Zum Sachverhalt: Gemäss Anklage hielten sich nach ei ner gemeinsam durchfeierten Nacht in einer Zürcher Discothek am Freitag, 2. Januar 2009, die Geschädigte M. und – als ihre Gäste – ihre Kollegen L. und A. sowie auch der vo n M. und ihren beiden ge- nannten Kollegen in der Diskothek angetroffene und dort kennengelernte Angeklag- te in der Wohnung der Geschädigten au f. Im Laufe des Tages seien sie gemein- sam in der Küche am dortigen Tisch gesessen und hätten zusammen gegessen, Bier und Schnaps getrunken, einen Joint geraucht und teils auch Haschisch-Guetzli gegessen. Gegen ca. 15.30 Uhr an diesem Nachmittag sei der Angeklagte wegen einer von ihm als Beleidigung seiner Mutter ve rstandenen Äusserung M.s dann in Rage ge- raten: Er sei aufgestanden, habe ein Küchenmesse r vom Tisch genommen, sei seitlich von hinten zur sitzenden Geschädigten M. hingegangen, habe sie gepackt und ihr mit dem Messer zweimal linksseitig in de n Hals bzw. Schulter-Bereich geschnit- ten. Dadurch habe er der Geschädigten dort zwei offene Schnittwunden von drei bis vier cm Länge zugefügt. Danach habe de r Angeklagte die Geschädigte gegen eine Wand gedrückt, eines der herum stehenden Trinkgläser genommen, ge- schrien, dass er M. nun umbringen würde und ihr das Glas mit einer solchen Wucht in die linke Wange gestossen, dass es dabei zersplittert sei. Dadurch habe er der Geschädigten im Be reich der linken Wange drei v-förmige klaffende, je ca. 4 cm lange Schnittverletzungen zugefügt. Ferner habe der Angeklagte der Gesc hädigten im gesamten Geschehnisablauf auch mehrere Schläge versetzt, die ins besondere zu einer Prel lmarke temporal rechts und zu einer Gehirnerschütterung geführt hätten. Die genannten Verletzungen hätten zwar objektiv zu keiner konkreten Lebensge- fahr für die Geschädigte geführt. Bei einem zufälligen und für den Angeklagten im dynamischen Geschehen nicht zu kontrollierenden, leicht andern Verlauf und/ oder einer andern Tiefe der Verletzungen hätte indessen eine konkrete Lebensgefahr für - 2 - M. entstehen können, was der Angeklagte bei seinem Handeln gewusst und ge- wollt bzw. zumindest in Kauf genommen habe. Insgesamt habe er damit bei seinem Gewalteinsatz gegen M. im Bewusstsein gehandelt, dass er durch seine Attacken die körperliche Integrität der Geschädigten schwer verletzen bzw. diese dadurch sogar töten könnte, was er auch gewollt bzw. zumindest in Kauf genommen habe. Der vom Angeklagten beabsichtigte bzw. in Kauf genommene und zur Vollendung der vorsätzlichen Tötung gehörende Erfolg sei jedoch nicht eingetreten, so dass es beim Versuch geblieben sei; sein Vorgehen habe indessen zu erheblichen, blei- benden und entstellenden Narbenbildungen im linken Gesichts- und Halsbereich der Geschädigten geführt. Aus dem Entscheid des Obergerichts: "2. Rechtliche Würdigung 2.1 Die Anklagebehörde qualif iziert das Verhalten des Angeklagten als versuch- te vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. Die zugefügten Verletzungen hätten zwar obj ektiv zu keiner konkre- ten Lebensgefahr für die Geschädigte gefüh rt, wobei indessen bei einem zufälli- gen und für den Angeklagten im dynamischen Geschehen nicht zu kontrollieren- den, leicht anderen Verlauf und/ oder ei ner andern Tiefe der Verletzungen eine konkrete Lebensgefahr für M. hätte entstehen können. Das habe der Angeklagte bei seinem Handeln gewusst und gewollt bzw. zumindes t in Kauf genommen. In- gesamt habe er damit bei seinem Gewa lteinsatz gegen M. im Bewusstsein ge- handelt, dass er durch seine Attacken die kö rperliche Integrität der Geschädigten schwer verletzen bzw. diese dadurch soga r töten könnte, was er auch gewollt bzw. zumindest in Kauf genommen habe. Der vom Angeklagten beabsichtigte bzw. in Kauf genommene un d zur Vollendung der vors ätzlichen Tötung gehören- de Erfolg sei jedoch nicht eingetreten, so dass es beim Versuch geblieben sei. Sein Vorgehen habe indessen zu erheblichen, bleibenden und entstellenden Nar- benbildungen im linken Gesichts- und Hals bereich der Geschädigten geführt. Im Rahmen der Hauptverhandlung führte die Staatsanwaltschaft präzisierend aus, sie gehe zwar nicht von einem direkten Vorsatz des Angeklagten aus, doch habe - 3 - dieser mit seinem Handeln den Tod der Geschädigten eventualvorsätzlich – wenn allenfalls auch widerstrebend – in Kauf genommen. 2.2 Demgegenüber lässt der Angeklagte geltend machen, er habe die Geschä- digte M. weder töten wollen noch deren Tötung in Kauf genomme n. Er anerkennt hingegen, sich der eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung schuldig gemacht zu haben. 2.3 Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen Vor- aussetzungen der Art. 112 bis 117 StGB zutr ifft, wird mit Freiheitsstrafe nicht un- ter fünf Jahren bestraft. Tritt der zum Tatbestand gehörende Erfolg nicht ein, ist zu prüfen, ob ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. 2.3.1 Objektiver Tatbestand Über das Verletzungsbild der Geschädigten M. liegt ein Akteng utachten vom 12. Februar 2009 der Universität Zürich, Instit ut für Rechtsmedizin, IRM, vor. Der Gutachter stützte sich dabei auf die fol genden Dokumente: Eint rittsbericht Stadt- spital Triemli Zürich vom 2. Januar 2009, Operationsbericht Stadtspital Triemli Zü- rich mit Operationsdatum 3. Januar 2009, Kurzbericht Stadtspit al Triemli Zürich vom 3. Januar 2009, Arztbericht Stadtspital Triemli Züri ch vom 20. Januar 2009, Nachtrag zum genannten Arztbericht Stadtspital Triemli vom 3. Februar 2009, Po- lizeifotos der Geschädigten bei Einlieferung ins Stadtspital Triemli. Aus dem schlüssigen Gutachten samt den erwähnten Grundlagen dazu ergibt sich, dass bei der Geschädigten die fo lgenden Verletzungen festgestellt wurden: Am Hals links und an der Schulter links sowie an der linken Wange erlitt sie ins- gesamt 5 offene Wunden mit glatten Wundrändern. Die 3 leicht klaffenden, leicht bogenförmigen Wunden an der linken Wange vor dem Ohr waren bis ca. 2,5 cm lang, die 2 leicht klaffenden Wunden im Hals -/ Schulterbereich ca. 1,5 cm lang. Zudem wurde am Kopf rechts gegen die St irne zu eine ca. 3 cm durchmessende, möglicherweise oberflächlich geschürfte Sc hwellung festgestellt. Die Verletzung am Kopf führte der Gutachter auf stum pfe Gewalteinwirkung zurück, beispielswei- se durch einen Schlag mit einem Gegens tand. Die Verletzungen an Hals und - 4 - Schulter links erkannte er als Folgen von scharfer bzw. halbscharfer Gewalt, wo- bei er aufgrund der Mor phologie der Wunden – glatte Wundränder, parallele Wundachsen, Wunden länger al s tief – die Verletzun gen am ehesten als durch Schnitte verursacht sah. Als Tatinstrum ent kommt nach gutacht erlicher Einschät- zung eher ein Messer in Betracht al s eine oder mehrere Glasscherben. Fremd- körper wurden bei den W unden im Halsbereich keine gefunden. Die Wunden an der Wange links dürften dagegen gemäss dem Gutachter aufgrund der Wund- morphologie – glatte, bogenförmige Wundrä nder, teils zweizipflige Wundecken – eher nicht durch ein Messer verursacht worden sein, sonder n durch ein Tatin- strument, das mehrere scharfe Kanten auf weist. Zerbrochenes Glas könne meh- rere scharfe Kanten aufweisen und sei demzufolge geeignet, Verletzungen dieser Art zu verursachen. Aus den 3 Schnittv erletzungen in der lin ken Wange wurden denn auch 3 Glassplitter entfernt. Dieses Verletzungsbild samt der jeweiligen Ur- sache entspricht dem anerkannten Anklagesa chverhalt; einzig hinsichtlich der Wunden an der linken Wange ist zu präz isieren, dass der Angeklagte eine Schnittlänge von etwa 4 cm gemäss An klage anerkannt hat, womit von dieser Länge auszugehen ist. Eine konkrete Lebensgefahr bei diesen Verletzungen hat laut dem Gutachter nicht bestanden. Aufgrund der Lokalisation der Verletzungen hält der Gutachter aber dafür, dass bei einem leicht anderen Verl auf und/ oder einer anderen Tiefe der Verletzungen eine konkrete Lebensgefahr hätte entstehen können. Sowohl im Be- reich der Wange wie auch im Bereich des vorderen Halsdreiecks würden sich teils oberflächliche, teils durch Knochen geschützte Gefässe befinden, vor allem in der Region hinter dem Schlüsselbein. Aus Verletzungen dieser Gefässe sei innert kurzer Zeit ein erheblicher Blutverlust möglich. Schnitt-/ Stichverletzungen der Ge- fässe im Bereich des Schlüsselbeins se ien für einen operativen Eingriff schwer zugänglich und daher bei den Ch irurgen gefürchtet. Ebenfalls gefürchtet sei nach penetrierenden Angriffen gegen den Brustkorb die Entstehung einer sogenannten Luftbrust, bei der die Komplikation darin bestehe, dass sich ge gebenenfalls eine sogenannte Spannungsluftbrust entwickeln könne, welche unbehandelt innert sehr kurzer Zeit zum Tod führen könne. - 5 - Bleibende Nachteile für die Geschädigte sieht der Gutachter angesichts der Loka- lisation der Verletzungen ge gebenenfalls in einer gewissen ästhetischen Be- einträchtigung durch Nar benbildung, wobei er auch bleibende Gefühlsstörungen für möglich hält. Diesen möglicherweise bleibenden körperlichen Folgen fügt der Gutachter noch die Möglichkeit einer seelischen Störung an, so zum Beispiel eine posttraumatische Belastungsst örung, eine depressive Störung oder eine Angst- störung. Solche psychischen Störungen könnten unter Umständen erst Wochen oder Monate nach dem Ereignis auftreten. Auch wenn sich M. zu keinem Zeit punkt in unmittelbarer Lebensgefahr befand und auch ohne ärztliche Versorgung keine Lebensgefahr bestanden hätte, hing es gemäss Gutachten letztlich nur vom Zufall ab, ob durch die Messerschnitte am Hals oder die Schnittverletzungen im Ge sicht (bei leicht anderem Verlauf und/ oder anderer Tiefe) lebens gefährliche Verletzungen der darunter bzw. daneben verlaufenden Gefässe bewirkt wurden oder nicht bzw. ob sich als Folge der Schnitte am Hals eine lebensgefähr liche sogenannte Spannungsluftbrust entwi- ckelte oder nicht. Sowohl die Schnittver letzungen am Hals wie auch jene im Ge- sicht waren demnach grundsätzlich geei gnet, den Tod der Geschädigten zu be- wirken. Damit ist der objektive Sachve rhalt des Grundtatbestandes von Art. 111 StGB, bis auf den ausgebliebenen Erfolg, erfüllt. 2.3.2 Subjektiver Tatbestand Dass der Angeklagte die Tat mit Wissen und Wollen, also mit direktem Vorsatz (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB), ausgeführt hätte, kann den Akten nicht entnommen werden; dies wurde ihm anlässlich der Hauptverhandlung auch nicht mehr vorge- worfen. Die Frage, ob er die Geschädi gten habe umbringen wo llen, wurde vom stets Angeklagten verneint. Vorsätzlich handelt indessen bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Ar t. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Der eventualvorsätzlich han- delnde Täter weiss demnach einerseits um die Möglichkeit bzw. das Risiko der Tatbestandsverwirklichung un d nimmt andererseits den Ei ntritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab (BGE 134 IV - 6 - 26 E. 3.2.2; BGE 133 IV 9 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.2 und 8.3 m. H.). Gefordert ist mithin das Wissen des Täters darum, dass seine Handlungen beim Opfer min- destens möglicherweise den Tod bewirken können sowie sein auf den Tod des Opfers gerichteter Wille resp. die Ink aufnahme des Todes des Opfers. Nicht er- forderlich ist, dass sich der Täter gerade die tatsächlich eingetretenen konkreten Folgen vorgestellt zu haben braucht (BSK StGB II- Andreas Roth/Anne Berkemeier, 2. Auflage, Basel 2007, N. 24 zu Ar t. 122 StGB; Donatsch, Straf- recht III, 9. Auflage, Zürich 2008, S. 41). Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter den Eintri tt des Erfolgs bzw. die Tat- bestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch hande lt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ih m abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (Urteil des Bundesgerichtes 6S.133 /2007 vom 11. September 2008 E. 2.4.; BGE 130 IV 58 E. 8.2; BGE 125 IV 242 E. 3c; BGE 121 IV 249 E. 3a; BGE 103 IV 65 E. 2). Diese unter altem Recht entwickelte bundesgerichtliche Defi- nition ist mittlerweise Gesetzwortlaut gewo rden (vgl. Art. 12 Ab s. 2 Satz 2 StGB; Stefan Trechsel et al, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/ St. Gallen 2008, N. 13 ff. zu Art. 12 StGB). Eventualvorsatz kann unter anderem angenommen werden, wenn sich dem Täter der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs infolge seines Verhaltens als so wahrscheinlich aufdrängte, dass sein Ver- halten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs gewertet werden kann (BGE 109 IV 137 E. 2b mit Hinweisen). Eventualvorsatz kann indessen auch vor- liegen, wenn der Eintritt de s tatbestandsmässigen Erfolg es bloss möglich ist, ja selbst dann, wenn sich diese Möglichkeit, statistisch gesehen, nur relativ selten verwirklicht. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Beschuldigten um die Mög- lichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme und damit auf Eventualvorsatz geschlossen werden. Vielmehr müssen we itere Umstände hinzukommen (Urteile des Bundesgerichtes 6S.133/2007 vo m 11. September 2008 E. 2.6. und 6S.358/2003 vom 27. Oktober 2004). Der Täter handelt im Übrigen schon dann im Sinne von Art. 18 Abs. 2 aStGB mit Wissen, wenn ihm die wesentlichen Umstände im Sinne eines Begleitwissens mitbewusst sind (BGE 125 IV 242 E. 3e mit Hinweis; BSK StGB I-Jenny, 2. Auflage, Basel 2007, N. 21 zu Art. 12 StGB). Die blosse Hoff- nung auf das Ausbleiben der Tatbestandse rfüllung schliesst dessen Inkaufnahme - 7 - nicht aus. Auch die dem Tä ter bekannte Nähe des Verletzungsrisikos ist entschei- dend (Urteil des Bundesgerichtes 6S.133 /2007 vom 11. September 2008 E. 2.4. am Ende; Donatsch/ Flachsmann/ Hug/ Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 17. Auflage, Zürich 2006, S. 57 zu Art. 12 Abs. 2 StGB). Je näher die Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung liegt, desto eher lässt sich au f eine Inkaufnahme schliessen (BSK StGB I-Jenny, N. 23 zu Art. 12 StGB). Das Bundesgericht hat sich bereits mehrfa ch mit dem subjektiven Tatbestand bei Messerstechereien befasst. Jene Überlegungen können zumindest auf die Schnit- te mit dem Messer im Halsbereich ohne weiteres auf vorliegenden Fall übertragen werden: Das Wissen um das Vorhandens ein von wichtigen Organen und Blutge- fässen im Bauchbereich bzw. Brustbereich (hier von wichtigen Blutgefässen im Halsbereich) könne als all gemein bekannt vor ausgesetzt werden (BGE 109 IV 6: "Ein junger Mann bedarf keiner besonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass ungezielte Messer- stiche in Brust und Bauch eines Men schen den Tod zur Folge haben können. "; BJM-1997, S. 32 ff., v.a. S. 34: " Wer wie der Appellant mit einem dolchähnlichen Messer mit grosser Wucht in die Herz-, Lungen- oder Bauchgegend eines Men schen sticht, der nimmt dessen Tod zu- mindest in Kauf und findet sich mit der Todesfolge al s realer Möglichkeit ab, auch wenn er sie nicht wünscht. Wie das Bundesgericht zutreffend festhäl t, bedarf denn auch 'ein junger Mann [...] keiner besonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass ungezielte Messerstiche in Brust und Bauch eines Menschen den Tod zur Folge haben können' (BGE 109 IV 6). Dem Appellanten ist zugute zu halten, dass ihm der Tod von P. unerwünscht gewesen is t. Er hat indessen zur Erreichung des verfolgten Zwecks, nämlich zur Beendigung der andauernden Verf olgung durch das Opfer, gleichwohl zuge- stochen und damit eventualvorsätzlich getötet. Entgegen der Meinung des Offizialverteidigers bleibt unter derartigen Tatumständen für einen blossen Kö rperverletzungsvorsatz oder für ein bloss pflichtwidrig unvorsichtiges Verhalten im Sinne einer fahrlässigen Tötung nach Art. 117 StGB kein Raum (vgl. AGE vom 18.11.1983 in Sac hen H.W.)".). Wer ausser sich ist und mit einem Küchenmesser von ca. 11 cm Klingenlänge un- ter Todesdrohung zweimal in die linke Halsseite eines Menschen schneidet, weiss, dass er durch dieses Verhalten namentlich lebenswichtige Blutgefässe ver- letzen oder gar durchtrennen und dadurch lebensgefährliche oder sogar tödliche Verletzungen verursachen kann. Der Angeklagte war sich dessen bewusst. Wie - 8 - erwähnt, bedarf ein junger Mann keines besonderen Wissens und keiner beson- deren Intelligenz, um zu erkennen, dass ungezielte Messerschnitte in den Hals- und Schulterbereich eines Menschen den Tod zur Folge haben können. Im Übri- gen ist als zum Allgemeinwissen gehörend anzusehen, dass sich im Hals- und Schulterbereich mehrere le benswichtige Blutgefässe zur Versorgung von Kopf und Hirn befinden, deren Verletzung töd lich enden kann. Nicht grundsätzlich an- ders verhält es sich, wenn jemand in der geschilderten Aggression seinem Opfer mit grosser Wucht ein Trinkglas ins Gesi cht schlägt. Der Täter muss damit rech- nen – was der Angeklagte auch tat –, dass durch Glaskanten oder aus dem Schlag resultierende Glasscherben und -spl itter wichtige Organe wie Augen, Na- se, Ohren oder lebenswichtige Blutgefässe verletzt werden und daraus lebensge- fährliche oder gar tödliche Verletzungen entstehen können. Auch der Angeklagte selbst verfügt über diese Kenntnisse. So bestätigte er im Rahmen der Hauptverhandlung sein Wissen darüber, dass sich in der Nähe der von ihm der Geschädigten zugefügten Verletzungen wicht ige Organe und le- benswichtige Blutgefässe befinden und da ss namentlich die Verletzung der le- benswichtigen Blutgefässe den Tod eines Menschen bewirken kann. Damit ist dem Angeklagten auch das Wissen anzurechnen, dass ein sehr hohes Risiko be- stand, namentlich lebenswichtige Blutgefässe zu treffen. Dass der Angeklagte be- tont, bei den Schnitten im Halsbereich und beim Schlag mit dem Glas ins Gesicht nicht mit dem Tod der Geschädigten gerec hnet zu haben, ändert dabei nichts an seinem eingestandenen Wissen um die möglichen Folgen derartiger Handlungen. Weiter ist zu prüfen, ob der Angeklagt e durch dieses Handeln auch den Tod der Geschädigten in Kauf genommen hat bzw. hätte. Wie erwähnt darf aus dem Wis- sen des Erfolgseintritts a llein noch nicht auf dessen Inkaufnahme und damit auf Eventualvorsatz geschlossen werden. Viel mehr müssen weitere Umstände dazu- kommen. Setzt ein wütender und aufgeregter, allenfalls infolge von Alkohol und anderen Drogen zusätzlich reduzierter Täter seinem Opfer nicht nur ein Messer direkt auf den Hals, sondern macht zumindest zwei derartige Schnittbewegungen, dass es offene Wunden von 1,5 bis 2,5 cm gib t, und berücksichtigt man auch den Um- - 9 - stand, dass eine völlig aufgeregte Situation bestand, bei der die Reaktion der Ge- schädigten in keiner Weis e voraussehbar war, dann li egt eine schwere und le- bensgefährliche Verletzung des Opfers s ehr nahe. Der Angeklagte konnte nicht kontrollieren, wie er die Schnitte genau appli zierte; er konnte im übrigen noch we- niger kontrollieren, wo sein Schlag mi t dem Glas die Geschädigte genau im Ge- sicht treffen werde. So gab er selber an, sich bei den Schnitten mit dem Messer nicht unter Kontrolle gehabt zu haben; di e Geschädigte habe sich, so glaube er, bewegt, als er ihr das Messer an den Ha ls gehalten habe. Und dass er mit dem Wasserglas das Gesicht der Geschädigten getroffen habe, sei eher zufällig gewe- sen. Dieser Schlag ins Gesicht wurde auch mit einer gewissen Wucht ausgeführt, was sich aus der Tatsache ergibt, dass die Geschädigte auch eine Gehirnerschüt- terung erlitt. Die Geschädigte trug insgesamt (Hals und Gesicht) auch keineswegs nur unerhebliche Verletzungen davon. Wär en die Messerschnitte im Halsbereich nur leicht anders oder leicht tiefer geführt worden, oder wäre der Schlag mit dem Glas ins Gesicht auf jenem nur leicht verschoben (ebenfalls Richtung Hals oder beispielsweise Schläfe bzw. Auge) aufgeprallt, hätte di es ohne weiteres zu le- bensgefährlichen Verletzungen führen können. Dies aber konnte der Angeklagte nicht kontrollieren. Ob das Opfer letztlich stirbt, "nur" schwer verletzt wird oder glücklicherweise eben nicht, beschlägt einz ig den Erfolg, der vorliegend vom An- geklagten bei seiner Handlungsweise in keiner Weise willentlich gesteuert werden konnte. Hätte sich die Geschädigte in j enem Moment, als der Angeklagte ihr das Messer an den Hals setzte und auch schni tt, in ihrem Schrecken oder in Panik „unvorteilhaft“ bewegt, dann hätte es ohne weiteres – wie auch die Gutachter des IRM darlegen – zum Tode führen können. Wer in einer solchen Situation einer an deren Person im Halsbereich derartige Schnitte zufügt und einen derartigen Schlag ausführt, nimmt eine lebensgefährli- che Verletzung des Opfers ohne weiteres in Kauf. Wer sich so wie der Angeklagte verhält, dem muss sich die Tatsache, dass er damit das Opfer in eine unmittelba- re Lebensgefahr bringen kann, infolge seines Verhaltens als so wahrscheinlich aufdrängen, dass sein Verhalten vernünfti gerweise nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs (unmittelbare Lebensgefahr) gewerte t werden kann. Aufgrund der Art und Weise der Tatbegehung war die Wahrschein lichkeit von gravierenden Verletzun- - 10 - gen, die eine lebensgefährliche Situation schaffen – in welcher die Möglichkeit des Todes des Geschädigten ernstlich un d dringlich wahrscheinlich hätte sein können – derart eklatant, dass die Verhal tensweise des Angeklagten schlechter- dings nicht anders interpretiert werden kann, als dass er eine lebensgefährliche Verletzung des Opfers in Kauf nahm ; der Angeklagte konnte beim bestem Willen auch nicht darauf vertrauen, dass schon ni chts passieren werde. Dementspre- chend musste der Angeklagte in der Untersuchung wie auch anlässlich der heuti- gen Hauptverhandlung einräumen, dass er mit einer schweren Verletzung der Geschädigten hatte rechnen müssen. Etwas anderes wäre auch lebensfremd. Hinzu tritt, dass – wie schon mehrfach betont – die Messerschnitte und der Schlag mit dem Glas ins Gesicht im Rahmen eines dynamischen Geschehens passierten. Bei der Attacke mit dem Messer hatte der Angeklagte die Geschädigte zwar inso- fern im Griff, als dass er das auf einem Stuhl sitzende Opfer überraschend von hin- ten anging bzw. dieses völlig eingesch üchtert mit dem Rück en zur Wand stand; doch ist zu unterstreichen, dass auch die Geschädigte sich bewegte bzw. der An- geklagte überhaupt nicht damit rechnen konnte, dass si e sich nicht bewegen wür- de. Hätte der Angeklagte den Tatplan gehabt, der Geschädigten nur und aus- schliesslich solche Verletzu ngen zuzufügen, welche ni cht lebensgefährlich sein würden, dann muss sich der Angeklagte aufgrund der gesamten Situation entgegen halten lassen, dass er schlicht nicht in der Lage war, diesen Tatplan auch umzuset- zen. Insofern zielt auch das Argument der Verteidigung ins Leere, die mit dem Messer zugefügten Verletzungen wären länger bzw. tiefer ausgefallen, wenn der Angeklagte die Geschädigte hätte schwer verletzen bzw. sogar töten wollen. Es ging dem Angeklagten jedenfalls gemäss eigenen Angaben darum, die Geschädig- te zu verletzen, ihr Schmerzen zuzufüge n. Beweisbildend is t in diesem Zusam- menhang das mehrfache Handeln, nämlich die zwei Schnitte im Halsbereich und – nach einem örtlichen Verschieben – das Zuschlagen mit dem Glas ins Gesicht der Geschädigten, das Wissen de s Angeklagten um die Folg en solcher Handlungen, sowie die Erklärung des Angeklagten, er habe die Geschädigte umbringen wollen. Zwar legte der Angeklagte das Messer von sich aus weg, doch kann auch diese Tatsache entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht als Indiz dafür gewertet wer- den, dass er weder gravierende Verlet zungen noch den Tod de r Geschädigten in - 11 - Kauf genommen habe: So setzte er sein Handeln fort, indem er diese mit dem Trinkglas attackierte, was wiederum zu lebensgefährlichen Verletzungen hätte füh- ren können. Zu betonen ist schliesslich, dass es den Angeklagten keineswegs ent- lastet, wenn er sich darauf beruft, nicht geplant gehandelt zu haben, sondern spon- tan und plötzlich. Auch ni cht von Bedeutung ist, dass der Angeklagte vorgibt, er habe die Geschädigte nicht tödlich verlet zen wollen. Entschei dend ist vielmehr, dass – wie gesehen – mehrere Umstände vorliegen, die darauf schliessen lassen, dass der Angeklagte wi ssentlich und willentlich der Ge schädigten die Schnitte im Halsbereich appliziert hat und er der Ge schädigten wissentlich und willentlich das Glas ins Gesicht geschlagen hat, obschon ihm dabei bewusst wa r, dass dies bei der Geschädigten tödliche Verletzungen zur Folge hätte haben können. 2.3.3 Versuch Fehlt es wie vorliegend an der Erfüllu ng des objektiven Elements des Todes- eintrittes im Sinne von Art. 111 StGB, ist folglich der zum Tatbestand gehörende Erfolg nicht eingetreten, so ist von einem Versuch auszugehen. Das revidierte Strafgesetzbuch spricht nicht nur nicht mehr vom untauglichen Ver- such, sondern es differenziert prinzipiell auch nicht mehr zwischen dem unvollende- ten und dem vollendeten Versuch (Bänziger/ Hubschmid/ Sollberger, Zur Revision des allgemeinen Teils des Schweizerischen Strafrechts und zum neuen materiellen Jugendstrafrecht, 2. A., Bern 2006, S. 13). Die Bestimmungen über den Versuch wurden systematisch neu ge gliedert, indem alle Versuc hsformen in Art. 22 StGB zusammengefasst wurden. Zudem sind auch die Rechtsfolgen bei allen Versuchs- arten gleich, indem sie (wie schon bis anhin) zu einer (theoretisch nur) fakultativen Strafmilderung führen. Weil das revidierte StGB nur noch eine Art von Strafmilde- rung (Art. 48a StGB) kennt, besteht in Bezug auf die Re chtsfolgen grundsätzlich kein Unterschied me hr zwischen unvollendetem und vollendetem Versuch. Über- dies war schon nach altem Recht die Unterscheidung zwischen vollendetem und unvollendetem Versuch in jenen Fällen, wo weder ein Rücktritt noch tätige Reue zur Diskussion standen, ohne praktische Bedeutung (BGE 127 IV 97 Erw. 1; BGE 6S.46/2005 vom 2.2.2006, Erw. 10 .4.2.). Diese Sich tweise könnte zum - 12 - Schluss führen, es sei letztlich irrelev ant, ob das Verhalten des Angeklagten als vollendeter oder unvollendeter Versuch zu qualifizieren sei. Dass letztlich nach wie vor zwischen vollendetem und unvollendetem Versuch un- terschieden wird, ergibt sich daraus, dass das Gesetz zwischen Rücktritt und tätiger Reue unterscheidet. Unter welchen Vorau ssetzungen der Täter vom Versuch zu- rücktreten oder tätige Reue üben kann, bestimmt sich danach, ob es sich um einen unvollendeten oder vollendeten Versuch handelt (Rücktritt ist nur beim unvollende- ten Versuch möglich, tätige Reue beim vollendeten Vers uch; vgl. dazu Donatsch/ Tag, Strafrecht I, 8. A., Zürich 2006, S. 135 f.). Nachdem nun aber der Rücktritt und die tätige Reue im gleichen Art. 23 Abs. 1 StGB zusa mmengefasst und insbeson- dere mit derselben Rechtsfolge (fakultative Strafmilderung oder Umgangnahme von einer Bestrafung) versehen wurden, verstärkt sich der Eindruck, dass es sich um einen akademischen Streit handeln dürfte, ob ein vollendeter oder ein unvollende- ter Versuch vorliegt (Donatsch/ Tag, Strafrecht I, a.a.O., S. 139 ff.). Ob es sich um einen vollendeten oder unvo llendeten Versuch handelt, muss jedenfalls im Ur- teilsdispositiv nicht mehr zum Ausdru ck kommen (Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT I, 3. A., Bern 2005, § 12 N. 38). Wie weit ein Versuch gediehen ist, ist aber auch nach neuem Recht für di e noch vorzunehmende Strafzumessung von Bedeutung. Ein vollendeter Versuch liegt vor, wenn die strafbare Tätigkeit zu Ende geführt wird, aber der tatbestandsmässi ge Erfolg nicht eintritt (Ar t. 22 Abs. 1 StGB, alte und neue Fassung). Die Abgrenzung des vollendeten vom unvollendeten Versuch ist auf der Grundlage des konkreten Tatpla ns vorzunehmen. Es ist zu fragen, ob der Täter alle Voraussetzungen geschaffen hat, die nach seinem Plan zum Eintritt des Erfolges hätten führen sollen (BGE 6S.46/2005 vom 2.2.2006, Erw. 10.4.2.). Es gibt aufgrund der Au ssagen der Geschädigten un d der Tatzeugen keine An- haltspunkte dafür, dass der Angeklagte de r Geschädigten weitere Messerschnitte zufügen oder er ihr ein we iteres Glas im Gesicht zertrümmern oder mit Glas- scherben das Gesicht weiter malträtier en wollte, auch wenn der Angeklagte mehrmals an jenem Tag gegenüber den anderen erwähnt hatte, er werde die Ge- schädigte umbringen. Es ist davon auszug ehen, dass mit dem einen Schlag ins - 13 - Gesicht der Geschädigten die eigentliche Tathandlung zu Ende war. Mithin ist von einem vollendeten Versuch auszugehen. Es lag nicht im Wirkungsbereich des Angeklagten, ob der Erfolg letztlich eintrat oder nicht. 2.4 Somit ist der Angeklagte des eventualvorsätzlichen Tötungsversuchs im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer Urteil vom 30. November 2009 mitgeteilt von lic. iur. S. Eugster