<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">305</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Steuern</b></span><br/> <span class="ft3"><b>58</b></span> <span class="ft3"><b>Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit; Fahrzeugspesen (§ 26</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Abs. 1 StG, § 35 StG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Der Rekurrent ist als Zeitungszusteller tätig. Die Fahrzeugspesen, die er</b></span><br/> <span class="ft3"><b>für die Zustellung der Zeitungen erhält, stellen Auslagen im Sinne von</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Art. 327a OR dar und sind nicht zum steuerbaren Einkommen aus</b></span><br/> <span class="ft3"><b>unselbständiger Erwerbstätigkeit zu rechnen.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft4">vom 22. Juni 2017 in Sachen M.K. (3-RV.2016.192).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft6">6.</span><br/> <span class="ft6">6.1.</span><br/> <span class="ft6">6.1.1.</span><br/> <span class="ft6">Der Rekurrent ist als Zeitungszusteller für die A. AG tätig. Er</span><br/> <span class="ft6">erhielt im Jahr 2014 für die Frühzustellungen einen Nettolohn von</span><br/> <span class="ft6">CHF 14'253.00 und Routenspesen von CHF 3'573.00. Für die Sonn-</span><br/> <span class="ft6">tagszustellungen betrugen der Nettolohn CHF 6'999.00 und die</span><br/> <span class="ft6">Routenspesen CHF 1'688.00. Der Rekurrent deklarierte den Lohn als</span><br/> <span class="ft6">Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit. Bei den Berufskos-</span><br/> <span class="ft6">ten brachte er Fahrtkosten an den Arbeitsplatz von CHF 3'354.00</span><br/> <span class="ft6">(4'792 km CHF 0.70) in Abzug.</span><br/> <span class="ft6">6.1.2.</span><br/> <span class="ft6">Die Steuerkommission Y. anerkannte Fahrtkosten an den</span><br/> <span class="ft6">Arbeitsplatz von CHF 3'355.00. Sie rechnete jedoch die Routenspe-</span><br/> <span class="ft6">sen von total CHF 5'261.00 (...) zu den Einkünften aus unselbständi-</span><br/> <span class="ft6">ger Erwerbstätigkeit hinzu. Sie führte dazu in der Abweichungsbe-</span><br/> <span class="ft6">gründung 2014 aus, die Einkünfte seien inklusive Spesen zu erfas-</span><br/> <span class="ft6">sen, ansonsten könnten keine effektiven Spesenauslagen geltend ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">306</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">macht werden. In der Vernehmlassung vom 9. Februar 2017 führt das</span><br/> <span class="ft6">Gemeindesteueramt Y. ergänzend aus, die Spesen würden rund 25 %</span><br/> <span class="ft6">des Nettolohnes ausmachen. Gemäss Wegleitung zur Steuererklärung</span><br/> <span class="ft6">seien Spesen zum Einkommen zu addieren, soweit sie den Charakter</span><br/> <span class="ft6">von Berufskostenersatz hätten. Allein schon aufgrund der Höhe der</span><br/> <span class="ft6">Spesen und dem Verhältnis zum Nettolohn müsse davon ausgegan-</span><br/> <span class="ft6">gen werden, dass es sich vorliegend zumindest partiell um Berufs-</span><br/> <span class="ft6">kostenersatz handle. Das zeige sich auch aus dem Vergleich mit</span><br/> <span class="ft6">anderen Angestellten der A. AG.</span><br/> <span class="ft6">6.1.3.</span><br/> <span class="ft6">Der Rekurrent entgegnet, es seien ihm Routenspesen ausbezahlt</span><br/> <span class="ft6">worden, nicht Pauschalspesen. Es sei widersprüchlich, die Fahrtkos-</span><br/> <span class="ft6">ten an den Arbeitsplatz zu gewähren, nicht aber die km-Spesen für</span><br/> <span class="ft6">die Route. Eine Route von rund 10 km innerhalb von 1.33 Stunden</span><br/> <span class="ft6">zu Fuss zu absolvieren und dabei die Zeitungen zu tragen, sei</span><br/> <span class="ft6">unmöglich (Rekurs).</span><br/> <span class="ft6">6.2.</span><br/> <span class="ft6">6.2.1.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss § 26 Abs. 1 StG sind alle Einkünfte aus privatrecht-</span><br/> <span class="ft6">lichem oder öffentlich-rechtlichem Arbeitsverhältnis steuerbar, mit</span><br/> <span class="ft6">Einschluss der Nebeneinkünfte wie Entschädigungen für Sonderleis-</span><br/> <span class="ft6">tungen, Provisionen, Zulagen, Dienstalters- und Jubiläumsge-</span><br/> <span class="ft6">schenke, Gratifikationen, Trinkgelder, Tantiemen und andere geld-</span><br/> <span class="ft6">werte Vorteile.</span><br/> <span class="ft6">Auch was der Arbeitgeber unter dem Titel "Spesen" ausrichtet,</span><br/> <span class="ft6">fällt bei der Einkommensbemessung keineswegs von vornherein aus-</span><br/> <span class="ft6">ser Betracht, sondern nur soweit damit Auslagen gemäss Art. 327a f.</span><br/> <span class="ft6">OR (...) und, sofern ausdrücklich vorgesehen, Berufskosten des</span><br/> <span class="ft6">Arbeitnehmers gemäss § 35 StG (vgl. Erw. 6.2.3.) gedeckt werden</span><br/> <span class="ft6">(VGE vom 20. August 2008 (WBE.2008.3); RGE vom 10. August</span><br/> <span class="ft6">2006 (3-RV.2005.50354); Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft6">4. Auflage, Muri-Bern 2015, § 35 StG N 2; Erich Bosshard, Die steu-</span><br/> <span class="ft6">erliche Behandlung von Spesenvergütungen im Lohnausweis und im</span><br/> <span class="ft6">Veranlagungsverfahren, in: StR 1996 S. 557 ff.). Der Nachweis, dass</span><br/> <span class="ft6">ein Teil der Einkünfte Auslagenersatz darstellt und deshalb nicht der</span><br/> <span class="ft6">Einkommensbesteuerung unterliegt, obliegt dem Steuerpflichtigen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">307</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Dessen Mitwirkungspflicht ist in § 179 StG explizit festgehalten und</span><br/> <span class="ft6">überlagert den Grundsatz der Nachweispflicht (AGVE 1997 S. 201,</span><br/> <span class="ft6">mit Hinweisen; analog Bundesgerichtsurteil vom 15. September</span><br/> <span class="ft6">2014 (2C_112/2014)); VGE vom 27. Januar 2010 (WBE.2009.268);</span><br/> <span class="ft6">je mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft6">6.2.2.</span><br/> <span class="ft6">Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer alle durch die Ausfüh-</span><br/> <span class="ft6">rung der Arbeit notwendigerweise entstehenden Auslagen zu ersetzen</span><br/> <span class="ft6">(Art. 327a Abs. 1 OR). Durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsver-</span><br/> <span class="ft6">trag oder Gesamtarbeitsvertrag kann als Auslagenersatz eine feste</span><br/> <span class="ft6">Entschädigung, wie namentlich ein Taggeld oder eine pauschale Wo-</span><br/> <span class="ft6">chen- oder Monatsvergütung festgesetzt werden, durch die jedoch</span><br/> <span class="ft6">alle notwendig entstehenden Auslagen gedeckt werden müssen (Art.</span><br/> <span class="ft6">327a Abs. 2 OR). Steuerrechtlich gelten als Spesen jene Auslagen,</span><br/> <span class="ft6">die Mitarbeitenden im Interesse des Arbeitgebers anfallen</span><br/> <span class="ft6">(Bundesgerichtsurteil vom 7. August 2014 (2C_214/2014), in: ASA</span><br/> <span class="ft6">83 S. 142).</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">6.3.</span><br/> <span class="ft6">Der Rekurrent ist morgens jeweils zwischen 1 und 1 Stunden</span><br/> <span class="ft6">unterwegs, um für die A. AG den Abonnenten die Zeitungen zuzu-</span><br/> <span class="ft6">stellen. Er fährt von seinem Wohnort zu den sogenannten Depots, wo</span><br/> <span class="ft6">er die Zeitungen übernimmt. Von dort fährt er eine von der</span><br/> <span class="ft6">Arbeitgeberin vorgegebene Route für die Zustellung der Zeitungen.</span><br/> <span class="ft6">Neben einem Stundenlohn (...) erhält der Rekurrent je nach</span><br/> <span class="ft6">Route unterschiedlich hohe Fahrzeugspesen (...) ausbezahlt.</span><br/> <span class="ft6">6.4.</span><br/> <span class="ft6">Es ist offensichtlich, dass der Rekurrent für seine Tätigkeit auf</span><br/> <span class="ft6">ein Fahrzeug angewiesen ist. Die Steuerkommission Y. hat denn auch</span><br/> <span class="ft6">zu Recht die Fahrtkosten an den Arbeitsplatz (bzw. zu den Depots)</span><br/> <span class="ft6">zum Abzug zugelassen. Dementsprechend hat der Rekurrent jedoch</span><br/> <span class="ft6">ebenfalls Anspruch darauf, dass die Arbeitgeberin ihm die Fahr-</span><br/> <span class="ft6">leistung für die Zustellung der Zeitungen entschädigt. Es handelt sich</span><br/> <span class="ft6">um Spesen für Auslagen im Sinne von Art 327a OR, die dem</span><br/> <span class="ft6">Rekurrenten durch die Arbeitsausführung im Interesse der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">308</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Arbeitgeberin anfallen. Diese sind entgegen der Ansicht der Steuer-</span><br/> <span class="ft6">kommission Y. nicht aufzurechnen.</span><br/> <span class="ft6">Keine Rolle spielt dabei das Verhältnis zwischen dem Nettolohn</span><br/> <span class="ft6">und den Spesen. Dies kann wohl ein Indiz dafür sein, dass den Spe-</span><br/> <span class="ft6">sen (teilweise) Lohn- oder Berufskostencharakter zukommt. Vorlie-</span><br/> <span class="ft6">gend ergibt sich das Verhältnis zwischen dem Nettolohn und den</span><br/> <span class="ft6">Spesen jedoch durch den Umstand, dass der Rekurrent bei einem</span><br/> <span class="ft6">relativ bescheidenen Stundenlohn nur kurze Zeit unterwegs ist, in</span><br/> <span class="ft6">dieser Zeit aber eine verhältnismässig grosse Strecke mit dem Fahr-</span><br/> <span class="ft6">zeug zurücklegt. Ein Grund für eine (teilweise) Aufrechnung der</span><br/> <span class="ft6">Autospesen ist darin nicht zu sehen.</span><br/> <span class="ft6">Ein Indiz, dass mit den Fahrzeugspesen auch ein Teil des Ar-</span><br/> <span class="ft6">beitsweges entschädigt wird, ist den Akten nicht zu entnehmen. Im</span><br/> <span class="ft6">Gegenteil ist auf den Lohnausweisen der A. AG ausdrücklich festge-</span><br/> <span class="ft6">halten, dass die "Spesenvergütung ohne Arbeitsweg" sei.</span><br/> <span class="ft6">(...) Die Steuerkommission Y. hat demnach die Fahrzeugspesen</span><br/> <span class="ft6">zu Unrecht aufgerechnet.</span><br/></div> </div> </body> </html>