Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Februar 2018 (720 17 217 und 218 / 38 und 39) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Sofortige Sistierung einer Rente und einer Hilflosenentschädigung als vorsorgliche Mas- snahme. Nicht wieder gutzumachender Nachteil. Rechtliches Gehör muss vorab gewährt werden. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Michael Blattner , Adv o- kat, Advokatur Sissach, Postgasse 9, Postfach 182, 4450 Sissach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Sistierung IV-Rente Sistierung Hilflosenentschädigung A. Der 1975 geborene A.____ verunfallte am 6. April 2001 bei der Arbeit und erlitt dabei am rechten Ellenbogen eine Abrissfraktur. Nach Abkläru ng der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sprach ihm die IV-Stelle Basel-Landsch aft (IV-Stelle) in der Folge mit Wirkung ab 1. April 2002 eine ganze Invalidenrente zu. Im Rahmen einer Revision im Jahre 2007 wurde der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte psychiatrisch exploriert. Dabei kam der Gutachter zum Schluss, dass der Versicher- te in jeglicher Tätigkeit vollumfänglich arbeitsunfähig sei. Mit Mitteilung vom 2. November 2007 teilte die IV-Stelle dem Versicherten deshalb mit, da ss weiterhin Anspruch auf eine ganze IV- Rente bestehe. Da der Versicherte im Revisionsfragebogen vom 10. Januar 2007 ausserdem angegeben hatte, bei der Verrichtung verschiedener Tät igkeiten auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen zu sein, wurde ihm nach Abklärung der entsp rechenden Verhältnisse mit Verfü- gung der IV-Stelle vom 28. Mai 2008 mit Wirkung ab Jan uar 2008 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades zugesprochen. B. Im Jahre 2013 wurde der Versicherte im Rahmen einer erneuten Revision bidisziplinär begutachtet. Aufgrund der entsprechenden Exploration sergebnisse teilte die IV-Stelle im März 2014 mit, dass mangels Änderung anspruchserheblicher Tatsachen sowohl die ganze IV-Rente als auch die Hilflosenentschädigung leichten Grades weiter ausgerichtet würden. C. Aufgrund einer im April 2014 bei der IV-Stelle e ingegangenen anonymen Denunziation leitete die IV-Stelle eine Observation des Versicherte n ein. Diese fand vom 21. April 2014 bis 21. Mai 2015 statt. Zwecks einer aktuellen medizinischen Beurteilung ordnete die IV-Stelle so- dann eine bidisziplinäre Begutachtung des Versicherten an. Nach Eingang des entsprechenden Verlaufsgutachtens vom 11. Juli 2016 unterbreitete sie da s zuvor erhobene Observationsmate- rial den Verlaufsbegutachtern zur ergänzenden Stellun gnahme. Gestützt insbesondere auf die Stellungnahme des psychiatrischen Gutachters vom 18. April 2017 kam die IV-Stelle in der Fol- ge zum Schluss, dass der Versicherte bereits seit November 20 13 wieder voll arbeitsfähig ge- wesen sei. D. Am 9. Juni 2017 erliess die IV-Stelle zwei Verfügung en, mit welchen sie einerseits die dem Versicherten bisher ausgerichtete IV-Rente und ander erseits die ihm bisher ausgerichtete Hilflosenentschädigung jeweils mit Wirkung ab Ende Juni 2017 sistierte. E. Gegen diese beiden Verfügungen erhob der Versicher te, vertreten durch Advokat Mi- chael Blattner, am 12. Juli 2017 Beschwerde beim Kanto nsgericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht). Er beantragte, dass die IV- Stelle in Aufhebung der angefochtenen Verfügungen zu verpflichten sei, die gesetzlichen Leis- tungen zu erbringen und ihm namentlich weiterhin ein e ganze IV-Rente bzw. eine Hilflosenent- schädigung leichten Grades auszurichten. F. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 13. Juli 2017 wurden die beiden Beschwerdever- fahren vereinigt. G. Mit Stellungnahme vom 27. Juli 2017 schloss die IV-S telle auf Abweisung des Antrags des Beschwerdeführers, den beiden Beschwerden die aufschi ebende Wirkung zu erteilen. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 15. August 2017 wie s die instruierende Präsidentin des Kantonsgerichts diese Verfahrensanträge ab. Mit Verneh mlassung vom 28. August 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Im Lichte der zwischenzeitlich neu ergangenen Rechtspre chung des Bundesgerichts im Zusammenhang mit der Observation von Bezügern einer IV -Rente ordnete die präsidierende Instruktionsrichterin am 30. August 2017 einen doppelten Schriftenwechsel an. Die Parteien hielten in der Folge mit Replik vom 29. September 201 7 und Duplik vom 1. November 2017 an ihren Rechtsbegehren fest. Auf deren Vorbringen ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht eingereichten Beschw erden ist einzutreten. 2.1 Eine Invalidenrente oder eine Hilflosenentschädigu ng kann namentlich gestützt auf Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; Anpassung an geänderte tatsächliche Verhältnisse), Art. 53 Abs. 1 ATSG (prozessuale Revision) oder Art. 53 Abs. 2 ATSG (Wiedererwägung) – mit Wirkung ex nunc et pro futuro oder allenfalls ex tunc (Art. 88 bis Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]) – her- abgesetzt oder aufgehoben werden (U LRICH MEYER , Die Abänderung formell rechtskräftiger Verwaltungsverfügungen in der Sozialversicherung, ZBl 1994 S. 337 ff., in: Ausgewählte Schrif- ten, 2013, S. 117 ff.). Die Herabsetzung oder Aufhe bung der Invalidenrente oder einer Hilflo- senentschädigung erfolgt gemäss Art. 88 bis Abs. 2 lit. b IVV in der seit 1. Januar 2015 in Kraf t stehenden Fassung rückwirkend ab Eintritt der für den Ansp ruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder se iner ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war. 2.2 Die Verwaltung kann gestützt auf Art. 55 Abs. 1 AT SG in Verbindung mit Art. 56 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG) ihre Leistungen im Rahmen vorsorgli- cher Massnamen einstweilen einstellen (F RANZ SCHLAURI , Die Einstellung von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, in: Schaffhauser/Schlauri [ Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen, St. Gallen 1999, S. 191 ff., 216 ff.; U RS MÜLLER , Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenver- sicherung, Bern 2010, Rz. 2329 ff.). Vorsorgliche Massnah men dienen dazu, die Wirksamkeit der Endverfügung sicherzustellen, ohne diese zu präjudizi eren. Sie sind in der Regel akzesso- risch zu einem Hauptverfahren, haben nur vorläufige Gel tung und fallen mit dem Erlass der Endverfügung dahin. Mithin beruhen sie lediglich auf e iner summarischen Prüfung der Sachla- ge, zumal sie bei Dringlichkeit zu erlassen sind (Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 30. November 2009, IV.2009.00745, mit Hinweis auf das Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts vom 21. Juni 2009, C-676/2008, E. 4.1, wiederum mit Hinweisen auf STEFAN VOGEL , Vorsorgliche Massnahmen, in: Isabelle Häner/Bernhard Waldmann [Hrsg.], Das erstinstanzliche Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 90; Isabelle Häner, Vorsorg- liche Massnahmen im Verwaltungsverfahren und Verwaltun gsprozess, ZSR 1997 II, S. 309 ff.; BGE 129 V 370 E. 4.3, 130 II 149 E.2.2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Beim Erlass vorsorglicher Massnahmen hat die Verwaltu ng in gleicher Weise wie bei der Beurteilung der Frage, ob einem Entscheid suspensi ve Wirkung zukommt (vgl. Art. 11 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV] in Verbindung mit Art. 55 VwVG), eine Interessensabwägung vorzunehmen. Dabei hat sie zu prüfen, ob die Grün- de, die für die Wirksamkeit der vorsorglichen Anordnung sprechen, gewichtiger sind als jene, die für eine gegenteilige Lösung angeführt werden kö nnen. Im Allgemeinen ist dabei auf den Sachverhalt abzustellen, der sich ohne zeitraubende weitere Erhebungen aus den vorhandenen Akten ergibt (Urteile des damaligen Eidgenössischen Versi cherungsgerichts [EVG; seit 1. Ja- nuar 2008 Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 8. August 2005, I 426/05 E. 2.2, vom 3. April 2003, I 57/03 E. 4.1 und vom 11. Dezember 2002, U 21/02 E. 7.2 und 8.2). Im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen kann es deshalb nicht darum gehen, den Sachverhalt umfassend und abschliessend zu klären; diese dienen vielmeh r dazu, bedrohte rechtliche Inte- ressen einstweilen für die Dauer weiterer Abklärungen e inerseits und des Verfahrens (Vorbe- scheidverfahren) andererseits sicherzustellen. 3. Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht vorab die Verletzung seines rechtli- chen Gehörs. Darauf ist näher einzugehen. 3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) habe n die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere auch deren Recht, vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entschei ds sich zur Sache zu äussern (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen). Dieses Recht, a ngehört zu werden, ist formeller Natur. Dessen Verletzung führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt die sfalls nicht darauf an, ob die Anhö- rung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist; ob die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides aufg rund des rechtlichen Gehörs veran- lasst wird oder nicht, ist ebenfalls irrelevant (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390; 127 V 431 E. 3d/aa S. 437). Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht beso nders schwerwiegende – Verletzung des rechtlichen Gehörs allerdings ausnahmsweise dann gehei lt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerde instanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/aa S. 437). 3.2 Die Zwischenverfügung betreffend vorsorgliche Massnahm e ist keine Leistungsstreitig- keit im Sinne von Art. 57a Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG), die vor Verfügungserlass zunächst eines Vorbeschei dverfahrens bedarf. Nichts desto trotz hat die versicherte Person einen Anspruch auf recht liches Gehör (Art. 42 ATSG). Dieses muss ihr auch hier noch vor Verfügungserlass eingeräumt w erden. Das Bundesgericht qualifi- zierte die unterlassene Gehörsgewährung bei einer Renteneinstellung im Rahmen von vorsorg- lichen Massnahmen als gravierenden Mangel (Urteil des Bun desgerichts vom 12. April 2010 9C_45/2010 E. 2), welcher einer Heilung nicht zugänglich ist (BGE 127 V 431 E. 3d/aa S. 437). Auf die Gehörsgewährung kann rechtsprechungsgemäss einzi g bei einer superprovisorischen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Massnahme und auch dann nur vorgängig verzichtet werden (Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2010 9C_45/2010 E. 2.1). 3.3 Im Weiteren sieht die aus dem Anspruch auf rechtl iches Gehör fliessende, in Art. 49 Abs. 3 ATSG statuierte Begründungspflicht vor, dass die ei nen Verwaltungsakt erlassende Be- hörde wenigstens kurz ihre Überlegungen darzulegen hat, von denen sie sich hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Sie kann sich d abei auf die für den Entscheid we- sentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 102 E. 2 b, 124 V 181 E. 1a; LORENZ KNEUBÜHLER , Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahre n, Christoph Au- er/Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.], Zürich/St . Gallen 2008, zu Art. 35, S. 511). Die Behörde hat ihre Überlegungen namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich mit den ent- scheidwesentlichen Einwänden auseinanderzusetzen. Ausserd em hat sie die Gründe anzuge- ben, weshalb sie bestimmte Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124 V 182 E. 2b; Urteil des EVG vom 16. August 2004, U 101/04, E. 2.4) . Diese Verpflichtung gilt auch für die Anordnung vorsorglicher Massnahmen. Dabei kommt Art. 29 Abs. 2 BV indessen nicht die glei- che Bedeutung zu wie im Hauptverfahren, welches mit einer Endverfügung abgeschlossen wird. Nach der Rechtsprechung sind die verfassungsmässigen Anfor derungen an die Begründung aber auch hier stets mit Blick auf die konkrete materiell-, beweis- und verfahrensrechtliche Lage festzulegen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2 007, 8C_276/2007, Erw. 3.2 mit Hinweisen). In der Praxis werden bei Entscheiden über v orsorgliche Massnahmen, die dem Gesagten zufolge lediglich auf einer summarischen Prüf ung beruhen, an die Begründungs- pflicht nicht besonders hohe Anforderungen gestellt. He rabgesetzte Begründungsanforderun- gen gelten auch in dem Sinne, dass entsprechende Massnahm e-Entscheide keine Ausführun- gen enthalten sollen, welche im Resultat auf eine Vo rwegnahme des Endentscheids hinauslau- fen (Urteil des EVG vom 24. Juni 2002, I 278/02, E. 3a). 4.1 Im vorliegenden Fall ordnete die IV-Stelle die b eiden strittigen Sistierungsmassnahmen an, ohne dass der Beschwerdeführer vorgängig dazu angehör t worden wäre. Darauf aber hätte dem Gesagten zufolge in den beiden Verfahren um vorsor gliche Massnahmen – dies im Unter- schied zu superprovisorischen Massnahmen – klarerweise Anspruch bestanden (Erwägung 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2010, 9C_45/20 10, E. 2; mit Verweis auf BGE 134 I 83 E. 4.1). Dass die IV-Stelle ihre Massnahmen superprovis orisch hätte verfügen wollen, ist auf- grund der Aktenlage weder dargetan noch ersichtlich. Solches macht sie denn auch selbst nicht geltend. Ebenso wenig bestehen allfällige Anhaltspunkt e dafür, dass sie das rechtliche Gehör des Versicherten nachträglich gewährt hätte, wozu sie selbst im Falle einer superprovisorischen Massnahme verpflichtet gewesen wäre. Da die provisorische R enteneinstellung und die provi- sorische Einstellung der Hilflosenentschädigung schwer in die Rechtsstellung des Leistungsbe- zügers eingreift und mithin ein gravierender Mangel fo rmeller Natur vorliegt (BGE 127 V 431 E. 3 d/aa), kann von einer Gehörsgewährung aber nicht Umgang genommen werden. 4.2 Es tritt hinzu, dass die strittigen Sistierungsverf ügungen der IV-Stelle vom 9. Juni 2017 äusserst rudimentär begründet worden sind. Den Motiven, von welchen sich die IV-Stelle bei deren Erlass hat leiten lassen, ist lediglich zu entnehm en, dass aufgrund einer anonymen De- nunziation vertiefte Sachverhaltsabklärungen durchgefüh rt worden seien und der Versicherte Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht observiert worden sei. Die Ermittlungsergebnisse hätten ergeben, dass seine Angaben, die er gegenüber den behandelnden und begutachtenden Ärzten gemacht habe, nicht der Wahrheit entsprechen könnten. Dies genügt den dargelegten Massst äben nicht (Erwägung 3.3). Auch wenn bei vorsorglichen Massnahmen keine besonders hohen Anforderungen an die Begrün- dungspflicht zu stellen sind, wurde der Beschwerdeführer durch die von der IV-Stelle vorge- brachten Motive nicht in die Lage versetzt, die für ihn einschneidenden Massnahmen sachge- recht – mithin fokussiert auf die der Sachlage zufolge wesentlichen Aspekte – anzufechten KGE SV vom 22. Juni 2008 i.S. N., in BLKGE 2008 III Nr. 51 S. 306 ff., E. .4.3 f.). Grosse Be- denken weckt in dieser Hinsicht zunächst der Umstand, dass die in der Begründung erwähnte anonyme Denunziation überhaupt nicht aktenkundig ist. V on besonderer Bedeutung ist sodann die Tatsache, dass der von der IV-Stelle vertretene St andpunkt einer bereits per 2013 rückwir- kenden Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse n icht etwa unmittelbar auf der in der Begründung der fraglichen Verfügungen erwähnte Observation, sondern vielmehr auf einer me- dizinische Kurzstellungnahme des psychiatrischen Verlaufsgutac hters vom 18. April 2017 be- ruht (IV-Dok 156). Jene Stellungnahme nimmt ihrerseits jedoch wiederum Bezug auf bereits durch einen anderen Experten mit Vorgutachten vom 5. November 2013 festgestellte Inkonsis- tenzen (IV-Dok 113). Mit anderen Worten hat die IV-S telle erst die per 2017 erfolgte Kurz- Einschätzung eines zuvor feststehenden, medizinischen Sachver halts zur Auffassung geführt, dass an der bisherigen – rechtskräftigen – Leistungsausrich tung nicht mehr festgehalten wer- den könne und deshalb deren Aufhebung gemäss Art. 88 bis Abs. 2 lit. b IVV anzuordnen sei. Die einhergehende Komplexität der entsprechenden Schlussf olgerungen – insbesondere hinsicht- lich ihres letztlich massgebenden medizinischen Gehalts – finden in den angefochtenen Verfü- gungen aber keinen entsprechenden Niederschlag. Insbes ondere fehlt es an einem Hinweis, dass die Leistungsaufhebung letztlich aufgrund der medizinischen Stellungnahme vom 18. April 2017 erfolgt ist (IV-Dok 156). An diesem Ergebnis verma g auch nichts zu ändern, dass die IV- Stelle in ihrer Verfügungsbegründung ergänzend fest gehalten hat, dass die Angaben, die der Versicherte gegenüber den behandelnden und begutachtenden Ärzten gemacht habe, nicht der Wahrheit entsprechen könnten. Um die strittigen Verfüg ungen sachgerecht anfechten zu kön- nen, wäre hier mindestens grob zu umreissen gewesen, u m welche Angaben es sich dabei ge- handelt hat und gegenüber welchen medizinischen Experte n die fraglichen Aussagen getätigt worden sind. Ebenfalls hätte die IV-Stelle zwecks Nachvollziehbarkeit ihrer Entscheidung Bezug auf die Tatsache nehmen müssen, dass ihre Schlussfolger ungen auf einer aktuellen medizini- schen Einschätzung vorgängiger Erhebungen beruht, welche erst nachträglich – ohne Gewäh- rung des rechtlichen Gehörs hierzu (Erwägung soeben 4.1 hiervor) – eingeholt worden ist. Die- sen Minimalanforderungen ist sie jedoch nicht nachgekomme n. Letztlich tritt hinzu, dass ihre Disposition auch widersprüchlich ausgefallen ist. Währen d die IV-Stelle zum Schluss gelangt ist, es liege eine Meldepflichtverletzung vor, welche e ine Sistierung der bisher ausgerichteten Hilflosenentschädigung per Ende Juni 2017 rechtfertige (Art. 88 bis Abs. 2 lit. b IVV), ist dersel- ben Verfügung betreffend die Einstellung der Hilflo senentschädigung gleichzeitig zu entneh- men, dass die Hilflosenentschädigung gemäss Art. 88 bis Abs. 2 lit. a IVV auf das Ende des Mo- nats aufgehoben werde, der dem Datum der angefochten en Verfügung folgt. Dieser Wider- spruch lässt sich nicht auflösen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Die Verletzung des rechtlichen Gehörs ist zusammenfa ssend gravierend und wirkt un- ter den gegebenen Umständen schwer. Die angefochtenen Verfügungen vom 9. Juni 2017 sind daher ungeachtet der materiellen Erfolgsaussichten der vorliegenden Beschwerde aufzuheben. 4.4 Mit der Aufhebung der beiden angefochtenen Verfügungen fällt deren Wirkung unmittel- bar und rückwirkend dahin, und es gelten wieder die ur sprünglichen leistungszusprechenden Entscheide. Dass mit der Anordnung der vorsorglichen Massn ahmen einer allfälligen Be- schwerde die aufschiebende Wirkung entzogen wurde, ändert daran nichts. Namentlich geht es nicht an, dass eine formell nicht korrekt zu Stande gekomm ene Verfügung betreffend vorsorgli- che Massnahmen trotzdem Rechtswirkungen zu Lasten der versicherten Person entfalten kann. Die Beschwerdegegnerin wird die ursprünglich zugesproche nen Leistungen demnach einstwei- len wieder auszurichten haben, bis sie mittels formell ko rrekt erlassenen, neuen Verfügungen allenfalls erneut eine (einstweilig vorsorgliche oder definitive) Leistungseinstellung anordnet. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens en tsprechend ist dem Beschwerde- führer deshalb eine Parteientschädigung zuzusprechen. Di ese ist der IV-Stelle aufzuerlegen, welche die materiell unterlegene Gegenpartei ist (BGE 127 V 107 E. 6b und Urteil des Bundes- gerichts vom 20. Oktober 2008, 9C_806/2007, E. 5). Der Rechtsvertreter des Beschwerdefüh- rers hat in seiner Honorarnote vom 22. Dezember 2017 fü r die beiden vorliegenden Beschwer- deverfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 30,15 Stu nden bei einem Stundenansatz von Fr. 250.— geltend gemacht. Auch wenn dieser Zeitaufwan d als hoch zu bezeichnen ist, ist der Umfang der angefallenen Bemühungen letztlich just auf die rudimentäre und ungenügende Be- gründung der IV-Stelle in den angefochtenen Verfügungen zurückzuführen. So war der Rechts- vertreter des Versicherten gezwungen, zunächst eingehend das Observationsmaterial zu sich- ten und anschliessend eine breit gefächerte, allen recht lichen Eventualitäten gerecht werdende Begründung einzureichen. Es ist in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, dass gemäss § 5 Abs. 2 VPO in Sozialversicherungssachen innert Rechtsmi ttelfrist stets eine rechtsgenügli- che Beschwerdebegründung einzureichen ist. Hinzu tritt, dass mit Blick auf die zwischenzeitlich präzisierte Rechtsprechung des Bundesgerichts im Zusammen hang mit der Observation von versicherten Personen ein doppelter Schriftenwechsel durch geführt werden musste. Der gel- tend gemachte Aufwand erweist sich mithin als angemessen. Die in den Honorarnoten ausge- wiesenen Auslagen im Umfang von Fr. 323.20 sind ebenfa lls nicht zu beanstanden. Damit ist dem Beschwerdeführer für die beiden vorliegenden Besch werdeverfahren eine Parteientschä- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht digung in der Höhe von insgesamt Fr. 8‘489.55 (inkl. Au slagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerden werden die Verf ügungen der IV- Stelle je vom 9. Juni 2017 betreffend Sistierung der Invalidenrente und Sistierung der Hilflosenentschädigung aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 8‘489.55 zu bezahlen.