Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Januar 2015 (720 13 47 / 03) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts; Einholung eines polydisziplinären Ge- richtsgutachtens bei Vorliegen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und fraglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeit; Gestützt auf das Gerichtsgutach- ten Zusprechung einer ganzen Rente ab Eintritt ins Erwachsenenalter Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Daniel Tschopp , Adv o- kat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____ wurde am 19. Juni 2001 unter Hinweis auf das Geburtsgebrechen Ziffer 404 (POS) bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle ) zum Leistungsbezug angemeldet, wobei die Ausrichtung von medizinischen Massnahmen beantr agt wurde. Nach Abklärung der ge- sundheitlichen Verhältnisse wurde das Leistungsbege hren mit Verfügung vom 29. März 2004 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht abgewiesen, da ein angeborenes psychoorganisches Syndrom nur als Geburtsgebrechen aner- kannt werden könne, wenn dieses mit bereits gestellter Diagnose vor Vollendung des neunten Altersjahres behandelt worden sei. Eine dagegen von de r Mutter der Versicherten erhobene Einsprache wurde abgewiesen. Die Versicherte wurde am 2 0. Januar 2006 erneut zum Leis- tungsbezug angemeldet. Mit Verfügung vom 30. Januar 2006 wurden ihr IV-Leistungen in Form einer Sonderschulmassnahme im Externat zugesprochen. Mit S chreiben der Schule Z.____ vom 27. Januar 2009 an die IV-Stelle wurde um Einleitung der Berufsberatung für A.____ gebe- ten. Mit Abschlussbericht der beruflichen Massnahmen vom 26. Oktober 2010 kam die IV- Berufsberatung zum Schluss, dass die Versicherte gemäss den Abklärungen zurzeit wegen massiven Problemen auf der Verhaltensebene nicht ausbild ungsfähig sei. Es sei deshalb der medizinisch-theoretische Sachverhalt abzuklären und die Re ntenfrage zu prüfen. Nach Abklä- rung der medizinischen Verhältnisse und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Januar 2013 eine n Rentenanspruch aufgrund eines Invali- ditätsgrads von 0 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Daniel Tschopp, am 14. Februar 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Lan dschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die Aufhe bung der Verfügung vom 16. Januar 2013 und die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab August 2010. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und es die Beschwerdegegnerin a nzuweisen, weitere Abklärungen vor- zunehmen. Danach sei neu über den Rentenentscheid und d ie beruflichen Massnahmen zu entscheiden, alles unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensr echtlicher Hinsicht beantragte die Be- schwerdeführerin die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung mit Advokat Daniel Tschopp. In der Begründung wurde zusammenfassend ausgeführt, dass die IV- Verfügung vom 29. März 2004 zweifellos unrichtig gewesen sei. Der Beschwerdeführerin hätten bereits damals die notwendigen medizinischen Massnahmen zugesprochen werden müssen, da mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehe n sei, dass bereits vor Vollendung des 9. Altersjahres ein Geburtsgebrechen im Sinne eines POS-Syndroms spezialärztlich bestä- tigt worden sei. Des Weiteren werde bestritten, dass he ute keine krankheitsbedingten Beein- trächtigungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr bestehen würden. Die Beschwerde- führerin sei nicht ausbildungsfähig. Das Gutachten des Begutachtungsinstituts B.____ vom 5. Juli 2011 sei aus formalen und inhaltlichen Gründen nicht beweistauglich. C. Mit Verfügung vom 14. März 2013 wurde der Beschwerd eführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Daniel Tschopp bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 5. April 2013 beantrag te die Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 15. August 2013 s tellte das Kantonsgericht den Fall aus und ordnete die Einholung eines polydisziplinären Ge richtsgutachtens beim Begutach- tungsinstitut C.____ an. Zudem räumte es den Parteien die Gelegenheit ein, sich zum beigeleg- ten Fragekatalog Stellung zu äussern. Mit Eingaben vom 25. September 2013 und vom 15. Ok- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tober 2013 nahmen die Parteien dazu Stellung. Am 4. August 2014 stellte das Begutachtungs- institut C.____ dem Kantonsgericht das Gutachten vom 30. Juli 2014 zu. F. Mit Stellungnahme vom 7. August 2014 hielt die Be schwerdeführerin fest, dass auf das Gerichtsgutachten abzustellen sei. Gestützt darauf sei festzustellen, dass sie aus rein medizini- schen Gründen zu 100 % arbeits- und ausbildungsunfähig se i. Daher sei ihr ab Abschluss der durchgeführten beruflichen Massnahmen am 6. März 2010 ei ne ganze IV-Rente auszurichten. In diesem Sinne sei die Beschwerde gutzuheissen. G. Die Beschwerdegegnerin äusserte sich mit Eingabe vom 10. September 2014 zum Ge- richtsgutachten. Darin wird auf die Stellungnahme des RAD vom 11. August 2014 verwiesen und die Abweisung der Beschwerde beantragt. Auf die in den Schriften vorgebrachten Begründungen d er Parteien und die Akten wird – soweit für die Begründung notwendig – in den Erwägungen ei ngegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 14. Februar 2013 ist einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschw erdeführerin Anspruch auf eine In- validenrente hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 versicherte Pe rsonen, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätig en, nicht durch zumutbare Eingliede- rungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbesser n können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mind estens 40 % arbeitsunfähig gewe- sen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Vo- raussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c). 3.5 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.6 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Zunächst ist zu klären, in welchem Ausmass die Beschwer deführerin aufgrund von ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen. So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zw ingende Gründe" von den Ein- schätzungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufg abe es ist, seine Fachkennt- nisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um e inen bestimmten Sachverhalt medizi- nisch zu erfassen (BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 352 f. E . 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchli ch ist oder wenn ein vom Gericht ein- geholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ausserdem gerechtfertig t sein, wenn gegensätzliche Meinungs- äusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als trift ig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es d ie Überprüfung durch einen Ober- experten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpe rtise vom Ergebnis des Gerichtsgut- achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinwei- sen). In Bezug auf bereits im Rahmen des Verwaltungsver fahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund ein gehender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist laut den Richtlinie n des Bundesgerichts bei der Be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nic ht konkrete Indizien gegen die Zu- verlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.5 Schliesslich ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht noch d arauf zu verweisen, dass der So- zialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklär ung des rechtserheblichen Sachver- halts zu sorgen (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). In be- weisrechtlicher Hinsicht ist nach dem im Sozialversicherungsre cht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden. Die blo sse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1). 5. Anlässlich der Urteilsberatung vom 15. August 2013 ge langte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Ange legenheit gestützt auf die bei den Akten liegenden unterschiedlichen fachärztlichen Berich te nicht möglich sei. Dem von der Be- schwerdegegnerin im Verwaltungsverfahren beim Begutacht ungsinstitut B.____ eingeholten Gutachten vom 5. Juli 2011 könne keine Beweiskraft zukomm en, da es nicht in Kenntnis aller Akten abgegeben worden sei. Zudem bestünden in Bezug auf die Beurteilungen der Einschrän- kungen in der Leistungsfähigkeit zwischen dem behandelnd en Psychiater Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, FMH Kinder- und Jugendpsychiatrie, und dem Gutachter- team des Begutachtungsinstituts B.____ grundlegende D ifferenzen. Gestützt auf die medizini- schen Unterlagen erscheine die Ursache der Verhaltensauffälligkeiten, der Verlangsamung und der Konzentrationsprobleme noch nicht genügend abgeklär t. Daher könne nicht abschliessend beurteilt werden, ob es der Beschwerdeführerin möglich sei, ihr Verhalten zu steuern und die Defizite zu überwinden, um einer geregelten beruflichen Tätigkeit nachzugehen zu können bzw. eine solche zu erlernen. Zur Klärung der medizinischen S achlage gab das Gericht daher beim Begutachtungsinstitut C.____ ein polydisziplinäres Gerichts gutachten in Auftrag (vgl. ausführ- lich: Beschluss vom 15. August 2013). 6.1 Das Gutachterteam des Begutachtungsinstituts C.____ – bestehend aus Dr. med. E.____, Fachärztin für Allgemeinmedizin (fallführende Oberärztin), Dr. med. F.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (psychiatrischer Teil ), Dr. med. G.____, Fachärztin für Neurologie (neurologischer Teil), und Prof. Dr. rer. nat. med. habil. Dipl.-Psych. H.____ (neu- ropsychologischer Teil) – diagnostiziert im Gutachten vo m 30. Juli 2014 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstör ung mit unreifen, zwanghaften und emotional instabilen Zügen (ICD-10: F61.0), DD: Verh altensauffälligkeiten im Rahmen einer anamnestisch einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F99.0), DD: Organi- sche Persönlichkeitsstörung bei anamnestisch beschriebener frü hkindlicher Entwicklungsstö- rung/POS (ICD-10: F07.0), sowie eine Aufmerksamkeitsde fizitstörung (inattentionaler Typus) mit konsekutiver Konzentrations- und Gedächtnisminderun g mit/bei knapp durchschnittlicher gesamtintellektueller Leistungsfähigkeit. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnosti- zieren die Gutachter einen schädlichen Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.1), den Status nach unzulänglicher schulischer Leistung (ICD-10: Z55.3), DD : im Rahmen der psychiat- risch/neuropsychologischen Grunderkrankung, und eine Adiposi tas Grad III bei einem BMI von 41.5 kg/m 2. Im psychiatrischen Fachgutachten hält Dr. F.____ fest, dass die Explorandin auf der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Persönlichkeitsebene deutliche Hinweise auf eine Störung der Persönlichkeit und des Verhal- tens zeige. Diese würden sich anamnestisch bis in die früh e Kindheit nachweisen lassen und bis ins Erwachsenenalter weiter reichen. Hierbei würde n die inneren Erfahrungs- und Verhal- tensmuster deutlich von kulturell erwarteten und akzeptie rten Vorgaben abweichen. Betroffen seien die Kognition, die Affektivität, die Impulskontro lle und die Bedürfnisbefriedigung. Diese würden sich deutlich auf den Umgang mit anderen Mensche n bzw. die Beziehungsgestaltung auswirken. Die Abweichungen würden zu einem Verhalten f ühren, das in vielen persönlichen und sozialen Situationen unflexibel, unangepasst oder au f andere Weise unzweckmässig sei und einen persönlichen Leidensdruck und einen nachhalti gen Einfluss auf die soziale Welt be- wirken würde. Neben diesen allgemeinen Merkmalen der Persönlichkeitsstörung gemäss ICD- 10 würden sich deutliche Züge einer kombinierten Per sönlichkeitsstörung zeigen, die jedoch schwer den gängigen Einteilungen der Persönlichkeitsstöru ng gemäss ICD-10 zuzuordnen sei. Die Explorandin zeige eine reduzierte Fähigkeit, zielger ichtete Aktivitäten andauernd durchzu- halten, insbesondere, wenn es sich um längere Zeiträu me handle und darum, Befriedigungen aufzuschieben. Die Explorandin zeige zudem eine ungeh emmte Äusserung von Bedürfnissen oder Impulsen ohne Berücksichtigung von Konsequenzen oder s ozialen Konventionen. Es handle sich am ehesten um eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit instabilen, unreifen und zwanghaften Zügen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hält Dr. F.____ aus psychiatrischer Sicht fest, dass die Einschränkungen der Explorandin auch und gerade unter Berücksichtigung der knappen Ressourcen und der weitgehend fehlenden Copin g-Mechanismen als nicht mit einer höherprozentigen Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbe itsmarkt vereinbar seien. Diesbezüglich seien das Verhalten der Explorandin in der Untersuchung , die fremdanamnestischen Angaben von Frau X.____ sowie die zur Verfügung stehenden Beri chte aus der Kindheit und Jugend konsistent. Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Explorandin aufgrund der Auswirkungen ihrer kombinierten Persönlichkeitsstörungen auf dem ersten Arbe itsmarkt zu 100 % arbeitsunfähig. Sie sei bezüglich Selbstbehauptungsfähigkeit, Durchhalte fähigkeit sowie Gruppenfähigkeit im Kontakt zu Dritten in ihrer Entscheidungs- und Urteilsf ähigkeit, ihrer Flexibilität und Umstel- lungsfähigkeit sowie der Selbstpflege und der Anpassun g an Regeln und Routinen schwer ein- geschränkt. Kompensationsstrategien zum Umgang mit dies en Defiziten (Ressourcen) würden ihr weitgehend fehlen. Durch eine integrierte psychiatrische, leitliniengeschützte Therapie könne die Arbeitsfähigkeit der Explorandin möglicherweise m ittel- und langfristig verbessert werden. Aufgrund des komplexen Störungsbildes, des langjährigen Verlaufs, der eingeschränkten Res- sourcen und weitgehend fehlenden Coping-Strategien wä re eine psychiatrische Behandlung im stationären Rahmen mit aktivierenden und tagesstrukturie renden Massnahmen und anschlies- sender tagesklinischer Betreuung und längerfristiger am bulanter psychiatrischer Behandlung am erfolgversprechendsten. Nach einem stationären Aufen thalt wäre die Einbindung in einer hochstrukturierten Tätigkeit im Sinne eines geschützten Arbeitsplatzes zur Förderung und Auf- rechterhaltung eines möglichen Therapieerfolges wichtig . Denkbar sei dies zunächst in einem quantitativen Ausmass von 50 % entsprechend vier Stunden pro Tag erfolgversprechend. Die- ses Pensum wäre im Verlauf je nach Einschätzung des amb ulanten Psychiaters bis auf 100 % steigerbar. In qualitativer Hinsicht sei zu berücksichtige n, dass externe Stressoren (Zeit- und Termindruck sowie häufiger oder anspruchsvoller Kundenkon takt oder unübersichtli- che/schwierige Team-Situationen) aufgrund der eingeschr änkten Ressourcen zu vermeiden seien. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Im neurologischen Teilgutachten hält Dr. G.____ zusammenfassend fest, dass wohl seit der frühen Kindheit ein psychoorganischer Symptomenkomp lex bestehe mit im Vordergrund stehenden Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, möglichen kognitiven Einschrän- kungen sowie aktuell als von neurologischer Seite nicht im Vordergrund stehenden allenfalls geringfügigen motorisch koordinativen Störungen und e iner leichten muskulären Dysbalance, die sich im Vergleich zu den beschriebenen Vorbefunden aus der Kindheit als aktuell gebessert bzw. rückläufig zeigen würden. Die Ätiologie der Entwickl ungsstörung sei weiter nicht geklärt und lasse sich aktuell retrospektiv aus Sicht der Erwachsenenneurologie syndromal nicht weiter zuordnen. Insgesamt stünden aus neurologischer Sicht di e Aufmerksamkeits- und Konzentrati- onsstörungen im Vordergrund, welche bereits seit frühes ter Kindheit bestehen würden und zu den Schwierigkeiten im Rahmen der Schulbildung und späteren Ausbildung geführt hätten. 6.3 Im neuropsychologischen Teil hält Prof. H.____ fest , dass bei der insgesamt als alters- und bildungsentsprechend knapp durchschnittlich intelligent einzustufenden Explorandin Beein- trächtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit im Sin ne einer reduzierten Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung festgestellt werden könnten. D iese komme vor allem unter komple- xeren Aufgabenbedingungen zum Tragen. Zudem habe eine reduzierte mentale Flexibilität, insbesondere bei intrinsisch zu organisierenden Aufgaben, festgestellt werden können. Insge- samt verfüge die Explorandin nicht über eine dem Alter entsprechende Fähigkeit zur Hand- lungssteuerung und Reflexion. Dies dürfte auch der Grun d für die sozialen Interaktionsschwie- rigkeiten sein. Andererseits würden die relativ gut au sgeprägten anschauungs- und sprachge- bundenen Leistungen eine im Verlauf der Entwicklung s tattgehabte, relative Kompensation zei- gen, die eine förderungswürdige Eigenständigkeit im A lltag gewährleisten würde. Vor dem Hin- tergrund der bereits dargestellten kapazitativen Ressource n könne neuropsychologischerseits bei der Explorandin insbesondere für leichte und geleg entlich mittelschwere Tätigkeiten ohne Ausbildungsanforderungen unter der Voraussetzung, dass diese Tätigkeiten inhaltlich nur einen geringgradigen Eigenverantwortungs- und Eigenorganis ationsgrad erfordern würden, durchaus eine residuale Arbeitsfähigkeit angenommen werden. Ta tsächlich könne eine regelmässige Ar- beitstätigkeit bei der Explorandin vorhandene Ressourcen sinnstiftend aktivieren und somit ei- ner Chronifizierung der Gesamtkonstellation vorbeugen. Im Hinblick auf die Schwierigkeiten im sozial-interaktiven Bereich sei jedoch hierbei eine sozio therapeutische Begleitung angezeigt und angesichts des relativ jungen Alters der Explorandin aussichtsreich. 6.4 In der Gesamtbeurteilung hält das Gutachterteam f est, dass in diagnostischer Hinsicht keine wesentlichen Diskrepanzen zu den medizinischen Vorbeurteilungen bestehen würden. Im Gegensatz zum Gutachten des Begutachtungsinstituts B.____ könne aber über die von diesem hinaus gestellte Diagnose der kombinierten Entwicklungsstörung mit Wahrnehmungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit und Koordinationsstörungen zusätzlich die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung gestellt werden. Differenzialdiagn ostisch müssten die Verhaltensauffäl- ligkeiten der Explorandin im Rahmen der aktuell bestäti gten Aktivitäts- und Aufmerksamkeits- störung sowie im Rahmen einer organischen Persönlichkeitsst örung bei frühkindlicher Entwick- lungsstörung/POS gesehen werden. Bei insgesamt knapp durchschnittlicher gesamtintellektuel- ler Leistungsfähigkeit im Rahmen der aktuellen neuropsy chologischen Untersuchung würden die Verhaltensauffälligkeiten der Explorandin in er ster Linie im Rahmen der Aufmerksamkeits- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht defizit-Symptomatik mit Konzentrations- und Gedächtnismind erung und darüber hinaus im Rahmen der aktuell auch testpsychologisch unterstützten Diagn ose eines stattgehabten früh- kindlichen psychoorganischen Syndroms gewertet werden. Man gehe davon aus, dass die Ver- haltensauffälligkeiten der Explorandin einen organisch en Kern hätten, der sich möglicherweise zwischenzeitlich im Rahmen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung manifestiert habe. Auch wenn eine genaue ätiologische Zuordnung der Störung n icht abschliessend möglich gewesen sei, werte man die im Vordergrund stehenden Verhalten sauffälligkeiten im sozialen Bereich als schwerwiegend, krankheitsbedingt und von der Explorandi n als nicht überwindbar. Grundsätz- lich stehe das Ergebnis der Begutachtung daher in Übere instimmung zur Einschätzung des ambulant behandelnden Psychiaters Dr. D.____. Die Ein schätzung des Begutachtungsinstituts B.____, wonach im psychiatrischen Fachgebiet keine eigentl iche Diagnose gestellt werden könne, könne nach heutiger Einschätzung nicht bestätigt w erden. Man gehe zwar damit kon- form, dass keine eigentliche Intelligenzminderung vorlie ge. Jedoch gehe man von einer kom- plexen psychiatrischen Diagnose aus, die es der Explorandin verunmögliche, ihre sich im sozia- len und im Verhaltensbereich manifestierenden Verhal tensauffälligkeiten aus eigener Kraft zu überwinden. Nach heutiger Einschätzung bestehe eine sch were Störung. Zur Verhinderung einer weiteren Chronifizierung bestehe dringender Th erapiebedarf. Es könne zwar bestätigt werden, dass das Scheitern der beruflichen Massnahmen be i der Explorandin nicht in erster Linie auf Grund eines Intelligenz-Defizits und auch nich t auf Grund der diagnostizierten Auf- merksamkeits- und Konzentrationsstörung erfolgt sei, sonde rn auf die krankheitsbedingten Schwierigkeiten der Explorandin im sozialen und im Ver haltensbereich zurückgeführt werden müsse. Anders als durch das Begutachtungsinstitut B.____ p ostuliert, werte man aber die Ver- haltensauffälligkeiten im Rahmen eines somatisch-orga nischen Kerns bei wahrscheinlichem stattgehabtem POS und möglicher zwischenzeitlicher Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung. Kompensations- und Coping-Strategien würden der Explorandin aufgrund der organischen Per- sönlichkeitsstörung weitestgehend fehlen. Diese Einschätzun g gehe konsistent mit den fremd- anamnestischen Angaben der Betreuungsperson aus den Y. ____ Läden (Telefonat mit Frau X.____ im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung) sowie den Berichten der beruflichen Abklärung vom 12. März 2010 und vom 26. Oktober 2010. Di e Explorandin könne nach aktuel- ler Einschätzung ihre Verhaltensauffälligkeiten nicht w illentlich kontrollieren oder überwinden und sei nach gesamtmedizinischer Einschätzung auf dem erste n Arbeitsmarkt nicht vermittel- bar. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit halten die Ger ichtsgutachter fest, dass die Explorandin auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig und auch nicht ausbildungsfähig sei. Durch die Etablierung einer Leitlinien-gestützten Therapie erscheine eine Stabilisierung des Krankheitsbil- des möglich. Eine stabile Arbeitsfähigkeit im ersten A rbeitsmarkt könne dabei perspektivisch nicht erwartet werden. Aufgrund des komplexen Störungsbilds mit inzwischen langjährigem Ver- lauf und eingeschränkten Ressourcen sei eine solche Massnahme vorzugsweise im stationären Rahmen durchzuführen. Bei Erfolg einer solchen Massnahm e wäre eine Einbindung an einem geschützten Arbeitsplatz zur Förderung und Aufrechterhaltung eines möglichen Therapieerfolgs denkbar. 7.1 Mit Eingabe vom 7. August 2014 stellte die Beschwerd eführerin fest, dass das Gerichts- gutachten voll beweistauglich sei. Es komme zum klaren Sch luss, dass die Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgrund der Störung nicht arbeits- und auch nicht ausbildungsfä- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht hig sei. Gestützt darauf sei die Beschwerdegegnerin z u verpflichten, ihr die von Gesetzes we- gen zustehenden Leistungen auszurichten. Konkret seien ihr bis 6. März 2010 berufliche Mass- nahmen gewährt worden. Daher sei ihr ab erfolgter Ei nstellung der beruflichen Massnahmen am 1. März 2010 eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten. 7.2 Die Beschwerdegegnerin hielt unter Hinweis auf di e Stellungnahme von Dr. med. I.____, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, vom 11. Augu st 2014 an der Abweisung der Beschwerde fest (Stellungnahme vom 10. September 2014). 7.3.1 Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 4.4 hiervor) , weicht das Gericht bei Gerichtsgutach- ten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Expertinnen und Experte ab. Vorliegend sind keine Grün de ersichtlich, die Anlass geben könn- ten, die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens vom 30. Juli 201 4 in Frage zu stellen oder gar da- von abzuweichen. Es ist vielmehr festzustellen, dass das Gut achten die rechtsprechungsge- mässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsg rundlage in jeder Hinsicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtig t die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchte t in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und es nimmt insbeson- dere eine äusserst differenzierte und überzeugende Beurt eilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor. Das Gutachten weist sodann keine Widersprü- che auf. Es enthält eine ausführliche Darlegung und ei ngehende Würdigung der medizinischen Aktenlage. Es setzt sich auch ausführlich mit den bei de n Akten liegenden abweichenden fach- ärztlichen Einschätzungen auseinander. So legt es insbeso ndere einlässlich dar, weshalb nicht auf die Ergebnisse des Gutachtens des Begutachtungsinstit uts B.____ vom 5. Juli 2011 abge- stellt werden kann. Die entsprechenden, vorstehend in Er wägung 5.2 wiedergegebenen Darle- gungen des Gutachterteams sind überzeugend, so dass an d ieser Stelle von einer weiteren Auseinandersetzung mit der abweichenden Einschätzung de s Begutachtungsinstituts B.____ abgesehen und stattdessen vollumfänglich auf die schlüssig en fachärztlichen Ausführungen im Gerichtsgutachten verwiesen werden kann. 7.3.2 Soweit die Beschwerdegegnerin gestützt auf die S tellungnahme von Dr. I.____ vom 11. August 2014 die Ausrichtung einer IV-Rente ablehnt, kan n ihr nicht gefolgt werden. Dr. I.____ führt in seiner Stellungnahme aus, dass die zum Begutach tungsinstitut B.____ unterschiedliche Einschätzung des Gutachterteams des Begutachtungsinstituts C .____ im Wesentlichen durch die psychiatrische Beurteilung von Dr. F.____ zustande ge kommen sei. Die Einschätzung von Dr. F.____ beruhe hauptsächlich auf der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung. Es sei zwar nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführerin intellektue ll anspruchsvolle Tätigkeiten weder möglich noch zumutbar seien. Es sei aber nicht nachvollziehb ar, weshalb intellektuell sehr ein- fache, strukturierte und einfach überblickbare Tätigkeiten unter guter Anleitung, ohne besonde- re Anforderungen an Sozialkompetenz und Präsentation, nicht einmal ansatzweise zumutbar seien. Angesichts in mehreren Aspekten erhaltener Funkti onsfähigkeit im Alltag (könne den PC bedienen, mit Facebook arbeiten, die anfallenden Hausa rbeiten mehrheitlich erledigen, sich mit Freunden treffen) sei nicht nachvollziehbar, weshalb d ie geltend gemachte Persönlichkeitsstö- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung eine vollständige Arbeitsunfähigkeit begründen könne. Auch mit einer Persönlichkeitsstö- rung sollte es möglich sein, an geeigneten Arbeitsplät zen eine Arbeit zu leisten. Zu bemerken sei, dass ganze drei Jahre zwischen den beiden Gutachten li egen würden, so dass gerade an- gesichts des jungen Alters der Beschwerdeführerin eine g ewisse zwischenzeitliche Verschlech- terung möglich sei, die einen Teil der unterschiedlichen Einschätzungen erklären könne. 7.3.3 Dr. I.____ stellt die Zuverlässigkeit der Beurtei lung des Begutachtungsinstituts C.____ nicht grundsätzlich in Frage. In Bezug auf die Frage j edoch, ob der Beschwerdeführerin noch Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt zumutbar sind, weicht seine Einschätzung von derjeni- gen des Gerichtsgutachtens ab. Dabei verweist er in erst er Linie auf die Funktionsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Alltag. Dieser Schluss ist aber, wenn man sich die Ausführungen der Gerichtsgutachter vor Augen hält, gerade im Fall der Beschwerdeführerin nicht zulässig. Denn der Beschwerdeführerin fehlen aufgrund ihrer Erkrankun g diejenigen Fähigkeiten, die es im Berufsleben braucht, um zu bestehen. So kann sie sich nicht selbst behaupten, kann keine Auf- gabe zu Ende führen, kann sich nicht überwinden oder si ch im Kontakt mit Dritten adäquat ver- halten. Es gelingt ihr auch nicht, flexibel zu sein od er sich an Regeln zu halten. Es spielt daher keine Rolle, ob sie typische Freizeitbeschäftigungen auszuü ben vermag, da sie diese nach ih- rem Belieben und ihren eigenen Bedürfnissen steuern und erledigen kann; eine Möglichkeit, die ihr in der Arbeitswelt gerade nicht gegeben ist. Sie ka nn ihr Verhalten im sozialen Bereich nicht steuern und diese Auffälligkeiten nicht aus eigener K raft überwinden. Aus diesem Grund geht der Vergleich zu erhaltenen Alltagsfunktionen fehl. Hi nzu kommt, dass Dr. I.____ keine konkre- ten Tätigkeiten oder Arbeitsstellen aufzeigt, die sein er Meinung nach noch möglich sind. Seine Profilangabe (intellektuell sehr einfache, strukturiert e und einfach überblickbare Tätigkeit unter guter Anleitung, ohne besondere Anforderungen an di e Sozialkompetenz und Präsentation) weist enge Bezüge zu einer Tätigkeit in einer geschützte n Werkstatt auf. Seine Ausführungen vermögen daher an der Schlüssigkeit des Gutachtens und de r Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nichts zu ändern. 8. Die Zuverlässigkeit und Vollständigkeit des Gerichtsgut achtens steht damit ausser Fra- ge, weshalb es für die Beurteilung der Rentenfrage massgebend ist. Die Gutachter des Begut- achtungsinstituts C.____ haben klar dargelegt, dass die K rankheit der Beschwerdeführerin so schwerwiegend ist, dass ihr die Verwertbarkeit der Arb eitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt sozi- alpraktisch nicht mehr zumutbar ist und auch eine Verwe rtung derselben für die Gesellschaft nicht tragbar ist. Auch in einem geschützten Arbeitsplat z besteht keine verwertbare Arbeitsfä- higkeit. Dass das Leiden möglicherweise therapierbar ist , wie es die Gerichtsgutachter festge- stellt haben, ändert am invalidisierenden Charakter der psychischen Gesundheitsstörung nichts. Daher hat sie als Frühinvalide gemäss Art. 29 Abs. I IVG ab 1. August 2010 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Die Beschwerde erweist sich als begr ündet, weshalb sie gutzuheissen und die Verfügung vom 16. Januar 2013, mit der die Be schwerdegegnerin den Anspruch auf eine IV-Rente verneint hat, aufzuheben ist. 9.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Gemäss Art . 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht koste npflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessor dnung (VPO) vom 16. Dezem- ber 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemesse- nem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegne rin unterliegende Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorin stanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskoste n auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die Beschwerdegegnerin als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Es werden deshalb keine Verfahrenskosten erhoben. 9.2 Die Kosten für das Gerichtsgutachten in Höhe von in sgesamt Fr. 13‘076.65 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Mit BGE 139 V 496 E. 4 .4 hat das Bundesgericht für den Be- reich der Invalidenversicherung Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage zu be- rücksichtigen sind, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens d er Verwaltung auferlegt werden können. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Untersuchungsman- gel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellationen der Fall: Wen n ein manifester Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztlichen Auffassu ngen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete Argumente e ntkräftet habe (BGE 135 V 465 E. 4.4, siehe auch BGE 139 V 225 E. 4 und Urteil des Bun desgerichts vom 27. Juni 2013, 8C_71/2013, E. 2); wenn die Verwaltung zur Klärung d er medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise a bgestellt habe, welche die Anforde- rungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (BGE 125 V 351 E. 3a). Wenn die Verwaltung dagegen den Untersuchungsgrundsatz res pektiert und ihre Auffassung auf ob- jektive konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Expertise ge- stützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinsta nzlichen Gerichtsgutachtens an sie nicht gerechtfertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens). Vorliegend wurden von der Beschwerdeführerin keine neu en Beweismittel aufgelegt, die das Kantonsgericht veranlasst hätten, das Gerichtsgutachten ei nzuholen. Stattdessen stellte es im Beschluss vom 15. August 2013 fest, dass das Gutachten des B egutachtungsinstituts B.____ formelle und inhaltliche Mängel aufweise. Zudem bestand ein manifester Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten psychiatrischen Auff assungen. Diese Umstände wurden von der Beschwerdeführerin bereits im vorinstanzlichen Verfahren gerügt. Unter diesen Umständen ist es gerechtfertigt, die Kosten der Begutac htung der Beschwerdegegnerin zu auf- erlegen. 9.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist der Beschwerde- führerin deshalb eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 1 2. November 2014 einen Zeitaufwand von 13 Stunden und 40 Minuten geltend gemacht, was sic h umfangmässig als angemessen erweist. Damit ist der Beschwerdeführerin eine Parteien tschädigung in der Höhe von Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 3‘740.75 (13 Stunden und 40 Minuten à Fr. 250.- - plus Auslagen von Fr. 277.10 und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 16. Januar 2013 aufgehoben und es wird festgestellt, d ass die Be- schwerdeführerin ab 1. August 2010 Anspruch auf eine ga nze IV- Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 13‘076.65 werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘740.75 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht