<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">39</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Anwaltsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>7</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 8 und 12 lit. b BGFA</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Überprüfung Registereintrag bei Anstellung in einer Anwalts-AG: Krite-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rien für Einhaltung der Erfordernisse</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>der Unabhängigkeit,</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>des Nichtbestehens von Verlustscheinen,</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>der Ausübung des Berufs in eigenem Namen und auf eigene Verant-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wortung,</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>des Abschlusses einer Berufshaftpflichtversicherung sowie</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>der Einhaltung des Berufsgeheimnisses.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid der Anwaltskommission vom 21. August 2009 i.S. T. S. und U. S.</span><br/> <span class="ft5">(AVV.2008.26).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">1.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">1.1.2.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">Die eingetragenen Anwälte bleiben an die Berufsregeln gebun-</span><br/> <span class="ft7">den und haben diese in ihrem Arbeitsalltag sicherzustellen. Es han-</span><br/> <span class="ft7">delt sich somit um eine statische Prüfung der eingereichten Unterla-</span><br/> <span class="ft7">gen, insbesondere unter dem Aspekt der institutionellen Unabhängig-</span><br/> <span class="ft7">keit. Änderungen müssen der Anwaltskommission gemeldet werden</span><br/> <span class="ft7">und führen in der Folge zu einer neuen Beurteilung der Sachlage.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft7">In einem ersten Schritt (Ziff. 3) ist zu prüfen, ob die Gesuchstel-</span><br/> <span class="ft7">ler auch nach der geplanten Umstrukturierung noch die Vorausset-</span><br/> <span class="ft7">zungen für einen Registereintrag erfüllen, wenn sie sich für ihre An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">40</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">waltstätigkeit im Monopolbereich von der zu gründenden</span><br/> <span class="ft7">"X. Rechtsanwälte AG" anstellen lassen. In einem zweiten Schritt</span><br/> <span class="ft7">(Ziff. 4) gilt es zu abzuklären, ob sich aus der angestrebten Organisa-</span><br/> <span class="ft7">tionsform der "X. Rechtsanwälte AG" Berufsregelverletzungen erge-</span><br/> <span class="ft7">ben würden.</span><br/> <span class="ft7">3. Löschungsgrund</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 9 BGFA werden Anwälte, die eine der Vorausset-</span><br/> <span class="ft7">zungen für den Registereintrag nicht mehr erfüllen, im Register ge-</span><br/> <span class="ft7">löscht. [...] Unter den persönlichen Voraussetzungen können von ei-</span><br/> <span class="ft7">ner allfälligen Umwandlung einer Anwaltskanzlei in eine Aktienge-</span><br/> <span class="ft7">sellschaft nur das Fehlen von Verlustscheinen (Art. 8 Abs. 1 lit. c</span><br/> <span class="ft7">BGFA) und die Pflicht, den Anwaltsberuf unabhängig ausüben zu</span><br/> <span class="ft7">müssen (Art. 8 Abs. 1 lit. d BGFA), zu Problemen führen. Somit ist</span><br/> <span class="ft7">zu prüfen, ob die Gesuchsteller diese Voraussetzungen auch als An-</span><br/> <span class="ft7">gestellte der neu zu gründenden "X. Rechtsanwälte AG" erfüllen</span><br/> <span class="ft7">würden.</span><br/> <span class="ft7">3.1. Unabhängigkeit</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">Nach dem Wortlaut von Art. 8 Abs. 1 lit. d BGFA können An-</span><br/> <span class="ft7">wälte nur Angestellte von Personen sein, die ihrerseits in einem</span><br/> <span class="ft7">kantonalen Register eingetragen sind, sodass es auf den ersten Blick</span><br/> <span class="ft7">als ausgeschlossen erscheint, dass Anwälte sich als Angestellte einer</span><br/> <span class="ft7">Anwalts-AG in ein Register eintragen lassen können, da die Anwalts-</span><br/> <span class="ft7">AG ihrerseits nicht eingetragen werden kann. Nach Lehre und Praxis</span><br/> <span class="ft7">ist der Registereintrag von Anwälten, welche von einer Anwalts-AG</span><br/> <span class="ft7">angestellt sind, jedoch unter gewissen Voraussetzungen zulässig (...).</span><br/> <span class="ft7">Die Anwaltskommission schliesst sich dieser Ansicht an.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">Die Gefahr der Abhängigkeit kann ausgeschlossen werden,</span><br/> <span class="ft7">wenn alle Entscheidungsebenen einer Anwalts-AG von im Anwalts-</span><br/> <span class="ft7">register eingetragenen Anwälten beherrscht werden und diese Be-</span><br/> <span class="ft7">herrschung auf Dauer sichergestellt ist. Damit wird eine AG als</span><br/> <span class="ft7">Arbeitgeber vergleichbar mit einem Anwalt als Arbeitgeber. Zur Ge-</span><br/> <span class="ft7">währleistung der Unabhängigkeit der von ihr angestellten Anwälte</span><br/> <span class="ft7">muss die Organisation einer Anwalts-AG demnach folgende Voraus-</span><br/> <span class="ft7">setzungen erfüllen:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">41</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Der Gesellschaftszweck muss sich zur Hauptsache auf das Be-</span><br/> <span class="ft7">treiben einer Anwaltskanzlei beschränken.</span><br/> <span class="ft7">Generalversammlung, Verwaltungsrat wie auch Geschäftslei-</span><br/> <span class="ft7">tung müssen von im Anwaltsregister eingetragenen Personen be-</span><br/> <span class="ft7">herrscht werden.</span><br/> <span class="ft7">3.1.1. Gesellschaftszweck</span><br/> <span class="ft7">Der Hauptzweck einer Anwalts-AG hat sich auf das Betreiben</span><br/> <span class="ft7">einer Anwaltskanzlei zu beschränken. Nebenzwecke sind nur zuläs-</span><br/> <span class="ft7">sig, sofern sie diesem Hauptzweck dienen, da der Ausbau einer An-</span><br/> <span class="ft7">walts-AG auf weitere Geschäftszweige (wie z.B. Treuhandangebote,</span><br/> <span class="ft7">Vermögensverwaltungen oder Immobilienhandel) zu Interessenkolli-</span><br/> <span class="ft7">sion und damit zu Abhängigkeiten führen würde.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">3.1.2. Organisation und Beherrschung</span><br/> <span class="ft7">Der Registereintrag eines Anwalts kann nur dann bestehen blei-</span><br/> <span class="ft7">ben, wenn sowohl die Generalversammlung, der Verwaltungsrat wie</span><br/> <span class="ft7">auch die Geschäftsleitung der ihn anstellenden Anwalts-AG von im</span><br/> <span class="ft7">Anwaltsregister eingetragenen Personen beherrscht werden.</span><br/> <span class="ft7">3.1.2.1. Generalversammlung</span><br/> <span class="ft7">3.1.2.1.1.</span><br/> <span class="ft7">Die erforderliche Beherrschung in der Generalversammlung ist</span><br/> <span class="ft7">ohne Weiteres sichergestellt, sofern nur Anwälte Aktionäre der AG</span><br/> <span class="ft7">sind (Verfügung der Anwaltskommission Obwalden vom 19. Mai</span><br/> <span class="ft7">2006). Um dies zu erreichen, können vinkulierte Namenaktien</span><br/> <span class="ft7">(Art. 685a ff. OR) in den Statuten vorgesehen werden. Solche Aktien</span><br/> <span class="ft7">können nur mit Zustimmung der Gesellschaft übertragen werden. Bei</span><br/> <span class="ft7">nicht börsenkotierten Aktien muss für die Verweigerung der Übertra-</span><br/> <span class="ft7">gung / Eintragung allerdings in den Statuten ein wichtiger Grund</span><br/> <span class="ft7">definiert sein (Art. 685b Abs. 1 OR), wobei die Kriterien, an denen</span><br/> <span class="ft7">sich die so vordefinierten Ablehnungsgründe orientieren können, be-</span><br/> <span class="ft7">schränkt sind. Möglich sind nur Beschränkungen (Art. 685b Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">OR)</span><br/> <span class="ft7">bezüglich der Zusammensetzung des Aktionärskreises im Hin-</span><br/> <span class="ft7">blick auf den Gesellschaftszweck oder</span><br/> <span class="ft7">zur Sicherung der wirtschaftlichen Selbständigkeit des Unter-</span><br/> <span class="ft7">nehmens.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">42</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Ausserdem kann der Verwaltungsrat die Eintragung ohne An-</span><br/> <span class="ft7">gabe von Gründen auch dann verweigern, wenn er dem Veräusserer</span><br/> <span class="ft7">anbietet, die Aktien für eigene Rechnung oder für Rechnung anderer</span><br/> <span class="ft7">Aktionäre zum wirklichen Wert im Zeitpunkt der Einreichung des</span><br/> <span class="ft7">Gesuchs um Zustimmung zur Übertragung zu übernehmen ("escape</span><br/> <span class="ft7">clause"; Art. 685b Abs. 1 OR; vgl. P</span><span class="ft5">ETER</span> <span class="ft7">B</span><span class="ft5">ÖCKLI</span><span class="ft7">, Schweizer Ak-</span><br/> <span class="ft7">tienrecht, 3. A., Zürich 2004, § 6 N 195 ff.).</span><br/> <span class="ft7">3.1.2.1.2.</span><br/> <span class="ft7">Die zu gründende "X. Rechtsanwälte AG" enthält Vinkulie-</span><br/> <span class="ft7">rungsvorschriften in den Statuten. Gemäss Art. 4 Abs. 4 <i>muss</i> der</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsrat die Zustimmung zum Eintrag ins Aktienbuch verwei-</span><br/> <span class="ft7">gern, wenn der Erwerber einer Aktie nicht ein in der Schweiz regi-</span><br/> <span class="ft7">strierter Anwalt ist. Als wichtigen Grund für die Verweigerung der</span><br/> <span class="ft7">Übertragung nennen die Statuten also das Fehlen des Registereintra-</span><br/> <span class="ft7">ges. Es handelt sich hier um ein Kriterium, welches sich an der Zu-</span><br/> <span class="ft7">sammensetzung des Aktionärskreises im Hinblick auf den Gesell-</span><br/> <span class="ft7">schaftszweck orientiert. Als weitere Gründe für die Verweigerung</span><br/> <span class="ft7">des Eintrages werden in Art. 4 Abs. 3 lit. a - d (recte wohl lit. a - c,</span><br/> <span class="ft7">bei der Umformulierung wurde offenbar die Nummerierung nicht</span><br/> <span class="ft7">durchgängig angepasst) genannt:</span><br/> <span class="ft7">Erwerber übt keine aktive Tätigkeit in der Gesellschaft aus (Zu-</span><br/> <span class="ft7">sammenhang mit dem Gesellschaftszweck)</span><br/> <span class="ft7">Fernhalten von Erwerbern, die Konkurrenzunternehmen betrei-</span><br/> <span class="ft7">ben bzw. daran beteiligt oder dort angestellt sind (Selbständigkeit)</span><br/> <span class="ft7">Erwerb / Halten von Aktien im eigenen Namen, aber im Interes-</span><br/> <span class="ft7">se Dritter (Gesellschaftszweck und Selbständigkeit).</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">Da die (dauerhafte) Beherrschung der Anwalts-AG durch einge-</span><br/> <span class="ft7">tragene Anwälte Voraussetzung ist für den Fortbestand des Register-</span><br/> <span class="ft7">eintrages eben dieser Anwälte, darf zweifellos davon ausgegangen</span><br/> <span class="ft7">werden, dass es sich bei dem in Art. 4 Abs. 4 der Statuten erwähnten</span><br/> <span class="ft7">Verweigerungsgrund um einen im Hinblick auf den Gesellschafts-</span><br/> <span class="ft7">zweck sachlich gerechtfertigten wichtigen Grund im Sinne des</span><br/> <span class="ft7">Gesetzes handelt. Die in Abs. 3 erwähnten Gründe kommen nur bzw.</span><br/> <span class="ft7">erst dann zum Zuge, wenn der Erwerber die Bedingung von Abs. 4</span><br/> <span class="ft7">erfüllt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">43</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Zudem enthält auch Art. 2 des angepassten Aktionärbindungs-</span><br/> <span class="ft7">vertrages [ABV] vom 29. Mai 2009 in Abs. 1 die Regelung, dass nur</span><br/> <span class="ft7">in der Schweiz registrierte Anwältinnen und Anwälte Gesellschafter</span><br/> <span class="ft7">sein können. Weiter wird in Art. 3 Abs. 1 ABV statuiert, dass die Ge-</span><br/> <span class="ft7">sellschafter die Aktien zu gesamter Hand halten, wobei jedem</span><br/> <span class="ft7">Gesellschafter ein gleich grosser rechnerischer Anteil an Aktien zu-</span><br/> <span class="ft7">steht. Diese rechnerischen Anteile sind gemäss Vertrag weder durch</span><br/> <span class="ft7">Zession noch durch eheliches Güterrecht, Erbrecht oder auf andere</span><br/> <span class="ft7">Weise übertragbar. Darüber hinaus ist für die Übertragung des Eigen-</span><br/> <span class="ft7">tums an den Aktien ein Gesellschafterbeschluss mit einer Dreivier-</span><br/> <span class="ft7">telsmehrheit aller Stimmen nötig (Art. 3 Abs. 4 ABV).</span><br/> <span class="ft7">Bezüglich Generalversammlung ist in Art. 11 der Statuten</span><br/> <span class="ft7">festgeschrieben, dass jede Aktie eine Stimme hat, und dass sich ein</span><br/> <span class="ft7">Aktionär in der Generalversammlung nur durch einen anderen Aktio-</span><br/> <span class="ft7">när (der wiederum eingetragener Anwalt / eingetragene Anwältin</span><br/> <span class="ft7">sein muss) vertreten lassen kann. Ergänzend enthält Art. 4 ABV die</span><br/> <span class="ft7">Regelung, dass jeder Aktionär in der Generalversammlung diejenige</span><br/> <span class="ft7">Anzahl Aktien vertritt, die seinem rechnerischen Anteil entspricht.</span><br/> <span class="ft7">Da gemäss Art. 3 Abs. 1 ABV jeder Gesellschafter einen gleich gros-</span><br/> <span class="ft7">sen (rechnerischen) Anteil der Aktien hält, steht somit jedem Gesell-</span><br/> <span class="ft7">schafter grundsätzlich das gleiche Stimmrecht zu. Nicht in dieser</span><br/> <span class="ft7">Weise zuordenbare Aktien werden gemäss Art. 4 Abs. 1 ABV in der</span><br/> <span class="ft7">Generalversammlung nicht vertreten.</span><br/> <span class="ft7">3.1.2.1.3.</span><br/> <span class="ft7">Aufgrund der aufgeführten Bestimmungen der Statuten sowie</span><br/> <span class="ft7">des Aktionärbindungsvertrages erscheint die Dauerhaftigkeit der Be-</span><br/> <span class="ft7">herrschung der "X. Rechtsanwälte AG" durch im Register eingetra-</span><br/> <span class="ft7">gene Anwältinnen und Anwälte vorliegend gewährleistet.</span><br/> <span class="ft7">3.1.2.2. Verwaltungsrat</span><br/> <span class="ft7">Auch im Verwaltungsrat stellt die Beherrschung durch regi-</span><br/> <span class="ft7">strierte Anwälte dann kein Problem dar, wenn sämtliche Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsräte eingetragene Anwälte sind. Diese Bedingung ist vorliegend</span><br/> <span class="ft7">erfüllt, da Art. 13 der Statuten festgelegt, dass der Verwaltungsrat</span><br/> <span class="ft7">ausschliesslich aus Aktionären bestehen muss.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">44</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">3.1.2.3. Geschäftsführung</span><br/> <span class="ft7">Der Verwaltungsrat führt die Geschäfte der Gesellschaft, soweit</span><br/> <span class="ft7">er die Geschäftsführung nicht übertragen hat (Art. 716 OR), und</span><br/> <span class="ft7">kann hierfür die nötigen Weisungen und Anordnungen erteilen</span><br/> <span class="ft7">(Art. 716a OR).</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 15 Abs. 2 lit. a der Statuten und Ziff. 3.2 Abs. 1 lit.</span><br/> <span class="ft7">a des Organisationsreglements steht dem Verwaltungsrat die Oberlei-</span><br/> <span class="ft7">tung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen zu. Er</span><br/> <span class="ft7">hat zudem die Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung be-</span><br/> <span class="ft7">trauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Ge-</span><br/> <span class="ft7">setze, der Berufs- und Standesregeln, der Statuten, Reglemente und</span><br/> <span class="ft7">Weisungen (Ziff. 3.2 Abs. 1 lit. e). Im Übrigen kann der Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsrat die betriebliche Geschäftsführung durch Erlass eines Or-</span><br/> <span class="ft7">ganisationsreglementes ganz oder zum Teil an einzelne oder mehrere</span><br/> <span class="ft7">seiner Mitglieder übertragen (Art. 15 Abs. 2 lit. d und 15 Abs. 3 der</span><br/> <span class="ft7">Statuten; siehe ausserdem Ziff. 3.2 Abs. 1 lit. d des Organisations-</span><br/> <span class="ft7">reglements). Damit ist sichergestellt, dass nur eingetragene Anwälte</span><br/> <span class="ft7">Aufgaben der Geschäftsführung übernehmen können, sodass die nö-</span><br/> <span class="ft7">tige Weisungsunabhängigkeit gewährleistet ist (vgl. Beschluss der</span><br/> <span class="ft7">Aufsichtskommission des Kantons Zürich vom 5. Oktober 2006,</span><br/> <span class="ft7">Ziffer V. / 5. und V. / 7.5.).</span><br/> <span class="ft7">Die "X. Rechtsanwälte AG" sieht in ihren Statuten (Art. 15</span><br/> <span class="ft7">Abs. 3) vor, dass der Verwaltungsrat kein Weisungsrecht gegenüber</span><br/> <span class="ft7">den als Aktionären angestellten Anwälten und Beratern und den von</span><br/> <span class="ft7">diesen betreuten Mitarbeitern in Bezug auf deren konkrete Mandats-</span><br/> <span class="ft7">führung hat. Dasselbe wird im Entwurf des Arbeitsvertrages zwi-</span><br/> <span class="ft7">schen der zu gründenden "X. Rechtsanwälte AG" und einem zukünf-</span><br/> <span class="ft7">tig angestellten Aktionär und Anwalt festgelegt (Ziff. 2 Abs. 2).</span><br/> <span class="ft7">Der Verwaltungsrat erlässt schliesslich Reglemente und Weisun-</span><br/> <span class="ft7">gen über die Grundsätze der Mandatsannahme und Praxisausübung</span><br/> <span class="ft7">(Ziff. 3.4 Abs. 1 des Organisationsreglements), wobei er diese der</span><br/> <span class="ft7">Generalversammlung zur Konsultation vorzuweisen hat (Ziff. 3.3</span><br/> <span class="ft7">Abs. 2 lit. r des Organisationsreglements).</span><br/> <span class="ft7">Die Grundsätze der Mandatsübernahme sind im Anhang 1 lit. A</span><br/> <span class="ft7">zum Organisationsreglement festgehalten. Danach entscheidet grund-</span><br/> <span class="ft7">sätzlich jeder Gesellschafter in eigener Verantwortung darüber, ob</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">ein Mandat angenommen werden soll (lit. A. Ziff. 1). Er soll sich da-</span><br/> <span class="ft7">bei von folgenden Grundsätzen leiten lassen: a) Vermeidung von Re-</span><br/> <span class="ft7">putationsrisiken, b) Vermeidung von Interessenkonflikten und c)</span><br/> <span class="ft7">Wirtschaftlichkeit, d.h. Möglichkeit des Klienten, das Honorar für</span><br/> <span class="ft7">die notwendig werdende Arbeit bezahlen zu können. Vom Grundsatz</span><br/> <span class="ft7">c) kann abgewichen werden, wenn Mitarbeiter an einem konkreten</span><br/> <span class="ft7">Fall ausgebildet werden sollen oder wenn die begründete Meinung</span><br/> <span class="ft7">besteht, dass sich das Mandat mittelfristig zu einer Klientenbezie-</span><br/> <span class="ft7">hung entwickeln kann.</span><br/> <span class="ft7">Diese Grundsätze sind unter dem Aspekt der Unabhängigkeit</span><br/> <span class="ft7">nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft7">Weiter wird verlangt, dass für "die Annahme von Mandaten, bei</span><br/> <span class="ft7">denen sich im Zeitpunkt der Mandatsübernahme nicht völlig aus-</span><br/> <span class="ft7">schliessen lässt, dass sich in Zukunft einmal Interessenkonflikte</span><br/> <span class="ft7">ergeben könnten oder bei denen die Annahme von weiteren Klienten</span><br/> <span class="ft7">aus der gleichen Branche problematisch werden könnte", sowie für</span><br/> <span class="ft7">"die Annahme von pro bono Mandaten oder Mandaten, die das relati-</span><br/> <span class="ft7">vierte Wirtschaftskriterium nach Ziff. 1 c) nicht erfüllen", die Zu-</span><br/> <span class="ft7">stimmung des Verwaltungsrats notwendig ist. Diese Einschränkun-</span><br/> <span class="ft7">gen in der Übernahme von Mandaten verletzen den Grundsatz der</span><br/> <span class="ft7">Unabhängigkeit von eingetragenen Anwälten nicht.</span><br/> <span class="ft7">Die Grundsätze der Praxisausübung sind im Anhang 1 lit. B</span><br/> <span class="ft7">zum Organisationsreglement geregelt. Sie verpflichten den Mandats-</span><br/> <span class="ft7">führer, die Niederlegung des Mandats zu prüfen, wenn er zum</span><br/> <span class="ft7">Schluss komme, "dass ein Mandat nicht hätte angenommen werden</span><br/> <span class="ft7">sollen (oder im fraglichen Zeitpunkt nicht mehr angenommen wür-</span><br/> <span class="ft7">de)". Diese Gründe der Niederlegung widersprechen der Unabhän-</span><br/> <span class="ft7">gigkeit eines eingetragenen Anwalts nicht und stehen unter dem</span><br/> <span class="ft7">Vorbehalt der aus den allgemeinen Berufsregeln fliessenden Pflicht,</span><br/> <span class="ft7">Mandate nicht zur Unzeit niederzulegen (Art. 12 lit. a BGFA; W</span><span class="ft5">AL</span><span class="ft7">-</span><br/> <span class="ft5">TER</span> <span class="ft7">F</span><span class="ft5">ELLMANN</span><span class="ft7">, BGFA-Kommentar, a.a.O., Art. 12 Rz 32).</span><br/> <span class="ft7">Schliesslich wird der unzulässige Einfluss des Verwaltungsrates</span><br/> <span class="ft7">in mandatsbezogenen Geschäften dadurch verhindert, dass "im Rah-</span><br/> <span class="ft7">men der Beratung und Vertretung von Klienten (...) alle Partner und</span><br/> <span class="ft7">alle juristischen Mitarbeiter Einzelunterschrift gemäss Vollmacht in</span><br/> <span class="ft7">Anhang 2" des Organisationsreglements haben (Ziff. 5.1 des Organi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">46</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">sationsreglements). Danach ist die Vollmacht der mandatsverantwort-</span><br/> <span class="ft7">lichen Angestellten der zu gründenden "X. Rechtsanwälte AG" nicht</span><br/> <span class="ft7">beschränkt, womit diesen die notwendige Unabhängigkeit vom Ver-</span><br/> <span class="ft7">waltungsrat zukommt. Die Vollmacht für die nicht mandatsverant-</span><br/> <span class="ft7">wortlichen Angestellten steht unter dem Vorbehalt der Weisungen des</span><br/> <span class="ft7">Mandatsverantwortlichen, was auch diese vor dem Einfluss des</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsrates schützt.</span><br/> <span class="ft7">3.1.3.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">3.2. Verlustschein</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. c kann ein Anwalt nur dann ins An-</span><br/> <span class="ft7">waltsregister eingetragen werden beziehungsweise darin verbleiben</span><br/> <span class="ft7">(Art. 9 BGFA), wenn gegen ihn keine Verlustscheine bestehen.</span><br/> <span class="ft7">Diese Voraussetzung steht einem Registereintrag zum Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft7">der Gründung einer Anwalts-AG nicht entgegen. Falls die persönli-</span><br/> <span class="ft7">che Haftung eines Anwalts jedoch durch die Anstellung durch eine</span><br/> <span class="ft7">Anwalts-AG eingeschränkt wird (siehe unten Ziffern 0 und 0), kann</span><br/> <span class="ft7">diese Voraussetzung nach einem allfälligen Konkurs der Anwalts-AG</span><br/> <span class="ft7">bedeutsam werden. Der Konkurs würde diesem Anwalt nämlich kei-</span><br/> <span class="ft7">nen Verlustschein einbringen und ihn im Gegensatz zu einem persön-</span><br/> <span class="ft7">lich haftenden Anwalt nicht an der Weiterführung seiner Tätigkeit im</span><br/> <span class="ft7">Monopolbereich hindern. Der einzelne Anwalt bleibt der Aufsichts-</span><br/> <span class="ft7">behörde jedoch stets selbst verantwortlich (W</span><span class="ft5">ALTER</span> <span class="ft7">F</span><span class="ft5">ELLMANN</span><span class="ft7">,</span><br/> <span class="ft7">BGFA-Kommentar, a.a.O., Art. 12 Rz. 62). Die Anwaltskommission</span><br/> <span class="ft7">macht deshalb die Gesuchsteller darauf aufmerksam, dass sie sich im</span><br/> <span class="ft7">Falle eines Konkurses der zu gründenden AG einen disziplinarischen</span><br/> <span class="ft7">Durchgriff auf die von der Anwalts-AG angestellten Anwälte vorbe-</span><br/> <span class="ft7">hält.</span><br/> <span class="ft7">Zusammenfassend steht fest, dass die Gesuchsteller unter Ein-</span><br/> <span class="ft7">haltung der genannten Auflagen auch als Angestellte der zu grün-</span><br/> <span class="ft7">denden "X. Rechtsanwälte AG" im Anwaltsregister des Kantons Aar-</span><br/> <span class="ft7">gau eingetragen bleiben können.</span><br/> <span class="ft7">4. Berufsregelverletzung</span><br/> <span class="ft7">Weiter ist zu prüfen, ob sich aus der Organisationsform der zu</span><br/> <span class="ft7">gründenden "X. Rechtsanwälte AG" keine Berufsregelverletzungen</span><br/> <span class="ft7">ergeben.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">47</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Art. 12 lit. b BGFA erhebt die unabhängige Ausübung auch zur</span><br/> <span class="ft7">Berufsregel. Im Gegensatz zur im Zeitpunkt des Eintrags zu prüfen-</span><br/> <span class="ft7">den institutionellen Unabhängigkeit, geht es hier um die Unabhän-</span><br/> <span class="ft7">gigkeit im Einzelfall (W</span><span class="ft5">ALTER</span> <span class="ft7">F</span><span class="ft5">ELLMANN</span><span class="ft7">, BGFA-Kommentar,</span><br/> <span class="ft7">a.a.O., Art. 8 Rz. 31). Wie oben dargelegt, verletzt der Umstand</span><br/> <span class="ft7">allein, dass sich ein Anwalt von einer Anwalts-AG anstellen lässt, die</span><br/> <span class="ft7">Unabhängigkeit nicht. Die Unabhängigkeit im Einzelfall hat jeder</span><br/> <span class="ft7">Anwalt in seinem Berufsalltag selbst sicherzustellen. Dieser Punkt</span><br/> <span class="ft7">kann nicht zum jetzigen Zeitpunkt kontrolliert werden.</span><br/> <span class="ft7">4.1. Ausübung in eigenem Namen und auf eigene Verantwor-</span><br/> <span class="ft7">tung</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 12 lit. b BGFA ist ein Anwalt verpflichtet, seinen</span><br/> <span class="ft7">Beruf in eigenem Namen und auf eigene Verantwortung auszuüben.</span><br/> <span class="ft7">Da Art. 8 Abs. 1 lit. d BGFA dies auch dann für möglich erachtet,</span><br/> <span class="ft7">wenn ein Anwalt angestellt ist, schliesst eine Anstellung das Handeln</span><br/> <span class="ft7">in eigenem Namen und auf eigene Verantwortung nicht aus. Es ist zu</span><br/> <span class="ft7">prüfen, ob bei der Anstellung durch eine Anwalts-AG Besonderhei-</span><br/> <span class="ft7">ten vorliegen, die eine Ausübung in eigenem Namen und auf eigene</span><br/> <span class="ft7">Verantwortung verunmöglichen.</span><br/> <span class="ft7">Die Frage, welche Rechtsverhältnisse durch die Betreuung ei-</span><br/> <span class="ft7">nes Klienten durch einen von einer Anwalts-AG angestellten Anwalt</span><br/> <span class="ft7">entstehen, wird in Praxis und Lehre nicht einheitlich beantwortet.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">Diese Frage kann hier offen gelassen werden, da sie weder auf</span><br/> <span class="ft7">die weiter oben geprüfte Unabhängigkeit von eingetragenen Anwäl-</span><br/> <span class="ft7">ten, die von einer Anwalts-AG angestellt sind, noch auf die Aus-</span><br/> <span class="ft7">übung des Anwaltsberufs in eigenem Namen einen Einfluss hat.</span><br/> <span class="ft7">Denn auch für den Fall, dass nur ein Vertrag zwischen dem Klienten</span><br/> <span class="ft7">und der Anwalts-AG zustande kommen sollte, ist die Berufsaus-</span><br/> <span class="ft7">übung in eigenem Namen möglich, ja gar unumgänglich, da die Ver-</span><br/> <span class="ft7">tretung im Monopolbereich nur natürlichen Personen gestattet ist.</span><br/> <span class="ft7">Wie bereits dargelegt, bleibt auch ein von einer Anwalts-AG an-</span><br/> <span class="ft7">gestellter Anwalt unter der disziplinarischen Aufsicht der Aufsichts-</span><br/> <span class="ft7">behörden. Die disziplinarische Verantwortung ist deshalb ohne weite-</span><br/> <span class="ft7">res sichergestellt. Soweit unter der Berufsausübung in eigener Ver-</span><br/> <span class="ft7">antwortung auch die finanzielle Verantwortung zu verstehen ist, kann</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">48</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">auf die nachfolgenden Ausführungen zur Berufshaftpflicht verwiesen</span><br/> <span class="ft7">werden. Dass mit der Ausgestaltung einer Anwaltssozietät als AG</span><br/> <span class="ft7">möglicherweise die persönliche Haftung eines Anwalts entfällt, steht</span><br/> <span class="ft7">jedenfalls nicht im Widerspruch zur Berufsregel des Art. 12 lit. b</span><br/> <span class="ft7">BGFA, da aufgrund der Pflicht des Anwalts zum Abschluss einer</span><br/> <span class="ft7">Berufshaftpflichtversicherung nicht davon auszugehen ist, dass der</span><br/> <span class="ft7">Gesetzgeber die persönliche Haftung der Anwälte für erforderlich</span><br/> <span class="ft7">erachtete (W</span><span class="ft5">ALTER</span> <span class="ft7">F</span><span class="ft5">ELLMANN</span><span class="ft7">, BGFA-Kommentar, a.a.O., Art. 12</span><br/> <span class="ft7">Rz 63).</span><br/> <span class="ft7">4.2. Berufshaftpflichtversicherung</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 12 lit. f BGFA haben Anwälte eine Berufshaft-</span><br/> <span class="ft7">pflichtversicherung nach Massgabe der Art und des Umfangs der</span><br/> <span class="ft7">Risiken, die mit ihrer Tätigkeit verbunden sind, abzuschliessen. Die</span><br/> <span class="ft7">Versicherungssumme muss mindestens eine Million Franken pro Jahr</span><br/> <span class="ft7">betragen. Anstelle der Haftpflichtversicherung können andere,</span><br/> <span class="ft7">gleichwertige Sicherheiten erbracht werden.</span><br/> <span class="ft7">Unabhängig von der Frage, welche Vertragsverhältnisse entste-</span><br/> <span class="ft7">hen, wenn ein von einer Anwalts-AG angestellter Anwalt anwaltlich</span><br/> <span class="ft7">tätig wird (vgl. D</span><span class="ft5">E</span> <span class="ft7">V</span><span class="ft5">RIES</span> <span class="ft7">R</span><span class="ft5">EILINGH</span> <span class="ft7">J</span><span class="ft5">EANINE</span><span class="ft7">,</span> <span class="ft7">H</span><span class="ft5">OHENAUER</span> <span class="ft7">F</span><span class="ft5">ABIEN</span><span class="ft7">,</span><br/> <span class="ft7">a.a.O, Ziff. C 2. b, S. 693; H</span><span class="ft5">ANDSCHIN</span> <span class="ft7">L</span><span class="ft5">UKAS</span><span class="ft7">, a.a.O, Ziff. II.2,</span><br/> <span class="ft7">S. 260), ist sicherzustellen, dass für Fehler eines angestellten Anwalts</span><br/> <span class="ft7">eine Berufshaftpflichtversicherung besteht, die den oben genannten</span><br/> <span class="ft7">Voraussetzungen entspricht.</span><br/> <span class="ft7">Die Aktionäre der zu gründenden "X. Rechtsanwälte AG" ver-</span><br/> <span class="ft7">pflichten sich in einem Aktionärbindungsvertrag dazu, eine Haft-</span><br/> <span class="ft7">pflichtversicherung abzuschliessen, welche einerseits Schäden deckt,</span><br/> <span class="ft7">für welche ein angestellter Anwalt persönlich belangt wird, anderer-</span><br/> <span class="ft7">seits aber auch Schäden umfasst, für welche die "X. Rechtsanwälte</span><br/> <span class="ft7">AG" direkt haftbar gemacht wird (Art. 9 ABV). Damit ist der</span><br/> <span class="ft7">erforderliche Schutz für die Klientschaft sichergestellt.</span><br/> <span class="ft7">4.3. Berufsgeheimnis</span><br/> <span class="ft7">4.3.1.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 13 Abs. 1 BGFA unterstehen Anwälte zeitlich</span><br/> <span class="ft7">unbegrenzt und gegenüber jedermann dem Berufsgeheimnis über al-</span><br/> <span class="ft7">les, was ihnen infolge ihres Berufes von ihrer Klientschaft anvertraut</span><br/> <span class="ft7">worden ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">49</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Die Wahrung des Berufsgeheimnisses stellt in der aktuellen</span><br/> <span class="ft7">Diskussion über die Zulässigkeit einer Anwalts-AG einen umstritte-</span><br/> <span class="ft7">nen Punkt dar. Insbesondere die Preisgabe von Klienteninformatio-</span><br/> <span class="ft7">nen an die Revisionsstelle wird als problematisch erachtet. Sowohl</span><br/> <span class="ft7">der Entscheid der Anwaltskommission des Kantons Obwalden vom</span><br/> <span class="ft7">29. Mai 2006 (E. IV. 5) wie auch jener der Aufsichtskommission des</span><br/> <span class="ft7">Kantons Zürich (E. VI. 8) stellen sich auf den Standpunkt, dass das</span><br/> <span class="ft7">Anwaltsgeheimnis nicht verletzt werde, weil auch die Revisoren zur</span><br/> <span class="ft7">Einhaltung des Berufsgeheimnisses verpflichtet seien. Wie die An-</span><br/> <span class="ft7">waltskommission des Kantons St. Gallen in ihrer Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft7">13. Mai 2008 (E. 5 c) richtig festhält, kann diesem Schluss nicht ge-</span><br/> <span class="ft7">folgt werden, da das Berufsgeheimnis des Anwalts nicht denselben</span><br/> <span class="ft7">Regeln unterliegt, wie jenes des Revisors.</span><br/> <span class="ft7">4.3.2.</span><br/> <span class="ft7">(...) Art. 18 der Statuten sieht zwar (...) vor, dass die General-</span><br/> <span class="ft7">versammlung auf die Wahl einer Revisionsstelle verzichten kann,</span><br/> <span class="ft7">wenn die Gesellschaft nicht zu einer ordentlichen Revision verpflich-</span><br/> <span class="ft7">tet ist und die Voraussetzungen für einen Verzicht auf eine (einge-</span><br/> <span class="ft7">schränkte) Revision ebenfalls erfüllt sind. Ebenso ist (...) vorge-</span><br/> <span class="ft7">sehen, dass die Gesellschaft aufgelöst wird, wenn die Vorausset-</span><br/> <span class="ft7">zungen für den Verzicht auf eine Revision nicht mehr erfüllt sind</span><br/> <span class="ft7">(Art. 22 Abs. 2 der Statuten).</span><br/> <span class="ft7">Art. 10 des Aktionärbindungsvertrages enthält (...) in Ziff. 1 die</span><br/> <span class="ft7">Verpflichtung der Aktionäre, Mandate nur von Klienten anzunehmen,</span><br/> <span class="ft7">welche den im Anhang 2 enthaltenen Mandatsvertrag unterzeichnet</span><br/> <span class="ft7">haben. Und dieser Mandatsvertrag wiederum enthält in Art. 8 die</span><br/> <span class="ft7">Entbindungserklärung des Auftraggebers bezüglich Berufsgeheimnis</span><br/> <span class="ft7">unter anderem gegenüber der Revisionsstelle. Es versteht sich von</span><br/> <span class="ft7">selbst, dass dieser Mandatsvertrag nach Gründung der "X. Rechtsan-</span><br/> <span class="ft7">wälte AG" nicht nur im Rahmen von neuen Mandaten abzuschliessen</span><br/> <span class="ft7">ist, sondern auch bei bereits bestehenden Mandaten.</span><br/> <span class="ft7">Art. 10 ABV hält aber in Ziff. 2 auch weiterhin fest, dass sich</span><br/> <span class="ft7">die Aktionäre verpflichten, keine Handlungen vorzunehmen, welche</span><br/> <span class="ft7">zur Pflicht für eine ordentliche Revision führen würden. Ebenso ver-</span><br/> <span class="ft7">pflichten sie sich gemäss Ziff. 3, darauf zu verzichten, eine einge-</span><br/> <span class="ft7">schränkte Revision zu verlangen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">50</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">4.3.3.</span><br/> <span class="ft7">Zusammenfassend erscheint aufgrund der oben erwähnten Be-</span><br/> <span class="ft7">stimmungen gewährleistet, dass die "X. Rechtsanwälte AG" voraus-</span><br/> <span class="ft7">sichtlich gar nie einer Revision unterliegen wird. Falls dem aber</span><br/> <span class="ft7">doch so sein sollte, wäre mit dem Mandatsvertrag sichergestellt, dass</span><br/> <span class="ft7">die Klienten der Entbindung vom Berufsgeheimnis gegenüber der</span><br/> <span class="ft7">Revisionsstelle zugestimmt hätten. Unter diesen Voraussetzungen ist</span><br/> <span class="ft7">auch eine Verletzung des Berufsgeheimnisses nicht im Voraus abseh-</span><br/> <span class="ft7">bar.</span><br/> <span class="ft7">5.</span><br/> <span class="ft7">Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass für die Ge-</span><br/> <span class="ft7">suchsteller durch die Anstellung in der zu gründenden "X. Rechtsan-</span><br/> <span class="ft7">wälte AG" kein Löschungsgrund im Sinn von Art. 9 BGFA erfüllt</span><br/> <span class="ft7">sein wird. Bei der Beurteilung wurde auf die mit Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft7">29. Mai 2009 eingereichten Unterlagen (Entwürfe der Statuten, des</span><br/> <span class="ft7">Aktionärbindungsvertrages, des Organisationsreglements, des Ar-</span><br/> <span class="ft7">beitsvertrages sowie Offerte für die Berufshaftpflichtversicherung)</span><br/> <span class="ft7">abgestellt.</span><br/> <span class="ft7">Demnach erscheint die Voraussetzung der Unabhängigkeit ge-</span><br/> <span class="ft7">mäss Art. 8 Abs. 1 lit. d BGFA weiterhin gewährleistet. Der Gesell-</span><br/> <span class="ft7">schaftszweck wurde unter dem Gesichtspunkt der Unabhängigkeit</span><br/> <span class="ft7">gesetzeskonform formuliert, ebenso wie die Bestimmungen bezüg-</span><br/> <span class="ft7">lich Organisation und Beherrschung der Gesellschaft. Insbesondere</span><br/> <span class="ft7">erscheint die Dauerhaftigkeit der Beherrschung durch registrierte An-</span><br/> <span class="ft7">wältinnen / Anwälte gesichert, da gemäss Statuten und Aktionärbin-</span><br/> <span class="ft7">dungsvertrag Aktien nur an eingetragene Anwältinnen / Anwälte</span><br/> <span class="ft7">übertragen werden dürfen. Da zudem sowohl Verwaltungsratsmit-</span><br/> <span class="ft7">gliedschaft wie auch Geschäftsführung den Aktionären vorbehalten</span><br/> <span class="ft7">sind, ergeben sich auch in diesen Punkten keine absehbaren Proble-</span><br/> <span class="ft7">me.</span><br/> <span class="ft7">Bezüglich des Fehlens von Verlustscheinen (Art. 8 Abs. 1 lit. c</span><br/> <span class="ft7">BGFA) behält sich die Anwaltskommission im Falle des Konkurses</span><br/> <span class="ft7">der Gesellschaft einen disziplinarischen Durchgriff auf die einzelnen</span><br/> <span class="ft7">Anwälte vor.</span><br/> <span class="ft7">Weiter sind für den Fall der Anstellung durch die zu gründende</span><br/> <span class="ft7">"X. Rechtsanwälte AG" auch keine Verletzungen von Berufsregeln</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">51</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">schon von vornherein absehbar. So erscheint insbesondere die Aus-</span><br/> <span class="ft7">übung des Mandates im eigenen Namen und auf eigene Verantwor-</span><br/> <span class="ft7">tung (Art. 12 lit. b BGFA) auch im Rahmen eines Anstellungsver-</span><br/> <span class="ft7">hältnisses unter den in Statuten und Organisationsreglement gesetz-</span><br/> <span class="ft7">ten Rahmenbedingungen problemlos möglich, und die Verantwort-</span><br/> <span class="ft7">lichkeit gegenüber der disziplinarischen Aufsichtsbehörde bleibt be-</span><br/> <span class="ft7">stehen. Das Erfordernis des Abschlusses einer Berufshaftpflichtversi-</span><br/> <span class="ft7">cherung (Art. 12 lit. f BGFA) erfüllen die Gesuchsteller bei Ab-</span><br/> <span class="ft7">schluss des Vertrages gemäss eingereichter Offerte ebenfalls. Ebenso</span><br/> <span class="ft7">sind bezüglich Berufsgeheimnis (Art. 13 Abs. 1 BGFA) keine</span><br/> <span class="ft7">Probleme ersichtlich, da vorgesehen ist, mit den Mandanten einen</span><br/> <span class="ft7">schriftlichen Mandatsvertrag mit Entbindungserklärung hinsichtlich</span><br/> <span class="ft7">des Berufsgeheimnisses gegenüber einer allfälligen Revisionsstelle</span><br/> <span class="ft7">abzuschliessen.</span><br/> <span class="ft7">Somit kann festgestellt werden, dass einer Aufrechterhaltung</span><br/> <span class="ft7">des Registereintrages der Gesuchsteller nach deren Anstellung in der</span><br/> <span class="ft7">zu gründenden "X. Rechtsanwälte AG" nichts entgegensteht, soweit</span><br/> <span class="ft7">die eingereichten Unterlagen hierbei zur Anwendung kommen.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>8</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 12 lit. a BGFA</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verbot des Direktkontakts mit anwaltlich vertretener Gegenpartei; gilt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht absolut, sondern ist unter Würdigung aller Umstände zu handha-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ben. Zulässigkeit des Direktkontakts, wenn Gegenpartei Kontakt selber</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sucht sowie bei anderen triftigen Gründen, z.B. bei zeitlicher Dringlich-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keit.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid der Anwaltskommission vom 17. September 2009 i.S. W.</span><br/> <span class="ft5">(AVV.2009.18).</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>9 Art.</b></span> <span class="ft2"><b>13</b></span> <span class="ft2"><b>BGFA</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Tötung der Ehefrau (Klientin im Eheschutzverfahren), Entbindung der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anwältin vom Berufsgeheimnis im polizeilichen Ermittlungsverfahren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gegen den Ehemann (Täter). An der Abklärung der Motive des Täters</b></span><br/> <span class="ft2"><b>besteht ein höherwertiges Interesse als an der Aufrechterhaltung des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Berufsgeheimnisses.</b></span><br/></div> </div> </body> </html>