<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 85 S.403</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">403</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>85</b></span> <span class="ft3"><b>Achtung des Familienlebens; Familiennachzug</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Die gemäss nationalem Recht anwendbaren Einschränkungen bei einem</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nachträglichen Einelternnachzug kommen bei der Anwendung von Art. 8</b></span><br/> <span class="ft3"><b>EMRK nicht zum tragen (E. II./6.4., Bestätigung der Rechtsprechung).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft4">26.</span> <span class="ft4">September 2008 in Sachen A.V. betreffend Familiennachzug</span><br/> <span class="ft4">(1-BE.2008.26).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">II. 6.4. Nachdem ein Eingriff in das durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK</span><br/> <span class="ft6">geschützte Familienleben vorliegt, stellt sich weiter die Frage, ob der</span><br/> <span class="ft6">Eingriff mit Art. 8 Ziff. 2 EMRK vereinbar ist.</span><br/> <span class="ft6">6.4.1. Die Vorinstanz ist in diesem Zusammenhang unter Beru-</span><br/> <span class="ft6">fung auf BGE 133 II 6 (Pra 96 [2007] Nr. 124) der Ansicht, dass die</span><br/> <span class="ft6">bei einem nachträglichen Einelternnachzug gemäss nationalem Recht</span><br/> <span class="ft6">anwendbaren Einschränkungen auch bei Anwendung von Art. 8</span><br/> <span class="ft6">EMRK gelten. Ebenfalls werde die Unterscheidung zwischen Nach-</span><br/> <span class="ft6">zug von einem Elternteil oder durch beide Elternteile durch den</span><br/> <span class="ft6">EGMR nicht in Frage gestellt. Zudem sei auch im Lichte von Art. 8</span><br/> <span class="ft6">EMRK das Alter des nachzuziehenden Kindes sowie die zu erwar-</span><br/> <span class="ft6">tenden Integrationsschwierigkeiten bei der Interessenabwägung zu</span><br/> <span class="ft6">berücksichtigen. Infolgedessen müsste auch bei der gemäss Art. 8</span><br/> <span class="ft6">EMRK vorzunehmenden Interessenabwägung die nach nationalem</span><br/> <span class="ft6">Recht zu prüfenden Aspekte miteinbezogen werden, welche gegen</span><br/> <span class="ft6">den Familiennachzug sprechen. Die Vorinstanz kommt danach zum</span><br/> <span class="ft6">Schluss, die persönlichen Interessen des Beschwerdeführers würden</span><br/> <span class="ft6">in casu die mit dem Familiennachzug verbundenen Nachteile nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">404</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">überwiegen, weshalb der Eingriff in das von Art. 8 Ziff. 1 EMRK ge-</span><br/> <span class="ft6">schützte Rechtsgut verhältnismässig sei.</span><br/> <span class="ft6">6.4.2. Dem kann vorliegend nicht gefolgt werden. Die durch die</span><br/> <span class="ft6">Vorinstanz übernommene Auffassung des Bundesgerichts, wonach</span><br/> <span class="ft6">bei der Prüfung von Art. 8 EMRK die gleichen Kriterien anwendbar</span><br/> <span class="ft6">seien wie bei der Prüfung des Familiennachzugs nach nationalem</span><br/> <span class="ft6">Recht, überzeugt nicht. Das nationale Recht und die dazu entwickelte</span><br/> <span class="ft6">Rechtsprechung umschreiben die Voraussetzungen, unter welchen</span><br/> <span class="ft6">ein Familiennachzug zu bewilligen ist. Welches die Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft6">im Detail sind, hat der Gesetzgeber festzulegen, wobei es ihm frei</span><br/> <span class="ft6">steht, die Bewilligung des Familiennachzugs an strengere oder weni-</span><br/> <span class="ft6">ger strenge Voraussetzungen zu knüpfen und - gemäss Recht-</span><br/> <span class="ft6">sprechung des Bundesgerichts - zum Beispiel auch zu unterscheiden,</span><br/> <span class="ft6">ob der Nachzug durch einen oder beide Elternteile erfolgt. Bei der</span><br/> <span class="ft6">Prüfung des Familiennachzugs nach nationalem Recht ist grundsätz-</span><br/> <span class="ft6">lich nicht relevant, ob die Familienzusammenführung auch im Aus-</span><br/> <span class="ft6">land erfolgen könnte. Selbst wenn die Familienzusammenführung im</span><br/> <span class="ft6">Ausland erfolgen könnte, ist der Nachzug nach nationalem Recht zu</span><br/> <span class="ft6">bewilligen, sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.</span><br/> <span class="ft6">Dagegen geht es bei der Prüfung im Rahmen von Art. 8 EMRK</span><br/> <span class="ft6">einzig um die Frage, ob die Verweigerung des Nachzuges nach natio-</span><br/> <span class="ft6">nalem Recht zu einem Eingriff in das durch Art. 8 EMRK geschützte</span><br/> <span class="ft6">Familienleben führt. Das Alter des Kindes und der Umstand, dass der</span><br/> <span class="ft6">Nachzug durch nur einen Elternteil erfolgt, ist in diesem Zusammen-</span><br/> <span class="ft6">hang allenfalls insofern von Bedeutung, als dadurch das öffentliche</span><br/> <span class="ft6">Interesse an einer Verweigerung des Familiennachzugs (zum Beispiel</span><br/> <span class="ft6">wegen möglicher Integrationsproblemen oder einer potentiellen Für-</span><br/> <span class="ft6">sorgeabhängigkeit) erhöht werden könnte. Den Betroffenen den</span><br/> <span class="ft6">Schutz von Art. 8 EMRK generell zu verweigern und den Familien-</span><br/> <span class="ft6">nachzug zu verbieten, weil das Kind eine bestimmte Altersgrenze</span><br/> <span class="ft6">überschritten hat oder weil der Nachzug nur durch einen Elternteil</span><br/> <span class="ft6">erfolgen soll und im Heimatland alternative Betreuungsmöglichkei-</span><br/> <span class="ft6">ten bestehen, geht jedoch mit Blick auf die Rechtsprechung des</span><br/> <span class="ft6">EGMR zu Art. 8 EMRK nicht an. Entscheidend ist dabei sowohl in</span><br/> <span class="ft6">Bezug auf die Kriterien wie auch in Bezug auf die Gewichtung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamts</div> <span class="page_no">405</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Kriterien die Rechtsprechung des EGMR (AGVE 2006 S. 393 ff.;</span><br/> <span class="ft6">vgl. auch nachfolgend Erw. 6.4.5.).</span><br/></div> </div> </body> </html>