<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2022-11-22-1B_273-2022.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1B_273/2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 22. November 2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. öffentlich-rechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichterin Jametti, präsidierendes Mitglied, </div> <div class="para">Bundesrichter Chaix, Haag, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Mattle. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hans M. Weltert, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn, </div> <div class="para">Franziskanerhof, Barfüssergasse 28, </div> <div class="para">Postfach 157, 4502 Solothurn. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Strafverfahren; Entsiegelung, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. April 2022 des Haftgerichts des Kantons Solothurn </div> <div class="para">(ZMAL.2021.33-HGRSTB). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">C.B.________ ist obhutsberechtigter Vater von D.B.________. C.B.________ kontaktierte am 14. und am 17. Oktober die Polizei des Kantons Solothurn und meldete seinen Sohn als vermisst, nachdem die Kindsmutter E.B.________ diesen nach einem Ferienaufenthalt nicht wie vereinbart zu ihm zurückgebracht hatte. Die Staatsanwaltschaft Kanton Solothurn eröffnete eine Strafuntersuchung gegen E.B.________ wegen des Verdachts der Entziehung von Minderjährigen bzw. Entführung. Die eingeleiteten Ermittlungen führten zur Erkenntnis, dass sich E.B.________ mit dem gemeinsamen Sohn ins nahe Ausland abgesetzt hatte und dort untergetaucht war. Im Zuge der Ermittlungsarbeiten wurden verschiedene Überwachungsmassnahmen angeordnet, die Mitte November 2021 zum Auffinden der Kindsmutter und zur Rückführung von D.B.________ zu seinem Vater führten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Die Ermittlungen zeigten auf, dass E.B.________ nicht alleine handelte, sondern von verschiedenen Personen unterstützt wurde. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft fiel auch auf A.________, weshalb gegen diese am 15. November 2021 ebenfallseine Strafuntersuchung wegen Freiheitsberaubung und Entführung eröffnet wurde. </div> <div class="para">Anlässlich einer Hausdurchsuchung am Wohnort von A.________ wurden am 16. November 2021 diverse Unterlagen und verschiedene elektronische Datenträger sichergestellt. A.________ verlangte umgehend die Siegelung aller bei ihr sichergestellten Unterlagen und Geräte. Mit Schreiben vom 26. November 2021 verzichtete sie auf die Siegelung eines Teils der sichergestellten Unterlagen und Geräte. Am 3. Dezember 2021 beantragte die Staatsanwaltschaft beim Haftgericht des Kantons Solothurn die Entsiegelung eines Teils der sichergestellten Unterlagen und Geräte. </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 28. April 2022 hiess das Haftgericht das Entsiegelungsgesuch teilweise gut. Es hiess die Entsiegelung verschiedener bei A.________ sichergestellten Unterlagen und Geräte gut und gab diese zur Auswertung frei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Gegen die Verfügung des Haftgerichts vom 28. April 2022 hat A.________ am 30. Mai 2022 Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht erhoben. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das Entsiegelungsgesuch der Staatsanwaltschaft sei im Umfang der im vorinstanzlichen Verfahren gestellten Anträge abzuweisen. Die Staatsanwaltschaft beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Das Haftgericht hat auf Vernehmlassung verzichtet. Mit Verfügung vom 15. Juni 2022 hat das präsidierende Mitglied der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuerkannt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Angefochten ist ein Entscheid des Haftgerichts betreffend die Entsiegelung von Unterlagen und Gegenständen, die in einem Strafverfahren in Anwendung von <span class="artref">Art. 246 ff. StPO</span> sichergestellt wurden. Es handelt sich um einen kantonal letztinstanzlichen Entscheid in einer Strafsache (vgl. Art. 78 Abs. 1 und <span class="artref"><artref id="CH/173.110/80/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/80/1" type="start"></artref>Art. 80 Abs. 1 und 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/80/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref> i.V.m. <span class="artref">Art. 248 Abs. 3 lit. a und <artref id="CH/312.0/380" type="start"></artref>Art. 380 StPO</span><artref id="CH/312.0/248/3/a" type="end"></artref>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Der angefochtene Entscheid schliesst das Strafverfahren gegen die Beschwerdeführerin nicht ab; es handelt sich um einen Zwischenentscheid. Die Beschwerdeführerin macht ausreichend substanziiert geltend, dass der Entsiegelung geschützte Geheimhaltungsrechte entgegenstehen. Damit droht ihr ein nicht wieder gutzumachender Nachteil im Sinne von <span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG</span> (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=22.11.2022&amp;to_date=11.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-462%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page462">BGE 143 IV 462</a> E. 1). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.</b> Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 81 Abs. 1 lit. a und b Ziff. 1 BGG zur Beschwerde berechtigt. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde in Strafsachen vorbehältlich zulässiger und genügend begründeter Rügen (vgl. Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 i.V.m. <span class="artref">Art. 95 und <artref id="CH/173.110/97/1" type="start"></artref>Art. 97 Abs. 1 BGG</span><artref id="CH/173.110/95" type="end"></artref>) einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Das Bundesgericht überprüft Entscheide über strafprozessuale Zwangsmassnahmen mit freier Kognition. Die nach <span class="artref">Art. 98 BGG</span> (für vorsorgliche Massnahmen) vorgeschriebene Beschränkung der Beschwerdegründe ist nicht anwendbar (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=22.11.2022&amp;to_date=11.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-IV-57%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page57">BGE 140 IV 57</a> E. 2.2). Dies gilt auch für die Entsiegelung (Urteile 1B_367/2022 vom 13. Oktober 2022 E. 2 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung von <span class="artref">Art. 29 BV</span> und bringt vor, die Vorinstanz sei nicht auf alle von ihr eingebrachten Argumente eingegangen, namentlich nicht auf diejenigen, welche sie in ihrer zweiten Stellungnahme vom 19. April 2022 vorgebracht habe. </div> <div class="para">Der Anspruch auf rechtliches Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>) verlangt, dass die Behörde die rechtserheblichen Vorbringen der Parteien tatsächlich hört, ernsthaft prüft und bei der Entscheidfindung angemessen berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=22.11.2022&amp;to_date=11.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-II-49%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page49">BGE 142 II 49</a> E. 9.2<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=22.11.2022&amp;to_date=11.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-229%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page229">136 I 229</a></span> E. 5.2; je mit Hinweisen). </div> <div class="para">Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Urteil ausreichend mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt, sodass diese das Urteil in voller Kenntnis der Sache an das Bundesgericht weiterziehen konnte. Dies gilt namentlich auch für die von der Beschwerdeführerin erst in der zweiten Stellungnahme vorgebrachten Argumente (vgl. nachfolgend E. 4.2). Eine Verletzung der aus <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span> fliessenden Begründungspflicht ist zu verneinen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin rügt sodann, die Vorinstanz habe den Sachverhalt fehlerhaft festgestellt und Beweise willkürlich gewürdigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.1.</b> Nach <span class="artref">Art. 105 BGG</span> legt das Bundesgericht seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Abs. 1). Es kann diese Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen berichtigen oder ergänzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von <span class="artref">Art. 95 BGG</span> beruht (Abs. 2). Von der beschwerdeführenden Person kann die Feststellung des Sachverhalts wiederum nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich (<span class="artref">Art. 9 BV</span>) ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von <span class="artref">Art. 95 BGG</span> beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (<span class="artref">Art. 97 Abs. 1 BGG</span>). Eine entsprechende Rüge ist substanziiert vorzubringen (<span class="artref">Art. 42 Abs. 2 BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.2.</b> Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Vorinstanz habe Sachverhaltselemente nicht berücksichtigt, welche sie im vorinstanzlichen Verfahren mit einer Eingabe vom 19. April 2022 eingebracht habe. Die Vorinstanz habe diese Eingabe in der angefochtenen Verfügung zu Unrecht als verspätet bezeichnet. </div> <div class="para">Richtig ist, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ausführte, die zweite Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 19. April 2022 sei nach Ablauf der von ihr gesetzten Frist eingereicht worden und damit grundsätzlich verspätet. Die Vorinstanz hat die Stellungnahme jedoch zu den Akten genommen, erst am 28. April 2022 über das Entsiegelungsgesuch entschieden und die von der Beschwerdeführerin neu vorgebrachten Punkte in der angefochtenen Verfügung ausreichend behandelt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.3.</b> Die Beschwerdeführerin rügt sodann nicht substanziiert, inwiefern die Vorinstanz den entscheidwesentlichen Sachverhalt geradezu willkürlich festgestellt oder Beweise willkürlich gewürdigt haben sollte. Dies ist auch nicht ersichtlich. </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe in der angefochtenen Verfügung ihren Bruder nicht erwähnt. Der Bruder habe E.B.________, deren Sohn und sie nach Deutschland gefahren und sei ebenfalls in Kontakt gewesen mit F.________, bei dem sich E.B.________ und deren Sohn in Deutschland aufgehalten haben. Dieses tatsächliche Vorbringen ist für die Beurteilung der sich stellenden Rechtsfragen jedoch nicht wesentlich (vgl. nachfolgend E. 6.3). </div> <div class="para">Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, die Vorinstanz sei fälschlicherweise davon ausgegangen, die Rufnummer eines zeitweise von der Beschwerdeführerin benutzten Mobiltelefons sei auf die Beschwerdeführerin registriert. Zwar hat die Staatsanwaltschaft im bundesgerichtlichen Verfahren anerkannt, dass dieser Einwand der Beschwerdeführerin richtig ist und die Rufnummer stattdessen auf die Mutter der Beschwerdeführerin registriert ist. Dieser Umstand ist jedoch ebenfalls nicht entscheidwesentlich (vgl. nachfolgend E. 6.3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.4.</b> Auch die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin lassen keine offensichtlich unrichtige Feststellung des entscheidwesentlichen Sachverhalts und keine willkürliche Beweiswürdigung erkennen. Die Beschwerdeführerin dringt mit ihrer Rüge an der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung nicht durch. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.1.</b> Schriftstücke, Ton-, Bild- und andere Aufzeichnungen, Datenträger sowie Anlagen zur Verarbeitung und Speicherung von Informationen dürfen durchsucht werden, wenn zu vermuten ist, dass sich darin Informationen befinden, die der Beschlagnahme unterliegen (<span class="artref">Art. 246 StPO</span>). Als strafprozessuale Zwangsmassnahme setzt die Durchsuchung von Aufzeichnungen allgemein voraus, dass ein hinreichender Tatverdacht vorliegt (<span class="artref">Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO</span>) und der mit ihr verbundene Eingriff verhältnismässig ist (<span class="artref"><artref id="CH/312.0/197/d" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/197/1/d" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/197/1/c" type="start"></artref>Art. 197 Abs. 1 lit. c-d StPO</span><artref id="CH/312.0/197/1/d" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/197/d" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/d" type="end"></artref>). </div> <div class="para">Aufzeichnungen und Gegenstände, die nach Angaben der Inhaberin oder des Inhabers nicht durchsucht oder beschlagnahmt werden dürfen, sind zu versiegeln und dürfen von den Strafbehörden weder eingesehen noch verwendet werden (<span class="artref">Art. 248 Abs. 1 StPO</span>). Stellt die Strafbehörde ein Entsiegelungsgesuch (vgl. <span class="artref">Art. 248 Abs. 2 StPO</span>), hat im Vorverfahren das Zwangsmassnahmengericht darüber zu entscheiden, ob die von der Inhaberin oder dem Inhaber der versiegelten Aufzeichnungen und Gegenstände angerufenen Geheimnisinteressen einer Durchsuchung und weiteren strafprozessualen Verwendung durch die Strafverfolgungsbehörde entgegenstehen (vgl. <span class="artref">Art. 248 Abs. 3 StPO</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.2.</b> Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson können beschlagnahmt werden, unter anderem wenn sie voraussichtlich als Beweismittel gebraucht werden (<span class="artref">Art. 263 Abs. 1 lit. a StPO</span>). Zu Beweiszwecken sichergestellte Unterlagen und Daten, deren Entsiegelung die Staatsanwaltschaft verlangt, müssen für die Strafuntersuchung von Bedeutung sein (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=22.11.2022&amp;to_date=11.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-IV-189%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page189">BGE 137 IV 189</a> E. 5.1.1 mit Hinweisen). Die Rechtsprechung stellt insoweit keine hohen Anforderungen. Es genügt, wenn die Staatsanwaltschaft aufzeigt, dass sich unter den versiegelten Unterlagen und Daten mutmasslich solche befinden, die für das Strafverfahren relevant sind. Immerhin sind mit Blick auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit die Entsiegelung und Durchsuchung von Aufzeichnungen in sachlicher oder zeitlicher Hinsicht einzuschränken, soweit ein Teil der gesiegelten Daten offensichtlich nicht untersuchungsrelevant ist (vgl. Urteile 1B_70/2022 vom 16. August 2022 E. 4.2 und 1B_611/2021 vom 12. Mai 2022 E. 4.1 mit Hinweisen). </div> <div class="para">Nicht beschlagnahmt werden dürfen gemäss <span class="artref">Art. 264 Abs. 1 StPO</span> Unterlagen aus dem Verkehr der beschuldigten Person mit ihrer Verteidigung (lit. a), persönliche Aufzeichnungen und Korrespondenz der beschuldigten Person, wenn ihr Interesse am Schutz der Persönlichkeit das Strafverfolgungsinteresse überwiegt (lit. b), sowie Gegenstände, namentlich Aufzeichnungen und Korrespondenzen, die aus dem Verkehr zwischen der beschuldigten Person und nicht im gleichen Sachzusammenhang selber beschuldigten Personen stammen, die nach <span class="artref"><artref id="CH/312.0/170" type="start"></artref>Art. 170-173 StPO</span><artref id="CH/312.0/173" type="end"></artref> das Zeugnis verweigern können (lit. c). Macht eine berechtigte Person geltend, eine Beschlagnahme von Gegenständen und Vermögenswerten sei wegen eines Aussage- oder Zeugnisverweigerungsrechts oder aus anderen Gründen nicht zulässig, so gehen die Strafbehörden nach den Vorschriften über die Siegelung vor (<span class="artref">Art. 264 Abs. 3 StPO</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.3.</b> Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat eine detaillierte Triage durch den Entsiegelungsrichter nur zu erfolgen, soweit der betroffene Inhaber, der die Versiegelung beantragt hat, substanziierte Einwände gegen die Entsiegelung und Durchsuchung von sichergestellten Aufzeichnungen und Gegenständen erhebt. Es handelt sich um eine prozessuale Obliegenheit der rechtsuchenden Partei, jene Dateien zu benennen, die ihrer Ansicht nach der Geheimhaltung unterliegen oder offensichtlich keinen Sachzusammenhang mit der Strafuntersuchung aufweisen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=22.11.2022&amp;to_date=11.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-225%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page225">BGE 138 IV 225</a> E. 7.1 mit Hinweisen; vgl. auch 142 IV 207 E. 7.1.5 mit Hinweisen). Diese Obliegenheit trifft auch den Inhaber eines sichergestellten Mobiltelefons oder eines anderen elektronischen Geräts, der sich gegen eine Entsiegelung der auf dem Gerät gespeicherten Daten zur Wehr setzt (vgl. Urteile 1B_367/2022 vom 13. Oktober 2022 E. 3.3 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5.4.</b> Die Vorinstanz bejahte in der angefochtenen Verfügung einen die Entsiegelung rechtfertigenden Tatverdacht, einen hinreichenden Zusammenhang zwischen den sichergestellten Daten und den untersuchten Delikten sowie die Verhältnismässigkeit der Durchsuchung der Daten. Soweit die Beschwerdeführerin vor der Vorinstanz geltend machte, der Entsiegelung stünden Persönlichkeitsrechte entgegen, erklärte die Vorinstanz, die Beschwerdeführerin habe nicht ausreichend dargelegt, inwieweit eine Entsiegelung der sichergestellten Unterlagen Persönlichkeitsrechte beträfen, nicht konkret Bezug genommen auf die gesicherten Unterlagen und nicht konkret benannt, welche Dokumente nicht entsiegelt werden dürften. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>6.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführerin bringt vor, der Tatverdacht gegen sie sei nicht erhärtet, was zwingende Voraussetzung für die Entsiegelung wäre. Damit rügt sie sinngemäss eine Verletzung von Art. 197 Abs. 1 lit. b i.V.m. <span class="artref">Art. 246 StPO</span>. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>6.1.</b> Im Entsiegelungsverfahren ist bei der Überprüfung des Tatverdachts keine erschöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender Beweisergebnisse vorzunehmen. Es ist lediglich zu prüfen, ob aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen, die Justizbehörden somit das Bestehen eines hinreichenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejahen durften. Dabei genügt der Nachweis von konkreten Verdachtsmomenten, wonach das inkriminierte Verhalten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllen könnte (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=22.11.2022&amp;to_date=11.12.2022&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-87%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page87">BGE 141 IV 87</a> E. 1.3.1; Urteil des Bundesgerichts 1B_251/2016 vom 9. Mai 2017 E. 4.2; je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>6.2.</b> Die Ermittlungen der Strafbehörden zeigen, dass die Beschwerdeführerin am 6. Oktober 2021 zusammen mit E.B.________ und deren Sohn D.B.________ nach Deutschland zu F.________ gefahren ist, wo sich E.B.________ und deren Sohn in der Folge aufgehalten haben. Weiter ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin am 16. Oktober 2021 Nachrichten mit einer mitbeschuldigten Person austauschte, in welchen über eine beabsichtigte Paketsendung an E.B.________ nach Deutschland gesprochen wurde. In diesem Zusammenhang hat die Beschwerdeführerin geschrieben, das Paket müsse an "ihn" geschickt werden, weil die Post gesichtet werde. Sodann hat sich ergeben, dass am 4. November 2021 auf einem Mobiltelefon, welches zeitweise im Besitz der Beschwerdeführerin war und später von der Schwester der Beschwerdeführerin der Polizei übergeben wurde, zwei Zeitungsartikel aufgerufen wurden, welche die Entführung von D.B.________ thematisierten. Auf dem gleichen Mobiltelefon wurden gleichentags zwei Mitteilungen empfangen, welche mit "Liebe A.________" beginnen. Erstellt ist sodann, dass F.________ die Beschwerdeführerin am 15. November 2021 an deren Wohnort besucht hat. </div> <div class="para">Insoweit werden die vorläufigen Ermittlungsergebnisse von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. Sie wendet jedoch ein, sie habe nicht von der Unrechtmässigkeit des Aufenthalts von E.B.________ und deren Sohn in Deutschland gewusst, das angesprochene Mobiltelefon sei am 4. November 2021 nicht in ihrem Besitz gewesen bzw. an diesem Tag nicht von ihr, sondern von ihrer Schwester benutzt worden und sie sei zum fraglichen Zeitpunkt ohnehin schwer krank gewesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>6.3.</b> Es wird Sache des Strafgerichts sein, eine umfassende Abwägung der belastenden und entlastenden Beweise vorzunehmen und in diesem Rahmen insbesondere auch die erwähnten Einwände der Beschwerdeführerin vertieft zu prüfen. Gestützt auf die vorläufigen Ermittlungsergebnisse durfte die Vorinstanz im Entsiegelungsverfahren das Bestehen eines hinreichenden Tatverdachts jedenfalls mit vertretbaren Gründen bejahen. Es liegen nämlich genügend konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführerin bewusst gewesen sein könnte, dass die Verbringung von D.B.________ nach Deutschland unrechtmässig war und dass die Beschwerdeführerin aktiv am Tatgeschehen mitgewirkt haben könnte. Dass - wie die Beschwerdeführerin vorbringt - ihr Bruder am 6. Oktober 2021 ebenfalls an der Fahrt nach Deutschland beteiligt gewesen sein mag und dass die Rufnummer des von der Beschwerdeführerin zeitweise benutzten Mobiltelefons nicht auf sie, sondern auf ihre Mutter registriert ist (vgl. E. 4.3 hiervor) ändert daran nichts. Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung von Art. 197 Abs. 1 lit. b i.V.m. <span class="artref">Art. 246 StPO</span> in genügender Weise rügt, dringt sie damit ebenfalls nicht durch. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>7.</b> </div> <div class="para">Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin die Verletzung der StPO. Sie weist in diesem Zusammenhang auf <span class="artref">Art. 248 StPO</span>, auf ihr Aussageverweigerungsrecht als beschuldigte Person und auf ihre Persönlichkeitsrechte hin. Sie setzt sich allerdings nicht substanziiert mit den überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz auseinander, wonach ein hinreichender Zusammenhang zwischen den sichergestellten Daten und den untersuchten Delikten bestehe, die Durchsuchung der Daten verhältnismässig sei und von der Beschwerdeführerin nicht substanziiert dargelegt worden sei, inwieweit eine Entsiegelung der sichergestellten Unterlagen konkret ihre Persönlichkeitsrechte verletzen könnte. Damit ist auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht weiter einzugehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>8.</b> </div> <div class="para">Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde die Beschwerdeführerin an sich kostenpflichtig. Sie beantragt jedoch unentgeltliche Rechtspflege inklusive Verbeiständung. Dem Gesuch kann entsprochen werden, zumal die Beschwerdeführerin glaubhaft dargelegt hat, dass sie im Sinne von <span class="artref">Art. 64 Abs. 1 BGG</span> bedürftig ist und auch die weiteren Voraussetzungen von <span class="artref"><artref id="CH/173.110/64/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/64/1" type="start"></artref>Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/64/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref> erfüllt sind. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren wird gutgeheissen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Rechtsanwalt Hans M. Weltert wird zum unentgeltlichen Rechtsbeistand ernannt und für das bundesgerichtliche Verfahren aus der Bundesgerichtskasse mit Fr. 1'500.-- entschädigt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn und dem Haftgericht des Kantons Solothurn schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 22. November 2022 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das präsidierende Mitglied: Jametti </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Mattle </div> </div></body></html>