100.2024.402U MAM/CSA/SRE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Verwaltungsrechtliche Abteilung Urteil vom 20. Mai 2025 Verwaltungsrichter Daum, Abteilungspräsident Verwaltungsrichterin Marti Gerichtsschreiberin Cotting A.________ Beschwerdeführer gegen Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern Sulgeneckstrasse 70, 3005 Bern betreffend Nichtbestehen des Qualifikationsverfahrens als Informatiker (Entscheid der Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern vom 22. November 2024; 2024.BKD.4277) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 2 Prozessgeschichte: A. A.________ absolvierte im Frühjahr 2024 das Qualifikationsverfahren zum Informatiker mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ), Fachrichtung Applikationsentwicklung. Im März 2024 verfasste er unter anderem eine in- dividuelle praktische Arbeit (IPA). Mit Notenausweis vom 28. Juni 2024 ver- fügte die kantonale Prüfungskommission des Mittelschul- und Berufsbil- dungsamts, dass A.________ das Qualifikationsverfahren nicht bestanden habe. Grund dafür war die ungenügende Note 3,5 im Fach «praktische Ar- beiten», bestehend (einzig) aus der Note der IPA. Das EFZ wurde A.________ deshalb nicht erteilt. B. Dagegen erhob A.________ am 22. Juli 2024 Beschwerde bei der Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern (BKD). Diese wies seine Beschwerde mit Entscheid vom 22. November 2024 ab. C. Hiergegen hat A.________ am 23. Dezember 2024 Verwaltungsgerichtsbe- schwerde erhoben. Er beantragt sinngemäss, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, die praktische Arbeit sei als bestanden zu erklären und ihm sei folglich das EFZ auszustellen. Die BKD beantragt mit Vernehmlassung vom 28. Januar 2025 die Abwei- sung der Beschwerde. A.________ hält in seiner Eingabe vom 25. Februar 2025 an den gestellten Anträgen fest.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 55 Abs. 2 des Gesetzes vom 14. Juni 2005 über die Berufsbildung, die Weiterbildung und die Berufsberatung [BerG; BSG 435.11]). Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teil- genommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und Frist sind einge- halten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist einzutre- ten. 1.2Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG; Art. 55 Abs. 4 BerG). Soweit es um die Beurteilung von Prüfungsleistungen geht, auferlegt es sich im Rahmen der Rechtskontrolle praxisgemäss eine gewisse Zurückhaltung, weil es wesentliche Sachumstände nicht genügend namhaft machen kann, um sie gleich kompetent zu würdigen wie die verfügende Instanz. Es be- schränkt sich darauf zu untersuchen, ob die Prüfungsaufgabe dem vorge- schriebenen Prüfungsgegenstand entspricht, die Transparenz (Nachvoll- ziehbarkeit) des konkreten Bewertungsvorgangs gewährleistet ist und ob sich die Prüfungsbehörde bei der Begründung der Leistungsbewertung von sachlichen Überlegungen hat leiten lassen. Steht nicht die konkrete Bewer- tung einer Prüfungsleistung infrage, sondern ist die Auslegung und Anwen- dung von Rechtssätzen strittig oder werden Verfahrensmängel gerügt, prüft das Verwaltungsgericht die erhobenen Einwendungen im Rahmen seiner gesetzlichen Kognition (Rechtskontrolle) uneingeschränkt (vgl. BVR 2012 S. 152 E. 1.2, 2011 S. 324 E. 4.2; BGE 136 I 229 E. 5.4.1; Ruth Herzog, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 80 N. 3, 15 f., Art. 66 N. 20).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 4 2. Strittig ist das Nichtbestehen der Abschlussprüfung als Informatiker EFZ. 2.1Gemäss Art. 38 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 13. Dezember 2002 über die Berufsbildung (Berufsbildungsgesetz, BBG; SR 412.10) erhält das EFZ, wer die Lehrabschlussprüfung bestanden oder ein gleichwertiges Qualifikationsverfahren erfolgreich durchlaufen hat. Das EFZ wird von der kantonalen Behörde ausgestellt (Art. 38 Abs. 2 BBG). Der Bundesrat regelt die Anforderungen an die Qualifikationsverfahren; er stellt die Qualität und die Vergleichbarkeit zwischen den Qualifikationsverfahren sicher; die in den Qualifikationsverfahren verwendeten Beurteilungskriterien müssen sachge- recht und transparent sein sowie die Chancengleichheit wahren (Art. 34 Abs. 1 BBG). Die Leistungen in den Qualifikationsverfahren werden in gan- zen oder halben Noten ausgedrückt; 6 ist die höchste, 1 die tiefste Note; Noten unter 4 stehen für ungenügende Leistungen (Art. 34 Abs. 1 der Ver- ordnung vom 19. November 2003 über die Berufsbildung [Berufsbildungs- verordnung, BBV; SR 412.101]). Für die Durchführung der Abschlussprü- fung der beruflichen Grundbildung setzt die kantonale Behörde Prüfungsex- pertinnen und -experten ein (Art. 35 Abs. 1 BBV). Diese halten die Resultate sowie ihre Beobachtungen während des Qualifikationsverfahrens schriftlich fest, einschliesslich Einwände der Kandidatinnen und Kandidaten (Art. 35 Abs. 2 BBV). 2.2Für Informatikerinnen und Informatiker regelt die am 1. Januar 2021 in Kraft getretene Verordnung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) vom 19. November 2020 über die berufliche Grund- bildung Informatikerin/Informatiker mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ; SR 412.101.220.10; nachfolgend: BiVo Informatik) die Einzelheiten des Qualifikationsverfahrens. Lernende, die ihre Bildung als Informatikerin oder Informatiker EFZ vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung begonnen haben, schliessen gemäss Art. 25 Abs. 1 BiVo Informatik nach bisherigem Recht ab, längstens jedoch bis zum 31. Dezember 2026. Da der Beschwer- deführer seine Ausbildung vor dem 1. Januar 2021 begonnen hat, ist hier die Verordnung des SBFI vom 1. November 2013 über die berufliche Grundbil- dung Informatikerin/Informatiker mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 5 (EFZ; AS 2013 5381; nachfolgend: aBiVo Informatik) massgebend (vgl. auch angefochtener Entscheid Ziff. 2.1). 2.3Gemäss Art. 20 Abs. 1 Bst. a und b aBiVo Informatik werden für In- formatikerinnen und Informatiker im Qualifikationsverfahren mit Abschluss- prüfung die Handlungskompetenzen in den Qualifikationsbereichen «prakti- sche Arbeit» als IPA und «Allgemeinbildung» geprüft. Das Qualifikationsver- fahren mit Abschlussprüfung ist gemäss Art. 21 Abs. 1 aBiVo Informatik be- standen, wenn der Qualifikationsbereich «praktische Arbeit» und die Erfah- rungsnote «Informatikkompetenzen» je mindestens mit der Note 4 bewertet werden (Bst. a und b) und die Gesamtnote mindestens 4 beträgt (Bst. c). Die Gesamtnote ist das auf eine Dezimalstelle gerundete Mittel aus der Summe der gewichteten Noten der einzelnen Qualifikationsbereiche der Abschluss- prüfung und der gewichteten Erfahrungsnoten «erweiterte Grundkompeten- zen» und «Informatikkompetenzen» (Art. 21 Abs. 2 aBiVo Informatik). Für die Berechnung der Gesamtnote werden die einzelnen Noten wie folgt ge- wichtet (Art. 21 Abs. 5 aBiVo Informatik): praktische Arbeit: 30 % (Bst. a); er- weiterte Grundkompetenzen: 20 % (Bst. b); Informatikkompetenzen 30 % (Bst. c); Allgemeinbildung: 20 % (Bst. d). 3. Der Beschwerdeführer macht in verfahrensrechtlicher Hinsicht eine ungenü- gende Begleitung durch den Lehrbetrieb im Rahmen seiner IPA geltend. 3.1Der Beschwerdeführer bringt vor, der Umstand, dass seine «Fach- personen» bei der E.________ AG keine Erfahrung in der Begleitung von IPAs oder in der Erarbeitung der Bewertung mit den Experten hätten, müsse berücksichtigt werden. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz könne von ihm nicht erwartet werden, diese Rüge vor Kenntnis des negativen Prüfungs- entscheids vorzubringen; es sei «realitätsfremd», dies von einem Lernenden «während [einem] intensiven und belastenden Prüfungsprozess» zu verlan- gen (Beschwerde S. 3). 3.2Mit Blick auf den Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung [BV; SR 101]) sind Verfahrensmängel im Prüfungsver-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 6 fahren schnellstmöglich geltend zu machen. Der Anspruch eines Prüfungs- kandidaten auf Beseitigung des Mangels und dessen Folgen erlischt dem- zufolge, wenn er trotz Kenntnis des Verfahrensmangels die ihm zumutbare Rüge unterlässt und sich auf das fehlerhafte Prüfungsverfahren einlässt (BGE 147 I 73 [BGer 2C_769/2019 vom 27.7.2020] nicht publ. E. 7.2 mit Hinweisen). Durch die Pflicht zur baldestmöglichen Rüge eines Verfahrens- mangels soll einerseits verhindert werden, dass sich der betroffene Prüfling im Verhältnis zu den anderen Kandidatinnen und Kandidaten eine ihm nicht zustehende weitere Prüfungschance verschafft, indem er in Kenntnis des Verfahrensmangels die Prüfung zunächst fortsetzt und das Prüfungsergeb- nis abwartet. Anderseits soll der Prüfungsbehörde eine möglichst zeitnahe Überprüfung des gerügten Mangels ermöglicht werden mit dem Ziel, den Mangel schnellstmöglich aufzuklären und – wenn möglich – noch vor bzw. während der Durchführung der Prüfung zu beheben (BGE 147 I 73 [BGer 2C_769/2019 vom 27.7.2020] nicht publ. E. 7.2; BGer 2C_443/2023 vom 15.1.2025 E. 3.1). Ob es dem Kandidaten zumutbar ist, bestimmte während der Prüfung auftretende hinderliche Sachumstände (Verfahrens- mängel, Ausstand oder wesentliche persönliche Beeinträchtigungen) unmit- telbar geltend zu machen, muss im konkreten Einzelfall beurteilt werden (BVR 2012 S. 165 E. 5.1.1, 2007 S. 433 E. 3.2.5, 2005 S. 561 E. 4.1 ff.; VGE 2021/347 vom 7.7.2022 E. 4.2, 2020/6 vom 31.8.2020 E. 3.2). Ange- sichts der besonderen Drucksituation, die in Prüfungen besteht, wird in der Regel nicht verlangt, dass die Rüge während laufender Prüfung erhoben wird (BGE 147 I 73 [BGer 2C_769/2019 vom 27.7.2020] nicht publ. E. 7.1; vgl. VGE 2021/347 vom 7.7.2022 E. 4.2 mit Hinweis auf VGE 2012/471 vom 24.6.2013 E. 5.4 [Rot-Grün-Sehschwäche]; BGer 2P.26/2003 vom 1.9.2003, in BVR 2004 S. 97 und ZBl 2005 S. 103 E. 3.5 [mutmasslich fehlerhaft be- setzte Prüfungskommission]). Allemal gilt jedoch, dass solche Hindernisse so früh wie möglich vorzubringen sind, selbst wenn noch nicht feststeht, ob sie sich ausschlaggebend auf das Prüfungsergebnis auswirken werden; an- dernfalls verwirkt das Rügerecht. Die Rüge ist jedenfalls als verspätet zu er- achten, wenn sie erst nach Kenntnis des negativen Prüfungsentscheids er- folgt.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 7 3.3Aufgrund der Akten ist von folgendem Sachverhalt auszugehen: 3.3.1Für die Betreuung des Beschwerdeführers bei der E.________ AG war zunächst B.________ als verantwortliche Fachkraft zuständig. In der Folge haben C.________ (verantwortliche Fachkraft) und D.________ (stell- vertretende Fachkraft) diese Aufgabe übernommen. Nach Angaben des Be- schwerdeführers erfolgte dieser Wechsel vier Monate vor Beginn seiner IPA (Beschwerde vom 22.7.2024 S. 1, Akten BKD, act. 1). 3.3.2Vom 4. bis 19. März 2024 erarbeitete der Beschwerdeführer die IPA «…». Die verantwortliche Fachkraft des Lehrbetriebs war an der Erarbeitung der detaillierten Aufgabenstellung beteiligt (Aufgabenstellung, Akten BKD, Beilage zu act. 4). Am 5. und 15. März 2024 fanden Expertenbesuche statt. Bei beiden Besuchen war mindestens eine der Fachkräfte anwesend (Sit- zungsprotokolle vom 5. und 15.3.2024, Akten BKD, Beilage zu act. 4). Am 19. März 2024 stellte der Beschwerdeführer seine Arbeit fertig. Die Präsen- tation der Arbeit und das Fachgespräch fanden am 11. April 2024 statt (Auf- gabenstellung, Akten BKD, Beilage zu act. 4). Die Note wurde dem Be- schwerdeführer sodann mit Notenausweis vom 28. Juni 2024 eröffnet (vgl. Bst. A). 3.4Dem Beschwerdeführer war nach dem Erwogenen bereits vor Beginn der Arbeit bekannt, wer im Lehrbetrieb nach dem Weggang seines vorheri- gen Ausbildungsverantwortlichen seine Betreuung übernehmen wird. Er wäre daher grundsätzlich auch in der Lage gewesen, entsprechende Vorbe- halte, wie unter anderem die mangelnde Erfahrung der beiden Fachkräfte, bereits vor Beginn der IPA vorzubringen. Ob der Beschwerdeführer bereits vor Beginn der IPA oder während der Arbeit mit der Berufsschule bzw. den Prüfungsexperten diesbezüglich hätte Kontakt aufnehmen und die Situation beanstanden sollen, kann letztlich offenbleiben. Die verfahrensbezogene Rüge erfolgte, wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt (angefochtener Entscheid Ziff. 2.3.2), ohnehin verspätet, da der Beschwerdeführer auch in den Tagen nach der Abgabe seiner Arbeit nicht reagiert und vielmehr den Erhalt des Notenausweises vom 28. Juni 2024 abgewartet hat (vgl. E. 3.2 und 3.3.2 hiervor). Zudem übersieht der Beschwerdeführer, dass es nicht Aufgabe der Fachkräfte des Lehrbetriebs ist, die Lernenden zu unterstützen oder bei der Lösungsfindung anzuleiten. Die Fachkräfte haben primär die Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 8 Aufgabe, Beobachtungen zu machen und zusammen mit den Experten eine Bewertung abzugeben (vgl. Stellungnahme des Chefexperten vom 3.9.2024 S. 1, Akten BKD, Beilage zu act. 4). 4. In der Sache ist die Bewertung der IPA mit der Note 3,5 strittig. Der Be- schwerdeführer hat deswegen die Abschlussprüfung des Qualifikationsver- fahrens nicht bestanden (vgl. Notenausweis vom 28.6.2024, Beschwerde- beilage [BB] 2, act. 1C; vorne Bst. A). 4.1Der Qualifikationsbereich «praktische Arbeit» wird (einzig) im Rah- men einer IPA im Umfang von 70-90 Stunden geprüft. Die Arbeit soll zeigen, ob die lernende Person fähig ist, die geforderten Tätigkeiten fachlich korrekt sowie bedarfs- und situationsgerecht auszuführen. Es werden die folgenden Positionen mit den nachstehenden Gewichtungen bewertet (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. a aBiVo Informatik): Position 1: Resultat der Arbeit, Gewichtung 50 % Position 2: Dokumentation, Gewichtung 25 % Position 3: Fachgespräch und Präsentation, Gewichtung 25 % Das Prüfungsverfahren richtet sich nach der Wegleitung des SBFI vom 22. Oktober 2007 über individuelle praktische Arbeiten (IPA) im Rahmen der Abschlussprüfung im Qualifikationsverfahren der beruflichen Grundbildung (nachfolgend: IPA-Wegleitung; Akten BKD, Beilage zu act. 4, auch einseh- bar unter: <www.sbfi.admin.ch>, Suchbegriff «Wegleitung IPA»). Die Kom- petenzen, die im Rahmen der IPA überprüft werden, sind abhängig von den betrieblichen Gegebenheiten und der Art des Auftrags. Die Beurteilung rich- tet sich hingegen nach einheitlichen Beurteilungskriterien (vgl. Ausführungs- bestimmungen des Verbands ICT-Berufsbildung Schweiz zum Qualifikati- onsverfahren mit Abschlussprüfung Informatikerin/Informatiker EFZ vom 1.11.2013 Ziff. 3.1, Akten BKD, Beilage zu act. 4). Die IPA muss von min- destens zwei Prüfungsexpertinnen oder -experten beurteilt werden (Art. 20 Abs. 2 aBiVo Informatik). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 9 4.2Die IPA des Beschwerdeführers wurde anhand von 40 Kriterien be- urteilt, die auf die Bereiche Fachkompetenz (20 Kriterien), Dokumentation (10 Kriterien) sowie Fachgespräch und Präsentation (10 Kriterien) verteilt sind (vgl. Übersicht auf dem Bewertungsbogen S. 2, Akten BKD, Beilage zu act. 4; vgl. auch «Qualifikationsverfahren Informatik – Ein Leitfaden für Be- rufsbildnerinnen, Verantwortliche Fachkräfte und Expertinnen», 16. Aufl. 2019/2020 [nachfolgend: Leitfaden Qualifikationsverfahren] S. 27 f., Akten BKD, act. 9). Jedes Kriterium (sog. Leitfrage) wurde mit einer Gütestufe von 0-3 bewertet und mit korrespondierenden (ganzzahligen) Punkten honoriert. Im Bereich Fachkompetenz konnten somit insgesamt 60 Punkte erreicht werden, in den Bereichen Dokumentation sowie Fachgespräch und Präsen- tation je 30 Punkte (vgl. die Dokumente «Kriterienkatalog Qualifikationsver- fahren Informatiker/in», Ausgabe für das Prüfungsjahr 2024 [nachfolgend: Kriterienkatalog], Akten BKD, Beilage zu act. 4, sowie Leitfaden Qualifikati- onsverfahren S. 27 f., Akten BKD, act. 9). Die Bewertung der IPA des Be- schwerdeführers setzt sich gemäss dem Entscheid der kantonalen Prüfungs- kommission wie folgt zusammen: Teil A (Fachkompetenz): 31 Punkte, Note 3,5 Teil B (Dokumentation): 15 Punkte, Note 3,5 Teil C (Fachgespräch und Präsentation): 15 Punkte, Note 3.5 Für die Teilnote 4 fehlen dem Beschwerdeführer in allen Teilen (A, B und C) jeweils zwei Punkte (vgl. Bewertungsbogen S. 14, Akten BKD, Beilage zu act. 4). 4.3Der Beschwerdeführer rügt, die Bewertung seiner Arbeit sei viel zu streng ausgefallen. Er habe vernommen, dass die Prüfungsexperten seine Arbeit vor dem üblichen Beurteilungsgespräch mit den Fachkräften des Lehr- betriebs mit der Note 2,5 beurteilen wollten. Nach dem Beurteilungsgespräch sei die Arbeit mit der Note 3,5 bewertet worden (vgl. Beschwerde S. 2). Hier- auf habe er seine IPA, insbesondere die Teile A und B, von seiner ehemals für ihn zuständigen Fachkraft, B.________, bewerten lassen. Die Bewertung des Teils C habe er selbst übernommen. Sie seien dabei auf eine Note von 4,8 gekommen (vgl. Beschwerde S. 1). Dieses «grosse Spektrum der Beur- teilungen» zeige klar auf, dass hier «eine Fehlbeurteilung in Form einer of- fensichtlichen zu strengen Beurteilung» vorliege (Beschwerde S. 1 f.).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 10 4.4Aus dem angeblich grossen Spektrum der Beurteilungen (2,5 bis 4,8) kann der Beschwerdeführer von vornherein nichts zu seinen Gunsten ablei- ten: Die Bewertung mit der Note 4,8 stammt nicht von den Prüfungsexperten, sondern beruht auf seiner eigenen Bewertung, die er zusammen mit der ehe- mals für ihn zuständigen Fachkraft des Lehrbetriebs vorgenommen hat. Diesbezüglich kann entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht von einer «unabhängigen Überprüfung» (Beschwerde S. 2) gesprochen werden. Expertisen, die von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht werden, sind nach der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts Partei- oder Privatgutachten. Sie sind keine Beweismittel, sondern bilden Teil der Parteibehauptungen (BVR 2012 S. 252 E. 3.4.4; Michel Daum, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 19 N. 102). Gemäss Art. 177 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272) in der aktuell geltenden Fassung, in Kraft seit 1. Januar 2025, gelten private Gutachten der Parteien hingegen als Urkunde und damit als Beweismittel. Ob der Be- griff der «Urkunde» im Sinn von Art. 19 Abs. 1 Bst. a VRPG auch so auszu- legen ist (vgl. auch Art. 19 Abs. 2 VRPG), ist noch nicht geklärt. Wie es sich damit verhält, kann mit Blick auf die nachfolgenden Überlegungen dahinge- stellt bleiben. So oder anders sind Privatgutachten im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Dass die Arbeit des Beschwerdefüh- rers zunächst mit der Note 2,5 bewertet werden sollte, findet in den Akten sodann keinerlei Stütze (vgl. auch Vernehmlassung S. 2). Der Beschwerde- führer bestreitet dies nicht; er behauptet aber, seine Fachkräfte hätten ihm dies so mitgeteilt (Eingabe vom 25.2.2025; act. 7). Demgegenüber ist er- stellt, dass seine Arbeit sowohl von den Experten gemeinsam mit den ver- antwortlichen Fachkräften als auch vom Chefexperten mit der Note 3,5 be- urteilt worden ist (vgl. vorne E. 4.2 und hinten E. 4.7). Dass für die Bewertung der Arbeit eine Note in einer Bandbreite von 2,5 bis 4,8 in Betracht gekom- men ist, trifft folglich nicht zu. Vielmehr beruht sowohl die Minimalnote von 2,5 als auch die Maximalnote von 4,8 auf seinen Behauptungen. Der Be- schwerdeführer übersieht, dass sich eine rechtsfehlerhafte Bewertung nicht mit reinen Behauptungen bzw. mit der bloss eigenen Sicht auf die Sachlage begründen lässt.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 11 4.5Die Vorinstanz hat sich eingehend mit der Bewertung der IPA aus- einandergesetzt. Dabei hat sie insbesondere auch die abweichende Beurtei- lung gemäss dem Privatgutachten in ihre Würdigung einbezogen, ist dieses doch in die ausführlich begründete Beschwerdeschrift an die Vorinstanz ein- geflossen. Bei der Kritik an der Bewertung der einzelnen Leitfragen wird die Stellungnahme der ehemals für den Beschwerdeführer zuständigen Fach- kraft des Lehrbetriebs jeweils ausgewiesen (vgl. Beschwerde vom 22.7.2024, insb. auch S. 2, Akten BKD, act. 1). Auf die einlässliche und sorg- fältige Beweiswürdigung der Vorinstanz mitsamt den angegebenen Akten- stellen kann grundsätzlich verwiesen werden (vgl. angefochtener Entscheid E. 2.5-2.6.4). Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, ist nicht stich- haltig: Er vertritt die Auffassung, dass die Vorinstanz die Beurteilung des Chefexperten vom 3. September 2024, die das Mittelschul- und Berufsbil- dungsamt im vorinstanzlichen Verfahren eingebracht hat, nicht hätte berück- sichtigen dürfen. Zur Begründung bringt er vor, dass sich der Chefexperte «loyal gegenüber dem Prüfungsexperten» verhalten und dessen Bewertung geschützt habe. Der Chefexperte sei «nicht auf die substanziierten Stellung- nahmen zur Bewertung der Experten in [seiner] Beschwerde vom 25. Juni 2024 [richtig: 22.7.2024] eingegangen» (Beschwerde S. 1). Der Beschwer- deführer übersieht, dass sich der Chefexperte vorab zur Situation des Be- schwerdeführers äusserte, auf dessen Rügen einging und sodann auch eine Beurteilung zu jeder Leitfrage vornahm (vgl. Stellungnahme vom 3.9.2024; Akten BKD, Beilage zu act. 4). Er zog dem Beschwerdeführer in zwei Teil- bereichen (Leitfrage A4 und Leitfrage B9) jeweils einen zusätzlichen Punkt ab und gab ihm bei der Leitfrage A20 einen Punkt mehr als die Prüfungsex- perten. Folglich kann nicht gesagt werden, dass der Chefexperte loyal ge- genüber den Prüfungsexperten war und sich an deren Bewertung hielt, auch wenn er im Ergebnis die gleiche Note vergab wie die Prüfungsexperten. Nach dem Ausgeführten durfte die Vorinstanz im Rahmen der freien Beweis- würdigung auf die Stellungnahme des Chefexperten abstellen. 4.6Es ist sodann nicht ersichtlich und vom Beschwerdeführer auch nicht dargetan, inwiefern die Bewertung durch die Prüfungsexperten nicht auf sachlichen Kriterien beruhen würde bzw. rechtsfehlerhaft wäre. Der Be- schwerdeführer setzt sich diesbezüglich nicht mit dem angefochtenen Ent- scheid auseinander. Es wäre aber an ihm gewesen aufzuzeigen, weshalb Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 12 die vorinstanzliche Würdigung der Bewertung rechtsfehlerhaft ist bzw. warum der vorinstanzliche Entscheid nicht richtig ist. Allein die Behauptung, dass die Bewertung durch die Experten zu streng erfolgt sei, genügt diesem Erfordernis nicht. Auch hilft ihm nicht, in pauschaler Weise auf die im vor- instanzlichen Beschwerdeverfahren von ihm eingereichte Bewertung, wel- che die Schlussfolgerungen des Privatgutachtens mitumfasst (vgl. E. 4.5 hiervor), zu verweisen. Ein pauschaler Verweis auf frühere Rechtsschriften stellt nach ständiger Praxis des Verwaltungsgerichts denn auch keine rechts- genügliche Begründung dar (zum Ganzen vgl. BVR 2006 S. 470 E. 2.4; Mi- chel Daum, a.a.O., Art. 32 N. 24). Schliesslich hat die Vorinstanz korrekt dar- gelegt, dass der Beschwerdeführer aus seinen Leistungen an der Berufs- fachschule für die Bewertung seiner IPA nichts zu seinen Gunsten ableiten kann (vgl. angefochtener Entscheid E. 2.2). 4.7Soweit der Beschwerdeführer die Begutachtung seiner IPA durch eine unabhängige Expertin oder einen unabhängigen Experten verlangt (Be- schwerde S. 1; Eingabe vom 25.2.2025, act. 7), ergibt sich Folgendes: Ent- gegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist der rechtserhebliche Sachverhalt hinreichend erstellt. Sowohl die Prüfungsexperten gemeinsam mit den verantwortlichen Fachkräften des Lehrbetriebs als auch der Chefex- perte, der in seiner Stellungnahme vom 3. September 2024 eine eigenstän- dige Bewertung vornahm, kamen zum gleichen Ergebnis und bewerteten die Arbeit des Beschwerdeführers mit der Note 3,5. Von einer weiteren Beurtei- lung der IPA durch eine zusätzliche sachverständige Person sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb der dahingehende Beweisantrag abgewiesen wird (vgl. zur sog. antizipierten Beweiswürdigung zuletzt etwa BVR 2022 S. 93 E. 4.5.4, 2021 S. 239 E. 5.6; Michel Daum, a.a.O., Art. 18 N. 27 f.). 5. Nach dem Gesagten hält der angefochtene Entscheid der Rechtskontrolle stand. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist abzuweisen. Das Verwaltungsgericht beurteilt solche Rechtsmittel in Zwei- erbesetzung (Art. 56 Abs. 3 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Orga-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 13 nisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]). Der Beschwerdeführer ist indes auf die Möglichkeit hinzuwei- sen, das Qualifikationsverfahren zu wiederholen (vgl. Art. 33 BBV). Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der unterliegende Beschwerdefüh- rer kostenpflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Ersatzfähige Parteikosten sind keine angefallen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 und 3 VRPG). 6. Gemäss Art. 83 Bst. t des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun- desgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten unzulässig gegen Entscheide über das Ergebnis von Prüfungen und anderen Fähigkeitsbewertungen, nament- lich auf den Gebieten der Schule, der Weiterbildung und der Berufsausü- bung. Zulässig ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten demgegenüber, wenn organisatorische Fragen im Zusammenhang mit einer Prüfung streitig sind (BGE 138 II 42 E. 1.2, 138 I 196 [BGer 2C_1016/2011 vom 3.5.2012] nicht publ. E. 1.1; BGer 2C_235/2017 vom 19.9.2017 E. 1.1.1). Der Beschwerdeführer beanstandet einerseits die Bewertung sei- ner individuellen praktischen Arbeit (IPA), die mittels subsidiärer Verfas- sungsbeschwerde angefochten werden kann. Andererseits rügt er die unge- nügende fachliche Begleitung während der Erarbeitung seiner Arbeit, was im Licht von Art. 83 Bst. t BGG wohl als organisatorischer Aspekt zu werten ist und damit nicht von der Ausnahme der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 83 Bst. t BGG) erfasst wird. Dementsprechend wird in der Rechtsmittelbelehrung auf beide Rechtsmittel verwiesen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20.05.2025, Nr. 100.2024.402U, Seite 14 Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 2'000.--, werden dem Beschwerdeführer auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- entnom- men. Der Restbetrag von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zurückerstattet. 3. Es werden keine Parteikosten gesprochen. 4. Zu eröffnen: - Beschwerdeführer - Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern Der Abteilungspräsident: Die Gerichtsschreiberin Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun- desgericht (BGG; SR 173.110) bzw. subsidiäre Verfassungsbeschwerde gemäss Art. 39 ff. und 113 ff. BGG geführt werden.