20. März 1985 N 643 Motion Euler #ST# 84.571 Interpellation der LdU/EVP-Fraktion Kernkraftwerk Kaiseraugst. Wiederaufnahme von Verzichtsverhandlungen Interpellation du groupe Adl/PEP Renonciation à la centrale de Kaiseraugst. Reprise des pourparlers Wortlaut der Interpellation vom 26. November 1984 Aus verschiedenen Reaktionen der Bauherrschaft kann abgeleitet werden, dass sie bereit ist, auf neue Verzichtsver- handlungen über das Kernkraftwerk Kaiseraugst einzu- treten. Der Bundesrat wird angefragt, ob er bereit ist, solche Gespräche umgehend aufzunehmen, mit dem Ziel, eine für beide Seiten tragfähige und verantwortbare Lösung zu finden. Texte de l'interpellation du 26 novembre 1984 Diverses réactions des promoteurs de cette construction permettent de présumer qu'ils sont disposés à entamer de nouveaux pourparlers sur la renonciation à la centrale nucléaire de Kaiseraugst. Le Conseil fédéral est donc invité à dire s'il est prêt à engager sans délai de telles négociations, dans le but de trouver une solution acceptable, à laquelle les deux pour- raient squscrire pleinement. Sprecher/Porte-parole: Biel Schriftliche Begründung - Développement par écrit Wohl haben die Schweizer Stimmbürger kürzlich die Atom- und Energie-Initiative abgelehnt. Das Abstimmungsresultat hat jedoch auch gezeigt, dass der Widerstand der Bevölke- rung gegen den Standort Kaiseraugst für ein Kernkraftwerk ungebrochen ist. Sowohl die direkt betroffenen Halbkan- tone Basel-Stadt und Basel-Landschaft wie auch der berni- sche Bezirk Laufen, die solothurnischen Bezirke Dorneck und Thierstein (Ja zur A-lnitiative) und der aargauische Bezirk Rheinfelden lehnen dieses Werk entschieden und teilweise mit beeindruckenden Resultaten ab. Aus den Abstimmungsunterlagen geht weiter hervor, dass sich der Widerstand in der betroffenen Region gegenüber 1979 noch verstärkt hat. Sicher würden diese Stimmbürger, die ihre Auffassung schon mehrmals an der Urne zum Ausdruck gebracht haben, in ihrem demokratischen Empfinden ernst- lich verletzt, falls das A-Werk Kaiseraugst gegen ihren Willen erstellt werden sollte. Aus tiefer Sorge, der Bau des A-Werkes Kaiseraugst gegen eine starke ablehnende Mehrheit der betroffenen Region könne den Landesfrieden ernsthaft gefährden, wird der Bundesrat gebeten, mit der Bauherrschaft des fraglichen Werkes neue Verzichtsverhandlungen aufzunehmen. Wir glauben aus verschiedenen Reaktionen seitens der Vertreter der Bauherrschaft ableiten zu können, dass diese zu sol- chen Verhandlungen bereit ist. Die Finanzierung könnte eventuell über eine bescheidene Strompreiserhöhung wäh- rend einiger Jahre erfolgen. Es ist guteidgenössische Tradi- tion, einvernehmliche Lösungen zu suchen. Wir glauben, dass dafür heute allseits grössere Bereitschaft besteht. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 20. Februar 1985 Rapport écrit du Conseil fédéral du 20 février 1985 Der Bundesrat kennt den überwiegenden Willen der Bevöl- kerung in der Standortregion. Deshalb und in Nachachtung eines Postulates des Ständerates klärte er 1981 die Möglich- keit eines Verzichtes der Kernkraftwerk Kaiseraugst AG auf ihr Bauvorhaben ab. Das Ergebnis der beidseits offen und ernsthaft geführten damaligen Verhandlungen ist bekannt. Es gelang nicht, eine für beide Seiten tragfähige und verant- wortbare Lösung zu finden. Dazu trug insbesondere bei, dass es sowohl an Verhandlungsanweisungen als auch an gültigen Rahmenbedingungen für eine solche Regelung und deshalb auch an einer ausreichenden Zuständigkeit des Bundesrates fehlte. Der Bundesrat erteilte der Kernkraftwerk Kaiseraugst AG in der Folge am 28. Oktober 1981 die Rahmenbewilligung. Diese bedarf nach geltendem Recht der Genehmigung durch die eidgenössischen Räte. Der Ständerat fasste am 2. Februar 1983 den dahingehenden Beschluss. Die Behandlung im Nationalrat, dessen vorberatende Kommis- sion mehrheitlich Zustimmung beantragt, ist noch pendent. Für erneute Verzichtverhandlungen ist der Bundesrat beim heutigen Stand der Dinge nicht zuständig. Verzichtgesprä- che wären im gegenwärtigen Zeitpunkt auch nicht ange- zeigt. Ohne Festlegung von Verhandlungsbedingungen durch das Parlament Messen sie überdies keinen Erfolg erwarten; die Voraussetzungen und Kompetenzen wären nicht anders als bei den Verhandlungen von 1981. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass das Rahmenbewilli- gungsverfahren im Nationalrat abzuschliessen ist. Die Vor- aussetzungen hierfür sind gegeben, insbesondere seit der Verwerfung der Volksinitiativen «für eine Zukunft ohne wei- tere Atomkraftwerke» und «für eine sichere, sparsame und umweltgerechte» Energieversorgung» in der Abstimmung vom 23. September 1984. Präsident: Herr Biel hat Gelegenheit zu erklären, ob er von der Antwort des Bundesrates befriedigt ist. Die Interpellan- ten sind nicht befriedigt. #ST# 84.583 Motion Euler Rahmenbewilligung Atomkraftwerk Kaiseraugst. Gespräche über Rückzug des Gesuches Centrale de Kaiseraugst. Pourparlers concernant le retrait de la demande d'autorisation générale Wortlaut der Motion vom 29. November 1984 Angesichts des verstärkten Widerstandes der Bevölkerung der Region Nordwestschweiz gegen ein Atomkraftwerk Kai- seraugst und in Sorge um die Wahrung des Landesfriedens bei einer allfälligen Durchsetzung des Bauvorhabens wird der Bundesrat ersucht, durch geeignete Gremien mit der Kernkraftwerk Kaiseraugst AG Gespräche aufzunehmen, um allseitig akzeptable Bedingungen zu erörtern, die einen Rückzug des Gesuches zur Erteilung der Rahmenbewilli- gung für das Kernkraftwerk Kaiseraugst ermöglichen würden. Texte de la motion du 29 novembre 1984 Etant donné la vive résistance de la population du nord- ouest de la Suisse à propos de la construction d'une cen- trale atomique à Kaiseraugst et en vue de sauvegarder la paix au cas où le projet serait mis à exécution, le Conseil fédéral est invité à entamer des pourparlers avec la Kern- kraftwerk Kaiseraugst AG par l'intermédiaire d'organes appropriés, afin de fixer des conditions acceptables pour tous qui faciliteraient le retrait de la demande d'autorisation générale. Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St.Gallen, Bäumlin, Bircher, Braunschweig, Bundi, Christinat, Dar- bellay, Eggli-Winterthur, Fankhauser, Feigenwinter, Hub- acher, Jaeger, Jaggi, Lanz, Leuenberger-Solothurn, Mauch, Müller-Bachs, Nebiker, Neukomm, Oester, Ott, Petitpierre, Renschier, Robbiani, Salvioni, Seiler, Stamm Walter, Stap- pung, Uchtenhagen, Wagner, Weber-Arbon, Weder-Basel, Wick, Wyss, Zehnder (35) Zurückgezogen - Retiré Schluss der Sitzung um 19.15 Uhr La séance est levée à 19 h 15Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation der LdU/EVP-Fraktion Kernkraftwerk Kaiseraugst. Wiederaufnahme von Verzichtsverhandlungen Interpellation du groupe Adl/PEP Renonciation à la centrale de Kaiseraugst. Reprise des pourparlers In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1985 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 14 Séance Seduta Geschäftsnummer 84.571 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 20.03.1985 - 15:00 Date Data Seite 643-643 Page Pagina Ref. No 20 013 233 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.