<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2007.00156</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=207492&amp;W10_KEY=4467130&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2007.00156</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 27.03.2008</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 07.10.2009 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Ãbriges Verwaltungsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Tierversuche</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Tierversuch<br/>(Untersuchung von Lernfähigkeiten. - Vier Rhesusaffen haben in fixierter Körperhaltung visuelle Aufgaben zu lösen, wobei während des Versuchs mit Elektroden Hirnfunktionen getestet werden. Zur Belohnung bei der richtigen Lösung der Aufgaben wird den Affen Fruchtsaft zugeführt, was bedingt, dass sie während der Versuchssitzungen keinen freien Zugang zu Wasser haben.)<br/><br/>Rechtliche Grundlagen in der Tierschutzgesetzgebung des Bundes (E. 2.1, 6.1) und in der Bundesverfassung (E. 2.2). Die inzwischen revidierten Bestimmungen des Tierschutzgesetzes sind noch nicht in Kraft (E. 2.3). <br/><br/>Die Bewilligung eines Tierversuchs hat den Charakter einer Polizeibewilligung. Die Bewilligung ist zu erteilen, wenn die Voraussetzungen dazu erfüllt sind (E. 3.1). Ein grundsätzlicher Anspruch auf eine Bewilligung ergibt sich auch aus der Forschungsfreiheit (E. 3.2). Die Beweislast für die Erfüllung der Voraussetzungen liegt bei den Gesuchsstellern (E. 3.3).<br/><br/>Bewilligungsverfahren (E. 4.1). Kognitionsfragen und konkretes Prüfprogramm (E. 4.2-3).<br/><br/>Die vom Veterinäramt eingeholten drei Gutachten kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen, was nicht auf Unzulänglichkeiten der Gutachten, sondern auf den unterschiedlichen beruflichen Hintergrund der Gutachter zurückzuführen ist (E. 5.1). Der Bericht "Forschung an Primaten" von zwei beratenden Eidgenössischen Kommissionen aus den Bereichen Tierversuche und Gentechnologie ist als allgemeine Stellungnahme zu berücksichtigen, ohne dass ihm das Gewicht eines Amtsberichts oder Gutachtens zukommt (E. 5.2.1-2). Einwände wie mangelhafte fachliche Zusammensetzung der Kommissionen oder ungenügende wissenschaftliche Qualität des Berichts treffen nicht zu (E. 5.2.3-4). Weitere zu den Akten gegebene Berichte sind entweder Parteigutachten oder wissenschaftliche Publikationen, wobei bei letzteren keine Hinweise auf mangelnde wissenschaftliche Seriosität bestehen (E. 5.3).<br/><br/>Die methodische Notwendigkeit des Tierversuchs zum Erreichen deskonkreten Zweckes (sog. instrumentale Unerlässlichkeit, E. 6.2) ist gegeben, weil das Versuchsziel diesen Tierversuch erfordert (E. 6.3). Die Unentbehrlichkeit des Versuchszwecks (sog. finale Unerlässlichkeit, E. 6.2) ist aufgrund der fachspezifischen Beurteilung des Forschungsziels zu beurteilen (E. 6.4). Die Vorinstanz hat zu Recht eine umfassende Beurteilung vorgenommen und dabei auch die klinische Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse prüfen dürfen (E. 6.5). Die Beurteilung der Vorinstanz, wonach ein späterer klinische Nutzen des Tierversuchs möglich, aber ungewiss sei, ist namentlich aufgrund der gutachterlichen Schlussfolgerungen nachvollziehbar (E. 7). Die Belastungen für die Tiere ergeben sich aus der Flüssigkeitsrestriktion und aus der Arbeit am Bildschirm in fixierter Körperhaltung. Diese Belastungen erreichen m i n d e s t e n s den Schweregrad 2 (= mittlere Belastung). Die vorinstanzliche Qualifizierung mit Schweregrad 3 (= schwere Belastung) ist angesichts des weiten Beurteilungsspielraums nicht rechtsverletzend (E. 8.1-8.3), und zwar auch im Vergleich zu vorangegangenen Tierversuchsgesuchen (E. 8.4). Die Güterabwägung durch die Vorinstanz beruht auf einer korrekten Sachverhaltsermittlung und Beweiswürdigung (E. 9.1-3). Die besondere Stellung der Primaten innerhalb der Hierarchie der Tierarten darf berücksichtigt werden (E. 9.4). Der Grundsatz der Würde der Kreatur ist zwar im Bereich des Tierschutzrechts beachtlich, er spielt aber bei der Güterabwägung nicht eine entscheidrelevante Rolle (E. 9.5). Zusammenfassung (E. 9.6): Die Vorinstanz hat sich zu Recht gegen den Tierversuch ausgesprochen. Der dadurch bewirkte Eingriff in die Forschungsfreiheit ist gerechtfertigt (E. 9.7). Eine Praxisänderung liegt nicht vor. Eine solche wäre im Übrigen zulässig (E. 10). Abweisung der Beschwerde. Kosten- und Entschädigungsfolgen (E. 11).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AFFEN">AFFEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FORSCHUNGSFREIHEIT">FORSCHUNGSFREIHEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GUTACHTEN">GUTACHTEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KOGNITION">KOGNITION</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: POLIZEIBEWILLIGUNG/-ERLAUBNIS">POLIZEIBEWILLIGUNG/-ERLAUBNIS</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Besonderes Verwaltungsrecht (ohne...) ST: TIERSCHUTZ">TIERSCHUTZ</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TIERVERSUCH">TIERVERSUCH</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT">VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WISSENSCHAFTSFREIHEIT">WISSENSCHAFTSFREIHEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WÃRDE DER KREATUR">WÃRDE DER KREATUR</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 20 BV</span><br/><span class="gerade">Art. 80 BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 120 Abs. II BV</span><br/><span class="gerade">Art. 12 TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 13 Abs. I TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 14 TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 16 TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 58a TSchV</span><br/><span class="ungerade">Art. 61 TSchV</span><br/><span class="gerade">§ 20 Abs. I VRG</span><br/><span class="ungerade">§ 50 VRG</span><br/><span class="gerade">§ 51 VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>3. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="77" src="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=8713" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">VB.2007.00156</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Entscheid</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 3. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">27. MÃ¤rz 2008</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident JÃ¼rg Bosshart<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Bea Ro­tach Tomschin, Ersatzrichter Martin Bertschi, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>GerichtssekretÃ¤r Felix Helg.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1.<b> </b><a id="Anonym_TITEL_1_2">A,</a> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2.<b> </b>B,</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoBodyText">beide vertreten durch <a id="Anonym_TITEL_3_17">RA C,</a> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer</span></b><span>, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>1. <a id="Anonym_Ruolo_BESG_1_4_25">Tierversuchskommission des Kantons ZÃ¼rich,</a><a id="Anonym_NAME_ZUSATZ_4_26"><br/> c/o I,</a> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>2.<b> </b><a id="Anonym_VORNAME_5_29">D,</a></span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>3.<b> </b><a id="Anonym_TITEL_6_35">E,</a> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>4.<b> </b><a id="Anonym_TITEL_7_41">F,</a> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>5.<b> </b><a id="Anonym_TITEL_8_47">G,</a></span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>6.<b> </b><a id="Anonym_TITEL_9_53">H,</a> </span></p> <p class="MsoNormal"><a id="Anonym_VORNAME_10_58"><span> </span></a></p> <p class="MsoNormal"><span>7.<span> </span></span><span>I,</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Zustelladresse fÃ¼r Beschwerdegegner 2. â 6.: G</span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegnerschaft</span></b><span>, </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="Zwischentitel"><a id="RU_AUTOTEXT_DRITT_N">und</a></p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><a id="Anonym_Ruolo_MITB_1_11_64"><span>VeterinÃ¤ramt des Kantons ZÃ¼rich,</span></a><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Mitbeteiligter</span></b><span>, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend Tierversuche,</span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b><span>A. </span></b><span>Am 31. Januar 2006 stellten A (als Institutsleiter) und B (als Versuchsleiter) ein Gesuch um Bewilligung eines Tierversuchs mit dem Titel "The effects of perceptual learning on visual cortex neurons" bzw. dem Kurztitel </span>"Learning in visual cortex". Mit dem Projekt soll untersucht werden, wie das visuelle System lernt und seine Leistung verbessern kann. WÃ¤hrend des Lernens soll die AktivitÃ¤t einzelner Neuronen in verschiedenen Arealen der visuellen Hirnrinde gemessen werden, um die Struktur zu lokalisieren, in welcher die Ver­besserung stattfindet, und um die neuronalen Mechanismen zu untersuchen, die zu einer Leistungssteigerung gefÃ¼hrt haben. Zu diesem Zweck soll vier Rhesusaffen zunÃ¤chst in zwei unter Narkose durchgefÃ¼hrten Operationen je eine<span> Kopfhalterung auf dem SchÃ¤del­knochen montiert und eine Ableitungskammer, durch welche die Messelektroden einge­fÃ¼hrt werden, unter dem SchÃ¤deldach eingesetzt werden. In einer Trainingsphase von 3 bis 12 Monaten sollen die Affen an den Primatenstuhl und das LÃ¶sen visueller Aufgaben ge­wÃ¶hnt werden. Hierauf soll die eigentliche Versuchsphase folgen, die etwa ein Jahr dauert. Die einzelnen Versuchssitzungen sollen â sofern das Versuchstier die Mitarbeit nicht ver­weigert â in der Regel 2,5 bis 3 Stunden und hÃ¶chstens 4,5 Stunden dauern. WÃ¤hrend der Sitzung sollen die Tiere am Kopf im Primatenstuhl fixiert werden und Aufgaben zur Be­stimmung der sogenannten Vernier-SehschÃ¤rfe lÃ¶sen: Auf einem Bildschirm sollen jeweils zwei vertikale Linien dargestellt werden, von denen die untere seitlich etwas verschoben ist. Die Affen sollen durch Ziehen eines der vor dem Stuhl angebrachten Hebel angeben, ob die Linie nach links oder nach rechts verschoben ist. FÃ¼r eine richtige Antwort wÃ¼rden ihnen einige Tropfen verdÃ¼nnter Fruchtsaft zugefÃ¼hrt. Mittels der ins Hirn eingefÃ¼hrten Mikroelektroden soll auf der Ebene der einzelnen Neuronen untersucht werden, wo und weshalb die Lernprozesse stattfinden, die zu einer Leistungssteigerung fÃ¼hren. An den Ta­gen, an denen die Versuchssitzungen stattfinden, soll den Tieren der freie Zugang zum Wasser entzogen werden, um sie durch das portionenweise Verabreichen von FlÃ¼ssigkeit zur Mitarbeit anhalten zu kÃ¶nnen; kÃ¶nnte ein Tier auf diese Weise den notwendigen FlÃ¼s­sigkeitsbedarf nicht decken, wÃ¼rde es einige Stunden nach der Versuchssitzung entspre­chend zusÃ¤tzliche FlÃ¼ssigkeit erhalten. Insgesamt wÃ¼rde ein Tier â fÃ¼r das Training und den eigentlichen Versuch â etwa 1,5 bis 2 Jahre lang beansprucht. Die Tiere sollen schliesslich fÃ¼r eine genauere anatomische Lokalisation der vorgenommenen Ableitungen eingeschlÃ¤fert werden.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Das VeterinÃ¤ramt legte das Gesuch der kantonalen Tierversuchskommission zur PrÃ¼­fung vor. Nach Einholen ergÃ¤nzender AuskÃ¼nfte und dreier Gutachten beschloss diese an ihrer Sitzung vom 19. September 2006 mit fÃ¼nf zu vier Stimmen bei zwei Enthaltungen, die Ablehnung des Gesuchs zu beantragen.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Mit VerfÃ¼gung vom 16. Oktober 2006 erteilte das VeterinÃ¤ramt die Bewilligung (Nr. 163/2006) fÃ¼r den Tierversuch unter Auflagen. Am gleichen Tag begrÃ¼ndete es diesen Entscheid in einer Stellungnahme gegenÃ¼ber der Tierversuchskommission.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Am 13. November 2006 erhoben die Tierversuchskommission sowie sechs ihrer Mitglieder bei der Gesundheitsdirektion Rekurs gegen die Tierversuchsbewilligung Nr. 163/2006 und verlangten deren Aufhebung. Mit VerfÃ¼gung vom 26. Februar 2007 hiess die Gesundheits­direktion den Rekurs gut und hob die Tierversuchsbewilligung Nr. 163/2006 vom 16. Oktober 2006 auf. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Hiergegen erhoben A und B am 29. MÃ¤rz 2007 Beschwerde an das Verwaltungsgericht. Materiell beantragten sie, es sei die VerfÃ¼gung der Gesundheitsdirektion vom 26. Februar 2007 aufzuheben und die VerfÃ¼gung des VeterinÃ¤ramts vom 16. Oktober 2006 zu bestÃ¤ti­gen, unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zu Lasten des Kantons ZÃ¼rich.</p> <p class="Urteilstext">In der Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2007 beantragten die Tierversuchskommission und ihre sechs einzeln am Verfahren beteiligten Mitglieder, die Beschwerde sei abzuwei­sen und es seien den BeschwerdefÃ¼hrern â unter solidarischer Haftung fÃ¼reinander â die Gerichtskosten sowie eine angemessene EntschÃ¤digung zugunsten der Beschwerdegegner­schaft aufzuerlegen. Das VeterinÃ¤ramt als Mitbeteiligter des Verfahrens beantragte in sei­ner Stellungnahme Gutheissung der Beschwerde und BestÃ¤tigung seiner VerfÃ¼gung vom 16. Oktober 2006. Die Gesundheitsdirektion stellte in ihrer Vernehmlassung den Antrag auf Abweisung der Beschwerde. In Replik und Duplik hielten die Parteien und das Veteri­nÃ¤ramt an ihren AntrÃ¤gen fest. Auf ihre Vorbringen ist, soweit erforderlich, in den nach­folgenden ErwÃ¤gungen einzugehen.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde nach § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19b Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG; LS 175.2) zustÃ¤ndig. Da auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Die Beschwerdegegnerin 2, die sowohl die Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2007 wie auch die Duplik vom 15. November 2007 als eines der "Mitglieder der Tierversuchskom­mission" unterzeichnet hat, wird im Staatskalender des Kantons ZÃ¼rich 2007/2008, ZÃ¼rich 2007, nicht mehr als AngehÃ¶rige dieser Kommission aufgefÃ¼hrt (vgl. S. 200). Da ein all­fÃ¤lliges Ausscheiden der Beschwerdegegnerin 2 aus der Tierversuchskommission im vor­liegenden Verfahren keine praktischen Konsequenzen hÃ¤tte, kann eine AbklÃ¤rung zur Frage der Parteieigenschaft der Beschwerdegegnerin 2 jedoch unterbleiben.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b><span>Streitig ist vorliegend die Bewilligung fÃ¼r einen Tierversuch im Sinn von Art. 12 des eidgenÃ¶ssischen Tierschutzgesetzes vom 9. MÃ¤rz 1978 (TSchG; SR 455). Diese Tierversu­che bedÃ¼rfen einer Bewilligung, wenn sie dem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zu­fÃ¼gen, es in schwere Angst versetzen oder sein Allgemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chti­gen kÃ¶nnen (Art. 13a Abs. 2 in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 TSchG). Die Versuche sind auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken (Art. 13 Abs. 1 TSchG). Sie haben einem in Art. 14 TSchG umschriebenen Zweck zu dienen, wie etwa der wissenschaftlichen For­schung (lit. a). Im Rahmen eines Tierversuchs dÃ¼rfen einem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den nur zugefÃ¼gt werden, soweit dies fÃ¼r den verfolgten Zweck unvermeidlich ist (Art. 16 Abs. 1 TSchG). Die Bewilligungsvoraussetzungen werden in Art. 61 der eidge­nÃ¶ssischen Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981 (TSchV; SR 455.1) nÃ¤her umschrie­ben. Namentlich darf ein Versuch nicht bewilligt werden, wenn er, gemessen am erwarte­ten Kenntnisgewinn oder Ergebnis, dem Tier unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den bereitet (Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Die Bundesgesetzgebung im Bereich des Tierschutzes stÃ¼tzt sich vorab auf Art. 80 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV; SR 101); Art. 80 Abs. 2 lit. b BV erwÃ¤hnt ausdrÃ¼cklich die Tierversuche und die Eingriffe am lebenden Tier als Regelungsgegen­stand. GrundsÃ¤tzlich zu beachten ist â entgegen der Ansicht der BeschwerdefÃ¼hrer â so­dann auch die in der Bundesverfassung nur im Zusammenhang mit der Gentechnologie im Ausserhumanbereich erwÃ¤hnte "WÃ¼rde der Kreatur" (Art. 120 Abs. 2 BV; vgl. zur Ge­schichte der Aufnahme des Begriffs in die Bundesverfassung: Peter Krepper, Zur WÃ¼rde der Kreatur in Gentechnik und Recht, Basel/Frankfurt a.M. 1998, S. 347 ff.). Die "WÃ¼rde der Kreatur" weist auf eine so grundsÃ¤tzliche Konzeption eines bestimmten, wertorientier­ten VerhÃ¤ltnisses von Mensch und Tier hin, dass sie nicht in einzelnen Regelungsbereichen beachtet werden kann, in anderen aber nicht (Peter Saladin/Rainer J. Schweizer, in: Kom­mentar zur Bundesverfassung vom 29. Mai 1874, 1995, Art. 24<sup>novies</sup> Rz. 119). Nach ein­helliger Lehrmeinung lÃ¤sst sich deshalb aus der ErwÃ¤hnung im heutigen Art. 120 Abs. 2 BV ableiten, dass die Verfassung die WÃ¼rde der Kreatur als allgemeinen Verfassungs­grundsatz anerkennt. Der Grundsatz ist folglich auch im Bereich des Tierschutzes anwend­bar. Sein Gehalt ist allerdings noch wenig definiert (zum Ganzen Giovanni Biaggini, BV-Kommentar, ZÃ¼rich 2007, Art. 80 N. 6, Art. 120 N. 6; Corinne Schaerer, Die WÃ¼rde der Kreatur, in: Bernhard SchmithÃ¼sen/JÃ¶rg Zachariae [Hrsg.], Aspekte der Gentechnologie im Ausserhumanbereich, ZÃ¼rich etc. 2002, S. 121 ff., 123 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Botschaft vom 9. Dezember 2002 zur Revision des Tierschutzgesetzes, BBl 2003, 657 ff., 663; Botschaft vom 1. MÃ¤rz 2000 zu einer Ãnderung des Bundesgesetzes Ã¼ber den Um­weltschutz ["Gen-Lex-Vorlage"], BBl 2000, 2391 ff., 2421). Neben der WÃ¼rde der Kreatur ist auf Verfassungsebene namentlich die in der Wissenschaftsfreiheit nach Art. 20 BV ent­haltene Forschungsfreiheit zu berÃ¼cksichtigen (vgl. dazu JÃ¶rg Paul MÃ¼ller, Grundrechte in der Schweiz, 3. A., Bern 1999, S. 319 ff., bzw. Markus Schefer, ErgÃ¤nzungsband, Bern 2005, S. 208 f.). Ob und inwieweit vorliegend bei der Auslegung der Tierschutzgesetzge­bung auf Verfassungs­grundsÃ¤tze und ‑rechte zurÃ¼ckzugreifen ist, wird im jeweiligen Zu­sammenhang zu prÃ¼fen sein.</p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.3 </span></b><span>Am 16. Dezember 2005 hat die Bundesversammlung ein neues Tierschutzgesetz be­schlossen (nTSchG; BBl 2006, 327 ff.). Die Referendumsfrist ist unbenutzt abgelaufen, das Gesetz wird aber voraussichtlich erst im Sommer 2008 in Kraft treten (von einer hier nicht interessierenden Bestimmung abgesehen, die bereits seit dem 2. Mai 2006 in Kraft steht [AS 2006, 1423]). Nur teilweise in Kraft gesetzt wurden bisher die Ãnderungen des bestehenden Tierschutzgesetzes gemÃ¤ss Anhang Ziff. 3 des Gentechnikgesetzes vom 21. MÃ¤rz 2003 (GTG; SR 814.91). Auch insoweit gilt, dass mit einer Inkraftsetzung der restlichen Bestimmungen â sollten sie nicht ohnehin mit dem Inkrafttreten des neuen Tier­schutzgesetzes obsolet werden â nicht vor Sommer 2008 zu rechnen ist und dass die bereits in Kraft stehenden Ãnderungen im vorliegenden Zusammenhang nicht von Belang sind (vgl. AS 2003, 4803, 4816, 4818 ff.; 2006, 1425). Anwendbar ist somit das bisherige Recht, und intertemporalrechtliche Fragen stellen sich nicht. </span>Das VerhÃ¤ltnis zwischen dem alten und dem neuen Recht braucht unter diesen UmstÃ¤nden nicht nÃ¤her abgeklÃ¤rt zu wer­den (vgl. dazu namentlich den Wortlaut von Art. 1 und Art. 17 nTSchG gegenÃ¼ber jenem von Art. 1 Abs. 1 und Art. 13 Abs. 1 TSchG sowie die neue Definition der WÃ¼rde des Tiers in Art. 3 lit. a nTSchG; Botschaft zur Revision des Tierschutzgesetzes, BBl 2003, 659, 665, 674). <span>Dies schliesst jedoch nicht aus, die Materialien zum bereits beschlossenen neuen Recht zur Auslegung des noch geltenden Rechts heranzuziehen.</span><span> </span></p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die Parteien werfen die Frage auf, ob es sich bei der vorliegend notwendigen Bewilli­gung um eine Polizeierlaubnis oder um eine Ausnahmebewilligung handle. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.1 </b>Mit einer Polizeierlaubnis wird auf Gesuch hin eine grundsÃ¤tzlich gestattete, aber aus polizeilichen GrÃ¼nden unter Bewilligungspflicht stehende TÃ¤tigkeit im konkreten Fall zu­gelassen; mit der Ausnahmebewilligung wird die Abweichung von einer im Normalfall geltenden Regelung in einem konkreten Sonderfall gestattet (vgl. etwa Ulrich HÃ¤fe­lin/Georg MÃ¼ller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. A., ZÃ¼rich etc. 2006, Rz. 2523 ff., 2536 ff.). Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass es sich bei der Bewilli­gung fÃ¼r Tierversuche um eine Polizeibewilligung handle. Die Lehre Ã¤ussert sich nicht einheitlich (vgl. Tanja Katharina Gehrig, Struktur und Instrumente des Tierschutzrechts, ZÃ¼rich 1999, S. 227 ff., bes. Fn. 855; Antoine F. Goetschel, Kommentar zum EidgenÃ¶ssi­schen Tier­schutz­gesetz, Bern/Stuttgart 1986, Art. 13 N. 4 S. 109 f. [Goetschel, Kommen­tar]; Birgitta Rebsamen-Albisser, Der Vollzug des Tierschutzrechts durch Bund und Kan­tone, Bern etc. 1994, S. 181 ff.; vgl. auch die Botschaft vom 30. Januar 1989 Ã¼ber die Volksinitiative "zur drastischen und schrittweisen EinschrÃ¤nkung der Tierversuche [Weg vom Tierversuch!]", BBl 1989 I 1003 ff., 1021). Die der Kontroverse zugrunde liegende Frage lautet, ob Tierversuche auch dann, wenn sie einem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gen, grundsÃ¤tzlich als erlaubt gelten sollen, oder ob sie in diesem Fall als grundsÃ¤tzlich verboten gelten sollen und nur ausnahmsweise zu gestatten sind, sofern die Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den unerlÃ¤sslich bzw. unvermeidlich sind (vgl. Art. 13 Abs. 1, Art. 16 Abs. 1, Art. 27 Abs. 1 lit. e und Abs. 2, Art. 29 Ziff. 1 lit. c TSchG). Im letzteren Fall wÃ¤re eine "unechte" bzw. "grosse" Ausnahme anzunehmen, wovon gespro­chen wird, wenn bereits der Gesetzgeber fÃ¼r bestimmte FÃ¤lle eine von der Regelordnung abweichende Sonderordnung schafft (Pierre Tschannen/Ulrich Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. A., Bern 2005, § 44 Rz. 34).</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.2 </b>Den Charakter der HÃ¤rtefallregelung aus BilligkeitsgrÃ¼nden, welcher der Ausnahmebe­willigung zugeschrieben wird, weist die Tierversuchsbewilligung nicht auf. Die StraftatbestÃ¤nde des Tierschutzgesetzes erfassen Tierversuche nicht grundsÃ¤tzlich, sondern nur dann, wenn bei deren DurchfÃ¼hrung einem Tier vermeidbare Schmerzen, Lei­den oder SchÃ¤den zugefÃ¼gt werden bzw. wenn sie vorschriftswidrig erfolgen (Art. 27 Abs. 1 lit. e, Art. 29 Ziff. 1 lit. c TSchG). Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegner­schaft spricht sodann auch die ZulÃ¤ssigkeit gesetzlich nicht ausdrÃ¼cklich vorgesehener Nebenbestimmungen nicht fÃ¼r die Qualifikation als Ausnahmebewilligung, weil Nebenbe­stimmungen keiner ausdrÃ¼cklichen gesetzlichen Grundlage bedÃ¼rfen, sondern bereits dann zulÃ¤ssig sein kÃ¶nnen, wenn sie dem vom Gesetz verfolgten Zweck oder einem mit der Hauptanordnung verfolgten Ã¶ffentlichen Interesse entsprechen (HÃ¤felin/MÃ¼ller/Uhlmann, Rz. 918; VGr, 7. Februar 2006, VB.2005.00279, E. 6.2 mit weiteren Hinweisen, www.vgrzh.ch). Die Tierversuchsbewilligung entspricht ihrer Natur nach den Polizeibe­willigungen, wobei zu Recht darauf hingewiesen wird, dass die Bezeichnung unpassend ist, weil das Motiv fÃ¼r die ZulassungsprÃ¼fung nicht ein polizeiliches Interesse ist (Gehrig, S. 228).</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.3 </b>Allerdings stellt sich im vorliegenden Fall letztlich nicht die Frage nach der Eintei­lung der Bewilligung in eine der beiden Kategorien; vielmehr ist zu prÃ¼fen, ob die Voraus­setzungen der Bewilligung aufgrund der gesetzlichen, verfassungskonform ausgelegten Regelung gegeben sind und ob diese gegebenenfalls deswegen erteilt werden muss oder ob sie dennoch verweigert werden kÃ¶nnte. Dabei ist zwar davon auszugehen, dass der Bewil­ligungsbehÃ¶rde bei der vorgeschriebenen GÃ¼terabwÃ¤gung ein grosser Beurteilungsspiel­raum verbleibt, was sich aus den von Gesetz und Verordnung verwendeten unbestimmten Rechtsbegriffen ergibt (vgl. namentlich Art. 13 Abs. 1 TSchG und Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV). Die BewilligungsbehÃ¶rde ist jedoch nicht frei, selbst bei Vorliegen der Voraus­setzungen auf die Bewilligungserteilung zu verzichten. Dies gilt ungeachtet des Wortlauts von Art. 61 Abs. 1 und 2 TSchV, laut denen eine Bewilligung bei Vorliegen der Voraus­setzungen erteilt werden "darf" bzw. Bewilligungen erteilt werden "dÃ¼rfen" (wÃ¤hrend Art. 14 TSchG die Formulierung "Bewilligungen werden ... erteilt" verwendet). Es ergibt sich daraus, dass die BewilligungsbehÃ¶rde laut Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV nach dem Grundsatz der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit zu entscheiden hat. Beim Begriff der "VerhÃ¤ltnismÃ¤s­sigkeit" handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, welcher der entscheidenden BehÃ¶rde einen erheblichen Beurteilungsspielraum gewÃ¤hrt, der Rechtskontrolle aber grundsÃ¤tzlich zugÃ¤nglich ist (vgl. Beatrice Weber-DÃ¼rler, Zur neusten Entwicklung des VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsprinzips, in: MÃ©langes en l'honneur de Pierre Moor, Bern 2005, S. 593 ff., 607; BGE 114 Ib 1 E. 1b; vgl. auch BGr, 7. April 2006, 2A.468/2005, E. 3.2, www.bger.ch). Die Bestimmung rÃ¤umt der entscheidenden BehÃ¶rde somit kein Entschlies­sungsermessen ein (vgl. dazu etwa HÃ¤felin/MÃ¼ller/Uhlmann, Rz. 431 f.); diese hat also beim Vorliegen der Voraussetzungen nicht die Wahl, ob sie die Bewilligung erteilen will oder nicht. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Tierversuche zur Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse liegen sodann im Schutzbe­reich der Forschungsfreiheit (vgl. etwa Verena Schwander, Grundrecht der Wis­senschaftsfreiheit im Spannungsfeld rechtlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen, Bern etc. 2002, S. 220 f.). Ein grundsÃ¤tzlicher Anspruch auf eine Bewilligung ergibt sich deshalb auch aus Art. 20 in Verbindung mit Art. 36 BV.</p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.3 </span></b>Die objektive Beweislast dafÃ¼r, dass die Voraussetzungen der Bewilligung erfÃ¼llt sind, liegt bei den BeschwerdefÃ¼hrern, da sie gegebenenfalls aus dieser Tatsache Rechte ableiten wollen (Art. 8 des Zivilg<span>esetzbuchs [ZGB] als Ausdruck eines allgemeinen Rechtsgrund­satzes; vgl. auch Tomas Poledna, Staatliche Bewilligungen und Konzessionen, Bern 1994, N. 195).</span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b><span>Die Bewilligungen fÃ¼r Tierversuche werden von einer kantonalen BehÃ¶rde erteilt (Art. 18 Abs. 1 TSchG, Art. 62 TSchV). Im Kanton ZÃ¼rich ist das VeterinÃ¤ramt die Bewil­ligungsbehÃ¶rde (§ 2 Abs. 1 des Kantonalen Tierschutzgesetzes vom 2. Juni 1991 [KTSchG; LS 554.1] in Verbindung mit § 66 Abs. 1 lit. b und Anhang 3 Ziff. 5.1 der Ver­ordnung Ã¼ber die Organisation des Regierungsrates und der kantonalen Verwaltung vom 18. Juli 2007 [LS 172.11]). Die Gesuche sind zuerst der kantonalen Tierversuchskommis­sion zu Ã¼berweisen, die der BewilligungsbehÃ¶rde Antrag stellt. Das Bundesrecht definiert die Kommission als eine von der BewilligungsbehÃ¶rde unabhÃ¤ngige Fachkommission, in welcher die Tierschutzvereine vertreten sein mÃ¼ssen; das kantonale Recht prÃ¤zisiert, dass der Kommission Fachleute fÃ¼r Versuchstierkunde, fÃ¼r Tierversuche sowie fÃ¼r Fragen der Ethik und des Tierschutzes anzugehÃ¶ren haben (Art. 18 Abs. 2 und 3 TSchG, Art. 62 Abs. 3 Satz 1 TSchV; § 12 Abs. 1 in Verbindung mit § 4 KTSchG). Aus den Materialien und den Vorschriften Ã¼ber die Zusammensetzung der Kommission ergibt sich, dass diese zur umfassenden Beurteilung der Gesuche befugt ist (vgl. Volksinitiative "zur drastischen und schrittweisen EinschrÃ¤nkung der Tierversuche [Weg vom Tierversuch!]", Bericht der Kommission des Nationalrates vom 16. Januar 1990 Ã¼ber einen Gegenentwurf auf Geset­zesstufe [Ãnderung des Tierschutzgesetzes], BBl 1990 III 1257 ff., 1269). Die kantonale Tierversuchskommission oder mindestens drei gemeinsam handelnde Mitglieder sind zum Rekurs und zur Beschwerde an das Verwaltungsgericht ermÃ¤chtigt (§ 12 Abs. 2 und 3 KTSchG).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Nach § 20 VRG kÃ¶nnen mit dem Rekurs alle MÃ¤ngel des Verfahrens und der angefochte­nen Anordnung geltend gemacht werden. Die Vorinstanz war demnach zur Ermessenskontrolle befugt und auch verpflichtet. Zwar darf auch eine Rechtsmittelbe­hÃ¶rde, die Ã¼ber volle Kognition verfÃ¼gt, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspielraum ihrer Vorinstanz respektieren. Bei der Beurteilung technischer oder wirtschaftlicher Spezi­alfragen, in denen die Vorinstanz Ã¼ber ein besonderes Fachwissen verfÃ¼gt, darf sich die Rekursinstanz ZurÃ¼ckhaltung auferlegen, indem sie sich versagt, "ohne Not" von der Auf­fassung der Vorinstanz abzuweichen, sofern sie nicht selber vergleichbare Fachkenntnisse besitzt (BGE 130 II 449 E. 4.1 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. auch Yvo Hangartner, Be­hÃ¶rdenrechtliche KognitionsbeschrÃ¤nkungen in der Verwaltungsrechtspflege, in: MÃ©langes en l'honneur de Pierre Moor, Bern 2005, S. 319 ff., bes. 332 ff.). Als sachkundig sind vor­liegend das VeterinÃ¤ramt wie auch die Tierversuchskommission anzusehen, soweit Fragen des Tierschutzes und der Tierhaltung betroffen sind; in Bezug auf ethische Fragen hat vorab die Tierversuchskommission als sachkundig zu gelten. Der Bundesgesetzgeber sah bei der Erarbeitung der heutigen Fassung von Art. 18 TSchG den Sachverstand sogar vor allem bei der Tierversuchskommission konzentriert: "Mit der vorgeschlagenen LÃ¶sung wird im Kanton eine klare Aufgabenteilung realisiert zwischen Tierversuchskommission, welche mit ihrem umfassenden wissenschaftlichen Sachverstand die Gesuche beurteilt, und EntscheidungsbehÃ¶rde, welche die administrativen Arbeiten erledigt sowie den formellen Entscheid begrÃ¼ndet und formuliert. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich eine BewilligungsbehÃ¶rde nicht ohne weiteres Ã¼ber den Antrag der Kommission hinwegsetzen wird" (Bericht der Kommission des Nationalrates vom 16. Januar 1990, BBl 1990 III 1269). Jedenfalls hier, wo sich die Ansichten der BewilligungsbehÃ¶rde und der Tierversuchskommission widersprechen, kommt somit eine ZurÃ¼ckhaltung der Rekursbe­hÃ¶rde bei der ÃberprÃ¼fung des erstinstanzlichen Entscheids nicht in Frage â ungeachtet dessen, dass der Antrag der Tierversuchskommission mit knapper Mehrheit zustande ge­kommen ist. Die in der Lehre angesprochenen mÃ¶glichen GrÃ¼nde fÃ¼r eine allfÃ¤llige â von der Praxis aber wohl nicht anerkannte â Pflicht der RekursbehÃ¶rde zur ZurÃ¼ckhaltung ge­genÃ¼ber dem Entscheid der erstinstanzlichen BehÃ¶rde lÃ¤gen hier im Ãbrigen ohnehin nicht vor (vgl. Hangartner, S. 331).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.1 </b>Mit der Beschwerde ans Verwaltungsgericht kÃ¶nnen schliesslich Rechtsverletzungen â einschliesslich rechtsverletzende Ermessensfehler â sowie eine fÃ¼r den Entscheid erheb­liche unrichtige oder ungenÃ¼gende Sachverhaltsfeststellung gerÃ¼gt werden (§ 50 f. VRG). Eine Ermessenskontrolle steht dem Gericht â unter Vorbehalt hier nicht spielender Aus­nahmen (§ 50 Abs. 3 VRG) â nicht zu. Wo das Verwaltungsgericht wie hier als zweite Rechtsmittelinstanz entscheidet, hat es auch zu prÃ¼fen, ob die RekursbehÃ¶rde allfÃ¤llige bereits im Rekursverfahren massgebliche KognitionsbeschrÃ¤nkungen eingehalten hat (dazu Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 20 N. 18 ff.). Wie ausgefÃ¼hrt (vgl. vorn E. 4.2), hatte die Gesundheitsdirektion als RekursbehÃ¶rde vorliegend keine derartigen Kognitions­beschrÃ¤nkungen zu beachten. FÃ¼r das Verwaltungsgericht als zweite, auf Rechtskontrolle beschrÃ¤nkte Beschwerdeinstanz ist grundsÃ¤tzlich die Betrachtungsweise der Rekursinstanz, soweit sie im Rahmen von deren Ermessen liegt, massgebend; sind die abweichenden Er­gebnisse der Entscheide zweier Vorinstanzen auf unterschiedliche ErmessensbetÃ¤tigung zurÃ¼ckzufÃ¼hren, so schÃ¼tzt das Gericht den Entscheid der oberen Instanz, soweit diesem keine Rechtsverletzungen zugrunde liegen (VGr, 31. Mai 2007, VB.2007.00024, E. 2, www.vgrzh.ch). Mit dem Ausschluss der Ermessenskontrolle verbunden ist grundsÃ¤tzlich auch die Respektierung des Beurteilungsspielraums, der den VerwaltungsbehÃ¶rden bei der Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe zusteht (VGr, 31. Mai 2007, VB.2007.00024, E. 2, www.vgrzh.ch; vgl. KÃ¶lz/Boss­hart/RÃ¶hl, § 50 N. 72 ff. mit weiteren Hinweisen). </p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.2 </b>Die Verweigerung der Bewilligung fÃ¼r einen Tierversuch zur Gewinnung wissenschaft­licher Erkenntnisse stellt allerdings einen Grundrechtseingriff dar, da Tierver­suche unter diesen UmstÃ¤nden im Schutzbereich der Forschungsfreiheit liegen (vorn E. 3.2). Demnach ist im vorliegenden Fall die VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit im Sinn von Art. 36 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 20 BV grundsÃ¤tzlich frei zu prÃ¼fen (Art. 111 Abs. 3 in Ver­bindung mit Art. 95 lit. a des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). Zwar auferlegt sich das Bundesgericht selber im Rahmen der Verfassungsge­richtsbarkeit unter bestimmten UmstÃ¤nden ZurÃ¼ckhaltung. Dies gilt namentlich, "wenn es um die Beurteilung lokaler Gegebenheiten, welche die kommunalen und kantonalen Be­hÃ¶rden besser kennen und Ã¼ber­blicken als das Bundesgericht, und um ausgesprochene Ermessensfragen geht" (BGer, 13. April 2007, 1P.708/2006, E. 5.1, www.bger.ch; BGE 115 Ia 370 E. 3; Weber-DÃ¼rler, S. 607; eher kritisch: Markus Schott, Basler Kommentar, 2008, Art. 95 BGG N. 36; vgl. etwa auch BGE 119 Ib 254 E. 2b betreffend die Anwen­dung von Bundesverwaltungsrecht). In der Literatur wird die Praxis auf nachvollziehbare Weise so interpretiert, dass die beiden Voraussetzungen der Ã¶rtlichen (bzw. persÃ¶nlichen oder technischen) VerhÃ¤ltnisse einerseits und der ausgesprochenen Ermessensfragen an­derseits zusammenfallen (Matthias Leuthold, Die PrÃ¼fungsdichte des Bundesgerichts im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde wegen Verletzung verfassungsmÃ¤ssiger Rechte, Bern 1992, S. 156 ff., bes. 178; anders Walter KÃ¤lin, Das Verfahren der staats­rechtlichen Beschwerde, 2. A., Bern 1994, S. 202 ff.). Im vorliegenden Fall sind sie nicht gegeben. Auch liegt kein Mangel an JustiziabilitÃ¤t vor, der in der Lehre als Grund fÃ¼r eine reduzierte PrÃ¼fungsdichte anerkannt wird (KÃ¤lin, S. 204; Leuthold, S. 209 f. mit weiteren Hinweisen).</p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.3 </b>Gerade mit Bezug auf die PrÃ¼fungsdichte sind vorliegend die GÃ¼terabwÃ¤gung im Sinn von Art. 13 Abs. 1 TSchG und Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV einerseits und die verfas­sungsgerichtliche VerhÃ¤ltnismÃ¤ssig­keits­prÃ¼fung anderseits zu unterscheiden (vgl. Chris­toph Andreas Zenger, Das "unerlÃ¤ssliche Mass" an Tierversuchen, Beihefte zur ZSR, Heft 8, Basel 1989, S. 120, 141 f.). Das Verwaltungsgericht hat in einem ersten Schritt die Ab­wÃ¤gung gemÃ¤ss Art. 13 Abs. 1 TSchG bzw. Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV mit der notwendi­gen ZurÃ¼ckhaltung gegenÃ¼ber dem Entscheid der Vorinstanz zu beurteilen, hierauf jedoch in einem zweiten Schritt die Zweck-Mittel-Relation in Bezug auf den Grundrechtseingriff frei â wenn auch in den Schranken von Art. 190 BV â zu prÃ¼fen. Eine freie PrÃ¼fung erfolgt also nicht in Bezug auf die gesetzliche GÃ¼terabwÃ¤gung; namentlich hat das Verwaltungs­gericht nicht selber diese gesetzliche AbwÃ¤gung noch einmal von Grund auf vorzunehmen, wie wenn es als erste Instanz urteilen wÃ¼rde. Das Verwaltungsgericht ist folglich nicht gehalten, in freier RechtsschÃ¶pfung MassstÃ¤be fÃ¼r die vorzunehmende GÃ¼terabwÃ¤gung zu entwickeln und den vorinstanzlichen Entscheid hierauf am Ergebnis von deren Anwendung zu messen (vgl. konkret hinten E. 9.3.2). In diesem Sinn ist im Folgenden zunÃ¤chst der vorinstanzliche Entscheid auf seine GesetzmÃ¤ssigkeit hin zu Ã¼berprÃ¼fen. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer beanstanden, dass die Vorinstanz die zum strittigen Versuch eingeholten Gutachten unrichtig gewÃ¼rdigt habe. Das VeterinÃ¤ramt hatte im Auftrag der Tierversuchskommission drei Gutachten eingeholt, wobei sich die Experten erstens zur Notwendigkeit der Verwendung von Primaten fÃ¼r das Erreichen des Versuchsziels, zwei­tens zur Aussagekraft des Versuchs bzw. zur Eignung der vorgesehenen Methodik im Hin­blick auf das Erreichen des Versuchsziels und drittens zur GÃ¼terabwÃ¤gung zwischen der Belastung fÃ¼r die Tiere einerseits und dem Versuchsziel sowie der MÃ¶glichkeit einer klini­schen Anwendung der Resultate anderseits Ã¤ussern sollten.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.1 </b><span>Von Gutachten, die durch die zustÃ¤ndige BehÃ¶rde eingeholt wurden, soll beim Ent­scheid nicht ohne triftige GrÃ¼nde abgewichen werden. Besteht kein Anlass, an der Unab­hÃ¤ngigkeit und Sachkunde der beauftragten Fachpersonen zu zweifeln, so ist namentlich von den tatsÃ¤chlichen Feststellungen des Gutachtens nur dann abzuweichen, wenn dieses nicht klar begrÃ¼ndet ist oder wenn es IrrtÃ¼mer, LÃ¼cken oder WidersprÃ¼che aufweist (vgl. VGr, 4. Mai 2005, VB.2005.00009, E. 2.1 und 2.4; 23. Januar 2003, VB.2002.00351, E. 4b [beide unter www.vgrzh.ch]). Eine Abweichung lÃ¤sst sich etwa auch damit begrÃ¼nden, dass ein Obergutachten oder </span>gegensÃ¤tzliche MeinungsÃ¤usserungen anderer Fachpersonen Ã¼berzeugend genug erscheinen, um die SchlÃ¼ssigkeit des Gutachtens in Frage zu stellen (vgl. BGr, 21. MÃ¤rz 2007, K 144/06, E. 3.2.2, www.bger.ch; BGE 125 V 351 E. 3b/aa). Da die Gutachten in den erwÃ¤hnten Schranken materiell zu wÃ¼rdigen sind, ginge es nicht an, einfach auf das StimmenverhÃ¤ltnis unter den Gutachtern abzustellen und der Mehrheit zu folgen.</p> <p class="Urteilstext">Im vorliegenden Fall kommen die drei eingeholten Gutachten zu unterschiedlichen SchlÃ¼s­sen. Es liegt somit kein einheitliches Ergebnis vor, das die BehÃ¶rden ohne weiteres zum Ausgangspunkt nehmen kÃ¶nnten, um die sich ihnen stellenden Rechtsfragen zu beantwor­ten. Im Folgenden sind die drei Gutachten auf ihre SchlÃ¼ssigkeit hin zu Ã¼berprÃ¼fen.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.2 </b>In ihren Gutachten bejahen J vom Institut fÃ¼r Medizin am Institut fÃ¼r Neurowissen­schaften und Biophysik des Forschungszentrums R und K von der Neurologischen Klinik in S die Notwendigkeit der Verwendung von Primaten fÃ¼r den Versuch, die Eignung der gewÃ¤hlten Methodik zum Erreichen des Versuchsziels sowie die MÃ¶glichkeit klinischer Anwendungen der Versuchsergebnisse; sie kommen zum Schluss, dass die Belastung der Versuchstiere im VerhÃ¤ltnis zu den Versuchszielen "vertretbar" bzw. "absolut vertretbar" sei. WÃ¤hrend J die Belastungsfaktoren, denen die Versuchstiere ausgesetzt sind, einzeln aufzÃ¤hlt â ohne allerdings vertieft auf sie einzugehen â, beruht die EinschÃ¤tzung von K, es sei "hier von einem mÃ¶glichst zurÃ¼ckhaltenden Gebrauch der Tierressourcen auszugehen", auf einer eher pauschalen Darstellung des geplanten Versuchs. Der Vorwurf der Be­schwerdegegnerschaft, die beiden Gutachter hÃ¤tten sich zu den Belastungen fÃ¼r die Tiere nicht nÃ¤her geÃ¤ussert, trifft demnach auf das Gutachten von J in beschrÃ¤nktem Mass, auf jenes von K hingegen weitgehend zu. </p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.3 </b>Zu gegenteiligen SchlÃ¼ssen gelangt das Gutachten des VeterinÃ¤rmediziners und Philo­sophen L vom Institut fÃ¼r Tierschutz und Tierverhalten des Fachbereichs VeterinÃ¤r­medizin der UniversitÃ¤t M in T. Zur Methodik des Versuchs fÃ¼hrt L aus, dass sie mÃ¶gli­cherweise geeignet sei, die vom BeschwerdefÃ¼hrer 2 genannten Versuchsziele zu errei­chen. Er hÃ¤lt allerdings diese Ziele als solche fÃ¼r illusorisch ("verwegen bzw. naiv"), da das Studium neuronaler VorgÃ¤nge letztlich nicht zum VerstÃ¤nd­nis von Begriffen wie "Seele", "Denken" oder "Bewusstsein" und damit des adaptiven Verhaltens bewusster In­dividuen fÃ¼hren kÃ¶nne. Vor diesem Hintergrund gelangt L zur EinschÃ¤tzung, dass Studien mit Schlaganfallpatienten eine bessere Alternative zur Erarbeitung der mit dem Versuch angestrebten klinisch anwendbaren Ergebnisse wÃ¤ren. Sodann Ã¤ussert er sich ausfÃ¼hrlich zur Belastungseinstufung, jedoch ohne direkten Bezug auf das im vorliegenden Verfahren zu beurteilende konkrete Projekt, indem er nÃ¤mlich aus dem Schreiben einer BehÃ¶rde in T oder Tierversuchskommission an einen Antragsteller zitiert, der einen "vergleichbaren Versuchsantrag" gestellt habe. Da die dort zu beurteilende Versuchsanordnung im Einzel­nen nicht bekannt ist, muss die Aussagekraft dieser AusfÃ¼hrungen als begrenzt bezeichnet werden. Sie sind allenfalls als rechtsvergleichende Hinweise auf eine auslÃ¤ndische BehÃ¶r­denpraxis â deren Tragweite aber nicht feststeht â von einem gewissen Interesse. Das Gut­achten schliesst mit AusfÃ¼hrungen zur ethischen Besonderheit der Grundlagenforschung sowie zur ethischen Problematik von Tierversuchen der hÃ¶chsten Belastungsstufe und mit der zu­sam­menfassenden Beurteilung, das vorliegend streitige Projekt sei ethisch nicht vertretbar, da die Belastungen der Versuchstiere nicht nur in Relation zu den Versuchs­zwecken, son­dern sogar absolut betrachtet unvertretbar hoch seien.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.4 </b>Aufgrund der Fachkenntnisse der beiden Experten J und K und da die entsprechen­den Teile ihrer Gutachten klar, schlÃ¼ssig und lÃ¼ckenlos sind, sind ihre AusfÃ¼hrungen zur Methodik des Versuchs und zur Notwendigkeit der Verwendung von Primaten im Hinblick auf das Erreichen des Versuchsziels jedenfalls zu beachten. Es ist auch nicht ersichtlich und wird nicht geltend gemacht, dass sie nicht mehr dem neuesten Forschungsstand der Neurowissenschaften entsprÃ¤chen. Soweit L diese Forschungsrichtung insgesamt als frag­wÃ¼rdig bezeichnet, begrÃ¼ndet er dies auf einer philosophischen bzw. ethischen Ebene. Die beiden Argumentationsweisen schliessen sich Ã¼brigens nicht aus: Selbst wenn man im Sinn von L davon ausgeht, dass die mit "Seele", "Denken" oder "Bewusstsein" bezeichneten VorgÃ¤nge und ZustÃ¤nde auf naturwissenschaftlichem Weg nicht erfasst werden kÃ¶nnen, bedeutet dies nicht, dass die neurowissenschaftliche Forschung nicht Kenntnisse zu liefern vermÃ¶chte, die zur Heilung von Krankheiten â auch von solchen, die als psychische oder mentale betrachtet werden â beitragen kÃ¶nnen. Es ist allerdings umstritten, inwieweit dies tatsÃ¤chlich der Fall ist (vgl. dazu einerseits etwa Marie-Claude Hepp-Reymond, Die Pri­maten in der biomedizinischen Forschung: Schwerpunkt Neurowissenschaften, Forschung fÃ¼r Leben Nr. 55, April 2000, bes. S. 6 ff.; anderseits Almuth Hirt/Christoph Mai­sack/Johanna Moritz, Tierschutzgesetz, Kommentar, 2. A., MÃ¼nchen 2007, § 7 Rn. 74 mit Hinweisen). Die EinwÃ¤nde gegen die betreffende Forschung â bzw. gegen die hinter ihr vermutete Weltanschauung â sind demnach nicht auf der naturwissenschaftlichen Ebene als EinwÃ¤nde gegen die Methodik der Versuchsanordnung zu berÃ¼cksichtigen. Sie kÃ¶nnen hÃ¶chstens als philosophische bzw. ethische Kritik bei der Beurteilung des Nutzens des For­schungsprojekts, bei der PrÃ¼fung von Alternativen dazu oder im Rahmen der abschliessen­den GÃ¼terabwÃ¤gung zum Tragen kommen, soweit die Rechtsordnung ihre BerÃ¼cksichti­gung durch die rechtsanwendenden BehÃ¶rden vorsieht. Darauf ist bei der Behandlung der betreffenden Fragen zurÃ¼ckzukommen.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.5 </b>In Bezug auf die Belastung der Versuchstiere sind alle drei Gutachten unvollstÃ¤ndig: J und vor allem K handeln diese Frage eher kursorisch ab, wÃ¤hrend L sich nicht zum kon­kreten Fall Ã¤ussert. Entsprechend sind denn auch die abschliessenden Ansichten der Ex­perten zur GÃ¼terabwÃ¤gung von verringerter Aussagekraft, ungeachtet dessen, dass die ethi­schen Ãberlegungen von L im Rahmen der rechtlichen Vorgaben allenfalls beachtet wer­den kÃ¶nnen. Soweit die rechtliche Ebene dieser GÃ¼terabwÃ¤gung angesprochen wird, han­delt es sich im Ãbrigen um die von den BehÃ¶rden zu entscheidende Rechtsfrage, weshalb eine Bindung an die Gutachten in diesem Punkt ohnehin nicht statthaft wÃ¤re (vgl. BGE 130 I 337 E. 5.4.1).</p> <p class="Erwgung3"><b>5.1.6 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer scheinen anzudeuten, dass die Vorinstanz eine weitere Fachmei­nung hÃ¤tte anfordern sollen. Hierzu bestand jedoch kein Anlass. Die Gutachten â die von einem Neurowissenschafter, einem Neurologen sowie einem VeterinÃ¤rmediziner und Philosophen stammen â beruhen auf einer reprÃ¤sentativen Auswahl von Experten. Die Abweichungen gehen letztlich nicht auf einzelne UnzulÃ¤nglichkeiten der Gutachten zu­rÃ¼ck, sondern auf die unterschiedlichen Standpunkte der Experten. Auch von einem weite­ren Gutachten wÃ¤re kaum eine Ã¼bergreifende Gesamtsicht zu erwarten gewesen. Es ist ge­rade Aufgabe der rechtsanwendenden BehÃ¶rden zu klÃ¤ren, inwieweit die Sichtweise der einzelnen Fachrichtungen in der Rechtsordnung zum Ausdruck kommt.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Die Vorinstanz hat sich auf die Empfehlungen im Bericht "Forschung an Primaten â eine ethische Bewertung" der EidgenÃ¶ssischen Kommission fÃ¼r Tierversuche (EKTV) und der EidgenÃ¶ssischen Ethikkommission fÃ¼r die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH), Bern 2006, gestÃ¼tzt. Die BeschwerdefÃ¼hrer bemÃ¤ngeln diesen Bericht und den Stellenwert, den ihm die Vorinstanz im vorliegenden Verfahren eingerÃ¤umt hat, unter ver­schiedenen Gesichtspunkten.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.1 </b>Die beiden Kommissionen haben ihre gesetzliche Grundlage in Art. 19 TSchG bzw. Art. 23 GTG. Nach Art. 64 Abs. 1 TSchV besteht die EKTV aus mindestens einer Person, welche die Kantone vertritt, sowie aus Fachleuten fÃ¼r Tierversuche, Versuchstierhaltung und Tierschutzfragen. Laut Art. 23 Abs. 1 GTG setzt sich die EKAH aus verwaltungsex­ternen Fachleuten der Ethik sowie weiteren Personen aus anderen Fachrichtungen, welche Ã¼ber wissenschaftliche oder praktische Kenntnisse der Ethik verfÃ¼gen, zusammen. In der Kommission mÃ¼ssen unterschiedliche ethische AnsÃ¤tze vertreten sein. Zu den Aufgaben der Kommissionen gehÃ¶rt unter anderem, in einem jeweils gesetzlich umschriebenen Sachbereich die BehÃ¶rden von Bund und Kantonen zu beraten. Die EKTV berÃ¤t das Bun­desamt fÃ¼r VeterinÃ¤rwesen (BVET) und steht den kantonalen BehÃ¶rden in Grundsatzfragen und umstrittenen FÃ¤llen zur VerfÃ¼gung (Art. 19 TSchG; vgl. auch Art. 64 Abs. 3 TSchV). Die Beratungsfunktionen der EKAH â die hier nicht direkt interessieren â sind in Art. 23 Abs. 3 GTG umschrieben; sodann verfolgt und beurteilt die EKAH aus ethischer Sicht die Entwicklungen und Anwendungen der Biotechnologie und nimmt zu den damit verbunde­nen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen aus ethischer Sicht Stellung; schliesslich fÃ¼hrt sie einen Dialog mit der Ãffentlichkeit Ã¼ber ethische Fragen der Biotech­nologie (Art. 23 Abs. 2 und 5 GTG). "Biotechnologie" bedeutet nach der Definition der Organisation fÃ¼r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Anwen­dung von Wissenschaft und Technologie auf lebende Organismen oder deren Teile, Pro­dukte oder Modelle zur VerÃ¤nderung lebender oder nicht lebender Materialien fÃ¼r die Her­stellung von Wissen, GÃ¼tern oder Dienstleistungen (www.oecd.org: "Biotechnology": "Statistical Definition of Biotechnology"). Art. 23 Abs. 4 GTG sieht die Zusammenarbeit der EKAH mit andern Kommissionen vor, die sich mit Fragen der Biotechnologie befas­sen. Umgekehrt ist Art. 19 Abs. 2 TSchG in der Fassung des Gentechnikgesetzes, der die EKTV zur Zusammenarbeit mit der EKAH anhÃ¤lt, noch nicht in Kraft gesetzt worden (vgl. AS 2003, 4803, 4820; 2006, 1425). Dies erscheint im vorliegenden Zusammenhang jedoch nicht von Bedeutung.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.2 </b>Der fragliche Bericht der EKTV und der EKAH (Forschung an Primaten â eine ethi­sche Bewertung, Bern 2006) ist als allgemeine Stellungnahme der beiden vom Bundesrecht eingesetzten Kommissionen in ihrem gesetzlichen ZustÃ¤ndigkeitsbereich vorliegend zu berÃ¼cksichtigen. Er enthÃ¤lt allerdings keine spezifischen Empfehlungen zum konkreten Fall, weshalb ihm nicht das Gewicht eines Amtsberichts oder Gutachtens zukommt.</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer erwÃ¤hnen, dass zwei Mitglieder der kantonalen Tierversuchs­kommission, die im vorliegenden Verfahren der Beschwerdegegnerschaft angehÃ¶ren, sich auch als Mitglieder der EKTV bzw. der EKAH und sogar der vorbereitenden Arbeits­gruppe wesentlich an der Abfassung des Berichts beteiligten. Mitglied der EKTV ist aller­dings auch die ZÃ¼rcher KantonstierÃ¤rztin, welche die erstinstanzliche VerfÃ¼gung im vor­liegenden Fall unterzeichnet hat (vgl. EKTV/EKAH, S. 22). Mit dem Hinweis auf die per­sonellen Verflechtungen wollen die BeschwerdefÃ¼hrer aber nicht eine unzulÃ¤ssige Vorbe­fassung der betreffenden Mitglieder der kantonalen Tierversuchskommission im laufenden Verfahren gemÃ¤ss Art. 29 Abs. 1 BV und § 5a VRG rÃ¼gen, sondern den wissenschaftlichen Gehalt des Berichts der EKTV und der EKAH in Frage stellen. Er ist deshalb im Zusam­menhang mit den weiteren diesbezÃ¼glichen VorwÃ¼rfen der BeschwerdefÃ¼hrer zu betrach­ten. Ihnen zufolge genÃ¼gt der Bericht aus den folgenden weiteren GrÃ¼nden wissenschaftli­chen AnsprÃ¼chen nicht: Erstens seien in den beiden eidgenÃ¶ssischen Kommissionen weder Primatologen noch neurologische oder psychiatrische Fachkompetenz vertreten gewesen; zweitens sei kein Augenschein vorgenommen worden; drittens stelle der Bericht nur einen einzigen Tierversuch dar und gebe diesen unrichtig wieder, sodass er auf naturwissen­schaftlich unzutreffenden Grundlagen aufbaue; und viertens belege er seine Behauptungen nicht. Die letztere Kritik wird auch vom PrÃ¤sidenten des Nationalen Forschungsrates und vom Direktor der GeschÃ¤ftsstelle des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) in der Fach­presse vorgebracht (Dieter Imboden/Daniel HÃ¶chli, Forschung an Primaten: Wo bleibt die Debatte?, SAMW-Bulletin 2/07, S. 1 ff., 2 f.).</p> <p class="Erwgung3"><b>5.2.4 </b>Es spricht nicht ohne weiteres gegen die wissenschaftliche SeriositÃ¤t des Berichts, dass auf eine umfassende Quellendokumentation verzichtet wurde, um â so die Beschwer­degegnerschaft â eine breitere Ãffentlichkeit ansprechen zu kÃ¶nnen. So werden denn im Bericht verschiedene kontroverse Positionen benannt, es werden Meinungsunterschiede innerhalb der Kommissionen offen gelegt, und aufgrund der Argumentationsweise wird erkennbar, dass sich der Bericht mit der einschlÃ¤gigen Forschung und Literatur auseinan­dersetzt. Den Akten ist zu entnehmen, dass die Arbeitsgruppe der Kommission Hearings mit Experten veranstaltete, unter anderem mit dem Leiter des beschriebenen Tierversuchs mit Marmosetten; in den Kommissionen war â den gesetzlichen Vorschriften Ã¼ber ihre Zusammensetzung entsprechend â Fachwissen namentlich aus den Bereichen VeterinÃ¤r­medizin, Medizin, Biologie, Philosophie und Ethik vertreten. Es gibt keine Anzeichen da­fÃ¼r, dass die ethischen Bewertungen auf unkorrekten naturwissenschaftlichen Grundlagen aufbauen wÃ¼rden; insbesondere entspricht die von den BeschwerdefÃ¼hrern beanstandete Stelle (EKTV/EKAH, S. 11, Spalte 2 oben) dem Protokoll des Hearings mit dem Leiter des Tierversuchs, das von diesem insoweit anscheinend nicht bemÃ¤ngelt wurde. Schliesslich stellen die Doppelmandate die QualitÃ¤t des Berichts nicht in Frage. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dieser Bericht aufgrund der gesetzlichen Aufgaben der verfassenden Kommissionen jedenfalls zu berÃ¼cksichtigen ist. Auf den Vorwurf, die Vorinstanz habe sich nicht kritisch genug mit dem Bericht auseinandergesetzt (vgl. auch Imboden/HÃ¶chli, S. 3), ist zurÃ¼ckzukommen (hinten E. 9.2.3).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>Bei den Ã¼brigen zu den Akten gegebenen Berichten und Stellungnahmen handelt es sich entweder um Beweismittel, zum Beispiel Parteigutachten, die nach den entsprechen­den Regeln zu wÃ¼rdigen sind, oder um wissenschaftliche Publikationen, die nach dem in Art. 1 Abs. 3 ZGB festgehaltenen allgemeinen Rechtsgrundsatz als Hilfsmittel bei der Ent­scheidfindung zu berÃ¼cksichtigen sind. BehÃ¶rden und Gerichte werden dabei Darstellun­gen des Forschungsstands anderer Disziplinen nicht in Frage stellen, sofern keine Anzei­chen â etwa abweichende wissenschaftliche Ansichten oder Hinweise auf Interessenkolli­sionen â darauf hindeuten, dass er nicht korrekt wiedergegeben wurde. Diese GrundsÃ¤tze gelten namentlich auch fÃ¼r den Umgang mit dem von einer Arbeitsgruppe unter David Weatherall im Auftrag von vier britischen Institutionen erarbeiteten Bericht "The use of non-human primates in research" (Dezember 2006, www.nhpstudy.com; im Folgenden: Weatherall u.a.). In dessen Vorrede versichern die vier Auftraggeber (The Aca­demy of Medical Sciences, Medical Research Council, The Royal Society, Wellcome Trust), dass der Bericht unabhÃ¤ngig erarbeitet worden sei, ohne dass sie Einfluss auf den Inhalt, die Schlussfolgerungen oder die Empfehlungen genommen hÃ¤tten. Die Autorenschaft bestÃ¤tigt dies (Weatherall u.a., S. 5). GemÃ¤ss den AnhÃ¤ngen wurden zahlreiche Organisationen und Personen konsultiert und wurde der Bericht schliesslich von einer unabhÃ¤ngigen Gruppe von Wissenschaftlern beurteilt (Weatherall u.a., S. 144 ff.). Auf die von der Beschwerde­gegnerschaft dennoch geÃ¤usserten Zweifel an der Ausgewogenheit des Berichts ist hier nicht vertieft einzugehen, da vorweggenommen werden kann, dass dem Bericht keine aus­schlaggebenden Argumente zu umstrittenen Fragen des vorliegenden Falls zu entnehmen sind. Seine Ergebnisse lauten, soweit sie hier von Interesse sind, im Wesentlichen wie folgt: Zumindest in der nÃ¤chsten Zukunft sind Versuche an nicht-humanen Primaten un­vermeidbar; es sollte aber starkes Gewicht auf die Entwicklung von Alternativen gelegt werden; jeder Einzelfall ist sorgfÃ¤ltig zu prÃ¼fen (Weatherall u.a., S. 6, 8 f.). Obwohl der Bericht zweifellos auf umfassenderen Grundlagen beruht als jener von EKTV und EKAH, ist somit auch nicht einsichtig, weshalb er dessen wissenschaftliche SeriositÃ¤t oder Schlussfolgerungen in Frage stellen sollte.</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b>Nach Art. 13 Abs. 1 TSchG sind Tierversuche, die dem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gen, es in schwere Angst versetzen oder sein Allgemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chtigen kÃ¶nnen, auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken. Art. 14 TSchG nennt die zulÃ¤ssigen Versuchszwecke. Nach Art. 13 Abs. 2 TSchG bestimmt der Bundesrat die Kriterien zur Beurteilung des unerlÃ¤sslichen Masses; er kann bestimmte Versuchszwecke als unzulÃ¤ssig erklÃ¤ren. Art. 61 TSchV regelt die Bewilligungsvoraussetzungen nÃ¤her: Abs. 1 und der hier nicht interessierende Abs. 2 umschreiben die positiven Voraussetzun­gen, wÃ¤hrend Abs. 3 negative Voraussetzungen aufzÃ¤hlt, bei deren Vorliegen eine Bewilli­gung nicht erteilt werden darf. Dies ist namentlich der Fall, wenn der Tierversuch "<span>in kei­nem Zusammenhang mit der Erhaltung oder dem Schutz des Lebens und der Gesundheit von Mensch und Tier steht, er keine neuen Kenntnisse Ã¼ber grundlegende LebensvorgÃ¤nge erwarten lÃ¤sst und auch nicht dem Schutz der natÃ¼rlichen Umwelt oder der Verminderung von Leiden dient" (lit. b) oder wenn "er, gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn oder Ergebnis, dem Tier unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den bereitet" (lit. d).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>6.2 </b>Die Lehre unterscheidet zwischen "finaler" und "instrumentaler" UnerlÃ¤sslichkeit des Tierversuchs. Mit "finaler UnerlÃ¤sslichkeit" wird die Unentbehrlichkeit des Versuchs­zwecks bezeichnet, mit "instrumentaler UnerlÃ¤sslichkeit" die methodische Notwendigkeit des Tierversuchs zum Erreichen des konkreten Zwecks (Zenger, S. 113 ff.; vgl. weiter etwa Rebsamen-Albisser, S. 208 f.; Peter E. Wirth, Gesetzgebung und Vollzug im Berei­che der Tierversuche, Bern/Stuttgart 1991, S. 35 ff.). Dass ein Tierversuch nur bewilligt werden darf, wenn die instrumentale UnerlÃ¤sslichkeit gegeben ist, steht von vornherein ausser Zweifel (Art. 13, Art. 16 Abs. 1 TSchG; Art. 61 Abs. 1 lit. bâe, Abs. 3 lit. a und c TSchV). Gesetz und Verordnung stellen hingegen nicht ohne weiteres klar, inwieweit sie die ÃberprÃ¼fung auch des Versuchszwecks fordern. Art. 14 TSchG und Art. 61 Abs. 3 lit. b TSchV formulieren die zulÃ¤ssigen Versuchszwecke sehr allgemein. Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV enthÃ¤lt hingegen das Gebot einer ÃberprÃ¼fung des Versuchszwecks im Ein­zelfall, indem er eine GÃ¼terabwÃ¤gung zwischen dem "erwarteten Kenntnisgewinn oder Ergebnis" des Versuchs und den Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den der betroffenen Tiere vorschreibt. Die AbwÃ¤gung umfasst damit nicht nur die PrÃ¼fung der Frage, ob der Ver­suchszweck in Art. 14 TSchG genannt wird und ob im Ãbrigen der Tierversuch lege artis durchgefÃ¼hrt wurde. Dies ergibt sich nicht nur aus dem Wortlaut von Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV, sondern auch aufgrund der systematischen und verfassungskonformen Auslegung: Dem Zweck des Gesetzes â das dem Schutz und dem Wohlbefinden des Tiers dient (Art. 1 Abs. 1 TSchG) â wÃ¼rde widersprochen, wenn Tierversuche fÃ¼r Zwecke vorgenommen werden dÃ¼rften, welche die Belastung des Tiers nicht zu rechtfertigen vermÃ¶chten (im Er­gebnis gl.M. EKTV/EKAH, S. 14 f., sowie die Lehre: vgl. Rebsamen-Albisser, S. 208 f., 218; Wirth, S. 35 ff.; Zenger, S. 114 f.)<i>.</i></p> <p class="Erwgung2"><b>6.3 </b>Die instrumentale UnerlÃ¤sslichkeit des Tierversuchs ist vorliegend zu bejahen. Um das Ziel des Versuchs zu erreichen, ist die Verwendung von Primaten nÃ¶tig: Nur mit In-vivo-Untersuchungen kann die Einzelzellebene erfasst werden, und Untersuchungen an der vi­suellen Hirnrinde niedriger stehender Tierarten wÃ¼rden nicht zu Ergebnissen fÃ¼hren, die fÃ¼r den Menschen relevant sein kÃ¶nnten. Auch werden nicht zuviele Tiere verwendet. Dies bestÃ¤tigen die Gutachten von J und K, und auch L bestreitet diesen Befund nicht. Es ist daher davon auszugehen, dass der Versuchszweck weder mit niedriger stehenden Tierarten (Art. 16 Abs. 3 TSchG und Art. 61 Abs. 1 lit. d TSchV) noch mit weniger Tieren (Art. 61 Abs. 1 lit. e TSchV) noch ohne Tierversuche (Art. 61 Abs. 3 lit. a TSchV) erreicht werden kann. Wenn L zum Schluss kommt, Studien mit Schlaganfallpatienten seien den vorge­schlagenen Versuchen vorzuziehen, so begrÃ¼ndet er dies mit einer Grundsatzkritik an den Neurowissenschaften, womit die Frage der finalen UnerlÃ¤sslichkeit der Tierversuche ange­sprochen wird.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.4 </b>Die Beurteilung der finalen UnerlÃ¤sslichkeit â also die Bewertung des Ziels â eines Tierversuchs hÃ¤ngt davon ab, nach welchen MassstÃ¤ben diese PrÃ¼fung zu geschehen hat und welche Gesichtspunkte dabei zu berÃ¼cksichtigen sind. Aufgrund des UngenÃ¼gens einer rein fachspezifischen Beurteilung fordern EKTV und EKAH, in Bezug auf Primatenversu­che eine interdisziplinÃ¤re Begutachtung gesetzlich vorzusehen (EKTV/EKAH, S. 19 f.). Derzeit fehlen allerdings sowohl gesetzliche als auch anderweitige anerkannte MassstÃ¤be einer interdisziplinÃ¤ren Beurteilung (vgl. einerseits Gehrig, S. 125 f.; Rebsamen-Albisser, S. 208 ff.; Zenger, S. 115 ff.; anderseits Antoine F. Goetschel, in: Hans-Georg Kluge [Hrsg.], Tierschutzgesetz, Kommentar, Stuttgart 2002, § 7 Rn. 51). Deshalb und im Licht der Forschungsfreiheit wÃ¤re es den rechtsanwendenden BehÃ¶rden zum Beispiel verwehrt, aufgrund einer philosophischen Grundsatzkritik im Sinn des Gutachtens von L den Nutzen einer Wissenschaftsrichtung â hier: der Neurowissenschaften â generell in Zweifel zu zie­hen. Der Nutzen eines Forschungsprojekts, das unter Art. 14 TSchG fÃ¤llt, muss somit vor­rangig anhand der fachspezifischen Beurteilung des Forschungsziels und der Wissen­schaftlichkeit der Methode bewertet werden. Inwieweit die Rechtsanwendung weitere Kriterien verwenden darf, braucht hier nicht umfassend, sondern nur fÃ¼r die im konkreten Fall von der Vorinstanz herangezogenen Gesichtspunkte geklÃ¤rt zu werden.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.5 </b>An dieser Stelle ist demnach auf den Vorwurf der BeschwerdefÃ¼hrer einzugehen, bei der Frage nach der klinischen Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse handle es sich um einen sachfremden Gesichtspunkt, der bei der AbklÃ¤rung des Nutzens des Forschungspro­jekts nicht einbezogen werden dÃ¼rfe.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.5.1 </b>Die Vorinstanz hat den Nutzen des Forschungsprojekts einerseits aufgrund des erwar­teten Kenntnisgewinns bestimmt und anderseits berÃ¼cksichtigt, ob die "entsprechen­den Forschungsergebnisse ... mit hinreichender Wahrscheinlichkeit geeignet" seien, "spÃ¤ter in angewandter Form und allenfalls in Kombination mit anderen Erkenntnissen dem Leben oder der Gesundheit von Mensch und Tier zu dienen". Bei der PrÃ¼fung des konkreten Pro­jekts bewertete sie die Wahrscheinlichkeit eines Kenntnisgewinnes fÃ¼r die Grundlagenfor­schung als hoch, die spÃ¤tere klinische Verwendbarkeit der erzielten Grundlagenkenntnisse jedoch als schwer im Voraus beurteilbar und den erhofften Nutzen fÃ¼r den Menschen als daher ungewiss. Die BeschwerdefÃ¼hrer bestreiten, dass die Wahrscheinlichkeit einer spÃ¤te­ren klinischen Anwendung bei der Bestimmung des Nutzens mitberÃ¼cksichtigt werden darf. Ihr Vorwurf lautet, dass dies eine unzulÃ¤ssige "Differenzierung zwischen Grundla­genforschung und angewandter Forschung" bedeute. Damit machen sie sinngemÃ¤ss gel­tend, dass aufgrund einer nicht haltbaren Abgrenzung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung die der Ersteren zugeordneten Forschungsprojekte benachteiligt wÃ¼rden. Letztlich machen sie geltend, dass der Nutzen wissenschaftlicher Forschung im Sinn von Art. 14 lit. a TSchG bzw. Art. 61 Abs. 1 lit. a TSchV ausschliesslich anhand einer fachspezifischen Beurteilung der QualitÃ¤t des fraglichen Projekts zu bestimmen sei. Offen bleibt, ob sie das Kriterium der konkreten Anwendbarkeit eines allfÃ¤lligen Erkenntnisge­winns generell oder bloss in Bezug auf die Grundlagenforschung fÃ¼r untauglich halten. Im letzteren Fall wÃ¼rden allerdings auch sie â auf einer anderen Ebene â doch wieder eine Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung vertreten.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.5.2 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrer stÃ¼tzen sich darauf, dass in der Literatur teils die Abgrenzung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung Ã¼berhaupt als Ã¼berholt be­zeichnet wird. Die Grenzen seien fliessend, weil das Studium des normalen Funktionierens des Organismus nicht nur zum VerstÃ¤ndnis der Evolution beitrage, sondern auch ein wich­tiger Schritt zur Behebung von StÃ¶rungen sein kÃ¶nne. Verschiedene Beispiele medizini­schen Fortschrittes verdankten sich unerwarteten Ergebnissen sogenannter Grundlagenfor­schung. Wesentlich sei daher nur, ob ein Forschungsprogramm eine wichtige medizinische oder biologische Frage aufgreife und ob es in einer Weise aufgebaut sei, dass deren LÃ¶­sung eine realistische MÃ¶glichkeit darstelle (Weatherall u.a., S. 6, 37 f., 82).</p> <p class="Erwgung3"><b>6.5.3 </b>Es trifft zu, dass konkrete Anwendbarkeit kein Definitionselement wissenschaftlicher Forschung ist. Die Forschungsfreiheit im Sinn von Art. 20 BV umfasst die "nach wissen­schaftlicher Methode ausgefÃ¼hrte, erfolgreiche oder nicht erfolgreiche Suche nach Er­kenntnissen und deren redliche Bekanntgabe ..." (MÃ¼ller, S. 319; vgl. auch BGE 127 I 145 E. 4b S. 152). Ein besonderer Zweck des angestrebten Erkenntnisgewinns darf nicht vor­ausgesetzt werden. Art. 14 lit. a TSchG sowie namentlich Art. 61 Abs. 3 lit. b und d TSchV sprechen aus, dass der Erkenntnisgewinn Ã¼ber grundlegende LebensvorgÃ¤nge als solcher, unabhÃ¤ngig von seiner konkreten Anwendbarkeit, den Nutzen eines Versuchs ausmachen kann. Dies hat im Ãbrigen auch die Vorinstanz klar festgehalten.</p> <p class="Erwgung3"><b><span>6.5.4 </span></b>Die schweizerische Gesetzgebung kennt â in hier allerdings nicht interessierendem Zusammenhang â die GegenÃ¼berstellung von Grundlagenforschung und angewandter For­schung (vgl. Art. 2 lit. d des Forschungsgesetzes vom 7. Oktober 1983 [SR 420.1]). Zu beachten ist auch, dass die Rechtsordnung im Bereich der PrÃ¼fung von Stoffen nach Art. 14 lit. b TSchG Tierversuche voraussetzt oder zumindest mit ihnen rechnet (vgl. Art. 4 der Arzneimittel-Zulassungsverordnung vom 9. November 2001 [SR 812.212.22]; Art. 4 Abs. 1 der Verordnung vom 17. Oktober 2001 Ã¼ber klinische Versuche mit Heilmitteln [SR 812.214.2] in Verbindung mit: International Conference on Harmonisation of Techni­cal Requirements for Registration of Pharmaceuticals for Human Use, Guideline for Good Clinical Practice E6, 1. Mai 1996, Ziff. 7.3.5 [www.ich.org/LOB/media/MEDIA482.pdf]). Dies gilt dagegen nicht fÃ¼r die Grundlagenforschung. In diesem Sinn kennt die Rechtsord­nung im Bereich des Tierschutzes eine Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>6.5.5 </span></b> Aus der AufzÃ¤hlung zulÃ¤ssiger Versuchszwecke in Art. 14 TSchG kann nicht abgelei­tet werden, dass der Nutzen eines Projekts nicht mehr weiter untersucht werden dÃ¼rfe, wenn dieses sich unter einen der dort genannten Versuchszwecke subsumieren lÃ¤sst. Ebenso lÃ¤sst zwar Art. 61 Abs. 3 lit. b TSchV die Bewilligung eines Tierversuchs zu, wenn dieser entweder (erstens) im Zusammenhang mit der Erhaltung oder dem Schutz des Le­bens und der Gesundheit von Mensch und Tier steht oder (zweitens) neue Kenntnisse Ã¼ber grundlegende LebensvorgÃ¤nge erwarten lÃ¤sst oder (drittens) dem Schutz der natÃ¼rlichen Umwelt oder (viertens) der Verminderung von Leiden dient. Daraus lÃ¤sst sich aber eben­falls nur schliessen, dass ein Forschungsprojekt bereits dann als nÃ¼tzlich bezeichnet wer­den kann, wenn es eines dieser Kriterien erfÃ¼llt. Es bedeutet nicht, dass nicht mehr beach­tet werden dÃ¼rfte, ob ein Projekt mehrere dieser Kriterien erfÃ¼llt, und dass der Nutzen eines solchen Projekts nicht hÃ¶her bewertet werden dÃ¼rfte. Im Gegenteil: Die GÃ¼terabwÃ¤gung nach Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV setzt gerade eine konkrete, umfassende, nicht schemati­sche Bestimmung des Forschungsnutzens voraus. So unterscheiden auch die <span>Schweizeri­sche Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) und die Akademie der Na­turwissenschaften Schweiz (SCNAT), Ethische GrundsÃ¤tze und Richtlinien fÃ¼r Tierversu­che, 3. A., 2005, Ziff. 3.4 [www.samw.ch: "Ethik": "Richtlinien"], zwischen "Tierversu­che[n], die dem Leben und der Gesundheit von Mensch und Tier oder dem Schutz der Umwelt in einsehbarer Weise dienen; dazu gehÃ¶ren Versuche mit prophylaktischen, dia­gnostischen und therapeutischen Zielsetzungen in der Medizin und VeterinÃ¤rmedizin", und "Tierversuche[n], welche â auch ohne unmittelbar erkennbaren Nutzen fÃ¼r Leben und Ge­sundheit â dem Streben nach neuer Erkenntnis dienen, wenn sie mit grosser Wahrschein­lichkeit einen bedeutenden Gewinn an Kenntnis Ã¼ber Bau, Funktion und Verhalten von Lebewesen erwarten lassen". Demnach werden hohe Anforderungen an die Wahrschein­lichkeit und Bedeutung des Erkenntnisgewinns eines Projekts der Grundlagenforschung gestellt, damit dieses einen Tierversuch zu rechtfertigen vermag, wÃ¤hrend bei angewandter Forschung im medizinischen Bereich ein "einsehbarer" Zusammenhang zwischen dem Tierversuch und dem Schutz der Gesundheit genÃ¼gt. Dass Forschungsuntersuchungen an Tieren "allen Regeln der Wissenschaftlichkeit genÃ¼gen" mÃ¼ssen, wird als unabhÃ¤ngige weitere Voraussetzung postuliert: "Insbesondere mÃ¼ssen die angestrebten Ergebnisse ein­deutig Ã¼ber das Bekannte hinausweisen; die zu prÃ¼fende Annahme muss sinnvoll, das ge­wÃ¤hlte Verfahren erfolgversprechend und dem jeweiligen Stand der Forschung angepasst sein" (SAMW/SCNAT, Ziff. 3.3; vgl. auch Ziff. 2.3, 3.1). </span></p> <p class="Urteilstext">Die Vorinstanz musste sich also bei der ÃberprÃ¼fung des Nutzens des Forschungsprojekts nicht auf die Frage beschrÃ¤nken, ob eine nach wissenschaftlicher Methode vorgenommene Grundlagenforschung vorliege. Auch ist nicht zu beanstanden, dass sie in ihre ErwÃ¤gungen die Wahrscheinlichkeit einer konkreten Anwendbarkeit im Dienst der Gesundheit von Mensch und Tier einbezog: Bei der Gesundheit handelt es sich um ein wichtiges individu­elles und Ã¶ffentliches Gut, zu dessen Schutz der Staat verpflichtet ist (vgl. Art. 41 Abs. 1 lit. b BV in Verbindung mit Art. 19 sowie Art. 113 der Verfassung des Kantons ZÃ¼rich vom 27. Februar 2005 [LS 101]). Die Vorinstanz war demnach befugt, neben dem allge­meinen Beitrag der Grundlagenforschung zur Verbesserung der Gesundheit des Menschen (und von Tieren) die zu erwartenden Auswirkungen des konkret zur PrÃ¼fung anstehenden Versuchs auf die menschliche Gesundheit in der GÃ¼terabwÃ¤gung zu berÃ¼cksichtigen und den Nutzen des Forschungsprojekts auch nach diesem Gesichtspunkt zu bestimmen (vgl. auch Zenger, S. 118 f.; zum deutschen Recht: Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 55 und 61). Allerdings ginge es nicht an, den Wert der Versuchsergebnisse fÃ¼r die Grundlagenfor­schung durch den Hinweis auf die Ungewissheit einer konkreten Anwendbarkeit zu relati­vieren, dies umso weniger, als letztlich die konkrete Verwendbarkeit jeglicher Forschung zunÃ¤chst ungewiss ist (vgl. auch EKTV/EKAH, S. 17). </p> <p class="Urteilstext">Die Vorinstanz hat den Nutzen des Versuchs somit aufgrund korrekter Kriterien geprÃ¼ft. Ob ihre ErwÃ¤gungen zur konkreten Anwendbarkeit der Versuchsergebnisse auch inhaltlich zutreffen, ist gesondert zu prÃ¼fen (hinten E. 7.2.2).</p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>7.1 </b>Das fragliche Projekt will die Strukturen und neuronalen Mechanismen, die dem perzep­tuellen Lernen zugrunde liegen, erfassen. Die Wahrscheinlichkeit des erwarteten Erkenntnisgewinns sowie â sinngemÃ¤ss â die Wissenschaftlichkeit der Versuchsanlage wurden von der Vorinstanz als "hoch" bewertet; der erwartete Erkenntnisgewinn sei "von einiger Bedeutung". Diese EinschÃ¤tzung ist nicht anzuzweifeln. Dies ergibt sich nament­lich aus den beiden Gutachten von J und K, die in diesem Punkt als massgebend zu be­trachten sind (vgl. vorn E. 5.1.4). Laut J ist ein "erhebliche[r]" Erkenntnisgewinn zu er­warten; laut K sollten die Erkenntnisse "das VerstÃ¤ndnis der neurophysiologischen Grundlagen von Lernen wesentlich verbessern helfen". Weiter spricht die UnterstÃ¼tzung durch den SNF fÃ¼r eine positive EinschÃ¤tzung; das Projekt ist ein Teil des NCCR (National Center of Competence in Research/Nationalen Forschungsschwerpunkts) Neuro. Umge­kehrt ist immerhin zu beachten, dass die AusfÃ¼hrungen in den beiden Gutachten eher all­gemein gehalten sind und dass auch Bewertungen wie "erheblich" und "wesentlich" ange­sichts des Fehlens klarer Bewertungsskalen eine gewisse Unbestimmtheit aufweisen.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.2 </b>Laut der Vorinstanz ist die spÃ¤tere Verwendbarkeit der Versuchsresultate fÃ¼r die Rehabi­litation nach SchlaganfÃ¤llen "noch sehr unsicher und der erhoffte Nutzen fÃ¼r den Menschen somit ungewiss". Die BeschwerdefÃ¼hrer bestreiten diese EinschÃ¤tzung.</p> <p class="Erwgung3"><b>7.2.1 </b>Nicht entscheidend sind bei der Beurteilung des konkreten Versuchs sÃ¤mtliche Einga­ben und Publikationen, welche die Bedeutung der Forschung an Primaten fÃ¼r die Neurowissenschaften und die Neurologie im Allgemeinen hervorheben oder bestreiten. Darunter fallen auch die UnterstÃ¼tzungsschreiben, welche die BeschwerdefÃ¼hrer beibrin­gen: So bezieht sich namentlich das Schreiben vom 26. MÃ¤rz 2007 offensichtlich auf das Ã¼bergeordnete Forschungsprojekt im Allgemeinen. Das Schreiben von Prof. Y der Univer­sitÃ¤t N sowie von Prof. Z der Hochschule O vom 27. MÃ¤rz 2007 enthÃ¤lt letztlich nur eine Wiedergabe des Parteistandpunkts. Das Schreiben der Society for Neuroscience vom 27. MÃ¤rz 2007 sowie jenes von Prof. Q an der UniversitÃ¤t P in U vom 30. August 2007 heben den wissenschaftlichen Wert des Forschungsprojekts und vor allem der Neurowis­senschaften im Allgemeinen hervor, ohne die weiteren massgeblichen Fragen zu berÃ¼hren. Dabei ist unbestritten, dass gerade bei Versuchen mit Primaten eine besonders sorgfÃ¤ltige PrÃ¼fung jedes einzelnen Vorhabens angebracht ist (vgl. Weatherall u.a., S. 6, 76 ff., bes. 78, und 82, dort mit Blick auf Schlaganfalltests an Tieren; vgl. auch die sehr kritische Be­wertung der Hirnforschung an Primaten bei Hirt/Mai­sack/Moritz, § 7 Rn. 74). </p> <p class="Erwgung3"><b>7.2.2 </b>Laut dem Bewilligungsgesuch sollen die Ergebnisse des Versuchs im Rahmen des NCCR Neuro der Rehabilitation nach SchlaganfÃ¤llen zugute kommen, indem sie Anhalts­punkte dafÃ¼r liefern sollen, welcher der denkbaren TherapieansÃ¤tze vielversprechender ist. Auf RÃ¼ckfrage fÃ¼hrte der BeschwerdefÃ¼hrer 2 gegenÃ¼ber dem VeterinÃ¤ramt aus, dass der Wert der Versuchsresultate fÃ¼r die Grundlagenforschung nicht davon abhÃ¤nge, inwieweit sich diese MÃ¶glichkeit einer praktischen Anwendung erfÃ¼lle. Das Ã¼bergeordnete For­schungsprogramm (NCCR Neuro) sei klar auf eine klinische Anwendung ausgerichtet. Allerdings wurde im Bewilligungsgesuch in der Rubrik "The project ist associated with [...]" das Feld "no association with human or animal diseases" angekreuzt. Insgesamt zei­gen das Bewilligungsgesuch und die ergÃ¤nzenden AusfÃ¼hrungen des BeschwerdefÃ¼hrers 2 zwar die Hoffnung auf, dass sich aufgrund des Versuchs ein Modell entwickeln lasse, das der Behandlung von Schlaganfallpatientinnen und ‑patienten zugute kommen kÃ¶nne. Dies scheint aber weder im Zentrum des Versuchs zu stehen noch einigermassen gewiss zu sein. Am Rand kann erwÃ¤hnt werden, dass der BeschwerdefÃ¼hrer 1 sich ursprÃ¼nglich gegen den Beizug eines Schlaganfallspezialisten als Gutachter aussprach, weil ein solcher bestenfalls Ã¼ber das langfristige Potenzial des Versuchs etwas aussagen kÃ¶nne. Die Gutachten von J und K bestÃ¤tigen die MÃ¶glichkeit einer klinischen Verwendbarkeit, wenn auch in eher all­gemeinen Worten: "Die beantragten Experimente ... kÃ¶nnen grundlegende und neue Kenntnisse zum perzeptuellen Lernen liefern und sind damit geeignet, wissensbasierte Grundlagen fÃ¼r innovative, klinische Rehabilitationsmassnahmen zu schaffen"; "[m]it den Ergebnissen werden die Resultate der Studien mittels funktioneller Kernspintomographie besser interpretiert werden kÃ¶nnen, um die Mechanismen des neuen Lernens nach Schlag­anfall im Bereich des Sehens, aber auch der Sprache, der SensibilitÃ¤t und der Motorik bes­ser zu verstehen". Ein engerer Zusammenhang mit einem Projekt zur Rehabilitation nach SchlaganfÃ¤llen, das bereits an Patientinnen und Patienten getestet werde, wird erstmals in der Replik behauptet und nicht belegt.</p> <p class="Urteilstext">Die Beurteilung der Vorinstanz, dass ein spÃ¤terer klinischer Nutzen des Versuchs mÃ¶glich, aber ungewiss ist, entspricht den Schlussfolgerungen der beiden Gutachten und auch den Angaben der BeschwerdefÃ¼hrer selber. Der Wert des Versuchs fÃ¼r die Grundlagenfor­schung wird durch diese EinschÃ¤tzung nicht berÃ¼hrt.</p> <p class="Erwgung1"><b>8. </b> </p> <p class="Urteilstext">Gegen den Nutzen des Forschungsprojekts sind die den Tieren zuzufÃ¼genden Belastungen abzuwÃ¤gen.</p> <p class="Erwgung2"><b>8.1 </b>Zur Beurteilung der Belastungen hat das BVET eine Informationsschrift publiziert (BVET, Einteilung von Tierversuchen nach Schweregraden vor Versuchsbeginn [Belas­tungskategorien], Allgemeine LeitsÃ¤tze und Beispiele zur analogen Klassierung weiterer Versuche, Information Tierschutz 1.04, Bern 1994, www.bvet.admin.ch: "Themen": "Tier­schutz": "Tierversuche": "Richtlinien und Informationen"). Diese Informationsschrift wird ausdrÃ¼cklich nicht als Richtlinie bezeichnet, sondern als Hilfe im Sinn eines Nachschlage­werks (BVET, S. 2). Die Einteilung in Schweregrade ging ursprÃ¼nglich auf die Klassie­rung der American Society for Neuroscience zurÃ¼ck (BVET, S. 2). Der Katalog wird auch im Ausland angewendet (vgl. Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 54).</p> <p class="Erwgung2"><b>8.2 </b>Wie die Vorinstanz zu Recht bemerkt, sind die LeitsÃ¤tze des BVET zwar grundsÃ¤tzlich anwendbar; sie enthalten aber keine Beispiele, die ohne weiteres auf den vorliegenden Versuch passen. Abgesehen von der allgemeinen Beschreibung der Schweregrade (lit. B, S. 5) kÃ¶nnen am ehesten die Modelle zu Nerven- und GeistesstÃ¶rungen sowie zur Verhal­tensbiologie sinngemÃ¤ss herangezogen werden (lit. C Ziff. 11 S. 21 ff.). Die allgemeine Beschreibung der Schweregrade definiert Schweregrad 2 (mittlere Belastung) wie folgt: "Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken, die eine <i>mittelgradige, kurz­fristige</i> oder eine <i>leichte, mittel- bis langfristige Belastung</i> (Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤­den, schwere Angst oder erhebliche BeeintrÃ¤chtigungen des Allgemeinbefindens) bewir­ken"; als "Beispiele aus der tierÃ¤rztlichen Praxis" werden genannt: "Operatives Behandeln eines Knochenbruchs an einem Bein; Kastration von weiblichen Tieren." Schweregrad 3 (schwere Belastung) umfasst "Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken, die eine <i>schwere bis sehr schwere</i> oder eine <i>mittelgradige, mittel- bis langfristige Belas­tung</i> (schwere Schmerzen, andauerndes Leiden oder schwere SchÃ¤den, schwere und an­dauernde Angst oder erhebliche und andauernde BeeintrÃ¤chtigung des Allgemeinbefin­dens) bewirken"; in der tierÃ¤rztlichen Praxis sollen diesem Schweregrad etwa "[t]Ã¶dlich verlaufende Infektions- und Krebskrankheiten, ohne vorzeitige Euthanasie" entsprechen. Wiederholte Handlungen an Tieren kÃ¶nnen den Schweregrad erhÃ¶hen; dies gilt jedoch nicht, wenn sich das Tier in der Zwischenzeit weitgehend erholen kann (BVET, S. 4).</p> <p class="Erwgung2"><b>8.3 </b>Es ist unbestritten, dass die Tiere bei der vorliegenden Versuchsanordnung sich nach den Operationen jeweils weitgehend erholen kÃ¶nnen. Massgebend fÃ¼r die Beurteilung des Schweregrads ist daher die Belastung der Tiere wÃ¤hrend der eigentlichen Versuchsphase. Sie wird von den Vorinstanzen und von den Parteien kontrovers beurteilt. Im Wesentlichen addieren sich zwei Belastungen fÃ¼r die Tiere: die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion einerseits, die Ar­beit am Bildschirm im Primatenstuhl unter Fixierung des Kopfes anderseits. Die Vorin­stanz ist zum Schluss gekommen, bereits die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion, fÃ¼r sich allein ge­nommen, sei "mindestens als Belastung mit Schweregrad 2" zu beurteilen. Trotz der An­gewÃ¶hnung wÃ¤hrend der Trainingsphase stellten die Fixierung des Kopfes mit der Kopf­halterung, das Sitzen im Primatenstuhl wÃ¤hrend mehrerer Stunden pro Tag und einer Ge­samtdauer bis zu einem Jahr sowie die den Tieren abverlangte Konzentrationsleistung eine zusÃ¤tzliche Belastung dar, weshalb die Gesamtbelastung dem Schweregrad 3 entspreche. Dies entspricht der EinschÃ¤tzung der Beschwerdegegnerschaft. Das VeterinÃ¤ramt hÃ¤lt da­gegen an der Einteilung des Versuchs in Schweregrad 2 fest. Zu diesem Ergebnis kommt auch das Deutsche Primatenzentrum in einem Parteigutachten vom 26. MÃ¤rz 2007.</p> <p class="Erwgung3"><b>8.3.1 </b>Die Gelegenheit zur FlÃ¼ssigkeitszufuhr wird innerhalb der Arbeitsperioden wÃ¤hrend bis zu 24 Stunden beschrÃ¤nkt. Erreicht ein Tier den notwendigen FlÃ¼ssigkeitsbedarf durch die Belohnungen fÃ¼r richtige Antworten nicht, wird dieser einige Zeit nach der Arbeit â aber nicht unmittelbar nachher â ergÃ¤nzt. An arbeitsfreien Tagen haben die Tiere freien Zugang zum Wasser.</p> <p class="Urteilstext">Was die Bewertung der FlÃ¼ssigkeitsrestriktion betrifft, kÃ¶nnen der Vorinstanz gewisse Ungenauigkeiten vorgehalten werden. So ist dem fachkundigen VeterinÃ¤ramt zu folgen, wenn es darauf hinweist, dass die Vorinstanz die Belastung durch die FlÃ¼ssigkeitsrestrik­tion insofern Ã¼berschÃ¤tze, als die von ihr herangezogen Beispiele den Wasserentzug mit TrockenfÃ¼tterung bei Ratten und MÃ¤usen betreffen und die Vorinstanz gewisse in diesem Zusammenhang massgebliche Unterschiede zwischen Ratten und MÃ¤usen einerseits sowie Primaten anderseits vernachlÃ¤ssigt habe. Auch trifft der Einwand zu, dass die hÃ¶heren kognitiven FÃ¤higkeiten der Primaten sich nicht nur in vertieftem Empfinden von Belastun­gen Ã¤ussern, sondern aufgrund der hÃ¶heren Lern- und AnpassungsfÃ¤higkeit auch zu deren Reduktion fÃ¼hren kÃ¶nnen (so auch EKTV/EKAH, S. 21). Umgekehrt hebt die Tierver­suchskommission, die ebenfalls als fachkundig zu gelten hat, das Leiden durch den Durst hervor. GrundsÃ¤tzlich sind sich jedoch die sachkundigen BehÃ¶rden anscheinend einig, dass die FlÃ¼ssigkeitsrestriktion jedenfalls Schweregrad 2 aufweist. Davon ist denn auch auszu­gehen, wobei nochmals zu betonen ist, dass die LeitsÃ¤tze und Beispiele des BVET fÃ¼r den vorliegenden Fall keine genauen Angaben enthalten und einen weiten Interpretationsspiel­raum zulassen.</p> <p class="Erwgung3"><b>8.3.2 </b>Diese letztere Bemerkung gilt auch fÃ¼r die zusÃ¤tzliche Belastung durch die Arbeits­sitzungen und damit fÃ¼r die Gesamtbewertung. Die Vorinstanz schÃ¤tzte die Fixierung des Kopfs, das Sitzen im Primatenstuhl und die Konzentration wÃ¤hrend der Versuchsarbeit als schwere BeeintrÃ¤chtigung des Allgemeinbefindens ein. Sie folgt damit tendenziell der Ein­schÃ¤tzung der Tierversuchskommission. Das VeterinÃ¤ramt macht dagegen geltend, dass weder die Dokumentation der frÃ¼heren Versuche noch die EindrÃ¼cke bei unangemeldeten Inspektionen auf ein gestÃ¶rtes Allgemeinbefinden der Tiere hingewiesen hÃ¤tten. Dies ent­spricht der EinschÃ¤tzung des Deutschen Primatenzentrums, wonach die Tiere bei solchen Versuchen "Ã¼blicherweise entspannt an den Messungen teilnehmen und keinerlei Verhal­tensauffÃ¤lligkeiten aufweisen, die auf eine besondere Schmerzbelastung hinweisen". In der Literatur ist umstritten, wie sehr Primaten durch Versuchsanordnungen, die sich mit der vorliegenden vergleichen lassen, belastet werden (vgl. etwa einerseits Hepp-Reymond, S. 10 f.; anderseits Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 74; Ursula G. Sauer, Ãber die Notwen­digkeit, auf Versuche an Primaten zu verzichten, ALTEX 17/2000, S. 217 ff., 218 f.). Die Meinungen waren Ã¼brigens auch innerhalb der Tierschutzkommis­sion geteilt: sechs ihrer Mitglieder votierten fÃ¼r Schweregrad 3, fÃ¼nf fÃ¼r Schweregrad 2. Eine Subsumtion wird sodann durch die allgemeinen Beispiele des BVET nicht erleichtert: Obwohl dem Deut­schen Primatenzentrum zugestimmt werden kann, dass die vorliegenden Belastungen nicht mit "[t]Ã¶dlich verlaufende[n] Infektions- und Krebskrankheiten, ohne Euthanasie" gleich­gesetzt werden kÃ¶nnen, die als Beispiel fÃ¼r Belastungen des Schweregrads 3 angefÃ¼hrt werden, so sind sie umgekehrt von wohl anderer QualitÃ¤t als "[o]peratives Behandeln eines Knochenbruchs an einem Bein" und die Kastration von weiblichen Tieren, die fÃ¼r typische Belastungen des Schweregrads 2 stehen. Entgegen der Ansicht der BeschwerdefÃ¼hrer er­gibt sich schliesslich aus den Modellen zu Nerven- und GeistesstÃ¶rungen sowie zur Ver­haltensbiologie (lit. C Ziff. 11 S. 21 ff.) ebenso wenig eine klare Einreihung â dies nicht zuletzt wegen der Kombination von Belastungen.</p> <p class="Erwgung3"><b>8.3.3 </b>Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerschaft ist die Gefangenenhaltung im vorliegenden Zusammenhang nicht zu berÃ¼cksichtigen, da Art. 15 Abs. 3 TSchG das ei­genstÃ¤ndige Gebot aufstellt, dass sie entsprechend dem neuesten Stand der Kenntnisse zu erfolgen habe. Insbesondere schreibt Art. 58a TSchV vor, dass die Tierhaltungsvorschrif­ten grundsÃ¤tzlich auch fÃ¼r Versuchstiere gelten. Nach vorherrschender Ansicht ist sodann die TÃ¶tung der Tiere nicht relevant, sofern sie schmerzfrei erfolgt, weil jedenfalls das noch geltende Gesetz das Wohlergeben der Tiere, grundsÃ¤tzlich aber nicht ihr Leben schÃ¼tzt (Goetschel, Kommentar, Art. 1 N. 3 S. 16, Art. 2 N. 10; Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 54 S. 293; vgl. auch BVET, lit. C Ziff. 3 S. 9; Botschaft zur Revision des Tierschutzgesetzes, BBl 2003, 674, mit Blick namentlich auf die Schlachtung). </p> <p class="Erwgung3"><b>8.3.4 </b>Belastungen kÃ¶nnen als BeeintrÃ¤chtigungen der WÃ¼rde des Tieres aufgefasst werden, was im neuen Tierschutzgesetz ausdrÃ¼cklich festgehalten wird (vgl. Art. 3 lit. a und Art. 17 nTSchG). Das noch geltende Recht konkretisiert das Verfassungsprinzip der WÃ¼rde der Kreatur in Art. 13 Abs. 1 TSchG in dem Sinn, dass Schmerzen, Leiden, SchÃ¤den, schwere Angst und erhebliche BeeintrÃ¤chtigungen des Allgemeinbefindens als Belastungen defi­niert werden. Art. 3 lit. a nTSchG nennt nun zusÃ¤tzlich die Erniedrigung, den tiefgreifen­den Eingriff ins Erscheinungsbild oder die FÃ¤higkeiten sowie die Ã¼bermÃ¤ssige Instrumen­talisierung als mÃ¶gliche Belastungen. Unter dem geltenden Recht mÃ¼ssen solche Beein­trÃ¤chtigungen jedenfalls dann als beachtlich gelten, wenn sie sich als Belastungen im Sinn von Art. 13 Abs. 1 TSchG Ã¤ussern. Dies dÃ¼rfte voraussetzen, dass das Tier sie als solche wahrnimmt. Ob sich vor dem Inkrafttreten des neuen Tierschutzgesetzes darÃ¼ber hinaus diese ethischen Gesichtspunkte als Belastungen auffassen lassen, wie die Beschwerdegeg­nerschaft fordert, erscheint zweifelhaft, kann jedoch offen bleiben.</p> <p class="Erwgung3"><b>8.3.5 </b>Es kann nÃ¤mlich als gesichert gelten, dass das vorliegend zu prÃ¼fende Experiment sachlich mindestens den Schweregrad 2 â also 2 oder 3 â aufweist. FÃ¼r eine nÃ¤here Be­stimmung fehlen konkrete Kriterien: Die Gutachten sind in diesem Punkt wenig aussage­krÃ¤ftig; die Informationsschrift des BVET enthÃ¤lt keine Beispiele, die exakt auf den vor­liegenden Fall passen, und lÃ¤sst einigen Beurteilungsspielraum zu; die sachkundigen Be­hÃ¶rden sind sich ebenso uneinig wie die Literatur. Auch die von den Parteien und dem VeterinÃ¤ramt angefÃ¼hrten Zusammenstellungen der Leidensmerkmale Ã¤ndern am weiten Beurteilungsspielraum nichts (vgl. namentlich BVET, Retrospektive Einteilung von Tier­versuchen nach Schweregraden [Belastungskategorien], Information Tierschutz 1.05, Bern 1994, lit. E Ziff. 12, S. 19 ff.). Angesichts dessen ist als Fazit festzuhalten, dass die Vorin­stanz ihren Beurteilungsspielraum sachlich nicht Ã¼berschritten hat, wenn sie von einer Be­lastung des Schweregrads 3 ausgegangen ist. Im Ãbrigen wÃ¼rde auch eine Subsumtion unter Schweregrad 2 nicht ohne weiteres dazu fÃ¼hren, dass die Belastung der Versuchstiere in der GÃ¼terabwÃ¤gung gegenÃ¼ber dem Interesse am Nutzen der Forschung unterliegen wÃ¼rde. </p> <p class="Erwgung2"><b>8.4 </b>Das VeterinÃ¤ramt scheint Versuche wie den vorliegenden bisher in Schweregrad 2 einge­teilt zu haben, was einer allgemeinen Praxis in der Schweiz zu entsprechen scheint (so Hepp-Reymond, S. 11). Die Vorinstanz begrÃ¼ndet ihre abweichende Einteilung damit, insbesondere im Vergleich zu den vorangehenden VersuchsantrÃ¤gen Nr. 144/1999 bzw. 171/2002 der BeschwerdefÃ¼hrer seien beim vorliegenden Versuch grÃ¶ssere Belastungen fÃ¼r die Tiere vorgesehen. Zu prÃ¼fen ist, ob dies haltbar ist oder ob die bisher verfolgte Pra­xis eine Einteilung des vorliegenden Versuchs in Schweregrad 2 fordert.</p> <p class="Erwgung3"><b>8.4.1 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer 2 gab auf RÃ¼ckfrage des VeterinÃ¤ramts hin an, dass der vorlie­gende Versuch hÃ¶here Anforderungen an die Tiere stelle als der vorangehende Ver­such, da die Tiere nun an Hebeln zu ziehen hÃ¤tten, wÃ¤hrend sie zuvor bloss den Blick hÃ¤t­ten fixieren mÃ¼ssen: "Although most of the recording methodology is similar to the previ­ous request, the proposed experiments also involve more sophisticated behavioral measu­res (the animal has to pull bars to give answers, while only gaze fixation was required be­fore)." UrsprÃ¼nglich hatte er deshalb stÃ¤rkere FlÃ¼ssigkeitsrestriktionen als in den vorange­henden Versuchen verlangt, nÃ¤mlich eine Grenze von 20 (statt 40) ml pro Kilogramm KÃ¶r­pergewicht und Tag. Das VeterinÃ¤ramt legte mit einer Auflage das Minimum wiederum bei 40 ml fest, stellte aber eine ErgÃ¤nzungsbewilligung fÃ¼r den Fall in Aussicht, dass ein entsprechendes Gesuch eingereicht werde und die Notwendigkeit einer tieferen Limite belegt werden kÃ¶nne. Die FlÃ¼ssigkeitsrestriktionen gehen aber insofern weiter als bei den frÃ¼heren Versuchen, als die Tiere wÃ¤hrend der Arbeitsperioden niemals freien Zugang zu Wasser haben.</p> <p class="Erwgung3"><b>8.4.2 </b>Zu Recht weist die Vorinstanz sodann darauf hin, dass die FlÃ¼ssigkeitsrestriktionen nicht nur als solche weiter gehen, sondern dass dies mit einer stÃ¤rkeren Beanspruchung der Tiere durch die komplexere Aufgabenstellung korreliert. Die verschÃ¤rften FlÃ¼ssigkeitsre­striktionen dienen gerade dazu, die Tiere zu dieser schwierigeren Mitarbeit anzuhalten. Wenn die Vorinstanz zum Schluss kommt, die Belastung der Tiere sei stÃ¤rker als in den frÃ¼heren AntrÃ¤gen vorgesehen, ist dies demnach nicht zu beanstanden.</p> <p class="Erwgung3"><b>8.4.3 </b>Unter diesen UmstÃ¤nden ist nicht ausschlaggebend, dass die weiteren GrÃ¼nde, welche die Vorinstanz fÃ¼r eine gegenÃ¼ber den frÃ¼heren Bewilligungen abweichende Einteilung anfÃ¼hrt, nur eingeschrÃ¤nkt oder gar nicht beachtlich sind. So sieht die Vorinstanz eine Ver­grÃ¶sserung der Belastung darin, dass eine Versuchssitzung nun nicht mehr nach 5â10 Mi­nuten abgebrochen werden soll, wenn ein Tier nicht weiter arbeitet, sondern erst nach 30 Minuten. GrundsÃ¤tzlich zu Recht weist das VeterinÃ¤ramt allerdings darauf hin, dass seine Bewilligung die von ihm â anscheinend unter Mitwirkung der BeschwerdefÃ¼hrer â erar­beitete Standard Operation Procedure (SOP) "Termination criteria for working sessions and limits of water deprivation in macaque monkey experiments" vom 13. Februar 2005 zum verbindlichen Bestandteil der Bewilligung erklÃ¤rt. In der SOP wird nicht nur fest­gehalten, dass eine Verweigerung der Mitarbeit nach spÃ¤testens 30 Minuten zum Abbruch der Arbeitssitzung fÃ¼hren muss, sondern es wird auch angeordnet, dass die Sitzung unver­zÃ¼glich beendet werden muss, wenn ein Tier ein auffÃ¤lliges Verhalten wie Unruhe, Schreien oder Aggression an den Tag legt. In diesem Zusammenhang kann auf die Infor­mationsschrift des BVET (S. 4) hingewiesen werden, wonach der "gewÃ¤hlte Endpunkt des Versuchs (Abbruchkriterien), ... und/oder die Versuchsdauer ... oft den tatsÃ¤chlichen Schweregrad" bestimmen. Die Auferlegung dieser Abbruchkriterien Ã¤ndert im vorliegen­den Fall allerdings nichts daran, dass die Tiere stÃ¤rker belastet werden sollen als nach den frÃ¼heren Gesuchen, da hÃ¤ufige UnterbrÃ¼che letztlich dazu fÃ¼hren, dass der Versuch Ã¼ber entsprechend lÃ¤ngere Zeit fortgefÃ¼hrt werden muss. Ob die Tiere wÃ¤hrend des Arbeitsun­terbruchs im Primatenstuhl jeweils entspannt dÃ¶sen oder aus ErschÃ¶pfung schlafen, ist un­ter den Parteien umstritten, kann hier aber offen gelassen werden.</p> <p class="Urteilstext">Keine VerschÃ¤rfung gegenÃ¼ber den frÃ¼heren Gesuchen scheint die in der SOP enthaltene Anweisung darzustellen, dass die Tiere tÃ¤glich und nicht nur jeden zweiten Tag zur Arbeit angehalten werden sollen. Der Grund fÃ¼r die Neuregelung scheint zu sein, dass eine tÃ¤gli­che Routine den Tieren besser bekommt als ein von UnterbrÃ¼chen geprÃ¤gter Arbeitsrhyth­mus. Insofern kann der Vorinstanz nicht gefolgt werden. Umgekehrt kann die Ãnderung auch nicht als Erleichterung fÃ¼r die Tiere angesehen werden, da es darum geht, die pro­spektiven Beurteilungen miteinander zu vergleichen.</p> <p class="Urteilstext">In Bezug auf die Massnahmen bei einem Gewichtsverlust eines Tiers ist die Vorinstanz schliesslich einem Irrtum erlegen. GemÃ¤ss der entsprechenden Auflage wird der Versuch nicht erst dann unterbrochen, wenn das Gewicht eines Tiers drei Tage hintereinander un­terhalb von 90 % des Normalgewichts liegt, wie die Vorinstanz annimmt. Er muss viel­mehr dann unterbrochen werden, wenn das Gewicht eines Tiers unterhalb von 90 % des Normalgewichts liegt, wie es sich aus den Messungen an drei aufeinander folgenden Tagen ergeben hat. Die Arbeit kann erst wieder aufgenommen werden, wenn das Tier wieder das Normalgewicht erreicht hat (und nicht bereits dann, wenn es die Gewichtslimite wieder Ã¼berschritten hat). </p> <p class="Erwgung3"><b>8.4.4 </b>Zusammenfassend kann festgehalten werden: GegenÃ¼ber den in den AntrÃ¤gen Nrn. 144/1999 bzw. 171/2002 vorgesehenen Versuchsanordnungen sollen die Tiere vorliegend stÃ¤rker belastet werden. Dies ergibt sich namentlich aus der schwierigeren Aufgabenstel­lung und der damit verbundenen VerschÃ¤rfung der FlÃ¼ssigkeitsrestriktion. Im Ãbrigen sind die Argumente der Vorinstanz zu dieser Frage nicht stichhaltig, und in einem Punkt liegt sogar ein Versehen vor. Zwar ist somit zweifelhaft, ob die vorgesehene Mehrbelastung als gravierend eingeschÃ¤tzt werden mÃ¼sste. Bei einer von vornherein heiklen Einteilung, bei deren Vornahme ein grosser Beurteilungsspielraum besteht, kÃ¶nnen jedoch gegebenenfalls auch mÃ¤ssige Unterschiede den Ausschlag geben. Deshalb schliesst auch die Subsumtion der Belastung durch die vorangehenden Versuche unter Schweregrad 2 vorliegend die An­nahme von Schweregrad 3 nicht aus. Im Ãbrigen kÃ¶nnte ein solches Vorgehen auch dann gerechtfertigt werden, wenn die Voraussetzungen fÃ¼r eine PraxisÃ¤nderung erfÃ¼llt sind (dazu hinten E. 10).</p> <p class="Erwgung3">Anzumerken ist, dass die unzutreffenden Annahmen bei der Sachverhaltsfeststellung trotz dem weiten Beurteilungsspielraum der Vorinstanz als von so untergeordneter Bedeutung erscheinen, dass aus prozessÃ¶konomischen GrÃ¼nden von einer RÃ¼ckweisung zu neuer Ent­scheidung im Sinn von § 64 Abs. 1 VRG abzusehen ist.</p> <p class="Erwgung1"><b>9. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>9.1 </b>Damit ist auf die zentrale GÃ¼terabwÃ¤gung einzugehen. Nach Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV ist zu beantworten, ob der Versuch, "<span>gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn oder Ergebnis", den Tieren "unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den bereitet". Diese Bestimmung ist anhand von Art. 13 Abs. 1 TSchG auszulegen</span><span>, wonach "Tierversu­che, die dem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gen, es in schwere Angst verset­zen oder sein Allgemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chtigen kÃ¶nnen, ... auf das unerlÃ¤ssli­che Mass zu beschrÃ¤nken" sind. DemgemÃ¤ss ist Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV Ã¼ber seinen Wortlaut hinaus so auszulegen, dass sich die UnverhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit eines Versuchs auch aus der schweren Angst oder der erheblichen BeeintrÃ¤chtigung des Allgemeinbefindens eines Tiers ergeben kann. Andernfalls wÃ¼rde die von Art. 13 Abs. 1 TschG vorgeschrie­bene BeschrÃ¤nkung von Versuchen, die das Tier in schwere Angst versetzen oder sein All­gemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chtigen kÃ¶nnen, auf das unerlÃ¤ssliche Mass nicht grei­fen. Es bestehen auch keine Anhaltspunkte, dass diese beiden Kriterien in Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV bewusst ausgespart wurden, wie auch die â in den Materialien und der Lehre kaum thematisierten â unterschiedlichen AufzÃ¤hlungen in Art. 2 Abs. 3, Art. 13 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 TSchG auf die Entstehungsgeschichte der heutigen Fassung des Gesetzes und nicht auf eine bewusste Differenzierung zurÃ¼ckzugehen scheinen (vgl. auch </span><span>Bericht der Kommission des Nationalrates vom 16. Januar 1990, BBl 1990 III 1266; </span><span>Rebsamen-Albisser, S. 218). Diese Fragen sind im vorliegenden Zusammenhang allerdings nicht ent­scheidend.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Art. 13 Abs. 1 TSchG und Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV lassen einen weiten Beurteilungs­spielraum offen. </span>Die Lehre kritisiert denn auch die mangelnde Konkretisierung der Anfor­derungen an Tierversuche teils heftig (Gehrig, S. 125 f.; Rebsamen-Albisser, S. 206 ff., bes. 218 f.; Wirth, S. 224 f.; Zenger, S. 129 ff., 183 ff.).</p> <p class="Erwgung2"><b>9.2 </b>Vorweg ist festzustellen, ob die Vorinstanz den Sachverhalt korrekt ermittelt und ob sie die Beweis- und Hilfsmittel korrekt gewÃ¼rdigt hat.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.2.1 </b>Zwar sind der Vorinstanz, wie erwÃ¤hnt, einige Versehen unterlaufen, die sich auf die tatsÃ¤chlichen Voraussetzungen beziehen. Zu nennen sind die mangelnde BerÃ¼cksichtigung der Unterschiede zwischen Ratten und MÃ¤usen einerseits sowie Primaten anderseits bei der Beurteilung der Belastung durch die FlÃ¼ssigkeitsrestriktionen, die unzutreffende Annahme einer Mehrbelastung der Versuchstiere durch die tÃ¤gliche Arbeit sowie die fehlerhafte Dar­stellung der Gewichtskontrolle. Es handelt sich aber um untergeordnete Versehen, die das Ergebnis der Entscheidung, wie aufgezeigt, nicht in Frage stellen und die deshalb nicht als fÃ¼r den Entscheid erhebliche unrichtige Feststellungen des Sachverhalts im Sinn von § 51 VRG gelten kÃ¶nnen.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.2.2 </b>Die Frage nach der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit des Tierversuchs stellt eine Rechtsfrage dar, weshalb die Gutachten insoweit keine bindende Wirkung entfalten â unabhÃ¤ngig davon, dass sie auch unvollstÃ¤ndig sind, was die AbwÃ¤gung zwischen dem Nutzen des Versuchs und der Belastung der Tiere betrifft (vgl. vorn E. 5.1.5). Unbestrittenermassen sagt sodann die UnterstÃ¼tzung eines Projekts durch den SNF nichts aus zu dieser GÃ¼terabwÃ¤gung, da der SNF nur die wissenschaftliche QualitÃ¤t der Forschungsprojekte beurteilt und die not­wendigen Bewilligungen durch die zustÃ¤ndigen BehÃ¶rden vorbehalten bleiben (vgl. Art. 17 des Beitragsreglements des Schweizerischen Nationalfonds vom 14. Dezember 2007; SNF, Das Bewilligungsverfahren fÃ¼r Forschungsversuche im SNF bezÃ¼glich Tierversuchen [ver­einfachte Darstellung]; SNF, Empfehlungen von EKAH und EKTV zu Primatenversuchen, Stellungnahme des SNF zu den Empfehlungen an forschungsfinanzierende Stellen, 4. Oktober 2006 [www.snf.ch: "Aktuell": "Dossiers": "Tierversuche"].</p> <p class="Erwgung3"><b>9.2.3 </b>Die Vorinstanz hat die Gutachten, die Beweismittel sowie die Fachkenntnisse des VeterinÃ¤ramts und der Tierschutzkommission grundsÃ¤tzlich korrekt gewÃ¼rdigt, und es kann ihr auch nicht vorgeworfen werden, sie habe massgebliche Literatur zu Unrecht nicht berÃ¼cksichtigt (vorn E. 5.3). An dieser Stelle ist jedoch auf den Vorwurf der Beschwerde­fÃ¼hrer einzugehen, die Vorinstanz habe die Folgerungen des Berichts "Forschung an Pri­maten â eine ethische Bewertung" von EKTV und EKAH (Bern 2006) zu unkritisch Ã¼ber­nommen und dadurch unzulÃ¤ssigerweise ihre Kognition eingeschrÃ¤nkt.</p> <p class="Urteilstext">Die Vorinstanz fÃ¼hrt zunÃ¤chst aus, die Empfehlungen des Berichts seien "zu berÃ¼cksichti­gen". Hierauf stellt sie ihre bereits vorher begrÃ¼ndeten Bewertungen des Nutzens der er­warteten Erkenntnisse und der Belastung der Versuchstiere einander gegenÃ¼ber und schliesst sodann, dass "[a]ngesichts dieser UmstÃ¤nde sowie unter BerÃ¼cksichtigung der Empfehlungen der [EKTV und der EKAH] fÃ¼r den vorliegenden Versuch das Interesse der Versuchstiere an Belastungsfreiheit hÃ¶her zu gewichten [ist] als das menschliche Interesse am Versuchsergebnis", weshalb der Tierversuch nicht zu bewilligen sei.</p> <p class="Urteilstext">Zwar ist diese BegrÃ¼ndung des Ergebnisses der GÃ¼terabwÃ¤gung knapp. Es kann ihr aber nicht entnommen werden, die Vorinstanz habe die Ergebnisse des Berichts von EKTV und EKAH unbesehen Ã¼bernommen: Zum einen verwendet die Vorinstanz den Begriff des "BerÃ¼cksichtigens". Nach gÃ¤ngiger juristischer Terminologie heisst dies, dass sie sich ge­rade nicht an die Ergebnisse des Berichts gebunden gefÃ¼hlt hat, sondern dass sie ihn in ihre Ãberlegungen miteinbezogen hat; Ã¤hnliche Bedeutungsgehalte wie "berÃ¼cksichtigen" hÃ¤t­ten im vorliegenden Zusammenhang etwa "mitbedenken", "in ErwÃ¤gung ziehen", "beach­ten", "wÃ¼rdigen". Zum andern ist erfahrungsgemÃ¤ss das eigentliche Entscheidungsmoment sehr schwer zu erfassen, gerade in einem Fall wie dem vorliegenden, wo qualitativ ver­schiedene GÃ¼ter wie der wissenschaftliche Nutzen und die Belastung der Versuchstiere gegeneinander abzuwÃ¤gen sind, deren Bestimmung erst noch mit weitreichenden Unsi­cherheiten behaftet ist. Die Knappheit der fraglichen ErwÃ¤gung der Vorinstanz liegt hierin begrÃ¼ndet und kann nicht als Anzeichen einer unzulÃ¤ssigen Bindung an den Bericht von EKTV und EKAH betrachtet werden.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.3 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>9.3.1 </b>Die Vorinstanz hat folgende Gesichtspunkte in die GÃ¼terabwÃ¤gung einbezogen: Den Nutzen des Versuchs hat sie einerseits anhand von dessen Eignung beurteilt, Kenntnisse in der Grundlagenforschung zu erlangen; anderseits hat sie die Chancen einer klinischen An­wendbarkeit der Ergebnisse mitberÃ¼cksichtigt. Diese Kriterien sind adÃ¤quat (vorn E. 6 f.). Im Rahmen der eigentlichen GÃ¼terabwÃ¤gung ist die Vorinstanz sinngemÃ¤ss von einer Son­derstellung der nicht-humanen Primaten ausgegangen; die Berechtigung dieses â stark ge­wichteten â Kriteriums ist im Folgenden ebenso zu prÃ¼fen wie die Frage, ob die Vorinstanz weitere Aspekte zu Unrecht berÃ¼cksichtigt oder Ã¼bergangen hat.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.3.2 </b>Wie bereits ausgefÃ¼hrt wurde (E. 4.3.3), ist es dagegen nicht Sache des Verwaltungsge­richts, selber in freier RechtsschÃ¶pfung Kriterien der GÃ¼terabwÃ¤gung auf­zustellen. Es wÃ¤ren alternativ oder ergÃ¤nzend zum Vorgehen der Vorinstanz andere bzw. weitere Methoden denkbar, zum Beispiel das Aufstellen von Fragen- oder Kriterienkatalo­gen zur Festlegung einer Skala des Forschungsnutzens, wie es fÃ¼r das deutsche Recht vor­geschlagen wird (vgl. Hirt/Maisack/Moritz, § 7 Rn. 55). Im Folgenden ist nicht nach sol­chen alternativen oder ergÃ¤nzenden Vorgehensweisen zu suchen; vielmehr ist zu prÃ¼fen, ob die von der Vorinstanz verwendeten Kriterien und deren Gewichtung rechtmÃ¤ssig sind. Darin ist die PrÃ¼fung eingeschlossen, ob gesetzlich vorgeschriebene Kriterien Ã¼bersehen wurden oder ob umgekehrt gesetzlich ausgeschlossene Kriterien berÃ¼cksichtigt wurden.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.4 </b>Somit ist danach zu fragen, ob die Vorinstanz die Empfehlungen von EKTV und EKAH aufnehmen und daraus folgern durfte, dass "[a]us ethischen GrÃ¼nden ... Bewilli­gungsbehÃ¶rden Versuche mit Primaten ... im Rahmen ihres aktuellen Beurteilungsspiel­raums nur mit grÃ¶sster ZurÃ¼ckhaltung" gestatten sollten.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.4.1 </b>Die AbwÃ¤gung zweier qualitativ unterschiedlicher GÃ¼ter (des Nutzens der Forschung fÃ¼r den Menschen einerseits, der Belastung fÃ¼r die betroffenen Tiere anderseits) verlangt nach einem Massstab, den der Gesetzgeber nicht bereitstellt. Die Vorinstanz verlÃ¤sst unter diesen UmstÃ¤nden den Rahmen ihres Beurteilungsspielraums nicht, wenn sie mit EKTV und EKAH darauf verweist, dass Primaten aufgrund ihrer NÃ¤he zum Menschen und ihrer kognitiven FÃ¤higkeiten eine Sonderstellung zukomme, und damit die Hierarchie der Tier­arten in ihrer AbwÃ¤gung mit gewichtet. Immerhin verlangt das Tierschutzgesetz bei einer anderen Fragestellung, die aber in nahem Zusammenhang mit der hier vorzunehmenden AbwÃ¤gung steht, die BerÃ¼cksichtigung der Hierarchie der Tierarten: Art. 16 Abs. 3 TSchG schreibt vor, dass Versuche an hÃ¶heren Tieren, beispielsweise an SÃ¤ugetieren, nur ausge­fÃ¼hrt werden dÃ¼rfen, wenn der Zweck nicht mit niedriger stehenden Tierarten erreicht wer­den kann. Dieser Grundsatz wird in Art. 61 Abs. 1 lit. d TSchV als Bewilligungsvorausset­zung umschrieben. Entgegen der Ansicht der BeschwerdefÃ¼hrer ist die Hierarchie auch innerhalb der Klasse der SÃ¤ugetiere zu beachten. (Die Begriffe der "Hierarchie" und der "Tierart" werden hier hilfsweise ungeachtet allfÃ¤lliger biologischer Unstimmigkeiten ver­wendet.)</p> <p class="Urteilstext">Zwar scheint sich diese Betrachtungsweise nicht einfach mit der Leidens- oder Empfin­dungsfÃ¤higkeit begrÃ¼nden zu lassen (die jedenfalls nicht vÃ¶llig kongruent mit den kogniti­ven FÃ¤higkeiten ist); sie stellt vielmehr â implizit oder explizit â auch auf die kognitiven FÃ¤higkeiten und auf die nahe Verwandtschaft mit dem Menschen ab. Das Kriterium der Hierarchie der Tierarten ist insofern ethisch begrÃ¼ndet â worauf auch die Vorinstanz hin­weist â und weist QuerbezÃ¼ge zum Verfassungsgrundsatz der WÃ¼rde der Kreatur auf (wo­bei in der Lehre Zweifel am Unterscheidungsmerkmal der Entwicklungsstufe ebenfalls mit der WÃ¼rde der Kreatur begrÃ¼ndet werden, vgl. Ina Praetorius/Peter Saladin, Die WÃ¼rde der Kreatur [Art. 24<sup>novies</sup> Abs. 3 BV], Bern 1996, S. 119). Diese ZusammenhÃ¤nge sprechen jedoch gewiss nicht gegen die Anwendung des Kriteriums, ungeachtet dessen, dass die Rechtsanwendung beim direkten RÃ¼ckgriff auf Verfassungsprinzipien darauf achten muss, die gesetzlichen Konkretisierungen und AbwÃ¤gungsvorschriften nicht unzulÃ¤ssigerweise zu Ã¼berspielen. </p> <p class="Urteilstext">Zusammenfassend: Eine analoge Anwendung des in Art. 16 Abs. 3 TSchG enthaltenen Kriteriums der Hierarchie der Tierarten erscheint Ã¼berzeugend. AnzufÃ¼gen ist, dass der spezifischen LeidensfÃ¤higkeit einzelner Tierarten gegebenenfalls zusÃ¤tzlich bei der Belas­tungseinstufung Rechnung zu tragen ist.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.4.2 </b>Ein Indiz dafÃ¼r, dass die Verwendung dieses Kriteriums den Intentionen des Gesetzge­bers nicht widerspricht, stellt im Ãbrigen der Bericht der nationalrÃ¤tlichen Kom­mission fÃ¼r Wissenschaft, Bildung und Kultur vom 16. Februar 2007 zur Parlamentari­schen Initiative Maya Graf "Verbot von mittel- und schwerbelastenden Tierversuchen an Primaten" (GeschÃ¤fts-Nr. 06/464, www.parlament.ch) dar. Dort wird ausdrÃ¼cklich er­wÃ¤hnt, die "fÃ¼r die ethische Begutachtung von Tierversuchen zustÃ¤ndigen Kommissionen kÃ¶nn[t]en ... bereits heute darauf hinwirken, belastende Versuche mit Primaten einzu­schrÃ¤nken, wie zwei aktuelle Beispiele von Rekursen im Kanton ZÃ¼rich zeigen". Kein Wi­derspruch zum Gesagten liegt darin, dass der Nationalrat am 20. Dezember 2007 beschlos­sen hat, der genannten Parlamentarischen Initiative keine Folge zu geben. Die Initiative verlangte nÃ¤mlich, Tierversuche der Schweregrade 1â3 an grossen Menschenaffen sowie Tierversuche der Schweregrade 2 und 3 an Primaten Ã¼berhaupt zu verbieten.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.5 </b>Laut der Beschwerdegegnerschaft ist die WÃ¼rde der Kreatur bei der GÃ¼terabwÃ¤gung â oder bereits bei der Bestimmung des Schweregrads der Belastung â mitzuberÃ¼cksichtigen.</p> <p class="Erwgung3"><b>9.5.1 </b> Der Grundsatz der WÃ¼rde der Kreatur ist grundsÃ¤tzlich auch im Bereich des Tierschut­zes beachtlich (vgl. vorn E. 2.2) und kann als BegrÃ¼ndung dafÃ¼r angesehen wer­den, das Wohlergehen der Tiere als Rechtsgut in die GÃ¼terabwÃ¤gung einzubeziehen. Die BegrÃ¼ndungen fÃ¼r die Vornahme der GÃ¼terabwÃ¤gung und die darin abzuwÃ¤genden Rechts­gÃ¼ter sind jedoch zu unterscheiden. Es ginge auch nicht an, in einer vom Gesetzgeber be­wusst offen belassenen GÃ¼terabwÃ¤gung ein einziges von mehreren involvierten Verfas­sungsprinzipien und ­rechten systematisch zu privilegieren. Nicht zu folgen ist daher der in der Literatur geÃ¤usserten Ansicht, das Verfassungsprinzip der WÃ¼rde der Kreatur, das den Tierschutz verstÃ¤rke, sei "ein zusÃ¤tzliches erhebliches Gewicht in der Waagschale dieses Interesses und [mÃ¼sse] somit die AbwÃ¤gung der Interessen beeinflussen" (Praeto­rius/Saladin, S. 119 mit weiterem Hinweis). Dies gilt bei der Anwendung des noch gelten­den Rechts umso mehr, als der Gesetzgeber sogar im neuen Tierschutzgesetz, in dem die WÃ¼rde der Kreatur explizit berÃ¼cksichtigt wird, an der Offenheit der AbwÃ¤gung nichts geÃ¤ndert hat (Art. 19 Abs. 4 nTSchG). Es ist daher davon auszugehen, dass die WÃ¼rde der Kreatur in der GÃ¼terabwÃ¤gung nur insofern eine Rolle spielen kann, als eine WÃ¼rdeverlet­zung sich als Belastung des Tiers Ã¤ussert, namentlich als Leiden oder BeeintrÃ¤chtigung des Allgemeinbefindens (dazu vorn E. 9.1). </p> <p class="Erwgung3"><b>9.5.2 </b>Die Frage braucht hier allerdings nicht abschliessend behandelt zu werden: Zum ei­nen ist die WÃ¼rde der Kreatur vorliegend nicht entscheidrelevant. Zum andern kann der Vorinstanz nicht der Vorwurf gemacht werden, sie hÃ¤tte sich unzulÃ¤ssigerweise auf diesen Grundsatz abgestÃ¼tzt: Sie fÃ¼hrt aus, dass das geltende Recht â im Gegensatz zum neuen Tierschutzgesetz â eine BerÃ¼cksichtigung der WÃ¼rde der Kreatur im Bereich des Tier­schutzes bzw. bei der Bewilligung von Tierversuchen nicht vorschreibe, dass jedoch "die vorzunehmende GÃ¼terabwÃ¤gung bei Tierversuchen auch der BerÃ¼cksichtigung der WÃ¼rde des Tieres dient und dieser bei der Auslegung der Gesetzesbestimmung Rechnung zu tra­gen ist" (E. 3b/cc). Diese Aussagen finden sich im Abschnitt zu den Rechtsgrundlagen, und die Vorinstanz kommt in ihrem Entscheid bei der Bewertung der Belastung und bei der GÃ¼terabwÃ¤gung nicht mehr auf die WÃ¼rde des Tiers zurÃ¼ck. Es bestehen somit keine Anhaltspunkte, dass sie diesen Grundsatz in unzulÃ¤ssiger Weise Ã¼berbewertet hÃ¤tte.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.6 </b>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid ihren Beurteilungsspielraum nicht Ã¼berschritten hat. Korrekt ist die WÃ¼rdigung des For­schungsnutzens, wonach zwar Erkenntnisse von einiger Bedeutung fÃ¼r die Grundlagenfor­schung zu erwarten sind, deren klinische Anwendbarkeit jedoch unsicher ist. Jedenfalls haltbar ist umgekehrt die Einreihung der Belastung der Versuchstiere unter Schweregrad 3, wobei auch eine Zuordnung zu Schweregrad 2 nicht zwingend zu einem anderen Ergebnis fÃ¼hren mÃ¼sste. Schliesslich durfte die Vorinstanz auch das Kriterium der Hierarchie der Tierarten in Analogie zu Art. 16 Abs. 3 TSchG heranziehen und eine restriktive Bewilli­gungspraxis im Fall von Tierversuchen an Primaten darauf abstÃ¼tzen. Im Ãbrigen hat die Vorinstanz weder sachfremde Kriterien in die GÃ¼terabwÃ¤gung einbezogen noch gesetzlich vorgesehene Kriterien Ã¼bersehen.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.7 </b>Am Ergebnis Ã¤ndert nichts, dass mit der vorgenommenen AbwÃ¤gung zugleich Ã¼ber die ZulÃ¤ssigkeit der EinschrÃ¤nkung der Forschungsfreiheit nach Art. 20 in Verbindung mit Art. 36 BV entschieden wurde. Ob der Eingriff in das Grundrecht verhÃ¤ltnismÃ¤ssig ist, ist grundsÃ¤tzlich frei zu prÃ¼fen, da keine GrÃ¼nde fÃ¼r eine ZurÃ¼ckhaltung gegeben sind (vgl. vorn E. 4.3.2; JÃ¶rg Paul MÃ¼ller, in: Kommentar zur Bundesverfassung vom 29. Mai 1874, 1987, Einleitung zu den Grundrechten [MÃ¼ller, Einleitung], Rz. 161 f.). Die Lehre geht allerdings von einer Abstufung der PrÃ¼fungsdichte in Relation zur Schwere der Grund­rechtsbeeintrÃ¤chtigung aus (MÃ¼ller, Einleitung, Rz. 157; Markus Schefer, Die BeeintrÃ¤ch­tigung von Grundrechten, Bern 2006, S. 87 ff.). Soweit sie sich mit der Frage befasst, nimmt die Doktrin an, dass der heutige Art. 13 Abs. 1 TSchG die PrÃ¼fung der VerhÃ¤ltnis­mÃ¤ssigkeit einer Bewilligungsverweigerung unter grundrechtlichen Gesichtspunkten zu­lÃ¤sst, namentlich bei BerÃ¼cksichtigung von beruflichen Dispositionen der Forschenden, wozu insbesondere auch die Freiheit der Wahl des Forschungsgegenstandes gehÃ¶rt (vgl. Zenger, S. 141 f.). Ob dies zutrifft, kann offen bleiben.</p> <p class="Urteilstext">Die Verweigerung einer Bewilligung fÃ¼r einen bestimmten Tierversuch ist nÃ¤mlich nicht als schwerer Eingriff in die Forschungsfreiheit zu betrachten, da mÃ¶glicherweise bereits Ãnderungen des Versuchszwecks oder der Versuchsanordnung mit nur geringfÃ¼gigen Auswirkungen fÃ¼r die Forschung genÃ¼gen kÃ¶nnen, um eine Bewilligung zu erlangen. Der ebenfalls auf Verfassungsebene verankerte Schutz von Tieren vor unnÃ¶tigen Belastungen ist hoch zu gewichten. Er vermag auch im konkreten Fall den Eingriff in die Forschungs­freiheit im Ergebnis zu rechtfertigen. Dies gilt auch dann, wenn die beruflichen Dispositio­nen der BeschwerdefÃ¼hrer zu berÃ¼cksichtigen sind.</p> <p class="Erwgung1"><b>10. </b> </p> <p class="Urteilstext">Die Vorinstanz, die einen Rekurs gegen die Tierversuchsbewilligung Nr. 144/1999 der BeschwerdefÃ¼hrer am 21. September 2000 abgewiesen hat, versteht ihren Entscheid an­scheinend nicht als PraxisÃ¤nderung, und er braucht nach dem Gesagten auch nicht als sol­che aufgefasst zu werden. Es kann ergÃ¤nzt werden, dass eine PraxisÃ¤nderung vorliegend zulÃ¤ssig erschiene (vgl. zu den Voraussetzungen HÃ¤felin/MÃ¼ller/Uhlmann, Rz. 509 ff.). Eine grundsÃ¤tzliche Stellungnahme von EKTV und EKAH zur ethischen Bewertung der Versuche an Primaten wÃ¤re â besonders angesichts der gesetzlich vorgesehenen Beratungs­funktion der EKTV (Art. 19 TSchG) â als ernsthafter, sachlicher und das Interesse an der Rechtssicherheit Ã¼berwiegender Grund fÃ¼r eine PraxisÃ¤nderung geeignet. Weder die Zuge­hÃ¶rigkeit des Experiments zu einer Forschungsreihe noch die Bewilligung fÃ¼r das â dar­aufhin begonnene â Training eines aus einem anderen Experiment Ã¼bernommenen Affen fÃ¼r den vorliegenden Versuch hÃ¤tte schutzwÃ¼rdiges Vertrauen in die bisherige Praxis ge­schaffen. Sodann wÃ¼rde die Ernsthaftigkeit einer PraxisÃ¤nderung nicht durch die Tierver­suchsbewilligung Nr. 78/2007 in Frage gestellt, da diese wÃ¤hrend der RechtshÃ¤ngigkeit des laufenden Verfahrens vom VeterinÃ¤ramt (und nicht von der Vorinstanz) erteilt wurde. Aus diesem Grund ist auch ein Verstoss gegen das Gebot der Rechtsgleichheit (Art. 8 Abs. 1 BV) zu verneinen. Schliesslich sprÃ¤che auch das baldige Inkrafttreten des neuen Tier­schutzgesetzes nicht gegen eine solche PraxisÃ¤nderung, da diese sowohl nach noch gelten­dem als auch nach neuem Recht in der Kompetenz der Rechtsanwendung liegt. Weder kÃ¤me somit die PraxisÃ¤nderung einer unzulÃ¤ssigen Vorwirkung des neuen Rechts gleich, noch wÃ¼rde die neue Praxis bei Inkrafttreten des neuen Rechts obsolet, was ihre Ernsthaf­tigkeit in Frage stellen kÃ¶nnte.</p> <p class="Erwgung1"><b>11. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>11.1 </b>AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten den unterliegenden BeschwerdefÃ¼hrern je zur HÃ¤lfte aufzuerlegen, unter solidarischer Haftung beider fÃ¼r den Gesamtbetrag (§ 70 in Verbin­dung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG; § 14 VRG). Unter BerÃ¼cksichtigung des Zeitaufwands des Gerichts sind die Gerichtskosten auf Fr. 10'000.- festzusetzen (§§ 2 und 4 f. der GebÃ¼h­renverordnung des Verwaltungsgerichts vom 26. Juni 1997 [LS 175.252]).</p> <p class="Erwgung2"><b>11.2 </b>Die Beschwerdegegnerschaft beantragt eine angemessene ParteientschÃ¤digung nach § 17 Abs. 2 und 3 VRG. Bei der Beschwerdegegnerin 1, der Tierversuchskommission, handelt es sich um eine vom Kanton ZÃ¼rich eingesetzte Kommission ohne RechtspersÃ¶n­lichkeit. Da das Gemeinwesen in der Regel keinen Anspruch auf eine ParteientschÃ¤digung hat, ist der Beschwerdegegnerin 1 eine solche zu verweigern (KÃ¶lz/Bosshart/RÃ¶hl, § 17 N. 19 f.). Den Beschwerdegegnerinnen und Beschwerdegegnern 2â7 ist durch ihre Beteili­gung am Verfahren als Einzelmitglieder der Tierversuchskommission kein zusÃ¤tzlicher Aufwand entstanden. Sie werden im Ãbrigen nach ihren eigenen Angaben vom Kanton ZÃ¼rich fÃ¼r ihre TÃ¤tigkeit angemessen entschÃ¤digt. Ihnen ist deshalb eine ParteientschÃ¤di­gung ebenfalls zu versagen. Auch unter diesem Gesichtspunkt kann somit offen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin 2 Ã¼berhaupt noch als Partei am Verfahren beteiligt ist.</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 10'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 210.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 10'210.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden den BeschwerdefÃ¼hrern je zur HÃ¤lfte auferlegt, unter solidari­scher Haftung beider fÃ¼r den Gesamtbetrag.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. ParteientschÃ¤digungen werden nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen diesen Entscheid kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist in­nert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>