Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Oktober 2015 (720 15 116) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision; Aufhebung der Invalidenrente des Beschwerdeführers, weil sich sein Gesundheitszustand seit der ursprünglichen Rentenzusprache rentenrelevant verbessert hat. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann auf das bidisziplinäre Gut- achten abgestellt werden; Ablehnung des Anspruches auf Wiedereingliederungsmass- nahmen mangels Bereitschaft, daran teilzunehmen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dieter Gysin, Advokat, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1959 geborene A.____ war zuletzt seit dem 1. Juni 2001 bei der B.____ in Z.____ als Lagerist tätig. Aufgrund einer Diskushernienpro blematik, Rückenschmerzen sowie einer Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychischen Krankheit war er seit 23. Juli 2001 arbeitsunf ähig geschrieben und wurde noch in der Probezeit entlassen. Seither ging er keiner beruf lichen Tätigkeit mehr nach. Unter Hinweis auf die obgenannten Beschwerden meldete sich A.____ am 18. Februar 2002 bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 26. Mai 2003 sprach ihm die IV-Stelle mit Wirkung ab 1. Juli 2002 eine g anze Invalidenrente bei einem Invaliditäts- grad von 82% zu. Im Rahmen einer von Amtes wegen eingeleiteten Revision teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 10. August 2005 mit, dass die ganze Rente unverände rt ausgerichtet werde. Eine weitere Revision von Amtes wegen wurde mit Mitteilung vom 4. Okt ober 2010 ebenfalls ohne Leis- tungsänderung abgeschlossen. Im September 2012 leitete die IV-Stelle die dritte revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruches des Versicherten ein, w oraufhin eine bidisziplinäre rheu- matologische und psychiatrische Begutachtung bei Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie, und Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, dur chgeführt wurde. Aufgrund der neu- en medizinischen Abklärungen wurde der Rentenanspruch v on A.____ – nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens – mit Verfügung vom 17. Feb ruar 2015 bei einem Invaliditätsgrad von 34% auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats aufgehoben. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Di eter Gysin, am 20. März 2015 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsr echt (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung vom 17. Februar 2015 aufzuheben und ihm weiterhin eine ganze IV-Rente auszurichten. Eventualiter seien ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuwei- sen; alles unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm die unent geltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass d as bidisziplinäre Gutachten, auf welches sich die IV-Stelle zur Hauptsache stütze, in formeller und materieller Hinsicht fehlerhaft und insbesondere das psychiatrische Teilgutachten nicht nachvollziehbar sei. C. Mit Verfügung des instruierenden Präsidenten vom 24. April 2015 wurde dem Be- schwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Ve rbeiständung mit Advokat Dieter Gy- sin bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2015 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. E. Am 27. Mai 2015 reichte der Beschwerdeführer eine Replik, die Beschwerdegegnerin am 9. Juni 2015 eine Duplik ein. Beide Parteien hielt en an ihren eingangs gestellten Anträgen fest. F. Nachdem das Bundesgericht mit Urteil vom 3. Juni 2015 , 9C_492/2014, BGE 141 V 281, seine Rechtsprechung zu den Voraussetzungen, unte r denen anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden ei ne rentenbegründende Inva- lidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise geändert hatte, erhielten beide Parteien Gelegenheit, zum Leitentscheid des Bund esgerichts Stellung zu nehmen. Die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdegegnerin reichte am 7. August 2015, der Beschwerdeführer am 7. September 2015 eine diesbezügliche Stellungnahme ein. Beide Parteien hielten im Wesentlichen an ihren ein- gangs gestellten Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 20. März 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegne rin zu Recht die Einstellung der Invalidenrente des Beschwerdeführers verfügt hat. 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 6 0%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinwei sen). Ebenso kann auch eine Änderung der Bemessungsmethode - bei gleich gebliebenem Gesundhe itszustand und bei unveränderten erwerblichen Auswirkungen - eine erhebliche Änderung de s Invaliditätsgrads mit sich bringen (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 17 Rz. 20 mit Hin- weisen). 3.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend hat die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 26. Mai 2003 rückwi rkend ab 1. Juli 2002 eine ganze Rente zugesprochen. Nachdem sie im September 2012 eine Überprüfung des Rentenan- spruchs des Versicherten eingeleitet und die erforderliche n Abklärungen vorgenommen hatte, hob die IV-Stelle die laufende ganze Rente des Versiche rten mit Verfügung vom 17. Februar 2015 auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verh ältnissen eingetreten ist, die eine revisi- onsweise Aufhebung der bis anhin ausgerichteten Rente r echtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom 26. Mai 2003 be- standen hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegen d angefochtenen Verfügung vom 17. Februar 2015. 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So darf und soll das Gericht in Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin- nen und Patienten aussagen. Im Weiteren ist laut die sen Richtlinien den im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezi alärztinnen und -ärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sow ie nach Einsicht in die Akten Be- richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.5 Im Urteil vom 29. August 2011 (9C_418/2010) hat das Bundesgericht ergänzend zusätz- liche Besonderheiten festgehalten, die es in Revisionsf ällen (im Sinne des Art. 17 ATSG) bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen Sachverhaltes zu beachten gilt: 4.5.1 Da die Feststellung einer revisionsbegründenden V eränderung durch eine Gegenüber- stellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes er folgt (vgl. E. 5.1 f. hiervor), bildet Gegenstand des Beweises das Vorhandensein einer entscheidungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Gutachten zu entnehmenden – Tatsac hen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und dessen funktionelle Auswirku ngen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie tatsächlich einen Unterschied auf der Seinsebene zum früheren Zustand wiedergibt. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachten s hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebli che Änderung(en) des Sachver- halts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollstän digen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erst malige Beurteilung der Rentenberechti- gung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abwei- chende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vo rbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältn isse sich verändert haben (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). 4.5.2 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrecht lichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bl oss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in i hrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Eine verlässliche Abgr enzung der tatsächlich eingetre- tenen von der nur angenommenen Veränderung ist als er forderliche Beweisgrundlage nicht erreicht, wenn bloss nominelle Differenzen diagnostischer Art bestehen. Die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretenen tatsächlichen Änderung ist hingegen genügend untermauert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunk- te in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbe itsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnosti- schen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben. Ein Sachverständiger kann jedoch die betreffende Entwicklung regelmässig nicht aus eigener Wahrnehmung beschreiben (ausser er sei schon als Vorgutacht er tätig gewesen). Daher ist es erforderlich, dass er sich, soweit verfügbar, mit den Fakt en fundiert auseinandersetzt, wie sie sich aus den für den früheren Entscheid massgebenden medizinischen Vorakten ergeben. Dem Gutachten, welches die medizinischen Vorakten unzureichend berücksichtigt, fehlt daher die erforderliche Überzeugungs- und Beweiskraft selbst dann, wenn die Schlussfolgerungen, wel- che auf der Grundlage der vom Sachverständigen selber e rhobenen Befundtatsachen gezogen worden sind, an sich einleuchten und vom Rechtsanwender prüfend nachvollzogen werden können. Diesem Beweiswertkriterium kommt hinsichtlich der Entscheidungsgrundlagen in Revi- sionsfällen – mit Blick auf deren vergleichende Natur – eine besondere Bedeutung zu. Diese spezifischen Anforderungen müssen sich denn auch im Rahmen der Fragestellung zuhanden des Gutachters niederschlagen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). 4.5.3 Je mehr medizinisches Ermessen bei der Stellung e iner Diagnose und der ärztlichen Einschätzung der Funktionseinschränkungen im Spiel ist, de sto wichtiger ist es, den gutachtli- chen Befund einer Veränderung möglichst solide auf klini sche Feststellungen, gutachterliche Verhaltensbeobachtungen und anamnestische Daten zu stüt zen und diese Elemente in Bezie- hung zu den medizinischen Vorakten und den dort gesetzt en Anknüpfungstatsachen zu brin- gen. Nur so kann dem Gutachten hinreichend zuverlässig entnommen werden, dass die in den Schlussfolgerungen beschriebene Differenz nicht wesentli ch einer unterschiedlichen Wertung Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuzuschreiben ist. Auf der anderen Seite darf die Notwe ndigkeit, eine bloss andere Beurteilung nicht als Anlass einer materiellen Revision gelten zu lasse n, nicht dazu führen, dass die Anfor- derungen an den Nachweis einer Veränderung so hoch ang esetzt werden, dass die ursprüngli- che Festlegung praktisch perpetuiert wird. Dies gilt insbe sondere für psychiatrische Beurteilun- gen, bei denen praktisch immer ein Spielraum besteht, innerhalb dessen verschiedene medizi- nische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Hier können die Beurteilungen nicht i mmer lückenlos mit Tatsachenschilde- rungen unterlegt werden. Bei einer stark ermessensgepr ägten Einschätzung, die weniger auf Messung und anderweitig normierter Feststellung als auf interpretationsbedürftigen Befundtat- sachen beruht, kann etwa eine Auseinandersetzung mit der Genese des Gesundheitsschadens, den das Krankheitsgeschehen unterhaltenden Faktoren, für den Nachweis einer tatsächlichen Veränderung besondere Bedeutung erlangen (Urteil de s Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.4 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2013, 9C_698/2012, E. 2.2). 5.1 Die ursprüngliche Rentenzusprache stützte sich primär auf den Arztbericht der E.____ vom 9. Dezember 2002. Darin wurde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2), eine anhaltende somato- forme Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4) sowie eine Lumboisc hialgie bei Diskushernie F5/S1 festgestellt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünde der Verdacht auf eine post- traumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1). Es liege eine Arbeitsunfähigkeit von 100% ab dem 23. Juli 2001 für die Tätigkeit als Lagerist vor. 5.2 Des Weiteren lag der Verfügung vom 26. Mai 2003 d er Bericht der F.____ vom 11. April 2002 zugrunde. Darin wurde mit Auswirkung auf die Arbe itsfähigkeit eine anhaltende somato- gene und somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) als Reaktion auf die anhaltende Arbeit sunfähigkeit und die Schmerzsymptoma- tik, ein akutes LWS-Syndrom mit Lumboischialgie links bei Diskushernie L5/S1 rechts mit radio- logischer Affektion der Wurzeln L5 und S1 rechts sowie e ine Meralgia paraesthetica links diag- nostiziert. Der Beschwerdeführer sei zu 100% arbeitsunfähig. 5.3 Im Austrittsbericht des G.____ vom 10. September 20 01 stellten die Ärzte die Diagno- sen eines akuten LWS-Syndroms mit Lumboischialgie links be i CT und MRI: Diskushernie L5/S1 rechts mit radiologischer Affektion der Wurzeln L5 und S1 rechts und Verdacht auf Symp- tomausweitung (PACT 23/200) sowie eine Meralgia paraesthetica links fest. 6.1 Im Rahmen der im September 2012 eingeleiteten R entenrevision berichtete der Haus- arzt des Beschwerdeführers, Dr. med. H.____, FMH Allgem eine Innere Medizin, am 28. Oktober 2012, der Beschwerdeführer sei immer noch z u 100% arbeitsunfähig und an des- sen Gesundheitszustand habe sich nichts geändert. Als Diagn osen mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit stellte er eine chronische Depression seit 2002 sowie rezidivierende Lumboischi- algien bei Diskushernie L5/S1 seit 2001 fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnos- tizierte Dr. H.____ multiple psychosomatische Beschwerden seit circa 2000. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Der den Beschwerdeführer behandelnde lic. phil. I .____, Psychologe und Psychothera- peut SPV/VPB, hielt in seinem Bericht vom 26. November 2012 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Persönl ichkeitsstörung (ICD-10 F34.1), seit circa 2001/2002 fest. Der Beschwerdeführer sei deswegen 100% arbeitsunfähig. 6.3 Die IV-Stelle beauftragte Dr. C.____ und Dr. D. ____, eine bidisziplinäre Begutachtung des Versicherten durchzuführen. Dr. C.____ diagnostizierte in seinem rheumatologischen Teil- gutachten vom 13. Mai 2013 mit Auswirkung auf die Arbei tsfähigkeit ein akutes Lumboverteb- ralsyndrom mit pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung links bei Diskushernie LWK5/S1 rechts. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte er ausgeprägte klinische und anamnestische Hinweise auf eine Schmerzfehlverabreitun g/Symptomausweitung seit August 2001, nicht einem rheumatologischen Krankheitsbild ent sprechende, altersentsprechende ra- diologische LWS-Veränderungen, Meralgia paraesthetica links sowie beginnender Hallux va- lgus beidseits fest. Unter dem Abschnitt Arbeitsfähigkei t im angestammten Beruf hielt Dr. C.____ fest, dass bezüglich einer Tätigkeit mit körper licher Schwerarbeit und/oder einer Tätigkeit mit spezifisch rückenbelastenden Arbeiten weiterhin eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestünde. In einer leichten bis mitte lschweren und rückenadaptierten Tätigkeit sei der Versicherte aus rein rheumatologischer Sicht ab Ok tober 2001 wieder uneingeschränkt arbeitsfähig. Im psychiatrischen Teilgutachten vom 13. Mai 2013 stellte Dr. D.____ mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depr essive Störung mit chronischem Verlauf, gegenwärtig leicht- bis mittelgradige Episode, fest. O hne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe anamnestisch ein Status nach anhaltender somatofo rmer Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Unter dem Abschnitt psychiatrischer Befund hielt Dr. D.____ fest, der Gedankengang sei in formaler Hinsicht weder gehemmt, verlangsamt noch an Ideen verarmt, jedoch stark auf die geklagten Beschwerden eingeengt, in inhaltlicher Hi nsicht sei er unauffällig. Die Beschwer- deschilderung sei sehr oft vage und verallgemeinernd sowie auch diffus und wenig fassbar, es lasse sich zeitweise auch eine Dramatisierungs- und Aggrav ationstendenz erkennen. Am Ende des Gesprächs habe der Beschwerdeführer einen vitalen Eindruck hinterlassen. In seiner Beur- teilung befand Dr. D.____, in der aktuellen Untersuchu ng hinterlasse der Beschwerdeführer nicht den Eindruck, unter andauernden schweren und quäl enden Schmerzen zu leiden. Weiter lasse sich im Vergleich mit den Befunden der E.____ im Jahr 2002 eine deutliche Verbesserung erkennen. Der Beschwerdeführer hingegen gebe an, sämtli che bisherigen Therapien seien oh- ne Erfolg geblieben. Des Weiteren führte Dr. D.____ aus, die durchgeführte Blutkonzentrations- bestimmung des Fluoxetins ergebe einen Wert deutlich un terhalb des unteren Normbereichs. Daraus könne geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer das ihm verordnete Fluoxetin, trotz gegenteiliger Behauptung, nicht regelmässig einnehme. Dies spreche gegen das Vorliegen eines ausgeprägten Leidensdruckes. Dr. D.____ hielt un ter dem Abschnitt Diskussion und ver- sicherungsmedizinische Würdigung fest, aufgrund der bewu sstseinsnahen Aggravations- und Dramatisierungstendenz liessen sich bezüglich der Ressourcen und des Funktionsniveaus des Beschwerdeführers keine verlässlichen Aussagen machen. Des W eiteren liessen sich auf Strukturebene keine psychopathologisch relevanten Beeint rächtigungen feststellen. Unter Mit- berücksichtigung dieser Faktoren und aufgrund der Besch werden von Seiten der rezidivieren- den depressiven Störung mit chronischem Verlauf und gege nwärtig leicht- bis mittelgradiger Episode, insbesondere der subjektiv geklagten Müdigkeit un d Kraftlosigkeit, der traurigen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stimmung sowie des Gefühls allgemeiner Sinnlosigkeit lasse sich aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausg eübten wie auch in einer alternativen Tä- tigkeit von 30% begründen. Eine zusätzliche Verminderung der Leistungsfähigkeit bestehe nicht. Unter dem Abschnitt Stellungnahme zu früheren ä rztlichen Berichten wies Dr. D.____ darauf hin, dass der Beschwerdeführer im Bericht der F._ ___ zu 100% arbeitsunfähig beurteilt werde, was aufgrund einer lediglich mittelgradigen de pressiven Episode, selbst bei gleichzeiti- gem Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung, nicht n achvollziehbar sei. Aus interdiszip- linärer Sicht sei der Versicherte im Umfang von 30% in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. 6.4 Dr. H.____ nahm am 3. September 2013 Stellung zu m psychiatrischen Teilgutachten von Dr. D.____ und hielt fest, er beurteile den Schwe regrad der Depression des Beschwerde- führers als mittelschwer bis schwer. Er habe für Aggravationstendenzen, wie sie von Dr. D.____ beschrieben würden, keine Hinweise. Bezüglich der Medika menteneinnahme habe er das Ge- fühl, dass der Beschwerdeführer seine Medikamente regelmä ssig einnehme, zumindest hole er sie regelmässig bei ihm in der Praxis ab. 6.5 Am 27. August 2013 hielten Dr. med. J.____, FMH P sychiatrie und Psychotherapie, und lic. phil. I.____, Psychotherapeut SPV/VPB, fest, dass dia gnostisch von einer langanhaltenden massiven depressiven Störung auszugehen sei. Diese langanhaltende depressive Symptomatik sei durch die Vorfälle von 2001/2002 (Rückenverletzung, Spitalaufenthalt, Arbeitsplatzverlust und anschliessende finanzielle Notlage) zwar ausgelöst wor den, aber die seitherige maligne psychische und psychosomatische Entwicklung sei in ihrer spezifi schen Ausformung (Schwere- grad und Konstanz in den letzten zehn Jahren) eine Folg e von Reaktualisierung und Verstär- kung der als Jugendlicher erlittenen Traumatisierung in der Türkei, die er in den Zwischenjahren erfolgreich überwunden (geglaubt) hätte. Während ihr er Behandlung seit 2003 hätten immer wieder Phasen von wiederkehrenden Angstzuständen sowie Anzeichen für eine frühere Trau- matisierung beobachtet werden können. Eine Ausformulie rung und behutsame Aufarbeitung seiner traumatischen Jugenderlebnisse habe erst in den letzten Jahren angegangen werden können. Aufgrund dieser durchgehend schweren psychischen S törung sei der Patient in den letzten zehn Jahren ausserstande gewesen, seinen normalen Lebensalltag ohne Unterstützung von Frau und Kindern zu meistern, geschweige denn sich ei ne Arbeitsstelle zu suchen und ei- ner geregelten Arbeit nachzugehen. 6.6 Am 31. Dezember 2013 nahm Dr. D.____ Stellung zu den Ausführungen von Dr. J.____ und lic. phil. I.____ und hielt fest, mit deren Beurt eilung werde unmissverständlich auf das Vor- liegen einer verzögert aufgetretenen posttraumatischen Belastungsstörung hingewiesen. Diese Diagnose werde jedoch weder im aktuellen Bericht vom 2 7. August 2013 noch in demjenigen von lic. phil. I.____ vom 26. November 2012 gestellt. D ie Kriterien für die Diagnosestellung ei- ner late onset posttraumatischen Belastungsstörung seien i n keiner Art und Weise als erfüllt zu betrachten. Weiter wies Dr. D.____ darauf hin, dass di e Therapeuten in ihrem Bericht eine de- pressive Persönlichkeitsstörung, lic. phil. I.____ in seine m Bericht vom 26. November 2012 gar eine schwere depressive Persönlichkeitsstörung diagnostiziert hätten. Letztere werde allerdings mit einer falschen ICD-10-Codierung (nämlich F34.1) co diert. Hierbei handle es sich um eine Dysthymia, eine chronische depressive Stimmung, die nach Schw eregrad und Dauer der ein- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zelnen Episoden nicht die Kriterien für eine leichte oder mittelgradige rezidivierende depressive Störung erfülle. Des Weiteren führte Dr. D.____ auf , aus welchen Gründen auch eine Persön- lichkeitsstörung nicht vorliege. Zudem könne die im Berich t der Therapeuten beschriebene meist gleichbleibend affektarme, unmodulierte Stimmlag e sowie die ausgeprägte Antriebslosig- keit aufgrund der gutachterlichen Befunde nicht bestätigt werden. Die Einschätzung des Schwe- regrades der Depression werde in seinem Gutachten hinreichend und ausführlich dargelegt und begründet. Eine Verbesserung der depressiven Symptomatik auch im Vergleich mit dem Be- fund der F.____ vom Jahr 2002 lasse sich im Gutachten fe ststellen. Die Kooperationsbereit- schaft während der gutachterlichen Untersuchung sei mange lhaft gewesen und in all den Jah- ren der Therapie sei es offenbar nicht möglich gewes en, eine regelmässige Sitzungsfrequenz zu etablieren. Anlässlich der Begutachtung habe der Bes chwerdeführer jedoch betont, dass die Gespräche regelmässig einmal monatlich stattfinden würden . Dies müsse aufgrund des vorlie- genden Berichts der behandelnden Therapeuten als bewuss te Falschaussage gewertet wer- den. Ebenfalls eine bewusste Falschaussage sei die Behau ptung des Beschwerdeführers, er nehme das ihm verordnete Fluoxetin regelmässig ein. Dr . D.____ hielt in seiner Stellungnahme zusammenfassend fest, er sehe keinen Anlass, seine Diagnosen oder seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu ändern. 6.7 Dr. J.____ und lic. phil. I.____ nahmen am 29. Jan uar 2014 erneut Stellung und hielten fest, die Stellungnahme von Dr. D.____ vom 31. Dezember 2013 sei fachlich gut nachvollzieh- bar, in sich schlüssig und in der Argumentation logisch und stringent dargelegt, was aber noch nicht bedeute, dass sie inhaltlich richtig sei. Es sei einfa ch, aufgrund einer einzigen Beobach- tungssituation und unter Zuhilfenahme eines klaren Kate gorisierungsrasters und einer Reihe von vorgegebenen Aktenaufzeichnungen ein stringentes und einfach strukturiertes und struktu- rierendes Bild eines Menschen zu geben. Ihre Aufgabe hi ngegen, denselben Menschen in sei- ner Komplexität und Widersprüchlichkeit über zehn Jahr e hinweg plastisch aufzuzeigen und möglichst verstehbar zu machen, sei demgegenüber doch entsp rechend komplexer und damit angreifbarer. Dr. J.____ und lic. phil. I.____ hielte n an ihren im Bericht vom 27. August 2013 erläuterten Kernaussagen fest. 6.8 Dr. D.____ nahm am 4. Juli 2014 Stellung zum Sch reiben der Therapeuten vom 29. Januar 2014 und hielt fest, diese hätten im Berich t vom 26. November 2012 zu einem Klas- sifizierungsschema und einer Kategorisierung gegriffen, i ndem sie von einer depressiven Per- sönlichkeitsstörung ausgingen und diese sogar mit einer I CD-10-Codierung – welche allerdings falsch sei – benannten. Dies obwohl sie in ihrer Stellu ngnahme vom 29. Januar 2014 betonten, nicht wie der Gutachter mit einem Klassifizierungsschema an den Patienten heranzugehen, sondern ihn in seiner Individualität zu verstehen versuch ten. Dr. D.____ wies weiter darauf hin, dass es für einen Therapeuten nicht immer ganz einfach sein dürfte, in einem solch langen Pro- zess stets einen genügen therapeutischen Abstand zu wahre n. Für den Gutachter hingegen könne es wegen seiner Neutralität einfacher sein, sich ein Bild über den Gesundheitszustand eines Menschen zu machen. Dr. D.____ hielt mit seiner St ellungnahme abermals an seinen Diagnosen und an seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit fest. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 17. Februar 2015 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes vollumfänglich auf das bidisziplinäre Gutachten vom 13. Mai 2013. Sie ging demzufolge davon aus, dass i m Vergleich zur Rentenzusprache im Jahr 2003 eine wesentliche rentenrelevante Verbesserung des Gesundheitszustandes des Ver- sicherten eingetreten sei. Der Beschwerdeführer sei in e iner leichten bis mittelschweren Tätig- keit spätestens ab dem 13. Mai 2013 zu 70% arbeitsfähig . Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4. hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ei ngeholten Gutachten externer Spezi- alärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beob achtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C. ____ und D.____ vom 13. Mai 2013 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es i st - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3. hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Unter- suchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es i st in Kenntnis der Vorakten ab- gegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medi zinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und es setzt sich mit den vorhandenen abweichen- den ärztlichen Einschätzungen auseinander. Zudem wird einlässlich auf die Beschwerden ein- gegangen und es wird insgesamt ein hinreichendes Bild über den Gesundheitszustand des Be- schwerdeführers vermittelt. Weiter legt Dr. D.____ unt er hinreichender Berücksichtigung der in Revisionsfällen zu beachtenden Besonderheiten (vgl. E. 4 .5 hiervor) dar, dass seit der Renten- zusprache im Jahr 2003 eine Verbesserung des Gesundheitszust andes stattgefunden hat. Vor diesem Hintergrund ist auch die fachärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar begründet und es ist mit überwiegender Wahrscheinlichke it davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer aktuell eine Leistungsfähigkeit von 70% a ufweist. Insgesamt ist die Beurteilung im Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 13. Mai 2013 sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugend und deshalb bei der Beurteilung der medizi nischen Sachlage massgebend. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass sich die IV-Stelle in Bezug auf die Beurteilung des Gesund- heitszustandes des Beschwerdeführers und dessen Arbeitsfä higkeit auf das Gutachten der Dres. C.____ und D.____ stützte. 8.1 Was der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 20. März 2015 vorbringt, ist nicht geeignet, die beweisrechtliche Verwertbarkeit des G utachtens der Dres. C.____ und D.____ vom 13. Mai 2013 in Frage zu stellen. Insbesond ere sind im Gutachten – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – keine Hinweise vorzufi nden, welche Zweifel an der sach- gemässen Erstellung wecken. 8.2.1 Soweit er geltend macht, die Schlussfolgerung v on Dr. D.____, wonach die Ausführun- gen des Beschwerdeführers bezüglich der Schwere seiner Be schwerden unglaubwürdig seien, weil er falsche Angaben zur Medikamenteneinnahme (Fluo xetin) gemacht habe, sei unange- bracht und unzulässig, kann ihm nicht gefolgt werden. Die Menge des Antidepressivums, wel- che im Blut nachgewiesen werden konnte, deutet darauf hin, dass der Beschwerdeführer das Medikament kaum oder gar nicht eingenommen hat. In d er Beschwerdeschrift wird diesbezüg- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich ausgeführt, es sei tatsächlich vorgekommen, dass das Fl uoxetin hier und da wegen uner- wünschter Nebenwirkungen für kurze Zeit abgesetzt worde n sei, die Einnahme aber sonst re- gelmässig erfolgt sei. Diese Begründung vermag indes nicht zu überzeugen, denn der Be- schwerdeführer hat anlässlich der Begutachtung selber bet ont, dass er seine Medikamente re- gelmässig einnehme. Aus den Akten geht zudem nichts hervo r, was die Begründung des Be- schwerdeführers stützen könnte. 8.2.2 Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, die Au sführungen von Dr. D.____ bezüglich des Handys und des Rauchens seien krass unsachlich. Dem kann en tgegengehalten werden, dass der Gutachter in nachvollziehbarer Weise den sachlich en Zusammenhang zwischen sei- nen diesbezüglichen Feststellungen und Schlussfolgerungen erklärt. Hinsichtlich des Rauchens hat der Gutachter auch explizit berücksichtigt, dass es sich dabei um eine Sucht handelt. Dieser Einwand erweist sich demnach als unbegründet. 8.2.3 Der Beschwerdeführer bestreitet weiter die vom p sychiatrischen Gutachter festgestellte Dramatisierungs- und Aggravationstendenz. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass Dr. D.____ Beispiele macht, welche seine Feststellung begründen. Er führt insbesondere aus, der Be- schwerdeführer stehe während der Untersuchung immer wie der auf und erkläre, dass dies we- gen seiner Schmerzen der Fall sei, Mimik und Gestik deute ten dabei jedoch kein Schmerzerle- ben an. Am Ende der Untersuchung stehe er mit einem S chmerzgebaren auf, könne dann die Praxis aber ohne äusserlich sichtbare Behinderung wieder verlassen, so wie er sie betreten habe. Zudem erwähnt der Gutachter, dass die Art und W eise, wie der Lebenslauf zusammen- gefasst sei, für die auch während der aktuellen Unters uchung festzustellende Dramatisierungs- und bewusstseinsnahe Aggravationstendenz des Beschwerdeführers spreche. Dr. D.____ führt dies am Beispiel des Unfalls des jüngsten Sohnes schlüssig aus. Der Beschwerdeführer gibt an, aufgrund dieses Unfalles bereits seit 1996 depressiv gewesen zu sein. Dass dies der Wahr- heit entspricht, ist zu bezweifeln, zumal der Beschwer deführer bis 2001 gearbeitet hat und bis dahin auch psychiatrisch unauffällig gewesen ist. Der Beschw erdeführer scheint sowohl das Unfallereignis als auch seine diesbezüglichen gesundheitlichen Folgen zu dramatisieren. 8.3 Auch die Ausführungen des Hausarztes, Dr. H.____, so wie diejenigen der behandeln- den Therapeuten, Dr. J.____ und lic. phil. I.____, ver mögen keine Zweifel am Gutachten zu begründen. In diesem Zusammenhang ist zunächst auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auf tragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. oben E. 5.4). Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte oft wert- volle Erkenntnisse zeitigen, doch übersieht der Beschwerdefü hrer bei seiner Kritik, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therape utisch tätigen (Fach-)Arztes einer- seits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fa chmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) nicht zulässt, ein Administr ativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbeh alten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wi chtige - und nicht rein subjektiver ärztli- cher Interpretation entspringende - Gesichtspunkte benen nen, die bei der Begutachtung uner- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht kannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteile des Bun desgerichts vom 16. September 2013, 9C_425/2013, E. 4.1 und vom 14. Februar 2011, 8C_642/2102, E. 5.2). Solche Aspekte legt der Beschwerdeführer nicht substantiiert dar. 8.4 Umstritten ist im vorliegenden Fall letztendlich nu r der Schweregrad der Depression. Der Hausarzt sowie der behandelnde Psychotherapeut des Beschwerdeführers diagnostizierten eine mittelschwere bis schwere depressive Episode, während der Gutachter von einer leichten bis mittelschweren depressiven Episode ausging. An dieser Stelle ist festzustellen, dass Dr. D.____ in seinem psychiatrischen Teilgutachten sowie in seinen ausführlichen Stellung- nahmen nachvollziehbar und schlüssig ausführt, weshalb er auf den betreffenden Schweregrad der Depression kommt. Er führt unter anderem aus, insg esamt hinterlasse der Beschwerdefüh- rer während der aktuellen Untersuchung keinen schwer depr essiven Eindruck. Der Beschwer- deführer habe während der Untersuchung des Öfteren wiederholt, dass er unter einer absoluten Freudlosigkeit leide und dass er dem Leben keine Bede utung mehr zumesse. Andererseits be- richte er, dass er gerne mit seinen Kindern, an denen er Freude habe, und der Ehefrau gemein- sam in einer Art Grossfamilie das Essen einnehme. Des Weiteren führe er aus, dass er an nichts mehr Interesse habe, weder an Aktualitäten noch a n Politik, er schaue jedoch regelmäs- sig die Nachrichten im Fernseher. Darüber hinaus gebe er an, mit niemanden Kontakt zu haben (ausser mit seinen Familienangehörigen), und dass er immer zu Hause sei, trotzdem besitze er ein Natel bei gleichzeitigem Festnetzanschluss. Die beh andelnden Ärzte hingegen begründen ihre Diagnosestellung im Schreiben vom 27. August 2013 ungenügend. Im Vergleich zum Be- richt vom 26. November 2012 verwenden sie zwar keine (falsc he) ICD-Codierung mehr, jedoch ergibt die Umschreibung des diagnostisch Festgehaltenen ke inen Sinn. Denn einerseits wird unter Ziffer 1 festgehalten, der Beschwerdeführer lei de an einer depressiven Störung, Schwe- regrad: über weite Strecken schwer, in besseren Phasen mittelgradig. Andererseits wird unter Ad 1. Diagnosestellung näher erläutert, wie es zur en tsprechenden Diagnose kam. An dieser Stelle verwenden die Behandler den Begriff der depre ssiven Persönlichkeitsstörung („Aufgrund der Beobachtungslage seit 2003 gehen wir vom Vorhandense in einer eigentlichen depressiven Persönlichkeitsstörung aus.“). Unter einer depressiven Per sönlichkeitsstörung versteht man jedoch eine chronische, wenigstens mehrere Jahre lang a ndauernde depressive Verstimmung, die gerade weder schwer noch (bezüglich der einzelnen Epi soden ihres Auftretens) lang genug ist, um die Kriterien einer rezidivierenden depressiven Störung in leichter, mittelgradiger oder schwerer Ausprägung mit oder ohne psychotische Symptome zu erfüllen. Der Begriff "depressi- ve Persönlichkeitsstörung" ist vollständig deckungsgleich mit dem Begriff "Dysthymia" (vgl. die Definitionen unter http://www.icd-code.de/suche/icd/code/F34.-.html?sp=Sf34 sowie unter http://www.psychologielexikon.com/1529-depressive-persoenlichkeitsstoerung-kriterien-nach- icd-10-entsprechend-f34-1, beide Internetseiten besucht am 23. November 2015) . Diese Diag- nose entspräche damit wiederum der im Bericht vom 26 . November 2012 verwendeten ICD- Codierung F34.1 (vgl. E. 6.6 hiervor). Insgesamt erschei nen die Ausführungen und Schlussfol- gerungen von Dr. J.____ und lic. phil. I.____ nicht na chvollziehbar. Jedenfalls existiert die Di- agnose einer schweren depressiven Persönlichkeitsstörung im ICD-10 Klassifikationssystem nicht. Aus diesen Gründen sind die Berichte der Behandl er nicht geeignet, das bidisziplinäre Gutachten in Zweifel zu ziehen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Nach dem Gesagten steht fest, dass das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 13. Mai 2013 eine zuverlässige Beurteil ung des medizinischen Sachverhalts im Zeitpunkt des Verfügungserlasses erlaubt. Es ist demn ach davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der gestellten Diagnosen die Ausübung einer leichten bis mittel- schweren Tätigkeit zu 70% zumutbar ist. Es besteht daher i n antizipierter Beweiswürdigung kein Grund, weitere (fach-)ärztliche Abklärungen vorzuneh men (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. März 2008, 9C_561/2007, E. 5.2.1; BGE 124 V 9 4 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). Des Weiteren kann auf den in der angefochtenen Verfügung kor- rekt durchgeführten Einkommensvergleich der Beschwerdegegne rin abgestellt werden. Entge- gen der Auffassung des Beschwerdeführers steht es der IV- Stelle zu, den leidensbedingten Abzug im Vergleich zum Vorbescheid von 12% auf 5% zu re duzieren. Abgesehen davon be- stünde auch bei einem Abzug von 12% kein Rentenanspruch, denn der im Vorbescheid errech- nete Invaliditätsgrad betrug 38%. Insgesamt ist das da rauf beruhende Ergebnis, infolgedessen die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Invalidenren te des Beschwerdeführers eingestellt hat, nicht zu beanstanden. Die gegen die Verfügung vom 17. Februar 2015 erhobene Be- schwerde erweist sich unter diesen Umständen als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 10.1 Zu prüfen bleibt der Anspruch des Beschwerdeführers auf Wiedereingliederungs- massnahmen. 10.2 Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allge mein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutb are selber vorzukehren hat, um die Fol- gen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern. Von den Versicherten können jedoch nur Vorkeh- ren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der ges amten objektiven und subjektiven Ge- gebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 2 8 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung). Die Wiedereingliederung von Versichert en im fortgeschrittenen Alter oder nach invaliditätsbedingt langjährigem Fernbleiben von der Arbeitswelt ist oftmals schwierig. Laut ständiger Rechtsprechung ist zwar im Regelfall eine med izinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbste ingliederung zu verwerten. Nach lang- jährigem Rentenbezug und/oder auf Grund des fortgesch rittenen Alters des Versicherten kön- nen jedoch ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes d er Anrechnung einer medizi- nisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglich en Leistungsentfaltung entge- genstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimm- ten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchführung befä higender Massnahmen allein ver- mittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht mö glich ist (Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis auf Urteil vom 10. September 2010, 9C_163/2009, E. 4.1 und 4.2.2). Die Verwaltung muss si ch vor der Herabsetzung oder Aufhe- bung einer Invalidenrente vergewissern, ob sich ein medizinisch-theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tie feren Invaliditätsgrad nieder- schlägt oder ob dafür – ausnahmsweise – im Einzelfall e ine erwerbsbezogene Abklärung (der Eignung, Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchfü hrung von Eingliederungsmassnah- men im Rechtssinne vorausgesetzt ist (Urteil des Bundesgeri chts vom 17. November 2011, 9C_376/2011, E. 6.1 mit Hinweis auf Urteil vom 10. September 2010, 9C_768/2009, E. 4.1.2). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.3 Im Urteil vom 26. April 2011 (9C_228/2010, publ iziert in: Sozialversicherungsrecht – Rechtsprechung [SVR] 2011 IV Nr. 73) hat das Bundesger icht sodann festgehalten, dass aus Gründen der Rechtssicherheit diejenigen Fälle, in wel chen der Ausnahmetatbestand der Not- wendigkeit (vorgängiger) befähigender beruflicher Massna hmen trotz wiedergewonnener Ar- beitsfähigkeit als erfüllt zu betrachten ist, vom Regelf all der Fälle einer sofortigen erwerblichen Verwertbarkeit abzugrenzen sind. Es hat deshalb die vorst ehend geschilderte Rechtsprechung (vgl. E. 8.2 hiervor) dahingehend präzisiert, dass sie gr undsätzlich auf Sachverhalte zu be- schränken ist, in denen die revisions- oder wiedererwägung sweise Herabsetzung oder Aufhe- bung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft , die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.3). 10.4 Die beiden Abgrenzungskriterien Alter 55 und Rent enbezug 15 Jahre lehnen sich an die von den Eidgenössischen Räten am 18. März 2011 beschl ossenen und am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen zur 6. IVG-Re vision an. Anders als im vorliegenden Kontext geht es dort um die generelle Überprüfung vo n Renten, die bei pathogenetisch- ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundla- ge gesprochen worden waren. Dies soll innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten der Ände- rung geschehen. Dabei sollen Renten auch gekürzt oder a ufgehoben werden, wenn sich der Invaliditätsgrad der versicherten Person nicht erheblich geändert hat. Hierfür regelt die erwähn- te Schlussbestimmung in Abs. 4, dass die erwähnte Überprüf ung auf Personen (mit dem obge- nannten Beschwerdebild) keine Anwendung findet, die i m Zeitpunkt des Inkrafttretens der Än- derung das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung einge- leitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen. Nach der Botschaft werden mit einer solchen Besitzstandgarantie di e Gesichtspunkte der Rechtssicher- heit und des Vertrauensschutzes berücksichtigt, weil eine W iedereingliederung in diesen Fällen faktisch ausgeschlossen sein dürfte (Bundesblatt [BBl] 2 010, S. 1912; SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.4). 10.5 Die Übernahme der beiden Abgrenzungskriterien be deutet nun allerdings nicht, dass die darunter fallenden Rentner/innen in dem revisions- (Ar t. 17 Abs. 1 ATSG) bzw. gegebenenfalls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Konte xt einen Besitzstandsanspruch gel- tend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass – von Ausnahmen abgesehen – aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder einer lang en Rentendauer die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist (SVR 2011 IV Nr. 73 E. 3.5). 10.6 Der 1959 geborene Beschwerdeführer war zum Zeitp unkt, als die Beschwerdegegnerin die angefochtene Verfügung erliess, 55 Jahre alt und b ezog seit knapp 13 Jahren eine ganze IV-Rente. Deswegen hätte er grundsätzlich Anspruch auf W iedereingliederungsmassnahmen. Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob der Eingliederu ngswille des Beschwerdeführers in Frage zu stellen ist. Wenn dem so wäre, so wäre die Durchführ ung von Eingliederungsmassnahmen nicht erfolgsversprechend und diese wären von vornherein nicht angezeigt gewesen. Dem Ge- sprächsprotokoll „Erstgespräch Rentenrevision 55+/15+“ vom 28. August 2014 ist zu entneh- men, dass der Beschwerdeführer in Bezug auf die angebot enen Eingliederungsmassnahmen keine Stellung genommen habe, sondern lediglich dagese ssen sei, zwischendurch mit der Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tochter in Türkisch geredet und von ihr habe übersetzen la ssen, dass er sterben wolle. Weiter wurde festgehalten, dass das Gespräch habe abgebrochen werden müssen, weil der Be- schwerdeführer emotional völlig erregt gewesen sei und si ch bei der Beschwerdegegnerin im Raum eingeengt gefühlt habe. Die Tochter habe ihn da nn aus dem Haus begleitet. Als Fazit schloss der Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin, es bestehe subjektiv kein Eingliederungspo- tenzial. Deshalb schloss die Beschwerdegegnerin – nach dur chgeführtem Mahn- und Bedenk- zeitverfahren – die Eingliederungsmassnahmen mit Bericht vom 2. Oktober 2014 ab. Dr. D.____ hielt in seinem Teilgutachten diesbezügli ch fest, aufgrund der bewusstseinsnahen Aggravations- und Dramatisierungstendenzen des Beschwerdeführers dürften berufliche Mass- nahmen insgesamt als kaum sinnvoll erscheinen. Die Progno se sei aufgrund der subjektiven Krankheits- und Behinderungsüberzeugung als ungewiss zu b eurteilen. Dr. C.____ führte im rheumatologischen Teilgutachten aus, dass aus rein rhe umatologischer Sicht berufliche Mass- nahmen prinzipiell zumutbar, jedoch aufgrund der Selb stbeurteilung des Beschwerdeführers nicht angezeigt wären. 10.7 Aufgrund der Aktenlage lässt der Beschwerdeführer keine Bereitschaft erkennen, an Massnahmen zur Wiedereingliederung teilzunehmen. Daran ändert auch das vom Beschwerde- führer im Mahn- und Bedenkzeitverfahren eingereichte S chreiben vom 12. September 2014 nichts, in welchem er ausführt, er sei seiner Mitwirkun gspflicht nachgekommen, indem er am Informationsgespräch teilgenommen habe. Dass er anlässlich der Besprechung seinen gegen- wärtigen schlechten Gemütszustand kundgetan habe, ändere nichts daran, genauso wenig wie die Tatsache, dass er Ängste in engen Räumlichkeiten wie dem Besprechungsraum entwickle und dies entsprechend dem Sachbearbeiter über seine T ochter habe mitteilen lassen. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 17. Februar 2015 auch in Bezug auf die Eingliederungsmassnahmen nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Entsp rechend dem Ausgang dieses Verfah- rens hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten zu tr agen. Da ihm mit Verfügung vom 24. April 2015 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde, gehen die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- zu Lasten der Gerichtskasse. 11.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer ebenfalls mit Verfügung vom 24. April 2015 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt w urde, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Der Rechtsvertreter d es Versicherten macht in seiner Honorarnote vom 2. Oktober 2015 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 22 Stunden und 20 Minuten à Fr. 250.-- geltend. Zunächst ist – wie der Rechtsvertreter in seinem Schreiben vom 2. Oktober 2015 richtig ausführt – festzuhalten, dass das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung gemäss § 3 Abs. 2 der Ta rifordnung für die Anwältinnen und Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anwälte vom 17. November 2003 Fr. 200.-- pro Stunde b eträgt. Der geltend gemachte Zeitauf- wand erscheint umfangmässig in Anbetracht der sich stell enden Sachverhalts- und Rechtsfra- gen als zu hoch. Der Rechtsvertreter hat in casu einersei ts eine überdurchschnittlich lange Be- schwerde ausgefertigt sowie freiwillig eine Replik ei ngereicht und damit einen zweiten Schrif- tenwechsel in Gang gesetzt. Andererseits stellte er dem Kantonsgericht unaufgefordert Einga- ben zu (z.B. die abschliessende Stellungnahme in der Ho norarnote vom 2. Oktober 2015). Selbstverständlich steht es dem Rechtsvertreter zu, sowoh l eine Replik als auch eine ab- schliessende Stellungnahme einzureichen. Jedoch ist im vorl iegenden Beschwerdeverfahren kein Grund für diese weiteren Stellungnahmen ersichtlich. Insbesondere im Rahmen der unent- geltlichen Prozessführung hat die Rechtsvertretung auch den wirtschaftlichen Aspekt zu beach- ten und keine für den betreffenden Fall übermässigen Bemühungen zu betreiben. Aus diesem Grund erscheint eine Streichung von pauschal vier Stunde n des geltend gemachten Zeitauf- wandes als angemessen. Damit ist dem Rechtsvertreter des B eschwerdeführers für seine Be- mühungen ein Honorar in der Höhe von Fr. 4‘062.90 ( 18,333 Stunden [20,333 minus 4 Stun- den] à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 95.30 [Fr. 46.50 plus Fr. 48.80] zuzüglich 8% MwSt.) aus der Gerichtskasse auszurichten. 11.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufme rksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltichen Prozessführung werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 4‘062.90 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet.