B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-722/2024, F-1105/2024 U r t e i l v o m 2 6 . M ä r z 2 0 2 4 Besetzung Richter Yannick Antoniazza-Hafner (Vorsitz), Richterin Susanne Bolz-Reimann, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiberin Sandra Hutter. Parteien 1. A._______, geboren am (…), 2. B._______, geboren am (…), 3. C._______, geboren am (…), 4. D._______, geboren am (…), Türkei, alle vertreten durch MLaw Michael Meyer und Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, AsyLex, Gotthardstrasse 52, 8002 Zürich, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Mehrfachgesuch); Verfügungen des SEM vom 26. Januar und vom 1. Februar 2024 / N (…). F-722/2024, F-1105/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______ (nachstehend: Beschwerdeführer), B._______ (nachstehend: Beschwerdeführerin) und ihre Kinder C._______ und D._______ stellten erstmals am 1. November 2022 ein Asylgesuch in der Schweiz. Mit Verfü- gung vom 20. Dezember 2022 trat das SEM darauf nicht ein und verfügte ihre Überstellung in den für die Behandlung ihrer Asylgesuche zuständigen Dublin-Mitgliedstaat Kroatien. Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts F -37/2023 vom 6. Januar 2023 abgewiesen, weshalb die Beschwerdeführenden am 2. Mai 2023 nach Kro- atien überstellt wurden. B. Mit einer als «Mehrfachgesuch» bezeichneten Eingabe liessen die Be- schwerdeführenden am 17. Dezember 2023 bei der Vorinstanz erneut um Asyl ersuchen. Sie wurden dabei von lic.iur. E._______ vertreten. Das SEM nahm die Eingabe der Beschwerd eführenden als Mehrfachge- such entgegen und gewährte ihnen mit Verfügung vom 20. Dezember 2023 schriftlich das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung ihrer Asylverfahren. Die Beschwerdeführenden äus- serten sich mit Stellungnahme vom 4. Januar 2024. Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz am 22. Januar 2024 zu. Mit Verfügung vom 26. Januar 2024 (eröffnet am 29. Januar 2024 an E._______) trat die Vorinstanz auf das Mehrfachgesuch der Beschwerde- führenden nicht ein, verfügte die Überstellung nach Kroatien, setzte den Vollzug der Wegweisung bis auf Weiteres aus und wies das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ab. Das SEM beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus, stellte fest, einer allfälligen Be- schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu und erhob eine Gebühr. C. Mit Beschwerde vom 2. Februar 2024 , welche am 5. Februar 2024 beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen ist (Referenznummer F-722/2024), beantragten die Beschwerdeführenden – neu durch AsyLex vertreten – unter Kosten - und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vo- rinstanz, die Verfügung des SEM vom 26. Januar 2024 sei vollumfänglich F-722/2024, F-1105/2024 Seite 3 aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen auf ihre Asylgesuche ein- zutreten. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung an das SEM zurückzuweisen. Es sei die Widerrechtlichkeit der Ausschaffung der Familie festzustellen und dem- zufolge das nationale Asylverfahren zu eröffnen. In prozessualer Hinsicht beantragten sie die Gewährung der aufschiebenden Wirkung und der un- entgeltlichen Prozessführung. Es sei die Aussetzung des Wegweisungs- vollzugs superprovisorisch zu verfügen. Am 5. Februar 2024 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisori- schen Vollzugsstopp an. D. Mit Verfügung vom 1. Februar 2024 ersetzte das SEM die Verfügung vom 26. Januar 2024, wobei einzig Ziffer 4 des Dispositivs ersatzlos gestrichen wurde (siehe E. 3 unten). Die Verfügung vom 1. Februar 2024 wurde am 5. Februar 2024 der dem SEM bekannt gegebenen Vertretung (E._______) eröffnet. Diese teilte dem SEM gleichentags erstmalig mit, dass sie das Mandat aufgrund eines Auslandaufenthaltes an AsyLex transferiert hatte. Eine Weiterleitung der Verfügung an AsyLex seitens der ehemaligen Vertretung erfolgte nicht. Die Vorinstanz versandte daraufhin die Verfügung vom 1. Februar 2024 , inklusive eines Begleitbriefes datierend vom 16. Februar 2024, an AsyLex (eröffnet am 19. Februar 2024). E. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 20. Februar 2024 (Referenznummer F -1105/2024) beantragten die Beschwerdeführenden unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz, die Ver- fügung des SEM vom 1. Februar 2024 sei vollumfänglich aufzuheben. Sie wiederholten in ihrer Beschwerde die Anträge, die sie im Verfahren F-722/2024 bereits geltend gemacht hatten (vgl. Bst. C oben). Ausserdem beantragten sie das vorliegende Verfahren mit jenem mit der Geschäfts- nummer F-722/2024 zu vereinigen. F-722/2024, F-1105/2024 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Beschwerden unter den Refe- renznummern F-722/2024 und F-1105/2024 erfasst. Aufgrund des engen sachlichen Zusammenhangs rechtfertigt es sich, die Beschwerdeverfahren zu vereinigen und darüber in einem Urteil zu befinden. 1.3 Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG verzichtet das Gericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Die Verfügung vom 26. Januar 2024 (eröffnet 29. Januar 2024) enthielt einen offensichtlichen Fehler. So lautete Ziffer 4 ihres Dispositivs : «Der Vollzug der Wegweisung nach Kroatien wird bis auf Weiteres ausgesetzt» (Vorakten [SEM-act.] 17/11; Bst. B. oben). Gegen diese Verfügung reichte AsyLex am 2. Februar 2024 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Parallel dazu ersetzte die Vorinstanz während der noch laufenden Be- schwerdefrist aufgrund des genannten Fehlers die obige Verfügung durch die ansonsten gleichlautende Verfügung vom 1. Februar 2024. Dabei wurde als einzige Änderung die Ziffer 4 des Dispositivs ersatzlos gestri- chen (SEM-act. 19; 26). Die Verfügung vom 1. Februar 2024 wurde lic.iur. E._______, der dem SEM bekannt gegebenen Vertreterin der Beschwer- deführenden, am 5. Februar 2024 eröffnet (SEM -act. 22). Diese teilte der Vorinstanz gleichentags einen bereits stattgefunden Mandatstransfer an AsyLex mit (SEM-act. 20), leitete die ihr zugestellte Verfügung in Folge je- doch nicht an die neue Rechts vertretung weiter (SEM -act. 25). Aus den Akten geht ferner hervor, dass die Vorinstanz – nachdem sie von dem Man- datstransfer Kenntnis genommen hatte – feststellte, dass die Verfügung der neu mandatierten Rechtsvertretung nicht zugestellt worden war (vgl. SEM-act. 25). Aus diesem Grund wurde die Verfügung vom 1. Februar 2024, versehen mit Begleitbrief vom 16. Februar 2024 , nochmals an AsyLex eröffnet (vgl. SEM-act. 27). F-722/2024, F-1105/2024 Seite 5 Zusammenfassend wurden vorliegend zwei Verfügungen erlassen, wobei Letztere nochmals an die aktuelle Rechtsvertretung zugestellt wurde. Ferner wurden zwei Beschwerden eingereicht. Dies lässt sich tabellarisch wie Folgt darstellen: Erlass bzw. Postaufgabe Eröffnung bzw. Eintreffen Empfänger 1. Verfügung Fr. 26.1.24 Mo. 29.1.24 E._______ 2. Verfügung Do. 1.2.24 Mo. 5.2.24 E._______ 1. Beschwerde Fr. 2.2.24 Mo. 5.2.24 BVGer Erneute Zustellung der 2. Verfügung Fr. 16.2.24 Mo. 19.2.24 M. Meyer, AsyLex 2. Beschwerde Di. 20.2.24 Mi. 21.2.24 BVGer Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführenden bereits am 17. Januar 2023 beziehungsweise am 14. Februar 2023 eine Vollmacht zugunsten von sämtlichen bei AsyLex mitarbeitenden Rechtsvertretern un- terschrieben hatten (Akten im Beschwerdeverfahren F -722/2024 und F-1105/2024, je act. 1 Beilage 2). Wie zuvor ausgeführt, wurde gegenüber der Vorinstanz zunächst lic.iur. E._______ als Rechtsvertreterin angege- ben und erst mit Eingabe vom 5. Februar 2024 Michael Meyer von AsyLex. 3.2 Eingangs ist festzustellen, dass die Eröffnung der Verfügung vom 1. Februar 2024 an lic.iur. E._______ durch die Vorinstanz trotz des bereits niedergelegten Mandats grundsätzlich rechtmässig war. Der Widerruf der Vollmacht durch die vertretene Partei oder die Niederle- gung durch den Vertreter sind der Behörde mitzuteilen. Solange die Be- hörde über den Widerruf oder die Niederlegung nicht orientiert ist, gelten ihre Mitteilungen an den Vertreter als o rdnungsgemäss beziehungsweise nicht mangelhaft, selbst wenn die Vollmacht oder der Auftrag widerrufen beziehungsweise beendet sind. Die mit der ordnungsgemässen Mitteilung verbundenen Rechtswirkungen bei der vertretenen Partei – Wissenszu- rechnungen des von der Behörde Mitgeteilten, Auslösen des Fristenlaufs und weitere – treten unter Umständen auch ein, obwohl das Vertretungs- verhältnis bereits vor dem Zugang der Mitteilung beendet worden ist. Die F-722/2024, F-1105/2024 Seite 6 Beweislast, dass der Behörde der Widerruf oder die Niederlegung vor der Zustellung einer Mitteilung an den Vertreter mitgeteilt worden ist, liegt bei der Partei (RES NYFFENEGGER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N. 31 zu Art. 11 Abs. 3). Da der Vorinstanz der Mandat stransfer nicht zuvor mitgeteilt wurde (vgl. E. 3.1 oben), war die Zustellung am 5. Februar 2024 an die zuerst mandatierte (ehemalige) Vertretung grundsätzlich rechtmässig. 3.3 Nunmehr gilt es, die jeweilige Rechtswirkung der Verfügungen vom 26. Januar 2024 und 1. Februar 2024 zu beurteilen. 3.3.1. Gemäss Art. 54 VwVG geht die Behandlung der Sache, die Gegen- stand der mit Beschwerde angefochtenen Verfügung bildet, mit Einrei- chung der Beschwerde auf die Beschwerdeinstanz über. Art. 54 VwVG begründet den Devolutiveffe kt des Beschwerdeverfahrens. In zeitlicher Hinsicht setzen die Wirkungen des Devolutiveffekts mit der rechtzeitigen Einreichung der Beschwerde ein; d.h. mit Aufgabe der Beschwerdeschrift nach den Vorschriften von Art. 21 oder 21a VwVG, wel- che unter anderem die Übergabe an die schweizerische Post vorsehen. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt die Verwaltung verfügungsberechtigt. Sie kann unter Vorbehalt des Vertrauensschutzes grundsätzlich frei, sohin ohne, dass die Voraussetzungen für einen Widerruf oder eine Wiedererwä- gung erfüllt sein müssen, auf ihre Verfügung zurückkommen, solange diese noch nicht rechtskräftig geworden ist (HANSJÖRG SEILER, in: VwVG- Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2023 N. 12 zu Art. 54). Der Devolutiveffekt zeitigt verschiedene Wirkungen . Zunächst bewirkt er die Rechtshängigkeit der Beschwerde. In der Folge geht die Zuständigkeit zum Entscheid über die formelle Zulässigkeit des Rechtsmittels und über die materielle Begründetheit der Sache auf die Rechtsmittelinstanz über. Damit ist gleichzeitig gesagt, dass sich grundsätzlich keine andere Be- hörde mit der Angelegenheit befassen darf als die zuständige Rechtsmit- telinstanz. Der Devolutiveffekt hat Wirkung en für die Vorinstanz. Was der Rechtsmittelinstanz mit der Rechtshängigkeit der Beschwerde zusteht, ist der Vorinstanz ab diesem Moment untersagt. Die Herrschaft über den Streitgegenstand ist ihr entzogen, sie darf sich nicht mehr mit der Angele- genheit bef assen. Vorbehaltlich der Regeln über die Wiedererwägung (Art. 58 VwVG) darf sie den angefochtenen Entscheid nicht mehr abändern F-722/2024, F-1105/2024 Seite 7 oder widerrufen (REGINA KIENER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N. 6 ff. zu Art. 54). Erlässt die Vorinstanz im Widerspruch zum Devolutiveffekt trotzdem eine materiell ablehnende Verfügung, dann ist diese nichtig (BGE 130 V 138 E. 4.2; Urteile des BGer C 78/00 vom 26. Juli 2001, E. 2a und C 4/00 vom 29. März 2001, E. 1a ). Eine gleichwohl erlassene Verfügung kann jedoch allenfalls als Antrag an die Rechtsmittelinstanz entgegengenommen wer- den (REGINA KIENER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal- tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N. 12 zu Art. 54). 3.3.2. Die Beschwerde gegen die erste Verfügung vom 26. Januar 2024 ist rechtsgültig am Freitag 2. Februar 2024 der schweizerischen Post überge- ben worden. Die Zustellung der zweiten Verfügung vom 1. Februar 2024 erfolgte demgegenüber erst am Montag, den 5. Februar 2024, somit nach Rechtshängigkeit. Wegen des Devolutiveffekts (siehe E. 3.3.1) durfte die Vorinstanz ab dem 2. Februar 2024 die Verfügung vom 26. Januar 2024 nicht mehr abändern . Da hinsichtlich der Rechtswirksamkeit einer Verfü- gung auf den Zeitpunkt ihrer Eröffnung abzustellen ist und nicht auf das Entscheiddatum (vgl. BGE 142 II 411 E. 4.2 ), ist der Umstand , dass die neue Verfügung während der noch laufenden Beschwerdefrist getroffen wurde, ohne Bedeutung. Aus denselben Gründen hat der erneute Versand der zweiten Verfügung am 16. Februar 2024 an AsyLex (eröffnet 19. Februar 2024) ebenfalls keine rechtliche Wirkung. 3.4 Daraus folgt, dass auf die rechtgültig eingereichte Beschwerde im Verfahren F-722/2024 einzutreten ist. Im Gegenzug ist auf die Beschwerde im Verfahren F-1105/2024 nicht ein- zutreten, da die Verfügung vom 1. Februar 2024 nichtig war und keinerlei Rechtswirkung entfalten konnte (siehe E. 3.3.1) . Diese Beschwerde war demnach von Anfang an gegenstandlos. 4. Wie oben erläutert (E. 3.3.1) muss die Verfügung vom 1. Februar 2024 als Antrag der Vorinstanz an das Gericht auf Abänderung der ersten Verfügung – nämlich die ersatzlose Streichung der Ziffer 4 des Dispositivs – verstan- den werden. Da eine solche Änderung zuungunsten der Beschwerdefüh- renden stattfindet, sind die Regeln der reformatio in peius zu beachten. Vorliegend hat allerdings das Bundesverwaltungsgericht den Beschwerde-F-722/2024, F-1105/2024 Seite 8 führenden nicht die Möglichkeit gegeben die Beschwerde zurückzuziehen. Wegen den besonderen Umständen des Falles war dies jedoch ausnahms- weise nicht notwendig. Die Beschwerdeführenden waren nämlich durch die (unrechtmässige) Zustellung der zweiten Verfügung von der Änderungsab- sicht der Vorinstanz informiert und hielten durch ihr Einbringen einer gleich- lautenden Beschwerde vom 20. Februar 2024 an ihrem ursprünglichen Be- schwerdevorbringen fest. Ferner bestritten sie den offensichtlichen Fehler im Dispositiv der ersten Verfügung nicht. Ein Grund für eine allfällige Zu- rückziehung der Beschwerde nach Anfrage durch das Gericht ist überdies nicht erkennbar. Der Antrag der Vorinstanz auf Abänderung der ersten Verfügung im bean- tragten Ausmass ist aufgrund des offenkundigen Schreibversehens gutzu- heissen. 5. 5.1 In ihrer Beschwerdeeingabe kritisieren d ie Beschwerdeführenden zunächst die Modalitäten ihrer Zwangsrückführung nach Kroatien per Sonderflug vom 2. Mai 2023. Sie machen geltend, dass sie am 2. Mai 2023 von mehreren Polizisten zwecks Ausschaffung geweckt worden wären. Man habe sie festgenommen, durchsucht und den Beschwerdeführer ge- trennt von der restlichen Familie zum Flughafen transportiert, wobei die Kinder nicht über das Ziel ihres Vaters informiert worden seien. Die Be- schwerdeführerin habe aufgrund einer aufkommenden Panikattacke nach ihren Medikamenten verlangt, die ihr aber verweigert worden seien. Sie sei dann völlig entblösst und bei offener Tür durchsucht worden. Nach einer Panikattacke, bei der sie sich gewehrt und nach einem Glas und einem Messer gegriffen habe, seien ihr Handschellen angelegt worden. Sie sei gefesselt zum Flughafen transportiert worden und habe bei ihrer Ankunft eine zweite Panikattacke erlitten und dabei das Bewusstsein verloren. Die Beschwerdeführerin sei zuvor von der behandelnden Ärztin als reiseunfä- hig eingestuft worden. Die Ausschaffung hätte aufgrund der gesundheitli- chen Situation der Familie nie so passieren dürfen. 5.2 Selbst wenn es während der Zwangsrückführung zu einer sehr belas- tenden Situation kam, so hätten die Beschwerdeführenden, welche seit ihrer Rückreise in die Schweiz rechtlich vertreten waren, mit ihrer Kritik an den Vollzugsmassnahmen bei den zuständigen kantonalen Behörden vor- stellig werden können. Das Bundesverwaltungsgericht stellt nicht in Ab- rede, dass der Zwangsvollzug für alle Beteiligten sehr belastend ist, ist je- doch vorliegend nicht zuständig, die entsprechenden Vorhaltungen zu be- urteilen. In diesem Zusammenhang ist auch beachtlich, dass die F-722/2024, F-1105/2024 Seite 9 Beschwerdeführenden sehr schnell wieder aus Kroatien zurück in die Schweiz gereist sind, wo sie sich monatelang illegal aufgehalten haben. Auf den Antrag auf Feststellung der Widerrechtlichkeit der erfolgten Aus- schaffung ist somit nicht einzutreten. 6. 6.1 Die Beschwerdeführenden machen in formeller Hinsicht geltend, die Vorinstanz habe es unterlassen, wichtige Tatsachen, die zur Zuständigkeit der Schweizer Behörden führen würden, abzuklären. Ein pauschaler Verweis auf die theoretisch bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen in Kroatien reiche bei derart klaren Hinweisen auf Verletzung derselben nicht aus. Auch hätte die Vorinstanz abklären müssen, ob die Beschwer- deführenden in Kroatien angemessen untergebracht würden und effektiven Schutz erhielten oder ob ihnen nicht erneut eine unmenschliche Behand- lung durch die lokalen Behörden droh e. Auch sei das Kindeswohl in der nunmehr angefochtenen Verfügung unerwähnt geblieben. 6.2 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren – gilt der Un- tersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1. m.w.H.). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter be- legbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa- chumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER / ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), 2. Aufl. 2019, N. 16 zu Art. 12). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschun- gen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmeh r nur dann vorzu- nehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen. Ihre Grenze findet die Untersuchungspflicht in der Mitwirkungspflicht der Asyl- suchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs (siehe Art. 29 BV und Art. 35 Abs. 1 VwVG) fliesst namentlich eine Pflicht der Behörde, ihre Ent- scheide zu begründen. Diese Begründungspflicht dient der rationalen und transparenten Entscheidfindung der Behörden und soll die Betroffenen in F-722/2024, F-1105/2024 Seite 10 die Lage versetzen, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat daher kurz die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt. Dabei ist sie nicht gehalten, zu jedem Argument der Partei explizit Stellung zu nehmen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich zu widerlegen. Die Vorinstanz hat sich in der angefochtenen Verfügung ausreichend mit der Zuständigkeitsthematik auseinandergesetzt (vgl. SEM-act. 17/5). An- gesichts dessen, dass die Beschwerdeführenden hinsichtlich der behaup- teten unmenschlichen Behandlung durch die lokalen Behörden keinerlei Belege (ausgenommen eines nicht zuordenbaren Lichtbildes einer ver- dreckten Matratze) vorgelegt haben, hatte die Vorinstanz keinen Anlass, von sich aus weitere Abklärungen zu tätigen. Alleine der Umstand, dass die Beschwerdeführenden eine andere Auffassung vertreten und die Schluss- folgerungen der Vorinstanz hinsichtlich deren Erkenntnisse zu Kroatien und der Würdigung ihrer Aussagen nicht teilen, begründet noch keine Ver- letzung verfahrensrechtlicher Vorschriften. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Frage der materiellen Beurteilung der vorgebrachten Überstel- lungshindernisse. Die Beschwerdeführenden monieren ferner, die Vorinstanz habe das Kin- deswohl in ihrer Verfügung nicht erwähnt. D iesbezüglich ist anzumerken, dass die Vorinstanz der Situation der beiden Kinder ausreichend Rechnung getragen hat und in ihrer Begründung explizit festgestellt hat, ein Vollzug der Wegweisung nach Kroatien spreche nicht gegen das Kindeswohl (vgl. SEM-act. 17/9). Es war den Beschwerdeführenden insgesamt mög- lich, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanzlichen Entscheides zu machen und diesen sachgerecht anzufechten. 6.3 Die formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen. 7. 7.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweis ungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO (vollständige Referenz: Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur F-722/2024, F-1105/2024 Seite 11 Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist) wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Der Mit- gliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragstell er, der sich ohne Aufenthaltstitel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen Mitglied- staats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dublin- III-VO). 7.2 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den zunächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen , die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU –Grund- rechtecharta (GRC) mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prü- fende Mitgliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zustän- digen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 7.3 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Dritt staatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin -III-VO). Dieses soge- nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das F-722/2024, F-1105/2024 Seite 12 Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da- für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent- scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 7.4 Wird auf der Grundlage von Beweismitteln oder Indizien gemäß den beiden in Artikel 22 Abs. 3 dieser Verordnung genannten Ve rzeichnissen, einschließlich der Daten nach der Verordnung (EU) Nr. 603/2013 festge- stellt, dass ein Antragsteller aus einem Drittstaat kommend die Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaats illegal überschritten hat, so ist dieser Mitgliedstaat für d ie Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zu- ständig. Die Zuständigkeit endet zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzübertritts (Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO). Ist ein Mitgliedstaat nicht oder gemäß Abs. 1 dieses Artikels nicht länger zuständig und wird auf der Grundlage von Beweismitteln oder Indizien ge- mäss den beiden in Artikel 22 Abs. 3 genannten Verzeichnissen festge- stellt, dass der Antragsteller — der illegal in die Hoheitsgebiete der Mit- gliedstaaten eingereist ist oder bei dem die Umstän de der Einreise nicht festgestellt werden können — sich vor der Antragstellung während eines ununterbrochenen Zeitraums von mindestens fünf Monaten in einem Mit- gliedstaat aufgehalten hat, so ist dieser Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig (Art. 13 Abs. 2 Dublin-III-VO). 8. 8.1 Die Beschwerdeführenden ersuchten am 21. Oktober 2022 in Kroatien um Asyl (SEM-act. 5/3), was die Zuständigkeit von Kroatien grundsätzlich begründet. In der Beschwerde bringen sie vor, aufgrund der seither ver- gangen Zeit und ihres mehr als fünfmonatigen Aufenthaltes in der Schweiz seit ihrer Wiedereinreise im Juni 2023 (vgl. SEM -act. 4) sei nunmehr die Schweiz gemäss Art. 13 Abs. 1 und 2 Dublin -III-VO als verantwortlicher Staat anzusehen. 8.2 Überschreitet ein Drittstaatsangehöriger, aus einem Drittstaat kom- mend nachweislich die Grenze eines Mitgliedstaates, reist über eine Bin- nengrenze in einen anderen Mitgliedstaat und stellt dort nach einem min- destens zwölfmonatigen Aufenthalt innerhalb d er Mitgliedstaaten einen (ersten) Antrag auf internationalen Schutz, so ist der Einreisemitgliedsstaat – sofern nicht ein anderes Zuständigkeitskriterium vorliegt – für die Prüfung des Antrages nicht mehr zuständig. Dies ergibt sich aus Art. 7 Abs . 2 (Versteinerungsprinzip), wonach bei der Bestimmung des zuständigen F-722/2024, F-1105/2024 Seite 13 Staates von der Situation ausgegangen wird, die zum Zeitpunkt der erst- maligen Antragstellung des betreffenden Antragstellers in einem Mitglied- staat gegeben ist ( CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG in: Dublin III - Verordnung; Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, 2014, K13 zu Art. 13). Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass sich die Beschwerdeführen- den seit Juni 2023 in der Schweiz aufhalten, kann ein Zuständigkeitsüber- gang nicht erkannt werden. Die Beschwerdeführenden haben nicht in der Schweiz ihr erstes Asylgesuch gestellt, sondern in Kroatien. Entsprechend dem sogenannten «Versteinerungsprinzip» wird bei der Bestimmung des nach den Kriterien des Kapitels III zuständigen Mitgliedstaats von der Sachlage ausgegangen, die zum Zeitpunkt gegeben war, in welchem die schutzsuchende Person zum ersten Mal internationalen Schutz in einem Mitgliedstaat beantragt. Stellt eine Person später in einem anderen Mitlied- staat ein weiteres Asylgesuch, greifen die Regeln des «take back» Verfah- rens. Die Zuständigkeit wird im «take back» Verfahren nicht mehr ermittelt, sondern gilt «versteinert» aus dem ersten Verfahren. Ausnahmen können sich unter anderem aus Art. 17 Dublin -III-VO (Selbsteintritt) und aus Art. 19 Abs. 1 Dublin-III-VO (Erteilung eines Aufenthaltstitels und Übertra- gung der Zuständigkeit) ergeben (vgl. Urteil des BVGer E -6739/2018 E 5.1). Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens ist somit gegeben; die kroatischen Behörden haben dem Gesuch der Vorinstanz um Wiederaufnahme der Be- schwerdeführenden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO am 22. Januar 2024 auch explizit zugestimmt (vgl. SEM-act. 15 und 16). Deren Wunsch auf Verbleib in der Schweiz vermag an der Zuständigkeit Kroatiens nichts zu ändern, zumal die Dublin -III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/40 E. 8.3) 8.3 Indem die Beschwerdeführenden geltend machen, zwei Onkel und eine Tante lebten in der Schweiz, vermögen sie nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Gemäss Art. 2 lit. g Dublin-III-VO umfasst der Begriff der Fami- lienangehörigen nur die Kernfamilie, das heisst Ehegatten, Lebenspartne- rinnen und Lebenspartner sowie minderjährige Kinder. Die in der Schweiz lebenden weiteren Familienangehörigen (Onkel und Tante der Kinder) fal- len somit nicht in die Kategorie der Familienangehörigen im Sinne der Dub- lin-III-VO. Das Bestehen eines besonderen Abhängigkeitsverhältnisses im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin -III-VO wurde nicht geltend gemacht. Ein Zuständigkeitsübergang auf die Schweiz zur Durchführung des Asylverfah- rens lässt sich gestützt auf Art. 9 Dublin-III-VO (Schutz der Familieneinheit) F-722/2024, F-1105/2024 Seite 14 ebenfalls nicht begründen. Die Familienangehörigen in der Schweiz fallen nicht unter dem Schutzbereich des grundrechtlichen Anspruchs auf Ach- tung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK. 8.4 Zusammenfassend ist die Zuständigkeit Kroatiens somit grundsätzlich gegeben. 9. Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer Rechtsmitteleingabe und ihrer Stellungnahme im Wesentlichen Folgendes vor: In Kroatien sei die Familie anstatt in das Aufnahmezentrum für besonders schutzbedürftige Personen in Kutina, in das Aufnahmezentrum in Porin am Stadtrand von Zagreb verlegt worden. Das ihnen zugeteilte Zimmer sei ext- rem unhygienisch und besonders verdreckt gewesen. Die Matratzen seien fleckig und das Schlafzimmer sowie das Badezimmer seien von Kakerla- ken und anderen Insekten befallen gewesen. Wen n man den Duschvor- hang bewegt habe, seien Dutzende Kakerlaken herausgefallen. Die Toi- lette sei verstopft und voller Exkremente gewesen. Reinigungsmittel seien ihnen über Nachfrage nicht gegeben worden und das Personal habe sich geweigert, ihnen ein anderes Zimmer zuzuteilen. Das Essen sei sehr schlecht gewesen und sie hätten keine Gläser bekommen, sondern hätten Wasser mit den Händen aus der Toilette schöpfen müssen. Für die Kinder seien in dieser Einrichtung keine geschützten Räume zugänglich gewesen und sie seien nicht sicher gewesen. Aus den Zimmern habe es nach Mari- huana gerochen und es hielten sich im Zentrum Drogen- und Menschhänd- ler auf. Sie, die Eltern, seien in Sorge um die psychische und physische Gesundheit ihrer traumatisierten Kinder. Diese seien aufgrund ihrer Situa- tion Bettnässer und könnten kaum mehr alleine sein. Sie hätten deshalb beschlossen Porin am 3. Mai 2023 zu verlassen und in die Schweiz zu- rückzukehren. Sie seien bereits Anfang Juni 2023 in die Schweiz einge- reist. Der Zugang zu psychologischer Behandlung sei in Kroatien kaum möglich. Für Personen, die der Sprache nicht mächtig seien, seien die Chancen auf eine Behandlung minimal. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung könne nicht mehr gewährleistet werden. Es mangle an medizinischem Fach per- sonal, Material und Medikamenten. Die Beschwerdeführenden bräuchten dringend psychiatrische und medizinische Hilfe, die in Kroatien nicht ge- währleistet sei. In Porin gebe es nur eine einzige Psychologin für über 600 Menschen, wobei der Anteil der trauma tisierten Menschen sehr hoch sei. Eine psychologische Betreuung der beiden Kinder sei in naher Zukunft F-722/2024, F-1105/2024 Seite 15 jedenfalls nicht vorstellbar. Eine Rückführung würde für alle Familienmit- glieder psychische Dekompensation bedeuten und es bestehe ein reales Risiko, dass es bei einer Wegweisung zu einer raschen und unwiederbring- lichen Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdefüh- renden kommen werde. Auch seien die Aufnahmebedingungen in den Zentren für Asylsuchende unzureichend. Die Beschwerdeführenden machen systemische Mängel im Asyl- und Aufnahmesystem Kroatiens geltend und fordern mithin die An- wendung von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO. Im Fall des Vollzugs der Wegweisung wären sie einem realen Risiko ausgesetzt, einer gegen Art. 3 EMRK verstossenden Behandlung unterworfen zu werden. Es könne von ihnen nicht verlangt werden, diesbezüglich eindeutige Beweise zu er- bringen. Die Misshandlung von Geflüchteten durch die kroatischen Behör- den sei mittlerweile bestens dokumentiert. Im vorliegenden Fall bestünden konkrete Hinweise auf unmenschliche Behandlung und es sei die Gesund- heitsversorgung in Kroatien nicht mehr gewährleistet, womit den vulnerab- len Beschwerdeführenden die dringend benötigte psychiatrische und me- dizinische Versorgung nicht gewährt wer den würde. Bei einer Rückkehr nach Kroatien drohten den Beschwerdeführenden Lebensumstände, wel- che sowohl Art. 3, 5 und 7 EMRK als auch weiteren internationalen Ver- pflichtungen der Schweiz, wie der KRK und der CAT, zuwiderlaufen wür- den. 10. Gemäss Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 wei- sen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien keine systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO auf. Demnach sind Dublin -Überstellungen nach Kr oa- tien grundsätzlich sowohl in Aufnahme- ("take charge") als auch in Wieder- aufnahmeverfahren ("take back") zulässig. Es wird demnach vermutet, dass Kroatien die Sicherheit der Asylbewerber garantiert und ihre Rechte gemäss dem internationalen Recht einhält (namentlich die EMRK, das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105], das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]; die Richtlinien des Europäischen Parla- ments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemein samen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes [sog. Verfahrensrichtlinie] sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati- onalen Schutz beantragen [sog. Aufnahmerichtlinie]). F-722/2024, F-1105/2024 Seite 16 An dieser aktuellen Beurteilung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach das kroatische Asyl- und Aufnahmesystem keine systemischen Schwach- stellen aufweist, vermögen die allgemeinen Ausführungen der Beschwer- deführenden zum Dublin-Mitgliedstaat Kroatien und die von ihnen vorge- legten Berichte zur dortigen Situation nichts zu ändern. Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin -III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso- nen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbesondere auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens- und Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. Urteile F -1883/2023 vom 12. April 2023 E. 8.2; F-647/2023 E. 7.1; je m.H.). Diese Vermutung kann im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hin- weise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D -5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). Wie dies bei der Prüfung von Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO dargelegt wird (vgl. E. 1 1 unten), gelingt dies den Beschwerdeführenden vorliegend jedoch nicht. 11. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz vom Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO sowie Art. 29 a Abs. 3 AsylV hätte Gebrauch machen müssen. 11.1 Die Beschwerdeführenden wurden am 2. Mai 2023 nach Kroatien überstellt. Bereits am nächsten Tag beschlossen sie Kroatien erneut zu verlassen und reisten Anfang Juni wiederum in die Schweiz ein. Sie haben sich somit nur für eine kurze Zeit in Kroatien aufgehalten. Das Bundesver- waltungsgericht verkennt nicht, dass die Unterbringung in kroatischen Auf- nahmezentren – insbesondere in Hinblick auf hygienische Standards – belastend sein kann. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der den Beschwerdeführenden zustehenden Aufnahmebedingungen könn- ten sie sich jedoch an die kroatischen Behörden wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg einfordern. Im Übrigen steht den Beschwerdeführen- den die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren (Urteil des BVGer F-4551/2023 vom 11. März 2024 E.7.5.7). 11.2 Der Umstand, dass die Lebensverhältnisse im ersuchenden Mitglied- staat günstiger sind als im grundsätzlich zuständigen Mitgliedstaat, lassen nicht den Schluss zu, die betreffende Person sei im Fall ihrer Überstellung tatsächlich der Gefahr ausgesetzt, eine gegen Art. 4 GRC verstossende F-722/2024, F-1105/2024 Seite 17 Behandlung zu erleiden (vgl. Urteil des EuGH [G rosse Kammer] vom 19. März 2019, Deutschland gegen A. J., C-163/17 Rn. 93 ff.). Eine Verlet- zung von Art. 4 GRC wäre demnach erreicht, wenn die Gleichgültigkeit der Behörden eines Mitgliedstaats zur Folge hätte, dass eine unterstützungs- bedürftige Person sich unabhängig von ihrem Willen in einer Situation ext- remer Not befände, die es ihr nicht ermöglichte, ihre elementarsten Bedürf- nisse zu befriedigen, wie insbesondere sich zu ernähren, sich zu waschen und eine Unterkunft zu finden, und die ihre physische oder psychische Ge- sundheit beeinträchtigt oder sie in einen Zustand der Verelendung versetzt, der mit der Menschenwürde unvereinbar ist (vgl. a.a.O. Rn. 87 ff.). Auch in Würdigung der von den Beschwerdeführenden gemachten Aussagen zu ihrer Unterbringung in Kroatien − ohne allfällige Probleme und Schwierig- keiten zu verkennen − ist nicht davon auszugehen, sie würden nach einer Überstellung in dieses Land in eine Situation extremer Not im Sinne der vorstehend skizzierten Rechtsprechung geraten. Überdies obliegt e s den kroatischen Behörden im Rahmen der von ihnen eingegangenen Verpflich- tungen, Familien mit Kindern rechtskonform unterzubringen und zu be- treuen (vgl. Urteil des BVGer F-3957/2022 vom 11. Oktober 2022 E. 6.4). Es liegen keine Hinweise vor, dass die kroa tischen Behörden dieser Ver- pflichtung nicht nachkommen würden. 11.3 Die Beschwerdeführenden berufen sich darauf, ihr Gesundheitszu- stand stehe einer Überstellung entgegen; die Überstellung nach Kroatien setze sie einer Gefahr für ihre Gesundheit aus und verletze damit Art. 3 EMRK. 11.3.1. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitli- chen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be- troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits- stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt- zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die dama- lige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung − mangels angemessener medizinischer Behand- lung im Zielstaat − mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns- ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund - heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil e des EGMR Savran gegen Dänemark [GC] vom 7. Dezember 2021, Antrag F-722/2024, F-1105/2024 Seite 18 Nr. 57467/15 Abs. 122-139; Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 11.3.2. Bei der Beschwerdeführerin wurden am 10. März 2023 folgende Krankheiten beziehungsweise Beschwerden diagnostiziert: Panikattacken, Bluthochdruck, Trommelfellperforation (BVGer-act. II. 1, Beilage 4). Bei C._______ wurden am 5. September 2023 folgende Krankheiten be- ziehungsweise Beschwerden diagnostiziert: eine posttraumatische Belas- tungsstörung (PTBS), sekundäre Enuresis, sekundäre Schlafstörungen mit Parasomnien und Albträumen, eine funktionelle epigastrische Störung auf- grund von Stress, eine Pollenallergie, Asthma sowie Fettleibigkeit (SEM - act. 4/63). Bei D._______ wurden am 5. September 2023 f olgende Krankheiten be- ziehungsweise Beschwerden diagnostiziert: eine posttraumatische Belas- tungsstörung (PTBS), sekundäre Enuresis, eine Pollenallergie und gele- gentliches Asthma (SEM-act. 4/63). Hinsichtlich des Beschwerdeführers liegen keine Arztberichte vor. 11.3.3. Die obgenannten medizinischen Beschwerden sind nicht unerheb- lich und zweifellos mit besonderen Behandlungs - und Unterstützungsbe- dürfnissen verbunden. Jedoch ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass die erforderliche medizinische Betreuung mit den notwen- digen Untersuchungen und Therapien in Kroatien − einem Mitgliedstaat der Europäischen Union mit einem dem Schweizer Niveau qualitativ vergleich- baren Gesundheitssystem − nicht verfügbar respektive zugänglich wären. Auch ist davon auszugehen, dass der Zugang zum dortigen Gesundheits- system für asylsuchende Personen gewährleistet ist, zumal die Mitglied- staaten den Antragsstellenden die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behand- lung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zu- gänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Den Antrags- stellenden mit besonderen Bedürfnissen ist sodann die erforderliche medi- zinische oder sonstige Hilfe, einschliesslich psychologischer Betreuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie; vgl. auch Urteile des BVGer D-919/2023 vom 11. Mai 2023 E. 8.4, E-1488/2020 E. 10.2). Es ist davon auszugehen, dass Kroatien seinen diesbezüglichen Verpflichtungen nach- kommt und es si nd keine Hinweise ersichtlich, dass das Land den Be- schwerdeführenden eine adäquate medizinische sowie psychologische Behandlung verweigern werde. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass F-722/2024, F-1105/2024 Seite 19 den Beschwerdeführenden bei einer Überstellung nach Kroatien eine ernste, rasche und unwiederbringliche Verschlechterung ihres Gesund- heitszustands droht, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Ver- kürzung der Lebenserwartung und damit einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen würde. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Familie nach einer entsprechenden Anpassungszeit zurechtfinden wird. 11.3.4. Bei einer Überstellung von der Schweiz nach Kroatien muss aller- dings sichergestellt werden, dass allfällige suizidale Tendenzen der Be- schwerdeführerin berücksichtigt werden (siehe dazu BVGer-act. II 1 S. 5) und die allenfalls benötigte Medikation für die Reise wie auch für die Über- gabe an die kroatischen Behörden zur Verfügung gestellt wird. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass gemäss bundesgerichtlicher Recht- sprechung Suizidalität kein Vollzugshindernis darstellt, was auch der Pra- xis des Bundesverwaltungsgerichts entspricht (vgl. bspw. Urteile F-602/2023 vom 2. November 2023 E. 6.5.1 und D -4051/2021 vom 16. September 2021 E. 6.3.4). Um eine psychische (Zusatz-)Belastung der Be- schwerdeführenden zu vermeiden, ist der anstehende Vollzug, wenn im- mer möglich, ohne räumliche Trennung der Beschwerdeführenden durch- zuführen. 11.4 Im Zusammenhang mit den Rügen bezüglich der Beachtung des Kin- deswohls ist festzuhalten, dass Kroatien Signatarstaat der KRK ist und sei- nen daraus erwachsenen Verpflichtungen grundsätzlich nachkommt, wes- halb eine Überstellung nach Kroatien weder eine Verletzung von Art. 3 KRK noch Art. 3 EMRK bedeutet. Aus der Kinderrechtskonvention kann kein Anspruch auf Aufenthalt im Staat mit den für ein Kind vorteilhaf- testen Lebensbedingungen abgeleitet werden. Angesichts der relativ kur- zen Aufenthaltsdauer in der Schweiz sind die Kinder hier noch nicht ver- wurzelt, sodass ein Vollzug der Wegweisung nicht gegen das Kindeswohl spricht. Die notwendige medizinische Behandlung kann nach dem Ausge- führten (vgl. E. 11.4.3 oben) auch in Kroatien erfolgen. 11.5 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis − ebenso wie das SEM − davon aus, dass die schweizerischen Behörden bei den kroa- tischen Behörden in der Regel keine individuellen Zusicherungen bezüg- lich des Zugangs zu adäquater Unterbringung, Betreuung und medizini- scher Versorgung einzuholen haben, zumal wie vorstehend ausgeführt da- von auszugehen ist, dass sich die kroatischen Be hörden an die entspre- chenden Verpflichtungen halten (Urteil des BVGer E-6460/2023 vom 1. De- zember 2023 E. 4.4). Vorliegend bestehen keine Gründe, die ein Abwei- chen von dieser Regel aufdrängten, der entsprechende Subeventualantrag F-722/2024, F-1105/2024 Seite 20 ist abzuweisen. Die schwei zerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, haben dem aktuellen Gesund- heitszustand der Beschwerdeführenden bei der Organisation der Überstel- lung nach Kroatien Rechnung tragen, indem sie die dortigen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig diesbezüglich infor- mieren (vgl. E. 11.4.4 oben). 11.6 Nach dem Ausgeführten können die Beschwerdeführenden kein kon- kretes und ernsthaftes Risiko dartun, wonach ihre Überstellung nach Kro- atien die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Dar- über hinaus bestehen keine Hinweise auf eine nicht gesetzeskonforme Ausübung des Ermessens hinsichtlich Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 (humanitäre Gründe). Es liegt folglich kein Grund für einen Selbsteintritt der S chweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO vor. Kroatien bleibt zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist ver- pflichtet, die Beschwerdeführenden wiederaufzunehmen. 12. Das SEM ist zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. Die Überstellung nach Kroatien wurde in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet. Insofern auf d ie Beschwerden einzutreten ist, wird jene vom 2. Februar 2024 (Verfahren F -722/2024) abgewiesen und die Verfügung des SEM vom 26. Januar 2024, ausser was die Ziffer 4 des Dispositivs betrifft (vgl. E. 4 oben), bestätigt. 13. Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses gegenstandslos geworden. Der verfügte einstweilige Voll- zugsstopp fällt mit dem vorliegenden Urteil dahin. 14. Bei diesem Ausgang des Verfahrens würden die Beschwerdeführenden grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die in der Rechtsmit- teleingabe formulierten Begehren waren allerdings nicht als aussichtslos zu betrachten und die prozessuale Bedürftigkeit ist hinreichend erstellt. Das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher gutzuheissen. Die Beschwerdeführenden werden somit von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit. F-722/2024, F-1105/2024 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerdeverfahren F-722/2024 und F-1105/2024 werden vereinigt. 2. Die Verfügung der Vorinstanz vom 26. Januar 2024 wird dahingehend ab- geändert, als Ziffer 4 des Dispositivs ersatzlos gestrichen wird. 3. Soweit auf die Beschwerde im Verfahren F-722/2024 eingetreten wird, wird diese abgewiesen. 4. Auf die Beschwerde im Verfahren F-1105/2024 wird nicht eingetreten. 5. 5.1. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 5.2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Yannick Antoniazza-Hafner Sandra Hutter Versand: