<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">238</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <span class="ft4"><b>39</b></span> <span class="ft4"><b>Sozialhilfe; interkantonale Zuständigkeit</b></span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft4"><b>Zuständigkeit des Kantonalen Sozialdienstes bei negativem inter-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>kantonalem Kompetenzkonflikt gestützt auf § 6 Abs. 2 SPG</b></span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft4"><b>Wird ein Entscheid, mit welchem eine Sozialbehörde ihre Zuständig-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>keit verneint, durch die Aufsichtsbehörde widerrufen, ist das Zustän-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>digkeitsverfahren von Amtes wegen einzuleiten.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">239</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 7. Dezember 2016 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen Einwohnergemeinde A. gegen B. und Departement Gesundheit und</span><br/> <span class="ft2">Soziales (WBE.2016.346).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz hat den Entscheid des Gemeinderats A. in An-</span><br/> <span class="ft1">wendung von § 37 VRPG von Amtes wegen aufgehoben. Entscheide,</span><br/> <span class="ft1">die der Rechtslage oder den sachlichen Erfordernissen nicht entspre-</span><br/> <span class="ft1">chen, können durch die erlassene Behörde oder die Aufsichtsbehörde</span><br/> <span class="ft1">geändert oder aufgehoben werden, wenn das Interesse an der richti-</span><br/> <span class="ft1">gen Rechtsanwendung die Interessen der Rechtssicherheit und des</span><br/> <span class="ft1">Vertrauensschutzes überwiegt (§ 37 Abs. 1 VRPG). Der Kantonale</span><br/> <span class="ft1">Sozialdienst nimmt im Auftrag des DGS die Aufgabe als Aufsichtsin-</span><br/> <span class="ft1">stanz über die Sozialbehörden wahr.</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Das ZUG bestimmt, welcher Kanton für die Unterstützung</span><br/> <span class="ft1">eines Bedürftigen, der sich in der Schweiz aufhält, zuständig ist</span><br/> <span class="ft1">(Art. 1 Abs. 1 ZUG). Das ZUG sieht jedoch kein spezielles Verfah-</span><br/> <span class="ft1">ren für die Klärung von negativen Kompetenzkonflikten vor. Diese</span><br/> <span class="ft1">Lücke ist durch (analoge) Anwendung von Instrumenten, welche das</span><br/> <span class="ft1">ZUG zur Verfügung stellt, zu füllen. In Frage kommen dazu grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich zwei Varianten, nämlich die Klärung der Zuständigkeit auf</span><br/> <span class="ft1">dem Weg der Einreichung von Unterstützungsanzeigen oder mit</span><br/> <span class="ft1">einem dem Richtigstellungsbegehren zufolge Abschiebung (Art. 28</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 ZUG) nachgebildeten Begehren (SKOS, Kommission Rechts-</span><br/> <span class="ft1">fragen, Negative Kompetenzkonflikte im interkantonalen Bereich:</span><br/> <span class="ft1">Wer ist zuständig für die Unterstützung?, Januar 2012, S. 1).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 5 Abs. 3 SPV tritt die Gemeinde, welche ihre Zustän-</span><br/> <span class="ft1">digkeit als Wohnsitz- oder Aufenthaltsgemeinde verneint, umgehend</span><br/> <span class="ft1">mit der ihrer Meinung nach zuständigen Gemeinde in Kontakt. Wenn</span><br/> <span class="ft1">keine Einigung zustande kommt, wird die Zuständigkeitsfrage dem</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Sozialdienst zum Entscheid unterbreitet, welcher die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">240</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">erforderlichen vorsorglichen Anordnungen trifft (vgl. auch § 6 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">SPG). Das Gleiche gilt auch für interkantonale Zuständigkeitskon-</span><br/> <span class="ft1">flikte: Ist die interkantonale Zuständigkeit nach einem gegenseitigen</span><br/> <span class="ft1">Austausch auf Ebene Sozialdienst nicht klar, treten die beteiligten</span><br/> <span class="ft1">Kantonalen Sozialämter miteinander in Kontakt. Diese sollen - wenn</span><br/> <span class="ft1">möglich - eine Einigung über die Zuständigkeit herbeiführen. Kann</span><br/> <span class="ft1">keine Einigung erzielt werden, muss der unterstützende Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">kanton zuhanden des mutmasslich zuständigen Kantons eine Notfall-</span><br/> <span class="ft1">unterstützungsanzeige im Sinne von Art. 30 ZUG einreichen. Wenn</span><br/> <span class="ft1">der Kanton vorläufig unterstützt, in dem sich die hilfebedürftige Per-</span><br/> <span class="ft1">son nicht mehr aufhält (in der Regel der letzte Wohnkanton),</span><br/> <span class="ft1">empfiehlt die Kommission Rechtsfragen, ein Richtigstellungsbe-</span><br/> <span class="ft1">gehren gemäss Art. 28 ZUG beim seiner Meinung nach neu zuständi-</span><br/> <span class="ft1">gen Kanton einzureichen. Alternativ führt die Kommission</span><br/> <span class="ft1">Rechtsfragen der SKOS auf Antrag der Parteien ein Schlichtungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahren durch (vgl. Negative Kompetenzkonflikte im interkantonalen</span><br/> <span class="ft1">Bereich, a.a.O., S. 2).</span><br/> <span class="ft1">1.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat A. war nicht zuständig, über die interkanto-</span><br/> <span class="ft1">nale Zuständigkeit für die Leistung materieller Hilfe zu befinden.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 29 Abs. 1 ZUG geht der Verkehr zwischen den Kanto-</span><br/> <span class="ft1">nen über die zuständigen kantonalen Amtsstellen. Im Kanton Aargau</span><br/> <span class="ft1">obliegt der Amtsverkehr mit anderen Kantonen dem Kantonalen So-</span><br/> <span class="ft1">zialdienst (§ 42 Abs. 1 lit. b SPG). Die Gemeinde A. hätte sich zu-</span><br/> <span class="ft1">nächst mit dem Sozialdienst C. austauschen müssen. Hätte dies zu</span><br/> <span class="ft1">keiner Klärung der interkantonalen Zuständigkeit geführt, hätte der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat den Kantonalen Sozialdienst über den Sachverhalt</span><br/> <span class="ft1">informieren müssen. Es besteht ein erhebliches öffentliches Interesse</span><br/> <span class="ft1">daran, dass eine bedürftige Person die von ihr benötigte Hilfe (recht-</span><br/> <span class="ft1">zeitig) erhält. Negative Kompetenzkonflikte sollen sich nicht zu Las-</span><br/> <span class="ft1">ten der hilfesuchenden Person auswirken. Um dies sicherzustellen,</span><br/> <span class="ft1">ist das vorgeschriebene Zuständigkeitsverfahren einzuhalten.</span><br/> <span class="ft1">Dementsprechend war der Widerruf des Entscheids durch die Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz rechtmässig.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">241</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Zu beanstanden ist jedoch die Anweisung der Vorinstanz an den</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat A., entweder die in Frage stehende Kostengutsprache</span><br/> <span class="ft1">subsidiär zu leisten oder aber umgehend die Zuständigkeitsfrage dem</span><br/> <span class="ft1">Kantonalen Sozialdienst zum Entscheid zu unterbreiten. Die Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz hätte die Beschwerde als Antrag um Prüfung der Zuständigkeit</span><br/> <span class="ft1">entgegennehmen und der Kantonale Sozialdienst ein Zuständigkeits-</span><br/> <span class="ft1">verfahren einleiten müssen. Dieser wäre gehalten gewesen, mit der</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 29 Abs. 1 ZUG zuständigen kantonalen Amtsstelle von C.</span><br/> <span class="ft1">eine Klärung der Zuständigkeit herbeizuführen.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen</span><br/> <span class="ft1">und sind Anweisung und Kostenverlegung im angefochtenen Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid aufzuheben. Die Angelegenheit ist an den Kantonalen Sozial-</span><br/> <span class="ft1">dienst zur Durchführung eines Zuständigkeitsverfahrens zurückzu-</span><br/> <span class="ft1">weisen. In diesem Verfahren kann unter Beteiligung und Wahrung</span><br/> <span class="ft1">der Verfahrensrechte der involvierten Gemeinwesen geklärt werden,</span><br/> <span class="ft1">ob der Unterstützungswohnsitz der Beschwerdegegnerin im Kanton</span><br/> <span class="ft1">Aargau beendet wurde.</span><br/></div> </div> </body> </html>