Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Februar 2017 (715 16 127 / 41) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Rückforderung für zu Unrecht bezogene Taggelder erweist sich als unrechtmässig; Be- weislosigkeit des rechtserheblichen Sachverhaltes muss die Kasse tragen. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Gerichtss chreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Rückforderung A. A.____ meldete sich am 28. April 2014 zur Arbeit svermittlung und am 30. April 2014 zum Bezug von Arbeitslosentschädigung mit Wirkung a b 1. Mai 2014 bei der Öffentlichen Ar- beitslosenkasse Baselland (Kasse) an. In der Folge eröffnete die Kasse eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug (1. Mai 2014 bis 30. April 2016). B. In den Formularen "Angaben der versicherten Pers on" für die Monate Mai 2014 und Juni 2014 gab A.____ an, keine Ferien bezogen zu ha ben, weshalb ihm die Kasse die ganzen Monate Taggelder entrichtete. Nachdem die Kasse in Erfahrung gebracht hatte, dass der Versi- cherte im Schlichtungsgesuch in arbeitsrechtlicher Angelegenheit vom 9. Mai 2014 angegeben hatte, er sei vom 25. Mai 2014 bis 10. Juni 2014 "a bwesend", forderte sie von ihm mit Verfü- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung vom 23. Juli 2014 Fr. 1‘373.35 für zu Unrecht be zogene Taggelder zurück. Auf Einspra- che hin reduzierte die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie Gewerbe und Ar- beit (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, d iesen Betrag im Einspracheentscheid vom 16. März 2016 auf Fr. 1‘248.85. Dabei verlangte sie vom Versicherten Fr. 749.10 und von den Sozialen Diensten seiner Wohnsitzgemeinde B.____, welche ihn im Monat Mai 2014 unter- stützt hatte, Fr. 499.40. C. Hiergegen erhob der Versicherte am 1. Mai 2016 Besc hwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und bean- tragte die Überprüfung des angefochtenen Entscheids. Zur Begründung machte er im Wesentli- chen geltend, dass er nicht in den Ferien gewesen sei. Zwar habe er ursprünglich die Absicht gehabt, mit einem Freund nach C.____ zu fahren. Dies en Entscheid habe er nach dem Erstge- spräch mit dem RAV-Mitarbeiter jedoch geändert. Zur U ntermauerung dieses Standpunktes reichte er unter anderem einen Auszug seines Bankkontos ei n und wies auf ein am 28. (rec- te 27.) Mai 2014 bei seinem heutigen Arbeitgeber du rchgeführtes Bewerbungsgespräch hin. Zudem habe er in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni 201 4 hier in der Region seine heutige Le- bensgefährtin kennen gelernt. Weiter beanstandete der Beschwerdeführer die Berechnung der ihm zustehenden Taggelder. D. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 19. August 2016 auf Abweisung der Be- schwerde. E. Mit Eingabe vom 11. September 2016 beantragte der Beschwerdeführer die Durchfüh- rung einer Parteiverhandlung. Diesem Antrag wurde mi t Verfügung vom 29. September 2016 entsprochen und der Freund des Beschwerdeführers, D.__ __, als Auskunftsperson / Zeuge geladen. Weiter holte das Kantonsgericht beim Arbeitg eber des Beschwerdeführers eine amtli- che Erkundigung ein, welche am 4. Oktober 2016 erging. Dem Schreiben ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 27. Mai 2014 ein Bewerbungsgespräch hatte. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung, an welche r der Beschwerdeführer, die Ver- treterin der Kasse sowie D.____ als Auskunftsperson teilgenommen haben, hielten die Parteien an ihren Antragen und Standpunkten fest. Der Vizepräsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatori sche Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit Art. 57 des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlic h zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 der Verordnun g über die obligatorische Arbeitslosen- versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Person zurzeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kan- tonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsp rozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherung sgericht Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 AT SG. Der Beschwerdeführer hat die Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt . Auf die beim sachlich und örtlich zustän- digen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall liegt der Streitwert unter Fr. 10'000.--, womit die präsidiale Zuständigkeit begründet ist. 2.1 Die Zusprechung von sozialversicherungsrechtlichen Le istungen erfolgt grundsätzlich durch eine Verfügung (vgl. Art. 49 Abs. 1 ATSG). Ste ht diese mit den massgebenden rechtli- chen oder tatsächlichen Grundlagen nicht bzw. nicht meh r in Übereinstimmung, stellt sich die Frage einer Korrektur der Verfügung. In Betracht kommt eine rückwirkende oder eine sich nur auf die Zukunft auswirkende Korrektur. Ziel ist, die gesetzliche Ordnung (wieder-) herzustellen (BGE 122 V 227). Vorliegend geht es um die rückwirkende Korrektur. Gemäss Art. 95 Abs. 1 Satz 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG ist die Kasse verpflichtet, zu Unrecht ausbezahlte Versicherungsleistungen vom Empfänger zurückzufordern. 2.2 Die Festlegung einer allfälligen Rückerstattung vo n Leistungen erfolgt in einem mehr- stufigen Verfahren: In einem ersten Entscheid ist über die Frage der Unrechtmässigkeit des Bezugs der Leistung zu befinden; hier ist auf Art. 53 ATSG abzustellen. Daran schliesst sich gegebenenfalls der Entscheid über die Rückerstattung an, mit dem insbesondere zu beantwor- ten ist, ob – bei der festgestellten Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs – eine rückwirkende Korrektur erfolgt oder nicht; rechtliche Grundlage daf ür bildet – neben den einzelgesetzlichen Regelungen – Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG. Schliesslich ist allenfalls über den Erlass der zu- rückzuerstattenden Leistung zu entscheiden; dafür ist auf Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG abzustel- len. 2.3 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger in Form der Wiedererwägung auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einsprachee ntscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Wird eine solche rückwirkende Korrektur einer Verfügung vorgenommen , entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese werden im Nachh inein zu unrechtmässigen Leistun- gen (vgl. BGE 122 V 138). Diese für die Wiedererwägun g formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Voraussetzungen gelten auch mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Geldleistungen der Arbeitslosenversicherung, u nabhängig davon, ob die zur Rück- forderung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder form los verfügt worden sind (vgl. BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinweisen). Die für die Wiedere rwägung rechtskräftiger Verfügungen vo- rausgesetzte zweifellose Unrichtigkeit liegt praxisgemäss dan n vor, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss, der- jenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung möglich (vg l. Urteil des EVG vom 23. April 2004, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht C 214/03, E. 3.1.3; vgl. auch T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2014, S. 573, N 18). 2.4 In vorliegender Streitsache stützte die Beschwerdeg egnerin ihre Rückforderung auf die Taggeldabrechnungen der Monate Mai 2014, welche am 6. Juni 2014 erging, und Juni 2014, welche vom 26. Juni 2014 datiert. Damit steht fest, dass zumindest die Abrechnung des Monats Juni 2014 im Zeitpunkt des Erlasses der Rückforderungsverf ügung vom 23. Juli 2014 nicht for- mell rechtskräftig war. Ob die Beschwerdegegnerin unter diesen Umständen gestützt auf Art. 53 Abs. 2 ATSG auf die Taggeldabrechnung vom Juni 2014 zu rückkommen und diese in Wieder- erwägung ziehen durfte, kann jedoch mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens offen bleiben. 3.1 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrun dsatz beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vol lständige Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als ve rfügende Instanz und - im Beschwer- defall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Ri chterin haben vielmehr jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein- lichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweis auf B GE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2). 3.2 Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsger ichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozi- alversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten j ener Partei ausfällt, die aus dem un- bewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten woll te. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahme n des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu er mitteln, der zumindest die Wahr- scheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6, 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 27. April 2010, 8C_663/2009, E. 2.2). 4.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslo s ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwe iz wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 4.2 Gemäss Art. 17 Abs. 2 AVIG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 AVIV haben versicherte Personen nach je 60 Tagen kontrollierter Arbeitslosigkei t innerhalb der Rahmenfrist Anspruch auf fünf aufeinander folgende kontrollfreie Tage, d ie sie frei wählen können. Während der kon- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht trollfreien Tage muss sie nicht vermittlungsfähig sein, jedoch die übrigen Anspruchsvorausset- zungen (Art. 8 AVIG) erfüllen. Als Tage kontrollierter Arbeitslosigkeit zählen Tage, an denen der Versicherte die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 27 Abs. 2 AVIV). Weiter ist Abs. 3 von Art. 27 AVIV zu entnehmen, dass die versicherte Person den Bezug ihrer kontrollfreien Tage spätestens 14 Tage im Voraus der zuständigen Amtsstelle zu m elden hat. Ohne entschuldba- ren Grund gelten die kontrollfreien Tage auch bei Ni chtantritt als bezogen. Die kontrollfreien Tage können nur wochenweise bezogen werden. 5.1 Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht vo m Beschwerdeführer Fr. 749.10 zurückfordert. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich vorliegend im Wesentlichen wie folgt dar: 5.2 Mit Verfügung vom 23. Juli 2014 forderte die Kasse vom Beschwerdeführer Fr. 1'373.35 zurück mit der Begründung, er habe in d en Formularen "Angaben der versicherten Person" für die Monate Mai und Juni 2014 nicht angege ben, dass er vom 25. Mai bis 10. Juni 2014 in den Ferien gewesen zu sein. Dabei stützte sich die Kasse auf das am 21. Juli 2014 vom Zivilgericht E.____ zugestellte Exemplar des Schlichtu ngsgesuchs in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten des Beschwerdeführers vom 9. Mai 2014, welchem zu entnehmen sei, dass er in dieser Zeit "abwesend" sei. Da er in diesem Zeitpun kt noch keinen Anspruch auf kontrollfreie Tage gehabt habe, müsse er die zu viel ausgerichteten Ta ggelder von insgesamt Fr. 1'373.35 (11 Tage à Fr. 135.95 brutto) zurückerstatten. Daran hi elt die Beschwerdegegnerin auch in ih- rem Einspracheentscheid im Grundsatz fest. Der Beschwer deführer müsse aber infolge Abtre- tung der Taggelder für den Monat Mai 2014 an die So zialen Dienste B.____ lediglich jene für den Monat Juni 2014 in Höhe von Fr. 749.10 (6 Tagge lder à Fr. 124.85 netto) bezahlen. Die Beschwerdegegnerin wies in der Vernehmlassung vom 22. Ju li 2016 weiter darauf hin, dass es keine gesetzliche Vorgabe oder Vorschrift gebe, wo eine ve rsicherte Person ihre kontrollfreien Tage zu verbringen habe. Der Beschwerdeführer könne desh alb aus seiner Argumentation, wonach er in der Zeit vom 25. Mai 2014 bis 10. Juni 20 14 in der Region gewesen sei, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dasselbe gelte auch für die vo n ihm eingereichten Unterlagen und den Hinweis auf ein von ihm geführtes zweites Bewerbungsgespräch beim jetzigen Arbeitgeber. Weiter hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass die Angab en des Beschwerdeführers, wonach er am 28. Mai 2014 bei den Sozialen Diensten B.____ p ersönlich vorstellig geworden sei, nicht bestätigt worden seien. Zudem sei davon auszugehen, da ss der Beschwerdeführer beim Infor- mationsgespräch am 30. April 2014 und beim Erstgespräch am 15. Mai 2014 gewusst habe, dass er vom 25. Mai 2014 bis 10. Juni 2014 in den Feri en weile. Dennoch habe er dies gegen- über seinem Personalberater nicht erwähnt. An diesen Au sführungen hielt die Beschwerdegeg- nerin auch anlässlich der Parteiverhandlung fest. 5.3 Demgegenüber macht der Beschwerdeführer im Wesent lichen geltend, dass er in der Zeit vom 25. Mai 2014 bis 10. Juni 2014 keine kontrollf reien Tage bezogen habe. Er habe ab 1. Februar 2014 befristet bei der Firma F.____ GmbH als Projektleiter in Basel gearbeitet. Im April 2014 habe sein Arbeitgeber jedoch Konkurs anmelden müssen und er habe seine Arbeits- stelle verloren. Aus diesem Grund habe er sich zum Bezu g von Taggeldern bei der Kasse an- gemeldet. Nachdem er festgestellt habe, dass er für den Monat April 2014 keinen Lohn erhalte Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und sich auch die Auszahlung der Arbeitslosentaggelder verzögere, habe er sich bei den Sozia- len Diensten seiner Wohnsitzgemeinde B.____ angemeldet. Betreffend seine Angabe im Schlichtungsgesuch in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten vom 9. Mai 2014 hielt der Be- schwerdeführer sodann fest, dass er im Zeitpunkt, als e r dieses ausgefüllt habe, noch die Ab- sicht gehabt hatte, in die Ferien zu fahren. Nachdem e r im Rahmen des Erstgesprächs am 15. Mai 2014 jedoch darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass er keinen Anspruch auf kontrollfreie Tage habe, habe er die geplanten Ferien auf C.____ abgesagt. Dies sei den einge- reichten Bankauszügen der Monate Mai und Juni 2014 zu e ntnehmen, welche aufzeigen wür- den, dass er in dieser Zeit wiederholt Geld in der Re gion bezogen habe. Er habe zudem am 27. Mai 2014 sein zweites Vorstellungsgespräch bei seinem jetzigen Arbeitgeber gehabt. Weiter habe er auch hier in der Region in der Nacht vom 6. au f den 7. Juni 2014 seine jetzige Lebens- partnerin kennen gelernt. Schliesslich habe er am 28. Mai 2014 bei den Sozialen Diensten die für das Intake nötigen Unterlagen am Schalter abgegebe n. Diese Standpunkte wiederholte der Beschwerdeführer auch im Rahmen der Parteiverhandlung. 5.4 Der an der Parteiverhandlung als Auskunftsperson bef ragte D.____ bestätigte, dass er Ende Mai 2014/anfangs Juni 2014 mit dem Beschwerdeführ er in die Ferien nach G.____ habe fahren wollen. Der Beschwerdeführer habe zunächst zugesa gt. In der Folge habe er ihn aber kurzfristig - 1 bis 2 Wochen vor der geplanten Abreise - darüber informiert, dass er doch nicht mitkommen könne, da er vom Sozialdienst bzw. von der Arbeitslosenkasse unter Druck sei. 6.1 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen steht unbe stritten fest, dass der Beschwer- deführer ursprünglich beabsichtigte, in der Zeit vom 2 5. Mai 2014 bis 10. Juni 2014 Ferien zu nehmen. Zwar widersprechen seine Angaben betreffend das Ferienziel jenen der Auskunftsper- son. Während er angibt, er habe nach C.____ fahren w ollen, nennt diese G.____ als Ferienort. Diese Differenz ist jedoch bedeutungslos. Vielmehr ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom 25. Mai 2014 bis 10 . Juni 2014 in den Ferien war, wie dies die Beschwerdegegnerin festhält und die Ausrichtung der Taggelder in dieser Zeit deshalb als unrechtmässig erfolgt betrachtet. Für diesen Sachver halt trägt die Beschwerdegegnerin letztlich die Beweislast, was ihr jedoch aufgrund nachfol gender Ausführungen nicht gelingt (vgl. auch vorne E. 3.2). 6.2 Eingangs ist zu betonen, dass es der Beschwerdeführer zwar unterliess, die Be- schwerdegegnerin im Rahmen des ersten Beratungsgespräch es vom 15. Mai 2014 über seine Ferienpläne zu informieren. Da ihm aber erst nach di esem Gespräch klar wurde, dass er wäh- rend den Ferien keine Taggelder beanspruchen kann, ve rzichtete er darauf. Die Beschwerde- gegnerin übersieht dies in ihrem Entscheid und stützt sich in ihrer Argumentation auf den Sach- verhalt, wie er bestand, bevor der Beschwerdeführer sei ne Ferienpläne änderte. So weist sie in erster Linie auf die Angabe des Beschwerdeführers im Schlichtungsgesuch in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten vom 9. Mai 2014 hin. Darin gab er an , vom 25. Mai 2014 bis 10. Juni 2014 "abwesend" zu sein. Diese Aussage reicht aber nicht für die Annahme aus, dass der Beschwer- deführer tatsächlich in den Ferien war. So führt dieser plausibel aus, dass er im Zeitpunkt, als er das Formular ausfüllte, noch davon ausgegangen sei, in die Ferien gehen zu können. Nachdem ihm aber nach dem Beratungsgespräch Mitte Mai 2014 kl ar wurde, in welcher prekären finanzi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ellen Lage er sich in Wirklichkeit befand, änderte er sei ne Pläne und entschied sich, nicht mit seinem Freund weg zu fahren. Dieser Sachverhalt wird v on der Auskunftsperson insofern be- stätigt, als D.____ ausführt, dass der Beschwerdeführer se ine Teilnahme an der Reise kurzfris- tig und damit nach Ausfüllen des Schlichtungsgesuchs am 9 . Mai 2014 abgesagt hat. Zwar ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass es nic ht entscheidend ist, wo jemand seine Ferien verbringt. Selbstverständlich hätte der Beschwerde führer auch daheim Urlaub machen und in dieser Zeit auch an einem 2. Vorstellungsgesprä ch bei seinem heutigen Arbeitgeber teil- nehmen können. Auch hätte er während den Ferien das a m 3. Juni 2014 bei der Kasse einge- reichte Formular "Angaben der versicherten Person für de n Monat Mai 2014" ausfüllen und Geldbezüge am Bankomat tätigen können. Umgekehrt hätt e der Beschwerdeführer diese Ver- richtungen und Obliegenheiten auch erledigen können, ohne in den Ferien zu sein. Desgleichen kann aus dem Hinweis, dass für den Beschwerdeführer bere its die 3. Bezugsrahmenfrist eröff- net worden sei und die Sozialen Dienste nicht bestätigt hätten, dass er die Unterlagen persön- lich abgeben habe, nicht abgeleitet werden, dass er in den Ferien war. Damit lässt sich aber im vorliegenden Fall letztlich - entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin - im Rahmen der Beweiswürdigung kein Sachverhalt ermitteln, gemäss welche m mit dem im Sozialversiche- rungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrsch einlichkeit tatsächlich erstellt wä- re, dass der Beschwerdeführer zwischen dem 25. Mai 2014 und dem 10. Juni 2014 Ferien ge- macht und damit unrechtmässig Taggelder bezogen hat. E s ist demnach von einer Beweislo- sigkeit auszugehen, welche von der Beschwerdegegnerin zu tragen ist. 6.3 Zusammenfassend erweist sich somit die von der Kasse verfügte Rückforderung für zu Unrecht bezogene Taggelder in der Zeit vom 25. Mai 20 14 bis 10. Juni 2014 und mit ihr der angefochtene Einspracheentscheid als unrechtmässig. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis gutzuheissen. 7. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss Ar t. 61 lit. a ATSG hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Für das vorliegende Verfahren sind deshalb keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlic hen Kosten sind bei dem nicht an- waltlich vertretenen Beschwerdeführer wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid der Beschwerdegegnerin vom 16. März 2016 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht