Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Oktober 2015 (715 15 75) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Ablehnung der Anspruchsberechtigung; Beitragszeit von 12 Monaten mangels Nachweis einer beitragspflichtigen Beschäftigung innert der massgebenden Rahmenfrist für die Beitragszeit nicht erfüllt Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Niggi Dressler, Advokat, Hauptstrasse 46, 4102 Binningen gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1988 geborene A.____ war seinen eigenen Anga ben zufolge vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Juli 2014 als Servicefachangestellter b ei der B.____ GmbH in Riehen tätig, deren einziger Geschäftsführer sein Bruder C.____ ist. Mi t Schreiben vom 30. Juni 2014 kündigte der Arbeitgeber die Arbeitsstelle aus wirtschaftlichen Gründen per 30. Juli (recte: 31. Juli) 2014. Am 4. September 2014 meldete sich A.____ bei seiner Wo hngemeinde zur Arbeitsvermittlung und Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der öffentlichen Arbeitslosenkasse Basel-Landschaft (Arbeitslosenkasse) zum Bezug von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung (ALV) an. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2014 lehnte die Arbeit slosenkasse einen Anspruch von A.____ auf Taggelder der ALV mangels Nichterfüllen der Beitragszeit ab. Zur Begründung führte sie an, dass die eingereichten Unterlagen keine klaren Rückschlüsse au f effektiv ausbezahlte Löhne während der Beitragszeit zuliessen. Der Lohnfluss sei dami t unbewiesen. Die dagegen erhobe- ne Einsprache wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 20. Januar 2015 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ mit Eingabe vom 18. Februar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialve rsicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er sinngemäss die Aufhebung des angefo chtenen Einspracheentscheides vom 20. Januar 2015 sowie die Zusprechung der gesetzlich en Leistungen in Form von Taggel- dern der ALV. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, dass er monatlich einen Lohn von Fr. 4‘200.-- brutto erhalten habe, von welch em auch sozialversicherungsrechtliche Beiträge, namentlich auch die Beiträge an die ALV, abgezogen worden seien. Überdies habe er auch Steuern bezahlt, womit der Lohnfluss insgesamt nachgewiesen sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2015 schloss die Ar beitslosenkasse auf Abwei- sung der Beschwerde. D. Mit Schreiben vom 7. Mai 2015 teilte Advokat Niggi Dressler dem Kantonsgericht mit, dass ihn A.____ mit der Wahrung seiner Interessen beau ftragt habe. Gleichzeitig ersuchte er um Einsichtnahme in die Verfahrensakten. E. Mit Eingabe vom 11. Juni 2015 reichte der Beschwerde führer, vertreten durch Advokat Niggi Dressler, die Replik ein. Ergänzend brachte er v or, dass der Lohn jeweils gegen Quittung bar ausbezahlt worden sei, wobei er hierzu für die Ze it vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Juli 2014 Lohnabrechnungen vorlegte. Aufgrund dieser Tat sache und unter Berücksichtigung der Unterlagen der Ausgleichskasse GastroSocial und der Steu erunterlagen sei somit erstellt, dass er den geltend gemachten Lohn erhalten habe. F. In ihrer Duplik vom 17. August 2015 hielt die Arbei tslosenkasse am Antrag auf Abwei- sung der Beschwerde fest. Bezüglich der eingereichten Lohnabrechnungen führte sie aus, dass die Einreichung der unterzeichneten Lohnabrechnungen erst im Rahmen der Replik etwas selt- sam anmute und diese auch weder inhaltlich noch forme ll überzeugen würden, da sie undatiert und nicht vom Geschäftsführer unterzeichnet seien. Dessen ungeachtet, vermöchten diese al- lein den Lohnfluss ohnehin nicht zu belegen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann geg en Einspracheentscheide der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicheru ngsgericht erhoben werden. Ört- lich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nicht der bis vor Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnun g, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorisch e Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtli- che Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 ATSG zu regeln. Nach Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 19 83 richtet sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Kassenverfü- gungen sinngemäss nach Art. 119 AVIV. Diese Bestimmung e rklärt in Abs. 1 lit. a für die Ar- beitslosenentschädigung den Ort, wo die versicherte Person die Kontrollpflicht erfüllt, als mass- gebend. Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Kont rollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgeri cht als Versicherungsgericht als einzi ge gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Eins pracheentscheide der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachli ch zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 18. Februar 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf Arbeitslosenent schädigung (vgl. Art. 7 Abs. 2 lit. a AVIG), wenn sie unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Bei- tragszeit befreit ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 13 und 14 AVIG). Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der dafü r vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitrags- zeit von zwei Jahren (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während minde stens zwölf Monaten eine beitrags- pflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (vgl. AVIG-Praxis B143). 2.2 Art. 13 Abs. 1 AVIG setzt eine beitragspflichtige B eschäftigung voraus. Nach Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG ist für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig, wer nach dem Bundes- gesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (A HVG) vom 20. Dezember 1946 obli- gatorisch versichert und für Einkommen aus unselbständige r Tätigkeit beitragspflichtig ist, d.h. massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG bezie ht (vgl. BGE 122 V 251 E. 2b mit Hinweisen). Die Beitragspflicht einer versicherten unselbständigen Person entsteht mit der Leis- tung der Arbeit. Beiträge sind indessen erst bei Reali sierung des Lohn- oder Entschädi- gungsanspruchs geschuldet (vgl. BGE 111 V 166 f. E. 4 a und b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen des Art. 13 Abs. 1 AVIG de shalb vorausgesetzt, dass die versi- cherte Person effektiv eine beitragspflichtige Beschäfti gung ausgeübt und der Arbeitgeber für diese Beschäftigung tatsächlich auch einen Lohn entricht et hat (vgl. BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 28. Februar 2003, C 127/02, E. 1). Mit dem Erfordernis des Nachweises ef- fektiver Lohnzahlung sollen Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Ar- beitgeber und Arbeitnehmer verhindert werden (vgl. A rbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht [ARV] 2001 Nr. 27 S. 228 E. 4c). Als Beweis für den t atsächlichen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zahlungen auf ein Post- oder Bank konto, welches auf den Namen des Ar- beitnehmers lautet. Bei behaupteter Barauszahlung sind hohe Anforderungen an den Nachweis des Lohnflusses zu stellen. Dazu geeignet sind einerseits Lo hnquittungen oder durch die Steu- erverwaltung mit Lohnausweis deklarierte Einkommen, and ererseits durch ein Treuhandbüro geführte Geschäftsbücher sowie Auskünfte von ehemalige n Mitarbeitern – allenfalls in Form von Zeugenaussagen –, jeweils in Verbindung mit einem e ntsprechenden individuellen Konto- auszug der AHV (vgl. AVIG-Praxis B148). Höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlungen bilden Arbeitgeberbescheinigungen und vom Arbeitnehme r unterzeichnete Lohnabrechnungen oder AHV-Lohnblätter sowie Steuererklärungen (vgl. BGE 133 V 447 E. 1.2 mit Hinweisen; Ur- teil des EVG vom 28. Juli 2004, C 250/03, E. 2.1; ARV 2004 Nr. 10 S. 115 ff.; vgl. auch: BARBARA KUPFER BUCHER , Der Nachweis des Lohnflusses als Voraussetzung für den Ans pruch auf Arbeitslosenentschädigung, in: Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und beruf- liche Vorsorge [SZS] 2005, S. 138 f.). 2.3 In BGE 131 V 444 ff. hat das EVG präzisierend festg ehalten, die bisherige Rechtspre- chung sei nicht in dem Sinne zu verstehen, dass eine b eitragspflichtige Beschäftigung über- haupt nur dann zur Bildung von Beitragszeiten führe, wenn und soweit der Nachweis tatsächli- cher Lohnzahlungen erbracht ist. Unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach Art. 8 Abs.1 lit. e AVIG i.V.m. Art. 13 Abs. 1 AVIG sei die f aktische Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung während der geforderten Dauer die einzi ge Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (vgl. BGE 113 V 352 f.). Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung komme deshalb nicht der Sinn einer selbstständigen Ansp ruchsvoraussetzung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in kritischen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indizes für die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftig ung. Das im Gesetz zwar nicht ausdrück- lich genannte, nach ständiger Rechtsprechung aber massgeb liche Erfordernis der genügenden Überprüfbarkeit der beitragspflichtigen Beschäftigung d iene der Verhinderung von Missbräu- chen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Dezember 2005, C 258/04, E. 3.2 mit Hinweis). Fehle es am Nachweis einer tatsächlich ausgeübten unsel bstständigen Tätigkeit, sei das An- spruchserfordernis nach Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG und Ar t. 13 AVIG nicht gegeben. Dies gelte auch dann, wenn als Lohn bezeichnete oder auf ein als solches bezeichnetes Lohnkonto erfolg- te Zahlungen des Arbeitgebers bestehen würden. Dieser Umstand bilde eben nur, aber immer- hin, ein bedeutsames Indiz für eine beitragspflichtige Beschäftigung (vgl. BGE 131 V 451 E. 3.2.2). 2.4 In zwei weiteren Urteilen (vgl. C 83/2006 vom 18. August 2006 und C 111/2006 vom 6. März 2007) hat die höchstrichterliche Rechtsprechung ebenfalls präzisierend festgehalten, dass der Umstand, dass eine tatsächliche Lohnzahlung nicht hinreichend belegt werden könne, nicht bedeute, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung kurzerhand abzulehnen wäre. Massgebend sei nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes einzig, dass innerhalb der Rahmen- frist für die Beitragszeit eine beitragspflichtige Beschä ftigung während der Mindestdauer von zwölf Monaten rechtsgenüglich dargetan sei. Soweit eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen, der exakt ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben sei, habe eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (vgl. Urtei l des EVG vom 18. August 2006, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht C 83/2006, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 451 E. 3 .2.3). Was die Einkommenshöhe betref- fe, habe sich die mangelnde Bestimmbarkeit der Lohnhöh e diesfalls grundsätzlich zu Unguns- ten der versicherten Person auszuwirken (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 6. März 2007, C 111/2006, E. 3.4). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten de r Parteien (vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es si ch als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdi gung einen Sachverhalt zu ermit- teln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO i.V.m. Art. 61 Satz 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Ge- richt dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsrecht hat d as Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei sgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jen er Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, je mit Hinweisen). 4.1. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschw erdeführers auf Leistungen der ALV und in diesem Zusammenhang die Frage, ob der Beschwer deführer innerhalb der massgeben- den Rahmenfrist für die Beitragszeit gemäss Art. 9 Abs. 1 und 3 AVIG vom 1. Oktober 2012 bis 30. September 2014 eine beitragspflichtige Beschäftigu ng von mindestens zwölf Monaten nachweisen kann. Dabei ist namentlich das Kriterium des Lohnflusses umstritten. 4.2 Als Beweis für den tatsächlichen Lohnfluss genügen B elege über entsprechende Zah- lungen auf ein Post- oder Bankkonto, welches auf den Na men des Arbeitnehmers lautet (vgl. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 2.2 hiervor). Für Personen, die vor der Anmeldung zum Bezug von Leistungen der ALV keine arbeitgeberähnliche Stellung innehatten, gelingt der Nachweis des Lohnbezuges und damit der beitragspflichtigen Beschäftigung in der Regel mittels Arbeitgeberbescheinigungen und Lohnab- rechnungen. Hat die Arbeitslosenkasse jedoch begründete Z weifel, ob der Arbeitgeber das Ar- beitsverhältnis mit der versicherten Person korrekt beschei nigt oder ob ein solches überhaupt bestanden hat, muss sie weitergehende Abklärungen treffe n. Begründete Zweifel können sich z.B. bei Anstellungsverhältnissen unter Verwandten ergebe n (vgl. AVIG-Praxis B145). Im vor- liegenden Fall wurde der fragliche Lohn einerseits ba r ausbezahlt. Andererseits liegt erwiese- nermassen ein Anstellungsverhältnis unter Verwandten mit flacher Hierarchiestruktur vor, han- delt es sich doch beim Arbeitgeber des Beschwerdeführers um dessen Bruder. Diese Umstän- de führen zu höheren Anforderungen an den Nachweis ein er tatsächlichen Beschäftigung. Die Arbeitslosenkasse war deshalb nicht nur berechtigt, sonder n vielmehr verpflichtet, die Umstän- de im konkreten Fall genauer abzuklären. 4.3 Die Beschwerdegegnerin hat aufgrund entsprechende r Abklärungen erwogen, es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine beitra gspflichtige Beschäftigung nachgewie- sen; aus den massgebenden Unterlagen liesse sich kein Lohn fluss verifizieren. Es stehe nicht fest, ob und wie viel der – in der fraglichen Zeit bei seinem Bruder angestellte – Beschwerde- führer tatsächlich Lohn von der B.____ GmbH erhalten habe, weshalb auch der versicherte Verdienst nicht hinreichend zuverlässig bestimmbar sei. D emgegenüber stellt sich der Be- schwerdeführer auf den Standpunkt, dass sich anhand der ei ngereichten Lohnabrechnungen sowie den Unterlagen der Ausgleichskasse GastroSocial und den Steuerunterlagen samt der erhobenen Nach- und Strafsteuerforderung ein Lohnfluss hinreichend nachweisen lasse. 4.3.1 Bezüglich der angeblich monatlich erstellten und vom Beschwerdeführer unterzeichne- ten Lohnabrechnungen für die Zeit vom September 2012 bis Juli 2014 ist festzuhalten, dass diese von der Beschwerdegegnerin bereits mit Schreiben vom 1. Oktober 2014 unter Hinweis auf fehlende Unterlagen eingefordert, vom Beschwerde führer aber mit den massgebenden Un- terlagen nie eingereicht wurden. Erst nachdem die lei stungsablehnende Verfügung vom 29. Oktober 2014 ergangen und mit Einspracheentscheid vom 20. Januar 2015 bestätigt wor- den war, reichte er diese ein. Diese erst mit Replik vom 11. Juni 2015 ins Recht gelegten Lohn- abrechnungen, die weder über ein Datum verfügen, no ch vom Geschäftsführer unterzeichnet sind, vermögen den Beweis einer effektiven monatlichen Lohnzahlung nicht zu erbringen. Die Beibringung der genannten Unterlagen im Verfahren vo r dem Kantonsgericht sowie die formel- len Mängel lassen überdies darauf schliessen, dass es sich d abei nicht um Originale, sondern um später nachgefertigte Kopien handelt. 4.3.2 Wie sich ferner den Akten entnehmen lässt, basier t die definitive Steuerveranlagung 2012 auf einer amtlichen Einschätzung der Steuerbehörd e (vgl. Akte-Nr. 68, 69). Diese Verfah- rensart kommt zur Anwendung, wenn der Steuerpflichtige seine Auskunftspflicht nicht erfüllt bzw. die Steuerfaktoren mangels Abgabe der Steuererklä rung oder mangels zuverlässiger Un- terlagen nicht ermittelt werden können. An diesem Umsta nd ändern auch die ebenfalls erst im Rahmen der Replik eingereichten Unterlagen betreffen d eine Nachsteuer- bzw. Strafsteuerfor- derung für die Steuerperiode 2012 nichts. Die Einleit ung des Nach- und Strafsteuerverfahrens Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht erfolgte nämlich aufgrund einer nachträglichen Meldun g der Beschwerdegegnerin. Zu berück- sichtigen ist dabei auch, dass die Lohnabrechnungen und d as bei der Steuerverwaltung dekla- rierte Einkommen bei behaupteter Barauszahlung ohnehi n nicht für sich alleine, sondern nur jeweils in Verbindung mit einem entsprechenden IK-Auszug geeignet wären, einen Lohnfluss zu belegen. Was die Eintragungen auf dem IK-Auszug vom 27. Oktober 2014 anbelangt, so lässt sich den massgebenden Unterlagen entnehmen, dass der Be schwerdeführer den Lohn für die Jahre 2012 und 2013 erst nach erfolgter Kündigung und in Kenntnis der arbeitslosenversiche- rungsrechtlichen Abklärungen der Ausgleichskasse meldete. Auch sie können somit kein ent- scheidendes Indiz für einen Lohnfluss bilden. Unter die sen Umständen kann der Beschwerde- führer mit den nachgereichten Lohnabrechnungen, der e rhobenen Nach- bzw. Strafsteuer und dem IK-Auszug nicht mit überwiegender Wahrscheinlichke it darlegen, dass er während der Rahmenfrist für die Beitragszeit im Rahmen eines Vollpensums für die B.____ GmbH als A r- beitnehmer tätig war und einen Lohn im Umfang von monatlich Fr. 4‘200.-- brutto in bar erhielt. 4.3.3 Auch die weiteren vom Beschwerdeführer vorgeleg ten Belege sind nicht geeignet, ei- nen effektiven Lohnfluss zu belegen. Dies gilt namentlich für die Arbeitgeberbescheinigung vom 2. Oktober 2014, das Kündigungsschreiben vom 30. Juni 20 14 sowie die eingereichten Lohnre- kapitulationen für die Jahre 2012 bis 2014, die, mangels anderweitiger Beweise, als blosse Par- teibehauptungen zu qualifizieren und lediglich als Ind izien für eine beitragspflichtige Beschäfti- gung zu werten sind (vgl. E. 2.2 hiervor). Hinzu kommt , dass die Unterlagen des Beschwerde- führers erhebliche Widersprüche und Ungereimtheiten aufweisen. Wie die Beschwerdegegnerin richtig darlegte, stimmt der deklarierte Jahreslohn ge mäss IK-Auszug nicht mit dem Jahreslohn auf dem Lohnkonto gemäss Lohnrekapitulation 2012 über ein. Alsdann entsprechen das in den Lohnabrechnungen verzeichnete Nettoeinkommen sowie die AHV/ALV-Beiträge nicht den An- gaben der Lohnrekapitulation 2012. Gleich verhält es si ch mit den Angaben für das Jahr 2013. Ferner ist den ebenso erst im kantonalen Beschwerdeverfahren nachgere ichten Lohnauswei- sen – deren Gültigkeit hier nicht abschliessend geklärt werden muss, da diese, auch wenn sie formal gültig wären, angesichts der Beweislage auch hö chstens Indizien für den Lohnfluss bil- den würden – im Vergleich zu den Lohnrekapitulationen und den Lohnabrechnungen wiederum ein anderes Nettoeinkommen sowie andere AHV/ALV-Beitr äge zu entnehmen. In diesem Zu- sammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass ferner die A ussage des Beschwerdeführers, wonach er sich seinen Lohn in bar auszahlen liess, um ihn anschliessend wieder auf das Konto seines Bruders einzubezahlen, nicht zu überzeugen verma g. Dies umso weniger, als den vor- gelegten Kontoauszügen seines Bruders weder Beträge i m Umfang des angeblich bei der B.____ GmbH monatlich erzielten Verdienstes, die dem Be schwerdeführer zugeordnet werden können, noch sonstige auf den Namen des Beschwerdeführe rs lautende Zahlungen zu ent- nehmen sind. Schliesslich kann er auch aus dem Umstand, d ass er seinen finanziellen Ver- pflichtungen (Prämien der Krankenkasse sowie Telefonre chnungen) während der Anstellung bei der B.____ GmbH nachgekommen ist, nichts zu seinen Gu nsten ableiten. Diesbezüglich ist ihm entgegen zu halten, dass dadurch bestenfalls ein Ge ldfluss, nicht aber der hier strittige tat- sächliche Lohnfluss belegt werden kann . 5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine geeigneten Belege für die tat sächlich erfolgte Lohnzahlung innerhalb der Rahmenfrist für d ie Beitragszeit vorliegen und es dem Be- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer somit nicht gelingt, die erforderliche beitragspflichtige Beschäftigung mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überw iegenden Wahrscheinlichkeit nach- zuweisen. Die für den Beweis des effektiven Lohnflusses massgeblichen Deklarat ionen sind entweder gar nicht oder erst im Verwaltungsverfahren betreffend Arbeitslosenentschä digung erfolgt. Weitere hierfür erforderliche Unterlagen sind in formeller Hinsicht mangelhaft oder man- gels weiterer Beweise bloss als Indizien für tatsächliche Lohnzahlungen zu werten. Ferner sind die Angaben zum angeblich bezogenen Lohn in mehrfach er Hinsicht unklar und widersprüch- lich. Von weiteren Beweisabnahmen ist angesichts der Aktenlag e und der engen verwandt- schaftlichen Beziehung zum Geschäftsführer und Gesellschafter der B.____ GmbH in antizipier- ter Beweiswürdigung abzusehen (BGE 124 V 90 E. 4b; B GE 122 V 157 E. 1d). Dies führt zur Beweislosigkeit, deren Konsequenzen der Beschwerdeführe r tragen muss. Demnach hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Leistungen der AL V mangels Erfüllung der Beitrags- zeit zu Recht abgelehnt. Bei diesem Ergebnis ist die Beschwerde abzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien KIGA BL Direktion für Arbeit (seco) Präsidentin Gerichtsschreiberin