Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Mai 2012 (725 11 449) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Leistungen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin Elisab eth Berger Götz, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin i.V. Marion Wüthrich Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Erich Züblin, Advokat gegen B.____ AG , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Manfred Bay- erdörfer, Advokat Betreff Leistungen A. Die 1967 geborene A.____ arbeitete seit Februar 1989, zuletzt in einem 60%-igen Teil- zeitpensum, als Psychiatrieschwester in der Gerontopsychiat rie für die C.____ und war durch die Arbeitgeberin bei der B.____ obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrank- heiten versichert. Am 22. November 2004 wurde A.____ als Velofahrerin von einem Lieferwa- gen angefahren. In der Folge war sie vom 22. November 2004 bis 6. Dezember 2004 in der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Orthopädischen Klinik des D.____-Spitals hospitalisiert, wo mit ärztlichem Zwischenbericht vom 1. Dezember 2004 ein Decollement der Weichteile am l inken Oberschenkel mit Rissquetsch- wunde, eine Halswirbelsäulen (HWS)-Kontusion sowie unkl are Leistenschmerzen rechts diag- nostiziert wurden. Nach Eingang der durch die Arbeitgeberin erstatteten Unfallmeldung erbrach- te die B.____ die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten, Taggelder) für die Folgen dieses Unfalls. Bis zum 1. Mai 2005 war A.____ 100% arbeitsunfähig. Da nach steigerte sie bis im November 2005 ihr Arbeitspensum schrittweise bis auf 75% des früheren 60%-igen Pensums. Im Herbst 2006 wurde A.____ auf Veranlassung der B.___ _ erstmals polydisziplinär begutach- tet. Das Gutachten der E.____ vom 29. Dezember 2006 at testierte A.____ eine Arbeitsunfähig- keit in jeglicher leichten bis mittelschweren Tätigkeit (inklusive Psychiatriepflege) von 50%. Ins- gesamt wurde der Gesundheitszustand als besserungsfähig bezeichnet und zur Erreichung dieses Ziels wurden verschiedene medizinische Massnahmen vorg eschlagen. Aufgrund zu- nehmender Beschwerden erfolgte ab Anfang 2008 wieder eine Reduktion des Pensums auf 50%, ebenfalls bezogen auf das frühere Arbeitspensum vo n 60%. Zur Schonung wechselte die Versicherte zudem in die körperlich weniger belastende Ab teilung der Sozialpsychiatrie. Im An- schluss an den operativen Revisionseingriff am linken Ober schenkel vom 26. November 2008 war A.____ bis am 8. Januar 2009 zu 100% krankgeschriebe n, danach nahm sie ihre Arbeit wieder im gleichen Umfang wie vor der Operation auf. Zwecks Fallabschluss fand im Januar 2009 eine zweite polydisziplinäre Begutachtung durch die F.____ statt. Gestützt auf deren Gutachten vom 12. März 2009 stellte die B.____ mit Verfügung vom 13. Juli 2009 die Taggeldleistungen rückwirkend ab 7 . Januar 2009 ein und verneinte ei- nen Anspruch auf eine Rente sowie auf eine Integritäts entschädigung. Sie erklärte sich jedoch bereit, die Heilbehandlung in Form einer medikament ösen Therapie mit einem membranstabili- sierenden Medikament zu übernehmen. Das hierauf von A.____ am 10. September 2009 einge- leitete Einspracheverfahren wurde bis zum Vorliegen des neurologischen Privatgutachtens der Neurologischen-Neurochirurgischen Klinik des G.____-Spitals sistiert. Am 24. März 2011 nahm die F.____ auf Anfrage der B.____ zum neurologischen Privatgutachten vom 10. August 2010 Stellung und hielt an den zuvor im eigenen Gutachten gemachten Ausführungen vollumfänglich fest. Zur besseren Beurteilung der Auswirkungen des unfallkausa len Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit wurde von der B.____ am 14. und 16. Juni 2011 eine Arbeitsplatzabklärung der bisherigen Tätigkeit in der Gerontopsychiatrie sowie in der zum Abklärungszeitpunkt ausgeüb- ten Tätigkeit in der Sozialpsychiatrie durchgeführt. Nac h vorgängiger zu den Berichten der Ar- beitsplatzabklärung eingeholter Stellungnahme der F. ____ vom 23. September 2011 leitete die B.____ diese zusammen mit der früheren Stellungnahme der F.____ vom 24. März 2011 an die Versicherte weiter. Mit Schreiben vom 21. Oktober 2011 liess sich A.____ − nach Ablauf der von der B.____ gesetzten 14-tägigen Frist − vernehmen. Mit Einspracheentscheid vom 14. November 2011 wies die B .____ die Einsprache vom 10. September 2009 ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die lumbalen und zervikozephalen Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 22. November 2004 zurückzuführen seien. In Bezug a uf die Beurteilung der Arbeitsfähig- keit erweise sich das Gutachten der F.____ vom 12. März 2 009 als schlüssig. Deren Beurtei- lung werde durch das Parteigutachten der neurologische n Klinik des G.____-Spitals bestätigt. Gestützt auf das F.____-Gutachten stehe der Versicherten weder eine Invalidenrente noch eine Integritätsentschädigung zu. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vert reten durch Advokat Erich Züblin, am 15. Dezember 2011 Beschwerde beim Kantonsge richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantrag t sie, es sei der angefochtene Ein- spracheentscheid aufzuheben und es sei die Beschwerdegegn erin zu verpflichten, die gesetzli- chen Leistungen zu erbringen; insbesondere eine Invalide nrente auf der Grundlage einer Er- werbsunfähigkeit von 20% ab dem 8. Januar 2009, eine I ntegritätsentschädigung auf der Grundlage eines Integritätsschadens von 5% sowie die Kost en für notwendige Heilbehandlun- gen ab 1. Juli 2009; alles unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Februar 2012 beant ragte die B.____, vertreten durch Advokat Dr. Manfred Bayerdörfer, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in H.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsge- richts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurtei lt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanton s Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf di e − im Übrigen frist- und formgerecht erhobene − Beschwerde der Versicherten vom 15. Dezember 2011 ist demnach einzutreten. 2.1 Vorweg ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin im Einspracheverfahren den An- spruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verle tzt hat. Die Beschwerdeführerin macht unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsp rechung (vgl. BGE 136 V 113, 137 V 210 und Urteil des Bundesgerichts 9C_403/2010 v om 31. Dezember 2010) eine Verlet- zung des rechtlichen Gehörs geltend. Die Beschwerdegegne rin habe den Gutachtern der F.____ mit Schreiben vom 4. Februar 2011 und 4. Augu st 2011 Ergänzungsfragen unterbreitet, ohne der Beschwerdeführerin Gelegenheit zu geben, ih rerseits weitere Fragen zu stellen. Die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergänzenden Stellungnahmen der F.____ vom 24. März 20 11 und 23. September 2011 seien deshalb aus dem Recht zu weisen. 2.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist verfassungsmässig gewährleistet (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) und wurde für das sozialversicherungsrechtliche Verfahren i n Art. 42 ATSG verankert. Der An- spruch auf rechtliches Gehör umfasst das Recht der Parteie n auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung ( vgl. BGE 126 V 131 E. 2b). Die Par- teien haben insbesondere das Recht, Einsicht in die Akten zu nehmen und sich zu den tatsäch- lichen Fragen zu äussern. Die Missachtung des Äusserungsanspruchs etwa zu einem medizini- schen Gutachten stellt dann einen schwerwiegenden Mangel dar, wenn in der Folge wesentlich auf das entsprechende Gutachten abgestellt wird (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Rz. 15 zu Art. 42). Gemäss BGE 136 V 113 kann der Sozi- alversicherungsträger einem externen Gutachter bei Bedarf Ergänzungs- und Erläuterungsfra- gen stellen. Der Gehörsanspruch der versicherten Person umfasst demnach auch die Befugnis, dem Experten ebenfalls solche Fragen zu stellen, wobei zusätzliche Fragen beider Parteien dem Gutachter gleichzeitig vorzulegen sind. Die vom Bund esgericht vorgeschriebene Reihen- folge bei der Behandlung von Ergänzungsfragen wird dabei mit Zweckmässigkeitsüberlegungen (Beschleunigung des Verfahrens und Vermeidung einer meh rmaligen Inanspruchnahme des Experten) begründet. Indem der Beschwerdeführerin keine Möglichkeit gegeben wurde, eigene Fragen an die F.____ zu richten, ist das rechtliche Gehö r der Beschwerdeführerin verletzt wor- den. 2.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller N atur. Die Verletzung des Rechts auf Akteneinsichtnahme und Äusserung führt unabhängig davon, ob die fraglichen verfahrensrecht- lichen Mängel einen Einfluss auf das Ergebnis haben, gru ndsätzlich zur Aufhebung des ange- fochtenen Entscheids. Nach der Rechtsprechung kann eine − nicht besonders schwerwiegende − Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als gehe ilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerde instanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann ( vgl. BGE 126 V 131 f. E. 2b, 127 V 438 E. 3c/bb, je mit Hinweisen). Von einer Rückweisung der S ache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehör s abzusehen, wenn dies zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Inte- resse der betroffenen Partei an einer raschen Beurteil ung der Sache nicht zu vereinbaren wä- ren (vgl. BGE 127 V 437 E. 3d/aa,133 I 204 E. 2.2, je mit Hinweisen). 2.4 Die Voraussetzungen für eine Heilung des Verfahr ensmangels sind im vorliegenden Fall erfüllt. Gemäss § 57 VPO können im Sozialversicherungsverf ahren vor dem Kantonsgericht Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschr eitung und Missbrauch des Er- messens, unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sa chverhalts sowie Unangemessen- heit gerügt werden. Es handelt sich somit um eine Beschwe rdeinstanz, die sowohl den Sach- verhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Di e Beschwerdeführerin hat weder nach Kenntnisnahme der Stellungsnahme der F.____ noch im vorliegenden Verfahren geltend ge- macht, dass sie zusätzliche Ergänzungsfragen an die F.___ _-Gutachter gehabt hätte. Da sich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beschwerdeführerin vor dem Kantonsgericht zu den er gänzenden Stellungnahmen der F.____ jedoch hätte äussern können, kann die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch das Verfahren vor Kantonsgericht als geheilt betr achtet werden. Dies insbesondere, da beide ergänzenden Stellungnahmen keine Angaben enthalten, welche nicht schon klar aus dem F.____-Gutachten hervorgehen und eine Rückweisung an die Vorinstanz lediglich zu einer Ver- fahrensverzögerung im Sinne eines formalistischen Leerlaufs führen würde. 3. In ihrer Verfügung vom 13. Juli 2009, die sie mit dem angefochtenen Einspracheent- scheid vom 14. November 2011 bestätigt hat, hat die Be schwerdegegnerin ihre Versicherungs- leistungen − mit Ausnahme der Kosten für die medikamen töse Therapie mit einem membran- stabilisierenden Medikament − per 7. Januar 2009 einge stellt. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin über dieses Datum hinaus weiterhin Anspruch auf Leistungen aus der obli- gatorischen Unfallversicherung hat. 4. Gemäss Art. 6 Abs. 1 Bundesgesetz über die Unfallver sicherung [UVG] vom 20. März 1981, hat der Unfallversicherer in der obligatorischen U nfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Be rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG g ewährt der versicherten Person An- spruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (H eilbehandlung). Dabei hat der Unfallversicherer die Pflegeleistungen so lange zu erbr ingen, als davon eine namhafte Besse- rung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entste ht am dritten Tag nach dem Unfall- tag und erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Ren- te oder mit dem Tod der versicherten Person (Art. 16 A bs. 2 UVG). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid, so hat si e Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erw erbsunfähigkeit. Diese entspricht dem durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachten und nach zu- mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fort setzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen de r Invalidenversicherung abgeschlos- sen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandl ung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Int egrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Inva- lidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztli- chen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 5.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzu sammenhang besteht (BGE 129 V 181 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3.1). Ursächlich im Sinne des natürlichen Kausalzusam menhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um- schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzus ammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache g esundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis- tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen eine m schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusamme nhang besteht, ist eine Tatfrage, wo- rüber die rechtsanwendende Behörde − die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht − im Rah- men der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu b efinden hat. Die blosse Möglichkeit ei- nes Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leist ungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 5.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte − wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin − ist die rechtsanwendende Behörd e regelmässig auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügun g zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grund satz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle anderen Beweismi ttel − frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf e s bei einander widersprechen- den medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf di e eine und nicht auf die andere medi- zinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge und in der Beur- teilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Wei teren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang be- steht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann al s adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenser- fahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgeme in als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis). Der Voraussetzung des ad äquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (B GE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlich en Kausalzusammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen gesund heitlichen Schädigung auch der erfor- derliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusammen hang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 6.2 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfo lgen spielt die Adäquanz als recht- liche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusam menhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der na- türlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 1 27 V 103 E. 5b/bb). Als objektivierbar gel- ten Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde ledi glich auf Ergebnisse klinischer Unter- suchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht, welches eine Adäquanzprüfung als nicht erforderlich erschei nen liesse. Nach konstanter bun- desgerichtlicher Rechtsprechung kann deshalb von organisc h objektiv ausgewiesenen Unfall- folgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparati- ven/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (für viel e: Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen). Diese Untersuchungsmetho- den müssen zudem wissenschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V 231 ff. mit Hinweisen). 6.3 Im Entscheid 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgeric ht einlässlich mit der Thematik be- fasst, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer die Prüf ung des adäquaten Kausalzusam- menhangs vornehmen dürfe. Dabei hat es deutlich gemacht, dass nicht danach zu fragen sei, in welchem Zeitpunkt die Adäquanzprüfung vorgenommen werd en dürfe, sondern wann der Un- fallversicherer einen Fall abzuschliessen und den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung zu prüfen habe (BGE 134 V 113 E. 3.2). Dies habe, so das Bundesge- richt weiter, gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Ze itpunkt zu geschehen, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustan- des der versicherten Person mehr erwartet werden könne und allfällige Eingliederungsmass- nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen seien (BGE 134 V 113 ff. E. 4). Was unter einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes zu ver stehen sei, umschreibe das Ge- setz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstätigen Personen ausgerichtet sei (vgl. etwa Art. 1a und Art. 4 UVG), werde sich dies namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigeru ng oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtig t, bestimmen. Die Verwendung des Begriffs "namhaft" durch den Gesetzgeber verdeutliche dabei, da ss die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen müsse. Unbede utende Verbesserungen genügten nicht (BGE 134 V 115 E. 4.3 mit Hinweisen). 6.4.1 Im Rahmen ihrer Sachverhaltsabklärungen hat die Beschwerdegegnerin die E.____ mit einer polydisziplinären Begutachtung beauftragt. Gemäss deren Gutachten vom 29. Dezember 2006 sei bei der Versicherten mit Einfluss auf die Arbe itsfähigkeit aufgrund der psychiatrischen Beurteilung von einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer mittelgradigen depressi- ven Episode auszugehen. Neurologisch bestehe insbesondere eine Läsion des Nervus cuta- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht neus femoris lateralis, ein Lumbago sowie ein zervikobrach iales Schmerzsyndrom bei Status nach HWS-Kontusion. Ferner bestehe der Verdacht auf e ine mild traumatic brain injury (MTBI). Rheumatologisch würden chronische Restbeschwerden im Weic hteilbereich des linken Ober- schenkels in Folge einer Weichteil-Rissquetschwunde mit Gew ebeavulsion bestehen. Dies ebenfalls aufgrund Seitenastläsionen von Hautnerven des Nervus cutaneus femoris lateralis. Zudem bestehe ein chronisches zervikobrachiales Schmerzsyndr om mit unspezifischen Aus- strahlungen in beide Arme. Anlässlich der im Rahmen ein er interdisziplinären Konsens- Konferenz durchgeführten Gesamtbeurteilung kommen die Gutachter zum Schluss, dass sich im rheumatologischen Fachgebiet bezüglich der Rückenschmer zen keine Hinweise auf eine radikuläre Beteiligung fänden. Vielmehr seien diese am ehesten auf eine Fehlbelastung auf- grund der Schmerzen im linken Bein zurückzuführen. Für di e Ausstrahlung der Schmerzen in die Arme und den Thoraxbereich käme als Differentialdi agnose ein Thoracic-outlet-Syndrom oder ein Karpaltunnelsyndrom in Frage. Die Untersuchung im neurologischen Fachgebiet würde diese Vermutung jedoch nicht bestätigen. Für den unmi ttelbaren Unfallhergang habe die Explo- randin eine Erinnerungslücke, weshalb das Vorliegen ein er milden traumatischen Hirnverlet- zung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden könne. B ezüglich der Nackenschmerzen fän- den sich nach der neurologischen und rheumatologischen Un tersuchung keine Hinweise für eine neurologische Symptomatik und auch radiologisch kön nten keine signifikanten degenerati- ven Veränderungen erhoben werden. Die Nackenschmerzen s eien als zervikobrachiales Schmerzsyndrom nach einer HWS-Kontusion zu interpretier en und die geschilderten Kopf- schmerzen auf Spannungskopfschmerzen zurückzuführen. Ingesamt vermöge das Ausmass der Beschwerden am Bewegungsapparat mit den erhobenen Befunden nicht zu korrelieren. Zur Erklärung der Leistungseinbusse werde auf die psychiatrisch e Beurteilung verwiesen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten hält das Gutachten zusammenfassend fest, dass diese aufgrund der erhobenen Diagnose in jeglicher leichten bis mittelschweren Tätigkeit (inklusive der angestammten Tätigkeit als Pflegefachfrau) zu 50% beeinträchtigt sei. Ingesamt sei der Gesundheitszustand besserungsfähig und zur Erreichung des Ziels wurden verschiedene medi- zinische Massnahmen empfohlen. 6.4.2 Im Januar 2009 fand eine polydisziplinäre Beguta chtung durch die F.____ statt. In ihrem ausführlichen Bericht vom 12. März 2009 hielten die bet eiligten F.____-Fachärzte als Diagno- sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit chronische Oberschenkelschmerzen links bei neuropathischem Schmerzsyndrom im Versorgungsgebiet des Nervu s cutaneus femoris latera- lis und einen Status nach Wund-Débridement/-Drainage u nd nach Decollement des linken Oberschenkels am 22. November 2004 sowie einen Status nach Neuromresektion mit intra- muskulärer Verlagerung, Narbenexzision/-korrektur sowie Lip osuction und Lipofilling am 26. November 2008 fest. Das psychiatrische Teilgutachten legt umfangreich dar, dass es zu einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation gekommen ist. So könnten insbesondere die im E.____-Gutachten diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung und die mittelgradige depressive Episode nicht mehr bestätigt werden. Es würden namentlich kein ausgeprägter so- zialer Rückzug, keine schwere depressive Verstimmung oder Su izidalität vorliegen und auch die von der Versicherten beklagten Konzentrations- und Gedächtnisstörungen hätten nicht ob- jektiviert werden können. Dementsprechend sei nur noch e ine leichtgradig ausgeprägte ängst- lich-depressive Störung feststellbar, welche sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Ohne Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe ferner neur ologisch ein chronisches zervikozephales Schmerzsyndrom und anamnestisch ein allergisches Asthma bro nchiale, zuletzt mit mehrjähri- ger Beschwerdefreiheit. Während bei der vor dem Unfall ausgeübten Tätigkeit in der körperlich teilweise belastenden Gerontopsychiatrie eine exakte pro zentuale Quantifizierung der Restar- beitsfähigkeit nicht möglich sei, könne in der nach d em Unfall ausgeübten Tätigkeit in der Sozi- alpsychiatrie eine zeitliche oder leistungsmässig uneingesc hränkte Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. Eine zeitlich und uneingeschränkte Arbeitsfähig keit bestehe zudem für alle anderen körperlich leichten Tätigkeiten, bei welchen eine Hebe - und Traglimite von 10 kg nur aus- nahmsweise überschritten werde und keine länger dauernde n Zwangshaltungen der unteren Extremitäten vorkommen würden. 6.4.3 An der Schlüssigkeit des F.____-Gutachtens und an der Einschätzung der Arbeitsfähig- keit durch die F.____-Gutachter vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass die neurolo- gischen Fachgutachter des G.____-Spitals im Gutachten vom 10. August 2010 von einer 20%- igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgegangen sind und erklärt hatten, dass die Arbeitsunfähigkeit weiter verringert werden kö nne. Wie die Vorinstanz in ihrer Ver- nehmlassung richtig festgestellt hat, ist dabei zwar unkla r, ob mit der "angestammten" Tätigkeit die frühere Tätigkeit in der Gerontopsychiatrie oder die körperlich weniger belastende Tätigkeit als Psychiatrieschwester in der Sozialpsychiatrie gemeint ist . Mit dem neurologischen Privat- gutachten geht jedoch auch das F.____-Gutachten in der vorherigen, körperlich eher belasten- den Tätigkeit als Psychiatrieschwester in der Gerontopsychiatrie von einer gewissen Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit aus und steht diesbezüglich im Einklang mit dem neurologischen Fachgutachten. Darüber hinaus legen die F.____-Gutachter eingehend dar, dass in einer adap- tierten Verweistätigkeit ohne relevante körperliche Bel astung − beispielsweise als Psychiatrie- schwester in der Sozialpsychiatrie − die Arbeitsfähigkeit n icht eingeschränkt sei. Dazu äussern sich die Gutachter des G.____-Spitals nicht. Vielmehr i st ersichtlich, dass im neurologischen Privatgutachten unter Einbezug sämtlicher Fachrichtungen − auch über das neurologische Fachgebiet hinaus − Aussagen gemacht worden sind; dies in sbesondere auch zu orthopädi- schen Gesichtspunkten. Wenn die Gutachter des G.____-Spi tals dabei neurologisch von einer (generellen) 20%-igen Arbeitsunfähigkeit ausgehen, welche prognostisch − bei konsequenter Umsetzung der empfohlenen Therapie − auf 10% verringer t werden könne, vermag dies die differenzierte und fachmedizinisch breiter abgestützte Beurteilung der F.____-Gutachter nicht in Zweifel zu ziehen. Da diese Quantifizierung einer weit eren Verbesserung des Gesundheitszu- standes auf rein hypothetischen Annahmen der neurologischen Fachgutachtern gründet und die Einschränkungen zudem je nur zur Hälfte als unfallbedin gt angesehen werden, ist im Ergebnis davon auszugehen, dass eine namhafte Verbesserung des Gesu ndheitszustandes unwahr- scheinlich und der medizinische Endzustand erreicht ist. Es i st deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss per 7. Janu ar 2009 vorgenommen und im Hinblick auf allfällige weitere Ansprüche der Beschwerdeführerin auf Leistungen aus der obliga- torischen Unfallversicherung auf diesen Zeitpunkt hin g eprüft hat, ob die bei der Versicherten noch vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen i n einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 22. November 200 4 stehen. Darauf ist im Fol- genden einzugehen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 In der angefochtenen Verfügung stützte sich die Unfa llversicherung bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten und insbesonder e bei der Feststellung des Kausalzusam- menhangs vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen d ie Gutachter der F.____ am 12. März 2009 gelangt waren. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.2 hiervor) ist den im Rahmen des Verwal- tungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialä rztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie n ach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liege n keine vor. Das im Auftrag der Beschwerdeführerin erstellte neurologische Fachgutachten des G.____-Spitals vom 10. August 2010 vermag nichts an der Schlüssigkeit des F.____-Guta chtens zu ändern. So benennt das von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebene Gutacht en keine wichtigen Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung durch die F.____ unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind. Dabei ist festzuhalten, dass im neurologischen Parteigutachten eine zwar grundsätzlich identische Befunderhebung gemacht, im Gegensatz zum F.____-Guta chten jedoch keine polydisziplinäre Expertise durchgeführt worden ist. Dabei ist gemäss beid en Gutachten unbestritten, dass die Residualbeschwerden am linken Oberschenkel auf das Unfal lereignis vom 22. November 2004 zurückzuführen sind. Die von der Beschwerdeführerin verspü rten lumbalen Beschwerden kön- nen indessen gemäss beiden Gutachten nicht mit überwie gender Wahrscheinlichkeit auf eine mögliche Fehlbelastung während der Heilungsphase des lin ken Oberschenkels zurückgeführt werden. Anlässlich der F.____-Untersuchung konnte kein b eeinträchtigter orthopädischer Sta- tus der Wirbelsäule erhoben werden und auch die neuro logischen Spezialisten des G.____- Spitals beurteilen die lumbalen Beschwerden als unfall fremd. In Bezug auf die Nackenbe- schwerden hält das F.____-Gutachten weiter fest, dass es si ch im Wesentlichen um subjektive Angaben der Beschwerdeführerin handle, die nicht dur ch objektive Befunde auf Ebene des Be- wegungsapparates gesichert werden könnten. Es seien zwar leicht schmerzhafte Verspannun- gen der Nackenmuskulatur feststellbar, der Kopf sei jed och frei beweglich. Die F.____- Gutachter können auch kein eigentliches Zervikalsyndrom meh r feststellen. Es handle sich bei den beklagten Nackenverspannungen vielmehr um Beschwerde n, welche in der Normalbevöl- kerung häufig auftreten würden, weshalb ein Zusammenh ang mit dem Unfall vom 22. November 2004 nur als möglich angesehen werde. Die se Einschätzung teilen auch die von der Beschwerdeführerin beauftragten Gutachter des G.__ __-Spitals, welche die zervikozepha- len Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als nicht unfallkausal ansehen. 7.2 Die begutachtenden Ärzte der F.____ kamen in Würd igung der anamnestischen Anga- ben, der Untersuchungsbefunde sowie der Dokumente zu m überzeugenden Schluss, dass ein überwiegend wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zum Unfa ll einzig bezüglich der Residu- albeschwerden im linken Oberschenkel besteht. Diesbezüglic h ist ein allfälliger Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung zu prüfen. 8. Nachdem die begutachtenden Ärzte der F.____ bei de r Versicherten wieder eine voll- ständige Arbeitsfähigkeit als Psychiatrieschwester in der Sozialpsychiatrie festgestellt und zu- dem die Verrichtung anderer körperlich leichter Arbeit en generell als zumutbar bezeichnet ha- ben, ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegneri n aufgrund des − im Vergleich zur Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht angestammten Tätigkeit in der Gerontopsychiatrie − gleich gebliebenen Lohns eine Einkom- menseinbusse und damit einen Rentenanspruch der Beschwer deführerin verneinte. Die Be- schwerdeführerin macht hierzu geltend, dass in Anwendung von Art. 36 Abs. 2 Satz 2 UVG eine Teilkausalität auch bezüglich des lumbalen und zervikozepha len Schmerzsyndroms bestehe und damit eine Invalidenrente auf der Grundlage der im neurologischen Parteigutachten festge- stellten 20%-igen Arbeitsunfähigkeit zu bejahen sei. Gemäss Art. 36 Abs. 2 UVG werden Invali- den- und Hinterlassenenrenten sowie Integritätsentschä digungen angemessen gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung oder der Tod nur teilweise d ie Folge eines Unfalles ist (Satz 1). Gesundheitsschädigungen vor dem Unfall, die zu keiner Ver minderung der Erwerbstätigkeit geführt haben, werden dabei nicht berücksichtigt (Satz 2). Voraussetzung für die Anwendung dieser Bestimmung und die sich daraus ergebende Leistungskü rzung ist, dass der Unfall und das nicht versicherte Ereignis einen bestimmten Gesundhei tsschaden gemeinsam verursacht haben, die Krankheitsbilder sich also überschneiden. Li egen mehrere, einander nicht beeinflus- sende Gesundheitsschäden vor, wobei ein Teil der Schäden durch einen Unfall bedingt ist, ein anderer jedoch durch eine Krankheit entstanden ist, so sind nach dem Kausalitätsprinzip die Folgen des versicherten Unfalles für sich alleine zu bewer ten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die verschiedenen Schäden verschiedene Körpe rteile betreffen und sich damit die Krankheitsbilder nicht überschneiden (vgl. U ELI KIESER /H ARDY LANDOLD , Unfall − Haftung − Versicherung, Zürich/St. Gallen 2012, Rz. 578 f. mit H inweisen). Wie vorstehend bereits darge- legt, ist im vorliegenden Fall von fachärztlicher Seite her abgeklärt und schlüssig begründet, welche Gesundheitsschädigungen auf den Unfall zurückzuführe n sind und aus welchen Grund davon auszugehen ist, dass sich die verschiedenen Beschwerde bilder nicht überschneiden. Während die Restbeschwerden am linken Oberschenkel klare Unfallfolgen sind, ist das lumbale und zervikozephale Schmerzsyndrom nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Fahr- radunfall zurückzuführen. Da Art. 36 Abs. 2 UVG keine wei tergehende Kausalität zu begründen vermag und die beklagten Oberschenkel-, Nacken- und Rücken schmerzen ohnehin unter- schiedliche Körperteile betreffen, ist die Bestimmung − entgegen der Auffassung der Be- schwerdeführerin − nicht anwendbar und vermag dementsp rechend auch keinen Rentenan- spruch der Versicherten zu begründen. 9. Die Beschwerdeführerin macht ferner eine Integritä tsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 5% geltend. 9.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemesse- ne Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität e rleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verord- nung über die Unfallversicherung [UVV] vom 20. Dezember 1982 gilt ein Integritätsschaden als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, un- abhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschä den aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigu ng nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt (vgl. Art. 36 Abs. 3 Satz 1 UVV). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsent schädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integ ritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jah resverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gel- ten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig anerkannten, nicht abschliessenden Skala (vgl. BGE 113 V 219 E. 2a; RKUV 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mi t Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. 9.3 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrit ätsschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höch stbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezie lle oder nicht aufgeführte Integritätsschä- den wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abg eleitet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In die- sem Zusammenhang erarbeitete die SUVA in Weiterentwi cklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form. Diese in den Mitteilungen der medi- zinischen Abteilung der SUVA Nr. 57 bis 59 herausgegebenen Tabellen (teilweise geändert und ergänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewä hrleistet werden soll, mit dem An- hang 3 zur UVV vereinbar (vgl. BGE 124 V 32 E. 1c, 116 V 157 E. 3a mit Hinweis). 9.4 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesundhei tlichen Beeinträchtigung han- delt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztli- che Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht m öglich, die Beurteilung auf Grund der aktenkundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelassenen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse voraussetzt und von einem medizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht er wartet werden kann. Die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ärztlichen Sachverständigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 9.5 Die Beschwerdeführerin stützt ihr Begehren auf die Einschätzung der neurologischen Gutachter des G.____-Spitals, welche − mit Verweis auf das E.____-Gutachten − den erlittenen Integritätsschaden mit 5% beziffern. Dies aufgrund einer Integritätseinbusse zufolge eines neu- ropathischen Schmerzsyndroms am linken Oberschenkel in Anl ehnung an die SUVA-Tabelle 2 sowie in Anbetracht der vollständig erhaltenen Motorik, der fehlenden Gelenkstrukturen und der fehlenden Hinweise auf eine statische Beindeformität. Demgegenüber erachtet das F.____- Gutachten das Kriterium der Erheblichkeit (vgl. Art. 36 Abs. 1 Satz 2 UVG) nicht als erfüllt, da die vorhandenen Einbussen (leicht veränderte Morpholo gie, Schmerzempfindlichkeit und leicht verminderte Belastbarkeit des Beins) nur zu einer gerin geren Behinderung im Alltagsleben füh- ren würden. Diese Einschätzung ist nicht zu beanstanden. Wenn die Beschwerdeführerin sich auf die im E.____-Gutachten gemachten Ausführungen zum Integritätsschaden beruft, ist ihr mit der Vorinstanz entgegen zu halten, dass ein Integritätssch aden gemäss Art. 24 Abs. 2 UVG zum Zeitpunkt des Fallabschlusses zu beurteilen ist, weshalb nicht auf die E.____ Beurteilung aus dem Jahr 2006 abgestellt werden kann. Wie die F. ____-Gutachter schlüssig dargelegt ha- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben, hat sich seit der Begutachtung durch das E.____ ein e gesundheitliche Verbesserung er- geben, welche nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da d ie Schmerzen zudem nur teilweise be- lastungsabhängig sind und eine wechselnde Intensität au fweisen, ist − der Argumentation der Vorinstanz folgend − auf die medizinisch breiter abgestü tzte polydisziplinäre Beurteilung der F.____-Gutachter abzustellen, welche nicht von einer e rheblichen Schädigung der Integrität ausgehen. 10. Es verbleibt, den von der Beschwerdeführerin gelten d gemachten Anspruch auf "Kosten für notwendige Heilbehandlungen ab 1. Juli 2009" zu prüfen. Im vorliegenden Fall ist der Fall- abschluss mit der Prüfung von Dauerleistungen im Januar 2009 erfolgt. Die Beschwerdeführerin beschränkt sich in ihrer Forderung auf ein sehr allgeme in gehaltenes Begehren. Sie bringt in ihrer Beschwerdebegründung insbesondere nichts vor, was da zu führen könnte − neben den von der Unfallversicherung verfügungsweise bereits anerkann ten Kosten für die medikamentö- sen Therapie mit einem membranstabilisierenden Medikame nt − einen Anspruch auf Heilbe- handlung über das Datum des Fallabschlusses hinaus zu begr ünden. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 11. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die medizinische A ktenlage zur Beurteilung der vorliegenden Streitfragen ausreichend ist. Es ist daher n icht zu beanstanden, dass die Unfall- versicherung darauf abgestellt hat und zum Ergebnis gelan gte, dass bei mangelnder Er- werbseinbusse kein Anspruch auf eine Rente und − neben den von der Unfallversicherung ver- fügungsweise anerkannten Kosten für die medikamentöse Th erapie mit einem membranstabili- sierenden Medikament − kein Anspruch auf Heilbehandlung über das Datum des Fallabschlus- ses hinaus besteht, und mangels eines Integritätsschadens a uch eine Integritätsentschädigung entfällt. Die gegen den betreffenden Einspracheentsche id vom 14. November 2011 erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 12. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die obsiegende Beschwerdegegnerin ist zwar anwalt lich vertreten, Art. 61 lit. g ATSG schränkt den Anspruch auf eine Parteientschädigung jedo ch ausdrücklich auf die Beschwerde führende Person ein; die ausserordentlichen Kosten sind somit wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. http://www.bl.ch/kantonsgericht