JAAC66.74 Entscheid des Bundesrates vom 27. Juni 2001 in Sachen Kantonalverband bernischer Krankenversicherer gegen den Regierungsrat des Kantons Bern [Berner Klinik Montana], Publikation in Rechtsprechung und Verwaltungspraxis zur Kranken- und Unfallversicherung [RKUV] 3/2002 vorgesehen Assurance-maladie. Conditions de la fixation par le gouvernement cantonal d’un tarif des traitements hospitaliers. Nécessité d’un avis du Surveillant des prix. Art. 47 al. 1 et 3 LAMal. Art. 14 al. 1 et 2 LSPr. - Le droit fédéral n’oblige pas le gouvernement cantonal à fixer la durée des tarifs; cependant, s’il s’est donné pour règle d’établir annuellement de nouveaux tarifs, le canton est tenu d’y procéder en se conformant en tout cas aux dispositions de la LAMal (consid. 3). - Si le gouvernement cantonal fixe un tarif sans attendre la recommandation du Surveillant des prix, le Conseil fédéral annule cette décision et renvoie l’affaire à l’instance inférieure, à moins que le Surveillant des prix ait renoncé après coup à exprimer son avis (consid. 4). - Le gouvernement cantonal n’a en principe le droit de fixer un tarif que si les parties ont eu l’occasion de négocier mais que, n’étant pas disposées à négocier, elles ne sont parvenues à aucun résultat (consid. 5.2). Krankenversicherung. Voraussetzungen der hoheitlichen Festsetzung eines Tarifs für stationäre Behandlung durch die Kantonsregierung. Erfordernis der Stellungnahme des Preisüberwachers. 1Art. 47 Abs. 1 und 3 KVG. Art. 14 Abs. 1 und 2 PüG. - Die Kantonsregierung ist von Bundesrechts wegen nicht verpflichtet, die Geltungsdauer der Tarife zu befristen; die selbst auferlegte Regel, Tarife alljährlich neu festzulegen, zwingt den Kanton indes, das entsprechende Verfahren in jedem Fall gemäss den Bestimmungen des Krankenversicherungsgesetzes durchzuführen (E. 3). - Wenn die Kantonsregierung einen Tarif festsetzt, ohne die Empfehlung der Preisüberwachung abzuwarten, hebt der Bundesrat den regierungsrätlichen Tarifbeschluss auf und weist die Sache an die Vorinstanz zurück, ausser wenn die Preisüberwachung nachträglich auf die Abgabe einer Stellungnahme verzichtet hat (E. 4). - Die Kantonsregierung ist grundsätzlich erst dann berechtigt, einen Tarif hoheitlich festzulegen, wenn die Parteien Gelegenheit zu Verhandlungen hatten, wegen mangelnder Verhandlungsbereitschaft aber zu keinem Ergebnis gekommen sind (E. 5.2). Assicurazione malattie. Condizioni per la fissazione di una tariffa per cure stazionarie da parte del governo cantonale. Necessità della presa di posizione della Sorveglianza dei prezzi. Art. 47 cpv. 1 e 3 LAMal. Art. 14 cpv. 1 e 2 LSPr. - Il diritto federale non obbliga il governo cantonale a limitare la durata di validità delle tariffe; tuttavia, la regola prevista dal cantone stesso, secondo cui le tariffe devono essere stabilite ogni anno, obbliga il cantone a svolgere in ogni caso la relativa procedura secondo le disposizioni della legge sull’assicurazione malattie (consid. 3). - Se il governo cantonale fissa una tariffa senza attendere la presa di posizione della Sorveglianza dei prezzi, il Consiglio federale annulla la decisione e rinvia l’incarto all’autorità inferiore, a meno che la Sorveglianza dei prezzi non abbia in seguito rinunciato a prendere posizione (consid. 4). - In linea di principio, il governo cantonale è legittimato a fissare una tariffa solo se le parti hanno avuto la possibilità di negoziare, ma non sono giunte ad un risultato a causa della mancanza di disponibilità a trovare un accordo (consid. 5.2). ZusammenfassungdesSachverhalts: DerRegierungsratdesKantonsBernhatam17.Januar2001fürdasJahr 2001einebestimmteTagespauschalefürdieBernerKlinikMontana (BKM)hoheitlichfestgesetzt. MitEingabevom27.Februar2001führtder KantonalverbandbernischerKrankenversicherungen(KVBK)Beschwerdean denBundesrat. Erbeantragt,denBeschlussdesRegierungsratesaufzuheben undeinetieferePauschalefestzusetzen. 2DerBundesrathatdieBeschwerdeausfolgendenErwägungenteilweise gutzuheissen. AusdenErwägungen: (…) 3. GemässArt.43Abs.4desBundesgesetzesvom18.März1994über dieKrankenversicherung(KVG,SR832.10)sindTarifeundPreisein VerträgenzwischenVersicherernundLeistungserbringern(Tarifverträge)zu vereinbarenoderindenvomGesetzbestimmtenFällenvonderzuständigen Behördefestzusetzen. KommtzwischendenParteienkeinVertragzustandeoderwirdein Vertraggekündigt,herrschtmithineinvertragsloserZustand,sosetztdie KantonsregierungnachAnhörenderBeteiligtendenTariffest(Art.47Abs.1 KVG)oderverlängertdenbestehendenVertragumeinJahr(Art.47Abs.3 KVG).GemässständigerRechtsprechungdesBundesratesgibteseinedritte MöglichkeitimSinneeinerVertragsverlängerungmitÄnderungeinzelner Bestimmungennicht. DerWortlautdesstrittigenRegierungsratsbeschlusses,wonachzumeineneine TagespauschalefestgesetztundzumanderenderTariferlassvom27.Januar 1993bisEnde2001«verlängert»wird,erwecktnunaberdenEindruck,der RegierungsrathätteeinenbestehendenVertragzwischenderKlinikunddem BeschwerdeführerimSinnevonArt.47Abs.3KVGverlängertundteilweise abgeändert,was-wievorneerwähnt-nichtzulässigwäre. DerWortlaut desBeschlussestäuschtallerdings,denneinsolcherVertragbestehtseit 1993nichtmehr. DerTarifwurdebereitsinjenemJahrvomRegierungsrat zumerstenMal(fürdieDauereinesJahres)hoheitlichfestgelegt. Obschon alljährlich(ausserimJahr2000,inwelchemkeinTariffestgesetztworden ist)voneinerErstreckungoderVerlängerungdesTariferlassesdieRede war,handelteessichjeweilsumeineerneuteFestsetzungdesTarifs. Ein hoheitlichfestgelegterTarifkannnichterstrecktoderverlängertwerden. WenneinbefristeterTariferlassnichtmehranwendbarist,weildieFrist abgelaufenist,isterneufestzusetzen. HingegenistdieKantonsregierung vonBundesrechtswegennichtverpflichtet,dieGeltungsdauerderTarife zubefristen;dieselbstauferlegteRegel,Tarifealljährlichneufestzulegen, zwingtallerdingsdenKanton,dasTariffestsetzungsverfahreninjedemFall KVG-konformdurchzuführen;dasVerfahrenkannselbstdannnichtabgekürzt werden,wenn-wiedieVorinstanzbehauptet-sichdieVerhältnisseindemfür dieBerechnungdesTarifsmassgebendenJahrimVergleichzumVorjahrnicht veränderthaben. Zusammenfassendistsomitfestzuhalten,dassessichbeimstrittigen RegierungsratsbeschlussumeinehoheitlicheTariffestsetzungimSinnevon Art.47Abs.1KVGhandelt. 4. Zuprüfenistzunächst,obderangefochteneTariffestsetzungsbeschluss aufzuhebenundandieVorinstanzzurückzuweisenist,weilderRegierungsrat aufeineKonsultationderPreisüberwachungverzichtethat. 4.1. IstdieLegislativeoderdieExekutivedesBundes,einesKantonsoder einerGemeindezuständigfürdieFestsetzungoderGenehmigungeiner Preiserhöhung,dievondenBeteiligtenaneinerWettbewerbsabredeoder 3einemmarktmächtigenUnternehmenbeantragtwird,sohörtsienach Art.14desPreisüberwachungsgesetzesvom20.Dezember1985(PüG,SR 942.20)zuvordiePreisüberwachungan. Diesekannempfehlen,aufeine Preiserhöhungganzoderteilweisezuverzichtenodereinenmissbräuchlich beibehaltenenPreiszusenken. DieBehördeführtdieEmpfehlunginihrem Entscheidan;folgtsieihrnicht,sobegründetsiedies(Art.14Abs.1und 2PüG).DieAnwendungdesPreisüberwachungsgesetzesaufPreise,die nachKVGfestgesetztwerden,wirdinderBotschaftdesBundesrates(BBl 1992 I180u. 182)entsprechendderfrüherenPraxis( VPB56.44 und56.45) bestätigt(VotumHuber,Berichterstatter,AB 1992 S1317). DerBundesrat hatinEntscheidenzuBeschwerdengegenTarifenachdemneuenKVGdiese Praxisbestätigt(vgl. RechtsprechungundVerwaltungspraxiszurKranken- undUnfallversicherung[RKUV]6/1997348,E.4). DerPreisüberwacher istallerdingsnichtverpflichtet,zujedemihmunterbreitetenTarifeine Stellungnahmeabzugeben;zweckseffizientenEinsatzesseinerRessourcen stehtihmindieserHinsichteinweitesAuswahlermessenzu(RKUV4/1997, S.220ff.,E.4). 4.2. DieVorinstanzhattediePreisüberwachungam8.Dezember2000 gebeten,sichbiszum20.Dezember2000zurbeabsichtigtenTariffestsetzung vernehmenzulassen. DerPreisüberwachungwareszwarnichtmöglich, sichindieserkurzenFristzurdieserTariffestsetzungzuäussern;mit Schreibenvom20.Dezember2000teiltesieindesderVorinstanzmit,dasssie beabsichtige,Anfang2001dazuStellungzunehmen. OhnedieEmpfehlungen derPreisüberwachungabzuwarten,setztederRegierungsratdenTariffest. DamitliegteineVerletzungvonArt.14PüGvor,wasfürsichalleineansich genügte,umdenregierungsrätlichenTarifbeschlussesaufzuhebenund andieVorinstanzzurückzuweisen(vgl. denunveröffentlichten,aberden ParteieneröffnetenEntscheiddesBundesratesvom28.September1998 inSachenTariffestsetzungbetreffendBernerKlinikMontana[betreffend Regierungsratsbeschluss[RRB]Nr.1008vom29.April1998]). DassauszeitlichenGründennichtmöglichgewesensei,dievonder PreisüberwachunginAussichtgestelltenEmpfehlungenabzuwarten,wie dieDirektiongeltendmacht,überzeugtdenBundesratschondeshalbnicht, weilangesichtsdeshängigenVerfahrensinSachenTariffestsetzungfürdie BernerKlinikMontana1998/1999[betreffendRRBNr.2911vom10.November 1999]unddesUmstands,dassvonkeinemderbeidenTarifpartnern veränderteVerhältnissegeltendgemachtwurde,dieKantonsregierunggar nichtverpflichtetwar,einenTariffürdasJahr2001festzulegen. Inseiner RechtsprechunghatesderBundesratbisherausdrücklichabgelehnt,für behördlichfestgesetzteTarifeeineMindestdauerodereinefesteDauer vorzusehen(RKUV4/1998,S.322ff. E.II.10.1; VPB64.14 =RKUV2/1999, S.169ff.,180,E.II.6). OhneFestlegungeinesTarifsfürdasJahr2001durch denRegierungsrat,hättederBundesratsomitseineTariffestsetzungnicht (ausnahmsweise)befristenmüssen(1998-2000)undderhoheitlicheTarif wäresolangegültiggeblieben,biseinneuerTarifvertragabgeschlossen undgenehmigtwordenwäreoderbisderRegierungsratimAnschlussauf gescheiterteVertragsverhandlungen(aufAntrag)einenneuenTariffestgesetzt hätte. 4EntgegenderAnsichtderVorinstanzkanndieAnhörungder PreisüberwachungauchnichtohneweiteresimBeschwerdeverfahren nachgeholtwerden. SinnundZweckdesEmpfehlungsrechtsdes Preisüberwachersistes,dassdiezuständigeBehördeinKenntnisder StellungnahmederPreisüberwachungentscheidetundsichmitdessen Argumentenauseinandersetzt. EinenachträglicheKonsultationdes PreisüberwacherskanndahernurausnahmsweiseinFragekommen(vgl. RKUV6/1997348,E.4). MitBlickaufdenUmstandallerdings,dassdiePreisüberwachungam 18.Januar2001-entgegenderursprünglichgeäussertenAbsicht-dochnoch (indirekt)aufeineStellungnahmeverzichtethat,indemsiederVorinstanz präzisierendmitteilte,zuwelchendergeplantenTariffestsetzungensie schliesslichStellungnehmenwolle,undderTariffürdieBKMnichtinder entsprechendenListefigurierte,siehtderBundesrattrotzVerletzungvon Art.14PüGvoneinerRückweisungab: eswärewenigsinnvoll,dieSachean dieVorinstanzzurückzuweisen,umdenRegierungsratzuverpflichten,vor seinemneuenEntscheiddieEmpfehlungdesPreisüberwacherseinzuholen, mussdochdavonausgegangenwerden,dassdiePreisüberwachungihre Entscheidung,sichhinsichtlichderTariffestsetzungbetreffenddieBerner KlinikMontanaschliesslichdochnichtäussernzuwollen,bestätigenwürde. 5.1. DerRegierungsratsetztefürdasJahr2001denselbenTariffest,dener bereitsfür1999festgelegthatte. DieangefochteneTariffestsetzungwird vonderVorinstanzdamitbegründet,dasseineEinigungderTarifpartner übereinenneuenTarifvoreinemBeschwerdeentscheiddesBundesrates nichtmöglichgewesensei. WarumderRegierungsrattrotzunveränderter Verhältnisse-wieerselbergeltendmacht-einenTariffestgesetzthat,istnicht leichtnachvollziehbar. EinerseitsscheintsichdieVorinstanz-wieerwähnt- veranlasstzusehen,jedesJahreinenTariffestzulegen,anderseitswurdeaber fürdasJahr2000daraufverzichtet. 5.2. EsstelltsichindiesemZusammenhangdieFrage,obderRegierungsrat überhauptberechtigtwar,einenTariffestzusetzen,nachdemkeine Vertragsverhandlungenstattgefundenhatten. GestütztaufArt.47Abs.1KVGistdieKantonsregierungerstdannverpflichtet, einenTarifhoheitlichfestzusetzen,wenn(ernsthafte)Vertragsverhandlungen zwischendenTarifpartnernstattgefundenhaben,diezukeinemErgebnis führten;gestütztaufdieselbeBestimmungistdieKantonsregierungaber grundsätzlichaucherstdannberechtigt,einenTariffestzulegen,wenndie ParteienGelegenheitgehabthatten,vorherzuverhandeln. BevorderRegierungsratdenTariffestsetzte,haterdieParteienangehört. GemässDirektionhatsichdieBKMallerdingsnichtvernehmenlassenundder KVBKdaraufbeschränkt,aufdiehängigeBeschwerdezuverweisen. Ausdem VerhaltenderTarifpartnerkanntatsächlichgeschlossenwerden,dasssiezu diesemZeitpunktgarnichtmehrbereitwarenzuverhandeln;diePositionen warenbezogenundbeidewartetenaufeinehoheitlicheFestlegungdesTarifs. AngesichtsdessenkanndemRegierungsratsomitnichtvorgeworfenwerden, dassderFestsetzungdesTarifskeineVerhandlungenvorausgegangensind. 5NachdemGesagtenistderangefochteneTarifbeschlussnichtbereitswegen formellenMängelnaufzuheben. 5.3. DerRegierungsrathatdenfürdasJahr2001festgesetzteTarifvonFr.176.- nichtneuberechnet;indemerdenTariffürdasJahr1999übernommenhat, welchemdieZahlendesRechnungsjahres1998zugrundelagen,istdiePrüfung ansichauchaufderBasisdieserZahlenvorzunehmen;jenehatderBundesrat allerdingsinseinemEntscheidvom11.April2001inSachenTariffestsetzung fürdieBernerKlinikMontana1998-2000bereitsvorgenommen. Eskann dahergrundsätzlichaufdengenanntenEntscheiddesBundesratesverwiesen werden. (FestsetzungdesTarifs) [159] [159][158] Vgl. RechtsprechungundVerwaltungspraxiszurKranken-und Unfallversicherung[RKUV]3/2002. 6Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 66.74 - Entscheid des Bundesrates vom 27. Juni 2001 in Sachen Kantonalverband bernischer Krankenversicherer gegen den Regierungsrat des Kantons Bern [Berner Klinik Montana], Publikation in Rechtsprechung und Verwaltungspraxis zur Kranken- und Un... In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2002 Année Anno Band 66 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 005 675 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. 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