B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6561/2018 U r t e i l v o m 1 0 . A p r i l 2 0 1 9 Besetzung Richter David R. Wenger (Vorsitz), Richter Simon Thurnheer, Richterin Roswitha Petry, Gerichtsschreiberin Eliane Kohlbrenner. Parteien A._______, geboren am (…), Guinea, vertreten durch MLaw Jan Frutig, Rechtsschutz für Asylsuchende, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 8. November 2018 / N (…). E-6561/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 28. Juli 2018 in der Schweiz um Asyl. Am 3. August 2018 wurde ihm mitgeteilt, dass er per Zufallsprinzip der Testphase des Verfahrenszentrums Zürich zugewiesen wurde. Anlässlich der Befragung zur Person vom 21. August 2018 und der Anhörung vom 25. Oktober 2018 gab der Beschwerdeführer im Wesentlichen an, er sei ethnischer Soussou und in B._______, Guinea, geboren. Er sei Einzelkind. Seine Eltern seien früh bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er sei deshalb bei einem On kel väterlicherseits im Quartier C._______ aufge- wachsen. Sie hätten zusammen mit weiteren Familienmitgliedern auf ei- nem Grundstück gewohnt, welches seinem Grossvater väterlicherseits ge- hört habe. Wegen finanzieller Probleme sei er nicht zur Schule gegangen. Stattdessen habe er sich manchmal bei seinem Onkel in der Garage auf- gehalten und ihm beim Reparieren der Fahrzeuge zugeschaut und teils dabei geholfen. Nachmittags habe er Fussball gespielt. Abends habe er oft bei seiner Tante mütterlicherseits gegessen. Im Jahr 2014 habe sich sein Onkel zur Ausreise aus Guinea entschieden und ihn mitgenommen, damit er in einem anderen Land die Schule besuchen könne. In Italien seien sie getrennt worden. Seither habe er nichts mehr von ihm gehört. B. Ein am 29. August 2018 durchgeführtes Altersgutachten bestätigte die Min- derjährigkeit des Beschwerdeführers. C. Gemäss dem Bericht einer psychiatrischen Konsultation vom 4. Oktober 2018 leidet der Beschwerdeführer an einer Anpassungsstörung mit depres- siver Entwicklung. Eine medizinische Behandlung findet nicht statt. D. Am 6. November 2018 gab die Vorinstanz dem Beschwerdeführer Gele- genheit, sich zum Entscheidentwurf zu äussern. Am 7. November 2018 reichte er eine Stellungnahme ein. E. Mit Verfügung vom 8. November 2018 (gleichentags eröffnet) stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehn te sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. E-6561/2018 Seite 3 F. Mit Eingabe vom 19. November 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt , die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben. Die angefochtene Verfügung sei zur vollständi- gen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuali- ter sei festzustellen, dass die Wegweisung des Beschwerdeführers unzu- mutbar sei, und die Vorinstanz sei anzuweisen, den Beschwerdeführer vor- läufig in der Schweiz aufzunehmen. Eventualiter sei die angefochtene Ver- fügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Prozess- führung zu gewähren. Insbesondere sei von der Erhebung eines Kosten- vorschusses abzusehen. Der Beschwerdeführer reichte die Statuten des Vereins rocConakry, den Jahresbericht des Präsidenten von rocConakry für die Jahre 2015 bis 2017 und einen Artikel des Beobachters vom 9. Oktober 2013 ein. G. Mit Zwischenverfügung vom 26 . November 2018 gewährte der Instrukti- onsrichter die unentgeltliche Prozessführung, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und gab der Vorinstanz Gelegenheit zur Ver- nehmlassung. H. Am 30. November 2018 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein. I. Mit Replik vom 17. Dezember 2018 nahm der Beschwerdeführer zur Ver- nehmlassung Stellung. J. Am 17. Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer ein weiteres Schreiben ein. E-6561/2018 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än- derung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1 . Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom- men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich- nung verwenden wird. 2. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der R egel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Ver- fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die form - und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist ein zutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein- schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un- richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländer- rechts richtet sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Die Beschwerde richtet sich einzig gegen den Wegweisungsvollzug. Die Verfügung der Vorinstanz ist bezüglich der Frage der Flüchtlingseigen- schaft, der Asylgewährung sowie der Wegweisung in Rechtskraft erwach- sen. 5. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Die E-6561/2018 Seite 5 Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Auf- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht ange- ordnet. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 6.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernis- sen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsger ichts der gleiche Be- weisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). Vor- bringen sind glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihre Richtigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins- besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer- den (vgl. Art. 7 AsylG). 6.3 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Sc hweiz eine Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings- eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend- bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge- meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Guinea dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine E-6561/2018 Seite 6 Menschenrechtssituation in Guine a lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 6.4 6.4.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der Beschwerdeführer unter- liegt als unbegleiteter Minderjähriger den Normen des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK; SR 0.107). Das Kindeswoh l gemäss Art. 3 KRK und die aus der KRK fliessenden Rechte sind im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung von Art. 83 Abs. 4 AuG als gewichtiger Aspekt zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.3.6; 2009/51 E. 5.6, je m.w.H.). 6.4.2 In Guinea herrscht zurz eit weder Krieg oder Bürgerkrieg, noch liegt eine Situation allgemeiner Gewalt vor, aufgrund derer die Bevölkerung als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste. Der Vollzug der Wegwei- sung ist unter diesen Umständen grundsätzlich als zumutbar zu bezeich- nen. 6.4.3 Bei der Beurteilung der Zumutbarkeit ist zudem der Situation unbe- gleiteter minderjähriger Asylgesuchsteller besondere Beachtung zu schen- ken. Die Vorinstanz ist verpflichtet, die spezifisch mit der Minderjährigkeit verbundenen Aspekte vertieft abzuklären und den individuellen Verhältnis- sen der betroffenen Person gebührend Rechnung zu tragen. Ausserdem hat die Vorinstanz gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG vor einer Ausschaffung einer unbegleiteten minderjährigen Person sicherzustellen, dass diese im Rück- kehrstaat einem Famil ienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahme- einrichtung übergeben werden kann, welche den Schutz des Kindes ge- währleistet (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 f. m.w.H.). 6.4.4 Die Vorinstanz begründet die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs in ihrem Entscheid damit, der Beschwerdeführer sei zwar von seinem Onkel, welcher sich um ihn gekümmert habe, in Italien getrennt worden. Er habe jedoch in Guinea auf einem Familiengrundstück mit seinem Grossva- ter väterlicherseits, den Brüdern seines Grossvaters und mehreren Onkeln sowie deren Familien zusammengelebt. Zudem habe er ein gutes Verhält- nis zu seiner Tante mütterlicherseits. So habe er angegeben, falls er nach Guinea zurückkehren müsste, würde er bei ihr leben wollen. Mit den Kin- dern seines Alters aus der Familie verstehe er sich ebenfalls gut. Es gebe E-6561/2018 Seite 7 keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer nicht in diese Famili- enstruktur zurückkehren könne. Des Weiteren sei er jung und gesund. Im Rahmen der Rückkehr von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden nach Guinea werde mit der schweizerischen Organisation namens roc- Conakry zusammengearbeitet. rocConakry unterstütze Waisenhäuser in Guinea. Gemäss Vertrag zwischen der schweizerischen Eidgenossen- schaft und rocConakry betreffend Unterstützung und Begleitung von unbe- gleiteten Minderjährigen vom 16. Oktober 2018 betreue rocConakry die minderjährige Person bei ihrer Rückkehr, organisiere die F amilienvereini- gung oder bringe sie, falls nötig, in ihrem Waisenhaus unter, unterstütze sie bei ihrer Wiedereingliederung in das Leben in Guinea (z.B. Zugang zu einer Ausbildung, Schaffung einer Einkommensgrundlage) . rocConakry habe versichert, über die dafür nötige Bereitschaft und Kapazität zu verfü- gen. rocConakry sei zudem verpflichtet worden, den Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr am Flughafen in Empfang zu nehmen und in einer von ihr geleiteten Unterkunft unterzubringen. Die Wiedervereinigung mit einer Be- zugsperson seiner Familie, welche sich angemessen um ihn sorgen könne, habe Priorität. Der Wegweisungsvollzug sei demnach unter Berü cksichti- gung des Kindeswohls zumutbar. Der Beschwerdeführer bringt vor, seine Verwandten väterlicherseits hätten nicht für ihn gesorgt. Bei einer Rückkehr könne er sich daher nur den Kon- takt mit seiner Tante vorstellen, wisse wegen fehlende n Kontaktes aber nicht, ob sie sich überhaupt um ihn kümmern könn e. Er leide zudem an einer Anpassungsstörung mit depressiver Entwicklung. Das Bundesver- waltungsgericht habe im Urteil E-2247/2018 vom 28. Juni 2018 festgehal- ten, die Angaben der Vorinstanz für die Organisation Sabou Guinée seien nicht ausreichend individualisiert, was die Überprüfung, ob der unbeglei- tete minderjährige Asylsuchende (UMA) bei seiner Rückkehr nach Guinea tatsächlich angemessen betreut werden könne, verunmögliche. Aus dem Konsultationsformular, welches den wesentlichen Inhalt des Vertrages vom 16. Oktober 2018 festhalte, seien keinerlei individuelle Angaben zur Situa- tion des Beschwerdeführers zu entnehmen. Demnach verfüge rocConakry nicht über Informationen zu ihm. Dem Konsultationsformular und den auf der Internetseite von rocConakry aufgeschalteten Informationen (Statuten, Jahresberichte) seien keinerlei Angaben über die zugesicherten Leistun- gen (insbesondere die Erfahrungen in der Betreuung der UMA und der Wiedervereinigung mit der Familie) , die Kapazitäten sowie die Qualitäts- standards der Organisation zu entnehmen. Einzig die Zusicherung des Präsidenten der Organisation rocConakry, welche mit keiner anerkannten E-6561/2018 Seite 8 Organisation zusammenarbeite, genüge nicht. Die ange fochtene Verfü- gung sei deshalb zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an die Vor - instanz zurückzuweisen. Eventualiter sei der Wegweisungsvollzug für un- zumutbar zu erklären. Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, die Rückführung eines UMA sei Aufgabe der üblichen zuständigen Behörden. rocConakry nehme den UMA am Flughafen in Empfang; dazu verfüge sie über einen Kleinbus. Das Waisenhaus Dimakané sei seit dem Jahr 2002 im Bereich der Wieder- vereinigung von Kindern und Jugendlichen mit ihren Familien aktiv. Es ver- füge deshalb vor Ort über langjährige Erfahrung in der Betreuung von Min- derjährigen, welche von den Eltern getrennt worden seien oder über keine Familienangehörigen mehr verfügten. Ferner habe Dimakané Erfahrung in der Betreuung von Jugendlichen, die ein Studium oder eine Berufsbildung absolvieren würden. Die Betreuung ende nicht strikt mit Erreichen der Voll- jährigkeit, sondern erst wenn der junge Erwachsene selbst für sich sorgen könne. rocConakry sei somit geeignet, die übertragenen Aufgabe n wahr- zunehmen. Der Vertrag vom 16. Oktober 2018 sehe vor, dass rocConakry bei einer effektiv bevorstehenden Rückkehr einer minderjährigen Person sämtliche zur Verfügung stehenden Informationen übermittelt würden, wel- che rocConakry und dem Waisenhaus ermöglichten, seine Rückkehr vor- zubereiten und zu erleichtern. rocConakry werde anhand der Angaben des UMA die für die Familienvereinigung nötigen Schritte bereits vor dessen Ankunft in Guinea einleiten. Sollte eine Familienvereinigung wider Erwar- ten nicht möglich oder nicht im Interesse des Kindeswohls sein, könne der Beschwerdeführer bis zu seiner Volljährigkeit im Waisenhaus Dimakané untergebracht werden. Der Beschwerdeführer fügt in der Replik und im Schreiben vom 17. Januar 2019 an, aus der Notiz eines Mitarbeiters der Vorinstanz vom 19. Juli 2018 anlässlich seines Besuchs des Waisenhauses Dimakané gehe h ervor, dass das Waisenhaus über keine Erfahrungen mit Migranten verfüge. Ins- gesamt sei die genaue Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen roc- Conakry und dem Waisenhaus Dimakané nicht bekannt. rocConakry habe bereits in vier Fällen eine Zusicherung abgegeben. Es sei somit fraglich, ob das Waisenhaus über die nötigen Aufnahmekapazitäten verfüge, zumal gemäss Art. 8 des Vertrages mit rocConakry nur drei Plätze für jeweils drei Monate für die Rückkehrer aus der Schweiz freigehalten würden. 6.4.5 Der Beschwerdeführer wurde von seinem Onkel, der für ihn gesorgt hat und mit dem er ausgereist ist, zwar in Italien getrennt. In Guinea verfügt E-6561/2018 Seite 9 er indes über eine grosse Verwandtschaft. So hat er vor der Ausreise zu- sammen mit dem Onkel, seinem Grossvater und weiteren Onkeln sowie deren Familien auf einem Familiengrundstück gelebt. Bei einer Tante müt- terlicherseits hat er regelmässig zu Abend gegessen. Z um jetzigen Zeit- punkt besteht zur Verwandtschaft allerdings kein Kontakt mehr. Eine – zwar prioritäre – Wiedervereinigung mit seiner Verwandtschaft nach der Rück- kehr ist dadurch nicht sichergestellt. Die Vorinstanz hat jedoch eine Betreu- ung des Beschwerdeführers nach seiner Rückkehr durch rocConakry or- ganisiert. Gemäss ständiger Rechtsprechung ist bei einem unbegleiteten Minderjährigen sicherzustellen, dass er in seinem Heimatstaat einer Auf- nahmeeinrichtung übergeben werden kann, welche den Schutz des Kindes gewährleistet (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.4 und 8). ro cConakry ist eine schweizerische Nichtregierungsorganisation, deren Hauptzweck die Unter- stützung von Waisenhäusern in Westafrika ist. In Guinea besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Waisenhaus Dimakané in D._______. ro c- Conakry unterstützt das Waisenhaus mit Geld- und Sachspenden. Es fin- den regelmässige Besuche zur Kontrolle der zweckmässigen Einsetzung der Spenden statt. Das Waisenhaus arbeitet mit der Klinik St. Gabreil in Conakry zusammen, um den Kindern im Waisenhaus den jederzeitigen Zu- gang zu r medizinischen Versorgung zu g arantieren. Im Vertrag mit der schweizerischen Eidgenossenschaft vom 16. Oktober 2018 hat sich roc- Conakry verpflichtet, die minderjährige Person bei ihrer Rückkehr am Flug- hafen in Empfang zu nehmen, zu betreuen, die Familienvereinigung zu or- ganisieren oder sie, falls nötig, im Waisenhaus Dimakané unterzubringen und sie bei ihrer Wiedereingliederung in das Leben in Guinea (z.B. Zugang zu einer Ausbildung, Schaffung einer Einkommensgrundlage) zu unterstüt- zen. Der Präsident von rocCona kry hat am 1. November 2018 schriftlich zugesichert, diese Leistung für den Beschwerdeführer nach seiner Rück- kehr nach Guinea zu erbringen. Das Waisenhaus Dimakané ist seit dem Jahr 2002 im Bereich der Familiensuche und Wiedervereinigung von Fa- milien tätig und verfügt demnach über Erfahrung in diesem Bereich. Die Vor- instanz übermittelt zudem rocConakry alle für eine Familienvereinigung nö- tigen Informationen über den Beschwerdeführer. Im vom Beschwerdefüh- rer zitierten Urteil E -2247/2018 machte der dortige minderjährige Be- schwerdeführer Misshandlungen durch seine Familie geltend, weshalb das Gericht befand, dass weitere Abklärungen nötig seien. Dies trifft vorliegend nicht zu, weshalb das obige Urteil für diesen Fall nicht einschlägig ist. In den Notizen vom 19. Juli 2018 eines Mitarbeiters der Vorinstanz steht, das Waisenhaus verfüge mindestens über drei Plätze für drei Monate für min- derjährige Rückkehrer aus der Sch weiz. Entgegen der Befürchtung des E-6561/2018 Seite 10 Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass rocConakry nur eine ver- tragliche Zusicherung für die Betreuung eines UMA abgibt, wenn ein freier Platz für diesen im Waisenhaus gewährleistet ist. Zudem ergibt sich aus den Jahresberichten und den Abklärungen der Vorinstanz, dass das Wai- senhaus die Kinder bei ihrer Ausbildung und Wiedereingliederung unter- stützt und die Unterstützung nicht strikt mit dem Erreichen der Volljährigkeit endet. Falls eine Familienvereinigung nicht mög lich ist, ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch länge r als die erwähnten drei Monate im Waisenhaus bleiben kann. Insgesamt sind keine Anhalts- punkte ersichtlich, dass rocConakry ihren Auftrag nicht auftragsgemäss er- füllen würde. Die beim Beschwerdeführer diagnostizierte Anpassungsstö- rung mit depressiver Entwicklung wurde nicht medizinisch behandelt. Als Grund wurden Zukunftsängste und das fehlende Fussballspielen aufge- führt. Es ist nicht davon auszugehen, dass diese Beeinträchtigung ei ner Rückkehr im Weg steht. Sollte der Beschwerdeführer dennoch nach einer Rückkehr auf medizinische Behandlung angewiesen sein, so ist aufgrund der Zusammenarbeit des Waisenhauses mit der Klinik St. Gabreil davon auszugehen, dass er eine solche Behandlung erhält. Im Übrigen sollte sich die Anpassungsstörung durch die Rückkehr in seine gewohnte Umgebung beheben lassen. Insgesamt ist anzunehmen, dass ihm insbesondere mit Hilfe von rocConakry eine soziale und auch wirtschaftliche Reintegration gelingen wird. Der Vollzug der Wegweisung ist somit auch in individueller Hinsicht und unter Berücksichtigung des Kindeswohls zumutbar. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen Sachverhalts- abklärung besteht nach dem Gesagten kein Anlass. Das ents prechende Rechtsbegehren ist abzuweisen. 6.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme auss er Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und E-6561/2018 Seite 11 vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung vom 26. November 2018 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erheben. E-6561/2018 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: David R. Wenger Eliane Kohlbrenner Versand: