B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6674/2013 U r t e i l v o m 1 7 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Daniel Willisegger, mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi; Gerichtsschreiber David Wenger. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisung); Verfügung des BFM vom 16. Oktober 2013 / N (…). E-6674/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland Eritrea E nde Dezember 2010. Sie reiste per Luft- und Landweg über den Sudan, die Türkei, Grie- chenland und Italien am 26. September 2011 in die Schweiz ein und reichte gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum Vallorbe ein Asylgesuch ein . Am 20. Oktober 2011 fand die Befragung zur Person statt. B. Am 16. November 2011 teilte das BFM der Beschwerdeführerin mit, dass das Dublin -Verfahren beendet worden sei und das nationale Asyl - und Wegweisungsverfahren durchgeführt werde. C. Am 9. September 2013 hörte das BFM die Beschwerdeführerin vertieft zu den Asylgründen an. Sie machte im Wesentlichen geltend, der Volk s- gruppe der Tigriner anzugehören, katholischer Religion zu sein und aus Eritrea zu stammen. Dort habe sie bis zur Ausreise mit ihrer Mutter und der jüngeren Schwester gelebt. Zwei ältere Brüder würden in B._______, wohnen. Sie habe die Schule bis zur zehnten Klasse besucht. 2010 habe sie die Schule abgebrochen, weil ihre Mutter krank geworden sei. Ung e- fähr Mi tte 2010 habe die Mutter von einem Verwaltungsbeamten eine Rekrutierungsaufforderung für die Beschwerdeführerin in Empfang g e- nommen, welche diese verpflichtete, sich innerhalb einer Woche im Re k- rutierungszentrum Wia zu melden. Drei Tage später habe sie deswegen zusammen mit einer Freundin und einem männlichen Begleiter ihr He i- matland über den Landweg nach dem Sudan verlassen. D. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2013 – eröffnet am 30. Oktober 2013 – verneinte das BFM die F lüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte deren Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, schob infolge Unzumutbarkeit aber den Vollzug zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. E. Mit Schreiben vom 5. November 2013 ersuchte di e Beschwerdeführerin um Akteneinsicht, welche ihr das BFM mit Zwischenverfügung vom 6. November 2014 – ausnehmlich der Akten A5, A6, A8, A11 und A18 – gewährte. E-6674/2013 Seite 3 F. Mit Eingabe vom 27. November 2013 reichte die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Ver- fügung des BFM sei auszuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen sowie Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht bea n- tragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses . Zudem sei ihr ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu stellen. Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin vier Fotos und einen Briefumschlag zu den Akten. G. Mit Zwischenverfügung vom 6. Dezember 2013 verzichtete di e damalige Instruktionsrichterin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und e r- suchte die Vorinstanz – unter Beilage sämtlicher Akten –, bis zum 27. De- zember 2013 eine Vernehmlassung einzureichen. Das Gesuch um B e- stellung eines Anwalts wurde abgewiesen un d der Entscheid über das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. H. Das BFM hielt mit Vernehmlassung vom 23. Dezember 2013 vollumfäng- lich an seinen Erwägungen fe st. Die Vernehmlassung wurde der Be- schwerdeführerin am 30. Dezember 2013 zur Kenn tnis gebracht. Zugleich wurde sie eingeladen, bis zum 14. Januar 2014 eine Replik und entsprechende Beweismittel einzureichen. I. Mit Eingabe vom 14. Januar 2014 reichte die Beschwerdeführerin eine Replik ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asyl-E-6674/2013 Seite 4 gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Die Beschwerdeführe- rin ist als Verfügungsadressat in zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht und unrichtige oder unvollständige Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Die Beschwerde richtet sich ausschliessli ch gegen die Dispositivzi f- fern 1 (Flüchtlingseigenschaft) und 2 (Asyl) der angefochtenen Verf ü- gung; die übrigen Dispositivziffern sind nicht angefochten und bilden nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. 2.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 7 AsylG m uss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, wer um Asyl nachsucht. Die Flüch t- lingseigenschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhande n- sein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig b e- gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entspr e- chen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel a b- gestützt werden. 3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glau b- haftmachen der Vorbringen in einem jüngeren Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. statt vieler BGVE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 3.3 3.3.1 Die Vorinstanz hat den Massstab des Glaubhaftmachens nach Art. 7 AsylG auf den vorliegenden Fall korrekt angewendet. Sie hat in der angefochtenen Verfügung einlässlich begründ et, weshalb die Vorbringen E-6674/2013 Seite 5 der Beschwerdeführerin widersprüchlich, unsubstantiiert und in einer G e- samtwürdigung unglaubhaft ausfielen. Die Beschwerdeführerin zeigt nicht auf, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzen oder auf einer fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung beruhen soll. Solches ist auch nicht zu erkennen. 3.3.2 Es kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Ergänzend dazu ist festzuhalten, dass die Angaben der Beschwerdeführerin in der Tat einige nicht unerheblich e Widerspr ü- che aufweisen: So differieren beispielsweise die Aussagen über die Art, wie sie ihre Heimatstadt C._______ verlassen habe. In der persönlichen Befragung vom 20. Oktober 2011 (BzP) meinte sie ausdrücklich, dass sie diese zu Fuss verlassen habe (A4/13 S. 6). In der Anhörung vom 9. Se p- tember 2013 dageg en verliess sie C._______ mit dem Bus (A17/13 S. 8/9). Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin lässt sich dieser Widerspruch nicht mi t dem Vorwurf entschärfen, die vorinstanzliche Fra- gestellung sei oberflächlich gewesen. Vielmehr hat die Beschwerdeführe- rin die Frage, wie sie Eritrea verlassen habe, selbständig mit Bezug auf die erste Fluchtetappe und deren genauen Ausgangspunkt präzisiert , in- dem sie sagte: "Ich habe C._______ zu Fuss verlassen". Dass sie diese wichtige erste Fluchtetappe, aus ihrer H eimatstadt hinaus, später mit e i- ner dreistündigen Busfahrt hinter sich gebracht haben will, stellt die Glaubhaftigkeit ihrer Fluchtgeschichte klar in Frage. 3.3.3 Auch konnte die Beschwerdeführerin die Unstimmigkeiten hinsicht- lich der weiteren Fluchtumstände nicht in überzeugender Weise beseit i- gen. Es ist nicht glaubhaft, dass sie sich während des gemeinsamen, sechs Tage dauernden Fussmarsches in den Sudan mit dem Fluchtb e- gleiter nicht über dessen eigene Motivlage – ob er nun selber fliehe, wie in der BzP (A4/13 S. 6) vorgebracht, oder als "Hobbyschlepper" arbeite, wie in der Anhörung angegeben (A17/13 S. 7/8) – unterhalten hätte. Die diesbezüglich widersprüchlichen Aussagen der Beschwerdeführerin la s- sen sich auch hier nicht, wie in der Rechtsmit teleingabe behauptet, mit der nur summarischen Qualität der B efragung begründen, wurde die B e- schwerdeführerin doch anläss lich dieser Befragung ausdrücklich aufg e- fordert, auf die gestellten Fragen nach bestem Wissen zu antworten und ungenaue, lückenhafte oder falsche Angaben zu vermeiden (A4/13 S. 2). Ferner ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie die gänzlich unterlasse- nen Vorbereitungen und namentlich den Verzicht auf die Mitnahme von Reiseutensilien als realitätsfremd und unglaubhaft qualifiziert. Trotz der fluchtartigen Abreise hätten die zwischen dem Erhalt der Vorladung und E-6674/2013 Seite 6 dem Aufbruch verstrichenen drei Tage auf jeden Fall ausreichend Zeit ge- lassen, einige Utensilien für den sechstägigen Fussmarsch durch die Wüste zusammenzupacken, zumal es in der Wü ste nachts auch kalt ge- wesen sei, was – gerade im Herkunftsland der Beschwerdeführerin – als allgemein bekannt vorausgesetzt werden kann. Die Anga ben der B e- schwerdeführerin hierzu widersprechen in der Tat jeder Lebenserfahrung. 3.3.4 Schliesslich wäre es zumutbar und auch zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin mit der Rekrutierungsaufforderung oder i h- rem Schülerausweis die im Hinblick auf ihr Asylbegehren zentralen B e- weismittel, welche ihre Flucht begründen respektive ihre Identität nac h- weisen könnten, mit sich geführt hätte. Dies, zumal sie von Anfang an im Besitz dieser Dokumente war und diese nicht erst – wie zahlreiche ande- re Asylbewerber, etwa im Fall ihrer Verurteilung – in aufwendigen Proze- duren bei den, oft unwilligen, Behörden beschaffen musste. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin namentlich das Militä r- aufgebot nicht mitgenommen hat. Im Fall einer drohenden Kontrolle durch lokale Behörden hätte sie sich des belastenden Dokumentes immer noch rechtzeitig entledigen k önnen. Zudem ist ebenso wenig nachvollziehbar, weshalb sich die Beschwerdeführerin auf dem Postweg Fotografien aus Eritrea beschaffen konnte, nicht aber den Schülerausweis oder das Mili- täraufgebot und auch keine Papiere , welche ihre Identität belegen kön n- ten. Die Vorinstanz hat zu Recht auf die Mitwirkungspflicht verwiesen. 3.3.5 Bezüglich des nachgereichten Passfotos, welches die Beschwerd e- führerin in der Uniform einer Schule ihrer Heimatstadt zeigt, ist der Vorin- stanz zuzustimmen, dass dieses die mangelnde Glaubhaftigkeit der Asyl- vorbringen – namentlich die behauptete Ausreise aus Eritrea infolge des Wehrdienstaufgebotes – nicht wettmachen kann. 3.4 In der Gesamtwürdigung bleiben somit etliche erhebliche Zweifel, die in der Summe nicht mehr als einzelne, irrelevante Unstimmigkeiten taxiert werden können. Die Beweismittel der Beschwerdeführerin vermögen dar- an nichts zu ändern. Damit hat sie nichts vorgebracht, was geeignet w ä- re, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 3.5 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. E-6674/2013 Seite 7 4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und insgesamt auf Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). Dem Gesuch um Gewährung der unentgel t- lichen Prozessführung kann nicht entsprochen werden, weil die B e- schwerde als aussichtslos zu gelten hat (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Zudem ist die behauptete Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin in den Akten nicht ausgewiesen. (Dispositiv nächste Seite) E-6674/2013 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustän- dige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Willisegger David Wenger Versand: