Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. Januar 2020 (810 19 275) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Vorsorgliche Massnahme / Errichtung einer Beistandschaft mit Einschränkung der Hand- lungsfähigkeit und Entzug des Zugriffs auf Vermögenswerte Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Gerichtsschreiber M arius Wehren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin B.____ , Beschwerdeführer beide vertreten durch Cinzia Santo, Advokatin gegen Kindes - und E rwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz Betreff Vorsorgliche Massnahmen: Errichtung einer Beistan dschaft / Entzug des Zugriffs auf Vermögenswerte / Einschränkung der Handlungsfähig- keit (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 1. Oktober 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 28. August 2018 richtete D.____, Leiter Bereich Soziales, Gesundheit und Alter der Einwohnergemeinde J.____, eine Gefährdungsmeldung a n die Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde C.____ (KESB). Er teilte mit, im Zusammenhang mit der Anmeldung zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) und der Finanzierung des H eimaufenthalts von B.____ (geb. 1928) sei festgestellt worden, dass dieser über ke in Vermögen mehr verfüge, obschon Ende 2017 noch ein solches von Fr. 526'284.-- vorhanden gewesen sei. Die finanziellen Ange- legenheiten von B.____ und seiner Ehefrau, A.____ ( geb. 1936), würden von deren Sohn, E.____, erledigt, welcher über eine Generalvollmacht verfüge. Mittlerweile stehe E.____ bereits in Verkaufsverhandlungen über das Wohnhaus der Ehegatten A.____ und B.____, in welchem A.____ lebe. Ob B.____ noch Klarheit über die Vorgä nge betreffend seine finanziellen Angele- genheiten habe, sei ungewiss, jedenfalls könne er diese nicht mehr lenken. Die Finanzierung des Heimaufenthalts von B.____ und des Lebensunterhalt s seiner Ehefrau seien nicht mehr sichergestellt. Infolge Nichtbezahlens der Krankenkassenprä mien sei auch die medizinische Versorgung nicht mehr sichergestellt. Es bestehe Handlungsbedarf und es seien erwachsenen- schutzrechtliche Massnahmen in Bezug auf die Finanzen und die administrativen Belange der Ehegatten A.____ und B.____, eventuell unter Anordnu ng superprovisorischer Massnahmen, zu prüfen. Am 3. September 2019 orientierte D.____ d ie KESB, dass der Verkauf der Liegen- schaft der Ehegatten A.____ und B.____ an der X.____st rasse 38 in F.____ gemäss Auskunft von E.____ am 6. September 2019 zu einem Verkaufspreis von Fr. 1.2 Mio. vorgesehen sei. B. Mit Entscheid der KESB vom 3. September 2019 wurde E.____ gestützt auf Art. 395 Abs. 3 ZGB i.V.m. Art. 445 Abs. 2 ZGB superprovisorisch der Zugriff auf die Konten der Ehegat- ten A.____ und B.____ bei der Bank G.____ und der Ba nk H.____ entzogen und es wurden sämtliche Vollmachten für diese Konten widerrufen. Das für den Liegenschaftsverkauf zustän- dige Notariat wurde superprovisorisch angewiesen, keinerlei Zahlungen aus dem Erlös aus dem Liegenschaftsverkauf vorzunehmen. C. Am 5. September 2019 wurden E.____ und A.____ im Beisein von D.____ durch die KESB angehört. Am 24. September 2019 und 26. Septem ber 2019 wurde zudem B.____ durch die KESB angehört. D. Mit Entscheid der KESB vom 6. September 2019 wurde für B.____ und A.____ super- provisorisch die Handlungsfähigkeit in der Einkommens- und Vermögensverwaltung und der Zugriff auf ihre Konten bei der Bank G.____ und der Bank H.____ entzogen. Ausserdem wurde für B.____ und A.____ superprovisorisch eine Vertretung sbeistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung errichtet. Als Beistandsperson wurde D.____ ernannt. E. Am 17. September 2019 nahmen A.____ und E.____, beide vertreten durch Cinzia Santo, Advokatin, zu den Entscheiden der KESB vom 3. Se ptember 2019 und 6. September 2019 Stellung und beantragten, diese seien aufzuheben bzw. von den darin vorgesehenen Massnahmen sei abzusehen. F. Mit Entscheid vom 1. Oktober 2019 erteilte die KESB die Zustimmung zum Verkauf der Liegenschaft von B.____ und zur Löschung des Wohnrechts von A.____. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Entscheid der KESB vom 1. Oktober 2019 wurde B. ____ und A.____ gestützt auf Art. 394 Abs. 2 i.V.m. Art. 445 ZGB vorsorglich die Han dlungsfähigkeit in der Einkommens- und Vermögensverwaltung, inkl. Eingehen sämtlicher Arten von Verpflichtungsgeschäften, entzogen (Ziff. 1). B.____ und A.____ wurde gestützt auf Art. 395 Abs. 3 i.V.m. Art. 445 ZGB vorsorglich der Zugriff auf ihre Konten bei der Bank G.____, der Bank H.____ sowie der Bank I.____ ent- zogen (Ziff. 2). Für B.____ und A.____ wurde gestützt auf Art. 394 Abs. 1 i.V.m. Art. 395 Abs. 1 i.V.m. Art. 445 ZGB vorsorglich eine Vertretungsbeista ndschaft mit Einkommens- und Vermö- gensverwaltung errichtet (Ziff. 3) mit den Aufgabenber eichen, die verbeiständete Person beim Erledigen der administrativen Angelegenheiten soweit nötig zu vertreten, insbesondere auch im Verkehr mit Behörden, Ämtern, Banken, Post, (Sozial)Ve rsicherungen, sonstigen Institutionen und Privatpersonen (lit. a); sowohl Einkommen wie Vermögen der verbeiständeten Person sorg- fältig zu verwalten (lit. b); stets für eine geeigne te Wohnsituation bzw. Unterkunft besorgt zu sein und die verbeiständete Person bei allen in diesem Z usammenhang erforderlichen Hand- lungen soweit nötig zu vertreten, sofern dies im Einzelfall nicht vertretungsberechtigten Angehö- rigen überlassen werden kann (lit. c); die verbeiständete Person bei allen erforderlichen Vorkeh- rungen für eine hinreichende medizinische Betreuung zu vertreten, sofern dies im Einzelfall nicht vertretungsberechtigten Angehörigen überlassen wer den kann (lit. d). Dem Beistand wur- de vorsorglich die Befugnis erteilt, die Post der verbe iständeten Person umzuleiten und zu öff- nen (Ziff. 5). Als Beistandsperson wurde vorsorglich D .____ ernannt (Ziff. 6). Der Beistand wur- de vorsorglich angewiesen (Ziff. 7), ein Inventar üb er die zu verwaltenden Vermögenswerte aufzunehmen (lit. a) und Behörden und Institutionen sowie Privatpersonen soweit nötig über die Beistandschaft zu orientieren (lit. b); der KESB bis spä testens 31. Dezember 2019 über die Si- tuation der verbeiständeten Ehegatten zu berichten (lit. c) und Anträge hinsichtlich des weiteren Vorgehens zu stellen (lit. d). Einer allfälligen Besch werde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziff. 9). H. Am 11. Oktober 2019 erhoben B.____ und A.____, be ide vertreten durch Cinzia Santo, Advokatin, gegen den Entscheid der KESB vom 1. Oktober 2019 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Sie stellen das Begehren, es seien die ihnen entzogene Handlungsfähigkeit und der Zugriff a uf ihre Konten wiederherzustellen (Ziff. 1 und 2). Die Vertretungsbeistandschaft sei hinsichtlich Ziff. 3 lit. a und d des angefochtenen Ent- scheids aufzuheben (Ziff. 3). Es sei dem Beistand die Bef ugnis zu entziehen, die Post der ver- beiständeten Person umzuleiten und zu öffnen (Ziff. 4) sowie Behörden, Institutionen und Pri- vatpersonen soweit nötig über die Beistandschaft zu orien tieren (Ziff. 5). Es sei der Beistand anzuweisen, ein Konto bei einer Schweizer Bank, lauten d auf die Beschwerdeführerin, zu eröff- nen und Fr. 50'000.-- zur freien Verfügung der Beschwe rdeführerin zu überweisen (Ziff. 6). Es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirku ng zu erteilen (Ziff. 7). Unter o/e- Kostenfolge zulasten der Vorinstanz (Ziff. 8). I. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2019 wurde der Antr ag der Beschwerdeführer auf Er- teilung der aufschiebenden Wirkung superprovisorisch abgewiesen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. In ihrer Vernehmlassung vom 19. November 2019 beant ragt die KESB die vollumfäng- liche Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Unter o/e-Kostenfolge. K. Mit Stellungnahmen vom 29. November 2019 und 19. D ezember 2019 halten die Be- schwerdeführer und die Vorinstanz an den gestellten Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Ent- scheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind E ndentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vorsorgliche Massnahmen ( Art. 445 Abs. 3 ZGB). Nach § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung des Zivilge setzbuches (EG ZGB) vom 16. No- vember 2006 ist das Kantonsgericht, Abteilung Verfassung s- und Verwaltungsrecht, für die Be- urteilung von Beschwerden gegen Entscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie gegen Entscheide auf dem Gebiet der fürsorgerischen Unterbrin- gung (Art. 439 Abs. 1 ZGB) zuständig. Das Verfahren ri chtet sich nach Art. 450-450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwalt ungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). 1.2 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um ei nen Zwischenentscheid über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde liegt gemäss § 66 Abs. 2 EG ZGB in Verbindung mit § 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der präsidierenden Person. Di e Beschwerdeführer sind als direkte Verfahrensbeteiligte nach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Beschwerde legitimiert. Die weiteren Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, weshalb auf die Beschwerde eingetreten werden kann. Die von der Vorinstanz im Zusammenhang mit der Ma ndatierung der Rechtsvertreterin durch den Beschwerdeführer aufgeworfenen Fragen brauc hen hier nicht vertieft zu werden, zumal die von den Beschwerdeführern mit gemeinsamer Ein gabe erhobene Beschwerde – wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird – ohnehin abzuweisen ist. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Strittig ist, ob die vorsorgliche Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft mit Vermö- gensverwaltung (Art. 394 und Art. 395 ZGB) im angeordneten Umfang zu Recht erfolgte. 3.1 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, da ss sich das Vermögen der Be- schwerdeführer innerhalb von eineinhalb Jahren um Fr. 585'930.-- verringert habe. Allein im Zeitraum von Januar bis September 2019 seien die Gut haben auf den beiden Konten der Bank Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht G.____ und der Bank H.____ von insgesamt Fr. 198'918 .-- auf Fr. 5'180.-- zurückgegangen. Der Sohn der Beschwerdeführer, E.____, welcher über e ine Generalvollmacht verfüge und bis anhin sämtliche finanziellen Angelegenheiten seiner E ltern erledigt habe, habe dazu anlässlich der Anhörung vom 5. September 2019 nicht konkret St ellung beziehen wollen. Aus dem fragli- chen Gespräch sei jedoch hervorgegangen, dass aus dem Ver mögen der Beschwerdeführer zwei Wohnungen in L.____ (Rumänien) zu Gunsten der Partnerin von E.____ finanziert worden seien. Aufgrund der bisherigen Abklärungen sei nicht da von auszugehen, dass die Finanzver- waltung durch E.____ im Interesse der Beschwerdeführer sei. Es scheine bei beiden Ehegatten ein Schutz- und Unterstützungsbedarf insbesondere in de n Bereichen Administration und Fi- nanzverwaltung zu bestehen, wobei diese Unterstützung ni cht durch E.____ gewährleistet wer- den könne. Demzufolge sei für die Beschwerdeführer im Rahmen einer vorsorglichen Mass- nahme eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensver waltung zu errichten. Die Beschwer- deführer müssten zudem vor Übervorteilung geschützt we rden, weshalb es im heutigen Zeit- punkt als notwendig erscheine, ihnen die Handlungsfähi gkeit in Bezug auf die gesamte Ein- kommens- und Vermögensverwaltung sowie den Zugriff auf ihre Konten vorsorglich zu entzie- hen. Der Schutz- und Unterstützungsbedarf der Ehegatten müsse noch im Einzelnen abgeklärt werden. Dazu gehöre nebst dem allfälligen Beizug ärzt licher Einschätzungen auch die genaue Sachverhaltsprüfung betreffend die zurückliegende Finan zverwaltung. Die notwendigen Doku- mente und Informationen für einen definitiven Entsche id lägen der KESB noch nicht vor und seien unter anderem durch E.____ beizubringen. 3.2 Die Beschwerdeführer machen zusammengefasst geltend , dass sie beide in der Lage seien, sich eine Meinung zu bilden und selbständig zu ha ndeln. Ein Schwächezustand, wie er für die Errichtung einer Beistandschaft vorausgesetzt werd e, liege nicht vor und es existierten diesbezüglich auch keine ärztlichen Berichte, welche die Einschätzung der Vorinstanz unter- mauern würden. Die Errichtung einer Vertretungsbeistan dschaft im vorgesehenen Umfang sei daher nicht erforderlich. Insbesondere seien sie nach wie vor in der Lage, ihre administrativen Angelegenheiten selbständig zu besorgen und benötigten auch im Bereich der medizinischen Betreuung keinen Vertretungsbeistand. Im Weiteren seien die Grundsätze der Subsidiarität und Verhältnismässigkeit nicht gewahrt worden. Namentlich k önne nicht von einer mangelnden Un- terstützung durch das private Umfeld gesprochen werden, zumal sich ihr Sohn, E.____, bereits im Vorfeld des von der KESB eingeleiteten Verfahrens bereit erklärt habe, die Belange seiner Eltern zu regeln und für deren Wohl zu sorgen. Dafür sei ihm in vollem Bewusstsein durch seine Eltern eine Generalvollmacht ausgestellt worden. E.___ _ habe in der Folge stets im Interesse seiner Eltern gehandelt. Er habe diverse Investitionen getätigt, um das Vermögen der Eltern zu vermehren. Soweit mit dem angefochtenen Entscheid die Handlungsfähigkeit der Beschwerde- führer in der Einkommens- und Vermögensverwaltung inkl usive Eingehen sämtlicher Arten von Verpflichtungsgeschäften entzogen worden sei, habe dies zur Folge, dass sie die einfachsten Kaufverträge nicht mehr selbständig eingehen könnten, was einen massiven Eingriff in ihre Ent- scheidungs- und Handlungsfreiheit darstelle. Im Weitere n führen die Beschwerdeführer aus, dass sie sich nicht grundsätzlich gegen die Anordnung ein er Vertretungsbeistandschaft stellten und in Bezug auf die Verwaltung ihres Vermögens mit der Ernennung des Beistandes einver- standen seien. Sie seien jedoch mit dem Umfang der Beistandschaft nicht einverstanden, wobei insbesondere die Kontosperre zu weit gehe. Die beantragte Einrichtung eines Kontos mit einem Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Guthaben in der Höhe von Fr. 50'000.-- solle der Besc hwerdeführerin dazu dienen, ihren Alltag sorgenfrei bewältigen zu können. 4.1 Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ist gemäss Ar t. 445 Abs. 1 ZGB zustän- dig, die für die Dauer des Verfahrens notwendigen vors orglichen Massnahmen zu treffen. Vor- sorgliche Massnahmen müssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, dass der ordentliche, spä- tere Entscheid nicht abgewartet werden kann, ohne ein en erheblichen Nachteil für die betroffe- ne Person in Kauf zu nehmen (vgl. C HRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Erwachsenenschutz- recht, 2. Aufl., Bern 2016, S. 314). Sie ergehen gest ützt auf eine bloss summarische Prüfung der Sach- und Rechtslage, wobei für deren Anordnung das Beweismass der Glaubhaftmachung genügt (vgl. L UCA MARANTA /C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 6. Aufl., Basel 2018, N 11 zu Art. 445 ZGB). 4.2 Eine Vertretungsbeistandschaft wird errichtet, wen n die hilfsbedürftige Person be- stimmte Angelegenheiten nicht erledigen kann und desh alb vertreten werden muss (Art. 394 Abs. 1 ZGB). Voraussetzung ist, dass der für die Anordnu ng einer erwachsenenschutzrechtli- chen Massnahme erforderliche Schwächezustand bewirkt, dass d ie hilfsbedürftige Person be- stimmte Angelegenheiten nicht oder nicht zweckmässig erl edigen kann, ihr Wohl dadurch in relevanter Weise gefährdet ist und sie deshalb vertrete n werden muss. Eine Vertretungsbei- standschaft ist unter anderem angezeigt, wenn die hilfsbedürftige Person als Folge des Schwä- chezustands nicht in der Lage ist, sich um bestimmte Angel egenheiten zu kümmern oder sich völlig passiv verhält und sich deshalb nicht um diese Angel egenheiten kümmert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_18/2015 vom 10. August 2015 E. 4.5.2) . Ist die hilfsbedürftige Person im Bereich der Vermögensverwaltung zu vertreten, so ist di e Vertretungsbeistandschaft gestützt auf Art. 395 ZGB entsprechend zu ergänzen (vgl. Y VO BIDERBOST /H EL -MUT HENKEL , in: Gei- ser/Fountoulakis [Hrsg.], a.a.O., N 1 zu Art. 395 ZGB). Die Vertretungsbeistandschaft ist mit einer Einschränkung der Handlungsfähigkeit (Art. 394 A bs. 2 ZGB) zu verbinden, wenn damit gerechnet werden muss, dass die verbeiständete Person – w eil sie sich beispielsweise einem Familienmitglied verpflichtet fühlt – die Handlungen der Beistandsperson hindert (vgl. BIDER - BOST /H ENKEL , a.a.O., N 29 zu Art. 394 ZGB). 4.3.1 Die Beschwerdeführer wenden sich nicht grundsätzlich gegen die Errichtung einer Ver- tretungsbeistandschaft. Sie beanstanden jedoch deren Umfang sowie den Entzug der Hand- lungsfähigkeit in Bezug auf die gesamte Einkommens- u nd Vermögensverwaltung und die ver- fügten Kontosperren. Die Vorinstanz stellte hinsichtlich der strittigen Massnahmen fest, dass sich die liquiden Mittel der Beschwerdeführer in den le tzten eineinhalb Jahren um mindestens Fr. 585'930.-- verringert hätten und damit beinahe vo llständig aufgebraucht worden seien. Infol- gedessen sei der Verkauf der Liegenschaft des Beschwerdef ührers erforderlich geworden, wo- bei dieser nach Abwicklung des Verkaufs über ein liquide s Vermögen in der Höhe von Fr. 800'000.-- verfüge. Der im Rahmen einer General vollmacht mit der Finanzverwaltung be- traute Sohn der Beschwerdeführer, E.____, führte gege nüber der KESB aus, dass das Vermö- gen der Beschwerdeführer für den Kauf von Wohnungen i n L.____ auf den Namen seiner ru- mänischen Frau verwendet worden sei. Die Beschwerdeführ er hätten dieses Geld seiner Frau sozusagen geschenkt (Gesprächsprotokoll vom 5. September 2019). Im Weiteren führten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht E.____ und die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen V erfahren aus, dass sie und der Be- schwerdeführer ihre Familie als Unternehmen und laufen des Geschäft ansehen würden. Die Ehegatten A.____ und B.____ hätten sich entschlossen, in L.____ Wohnungen zu kaufen, die- se zu sanieren und sodann zu vermieten. Es lägen diesbezü glich Investitionen in Immobilien vor, aufgrund derer sichergestellt werden könne, dass mo natlich Einkommen generiert werde, welches der Familie zugutekomme. Die Wohnungskäufe seien in Rumänien erfolgt, um E.____ und seine Familie zu unterstützen (Eingabe von E.____ u nd A.____ vom 17. September 2019). Der Beschwerdeführer ging anlässlich der Anhörung durch die KESB demgegenüber von Inves- titionen seines Sohns E.____ in der Höhe von lediglich Fr. 100'000.-- aus. Er sei mit den dies- bezüglichen Vorgängen nicht immer einverstanden gewesen , aber sein Sohn habe eben die entsprechenden Vollmachten gehabt (Gesprächsprotokoll vom 26. September 2019). Die Be- schwerdeführerin führte anlässlich der Anhörung durch die KESB im Wesentlichen aus, dass sie ihrem Sohn vollständig vertraue und sich nie um die Buchhaltung gekümmert habe. Zu den getätigten Investitionen konnte sie keine näheren Angab en machen (Gesprächsprotokoll vom 5. September 2019). 4.3.2 Der für die Errichtung einer Beistandschaft voraus gesetzte Schwächezustand (Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB) erfasst auch den Schutz Betagter, bei denen gleichartige Defizite wie bei Menschen mit einer geistigen Behinderung oder einer psyc hischen Störung auftreten, sowie ausgeprägte Fälle von Unerfahrenheit oder Abhängigke it (vgl. BIDERBOST /H ENKEL , a.a.O., N 13 zu Art. 390 ZGB). Im vorliegenden Fall steht fest, dass sich die liquiden Mittel der Beschwerde- führer innert kürzester Zeit dramatisch reduzierten, wod urch der Verkauf der Liegenschaft des Beschwerdeführers erforderlich wurde. Aus den Akten erge ben sich zudem Anhaltspunkte, dass die Finanzverwaltung durch E.____ nicht in erster Li nie den Interessen der Beschwerde- führer, sondern eigenen Interessen diente. Die Aussagen der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörungen durch die KESB lassen darauf schliessen, dass sie über die Vorgänge rund um die Verwaltung des Vermögens durch ihren Sohn E.____ und den daraus resultierenden Wegfall der liquiden Mittel nicht vollständig orientiert bzw. nicht in der Lage waren, sich diesbezüglich eine Meinung zu bilden und danach zu handeln. Beim Be schwerdeführer, welcher sich in der Vergangenheit alleine um die finanziellen Angelegenh eiten der Familie gekümmert hatte, be- stehen gemäss den Akten Anhaltspunkte für eine dementiel le Erkrankung. Die Beschwerdefüh- rerin konnte anlässlich der Anhörungen durch die KESB k einerlei Angaben zu den finanziellen Verhältnissen machen und scheint nicht in der Lage zu sein, diese zu erfassen. Angesichts die- ser Sachlage ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von der Wahrscheinlichkeit eines Schwächezustands und einer dringlichen Schutzbedürftigkeit der Beschwerdeführer ausging. Dass die Vertretungsbeistandschaft mit der Befugnis des Beistands verbunden wurde, die Be- schwerdeführer beim Erledigen der administrativen Ange legenheiten einschliesslich des Ver- kehrs mit Behörden und Institutionen soweit nötig zu ve rtreten, erscheint namentlich mit Blick auf die vorgesehene Einkommens- und Vermögensverwaltung durch den Beistand, welche von den Beschwerdeführern ausdrücklich nicht in Frage gestellt wird, als angezeigt. Im Hinblick auf die beim Beschwerdeführer vorhandenen Anhaltspunkte fü r eine dementielle Erkrankung und die von der Vorinstanz in Aussicht gestellte Abklärung d er Beschwerdeführerin durch die Klinik K.____ wurde dem Beistand ausserdem zu Recht die Aufga be übertragen, die Beschwerdefüh- rer bei allen erforderlichen Vorkehrungen für eine hi nreichende medizinische Betreuung zu ver- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht treten. Die fragliche Vertretung erfolgt im Übrigen subsidiär, soweit sie im Einzelfall nicht vertre- tungsberechtigten Angehörigen überlassen werden kann. 4.3.3 Im Weiteren ist nicht zu beanstanden, dass die KE SB die Handlungsfähigkeit der Be- schwerdeführer in Bezug auf die Einkommens- und Vermöge nsverwaltung einschränkte und ihnen den Zugriff auf ihre Konten entzog. Dasselbe gi lt hinsichtlich der Befugnis des Beistands, die Post der Beschwerdeführer zu öffnen sowie Behörden und Institutionen soweit nötig über die Beistandschaft zu orientieren. Die fraglichen Anord nungen erscheinen angesichts der Ge- fahr, dass die Beschwerdeführer unter dem Einfluss ihres Sohnes E.____ eigenmächtige Hand- lungen in Bezug auf ihre Finanzen vornehmen und dad urch die Handlungen des Beistands durchkreuzen (E. 4.2 hiervor), als geboten. Nicht zu bea nstanden ist, dass die KESB die Hand- lungsfähigkeit der Beschwerdeführer in Bezug auf das gesamte Einkommen und Vermögen eingeschränkt hat. Die Einschränkung der Handlungsfähigkeit betrifft die Verpflichtungsfähigkeit und das Verfügungsrecht, womit das Vermögen der Beschwerdeführer vollumfänglich geschützt ist (vgl. B IDERBOST /H ENKEL , a.a.O., N 23 zu Art. 395 ZGB). Soweit die Beschwer deführer gel- tend machen, dass sie damit die einfachsten Kaufverträge ("Kaugummikauf am Kiosk") nicht mehr selbständig eingehen könnten, kann ihnen nicht gef olgt werden. Die Beschwerdeführer sind in Angelegenheiten, bezüglich derer sie urteilsfäh ig sind, trotz Entzugs der Handlungsfä- higkeit nur beschränkt handlungsunfähig. Sie können gerin gfügige Angelegenheiten des tägli- chen Lebens besorgen oder über die ihnen gestützt auf Art. 409 ZGB überlassenen Beträge frei verfügen (vgl. BIDERBOST /H ENKEL , a.a.O., N 34 zu Art. 394 ZGB). Dem von der KESB i m Rah- men der Vernehmlassung eingereichten Bericht des Beis tands vom 13. November 2019 kann entnommen werden, dass mittlerweile für die Beschwerdef ührerin ein Konto zur freien Verfü- gung eingerichtet worden sei, auf welches das Haushaltsge ld monatlich überwiesen werde. Die Beschwerdeführerin sei damit zufrieden und habe berichtet, dass alles bestens funktioniere. Vor dem Hintergrund dieser unbestrittenen Ausführungen d es Beistands erschliesst sich nicht, in- wiefern die Einrichtung eines Kontos zur freien Verfügung mit einem Guthaben von Fr. 50'000.-- zur Bewältigung des Alltags der Beschwerdeführerin ange zeigt sein soll und dem entsprechen- den Antrag der Beschwerdeführer ist nicht zu entsprechen. 4.4 Nach dem Gesagten erweisen sich die strittigen vorsor glichen Massnahmen als gebo- ten und verhältnismässig, was zur Abweisung der Beschwer de führt. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung wird mit dem Entscheid in der Sache gegenstandslos. 5. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise u nterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- sind ausgangsgemäss den unterliegenden Beschwerdeführern aufzuerlegen. Die P arteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden den Beschwer- deführern auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorsc huss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. Der zu viel gezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber