Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 26. April 2017 (810 16 248) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz / Straffällig- keit Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Stephan Gass, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin i.V. Daniela Spitteler Beteiligte A.____ , Beschwe rdeführer , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 1093 vom 16. August 2016) A. Der ledige, kinderlose, türkische Staatsangehöri ge A.____ wurde am XX.XX 1988 in B.____ geboren und verfügt zwischenzeitlich über ei ne Niederlassungsbewilligung. Er lebt seit seiner Geburt ununterbrochen in der Schweiz. A.____ hat die obligatorische Schulzeit absol- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht viert, jedoch keine Berufsausbildung abgeschlossen und a rbeitet aktuell als Hilfskraft im Stun- denlohn in einem handwerklichen Betrieb. B. A.____ wurde von der Jugendstaatsanwaltschaft Aargau am 3. Mai 2005 wegen Wi- derhandlung gegen das Bundesgesetz über Waffen, Waffen zubehör und Munition (Waffenge- setz, WG) vom 20. Juni 1997 zu einer Busse in der Höhe von Fr. 100.-- verurteilt. Am 10. September 2009 erfolgte ein Strafbefehl des Bezirksamts Rheinfelden wegen Ungehorsams des Schuldners in einem Betreibungs- und Konkursverfahre n, wobei A.____ zu einer Busse in der Höhe von Fr. 200.-- verurteilt wurde. Das Strafger icht Basel-Landschaft verurteilte ihn am 11. November 2011 zu einer bedingt vollziehbaren Frei heitsstrafe von 22 Monaten bei einer Probezeit von drei Jahren sowie einer Busse von Fr. 300 .-- wegen gewerbsmässigen und teil- weise bandenmässigen Diebstahls, mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverar- beitungsanlage, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfache n teilweise versuchten Hausfrie- densbruchs, mehrfacher Widerhandlung gegen das Bundesge setz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (Betäubungsmittelgesetz, Bet mG) vom 3. Oktober 1951 sowie mehrfachen Betäubungsmittelkonsums. Am 17. April 2012 verwarnte das Amt für Migration B asel-Landschaft (AfM) A.____ ausländer- rechtlich wegen seiner Verurteilung vom 11. November 20 11 durch das Strafgericht Basel- Landschaft und der aufgelaufenen Verlustscheine in der Höhe von Fr. 6‘665.-- (vgl. Auszug Be- treibungsregister C.____ vom 17. April 2012). Am 13. Oktober 2015 verurteilte das Strafgericht Basel-L andschaft A.____ wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Hehler ei, mehrfacher Widerhandlung ge- gen das Waffengesetz, Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, Fahrens eines Mo- torfahrzeugs ohne Führerausweis sowie mehrfachen Betäub ungsmittelkonsums zur Leistung gemeinnütziger Arbeit von 720 Stunden (anstelle einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Mo- naten), einer unbedingt vollziehbaren Geldstrafe von 12 0 Tagessätzen zu je Fr. 10.-- sowie einer Busse von Fr. 300.--. Die mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 11. November 2011 gegen A.____ ausgesprochene Freiheitsstrafe wurde f ür nicht vollziehbar erklärt, hinge- gen wurde er verwarnt und die Probezeit um 1,5 Jahre verlängert. C. Am 17. November 2015 gewährte das AfM A.____ das rechtliche Gehör zum allfälligen Widerruf der Niederlassungsbewilligung, welches er am 30. November 2015 wahrnahm. D. Am 5. Januar 2016 verfügte das AfM den Widerruf d er Niederlassungsbewilligung von A.____ und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz bis spätestens 6. März 2016 an. E. Gegen die Verfügung des AfM vom 5. Januar 2016 erh ob A.____, vertreten durch Sil- van Ulrich, Advokat in Aesch, am 15. Januar 2016 Beschwe rde beim Regierungsrat Basel- Landschaft (Regierungsrat). F. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1093 vom 16. Au gust 2016 wies der Regie- rungsrat die Beschwerde ab. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Gegen den Entscheid des Regierungsrats erhob A.____, vertreten durch Advokat Sil- van Ulrich, am 24. August 2016 Beschwerde beim Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), und b eantragt, es sei der Entscheid des Regierungsrats vom 16. August 2016 aufzuheben. Ferner se i dem Beschwerdeführer die un- entgeltliche Rechtspflege zu gewähren; alles unter o/ e-Kostenfolge. In der Beschwerdebegrün- dung vom 27. Oktober 2016 moniert der Beschwerdeführer, neu vertreten durch Nicolas Roulet, Advokat in Basel, der Sachverhalt sei vom Regierungsrat unvollständig festgestellt worden. H. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 16. November 2016 wurde dem Beschwerde- führer für das Verfahren vor dem Kantonsgericht die unentgeltliche Prozessführung und Verbei- ständung mit einem Selbstbehalt in der Höhe von Fr. 3‘600.-- bewilligt. I. In der Vernehmlassung vom 13. Dezember 2016 beantrag t der Regierungsrat die Ab- weisung der Beschwerde und hält an den Erwägungen im RRB Nr. 1093 vom 16. August 2016 vollumfänglich fest. J. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 16. Dezember 2 016 wurde der Fall der Kam- mer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Als Adressat des angefochtenen Entscheids ist der Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdige s Interesse an dessen Aufhebung auf. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt und sowohl die örtliche als auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, i st auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Die Kognition des Kantonsgerichts beschränkt sich gemä ss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allf älliger Rechtsverletzungen zu über- prüfen bzw. zu prüfen, ob die Vorinstanz ein allfällige s Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob diese den Sac hverhalt unrichtig oder unvollständig fest- gestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit ist de m Kantonsgericht dagegen im vorlie- genden Fall verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und die damit einhergehende Wegweisung zu Recht erfolgten. 3.2 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Sc hweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzt ode r wenn sie keiner solchen bedarf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinne n und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. AuG und 27 ff. AuG – im Rahmen der g esetzlichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassun g zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Gewä hrung einer Anwesenheitsbewilli- gung hat die ausländische Person grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrecht- liche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2 .3; vgl. P ETER UEBERSAX , in: Ueber- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 3.3 Zwischen der Schweiz und der Türkei besteht kein Sta atsvertrag, der dem Beschwer- deführer einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schwei z gewähren würde. Es sind entspre- chend die Bestimmungen des AuG, vorbehältlich anderer vö lkerrechtlicher Verträge, anwend- bar. 3.4 Die Niederlassungsbewilligung verleiht ihrem Inhab er grundsätzlich einen zeitlich unbe- fristeten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz (Art. 34 Abs. 1 AuG). Es ist somit von einem grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf Aufent- halt in der Schweiz auszugehen. 3.5.1 Des Weiteren können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschen rechte und Grundfreiheiten (Europä- ische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 sowie dem inhaltlich gleich- wertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweize rischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Pri vat- und Familienlebens einen An- spruch auf Aufenthalt oder Verbleib in einem andern S taat ableiten, wenn eine staatliche Ent- fernungsmassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt (vgl. A NDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Auslä nderrecht, insbeson- dere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, in : Europäische Grundrechte-Zeitschrift [EuGRZ] 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Die se Garantien können somit dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienan gehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Famil ienleben vereitelt wird. Gemäss stän- diger bundesgerichtlicher Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK müssen die sich hierzulande aufhal- tenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwesenheitsre cht verfügen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzen oder über eine Aufenthaltsbewilligung verfügen, die i hrerseits auf einem gefestigten Rechtsan- spruch beruht. Zudem müssen diese Personen zur Kernfamil ie (Ehegatte oder im gleichen Haushalt lebende, minderjährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsächliche und in- takte Beziehung zu ihnen bestehen (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Nach der Rechtsprechung fallen z udem die sozialen Bindungen eines Aus- länders im Aufenthaltsstaat und zur Gemeinschaft, in de r er lebt – insbesondere wenn er im Aufenthaltsstaat geboren wurde oder im jungen Kindesal ter eingereist ist –, bei einer langen Aufenthaltsdauer in den Schutzbereich des Privatlebens ( kombinierter Schutzbereich des Pri- vat- und Familienlebens, vgl. Urteile des BGer 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3 und 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5.2 Die Garantie des Familienlebens ist bei ledigen und kinderlosen jungen Erwachsenen namentlich berührt, wenn sie dem Elternhaus noch nicht entwachsen sind, sondern weiterhin mit den Eltern oder anderen Familienmitgliedern in einem gemeinsamen Haushalt wohnen (vgl. Urteil des BGer 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4. 4.2). Losgelöst vom Familienleben kann bei einer sehr langen Aufenthaltsdauer der Schutzb ereich des Privatlebens betroffen sein (vgl. Urteil des BGer 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.4.2). Unabhängig vom Bestehen eines Familienlebens wird bei im Aufenthaltsstaat gebo renen und aufgewachsenen (erwachse- nen) Ausländerinnen und Ausländern der zweiten Generat ion insbesondere dann ein Anspruch aus der kombinierten Garantie des Privat- und Familienl ebens angenommen, wenn eine auf- enthaltsbeendende Massnahme die Trennung von den hier lebenden Eltern und Geschwistern bedeutet (vgl. z.B. Urteile des BGer 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3 sowie 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2) 3.5.3 Der heute 28-jährige, ledige und kinderlose Be schwerdeführer ist in der Schweiz gebo- ren und hier bei seiner Familie aufgewachsen. Er hat se in gesamtes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht, womit sich seine sozialen Bindungen in der Schweiz befinden und er über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt. Der Beschwerde führer kann sich als Ausländer der zweiten Generation auf den kombinierten Schutzbereich des Privat- und Familienlebens ge- mäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berufen (vgl. auch Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 9. September 2015 [810 15 19] E. 4.4.1 ff.). 4.1 Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf A ufenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privat- und Fami lienleben absolut. Die Niederlassungs- bewilligung kann widerrufen werden, wenn der Auslände r zu einer längerfristigen Freiheitsstra- fe, d.h. zu einer solchen von mehr als einem Jahr, ver urteilt worden ist (Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG; BGE 137 II 297 E. 2; BGE 135 II 377 E. 4.2). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sanktion bedingt, teilbed ingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (vgl. BGE 139 I 16 E. 2.1). Ein Widerruf ist überdies möglich, wenn der Ausländer in schwer- wiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat sowie diese oder die innere oder die äu ssere Sicherheit gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Die Praxis geht hiervon aus, wenn d ie ausländische Person durch ihr Han- deln besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in G efahr gebracht hat, sich von straf- rechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und sich im R ahmen einer Gesamtbetrach- tung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fäh ig ist, sich an die Rechtsordnung zu hal- ten (BGE 139 I 16 E. 2.1, BGE 137 II 297 E. 3). Die se Widerrufsgründe gelten auch, wenn eine ausländische Person sich seit mehr als 15 Jahren ununter brochen und ordnungsgemäss im Land aufgehalten hat (Art. 63 Abs. 2 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.1). 4.2 Bereits mit der Verurteilung zu einer bedingt voll ziehbaren Freiheitsstrafe von 22 Monaten gemäss Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaf t vom 11. November 2011 ist vor- liegend eine längerfristige Freiheitsstrafe ausgesproch en worden und der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG gegeben. Ob das Verhalten des Beschwerdeführers als schwerwiegender Verstoss gegen di e öffentliche Sicherheit und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ordnung zu werten ist, bedarf keiner näheren Betrachtung, weil dieser Widerrufsgrund nur dann zur Anwendung kommt, wenn es an den Voraussetzungen für einen Widerruf aufgrund der Ver- urteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe fe hlt (BGE 135 II 377 E. 4.1; Urteile des BGer 2C_888/2012 vom 13. März 2013 E. 3 und 2C_1029/2011 vom 10. April 2012 E. 3.1). 5.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrunds nach Art. 63 Au G ist Grundvoraussetzung für den Widerruf der Bewilligung, wobei dessen Bestehen a ber nicht zwingend zum Entzug der Niederlassungsbewilligung führt. Vielmehr rechtferti gt sich der Widerruf und die damit verbun- dene Wegweisung (vgl. Art. 64 Abs. 1 lit. c AuG) nach Art. 96 AuG nur dann, wenn diese Mass- nahme im Einzelfall gestützt auf eine umfassende Güt erabwägung verhältnismässig erscheint. Verlangt ist eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen am Belassen der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren W iderruf, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig e rweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Versc huldens, der Grad der Integration beziehungsweise die Dauer der bisherigen Anwesenheit sow ie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (vgl. Urt eile des BGer 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1; 2C_50/2012 vom 28. September 2 012 E. 5; BGE 135 II 377 E. 4.3; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL ; in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 8.31 ). Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich schon seit längerer Zeit hier aufhält, soll nur mit Zurückhaltung widerrufen werden . Bei wiederholter beziehungsweise schwerer Straffälligkeit ist dies jedoch selbst dann nic ht ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben in de r Schweiz verbracht hat. Bei schweren Straftaten und bei Rückfall beziehungsweise wiederholte r Delinquenz besteht regelmässig ein wesentliches öffentliches Interesse, die Anwesenheit eines Ausländers zu beenden, der der- massen die öffentliche Sicherheit und Ordnung beeinträch tigt (Urteile des BGer 2C_486/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2 und 2C_339/2013 vom 18. Juli 2013 E. 2.3). 5.2 Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs f ür Menschenrechte (EGMR) zu Art. 8 EMRK sind im Rahmen der Beurteilung der Zulässigkeit aufenthaltsbeenden- der Massnahmen dieselben Elemente massgebend wie nach d er bundesgerichtlichen Recht- sprechung: (1) die Art und Schwere der vom Betroffenen begangenen Straftaten, wobei beson- ders ins Gewicht fällt, ob er diese als Jugendlicher oder als Erwachsener begangen und es sich dabei um Gewaltdelikte gehandelt hat oder nicht; (2) die Dauer des Aufenthalts im Land; (3) die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das Verhalte n des Betroffenen während dieser; (4) die sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum Aufenthaltsstaat und zum Herkunftsland; (5) sein gesundheitlicher Zustand sowie (6) die mit de r aufenthaltsbeendenden Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung (vgl. BGE 139 I 16 E. 2.2.2). Keines dieser Elemente ist für sich allein ausschlaggebend; geboten ist in jedem Fall ei ne Gesamtwertung (Urteile des BGer 2C_659/2015 vom 20. August 2015 E. 4.1 sowie 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2012 E. 2.3). 5.3 Der Regierungsrat kam in seinem Entscheid zum Schluss , dass sich die Wegweisung des Beschwerdeführers als verhältnismässig erweise mit der B egründung, dass der Beschwer- deführer wiederholt und teilweise schwer delinquiert habe. Ins Gewicht falle besonders, dass der Beschwerdeführer trotz der ausländerrechtlichen Verwa rnung vom 17. April 2012 während Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der laufenden Probezeit erneut straffällig geworden sei. Die Verurteilung zu 720 Stunden ge- meinnütziger Arbeit anstelle einer bedingten Freihei tsstrafe von sechs Monaten sei vom Straf- gericht unbedingt ausgesprochen worden, was von der L egalprognose her strafrechtlich eine Verschlechterung bedeute. Zudem habe der Beschwerdeführer durch die wiederholten Verstös- se gegen das Betäubungsmittelgesetz die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen gefährdet. Weder straf- noch ausländerrechtliche Massnahmen hätten d en Beschwerdeführer nachhaltig beeindruckt, weshalb sich das öffentliche Interesse an ein er Wegweisung aus der Schweiz als sehr gross erweise. Demgegenüber seien seine privaten Int eressen trotz der langen Anwesen- heit in der Schweiz aufgrund seiner weiterhin ansteigenden Verschuldung und der nicht kosten- deckenden Erwerbstätigkeit als ungelernter Betriebsarbeiter als weniger gewichtig zu qualifizie- ren. Damit liege insgesamt eine misslungene Integration vor (vgl. RRB Nr. 1093 vom 16. August 2016 E. 4c). 5.4 Der Beschwerdeführer rügt, dass die Vorinstanz den Sachverhalt unvollständig festge- stellt habe, indem sie sich vornehmlich auf die strafrech tlichen Verurteilungen abgestützt habe. Damit seien die für die Güterabwägung massgeblichen In teressen des Beschwerdeführers wei- testgehend unberücksichtigt geblieben. Der Beschwerdeführ er sei sozial sehr gut integriert. Er führe seit über einem Jahr eine Beziehung mit D.____. In seiner Freizeit engagiere er sich als Jugendfitness- und Kampfsporttrainer sechsmal wöchentlich, womit den oft arbeitslosen Jugendlichen eine Tagesstruktur gegeben werde. Ferner m acht er geltend, dass seine Mutter suizidal gefährdet sei, sollte er die Schweiz verlassen müsse n. Sie sei aufgrund ihres psychi- schen Gesundheitszustands auf seine Unterstützung im Allta g angewiesen. Hinzu trete eine zu starke Gewichtung der begangenen Betäubungsmitteldelikt e durch die Vorinstanz, diese habe unbeachtet gelassen, dass es sich dabei um Marihuana gehan delt habe, weswegen er nie die Gesundheit vieler Personen hätte gefährden können. Dane ben sei er nie zu Gewaltdelikten verurteilt worden. Darum sei nicht ersichtlich, inwiefern die Verurteilung vom 13. Oktober 2015 zu einer erheblichen Zunahme des öffentlichen Interesses a n einer Wegweisung habe führen können. 5.5 Ausgangspunkt für die Schwere des Verschuldens und die vorzunehmende ausländer- rechtliche Interessenabwägung sind die vom Strafgericht v erhängten Strafen (Urteil des BGer 2C_733/2012 vom 24. Januar 2013 E. 8.4.1). Der Beschw erdeführer wurde gemäss Urteil des Strafgerichts vom 11. November 2011 zu einer bedingt vo llziehbaren Freiheitsstrafe von 22 Monaten bei einer Probezeit von drei Jahren wegen gewerbsmässigen und teilweise ban- denmässigen Diebstahls, mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsan- lage, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen teilweis e versuchten Hausfriedensbruchs, mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge setz sowie mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln verurteilt. Gemäss den Ausführungen zur Strafzumessung im Urteil vom 11. November 2011 habe beim Beschwerdeführer insgesam t ein schweres Verschulden vorge- legen. Der bandenmässige Diebstahl habe das schwerste Del ikt dargestellt. Die zahlreichen Einbruchdiebstähle hätten ein hohes Mass an krimineller Energie gefordert. Trotzdem habe der Beschwerdeführer in der Deliktsbegehung nur eine Neben rolle eingenommen, indem er meist Schmiere gestanden und das Diebesgut abtransportiert h abe. Er habe Reue und Einsicht ge- zeigt. Das Strafgericht ging sodann insgesamt nicht von einer schlechten Prognose aus und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht verwies auf dessen sonstiges Wohlverhalten und seine teilw eise Integration in den Arbeitspro- zess (vgl. Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 11 . November 2011, Erwägungen S. 145 ff.). Am 13. Oktober 2015 verurteilte das Strafgericht Basel-Landschaft den Beschwerde- führer schliesslich zur Leistung gemeinnütziger Arbeit von 720 Stunden und einer unbedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 10.-- wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Hehlerei, mehrfacher W iderhandlung gegen das Waffen- gesetz, Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, Fahrens ohne Führerausweis sowie mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln. Das Strafgeri cht erklärte das Urteil vom 11. November 2011 als nicht vollziehbar. 5.6 Wie dargelegt, wurde der Beschwerdeführer insgesamt wegen bandenmässigen Dieb- stahls, mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. Dabei gef ährdete er abstrakt die körperliche In- tegrität Dritter. Wegen dieser Delikte wurde er zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 22 Monaten sowie zur Leistung gemeinnütziger Arbeit vo n 720 Stunden und einer unbedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 10. -- verurteilt. Aufgrund der vorstehen- den Ausführungen kann festgehalten werden, dass der Besc hwerdeführer wiederholt straffällig geworden ist. Es besteht demzufolge ein gewichtiges öff entliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung und der Wegweisung. 5.7 Diesem öffentlichen Interesse sind die privaten Inter essen des Beschwerdeführers gegenüberzustellen. Entscheidend ist stets das Gesamtbild e ines jeden Einzelfalles, welches anhand von sämtlichen der massgeblichen Kriterien zu be urteilen ist (BGE 139 I 145 E. 2.4). Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen und lebt seit 28 Jahren in der Schweiz. Er hat seine gesamte Schulzeit hier verbrach t und er lebt heute noch mit seiner psychisch beeinträchtigten Mutter zusammen. In beruflich er Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seit dem Abschluss der obligatorischen S chule lediglich Anstellungen auf Abruf vorzuweisen und während dieser Zeit zahlreiche Betreibungen und Verlustscheine ange- häuft hat (vgl. Auszug des Betreibungsregisters vom 29. Jun i 2016). Was die während dieser Zeit begangenen Delikte anbelangt, gilt es zu berücksichti gen, dass der Beschwerdeführer die Straftaten als Jugendlicher bzw. im jungen Erwachsenena lter begangen hat und deren Häufig- keit und Schwere abgenommen haben. Zugunsten des Beschwe rdeführers ist indes zu würdi- gen, dass er sich seit nunmehr über drei Jahren in straf rechtlicher Hinsicht wohl verhält, auch wenn er unter dem Einfluss des Strafverfahrens (vgl. Ur teil vom 13. Oktober 2015) sowie unter dem Druck des vorliegenden ausländerrechtlichen Verfahren s stand bzw. steht. Bezogen auf die wirtschaftlich-berufliche Integration kann dem Beschw erdeführer zu Gute gehalten werden, dass er aktuell über eine unbefristete Teilzeitanstel lung (40 %) bei der E.____ GmbH verfügt (vgl. Arbeitsvertrag vom 6./14. Oktober 2016). Der Besch werdeführer spricht deutsch bzw. schweizerdeutsch. Seine Eltern, Halbgeschwister, eine Ta nte und ein Onkel, Cousins, seine Schweizer Freundin D.____ und sein Bekanntenkreis lebe n in der Schweiz. Die Mutter des Be- schwerdeführers erklärt in ihrem Schreiben vom 25. Oktob er 2016, dass der Beschwerdeführer für sie eine grosse Stütze im Alltag darstelle. Wie sich aus den Akten ergibt, führt er offenbar seit mindestens einem Jahr eine Beziehung mit D.____, die er offenbar schon länger kennt (vgl. etwa Schreiben von D.____ vom 19. Oktober 2016). Gemä ss Angaben seiner Freundin hat er Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht von seinem damaligen Freundeskreis, mit welchem er die str afrechtlichen Verfehlungen began- gen hatte, Abstand genommen (vgl. Schreiben von D.__ __ vom 19. Oktober 2016). Ferner las- sen die Schreiben seiner Freundin vom 10. März 2016 bzw. 19. Oktober 2016 sowie von F.____ vom 19. Oktober 2016 und von G.____ vom 19. Sep tember 2016 auf eine gute soziale Integration des Beschwerdeführers schliessen. In diesem Zu sammenhang ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer anfangs Mai 2015 begann, die K ampfkunst-Akademie H.____ zu besuchen und sich zwischenzeitlich sechsmal wöchentlich als ehrenamtlicher Kampfsporttrainer für Jugendliche und Erwachsene engagiert. Aus den vorst ehenden Erwägungen erhellt, dass der Beschwerdeführer bemüht ist, ein geregeltes und konf liktfreies Leben zu führen. In der Tür- kei leben zwar weitere Familienmitglieder (Grossmutter , ein Onkel und zwei Tanten), gemäss den Angaben des Beschwerdeführers bestehe zu diesen aber kein Kontakt. Zudem war er nach eigenen Angaben letztmals vor vierzehn Jahren in der Tür kei. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ist zusammenfassend davon auszugehen, dass d ie Verbundenheit des Be- schwerdeführers zur Schweiz gross ist, insbesondere auch, w eil der Beschwerdeführer in der Schweiz geboren und aufgewachsen sowie sein gesamtes b isheriges Leben in der Schweiz verbracht hat. Aufgrund der lebenslangen Anwesenheits dauer, der familiären Situation und der Beziehungsverhältnisse überwiegen die privaten Interessen des Beschwerdeführers im vorlie- genden Fall das öffentliche Interesse an einem Widerru f der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung knapp. Damit erweist sich eine Wegweisung im Falle des Beschwerdeführers ins- gesamt als unverhältnismässig und die Beschwerde ist gutzuheissen. 6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten u mfassen die Gerichtsgebühren so- wie die Beweiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Den Vorinstanzen könn en nur dann Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspru ch nehmen (vgl. § 20 Abs. 4 VPO). Dementsprechend sind der unterlegenen Vorinstanz im vorl iegenden Verfahren keine Verfah- renskosten aufzuerlegen. 6.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. Entspre- chend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens ist dem Besc hwerdeführer eine Parteient- schädigung zulasten der Vorinstanz zuzusprechen. In seiner Honorarnote vom 16. Januar 2017 macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Au fwand von 9 Stunden und 45 Minuten à Fr. 250.-- und Spesen in der Höhe von F r. 378.20 geltend, was nicht zu bean- standen ist. Demzufolge hat der Regierungsrat dem Beschw erdeführer eine Parteientschädi- gung in der Höhe von insgesamt Fr. 3‘040.95 (inkl. Au slagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu be- zahlen. 6.3 Bezüglich der Neuverlegung der Kosten des vorinstanzl ichen Verfahrens ist die Ange- legenheit zum neuen Entscheid an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanz- lichen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel- Landschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der Beschwerdegegner hat dem Beschwerdeführer eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘040.95 (inkl. Auslagen und 8 % Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin i.V.