S. 822). Bei der Festlegung der für die Bestimmung der Gren zwerte massgebenden spezifischen Absorptionsrate wurde dennoch einer möglicherweise stark unter schiedlichen Empfindlichkeit einzelner Pers onen sowie der allfäll igen Existenz von Risikogruppen (Kinder, Schulen usw.) mit einem Siche r- heitsfaktor von 50 in ganz erheblichem Umfang Rechnung getragen, so dass die Ganzkörper-SAR den Bereich von 0,08 W /kg nicht überschreiten darf (BUW AL, Schriftenreihe U mweltschutz Nr. 302, a.a.O., S. 46; Helmut Krueger, Elektrosmog, URP 1996, S. 37 ff.). Auf diesem Schwellenw ert basieren im W esentlichen die von der NISV festg e- legten Immission sgrenzwerte. Diese stehen unter dem Vorbehalt abweichender, neuerer und gefestigter wissenschaftlicher Erkenntnisse (BUW AL, Erläuternder B e- richt zur NISV vom 23. Dezember 1999, S. 6). 11. a) Die Immissionsgrenzwerte gelten überall dort, wo sich Menschen norm a- lerweise aufhalten können (Art. 13 Abs. 1 NISV). Die Anwendung ist aber auf jene Strahlung beschränkt, welche gleichmässig auf den ganzen menschl ichen Körper einwirkt (Art. 13 Abs. 2 NI SV). Massgebend ist dabei die gesamte Strahlung, welche an einem bestimmten Ort von allen vorhandenen Strahlungsquellen insgesamt ve r- ursacht wird (BUWAL, Erläuternder Bericht zur NISV vom 23. Dezember 1999, S. 1). Damit wird der Bestimmung von Art. 8 USG N achachtung verschafft, wonach Einwir- kungen sowohl einzeln als auch gesamthaft und nach ihrem Zusammenwirken beu r- teilt werden müssen. Die im vorliegenden Verfahren angefochtene Basisstation der Orange Comm u- nications SA erzeugt elektroma gnetische Felder im H ochfrequenzbereich (f) von rund 1800 MHz (= 1,8 GHz); die niedrigste Frequenz beträgt 1805 MHz. G emäss - 4 - Ziffer 11 Anhang 2 NISV dürfen Sendeanlagen von zellularen Mobilfunknetzen mit einer einzigen Fr equenz die elektrische Feldstärke (E) 1,375 · f V/m (Volt pro Me- ter), die magnetische Feldstärke (H) 0,0037 · f A/m (Ampere pro Meter) sowie die magnetische Flussdichte (B) von 0,0046 · f µT (Mikrotesla) nicht übe rschreiten. Die strittige Anlage hat damit gesamthaft die Immission sgrenzwerte ( I) von 58,42 V/m, 0,157 A/m und 0,195 µT einzuhalten. b) Die private Rekursgegnerin hat die elektromagnetischen Auswirkungen der von ihr geplanten Basisstation auf die Umgebung mittels eines durch das BUW AL konzipierten Prüfungsblattes (als Standortdatenblatt für das detaillierte Ve rfahren bezeichnet) dargelegt, welches Bestandteil des Baugesuches war. Die Konzeption dieser Standortdatenblätter beruhte zwar noch auf dem seinerzeitigen Verordnung s- entwurf. Trotzdem können daraus die für die Grenzwertberechnung nach der nu n- mehr in Kraft stehenden Verordnung vom 23. Dezember 1999 notwendigen Daten ohne weiteres entnommen werden. c) Der zur Basisstation nächstgelegene rekurrentische Ort, an welchem sich im Sinne von Art. 13 Abs. 1 NISV normalerweise Menschen aufhalten, liegt bei der Grundstücksgrenze beim Garten der W ohnliegenschaft S. Die Distanz zum Streito b- jekt beträgt dort im Minimum rund 27,50 m. Die nachfolgenden Immissionsberec h- nungen beziehen sich auf diesen Standort. Bei der Ermittlung der von einer Antennenanlage emittierten elektrom agneti- schen Felder ist vorab die jeweilige äquivalente Leistungsdichte (S) zu bestimmen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich diese mit Zunahme der elektrischen Send e- leistung (P) und des Antennengewinnfaktors (G) vergrössert, d agegen zum Abstand (d) zwischen Antenne und Immissionsort quadratisch abnimmt, was - ohne Berück- sichtigung allfälliger zusätzlicher Leistungsabschwächungen durch A bweichung von der Hauptstrahlrichtung bzw. durch die Gebäudedämpfung - zu folgender Zwische n- formel führt: S = (P · G) : (4 · p · d 2 ). Eine Grenzwertüberschreitung liegt dann vor, wenn der 6 -Minuten-Mittelwert über dem Grenzwert liegt (Ziffer 11 Anhang 2 NISV; Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 164; a.a.O., S. 8). Der Antenne ngewinnfaktor des vorliegenden Anlagetyps beträgt 17 dBi. Die nach der genannten Formel für die B e- rechnung der Leistungsdichte massgebende elektrische Sendeleistung (P) bezeic h- net dabei nicht die (höchst -mögliche) äquivalente Strahlungsleistung in Hauptric h- tung, bezogen auf den Halbwellendipol (englische B ezeichnung: ERP, d.h. effe ctive radiated power), sondern die äquivalente isotrope (d.h. kugelförmige) Strahlung s- leistung in Haup tstrahlrichtung, bezogen auf einen idealen isotropen Strahler (engl i- sche Bezeichnung: EIRP, d.h. effective isotropic radiated p ower), bei welcher der Antennengewinn (G) bereits mitberücksichtigt ist (vgl. Art. 3 Abs. 9 NISV). Dies b e- dingt bei der Bestimmung der Formelgrösse P einen entsprechenden Korrekturfaktor (nämlich: P = [1 ,64 · WERP] : G), ansonsten von einer zu hohen elek trischen Sende- leistung ausgegangen würde. Der vorli egend strittige Antennentyp (540 W ERP) weist damit eine elektrische Sendelei stung von 52,10 W auf (P = [1,64 · 540 W] : 17). Die Antennenanlagen für den Mobilfunk senden ihre Strahlen fokussiert in e i- nen besti mmten horizontal und vertikal beschränkten Bereich aus. Ausserhalb di e- ses Strahlungskegels ist die Intensität erheblich kleiner, was zu einer Leistungsa b- schwächung (g) führt. Eine Reduktion der Strahlungsintensität ergibt sich ferner durch ba uliche A bschirmungen (Mauern etc.). Diese Gebäudedämpfung (d) gilt es - 5 - bei der I mmissionsberechnung, d.h. bei der Bestimmung der äquivale nten Lei s- tungsdichte (S) ebenfalls ei nzubeziehen. Dies ergibt folgende Formel: S = (P · G) : (g · d · 4 · p · d 2 ). Die horizontale ode r vertikale Abweichung eines Messpunktes von der Haup t- strahlrichtung einer Antenne (in Grad) und die damit verbundene Leistungsa b- schwächung (in dB) kann dem Situationsplan in Verbindung mit den Antennendiagrammen, welche j eweils Bestandteile des Standortda tenblattes sind, entnommen werden. Aus physikal ischen Gründen ist in der Praxis von einer Leistungsabschwächung von m aximal 15 dB auszugehen (BUW AL, Beurteilung der NIS-Immissionen neuer Basisstationen von Mobilfunknetzen, Detailliertes Verfahren, 1998, S. 6, FN 1). Hier b eträgt die Abweichung der mit Azimut 100° abstrahlenden Antenne zum Messpunkt im Ga rten S. horizontal rund 90°, was einer Leistungsabschwächung von 15 dB en tspricht. Bei der Antenne Azimut 340° beträgt die horizontale Abweichung rund 30°, was einer Leistungsabschw ächung von 1,50 dB entspricht. Eine vertikale Abweichung ist nicht zu berücksichtigen, da der vertikal mit 6° nach unten gerichtete Haup tstrahl etwa auf den massgebenden Messpunkt im Garten S. gerichtet ist. Dies ergibt für die Ant ennen Azimute 100° und 340° Abschwächungsfaktoren (g = 10 <dB/10> ) von 31,62 und 1,41 (BUWAL, Beurteilung der NIS-Immissionen neuer Basisstationen von Mobi lfunknetzen, a.a.O., S. 7). Eine G e- bäudedämpfung ist im vorliegenden Fall nicht vo rhanden. Nach der F ormel S = (P · G) : (g · d · 4 · p · d 2 ) ergeben sich hier äquivalente Leistungsdichten von 0,00295 W /m 2 und 0,0661 W /m 2 . Die rechnerische Ermittlung der elektrischen Feldstärken (E = 377 ×S ) führt zu 1,05 V/m und 4,99 V/m. Die au s- gestrahlten magnetischen Feld stärken (H = S/377 ) sind mit 0,0028 A/m und 0,013 A/m zu beziffern. Die magnetischen Flus sdichten (B = S/242 ) betragen schliesslich 0,0035 µT und 0,017 µT. Die für beide Orange-Antennen Azimute 100° und 340° ermittelten Einzelimmissionen (Ij) sind für die Berechnung der massgebe n- den Gesamtimmi ssionen (I) der Anlage jeweils für die elekt rischen und magnet i- schen Feldstärken sowie für die ma gnetische Flussdichten nach der Berechnung s- formel I = 2jIS quadratisch zu summieren. Beim Messpunkt im Garten S. ergibt dies eine elektrische Feldstärke von 5,099 V/m, eine magnetische Feldstärke von 0,0133 A/m sowie eine magnetische Flussdichte von 0,0174 µT. Damit hält die streitbetro f- fene Basisstation die entsprechenden Immiss ionsgrenzwerte von 58,42 V/m, 0,157 A/m und 0,195 µT ganz klar ein. d) Bei der Ermittlung der von der strittigen Basisstation ausgehenden Feldstä r- ken und Flussdichten wurde überdies praxisgemäss von permanent voller Ausla s- tung der Anlage ausgegangen, was betri eblich jedoch unreali stisch ist. Gerade nachts und auch zu gewissen Randzeiten am Tag wird erfahrungsgemäss weit w e- niger telefoniert als zu den Spitzenzeiten tagsüber. Zudem können Basisstationen für das Mobilfunknetz mit einer Automatik versehen werden, w elche die Sendelei s- tung der Anlage stets auf den Bedarf, d.h. auf das für die jeweilige Gesprächszahl notwendige Mass beschränkt. So lche Einrichtungen (als Down -Link-Power-Control- System oder power -ramping bezeichnet) gehören heute zum technischen Standard . Auch die Basisstationen der privaten Rekursgegnerin sind regelmässig, also auch im vorliegenden Fall, m it einer solchen lei stungsbeschränkenden Automatik vers e- hen, was zur Folge hat, dass die Maximalleistung von je 540 WERP während längerer Zeitphasen nicht ausgeschöpft wird. Realiter ist d aher in der Umgebung der Anlage - 6 - von einer noch geringeren als der rechnerisch ermittelten Strahlenbelastung ausz u- gehen (BRKE II Nrn. 0092 —0095/1998, S. 9). Daran ändert auch der rekurrentische Standpunkt nichts, bei der vorliegend vorzunehmenden immi ssionsmässigen Beu r- teilung müssten im Sinne von Art. 8 USG auch die elektromagnet ischen Felder a n- derer Sende - und Empfangsanlagen in der Umgebung einbezogen we rden (vor a l- lem die Pager-Antenne auf dem Gebäude H.). Gemäss Art. 14 Abs. 1 NISV führt die zuständige Behörde nur dann eine Immissionsermittlung durch, wenn Grund zur A n- nahme besteht, dass die Immissionsgrenzwerte überschritten werden könnten. Eine Gesamtbetrachtung nach den Summierungsvorschriften von Ziffer 22 A nhang 2 NISV wäre hier deshalb nur dann vorzunehmen, wenn die von der streitbetroff enen Anlage allein erzeugte Strahlung sich in einem Ausmass den massgeblichen Gren z- werten annähern würde , dass deren Überschreitung zumindest möglich erschi ene. Dies trifft hier a ngesichts der deutlich unterschrittenen Immissionsgrenzwerte nicht zu. Die R ekurrenten vermögen für die gegenteilige Auffassung keine substantiierten Gründe vorzubringen. e) Insgesamt erweist sich die rekurrentische Rüge, die Antennenanlage halte die massgebenden Immissionsgrenzwerte nicht ein, als nicht stichhaltig . Das Ba u- vorhaben der privaten Rekursgegnerin entspricht diesbezüglich den Bestimmungen des Umweltschutzgesetzes und ist insoweit bewilligungsfähig. Sollten sich dereinst aufgrund neu erer wissens chaftlicher Erkenntnisse ernsthafte Hinweise auf gesun d- heitsschädigende Auswirkungen der Anlage ergeben, wäre die Baubewilligung nachträglich mit den geb otenen Auflagen zu verknüpfen oder nötigenfalls gar zu w i- derrufen (BEZ 1998 Nr. 21, Erw. 4d mit zahlrei chen Hinweisen). Ohnehin müssen Anlagen, welche dem Umweltschutzgesetz und seinen Ausführungsvorschriften nicht (mehr) genügen, von Gesetzes wegen saniert werden (Art. 16 USG). 12. a) Nach Art. 11 Abs. 2 USG sind alle Emissionen so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Dieses Vo r- sorgeprinzip gilt auch für jene Anlagen, welche - wie vorliegend - die massgebenden Immissionsgrenzwerte einhalten und daher weder schädliche noch lästige Einwi r- kungen im Si nne des Gesetzes verursachen. Die genannte Norm verfolgt das Ziel, Auswirkungen von Anlagen auf die Umwelt generell möglichst gering zu halten. Vo r- ab soll damit im Sinne einer Risikominimierung eine (weitere) Sicherheitsmarge g e- schaffen werden, welche die o ftmalige Unsicherheit über die längerfristigen Auswi r- kungen von Umweltbelastungen berücksichtigt, was gerade bei elektromagnetischen Feldern von besonderer Bedeutung ist (BGE 117 Ib 34 E. 6a; Schriftenreihe U m- weltschutz Nr. 121, a.a.O, S. I und II; Erläuternder Bericht zur NISV vom 23. Deze m- ber 1999, S. 6). Die Anwendung des Vorsorg eprinzips findet jedoch dort seine Gre n- ze, wo die Durchsetzung entsprechender Mas snahmen nicht mehr verhältnismässig wäre. Unter dem Aspekt d er Vorsorge dürfen in sbesondere auch keine Vorkehren verlangt werden, welche die Anlage als solche in Frage stellen. Die Verhältnismä s- sigkeit ist nur gewahrt, wenn die öffentlichen Interessen an weitergehenden Emiss i- onsbeschränkungen die entgegenstehenden privaten Interessen des Anlagebetre i- bers überwiegen. W enn zum vornherein feststeht, dass eine Anlage nur unbede u- tende Emissionen verursacht, ist nach gefestigter Rechtsprechung das Vorso rge- prinzip nicht anwendbar (u.a. BEZ 1998 Nr. 21). In solchen Fällen rechtfertigt sich eine Vorsorge auch mit Blick auf die Ungewissheit über längerfristige Auswi rkungen einer Belastung nicht mehr (Robert W olf, a.a.O., S. 117 f., Erw. d). Die von einer derartigen Anlage ausgehenden Immissionen sind also in der Regel hinz unehmen, - 7 - ohne dass im Einzelfall noch zu prüfen wäre, ob Massnahmen zu deren Begrenzung in Frage k ämen, d.h. technisch und betrieblich möglich bzw. wirtschaftlich tragba r wären (BRKE III Nr. 0132/1999 vom 1. September 1999, S. 14). Dabei ist zu berüc k- sichtigen, dass das Vorsorgeprinzip nach der K onzeption des Umwel tschutzgeset- zes emissionsbegrenzenden und nicht emissionseliminierenden Chara kter hat (BGE 124 II 233). b) Die NISV hat alle Sendeanlagen von zellularen Mobilfunknetzen mit einer äquivalenten Gesamtstrahlungsleistung von mindestens 6 WERP dem Vorsorgeprinzip unterstellt und dafür Anlagegrenzwerte festgelegt. Der Anlagegrenzwert ist die Emissionsbegrenzung für die von einer Anlage allein erzeugten Strahlung (Art. 3 Ziffer 6 NISV). Neue und alte Anlagen müssen im massgebenden Betriebszustan d an Orten mit empfindlicher Nutzung den jeweiligen Anlagegrenzwert einhalten (Ziffer 65 Anhang 2 NISV), welcher für Mobilfunkbasisstationen als Effektivwert der elektr i- schen Feldstärke definiert wird. Als Orte mit empfindlicher Nutzung gelten Räume in Gebäuden, in denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit aufhalten, öffentliche oder private, raumplanung srechtlich festgesetzte Kinderspielplätze sowie diejenigen Flächen von unüberba uten Grundstücken, auf denen Nutzungen nach den Buchstaben a und b zugelassen sind (Art. 3 Ziffer 3 NISV). Im hier relevanten Frequenzbereich um 1800 MHz darf die elektr ische Feldstärke an den genannten Orten mit empfindlicher Nutzung den Anlagegren zwert von 6,0 V/m nicht überschre i- ten (Ziffer 64 lit. b Anhang 2 NISV). Die Grenzwertberechnung unter Ziffer 11c der Erwägungen hat bereits beim Messpunkt im Garten S. e ine geringere elektrische Feldstärke, nämlich 5,099 V/m ergeben, weshalb sich eine B erechnung für die we i- ter entfernten rekurrentischen Räume erübrigt. Dort wä re ohn ehin noch zusätzlich die Gebäudedämpfung zu berücksichtigen. Damit erweist sich die B asisstation der Orange Communications SA auch unter dem Aspekt des Vorsorgepri nzips als rechtskonform.