B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6302/2011 U r t e i l v o m 1 2 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marie-Chantal May Canellas, Richter Jean-Daniel Dubey, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, vertreten durch Z._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Visum zu Besuchszwecken. C-6302/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1984 geborene Beschwerdeführerin ist vietnamesische Staatsang e- hörige. Am 18. Juli 2011 beantragte sie bei der Schweizerischen Bo t- schaft in Hanoi die Erteilung eines Schengen -Visums für einen geplanten Aufenthalt von 90 Tagen bei ihrem Freund A._______ in Chur. B. Die Schweizer Vertretung wies den Antrag am 23. Juni 2011 mit der B e- gründung ab, die Wiederausreise bei Ablauf der Visumsdauer sei nicht gesichert. Zudem bestünden Zweifel über den Zweck des beabsichtigten Aufenthalts. C. Gegen diese Ablehnung erhob die Beschwerdeführerin am 16. Ju li 2011 eine Einsprache, welche das BFM – nach kantonalen Abklärungen – mit Verfügung vom 27. Oktober 2011 abwies. Zur Begründung führte die Vor- instanz im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin stamme aus einer Region, aus welcher als Folge der dort insb esondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse der Zuwanderungsdruck nach wie vor stark anhalte. Die Erfahrung zeige, dass viele Personen versuchten, in s- besondere auch im westlichen Ausland eine vermeintlich bessere Zukunft aufzubauen. Dies vor allem dann, wenn dort bereits ein familiäres Bezi e- hungsnetz bestehe. Die Beschwerdeführerin sei zudem jung, ledig und habe keine Kinder. Sie verfüge zur Zeit über keine feste Anstellung. Ma n- gels anderer Belege und Umstände sei daher davon auszugehen, dass ihr keine besonderen beruflichen, familiären oder gesellschaftlichen Ve r- pflichtungen oblägen, welche das vorgängig beschriebene Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise als entsprechend gering erscheinen liessen. D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 18. November 2011 gelangten Gast und Gastgeber durch einen Vertreter an das Bundesverwaltungsgericht und liessen um Aufhebung der Verfügung vom 27. Oktober 2011 sowie um Er- teilung eines Visums für X._______ für einen dreimonatigen Besuchsauf- enthalt in der Schweiz ersuchen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, die Zweifel der Vorinstanz an der bekundeten Absicht der Beschwerdeführerin mit Ablauf des Visums wieder fristgerecht auszu- reisen, könnten mit aller Deutlichkeit widerlegt werden. Der Vertreter des Gastgebers könne persönlich garantieren, dass X._______ nach Ablauf C-6302/2011 Seite 3 des Visums fristgerecht wieder ausreisen werde. Die Eingeladene werde auf seine Anordnung hin den Rückflug entsprechend buchen müssen. Des Weiteren wurde in der Beschwerde fe stgehalten, die individuellen Verhältnisse und Kriterien seien massgebend für die Beurteilung derart i- ger Gesuche und nicht die Verhältnisse in einer Region oder in einem Land. Es entspreche auch nicht den Tatsachen, dass X._______ gegen- über ihrem Arbeitgeber in Vietnam keine Verpflichtungen habe. Immerhin stehe sie in einem festen, vertraglich geregelten Arbeitsverhältnis. Von Seiten des Arbeitgebers werde ihr ein dreimonatiger unbezahlter Urlaub gewährt. E. Mit Zwischenverfügung vom 25. November 2011 wurde der Beschwerde- führerin mitgeteilt, es sei zweifelhaft, ob der Gastgeber überhaupt als zur Beschwerde berechtigt betrachtet werden könne, da er am vorangega n- genen Einspracheverfahren nicht beteiligt gewesen sei. Zudem wurde sie aufgefordert, eine Vollmacht nachzureichen. In der Folge reichte sie mit schriftlicher Eingabe vom 3. Dezember 2011 eine Vollmacht ein, welche den jetzigen Mandataren zur Vertretung in der vorliegenden Streitsache ermächtigt. F. Unter Bezugnahme auf den Inhalt ihrer Verfügung beantragt die Vorin- stanz in der Vernehmlassung vom 11. Januar 2012 die Abweisung der Beschwerde. Ein Doppel der Vernehmlassung stellte das Bundesverwa l- tungsgericht der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 19. Januar 2012 zur Kenntnisnahme zu. G. Auf den weiteren A kteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De-C-6302/2011 Seite 4 zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Ver fügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun desverwaltungsgericht en d- gültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, ric h- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur B e- schwerde berechtigt. Auf ihre frist - und formgerecht eingereichte B e- schwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvo llständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2011/1 E. 2 und 2011/43 E. 6.1). 3. Die angefochtene Verfügung bezieht sich auf das Visumsgesuch einer vietnamesischen Staatsangehörigen, die für drei Monate in die Schweiz einreisen möchte, um ihren hier lebenden Freund besuchen zu können. Da sie sich nicht auf die EU/EFTA -Personenfreizügigkeitsabkommen be- rufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt ihr Gesuch in den Anwendungsbereich der Schengen - Assoziierungsabkommen, m it denen die Schweiz den Schengen - Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechts akte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnungen gelangen nur soweit zur C-6302/2011 Seite 5 Anwendung, als di e Schengen -Assoziierungsabkommen keine abwe i- chenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der erwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizeris che Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). D as Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Vo r- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nich t erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Staatsangehörige gewi s- ser Länder benötigen zudem ein Visum (vgl. Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aus sengren- zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind). Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti gen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gült iges Visum für den längerfristi gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 C-6302/2011 Seite 6 vom 13.04.2006, S. 1-32] und Art. 2 der Verordnung [EG] Nr. 562/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. März 2010 zur Ä n- derung des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen und der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 in Bezug auf den Verkehr von Personen mit einem Visum für einen längerfristigen Aufent- halt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1-4]). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge - schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehu n- gen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungs gerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und g e- suchstellende Personen dementsprechend zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausrei- se nicht besteht (Art. 14 Ab s. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG ve r- langt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthalt s- zwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). C-6302/2011 Seite 7 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des n a- tionalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für e r- forderlich, so ist er berechtigt, der dritt staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visak o- dex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 listet diejenigen Staaten auf, deren Staatsangehörige beim Übe r- schreiten der Aussengrenzen der Schengen Mitgliedstaaten im Besitze eines Visums sein müssen (Abl. L 81 vom 21.03.2001, S. 17; zum vol l- ständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV). Da Vie t- nam zu diesen Staaten zählt, unterliegt die Beschwerdeführerin der V i- sumspflicht. 5.2 In der vorinstanzlichen Verfügung vom 27. Oktober 2011 wird geltend gemacht, es bestünden begründete Zweifel an der Absicht der B e- schwerdeführerin, mit Ablauf des Visums wieder fristgerecht auszureisen. Zu der somit im Vordergrund stehenden Frage der gesicherten Wiede r- ausreise könnten jedoch lediglich Prognosen getroffen werden. 5.3 Einreisegesuche von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit pol i- tisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen kö n- nen darauf hindeuten, dass deren persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein - klang steht. Vor diesem Hintergrund ist es der Vorinstanz – entgegen den beschwerdeweisen Vorbringen – nicht vorzuwerfen, dass sie auch auf die allgemeine Situation im Herkunftsland abstellt. Darüber hinaus gilt es, die persönliche Situation des Eingeladenen näher zu betrach ten. Das Beste- hen von beruflichen, gesellschaftlichen oder familiären Verpflichtungen im Heimatland kann die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise b e- günstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die derartige Verpflichtungen C-6302/2011 Seite 8 nicht haben, das Risiko eines über die bewilligte Besuchsdauer hinaus dauernden Verbleibs als hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Die in Richtung Marktwirtschaft gehenden Wirtschaftsreformen Vie t- nams waren in den vergangenen 20 Jahren äusserst erfolgreich. Gemäss Weltbank wuchs die Wirtschaft zwischen 1990 und 2010 im Durchschnitt jährlich um 7.3% und das Pro -Kopf Einkommen hat sich in dieser Zeit verfünffacht. Gemäss Weltbankdefinition ist Vietnam seit Beginn des Jah- res 2011 ein Schwellenland. Eine eindrückliche Errungenschaft für ein Land, das vor 20 Jahren zu den Ärmsten der Welt gehörte. Im Jahr 2011 verzeichnete Vietnam ein Wirtschaftswachstum von 5.9%. Das schnelle Wachstum hat jedoch seinen Preis. Die Situation Ende 2010/Anfang 2011 wies alle Anzeichen der Überhitzung aus: Massiver Einfl uss von auslä n- dischem Kapital, eine stark ansteigende Geldmenge inkl. Kreditauswe i- tung, ein wachsendes Handels - und Haushaltsdefizit, zunehmender Druck auf den Dong, steigende Preise und damit steigende Teuerung. Die Inflation betrug Ende 2011 hohe 18.1%. Diese Inflationsrate macht Vie t- nam zum Land mit der höchsten Teuerung in ganz Asien (Quelle: Staat s- sekretariat für Wirtschaft, < http://www. seco.admin.ch > Themen > Au s- senwirtschaft > Länderinformationen > Asien/Ozeanien > Vietnam [Stand: Februar 2013, besucht im März 2013]). Die Leistungsbilanz Vietnams 2011 ist nur dank grosszügiger Rücküberweisungen von im Ausland tät i- gen Vietnamesen (9 Mrd. USD), ausländischen Investitionen (realisiert 11 Mrd. USD) und Entwicklungshilfeleistungen (3,65 Mrd USD) positiv (Quel- le: Deutsches Auswärtiges Amt, http://www.auswaertiges -amt.de > Au s- sen- und Europapolitik > Länderinformationen > Vietnam > Wirtschaft [Stand: Oktober 2012, besucht im März 2013]). 6.2 Vor diesem Hintergrund manifestiert sich ein Wunsch nach Auswan- derung vor allem bei denjenigen, die von der boomenden Wirtschaft nicht profitieren. Die Entscheidung auszuwandern fällt insbesondere denjen i- gen leichter, die bereits über ein minimales soziales Beziehungsnetz im Ausland verfügen. 6.3 Nebst der allgemeinen Lage im Herkunftsland ist jedoch – wie bereits dargelegt – eine einzelfallbezogene Beurteilung vorzunehmen. Namen t- lich können berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verpflichtungen die Prognose einer anstandslosen Wiederausreise begünstigen. C-6302/2011 Seite 9 6.3.1 Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine bald 29-jährige ledige und kinderlose Frau, die in Ho Chi Minh City lebt. Aus den Akten ergibt sich lediglich, dass auch ihre Eltern und Geschwister dort leben. Nähere Angaben sind nicht ersichtlich. Besch werdeweise wird hingegen explizit geltend gemacht, die Beschwerdeführerin habe keinerlei familiäre oder gesellschaftliche Verpflichtungen im Heimatland, womit aufgrund der in sozialer Hinsicht fehlenden Verantwortung bzw. Abhängigkeit keine besondere Gewähr für eine Rückkehr ins Heimatland besteht. 6.3.2 In wirtschaftlicher Hinsicht wird ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe Verpflichtungen gegenüber ihrem Arbeitgeber. So stehe sie in Vie t- nam in einem festen, vertraglich geregelten Arbeitsverhältnis. Zudem se i ihr von Seiten des Arbeitgebers ein dreimonatiger unbezahlter Urlaub gewährt worden. Dem Visumantrag vom 18. Juli 2011 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zum damaligen Zeitpunkt bei der L._______ Ltd. im "Customer Service" tätig gewesen sei (v gl. Frage 19 und 20). Gemäss einer Befragung vom 22. Juni 2011, welche bei der Schweizer i- schen Vertretung in Hanoi durchgeführt wurde, habe sie ihre damalige Arbeitsstelle im Hinblick auf ihren Aufenthalt in der Schweiz gekündigt. Eine entsprechende Kündigungsbestätigung ("Job quitting decision") liegt den Akten bei (vgl. Schreiben L._______ Ltd. vom 11. Mai 2011). Zwar ist aus den der Beschwerde beigelegten Unterlagen ersichtlich, dass die Be- schwerdeführerin eine neue Arbeitsstelle haben soll, allerdings handelt es sich hierbei lediglich um eine befristete Stelle vom 25. Juli 2011 bis 26. Juli 2012 (undatierter Arbeitsvertrag C._______), die am 7. November 2011 um drei Monate verlängert wurde (vgl. Schreiben der C._______). Abgesehen davon, lässt der Umsta nd, dass die B e- schwerdeführerin ungeachtet der behaupteten beruflichen Verpflichtu n- gen die maximal zulässige Aufenthaltsdauer von drei Monaten voll au s- schöpfen möchte, zweifellos nicht auf eine starke Verwurzelung im B e- rufsleben schliessen. 6.3.3 Nichts abgeleitet werden kann auch aus dem zu den Akten gereic h- ten Kontoauszug für die Zeitspanne vom 9. Mai 2011 bis 17. Juni 2011. Die Beschwerdeführerin war immerhin noch bis am 11. Mai 2011 bei der L._______ Ltd. angestellt, wo sie ein monatliches Gehalt von 3'200'0 00 VND erhalten haben soll (vgl. Arbeitsvertrag L._______ Ltd. vom 1. März 2011). Auf dem Kontoauszug ist jedoch ersichtlich, dass im obgenannten Zeitraum Geldbeträge mit einem Total von 89'069'384 VND auf das Konto einbezahlt wurden. Die diversen Einzahlu ngen wurden nicht näher erlä u- tert, weshalb die Vermutung nahe liegt, dass es sich um Unterstützung s-C-6302/2011 Seite 10 beträge handelt. Dafür spricht auch der Umstand, dass die Beschwerd e- führerin ihre neue Stelle erst am 25. Juli 2011 angetreten hat. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass sie in guten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt. Daran kann auch die eingereichte Bestätigung über den Landbesitz ("rural land") der Beschwerdeführerin nichts ändern, sind darin doch ke i- nerlei Angaben zum Kaufpreis bzw. zum Wert des Bodens ersichtlich. 7. Vor dem aufgezeigten Hintergrund durfte die Vorinstanz zu recht anne h- men, dass die anstandslose Wiederausreise der Beschwerdeführerin nicht gewährleistet sei. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Vertreter ihre Ausreise nach Ablauf des Visums persönlich garantiert und dafür sogar persönlich besorgt sein will. Immerhin kann weder der Gas t- geber noch sonst eine Drittperson für ein bestimmtes Tun oder Unterla s- sens des Gastes einstehen (vgl. BVGE 2009/27 E. 9), weshalb auch die am 20. September 2011 unterzeichnete Verpflichtungserklärung von A._______ am Resultat nichts zu ändern vermag. 8. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gü l- tigkeit (vgl. E. 4.5) werden von der Beschwerdeführerin nicht geltend g e- macht und sind auch sonst nicht ersichtlich. Dem Gastgeber – der sich gemäss Einsprache vom 16. Juli 2011 bereits mehrere Male besuchswe i- se in seinem Heimatland aufgehalten hat – ist es denn auch unbeno m- men, die Beschwerdeführerin in Vietnam zu besuchen. Dort hat sich das Paar im Übrigen auch kennengelernt (vgl. Beschwerde vom 18. Nove m- ber 2011). 9. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtenen Verfügu n- gen im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwe r- de ist daher abzuweisen. 10. Bei die sem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle - ments über die Kos ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-6302/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800. - werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt. Sie werden mit dem bereits in gleicher Höhe geleisteten Koste n- vorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. 16 990 887 retour) – das Amt für Polizeiwesen und Zivilrecht des Kantons Graubünden Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: