Seite 1 Entscheid vom 1. März 2013 (510 12 65) __________________________________________________ ___________________ Strafsteuerverfahren Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter M. Zeller, P. Salathe, J. Felix, Dr. L. Schneider, Gerichtsschreiberin I. Wissler Parteien A. und B. , vertreten durch C. Rekurrenten gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33, 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Strafsteuern Staats - und Gemeindesteuer 2003 -2005 Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Schreiben vom 31. Mai 2007 teilte die Steuerve rwaltung den Pflichtigen mit, es sei festgestellt worden, dass die Pflichtige in den Jahren 2002-2005 von der D. (Schweiz) AG (nachfolgend: D.) Lohnbezüge in der Höhe von insgesamt Fr. 1,3 Mio. erhalten, jedoch nicht deklariert habe. Ausserdem seien in den vergangenen Jahr en nie Angaben zu den Wertschrif- ten gemacht worden. Die Steuerverwaltung sehe sich daher veranlasst, ein Nach- und Straf- steuerverfahren einzuleiten, weshalb zur Einreichung vo n Unterlagen eine Frist bis 15. Juni 2007 gesetzt werde. Mit Schreiben vom 20. Juli 2007 äusserte sich der Vert reter dahingehend, dass derzeit ein Beschwerdeverfahren vor dem Kantonsgericht Basel-L andschaft der D. gegen die Aus- gleichskasse Wirtschaftskammer 114 betr. durchgeführte AHV -Revision anhängig sei. Die Pflichtige sei gleichzeitig Arbeitnehmerin und selbstän dig erwerbstätig gewesen. Ob ihre Tätig- keit insgesamt als unselbständige oder als selbständige Erwerbstätigkeit qualifiziert werde, ha- be u.a. Einfluss auf die Berechnung des steuerbaren Ein kommens. Vor diesem Hintergrund sei das Verfahren zu sistieren. Im Weiteren führte der Ver treter zusammenfassend aus, infolge der andauernden erheblichen Arbeitsüberlastung der Pflicht igen in den Jahren 2003-2005 seien im Wissen und Einverständnis von D. der Ehemann, der Sohn, die Schwester sowie vereinzelte Bekannte für die Firma D. tätig gewesen. Diese habe sämtliche Entschädigungen für die von den weiteren Personen geleisteten Arbeitsstunden an di e Pflichtige überwiesen. Ebenso seien diverse Materialkosten und Spesen auf ihr Konto zurückerst attet worden. Weiter führte er aus, die Saldoausweise sämtlicher Konti, die bis dahin nicht d eklariert worden seien betreffend die Jahre 1997 bis 2002 hätten ein Minussaldo und Negativzins en ausgewiesen. In den Jahren 2003 bis 2005 sei der Vermögenssaldo positiv und in den Jahren 2004 und 2005 sei dies auch der Zinsertrag. Im Weiteren habe die Pflichtige einen BMW 323 von der D. erworben. Bezüglich weiterer Einkünfte führte der Vertreter aus, im Jahre 2005 habe die Pflichtige in der Zeit vom 1. Oktober bis 16. November 2005 Lohn von der E. AG erhalten und überdies von der F. Versiche- rung ein Krankentaggeld. Die damalige Arbeitssituatio n bei der D. sei für die Pflichtige extrem belastend gewesen, was denn auch im Jahre 2005 zu einem ersten Zusammenbruch der Pflich- tigen geführt habe. Die Überforderung, die massive Arb eitsüberlastung und die daraus entstan- denen psychischen Probleme seien ursächlich dafür gewesen, dass die eigenen Angelegenhei- ten nicht mehr mit der gebührenden Sorgfalt behande lt worden seien. Im Einzelnen sei auf die Arztzeugnisse verwiesen. In den Jahren 2008, 2009, 2010 sowie im ersten Quartal 2011 folgten diverse Fristerstreckungen aufgrund der Anhängigkeit des S ozialversicherungsrechtlichen Ver- fahrens vor dem Kantonsgericht. Mit Schreiben vom 28. Fe bruar 2011 teilte der Vertreter der Seite 3 Steuerverwaltung mit, das Kantonsgericht, Abt. Sozialve rsicherungsrecht habe mit Entscheid vom 17. September 2010 die Tätigkeit der Pflichtigen als unselbständig qualifiziert. Mit Schreiben vom 2. Mai 2011 reichte der Vertreter auch in Anlehnung an den Ent- scheid des Kantonsgerichts betreffend das sozialversicherungsre chtliche Verfahren eine Auflis- tung des Einkommens der Pflichtigen ein. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2011 hielt die Steu- erverwaltung das in der Besprechung mit dem Vertreter vom 1. Dezember 2011 vereinbarte fest und führte u. a. aus, es erfolge per 31. Dezember 2 011 eine Zahlung von Fr. 100'000.--; bei Bezahlung der gesamten Nachsteuerforderungen und der Zustimmung der Gemeinde würde die Busse auf 40 % der Nachsteuer festgelegt. Gleichzeitig informierte die Steuerverwaltung die Gemeinde G. über das Nach- und Strafsteuerverfahren. Mi t Schreiben an die Steuerverwaltung vom 12. Dezember 2011 bezifferte die Gemeinde G. die N achsteuern auf Fr. 133'962.35 sowie die Vermögenssteuern auf Fr. 1'013.--. Mit Schreiben vom 28. März 2012 teilte die Steuerverwa ltung dem Vertreter mit, dass die Nachsteuern betr. die Staatssteuer Fr. 227'239.20 und die Nachsteuern zur Gemeindesteu- er Fr. 134'0975.35 betragen würden. Ausserdem wurde der Vertreter aufgefordert sämtliche Bankunterlagen für die Jahre 2003 bis 2005 bzw. bis 2010 einzureichen. Mit Schreiben vom 30. April 2012 führte der Vertrete r aus, dass die Zahlung der Nach- steuern per Datum von heute ausgelöst werde und die ver langten Bankunterlagen der Steuer- verwaltung direkt durch die Pflichtigen zugestellt würden. 2. Mit Nach- und Strafsteuerverfügung 2003 - 2005 vom 2 4. Mai 2012 wurden die Pflichti- gen zur Zahlung von Nachsteuern und Zinsen in Höhe von Fr. 239'237.00 sowie einer Steuer- busse in Höhe von 70 %, d.h. Fr. 119'825.00 und Nachst euern betr. die Gemeindesteuern in Höhe von Fr. 141'951.50 und einer Steuerbusse von 70 % der Nachsteuer in Höhe von Fr. 69'498.00 veranlagt. Zur Begründung führte die Steuerverwaltung zusamme nfassend aus, die Steuerverwal- tung habe erfahren, dass die Pflichtige in den Jahren 2002 bis 2005 von der Firma D. mutmass- liche Lohnbezüge in der Höhe von insgesamt ca. 1,3 Mio. erhalten haben solle, die jedoch nicht deklariert worden seien. Auch seien nie Angaben zu den Wertschriften gemacht worden. Im Weiteren führte die Steuerverwaltung aus, die Ste uerpflichtigen hätten Einkünfte aus ihren Tätigkeiten bei der D. für die Jahre 2003 bis 2005, die Einkünfte der Steuerpflichtigen, bei der E. AG für das Jahr 2005 sowie die Erwerbsausfallen tschädigungen bzw. Krankentaggelder der F. Versicherungen für das Jahr 2005 im Gesamtumfang von knapp über Fr. 1 Mio. nicht deklariert. Die Veranlagung habe in der Folge - trot z mehrmaliger Aufforderung - mangels Ein- Seite 4 reichung der Unterlagen das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit der Ehefrau für die Jahre 2003 und 2004 auf Fr. 50'000.00 festgelegt. Fü r das Jahr 2005 hätten die Steuerpflichti- gen keine Steuererklärung eingereicht, was zu einer amtlichen Veranlagung geführt hätte. Die Nichtdeklaration der Einkünfte sei mit Wissen und Willen erfolgt und somit vorsätz- lich. Zudem sei die Steuerpflichtige vom 3. Februar 1 997 bis 22. August 1997 als Aushilfe im Steuerbüro G. tätig gewesen, weshalb sie hätte wissen müssen, dass sämtliches Einkommen zu deklarieren sei. Damit hätten die Ehegatten den Tatbestand von § 151 StG vorsätzlich erfüllt. Aus den drei Arztzeugnissen könne entnommen werden, dass d ie Steuerpflichtige zwar psy- chisch angeschlagen gewesen und nicht mehr in der Lage ge wesen sei für D. zu arbeiten. In- wiefern ihre Krankheit eine korrekte Deklaration von Ei nkommen beeinträchtigt haben solle, sei den Arztzeugnissen jedoch nicht zu entnehmen. Ausserdem hä tten die Steuerpflichtigen einen Dritten mit ihren steuerlichen Angelegenheiten beauft ragen können. Eine verminderte Schuld- fähigkeit bzw. deren Ausschluss liege nicht vor. Bei ein er vollendeten Steuerhinterziehung be- trage die Busse in der Regel das Einfache der Nachsteuer . Unter Berücksichtigung der persön- lichen Umstände und der finanziellen Verhältnisse werde die Busse auf 70% der Nachsteuer festgelegt. 3. Mit Schreiben vom 28. Juni 2012 erhob der Vertrete r der Pflichtigen Einsprache mit den Begehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Strafsteuer auf maximal 20 % der Nachsteuer festzusetzen. Zur Begründung führte er a us, die Nachsteuer sei unstrittig. Die Einsprache richte sich einzig gegen die Höhe der verfügte n Strafsteuer. Bei dieser handle es sich um eine echte Strafe, wobei die Grundsätze des St rafrechts insbesondere Art. 147 StGB anwendbar seien. Danach sei für deren Bemessung das Verschulden massgebend und würden das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie di e Wirkung der Strafsteuer auf das Le- ben der Einsprecher berücksichtigt. Sofern ein Strafmild erungsgrund gemäss Art. 48 StGB vor- liege, sei die Strafsteuer nach freiem Ermessen zu mil dern und sei die Steuerverwaltung an die Mindeststrafe nach § 151 StG nicht gebunden. In der angefochtenen Verfügung werde von Vor- satz ausgegangen. Die Überlegungen der Steuerverwaltung zu den strafmildernden Umständen seien nachvollziehbar und richtig, müssten aber bei einer richtigen Gewichtung zu einer erheb- lich tieferen Strafsteuer führen. So seien die Pflich tigen seit der Eröffnung des Nach- und Strafsteuerverfahrens am 31. Mai 2007 stets kooperativ gewesen. Die Arbeit bei D. sei für die Einsprecherin und für ihr ganzes Umfeld extrem belastend gewesen. Diese Umstände hätten dazu geführt, dass sie überhaupt nicht mehr in der Lage gewesen sei ihre eigenen Angelegen- heiten zu erledigen. Hierzu könne auf die bereits ei ngereichten Arztzeugnisse verwiesen wer- Seite 5 den. Die extreme Belastung und die psychische Überlastung müssten bei der Gesamtbeurtei- lung aller Umstände einfliessen. Schliesslich sei auch die lange Verfahrensdauer zu berücksich- tigen, welche wesentlich durch ein Verfahren vor dem Kantonsgericht Abt. Sozialversicherungs- recht bedingt gewesen sei. Art. 49 lit. e StGB sehe eine Strafmilderung vor, wenn das Strafbe- dürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zei t deutlich vermindert sei. Das Bundesge- richt habe festgehalten, dass dieser Strafmilderungsgrund auf jeden Fall zu beachten sei, wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist abgelaufen seien. Dies habe zur Folge, dass der Strafmilde- rungsgrund zu beachten sei, da mehr als zwei Drittel der massgeblichen Verjährungsfrist von 10 Jahren abgelaufen seien. Ebenso sei auch das Wohlverhalten der Pflichtigen als Strafminde- rungsgrund zu würdigen. Vorliegend erscheine unter Ber ücksichtigung aller Umstände speziell auch der Strafempfindlichkeit der Einsprecher und der gebotenen Strafmilderung eine Straf- steuer in der Höhe von maximal 20 % der Nachsteuer angemessen. 4. Mit Einsprache-Entscheid vom 2. August 2012 wies die S teuerverwaltung die Einspra- che ab. Zur Begründung führte sie u.a. aus, das Verschuld en an der Unterbesteuerung wiege schwer. Das Verhalten der Pflichtigen sei als vorsätzlich e inzustufen, da sie Einkünfte während drei Jahren sowie Wertschriftenbestände nicht deklariert hätten. Straferhöhend wirke der Tater- folg und strafmindernd die Kooperation und Einsichtig keit sowie die Tatsache, dass noch kein anderes Nach- und Strafsteuerverfahren durchgeführt w orden sei, was die Festsetzung der Busse auf 70 % der Nachsteuer rechtfertige. Die Deklarationspflicht gehe sowohl aus dem Steuerform ular als auch aus der Weglei- tung hervor. Zudem seien die Pflichtigen auch zur Auskunf tserteilung gemahnt worden. Die Nichtdeklaration der Lohneinkünfte könne für sich alle in durchaus eine Regelbusse (100% der Nachsteuer) nach sich ziehen. Immerhin handle es sich bei d en undeklarierten Einkünften um wesentliches Einkommen zur Bestreitung des Lebensunterhal ts. Es sei davon auszugehen, dass im Wissen um die Deklarationspflicht Einkünfte in ei ner sechsstelligen Summe pro Jahr in der Selbstdeklaration nicht unterbleiben dürften, zu mal der ausserordentliche zeitliche Aufwand für die Einkommenserzielung während der fraglichen Jahre allgegenwärtig gewesen sei. Die Schuldfähigkeit gründe entgegen der Ansicht der Pflichtigen nicht auf der ungenutz- ten Möglichkeit, eine andere Person mit dem Ausfüllen der Steuererklärungen beauftragt zu haben. Die Arztzeugnisse würden lediglich Bezug auf die E inschränkungen bei der Arbeitstätig- keit nehmen. Zudem würden sich die Ehegatten gegensei tig vertreten. Zumindest hätte eine Drittperson beauftragt werden können. Eine besondere Strafempfindlichkeit sei durchaus gege- ben. Diese sei von der verfügenden Behörde jedoch ber eits reichlich gewürdigt worden, indem Seite 6 die Busse auf 70 % festgesetzt worden sei. Gleiches gelte für das Wohlverhalten. Betreffend die lange Verfahrensdauer führte die Steuerverwaltun g aus, könne diese mangels genügender Kausalität zum Nach- und Strafsteuerverfahren im vorlieg enden Fall somit nicht zusätzlich strafmildernd ins Gewicht fallen. Unter Berücksichtigung a ller Umstände komme man daher zum Schluss, dass die Bussenbemessung bereits gewichtig zu G unsten der Rekurrenten aus- gelegt worden sei. Zudem seien trotz etlicher Beteuerung der Pflichtigen Nachsteuern bezahlen zu wollen, bis Ende Juli 2012 keine Zahlungseingänge f eststellbar. Zusammenfassend bestehe weder ein Ermessensspielraum für einen Verzicht auf die Busse noch für eine Korrektur auf 20 % der Nachsteuer. 5. Mit Schreiben vom 3. September 2012 erhob der Vert reter der Pflichtigen Rekurs und begehrte, 1. Es sei der Einsprache-Entscheid aufzuheben. 2. Es sei die Strafsteuer auf maximal 20 % der Nachsteuer festzulegen. 3. Unter o/e Kostenfolge. Zur Begründung führte er u.a. aus, der Rekurs richte sich allein gegen die Höhe der Strafsteuer. Die Steuerhinterziehung nach § 151 StG sei eine echte Kriminalstrafe, wobei sich die Strafzumessung nach den Grundsätzen des Strafrecht s richte und Art. 47 ff. StGB ergän- zend anwendbar seien. Im angefochtenen Entscheid werde von Vorsatz ausgegangen. Es kön- ne jedoch kein schweres Verschulden der Rekurrenten er kannt werden. Als Grundsatz gelte, dass die Schuld grösser sei, je mehr kriminelle Energie aufgewendet worden sei. Schweres Verschulden sei anzunehmen, wenn die Vorgehensweise nicht nur vorsätzlich, sondern hinter- hältig, planmässig oder unter Zuhilfenahme besonderer Machenschaften erfolgt sei, was vorlie- gend jedoch nicht der Fall sei. Unter Berücksichtigung d es Verschuldens und der übrigen per- sönlichen Verhältnisse sei die Strafsteuer unverhältnismässig hoch. Die besondere Belastungs- situation hätte in angemessener Weise berücksichtigt werd en und im Resultat zu einer erheb- lich tieferen Strafsteuer führen müssen. Betreffend der Kriterien der strafmildernden Umstände führte der Vertreter aus, nebst der Schwere der Verfe hlung und der Vorwerfbarkeit der Verhal- tensweise des Täters seien dessen persönliche Verhältnisse bezogen auf den Zeitpunkt der Entscheidfällung zu berücksichtigen nach denen sich seine S trafempfindlichkeit bewerte. Die Nachsteuerforderungen und die Verzugszinsen von rund Fr. 545'000.-- würden die Rekurrenten hart treffen. Hinzu komme, dass die Strafsteuer insgesamt Fr. 190'000.-- betrage. Unter Hinzu- rechnung der Strafsteuer bei der direkten Bundessteuer ergebe sich sogar eine Strafsteuer von rund Fr. 281'000.--. Dies mache es den Rekurrenten sehr schwierig, je wieder eine realistische Perspektive auf eine Zeit ohne Steuerschulden zu haben. Die massive Strafempfindlichkeit der Rekurrenten als Teil ihrer persönlichen Verhältnisse, sei daher in angemessenem Umfang bei Seite 7 der Strafzumessung zu berücksichtigen. Ebenfalls strafmin dernd müsse sich eine überlange Verfahrensdauer auswirken. Entscheidend sei der objektive Umstand, dass seit dem Ende der betreffenden Steuerjahre mindestens 6 ½ (Steuerjahr 2005), teilweise sogar 8 ½ Jahre (Steuer- jahr 2003) vergangen seien. Falls derart viel Zeit sei t der Tat verstrichen sei, so falle dies straf- mildernd ins Gewicht. Irrelevant sei, ob die Steuerve rwaltung für die lange Verfahrensdauer verantwortlich sei. Das kooperative wie auch das Wohlverhal ten würden sich ebenfalls strafmil- dernd auswirken. Auch der massiven Arbeitsbelastung und de n daraus entstandenen psychi- schen Probleme sei Rechnung zu tragen. Das Strafgesetzbuch sehe keinen Mindestbetrag der Busse vor, während ein solcher für die Steuerhinterzieh ung mit einem Drittel der hinterzogenen Steuer ausdrücklich festgelegt werde, was nach allgemei nen strafrechtlichen Grundsätzen stossend sei. Eine Auslegung der entsprechenden Bestimmu ngen des StGB ergebe, dass die Unterschreitung der in § 151 StG vorgeschriebenen Minde stbusse möglich sein müsse. Die auf 70 % festgelegte Strafsteuer trage den gesamten Umständ en und den persönlichen Verhältnis- sen keineswegs - wie im Entscheid behauptet - Rechnung. Die Strafmilderungsgründe müssten bei der Bussenbemessung dazu führen, dass eine mildere Strafe als die im Tatbestand minimal angedrohte Busse ausgefällt werde. Art. 48 lit. e StGB sehe eine Strafmilderung vor, w enn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert sei und sich der Täter in dieser Zeit wohl verhalten habe. Das Bundesgericht habe festgehalten, dass dieser Strafmilderungsgrund auf jeden Fall zu beachten sei, wenn seit der Tat mehr als zwei Drittel der Verjährungsfrist abgelau- fen seien, wobei der Richter diese Zeitspanne unterschrei ten könne. Vorliegend sei festzustel- len, dass mehr als zwei Drittel der massgeblichen Verjähru ngsfrist von 10 Jahren abgelaufen seien, weshalb sich aus diesem und den angeführten Gründe n eine Reduktion der Strafsteuer auf maximal 20 % der verfügten Nachsteuer rechtfertige. 6. Mit Vernehmlassung vom 5. Oktober 2012 beantragte di e Steuerverwaltung die Abwei- sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, vorlieg end sei von einem vorsätzlichen Verhalten auszugehen. Sowohl erhebliche Erwerbseinkünft e als auch der konkrete Wertschrif- tenbestand seien während dreier Jahre nicht deklarier t worden. Die Deklarationspflicht dieser Einkommens- und Vermögensanteile sei bekannt gewesen, w obei sie zudem von der Veranla- gungsbehörde gemahnt worden seien über die Einkommensve rhältnisse der Rekurrentin Aus- kunft zu erteilen. Die AHV-rechtliche Qualifikation der Erwerbseinkünfte der Rekurrentin könn- ten nicht Grund sein, diese erheblichen Einkommensbestandteile gänzlich wegzulassen. Seite 8 Der Tatbestand der vorsätzlichen Steuerhinterziehung sei nicht explizit bestritten wor- den, ebenso nicht die Berechnung der Nachsteuern. Ausg ehend von der Regelbusse von 100 % als Ausgangspunkt für die Strafzumessung nach dem Verschu ldensprinzip, seien bei der Festlegung der Strafsteuer bzw. Busse die Taterfolge einerseits sowie die Kooperation und Ein- sichtigkeit andererseits hinreichend gewürdigt worden. Zusätzlich sei berücksichtigt worden, dass es sich vorliegend um eine erstmalige Hinterziehung handle. Die beantragte Strafmilde- rung bzw. Reduktion der Busse auf 20 % der Nachsteuer se i vom Gesetzgeber ausdrücklich denjenigen Steuerpflichtigen vorbehalten, die ein Na ch- und Strafsteuerverfahren in Form einer Selbstanzeige veranlasst hätten, was hier jedoch nicht d er Fall sei. Dem Verschulden der Re- kurrenten sei in angemessener Weise Rechnung getragen wor den. Schliesslich sei die Regel- busse von 100 % auf 70 % reduziert worden, was bereits für eine wohlwollende Behandlung spreche. Seite 9 Das Steuergericht zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstritt ener Steuerbetrag wie im vor- liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Vorliegend unbestritten ist die Erhebung der Nach steuer. Es bleibt im Folgenden zu un- tersuchen, ob sich eine Reduktion der von der Steuerver waltung verfügten Busse in Höhe von 70 % der Nachsteuer rechtfertigt. a) Nach § 151 StG wird, wer als Steuerpflichtiger vor sätzlich oder fahrlässig bewirkt, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterbleibt oder dass eine rechtskräftige Veranlagung un- vollständig ist, wer als zum Steuerabzug an der Quelle Ve rpflichteter vorsätzlich oder fahrlässig einen Steuerabzug nicht oder nicht vollständig vornimm t, wer vorsätzlich oder fahrlässig eine unrechtmässige Rückerstattung oder einen ungerechtfertig ten Erlass bewirkt, mit einer Busse entsprechend seinem Verschulden bestraft, die einen Drittel bis das Dreifache, in der Regel das Einfache der hinterzogenen Steuer beträgt; bei Selbst anzeige kann die Busse bis auf einen Fünftel der hinterzogenen Steuer ermässigt werden. b) Der Tatbestand der Steuerverkürzung erfordert in objektiver Hinsicht, dass der Steuerpflichtige einen ungerechtfertigten Steuervorteil erlangt hat, weil die Veranlagungsbehör- de für Bestand und Umfang der Steuerpflicht wesentli che Tatsachen nicht gekannt hat und die Veranlagung aus diesem Grund zu Unrecht unterblieben oder rechtskräftig ungenügend ausge- fallen ist. Vorausgesetzt wird zunächst, dass dem Gemeinwesen gegenüb er dem hinter- ziehenden, unbeschränkt oder beschränkt steuerpflichtigen Täter eine Steuerforderung zusteht. Auf Grund der Tatsache, dass die Veranlagung des betref fenden Steuerpflichtigen unvollstän- dig ausgefallen ist oder zu Unrecht unterblieben ist, hat das Gemeinwesen jedoch einen Steu- erausfall erlitten. Dieser Verlust (bzw. die ihm zugru nde liegende unvollständige/unterbliebene Seite 10 Veranlagung) ist die Folge einer unzutreffenden Sachve rhaltsfeststellung. Eine unvollständige Veranlagung ist möglich, weil der Veranlagungsbehörde falsche oder unvollständige Angaben (z.B. hinsichtlich Einkünfte oder Vermögenswerte des Steu erpflichtigen) vorliegen, auf welche sie sich bei der Veranlagung abstützt (vgl. Filli/Pfennin ger-Hirschi in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, 151 N 6f.). Die Steuerhinterziehung wird zumeist als sog. echtes U nterlassungsdelikt dadurch begangen, dass der Steuerpflichtige gesetzlich um schriebene Mitwirkungspflichten verletzt. Eine richtige Einschätzung ist im ordentlichen ( "offenen" Veranlagungs- bzw. im Steu- erjustiz-) Verfahren nicht mehr möglich, weil die entsprechenden Steuerperioden bereits rechts- kräftig veranlagt sind (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meu ter Kommentar zum harmonisierten Zür- cher Steuergesetz, 2.A. Zürich 2006, § 235 N 26 ff.). c) Die Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen gebietet ihm alles zu tun, um eine vollständige und richtige Veranlagung zu ermöglichen. I m Interesse der Praktikabilität und Rechtssicherheit wird diese Pflicht in verschiedenen geset zlichen Verfahrenspflichten konkreti- siert. Diese halten den Steuerpflichtigen an, seine t atsächlichen Verhältnisse darzustellen, Be- weismittel für die Richtigkeit seiner Darstellung zu beschaffen oder Beweiserhebungen zu dul- den (Zweifel in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrech t I/1, Art. 42 StHG N 3). Die um- fassenden Mitwirkungspflichten des Steuerpflichtigen mach en ihn insofern zum Garanten des geschützten Rechtsguts, als er gehalten ist, den Eintrit t der Rechtskraft einer wegen unzutref- fender Sachverhaltsfeststellung ungenügenden Veranla gung durch Anfechtung zu verhindern (Zweifel a.a.O., Art. 56 StHG N 7a). d) Vorliegend haben die Pflichtigen über drei Jahre hinweg den überwiegenden Teil ihres Einkommens nicht deklariert und auch auf Aufforder ung der veranlagenden Behörde hin nicht offen gelegt, was in den Jahren 2003 und 2004 da zu geführt hat, dass ein Teil des Ein- kommens der Pflichtigen schätzungsweise festgesetzt wurde. Im Jahre 2005 wurden die Pflich- tigen mangels Einreichung einer Steuererklärung amtlich veranlagt. In der Folge erwuchsen die Veranlagungen in Rechtskraft. Das bis dahin nicht deklar ierte Einkommen konnte somit einzig über ein Nachsteuerverfahren gemäss § 146 StG erfasst wer den, was von den Pflichtigen auch akzeptiert wurde. Die Pflichtigen behaupten denn auch nicht, dass sie um die Deklarations- pflicht nicht gewusst hätten. Die ordentlichen Veranla gungen für die Jahre 2003 bis 2005 blie- ben unbestrittenerweise mangels Deklaration des vollständigen Einkommens sowie Vermögens unvollständig, weshalb das Gemeinwesen einen Steueraus fall erlitten hat. Demzufolge ist vor- liegend der objektive Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt (vgl. auch BGE Nr. 2C.26/2007 Seite 11 vom 10. Oktober 2007, E. 5.1 mit weiteren Hinweisen; E ntscheid des Steuergerichts [StGE] vom 25. Februar 2011, 510 10 47, E 5d, StGE vom 28. M ai 2010, 510 10 14, E 4d, www.bl.ch/steuergericht ). 3. Die Pflichtigen begründen ihr Verhalten damit, d ass die Rekurrentin in der genannten Zeit unter einer hohen Arbeitsbelastung stand. Dies habe dazu geführt, dass sie sich nicht mehr um ihre persönlichen Angelegenheiten gekümmert habe. D ie ganzen Umstände hätten schliesslich zu einem psychischen Zusammenbruch der Rekurrentin geführt. Fraglich ist nun in subjektiver Hinsicht, ob den Pflich tigen Vorsatz oder Fahrlässigkeit anzulasten ist. a) Vorsätzlich begeht eine Steuerhinterziehung, wer di e Tat mit Wissen und Willen ausführt (Art. 18 Abs. 2 aStGB). Der Vorsatz muss sich dab ei auf alle objektiven Tatbestands- merkmale beziehen. Der Steuerpflichtige oder zum Steue rabzug an der Quelle verpflichtete muss demnach zum einen wissen, dass er steuer- bzw. abzugspfl ichtig ist und er durch sein Verhalten einen ungerechtfertigten Steuervorteil erw irkt oder einen Quellensteuerabzug nicht bzw. nicht vollständig vornimmt, und zum anderen in Kenn tnis dessen genau dies verwirklichen will. Dem Vorsatz gleichgestellt wird der Eventualvorsa tz. Dieser liegt vor, wenn der Täter die Verwirklichung eines Tatbestandes zwar nicht mit Sicherheit voraussieht, aber für möglich hält und ihn für den Fall seines Eintritts billigt oder ihn in Kauf nimmt. Der Vorsatz ist durch die Steuerbehörde nachzuweisen. Nach ständiger Rechtsprechu ng des Bundesgerichts gilt der Nachweis des Vorsatzes bei der Steuerverkürzung als erbrach t, wenn mit hinreichender Si- cherheit feststeht, dass der Täter sich der Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten Angaben bewusst war. Ist dieses Wissen erwiesen, so wird a ngenommen, dass der Täter auch mit Willen handelte, d.h. eine Täuschung der Steuerbe hörden beabsichtigt und eine zu niedrige Veranlagung bezweckt oder zumindest in Kauf genommen hat (vgl. Filli/Pfenninger-Hirschi, a.a.O. 151 N 18f). b) Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhalten s aus pflichtwidriger Unvor- sichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beobachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist. Der gegenüber dem Täter erhobene Vorwurf bezieht sich somit auf fehlende oder ungenügende Sorgfalt. Dem Beschuldigten sind die Umstände Seite 12 vorzuhalten, aus denen sich die Pflichtwidrigkeit seines V erhaltens sowie Vorhersehbarkeit und Vermeidbarkeit des Erfolgs ergeben (vgl. Richner/Frei/ Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 235 N 53). Je nachdem, ob der Täter die mögliche Bedeutung seine s Verhaltens bedacht hat, liegt be- wusste oder unbewusste Fahrlässigkeit vor. An das Mass der im Steuerrecht geforderten Sorg- falt werden generell hohe Anforderungen gestellt. Im Einzelfall bestimmt sich die gebotene Sorgfalt danach, wie komplex der zu beurteilende steuer rechtliche Sachverhalt ist und wie "de- tailliert und klar die Steuerbehörde die Mitwirkung d er dazu verpflichteten Person verlangt". Ne- ben diesen Umständen (objektive Sorgfaltspflicht) sind j edoch auch die persönlichen Verhält- nisse des Täters (subjektive Sorgfaltspflicht) zu beachten. Zu beurteilen ist, was ein gewissen- hafter und besonnener Mensch mit den gleichen Kenntni ssen und Fähigkeiten des Täters (z.B. hinsichtlich Bildung, geistige Fähigkeiten und berufliche Erfahrung) in der fraglichen Situation getan oder unterlassen hätte (vgl. Filli/Pfenninger-Hirschi, a.a.O. 151 N 20f.). c) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt der Nachweis des Vorsatzes als erbracht, wenn mit hinreichender Sicherheit festste ht, dass sich der Beschuldigte der Un- richtigkeit oder Unvollständigkeit der gemachten Angabe n bewusst war. Ist dieses Wissen er- wiesen, so muss angenommen werden, dass er auch mit Wil len handelte, d.h. eine Täuschung der Steuerbehörden beabsichtigt und eine zu niedrige Veranlagung bezweckt (direkter Vorsatz) oder zumindest in Kauf genommen hat (Eventualvorsatz). Di ese Vermutung lässt sich nicht leicht entkräften, weil in der Regel ein anderer Bewe ggrund für die Unrichtigkeit oder Unvoll- ständigkeit der gemachten Angaben nur schwer vorstellbar ist. Fahrlässig handelt der Steuer- pflichtige demgegenüber, wenn er die Folgen seines Ve rhaltens aus pflichtwidriger Unvorsich- tigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht genomm en hat. Pflichtwidrig ist die Unvorsich- tigkeit, wenn der Steuerpflichtige die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (vgl. Art. 18 Abs. 3 StGB) (vgl. BGE 2A.182/2002 vom 25. April 2003, E.4.3.)). d) Vorliegend haben die Pflichtigen in den Jahren 2003 und 2004 nicht ihr gesamtes Einkommen deklariert. Sie haben in der Folge diese Ver anlagungen in Rechtskraft erwachsen lassen und haben auch akzeptiert, dass diese viel zu niedri g ausgefallen sind. Im Jahre 2005 folgte mangels Einreichung einer Steuererklärung eine amtliche Veranlagung, welche ebenfalls zu tief ausfiel und gegen welche ebenfalls nichts unternommen wurde. Die Pflichtigen haben demzufolge über drei Jahre hin weg einen wesentlichen Teil ihres Einkommens verschwiegen. Aufgrund der Höhe des im damaligen Zeitraum generierten Einkommens mussten ihnen jedoch die grossen Diskrepanzen a uffallen. Auch wenn davon Seite 13 ausgegangen wird, dass die Rekurrentin ausschliesslich mit ihrer Arbeit beschäftigt war, hätte sich ihr Ehemann im Rahmen der Ehegattenvertretung um die Steuern kümmern müssen, zu- mal dieser ja auch in der Lage war seinen Beruf auszuüb en und seiner Arbeit nachzugehen. Schliesslich wäre den Pflichtigen noch die Möglichkeit o ffen gestanden, sich an eine Fachper- son in Steuersachen zu wenden, um ihren Mitwirkungspfl ichten nachzukommen und so eine korrekte Veranlagung zu bewirken. Zur Vornahme einer be stimmten Rechtshandlung innerhalb einer bestimmten Frist, hat das Steuergericht in ständig er Rechtsprechung denn auch festge- halten, dass es in Fällen, gesundheitlicher oder psychische r Problemlagen regelmässig zumut- bar ist eine Drittperson mit der Wahrung seiner Rechte und Pflichten zu beauftragen (hierzu vgl. StGE vom 4. April 2008, 510 07 63; StGE vom 4. Dezember 2009, 510 09 59; StGE vom 7. Ok- tober 2011, 510 11 23 E 3c). Eine Ausnahme besteht le diglich dann, wenn ein unverschuldetes Hindernis, also eine objektive oder subjektive Unmöglichk eit zu handeln angenommen werden muss (vgl. auch Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 112 V 25 5, E 2a; BGE 2A.175/2006 vom 11. Mai 2006, E 2.2.2; BGE 2C_401/2007 vom 21. Januar 2008 E 3.3). Die Pflichtigen haben vorliegend keine der Möglichke iten ausgeschöpft. Weder hat sich der Ehemann um eine korrekte Erledigung der S teuern bemüht noch wurde die Hilfe eines Steuerberaters oder Treuhänders in Anspruch genom men. Dass die Pflichtigen damit bewusst das Risiko einer viel zu tiefen Veranlagung eingin gen ist offensichtlich. Dass nach die- sen Ausführungen weder eine sehr hohe Arbeitslast noch die psychische Erkrankung nur eines Ehegatten eine Rechtfertigung das Einkommen nicht voll ständig zu deklarieren darstellen, ergibt sich bereits daraus, dass eine Unmöglichkeit zu Han deln gegeben sein muss. Die Un- möglichkeit zu Handeln oder gar eine Handlungsunfähigke it beider Ehegatten ist vorliegend nicht auszumachen. Für den Einzelnen mag diese Hürde in Anbetracht seiner persönlichen La- ge zwar hoch erscheinen, dennoch kann nicht schlechthin vo n einer Unmöglichkeit zu handeln gesprochen werden, wenn sich naheliegende Lösungsmögli chkeiten geradezu aufdrängen und diese aus Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit nicht verfol gt werden. Es steht somit fest, dass die Pflichtigen ihres Verhaltens bewusst waren und ihn en klar war, dass sie unvollständige Steuererklärungen abgegeben haben. Es ist auch nichts an deres anzunehmen, als dass dies willentlich geschah. Demzufolge ist mit der Steuerverwa ltung einig zu gehen, dass die Pflichti- gen vorsätzlich Steuern hinterzogen haben. 4. Schliesslich ist der Grad des Verschuldens der Pflichtig en festzusetzen. Seite 14 a) Gemäss der kantonalen Regelung in § 151 StG beträg t bei vollendeter Steuer- hinterziehung die Busse in der Regel das Einfache der hi nterzogenen Steuer. Sie kann bei leichtem Verschulden bis auf einen Drittel ermässigt, bei schwerem Verschulden bis auf das Dreifache erhöht werden. Eine Unterschreitung des gesetzlich vorgesehenen Regelstrafmasses ist nur bei Vorliegen von Strafmilderungsgründen im S inne von Art. 11, 20 oder 64 aStGB in Verbindung mit Art. 65 f. aStGB zulässig (vgl. Sieber i n: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1 Art. 56 StHG N 36). Auf eine Selbsta nzeige nach § 151 StG ist vorliegend nicht weiter einzugehen, da diese schon am Vorliegen einer sp ontanen und aus eigenem Antrieb erfolgten Anzeige der Pflichtigen bei der Steuerbehörde scheitert. b) Die Strafzumessung gemäss § 155 StG richtet sich nach de r Schwere des Ver- schuldens, nach dem eingetretenen oder beabsichtigten Erfolg und nach den persönlichen Ver- hältnissen des Angeschuldigten. Der Richter bemisst die Strafe nach dem Verschulden de s Täters. Die Schwere des Verschuldens hat massgebenden Einfluss auf die Straf zumessung. Ausgangspunkt dieser Vorwerfbarkeit ist die Freiheit, anders zu handeln und wohl auch das Ausmass des Unheils, das der Täter schuldhaft herbeigeführt hat. Für die Straf zumessung ist in erster Linie das Mass der Schuld erheblich. Bei der Strafzumessung berücksichtigt d er Richter die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schuldig en. Sodann sind besondere Straf- schärfungs- und Strafmilderungsgründe zu beachten. Für die Strafzumessung bei der Steuer- hinterziehung folgt daraus, dass innerhalb der steuerha rmonisierungsrechtlichen Vorgaben die Strafzumessung grundsätzlich nur innerhalb des Strafrah mens von einem Drittel bis zum Drei- fachen der hinterzogenen Steuer beachtet werden der da rf (vgl. Thomas Hofer, Strafzumes- sung bei der Hinterziehung direkter Steuern, Zürich/St.Gallen 2007, S. 65f.). c) Zu den persönlichen Verhältnissen zählen Eigenschaften und Erfahrungen des Täters. Sie umfassen sämtliche Lebensumstände im Zeitpu nkt der Strafzumessung. Dazu ge- hören etwa Familienstand und Beruf, Alter, geringe L ebenserwartung, Gesundheit, soziale Her- kunft, Lebenserfahrung, Bildungsstand, mehr oder wenige r günstige Lebensverhältnisse oder auch Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Die Lebensumstän de können Aufschluss über das Mass der Schuld bzw. darüber geben, wie sehr oder wie w enig der Täter fähig gewesen ist, die Rechtswidrigkeit der Tat zu erkennen oder den Antrieben zur rechtswidrigen Tat zu widerste- hen. Erheblich ist dabei auch das Verhalten nach der Tat oder das Umfeld, in welchem der Tä- ter lebt (vgl. Thomas Hofer, a.a.O. S. 87f.). Seite 15 5. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Strafzumessun g ist die von der Steuerverwaltung verfügte Busse in Höhe von 70 % der Nachsteuer. Der Vertreter der Pflichtigen möchte die massive Straf empfindlichkeit, die lange Verfah- rensdauer, die Einsichtigkeit, das Wohlverhalten und den guten Leumund der Rekurrenten, ihre Kooperation und schliesslich die besondere Belastungssituat ion durch den hohen Arbeitsanfall beachtet wissen, da in Würdigung all dieser Faktoren seiner Ansicht nach, dies zu einer Reduk- tion der Busse zu führen hat. Bezugnehmend auf die einzelnen Punkte ergibt sich folgendes: a) Die lange Verfahrensdauer ist nicht zuletzt von den Pflichtigen resp. dessen Ver- treter selbst mittels einem Sistierungsgesuch und zahllo ser Fristerstreckungen bewirkt worden, wobei die Steuerverwaltung den Pflichtigen diese Friste rstreckungen nicht nur berechtigter- weise gewährt hat. Die Steuerverwaltung hätte sich näm lich auf den Standpunkt stellen müs- sen, dass im Rahmen des Nachsteuerverfahrens zunächst nach d eren Einschätzung der Sach- lage eine Veranlagung als selbständig oder unselbständi g Erwerbstätige zu erfolgen hat. Nach Abschluss des sozialversicherungsrechtlichen Verfahrens hätte sodann der Entscheid des Kan- tonsgerichts als Revisionsgrund nach § 132 Abs. 1 lit. a StG gedient. Das vorliegende Verfah- ren hätte demzufolge bereits früher abgeschlossen werd en können. Ausgehend davon, dass die Steuerbusse regelmässig bei 100 % der Nachsteuer an gesetzt wird, hat die Steuerverwal- tung in dieser Hinsicht bereits einen Einschlag vorgenomm en. Mit einer Ansetzung der Steuer- busse auf 70 % der Nachsteuern wurde der langen Verfa hrensdauer demzufolge gebührend Rechnung getragen. b) Betreffend die hohe Strafempfindlichkeit ist dem V ertreter durchaus beizupflich- ten. Unter Berücksichtigung der derzeitigen Vermögenssitua tion, welches gemäss seiner Dar- stellung per Ende Dezember 2012 Fr. 2'807.-- betrage n hat ist klar, dass die Busse nicht aus dem Vermögen bezahlt werden kann. Die Einkommenssituat ion hingegen präsentiert sich et- was anders. Die Rekurrenten haben im Jahr 2012 zusammen ein Einkommen von Fr. 217'792.- - generiert. Es ist ihnen somit trotz ihrer Vermögenssituation zumutbar die aufgelaufene Steuer- schuld entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigke it, in monatlichen Raten zu beglei- chen. c) Betreffend die aussergewöhnliche Belastungssituation der Pflichtigen ist auszu- führen, dass ihre schwierige Lage nicht angezweifelt w ird. Die Belastungssituation muss sich gemäss dem ärztlichen Zeugnis von Dr. H. vom 23. November 2005 denn auch kontinuierlich Seite 16 aufgebaut haben, bis es im Juli 2005 zu einer komplette n Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau kam. Die eingereichten Zeugnisse attestieren der Pflichtige n in der Folge eine 100 %-ige Arbeitsun- fähigkeit. Der Begriff der Arbeitsunfähigkeit stammt aus dem S ozialversicherungsrecht. Gemäss dem Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des So zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 umschreibt Art. 6 die Arbeitsunfähig keit als die durch eine Beeinträchti- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundhe it bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenberei ch zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt. In der Literatur wird auch von einer Einbusse an fu nktionellem Leistungsvermö- gen gesprochen. Entscheidend ist die durch einen Gesundhe itsschaden bedingte Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich nutzbringend e Arbeit verrichten zu können. Die Ar- beitsunfähigkeit kann auch als Berufsunfähigkeit bezeich net werden (vgl. Locher, Sozialversi- cherungsrecht, 3. Aufl., S. 117ff.). Aus dieser kurzen Da rstellung wird ersichtlich, dass es bei einer Arbeitsunfähigkeit nicht um eine generelle Hand lungsunfähigkeit geht, sondern um eine auf die Berufsausübung eingeschränkte und somit auf ei nen Teilbereich beschränkte "Hand- lungs"-Unfähigkeit. Wohl konnte der Rekurrentin aufgrund ihres psychischen Z ustandes eine Rück- kehr an ihren Arbeitsplatz nicht mehr zugemutet werden und konnte sie allenfalls unter den ge- gebenen Umständen auch keiner anderen Tätigkeit nachge hen. Doch wäre es ihr durchaus zumutbar gewesen, ihren Ehemann oder eine Drittperson zur Wahrung ihrer Interessen beizu- ziehen (vgl. StGE vom 7. Oktober 2011, 510 11 23 E 3d). d) Die Einsicht, einen Fehler begangen zu haben, vermo chte die Pflichtigen be- stimmt zu einer guten Kooperation mit der Steuerverwal tung zu bewegen. Auch sind seit die- sem Zeitpunkt soweit ersichtlich keine weiteren Hinterzie hungshandlungen vorgefallen. Festzu- halten ist an dieser Stelle jedoch, dass die Pflichtig en in den Jahren 2002 bis 2009 keine Steu- ern bezahlt haben und gemäss Auszug des Betreibungsamtes Binningen vom 22. Februar 2013 auf den Ehemann der Pflichtigen zahlreiche Verlustschein e (betreffend ausstehender Steuer- forderungen) registriert sind. Die Einsicht der Pflichti gen Steuern bezahlen zu müssen, wobei beide Ehegatten über die ganze Zeit mit ihrer Erwer bstätigkeit ein ausreichendes Einkommen generieren konnten, besteht nach Beurteilung der jet zigen Sachlage nach wie vor nicht. Die Steuerverwaltung hatte sich im Laufe des Nachsteuerverf ahrens unter der Prämisse, dass die Nachsteuern bezahlt würden bereit erklärt, die Steuerbu sse auf bis 40 % zu reduzieren. Die Seite 17 Gelegenheit selbst auf die Höhe der Busse Einfluss nehm en zu können, haben die Pflichtigen aus nicht weiter dargelegten Gründen ungenutzt entgeh en lassen. Festzuhalten ist gleichwohl, dass es keinen sachlichen Grund gab, diese Busse auf 40 % zu reduzieren. Die Steuerverwal- tung hat dies wohl entgegenkommender Weise tun wollen, was jedoch unter der Beachtung der gesetzlichen Regelungen wie auch des Gleichbehandlungsgrundsatzes nicht angeht. e) Dass gegen die Pflichtigen bislang erstmalig ein Nach - und Strafsteuerverfahren eröffnet worden ist, hat keine direkt strafmindernde W irkung. Es kann lediglich als Argument dafür betrachtet werden, dass das Strafmass von 100 % de r Nachsteuer nicht überschritten wird. Da die Busse vorliegend bereits bei 70 % liegt, spielt dieses Argument insofern keine Rol- le. Aus dem bisher ausgeführten folgt, dass die Busse in Höh e von 70 % nicht weiter herabgesetzt werden kann. Zudem wurde die lange Verfahrensdauer, welches als einziges Argument für eine Ermässigung der Busse tauglich ist, bereits genügend ber ücksichtigt und kann für eine weitere Verminderung derselben somit nicht herangezogen werd en. Weitere Reduktionsgründe sind nicht ersichtlich. Schliesslich ist noch darauf hinzuweisen, dass die von den Pflichtigen verlangte Ermässigung der Busse auf 20 % der Nachsteuer gemäss § 151 StG ledi glich bei einer Selbstanzeige mög- lich ist. Da vorliegend das Nach- und Strafsteuerverfahren nicht aufgrund einer Selbstanzeige in Gang gesetzt wurde, sondern der Hinweis von der Gemein de G. kam, steht auch vor diesem Hintergrund eine weitere Reduktion ausser Frage. Der Rekurs erweist sich demzufolge als unbegründet und ist abzuweisen. 6. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Re kurrenten Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 1'000.-- aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess ordnung [VPO]) und es ist ihnen keine Parteientschädigung zuzusprechen. Seite 18 Demgemäss wird erkannt: ://: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Den Rekurrenten werden gemäss § 130 StG i.V.m. § 2 0 VPO die Verfahrenskos- ten in der Höhe von Fr. 1'000.-- (inkl. Auslagen von pauschal Fr. 100.--) auferlegt, welche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. 3. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. der Rekurrenten (2), die Gemeinde G. (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiberin: I. Wissler