Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 16. Juni 2021 (460 20 198) ____________________________________________________________________ Strafrecht Fahrlässige schwere Körperverletzung, fahrlässige Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin A.____ , vertreten durch Advokat Daniel Tschopp, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel, Privatkläger und Berufungskläger gegen B.____ , vertreten durch Advokatin Jessica Baltzer, Bordeaux-Strasse 5, 4053 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger C.____ , vertreten durch Advokat Gabriel Giess, Oberwilerstrasse 3, 4123 Allschwil, Beschuldigter und Anschlussberufungskläger Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____ , vertreten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen, Beschuldigter Gegenstand Fahrlässige schwere Körperverletzung etc. (Berufungen und Anschlussberufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 5. Juni 2020) A.a Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 5. Juni 2020 wurde B.____ der fahrlässigen schweren Körperverletzung, der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde sowie des Führens eines Motorfah rzeuges in qualifiziert fahrunfähigem Zustand schuldig erklärt und ‒ als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsan walt- schaft Basel-Landschaft vom 13. Februar 2015 ‒ zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu je CHF 100.--, bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 500.-- (bzw. zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von fünf Tagen im Falle schuldhafter Nicht- bezahlung der Busse) verurteilt; dies in Anwendung von Art. 125 Abs. 2 StGB, Art. 229 Abs. 2 StGB, Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG (in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG, Art. 55 Abs. 6 SVG, Art. 2 Abs. 1 VRV sowie Art. 2 lit. b der Verordnung der Bundesversammlung über Alkohol- grenzwerte im Strassenverkehr), Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 4 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 106 StGB. Demgegenüber wurde B.____ von der Anklage der versuchten Begünstigung freigesprochen. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass ein allfäl- liger Widerruf des bedingten Vollzugs der am 29. Okto ber 2013 von der Staatsanwaltschaft Ba- sel-Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, ausgesprochene n Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 60.--, bei einer Probezeit von drei Jahren, zufolge Fristablaufs gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB ausgeschlossen ist. Die B.____ betreffenden Verfahre nskosten, bestehend aus den Kos- ten des Vorverfahrens von CHF 2'446.65 und der Gerichts gebühr von CHF 1'200.--, gingen in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO im Umfang von 9/10 zu Lasten des Beschuldigten und im Umfang von 1/10 zu Lasten des Staates. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in der Höhe von CHF 10'937.75 wurde ‒ unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung gemäss Art. 135 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 4 StPO im Umfang von 9/10 ‒ aus der Gerichtskasse entrichtet. Auf die Begründung die - ses Urteils ‒ sowohl in Bezug auf den Beschuldigten B.____ wie auch hinsichtlich den weiteren zwei Beschuldigten und des Privatklägers ‒ wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägun- gen eingegangen; gleiches gilt für die nachfolgenden Rechtsschriften der Parteien. A.b Mit gleichem Urteil vom 5. Juni 2020 wurde der Beschul digte C.____ von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung sowie der fahrlässi gen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde freigesprochen. Infolgedessen wurden die C.____ betreffenden Ver- fahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'196.65 und der Ge- richtsgebühr von CHF 1'000.--, zu Lasten des Staates gen ommen. Von den Kosten der Wahl- verteidigung ging in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit . a StPO ein Betrag in der Höhe von CHF 17'160.75 zu Lasten des Staates. Der Antrag des B eschuldigten auf eine darüber hinaus- gehende Parteientschädigung wurde abgewiesen. A.c Ebenfalls mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 5 . Juni 2020 wurde sodann der Be- schuldigte D.____ von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung sowie der fahr- lässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde freigesprochen. Die ihn betref- fenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'196.65 und der Gerichtsgebühr von CHF 1'000.--, wurden ebenfalls zu Lasten des Staates genommen. Von den Kosten der Wahlverteidigung von D.____ ging in An wendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO ein Betrag in der Höhe von CHF 16'327.05 zu Lasten des Staates. Der Antrag des Be- schuldigten auf eine darüber hinausgehende Parteientschädigung wurde ebenso abgewiesen. A.d Schliesslich wurde mit nämlichem Urteil erkannt, dass d ie Zivilforderung des Privatklägers A.____ gegen den Beschuldigten B.____ auf den Zivilwe g verwiesen und diejenige gegen die beiden Beschuldigten C.____ und D.____ abgewiesen wird. Zudem wurde dem Privatkläger per 6. Januar 2020 die unentgeltliche Verbeiständung mit A dvokat Daniel Tschopp bewilligt und Letzterem ein Honorar in der Höhe von CHF 2'752.05 aus der Gerichtskasse entrichtet; dies unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beschuld igten B.____ nach Art. 426 Abs. 4 StPO im Umfang von CHF 1'376.05. Ausserdem wurde B.__ __ gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 5'242.1 0 (entsprechend der Hälfte der bis zum 6. Januar 2020 angefallenen Kosten von CHF 10'484.1 5) an den Privatkläger A.____ ver- urteilt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 5. Jun i 2020 meldete der Beschuldigte B.____ mit Datum vom 9. Juni 2020 die Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 3. Sep- tember 2020 begehrte B.____ was folgt: Er sei in tei lweiser Abänderung des angefochtenen Urteils von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperver letzung sowie der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde f reizusprechen (Ziff. 1). Demnach sei die Zivilforderung des Privatklägers abzuweisen, eventual iter sei diese auf den Zivilweg zu ver- weisen (Ziff. 2). Dies unter o/e Kostenfolge nach Massgab e des Durchdringens der gestellten Anträge, wobei dem Berufungskläger aufgrund der bewil ligten amtlichen Verteidigung eine Par- teientschädigung gemäss Aufstellung zuzusprechen sei (Ziff . 3). In seiner Berufungsbegrün- dung vom 17. November 2020 beantragte der Beschuldigte B.____ Folgendes: Er sei in teilwei- ser Abänderung des angefochtenen Urteils von der Anklage der fahrlässigen schweren Körper- verletzung sowie der fahrlässigen Gefährdung durch Verl etzung der Regeln der Baukunde frei- zusprechen und lediglich wegen Fahrens eines Motorfahrzeu gs in fahrunfähigem Zustand zu verurteilen (Ziff. 1). Es sei eine Geldstrafe von 30 Ta gessätzen zu je CHF 100.--, bedingt voll- ziehbar, bei einer Probezeit von zwei Jahren, auszusprech en (Ziff. 2), und es sei die Zivilforde- rung des Privatklägers abzuweisen (Ziff. 3). Dies unter o/e Kostenfolge nach Massgabe des Durchdringens der gestellten Anträge, wobei dem Beruf ungskläger aufgrund der bewilligten amtlichen Verteidigung eine Parteientschädigung gemäs s Aufstellung zuzusprechen sei (Ziff. 4). C. Desgleichen meldete die Staatsanwaltschaft Basel-Landsc haft, Allgemeine Hauptabtei- lung, mit Schreiben vom 10. Juni 2020 die Berufung an . In ihrer Berufungserklärung vom 3. September 2020 brachte die Staatsanwaltschaft fol gende Rechtsbegehren vor: Es sei B.____ unter teilweiser Abänderung bzw. Ergänzung von Ziffer I.1.a und 1.b des angefochtenen Urteils der fahrlässigen schweren Körperverletzung, der f ahrlässigen Gefährdung durch Verlet- zung der Regeln der Baukunde, des Führens eines Motorfahrzeugs in qualifiziert fahrunfähigem Zustand sowie zusätzlich der versuchten Begünstigung schuld ig zu sprechen und zu einer be- dingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je weils CHF 100.-- sowie zu einer Bus- se von CHF 800.-- zu verurteilen (Ziff. I). Ferner sei C.____ unter Aufhebung von Ziffer II. des angefochtenen Urteils der fahrlässigen schweren Körperver letzung sowie der fahrlässigen Ge- fährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde schuldig zu sprechen und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu jeweils C HF 150.-- sowie zu einer Busse von Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 3'000.-- zu verurteilen (Ziff. II). Ebenso sei der Beschuldigte D.____ unter Aufhebung von Ziffer III. des angefochtenen Urteils der fahrlässigen schweren Körperverletzung sowie der fahr- lässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Bau kunde schuldig zu sprechen und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätze n zu jeweils CHF 280.-- sowie zu einer Busse von CHF 5'000.-- zu verurteilen (Ziff. III). In ihrer Berufungsbegründung vom 5. No- vember 2020 hielt die Staatsanwaltschaft an ihren vorgebrachten Begehren fest. D. Gleichermassen meldete der Privatkläger A.____ mit Schr eiben vom 12. Juni 2020 die Berufung an und stellte sodann in seiner Berufungserklä rung vom 10. September 2020 folgen- de Anträge: Es sei der Beschuldigte B.____ in Bestätig ung des erstinstanzlichen Urteils wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie wegen fahr lässiger Gefährdung der Regeln der Baukunde [recte: fahrlässiger Gefährdung durch Verletzun g der Regeln der Baukunde] zu ver- urteilen (Ziff. 1). Des Weiteren sei der Beschuldigte C.____ in Abänderung des erstinstanzli- chen Urteils wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie wegen fahrlässiger Gefähr- dung der Regeln der Baukunde [recte: fahrlässiger Gefä hrdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde] zu verurteilen (Ziff. 2). Sodann seien die beiden Beschuldigten B.____ und C.____ in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils in s olidarischer Verbindung hinsichtlich des dem Privatkläger aufgrund des Unfallereignisses vom 13. Mai 2014 entstandenen Schadens und Genugtuungsanspruchs dem Grundsatz nach als haftpf lichtig mit einer Haftungsquote von 100 % zu verurteilen. Bezüglich der Höhe der Zivilfor derung (Schadenersatz und Genugtuung) sei diese auf den Zivilweg zu verweisen (Ziff. 3). Dies a lles unter o/e Kostenfolge zu Lasten der Beschuldigten (Ziff. 4), wobei dem Privatkläger die u nentgeltliche Rechtspflege für das Beru- fungsverfahren zu gewähren sei (Ziff. 5). In seiner (e rgänzenden) Berufungsbegründung vom 9. Dezember 2020 hielt auch der Privatkläger an seinen bereits gestellten Anträgen fest. E. Der Beschuldigte C.____ erklärte mit Eingabe vom 1. Oktober 2020 die Anschlussberu- fung mit folgenden Anträgen: Es sei das Urteil des Str afgerichtspräsidiums vom 5. Juni 2020 im Grundsatz zu bestätigen und insofern zu ändern, als ihm eine Entschädigung zufolge Geringfü- gigkeit verweigert worden sei. Demzufolge sei ihm eine Entschädigung von CHF 110.60 für das erstinstanzliche Verfahren zuzusprechen. Dazu kämen die A uslagen für das Berufungsverfah- ren, welche noch nicht beziffert werden könnten. Zudem sei ihm eine angemessene Genugtu- ung in der Höhe von CHF 1'000.-- (zuzüglich Zins von 5 % seit dem 1. Februar 2018) zuzuspre- chen (Ziff. 1). Demgegenüber seien die Berufungen de r Staatsanwaltschaft und der Privatklä- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gerschaft vollumfänglich abzuweisen (Ziff. 2); dies al les unter o/e Kostenfolge zu Lasten des Staates bzw. der Privatklägerschaft (Ziff. 3). Mit Datum vom 8. Dezember 2020 reichte der Be- schuldigte C.____ seine Anschlussberufungsbegründung ein, in welcher ebenfalls er an seinen Begehren festhielt. F. In ihrer Berufungsantwort und Anschlussberufungsantwor t vom 21. Dezember 2020 be- gehrte die Staatsanwaltschaft unter Aufrechterhaltung ihrer eigenen Anträge die vollumfängli- che Abweisung der Berufung des Beschuldigten B.____ wie auch die vollumfängliche Abwei- sung der Anschlussberufung des Beschuldigten C.____. G. Der Beschuldigte B.____ beantragte in seiner Berufun gsantwort vom 4. Januar 2021, es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft, soweit sie ihn betreffe, unter o/e Kostenfolge vollum- fänglich abzuweisen (Ziff. 1 und 3); entsprechend sei der Freispruch der Vorinstanz in Bezug auf die Anklage der versuchten Begünstigung zu bestätigen (Ziff. 2). H. Mit Eingabe vom 10. Februar 2021 reichte der Privatklä ger seine Berufungsantwort zur Berufung des Beschuldigten B.____ ein, ohne dabei explizite Rechtsbegehren zu stellen. I. Der Beschuldigte D.____ beantragte in seiner Berufung santwort vom 10. Februar 2021 die Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft unter o/e Kostenfolge. J. Der Beschuldigte C.____ begehrte in seiner Berufungsa ntwort vom 11. Februar 2021 die vollumfängliche Abweisung der gegen ihn gerichteten B erufungen unter Kosten- und Entschä- digungsfolge zu Lasten des Staates bzw. zu Lasten des Privatklägers. K. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abte ilung Strafrecht, vom 8. Oktober 2020 wurde festgestellt, dass der Beschuldigte D.____ weder Berufung noch An- schlussberufung erhoben hat. Des Weiteren wurde mit nämlicher Verfügung dem Beschuldigten B.____ die amtliche Verteidigung mit Advokatin Jessica Ba ltzer für das zweitinstanzliche Ver- fahren bewilligt. Gleichermassen wurde dem Privatkläger A.____ die unentgeltliche Rechtspfle- ge mit Advokat Daniel Tschopp als unentgeltlichem Rech tsbeistand für das zweitinstanzliche Verfahren bewilligt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht L. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 14. Juni 2021 sind Sandra Altherr als Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Advokat Daniel Tschopp als unen tgeltlicher Rechtsbeistand des Privat- klägers A.____, der Beschuldigte B.____ mit seiner am tlichen Verteidigerin Advokatin Jessica Baltzer, der Beschuldigte C.____ mit seinem Wahlvertei diger Advokat Gabriel Giess sowie der Beschuldigte D.____ mitsamt seiner Rechtsvertreterin MLa w Hanna Bay als Substitutin seines Wahlverteidigers Advokat Dr. Christian von Wartburg anw esend. Auf die von den Anwesenden getätigten Ausführungen wird wiederum, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgericht s, Abteilung Strafrecht, als Beru- fungsinstanz zur Beurteilung der vorliegenden drei Ber ufungen und der Anschlussberufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erst instanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzun gen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsv erzögerung (lit. a), die un- vollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in al len angefochtenen Punkten umfassend über- prüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 A bs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Be- rufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen se it Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgeri cht innert 20 Tagen seit der Zustel- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufun gserklärung einzureichen. Die Anschluss- berufung ist Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO folgend inn erhalb von 20 Tagen seit Empfang der Beru- fungserklärung schriftlich zu erklären. Die Legitimation der Staatsanwaltschaft zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 381 Abs. 1 StPO und diej enige der beiden Beschuldigten sowie des Privatklägers in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Nac hdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, sowohl die S taatsanwaltschaft als auch die beiden Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschuldigten und der Privatkläger berufungs- bzw. anschl ussberufungslegitimiert sind, zuläs- sige Rügen erheben und die Rechtsmittelfristen gewahrt haben sowie der Erklärungspflicht nachgekommen sind, ist im Folgenden ohne Weiteres auf a lle vier Rechtsmittel (Berufung der Staatsanwaltschaft, des Privatklägers und des Beschuldigten B.____ sowie Anschlussberufung des Beschuldigten C.____) einzutreten. 1.2 a) Gegen das erstinstanzliche Urteil haben sowohl die beid en Beschuldigten B.____ und C.____ als auch die Staatsanwaltschaft und der Privatkläg er ein Rechtsmittel ergriffen. Dabei begehrt die Staatsanwaltschaft in ihrer Berufung bezü glich des Beschuldigten B.____ eine zu- sätzliche Verurteilung wegen versuchter Begünstigung un d eine Erhöhung des Strafmasses, betreffend den Beschuldigten C.____ eine Verurteilung wegen fahrlässiger schwerer Körperver- letzung und wegen fahrlässiger Gefährdung durch Verlet zung der Regeln der Baukunde sowie hinsichtlich des Beschuldigten D.____ ebenfalls eine Ver urteilung wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung und wegen fahrlässiger Gefährdung dur ch Verletzung der Regeln der Bau- kunde. Der Privatkläger beantragt in seiner Berufung ei ne Verurteilung des Beschuldigten C.____ wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung und wegen fahrlässiger Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde sowie eine Ver urteilung der beiden Beschuldigten B.____ und C.____ dem Grundsatz nach zur Leistung von Entschädigung und Genugtuung in solidarischer Verbindung mit einer Haftungsquote von 1 00 %. Demgegenüber strebt der Be- schuldigte B.____ in seiner Berufung einen Freispruch von der Anklage der fahrlässigen schwe- ren Körperverletzung und der fahrlässigen Gefährdung du rch Verletzung der Regeln der Bau- kunde sowie in deren Folge die Abweisung der Zivilford erungen des Privatklägers bzw. deren Verweisung auf den Zivilweg an. Der Beschuldigte C.___ _ schliesslich begehrt mit seiner An- schlussberufung die Zusprechung einer zusätzlichen Entschä digung sowie von Genugtuung. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO bilden im vorliegend en Berufungsverfahren nur noch die vor- gängig genannten Punkte Gegenstand der richterlichen Üb erprüfung (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). b) Namentlich nicht mehr zu prüfen sind damit: der Schuld spruch gegen den Beschuldigten B.____ wegen Führens eines Motorfahrzeuges in qualifiziert fahrunfähigem Zustand (Dispositiv- Ziffer I.1.a); die Feststellung, dass ein allfälliger Widerruf des bedingten Vollzugs der am 29. Oktober 2013 von der Staatsanwaltschaft Basel-Land schaft gegen den Beschuldigten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____ ausgesprochenen Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 60.--, bei einer Probezeit von drei Jahren, zufolge Fristablaufs gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB ausgeschlossen ist (Disposi- tiv-Ziffer I.2); die Festsetzung der Entschädigung an di e amtliche Verteidigerin des Beschuldig- ten B.____, Advokatin Jessica Baltzer, im Betrag von CHF 1 0'937.75 (gemäss Dispositiv-Ziffer I.3.b); die Abweisung des Antrags des Beschuldigten D .____ auf eine über den Betrag von CHF 16'327.05 hinausgehende Parteientschädigung (gemä ss Dispositiv-Ziffer III.2.b); die Ab- weisung der Zivilforderung des Privatklägers A.____, sowei t sie sich gegen den Beschuldigten D.____ richtet (Dispositiv-Ziffer IV.1); sowie die Festl egung der Entschädigung an den unent- geltlichen Rechtsbeistand des Privatklägers A.____, Advokat Daniel Tschopp, im Betrag von CHF 2'752.05 (gemäss Dispositiv-Ziffer IV.2.a). 2. Ausführungen der Parteien 2.1.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung ihrer Beru fung im Wesentlichen Folgendes aus: (...) 2.1.2 In ihrer Berufungsantwort legt die Staatsanwaltschaft dar: (...) 2.2.1 Der Privatkläger begründet seine Berufung im Wesentlichen folgendermassen: (...) 2.2.2 In seiner Berufungsantwort legt der Privatkläger dar: (...) 2.3.1 Der Beschuldigte B.____ erörtert zur Begründung seiner Berufung Folgendes: Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht (...) 2.3.2 In seiner Berufungsantwort tut der Beschuldigte B.____ dar: (...) 2.4.1 Der Beschuldigte C.____ führt zur Begründung seiner Anschlussberufung aus: (...) 2.4.2 In seiner Berufungsantwort legt der Beschuldigte C.____ dieses dar: (...) 2.5 Der Beschuldigte D.____ schliesslich begründet seine Ber ufungsantwort so: (...) 3. Verfahrensgrundsätze, Beweiswürdigung und Sachve rhalt 3.1 a) Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urteilen- de Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner p ersönlichen Überzeugung aufgrund ge- wissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Ge- richt trifft sein Urteil unabhängig von der Zahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tat- sache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Form des Beweismi ttels (R OBERT HAUSER / ERHARD SCHWERI / KARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 2005, § 54 N 3 f., mit Hinweisen). Beweise frei zu w ürdigen heisst, Beweismittel gewissenhaft und unvoreingenommen auf ihre spezifische Glaubwürdigk eit und ihren individuellen Beweis- wert hin zu beurteilen, um daraus Schlüsse auf das tats ächlich Geschehene zu ziehen. Das Gebot der freien Beweiswürdigung verweist damit auf d ie zentrale Aufgabe der Strafbehörden, die historischen Fakten zu ermitteln. Das Gericht darf die Beurteilung dessen, was tatsächlich Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorgefallen ist, nicht nach generell-abstrakten Vorgabe n, sondern nur frei, in Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls und nach pflichtg emässem Ermessen vornehmen. Es gibt keinen "numerus clausus" der Beweismittel. Alle zul ässigen und verwertbaren Beweismittel sind formell gleichrangig; Überzeugungskraft entfalten si e einzig im Umfang ihrer inneren Auto- rität (THOMAS HOFER , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung , 2. Auflage, Basel 2014, N 47 ff. zu Art. 10 StPO, mit Hinweisen). b) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 BV (bzw. Art. 4 aBV) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EM RK verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, da ss der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO ). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime ausserdem, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschul- digten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf , wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Art. 10 Abs. 3 StPO). Die Be- weiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel hande ln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87 E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Der "In-dubio"-Grundsatz findet auf die Frage, welche Bew eismittel zu berücksichtigen und wie sie gegebenenfalls zu würdigen sind, keine Anwendung. So s tellt das Gericht bei sich widerspre- chenden Beweismitteln nicht unbesehen auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis ab. Der fragliche Grundsatz wird erst anwendbar, nachdem a lle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdi- gung als Ganzem relevante Zweifel verbleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1 f., mit Hinweisen; BGer 6B_299/2020 vom 13. November 2020 E. 2.2.2; 6B_910/2019 vom 15. Juni 2020 E. 2.3.3; 6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1; je mit Hinweisen). c) Der in Art. 29 Abs. 2 BV gewährleistete Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörden die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsäch- lich hören, prüfen und in der Entscheidfindung berücksicht igen. Die Behörde darf sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte und Leitlinien beschränken un d braucht sich nicht mit jedem sachverhaltsdienlichen oder rechtlichen Einwand auseinanderzusetzen (BGE 137 II 266 E. 3.2, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Hinweisen; BGer 6B_627/2012 vom 18. Juli 2013 E. 2.5). Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen , für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verwei- sen, wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfahre n vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER / RETO NADIG / REBECCA SCHNEEBELI , in: Zürcher Kommentar zur Schweizeri- schen Strafprozessordnung, 3. Auflage, Zürich 2020, N 10 zu Art. 82 StPO). 3.2 a) Bei der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalt s sind insbesondere folgende Be- weise und Indizien zu würdigen: Die Aussagen des Beschul digten B.____ anlässlich der Ein- vernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 16. Dezember 2016 (act. 753 ff.), anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit den beiden Mitbeschuldi gten durch die Staatsanwaltschaft vom 5. Februar 2019 (act. 859 ff.), anlässlich der Konfron tationseinvernahme mit dem Privatkläger durch die Staatsanwaltschaft vom 6. Mai 2019 (act. 889 ff.), anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 28. Mai 2019 (act. 943 ff .), anlässlich der erstinstanzlichen Haupt- verhandlung vom 4. und 5. Juni 2020 (act. S 327 ff.) und anlässlich der Berufungsverhandlung (Protokoll KG), diejenigen des Beschuldigten C.____ an lässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 14. Mai 2018 (act. 809 ff.), anl ässlich der Konfrontationseinvernahme mit den beiden Mitbeschuldigten durch die Staatsanwal tschaft vom 5. Februar 2019 (act. 859 ff.), anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhan dlung vom 4. und 5. Juni 2020 (act. S 327 ff.) sowie anlässlich der Berufungsverhandlung (Protokoll KG), die Depositionen des Beschuldigten D.____ anlässlich der Einvernahme durch d ie Staatsanwaltschaft vom 18. Mai 2018 (act. 839 ff.), anlässlich der Konfrontationseinve rnahme mit den beiden Mitbeschuldigten durch die Staatsanwaltschaft vom 5. Februar 2019 (act. 859 ff.), anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. und 5. Juni 2020 (act. S 327 f f.) sowie anlässlich der Berufungsver- handlung (Protokoll KG), die Depositionen des Privatklägers als Auskunftsperson anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 2. Februar 2018 (act. 773 ff.) und anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten B.__ __ durch die Staatsanwaltschaft vom 6. Mai 2019 (act. 889 ff.), das Schreiben von C.____ a n den Rechtsvertreter des Privatklägers vom 13. Februar 2015 (act. 837), der Unfallrapport de r SUVA vom 2. Juli 2014 (act. 421 f.), Stellungnahmen der SUVA vom 19. Juli 2018 (act. 495 ff.) und vom 14. März 2019 (act. 517 f.) sowie schliesslich zahlreiche medizinische Berichte des Uni versitätsspitals Basel, Traumatolo- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht gie (act. S 113 ff.). Nicht vorhanden ist insbesondere ein Polizeibericht zum Unfallgeschehen, da diese nicht beigezogen worden ist. b) Im Hinblick auf die tatsächliche Ermittlung des massgebli chen Sachverhalts wird ‒ unter Beachtung der vorgängig dargelegten Maxime "in dubio p ro reo" ‒ gestützt auf die Anklage- schrift der Staatsanwaltschaft vom 2. September 2019 un d grundsätzlich dem systematischen Aufbau des angefochtenen Urteils und den Erwägungen des Strafgerichts folgend bei der spezi- fischen Prüfung der konkreten Anklagepunkte unter Würdi gung der diesbezüglichen Darlegun- gen der Parteien im Einzelnen auf die rechtserheblichen Beweise und Indizien eingegangen. 4. Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverle tzung 4.1 a) Nach Art. 125 StGB wird, auf Antrag, mit Freiheitsst rafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder a n der Gesundheit schädigt (Abs. 1). Ist die Schädigung schwer, so wird der Täter von Amtes we gen verfolgt (Abs. 2). Schwer ist die Körperverletzung, wenn sie dem objektiven Tatbestand von Art. 122 StGB entspricht (S TEFAN TRECHSEL / CHRISTOPHER GETH , in: Trechsel / Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafges etzbuch, Praxiskommentar, 4. Auflage, Zürich / St. Gallen 2021, N 3 zu Art. 125 StGB, mit Hinweisen). Eine schwere Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB bege ht, wer einen Menschen lebensge- fährlich verletzt, wer den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsun- fähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eine s Menschen arg und bleibend ent- stellt, oder wer eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geisti- gen Gesundheit eines Menschen verursacht. Bei der lebe nsgefährlichen Verletzung muss die Lebensgefahr eine unmittelbare sein. Es muss ein Zustan d herbeigeführt worden sein, in dem sich die Möglichkeit des Todes dermassen verdichtet, dass sie zur ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit geworden ist. Die Lebensgefahr muss die Folge der Verletzung selbst, nicht der Verletzungsmethode sein (ANDREAS ROTH / ANNE BERKEMEIER , in: Basler Kommentar, Straf- recht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 5 ff. zu Art. 122 StGB, mit Hinweisen). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtw idrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Gestützt auf Art. 11 Abs. 1 StGB kann ein Verbrechen oder Vergehen auch durch pflichtwidriges Untä tigbleiben begangen werden. Nach Abs. 2 von Art. 11 StGB bleibt pflichtwidrig untätig, wer die Gefährdung oder Verletzung eines strafrechtlich geschützten Rechtsgutes nicht verhindert, obwohl er aufgrund seiner Rechtstel- lung dazu verpflichtet ist, namentlich auf Grund: de s Gesetzes (lit. a); eines Vertrages (lit. b); einer freiwillig eingegangenen Gefahrengemeinschaft (lit. c); oder der Schaffung einer Gefahr (lit. d). Ein Schuldspruch wegen Fahrlässigkeit (vgl. zu m Ganzen BGer 6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 3.4 sowie 6B_435/2015 vom 16. Dezember 2015 E. 3.1) setzt voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfalt spflicht verursacht hat. Ein Verhalten ist sorgfaltswidrig, wenn der Täter im Zeitpunkt der Tat a ufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die Gefährdung der Rechtsgü ter des Opfers hätte erkennen kön- nen und müssen, und wenn er zugleich die Grenzen des e rlaubten Risikos überschritten hat. Das Mass der im Einzelfall zu beachtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der Unfallverhü- tung und der Sicherheit dienende Normen ein bestimmte s Verhalten gebieten, in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 143 IV 138 E. 2.1). Fe hlen solche, kann auf Regeln privater o- der halbprivater Vereinigungen oder auf allgemeine R echtsgrundsätze, wie etwa den allgemei- nen Gefahrensatz, abgestellt werden (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 134 IV 193 E. 7.2; 130 IV 7 E. 3.3; 127 IV 62 E. 2d; 118 IV 130 E. 3a; je mit Hinweisen). Die zum Erfolg führenden Geschehensab- läufe müssen für den konkreten Täter mindestens in ihre n wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Masssta b der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf d er Dinge und den Erfahrungen des Le- bens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführ en oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschul- den des Opfers beziehungsweise eines Dritten oder Materia l- oder Konstruktionsfehler, als Mit- ursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht hat gerec hnet werden müssen und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erschei- nen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren – n amentlich das Verhalten der beschul- digten Person – in den Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 131 IV 145 E. 5.1; 130 IV 7 E. 3.2; 127 IV 62 E. 2d; je mit Hinweisen). Damit de r Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten des Täters zurückzuführen ist, wird weiter v orausgesetzt, dass der Erfolg vermeidbar Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen ist. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlau f untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit ein em hohen Grad an Wahrscheinlich- keit die Ursache des Erfolgs gebildet hat (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 130 IV 7 E. 3.2; je mit Hinwei- sen). Bei einem Unterlassungsdelikt (Art. 11 StGB) ist der hypothetische Kausalzusammenhang zwischen Unterlassung und Erfolg anzunehmen, wenn bei Vo rnahme der gebotenen Handlung der Erfolg mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit nicht eingetreten wäre. Die blosse Mög- lichkeit des Nichteintritts des Erfolgs bei Vornahme d er gebotenen Handlung reicht zur Beja- hung dieses hypothetischen Zusammenhangs nicht aus (BGE 117 IV 130 E. 2a; 116 IV 182 E. 4a; 115 IV 189 E. 2; BGer 6B_800/2010 vom 24. Feb ruar 2011 E. 6; je mit Hinweisen). Ob ein hypothetischer Kausalzusammenhang gegeben ist, betr ifft eine Tatfrage, sofern die ent- sprechende Schlussfolgerung auf dem Weg der Beweiswürdi gung aus konkreten Anhaltspunk- ten getroffen worden ist und nicht ausschliesslich auf al lgemeiner Lebenserfahrung beruht (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.3; 127 III 453 E. 5d mit Hinweisen; BGer 6B_342/2012 vom 8. Januar 2013 E. 6.3 und 6B_779/2009 vom 12. April 2010 E. 3.3.2). c) Gestützt auf Art. 328 Abs. 2 OR (wonach der Arbeitgebe r zum Schutz von Leben, Ge- sundheit und persönlicher Integrität der Arbeitnehmend en die Massnahmen zu treffen hat, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes angemessen sind, soweit es ihm billigerw eise zugemutet werden kann) sowie Art. 82 Abs. 1 UVG (wonach der Arbeitgeber zur Verhüt ung von Berufsunfällen und Berufs- krankheiten alle Massnahmen zu treffen hat, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den gegebenen Verhält nissen angemessen sind) ist der Ar- beitgeber verpflichtet, Massnahmen zur Verhütung von B erufsunfällen zu ergreifen. Diese Pflicht begründet eine grundsätzliche Garantenstellung des Arbeitgebers. Ferner sind Perso- nen, welche im Rahmen der Leitung oder Ausführung von Bauwerken Gefahren schaffen, an- gehalten, für ihren Verantwortungsbereich die Sicherh eitsregeln einzuhalten (sogenannte Ga- rantenstellung aus Ingerenz). Für die auf dem Bau zu be achtenden Sicherheitsvorschriften sind insbesondere die Verordnung vom 29. Juni 2005 über die Sicherheit und den Gesundheits- schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Baua rbeiten (BauAV) und die Verordnung vom 19. Dezember 1983 über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV) mass- gebend. Zu den Aufgaben der Bauleitung zählen die K oordination und Überwachung der ge- samten Bauarbeiten. Sie muss die durch die Umstände gebo tenen Sicherheitsvorkehrungen Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht anordnen und generell für die Einhaltung der anerkan nten Regeln der Baukunde sorgen. Die Bauleitung muss die Bauarbeiter sorgfältig auswählen, ihnen die notwendigen Anleitungen er- teilen und sie überwachen. Wesentliche Entscheide hat si e selber zu treffen. Eine Pflicht zur permanenten Überwachung erfahrener Mitarbeiter besteh t hingegen nicht (BGer 1C_4/2012 vom 19. April 2012 E. 5.3; 6B_566/2011 vom 13. März 20 12 E. 2.3.3; 6B_1016/2009 vom 11. Februar 2010 E. 5.2; je mit Hinweisen). d) Nach Art. 3 Abs. 1 VUV muss der Arbeitgeber zur Wahrun g und Verbesserung der Ar- beitssicherheit alle Anordnungen erteilen und alle Sch utzmassnahmen treffen, die den Vor- schriften dieser Verordnung und den für seinen Betrieb zusätzlich geltenden Vorschriften über die Arbeitssicherheit sowie im Übrigen den anerkannte n sicherheitstechnischen und arbeitsme- dizinischen Regeln entsprechen. Können Unfall- und Ges undheitsgefahren durch technische oder organisatorische Massnahmen nicht oder nicht vollständ ig ausgeschlossen werden, so muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmern zumutbare und w irksame persönliche Schutzausrüs- tungen wie Schutzhelme, Haarnetze, Schutzbrillen, Schu tzschilde, Gehörschutzmittel, Atem- schutzgeräte, Schutzschuhe, Schutzhandschuhe, Schutzkleidung, S chutzgeräte gegen Absturz und Ertrinken, Hautschutzmittel sowie nötigenfalls auch besondere Wäschestücke zur Verfü- gung stellen. Er muss dafür sorgen, dass diese jederzeit b estimmungsgemäss verwendet wer- den können (Art. 5 Abs. 1 VUV). Gemäss Art. 6 Abs. 1 V UV sorgt der Arbeitgeber dafür, dass alle in seinem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der dort tätigen Arbeitnehmer eines anderen Betriebes, ausreichend und angemessen info rmiert und angeleitet werden über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren sow ie über die Massnahmen der Arbeitssicher- heit. Gestützt auf Art. 6 Abs. 3 VUV sorgt der Arbeit geber dafür, dass die Arbeitnehmer die Massnahmen der Arbeitssicherheit einhalten. Die Norm vo n Art. 7 VUV beinhaltet, dass der Arbeitgeber, welcher einen Arbeitnehmer mit bestimmte n Aufgaben der Arbeitssicherheit be- traut hat, diesen in zweckmässiger Weise aus- und weiterb ilden sowie ihm klare Weisungen und Kompetenzen erteilen muss (Abs. 1). Ausserdem entb indet die Übertragung solcher Auf- gaben an einen Arbeitnehmer den Arbeitgeber nicht vo n seinen Verpflichtungen zur Gewähr- leistung der Arbeitssicherheit (Abs. 2). Nach Art. 17 V UV sind Dächer, die aus betrieblichen Gründen oft betreten werden müssen, so zu gestalten, da ss sie von den Arbeitnehmern sicher begangen werden können (Abs. 1). Bevor andere Dächer betreten werden, sind Massnahmen zu treffen, die den Absturz von Arbeitnehmern verhinder n (Abs. 2). Art. 8 Abs. 1 BauAV legt fest, dass die Arbeitsplätze sicher und über sichere Verke hrswege zu erreichen sein müssen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach Art. 8 Abs. 2 BauAV gehören zur Gewährleistung der Sicherheit der Arbeitsplätze und Verkehrswege insbesondere folgende Massnahmen gemäss lit . a-h: unter anderem sind Ab- sturzsicherungen im Sinne der Artikel 15-19 anzubringen (lit. a). Ferner sind bei nicht durch- bruchsicheren Flächen, Bauteilen und Abdeckungen Abschrankungen anzubringen oder andere Massnahmen zu treffen, damit sie nicht versehentlich bega ngen werden; nötigenfalls sind sie mit tragfähigen Abdeckungen oder Laufstegen zu überbrü cken (lit. b). Ausserdem sind be- schränkt durchbruchsichere Flächen als solche zu kennzeichnen (l it. c). Gemäss Art. 19 Abs. 1 BauAV gilt, dass dort, wo das Anbringen eines Seiten schutzes nach Artikel 16 oder eines Ge- rüstes nach Artikel 18 technisch nicht möglich oder zu gefährlich ist, Fanggerüste, Auffangnetze oder Seilsicherungen zu verwenden oder gleichwertige Schutzmassnahmen zu treffen sind. Bei Arbeiten, die gesamthaft pro Dach weniger als zwei Personenarbeitstage dauern und bei denen die Absturzhöhe mehr als drei Meter beträgt, genügen bei Dachneigungen bis 40° Massnahmen nach Artikel 19 (Art. 32 Abs. 1 lit. a BauAV). Des We iteren bestimmt Art. 33 BauAV, dass vor Beginn der Arbeiten abzuklären ist, ob die Dachflächen durchbruchsicher sind (Abs. 1). Kann nicht nachgewiesen werden, dass die Dachflächen durchbruch sicher oder beschränkt durch- bruchsicher sind, so müssen die entsprechenden Massnahmen nach Art. 35 BauAV getroffen werden (Abs. 2). Gemäss Art. 35 Abs. 1 BauAV ist das Arbe iten auf nicht durchbruchsicheren Dachflächen nur von Laufstegen aus gestattet, und sowei t das Anbringen von Laufstegen tech- nisch nicht möglich oder unverhältnismässig ist, sind ab einer Absturzhöhe von drei Metern Auf- fangnetze oder Fanggerüste zu montieren. Sind Arbeit en in der Nähe von nicht durchbruchsi- cheren Dachflächen auszuführen, so sind diese gegenüber d en Arbeitsbereichen abzuschran- ken oder durchbruchsicher abzudecken (Art. 35 Abs. 2 BauAV). 4.2 a) Die Vorinstanz hat den Beschuldigten B.____ der fahrl ässigen schweren Körperverlet- zung schuldig gesprochen und dies hauptsächlich damit begründet, dass dieser im Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz geschult gewesen sei und ihm die erforderli- che Ausrüstung zur Verfügung gestanden habe, welche er jedoch nicht verwendet habe. Er habe ferner gewusst, dass A.____ am Boden hätte bleiben sollen. Dennoch habe er es schliesslich zugelassen, dass A.____ auf das Gerüst gestiegen s ei und oberhalb des nicht duchbruchsicheren Glasdachs in einer Höhe von viereinhalb Metern auf Schaltafeln, welche auf den Trägern des Glasdachs aufgelegen hätten, ungesichert Arbeiten verrichtet habe. Die Funk- tion von B.____ habe am 13. Mai 2014 darin bestanden , dass er im Zweierteam, welches aus Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihm und A.____ bestanden habe, Gruppenchef mit Weisu ngsbefugnis gewesen sei. Sein im Vergleich zu A.____ offenbar höherer Lohn sei Ausdru ck seiner erhöhten Verantwortung. In seiner Funktion habe er zumindest für die Umsetzung der Instruktionen des Bauführers zu sor- gen gehabt, insbesondere bezüglich der erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen. Wenn zu Gunsten von B.____ angenommen werde, dass ihn C.____ n icht hinreichend instruiert habe, ändere dies nichts daran, dass B.____ um die Sicherungs pflicht im Bereich oberhalb des Glas- dachs gewusst habe. Dennoch habe er die Seilsicherung ni cht verwendet und das Gerüst in einer Weise abgebaut, welche eine Seilsicherung im Be reich oberhalb des Glasdachs nicht zu- gelassen habe. Als A.____ aus eigenem Antrieb auf das G erüst in den Bereich oberhalb des Glasdachs hochgekommen sei, habe dies B.____ zugelassen, o bschon er gewusst habe, dass A.____ gemäss Weisung des Bauführers das Gerüst nicht hätte betreten dürfen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt habe der Entscheid über den Verzicht d er Sicherheitsmassnahmen nicht nur B.____ selbst, sondern auch A.____ betroffen. Die pfli chtwidrig erfolgte Einwilligung von B.____, dass A.____ Arbeiten oberhalb des Glasdachs verr ichtet habe, und dies zudem ohne die erforderliche Seilsicherung, habe kausal zum Unfall und zu den entsprechenden Verlet- zungsfolgen geführt. Dass sich ein solcher Unfall mit der artigen Verletzungsfolgen ereignen könne, sei nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und n ach der allgemeinen Lebenserfahrung aus Sicht von B.____ voraussehbar gewesen, insbesondere angesichts der fehlenden Absturz- sicherung. Eine plötzliche Unaufmerksamkeit oder Ablenkung , welche zu einem Fehltritt und einem Absturz führen könne, habe er nicht ausschliessen kön nen. Je nach Art der Ablenkung könne zwar in Betracht fallen, dass die abgelenkte Person eine Mitursache für den Absturz bei- getragen habe, jedoch sei darin nicht ein Unterbruch d es Kausalverlaufs zu sehen. Der Absturz und die dadurch entstandenen Verletzungsfolgen seien vermeidbar gewesen. B.____ hätte hierfür an der Weisung festhalten müssen, dass A.____ ni cht auf das Gerüst habe steigen und oberhalb des Glasdachs arbeiten dürfen. Somit seien die Tatbestandsvoraussetzungen erfüllt und B.____ sei, wie eingangs erwähnt, der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig zu erklären. b) Demgegenüber vertritt der Beschuldigte B.____, wie b ereits vorgängig dargelegt (vgl. oben E. 2.3.1), zusammengefasst die Auffassung, es sei festzuhalten, dass er zum Unfallzeit- punkt weder über eine besondere Schulung verfügt habe n och vor Ort von C.____ entspre- chend instruiert worden sei. Die Schlussfolgerung, er h ätte auch ohne besondere Ausbildung oder Schulung und ohne Instruktion durch den Sicherheitsv erantwortlichen aus eigener Kennt- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht nis wissen müssen, dass aufgrund der konkreten Absturzhöh e eine Seilsicherung erforderlich gewesen wäre, sei nicht nachvollziehbar. Zweifelhaft sei ferner, welche konkrete Funktion er tatsächlich ausgeübt habe bzw. ob er überhaupt weisungsbe fugt gegenüber dem Privatkläger gewesen sei. Vielmehr habe es in der Verantwortung d es Sicherheitsbeauftragten gelegen, die Arbeiter genügend zu instruieren, um derartige Unfälle zu vermeiden, was aber vorliegend nicht geschehen sei. c) Die Staatsanwaltschaft wiederum ist der Ansicht, es se i erstellt, dass B.____ am Unfalltag als Gruppenführer zum Einsatz gekommen und gegenüber d em Privatkläger weisungsbefugt gewesen sei. Auch habe B.____ angegeben, gewusst zu habe n, dass man sich ab einer Höhe von drei bis vier Metern gegen Absturz sichern müsse. Entsp rechend habe er es verstanden, dass das Betreten des Laufstegs ohne Schutz gegen einen se itlichen Absturz vorschriftswidrig gewesen sei. Da eine solche Sicherung offensichtlich nich t vorhanden gewesen sei, hätte er den Privatkläger nicht auffordern dürfen, den Laufste g zu betreten, bzw. hätte er dies nicht zu- lassen dürfen. Hierin liege der strafrechtlich relevant e Vorwurf an den Beschuldigten B.____ (vgl. oben E. 2.1.2). d) Der Privatkläger legt im Wesentlichen dar, es sei un bestritten und erstellt, dass die Be- schuldigten B.____ (als Vorgesetzter und Gruppenchef von A.____) sowie C.____ (als Sicher- heitschef der Firma D.____ AG) am Unfalltag keinerle i Sicherheitsvorkehrungen gegen einen Absturz angeordnet bzw. sogar bewusst darauf verzichtet h ätten, obwohl Arbeiten in über vier Metern Höhe ausgeführt worden seien. Dass dieses Verhalte n im vorliegenden Fall zu einem Sturz mit schweren Verletzungen während der Verrichtung von Arbeiten geführt habe, sei eben- falls ausgewiesen. Wie genau sich der Sturz letztendlich zugetragen habe, erscheine unter die- sen Umständen zweitrangig. Bezüglich der Sicherungsmassnahmen gegen einen Absturz habe sich die SUVA in der Zwischenzeit wiederholt mehr als deu tlich geäussert und dargelegt, dass die geltenden Sicherheitsvorschriften verletzt worden seien (vgl. oben E. 2.2.2). e) In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten B.____ zu r Last gelegt, er habe als gegen- über A.____ weisungsbefugter Gruppenführer gewusst, da ss die Normen der Arbeitssicherheit auf der Baustelle an der E.____strasse in X.____ nicht eingehalten worden seien und ungeach- tet des nicht durchbruchsicheren Glasdachs keinerlei Abstur zsicherung vorhanden gewesen sei, und dennoch den unerfahrenen A.____ unter Nichtbe achtung der vorstehend beschriebe- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen Sorgfaltspflichten aufgefordert, die als Laufsteg und Gerüstabstellbasis dienenden und ge- genüber dem Glasdach nicht abgeschrankten Schaltafeln ungesichert zu betreten bzw. er habe es zugelassen, dass dieser den Laufsteg ungesichert betre ten habe. A.____ sei in der Folge aufgrund eines Fehltritts durch das nicht durchbruchsicher e Glasdach aus einer Höhe von ca. 4,50 Metern auf den Boden gestürzt. Infolge seiner Ar beitserfahrung als Gerüstbauer seien für B.____ die Gefahr eines Fehltritts sowie eines Sturzes durch das nicht durchbruchsichere Glasdach bei ungenügender Sicherung gegen Absturz und das dadurch herbeigeführte Risiko von schweren Verletzungen eines Menschen individuell vorhe rsehbar und aufgrund seines Weisungsrechts gegenüber A.____ auch vermeidbar gewesen. Die Sorgfaltspflichten des Beschuldigten B.____ werden in der Anklageschrift folgendermassen geschildert: Der auf der Baustelle an der E.____strasse in X.____ am Unfalltag als Gruppenfüh- rer eingesetzte Beschuldigte sei aufgrund seiner Stell ung als gegenüber A.____ weisungsbe- fugter und erfahrener Vorgesetzter für die Einhaltun g der aufgrund der konkreten Situation gel- tenden Vorschriften der BauAV und die Gewährleistung der Arbeitssicherheit zuständig gewe- sen. f) aa) Bei der konkreten Würdigung des inkriminierten Tatbesta ndes in Bezug auf den Beschul- digten B.____ ist zu erwägen, dass die von ihm vorgebrach ten Rügen nicht geeignet sind, die ihn betreffenden Erwägungen der Vorinstanz und insbes ondere deren Schlussfolgerungen um- zustossen. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Privatkläger führen zutreffend aus, dass B.____ am Unfalltag als Gruppenführer zum Einsatz ge kommen und als solcher gegenüber dem Privatkläger weisungsbefugt gewesen ist. Auch hat B. ____ gewusst, dass man sich ab einer Höhe von drei bis vier Metern gegen Absturz sichern muss, womit er es auch verstanden hat, dass das Betreten des Laufstegs ohne Schutz gegen einen Absturz vorschriftswidrig gewe- sen ist. Da eine solche Sicherung offensichtlich nicht vor handen gewesen ist, hätte er folglich den Privatkläger nicht auffordern dürfen, den Laufste g zu betreten, bzw. hätte er dies nicht zu- lassen dürfen. Hierzu im Einzelnen was folgt: bb) In Bezug auf die hierarchische Stellung von B.____ am 13. Mai 2014 am Arbeitsort an der E.____strasse in X.____ ist gestützt auf die Aussagen d es Bauführers C.____ davon auszuge- hen, dass dieser am Unfallort zum massgeblichen Zeitpunkt der direkte Vorgesetzte des Privat- Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht klägers gewesen ist. So hat C.____ anlässlich der Einver nahme vom 14. Mai 2018 auf die Fra- ge, "welche Ausbildung benötigt man als Vorarbeiter?" ausgeführt: "Das kennen wir bei uns in der Firma nicht. Wir haben Chefmonteur, das war er aber nicht. Dazu benötigt man eine Ausbil- dung. B.____ war aber nicht Chefmonteur. Er war Grup penchef. Als Gruppenchef braucht er keine Ausbildung. Er hat sich die Ausbildung durch 4 Ja hre Erfahrung angeeignet. Er machte stets eine richtig gute Arbeit." Weiter hat C.____ auf die Frage, "welche Anweisungen und In- struktionen haben Sie A.____ gegeben?" ausgesagt: "Ga r keine. Das macht der B.____, denn er ist auf der Baustelle sein Vorgesetzter. Ich habe i hm lediglich gesagt, dass er nicht auf das Gerüst darf, da er zu wenig Erfahrung auf dem Bau ha be. Andernfalls müsse er den Anweisun- gen von B.____ folgen, welcher auf der Baustelle Grupp enchef war." Der Beschuldigte selbst hat trotz anfänglichen Bestreitens diese Einschätzung ausdrücklich anerkannt. So hat er anläss- lich der Einvernahme vom 16. Dezember 2016 die Frage, "durften Sie A.____ Weisungen ge- ben, ihm sagen, was er tun muss?" mit: "Ja.", und diej enige, "wer war auf der Baustelle derjeni- ge, welcher die Weisungen geben durfte?" mit: "Ja, das war schon ich. Das ist so." beantwortet. Ferner hat B.____ in der Konfrontationseinvernahme vom 5. Februar 2019 bezüglich der Frage, "sind Sie Chefmonteur?" zu Protokoll gegeben: "Ja, al so ich war dort Gruppenführer. Ob Chef- monteur oder Gruppenchef ist genau das Gleiche. Sobald man auf der Baustelle Weisungen geben kann, ist man Gruppenführer." Schliesslich hat B._ ___ auch anlässlich der Verhandlung vor dem Kantonsgericht ohne Vorbehalte eingeräumt, de r Gruppenchef gewesen zu sein (Pro- tokoll KG S. 6). cc) Bezüglich der Frage, ob der Privatkläger aus eigenem Antrieb auf das Gerüst und das Dach gestiegen, oder ob er von B.____ hierzu geheissen worden ist, existieren zwischen dem Beschuldigten und A.____ divergierende Aussagen. Darübe r hinaus sind die Depositionen des Beschuldigten im Generellen sehr widersprüchlich. In der Einvernahme von B.____ vom 16. Dezember 2016 hat der Beschuldigte folgende Unfal lschilderung vorgetragen: "(…) Ich war oben auf dem Glasdach und A.____ war beim LKW, um das Material, welches ich runter gab, zu nehmen und in den LKW zu versorgen. Danach kam A.__ __ zu mir hoch auf das Glasdach. Er musste mir auf dem Glasdach helfen. (…) Ich habe ihm gesagt, dass er aufpassen muss, wo er seinen Fuss aufsetzt, ich habe ihm das mehrfach gesagt, weil es ja wirklich ein wenig gefähr- lich ist. Und dann war er zwei oder drei Mal am Telefo n und ich habe ihm gesagt, dass er das Telefon weglegen solle. (…) Unsere Aufgabe war es, diese zwei Reihen der Schaltafeln sorgfäl- tig abzutragen. A.____ trug die einzelnen Schaltafeln ab und übergab sie mir, ich stapelte diese Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf dem Glasdach auf der Seite wo der LKW stand aufein ander." Hinsichtlich der Frage, "für welche Art Arbeit darf ein Gerüstbaumitarbeiter ohne spezifische Fachkenntnisse eingesetzt werden?" hat der Beschuldigte demgegenüber ausgeführ t: "(…) Ich habe gesehen, dass er nicht so versiert war. Aus diesem Grund habe ich ihm ge sagt, er solle unten bleiben und von unten arbeiten. Aber er wollte mir auf dem Glasdach helfen, um dann einmal Feierabend zu machen." Zum Vorhalt, "mit einer der gesetzlich vorgeschri ebenen absturzsichernden Mass- nahme hätten der Unfall und die Gefährdung von A.___ _ verhindert werden können." hat der Beschuldigte dargelegt: "Wäre er nicht oben gewesen, dann wäre er nicht runter gefallen. Es ist schon so, hätte man das alles gemacht, wäre der Unfal l verhindert worden. Das ist richtig. Wir hätten auch zwei Tage auf dieser Baustelle verbringen können, um das Gerüst zu demontieren und die sichernden Massnahmen zu errichten, aber diese Zeit hatten wir einfach nicht. Ich habe A.____ mehrfach gesagt, er solle unten bleiben, er ist von sich aus auf das Glasdach. Ich habe keine Anweisung gegeben, dass er hoch soll. Das habe ich nicht, im Gegenteil, ich habe ihm gesagt, dass er unten bleiben soll." Demgegenüber hat B.____ anlässlich der Konfrontations- einvernahme vom 5. Februar 2019 auf den Vorhalt, "Sie werden beschuldigt, den Unfall von A.____ (grob) fahrlässig verantwortet zu haben, indem Sie die Ihnen als Chefmonteur obliegen- den Sorgfaltsplichten verletzt und die gebotenen Schut zmassnahmen nicht angebracht haben. (…)." deponiert: "(…) Bis zu dem Zeitpunkt habe ich ih m sicher 10 oder 15 Male gesagt, dass er das Natel in den Sack stecken oder im Auto lassen soll. Er war immer wieder am Natel, die ganze Zeit. Ich habe auf dem Dach dann Hilfe gebrauch t und ihn gebeten, auf das Dach zu kommen. Oben war meiner Meinung nach alles gesichert. (…) ." Gleichermassen hat er auf die Frage, "haben Sie eine Weisung eines Vorgesetzten erh alten, dass A.____ nicht auf das Glas- dach steigen dürfe?" geantwortet: "Das hat mir niem and gesagt. Ich habe ihm gesagt, er solle hoch kommen. Wir wollten beide früher Feierabend mach en." Anlässlich der Konfrontationsein- vernahme mit dem Privatkläger vom 6. Mai 2019 hat B.__ __ dann wiederum auf den Vorhalt, "A.____ bestreitet, Sie darum gebeten zu haben, ihn bei Gericht zu unterstützen. (…)." darge- legt: "Ich habe ihn mehrfach gebeten, nicht rauf zu kom men. Er sagte, er komme rauf, um zu helfen, damit wir früher Feierabend machen können. E r war mit dem Natel zwischen dem Kopf und der Schulter. Ohne das Natel wäre der Unfall ni cht passiert." Weiter hat B.____ auf die Frage, "wieso haben Sie es zugelassen, dass A.____ entgege n den angeblichen Weisungen von C.____ dennoch auf das Glasdach steigt, um beim Ab bau des Laufsteges/Abstellbasis zu helfen? Sie waren weisungsbefugt und hätten ihm das doch untersagen müssen." ausgesagt: "Ich sage, er hat mich gezwungen. Er hat gesagt, er komme rauf und ich wollte das nicht. Er Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht wollte aber schnell Feierabend machen. Er kam dann ab er dennoch hoch. Am Schluss drängte er so und ich sagte, ok, dann komme." Vor dem Kantonsge richt hat der Beschuldigte in ähnli- cher Weise zu Protokoll gegeben, dass der Privatkläger um ca. 15:00 Uhr oder 15:30 Uhr habe schneller arbeiten wollen und deshalb nach oben gekommen sei, obwohl er ihm gesagt habe, er solle unten bleiben. Er habe ihm zehnmal gesagt, dass er sich weder auf das Gerüst noch auf das Glasdach habe begeben dürfen. A.____ sei hinaufgek ommen, weil er schneller habe fertig sein wollen. Er sei gegen seine Anweisung nach oben gekommen. Er habe nie ausgesagt, dass er hinaufkommen solle (Protokoll KG S. 6 f.). Der Privatkläger hat seinerseits anlässlich der Einvernahme als Auskunftsperson vom 2. Februar 2018 wiederholt ausgeführt, B.____ habe ihm gesagt, dass er nach oben gehen soll, um ihm zu helfen. B.____ habe ihn nach oben gerufen, und er sei aus diesem Grund hinaufge- gangen, damit er seine Arbeit nicht verliere. C.____ habe ihn auf die Baustelle geschickt, und B.____ habe ihm gesagt, er solle auf das Dach, um die D emontage zu machen. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit B.____ vom 6. Mai 2019 hat A.____ ausgesagt, B.____ habe ihn aufgefordert, hinauf zu kommen. Er habe gesagt, d ass er dies nicht dürfe. Danach habe dieser zu ihm gesagt, wenn er nicht sofort hinaufkomme , könne er sofort nach Hause. Er habe seine Stelle nicht verlieren wollen und sei deshalb hi naufgegangen. Er [B.____] habe zu ihm gesagt, komme hinauf oder gehe heim. In Anbetracht dieser höchst unterschiedlichen Aussagen ist z u konstatieren, dass sich bezüg- lich der aufgeworfenen Frage, ob der Privatkläger aus e igenem Antrieb auf das Gerüst und das Dach gestiegen, oder ob er von B.____ hierzu geheissen worden ist, kein eindeutiger Sachver- halt eruieren lässt. Festzustellen ist aber immerhin, d ass die Sachverhaltsannahme der Vo- rinstanz, wonach A.____ aus eigenem Antrieb auf das Gerü st in den Bereich oberhalb des Glasdachs hochgekommen sei, nicht zweifelsfrei erstellt is t. Unbestritten und im vorliegenden Fall entscheidend ist hingegen, dass B.____ den Privatkläg er nicht vom Betreten des Gerüstes und des Daches abgehalten hat sowie dass er keine erns thaften Bemühungen an den Tag ge- legt hat, diesen davon abzuhalten, sollte er tatsächlich der Meinung gewesen sein, A.____ hätte sich nicht in die Höhe begeben dürfen. dd) Hinsichtlich der Frage, ob C.____ gegenüber B.____ ei ne Weisung dergestalt erlassen hat, dass der Privatkläger weder das Gerüst noch das Dach h ätte betreten dürfen, sind den Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht Akten ebenfalls keine einheitlichen Aussagen zu entnehme n. C.____ hat diesbezüglich (vgl. nachfolgend E. 4.3.f/hh) unter anderem in der Einver nahme vom 14. Mai 2018 auf die Frage, "welche Anweisungen und Instruktionen haben [Sie] B.___ _ gegeben?" geantwortet: "Ich habe ihm gesagt, dass er der einzige ist, welcher auf das Gerü st darf. Und dass A.____ unten blei- ben muss. Ich habe A.____ auch persönlich mitgeteilt, d ass er unten bleiben muss. (…)." Aus- serdem hat er auf die Frage, "welche Anweisungen und I nstruktionen haben Sie A.____ gege- ben?" ausgeführt: "Gar keine. Das macht der B.____, den n er ist auf der Baustelle sein Vorge- setzter. Ich habe ihm lediglich gesagt, dass er nicht au f das Gerüst darf, da er zu wenig Erfah- rung auf dem Bau habe. (…)." Demgegenüber hat er in der Konfrontationseinvernahme vom 5. Februar 2019 auf die Frage, "haben Sie eine Weisu ng erteilt, dass A.____ nicht auf das Glasdach steigen darf?" zu Protokoll gegeben: "Das weiss ich nicht mehr." Auf den Vorhalt, er habe widersprechende Aussagen zur Frage getätigt, ob A.____ auf dem Gerüst habe arbeiten dürfen, hat der Beschuldigte vorgebracht: "(…) Ich habe es klar gesagt, dass er auf das Gerüst darf, aber nicht auf das Glasdach. Ich habe es vielle icht zu wenig präzisiert. Wenn ich richtig gehört habe, hat B.____ selber gesagt, dass er A.____ aufgefordert habe, auf das Dach zu steigen, obwohl er das nicht durfte." Vor dem Kantonsg ericht schliesslich hat C.____ ausge- sagt, auf der vorliegenden Baustelle hätte sich A.____ weder auf das Gerüst noch auf das Dach begeben dürfen (Protokoll KG S. 9). B.____ hat zur Frage, "haben Sie eine Weisung eines Vorgesetzten erhalten, dass A.____ nicht auf das Glasdach steigen dürfe?" in der Konfrontation seinvernahme vom 5. Februar 2019 aus- geführt: "Das hat mir niemand gesagt. Ich habe ihm ge sagt, er solle hoch kommen. Wir wollten beide früher Feierabend machen." Demgegenüber hat d er Beschuldigte in der Konfronations- einvernahme mit dem Privatkläger vom 6. Mai 2019 auf de n Vorhalt, "C.____ hat anlässlich der Einvernahme vom 14. Mai 2018 gesagt, dass nur Sie auf d as Gerüst dürfen, nicht jedoch A.____." vorgebracht: "Ja. Das hat er mir am Morgen gesagt. Er hat Instruktionen gegeben, wie wir was zu tun haben. Das macht er bei allen Baustellen." Der Privatkläger hat in diesem Zusammenhang anlässlich de r Einvernahme als Auskunftsper- son vom 2. Februar 2018 erklärt, er sei nur Hilfsarbeite r und tue, was man ihm sage. Er erhalte keine direkten Weisungen, es sei immer der Chefmonteur, welcher ihm dann sage, wohin sie gingen und was sie tun würden. Er sei durch niemanden instruiert worden, mit ihm werde ohne- hin nicht geredet. Es werde nur mit den Vorgesetzten o der dem Chefmonteur gesprochen. Es Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei ihm nicht verboten worden, Arbeit auf Dächern zu t ätigen. Er habe keine Weisungen betref- fend Arbeiten auf Dächern erhalten. Weiter hat A.__ __ anlässlich der Konfrontationseinvernah- me mit dem Beschuldigten vom 6. Mai 2019 zu Protokoll gegeben, C.____ habe ihm zu keinem Zeitpunkt Anweisungen zur Sicherung auf dem Glasdach er teilt. Ausserdem hätten ihm weder C.____ noch B.____ verboten, über dem Glasdach Arbeit en zu verrichten. C.____ habe ihm nichts gesagt, ob er hinaufgehen dürfe oder nicht. Im Resultat ist festzustellen, dass sich auch zu dieser Frage kein eindeutiger Sachverhalt eruie- ren lässt, was in der Konsequenz bedeutet, dass es entgege n den Erwägungen der Vorinstanz wiederum nicht zweifelsfrei erstellt ist, dass A.____ ge mäss Weisung des Bauführers das Ge- rüst sowie das Dach nicht hätte betreten dürfen. ee) In Bezug auf die Frage, ob der Privatkläger während der Arbeit und insbesondere zum Zeitpunkt des Unfalls auf dem Dach telefoniert hat, wie dies der Beschuldigte B.____ wiederholt geltend macht, ergibt sich aus den Akten wiederum kein e inheitliches Bild. In der Einvernahme vom 16. Dezember 2016 legt B.____ zur Unfallschilderung dar: "(…) Ich war oben auf dem Glasdach und A.____ war beim LKW um das Material, welc hes ich runter gab, zu nehmen und in den LKW zu versorgen. Danach kam A.____ zu mir hoch auf das Glasdach. Er musste mir auf dem Glasdach helfen. (…) Ich habe ihm gesagt, dass er aufpassen muss, wo er seinen Fuss aufsetzt, ich habe ihm das mehrfach gesagt, weil es j a wirklich ein wenig gefährlich ist. Und dann war er zwei oder drei Mal am Telefon und ich habe ihm gesagt, dass er das Telefon weglegen solle. (…)." Anlässlich der Konfrontationseinvern ahme vom 5. Februar 2019 hat der Beschuldigte ferner auf den Vorhalt, "Sie werden besc huldigt, den Unfall von A.____ (grob) fahrlässig verantwortet zu haben, indem Sie die Ihnen als Chefmonteur obliegenden Sorgfalts- plichten verletzt und die gebotenen Schutzmassnahmen nicht angebracht haben. (…)." zu Pro- tokoll gegeben: "(…) Bis zu dem Zeitpunkt habe ich ihm si cher 10 oder 15 Male gesagt, dass er das Natel in den Sack stecken oder im Auto lassen soll. Er war immer wieder am Natel, die ganze Zeit. Ich habe auf dem Dach dann Hilfe gebrauch t und ihn gebeten, auf das Dach zu kommen. Oben war meiner Meinung nach alles gesichert. (…) Wenn er nicht am Natel gewe- sen wäre, wäre das nicht passiert (…)." Zudem hat B.____ anlässlich der Konfrontationseinver- nahme mit dem Privatkläger vom 6. Mai 2019 auf den Vo rhalt, "obschon A.____ Sie darum ge- beten haben soll, nichts vom Telefon zu sagen, haben S ie bereits bei Ihrer ersten Einvernahme erwähnt, dass er das Telefon in der Hand gehalten habe und Sie ihn aufgefordert hätten, dieses Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht wegzulegen." vorgebracht: "(…) Es war so, ohne Natel wär e der Unfall zugetragen [sic!]. Mir tut es auch leid, was passiert ist. Er war 2-3 Mal mit dem N atel in der Hand. Er hat immer wieder telefoniert. Er hatte das Natel immer zwischen Schulter und dem Ohr eingeklemmt." Schliess- lich hat der Beschuldigte auch vor Kantonsgericht behauptet, dass der Privatkläger den ganzen Nachmittag am Telefon gewesen sei. Als er hinuntergefallen sei, habe er das Natel in der Hand gehabt. Das Natel sei kaputt gegangen, als er hinunter gefallen sei. Im Moment als er gefallen sei, habe er das Handy in der Hand gehabt. A.____ sei a m Unfall selber schuld, weil er nicht auf seine Weisung gehört habe, ständig am Telefon gew esen sei und gehastet habe. Aus sei- ner Sicht sei nur der Privatkläger am Unfall schuld und sonst niemand (Protokoll KG S. 7 f.). Demgegenüber hat der Privatkläger anlässlich der Einver nahme als Auskunftsperson vom 2. Februar 2018 ausgeführt, er habe kein Telefon bei sich gehabt. Anlässlich der Konfrontati- onseinvernahme mit B.____ vom 6. Mai 2019 hat A.___ _ zudem ausgesagt, er habe nicht tele- foniert. Gestützt auf die unterschiedlichen Depositionen und die Tatsache, dass weder die Ausführun- gen des Beschuldigten noch diejenigen des Privatklägers zu vorliegender Frage als glaubhafter eingestuft werden können, ist wiederum zu konstatieren, dass der Sachverhalt zu diesem Punkt nicht zweifelsfrei erstellt ist. Dies gilt umso mehr, al s keine aktenmässigen Hinweise bestehen, dass am Unfallort ein Mobiltelefon (bzw. Teile davon) aufgefunden worden sein soll, welches aufgrund der Fallhöhe von rund viereinhalb Metern sich erlich auf dem Betonboden zerbrochen wäre. Ganz abgesehen davon erscheint es aus arbeitstechnischer Sicht schwer vorstellbar, wie es möglich gewesen sein soll, einerseits das Gerüst zu dem ontieren und die Schaltafeln abzu- bauen und andererseits gleichzeitig ein Mobiltelefon zu halten. Anzumerken bleibt zudem, dass der Privatkläger nach der Behauptung von B.____ angeb lich deshalb auf das Dach gestiegen sein soll, damit die Arbeit schneller erledigt wird un d er früher in den Feierabend hätte gehen können. Im Hinblick auf diesen Zweck macht es allerding s von vornherein wenig Sinn, den an- gestrebten schnelleren Arbeitsprozess durch häufige Tele fonate wieder künstlich zu verlang- samen. ff) Bezüglich der Ausbildung und Schulung von B.____ sow ie dessen Kenntnisse von Si- cherheitsmassnahmen ist Folgendes festzuhalten: Sowohl d ie Staatsanwaltschaft als auch der Privatkläger weisen zutreffend darauf hin, dass entgeg en den Schlussfolgerungen der Vo- Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht rinstanz kein einziger konkreter Nachweis hat erbracht werden können, dass B.____ tatsächlich jemals eine Sicherheitsschulung absolviert hat, bei welch er das Arbeiten auf nicht durchbruch- sicheren Dächern bzw. der Umgang mit der persönlichen Sc hutzausrüstung thematisiert wor- den ist. Korrekt ist des Weiteren der Hinweis auf die E KAS-Richtlinie 6512 "Arbeitsmittel" vom 19. Oktober 2001, wonach gemäss Ziff. 5.5 "Instruktion und Ausbildung" gestützt auf Art. 6 VUV und Art. 8 VUV die durchgeführte Instruktion zu dokument ieren ist, und aus dieser Dokumenta- tion mindestens ersichtlich sein muss, wer von wem, wann un d worüber instruiert worden ist. Eine solche Dokumentation fehlt in casu. Aus den im Ra hmen der erstinstanzlichen Hauptver- handlung vom Beschuldigten C.____ eingereichten Unter lagen (act. S. 411 ff.) lässt sich zwar ableiten, dass im Februar und März 2014 Schulungen im Umgang mit der PSAgA durchgeführt worden sind. Unklar ist aber mangels entsprechender Teil nehmerliste, welche Mitarbeiter effek- tiv diese Schulung absolviert haben, zumal B.____ unbestr ittenermassen zu jenem Zeitpunkt gar nicht bei der D.____ AG im Einsatz gestanden hat. Der Beschuldigte selbst hat zu diesem Punkt einmal mehr seh r widersprüchliche Aussagen ge- tätigt. In der Einvernahme vom 16. Dezember 2016 ha t er auf die Frage, "wurden Sie durch C.____ nicht informiert oder angewiesen, Sicherheitsvor kehrungen auf der Baustelle zu treffen bzw. die entsprechende Ausrüstung mitzunehmen?" geantwo rtet: "Das ist alles im LKW drin. Also Gürtel und Helm. Das hatten wir dabei. Der Gürt el ist zum sich befestigen, wobei wir dort keine Möglichkeit hatten, uns zu befestigen. Wir konnten uns nirgends befestigen, es gab keine Möglichkeit. Auf allen Baustellen sieht man das, nirgends werden die SUVA-Vorschriften einge- halten. Wissen Sie, ich wurde nicht geschult für solche Sachen. Ich bin auch dafür, dass man das Personal besser auf Sicherheit schult. Das passiert ab er nicht. (…)." Die Frage, "wurden Sie oder A.____ an diesem Tag instruiert, wie Sie auf der Baustelle vorgehen müssen bzw. welche Sicherheitsvorkehrungen beim Arbeiten auf dem Gl asdach zu befolgen sind?" hat er so beantwortet: "Ich wurde nicht instruiert. Ich habe auc h noch nie einen Kurs oder eine Schule dafür gemacht. Es heisst einfach, Gerüst abbauen, aber wie es zu erfolgen hat, das habe ich nie gelernt. Nur die Erfahrung hilft. So läuft alles bei D.____, so läuft es bei jeder Firma auf dem Bau. (…)." Bezüglich der Frage, "wurden Sie von der D.____ eingearbeitet und instruiert?" hat er zu Protokoll gegeben: "Nein. Früher war es so, wie es heute ist, weiss ich nicht." Weiter hat er zur Frage, "wer sorgt für das Einhalten der Sicherh eitsregeln?" ausgeführt: "(…) Allgemein werden die Regeln und die Überwachungsmassnahmen nicht eingehalten. C.____ kennt die Regeln, aber es kostet viel Zeit, um zusammen zu sitzen und die Arbeiten zu besprechen. Ich Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht konkret wurde von der Firma D.____ nie instruiert, wi e ich was zu tun habe. Ich habe auch nie etwas Schriftliches erhalten." Im Gegensatz hierzu hat B .____ anlässlich der Konfrontationsein- vernahme vom 5. Februar 2019 auf die Frage, "haben Si e je eine Schulung im Umgang mit PSagA erhalten? Wann und wo war das?" ausgeführt: "Da s habe ich schon. Das war vielleicht 2013, 2014. Wenn auf der Baustelle etwas kompliziert i st, gibt Herr C.____ zusätzliche Anwei- sungen. Das war bei D.____ in Y.____ im Lager." In de r Einvernahme vom 28. Mai 2019 hat der Beschuldigte dann wiederum auf den Vorhalt, "wieso haben Sie anlässlich der Einvernahme vom 16. Dezember 2016 behauptet, dass Sie nie eine Sch ulung, Schule oder Kurs gemacht haben und auch nicht eingearbeitet wurden und widerspr echen sich am 5. Februar 2019 dia- metral, indem Sie behaupteten, dass Sie im Jahre 2013 oder 2014 eine Schulung im Umgang mit PSAgA gemacht haben?" geantwortet: "PSAgA habe ich nicht gemacht, dafür muss man zwei Tage in einen Kurs. Das habe ich nicht. Ich habe nu r im Lager in Y.____ eine Schulung gemacht. Diese wurde durch Herr C.____ gemacht. Jeder Monteur, jede Gruppe musste gehen. Das ging ca. eine halbe Stunde oder eine Stunde. (…). " Im Zusammenhang mit seinem Wissen um die Sicherheitsbesti mmungen trotz allenfalls fehlen- der Schulung hat B.____ in der Einvernahme vom 16. D ezember 2016 auf die Frage, "was muss gemäss Bauarbeiterverordnung beachtet werden, wenn Arbeiten auf einer Absturzhöhe von mehr als 3 Metern verrichtet werden?" dargelegt: "( …) Ich habe nie einen Sicherheitsgurt getragen, auch nicht auf Baustellen auf einer Höhe von über 40 Metern. Ich kenne das Gesetz nicht, ich habe nie reingeschaut. Ich weiss aber, dass wenn man auf einer Höhe von mehr als 3 oder 4 Metern arbeitet, man sich sichern muss. Das weiss ich schon, aber das geht zu lange. (…). Wir stehen unter Zeitdruck, da halten wir halt di e Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr ein, da wir keine Zeit dafür haben, die Sicherheitsvorkehrung en zu treffen. Das braucht zu lange." Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 5. Februa r 2019 hat der Beschuldigte auf den Vorhalt, "Sie werden beschuldigt, den Unfall von A.___ _ (grob) fahrlässig verantwortet zu ha- ben, indem Sie die Ihnen als Chefmonteur obliegenden Sorgfaltsplichten verletzt und die gebo- tenen Schutzmassnahmen nicht angebracht haben. (…)." dep oniert: "(…) Mit der Sicherheit war alles ok. Wir hatten alles im Auto, was man braucht. Gü rtel, Helm und so zum Sichern. Wir sind beide schuld. Es war sicher dort oben. Wir hatten das Sich erheitsseil. Aber ich habe entschie- den, dass wir das hier nicht brauchten, da die Baustel le sicher war. Das nimmt man nur, wenn es nicht sicher ist, z.B. auf der Höhe von 10 Metern od er so. (…)." Anlässlich der Konfrontati- onseinvernahme vom 5. Februar 2019 hat B.____ auf d ie Frage, "wurden Sie durch jemanden Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgefordert, die Seilsicherung zu nutzen?" geantworte t: "Das muss man selber entscheiden. Als Chefmonteur muss man das selber entscheiden." Weiter hat er auf den Vorhalt, "bei nicht dauerhaft durchbruchsicheren Teilen von Dächern müssen pe rmanente Schutzeinrichtungen das Hindurchstürzen verhindern. Vorliegend haben B.__ __ und A.____ auf nicht dauerhaft durchbruchsicheren Teilen gearbeitet, wobei die Schutze inrichtung, wie eine Lifeline, die das Hindurchstürzen durch das Dach verhindert hätte, nicht angebracht wurde." ausgeführt: "Was soll ich sagen. Wir sind beide selber schuld. Es hätte ni cht so weit kommen sollen. Herr C.____ hat das mit mir und Herrn A.____ besprochen. Aber wi r wollten etwas schnell machen." Ferner hat der Beschuldigte in der Konfrontationseinvernahme mit dem Privatkläger vom 6. Mai 2019 die Frage, "welche Sicherung hat er [C.____] vorgeschl agen?" so beantwortet: "Er hat mich nicht gezwungen, etwas Spezielles zu machen. Ich war nicht von gestern. Ich habe Erfahrung. Gürtel, Helm und Handschuhe waren im Auto. Ich habe am Unfalltag keinen Gürtel [getragen]. Die Sicherheit oben war gegeben." Ausserdem hat er auf die Frage, "C.____ hat in der Einver- nahme vom 5. Februar 2019 ausgesagt, dass er mit Ihnen besprochen habe, dass Sie eine PSAgA anbringen sollen. Wieso haben Sie das nicht gem acht?" ausgeführt: "Nein, das wurde nicht abgemacht. Ich habe mich besser gefühlt ohne. Ich war oben geschützt, es war gut." Vor dem Kantonsgericht hat B.____ schliesslich vorgebracht, e r wisse nicht mehr, ob C.____ ihm gesagt habe, dass er mit der persönlichen Schutzausrüstung hätte arbeiten sollen, aber er den- ke schon. Allerdings müsse man dies automatisch wissen. Er w ürde heute nichts anders ma- chen. Er sei auch ohne Sicherung absolut sicher da oben gewesen, weil es gerade gewesen sei und 1,20 Meter breit. Man müsse halt immer selbst schau en. Er habe gewusst, wie man die persönliche Schutzausrüstung anzuwenden habe; das habe er bei anderen Baustellen schon mehrfach gemacht. Er sei seit 20 Jahren im Gerüstbau tät ig. Vor dem Unfall habe er u.a. bei M.____, bei N.____ und bei O.____ gearbeitet. Vor d em Unfall habe er ca. 13 Jahre Berufser- fahrung gehabt (Protokoll KG S. 6 ff.). In Würdigung dieser Fakten und Aussagen steht für das Kantonsgericht fest, dass es entgegen den Erwägungen der Vorinstanz nicht nachgewiesen ist, da ss B.____ zum Zeitpunkt des Ereig- nisses im Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz geschult gewesen ist. Ungeachtet dessen ist es aber erstellt, dass die erforderl iche Schutzausrüstung am Unfalltag vor Ort zur Verfügung gestanden hat sowie dass B.____ um die Notwendigkeit von Siche- rungsmassnahmen im konkreten Fall gewusst, jedoch aus Gründe n der Bequemlichkeit bzw. Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht aufgrund einer falschen Risikoeinschätzung im Sinne ein er bewussten Entscheidung darauf verzichtet hat. gg) Gestützt auf die dargelegten Erwägungen ist der inkrim inierte Sachverhalt in dem Sinne zusammengefasst erstellt, als der Beschuldigte B.____ als gegenüber dem Privatkläger A.____ weisungsbefugter Gruppenführer gewusst hat, dass die Norm en der Arbeitssicherheit auf der Baustelle an der E.____strasse in X.____ nicht eingeha lten worden und ungeachtet des nicht durchbruchsicheren Glasdachs keinerlei Absturzsicherungen vor handen gewesen sind, und er dennoch mindestens zugelassen hat, dass der unerfahrene A.____ die als Laufsteg und Ge- rüstabstellbasis dienenden und gegenüber dem Glasdach ni cht abgeschrankten Schaltafeln ungesichert betreten hat. hh) Gemäss dem Austrittsbericht des Universitätsspitals Basel , Traumatologie, vom 4. Juni 2014 (act. S 113) hat der Privatkläger anlässlich seines Unfalls vom 13. Mai 2014 folgende Ver- letzungen erfahren: eine dislozierte Beckenfraktur rechts mit Acetabulumbeteiligung, eine Radi- usköpfchenfraktur rechts mit Schnittverletzung palmar rech ts sowie multiple Kontusionen. In den medizinischen Berichten des Universitätsspitals Basel vom 27. März 2015 (act. S 129 f.) und 20. Mai 2015 (act. S 133 f.) wird der Privatkläger als zu 100 % arbeitsunfähig beschrieben. In seiner medizinischen Stellungnahme vom 4. August 2015 (act. 465 f.) hat das Universitäts- spital Basel festgehalten, der Beckenringbruch liege nahe an der Vena femoralis cumunis sowie an multiplen Gefässen im kleinen Becken, wobei eine Ru ptur dieser Gefässe lebensbedrohlich sei. Der Betroffene habe sich nicht in unmittelbarer L ebensgefahr befunden, allerdings hätte eine unmittelbare Lebensgefahr bestanden, wenn keine sofortige ärztliche Versorgung stattge- funden hätte. Aufgrund der Verletzungen seien bleib ende Schäden zu erwarten, erfahrungsge- mäss würden nur 40 % der Patienten mit schweren Beckenve rletzungen wieder berufstätig. Es sei nicht absehbar, wie lange die andauernde Arbeits unfähigkeit andauere. Ferner hat die SUVA mit Schreiben vom 26. Juni 2018 an die Öffentlich e Arbeitslosenkasse (act. 615) mitge- teilt, dass der Privatkläger seit seinem Unfall vom 13. Mai 2014 durchgehend bis zum 31. Mai 2018 vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen sei. In Anb etracht dieser medizinischen Einschät- zungen steht fraglos fest, dass der Privatkläger aufgrund des Unfalles vom 13. Mai 2014 eine schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB bzw. Art. 125 Abs. 2 StGB erlitten hat. Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht g) aa) Im Zusammenhang mit der rechtlichen Subsumption ergib t sich aufgrund des erstellten Sachverhaltes in einem ersten Schritt, dass B.____ am Arb eitsort an der E.____strasse in X.____ zum Unfallzeitpunkt am 13. Mai 2014 Gruppenchef des Zweimannteams und folglich der direkte Vorgesetzte des Privatklägers gewesen ist. Da mit hat der Beschuldigte B.____ ge- genüber dem Privatkläger A.____ zweifellos eine Garantenstellung innegehabt. bb) In einem nächsten Schritt ist sodann gemäss dem erstellte n Sachverhalt klar, dass B.____ es entgegen den einschlägigen Bestimmungen von Ar t. 8 Abs. 2 lit. a BauAV, Art. 19 Abs. 1 BauAV, Art. 32 Abs. 1 lit. a BauAV und Art. 35 Abs. 1 BauAV sowie der augenscheinli- chen örtlichen Notwendigkeit zumindest zugelassen hat, dass der Privatkläger ungesichert Ar- beiten auf einem nicht durchbruchsicheren Glasdach mit einer Absturzhöhe von mehr als drei Metern (konkret rund viereinhalb Metern) getätigt hat, obwohl er gewusst hat, dass zur Gewähr- leistung der Sicherheit die hierfür erforderliche Abstu rzsicherung in Form eines Anseilschutzes zu verwenden gewesen wäre. Damit steht ohne Weiteres fest, dass B.____ gegen seine Sorg- faltspflichten als in casu verantwortlicher Gruppenchef verstossen hat. cc) Im Hinblick auf die Voraussehbarkeit ist zu konstatiere n, dass der Beschuldigte ‒ soweit dies nicht bereits der gesunde Menschenverstand bzw. die a llgemeine Lebenserfahrung vorgibt ‒ aufgrund seiner langjährigen Berufserfahrung bei di versen Gerüstbauunternehmen nach der Adäquanztheorie damit hat rechnen müssen, dass der Pri vatkläger im Rahmen seiner ungesi- cherten Demontagearbeiten auf einem nicht durchbruchsicheren Glasdach mit einer Absturzhö- he von mehr als drei Metern (konkret rund viereinhalb Metern) den Halt verlieren und abstürzen bzw. einen Fehltritt machen und durch das Glasdach hind urch stürzen könnte. Selbst wenn der Privatkläger allenfalls eine Weisung dergestalt, dass er nur Arbeiten am Boden hätte verrichten sollen bzw. dass er in der Höhe nicht hätte telefoniere n dürfen, missachtet haben sollte, was aber beides ‒ wie vorgängig dargelegt ‒ nicht zweifelsfrei erwiesen ist, ist in casu massgebend, dass der Beschuldigte den Privatkläger Arbeiten in einer Höhe von rund viereinhalb Metern hat verrichten lassen, obwohl er gewusst hat, dass dieser entg egen den gesetzlichen Vorgaben nicht gegen Absturz gesichert gewesen ist. Das Verhalten des Beschuldigten ist damit nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den allgemeinen Erfahrungen des Lebens zweifellos geeignet gewesen, einen Erfolg wie den eingetretene n herbeizuführen oder mindestens zu be- günstigen, womit die Adäquanz ohne Frage zu bejahen is t. Der Einwand von B.____, den Ge- Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht schädigten treffe ein Mitverschulden bzw. sogar das alleinige Verschulden, weil er am Arbeitsort in einer Höhe von rund viereinhalb Metern telefonier t habe, vermag ihn nicht zu entlasten. Selbst wenn diese Behauptung zutreffend sein sollte, was aber wie mehrfach ausgeführt nicht ohne Zweifel erstellt ist, ist darauf hinzuweisen, dass das Strafrecht keine Verschuldenskom- pensation kennt. Dieses allfällige ‒ bestrittene und aktenmässig nicht zweifelsfrei erstellte ‒ Mitverschulden bildet keinen "ganz aussergewöhnlichen Umstand" im Sinne der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs, mit dem schlechthin nicht hat ge rechnet werden müssen und der derart schwer wiegt, dass er alle anderen Ursachen, na mentlich das Verhalten des Beschuldig- ten, in den Hintergrund drängt (vgl. BGer 6B_280/20 18 vom 24. Oktober 2018 E. 3.7; BGE 135 IV 56 E. 2.1). Wer eine spezifische Kontrollverantwortu ng innehat, muss mit Fehlern rechnen (vgl. BGer 6B_174/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.4.2). Wi e vorgängig dargelegt (vgl. oben E. 4.1.b), wird der adäquate Kausalzusammenhang dann u nterbrochen, wenn zu einer an sich adäquaten Ursache eine andere Ursache hinzutritt, die einen derart hohen Wirkungsgrad auf- weist, dass erstere nach wertender Betrachtungsweise als rec htlich nicht mehr beachtlich er- scheint; entscheidend ist die Intensität der beiden Ursache n (BGE 130 III 182 E. 5.4). Das Ver- halten eines Dritten vermag den Kausalzusammenhang nur zu unterbrechen, wenn diese Zu- satzursache derart ausserhalb des normalen Geschehens lieg t, derart unsinnig ist, dass damit nicht zu rechnen gewesen ist (BGE 142 IV 237 E. 1.5.2; B Ger 6B_1388/2017 vom 4. April 2018 E. 4.5.2 f.). In concreto liegt das Verhalten des Geschäd igten ‒ soweit es überhaupt zutreffend sein sollte, dass dieser am Arbeitsort in einer Höhe von rund viereinhalb Metern telefoniert hat ‒ nicht derart ausserhalb des normalen Geschehens, ist nicht derart unsinnig, dass damit nicht zu rechnen gewesen ist. In casu hat es B.____ entgegen eind eutigen gesetzlichen Vorschriften unterlassen, den Privatkläger davon abzuhalten, in eine r nach aller Erfahrung augenscheinlich gefährlichen Situation Arbeiten zu verrichten. Mit ei ner blossen ‒ bestrittenen ‒ Anweisung an den Geschädigten, nicht auf dem Dach zu telefonieren, h at er den allgemein einleuchtenden Vorschriften offensichtlich nicht genügt. Anderweitige, unterbrechenskausal zu wertende Um- stände werden nicht vorgebracht und sind auch nicht ersichtlich. dd) In Hinsicht auf die Vermeidbarkeit des Erfolges, d.h. die Frage, ob der Erfolg bei pflicht- gemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre ‒ wobei es für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit ein em hohen Grad an Wahrscheinlich- keit die Ursache des Erfolgs gebildet hat ‒ steht ohne Weiteres fest, dass das unterlassene Abhalten von der Arbeitsausführung in einer Höhe von rund viereinhalb Metern auf einem nicht Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht durchbruchsicheren Glasdach bei gleichzeitig fehlender Ab sturzsicherung mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit ursächlich für den Unfall und die damit verbundene Verletzungsfol- ge gewesen ist. Dass es sich im Übrigen bei den vom Privatkl äger beim Unfall zugezogenen Verletzungen um eine schwere Körperverletzung im Sinn e von Art. 122 StGB handelt, steht ohne Frage fest. Damit ist die Vermeidbarkeit des Erfol gseintritts zweifellos zu bejahen. Keine Probleme stellen sich schliesslich bei der Gleichwertigkeit von Unterlassung und aktivem Tun. Bei pflichtgemässem Alternativverhalten von B.____, d.h. bei Absicherung des Gefahrenbe- reichs nach den einschlägigen gesetzlichen Normen bzw. bei m Abhalten vom Tätigwerden im Gefahrenbereich ohne Verwendung von Schutzmassnahmen, wäre es höchstwahrscheinlich nicht zum Unfall des Privatklägers gekommen. Gestützt auf diese Darlegungen ist der Beschuldigte B. ____ in Abweisung seiner diesbezügli- chen Berufung und in Bestätigung des angefochtenen Urt eils der fahrlässigen schweren Kör- perverletzung durch Unterlassung nach Art. 125 Abs. 2 StG B (in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 lit. a BauAV, Art. 19 Abs. 1 BauAV, Art. 32 Abs. 1 l it. a BauAV und Art. 35 Abs. 1 BauAV) schuldig zu erklären. 4.3 a) Den Beschuldigten C.____ hat die Vorinstanz mangels ei ner Sorgfaltspflichtverletzung von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung freigesprochen und diesbezüglich im Wesentlichen dargelegt, C.____ habe B.____ und A._ ___ dieser Baustelle zugeteilt und B.____ in dessen Funktion als Gruppenchef darüber instr uiert, wie das Gerüst abzubauen sei, nämlich abschnittweise in einer Rückwärtsbewegung unter Verwendung einer Seilsicherung, die am jeweils rückwärtigen Rahmen anzubringen gewesen wäre, damit er nie ungesichert an einer potentiellen Absturzstelle arbeiten würde. Er ha be ihn zudem darüber instruiert, dass A.____ nicht auf das Gerüst hochsteigen dürfe, sondern die am Boden anfallende Arbeit zu erledigen habe. Wenn schliesslich anders vorgegangen wor den sei, sei dies entgegen der aus- drücklichen Anweisung von C.____ geschehen. C.____ habe a ls Bauführer die bauleitende Funktion innegehabt und somit die ausführenden Gerüs tmonteure einer Arbeit zuzuteilen ge- habt, welche diese nach ihren Fähigkeiten und ihrer Er fahrung hätten leisten können; zudem habe er ihnen die notwendigen Anleitungen zu erteilen und die Arbeiten in angemessener Form zu überwachen gehabt. Dabei habe er die anerkannten R egeln der Baukunde durchzusetzen gehabt. Bei der Auswahl der eingesetzten Gerüstmonteu re sei keine Pflichtverletzung zu er- Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht kennen. Gemäss erstelltem Sachverhalt, wie er zu Gunsten von C.____ anzunehmen sei, habe er B.____ darüber instruiert, wie dieser das Gerüst abzubauen habe. Dass er primär den Grup- penchef B.____ angewiesen habe, sei nicht zu beanstanden , denn dieser habe die Weisungs- befugnis innegehabt, um die Einhaltung der Sicherhei tsvorschriften gegebenenfalls gegenüber A.____ durchzusetzen. Dass C.____ im Verlauf dieses Tages die Ausführung nicht mehr weiter beaufsichtigt habe, sei unter den konkreten Umständen ni cht als pflichtwidrig zu beurteilen. Wenn von einem Bauführer im Allgemeinen zu verlange n sei, dass er sich regelmässig persön- lich ein Bild über den Zustand der Baustelle und den F ortschritt der Arbeiten zu machen habe, so sei dies insbesondere bei mehrtägigen Bauarbeiten m it verschiedenen Arbeitsschritten von Bedeutung. Vorliegend handle es sich indes um Arbeite n, die von zwei Monteuren in weniger als einem Tag hätten erledigt werden können. Die Ein haltung der Sicherheitsvorschriften sei nicht komplex gewesen. Es sei im Wesentlichen darum geg angen, die Arbeiten so durchzufüh- ren, dass stets eine Seilsicherung verwendet worden sei, solange man sich nicht mehr im ge- schützten Bereich innerhalb der noch bestehenden Bestandt eile des Gerüstes und in einer Ab- sturzhöhe von über drei Metern befunden habe. Dies sei im Gerüstbau ein Routinevorgang. C.____ habe nicht voraussehen müssen, dass die Arbeiten entgegen seinen Instruktionen ohne Verwendung der Seilsicherung und zudem in einer Weise ausgeführt würden, mit welcher eine solche gar nicht mehr habe angebracht werden können, und dass sich A.____ auf das Gerüst begeben würde. Die in der Anklageschrift konkret vorgebr achten Tatvorwürfe, wonach C.____ pflichtwidrig nicht für eine genügende Sicherung der Baustelle gesorgt und nicht die erforderli- chen Schutzmassnahmen ergriffen habe, er nicht eine genügende Instruktion über das korrekte Vorgehen beim Abbau vor Arbeitsbeginn erteilt habe un d er ungenügend ausgebildete Perso- nen eingesetzt habe, deren vorgängige Schulung er ni cht veranlasst habe, hätten sich demzu- folge nicht bestätigt. b) Demgegenüber vertritt die Staatsanwaltschaft, wie be reits vorgängig dargelegt (vgl. oben E. 2.1.1), die Auffassung, C.____ habe keine Angaben zu r Ausbildung von B.____ machen können; insbesondere habe er nicht abgeklärt, ob dieser Kenntnisse im Umgang mit individuel- len Absturzsicherungen habe vorweisen können. Soweit es den Tatsachen entsprechen sollte, dass alle eingesetzten Personen im Umgang mit der persön lichen Schutzausrüstung gegen Absturz geschult worden seien, sei nicht nachvollziehbar , weshalb wiederholt die Auffassung vertreten worden sei, der als Gerüstbaumitarbeiter besch äftigte Privatkläger habe das Gerüst von vornherein nicht betreten dürfen. Für die Beschuld igten C.____ (und D.____) sei nicht klar Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen, welche Personen für eine bestimmte Aufgabe qualifiziert gewesen seien, bzw. diese hätten sich nur ungenügend um deren Schulung und Instru ktion bemüht. C.____ habe zudem als Sicherheitsbeauftragter und Bauführer keine bzw. unzu treffende Instruktionen zum Abbau des Gerüstes erteilt, da er offensichtlich die Meinung ver treten habe, dass ein Schutz gegen seitliche Fehltritte nicht notwendig gewesen sei. Hätte n C.____ (und D.____) die ihnen oblie- genden Pflichten genügend beachtet, wäre es nicht zum U nfallereignis am 13. Mai 2014 ge- kommen. c) Der Privatkläger legt im Wesentlichen dar (vgl. oben E. 2.2.1), eine umfassende Würdi- gung der gesamten Beweismittel zeige auf, dass C.____ ein ganz erhebliches Verschulden am Unfallereignis trage, nachdem er als von der Firma D. ____ AG eingesetzter Sicherheitschef massgebliche Sicherheitsbestimmungen missachtet habe. En tgegen den gesetzlichen Bestim- mungen sei C.____ der Meinung gewesen, dass bei der Dem ontage des Laufstegs am 13. Mai 2014 keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen zur Sicherun g vor einem Absturz hätten ge- troffen werden müssen. Diese Annahme sei zweifellos falsch gewesen. Insofern sei der Eintritt des Unfallereignisses auf das pflichtwidrige Verhalten des Sicherheitschefs zurückzuführen und wäre durch geeignete Massnahmen auch vermeidbar gewesen. d) Der Beschuldigte wiederum vertritt die Meinung (vgl. oben E. 2.4.2), er habe nicht vor- aussehen müssen, dass die Arbeiten entgegen seinen Instr uktionen ohne Verwendung der Seilsicherung ausgeführt würden und dass sich der Privatklä ger entgegen seiner klaren Wei- sung auf das Gerüst begeben würde. Hinzu komme, dass der P rivatkläger offenbar auch noch telefoniert habe, was ein krass fehlbares Verhalten sei nerseits darstelle. Bestritten werde schliesslich, dass der Taterfolg vermeidbar gewesen wäre. Vorliegend stehe das Verhalten des Privatklägers und dasjenige von B.____ im Vordergrund, w elcher unumwunden zugegeben ha- be, um die Schutzausrüstung gewusst, jedoch aus eigenem Antrieb darauf verzichtet zu haben. Insgesamt habe er seine Sorgfaltspflichten wahrgenomme n und auf korrekte Weise gewisse Pflichten an B.____ delegiert. e) In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten C.____ zu r Last gelegt, er habe unter Nichtbeachtung der vorstehend beschriebenen Sorgfaltspf lichten fahrlässig die schweren Ver- letzungen von A.____ verursacht, indem er nicht für ein e genügende Sicherung der Baustelle an der E.____strasse in X.____ besorgt gewesen sei. Obw ohl er aufgrund seiner Stellung als Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sicherheitsbeauftragter der D.____ AG und für die Ba ustelle zuständiger Bauführer gewusst habe, dass das am 13. Mai 2014 abzubauende Fassadengerüst auf einem nicht durchbruchsi- cheren Glasdach platziert gewesen sei und beim Abbau sch liesslich auch der gegenüber dem Glasdach nicht abgeschrankte Laufsteg bzw. die Gerüstabstel lbasis auf der nicht durchbruchsi- cheren Glasfläche habe entfernt werden müssen, habe er es unterlassen, den Beschuldigten B.____ sowie A.____ über das korrekte Vorgehen beim Ab bau vor Arbeitsbeginn genügend zu instruieren. C.____ habe es weiter pflichtwidrig unter lassen, bei den Arbeiten auf dem nicht durchbruchsicheren Glasdach für kollektive Schutzmassnahmen od er den Einsatz einer Hebe- bühne zu sorgen. Sofern dies nicht möglich oder zweckmässig gewesen sein sollte, hätte er den Einsatz individueller Schutzmassnahmen ‒ namentlich der PSAgA (Seilsicherung) ‒ anord- nen müssen und auf der Baustelle lediglich Arbeiter ein setzen dürfen, welche im Umgang mit individuellen Schutzmassnahmen geschult und geübt gewesen seien bzw. hätte er eine vor- gängige Schulung des Beschuldigten B.____ sowie von A.____ veranlassen müssen. C.____ habe indessen auf der entsprechenden Baustelle am 13. Mai 2014 für die hohen Anforderungen an die Tätigkeit auf nicht durchbruchsicheren Glasdäche rn ungenügend ausgebildete Personen eingesetzt. Dabei seien für C.____ ein Fehltritt eine s Arbeiters sowie ein Sturz durch das nicht durchbruchsichere Glasdach und dadurch herbeigeführte schw ere Verletzungen eines Men- schen aufgrund seiner Ausbildung und seiner Arbeitserfah rung individuell vorhersehbar und mit Blick auf seine Weisungsbefugnis als verantwortlicher Bauf ührer und seine Kompetenzen als Sicherheitsbeauftragter auch vermeidbar gewesen. Die Sorgfaltspflichten des Beschuldigten C.____ werden in der Anklageschrift folgendermassen geschildert: C.____ sei als für die Baustelle zuständig er Bauführer und Sicherheitsbeauftragter der D.____ AG für die Einhaltung der Arbeitssicherheit gemäss gesetzlicher Regelung und SUVA-Standard bei der Baustelle und innerhalb des ge samten Betriebs zuständig gewesen. Auf der Baustelle seien namentlich die Vorschriften der BauAV zu beachten gewesen. Als Bau- führer der Baustelle hätten dem Beschuldigten die korre kte Auswahl der dort eingesetzten Per- sonen sowie deren genügende Instruktion und Überwachun g, namentlich betreffend die einzu- haltenden Normen der Arbeitssicherheit und die Verwendung von Absturzsicherungen, oblegen. Weiter sei er für die Organisation und Bereitstellung der benötigten Arbeitsmaterialien verant- wortlich gewesen, insbesondere im Hinblick auf die Gewährleistung der Arbeitssicherheit (Helm, persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz, Hebebühnen e tc.). Zusätzlich hätten ihm die Organisation und die Durchführung von risikogerechten Sch ulungen der bei der D.____ AG Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingesetzten Personen (neu eintretend und bestehend, temporär und festangestellt) u.a. betref- fend Arbeitssicherheit und die Benutzung von persönliche n Schutzausrüstungen gegen Absturz (Seilsicherung) sowie die Kontrolle der Einhaltung der entsprechenden Vorschriften durch diese oblegen. Sofern nötig, habe der Beschuldigte für Schul ungen externe Fachpersonen beizuzie- hen gehabt. f) aa) Bei der konkreten Würdigung des inkriminierten Tatbesta ndes in Bezug auf den Beschul- digten C.____ ist zu erkennen, dass die Ausführungen d er Vorinstanz das Kantonsgericht nicht zu überzeugen vermögen. Sowohl die Staatsanwaltschaft al s auch der Privatkläger legen zu- treffend dar, dass das Strafgericht die Beweiswürdigung einseitig zu Gunsten des Beschuldig- ten C.____ vorgenommen hat. Namentlich hat es dessen E rstaussagen anlässlich der Einver- nahme als beschuldigte Person vom 14. Mai 2018 in einer Weise interpretiert, welche gestützt auf die konkreten Umstände als nicht nachvollziehbar erscheint. bb) In der genannten Einvernahme hat C.____ unter ander em folgende Depositionen getätigt: Zur Frage, "was können Sie zu diesem Unfall erzählen?" hat C.____ geantwortet: "(…) Wenn das Dach nicht durchbruchsicher ist, dann müssen entsprechen de Massnahmen gemäss Art. 35 BauAV ergriffen werden. Dort steht das Arbeit en auf nicht durchbruchsicheren Dachflä- chen ist nur auf Laufstegen gestattet. Und so ein Laufsteg war vorhanden." Zur Frage, "wie geht man konkret vor, wenn das Gerüst abmontiert wird; wann und wie werden die Laufstege ab- montiert?" hat er ausgeführt: "Genau in der umgekehrten Reihenfolge wie bei der Gerüstmonta- ge. Konkret wird zuerst das Gerüst abgebaut und dann am Schluss wird auch der Laufsteg von links nach rechts abgebaut." Dem Vorhalt, "als Vorgesetzte r von B.____ und A.____ und Si- cherheitsverantwortlicher der Firma D.____ AG hatten S ie die Pflicht, sich zu vergewissern, dass die Dachflächen, im vorliegenden Fall das Glasdach, du rchbruchsicher ist [sind]. Bei Fest- stellung, dass das Glasdach nicht durchbruchsicher ist, hä tten Sie wirksame Schutzmassnah- men treffen müssen." hat C.____ entgegnet: "Das ist all es richtig. Man muss gemäss Art. 35 BauAV die erforderlichen Massnahmen treffen, wenn das Glasdach nicht durchbruchsicher ist. Das Glasdach war nicht durchbruchsicher und aus diesem Grund haben wir den Laufsteg mon- tiert." Die Frage, "Herr C.____, welche Sicherungsmassn ahmen sind gegen den Durchbruch einer Dachfläche möglich?" hat der Beschuldigte so beantw ortet: "Diverse. Für mich stand in diesem vorliegenden Fall nur ein Laufsteg im Vordergru nd." Zur Frage, "wieso stand für die Seite 38 http://www.bl.ch/kantonsgericht [Sie] der Laufsteg im Vordergrund?" hat C.____ darge legt: "Weil man diesen auch als Abstell- basis für das Gerüst brauchen kann sowie zum Schutz des Glases und darunter laufenden Per- sonen." Die Frage, "wären auch andere Sicherungsmassnah men gegen den Durchbruch des Glasdaches an der E.____strasse in X.____ geeignet und an gezeigt gewesen?" hat der Be- schuldigte so beantwortet: "Nein, sonst wäre der Schutz der Person[en], die darunter umherlau- fen, nicht gewährleistet gewesen." Bezüglich der Frage , "welche Sicherheitsvorkehrungen bzw. Sicherungsmassnahmen wurden an der E.____strasse in X.___ _ getroffen, um B.____ und A.____ am 13. Mai 2014 vor einem Absturz vom Glasdach w ährend der Verrichtung der Arbei- ten zu sichern?" hat C.____ deponiert: "Die müssen nie auf das Glasdach stehen. Also es war zu keinem Zeitpunkt erforderlich auf das Glasdach zu stehen, um die Arbeiten zu verrichten." Dem Vorhalt, "die Regel 5 der SUVA betreffend Arbei ten auf [nicht] durchbruchsicheren Dach- flächen sieht folgende Sicherungsmassnahmen gegen den Dur chbruch vor: Montage von Auf- fangnetzen unter der Dachfläche; Erstellen einer trag fähigen Dachfläche mit umlaufendem Si- cherheitsschutz; tragfähige Laufstege mit beidseitigem G eländer. Wurde eine dieser Sicher- heitsmassnahmen auf der Baustelle an der E.____strasse in X.____ getroffen?" hat der Be- schuldigte entgegnet: "Ja, der Laufsteg wurde gemacht." Die Frage, "wieso wurde keine der drei genannten Sicherungsmassnahmen getroffen?" hat C .____ so beantwortet: "Eine der ge- nannten haben wir getroffen, das ist der Laufsteg." Den Vorhalt, "beim Laufsteg wurde aber kein Seitenschutz erstellt." hat er bestätigt: "Das ist richtig ." Zum weiteren Vorhalt, "gemäss Unfall- rapport der SUVA vom 2. Juli 2014 sei die Unfallursache , dass der Verunfallte auf einem nicht durchbruchsicheren Dach gearbeitet hat und aufgrund dess en gesichert hätte sein müssen, da die Absturzhöhe über 3,0 Metern lag. Zudem wird seitens des SUVA-Experten festgestellt, dass das Anbringen einer Lifeline oberhalb des Glasdachs, um die Gerüstmonteure gegen einen Ab- sturz zu sichern, technisch durchaus möglich gewesen wäre." erwidert der Beschuldigte: "Was soll ich sagen. Technisch ist sicher immer alles möglich. M an hätte auch in diesem Fall effektiv technisch eine Lifeline aufbauen können. Aber wissen Sie, es muss alles in einem Verhältnis stehen. In diesem Fall war der Aufwand für den Aufba u einer Lifeline schlichtweg nicht verhält- nismässig. (…)." Zur Frage, "würden Sie heute in punkto Sicherheitsvorkehrungen andere Massnahmen treffen?" hat C.____ ausgeführt: "Ich würde nicht mehr so Leute anstellen. Wenn einer auf das Glasdach steht und den Anweisungen nicht folgt, dann weiss ich nicht, was er sich überlegt hat." Die Frage, "inwiefern sind Sie der Meinung hat B.____ am 13. Mai 2014 sei- ne Arbeit nicht gut ausgeführt?" hat C.____ so beantwortet: "Seine Arbeit hat er gut ausgeführt. Aber dass A.____ auf das Dach konnte, das war nicht in Or dnung. Er und A.____ hatten die Seite 39 http://www.bl.ch/kantonsgericht ganz klare Anweisung, dass A.____ nicht auf das Dach geh en darf. Es war ein Verstoss gegen meine klare Anordnung." Bezüglich der Frage, "ist es kor rekt, dass die Person, welche die Schaltafeln auf dem Laufsteg zurücktransportiert, dass di ese Person gegen einen ausfälligen [allfälligen] Ausfallschritt, beispielsweise bei Verlust des Gleichgewichts, nicht gesichert ist?" hat der Beschuldigte zu Protokoll gegeben: "1,5 Meter Au sfallschritt ist meines Erachtens etwas gross. Aber es ist richtig, dass der Laufsteg keinen Seitenschutz hat. (…)." cc) Diese Aussagen, welche zwar erst vier Jahre nach dem Unfa ll getätigt worden sind, aber ungeachtet dessen zeitlich am nächsten zum fraglichen Ere ignis stehen und damit als eigentli- che Erstaussagen zu qualifizieren sind, welchen gerichtsnoto risch grundsätzlich ein erhöhter Beweiswert zuzusprechen ist, führen in ihrer Gesamtheit nach Überzeugung des Kantonsge- richts zum zwingenden Schluss, dass C.____ zu jenem Zeitpunkt die Ansicht vertreten hat, dass am 13. Mai 2014 betreffend die beiden an der E._ ___strasse in X.____ mit der Demonta- ge eines Gerüstes beschäftigten Mitarbeiter B.____ und A.____ als Sicherungsmassnahme vor einem Absturz vom Glasdach bzw. gegen einen Durchbruch durch das Glasdach ein Laufsteg ‒ notabene ein solcher ohne Seitenschutz ‒ genügt hat. Bekräftigt wird diese Schlussfolgerung durch die Ausführungen von C.____ in seinem Schreiben vom 13. Februar 2015 an den Rechtsvertreter des Privatklägers, in welchem er darlegt: "(…) Ihr Mandant war sehr wohl ge- wohnt, in der Höhe zu arbeiten, denn er hatte bereit s mehrere Engagements bei Gerüstfirmen und Gerüste werden meistens in die Höhe gebaut. (…). Betreffend Sicherungen etc. können wir Ihnen nur sagen, dass das ganze Gerüst auf den Trägern stand und von diesen getragen wur- de. Wenn ein Mitarbeiter sich aber entschliesst, aus eige nem Antrieb das gesicherte Standbrett zu verlassen, dann handeln nicht wir, sondern der Mitar beiter fahrlässig, und es wird relativ schwer, uns ein Versäumnis nachzuweisen. (…)." dd) Zwar hat der Beschuldigte im späteren Verlaufe des St rafverfahrens durchaus andere Sicherungsmassnahmen zur Sprache gebracht; so hat er be ispielsweise anlässlich der Kon- frontationseinvernahme mit den beiden Mitbeschuldigten vom 5. Februar 2019 dem Vorwurf, "Herr C.____, Sie werden beschuldigt, als Sicherheitsbe auftragter der D.____ AG und als für die Baustelle an der E.____strasse in X.____ verantwortl icher Bauführer B.____ und A.____, welche beide über keinerlei Ausbildung und Erfahrung mit Seilsicherungen verfügten und für die vorzunehmenden Arbeiten nicht geschult waren, mit dem so rgfaltspflichtwidrigen Abbau der Abstellbasis des Gerüsts beauftragt zu haben. Sie stellten die materiellen Ressourcen, nament- Seite 40 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich die erforderliche Lifeline, nicht zu Verfügung. ( …)." entgegnet: "Das ist nicht so. Ich weiss nicht, von wem Sie das haben mit der Lifeline. Ich k ann gemäss Art. 19 Abs. 1 [BauAV] diese Arbeiten mit einer PSAgA ausführen lassen. Das habe ich am Morgen des Unfalltages mit Herrn B.____ auf der Baustelle so besprochen. Die Vorgehensweise bei der Demontage konnte seitlich von einem sicheren Gerüst aus begonnen werden. D ie Art der Demontage sollte gesi- chert mit der PSAgA am Rahmen Stück für Stück vorgenomme n werden. Das heisst, Rahmen demontieren. Am nächsten Rahmen dann gesichert sein. Dann die ersten Bodenbeläge mit Styropor wegnehmen. Das wiederholt sich auf die ganze L änge über. Also entfernt man das Gerüst von links nach rechts in der Rückwärtsbewegung und sichert sich mit einer PSAgA im- mer an dem Rahmen, welcher im Rücken noch steht. (…)." Weiter hat der Beschuldigte auf den Vorhalt, "bei nicht dauerhaft durchbruchsicheren Teile n von Dächern müssen permanente Schutzeinrichtungen das Hindurchstürzen verhindern. Vorliegend haben B.____ und A.____ auf nicht dauerhaft durchbruchsicheren Teilen gearbeitet, w obei die Schutzeinrichtung, wie eine Lifeline, die das Hindurchstürzen durch das Dach verhind ert hätte, nicht angebracht wurde." erwidert: "Bei Arbeiten von geringem Umfang ist das n icht nötig. Ein Anseilschutz hätte ge- reicht. Damit meine ich den Anseilschutz, also eine PSA gA, mit einem korrekten Arbeitsablauf, wie ich es vorher beschrieben habe." Ferner hat C.____ auf den Vorwurf, "Herr C.____, heute haben Sie eine andere Vorgehensweise geschildert [als in der Einvernahme vom 14. Mai 2018]; wie kommt das?" geantwortet: "Nein, das stimmt nicht. Ich habe nie etwas anderes gesagt als Rahmen, Belag, Rahmen, Belag. Sie haben letztes Mal n icht nach einer Sicherung gefragt. Ich gebe nur das als Antwort, was man mich fragt. Da legen Sie ja Wert darauf. (…)." Abgesehen davon, dass C.____ die Vorgehensweise bei der Demontag e des Gerüstes am 14. Mai 2018 ("konkret wird zuerst das Gerüst abgebaut und dann am S chluss wird auch der Laufsteg von links nach rechts abgebaut.") diametral anders geschilder t hat als am 5. Februar 2019 ("ich ha- be nie etwas anderes gesagt als Rahmen, Belag, Rahmen, Belag."), ist es offensichtlich unzu- treffend, dass der Beschuldigte anlässlich der Einvernahm e vom 14. Mai 2018 nicht nach einer Sicherung gefragt worden sein soll. Vielmehr ist unmi ssverständlich danach gefragt worden, welche Sicherungsmassnahmen gegen den Durchbruch einer Dachfläche möglich seien, wo- rauf er unzweideutig geantwortet hat: "Diverse. Für mi ch stand in diesem vorliegenden Fall nur ein Laufsteg im Vordergrund." ee) Die vom Beschuldigten vorgebrachten Erklärungsversuche, weshalb er nicht bereits frü- her andere Sicherungsmassnahmen als den Laufsteg vorgebracht habe, erweisen sich als nicht Seite 41 http://www.bl.ch/kantonsgericht stichhaltig. Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Kant onsgericht hat er diesbezüglich Fol- gendes zu Protokoll gegeben: "Der Anseilschutz war für mi ch dermassen eine Selbstverständ- lichkeit, dass ich ihn in der Einvernahme vom 14. Mai 2 018 nicht ausdrücklich erwähnte. Ich habe ja die Zwei am Morgen des Unfalls entsprechend in struiert, und ich gebe jeden Monat in diesem Bereich Schulungen. Ich sah keinen Grund, dies aus drücklich in der Einvernahme zu erwähnen; ich wollte nicht mehr ausführen, als ich ge fragt wurde. Es ist mir nie in den Sinn ge- kommen, dass der Anseilschutz derart wichtig war, dass ich i hn von mir aus und ohne explizite Frage erwähnen musste; ich schaute im Protokoll mehr da rauf, dass mir aus dem von mir Ge- sagten kein Strick zu drehen war." "Ich weiss nicht mehr, weshalb ich in der Einvernahme vom 14. Mai 2018 die fehlende Seilsicherung nicht bemäng elt habe. Entscheidend für mich war, dass Herr A.____ schlicht auf den Boden gehört hätte." Wie die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger in diesem Zusammenhang zutreffend ausführen, ist es jedoch nicht plausibel, dass C.____ in einer über elfseitigen Einvernahme, in welcher es ohne Zweifel in zentraler Weise um Sicherungsmassnahmen bei Gerüstarbeiten auf einem nicht durchbruchsicheren Dach sowie um seine Verantwortlichkeiten als Bauführer und Sicher heitsbeauftragter der D.____ AG ge- gangen ist, vergisst ‒ dies notabene im Gegensatz zur Einvernahme vom 5. Februar 2019 ‒, zu erwähnen, dass er angeblich einen Seilschutz angeordnet haben soll. Dies ist im Übrigen umso unglaubhafter, als der anwaltlich vertretene Beschuldig te am Protokoll der Einvernahme vom 14. Mai 2018 im Nachgang zur Befragung zahlreiche Korr ekturen bzw. Ergänzungen ange- bracht hat. Auffällig ist ausserdem, dass der Beschuldigte seine Aussagen radikal geändert hat, nachdem der Bericht der SUVA vom 19. Juli 2018 zum klare n Schluss gekommen ist, dass im vorliegenden Fall eine Seilsicherung die richtige Schutzm assnahme gewesen wäre (vgl. nach- folgenden Absatz). Es ist noch einmal darauf hinzuweise n, dass C.____ in der Einvernahme vom 14. Mai 2018 unmissverständlich und explizit ausgeführ t hat, dass es zwar diverse Siche- rungsmassnahmen gegeben hätte, für ihn aber konkret nur eine davon ‒ nämlich der Laufsteg ‒ in Frage gekommen ist. Die ausdrückliche Frage, ob auch a ndere Sicherungsmassnahmen ge- gen den Durchbruch des Glasdaches an der E.____strasse in X.____ geeignet und angezeigt gewesen wären, hat der Beschuldigte mit "nein" beantw ortet. Damit verbleibt kein Raum, anzu- nehmen, für C.____ sei der Anseilschutz dermassen selbstverstä ndlich gewesen, dass er schlechterdings keiner Erwähnung bedurft hätte. Der Bes chuldigte ist zum Unfallzeitpunkt ganz offensichtlich der Meinung gewesen, in Bezug auf die G erüstdemontage habe als einzige Si- cherungsmassnahme für die Arbeiten auf dem Dach das Erst ellen eines Laufsteges genügt. Eine Ansicht, welche der Beschuldigte offensichtlich auch noch vor dem Kantonsgericht vertritt, Seite 42 http://www.bl.ch/kantonsgericht indem er die (alleinige) Ursache für den Unfall darin sieht, dass der Privatkläger entgegen sei- ner Weisung auf das Dach gestiegen sein soll (Protokoll KG S. 10 f.). ff) Den Darlegungen des Beschuldigten hat die SUVA in me hrfacher Hinsicht widersprochen. Im Unfallrapport der SUVA, Arbeitssicherheit Luzern, Bereich Bau, vom 2. Juli 2014 (act. 421 f.) steht zum Unfallhergang: "Bei der Demontage eines Ge rüstes, welches auf ein Glasdach ge- stellt wurde, war der Verunfallte dabei, den Schutzbe lag auf dem Glasdach zu demontieren. Dieser bestand aus Polystirolplatten und Schaltafeln. Al s der Verunfallte ein Brett hochheben wollte, verlor er das Gleichgewicht, machte einen Aus fallschritt auf das Glasdach, welches zer- brach. Als Folge dessen stürzte der Verunfallte ca. 4,50 Meter in die Tiefe auf einen betonierten Vorplatz, wo er sich erhebliche Verletzungen zuzog." Zur Unfallursache wird festgestellt: "Arbei- ten auf einer nicht durchbruchsicheren Dachfläche ohne Schutzmassnahmen gegen Absturz." Bezüglich relevante Vorschriften bzw. Regeln der Technik wird festgehalten: "Der Verunfallte arbeitete auf einem nicht durchtrittsicheren Dach im Si nne von Art. 33 BauAV und hätte dem- nach gesichert sein müssen, da die Absturzhöhe über 3,0 M etern lag (Art. 32 und 35 BauAV). Das Anbringen einer Lifeline oberhalb des Glasdachs, um die Gerüstmonteure gegen Absturz zu sichern, wäre technisch durchaus möglich gewesen." In de r Stellungnahme der SUVA, Ar- beitssicherheit Luzern, Bereich Support & Grundlagen, vom 19. Juli 2018 (act. 495 ff.) wird Fol- gendes ausgeführt: Die Frage, "gibt es Unterschiede zwische n einem Laufsteg, welcher als Abstellbasis für ein Gerüst oder als Sicherheitsmassnahme d ient? Was muss beachtet wer- den?" wird so beantwortet: "Es gibt einen Unterschied zwischen einem Laufsteg und einer Ab- stellbasis. Ein Laufsteg dient als sicherer Transportweg a uf einer nicht durchbruchsicheren Dachfläche und muss mit Geländern ausgestattet sein. Ein e Abstellbasis dient der Verteilung der Last, so dass ein Gerüst darauf abgestellt werden kan n." Zur Frage, "hätte vorliegend auf dem Glasdach ein Geländer als kollektive Schutzmassnahme aufgebaut werden müssen?" wird dargelegt: "Nein, ein Seitenschutz ist bei einer solchen Konstellation nicht vorgeschrieben. Hier handelt es sich um Arbeiten von geringem Umfang gemäss A rt. 32 BauAV. Diese Arbeiten müssen in maximal 2 Personenarbeitstagen erledigt sein. Unter dieser Voraussetzung ist ein Arbeiten im Anseilschutz erlaubt. Zudem müsste zur Montage eines Seitenschutzes jemand auf das Dach, der dann ungesichert arbeiten würde, bis das Geländer montiert ist." Zur Frage, "wie ist ein Laufsteg auf einem nicht durchbruchsicheren Gla sdach ordnungsgemäss abzubauen?" wird ausgeführt: "Die Mitarbeiter müssen zu jedem Zei tpunkt gegen Absturz gesichert sein. Es besteht die Möglichkeit, einen Anseilschutz zu tragen, od er die Arbeiten können aus Hubar- Seite 43 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsbühnen ausgeführt werden. Ein Fangnetz oder Fan ggerüst wie in Art. 35 BauAV wäre im vorliegenden Fall nicht verhältnismässig. Nach Art. 19 BauAV wäre vorliegend eine Seilsiche- rung die richtige Lösung." Die Frage, "wurden vorliegend die Schutzmassnahmen beachtet bzw. verletzt?" wird dahingehend beantwortet: "Die gemäss Ar t. 35, 32 und 19 BauAV erforderlichen Massnahmen wurden nicht getroffen." Schliesslich wird im Bericht der SUVA, Arbeitssicherheit Luzern, Bereich Support & Grundlagen, vom 14. März 20 19 (act. 517 ff.) dieses dargelegt: Auf den Vorhalt, "gemäss den Angaben von C.____ sei die Abst ellbasis des Gerüstes mit einem Abbau in einer Rückwärtsbewegung abzubauen gewesen, wo bei jeweils zuerst der seitliche Rahmen eines Gerüstelementes und erst danach die Abst ellbasis habe entfernt werden sollen. Dabei hätten sich die Arbeiter mit einem Anseilschutz am hinter ihnen noch stehenden Seiten- rahmen sichern sollen. Diese Sicherung sei jeweils nach Entfernung eines Gerüstelementes um ein Gerüstelement nach hinten zu verschieben gewesen." w ird vorgebracht: "Diese Vorgehens- weise funktioniert nur bis zum letzten Gerüstrahmen. An diesem würde der Mitarbeiter ungesi- chert arbeiten. Dabei handelt es sich nicht um die übl iche Vorgehensweise, weil der Mitarbeiter beim letzten Gerüstelement ungesichert wäre." Der Vorh alt, "gemäss Angaben von C.____ wä- re ein Arbeiten mit Lifeline nicht möglich gewesen. Diese Lifeline wäre an den Aufhängungen des Glasvordachs zu befestigen gewesen. Bei der Demonta ge wäre man in der Rückwärtsbe- wegung bei den einzelnen Dachaufhängungen angestossen. Ein Umhängen der Sicherung wä- re dann aufgrund der Höhendifferenz für den Arbeite r nicht möglich gewesen." wird so beant- wortet: "Die Vorbehalte sind nicht begründet. Wenn ei ne Seilsicherung nach Einschätzung von C.____ aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht mög lich war, hätte der Verunfallte ander- weitig gesichert werden müssen. Wir weisen darauf hin, d ass der Verunfallte überhaupt nicht gesichert war. Der Nachweis, dass der Schutz der Gesundh eit der Arbeitnehmer und ihre Si- cherheit gewährleistet ist [sind], ist vom Arbeitgeber zu erbringen." gg) Unbestritten ist des Weiteren, dass der Privatkläger ni cht geschult gewesen ist im Um- gang mit der persönlichen Schutzausrüstung (Protokoll K G S. 11). In der Einvernahme vom 14. Mai 2018 hat C.____ überdies zur Frage, "über w elche Ausbildung verfügte der Verunfall- te?" zur Antwort gegeben: "Keine." Zudem hat er die Frage, "in welcher Funktion war A.____ angestellt?" so beantwortet: "Als Hilfsarbeiter ohne Fachkenntnisse, also ohne spezielle Fach- kenntnisse." Bezüglich der entsprechenden Schulung des Beschuldigten B.____ in seiner Funk- tion als Gruppenchef ist ‒ soweit dies vorliegend überhaupt relevant ist ‒ auf die entsprechen- den Erwägungen im vorstehenden Anklagepunkt (oben E. 4.2.f/ff) zu verweisen. Seite 44 http://www.bl.ch/kantonsgericht hh) Nicht zweifelsfrei geklärt ist hingegen aufgrund diver gierender Aussagen die Frage, ob eine Weisung dahingehend bestanden hat, dass sich der Privatkläger nicht auf das Gerüst bzw. auf das Dach hätte begeben dürfen, wie dies der Beschu ldigte geltend macht. Bloss aufgrund des Umstandes, wonach zum Unfallzeitpunkt die Tätigkeit des Privatklägers in erster Linie darin bestanden hat, am Boden das von B.____ demontierte Ma terial entgegenzunehmen, lässt sich nicht ableiten, dass es ihm im Sinne einer Weisung verbo ten gewesen wäre, in die Höhe zu steigen. Immerhin hat der Beschuldigte in seinem berei ts zitierten Schreiben vom 13. Februar 2015 an den Rechtsvertreter des Privatklägers bloss moniert , dass sich der Privatkläger ent- schlossen habe, aus eigenem Antrieb das gesicherte Stand brett zu verlassen, nicht jedoch, dass sich dieser überhaupt auf dem genannten Standbrett befunden hat. Weiter ergibt sich aus den Akten, dass C.____ diesbezüglich unter anderem in der Einvernahme vom 14. Mai 2018 auf die Frage, "welche Anweisungen und Instruktionen haben [Sie] B.____ gegeben?" geant- wortet hat: "Ich habe ihm gesagt, dass er der einzige ist, welcher auf das Gerüst darf. Und dass A.____ unten bleiben muss. Ich habe A.____ auch persön lich mitgeteilt, dass er unten bleiben muss. (…)." Ausserdem hat er auf die Frage, "welche Anwei sungen und Instruktionen haben Sie A.____ gegeben?" ausgeführt: "Gar keine. Das macht der B.____, denn er ist auf der Bau- stelle sein Vorgesetzter. Ich habe ihm lediglich gesagt, dass er nicht auf das Gerüst darf, da er zu wenig Erfahrung auf dem Bau habe. (…)." Demgegenüb er hat C.____ in der Konfrontations- einvernahme vom 5. Februar 2019 auf die Frage, "habe n Sie eine Weisung erteilt, dass A.____ nicht auf das Glasdach steigen darf?" zu Protokoll gegeb en: "Das weiss ich nicht mehr." Auf den Vorhalt, er habe widersprechende Aussagen zur Frage getätigt, ob A.____ auf dem Gerüst habe arbeiten dürfen, hat der Beschuldigte vorgebracht : "(…) Ich habe es klar gesagt, dass er auf das Gerüst darf, aber nicht auf das Glasdach. Ich habe es vielleicht zu wenig präzisiert. Wenn ich richtig gehört habe, hat B.____ selber gesag t, dass er A.____ aufgefordert habe, auf das Dach zu steigen, obwohl er das nicht durfte." Vor d em Kantonsgericht schliesslich hat C.____ ausgesagt, auf der vorliegenden Baustelle hätte A.____ weder auf das Gerüst noch auf das Dach steigen dürfen (Protokoll KG S. 9). Der Privatkläger hat diesbezüglich anlässlich seiner Einver nahme vom 2. Februar 2018 depo- niert, es habe kein Verbot gegeben, Arbeiten auf Däch ern zu tätigen, es habe keine internen Weisungen betreffend Arbeiten auf Dächern gegeben. Wenn er sich richtig erinnern könne, ha- be C.____ ihm gesagt, er müsse auf das Dach steigen. Fe rner hat der Privatkläger in der Kon- Seite 45 http://www.bl.ch/kantonsgericht frontationseinvernahme mit B.____ vom 6. Mai 2019 zu Protokoll gegeben, weder B.____ noch C.____ hätten ihm verboten, Arbeiten auf dem Glasdach zu verrichten. C.____ habe nichts zu ihm gesagt, ob er hinaufgehen dürfe oder nicht. ii) Gestützt auf die dargelegten Erwägungen ist der inkrim inierte Sachverhalt in dem Sinne zusammengefasst erstellt, als der Beschuldigte C.____ nicht für eine genügende Sicherung der Baustelle an der E.____strasse in X.____ besorgt gewese n ist, obwohl er aufgrund seiner Stel- lung als Sicherheitsbeauftragter der D.____ AG und f ür die Baustelle zuständiger Bauführer gewusst hat, dass das am 13. Mai 2014 abzubauende Fassade ngerüst auf einem nicht durch- bruchsicheren Glasdach platziert gewesen ist, und beim Ab bau auch der gegenüber dem Glas- dach nicht abgeschrankte Laufsteg bzw. die Gerüstabstell basis auf der nicht durchbruchsiche- ren Glasfläche haben entfernt werden müssen. C.____ hat es weiter unterlassen, bei den Arbei- ten auf dem nicht durchbruchsicheren Glasdach für kolle ktive Schutzmassnahmen oder den Einsatz einer Hebebühne zu sorgen. Sofern dies nicht m öglich oder zweckmässig gewesen sein sollte, hätte er den Einsatz individueller Schutzma ssnahmen ‒ namentlich der PSAgA (Seilsicherung) ‒ anordnen müssen und auf der Baustelle lediglich Arbei ter einsetzen dürfen, welche im Umgang mit individuellen Schutzmassnahmen geschult und geübt gewesen sind. g) aa) In rechtlicher Hinsicht ist Folgendes zu erwägen: C.____ i st zum fraglichen Zeitpunkt so- wohl der Sicherheitsverantwortliche der Firma D.____ AG als auch der direkte Vorgesetzte von B.____ gewesen. Ausserdem ist die Baustelle an der E.____strasse in X.____ "seine" Baustelle gewesen, was bedeutet, dass er der zuständige Bauführer u nd damit verantwortlich gewesen ist, dass die Baustelle "richtig", d.h. ordnungsgemäss mo ntiert bzw. demontiert wird. Zu den Aufgaben der Bauleitung zählen gemäss der Praxis des B undesgerichts (BGer 1C_4/2012 vom 19. April 2012 E. 5.3; 6B_566/2011 vom 13. März 2012 E. 2.3.3; 6B_1016/2009 vom 11. Februar 2010 E. 5.2; je mit Hinweisen; vgl. oben E. 4.1.c) die Koordination und Überwa- chung der gesamten Bauarbeiten. Die Bauleitung muss di e durch die Umstände gebotenen Sicherheitsvorkehrungen anordnen und generell für die Einhaltung der anerkannten Regeln der Baukunde sorgen. Ausserdem muss die Bauleitung die Bauarbeiter sorgfältig auswählen, ihnen die notwendigen Anleitungen erteilen und sie überwach en. Damit hat der Beschuldigte in casu unbestreitbar eine Garantenstellung innegehabt, womi t er die nach den Umständen gebotenen Seite 46 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sicherheitsvorkehrungen hätte anordnen und sich in zumut barer Weise vergewissern müssen, dass diese tatsächlich ausgeführt und eingehalten werden. bb) Nach dem massgebenden Sachverhalt ist klar, dass C.____ k eine Sicherheitsvorkehrun- gen gemäss dem einschlägigen Recht und der augenschein lichen örtlichen Notwendigkeit an- geordnet und durchgesetzt hat. Nach Art. 3 Abs. 1 VUV hätte er zur Wahrung und Verbesse- rung der Arbeitssicherheit alle Anordnungen erteilen und alle Schutzmassnahmen treffen müs- sen, die den Vorschriften dieser Verordnung und den fü r seinen Betrieb zusätzlich geltenden Vorschriften über die Arbeitssicherheit sowie im Übrigen den anerkannten sicherheitstechni- schen und arbeitsmedizinischen Regeln entsprechen. Zwar ist davon auszugehen, dass er in Anwendung von Art. 5 Abs. 1 VUV persönliche Schutzausrü stungen zur Verfügung gestellt und dafür gesorgt hat, dass diese jederzeit bestimmungsgemäss verwendet werden können. Aller- dings hat er es versäumt, gemäss Art. 6 Abs. 1 VUV dafür zu sorgen, dass alle in seinem Be- trieb beschäftigten Arbeitnehmer über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren sowie über die Massnahmen der Arbeitssicherheit ausreichend und angemessen informiert und ange- leitet werden. Zudem hat er es insbesondere gestützt au f Art. 6 Abs. 3 VUV verpasst, dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer die Massnahmen der Arbeitssi cherheit auch einhalten. Weiter hat der Beschuldigte die Norm von Art. 7 VUV nicht be achtet, wonach er, soweit er seine Mitar- beiter mit bestimmten Aufgaben der Arbeitssicherheit b etraut hat, diese in zweckmässiger Wei- se hätte aus- und weiterbilden und ihnen klare Weisunge n und Kompetenzen erteilen müssen, wobei ihn die Übertragung solcher Aufgaben an einen Arbeitnehmer von vornherein nicht von seinen Verpflichtungen zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit entbunden hat. Vor allem aber hat es der Beschuldigte gestützt auf Art. 8 Abs. 2 lit. a BauAV, Art. 19 Abs. 1 BauAV, Art. 32 Abs. 1 lit. a BauAV und Art. 35 Abs. 1 BauAV in casu ve rsäumt, angesichts einer Absturzhöhe von mehr als drei Metern (konkret rund viereinhalb Mete rn) zur Gewährleistung der Sicherheit des Arbeitsplatzes gegen ein Durchbrechen durch das n icht durchbruchsichere Glasdach die hierfür erforderliche Absturzsicherung in Form eines Anse ilschutzes anzubringen, deren tat- sächliche Verwendung anzuordnen und mittels geeigneter Massnahmen zu überwachen. Im Ergebnis ist damit festzustellen, dass C.____ gegen sein e Sorgfaltspflichten als im vorstehen- den Fall verantwortlicher Bauführer sowie als Sicherheitsverantwortlicher verstossen hat. cc) In Bezug auf die Voraussehbarkeit der zum Erfolg führ enden Geschehensabläufe, wofür der Massstab der Adäquanz massgeblich ist, ist zu erwägen , dass nach der Adäquanztheorie Seite 47 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beschuldigte damit hat rechnen müssen, dass sich der Privatkläger zur Vornahme von ei- genen Demontagearbeiten oder zumindest im Rahmen der Hilfestellung im Zusammenhang mit den Arbeiten des Beschuldigten B.____ auf das Dach beg eben könnte. Selbst wenn der Privat- kläger allenfalls eine Weisung dergestalt, dass er nur A rbeiten am Boden hätte verrichten dür- fen, missachtet haben sollte, was aber wie vorgängig darg elegt nicht zweifelsfrei erwiesen ist, ist in casu massgebend, dass der Beschuldigte die Gefahre nstelle nicht gesichert und damit nicht für entsprechende Massnahmen zum Schutz der Arbeit er gesorgt hat. Das Verhalten des Beschuldigten, nämlich die unterlassene Sicherung der Arbeitsfläche vor einem Durchbrechen durch das Glasdach während der Demontage des Gerüstes i n einer Arbeitshöhe von rund vier- einhalb Metern, ist nach dem gewöhnlichen Lauf der D inge und den allgemeinen Erfahrungen des Lebens geeignet gewesen, einen Erfolg wie den eing etretenen herbeizuführen oder min- destens zu begünstigen. Damit ist die Adäquanz zweifellos zu bejahen. Der Einwand von C.____, den Geschädigten treffe ein Mitverschulden bzw. sogar das alleinige Verschulden, weil er sich ohne Grund auf das Dach begeben habe, vermag ihn nicht zu entlasten. Selbst wenn es sich als zutreffend erwiese, dass der Privatkläger gegen die Weisung des Beschuldigten auf das Dach gestiegen sein sollte, was aber wie mehrfach ausgeführt nicht zweifelsfrei erstellt ist, ist darauf hinzuweisen, dass das Strafrecht keine Verschu ldenskompensation kennt. Dieses allfällige ‒ bestrittene und aktenmässig nicht zweifelsfrei erstellte ‒ Mitverschulden bildet keinen "ganz aussergewöhnlichen Umstand" im Sinne der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs, mit dem schlechthin nicht hat gerechnet werden müssen un d der derart schwer wiegt, dass er alle anderen Ursachen, namentlich das Verhalten des Beschuldigten, in den Hintergrund drängt (vgl. BGer 6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 3.7; BGE 135 IV 56 E. 2.1). Wer eine spezifi- sche Kontrollverantwortung innehat, muss mit Fehlern re chnen (vgl. BGer 6B_174/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.4.2). Wie vorgängig dargelegt (vgl . oben E. 4.1.b), wird der adäquate Kau- salzusammenhang dann unterbrochen, wenn zu einer an sic h adäquaten Ursache eine andere Ursache hinzutritt, die einen derart hohen Wirkungsgra d aufweist, dass erstere nach wertender Betrachtungsweise als rechtlich nicht mehr beachtlich ersche int; entscheidend ist die Intensität der beiden Ursachen (BGE 130 III 182 E. 5.4). Das Verhalten eines Dritten vermag den Kausal- zusammenhang nur zu unterbrechen, wenn diese Zusatzursache derart ausserhalb des norma- len Geschehens liegt, derart unsinnig ist, dass damit nicht zu rechnen gewesen ist (BGE 142 IV 237 E. 1.5.2; BGer 6B_1388/2017 vom 4. April 2018 E. 4.5.2 f.). In concreto liegt das Verhalten des Geschädigten ‒ soweit es überhaupt zutreffend sein sollte, dass dieser zur Unterstützung der Demontagearbeiten von B.____ entgegen der Weisu ng von C.____ in die Höhe gestiegen Seite 48 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist ‒ nicht derart ausserhalb des normalen Geschehens, ist ni cht derart unsinnig, dass damit nicht zu rechnen gewesen ist. In casu hat es C.____ unte rlassen, eine nach aller Erfahrung augenscheinlich gefährliche Situation entgegen eindeuti gen gesetzlichen Vorschriften zu si- chern. Mit einer blossen ‒ und im Übrigen bestrittenen ‒ Anweisung an den Geschädigten, sich nicht auf das Dach zu begeben, hat er weder diesen Gefah renherd mittels geeigneten Mass- nahmen entschärft, noch hat er den allgemein einleuch tenden Vorschriften genügt. Anderweiti- ge, unterbrechenskausal zu wertende Umstände werden n icht vorgebracht und sind auch nicht ersichtlich. dd) Zu beurteilen bleibt die Frage der Vermeidbarkeit d es Erfolges, unter welchem Titel pra- xisgemäss ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und g eprüft wird, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre, w obei es für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters mindeste ns mit einem hohen Grad an Wahr- scheinlichkeit die Ursache des Erfolgs gebildet hat. Die sbezüglich steht ohne Weiteres fest, dass die fehlende Absturzsicherung bei einer Arbeitshöhe von rund viereinhalb Metern auf ei- nem nicht durchbruchsicheren Glasdach mit einem hohen Gra d an Wahrscheinlichkeit ursäch- lich für den Unfall und die damit verbundene Verletzu ngsfolge gewesen ist. Dass es sich im Übrigen bei den vom Privatkläger beim Unfall zugezogene n Verletzungen um eine schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB handelt, ist bereits bei der Prüfung des Anklage- vorwurfs gegen den Beschuldigten B.____ festgestellt wor den (vgl. oben E. 4.2.f/hh). Damit ist die Vermeidbarkeit des Erfolgseintritts zweifellos zu be jahen. Keine Fragen stellen sich schliesslich zur Gleichwertigkeit von Unterlassung und aktivem Tun. Bei pflichtgemässem Alter- nativverhalten von C.____, d.h. bei Absicherung des Gefahrenbereichs nach den einschlägigen gesetzlichen Normen, wäre es höchstwahrscheinlich nicht zu m Unfall des Privatklägers ge- kommen. Schliesslich ist es notorisch, dass Arbeiter unter Arbeits- und Termindruck oder ange- sichts einer durch Sicherheitsvorkehrungen empfundenen Um ständlichkeit die Eigensicherung gelegentlich zurückzustellen versucht sind und sich damit selbst gefährden. In diesem Sinne hat sich denn auch der Beschuldigte B.____ vernehmen lassen ( oben E. 4.2.f/ff). Genau dieser Gefährdung hat der Arbeitgeber vorzubeugen, zumal die Sicherungstechnik die Kernkompetenz des Gerüstbauers ist oder zumindest sein sollte (vgl. BGer 6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 3.8). Seite 49 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gemäss diesen Erwägungen ist der Beschuldigte C.____ i n Gutheissung der diesbezüglichen Berufungen der Staatsanwaltschaft und des Privatklägers sowie in Abänderung des angefoch- tenen Urteils der fahrlässigen schweren Körperverletzung durch Unterlassung nach Art. 125 Abs. 2 StGB (in Verbindung mit Art. 8 Abs. 2 lit. a B auAV, Art. 19 Abs. 1 BauAV, Art. 32 Abs. 1 lit. a BauAV und Art. 35 Abs. 1 BauAV) schuldig zu sprechen. 4.4 a) Den Beschuldigten D.____ hat die Vorinstanz ebenfalls mangels einer Sorgfaltspflichtver- letzung von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperve rletzung freigesprochen und dies- bezüglich im Wesentlichen dargelegt, D.____ habe in d er Person von C.____ einen Sicher- heitsverantwortlichen eingesetzt, dem er als langjähr iger und kompetent eingeschätzter Mitar- beiter vertraut habe. Er habe B.____ aufgrund von de ssen mehrjähriger Berufserfahrung als Gruppenchef und A.____ als Hilfsarbeiter einsetzen lass en. Die für die Seilsicherung benötigte Sicherheitsausrüstung habe er den Arbeitern zur Verfügung gestellt. Diese habe sich vor Ort im Fahrzeug befunden. D.____ habe in seiner (zumindest faktischen) geschäftsführenden Funktion die Pflichten als Arbeitgeber und Bauunternehmer getr agen. Er habe in Beachtung von Art. 4 Abs. 1 BauAV dafür gesorgt, dass auf jeder Baustelle eine weisungsbefugte Person für die Ar- beitssicherheit und den Gesundheitsschutz zuständig gewesen sei, nämlich in erster Linie der jeweilige Bauführer. Dies sei im konkreten Fall C.____ gewesen, welcher gleichzeitig Sicher- heitsverantwortlicher für das ganze Unternehmen gewesen sei. Dass D.____ die Verantwortung über die einzelnen Baustellen an die jeweiligen Bauf ührer delegiert habe, sei ohne Weiteres zulässig gewesen. D.____ habe als Geschäftsführer nicht auf jeder Baustelle die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften persönlich zu kontrollieren gehabt. Es sei somit an C.____ gewesen, auf der jeweiligen Baustelle die konkreten Instruktionen zu erteilen. Es lägen keine Hinweise vor, wonach D.____ hätte annehmen müssen, dass C.____ dieser Verantwortung nicht nachkom- men würde. Bei der Rekrutierung und Instruktion der b eiden Gerüstmonteure B.____ und A.____ sei ebenfalls keine Pflichtverletzung zu erkennen. B.____ habe über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügt und sei in der Vergangenheit auch schon für die D.____ AG tätig ge- wesen. Wie anzunehmen sei, sei B.____ hinreichend geschult gewesen, insbesondere auch für den Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz. Es lägen keine Hinweise vor, wonach D.____ vor dem Unfall hätte annehmen müssen , dass B.____ der Verantwortung als Gruppenchef nicht gewachsen gewesen wäre. Unter die sen Umständen sei es aus damali- ger Perspektive nicht pflichtwidrig gewesen, ihn für d iese Funktion vorzusehen. Ihm habe Seite 50 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____ A.____ als Hilfsarbeiter zugeteilt, welcher di e am Boden anfallende Arbeit hätte erledi- gen sollen, wofür dieser keine Schulung für den Umgan g mit der persönlichen Schutzausrüs- tung gegen Absturz benötigt habe. Die Verrichtung solch er Arbeiten in einer Zweiergruppe, be- stehend aus einem am Boden arbeitenden Hilfsmonteur und einem auf dem Gerüst arbeitenden Gruppenchef, sei gemäss Auskunft der SUVA branchenüblich und nicht zu beanstanden. Der Abbau des Gerüstes hätte konform mit den massgebenden Sicherheitsbestimmungen durchge- führt werden können, wenn an potentiellen Absturzstellen eine Seilsicherung eingesetzt worden wäre. Dass diese nicht realisiert worden sei und gar ni cht habe eingesetzt werden können, weil das Gerüst in anderer Weise abgebaut worden sei, sei nicht auf eine Unsorgfalt von D.____ in der betrieblichen Organisation zurückzuführen. In Beachtun g von Art. 3 Abs. 5 BauAV hätten geeignete Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestanden, insbesondere sei die für die Seilsiche- rung benötigte Ausrüstung vorhanden gewesen. Diese sei n achweislich professionell gewartet und soweit nötig jeweils ersetzt worden. Die in der A nklageschrift konkret vorgebrachten Tat- vorwürfe, wonach D.____ nicht für ein ausreichendes Siche rheitskonzept innerhalb der D.____ AG besorgt gewesen sei und die Einhaltung der Normen der Arbeitssicherheit auf Baustellen nicht überwacht habe, er nicht für die genügende Schulu ng von Mitarbeitern gesorgt habe, wel- che in Höhen und auf Dächern eingesetzt worden seien, und er nicht geeignetes Arbeitsmateri- al zur Verfügung gestellt habe, hätten sich demzufolge nicht bestätigt. b) Demgegenüber vertritt die Staatsanwaltschaft, wie be reits vorgängig dargelegt (vgl. oben E. 2.1.1), die Auffassung, angesichts der sich aus dem E insatz von Mitarbeitern ohne Fachaus- bildung ergebenden Risiken hätte D.____ als Gesamtverant wortlicher umso mehr Wert darauf legen müssen, dass diese "on the job" ausgebildet und n ur entsprechend ihren Kenntnissen eingesetzt würden. Soweit es den Tatsachen entsprechen so llte, dass alle eingesetzten Perso- nen im Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung geg en Absturz geschult worden seien, sei nicht nachvollziehbar, weshalb wiederholt die Auffass ung vertreten worden sei, der als Ge- rüstbaumitarbeiter beschäftigte Privatkläger habe das Gerüst von vornherein nicht betreten dür- fen. Für die Beschuldigten (C.____ und) D.____ sei nich t klar gewesen, welche Personen für eine bestimmte Aufgabe qualifiziert gewesen seien, bzw. diese hätten sich nur ungenügend um deren Schulung und Instruktion bemüht. Hätten (C.____ und) D.____ die ihnen obliegenden Pflichten genügend beachtet, wäre es nicht zum Unfallereignis am 13. Mai 2014 gekommen. Seite 51 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) Der Beschuldigte wiederum legt zusammengefasst dar (vg l. oben E. 2.5), es sei erstellt, dass die D.____ AG im Februar und März 2014 Schulungen für den Umgang mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz durch ein Drittunternehmen habe durchführen lassen. Ebenso sei erwiesen, dass die Firma im Frühjahr 2014 ihre Sch utzausrüstung habe überprüfen und so- fern nötig ersetzen lassen. Auch sei zu betonen, dass die Delegation der Instruktion in Sicher- heitsfragen und die Überwachung der Baustellen an den speziell für diesen Zweck eingestellten Sicherheitsbeauftragten C.____ klarerweise zulässig gewe sen sei. Von D.____ könne nicht erwartet werden, dass er jede Baustelle persönlich inspi zieren müsse. Für ihn sei der Unfall weder vorhersehbar noch zu verhindern gewesen. d) In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten D.____ zu r Last gelegt, er habe unter Nichtbeachtung seiner Sorgfaltspflichten fahrlässig die schweren Verletzungen von A.____ ver- ursacht, indem er nicht für ein ausreichendes Sicherheitsk onzept innerhalb der D.____ AG be- sorgt gewesen sei und die Einhaltung der Normen der Ar beitssicherheit auf Baustellen nicht überwacht habe. Zudem hätte er dafür sorgen müssen, dass die bei der D.____ AG eingesetz- ten Personen (temporär oder festangestellt) ohne entsp rechende berufliche Ausbildung für den Einsatz in Höhen und auf Dächern sowie im Umgang mit de r PSAgA (Seilsicherung) genügend geschult werden bzw. er hätte festlegen müssen, dass nur e ntsprechend ausgebildete Perso- nen für solche Arbeiten eingesetzt werden. Weiter hätt e der Beschuldigte geeignetes Arbeits- material (z.B. PSAgA oder Hebebühne) zur Verfügung st ellen müssen. Dabei seien für ihn ein Fehltritt eines Arbeiters sowie ein Sturz durch ein nic ht durchbruchsicheres Glasdach und dadurch herbeigeführte schwere Verletzungen eines Mensche n aufgrund seiner Arbeitserfah- rung und seiner Funktion individuell vorhersehbar und mit Blick auf seine umfassende Wei- sungsbefugnis auch vermeidbar gewesen. Die Sorgfaltspflichten des Beschuldigten D.____ werden in der Anklageschrift folgendermassen geschildert: Als CEO der D.____ AG bzw. als Präsident des Verwaltungsrats (gemäss Handels- register) bzw. als Inhaber der D.____ AG und deren best immende Persönlichkeit habe der Be- schuldigte durch sein Weisungsrecht für ein Sicherheitskonzept innerhalb der D.____ AG sowie für die Einhaltung der geltenden Normen zur Arbeitssi cherheit zu sorgen gehabt. Er sei für die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter sowie deren risikog erechte Instruktion und Überwachung zuständig gewesen. Er habe insbesondere darauf zu achten gehabt, dass die bei der D.____ AG eingesetzten Personen (temporär und festangestellt) ohne entsprechende Ausbildung für Seite 52 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Arbeit auf Gerüsten und Dächern sowie die Verwend ung von Absturzsicherungen (u.a. PSAgA, Seilsicherung) ausreichend instruiert und geschult werden. Weiter habe er innerhalb des Betriebs die zur Einhaltung der Vorschriften betref fend Arbeitssicherheit benötigten Ar- beitsmaterialien (Schutzausrüstungen gegen Absturz, Hebe bühnen etc.) zur Verfügung zu stel- len gehabt. e) aa) Im Rahmen der konkreten Würdigung des Anklagevorwurfs ist zu konstatieren, dass nach Überzeugung des Kantonsgerichts das Strafgericht zu Recht e rkannt hat, dass die in der An- klageschrift vorgebrachten Tatvorwürfe sich nicht bestätigt h ätten und infolgedessen der Be- schuldigte D.____ mangels einer Sorgfaltspflichtverletzu ng vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung freizusprechen sei. An dieser S chlussfolgerung vermögen die von der Staatsanwaltschaft in ihrer Berufung vorgebrachten Argumente nichts zu ändern. bb) Zutreffend ist zwar zweifellos, dass D.____ als faktischer I nhaber und CEO der D.____ AG die Garantenstellung des Arbeitgebers innegehabt ha t und damit grundsätzlich verantwort- lich gewesen ist erstens für die Erstellung eines Sicherhe itskonzepts ‒ beinhaltend auch die Instruktion und Schulung der Mitarbeitenden ‒ inklusive der Zurverfügungstellung der benötig- ten Arbeitsmaterialien sowie zweitens für die Einhalt ung der geltenden Bestimmungen zur Ar- beitssicherheit. Unzutreffend ist indes, dass D.____ tats ächlich nicht für ein ausreichendes Si- cherheitskonzept innerhalb der D.____ AG besorgt gewe sen sein und die Einhaltung der Nor- men der Arbeitssicherheit auf den Baustellen nicht überwacht haben soll. cc) Diesbezüglich ist zunächst festzustellen, dass eine persö nliche Überwachung der Normen der Arbeitssicherheit auf den Baustellen durch den Inha ber bzw. CEO eines Unternehmens mit einer betrieblichen Grösse von rund 200 Mitarbeitern n icht ernstlich erwartet und verlangt wer- den kann (vgl. hierzu das Pflichtenheft CEO der D.____ AG [act. 719 f.]), zumal unter anderem für genau diese Aufgabe Bauführer eingesetzt worden sind. In concreto ist dies der Beschuldig- te C.____ gewesen, welcher nebst seiner Funktion als B auführer ausserdem noch diejenige des Sicherheitsverantwortlichen für die gesamte Firma D. ____ AG bekleidet hat bzw. zum Ur- teilszeitpunkt immer noch bekleidet. Dass die Einsetzung von Bauführern bzw. einem Sicher- heitsverantwortlichen für die Überwachung der Normen der Arbeitssicherheit auf den Baustellen Seite 53 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter gleichzeitiger Delegation der entsprechenden Ve rantwortung an diese einer praktischen Notwendigkeit entspricht und zulässig ist, steht ausser Frage. dd) Wie bereits vorgängig beim Beschuldigten C.____ ausge führt, zählen nach der Praxis des Bundesgerichts zu den spezifischen Aufgaben der Bauleitun g die Koordination und Überwa- chung der gesamten Bauarbeiten. Sie muss die durch die Umstände gebotenen Sicherheitsvor- kehrungen anordnen und generell für die Einhaltung d er anerkannten Regeln der Baukunde sorgen. Die Bauleitung muss die Bauarbeiter sorgfältig auswählen, ihnen die notwendigen An- leitungen erteilen und sie überwachen. Vorliegend ist klar, dass D.____ alle sicherheitsrelevan- ten Aspekte an den Sicherheitsbeauftragten C.____ del egiert hat, schriftlich festgehalten im entsprechenden Pflichtenheft (act. 723 ff.). Gestützt hierauf haben zu dessen Aufgaben und Pflichten als Sicherheitsbeauftragter der D.____ AG au sdrücklich gehört: die Organisation von Sicherheitsschulungen; die Organisation von anderen Sch ulungen, welche im direkten Zusam- menhang mit dem Gerüstbau stehen; die Überwachung der Schulungen und das Verwalten der erstellten Diplome bzw. der Nachweise der Schulungsteiln ahmen; die Besprechungen mit der SUVA bei deren Reklamationen; die Bauleitung und -fü hrung von eigenen Projekten und Bau- stellen; die Kontrolle der eigenen Mitarbeiter auf Einhaltung der PSA, PSAgA und Schulung der Bauleiter; Ansprechpartner bei Unfällen; die Auswertu ng und Nachbearbeitung von Schäden; die proaktive Unfallverhütung; die Einführung neuer Mi tarbeiter in punkto Arbeitssicherheit so- wie die Schulung und Erarbeitung von neuen Sicherheitskonzepten der SUVA. ee) Ebenso klar ist, dass die Delegation der genannten siche rheitsrelevanten Aspekte an den Sicherheitsbeauftragten C.____ nicht zu beanstanden ist. Bei diesem handelt es sich um einen langjährigen und sehr erfahrenen Mitarbeiter im Bere ich des Gerüstbaus, welcher unbestritte- nermassen über die für die Ausübung seiner Funktion en tsprechende Ausbildung verfügt. Ge- stützt hierauf ist nicht ersichtlich, inwiefern D.____ di e Fähigkeit bzw. die Eignung von C.____ für die Erfüllung dessen Pflichten als Sicherheitsbeauf tragter hätte anzweifeln müssen. Des Weiteren ist auch die von D.____ mitgetragene Zusammen setzung des Zweimannteams B.____ und A.____ betreffend Demontage des Gerüstes an der E.____strasse in X.____ am 13. Mai 2014 nicht zu beanstanden. Zwar ist die Arbeit serfahrung des Privatklägers im Gerüst- bau relativ bescheiden gewesen, allerdings hätte dies er auf der vorliegenden Baustelle mut- masslich in erster Linie bloss am Boden tätig sein und da s Material entgegennehmen sollen. Vor allem aber hat der Beschuldigte B.____ zum Zeitp unkt des Unfalls über eine Berufserfah- Seite 54 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung im Gerüstbau bei diversen Firmen von rund 14 Jahren verfügt, wobei seine Arbeitsleistung von C.____ als gut beschrieben wird, womit seine Einsetzung als Gruppenchef nicht zu bemän- geln ist. Die Frage, wie gut B.____ und A.____ zum Unfallzeitpunkt im Umgang mit der Arbeits- sicherheit auf Baustellen geschult gewesen sind, kann an vo rliegender Stelle ausdrücklich of- fengelassen werden, da eine allfällig mangelhafte Schu lung ‒ gleich wie eine möglicherweise mangelhafte Instruktion vor Ort ‒ dem Sicherheitsbeauftragten und Bauführer C.____ anz ulas- ten wäre und nicht dem CEO D.____. ff) Schliesslich steht aufgrund der Beweislage (act. S 411 ff.; oben E. 4.2.f/ff) fest, dass das nötige Schutzmaterial professionell gewartet, regelmässi g ersetzt und zum fraglichen Zeitpunkt vom Arbeitgeber im Transporter vor Ort zur Verfügung gestellt worden ist. Dass dieses schliess- lich zum Unfallzeitpunkt nicht verwendet worden ist bzw . angesichts der tatsächlich vorgenom- menen Demontage des Gerüstes wohl gar nicht hätte ein gesetzt werden können, ist wiederum nicht dem Beschuldigten D.____ als CEO der D.____ AG v orzuwerfen. Abgesehen von der an- lässlich der ersten Einvernahme des Beschuldigten B.____ vom 16. Dezember 2016 aufgestell- ten Behauptung, wonach bei der D.____ AG Vorschriften regelmässig missachtet würden, wel- che er aber in der Folge mehrfach revidiert hat, sind überdies keinerlei objektiven Hinweise er- sichtlich, dass im Betrieb des Beschuldigten systematisch Sich erheitsbestimmungen unterlau- fen worden wären. Unter diesen Umständen sind allfäll ig vom Sicherheitsverantwortlichen be- gangene Sorgfaltspflichtverletzungen nicht unisono der Unternehmensführung anzukreiden. Nach diesen Feststellungen ist dem Beschuldigten D.____ keine Sorgfaltspflichtverletzung an- zulasten, womit dieser in Abweisung der diesbezüglichen Berufung der Staatsanwaltschaft und in Bestätigung des angefochtenen Urteils vom Vorwurf de r fahrlässigen schweren Körperverlet- zung freizusprechen ist. 5. Tatbestand der fahrlässigen Gefährdung durch Ver letzung der Regeln der Baukun- de 5.1 a) Das Strafgericht hat bezüglich des rubrizierten Anklagevo rwurfs erkannt, dass gegenüber den beiden Beschuldigten D.____ und C.____ keine Pfli chtverletzungen nachgewiesen seien, Seite 55 http://www.bl.ch/kantonsgericht weshalb diese nicht tatbestandsmässig gehandelt hätten u nd folglich von der entsprechenden Anklage freizusprechen seien. Demgegenüber hat die Vori nstanz betreffend den Beschuldigten B.____ ausgeführt, dieser habe im Rahmen seiner Funktio n bei der Ausführung eines Bauwer- kes eine Pflichtverletzung begangen, welche kausal zum Unfa ll des Privatklägers geführt habe, woraus folge, dass er diesem gegenüber auch pflichtwidrig eine Gefährdung geschaffen habe, womit der fragliche Tatbestand erfüllt sei. Weiter h at die Vorinstanz dargelegt, wenn die Reprä- sentationstheorie zum Ergebnis führen sollte, dass die Gefährdung der auf der Baustelle tätigen Mitarbeitenden deshalb nicht tatbestandsmässig sei, weil diese nicht vom Zufall ausgewählt seien, stehe dies in Widerspruch zur bundesgerichtlichen Praxis, wonach insbesondere alle am Bau beteiligten Mitarbeiter vom fraglichen Tatbestand geschützt werden sollen. So gehe aus diversen höchstrichterlichen Entscheiden hervor, dass die Ar beitnehmenden nach (immer noch aktueller) Auffassung des Bundesgerichts von Art. 229 StGB geschützt werden sollten, und es könne nicht angenommen werden, dass die in BGE 115 IV 4 5 E. 2c geäusserte Auffassung überholt sei. Die zahlreichen Normen im Bereich der Arb eitssicherheit und Unfallverhütung würden denn auch aufzeigen, dass der Gesetzgeber gerade die Mitarbeitenden vor den spezifi- schen Gefahren auf Baustellen schützen wolle. Es wäre kein eswegs einleuchtend, dass nur unbeteiligte Personen von diesem Gefährdungstatbestand geschützt werden sollten, wohinge- gen die besonders exponierten Arbeitnehmenden auf Bau stellen nur im Verletzungs- oder To- desfall einen strafrechtlichen Schutz erhalten sollte n. Es sei daher gestützt auf die bundesge- richtliche Rechtsprechung davon auszugehen, dass der strafre chtliche Schutz von Art. 229 StGB vorbehaltlos auch den an Bauarbeiten beteiligten Mitarbeitenden zukomme. b) Im Gegensatz hierzu legt der Beschuldigte B.____ in Bezug auf den Anklagevorwurf der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln de r Baukunde dar (vgl. oben E. 2.3.1.d), es werde daran festgehalten, dass die entsprechende ges etzliche Bestimmung von vornherein nicht anwendbar sei, da zu deren Erfüllung die konkrete Gefährdung einer Person nicht ausrei- che, solange diese nicht vom Zufall ausgewählt sei. Gest ützt auf die Anklage stehe vorliegend fest, dass zum Zeitpunkt der allfälligen Gefährdung ber eits von vornherein individuell bestimmt gewesen sei, wer konkret davon habe betroffen sein könn en, nämlich der Privatkläger. Nach- dem in Beachtung der Repräsentationstheorie zur Bejahu ng einer Gemeingefahr vorausgesetzt werde, dass auch andere, die Allgemeinheit zufällig r epräsentierende Individuen Zugang zum ungesicherten Arbeitsort gehabt hätten, dies aber wed er behauptet noch dargelegt werde, falle eine Anwendung des Tatbestandes von Art. 229 StGB ausser Betracht. Seite 56 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) Die Staatsanwaltschaft begehrt in ihrem Rechtsmittel, es seien auch die beiden Beschul- digten C.____ und D.____ wegen fahrlässiger Gefährdun g durch Verletzung der Regeln der Baukunde zu verurteilen, verzichtet in der Folge aber sowohl in ihren schriftlichen Eingaben als auch in ihrem Parteivortrag auf eine diesbezügliche s ubstantiierte Begründung. Lediglich im Zusammenhang mit der entsprechenden Berufung des Beschul digten B.____ bringt die Staats- anwaltschaft vor, die Anwendung der Repräsentationstheo rie nach den unzutreffenden Vorstel- lungen von B.____ hätte zur Folge, dass gerade diejeni gen Personen, zu deren Schutz die BauAV in erster Linie diene, vom Anwendungsbereich von Art. 229 StGB ausgenommen wür- den (vgl. oben E. 2.1.2.c). 5.2 Nach Art. 229 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bi s zu drei Jahren oder Geldstrafe – wobei mit Freiheitsstrafe eine Geldstrafe zu verbinden ist – bestraft, wer vorsätzlich bei der Lei- tung oder Ausführung eines Bauwerkes oder eines Abbru ches die anerkannten Regeln der Baukunde ausser Acht lässt und dadurch wissentlich Leib und Leben von Mitmenschen gefähr- det. Lässt der Täter die anerkannten Regeln der Baukund e fahrlässig ausser Acht, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe (Art. 229 Abs. 2 StGB). Nach Lehre und Praxis kann die Tathandlung sowohl in aktivem unsach gemässem Handeln als auch im Unterlassen gebotener Schutzmassnahmen bestehen. Art. 229 StGB statuiert im Ergebnis eine Garantenstellung des Täters aus Ingerenz, indem er Pe rsonen, die im Rahmen der Leitung o- der Ausführung von Bauwerken Gefahren schaffen, anhält, für ihren Verantwortungsbereich die Sicherheitsregeln einzuhalten. Täter nach Art. 229 StG B kann nur jemand sein, in dessen Ver- antwortungsbereich die Einhaltung von Regeln der Bau kunde fällt. Art. 229 StGB wird nach der absolut herrschenden Lehre als konkretes Gefährdungsdeli kt angesehen. Hat sich niemand oder nur der Täter in der Gefahrenzone befunden ode r sind lediglich Sachen gefährdet gewe- sen, entfällt die Anwendung. Im Sinne der Repräsentat ionstheorie ist die Norm anwendbar, wenn auch nur eine einzelne Person gefährdet worden ist, vorausgesetzt wird jedoch, dass die- se nicht von vornherein individuell bestimmt, sondern vom Zufall ausgewählt ist (G ÜNTER STRATENWERTH / FELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, BT II, 7. Auflage, Bern 2 013, § 30 Rz. 32, mit Hinweisen; B RUNO ROELLI , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Ba sel 2019, N 9, 20 und 41 zu Art. 229 StGB, mit Hinweisen ; STEFAN TRECHSEL / ANNA CONINX , in: Trechsel / Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Auflage, Zürich / St. Gallen 2021, N 8 zu Art. 229 StGB sowie N 2 vor Art. 221 StGB, mit Hinweisen). Seite 57 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 a) Die Vorinstanz beruft sich in ihrem Urteil in erster L inie auf BGE 115 IV 45. Im genannten Entscheid wird erstens unter E. 2.b) der Begriff des Ba uwerks in einem umfassenden Sinne definiert und zweitens unter E. 2.c) dargelegt, dass Art . 229 StGB Leib und Leben aller Men- schen schützen will, die im Zusammenhang mit einem Bau betroffen werden können, insbeson- dere aber alle am Bau beteiligten Mitarbeiter. Hier bei ist zu bemerken, dass das Bundesgericht bei seiner zitierten Erwägung 2.c) ausdrücklich auf S TRATENWERTH verweist, welcher seiner- seits ein unmissverständlicher Verfechter der Repräsentation stheorie ist. Dies legt den Schluss nahe, dass die von der Vorinstanz aufgenommenen Darlegu ngen des Bundesgerichts nicht im Widerspruch zur Repräsentationstheorie zu verstehen sind , sondern vielmehr in allgemeiner Form den Kreis der möglichen Betroffenen umfasst. Dafü r, dass es dem Bundesgericht im ge- nannten Entscheid nicht darum gegangen ist, den Kreis der Betroffenen in dem von der Vo- rinstanz verstandenen Sinne verbindlich zu definieren, s pricht auch, dass in der Regeste des betreffenden Entscheides der Personenkreis keinen Wiederkl ang gefunden hat und hier ledig- lich in Ziffer 3 dargelegt wird: "Unsorgfältiges Manövr ieren mit einem Bagger als Verletzung der Regeln der Baukunde, jedenfalls bei Verwirklichung ein er bautypischen Gefahr; sinngemässe Anwendung der Vorschriften des Strassenverkehrsrechts." In folgedessen ist der zitierte Ent- scheid nicht geeignet, die Ansicht des Strafgerichts zu stützen. b) Nachdem Art. 229 StGB im Strafgesetzbuch unter dem sieb enten Titel "gemeingefährliche Verbrechen und Vergehen" eingeordnet ist, erscheint es nach Ansicht des Kantonsgerichts als sachgerecht, der soweit ersichtlich absolut herrschenden Doktr in zum Begriff der "Gemeinge- fahr" zu folgen und in diesem Zusammenhang vorauszusetze n, dass es zur Erfüllung des Tat- bestandes zwar genügt, wenn tatsächlich nur eine Person konkret in Gefahr gerät, dies aber ausschliesslich einzig dann, wenn der Kreis der möglichen B etroffenen nicht von vornherein individuell bestimmt, sondern vom Zufall ausgewählt ist. Es wird mithin vorausgesetzt, dass das gefährdete einzelne Rechtsgut die Allgemeinheit repräs entiert, damit das Element der Gemein- gefahr gegeben ist (vgl. zur Gemeingefahr und zur Repr äsentationstheorie die publizierten Ent- scheide KGer 460 16 240 vom 16. August 2017 E. 4.2 f. sowie 460 20 161 vom 12. Januar 2021 E. 6.3). Seite 58 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) Die Vorinstanz verkennt, dass es nicht der Auffassung des K antonsgerichts entspricht, wonach lediglich unbeteiligte Personen vom Gefährdungst atbestand gemäss Art. 229 StGB geschützt werden und die besonders exponierten Arbeit nehmenden auf Baustellen nur im Ver- letzungs- oder Todesfall einen strafrechtlichen Schutz erhalten sollen. Es steht ausser Frage, dass der strafrechtliche Schutz von Art. 229 StGB grunds ätzlich vorbehaltlos auch den an Bau- arbeiten beteiligten und besonders exponierten Mitarbeitenden zukommt. Unter den tatbeständ- lichen Begriff "Mitmenschen" fallen sowohl alle Personen, welche an der Leitung, Kontrolle oder Ausführung des Bauwerkes mitwirken, wie auch andere Personen, wie z.B. Passanten, Bewoh- ner und Nachbarn (vgl. R OELLI , a.a.O., N 42 zu Art. 229 StGB). Entscheidend ist abe r, dass diese ‒ um der Tatsache, dass der fragliche Tatbestand ein gem eingefährliches Delikt darstellt, Rechnung zu tragen ‒ vom Zufall ausgewählt sein müssen und nicht von vornherein individuell bestimmt sein dürfen, was indes vorliegend geschehen i st. Vielmehr hätte die Staatsanwalt- schaft nachweisen und entsprechend anklagen müssen, dass nicht nur der Privatkläger und der Beschuldigte B.____ durch allfällig pflichtwidriges Ve rhalten der drei Beschuldigten gefährdet gewesen sind, sondern auch andere, zufällig ausgewählte und die Allgemeinheit repräsentie- rende Personen, namentlich weitere Mitarbeitende oder Passanten. 5.4 a) Im vorliegenden Fall wird dem Beschuldigten B.____ zu r Last gelegt, er habe bei der De- montage des Fassadengerüstes auf einem nicht durchbruchsicheren Glasdach als weisungsbe- fugter Gruppenführer die Vorschriften betreffend Siche rung gegen Abstürze und Stürze durch das Dach pflichtwidrig unvorsichtig ausser Acht gelassen, was zu einem Sturz des Privatklägers durch das Glasdach aus einer Höhe von ca. viereinhalb Mete rn geführt habe, wobei sich dieser über die eingetretene Gesundheitsschädigung hinaus in Todesgefahr befunden habe. Gestützt auf die Anklageschrift steht somit fest, dass zum Zeitpun kt der allfälligen Gefährdung bereits von vornherein individuell bestimmt gewesen ist, wer konkret davon betroffen sein könnte, näm- lich ausschliesslich der Privatkläger. Nachdem in Beachtung der Repräsentationstheorie zur Bejahung einer Gemeingefahr vorausgesetzt wird, dass au ch andere, die Allgemeinheit zufällig repräsentierende Individuen und nicht nur die genannte Person nicht gegen einen Absturz bzw. einen Sturz durch das Dach gesichert gewesen sind, dies aber weder behauptet noch dargelegt wird, fällt eine Anwendung des Tatbestandes von Art. 2 29 StGB ausser Betracht. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang sodann Folgendes: Echte Konk urrenz zwischen verschiedenen Tatbeständen kann nur dann vorliegen, wenn nicht die gleichen Rechtsgüter betroffen sind. Seite 59 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach der von der Vorinstanz vertretenen Rechtsauffassung geht es in concreto aber sowohl beim Tatbestand der (fahrlässigen) Körperverletzung als a uch bei demjenigen der (fahrlässi- gen) Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Bauku nde im Kern um das gleiche Rechts- gut, nämlich die körperliche Unversehrtheit des Privatklägers. Damit das Gefährdungsdelikt von Art. 229 StGB nicht durch das Erfolgsdelikt von Art. 125 StGB konsumiert wird, ist vorausge- setzt, dass ein anderes Rechtsgut gefährdet sein muss als das bereits verletzte. In diesem Sin- ne wird in der Lehre unter Verweis auf die bundesgerichtliche Praxis denn auch postuliert, dass, wenn es zu einer Verletzung kommt, echte Konkurrenz nur dann vorliegt, wenn neben dem Ver- letzten noch weitere Personen gefährdet gewesen sind, ansonsten Art. 229 StGB durch die Art. 111 ff. StGB und Art. 122 ff. StGB konsumiert wi rd (vgl. WOLFGANG WOHLERS , Schweizeri- sches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. Auflage, Ber n 2020, N 5 zu Art. 229 StGB, mit Hinweisen; BGer 6B_25/2012 vom 17. August 2012 E. 2; B GE 109 IV 16). Auch aus diesem Grund fällt eine zusätzliche Verurteilung wegen (fahrl ässiger) Gefährdung des Privatklägers durch Verletzung der Regeln der Baukunde ausser Betracht , nachdem bereits hinsichtlich des nämlichen Sachverhalts eine Verurteilung wegen (fahrlä ssiger) schwerer Körperverletzung in Bezug auf den Privatkläger ergangen ist. Gemäss diesen E rwägungen ist der Beschuldigte B.____ in Gutheissung seiner diesbezüglichen Berufung und dementsprechend in Abänderung des angefochtenen Urteils vom Vorwurf der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Re- geln der Baukunde freizusprechen. b) In Bezug auf den Beschuldigten C.____ gilt gleicherma ssen das bereits vorgängig zum Beschuldigten B.____ Ausgeführte. C.____ wird vorgewor fen, er habe bei der Demontage des Fassadengerüstes auf einem nicht durchbruchsicheren Glasdach als zuständiger Bauführer und Sicherheitsbeauftragter die Vorschriften betreffend Sicherung gegen Abstürze und Stürze durch das Dach pflichtwidrig unvorsichtig ausser Acht gelassen. Durch Nichtbeachtung dieser Vor- schriften habe sich der Privatkläger über die eingetrete ne Gesundheitsschädigung hinaus in Lebensgefahr befunden. Weiter sei auch der ebenfalls un gesichert auf der sich im Abbau be- findlichen Gerüstabstellbasis bzw. dem Laufsteg tätige Beschuldigte B.____ an Leib und Leben gefährdet gewesen. Hier ist ebenso von vornherein klar gewesen, dass der Kreis der allenfalls gefährdeten Personen aus zwei genau definierten, indivi duellen Personen, nämlich dem Privat- kläger (wobei wiederum der vorliegende Tatbestand durch denjenigen der fahrlässigen schwe- ren Körperverletzung konsumiert würde) und dem Beschu ldigten B.____, bestanden hat. Da dies in Nachachtung der Repräsentationstheorie jedoch ni cht ausreicht, um vom Vorliegen ei- Seite 60 http://www.bl.ch/kantonsgericht nes gemeingefährlichen Delikts auszugehen, ist auch der Beschuldigte C.____ in Bestätigung des angefochtenen Urteils und demnach in Abweisung der diesbezüglichen Berufungen der Staatsanwaltschaft und des Privatklägers vom Vorwurf der fahrlässigen Gefährdung durch Ver- letzung der Regeln der Baukunde freizusprechen. c) Dem Beschuldigten D.____ wird schliesslich angelastet, e r habe bei der Demontage des Fassadengerüstes auf einem nicht durchbruchsicheren Glas dach als Bauunternehmer und be- stimmende Person innerhalb der D.____ AG die Vorschrif ten betreffend Sicherung gegen Ab- stürze und Stürze durch das Dach pflichtwidrig unvorsichti g ausser Acht gelassen, was zu ei- nem Sturz des Privatklägers durch das Glasdach aus einer Höhe von ca. viereinhalb Metern geführt habe, wodurch sich dieser über die eingetrete ne Gesundheitsschädigung hinaus in Le- bensgefahr befunden habe. Weiter sei zudem der ebenfa lls ungesichert auf der sich im Abbau befindlichen Gerüstabstellbasis bzw. dem Laufsteg tätige Beschuldigte B.____ an Leib und Le- ben gefährdet gewesen. Auch hier gilt das bereits zu d en beiden Mitbeschuldigten Dargelegte. So ist gleichermassen von vornherein klar gewesen, dass d er Kreis der allenfalls gefährdeten Personen aus zwei genau definierten, individuellen Per sonen, nämlich dem Privatkläger und dem Beschuldigten B.____, bestanden hat. Nachdem die s in Nachachtung der Repräsentati- onstheorie nicht ausreicht, um vom Vorliegen eines gemeingefährlichen Delikts auszugehen, ist desgleichen der Beschuldigte D.____ in Bestätigung des angefochtenen Urteils und demnach in Abweisung der diesbezüglichen Berufung der Staatsanwalt schaft vom Vorwurf der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde freizusprechen. 6. Tatbestand der versuchten Begünstigung 6.1 a) Die Vorinstanz hat den Beschuldigten B.____ vom Vorwur f der versuchten Begünstigung freigesprochen und dies damit begründet, der Darstell ung der Staatsanwaltschaft, wonach die Aussagen von B.____ über die angeblich gänzlich fehlend e Instruktion und Schulung in der Einvernahme vom 16. Dezember 2016 glaubhaft seien, sei nicht zu folgen. Auf diese Aussagen sei nicht abzustellen. Vielmehr sei anzunehmen, dass es am 13. Mai 2014 ein lnstruktionsge- spräch gegeben habe und dass B.____ im Umgang mit der p ersönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz geschult gewesen sei. Wenn im Zweifel zu G unsten von B.____ angenommen Seite 61 http://www.bl.ch/kantonsgericht werde, dass die Instruktion durch C.____ unzureichend ge wesen sein könnte, ändere dies nichts daran, dass es ein lnstruktionsgespräch gegeben ha be. Somit sei nicht nachgewiesen, dass die Aussagen von B.____ vom 5. Februar 2019, mit w elchen er seinen früheren Darstel- lungen vom 16. Dezember 2016 hinsichtlich der gänzlich feh lenden Instruktion und Schulung widersprochen habe, unzutreffend gewesen seien. Infolgedessen sei der Sachverhalt von Ziffer II der Anklageschrift, wonach B.____ versucht habe, sein e Mitbeschuldigten zu Unrecht der Strafverfolgung zu entziehen, nicht erstellt. b) Demgegenüber vertritt die Staatsanwaltschaft bezüglich des rubrizierten Anklagepunktes zusammengefasst die Auffassung (vgl. oben E. 2.1.1.a), der radikale und unerklärliche Wechsel im Aussageverhalten des Beschuldigten B.____ ab dem Zei tpunkt der Konfrontationseinver- nahme vom 5. Februar 2019 sei auffallend. Die von ihm vorgebrachte Erklärung, wonach er auf blosses Bitten des Privatklägers hin in seiner ersten Ein vernahme am 16. Dezember 2016 fal- sche Anschuldigungen gegen die anderen beiden Beschuldig ten C.____ und D.____ zu Proto- koll gegeben habe, mache keinen Sinn. Das Motiv des Beschuldigten B.____ für eine Begünsti- gung der beiden Mitbeschuldigten sei darin zu sehen, d ass seine Tochter bei Aufrechterhaltung der Anschuldigungen gegen die D.____ AG nach Eröffnu ng des Strafverfahrens wohl kaum eine Lehrstelle dort hätte antreten können. c) Der Beschuldigte B.____ wiederum ist der Auffassung (vg l. oben E. 2.3.2), es sei sehr wohl zutreffend, dass er anlässlich seiner ersten Befragun g gegen die beiden Beschuldigten C.____ und D.____ ausgesagt habe, um dem Privatkläger e inen Gefallen zu tun, weil dieser offenbar mit seinen Forderungen gegenüber der SUVA n icht weitergekommen sei. Auch habe er keinerlei Motiv gehabt, die beiden Mitbeschuldigte n im Nachhinein zu begünstigen, da seine Tochter zum Zeitpunkt der Konfrontationseinvernahme vom 5. Februar 2019 bereits seit rund einem Jahr bei der D.____ AG angestellt gewesen sei, gleich wie im Übrigen zahlreiche Ver- wandte von ihm schon seit Jahren bei der genannten Firma beschäftigt gewesen seien. 6.2 a) Gemäss Art. 305 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe b is zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden der Strafverfolgung, dem Strafvollzug oder dem Vollzug einer der in den Artikeln 59-61, 63 und 64 vorgesehenen Massnahmen entzie ht. Geschütztes Rechtsgut ist die ungehinderte Strafrechtspflege überhaupt. Die begün stigte Person muss grundsätzlich straffä- Seite 62 http://www.bl.ch/kantonsgericht hig sein. Nach vorherrschender Auffassung ist aber nicht vorausgesetzt, dass sie sich tatsäch- lich strafbar gemacht hat. Täter kann jedermann sein, a uch ein Organ der Strafrechtspflege selber. Strafverfolgung ist das Verfahren, welches der Abklärung dient, ob eine Person schuldig ist oder nicht. Darunter fallen sowohl bereits eingele itete Verfahren als auch solche, welche unmittelbar bevorzustehen scheinen. Begünstigung kann ab er auch ein Verhalten sein, das schon die Eröffnung eines Strafverfahrens verhindern soll. Der Begriff der "Strafverfolgung" um- fasst alle Verfahren, die gemäss Art. 6 EMRK eine straf rechtliche Anklage betreffen. Der Termi- nus "entziehen" verweist nach herrschender Meinung auf einen Erfolg, dessen Definition aller- dings umstritten ist. Die Tathandlung ist im Gesetz nicht näher beschrieben. Sie kann sich direkt auf die Person des Begünstigten beziehen, auf die Tätig keit der Strafverfolgungsbehörden, auf Spuren und Beweismittel oder auf die Strafvollstreckun g. Selbstbegünstigung ist straflos, auch wenn gleichzeitig Dritte mitbegünstigt werden. Subjek tiv ist Vorsatz erforderlich, Eventualvor- satz genügt. Er muss bewusst darauf gerichtet sein, einen Dritten in erheblichem Masse der Strafrechtspflege zu entziehen (M ARK PIETH / MARLEN SCHULTZE , in: Trechsel / Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Auflage , Zürich / St. Gallen 2021, N 1 ff. zu Art. 305 StGB, mit zahlreichen Hinweisen). b) Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eine s Verbrechens oder Vergehens be- gonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende od er tritt der zur Vollendung der Tat gehören- de Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten , so kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Nach dem Wortlaut der Norm mu ss der Täter mit der Ausführung der Tat begonnen haben. Dies erfordert implizit, dass er zuvor ei nen auf ihre Begehung gerichteten Entschluss gefasst hat. Vom vollendeten Delikt unterscheid et sich der Versuch dadurch, dass der objektive Tatbestand nur zum Teil verwirklicht wird, während der subjektive Tatbestand hier wie dort erfüllt sein muss. Zum Tatentschluss gehört stet s der Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. Erfordert der Tatbestand zusätzlich subjektive Un rechtsmerkmale, so müssen nach einhelliger Auffassung auch sie gegeben sein. Nach der Praxis des Bundesgerichts wird zum Beginn der Ausführung jede Tätigkeit gerechnet, die nach dem Plan, den sich der Täter ge- macht hat, auf dem Weg zum Erfolg den letzten entschei denden Schritt darstellt, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen äusse rer Umstände, die eine Weiterverfol- gung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1; M ARCEL ALEXANDER N IGGLI / STEFAN MAEDER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Base l 2019, N 1 ff. zu Art. 22 StGB, mit Hinweisen). Seite 63 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 a) Im vorliegenden Fall wird dem Beschuldigten B.____ i n der Anklageschrift zur Last gelegt, er habe anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 5. F ebruar 2019 zum Unfallhergang vom 13. Mai 2014 wissentlich und willentlich falsche Au ssagen gemacht, indem er unter über- mässiger Belastung seiner eigenen Person und unter Bela stung des Privatklägers angegeben habe, dass er anlässlich der Einvernahme vom 16. Dezember 2016 unzutreffende Aussagen gemacht habe und stattdessen vor Aufnahme der Arbeiten an der E.____strasse in X.____ durch den Beschuldigten C.____ über das vorschriftsgemässe Vorgehen beim Abbau des Fas- sadengerüstes instruiert worden sei und er sowie der Pri vatkläger für die vorzunehmenden Ar- beiten genügend ausgebildet gewesen seien. Er habe di es getan, um die beiden Beschuldigten C.____ und D.____ der Strafverfolgung zu entziehen. b) In concreto ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte B._ ___ im Verlaufe des Strafverfah- rens tatsächlich sehr unterschiedliche Aussagen gemacht hat hinsichtlich der von C.____ erhal- tenen konkreten Instruktionen zur Demontage des Gerüstes sowie bezüglich seiner allgemei- nen Ausbildung und Schulung (vgl. oben E. 4.2.f/ff). So hat er namentlich in der Einvernahme vom 16. Dezember 2016 zuerst vorgebracht, keine Instru ktionen bekommen und keine Schu- lungen im Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung gemacht zu haben. Dies hat er dann in den Konfrontationseinvernahmen mit den Mitbeschuld igten vom 5. Februar 2019 sowie mit dem Privatkläger vom 6. Mai 2019 dahingehend relativi ert, dass er doch instruiert worden sei und eine entsprechende Schulung absolviert habe. Schlie sslich hat B.____ in der Einvernahme vom 28. Mai 2019 wieder eingestanden, keine Schulung i m Umgang mit PSAgA gemacht zu haben. Allerdings hat der Beschuldigte B.____ nicht nu r zu diesen aufgeworfenen Punkten wi- dersprüchliche Depositionen zu Protokoll gegeben, sonde rn ‒ soweit man seine verschiedenen Einvernahmen miteinander vergleicht ‒ nahezu alle ihm gestellten Fragen im Verlaufe der Zeit diametral unterschiedlich beantwortet (vgl. oben E. 4 .2.f/cc ff.). Abgesehen davon ist es ge- richtsnotorisch durchaus nicht unüblich, dass Aussagen wäh rend eines Strafverfahrens geän- dert werden ‒ zumal eine beschuldigte Person bekanntermassen nicht zur wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet ist ‒ und insbesondere an Konfrontationseinvernahmen mit Mitbeschuldig- ten belastende Aussagen relativiert werden, was denn auch vorliegend geschehen ist. Hinzu kommt, dass in Würdigung aller Aussagen und weiteren Ind izien durchaus nicht zweifelsfrei erstellt ist, ob nun die Erstaussagen vom 16. Dezember 2 016 (wie von der Staatsanwaltschaft Seite 64 http://www.bl.ch/kantonsgericht propagiert) oder diejenigen vom 5. Februar 2019 (wi e vom Strafgericht angenommen) mehr Wahrheitsgehalt beinhalten. Ausserdem ist es nach dem Ve rständnis des Kantonsgerichts und entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft B.____ von vornherein nicht darum gegangen, mit den Aussagen in der Konfrontationseinvernahme vom 5. F ebruar 2019 die beiden anderen Be- schuldigten C.____ und D.____ vor einer Strafverfolgun g zu schützen. Vielmehr hat er den Wechsel in seinen Aussagen glaubhaft damit begründet, d ass er bei der ersten Einvernahme lediglich versucht hat, den Privatkläger auf dessen Wunsch h in (sowie ebenfalls sich selber) zu Lasten der beiden Mitbeschuldigten besser zu stellen, wobei er sich nicht bewusst gewesen ist, was dieser Gefallen in der Folge auslöst (Protokoll KG S. 6). Dies gilt umso mehr, als das von der Staatsanwaltschaft vorgebrachte Motiv für die angebl iche Begünstigung der beiden Mitbe- schuldigten C.____ und D.____ in der späteren Konfront ationseinvernahme durch B.____ be- reits per se nicht stichhaltig ist, nachdem die Tochter d es Letztgenannten zum inkriminierten Tatzeitpunkt der Konfrontationseinvernahme vom 5. Febru ar 2019 tatsächlich schon seit rund einem halben Jahr (bzw. seit ca. einem Jahr seit der K onfrontationseinvernahme mit der Privat- klägerschaft vom 6. Mai 2019 [act. 889 ff., 915 und 92 7]) mit einem Lehrvertrag bei der D.____ AG angestellt gewesen ist. Insofern haben die fraglich en Aussagen tatsächlich nicht dem Zweck dienen können, einen Lehrvertrag sicherzustellen. Da die früheren, die Mitbeschuldigten belastenden Aussagen von B.____ anlässlich dessen Einvernah me vom 16. Dezember 2016 offenbar nicht zu einer Verhinderung des Anstellungsver hältnisses seiner Tochter bei der D.____ AG im Jahre 2018 geführt haben, hat von sein er Seite auch keine Veranlassung be- standen, die beiden Mitbeschuldigten im Jahre 2019 mit seinen Aussagen in der Konfrontati- onseinvernahme vom 5. Februar 2019 vor der weiteren Strafverfolgung zu schützen. Unbestrit- ten ist zudem, dass weitere Verwandte von B.____ allesa mt bereits seit rund 15 Jahren bei der D.____ AG tätig sind (act. 963) und ihnen folglich desse n divergierende Aussagen weder in irgendeiner Weise geschadet noch genützt haben. Schliessl ich vermag auch die Fotografie des Beschuldigten B.____, welche diesen am 25. April 2019 um 06:08 Uhr im Gebäude der D.____ AG zeigen soll (act. 751, 917 f.), nichts zu dessen Laste n abzuleiten, nachdem unbestrittener- massen die damalige Arbeitgeberin von B.____, die N.__ __ GmbH, und die vorgängige Arbeit- geberin, die D.____ AG, über einen gemeinsamen Pausenraum verfügt haben (act. S 357). Gestützt auf diese Erwägungen ist der rubrizierte Anklag evorwurf nicht erstellt, womit der Be- schuldigte B.____ in Bestätigung des angefochtenen Urte ils und damit in Abweisung der dies- Seite 65 http://www.bl.ch/kantonsgericht bezüglichen Berufung der Staatsanwaltschaft vom Vorwurf der versuchten Begünstigung freizu- sprechen ist. 7. Strafzumessung 7.1 a) aa) Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerf lichkeit des Handelns, den Beweg- gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wi e weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdun g oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). Das Gericht bewertet das Verschulden praxisgemäss ausgehend von der objektiven Tatschwe- re. Diese ist zunächst danach zu bestimmen, wie stark das b etroffene Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Dabei sind das Ausmass des Erfolgs, die Gefährd ung, das Risiko sowie die Art und Weise des Tatvorgehens zu berücksichtigen. Von Bedeutung sind auch die Intensität der durch die Tat und Tatausführung offenbarten kriminellen En ergie, sowie die Grösse des Tatbeitrags bei mehreren Tätern und die hierarchische Stellung (H ANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 201 9, N 91 ff. zu Art 47 StGB). Bei der Beur- teilung der subjektiven Tatschwere bilden namentlich die Beweggründe und Ziele des Täters, der bei der Tat aufgewendete Wille, das Motiv sowie d as Mass an Entscheidungsfreiheit mass- gebende Strafzumessungskriterien (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 115 ff. zu Art. 47 StGB). bb) Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen di e Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das G ericht zu der Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei d er Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist in einem ersten Schritt anhand der abstrakten Strafdrohung des Geset- zes der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu ermitt eln. Sind mehrere Straftatbestände mit gleichem Strafrahmen zu beurteilen, ist von derjenigen Straftat auszugehen, die im konkreten Seite 66 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fall die höchste Strafe nach sich zieht (H ANS MATHYS , Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, N 485). In einem zweiten Schritt hat das Gericht die Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb des betreffenden gesetzlichen Strafrahm ens nach der objektiven und subjektiven Tatschwere bzw. den Tatkomponenten festzusetzen (BGE 144 I V 313 E. 1.1.2; 127 IV 101 E. 2b). Dabei hat das Gericht eine vorläufige Gesamtei nschätzung im Sinne einer hypotheti- schen Einsatzstrafe vorzunehmen, wobei das Verschulden im Ra hmen einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer) zu bestimmen und in der Begründung des Urteils zu nennen ist (BGE 136 IV 55 E. 5.7). In einem dritten Schritt sind die übrigen Delikte zu beurteilen, wobei für jede zusätzliche Straftat, derentwegen der Beschuldigte verurteilt wird, unter Berücksichtigung des jeweiligen Verschul- dens eine hypothetische Einzelstrafe zu ermitteln ist (BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E 1.1.1 und E. 1.4). cc) Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täte r begangen hat, bevor er wegen einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren H andlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. zum Gan- zen BGer 6B_829/2014 vom 30. Juni 2016 E. 2.3.1 ff. b zw. BGE 142 IV 265 E. 2.3.1 ff., mit zahlreichen Hinweisen) will diese Bestimmung im Wesentlichen das in Art. 49 Abs. 1 StGB ver- ankerte Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkur renz gewährleisten. Der Täter, der mehrere gleichartige Strafen verwirkt hat, soll nach ei nem einheitlichen Prinzip der Strafschär- fung beurteilt werden, unabhängig davon, ob die Verf ahren getrennt durchgeführt werden oder nicht (BGE 141 IV 61 E. 6.1.2; 138 IV 113 E. 3.4.1). Nach der Praxis greift das Asperationsprin- zip nur, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesproche n werden. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen. Das Gericht kann eine Gesamtfreiheitsstrafe nur ausfällen, wenn es im konkreten Fall für jede einzelne Tat die gleiche Straf art wählt. Diese Voraussetzungen gelten auch für die Bildung der Zusatzstrafe bei der retrospe ktiven Konkurrenz. Der Zweitrichter ist im Rahmen der Zusatzstrafenbildung nicht befugt, die Strafart des rechtskräftigen ersten Entschei- des zu ändern (BGE 138 IV 120 E. 5.2; 137 IV 249 E. 3.4.2; anders noch: BGE 133 IV 150 E. 5.2.1; 132 IV 102 E. 8.2). Liegen die Voraussetzun gen für eine Zusatzstrafe vor, setzt das Gericht zunächst eine hypothetische Gesamtstrafe fest. Es hat sich zu fragen, welche Strafe es ausgesprochen hätte, wenn es sämtliche Delikte gleichze itig beurteilt hätte. Dabei hat es nach den Grundsätzen von Art. 49 Abs. 1 StGB zu verfahren (B GE 141 IV 61 E. 6.1.2; 138 IV 120 Seite 67 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 5.2; je mit Hinweisen). Bei retrospektiver Konkurr enz hat der Richter ausnahmsweise mittels Zahlenangaben offenzulegen, wie sich die von ihm zugeme ssene Strafe quotenmässig zusam- mensetzt (BGE 132 IV 102 E. 8.3; BGer 6B_390/2012 vom 18. Februar 2013 E. 4.3.1). dd) Gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB beträgt die Geldstrafe mind estens drei und höchstens 180 Tagessätze, wobei das Gericht deren Zahl nach dem Verschul den des Täters bestimmt. Nach Abs. 2 von Art. 34 StGB beträgt ein Tagessatz in der R egel mindestens 30 und höchstens CHF 3'000.--, und das Gericht bestimmt die Höhe des Ta gessatzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum. In Anwendung von Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Laut Art. 44 Abs. 1 StGB bestimmt das Gericht dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren, wenn es den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise aufschiebt. b) aa) Gestützt auf Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte St rafe mit einer unbedingten Geld- strafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunde n werden. Die Bestimmung dient in erster Linie dazu, die sogenannte Schnittstellenproblem atik zwischen der unbedingten Busse für Übertretungen und der bedingten Geldstrafe für Vergehen zu entschärfen (R OLAND M. SCHNEIDER / ROY GARRÉ , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Bas el 2019, N 102 zu Art. 42 StGB, mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat sich in zwei Grundsatzentscheiden zu den Verbindungsstrafen nach Art. 42 Abs. 4 StGB geäussert (B GE 134 IV 1 und 134 IV 60). Diese kommen insbesondere in Betracht, wenn man dem Täter den bedingten Vollzug einer Geld- oder Freiheitsstrafe gewähren möchte, ihm aber dennoch in gewissen Fällen mit der Auferle- gung einer zu bezahlenden Geldstrafe oder Busse einen spürbaren Denkzettel verabreichen will. Die Strafenkombination dient hier spezialpräve ntiven Zwecken. Das Hauptgewicht liegt auf der bedingten Freiheits- oder Geldstrafe, während der unbedingten Verbindungsstrafe nur un- tergeordnete Bedeutung zukommt. Dies ergibt sich aus d er systematischen Einordnung von Art. 42 Abs. 4 StGB, welche die unbedingte Verbindun gsstrafe als bloss akzessorische Strafe ausweist. Die Verbindungsstrafe soll nicht zu einer Stra ferhöhung führen oder eine zusätzliche Seite 68 http://www.bl.ch/kantonsgericht Strafe ermöglichen, sie erlaubt lediglich innerhalb de r schuldangemessenen Strafe eine täter- und tatangemessene Sanktion, wobei die an sich verwirkte Geldstrafe und die damit verbunde- ne Busse in ihrer Summe schuldangemessen sein müssen. Di e Frage, wie hoch eine Verbin- dungsstrafe im Regelfall maximal angesetzt werden darf, damit dieser noch untergeordnete Bedeutung im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB beigemessen werden kann, ist weder in der Bot- schaft noch in den parlamentarischen Beratungen themati siert worden, und auch in der Lehre finden sich insoweit keine näheren Angaben. Um dem akzessor ischen Charakter der Verbin- dungsstrafe gerecht zu werden, erscheint es sachgerecht, di e Obergrenze grundsätzlich auf einen Fünftel bzw. 20 Prozent festzulegen. Abweichungen von dieser Regel sind im Bereich tiefer Strafen denkbar, um sicherzustellen, dass der V erbindungsstrafe nicht eine lediglich sym- bolische Bedeutung zukommt (BGE 135 IV 188 E. 3.3 ff.) . Art. 42 Abs. 4 StGB ist grundsätzlich eine "Kann"-Vorschrift. Bei gleichzeitiger Sanktionieru ng von Übertretungs- und Vergehenstat- beständen, die in unechter Gesetzeskonkurrenz stehen, muss A rt. 42 Abs. 4 StGB indessen zwingend zur Anwendung kommen (BGE 134 IV 82 E. 8.3) . Wenn also durch eine oder mehre- re Handlungen mehrere Straftatbestände erfüllt werde n und es sich bei diesen Straftatbestän- den zum einen um ein Vergehen und zum anderen um ein e – aufgrund der für das Vergehen vorgesehenen Strafe konsumierte – Übertretung handelt , dann muss gemäss Bundesgericht neben der sogenannten Primärstrafe für das Vergehen ei ne Busse für die Übertretung ausge- sprochen werden. Eine Busse ist hier also trotz der For mulierung von Art. 42 Abs. 4 StGB als "Kann"-Vorschrift obligatorisch (BGE 134 IV 82 E. 8.3; vgl. auch BGer 6B_1042/2008 vom 30. April 2009 E. 2.1). Ist jedoch nur ein Vergehen zu beurteilen, dann liegt es im Ermessen des Gerichts, ob und wie die Strafenkombination zur Anwendung gelangt (BGer 6B_1042/2008 vom 30. April 2009 E. 2.2). bb) Nach Art. 106 Abs. 1 StGB ist der Höchstbetrag der Buss e CHF 10'000.--, soweit es das Gesetz nicht anders bestimmt. Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, spricht das Gericht im Urteil eine Ersatzfreiheitsstraf e von mindestens einem Tag und höchs- tens drei Monaten aus (Art. 106 Abs. 2 StGB). Schliessl ich bemisst das Gericht die Busse und Ersatzfreiheitsstrafe je nach den Verhältnissen des Täter s so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB). Seite 69 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 a) Im Hinblick auf die konkrete Strafzumessung bezüglich des Beschuldigten B.____ begehrt die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung zu einer bedi ngt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Ta- gessätzen zu jeweils CHF 100.-- sowie zu einer Busse von CHF 800.--; dies gestützt auf einen Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung, fahrlässiger Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde, Führens eines Mot orfahrzeugs in qualifiziert fahrunfähi- gem Zustand sowie wegen versuchter Begünstigung. Demg egenüber beantragt B.____, es sei wegen Führens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zu stand eine bedingt vollziehbare Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 100.--, bei eine r Probezeit von zwei Jahren, auszu- sprechen. b) Gestützt auf das vorliegende Urteil sowie den nicht ang efochtenen Teil des vorinstanzli- chen Entscheids ist B.____ der fahrlässigen schweren Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 in Verbindung mit Abs. 1 StGB sowie des Führens eines Mot orfahrzeuges in qualifiziert fahrunfä- higem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG schuldig zu erklären. Beide Delikte beinhalten einen ordentlichen Strafrahmen zwischen einer Geldstr afe von mindestens drei Tagessätzen und einer Freiheitsstrafe von höchstens drei Jahren. Da die fahrlässige schwere Körperverlet- zung in concreto die höhere Strafe nach sich zieht, ist d ie Einsatzstrafe gestützt auf diesen Tat- bestand festzulegen. Die Deliktsmehrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmens, ist aber innerhalb des ord entlichen Rahmens strafschärfend zu gewichten. Zusätzlich ist zu beachten, dass, nachdem der B eschuldigte bereits mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 13. Februa r 2015 wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung sowie Drohung zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu jeweils CHF 40.--, bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 800.-- verurteilt worden ist und die ihm in casu vorgeworfene fahrlässige schwere Körperverletzung einen Zeitraum vor dem genannten Ersturteil betrifft, nach Art. 49 Abs. 2 StGB vorliegend eine teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwalt schaft Basel-Landschaft vom 13. Feb- ruar 2015 auszufällen ist. Dass im Übrigen die Verhäng ung einer Geldstrafe als grundsätzlich gegenüber der Freiheitsstrafe vorrangige Sanktion genüg t, hat bereits die Vorinstanz korrekt erkannt (vgl. E. II. 2 S. 27) und ist unter den Parteien unbestritten. Seite 70 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) aa) Bei der Bestimmung der Einsatzstrafe ist hinsichtlich des Tatbestandes der fahrlässigen schweren Körperverletzung auf der Seite der objektiven Ta tkomponenten zu würdigen, dass es der Beschuldigte in seiner Funktion als Gruppenchef des Zweimannteams und folglich als direk- ter Vorgesetzter des Privatklägers trotz seiner jahrela ngen Berufserfahrung angesichts der au- genscheinlichen örtlichen Notwendigkeit sorgfaltspflichtwi drig zumindest zugelassen hat, dass der Privatkläger ungesichert Arbeiten auf einem nicht durchbruchsicheren Glasdach mit einer Absturzhöhe von rund viereinhalb Metern getätigt hat, obwohl er gewusst hat, dass zur Gewähr- leistung der Sicherheit die hierfür erforderliche Abstu rzsicherung in Form eines Anseilschutzes zu verwenden gewesen wäre. Dies hat dazu geführt, dass de r Privatkläger im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit durch das Glasdach hindurchgebrochen ist und sich durch den Sturz aus der genannten Höhe auf den Betonboden multiple und schwe re, wenngleich nicht lebensgefährli- che, Verletzungen insbesondere im Beckenbereich zugezoge n hat, an deren Folgen er noch heute leidet. Zu seinen Gunsten zu berücksichtigen ist da bei, dass der Beschuldigte offenbar tatsächlich gedacht hat, dass die Absturzgefahr gering is t, ansonsten er sich wohl kaum selbst der nämlichen Gefahr ausgesetzt hätte. Weitere entlast ende Umstände sind keine ersichtlich, vor allem der Einwand von B.____, wonach den Geschädi gten ein Mitverschulden bzw. sogar das alleinige Verschulden treffe, weil dieser sich auf dem Dach durch das Führen von Telefona- ten in Gefahr gebracht habe, ist bereits im Rahmen d er Sachverhaltsermittlung als nicht zwei- felsfrei erstellt gewürdigt worden. In Anbetracht de s Ausgeführten ist die objektive Tatschwere nach dem Dafürhalten des Kantonsgerichts noch als leicht einzustufen. Dies führt im Resultat zu einer hypothetischen schuldangemessenen Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen. bb) Die subjektiven Tatkomponenten sind beim vorliegend zu beurteilenden fahrlässigen Un- terlassungsdelikt neutral zu gewichten, weshalb sich keine Anpassung der vorgängig definierten Einsatzstrafe aufdrängt. cc) In Bezug auf die Täterkomponenten steht unter Verwei s auf die Ausführungen der Vor- instanz (vgl. E. II.4. S. 28 f.) Folgendes fest: Der im ehemaligen Jugoslawien am Y.____ gebo- rene B.____ ist nach eigenen Aussagen zunächst in seiner Heimat bei seiner Grossmutter auf- gewachsen, bis er im Alter von 14 Jahren zu seinen Elte rn in die Schweiz gekommen ist. Hier verfügt er über die Niederlassungsbewilligung C. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. B.____ hat keinen anerkannten Lehrabschluss, arb eitet jedoch seit rund 20 Jahren im Seite 71 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bereich des Gerüstbaues. Zur Zeit geht der Beschuldigt e aufgrund eines Unfalles keiner Er- werbstätigkeit nach und erhält ein Ersatzeinkommen von rund CHF 5'100.-- netto pro Monat (Protokoll KG S. 3 f.). Ausserdem weist B.____ gemäss Auszug aus dem Betreibungsregister vom 6. Februar 2019 34 Betreibungen im Gesamtbetrag v on CHF 98'581.20 und 78 Verlust- scheine im Umfang von CHF 160'831.40 aus (act. 131 ff. ). Im Strafregister sind sodann zwei Verurteilungen von B.____ eingetragen. Am 29. Oktober 2013 ist er mit Strafbefehl der Staats- anwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, wegen mehrfachen Betruges zu ei- ner bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 60.-- verurteilt worden, bei einer Probezeit von drei Jahren, sowie zu gemein nütziger Arbeit von 64 Stunden. Ferner ist er am 13. Februar 2015 mit Strafbefehl der Staatsanw altschaft Basel-Landschaft wegen mehr- facher einfacher Körperverletzung sowie Drohung zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 40.-- verurteilt worden, bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 800.--. Dem Beschuldigten ist zudem anzulasten, dass er die Tat nach Ziffer III der Anklageschrift während eines laufenden Verfahrens begangen hat. Allerdings han- delt es sich bei den neuen Delikten im Vergleich zu den früheren Taten nicht um einschlägige Delikte. Dass nun aber doch eine Häufung verschiedenart iger, wenn auch nicht sehr gravieren- der Straftaten festzustellen ist, was auf eine gewisse G leichgültigkeit gegenüber Rechtsnormen schliessen lässt, hat sich in leichtem Masse zu Lasten von B._ ___ auszuwirken. Das Nachtat- verhalten sowie das Verhalten im Strafverfahren sind d emgegenüber wieder neutral zu bewer- ten. Im Sinne eines tat- und täterunabhängigen Strafzumessungskriteriums ist in leichtem Masse zu Gunsten des Beschuldigten die lange Verfahrensdauer zu b erücksichtigen (Eröffnung des Strafverfahrens am 22. September 2016), womit die ge nannten Aspekte in ihrer Gesamtheit nicht zu einer Anpassung der tatbezogenen Einsatzstrafe führen. dd) Die hypothetische Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen für die fahrlässige schwere Körper- verletzung ist wie bereits dargelegt als Zusatzstrafe zu ver hängen, nachdem das Delikt vor der letzten Verurteilung gemäss dem Strafbefehl der Staat sanwaltschaft Basel-Landschaft vom 13. Februar 2015 begangen worden ist. Der Systematik de s Strafgerichts folgend erscheint un- ter Berücksichtigung der vorliegenden Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen und der rechtskräfti- gen früheren Strafe von 60 Tagessätzen eine asperierte hypothetische Gesamtstrafe von 130 Seite 72 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tagessätzen angemessen. Damit beläuft sich die hypothetische Zusatzstrafe zum genannten Strafbefehl auf 70 Tagessätze. ee) Zu dieser hypothetischen Zusatzstrafe von 70 Tagessätzen ist wiederum das erst nach dem genannten Strafbefehl verübte Führen eines Motor fahrzeuges in qualifiziert fahrunfähigem Zustand hinzuzurechnen. Hinsichtlich der diesbezüglichen, nicht angefochtenen hypothetischen Einzelstrafe im Umfang von 30 Tagessätzen ist an vorli egender Stelle in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich auf die vorinstanzl ichen Erwägungen (vgl. E. II.3. S. 28) zu verweisen. Aus der hypothetischen Zusatzstrafe von 70 Tagessä tzen und der hypothetischen Einzelstrafe im Umfang von 30 Tagessätzen resultiert ei ne asperierte angemessene Gesamt- strafe von 90 Tagessätzen. Die Höhe des einzelnen Tage ssatzes ist angesichts des vor dem Kantonsgericht ausgewiesenen Ersatzeinkommens in der Höh e von rund CHF 5'100.-- netto monatlich sowie der übrigen finanziellen Situation au f CHF 100.-- festzusetzen. Der bedingte Vollzug ist angesichts der Vorstrafen mit gewissen Bedenken zu gewähren, und die entspre- chende Probezeit ist auf zwei Jahre festzusetzen. ff) Von der Gesamtstrafe von 90 Tagessätzen ist aufgrund der ausgewiesenen Schnittstel- lenproblematik zufolge des Vergehenstatbestandes von Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG sowie aus Gründen der Spezialprävention im Umfang von fünf Tage ssätzen zu jeweils CHF 100.-- eine Verbindungsbusse in der Höhe von CHF 500.-- auszusondern. Insgesamt ist damit der Beschuldigte B.____ als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 13. Februar 20 15 zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je CHF 100.--, bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 500.-- (im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stel- le eine Ersatzfreiheitsstrafe von fünf Tagen) zu verurt eilen. Diese Strafe erscheint auch im Ver- gleich zu derjenigen des Mitbeschuldigten C.____ (vgl. d ie nachfolgenden Erörterungen) als angemessen. 7.3 a) In Bezug auf die konkrete Strafzumessung bezüglich des Be schuldigten C.____ bringt die Staatsanwaltschaft vor, dieser sei angesichts der beantra gten Verurteilung wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie wegen fahrlässiger Gefähr dung durch Verletzung der Regeln Seite 73 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Baukunde zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu jeweils CHF 150.-- sowie zu einer Busse von CHF 3'000.-- zu veru rteilen. C.____ seinerseits hat einen vollumfänglichen Freispruch von allen Vorwürfen begehrt. b) Gestützt auf das vorliegende Urteil ist C.____ der fahr lässigen schweren Körperverlet- zung nach Art. 125 Abs. 2 in Verbindung mit Abs. 1 StG B schuldig zu erklären. Dieses Delikt beinhaltet einen ordentlichen Strafrahmen zwischen ein er Geldstrafe von mindestens drei Ta- gessätzen und einer Freiheitsstrafe von höchstens drei Jahren. Dass in casu die Verhängung einer Geldstrafe als grundsätzlich gegenüber der Freiheitsstrafe vorrangige Sanktion genügt, ist augenscheinlich. Im Hinblick auf die von der Staatsanwaltschaft beantragte Busse ist zu konsta- tieren, dass in casu kein zwingender Anwendungsfall für eine Verbindungsstrafe vorliegt und eine solche auch spezialpräventiv nicht angezeigt ist, wes halb ‒ zumal die Staatsanwaltschaft auch nicht konkret darlegt, aus welchen Gründen eine solche vonnöten sein sollte ‒ in der Kon- sequenz auf die Verhängung einer Verbindungsbusse zu verzichten ist. c) aa) Auf der Seite der objektiven Tatkomponenten ist zu wü rdigen, dass es der Beschuldigte in seiner Funktion als verantwortlicher Bauführer und zugle ich Sicherheitsverantwortlicher der D.____ AG trotz seiner langjährigen Berufserfahrung sowie seiner spezifischen Erfahrung auf dem Gebiet der Schutzmassnahmen sorgfaltspflichtwidrig v ersäumt hat, für eine genügende Sicherung der Baustelle zu sorgen und namentlich angesichts einer Absturzhöhe von rund vier- einhalb Metern zur Gewährleistung der Sicherheit des Arbeitsplatzes gegen ein Durchbrechen durch das nicht durchbruchsichere Glasdach die hierfür erf orderliche Absturzsicherung in Form eines Anseilschutzes anzubringen, deren tatsächliche Ve rwendung nachweislich anzuordnen und mittels geeigneter Massnahmen zu überwachen. Dies ha t dazu geführt, dass der Privatklä- ger im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit durch das Glasda ch hindurchgebrochen ist und sich durch den Sturz aus der genannten Höhe auf den Betonb oden multiple und schwere, wenn- gleich nicht lebensgefährliche, Verletzungen insbesonde re im Beckenbereich zugezogen hat, an deren Folgen er noch heute leidet. Zu seinen Gunsten zu berücksichtigen ist dabei, dass der Beschuldigte offenbar tatsächlich gedacht hat, die Ver wendung eines Laufstegs würde im kon- kreten Fall eine ausreichende Sicherheit für die Mitarbeitenden darstellen. Dies ist aber sogleich insofern wieder zu relativieren, als der Beschuldigte in seiner Funktion als Sicherheitsverant- wortlicher hätte wissen müssen, dass ein Anseilschutz die ko rrekte Sicherungsmassnahme ge- Seite 74 http://www.bl.ch/kantonsgericht wesen wäre. Damit sind keine entlastenden Umstände ersich tlich, vor allem der Einwand von C.____, wonach den Geschädigten ein Mitverschulden bzw. sogar das alleinige Verschulden treffe, weil dieser sich ohne Grund bzw. gegen seine W eisung auf das Dach begeben habe, ist bereits im Rahmen der Sachverhaltsermittlung als nich t zweifelsfrei erstellt gewürdigt worden. In Anbetracht des Ausgeführten ist die objektive Tatschwe re nach dem Dafürhalten des Kan- tonsgerichts noch als leicht einzustufen. bb) Die subjektiven Tatkomponenten sind beim vorliegend zu beurteilenden fahrlässigen Un- terlassungsdelikt neutral zu gewichten. Dies führt im Re sultat zu einer schuldangemessenen tatbezogenen Strafe von 120 Tagessätzen. cc) Gestützt auf die besonderen Täterkomponenten, welche d ie Faktoren Vorleben, persönli- che Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im St rafverfahren umfassen und zufolge feh- lender nennenswerter Umstände ‒ der am Z.____ geborene Beschuldigte ist verheiratet, hat ein erwachsenes Kind, arbeitet nach wie vor zu 100 % bei der D.____ AG und verdient ca. CHF 8'000.-- netto pro Monat, hat keine Schulden, wei st keine Vorstrafen auf und ist bei guter Gesundheit ‒ in concreto als neutral zu werten sind, erübrigt sich eine Anpassung der vorgän- gig definierten tatbezogenen Strafe. dd) Nachdem sodann in casu keine tat- und täterunabhängig en Strafzumessungsfaktoren zu berücksichtigen sind, erweist sich im Ergebnis in Würdigung sämtlicher Tat- und Täterkompo- nenten eine bedingt vollziehbare Geldstrafe im Umfang von 120 Tagessätzen ‒ wobei der je- weilige Tagessatz angesichts des vor dem Kantonsgericht ausge wiesenen Einkommens in der Höhe von rund CHF 8'000.-- netto monatlich sowie unter Berücksichtigung des Strafantrages der Staatsanwaltschaft auf CHF 150.-- festzusetzen ist ‒ bei einer minimalen Probezeit von zwei Jahren als angemessen; dies auch im Vergleich zur Strafe des Mitbeschuldigten B.____. 8. Zivilforderungen 8.1 a) Zu rubriziertem Punkt hat die Vorinstanz erkannt, der B eschuldigte B.____ habe sich der fahrlässigen schweren Körperverletzung zum Nachteil des P rivatklägers schuldig gemacht. Seite 75 http://www.bl.ch/kantonsgericht Damit liege eine widerrechtliche und schuldhafte Hand lung vor, aufgrund welcher B.____ ge- mäss Art. 41 Abs. 1 OR für einen beim Privatkläger kaus al entstandenen Schaden grundsätz- lich hafte. Nach Art. 44 Abs. 1 OR könne die Ersatzpflich t ermässigt oder der Ersatzpflichtige gänzlich von ihr entbunden werden. Gemäss erstelltem Sa chverhalt sei davon auszugehen, dass sich der Privatkläger aus eigenem Antrieb und entgeg en der ihm erteilten Instruktion auf das im Abbau befindliche Gerüst und in den Bereich ober halb des Glasdachs begeben habe, wo er ungesichert Arbeiten verrichtet habe. Der Beschuld igte B.____ habe dies pflichtwidrig zugelassen. Ob der Privatkläger unmittelbar vor dem Abst urz telefoniert habe, wie dies vom Beschuldigten mehrfach behauptet, vom Privatkläger jed och durchwegs bestritten worden sei, bleibe im Rahmen der Klärung des Anklagesachverhalts offen, weil dies nichts an der straf- rechtlichen Tatbestandsmässigkeit ändere. Als Herabsetzun gsgrund im Sinne von Art. 44 Abs. 1 OR käme ein solches Verhalten aber sehr wohl in Betracht, ebenso wie die Tatsache, dass der Privatkläger entgegen der Weisung auf das Gerü st gestiegen sei. In diesem Punkt erweise sich die Zivilforderung als nicht hinreichend be gründet, weshalb diese, soweit sie sich gegen den Beschuldigten B.____ richte, in Anwendung v on Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen werde. Soweit sich die Zivilforderung des Privatklägers gegen C.____ und D.____ richte, sei sie in Anwendung von Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO abzuweisen, da diesbezüg- lich der Nachweis einer widerrechtlichen Handlung, wel che kausal zu einem Schaden geführt habe, nicht erbracht sei. b) Hiergegen hat der Privatkläger Berufung erhoben und dabei zusammengefasst vorge- bracht (vgl. oben E. 2.2.1.e), die Vorinstanz verkenne, dass sie gestützt auf den von ihr ermittel- ten Sachverhalt von Gesetzes wegen verpflichtet sei, ei nen Grundsatzentscheid zu treffen und hierbei in Würdigung und Abwägung sowie unter Berücksic htigung von zivilrechtlichen Beweis- würdigungsregeln eine konkrete Haftungsquote zu bestimm en habe. Wenn diese ausführe, dass allenfalls ein Herabsetzungsgrund nach Art. 44 Abs. 1 OR vorliegen könnte, übersehe sie, dass sie im Rahmen der Bestimmung einer Haftungsquote sel ber hierüber zu befinden habe. Abgesehen hiervon unterstelle sie dem Privatkläger auch fälschlicherweise ein Fehlverhalten, indem sie festhalte, dass dieser sich aus eigenem Antrieb und entgegen der ihm erteilten In- struktion auf das im Abbau befindliche Gerüst und in de n Bereich oberhalb des Glasdachs be- geben und während der Arbeit auf dem Dach telefonier t habe. Entsprechend dem beantragten Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung w erde auch bezüglich des Be- schuldigten C.____ hinsichtlich des dem Privatkläger aufgr und des Unfallereignisses entstan- Seite 76 http://www.bl.ch/kantonsgericht denen Schadens und Genugtuungsanspruchs eine Verurteilu ng dem Grundsatz nach mit einer Haftungsquote von 100 % beantragt; dies in solidarische r Verbindung mit dem Beschuldigten B.____. Bezüglich der Höhe der Zivilforderung (Schaden ersatz und Genugtuung) sei diese auf den Zivilweg zu verweisen. c) Der Beschuldigte B.____ begehrt aufgrund des beantra gten Freispruchs vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung die Abweisung der Zivilforderung des Privatklägers. d) Gleichermassen bestreitet C.____ die Zivilforderungen und begehrt seinem Antrag auf vollumfänglichen Freispruch folgend deren Abweisung. 8.2 a) In Anwendung von Art. 122 Abs. 1 StPO kann die geschä digte Person zivilrechtliche An- sprüche aus der Straftat als Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend ma- chen. Die in der Zivilklage geltend gemachte Forderung ist nach Möglichkeit in der Erklärung nach Artikel 119 zu beziffern und, unter Angabe der a ngerufenen Beweismittel, kurz schriftlich zu begründen. Bezifferung und Begründung haben spätest ens im Parteivortrag zu erfolgen (Art. 123 Abs. 1 und Abs. 2 StPO). Nach Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO entscheidet das Gericht über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es die besch uldigte Person schuldig spricht. Die Zivilklage wird gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf d en Zivilweg verwiesen, wenn die Privat- klägerschaft ihre Klage nicht hinreichend begründet od er beziffert hat. Wäre die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwendig, so kann das Gericht die Zivilkla- ge nur dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übrig en auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO). Nach Praxis und herrschender Lehre soll das Strafgericht, w enn immer möglich, selbst und zu- sammen mit dem Strafurteil über die Zivilklage befinde n. Im Rahmen der richterlichen Frage- pflicht ist das Gericht gehalten, in der Hauptverhandl ung möglichst noch für Aufklärung zu sor- gen, soweit die Zivilklage ungenügend beziffert und beg ründet ist. Wird jedoch für die bezifferte und substantiierte Klage der Beweis nicht oder nicht vollständig erbracht, ist die Klage im un- bewiesen gebliebenen Umfang abzuweisen. Aufgrund der Dispositionsmaxime ist ein entspre- chender Antrag der Zivilklägerschaft auf einen blossen Gr undsatzentscheid zu respektieren. Der unverhältnismässige Aufwand muss sich auf die Beweiser hebung beziehen, nicht auf die Seite 77 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtliche Beurteilung; einfach zu erhebende Beweise sin d abzunehmen. Zumeist ist es die Höhe des Schadenersatzes, welche eine vollständige Beurtei lung der Klage verunmöglicht, Genugtuungsansprüche können und sollen in der Regel sof ort entschieden werden (A NNETTE DOLGE , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 1, 37 f., 44 f. zu Art. 126 StPO, mit Hinweisen). Di e materielle Beurteilung der Adhäsionsklage ist, unter Vorbehalt der gesetzlichen Ausnahmen von Abs. 2 bis Abs. 4 von Art. 126 StPO, zwingend und muss vollständig sein (vgl. Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitli- chung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1174 Ziff. 2.3.3.4 ; BGer 6B_604/2012 und 6B_613/2012 vom 16. Januar 2014 E. 6.2.2, mit Hinwe isen); sie steht nicht im Ermessen des Gerichts (BGer 6B_75/2014 vom 30. September 2014 E. 2.4.4). b) Gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR wird zum Ersatz verpfli chtet, wer einem anderen wider- rechtlich Schaden zufügt, sei es aus Absicht oder aus Fahrl ässigkeit. Eine Haftung nach Art. 41 OR setzt die Existenz eines Schadens, ein widerrechtlich es Verhalten des potenziell Haftpflich- tigen, einen Kausalzusammenhang zwischen dem widerrecht lichen Verhalten und dem Scha- den und ein Verschulden voraus (W ALTER FELLMANN / ANDREA KOTTMANN , Schweizerisches Haftpflichtrecht, Band I, Bern 2012, Rz. 523, mit Hinw eisen). Hat der Geschädigte in die schä- digende Handlung eingewilligt, oder haben Umstände, für die er einstehen muss, auf die Ent- stehung oder Verschlimmerung des Schadens eingewirkt oder die Stellung des Ersatzpflichti- gen sonst erschwert, so kann der Richter die Ersatzpflicht e rmässigen oder gänzlich von ihr entbinden (Art. 44 Abs. 1 OR). Körperverletzung gibt dem Verletzten Anspruch auf Ersatz der Kosten sowie auf Entschädigung für die Nachteile gänzliche r oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens (Art. 46 Abs. 1 OR). Ausserdem kann der Richter bei Körperverletzung unter W ürdigung der besonderen Umstände dem Verletzten eine angemessene Geldsumme als Genugtu ung zusprechen (Art. 47 OR). Ha- ben mehrere den Schaden gemeinsam verschuldet, sei es al s Anstifter, Urheber oder Gehilfen, so haften sie dem Geschädigten solidarisch (Art. 50 Abs. 1 OR). Soweit die Zivilansprüche nur dem Grundsatz nach zu entscheiden sind, muss die begehrte Forderung naturgemäss nicht genau beziffert werden. In diesem Fall ist der Substanzi erungspflicht mit der Formulierung kon- kreter Haftungsquoten genüge getan (vgl. BGer 6S.107/ 2007 vom 11. Juni 2007 E. 3, mit Hin- weisen). Seite 78 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 a) Im vorliegenden Fall ist dem Privatkläger zuzustimmen, dass es nach den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen die Aufgabe der Vorinstanz gew esen wäre, gestützt auf den von ihr ermittelten Sachverhalt einen Grundsatzentscheid zu treffen und dabei eine konkrete Haf- tungsquote zu bestimmen. Soweit diese der Ansicht ist, dass allenfalls ein Herabsetzungsgrund nach Art. 44 Abs. 1 OR vorliegen könnte, hätte sie im Rahmen der Bestimmung der Haftungs- quote selber hierüber zu befinden gehabt. Nach Art. 1 26 Abs. 2 lit. b StPO wird die Zivilklage nur dann auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklä gerschaft ihre Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat. Davon kann in vorliegend er Sache jedoch keine Rede sein. Die vom Strafgericht aufgeworfenen Fragen, ob sich der Privatkläger allenfalls aus eigenem Antrieb und entgegen der ihm erteilten Instruktion auf das im Abbau befindliche Gerüst und in den Be- reich oberhalb des Glasdachs begeben hat sowie ob er unmittelbar vor seinem Absturz auf dem Dach telefoniert hat, betreffen nicht die Verpflichtung des Privatklägers, seine Klage hinreichend zu begründen und zu beziffern, sondern den rechtserhebl ichen Sachverhalt, welcher fraglos vom erkennenden Strafgericht in verbindlicher Weise zu de finieren ist. Gemäss der vorstehend zitierten Rechtsprechung liegt es auch nicht im Ermessen d er Vorderrichterin, ob sie die Adhä- sionsklage materiell beurteilen will, vielmehr ist dies ‒ unter Vorbehalt der gesetzlichen Aus- nahmen von Art. 126 Abs. 2 bis Abs. 4 StPO, welche in concreto zweifellos nicht gegeben sind ‒ zwingend. Dieses Säumnis der Vorinstanz ist vom Kantonsgericht zu korrigieren. b) Im Rahmen der konkreten Beurteilung der Adhäsionsklage ist festzustellen, dass eine zivilrechtliche Haftung der beiden Beschuldigten B.____ u nd C.____ in Bezug auf die dem Pri- vatkläger aufgrund des Unfalles vom 13. Mai 2014 entstan denen finanziellen Schäden sowie den entsprechenden Genugtuungsanspruch ausser Frage ste ht. Gestützt auf die vorstehenden jeweiligen Erwägungen zum Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung ist erstellt, dass die hierfür notwendigen Voraussetzungen ‒ Existenz eines Schadens (wobei dessen Hö- he in Anbetracht der Rechtsbegehren des Privatklägers aus drücklich nicht vom Strafrichter zu beurteilen ist), widerrechtliches Verhalten der Haftpf lichtigen, Kausalzusammenhang zwischen dem widerrechtlichen Verhalten und dem Schaden sowie Verschulden der Haftpflichtigen ‒ hin- sichtlich den beiden Beschuldigten gegeben sind. Bezüglich der Höhe der grundsätzlich vollen Haftungsquote ist zu erwägen, dass nach Ansicht des Kantonsge richts in Würdigung der kon- kreten Umstände eine Reduktion um 25 % auf 75 % sachgerecht erscheint. Dies begründet sich mit dem (im Gegensatz zu der im Strafrecht nicht bekann ten Verschuldenskompensation) zivil- Seite 79 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechtlich zu berücksichtigenden Selbstverschulden des Privatkl ägers, indem aufgrund der Ak- tenlage ohne vernünftigen Zweifel feststeht, dass der Sturz ‒ nebst den den beiden Beschuldig- ten zur Last zu legenden mitursächlichen Sorgfaltspfli chtverletzungen ‒ dadurch herbeigeführt worden ist, weil A.____ während seiner eigentlich auf einem vorhandenen Laufsteg zu verrich- tenden Arbeit aufgrund eines ihm zurechenbaren Fehl trittes durch das Glasdach eingebrochen ist. Obschon unbekannt geblieben ist, weshalb der Privatkl äger überhaupt auf das Glasdach getreten ist, muss jeder vernünftigen Person zweifellos klar sein, dass ein Glasdach per se nicht durchbruchsicher ist und daher nicht betreten werden darf; dies gilt selbstredend umso mehr für eine Person, welche wie der Privatkläger einschlägige Berufserfahrungen auf dem Bau im All- gemeinen sowie konkret im Gerüstbau aufweist. Dies ist ja der Grund, weshalb für solche Arbei- ten überhaupt Laufstege verwendet werden und in casu auch verwendet worden sind. Demge- genüber sind die von den beiden Beschuldigten vorgebra chten Einwände, wonach der Privat- kläger aus eigenem Antrieb auf das Gerüst in den Bere ich oberhalb des Glasdachs hochge- kommen sei (vgl. oben E. 4.2.f/cc) bzw. gemäss der Weisung des Bauführers das Gerüst sowie das Dach gar nicht hätte betreten dürfen (vgl. oben E. 4.2.f/dd und E. 4.3.f/hh), nicht unzweifel- haft erstellt und demnach auch nicht haftungsreduzieren d zu berücksichtigen. Gleiches gilt für die nicht ohne vernünftigen Zweifel belegte Behauptun g, der Privatkläger habe während der Arbeit und insbesondere zum Zeitpunkt des Unfalls auf de m Dach telefoniert (vgl. oben 4.2.f/ee), welche folglich bei der Bestimmung der Haft ungsquote ebenfalls keine Rolle spielt. Weitere haftungsreduzierende Faktoren werden sodann nicht vorgebracht. Im Ergebnis ist damit in teilweiser Gutheissung der Beru fung des Privatklägers sowie in Abwei- sung der diesbezüglichen Berufung des Beschuldigten B.___ _ und in entsprechender Abände- rung des angefochtenen Urteils in Anwendung von Art. 41 Abs. 1 OR in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 OR und Art. 50 Abs. 1 OR die Zivilforderung (Sch adenersatz und Genugtuung) von A.____ gegen B.____ und C.____ mit einer Haftungsquote von 75 % in solidar ischer Verbin- dung dem Grundsatz nach gutzuheissen und im Übrigen auf den Zivilweg zu verweisen. 9. Kostenfolge 9.1.1 Angesichts der mit vorliegendem Urteil im Vergleich zum erstinstanzlichen Entscheid di- versen abgeänderten Schuld- und Freisprüche drängt sich in Anwendung von Art. 428 Abs. 3 Seite 80 http://www.bl.ch/kantonsgericht StPO in Bezug auf die von der Vorinstanz getroffene Ko stenregelung eine Neubeurteilung auf. Hinsichtlich der ordentlichen Kosten des Strafgerichts gilt dabei was folgt: a) Bezüglich des Beschuldigten B.____ hat das Strafgericht erkannt, dass dieser die ihn be- treffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'446.65 und der Gerichtsgebühr von CHF 1'200.--, im Umfang von 9/10 zu tragen hat und 1/10 der Kos- ten zu Lasten des Staates geht. Diese Regelung bleibt g estützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO ‒ wo- nach die beschuldigte Person die Verfahrenskosten trägt , wenn sie verurteilt wird ‒ zufolge der zu bestätigenden Schuldsprüche erstens im Hauptanklagepun kt wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie zweitens wegen Führens eines Mot orfahrzeuges in qualifiziert fahrun- fähigem Zustand bestehen, nachdem der zweitinstanzliche F reispruch im Nebenanklagepunkt hinsichtlich des Vorwurfs der fahrlässigen Gefährdung du rch Verletzung der Regeln der Bau- kunde hierauf keine Auswirkung erzielen kann. b) Im Hinblick auf den Beschuldigten C.____ hat die Vori nstanz angeordnet, dass die ihn betreffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'196.65 und der Gerichtsgebühr von CHF 1'000.--, vollumfänglich zu Lasten des Staates gehen. Dieser Entscheid ist aufgrund des mit vorliegende m Urteil ergangenen Schuldspruchs im Hauptanklagepunkt wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung aufzuheben. Neu hat der Beschuldigte C.____ in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO gleich wie der Beschuldigte B.____ 9/10 der ihn betreffenden ordentlichen erstinst anzlichen Kosten in der Höhe von insge- samt CHF 3'196.65 zu tragen, 1/10 der Kosten geht ebenfalls zu Lasten des Staates. c) Hinsichtlich des Beschuldigten D.____ bleibt es hingege n zufolge des zu bestätigenden umfassenden Freispruchs von allen Anklagepunkten dabei, dass die ihn betreffenden erstin- stanzlichen Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'196.65 und der Gerichtsgebühr von CHF 1'000.--, vollumfänglich zu Lasten des Staates gehen. 9.1.2 In Bezug auf die vom Strafgericht zugesprochenen Hon orare und Parteientschädigungen ist Folgendes zu erkennen: a) Bezüglich des Beschuldigten B.____ hat das Strafgericht dessen amtlichen Verteidigerin ein Honorar in der Höhe von insgesamt CHF 10'937.75 zu Lasten des Staates zugesprochen, Seite 81 http://www.bl.ch/kantonsgericht dies unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Bes chuldigten nach Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von 9/10 der Verteidigungskosten. Dies e Regelung ist wiederum unverändert zu lassen, nachdem die amtliche Verteidigerin primär vo m Staat zu entschädigen ist und den Beschuldigten angesichts der zu bestätigenden Schuldsprüc he und der darauf fussenden Ver- urteilung zu den Verfahrenskosten eine Rückzahlungsverpflichtung trifft. b) Betreffend den Beschuldigten C.____ hat die Vorinsta nz von den Kosten dessen Wahlver- teidigung in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO einen Betrag in der Höhe von insgesamt CHF 17'160.75 zu Lasten des Staates genommen. Diese Rege lung ist aufgrund des mit vorlie- gendem Urteil ergangenen Schuldspruchs im Hauptanklage punkt wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie der daraus folgenden Abweisung der Anschlussberufung des Beschul- digten anzupassen. Neu geht von den Kosten der Wahlvert eidigung von C.____ ein reduzierter Betrag von CHF 1'830.90 (CHF 1'700.-- pauschaler Aufw and inkl. Auslagen plus CHF 130.90 Mehrwertsteuer) in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu Lasten des Staates. Im Übri- gen hat der Beschuldigte C.____ die Kosten seiner Wahlverteidigung selbst zu tragen. c) In Bezug auf den Privatkläger hat die Vorinstanz besti mmt, dass im Rahmen der unent- geltlichen Verbeiständung die Kosten dessen Rechtsvertret ers in der Höhe von CHF 2'752.05 aus der Gerichtskasse entrichtet werden, dies unter Vorbe halt der Rückzahlungsverpflichtung von B.____ nach Art. 426 Abs. 4 StPO im Umfang von CHF 1'376.05 (der Hälfte dieser Kosten entsprechend), wobei B.____ zusätzlich gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO zur Bezahlung einer Par- teientschädigung von CHF 5'242.10 (entsprechend der Hälfte der bis zum 6. Januar 2020 ange- fallenen Kosten von CHF 10'484.15) an A.____ verurte ilt worden ist. Dieser Entscheid wird ge- stützt auf die im Hauptanklagepunkt wegen fahrlässiger sch werer Körperverletzung erfolgende Verurteilung des Beschuldigten B.____ grundsätzlich be stätigt, angesichts der neuen Verurtei- lung des Beschuldigten C.____ im gleichen Anklagepunkt aber wie folgt angepasst: Im Rahmen der unentgeltlichen Verbeiständung werden die Kosten von Advokat Daniel Tschopp in der Hö- he von CHF 2'752.05 aus der Gerichtskasse entrichtet, die s unter Vorbehalt der Rückzahlungs- verpflichtung von B.____ und C.____ in solidarischer Verbindung nach Art. 426 Abs. 4 StPO im Umfang von CHF 1'376.05 (der Hälfte dieser Kosten entsprechend). Ausserdem werden B.____ und C.____ in solidarischer Verbindung gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO zur Bezahlung einer Par- teientschädigung von CHF 5'242.10 (entsprechend der Hälfte der bis zum 6. Januar 2020 ange- fallenen Kosten von CHF 10'484.15) an A.____ verurteilt. Seite 82 http://www.bl.ch/kantonsgericht d) Hinsichtlich des Beschuldigten D.____ hat die Vorinstanz von den Kosten dessen Wahl- verteidigung in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a S tPO einen Betrag in der Höhe von insge- samt CHF 16'327.05 zu Lasten des Staates genommen. Die se Regelung bleibt zufolge des zu bestätigenden umfassenden Freispruchs von allen Anklagepun kten sowie angesichts des Um- standes, dass der Beschuldigte selbst kein Rechtsmittel erhoben hat, wiederum unverändert. 9.2.1 Bezüglich der ordentlichen Kosten des Berufungsverfahre ns gilt was folgt: Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten d es Rechtsmittelverfahrens nach Massga- be ihres Obsiegens oder Unterliegens. Gestützt auf den vo rliegenden Verfahrensausgang ‒ namentlich indem erstens der Beschuldigte B.____ mit sei ner Berufung teilweise obsiegt und neu vom Vorwurf der fahrlässigen Gefährdung durch Verl etzung der Regeln der Baukunde frei- gesprochen wird, im Übrigen jedoch das angefochtene Ur teil bezüglich der Tatbestände der fahrlässigen schweren Körperverletzung und des Führens ei nes Motorfahrzeuges in qualifiziert fahrunfähigem Zustand bestätigt und darüber hinaus das Strafmass auf eine bedingt vollziehba- re Geldstrafe von 85 Tagessätzen (plus Busse von CHF 50 0.--) erhöht wird, zweitens die An- schlussberufung des Beschuldigten C.____ vollumfänglich ab gewiesen und dieser zusätzlich wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung verurteil t wird, drittens die Berufung des Privat- klägers in dem Sinne teilweise gutgeheissen wird, als der Beschuldigte C.____ neu wegen fahr- lässiger schwerer Körperverletzung verurteilt wird und zudem die Zivilforderungen gegenüber den beiden Beschuldigten B.____ und C.____ dem Grunds atz nach mit einer Haftungsquote von 75 % in solidarischer Verbindung gutgeheissen werden, und viertens die Berufung der Staatsanwaltschaft insofern teilweise gutgeheissen wird, als der Beschuldigte C.____ neu we- gen fahrlässiger schwerer Körperverletzung verurteilt wi rd, sie im Übrigen jedoch bezüglich al- len drei Beschuldigten (B.____: versuchte Begünstigung; C.____: fahrlässige Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde; D.____: fahrlässig e schwere Körperverletzung und fahr- lässige Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Ba ukunde) abgewiesen wird ‒ rechtfertigt es sich, die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 21'500.-- (bein- haltend eine Gebühr von CHF 21'000.-- [14 Stunden H auptverhandlung zu jeweils CHF 1'500.--/h] sowie Auslagen von pauschal CHF 500.--) nach folgendem Massstab zu vertei- len: 40 % (= CHF 8'600.--) zu Lasten des Staates, 25 % (= CHF 5'375.--) zu Lasten des Be- schuldigten B.____, 25 % (= CHF 5'375.--) zu Lasten de s Beschuldigten C.____ sowie 10 % (= CHF 2'150.--) zu Lasten des Privatklägers A.____. Seite 83 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2.2 Die Honorare für die amtliche Verteidigerin des Besch uldigten B.____ und den unentgelt- lichen Rechtsvertreter des Privatklägers A.____ sowie die P arteientschädigungen für die Be- schuldigten C.____ und D.____ betreffend deren Wahlve rteidigungen werden für das zweitin- stanzliche Verfahren wie folgt festgelegt: Zunächst ist diesbezüglich in Anbetracht der vorlie- gend eingereichten Honorarnoten der einzelnen Rechtsv ertreterinnen und Rechtsvertreter in Erinnerung zu rufen, dass gemäss § 3 Abs. 1 TO Anwälte d er Stundenansatz für die Wahlver- teidigung CHF 200.-- bis CHF 350.-- beträgt, je nach Schwierigkeit und Bedeutung der Sache, der damit verbundenen Verantwortung und der persönli chen und finanziellen Verhältnisse der zahlungspflichtigen oder der auftraggebenden Person, wobei gemäss ständiger Praxis der straf- rechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts bei leichten Fäl len CHF 230.-- pro Stunde entschä- digt werden, bei mittleren Fällen CHF 250.-- und be i schwierigen Fällen CHF 280.--. Nach Auf- fassung des in concreto zuständigen Spruchkörpers handelt e s sich in casu um einen mittel- schwierigen Fall, weshalb ein Stundenansatz für die W ahlverteidigung von CHF 250.-- für die vom Staat zu leistende Entschädigung gerechtfertigt ersche int. Nach § 3 Abs. 2 TO Anwälte beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung sowie bei amtlicher Verteidigung fix CHF 200.-- pro Stunde, womit die darüber liegenden geltend gemachten Ansätze der unentgelt- lichen bzw. amtlichen Rechtsvertreter entsprechend zu kürzen sind. Sodann sind in Anwendung von § 3 Abs. 3 TO Anwälte für die Bemühungen von Subst itutinnen oder Substituten 1/3 bis 2/3 des für den konkreten Fall massgebenden Stundenansatzes der Anwältin oder des Anwaltes zu berechnen, wobei ebenfalls nach ständiger Praxis des hie sigen Gerichts jeweils die Hälfte des entsprechenden Ansatzes entschädigt wird. Vorliegend b edeutet dies, dass für die ausgewie- senen Bemühungen der Substitutin des Wahlverteidigers des Beschuldigten D.____ ein Stun- denansatz von CHF 125.-- zur Anwendung gelangt. a) In concreto wird der Rechtsvertreterin des Beschuldigten B.____, Advokatin Jessica Balt- zer, zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren gestützt auf ihre Honorarnote vom 10. Juni 2021 ein Honorar in der Höh e von insgesamt CHF 9'092.65 (inklusi- ve siebeneinhalb Stunden Hauptverhandlung und zwei Stun den Weg, Auslagen sowie CHF 650.10 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgeri chtet. Der Beschuldigte B.____ wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Vert eidigung im Umfang von 25 % (= CHF 2'273.15) an den Kanton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 84 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Dem Rechtsvertreter des Privatklägers A.____, Advokat Dani el Tschopp, wird zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das B erufungsverfahren gestützt auf seine Honorarnote vom 11. Juni 2021 unter Berücksichtigung eines herabgesetzten Stundenansatzes von CHF 200.-- ein Honorar in der Höhe von insgesamt CHF 7'241.15 (inklusive siebeneinhalb Stunden Hauptverhandlung und zwei Stunden Weg, Auslag en sowie CHF 517.70 Mehrwert- steuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. c) Der Beschuldigte C.____ erhält für das Berufungsverfah ren eine reduzierte Parteient- schädigung in der Höhe von CHF 1'125.55 (inklusive anteil smässige Quote für Hauptverhand- lung und Weg, Auslagen sowie CHF 80.45 Mehrwertsteuer ) zu Lasten des Staates. Diese Ent- schädigung bemisst sich im Umfang seines Obsiegens von 10 % nach der Honorarnote seines Rechtsvertreters Advokat Gabriel Giess vom 13. Juni 2021 (wiederum inklusive siebeneinhalb Stunden Hauptverhandlung und zwei Stunden Weg, Auslage n sowie Mehrwertsteuer) unter Berücksichtigung eines herabgesetzten Stundenansatzes von CHF 250.--. d) Dem Beschuldigten D.____ schliesslich wird für das Beruf ungsverfahren eine Parteient- schädigung in der Höhe von insgesamt CHF 4'353.40 (inklu sive siebeneinhalb Stunden Haupt- verhandlung und zwei Stunden Weg, Auslagen sowie CHF 3 11.25 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates zugesprochen, gestützt auf die Honorarnote dessen Rechtsvertreters Dr. Christian von Wartburg vom 11. Juni 2021 sowie unter Berücksichtigu ng eines herabgesetzten Stunden- ansatzes von CHF 250.-- für die Bemühungen des Anwalts b zw. eines solchen von CHF 125.-- für die Aufwendungen der Substitutin. Seite 85 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Land schaft vom 5. Juni 2020, lautend: "I. B.____ 1. a) B.____ wird der fahrlässigen schweren Körperverletzung, der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde sowie des Führens eines Motorfahrzeuges in qual i- fiziert fahrunfähigem Zustand schuldig erklärt und verurteilt, als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsa nwalt- schaft Basel-Landschaft vom 13. Februar 2015, zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 65 Tage ssätzen zu je CHF 100.00, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 500.00, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen, in Anwendung von Art. 125 Abs. 2 StGB, Art. 229 Abs. 2 StGB, Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG (i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG, Art. 55 Abs. 6 SVG, Art. 2 Abs. 1 VRV sowie Art. 2 lit. b der Verord- nung der Bundesversammlung über Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr), Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 4 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 106 StGB. b) B.____ wird von der Anklage der versuchten Begünstigun g freigesprochen. 2. Es wird festgestellt, dass ein allfälliger Widerruf de s bedingten Vollzugs der am 29. Oktober 2013 von der Staatsanwalt schaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, ausgesproche - nen Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 60.00, be i ei- Seite 86 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner Probezeit von 3 Jahren, zufolge Fristablaufs gemä ss Art. 46 Abs. 5 StGB ausgeschlossen ist. 3. a) Die B.____ betreffenden Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'446.65 und der Ge- richtsgebühr von CHF 1 '200.00. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes U rteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtli che Ge- bühr auf CHF 600.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). B.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 9/ 10 der Verfahrenskosten. 1/10 der Verfahrenskosten geht zu Laste n des Staates. b) Die Kosten der amtlichen Verteidigerin Advokatin J. B altzer in Höhe von CHF 10'937.75 (wovon CHF 3'818.70 für den Au f- wand vor Anklageerhebung sowie CHF 7'119.05 für den Auf- wand nach Anklageerhebung) werden aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtun g von B.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von 9/10 de r Verteidigungskosten. II. C.____ 1. C.____ wird von der Anklage der fahrlässigen schweren K ör- perverletzung sowie der fahrlässigen Gefährdung durch Ve r- letzung der Regeln der Baukunde freigesprochen. 2. a) Die C.____ betreffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'196.65 und der Ge- richtsgebühr von CHF 1'000.00, gehen zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründete s Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtli che Ge- bühr auf CHF 500.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). b) Von den Kosten der Wahlverteidigung von C.____ geht e in Betrag von CHF 17'160.75 in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu Lasten des Staates. Der Antrag von C.____ auf eine darüber hinausgehende Par- teientschädigung wird abgewiesen. Seite 87 http://www.bl.ch/kantonsgericht III. D.____ 1. D.____ wird von der Anklage der fahrlässigen schweren K ör- perverletzung sowie der fahrlässigen Gefährdung durch Ve r- letzung der Regeln der Baukunde freigesprochen. 2. a) Die D.____ betreffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'196.65 und der Ge- richtsgebühr von CHF 1'000.00, gehen zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründete s Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtli che Ge- bühr auf CHF 500.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). b) Von den Kosten der Wahlverteidigung von D.____ geht e in Betrag von CHF 16'327.05 in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu Lasten des Staates. Der Antrag von D.____ auf eine darüber hinausgehende Par- teientschädigung wird abgewiesen. IV. Zivilforderung und Parteikosten der Privatklägersc haft 1. Soweit sich die Zivilforderung von A.____ gegen B.___ _ rich- tet, wird sie auf den Zivilweg verwiesen. Soweit sich die Zivilforderung von A.____ gegen C.____ und D.____ richtet, wird sie abgewiesen. 2. a) A.____ wird per 6. Januar 2020 die unentgeltliche Ve rbeistän- dung mit Advokat D. Tschopp bewilligt. Im Rahmen der unentgeltlichen Verbeiständung werden d ie Kosten von Advokat D. Tschopp in Höhe von CHF 2'752.05 aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorbehalt der Rü ck- zahlungsverpflichtung von B.____ nach Art. 426 Abs. 4 S tPO im Umfang von CHF 1'376.05 (der Hälfte dieser Kosten ent- sprechend). b) B.____ wird gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 5'242.10 (entsprechend der Hälfte der bis zum 6. Januar 2020 angefallenen Koste n von Seite 88 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 10'484.15) an A.____ verurteilt." wird in teilweiser Gutheissung der Berufungen der Sta atsanwalt- schaft Basel-Landschaft, des Privatklägers A.____ und des B e- schuldigten B.____ sowie in Abweisung der Anschlussberu fung des Beschuldigten C.____ in den Ziffern I.1.a), I.1.b), II.1., II.2.a), II.2.b), IV.1. sowie IV.2.a) und IV.2.b) wie folgt geändert : I. B.____ 1. a) B.____ wird der fahrlässigen schweren Körperverletzung sowie des Führens eines Motorfahrzeuges in qualifiziert fahrunf ähi- gem Zustand schuldig erklärt und verurteilt, als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsa nwalt- schaft Basel-Landschaft vom 13. Februar 2015, zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je CHF 100.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 500.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen, in Anwendung von Art. 125 Abs. 2 StGB, Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG (i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG, Art. 55 Abs. 6 SVG, A rt. 2 Abs. 1 VRV sowie Art. 2 lit. b der Verordnung der Bu ndesver- sammlung über Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr), Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 4 StGB, Art. 4 4 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 und Abs. 2 StGB sowie Art. 106 StGB. b) B.____ wird von der Anklage der versuchten Begünstigun g sowie der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde freigesprochen. Seite 89 http://www.bl.ch/kantonsgericht II. C.____ 1. a) C.____ wird der fahrlässigen schweren Körperverletzu ng schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tag es- sätzen zu je CHF 150.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 125 Abs. 2 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 Abs. 1 StGB. b) C.____ wird von der Anklage der fahrlässigen Gefährdu ng durch Verletzung der Regeln der Baukunde freigesprochen. 2. a) Die C.____ betreffenden Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'196.65 und der Ge- richtsgebühr von CHF 1'000.--. C.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 9/10 der Verfahrenskosten. 1/10 der Verfahrenskosten geh t zu Lasten des Staates. b) Von den Kosten der Wahlverteidigung von C.____ geht e in reduzierter Betrag von pauschal CHF 1'830.90 (inkl. Ausla- gen und CHF 130.90 Mehrwertsteuer) in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu Lasten des Staates. IV. Zivilforderung und Parteikosten der Privatklägersc haft 1. Soweit sich die Zivilforderung von A.____ gegen B.___ _ und C.____ richtet, wird sie mit einer Haftungsquote vo n 75 % in solidarischer Verbindung dem Grundsatz nach gutg e- heissen und im Übrigen auf den Zivilweg verwiesen. Soweit sich die Zivilforderung von A.____ gegen D.____ rich- tet, wird sie abgewiesen. 2. a) A.____ wird per 6. Januar 2020 die unentgeltliche Ve rbeistän- dung mit Advokat D. Tschopp bewilligt. Seite 90 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Rahmen der unentgeltlichen Verbeiständung werden d ie Kosten von Advokat D. Tschopp in Höhe von CHF 2'752.05 aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorbehalt der Rü ck- zahlungsverpflichtung von B.____ und C.____ in solidari- scher Verbindung nach Art. 426 Abs. 4 StPO im Umfang von CHF 1'376.05 (der Hälfte dieser Kosten entsprechend). b) B.____ und C.____ werden in solidarischer Verbindung gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO zur Bezahlung einer Partei ent- schädigung von CHF 5'242.10 (entsprechend der Hälfte d er bis zum 6. Januar 2020 angefallenen Kosten von CHF 10'484.15) an A.____ verurteilt. Im Übrigen wird das angefochtene Urteil bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 21'500.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 21'00 0.-- sowie Auslagen von CHF 500.--) werden im folgenden Verhält nis aufge- teilt: 40 % (= CHF 8'600.--) zu Lasten des Staates, 25 % (= CHF 5'375.--) zu Lasten des Beschuldigten B.____, 25 % (= CHF 5'375.--) zu Lasten des Beschuldigten C.____ sow ie 10 % (= CHF 2'150.--) zu Lasten des Privatklägers A.____. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung für das Berufungs- verfahren wird der Rechtsvertreterin des Beschuldigten B.____, Advokatin Jessica Baltzer, ein Honorar in der Höhe von i nsgesamt CHF 9'092.65 (inklusive Hauptverhandlung, Auslagen und CHF 650.10 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Der Beschuldigte B.____ wird zur Rückzahlung der Entschäd igung der amtlichen Verteidigung im Umfang von 25 % (= CHF 2'273.15) an den Kanton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es se ine wirt- schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 91 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Beru- fungsverfahren wird dem Rechtsvertreter des Privatklägers A .____, Advokat Daniel Tschopp, ein Honorar in der Höhe von in sgesamt CHF 7'241.15 (inklusive Hauptverhandlung, Auslagen und CHF 517.70 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Dem Beschuldigten C.____ wird für das Berufungsverfahr en eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von CHF 1'12 5.55 (in- klusive Hauptverhandlung, Auslagen und CHF 80.45 Mehrwer tsteu- er) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Dem Beschuldigten D.____ wird für das Berufungsverfahr en eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 4'353.40 (inklu sive Hauptverhandlung, Auslagen und CHF 311.25 Mehrwertsteu er) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist zufolge Weiterzugs an das Bundesgericht noch nicht rechtskräftig