B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3747/2014 U r t e i l v o m 3 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), unbekannter Staatsangehörigkeit (angeblich Volksrepublik China), (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung: Verfügung des BFM vom 2. Juni 2014 / N (…). E-3747/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, eigenen Angaben zufolge ein Tibeter mit letztem Wohnsitz in B._______ ([…] Präfektur Ngari), soll am (…) unkontrolliert zu Fuss (…) über die Grenze nach Nepal ge gangen sein. Von dort sei er in einem Auto bis (…) gefahren und (…) auf dem Luftweg über einen ihm unbekannten Ort an einen ihm ebenfalls unbekannten Ort gelangt, wo er übernachtet habe; danach sei er am 21. August 2013 mit dem Zug in die Schweiz gereist. Gleichentags stellte er ein Asy lgesuch. Am 10. Septem- ber 2013 wurde er zur Person befragt (BzP), und am 2. Mai 2014 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen. Zur Begründung seines Asylgesuches brachte der Beschwerdeführer vor, er habe am (…) an einer Demonstration gegen die Chinesen teilgeno m- men respektive diese Demonstration zusammen mit zwei Freunden orga- nisiert, Flyer verteilt und Slogans auf Stoff geschrieben. Ungefähr zehn Minuten nach Beginn der Demonstration hätten sie vernommen, dass Mi- litärpolizisten im Anmarsch seien , dann habe man Schüsse gehört. Ein Schuss habe wohl einen seiner Freunde getroffen, er selbst habe fliehen können. Er sei statt in das Kloster in sein Dorf gegangen . Als sein Bruder von seiner Teilnahme an der Demonstration erfahren habe, habe er ihm geraten wegzugehen. Der Beschwerdeführer reichte keine Ausweispapiere oder andere Dok u- mente zu den Akten. Er habe nie einen Pass besessen, seine Identität s- karte habe er auf der Flucht dem Schlepper gegeben. B. Mit am 4. Juni 2014 eröffneter Verfügung vom 2. Juni 2014 stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte dessen Asylgesuch ab. Es wies ihn aus der Schweiz weg, w o- bei es den Vollzug der Wegweisung in die Volksrepubl ik China au s- schloss, und beauftragte (…) mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 1. Juli 2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte in materie l- ler Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei aufzu heben und in der S a- che sei neu zu entscheiden, die Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei festzustellen, dass sub- jektive Nachfluchtgründe vorliegen würden und er als F lüchtling vorläufig E-3747/2014 Seite 3 aufzunehmen sei; eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar und unmöglich sei. In prozessualer Hinsicht e r- suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und bea n- tragte, die zuständige Behörde sei vorsorglich anzuweisen, die Kontak t- aufnahme mit den heimatlichen Behörden sowie jegliche Datenweiterg a- be an dieselben zu unterlassen ; eventualiter sei er bei bereits erfolgter Datenweitergabe darüber in einer separaten Verfügung zu informieren, und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er fünf Berichte zur Situation von Tibetern in der Volksrepublik China und eine Fürsorgebestätigung des (…) vom (…) zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 15. Juli 2014 hielt der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Den Antrag, die zuständige Behörde sei vorsorglich anzuweisen, die Kon- taktaufnahme mit den heimatlichen Behörden sowie jegliche Datenwe i- tergabe an dieselben zu unterlassen, eventualiter sei der Beschwerdefüh- rer bei bereits erfolgter Datenweitergabe darüber in einer separaten Ve r- fügung zu informieren, wies er ab. E. In seiner Vernehmlassung vom 21. Juli 2014, welche dem Beschwerde- führer am 23. Juli 2014 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt das B undes- amt ohne weitere Ausführungen vollumfänglich an seinen Erwägungen im angefochtenen Entscheid fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und E-3747/2014 Seite 4 entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Zur Begründung seines ablehnenden Entscheides führte das BFM aus, bereits in der BzP seien aufgrund der ungenügenden geografischen und länderkundlichen Kenntnisse , der Sprechweise und der fehlenden Chinesischkenntnisse erste Zweifel an der behaupteten Herkunft des Be- schwerdeführers aufgekommen. Deshalb sei en anlässlich der Anhörung dessen Alltags- und Länderwissen über die geltend gemachte Herkunft s- region geprüft w orden. In der Folge habe man ihm dazu das rechtliche Gehör gewährt. Er sei zwar in der Lage gewesen, einige geografische Angaben über die behauptete Heimatregion zu machen, sobald aber Fragen seine konkr e- ten Lebensverhältnisse betroffen hätten, seien die Antworten vage, diffus und zum Teil tatsachenwidrig ausgefallen. Die pauschale Aussage, er sei nie zur Schule gegangen, könne nicht überzeugen. Da seine Familie (…), sei davon auszugehen, dass die chinesischen Behörden auf seine Pe r- son aufmerksam geworden wären und ihn zum Schulbesuch aufgefordert hätten. Er habe zwar angegeben, dass man zur Ausstellung einer Ident i- tätskarte ein Formular ausfüllen und das Familienbüchlein mitbringen müsse, aber er könne das Verfahren zur Ausstellung einer Identitätskarte E-3747/2014 Seite 5 nur oberflächlich beschreiben. Die Erklärung, sein Bruder habe alle Fo r- malitäten erledigt, vermöge nicht zu überzeugen, da er diesen gemäss eigenen Angaben zur Behörde begleitet habe. Für den Erhalt einer Identi- tätskarte würden gemäss gesicherten Erkenntnisse n des Bundesamtes noch weitere Dokumente benötigt als die vom Beschwerdeführer ange- gebenen. Dieser habe bei der BzP angegeben, das Familienbüchlein sei grünlich, bei der Anhörung dagegen ausgeführt, es sei dunkelrot. Auf den Widerspruch angesprochen, habe er ausgeführt, es sei in einen grünen Umschlag gebunden. Es bestünden indessen keine Hinweise darauf, dass es ihm nicht schon bei der Befragung möglich gewesen wäre, auf diesen Umstand hinzuweisen. Somit würden Indizien dafür bestehen, dass er sich Kenntnisse bezüglich der tatsächlichen Verhältnisse in Tibet, welche er anlässlich der BzP noch nicht gehabt habe, im Nachhinein ve r- schafft habe. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage gewesen anzugeben, wievi e- le Kinder Tibeter in der Volksrepublik China haben dürften, obwohl er als angeblicher Familienvater darüber hätte informiert sein müssen. Er habe zwar Flüsse der Provinz Ngari benannt, aber diese würden unbedeutend und beliebig erscheinen. Dabei erstaune einerseits, dass er solche N a- men angeblich nur vom Hörensagen durch den Bruder kenne, und ander- seits falle auf, dass er kein einziges der grossen und berühmten Gewä s- ser der Provinz aufgezählt habe. Den Begriff (…) habe er nicht zu deuten gewusst, und entgegen seinen Aussagen handle es sich dabei nicht um einen Fluss. Zumal er geltend mache, in einem Kloster gelebt zu haben, müsste er mit den Heiligtümern, insbesondere mit jenen seiner Provinz , vertraut sein, was jedoch nicht der Fall sei. Der Beschwerdeführ er könne die Lebensverhältnisse in Tibet weder nachvollziehbar noch anschaulich oder tatsachenkonform beschreiben. Es sei ihm kein Fernsehsender der Autonomen Provinz Tibet bekannt, was sich durch das Argument, im Kloster habe man nicht fernsehen dü r- fen, nicht erklären lasse. Als realitätsfremd sei die Darstellung zu werten, er sei kaum zum Einkaufen gegangen, und wenn, dann nicht allein. Seine Angaben zum Preis von Reis und die von ihm nicht näher differenzierten Mehlsorten seien tatsachenwidrig; auch die Angaben zur Stückelung der chinesischen Währung seien tatsachenwidrig. Zur Flora und zur Fauna in der angeblichen Heimat habe er gar nichts sagen können. Ausser (…) kenne er keinen anderen Berg oder Gebirgszug in der Provinz Ngari. Den Tagesablauf im Klost er habe er trotz zahlreicher Zeitangaben so allg e- mein beschrieben, dass er für jede sonstige an Tagespläne gebundene E-3747/2014 Seite 6 religiöse oder nichtreligiöse Institution zutreffen könne. Die Einschätzung, dass er weder in einem Kloster in der Provinz Ngari gelebt hab e noch ei- nige Jahre Mönch gewesen sei, dränge sich auch deshalb auf, weil er nicht in der Lage gewesen sei, einen beliebigen Glaubenssatz aus den heiligen Schriften zu nennen und in alttibetischer Schrift aufzuschreiben. Angesichts der Unkenntnis über das tägliche Leben dränge sich der Ve r- dacht auf, dass die Nennung rein geografischer Angaben aus allgemein zugänglichen Quellen angelernt worden sei. Differenzierte geografische Angaben könne er nicht machen und lokale Besonderheiten könne er nicht schildern. Die Erklärung, er sei Mönch gewesen und habe keine Zeit gehabt unterwegs zu sein, sei angesichts der aufgeführten Unglaubha f- tigkeitselemente unbehelflich. Der Beschwerdeführer spreche kein Chinesisch, was jedoch für Tibeter, welche bis vor wenigen Jahren in Tibet gelebt hätten, kaum noch der Fall sei. Bei einer tatsächlichen Sozialisation im angegebenen Gebiet wären chinesische Begriffe in sein Vokabular eingeflossen, was bei ihm jedoch nicht feststellbar sei. Da die chinesischen Behörden insbesondere die Klöster streng kontrollieren würden, sei die Behauptung, in seiner Region benötige man kein Chinesisch, realitätsfremd, und sie widerspreche zu- dem dem Vorbringen, sein Bruder habe Chinesisch gesprochen. Das Bundesamt komme daher zum Schluss, dass der Beschwerdeführer nicht aus Tibet und somit auch nicht aus der Volksrepublik China stamme beziehungsweise nicht bis (…) dort sozialisiert worden sei. Für diese Ein- schätzung würden auch seine unsubstanziierten Aussagen zum Reis e- weg sprechen, welchen es an Realkenn zeichen wie persönlichen Wah r- nehmungen und Reaktionen fehle. Letztlich überzeuge auch seine B e- gründung für die Nichtabgabe von Ausweispapieren nicht, weshalb au s- zuschliessen sei, dass er jemals in der Volksrepublik China gelebt habe. Daher rechtfertige sic h auch die Annahme, dass der Beschwerdeführer nicht verfolgt worden sei, was durch die offensichtlich unsubstanziierte Darstellung seiner angeblichen Probleme bekräftigt werde. Es bestünden keine konkreten Hinweise auf eine behördliche Suche nach ihm, vielmehr gehe aus den Aussagen hervor, dass er eine solche lediglich vermute. Die Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhalten, so dass deren Asylr elevanz nicht geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht. E-3747/2014 Seite 7 3.2 In der Beschwerde wird dieser Argumentation entgegengehalten, es sei schlichtweg unmöglich, gültige Reisepapiere einzureichen. Dass es allgemein schwierig sei, als Tibeter Dokumente zu erhalten, würden die eingereichten Berichte belegen. Dass der Beschwerdeführer das Verfa h- ren zur Ausstellung einer Identitätskarte nicht ausreichend habe erklären können, sei nicht verwunderlich, denn für solche Arbei ten sei sein Bruder zuständig gewesen. Bezüglich der Schulpflicht sei festzuhalten, dass es normal sei, nicht zur Schule zu gehen. Auch wenn seit den neunziger Jahren eine allgemeine Schulpflicht bestehe, sei diese nie vollumfänglich durchgesetzt worden. In der Region Ngari werde kein Chinesisch ben ö- tigt; er habe keine Schule besucht und die chinesische Sprache im Klo s- teralltag nie gebraucht, weshalb er praktisch kein Chinesisch spreche. Sein Alltags- und Länderwissen habe er nach bestem Wissen erläutert. Er habe Gewässer und Berge benannt ; es sei nicht nachvollziehbar, warum seine Aussagen als substanzlos bezeichnet würden. Den einen See habe er verwechselt, weil ein anderer Begriff dafür verwendet worden sei. Schliesslich sei auf den ungeheuren Druck aufmerksam zu machen, unter welchem er geflohen sei. Es sei für ihn nicht einfach gewesen, alles in Ti- bet zurückzulassen, zudem habe er immer Angst gehabt, entdeckt zu werden. In dieser ausserordentlichen Situation sei er nicht in der Lage gewesen, auf die Gege nd oder die Dauer der Flucht zu achten. Seine Mitwirkungspflicht habe er stets befolgt und Auskunft über seine Identität gegeben. In den Augen der chinesischen Regierung sei er nun ein Staatsfeind; er könne seine Familie in Tibet nicht kontaktieren, weil die Angehörigen sonst zusätzlich in Gefahr kommen und verdächtigt würden, Kontakt mit Separatisten zu pflegen. Die Telefonverbindungen in Tibet würden abgehört, man könne nicht frei sprechen. Er sei wirklich ein Tib e- ter. Aufgrund seiner illegalen Ausreise a us Tibet beziehungsweise aus der Volksrepublik China und der Asyleinreichung in der Schweiz habe er b e- gründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung. Beim Beschwerdeführer würden deshalb im Sinne des Eventualbegehrens subjektive Nachfluch t- gründe vorliegen, weshalb er als Flüchtling anzuerkennen sei. Er wisse nicht, in welches Land er gehen sollte, da er seit seiner Geburt bis zur Ausreise in Tibet gelebt habe, und auch eine Ausreise nach Nepal wäre für ihn sehr gefährlich. 4. 4.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Beh örde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel E-3747/2014 Seite 8 (Bstn. a–e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzu- geben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der A n- hörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). 4.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bs t. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwi d- riger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Ve r- waltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, S. 369, Rz. 630). Das Bundesverwaltungsgericht kann den rechtserheblichen Sachverhalt, wie ihn die Vorinstanz festgestellt hat, uneingeschränkt überprüfen (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es ist dazu in dem Masse verpflichtet, als die Be- schwerdepartei die Sachverhaltsfeststellungen oder die ihr zugrunde li e- gende Beweiswürdigung als fehlerhaft rügt und sich mit der angefocht e- nen Verfügung sachbezogen auseinandersetzt (vgl. CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltung s- rechtlichen Prozessmaximen, Dis s. Bern 1997, S. 79 f.; Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts E-36/2008 vom 30. November 2011 E. 5.1). 4.3 Im vorliegenden Fall gelangte das Bundesamt zum Schluss, der B e- schwerdeführer stamme nicht aus Tibet und somit auch nicht aus der Volksrepublik China, beziehungsweise sei er nicht bis (…) dort sozialisiert worden, nachdem anlässlich der Anhörung vom 2. Mai 2014 sein Alltags- und Länderwissen über die von ihm geltend gemachte Herkunftsregion geprüft worden war. Auf die Erstellung eines Lingua -Gutachtens wurd e aus Kapazitätsgründen verzichtet. Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten, dass das Gesetz keine Pflicht zur Erstellung eines Lingua-Gutachtens vorsieht. Wie die Vorinstanz fest- stellte, sind die Aussagen des Beschwerdeführers unsubstanziiert und vage aus gefallen. Realkennzeichen wie persönliche Wahrnehmungen, Emotionen und Reaktionen finden sich nicht in seinen Schilderungen. Die E-3747/2014 Seite 9 Identität des Beschwerdeführers steht bis heute nicht fest, da er keine Ausweispapiere oder irgendwelche Beweismittel, die geei gnet wären, e t- was zur Klärung seiner Identität und seines Herkunftslandes beizutragen, eingereicht hat. Zu Recht wies das BFM darauf hin, dass die Darstellung der angeblichen Probleme äusserst unsubstanziiert ausgefallen ist, keine Hinweise auf eine behörd liche Suche nach dem Beschwerdeführer e r- sichtlich sind, und er selbst eine solche lediglich vermutet (vgl. Akten BFM A20/22 S. 7). Zudem sind die Angaben zur Flucht pauschal und ungenau, Eindrücke der Gegend oder anschauliche Schilderungen konkreter Situ a- tionen fehlen, und es ist nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer w e- der die Ankunftsdestination des ersten noch des zweiten Fluges kennen will. Hinsichtlich des erfragten Länderwissens weist das BFM berechtigterwei- se auf Lücken hin, welche an der vom B eschwerdeführer angegebenen Herkunft zweifeln lassen. Anderseits konnte er doch einige geografische Angaben zur Reiseroute machen (vgl. A20/22 S. 5 f.), nannte zahlreiche Ortschaften und Klöster (vgl. A20/22 S. 11 f.), und konnte den Klosteral l- tag recht gut beschreiben (vgl. A20/22 S. 15 f.). Trotz der berechtigten Zweifel an der geltend gemachten Herkunft scheint vorliegend nicht klar, ob der Beschwerdeführer aus der von ihm genannten Region stammt , namentlich, ob er auch die Jahre vor (…) dort verbracht hat. Zumindest kann dies aufgrund seiner Angaben nicht ausgeschlossen werden. Es lie- gen keinerlei Angaben zur sprachlichen Färbung seines Tibetisch vor, und der geltend gemachte zehnjährige Aufenthalt in einem Kloster kann eine mögliche Erklärung dafür sein, dass er in der Schule kein Chinesisch g e- lernt hat. Obwohl sich das Bundesverwaltungsgericht der Einschätzung anschliesst, dass das Alltagswissen des Beschwerdeführers teilweise schwer nachvollziehbare Lücken aufweist, lässt sich nach dem Gesagten aufgrund der im Rahmen der Anhörung durch den Befrager erfolgten Ab- klärungen nicht abschliessend entscheiden, ob die geltend gemachte Herkunft aus Tibet zutrifft. Zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung scheint daher die Durchführung einer Lingua-Analyse geboten. 4.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindl i- chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückwe i- sung ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsa chen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durch zuführen ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn E-3747/2014 Seite 10 dies im Einzelfall aus prozess ökonomischen Gründen angebracht e r- scheint; sie muss dies aber nicht tun (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). In casu erscheint eine Kassation gerechtfertigt, zumal auf diese Weise der I n- stanzenzug erhalten bleibt, was umso wichtiger ist, als das Bundesve r- waltungsgericht letztinstanzlich entscheidet. 4.5 Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen , die angefochtene Verfü- gung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfestste l- lung und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben. 5.2 Gemäss Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Ko s- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] hat eine obsiegende Partei Anspruch auf eine Parteien t- schädigung für die ih r erwachsenen notwendigen Kosten. Da dem nicht vertretenen Beschwerdeführer keine erheblichen Kosten entstanden sein dürften, ist von der Ausrichtung einer Parteientschädigung abzusehen (Art. 7 Abs. 4 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) E-3747/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 2. Juni 2014 wird aufgehoben und die S a- che im Sinne der Erwägungen an das BFM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Sarah Straub