Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. November 2019 (810 19 8) ____________________________________________________________________ Öffentliche Sicherheit Ausnahmebewilligung für Schalldämpfer Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Markus Clausen, Daniel Häring, Claude Jeanneret , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A._____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Alex Ertl, Rechts- anwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Betreff Ausnahmebewilligung für Schalldämpfer (RRB Nr. 27 vom 15. Januar 2019) A. A.____, geboren 1977, ist Jäger und Jagdpächter i n Frankreich. Entsprechend seinem Feuerwaffenpass verfügt er über vier Feuerwaffen für d ie Jagd sowie über eine Armeepistole. Mit Gesuch vom 9. April 2018 beantragte er bei der Polizei Basel-Landschaft, Fachstelle Waffen und Sprengstoff (Fachstelle Waffen), eine Ausnahmebewi lligung für den Erwerb eines Schall- dämpfers mit der Begründung, dass er in der französischen Gemeinde B.____ Jagdpächter sei und den Schalldämpfer zur Jagd im Elsass benötige. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Die Fachstelle Waffen teilte A.____ mit Schreiben vom 31. Mai 2018 mit, dass seinem Gesuch voraussichtlich nicht entsprochen werde, und gewährt e ihm das rechtliche Gehör. Mit undatierter Eingabe ersuchte A.____ um Fristerstreckung und Akteneinsicht. Die Fachstelle Waffen erstreckte mit Schreiben vom 28. Juni 2018 die Fr ist und liess ihm drei namentlich ge- nannte Dokumente zukommen. Mit Eingabe vom 24. Juli 20 18 nahm A.____ zu der beabsich- tigten Nichterteilung der Ausnahmebewilligung Stellung. C. Mit Verfügung vom 13. September 2018 verweigerte d ie Fachstelle Waffen A.____ die Erteilung der Ausnahmebewilligung. Zur Begründung brachte sie vor, dass eine allgemeine Be- willigung für den jagdlichen Einsatz von Schalldämpfe rn nach aktueller Rechtslage grundsätz- lich nicht möglich sei und eine Ausnahmebewilligung nur dann erteilt werde, wenn die Bewilli- gung einer Schweizer Jagdbehörde vorliege oder der Sc halldämpfer auf der Jagd im Ausland zwingend vorgeschrieben sei. Die Benutzung eines Schalld ämpfers sei auf der Jagd in Frank- reich nicht zwingend vorgeschrieben und eine Ausnahmebew illigung sei nur restriktive zu ertei- len. Des Weiteren wurde in der Verfügung auch erklärt, unter welchen Bedingungen eine Aus- nahmebewilligung an Sammler erteilt werde. Schliesslich wurde auf die dem Gesuchsteller zu- gestellten Akten sowie auf die im Zusammenhang mit dem Ausnahmegesuch von der Fachstel- le Waffen getätigten Anfragen beim Amt für Wald bei der Basel, Fachstelle Jagd und Fischerei (Fachstelle Jagd), und beim Bundesamt für Polizei fedpol , Zentralstelle Waffen (Zentralstelle Waffen, ZSW), eingegangen. D. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durc h Lorena Steiner bzw. Alex Ertl, Advokaten in Basel, am 20. September 2018 beim Regie rungsrat des Kantons Basel- Landschaft (Regierungsrat) Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung und die Erteilung einer Ausnahmebewilligung für den Erwerb und Besitz eines Schall- dämpfers, unter o/e-Kostenfolge. In der Beschwerdebegründung vom 11. Oktober 2018 machte A.____ geltend, dass die Beschwerde wegen Verletzung de s Anspruchs auf rechtliches Gehör gutzuheissen sei und dass ihm sowohl aufgrund der anwen dbaren kantonalen Bestimmungen als auch gestützt auf das Vorliegen von achtenswerten Gr ünden gemäss Bundesrecht, insbe- sondere der Sammlertätigkeit wegen, eine Ausnahmebewilligung zu erteilen sei. E. Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit Beschluss N r. 27 vom 15. Januar 2019 ab. Er verneinte das Vorliegen einer Verletzung des Ansp ruchs auf rechtliches Gehör und erklärte, der Erwerb von Waffenzubehör könne nur bewilligt werd en, wenn achtenswerte Gründe und kein Hinderungsgrund vorlägen. Das Vorliegen des achten swerten Grundes der Sammlertätig- keit sei nicht gegeben, da A.____ sein Gesuch damit begründet habe, dass er den Schalldämp- fer für die Jagd benötige und nicht aufgrund einer Sa mmlertätigkeit. Seine Behauptung, er sei Sammler, sei als Schutzbehauptung zu werten. Im Übrige n gelte er aufgrund seiner vier Jagdwaffen und der Armeepistole nicht als Sammler. Des Weiteren sei in Frankreich die Ver- wendung eines Schalldämpfers für die Jagd erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. In der Schweiz seien Schalldämpfer zur Jagd grundsätzlich nicht zugelassen . Dass der Gesuchsteller den Schalldämpfer für die Jagd in Frankreich verlange und S challdämpfer auf der Jagd in Frank- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht reich erlaubt seien, sei für die Frage nach einer Ausn ahmebewilligung zum Erwerb eines Schalldämpfers nach Schweizer Waffenrecht nicht von Bedeutung. F. Mit Eingabe vom 18. Januar 2019 erhob A.____, nunm ehr vertreten durch Alex Ertl, gegen den Regierungsratsratsbeschluss vom 15. Januar 2019 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kan tonsgericht), und beantragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und dem Beschwer deführer eine Ausnahmebewilli- gung für den Erwerb und Besitz eines Schalldämpfers zu erteilen, unter o/e-Kostenfolge. In sei- ner Beschwerdebegründung vom 19. Februar 2019 machte der Beschwerdeführer geltend, sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, weil ihm die Fachstelle Waffen grundle- gende Akten, von denen sie sich bei ihrem Entscheid ha be leiten lassen, vorenthalten bzw. im- mer noch nicht zur Verfügung gestellt habe. Somit sei e s dem Beschwerdeführer faktisch nicht möglich gewesen, sich zur Sache zu äussern. Der Beschwerde führer monierte weiter, es seien eine Reihe weiterer Ungereimtheiten und Mängel in B ezug auf Unterlagen und die Gewährung des rechtlichen Gehörs festzustellen. Im Übrigen lägen be im Beschwerdeführer achtenswerte Gründe gemäss den gesetzlichen Bestimmungen vor, weshalb er Anspruch auf eine Ausnah- mebewilligung habe. In ihrer Stellungnahme vom 24. April 2019 ging die Fachstelle Waffen als Vertreterin des Regie- rungsrates eingehend auf die Rügen des Beschwerdeführers ein und beantragte die kostenfälli- ge Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 10. Mai 2019 überwies das Gerichtspr äsidium den Fall der Kammer zur Be- urteilung im Rahmen einer Urteilsberatung und wies die Beweisanträge des Beschwerdeführers auf Befragung diverser Zeugen ab. Am 19. Juni 2019 r eichte der Vertreter des Beschwerdefüh- rers seine Honorarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialge setzlicher Ausschlusstatbestand vorliegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtene n Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 li t. c VPO e contrario). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. In seiner Beschwerdebegründung vom 19. Februar 201 9 macht der Beschwerdeführer vorweg eine mehrfache Verletzung seines Anspruchs auf re chtliches Gehör geltend. Er moniert im Wesentlichen, dass ihm die Fachstelle Waffen vor Erl ass der Verfügung nicht alle Unterla- gen bzw. nur Auszüge der relevanten Dokumente ausgehänd igt habe, so dass er sich nicht rechtsgenüglich habe äussern können. 4.1. Die Garantie des rechtlichen Gehörs hat für das r echtsstaatliche Verfahren eine zentrale Bedeutung (vgl. statt vieler Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht [KGE VV], vom 10. April 2019 [810 18 187] E. 5.1). Der Anspruch auf vorgängige Anhörung als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ist formeller Natur (vgl. BGE 127 I 132 f. E. 4c). Dies bedeutet, dass seine Missachtung die Aufhebung des ang efochtenen Entscheides zur Folge hat, ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerd e in der Sache selbst (BGE 126 V 132 f. E. 2b, 122 II 469 E. 4a; KGE VV vom 17. Oktob er 2018 [810 18 108] E. 5.1, vom 5. Sep- tember 2007 [810 06 199] E. 9.3). Es kommt demnach ni cht darauf an, ob irgendwelche Aus- sichten bestehen, dass die Behörde nach richtiger Anhörun g des Beschwerdeführers zu einer Änderung ihres Entscheides gelangen könnte (BGE 126 V 132 E. 2b, 125 I 118 E. 3, 124 V 389 E. 1, 124 V 183 E. 4a, je m.H.). Die formelle Rüge betreffend Verletzung des rechtlichen Ge- hörs ist daher im Folgenden vor einer allfälligen inhaltlichen Beurteilung zu prüfen. 4.2. Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieses Recht wird auch in § 9 Abs. 3 der Verfassung des Kantons Basel-Landschaft (KV) vom 17. Mai 1984 und in § 13 des Verwaltungsverfahrensgesetzes des Kantons Basel- Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 gewährleistet. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ande- rerseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrech t beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingrei ft (vgl. G EROLD STEINMANN , in: Ehren- zeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die Schwe izerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, Zürich/Basel/St. Gallen 2014, Rz. 42 zu Ar t. 29 BV). Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen En tscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlich er Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn di eses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_146/20 14 vom 26. Juni 2014 E. 4.3.2). Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 I 279 E. 2.3, 135 II 286 E. 5.1, 132 V 368 E. 3.1, je m.H.; Urteil des Bundesgerichts 8C_110/2013 vom 2. September 2013 E. 8. 1; KGE VV vom 25. Januar 2017 [810 16 134] E. 3.3.1). 4.3. Das Kernelement des rechtlichen Gehörs ist das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen einen Einfluss auf d ie Ermittlung des wesentlichen Sach- verhalts sichert. Die Behörde muss diese Äusserungen zur Ken ntnis nehmen und sich damit in der Entscheidfindung und -begründung sachgerecht ausein andersetzen (KGE VV vom 27. Juli Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2016 [810 15 223] E. 3.3). Im Einzelnen lässt sich nicht generell, sondern unter Würdigung der konkreten Interessenlage beurteilen, wie weit das Äusser ungsrecht geht. Wegleitend muss der Gedanke sein, einer Partei zu ermöglichen, ihren Sta ndpunkt wirksam zu vertreten. Ein An- spruch auf mündliche Stellungnahme besteht nicht. Eine so lche kann allenfalls im Beschwerde- verfahren vor einem Gericht verlangt werden (BGE 134 I 148 E. 5.3; U LRICH HÄFELIN/G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St. G allen 2016, Rz. 1012 und 1189). 4.4.1. Das Akteineinsichtsrecht wird in § 14 VwVG BL expl izit geregelt. Die Parteien haben Anspruch auf Einsicht in die Verfahrensakten, soweit nich t überwiegende öffentliche oder pri- vate Interessen ihre Geheimhaltung erfordern (Abs. 1). Der Inhalt eines Aktenstückes, in wel- ches die Einsicht verweigert wird, muss jedoch so weit be kanntgegeben werden, als dies ohne Verletzung der zu schützenden Interessen möglich ist (Ab s. 2). Der Regierungsrat erlässt über das Akteneinsichtsrecht und die Herausgabe von Akten ergä nzende Vorschriften (Abs. 3). In § 1 der Verordnung zum Verwaltungsverfahrensgesetz des Kantons Basel-Landschaft (Vo VwVG BL) vom 30. November 2004 wird der Umfang der Akteneinsicht geregelt. Das Recht auf Einsicht in die Verfahrensakten von Behörden im Sin ne von § 2 Abs. 3 VwVG BL bezieht sich auf hängige Verwaltungsverfahren und abgeschlossene Verwaltungsverfahren, sofern die Akteneinsicht den Erlass, die Änderung oder die Aufhebun g der Verfügung bezweckt (Abs. 1). Es wird Einsicht gewährt in alle Akten, die der Behörde als Grundlage für ihre Entscheidung dienen (Abs. 2). 4.4.2. Das Recht auf Einsicht in die Akten eines hängig en Verfahrens soll den Verfahrensbetei- ligten die Kenntnisnahme der Entscheidgrundlagen ermöglichen, eine wirksame und sachbezo- gene Stellungnahme erlauben und die Akzeptanz der En tscheidung fördern. Die Akteneinsicht erstreckt sich grundsätzlich auf alle Akten, die geeignet sind, Grundlage für die spätere Ent- scheidung zu bilden, d.h. entscheidrelevant sind oder sein könnten. Um den Umfang des Ak- teneinsichtsrechts zu bestimmen, kommt es auf die Bedeut ung eines Aktenstückes für die ver- fügungswesentliche Sachverhaltsfeststellung an (BGE 125 II 473 E. 4c/cc m.w.H.). 5.1.1. Die Fachstelle Waffen hat dem Beschwerdeführer i m Schreiben vom 31. Mai 2018 mit- geteilt, aus welchen Gründen sie beabsichtige die Bewil ligung nicht zu erteilen. Unter anderem führte sie aus, dass im hiesigen Kanton die Sammlertäti gkeit dann nachgewiesen sei, wenn die folgenden Kriterien kumulativ erfüllt seien: "man 10 w affenrechtliche Bewilligungen (z.B. Waf- fenerwerbsscheine) vorweisen kann; man eine Sammlung vo n mindestens 10 Feuerwaffen vorweisen kann." Des Weiteren hielt die Fachstelle Waff en fest, dass die Zentralstelle Waffen als oberste Waffenbehörde der Schweiz vom Bundesamt fü r Polizei fedpol die Ansicht vertrete, dass Schalldämpfer für jagdliche Zwecke nur dann zugelasse n werden sollten, wenn eine Schweizer Jagdbehörde eine entsprechende jagdliche Bewilligung ausstelle oder wenn im Aus- land die Jagd mit Schalldämpfer zwingend erforderlich se i. Des Weiteren erklärte sie, dass die Fachstelle Jagd des hiesigen Kantons der jagdlichen Zula ssung von Schalldämpfern ebenfalls grundsätzlich negativ gegenüberstehe. Diese empfehle der Fachstelle Waffen ebenfalls, auf das Gesuch des Beschwerdeführers nicht einzutreten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1.2. Nachdem der Beschwerdeführer mit undatiertem S chreiben um Akteneinsicht ersucht hatte, erklärte die Fachstelle Waffen mit Schreiben vo m 28. Juni 2018, dass sie ihm Einsicht in die interne Regelung betreffend Ausnahmebewilligung für Sammler der Fachstelle Waffen (in- terne Weisung), in den Auszug aus dem Protokoll vom 4 . April 2018 der 75. Sitzung des Ar- beitsausschuss Waffen und Munition (AWM) unter der Leit ung der Zentralstelle Waffen und in die Aktennotiz betreffend Einsatz von Schalldämpfern f ür Jagdwaffen vom 27. Juni 2018 der Fachstelle Jagd "mit Auszug der Verordnung über die Ja gd und den Schutz wildlebender Säu- getiere und Vögel zu Art. 2" gewähre, und legte dem Schreiben diese drei Dokumente bei. 5.2.1. Soweit der Beschwerdeführer moniert, er habe die interne Weisung betreffend Ausnah- mebewilligung für Sammler erst nach mehrmaliger Nachfrage erhalten, so ist festzustellen, dass diese dem Beschwerdeführer vor seiner Stellungnahme au sgehändigt wurde, so dass sein An- spruch auf rechtliches Gehör nicht verletzt wurde. Des Wei teren ist das undatierte Gesuch um Akteneinsicht am 11. Juni 2018 bei der Fachstelle Waffen eingegangen. Am 28. Juni 2018 wur- de dem Beschwerdeführer dieses Dokument zugestellt, so dass sich auch seine Aussage, er habe mehrmals um Zustellung ersucht, als aktenwidrig erweist. 5.2.2. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass diese interne Weisung von der Per- son erlassen worden sei, die den Entscheid gefällt habe . Da sich die verfügende Person in ei- nem offensichtlichen Interessenkonflikt befunden habe, hätte sie wegen Befangenheit in den Ausstand treten müssen. Eine Delegation des Entscheids an eine untergeordnete Person wäre auch nicht möglich gewesen, da diese zwingendermassen die Weisungen ihres Vorgesetzten hätte befolgen müssen. Vielmehr hätte der Entscheid d urch eine übergeordnete Stelle gefällt werden müssen. Obwohl diese Rügen nicht im Zusammenha ng mit dem Anspruch auf rechtli- ches Gehör stehen, kann festgehalten werden, dass diese rein appellatorischer Natur sind. Wie die Fachstelle Waffen in ihrer Stellungnahme ausführt , ist es zutreffend, dass die interne Wei- sung vom Leiter der Fachstelle Waffen unterzeichnet ist . Diese Regelung wird durch sämtliche Mitarbeiter der Fachstelle strikte angewendet, so dass es irrelevant ist, wer die darauf basie- renden Verfügungen erlässt. Des Weiteren würde die Ar gumentation des Beschwerdeführers zum unzutreffenden Schluss führen, dass der Leiter der Fachstelle Waffen wegen Befangenheit keinerlei Verfügungen erlassen könnte. 5.3.1. Der Beschwerdeführer rügt weiter, dass ihm eine rseits vor Erlass der Verfügung lediglich eine Passage aus dem Protokoll der 75. Sitzung des AWM ausgehändigt worden sei. Anderer- seits sei dem Regierungsrat nach Anfechtung der Verfüg ung der Fachstelle Waffen der ganze Auszug aus dem AWM-Protokoll ausgehändigt worden. 5.3.2. Das Protokoll der 75. Sitzung des AWM enthält a uch Themen, die mit der Problematik von Schalldämpfern auf der Jagd nichts zu tun haben, wom it der Beschwerdeführer auch kei- nerlei Anspruch auf Akteneinsicht in die weiteren Sit zungsthemen hat. Es bleibt einzig die Fra- ge, ob ihm der ganze Text zur Thematik Schalldämpfer a uf der Jagd, bestehend aus zwei Ab- sätzen, hätte zugestellt werden sollen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.3. Bereits im Schreiben vom 31. Mai 2018 wurde d er Beschwerdeführer über die Ansicht der Zentralstelle Waffen informiert. Nach dem Aktenei nsichtsgesuch des Beschwerdeführers liess die Fachstelle Waffen dem Beschwerdeführer den zwei ten Absatz des Protokolls der 75. Sitzung des AWM vom 4. April 2018 zum Thema "Scha lldämpfer auf der Jagd", lautend wie folgt, zukommen: "Die ZSW vertritt die Ansicht, dass der Erwerb eines Schalldämpfers für die Jagd nur bewilligt werden sollte, wenn eine Bewilligung einer Schweizer Jagdbehö rde vorliegt, welche die Verwendung eines Schalldämpfers erlaubt oder belegt werden kann, dass die Verwendung eines Schalldämpfers im Ausland zwingend erforderlich ist." Dem Regierungsrat wurde hingegen die ganze Seite 5 d es achtseitigen Protokolls der 75. Sitzung des AWM zugestellt, womit ihm auch der e rste Absatz zum Thema "Schalldämpfer auf der Jagd", lautend wie folgt, zur Kenntnis gebracht wurde: "Auch das Thema Schalldämpfer war stark präsent, da S challdämpfer in einigen Ländern für die Jagd bereits heute Pflicht sind und sich daher ein grosser Markt öffnet. Zu diesem Thema hat der Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler eine Über sicht der Bundesländer erstellt. Daraus ist ersichtlich in welchen Bundesländern Schalldämpfer erla ubt oder wo sie verboten sind. Gemäss dieser Liste ist es in keinem Bundesland Pflicht, einen Schalldämpfer für die Jagd zu verwenden." 5.3.4. Wie der erste Absatz aus dem Protokoll zeigt, ist e r weder für die verfügungswesentliche Sachverhaltsfeststellung noch für die Entscheidung der Fachstelle Waffen relevant und ebenso wenig für eine wirksame und sachbezogene Stellungnahme nötig. Der Beschwerdeführer er- klärt, ihm sei eine Würdigung der Aussagekraft der Äusserung im zweiten Absatz verunmöglicht worden, da ihm nur ein Satz aus dem Kontext mitgeteilt worden und es damit nicht klar sei, ob es sich nur um eine neben weiteren an der Sitzung geäuss erten Meinungen handle. Dieser Vorwurf ist nicht begründet. Aus dem mitgeteilten Absat z geht eindeutig hervor, dass es sich um die Meinung der Zentralstelle Waffen handelte un d nicht nur "um eine neben weiteren an der Sitzung geäusserten Meinungen". Die Tatsache, dass dem Beschwerdeführer nur der zwei- te und nicht beide Absätze aus dem Protokoll geschickt wurd en, stellt damit keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. 5.3.5. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, es m ache den Anschein, es sei ihm ab- sichtlich der erste Absatz nicht mitgeteilt worden sei, weil ihm habe vorenthalten werden sollen, dass Schalldämpfer in einigen Ländern für die Jagd be reits heute Pflicht seien, und sich daher ein grosser Markt eröffne. Ausserdem sei ihm die Liste m it den Bundesländern, in welchen Schalldämpfer erlaubt bzw. verboten seien, bis jetzt ni cht ausgehändigt worden. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers ist nicht nachvollzie hbar, inwiefern diese Informationen dem Beschwerdeführer gezielt hätten verschwiegen werden und für die Entscheidfindung der Fachstelle relevant hätten sein sollen. 5.3.6. Der Beschwerdeführer erörtert, aus dem gesamten AWM-Protokoll sei ersichtlich, dass der Abschnitt im Zusammenhang mit der Verwendung von Schalldämpfern zur Jagd in Deutsch- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht land ergangen sei und sich die Meinung der Zentralste lle Waffen auf die jagdliche Verwendung von Schalldämpfern in der Schweiz beziehe. Der Beschwer deführer wünsche aber die Aus- nahmebewilligung für einen Schalldämpfer nicht zur Ja gd, sondern lediglich zum Erwerb und Besitz in der Schweiz bzw. zur Jagd im Ausland. Somit taug e dieses Argument der Fachstelle Waffen nicht zur Begründung der Ablehnung des Ausnahm egesuchs des Beschwerdeführers. Diesen Ausführungen kann nicht gefolgt werden. Dem P rotokoll ist unmissverständlich zu ent- nehmen, es werde die Ansicht vertreten, dass eine Ausna hmebewilligung in zwei Fällen erteilt werden könne. Der zweite Fall liegt vor, wenn die Ve rwendung eines Schalldämpfers im Aus- land zwingend erforderlich ist. Daraus kann keinesfalls d er Schluss gezogen werden, diese Aussage beziehe sich auf die Verwendung von Schalldämpf ern in der Schweiz oder komme nicht zur Anwendung, wenn der Erwerb des Schalldämpf ers in der Schweiz, aber die Jagd im Ausland stattfinden solle. Des Weiteren geht klar hervor, dass es um die Jagd im Ausland geht, und zwar nicht nur auf Deutschland bezogen. 5.4.1. Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Fachstelle Waffen habe in ihrer Mitteilung vom 31. Mai 2018 angegeben, dass auch die Fachstelle Jagd de r jagdlichen Zulassung von Schall- dämpfern negativ gegenüberstehe. Mit Schreiben vom 28 . Juni 2018 sei dem Beschwerdefüh- rer sodann die entsprechende Aktennotiz der Fachstelle J agd zugesandt worden. Diese datiere vom 27. Juni 2018. Folglich stelle sich die Frage, wie die Fachstelle Waffen bereits im Mai 2018 habe wissen können, dass und aus welchen Gründen die Fachs telle Jagd eine negative Hal- tung einnehme. Es mache fast den Anschein, dass die Fachstelle Waffen erst eine Begründung gesucht habe, nachdem sie ihren Entscheid bereits gefällt habe. 5.4.2. Im Schreiben betreffend Gewährung des rechtlic hen Gehörs vom 31. Mai 2018 erklärte die Fachstelle Waffen, dass die Fachstelle Jagd der jag dlichen Zulassung von Schalldämpfern grundsätzlich negativ gegenüberstehe und ihr empfehle, a uf das Gesuch um Erteilung einer Ausnahmebewilligung nicht einzutreten. Wie in der V erfügung vom 13. September 2018 bereits ausgeführt wurde, kontaktierte die Fachstelle Waffen a m 18. April 2018 nach Eingang des Ge- suchs des Beschwerdeführers telefonisch die Fachstelle Jag d bezüglich ihrer Haltung zum Ein- satz von Schalldämpfern für jagdliche Tätigkeiten. Die telefonische Auskunft der Fachstelle Jagd wurde dem Beschwerdeführer im Schreiben vom 31. Ma i 2018 mitgeteilt. Die Aktennotiz "Einsatz von Schalldämpfern für Jagdwaffen" vom 27. Juni 2018 der Fachstelle Jagd und die "Stellungnahme RG i.S. A._____" vom 17. September 20 18 der Fachstelle Jagd stehen im Ein- klang mit der Aussage der Fachstelle Waffen vom 13. Sep tember 2018. Der Vorwurf des Be- schwerdeführers, die Fachstelle Waffen habe eine Begrü ndung gesucht, nachdem sie ihren Entscheid bereits gefällt habe, ist folglich nicht zu hören. 5.5. Letztendlich moniert der Beschwerdeführer, ihm se i eine mündliche Anhörung verwehrt worden. Wie in der Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, besteht dazu kein Anspruch. Der Be- schwerdeführer kann aus dieser Rüge nichts zu seinen Gunsten ableiten. 5.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Fachstelle W affen keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehörs vorgeworfen werden kann. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1. Zu prüfen ist nachfolgend, ob dem Beschwerdeführe r zu Unrecht keine Ausnahmebewil- ligung erteilt wurde. 6.2. Das Waffengesetz in der jetzigen Form trat am 1. Ja nuar 1999 in Kraft. Davor war das Waffenrecht vor allem in kantonalen Gesetzen sowie im Konkordat über den Handel mit Waffen und Munition geregelt, welches die Kantone (mit Ausna hme des Kantons Aargau) am 27. März 1969 abgeschlossen hatten. Das Konkordat und die kantona le Gesetzgebung erwiesen sich jedoch als lückenhaft. Daraufhin wurde ein neuer Verfa ssungsartikel erlassen, welcher dem heutigen Art. 107 Abs. 1 BV entspricht, mit welchem dem Bund die Kompetenz übertragen wur- de, Vorschriften gegen den Missbrauch von Waffen, Waffe nzubehör und Munition zu erlassen. Mit dem Erlass des Bundesgesetzes über Waffen, Waffenzubehör und Munition (Waffengesetz, WG) vom 20. Juni 1997 und der entsprechenden Verordnung en und Reglemente hat der Bund von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht. In Art. 1 Abs. 1 WG wird der Zweck und Gegen- stand des Gesetzes umschrieben. Ziel ist die Bekämpfung de s Missbrauchs von Waffen, Waf- fenbestandteilen, Waffenzubehör, Munition und Munit ionsbestandteilen. Obwohl nicht explizit aufgeführt, geht es insbesondere um die Verhinderung vo n Verbrechen und Vergehen, die mit Waffen ausgeübt werden, d.h. um einen bestmöglichen Schutz der öffentlichen Sicherheit (FATIH ASLANTAS , in: Facincani/Sutter [Hrsg], Handkommentar zum Waffen gesetz, Bern 2017, Rz. 1 f. zu Art. 1 WG). Ob eine Waffe missbräuchlich ve rwendet wird, hängt im Wesentlichen vom Waffenträger oder von der Waffenträgerin ab. Alle rdings können die Umstände (wie der Zugang zu einer Waffe und das Tragen einer solchen) die Begehung einer Straftat erleichtern. Wer daher den Waffenmissbrauch bekämpfen will, muss sowohl für den Waffenerwerb als auch für das Waffentragen gewisse Einschränkungen vorsehen (Bo tschaft zum Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition vom 24. Januar 19 96, BBl 1996 I 1056). Im vorliegenden Fall kommt das Waffengesetz in der bis zum 14. August 20 19 geltenden Fassung zur Anwen- dung. 6.3. Jede Person, welche eine Waffe oder einen wesentl ichen Waffenbestandteil erwerben will, benötigt einen Waffenerwerbsschein (Art. 8 Abs. 1 WG). Die allgemeinen Voraussetzungen für den Erwerb von Waffen ergeben sich aus Art. 8 Abs. 2 WG (JÜRG MARCEL TIEFENTHAL , Kan- tonales Polizeirecht der Schweiz, Zürich 2018, S. 569 - 585, S. 576). 6.4.1. In Art. 4 Abs. 1 lit. a bis lit. g WG wird auf gezählt, was als Waffe gilt, und in Art. 4 Abs. 2 WG, was als Waffenzubehör gilt. Art. 4 Abs. 2 lit. a WG statuiert, dass Schalldämpfer und ihre besonders konstruierten Bestandteile als Waffenzubehör gelten. Gemäss Art. 4 Abs. 2 lit. a WG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 lit. g WG ist der Erwerb von Scha lldämpfern und ihrer besonders konstruier- ten Bestandteile verboten. Die Kantone können nach Ar t. 5 Abs. 4 WG hierfür jedoch Ausnah- mebewilligungen erteilen. 6.4.2. Nach Art. 28b WG können Ausnahmebewilligungen nur erteilt werden, wenn: "a. achtenswerte Gründe vorliegen, insbesondere: 1. berufliche Erfordernisse, 2. die Verwendung zu industriellen Zwecken, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. die Kompensation körperlicher Behinderungen, 4. Sammlertätigkeit; b. keine Hinderungsgründe nach Artikel 8 Absatz 2 vorli egen; und c. die vom Gesetz vorgesehenen besonderen Voraussetzun gen erfüllt sind." Nach Art. 71 der Verordnung über Waffen, Waffenzubeh ör und Munition (Waffenverordnung, WV) vom 2. Juli 2008 (in der bis zum 14. August 2019 g eltenden Fassung) können kantonale Ausnahmebewilligungen (Art. 5 Abs. 4, 19 Abs. 2 und 2 0 Abs. 2 WG) nur in schriftlich begrün- deten Einzelfällen, für eine bestimmte Person und gr undsätzlich nur für eine einzige Waffe, ei- nen einzigen wesentlichen Waffenbestandteil, einen ein zigen besonders konstruierten Waffen- bestandteil im Sinne von Art. 5 Abs. 1 lit. a WG oder ein einziges Waffenzubehör eines be- stimmten Waffentyps erteilt werden. Sie sind zu befriste n; sie können mit Auflagen verbunden werden. 6.5.1. Der Gesetzgeber hat für die in Art. 5 Abs. 1 WG genannten Waffen, Waffenbestandteile und Waffenzubehör ein generelles Verbot für den Erwer b erlassen. Art. 28b WG nennt die Vor- aussetzungen für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung. Art. 28b WG wurde mit der Waffen- rechtsrevision von 2006 eingeführt. Ein Schwerpunkt dieser Gesetzesrevision lag in der Verein- heitlichung der Anwendung des Waffenrechts. Bis zu diese r Revision waren die waffenrechtli- chen Bestimmungen zur Erteilung von Ausnahmebewilligun gen in den Kantonen überaus un- terschiedlich ausgelegt worden, was innerhalb der Schwei z zu teilweise markanten Differenzen beim Vollzug führte. Um die Vollzugspraxis zu vereinhei tlichen, statuiert dieser Artikel deshalb drei einheitliche (und kumulative) Bedingungen, die bei der Gewährung von sämtlichen Aus- nahmebewilligungen nach diesem Gesetz gegeben sein mü ssen, unabhängig davon, welche staatliche Stelle für die Ausstellung einer Ausnahmebewi lligung zuständig ist. So müssen ach- tenswerte Gründe vorliegen (lit. a), es dürfen keine Hinderungsgründe nach Art. 8 Abs. 2 vorlie- gen (lit. b) und die vom Gesetz vorgesehenen besonderen Voraussetzungen müssen erfüllt sein (lit. c). Neben diesen besonderen Voraussetzungen, die zu m Zweck der Vereinheitlichung der Vollzugspraxis eingeführt wurden, sind auch die allgemei nen verwaltungsrechtlichen Grundsät- ze hinsichtlich der Erteilung von Ausnahmebewilligunge n zu beachten. Demnach muss, damit eine Ausnahmebewilligung erteilt werden kann, eine a usdrückliche gesetzliche Grundlage ge- geben sein, eine tatsächliche Ausnahmesituation vorlieg en und schliesslich eine umfassende Interessenabwägung vorgenommen werden. Es gelangen di e allgemeinen Ermessensregeln zur Anwendung, so dürfen etwa Ausnahmebewilligungen n icht willkürlich zugestanden oder verweigert werden. Schliesslich darf die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nicht der Verwirk- lichung der Zielsetzung des Gesetzes (die Missbrauchsbekämpfung, vgl. Art. 1 Abs. 1 WG) ent- gegenstehen. Umgekehrt heisst das, dass eine Ausnahmebewilligung dann zu erteilen ist, wenn dies dem Ziel der Missbrauchsbekämpfung nicht entgegensteh t bzw. wenn im Gegenteil sogar das Festhalten an der Verweigerung der Ausnahmebewil ligung eine Unzweckmässigkeit bzw. Unbilligkeit darstellen würde. So würde es etwa über das Ziel des Waffengesetzes hinaus- schiessen, einer körperlich behinderten Person die Verwen dung von (eigentlich verbotenen) Messern, deren Klinge mit einem einhändig bedienbaren automatischen Mechanismus ausge- fahren werden kann, zu verwehren, obwohl diese Person engruppe auf die Verwendung von solchen Messern angewiesen ist und dies auch nicht dem Ziel der Missbrauchsbekämpfung Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht entgegensehen würde (N ICOLAS FACINCANI , in: Facincani/Sutter [Hrsg], Handkommentar zum Waffengesetz, Bern 2017, Rz. 1 ff. zu Art. 28b WG). Nu r unter den äusserst restriktiven Bedin- gungen gemäss Art. 28b WG kann die kantonale Behörde eine Ausnahmebewilligung erteilen. Die kantonale Ausnahmebewilligung wird unter deutlich strengeren Anforderungen erteilt, als dies für einen Waffenschein vorgeschrieben ist (S TEFAN MIORI , Waffenrecht in der Praxis der Strafverfolgung, in: Bütler/Schindler/Sprecher/Sutt er [Hrsg.], Sicherheit und Recht, 1/2017, S. 3 - 29, S. 7). 6.5.2. Dass am grundsätzlichen Verbot von Schalldämpfern und damit an der Folge, dass für deren Erwerb eine Ausnahmebewilligung notwendig ist, festgehalten wird, zeigt der Antrag der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates an ihrer Sitzung vom 31. Oktober 2017. Mit 23 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen stellte sie de n Antrag, der von Nationalrat Jean-Luc Addor am 17. März 2017 eingereichten parlamentarischen Initiative, mit der verlangt worden war, dass die Schalldämpfer von der gesetzlichen Liste d er verbotenen Waffen und des verbo- tenen Waffenzubehörs gestrichen und ihr Erwerb, ihr B esitz, ihr Einsatz und ihre Übertragung dem ordentlichen Waffenerwerbsschein unterstellt werden sollten, keine Folge zu leisten (Be- richt der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrat es vom 31. Oktober 2017 i.S. "Pa. Iv. Addor. Schalldämpfer zur Verringerung der Lärmbelastung", Nr. 17.421). 6.5.3. Die Tatsache, dass es sich bei den Schalldämpfern um ein grundsätzlich verbotenes Waffenzubehör handelt und eine Bewilligung nur mitte ls einer Ausnahmebewilligung und nicht mittels eines ordentlichen Waffenerwerbsscheins erteilt werden kann, zeigt entgegen der wie- derholt vertretenen Auffassung des Beschwerdeführers, d ass der Gesetzgeber eine restriktive Erteilung wünschte. Überdies deckt sich diese Auffassung, wie aus der Erwägung 6.5.2 hiervor ersichtlich ist, auch mit der Literatur. 6.6.1. Nach § 3 Abs. 1 der Verordnung des Kantons Base l-Landschaft zum Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition (WV BL) vom 26. Januar 1999 können die Einfuhr und der Erwerb einer Waffe im Sinne von Art. 5 Abs. 1 WG bewilligt werden, wenn kein Hinde- rungsgrund im Sinne von Art. 8 Abs. 2 WG besteht und Gewähr für einen sorgsamen Umgang mit der Waffe besteht: "a. zu Sammelzwecken; b. wenn die Waffe zur Ausübung des Berufes zwingend benötigt wird (nur Waffen nach Art. 5 Abs. 1 Buchstaben a, c und e WG)." Gemäss § 3 Abs. 2 WV BL können die Einfuhr und der Erwerb von Waffenzubehör insbesonde- re bewilligt werden: "a. als Ergänzung zu einer bewilligten Waffe; b. zur Verwendung auf bewilligten Schiessplätzen oder an bestimmten Anlässen zur Lärmreduktion." 6.6.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass der na ch § 3 Abs. 2 WV BL beantragte Schalldämpfer als Waffenzubehör zu seiner bereits bewilligten Waffe zu qualifizieren sei und er Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht daher auch gemäss kantonaler Gesetzgebung Anspruch auf eine Ausnahmebewilligung zum Erwerb eines Schalldämpfers habe. Die Vorinstanzen hä tten seinen Anspruch auf Ausnahme- bewilligung und somit die Frage zum Erwerb und zum B esitz eines Schalldämpfers im Zusam- menhang mit einer bereits bewilligten Waffe nach kan tonalem Recht nicht geprüft. Darin sei eine Rechtsverletzung zu sehen. 6.6.3. Wie die Fachstelle Waffen richtig festhält, b egründet § 3 Abs. 2 WV BL keinen Anspruch auf eine Erteilung der Ausnahmebewilligung, sondern n ennt Beispiele, bei denen eine Ausnah- mebewilligung erteilt werden kann. Es ist keinesfalls so, dass die Bewilligung für ein Waffenzu- behör erteilt werden muss, wenn dieses als Ergänzung zu e iner bewilligten Waffe dient. Des Weiteren kann § 3 Abs. 2 WV BL nicht losgelöst von Art . 28b WG betrachtet werden, so dass auf jeden Fall auch die Voraussetzungen von Art. 28b WG erfüllt sein müssen, ansonsten das kantonale Recht Bundesrecht verletzen würde. Das Argument des Beschwerdeführers, die Vor- instanzen hätten sein Gesuch nicht im Zusammenhang mit einer bereits bewilligten Waffe nach kantonalem Recht geprüft, ist nicht zutreffend. Das Ges uch wurde entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers auch im Hinblick auf § 3 Abs. 2 li t. a WV BL geprüft. Die Verweigerung der Erteilung der Ausnahmebewilligung verletzt § 3 Abs. 2 lit. a WV BL nicht. 6.7.1. Gemäss Art. 28b lit. a WG kann eine Ausnahmebe willigung bei Vorliegen achtenswerter Gründe erteilt werden. Das Gesetz nennt vier solche Grü nde. Der Ausdruck insbesondere be- deutet, dass noch andere achtenswerte Gründe in Frage kommen können. Hier ist etwa an die Verwendung von Waffen zu Jagd- oder Sportzwecken zu denk en (FACINCANI , a.a.O., Rz. 5 zu Art. 28b WG). 6.7.2. Der Beschwerdeführer möchte den Schalldämpfer für die Jagd in Frankreich verwenden. In Frankreich bzw. im französischen Jagdgebiet des Beschwerd eführers ist die Verwendung eines Schalldämpfers erlaubt, aber nicht zwingend vorge schrieben. In der Schweiz sind die Schalldämpfer zur Jagd grundsätzlich nicht zugelassen (Art. 2 Abs. 1 lit. i Ziff. 4 der Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel [Jagdverordnung, JSV] vom 29. Februar 1988). Der Regierungsrat vertritt in sein em Beschluss die Meinung, die Tatsache, dass der Beschwerdeführer den Schalldämpfer für die Ja gd in Frankreich verlange und Schall- dämpfer auf der Jagd in Frankreich erlaubt seien, sei für die Frage nach einer Ausnahmebewil- ligung zum Erwerb eines Schalldämpfers nach Schweizer Waffenrecht nicht von Bedeutung. Die Zentralstelle Waffen vertritt hingegen die Ansicht , dass der Schalldämpfer bewilligt werden sollte bzw. könnte, wenn eine Bewilligung einer Schwei zer Jagdbehörde vorliege oder wenn für die Jagd die Verwendung eines Schalldämpfers im Auslan d zwingend erforderlich sei. Die Fra- ge, welche der zwei Ansichten richtig ist, kann offenbl eiben, da beide Sachverhalte nicht vorlie- gen. 6.7.3. Wie in den Erwägungen 6.5.1 und 6.5.3 hiervor aufgezeigt, handelt es sich bei der Be- willigung für den Schalldämpfer um eine Ausnahmebew illigung. Damit eine Ausnahmebewilli- gung erteilt werden kann, muss eine ausdrückliche gesetzli che Grundlage gegeben sein, es muss eine tatsächliche Ausnahmesituation vorliegen und es muss schliesslich eine umfassende Interessenabwägung vorgenommen werden. Es gelangen di e allgemeinen Ermessensregeln Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Anwendung: So dürfen etwa Ausnahmebewilligungen n icht willkürlich zugestanden oder verweigert werden. Schliesslich darf die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nicht der Verwirk- lichung der Zielsetzung des Gesetzes (die Missbrauchsbekämpfung, vgl. Art. 1 Abs. 1 WG) ent- gegenstehen. Umgekehrt heisst das, dass eine Ausnahmebewilligung dann zu erteilen ist, wenn dies dem Ziel der Missbrauchsbekämpfung nicht entgegensteh t bzw. wenn im Gegenteil sogar das Festhalten an der Verweigerung der Ausnahmebewil ligung eine Unzweckmässigkeit bzw. Unbilligkeit darstellen würde. 6.7.4. Vorliegend ist eine ausdrückliche gesetzliche Grund lage gegeben. Die Frage, ob eine tatsächliche Ausnahmesituation vorliegt, kann offengela ssen werden, da die Erteilung der Aus- nahmebewilligung bereits aufgrund der Interessenabwägu ng abzulehnen ist. Aus den gesetzli- chen Bestimmungen und der Literatur geht hervor (siehe hiervor E. 6.5.1 und E. 6.5.3), dass die Bewilligung für einen Schalldämpfer nur restriktiv zu e rteilen ist, handelt es sich doch beim Schalldämpfer grundsätzlich um ein verbotenes Waffenzub ehör. Die restriktive Handhabung deckt sich mit dem öffentlichen Interesse der öffentlichen Sicherheit. 6.7.5. Die Jagd kann ein Grund für die Erteilung de r Ausnahmebewilligung sein. Nach der Zentralstelle Waffen soll eine Ausnahmebewilligung da nn erteilt werden, wenn der gesuchstel- lende Jäger ohne Schalldämpfer seiner Jagdtätigkeit n icht mehr nachgehen kann. Die öffentli- chen Interessen an der Nichterteilung einer Ausnahmebe willigung und damit der öffentlichen Sicherheit sind hoch. Das private Interesse des Beschwerdef ührers an der Ausübung seiner Jagdtätigkeit und somit seines Hobbys ist durchaus gewichtig. Da der Beschwerdeführer jedoch an der Ausübung der Jagd durch die Nichterteilung der Ausnahmebewilligung nicht gehindert wird, ist doch für die Jagd in seinem Jagdgebiet die B enützung eines Schalldämpfers nicht zwingend, ist es nicht zu beanstanden, wenn die öffentl ichen Interessen höher gewichtet wer- den als die privaten Interessen des Beschwerdeführers. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer ohne Schalldämpfer weniger zur Bekä mpfung der afrikanischen Schwei- nepest beitragen kann. Da im französischen Jagdgebiet di e Jagd mit Schalldämpfern nicht zwingend ist, kann einer allfällig weniger grossen Lärmbelastung durch die Jagd auch nicht sehr grosses Gewicht beigemessen werden. Auch stellt die Verwei gerung der Ausnahmebewilligung keine Unzweckmässigkeit bzw. Unbilligkeit dar. Von einer rech tsfehlerhaften Ermessensaus- übung bei der Prüfung und Verweigerung des Gesuchs um Ausnahmebewilligung kann nicht die Rede sein. 6.7.6. Daran ändern auch die Ausführungen des Beschwe rdeführers, andere Kantone würden die Erteilung der Ausnahmebewilligung weniger restriktiv handhaben, da dort bereits die Einrei- chung eines ausländischen Pachtvertrages als Bedürfnisna chweis genüge, nichts. Diesbezüg- lich ist festzuhalten, dass die Jagd – wie die Fachstelle Waffen in ihrer Stellungnahme an das Kantonsgericht ausführt – mit Einsatz von Schalldämpfer n erst seit Januar 2018 zugelassen ist, womit bereits aus zeitlichen Überlegungen noch keine u mfangreiche Erfahrung mit Ausnahme- bewilligungen vorliegen kann. Dass es sich um eine neue re – zumindest in einem grösseren Umfang auftretende – Fragestellung handelt, wird au ch dadurch untermauert, dass der AWM diese erst am 4. April 2018 behandelt und seine Ansicht kundgetan hat. Des Weiteren hält sich die Fachstelle Waffen mit ihrer Praxis an die Ansicht de s AWM. Aus dem allfälligen Umstand, Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass andere Kantone nicht dieser Ansicht folgen, kann d er Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Aus diesem Grund ist auch der Antrag des Beschwerdeführers, verschiedene Personen bezüglich Erteilung von Ausnahmebewilligung für Schalldämpfer als Zeugen bzw. Auskunftspersonen zu laden, zu Recht abgewiesen worden. 7. Der Beschwerdeführer hat den Antrag auf Erteilung der Ausnahmebewilligung für den Schalldämpfer mit seiner Jagdtätigkeit begründet. Die Fachstelle Waffen hat in ihrem Schreiben vom 31. Mai 2018 und in der Verfügung vom 13. Septem ber 2018 den Antrag mit der Begrün- dung verneint, dass der Schalldämpfer für die Jagd in Frankreich nicht zwingend sei. Die Fach- stelle Waffen hat jedoch auch erklärt, dass sie bei Samm lertätigkeit eine Ausnahmebewilligung erteilen könne und unter welchen Voraussetzungen eine Sammlertätigkeit zu bejahen sei. Es ist demzufolge nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer nun geltend macht, es liege zusätzlich zur Jagdtätigkeit eine Sammlertätigkeit vor. Diese Behauptung ist jedoch nicht glaubhaft und als Schutzbehauptung zu werten, hat er doch seinen Antrag eindeutig nur mit seiner Jagdtätigkeit begründet. Im Übrigen sind auch die von der Fachstelle W affen dargelegte Praxis, unter wel- chen Bedingungen eine Sammlertätigkeit zu bejahen ist, und der gezogene Schluss, dass vor- liegend diese Bedingungen nicht erfüllt seien, rechtsko nform und demzufolge nicht zu bean- standen. 8. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass die B eschwerde abzuweisen ist. 9. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpfli chtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem unterlegenen Beschw erdeführer aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechn en. Die Parteikosten sind gemäss § 21 VPO wettzuschlagen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin