<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">H 355/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>IV. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Borella, Rüedi und Bundesrichterin Leuzinger; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Nussbaumer </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 11. April 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Ausgleichskasse des Kantons Bern, Abteilung Leistungen, </div> <div class="para">Chutzenstrasse 10, Bern, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">O.________, 1931, Beschwerdegegner, vertreten durch die </div> <div class="para">Anstalt S.________, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Bern </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- O.________ (geboren am 24. September 1931), Be- </div> <div class="para">züger einer halben IV-Invalidenrente, meldete sich am </div> <div class="para">28. Mai 1997 bei der Ausgleichskasse des Kantons Bern als </div> <div class="para">Nichterwerbstätiger ab 1. Januar 1995 an. Die Ausgleichs- </div> <div class="para">kasse ermittelte ein für die Beitragsfestsetzung massge- </div> <div class="para">bendes Vermögen von Fr. 3'594'614.-, welches sich aus einem </div> <div class="para">reinen Vermögen von Fr. 3'155'454.- und einem kapitali- </div> <div class="para">sierten Renteneinkommen von Fr. 439'160.- (BVG- und Leib- </div> <div class="para">rente der Rentenanstalt) zusammensetzte. Mit einer ersten </div> <div class="para">Verfügung vom 17. Juni 1997 erfasste sie O.________ für die </div> <div class="para">Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1995 als Nichter- </div> <div class="para">werbstätigen und setzte die persönlichen Sozialversiche- </div> <div class="para">rungsbeiträge auf Fr. 9110.60 fest. Mit einer zweiten </div> <div class="para">Verfügung vom 17. Juni 1997 erhob sie für die Zeit vom </div> <div class="para">1. Januar bis 30. September 1996 (AHV-Rentenberechtigung ab </div> <div class="para">1. Oktober 1996) Beiträge von Fr. 6832.95. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Die gegen beide Beitragsverfügungen eingereichte </div> <div class="para">Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern </div> <div class="para">mit Entscheid vom 15. September 1999 in dem Sinne gut, dass </div> <div class="para">es die angefochtenen Verfügungen vom 17. Juni 1997 aufhob </div> <div class="para">und die Sache an die Ausgleichskasse zurückwies, damit </div> <div class="para">diese nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen </div> <div class="para">neu verfüge. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Die Ausgleichskasse des Kantons Bern führt Verwal- </div> <div class="para">tungsgerichtsbeschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des </div> <div class="para">vorinstanzlichen Entscheides. </div> <div class="para"> O.________ lässt auf Abweisung der Verwaltungsge- </div> <div class="para">richtsbeschwerde schliessen. Kantonales Gericht und Bundes- </div> <div class="para">amt für Sozialversicherung verzichten auf eine Vernehmlas- </div> <div class="para">sung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Nach der Rechtsprechung stellt der Rückweisungs- </div> <div class="para">entscheid einer Rekursinstanz, in dessen Dispositiv aus- </div> <div class="para">drücklich auf die Erwägungen verwiesen wird, eine im Sinne </div> <div class="para">von Art. 128 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 97 Abs. 1 OG</span> und <span class="artref">Art. 5 </span></div> <div class="para">VwVG mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Eidgenössi- </div> <div class="para">sche Versicherungsgericht anfechtbare Endverfügung dar (BGE </div> <div class="para">120 V 237 Erw. 1a mit Hinweisen). Auf die Verwaltungsge- </div> <div class="para">richtsbeschwerde ist demnach einzutreten. </div> <div class="para"> 2.- Da keine Versicherungsleistungen streitig sind, </div> <div class="para">hat das Eidgenössische Versicherungsgericht nur zu prüfen, </div> <div class="para">ob der vorinstanzliche Entscheid Bundesrecht verletzt, ein- </div> <div class="para">schliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, </div> <div class="para">oder ob der rechtserhebliche Sachverhalt offensichtlich </div> <div class="para">unrichtig, unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher </div> <div class="para">Verfahrensbestimmungen festgestellt worden ist (Art. 132 in </div> <div class="para">Verbindung mit Art. 104 lit. a und b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 </span></div> <div class="para">OG). </div> <div class="para"> Ferner ist <span class="artref">Art. 114 Abs. 1 OG</span> zu beachten, wonach das </div> <div class="para">Eidgenössische Versicherungsgericht in Abgabestreitigkeiten </div> <div class="para">an die Parteibegehren nicht gebunden ist, wenn es im Pro- </div> <div class="para">zess um die Verletzung von Bundesrecht oder um die unrich- </div> <div class="para">tige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts </div> <div class="para">geht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- a) Im kantonalen Beschwerdeverfahren waren Beginn </div> <div class="para">und Umfang der Beitragspflicht als Nichterwerbstätiger </div> <div class="para">streitig. Dabei erachtete das kantonale Gericht die Sache </div> <div class="para">in mehreren Punkten für abklärungsbedürftig, namentlich </div> <div class="para">hinsichtlich des Beginns der Beitragspflicht als Nichter- </div> <div class="para">werbstätiger und hinsichtlich der Anrechnung der Leibrente </div> <div class="para">als Vermögen anstatt in Form eines kapitalisierten Renten- </div> <div class="para">einkommens. Die Beschwerde führende Ausgleichskasse bean- </div> <div class="para">standet die Abklärungsbedürftigkeit als solche nicht aus- </div> <div class="para">drücklich. Sie stellt sich jedoch auf den Standpunkt, es </div> <div class="para">sei Sache der Vorinstanz, den Beschwerdegegner im vorlie- </div> <div class="para">genden Fall aufzufordern, ergänzende Angaben und Unterlagen </div> <div class="para">zu liefern, welche die offenen Fragen klären könnten. Na- </div> <div class="para">mentlich bei Versicherten, welche ihre Mitwirkungspflicht </div> <div class="para">verletzten, sei eine Rückweisung der Sache zu näherer Ab- </div> <div class="para">klärung an die Verwaltung prozessökonomisch wenig sinnvoll, </div> <div class="para">müssten diese Fälle doch erfahrungsgemäss in einem späteren </div> <div class="para">Zeitpunkt wieder durch das Gericht beurteilt werden, da </div> <div class="para">nach einer erneuten Verletzung der Mitwirkungspflicht wie- </div> <div class="para">derum Beschwerde geführt werde. Nur am Rande sei vermerkt, </div> <div class="para">dass die dadurch zusätzlich entstehenden Verzögerungen beim </div> <div class="para">Beitragsbezug diesen letztlich oftmals verunmöglichten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Mit dieser Argumentation übersieht die Beschwerde- </div> <div class="para">führerin, dass das Eidgenössische Versicherungsgericht </div> <div class="para">wiederholt festgehalten hat, dass das kantonale Gericht, </div> <div class="para">wenn es den Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erachtet, </div> <div class="para">im Grundsatz die Wahl hat, die Akten zwecks weiterer Be- </div> <div class="para">weiserhebungen an die Verwaltung zurückzuweisen oder selber </div> <div class="para">die nötigen Instruktionen vorzunehmen (EVGE 1968 S. 81 </div> <div class="para">Erw. 1; ZAK 1971 S. 36 Erw. 1; RKUV 1999 Nr. U 342 S. 410 </div> <div class="para">mit Hinweisen). Bei festgestellter Abklärungsbedürftigkeit </div> <div class="para">verletzt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung als </div> <div class="para">solche weder den Untersuchungsgrundsatz (<span class="artref">Art. 85 Abs. 2 </span></div> <div class="para">lit. c AHVG) noch das Prinzip eines einfachen und raschen </div> <div class="para">Verfahrens (<span class="artref">Art. 85 Abs. 2 lit. a AHVG</span>). Anders verhielte </div> <div class="para">es sich nur dann, wenn die Rückweisung an die Verwaltung </div> <div class="para">einer Verweigerung des gerichtlichen Rechtsschutzes gleich </div> <div class="para">käme (beispielsweise wenn auf Grund besonderer Begebenhei- </div> <div class="para">ten nur ein Gerichtsgutachten oder andere gerichtliche </div> <div class="para">Beweismassnahmen geeignet wären, zur Abklärung des Sach- </div> <div class="para">verhaltes beizutragen) oder wenn die Rückweisung nach den </div> <div class="para">Umständen als unverhältnismässig zu bezeichnen wäre. Solche </div> <div class="para">Gründe vermag die Beschwerdeführerin nicht darzutun. Na- </div> <div class="para">mentlich geht im vorliegenden Fall der Einwand, durch zu- </div> <div class="para">sätzlich entstehende Verzögerungen werde der Beitragsbezug </div> <div class="para">letztlich oftmals verunmöglicht, angesichts der Vermögens- </div> <div class="para">verhältnisse des Beschwerdegegners fehl. Zu Recht bestrei- </div> <div class="para">tet die Beschwerdeführerin im Übrigen die Abklärungsbedürf- </div> <div class="para">tigkeit nicht. Eine solche ist im Lichte von <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=11.04.2000&amp;to_date=30.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-163%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page163">BGE 120 V 163</a> </div> <div class="para">auch für die Frage gegeben, wie die Leibrente, ob als Ver- </div> <div class="para">mögen oder als kapitalisiertes Renteneinkommen, bei der </div> <div class="para">Ermittlung der Beiträge als Nichterwerbstätiger zu berück- </div> <div class="para">sichtigen ist. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde erweist </div> <div class="para">sich daher als unbegründet. </div> <div class="para"> 4.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Be- </div> <div class="para">schwerdeführerin kostenpflichtig (<span class="artref">Art. 156 Abs. 1 OG</span>). Eine </div> <div class="para">Parteientschädigung an den Beschwerdegegner ist nicht zu- </div> <div class="para">zusprechen, da weder dargetan noch ersichtlich ist, dass </div> <div class="para">das Vertretungsverhältnis entgeltlich erfolgt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Die Gerichtskosten von Fr. 900.- werden der Beschwer- </div> <div class="para"> deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kosten- </div> <div class="para"> vorschuss verrechnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsge- </div> <div class="para"> richt des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche </div> <div class="para"> Abteilung, und dem Bundesamt für Sozialversicherung </div> <div class="para"> zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 11. April 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der IV. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">i.V. </div> </div></body></html>