BRKE II Nrn. 308 und 309/2000 vom 5. Dezember 2000 in BEZ 2000 Nr. 61 12.b) Die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) hat alle Sendeanlagen von zellularen Mobilfunknetzen mit einer äquivalenten G e- samtstrahlungsleistung von mindestens 6 WERP dem Vorsorgeprinzip unt erstellt und dafür Anlag egrenzwerte festgelegt. Der Anlagegrenzwert ist die Emissionsbegre n- zung für die von der betreffenden Anlage allein erzeugten Strah lung (Art. 3 Abs. 6 NISV). Neue und alte A nlagen müssen im massgebenden Betriebszustand an O rten mit e mpfindlicher Nutzung den jeweiligen Anlagegrenzwert einhalten (Ziffer 65 A n- hang 1 NISV), welcher für Mobi lfunkbasisstationen als Effektivwert der elektr ischen Feldstärke definiert wird. Als Orte mit empfindlicher Nutzung gelten Räume in G e- bäuden, in denen sich Personen rege lmässig während längerer Zeit aufhalten, ö f- fentliche oder private, raumplanungsrechtlich festgesetzte Kinderspielplätze und di e- jenigen Flächen von unüberbauten Grundstücken, auf welchen Nutzungen nach den Buchstaben a und b zugelassen sin d (Art. 3 Abs. 3 NISV). Bei dem hier stri ttigen Frequenzbereich um 1800 MHz darf die elektrische Fel dstärke bei den genannten Orten mit empfindlicher Nutzung den Anlagegrenzwert von 6,0 V/m nicht überschre i- ten (Ziffer 64 lit. c Anhang 1 NISV). c) Der vorliege nd für die Immissionsgrenzwertberechnungen herangezogene Messpunkt A kann für die Eruierung des Anlagegrenzwerts nicht verwendet werden, weil es sich um einen Aussenbereich handelt, der nicht als Ort mit empfindlicher Nutzung gilt. Im Bereich des Messpunkt s B befindet sich hingegen eine Dachterra s- se, welche als privater Kinderspielplatz im Sinne von Art. 3 Abs. 3 lit. b NISV zu qu a- lifizieren ist und wo daher die Anlagegrenzwerte einzuhalten sind. Der Umstand, dass dieser Kinderspie lplatz nicht raumplanungsr echtlich festgesetzt ist, ist dabei unerheblich. Den Begriff des "raumplanungsrechtlich festgesetzten Kinderspielpla t- zes" kennen nämlich weder das Bundesgesetz über die Raumplanung noch das Pl a- nungs- und Baugesetz des Kantons Zürich bzw. die entsprechenden Ausführungs- vorschriften. Massgebend für die Qualif izierung eines Kinderspielplatzes im genan n- ten Sinn ist vielmehr, ob er aufgrund der konkreten Ausgestaltung und Situierung regelmässig von Kindern zum Spielen benutzt wird. Ohnehin ist nicht einzusehen, weshalb Kinder auf einem "raumplanungsrechtlich festgesetzten " Spielplatz besser vor nichtionisierender Strahlung zu schützen sein sollen als Kinder auf einem "nor- malen" Spielplatz (vgl. da zu auch Praktischer Umweltschutz Schweiz, Mobiltelefonie - 2 - und Strahlung, Zürich 2000, S. 17). Die Berechnungen unter Zi ffer 11 der Erwägu n- gen haben ergeben, dass die geplante Anlage beim rekurrent ischen Kinderspielplatz (Messpunkt B) eine elektr ische Feldstärke von 2,88 V/m veru rsacht, weshalb dort der Anlagegrenzwert von 6,0 V/m klar eingehalten ist. Gemäss Art. 3 Abs. 3 lit. c NISV gelten als Orte mit empfindlicher Nutzung aber auch jene Flächen von unüberbauten Grundstücken, auf denen Nutzungen gemäss lit. a und b zulässig sind. Konsequenterweise sind damit bei bereits üb erbauten oder teilweise überbauten Parzellen auch die gemäss geltender Bau- und Zonenordnung möglichen baulichen Erweiterungen zu berücksichtigen. Dies ist im vorliegenden Fall um so bedeutsamer, als bereits konkrete Pläne für eine Aufstockung des reku r- rentischen Wohngebäudes bestehen. Dieses steht – wie das Standortgebäude der Basisstation – in der Gewerbezone G1, wo der Rekurrent ein Sanitär - und Hei- zungsgeschäft betreibt und wo er auch mit seiner Familie wohnt. Bei der geplanten Aufstockung des Wohnhauses würden die Minimalabstände zur Antennenanlage 14 m (horizontal) bzw. 11,5 m (vertikal) betragen, was eine Effektivdistanz d (= 22 dvertdhor + ) von 18,1 m ergibt. In Anwendung des bereits eingehend dargelegten Berechnungsmodells resultiert hier eine noch zulässige elektrische Feldstärke von 3,19 V/m. Entscheidend für die Bestimmung der Orte mit empfindlicher Nutzung (an we l- chen die Anlagegrenzwerte nicht überschritten werden dürfen) sind allerdings nicht die konkreten Bauabsichten eines Grundeigen tümers, sondern im Wesentlichen die realistischen Überbauungsmöglichkeiten einer Parzelle aufgrund der massgebenden Bauvorschriften. Die Bau- und Zonenordnung der Gemeinde X lässt in der Gewe r- bezone G1 Bauten mit einem Mindestgrenzabstand von 3,5 m und einer Höhe von 15 m zu. Werden diese Überbauungsmöglichkeiten ausgeschöpft, ergeben sich zum nächstmöglichen Ort mit empfindlicher Nutzung einer solchen Baute Minimalabstä n- de von der strittigen Antennenanlage von 7 m (horizontal) und 6,5 m (vertikal); dies entspricht einer Effektivdistanz von 9,5 m. Unter Berücksichtigung eines maximalen Abschwächungsfaktors von 31,6 (wegen der vertikalen Abweichung von rund 40 ° zum Hauptstrahl der Antennen) ergibt sich gemäss Berechnungsmodell an diesem Ort (etwa bei einer der Wohnnutzung gleichzustellenden Dachterrasse oder einer Wohnnutzung im Gebäudeinnern ohne Gebäudedämpfung wegen Holzkonstruktion) eine elektrische Gesamtfeldstärke der Anlage von 6,11 V/m (äquivalente Leistung s- dichten von je 0,033 W/m 2 ; elektrische Feldstärken von je 3,53 V/m). Bei einem der Wohnnutzung dienenden Dachgeschoss mit Satteldach wäre die vertikale Abwe i- chung vom Hauptstrahl noch geringer und die Gesamtfeldstärke dort noch entspr e- chend höher. Damit wird der Anlagegrenzwert von 6,0 V/m überschritten, weshalb die geplante Mobilfunk-Basisstation der Umweltschutzgesetzgebung widerspricht. Dies führt, da die Realisierung einer rechtskonformen Anl age eine Neuprojektierung bedingt, zur vollständigen Gutheissung der Rekurse und zur Aufhebung der ang e- fochtenen Baubewilligung.