Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. September 2015 (810 15 120) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Regelung des persönlichen Verkehrs Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Beschwerdege g- nerin C.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Andreas Maier, Advokat Betreff Regelung des persönlichen Verkehrs (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 31. März 2015) A. C.____ und A.____ sind die unverheirateten Elter n von D.____, geboren am 17. Dezember 2007. Der Kindsvater hat D.____ am 21. November 2007 anerkannt. Seit dem Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Jahr 2009 leben die Kindseltern getrennt, wobei sie n ach eigenen Angaben mehrfach versucht hätten, wieder eine Beziehung einzugehen. Am 20. Febr uar 2009 stellte die Amtsvormund- schaft Basel-Landschaft, Kreis E.____, einen Antrag auf E rrichtung einer Beistandschaft für D.____, um einen Unterhaltsvertrag abzuschliessen sowie die gemeinsame elterliche Sorge zu erlangen. B. Mit Beschluss vom 26. Februar 2009 wurde für D.____ eine Prozessbeistandschaft zur gerichtlichen Geltendmachung des Unterhaltsanspruchs geg enüber dem Vater errichtet. Als Beistand wurde der Amtsvormund F.____ ernannt. Gemäss B ericht des Beistands wurde am 2. April 2009 beim Bezirksgericht G.____ (heute: Zivilkr eisgericht Basel-Landschaft H.____ [Zi- vilkreisgericht]) eine Unterhaltsklage eingereicht. Dieses V erfahren wurde bis zum Entscheid des deutschen Gerichts über die Unterhaltspflicht des Kind svaters ausgestellt. Gemäss Ent- scheid des Bezirksgerichts G.____ vom 7. Juni 2011 wurde das Verfahren aufgrund des ge- richtlich genehmigten Vergleichs zwischen den Parteien a ls erledigt abgeschrieben. Der Unter- haltsbeitrag wurde nebst allfälligen Kinderzulagen a uf monatlich Fr. 1‘400.-- festgesetzt. Dem- zufolge wurde die Prozessbeistandschaft mit Beschluss vom 14. Juli 2011 aufgehoben. C. Mit Schreiben vom 30. September 2010 beantragte d er Kindsvater der Vormund- schaftsbehörde E.____ (heute: Kindes- und Erwachsenenschu tzbehörde B.____ [KESB]) die Regelung des Besuchsrechts. Das Besuchsrecht wurde seit Dezember 2010 nicht mehr ausge- übt. Mit Entscheid vom 26. Mai 2011 beauftragte die V ormundschaftsbehörde E.____ den Kin- der- und Jugendpsychiatrischen Dienst Baselland ([KJPD], heute: Psychiatrie Baselland, Kin- der- und Jugendpsychiatrie [KJP]) mit der Abklärung des Kindeswohls und des väterlichen Be- suchsrechts. Für die Dauer der psychiatrischen Abklärung wu rde ein begleitetes Besuchsrecht verfügt. D. Der KJPD erstellte das Gutachten am 22. November 2 011. E. Da beide Elternteile einem begleiteten Besuchsrecht ablehnend gegenüber standen, wurde es am 19. April 2012 aufgehoben, und die Elter n wurden angewiesen, auf dem KJPD regelmässig Elterngespräche zu führen sowie ihren Sohn dort fachlich begleiten zu lassen. Der KJPD wurde erneut beauftragt, zuhanden der Vormundsch aftsbehörde E.____ die Situation bis Ende 2012 zu evaluieren und Empfehlungen zur Wiedera nbahnung von Kontakt und Besuchs- recht zwischen Vater und Sohn abzugeben. F. Gemäss Bericht der KJP vom 14. August 2012 wurden zw ischen November 2011 und August 2012 sowohl Gespräche mit der Mutter alleine als auch mit beiden Elternteilen gemein- sam geführt. G. Mit Entscheid der Vormundschaftsbehörde E.____ vom 18 . Oktober 2012 wurde für D.____ eine Erziehungsbeistandschaft errichtet zum Zweck de r Begleitung des Prozesses der Wiederannäherung und Wiederaufnahme des väterlichen Besuchsrechts. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Entscheid der KESB vom 3. Dezember 2013 wurde e in begleitetes Besuchsrecht für die Dauer von einem Jahr verfügt, welches zunächst zwe i bis drei begleitete Besuche auf der KJP vorsah. Anschliessend sollte das Besuchsrecht im Ra hmen der I.____ vorerst bis 31. Dezember 2014 im Umfang von zwei halben Tagen pro Monat stattfinden. I. Die Besuche auf der KJP sowie zwei Besuche im Rahme n der I.____ wurden umge- setzt. Seither weigerte sich die Kindsmutter, D.____ we iterhin ins Tagesheim zu bringen. Aus diesem Grund stellte die Beiständin der KESB am 11. Ju ni 2014 einen Antrag auf Vollzug. Un- ter Androhung von Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) vom 21. Dezember 1937 im Falle von Widerhandlungen forderte die KESB die Kindsmutter mit Entscheid vom 10. Juli 2014 zur Einhaltung des gemäss Entscheid vom 3. D ezember 2013 verfügten begleite- ten Besuchsrechts auf. J. Am 14. und 19. August 2014, am 10. September 2014 sowie am 26. November 2014 hat die KESB Strafanzeige gegen die Kindsmutter wege n Nichteinhaltung der rechtskräftig ver- fügten Besuchsrechtsregelung erstattet. Mit Strafbefehle n vom 2. September 2014, vom 17. Oktober 2014 und vom 19. Februar 2015 wurde die Kindsmutter von der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft wegen mehrfachen Ungehorsams gegen a mtliche Verfügungen zu Bussen in der Höhe von Fr. 600.--, Fr. 400.-- und Fr. 900.-- verurteilt. K. Gemäss Bericht der KJP vom 9. Dezember 2014 sei eine Annäherung bezüglich des väterliches Besuchsrechts zwischen den Eltern nicht möglich. D ie Kindsmutter habe klar zum Ausdruck gebracht, dass sie D.____ nicht zu den Besuchsta gen bringen, sondern weiterhin die Bussen bezahlen werde. L. Am 19. Februar 2015 wurde der Kindsvater von der K ESB angehört. Die Kindsmutter liess sich nicht vernehmen. M. Mit Entscheid der KESB vom 31. März 2015 wurde auf d ie Regelung des persönlichen Verkehrs verzichtet. Die Kindsmutter wurde angewiesen, dar um besorgt zu sein, dass D.____ die Kontrolltermine auf der KJP wahrnehme (zeitlicher Abstand der Termine nach fachärztlicher Beurteilung im Minimum zweimal jährlich); selber rege lmässige Gesprächstermine auf der KJP wahrzunehmen (zeitlicher Abstand der Termine nach fach ärztlicher Beurteilung im Minimum zweimal jährlich) und dem Kindsvater alle drei Monate B erichte über die Entwicklung von D.____ zuzusenden. Ferner wurde die KJP beauftragt, d en Kindsvater regelmässig über die erfolgten Kontrolltermine von D.____ zu informieren sowie einen weiteren ärztlichen Bericht mit Empfehlungen zum persönlichen Verkehr bei wesentlicher Veränderung der Verhältnisse, spä- testens bis 31. Dezember 2016, zu erstatten. Die Erzieh ungsbeiständin wurde beauftragt, das Einhalten der Weisungen zu überwachen. Der Antrag au f Einsetzung einer Kindesvertretung wurde abgelehnt; soweit der Kindsvater mehr oder ande res beantragt hatte, wurden seine An- träge ebenfalls abgewiesen. Einer allfälligen Beschwerd e wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht N. Dagegen erhob der Kindsvater am 28. April 2015 Besch werde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgerich t), mit den Rechtsbegehren, es sei unter Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB ein begleitetes Besuchsrecht bis 31. Dezember 2015 anzuordnen, wobei die Bussenhöhe unter Berücksicht igung der wirtschaftlichen Situation der Kindsmutter und der Bedeutung von Art. 273 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 zu bestimmen sei. Weiter sei die Erziehungsfähigkeit der Kindsmutter zu überprüfen. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahren s in der Höhe von Fr. 1‘530.-- seien gemäss Verursacherprinzip der Kindsmutter aufzuerlegen. Ferner stellte er vorbehältlich der Einräumung eines begleiteten Besuchsrechts weitere Anträge (vgl. E. 3.1 und E. 6). O. Am 20. Mai 2015 liess sich die KESB vernehmen und be antragt die Beschwerde als gegenstandslos abzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. P. Mit Vernehmlassung vom 4. Juni 2015 stellt die Kindsm utter, vertreten durch Andreas Maier, Advokat, das Begehren auf vollumfängliche und kos tenfällige Abweisung der Beschwer- de. Q. Mit Präsidialverfügung vom 17. Juni 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. R. Mit Eingabe vom 8. September 2015 teilte der Kin dsvater dem Gericht mit, dass sein Sohn anlässlich des letzten Gesprächs bei der KJP den Wun sch geäussert habe, seinen Vater wieder zu treffen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 Z GB kann gegen Entscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht e rhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzb uches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach A rt. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Ver- waltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). N ach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Per- sonen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteili gt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Per- son nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschützt es Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Der Beschwerdeführer ist als direkter Verfahrensbeteiligter zur Beschwerdeerhebung legitimier t. Da auch die übrigen formellen Vo- raussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (Verwaltu ngsprozessordnung, VPO) vom 16. Dezember 1993 gegeben sind, kann – unter Vorbeha lt von E. 2 – auf die Beschwerde ein- getreten werden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Soweit der Beschwerdeführer eine gutachterliche Ab klärung der Erziehungsfähigkeit der Kindsmutter beantragt, ist festzuhalten, dass er die ses Begehren im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens nicht gestellt hatte und es somi t ausserhalb des möglichen Streit- gegenstands des vorliegenden Verfahrens liegt. Folglich kann darauf nicht eingetreten werden. 3.1 Der Beschwerdeführer wendet sich gegen den Verzicht auf die Regelung des persönli- chen Verkehrs im angefochtenen Entscheid und beantragt di e Einräumung eines begleiteten Besuchsrechts bis 31. Dezember 2015. Die Begehren auf gr osszügigere Ausgestaltung der Kontrolltermine auf der KJP gemäss den Ziffern 2 und 3 , auf Einsetzung einer Kindsvertretung sowie auf die Regelung in Bezug auf Geschenke und tel efonische Kontakte, stellt er sinnge- mäss unter Vorbehalt eines Obsiegens bezüglich seines Haup tantrags. Somit ist zunächst zu beurteilen, ob die KESB in ihrem Entscheid vom 31. März 2015 zu Recht von der Regelung des persönlichen Verkehrs abgesehen hat. 3.2 Die KESB begründet den Verzicht auf eine Regelung des persönlichen Verkehrs damit, dass aufgrund der Akten und insbesondere des fachärztlichen Berichts der KJP vom 9. Dezember 2014 ein Besuchsrecht derzeit nicht umsetzbar sei, da sämtliche Möglichkeiten inkl. therapeutisch begleiteter Annäherung zurzeit ausg eschöpft seien. Ferner habe das Be- suchsrecht trotz Strafanzeigen und Bussen nicht durchgesetzt werden können. 3.3 Die Kindsmutter, vertreten durch Andreas Maier, A dvokat, schliesst auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie insb esondere aus, dass D.____ unter dem fehlenden Kontakt zum Vater nicht leide, weshalb kein Besuchsrecht anzuordnen sei. Der Kindsvater setze sich überdies nicht mit den Vorakten au seinander und gehe nicht auf ihre Ängste und Wünsche ein; sein Verhalten sei dem bestehend en Elternkonflikt somit abträglich. Vielmehr verschärfe er diesen, wenn er ohne Berechtigu ng Geschenke für den Sohn auf dem Grundstück der Beschwerdeführerin deponiere. 3.4 Die KESB beantragt ebenfalls die Abweisung der Be schwerde, unter o/e-Kostenfolge und verweist in ihrer Vernehmlassung vom 20. Mai 2015 im Wesentlichen auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid. Es sei – insbesondere unter B eachtung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit – nicht klar, welche Mittel zur Durch setzung des begleiteten Besuchs- rechts gegen den Willen der Kindsmutter in Frage kämen. Zusammenfassend ergebe sich, dass der nach wie vor virulente Paarkonflikt zwischen den Elte rn es verunmögliche, eine derzeit um- setzbare Regelung des persönlichen Verkehrs zu finden. 3.5 Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben der nicht obhutsbe rechtigte Elternteil und das un- mündige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen per sönlichen Verkehr. Praktische Be- deutung gewinnt das Recht auf persönlichen Verkehr vor a llem in der Trennungs- und Schei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dungssituation bei Verheirateten, aber auch bei der Au flösung des Konkubinats. Das Recht auf persönlichen Verkehr steht Eltern und Kindern um ihre r Persönlichkeit willen zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_409/2008 vom 26. November 2008 E. 3. 2). Es ist ein reziprokes Recht und somit ein Recht des nicht obhutsberechtigten Elternteil s sowie ein Recht des Kindes (vgl. INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456, 5. Auflage, Basel 2014, N 4 zu Art. 273). Dabei ist der sorge- bzw. obhutsberechtigte Elternteil verpflichtet, den per sönlichen Verkehr zwischen Eltern und Kind zu dulden, ja vielmehr sogar zu ermöglichen. Das Bundesgericht hat ausdrücklich festge- halten, dass es unhaltbar wäre, wenn der obhutsberec htigte Elternteil es in der Hand hätte, ge- wissermassen durch Zwistigkeiten mit dem anderen Teil den Umfang des Besuchsrechts zu steuern (BGE 130 III 585 E. 2.2.1). Bei der Festsetzu ng des persönlichen Verkehrs geht es nicht darum, einen gerechten Interessenausgleich zwischen d en Eltern zu finden, sondern den elterlichen Kontakt mit dem Kind in dessen Interesse zu regeln; allfällige Interessen der Eltern haben zurückzustehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_79/2 014 vom 5. März 2015 E. 4.1). Wann persönlicher Verkehr angemessen ist, bestimmt sich anh and der Umstände des konkre- ten Einzelfalls (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_79/ 2014 vom 5. März 2015 E. 4.3). Oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des Besuchsrechts ist immer das Kindswohl, das anhand der Umstände des konkreten Einzelfalls zu beurteilen ist (vgl . Urteil des Bundesgerichts 5A_367/2015 vom 12. August 2015 E. 5.1.1). 3.6 Von grosser Bedeutung für die Regelung des Besuchsre chts ist der Wille des Kindes. Bei der Berücksichtigung des Willens des Kindes ist zunächst d essen Alter bzw. dessen Fähig- keit zu autonomer Willensbildung, welche ungefähr ab d em 12. Altersjahr anzunehmen ist, so- dann aber auch das Aussageverhalten und namentlich die K onstanz des geäusserten Willens zentral (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_367/2015 vom 1 2. August 2014 E. 5.1.3). Zur Ermitt- lung des Kindeswillens ist das Kind anzuhören (Art. 314a ZGB). Der Kindswille ist nicht nur bei der Ausgestaltung des Besuchsrechts im Einzelnen zu berücksichtigen, sondern vor allem auch bei der Frage, ob überhaupt Besuche stattfinden soll en (vgl. I NGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , a.a.O., N 11 zu Art. 273). 3.7 Der Vater und die Mutter haben alles zu unterlasse n, was das Verhältnis des Kindes zum anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Aufga be der erziehenden Person erschwert (Art. 274 Abs. 1 ZGB): Wird das Wohl des Kindes durch d en persönlichen Verkehr gefährdet, üben die Eltern ihn pflichtwidrig aus, haben sie sich n icht ernsthaft um das Kind gekümmert oder liegen andere wichtige Gründe vor, so kann ihne n das Recht auf persönlichen Verkehr verweigert oder entzogen werden (Art. 274 Abs. 2 ZGB). Eine Gefährdung des Wohls des Kin- des im genannten Sinn liegt dann vor, wenn dessen unge störte körperliche, seelische oder sitt- liche Entfaltung durch ein auch nur begrenztes Zusammense in mit dem nicht obhutsberechtig- ten Elternteil bedroht ist. Bei der Beschränkung des p ersönlichen Verkehrs ist stets das Gebot der Verhältnismässigkeit zu beachten. So darf er in der Regel nicht allein wegen elterlichen Konflikten dauerhaft eingeschränkt werden, jedenfalls soweit das Verhältnis zwischen dem be- suchsberechtigten Elternteil und dem Kind gut ist. Der gänzliche Ausschluss eines Elternteils vom persönlichen Verkehr kommt schliesslich nur als ultima r atio in Frage; er ist einzig dann statthaft, wenn sich die nachteiligen Auswirkungen eines Besuchsrechts nicht anderweitig in für Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Kind vertretbaren Grenzen halten lassen (vgl. Urte il des Bundesgerichts 5A_367/2015 vom 12. August 2015 E. 5.1.2). 4.1 Vorliegend haben die Kindseltern das Besuchsrecht bi s im Dezember 2010 einver- nehmlich geregelt. Sie hatten sich darauf verständigt, dass der Vater D.____ jeweils am Morgen zu Hause abholte und zirka 1 - 1 ½ Stunden mit ihm verwe ilte, bevor er ihn ins Tagesheim brachte. Ab Ende September 2010 war der Kindsvater um die Anordnung eines grosszügigeren Besuchsrechts bemüht, wozu die Kindsmutter jedoch nicht be reit war. Die Kindsmutter machte geltend, dass ihr aufgrund der Unpünktlichkeit und des mangelnden Verantwortungsgefühls des Kindsvaters sowie der Tatsache, dass er mit seinem Sohn J._ ___ aus erster Ehe im gleichen Bett übernachte, das Vertrauen dazu fehle. Nachdem die Kindsmutter zudem den Vorwurf eines sexuellen Missbrauchs des Kindsvaters gegenüber D.____ in den Raum gestellt hatte, veran- lasste die KESB ein Gutachten beim KJPD zur Abklärung der Beziehung von D.____ und sei- nem Vater bzw. eines Besuchsrechts. Im Gutachten des KJPD vo m 22. November 2011 wurde ausgeführt, dass D.____ einen heiteren, neugierigen und aufgeweckten Eindruck mache. Es hätten keine sexuellen Äusserungen und kein sexualisiertes V erhalten festgestellt werden kön- nen. Hauptbezugspersonen von D.____ seien die Kindsmut ter und der Halbbruder K.____. Der Kindsvater trete zunehmend in den Hintergrund und ge nauso scheine auch der Halbbruder J.____ kein Thema für D.____ zu sein. 4.2 Am 3. Dezember 2013 verfügte die KESB ein befrist etes und begleitetes Besuchsrecht. Wie sich dem Bericht der Beiständin vom 11. Juni 2014 en tnehmen lässt, sei im Rahmen der begleiteten Besuche auf der KJP kein unnatürliches Verhalten zwischen dem Vater und D.____ beobachtet worden. Im Anschluss an die Besuchstage auf der KJP, sollte der Kontakt zwischen Vater und Sohn zweimal monatlich im Rahmen der I.____ stattfinden. Die Kindsmutter reduzier- te die Besuchsrechtsregelung eigenmächtig auf einen Sam stag im Monat und ermöglichte die Besuche im Rahmen der I.____ lediglich zwei Mal. Seith er verweigert sie jegliche Besuchster- mine zwischen Vater und Sohn. Daraufhin holte die KES B erneut einen ärztlichen Bericht zur Abklärung des väterlichen Besuchsrechts ein. Der Bericht der KJP vom 9. Dezember 2014 hält fest, dass die Kindsmutter sich weigere, die begleiteten Besuchstage zu realisieren, weil der Kindsvater sich nicht an die angeblich vorgängig getroff enen Abmachungen gehalten habe. Es sei vereinbart worden, dass er das Besuchsrecht ausschliessl ich unter stetiger Beaufsichtigung einer Drittperson wahrnehme, D.____ nicht filmen und ihm nicht von seinen Halbgeschwistern erzählen würde. Im ärztlichen Bericht wird festgehalten, die Kindsmutter lasse sich von ihrer Weigerungshaltung nicht abbringen. Selbst der Hinweis der Begutachtenden auf die Bedeutung des Vaters für D.____ habe keine Änderung bewirkt. Sie lehne nach wie vor jede Kontaktmög- lichkeit kategorisch ab. 4.3 Es ist allgemein anerkannt, dass aufgrund des schicksalha ften Eltern-Kind- Verhältnisses die Beziehung des Kindes zu beiden Elternt eilen sehr wichtig ist und bei dessen Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spielen kann (vgl. BGE 130 III 585 E. 2.2.2). Über- dies darf die kinderpsychologische Erkenntnis anerkannt werde n, dass gerade bei Knaben die Orientierungsmöglichkeit an einer väterlichen Identifika tionsfigur für die Entwicklung der Männ- lichkeit von grosser Bedeutung ist (vgl. Urteil des Bundesge richts 5A_719/2013 vom Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 17. Oktober 2014 E. 4.4). Der Kindsvater hat seinen Soh n seit praktisch fünf Jahren nicht mehr gesehen und ist seiner Unterhaltspflicht stets nachgeko mmen. Aus den Akten ist sodann keine Loyalitätspflichtverletzung im Sinne von Art. 274 Abs. 1 ZGB ersichtlich. Wie die KJP im Gut- achten vom 22. November 2011 auf Seite 8 festgestellt h at, gibt es keine Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch von D.____. Auch die auf der KJP durc hgeführten begleiteten Besuche haben kein unnatürliches Verhalten zwischen Vater und So hn gezeigt (vgl. auch E-Mail von L.____, dem Leitenden Psychologen des KJP, an die Beist ändin M.____ vom 28. März 2014). Damit ist keine durch die Ausübung des väterlichen Besuch srechts ausgelöste mögliche Kin- deswohlgefährdung ersichtlich. Auch wenn es seltsam anmute t, dass der Kindsvater auf dem Grundstück der Kindsmutter Geschenke für den Sohn deponiert, kann daraus alleine noch nicht auf eine Loyalitätspflichtverletzung geschlossen werden . Es ist auch nicht davon auszugehen, dass er sein Kontaktrecht missbrauchen würde, zumal er sel ber ein begleitetes und vorerst auf ein Jahr begrenztes Besuchsrecht beantragt hat. Daraus erg ibt sich, dass die Regelung eines Besuchsrechts nicht auf eine Pflichtwidrigkeit des Kindsva ters zurückzuführen ist. Vielmehr hat die Kindsmutter die Durchführung der Besuchstage verhind ert, mit der Begründung, der Kinds- vater habe die zusätzlichen Modalitäten zur Ausgestaltung der Besuche missachtet. Dieses Vorbringen vermag das Verhindern des persönlichen Ver kehrs allerdings nicht zu rechtfertigen. Indem die Kindsmutter weitere Auflagen und Bedingung en aufgestellt hatte, schmälerte sie die behördliche Anordnung in unzulässiger Weise anstatt sich ordnungsgemäss an die entspre- chende Verfügung zu halten. Massgeblich war einzig der En tscheid der KESB, welcher ein be- gleitetes Besuchsrecht ohne Bedingungen oder Auflagen a nordnete. Damit ist auf die von der Kindsmutter zusätzlich aufgestellten Regeln nicht weiter einzugehen und mit der KESB festzu- halten, dass der Verzicht auf die Regelung eines Besuch srechts nicht auf eine Pflichtwidrigkeit des Kindsvaters, sondern auf den Paarkonflikt zurückzuführen ist. Wie ausgeführt, darf der per- sönliche Verkehr nicht allein wegen elterlichen Konflikten dauerhaft eingeschränkt werden. Zudem befindet sich D.____ mittlerweile in einem Alt er, indem er sich durch Tagesheim, Kin- dergarten und Schuleintritt gewöhnt sein sollte, auch Kontakt zu anderen Personen als den bis- herigen Bezugspersonen aufzubauen. Insofern sollte eine vorsichtige Kontaktaufnahme zwi- schen dem Vater und D.____ stattfinden können. Dabei g ilt es zu beachten, dass D.____ – ob- wohl er seinen Vater seit seinem 3. Altersjahr praktisch nicht mehr gesehen hat – in der Ver- gangenheit ab und zu nachgefragt hat, wann er seinen Vater wiedersehen könne. Dass er die Antwort der Kindsmutter (“im Moment sei dies nicht mög lich“, vgl. ärztlicher Bericht vom 9. Dezember 2014, S. 2) akzeptiert und nicht insistiert hat, ist angesichts seines Alters nach- vollziehbar. Trotz des langen Unterbruchs hat sich das Bedürfnis von D.____ offenbar bis heute nicht verändert. Gemäss schriftlicher Mitteilung des Kin dsvaters vom 8. September 2015 habe D.____ sich gegenüber L.____, dem Leitenden Psychologen des KJP, dahingehend geäussert, dass er sich noch an seinen Vater erinnere und sich wünsch e, seinen Vater wieder zu treffen. Da der Wille eines Kindes bei der Bestimmung des Besu chsrechts eine massgebende Rolle spielt und aus Gründen der Persönlichkeitsentwicklung von D.____ sollte der Aufbau einer Be- ziehung zum Kindsvater durch die Ausübung des persönlichen Verkehrs daher gefördert wer- den. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Vor diesem Hintergrund erweist sich ein Verzicht a uf die Regelung eines Besuchs- rechts durch die KESB als nicht rechtmässig. Vielmehr muss D .____ in absehbarer Zeit seinen Vater besuchen können und es ist weiterhin auf eine sac hte Annäherung und einen behutsa- men Aufbau der Beziehung hinzuwirken. Demzufolge ist di e KESB im Sinne der vorstehenden Erwägungen anzuweisen, eine Besuchsrechtsregelung für de n Kindsvater und seinen Sohn festzulegen. Ob diese gleichzeitig mit einer Androhung der Ungehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB zu verbinden ist, fällt in die Zuständigkeit der KESB und ist für die vorliegende Beurteilung unbeachtlich. 5.1 Der Beschwerdeführer rügt schliesslich die hälftige A uferlegung der vorinstanzlichen Verfahrenskosten durch die KESB und beantragt eine Koste nverteilung zu Lasten der Kinds- mutter. Zur Begründung führt er aus, dass das Verursacherprinzip eine solche Verlegung gebie- te, zumal er sich stets an die behördlichen Anordnungen gehalten habe, während sich die Kindsmutter diesen entzogen habe. 5.2 Gebühren und Auslagen, die in kindesschutzrechtlichen V erfahren betreffend Minder- jährige anfallen, werden beiden Eltern je zur Hälft e auferlegt. In besonderen Fällen kann eine andere Kostenaufteilung verfügt werden (§ 6 Absatz 2 bis der Verordnung über die Gebühren zum Zivilrecht [GebV] vom 8. Januar 1991). Der Wortlaut der Bestimmung macht deutlich, dass der Grundsatz die hälftige Aufteilung der Verfahrensko sten ist und eine Abweichung davon die Ausnahme darstellt. Ein “besonderer“ Fall im Sinne von § 6 Abs. 2 bis Satz 2 GebV kann somit nicht leichthin angenommen werden. Wenn der Beschwerd eführer geltend macht, dass sämt- liche Aufwendungen der KESB einzig auf die Weigerungs haltung der Kindsmutter zurückzufüh- ren sind, so kann ihm nicht gefolgt werden. Vielmehr ha ben vorliegend beide Elternteile durch ihre Schreiben, Anträge und Anhörungen kostenpflichtig e Aufwendungen bei der KESB verur- sacht. Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die Kosten nach dem Grundsatz der hälftigen Aufteilung verlegt worden sind. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde in diesem Punkt. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt sich die B eurteilung der Eventualanträge des Beschwerdeführers (vgl. E. 3.1). 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Au smass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend hat der Beschwerdeführer in der Hauptsache obsiegt und damit sind die Verfahrenskosten i n der Höhe von Fr. 1‘400.-- den un- terlegenen Beschwerdegegnerinnen je zur Hälfte aufzuer legen. Nach § 20 Abs. 3 und 4 VPO können der KESB in dieser Angelegenheit keine Verfahre nskosten auferlegt werden. Der Kindsmutter ist ein Verfahrenskostenanteil in der Höhe von Fr. 700.-- aufzuerlegen. Dem Be- schwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuersta tten. Die Parteikosten sind gemäss § 21 Abs. 1 VPO wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, sow eit darauf eingetreten werden kann. Ziffer 1 des Entscheids der KESB vom 31. Mä rz 2015 wird aufgehoben und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die KESB zurückgewiesen. 2. Der privaten Beschwerdegegnerin wird ein Verfahre nskostenanteil in der Höhe von Fr. 700.-- auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss i n der Höhe von Fr. 1‘400.-- zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin