<h2>SubmittedText<h2><p>Holzenergie gehört neben der Wasserkraft und der Solarenergie zu den wichtigsten erneuerbaren Energiequellen der Schweiz, und ihre Bedeutung ist grundsätzlich unbestritten. Seit 2020 nimmt die Nachfrage nach Energieholz aus verschiedenen Gründen (COVID-19, substantielle Förderung, Ukraine-Krieg) sehr stark zu. Das entsprechende Monitoring des BAFU zeigt, dass mit der Realisierung aller geplanten neuen Holzfeuerungen und dem Ausbau der bestehenden Holzenergieanlagen das ökologisch und ökonomisch sinnvolle Energieholzpotenzial innert kurzer Zeit ausgeschöpft sein wird. Im gleichen Ausmass wie die Nachfrage steigen auch die Preise für Energieholz aus dem Wald. Das führt einerseits dazu, dass qualitativ hochwertige Holzsortimente, welche früher zunächst stofflich als Rohstoff für die einheimische Holzindustrie und den Holzbau genutzt wurden, immer mehr direkt der energetischen Nutzung zugeführt werden. Andererseits ist auch zu befürchten, dass die Versorgung bestehender Holzenergieanlagen angesichts des starken Preisanstiegs kritisch wird.</p><p>In seiner Ressourcenpolitik Holz 2030 hat der Bund definiert, dass das Holz im Sinne der Kreislaufwirtschaft, der möglichst hohen Wertschöpfung und der möglichst langen CO2-Speicherung nach dem Kaskadenprinzip (1. stofflich, 2. Recycling, 3. energetisch) zu nutzen ist.</p><p>Der Nationalrat hat im 3. Mai 2023 die Motion Roduit "Für eine vollständige Wertschöpfungskette der Holzwirtschaft in der Schweiz" (Motion 21.3848) angenommen. Nach Ansicht des Motionärs und der grossen Kammer sollen die Rahmenbedingungen für die Holzindustrie verbessert werden mit dem Ziel, die einheimische Ressource Holz vollständiger zu nutzen und damit die Abhängigkeit von importierten Baumaterialien zu reduzieren. Die Holzindustrie ist auf eine ausreichende Versorgung mit sägefähigem Rohstoff angewiesen, was bei einer exzessiven Holzenergienutzung nicht mehr gewährleistet ist.</p><p>In diesem Zusammenhang ersuche ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat die aktuelle Situation auf dem Energieholzmarkt im Hinblick auf die gewünschte Nutzung nach dem Kaskadenprinzip?</p><p>2. Wie beurteilt der Bundesrat die Gefahr, dass stark und rasch ansteigende Energieholzpreise die Versorgung der Holzindustrie und bestehender Holzenergieanlagen beeinträchtigt?</p><p>3. Welche Massnahmen könnte sich der Bundesrat vorstellen, damit das Holz aus dem Wald auch in Zukunft nach dem Kaskadenprinzip genutzt werden kann und die Versorgung der bestehenden Holzenergieanlagen und der Holzindustrie sichergestellt ist?</p><p>4. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat, um ein unkontrolliertes Wachstum der Nachfrage nach Energieholz zu verhindern, welches anschliessend auf Jahre hinaus eine stoffliche Nutzung des Holzes nach dem Kaskadenprinzip verunmöglichen wird?</p><p>5. Was unternimmt der Bundesrat, damit der zunehmenden Knappheit von Schweizer Holz mit einer verstärkten Nutzung bisher unternutzter Wälder, insbesondere auch Schutzwälder, begegnet werden kann?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1) Die Zahlen der Holzenergiestatistik und der Statistik der stofflichen Nutzung zeigen, dass der Verbrauch an Holz in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Gründe der hohen Nachfrage nach Schweizer Holz sind die Umstellung auf erneuerbare Ressourcen, welche auch auf die Förderprogramme im Rahmen der Strategie 2050 Netto Null sowie die hohen Preise für Energie zurückzuführen sind. Der Verbrauch an Energieholz hat in den letzten drei Jahren wesentlich stärker zugenommen als der Verbrauch für die stoffliche Nutzung wie Bauholz. Laubholz wird wegen mangelnder Verarbeitungskapazitäten in der Schweiz grossmehrheitlich energetisch genutzt.</p><p>2) Zurzeit sind Holzindustrie und bestehende Holzenergieanlagen genügend versorgt. Steigende Holzpreise bieten die Chance, vermehrt auch Waldflächen in schwer zugänglichen Gebieten rentabel zu bewirtschaften. Damit sollte vermehrt Holz für die Industrie zur stofflichen Nutzung und im Rahmen der Kaskadennutzung als Nebenprodukt auch für die energetische Nutzung verfügbar werden.&nbsp;</p><p>Der Bund ist in Zusammenarbeit mit Holzenergie Schweiz dabei, ein Monitoring zu etablieren, um Anbietenden und Nachfragenden einen Überblick über angebotene und nachgefragte Energieholzmengen zu liefern.&nbsp;</p><p>3, 4) Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die höhere Nachfrage nach Holz für die Holzindustrie positiv ist. Die Zahlungsbereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten bestimmt, welchem Verwertungskanal das Holz schliesslich zugeführt wird. Der Bund fördert gestützt auf Artikel 34<i>a</i> des Waldgesetzes (WaG; SR 921.0) den Absatz und die Verwertung von nachhaltig produziertem Holz, insbesondere mit der Unterstützung innovativer Projekte. Denkbar sind in diesem Rahmen die vorwettbewerbliche Förderung (z.B. von Pilot- und Demonstrationsanlagen für die inländische Holzverarbeitung mit hoher Wertschöpfung im Sinne der Kaskadennutzung wie im Bericht des Bundesrates vom 2. Dezember 2022 «Anpassung des Waldes an den Klimawandel» genannt).</p><p>Durch die vermehrte Nutzung des Holzes als Stamm- und Industrieholz steht auch das bei deren Herstellung und Verarbeitung anfallende Energieholz (insb. in Form von Restholz) vermehrt zur Verfügung. Nach Ansicht des Bundesrates ist die Versorgung der bestehenden Holzenergieanlagen und der Holzindustrie aktuell ausreichend gesichert. Der Bund überprüft seine Massnahmen regelmässig, um erwünschte Entwicklungen voranzutreiben und unerwünschte Entwicklungen möglichst zu vermeiden.</p><p>5) Das Bundesamt für Umwelt unterstützt angewandte Forschungsprojekte mit dem Ziel, Holzerntekosten im Gebirge zu reduzieren. Dies soll den Beitrag zur Holzversorgung aus Gebirgswäldern erleichtern. Bund und Kantone unterstützen via Programmvereinbarung die Pflege des Schutzwaldes (Art. 37 Abs. 1 Bst. a WaG). Das dabei anfallende Holz leistet ebenfalls einen Beitrag zur Holzversorgung. Ebenfalls über die Programmvereinbarung unterstützt werden die Massnahmen an den dafür notwendigen Waldstrassen (Wiederinstandstellung, Ausbau), damit moderne und kostengünstige Holzerntesysteme eingesetzt werden können (Art. 37 Abs. 1 Bst. b und 38<i>a</i> Abs. 1 Bst. g WaG). Im Rahmen der Integralen Wald- und Holzstrategie 2050 sollen weitere Massnahmen geprüft werden. Dies beinhaltet insbesondere auch die vermehrte Nutzung von Starkholz.</p>