B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-2384/2016 U r t e i l v o m 7 . M ä r z 2 0 1 7 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Martin Kayser, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien B._______, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken in Bezug auf A._______. F-2384/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 9. Februar 2016 beantragte der aus der Republik Kosovo stammende A._______ (geb. 1971, im Folgenden: Gesuchsteller/Eingeladener) bei der Schweizerischen Botschaft in Pristina ein Schengen-Visum für die Dauer von 90 Tagen. Als Zweck der beabsichtigten Reise gab er an, seine im Kanton St. Gallen wohnhafte und ebenfalls aus Kosovo stammende Freun- din B._______ (geb. 1974; im Folgenden: Gastgeberin bzw. Beschwerde- führerin) besuchen zu wollen. Bereits am 11. Januar 2016 hatte die Gast- geberin ein entsprechendes Einladungsschreiben zuhanden der Schwei- zer Botschaft verfasst. B. Mit Formularentscheid vom 10. Februar 2016 lehnte es die Schweizer Ver- tretung in Pristina ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Haltung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für die frist- gerechte Wiederausreise des Eingeladenen aus dem Schengen -Raum nach Ablauf des Visums. Gegen diesen Entscheid erhob die Gastgeberin mit Eingabe vom 20. Feb- ruar 2016 Einsprache. C. Nachdem das Migrationsamt des Kantons St. Gallen bei der Gastgeberin ergänzende Auskünfte eingeholt und an das SEM weitergeleitet hatte, wies die Vorinstanz die Einsprache mit Verfügung vom 6. April 2016 ab. Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertretung, wo- nach die anstandslose und fristgerechte Wied erausreise des Gesuchstel- lers nach einem Besuchsaufenthalt nicht als hinreichend gesichert betrach- tet werden könne. Dieser stamme aus einem Land, aus welchem als Folge der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwan- derungsdruck festzustellen sei. Im Weiteren seien aus den persönlichen, familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen des Eingeladenen keine Um- stände ersichtlich, die besondere Gewähr für die Wiederausreise nach ei- nem Besuchsaufenthalt bieten könnten. Der Gesuchsteller s ei verwitwet und kinderlos, gehe keiner Erwerbstätigkeit nach und beziehe eine Vete- ranenrente. Zudem zeigten die Vorakten, dass er unter Umgehung auslän- derrechtlicher Vorschriften einen Daueraufenthalt in der Schweiz ange- strebt habe. F-2384/2016 Seite 3 D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. April 2016 beantragt die Beschwerdefüh- rerin beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des gewünschten Besuchervisums an den Ge- suchsteller; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung und zur h inrei- chenden Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei ihr Freund im Kosovo erwerbstätig, könnte er doch seinen Lebensbedarf allein mit seiner Veteranenrente nicht bestreiten. Im Weitern stellt sie entschieden in Abrede, ihr Gast habe in der Vergangenheit unter Umgehung ausländerrechtliche r Vorschriften einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz angestrebt. E. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Juni 2016 spricht sich die Vor - instanz für die Abweisung der Beschwerde aus und hält ergänzend fest, sowohl die Mutter als auch die beiden Brüder des Gesuchstellers lebten in der Schweiz. Hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Verhältnisse sei lediglich bekannt, dass er eine Veteranenrente erhalte, was mit seiner Berufsan- gabe "Rentner" auf dem Visumsantrag übereinstimme. Die (erst) auf Be- schwerdeebene geltend gemachte Erwerbstätigkeit habe der Eingeladene weder bei der Auslandvertretung erwähnt noch sei sie im Rahmen der Ein- sprache oder im vorliegenden Verfahren nachgewiesen worden. Komme hinzu, dass der Gesuchsteller gestützt auf seine Heirat im Jahre 2003 mit einer erheblich älteren Schweizerbürgerin eine Aufenthaltsbewilligun g er- halten habe, welche nach dem Tod der Ehegattin nicht mehr verlängert worden sei. Gemäss Verfügung des Migrationsamtes des Kantons Aargau vom 28. April 2005 sei der Gesuchsteller zur Umgehung ausländerrechtli- cher Vorschriften nachgewiesenermassen eine S cheinehe eingegangen. In Anbetracht dieser Umstände müsse davon ausgegangen werden, dass er nach wie vor einen dauerhaften Verbleib in der Schweiz anstrebe. F. Trotz ausdrücklich gewährtem Replikrecht liess sich die Beschwerdeführe- rin in der Folge nicht mehr vernehmen. G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. F-2384/2016 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufge- führten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfü gungen des SEM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Be suchszwe- cken verweigert wird . In dieser Materie entscheidet das Bun desverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 3. 3.1 Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht eine unrichtige Sach- verhaltsdarstellung durch das SEM. So sei nicht zutreffend, dass ihr Gast im Heimatland keiner Erwerbstätigkeit nachgehe. Auch habe er nie durch Umgehung ausländerrechtlicher Vorschriften einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz angestrebt. Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend , sei sie doch vor Erlass der angefochtenen Verfügung nicht angehört worden. F-2384/2016 Seite 5 3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 ff. VwVG) dient der Sachaufklärung und stellt überdies ein persönlichkeitsbe- zogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar. Kernele - ment ist das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung. Die Behörde muss diese Äusserungen zur Kenntnis nehmen und sich in der Entscheid- findung und -begründung sachgerecht damit auseinandersetzen (Art. 30 und Art. 32 Abs. 1 VwVG). Bei Verfahren, welche auf Antrag der Partei ein- geleitet werden, ist die Untersuchungsmaxime durch die Mitwirkungspflicht nach Art. 13 VwVG eingeschränkt. Die gesuchstellende Partei ist diesfalls lediglich in Fällen anzuhören, bei denen der Antrag aus Gründen abgewie- sen werden soll, die ihr nicht bekannt sind ( PATRICK SUTTER, VwVG Kom- mentar, 2008, Rz. 7 zu Art. 30). Die Begründungspflicht (Art. 35 VwVG) dient schlussendlich der rationalen und transparenten Entscheidfindung und soll dem Adressaten erlauben, einen Entscheid entweder zu akzeptie- ren oder sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess (vgl. BGE 139 V 496 E. 5.1; 137 II 266 E. 3.2; 136 I 229 E. 5.2; BVGE 2012/24 E. 3.2; L O- RENZ KNEUBÜHLER, Die Begründungspflicht, Bern 1998, S. 22 ff.). 3.3 Aufgrund der damals vorliegenden Unterlagen war die Vorinstanz denn auch in der Lage, eine Prüfung der Gesamtsituation vorzunehmen und ei- nen Entscheid zu fällen. So konnten den Akten Angaben über das familiäre, berufliche und gesellschaftliche Umfeld de s Beschwerdeführers entnom- men werden. Nicht verpflichtet war die Vorinstanz hingegen, der Beschwer- deführerin das Ergebnis ihrer Beweiswürdigung und rechtlichen Beurtei- lung vorgängig mitzuteilen, damit sich diese dazu äussern und ergänzende Belege einreichen konnte. Von einer Verletzung des Anhörungsrechts ist somit in casu nicht auszugehen (vgl. dazu auch Urteil des BVGer C-6239/2015 vom 4. März 2016 E. 4.3 m.H.). Die angefochtene Verfügung geht zudem auf die individuellen Verhältnisse der eingeladenen Person ein und erlaubte es der Beschwerdeführerin, den zentralen Grund für die Ver- weigerung zu erkennen (nicht gesicherte Wiederausreise infolge fehlender starker Bindungen des Gesuchstellers an den Heimatstaat). Es war ihr zu- dem möglich, dagegen sachgerechte Einwände vorzubringen. 3.4 Ob die in der vorinstanzlichen Verfügung genannten Gründe zutreffen und ob der rechtserhebliche Sachverhalt hinreichend sorgfältig abgeklärt wurde, ist überdies eine Frage der sachverhaltlichen und rechtlichen Über- prüfung (vgl. Urteil des BGer 2C_270/2015 vom 6. August 2015 E. 3.2). F-2384/2016 Seite 6 4. Der angefochtenen Verfügung li egt das Gesuch eine s kosovarischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen 90-tägigen Aufent- halt in der Schweiz zugrunde. Da sich d er Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beab - sichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbe reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schen- gen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechts- akte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 – 5 AuG). 5. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 5.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht verpflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich bei der Visumserteilung um einen autono men Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 m.H.; BVGE 2014/1 E. 4.1). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitlich e Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind (vgl. Art. 2 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visum erteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 6 und Art. 14 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex] [kodifizierte Fassung] ABl. L 77 vom 23. März 2016 [nachfolgend: SGK] sowie Art. 12 Abs. 1 und 2 VEV). Demgegenüber hat die Behörde ein Visum zu erteilen, wenn die Einreisevoraussetzungen vorliegen, wobei ihr bei deren Beurteilung – unter Berücksichtigung der Grundsätze rechtsstaatlichen Handelns, namentlich der Rechtsgleichheit und Willkürfreiheit – ein weiter Beurteilungsspielraum zukommt (eingehend zur Auslegung von Art. 12 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 VEV und Art. 6 SGK: BVGE F-2384/2016 Seite 7 2014/1 E. 4.1.4 und 4.1.5). Ein en Anspruch auf Einreise bzw. Visum ver- mittelt auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5 m.H.). 5.2 Drittstaatsangehörige dürfen in den Schengen-Raum für einen Aufent- halt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen ein- reisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedokumente sind, die zum Grenz- übertritt berechtigen (Art. 2 Abs. 1 und Art. 17 VEV i.V.m. Art. 6 Abs. 1 Bst. a SGK). Ferner benötigen sie ein Visum, sofern ein solches nach Massgabe des Anhangs I zur Verordnung (EG) Nr. 539/20 01 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81/1 vom 21. März 2001 [nachfolgend: Anhang I EG Nr. 539/2001]; vgl. für den vollständigen Nachweis die Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV) erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Vi- sum für den längerfristigen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1 VEV i.V.m. Art. 6 Abs. 1 Bst. b SGK). 5.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um- stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei- chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 und 2 VEV, Art. 6 Abs. 1 Bst. c sowie Abs. 3 und Abs. 4 SGK, Art. 14 Abs. 1 Bst. a - c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex]). Insbesondere ist eine fristgerechte Wiederausreise zu ge- währleisten und es sind Angaben vorzulegen, mittels derer die Absicht des Verlassens des Schengen-Raums vor Ablauf der Gültigkeitsdauer des be- antragten Visums beurteilt werden kann (Art. 5 Abs. 2 AuG, Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex; vgl. dazu EGLI/MEYER, in: Ca- roni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesge- setz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informations- system (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öff entliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar- stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 6 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 5.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer- ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Ja- nuar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben bei der Prüfung der Einreisevor -F-2384/2016 Seite 8 aussetzungen und der Risikobewertung demzufolge insbesondere zu be- urteilen, ob die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung besteht, ob die gesuchstellende Person eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord- nung darstellt und ob sie für die gesicherte Wiederausreise ausreichend Gewähr bietet (vgl. Art. 21 Abs. 1 und 3 Visakodex; vgl. BVGE 2014/1 E. 4.4 m.w.H.). 5.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraus setzungen nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 Abs. 2 VEV, Art. 32 Visako- dex). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Grün- den des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtun- gen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, ausnahms- weise die Einreise in sein Hoheitsgebi et zu gestatten (Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK, Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; vgl. zum "Visum mit räumlich be- schränkter Gültigkeit" Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). 6. 6.1 Aufgrund seiner Staatszugehörigkeit unterliegt d er Gesuchsteller der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 [ABl. L 81 vom 21.03.2001; zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV]). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse des Gesuchstellers als nicht genügend gesichert. Zur Einschätzung entsprechender Risiken sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 6.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreise- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit po- litisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen kön- nen ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. 6.3 Im Kosovo erweist sich die wirtschaftliche Lage auch Jahre nach Aner- kennung der Unabhängigkeit als schwierig. Die Arbeitslosigkeit im Jahr F-2384/2016 Seite 9 2015 lag offiziell bei über 35% (bei Jugendlichen sogar noch deutlich hö- her), wobei diese Angaben aufgrund des in der Statistik schlecht erfassten informellen Sektors zu relativieren ist. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2015 nach Angaben der Weltbank bei 4'000 USD , womit Kosovo nicht nur als eines der ärmsten Länder Europas, sondern auch als das ärmste Land auf dem Balkan gilt. Zuverlässige Angaben über die Höhe der Transferleistun- gen aus dem Ausland fehlen jedoch. Diese Überweisungen – sie fliessen vor allem in den privaten Konsum – stellen jedenfalls eine wichtige Einkom- mensquelle und damit einen bedeutenden Wirtscha ftsfaktor dar (Quelle: www.auswaertiges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinformati- onen > Kosovo > Wirtschaftspolitik, Stand: Juli 2016, abgerufen im Februar 2017). 6.4 Die Schweiz gilt aufgrund der grossen hier ansässigen Diaspora als eines der beliebtesten Zielländer für Emigranten aus dem Kosovo. Die Ten- denz zur Immigration wird erfahrungsge mäss dort noch begünstigt, wo durch die Anwesenheit von Verwandten oder Freunden bereits ein soziales Beziehungsnetz besteht. Angesichts der restriktiven Zulas sungsregelung werden dabei nicht selten ausländerrechtliche Bestimmungen umgangen, indem versucht wird, den Aufenthalt – einmal eingereist – auf eine ganz andere rechtliche oder faktische Basis zu stellen und sich so der Pflicht zur Wiederausreise zu entziehen. 6.5 Bei der Risikoanalyse sind jedoch nicht nur die allgemeinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konk reten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimat- oder Herkunftsland beispielsweise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durch- aus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. An- dererseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat beziehungsweise in ih- rem Herkunftsland keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer be- willigten Einreise als hoch eingeschätzt werden. 7. 7.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen 45-jährigen, verwitweten und kinderlosen Mann. Hinsichtlich seiner persönlichen Lebensumstände im Kosovo ist nur wenig bekannt. Gemäss einer im erstinstanzlichen Ver- fahren edierten Wohnsitzbestätigung (SEM act. 3 S. 108) soll er in Kame- nicë, einer Kleinstadt im Osten Kosovos, in Hausgemeinschaft mit seinem ältesten Bruder und dessen Familie leben. Irgendwelche Indizien für das F-2384/2016 Seite 10 Bestehen eines besonderen Betreuungsbedarfs, der nur durch den Ge- suchsteller selbst abgedeckt werden könnte, sind aus den Akten nicht er- sichtlich und werden auch nicht geltend gemacht. Es kann demnach nicht davon ausgegangen werden, im persönlichen oder familiären Umfeld des Eingeladenen seien Verpflichtungen oder gar Abhängigkeiten vorhanden, die besondere Gewähr für eine Rückkehr ins Heimatland bieten könnten. Tritt hinzu, dass in Situationen angespannter wirtschaftlicher und/oder po- litischer Verhältnisse selbst zurückbleibende nahe Angehörige regelmässig nicht verlässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Emigration zu fällen; sei dies etwa in der Hoffnung, die Zurückgebliebenen aus dem Ausland wirtschaftlich effizienter unterstützen zu können. 7.2 Entsprechend grosse Bedeutung kommt deshalb den wirtschaftlichen Verhältnissen zu, in denen sich der Gesuchsteller befindet. Bezüglich sei- ner derzeitigen beruflichen Tätigkeit gab der Eingeladene an, er sei Rent- ner (vgl. Ziff. 19 des Einreisegesuches). Entsprechend hielt die Schweize- rische Botschaft in ihrer Stellungnahme vom 10. Februar 2016 gegenüber der Vorinstanz fest, als Kriegsveteran beziehe der Gesuchsteller eine Rente, gehe aber keiner Erwerbstätigkeit nach. Ungeachtet dessen brachte die Beschwerdeführerin gegenüber der kantonalen Migrationsbe- hörde vor, ihr Freund sei teilweise auch als Landarbeiter tätig, ohne jedoch entsprechende Arbeits bestätigungen oder allfällige Einkommensbelege vorzuweisen, welche die von ihr geltend gemachten beruflichen Bindungen des Gesuchstellers im Kosovo hätten nachweisen können. Doch selbst, wenn dieser eine Arbeitsstelle ohne Versicherungsnachweise innehätte, kann angesichts des vorgesehenen dreimonatigen Auslandaufenthaltes nicht davon ausgegangen werde n, der Eingeladene verfüge tatsächlich über eine massgebliche berufliche Verankerung bzw. eine gesicherte wirt- schaftliche Existenz in seinem Heimatland, welche die Gefahr eines Ver- bleibens in der Schweiz respektive im Schengen-Raum über den deklarier- ten Zeitraum hinaus als unwahrscheinlich erscheinen liesse. 7.3 Demgegenüber ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bereits die Mutter sowie zwei Brüder des Gesuchstellers ihr Heimatland definitiv ver- lassen haben und in die Schweiz übersiedelt sind, woraus auf einen kon- kreten Migrationswillen im nächsten Umfeld des E ingeladenen geschlos- sen werden kann. Auch der Gesuchsteller selber hatte im Jahre 2003 ge- stützt auf die Heirat mit einer erheblich älteren Schweizerbürgerin eine Auf- enthaltsbewilligung in der Schweiz erhalten, welche allerdings nach dem Tod der Ehegattin n icht mehr verlängert wurde. In ihrem negativen Ent-F-2384/2016 Seite 11 scheid vom 28. April 2005 ging das Migrationsamt des Kantons Aargau da- von aus, der Gesuchsteller sei zwecks Umgehung der ausländerrechtli- chen Vorschriften nachgewiesenermassen eine Scheinehe mit einer Schweizerin eingegangen. Dieser Entscheid erwuchs mit Urteil des Re- kursgerichts im Ausländerrecht des Kantons Aargau vom 3. März 2006 in Rechtskraft. Vor diesem Hintergrund müssen die Beteuerungen auf Be- schwerdeebene, wonach genügend Garantien für eine fristger echte Wie- derausreise vorhanden seien, als nicht ausschlaggebend bezeichnet wer- den. 7.4 Zu berücksichtigen gilt es im Weitern, dass die Vorinstanz bereits in der Vergangenheit ein Begehren des Gesuchstellers um Erteilung eines mehr- monatigen Einreisevisums zwecks Besuchs eines Bruders in der Schweiz mit der Begründung abgewiesen hat, die fristgerechte und anstandslose Rückkehr ins Heimatland könne keineswegs als einwandfrei gesichert be- trachtet werden (vgl. Verfügung vom 4. Januar 2010). An dieser Einschät- zung ist auch heute festzuhalten, ergeben sich doch aus den Akten keine Hinweise, wonach in den persönlichen Verhältnissen des Eingeladenen seither wesentliche Veränderungen eingetreten wären. 7.5 Vor dem dargelegten allgemeinen und persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz demnach willkürfrei davon ausgehen, die Wiederausreise des Eingeladenen sei im Sinne der massgeblichen Bestimmungen nicht gesichert. An der Richtigkeit dieser Einschätzung ändert auch die Tatsache nichts, dass die Beschwerdeführerin, die gemäss den eingereichten Unter- lagen fraglos über einen guten Leumund verfüg t, die in Art. 7 Abs. 1 VEV geregelte Verpflichtungserklärung abgegeben und damit ihr Vertrauen in ein rechtskonformes Verhalten ihres Gastes zum Ausdruck gebracht hat . Bei der Risikobeu rteilung ist aber in erster Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Bedeutung. Gastgeber können mit rechtlich verbind- licher Wirkung zwar für gewisse finanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein bestimmtes Tun oder Unterlas- sen ihres Gastes einstehen (vgl. in diesem Zusammenhang auch BVGE 2009/27 E. 9). Der (durchaus verständliche) Wunsch der Beschwerdeführer in, ihrem Freund ihr Lebensumfeld in der Schweiz zeigen zu können, hat demnach in den Hintergrund zu tre ten. Als Niedergelassener steht ihr weiterhin die Möglichkeit offen, den Gesuchsteller – wie bis anhin – im Heimatland zu besuchen. F-2384/2016 Seite 12 7.6 Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wiederausreise ist eine zwingende Voraussetzung zur Erteilung eines Schengen-Visums nicht erfüllt. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. dazu E. 5.5) wurden von den Beteiligten zu Recht nicht gel- tend gemacht und solche sind auch nicht ersichtlich. 8. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, das s die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde richtig und vollständig festgestellt, und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Er- messen pflichtgemäss und zutreffend gehandhabt (Art. 49 VwVG ), wes- halb es sich erübrigt, die Angelegenheit im Sinne des Eventualantrags dem SEM zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Die Beschwerde ist demzufolge vollumfänglich abzuweisen. 9. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w ird die unterliegende Be- schwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-2384/2016 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Sie sind durch den am 28. April 2016 geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] zurück) – das Migrationsamt des Kantons St. Gallen Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: