<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 76 S.363</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">363</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>76 Abzüge vom Roheinkommen; Gewinnungskosten des unselbstständig</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Erwerbenden; Fahrtkosten (§ 35 Abs. 1 lit. a StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Ist streitig, ob für den Arbeitsweg die Autokosten zu gewähren sind,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kann zur Berechnung der Fahrtzeit mit den öffentlichen Verkehrsmit-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teln eine kurze Fahrt mit dem Auto bis zum Bahnhof berücksichtigt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werden, selbst wenn für diese Teilstrecke ein öffentliches Verkehrs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mittel zur Verfügung steht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">17. November 2005 in Sachen A.S., RV.2005.50261/K 0149</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Die Rekurrentin wohnt an der L.-strasse in A. und war im</span><br/> <span class="ft1">Jahr 2003 an der R.-strasse in Z. tätig. Sie beantragt, es seien für die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">364</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Fahrten an den Arbeitsplatz die Autokosten zum Abzug zuzulassen,</span><br/> <span class="ft1">da die tägliche Zeitersparnis im Vergleich zu den öffentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrsmitteln 88 Minuten betrage.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Steuerkommission A. stellte fest, die tägliche Zeiterspar-</span><br/> <span class="ft1">nis betrage lediglich 49 Minuten, wenn die Rekurrentin mit dem</span><br/> <span class="ft1">Auto an den Bahnhof in L. fahre und ab dort mit den öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Verkehrsmitteln nach Zumikon. Die Benützung der Park &amp; Ride-</span><br/> <span class="ft1">Parkplätze sei der Rekurrentin zumutbar. Entsprechend wurden die</span><br/> <span class="ft1">Autokosten nach L., die Kosten des Parkplatzes und die Kosten der</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Verkehrsmittel von L. nach Z. gewährt.</span><br/> <span class="ft1">3. Gemäss § 35 Abs. 1 lit. a StG werden bei unselbstständiger</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit unter anderem die notwendigen Kosten für Fahrten</span><br/> <span class="ft1">zwischen Wohn- und Arbeitsstätte als Berufskosten vom</span><br/> <span class="ft1">Reineinkommen abgezogen. Dabei gilt als Grundsatz, dass die</span><br/> <span class="ft1">Kosten des öffentlichen Verkehrsmittels abziehbar sind. Wird das</span><br/> <span class="ft1">Auto nicht zur Berufsausübung benötigt, und bestehen keine anderen</span><br/> <span class="ft1">Gründe wie</span><br/> <span class="ft5">·</span> <span class="ft1">körperliche Gebrechen des Steuerpflichtigen,</span><br/> <span class="ft5">·</span> <span class="ft1">Missverhältnis des Zeitaufwandes für die Zurücklegung des</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsweges bei Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel</span><br/> <span class="ft1">zur Dauer der Arbeitsleistung,</span><br/> <span class="ft5">·</span> <span class="ft1">durch den Betriebsablauf vorgegebene unregelmässige Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitszeit und ungünstige Verbindungen der öffentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrsmittel,</span><br/> <span class="ft1">so ist in der Regel die Zumutbarkeit der Benützung der öffentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verkehrsmittel davon abhängig, ob sich der bei Autobenützung</span><br/> <span class="ft1">ergebende Zeitgewinn täglich auf mehr als eine Stunde beläuft. Nach</span><br/> <span class="ft1">der mit RGE vom 28. Mai 1997 in Sachen K.G. (= AGVE 1997</span><br/> <span class="ft1">S. 404) eingeleiteten Rechtsprechung wird jedoch nicht mehr nur</span><br/> <span class="ft1">(schematisch) auf die Zeitersparnis von mehr als einer Stunde abge-</span><br/> <span class="ft1">stellt, sondern primär auf die Quantität (Fahrplandichte) und die</span><br/> <span class="ft1">Qualität (direkte Verbindungen, S-Bahn oder Bummelzüge) des An-</span><br/> <span class="ft1">gebotes an öffentlichen Verkehrsmitteln, die Umsteigeverhältnisse</span><br/> <span class="ft1">und die Distanzen zu den Haltestellen. Die Differenz zwischen der</span><br/> <span class="ft1">Zeit, die mit öffentlichen und derjenigen, die mit privaten Verkehrs-</span><br/> <span class="ft1">mitteln benötigt wird, ist als zusätzliches Kontrollinstrument</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">365</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einzusetzen. Überschreitet die Zeitersparnis den Zeitraum von einer</span><br/> <span class="ft1">Stunde, so deutet dies auf ungenügende öffentliche Verkehrsmittel</span><br/> <span class="ft1">hin. Je grösser der Zeitunterschied, umso eher wird es unzumutbar,</span><br/> <span class="ft1">die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen. Im Bereich von einer</span><br/> <span class="ft1">Stunde Zeitersparnis hängt der Entscheid von der Würdigung aller</span><br/> <span class="ft1">Umstände ab (so auch RGE vom 7. Juni 2001 in Sachen H.S.). Das</span><br/> <span class="ft1">Steuerrekursgericht führte im RGE vom 19. Juni 2003 in Sachen J.S.</span><br/> <span class="ft1">ergänzend aus, der ,,Bereich von einer Stunde" könne nicht beliebig</span><br/> <span class="ft1">ausgedehnt werden, weder zu Gunsten noch zu Ungunsten der steu-</span><br/> <span class="ft1">erpflichtigen Person. Die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel</span><br/> <span class="ft1">sei bei einer täglichen Zeitersparnis bei Benützung des Fahrzeugs</span><br/> <span class="ft1">von über 70 Minuten nicht mehr zumutbar, unabhängig von der</span><br/> <span class="ft1">Qualität und Quantität der Verbindungen, der Fahrplandichte und den</span><br/> <span class="ft1">Distanzen zu den Haltestellen. Wie es sich bei einer Zeitersparnis</span><br/> <span class="ft1">zwischen 60 und 70 Minuten verhält, wurde offen gelassen.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Die Vorinstanz ist der Ansicht, die Benützung von Park &amp;</span><br/> <span class="ft1">Ride-Parkplätzen sei der Rekurrentin zumutbar. Dagegen erachtet die</span><br/> <span class="ft1">Rekurrentin diese Mischvariante als realitätsfremd. Zudem sei ein</span><br/> <span class="ft1">Parkplatz im P+R vor einer Wartezeit von 18 Monaten gar nicht er-</span><br/> <span class="ft1">hältlich.</span><br/> <span class="ft1">b) Das Steuerrekursgericht berücksichtigte bereits in einem Fall</span><br/> <span class="ft1">Park &amp; Ride-Parkplätze (RGE vom 15. März 2003 in Sachen T.R.).</span><br/> <span class="ft1">Dabei betrug die Distanz zwischen dem Wohnort der steuerpflichti-</span><br/> <span class="ft1">gen Person und dem Bahnhof 1,8 km. Öffentliche Verkehrsmittel</span><br/> <span class="ft1">standen für diesen Weg nicht zur Verfügung. Da eine solche Distanz</span><br/> <span class="ft1">nicht zu Fuss zurückgelegt werden muss und der Gebrauch eines</span><br/> <span class="ft1">Fahrrades nicht vorgeschrieben werden kann, wurden die Autokosten</span><br/> <span class="ft1">für die Fahrten an den Bahnhof, die Parkplatzkosten und ab dort die</span><br/> <span class="ft1">Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel bis zum Arbeitsort zum Ab-</span><br/> <span class="ft1">zug zugelassen.</span><br/> <span class="ft1">c)</span> <span class="ft1">Nach Ansicht des Steuerrekursgerichtes ist auch im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall der Rekurrentin die Benützung der Park &amp; Ride-</span><br/> <span class="ft1">Parkplätze in L. zumutbar. Durch eine kurze Fahrt mit dem Auto</span><br/> <span class="ft1">kann der Grossteil des Arbeitsweges mit den öffentlichen Verkehrs-</span><br/> <span class="ft1">mitteln zurückgelegt und dennoch eine Zeitersparnis von unter einer</span><br/> <span class="ft1">Stunde erreicht werden. Damit wird auch dem Grundsatz, dass die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">366</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel als Fahrtkosten zum Abzug</span><br/> <span class="ft1">zuzulassen sind (Erw. 3), Rechnung getragen. Entgegen den Ausfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungen der Rekurrentin ist diese ,,Mischvariante" auch nicht realitäts-</span><br/> <span class="ft1">fremd, benutzen doch jeden Tag sehr viele erwerbstätige Personen</span><br/> <span class="ft1">die Park &amp; Ride-Parkplätze, um zum Arbeitsort zu gelangen. Dies ist</span><br/> <span class="ft1">auch daraus ersichtlich, dass nach Aussagen der Rekurrentin in L. für</span><br/> <span class="ft1">die Zuteilung eines Parkplatzes 18 Monate gewartet werden muss.</span><br/> <span class="ft1">Die Wartezeit ist hingegen kein Argument zur Gewährung der Auto-</span><br/> <span class="ft1">kosten, da die Vorinstanz der Rekurrentin die Kosten für einen ,,nor-</span><br/> <span class="ft1">malen Parkplatz" gewährt hat, nicht nur die reduzierten Kosten eines</span><br/> <span class="ft1">Park &amp; Ride-Parkplatzes.</span><br/> <span class="ft1">d) Die Rekurrentin bestreitet nicht, dass die tägliche Zeiterspar-</span><br/> <span class="ft1">nis bei Benützung der Parkplätze am Bahnhof L. weniger als eine</span><br/> <span class="ft1">Stunde beträgt. Die übrigen Argumente der Rekurrentin vermögen</span><br/> <span class="ft1">die Gewährung der Autokosten nicht zu begründen. Der Umstand,</span><br/> <span class="ft1">dass nach 19.39 Uhr kein Bus mehr in Richtung A. verkehrt ist uner-</span><br/> <span class="ft1">heblich, da diese Teilstrecke mit dem Auto zurückgelegt wird. Und</span><br/> <span class="ft1">die möglichen Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel werden</span><br/> <span class="ft1">bei der Berechnung der Zeitersparnis ebenso wenig berücksichtigt</span><br/> <span class="ft1">wie der mögliche Stau auf den Strassen. Der Rekurs erweist sich in</span><br/> <span class="ft1">diesem Punkt als unbegründet und ist abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>