<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 95 S.337</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</span> <span class="page_no">337</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>95</b></span> <span class="ft1"><b>Familiennachzug; Recht auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8</b></span><br/> <span class="ft1"><b>EMRK</b></span><br/> <span class="ft1"><b>I.c. stellt die Verweigerung des Familiennachzugs keinen Eingriff in das</b></span><br/> <span class="ft1"><b>durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben dar. Dem Beschwerdefüh-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>rer ist es zuzumuten, seine Familie im Heimatland zusammenzuführen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Seine polnische Lebenspartnerin und das gemeinsame Kind haben keine</b></span><br/> <span class="ft1"><b>derart enge Beziehung zur Schweiz, dass es ihnen unzumutbar wäre,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>diese zu verlassen (Erw. II./4.3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 30. März</span><br/> <span class="ft2">2007 in Sachen M.K. betreffend Familiennachzug (1-BE.2006.35).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">II. 4.3. Nachfolgend ist zu klären, ob die Verweigerung des Fa-</span><br/> <span class="ft4">miliennachzugs effektiv zu einem Eingriff in das durch Art. 8 Ziff. 1</span><br/> <span class="ft4">EMRK geschützte Familienleben führt, was nicht der Fall wäre,</span><br/> <span class="ft4">wenn es den Betroffenen zumutbar ist, das Familienleben im Ausland</span><br/> <span class="ft4">zu führen.</span><br/> <span class="ft4">Der Beschwerdeführer reiste im November 1995 in die Schweiz</span><br/> <span class="ft4">ein und heiratete eine Schweizer Bürgerin. Seit Juni 2001 ist er im</span><br/> <span class="ft4">Besitz einer Niederlassungsbewilligung. Der Beschwerdeführer lebt</span><br/> <span class="ft4">demnach seit über elf Jahren in der Schweiz. Es stellt sich die Frage,</span><br/> <span class="ft4">ob es ihm unter diesen Umständen zumutbar ist, zwecks Familienzu-</span><br/> <span class="ft4">sammenführung in sein Heimatland zurückzukehren.</span><br/> <span class="ft4">Der Beschwerdeführer reiste ursprünglich als Erwachsener im</span><br/> <span class="ft4">Rahmen des Familiennachzuges in die Schweiz ein. Er hat demzu-</span><br/> <span class="ft4">folge seine gesamte Kindheit und auch einen Teil des Erwachsenen-</span><br/> <span class="ft4">lebens in seiner Heimat verbracht. Im Weiteren hält er sich gemäss</span><br/> <span class="ft4">eigenen Angaben regelmässig in seinem Heimatland auf. Zudem be-</span><br/> <span class="ft4">sitzt er dort auch einen Anteil an einer Liegenschaft. Er ist demnach</span><br/> <span class="ft4">mit den heimatlichen Verhältnissen nach wie vor vertraut. In berufli-</span><br/> <span class="ft4">cher Hinsicht ist der Beschwerdeführer zur Zeit integriert. Es sind</span><br/> <span class="ft4">jedoch keine Anzeichen dafür vorhanden, dass er seine berufliche</span><br/> <span class="ft4">Tätigkeit ausschliesslich in der Schweiz ausüben könnte. Während</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">seines Aufenthalts in der Schweiz trat der Beschwerdeführer mehr-</span><br/> <span class="ft4">mals strafrechtlich in Erscheinung, weshalb ihm das Migrationsamt</span><br/> <span class="ft4">mit Verfügung vom 6. Juni 2005 die Ausweisung androhte. In finan-</span><br/> <span class="ft4">zieller Hinsicht geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">rer Schulden in Höhe von mehr als CHF 70'000.-- hat, und dass sein</span><br/> <span class="ft4">Lohn gepfändet wurde. Damit kann er in gesellschaftlicher Hinsicht</span><br/> <span class="ft4">nicht als gut integriert angesehen werden. Von seiner Ehefrau lebt der</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführer inzwischen getrennt und hat eine polnische</span><br/> <span class="ft4">Staatsangehörige als Lebenspartnerin. Zusammen mit dieser hat er</span><br/> <span class="ft4">ein gemeinsames Kind, welches am 27. Februar 2003 geboren</span><br/> <span class="ft4">wurde. Seine jetzige Lebenspartnerin und das gemeinsame Kind so-</span><br/> <span class="ft4">wie ein weiteres Kind der Lebenspartnerin aus einer früheren Bezie-</span><br/> <span class="ft4">hung sind Staatsangehörige von Polen. Sie halten sich zur Zeit in der</span><br/> <span class="ft4">Schweiz auf und sind bestrebt, eine Aufenthaltsbewilligung zu er-</span><br/> <span class="ft4">halten. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass sie besonders eng</span><br/> <span class="ft4">mit der Schweiz verbunden wären und es für sie deshalb unzumutbar</span><br/> <span class="ft4">wäre, die Schweiz zu verlassen. Ihre einzige Beziehung zur Schweiz</span><br/> <span class="ft4">scheint der Beschwerdeführer zu sein. Unbestritten ist, dass es dem</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführer nach derart langem Aufenthalt in der Schweiz</span><br/> <span class="ft4">nicht leicht fallen dürfte, in sein Heimatland zurückzukehren. Nach-</span><br/> <span class="ft4">dem es jedoch seiner Lebenspartnerin und dem gemeinsamen Kind</span><br/> <span class="ft4">zumutbar ist, die Schweiz zu verlassen, ist eine Zusammenführung</span><br/> <span class="ft4">der Familie auch in seinem Heimatland möglich. Damit ist er nicht</span><br/> <span class="ft4">gezwungen, zwischen seinem polnischen Kind und seinen Kindern</span><br/> <span class="ft4">im Heimatland zu wählen.</span><br/> <span class="ft4">Nach dem Gesagten steht fest, dass eine Übersiedlung des Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführers in sein Heimatland zwecks Familienzusammenfüh-</span><br/> <span class="ft4">rung zwar mit grossem Aufwand verbunden ist. Es sind jedoch keine</span><br/> <span class="ft4">unüberwindbaren Hindernisse ersichtlich, welche eine solche als un-</span><br/> <span class="ft4">zumutbar erscheinen lassen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>