<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 18 S.74</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">74</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>18</b></span> <span class="ft2"><b>§ 17 Abs. 3 EG KVG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bei quellenbesteuerten Personen ist der Anspruch auf Prämienverbilli-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gung der obligatorischen Krankenversicherung anhand des effektiven</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Einkommens des entsprechenden Jahres zu prüfen; die Aufrechnung auf</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ein Jahreseinkommen ist unzulässig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer, vom 2. Mai</span><br/> <span class="ft3">2006 i.S. M.J. gegen Sozialversicherungsanstalt Aargau.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, auf das von der Steuer-</span><br/> <span class="ft1">behörde umgerechnete, "satzbestimmende" und damit fiktive</span><br/> <span class="ft1">Gesamtjahreseinkommen von Fr. 45'762.-- bzw. auf das steuerbare</span><br/> <span class="ft1">Einkommen im Jahr 2003 von Fr. 34'000.-- abzustellen, erweist sich</span><br/> <span class="ft1">als nicht gesetzeskonform; es ist vielmehr vom effektiven massge-</span><br/> <span class="ft1">benden bzw. steuerbaren Einkommen (und einem Fünftel des steuer-</span><br/> <span class="ft1">baren Vermögens) auszugehen. Die Aufrechnung auf ein fiktives Jah-</span><br/> <span class="ft1">reseinkommen erweist sich - im Gegensatz zu den Bestimmungen</span><br/> <span class="ft1">über die AHV/IV/EO-Beitragspflicht und zur Steuergesetzgebung,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">75</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wonach das massgebende Einkommen auf ein "satzbestimmendes"</span><br/> <span class="ft1">Gesamtjahreseinkommen aufgerechnet, die Beiträge bzw. Steuern im</span><br/> <span class="ft1">Gegenzug dazu dann jedoch nur pro rata temporis festgesetzt bzw.</span><br/> <span class="ft1">erhoben werden - bei der Beurteilung des Anspruchs auf Prämien-</span><br/> <span class="ft1">verbilligung als nicht sachgemäss: Hier geht es nicht um die Bei-</span><br/> <span class="ft1">trags- oder Steuererhebung auf einem gewissen Einkommen während</span><br/> <span class="ft1">eines gewissen Zeitraums, sondern um die Prüfung der Frage, ob der</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsteller mit seinem (bescheidenen) Einkommen in der Lage ist,</span><br/> <span class="ft1">die Krankenkassenprämien zu bezahlen; ist dies nicht der Fall, wird</span><br/> <span class="ft1">er mit Prämienverbilligungsbeiträgen unterstützt.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">3.4.</span><br/> <span class="ft1">Dass - nach der Argumentation der Beschwerdegegnerin - Prä-</span><br/> <span class="ft1">mienverbilligungsbeiträge jeweils für ein ganzes Jahr beantragt und</span><br/> <span class="ft1">ausbezahlt werden, ändert nichts an der Unzulässigkeit der vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommenen Aufrechnung des Brutto-Einkommens auf ein Jahresein-</span><br/> <span class="ft1">kommen, zumal auch derjenige, welcher über ein ganzes Jahr über</span><br/> <span class="ft1">keinerlei Einkünfte verfügt, ohne weiteres Anspruch auf Prämienver-</span><br/> <span class="ft1">billigung hat. So hat auch ein Sozialhilfebezüger Anspruch auf die</span><br/> <span class="ft1">volle Prämienverbilligung (vgl. § 13 Abs. 3 EG KVG). Würde</span><br/> <span class="ft1">beispielsweise bei einem ausländischen Studenten, der regelmässig</span><br/> <span class="ft1">in den Semesterferien einer normal bezahlten Erwerbstätigkeit</span><br/> <span class="ft1">nachgeht, das dabei erzielte Einkommen jeweils auf ein Jahres-</span><br/> <span class="ft1">einkommen umgerechnet, hätte er wohl während seines gesamten</span><br/> <span class="ft1">Studiums keinen Anspruch auf Prämienverbilligung. Dies kann nicht</span><br/> <span class="ft1">der Sinn der gesetzlichen Regelung über die Prämienverbilligungen</span><br/> <span class="ft1">sein.</span><br/> <span class="ft1">3.5.</span><br/> <span class="ft1">Nach § 17 Abs. 3 EG KVG haben quellenbesteuerte Personen,</span><br/> <span class="ft1">die nicht der ordentlichen Besteuerung unterliegen, über ihr steuerba-</span><br/> <span class="ft1">res Einkommen eine Bescheinigung des Kantonalen Steueramts so-</span><br/> <span class="ft1">wie über allfälliges steuerbares Vermögen die Steuerveranlagung ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss § 16 Abs. 1 EG KVG einzureichen (vgl. Erw. Ziff. 2.2. hievor).</span><br/> <span class="ft1">Im Übrigen gilt für sie dasselbe Verfahren. Dies ist insofern von Be-</span><br/> <span class="ft1">deutung, als von den quellenbesteuerten Personen besonders viele</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf Prämienverbilligungen haben dürften (vgl. Botschaft</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">76</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">des Regierungsrates des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom</span><br/> <span class="ft1">5. April 1995 betr. EG KVG, S. 14). Nach dem Gesagten würde die</span><br/> <span class="ft1">Anspruchsberechtigung von quellenbesteuerten Personen jedoch</span><br/> <span class="ft1">stark eingeschränkt, wenn deren erzieltes Einkommen - entspre-</span><br/> <span class="ft1">chend dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">- hochgerechnet würde. Demgemäss ist die Sache an die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">degegnerin zurückzuweisen, damit sie eine Bestätigung des Kantona-</span><br/> <span class="ft1">len Steueramts über das effektive steuerbare Einkommen im Jahr</span><br/> <span class="ft1">2003 des Beschwerdeführers einverlange. Danach hat sie dessen An-</span><br/> <span class="ft1">spruchsberechtigung auf Prämienverbilligung aufgrund dieser An-</span><br/> <span class="ft1">gaben nochmals zu überprüfen und darüber neu zu entscheiden.</span><br/></div> </div> </body> </html>