B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-5084/2014 U r t e i l v o m 1 8 . D e z e mb e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Stephan Breitenmoser (Vorsitz), Philippe Weissenberger und Jean-Luc Baechler, Gerichtsschreiberin Katharina Walder Salamin. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Vollzugsstelle für den Zivildienst ZIVI, Regionalzentrum Luzern, Vorinstanz. Gegenstand Dienstverschiebung. B-5084/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, geboren am […] 1990, wurde am 14. März 2012 zum Zivildienst zugelassen. Mit Verfügung vom 24. Januar 2013 hiess die Vorinstanz ein Dienstve r- schiebungsgesuch des Beschwerdeführers aus medizinischen Gründen gut und verschob dessen Einsatzpflicht auf das Jahr 2014. Am 9. Mai 2014 meldete sich der Beschwerdeführer telefonisch bei der Vorinstanz und erkundigte sich über die einzureichenden Unterlagen für eine vorzeitige Entlassung aus dem Zivildienst. Nach schriftlicher Au s- kunft der Vorinstanz vom 13. Mai 2014 zu den erforderlichen Unterlagen stellte er in der Folge aber kein derartiges Gesuch. Am 17. Juni 2014 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein Gesuch um Dienstverschiebung ein und machte geltend, er sei aus g e- sundheitlichen Gründen im Moment nicht in der Lage, einen sechsmon a- tigen Zivildiensteinsatz zu leisten. Daneben würde er am 19. August 2014 eine zweijährige, berufsbegleitende Weiterbildung zum technischen Kaufmann beginnen, während der er keinen Zivildiensteinsatz leisten könne. Am 14. Juli 2014 lud das Regionalzentrum den Beschwerdeführer ein, sein Dienstver schiebungsgesuch zu ergänzen und eine Bestätigung der Ausbildungsstelle sowie ein Arztgesuch einzureichen. Am 24. Juli 2014 ergänzte der Beschwerdeführer sein Gesuch mit den Angaben zu seiner Ausbildung und wies darauf hin, dass sein behandelnder Arzt bis am 11. August 2014 in den Ferien sei und er das Zeugnis deshalb erst danach einreichen könne. Mit Verfügung vom 28. Juli 2014 hiess die Vorinstanz das Dienstve r- schiebungsgesuch des Beschwerdeführers teilweise gut (Ziff. 1). Sie legte eine Einsatzpflicht vo n 26 Dienstta gen für das Jahr 2014 (Ziff. 2) sowie eine Einsatzpflicht von 180 Die nsttagen für das Jahr 2015 fest (Ziff. 3) und forderte den Beschwerdeführer auf, die entsprechenden Einsatzve r- einbarungen bis zum 22. August 2014 (Ziff. 2) bzw. 15. Januar 20 15 (Ziff. 3) einzureichen. B. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 10. September 2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er beantragt sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung . Er macht ge l-B-5084/2014 Seite 3 tend, wegen seiner Ausbildung zum technischen Kaufmann, seiner beruf- lichen Situation und seiner Erkrankung habe er um Aufschub seiner Einsatzpflicht bis Oktober 2016 ersucht. Wenn er indessen – wie in der angefochtenen Verfügung festgelegt – im Jahr 2014 einen Einsatz von 26 Tagen und im Jahr 2015 einen langen Einsatz vo n 180 Tagen leisten müsse, müss e er seine Ausbildung zum technischen Kaufmann abbr e- chen und seine Arbeitsstelle kündigen. Diese Situation hätte wiederum einen erheblichen negativen Einfluss auf seine Erkrankung. Des Weiteren beantragt der Beschwerdeführer eine Neubeurteilung se i- ner derzeitigen Diensttauglichkeit aus gesundheitlichen Gründen und reicht dafür eine medizinische Stellungnahme von Dr. med. B._______, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 10. September 2014 ein. Diese medizinische Stellungnahme stützt sich auf die sanität s- dienstlichen Akten aus der Rekrutenschule des Beschwerdeführers und die dort vorhandenen Arztberichte, auf das Krankendossier der früheren Hausärzte des Beschwerdeführers bis 20 13, auf den Austrittsbericht aus der psychiatrischen Klinik X._______ vom 16. April 2014, auf mündliche Angaben des aktuellen Hausarztes , auf die Befunde während der amb u- lanten Therapie zwischen dem 28. April und dem 4. September 2014 so- wie auf testpsychologische Befunde vom 7. Mail 2014. C. Am 17. September 2014 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorin - stanz zur Vernehmlassung z ur Beschwerde und zu der medizinischen Stellungnahme von Dr. B._______ vom 10. September 2014 ein. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2014 widerrief die Vorinstanz im Rahmen des Schriftenwechsels die angefochtene Verfügung betreffend Dienstve r- schiebung und verfügte Folgendes: "1. Die Verfügung des Regionalzentrums Luzern vom 28. Juli 2014 betre f- fend Dienstverschiebung wird widerrufen. 2. Die Ak ten zu Ihrem Gesundheitszustand werden zur Beurteilung der A r- beitsunfähigkeit an den Vertrauensarzt überwiesen. F ür die vertrauensärztl i- che Untersuchung wird Ihnen ein entsprechendes Aufgebot verfügt. 3. Die Ersteinsatzpflicht wird auf das Jahr 2015 verschoben. Sie haben, so- fern Sie nicht vorzeitig aus dem Zivildienst entlassen werden, im Jahr 2015 Ihren langen Einsatz von mindestens 180 Tagen zu leisten. B-5084/2014 Seite 4 4. Sie haben dem Regionalzentrum bis zum 28. Februar 2015 eine Einsat z- vereinbarung für den langen Einsatz von mindestens 180 Tagen einzure i- chen. 5. Sie haben den langen Einsatz spätestens am 1. Juli 2015 zu beginnen." Die Vorinstanz eröffnete die Widerrufsverfügung vom 1. Oktober 2014 dem Beschwerdeführer mit einer Rechtsmittelfrist von 30 Tagen und stell- te sie dem Bundesverwaltungsgericht sowie dem Regionalzentrum zur Kenntnis zu. Der Beschwerdeführer hat die se Verfügung nicht mit B e- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht angefochten. D. Mit Instruktionsverfügung vom 9. Oktober 2014 lud das Bundesverwa l- tungsgericht den Beschwerdeführer ein, bis zum 20. Oktober 2014 mitz u- teilen, ob er an seiner Beschwerde festhalte oder diese zurückziehe. Der Beschwerdeführer äusserte sich auf diese Aufforderung hin nicht. Am 27. November 2014 forderte das Bundesverwaltungsgericht die Vorin- stanz telefonisch auf, dem Gericht gemäs s Instruktionsverfügung vom 17. September 2014 die Verfahrensakten zuzustellen. Am 28. November 2014 übermittelte die Vorinstanz dem Bundesverwa l- tungsgericht die Verfahrensakten und beantragte die Abweisung der B e- schwerde, soweit diese dur ch die Widerrufverfügung vom 1. Oktober 2014 nicht gegenstandslos geworden sei. Am 2. Dezember 2014 stellte das Bundesverwaltungsgericht dem B e- schwerdeführer das Schreiben der Vorinstanz vom 28. November 2014 zur Kenntnis zu. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Die angefochtene n Verfügungen der Vorinstanz können gemäss Art. 63 des Zivildienstgesetzes vom 6. Oktober 1995 (ZDG, SR 824.0) im Ra h- men der allgemeinen Bestimmungen über die Bundesverwaltungsrechts- pflege (Art. 44 ff. des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021] i.V.m. Art. 31 ff. und 37 ff. des Verwaltungsge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 65 Abs. 4 ZDG) mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden. B-5084/2014 Seite 5 Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat deshalb ein schutzwürdiges Inter - esse an ihrer Aufhebung oder Änderung. Er ist daher zur Beschwerdefüh- rung legitimiert, zumal er auch am vorinstanzlichen Verfahren teilgeno m- men hat ( Art. 48 Abs. 1 VwVG ). Die Eingabefrist und die Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt (Art. 50 und 52 Abs. 1 VwVG, Art. 66 Bst. b ZDG ). Die übrigen Sach urteilsvoraussetzun- gen liegen vor (Art. 47 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2. Die Vorinstanz kann die angefochtene Verfügung in Anwendung von Art. 58 Abs. 1 VwVG bis zu ihrer Vernehmlassung in Wiedererwägung ziehen. Sie eröffnet eine neu e Verfügung ohne Verzug den Parteien und bringt sie der Beschwerdeinstanz zur Kenntnis (Abs. 2). Die Beschwerde- instanz setzt die Behandlung der Beschwerde fort, soweit diese durch die neue Verfügung der Vorinstanz nicht gegenstandslos geworden ist; Art. 57 VwVG findet Anwendung, wenn die neue Verfügung auf einem erhe b- lich veränderten Sachverhalt beruht oder eine erheblich veränderte Rechtslage schafft (Abs. 3). Mit der Einreichung der Beschwerde geht die Zuständigkeit in der Sache an die Beschwerdeinstanz über. Ab diesem Zeitpunkt ist die Vorinstanz nicht mehr in der Sache zuständig, bis die Be schwerdebehörde entschie- den hat; s ie kann weder die an gefochtene Verfügung vollziehen noch vorsorgliche Massnahmen anordnen (Art. 54 VwVG, Devolutiveffekt). Art. 58 VwVG durchbricht den Devolutiveffekt, indem er es der Vorinstanz er- möglicht, aufgrund neuer Tatsachen oder aus besserer Einsicht auf die noch nicht rechtskräftige Verfügung zurückzukommen (vgl. ANDREA PFLEIDERER, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], VwVG, Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsve r- fahren, Zürich/Basel/Genf 2009, N. 2 ff. zu Art. 58; AUGUST MÄCHLER, in: Christoph Auer, Markus Müller, Benjamin Schindler, Kommentar -VwVG, St. Gallen, 2008, N. 2 zu Art. 58). Im Beschwerdeverfahren ist die neue Verfügung der vorausgehenden gegenüberzustellen: Entspricht die Vorinstanz in der neuen Verfügung den Begehren des Beschwerdeführers vollumfänglich, wi rd die B e- schwerde gegenstandslos und das Verfahren kann in einem formellen Entscheid abgeschrieben werden (vgl. PFLEIDERER, a.a.O ., N 48 zu B-5084/2014 Seite 6 Art. 58 VwVG; MÄCHLER, a.a.O., N 16 zu Art. 58 VwVG). Entspricht die Vorinstanz den Anträgen des Beschwerdeführers nur teilweise, so ist das Beschwerdeverfahren fortzusetzen und die Beschwerdeinstanz hat über die strittig gebliebenen Teile materiell zu entscheiden. Das Verfahren ist auch dann fortzusetzen, wenn die zweite Verfügung vom Beschwerdefüh- rer nicht mehr angefochten wird. In diesem Fall ist dem B eschwerdefüh- rer Gelegenheit zu geben, sich zur Fortsetzung des Beschwerdeverfa h- rens sowie zum Inhalt der neuen Verfügung zu äussern (vgl. MÄCHLER, a.a.O., N 18 zu Art. 58 VwVG). 2.1 Mit Verfügung vom 1. Oktober 2014 widerrief die Vorinstanz im Ra h- men des Schr iftenwechsels die angefochtene Verfügun g betreffend Dienstverschiebung. Zur Begründung führt die Vorinstanz im Wesentl i- chen Folgendes aus: Die Militärdienstpflicht sei Voraussetzung für die Leistung von Zivildienst. Die Diensttauglichkeit eines Zivildienst pflichtigen beurteile die Zulassungsstelle nach den Angaben im Personalinformat i- onssystem der Armee (PIS A). Gemäss Eintrag vom 18. Mai 2011 vom zweiten Rekrutierungstag sei der Beschwerdeführer als tauglich eing e- stuft worden. Es seien keine Einschränkungen in der Marsch -, Trage - oder Hebefähigkeit festgestellt worden. Am 31. Oktober 2011 sei der B e- schwerdeführer in die Rekrutenschule (Uem/FU RS 62 -3) eingerückt und nach zwölf Diensttagen aufgrund einer ärztlichen Entlassung aus der R e- krutenschule entlassen worden. Dieser Arztbericht des Truppenarztes vom November 2011 mit der Empfehlung der sofortigen medizinischen Entlassung und der Wiederaufbietung des Beschwerdeführers im Folg e- jahr weise nicht, wie üblich, auf eine vorübergehende gesundheitliche Einschränkung hin. Aufgrund der Eintragungen im PISA könne nicht er u- iert werden, ob damals auch eine Überprüfung der Diensttauglichkeit zur Diskussion gestanden h abe. Gemäss medizinischer Stellungnahme von Dr. B._______, die auf den Vorschlag des im November 2011 b eigezoge- nen Facharztes Dr. C._______, verweise, und festhalte, dass eine solche Tauglichkeitsprüfung mit dem Antrag "dienstuntauglich, allenfalls schut z- diensttauglich", hätte durchgeführt werden müssen, sei im PISA nicht ver- zeichnet. Offenbar sei seit 2011 die Militärdiensttauglichkeit des B e- schwerdeführers nie überprüft worden. Die Vollzugsstelle gehe aber d a- von aus, dass der Beschwerdeführer militär - und zivildiensttauglich sei, da aus dem System PISA nichts anderes hervorgehe. Der Beschwerd e- führer habe sich überdies mit seinem Gesuch um Zivildienst vom 13. Feb- ruar 2012 in Kenntnis aller Umstände zur Leistung von Zivildienst ve r- pflichtet. B-5084/2014 Seite 7 Mit Bezug auf die Gründe für eine Dienstverschiebung räumt die Vorinstanz ein, dass das Regionalzentrum in der angefo chtenen Verfü- gung eine falsche Anzahl Diensttage und unzutreffende Einsatzpflichten für das Jahr 2014 verfügt habe. Es hätte auch das in Aussicht gestellte ärztliche Gutachten abwarten müssen, da für die Dienstverschiebung medizinische Gründe geltend gemac ht worden seien. Das Verfahren betreffend das Dienstverschiebungsgesuch sei daher neu aufzunehmen und die Einsätze für das Jahr 2015 würden in der mit der Wiedererwä- gung getroffenen Verfügung gemäss Ziff. 3 -5 neu verfügt. Die Diens t- pflicht bestehe unter de r Bedingung, dass die vertrauensärztliche Unte r- suchung nicht zum Ergebnis komme, der Beschwerdeführer sei vorzeitig aus der Zivildienstpflicht zu entlassen. 2.2 Der Stellungnahme von Dr. med. B._______, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 10. September 2014 ist eine Beurteilung der Diensttauglichkeit des Beschwerdeführers aus medizinischer Sicht zu entnehmen. Dr. B._______ verweist auf die medizinischen Befunde während der Re - krutenschule des Beschwerdeführers, die eine psychische Überforderu ng durch den Militärdienst feststellen und das chronische zervikale Schmerzsyndrom des Beschwerdeführers mit der eingeschränkten ps y- chischen Belastbarkeit in Zusammenhang stellen würden. Am 11. N o- vember 2014 ( recte 2011) sei der Beschwerdeführer gestützt a uf den truppenärztlichen Bericht aus der Rekrutenschule nach Hause entlassen worden wegen "deutlicher Überforderung im aktuellen Militärdienst im Sinne einer adoleszentären Entwicklungsstörung mit noch unreifen Zügen und unzureichenden Copingstrategien ode r Ressourcen". Dem Bericht des Truppenarztes sei des Weiteren zu entnehmen, dass, da der Patient mit Stressreaktionen im aktuellen Zustand zu dekompensieren drohe, er sofort medizinisch entlassen werden müsse. Ein Wiederaufbieten in der angestammten Funkti on nach einer Karenzfrist von 12 Monaten sei zu empfehlen und der Patient werde sich beim Zivildienst melden. Obwohl nach Aussagen des Beschwerdeführers die psychische Überfo r- derungssituation damals im Vordergrund gestanden habe, wie dies der Truppenarzt und der als Konsiliararzt beigezogene Chirurg richtig eing e- schätzt hätten, weshalb beide Ärzte eine erneute Tauglichkeitsprüfung in Betracht gezogen hätten, sei trotz dieser eindeutigen Ausgangslage keine erneute Tauglichkeitsprüfung durch einen Psychiater oder einen Psych o- therapeuten durchgeführt worden. Stattdessen sei der Beschwerdeführer B-5084/2014 Seite 8 ohne weitere fachärztliche Überprüfung dem Zivildienst zugewiesen wo r- den. Damit könne klar rekonstruiert werden, dass der Patient damals fehlgeleitet worden sei, obwohl die Beurteilung zweier Ärzte anders g e- lautet habe. Seit Frühjahr 2012 habe sich beim Beschwerdeführer zunehmend eine Abhängigkeit von Opioid -Analgetika entwickelt, die diesem gemäss B e- täubungsmittelgesetz von seinem Hausarzt seit August 2012 ordentlich verschrieben worden seien. Nach einer Dosissteigerung bis zweimal 80mg täglich habe der Beschwerdeführer sich nach einem ambulanten Vorgespräch für einen stationären Entzug vom 9. April – 15. April 2014 in der Klinik X._______ entschieden. Seit Ende April 2014 stehe der Patient beim ihm in einer ambulanten Weiterbehandlung, wobei am Anfang ein depressives Zustandsbild und persistierende Entzugssymptome im Vo r- dergrund gestanden hätten und auch testpsychologisch erhöhte Werte für "Depressivität" und "Ängstlichkeit" gemäss SCL-90R der Symptomcheck- list feststellbar gewesen seien. Trotz antidrepressiver Behandlung sei der Patient zunehmend unter Druck geraten, da er Mitte August 2014 eine Weiterbildung zum technischen Kaufmann beginnen und andererse its wieder arbeiten können wolle. Nach Rücksprache mit einem Suchtexpe r- ten erfolge im Sinne des "kleineren Übels" seit dem 14. A ugust 2014 eine erneute Abgabe von Opioid-Analgetika von zweimal 40mg pro Tag. Diese Medikation habe zu einer deutlichen Besserung des Zust ands beim Pati- enten in jeder Hinsicht geführt, weshalb er wieder arbeitsfähig sei und be- rufsbegleitend die Schule besuchen könne. Im Sinne einer abschliessenden Beurteilung, Schlussfolgerung und Em p- fehlung handle es sich diagnostisch um eine ärztlich über wachte Opioid- Abhängigkeit im Sinne einer kontrollierten Abhängigkeit gemäss ICD -10 Nr. 11.22, der entsprechenden internationalen Klassifikation psychischer Störungen. Die depressiven Beschwerden des Patienten seien unter di e- ser Schmerzmittelbehandlung wie bereits in früheren Phasen zwar prak- tisch verschwunden, doch habe diese positive pharmakologische Wirkung zu einer Opioid -Abhängigkeit geführt. Da die Diensttauglichkeit des B e- schwerdeführers – wie bereits beschrieben – trotz klaren Anratens durch die Truppenärzte weder in den ersten RS-Wochen noch danach durch ei- nen Psychiater beurteilt worden sei, werde dringend angeraten, die Diensttauglichkeit fachpsychiatrisch neu zu beurteilen und den damaligen Fehlentscheid zu korrigieren. Zum heutigen Zeitpunkt sei mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Patient als dienstuntaug- lich eingeschätzt würde. Stattessen sei der Beschwerdeführer in Richtung B-5084/2014 Seite 9 Zivildienst fehlgeleitet worden, von dem er angeblich definitiv nur suspe n- diert werden könne, wenn er IV-Rentner wäre. Aus medizinischer Sicht würden deshalb dringend eine Neubeurteilung der Situation und daraus folgend eine nachträgliche Korrektur des Fehlentscheids vom November 2011 beantragt. 2.3 Trotz dieser klaren medizinischen Stellungnahme von Dr. B._______, welche im Detail auf die sanitätsdienstlichen Arztberichte eingeht und zum Schluss kommt, der Beschwerdeführe r sei in den Zivildienst fehlg e- leitet worden und aufgrund seiner Opioid -Abhängigkeit mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht diensttauglich, hält die Vorinstanz an ihrer Sach- verhaltswürdigung fest und geht weiterhin davon aus, der Beschwerd e- führer sei diensttauglich und damit zurecht zum Zivildienst zugelassen worden. Anstatt weitere fachärztliche Abklärungen anzuordnen, verweist die Vorin- stanz mit Bezug auf die Diensttauglichkeit des Beschwerdeführers einzig auf das Informationssystem PISA der Armee, aus welchem sie übliche r- weise ihre Informationen zur Diensttauglichkeit von Zivildienstpflichtigen bezieht. Mit diesem Vorgehen hat die Vorinstan z ihre Untersuchung s- pflicht verletzt. Wegen der fehlenden Sachverhaltsabklärungen und des grundsätzlichen Festhaltens an der Diensttauglichkeit des Beschwerd e- führers setzt sich die Vorinstanz in der Widerrufsverfügung vom 1. Oktober 2014 nicht mit dem Antrag des Beschwerdeführers, seine Diensttauglichkeit sei aufgrund der durch den behandelnden Arzt eindeu- tig dargelegten medizinischen Gründe neu zu beurteilen, auseinander , sondern geht weiterhin von einem unvollständig erstellten rechtserhebli- chen Sachverhalt aus. Der Antrag des Beschwerdeführers, seine Diensttauglichkeit sei neu zu beurteilen, ist damit nicht gegenstandslos geworden , sondern es ist da r- über im Beschwerdeverfahren zu entscheiden. 3. Gestützt auf Art. 1 ZDG leisten Militärdienstpflichtige, die den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, Zivildienst. Die Diens t- tauglichkeit ist damit eine Voraussetzung zur Zulassung zum zivilen E r- satzdienst, und sie hat als grundsätzli che Zulassungsvoraussetzung g e- mäss Art. 1 ZDG während der ganzen Zivildienstpflicht zu bestehen. B-5084/2014 Seite 10 Die Vorinstanz hätte deshalb spätestens nach Erhalt der medizinischen Stellungnahme von Dr. B._______, die sich klar auf die sanitätsdienstl i- chen Akten bezieh t, von der Unvollständigkeit ihrer Sachverhaltsabkl ä- rungen ausgehen und weitere Abklärungen in Bezug auf die Diensttau g- lichkeit des Beschwerdeführer s treffen müssen, insbesondere weil be- gründeter Anlass für die Vermutung besteht , dass der Beschwerdeführer wegen seiner Medikamentenabhängigkeit kaum Zivildiensteinsätze leis- ten kann. Die beiden Verfügungen der Vorinstanz sind aus diesen Gründen aufzu- heben und die Sache ist zur Abklärung der Diensttauglichkeit des B e- schwerdeführers an die Vorinstanz zurückzuweisen. 4. In den Ziffern 3 – 5 der neuen Verfügung heisst die Vorinstanz das Dienstverschiebungsgesuch des Beschwerdeführers teilweise gut, indem sie dessen Einsatzpflicht auf das Jahr 2015 verschiebt und diesen auffor- dert, bis 28. Februar 2015 eine Einsatzv ereinbarung über einen Einsatz von mindestens 180 Tagen einzureichen, der spätestens am 1. Juli 2015 zu beginnen habe. Aus diesen Anordnungen geht hervor, dass die Vorin- stanz trotz der Anordnung der vertrauensärztlichen Untersuchung g e- mäss Ziff. 2 der Widerrufsverfügung zwecks Beurteilung der Arbeitsfähi g- keit des Beschwerdeführers grundsätzlich weiterhin von der Diensttau g- lichkeit des Beschwerdeführers ausgeht . Über die Einsatz pflicht des B e- schwerdeführers kann aber erst befunden werden, wenn seine Diens t- tauglichkeit eindeutig feststeht. Um weitere , sich widersprechende Verfügungen zu vermeiden, ist die Vorinstanz deshalb dazu einzuladen, bis zum Vorliegen des Ergebnisses der fachärztlichen Abklärung über die Diensttauglichkeit des Beschwerde- führers weitere Anordnungen in der Sache zu unterlassen. 5. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Sachen des zivilen Ersatzdienstes ist kostenlos, sofern es sich nicht um eine mutwillige Be- schwerdeführung handelt (Art. 65 Abs. 1 ZDG). Von einer solchen ist vor- liegend nicht auszugehen. 6. Entscheide auf dem Gebiet des Zivildienstes können nicht beim Bunde s- gericht angefochten werden, weshalb das vorliegende Ur teil endgültig ist B-5084/2014 Seite 11 (Art. 83 Bst. i des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung vom 28. Juli 2014 sowie die Wi derrufsverfügung der Vorinstanz vom 1. Oktober 2014 werden aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Beschwerdebeilagen zurück); – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Einschreiben; Beilage: Vorakten zurück); – die Vollzugsstelle für den Zivildienst, Zentralstelle. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Stephan Breitenmoser Katharina Walder Salamin Versand: 19. Dezember 2014