<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">67</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>17</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Beitragsbefreiung kommt nur zum Zug, wenn es der versicherten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Person auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitarbeitsverhält-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nis einzugehen. Auch eine Teilzeitarbeit in geringem Umfang schliesst die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Beitragsbefreiung aus.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 26. Okto-</span><br/> <span class="ft3">ber 2010 in Sachen M.M. gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse</span><br/> <span class="ft3">(VBE.2010.257).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Für die Frage der Beitragsbefreiung nach Art. 14 Abs. 1 lit. b</span><br/> <span class="ft1">AVIG ist grundsätzlich entscheidend, ob eine versicherte Person</span><br/> <span class="ft1">wegen Krankheit/Unfall mindestens im Umfang der gewünschten Er-</span><br/> <span class="ft1">werbstätigkeit und mindestens für die Dauer von zwölf Monaten ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsunfähig war, und ob sie eben wegen dieser gesundheitsbedingten</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsunfähigkeit keiner Erwerbstätigkeit nachgehen konnte. Zwar</span><br/> <span class="ft1">ist in der vorliegend massgeblichen Zeitspanne (Rahmenfrist für die</span><br/> <span class="ft1">Beitragszeit; 1. Juli 2007 bis 30. Juni 2009) eine 100 %ige Arbeits-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">68</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">unfähigkeit bis 30. November 2008 ausgewiesen, doch ging die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach. Sie er-</span><br/> <span class="ft1">zielte mit dieser Tätigkeit ein monatliches Einkommen von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 500.00; bei einer unselbständigen Erwerbstätigkeit hätte es sich</span><br/> <span class="ft1">damit um eine beitragspflichtige Beschäftigung gehandelt (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Art. 23 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 40 AVIV). Die Arbeit als Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaftsverwalterin nahm sie im Januar 2005 auf, d.h. zu einem Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt, als sie medizinisch-theoretisch 100 % arbeitsunfähig war. Es</span><br/> <span class="ft1">kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass sie eine schon vor</span><br/> <span class="ft1">dem Unfall ausgeübte Nebenerwerbstätigkeit allein aufgrund des</span><br/> <span class="ft1">Entgegenkommens der Liegenschaftseigentümer und Grosseltern der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin auch während der Zeit ihrer Arbeitsunfähigkeit</span><br/> <span class="ft1">weiterführte. Vielmehr nahm sie diese Tätigkeit im Wissen um ihre</span><br/> <span class="ft1">gesundheitlichen Einschränkungen und Beschwerden überhaupt erst</span><br/> <span class="ft1">auf. Sie übte damit während der Zeit ihrer Arbeitsunfähigkeit eine</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit mit einem Pensum von mindestens 10 % (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.2.2. vorstehend) aus. Dem Einwand der Beschwerdeführerin,</span><br/> <span class="ft1">ihre Grosseltern hätten ihr die Liegenschaftsverwaltung nur als Be-</span><br/> <span class="ft1">schäftigungstherapie und zu einem Soziallohn übertragen, kann da-</span><br/> <span class="ft1">mit nicht gefolgt werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG kommt nur zum Zug, wenn es der Versi-</span><br/> <span class="ft1">cherten auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitarbeitsver-</span><br/> <span class="ft1">hältnis einzugehen (Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung,</span><br/> <span class="ft1">in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht,</span><br/> <span class="ft1">Bd. XIV: Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, N. 234). Gemäss</span><br/> <span class="ft1">den vorstehenden Erwägungen war es der Beschwerdeführerin wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend der Rahmenfrist für die Beitragszeit möglich, eine Teilzeiter-</span><br/> <span class="ft1">werbstätigkeit in einem nicht nur marginalen Umfang auszuüben.</span><br/> <span class="ft1">Auf den Befreiungsgrund von Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG kann sich</span><br/> <span class="ft1">die Beschwerdeführerin unter diesen Umständen praxisgemäss (...)</span><br/> <span class="ft1">nicht berufen.</span><br/></div> </div> </body> </html>