Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Januar 2014 (725 13 200) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Zeitpunkt des Status quo sine bei einer Diskushernie mit degenerativem Vorzustand Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- ter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Marion Wüthrich Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch C harles Flory, Comité de Protection des Travailleurs Frontaliers Européens (C.P.T.F.E.) gegen SUVA , Beschwerdegegner in Betreff Leistungen A. Der 1966 geborene A.____ arbeitete seit dem 7. S eptember 2009 in einem 100%- Pensum als Gipser bei der B.____ AG in C.____ (Kanton Basel-Landschaft) und war durch die Arbeitgeberin bei der SUVA obligatorisch gegen die Fo lgen von Unfällen versichert. Am 27. März 2012 rutschte A.____ während der Arbeit beim Abstieg von einem Dreitritt auf dem schmutzigen Boden aus und stürzte aufs Gesäss. Dabei zerrte er sich den hinteren Oberschen- kelmuskel. Trotz Schmerzen im Oberschenkel, welche am Tag na ch dem Unfall in den Rücken auszustrahlen begannen, arbeitete A.____ bis zum 30. Mä rz 2012 weiter. Nachdem er am 31. März 2012 wegen starken Rückenschmerzen seinen Hausar zt Dr. med. D.____, Facharzt für Allgemeinmedizin in E.____ (Frankreich), konsultier te und trotz der Einnahme von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerzmitteln keine Besserung eintrat, wurde am 4. Apr il 2012 eine MRI-Abklärung des Rü- ckens durchgeführt. Neben degenerativen Veränderungen de r LWS mit Osteophytose und Fa- cettengelenksartrose, wurde eine Diskushernie L5/S1 mit Wurzelkompression und Kompression des Duralsackes festgestellt. Am 24. April 2012 erfolgte eine operative Behandlung der Dis- kushernie. Für die Folgen des Unfalles erbrachte die S UVA die gesetzlichen Leistungen (Heil- kosten, Taggelder). Mit Verfügung vom 22. Januar 2013 verneinte die SUVA einen weiteren Anspruch auf Versiche- rungsleistungen und stellte die bisherigen Leistungen pe r 31. Januar 2013 ein. Einer allfälligen Einsprache wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Die SUVA begründete ihren Entscheid damit, dass die heute bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern aus- schliesslich krankhafter Natur seien. Die dagegen erhobene Einsprache wies die SUVA mit Einspracheentscheid vom 10. März 2013 im Wesentlichen mit der Begründung ab, dass der Unfall vom 27. März 2012 die Diskushernie nicht verursacht habe, sondern lediglich einen degenerat iven Vorzustand vorübergehend ver- schlimmert habe. Entsprechend der Erfahrung, dass bei ei ner Traumatisierung einer vorbeste- henden Diskushernie der Status quo sine sechs bis zwölf Mon ate nach dem Vorfall eintrete, sei davon auszugehen, dass zwischen den persistierenden Schmerze n und dem Unfall kein natür- licher Kausalzusammenhang mehr bestehe. B. Gegen den Einspracheentscheid der SUVA erhob A.____ , vertreten durch Charles Flory, Präsident des Comité de Protection des Travaille urs Frontaliers Européens (C.P.T.F.E.), am 23. April 2013 Beschwerde beim Bundesgericht, sozia lrechtliche Abteilung, in Luzern. Das Bundesgericht leitete die Beschwerde an das Verwaltungsg ericht Luzern weiter, welches mit Urteil vom 22. Mai 2013 mangels örtlicher Zuständigkei t auf die Beschwerde nicht eintrat und die Akten zur weiteren Beurteilung an das Kantonsgerich t Basel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht), überwies. In seiner B eschwerde beantragte A.____ sinn- gemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 10. März 2013. Sein Gesundheitszu- stand habe sich nicht verbessert und weitere medizinisch e Untersuchungen, möglicherweise sogar eine Hospitalisierung, würden anstehen. C. Mit Vernehmlassung vom 29. Juli 2013 beantragte die SUVA die Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung führte sie insbesondere an, dass sich die Einwendungen bezie- hungsweise die neuen ärztlichen Atteste auf eine Schulter verletzung beziehen würden, welche sich der Beschwerdeführer bei einem neuen Unfall am 7. Januar 2013 zugezogen habe. Da die Schulterverletzung nicht Gegenstand des vorliegenden Verfa hrens sei, könnten die Einwen- dungen des Beschwerdeführers nicht gehört werden. D. Am 18. November 2013 reichte der Beschwerdeführer, erneut vertreten durch Charles Flory, einen weiteren ärztlichen Bericht ein mit dem Hi nweis, dass sich inzwischen eine weitere Diskushernie gebildet habe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1, Art. 57 und Art. 60 Abs. 1 und Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ( ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer über Ver sicherungsleistungen beim zustän- digen kantonalen Versicherungsgericht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Gelangt die Partei rechtzeitig an ein unzuständiges Gericht, so gilt die Frist als gewahrt (Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 ATSG). Die Behörde, die sich als unzuständig erachtet, überweist die Beschwerde ohne Verzug dem zuständigen Versicherungs gericht (Art. 58 Abs. 3 ATSG). Der Beschwerdeführer reichte seine Beschwerde am 23. A pril 2013 beim unzuständigen Bun- desgericht ein, womit die Beschwerdefrist – unter Berü cksichtigung des Fristenstillstandes vor und nach Ostern (vgl. Art. 38 Abs. 4 ATSG) – gewahrt wurde. Befindet sich der Wohnsitz der versicherten Person im Ausland, so ist gemäss Art. 58 Abs. 2 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem ihr letzter schweize rischer Arbeitgeber ihren Sitz hatte. Der Arbeitgeber des Versicherten hat seinen Sitz in C.____, Kanton Basel-Landschaft. Gemäss § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als ei nzige gerichtliche Instanz des Kan- tons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versichere r. Es ist somit sachlich und ört- lich für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2.1 Fraglich ist, ob die vom Beschwerdeführer einger eichte Beschwerde den formellen Anforderungen an eine Beschwerdeschrift genügt, insbeson dere ob der Beschwerdeführer ein nach Art. 61 lit. b ATSG und § 5 Abs. 1 VPO genügend klar umschriebenes und in der Sache vollständiges Rechtsbegehren gestellt hat. Die Beschwerde schrift soll dem Gericht hinreichend Klarheit darüber verschaffen, worum es im jeweiligen Re chtsstreit geht. Lässt das Begehren nicht deutlich erkennen, in welchem Sinn die angefoch tene Verfügung abgeändert werden soll, kann zur Auslegung auch die Begründung herangezogen we rden (R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel 1996, Rz. 1312). 1.2.2 An die erforderliche Form und den Inhalt einer Beschwerde an die kantonale Rechts- mittelinstanz sind nach Art. 56 ATSG keine hohen Anfo rderungen zu stellen (BGE 116 V 356 E. 2b; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 488). Die Einhaltung von Formvorschriften wird insb esondere dann nicht nach strengen Massstäben beurteilt, wenn es sich um eine Laieneingabe h andelt (T HOMAS MERKLI /A RTHUR AESCHLIMANN /RUTH HERZOG , Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege i m Kanton Bern, Bern 1997, Art. 32, Rz. 11). Dennoch muss praxisgemäss vom Rechtsuchenden ein Mindestmass an Sorgfalt in der Beschwerdeführung ver langt werden. Damit überhaupt von einer Beschwerde gesprochen werden kann, muss eine ind ividualisierte Person gegenüber ei- ner bestimmten Verfügung den klaren Anfechtungswillen schriftlich bekunden; d.h. sie hat er- kenntlich ihren Willen um Änderung der sie betreffende n Rechtslage zum Ausdruck zu bringen (BGE 102 Ib 372 E. 6; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV] Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 13. Oktober 2000 [720 99 195]). Fehlt es hieran, so ist gar kein Beschwerdeverfahren an- hängig gemacht worden. 1.2.3 Der nicht anwaltlich, sondern gewerkschaftlich vert retene Beschwerdeführer hielt in seiner nur wenige Zeilen umfassenden Eingabe fest, dass er mit dem Einspracheentscheid der SUVA vom 10. März 2013 nicht einverstanden sei, da sic h sein Gesundheitszustand nicht ver- bessert habe und weitere Untersuchungen, möglicherweise gar ein Spitalaufenthalt, anstehen würden. Damit beantragte er sinngemäss die Aufhebung des SUVA-Entscheids. Zur Begrün- dung reichte der Beschwerdeführer des Weiteren diverse ärztliche Berichte ein. Mit Blick da- rauf, dass es sich vorliegend um eine Laienbeschwerde h andelt und für das Gericht der Streit- gegenstand und dessen Begründung erkennbar ist, vermag d ie Eingabe – wenn auch knapp – den formellen Voraussetzungen an eine Beschwerde zu ge nügen. Auf die Beschwerde des Versicherten vom 23. April 2013 ist demnach einzutreten. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfa llversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversiche- rer nur unter der Voraussetzung aufzukommen, dass zwisch en dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und ein adä quater Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhanges sin d alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten ged acht werden kann (BGE 119 V 337 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen e inem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, über welche die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung zu befind en hat. Dabei hat sie ihren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (BGE 129 V 181 E. 3.1 , 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen Hin- weisen). Die blosse Möglichkeit einer bestimmten Sachv erhaltsdarstellung genügt den Beweis- anforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die von allen mög- lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste gewür digt wird (Urteil des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. Dezember 2003, H 153/03, E. 5.3 mit Verweis auf BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a und 208 E. 6b). 2.2 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversiche rers erst, wenn der Unfall nicht die na- türliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darst ellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich n ach dem schicksalsmässigen Verlauf ei- nes krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründend e natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallb edingten Ursachen eines Gesund- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blo sse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt n icht. Da es sich hierbei um eine an- spruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislas t – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicher- ten Person, sondern beim Unfallversicherer. Der Beweis de s Wegfalls des natürlichen Kausal- zusammenhangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den n egativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (Urt eil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit weiteren Hinweisen). 3. Die SUVA erbrachte dem Beschwerdeführer bis zum 31. Januar 2013 die gesetzlichen Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung. St reitig und zu prüfen ist, ob die Be- schwerdegegnerin, die ihre Leistungspflicht im Anschluss an das Unfallereignis vom 27. März 2012 anerkannte, einen Kausalzusammenhang zwischen dem U nfall und den über den 31. Januar 2013 hinaus bestehenden gesundheitlichen Beschwerden zu Recht verneinte. 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügu ng zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grund satz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) wie alle anderen Beweismit tel frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Be- weisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdige n. Dies bedeutet, dass das Sozial- versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von we m sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf e s bei einander widersprechen- den medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf di e eine und nicht auf die andere medi- zinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge und in der Beur- teilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (B GE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössisc hen Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung en) mit dem Grundsatz der freien Be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist es dem Sozialversicherungsgericht demnach nicht verwehrt, gestützt ausschliesslich auf versicher ungsinterne medizinische Unter- lagen zu entscheiden. Wie das Bundesgericht unlängst präzi siert hat, sind in solchen Fällen jedoch strenge Anforderungen an die Beweiswürdigung i n dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüss igkeit jener ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (Urteil des Bund esgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit Verweisen). 3.3 Zur Beurteilung des Heilverlaufs und der weiteren Kausalität wurde der Beschwerde- führer im Auftrag der SUVA am 21. Januar 2013 von Dr . med. F.____, Facharzt FMH für Chi- rurgie, kreisärztlich untersucht. In seinem Bericht diagn ostizierte Dr. F.____ einen Status nach Kontusion respektive Distorsion der LWS am 27. März 2012 sowie einen Status nach Dis- kushernienoperation L5/S1 am 24. April 2012. Der Versi cherte habe beim Unfallereignis keine strukturell objektivierbaren unfallbedingten Veränderungen im Bereich der LWS erlitten. Auf den Röntgenaufnahmen vom 4. April 2012 seien deutliche de generative Veränderungen im Bereich der gesamten LWS sichtbar, am ausgeprägtesten in der o beren LWS mit deutlichen Spondylo- phyten und beginnender Spangenbildungen. Ferner bestehe eine diskrete Verschmälerung des Zwischenwirbelraumes L5/S1. Auf dem MRI vom gleichen Ta g präsentiere sich eine grosse Diskushernie L5/S1 linksseitig mit Kompromittierung der Wurzel S1 und leichter Kompression des Duralsackes. Ferner bestünden ausgeprägte degenerat ive Veränderungen der LWS mit Osteophytose ventral und lateral, links ausgeprägter als rechts. Im Weiteren bestehe eine deut- liche Facettengelenksartrose, jedoch keine Hinweise auf ossär e Läsionen im Bereich der LWS. Am 24 April 2012 sei die Diskushernienoperation L5/S1 links durch Dr. med. G.____, Neurochi- rurg in Mulhouse (Frankreich), erfolgt. Bereit in desse n Operationsbericht werde beschrieben, dass der Beschwerdeführer seit mehreren Monaten an eine r Lumboischialgie gelitten habe, welche in der letzten Zeit zugenommen habe. Daraus gehe klar hervor, dass es sich um eine vorbestehende Diskushernie auf der Basis degenerativer Ve ränderungen im Bereich der ge- samten Wirbelsäule handle. Aktuell sei die Wirbelsäule nur minim eingeschränkt. Während der ganzen Untersuchung sei eine gewisse Verdeutlichungstendenz der Beschwerden nicht von der Hand zu weisen. Klinisch bestünden keine Hinweise für ei ne radikuläre Symptomatik. Zudem seien weder an den unteren noch an den oberen Extremitäten Schonungszeichen eruierbar, der Versicherte weise beidseitig eine kräftige Hand- und Fin gerbeschwielung auf. Aus den erwähn- ten Gründen sei die Unfallkausalität nicht mehr gegeben. Durch das Unfallereignis am 27. März 2012 sei es zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eine s pathologischen Vorzustandes gekommen, der sehr gut im Operationsbericht von Dr. G. ____ vom 24. April 2012 beschrieben sei. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit würden im he ute geklagte Beschwerdebild des Ver- sicherten Unfallfolgen keine Rolle mehr spielen. Die he utigen Beschwerden würden auf der er- heblichen degenerativen Problematik der LWS basieren. Es könne somit der Status quo sine postuliert werden. Aufgrund des aktuellen Untersuchungsbe fundes seien dem Versicherten leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ganztags zumutbar. G estützt auf diese Beurteilung stellte die Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistungen per 31. Januar 2012 ein. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Zu prüfen ist, inwieweit die Gesundheitsschäden de s Beschwerdeführers durch den Unfall verursacht worden sind oder inwieweit der Unfa ll auf diese eingewirkt hat. In Frage kommt eine durch den Unfall verursachte organische Gesun dheitsschädigung, eine richtungge- bende Verschlimmerung eines Vorzustands oder ein durch den Unfall lediglich ausgelöster (nicht verursachter) oder vorübergehend verschlimmerter Vo rzustand. Beim Unfall als Auslöse- faktor interessiert im Weiteren die Frage, ob der Besch werdeschub noch andauert bzw. bis zu welchem Zeitpunkt er angedauert hat. 3.4.1 Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsach e im Bereich des Unfallversiche- rungsrechts, dass eine Diskushernie nur dann als weitgehen d unfallbedingt betrachtet werden kann, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigke it auftreten (Urteil des Bundesge- richts vom 19. April 2011, 8C_1014/2010, E. 3.3.1 mit Hinweisen). Ist die Diskushernie bei de- generativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das unmittelbar i m Zusammenhang mit dem Unfall ste- hende Schmerzsyndrom zu erbringen. Solange der Status quo sine vel ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer diesfalls gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel ne- ben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenve rgütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG falle n. Demnach hat die versicherte Person auch Anspruch auf eine – operative Eingriffe mit ein schliessende – zweckmässige Behandlung (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2008, 8C_412/2008, E. 5.1.2). 3.4.2 Gemäss einer weiteren unfallmedizinischen Erfahr ung kann das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und Lumboisch ialgien nach drei bis vier Monaten erwartet werden, wogegen eine allfällige richtunggeb ende Verschlimmerung röntgenologisch ausgewiesen und sich von der altersüblichen Progression a bheben muss; eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber na ch einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten (Urteil des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2011, 8C_381/2011, E. 2.2 mit wei- teren Hinweisen; bestätigt im kürzlich ergangenen Urteil des Bundesgerichts vom 4. September 2013, 8C_217/2013, E. 3.4). 3.4.3 Von diesen allgemeinen medizinischen Erfahrungst atsachen im Bereich des Unfallver- sicherungsrechts abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass. Gestützt auf die schlüssige und überzeugende Beurteilung von Dr. F.____ vom 21. Janu ar 2013 und gestützt auf den Operati- onsbericht von Dr. G.____ vom 24. April 2012 steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Diskushernie durch den Unfall nicht verursacht, sondern ledig- lich der degenerative Vorzustand vorübergehend verschlimm ert wurde. Bei der vom Beschwer- deführer am 27. März 2012 erlittenen Kontusion beziehu ngsweise Distorsion der LWS handelt es sich um einen leichten Unfall. Zum einen ist dem gesch ilderten Unfallmechanismus – der Beschwerdeführer rutschte aus und fiel auf das Gesäss – keine besondere Schwere zu ent- nehmen, zum anderen erlitt der Beschwerdeführer keine strukturellen Läsionen. Ferner ist die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsunfähigkeit nicht unmittelbar nach dem Unfall aufgetreten, der Beschwerdeführer arbeite- te vielmehr noch drei Tage nach dem Unfall weiter. 3.4.4 Zu klären bleibt daher, wie lange die vorbestehe nde Diskushernie durch das Unfaller- eignis vom 27. März 2012 beeinflusst wurde. In Bezug a uf die zeitliche Dauer ist auf die vom Bundesgericht anerkannte medizinische Erfahrungstatsache zu verweisen (vgl. E. 3.4.2 hier- vor), wonach eine vorbestehende Wirbelsäulenerkrankung d urch einen Unfall – bei Fehlen un- fallbedingter Wirbelkörperfrakturen oder strukturellen Läsionen an der Wirbelsäule – im Sinne einer vorübergehenden Verschlimmerung nach unfallmed izinischer Erfahrung während sechs bis neun Monaten, längstens jedoch ein Jahr beeinflusst wird. Die beim Beschwerdeführer kurz nach dem Unfall durchgeführte Diskushernienoperation – für deren Kosten die SUVA im Übri- gen aufgekommen ist –, hat dabei keinen Einfluss auf d ie Kausalitätsbeurteilung. Dass die SUVA ihre Leistungen im vorliegenden Fall rund zehn M onate nach dem Unfall einstellte, ist somit nicht zu beanstanden. 4.1 Auch die im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung vom B eschwerdeführer eingereichten weiteren medizinischen Berichte sind nicht geeignet, da s kreisärztliche Gutachten von Dr. F.____ vom 21. Januar 2013 in Zweifel zu ziehen. Die ins Recht gelegten Berichte beziehen sich ausnahmslos auf eine Verletzung der linken Schulter, die sich der Beschwerdeführer of- fenbar bei einem Unfall am 7. Januar 2013 zuzog. Die Beschwerdegegnerin weist entsprechend zu Recht darauf hin, dass diese Verletzung nicht Gegenst and des angefochtenen Einsprache- entscheids und daher auch nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist. Die Schulterver- letzung ist in einem separaten Verfahren zu beurteilen und kann vorliegend nicht berücksichtigt werden. 4.2 Mit Eingabe vom 18. November 2013 reichte der Be schwerdeführer einen weiteren ärztlichen Bericht ein, mit dem Hinweis, dass sich inzwische n eine weitere Diskushernie gebil- det habe. Aus dem eingereichten radiologischen Bericht vom 15. Oktober 2013 geht denn auch hervor, dass auf der Höhe L5/S1 eine Diskushernie besteh t. Dem Bericht ist jedoch kein Hin- weis zu entnehmen, dass die erneute Diskushernie in einem kausalen Zusammenhang mit dem Unfall vom 27. März 2012 steht, weshalb er für das vorli egende Verfahren nicht zu berücksich- tigen ist. 5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die medizinische Akt enlage zur Beurteilung der vorliegenden Streitfragen ausreichend ist. Es ist d aher nicht zu beanstanden, dass die SUVA gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung von Dr . F.____ vom 21. Januar 2013 einen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 27. März 2012 u nd den über den 31. Januar 2013 hinaus bestehenden gesundheitlichen Beschwerden de s Beschwerdeführers verneinte. Die gegen den Einspracheentscheid vom 10. März 2013 erho bene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.